Ur. 200. BbonnemcntS'Bcdlngungen: HSonncmcntS- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3£0 Tit., monotL 1,10 Ml, wöchcnllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer k Psg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue SSelt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, 'Nim, Schweden und die Schweiz, vliMni tilgUch iiliLer lllsotzg«. 30. Jahrg. Vevliner Volksblott. Zcntralorgzn der rozialdcmokrati feben parte» DeutfeMands. Die TnlertionS'Gebflbr betrügt für die scchsgespaltenc Koloncl« zeile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gcwcrlschastliche Vereins- und LersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Aleine Anreizen", das erfie lfelt- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellm-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 0 Pfg. Worte über 10 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet Telcgramin- Adresse: «S»Äi»i>em»Mt RcrUn" Redaktion; SM. 68, Lindcnatraaac 69« Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den 28. Angnst 100S. Expedition; SM. 68» Lindenatraaae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die GewerWchaften im Jahre 1908. Die wirtschaftliche Depression, die den Tiefstand früherer wirtschaftlich ungünstiger Konjunkturen weit übertraf, hat im Jahre 1908 für die gewerkschaftlichen Organisationen schwere Opfer erfordert. Nicht nur ein Verlust an Mit- gliedern ist eingetreten, sondern auch ungeheure finanzielle Anforderungen wurden an die Organisationen gestellt, um die Not der Mitglieder wenigstens in etwas zu lindern. Die Befürchtungen, die in Gewerkschaftskreisen bezüglich des Mit- gliederverlustes auftauchten, haben sich indes glücklicherweise nicht erfüllt. Mitgliederbestand. Betrachten wir die Entwickelung der gewerkschaftlichen Organisationen seit dem Jahre 1891, so will der Verlust von 33 775 Mitgliedern im Jahre 1998 nicht viel besagen. Erfreulicherweise zeigt sich auch das weibliche. Proletariat mehr der gewerkschaftlichen Werbearbeit zugänglich. Fol- gende Tabelle gibt eine Uebersicht, die die Mitgliederbewegung überhaupt und die des Anteils der weiblichen Mitglieder am Gesamtbestand veranschaulicht: Jahr 1891 1892 1893 1894 1893 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1903 190« 1907 1903 Mitglieder- zahl insgesamt 277 639 237 094 223 330 246 494 259 173 329 230 412 339 493 742 380 473 630 427 677 810 733 206 887 693 1 032 108 1344 803 1 689 709 1 863 306 1 831 731 Gegen Vorjahr Zunahme m Proz. 10,2 6.2 27.0 23,2 19,7 17,3 17,2 8.2 21,0 18,3 27,3 23,6 10,4 Weibliche Mitglieder Anteil an über« Haupt 4 338 3 384 3 231 6 697 13 263 14 644 13 481 19 280 22 844 23 699 28 213 40 666 48 604 74 411 113 908 136 929 133 443 Gesamt- Mitglieder- zahl in Proz. 1.8 2.4 2,1 2.3 4.6 3.3 2.7 3,3 3.3 3.4 3.3 4.3 4.6 3.7 7.0 7.3 7,6 Von 1891 zu 1892 war ein Verlust von 49 610 Mitgliedern gS verzeichnen, von 1892 zu 1893 ein solcher von 13 519 und im Jahre 1901 von 2917 Mitgliedern. Der Verlust anfangs der neunziger Jahre traf die Gewerkschaften weit härter, als der im letzten Jahre und er erklärt sich, wenn man berück- sichtigt, daß die Gewerkschaften in den drei vorhergehenden Jahren nicht weniger als rund 800 000 Mitglieder gewonnen hatten. Finanzen. Die Einnahmen und Ausgaben der Verbände haben sich im letzten Jahre nicht erhöht, sondern sind etwas zurückgegangen. Dagegen stieg der Vermögensbestand von 33 242 545 M. im Jahre 1907 auf 40 839 791 M. im Jahre 1908. Die Einnahmen verringerten sich von 51 396 784 M. im Jahre 1907 auf 48 544 396 M. im Jahre 1908. die Aus- gaben von 43122 519 M. auf 42 057 516 M. Pro Kopf der Mitglieder berechnet fiel die Einnahme von 27,55 M. auf 26.50 M., die Ausgabe von 23.12 M. auf 22,96 M.. während der Vermögensbestand von 17,82 M. auf 22,30 M. stieg. Nach besonderen Erklärungen für die Verringerung der Einnahmen braucht man nicht zu suchen. Die überaus große Arbeits- losigkeit machte es den Verbandsmitglicdern unmöglich, ihre Beiträge zu bezahlen und in vielen Organisationen wurden die Mitglieder während der Dauer der Arbeitslosigkeit von den Beiträgen befreit. Dann darf man aber auch nicht über- sehen, wie enorm die Beitragsleistung in den letzten Jahren gesteigert worden ist. Es hatten die Verbände: Einnahmen Ausgaben Kassen- vermögen pro Kopf der Mitglieder berechnet M. M. M. 1891 1893 1900 1903 1906 1907 1903 6,63 11,63 13.89 20,68 24,62 27,33 26.30 9.62 9.36 11,89 18,61 21,88 23,12 22,96 2,33 6,96 11,38 14,69 14,93 17,82 22,30 Es ist erklärlich, daß in einer Periode so ungünstiger Wirtschaftskonjunktur, wie sie im