Ur. 196. nbonncmentS'Redlngungen: Abonnements- Preis pränumerando i Licrteljährl. 3,30 OKI., moiiatl. 1,10 MI., wöchentlich 2s Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Psg. Soimtags. nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien, Dänemar!, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crfdielnt täalitl) außer montags. 36. Jahrg. Vevliner Volltsblakl. Die Tnlertlons-GebQfif Betragt für die sechsgespaltcne Kolonel« zeilc oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Kleine»n-eig-n", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummcr müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm.Adresse: „Soziatütmolirat Berlin'*. Zentralorgan der rozialdemokrattfcbcn parte! Oaitfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindenstraese 69 Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die konstitutionelle Cntivickdung in Rußland. Die russischen Machthaber haben es nach ihrem Wunsch. Bekanntlich ersehnten sie heiß die Ruhe der Gemüter im Lande. Der erwünschte Zustand ist, wenn nicht ganz, so doch fast erreicht. Sie haben es vollbracht. Nichts steht ihnen nun im Wege, ihre Tätigkeit frei zu entfalten; keine großmäulige Presse, keine auf Umsturz sinnenden Vertreter des„Pöbels". In ungestörter Ruhe kann die Hinrichtung junger Menschen- leben vor sich gehen, eine banale Alltäglichkeit im russischen Reiche. Diese lobenswerte Kühle der Gemüter tut den Macht- habern gut und sie sind jetzt eifrig bemüht, die Staatskassen zu plündern. Die gefahrdrohende Enthüllung einer kecken Senatorenrevision scheint überwunden. Auch weiß man sich mit Burzew abzufinden. Erschien da jüngst eine Erklärung der offiziösen„Rossia",„angesichts der in der letzten Zeit in der ausländischen Presse veröffentlichten Artikel des„Terro- risten" Burzew, die sich gegen die staatlichen Organe richten, sei die Erklärung unumgänglich, daß die Regierung es für unmöglich erachtet,„sich mit dieser Persönlichkeit in eine Polemik einzulassen". Die bewunderungswürdige Geiste� gegenwart der„Rossia" half aus der Verlegenheit. Nur eins ist es, was die Machthaber mit Unbehagen erfüllt, nämlich der verdrießliche Fehler des Oktobermanifestes— die Konstitution. Es handelt sich dabei beileibe nicht um die Kon- stitution im eigentlichen Sinne der Verfassung, die doch nach der beruhigenden Versicherung des Ministers Kokowzeff vor der Reichsduma in Rußland Gott sei dank nicht existiert, sondern einzig und allein um das Wort K 0 n st i t u t i 0 n. Nur deswegen sind die Staatslenker Rußlands in Be- trübnis. Es hat sich an ihnen das Sprüchwort bewahrheitet „Gott behüte mich vor meinen Freunden".(Vor den Feinden wissen sie sich selbst durch die Zensur und sonstige bewährte Mittel zu schützen.) Ihr Freund, der englische Staatsmann Edward Grey, hat eine Taktlosigkeit begangen. Seine freundschaft- liche Begrüßungsrede an den Zaren enthielt unter anderem das das Ohr des russischen Osfiziosus schmerzlich verletzende Wort Konstitution. Das Aergernis war um so größer, da man der Rede und gerade dem Wort im Auslande und teil- weise in Rußland einige Wichtigkeit beizumessen schien. Die russischen Offiziösen taten, was nur menschenmöglich war, um diesen unkorrekten Ausdruck zu vertuschen und zu be- schönigen. Ein Artikel des Kadettenführers Miljukoff gab der„Rossia" Anlaß, eine klärende Auslegung für dieses un- mögliche Fremdwort zu ersinnen. Sir Edward Grey könne unmöglich dahin mißverstanden werden, so sagte die„Rossia", daß er dem konstitutionellen Monarchen irgendwelche Ver- fassungspflichten zumutet. Herrn Miljukoff, der anderer An- ficht war, wurde von der„Rossia" bemerkt, er möge sich erst die elementaren Gesetze des logischen Denkens aneignen. Er solle doch von den Dingen lernen. Alles ist in stetigem Wechsel begriffen, in fortwährender Evolution. Was ist da erklärlicher, als daß unter den gediegeneren klimatischen Be- dingungen Rußlands der Begriff Konstitution eine ganz be- sondere EntWickelung nahm. Hinfort ist das Wort heilig ge- fprochen, nur muß der Sinn echt russisch sein.„Das Wort Konstitution ist gefährlich im Sinne fremder, unsere Geschichte Gott sei dank nicht leitender Verhältnisse", das ist nach der„Rossia" ein fester Grundsatz, der keines Beweises bedarf, weil er sich überall in der Erfahrung bewähren muß. Was Grazie haben soll, muß ungeschminkt sein. Wer könnte es sich versagen, sich an der Anmut der Rechtsphilo- sophie des Stolypinschen Osfiziosus in der„Rossia" zu er- götzen. Mögen das Kadettenblatt„Rjetsch" und die„St. Petersburger Zeitung" sich gegen diese echt russische Aus- legung des Wortes Konstitution die Finger wund schreiben. Das imponiert den Machthabern nicht und hilft den Liberalen herzlich wenig. Fiir das russische Proletariat steht es fest, daß für die nächste Zeit die Auslegung des Osfiziosus in der „Rossia" maßgebend sein wird für die Lage der Dinge. Und diese streng rechtgläubige offizielle Lehre ist diese. Der pfychologische und historische Ursprung der russischen Kon- stitution war also: Am Anfang war das Wort. Und das Wort war beim Vater aller Reußen. Väterchen hatte das Wort lieb und fein Volk ebenfalls. Da aber das Volk dem Teufel frönte und dieser seinem Handwerk gemäß sie zur Todfünde der Revolution verleitete, so sandte der allgütige Vater ihm, dem Volke, zum Heil das Wort in die Welt, welches Wort durch seinen Tod die in Sünden watenden Kindlein erlösen sollte. Nun ist auch alles dem Willen des allerhöchsten Vaters gemäß geschehen. Das Wort wurde durch den Staatsstreich vom 3. Juni und durch die dritte Duma ans Kreuz geschlagen. Das Volk wurde somit erlöst und dem Teufel ist wieder einmal sein Werk verpfuscht worden. ' Gegen diese Lehre versucht nun der Kadettenführer Milju- koff mit einer wahren Pharisäerkunst anzukämpfen. Dieser Herr Miljukoff, der so eifrig seine Scheu vor dem„roten Lappen" kundgab, als die russische Sozialdemokratie davor warnte, das zarische Manifest auch nur einen Augenblick ernst zu nehmen, versucht jetzt eine„sachliche" Auseinandersetzung mit dem Regierungsorgan. Für uns ist dieser wüste Wort- Expedition: SM. 68, �.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. streit nur insofern interessant, insoweit er ehrlichen Leuten zu dem Ihrigen verhilft. Folgenderweise schildert Miljukoff die Ereignisse, die dem Erlaß des Manifestes voraufgegangen sind: „In den höheren Sphären herrschte dann Mcinungs- Verschiedenheit. Eine Richtung war bestrebt, eine strenge Dik- tatur einzuführen und setzte alle ihre Hoffnungen auf die Verschärfung des� früheren Systems unterdrückender Maß- regeln: die andere neigte einer unumgänglich notwendig ge- wordenen konstitutionellen Reform zu, die imstande wäre, die Unzufriedenen zu beruhigen und dem Aufruhr ein Ende zu machen. Anhänger dieser letzten Richtung war auch Graf Witte. In der Audienz vom 9. Oktober legte er seine Ansichten vor, welche er darauf eingehender und erläuternd in einem Be- richt formulierte. In den nachfolgenden Tagen fanden Privat- beratungen höherer Staatsbeamter statt, wobei grundver- schiedene Auffassungen über die Erfordernisse des Augenblicks zum Ausdruck kamen. Einige waren dafür, daß zuerst die Revolution zu unterdrücken sei und alsdann seien Reformen denkbar; die anderen erachteten den Erlaß eines Manifestes für notwendig, um der Reform das Gepräge einer allerhöchsten Gewährung zu verleihen, die allgemeine Anerkennung ver- diene... Die Anhänger der Diktatur wurden gehört, sie kamen aber alle der Reihe nach davon ach die Krisis durch militärische Gewalt zu lösen. Denn wenn durch dieses Mittel sich der Aufstand in Petersburg unterdrücken ließe, so hatte man den völligen Mangel an Militärkräften im Innern Ruß- lands, da der größte Teil der Armee in der Mandschurei weilte. Außerdem war keine Möglichkeit vorhanden, durch Anwendung von Gewalt die Eisenbahnverbindungen herzu- stellen und sie zu sichern. Die Idee, ein Manifest zu erlassen, erhielt den Vorzug. Durch den Generalstreik und die damit verbundenen Unruhen waren am meisten diejenigen Staats- männer überrumpelt, die früher und später in ihrer Eigen- schaft als entschiedene Reaktionäre austraten. Diese bestanden besonders auf die Unterzeichnung des Manifestes." Also die„gewährten" Freiheiten waren erzwungen durch den Kraftaufwand des russischen Proletariats. Wenn sich Herr Miljukoff seinerzeit von der Svzialdeniokratie darüber hätte belehren lassen, daß man nicht seinen Feind zum Arzt und seinen Widersacher zum Koch machen dürfe, wäre ihm womöglich manche Erregung in dem Rechtsstreit mit der „Rossia" erspart geblieben. Jetzt muß er es erdulden, daß seine sich ausdrücklich konstitutionell bezeichnende Partei von dem Osfiziosus rundweg als mit der Konstitution im Wider- spruch stehend gekennzeichnet wird. Wie sich die Zeiten doch ändern I Der frühere Ministeraspirant Miljukoff, der mit seiner ganzen Wucht gegen die Sozialdemokratie, die Friedens- störerin der kadettischen Jllusionsschwelgerei, auftrat, muß nun der„Rossia", die das Wort Konstitution nicht mehr fürchtet und einfach die westeuropäische Auffassung der Konstitution als eines abgedrungenen Vertrages, und gar erst die Gleich- setzung des Begriffs Konstitution�mit dem des Parlamentaris- mus als antikonstitutionell erklärt, folgende Dar- legung der Verhältnisse entgegengehalten:„Der Erlaß vom 3.(17.) Oktober ist, wie aus dem Texte selbst hervorgeht, durch die außergewöhnliche' Erregung hervorgerufen worden, die sich aller Schichten der russischen Gesellschaft bemächtigte und die in dem grandiosen Generalstreik ihren Ausdruck fand, durch den die Residenz und andere wich- tige Regierungszentren von der äußersten Welt isoliert waren." Das weiß auch wohl der Offiziosus, nichtsdestoweniger ist er im Recht, daß von der Konstitution nur das tote Wort übrig blieb. Irgend welchen Sinn darin zu vermuten. heißt einfach die inneren Zustände Rußlands ignorieren. Das Proletariat, das infolge des Verrats des Bürgertums allein für die Erhaltung der Konstitution zu kämpfen hatte, wird sich nicht mehr um eine Leiche kümmern. Es wird seine Kräfte sammeln, um den Kampf gegen den Absolutismus bei gün- stigcr Gelegenheit wieder aufzunehmen. Mögen andere sich daran erlaben, das tote Wort anzubeten. Das Volk, das überall mit belebender Kraft wirkt, könnte auch hier Wunder- Wirken und den jüngsten Tag der Auferstehung der Konsti- tution herbeiführen. Unverdrossen muß die russische Sozialdemokratie ihr Werk von neuem beginnen. Dieser jüngste Tag ist nicht nur eine bloße Vertröstung und fromme Hoffnung, sondern feste Gewißheit. So gewiß, wie die Griechen nach Troja kamen, weil sie darauf zugingen. ver Riesenkampf in Schweden. Auch der heutige Montag ist für das schwedische Unternehmer- tum zu einem„blauen Montag" gewovden. Alle auch diese Woche im voraus hinausgesandten Nachrichten, der Streik würde mit dem Montag im Sande verlaufen, haben sich als ebenso trügerisch erwiesen, wie der„Nachrichtendienst" der bürger- lichen Presse zum vorigen Montag. Auch diesmal sind die Ar- beiter fest geblieben, wie folgendes Privattelcgramm zeigt: Stockholm, den 23. August. Die Hoffnung unserer Feinde auf eine größere Rückkehr der Arbeiter zur Arbeit am heutigen Montag sind vollständig fehlgeschlagen. In Gothcnburg haben sich zwar einige Hundert zur Wiederaufnahme der Arbeit ge- meldet, aber andere haben wiederum die Arbeit e i n g e st e l l t. Die Filialen des gelben Arbeiterverbandes weigern sich an mehreren Orten, den Beschluß ihres Borstandes auszuführen, Sie sind nicht geneigt, den ihnen zugemuteten Verrat zu üben. In Gothenburg, Trollhättan, Eskilstuna und Motala, also in namhaften Industriestädten, protestieren sie gegen den Borstandsbeschluß. Der oberste Leiter des Verbau- des, Herr Cedcr, erklärt nun selbst den Beschluß für„übereil t"! Die einzige Folge des vom Vorstande beabsichtigten Verrats dürfte eine Zersplitterung der gelben Organisation sein, wovon die schwedische Arbeiterklasse nur Vorteile haben könnte. Die Stockholmer Polizei hat einen neuen Schildbürgerstreich ausgeheckt. Sie sucht das neue Gesetz betreffend Besteuerung ausländischer Artisten dazu zu verwenden, unseren norwegischen Genossen Rechtsanwalt Puntervold am Reden zu verhindern. Puntrrvold soll hier in einer Bersaminlung der Ausstäudigen sprechen, wurde aber von der Polizei unter Heranziehung jenes Gesctzs daran gehindert. Die unsinnige Schikane wird keine andere Wirkung haben, als daß die Rede erst einige Tage später gehalten werden kann. Nach dem Organ der Strcikleitnng,„Svarct", werden hier 117 strcikbrcchcndc Hafenarbeiter ans Lübeck erwartet. Die Reeder wollen also die schamlosen Provokationen beim vorjähri- gen Kampfe der Hafenarbeiter wiederholen! Allgemeine Bürgerversammlungcn haben in verschiedenen Städten stattgefunden. Sie fordern das vermittelnde Eingreifen der Regierung. Der beabsichtigte Verrat der Gelben hat also nicht, wie das „Berliner Tageblatt" triumphierend prophezeite, zu einer Beseitigung„jeder Möglichkeit", den Zweck des Streiks zu erreichen, geführt, sondern zu einer wahrscheinlichen Zersplitte- rung der gelben Organisation! Blut ist eben dicker als Wasser; die in einer Sonderorganisation vereinigten Arbeiter sind nun einmal Arbeiter, die von der allgemeinen Arbeiter- solidarität mitgerissen worden sind. Der schlaue Plan des Unter- nehmertums, dem die gelbe Verbandsleitung Folge leistete, ist an der Solidarität der Arbeiterklasse gescheitert. Dieses Ergebnis er- scheint uns wichtiger als die andere Frage, ob diese wenigen Tausend im Ausstande beharren oder nicht. Denn es zeigt, daß die von den Unternehmern protegierten gelben Bündeleien in cnt- scheidenden Fragen dem Unternehmertum die Gefolgschaft ver» weigern. Die Kapitalien, die die Unternehmer in gelber Arbeiter- Zersplitterung investieren, sind demnach sehr schlecht angelegt. Darüber dürfte auch das deutsche Unternehmertum eines Tages aufgeklärt werden. 1 Erheiternd wirkt die Maßnahme der Stockholmer'Polizei gegen unseren Genosson Puntervold. Einen Advokaten, der eine politische Rede halten will, der Artistenbesteuerung zu unterwerfen, zeugt von einer recht eigenartigen Auffassung der Qualifikation der Justizbeamten, die die Stockholmer Polizei nur in Schweden bekommen haben kann. Immerhin müßte auch die Stockholmer Polizei wissen können, daß Arbeiter Versammlungen sich nicht durch Akrobatenkünste belustigen lassen, sondern daß sie sich mit ernsteren Dingen beschäftigen. Einen ganz entschiedenen Protest müssen wir gegen die An- Werbung von Streikbrechern in Deutschland erheben. Die deutsche Arbeiterschaft mutz mit allem Nachdruck dafür sorgen, daß der Zuzug von Streikbrechern nach Schweden unter- bleibt. Deutschland darf nicht in die schmähliche Situation ge- langen, als sei hier der Boden, auf dem Arbeiterverräter für das Ausland gezüchtet werden! Aber auch die deutsche Regierung sollte hier eingreifen! Das englische Handelsministerium hat sogleich beim Ausbruch des schwedischen Kampfes vor der Anwerbung von Streikbrechern in England gewarnt! Es forderte die englischen Arbeiter auf, sich für dieses schändliche Handwerk nicht anwerben zu lassen. Das ist eine Haltung, die der Würde der Nation entspricht, die aber auch internationalen Verwickelungen vorzu- beugen sucht. In einer solchen sozialen Spannung, wie sie der große Kampf in Schweden erzeugt, müssen die internationalen Streikbrechersendungen wie Sprengpulver wirken. Die bewunderns- werte Ruhe, mit der die schwedische Arbeiterklasse ihren Kampf führt, hat schließlich auch ihre Grenzen, sollten die Provokationen allzu schamlos werden. Deutschland kann kein Interesse daran haben, durch sonst arbeitsscheue Elemente, denn ehrliche deutsche Arbeiter geben sich zu Streikbrechern nicht her, in unangenehme Differenzen mit dem Ausland zu kommen. Die Haltung des englischen Handelsmini st eriums wäre daher dringend der deutschen Regierung als Beispiel zu empfehlen I Zu dem„Tarifbruch" der schwedische» Buch- d r u ck e r bemerkt der Geschäftsführer des Zentralverbandcs deutscher Industrieller, B u e ck, in der neuesten Ausgabe der „Jndustriezeitung", folgendes: Ist eine Klausel, die die Sym- pathiestreiks bezw.-Aussperrungen„wirklich in Schweden auf Ver- anlassnng oder mit Billigung der Unternehmerschaft üblich ge- worden..., dann ist das jetzige Vorgehen der schwedischen Ar- beitcrschaft, was die Sache des KontraktbrnchS anlangt, entsprechend milder zu beurteilen. In dieser Beziehung bleiben bestimmte Er- klärungen seitens des schwedischen Arbeitgebcrverbandes Wünschens- wert." Also auch von dieser Seite, die gewiß nicht im Verdacht der einseitigen Parteinahme zugunsten der Arbeiter steht, wird die sinnlose Aussperrungstaktik des schwedischen Unternehmertums in ihren Folgen abgelehnt. Herr B u e ck findet eine mildere Be- urteilung des Kontraktbruches der Arbeiter am Platze, wenn die Unternehmer durch die berühmte Aussperrungsklausel den Geist der Tarifverträge in sein Gegenteil gekehrt hat. Diese Klausel ist aber faktisch vorhanden, wovon Herr Bueck sich bereits über. zeugt hat. Die schwedischen Buchdruckereibcsitzcr sollten nicht ver-- säumen, bei der Einreichüng ihrer Klage gegen den Thpographen- verband auch diese„mildernden Umstände" mit anzuführen. Sonst wird eS Wohl von Arbeiterseite geschehen. � Die schwedische Dlegfcrung hat nun vollends ihr arbeite»- feindliches Gesicht entschleiert.' Nach einer Wolff-Depesche fordert sie die Unternehmer auf, den Behörden'die zum Schutze der Ar- beitswilligen getroffenen oder notwendigen Mastnahmen mit- zuteilen.„Die StaatSregierung wünscht," berichtet Wolff,„dgß alles getan wird, um der Forderung der Ar- beitswilligen nach Arbeit gerecht zu werden." Von Maßnahmen zum Schutze der Ausständigen gegen schändliche Provokationen hört man indes nichts! Die Regierung treibt ein gefährliches Spiel! Der Premierminister Lindmann ist zwar selbst ein Großindustrieller, obgleich zurzeit a. D., aber als Chef der Staaksregierung dürfte er sich eigentlich nicht ganz so ungeniert als der Büttel des Unter- nehmertums zeigen! Diesem Handwerk liegt die schwedische Regierung übrigens auch in einer offiziellen Darstellung des„Generalstreiks in Schweden, seine Voraussetzungen und seine EntWickelung", ob, die soeben in deutscher Sprache an die Presse und sonstigen Jnter- essenten versandt wird. ES handelt sich um einen Artikel des offiziellen Staatsorgans, der aber in der deutschen Uebersetzung „ergänzt" worden ist. Diese Ergänzungen hat man sich an- scheinend in Schweden nicht zu publizieren getraut. Wir haben selten ein so tölpelhaftes Pamphlet gelesen, wie die mit dem offiziellen Stempel versehene Ehrenrettung des schwedischen Unternehmertums. Die nationalökonomische Weisheit, die darin verzapft wird, bestätigt ausgezeichnet unsere erste Darstellung einiger der Gründe, die der EntWickelung des schwedischen Er- werbSlebens bisher entgegenstanden. In einer der nächsten Nummern des„Vorwärts" werden wir den offiziellen Seil- tänzern Schwedens die Leine spannen. Das„Berliner Cagcblatt" als flnltandsdame. In der Sonnabendausgabc des„Vorwärts" hatten wir die sonderbare Berichterstattung des„Berliner Tage- b l a t t" über den allgemeinen Ausstand in Schweden nach Gebühr gekennzeichnet. Wir nannten das Kind beim >, rechten" Namen, indem wir schrieben, das„Berliner Tage- blatt" habe seine Leser über den schwedischen Ausstand in un- verantwortlicher Weise beschwindelt. Jetzt erklärt das „Tageblatt", wir hätten den gleichen„lümmelhaften" Ton an- geschlagen, der unsere Partei 36 Mandate gekostet hätte(!), und zwar zu dem Zwecke, vor dem„Leipziger Parteitag" gegenüber dem„ausgehungerten" Bernstein den Nachweis zu führen, daß das„Berliner Tageblatt" zu jenen Blättern zu rechnen sei, die unsere Partei gehässig und hämisch angreifen. So einfach liegt die Sache nun doch nicht. Der„Vor- wärts" hätte sicherlich keine Ursache, es zu bedauern, wenn e i n großes bürgerliches Blatt wenigstens unsere Partei mit anständigen Mitteln bekämpfen würde. Und noch weniger wiirde er in diesem Falle ein solches Blatt aus so niedrigen Motiven, wie das„Berliner Tageblatt" uns unterschieben möchte, seinen Lesern gegenüber verdächtigen. Die tendenziöse Unterstellung des„Berliner Tageblatt" verfällt also von vorn- herein dem Fluche der Lächerlichkeit. Aber vielleicht genügt das dem„Berliner Tageblatt" noch nicht. Vielmehr dürfte es die„Tageblatt"«Rcdaktion interessieren, zu hören, wie die schwedische Streikleitung über die Berichterstattung des„Tageblatt" urteilt. Unseren schwedischen Genossen wird es daS„Tageblatt" ganz gewiß nicht unterstellen wollen, daß sie ein Interesse an der Aushungerung des Genossen Bernstein hätten. Das offizielle Organ der schwedischen Streikleitung„S v a r e t" beschäf- tigte sich bereits in seiner ersten Ausgabe(Nr. 1 vom 10, August) mit der Berichterstattung des„Berliner Tage- blatt" recht eingehend. An einer Stelle wird die Bericht- erstattung der„Daily News" der des„Tageblatt" folgendermaßen gegenübergestellt: „Während das deutsche Kapitalistenorgan„Berliner Tageblatt" sein bestes tut. um den jetzt in Schweden rasen- den Kampf in einer schiefen und für die Arbeiter möglichst ungünstigen Weise darzustellen, lesen wir in der großen freisinnigen englischen Zeitung„Daily News" folgendes, das in dem größten Kontrast ficht zu den Verdreh««- gen und Schwarzmalereien des liberalen deutschen Blatte?: (folgen die Ausführungen der„Daily RewS"). An anderer Stelle der gleichen Nummer des„Svaret" wird sodann unter der Rubrik:„Irreführende Berichte" nachgewiesen, wie das„Tageblatt" seine Leser über den schwedischen Kampf informiert. Wir lassen den be- treffenden Artikel im Auszuge hier folgen, weil er recht charakteristisch ist für die Berichterstattung der deutschen bürgerlichen Presse im allgemeinen, von einer oder zwei Aus- nahmen abgesehen. Der Artikel des„Svaret" lautet im wesentlichen: � „Der„Sozialdemokraten" hat bereits erwähnt, daß die d e u t s ch e Ka p i t a l i st e n p r e s s e sich Telegramme über den Großstreik in Schweden senden läßt, wonach der Streik miß- l u n g en sein soll usw. Im Chore oieser Preßstimmen hört man auch die Stimme des sonst angesehenen„Berliner Tage- b l a t t". Diese Zeitung, von der man besseres hätte erwarten können, läßt sich von ihrem Korrespondenten in Stockholm Spalten von lügenhaften und verdrehten Darstellungen des Streiks telegraphieren. Wir wollen als Beispiel nur einige Aus- züge aus einem langen Telegramme vom Freitagabend an» führen." Es wird sodpnn aus dem Telegramm nachgewiesen, wie der Stockholmer Tageblattkorrespondent charakteristisch wird durch das. was er nicht sagt, und durch das Wie seiner Bericht- erstattung. Die ersten Tage seien„ziemlich ruhig" ver- lausen, aber jetzt belierrsche eine„dumvfe A'ngst die Massen". Was die Unruhe steigert, seien die von allen Seiten geglaubten Mitteilungen, daß die RevoMr in den Stockholmer Waffenhandlungcn ausverkauft seien.„Daß es die bürgerliche Klasse ist, die die Revolver gekauft hat, hütet sich das Blatt mitzuteilen. Die Leser sollen den Eindruck bekommen, daß die st reckenden Arbeiter sich bewaffnet haben» um Krawalle herbeizuführen." Das„Tage- blatt" preist sodann als«einzigen glücklichen Umstand" das Alkoholverbot, erzählt aber„natürlich nicht, daß es die Arbeiterselb st waren, die dieses Verbot gefordert haben. Nein, die Leser des Blattes unter den zufriedenen Spieß- bürgern sollen glauben, daß diese Maßnahme gegen den WillenderArbeiter getroffen sei, damit die streikenden Massen nicht bald in betrunkene, zu allen Untaten bereite Pöbelhaufen verwandelt werden". „Im selben Stile macht das Blatt den Auftritt in Nor- berg zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen den Streikenden und dem Militär. Demnach kann es nicht ver- Mndern. wenn das Blatt ernste Unruhen prophezeit, falls die kommunalen Arbeiter'(Gaswerksarbeiter)' in den Streik treten." „In dieser Weise setzt der Wahrheitszeuge des„Berliner Tageblatt" die Stinunungsmache in einem Telegramm von nahezu einer Spalte fort. Würden die deutschen Arbeiter nur die bürgerlichen Zeitungen lesen, so mußten sie bald die Auf fassung bekommen, als ob die Hunderttausende schwedischer Arbeiter, deren ruhiger und zielbewußter Kampf die Be- wmiderung aller Unparteiischen erweckt hat. Banden von zu nahezu allen Untaten bereiten Räubern und Banditen wären. Glücklicherweise gibt es aber auch ehrliche Zeitungen in Deutschland, die die flegelhaften Schreibereien im„Berliner Tageblatt" und anderen Kapitalistenorganen aufdecken wollen und können." Zu dieser wohlverdienten Züchtigung hat das „Berliner Tageblatt" bis heute geschwiegen! Es hat sich in der Zwischenzeit auch einige halbwegs objektiv ge haltene Nachrichten senden lassen, im großen und ganzen ist es aber bei der vom„Svaret" gekennzeichneten Bericht- erstattung geblieben. Ja, in seiner Sonntagsnnmmer erklärt es wieder einmal mit edler Unverfrorenheit den Generalstreik für rettungslos verloren! Damit überlassen wir es der Oeffentlichkeit, darüber zu urteilen, wer„'lümmelhafter" ist: die Anstandsdame, die in einem großen Kampfe in scheinbar zwar sachlichem Ton tendenziös zuungunsten der einen Partei ihre Leser irreführt, oder der, der diese Art Berichterstattung als das kennzeichnet, was sie ist: als unverantwortlichen Schwindel! politifcbe deberfobt. Berlin, den 23. August 1909. Eine objektive Würdigung! Das„Verl. Tageblatt" kann es offenbar nicht verwinden, daß eL auf der gestrigen Generalversammlung Groß-Berlins nicht so gekommen ist, wie es sich das in seiner Ahnungslosigkeit ausgemalt hatte: zu einer«moralischen Ver- nichtung" der brutalen Gesellen, die den armen Genossen Bernstein„aushungern" wollten. Unter dem zwar sehr meto- dramatischen, aber noch sehr viel abgeschmackteren Titel: „Der Geächtete" ergeht sich das Mosse-Blatt in folgenden Betrachtungen über den Verlauf der Generalversammlung: Der Parteitag von Leipzig wirft seine Schatten voraus. Man würde der gestrigen Generalversammlung der Berliner Sozialdemokratie etwas zu viel Ehre erweisen, wollte man sie als die Ouvertüre zum Parteitag ansprechen. Gestern sind nur, sozusagen, die Jnstruniente gestimmt worden. Trotzdem erklangen aus dem Tohuwabohu schon ein paar interessante Klänge. Man erfuhr unter anderem die erschreckliche Tatsache, daß im Allerheiligsten der»radikalen Richtung", in der.Vorwärts"- Druckerei, zwei Dutzend Setzer beschäftigt werden, die nicht politisch organisiert, also doch wohl nicht zweifelsfreie Vollblutsozial- demokraten sind. Man erfuhr, daß bei den bevorstehenden Berliner LandtagScrsatzwahlen die Parteileitung abermals mit allen Mitteln kämpfen will, und man erfuhr endlich, daß der Mannheimer Parteitag von 1906, aus dem bekanntlich ein Präliminarfrieden zwischen der Partei und den Gewerkschaften geschlossen wurde, hier in Berlin noch immer nicht die rechten Fruchte tragen will: in der Reichshauptstadt sind eine viertel Million Arbeiter gewerkschaftlich, aber nur 85 000 politisch organisiert I Bor allem anderen aber mußte gestern das Auftreten Eduard Bern st eins interessieren, gegen den seit sechs Tagen die ganze Meute der Parteileidenschaft los- gelassen ist.... Der„VorwärtS'-Redakteur Ströbel war es, der in der gestrigen Versammlung die große Frage de»„Block» der Linken" anschnitt. Er untersucht die Möglichkeit. aber er kommt sehr bald zu dem Schluß, ein solcher Block sei nur eine Illusion. Die Freisinnigen seien Gegner etneS demo- lratischen Wahlrechts— woher in aller Welt weiß das der brave Herr Ströbel?