Nr. 197. Monnementz-KeSIngmigen: WonncmentS- Preis pränuvierando: Bicrtcljährl. ZP0 Mt, mono». 1,10 Mk., wöchenllich 2a Pfg. frei ins Hous. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierlcr Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Slbonnctncnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen cm: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. CrWcint Sgl!« außer tnontoJ. Vevlinev Volksblalt. Die Tnlertions-Gcbülir Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins- Und Bersammlungs-Anzeigen M Pfg. „Ateine Sn-eigen", das erste lfelt- gedruckte) Wort 20 Pfg„ jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geässnet. Telegramm-Adresse: „SwizWilMlii'sl Berlin". Zentralorgan der fozl aldemokrati fchen Partei Deutfchlande. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasae 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SRI. 68, Lindenstraoae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der IRielenkampf in Schweden. Nach den übereinstimmenden Berichten, die uns zuge- gingen sind, ist der gestrige Montag ohnejeglicheAen- derung der Situation vorübergegangen. Die Reihen der Ausständigen sind ungebrochen, die Entschlossenheit hat keinen Abbruch erlitten. Die vierte Ansstandswoche hat be- gönnen, ohne dasi die Nnternchmerzentrale ihre Hoffnungen auf eine Zersplitterung der Arbeiter erfüllt sieht. Alle ihre Bluffs sind fehlgeschlagen, sie wirken nicht einmal auf die Un- organisierten, wie viel weniger denn auf die in langjährigen .iiämpfen geschulten Kerntruppen der schwedischen GeWerk- schaften. Die Haltung der bürgerlichen Presse ist recht interessant. Gestern abend wußten die Berliner Abend- blätter nur von den Maßnahmen der Regierung zum Schutze etwaiger Arbeitswilliger zu berichten, von denen sie durch das Wolffsche Bureau informiert wurden. Die sonst so fleißigen Korrespondenten schienen sich dem Streik plötzlich an- geschlossen zu haben, nachdem ihre Prophezeiungen vom Frei- tag und Sonnabend so griindlich fehlgeschlagen waren. Auch Scherl schwieg. Dafür läßt er sich heute morgen dahin ver- nehmen, daß der Streik dem Ausgange nahe sei Und daß die Gelben die Arbeit wieder aufgenommen hätten. Beides stinimt zwar nicht mit den Tatsachen überein, aber die„unpar- teiische" Scherlpresse hat bisher die Unternehmerbluffs unbe- sehen gebracht: sie muß daher im alten Gleis weiter schwindeln. Unseren gestrigen Meldungen können wir heute hinzu- fügen, daß auch die Filialen des„Schwedischen Arbeiterver- bandes" in Hudiksvall, Kairineholm und Södertelje gegen den Beschluß ihres Zentralvorstandes protestieren und die Wiederaufnahme der Arbeit verweigern. Die Forderung weiter Gesellschaftskreise nach einem ver- mittelnden Eingreifen der Regierung wird immer dringender erhoben. Wie nachstehende Privatdepesche des„Vorwärts" meldet, erheben jetzt die schwedischen Frauen die gleiche Forderung. Die Meldung lautet: Stockholm, 24. Auanst.„Svaret" konstatiert heute, baß den auS den meisten Streikorten bereits eingegangenen Meldungen zufolge die Reihen der kämpfenden Arbeiter auch am gestrigen Montag ungebrochen blieben. Eine Deputation von Frauen des öffentlichen Lebens, dar- unter die bekannte Dichterin Selma Lagerlöf, und die Führerinnen der Bewegung für daS Francnstimmrecht begaben sich heute zum Könige und zur Regierung, um deren verniittelndcs Eingreifen im Interesse des Heims, der Gesellschaft und des sozialen Friedens zu fordern. Weder der König, noch der Zivilmini st er(Minister des Innern) waren indes zugegen? ein Registrator nahm die Petition entgegen! Das Redeverbot gegen unseren norwegischen Genossen Puntervold wirkt als neue Polizeischikane sehr aufreizend. Die 117 Streikbrecher aus Lübeck sind hier an- gekommen und wurden sofort auf ein Logemcntsschiff gebracht. Einer davon war wahrend der Ueberrcise über Bord gesprungen. Die Leute sind als Streikbrecher im Hafen bestimmt. Die Stintinuiig unter den Ausständige» ist u n v e r än d e r t f e st. Das Bedürfnis nach Unterstützung wächst natürlich mit der Dauer des Ausstandcs. Aber anch in diesem Punkte werden sich die Nntcrnehincrführer verkalkuliert haben, solange die Brüder im Auslande den Kämpfenden ihre tatkräftige Unterstützung gewähren.. Das Schicksal der Frauendeputation, die sowohl beim König als auch bei dem Minister des Innern vor ver- schlösse neu Türen stand, ist bezeichnend. Daß der König nicht zu Hause war und dem Registrator den Empfang der Deputation, zu der die berühmte Dichterin der schwedi- schen Nation gehörte, überließ, besagt nicht allzu viel. Ein König ist manch-nal vielbeschäftigt, und außerdem kann er nicht dafür, daß er ein König ist. Die Macht des Königs von Schweden reicht in diesen sozialen Kämpfenauch nicht weiter, als die des ersten Schreibers, des Herrn v. Südow. Dagegen wird ein Sozialdemokrat am allerwenigsten etwas einzuwenden haben. Der König hätte der Deputation auch nur mit einer Variation des Wortes eines großen norwegische« Dichters antworten können: Die schwedische Bourgoisie betrachtetmichnuralsdenVerschlußzuihrer Schatulle: den Schlüssel haben zurzeit die Herren v. Südow und Lindman. Wenden sre sich freundlichst an dieseHerren! Ganz anders steht es aber mit dem Herrn Z rv rl- minister. Er ist verfassungsgemäß wenigstens dazu da, um die Geschäfte der Nation wphrzunehmen: uns scheint, die schwedische Nation fängt an, auf dem Vulkan zu tanzen. Kein moderner Staat kann es aushalten, wenn sein Erwerbsleben auf lange Wochen oder gar Monate völlig eingestellt wird. Tie schwedische Regierung tröstet sich zwar in ihrer tief- grüudigcn nationalökonomischen Weisheit, die sie in dem nach Teutschland versandten offiziellen Geschwätz über den schwedi- schen Generalstreik verzapft, damit, daß der..Produktions- ausfall durch die gleichzeitige Einschränkung des Konsums einigermaßen neutralisiert worden ist", weshalb angeblich die schwedische Volkswirtschaft durch die Betriebseinstellungen keinen großen Schaden erleide. So steht es nun freilich nicht. Ein Minister aber, auch ein solcher von Gnaden der ersten schwedischen Kammer, hat schließlich die Pflicht, die Auffassung auch anderer Bürger. als einzig der bornierten Führer der schwedischen Unter- nehmer anzuhören. Wenn er das nicht tat, hat er offen vor der ganzen Welt kundgeben, daß in Schweden zwar eine Regierung vorhanden ist, die aber nur die Geschäfts- trägerin des organisierten Unternehmer- tu ms ist. Jenes Unternehmertums nämlich, das soeben 80 000 Arbeiter ohne jeden Grund— denn sie waren unbe- t e i l i g t an den Differenzen in den drei Erwerbsgruppen, die unmittelbar den Anlaß zu diesem Kampfe gaben— ausgesperrt hat und sich mit der Absicht trug, weitere 80 000 hin auszuwerfen. Brutaler als in diesem Falle hat sich selten die Negierung eines konstitutionellen Staates, der wenigstens die Ansätze zum parlamentarischen Regierungs- system aufweist, als ausschließlicher Handlanger einer ganz eng begrenzten Kaste entpuppt. In diesem Falle handelt es sich um nur 1400 organisierte Unternehmer, die im Schwe- dischen Arbcitgebervcreiniorganisicrt sind, als deren Geschäfts- träger die Regierung fungiert! Diese Unternehmer beschäf- tigen zusammen 160 000 Arbeiter. Die 1400 Unternehmer be- deuten für die Regierung alles, die Hunderttausende von Ar- bcitern, sowie die den Frieden herbeiwünschenden kleinbürger- lichen Schichten der Bevölkerung nichts! Wir haben es in dem schwedischen Kampfe aber m i t einem sozialen Kampfe zwischen Kapital und Arbeit von seltener Schärfe zu tun. Diese Zu- spitzung der Klassengegensätze wird notgedrungen auch auf politischem Gebiet zum Austrag kommen. So viel darf heute schon als sicher angenommen werden, daß bei den nächst- jährigen Reichstagswahlen diese Regierung, die mit zynischer Brutalität die Geschäfte einer ganz verschwindenden Minorität der Bevölkerung besorgt, von der Bildfläche verschwinden wird! » Die Streikbrecherlieserung, die soeben aus Lübeck in Stockholm eingetroffen ist, bedeutet die schlimm st e Schändung des deutschen Ansehens, die es in diesem Augenblick geben konnte. Unwissenheit kann diesen Leuten nicht als Entschuldigung dienen, denn seit drei Wochen berichtet die ganze deutsche Presse über den Ausstand, sodass jeder, der in eine Zeitung blickt, sofort von dem Vorhandensein des schwedischen Kampfes unterrichtet wird. Es bleibt abzuwarten, welche Motive den einen Mann in den Tod trieben, bevor man ein entgültigcs Urteil über die Anwerbung und die hierbei benutzten Vorspiegelungen fällen kann. Nur scheint uns die Frage am Platze, ob die Lübecker Arbeiterschaft von dieser schändlichen Streikbrecher- Werbung nichts erfahren konnte. Jedenfalls müssen wir die Gc- nosscn in allen Hafenortcn dringend ersuchen, auf der Wacht zu fein! Eine andere wichtige Frage ist die, wag das schwedische Unter- nchmertum mit den 117 Streikbrechern will. Sie können doch nicht irgend wie in Frage kommen als Ersatz der grossen Zahl der Aus- ständigen. Auch muss es als ausgeschlossen gelten, dass Streik- brecherersatz für 309 099 überhaupt herangezogen werden kann. Es bleibt also nur eine Annahme übrig: Das Unter» nehmertum sucht alle Möglichkeiten zur Provo- kation der Ausständigen! Einen anderen Zweck können die Streikbrecher nicht haben. Dem Unternehmertum gelüstet es an- scheinend nach einer zweiten Malmöbombe; es will den Kampf nicht mit den unblutigen Mitteln der gekreuzten Arme ausgefochten sehen, es verlangt nach A r b c i te r b l u t! Ist man sich über die Verantwortung klar, die das Unternehmertum damit auf sich lädt? Drei volle Wochen hat die schwedische Arbeiter- schaft der ganzen Welt gezeigt, dass sie ruhig und besonnen ist, ihren großen Kampf auszukämpfen. Den Preßlakaien des schwedischen Unternehmertums wird es jetzt nicht mehr ge- lingen, dem Ausland das Gegenteil aufzuschwatzen. Das Herein- zerren ausländischer Streikbrecher durch die Unternehmer kann nur die einzige Aufgabe haben, Krawalle zu provozieren und zu organi- sieren. Das schwedische Unternehmertum mag diese Rechnung mit seinen Gläubigern in zwiefacher Richtung ausmachen. Aber an die deutsche Regierung richten wir nochmals die drin- gen de Frage: Will sie die Anwerbling von Streikbrechern auf deutschem Boden dulden, oder will sie dem Beispiel des englischen Handelsministeriums folgen?! Deutschland hat nichts zu gewinnen, wohl aber viel zu der- lieren, würde es zulassen, dass das schwedische Unternehmertum die im eigenen Lande fehlenden Provokateure hier anwerben darf! (Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 23. August. Man hat sich Wohl auch in Deutschland schon daran gewöhnt, in den bürgerlichen Blättern seit Wochen tagtäglich vom Fiasko deS Generalstreiks und von der nahe bevorstehenden Niederläge der Arbeiterschaft zu lesen, die ja eine vollendete Tatsache sein müsste, wenn alle die von den schwedischen Unternehmern in die Welt gesetzten Nachrichten über die.Wiederaufnahme der Arbeit' wahr wären. Da aber die amtliche Statistik erst vor wenigen Tagen bewiesen hat, dass die gewaltige Masse der Arbeiterschaft noch immer ungeschwächt im Streik verharrt, stellt sich natürlich das Bedürfnis heraus, einen b e- st i m m t e n Tag für das Ende des Streiks vorauszusagen. Dieses dringende Bedürfnis der bürgerlichen Gesellschaft zu befriedigen, hat ja nun die. V 0 s s i f ch e Zeitung' unternommen. Sie lässt sich von ihrem Stockholmer Korrespondenten erzählen, eine Gruppe von Textilarbeitern sei vom Landessekrctariat dringend er- mahnt worden, bis zum Dienstag auSzilhalten, da dann wahr- fcheinlich alles vorüber sein werde. Also die oberste Körperschaft der gesamten Gewerkschaftsorganisaiion musste eingreifen, um eine kleine Schar wankelmütiger Textilarbeiter wieder streikfest zu machen. Der Wackere, der diese Notiz fabriziert hat, scheint gar nicht zu wissen, daß, wenn in irgend einer Arbeitergruppe Wankeimütigkeit sich zeigt, die besondere Berufsorganisation der be- treffenden Arbeiter es ist, die sie zum Ausharren ermahnt. Das Landessekretariat der Gewerkschaften wendet sich nur an die G e- s a m t h e i t der Arbeiterschaft und hat weder Beruf noch Zeit, sich um die Vorgänge in den verschiedenen B e r u f s gruppen ein- gehend zu bekümmern. Aber eS ist auch an sich u n- sinnig, daß überhaupt an irgend eine Gruppe von Arbeitern eine solche Vertröstung auf Dienstag oder einen anderen Tag ergangen sein sollte. Die Arbeiterschaft ist vielmehr darauf vorbereitet, dass der Kampf noch wochenlang dauern kann und wird darüber auch von den leitenden Personen nicht getäuscht. Andererseits weiß man aber aus sicherer Quelle, daß die Borstände der Arbeitgeber- organisation alle Mühe haben, ihre Mitglieder von Tag zu Tag, von Woche zu Woche auf den baldigen Abschluß des Kampfes zu vertrösten, daß sie dabei auch einen bestimmten Termin angeben und daß es schon lange in ihren Versammlungen, soweit die leitenden AuSsperrnngshelren vor die Mitglieder zu treten wagen, zu stürmischen Auftritten gekommen ist. Sicherlich soll das erwähnte Geschreibsel in der.Vossischen' nur dazu dienen, die Auf- merlsamkeit von der unhaltbaren Stellung deS Unternehmertums abzulenksn. Es ist ja auch ganz erklärlich, dass die Masse der Arbeitgeber immer unzufriedener mit ihrer Leitung werden. Bedeutet doch ein solch langdauernder Kampf die Vernichtung vieler klein- bürgerlicher Existenzen. Durch die sehr zweifelhaften Unterstützungen auf Kredit ist natürlich den nicht kapitalkräftigen Leuten unter den Arbeitgebern auch nicht geholfen. Wenn der Kampf gegen die Arbeiterschaft überhaupt Ziel und Zweck haben soll, so muß es doch wohl der sein, das Mitbestimmungsrecht der Aibeiterorgani« sationen über die Festsetzung der Löhne auszuschalten. Wenn aber — was gänzlich ausgeschlossen ist— dieses Ziel erreicht würde, wer hätte irgend einen Vorteil davon? Vielleicht die mit dem Ausland konkurrierende Großindustrie. Aber dem steht entgegen. daß erfahrungsgemäß mit der Herabsetzung der Löhne auch die ArbeitSsreudigkeit und die Leistungsfähigkeit der Arbeiter sinkt, und damit müssen die Herren rechnen. Die Keinen Arbeitgeber aber, die mit der Verwertung ihrer Produkte auf das Inland angewiesen sind, hätten von beliebiger Herabsetzung der Löhne nichts anderes als eine mächtige Förderung der Schmutzkonkurrenz und ein starkes Sinken der Werte ihrer Produkte zu erwarten. Dazu kommt, daß ihr Absatz im wesentlichen von der Kaufkraft der großen V 0 l k s m a s s e n abhängig ist. Sie haben also eigentlich ein Interesse daran, daß die Arbeiter nicht zu schlecht verdienen und im Kampfe nichtUnterliegen. Das gleiche Interesse haben alle die Leute aus dem Bürgertum, die ausserhalb der kämpfenden Parteien stehen, aber vom Verdienst der Arbeiterschaft leben. Da sind neben der grossen Masse von Geschäftsleuten auch die Hausbesitzer, die iit ihrer grossen Mehrheit nur wünschen können, dass der Kampf schleunigst und zum Vorteil der Arbeiter beendet werde. Hier in Stockholm droht schon eine förmliche Panik unter den Hausbesitzern auszubrechen. Viele von ihnen wirtschaften nur auf Kredit. Wo sollen sie die Zinsen hernehmen, wenn die Arbeiter, und wahrscheinlich auch manche Ladeninhaber, infolge deS langen Kampfes mit dem besten Willen nicht in der Lage sein werden, die zum 1. Oktober fällige LierteljahrSmiete zu zahlen? So fragt man sich in ihren Kreisen in banger Erwartung. Die Mieten sind in Stockholm ungeheuer hoch. Für 599 Kronen findet nian hier kaum eine Zweiziinmerwohnung, 999 bis 799 und mehr muss man zahlen, um mit einer kleinen Faniilie einigermaßan anständig wohnen zu können. Die Mieten werden hier ollgeiiicin vierteljährlich gezahlt und man kann sich denke», wie schwer cS manchem Arbeiter werden muß, der nun den ganzen August über und bielleicht noch wochenlang ohne Arbeit ist»»d sein wird, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Und nicht leichter wird eS manchem Geschäftsinhaber werden, desien Waren infolge der aufs äusserste verminderten Kaufkraft der grossen Volksmasse keinen Absatz finden konnten. Geldleute spekulieren denn auch darauf, dass sie demnächst Häuser von den Besitzern, die nicht mehr aus noch ein wisse», weit unter dem üblichen Preis erwerben können. Wie hier, so geht eS auch in anderen Städten, wo die Verhältnisse ungefähr die gleichen sind. Darum drängt daS Bürgertum, so sehr eS auch als Klasse der Arbeiterschaft eine Niederlage wünschen mag, immer inchr auf einen schleunigen Abschluß des Kampfes. Das tritt auch in solchen bürgerlichen Blättern, die nicht gänzlich unter der Fuchtel der Unteriiehmerorganisation stehen, von Tag zuTag deut- licher hervor. Im allgemeinen hat der Massenstreik dazu ge- führt, dass die Klassengegensätze nun auch in der Presse stärker als je hervortreten. Der Liberalismus, der ab und zu mit der Arbeiterschaft zu liebäugeln pflegt, ist hier in Schlvcden ein ungefähr ebenso zweifelhaftes Gewächs wie in Deutsch- I a n d. Seine Blätter entrüsten sich ebenso über die Kampsmethoden der Arbeiterklasse wie die konservative», und faseln ebenso wie diese vom„Fiasko" deS Massenstreiks. Aber hier und da wagen sie doch anzudeuten, dass auch die Arbeitgeber ihr Teil Schuld au dem allgemeinen wirtschaftlichen Kampf tragen. So veröffentlicht„D a g ens Nhhcter'hcute an leitender Stelle einen„Bermittclnng sobald wie mög- lich" überschriebenen Artkkel des freireligiösen Reichstagsabgeordneten I. Byströni.—-.Freireligiös' bedeutet hier in Schweden, dass jemand einer meist orthodox bibelgläubigen Sekte angehört, politisch in der Regel kcnservativ gesinnt, nur mit der Einschränkung, dass er das StaaiSkirchcntum nicht für die geeignete Einrichtung zur Pflege und Förderung des alleinseligmachenden Glanbens hält. Ein solcher Mann ist auch jener Bhström, der nun in seinem Artikel der Re» gierung zur Pflicht macht, so schnell wie möglich alles zu tun, um die Parteien zur Verhandlung zu bringen. Um die Regierimg hierzu zu zwingen, schlägt er vor. dass durch allgemeine Berfa mm» tun gen, Resolutionen, Petitionen, Deputationen die Regierung bestürmt werden soll, die kämpfenden Parteien zu Verhandlungen zu bringen. Die Aufforderung des Schwedischen Arbeiterberbandes zur Wiederaufnahme der Arbeit hat offenbar ihre Wirkung verfehlt. Aus einer Reihe von Orten liegen bereits Mitteilungen vor, daß die Mitglieder eben dieses Verbandes es mit Entrüstung abgelehnt haben, der Aufforderung ihres Hauptvorstandcs Folge zu leisten, und in Eskilstuna, wo der Verbandsvorsitzende C e d e r in der Versammlung anwesend war, sah er sich selbst zu der Erklärung ge- nötigt, daß das bekannte Zirkular mit der Aufforderung zur Arbeits- aufnähme etwas überhastet zustandegekommen sei. Er selbst sei von der vielen Arbeit der letzten Zeit zu sehr über- müdet gewesen, um gegen den Druck, der von gewissen Abteilungen auf ihn ausgeübt worden sei, zu reagieren.— Vermutlich oder wahr- scheinlich sind diese gewissen Abteilungen die der Arbeitgeber gewesen, denen er nachgab l Sie praikilche Gemelndeverfaisuitg. Zur Verwaltungsreform. Die Gleichstellung von Stadt und Land ist eine dringende Forderung unserer Kulturentwicklung. Diese Gleichstellung muß vor allem erfolgen in bezug auf die G e m c i ndeb e r fa s su n g. Einheitliche Verfassung für Stadt- und Landgemeinde ist die wich- tigste» Aufgabe einer aufrichtigen Verwaltungsreform. Daß das Dreiklassenwahlrecht unseren Landgemeindcordnungen, das sich auch in der altpreußischen und westfälischen Städteordnung findet, unmoralisch und verwerflich ist, versteht sich von selbst. Es ist interessant, daß zu Steins Zeiten, also vor hundert Jahren, das allgemeine und gleiche Wahlrecht das selbstverständlichste war. Man war damals allerdings noch nicht so wohlhabend, wie heute, und nicht so geldhungrig. Man stufte die Menschheit noch nicht ab nach Steuerleistungen. Das allgemeine, gleiche, direkte und ge- Heime Wahlrecht ist eine selbswerständliche Forderung jeder De- mokratie, auch der bürgerlichen. ES erhebt sich nur die Frage, ob das Wahlrecht nur den Steuerzahlern zustehen soll, nur ge- wissen Steuerzahlern oder allen Einwohnern. Vom demokratischen Standpunkt kann allein das letzte gefordert werden. Ebenso ist das Wahlrecht für die Frauen zu verlangen, die an manchen Einrichtungen der Gemeinde ein viel größeres Interesse als die Männer haben. Man mache sich nur klar, daß gegenwärtig Tau- sende von verschuldeten kinderreichen Arbeiterfamilien eben wegen ihrer vielen Kinder und Schulden frei von Staats- und Gemeinde- steuern sind. Alle diese Leute ihrer kommunalpolitischen Rechte zu berauben, kann nur der verantworten, der die Qualitäten der Menschen nach Steuerleistungen abschätzt. Zu fordern ist also die wahlberechtigte Einwohner� gemeinde. Nicht wahlberechtigt sein dürfen solche Einwohner, die die Reichszugehörigkeit nicht besitzen. Weitere Voraussetzung wäre der Wohnsitz an dem Orte, an dem die Wahl ausgeübt werden soll, und selbstverständlich der Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Ausschluß der Armenunterstütznngsempfänger vom Gemeinde- Wahlrecht müßte aufhören. Wie würde das unsere Armen- kommission aufrütteln, wenn mal ein Bürger hineinkäme, der die Verwaltung der Annenhäuser aus eigener Anschauung kennt! Fortfallen müßten die Hausbesitzerprivilegien, das Er- fordernis der Selbständigkeit, der Zensus und alle anderen Mittel, mit denen die herrschenden Klassen die Macht des Proletariats bisher gesetzlich brechen können. Voraussetzung des Wahlrechts müßt« die Volljährigkeit sein, die Ausübung vermittels der Ver- hältniswahl geschehen, wofür Bayern vorbildlich geworden ist. Es ist das Wesen der Demokratie, daß sie stets mit und unter der Kritik der ganzen Bevölkerung arbeitet, unter Anteilnahme und der Aufsicht aller Bcvölkerungsgruppen. Das aristokratische Regiment muß alles mit dem Schleier des Geheimnisses bedecken, weil überall die Kritik zu fürchten ist. Ein demokratisches Regi- ment kann die Kritik und die Oeffentlichkeit nicht entbehren. Die Demokratie arbeitet mit der Popularität, die Aristokratie mit dem Zwange. Eine nach demokratischen Gesetzen wahlberechtigte Ein- wohuergemeinde würde zweifellos an der Gemeindeverwaltung und Gcmcindeverfassung größeres Interesse haben, als die jetzige Bürgergemeinde, die z. B. in den Städten der Provinz Hannover nur einen kleinen Prozentsatz der Einwohner ausmacht. Die Einwohnergemeinde müßte als Stadtvertretung ein Kollegium wählen. Das altpreußische Doppclkolleg ist geschaffen, um Neid und Mißgunst unter den beiden Kollegien nie einschlafen zu lassen und der Regierung die Möglichkeit zu geben, durch fortgesetztes Eingreifen bei Schlichtung von Konflikten sich in die Stadtvcr- waltung hineinzumischen. Außerdem ist eine Abgrenzung der Befugnisse zwischen Magistrat und Stadtverordneten in der Praxis nicht immer möglich, auch ganz überflüssig. Das allein ziveck- mäßige ist ein Gemeindeverordneten- Kollegium, das unter dem Vorsitz eines von der gesamten Bürger- schaft gewählten Bürgermeffters zusammentritt. In größe- ren Gemeinden könnten dem Bürgermeister Gehilfen als Ge- meinderäte zur Seite treten. Für die Gemeindevorsteher- oder Bürgermeisterwahl ist eine Präsentation nicht gesetzlich vorzu» schreiben, da gerade hierbei so oft dem Willen der Bürgerschaft von einflußreichen Stadtverordneten entgegengehandelt wird. Bürgermeister, Gemeinderäte und Gemeindevertreter wirken zusammen als beschließende und verwaltende Behörde. Zwei sich kontrol- lierende Kollegien, die in der Stärke oft nicht mal sehr verschieden sind, und teilweise dieselben Kompetenzen und für dieselben Zwecke Kommissionen haben, sind ein Unsinn und eine Krafwerschwen- dung. Dagegen wäre die Einführung einer Bürgerbersammlung als gesetzlicher Einrichtung für die Gemeindevertretung äußerst wert- voll. Die V o l k s a b st i m m u n g hat sich in der Schweiz durch» aus bewährt. Sie ist dort meist obligatorisch für die Gemeinde- ordnung, für Ausgaben von bestimmter Höhe und Schaffung bc- stlmmter Aemter. Ein solches Referendum in die Gemeinde- ordnung aufzunehmen, wäre eine demokratische Forderung, die allerdings eine bessere Volksschule wie die preußische voraussetzt. Der im Volke nie ganz entschlummerte Gedanke des Bürgervereins zeigt immer wieder, daß das Volk die Idee, in der Verwaltung * der Gemeinde auch außerhalb der Gemeindewahlen selbständig mit- zuarbeiten für selbstverständlich hält. Das Schweizer Jnitiativ- begehren, demzufolge jeder Stimmberechtigte eine„Motion" ein- reichen kann über Gegenstände, die in die Kompetenz der Gemeinde fallen, über welche Motion bei genügender Unterstützung durch andere Stimmberechtigte von der Gemeinde durch Abstimmung ent- schieden werden muß, ist höchst nachahmenswert. Wieviel Städte und Landgemeinden in Preußen hätten schon Elektrizitätswerke, Krematorien, öffentliche Bäder, Volkslesehallen, Bibliotheken, Ge- meindevcrsammlnngssäle, Arbeitsnachweise� Kaffeeschenken, Wald» schulen usw., wenn unsere Gemeindeangehörigcn das Initiativ- begehren hätten und auf die Gemeindevertretung von unten ein- gewirkt werden könnte. Unsere preußischen Gemeindevertretungen sind nur den Auf- fichtsbehörden verantwortlich, sonst niemanden. Und die AuffichtS- behörden sind reaktionär und haben eig grpßeS Interesse dgrgn, dm KMurfortfHritt zu hindern. Glieder ein Stückchen von der loyalen MMning des Verelnsgeletzes. In Altenau bei Militsch in Schlesien sollte am gestrigen Sonntag in einer von der Sozialdemokratie einberufeneu Versamm- lung Genosse Lobe- Breslau die Tätigkeit des„ungekrönten Königs von Preußen", des Herrn v. Hehdebrand, krisisch beleuchten, der der Vertreter des Wahlkreises Militsch-Trebnitz ist. Die Genossen von Militsch und Frchhan hatten für diese Versammlung gute Vor- arbeit geleistet, indem sie in einigen 80 Dörfern der Umgebung ein Flugblatt:„Die Abstimmungen des Herrn Hehdebrand im Bilde" verbreiteten, dessen Illustrationen unter dein Landvolk viel Interesse. bei dem„gnädigen Herrn" aber helle Entrüstung erregten. Genosse Scholich meldete die Versammlung von Breslau aus an. Statt der erwarteten Bescheinigung traf zunächst vom zuständigen Amts- Vorsteher, Herrn Leutnant Lehmann— Besitzer von 3800 Morgen im Werte von l'/z Millionen Mark—, der folgende Bescheid ein: Bogislawitz, 17. August 1909. Herrn Gustav Scholich mit dem Bemerken zurückgereicht, daß ich nicht eher die Genehmigung zu dieser Versammlung erteile, bevor mir nicht die Tagesordnung mitgeteilt worden i st. Der Amtsvorsteher Lehmann. Genosse Scholich antwortete dem Herrn Leutnant: Breslau, den 13. August. Ich teile Ihnen mit, daß ich keine Veranlassung habe, Ihnen die Tagesordnung mitzuteilen. Ferner habe ich nicht um eine Genehmigung zur Abhaltung der Versammlung nachgesucht, daicheine solche gar nicht