Jahre 1908 vorhanden war, die Gesuche um Stundung oder Erlaß der Beiträge in großer Zahl gestellt und von den Organisationsleitungen berück- sichtigt werden mußten. Es wäre verfehlt, aus der Vor- Minderung der Einnahmen im Jahre 1908 den Schluß ziehen zu wollen, als wäre die Opferwilligkeit der Arbeiter für ihre Organisationen zurückgegangen. Die Jahresausgaben für 1908 im Gesamtbeträge von 42 057 516 M. sind nur um rund 1 Million Mark niedriger als im Jahre 1907, obgleich die Aufwendungen für Streiks und Aussperrungen um 8 244 474 M. geringer waren als im Vorjahre, wogegen die Ausgaben für sonstige Unter- stützungen enorm gestiegen sind. Auf die einzelnen geWerk- schaftlichen Zwecke entfielen 1908 an Ausgaben: Organisationen M. Reiseunterstützung........... 47 Umzugsunterstützung..........38 Arbeitslosenunterstützung......... 43 ArbeitSunfähigen-sKranien-sUnterstiitzung... 51 Jnvalidcnunterstntzung......... 8 Beihilfe in Sterbefällen......... 48 Beihilfe in Notfällen.......... 47 Streiks im Beruf........... 34 Streiks in anderen Berufen und Ausland... 37 Rechtsschutz.............. 53 Gematzregeltenunterstützung........ 48 Verbandsorgan............ 62 Bibliotheken............. 39 Unterrichtskurse............'.. 29 Statistiken.............. 14 Agitation.............. 60 Druckschriften, Broschüren usw........ 54 Stellenvermittelung........... 18 Konferenzen und Generalversammlungen... 34 Sonstige Zwecke............ 59 Beitrag an die Generalkommission..... 61 Beitrag zu internationalen Verbindungen... 27 Beittag an Kartelle und Sekretariate.... 44 Prozeßkosten............. 18 VerwaltnngSkosten, persönliche....... 62 BerwaltungSmaterial.......... 61 64 884 217 M. 27108 347. 25 518 967. 9 267 612, 6 886514. 1 184 353 290 157 8 134 388 8 473 853 419 781 666 494 308 976 4 750 347 69 052 326 765 1 440 263 2 071 297 152 781 85 743 54 812 2 480 059 362 563 61 991 433 403 1843 011 279 613 40 332 662 613 33 302 819 531 576 878 In wie enormer Weife sich die Aufwendungen für Unterstützungen im letzten Jahre gesteigert haben, mag eine Gegen- Überstellung der hauptsächlichsten Ausgabepostcn zeigen. Es verausgabten die Gewerkschaften 1903(in Parenthese die Aus- gäbe für 1907) für: Reiseunterstützung 1 184 353(869 148) M., Unizugsuuterstützung 290157(273 716) M., Arbeitslosenunterstützung 8 134 388(4 373 012) M., Arbeitsunfähigenunterstützung 8 473 833 M.(5 633 337 M.), Beihilfe in Stcrbefällen 666 494(642 383) M., Beihilfe in Notfällen 508 976(467 707) M.. Gematzregeltenuntcrstützung 1 440 263(1 010 045) M. In den letzten 13 Jahren verausgabten die Zentral- verbände für Streikunterstützung........... Arbeitsunfähigen-vie der Verfasser versichert, in Lohnreduktionen! Während es dem Weltverband der Diamantarbeiter ge- lang, durch Vereinbarung mit den großen englischen Diamanten» kompagnien eine Herabsetzung dcS Lohnes der Diamant» arbeiter, speziell auch der Hollands, zu verhüten, mußten sich bereits in den letzten Jahren die deutschen Diamantarbciter, angeblich aus Konkurrenzrückslchten gegenüber der holländi- scheu Industrie, Lohnkürzungen gefallen lassen. Doch verhieß man den Arbeitern eine Ausbesserung der Löhne, falls es durch eine Diamantproduktion in den eigenen Kolonien gelinge, sich der englischen Synhikatögetvalt zu entziehen. Nun haben sich diese Funde eingestellt. Nun werden deutsche Kolonialdiamanten aeschorffen. Aber diese„deutsche" Ware ist von minderer Oualität, häufig nicht gut auSkristalli» siert. so daß die Bearbeitung weit schwieriger ist, als die der englischen Ware. Trotzdem wird unseren deutschen Arbeitern keineswegs ein höherer Lohn gezahlt. Im Gegenteil I »Dieser deutsche, koloniale Diamantensegen hat demnach nicht, wie unsere Dattellistenschwärmer behaupteten, für die deutsche» Diamantarbeiter wirtschaftliche Lorteile und eine Rückgängig, machung der früher erfolgten Lohnkürzungen gebracht, sondern das Gegenteil davon ist eingetreten: noch weitere Lohn- reduktionen und eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse der in Be» tracht kommenden Arbeiter.... Gefördert wird dieser 1„Segen unserer Kolonien' für die Unternehmer noch dadurch, daß die in Betracht kommende Reichs- behörde in gänzlicher Vcrkennung der Marktverhältnisse sucht, den englischen Minen Konkurrenz zu machen. Dabei haben die verantwortlichen Stellen natürlich nicht» weiter im Sinne, als die Züchtung von Millionären. Den deutschen und auch ausländischen Unternehmern Riesenprofite— den deutschen Diamantarbeitern noch niedrigere Hungerlöhne. Das ist de» Segen unserer Kolonie für die dcutichcn