— und für ein Bündnis komme daher höchstens noch die Demokratische Vereinigung in Betracht! nur sei auch diese noch zu jung und zu schwach. Vielleicht hätte Bernstein auf solche, etwa» verworrene Rede nicht einmal geantwortet, hätte nicht Ströbel zum Schluß den»Jllu- siontsten" Bernstein in optima forma provoziert und denunziert, mit seiner»ernsten Mahnung an die schriftstellernden Partei« genossen", von ihren„Quertreibereien" zu lassen. Bernstein beschränkte sich gestern darauf, in klugen und sympathischen Worten poch einmal vor der sinn- und zwecklosen Uebertreibung der Gegensätze zwischen Frei- sinn und Sozialdemokratie zu warnen. Bei dem Kampfe gegen daß preußische Wahlrecht handle es sich ganz zweifellos um gemeins a m e Interessen der Arbeiterschafr und des Bürger- tum». Aber selbst für diese doch unbestreitbare Tatsache scheint man in der Sozialdemokratie kein Ohr mehr zu haben. Man ließ Bernstein gestern kaum zu Ende sprechen: Schluß- und Zwischenrufe, lauter und immer lauterer Widerspruch war das Echo, das er fand. Man er- innert sich ganz unwillkürlich an die ZirluSversammlung, in der die Steuer« und Wi rt s ch a ftS r e f o rmer an Adolf Wagner, nur moralisch natürlich, Faustrecht übten. Wie konnte damals der.Vorwärt»" so tapser schmälen! Wir wissen nicht, ob es nicht nur ein geschickte« Manöver war, daß der Zehngebote-Hoffmann sofort nach der Bernsteinschen Rede die Diskussion und die Versammlung vertagen ließ; aber auch ohne diese Diskussion war es nicht zu bezweifeln, daß Eduard Bernstein mit seinen Anschauungen, in diesem Kreise jedenfalls, allein steht----* Wir glauben die Wirkung dieses wunderbaren Ergus es auf die Teilnehmer der Generalversammlung und die Leser unseres Berichts darüber auch nicht durch die kleinste An« merkung abschwächen zu sollen! Zum Fall Munter. Soeben hat sich der Dortmunder»Arbeiterzeitung" ein neuer Zeuge zur Verfügung gestellt, ein zurzeit auswärtswohnender Handwerksmeister, dessen Bekundigungen vom allergrößten Wert setz, werden für das vom Verteidiger Schröders, Rechtsanwalt Dr. Ni?- meyer beantragte Wiederaufnahmeverfahren. Der Mann hat an die Dortmunder»Arbeiterzeitung" folgenden Brief gerichtet: „Nachdem ich soeben in einer hiesigen Zeitung gelesen, daß das Wiederaufnahmeverfahren in Sachen Schröder, Meyer und Genossen beantragt ist. stell« i ch mich Ihnen als Zxuge zur Verfügung. Ich habe damals in Herne in Arbeit gestanden und war m©aucfmi in der Versammlung anwesend. Ich habe den Vorfall aus allernächster Entfernung, indem ich der Saal- türgegenübe« sah, mit beobachtet. Als seinerzeit die Verhandlung vor dem Schwurgericht statifand, war ich in Marienbad in Böhmen in Stellung. Ich habe dann erst später erfahren, weshalb Schröder und Meyer verurteilt worden sind. Mich hielt damals die Furcht, auch ins Zuchthaus zukommen, davon ab, niich zu stellen. Aber jetzt, wenn der Fall nochmals zur Verhandlung kommen sollte, drängt mich mein moralisches Ehrgefühl, der Wahrheit zu helfen, daß sie an« Licht kommt. Denn ich habe genau ge- sehen, wie Schräder vom Gendarm Münter in» Genick gestoßen wurde und alsSchröder sich halb aufgerichtet hatte, nochmals einenStoß erhielt. Die ganzen Vorgänge kann ich heute noch so genau angeben, wie vor 14 Jahren." Aus begreiflichen Gründen nannte die.Arbeiterzeitung" den Namen und den Wohnort des neuen Zeugen vorläufig ist, sie hat ober den sehr wichtigen Brief dem Genossen Schröder zur weiteren Veranlassung sofort zur Verfügung gestellt. Tie Kandidatur in Landsberg-Soldin. Die liberalen Parteien in Landsberg-Soldin haben sich fßr die bevorstehende Reichstags-Ersatzivahl nun doch noch-ms einen ge- meinsamen Kandidaten geeinigt. Es ist dies der Gutsbesitzer Schüppe, der sich verpflichtet hat. im Falle seiner Wahl keiner Fraktion beizutreten, sondern parteilos zu bleiben. Ob liberal oder parteilos, daß ist schließlich ganz gleich; aber es ist bezeichnend für den Geist der Brüderlichkeit, der unter den Liberalen herrscht. Man gönnt sich gegenseitig das Mandat nicht und verpflichtet nun den gemeinsamen Kandidaten, sich keiner Partei anzuschließen. Ehe der gemeinsame Kandidat parteilos wurde, ist er freisinnig geloesen. Miinchen-Gladbach gegen München-Gladbach. Die„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung", die ehedem für Reichsvermögens, und Erbschaftssteuer schwärmte und ent- rüstete Artikel gegen die Vermehrung der indirekten Steuern brachte, sieht sich jetzt, nachdem das Zentrum als Teilhaber des Schnapsblocks dem Volke 365 Millionen indirekte Steuern aufgehalst hat, in die erhebende Lage versetzt, zu preisen, was sie vorher verdammt, und zu verdammen, was sie vorher gepriesen hat. In seiner letzten Nummer räsoniert das Blatt über die sozialdemokrattsche Presse, die sich an- dauernd über die„Belastung der breiten Masse", die„Scho- nung der Besitzenden" und die„Auswucherung des Pro- letariats" ereifere. Besonders wendet sich das Blatt gegen zwei„Vorurteile": L daß die indirekten Steuern so gut wie ausschließlich aus den Taschen des weniger bemittelten Volkes stammen: 2. daß die Steuern auf den Massenverbrauch bei weitem den größten Teil aller Ausgaben darstellen. Um das letztere„Vorurteil" zu widerlegen, weist das Blatt hin auf die in den Einzelstaaten und Gemeinden er- hobenen direkten Steuern, die zum weitaus größten Teil von den leistungsfähigen Schultern getragen würden, also im wesentlichen Besitzsteuern seien. Nach der neuesten in M.-Gladbach gültigen Steuerpolitik hat es der deutjche Ar- beiter wohl gar als ein Glück zu empfinden, daß er nur die Lasten deS Reiches und nicht auch noch ausschließlich die der Bundesstaaten und Gemeinden zu tragen hat. Aber abge- sehen von diesem Muster„ausgleichender Gerechtigkeit", wie ist es denn mit dem„Vorurteil", daß die indirekten Steuern so gut wie ausschließlich die Massen belasten? In M.-Gladvach, verlegt und gedruckt an derselben Stelle wie die„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung", erschewt eine Monatsschrift„Soziale Kultur", redigiert von Pro- fessor Hitze und Dr. Hohn, Direktor des Katholischen Volksvereins. Im Oktoberheft des Jabres 1905 findet sich in dieser Zeitschrift ein Arfikel über„Steuerwesenund Steuerpoliti k", der den in Zentrumskreisen nicht ganz unbekannten Abgeordneten Mathias Erzberger zum Verfasser hat. In diesem Artikel werden zunächst die Kosten der Heeres-, Flotten- und Weltpolitik berechnet, die nach Erzberger im Jahre 1904 rund eine Milliarde ausmachten. Dann heißt es: „Davon entfallen rund 700 Millionen jährlich auf un- entbehrliche NahrungS-, Genuß, und Ge- brauchsmittel der besitzlosen b rei t e n Ma s s e n, durch welche diese ganz außer Verhältnis zu ihrem Einkommen belastet werden, während der wohl- habendere Teil der Bevölkerung im Verhältnis zu seinem Besitz und Einkommen nur sehr wenig zu den Be- djirf nissen des Reiches beiträgt I... Da direkte Steuern vom Reiche nicht erhoben werden, so kann man mit Recht sagen: alle diese Militär-, Ma- rine-. PensionS- und Weltpolitillasteu des Reiches werden nicht von den Besitzenden, von den Millionären, Kommerzienräten. Großgrundbesitzern und Großindustriellen aufgebracht, sondern von der breiten Masse des arbeitenden, im harten Kampfe um seine Existenz ringenden Volke»." So lieh M.-Gladbach durch den Mund des Abgeordneten Erzberger im Jahre 1905 verkünden. Vier Jahre daraus müssen sich zur höheren Ehre des Zentrums dessen M.-Glad- bacher Handlanger im Schweiße ihres Angesichts um den Nachweis bemühen, daß das Gegenteil zutrifft, daß nämlich die indirekten Steuern durchaus nicht vorwiegend aus der Tasche der besitzlosen Masse stammen! Und nun das zweite„Vorurteil", um dessen Widerlegung die„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung" sich in der Glut dec Hundstage bemühen muß. Wie das Blatt herausbringt, kommen von allen gezahlten Steuern nur zwei Fünftel ans das Reich und drei Fünftel auf die Bundesstaaten und Gl- meinden. und die hier gezahlten direkten Steuern fallen vor- wiegend den Besitzenden zur Last. Hören wir auch hier wieder, was die„Soziale Kultur", herausgegeben von den beiden Volksvereinsmännern Hitze und Hohn, sagt: Erzberger berechnet auf den Kopf der Bevölkerung an Reichssteuern 18,56 M., an Landessteuem 11,22 M., darunter 3,10 M. indirekte Steuern, so daß an direkten Steuern bleiben 8,12 M.. wozu Erzberger bemerkt: „Die indirekten Steuern in Reich und Bundesstaaten he- tragen pro Kopf LIM M., während die direkten Steuern nur 8,12 M. ausmachen, d. h. die indirekten Steuern betragen etwa 250 Prozent der Staats steuern." So M.-Gladbach im Jahre 1905. Erzberger berechnet mm auch noch die direkten Stenern für Gemeinde. Provinz, Schule und Kirche und kommt zu folgendem Gesamtergebnis! „Direkte Steuern: 17,52 M., indirekte Steuern L4M M. pro Kopf. Die Gesamtbelastung durch indirekte Steuern ist höher als die durch die direkten Steuern!" Heute beweist M.-Gladbach das Gegenteil. Die ge- wandten Herren können schreiben recht», sie können schreiben links— j« nachdem wie das allmächtige Zentrum körn- mandiert.__ Unglaubliche Verschwendung öffentlicher Gelder. Zur Zeit, wo den Arbeitern der letzte Pfennig durch indirekte Steuern abgepreßt wird, kommt die fast wie ein Hohn auf die Reichsfinanzreform anmutend« Nachricht, daß für den«in- stündigen Kaiserempfang auf der Hohensybnrg nicht weniger als 700 000 Mark vergeudet worden sind. Man sollte so etwas nicht für möglich halten, und selbst ein so loyale» Blättchen wie der»Iserlohner Kreisanzeiger", dem wir die Nachricht entnehmen, schreibt dazu: .Uns bünlt die Summe, nn der einstllndlgsn NufenthaltSzeit gemessen, enorm hoch, und die Huldigung der Märker wäre mit weniger Hunderttausenden ebenso iiberwältigend gewesen." Die Beobachtung des preußischen Preßgesehes. Der Berliner Gastwirt Genosse Krßrter, ist vom Landgericht Und vom Kammergericht auf Grund des preußischen Preßgcsctzes vom IS. Mai 1851 verurteilt worden, weil er an seinem Schau- fcnster ein Plakat— nämlich die Landiagswählerliste— ange- schlagen hatte, das einen andern Inhalt hatte, als Ankündigungen über gesetzlich nicht verbotene Versammlungen, über öffentliche Vergnügungen, gestohlene, gefundene oder verlorene Sachen, oder über Verkäufe und andere Nachrichten für den gewerblichen Vcr- kehr. Arbnllch erging es vor einiger Zeit einem Friseur, der in seinem Schaufenster ein Plakat angebracht hatte, in dem Formulare für Anmeldung des Austritts aus der Landeskirche angeboten, so- gar gegen Bezahlung angeboten wurden. Auch gegen ihn wurde Anklage auf Grund des Preßgesetzes erhoben und er mit Strafe belegt. Andrerseits kann doch kein Zweifel darüber bestehen, daß es der Polizeibehörde und der Staatsanwaltschaft bekannt ist, daß jeden Tag in den Schaufenstern der Expeditionen und der zahl- reichen Filialexpcditionen gewisser Berliner Tageblätter eine Reihe von Plakaten angeschlagen werden, deren Inhalt auch weder Ver- sammlungen noch Vergnügungen, noch gestohlene oder verlorene Sachen, noch andere Nachrichten für den gewerblichen Verkehr be- treffen, sondern nur kurze Mitteilungen über die neuesten Ereig- niße enthalten. Und doch hört man nun, daß gegen eine dieser Erpeditionen eine Anklage auf Grund des preußischen Preß- gesetzes vom 12. Mai 1851 erhoben worden wäre. Die Bestimmungen dieses Prcßgesetzes gelten doch wohl nicht nur für die Sozialdemokraten, sondern für jedermann. Gegen den Hansabund nahm am Sonntag der über ganz Deutschland verbreitete Bund der Handwerker Stellung. In einer Sitzung des erweiterten Ge- samtvorstandes wurde folgende Resolution angenommen: „Der B. d. H. stellt fest, daß der Harsabund auf keinen Fall sich als eine Vertretung des Handwerkerstandes betrachten kann und daß diejenigen Handwerker, die dem Hansabund Gefolgschaft leisten, nicht berechtigt sind, sich als Vertreter des deutschen Handwerks zu bezeichnen. Ganz besonders erhebt der B. d. H. Einspruch gegen das Auftreten des Ehrenobermeisters Nicht und versichert, keineswegs zu jenen 300 000 Handwerkern zu gehären, die Herr Nicht dem Hcmsabunde zuführen wollte. Die im B. d. H. vereinigten vielen Tausende von deutschen Handwerkern warnen ihre Berufsgenosscn, den Lockrufen der Warcnhäusler, Großbankiers, Großindustriellen usw. Folge zu leisten. Ebenso spricht der B. d. H. seine Verwunderung darüber aus. daß der Berliner Jnnungsausschuß seinen Beitritt zum Hansabunde voll. zogen hat, womit der JnnungSauSschuß eine ungesetzlich« Hand. lung begangen, die umgehend durch Austritt aus dem Hansa- bunse gutzumachen ist." Kreta. Die Lage ist andauernd friedlich. Ter türkische Ministerrat beschloß am Sonntag, die griechische Antwortnote als befriedigend an- zunehmen und beschäftigte sich sodann in langer Beratung nnt der letzten Kollektivnote der Schutzmächte, ohne jedoch hierüber einen Beschluß zu fassen. Nach Athener Depeschen aus Zanea übermittelte die Regierung Kretas den Konsuln der Schutzmächte eine geschriebene Erklärung, in der die Aufrecht- er Haltung des statu» guo verbürgt wird, damit die internationalen Truppen wieder eingeschifft werden können. Das zweite russische Stationsschiff hat die kretischen Gewässer berests wieder verlassen._ Schweiz. .Der deutsch-schweizerische Mehlzollkonflikt. Bern, 20. August.(Cig. Ber.) In Sachen des d e u t s ch- schweizerischen M e h l z o l l k o n f l i k t s hat der hiesige deutsche Gesandte dem Bundesrat eine Note mitgeteilt, in der es vi. a. heißt:„Die deutsche Negierung wollte damit(mit der Reduktion der Ausfuhrvergütung von 8,80 auf 8,25 M. pro 100 5iilo- gramm Weizenmehl) der Schweiz einen Beweis ihres guten Willens geben und den Ntehlzollkonflikt aus der Welt schaffen.. Die kaiser- lichc Negierung hegt die Erwartung, daß dieses Entgegenkommen in der Schweiz gewürdigt wird und der Mehlzolltonflikt nunmehr auch schweizerischerscits mindestens für die Dauer des Handelsvertrages als erledigt angesehen wird. Ueber den angegebenen Betrag hinaus- zugehen, ist der kaiserlichen Negierung nach den angestellten ein- gehenden Ermittelungen nicht möglich." Dazu wird aus dem BundesratShause gemeldet, daß der Bundesrat zu der deutschen Note zwar noch nicht Stellung genommen hat, daß er aber kaum geneigt sein dürfte, sich mit dieser Art Revision der Einfuhrschein- ordnung zufrieden zu geben, da er größeres Entgegenkommen er- wartete. Es wird angenommen, daß der Bundesrat auf seinem Vorschlage betreffend die Einsetzung eines Schiedsgerichts beharren werde. fpankreich. Ein Dynamitattentat. Paris, den 23. August. Wie de r„Matin" aus Vigneux meldet, sprengten gestern Unbekannte mittels Dynamit eine große Baggermaschine in die Luft. Der Schaden ist bedeutend. Unter der Bevölkerung brach eine große Panik aus. Das Verbrechen wird auf Anarchisten(?) zurückgeführt, ttelche bereits bei den vorjährigen Unruhen beiteiligt waren. Italien. Spitzelinteniationale. Der liberale russische Schriftsteller A m p h i t e a tr o f f, der zu- sammen mit unserem alten, durch die Amnestie der ersten Duma aus 22jährig«r Kerkerhaft befreiten Genossen L o p a t i n ein Land- Haus in der Nähe von Genua belvohnt, hat sich bei dem Minister- Präsidenten Besch wert wegen des unverschämten Ein- dringenS der Polizei in leine Wohnung. In seiner Ab- Wesenheit waren Polizisten da, forschten das Hauspersonal aus und verrieten dabei, datz sie von Telegrammen, die an A. gerichtet ivaren, Kenntnis hatten. A., der. mit allen Papieren anS- gestattet, ruhig seinen Arbeiten lebt, fordert Abstellung solcher Un- gesetzlichkeiten und Unverschämtheiten. Und �Tempo" ivarnt die in Italien lebenden Russen, sich auf das italienische Postgeheimni« zu verlassen.„Wenn der gar nicht kommen sollt«, der Zarismus ist schon da," sagt er richtig, Bioher hat das ilalienische Volk in diesen Dingen ein feines Ehrgefühl bewiesen. Wird es sich gefallen lassen, sei« Land aus die Stufe Preußens herabgedrückt zu sehen?— Rußland. Tolstois Sekretär verhaftet. Nach einem Telegramm der„Njetsch" aus Tu lg vorn 80. August wurde dort der Sekretär Leo Tolstois. G u s s e w. ver- haftet. Er wird administrativ«ach Perm verbannt. Er wird beschuldigt, unter den Bauern regierungsfeind. liche Xolstoische Broschüren verbreitet zu haben. Cllrhel. Die kritische Lage in Albanien. Uestüb, dm 28. August. Die Zahl der Alban esen, die sich vei Verifsovitz versammelt haben, beträgt etwa 3000 und eS strömen täglich weitere hinzu. Es sind noch zwei Bataillone nach Berissovitz unterwegs. Die Forderungen der Albanesen sind V er» I Weigerungen aller Steuern mit Ausnahme der Zehnten, Absetzung der Regierung und Nichtzulassung der Christen zum Heeresdienst. Die Lage in Jemen. Die Konstantinopeler Zeitung„Sabah" berichtet über einen Sieg türkischer Truppen über die Aufständischen in Siemen, die große Verluste erlitten haben sollen.. Mrokko. Weitere 25 OVO Mann erforderlich. Die Lage der spanischeu Truppen in Melilla Ivird von den Be- richterstattern englischer Blätter, vornehmlich des„Daily Telegraph", als äußerst ungünstig geschildert. Seit fast vier Wochen liegen die spanischen Truppen untätig hinter den Wällen, ohne die Möglichkeit eines größeren Vorstoßes zu haben; denn zum Schutz der Be- festigungen der Wagenkolonnen usio. sind 10 000 bis 17 000 Mann erforderlich, so daß kaum 10 000 Mann für den Bormarsch in das Bergland der Kabhlen übrig bleiben: eine Zahl, die bei weitem nicht ausreicht. Ueberhaupt, so behauptet ber Berichterstatter des „Daily Telegraph", fei ein Vorstoß zu Lande unmöglich, so lange der 3000 Fuß hohe Gurugu-Berg in den Händen der Nif- kabhlen sei. Der Angriff müsse deshalb von der See aus erfolgen, und zu solchen Ivären außer dem Geschwader mindestens 25 000 Mann erforderlich. Spanien lvürde also eine Armee von 50000 Mann brauchen, nur um ein unfruchtbares, heißes, bergiges Land von seinen kriegerischen Bewohnern zu säubern, die sich sofort im Süden konzentrieren und dem spanischen Heer den Vormarsch in jene bergigen Wüsteneien sicher mit Erfolg wehren würden. Dazu kommt, daß die maurischen Häuptlinge, die bisher zu Spanien hielten, abfallen. Nachdem Abu Mistan und El Chaldy schon zu Anfang der Wirren ihre Gesinnung geändert haben, sind jetzt auch noch Misian Belhach aus Frajana und Abb el Kader aus Beni-Sikar untreu geworden. Das spanische Volk wird also noch schwer zu tragen haben an der Lüsternheit seiner Großkapitalisten auf die im Nifgebiet liegenden Minen._ Hus der partei DaS anständige bürgerliche Blatt. Die Magdeburger„Volks st imme' und die„ F r ä n- kische Tagespost"(Nürnberg) bemühen sich in der Verteidigung Bernsteins um den Nachweis, daß das„Berliner Tageblatt' an der Sozialdemokratie keine gehässige oder hämische Kritik übt. Die agdeburger„VolkSstimme' schreibt dabei: Ist es doch in neuester Zeit fast das einzige bürgerliche Blatt Deutschlands, das dem schwedischen Generalstreik sympathisch gegenübersteht und im allgemeinen zuverlässige Berichte über ihn bringt. Dieser Beweisversuch ist sehr unglücklich. Denn gerade in der SonntagSnummer schreibt daS„Berliner Tageblatt" über den Streik: Gleich dem Streit um Kreta neigt sich nun auch der große wirtschaftliche Kampf im Norden, der Generalstreik in Schweden seinem End« zu. Der Eisenbahnerstreik, von dem schließlich das Gelingen der ganzen Bewegung abhing, hat sich nicht ver- wirklichen lassen, die Taktik der Führer, den„Großstreik", wie sie es dort nennen, nicht mit einem Schlage, sondern etappenweise zu inszeniere», hat versagt, die Mittel der Arbeiter sind erschöpft, dte llntrr- stühung des Auslandes ist ausgeblieben, der Sieg der finanziell glänzend gerüsteten Arbeitgeber- verbände über die Arbeiter m äffen kann nur noch eine Frage weniger Tage sein. Wie unwahr das ist, geht aus unseren Berichten in dieser Nummer hervor. Es zeigt sich hier wieder einmal, daß selbst die anständigeren bürgerlichen Blätter ihre Anständigkeit sofort fahren lassen, wenn große Kämpfe zwischen Proletariat und Bourgeosie ausbrechen. Dann wird schließlich stets das Spiel der Unter- nehmer gespielt, und sei es mit der Wahrheit auch noch so schlecht verträglich. Im übrigen meint die tolerante„Magdeburger VolkSstimme": „... Eine gelegentliche Polemik gegen den„Vorwärts" ist noch lange keine„gehässige und hämische Kritik" der Partei als Ganzes.. Wenn das Magdeburger Parteiblatt unsere Bemerkungen zur Sache richtig gelesen hätte, so würde es wissen, daß wir dem„Ber- liner Tageblatt" nicht seine gehässigen Angriffe auf den„Vor- wärts", sondern seine hämische Kritik der Partei selber angekreidet haben.— Nebenbei: wenn der„Vorwärts" den kapitalistischen Blättern, mit denen die„Magdeburger Volksstimme" sich gelegent- lich herumschlagen muß, Zeugnisse auf Wohlverhalten ausstellte und ihnen versicherte, eine„gelegentliche Polemik" gegen die ..Volksstimme" sei gar kein Angriff auf die Sozialdemokratie— wir möchten einmal sehen, was die„Magdeburger Volksstimme" zu solcher Bekundung parteigenössischer Solidarität sagte! Die Erklärung des Genossen Bernstein ist, wie wir vorausgesehen haben, von der bürgerlichen Presse als eine Bestätigung aufgefaßt, daß innerhalb der Sozialdemokratie Gelüste ausgehen, ihn auszuhungern. So schreiben zum Beispiel die„Berliner Neuesten Nachrichten": „Wo sitzt denn aber die nicht nennenswerte Gruppe, die den armen Bernstein so gerne mit der Hungerpeitsche bearbeiten möchte. Warum verschweigt Bernstein dies so schamhaft? Er wird doch sonst so deutlich...." Wir meinen auch, es wäre besser, wenn er deutlicher würdet Die..Vossische Zeitung" sagt:„Eduard Bernstein be- stätigt indirekt, daß der Persuch gemacht wird, ihn einer Hungerkur zu unterziehen.,.__ Zum Parteitag. Auf der Generalversammlung der Organisation des Wahl- kreises Vrandenburg-Westhavelland, die am Sonntag in R a t h e- now tagte referierte Genosse Baron über die Aufgaben des Parteitags.' Er trat für die Liebknechtsche Protestresolution gegen den Zarismus, für Förderung der Jugendbewegung, Festhalten an der bisherigen Forur der Maifeier ein und verlangt eine Kund- gebung des Parteitags zugunsten des Schnapsboykotts.— Zur Frage der Hofgängerej erwartet er eine bündigs und energische Stellungnahme. Zu Parteitagsdelegierten wurden die Genossen Baron und P e u s gewählt. Der Lübecker Sozialdemokratische Verein beschloß nach längerer Debatte, einen Antrag abzulehnen, der zum Zwecke hatte, den Nürnberger Beschluß betreffs Abgabe des TageSver» dienstes am 1. Mai bon feiten der in der Arbeiterbewegung tätigen Angestellten— aufzuheben. Doch wurde allgemein eine bessere Form der Maifeier gewünscht. Zu Delegierten wurden die Genossen Abgeordneter Th. Schwartz und Arbeitersekretär M e h r l e i n gewählt. Die Landeskonferenz der Sozialdemokratie Sachsens wurde am Sonnlagabend unter Teilnahme von rund 100 Dele- gierten in Zittau eröffnet. In der Sitzung von, Montag er- stattete zunächst Genosse Sind ermann den Bericht des Zentral- komitees für die Zeit vom 1. Juli 1008 bis 30. Juni 1300.-- Infolge ber wirtschaftlichen Krise ist die Zahl der Mitglieder im ersten halben Jahre zurückgegangen; in der zweiten Hälfte des Jahres ist sie jedoch wieder gestiegen, so daß Aussicht vorhanden ist, daß, wenn die Steigerung weiter so anhält, bald das er st et Hunderttausend organisierter Genossen er» reicht wird. Auch die Finanzen haben sich bedeutend gebessert. Die Gesamteinnahme ist von 401 000 auf 451 000 M., die Einnahme aus Mitgliederbeiträgen von 287 000 auf 341000 M. angewachsen. Nur in vier Kreisen ist der Beschluß, einen wöchentlichen 10 Pf.° Beitrag zu erheben, nicht ausgeführt. Der nächste Landtagswahl- kämpf sei in 91 Kreisen zu führen, was wenigstens eine Viertel Million Mark erfordern wird.— Zum Schluß bemerkte Genosse Sindermann, daß die Sportvereine der Arbeiter sich in erheblicher Weise zu Klimbimvereinen auszuwachsen drohten, deren Mitglieder die Parteiarbeiten durchaus nicht mit genügendem Ernst und Nach- druck betreiben.(Lebhaftes Sehr richtig!) In der Diskussion wurde betont, daß auch in den Kreisen, in denen der Zehnpfennig- beitrag noch nicht zur Durchführung gekommen ist. dies möglichst bald geschehen müsse. Sodann nahm die Landesversammlung einen Antrag an, auf dem Leipziger Parteitage zu be- antragen, daß einMindestbeitragvonzehnPfennigen pro Woche in ganz Deutschland eingeführt wird.— Darauf erstattete Genosse Schulze den Bericht der Kommission über das Gemeindewahlprogramm. Der Programm- entwurf, der entsprechend dem Beschlüsse der letzten LandeSver- sammlung mit der Bremer Resolution in Einklang gebracht war, wurde nach längerer Debatte angenommen.— Dann wurden die Verhandlungen auf Dienstag vertagt. Der Gautag der Pfälzischen Sozialdemokratie, der am Sonnabend und Sonntag in Zweibrücken tagte, war von 106 Delegierten besucht, die insgesamt 68 Organisationen ver- traten. Der Bericht des Gauborstandes zeigt in Anbetracht der lvirt- schaftlichen Krise ein erfreuliches Bild. Der Mitglieder- b e st a n d der Organisationen hat sich u m e i n i g e H u n d e r t gehoben, besonders ist es der 5. Pfälzische Wahlkreis, ein bisher für die Partei schwer zugängliches Gebiet, in dem eine Reihe neuer Organisationen inS Leben gerufen wurden. Auch die„Pfälzische Post" schreitet vorwärts, trotzdem die Krise die Agitation für du Presse bedeutend erschwerte. Durch eine Resolution wurde der Gau- vorstand beauftragt, in Gemeinschaft mit einer aus Genossen des 4-, 5. und 6. pfälzischen Wahlkreises bestehenden Kommission die nötigen Vorarbeiten zur Gründung eines eigenen Parteiorgans für die obengenannten Kreise(Westpfalz) zu treffen. Weiter wurde die Anstellung eines zweiten Parteisekretärs beschlossen._ Die Sozialdemokratie in Nordvayern. Der G a u v o r st a n d der Sozialdemokratie Nordbayerns er- stattet seinen Bericht über die letzte Geschäftsperiode, die infolge der Verlegung deS Schlusses des Geschäftsjahres auf 30. Juni, die Zeit vom 1. Januar 1903 bis 30. Juni 1909, also 13 Monate umfaßt. Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die politischen Organisationen ihren Einfluß ausgeübt, aber immerhin ist ein erfreulicher Fort- schritt zu verzeichnen. Der Gau, der 22 Reichstags- und 59 Land- tagswahlkreise nnt 2 763 909 Seelen einschließt, zählte anfangs 1998 155 Sektionen der politischen Organisation mit 26 566 Mitgliedern, am 1. Juli d. I. waren 139 Sektionen mit 30394 Mitgliedern, darunter 1170 Frauen, vorhanden. Die Zahl der Mitglieder ist also um 3823 gestiegen. Die Beschlüsse des Parteitages betreffs der Jugendorgan i- s a t i o n haben im Gau starken Widerhall gefunden, besonders im Kreise Obcrfranken greift die Bewegung rasch um sich. Am Schlüsse des Berichtsjahres waren im Gau 809 Mitglieder in die Jugend- organisationen eingeschrieben, welche Zahl sich ständig vermehrt. Außerdem bestehen Jugendausschüsse an 29, Kinderschutzkommissioncn an vier und Bildungsausschüsse an zwölf Orten. Als dringend notwendig wird eine zweckmäßige Einteilung der einzelnen Kreise in genau begrenzte Agitationsbezirke bezeichnet, ein Werk, das bereits begonnen ist und in allernächster Zeit vervoll- ständigt werden soll. Die Agitation gestaltete sich äußerst lebhast, es wurden insgesamt 625 öffentliche Bersammlunaen veranstaltet, außerdem wurden Flugblätter über die verschiedensten aktuellen Fragen in vielen Hnnderttausenden von Exemplaren zur Verteilung gebracht. In die Berichtsperiode fielen auch die G e- m e i n d e w a h l e n, die der Partei schöne Erfolge brachten;«S sind im Gau zurzeit insgesamt 171 sozialdemokratische Gemeindevertreter vorhanden. Auch beim Kapitel Partei- presse ist ein erfreuliches Fortschreiten der Bewegung zu kon- statieren. Die vier im Gau erscheinenden Parteiblätter haben folgende Abonnentenzahlen:„Fränk. Tagespost'(Nürn» berg-Fürth) 30 590,„Fränk. Volksfreund'(Würz- bürg) 4200,„Fränk. Volkstribüne"(Bayreuth) 4100, „Oberfränk. Volkszeitung'(Hof) 3300, insgesamt 42 100 Abonnenten. Anfangs 1908 betrug die Zahl der Abonnenten 38 300, so daß sie sich also um 3800 vermehrt hat. Wie das Proletariat feine Toten ehrt. An der Beerdigung unseres Genossen Joh. Efftinae, die am Sonntapnachmittag auf dem Friedhof zu Wandsbeck statt- fand, beteiligten sich über 8000 Personen. Der Parteivorstand in Berlin hatte durch Genossen S t u b b e- Hamburg einen Kranz an der Gruft niederlegen lassen. Zahlreiche Deputationen von nah und fern, darunter die Llvgesandten der Sozialdemokratischen Vcr- eine von Hamburg. Altona. Ottensen, des ersten mecklenburgischen Wahlkreises, dessen Kandidat der Verstorbene war, des Hamburger und Kieler Parteiunternehmens, der Preßkommission des„Echo", vieler Gau- und Zweigverbände. die Vertreter zahlreicher anderer Gewerkschaften usw., legten eben- falls prächtige Kränze am Grabe nieder. Stadtverwaltung und Stadtverordnetenkollegtum hatten„ihrem Kollegen" Kränze ge- spendet, wie auch ein Teil der bürgerlichen Stadtverordneten im Zuge marschierten. Auf dem Friedhof hielt der Reichstagsabgeord, acte für den 8. Reichstagswahltrets, zu dem Wandsbcck gehört, Ge- nosse F r o h m e, eine ergreifende Rede, in der er des guten Freundes und Familienvaters und des energischen Verfechters proletarischer Interessen gedachte. Eine gleich implosante Be- erdigung hat in Wandsbecks Mauern noch nicht stattgefunden. Zum Bericht über die Wahlkreiskonferenz von Duisburg-Ober. Hausen wird uns von der Organisation zu Mülheim a. Ruhr ge- schrieben, daß die Mülheimer Genossen den Saal verliehen, weil man ihnen zur Begründung ihrer Anträge nur 5—-10 Minuten Redezeit gewähren wollte, was zu wenig war. Sie hatten unter anderem beantragt, daß die Ortsvereine 35 Proz. der Beiträge zur Bestreitung der Agitation und der Ausgaben am Orte behalten sollten. Damit die Zentralkasse dabei nicht zu kurz komme, wollten sie den Monatsbeitrag von 40 auf 50 Pf. erhöht wissen. Gegner der straffen Zentralisation sind du Mülheimer Genossen nicht. Ein VezirkSparteitag für Bremen und den 6., 17., 13. und 19. hannoverschen Wahlkreis tagte am Sonntag in Brem««. Der Einnahme des Bezirkes von 8482,62 M. steht eine Ausgabe von 8217,96 M. gegenüber. Der Mitgliederstand hat unter der Einwirkung der Krise einen Rückgang erfahren. Der„Land- böte" soll künftig dreimal im Jahre verbreitet werden, statt wie seither— sechsmal. Personalien. Zum zweiten Arbeitersekretär wurde in Lübeck an Stelle des nach Dortmund übersiedelten Genossen Schneider der Genosse Eisendrcher Hofs aus Lübeck gewählt, der wiederholt als Hilfsarbeiter im Sekretariat tätig war. Jugendbewegung. Der Kampf der Jugendbewegung. Vom Schöffengericht in Halle wurden die Genossen Schloner, Bötsge und Redakteur Nicbnhr zu je 10 M. Strafe verurtetlt, weil sie eine angeblich politische Versammlung für die Jugend einberufen bczw. geleitet haben sollen, ohne sie vorher bei der Polizei anzumelden. Es handelt sich hierbei um. die Versammlung im April d. I.. aus der der Verurteilte. Genosse N i eb u h r.„zur Ver- hütung strafbarer Handlungen" verhaftet worden ist. Wegen der „verhüteten Straftaten" erfolgte, jetzt die Bestrafung. Gewerhfcbaftlicbe� Ein Streikbrecher vermittelnder Pastor! Daß es selbst ein Pastor nicht unter seiner Würde hält, den Streikbrecheragenten zu spielen, zeigt folgender Vorgang: Die Former der Firma R. Wolf in Salbke bei Dlagdeburg streiken. Der Pastor Dr. Otto Siebert in Fermersleben hat nun gegen die Arbeiter Partei ergriffen und will nun zu seinem Teil mit dazu beitragen, daß die Streikenden niedergezwungen werden. Dieser geistliche Herr schickte folgenden Brief in die Welt: Fermersleben, 11. 8. 09. Geehrter Herr! Sie können sofort in die Wolfsche Fabrik eintreten als Former. Infolge„Ungehorsams" und politischer Diffe- renzen ist ein Streik hier bei den Wolsschen Formern aus- gebrochen. Gegen 69 Proz.(?) Former sind aber wieder in Arbeit, denen die anderen die Arbeit allerdings nicht leicht machen. Wollen Sie es also hier versuchen, so kommen Sie selbst sofort nach hier oder senden Sie po st wendend Ihre Pa- Piere an„die Betriebsleitung der Wvlfschen Eisengießerei" in Salbke bei Magdeburg ein. Da Verhandlungen in Aus- ficht stehen, mutz alles sofort geschehen. Zu den Bedingungen, die die Wolfsche Fabrik an die Streikenden gestellt hat, gehört auch die, daß Leute, die während des Streiks ein- gestellt sind, nicht wieder entlassen werden. Bei Einsendung Ihrer Papiere berufen Sie sich auf mich; sollten Sie sofort selbst kommen, so holen Sie sich von mir eine Bescheinigung. Eile tut not. Ganz ergebenst Dr. Otto Siebert, Pastor. Also, Eile tut not, da Verhandlungen in Aussicht stehen, um noch rasch einige Streikbrecher anzuwerben, die die Stellen der Streikenden besetzen sollen, um die letzteren samt ihren Familien der Not zu überliefern. Der Pfarer von Fermersleben beweist mit seinem Vorgehen,— was freilich schon längst bekannt war— daß die Kirche ein Institut ist, die Arbeiter in Abhängigkeit und„G e- h o r s a m" zu halten, daß sie sich nicht scheut, ganze Arbeiter- familien— unbeteiligte Frauen und unschuldige Kinder— brotlos zu machen und Arbeiter gegen Arbeiter zu verfeinden. Einer solchen Kirche werden ihre Stiefkinder, die Arbeiter, den Rücken kehren, um in die Gemeinschaft der Umstürzler einzu- treten. Möchte es bald geschehen, denn, wie schon Pastor Otto Siebert in Fermersleben schreibt: Eile tut not! Ein netter Unternehmer. In der Zeit der Krisis wird mancher Unternehmer frech und erlaubt sich offen die organisierten Arbeiter auch noch zu verhöhnen. Die sogenannte„Mittelswnds-Zeitung" bringt, in ihrer Nr. 32 vom 8. August d. I. schmunzelnd folgende Notiz: „Den geehrten Arbeitsuchenden zur Orientierung." Ueber ein eigenartige? Inserat berichtet der„Pirn. Anzeiger" wie folgt: Ein Neustädter Baumeister sucht Zimmerleute und Maurer; das ist ja für Arbeitsuchende recht nett. Aus dem „Schatze seiner Erfahrung" bemerkt er aber am Schlüsse des Inserats:„Wegen der beliebten kleinen Agitationshilfsmittel gegenüber Nichtorganisierten Kameraden, wie das Schmeißen oder„zufällige" Herabfallen von Mauerziegeln, Wegnehmen und Verstecken von Handwerkszeug, Besudeln desselben mit Teer usw., die bei mir noch nicht eingeführt sind, mutz ich leider auf die Arbeit notorischer Streikbrüder, Hetzer, Krakeeler, Spektakel- macher verzichten, was ich zur Vermeidung beiderseitiger unnützer Zeitverschwendung und vergeblicher Wege den geehrten Arl'eit- suchenden zur Orientierung noch bemerken möchte." Die Organisationen der Bauarbeiter werden jedenfalls diesen netten Unternehmer aufs Korn nehmen, damit er künftig der- artige Inserate nicht mehr zu erlassen braucht. Kerlin unck vlrngeaencl. Streik der Jungbicrfahrer. Die Jungbierfahrer haben am Montag früh, nachdem eine Einigung mit den Unternehmern in der Frage der Bierpreis- erhöhung nicht erzielt werden konnte, die Arbeit eingestellt. Seit Mitte Juli wurden Verhandlungen gepflogen, an welchen auch ein Vertreter des Transportarbeiterverbandes teilnahm. Die Brauerei- besitzer wollten eine Preiserhöhung von bisher lO Pf. auf 15 Pf. pro Liter vornehmen. Die Fahrer vertraten demgegenüber die Meinung, daß ein Aufschlag von 2 Pf. genüge. Schließlich einigte man sich dahin, daß ab 16. August das Bier für 13 Pf. pro Liter verkauft werden sollte. Eine Anzahl Brauereien— Mitglieder des Vereins der Weiß- und Braunbierbrauereien— konnten aber doch für 16, 11 resp. 12 Pf. pro Liter verkaufen. Eine Verständigung mit den Brauern wurde in dieser Frage nicht herbeigeführt, des- halb teilten die Fahrer, die für 13 Pf. verkauft hatten, den Unter- nehmern mit, daß sie ab Montag, den 23. August, das Bier auch für 12 Pf. verkaufen würden. Am Sonntag fanden Versammlungen der Fahrer und der Brauereibesitzer statt. Einer Abordnung der Fahrer wurde von den Besitzern der Bescheid, daß sie an dem Preise von 13 Pf. festhalten. T-ie Fahrer beschlossen dagegen, und zwar mit Rücksicht darauf, daß die Unternehmer mit dem Verkauf zu 10. 11 und 12 Pf. selbst den Beweis erbracht hätten, daß sie mit 12 Pf. sicher auskommen können, überall da, wo die Unternehmer den 12 Pf.-Preis nicht akzeptieren, die Arbeit niederzulegen. In der am Montag, nachmittags, abgehaltenen Versammlung der Streikenden wurde festgestellt, daß in 17 Brauereien 116 Fahrer die Arbeit niedergelegt haben. In zwei Brauereien, und zwar Deutsches Brauhaus, Rixdorf, Johann Hußstraße, und Gruhn, Fruchtstratze. fahren die Kutscher und verkaufen gegen den Beschluß der Fahrerversammlung für 13 Pf. Die hier in Frage kommenden Fahrer sind als Arbeitswillige zu betrachten. In der Genossenschaftsbrauerei(Frömmchen) wird auch ge- fahren und nehmen einzelne der hier in Frage kommenden Fahrer 11, 12 und 13 Pf. pro Liter, wie sie gerade mit ihrer Kundschaft zurecht kommen. In der Versammlung wurde ferner darauf hmgewwsen, daß einzelne Brauereibesitzer ihren Kutschern gesagt haben, daß, falls sie die Arbeit niederlegten, sich die Betreffenden eines Kontrakt. bruchs schuldig machten. Demgegenüber bemerkte W-rner, daß sich die Besitzer in einem Irrtum definden. Der neue Vertrag sei bjs zur Stunde noch nicht zustande gekommen. Die Kutscher haben in der vergangenen Woche nur unter der Voraussetzung gefahren, daß eine Einigung erzielt werde. Die Fahrer hatten sich auch be- reit erklärt, in Fällen, wo Kündigung besteht, zu den alten ver- traglichen Bedingungen, d. h. bei einem Verkauf von 10 Pf. pro Liter, während der Kündigungsfrist zu fahren. Dieser Vorschlag ist von den Unternehmern abgelehnt. Des Kontraktbruches haben sich demnach die Unternehmer schuldig gemacht.- Die Versammelten versprachen, während de? Streiks die strengste Solidarität zu üben._ DeutTcheo Rctcb. Vereinbarungen wegen Arbeiterentlassungen in der Brauindustrie. Wie wir schon berichteten, haben die Unternehmerorganisa- tionen in der Brauindustrie mit dem Brauereiarbeiterverband vereinbart, daß Arbeiterentlassungen infolge Rückgang des Bier- konsums für eine bestimmte Zeit möglichst oder ganz vermieden werden sollen. Die Unternehmer erklärten sich bereit, an ihre Unterverbände bezw. Mitglieder die dringende Empfehlung zu richten, die Entlassung von Arbeitskräften bis zum 1. Mai 1910 Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: möglichst einzuschränken. Die Einzelheiten sollten durch Verhand- lungen zwischen den Lokal- bezw. Bezirksorganisationen der Unter- nehmer und Arbeiter festgelegt werden. Bei Boykotts sollten die Vereinbarungen außer Wirkung treten. Bis jetzt find nun zwei solcher Vereinbarungen abgeschlossen worden, und zwar mit dem„Verein der Brauereien von Hamburg und Umgegend" und mit der«Norddeutschen Brauereivereini- gung". Der„Verein der Brauereien von Hamburg und Umgegend" hat sich verpflichtet, Arbeiterentlassungen wegen Konsumrückganges bis zum 1. Mai 1910 überhaupt nicht borzunehmen, ganz gleich, wie groß der eventuelle Konsumrückgang sein sollte. Die Vereinbarung des Brauereiarbeiterverbandes mit der „Norddeutschen Brauereivereinigung"— der 41 Brauereien in 29 Orten angehören— lautet: § 1. Die in diesem Gebiet liegenden, der„Norddeutschen Brauereivereinigung angehörigen Brauereien, welche hierunter namentlich aufgeführt sind, sind verpflichtet, für den Fall, daß in ihren Betrieben vom 15. August 1909 ab aus Anlaß der Brau- steuer- und Vierpreiserhöhung ein Konsumrückgang sich zeigen sollte, keinen ihrer Arbeitnehmer aus Veranlassung dieses Kon- sumrückganges auszustellen, wenn dieser Konsumrückgang die Höhe von 15 Proz. des im letzten Jahre vor dem 15. August 1909 abgelaufenen Zeitraumes nicht überschreitet. Im Falle des Boykotts sind die davon betroffenen Brauereien von der Abmachung befreit. In den Verhandlungen wurde seitens des Vorstandes der „Norddeutschen Brauereivereinigung" noch betont, daß, wenn nach Ablauf dieses Vertrages Entlassungen notwendig werden, tunlichst nur solche Arbeiter zu entlassen sind, denen es leichter möglich ist. in anderen Gewerben unterzukommen. Dabei soll loyal verfahren werden, möglichst im Einverständnis mit den beiderseitigen Organi- sationen: Brauereiarbeiterverband und„Norddeutsche Brauerei- Vereinigung". Zum Kampf im Hamburger Baugewerbe. Die Einigung im Baugewerbe ist leider noch nicht erfolgt, weil eine Arbeiterkategorie, die Gipser, den bereits mitgeteilten Einigungsvorschlägen nicht zustimmten. Die Hauptberufe sowie alle übrigen Nebenberufe haben zum Teil mit großen Mehrheiten für die Abmachungen gestimmt. Die Gipser erklärten, einer Ver- lchlechterung ihrer Position, die sie sich während der Aussperrung errungen haben, nicht zustimmen zu können.(Die Gipser arbeiten etzt 8 Stunden; auf Grund der Vorschläge soll die Arbeitszeit äir diese Branche 81� Stunden betragen.) Die Unternehmer gaben, als ihnen am Sonntagnachmittag das Restiltat der Abstimmungen zugestellt wurde, die Erklärung ab, die Aussperrung nicht aufhebe« und die Vorschläge nicht definitiv annehmen zu können, bevor nicht auch dii� Gipser für die Vorschläge stimmten. Es liegt nun an den etwa 400 Gipsern und Stukkateuren, ob der Kampf, an dem noch rund 8000 Personen beteiligt sind, weitergeführt werden soll. Wie uns telegraphisch aus Hamburg gemeldet wird, hat eine gestern stattgefundene Versammlung der Gipser mit 271 gegen 146 Stimmen beschlossen, die Einigungs Vorschläge a nzunehmen. Die Arbeit im Hamburger Baugewerbe wird nunmehr am Dienstag aufgenommen. Streik am Bau der neuen Rheinbrücke in Düsseldorf. Von 18 am Bau der neuen Rheinbrücke beschäftigten Zimmerern sind 15 in den Ausstand getreten. Die Zimmerer- arbeiten werden von der Firma Grün u. Bilfinger in Mannheim ausgeführt. Die Firma weigert sich, nach dem Düsseldorfer Tarif zu bezahlen. Da sie auch an anderen Orden Arbeiten ausführt. glaubt sie,„spielend leicht Ersatzkräfte" für Düsseldorf zu erhallen. Zuzug ist daher fernzuhalten. Streik in der königlich bayerischen Hofbuchdruckerei und Verlags- anstalt U. E. Sebald, Rürnberg-Fürth. In dieser Anstalt ist ein ernster Konflikt entstanden. Der neu eingetretene Werkführer versuchte ganz plötzlich, an Stelle des bis» herigen Zeitlohnes Akkordlohn einzuführen. Gegen dieses Ansinnen wäre ja weiter nichts einzuwenden gewesen, wenn die Festsetzung der Akkordpreise nicht einseitig dem Gutdünken des Werk- führerS anheimgestcllt werden sollte. Da eine Einigung nicht zu erzielen war, ein Schreiben des Bezirkleiters im Tone des Herr- imhausestandpunktes beantwortet wurde und bei der Lohnzahlung der Werkführer erklärte:„W er nicht unter den betonten Bedingungen im Akkord arbeiten will— ist gekündigt!" erfolgte die Arbeitsniederlegung. Tabakarbeiterentlassungen. Die Zigarrenfabrik von Rensch u. Co. in Werther in West- falen hat ihre sämtlichen Arbeiter, die mit einem Lohnabzug von einer Mark pro Mille auf 8 Sorten und 50 Pf. pro Mille auf 4 Sorten Zigarren sich nicht einverstanden erklärten, entlassen. Nusland. Mühlenarbciter im Kampf. Auf der Viktoriamühle in Kopenhagen ist ein Konflikt aus- gebrochen. Ter Direktor Pingel weigert sich, einen Tarif, den alle anderen Mühlen unterschrieben haben, anzuerkennen; man suckt deshalb Arbeitskräfte im Ausland— hauptsächlich in Deutschland — und verspricht ihnen 100 Kronen im Monat(Sonntag und lleberarbeit einbercchnet). Da unsere Organisation nach jähre- langem Kampf mit den Besitzern der größten Dampfmühlen endlich einigermaßen geordnete und erträgliche Arbeitsverhältnisse erzielt haben, lassen wir uns natürlich nicht von einem einzigen Unter- nebmer das Uebereinkommcn brechen. Wir appellieren an das Solidaritätsgesühl der deutschen Kameraden und hoffen, daß nie- mand sich dem Herrn Pingcl als Streikbrecher hergibt. Hier gibt es so viele arbeitslose Kollegen, daß wir mindestens noch vier Dampfmühlen besetzen können.' Alle Parteiblätter werden um Abdruck ersucht. pr. DanSk Mölleriarbejder Forbund H. Christensen. Tic Schneider in New Jork, die, wie wir berichteten, kürzlich einen Streik begonnen hatten, sind in ihrem Kampfe bisher so er- folgreich gewesen, daß die Gewerkschaft eine große Siegesfeier vor- bereitet. 9000 Streikende aus einer Masse von etwa 12 bis 15 000 haben bereits die Arbeit zu den Bedingungen ihrer Gewerkschaft wieder aufgenommen. Die Organisation der Unternehmer hat dem Sturm nicht standgehalten, und viele große Schneidermeister haben mit den Arbeitern Verträge abgeschlossen. Der Verband der Schneider hat durch den Erfolg einen großartigen Aufschwung er- fahren. Massenhaft ließen sich die bisher Unorganisierten in den Verband aufnehmen._ Huö Induftm und Handel Schmicrgclderordnung. Die kaiserliche Werftdirektion in Kiel hat aus den Schmiergelderprozessen gelernt. Das Resultat der Er- wägnng ist die Bekanntgabe de» Preises für Uebertretung des Schmiergelderverbots. Nach der K. V. lautet die Reglementiernng des Schmiergelder- shstems folgendermaßen:„Der Unternehmer erkennt ausdrücklich als ».Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall ihm bekannt an, daß die Annahme von Geschenken oder geldwerke« Vorteile von Unternehmern sämtlichen Angehörigen und An» gestellten der Mariueverivaltung einschließlich der mittelbar Au- gestellten verboten ist. Er verpflichtet sich, weder selbst noch durch andere Personen, Geschäftsteilhaber, Angestellte oder dergleichen den Angehörigen oder Angestellten der Marinerwaltung Geschenke, oder geldwerte Vorteile zu gewähren oder anzubieten und im Uebertretungsfalle den vierfachen Betrag des Geschenkes als Vertrags st rafe zu zahlen." Diesen Vertrag muß jeder Lieferant unterschreiben. Also nichts von Wegnahme der Lieferungen. Für's Erwischen« lassen muß man einfach den vierfachen Wcrtbelrag des Geschenkes an den Fiskus zahlen. Damit wird die Sache für den Unternehmer ein mathematisches Exempel. Er setzt bei der Kalkulation nicht mehr den Betrag des üblichen Schmier- geldes ein, sondern die fünffache Summe. Wird er nachher beim Schmieren nicht erwischt, hat er sich selbst gut geschmiert. Diese Reglementierung kann auf eigenartige Gedanken bringen.. Sie könnte wirklich von den Unternehmern veranlaßt sein. Wagt es die Kieler Verwaltung nicht, den Lieferanten der kaisetlichen Werft energisch entgegenzutreten? Oder glaubt sie, daß es doch keinen Zweck habe, gegen das Schmiergeldcrsystem aufzutreten? Zur Reglcinen« tierung der Schmiergelder hat es noch nicht mal Rußland gebracht. Aber auch hier: Deutschland voran I Früchte der neudeutschen Zollpolitik. Nachdem nnnniehr eine Reihe von Ziffern über die Ein- und Ausfuhr von Waren nach und von Deutschland im Jahre 1903 be- kannt werden, zeigt es sich, wie schwer die wirtschaftliche Krise und die Folgen der junkerlichen Zollpolitik auf dem deutschen Volke lasten. Am bemerkenswertesten hierfür ist der Rückgang der Ein- fuhr der wcrtvolleu Nahrungsmittel. So verminderte sich die Ein- fuhr von Butter von 388 000 Doppelzentnern im Jahre 1907 auf 333 000 Doppelzentner im Jahre 1908. Die Einfuhr von Eiern verminderte sich von 1 494 550 auf 1 392 920 Doppelzentner, also»in mehr als 100 000 Doppelzentner. Auch die sonstigen Bedürfnisse des Publikums mußten in geringerem Maße befriedigt werden. So verminderte, sich die Einfuhr roher Baumwolle dem Werte nach von 551 Millionen Mark im Jahre 1907 auf 476 Millionen Mark im Jahre 1908. Der Bedarf des Deutschen Reiches an Baumwolle ist im Jahre 1908 gegenüber dein Vorjahre um 72 Millionen Mark oder 14,6 Proz. zurückgegangen. Die Einfuhr von Wolle verminderte sich von 1 853 064 Doppelzentnern im Jahre 1907 auf 1 800 451 Doppelzentner im Jahre 1903. Die Ausfuhr vieler wichtiger Erzeugnisse, namentlich in der Metall- und Textilindustrie, hat ebenfalls erheblich abgenommen. Soweit für das erste Halbjahr 1909 schon Mit- teilungen vorliegen, hat in diesem Jahre die- selbe sinkende Tendenz angedauert. Im Handels- verkehr init England sind fast alle Ausfuhrartikel zurückgegangen. Die Aussuhr von Kristallzucker verminderte sich gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 9 Millionen Mark, die bäum- wollener Handschuhe um 6 Millionen Mark, die von Frauenkleider» um 3 Millionen Mark usw. Letzte JVacbricbten und Dcpefcbcn. Begnadigung politischer Gefangener. Paris, 23. August.(W. T. B.) Präsident FalliereS unterzeichnete ein Dekret, durch das verschiedene wegen Presse- Vergehens bezw. wegen politischer Delikte verurteilte Personen begnadigt werden. Die Begnadigten sollen unverzüglich in Freiheit gesetzt werden. Die Reaktion wütet weiter. Madrid, 23. August.(B. H.) In Barcelona zeigt sich eine bemerkenswerte Rückwirkung der jüngsten Ereignisse. Auf An- ordnung der Behörden wurden 94 Arbeitervereine auf- gehoben sowie die Schulen, in denen Laien den Unterricht erteilen, dutzendweise geschlossen. Das Kriegsgericht verhängte in dem Verfahren gegen die Auftührer ein weiteres Todesurteil. Vierzehn Personen wurden zu längerer Kerker- strafe verurteilt. Die Blätter sind neuerdings einer scharfen Zensur nntrrworfcn, wodurch ihr Erscheinen eine mehrstündige Verspätung erleidet. Die Herausgeber der Zeitungen haben Versammlungen einberufen, um Einspruch gegen diese Maßregel zu erheben. Immer noch die Flagge. Konstantinoprl, 23. August.(W. T. B.) Wie miS Kanea gemeldet wird, hat da? Exekutivkomitee von den Konsuln der S ch u tz- mächt« die Räumung der FortS durch die internationale Besatzung verlangt, die zur Niederholung der griechischen Flagge gelandet worden war.__ Gewonnener Streik. Göttingen, 23. August.(V. H.) Der Streik der Dachdecker in Claustal, Zellerfeld und anderen Harz st ädten. der seit acht Wochen dauerte, wurde zugunsten der Arbeiter beendet. Bon der Flugwoche in Reims. Reims, 23. August.(W. T. B.) B l e r i o t mit seinem Ein- dccker schlug heute nachmittag den gestrigen Rekord Lefebyres für die Tour um die Flugbahn(10 Kilometer in 8 Minuten 42% Sekunden. Ebenso stellte Bleriot einen Weltrekord der Schnellig- keit mit 69 Kilometer in der Stunde auf. P a u l h a n errang den großen Preis der Champagne mit 50 Kilometer in 61 Minuten. Explosionskatastrophe in einer Gasanstalt. Genf, 23. August.(W. T. B.) Heute nachmittag um 4 vhr 30 Min. hat in dem GasreinigungSgebäude der städtischen GeS- fabrik eine gewaltige Explosion stattgefunden. In einem Um- kreis von einem Kilometer sind alle Fensterscheiben in der Stadt zertrümmert. Bis 5 Uhr waren zwei Tote geborgen, die Zahf der Verletzten ist sehr groß. Die Verletzten werden auf allen verfüg- baren Wagen und in Hoteloinnibussen in das Kantonspital gebracht. Die Gasfabrik steht in Flammen. In der Stadt herrscht große Aufregung, alle Läden sind geschlossen. Genf, 23. August.(9 Uhr 25 Mim abends.)(W. T. B.) ViS 8 Uhr abends waren aus den Trümmern der Gasanstalt 7 Leichen und 15 Verwundete geborgen. Ter Ingenieur Begnat starb einige Minuten nach der Auffindung. Alle Opfer sind schreck» lich verbrannt und fast unkennbar. In den benachbarten Häusern wurden etwa 50 Personen durch Glassplitter verwundet. Die erste Hilfe wird den Verwundeten in den Bureaus zuteil, wo mehrere Aerzte tätig sind. Die Ursache der Katastrophe ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt; wahrscheinlich ist sie auf die Explosion eines Apparates im Saale der Reinigungsapparate zurückzuführen. Das Gebäude ist ganz zertrümmert, ein Gasometer und andere Gebäude schwer beschädigt. Trotz der Nacht ist eine gewaltige Menschenmenge vor der Gasanstalt versammelt._ HauI Emger& Co., Berlin SW. Hierzu Z Brilagen«.Untrrhaltungsbl. Nr. 196. 26. Jahrgang. 1 KtilM im.lotiDiirtü" Kerlim MlksM Dienstag, 3�. Angnst 1909. für üeo ichvisüiichen Lcverzlitrelk. Bei der Berliner Gewerkschaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: Rahmensabr. Brosei u. Wagner 8,05. M. L. 4,—. Skalklub Einigkeit 7,50. Glas« u. Metallarb. b. Gevnsdors u. Sobn 5,75. St. C. d. H. N. 2.05. Tischlerei Hcntsch 3,50. Silberarb. b. O. Schneider 12,80. Luxus- papicrbranche b. Sclmar Bayer 18,70. 6851 Lichtdrucker b. Wilfried Deyle 16,—. Buchdr.-Hilssarbeiter b. Eisner, Scchfcrkasse, 3. Rate 10,—. Glas- !chIeiser>Wcrkst. Schulze u. Joost 15,50. Kollegen der Firma Bellert 3,25. Metallarb. b. Gebr. Huß 10,—. d. Lukowski 3,45. Silberarb. b. Silcott 5,—. 1608 Pers. b. Marschner, Buchdr.» 2. Rate 24,30. 1857 Kassierer b. Littauer, Rähmaschinensabr. 10,—. Tischler b. Ouehl 6,—. 1604 Pers. d. Buch- druckerei Sl. Unger 15.05. Pianosabrik Linke u. Jodenschivcger 9,—. 1564 Buchdr. I. Bahlle 8,60. Goldlcistensabr. Spiesecke 23,—. Setzerschule Monoline 7,—. 1606 Pers. d. Rauckichen Buchdr. 2. Rate 20,—. 1521 Pers. b. Otto Drewitz 15,15. 1596 Pers. b. E. Huber Buchdr. 5,40. Tischler b. Sltzenroth, Reichenberger Str. 11,40. Tischlerei Stawcnow 2. Rate 21,15. 7173 Modelltischlerei Borfig 33,50. Werkzeugmacher Bodcr u. Liehr 3,—. 1622 W. Koebke, Buchdr. 