brauche, sondern nur die gesetzlich vorgeschriebene Bcscheiulgung über die erfolgte Anmeldung gefordert. j§ 5 des Vereinsgesetzes vom 14. April 1908.) Die sehnlichst erwartete Bescheinigung ließ sich aber erst am Sonnabendabend erblicken, und zwar in Gestalt des folgenden Tele- grammeS von der nächsten Station Frehhan: Parteisekretär Gustav Scholich, Breslau, Gartcnstraße. Wege» Scharlach-Epidemie darf Bcrfamvilung in Altena» nicht abgehalten werden. Der Amtsvorsteher. Merkwürdigerweise war, wie die„BreSlauer Bolkswacht' feststellt, den zahlreichen Personen, die am Sonntag im Bersammlungs- lokal zu Altenau erschienen waren, da sie von dem Verbot nichts wußten, nichts von einer Scharlachepidemie, ja nicht einmal von einem einzelnen Scharlachfalle bekannt. In Altenau gab es weder einen Kranken noch einen Todesfall, irgendeine Bekanntmachung» eine Warnung war nirgends erfolgt. Schließlich konnte festgestellt werden, daß in dem eine halbe Stunde entfernten Bogislawitz bor zwei Wochen das l'/zjährige Kind eines Zimmermanns gestorben und beerdigt war— allerdings wußte von den Gefragten im Dorfe niemand, daß Scharlach vorgelegen haben soll. Sie erfuhren erst aus Breslau diese Neuigkeit. In den vierzehn Tagen seit dem einzigen Todesfall hatten alle Vergnügungen und Feste im ganzen Kreise und in Altenau ungehindert stattgefunden, die Schulen waren geöffnet und der Jahrmarkt wurde in Militsch abgehalten. In Altenau fand daS ortsübliche Scheibenschießen statt und in Kusch- Witz, ebenfalls eine halbe Stunde von Bogislawitz, feierte man an diesem Sonntag den Erntekranz. In Bogislawitz, also dem einzigen Orte, wo vielleicht vor Wochen die Spur einer Krankheit in einem Einzelfalle hätte gefunden werden können, rückten am gleichen Tage die deutschen Turner aus Sdunh in geschlossenem Zuge ein und arrangierten eine solenne Kneipe I Nur die Volksversammlung und ein Kränzchen der Bauhandwerker waren dem Scharlach zum Opfer gefallen! Nun ist eS ja zuzugeben, daß die Zahl der Soziaidemolraten im Militscher Kreise bisher nicht allzu groß war und die Besorgnis, daß ein oder zwei von ihnen durch Krankheit weggerafft werden könnten, ehrt die Behörden außerordentlich, immerhin— so viel Schutz beanspruchen unsere Freunde nicht und deshalb werden sie dem Herrn Leutnant und Amtsvorsteher Gelegenheit geben, seiner vor- gesetzten Behörde und, wenn eS Not tut, dem Minister des Innern nähere Aufklärung über die Scharlach„epidemie" in Altenau zu geben. Natürlich ist inzwischen auch eine merkwürdige Wandlung mit dem Gastwirt in Altenau vorgegangen, der sein Lokal nicht mehr zur Verfügung stellen will, auch wenn der„Scharlach" vorüber sein wird, von dem er natürlich auch nichts wußte. Abtreibung von Versammlungslokalen ist verboten und der schlichte Wirt, der selbst keine Zeitung liest und politisch ganz unbewandert ist, begann denn auch seine Ansprache in erftenlicher Korrektheit mit den Worten: „Ich bin von keiner Seite beeinflußt, aber Hetzreden kann ich in meinem Lokal nicht gestatten, weil ich vom Amtsvorsteher keine Ge- nehmigung dazu habe." Unsere schlesischen Genossen werden sich natürlich nicht abhalten lassen, in der gefährlichen Gegend weiterzuarbeiten. Am kommen- den Sonntag werden in Freyhan und in Ziegelschenne bei Militsch Versammlungen sich mit Herrn HeydebrandS politischer Tätigkeit be- fassen— wenn die Scharlachepidemie nicht inzwischen auch dorthin gedrungen ist. Aber schließlich, die Scharlachepidemie kann ja nicht ewig dauern und unsere Genossen können zunächst ruhig abwarten, was länger dauert, der Scharlach oder die Wirkung der neuen Steuern! poUtifcbe deberlicbt. Berlin, den 24. August 1909. Die„Dynastie Bachem". Vor zehn Jahren schrieb der in Münster erscheinende klerikal-agrarische„W e st f a l e" in einer Auseinandersetzung mit der„Kölnischen Volkszeitung": „Ans die Gefahr hin,«S mit der vielvermözenden Dynastie Bachem ganz und gar zu verschütten, möchten wir an ein pro- photisches Wort erinnern, das der selige Windthorst einmal im Unmut gesagt haben soll:„Die Dynastre Bachem wird noch einmal da? Zentrum ruinieren..." Der alte Windthorst kannte seine Pappenheimer." Die„Kölnische Volkszeitung" stritt das Wort Windthorsts nicht ab: sie begnügte sich mit der Bemerkung, daß sie von dem Wort nichts wisse und daß im übrigen Windthorst bis an sein Lebensende mit Mitgliedern des Hauses Bachem freundschaft- lich verkehrt habe. Es ist kein Geheimnis, daß die„Kölnische Volkszeitung" im Zentrum viele Feinde hat und die von ihr vertretene Richtung, die man als die klcrikal-kapitalistische be- zeichnen kann, in den agrarischen und kleinbürgerlichen Kreisen der Partei viel Anfechtung erfährt. Und auch die jetzige, von den Herren Bitter und Roeren geleitete Bewegung richtet sich zum wesentlichen Teil gegen die„Kölnische Volks- zeitung" und ihre Hintermänner im Rheinland, die das Zen- txum klls seiner konsessionellen Absonderung, seiner Wirt- schaftlichen und geistigen Rückständigkei't herausführen und zum Anschluß an die neuzeitliche EntWickelung bringen möchten. Es ist die katholische Bourgeoisie, deren Interessen in dieser Richtung Bachem zum Ausdruck kommen, die Leute im ultramontanen Lager, die Kommerzienrat werden, ihre Söhne in die höheren Beamtenstellen und ihre Töchter in die bessere Gesellschaft bringen möchte. Modernismus des kathc- tischen Geldsacks! Der führende Geist dieser Richtung ist Justizrat Dr. Julius Bachem, ein Vetter der Verlegerfirma, au der„Kölnischen Volkszeitung" nicht finanziell, wohl aber als deren geistiger Leiter beteiligt. Dr. Bachem gehörte in den achtziger Jahren dem preußischen Abgeordnetenhause an, er war Führer des Kölner Rathauszentrums und juristischer Be- rater des Erzbischofs, bis ihn anfangs der neunziger Jahre ein unliebsames Vorkommnis zwang, von seinen öffentliche!! Aemtern zurückzutreten und überhaupt das Auftreten nach außen hin zu vermeiden. Der Einfluß dieses kenntnisreichsten und geschicktesten Gliedes der Dynastie Bachem ist darum nicht geringer geworden. In den Spalten der„Kölnischen Volks- zeitung", in der Organisation der rheinischen Zentrumspartei und hinter den Kulissen der Zentrumsfraktionen weiß er nach wie vor seine Meinung geltend zu machen, und wer zwischen den Zeilen der Roeren-Bitterschen Kundgebungen zu lesen versteht, der erkennt, daß Dr. Julius Bachem, auch wenn man ihn nicht als solchen bezeichnet, doch als der eigentliche Stein des Anstoßes gilt. Die Dynastie Bachem und ihr Organ, die„Kölnisch? Volkszeitung", wird in der nächsten Zeit noch manches un- angenehme Wort hören müssen. Sie ist sich deffen bewußt, und es tritt deutlich bei dem Blatte das Bestreben zutage, die Auseinandersetzung in weniger erregte Bahnen zu leiten. Zu den Angreifern gesellt sich auch die„Westdeutsche Zeitung", das Blatt der„Deutschen Vereinigung", in der zahlreiche ehe- malige Zentrumsleute den Ton angeben. Das Blatt schrieb: „Die Kölner Richtung hat bedauerlicherweise bereits einen großen Einfluß auf die Zentrumspartei gewonnen. Die alten Führer des Zentrums haben selbst dem schroffsten Gegner gegen- über niemals zu solchen Mitteln gegriffen, sondern sich durch ihre ritterliche Kampfesweise auch die Achtung mancher Gegner erworben. Wenn heute vielfach eine so große Abneigung gegen die Zentrumspartei besteht, so dürfte das nicht zum wenigsten auf das Schuldlonto der„Kölnischen Volkszeitung" zu setzen sein.... Zwar herrscht die»Kölnische Volkszeitung." gestützt auf ihre Macht' heute noch unumschränkt, aber alle Anzeichen sprechen dafür, daß auch ihr und ihrer Politik dereinst aus den eigenen Reihen der Rächer erstehen wird." Da kennt das Blatt nun wieder die Dynastie Bachem schlecht. Die Leute wissen, wie weit sie zu gehen haben: sie kennen die Grenzen ihrer Macht und sind sich klar darüber, daß die„Kölner Richtung", die sie vertreten, sich nicht vom Zentrum isolieren kann. Der berühmte Artikel:„Wir müssen aus dem Turm heraus!" ist im Hause Bachem schon mehr als einmal bereut worden und manches andere der Zeit vorauseilende Wort auch. Und so wird, Wenns nicht anders geht, die Dynastie Bachem beizeiten einzulenken wissen und gern oder ungern die Tore des Zcntrumsturms wieder schließen, die sie etwas voreilig geöffnet hatte. Unbequeme Bundesgenossen. Die Konservativen haben die Hilfe des Zentrums bei der Reichsfinanzsanierung gerue angenommen, doch mehren sich die Anzeichen, daß ihnen die Blockgenossenschaft der Klerikalen bereits unbeauem zu werden beginnt. Aus ihren Beziehungen zum Hof wissen sie, daß in den„allerhöchsten" Kreisen noch immer eine gewisse Verstimmung gegen das Zentrum besteht, und zugleich fürchten sie, daß das Zentrum als Entgelt für seine Hilfeleistung im„Dienste des teuren Vaterlandes" auf kirchenpolitischem Gebiet Forderungen stellen wird, die nicht nur bei der Regierung, sondern auch bei einem Teil der evan- gelischen Anhängerschaft der konservativen Partei auf ent- schiedcnen Widerstand stoßen. Es aber nun auch noch, nachdeni schon ihre Opposition bei der Reichsfinanzreform in den eigenen Reihen vielfach übel vermerkt worden ist, mit den Pfarrern und evangelischen Orthodoxen zu verderben, dazu haben die konservativen Parteiführer wenig Lust. Sie geben deshalb schon jetzt dem klerikalen Bundesgenossen zu ver- stehen, daß sie nicht gewillt sind, für ihnen allzu bedenklich erscheinende Forderungen der katholischen Kirche einzutreten. So schreibt die„Kreuzzeitung": Wir haben uns weder dem Zentrum noch den Polen zu irgendwelchen Gegenleistungen verpflichtet. Das durch die Tat zu beweisen, wird sich vielleicht bald Gelegenheit geben. Man sagt, das Zentrum werde noch im Herbst den Antrag stellen, auch den allein noch stehen gebliebenen tz 1 des Jesuitengesetzes aufzuheben, der den Jesuitenorden und ver- wandte Orden vom Deutschen Reiche ausschließt. Die konser- vative Fraktion hat sich bisher gegen die Aufhebung dieses Para- graphen erklärt; Zentrum, Polen und Sozialdemokraten sind für die Aufhebung. Man wird hier ja sehen, ob die sogenannte „konservativ-klerikal-polnische Koalition" tatsächlich besteht. Wir haben uns auch in den Streit der Zentrumsleute untereinander nicht gemischt. Für uns existiert die Streitfrage n i ch t ob das Zentrum eine konfessionelle Partei ist oder eine interkonfessionell?. Wir sehen aus dem tatsächlichen Verhalten des deutschen Zen- trums. daß es sich als konfessionelle Partei betätigt. Wo es Ausnahmen macht, liegt die taktische Absicht klar zutage. Als zwingenden Grund, diese Partei für eine kon- fessionelle zu halten, führen wir hier nur an, daß bei allem Miß- geschick und aller Bedrängnis der katholischen Kirche in Frank- reich, Italien und anderen Ländern die ganze Zentrumspresse als Radikalmittel die Begründung einer Zentrumspartei in jenen Ländern empfiehlt. Warum geschieht das? Interkonfessionelle Parteien, denen man den Schutz deS Katholizismus anempfohlen könnte, gibt es dort überall. Man sieht aber das Heilmittel nur in einer konfessionell katholischen Partei, wie dem deutschen Zen- trum. dessen Erfolge in kirchenpolitischer Hinsicht allerdings nicht viel mehr zu wünschen übrig lassen. Diesekatholisieren« den Bestrebungen zu unterstützen, ist die kon- servative Partei jetzt so wenig wie früher ge- neigt, wenn sie sich auch des mit dem Zentrum als einer spezifisch katholischen Partei gemeinsamen BodcnS der christlichen Weltanschauung stets bewußt bleiben wird. Möglich, daß das Zentrum aus Klugheitsrücksichten einst- weilen noch init seinen Forderungen zurückhält: aber schließlich will es doch seine Schwenkung bei der Reichsfinanzreform nicht umsonst gemacht haben. Nur der schönen Augen der Konservativen wegen hat es diesen doch nicht Hilfe geleistet und eine Revolte in seiner eigenen Anhängerschaft herauf- beschworen._ Korruption. Als im borigen Jahre ein großer Teil der Stadt Donau- e s ch i n g e n abbrannte und aus allen Teilen des Reichs reiche Gaben nach diesem Ort strömten, tauchte mehrfach in der Presse die Behauptung auf, daß bei der Verteilung deS gesammelten Geldes an die durch dke FeuerSvrunst Geschädigten die eigentlichen Not- leidenden meist schlecht weggekommen seien, während viele> Wohl- habenden weit mehr erhalten hätten, als ihrem Schaden entsprach. In dem bunten Wechsel der Tagesereignisse schliefen indes diese Vorwürfe bald ein. Jetzt werden sie durch einen Brief des Zentrumsabgeordneten Wittemann wieder ans Licht gezogen. An diesen Herrn Witteinann richtete nämlich ein liberales Blatt die Frage, ob es richtig sei, daß er, Wittemann, von den zur Linderung der Not der Brandgeschädigten auf öffentlichen Aufruf hin ge- sammelten Hilfsgeldern sich habe auszahlen lassen, und daß er nicht nur den Anteil, der seinem Versicherungsbetrag(17 000 SP?.) entsprach, sondern noch mehr<42000 SP?.) haben wollte. damit aber abgelviesen worden sei. Herr Wittemann hat darauf in Form einer mich vom Karlsruher Zentrumsblatt reproduzierten preßgesetzlichen Berichtigung folgendes geantwortet: Es ist nicht wahr, daß ich nach dem Brande in Donau- eschingen.ohne Not".als begüterter Landtagsabgeordneter" und „als gut bezahlter höherer badischer Richter" von den gesammelten Hilfsgeldern noch mehr haben wollte, als meinem Versicherungs- betrag entsprach, damit aber abgewiesen wurde. Wahr ist. daß ich dem Hilfskomitee, so wie dasselbe die Angaben verlangte, meinen vollständigen Brandschaden, gerade so wie liberale höhere Beamte lind reiche Donau« eschin ger Einwohner auch.nachdem Brande anmeldete, und daß ich gerade wie diese zum Teil in führender liberaler Stellung befindliche Staats- und Kommunal- beamten, welche überdies wohl ein höheres Einkommen hatten, den mir von den Hilfsgeldern zugewiesenen, Anteil annahm. Es ist nicht wahr, daß ich nach Be- schränkung meiner Forderung auf den versicherten Betrag mich noch dahin bemüht habe, einen höheren Prozentsatz als die Haus- besitzer zu erhalten. Wahr ist, daß vor der Festsetzung, wie die Hilfsgelder verteilt werden sollten, ohne mein Wissen von zwei höheren Staatsbeamten, die selbst brandgeschädigt waren, eine Versammlung der Fahrnisbrandgeschädigten einberufen und hier ein Vorschlag über die Verteilung der Hilfsgelder zur Be- schlußfassung unterbreitet wurde und daß ich diesem Vorschlage lediglich zustimmte. Die Berichtigung des Herrn Wittemann stellt nicht nur den beteiligten wohlhabenden Staats- und Kommnnalbeamten sondern auch dem Verteilungskomitee eine miserable Zensur auö. Ist tat- fächlich so verfahren worden, wie Herr Wittemann behauptet, dann hat das Hilfskomitee ganz eigenartig gewirtschaftet. Dazu, um die Profitsucht einer Anzahl.reicher Donaueschinger" zu befriedigen und ihnen die SP?ittel zu liefern, sich schöne neue Häuser zu bauen, sind die Gaben nicht im ganze» Reiche zusammengebettelt worden. Die Geberschaft kann verlangen, daß die Angelegenheit gründlich unter- sucht wird, und zwar von Unparteiischen und Unbeteiligten, nicht von Mitgliedern des sogenannten VerteilungSkomiteeS. Die„Leipziger Volkszeitung" in Ruhland verboten! Unser Leipziger Parteiorgan erhielt folgendes Schreiben: Kaiserliches Postamt 10. Leipzig, den 20. August 1909. Konto Nr. S beim Postscheckamt Leipzig, Da laut Schreiben von Riga die„Leipziger Volkszeitung' von der Zensur in Rußland verboten worden ist, wird gebeten, bis auf weiteres Sö für Rußland bestimmte Exemplare nicht mehr liefern zu wollen. I. V.: Portaszewicz." Die„Leipziger VolkSzeiwng" bemerkt dazu: „Die SS Exemplare, denen hier die russische Zensur den Eingang in Väterchens Blutreich verwehren will, sind selbstredend nur die. die ans legalem Wege nach Rußland gehen. Unsere Leser in Rußland werden aber auf die Lektüre der„Leipziger Bolkszeitung" nicht verzichten wollen, und so werden wir ihnen ihr Blatt auf anderem Wege zustellen. Die Zwirnsfäden der russischen Zensur existieren für uns ebensowenig, wie für die deutsche Sozialdemo- kratie zur Zeit des Ausnahmegesetzes die Zwirnsfäden der Reichs- postverwaltung existterten. Augenscheinlich ist der russischen Zensur die treffliche Charakte- ristik des Blutzaren auf die Nerven gefallen, die unser Genosse Liebknecht in Kiel neulich vorgenommen hatte." Unter dem neuen Vereinsgesetz. DaS Landgericht T h o r n hat am 17. August als BerufnngS- instanz die Zahlstelle des Verbandes der Töpfer für politisch er- klärt und den Vorsitzenden zu 10 Mark Strafe verurteilt, weil er trotz Aufforderung die Vorstandsmitglieder nicht angemeldet hat. Diese Anklage ist zustande gekommen auf Grund von zusammen- getragenen Berichten der Polizei aus überwachten Versammlungen unter dem alten Vcrcinsgesetz. Die Staatsanwaltschaft hat sich bei der Anklage namentlich darauf gestützt, daß nach dem Bericht eines Polizeibeamten in einer Mitgliederversammlung kurz vor den ReichstagSwahlen ISO? der Vorsitzende auf die Wahlen hinwies. 'Ergo schlußfolgert man. daß in der Zahlstelle der Töpfer Politik ge- trieben wird, diese ein politischer Verein sei und der Vorstand ge- meldet werden müsse. Das ist die Praxis deS liberalen Vereins- gesetzes._ AuS dem Prügelstift Mielczyn hat die n e u e st e Unter- suchungskommission, die in voriger Woche dorthin ab- gegangen war, jetzt das Ergebnis ihrer Studienreise nach Verlin mit- gebracht. Die Teilnehmer werden nun zunächst ihrer vorgesetzten Be- Hörden darüber berichten, dem preußischen Ministerium des Innern der Geheimrat Schlosser, dem Berliner Magistrat der Stadtrat Münsterberg. Wir fürchten indes, daß die Herren in Mielczyn nicht mehr viel zu untersuchen gefunden haben werden. Inzwischen soll nämlich eine beträchtliche Zahl Zöglinge sich der Fürsorge deS Pastors Breithaupt entzogen haben, so daß es der neuesten Untersuchungskommission nicht mehr möglich gewesen sei, auch diese zu vernehmen. Die Fluchtversuche haben, so hören wir, in den letzten Wochen sich in Mielczyn ganz ausfällig gemehrt. und nicht wenige davon sind überraschend geglückt. Ge- wissen Leuten wird daS sehr erwünscht gekommen sein. Einmal wird auS der Mehrung der Fluchtversuche der „Beweis" hergeleitet werden, daß Pastor Breithaupts Methode „nötig" gewesen sei, um von Fluchtversuchen—„abzuschrecken". So- bann aber ist durch die geglückten Entweichungen die Anstalt just manchen der Zöglinge losgeworden, die über Vreithaupts Erzieher- tätigkeit sehr viel hätten bekunden können. Die sind nun „unschädlich" geworden. Bei den ersten Untersuchungen hat übrigens die Furcht vor Herrn Pastor Breithaupt noch manchen Zögling gehindert, gegen ihn die volle Wahrheit zu sagen. Ist dieser Einfluß auch jetzt noch wirksam gewesen, so dürften die beiden Herren nicht viel Neues zu berichten haben. Was nunmehr der Minister tun wird, muß abgewartet werden. Der M a g i st r a t wird voraussichtlich— nichts tun wollen. Einstweilen aber wird ihm, wie wir bereits meldeten, Gelegenheit gegeben werden, in der Stadtverordnetenversammlung den sozialdemokratischen Stadtverord- neten Rede und Antwort zu stehen. Eine Null zu viel. Bürgerliche Blätter wußten dieser Tage zu melden, daß der Empfang auf der Hohensyburg einen Betrag von 700 OOO.Mark verschlungen habe. Zur Beruhigung wird jetzt mitgeteilt, daß es sich bei Angabe der Summe uni einen Druckfehler gehandelt habe, denn nicht 700 000 Mark, sondern„nur" 70 000 Mark sollen bei der Ge- legenheit draufgegangen sein. UnS dünkt, daß eine Ausgabe von 70 000 Mark unter den heutigen Verhältnissen auch noch eine ganz unverantwortliche Geld- Verschwendung bedeutet.---_ CUrhci. •..- Aufstand in Albanien. Konstantliiopel, 24. August. Da die in V e r i s s o w i tz versammelten Sil Baues en der Aufforderung des Mutessarifs von Prischtina, sich zu zerstreuen, nicht Folge leisteten, eröffnete Militär am 22. Feuer gegen sie, worauf sie sich ins Ge- birge zurückzogen, ohne das Feuer zu erwidern. Am 23. kam es abermals zu Zusammenstößen, wobei die Artillerie in Aktion trat. Aus UeSküb und Kumanovo gingen drei Bataillone mit drei Maschinengewehren nach Berissowitz ab. Köln, 23. August. Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Uesküb vom 22. telegrahiert: Die Albanesen lehnten es ab, VerHand- lungen anzunehmen. Infolgedessen wurde um 10 Uhr vormittags von der Station Verissowitsch aus mit Schnellfeuergeschützen die Säuberung des umliegenden Geländes von Albanesen begonnen. Der Bahnverkehr wurde eingestellt. Ueber die Verluste ist noch nichts bekannt. Amerika. Blutbad unter Streikenden. In P i t t s b u r g ist es abermals zu Bluttaten des Militärs gegen streikende Arbeiter gekommen. Am Sonntag kam eS zu fünf Zusammenstößen. Im Vorort Mackeers Rock blieben 11 Tote. Ueber den Ort ist der B e l a g e r u n g s z u st a n d verhängt. Alle Häuser werden nach Waffen durchsucht und viele Ver- dächtige werden verhaftet. Alle Straßenecken sind von Sol- daten besetzt, die die Paffanten durchsuchen. Wer sich weigert, wird niedergeschossen. Die Behörde ist zu den schärfsten Maß- nahmen entschlossen. Die Mahnahmen werden um so rigorosere sein und werden von der Presse gutgeheißen, da es sich um aus- ländische Arbeiter(I) handelt. Man will vor den blutig st en Mitteln nicht zurückschrecken. Bisher sind neben den Toten 40 Verwundete Opfer des Kampfes geworden. In Pittsburg treffen noch immer Truppenverstärkungen ein. ein Soläichi'eibei' lies klaternehmertums. Gestern spielte L e b i u s vor Gericht wieder eine Rolle, um die ihn niemand beneiden wird. Als Kläger gegen unseren verant- Ivorllichen Redakteur Weber trat er auf. Bald aber sah er sich durch eine lange Reihe begründeter Beweisanträge, die Rechts- anwalt Dr. Kurt Rosenfeld als Verteidiger Webers stellte, in die Rolle eines Angeklagien gedrängt, der mit leidenschaftlichem Eifer, aber ohne den gewünschten Erfolg, sich gegen die Beschuldi- gungen zu wehren suchte, die Rechtsanwalt Rosenfeld gegen ihn erhob und unter Beweis stellte. Ein Gerichtsbericht, den wir über eine Klagesache LebiuS' gegen Weber am 13. Januar veröffentlichten, bringt nebenbei eine für das Verständnis der Prozeßverhandlung notivendige Kennzeich- nung der Persönlichkeit des Lebius sowie seiner journalistischen Leistung, die den Gegenstand der damaligen Klage bildete. Der Bericht über jene Verhandlung veranlaßte Lebius zur Erhebung einer neuen Beleidigungsklage. Diese wurde gestern vor dem Schöffengericht verhandelt. Bekanntlich hat das Kammergericht aus Anlaß einer früheren Beleidigungsklage des Lebius gegen den „Vorwärts" entschieden, der Wahrheitsbeweis über die moralische Qualität deS Klägers Lebius müsse zugelassen werden, da diese für die Beurteilung einer Beleidigung von wesentlichem Einfluß sei. Weber machte also von seinem guten Recht Gebrauch, indem er durch seinen Verteidiger eine Reihe von Anträgen stellte, um zu beweisen, daß Lebius ein Mann sei, dem in bezug auf Ehre nicht derjenige Schutz gebühre, auf den sonst jeder an- ständige Mensch Anspruch habe, und daß selbst die schärfsten Ausdrücke nicht scharf genug seien, um LebiuS und sein Treiben zutreffend zu kennzeichnen. Ausgehend von dieser Ansicht, stellte der Verteidiger folgende Beweisanträge: Es solle bewiesen werden, daß LebiuS gleichzeitig für Zeitungen verschiedener Parteirichtung,- und zwar eine nationalliberale, eine unparteiisch-zentrumsfreunb- lichc und— eine sozialdemokratischr geschrieben habe. Nicht etwa, wie Lebius behaupte, unpolitische Lokalnotizen, sondern Artikel politischer Tendenz. Es solle bewiesen werden, daß Lebius, als er Redakteur einer in Bochum erscheinenden parteilosen Zeitung gewesen sei, zu dem Verleger einer gleichfalls in Bochum erscheinenden national. liberalen Zeitung gegangen sei und sich erboten habe, in der nationalliberalen Zeitung gegen die Zeitung zu polemisieren, deren Redakteur er zu jener Zeit noch gewesen sei. Auf diese Weise— so habe Lebius dem Verleger gesagt — könne die Zeitung, an der er angestellt sei, kaput gemacht werden. Es solle besviesen werden, daß Lebius während der Zeit, wo er journalistisch, vielleicht auch noch während der Zeit, wo er bereits als sozialdemokratischer Redakteur tätig gewesen sei, mit der Polizei in Verbindung gestanden und ihr Berichte geliefert habe. 1 Es solle bewiesen werden, daß Lebius zu einer bestimmten Zeit sich selber nicht zu den ehrenhaften Menschen gerechnet haben könne, denn er habe, lvas ebenfalls erwiesen werden könne, gesagt: „Gesetz, Humanität, Moral, das sei alles Unsinn, daS Geld regiere die Welt, Geld stehe höher als alle Ideale, der Grundsatz der Journalisten sei: wer uns am meisten zahlt, der hat uns." Es solle bewiesen werden, daß Lebius in einem früheren Prozeß gegen den„Vorwärts" zum Beweise dafür, daß einfluß- reiche Führer der Sozialdemokratie anders über ihn denken, wie der„Vorwärts", die unwahre Behauptung aufgestellt habe, daß der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Südekum ihm bor kurzer Zeit eine Glückwunschkarte gesandt habe. Es solle bewiesen werden, daß Lebius als Herausgeber einer Zeitung bei einem Preßprozeß den Verfasser des unter Anklage gestellten Artikels nicht genannt habe, daß er aber nach Jahren, als derselbe Verfasser gegen ihn als Zeuge vor Gericht geladen werden sollte, denselben bei der Dresdener Polizeibirektion als Verfasser de? Artikels denunziert habe, der sich gegen einen Dresdener Polizeibeamten gerichtet habe. Es solle bewiesen werden, daß Lebius durch seine Frau ver- sucht habe, einen Zeugen, der in einem früheren Prozeß gegen ihn geladen gewesen sei, zum Meineid zu verleiten. Es solle bewiesen werden, daß Lebius in einem früheren Prozeß einen Dresdener Journalisten wahrheitswidrig als Polizei- spitze! bezeichnet habe. Es solle bewiesen werden, daß Lebius unter falschen Vor- spiegelungen einen jungen Mann zur Abfassung einer Broschüre besvogen habe, die Lebius nachher so zurechtgestutzt habe, daß sie lediglich eine bestimmte Person vernichten sollte, die als Zeuge gegen ihn vor Gericht zu erscheinen hatte und daß es dem Lebius darauf angekommen sei, diese Broschüre noch vor dem betreffende» Gerichtstermin erscheinen zu lassen, um dadurch den ihn belasten- den Zeugen als nicht einwandfrei hinzustellen. Es solle bewiesen werden, daß Lebiizg als Führer der gelben > ArbeitervereinH die Arbeiter tSusche, indem er ihnen vorspiegele, er vertrete ihre Interessen, während er tatsächlich die Interessen der Unternehmer vertrete, die ja auch die Geldmittel für die gelben Vereine und deren Blatt auf- brächten. ES solle bewiesen werden, daß Lebius bei einer in einem gelben Verein vorgekommenen Unterschlagung sich der Begünstigung schuldig gemacht hat. Es solle bewiesen werden, daß Lebius die verschiedensten Wandlungen durchgemacht habe, von einer Partei zur anderen gegangen sei,, als er unter Hinterlassung von Schulden die Sozialdemokratie verlassen habe, sei er in Dresden zu den Nationalsozialen gegangen; nachdem er auch von diesen abgeschüttelt wurde, fei er unter Hinterlassung eines beträchtlichen Schuldenkontos plötzlich aus Dresden verschwunden. Wenn diese Beweise erhoben würden— sagte der Ver- teidiger—, dann werde der Kläger als ein Mann gekennzeichnet, dessen Gemeinschaft jeder anständige Mensch meide, und der sich durch Acußerungen, wie sie im„Vorwärts" gegen ihn gebraucht worden seien, nicht beleidigt fühlen könne. Angesichts dieses wuchtigen Beweismaterials mag dem Kläger Lebius jedenfalls nicht wohl zumute gewesen sein. Als er sich zu den Beweisanträgen äußern sollte, spielte er eine recht klägliche Rolle. Vieles von dem, was der Verteidiger angeführt hatte, be- zeichnete Lebius als unwahr, und wo er bereits erwiesene Tat- fachen nicht abstreiten konnte, suchte er ihnen eine möglichst harm- lose Deutung zu geben. Der Umstand, daß seine bewegte Ver- gangenheit durch seine eigene Schuld nun vor Gericht beleuchtet werden soll, brachte den Kläger Lebius in eine verbissene Wut, die ihn mehrmals szu groben Ausschreitungen im Gerichtssaale hinriß, welche der Borsitzende entschieden rügte. Zunächst suchte LebiuS dadurch Stimmung zu machen, daß er sich als eine von den Sozialdemokraten verfolgte Unschuld auf- spielte. Mit unverfrorener Dreistigkeit stellte Lebius die Be- hauptung auf, es werde in diesem Prozeß mit Meineiden gegen ihn operiert. Die gegen ihn benannten Zeugen Schrift- steller May aus Dresden und dessen Frau bildeten mit einem dritten Zeugen, dem Militärschriftsteller Dietrich zusammen einen Meineidsklüngel, sie schwören im gemeinsamen Interesse Meineide. Weiter brachte der Kläger die schon oft als bodenlose Verleumdung erwiesene Behauptung vor, in der Sozialdemokratie gelte es als Pflicht, politische Gegner durch Meineide zu vernichten. Als Weber zu den Beweisanträgen eine Bemerkung machte, bezeichnete LebiuS diese als unwahr und richtete an Weber die Frage, ob er das auch beschwören wolle. Als Weber das bejahte, zischte LebiuS wütend:„Dann sind Sie Ihrer Parteigenossen würdig. Pfui Deubel!" Da diese Aeußerung des Lebius unmittelbar hindeutete auf seine Behauptung, in der Sozialdemokratie gelte der Meineid gegen den Gegner als Pflicht, so forderten Weber und seine Ver- teidiger den Schutz des Gerichts vor solchen infamen Be- leidigungen. Der Vorsitzende stellte dem Lebius denn auch eine Ordnungsstrafe in Aussicht, falls er seine Schmähworte nicht zurücknehme. Das tat LebiuS. Ein ähnlicher Vorgang hatte sich übrigens schon zu Beginn der Verhandlung abgespielt. Da be- zichtigte Lebius den Verteidiger R o s e n f e l d der U n- glaubwürdigkeit. Doch mußte er diese Verunglimpfung auf Veranlassung des Vorsitzenden ebenfalls zurücknehmen. Als später Zeugen für die einzelnen Beweisanträge benannt wurden, kam Lebius wieder auf seine Meineidsphantasien zurück. Ich bitte— sagte er—, keinen Sozialdemokraten als Zeugen zu laden, da diese alle Meineide leisten. Ich werde ein Buch von K a u t s k y borlegen, worin gesagt wird, daß den Sozialdemokraten im poli- tischen Interesse Meineid und Diebstahl gestattet sind.