Diamantarbeiter. Diese Politik der ReichLregierung: Millionäre auf Kosten der deutschen Steuerzahler zu züchten, die doch durch ihre Steuerkrost erst die Existenz der Kolonien und den Berkehr mit diesen ermög- lichten, veranlaßt jetzt sogar ausländjische Unternehmer in Deutschland Dmmantlchleifereien zu errichten, um dadurch billiger wie in Holland produzieren zu können. Diese größeren Prosite au» der billigeren Arbeitskraft der deutschen Arbeiter, die nur deswegen erzielt werden können, weil man im »Reiche der Sozialreform" alle wirtschaftlichen Be- strebungen der Arbeiterschaft durch die preußische Polizeibrille be- trachtet, müssen ja ausländische Unternehmer zur Errichtung von Diamantschleifemen im Jnlande geradezu zwingen... Die holländischen Diamantarbeiter mußten bisher schon mit der deutschen Schmutz lonkurrenz, ausgeübt von einem Teil der deutschen Diamant- arbeiter unter dem Schutz, den da» Reich und seine Behörden den fremden Unternehmern angedeihcn, rechnen. Jetzt aber wird naturgemäß die Zahl der Kleinbetrieb« in der Diamantindustrie immer größer, die von ausländischen Unternehmern in Deutschland eingerichtet werden, weil die holländischen Diamant- arbeiter auf Preise halten. In den vom Verkehr seitab gelegenen Orten, wo billige Lohnarbeit zu haben ist, werden sogenannte Kommissionsgeschäfte errichtet. d. h. solche Diamantschleifereien, deren Leiter eiu deutscher Dianiantarbeiter ist, der nun als Meister und auch als Lehrlingszüchter diesem Betrieb vom Eigentümer vor- gesetzt wird und der von Holland die Rohware erhält, die er nach Fertigstellung zu den niedrigsten Löhnen an seinen Thef im Auslände zurückgelangen läßt. Der wirkliche Eigentümer der Schleiferei und der darin verarbeiteten Ware bringt die letztere nun aber nicht etwa auch zu billigeren Preisen auf den Markt? o neinl Rur seinen eigenen Profit steigert er dadurch." Das ist der Segen der Dernburg-Diamantm für das deutsche Proletariat! Nne Handvoll Spekulanten bereichert sich— die Masse des Volkes hat aber nicht nur nichts von den Diamantfiindcn, sondern sogar die Löhne der Diamantarbeircr werden herab- gesetzt I Und wenn schließlich auch ein paar Millionen Reichs- einnahmen aus den Diamantfunden absallen, so genügen diese Einnahmen noch nicht, um auch nur die Zinsen des für den Hererokrieg verausgabten Kapitals zu decken. Wohl aber muß der glorreiche Diamantenruinniel dazu herhalten, künftig erst recht die ungeheuerlichsten Ausgaben für die Kolonien als eine»rentable KapitalSanlage" zu rechtfertigen! Eine Reichsvcrbandsstütze. Unter trteser Spitzmarke hatte die»Leipziger Volkszeitung' am 30. Juni mitgeteilt, daß der zweite HauptgeschästSführer des Reichs- Verbandes Dr. Ludwig« Berlin gegen den Genossen Adelung von der„Mainzer VolkSzeitung' Privatklage Ivegen Beleidigimg erhoben habe. Die»Leipziger VolkSzeitung' teilte den wesentlichen Inhalt deS Artikels unseres Mainzer ParteiblatteS mit, woraus Herr Ludwig auch die»Leipziger VolkSzeitung' vor den Kadi zitierte. Am 25. August wurde nun in dieser Sache vor dem Leipziger Schöffengericht gegen den verantwortlichen Redakteur der»Leipziger Volkszeitung', Genossen Hermann Müller, verbandelt. Genosse Müller wies darauf hin, daß in bürgerlichen Kreisen der ReichSverband ebenso abfällig beurteilt werde, wie in der sozialdemokratischen Partei. Die KampfcSweise des Reichsverbandcs werde als vcr- achtenswert und unwürdig bezeichnet. Hierfür lieferte Genoss Müller eine ganze Anzahl von Beispiele». Der Verteidiger Rechtsanwalt Neu stellte folgende Beweisanträge: t. Für die Tatsache, daß Dr. Ludwig früher Redakteur eines demokratischen, dann eines nationalliberalen Blattes gewesen und hierauf als zweiter Ge- schäftssührer des ReichsverbandeS angestellt worden ist. den General v. Liebert als Zeugen zu laden; 2. den Rechtsanwalt Hcrzberg als Zeugen zu laden für die Tatsache, daß von Ludwig die unwahre Behauptung stammt, Liebknecht habe seinerzeit von den miS Frankreich heimkehrenden Kriegern als von »zweibeinigen Tieren' gesprochen; 3. den konservativen Parteisekretär Gränpner zu laden, der bezeuge» soll, daß Ludwig die von ihm ün Wahllanipse in Alzey- Bingen verfaßten Flugblätter von anderen Personen verantworten ließ, und 4. den Chefredakteur Schindt von, �Leipziger Tageblatt' sür die Tatsache als Zeugen zu laden, daß anständige Politiker ei ablehnen, mit dem ReichSverbande zu palticrcii. Diese Beweisanträge akzeptierte das Gericht und vertagte die Verhandlung._ m Der Selbstmord eines Gardegrenadiers. Ende Februar»ahm sich der Gardegrenadisr Zaber vom Regiment Königin Elisabeth das