22,35. Dcy Zcchrcgistcr 17,—. Silberwaren« fabrik Slbrahani 2,75. Kollegen von Robert Medam u. Co. 3,40. 6735 Falzerei d.„Berliner Lokal-Anzeiger' 86,—. 1630 Pers. d. Buchdr. u. Gc'chästsbllchcrsabr. Bollsratz u. Apel, 3. Rate 10,50. Tischlerei Bei er, Reichenberger Itratze 4,30. Arbeiter d. Möbelsabr. Lennick u. Jatzki 14,85. 7384 Tischlerei Lübnitz u. Reese 15.80. 1526 Buchdr. O. u. E. Klalt 6,-. Buchdr. Blosscld u. Müller 10,—. 6398 Tischlerei Olm, Köpeuicker Straße, 2. Rate 17,45. Stoctsabr. Jalobi 4,10. Koll. b. Witten u. Pinsger 8,—. Sparvercin VorwärtS-Ost 5,—. H. Goldbach, Stocksabrik 11,—. Kras, Raunynstratze, Gießerei 5,40. 6260 Luxuspapiersabr. Finkenrath u. Co. 11,20. 7427 Bildhauerei Sondeck 18,40. 6458 Arb. b. A. Benver 20,60. Eltcnbeiublciche Heinersdors 5,—. 1574 Buchdr. Jakobi u. Co. 13,25. Tapcz. b. Kohlnietz, 2. Rate 8,25. Kistensab. Hinz 7,50. 285 Schneider b. «chimmler 3,—. 6253 Graph. Kunst 6,80. Buchdruckerei Bcrthold 4,25. Pianos ab. G. Hofmann, Oranienftratze 4,—. Bau Seueselderstratze 10,50. Schlosserei d. Firma Lexow 5,—. 5053 Maschinensab. Sielaff 24,—. Tischlerei Bannmaun u. Hoffmann 7.—. 6999 Buchbinderei Haakke 4,70. 1578 Buchdruckerci Sporn 6,80. 6257 Buchb. Deutscher Verlag 10,60. Tischlerei Dorm und Schardau 5,25. Mechaniker von Lax 4,50. 750l Stereotypeure im„Lokal-Anz." 20,40. W. S. 1,—. Arbeiter d. Rotor-Ges. 5,—. 6463. 6464, 6465, 6466, 6467 Slrbeitcr b. Fr. Werner, Maschinen« sabrik 96,60. 6653 Buchdruckerei Ricsenstahl, Zumpe u. Co. 6,80. 4 Moaditcr Buchdrucker 2.10. 7527 Setzer, Drucker nud Hilfspersonal bei Joachim u. Co. 12,50. 7133 Slrb. b. Hirschhorn 22,45. Tischlerei Masserer 15,65. 1459 Setzer Zentialbnreau„Deutsche Presse« 4,30. siiaschinisten und Heizer.Lolal-Slnzeiger« 7,80. Personal der Galvanoplastik, 2. State 26,50. Kistenmacher b. Mngrath 20,—. Buch- u. Steindr. Künstler u. Sohn 3,60. 7170 Tischlerei v. Bühle, Rigaer Str. 7,60. Goldschmiede bei Gebr. Truxa 3.—..Kollegen d. Tischlerei Bollin 10,50. Skatllub Grand b. Rödel 5,—. Schneider b. E. Koch, Weitzenburgcr Str. 52 12,—. Klempner, Mariendors 17,05. Buchbinderei Kölle 12,95. Bautischlerci Lassen 12,—. Bautischlerei Grotzkovs u. Schulz 11,35. Polierer bei Haake 5,—. 7442 Tischler bei Schenzlcr u. Otto Filling 4,20. Tisäjler bei B. Hecht 17,85. 7387 Buchdr. Lange 4,25.:7486 Tischlerei A. Zahn, 2. Rate 39,30. 6897 Tapctensabr. Putzralh 8,65. 1678 Tischlerei bei Heims u. Sohn 13,25. 6484 Mechaniksabr. Wiesener 11,80. Tischlerei Kassalow, Rixdors 5,—. ,6488 Schniltarbeiter v. Jnrst u. Co., Zldlershos 9,95. 7504 Bautischlerci Ziehe 8,75. Koll. Massai, Harris u. Co. 8,75. Koll. b. Roch 21.—. 7479 Klentpuer v. Zenlralniagazin städt. Gaswerke, 2. Rate 30,—._ 3549 Saal 1 6. Emmerich u. Schöning 8,55. 7176 Goldleistensabr. König, 2. Rale 10,75. 6487 Berl. Druckerei 16,55. Maschinensabrik Stcgmcher 4,—. 7440 Druckerei Slshclm, 2. Rate 27,—. Ditlmeyer GlaSschleiserei, 2. Rate 9,60. 7396, 7397, 7398 Pianomechanikfabr. O. Köhler 41,50. Modelltischler Müller u. Schmelzer, 2. Rate 5,50. 7439 Bautischlei Osten-Rixdorj 18,30. 4 Hilsc Siachs. Pianosabr. 3. Rate 10,70. Tischlerei Thicrichens 11,—. 6199 Buchdruckerei Bcswitz 3.—. Lotterieklub Norden 03 5,—. 6665 Verw. Verein Berliner Buchdrucker u. Schristgietzer 9,50. Buchdrucker d..Vorwärts"-Druckcrei(Zcituiigsabt.)2.Rate 100,—. Koll. v. ArchimedeS 9,50. Slrbeitcr d. Billardsabrik Ncuhusen 12,—. 6399 Möbelpolierer b. Raschig 8,—. 6852 Kollegen Deyhle u. Wagner 21,25. Modelltischler v. H. Wcgener 4,50. Kollegen d. General Kompojing Compagnie 250,—. 1507 Buchdrucker von Schumacher 16,70. Tellerfanimtling 1. Abt. Berl. Radsahrervercin 5,30. Tischler v. Flügg u. Blumcnthal 2.80. 6308 Tischlerei von A. Müller, Gitschincr Stratze 63 9,80. Druckerei von Maurer u. Dimmick. 2. State 7,20. 3538 Arbeiter von Henschke u. Buchholz 25,55. 6645 Buchdrucker v. Knoph u. Co. 5,30. 6639 Buchdruckerei v. Günther u. Sobn 18,70. 1609, 1611 Reichsdruckeret Slbt. 11 12,05. Tischlerei Rotzler u. Schmidt 3. Rate 21,35. Berl. Slrbciter-Radsahrerver. Abt. 5 10,—. Bcrgolder u. Arbeiter v. Sl, Zander 21,20. 3 Silberarbeiter v. FialkowZkt 7.—. Pianoarb. v. C. Schiller 9,—, Schlosser u. Schleiser Firma E. Jakob 24 05. 23 B. St. 23 50. 7477 Buchdruckerei Gebr. Ernst 24,95. 6606 Ber- liner Galvanoplastischc Slustall 12,—. 1628 Buchdruckerei Stuttgarter Union 8.75. 6970 Pianoarbeitcr o. Dunsen 23,25. Kollegen d. Gasmessersabrik S. Elster 25.—. Buchbinder o. Riesenstahl. Zumpe u. Co. 22,90. Anilmjabril Buchdruckerci 8,85.„Illustrierte Zeitung« Hilssarbeiler 14,75. 347 Buchbinder von Link 3.—. Lutz. Schristsetz«, 1.—. 1607 Jllustratioils-Rolation Ullstein 13,50. Buchdruckerei M. Noster 8,50. 6181 Tischler v. W. Hofsmann 7,40. Taxameter Slktien-Ges. 10,—. 6943 Tischlerei u. F. Fleischer 8,25. Photggr. Anstalt G. Gerlach u. Co. 10,40. Berliner Schwinimklub„Freiheit«, SR. d. A.-S., User 3 10.—. 4691 Berliner Musikalicn-Druckcrei 14.15. L. Michaelis, 1. Rate 3,—. 1541 Buchdruckerci C. Berg 4,40. 7145 Kollegen D. Meyer 8,—. Arbeiter u, Arbeiterinnen d. Firma G. Feibisch 15,40. 1481, 6611 Buchdruckerei Ad. Hautzmann 11,85. Kollegen von tz. Steinbock 8,—. Rahmenjabrik Wagener u. Kemmlcr 7,—. Handtuchsahrer der Firma H. Posen«, 2. Rate 6,—. Kollegen der Firma Rüster u. Gerlingen, 2. Rate 8,20. 2566 Leiter- gerüstbaner der Firma Pusch 4,—. 6272 Kartonsabrik Baum u. Scholz 11,20. 6468 Buchdruckerci Gebrüder Fehl, 2. Rate 7,90. 7443 Tiichlcrci v. Schuddckopp u. Heine 7,15. 7434 Kronleuchtersabrik Hut u. Co. 11,50. Buchbiiidcrcipersoual Ashelm, 2. Rate 52,45. Kollegen der Großbäckerei v. Ulbricht 13,45. Möbeltischlerei v. E. Porth 8,75. 6610 Buchdruck««! F. Funk 9,40. 6480 Tischler v. Neugier u. Mohrmann 5.45. 7392, 7393 Tisch lerei Riesel u. Kammes 25,80. Treppengeländersabrik Firma Hundt 20,—. 1488 Firma Gertz, Cbarlbg. 20,45. 2949 Gürtler u. Falbe 8,50. Rabitzputzer u. Träger v. K. Schulz 7,50. Tischlerei Groß 5,50. 7428 Bautischlerei Sponar, 2. Rate 22,40. Pianosabrik Psaffe 8,55. Glasschleifer Funke u. Wols 14,—. Deutsche Tachometcrwcrke 13,—. Glaserei P. Werner Nachs. 5,—. 6956 Tischlerei Markgras u. Tau 13,—. 6259 Buchdruckerei Rcgenhardt 8,10. 6477 Bau Leinestr. 13/14 8,95. Glaser von Laake 2. State 3,—. Buchdruck«« D. Fcilchcnjeld 3. Rate 16,75. Tischlerei .Hobeiscl 2,50. S. E. 6,—. 6490 Klaviaturarbciter H. Buchholz 19.30. Tischtcrci Sippcl 6,25. Tischsabrit Bremer 20,—. 6132 Schuibau Wilmersdorf 2. Rate 13,90. 341 Buchbinder von Jakisch 2,75. Kronleuchtersabrik Fritze, 2. Rate 11,70. Tischlerei Salzmann u. Sohn 10,30. Tischlerei Sllbcrt Berlin 5,—. 984 W. Hintz 6,50. 6761 Expedition I. Sitten- setd 3,55. Bezirk 359, 4. Kreis 6,—. Summa 2980,30 M. Bisher eingeliefert 50 078,20 M.; dazu kommen 2930,30 M., Summa 53 058,50 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engel ufer 15 1 zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 23, vor- mittags 0— ILl/z und nachmiltags von 1— Uhr abzuliefern. Die Listen 3395 und 3687 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Berichtigung. Die auf der Liste 1050 gezeichneten Beiträge sind nicht von den Angestellten der Orts-Krankenkasse, sondern von denen der JnnungS-Krankenkasse der Tischler abgeliefert. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftökommissio». Der Verband der sozialdeinofiratikben ülablverelne Groß-fkrlins hielt seine Generalversammlung am Sonntag in FreherS Saal lfrüher Keller, Koppenstraße) ab. Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung der Geschäftsbericht des Borstandes. tbrste, der den Bericht erstattete, führte unter anderem aus: Die Tätigkeit des Vorstandes im verflossenen Halbjahr begann mit den Vorbereitungen zur Arbeitslosenzählung, welche von der Partei und Gewerkschast gemeinsam vorgenommen wurde. Zur Auf- klärung über die Arbeitslosenzählung fanden am 9. Februar fünf öffentliche Versammlungen statt. Einige Leute gingen nach Schluß der Versammlungen durch die wegen des Einzuges des Königs von England festlich geschmückten Straßen, verübten dort mancherlei Unfug und wurden wegen Landfriedensbruch angeklagt. Am 19. März fand die Schwurgerichtsverhandlung statt, doch brach die Anklage kläglich zusammen, vor allem bot sich nicht die gewünschte Gelegenheit, die Parteileitung Berlins in diese Affäre mit hinein- zuziehen. Es zeigte sich vielmehr, daß die Ausschreitungen un- besonnener Leute auf Provokationen von Spitzeln zurückzuführen sind.— Das Ergebnis der Arbeitslosenzählung war die Feststellung von 106 722 Arbeitslosen in Groß-Berlin.— Am 14. und 15. Februar fand eine Konferenz der sozialdemokratischen Gemeindever- treter von Berlin und der Provinz Brandenburg statt. Sie beschloß die Errichtung einer Zentralstelle für Gemeindeangelegenheiten, welche an das Provinzial-Parteisekretariat anzugliedern ist. Die Vorstände von Berlin und der Provinz Brandenburg haben sich mit diesem Antrage beschäftigt und ihn dem preußischen Parteitag, als der zuständigen Instanz, überwiesen.— Eine infolge Beschlusses der vorjährigen Generalversammlung aufgenommene Statistik ergab, daß von den 90 869 Wahlvereinsmitglicdern 17 899 aus der Landeskirche ausgetreten sind.'— Der Konflikt zwischen den Pankower Parteigenossen wurde in einer vom Zentralvorstand am 6. April einberufenen Versammlung durch Annahme von Eini- gungsbedingungen beigelegt. Es scheint, daß die Einigung in Pankow als durchgeführt gelten kann, wenigstens ist bis heut noch keine Ursache zu Klagen vorhanden.— Am 20. April fanden die ersten Versammlungen gegen die Reichsfinanzreform statt. Im Anschluß daran wurden 1 100 000 Flugblätter verbreitet.— Aus Anlaß der Beteiligung von vier sozialdemokratischen Stadtverord- neten an der Reise der Stadtverordnetendeputation nach London hatte der Zentralvorstand eine lebhafte Debatte mit Vertretern der Stadtverordnetenfraktion. Nachdem diese Aufklärung darüber gegeben hatten, daß die Reise nach London ein Akt der Höflichkeit gegen die Londoner Gemeindevertretung sei und keinen höfischen Charakter trage, und unsere Genossen sich nur des Studiums wegen an der Reise beteiligten, zog der Vorstand seinen Antrag, unsere Genossen möchten die beschlossene Beteiligung an der Reise rück- gängig machen, zurück. Nachdem unsere Genossen in London waren, sieht die Sache allerdings anders aus, als sie vor der Reise dar- gestellt wurde.— Die Beteiligung an der Maifeier war besser, als die Schwarzseher geglaubt haben. Die 64 Vormittags- und die 154 Abendvcrsammlungen waren großartig besucht.— Die Durchführung des Nürnberger Parteitagsbcschlusses, betreffend die Ab- führung eines Tagesverdienstes der angestellten Parteigenossen, ging nicht glatt von statten. Eine Anzahl von den in der„Vor- wärts"-Buchdruckerei Beschäftigten hat die Abführung des Tages- Verdienstes verweigert. Eine Aussprache mit den Betreffenden konnte nicht erfolgen, weil der Arbeiterausschuß seine Mitwirkung versagte; doch konnte bei dieser Gelegenheit festgestellt werden. daß 20— 30 in der„Vorwärts"-Druckerei Beschäftigte nicht politisch organisiert sind. Zu dem von den polnischen Genossen vertretenen Verlangen, eigene polnische Parteiorganisationen zu bilden, nahm der Zentral» vorstand dahin Stellung: Es ist die Bildung polnischer Sektionen in den einzelnen Wahlvereinen zuzulassen, auch ein besonderer Diskutierabend für die polnischen Mitglieder einzurichten, niemals aber kann eine besondere Polenorganisation innerhalb des Ver- bandes gutgeheißen werden.— Ein Antrag des Genossen Wurm, betreffend Freigabe des Besuchs der Philharmonie wurde den Kreisen überwiesen und dahin entschieden, daß der persönliche Be- such von wissenschaftlichen und künstlerischen Veranstaltungen in der Philharmonie den Parteigenossen freigestellt ist, Im verflossenen Halbjahr sind wieder vier Polizeispitzel ent- larvt worden, die sich in unsere Organisationen eingeschlichen batten. Dies sind die Kriminalbeamten Erich Scheunemann, Otto Wunicker, August Malik, Hans Schrott. Die beiden letztgenannten hatten sogar das Amt eines Bezirlsführers erlangt, obgleich sie erst kurze Zeit als Mitglieder des Wahlvereins bekannt waren. Dieser Umstand muß die Parteigenossen veranlassen, sich die Mit- glieder, welche sie mit Aemtern betrauen, genauer anzusehen und sie erst nach längerer Mitgliedschaft zu Ehrenämtern zuzulassen. Für die im Oktober und November stattfindenden Stadtver- ordneten- und Landtagswahlen hat der Vorstand die erforderlichen Vorbereitungen getroffen. Aufgabe der Parteigenossen ist es, dafür zu sorgen, daß den Mandatsräubern die gebührende Antwort er- teilt wird.— An Flugblättern wurden verbreitet: 54 000 zugunsten der Einschränkung der Sonntagsruhe im Handelsgcwerbe, 130 000 zur Agitation für die Freie Volksbühne und 130 000 Flugblätter zugunsten der Konsumvereine wurden dem„Vorwärts" beigelegt. — Für eine Petition gegen die Erhöhung der Tabaksteuer sind von den Genossen 148 790 Unterschriften gesammelt worden.— Der Arbeiter-Bildungsschule wurden 5000 M. bewilligt.— Der Vorstand ist der Ansicht, daß der Verbreitung von Bildung sowie der Jugendagitation besondere Aufmerksamkeit und Pflege gewidmet werden muß. Die Jugend- und Bildungsausschüsse sollen einer Reorganisation unterzogen werden, die gemeinsam mit den Ge- werkschaften und der Arbeiter-Bildungsschule vorgenommen werden soll.— Für den bevorstehenden Kursus der Parteischule sind die Genossen Hans Weber und Wilhelm Siering, beide aus dem sechsten Wahlkreise, als Schüler gewählt. Die Preßkommission hat die Anstellung eines besonderen Be» richterstatters für das Gewerbe- und Kaufmannsgericht veranlaßt. Die juristische Sprechstunde soll insofern eine Aenderung erfahren, als auch am Tage durch einen Arbeitersckretär Auskunft erteilt wird; doch ist in dieser Hinsicht noch kein endgültiger Beschluß ge» faßt.— An Stelle des Genossen Weber, der als verantwortlicher Redakteur des„Vorwärts" eine Gefängnisstrafe von einem Monat abzumachen hat, soll Genosse Unger verantwortlich zeichnen. Die Finanzlage des„Vorwärts" hat sich in den letzten Jahren un- kleines feuilleron. Neue Versuche mit der Fernsteuerung. Die klassischen Unter suchungen des Bonner Professors Heinrich Hertz über die elektrische Strahlung haben bisher zu praktischer Anwendung wesentlich nur in der drahtlosen Telegraphie und Telephonie geführt. Aber es ist ein- leuchtend, daß die Fortpflanzung elektrischer Wellen durch den Raum auch »och weitere Verwendung finden kann. In derTat sind denn auch schon ver- schiedene Versuche unternommen worden, Boote, Torpedos usw. durch drahtlos übermittelte elektrische Kraft in Tätigkeit zu setzen. Kürzlich hat eine Nürnberger Firma wieder solche Versuche unternommen. Mittels eines eleltrischen Wellenfernschalters wurde ein Fahrzeug von einem entsprechende Punkte ans gesteuert. Ueber diese Experi- mente, die auf dem Dutzendteiche bei Nürnberg stattfanden, berichten die Veranstalter: m, Am Leuchtturm befand sich eine Antenne, auf der Brücke der elektrische Wellensender, der dem bei der drahtlosen �.elegraphie verwendeten ähnelt. Ans einem eleltrischen Motorboot befand sich zwischen zwei 4 Meter hohen Stangen eine 4 Meter lange Drahtantenne ausaespannt. im Vorderteil des BooteS war der Wellenempfänger, im Hinterteil der Wellenfernschalter und der elektrische Steuerapparat. Es gelang bei diesen Versuchen, verschiedene Wendungen und Kurven „l fnfiren, auch wurden mehrere vollständige Schleifen nach rechts und links gemacht. Die vom Leuchtturm gegebenen Zeichen wirkten kiim'ckmell auf den Wellenfernschalter. der wieder das eleftri>che Steuer je nach Wunsch rechts oder links stellte. e�as automaiisch wirkende Signallampensystem, das m der Dämmerung und nachts vorzüglich arbeitete, bewährte sich bei grellem Taaeslich nicht und wird für diele Zeit durch ein Signal- klappe, isusiem ersevl werden; eS hat den Zweck, die Geberstation von den jeweiligen Funktionen auf dem Boot zu verstäudigen. wodurch eine stete Kontrolle ermöglicht wird. Mit dem neuen Wellenfernichalter können sehr viele Funktionen in verschiedenen Reihenfolgen oder Gruppen ausgelost werden, auch arbeitet der Apparat in jeder beliebigen Stellung, so daß hoher Wellengang nicht hinderlich ist. Theater. Das Friedrich Wilhelm städtische Schauspiel- h a u S eröftnete seine neue Spielzeit am Sonnabend mit S h a k e- s p e a r e S Luslfpiel: Der Widerspen st ige ngä hm u n g«. ES handelte sich hierbei um ein technisches Experimenr. Das Stuck wurde nämlich in einer vom üblichen Bühnengebrauch erheblich abweichenden Einrichtung gegeben. Die Geschichte vom be- trunkenen Kesselflicker Schlau— die ja auch Hauptmann zu seiner Komödie„Schluck und Jan« angeregt hat— bildet hier die durch keinerlei Szenenwechsel unterbrochene Umrahmimg des Ganzen. Ob das Experiment als geglückt zu bezeichnen ist? Ja und nein, je nachdem man sich zu einer Wiederbelebung des Londoner GlobctheaterS zu Shakespeares Lebzeiten beipflichtend oder ablehnend stellt. Es mag ja ganz amüsant sein, einmal zu zeigen, mit welch primitiven Behelfen vor dreihundert Jahren Dichter wie Regisseur und Komödianten sich begnügen mußten, Aber ob damit was gewonnen ist, wenn daS Publikum genötigt wird, auf jedwede dekorative Umwandlung zu verzichten und mit Hilfe einer ausgehängten Tafel sich nun vorzustellen, daß eine Szenerie bald auf der Straße, bald im geschlossenen Räume spielt, das muß billig bezweifelt werden. Eins wird allerdings hierbei klarer denn je: Wir sehen, bis zu welchen grausamen Spaßen Shakespeare greifen mußte, um die Herren Lords und Pfefsersäcke von damals zu belustigen. Arme Teufel, wie in diesem Falle der Kesselflicker, müssen bei dem großen William zumeist die Rolle des Gehänselten, Gepiesackten, ja Gepeinigten spielen. Die Herrschenden von dazumal hatten ihren groben Spaß daran, und wir könnten bestenfalls Vergleiche darüber anstellen, inwieweit die Anschauungen der modernen kapitalistischen Gesellschaft sich gewandelt haben. Biel kommt da aber nicht heraus. Auch das Motiv der eigentlichen Komödie, die Zähmun-z der„Wider- spenstigen« durch brutale Gewaltmittel entsprick-t ja nur der feudalen„Herrenmoral«. Die Erziehung des Weibes zum willenlos gefügigen Werkzeug der Herrerlaune kann. selbst vom historischen Standpunkt betrachtet, nur mehr apokryph— wenn nicht im höchsten Grabt abstoßend wirken. Glücklicherweise hat ein großer Poet das giansame Spiel mit blühenden Rose» zu umkleiden gewußt. Alle tiesnnnige Schön- heit der Shakespeareschen Sprache heraufzuholen: das sollte doch die Hauptaufgabe für Regie und Darsteller sein. In dieser Hinsicht ließ die Aussührnng— obwohl der darob verwendete Fleis. Anerkennung verdient— doch noch vieles vermissen. Nur zwei Darsteller: Franz Arnold sSchlau) und Franz Cornelius(Grumst,) kamen dem Ideal der Verlvrperung Shalespearescher Gestalten ziemlich nahe. e. k. Im Berliner Theater erlebte am Sonnaberd K a l i s ch s Posse„Einer von u n s e r e L e u t'« die hundertste Aufführung. Die Instigen Bilder mit den niodern aufftisierten Couplers lösten auch diesmal immer wieder laute Heiterkeit der Zuhör'-r aus. Karl C l e w i n g. als Apothekergehilfe Krauß, und Karl Meinhard. als HandelSjude Jsaac Stern, trugen durch ihr fein abgetöntes, den einzelnen Situationen vorzüglich angepaßtes Spiel am meisten zum Erfolg des Abends bei. In. Musik. — Die Gura-Oper schloß am Sonntag iss-e diesjährige Sominersaifon mit einer wohlgelungenen Aufführung de»„Flie- genden Holländers". Dieses Unternehmen hat uns im Gegensatz zu den sonstigen Sommerbühnen ein reichhaltiges und durchweg gediegenes Repertoire geboten. Wenn auch Orchester, Be- setzung, Regie, wie das bei einem nichlständigen Illctrieb kaum anders zu erwarten ist, nicht immer den Erwartungen entsprachen, so hielten sich doch im ganzen die Darbietungen ans einem künstlerischen Niveau. 17 Opern— eine große Leistung— wurden neu elistudiert, eine (ZumpeS„Sawitri«) zum erstenmal in Berlin aufgkführt. Unter den Komponisten überwog natürlich Wagner, der la sonst ein Monopol der unerschwinglichen königlichen Oper ist. Nicht weniger als 25 auswärtige Gäste wirkten diesen Sommer mit. Wenn die Gura-Oper nächstes Jahr zurückkehrt, würde sie zweifellos noch mehr Sympathien geivinnen, wenn die sogenannten volkstümlichen Ein- trittspreise wirklich volkstümliche würden. Humor und Satire. Barcelona. Mönche starben in den Flammen, Nonnen schmiß man auch hinein, Und man schauderte zusammen. Kann der Mensch so heftig sein? Wir erlebten tief bewogen Heiliges Martyrium, Und ein Mitleid kam gezogen UeberL ganze Publikum. Hinterhalb von Weihranchdüften Sah man eine neue Schar Glaubenszeugcn in den Lüsten, Was schon recht ergreifend war. Leider hatte die Legende Eine kurze Lebensfrist, Und sie nahm dadurch ein Ende, Daß sie bloß ein Schwindel ist. Jetzt hat man sich gleich besonnen: Wo man Scheiterhaufen find't, Ist kein Mönch darauf verbronnen, Sondern hat ihn angezünd't. Peter Schlemihl. Die Danksagung. Auf der Chaussee nahe bei einem thüringischen Residenzstädtchcn fubr das großherzogliche Slutomobil einen vierzehnjährigen Jungen tot. Nach dem Begräbnis war in den Zeitungen der Residenz folgende Danksagung zu lesen: Für die uns von allen Seiten zu teil gewordenen Beweise der Liebe und der Teilnahme über den uns betroffenen harten Verlust unseres lieben, unvergeßlichen Sohnes sprechen wir allen, insbesondere Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog. seinem Adiutantcn Herrn v. St.. Herrn Pfarrer B. und den, H........ t Gesangverein unseren tiefgefühltesten, innigsten Dank aus.-— O. C. und Familie. _(.Smipltcissiinus«.) Notizen. — Die Volksoper(in der Bellealliancestraße) wird am 31. August mit Verdis großer Oper„ E r n a n i« eröffnet. Vor- bestellte Billetts, für die keine Vorkaufsgebühr erhoben wird, sowie die unpersönlichen und an keinen bestimmten Tag gebundenen AboimemcntSdutzendhefte. die 30 Proz. Vergiinstignug gewähren, können von nun ab im Theatcrbureau erhoben werden. — G. Hauptmanns Drama„E lg a", doS einer Grill- parzerschen Novelle den Stoff entlehnt, soll nun auch noch als Oper bearbeitet werden. Die Musik wird ein sonst unbekannter unga» rischer Komponist liefern. günstiger gestaltet. Der Ueberschutz betrug im FaTjre 1907 170 W Mark, im Jahre 1908 130 788 M.. im Jahre 1909 111 142 M. Also in den beiden Krisenjahren hat sich der Ueberschuß um 59 240 Mark verringert. Die Parteigenossen müssen sich die Aufgabe stellen, durch rege Agitation für weitere Verbreitung des„Vor- wärts" zu sorgen, um dadurch nicht nur die Finanzlage des Blattes zu verbessern, sondern auch unsere Anschauungen in immer weitere Kreise zu tragen. Von den Arbeiten der Agitationskommission ,st zu erwähnen, datz in der Provinz 392 000 Flugblätter gegen die Neichsfinanz- reform verbreitet wurden. Auf einer Konferenz in Küstrin ist die Frage der Schaffung eines Kopfblattes für die Neumark erörtert worden. Der Plan soll verwirklicht werden, wenn durch Feststellung des Abonnentenkreises, der für das Blatt in Frage kommen würde. die Notwendigkeit der Gründung erwiesen ist.— Die Zahl der in der Provinz bestehenden Auskunftsbureaus ist um 5 vermehrt worden. Es sind jetzt 23 solcher Bureaus vorhanden, die alle rege in Anspruch genommen werden.— In 26 Städten bestehen Bildungs- ausschüsse, in 23 Städten Jugendausschüsse, in 5 Städten Kinder- schutzkommissionen. Der Zentralvorstand hielt 8. der Aktionsausschuh 13 Sitzungen ab außerdem fanden 25 Sitzungen mit anderen Körperschaften statt. Die Zahl der Eingänge beträgt 1985. der Ausgänge 5354. Es wurden 342 Referenten vermittelt. Die Mitgliederzahl in den acht Wahlkreisen Groh-Berlins be- trug am 31. Dezember 1908 90 869(83 277 männliche. 7592 weib- liche), am 30. Juni 1909 87 614(78 232 männliche. 9382 weibliche). Die Gesamtzahl der Mitglieder ist also um 5045 zurückgegangen. Der Rückgang betrifft nur die männlichen Mitglieder, während die Zahl der weiblichen zugenommen hat. Die Finanzlage des Verbandes gestaltet sich folgendermaßen: Die Gesamteinnahme im ersten Halbjahr(einschließlich eines Be- standes von 60 474,54 Mk.) beträgt 181551,75 Mk., die Gesamt- auSgabe 143 261,45 Mk.. es bleibt ein Bestand von 33 290,30 Mk. An den Parteivorstand wurden 99 000 Mk. abgeliefert. Zum Schluß sagte der Redner: Der Bericht des Vorstandes ist kein günstiger, zumal, wenn man berücksichtigt, daß in nächster Zeit hohe Anforderungen an die Organisation gestellt werden. Wir haben die Stadtverordnetenwahlen und diel Ersatzwahlen zum Landtag vor uns. Für die Verbreitung von Bildung und für die Jugendagitation muß mehr aufgewendet werden, wenn unsere Be- wegung vorwärts gehen soll. Zunächst gilt es, die Organisation zu stärken. Es müssen nicht nur die Mitglieder wiedergewonnen werden, die wir in letzter Zeit verloren haben, sondern es müssen auch neue Mitglieder gewonnen werden. Auch die Zahl der„Vor- wärts*°Abonnenten muß vermehrt werden. An Agitationsstoff fehlt es nicht. Die Wirkung der neuen Steuern muh agitatorisch ausgenutzt werden. Die Krise allein hat den Mitglicderrückgang nicht verschuldet. Wir hatten bei der letzten Reichstagswahl 412 000 sozialdemokratische Stimmen in Groß-Berlin, wir haben 250 000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter. Hier muß der Hebel angesetzt werden, um unserer Partei neue Kämpfer zuzuführen. Bei den Wahlkämpfen im Herbst muß es heißen:„Alle Mann auf Deck und klar zum Gefecht." Unter dieser Parole wird es vorwärts gehen. Zur Diskussion meldete sich niemand. Die Versammlung er- teilte dem Vorstand Decharge. Hierauf folgte die Beratung der eingegangenen Anträge. Der zweite Kreis beantragt:„Den Parteischülern ist ein Büchergeldzuschuß von 50 M. zu gewähren."— Der Antrag wurde damit begründet, daß die den Parteischülern gewährten Unter- Haltskosten so gering seien, daß sich der Zuschuß zur Anschaffung von Büchern rechtfertige.— Genosse Müller vom Parieivorstand bemerkte, der Parteivorstand habe die Absicht, die Unterhalts- gelder für alle Schüler zu erhöhen.— Der Antrag wurde darauf dem Parteivorstand überwiesen. Ein anderer Antrag des zweitem Kreises lautet:„Es soll eine -umfassende Agitation für die Partei und den„Vorwärts" nach dem Hamburger System unternommen werden, indem wir von den Ge- werkschaften Abschrift der Mitgliederlisten erbitten und unter den Gewerkschaften die Agitation entfalten." Nachdem Beil den Antrag begründet hatte, wandte W o l l e r- mann dagegen ein: Es sei nicht nötig, daß ein solcher Antrag von Groß-Berlin angenommen werde, denn jeder Kreis habe ja die Möglichkeit, nach dem System des Antrages die Agitation zu be- treiben. In einigen Kreisen sei das schon seit Jahren geschehen.