— Der Vorsitzende wies diesen Ausfall mit der Bemerkung zurück: Die Glaub- Würdigkeit eines Zeugen könne doch erst dann angefochten werden, wenn der Zeuge vor Gericht stehe. Die Verhandlung kam nicht zum Abschluß. Das Gericht be- schloß, Beweis darüber zu erheben, ob Lebius gleichzeitig für Zeitungen verschiedener politischer Richtungen geschrieben habe; ob er sich in Bochum zur Bekämpfung des Blattes, an dem er an- gestellt war, erboten habe; ob er als Sozialdemokrat mit der Polizei in Verbindung gestanden habe; ob er die bezeichnete Karte von Südekum erhalten habe; ob er die Aeußerung:„Moral ist Mumpitz" usw. gemacht habe; ob er einen Zeugen zum Meineid zu verleiten gesucht habe, und ob er von den Nationalsozialen ab- geschüttelt worden sei und Dresden nach Hinterlassung eines größeren Schuldkontos plötzlich verlassen habe. Es wird also wieder einmal vor Gericht in die Vergangen- heit des Lebius hineingeleuchtet werden. Angenehme Bilder sind es nicht, die man da zu sehen bekommen wird. Doch ihre Aufrollung ist nötig, um die Person eines Schützlings der Unternehmer gebührend zu zeichnen. Iiigenclbevveginig. Die Gewerkschaften und die Jugendbttvcgnng. Das„Correspondenzblatt der Generalkommission deutscher Gewerkschaften" schreibt: „Der Buchdrucker-„Korrespondent" beschäftigt sich in einer seiner Artikelserien neuerdings mit der Frage der Jugenderziehung. Schon im zweiten Artikel beginnt er, gegen die von Partei und Gewerkschaften in vielen Orten ein- gesetzten Jugendausschüsse Sturm zu laufen. Er fordert die Verbandsmitglieder auf, die Buchdruckerlehrlinge von dem Besuch der Veranstaltungen der Jugendausschüsse und vom Beitritt in die Jugendorganisation abzuhalten. Den Gewerkschaften und besonders der Generalkommission wird der Vorwurf gemacht, sie lassen sich in allen ivichtigen Fragen von der Partei das Messer „aus den Händen winden". Und der Partei wird das Zeugnis ausgestellt, ihre Taktik gehe dahin:„Wie kompromittiere ich die Gewerkschaften nach außen, um ihnen den Nimbus der Neutralität und Unabhängigkeit gründlich zu rauben?"(I) Das Blatt be- zeichnet dann schließlich die„sozialdemokratisch-gewcrkschaftliche Jugenderziehung als für die Gewerkschaften gemeinschädlich", die „unbedingt abgelehnt werden" müsse. Wir haben keine Ursache, die Gewerkschaften bezw. die Generalkommission gegenüber diesen ebenso takt- als Verständnis- losen Anwürfen zu verteidigen, Sveil sie in sich selbst zusammen- fallen. Uns ist nicht bekannt, daß die„Korrespondent"-Redaktion jemals irgendivelche Schritte zur Erziehung der Buchdruckerjngend unternommen hätte. Solange der„Korrespondent" nicht mit praktischen Resultaten auf diesem Gebiete aufwarten kann, wird er sich mit dem Schicksal abfinden müssen, daß die Gewerkschaften auf dem von ihnen nun einmal als richtig erkannten Weg weiter gehen. Die gewerkschaftliche Neutralitätsfrage hat wirklich nichts damit zu tun, da die eingeleitete Organisation der Jugend- erzrehung außerhalb des gewerkschaftlichen und politischen Kampfes vor sich geht. Die gewerkschaftlichen Interessen können dabei nur durch die Mitarbeit der Gewerkschaften geioahrt werden. Das Recht der einzelnen Verbände, besondere Abteilungen für ihre jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge zu errichten, wird durch die Mitarbeit gewerkschaftlicher Kreise in den Jugendausschiissen nirgends angetastet; es ist im Gegenteil recht erwünscht, daß in dieser Richtung mehr als bisher geschieht. Die Gewerkschaften haben ein sehr großes Interesse daran, daß die nun einmal vor- bandenen Bestrebungen der jungen Generation nach Schulung und Betätigung in Bahnen gelenkt werden, die zu ersprießlichen Resultaten führen. Sie haben dagegen kein Interesse daran, die Jugenderziehung den konfessionellen Jünglingsverelnen oder deren Extrem, anarchistelnden Phraseuren, zu überlassen. Der„Kor- respondent" wird es also den Gewerkschaften gefälligst uberlassen müssen, selbst darüber zu entscheiden, was für sie„gemelnschadlich ist oder nicht." GcwerkfcbaftUcbe� Das liberale Reichsvereinsgesetz. Waldenburg, 2ä. August.(Privatdepesche des„Vor- tvärts".) Am 6. Juli d. Js. wurde der Vertrauensmann der Zahlstelle Gottesberg des Deutschen Bergarbeiterverbandes vor dem dortigen Schöffengericht, weil er jugendliche, unter l8 Jahre alte Bergarbeiter in den Bergarbeiterverband auf- genommen hatte, zu' 20 M. Geldstrafe verurteilt. Die Ver- urteilung erfolgte, weil der Bergarbeiterverband als poli- tischer Verein anzusehen sei. In der heutigen Berufungs- instanz vor der Strafkammer zu Waldenburg wurde das schöffengerichtliche Urteil bestätigt mit der Begründung, daß der Bergarbeiterverband sich mit politischen Angelegenheiten beschäftige, infolgedessen den politischen Vereinen zuzuzählen fei, was zur Folge habe, daß jugendliche Bergarbeiter ihm nicht angehören dürften. Der Staatsanwalt begründete seinen Antrag mit dem Hinweis darauf, daß der Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes, Sachse, ein Führer der Sozialdemo- kraten sei. Dies schon genüge, um zu beweisen, daß der Ver- band ein politischer sei. Der Staatsanwalt hat sich die Sache wirklich sehr leicht gemacht. Nach jener Logik sind alle agrarischen Genossenschaften konservative politische Vereine, denn die Hauptleiter sind kon- servative Führer. Es soll auch Schützen-, Sänger- und sonstige Sportvereine geben, deren leitende Persönlichkeiten ausge- sprochene Parteimänner sind. Der Waldenburger Staats- anwalt hat da seinen Kollegen im Reiche ein großes Feld staatsretterischer Wirksamkeit gezeigt. Also los auf die poli- tischen Vereine!_ Bürger Leliius abermals beleidigt. Wegen Beleidigung des Führers der„gelben" Gewerlfchasten, Lebius, ist dieser Tage der Ncdalteur der„Hilfe" Dr. Hcutz zu 12S M. Strafe verurteilt worden. Heust hatte von den„gerichtlich festgestellten Qualitäten" des Herrn Lebius gesprochen. Der von seinem Vertreter, Rechtsanwalt Dr. Engel, in umfassendem Mäste angebotene Wahrheitsbeweis wurde leider vom Schöffengericht ab- gelehnt und Heust wegen formaler Beleidigung verurteilt. Der Prozeß, der das Treiben der„gelben" Gewerkschaften und ihres leitenden Mannes gebührend feststellen wird, wird eine zweite Auf- läge erleben, da Dr. Heust sofort Berukung eingelegt hat. Da übrigens auch im Prozeß Lebius kontra Weber das Gericht dem Antrage Webers, den Wahrheilsbeweis in vollem Umfange zu- zulassen, stattgegeben hat. wird man den gelben Helden in der Glorie aller seiner menschenfreundlichen und moralischen Taten zu bewundern Gelegenheit finden._ Die Polizei als Statistiker. In Rakel und Bromberg ist die Polizei bemüht, zu erfahren, wer die Vorstandsmitglieder der Gewerkschaften am Orte sind, wie- viel Mitglieder sie haben und wie hoch die Kassenbestände sind. Wie die Beamten auf Anfrage sagen, sollen diese Angaben dem Zwecke einer Statistik dienen. Die Beamten sind in den Wohnungen der ihnen bekannten Vorstandsmitglieder gewesen und haben sich dort die erdenklichste Mühe gegeben, etwas herauszubekommen. Die befragten Vorstandsmitglieder haben sich jedoch in Schweigen ge- hüllt. Was soll diese Aktion? Für wen oder für welche Zwecke ver- anstaltet die Polizei diese Umfrage? Berlin und Omgcgcnd. Die streikenden Jungbierkutscher versammelten sich am Dienstagnachmittag im Gewerkschaftshause. August Werner vom Deutschen Transportarbeiterverband bc- richtete, daß die Bewegung einen vielversprechenden Anfang ge- nommen habe und zu einem Erfolge führen würde, wenn die Kutscher fest zusammenhalten. Es gelte, den Preis von 12 Pf. pro Liter Bier zur Durchführung zu bringen. Die Brauereibesitzer hätten sich auf 13 Pf. festgelegt. Die Kutscher haben ein Flugblatt verbreitet, um ihre Kundschaft über die Situation aufzuklären; sie erwarten, baß das Publikum auf ihre Seite treten werde. Die Fahrer können es sich auch nicht gefallen lassen, daß sie in Zukunft bei einer Bierpreiserhöhung nicht mitreden sollen. Das aber be- absichtigen die Unternehmer und bedrohen damit die Existenz der Fahrer.— Die Jungbierfahrer vom Deutschen Brauhaus haben am Dienstagmorgen ebenfalls die Arbeit eingestellt, und bei Gruhn sind die Fahrer, die noch arbeiten, schwankend geworden; sie werden sich vielleicht auch der Bewegung anschließen.— Wo die Unternehmer versuchen, Abmachungen mit einzelnen Fahrern zu treffen, sollten sich diese nicht darauf einlassen, ohne einen Ver- treter ihrer Organisation hinzuzuziehen. Achtung, Friseurgehilfen! Wegen Differenzen und Tarifbruch für Verbandsmitglieder gesperrt: Erstling, Wiesenstr. 20; Zech, Michaelkirchstr. 2. Geregelt: Ebel, Schönleinstr. 28; Sixtus. Sparr- straße 11; Knuth, Frankfurter Chaussee 134; Rädlein, Ober- Schöneweide» Marienstr. 6. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. Achtung, Lackierer! Die Lackierer der Firma Borsig in Tegel sind mit dem gestrigen Tage in den Streik eingetreten. Veranlassung dazu gaben die geradezu ungeheuerlichen Abzüge, die seitens der Werksleitung— ob mit Wissen des Firmenträgers, des Kom- merzienrats Borsig, mag dahingestellt sein— vorgenommen werden sollten. So sollte nach den neuerlichen Preisreduktionen zum Beispiel eine Kommission, die bisher mit 17 M. verrechnet wurde, in Zukunft nur noch mit 10 M. bezahlt werden. Ein anderer Auf- trag wurde gleichfalls von 17 M. auf 9 M, herabgesetzt. Dieses schien dem Betriebsleiter jedoch noch um 1 M. zuviel, so daß seinen Kürzungen gemäß sich der nunmehrige Preis aus 8 M. beläuft. Mit den anderen Arbeiten sind ebenfalls bedeutsame Herabsetzungen vor- genommen worden. Alles im Interesse der Konkurrenz und— der Arbeiter!!— Zuzug ist fernzuhalten! Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw., Ortsvertvaltung Berlin. Achtung, Metallarbeiter! Differenzen sind bei der Firma K. E i ch l e r, G. m. b. H., in Fürstenwalde ausgebrochen. Die dort beschäftigten Metall- arbeiter wollten über die erfolgte Mastregelung eines ihrer Kollegen mit der Firma sprechen. Dies betrachtete die Firma als einen Ein- griff in ihr„Herrenrecht" und entließ infolgedessen sämtliche Metallarbeiter. Es wird ersucht, den Fuzug nach Fürsten- Walde fernzuhalten. Die Firma K. Eichler ist gesperrt, Die Arbeiterpresse wird um Abdruck ersucht. Deutscher Metallarbeiterverband, 3. Bezirk. DeutfcKes Reich. Aufgehobene Aussperrung. Nach einer fünfzehnwöchigen Dauer ist die Aus« sperrung der Glasarbeiter in GeierStal im Lichteta aufgehoben worden. Im Frühjahr dieses Jahres schloffen sich die Arbeiter der Glasfabrik Tittel u. Co.(Inhaber Oberender) dem Glasarbcitcrverbande an. Der Unternehme stellte darauf die Arbeiter vor die Alternative, cntlveder aus dem Verbände auszu- treten oder ausgesperrt zu lverdcn. Die Arbeiter liesten sich inichtein schüchtern, hielten t r e u zu der Gewerkschaft, worauf am 8. M a i die Oefen gelöscht wurden und die Aussperrung erfolgte.— Nachdem alle Versuche, die Arbeiter breitzuschlagen, erfolglos blieben, sah sich endlich die Firma, die vom Vor- sitzenden des„Thüringer Glasindustriellenverbandes" dirigiert wurde, genötigt, den Betrieb wieder zu eröffnen. Die Fabrikleitung sah sich gezwungen, die Arbeiter zur Aufnahme der Arbeit auf- zufordern. Der Verlauf der Aussperrung bedeutet für den Geiers- thaler Glasgewaltigen eine blamable Niederlage, die anderen Scharf- machern zur Warnung dienen möge. Weitere Arveiterentlassungen in der Tabakindustrie. Im dritten Gau des Tabakarbeiterverbandes(Braunschweig und Ilnigebung) sind insgesamt etwa 4400 Arbeiter und Arbeite- rinnen in der Tabakindustrie beschäftigt. Davon sind infolge des Tabaksteuergesetzes seit dem Ib. d. M. 388 Arbeiter beschäftigungslos._ Eiseubahnarbeitcrstreik. Zu einem Streit unorganisierter Streckenarbeiter kam es am 20. August auf der Franzburger Kleinbahn in Vorpommern. Die Ausständigen verlangen den bescheidenen Stundenlohn von 30 Pf., haben aber noch kein Entgegenkommen auf feiten der Betriebs- oirektion gefunden._ Streik bei den Tuniiclarbeitern in Liihelburg in Lothringen. Von den bei den Tunnelarbeiten beschäftigten Arbeitern haben 72 Maurer, Mineure und Hilfsarbeiter— 23 davon sind Deutsche, die übrigen Italiener— die Arbeit niedergelegt. Schon vor vier Wochen forderten die Maurer und Mineure 53 Pf., die Hilfsarbeiter 48 Pf. und die jüngeren Arbeiter 30 Pf. Stundenlohn. Der Be- triebsleiter am Bau sagte in einer Besprechung mit dem Gauleiter des Maurerverbandes zu, die bisher bezahlten Löhne um 5 Pf. zu erhöhen, mit Ausnahme der Löhne der Mincure. Damit gaben sich die Arbeiter, die bisher als Maurer und Mineure 45 bis 50 Pf. (bei den Mineuren kommen noch sogenannte Prämiengeldcr hinzu), als Hilfsarbeiter 38 bis 43 Pf. Stundenlohn hatten, zufrieden. Als aber die erhöhten Löhne ausbezahlt werden sollten, erhielten nur einige Maurer eine Zulage von 3 Pf. pro Stunde. Der Bauleiter wollte von seiner gegebenen Zusage nichts mehr wissen. Vor- stellungen bei dem Vertreter der Firma PH. Holzmann u. Co. in Straßburg, die die Alrbeiten ausführte, waren erfolglos, so daß die Arbeiter sich veranlaßt sahen, die Arbeit einzustellen. Vier christlich organisierte Arbeiter wurden zu Streikbrechern. Sie werden von bewaffneten Gendarmen nach und von der Arbeitsstelle begleitet, ebenso zwei italienische arbeitswillige Vorarbeiter. Den anderen Italienern hat man schon mit der Ausweisung gedroht. Die Arbeiter hoffen auf einen vollen Sieg, wenn der Zuzug streng ferngehalten wird. Zum Maurerstrcik in Eckernförde-Borby. Der seit dem 15. Juli tobende Kampf hat sich in den letzten Tagen bedeutend verschärft. Die Unternehmer haben nicht allein schwarze Listen in Umlauf gesetzt und die Bau- Materialienhändler auf Veranlassung des Unternehmerverbandes die Materialsperre verhängt, damit die Streikenden nicht für sich selbst arbeiten oder von Privatleuten beschäftigt werden können, man ist jetzt noch dazu übergegangen, auch die Lehr- l i n g e ganz besonders heranzuziehen. Auf den Neubauten arbeiten die Lehrlinge unter Aufsicht und Mithilfe der Meister und Poliere, müssen nach Feierabend sogar noch Steine tragen und erhalten dafür eine Vergütigung von 3 bis 4 M. die Woche.(!) So werden die jungen Arbeitskräfte aus- gebeutet.— Streikbrecher sind nicht vorhanden. Wenn Zuzug ferngehalten wird, muß trotz aller Anstrengungen der Scharfmacher der Sieg auf feiten der Streikenden sein. Huö Induftne und Handel Verteuerung der Lebenshaltung. Wenn man auf Grund der Verpflegungsration des deutschen Marinesoldaten den wöchentlichen Kostenaufwand für die vierköpfige Familie in 55 deutschen Städten ermittelt, gewinnt man folgende Durchschnitt st andSzifferfürdenNahrungsmittel- aufwand: Januar Februar März April Mai Juni Juli 22.40 22,31 22,47 22,59 22,87 23,24 23,67 Gegenüber Februar ergibt sich im Juli somit ein PluS von 1,30 M. pro Woche oder von zirka S.S8 pro Monat. Die relative Steigerung gegen Februar beträgt nicht weniger als 8.2 Proz. Die Steigerung der Nahrungsmittelpreise im laufenden Jahre macht sich um so mehr bemerkbar, als gerade in diese Zeit der steigenden Preise noch die zum Teil weit übertriebene Abwälzung der n e u e n S t e u e r n auf die Verbraucher fällt. Am höchsten steht die Standardziffer mit 20,28 M. in Köln, am niedrigsten mit 19,74 in Allcnstcin. Die Nahrungsmittel, deren Preisbewegung die Steigerung be- wirkt hat, sind vor allem Kartoffeln, Butter und Schweinefleisch. Der Kartoffelpreis ist ungewöhnlich stark gestiegen; er pflegte in den letzten Jahren von Juni auf Juli gewöhnlich zurückzugehen. Er ist jetzt in Danzig von 10 Pf. pro Kilogramm im Juni aus 20 Pf. pro Kilogramm im Juli gestiegen, in Graudenz gar von 7 auf 21 Pf. In Frankfurt a. O. stieg er von 6 auf l l, in Köslin von 7 auf 15, in Gleiwitz von 6 auf 20, in Flensburg von 13 auf 23 Pf. Der Preis in Kassel ist von 11 auf 19 Pf. gestiegen. Auch der Butter preis weist zum Teil äußerst starke Steigerungen auf; er ist zum Beispiel in Königsberg i. Pr. von 2,40 M. pro Kilogramm im Juni auf 2.60 M. im Juli hinaufgegangen; in Hannover betrug er 2,70 gegen 2,60, in Paderborn 2,40 gegen 2,30, in Aachen 2.60 gegen 2,40 M. Der Preis für Schweinefleisch ging vornehmlich in Danzig, Potsdam, Brandenburg a. H., Posen, Bromberg, Görlitz, Liegnitz, Erfurt. Kiel, Flensburg, Harburg, Emden, Hanau und Trier hinauf. Der höchste Schweinefleischpreis wurde in, Juli niit 2.00 M. in Hanau, Frankfurt a. M. und Köln, der niedrigste mit 1,35 M. in Graudenz notiert. Immer fühlbarer wird dem Volke der Segen der schwarz-blauen Zoll- und Steuerwucherpolitik._ Schätzung der Welternte. Eine Schätzung der Weltweizenernte für baS letzte Jahr, in Vergleichung mit den Ernteergebnissen der Vorjahre, ergibt nach „Beerböhnr Evening Corn Trade List" für 1909 einen Rekordertrag. Folgende Angaben zeigen das: Weizenernte. Europa Außereuropäische Länder Insgesamt in Mill. OuarterS 1904.... 223 170 393 1905.... 233 182 415 1906.... 231 201 432 1907.... 211 184 395 1908.... 218 180 398 1909.... 224 197 421 Demnach wird die vorjährige Ernte um 23 Mill. OuarterS übertroffen und sie reicht nahe an die Niesenernte des Jahres 1906 heran. Auch unter Berücksichtigung der Vorräte ergibt sich ein ganz günstiges Verhältnis. Die Schätzungen rechnen mit folgenden Mengen aus Ernte und Vorräten in Mill. OuarterS: 1904 1905 1906 1907 1903 1909 404 426 445 411 407 429 Ein abschließendes Urteil über die Preisgestaltung gestatten die Zahlen natürlich noch nicht. Die Schätzungen können noch etwelche Korrektur erfahren, auch ist der Ertrag der übrigen Getreidearten besonders für uns von großer Bedeutung. Immerhin gehen die Preise am Getreidemarkt schon zurück. In welchem Umfange s.'ch das auf die Mehlprcise und die Preise für Backerzeugnisse über- tragen wird, kann man noch gar nicht absehen. Speziell für den heimischen Markt erlauben die günstigen Erntezahlen noch keine große Hoffnung aus bemerkenswertes Senken der Preise. Als Wall dagegen dient den Junkern der 5 resp. 5,50 Mark-Zoll und das System der Einfuhrscheine._ Das Kohlensyndikat und die Konsnmentengenossenschaftev. Der Kohlenhandel ist vom Syndikat im großen und im kleinen reglementiert. Soweit nicht die verhältnismäßig geringen Kohlen- quanten syndikatsfreicr Zechen in Betracht koinmen, muß auch der genossenschaftliche Kohlenbezug sich der Diktatur des Syndikats au- passen. Lediglich durch Ersparnisse bei Transport und Verschleiß können die Genossenschaften ihren Mitgliedern Vorteile verschaffen. Aber auch da spricht das Syndikat gelegentlich ein Machtwort, wie es jetzt die Kohlenkasse Vilbel zu verspüren bekam. Die Detail- Händler sind dort wie anderwärts gänzlich in die Hände des Syndikats gegeben; dazu kam, daß die Kohlenkasse, die von Jahr' zu Jahr steigende Umsätze erzielt, einen wescnt- lichen Teil des Absatzes, an sich gezogen hat. Gegen das Syndikat können die Händler nichts unternehnien; nun versuchten sie es mit einer Aktion gegen die Kohlenkasse. Die Kohlenkasse verkauft regulär um zehn bis zwanzig Pfennig pro Zentner billiger als die Händler; die Händler erhoben nun Beschwerde bei der Frankfurter Geschäftsstelle des Syndikats, weil die Kohlenkasse den vorgeschriebenen Berkaufspreis nicht einhalte. Und wirklich zwang die Geschäftsstelle die Kohlenkasse bei Strafe der Lieferungseinstellnng, den Preis aus 1,30 Mark— das ist der auch den Händlern vor- geschriebene Einheitspreis— zu erhöhen. Selbstverständlich kann und wird die Kohlenkaffe den Mehrerlös den Mitgliedern rück- vergüten, aber nach anßenhin sieht es doch so ans. als bestünden gleiche Einkaufspreise. Der Vorgang, der sich ähnlicherwcise an anderen Orten vollzogen hat, zeigt wieder, wie selbstherrlich der Kapitalismus schaltet._. Amerikanische Ernte. Die Hauptpunkte des von dem Ackerbau- bureau veröffentlichten August-Berichtes über den Stand der Ge- treidecrnte lassen sich, wie folgt, zusammensassen: In erster Linie besteht Aussicht aus eine Maisernte von 3 000 900 009 Bushel. Die bisher größte Maisernte war die des Jahres 1996, mit 2 927 416 909 Bushel. Sodann wird ein Gesamtertrag der Wdzenernte von 703 000 000 Bushel erwartet, ein Erträgnis, wie es bisher nur 1906 mit einer Enite von 735 Millionen und in 1901 mit 748 Millionen Bushel übertroffen wurde. Drittens steht eine Hafermite von 1 027 000 000 Bushel in Aussicht, wie solche noch i» keinem früheren Jahre erzielt worden ist. Die neuesten amtlichen und daraus zu berechnenden Ziffern der diesjährigen Getreideernte vergleichen sich mit den amtlichen Schätzungen der tatsächlichen letzten Ernte in folgender Weise(in Bushcls):' August Ernte im Jahre 1909 1908 Winterweizen... 432 920 000' 437 903 000 Frühjahrsweizen.. 270 348 000 226 694 009 Weizen insgesamt.. 703 263 000 666 604 000 Mais...... 2 954 000 000 2 668 651 000 Hafer...... 1027 000 000 807 156 000 Roggen..... 31 540 000 31 851 000 Gerste...... 181 653 000 166 756 000 Für die übrigen Feldfrüchte stellt sich die Schätzung des Durch- schnittsstandes am 1. Juli wie folgt: Gerste 85,4 Proz. gegen 83,1 Proz. vor Jahresfrist und 86,1 Prozent im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Roggen 89,1 Proz. gegen 83,3 Proz. vor Jahresfrist und 87,9 Prozent im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Weiße Kartoffeln 85,8 Proz. gegen 82,9 Proz. vor Jahresfrist. Die Wirkung des Tabaksteuergesetzes auf andere Industrie- zweige. Einen weiteren Belag dafür, daß nicht nur die Tabakarbeitcr selbst, sondern auch die in den Ncbenindustrien beschäftigten Ar- beiter durch die neuen Steuergesetze stark in Mitleidenschaft ge- zogen werden, können wir wiederum erbringen. So waren in Bremen bisher eine Anzahl Firmen, die zusammen 623 Arbeiter mit der Herstellung von Zigarrenkisten beschäftigten; durch die Ver- steuerung der Zigarren ist einmal der Konsum zurückgegangen, zum anderen wird an der Verpackung gespart. An Stelle der bisherigen Holzkisten tritt die billigere Papicrpackung. Die Folge ist, daß allein in drei Bremer Zigarrenkistenfabrikcn mit 195 Arbeitern nur halbe Tage gearbeitet wird. In zwei weiteren Betrieben mit 175 Arbeitern ist eine Verkürzung der Arbeitszeit und damit natür- lich auch des Verdienstes angekündigt. lUfcste I�admchtcn und Dcpefcben. Ein Reinfakl. Stockholm, 24. August.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Aktion der bürgerlichen Zeitungen gegen den Buch- druckerverband hat heute zur gerichtlichen Beschlagnahme der Verbandskasse geführt. Die auf die Beschlagnahme gesetzten Hoffnungen der Unternehmer wurden gründlich getäuscht. Statt des erhofften Verbandsvermögens in Höhe von einer halben Million Kronen fielen dem Gericht— 2 Kronen 41 Ocre in die Hände._ Wettrüsten. London, 24. August.(B. H.) Die Waffcnfabrik Ordnancr Company hat in der letzten Woche von der englischen Regierung und von auswärtigen Staaten Aufträge an Geschützen und son- stigem Kriegsmaterial in Höhe von einer Million Lstr. erhalten. Die Gesellschaft mußte 1509 neue Arbeiter einstellen, denen Arbeit für 18 Monate gesichert wurde. Schutz den Fremden in Mazedonien, Konstantinopel, 24. August.(B. H.) Da die Zustände in Mazedonien sich von Tag zu Tag verschlimmern, werden die Bot- schafter der Großmächte die Pforte auffordern, für einen energischen Schutz der Bevölkerung in Mazedonien Sorge zu tragen. verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Jnjeratenteil verantw.: rh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall Paul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen u.UntcrhaltungSbl. Dr.!S7. 26. Jahrgang. tüU des JP«*Ws" Kaliin filMtlt. I■■ I lllü■! III II IWI l i l i I. iimat Mlttlsolh, 25. August 1969. für den ichmälichen Generalstreik. V Bei der Berliner GelverkschaftZtoiimiission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreil stehenden schwedischen Ar- beiter ein: KM? Hilfsarb. b. Nailck u. Hartman» 7,23. 