Leben. Er jagte sich eine Kugel in die Brust und erlag bald darauf der Schußvcrletzung. Z. war der Sohn eines hiesigen SchuhniachermeisterS. Er hatte sich freiwillig zum Militär gemeldet; beklagte sich aber wiederholt bei seinem Vater, daß eS ihm beim Militär schlecht ergehe. Ain 6. Dezember v. F. rief er seinen Vater telephonisch nach der Kaserne und behauptete ihm gegenüber, er sei von dem Sergeanten Eber» vorschriftswidrig behandelt worden. Der Vorgesetzte habe ihn morgeiiS beim Antreten auf der Stube neben dem Bett sünszigmal in feldmarschmäßiger Ausrüstung auf« und niederlegen und ihn in die Kniebeuge gehen lassen. Er habe ihn ferner mit Aeußernngcn beleidigt, die an dieser Stelle nicht wieder- gegeben werden können. Der Vater begab sich daraufhin zum Haupt- mann und veranlasste, daß sein Sohn in die Korporalschaft des Unteroffiziers Perrei versetzt wurde. Ende Februar nahm sich darauf plötzlich Zuber das Leben. Er erschoß sich. ES wurde daraufhin ciiic kriegsgerichtliche Uiitersuchmig über da» Motiv eingeleitet, die Wie so oft ein negatives Resultat hatte. Der Vater deS GreiiadierZ beruhigte sich aber hierbei nicht. Er sandte an den Kriegsminister eine Eingabe und forderte, daß ein Straf- verfahren eingeleitet werde. Auf Veranlassung des Generalkommandos wurde denii auch die Anklage gegen denScrgeanten Ebers und die Unter- offiziere Kopp und Perrei erhoben. Gestern hatten sich die drei vor dem Kriegsgericht der zweiten Gardedivision wegen vorschristS- widriger Behandlung beziehungsweise wegen Beleidigting eines Untergebenen zu verantworten. Der Vater des Grenadiers Z. be- kündete, daß ihm sein Sohn das erzählt habe, was er. der Zeuge, in der Eingabe an den Kriegsminister niedergeschrieben. Er könne nur annehmen, daß sein Sohn durch die Behandlung seitens der Vorgesetzten in den Tod getrieben worden sei. Die Beivelsanfnahme ergab jedoch nichts Be« lastende« für die drei Angeklagten. Nicht weniger als 17 Grenadiere. zum Teil Sttlbeukaiiieraven des verstorbenen Z., bekundeten über- einstimmend, daß sie von einer vorschriftswidrigen Behandlung de« I. nichts gesehen hätten. Auch von den beleidigende» Aeußerungen habe» sie nichts gehört. Dagegen sagten alle Zeugen aus, daß Z. im Dienst sehr nachlässig ge- westzii sei. Als nach Vernehmung der Grenadiere der Vater des Z. meinte, die Leute hielte» wahrscheinlich aus Furcht vor den auf der Anklagebank sitzenden Vorgesetzten mit ocr Wahrheit zurück, ließ der Ver- handlungsleiter, KnegsgerichtSrat Dr. Welt, die Grenadiere alle vortreten und richtete die Frage an sie:»Hat irgend einer Angst vor den Vorgesetzten worauf die Leute einstimmig mit .Nein' erwiderten. Die Frage, ob einer der Zeugen einmal beob» achtet habe, daß dem Z. irgend einmal Unrecht seitens der Bor- geletzten geschehen sei, mußten die Leute gleichfalls venielnen. Etwas scharf sei Sergeant Eber» vorgegangei», doch sei der eine so behandelt worden wie der andere. Der Vertreter der An- Nage, KricaSgerichtsrat Kruse, führte unter anderem aus, daß das Dunkel über das Motiv des Selbstmordes wohl kaum aufgeklärt werden könne. Ob Z. tatsächlich selbstmörderische Absicht gehabt habe oder ob er sich nur verstümmeln wollte, bleibe dahingestellt. Der Vater dcS Verstorbenen habe kein Vertrauen zu der kriegsgerichtlichen Unterslichung. die ein negatives Resultat ze,tiate. gehabt, und sei nun an den KriegSmimster herangetreten. Dies sei ein bedauerliches Zeichen der Zeit. Das Kriegsgericht erkannte dem Antrag des Vertreters der An- klage entsprechend und sprach die drei Unteroffiziere frei. Es gibt doch noch hannlose Menschen! Der Herr Kriegs- gerichtsrat Kruse vermag sich nach all den seltsamen, dem Rechtsempfinden deS Volkes aufs schärfste ins Gesicht schlagenden Urteilen, die fast täglich von der Militär- justiz gefällt werden, noch darüber zu wundern, daß der Vater des in den Tod gegangenen Grenadiers Zuber kein sonderliches Vertrauen zur MilitärrechtSpflege hat und nicht zu glauben vermag, sein Sohn habe sich ohne Grund, auS Langeweile erschossen. Außerhalb deS Offizier- korpS wird eS wohl recht wenige urteilsfähige Menschen geben, die zu glauben vermögen, der Soldat habe sich xour xkisior getötet._ Militärjnstiz. Wegen Simulation und verleumderischer Beleidigung verurteilte da? OberkricgSgericht des S. ArnieekorpS in seiner Sitzung vom 13. Mai d. I. den jetzigen Hafenarbeiter H. zu— drei Jahren sechs Monaten Gefäiignis, während die Vorinftanz nur auf 4 Monate Gefängnis erkanitt hatte. H. ist IVOS in das Stolper Husaren-Negiinent eingereiht, ist dann aber wegen aitgeblichen Schwachsinns