— Gr og er sagte, es werde seine Schwierigkeit haben, die Mitglieder- listen von den Gewerkschaften zu bekommen. In Rixdorf habe man beim Gewerkschaftskartell einen derartigen Versuch gemacht. Das habe der Vertreter der Buchdrucker abgelehnt und gesagt, mit dem- selben Anliegen könnten ja auch die Nationalliberalen und Konser- vativen kommen. Ob das auch die Meinung des Gauvorstandes der Buchdrucker sei, wisse er(Groger) nicht, aber der Buchdrucker. der diese Bemerkung machte, sei Hilfsarbeiter im Hauptvorstand.— Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde gesagt, die Agitation für den„Vorwärts" sei ohne Wirkung, wenn nur durch Flug- blätter oder durch einmaliges Verteilen der Zeitung agitiert werde. Man müsse den„Vorwärts" tagelang an dieselben Leute gratis verteilen. Wels bemerkte dazu, auch das sei bereits in Spandau sowie in einigen Berliner Bezirken geschehen. Was die Antrag- steller wollen, bestehe also schon.— Der Antrag wurde den einzel- nen Kreisen'zur Berücksichtigung überwiesen. Ein Antrag des dritten Kreises verlangt Aufhebung des von der borigen Verbandsgeneralversammlung gefaßten Beschlusses, welcher die Genossen des dritten Kreises verpflichtet, die„Neue Welt" den Rixdorfer Genossen als Maifeierlokal zu überlassen, we:l die„Neue Welt" in Nixdorf liegt und die Rixdorfer Genossen des- halb in erster Linie Anspruch auf Benutzung des Lokals hätten.— Der jetzt vorliegende Antrag wurde damit begründet, daß die Gene- ralversammlung, indem sie den angegriffenen Beschluß faßte, ihre Kompetenz überschritten und in die Rechte eines einzelnen Kreises eingegriffen habe.— Andererseits wurde ausgeführt, die Genossen des dritten Kreises wären in der Frage der„Neuen Welt" im Un° recht, sie hätten in die Rechte der Rixdorfer Genossen eingegriffen. der angefochtene Beschluß der Generalversammlung bestehe zu Recht und könne nicht aufgehoben werden. Der Antrag des dritten Kreises wurde abgelehnt und ein An- trag des Kreises Teltow-Beeskow angenommen, welcher lautet: „Die Generalversammlung des Kreises Teltow-Beeskow er- wartet von der Generalversammlung Groß-Berlins, daß der Be- schluß derselben:„Der 3. Wahlkreis hat vom Jahre 1910 an die „Neue Welt" dem Wahlverein Rixdorf zur Maifeier zu überlassen", durchgeführt wird. Der Zentralvorstand soll Mittel und Wege suchen, um den Beschluß zur Durchführung zu bringen.' Ein Antrag des vierten Kreises will, daß die im§ 7 des Wahlvereinsstatuts ausgesprochene Beitragsbefrciung arbeitsloser Mit- glieder ausgedehnt werde auf weibliche Mitglieder, deren Männer arbeitslos sind, falls sie(die weiblichen Mitglieder) in keinem ge- werblichen Arbeitsverhältnis stehen.— Namens des Zentralvorstandes empfahl T h. Fischer die Ablehnung des Antrages, weil das Statut nur persönliche Mitglieder kenne, denen gegenüber die Organisation Rechte und Pflichten habe. Auf Familienangehörige könnten die Vergünstigungen des Statuts nicht ausgedehnt werden. — Der Antrag wurde abgelehnt. Ein anderer Antrag des vierten Kreises lautet:„Bei wichtigen Statutenänderungen— insbesondere Erhöhung der Beiträge— hat Urabstimmung zu erfolgen."— Gegen den Antrag wurde geltend gemacht, derselbe habe weitgehende Konsequenzen, deshalb möge man ihn erst in den einzelnen Kreisen beraten und dann der nächsten Generalversammlung überweisen.— Der Antrag würde mit schwacher Mehrheit angenommen. Teltow-Beeskow beanträgt:„Das.Mitteilungsblatt" ist dahin auszugestalten, daß mindestens in jeder Nummer ein Artikel er- scheint, der über Organisation, Agitation und der Partei inter- essierende Fragen kurze Abhandlungen bringt."— Seitens des Zentralvorstandes wurde darauf verwiesen, daß die Forderung der Antragsteller bereits erfüllt sei.— Der Antrag wurde darauf gb- gelehnt. Ein anderer Antrag des Kreises Teltow-Beeskow sag!: „Die Erträge der bei den allgemeinen, über Groß-Berlin sich erstreckenden Demonstrationsversammlungen veranstalteten Teller- sammlungen verbleiben den örtlichen Wahlvereinen resp. der Kreiskasse. Die durch die Veranstaltung von Demonstrationsvcrsammlungen dem Zentralvorstand von Groß-Berlin entstandenen Unkosten sind im Uinlagcverfahren von den Kreisen zurückzuerstatten." Nachdem Wollermann namens des Zcntralborstandes für den Antrag eingetreten war, da der Zentralvorstand einen früheren. dem Antrage entgegenstehenden Beschluß fallen gelassen habe, wurde der Antrag angenommen. Ein Antrag des Kreises Niederbarnim wurde, nachdem ihn zwei Redner befürwortet hatten, dem Zentralvorstand als Mate- rial überwiesen. Der Antrag.lautet: „Die Generalversammlung möge beschließen, daß ein Bil- dungsausschuß für Groß-Berlin. bestehend aus Delegierten von der Partei und den Gewerkschaften, eingesetzt werde." Ein verspäteter Antrag des fünften Wahlkreises lautet: „Die Generalversammlung möge beschließen, Parteibons für die Zukunft nicht mehr auszugeben. Um den hierdurch entstehen- den Ausfall zu decken, soll in Zukunft ein Extrabeitrag von 10 Pf. pro Vierteljahr von jedem Mitglied erhoben werden." Friedländer bemerkte hierzu: Die Meinung der Antrag- fleller sei die: Da die Einnahme aus dem Vertrieb der Bons immer geringer werde, so sollten sie abgeschafft werden, da aber die Bons doch nur in den Kreisen der Parteigenossen abgefetzt würden, so solle der aus der Abschaffung der Bons entstehende Einnahmeausfall durch einen festen Extrabeitrag eingebracht wer- den. Er, der Redner, komme seiner Pflicht nach, indem er den Antrag nicht empfehle, sondern ihn der Generalversammlung vor- lege.— Wollermann verwies auf den oben gefaßten Beschluß. wonach wichtige Aenderungen zur Vorabstimmung kommen sollten und beantragte, den Antrag des fünften Kreises den einzelnen Kreiesn zur Stellungnahme zu unterbreiten.— Der Antrag Wollermann wurde angenommen. Hierauf folgte der nächste Punkt der Tagesordnung: Die politische Situation im Reiche und in Preußen. Der Referent S t r L b e l führt im wesentlichen ungefähr fol- gendes aus: Ich möchte hier nur die Frage behandeln: Welche Stellung hat unsere Partei in der gegenwärtigen Situation einzu- nehmen. Um diese Frage zu beantworten, haben wir zu unter- suchen: 1. Hat sich infolge der Auflösung des konservativ-liberalen Blocks eine wesentliche Aendcrung im bürgerlichen Lager vollzogen, und 2. hat die Sozialdemokratie Ursache, mit Rücksicht auf diese Aenderung einen Wechsel in ihrer Kampsstellung zu den bürger- lichen Parteien eintreten zu lassen. Die konservativ-liberale Paarung hat ihr End« erreicht, der Schnapsblock ist an deren Stelle getreten. Das heißt, Konservative und Zentrum haben sich wieder zusammengefunden. Als mit dem Beginn der konservativ-liberalen Blockpolitik das Zentrum aus der Regierungsmehrheit ausgeschaltet wurde, erwarteten verschiedene unserer Pateigenossen, das Zentrum werde eine demokratische Hal- tung einnehmen. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Das Zentrum ist nicht demokratischer, sondern reaktionärer geworden. Das Zentrum kann auch gar keine demokratische Partei werden. Es ftinn schon aus Furcht vor der Sozialdemokratie nicht an die Massen appellieren. Die Kraft des Zentrums wurzelt nicht in den Arbeiterinassen, sondern es stützt sich, soweit breite Massen für eS in Frage kommen, auf die Bauern, auf die ländliche und klein- gewerbliche Bevölkerung. Hieraus erklärt sich die Haltung des Zentrums. Das Zentrum ist mit den Konservativen wesensver- wandt. Deshalb beruht seine Kraft auch auf der Stärkung der konservativen Staatsgrundsätze. Allerdings gibt es einige Rei- bungsflächen zwischen Zentrum und Konservativen, aber diese Ge- gensätze schwinden, sobald es gilt, die der beiden Parteien gemein- samen Anschauungen durchzusetzen. Innerhalb der konservativen Partei finden wir dieselbe wirtschaftliche Konstruktur, wie inner- halb des Zentrums. Deshalb kann das Zentrum gar keine Politik gegen die Konservativen treiben. Das Zentrum hat von feinem Standpunkt aus richtig operiert, der alte Block, die Verbindung des Zentrums mit den Konservativen, hat sich wieder eingestellt. Die Politik des Zentrums, die man als eine sehr geschickte bezeichnet hat, ergibt sich aus der ganzen Natur des Zentrums. Eher aber kann man sagen, die Politik des Zentrums, soweit sie die Arbeiter betrifft, war eine äußerst skrupellose. Es ftagt sich nun, was wird uns der Schnapsblock bringen. Mindestens den Versuch einer erneuten Reaktion. Mit einer neuen Aera der Reaktion dürften wir zu rechnen haben auf politischem und fozialpolitischem Gebiet. Der Schnapsblock bedeutet die Sammlung aller reaktionären Elemente und die Bedrohung des Fortschritts auf allen Gebieten. Es liegt auf der Hand, daß diese Bedrohung auf der anderen Seite eine Koalition aller vorwärts- strebenden Elemente herbeiführen mußte, so daß man den Block der Rechten einen Block der Linken entgegensetzen könnte. Es sind ja auch Stimmen laut geworden, welche meinen, unsere Partei müßte mit der bürgerlichen Linken zusammengehen. An sich kann es nicht schaden, wenn man die Meinung vertritt, wir könnten in ge- wissen Fragen mit der bürgerlichen Linken zusammengehen. Aber man soll sich hüten, bei unseren Anhängern auf ein solches Zu- sammengehen Hoffnungen zu erwecken, die nicht erfüllt werden können. Betrachten wir die Linke näher. Der größte Teil derselben sind die Nationalliberalen. Sie sind auf sozialpolitischem Gebiet erzreaktionär. Die berückstigsten Scharfmacher finden sich unter den Nationalliberalen. Diese Partei ist auch eine ausgesprochene Gegnerin jedes demokratischen Wahlrechts und vertritt auf Wirt- schaftlichem Gebiet die Hochschutzzöllnerei. Selbst mit den Agrar- zöllen hat sie sich abgefunden. Die Nationalliberalen sind auch Gegner jeder ernsthaften Besitzsteuer. Wir haben also keine Be- rührungspunkte mit den Nntionalliberalen. Sie gehören zu unferen entschiedensten Gegnern. Haben sie doch auch die Schul- verpfaffung im Landtage mitgemacht. Somit bleibt also der Freisinn allein übrig. Er steht vor uns, beladen mit der Schmach und Schande der Blockära. Nicht frei- willig ist der Freisinn aus dem Block ausgetreten. Er hat nicht Ekel empfunden vor dem Bütteldienst, den er der Reaktion leistete, sondern er war bereit, für 400 Millionen neuer indirekter Steuern zu stimmen. Der Freisinn mußte aus dem Block austreten wegen Differenzen in der Erbschaftssteuer, doch waren es nur die In- teressen des mobilen Kapitals, die er bei dieser Gelegenheit ver- trat. Unter den Mitgliedern der Freisinnigen spielen die Handels- und Börsenkapitalisten eine große Rolle. Diese mögen wohl nicht fo arbeiterfeindlich sein. wie die nationalliberalen Grgß- industriellen, aber wenn es gegen die Interessen der Arbeiter ging, haben sie sich immer auf die Seite der Reaktion geschlagen. Zum Freisinn halten auch viele Bauern und Handwerlsmeister, also Elemente, die auf sozialem Gebiet durchaus nicht fortschrittlich ge- sinnt sind. Wenn wir den Freisinn näher kennen lernen wollen. brauchen wir nur seine Kommunalpolitik zu betrachten. Nur wider- willig hat er sich hier und da zu Verbesserungen drängen lassen, aber stets war er bereit, die Rechte der Arbeiter zu beschneiden. Der Freisinn ist sich durchaus treu geblieben als er die Blockpolitik mitmachte. Von ihm ist nichts zu erwarten. Der Zug seines Herzens geht nach rechts, er kann niemals als ernsthafter Bundes- genösse für uns in Frage kommen. Vielleicht könnte die neue Parteibildung, die Demokratische Ver- einigung, sich als eine für uns in Frage kommende Bundespartei entwickeln. Sie kann vielleicht die bürgerlichen Intelligenzen, den sogenannten neuen Mittelstand und vielleicht auch die Arbeiter in den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen für sich gewinnen. DaS wäre eine Volksschicht, die nicht wegen ihrer sozialen Interessen gegen die Arbeiter Stellung zu nehmen braucht. Aber sehr groß kann diese Partei nicht werden. Wir können ihr jedoch Sympathien ent- gegenbringen, wenn sie ehrlich deinokratisch ist und gegen die Libe- ralen Stellung nimmt. Wollte sie aber am Körper der Sozial- demokratie schmarotzen, so würden wir uns ihrer entledigen. Doch für solche Absichten sind noch keinerlei Anzeichen vorhanden. 'i So liegen die Dinsse. AIS Bundesgenosse für die Erringung eines demokratischen Wahlrechts kann für uns nur die Demokratische Vereinigung, aber keine andere Partei in Frage kommen.— Eö wird gesagt, ohne fremde Hilfe könnten wir nichts erreichen. Ich sage, wenn die Sozialdemokratie ohne fremde Hilfe ohnmächtig wäre, dann müßten wir das ruhig hinnehmen und für Stärkung unserer Macht sorgen. Das erreichen wir aber nicht dadurch, daß wir den Arbeitern vorreden, der Freisinn werde sich zu einer demo- kratischen Politik aufraffen. Wenn wir nur auf unsere eigene Kraft angewiesen sind, so braucht uns das nicht zu entmutigen., sondern es muß uns zur höchsten Kraftleistung anspornen. Wir haben keine Ursache, die Flinte ins Korn zu werfen. Die Sozial- demokratische Partei ist in zwanzig Jahren um 2 Millionen An- Hänger gewachsen. Das ist ein sehr schöner Erfolg. Aber wir sind noch nicht an der Grenze des Erreichbaren angelangt. Die In- dustrie dehnt sich immer weiter aus und mit ihr wächst die Masse der Arbeiter. Bereits sind es zwei Drittel der Einwohner des Reiches, die ihrer sozialen Lage nach zur Arbeiterklasse gehören und deshalb für unsere Partei gewonnen werden können. Liegt es unter diesen Verhältnissen nicht nahe, auf die Agitation unter den Arbeitern mehr zu rechnen als auf die Gewinnung von Anhängern aus der bürgerlichen Klaffe? Gewiß, auch unter den Arbeitern gibt es noch manche Schichten, bei denen unsere Agitation auf Widerstand stößt, aber das ist für uns immer nur ein Grund ge- Wesen, unsere Agitation um so energischer zu betreiben. Wir sind ja auch dabei, unser Rüstzeug zu verbessern. Es könnte wahrschein- lich mehr für die Agitation und Aufklärungsarbeit getan werden, wenn sich manche Parteischriftsteller zur Aufgabe machen würden, mehr unsere Grundsätze zu propagieren, als den Gegnern Stoff zur Agitation gegen uns zu liesern.— Aus dem Parteitage wir) es wohl zu Auseinandersetzungen kommen, bei denen wieder die Frage aufgeworfen wird, wer die Schuld am Krakeel trägt.— Eine Partei muß innerlich geschlossen sein. Das gilt ganz besonders für die Sozialdemokratie, die sich ja mit der ganzen Welt herum« schlagen muß. Es kann keine schlimmere Schädigung der Partei geben, als die Minierarbeit solcher Parteigenossen, die nur die Partei bekritteln und den Gegnern Stoff zur Agitation geben. (Sehr richtig!) Es wäre an der Zeit, ein ernstes Wort mit den betreffenden Genossen zu reden. Wenn sie ihr parteischädigendes Treiben nicht einstellen, dann ist es für die Partei eine Pflicht der Selbsterhaltung, ein Machtwort zu sprechen und diesen Genossen zu sagen: Wenn Ihr nicht die Konsequenzen aus Eurem Verhalten zieht, dann werden wir es tun.(Sehr richtig! Beifall.) Das Treiben dieser Genossen, von denen gewiß keiner absichtlich die Partei schädigen will, erscheint um so verwerflicher, als in Preußen der Wahlrechtskampf bevorsteht, bei dem wir allein auf uns an- gewiesen sind und deshalb alle unsere Kraft anspannen müssen. Um mit den energischsten Mitteln kämpfen zu können, ist die Ge- schlossenheit der ganzen proletarischen Armee und�dis unverbrüchliche Solidarität zwischen Partei und Gewerkschaft notwendig. Ter Zusammenhang zwischen diesen beiden könnte und müßte noch viel inniger sein als er erfreulicherweise schon jetzt ist. Es genügt nicht, daß die Leitungen der Partei- und Gelverkschaftsinstanzen zu- sammengehen. Auch die Massen müßten von dem gleichen Puls- schlag beseelt sein. Wenn so die ganze Arbeiterbewegung von einem einheitlichen Geist beherrscht wird, dann können wir gewiß sein, daß uns der Sieg in Zukunft doch zufällt.(Lebhafter Beifall.) Die Diskussion eröffnete« Eduard Bernstein. Er sagte unter anderem: Von einem Block der Linken kann zurzeit keine Rede sein, denn die Parteiru der Linken stehen sich zu feindlich gegenüber. Nationalliberale und Freisinnige scheiden für uns als Bundesgenossen aus. Im Wahl- rechtskampf wollen wir alle Mittel ausnutzen. Deshalb ist es selbst- verständlich, daß wir nur auf uns selbst und auf keine andere Partei zu rechnen haben. Wenn es uns aber in absehbarer Zeit nicht gc- lingen sollte, unsere Gegner zu zwingen, uns ein Wahlrecht zu geben, wie wir es haben wollen, dann ist es nicht gleichgültig, wie das Wahlrecht aussieht, welches wir bekommen. Deshalb müssen wir fragen: Wie stehen die Parteien zur Aenderung des Wahlrechts. Ein Pluralwahlshstem, wie cs die Nationalliberalen wollen, ist für uns nicht besser als wie das heut bestehende System. Außer einer Aenderung des Wahlsystems kommt noch die Aenderung der Wah:- kreise in Frage. Heut wird in Preußen die Stadt durch das Land regiert. Solange die heutige Wahlkreiseinteilung besteht, werden die Großstädte durch das flach« Land überstimmt. Darauf beruht die Macht der Konservativen und des Zentrums. Die Liberalen, die unter diesen Umständen nicht zur Geltung kommen können. haben also in der Frage der Wahlkreiseinteilung ein gemeinsames Interesse mit uns. Wenn auch für uns ein Block mit den Frei- sinnigen unmöglich ist, so haben sie doch ein Interesse an einer stärkeren Vertretung der Städte im Landtage. Hierin können wir uns auf sie verlassen. Ich wünsche, daß man den Gegensatz, in dem wir zu den Freisinnigen stehen, nicht unnötig übertreibt, denn eS liegen doch hier sehr große aktuelle Interessen der Arbeiterklasse vor, die wir nicht vernachlässigen dürfen. Wir haben Grund, dem neuen Reichskanzler Bethmann Hollweg noch viel schärfer auf d,e Finger zu sehen, wie seinem Vorgänger Bülow. Dieser war ein Diplomat, aber Bethmann Hollweg kommt aus der preutzisckzen Verwaltung und weiß mit viel mehr Schlauheit wie Bülow die Mittel anzuwenden, die seinen Absichten dienen. Die ReichSvcr- sicherungsordnung, dieses große Stück Reaktion, ist Bethmann Holl- Wegs Werk. Daran sehen wir, welchen Weg die Reaktion einschlagen wird. Hier stehen aktuelle Interessen der Arbeiterklasse in Frage, die wir nicht mit einem erhebenden Blick in die Zukunft außer acht lassen dürfen.— Es ist sehr schön, wenn wir uns vor Augen halten, daß die Arbeiterklasse wächst. Aber wer agitiert, der weiß, daß eS große Teile der Arbeiterklasse gibt, die wohl für den Augenblick für uns gewonnen werden können, aber bald wieder in Lethargie zurück. fallen.(Sehr richtig!) Eine Politik, die nicht an die Gegenwart denkt, saiützt uns nicht vor Rückschlägen.— Wenn eS überhaupt möglich sein sollte, in absehbarer Zeit ohne Anwendung riskanter Mittel die Macht der heut regierenden Parteien zu brechen, dann müssen wir unsere Sprache und Haltung danach einrichten, daß eine gegenseitige Unterstützung bei den Wahlen— nicht ein Bündnis— zustandckommt.(Zuruf: Der Klassenkampf!) Ja, es gibt noch andere Fragen, die man nicht außer acht lassen darf. Wem es ernst ist-mit dem Fortschritt, der muß sagen, vorläufig regieren bei uns noch nicht die Städte sondern das flache Land. Noch ein Wort über die Einheit im Kampf. Gewiß ist es not- wendig, daß eine Partei Einheit in den Grundsätzen und in der Aktion haben muß. Aber man kann daS Wort Einheit auch so aus- legen, daß es hinausläuft auf Untergrabung und Schädigung der eigenen politischen Entwickclung. Eine Partei, die lebt und wirkt. braucht auch Ellbogenfreiheit in den eigenen Reihen. Wenn mal von der Schablone abgewichen wird, dann soll man nicht gleich schreien, das Vaterland ist in Gefahr. Zitate nutzen unsere Gegner von Parteigenossen auf beiden Seiten aus. Wem so etwas in der Agitation begegnet, der muß darauf zu antworten wissen. Eine Partei, die auf der starken Grundlage des Klassenbewußtseins der Arbeiter ruht, wird doch nicht dadurch erschüttert, daß die Gegner Zitate von Parteigenossen gegen die Partei auszunutzen suchen. (Zuruf: Aber die Massen!) Warum seid Ihr denn nicht besorgt um die Massen, wenn Zitate von Bebel und 5dautsky von den Gegnern ausgenutzt werden. Widerlegt doch unsere Ansichten, wenn sie Euch nicht passen. Aber mit Euren Aeußerungen über Partei- schädigendes Treiben nehmt Ihr manchem Genossen, der in der Agitation zu jeder Zeit seinen Mann steht, den Kampfcsmut und die Kampfeslust, die notwendig sind, um gemeinsam zu wirken. Es liegt im Interesse der Partei, daß sie die Differenzen in ihren eigenen Reihen nicht übertreibt. Die Partei hat die Möglichkeit, ihren Mitgliedern einen hohen Grad von geistiger Freiheit zu ge- währleisten.— Wir stehen in einer ernsten Situation. Verlaß ist nur auf unsere Partei. Wir haben zu agitieren, um unsere Kräfte zum Kampf zusammenzufassen. Darum sorgen wir dafür, daß jeder, der mit gutem Willen in der Partei arbeitet, auch mit guter Lust in der Partei arbeiten kann.(Beifall.) Auf Antrag von Adolf Hoffmann wurde, weil der Saal gc- räumt werden mutzte, die weitere Diskussion vertagt. Sie s?ll noch vor dem Parteitag fortgesetzt werden.- Die Versammlung beschloß, eine Tellersammlung für den schwedischen Generalstreik zu veranstalten und ein Sympathietele- gramm an die schwedischen Kämpfer abzusenden. Die Präsenzliste wurde festgestellt. Es sind anwesend vom ersten Kreise 10, vom zweiten Kreise 38, vom dritten Kreise 10, vom vierten Kreise 148, vom fünften Kreise 14, vom sechsten Kreis? 189, von Tcltcw-Becskow 1S9, von Niederbarnim 7g Delegierte. Es fehlen vom vierten Kreise 8, vom sechsten Kreise 3, von Nieder- barnim 1, von Teltotn-BeeSkow 18 Delegierte.— Zentralvorstand, Stadtverordnete, Reichstags- und Landtagsabgeordnete sowie Kandi baten sind durch 62 Genossen vertreten. Sie deutschen Gewerkschaften im Jahre 1008. Im„Correspondenzblatt" der Generalkommission veröffentlicht Genosse Legten soeben die Statistik über die Gewerkschaften im Jahre 1908.. Was vor einiger Zeit nach einer mehr oberflächlichen Zusam menstellung schon gemeldet werden konnte, findet jetzt seine Bestätt gnng durch die offizielle Gewerkschaftsstatistik. Das Krisenjahr mit seinem außerordentlichen Tiefstand der wirtschaftlichen Konjunktur hat den freien Gewerkschaften nicht nur einen Mitgliederverlust gebracht, sondern auch hohe finanzielle Anforderungen in bezug auf Unterstützungen an sie gestellt. Der Rückgang im Mitgliederstand zeigte sich in allen Quartalen; er war am stärksten im vierten Quartale. Daher kommt es denn auch, daß der Verlust an Mit- gliedern am Jahresschlüsse 75 183 beträgt gegenüber dem vierten Quartale des Vorjahres. Im Jahresdurchschnitt, d. h. also die Mitgliederzahl aller Quartale zur Grundlage der Berech» nung genommen, beträgt der Mitgliederverlust er» heblich weniger, nämlich 33 775. In Zeiten der Wirtschaft- lichen Krise verringerte sich der Mitgliederstand der Gewerkschaften auch früher schon, so von 1801 zu 1892 um 40 610 Mitglieder, 1892 zu 1893 um 13 519 Mitglieder, 1901 um 2917 Mitglieder. Der Verlust anfangs der neunziger Jahre traf die Gewerkschaften weit härter als der im letzten Jahre und er erklärt sich, wenn man berücksichtigt, daß die Gewerkschaften in den drei vorhergehenden Jahren nicht weniger als rund 800 000 Mitglieder gewonnen hatten. Trotz der ungünstigen Wirtschaftslage haben 24 Verbände ihren Mitgliederbestand(das vierte Quartal 1908 verglichen mit dem von 1907) erhöhen können, während 35«inen Mitgliederverlust zu vsr- zeichnen haben. Den größten Mitgliederverluft hat der Verband der Textilarbeiter mit 23 320. Der Verband der Maurer verlor 17 449, der der Bauhilfsarbeiter 15 789, der der Schmiede 4250, doch ist bei diesem Verbände der große Mitgliederverluft auf genauere Berechnung nach der Summe der gezahlten Beiträge mit zurück- zuführen. Der Verband der Porzellanarbeiter büßte 3638, der der Fabrikarbeiter 3250 und der der Holzarbeiter 3233 Mitglieder ein. In allen anderen Verbänden war der Verlust an Mitgliedern unter 3000, doch ist selbstverständlich, daß damit nicht gesagt werden soll, daß der Mitgliederverluft von wenigen Hundert in den kleinen Verbänden nicht schwerer wiegt als der Verlust von wenigen Tau- send in den großen Verbänden. Von den 60 Verbänden, die in der Generalkommission angescblossen sind, hatten 6 mehr als 100000, 4: 50—100 000, 4: 30—50 000, 4: 20—30 000, 10: 10—20 000, 10: 5—10 000, 11: 3—5000, 4: 2—3000, 1: 1—2000 und 6 weniger als 1000 Mitglieder. Nach des: Mitgliederzahl im Jahresdurch- schnitt rangieren die Verbände folgend: Nietallarbeitcrverband 360 099, Maurer 175 019, Holzarbeiter 146 337, Fabrikarbeiter 136 195, Textilarbeiter 116 403, Berg- arbeiter 112192, Transportarbeiter 88 096, Bauhilfsarbeiter 55 526, Buchdrucker 55 482, Zimmerer 51119, Maler 39 485, Schneider 39 306, Schuhmacher 37 097, Brauereiarbeiter 33 422, Tabakarbeiter 28 556, Gemeindearbeiter 28 160, Hafenarbeiter 23 986, Buchbinder 21 978, Maschinisten 18 370, Bäcker und Konditoren 18 289, Stein- arbeiter 17 816, Glasarbeiter 16 859, Lithographen 16 648, Schmiede 15 193, Buchdruckereihilfsarbeiter 13 492, Porzellanarbeiter 12 974, Töpfer 10 839, Steinsetzer 10 356, Handlungsgehilfen 8750, Tape- zierer 8275, Böttcher 7705, Seeleute 7541, Lederarbeiter 7491, Stuk- kateure 7361, Hutmacher 7005, Gastwirtsgchilfen 6933, Sattler 6796, Dachdecker 5938, Gärtner 4800, Bureauangestellte 4477, Mühlen- arbeiter 4436, Glaser 4378, Kupferschmiede 4189, Bildhauer 4175, Schiffszimmerer 3929, Portefeuiller 3801, Handschuhmacher 3228, Hoteldiener 3078, Fleischer 3017, Zigarrcnsortierer 2901, Kürsch- tter 2636, Friseure 2119, Lagerhalter 2091, Zivilmusiker 1642, Isolierer und Steinholzleger 875. Asphalteure 515, Xylographen 502, Blumenarbeiter 498, Notenstecher 423, Sckirmmacher 239. Sehr erfreulich ist es, daß die Zahl der weiblichen Mitglieder nicht zurückgegangen, sondern sogar um 1514 gestiegen ist. In 15 Organisationen ist zwar ein Verlust an weiblichen Mitgliedern von insgesamt 5079 eingetreten, dagegen haben 20 Verbände ins- gesamt 6593 weibliche Mitglieder gewonnen. Im Jahre 1908 waren in 35 Verbänden 138 443 und 1907 in 34 Verbänden 136 929 weib» liche Mitglieder vorhanden. Von den 138 443 weiblichen Mitgliedern gehören zum Verband der Textilarbeiter 42 655, Metallarbeiter 15167. Fabrikarbeiter 14 829, Tabakarbeiter 12 910, ButWiinder 9256, Buchdruckereihilfs- arbeiter 7460, Schneider 7419, Schuhmacher 5563, Handlungsge- Hilfen 4892. Transportarbeiter 3979. Holzarbeiter 3163. Hutmacher 2231, Porzellanarebiter 1563, Bäcker und Konditoren 1388, Zi- garrensortiercr 785. Brauereiarbeiter 776, Kürschner 601, Gast- Wirtsgehilfen 594. Gemeindearbeiter 556, Portefeuiller 528, Glas- arbeiter 474, Handschuhmacher 466, Sattler 250, Blumenarbeiter 183, Hafenarbeiter 150, Schirmmacher 113, Burcauangestellte III, Lederarbeiter 99, Lagerhalter 86, Tapezierer 85. Mvler 52. Gärt- ner 42 Fleischer 10. Photographen 5. Glaser und Steinsetzer je 1. Da nach der letzten Berufszählung rund 2 Millioenn erwerbs- tätige weibliche Arbeitskräfte in Handel. Verkehr und Industrie beschäftigt werden, so kann die Zahl der gewerblich organisierten Lirbeiterinnen allerdings nicht befriedigen; der Prozentsatz, der Zahl der weiblicbcn Mitglieder zu der Gesamtmitgliederzahl beträgt denn auch nur 7.6 gegenüber 7,3 im Vorjahre. Die Einnahmen und Ausgaben der Verbände sind im Be- richtLjahre etwas zurückgegangen. Die Einnahmen verringerten sich von 51 396 784 M. im Jahre 1907 auf 48 544 396 M. Die große Arbeitslosigkeit, teilweife Gestundung und Befteiung von den Bei- trägen erklären die geringe Einnahme. Die Ausgaben in Höhe von 42 057 516 M. verringerten sich um rund eine Million. Die Ver- ringerung der Ausgaben ist nur bei den Streiks zu verzeichnen. Hierfür wurden im Jahre 1907: 12 994 821 M.. im Jahre 1908 aber nur 4 750 347 M. aufgewandt, wogegen die Ausgabe für Arbeits. losenunterstützung von 4 375 012 M. auf 8 134 388 M. und die für Arbeitsunfähigenunterstützung von 5 635 387 M. auf 8473 853 M. wie enormer Weise sich die Aufwendungen für Unter- ftützungen im letzten Jahre gesteigert haben, mag eine Gegenuber- stellung der hauptsächlichsten AuSgabeposten zeigen. Es verauS- gabten die Gewerkschaften 1908(in Parenthese die Ausgabe sur 1907) für: Reiscuiiterstützung...... 