1 Telegrabbenarbeit. 3,—. 337. Bez. X. I. ff. 2,—. Wahlverein Lichtenberg, 2Z. Bez., Sechserkaffe 6,—. vrmerlommissian Rixdors ans folgende Listen: Maschinenjabril Horn 2264 5,50, 2265 11,33, Reparaturwerkstatt Hoch- und Untergrundbahn, War- fchauerstr., 2353 23,40, 2436 2,23, 2437 4,10, in Sa. 48,60.— K. Tränkner, Essen 1,—.— Verband der Burcauangestellten, Filiale Berlin, aus folgende Listen: 383, 330, 1842, 1843, 1013. 1840 36,80. Ferner aus folgende Listen: 1006 Ortskranlenkajse der Buchbinder, Sattler und Vergolder 16.—, 1032 Lrtskrankenkasse Teinpclhos 2,—, 1032 Ortskrankenkasse der Gürtler 3,50, 1033 Ortskrankenkasse der Klempner 4,30, 1041 OrtSIrankenkasse Weißensee 4,30, 2884 OrtSlrankenkasse der Schneider 67,50, 1025 Ortskranken. lasse Rummclsburg 4,50, in Sunima 104,30.— 6130 Maurer und Arbeiter aus dem Bau Herzog 16,70. Bodenleger der Firma Schulz, 2. Rate 6,—. Arbeilerlohn Bäcker 8,30. 6582 auZ Teltow gesammelt d. Schlammbach 21,63.— Deutscher Metall- arbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin auf, folgende Listen: NietcS Werke, Obcr-Schöneweide 3083 18,—. 3030 26,85. 3031 36,40. 3032 20,75. 3033 13.35. 3034 24,30. 3035 23,75. 3036 13.—. 3037 3,30. 3038 13,-. Rranzüberfchuß von Micthling 12,80. Schwarhkopst, Wildau 3074 24,50. 3077 20,—. 3722 16,—. 3724 15,70.«. E. G.. dk. W. O. 3063 57,30. 3066 33,20. 3067 18,23. 3063 8,05. 3070 28,33. 3071 10,90. 3072 18,20. 3073 20,23. 3080 40,05. 3081 15,40. 3083 13,30. 3088 15,35. 3713 11, 10. 3720 3,10. 3731 7,30. 4461 Blockwerk Siemens u. Halske 10,65. Arbeiter der SiemcnS-Werke 4453 34,33. 4460 10,30. 4463 16,40. 4464 38,55. 4465 3,05. 4476 13,10. 4477 15,—. 4478 17,55. 4473 22,40. 4480 5,60. 4481 25,90. 4487 5,—. 4488 17.50. 4483 32,40. 4430 14,80. 4431 20.85. 4432 18,50. 4433 24,53. 4494 22,10. 4435 17.05. 3043 Höhne 5,—. 3118 d. Weinberg 5,50. 3127 ElgeS 6,40. 3147 Palisch II 23,53. 3151 H. Ii rüger 7,—. 3303 durch O. Müller 6,—. 3312 Hcintzc 10,60. Mix u. Genest 3335-15,50. 3340 10,—. 3341 10,55. 3366 13,35. 3371 3,20, 3372 5,15. 3373 10,50. 3374 3,70. 3454 durch Robinlon 14,90. 3455 BorsigS Gießerei 33,15. 3439 Falkfohn 12,25. 3561 Millarg 15,65. 3564 Lennhof 17,35. 3567 Kar- funkelstein 21,35. 3675 Berl. Auto-Gcscllschast 19,45. 3681 Elektr.-Stätte Westen 11,35. 3742 durch Hossmann 3.35. 3749 Voß u. Stange 18,50. 3752 Falbe 15,30. 3781 Deicke 20.45. 3818 Puppcli Schlcilerei 10,—. A. B. G. 3821 14,70, 3823 3,—. Gebauer 3823 33,10, 3830 14.05. Typograph, 2. R. 3832 31,40. 3833 60,—. 3834 44,75. 3835 23,—. 3836 13,60. 3837 36,40. 3841 Bernhard 3,50. 3842 Rob. Freund 10,—. Deimler. 2. Rate 3847 17,70. 3858 21,40. 3853 19,—. 3860 24,30. 3861 33,75. 3862 14,45. 3863 7,40. 3864 14,—. 3863 16,30. 3866 16,45. 3871 Kirschncr 13,15. 3881 Münchmeher 15,40. 3887 Alex Wolf u. Co. 10,35. 3883 Bert. Lapiton-Wcrke 5,53. 3883 S. A. Levy 22,55. 3373 Monteure A. E. G. I. II 13,55. 3376 Beck u. Friede 19,60. 3378 Bernert 94,90. 3330 Berl. Kugelschlager 14,55. 2237 Berl Knorr-Bremse 48,50. 3301 Eckert, Lichten- berq 15,70. 3302 Eckert, Lichtenberg 12.75. 3318 Lang- u. Gulzeit 3,75. 3569 HauschUd 14,33. 3676 Hoenow 3,03. 3677 Erauert 37,10. 3673 Üiahnt 13,50. 3872 Rohland 8,83. 3308 A. E. G., Abt. I. II 6.60. 3355 Deutsche Petroleum-Vcrk.-Ges. 17.05. 3360 Spitz u. Comp. 30,70. 3961 Teßnoio 4,20. 3362 Deutsche Kabelwerke 13,15. 3364 Labischin 10,05. 3365 Osenberg 8,45. 3368 Legel. Former 4,50. L-gel, Gürtler 17,20. 3970 Legel. Schleifer 8.50. In Summa 2321,—. Lese- und DiSkutierklnb Karl Marx 10,65. 346, 350 Verband der Mühlen- nrbeitcr, Verw. Berlin 24,50. 1585 Pers. d. Buchdr. W. Agst 6,45. Freie Jugendorganisation Berlin£30. 5,60. Falzerei-Rotations-Htlssarbeiter bei Ullstein u. Co. 105,10. Typographia, Gesangverein Berliner Buchdr. und Schristgießer 100,—. 7374 Metallarbeiter b. G. Stein, Blumenstraße 1t,—. 1533 Pers. b. Billig Nachs., Buchdr. 22,53. Kollegen Borrmann u. Körting 6.—. Bäckerei Aschinger 13.—. 4813 d. Chaufscure 17,25. 6476 Röder 3.50. 4378 Tischlerei Thomas, 1. Rate 14,45 Fräs-rei Bristav u. Biegcr 8.—. Zuckersack. Salzuser 3,50. 7375 Vcrgolder b. Naschig 11.—. 748-1 5! oll. v. Alexanderwerk, 2. Rate 21,03. Zlrbeiter-Radsahrerbund Solidarität, Bez. 21 20,—. 339 Abteilung Buchbinderei O. ElSner, 2. Rate 18,65. 7376, 1870, 1877, 1878. 3780, 7878, 955 Kollegen b. Gebr. Israel 66.43. Sektion der Putzer 1201 11,50. 1204 20,60. 7260 11,55. 7261 8,65. 7265 8.45. 6646 Koll. b. Nagel, Buchdr. 10,73. Sparvcrcin Weihnachtssreude Weißensee 6,—. Wahlo. Rixdors 300,—. Kall.. 6 Mann v. Vogel, Rittersir. 2,50. Kollegen der Gießerei Gutschow 10.—. Tischlerei Sciffert. Rixdors 3.—. 7574 Silberwarensabr. Mcmmcrt 7,—. Lotterieverein Treffer 5,—. 4388 Tischlerei Lüdtke, Boppstraße 13.—. Wagner u. Dünnebeil 6,45. Schuh. snbrik Guhlke 4,—. 55 Emil Dorn 23,33. 7134 Kollegen bei Ewald TurkuS 16,45. Buchbinderci-Abteilung Greve, 2. Rate 5,—. 1486 Personal der Buchdr. Horwitz Nachs. 11,40. Bäckerei O. Hank-, Schönhauserallee 4.—. 7478 Pianomcchanikjabrik Lexow 35.75. 6116 Lau des Schönebcrger K rankenhauses, 2. Rate 24,40. 7137—7140 v. Kollegen der Firma Dewitt u. Herz 53,10. 4512 u. 4514 Verband der Schirmarbeitcr, Fit. Berlin 16.63. Verband der Schirmarbeiier, Fil. Berlin 20,—. 6649 Verband der Mitglieder u. HilsSarbcitcr Licbhcit u. Thießen, Buchdr. 7,60. 6652 Verbändler b Lenz u. Co.. Buchdr. 8.55. Tischlerei Seim n. Gehrken 17,—. Tischlerei .Klug 4.—, Plüfchweber b. Elsbach. 3. Rate 17,40. 6336 Korbmacher b. Scinemann, 2. Rate 7,50. 6604 Buchdr. b. Schenk Nachs., 2. Rate 13,45. 14. Bezirk, Rixdors, Nebcrschuß v. Sommerscst 32,20. Bezirk 408, 5. Kreis b—. 1494 Buchdr. F. Weber 7,40. Töpser b. E. Brucks 4,75. 334 Arbeiter b. Gebr. Roll, Schraubensabrik 21,13. 1605. Buchdrucker kleines feuilleton. ter- Fünften Int der diese Woche Städtische Schulzahnkliniken. Auf dem nationalenZahnärztlichen Kongreß, in Berlin tagt, wurde in der Sektion für Mund- und Zahnhygiene eine Frage von allgemeinein Interesse verhandelt. Hier wurde die Errichtung städtischer Schulzahnkliniken besprochen, die als eine volkshygienisch wichtige und allgemeine Forderung unserer Zeit be- zeichnet ivurdc. Die Errichtung solcher Kliniken sei ein wesentliches "Nittel zur Verhütung und Bekämpfung von Volkskrankheiten, be- sonders von Tuberkulose. Die Sektion beschloß, daß die zahnärzt- liche Fürsorge für Schulkinder als eine wichtige Frage anzusehen sei. und sprach den Wunsch aus, daß die in Deutschland durch Zahnärzte und Behörden gemachten Erfahrungen den anderen Ländern zugänglich gemacht würden. Ferner beschloß die Sektion, daß der Fünfte Internationale Zahnärztliche Kongreß den Wert der zahnärztlichen Fürsorge für Heer und Marine anerkennt.— Dr. K un e rt- Breslau erörterte die Frage, ob sich die schulzahn« ärztliche Fürsorge mit.ihren heutigen Zielen auf dem richtigen Wege befinde. Er kam dabei zu dem Ergebnis, daß die heutige Fürsorge den Fehler begeht, nicht der letzten Ursache der Zahnkaries(Fäule) ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ein voller Erfolg werde nur dann zu erzielen sein, wenn die schulzahnärztliche Fürsorge ihre Probleme erweitert und dahin wirkt, daß unser Volk wieder harte Zähne bekommt, so daß Karies in dem heutigen Umfange überhaupt nicht mehr entstehen könne. Die letzte Ursache für das heute so enorme Auftreten der Zahnkaries sei die schlechte Verkalkung der Zähne infolge der Unterernährung mit Salzen. Nur wenn dem menschlicheen Organismus wieder die nötigen Mineralsalze zugeführt würden, sei eine wirlliche Besserung der heutigen traurigen Verhältnisse von Grund auf zu erwarten.— Prof. Dr. Möller- Berlin bezeichnete die städtischen Schul- zahnkliniken als ein wesentliches Hilfsmittel zur Bekämpfung der Tuberkulose. Die Tuberkulose kö»nte mit gleichem Recht, wie sie eine Wohnungskrankheit genannt wird, auch als eine ErnährungSkranl- hcit bezeichnet werden. Eine schlechte Mundpflege deS KindeS verursache eine schlechte Ernährung und eine schlechte Entwickelung und schaffe somit Dispositionen zur Tuberkulose. Schlechte Mundpflege fördere die Ansiedelung der Tuberkuloscbazillcn in der Mundhöhle des Kindes. Deshalb sei eine Schulzahnklinik ein wesentliches Hilfs- niittel zur Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit. Die städtischen Schulzahnkliniken seien auch Erziehungseinrichtungen zur Reinlichkeit. ES müffe durch sie erzielt werden: das regelmäßige Waschen der Hände vor den Mahlzeiten, das Reinigen deS Obstes vor dem Genuß, und sie müssen durch Belehrung und Behandlung die Weiterverbreitung der Tuberkulose unter Mitschülern und Angehörigen verhindern. Natürlich müsse der Schulzahnarzt ein städtischer Beamter sein. Dr. Mariuse- Berlin bezeichnete als die wichtigste Aufgabe der schulzahnärztlichen Fürsorge die regelmäßige Unter- suchung und Behandlung aller Schulkinder. Um die zahnärztliche Norddeutsche Kammsabrik 7,30- Skatklub Nullouvert Lichtenberg v. 21. Scholem, 2. Rate 12,70. 6644 Buchdr. v. Seeger 2. Rate 12,40. 4.50. Kosjak u. Kankemann, Kürschnerei, 5,75. Turnverein Fichte/ neunte Männer-»l. LehrlingSabt. 14,35. Schirmsabrik Rcmack u. Silber 4,45. Kollegen»Franz Saft" b. Alschner 1,—. Tischlerei Glombitza u. Koppe 9,—. Zitherklub„Empor" Kotbergast 10,—. Möbelfabrik Oftend 14,30. 6972 Buchdr. W. Heinecke 2. Rate 5,20. Sechserkaffe der Buchdr. b. Seidel u. Co. 30,—. Tapcz. u Tischler b. Paul Burow 2,75. 7437 Kollegen bei Bergmann u. Weswhal 11,70. Lolterieltub»Ohne Glück" 10,—. Kollegen b. Bergmann u. Wcstphal 10,—. 6288 Buchbinderei H. Büttner 4,50. Sparvereiii.Goldgrube" 5,50. 5469 Universitäts-Buchdr. Schade u. Franke 2. Rate 7,30. 7476 Tischler b. Lübke, Lützowltr., 2. Rate 10,70. Zl. E. G. Gf. 4 6,—. 6423 Bali Herzog, Held u. Franke 10,33. Bautischlcrci Brink 2l,33. Kollegen v. Tb. Ligbjörnscn 8,—. Kollegen b. Petzow u. Klein, Schöncberg, 8,73. Schneider b. 2lrnold Müller. Leipziger Str., 16,23. 7508 Kollegen b. Gehrle, Klempnerei, 13,25. 3466 2Ibt. Wittenau b. K. Flohr 23,33. Fidclitas d. H. F. II A. E.-G., Voltastr., 10.—. 7141 Kollegen b. Kubitz u. Imberg 8.53. Ges. d. Halvorsen 8—. Tischl. Gruncrt u. Lehmann 10,—." Maler b. K. SwanteS, Bau Waldcyerstr. 9 6,30. 2. Abt. der Konsum� genossenschajt Bert. u. Uing. 30,—. 1602 Buchdr. b. Mier u. Glasemann 7,25. Beitzcr b. Krause, Korilla u. Co. 3,—. 2931 Lackiererei b. Frister u. Roßmann 7,33. Robert Schulze 4,—. 7312 Kollegen b. Rosenstock 8,73. 7303 Tischler u. Maschinenarbeiter b. Orthmann 6,33. Personal der Treib- riemcnsabrik W. Tennert 12,—. Bandagenfabrik Genz u. Hosmann 5.30. 7483 Tischlerei Schacht, 2. Rate 8,23. Darinarbeiter b. F. u. L. 3,50, 6354 Druckerei Gepartjan u. Land, 2. Rate 28,65. 2724 Kollegen der Firma Hasse 7,70. 7483 Berliner Verlagsdruckerei 11,50. HiljSarbeiter der Rotat.-Abt. »Berl. Tageblatt", 2. Rate 42,—. 7253 Lachmaun u. Zauber, Bau Erd- mannshos 6,50. Lotterieverein„Glück" 7,75. Tischlerei Fürst u. Kunert, 2. Rate 5,—. 6382 7,65. 7434 Kollegen b. Knabe u. Söhne, Pianosabrik 8,50. 7496 Tischlerei Klinke, Pankow 15,15. 7492 Tischlerei Zache 17,30. Tischlerei Saucrwcin, 2. Rate 19,—. 7436 Tischsabrik Preiser 10,15. 6489 Tischlerei Sachse u. Hesse, 2, Rate 16,70. 7530 Tischler b. RodelShcimcr 2. Rate 20,—. 7482 und 7483 Gießerei Butzke 26,—. Handtuchsahrcr b. L. Rosenthal 4,50. Tischler b. W. Franz 8,—. Sarottt 24,10. Ueberschuß der Hochzeitsspcnde s. Paul Haase 4,—. Zentralverband der Lederarbeiter, Filiale Berlin I aus folgende Listen: 6838 Hegermann 11,25. 6833 und 6300 Eyk u. Straffer 14,50. 6301 Schwarzmann 4,50. 6302 Schneider 8,20. 6834 bis 6833 Karplus u. Herz- berger 84,35. 6840 Kühn 4,—. 6841 Gebr. Grund 3,15. 6342 Lasch 7,75. 6343 Teuerkaus 7,25. 6303 Tengeler 5,25. 6304 Bollmann 4,25. 6305 Samler 3,75. 6461 Kollegen der Norddeutschen Metallwarensabr. v. Tcnner 17,10. Kistensabrik Erdmann, Britz 2. Rate 10,10.— Zentratverein aller in der Hut- und Filzwareninduslrie beschäftigten Arbeiter und Arbeitmiiucn, Ortsverwaltung Berlin. 2. Rate aus folgende Listen: 7178 und 7980 Bambuß u. Co. 33,35. 7181 Paschka u. Omslein 11,50. 7183 und 7184 S. Bock u. Co. 17,75. 7188 und 7183 Gebr. Gatte! 13,30. 7130 uud 7131 Zechelius 13,35. 7133 Schlesinger 2,50. 7134 Paul, Seydelstr. 4,75. 7135 Paul, Sebasttanstr. 6,—. 7136 Petag 7,—. 7137 Engel 9,60. 7138 Burkert 10,25. 7200 Teschncr 7,50. 7202 David u. Loewcn- stein 7,75. 7203 Lichtenstein 7,50. 7204 Kirchhoff 8.50. 7206 Gundclach 4,25. 7208 Weiß 9,75. 7211 und 7212 Silbermann 22,40. 7214 Neubauer 8,10. 7216 Berlett 8,50. 7223 Pniower 4,—. 7234 Sarcmbowitz 1,—. 7236 Brühlich 2,50. In Summa 228,30. 6985 Allgemeine Metallwerke für Beleuchtung, 2. Rate 8,20. Dreherei der All- gemeinen Metallwerke f. Beleuchtung 18,80. Tischlerei b. Nickel, Kernicke, Lehmann, 2. Rate 21,05. 6607 Buchdruckcrei Strauß, 2. Rate 35,90. OrtS- verein Wilmersdorstr Buchdr. 15,—. Treppengeländcrsabr. Schmidt u. Co., Steglitz 13,—. Kollegen b. Schulz, Eisenmöbel, 2. Rate 14,40. 1627 Setzer und Drucker b. Moritz u. Kummer 8,—. 3537 Graveure b. Dögnes 6.10. Tischler b. Gebr. Faul 4t.50. 6933 Koll. b. Fürst 8,05. Ges. b. Licr, Naunhiistraße 5,—. Waldsestüberschuß des alten 16., jetzigen 20. Bezirks, Rixdorf 50,—. Bert. Arbeiter-Radsahrcrbund„Solidarität" 100,—. Verband der Putzer 1205 15,—. 1212 6,40. 7255 3,30. 7264 9,—. Verband der Glaser, Ortsvcrwaltung Berlin aus folgende Listen 920 5,85. 321 3,35. 325 4,85. 334 2,75. 338 2,75. 340 3,30. 343 4.70. 317 5.—. Ordner der Freien Volksbühne u. K. B. d. Winkler 160,—. Verband der Porzcllanarbeiter, Fil. Berlin 150,—. Texlilarbeitervcrband, Fil. Berlin 5385, 5332, 5393, 5404, 5403 53,40. Deutscher Portterncrband, Sitz Berlin 6471, 6472, 6473 25,75. Kollegen von Bischofs 8,50. Berliner Elektrizitäts- werte, Palisadenstraße 4,65. 4375 Vergolder von C. Barihels 8,05. Kollegen von F. Leberan 3,—. Mitglieder des Pslanzervereins Moorecke 4,60. Arbeiter der Dampsbrotsabril Wilhelm«, 2. Rate 7,45. Personal bei I. Stock u. Co. 5,—. Zcntralverband der Bademeister und-Meisterinnen Deutschlands, Sitz Berlin 60,—. Intarstenschneider 2,—. 6343 Tischlerei Prächtel 16,75. Genossen aus Schönow bei Bernau 15,70. Tcllcrsammlung des sozialdemolr. WahivercinS Groß-Berlin, 22. 8. 03 117,75. Arbeiter d. Cakes- sabril Gebr. Thiele u. Lemke 6,05. Bäckergesellen v. Senstlcben 4,—. Arbeiter d. Kistensabrik Eckert 5,50. 6636 Buchdruckerei Berliner Börscnzeitmig 36,40. Färberei u. Detacheure v. Gumpel 5,—. Buchdruckerei-Hitss arbeiter des„Vorwärts", Werkabteilung, 3. Rate 10,50. Geburtstags. seier Frau M. Luckow 6,20. Bautischler von Mausolf, 2. Rate 11,—. 6701 Steinmetzen Bau Dcssauerstr. 25,—. 6702 Steinmetzen der Firma Wimmel 12,30. 6711 Marmorarbeiter der Firma Jocrisen 5,—. 6713 Marinorarbeiter der Firma Kieser 4,65. 6311 Tischler Mctzer 18,65. Frau Eisenhauer 7,35. 1594 Buchdruckerci E. Heckendorff 11,70. Lotterieverein Hoffnung 1304 5,—. Lokallasse Zentralverband freier Händler u. Hausierer 20,—. Tellersammlung des Zeutralverbandes d. freien Händler u. Hausierer 10,35. Luchdruckerei Theinbardt 5,—. 3952 Metallarbeiter v. Hirschhorn 20,50. 6643 Buchdruckcrei Kühn u. Söhne, 2. Rate 30,85. Handtuchsahrcr der Firma R. Bach 8.—. Waldscst d. Bezirks 227, Teil I und III 15.-. Kontrolle systematisch zu gestalten, müsse die Fürsorge möglichst früh schon in den Kleinkinderschulen einsetzen. Bei der Behandlung der Schulkinder müsse größeres Gewicht auf die vorbeugenden Mittel gelegt werden. Neben der zahnärztlichen Tätigkeit bildet die zahn- hygienische Aufklärung durch den Lehrer eine Hauptaufgabe. Auch eiu Protestant. Bremen ist bekanntlich die Stadt der radikalen Kirche. Ein bürgerliches Blatt in Bremen berichtete kürzlich über eine Trauerfeier und brachte am Tage darauf folgende Be- richtigung des Berichts:„Herr Pastor Steudel ersucht uns, mitzu- teilen, daß er bei der Trauerfeier für den verstorbenen Herrn Seminarlehrer Schindler die im Berichte erwähnten Bibelworte: „Viele, die unter der Erde schlafen, werden aufwachen zum ewigen Leben" nicht gebraucht habe und sich auch dem Sinne nach nicht ähnlich geäußert habe."— O über den Unglauben, wenn es so weit gekommen ist, daß ein Gottesdiener öffentlich gegen den Verdacht protestiert, er habe die Unsterblichkeit gepredigt! Die höchsten Bergbesteigungen. Der neue Höhenrekord, den der Herzog der Abruzzen durch die Besteigung des Godwin Austen- bergs im Karalorumgebirge(Jnnerasien) geleistet haben sollte, hat sich nach den letzten Berichten als nicht ganz so bedeutend heraus- gestellt, als es zunächst den Anschein hatte. Jeder, der wußte, daß jener Berg nach dem Mount Everest als der höchste Gipfel der Erde galt und eine Höhe von 8520 Meter erreicht, wird allerdings von vornherein daran gezweifelt haben, daß es einem Menschen gelungen sein könnte, diesen Gipfel zu erobern. Es heißt denn nunmehr auch, daß der Herzog nur einen benachbarten Berg von 7653 Meier erstiegen hat. Immerhin würde dies eine Steigerung des Rekords um mehr als 600 Meter bedeuten, denn bisher wurde dieser von einem Engländer Martin Conway gehalteti. der vor einigen Jahren den mächtigen 7040 Meter hohen Vulkan Akonkagua in den südamerikanischen Anden bestiegen hatte. Die früheren Stufen der höchsten Bergbesteigungen wurden gleichfalls von Conway erklommen. Im Jahr 1898 überwand dieser unermüd- liche Pionier die beiden Vulkane Sorata mit 6550 Meter und Jllimani mit 6410 Meter, die gleichfalls in den füdamerika- nifchen Kordilleren sich erheben. Diese liegen im Hinterland von Bolivia, während der Akonkagua noch zu Argensinien gehört, aber die Grenze gegen Chilenisches Gebiet berührt. Noch früher, im Jahr 1892, hatte sich Conway gleichfalls schon im Karakorum erfolgreich betätigt, indem er die von ihm benannte Kristallspritze und Pionierspritze erkletterte. Der Herzog der Abruzzen hatte sich abgesehen von seiner Leistung als Polarforscher als Alpinist bereits bewährt. Seine größte Leistung in dieser Hinsicht war die Ersteigung des St. Eliasberges, der 5520 Meter Höhe hat. Humor und Satire. „Ruhe für den Grafen Zeppelin l' ist das Schlagwort, unter dem das Wolffsche Telegraphenbureau für die Nerven des glllckreichsten Luftschiffers um Schonung fleht. Die Berliner, rücksichtsvoll, wie sie nun einmal'sind, haben sür den dem- Arbeiter der Märkischen Metallwarcnsabrik l1,55. Kartonsabrik Mexander 11,10. 7431 Klaviatursabr. Union 7,—. 7423 Mcchanjkjabr. v. Jacob 30,05. 1599 Buchdr. H. Klockow, 2. Rate 7,60. 6264 Buchbinderei Raschig 8,63. Tischlerei Gossow 14,10. Tischlerei Dobbert, 2. Rate 6,50. Tischlerei O. Hensel II,—. 6909 Stockarb. Rosenberg 4,50. Tischlerei Möhler u. Schwab 15,—. Anschläger der Firma Bicbl 25,50. Buchdruckerei H. Bergmann, I.Rate 3,—. 7423 Buchdruckerei Gebr. Unger 22,25. Tischlerei Liebenow 4,50. Schrauben- sabrik Lüben u. Buhsc 42,55. Erntefest Kolonie Berlelsdors 5,—. 6663 Buchdruckerei G. Eichler, 2. Rate 11,70. 7382 Tischlerei v. Dilmar 30,—. 7167 Tischlerei Kaiisch Nachs. 5,45. 484 Stcindruckerci Friedewato u. Frick 4,30. Buchdruckerei R. Hartmann 5,50. Tischlerei Franz Schulz 4,50. Buch« druckerci G, Bernstein, 2. Rate 13,45. Organisierte Buchdrucker der„Dtsch. Tagesztg.", 2. Rate 31,90. 6353 Tischlerei Blankenburg u. Schnabel 15,50. Küchenmöbelmaler v. Kutsch, 2. Rate 4,—. Küchenmöbetmaler v. Reimann u. Co., 2. Rate 4,50. 6286 Albumarbeitcr A. Dittmar 23,95. Pers. d. Fa. Makensen 19,—. Holzbcarbeitungssab. Südost 14,25. 6936 Pianinoarbeiter C.Schwechten 17,65. 1603 Buchdr. Coiresp. Gelb 10,25. 7425 Möbelsab.Bath 17,40. 5 Anschläger der Firma Mücke Nachs. 2,50. A. Citzmann 2,—. Herrcnpartie A. E.-G., Ackerflraße 7,50. Töpser, Spandau 6,50. Schlosser von F.«chröter 4,—. 6663 Buchdruckcrei G. Möscr 23,45. Bodenleger von Dahlemann 3,50. 6460 Kollege» von Schuster u. He'ier 6,20. 6983 Klaviatursabrik Wernicke, 2. Rate 19,—. 6313 Kistcnarbciter von Zuckermann 14,—. 6315 Kistcnmachcr von Puhlmann u. Schulz 5,80. 6314 Kistcnmacher von Groke 3,20. 7163 Personal von W. Riewe 12,—. Werner u. Garzinski inkl. Sechserkaffe 13,30. Tischlerei Fclscher u. Koffer, 2. Rate 8,80. Glasarbeiter und Arbeiterinnen der Aucr-Gcsellschast 25,20. Rohr- leger und Heiser der Aucr-Kesellschast, Abt. ß. 12,70. 1412 9,85. 1413 17,30. 1414 Vereinigte Metallschlauchwerke 6,90. 6375 1,95, Holzarbeilerverbaud Zahlstelle Weißensee: 1426 6,—. 1427 15,15, 1430 3,90, 1431 14,25, 6393 4,10. Kollegen vom Phönix, 2. Rate inkl. Sechserkaffe 23,30. 6268 Kartonsabril F. Wolff 7,50. 6330 Holzarbeiter v. Kühl u. Klatt 12,10. 6231 Kartonsabrik Union 7,—. Drahtzaunfabrik P. Fiedler 3,50. 7435 Tischlerei Gebr. Schaar 21,75. 7435 Tischlerei G. Wcgcner 32.05. Tischlerei Lizijcwsli 10,—. August 18 1,—. 6430 Möbelfabrik.Heinz, Laubcr u. Co., 2. State 13,75. Möbelfabrik Starick u. Co. 10,95. Böttcher einer Sprit- sabrik 6,—. Buchbinderei„Vorwärts", 2. Rate 28,—, Metallarbeiter von R. MoSler Nchf. 12,35. 6306 Flaschenfahrpersonal OSw«ld Berliner 3,55. 6931 Hanse 7,15. 4771 Lederfabrik Caprano, Nowawcs 12,50. 4774 Leder- sabrik Salomon, Treptow 22,20. 4777 Lederfabrik Schwarz 4,95. 4732 Lcder- sabrik Römer 11,60. 4784 Lederfabrik Steintcin 10,55. 7238 Lederfabrik Röster, Zurichter 5,75. 7233 Lederfabrik Röster, Nasse Werkstatt 5,10. 7241 Lederfabrik Fritz 3,85. Personal von E. Rockels 3,85. 6106 Gas- anstatt Gitschiner Straße 8,—. 6270 Prägerci Bernhard 11,80. Verband der Maurer, Zweigveretn Königs- Wusterhausen 20,—. Von den Arbeitern der Wcstingbousc, WUhelmstraßc 5,—, Stammtisch der Reisenden d. R. Ehrlich 3,6S. K.-WaidmannSlust 10,—. Bruno Borchardt 3,—. P. Schulz, Wiener Straße 1,50. Paul u. Otto Dechclmann, Chauffeure, Kopenhagcner Straße 65 2,—. Ecktisch des Vegetarischen SpeischauseS „Ceres" Stuttgart, Kanzleistraße 16,—. Dr. Schulz, Neue Königftraße 10,—. Karl Grand, Teinpclhos, Germaniasttaße 153 15,—. Anton Bien 6,25. ®. Papsch, Fried richsselde 20,—. Tischlerwerkstatt Karl Thomas, Lernauer Straße 79, 2. Rate 8,25. F. Schuler. Jmmanuellirchstt. 35 5.—. P. Cornelius, Kameruner Straße 51 11,—. Station II, Ost-ffrankenhauS 3,35. Wenzel, Tischsabrik, Friedrichsselde 5,50. B. Beuthke, X. 65 18,20. Dr. Fr. 20,—. Porsack, Stcphanstraße 4,—. H. Steinebach, Charlottenburg, Rosinenstr. 3 6,55. Paul Schiller, Charloltcnvurg, Potsdamer Straße 38 1.—. Groscheniaffe der Warmprefferei A. E.-G., Äckerstraße 8,05. Möbel- sabrik Geisler d. Hanke 6,55. Personal der Ltndendruckcrei(„National- zeitungs'), 2. Rate'54,60. Zwei Kollegen b. Adlon 1,55. Buchdrucker bei W. Samm, Schöncberg, Hauptstraße 153 7.—. Stolze 4.—. Sparvcrcin„Frohsinn" 10,—. Zentralverband der Glasarbeiter, Zahlstelle Holzniinden,"�durch G. Hamann 30,—. Verband der freien Gastwirte Deulschlands, OrtSverwaltüng Lichtenberg 30,—. Skat- und Lotterietlnb „Ramsch", Ober-Schönewcide 5,—. Bon den Kollegen der Firma K. Jffer, Pankow, Mühlenstr. 22 4,35. H. Schulz 100,—. Vertag und Expedition de» „Volksboten", Stettin 1666,25. Arbeier- Radsahrerverein Reinickendorf, 2. Abt. 5,—. Zt. Muth 1,—. Umbau Bachstr. 11 5,50. Kollegen v. Meiebock 4,23. Patienten der Heimstätte Gütergotz 11,60. Anschläger der Firma G. Kießling 22,50. Arbeiter-Radsahrervcrern Marienseide inkl. Familie Gräulich 22,05. 5 Tapezierer von Dubach 3,05. Brelterträaer L. u. I. Seligsohn 4,—. E. Landsberg 5,—. Einsetzer v. G. Wegner 26,—. Maler der Firma A. Schmitz 4,20. Textilarbciteroerband,(|FU. Bernau i. M. 30,05. 2824. 2838, 2833, 2840, 2803, 2739 vom Gewcrischästskartell Köpenick und von den Kollegen der Firma Gebr. Krüger 61,65. Werkstatt Rast u. Eckart 5,35. Verband der Schuhmacher, Zahlstelle Strausberg 30,—. Gewcrk- schastskommission Rheda 30,—. I. M. 2,50. Sparverein Blüh aus 5,—. Maurer u. Kau: 15 8,65, 16 10,65, 17 6,45. 1626 Deutscher Provtnztag 3,50. 6524 Bau Alte Jaiobstraße 16,20. 6567 Bezirk FriedrichShagen 7,05. 6543 Bezirk Wcdding 6,95. 6568, 6569 und 6570 Bezirk Lichterselde 7,75. 6557 und 6558 Bezirk Charlottenburg 26,35. Verband der Steinarbeiter, Filiale Berlin aus jolgende Listen: 6703 6,—. 670? 7,85. 6710 3,50. 6712 1,50. 6713 9,75. 6714 1.50. 6724 5,90. 6704 Steinarbciter Gebr. Hut 25,70. 6715 Marmorarbeiter v. Messcrschmidt 11,60. 6717 Marmor- arbeiter v. Sasse, Steglitz 10,—. 6721 Marmorarbettcr v. Stanke, 8,65. 6722 Marmorarbeiter v. Gotffchalk 15,20. 6726 Steinarbeiter v. Zeidler 8.35. 6728 Stcinarbeiter der Firma Metzing Nachs. 11,30. 1433 Buchdruckerei v. Langenscheidt 1l,75. Bäckereiarbciter v. V»nnoh. 2. Rate 4,—. 6741 Maschinisten«. Heizer, Bez. Gesundbrunnen 13,—. 6749 Bez. Wedding 3,30. 6757 Asyl Wtesenstraße 6,80. Zentraloerband d. Handlungsgehilsen u. Ge- hitfinncn Deutschlands, Bez Berlin, aus folgende Listen: 351 26,—. 355 3,—. 958 5,50. 959 9,—. 960 21,50. 962 9,—. 965 11,10. Expeditton n. Buch- nächstigen Besuch des Grafen in der Reichshauptstadt bereits die folgenden Schonungsbestimmungen vereinbart: Die Besucher deö Tempelhofer Feldes erscheinen auf Gummi- schuhen. Die Extrablätter werden nicht ausgerufen, sondern auSgeflüstert. Die Singvögel in Berlin und Umgegend werden mit Maulkörben (richtiger: Schnabelkörben) verschen. Das Hurrarufen soll jedermann gestattet sein, aber erst vier» undzwanzig Stunden nach Zeppelins Abreise von Berlin. Die Schutzleute haben das Publikum nicht durch Zurufe, sondern lediglich pantomimisch in Ordnung zu halten. Damen, deren Kostüme in schreienden Farben gehalten find, dürfen während Zeppelins Anwesenheit nicht die Straße betreten. Um aber den deutschen Luftsuhrherni gegen alle Eventualitäten zu schützen, hat der Verein Berliner Baumwollwarenfabrikanten be- schlössen, dem Grafen sofort bei seiner Landung durch eine taub- stumme Ehrenjungfrau zwei Baumwollknäulchen überreichen zu lassen, die Zeppelin während seines Berliner Aufenthalts in den Ohren tragen wird. _(„Lustige Blätter.-) Notizen. — Zeppelin für den Hausgebrauch. Zeppelins Lust- schiff ist im Verlage von I. F. Schreiber als Modellierbogen er- schienen. ES gibt eine große Ausgabe in vier und eine in zwei Logen(jeder zu 1ö Pf.). Auch W rights Flugmaschine ist im Karton zu haben. Wer Lust zum Basteln hat, kann also daS große Ereignis unter seine Lampe hängen. — Ein neuer Rubens wurde dem K a i s er- Fri e d r i ch- Museum von dem K.- F.-M.