als zeitig dienstuntauglich entlasse» worden. Noch an demselben Tage schrieb er an das Regiment, er sei von einem Sergeanten und mehreren Husaren i» und außer Dienst mit Klopfpeitschen, Säbelknaufen usw. mißhandelt worden. Die Beschuldigten wurden vom Kriegsgericht freigesprochen, worauf gegen H. Anklage erhoben wurde. Das Kriegsgericht fetzte zimächst die Verhandlung ans und ltoß H. auf seinen Geisteszustand nnter« suchen. Er wurde für schwachsinmg und dauernd dienstunsähig be- filnden. Da er einige raffinierte Betrügereien beging, wurde daS Verfahren gcaen ihn wieder aufaenommen. Jetzt wurde er nach abermaliger Untersuchung für gesimd befunden, worauf er zu der obigen horrenden Strafe verurteilt wurde. H. legte Revision ein, der, soweit verleumderische Beleidigung in Betracht kommt, stattgegeben wurde. In der neuen Verhandlung stellen die Zeugen unter Eid in Abrede, de» H. mißhandelt zu haben. worauf der«»geklagte zu einer Gesaintstrafe Von drei Jahren Gefängnis verurteilt ivurde. Oeftcmich. Der KlenkalismuS gegen di- Freie Schule. In Wien bestehen einige Privatschulen, die der Lerem „Freie Schule' als Musteranstalten errichtet hat. Sie waren der Kirche seit langem ein Dorn im Auge und ihrem Drängen hat jetzt der„liberale" UnterrichtSminister Graf S t ü r g k h nachgegeben und eine Verfügung erlassen, wonach an den Freien Schulen nur solche ReligionSlehrer wirken dürfen, die von der Kirche als zum Unterricht befähigt erklärt werden. Dem will sich der Verein auf keinen Fall fügen, der Verein würde darin, wie sein Vorsitzender Baron Hock erklärt hat, die Verneinung seiner Lebensaufgaben erblicken, und so hoch er seine Unterrichtsanstalten auch schätz«, sie kämen keinen Augenblick in Frage, wenn ihr Fortbestand durch Unterwerfung unter konfessionelle Autoritäten oder gesetzwidrige Entscheidungen schwacher Verwaltungsbehörden erkauft werden müßte. Das Reichsvolksschulgesetz kennt nämlich eine solche Befugnis der Kirche nicht; die Entscheidung des Ministers ist eine Wieder- belebung des alten Konkordats. Der Wiener Bezirksschulrat, der ein Werkzeug der Christlich- Sozialen ist. hat inzwischen schon die Schulen des Vereins g e- sperrt. Im Parlament wird es ob dieser Affäre zu heftigen Kämpfen kommen._ Ein militärischer Gkwa.ltuiarsch. Das„Agramer Tageblatt' meldet auS Nagusa von einem während der in dieser Woche abgehaltenen Manöver durchgeführten Gewaltmarsch, der einige hundert Marode unter der Mannschaft und den Offizieren und such einen Todesfall zux Folge hatte: " Die Truppen ruckten um 4 Uhr morgens b'on Ragusa auS unv kehrten um 3 Uhr nachmittag? in ihre Kasernen zurück. Während des elfstündigen Marsche? wurden zahlreiche Offiziere und Sol- baten vor dem Ziele von Unwohlsein befallen, kehrten in krankem Zustand zurück und mußten ins Spital befördert werden. Unter den Soldaten befinden sich viele, welche die Strapazen deS harten Grenzdienstes im Frühjahr mitgemacht haben und jetzt abermals zu einer so anstrengenden Uebung herangezogen wurden. Der Korrespondent des„Agramer Tageblattes" in Nagusa sprach mit einem im dortigen Spital untergebrachten Soldaten, der erzählte, daß die Mannschaft von 4 Uhr morgens bis 3 Uhr nach- mittags keineNahrung außer einemschwarzenKaffee zu sich nehmen konnte. Die Hitze war unerträglich, kein Tropfen Wasser war zu bekommen. Dreihundert Mann uno dreizehn Offiziere wurden trank. In der Nähe von Nagusa brach der Reservist Johann G o j e d i c auS Lubotki, vom Sonnenstich getroffen, zusammen und war alsbald tot. Der Reservist ist Vater von zivei Kindern und als seine Frau, die Mutter werden sollte, von seinem Tode erfuhr, brach sie gleichfalls tot zusammen. Dia plötzlich zu Waisen gewordenen Kinder— ein zwölfjähriges Mädchen und ein achtjähriger Knabe— begaben sich nach dem Tode der Mutter zu Fuß nach Ragusa. Sie wollten sich, wie sie sagten, nach Wien einschiffen, um zum Kaiser zu gehen und ihn um Rettung zu bitten. Die Gemeinde Razusa nahm sich der Kinder an. gutherzige Leute brachten sie zurück in ihren Heimats- ort. wo sie von Almosen weiterleben. Der Gewaltmarsch rief in der Bevölkerung große Aufregung hervor. Der Meldung ist sehr prompt ein amtliches Dementi gefolgt, das also lautet: Wie nunmehr amtlich festgestellt ist, sind die Zeitungsmeldungen über Gewaltmärsche der Truppen bei den Manövern in Süddalmatien entstellt und ausgebauscht gewesen. Nichtig ist allein, daß einzelne Truppenteile infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse eine über die Norm hinausgehende zeit- weife Aiizahl von Maroden gehabt hat, die jedoch bereits wieder auf