1??? I � Umzugsunterstütziing..». 290 157( 275 716) Arbeitslosenunterstützung.. Arbeitsunfähigenunterstützung. Beihilfe in Sterbefällen... Beihilfe in Notfällen.... Gemaßregeltenmrierstützung. In den letzten 18 Jahren verausgabten die Zcntralperbände allein für Unterstützungen nahezu 144 Millionen Mark Die Auflage der gesamten Gewerk, chaftsblatter betragt 1951 285 Exemplare.. Die Hirsch. Dunckerschen G e we r k v er e rn e haben bei einer Mitgliederzahl von 105 633 einen Mitgliederverluft von 8256 �u verzeichnen, dabei ist noch zu heachten, daß 3 Vereine mit 8 184 388(4 375 012) 8 473 853<5 635 387) 666 494( 642 385) 508 976( 467 707) 1440 263(1010 045) 1379 Mitgliedern in der Statistik aufgeführt sind, die 1907 fehlten. An Einnahmen verzeichnen sie 2 694 893 M. In dieser Angabc liegt aber eine absichtliche Irreführung, weil hierin zum ersten Male auch die Einnahmen der freien Hilfskassen enthalten sind. Das Gleiche gilt ftir die Ausgaben im Betrage von 2 350 727 M. Der Vermögensstand wird auf 4 210 413 M. angegeben, davon 1 620273 M. in den Gewerkschaftskassen, das übrige in den Kran- kcn- und Begräbniskassen. Die chri st lichen Gewerkschaften haben einen Rück- gang von 9804 Mitgliedern im Jahresdurchschnitt zu verzeichnen, am Jahresschluß sogar 23 882 Mitglieder gegenüber dem Vorjahr, und das trotz des Anschlusses der Steinarbeiter Mayens, die ihnen einen Mitgliederzulvachs von 1167 brachten. Die Gesamtmitglieder- zahl betrug am Jahresschlusie 260 767. In dieser Zahl befinden sich 4125 Mitglieder des Verbandes der Eisenbahnarbeitcr, die im Jahresdurchschnitt nicht mit inbegriffen sind, außerdem 6 Verbände, die dem Gesamtverband nicht angeschlossen sind und von diesem nichts wissen wollen, denn sie haben ihm nicht einmal einen Jahres- bericht übersandt, so daß in der Statistik die Zahlen für 1907 an- gegeben werden müssen. Diese Vereinigungen, die wir als unab- hängige christliche Gewerkschaften bezeichnen, hatten 1907 insge- samt 80 437 Mitglieder. Von den Lokalorganisationen liegen Angaben nicht vor. Die unabhängigen und lokalen Vereine hatten mit 100 081 Mitgliedern einen Mitgliederrückgang von 17 244 zu verzeichnen. Der Rückgang entfällt fast ausschließlich auf die lokalen Vereine. In Vereinigungen der Privatbeamten, die als gewerkschaftliche Gebilde nicht zu betrachten sind, zählt das Sta- tistische Jahrbuch 54 Verbände mit 712 563 Mitgliedern. Darunter sind aber einige Verbände gezählt, die zum Teil bei den freien Ge- werkschaften, zum Teil bei den Hirsch-Dunckerschen gezählt wurden. Nach Abzug dieser verbleiben 49 Verbände mit 678 669 Mitgliedern. Die„Gelben Arbeiterverbände und Werkver- eine" werden im Statistischen Jahrbuch nrit 79 Vereinen und 65 338 Mitgliedern, bei 347 784 M. Fahreseinnahmen, 268 871 M. Jahresausgaben und 380 574 M. Vermögensbestand angegeben. Trotz der großen Protektionen durch die Unternehmer und Be- Hörden keine allzu bedeutenden Erfolge in einer ftir diese Sumpf- pflanzen gerade günstigen Zeit. Nach diesen Gegenüberstellungen der verschiedenen deutschen Organisationen ist es ersichtlich, daß die freien Gewerkschaften in der Zeit der schweren wirtschaftlichen Krise ihre Aufgaben am besten erfüllt haben. Und das gegenüber starken Unternchmervcr» bänden! Was daher im Bericht bei Erwähnung der veränderten Taktik der Christlichen, die durch die harten ökonomischen Tatsachen zur Kampfesstellung getrieben werden, gesagt wird, trifft durchaus zu. Es heißt da: Der Fortschritt, den in den letzten Jahren die Unternehmerorganisationen ausweisen, zwingt die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter wohl oder übel zur Äampfesstellung, denn nur nach harten Kämpfen erfolgt die Anerkennung der Gewerk- schaften und die Vereinbarung über die Lohn- und Arbeitsbedin- gungen und der Abschluß von Tarifverträgent Ursache und Airkungen. Eine Erklärung für die Katastrophe zwischen Frankfurt nnd Offcnbach. Am Donnerstag, den 19. August, nachmittag? 4 Uhr, sind an einer Mainschleuse zwischen Frankfurt und Offenbach sieben Menschen- leben durch den Strom verschlungen worden. Der Draht hat die Botschaft in alle Welt hinausgetragen und tiefes Mit- leiden in fühlenden Herzen wachgerufen. Tage vielleicht— oder nur Stunden, flüchtige Augenblicke gar wird darüber nachgedacht; dann ist der Fall vergessen, abgelöst durch einen anderen, der ebenso traurig, womöglich noch schlimmer liegt. Im Hasten und Treiben des täglichen Kampfes ums Dasein wirbeln derlei Vorkommnisse vorüber wie Eintagsfliegen. Ueber die Bedeutung alltäglicher Unfälle wird der jähe Abschluß von 7 Menschenleben aber herausgehoben durch die Nebenumstände, die das Unglück am Main herbeiführte. Unglaubliche Nach- lässigkeit einer g r o ß h e r z o g l i ch e n Behörde hat das Unheil verschuldet. Das ist es, was in der breitesten Oeffentlichkeit bekannt zu werden verdient. Es sei deshalb versucht, die Situation zur Zeit der Katastrophe in wenigen Strichen zu zeichnen. Um den Main oberhalb Frankfurts bis Aschaffenburg in Bayern für größere Fahrzeuge schiffbar zu machen, ließ die hessische Re- giernng 1893 ein sogenanntes Pfahl- oder Trommelwehr bei Offen- dach bauen. Das Wasser wird dadurch erheblich gestaut, der Spiegel des Flusses gehoben, unmittelbar vor dein Wehre um 1.50 Meter. Die Breite des Mains beträgt an der Stelle etwa zwei- hundert Meter, auf hessischer Seite ist die Schleuse für Schiffe und Lasifahrzeuge, aus preußischer die Rinne für Flöße. Die Gebäude für den Schleusendienst und die Wohnungen für die Wärter der Anlage befinden sich gut 50 Meter weiter land- wärts vom Strom aus einer Anhöhe. Auf hejsischer Seite führt ein belebter Weg am Wasser entlang, das Ufer auf preußischer Seite ist von Wiese und Feld umsäumt. Zurzeil baut die Stadt Frank- fürt den neuen Osthafen dorthin und viele Arbeiter sind in der Nähe mit Erdarbeiten beschäftigt. Quer über das Wehr führt ein Weg nach dem Hebelwerk auf preußischer Seite. Um die Flöße durchzulassen, genügt ein Griff, der Hebel geht zurück, gleichzeitig legt sich der Bohlenschutz um, die Stauwasser werden frei. Im Nu ist auch die Floßrinne etwa 2 Meter hoch mit Wasser angefüllt und die Hölzer schwimmen rasch stromabwärts. Bon» preußischen Ufer aus(die linke Seite des Maines ist hessisch, die recbte preußisch; bekannt als„Mainlinie") führt zum Hebelwerk der Floßrinne eine steinerne Treppe empor. Sie ist mit Geländer versehen, eine eiserne Tür soll den Zugang versperren, im Halbkreis angebrachte, mit Spitzen versehene Rundeisen sollen ein Uebersteiaen unmöglich machen. Außerdem ist am Mauerwerk der Anlage ein Emailleschild befestigt, das so aussieht: i Die frevelhafte Nachlässigkeit wird um so iliiberständlicher, wenn man bedenkt, daß in Fabriken, auf Werkplätzcn usw., kurz überall wo Gefahr für Leib und Leben von Menschen vorhanden ii\ Schutz» vorrichluiigen angebracht werden. Die Befolgung der Schutz- Vorschriften ivird von Beauftragten der Berufsgenosienschaften und Gewerbeinspektionen überwacht. Die hessische Strombauverwaltuiig stand anscheinend zu hoch, sie brauchte sich um derlei„Kleinigkeiten" nicht zu kümmern, und es kam, was kommen mußte— ein Unglück. • In den Volksschulen kommt der Anschauungsunterricht mehr und mehr in Aufnahme. Beim Thema„Heimatimide" werden die be- sprochencn Gegenstände wirklich angeschaut und erklärt. Das ist pädagogisch nützlich, und die Abwechselung im Unterricht wird von den Abcschützen frendig begrüßt. So hatte auch die Lehrerin Steitz von der Mathildenschule in Offenbach mit ihren 50 neun- bis elf- jährigen Schülerinnen aus der 4. Klaffe das Wehr besprochen. Um es zu besichtigen, ward ein Ausflug geplant und die Absicht dem Oberlehrer mitgeteilt. Ganz korrekt; wie es die Schulbureaukratie verlangt. Der Spaziergang wurde unternommen am 19. August, nachmittags gegen 2 Uhr. Nach Il/zstündigem Marsch auf wenig gebahnten Wegen, zwischen Heublumen, Mohn und abgeschnittenem Getreide, den Main zur Linken, erreicht die Gesellschaft das Wehr. Lachend und lärmend lagern sich alle ans Ufer ins Gras. Mit Herr- lichem Appetit werden die Butterbrote in der würzig-warmen Luft ver- zehrt. In der nur handbreit mit Wasser bedeckten Flutrinne, von deren be- pflastertenl Grund zwischen den Sieinen grünendes Moos hervorleuchtet, baden und waten Jungen. Die Mädchen verlangtS, es ihnen gleich- zutun. Rasch das Fußzeug herunter, die Treppe hinab inS seichte Wässerchen.„Bitte, bitte!" betteln die Mäulchen,„nur ein bißchen die Füße kühlen". Und das Fräulein erlaubts. Im Nu messen eine Anzahl der Kleinen mit den nackten Füßen die glitschigen Steine des Grundes voller Lust. Die Jungen reitet der Teufel. Offenbar ist ihnen die Kon- kurrenz zu groß geworden. Oder ist es ein angeborener Hang, das schwache Geschlecht zu ängstigen. Kurz und gut, leichtfüßig hüpfen die nichtsnutzigen Beugel aufs Trockene und greifen nach dem Hebel. Der legt sich allsogleich zurück, das mit Mühe ge- bändigte Element stürzt über die sinkende Schranke, brausend und donnernd schießt/es die Flutrinne hinab. Was im Wege steht, muß mit fort. Ein einziger ungeheurer Schrei des Entsetzens am Ufer, im Wasser angstvolles Fliehen und Streben nach der einzigen Treppe. Zwei Arbeiter stürzen herzu und springen kopfüber ins Wasser. Um- sonst; die gurgelnden Fluten tragen in reißender Schnelligkeit Kinder und Große in den offenen Strom. Fischerboote langen rasch zu. Es gelingt einen der Männer und zwei Kinder zu retten; der andere kühne Menschenfreund büßt seinen Wagemut mit dem Leben. Und sechs Kinder sind mit ihm untergegangen. Binnen wenigen Augenblicken ist alles vorüber. Später laufen händeringende Mütter in wilder Hast die Ufer ab in verzweifelndem Suchen. Dicht dabei, im schattigen Garten der historischen Gerbermühle läßt die Kapelle der Frankfurter Artillerie für die Gäste des Restaurants lustige Weisen ertönen. Verzweifelnde Klagelaute und Operettenmustk zusammen in Eins verwobcn; vom Winde hinübergetragen zum Main, der eben so schreckliches gesehen.... 4» Die Opfer sind vegraben. Ein Hügel türmt sich über sechs Kinderleichen. Der ruhmlose Held, der einzige Ernährer armer alter Eltern, ist in seine Heimat übergestihrt. Proletarier Warews, deren Lieben dem sträflichen Leichtsinn staatlicher Organe zum Opfer fielen. Die öffentliche Meinung, soweit sie ihren Ausdruck durch eine„gutgesinnte" Presse findet, spiegelt dies Faktum wieder: spaltenlange Beileidssinfonien erklingen, die tränenreiche Riihrseligkeit schwelgt in allen Tonarten. Sammlungen sind eingeleitet, mit Geld sollen die Lücken, die das Unglück in Arbeiterfamilien gerissen hat, verklebt und verkleistert werden. Gegen die Schuldigen traut sich das amtlich geeichte Zeitungspapier nicht aufzubegehren. Weil es aber so ist, deshalb muß die Presse des Volkes, muffen die Blätter der Sozialdemokratie um so lauter die Wahrheit künden l Un* g ist. leusen e v. Großherzogl. Wasserbauamt Wer gewandt im Entziffern rätselhafter Inschriften ist, hat bald heraus, daß es sich um ein Verbot deS Betretens der Schleuse handelt. Das Verbot und die anderen Vorkehrungen sind not- wendig, um den Hebel, die Seele der Schleuse, � zu sichern. Dieser Hebel ist nämlich kinderleicht zu handhaben, der Arm steht frei und weithin sichtbar oben. Keinerlei Schutzvorrichtung, weder Schloß noch Kette schützt vor unbefugtem Gebrauch, das Wellblechhäuschen für den Wärter steht daneben— es umschließt den wichtigen Hebel nicht! Das schadet scheinbar alles nichts, der Bau ist einem Bollwerk gleich dreifach gesichert: durch die Tür, die Tafel und die angespitzten Rundeisen. Alle diese Maßiiahmen ivaren� aber unnütz, denn: die Schrift an der Tafel war bis auf die schäbigen Reste fort,(siehe oben) die Tür stand Tag und Nacht offen, an die Ruudeisen brauchte sich niemand zu stören. So war denn der Hebel für jedermann Tag und Nacht leicht erreichbar. Boshafte Menschen konnten die ganze Schiffahrt oberhalb des Wehres auf viele Stunden lahmlegen, wcim sie— des Nachts vielleicht— die Schleusen öffneten lind das Staiiwasser ab- ließen. Merkwürdigerweise unterblieb dergleichen Schabernack und es blieb wie eS war: die Tür, die Tafel, der Hebel. Auch nackdem an der gleichen Anlage unterhalb Frankfurts durch mißbräuchliche Benutzung des Hebels vor Jahren drei Schiffer den Tod gefunden hatten. Gerichts-Leitung. Ein Schlafstellenbieb ,, mußte sich gestern in der Person des Kellners Adolf Hart» ramps vor der ersten Ferienstrafkammer des Landgerichts II wegen Betruges, Diebstahls und Urkundenfälschung verantworten. — Der Angeklagte hat etwa 30 Zimmervermietcriiinen in Berlin, Charlottenburg und den übrigen Vororten um Beträge von 8—12 Mark in folgender Weise geprellt. Er mietete ein möbliertes Zimmer oder eine Schlafftelle, wobei er sich den Namen„Paul Röhfcld" beilegte. Noch an demselben Tage erzählte er seiner neuen Wirtin, daß er soeben ans Posen angekommen sei um hier eine Stellung anzutreten. Sein ganzes Gepäck und leider auch sein ganzes Geld lagere noch in seinem Koffer auf dem Schlesischen' Bahnhof, so daß er jetzt nicht einmal in der Lag« sei, sein Gepäck abzuholen. Um den neuen Mieter, der einen sehr vertrauen- erweckenden Eindruck machte, nicht zu verlieren, gab die Zimmer- Vermieterin dann willig den verlangten Betrag, der zwischen 8 und 12 M. schwankte, her. Der Schwindler präparierte dann einen Brief, der angeblich das zur Auslösung des Koffers erforderliche Geld enthalten sollte, und schickte ihn dann mit einem Boten zum Bahnhof. Er ließ sich in fast allen Fällen eine Tasse Kaffee bc- reiten, die er seelenruhig austrank, um dann auf Nimmcnvieder- sehen zu verschwinden. Diese Schwindeleien setzte der Angeklagte fort, bis in den Zeitungen eine Warnung erschien, die seine Per- Haftung zur Folge hatte.— Das Gericht erkannte gegen ihn auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis und 3 Jahre Ehr» Verlust._ Ein gemeingefährlicher Erpresser. der seine Opfer im Tiergarten gesucht hatte, wurde gestern von dem Moabiter Strafgericht auf längere Zeit unschädlich gemacht. Wegen vollendeter und versuchter Erpressung und Hausfriedensbruchs ver- handelte die 1. Ferienstrafkammer des Landgerichts III unter Vor- sitz des Landgerichtsrats Vogel gegen den aus der Haft vorge» führten Schuhmacher Bruno M ü l l e r.— Der erst 22jährige An» geklagte gehört zu jenen verwerflichen Subjekten, die unter Bezug- nähme auf den Z 175 St. G. B. Erpressungen begehen. Er trieb sich schon seit längerer Zeit mit rotgcschminkten Wangen in der Friedrichstraßc und in gewissen Gegenden des Tiergartens umher, um hier die Bekanntschaft von Männern zu machen. Der Kriminalpolizei ist er schon seit geraumer Zeit als gowerbsmäßiger Erpresser bekannt, er hat unter andern auch schon eine längere Ge- fängnisstrafe wegen einer auf diesem Gebiete liegenden Erpressung zudiktiert erhalten.— Anfang Juli d. Js. machte ein Zahnarzt aus Charlottenburg die näher« Bekanntschaft des Angeklagten, dem er auf sein Bitten Obdach in seiner Wohnung gewährte. Obwohl nicht die geringste strafbare Handlung passiert war, erschien der Angeklagte schon anr nächsten Tage in der Sprechstunde des Zahn- arztcs und forderte Geld mit der Drohung, daß er ihn sonst in dem ganzen Hause blamieren und einen Mordsskandal machen würde. Aus Furcht vor der ihm angdrohton Blamage gab der Zahnarzt dem gemeingefährlichen Burschen fünf Mark. Damit hatte er sein Schicksal besiegelt, denn der Angeklagte schien ihn von nun an als eine ständige Geldquelle zu betrachten. Er eckhielt auch noch einmal cinckii kleinen Betrag, als er dann aber, trotz des Verbots, nochmals die Wohnung betrat, lieh ihn der Jahnarzt von einem telephonisch herbeigerufenen Kriminalschutzmann f e st n e h m e n.— Ter Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die hohe Gemein- gefährlichkeit derartiger Großstadtvampyre eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren. Das Gericht erkannte auf nur 1 Jahr Ge» f ä n g n i s. w die. Zur Vermeidung Von Verwechselungen: Unsere Firma unterhält in Berlin nur diese drei Geschäfte, In dieser Woche besonders Vorteilhaftes Angebot: Ein Posten: Kochgeschirre darunter. Schmortöpfe ohne Ring s Grössen 40 Pf. bis 2.00 Ringtöpfe s Grössen 60 Pf. bis 1.80 Fleischtöpfe ärcnffen 8 Grössen 20 bis 30 Pf. KäSSePOÜen ohne Ring, m. Stiel 8 Gröss. 20 bis 80 Pf. Kasserollen ohne Ring, vsehe, 6 Gröss. 30 bis 70 Pf. Kasserollen mitRingu. stiel, 6 Grössen 35 PC bis 1 ,10 Wasserkessel für Gas 8 Grössen 45 Pf. bis 1 ,60 Wasserkessel mit Absatz 8 Grössen 80 Pf. bis 1 ,60 Bratpfannen rund 8 Grössen 25 bis 75 Pf. Bratpfannen lang 10 Grössen 1.00 bis 2.80 Fischkocher lang 2 Grössen 3.00 bis 3.50 Kartoffel- u. 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Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VorwärtöBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 196. 26. Jahrgang. 2. KW im Jomiirto" Krlinct Kllisliliitt. Dienstag, 24. Augnst 1909. Partei- Hncfelegenbeiten. Achtung! Verband sozialdemokratischer Wahlvereine! Heute, Dienstag, den 24. August, abends 8 Uhr findet in den Ärminhallen, Koinniandantenstraste 58/59 eine kombi- nierte Versammlung der Genossinnen der sechs Berliner Kreise statt, in welcher, nach einem Vor- trage der Genossin Zieh, drei Delegiertinnen zum Leipziger Parteitage geivählt werden. Mitgliedsbuch legitimiert! Der geschäftsführende Ausschutz: _ Eugen Ernst. Zur Lokalliste. In Dienstdorf am Scharniützclsce, T.-B. steht uns das Lokal„G a st h o f zum S ch a r m ü tz e l s e e", Inhaber Otto Lucius, zu allen Veranstaltniigen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Lichtenberg. Heute, 8'/z Uhr abends findet im Lokal der Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5/6 eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Bericht der Stadtverordneten. Diskussion. Der wichtigen Tagesordnung sowie der bevorstehenden Ersatzwahlen zum roten Hause wegen wird Massenbesuch erwartet. Lankwitz. Mittwoch, den 25. August, abends S'/a Uhr, Mitgliederversammlung bei Ebel. Vortrag des Genossen" Georg Ucko über: Militarismus und Antimilitarismus. Diskussion. Bericht von der Kreisgeneralversammlung und von der Generalversammlung Grost-Berlins. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Tcmpclhof, Maricndorf, Maricnfcldr. Wir iveisen hiermit noch mals auf die morgen Mittwoch im. W i l h e l m s g a r t e n zu Tempelhof, Berliner Straffe 9, stattfindende öffentliche Versammlung hin. Die Versammlung ist um 7 Uhr an- beraumt, damit auch diejenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, welche in den drei obengenannten Orten beschäftigt sind, und an dem Zustandekommen eines Gewerbegerichts interessiert sind, Gelegenheit haben, diese Versammlung zu besuchen. Zossen. Am Donnerstag, den 26. August findet die allgemeine Wahlvereinsversammlung statt. Der Vorstand. Eichwalde, Miersdorf, Zeuthen. Mittwoch, den 25. d. Mts., abends 8Vz Uhr, findet im Lokale von Witte, Eichwalde, die Mit- gliederversainmlung des WadlvereinS statt. Tagesordnung: 1. Vor- trag. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 3. Vereins- angclegenheiten und Verschiedenes. Referent sowie Thema werden in der Versammlung bekannt gemacht. Der Vorstand. berliner JVacbrichten. Im Kampfe gegen die Säuglingssterblichkeit. Nach den verregneten Schulferien beginnt die Sommerhitze noch nachträglich einzusetzen. Dadurch tritt für jede Mutter eines Säuglings die Gefahr der Sommerdiarrhöe wieder in den Vorder- grund. Trotz der großen Anstrengungen, die gemacht werden, um das Selbststillen wieder mehr in Uebung zu bringen, spielt die Be- schaffung frischer, einwandfreier und doch billiger Milch nach wie vor für die große Masse der Kinder der weniger bemittelten Bcvölke- rung eine ganz hervorragende Nolle. In dieser Beziehung ist seit Anfang dieses Jahres in Berlin ein erheblicher Fortschritt zu der- zeichnen, seitdem von dem städtischen Nahrungsmitteluntersuchungs- amt ein großer Teil der in Berlin selbst vorhandenen Kuhställe regelmäßig kontrolliert wird. Wenn auch diese von der Stadt kon« trollierten Kuhställe durch ein besonderes Schild gekennzeichnet sind, so blieben sie doch dem größten Teil der interessierten Mütter der- borgen. Auch diesem Mangel scheint jetzt in verständiger Weise entgegengearbeitet zu werden. Seit einigen Wochen ist die Liste der vom städtischen Nahrungsmitteluntersuchungsamt kontrollierten Kuhställe in den meisten Omnibussen, auf den Bahnhöfen der Stadtbahn und der Hochbahn sowie an anderen geeigneten Stellen aufgehängt, so daß jede Mutter eines Säuglings sich leicht oricn- tieren kann. Von ganz besonderem Wert ist, daß diese Milch, welche einen vollwertigen Ersatz für die teure, sogenannte„Kindermilch" bietet, und die in großen Mengen an die erste städtische Säuglings- fürsorgestelle geliefert wird, nur 22 Pf. ab Stall und 24 Pf. frei Küche kostet. Im Interesse der Bekämpfung der Säuglingssterblich. keit ist zu lpünschen, daß die Mütter diesen Listen größte Beachtung schenken._ Die sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadt- verordnctenversammlung hat folgenden Antrag eingebracht: Die Versammlung ersucht den Magistrat, die in der Anstalt Mieliczyn untergebrachten Fürsorgezöglinge sofort znrnckzu- ziehen. Der Antrag wird in der ersten Sitzung nach den Ferien zur Verhandlung kommen, die aber wohl erst, infolge der noch im Gange befindlichen baulichen Veränderungen, am 9. Sep- tcmber stattfinden wird. Für die durch daS Tabaksteuergesetz geschädigten Hausgewerbe- treibenden Arbeiter, die Anspruch auf Unterstützung haben, erläßt der Polizeipräsident folgende Bekanntmachung: Die hier wohnhaften Hausgewerbetreibenden oder Arbeiter, die Anspruch auf Unterstützung auf grund des Artikels IIa des Gesetzes wegen Aenderung des Tabaksteuergesetzes erheben, haben ihre Gesuche bei dem hiesigen Magistrat schriftlich oder zu Protokoll ein- zureichen. Die Gesuche haben zu enthalten: a) Vor- und Zuname, Alter. Familienverhältnisse(ob ledig oder verheiratet, Zahl der unversorgten Kinder) und Wohnsitz des Gesuchstellers,... d) Art der Beschäftigung m den letzten 14 Monaten sowie Name und Wohnort des letzten Arbeitgebers. -<-) Gesamtbetrag des im Vorjahr(1. Juli 1908 bis 30. Juni 1909) verdienten Lohnes.. t � d) bei Arbeitslosigkeit Angabe des Grundes der Entlassung aus dem letzten Dienstverhältnis, bei Verdieiistschädigung deren Anlaß. Art und Umfang,.„* �. e) Angabe, was als Nachweis dafür vorgebracht werden kann, daß die Arbeitslosigkeit oder die Verdienstschädigung infolge des Gesetzes wegen Aenderung deS TabaksteuergesetzeS von 15. Juli 1909 eingetteten ist.. t) welche Schritte zur Wiedererlangung emes Arbeitsverdienstes oder zur Erhöhung des geschmälerten Arbeitsverdienstes unter- Bommen worden sind. Nicht unterstützungsberechtigt ist: a) wer aus einem der im Z 123 der Gewerbeordnung be- zeichneten Grunde entlassen wurde; d) wer auS einem anderen als den im§ 124 der Gewerbeordnung bezeichneten Gründen die Arbeit verläfft oder aufkündigt, obwohl er einen Wochenlohn von wenigstens drei Vierteilen des im Dlirchscbnitte deS Borjahres bezogenen Wochenlobiies verdient oder obwohl im Falle einer etwa bereits bestehenden Unterstützung die letztere zusammen mit dem jeweils verdienten Wochenlohne wenigstens drei Vierteile des im Durchschnitt des Vorjahres ver- dienten Wochenlohne gleichkommt; o> wer eine ihm auf seinen Uiiterstützungsantrag angebotene geeignete Beschäftigung anderer Art oder an anderer Arbeitsstelle ohne zureichenden Grund ablehnt. Als zureichender Grund für die Ablehnung gilt die für die Erlangung der Arbeit etwa erforderliche Uebersiedelung des Antragstellers und seiner Familie nicht, wenn die durch die Ueber- siedelung entstehenden Kosten vergütet werden; dagegen ist der Besitz eines eigenen Hauses oder eines selbstbeivirtschafteteu Grundstückes ani bisherigen Beschäftignngsort als ausreichender Grund anzusehen; d> wer nachweislich verabsäumt, sich um die Erlangung einer an seinem Wohnort oder in dessen Nähe gebotenen und geeigneten Arbeit, auch einer solchen außerhalb des Tabakgeiverbes, zu be werben, sofern er von der bestehenden Arbeitsgelegenheit nach weislich Kenntnis erhalten hat und für die Arbeit ein Wocheir lohn geboten wird, der wenigstens drei Vierteilen des im Durch schnitte des Vorjahrs im Tabakgewerbe verdienten Wochenlohns gleichkommt; o) wer einen Minderverdienst erleidet, ohne daß in dem Be trieb, in dem er beschäftigt ist, eine Betriebseinschränkung ein getreten ist; k> wer ans einem Betrieb entlassen wird, in dem zur Zeit der Entlassung mehr Arbeiter beschäftigt sind als im Durchschnitte des Vorjahrs. Lebensgefährlich verletzt wurde der 22jährige Kutscher Karl Fiedler aus der Wilhelmstratze 68. Der junge Mann war auf einem Wagenpferd die Wilhelmstraße entlang geritten. Vor dem Grundstück Nr. 5 wurde das Tier plötzlich vor einem vorbeisausenden Automobil scheu und rannte davon. Es kam schließlich zu Fall und F. wurde unter dem schweren Körper des Tieres begraben Er erlitt innere Verletzungen sowie eine schwere Gehirnerschütte- rung und wurde in recht bedenklichem Zustand nach dem Kranken- Haus gebracht. Sich und ihr Kind zu töten versuchte in der SonntagSnacht die 36jährige Frau Martha des Straßenbahnschaffners Nistau in der Stolpischen Straße 43/44. Als der Mann in den Dienst ge- gangen war, legte die Frau ihr zweijähriges Töchterchen Erna zu Bett und stellte in das Schlafzimmer einen'Eimer mit brennenden Kohlen. Alsdann begab sie sich selbst zur Ruhe, um den Tod durch Kohlcngasvergiftung zu erwarten. Är Vorhaben wäre zweifellos geglückt, wenn nicht andere Hausbewohner durch den Rauch auf die Tat aufmerksam wurden. Man drang gewaltsam in die Wohnung vor und rettete Mutter und Tochter. Frau llkistau wurde von der Polizei festgenommen. Der Grund der Tat soll in ehelichen Zwistigkeiten zu suchen sein. Durch einen Rcvolvcrschuß in die Brust versuchte sich gestern ein unbekannter Mann daS Leben zu nehmen. Der Lebensmüde hatte sich auf einer Bank im Friedrichshaiu niedergesetzt und zog vor den Augen anderer Spaziergänger einen Revolver hervor. Ehe er daran gehindert werden konnte, hatte sich der Selbstmörder eine Kugel in die Brust gejagt. Sterbend wurde er nach dem nahen städtischen Kronkenhans gebracht. Der Unbekannte, der anscheinend dem Kaub mannsstand angehört, ist etwa 25 Jahre alt. Nnsölle ans dem Wasser. Ein mit zwei Herren und zwei Damen besetztes Segelboot war am Sonntag die Spree hinunter gesegelt. In der Nähe der Abtei am Treptower Park kam das Fahrzeug in- folge einer Sturzwelle plötzlich zum Kentern und schlug um. Die vier Insassen wurden in die hochgehenden Fluten geschleudert. Zum Glück war einer der beiden Herren, namens Bartel, ein vorzüglicher Schwimmer. Er ergriff die beiden Damen und hielt sie über Wasser. Jin Augenblick der höchsten Gefahr kam ein Wasserfahrrad von der nahen Abtei herbei und rettete die Verunglückten.