- Verein überwiesen und im kleinen RubenS-Saale(Nr. 62) ausgestellt. Es ist das Porträt eines älteren Mannes in pelzbesetztcm Nock und von sehr kräftiger Farbenaebung. — Die Asche den Winden. Eine eigenarttge tejtamen- tarische Beftimmug traf nach der„Franks. Ztg." ein Rechtsanwalt, der kürzlich in Straßburg starb. Er bestimmte, daß fein Leichnam im Krematorium verbrannt werde, und beauftragte seinen Testa- mentSvollstrecker, mit der Asche unter dem Geleit von zwei Führern den Gipfel des Großglockner zu besteigen und sie dort dem Winde preiszugeben. Der letzte Wunsch des begeisterten Alpinisten und Naturfreundes wurde getreulich ausgeführt. — Die Säuberung des Louvre. Im Pariser Loubre, dem großen Palaste, der im übrigen den kostbaren.StaatSsamml»ngeu dient, hauste bisher zum Entsetzen aller Kunststeunde auch noch das Kolonialministerium. Französische Satiriker haben die Gefahren oft genug an die Wand gemalt, die unersetzlichen Kunstwerken von dem Leichtsinn irgend eines Bureaukrate» drohten, der etwa mit Zigarettenrauchen oder Teekochen ein Feuerchen verursachen könnte. Jetzt ist der Louvre endlich von dieser Einquartierung befreit! worden und auch der Flora-Pavillon wird künftig Riuseumszweckm' dienen. Handlung Vorwärts, 3. Rate 21,—, Klempner der Firma WinMstdn 7,—. Summa 10 165,45. Bisher eingeliefert 53 058,50 M.; dazu kommen 10 165,45 M., Summa 63 223,95 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Kör st e n, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau. Engelufer 15 I, Zimmer 23, vor- mittags 0— 12>/z und nachmittags von 4—?>/„ Uhr abzuliefern. Die Listen 3305, 8087, 1104 und 7248 sind verloren gegangen UNd sind beim Vorzeigen anzuhalten. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. vom KMeieg. WetlN eS noch eines Beweises bedurfte, dah das liberale Unter. tiehmer. und Händlertum in wirtschaftlicher Beziehung nicht minder reaktionär und volksfeindlich ist als das Bruderpaar im SchnapS» block, jetzt liegt er vor! Der Schnapsblock� dieses für die soziale und kulturelle Entwickelung Teutschlands gefährliche Gebilde plünderte mit der Finanzreform das Volk um 400 Millionen Mark; daS besonders in Berlin stark liberal durchsetzte Unternehmertum, das gern Arbeiterfreundlichkeit markiert und mit Worten für politischen Fortschritt schwärmt, verdoppelt und verdreifacht diese Last. Und besonders die Bierbrauer haben sich— schon längst auf einen ordentlichen Fischzug präpariert. Die grohen Brauereien er- wünschten die Steuererhöhung geradezu als äußeren Anlaß zu einer planmäßigen Plünderei. Was wir vor einigen Wochen als Re. fultat der Steucrerhöhung in Verbindung mit der Strafsteuer für neue Brauereien kommen sahen, einen Biertrust, das ist nun tat- sächlich in Bildung begriffen. Man hat nicht nur eine Produktions. regelung mit Abgaben für Mehrerzeugung und Prämien für Minderproduktion, vorläufig für ein begrenztes Gebiet— Berlin—, geschaffen, eS ist auch schon die Kampfestaktik gegen die noch vor- handenen Outsiders festgelegt, um sie unter die Ringdiktatur zu zwingen, damit man nachher in der Preisfrage Rückficht zu nehmeit gar nicht mehr Kötig hat. Ob ein Wirt bisher noch unabhängig war von den Brauereien oder nicht, daS spielt dann nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Wie die Kohlenhändler eigentlich nur noch Angestellte des Kohlensyndikats sind, die selbst vorgeschrieben- Preise zahlen und zu vorgeschriebenen Preisen verkaufen müssen. so werden die Wirte die ganz willenlosen Objekte der Preisdiktatur deS BiertrustS werden, wenn sie nicht mit kluger Taktik die Pläne der Ringbrauereien zufchanden machen. Durch Einigkeit können die Wirte immer noch viel erreichen. Und wenn sie einig sind im Kampfe gegen die plündersüchtigen Brauereien, wird ihnen auch die Unterstützung der Konsumenten nicht fehlen. Ganz sicher sind die Wirte verraten und verkauft, wenn sie kurzsichtigerweise auf die Kampfpreistaktik der Ringbrauereien hereinfallen. Um die ring- freien Brauereien mürbe zu machen, sollen sie bei ihrer Kundschaft von den Trustlüsternen ziemlich erheblich unterboten werden— Schmutzkonkurrenz! Ja, man beabsichtigt sogar, mit Kunden der ringfreien Brauereien Verträge auf längere Zeit abzuschließen, und zwar zu Preisen, die unter den jetzigen liegen— also Preisabschlag, trotz der beschlossenen Preiserhöhung. Wer solche Ver. träge abschließt, in der Annahme, wenigstens für feine Person ein gutes Geschäft zu machen, ist natürlich gründlich betrogen. Gelingt es nämlich, sämtliche Brauereien dem Ringe anzuschließen, dann hat man auch Mittel und Wege, sich für Li- gewährten Preisver- günstigungen schadlos zu halten. Sind die Wirte sich der Folgen eines geschlossenen Brauereiringes klar, rüsten sie zu energischem Widerstand, bringen sie den Willen auf. eventuell für einige Zeit sogar Opfer zu bringen, vielleicht durch Bezug auswärtigen Bieres, dann treiben sie eine Politik der Wahrnehmung eigener Interessen, während sie nur die Geschäfte der Brauer besorgen, wenn sie auf deren Pläne eingehen. Jetzt ist die Konkurrenz noch groß genug, um Widerstand leisten zu können. Läßt man aber erst den Trust für Berlin und Umgegend Wirklichkeit werden, dann hat man den Weg bereiten helfen, auf dem die Verständigung mit den aus- wärtigen Brauereien leicht ist. Die Produktionsregelung wird dann auf erweiterter Basis vorgenommen, und dann ist«S mit jeder Bewegungsfreiheit der Wirte vorbei. Deren Verhalten wird natür. lich auch daS der Konsumenten bestimmen. Nehmen die Wirte nicht den Kampf gegen die Brauer auf, dann werden sie sicher die Hauptleidtragenden sein. -. Boykott ohne offizielle Boykotterklärung. Daß auch ohne öffentliche Ankündigung ein Boykott durchgeführt. mit durchschlagendem Erfolg durchgeführt werden kann, hat sich in Bochum gezeigt. Gerade als folgten sie einem organisierten Be- schluß, wanderten die Biertrinker zu den Lokalen, in denen nicht verteuertes Bier ausgeschenkt wurde. Neben der Freude über ge- machte Ersparnis hatte man auch noch die über die Ratlosigkeit der Wirte, die infolge des stillschweigenden Fernbleibens ihrer früheren Kunden wie aus den Wolken gefallen waren. Und der Erfolg? Ders Preis sank überall schnell wieder auf den früheren Stand— und teilweise noch darunter. Recht wirkungsvoll müßte so ein stiller Boykott sein wenn er sich gegen eine bestimmte Brauerei richtete, vielleicht die, die den größten Einfluß hat und am energisch. sten die Preiserhöhung betrieben hat. P a s s i v e R e s i st e n z. In Bant beschloß am Sonntag eine von 5000 Personen besuchte Versammlung auf dem Marktplatze, in allen Wirtschaften, in denen für � Liter Bier mehr wie 10 Pf. oder für vier Zehntel Liter Bier mehr wie 1b Pf. und für M Liter mehr wie 18 Pf. verlangt werden, passive Reststenz zu üben und kein Bier mehr zu trinken. Esschmecktnichtmehr. Die Vereinsvorstände zahlreicher geselliger Vereine in Wctzlär beschlossen, unter den jetzt obwaltenden Verhältnissen auf den strengen Verzicht des Biergenusses hinzu- wirken. Um den Beschlüssen mehr Nachdruck zu verschaffen, gaben mehrere Vercinsvorstände die Erklärung ab. daß sie auf die Ab- Haltung ihrer Wintervergnügungen Verzichten. Umzug der Biertrinker. In Mecklinghausen hat eine Reihe ff�cte den Preis des Bieres auf 50 Pf. erhöht. Die Kunden dieser Wirte suchen nun andere Lokale auf, in denen noch zu den früheren Preisen verkauft oder wo durch Einführung der Pfennigrechnung nur der wirkliche Steueraufschlag mehr der. langt wird. Pfennigrechnung. In Dortmund verschenken zahlreiche Wirte zu 13 und 18 Pf. große Gläser Bier. In Herne macht die Pfennigrechnung Fortschritte. Auch in Wiesbaden ist die Pfennig- rechnung eingeführt worden. Einstellung der Gesangprobe. Um einen Bier- bohkott einzuleiten, hat ein Verein in Oberhausen seine Proben eingestellt. In Verfolg einer Besprechung mehrerer VereinSvor- stände soll eine öffentliche Stellungnahme erfolgen durch Ein- bcrufung von Versamlungen. Rückgang im Flaschenbierhandel. In Kiel ist der Flaschenbierhandel infolge des Aufschlags von 2 Pf. auf die Flasche bedeutend zurückgegangen. Auf den Werften, in Fabriken und Werkstätten trinkt man wie auf den Bauten vorwiegend Milch und Kaffee. Auch in mehreren Nachbarstädten haben die Arbeiter die Bekämpfung der BierpreiSerhöhuna durch Abstinenz beschlossen. Bierkrieg in Lübeck. Hier sollte der Preis für das vier Zehntel-Liter-Glas um 5 Pf., für die Flasche um 2 Pf. herauf- gesetzt werden. Verhandlungen mit den Wirten und Brauereien hatten das Resultat, daß der GlaspreiS nur um 2 Pf. erhöht werden sollte, jedoch wollte man von der Preissteigerung des Flaschenbieres. daS im Hafengebiet vorwiegend konsumiert wird, nichts nachlassen. Eine am Sonnabend abgehaltene Versammlung lehnte das Angebot ab. Laut Beschluß wird nunmehr versucht, durch Abstinenz die.Beibehaltung der alten Preise zu erzwingen. Verfehlte Spekulation. In Duisburg hatten sich Brauer und Wirte dahin geeinigt, durch Einführung der Zwangs- Mindestpreise den Konsumenten den Preis pro Liter um 7ib bis 10 Pf. zu erhöhen; die Wirte sollten den Brauern 4 M. pro Hekto- liter niehr zahlen. Aber die Herrschaften dürften das Fell des Bären doch zu früh verkauft haben. In einer vom Gewcrkschafts- kartell einberufenen Volksversammlung wurde das Vorgehen des Vrauereikapitals in Gemeinschaft mit den Wirten einer scharfen Kritik unterzogen und dann von den über 1500 Anwesenden ein- stimmig beschlossen, die Preiserhöhung abzulehnen. Zunächst soll im Interesse der in der Brauindustrie beschäftigten Arbeiter noch ver- sucht werden, Verhandlungen zwecks Zurückführung der Bierpreis- auf ein vernünftiges Maß anzuknüpfen. Sind diese Bemühungen nicht von Erfolg, so wird die vollständige Enthaltsamkeit des Bier- genusseS proklamiert. '.' Daß man sich von der Preiserhöhung, selbst nach den etwaS reduzierten Sätzen gegenüber der ersten Forderung von 5 M. pro Hektoliter, eine ganz erhebliche Gewinnfteigerung verspricht, beweist die KurSentwickelung der Brauereiaktien. Gegenüber dem Januar- kurs ergibt sich im August dieses Jahres ein Vorsprung um 8,72 Proz., während im vergangenen Jahre ein Kursrückgang u m 0,44 eingetreten w a r. Während bisher die Berliner Brauereien den Hauptanteil an der Steigerung hatten, ist im August auch der Kurs der außerhalb Berlins belegenen Brauereien äußerst stark gestiegen. Bei den Berliner Brauereien ist der Kurs von Ultimo Juli auf Mitte Auhust durchschnittlich nur um 1,30 Proz. des Nominalkapitals hinaufgegangen, und zwar von 150.02 Ultimo Juli aus 152,22 Mitte August. Der Kurs der übrigen Braueroten dagegen ist von 140,57 auf 151,07 gestiegen, er nahm demnach um 4,50 Proz. des Nominalkapitals zu. Unter den nicht in Berlin belegenen Brauereien sind vornehmlich die hannoverschen, die rheinischen und schließlich noch die im Königreich Sachsen domi- zilierten Brauereien zu nennen, deren Kurs ansehnlich in die Höhe gegangen ist. Eue der Partei. Antwort auf drei Fragen des„Vorwärts". Nachdem nun auch die„Leipziger Volkszeitung" gesprochen hat, will ich die Antwort auf die Vorwürfe, welche die Redaktion des„Vorwärts" in der SonntagSnummer an meine Adresse ge- richtet hat, nicht länger hinausschieben. Erstens: In Sachen der„Leipziger V o l k Zz e i t u n g" stelle ich fest, daß dieses Blatt auch nicht die leiseste«pur eine? Beweises für seine Behauptung erbringt, ich sei„Berichterstatter rechtsliberaler russischer Blätter". Sie hilft sich lediglich nach der Weise einer unqualifizierbaren Journalistik dadurch aus der Ver- lcgenheit, daß sie dasjenige russische Blatt, für das ich von Zeit zu Zeit Briefe über Sozialpolitik schreibe, herunterreißt und dann mich als von der russischen Sozialdemokratie Ver- worfenen hinzustellen sucht. Mit welchem Recht, mag man daraus ersehen, daß das mittlerweile unterdrückte, seinerzeit einzige große sozialdemokratische Tageblatt„Towaritsch" aus meinen Briefen an die„Rußkija Wjedomosti" mit Befriedigung Stücke übernahm und mich bat, auch ihm solche Briefe zu schreiben, welcher Ein- ladung ich dann auch nachgekommen bin. Es liegt nicht der ge- ringste Anlaß für mich vor, die Bezeichnung erlogen hinsichtlich der Notiz der„Volkszeitung" zurückzunehmen. Ich habe sie viel- mehr nur stark zu unterstreichen. Zweitens: In Sachen des„N i m m m i ch m i t" stelle ich fest, daß vor etwa vier Wochen Genosse Hermann Müller vom Parteivorftand mir mitteilte, es seien Beschwerden über daS Er- scheinen eines Artikels von mir im„Nimm mich mit" beim Vor- stand eingelaufen und mich um Aufklärung ersuchte. Ich teilte ihm mit, waS ich an dieser Stelle berichtet habe, und Müller sagte mir etwas später» der Vorstand habe den Beschwerdeführern ent- sprechend geantwortet, die/ Sache sei damit erledigt. Um dieselbe Zeit habe ich ferner im Bureau des Parteiarchivs dem Genossen Schröder von der„Sozialdemokratischen Korre- s p o n d e n z", der mich um den Aufsatz ersuchte, in Gegenwart anderer dort arbeitender Genossen ebenfalls erzählt, wie der Auf. satz in das„Nimm mich mit" kam. und erst letzten Freitag, als ich im Archiv mit dem Genossen Stückle n vom sozialdemokratischen Pressebureau mich unterhielt und die Rede auf die„Nimm mich mit"-Affäre kam, bemerkte Stucklen:„Ich weiß ja, wie die Sache da hineingekommen ist". Alle die Genannten, Parteivor- stand. Redaktion des Pressebureaus und Redaktion der„Sozial- demokratischen Korrespondenz", arbeiten in Bureaus auf demselben Stockwerk desselben Gebäudes, wie die Redaktion des„Vorwärts", eS findet zwischen ihnen über alle möglichen Dinge Jnformations. auStausch statt, wie sollte ich da auf die Idee kommen, daß die Redaktion des„Vorwärts" hinsichtlich einer Sache, in bezug auf die, wie sie schreibt, sie selbst viele Zuschriften erhalten hat, allein in Unwissenheit geblieben war? Ich würde indes den Vorwurf, daß die Redaktion ihre Notiz Wider bessere? Wissen formuliert hat, trotzdem nicht erhoben haben, wenn die Redaktion nicht der Unterschrift, die das„Nimm mich mit" meinem Bilde gab, eine die Leser des„Vorwärts" irre- führende Deutung gegeben hätte. Kein Leser konnte aus der Notiz des„Vorwärts" ersehen, daß es sich um eine einzige Ab- Handlung, und zwar um eine sehr ern st e, streng sachlich gehaltene sozialistische Abhandlung handelte. Ich babe schon bemerkt, daß auch eine Anzahl sozialdemokratischer Blätter sie ganz oder teilweise nachgedruckt haben und bemerke weiter, daß schon vor Wochen Anfragen aus Parteikreisen an mich gekommen sind, ob ich die Abhandlung nicht als Broschüre heraus» geben werde. DaS„Nimm mich mit" ist ein UnterhaltungSblatt für die große indifferente Masse. Selbst wenn ich den Aufsatz für dieses Blatt geschrieben hätte oder wenn er mit-meinem Wissen und Willen in eS gelangt wäre, läge noch kein Grund vor, darüber in„Entrüstung" zu geraten. Er klärt Leute, die sonst gewöhnliches Zeugs lesen, über die Tendenzen der sozialen Eni- Wicklung auf und zeigt ihnen, in wie hohem Grade diese Entwick- lung die Bestrebungen der Sozialdemokratie rechtfertigt und unter- stützt. D«r Nachdruck deS in fünf kurze Artikel eingeteilten Auf. satzes steht der Redaktion des„Vorwärts" frei. Wenn sie loyal fein will, hätte sie jetzt die Pflicht, von dieser Freiheit Gebrauch zu machen. Drittens und letztens in Sachen der„Aushungerung". Meine Erklärung zum Artikel der„VolkS-Zeitung" ward ge- schrieben, als ich von diesem Artikel nur erst das gelesen hatte, was der„Vorwärts" ihm entnommen hat. Ich konnte mir den Artikel selbst nicht sofort verschaffen, wollte aber die Zurück. Weisung der Idee, als gäbe eS irgendeine nennenswerte Gruppe in der Partei, die mich„aushungern" wolle, keinen Augen- blick anstehen lassen. Diese Zurückweisung steht ganz unzweideutig in meiner Erklärung da. und mehr als sie besagt, kann ich der Sache nach auch heute nicht erklären. Ich rühre Vergangenes nicht gern wieder auf, aber nachdem Parteiblätter es schon be- tont haben, habe ich gleichfalls daran zu erinnern, daß mir nach dem Dresdener Parteitage— ich bemerke, gegen den Wider- spruch des Parteivor st andeS— die, ohnehin meinem Wissen und Können wenig entsprechende damalige Mitarbeit am „Vorwärts" gekündigt wurde, ohne daß irgendeiner der Artikel, die ich für den„Vorwärts" geschrieben, zu Beschwerden irgend- welcher Art Anlaß gegeben hatte, und daß ferner, als ich darauf. hin das«Neue Montagsblatt" ins Leben rief, von einer bestimmten Seite sofort zum Boykott dieses Blattes aufgefordert wurde. Eine Aufforderung, die anerkennenswerterweise von der großen Mehrheit der Berliner Vertrauens. männer zurückgewiesen wurde, aber eben doch beweist, daß es einzelne Elemente gibt, die dem sozialistischen Schrift- steiler die Erwerbsmöglichkeiten— ich will es mild ausdrücken— über Gebühr zu verkürzen geneigt sind. Und darum konnte ich der Zurückweisung keine streng absolute Fassung geben. Berlin, den 24. August 1909. E d. Bernstein. In dieser Zuschrift wird Genosse Bernstein endlich deutlich genug Daß er seine Lage dadurch verbessert, glauben wir allerdings nicht. Er hat den Vorwurf der Unehrlichkeit in Sachen de»„Nimm mich mit" gegen den„Vorwärts" erhoben, weil die Genossen Müller vom Parteivorstand, Schröder von der.Parteikorrespondenz" und Stückten vom Pressebureau von dem Sachverhalt ge- wüßt haben und weil diese Genossen im selben Gebäude und selben Stockwerk wie die.Vorwärts"- Redaktion ihre Bureaus haben. Diese Entschuldigung beleuchtet die Methode deS Genossen Bernstein. Halte er nicht die Pflicht gehabt, sich zu vergewissern, ob einer dieser Genossen mit uns über den Fall ge- sprochcn habe, che er den schweren Vorwurf der wissentlich falschen Anklage gegen ein Blatt erhob, daS, so wenig eS ihm auch gefallen mag, dock immerhin ein nicht im« bedeutendes Parteiblatt ist? Tatsächlich hat keiner der ge- nannten Genossen, noch sonst irgend ein Wissender mit unS über die Sache gesprochen. ES lag dazu um so weniger ein Anlaß vor. als der„Vorwärts" zu den Beschwerdeführern beim Pertcivorstand nicht gehört hat, weil er die Mitarbeit beim«Nimm mich mit" von vornherein nicht als einen verstoß gegen Parteibeschlüsse, sondern als eine Geschmacklosigkeit ansah. Deshalb hat er auch seinerzeit, als er die entrüsteten Zuschriften verschiedener Genossen erhielt, die öffentliche Erörterung miterlassen. Erst der„Tagevlatt'-Arlikel gab ihm Anlaß, die — vermeintliche— Weitherzigkeit deS Genossen Bernstein in beziig auf die Miiarbeit bei bürgerlichen Organen auch nach anderer Richtung bin durch die Erwähnung der.Nimm mich mit"-Artikel zu illu- sirieren. Ueber die Qualitäten des.Nimm mich mit" und die Opportunität der Mitarbeit von Genosse» an diesem SensationS- organ ein Wort zu verlieren, halten wir für unnötig. Den grotesken Witz, uns die Pflichten der Loyalität lehren zu wollen, sollte Ge- nosse Bernstein aber endlich beiseite legen. Wie wenig er dazu kompetent ist, das beweist auch diese Zuschrift wieder und ins- besondere die Beantwortung unserer dritten Frage. Genosse Bernstein erklärt darin unzweideutig, daß eS doch „einzelne Elemente" in der Partei gibt, die ihn aushungern möchten. Er versucht daS zu beweisen durch Anführung zweier Tatsachen. Erstens hat man ihm nach dem Dresdener Parteitage das feste JahreSpauschale für die Arbeit am„Vorwärts" ent- zogen. DaS ist richtig. Aber es wundert unS, daß Genosse Bern- stein an diese Sache rührt. Der Entzug des Pauschales, das ihm ursprünglich während seines Exils als englischer Korrespondent de?„Vorwärts" gezahlt wurde» ist damals unter Zustimmung der„Vorwärts"- Redaktion— nicht der jetzigen radikalen, sondern der alten„Vorwärts"- Redaktion— von den Aufsichtsinstanzen deS„Vorwärts" beschlossen worden. und zwar war dabei vor allem der Ilmstand bestimmend, daß die Mitarbeit deS■ Genossen Bernstein, nachdem er nach Deutschland zurückgekehrt war, so minimal war, daß die Bezahlung jener Beiträge im einzelnen noch nicht eine Monatsrate de? JahreSpauschale? ergeben hätte! Bleibt" das„Neue M o n t a g s b l a t t". Wir geben den wenigen Ge- nassen, die eS boykottieren wollten, gewiß nicht Recht. Aber gegen die Unterstellung, daß sie den Bohkott gewollt hätten, um Bernstein auszuhungern, um ihn durch Hunger kirre zu machen, gegen diese infame Unterstellung müssen wir sie doch nachdrücklichst in Schutz nehmen. Sie haben damals ihren Antrag gestellt, weil sie in der Gründung privater Äontagsblätter eine Gefahr �für Partei- presse und Organisation sahen, aus sachlichen Gründen» und jeder Gedanke daran, den Genossen Bernstein die Existenzmöglich- teil zu verkürzen, hat ihnen absolut ferngelegen. DaS müßte auch Genosse Bernstein wissen und anerkennen, wenn er es vermöchte, die Dinge von höherem Gesichtspunkte als seinen persönlichen Interessen aus zu betrachen, und dann wäre er davor bewahrt geblieben, der kapitalistischen Presse neue angebliche Anhaltspunkte für ihre verlogenen Angriffe auf die Sozialdemokratie zu liefern. In Sachen der„Leipziger VolkSzeitung" bleibt Genosse Bernstein bei feinem„erlogen". Die Leipziger„VolkSzeitung" hatte geschrieben: „Zur Charakterisierung deS„sehr angesehenen demokratischen BlattcS" diene nur die Tatsache daß eS ein Organ der Kadetten ist, das heißt, jener Richtung, deren Führer. Professor Miljukow, erst unlängst mit anderen Dumadelegierten zur Einleitung des Zarenbesuchs„ach London fuhr und dort mit begeisterten Worten Rußland als ein konstitutionelle» Land feierte, wo die Kadetten. Partei unter den bestehenden Verhältnissen gar nicht daran denke, Seiner Majestät dem Zaren prinzipielle Opposition zu machen. sondern böchsten» im Rahmen der bestehenden Konstitution Oppo- sition treiben könne. Und innerhalb der Kadettenpresse ist die „Rußkija Wjedomosti" wiederum das zahmste aller Organe, daS sich freilich durch seine Zahmheit den Bluthunden Väterchens gegenüber nicht vor höchst nichtswürdigen und gemeinen Angriffen auf die Sozialdemokratie hindern läßt. In dieser Hinsicht ähnelt es völlig der„Freisinnigen Zeitung", einem Organ, daS vielleicht auch noch einmal als ein„sehr angesehenes demokratisches Blatt" bezeichnet wird. Erst bor einigen Wochen entschuldigte die „Rußkija Wjedomosti" die Sbirren„Seiner Majestät des Zaren", als diese einen von Fabrikärzten und Gewerksch»stlern beschickten „Kongreß für Fabrikhygiene" unmöglich machten. Soviel zur„erlogenen" Notiz der„Leipziger VolkSzeitung". Wenn Genosse Bernstein sich nun aber aus russische„Sozialisten" berufen zu können glaubt, die ihm über Charakter und Tendenz der„Rußkija Wjedomosti"„das Gegenteil von Beschwerden" ge- äußert haben, so möchten wir dem Genossen Bernstein im eigenen Interesse dringend raten, sich nicht auf Urteile russischer So- zialiften zu berufen. Denn selbst die am weitesten rechtsstehenden Gruppen innerhalb der russischen Sozialdemokratie weisen be- kanntlich keinen Vorwurf entrüsteter ab, als wenn man sie Bernsteiniancr nennt." Genosse Bernstein ist anderer Meinung über den Wert und die Haltung der„Rußkija Wjedomosti" als die„Leipz. VolkSzig.", und daraus leitet er die Berechtigung her, ihr Lüge vorzuwerfen. Auch daS kennzeichnet feine Methode und feine Loyalität. Sächsischer Landesparteitag. Der Dienstagsitzung wohnt als Vertreter des Parteivorstandes Genosse Molkenbuhr bei. Der Parteitag nahm zunächst ein ausführliches Referat des Genossen Fleißner über die be» vorstehende Landtagswahl entgegen. Der Redner schilderte eingehend die sächsische Politik, insbesondere die Wahl- rechtsbcwegung und das Verhalten der bürgerlichen Parteien und verlangte, daß die Sozialdemokratie zum Protest gegen das neue Wahlrecht sich mit aller Energie an den bevorstehenden Wahlen be- teiligen solle. Eine bestimmte Stichwahlparole zu geben, lehnte der Referent ab. Er beantragte im Einverständnis mit dem Komitee, daß unmittelbor nach den Hauptwahlen die Vorsitzenden der in Betracht kommenden sozialdemokratischen Wahlkreisvereine zusammen mit den sächsischen Abgeordneten, den Vertretern der Presse und den Agitationskomitees, eine Konferenz abgehalten werden solle, um dt« Richtschnur für die Stichwahlparole festzu- stellen.—- In der Debatte herrschte im allgemeinen Ueberein- stimmung mit den Ausführungen des Referenten. Nur vereinzelt wurde der Freisinn als das kleinere Nebel hinzustellen versucht. Eindrucksvoll waren die Ausführungen de« Genossen Geyer, der auf Grund seiner Erfahrungen den Nachweis führte, daß die ganze Entwickelung Sachsens dahin führe, daß di» bürgerlichen Parteien immer mehr eine einzige reaktionäre Masse der Sozialdemokratie gegenüber bilden, und daß namentlich der Freisinn niemals im Sinne der Sozialdemokratie den Kampf gegen die Reaktion auf» genommen hat. Das Ergebnis der Debatte war die Annahme des Antrages der fünf Komitee?, wonach über die Stichtvahltaktik von diesen— in Verbindung mit dem genannten Personcnkreise— ein bindender Beschluß gefaßt werden soll. Der Parteitag nahm ferner den bereits früher gestellten An» trag, wonach parlamentarische Doppclkandidaturen zu vermeiden sind, in einer etwas klareren Fassung an. Hierauf wurden für sämtliche Landtagswahlkreise die Kandidaten proklamiert; nur in drei Kreisen steht die Proklamation noch aus. Genosse Geyer referierte sodann über die ReichSfinanz- r e f o r m. Er kam dabei auch auf die Angriffe gegen die Fraktion wegen ihrer Haltung zur Erbschaftssteuer zu sprechen. Die Fraktion hatte über ihre Stellungnahme zur dritten Lesung über Haupt noch nicht beraten. eS habe also keinen Zweck, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was eventuell geschehen wäre. Person- lich könne er als dauerndes Mitglied der Finanzkommission sagen daß er der Fraktion angeraten haben würde, in der dritten Lesung gegen die verhunzte Erbschaftssteuer zu stimmen. In der Dis- kussion wurde von einer Seite eine Boykottierung des Schnapses empfohlen. Als Ort der nächsten Landesversammlung wurde Leipzig bestimmt. Der Sitz des Zentralkomitees bleibt in Dresden. Gegen 2 Uhr nachmittags schloß Genosse LipinSki mit einigen anfeuernden Worten die Landesversammlung. Der Hofgang der sieben Schwaben findet begreiflicherweise auch bei den Hamburger Genossen keinen Anklang. In der letzten Versammlung des Wahlvcreins für den zweiten Reichstagswahlkreis wurde nach Er- örterung des Schwabenstreiches folgende Resolution einstimmig an- genommen: „Die Beteiligung der Genossen an dem Ausflug nach Friedrichshafen widerspricht unserer Auffassung vom Wesen der kapitalistischen Gesellschaft und der Theorie vom Klassenkamps und ist daher geeignet, auf das empfindlichste die Gefühle der Genossen zu verletzen. Diese Tat ist ein Ausfluß jener Strö- mung. die darauf hinausläuft, die Partei zu vcrbürgerlichcn u/id vom Boden des Klassenkampfes abzudrängen. Die Genossen haben sich daher in Widerspruch gesetzt zu der Dresdener Reso- lution Nr. 130. Die Versammlung verurteilt daher auf das entschiedenste das Verhalten der sieben Genossen. Ferner be- streitet die Versammlung ganz entschieden die Behauptung, daß durch Beteiligung an monarchischen Demonstrationen die Jnter- essen der Partei gefördert werden könnten. Des weiteren erklärt die Versammlung, daß die Vertrauensmänner die Werk- zeuge der Partei sind und im Sinne unserer Grundsätze und Be- schlüsse zu handeln haben."