daS Normale zurückgegangen ist. Die sensationellen Gerüchte, die von Hunderten von schweren Erkrankungen und von Todes- fällen zu berichten wußten, sind dahin zu berichtigen, daß im Lager ein Landwehrmann durch Blitzschlag getötet, zwei schwer verletzt wurden. Dieses Dementi dürfte es verdienen, mit der allergrößten Vorsicht aufgenommen zu werden. Spanien. Ordnungswirtschaft. In Barcelona und Umgegend finden noch immer neue Ver- Haftungen statt. Nach Pariser Meldungen aus Barcelona wurden zwanzig Individuen, zumeist nationalistische Lehrer, zur Aus- Weisung verurteilt. Vier Lehrer werden noch in Gewahrsam ge. halten. Ein gewisser FranceSco Norat wurde unter der Anklage festgenommen, der Anführer der Meuterei im Stadtviertel Campo Galvani gewesen zu sein und Klöster in Brand gesteckt und ge» plündert zu haben. Ferner wurden 7 Personen, die Mönche auf der Flucht bestahlen, und sechs Frauen und zwei Männer, die in die Ereignisse im Stadtteile der Hospitäler verwickelt waren, gefangen gesetzt. Der Militärrichter an der Spitze von 20 Gendarmen ver- haftete in Planas 16 und in Villalonga 13 Individuen, die an der Zerstörung der Eisenbahn beteiligt gewesen waren. Ferner wurden, wie die„Franks. Zeitung' berichtet, 73 Schutz- leute nachträglich entlassen, weil sie während der Aufruhrbewegung den Dienst verweigerten. Vier werden vor da» Kriegsgericht ge- stellt, weil sie mit den Aufständischen gemeinsame Sache machten. Ein Polizeileutnant, welcher in jener Woche den Dienst verweigerte, wurde ebenfqllS verhaftet. I t-' €ngland. Arbciterschntz in Indien. Lonbon, 25. August.(Eig. Ber.)' Dem gesetzgebenden Rate deS Vizekönigs von Indien liegt seit dem 30. Juli ein Gesetz- entwurf vor, dessen Zweck eS ist, die indischen Fabrikgesetze zu amendieren und zusammenzufassen. DaS Hauptmerkmal deS Gesetzentwurfs ist die Festsetzung eines MaximalarbeitStageS von 12 Stunden für alle Arbeiter in Textilfabrtken. Der Eni- Wurf bezieht sich also auch auf erwachsen« männliche Textilarbeiter. WaS andere Fabriken betrifft, so ist in diesen die Arbeitszeit kürzer, allein der Gesetzentwurf gibt der Regierung die Macht, den MaximalarbcitStag überall einzuführen, wo die Tendenz zur über- langen Arbeitszeit sich bemerkbar macht. Der Entwurf enthält ferner Bestimmungen über Mittagspause, wöchentlichen Ruhetag und über andere zum Schutze der Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter notwendigen Maßregeln., Internationaler Arbeiterschutz. � London, 24. August. Nach einer am 22. d. M. vom AuS- wältigen Amte veröffentlichten Konvention sind die britische und französische Regierung übereittgekommen. die in ihren Ländern bestehenden Gesetze betreffend Unfallsentschäoigung auf französische Arbeiter in Großbritannien und britische Arbeiter in Frankreich auszudehnen.__ Der Premierminister über die RcichSverteidigiingSkoufercuz. Am Donnerstag sprach Premierminister A S q u i t h im Nnter» Hanse über die Reich ZverteidigungSkoiiferenz. Außer schon Be- kanntem teilte er mit: Ciiie Umwandlung ver Geschwader in den Gclvässerii deS ferlien Ostens wurde in Erwägung gezogen auf der Basis der Errichtung einer pazifischen Flotte, bestehend aus drei Einheiten sür die ostindischen, australischen und chinesischen Gewässer. Jede von diesen Einheiten soll bestehen auS einem Panzerkreuzer vom neuen Jndoimtable-Tiip. drei Kreuzern zweiter Klasse, sechs TorpedobootSzerstörern und sechs Unterseebooten. DaS Angebot von Neuseeland und Australien, Schlachtschiffe zu stellen, wurde angc- nommen mit der Modifikation, daß statt der Schlachtschiff« Kreuzer vom Jndomitable-Typ gestellt iverden sollen. Einer von diesen Kreuzen, würde der chinesischen, ein anderer der australischen Station zugeteilt werden.--- Orhel Der Aiifstmld in Aemen. Nach'offiziöser Darstellung hat sich die Lage in Femen ge- bessert. Die Aufständischen sollen mit großen Verlusten zurück- geschlagen worden sein. alS sie einige Militärposten dcS GebictS Sejdi Hadsche angriffen. Andere Meldungen lauten weit weniger rosig. Danach hat der Anführer der Aufständischen Jahna den heiligen Krieg gegen die Türken erklärt. Die fremden Konsuln in Deinen verlangen umgehend Maßregeln zum Schutze ihrer Staatsangehörigen I.Bei der Explosion auf der Zitadelle von Sanaa wurden 172 türkische Sol- baten getötet und mehrere hundert verwundet Die kretische Affäre. Konstantinopel, 27. August. Die türkische Flotte ist von KarpathoS nach Rhodos abgefahren. Der antigriechische Boykott ist gestern eingestellt worden. Marokko. Bn-HnmarnS Einzug in FcS. FeS, 27. August. Der Roghi traf heute früh hier