— Verhängnisvoller verlief ein anderer Bootsunfall, der sich bei Grünau ab- spielte. Ein mit zwei jungen Leuten besetztes Ruderboot geriet in die Wellen eines vorüberfahrenden Personendampfers und schlu�um. Die beiden Insassen stürzten in die Fluten und riefen laut um Hilfe. Während es dem einen der beiden Gefährdeten gelang, sich so lange über Wasser zu halten, bis Hilfe zur Stelle war, ging der andere, der ein Nichtschwimmer war, unter und ertrank. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Spitzeltum en gros. Im„Berliner Lokal-Anzeiger", besten ..Oeffentliche Meinung" seit Jahren als Mlagerungsstätte von allerlei Hausklatsch, Modeblödsinn, Verkchrsnarrheiten und dergleichen hübschen Dingen gilt, macht eine ganz besondere Geistes- größe den preußischen Machthabern allen Ernstes den Vorschlag, für die mit den goldensten Versprechungen nicht zu beschaffenden tan- send neuen etatsmäßigen Berliner Schutzleute eben so viele unbe- soldete Kriminalbeamte ehrenamtlich zu bestellen. Heil König Scherl! Ein solcher Geistesblitz ist wert, gleich hinter der Massenvcr- blödungsbibliothek und der Dacheisenbahn den gebührenden Ehren« platz zu erhalten. Geeignete Bewerber, die nicht bestraft sein dürfen(gewisse Nichtgentlemans sind meist auch noch nicht be- straft!), sollen sich freiwillig melden. Sie machen einen kurzen Jnstruktionskursus durch, erhalten die bekannte bronzene Erken- nungsmedaille, den vollgültigen Titel„Königlich preußischer Ehren» Kriminal-Beamter" und können nun, was das Zeug hält, flott drauf los verhaften. Aber der Einsender, mit dem sich die Re- daktion der„Oeffentlichen Meinung" durch die Aufnahme dieses Unsinns ohne jede Zusatzbemerkung identifiziert, geht noch weiter, indem er verlangt, daß die angestellten uniformierten Berliner Schutzleute ebenfalls amtliche Erkennungsmarken erhalten, damit sie an ihren freien Tagen, in Zivil ausgehend, nötigenfalls als Kriminalbeamte auftreten können. Hat der gute Mann nicht seinen Beruf verfehlt? Welch ein herrlicher Polizeiminister nach dem Herzen der Reaktionären, die am liebsten auch die Bett- und Klosettgeheimnisse unter Polizeiaufsicht stellen möchten. In der Tat— nur in einem so volksfeindlichen, um die Gunst der Hof- und Regierungskreife buhlenden Blatt, wie es der Scherlsche„Lokal-Anzeiger" ist, kann ein derartiger Vorschlag über- Haupt mit Druckerschwärze übertüncht werden. Alles im Preußen- staate lechzt und schreit nach Freiheit, nach Unterdrückung des oft schier unerträglichen Polizeiregiments, und hier tritt August Scherl offen dafür ein, daß die Berliner Bevölkerung unter die Kontrolle von mehr als tausend Spitzeln gestellt werde. Gewiß doch, viel- leicht zehntausend würden sich dazu melden. Um der Bronze. medaille und des noch schöneren Titels willen, nicht etwa wegen der öffentlichen Sicherheit, werden sie sich mit Vergnügen dazu her- geben, das Berliner Publikum auf Schritt und Tritt heimlich zu beobachten. Jetzt erkennt man doch wenigstens den Vogel so ziem- lich an den Federn, den Nichtgentleman an der berühmten Joppe mit dem grünen Lodenhütchen. Die Herrschaften sind fast durch die Bank schon so bekannt, daß es fast immer gelingt, ihnen in sozialdemokratischen Versammlungen das Zimmcrmannsloch zu zeigen. Noch mehr von dieser edlen Frucht am Baume der Reak- tion brauchen wir wirklich nicht. Selbst die Polizei-Exzellenz Unter den Linden dürste darüber Glossen machen, daß König Scherl noch polizeilicher sein will als die Polizei. Und die drei Dutzend unentdeckten Mörder würden auch die tausend königlich preußischen Ehren-Kriminalbeamten nicht kriegen! Ein schrecklicher Borgaug hat sich am Sonntag vormittag in der Stettiner Straße 29 abgespielt. Der vierjährige Knabe der in gc- nanntem Hause wohnhaften Eheleute Specht war. während die Mutter in der Küche beschäftigt war, auf das Fensterbrett geklettert, um dem Spiel der Kinder auf der Straße zuzuschauen. Er beugte sich schließlich so weit aus dem Fenster heraus, daß er das Gleich- gewicht verlor und in die Tiefe stürzte. Mit zerschmettertem Schädel blieb daS unglückliche Kind auf dem Bürgersteig liegen. Auf dem Transport nach dem städtischen Kinderkrankenhaus erlag der Knabe seinen Verletzungen. Eine Post für Briefe und für Pakete nach Deutsch-Sübwest- afrika geht wieder von Hamburg am 25. August ab. Sie benutzt den an diesem Tage um 1.00 in See gehenden Dampfer der Deutsch-Ostafrika-Llnie auf seiner westlichen Rundfahrt. Der Dampfer ist am 20. September in Swalopmund und am 2t. in Lüderitzbucht. Nach Lüderitzbucht werden jedoch nur Pakete mit diesem Dampfer befördert. Briefe nach Lüderitzbucht gehen mit dem Dampfer nur auf Wunsch des Absenders. Briefe nach Lüderitzbucht, die jetzt vorliegen, gehen am 27. entweder 3.36 nach- mittags ans Hannover oder abends 6.01 aus Köln nach Southamp- ton. Sie werden dort am 28. August dem fälligen Dumpfer der Union-Castle-Linie übergeben und treffen über Kapstadt am 19. September ein. Schlußzeit für Briefsendungen nach Swakop- mund ist am 25. früh 7.00 in Haniburg beim Postamt 1. Internationale wissenschaftliche Vallonaufstiege finden am Donnerstag, den 2. September, in den Morgenstunden statt. CS steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Vc- lohnnng, wenn er der jedem Ballon beigcgebenen Instruktion ge- mäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphifch Nachricht sendet. Radrennen zu Treptow, 22. August. Die heutigen Dauerrenncn, die trotz des aufgebobenen Verbots der Motoriührnug, hinter Mehr- sitzern von dem Züricher I. Miller und den beiden Berlinern Hugo Przyrembel und W. Trinis in drei Läufen über 10, 20 und 20 Kilometer bestritten wurden, verliefen spannend, da die drei Fahrer einander gleichwertig waren und jeder sein Bestes hergab. Trinis gewann die beiden ersten Läufe knapp vor Miller, während Przyrembel weit zurück endete; dagegen ging dieser im ersten Lauf als Erster durch das Ziel, doch winde er des ersten Preises für ver- lustig erklärt, weil seine Schrittmacher Hoffmann— Tschirpe den führenden Triicks in rücksichtsloser Weise behindert hatten, lvobei alle drei zu Fall kamen; sie kamen ohne Schaden davon, doch büßte Trinis den sicheren Sieg ein. Ergebnisse: 10 K i I o m e t e r- R e n n e n. 1. T r i n k s in 12 Min. ckN/z Sek., 2. Miller 5 Meter, 3. Przyrembel 1150 Meter zurück.— 20 Kilometer-Rennen. 1. T r i n k s in 26: 26'/» Sek., 2. Miller 312 Meter, 3. Przyrembel 3150 Meter zurück.— 20 Kilometer- Rennen. 1. Przyrembel in 28 Min. 57'/z Sek., 2. Miller, 50 Meter, 3. Trinis 150 Meter zurück. Przyrembel wird distanziert, so daß er als Letzter erklärt wird. Hoffmann wird mit 20 M. in Strafe genommen.— DaS.Hauptfahre« über 1200 Meter gewann Fr. Hoffmann vor Haniann, Tschirpe und Sterba.— Im Prämienfahren über 5000 Meter siegte Hoffmann abermals vor Birkholz, v. Natzmer und Götze. Die Nennen, die durch den um 5 Uhr cinsctzenden Regen unterbrochen wurden, konnten später noch zu Ende gebracht werden; der dritte Lauf des Dauerrenneits wurde von 80 auf 20 Kilometer verkürzt. Sportpark Botanischer Garten. Die Aussicht auf baldige Wieder- aufnähme der Rennen mit Motorführung, die in etwa 14 Tagen erfolgen dürfte, hatte wohl einen großen Teil des Publikums am Sonntag vom Besuch abgehalten. Will das Berliner Publikum damit zeigen, daß es sich nach dem„Benzinransch" und den„rasenden Schnelligkeitelt" mit eventuellen„Zwischenfällen" sehnt, wie ihm in gewissen Sensationsblättern unterschoben wird? Fast scheint es so. Und doch ist auch ein Dauerrennen hinter Tandemsührung nicht bar der aufregenden Momente und die Anfeuerung der Schrittmacher und Fahrer durch d'ie Besucher beweist die Anteilnahme der letzteren. Das Wetter machte dem zweiten Lauf des Dauerrenncns ein etwas früheres Ende, da statt der 20 nur 16 Kilometer gefahren wurden. Auch die Fliegerrennen boten schöne Kämpfe. Das Ergebnis ist: Hauptfahren. 1. Bettin ger, 2. Schwab, 3. Süßmilch. Handicap. 1. Lorentz(130 Meter Vorgabe), 2. Müller(100), 3. Vierck(60). Tandemrennen. 1. Ganzevoort-Kendel- b a ch e r, 2. Hitzler- Vierck. 3. Süßmilch- v. d. Thyn. Dauer- rennen. 1. Lauf(10 Kilometer): 1. van Neck, 2. Janke, 40 Meter; 3. Gombault, 60 Meter. 2. Lauf(16 Kilometer): 1. Gombault, 2. van Neck, dicht auf; 3. Janke, 1 Länge. Wer sind die Toten. Am 20. August wurde am Uebergangswege in Kilometer 13,2 der Vorortstrecke Berlin— Zossen eine männliche Leiche aufgefunden. Beschreibung: Alter zirka 30 Jahre, Größe 1,60 bis 1,65 Meter, Haar dunkelblond, lockig. Bart kleiner dunkelblonder Schnurrbart. Bekleidung: dunkler Jackettanzug, Schnürscknihe, 'chwarze Strümpfe, weibwollenes Hemd, grün gestreiftes Scrvitcnr, ebensolche Manschetten, roter Schlips, weißer Kragen, dunkel- blaue Schirntinütze.— Bei dem Toten wurde nur eine Remontoiruhr Nr. 25 437 sowie eine alte Zigarettentasche ge- ünden. Weitere Sachen, welche zur Feststellung der Persönlichkeit führen könnten, sind nicht vorhanden. RekognoSzenten wollen sich beim Amtsvorsteher Mahlow melden. Nachricht über die Persönlichkeit der Leiche nimmt jedes Polizeirevier sowie die Kriminal- Polizei, Zimmer 331 des Polizeipräsidiums, Alexanderplatz, zu 3533 IV/33 09 entgegen.— Am 20. August 1909, nachmittags gegen 3 Uhr, wurde eine anscheinend dem Arbeiterstande angehörige �rau bor Reinickendorfer Straße 26 im angetrunkenen Zu- lande aufgefunden und nach der Unfallstation VI, Lindower Straße 19/11, geschafft, woselbst sie verstarb. Dieselbe ist zirka 30 bis 35 Jahre alt. hat schwarzes Haar, volles Gesicht, braune Augen, blau-weiß karierte Leinenbluse, braunen Rock, einen braunen und einen weißen Barchent- und einen Trikotunterrock, weiße Hosen, schwarze Strümpfe, braune Segeltuchschuhe, an der rechten Hand einen Trauring. Sie hatte einen schwarzen Schirm und ein braunes Umschlagetuch bei sich. Die Leiche befindet sich im Schauhause. Nachricht über die Persönlichkeit der Leiche nimmt jedes Polizeirevier sowie die Kriminalpolizei, Zimmer 331 des Polizei- Präsidiums, Alexanderplatz, zu 3064 IV/59 09 entgegen. Orgelkonzert. In der St. Marien-Kirche veranstaltet der Königl. Musikdirektor Beruh. Jrrgang am Mittwoch abends?'/> Uhr daS nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung von Fräulein Babette Paal(Sopran), Fräulein Hilde Ellger(Alt) und Herrn Walter Kratz(Violine). Der Eintritt ist frei. Programm mit Text 19 Pf. Vermißt wird seit dem 14. August der in Tempelhof, Theodor- straße 11, bei den Eltern wohnhaft gewesene Schüler Franz Eckstädt, am 28. Juli 1896 in Arnsee, Kreis Salzwedel, geboren. Er wollte zur Schule gehen, ist dort aber nicht eingetroffen. Er tst mittelgroß, von kräftiger Gestalt, hat dunkelblondes, kurz geschnittenes Haar, dunkelöraune Augen und volles gesundes Gesicht. Bei seinem Fortgange war er bekleidet mit blauer Schirmmütze. hellgraukarieriem Waschanzug(Kniehose), schwarzen Strümpfe» und Ichwarzen Schnürschuhen. Er treibt sich vermutlich umher. Nach- richten über den Verniifften werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei, Alexanderstr. 3—6, 2 Treppen, Zimmer 334, 'christlich oder mündlich zu 3182 IV. 2. 09 entgegengenommen. Feuerwehrbericht. In der Nacht zum Sonntag stand in der Gleditschstr. 52 ein Drogenkeller in Flammen. Drogen und andere Vorräte brannten dort unter großer Oualmcntwickelung, so daß tüchtig Wasser gegeben werden mußte, um die Gefahr zu beseitige». Gleichzeitig hatte die Feuerwehr in der Mühlenstr. 34 zu tun. wo Betten, Papier, Spirituosen und anderes brannten. Das Feuer oll durch Fahrlässigkeit entstanden sein. Eine Laube, Packmaterial, Holzdach und anderes brannten Steglitzer Straße 4. Unter den Linden 56 mußte ein Feuer gelöscht tverden, das durch Entzündung von Fett ausgekommen war. Der 16. Zug wurde nach der Kös- liner Straße 2 alarmiert. Dort brannten Fliegenleim, Tüten. Fenster, Schaldecken und anderes, und gleichzeitig Stroh usw. in einem Keller in der NüderSdorfer Straße 64. Wegen eines Boden- blandes erfolgte ein Alarm nach der Gaudystr. 8. Padestuben, Gardinen, Wäsche usw. brannten in der Wiclcfstr. 45, Alexander- straße 85, Lippehner Straße 25. Alexanderstraße, Köpenicker Str. 152 und an anderen Stellen. Vorort- JVadmdrtem Eharlottenbnrg. Aus den Berichten der Charlottenburger Stadtiirzte. Die Charlottenburger Armenverwaltung teilt in ihrem Be- richte über die Tätigkeit ihrer Stadt-(armen)Aerzte im Rechnungs- jähr 1303 mit, daß die Zahl der von ihnen in dieser Zeit beHandel- ten armen Kranken 8745 gegen 7503 im Jahre 1907 betragen habe Das ist eine weit größere Steigerung, als die gleichzeitige Steige- rung der Einwohnerzahl; denn sie beträgt 16,5 Proz., die der Kon- sultationen sogar 18 Proz. während die Einwohnerzahl in dieser Zeit nur um<2,05 Proz. gestiegen ist. Der Bericht spricht auch die Ueberzeugung aus. daß nicht die Vermehrung der Einwohner und auch nur zum kleinen Teil der lange und strenge Winter diese ge- steigerte Inanspruchnahme der Stadtärzte seitens der Bevölkerung veranlaßt hat, sondern daß diese hauptsächlich der durch häufige Arbeitslosigkeit und anhaltende Preissteigerung aller Lebensbedürf- nisse verursachten Unterernährungber unbemittelten Bevölkerung zu verdanken sei. Da? sind schlechte Aussichten für die Zukunft; denn die ver- schiedcnsten Lebensbedürfnisse werden mit immer weiteren Steuern belastet und steigen im Preise immer mehr, so daß auch die Unter- ernährung mit ihren schlimmen Folgen weiter zunehmen muß, wenn nicht die vielen Millionäre der Stadt von ihren reichen Ein- künften etwas reichere Gaben spenden. Denn gerade die aus Unterernährung entstehenden Krankheiten weisen, wie die Berichte der Stadtärzte dartun. die größten Zahlen und Steigerungen auf, wie Blutarmut. Rachitis, Skrophulose, Schwindsucht und Nervenleiden. Bei den Kindern fallen die meisten Erkrankungen in den Winter, da im Sommer viele schwächliche Kinder von den Stadt- ärzten den Erholungsstätten überwiesen werden. Aber durch die in den Familien herrschende Not gehen die im Sommer bei den Kindern erzielten guten Erfolge im Winter vielfach wieder ver- loren, und nach Blutarmut und Skrophulose entwickelt sich dann Tuberkulose, und diese überträgt sich in den engen, schlechten Wohnungen dann nicht selten auch auf andere Familienmitglieder. Ein größeres Sommer sterben der Säuglinge wurde im letzten Jahre hauptsächlich durch die verhältnismäßig kühle Sommorwitterung verhütet. Doch hat die Tätigkeit der Säuglings- fürsorgestellen gewiß auch dazu- beigetragen, daß die allgemeine Säuglingssterblichkeit in Charlottenburg 1903 nur IL, 75 Proz. betrug.. Auch die Einrichtung, daß erkrankte Schulkinder aus un- bemittelten Familien durch die Schule direkt an den Stadtarzt zur Behandlung überwiesen werden können und die Kinder dadurch rechtzeitiger in ärztliche Behandlung kommen, hat sich als zweckmäßig erwiesen und hat Wohl vielfach dazu beigetragen, den Ausbruch einer latenten Tuberkulose zu ver- hüten. lieber den Zustand der Wohnungen der Armenpatienten äußern sich die einzelnen Stadtärzte verschieden. Die Wohnungen in den einzelnen Stadtvierteln sind eben sehr verschieden, eS gibt bekanntlich in Charlottcnburg sehr reiche Stadtviertel. Während daher einige Stadtärztc den Zustand der Wohnungen als befriedigend bezeichnen, erklären andere„ganze neue Stadtviertel für feucht und dumpfig, und darin besonders einzelne Häuser als feucht und stockig. Namentlich entsprächen die Keller» Wohnungen dieser Häuser häufig nicht den Anforderungen der Hygiene. Der Zustand mancher derselben sei so schlimm, daß diese eigentlich als Wohnungen überhaupt nicht zu dulden seien. Dabei seien manche so überfüllt, daß Schiverkranke dem Kranken- hause überwiesen werden mußten; aber auch hier seien sie nicht selten wegen Ueberfüllung abgewiesen worden." Um so mehr ist es zu bedauern daß sich die Einführung der schon vor drei Jahren von der sozialoemokratischen Stadtverordnetenfraktion beantragten Wohnungsinspektion und die Einrichtung eines Wohnungsamtes trotz wiederholter Mahnungen immer noch nicht hat verwirklichen lassen. Grüna«. Bon einem Eisenbahnzuge überfahren und getötet wurde vor» gestern in der Nähe des hiesigen Bahnhofes ein etwa 24 Jahre alter Mann. Bahnbcamte entdeckten gegen 5 Uhr morgens die entsetzlich zugerichtete Leiche j der Kopf war vom Rumpfe getrennt, der Unter- leib in zwei Terle zerschnitten. Bei dem Toten wurden keinerlei Papiere vorgefunden, die Monogramme waren aus der Wäsche her- ausgetrennt worden. In der Nähe der Leiche lagen Papiersetzen, die von einem Briefe herrührten, den der Verstorbene erst am Sonn- abend erhalten hatte. Aus der Adresse konnte festgestellt werden, daß eS sich um den Barbier Albert Pfister aus Jeßnitz fAnhalt) handelt. Ter Vorfall hat sich wahrscheinlich um 4« Uhr früh zu- getragen, um welche Zeit ein Güterzug die Station Grünau vassierte. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, dürfte die Untersuchung ergeben. Ober-Tchöneweide. Bon der beim Sommerfcst stattgefiindcnen Verlosung sind noch etliche Gewinne nicht eingelöst. Die hierzu angefertigten Gewinn- listen sind in den Filialen der Konsumgenossenschaft und im Zigarren- geschäft des Herrn Mnth, Wilhelminenhosstraße, einzusehen. Ferner sind eine Handtasche mit Schlüsseln und ein Spazierstock abhanden gekommen: dieselben sind im obengenannten Zigarrengeschaft ab- zugeben. Weihensee. Der Leiter der hiesigen Realschule, Professor Dr. KemsieS, machte vor kurzem von sich reden, als er ein selbstgefertigtes Schreiben von zwei Mitglieder» des vaterländischen Arbeilsverbandes unterschreiben und an den verflossenen Reichskanzler sandte, in welchen, er in eigener Person dem Wunsche Ausdruck gab, die Sozial- demolralie rationell bekämpfen zu können. Jetzt sickert eine neue Tat des Herrn Professors an die Oeffentlichkeit. Zur Zeit der Amtstätig- kcit des verstorbenen Gemeindevorstehers Feldtinann hatte sich der Herr Direktor von ihm ein Schriflstück ausfertigen lassen, j wonach bei Errichtung der Realschule in eine Oberrealschule ihm für die dadurch entstehende Mehrtätigkeit eine Zulage von 400 M. pro Jahr gewährt werden solle. Dieses ist auch bei dem Aufbau der Ober- realschule geschehen. Da die nötige Schülerzahl für dieselbe nicht vorhanden war, beschloß die Gemeindevertretung den Abbau der Oberrealschule, und sie kürzte natürlich auch dem Direktor oben- stehende 400 M., was zur Folge hatte, daß Herr Kemsies dem Ge- meindevorstande die Klage zusandte. Jetzt erst stellte sich heraus, daß die Gewährung einer FunitionSzulage an den Direktor nicht nach den Bestimmungen der Landgemeindeordnung geschehen ist; hiernach muß jede GeldauSgabe die Zustinimuna der Gemeindevertretung haben, und ein solcher Beschlutz ist jedoch nicht auffindbar. Auch kann sich keiner der älteren Gemeindeverordneten eine» solchen Beschlusse» erinnern. Die Untersuchung hat weiter ergeben, daß Herr KemsieS an einem Sonntag beim Gemeindevorsteher Feldtmann erschien; nach kurzer Unterredung mußte der diensttuende Kanzlist nach Diktat des Direktors da» Schriftstück aufsetzen, alsdann wurde eS vom Gemeindevorsteher unterschrieben. Es fehlt auch in dem Schriftstück die nach der Landgemeindeordnung bestimmte Gegen- zeichnung. Aber dennoch will der Herr Professor Dr. KemsieS e» auf eine Klage oatommen lassen. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretimg wurde die Klage angenommen und einem Rechtsanwalt übertragen. Potsdam. Eine Benzinexplosion entstand gestern vormittag im Hause Jägerstr. 84. Die Frau des Wirtes, Schuhmachermeister Koch, war mit der Reinigung eines Kleides beschäftigt. Während der Prozedur explodierte das Benzin und steckte Kleidungsstücke und Gardinen in Brand. Leider erlitt bei der Explosion auch Frau Koch erhebliche Brandlvurden im Gesicht und an den Händen. Die Samariter der Berufsfeuerwehr legten der Verletzten einen Notverband an und requirierten einen Arzt, der die Schwerverletzte in Behandlung nahm. Der Brand konnte bald gelöscht werden. Der Sachschaden war gering._ Gerieb tö-Zeitung. Für die Aufdeckung von Mißständen bestrast. Vor dem Schöffengericht in Cassel hatten sich zwei Einwohnet des Dorfes Rotwesten wegen Beleidigung ihres Bürger« meisters zu verantworten. In Eingaben an das Landralsamt hatten sie dem Bürgermeister Betrug, Listenfälschung, Bestechung usw. vorgeworfen. Die Angeklagten nahmen den Schutz des§ 103, Wahrnehmung berechtigter Jnterressen, für sich in Anspruch, da sie durch Unregelmäßigkeiten, die sich der Bürgermeister bei der Losholzverteilung habe zuschulden kommen lassen, an ihrem Vermögen geschädigt seien. Die Beweisaufnahme ergab, daß tatsächlich erhebliche Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, so daß auf Veranlassung der Behörde eine nochmalige Verteilung des Losholzes vorgenommen wurde und der Landrat des Kreises erklärte, die nächste Verteilung selbst überwachen zu wollen. Der Verteidiger machte gel- tend, daß man den Angeklagten sogar dankbar sein müsse, weil sie die beklagenswerten Zustände in Rotwesten zur Aufklärung ge- bracht hätten. Trotzdem erkannte das Gericht gegen jeden Ange» klagten auf 20 M. Geldstrafe, weil sie in ihren Ausdrücken zu weit gegangen seien. Der Vertreter der Agklagebehörde hatte Ge- f ä ng n i s beantragt? Es ist immer wieder die alte Geschichte: beschwert man sich über einen Beamten und es sind nicht alle Einzelheiten der Be» schwerde bis auf das I-Tüpfelchen richtig oder es ist in der Er- regung ein zu starker Ausdruck gebraucht, dann ist die Folge davon ein Strafantrag, nicht gegen den Beamten, sondern gegen den Beschwerdeführer. Im vorliegenden Falle waren nachweislich große Unregelmäßigkeiten vorgekommen, trotzdem werden die Ge- schädigten, die sich darüber beschweren,— es sind ein paar einfache Bauern, von denen man Heine große Gewandheit im schriftlichen Verkehr verlangen kann— bestraft, weil sie sich im Ausdruck ver- griffen haben._ Eue der f rauenbewegung. Proletarische Frauenarbeit und Bourgeoisie. Unzählige Male haben wir darauf hingewiesen, wie völlig un- fähig die Bourgeoisie und ihre Presse ist, sozial« Probleme ernsthaft zu behandeln. Soziale Fragen sind dem Durchschnittsbourgeois Überhaupt höchst zuwider: den Armeleutegeruch kann er nicht leiden, und von Not und Elend will er nichts hören, weil ihm sonst seine Behaglichkeit und seine Verdauung gestört werden könnte. Speziell das Problem der proletarischen Frauen- arbeit behandelt die bürgerliche Presse, wenn es überhaupt gestreist wird, fast durchweg in ganz oberflächlicher, feuilletonistischer Weise. Die Proletarierin interessiert den Bourgeois nur dann, wenn sie seine geschlechtlichen In st inkte reiz t, das heißt, wenn sie Jugend und Schönheit besitzt; sonst macht er sich höchstens über sie lustig. Einen neuen Beleg dafür finden wir in Nr. 67 des„Welt- Spiegels", der Unterhaltungsbeilage des angeblich„d e m o- lratischen", ,a r b e it er fre un d l i ch e n"„Berliner Ta g e- blatts". Da sind fünf Bilder veröffentlicht, die uns sämtlich „Frauenarbeit auf Münchens Straßen" zeigen. Wir erblicken dort Blumenhändlerinnen, Weisen st ellerinnen, Stratzenfegerinnen, Holzschneiderinnen und Mörtelträgerinnen bei ihrer Arbeit �aüf Münchener Straßen und Plätzen. Der Text zu diesen Bildern'ist nun geradezu typisch für die oben charakterisierte soziale Verständnislosigkeit der Bourgeois- presse. Jeder, der die Münrbener Verhältnisse kennt, weiß, wie ge- wisienlos und infam gerade in dem schönen„Jsar-Athen" die Frauen der besitzlosen Klasse ausgebeutet werden, erinnert sich des depri- mierenden Eindrucks, den besonders der Anblick der Straßen- reinigerinnen und W e i ch e n st e l l e r i n n e n auf den Fremden macht. Diese Frauen üben Tätigkeiten aus, die entschieden für den weiblichen Organismus höchst schädlich und ungeeignet sind. In Wind und Wetter erblickt man sie auf den Straßen, im Sommer sind sie der glühenden Münchener Hitze, im Winter dem dort besonders strengen Frost preisgegeben. Daß man sie lediglich aus Profitsucht, weil sie billigere und willigere Arbeitstiere sind, den männlichen Proletariern vorzieht, versteht sich für Leute von einigen sozialökonomischen Kenntnissen von selbst. Dasselbe gilt natürlich für die Beschäftigung weiblicher Bauhilfsarbeiter, die ja bekanntlich erfreulicherweise durch die jüngste Novelle zur Gewerbeordnung verboten ist, leider erst vom I.April 1912 ab. Was schreibt nun der„Welt-Spiegel" über diese armen Pro- letarierinnen? Von ihrer j a m m e r v o l l e n L a g« ist nicht mit einem Worte die Rede; das interessiert ja auch die bürgerlichen Leser und Leserinnen nicht I DaS„arbeiterfreundliche" Blatt macht lediglich spöttische Beinerlungen über daS Aeußere und die Gewohnheiten der bedauernswerten Frauen. Von der Weichenstellerin heißt eS zum Beispiel: „Sie ist meist recht umfangreich und häufig sehr angejahrt und nicht gerade durch Liebreiz bestechend." Beweisen derartige zynische Aeußerungen nicht schlagend, wie entsetzlich niedrig das geistige und sittliche Niveau unserer herrschenden Klassen ist? Die Krone setzt der zweifellos„freisinnige" Verfasser aber seinem Opus auf, indem er von den Banhilfsarbeiterinnen schreibt. die„Mörtelweiber" besäßen von altersher„gleiche Rechte" mit ihren männlichen