_ Aus den Organisationen. Die Generalversammlung des Krei Swahlvereins Brandenburg- We st Havelland tagte am IS. August in Rathenow. Die Mitglicderzahl betrug am Schlüsse des Jahres 3133. 351 weibliche Mitglieder sind vorhanden. Obgleich das Jahr einen Gesamtzugang von 323 Mitgliedern brachte, hat sich die Mit- gliederzahl gegen das Vorjahr um 38 vermindert; von den beiden im Kreise existierenden Ortsvereinen zählte Brandenburg 2877 Mitglieder, einschließlich 315 weiblicher, Rathenow 777 Mitglieder, einschließlich 33 weiblicher. Rathenow hatte einen Zuwachs von 70 Mitgliedern. Brandenburg einen Verlust von 138 Mitgliedern. Der Verlust ist dabei an männlichen Mitgliedern ein erheblich höherer, da ja die vorhandenen weiblichen Mitglieder sämtlich im Laufe des Jahres eingetreten sind. Von den länd- lichen Mitgliedern, die, da die Errichtung von Ortsvereinen in den Landorten trotz aller Bemühungen nicht möglich war, nun bei den Ortsvereinen angegliedert sind, ging der größte Teil der- lorcn infolge Einführung des provinziellen Einheitöbeitrages von 30 Pf., wodurch diese Genossen, die bisher nur 15 Pf. zahlten, mit einem Male doppelt belastet wurden. Die Mehrzahl von ihnen zahlt indes den früheren Beitrag als freiwilligen Parteibeitrag an die Kreiskasse weiter. Im übrigen sind die Ursachen des Abganges hauptsächlich in den Wirkungen der wirtschaftlichen Krise zu suchen, von der auch daS Parteiorgan, die„Brandenburger Zeitung", nicht verschont blieb, denn der Geschäftsbericht verzeichnet bei einem Gesamtumsatz von 139 718,10 M. einen Rückgang gegen daS Vor» jähr von annähernd 8000 M. Die Abonnentenzahl im Kreise be- trug 5228, 151 weniger wie im Vorjahr. Zur schriftlichen Agi» tation wurden 12 000 Flugblätter und 3050 Exemplare der „Brandenburger Zeitung verbreitet. Außerdem gelangte der Kalender„Märkischer Landbote" in 7000 Exemplaren zur Ver- breitung. Die„Fackel" wurde in 900 Exemplaren an regelmäßige Empfänger in den Landorten gesandt. Die Maifeier zeigte einen bedauerlichen Rückgang der Arbeitsruhe, dessen Erklärung nicht nur in dem wirtschaftlichen Niedergang und dem ungünstigen Tage der Feier, sondern sehr wesentlich darin zu suchen ist, daß zahl- reiche führende Gewerkschaftler einen Standpunkt einnehmen, der mit dem Grundgedanken der Feier im Widerspruch steht. Die Jugendbewegung zeigt einen hoffnungsvollen Anfang, ebenso haben sich die Bildungsausschüsse rege betätigt. �Die Gewerkschaften zählen in den beiden Hauptorten des Kreises über 8600 Mitglieder. — In einem Referat über das Thema„Arbeiterklasse und Bürgertum" begründete der Neichstagskandidat, Genosse PeuS, die Notwendigkeit, daß wir den politischen Kampf gegen die Herr- schenden Klaffen so führen, daß die zahlreichen Angehörigen der Schichten des Kleinbürgertums, der Beamten und der Jntellek» tuellcn. Leren wirtschaftliche Interessen sie in demselben Maße wie die Arbeiterklasse auf die demokratische und soziale Entwicke- lung verweisen, nicht von uns abgestoßen werden.— Heber die Beschlüsse der Konferenz zum Parteitag haben wir schon berichtet. Zur Provinzialkonferenz wurden die Genossen Eckermann- Rathenow und R o ß m a n n und K r a t s ch- Brandenburg dele- giert. Die Delegation für den im Dezember zu erwartenden Preußentag wurde den Genoffen Münsinger- Rathenow und S i d o w- Brandenburg übertragen. Die Generalversammlung des Wahlkreise? A ü l l i ch a u- Schwiebus-Krofsen fand am Sonntag zu R ä d n i tz unter Beteiligung' von 38 Delegierten statt. Außer dem Kreisvorstand waren die Abgesandten von 7 Ortsgruppen, die Vertreterinnen der etwa 50 organisierten Frauen, ein Vertreter des Provinzialsekre». tariats(Genosse S ch m i d t»Berlin), die Agitationskommissipn (Genosse K ü t e r- Schöneberg) und der Kandidat des Kreises Genosse Osw. Grauer- Lichtenberg zu den Verhandlungen er- schienen. DaS Berichtsjahr brachte der politischen Organisation 31 neue Kämpfer, der Mitgliederbestand stieg von 333 auf 397 am 30. Juni. Inzwischen ist die Werbearbeit von weiteren Erfolgen gekrönt worden. Die Einnahmen betragen 1343,25 M., die Aus- gaben 1232,55 M., Bestand 380,70 M. Der weiteren Ausdehnung der Gewerkschaften hat die Wirtschaftskrise Abbruch getan. Von 2033 Mitgliedern büßten sie 271 ein, so daß noch 1735 GeWerk- schaftsmitglieder gezählt wurden. Unternehmer und Behörden per- einen sich redlich im Drangsalieren und wirtschaftlicher Schädi- gung der Genossen, die die Organisationsarbeiten übernehmen, und doch klangen die Berichte aus in dem Verlangen: Immer mehr Agitation, der Boden und die Zeiten seien günstig I— Zum O r- ganisationsstatut der Partei, über das K ü t e r referierte, erklärte sich die Versammlung für die Abänderungsvorschläge der Provinzfunktionäre und delegierte 3 Genossen zur Provinzialkonfe- renz. Zur Tagesordnung des Parteitages referierte der Genosse Grauer. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, doch gab die kurze Diskussion zu erkennen, daß die Delegierten verlangen, der Parteitag möge den Zweiflern klarmachen, daß an der bis- herigen Taktik festzuhalten sei. daß es auch in Zukunft in der Maiseierfrage kein Zurück gäbe. Die Versammlung delegierte die Genoffen Grauer und K ü t e r zum Parteitag. Zum Vor- ort des Kreises wurde wiederum S ch w i e b u s bestimmt und der bisherige Vorstand in seiner Gesamtheit wiedergewählt. Vorsitzen- der des Zentralwahlvereins ist Genosse R. Schulz- SchwiebuS. Beim Punkt Presse wurden recht lebhaste Klagen über die Expedi- tion und die Geschäftsführung in der„Märkischen Volks- stimme", die auf der Generalversammlung nicht vertreten war, laut. Zum Mitglied der Preßkommission wurde Dehnst-Schwiebus wiedergewählt, und in einer Resolution ausgedrückt, die Preß- kommission möge öfters als bisher— einmal im Jahre— zusammentreten, um den Wünschen der Kreise mehr gerecht zu werden. Der Abonnentenswnd hat sich von 400 auf 413 erhöht. Der Sozialdemokratische Verein des Nord- Häuser Wahlkreises hielt am Sonntag seine Generalver- sammlung ab. Die Mitgliederzahl ist von 1281 auf 1429 gestiegen. Die Einnahmen betrugen 3917,31 M. und die Ausgaben 3453,73 Mark. Die Parteizeitung hatte unter der Krise, die sich Haupt- sächlich im Kaligebiet und dem Bauhandwerk bemerkbar macht, nicht unbedeutend zu leiden.— Zum Parteitag wurde der Kandidat des Kreises, Genosse Glocke- Berlin, delegiert. In der Diskussion über die Geschäfte des Parteitages wurde der Schwaben- st reich der Württemberger berührt und einmütig die Hofgängerei scharf verurteilt. ES wurde hervor. gehoben, daß es Mitgliedern einer revolutionären Partei, wie die Sozialdemokratie, zuwider sein müsse, in Kreisen zu verkehren, deren Bestreben darauf gerichtet ist, die Befreiung der arbeitenden Klasse von Ausbeutung und Rechtlosigkeit zur Unmöglichkeit zu machen._ Im Befinden des Genossen Hue hält die Besserung an. Er ist jetzt fast ständig bei Bewußtsein, er- holt sich aber nur sehr langsam. Oollreitleke«» CJericbtlicbes ubw. Ein hcreingesnllener NeichSverbändler. Wir berichteten am 7. Juli über ein vom Schöffengericht zu Stettin gefälltes, unhaltbares Urteil. Dieses Gericht hatte den politischen Redakteur des dortigen.Volksboten", Genossen Sommer, wegen Beleidigung des ReichSvcrbandSagenten Rein. Hardt in Berlin zu einer Geldstrafe von 100 Mark ver- urteilt, obwohl für den Artikel der Lokalredakteur Genosse M e h l i ch verantwortlich war. In ihm war freilich in etwas drastischen Ausdrücken, die Abfuhr geschildert, Ine sich der Reichs- verbändlcr in der Tabakstadt Pasewalk bii den dortigen Arbeitern geholt hatte. Auf die Berufung Sommers hin wurde nunmehr vom Land» gericht Stettin Reinhardt mit seiner Klage abge» wiesen. Er hat die Kosten zweier Instanzen zu tragen. Gegen Genossen Mehlich aber ist die Antragsfrist in- zwischen längst verstrichen. Pech! Soziales» Gegen die Regeln de? Handwerk?. Vor dem JnnungsschiedSgericht klagten am Montag zwei Maler gegen den Malermeister Heinrich Urban auf Zahlung von 50 M. Entschädigung, weil sie durch die fristlose Entlassung an der Fertig- stellung der ihnen übertragenen Akkordarbeit behindert worden seien. Ausgerüstet mit eidesstattlichen Versicherungen und begleitet von einigen Zeugen kam der Beklagte zum Termin, um darzutun, daß die Kläger so fahrlässig gearbeitet hätten, daß die Arbeit überhaupt nicht abnahmefähig gewesen sei. Doch schon bei der Verhandlung mit dem Beklagten zeigte sich, daß diqcr vom Gewerbe wenig Ver- ständnis besaß. Hatte er doch angeordnet, bereits geleimte Zimmer- decken zu kalken, was eine brauchbare Arbeit niemals geben kann. Das Schiedsgericht hielt deshalb die Weigerung der Kläger, die nicht durch ihre Schuld verdorbene Arbeit auszubessern, für be- rechtigt. Es verzichtete auch auf die vom Beklagten gestellten Be- Weismittel und verurteilte diesen zur Zahlung der geforderten Entschädigung, weil ihm die Hauptschuld an der verdorbenen Arbeit zuzuschreiben sei, seine Anweisungen verstießen wider alle Regeln des Handwerks._ Kapitalistischer Kindermord. Von der in amerikanischen Faktoreien, Minen und Fabriken weitverbreiteten Kinderarbeit entwarf jüngst Charles Edward Russell in„Everhbody's Magazine"(Zeitschrift für Jedermann) eine erschütternde Schilderung, die seinen bürgerlichen Lesern das Gewissen gegenüber einer der schändlichsten Ausbeutungsformen schärfen sollte. Er zeigte nicht nur das ohne weiteres in die Augen springende Elend der Kinderarbeit, sondern wies auch hin auf die schlimmen Folgen für die Zukunft. Russell schreibt:„Hier morden wir Körper, Geist und Seele. Hier vernichten wir ein Leben, das ebensoviel Anspruch auf Glück hat, als irgendein anderes, und das mit derselben Empfänglichkeit für Licht, Freude, Hoffnung und die Schönheit des Lebens begabt ist. Wir pressen Gesundheit, Sittlich- keit, Behagen, Wissen, Streben und Wachstum aus ihm heraus.... Sier sehen wir kindliche Arbeiter in den Baumwollfabriken des üdens, den Minen und Glasfaktoreien von West-Virginia und Indiana. Seht dort die kleine elfjährige Baumwollspinnerin mit dem Gesicht einer vierzigjährigen Frau! Beachtet diesen entsetzlich vertierten Jungen aus dem Kohlenbergwerk! Das kleine Mädchen ist bereits völlig zur Maschine geworden, der Knabe hoffnungslos verdorben. Mühselige Arbeit, Angst, die Bürde des Lebens, lange, verzweifelte Stunden, der grimmige Daseinskampf— das alles ist klar zu lesen in den frühreifen, Zügen dieser unjungen Gesichter. Hier werden Knaben und Mädchen zwiefach beraubt: beraubt ihres Geburtsrcchtes auf Kindheit, beraubt der Auwartschaft auf Mann- heit und Weibtum.... Sie werden stumpfsinnig gemacht, brutal gemacht, indem sie zu einem Rädchen der Maschine gestempelt werden, das wie andere Räder verschlissen und weggeworfen wird; und sind doch Kinder wie unsere eigenen, mit nicht geringerer Be- rechtigung zum Leben.... In unserem glücklichen, reichen Lande gibt eS Kinder, die auf diese Weise gemordet werden. Sollen wir jemand dafür zur Verantwortung ziehen? Ja, die Verbrecher. Euch und mich." Man hat Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten genannt. Die Stimme dieses Predigers in der Wüste bestätigt, daß in jedem Falle die kapitalistische Profitgier zu unbegrenzter Ent- faltung gelangt ist.— Wie steht es bei uns in Preußen-Deutschland mit dem Schutze unserer Jugend vor Ausbeutung? Haben wir nicht reichlich vor der eigenen Tür zu kehren? Freilich haben wir so etwas wie einen gesetzlichen Kinderschuh. Aber das ist ein so durchlöchertes, unzulängliches Ding, daß sich wirklich kein Staat damit machen läßt. Die Ausbeutung der kindlichen landwirtschaftlichen Arbeiter wird bekanntlich durch das Gesetz überhaupt nickt getroffen. So haben eS die Agrarier gewollt.„Wer hilft den Dienstkindern auf dem Lande?" schrieb neulich ein preußischer Landschullehrer in einer liberalen Zeitung. Er hat in seiner Schule ständig eine größere Anzahl von Dienstkindern die von kinderreichen Familien gegen geringes Entgelt zu landwirtschaftlichen Arbeiten vermietet werden. Der Arbeitstag dieser Dienstkinder beginnt in der Frühe zwischen 144 Uhr und 1H5 Uhr und endet abends zwischen 10 und 11 Uhr. Dazwischen liegt ein vierstündiger Unterricht, von dem die in einem 19— 20stündigen Tagewerk müde gehetzten Kinder so gut wie gar nichts profitieren. Und so ergeht eS unzähligen jungen, hoffnungsvollen Geschöpfen agrarischen Machtbereich, in Preußen-Deutschland. Moralischer intellektueller und schließlich auch physischer Kindermord bei uns wie im wilden Westen. Ftir den Inhalt der Inserate itbrrnimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zbcatcr. Mittwoch, den 25. August. Anfang Vi, Uhr. Kgl. Opernhans. Die Hugenotten. Kgl. Schauspielhaus. Zopf und Schwert. Lesfing. Die Wildente. Anfang 8 Uhr. Dentsch-S. Ketten. K a m m e r f p i e l e. Freund Jack. Berliner. Einer von unste Leut. Steves. Sein Sündenregister. ReucS Schauspielhaus. Miß Dudelsack. Dhalia. Prinz Busst. Komische Oper. Hoffmann» Er- Zählungen. Residenz. Kümmere dich um AmeNe. Hebbel. Die RevolulionShochzelt. Drianon. LicbeSgewitter. LuftsptelhauS. Familie Schlmek. Kleines. Moral. Neues Operette«. Di« Dollar- Prinzessin. Westen. Der fidele Bauer. Schiller o.«Wall»«« Theater.) Jungser Obrigkeit. Schmer Charlottenburg. Der Biberpelz. Friedrich- Wilbelmftädt. Schau- spielhaus. Manöverregen. Luisen. Der stille See. Metropol. Die oberen Zehnta Folies Caprice. Drei Frauen! Der Deserteur usw. Ans. 8'/. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Dheater. Frau Eltams Friseur. Mein«- Deine Tochter. Passage. Spezialitäten. Bernhard Rose. Der Tanzhusar. Noacks Theater. EingesunderJunge. Spezialitäten. Stadt-Dheater Moabit. Spezla- litäten. Bolksgarten. Spezialitäten. Brunne«. Carmen. Walhalla. Spezialitäten. Reichshallen. Steittner Sänger. Urania. Danbenftrasse 48/49. Die Insel Rügen. Sternwarre, Invaliden ttr. 67162. LiCssI iig-Theater. Mittwoch, 7ll, Uhr; Jbsen-ZylluS: 5. Vorstellung: vi» Wildente. Donnerstag, 8 Uhr: Neu einstudiert! Vorn andern Ufer. Berliner Theater. Heute 8 Uhr- Einer von nnsore Licnt'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Abends 3 Uhr: Sein Sündenregister Morgen und folgende Tage: Lein dülläenrexister. Tiiealer des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der fidele Bauer Äi'a Frledrich-Wiliieimstadtisclies Schauspielhaus. Mittwoch, 25. August. Ansang 8 Uhr: Manöverregen. Schwank in 3 Akten v. G. Schätzler- Perasini und Kesjler. Donnerstag: vor Widerspenstigen ?khmung�_ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. 8 Uhr! Zum 250. Male: 8 Uhr? Jim Dieb i Ue." Schwank in 3 Akten von Feydeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. SchllleT- Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeater.) Mittwoch, abend« 8 Uhr: Jungfer Obrigkeit. Komödie in 3 Akten v. Gustav David. Donnerstag, abendS8Uhr: VI« Ehre. Freitag, abends 8 Uhr: ülncbeth. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abend» 8 Uhr vor Rlborpol». Eine DiebeSkomidie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Doonerttag. abendS8Uhri vor Elborpcl». Freitag. Iib-no« 8 Uhr: Ein Erlolg;. Schwarzer Adler Lichtenhergg Frankfurter Chaussee 5(fS6r Iah.: Gebr. Arnhold. Täglich: Gr. iDternation. Ringkampf-Konkurrenz tun die Meisterschaft d. Prov. Brandenburg u. dir Prämie 5000 M. iubar. Heute Mittwoch, den SS. August, ringen: /Ua-Australlcn gegen van der Berg-Holland. lackson-Scholtland gegen lZebliardt-Äertin. Burg- hardt-Dcfteireich gegen kliömann-Mestsalen. EntfcheidungStamPf» LcTnbilsId- Berlin gegen Lauerer-Bayem. Borden Ringlänipsen: Auftreten erfiklass.Spezialititten mit Fr. Sobanskl. Nene« Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr: Die Dollai-prinzessln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. MSOTMim Gr. Frantsurier Str. 132. AbendS 8 Uhr: Der Tanzhusar. Lustspiel in 3 Alten v. H. Pohlmann. Aus der Garlenbühne Ans. d1/, Uhr. )Theatervorstellung. Spezialitäten. W.KoacUs Theater Dtrettioii: Rod. Dill,«runnemtr. 18. Urkomisch I Großer Lachersolg I Der Wildschütz oder: Die Sttuime der Natur. Vorher: DaS luftige bunte Progr. Ans. 7» Konzert 3. Kafseeküche 3 Uhr. Entree 30 Ps. Sonnabend: Das HeiratSuest. Enlsen-Theater. Sonnabend: Premiere: Die Herren Söhne. Vssins'-Tkvatae Lothringer Straße 37. Wtedererössnung, IX. Saison. Somtabeiid. dtuW.AugA <«V>kel ffetw �Ljiiect IHwhi» ��ttkel �-�ohn mit Dir. Hans Berg als Onkel Cohn. Brunnen-Theater Badstrahe 58. Direktion: Willi Voigt. DW- Heute sowie täglich: Carmen. Gr. Ausstattungs-Volksstück mit Ge- sang und Tanz in 5 Bildern. Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. 8» lange ich denken kann, war ich nur ein halber Mensch. .Ich bin stet» müde und abgespannt gewesen, hatte, obwohl ich blutarm war, immer Nasenbluten und sah aus wie der Tod. DaS ganze Jahr war ich w ärztlicher Behandlung, nahm alle möglichen blutbildenden Mittel ein, aber von einer Besserung war keine Spur. Mit der Zeit wurde ich melancholisch. Eln Freund von mir bestellte sür mich 30 Flaschen Lamscheider Stahlbrunnen; schon nach der 5. Flasche bemerkte ich eine wesentliche Besserung. Ich wurde frischer, lebhafter. Nachdem ich alle Flaschen verbraucht hatte, war ich ein anderer Mensch. Wenn ich mich abends zu Bett legte, war ich nicht so müde als früher, wenn ich morgens aufwachte. Und daS danke ich nächst Gott Ihrem wunderbaren Wasser.-—„Mit Freuden teile ich Ihnen mit, daß ich eine Kur gebraucht und die ersehnt« Hilfe gefunden habe.«—„DaS Wasser kam wie ein rettender Engel, ich bin ganz glücklich, daft es mir so gut geht.-—„Der Stahwrunnen hat bei meiner Frau verblüffend gewirkt.«—„ES ist sür alt« Leute eine wahre Wohltat.»—„Das Wasser ist einfach kött- lich und steht wohl einzig in feiner Art heilwirkend auf der ganzen Welt da."— Solche Worte der Anerkennung nach erfolgreichen Kuren sind der beste Beweis sür die West. lichen Eigenschasten dieser Heilquelle. TrlnNuren im Hause mit Lamscheider Stnhlbrunnen warm empfohlen. Keine Berufsstörung. Ausführliche Mitteilungen über Kurersolge und Anwendungsgebiet kostenlos durch die Verlvaltung des Lamscheider Stahlbrunnen in Diisteldorl SV. 104. Urania. Wissenschaftliches Theater. TaubenstraCe 48/49. 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August 1S0S, abends S'/z Nhr, in der„Alhambra", Wallner-Theaterftraße 15: allgemeine Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1.„Die Vcrbefferung der beruflich-wirtschaftlichen Lage der Zimmerer; die Bestrebuuge« unseres Zentralverbaudes und die Arbeitgeberverbäude.- Referent Verbandsvorsitzender Fritz Sctarader- Hamburg. 2. Diskussion._______ 254/16 7ür unsere westlichen Vorortzahlstellen Grojl-Siehferfelde, JftariendorJ, Steglitz, Teltow und Zehlendorf: Freitag, den 27. August 1909, abends S'/o Uhr, bei Wahrendorf, Groß-Lichterfelde, Bäkestraße Nr. 22: Gemeinsame Mitglieder-NersnmmUmg, �e?Äs1eZ?TÄla�A" Bollzähligen Besuch in beiden Bersammlungen erwartet__»er Vorstand. Verband der Haler. Sachterer, Anstreicher Melchsorstraße 28, Part. Filiale Serltn. UStD. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Donnerstag, den SV. Siugnst, abends Uhr. im großen Saale des Gewerkschafts- Hauses, Engelnfer IS: fnitxlieckei'vei'saminluns."� TageS-Ordnung: 229,10 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1909. 2. Vortrag des Arbeitersekretärs Kollegen G it st a v Link über:„DaS neueste Attentat der Berliner Scharfmacher im Malergewerbe gegenüber Leben und Gesundheit unserer Kollegen". 3. Diskussion. 4. Vereinsangelegenheiten. Kollegen I Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert da» Erscheinen eines jeden einzelnen. Bio OrtsTerwaltnng, r ii- Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3. 1239. Berwaltungsstelle Berlin. Hanptburean: GhantbstraBs 3. Hos Ell Ami 3, 1987. Achtung! Schlosser! Achtung! Donnerstag, den 26. August 1909, abends 8 Uhr, in Freyers Festsälen(früher Keller), Koppenstraße Str. 29: Versammlung der Schlosser Kerlins und der Umgegend. TageS-Ordnung: Bericht über die stattgefundenen Verhandlungen mit den Arbeitgebern und den Verlauf unserer Lohn- bewegung. Bas Bltglledsbncb ist mitzubringen und am Eingang vorzuzeigen. Mitglieder anderer Organisationen, die der GewerkschastSkommisfion angeschlossen find, haben Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Donnerstag, den SO. August 1909, abends 8'/, Uhr, ' in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21: Z5 Mitgliederversaminlimg der Klempner Kerlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die gegenwärtige Situation tu unsere« Beruf. 2. Diskussion. NU" Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert da? Erscheinen eines pMg" jeden Mitgliedes. Auch werden in dieser Versammlung die Bau- arbeiterschutzbestimmungen ausgegeben. - jtitglledsbnch legitimiert.»■ Donnerstag, den SO. August, abends 8'/z Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45: SMT Versammlung der Loits» und verwandten Bernfsgenofsen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen S ch e n ck über:„Der deutsche Bauern- krieg-. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenhciten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. Donnerstag, den 20. August 1909, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschastshanse, Engelufer 15, Saal 7: Branchen- Versammlung der Glehtromonteure und yeller Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes._ Den Mitgliedern zur Kenntnis, dast Protokolle von der Generalversammlung in Hamburg a 40 Pf. im Bureau und bei den Bezirkskassierer« zu haben sind. 122/1 Bie Ortsverwaltnng. Wirlal Iii ß» MHi. Zvrelgvercln Berlin. Aciiiii»ii Backofen-Maurer!»»»,! Donnerstag, den SO. Au B o e k e r,« abends 8'/z Uhr, bei eberstr. 17: Versammlung aller an Sacköfen beschäftigten Maurer. Tagesordnung: 1. Berichterstattung von der Verhandlung mtt den Arbeitgebern. 2. Diskussion. 3. Beschluffsassung über eventuelle Abschlleßuug eines Vertrages. HIB. Diese Versammlung und deren Beschlüffe sind von so weif fragender Bedeutung, dasi kein Kollege in der Veisammlung fehlen darf- Darum agttiere jeder Kollege für den Besuch dieser Versammlung. 139,3« Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Charlottenbnrg. Donnerstag, den 26. August, abends 8 Uhr: Mitglieder-Versammlung im Volkshause, Rosinenstraffe 3. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. verbandsangelegenhciten. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 88/16 Pflicht eines jeden Mitgliedes ist eS, in der Versammlung zu erscheinen. Bie Octsveiwaltnng. Müüüi MgeMsaMer Serlins n. Coigegei. Donnerstag, den 26. August, abendS 8 Uhr: OeATentliclie Versammlung im GewerkschaftShause, Engelufer IS, Saal S. TageS-Ordnung: 1..Die Lage der Hilfsarbeiter im AkkordoerhälMiS der Fliesenleger.- Reserent Genosse Waldholm. 2. Diskussion. 30/4 Die Fliesenleger werden ersucht, ihre Hilfsarbeiter auf diese Versammlung besonders hinzuweisen. Der Eiuberufer. I. A: A. Schindler. im Gebrauch von Veilchenseifen- pnlver.Goldperle-.— ES liegt jedem Paket ein reizendes praktisches Geschenk bei. Fabrikant: Ldiut-marlcs. CflrI Gentuer. Göppingen. 1 1 1 Obacht wegen den vielen minderwertigen Nachahmungen 1 1 l Verantwortlicher Redakteur: KanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verayW.: Th. Glocke, Berlin, Bruck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Kinger& Co., Berlin SW. it. 197. 26. Jahrgang. 2. Ktilmt ki Jitiirti" Serlim fclbtlitt. Mittwoch, 25. August 1909. Partei- Hncfelegcnbeiten* Friedenau. Heute, Mittwoch, abends 8� Uhr, Versammlung bei Schellhase, Steglitz, Ahornstr. loa. Aufnahme neuer Mitglieder. Vortrag des Genossen Paul Göhre, Pastor a. D> Berichte von der Kreisgeneralversammlung und Grotz-Berlin. An- träge und Verschiedenes. Zahlreiche Beteiligung, ganz besonders auch der Frauen, erwartet Der Vorstand. LerUner JVacbrichten. Vom Kampf gegen die Schulschwänzer. Die Ausübung der sogenannten S ch u l p o l i z e i, d. h. die Ahndung unentschuldbarer Schulversäumnisse an den Eltern der säumigen Kinder, gehört in Berlin zu den Aufgaben der Stadtver waltung. Sie bildet einen Teil jener wenigen und winzigen Polizeibefugnisse, die bei uns— in unserer.Haupt- und Residenz stadt" mit ihrer„königlichen" Polizei— der Stadtverwaltung über- lassen worden sind. Was die„städtische Polizeiverwaltung" im Kampfe gegen die Schulschwänzer leistet, das wird alljährlich in ihrem Verwaltungsbericht mitgeteilt. Der neueste Bericht, der das Etatsjahr 1908 behandelt und soeben vom Magistrat veröffentlicht worden ist, hat einen besonderen Erfolg zu melden. Die Zahl der Strafverfügungen hat gegenüber dem Vorjahr sich bedeutend ver- mindert, wiewohl die Zahl der Gemeindeschulkinder gleich hoch ge- blieben ist. Nebenbei bemerkt: in Betracht kommen hier tatsächlich nur die Gemeindeschulkinder. Nur deren unentschuld- bare Schulversäumnisse werden verfolgt und an den Eltern ge- ahndet, während gegenüber dem Nachwuchs der Bemittelten, der die höheren Schulen besucht, eine schulpolizeiliche Kontrolle nicht für nötig gehalten wird. Die Minderung der Schulstrafen war in 1908 so bedeutend, daß ihre Zahl auf weniger als die Hälfte derjenigen aus 1997 heruntergegangen ist. Im Etatsjahr 1997 waren noch 19 133 Strafen in Höhe von 31 734 M. oder 18 427 Tagen festgesetzt worden; im Etatsjahr 1998 wurden nur 4916 Strafen in Höhe von 16 226 M. oder 7497 Tagen festgesetzt. Mit den Resten aber, die aus den Vorjahren unerledigt hinübergenommen werden mußten, stellte sich die Zahl der zu erledigenden Fälle für 1997 auf 12 659 Strafen mit 42 479 M. oder 24 272 Tagen, für 1998 auf 7345 Strafen mit 25 787 M. oder 12 666 Tagen. Erledigt wurden in 1998(bezw. in 1997) im ganzen 6615(19 239) Strafen; davon durch Zahlung 4962(8971) Strafen mit 16 929( 23 947) M., durch Verbüßung 534(531) Strafen mit 1994(1334) Tagen, ferner durch Zurücknahme der Verfügung 429( 446) Strafen, durch Ein- stellung des Verfahrens 313(435) Strafen, im übrigen wurde durch richterliche Entscheidung in 179(297) Fällen auf Frei- sprechung erkannt und in 292(499) Fällen die Verurteilung aus- gesprochen. Werden diese Zahlen verglichen mit der Gesamtzahl der erledigten Fälle, so ergeben sich für 1998(bezw. 1997) folgende Anteilziffern: Zahlung 75,9(78,9) Proz., Verbüßung 8,1(5,7) Prozent, Zurücknahme 6,3(4,4) Proz., Einstellung 4,8(4,2) Proz., Freisprechung 2,7(2,9) Proz., Verurteilung 3,1(3,9) Proz. Be- achtenswert ist hier, daß die Anteilziffer gesunken ist bei den durch Zahlung erledigten Fällen, gestiegen aber bei den durch Verbüßung erledigten. Vermutlich haben wir uns das daraus zu erklären, daß infolge der herrschenden Arbeitslosigkeit die Möglichkeit, eine Schulversäumnisstrafe durch Zahlung abzu- machen, sich verringert hat. Zu denken gibt, daß die Anteilziffern der Fälle, in denen Zurücknahme oder E i n st e l l u n g nötig wurden, g e st i e g e n sind. Der Versuch, durch richterliche Eni- scheidung eine Aufhebung der Strafe herbeizuführen, wird nur selten gemacht. Die Anteilziffer dieser Fälle war im letzten Jahr noch geringer als im vorletzten, doch fällt auf, daß sie für die Freisprechungen sich fast auf gleicher Höhe gehalten hat. dagegen für die Verurteilungen beträchtlich her- untergegangen ist. Solche Ziffern zeigen, daß die städtische Schulpolizeiverwaltung doch noch recht oft auch danebengreift. Frei- lich wird die Vergleichung der Ergebnisse der beiden letzten Jahre dadurch erschwert, daß die Zahl der überhaupt ergangenen Straf- Verfügungen, wie schon gesagt, ganz plötzlich und sehr bedeutend gesunken ist. Da liegen offenbar besondere Umstände vor, die die Vergleichbarkeit in Frage stellen. Der Bericht versucht, für den auffälligen Rückgang der Gesamtzahl der Strafverfügungen die Ursachen zu finden. Im vorigen Jahr sind neue Grundsätze für die Bearbeitung der Schul- Versäumnissachen aufgestellt worden. Der Bericht meint, daß der Einfluß dieses UmstandeS nur unbedeutend gewesen sein könne, aber es erscheine nicht ausgeschlossen, daß die schleunigere Be- arbeitung der Schulversäumnissachen nachhaltig gewirkt habe. Je schneller die Strafe verfügt und vollstreckt werde, desto mehr verhüte sie neue Versäumnisse. Ferner werde man die Minderung der Strafziffern daraus erklären können, daß andauernde Ver- säumnisse, die nur in den sozialen Verhältnissen der Familien ihre Ursache hatten, vielfach mit Erfolg auf andere Weise als durch weitere Bestrafung bekämpft worden seien. In zahlreichen Fällen seien Armendirektion oder Waisendeputation ge- beten worden, zu helfen; häufig sei das Vormundschaftsgericht er- sucht worden, einzuschreiten; auch seien zahlreiche Anträge auf Fürsorgeerziehung gestellt worden, und schließlich sei oft Polizei- liche Zuführung zur Schule erfolgreich angeordnet worden. Im ganzen gewinnt man aus diesen Darlegungen den Eindruck, daß früher doch manche Versäumnis strafe sehr vor- eilig verfügt worden war.