ein, einge- schlössen in einem eisernen Käfig, der aus dem Rücken eines Kameles befestigt war. Der Roghi schien gefaßt zu sein und er, widerte die Spottreden der zusammengelaufenen Menge. Der Sultan unterzog seinen Gefangenen einem 5 Minuten langen Verhör, worauf ex ihn im Palqis einschließen ließ. 6ewerkrcbaftUcbe9# Arbeiterbetrsg. Die christlichen Gewerkschaftsführer, die in so eigenartiger Weise im Reichstage bei Erledigung der Finanzreform die Interessen der Arbeiter„vertraten", müssen nun alle Mittel der Demagogie spielen lassen, um die rebellisch gewordenen Schäfchen zu besänftigen— damit diese weiter sich geduldig scheren lassen, zur Ehre der Kirche und Befriedigung der Liebes- gabenschlucker. Interessant dabei ist, wie die Führer christliche neutrale Pflichten gegen christliche politische Pflichten aus- spielen— das heißt, die Existenzberechtigung der christlichen Gewerkschaften ganz einfach verleugnen. Angeblich war die Gründung christlicher Gewerkschaften notwendig, um auf dem Boden christlicher Grundsätze die wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter wahrzunehmen. Die Forderungen, die die christ- lichen Gewerkschaftsführer in den Organisationen vertraten; die Bestrebungen, die sie bekämpften, müssen daher doch logischerweise christlicher Ueberzeugung entsprossen sein, müssen mit dem christlichen Sittengesetz im Einklang stehen. Was diesen Forderungen entgegensteht, muß, wenn die christliche Moral keine doppelseitige sein soll, als un- christlich gelten. Was aber erlebte man? Die christlichen Ge- Werkschaftsführer als Reichstagsabgeordnete stimmten das nieder, was die christlichen Gewerkschaften forderten, stimmten für das, was diese bekämpften. Und nun verteidigen diese Arbeiterführer ihr gewerkschaftsgegnerisches Tun mit dem Hin- weis auf höhere politische Interessen. Ob diese höheren politischen Interessen nun die des Ultramontanismus sind oder nicht, brauchen wir nicht zu untersuchen, jedenfalls fanden sie ihren Angelpunkt im Schnapsblock, in einer schamlosen Plünderung des Volkes, in einer brutalen Schädigung der Arbeiter, in einer sorgsamen Schonung der reichen Erben. Diese Politik mußten aus höheren politischen Interessen die christlichen Gewerkschaftsführer mitmachen I Womit bewiesen ist, daß Plünderinteressen christlichen Grundsätzen vorangehen und daß die christlichen Ge- werkschaften für die Katz sind, denn die christlichen Führer müssen ja ihre Interessen mit Füßen treten. Daß die Giesberts, Schiffer, Becker, Behrens und Ge- nvssen den christlichen Gewerkschaften die Ueberflüssigkeit der christlichen Organisation so schnell und so deutlich demon- strieren würden, hätten wir kaum erwartet. Das einzige, was sie nämlich jetzt noch für die Existenzberechtigung der Sonderorganisation anführen könnten, wäre ihre Aufgabe, die Arbeiterschaft im Kampfe gegen das Unternehmertum zu schwächen! Das werden sie natürlich nicht sagen— aber in Wirklichkeit ist die Zersplitterung der Arbeiterschaft die zweck- gewollte Aufgabe der christlichen Gewerkschäften. LerUn und Umgegend. Die Schlosserbcweguna. Der Deutsche Metallarbeiterverband hatte zum Donnerstag- abend eine Versammlung der Schlosser Berlins und Umgegend nach Frehers Festsälen, Koppenstraße, einberufen. Ueber die statt- gefundenen Verhandlungen mit den Arbeitgebern und den Verlauf der Lohnbewegung sollte Bericht erstattet werden. Vor den Ein- gängen zum Saal hatten sich die Vertreter von drei anderen Metall- arbeiterverbänden eingefunden und verteilten eifrig Flugschriften, die gegen den Deutschen Metallarbeiterverband gerichtet waren. das mißgestimmte Trio: die„Christlichen", die„Freien", und die „Allgemeinen", glaubte, es sei eine gute Gelegenheit gekommen, Mitglieder zu kapern. Mancher mag einen großen Sturm in der Versammlung erwartet haben, aber diese Erwartungen erfüllten sich nicht. Es gab zwar manche in der Versammlung, die ihrer Unzufriedenheit über den Verlauf der Lohnbewegung Ausdruck gaben, aber im allgemeinen wurde Ha n d k e s Bericht ruhig entgegengenommen und auch in der Diskussion erklärten zahlreiche Redner, daß man sich mit dem erzielten Resultat gegenwärtig und nach Lage der Dinge begnügen müsse.