Berufsgenosscn. Diese„gcist- reiche" Behauptung zeigt unS so recht, wie verschieden die Frauen- frage von bürgerlicher und sozialdemokratischer Seite aufgefaßt wird: wäbrend toi r die Frau als ein dem Mann« gleichwertiges Wesen betrachten, das aber wegen der hohen sozialen Funktionen, deren Erfüllung ihm obliegt, besonderen S ch u tz zu beanspruchen hat— versteht der Bourgeois unter den „gleichen Rechten" der Frauen, soweit es sich um Proletarie- rinnen handelt, nur daS. Recht", sich ebenso wie die männlichen Arbeiter ausbeuten zu lassen! Arbeiterinnen! So schamlos verhöhnt man Euch in einem „freisinnigen",„demokratischen" Blatte! Helft, daß dem „Freisinn" bei den nächstenLandtagS- undStadt- verordnetenwahlen im Herb st die ihm gebührende Antwort gegeben werde! Hnngerlöhne für Frauenarbeit. Drei und eine halbe Million arbeitender Frauen in England er» zielen— nach einer Feststellung der„Woman Worker' 7- einen Durchschnittslohn von 7 Schilling 6 Pence•= 7,50 M. wöchentlich. Der Kapitalist, der bestrebt ist, so billig wie möglich zu produzieren. beutet eben in England wie andcrtvärtS die Notlage der Arbeiterin aus, die entweder fük Hungerlöhne schanzen oder direkt ver- hungern muß. WttterungSüierficht vom LS. August ISOS. morgens 8 llfir. Wetterprognose für Dienstag, den 24, Angnft 1909. Anfangs vielfach heiter, nachts kühl, am Tage stärkere Erwärmung bei mäßigen südwestlichen Winden, später zunehmende Bewölkung, aber keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburea» Wafferstands-Nachrichte« der LandeSaniialt jär Gewässerkunde, mitgeteilt vom _ Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—») Unierpegel. Vermischtes. Da» Attentat im Schnellzug. Sora», 23. August. Wie sich jetzt herausstellt, hat der Unbekannte, auf dem eine Zeit lang der Verdacht ruhte, das Dienstmädchen Scheurig ermordet und aus dem Schnellzuge gestürzt zu haben, dem Gastwirt Hentschel in Linderode, bei dem er wohnte, zehntausend M. Bargeld, Wert- papiere und Sparkassenbücher gestohlen. Die Wertpapiere und die Bücher sind gesperrt. lieber einen Eisenbahnunfall in Frankfurt a. O. wird amtlich gemeldet: Der Borzug 206 von Reppen lief am 22. d. Mts. um 8 Uhr 5 Minuten nachmittags bei seiner Einfahrt in den Bahnhof Frankfurt a. Oder auf eine im Einfahrtsgleis stehende Lokomotive auf. Der Zugführer und zwei Reisende wurde leicht verletzt. Entgleist sind die Zuglokomotive und der Packwagen. Beide Loko- motiven und zwei Wagen wurden unerheblich beschädigt. Der Hauptzug 206 von Posen erlitt durch den Vorfall 48 Minuten Ver» spätung. Sonst ist der Betrieb nicht gestört worden. Die Ver- letzten haben ihre Wohnungen aufgesucht. Ein schwerer Automobilunfall. Aus kvangig wird gemeldet: Ein in schnellem Tempo heute früh die Breitgasse durchfahrende» Automobil überfuhr bei dem Krahntor das eiserne Geländer und stürzte in die Mottlau. Zwei von den vier Insassen des Auto- mobils ertranken. Das Schicksal beS Wellmannschen Ballon». AuS Christiania wird berichtet: Von den sich widersprechenden Meldungen über das Schicksal des Wellmannschen Ballons gewinnt die ursprüngliche. später dementierte Nachricht, daß der Ballon explodiert sei. jetzt doch an Wahrscheinlichkeit. Wie ein Telegramm des„Morgen- bladet" au» Hammerfest meldet, entstand, als der Ballon in das Ballonhaus geführt werden sollte, in seinem Benzinbehälter Feuer. Ein Windstoß riß den Ballon zweihundert Meter in die Höhe, wo er explodierte. Die Gondel und andere feste Teile mit Ausnahme des unbeschädigt gebliebenen Motors wurden in Stücke gerissen; die Ballonhülle fiel ins Wasser, aus dem sie in mehreren Stücken herausgefischt wurde. Di« Flugwoche von Reims. AuS Reims wird unter dem 22. August gemeldet: Der heutige erste Tag der Flugwoche der Champagne in Betheny Wurde durch Regen und heftige Windstöße sehr beeinträchtigt. Bei den französischen Ausscheidungsflngen für den Wettbewerb um den Gordon-Bennettbccher gelangen nur kurze Flüge, darunter einer von fünf Kilometern(Leblanc auf Bleriot) und einer von 1250 Metern(Latham auf Antoniette). Um Mittag hört« der Regen auf: ober der Wind, der nun in verdoppelter Stärke einsetzte, warf viele Aeroplane zu Boden: doch waren keine Unglücksfälle zu ver- zeichnen. Dem Flieger Leftvre gelang es trotz der ungünstigen Witterung, auf seinem Wrightapparat eine Strecke von etwa 20 Kilometern in 20 bis 30 Metern Höhe in 24 Minuten zurückzu- legen. Im weiteren Verlaufe des Nachmittags klärte sich das Wetter auf, und auch der Wind kam vollständig zum Stillstand. Den Zehn- Kilometerflug, an dem zehn Preisbewerber teilnahmen und gleich- zeitig flogen, vollführte Lefevre als Schnellster in 8 Minuten 56 Sekunden. Bleriot, der an den heutigen Wettflügen in Betheny teilnahm. stieß mit seinem Eindecker auf einen Getreideschober. Hierbei brach ein Sckiraubenflügel und der hintere Teil der Flugmaschine wurde gänzlich zerstört. Blöriot selbst ist nicht verletzt. ES waren die berühmtesten französischen und englischen Flieger mit Aeroplane» der verschiedensten Konstruktionen erschienen. Von den Zweideckern ftmktionierten die Wrightmaschincn geradezu staunen- erregend, sowobl was Sicherheit wie Lenkbarkeit anbelangt. Einen wundervollen Eindruck machten die Eindecker, die wie Riesenvögel dahinschwebten. Dem unvergleicblicben Schauspiel, bei dem oft bis zu zehn Flieger zu gleicher Zeit in der Luft waren und teils hinter-, teils übereinander dahinfuhren, wohnte ein nach Zehn- taufenden zäblendes Publikum bei. Reims, 23. August. Bei den gestrigen Wettflügen in Betheny wurde die 30 Kilometer lange Strecke bei dem Wettbewerb um den Schnelligkeitspreis von Tissandicr in 28 Minuten bSVfe Sekunden, von Lambert in 29 Minuten 2 Sekunden, von Lefävre in 29 Minuten 2% Sekunden und von Paulhan in 32 Minuten 43H Sekunden zurückgelegt. Die Resultate bei dem Wettbewerb um den Preis der Rennbahn(10 Kilometer) waren folgend«: Lefevre 8 Minuten 56 Sekunden. Tissandier 9 Minuten 26� Sekunden, Latham 0 Minuwn 47* Sekunden, Paulhan 10 Minuten 50 Sekunden, Sommer 11 Minuten 24* Sekunden, Cockburn 11 Minuten 44 Sekunden, Bunau-Barilla 13 Minuten 30* Sekunden. Bei dem französischen Sonderbewcrb um den Gordon-Bennett-Becher(20 Kilometer) wurden folgende Zeiten erzielt: Latham 18 Minuten 83 Sekunden. Leblanc 19 Minuten 25* Sekunden. Paulhan LI Minuten 45 Sekunden, Sommer 23 Minuten 22 Sekunden. SchiffSzusammenstost. Wie der Pariser„Matin" aus Melilla erfährt, erlitt in der Nähe von Cap TreS ForcaS der auf der Fahrt nach Melilla beftndliche TorpedobootSzerftörer„Terror" infolge Zu- sammenstoßes mit einem rifischen Schiff schwere Havarie. Ein verunglückter Lallen. SluS MaisonS Lafitte wird vom gestrigen Tage gemeldet: Das lenkbare Luftschiff„Bayard-ClSment' wurde heute morgen, während es landen wollte, auf Telegraphen- drähte an der Eisenbahnlinie getrieben, wodurch die Hülle zerrih, Der Ballon blieb an einer Weide hängen und fiel in den Strom, Der Lufischiffer Cabozza und drei Passagiere konnten sich durch Schwimmen retten. Neberschwemmung in Barcelona. Durch eine gewaltige Wasserhose wurden gestern vormittag laut telegraphischer Meldung in Barcelona alle niedrig gelegenen Stadtteile teilweise bis zu einem Meter Höhe überschwemmt. FmrSdruiq». Arementschug(Gouvernement Poltawa). 23. August. Hier wütet seit gestern eine heftige FeuerSbruust, der bereits zwei Sägemühlen, zehn große Bau- und Brennholzniederlagen sowie eine größere Anzahl Wohnhäuser zumOpfer gefallen sind. Gegen tausend Familien sind obdachlos ge- worden._ Feuersbrunst in Mexiko. Einer Meldung aus Mexiko zu- folge wütete gestern nacht in Monterey eine schwere Feuersbrunst, die das ganze Zentrum der Stadt einschließlch des Telegraphen, bureaus ergriff. Wie die Untersuchung ergeben hat, ist das Feuer in Monterey durch einen Fehler in den elektrischen Drähten ent» standen. Es hat im Geschäftsviertel der Stadt einen Schaden von l'ch Millionen Dollars verursacht. Auch in Decatur(Jllois). richtete am Sonsttag eine KeuerS« brunst im Geschäftsviertel großen Schaden an« K»r de» Jnbalt der Inserate «ibcrniiiimt die Redaktion dem Vubliknm gegenüber keinerlei Bcrnntwortung. �Keam. Dienstag, den 24. August. Ansang 7'/» Uhr. Kgl. Opernhaus. Die Walküre. Ansang 7 Uhr. Kgl. 2chauspielhaus. Die Raben- steinerin. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Ketten. K a m m e r s p: e l e. Freund Jack. Lcfsing. Der Biberpelz. Berliner. Einer von unsr« Lent. ReneS. Sein Sündenregister. Neues Schauspielhaus. Mit Dndelsack. Dhalia. Prinz Bussi. Kmiiische Oper. Tasca. Residenz. Kümmere dich um Amell«. Hebbel, grau WarrenS Gewerbe. Trianou. Liebesgewitter. Lustspielhaus. Familie Schimek. Kleines. Moral. Neues Overetten. Die Dollar- Prinzessin. Weste». Der fidel« Bauer. Schiller O. tWallner» Theater.) Di- Ehre. @ch iii. i Charlottenburg. Bresters Millionen. Friedrich- Wilhclinstädt. Schau. ipieihaus. Manöverregen. Luise». Der stille See. Ntetevvol. Die oberen Zehntausend. Folies Caprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. 8*1, Uhr. Slp.'lio. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Hcrrnfeld-Dhrater. Elkams Friseur. Meine Tochter. Vaiiagc. Spezialitäten. Bernhard Roie. Der Mann der eisernen Maske. istoacks Theater. Ein gesunder Jung«. Spezialitäten. Etadt-Thcater Moabit. Spezia- litiiten. Bollse, arten. Spezialitäten. Bruiine». Carmen. Walhalla. Spezialitäten. RcichSdallen. Stelttnex Sänger. Urania. Taiideniiraste 48)40. Rom und die Campagna. Striiiivarre. Jnvatidciinr. 67/62. Mit I.esslngr-Theater. Dienstag, 8 Uhr: Oer Biberpelz. Mittwoch, 7'/, Uhr: Jbsen-Zyllus: 5. Vorstellung: Die Wildente._ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: F.lner von nnaore Lent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Sein Sündenregister Morgen und folgende Tage: Lein dünckenrexister. Tbeater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der Adele Bauer voSgan, Ncties Operetten-Theatep, SchWauerdamm 25, a. d. Luisenstr Ansang 3 Uhr: »I« Vullappplnnoaaln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Friedrich-Wiltielnistädtlsciies Schauspielhaus. Dienstag, 2t. August. Ansang 8 Uhr: Manöverregen. Schwank in 3 Akten v. G. Schätzler- Perasint und Ketzler. Mittwoch: Manöverregen._ Lustspielhaus. Abend« 8 Uhr: familie Schimek. Besidenz-Theater Direktion: Richard Alexander. 6 llhr! 8 Uhrt Schwank in 3 Alien von Fchdeau. Morgen und solgende Taget Dieselbe Borftcllung. > fssssge-Ilieelös. Bin durchschlagender Erfolg! Alois Pö.chl Edmondo Lnelnl The Lilngtons und das großartige August-Programm! 12 erttklas». VarlKs- Attraktionen. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. aatOCiStHfR GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Rl., von abends 6 Uhr ab SO Pf, Kinder o. 10 Jahren die Hälfte i.iii ijiii ii immmsm i MjWlPTHEAl Gr. gtanffiirier Str. Abends 8 Uhr: Der Tanzhusar. Luftspiel in 3 Akten v. H. Pohlmann. Aus der Gartenbühne Ans. 4'/, Uhr. Theaterveratellung. Spezialitäten. 8 Uhr: Das Programm d. Novltllen. 9 Uhr: Sine Karernsnaeht. 9" Uhrt der Schönheit. Humpstl-Bumsti, Delvard, Nadrags, Ethel Whitesides u. a. m. Triumph Humpati-Bumi Kasseneröffnung 7 Uhr. Das gigantische EröAnungs-Programm! Henry Bender Truty Shattuck, amerih. Operetten- Diva. Bellechalre Brothers, mod. Gladiatoren. Geschwister Klfis, GymnasUc Akt. 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Donnerstags: Elitetag.'MU » A lifahrtstelle J\ �USlik Schillingsbrücke«JQK «flBaeBBPP, am Schiesischen Bahnhof. edöÖEEiaÄ mit srüh 9 Uhr, mittag S Uhr. na« Nllltmillii'lei' 8ehleii!!e. 9*1,, mittags» Uhr, nach G-fener Ber. Jeden Dienstag, Freitag irilb>0 Uhr nach Neue neben Verl. Schweiz. le. Hin u, zurück«v Ps. rS; Heue Armin-Hallen ac Koinmandanteii.tr. fiH'SO. Säle von 50 bis 1000 Personen. Sonnadendo u. Sonntage in diesem u. nächsten Jahre noch frei! Parnspreoher: Amt IV. 10 155 914b* Stadt-Theater Moabit. Alt-Ooablt 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. b. Borstellung wochentags 7 Übt, Konzert 6 Uhr. Sonnt. 6 bczw. 6 Uhr. Garteneröffnung 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag, Spezia- litäten und Loire- der»Luftigen Sänger*. Bei Regenwetter Borstellung im grofeen Thcater-Saal. Brunnen-Theater Badstrafee 58. Direktion: Willi Voigt Heute sowie täglich:-HD> OarnRen. Gr. AnSftatwngs'Bolksstück mit Ge- sang und Tanz tn 5 Bildern. Kaffeneröftnung L Uhr. Ans. 4 Uhr. 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Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des FriedhoseS w Friedrichs- selbe aus statt. 2185L C MW! ßeffentliehe politische Versatntniiingen. Moabit. MW! 12. Kerliner Kandtagswahlkreis. Dieustlig, den 24. August, adruds 8 ilhr, iu deu Pruchtsültu„Nord-Mtst", Wiclefstrnhe Volks- VersAMmwng. Tagcs-Ordnung: Sturm auf das Dreiklaffenparlamcnt! Reserenten: Landtagsabgeordneter Dr. Karl Liebknecht und Landtagskandidat Stadtverordneter Zldolf Hoffmann Freie Diskussion. Männer und Frauen erscheint in Massen. VsZ Der Einbcruser: Max Richter, Wiclesstraße 24. 230/1 Freunden und Verwandten die traurige Mitteilung, dag mein lieber Mann, der Stockarbeiter KsH Vieth nach längerer Krankheit ver- storben ist. Die Beerdigung findet am Mitlwochnachmillag 4 Uhr von der Leichenhalle des Andreaskirch- hoseS in Wilhclmsberg aus statt. UV»«» IHaric Vieth __ nebst Eltern. Verband fozialdemokrat.(dabivereine Berlins und Umgegend. Versammlung der weiblichen Mitglieder der Berliner Kreise am Dienstag, den S4. August, 8 Uhr abends - in den �nnin-Hallsn, Kommandantenstr. 58/59.— Dankfagnng. Herzlichen Dank sür die Teilnahme an der Beerdigung unseres geliebten Gatten und Vaters, des Gastwirts Karl Kerles allen TeUnehmern, insbesondere den Vereinen Charlottenburger und Moabiter Schankwirte. 21842 Familie I?ei-ie», Tegeler Weg 103. Danksagung. Für die beim Begräbnis unseres lieben Sohnes und Bruders Otto OKI gezeigte Teilnahme sagen wir allen Bekannten und Kollegen unseren herzlichsten Dank. 1085b Witwe UM neBft Kindern. Tagesordnung: i.„Der Parteitag in Leipzig und die Frauen". Referentin: Genossin LlllSe ZletZ. 2. Diskussion. 3. Wahl von drei Delegiertinne» zum Parteitag. ZgM- Die weiblichen Mitglieder der 0 Berliner Kreise sind zu dieser Versammlung eingeladen. ------------ Mitgliedsbuch legitimiert.----------- 205)14_ Der geschäftsführende Ausschuß. Engen Ernst, Wöhlertstr. 9. Dr. Sehttnemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Frledrichstr. 203, Ecke Schsitzenstr. Wochentags 10—8, 5—7. Möbelfabrik Schulz,"ÄT{ liefert anerkannt gediegene M d b e I äußerst billigen Preisen. Ev. Teilzahlung. nimmt jeder Verlud» das beilebte, echte Palmin durch eine billige Nachahmung zu erletzen. Wir bitten daher beim Einkauf genau auf den Namen Palmin und den Schriftzug Dr.Schlindc zu achten und Nach« ahmungen, die oft unter täufchend ähnlich klingenden Namen angeboten werden, zurück zu weifen. H. Scblindc& Cie. 21.0» Hamburg• Mannheim Alleinige Produzenteo von Palmin. Wer eine wirklich gute Pfeife rauchen will, der wühle unter den |£apitäns Rauchtabaken die von hervorragendster Qualität in den verschiedensten Mischungen und Preislagen(in Päckchen von 10 Pf. bis 1,60 M.) in den meisten Zigarrengeschälten zu haben sind. Spezialität: Feiner Goidshag in roten DQten. Ulan achte jedoch genau auf das ges.gescb. Wort �Kapitän'*. lPtteheheu ohne diene Bezeichnung weise man als unecht zurilch. 2182L* Gen.-Vertrieb Karl Röcker, Grüner Weg 112. j I »••••••••••••••••••dawaaaaaaaaaaow» ner Zahlstelle Berlin. DienStag, den 94. Ängnst. abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 14/15, Saal 4 t sorkeizung der Deneratversatmnlnng. Delegiertenkarte und Mitgliedsbuch legitimiert. BolteuteKer. Mittwoch, deu 85. August, abends 8 Uhr, im GewerkschaftShause, Engel-Ufer 14/15. Saal 7 Z AH-aneben» Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Die neue Krankenkasien-Gesetznovelle�. Referent: Wilhelm.Ahreus. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Branchenangclegenheiten. Bürsten� u. Pinselmacher. Mittwoch, de» 25. August, abends 8 Uhr, bei F. PreuB, Holzmarktstr. 65 Branchen-Verfammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen X. Bohl:„Die neuen Steuern und ihre Wirkung�. Verbands- und Branchenangelegenheilen. Tischbranche. Donnerstag, 26. August, abends 8'/« Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 14/15. Saal 8- 88/16 Versammlung der Werkstatt'Vertrauensmänner. jede Fliege einzeln tot zu schlagen. Bequemer ist es. den Fußboden mit Automors-Wass er aufzuwischen, da dann keine Fliege im Zimmer bleibt. Aatomors-Wasser ist geruchlos und giitlrel 1 1929L anoli Cigaretten verschaSen den höchsten Genuß. S p e z i a 1 m a r k e n: Äbbas, Manolitip, Derby, Gibson Girl. I» Arbeitsnachwois: Hos l. Amt 3, 1239. Berwaltungsstelle Berlin. Hauviburra»: ObaritosiraLe 3. Hos III. Zlml 3. 1937. Mittwoch, den 25. August, abends 6 Uhr, im Nosenthaler Hof, Rosenthalerstr. 11/12: Wss- Versammlung der chirurgischen Brauche. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genoficn Trojan:»Die Klöster dos Mittel- alters*. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheitcn und Snfchicbcitcs.) Mittwoch, den 25. August 490», abends 7 Uhr, in Graumauns 5?estsälen» Naunynstr. 27: Große Versammlung aller in der S ch r a u l» e n l» r a u ch e beslhästigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht der AgiialionSkommission. 2. Diskussion. 3. Neuwahl zur Agiiationslommission und Wahl des Branchenverlreters. 4. Verbands- angeicgenhcitcn. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Mittwoch, den 25. August 1909, abends 8'/, Uhr, im Gcwcrkschaftshäuse, Engelufcr 15, Saal 3: Braucken- �ertammkung der Drahtarbeiter Lerlins und Wgegend. Tages-Ordnung: 1. Vorlrag des Genossen Spickermann über:»Tie Kon- zentratton des Kapitals und seine Wirkung ans die Arbeiterklasse*. 2. Diskussion. 3. Branchcnangelegcnheiten. Achtung! Schlosser! Achtung! Donnerstag, den 26. August 1909, abends 8 Uhr, in Freyers Festsälen(früher Keller), Koppenstrabe Nr. 29: Vertamm lung der Schlosser Kerlins und der Umgegend. TageS-Ordnung: Bericht über die stattgefundenen Verhandlungen mit den Arbeitgebern und den Verlauf unserer Lohn- bewegung. Das mtglledshaeh Ist mitzubringen und am Eingang vorzuzeigen. Mitglieder anderer Organisationen, die der Gewerkschastskommission angeschlossen sind, haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltuiig. Die Bersammlnng der Graveure n. Ziseleure findet am Mittwoch nicht statt. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dast Protokolle von der Generalversammlung in Hamburg a 40 Pf. im Bureau und bei den Bezirkskassierern zu haben sind. 121/19_ Die Ortsverwaltung. MW! Schmiede. MW! Mittwoch, den 25. August 1909, abends 8'/, Uhr, bei Wilke, Brunnenstraße 188: Versammlung sämtlilhtr bei Innnngsmriktrn beschäftigten Gesellen. TageS-Ordnung: 1. Sollen die Minimallöhne unseres Lohntarifcö erhöht werden? 2. Die neueste Entscheidung über den Arbeitsnachweis der Innung. 3. Wahlvocschlage zum Gesellen- ausschuß. 4. Verschiedenes. 176/14 Kollege»! Zu der vorstehenden Tagesordnung wollen wir bemerke», dasi seitens vieler Werkstätten der Antrag gestellt worden ist, so bald als möglich eine Lohnbewegung zur Verbesserung des TarisS der Jnuungs- gesellen vorzubereiten. Dies wird jedoch nur da»» möglich sei», wenn die Kollegen z» dieser Bcrfnmmliiug vollzählig erscheinen. Mit Grub Der Gesellcnnusschnst. I.A.: Paul Köhler. Altgeselle : IÄ Cigaretten Beste Qualitäten Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Kerlin. Für den Inseratenteil verantw,: Th, Glocke, Berlin. Druck u.LerlagiVorwärttBuchdruckclei u. VerlaLsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 196. 26. Jahrgang. 3. Killigt Ks„öutiültts" Ktlinn Öolliölilnlt. Dienstag. 24. August 1909. Soziales� Die Uebernahme von Heilverfahren durch die Berufsgenossenschaften. Die Leistungen der Unfallversicherung treten bekanntlich erst mit dem Beginn der 14. Woche nach dem Betriebsunfall in Wirksamkeit. Es ist jedoch den Berufsgenossenschaften f r e i g e st e l l t, das Heil- Versahren für einen Verletzten schon vor Ablauf dieser Wartezeit zu übernehmen. Von vielen Seiten, namentlich auch vom Reichs- vcrsicherungsamt, ist schon auch darauf hingeiviesen loorden, dag diese frühzeitige Uebernahme des Heilverfahrens auberordent- lich emvfehlenswert ist. Durch rechtzeitige Anwendung gc- eigneter Heilbehandlung und Heilmittel können sehr oft Unfallsfolgen gänzlich beseitigt werden. Das ist jedenfalls den Verletzten iveit lieber als ein ständiger Kampf um eine geringe Rente. Zurzeit scheuen überdies viele Krankenkassen für die Unfallverletzten höhere Aufwendungen während der ersten 13 Wochen, weil später eben die Unfallversicherung eintreten muh. Die Statistik zeigt aber, dah die Berufsgenossenschaften für diese ftfrage abjolnt kein Verständnis haben. Tie Zahl der gewerblichen Berufsgenossenschaften, welche eine frühzeitige Uebernahnie des Heilverfahrens überhaupt üben, ist z u r ü ck g e g a n g e n. Die Zahl der übernommenen ftälle verniinderte sich von 9220 im Jahre 1900 auf 8775 im Jahre 1007, oder von 2,97 auf 1,89 Proz. der gemeldeten Unfälle. Das zeigt noch mehr als alles andere den nnsozialen Geist der Berufsgenossenschaften. Die Statistik beweist, dah von den im Jahre 1907 übernommenen 8773 Fällen bei 8048 Fällen das Er- gebnis der Behandlung ein s e h r g ü n st i g e s war. DaS dürfte doch vollkommen genügen; von den 678 879 M. Unkosten, welche die frühere Uebernahme des Heilverfahrens den gewerblichen Berufs- gcnossenschaften verursachte, erhielten sie noch 140 937 M. von den beteiligten Kraukenkassen zurückerstattet. Besonders im Argen liegt die rechtzeitige Uebernahme eines Verletzten bei den landwirtschastlichen Bcrufsgcnossenschaficn. Von den 48 Genossenschaften dieser Art machten im Jahre 1907 nur 35 davon Gebrauch: die Zahl der Fälle betrug 2598. Zu einem grohen Teil handelt es sich bei den übernoimneneil Fällen um Knochenbrüche und Aiigenvcrletznngcn. Das ReichSvcrsicherungsamt hat erst jetzt wieder die Berufs- gcnossenschaften zu reger Ausgestaltung dieser Fürsorge angeregt. Ob es helfen wird? Das beste wäre eine günstigere Gestaltung der Gesetze für die Versicherten in dieser Frage. Ter Entwurf der Reichsversicherungsordnuiig enthält nichts davon. Tie„Wohltaten" der Arbeiterverficherung treiben wieder einmal grell beleuchtet durch das Verfahren der Gcneraldirektion der sächsischen Staatsliahn, welches in einem Prozeh vor dem Schiedsgericht für Arbeiterversichcrung ber Staatsbahn in Treodcn zur Sprache kam. Ein im Eisenbahn- betriebe beschäftigter Arbeiter erlitt im Jahre 1907 einen Be- triebsnnsall, für dessen Folgen er eine Rente von 25 Proz. erhielt. Jetzt sollte die Rente auf 10 Proz. herabgesetzt werden, wogegen der' Verletzte Berufung einwendete. Vor dem Schiedsgericht er- klärte der Verletzte, daß er nach dem Unfall wesentlich weniger verdiene als vor demselben und in finanzieller Beziehung jetzt bedeutend schlechter gehellt sei als früher! Durch diese Angaben stellt sich heraus, daß der sächsische Staatsfiskus eine Lohnberech- nung eingeführt hat, wonach Rentenempfänger, die noch im Staats- betriebe beschäftigt sind, Akkordlohn nicht beziehen und den Höchst- lohn nicht überschreiten dürscn!! Was über den Höchstlohn erreicht wird, zieht man diesen Arbeitern ab!! Durch diese Berechnung werden die Rentenempfänger mehr geschädigt als die Rente aus- macht! Selbst der Vorsitzende des Gerichts schien die Ungercchtig- leih die in diesem Versahren liegt, zu empfinden, denn er erklärte, daß er gegen diese Lohnberechnung sei. Nicht genug, daß die im Staatsbetriebe verunglückten Ar- beiter oft zum Krüppel werden, sie werden außerdem noch mit Lohnkürzung bestraft. Und angesichts dieser Tatsache wagt man von Wohltaten der Arbeitcrversicherung zu sprechen? Ä> sieht der Staat als Arbeitgeber aus!! Amtlicher Marktbericht der städtlschen Marktballen-Dtrektion über den Großhandel in den Zenwal-Marlthallen. Marktlage: Fleisch: Zuluhr stark, Geichäst rege. Preise sür Kalbfleisch anziehend, sonst un- verändert. Wild: Zusndr genügend, Geschält rege, Presse besncdigend. G c s l ü g e I: Zufuhr in Gänsen über den Bedarf, sonst knapp, Gcschätt etwas lebhast, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Ecichäst schleppend, Preise iveiter nachgebend, Butter und Käse: Geschäft lebhaft, Preise unverändert. Gemüse. Obs» und Südsrüchle: Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert. Ä Hl 0 Gl eSplGöalGjra B B I 1 m 0 i B I I Ss I l W, WERTHEIM G.m. b». FMitllMe 110-112 aUJ FrieMslmBe 110-112 Von der Preuermäßigung sind einige wenige Artikel : ausgenommen. u Die von der Passage-Kaufhaus-Betriebsgesellschaft übernommenen Waren kommen auch weiterhin zu enorm billigen Preisen zum Verkauf. Wir bieten damit eine außerordentlich günstige Kaufgelegenkeit. Auch die zur Vervollständigung der Auswahl neu eingetroffene Ware wird zu entsprechend s billigen Preisen verkauft, s PORZELLAN Tafel-SemCö blau-kobalt-Rand ftir 6 Personen fflr 12 Personen 14.50 16- 33.50 49.50 Tafel-Service in mod. Formen u Dekors fflr 12 Pen. für 12 Pen./ m. Polier-\ 00_ vGoldrandy 75.- 100. Kaffee-Senice reich dekor. in mod. form., 9 teil., für 6 Pen. 1.85, 2.85, 3.25, 4.50 Obst-Senice rSÄf&den 90 Pf. Butterdosen m.Goiddekor.28«. 38 pf. MÜClltÖpfe dekor, pr. Satz, 3 Stck. 40 Pf. Kaffee- und Teetassen ,0 on 00 mit Coldband...... löj ZUj hu Pf. Dessert-Teller coidstem.... 12 pf. Obstschalen mit Fond u. Dekor. 48 Pf. ObStteller in verschied. Dekor.. 18 Pf. 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Abänderung der Satzung der Drts-jrrankenkasse für Ober-2chöncn>cide, beschlossen in der ordentlichen Generalversammlung am IT Aprll 1909. § 31 Absatz 1 ist gestrichen und da- für gesetzt worden: .Die Beiträge sind für diejenigen Mitglieder, welche der Kasse aus Grund dcS§ 2 der Satzungen angehören, alle vier resp. süns Wochen je sür die abgelausene Monatspcriode postnumerando zu entrichten und sind je am letzten Sonnabend der Monats- Periode fällig." § 34 ist gestrichen und dafür gesetzt worden: 277/4 .Diejenigen Mitglieder, welche der Kasse aus Grund des§ 5 Absatz I und IV und des§ 9 freiwillig angehören, haben selbst die Eintrittsgelder und die vollen Kasscnbcilräge am ersten Tage jeder Woche an die Kasse einzuzahlen oder kostenlos einzu- senden. Vorausbezahlungen für einen längeren Zeitrauni sind zulässig." Vorstehende Abänderung bat die Genehmigung des Bezirksausschusses erhalten und tritt mit Montag, den 30. August 1909 in Krast. Ober-Schöneweide, 22. August 1909. Vvi- Vorsfand. 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Verlagsanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin LV/.