> Aber ebenso� voreilig ist das Verfahren, gegen Schulschwänzer baldigst die Fürsorgeerziehung zu beantragen. Wie mancher Berliner Junge, der wegen bloßer Schulschwänzerei in Fürsorgeerziehung gegeben wurde, mag unter dem Einfluß von „Besserungsversuchen" nach Pastor Breithaupts Rezept nur zu rasch sich so weit entwickeln, daß er„unverbesserlich" erscheint. Die Affäre Mielczhn hat aller Welt gezeigt, daß die Berliner Stadtverwaltung unfähig ist, die ihr durch das Fürsorgcerziehungs- gesetz gestellte Aufgabe zweckentsprechend zu lösen, und daß im be- sonderen dem Berliner Kommunalliberalismus jedes Verständnis dafür fehlt, wie verwerflich die gegen Fürsorgezöglinge angewendete Erziehungsmethode Breithaupts ist. Freilich paßt das Breithauptsche Rezept durchaus zu der P r ü g e l p ä d a g o g i k, die in den G e- meindeschulen Berlins noch immer geduldet wird, obwohl gerade sie dazu beitragen dürfte, in manchen Kindern die Scheu vor der Schule zu steigern und so die Schulversäumnisse zu mehren._ Bom Schwinden des Kindersegens. Der Rückgang der Geburten- Ziffer ist nicht aufzuhalten. Wir haben ihn seit Jahrzehnten, aber in RotstandSzeiten tritt er noch schärfer als sonst hervor. In Berlin war im Jahre 1993 die Abwärtsbewegung ganz besonders deutlich: 1997 hatte noch 52899 Geburten gebracht, 25,24 pro Tausend der Bevölkerung, 1998 aber brachte nur noch 51 936 Geburten. 24,28 pro Tausend der Bevölkerung. Mit welcher Geburtenziffer wird das laufende Jahr 1999 abschließen? Wenn wir nach dem Ergebnis der ersten Jahreshälfte urteilen dürfen, so ist ein noch weiterer Rückgang zu erwarten. Geboren wurden Januar Februar März April Mai Jnni 1908 4611 4341 4460 4270 4477 4248 Kinder, 1999 4419 3885 4191 4016 4053 3332, zusammen in der ersten Hälfte von 1903 noch 26 497, aber in der ersten Hälfte von 1999 nur noch 24 446 Kinder. Diese Zahlen bedeuten: pro Tausend der Bevölkerung wurden geboren(auf das ganze Jahr erhöht) Januar Februar März April Mai Juni 1993 25,77 25,92 24,99 24,79 25,17 24,69 Kinder 1999 24,67 23,99 24,43 23,25 22,71 22,48, Da ist kein Monat, der nicht gegenüber dem Vorjahr— das schon ungünstig genug war— noch eine Verringerung der Geburten- zisfer aufwiese. Allemal ivenn Beschäftig ungsmangel und Lebensmittelverteuerung die werktätige Bevölkerung noch mehr als sonst bedrücken, tritt eine weitere Minderung des Nachwuchses ein, den die besitzende Klasse als Ausbeutungs- objekt und ihr Staat als Kanonenfutter nötig hat. Zum Zeppelintag. Das Generalkommando des Gardekorps gibt aus Anlaß des Besuchs des Grafen Zeppelin am 23. August in Berlin u. a. fol- gendes bekannt: Graf Zeppelin beabsichtigt gegen 5 Uhr nachmittags über dem Tempelhofer Felde einzutreffen. Um den Anblick des Luftschiffs in der Bewegung dem Berliner Publikum zu ermöglichen, ist Graf Zeppelin gebeten worden, folgendes Gelände langsam zu über- fliegen und über ihm Bewegungen auszuführen: Ostteil des Grunewalds— Exerzierplatz Charlottenburg— Humboldthain— Friedrichshain— Tempelhofer Feld— Straße Unter den Linden— Tiergarten in seiner ganzen Ausdehnung— Zoologischer Garten. Die genannten Geländeteile werden in keiner Weise abge- sperrt werden. Damit die Schulkinder während der Ankunft des Luftschiffes völlig ungefährdet bleiben, sind dem Magistrat aus- reichende, geschlossene militärische Ucbungsplätze zur Verfügung gestellt, von denen aus der zu erwartende Weg des Luftschiffes ohne Gefährdung verfolgt werden kann. Den Hin- und Rückmarsch der Schulkinder nach und von diesen Plätzen regelt der Magistrat. In den militärfiskalischen Gebäuden wird für die vorläufige Pflege etwa unwohl gewordener Kinder gesorgt werden. An dem der Landung folgenden Tage soll das Publikum, so- weit es tunlich ist, zur Besichtigung des Luftschiffes zugelassen werden. Zum Schluß wird die Bevölkerung zur ruhigen und besonnenen Haltung ermahnt.>— Mit der Regelung des Bahnverkehrs auf der Strecke Berlin— Tegel beschäftigte sich eine Konferenz im Ver- waltungsgebäude der königl. Eisenbahndirektion am Schöneberger Ufer. Es wurde beschlossen, einen Sonderfahrplan für die Zeppelintage auszuarbeiten, der die 43 jetzt zwischen Berlin und Tegel verkehrenden Züge so erheblich vermehrt, daß ein 5- oder wenigstens ein 19 Minutenverkehr hergestellt wird. Auch soll zur Beschleunigung des Verkehrs ein Teil der Sonderzüge an den Zwischenstationen Gesundbrunnen, Pankow. Schönholz, Reinicken- darf und Wittenau nicht halten.— Im Landratsamt von Nieder- barnim hat eine Besprechung der Amtsvorsteher der nördlichen Vororte stattgefunden. Die gesamte Gendarmerie des Kreises Niederbarnim soll, soweit möglich, Sonnabend und Sonntag in Tegel und Tegelort Dienst tun. Die Mllggel im Sturm. Nicht weniger als 12 Boote sind infolge des böigen Windes am vergangenen Sonntag auf dem Müggelsee gekentert. Allein der Rettungsdampfer auf der Station bei Rahnsdorf holt« sieben Per- sonen aus dem Wasser, und auf der Station mußten verletzten Seglern vielfach Verbände angelegt werden. Die geborgenen Boote wurden von Dampfern und Motorfahrzeugen ins Schlepptau genommen. Am Montagvormittag wurden noch drei leere Boote herrenlos treibend auf dem See gefunden. Im Müggelgemünbe kenterten drei Ruderboote mit einemmal, deren sämtliche Insassen bis auf ein Kind gerettet wurden. Als der Vater desselben das Fehlen des Kleinen bemerkte, stürzte er sich nochmals in die Fluten; hierbei muß wohl der Schwimmende einen Herzschlag erlitten haben, denn er ging plötzlich unter. Der Sturm schlug gegen Abend zu einem wahren Orkan um, und infolgedessen mußten aus der Rettungsstation etwa 29 Boote verbleiben. In eine entsetzliche Lage geriet am Montag der 69 Jahre alte Kaufmann Julius Koch aus der Koloniestraße 124. K. hatte in Hermsdorf geweilt und wollte abends um 9 Uhr wieder nach Berlin zurückfahren. Als der Zug eingelaufen war, suchte er nach einem leeren Abteil, um dort seinen Koffer unterzubringen. In dem Augenblick, als er den Koffer in das Kupee schob, wurde das Ab- fahrtssignal gegeben und der Zug setzte sich in Bewegung. K., der in diesem Augenblick auf dem Trittbrett stand, kam zu Fall und stürzte unglücklicherweise zwischen das Trittbrett und den Bahn- steig. Wäre nicht im nächsten Augenblick der in nächster Nähe stehende Stationsvorsteher hinzugesprungen und hätte K. empor- gerissen, so wäre der alte Mann zweifellos von den Rädern des Zuges zermalmt worden. Er hatte eine erhebliche Gehirn- erschütterung und äußere Verletzungen erlitten, sodaß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Der Turmeinsturz auf der Gasanstalt. Die Meinungen der Sachverständigen über die Einsturz- katastrophe auf dem Gelände der Gasanstalt in Schöneberg gehen stark auseinander. Während von der einen Seite der starke Wind als Ursache des Einsturzes angesehen wird, nimmt man auf der anderen Seite an, daß eine fehlerhafte Konstruktion oder Material. fehler im Innern der Eisenteile die Schuld an dem Einsturz tragen. Auch die ständige Erschütterung, die durch das Vorbeifahren der Eisenbahnzüge erzeugt wird, soll einen Einfluß auf die Festigkeit des Gerüstturmes ausgeübt haben. Seit vorgestern wird in dem neuen Gasometer weitergearbeitet. Die Arbeiter bedienen sich des kleinen, etwa 59 Meter hohen EiscngerüsteS, das bei dem Unfall unbeschädigt geblieben ist. Wie verlautet, wird die Staatsanwalt- schaft eine Anklage nicht erheben, da mit Sicherheit nicht bestimmt werden kann, ob eine Fahrlässigkeit bei der Turmkonstruktion vor- lag. Ob der Unfall Zivilprozesse nach sich ziehen wird, läßt sich zurzeit noch nicht sagen. Der am schwersten verletzte Reisende Tichauer befindet sich, den Umständen angemessen, wohl. Eine Lebensgefahr besteht bei ihm nicht mehr. Strahennnfällc. Unter die Räder einer Kraftdroschke geriet vorgestern am Kurfürstendamm der 41 Jahre alte Arbeiter Schäfer aus der Kaspar-Thcis-Straße 9 in Grunewald. Er erlitt schwere innere Verletzungen und einen Bruch des rechten Unterschenkels. Der Verunglückte wurde nach dem Schöneberger Krankenhause ge- bracht. Der an dem Unfall schuldige Chauffeur wurde polizeilich festgestellt.— Gegen 3 Uhr nachmittags ereignete sich in der Hubertusstraße ein Zusammenstoß zwischen einem Geschäftsauto« mobil der Firma Siegenberg aus Berlin und einem Luxus- automobil Nr. 3399, die infolge falscher Steuerung des Führers des erstgenannten Autos heftig gegeneinandcrstießcn. Bei dem Anprall wurden die Insassen des Privatautomobils, zwei Damen, von ihren Sitzen geschleudert und erlitten durch Glassplitter Schnitt- wunden im Gesicht und an den Händen und anscheinend auch innere Verletzungen. Die Berkchrsstatistik des EiscnbahndircktionsbczirkS Berlin, die soeben von dem Rechnungsjahr bis zum 31. März 1999 fertig gestellt worden ist, bringt eine wichtige Neuerung Zum ersten Male ist bei den Berliner Bahnhöfen der Fernverkehr von dem Stadt-, Ring- und Vorortverkehr getrennt, so daß man jeden für sich allein beurteilen kann. Im ganzen Bezirk entfallen nun aus den Fernverkehr 11 247 583 verkaufte Fahrkarten, auf den Stadt-, Ring- und Vorortverkehr 132 556 484 Fahrkarten. Während die Zunahme des gesamten Verkehrs im Vorjahre noch fast 9 Millionen betragen hatte, betrug sie im letzten Rechnungsjahre noch nicht 1 Million. Den größten Fernverkehr von allen Berliner Bahn- Höfen hat der Stcttiner Bahnhof mit 1 553 192 verkauften Fahr- karten. Der Anhalter Bahnhof, dessen Verkehr man bisher für den größten hielt, steht dem©tettiner allerdings nur wenig nach. Er hatte 1543 417 abfahrende Reisende. An dritter Stelle kommt der Lehrter Bahnhof mit 957 971 Fahrkarten, dann der Schlesische Bahnhof mit 933 774. Offenbar sehr überschätzt wird in der Regel der Bahnhof Friedrichstraße, den man häufig den Zentralbahnhcss nennt. Er kommt erst mit seinem Fernverkehr an fünfter Stelle mit 815 125 Fahrkarten. Dann kommt der Potsdamer mit 699 193, der Alexander-Platz mit 455 294, der Görlitzer Bahnhof mit 419 434, dann erst der Zoologische Garten mit 329 333 und endlich der Bahnhof Charlottenburg mit 229 433� Fahrkarten. Das amtliche Reisebureau auf dem Potsdamer Bahnhof hat endlich 94 315 Fahrkarten verkauft. Der Nahverkehr weist natürlich wieder die übliche Riesenzahl auf: Friedrichstraße 6 685 291, Alexander-Platz 6 697 914 usw. Der gesamte Stadt- und Ningverkehr cinschließ- lich Eichkamp ui!.d Grunewald erreichte 69 681 854 Fahrten, der der Ringbahnstationen 79 619 238, im Vorortverkehr fanden auf den Stadtbahnstationen 11 934 753 Fahrten statt, auf den Ring- bahnstationen 15 531 329. Der Verkehr zeigt im allgemeinen nur wenig Zunahme gegen das Vorjahr. Auf den Stadtbahnstationcn kommen auf fast 19 Millionen Reisende 3. �Klasse etwas über 9 Millionen 2. Klasse. Eine billige und schnelle Briefpost nach den Vereinigten Staaten von Amerika geht wieder von Cuxhaven am 26. August morgens ab. Sie benutzt den an diesem Tage in See gehenden Dampfer„Kaiserin Auguste Viktoria". Zehnpfennigbriefe für den Dampfer gehen zu- letzt in der Nacht vorher von Berlin 11,56, von Magdeburg 12,17, Hannover 3,37. Hamburg 6,35 früh ab. Dem Dampfer werden Nachversandt'e in Southampton und Cherbourg zugeführt. Diese Posten gehen von Köln am 26. August abends 6,91 nach dem eng- tischen und 19,45 nach dem französischen Hafen. Für die Nach- versandten müssen natürlich auch Briefe nach den Sätzen des Welt- postvcreins frankiert sein. Der Dampfer ist am 4. September in New Dork fällig. An demselben Tage sind alle Arten von Brief- sendungen dort, die am 27. August von Deutschland und am 28. August mit dem fälligen Dampfer der American-Linie von Southampton oder Cherbourg nach New Uork befördert werden. Die letzten Bahnposten zu diesem Dampfer gehen von Köln am 27. August abends 6,91 nach Southampton, 19,45 nach Cherbourg. Dann befördert erst wieder ein schneller Dampfer Briefe nach Amc- rika in der nächsten Woche, der aber gleichzeitig auch Zehnpfennig- briefe mitnimmt. Mit dem Einbau von Strastenbahnschienen in der Neuen Roß- straße zwischen Wall- und Alte Jakobstraße soll am morgigen Tage begonnen werden. Mährend der Dauer der Arbeiten wird die Motoromnibuslinie H der Großen Berliner Moto»Omnibus-Ge- sellschaft von der Alten Jakobstraße anstatt durch die Neue Roß- straße und Wallstratze, durch die Neue Jakobstraße und Jnselstraße geführt werden. Erhängt aufgefunden wurde in der Nähe der Alten Fischer- Hütte, unweit der Potsdamer Eisenbahn, der Tapezierermeistcr Georg Friedrich aus der Kleinbeerenstr. 24. Der 35jährige Mann, der an hochgradiger Nervosität litt, hatte erst vor einigen Tagen eine Heilanstalt verlassen, ohne den gewünschten Erfolg dort ge. funden zu haben. Am Sonnabend verabschiedete er sich von seiner Frau und seinen Kindern im Alter von 3 und 5 Jahren und fuhr nach dem Grunewald, wo er seinem Leben ein Ende bereitete. Vor- gestern wurde seine Leiche an einem Baume hängend von Aus- flüglern aufgefunden und nach dem Friedhof bei Schildhorn ge- bracht. Von einer Autedroschke»»erfahre« und schwer verletzt wurde am Montag zwischen der Schul- und Nazarethstraße ein 45— 59jähriger Mann. Wie unS mitgeteilt wird, fuhr der Führer des AutoS weiter, ohne sich um den Ueberfahrenen zu kümmern. Der Verletzte wurde zunächst nach der Unfallstation gebracht. Ueberfahren wurde gestern nachmittag 5 Uhr vor dem Hause Mariannenstr. 39 ein Stallmann der Allgemeinen Omnibus-Aktien- gesellschaft. Derselbe wollte die Pferde von der Haltestelle Kottbuser Brücke nach dem Depot in der Köpcnicker Straße bringen. Plötzlich gingen die Tiere durch; der Stallmann fiel dabei vom Pferde und geriet unter einen Transportwagen der Firma Wilke Nachf., Oranien- straße 163, welcher ihn über den linken Fuß fuhr. Der Verunglückte wurde mittels Droschke nach der Unfallstation gebracht. „Ueber die Luftschiffahrt im Dienste der Wissenschaft" hält Herr Professor Dr. Berson am heutigen Mittwoch abends 8� Uhr einen Vortrag in der Treptow-Sternwarte. Prof. Berson ist be- kanntlich derjenige Luftschiffer, der im Juli 1991 bei einem Auf- stieg bis zu einer Höhe von 19 899 Meter gelangte. Der Vor- tragende wird auch in seinem Vortrage auf seine Reise nach Afrika, die er ebenfalls im Dienste der Wissenschaft unternommen hatte, zu sprechen kommen.— Im Anschluß an den Bortrag ist dann wie gewöhnlich Gelegenheit geboten, eine Beobachtung mit dem großen Fernrohr vorzunehmen, mit welchem zurzeit ein Sternhaufen im Herkules, sowie die Planeten Mars und Saturn gezeigt werden, während am Tage die Sonne beobachtet wird. Außerdem ist den Besuchern Gelegenheit geboten, an kleineren Fernrohren beliebige Himmelsobjekte zu beobachten. Feuerwehrbericht. In der gestrigen Nacht kam ein größerer Brand in einer Wohnung in der Lottumstr. 15, angeblich aus Un- Vorsichtigkeit zum Ausbruch. Der 13. Zug mußte kräftig löschen, um die Flammen, die an Möbeln, Betten usw. reiche Nahrung ge- funden hatten, zu löschen. Gleichzeitig wurde der 8. Zug nach der Kottbuser Straße 16 alarmiert, und etwas später, um 4 Uhr nachts. der 7. Zug nach der Gubener Straße 44, wo in einem Keller Preß� kohlen unter großer Oualmcntwickelung brannte». Gestern früh um 6 Uhr kam ein gefährlicher Brand in einem Kesselhause Blumen- straße 74 aus. Der 7. Zug mußte kräftig Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen. Nach der Wallner-Theater-Straße 1 wurde die Feuerwehr zweimal gerufen. Erst brannten dort Kleidungs- stücke und anderes in einem Konfektionsgeschäft, und zum zweiten Male handelte es sich um blinden Feuerlärm, hervorgerufen durch Wasserdämpfe und Brandgeruch. Ferner hatte die Feuerwehr in der Hochstr. 1, Fürbringer Straße 19. Petersburger Straße 19, Tegeler Straße 56 und an anderen Stellen zu tun. Fußboden, Balkenlagen, Betten usw. brannten dort in Küchen usw. Außer- dem mußte die W�hr vielfach Hilfe leisten. Vorort- JVacbricbtem Tharlottenburg. Die Stadt der Millionäre in Preußen ist Charlottenburg� kenn hier kommen auf 1000 Steuerzahler 32,9 Millionäre. Frankfurt a. M., die als Stadt der reichen Leute bekannte Gemeinde, hat nur einen Millesatz von 28,4 Millionären aufzuweisen, während Berlin mit 21,9 pro Tausend erst an fünfter Stelle steht. Schöne- berg mit 4,7 pro Tausend und Nixdorf mit 3,4 pro Tausend, die als die nächst größten Berliner Vororte in Frage kommen, ran- gieren erst an 26. resp. an 23. Stelle.— Und wer die Gegend am Kurfürstendamm, Zoologischen Garten, an der Hardenbergstraße, Berliner Straße und das neu erschlossene Villenvietel auf Westend näher kennt und weiß, daß in manchen Häusern am Kurfürsten- dämm zugleich mehrere Millionäre wohnen, wird sich über diesen Vorrang Charlottenburgs nicht wundern. Welchen Einfluß diese schwerreichen Leute aber in Charlotten- bürg haben und in welchem Umfange bei der Zusammensetzung 0er Stadtverordnetenversammlung den Wünschen dieser Krösusse auf Grund des„herrlichen" Dreiklassenwahlrechts Rechnung ge- tragen werden kann, mögen folgende Zahlen zeigen: Für die be- vorstehende Stadtverordnetenwahl sind 43 933 Wähler in die Liste eingetragen. Davon gehören 729 oder 1,52 Proz. in die erste Wählerabteilung. 6959 oder 12,3 Proz. in die zweite Abteilung und der große„Rest" von 41 253 Wählern, gleich 85,94 Proz., kommt in die dritte Abteilung. Jede der Abteilungen hat die gleiche Zahl von Stadtverordneten, nämlich 3, zu wählen. Daraus ergibt sich, daß auf 87 Wähler der 1. Abteilung ein Stadtverord- neter zu wählen entfällt.. In der zweiten Abteilung sind schon 756 Wähler dazu erforderlich, und in der 3. Abteilung kommt auf 5153 Wähler ein Stadtverordneter. Um Wähler der 1. Klasse sein zu können, muß man wenigstens 2875 M. jährlich Steuern zahlen, während in der 2. Abteilung der Steuersatz bis auf 289,29 M. heruntergeht. Dafür aber haben diese geldbegnadigten Mitbürger auch da?„Recht", daß, wenn sie zur 1. Wählerabteilung gehören, ihre Stimme bei der Stadtver- ordnetenwahl neunmal schwerer wiegen zu sehen, als die Stimmen der Wähler der 2. Abteilung, und ncunundfünfzigmal schwerer, als die der dritten Abteilung. Die Wähler der 2. Abteilung sind den„Proleten" in der 3. Klasse in der Schwere ihrer Stimmen noch immer um das Siebenfache voraus. Dazu kommt noch für die Hälfte der Stadtverordnetenzahl die Vorschrift, Hausbesitzer sein zu müssen, in Betracht. Man kann sich denken, daß unter diesen Umständen der Ein- fluß der arbeitenden Bevölkerung auf die Gestaltung der Ge- meindepolitik immer ein beschränkter bleiben muß. Die Besitzen- den haben durch ihren großen Geldsack das„Recht" und die Macht in der Hand. Sie bestimmen— und machen zurzeit in Char- lottenburg in„liberaler" Politik.— Eine„liberale" Politik, die in letzter Linie darauf hinausgeht, es dem Reichen so angenehm' wie möglich in Charlottenburg zu machen. Darauf ist alle? bei uns zugeschnitten, und auch die sozial-fürsorglichen Maßnahmen, die hier und dort vorgenommen werden, können diesen Grundzug unserer offiziellen Gemeindepolitik nicht verdecken. Immer mehr reiche Leute herzubekommen, das ist das Prinzip unserer Stadt- Verwaltung. Darauf wird der Etat aufgebaut, danach richten sich alle Verwaltungsmaßnahmen. Und manchen Leuten in Char- lottenburg scheint das Ideal der Zustand zu sein, daß auch in der 3. Wählerabteilung nur Millionäre wählen. Bei den letzten Land- tagswahlen passierte das in mehreren Wahlbezirken bereits zum Teil. Der Kampf gegen die Schwindsucht wird fett einigen Jahren auch durch die städtische Fürsorgestelle für Lungenkranke geführt. Diese Einrichtung besteht oarin, daß lungenkranke Personen, deren eigene Mittel zur Bestreitung der Kurkosten aller Voraussicht nach nicht ausreichen würden, von den Aerzten an die Fürsorgestelle verwiesen werden können. Auch steht es jedem Kranken selbst frei, dorthin zu gehen. Diese Fursorgestclle wird von einem von der Stadt damit betrauten Arzt geleitet, der die Kranken unter- sucht und nun in Verbindung mit der Armenvcrwaltung darauf sieht, daß die Kranken in die entsprechende Behandlung genommen werden können. Einstweilen übernimmt die Stadt die Kosten für das Heilverfahren, sie ist aber bestrebt, für anspruchsberechtigte Personen Rückfonderungen bei der Landesversicherungsanstalt, bei Krankenkassen usw. geltend zu machen. Je länger diese Einrichtung besteht, je weiter läßt sie den Um- fang der Wirkungen dieser schrecklichen Volksgeißel erkennen, und von Jahr zu Jahr wächst der Umfang der Tätigkeit der Fürsorge- stelle. So wurden neue Fälle, mit denen sich die Fürsorgestelle beschäftigen mußte, gemeldet 1995: 1754, 1996: 1725, 1997: 2345 und 1998: 2443. Von diesen im Jahre 1993 der Fürsorgestelle überwiesenen Personen waren 684 tuberkulös, 435 tuberkulöse verdächtig, 699 skrophulös und 315 anderweitig krank» während bei 490 Personen keine Erkrankungen festgestellt wurden. Ins- gesamt betrugen die in der Fürsorgestelle vorgenommenen Unter. suchungen 8399, im Jahre 1905 dagegen nur 4192. Auch auf Familien erstreckt sich die Fürsorge. So wurde die- selbe im Jahre 1993 auf weitere 442 Familien ausgedehnt, womit am 1. Januar 1999 1556 Familien unter Beobachtung der Für- sorgestelle standen. 188 Desinfektionen wurden vorgenommen, und um die größte Not in diesen schwer getroffenen Familien ein bißchen zu lindern, wurden an 112 Familien Zuschüsse für Miete, Feuerung usw. gegeben. Wie groß der Jammer in diesen Kreisen sein muß, erhellt auch daraus, daß an 23 Familien Betten verteilt werden mußten, damit die Kranken wenigstens in einem eigenen Bett ruhen konnten. Auch Wäsche mußte geliefert werden. Eine Reihe von Kranken. 399 Personen, wurden in Heilstätten untergebracht. Aber auch auf dem Gebiete der Heilstättenversor- gung ist heute noch völlige Unzulänglichkeit Trumpf; denn schon 1997 sollten viele Kranke in die Heilstätten kommen, da dieselben aber besucht waren, mußten die Angemeldeten bis 1998 warten. Dann erst, als ein Schub Kranker auS den Anstalten entlassen wurden, konnten die Neuen nachrücken. Zumeist aber kommt die Heilstättenbehandlung schon zu spät. So konnten von 168 er- wachsenen Erkrankten 1908 nur 63 als„geheilt" entlassen werden, die anderen 199 blieben mehr oder minder krank. Wenn sie in die frühere Umgebung zurückkommen, ist das alte Elend in kurzem von neuem da.— Bei den Kindern, die nach Norderney, Hohen- lychen oder in das Kinderheim nach Lichterfelde kamen, waren die Heilerfolge befriedigenderen UmfangS. In die Walderholungsstätten wurden 1992 Personen, 61 Männer. 228 Frauen und 713 Kinder geschickt. Die kranken Erwachsenen litten zumeist an Bleichsucht, Herzvergrößerungen, Nervenleiden und Asthma. Die Kinder an Skrophulose und Blut- armut. So kann diese Fürsorge nur einen Teil des endlosen Jammers • stillen, dessen gänzliches Verstummen erst eintreten wird, wenn man mit besonderem Nachdruck nicht nur die körperlichen Folgen, son- dern auch die wirtschaftlichen Ursachen der Tuberkulose energisch bekämpft. Schwere Brandwunden erlitt am Montagvormittag der 27 Jahre alte Schlosser Friedrich Tschöpe aus der Krimhildstr. 6 zu Schöneberg. Im Reichsmilitärgerichtsgebäude in der Witzleben- straße waren am Sonnabendabend die zur Warmwasserbereitung erforderlichen Kessel angeheizt worden. T. bemerkte, als er gestern die Arbeit wieder aufnahm, daß die Feuerung nicht richtig funktio- nierte und öffnete den Verschluß. In demselben Augenblick schlug eine Stichflamme heraus, die den Schlosser am Hals, im Gesicht und auf dem Kopf schwer verbrannte. Auf der Unfallstation XVIIl in der Kaiser-Friedrich-Strgße« wohin man de» Verunglückten brachte, erhielt er einen schmerzstillenden Verband und wurde dann mittels Krankenwagen nach dem Krankenhause Westend übergeführt. Steglitz. Aerztliche„Hilfe" für verunglückte Arbeiter. Am Montag- mittag verunglückte auf einem Neubau in der Sedanstraße der Ar- beitcr Sch. dadurch, daß ihm heiße Masse, wie sie bei Dachdecker- arbeiten verwendet'wird, über den rechten Arm und die Hand ge- gössen wurde. Der Verletzte eilte sofort zu dem in der Albrecht- straße 33 wohnenden Arzt Dr. Schönhoff, von dem er Linde- runoj seiner Schmerzen erhoffte. Er wurde jedoch, wie er uns personlich mitteilte, in seiner Hoffnung arg getäuscht. Der Herr Doktor meinte:„Ach, Sie haben sich mit Teer verbrannt. Ja, da kann ich nichts machen, da müssen Sie nach der Rettungswache gehen." Der verblüffte Arbeiter befolgte den Rat und bemühte sich nach der Rettungswache wo man sich seiner bereitwilligst an- nahm.— Wenn sich die Sache so verhält, wie hier mitgeteilt, woran wir vorläufig zu zweifeln keine Veranlassung haben, dann ist das Verhalten des Arztes, der in der Nähe der Unfallstelle wohnt und den Verletzten nach der 29— 25 Minuten entfernten Rettungswache verweist, unverständlich. Vielleicht nimmt der Herr Doktor Veranlassung, zu erklären, aus welchen Gründen er einem Ver- unglückten seine ärztliche Hilfe versagte. Kaulsdorf. Eine den hiesigen BerhSltnissen entsprechend gut besuchte Volks- Versammlung hörte am Sonnabend einen Vortrag de» Genossen Bühler über„Die Ausbeutung des deutschen Volkes durch die neuen Steuern". � Die Versammelten folgten den Ausführungen des Redners mit großem Interesse. Den Mahnruf des Referenten an die Versammelten, sich, soweit dies noch nicht geschehen, der Organi- sation anzuschließen, kamen mehrere Besucher nach, indem sie sich zur Aufnahme in den Wahlverein meldeten. In der dem Vortrage folgenden Diskussion sprachen mehrere Genossen und Genossinnen im Sinne des Referenten. Alle Redner waren sich auch darin einig, daß auf die Volksausplünderung von 1999 bei den nächsten Reichstagswahlen eine Abrechnung folgen müsse. Reinickendorf. AuS der Gemeindevertretung. Zunächst erstattete der Bürger- meister Bericht über die stattgefundene Kaffenrevision. Ferner teilte er mit, daß der Provinzialrat die Erhebung des von der G-e- meindevertretung auf 69 M. nominierten Jremdenschulgeldes genehmigt hat. Der Kreisausschuß hatte die Ermäßigung auf 35 M. pro Jahr verlangt. Für die Errichtung eines Fernsprechnacht- dienstes ab 1 April 1919 beim hiesigen Fernsprechamt verlangt die Postverwaltung eine Garantiesumme von 2559 M., die nach der Seelenzahl auf die drei dem Reinickendorfer Fernsprechamt ange- schlossenen Orte Reinickendorf, Rosenthal und Wittenau verteilt werden sollen. Die Versammlung stimmt dem zu. Der Landrat verlangt die vor kurzem beschlossene neue Friedhofsordnung in einigen Punkten abgeändert und außerdem eine Aeußerung der Kirchenbehörde, ob ihre Interessen gewahrt feien. Die Verfamm- lung lehnte bis auf einen Punkt sämtliche Forderungen ab. Vom Verein für gemeinnützige Rechtsauskunftsstellen in Verbindung mit dem Landrat wird der Antrag gestellt, in Reinickendorf eine öffentliche Rechtsauskunftsstelle zu errichten. Sämtliche sächlichen Kosten, sowie die Kosten für einen Sekretär soll die Gemeinde tragen, außerdem 599 M. pro Jahr für den vom Verein zu stellen- den Juristen. Derselbe soll an 2 Wochentagen vormittags von 9'/2>— 11% Uhr Sprechstunden abhalten. Auch sollen Schriftsätze gegen geringes Entgelt angefertigt werden. Unsere Genossen er- klärten ihre prinzipielle Zustimmung zu dem Projekt. Nur müßten die Sprechstunden auf den Abend, vielleicht von 6— 9 Uhr, verlegt werden. Herr Henschke und Herr Dr. Kühnemann sind gegen die Errichtung. Letzterer siebt kein Bedürfnis dafür, da fast alle Er- werbsgruppen, einschließlich der Arbeiter, koaliert sind und von dem luristifchen Beirat ihrer Verbände die sie interessierenden Auskünfte erhalten könnten. Er verlangte aber ebenfalls bei etwaiger Errichtung die Sprechstunde auf den Abend verlegt zu sehen. Herr Henschke kann es nicht begreifen, daß die Auskünfte völlig unentgeltlich erteilt werden sollen.' Eine kleine Gebühr solle wenigstens erhoben werden, damit die Leute nicht wegen jeder Kleinigkeit die Auskunftsstelle aufsuchen. Die Gemeindevertre- tung stimmte der Errichtung im Prinzip zu und beauftragte den Gemeindevorstand, mit dem Verein wegen Verlegung der Sprech- stunden auf den Abend zu verhandeln, eventuell eine Vorlage aus- zuarbeiten, die die Auskunftserteilung durch einen nicht vom Verein zu stellenden Juristen vorsieht. Bei der Aufteilung des Geländes der Wohnaschen Erben wurden von diesen für den An» schluß an die Entwässerungsanlagen Anliegerbeiträge erhoben, die gegenüber den Selbstkosten der Gemeinde Ueberschüsse ergeben bei der Straßenentwässerung in Höbe von 22 337 M. und bei der Kanalisation in Höhe von 44 214 M. Die Gemeindevertretung beschließt, von der ersteren Summe 4337 M. in den nächsten Etat zu übernehmen und 18 990 M. an einen zu bildenden Reservefonds für Erweiterung des nach dem See fuhrenden Entwässerungs- grabens zu überweisen. Die zweite Summe von 44 214 M. soll dem Kanalisations-ErneuerungSbaufonds zugeführt werden. Herr Herr Müller möchte als„Bauer" mit ziemlich ausgedehntem, in Kürze baureif werdenden Grundbesitz, auch bei dieser Gelegenheit etwas für die Notleidenden dieser Klasse herausholen. Besorgt um das Wohl der Gemeinde, bezweifelt er das Recht der Gemeinde, zur Erhebung von Beiträgen, die über die Selbstkosten hinaus- gehen. Aber unser Genosse Ohl sowie der Bürgermeister be- ruhigten den gewissenhaften und ängstlichen Unkenrufer. Für das Realgymnasium ist die Neueinstellung zweier neuer Lehrkräfte er- forderlich. Die Gemeindevertretung beschließt gemäß dem Vor- schlag des Vorstandes, ebenso die Wahl zweier Mitglieder für die Steuervoreinschätzungs. und die Wege- und Straßenkommission. Borfigwalde. In der Generalversammlung des Bezirkswahlvereins konnte der Bezirksleiter, Genosse Fubel, den Tätigkeitsbericht infolge Er- krankung nicht erstatten. Den Kassenbericht vom letzten Halb- jähr gab Genosse Kienast. Der Einnahme von 795,99 M. steht eine Ausgabe von 518.55 M. gegenüber, es verbleibt somit ein Bestand von 186,54 M. Ein Antrag, 59 M. für die Bibliothek zu bewilligen, wurde angenommen, desgleichen wurde beschlossen, 59 M. als Extrabeitrag an den Kreis abzuliefern. Eine rege Diskussion folgte dem Bericht von der Kreisgeneralversammlung; die meisten Redner sprachen sich gegen die Zentralisation der Bibliotheken, sowie die Errichtung emeS BildungSausschusses über Groß-Berlin aus. Die Versammlung war nur schwach besucht, es ist Pflicht der Parteigenossen, bei so wichtiger Tagesordnung, die Verfamm- lungen mehr als bisher zu besuchen. Französisch-Buchholz. Zum Gemeindevorsteher von Französisch-Buchholz wurde in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung der Burcaudirektor Mahnke- Pankow gewählt. Die Neuwahl war durch die Amtsniederlegung des Amts- und Gemeindevorstehers Schultze notwendig geworden. Ne«-Zittau(Kreis Beeskvw). Die am letzten Sonnabend bei Trenk abgehaltene General- Versammlung des Wahlvereins nahm zunächst den Bericht des Kassierers entgegen Den Bericht von der Kreisgeneralvcrsamm- lung erstattete Genosse Schulz. Nach einer kurzen Debatte hierüber wurde das eigentümliche Verhalten des Genossen Wilhelm König, Maurer, scharf kritisiert, derselbe war zu dieser Versamm- lung besonders eingeladen, aber nicht erschienen. Auf Antrag wurde König aus der Mitgliederliste gestrichen. Zum Schluß hielt Gen. Schulz einen kurzen Vortrag über: politische Vereinigungen; demselben schloß sich ein rege Diskussion an. Nowalves. Ein Einbruch in die Druckerei von Imberg u. Lcfson in Neu» babelsberg wurde am Sonntagnachmittag verübt. Die Uebeltäter erbrache» auj dem abgelegenen Grundstück die zur Gießerei führende Tür und gelangten dadurch in die Druckereiräume. In der Buchbinderei rafften sie einige Arbeitskleider zusammen und schleppten sie auf den Korridor; auch der Kantine statteten sie einen Besuch ab, indem sie ein Fenster einschlugen, ohne jedoch von den darin befindlichen Vorräten etwas zu entwenden. Schließlich ent- fernten sie sich unter Mitnahme eines der Firma gehörenden Fahrrades, wobei sie einen Spazierstock zurückließen. Die Art des Einbruchs läßt verraten, daß die Diebe, von denen bisher noch nie- mand ermittelt ist, mit den Oertlichkeiten vertraut gewesen sind. Spandau- Bei Einsichtnahme in die Wählerliste ist bereits festgestellt, daß eine ganze Anzahl Arbeiter und Parteigenossen in� die Wählerliste nicht aufgenommen sind; es ist daher Pflicht eines jeden, sich davon zu überzeugen, ob sein Name auch in die Wählerliste eingetragen ist. Diejenigen, deren Namen in den Listen nicht vermerkt sind, haben sofort mündlich bei dem Magistrat Einspruch gegen die Richtigkeit der Wählerlisten einzulegen. Die Listen liegen während der Tienststunden im Stadtsekretariat Zimmer Nr. 13— 14 des Rathauses nur noch bis zum 39. August in der Zeit von vormittags 9— 1 Uhr und nachmittags von 3—6 Uhr zu jedermanns Einsicht aus. In Betracht kommt die Wohnung, welche der Wähler am 1. Oktober 1998 innegehabt hat.- Für diejenigen, welche keine Zeit und Gelegenheit zur persön- lichen Einsichtnahme haben, haben sich nachstehende Personen bereit erklärt, Einsicht in die Liste zu nehmen: E. Koepnick, Restaurateur, Pichelsdorfer Straße 39. H. Reinert, Restaurateur, Földerichstr. 6. Fr. Böhls, Restaurateur, Havelstr. 29. Ferd. Schuster, Restaurateur, Wröhmännerstr. 11. Alb. Mette, Restaurateur, Bismarckstr. 6. Jul. Feuerherdt, Kurstr. 21. K. Heilig, Frobenstr. 12. K. Gottwald, Restaurateur, Schönwalder Straße 89. G. Sachs, Schuhmachermeister, Pichelsdorfer Straß« 11. R. Wels, Barbier, Seeburger Straße 38. Fr. Götze, Restaurateur, Seeburgcr Straße 88. Krüning, Barbier, Seegefelder Straße 116. W. Pieper, Zigarrenladen, Metzer Straße 12. Otto Arendt, Seifengeschäft, Lynarstr. 7. E. Köppen, ,.Vorwärts"°Spedition, Jagowstr. S. Gerichts-Leitung. Zwei Bauernfänger, welche die Warteräume der Bahnhöfe unsicher gemacht hatten, wurden am 4. Juni d. I. durch die Aufmerksamkeit eines Kriminalbeamten auf frischer Tat ertappt. Der Bäckergeselle �Zbaerzinak war am 4. Juni aus seiner polnischen Heimat das erste Mal nach Berlin ge- kommen. Auf dein Schlesischen Bahnhof wurde er von zwei Lands- lenten in seiner Muttersprache angeredet. Alle drei suchten den Warterauin vierter Klasse auf. wo bei Bier und Schnaps ein fröh- licheS Wiedersehen gefeiert wurde. Infolge des reichlich genossenen Alkohols überfiel den Z. bald eine große Müdigkeit und nach kurzer Zeit war er auf der Banl eingeschlafen. Die beiden„Landsleute" überzeugten sich erst davon, daß ein am Nebentisch sitzender anscheinend dem Arbeiterstande angehöriger Mann ebenfalls fest schlief und begannen dann die Taschen des Z. auszuräumen. Hier- bei wurden sie jedoch durch den scheinbar schlafenden„Arbeiter" ge- stört, der ihnen plötzlich eine kleine Mcssingmarke vorhielt, mit welcher er sich als der Kriminalschutzmann Busdorf legitimierte. Die beiden Fledderer ergaben sich in ihr Schicksal und ließen sich willig abführen. ES waren dies die angeblichen Arbeiter Joseph Z a y a c und Joseph Ku cera. DaS Schöffengericht verurteilte beide zu je drei Monaten Gefängnis. Während sich Kucera hierber be- ruhigte, legte Zayac Berufung ein, die aber von der Strafkammer verworfen wurde._ Durch Nichtaufnahme einer Berichtigung sollte sich der Redakteur einer medizinischen Fachschrist strafbar ge- macht haben. Der Angeklagte L. hatte in einem Artikel daS von der Firma Pierson hergestellte Mittel Lactagol-Jodvasogen als minderwertig bezeichnet und sich auch sonst noch gegen die Firma gewandt. Eine Berichtigung der Firma nahm er nicht auf. Er rechtfertigte dies damit, daß die in der Berichtigung angegebenen Tat- fachen zum Teil nicht der Wahrheit entsprächen, was er beweisen könnte. Zur Aufnahme einer solchen Berichtigung sei er nicht verpflichtet, weil nach 8 11 des Reichspretzgefetzcs zu den Voraussetzungen, unter denen eine Berichtigung aufzunehmen ist, die gehöre, daß sie sich auf t a t s ä ch l i ch e Angaben beschränkt. Tatsächlich wäre, was wahr fei, also müßten die Angaben der Berichrigung der Wahrheit entsprechen. Durch Gerichtsurteil wurde jedoch die Auf- nähme der Berichtigung in die„Therapeutische Wochen« schrift" angeordnet und daS Landgericht als Berufungsinstanz verurteilte außerdem den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1 Mark, im Gegensatz zum Schöffengericht, welches den letzten Satz des Z 19 deS Preßgesetzes angewendet hatte, wo gesagt ist:„Ist die unberechtigte Verweigerung(der Auf- nähme der Berichtigung) im guten Glauben geschehen, so ist unter Freisprechung von Strafe und Kosten lediglich die nachträgliche Auf- »ahme anzuordnen." Das Landgericht ging davon aus, daß An« geklagter mit der Annahme irrte, daß nach§ 11 des Gesetzes nur Berichtigungen aufgenommen werden brauchten, welche der Wahrheit entsprächen. Dieser Irrtum beireffe den gesetzlichen Umfang der BcrichtigungSpflilht, fei also ein.st r a fr e ch t l i ch e r Irrtum und könne vor Strafe nicht schützen. Denn der§ 1 9, letzter Satz, des Preßgesetzes habe für Preßdelrkte eine Abweichung von den. allgemeinen strafrechtlichen Grundsätzen über den Jrrlum nicht beabsichtigt. Mit dem guten Glauben sei dort nur ein Irrtum ge- meint, der sich auf das Vorhandensein einer der tatsächlichen Voraussetzungen des§ 11 beziehe. Nur ein solcher solle von Strafe befreien. Darum handele es sich hier nicht. Der Ferien-Strassciiat deS Kammergerichts verwarf die gegen das Urteil eingelegte Revision mit folgender Begründung: Nach dem Gesetz habe dem Angeklagten nicht das Recht zugestanden, zn prüfen, ob die Berichtigung wahr oder unwahr sei. Er habe die Berichtigung einfach aufzunehmen, sofern sie den formalen Voraussetzungen des K 11 entspreche. Das sei festgestellt. Mit„tatsächlichen Angaben" im Sinne des Z 11 seien nickt wahre Angaben gemeint, sondern lediglich Angaben tatsäcklichcr Art. Wenn der Angeklagte über den Umfang der rechtlichen Verpflichtung irrte, dann sei das ein Irrtum über den Inhalt gesetzlicher Bestimmungen, der ihn von der Strafe nicht befreit._ Vermischtes. Die Explofionskatnstrophe in Genf. AuS Genf wird hierzu noch gemeldet: Die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle der gestrigen Gasexplosion haben die ganze Nacht fortgedauert. Die Gesamtzahl der Toten beträgt 13; eS find drei Ingenieure, ein Werkincister und neun Arbeiter deren Leichen bis 9 Uhr vormittags alle geborgen waren. Unter den Toten be- finden sich auch der Pariser Ingenieur Parvillie. der im Augenblick der Katastrophe die GaSfabrik besuchte. Der Dienst deS Gaswerkes ist vollständig eingestellt, so daß die Stadt für einige Zeit ohne GaS sein wird. Die Rettung der Opfer ging schnell von statten. Die in der Fabrik geborgenen Verwundeten sind schrecklich verstümmelt. Die Kleider sind in Fetzen zerrissen. Eine ungeheure Menschenmenge umlagerte bis zum späten Abend die Unglücksstätte. Stellenweise kam es zu einem heftigen Gedränge; Automobile und Fiaker eilten von allen Seiten herbei, vermochten aber nicht vorzudringen. Alle umliegenden Straßen sind mit Trümmern übersät. Hunderte von Wohnungen sind unbewohnbar geworden. Nach Aussagen eines Arbeiters, der im Moment der Explosion sich in einer Kanalanlage befand, soll die Explosion infolge Ent- zündung von Gasen durch Funken, die bei Steinarbeiten a» der Kanalanlage hervorsprangen, herbeigeführt fei». Der Blitzschlag in den Kirchturm. Aus der mittelitalienischen Stadt Lucca wird gemeldet: In den Kirchturm des Dorfes Gello schlug der Blitz ein. Der Turm durchschlug im Sturze das Kirchen- dach, durch dessen Trümmer zwei Frauen ge. tötet und 15 Personen verwundet wurden. Eine Schiffskatastrophe. Von einem furchtbaren Schiffsunglück gibt ein Telegramm aus Buenos Aires Kunde. Der argentinische Dampfer„Co- lumbia", der Passagiere nach Montevideo an Bord hatte, stieß mit einem deutschen Dampfer, der den lokalen Passagierver- kehr vermittelt, am Eingang des Hafens von Montevideo zu- sammen und brachte ihn z u m S i n k e n. Es sollen 15V bis '.ZVV Personen, meistens Frauen und Kinder, ertrunken und nur wenig Passagiere gerettet sein. Der Kapitän versuchte Selbstmord zu verüben, wurde aber daran verhindert. Nach einer späteren Meldung aus Buenos Aires ist bei dem Zusammenstoß nicht der deutsche Dampfer, sondern der argentinische Dampfer„Columbia" gesunken. Näheres über den deutschen Dampfer ist nicht bekannt. London, 2i. August. Nach einer Lloydmeldung aus Montevideo ist der deutsche Dampfer, der mit dem gesunkenen argentinischen Dampfer„Columbia" kollidierte, der Dampfer des Norddeutschen Lloyd„Schlesien", der ebenfalls bei dem Zusammenstoß Be- schädigungen erlitt.— Die erste Meldung, daß es sich um einen dem Lokalverkehr von Montevideo dienenden deutschen Dampfer handle, ist somit unzutreffend._ Zum Unglück des französischen Ballons„Bayard Clement" wird noch gemeldet: Das Luftschiff„Bayard Clement" ist jetzt völlig aus dem Wasser gezogen. Man hofft, daß es in vierzehn Tagen wieder aufsteigen kann. In der Gondel des in die Seine geratenen Luftschiffs„Bayard Clement" befand sich auch der russische Oberst Nach. Nach LM-stündiger glücklicher Fahrt waren die Landungsseile bereits ausgeworfen, als ein starker Windstoß das Unglück herbeiführte. Es wird behauptet, daß der russische Oberst Nach an der Katastrophe schuld sei. Ein Privattelegramm aus Paris erklärt: Der Sturz des„Bayard Clement" in die Seine rst darauf zurückzuführen, daß der russische Oberst Nach von Angst er- griffen wurde, als sich der Ballon der Seine näherte, und die Reiß. leine zog. Sozialdemokratischer Lese-«nd DiskntierNuv„Heinrich Heine". Heute abend k'/, Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenberastraße S. Lese-«nd Diskutierklnb„Südost". Heute abend 8'/, Uhr- Sitzung bei H. Ncidhardt, Görlitzer Straße 53. Gäste willkommen. Eingegangene DmcKfdmften. Original und Reproduktion. Zeitschrift sür Kmisthandel und Kunst sammlungen. Bd. 2. Hcjt 2. Herausgeber H. Loose. G. F. Schacht, Leipzig. Künstlerpostkarten für das Gordon.Benuett-Wettfltege« 1909. 6 Karten 1,50 Fr. Vertriebsslelle Zürich II, Mhthenftr. 23. Trennung von Staat»nd Kirche. Von E. Vogtherr. 10 Ps. Deutscher Freidenker-Bund, München 31. Berliner Kalender 1910. Herausgegeben vom Verein sür die Ge> schichte Berlins. Illustriert von H. Baluschek. 1 M. M. Oldeubourg, Berlin LVV. 48. Bnefkaften der Redaktion. Die surlstische Etz rech stände sindet Linde» st ratze 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppe», Fahrstuhl-»NN wochentäglich abends von 7a tiS 9a Uhr statt. Gedsfiict 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um C Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eint Zahl als Merkzeichen beiznsügcn. Briefliche Antwort wird nicht rrtellt. Bis zur Beantwortung im Bricskasten tonne» 1t Tage dergehe«. Eilige Frage» trage man t» der Sprechstunde vor. M. H. Die Herbstmesse beginnt am 29. August und dauert 22 Tage. — Z. 101. Wie Tätowierungen entfernt werden, sagt Ihnen gewiß ein Arzt.— A. B. Versuchen Sie bei der Landesversicherung durch Person liche Vorstellung die Erhöhung des Krankengeldes, das bis zum vollen Krankengeld geschehen kann, zu erzielen. Nebenbei aber wenden Sie sich an die Stistungsdcputation des Magistrats, Poststraße lg.— E. P. 40. An der Zollabscrtigungsstelle des Anhalter BabnhofeS werden Sie auf Aufrage genaue Auskimst bekommen.— G. 8. In solcher Allgemeinheit ist die Frage nicht zu beantworten. Legen Sie das Fell mal einem Kürschner vor. — G. 8. 1205. 1. Nicht nur bestiegen, sondern auch befahren mittels der Zahnradbahn. 2. Gaurisankar(Moni Eoerest, Himalaya) 8840 Meter. — R. B. No. 1. Ein seltenes Metall, das tn der Farbe zwischen Eisen und Blei, sehr geschmeidig und schneidbar wie Blei. Seine Bezugsquellen sind un» nicht bekannt.— Vrieskasteu. 1. Der Platz ist siSkalilches Eigen» tum. Od und welche Veränderungen geplant sind, entzieht sich unserer Kenntnis. 2. Uiber Pferde oder Wetten können wir Auskunft nicht erteilen. — G. A. 24. Die Frage wird Ihnen ein Gärtner sicherer beantworten können als wir.— A. A. Am 19. Juni 1382 war das Eisenbahnunglück bei Steglitz.— Martha. ES wäre zu empfehlen, wenn Sie vorher Ihre Tochter in die Ktnderpflegerinnenschule Stallschreiberstr. 54 entsenden wollten. Meldungen bei Fräulein Anua Zehrseld, Oranienstr. 189, von 1 bis 2 Uhr. Schulgeld monatlich 3 M.— M. M. 100. Nein. — A. T. 233. Wollen Sie nicht gesälligst einmal in unserer Redaktion von S— 8 Uhr abends vorsprechen.— 8. G. Beelitz, Heilstätte B. I. Die Sätze richten sich in der Regel nach dem Alter der Kinder.— Krcma- toriuu» I. D. 1000. Sie muffen oann auch den Bricskasten versolgen. In der Nummer 185 vom II. August ist Ihre Auslage beantwortet.— E. H. 51. Die Revisionen sollen nicht angemeldet werden. Es wäre aber recht gut, wenn Sie den Vorgang der Berliner Gewerkschastskommilsion einmal vorlragen wollten.— B. W. 63. 1. In der tgl. Eharitä, Ab- teilung für Massage. 2. Beide Bankhäuser sind in der Behrenstraße. 3. Im Münzkabinelt deS Kalser-Friedrich-MuseumS.—®, M. 93. Nein. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-DireMon über den Großhandel in den Zciitral-Marlthallcn. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend. Geschält schleppend. Preise unverändert. Wild: Zu» suhr genügend, Geschäst lebhast, Preise befriedigend. G e s I ü g e l: Zusubr in Gänsen über Bedarf, sonst knapp, Geschäst stau, Preise besriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäst schleppend, Preise nachgebend. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr reichlich, Geschäst rege, Preise wenig ver- ändert. WttterungSüberstcht vom 34. August 1909. morgens 8 Ubr. Wetterprognose für Mittwoch, den 85. August 1909. Am Tage mäßig warm bei etwas lebhafteren südwestlichen Winden, langsam zunehmende Bewölkung und etwas Regen. Berliner Wetterburean. WasserftandS-Nachrlchten der LandeSanitalt für Gewässerkunde, milgetellt vom Berliner Wetterburean. Wafferstand M e m- l. TIlstt P r e g e l, Jnftcrbmg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, LeiUneritz , Dresden , Barby , Magdeburg Wafferstand Saal«, Grochlltz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Sprcmberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Ii h e l a, MaximilionSa» , Kaub , Köln Neckar, Heilbroim Main, Wenheim Mosel, Trier am 23. 3. cm SB 63 64 108 -32 440 203 184 43 95 18 'est 22. 8. ein —2 —2 +3 0 -2 -14 +8 — 1 n +1 0 1+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Unlerpegel. SozialdeniDkratiseher Wablverein für den 4. Beri. Beiebstags-Wablkreis. Stralauer Viertel. Bezirk Nr. 328 L Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Töpfer Gustav Bieck Stralauer Allee 20a gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 25. August, nach» m!ttags 4 Uhr, von der Leichen- halle des AndreaS-Kirchhoses in Ailhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 219/15 Der Vorstand. i Zentraiverband der Töpfer i Deutschlands Filiale Berlin. Todes- Anzeige. _ Am Sonntag, den 22. August, ■ verstarb plötzlich der Kollege Gustav Bieck (Bezirk Osten) im Alter von 32 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute : Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von i der Leichenhalle des Markus. 5 Kirchhofes in Neu- Hohenschön- Hausen, Berliner Straße, aus statt. 193/3 Der Vorstand. | Sozialdemokratischer Waiilvereiii \i ßerl. Reichstags- ffaMtreises. Todes- Anzeige. Am 21. August verstarb unser 1 Mitglied, der Arbeiter Hermann Lckubert (Brunncnstr. 65.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute MItt- i luoch, den 25. August, nachmittags 3 Uhr, vonder Leichenhalle des städ- I tischen Friedhofes w Friedrichsselde , aus statt. Um rege Beteiligung ersucht j-229/19 Der Vorstand. - jzjasg j>ii m■iiiMaac— bjm iwimuvi Arbeiter-Wanderbund „Die Naturfreunde". Nachruf. Aus einer Wanderung durch / üommern verunglückte am DienS- ! tag, den 17. August, in der Nähe j oon Treptow a./T. beim Baden [ in der Tollense unser Mitglied Paul Schäfer | im Wer von 27 Jahren. Er wollte Rettung brwge» und I lleß dabei fem Leben. Sir verloren in dem Ver- \ unglücktcn einen guten Genossen. -ein Andenken werden wlr stets > in Ehren halten. Die Beerdigung hat am Frei- I tag, den 20. d. M. in Kesfia bei Treptow a./T. stattgesunden. 1/9 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Ker macher Immanuel Brök! am 21. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 25. August, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle deS Augusta-Hospltals aus nach dem Dankes-Fnedhof, Müller- straße, statt. Rege Beteiligung erwartet 122/2 Die Ortsverwaltung. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter Otto Schmidt am 23. d. M. an Nierenleiden. Edre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. d. M., nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen-! alle des Phiiipp-Aposlel-Kirck oscS in der Müllerstraße, Eck Scestraße, auS statt. Reg« Beteiligung erwartet Die Drtsverwaltung. Kathreiners Malzkaffee ilt nickt teurer getvorclen! Er wird nach wie vor in allen eins chlägigen Gesch ästen zu den seitherigen Preisen abgegeben. Kathreiners Malzkaffee eignet sich wegen seines angenehmen aromatischen Geschmackes, seinerabsolutenBekömm- lichkeit und seiner Billigkeit am besten als tägliches Familiengetränk. Man beachte die jedem Paket aufgedruckten Kochvorschriften. In ganzen, halben und viertel Paketen; das viertel Paket nur 10 Pfg. 92/12 Xelltfslverbsnck deutscher ßrauereiarbeiter. Zweigvrrein Berlin. Knchraf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Flaschen- leller-Arbetter CicorK Stein (Schultheiß« Brauerei, Abt. N) nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 43/7- Dia Ortsverwaltung tei veranstalte ich Am Sonnabend, den 21. d. M.. starb nach kurzem Leiden unsere iniiigstgcliebte Tochter, Schwester und Schwägerin »ildegard Kupfer im 7. Lebensjahre. Die? zeigen tiesbettübt an Danl Kupfer u. Familie, Petersburger Str. 56. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 25. d. M., nachm. 5 Uhr, von de» Leichenhalle des städtischen Zenttalsriedhoses tn Friedrichsselde aus swtt. Allen Freunden, Kollegen und Gästen sowie den Mitgliedern des SparvcreinS„Achilles" herzlichen Dank sür die zahlreichen Ehrungen zu unserem Ehejubiläum. 2191L Friedrich Reineckou.Fran, Gastwirt, _ Rixdors. Ziethenstraße 68. f Mittwoch und Donnerstag'M. fl» Total-Räumimgs-AusYerkauf«J" 5 bis auf zum Teil V3,'/dt Vö Bolbst»uk Vtz des• j \ Originalwertes lierabgeselzien Preisen! // Zu domsolben Zwecke gratis schon bei Einkauf von nur 12 Mk. an; passenden Stoff zu einem gediegenen Bordüren rock!»EvdrV-jffs pn?» et* Es gelangen im besonderen zum Verkauf! 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I., abends 8>/, Uhr, tt« Schulz' Prachtsälcn, Am Königsgraben 14a. Tagesordnung! 1. Statutenänderung. 2. Verschiedenes. Anfragen«nd Beschwerden, zu welchen dt« Einsicht in die Luissen- bücher notwendig ist, müssen müud- llch oder schrijttich bchuss Bcant- Wartung derselben in der General- Versammlung bis zum 5. September d. IS. dem Vorstande mitgeteilt werden. NOOb Da die Versammlung präzise 8'/, Uhr eröffnet wird, so ist pünktliches Erscheinen der Herren Vertreter un- bedingt erforderlich. Das Mandat legitimiert» Berlin, den 24. August 1909. l»er Vorstand Fr. Schuld). W. Hetdenhaln. | Billigste Bezugsquelle jdieg.Traoergamo' IWestmannsi Trauer-Magazin | Berlin W.LMohrenstr. 873 1 j NO., Gr. Frankf. Str. 115. Genaue Beachtung | meiner Pinna u. Haus-] nummer geboten!• I gofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dactof ütoquettz. Pldsch-uv jIC. Satteltaschen. »»MW Zimmer Treppen Läuferstoffe Kocos Haargarn. Velour etc. Mnster'g/X franko. 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