— Der neue Tarif wird nächstens gedruckt in die Hände der Mitglieder gelangen. Die Konferenz der Vertrauensmänner hat dem neuen Tarif ihre Zustimmung gegeben. » . Ueber die Wiederein st ellung der ausständigen und ausgesperrten Schlosser wurde in einer Versamm- lung verhandelt, die die noch nicht Eingestellten am Donnerstag- morgen im Gewerkschaftshause abhielten. Es sind noch 250 Mann außer Arbeit: 100 Geldschrankschlosser und 150 Bauschlosser. In der Geldschrankfabrik von Panzer haben sich einige Schwierigkeiten ergeben, die man aber hofft, ebnen zu können. Bei den Geld- schrankschlossern vollzieht sich die Wiedereinstellung im allgemeinen leichter als bei den Bauschlossern, wo vier Firmen eigene Auf- fassungen über die Vereinbarungen der beiderseitigen Kommissionen geltend machen. Man glaubt aber, daß es sich nur um eine kurze Zeit handeln werde, bis— mit wenigen Ausnahmen vielleicht— alle wieder in Arbeit treten können. Die Lackierer der Firma Borstg in Tegel legten am Dienstag die Arbeit nieder, weil ihnen bedeutende Lohnabzüge gemacht wurden. So sollte nach den Preisreduktionen zum Beispiel eine Kommission, die bisher mit 17 M. verrechnet wurde, in Zukunft nur noch mit 10 M. bezahlt werden. Ein anderer Auftrag wurde von 17 M. auf 3 M. herabgesetzt. Diese Lohnreduktionen wurden jetzt zurückgenommen. Die Differenzen sind deshalb beigelegt. Zum Streik der Jungbierkutscher. Hiermit erkläre ich, daß meine Kutscher keine Streikbrecher sind. Ich verkaufe das Liter Bier nach wie vor für 12 Pf. Damit sind die Bedingungen der Kutscher sämtlicher Brauereien erfüllt. Soviel, wie mir bekannt ist, sind meine Kutscher organisiert. Weiß- und Malzbierbrauerei Gustav Hoffmann, Berlin ö., Kochhannstr. 39. Oeutlcbes Reich. Sieg der freien Gewerkschaften. Bei den Neuwahlen der Beisitzer zum Gewerbegericht für den Landkreis Hannover wurden das erstemal die Kandidaten der freien Gewerkschaften glatt gewählt, während bei den früheren Wahlen noch Unorganisierte Mandate eroberten. Die freien Ge- werkschaften erhielten 322, die Zentrumschristen und Polen 87 Stimmen. Die meisten gegnerischen Stimmen sind von Polen aufgebracht worden._ Ausstand der Tischler und Maschinenarbeiter in Magdeburg. Um Verkürzung der Arbeitszeit auf wöchentlich 50 Stunden und um 5 Pf. Lohnzulage kämpfen die Holzarbeiter in Magdeburg Verantw. Redakteur: Emil Nnger, Berlin. Inseratenteil verantw.: mm schon seit 8 Wochen. Das Unternehmerkunk will den Kampf bis zum Weißbluten führen. Die Organisation ist ihnen schon lange ein Dorn im Auge, sie soll vernichet werden. Aus eigenen Reihen gibt es keine Streikbrecher, deshalb sollen von auswärts etliche der„nützlichen Elemente" importiert werden. Streik- brecheragenten sind jetzt allerorts an der Arbeit. So hat der Tischlermeister Kohwan in Dresden bereits einige Rausreißer— Hirsch-Dunckersche Gewerkvereinler— nach Magdeburg vermittelt. In einem hannoverschen Blatt werden 30 tüchtige Möbeltischler für eine größere Stadt der Provinz Sachsens durch Haasenstein u. Vogler-Halle gesucht. Nachforschungen ergaben, daß Magdeburg der Ort ist. In Königsberg bemüht sich ein Agent, für die Billard- und Tischfabrik von Kindlein Arbeitswillige zu ködern. Auch von Schlesien wird ähnliches gemeldet. Und daß, obwohl die Herren behaupten, vor Weihnachten überhaupt keine Leute zu gebrauchen. Werden wir vor der zweifelhaften Ehre des Besuchs von Streik- brechern bewahrt, muß auch der Sieg unser werden. Die Verwaltung Magdeburg des Deutschen Holzarheiterverbandes. Ausland. Konflikt im Schiffahrtsgcwerbe. London, 27. August. In der Leichterschiffahrt deS Londoner Hafens ist ein Streit wegen der Arbeitszeit ausgebrochen; die Arbeiter veranstalten eine geheime Abstimmung über den General- streik, der sich auf etwa 20 000 Fahrzeuge erstrecken Würde. Soziales. Fleischkonsum und Arbeiterschaft. Statistiker rechnen uns vor, daß auf den Kopf der Bevölkerung ein jährlicher Fleischkonsum von fast 50 Kilogramm entfällt. Die amtlichen Veröffentlichungen über Haushaltsrechnungen zeigen allerdings, daß dieser Konsum von der Arbeiterschaft, den mittleren Beamten und in weiten Kreisen des Mittelstandes nicht erreicht wird. Wie es mit dem Fleischkonsum der Arbeiterschaft bestellt ist, zeigen aber noch treffender folgende Mitteilungen: Aus Bochum wird berichtet, daß der Andrang zur Freibank oft so stark sei, daß die Leute sich schon viele Stunden vor dem Verkauf an dem Tore aufftellen, darunter viele schulpflichtige Kinder. Auf eine Beschwerde der Lehrer hin stellte die Polizei an einem Verkaufstage die Namen der Kinder fest und erfuhr, daß sie zum Teil schon morgens um 3 Uhr von ihren Eltern nach dem Schlachthofe geschickt worden sind, obgleich der Verkauf erst um 8 Uhr begann. Um der Familie ein Stück Fleisch zu billigem Preis zu verschaffen, müssen die Kinder also einen Teil ihrer Nachtruhe opfern und versäumen außerdem die Schule. Im Hinblick hierauf schreibt Schlachthofdirektor Zeeb in der „Deutschen Schlacht- u. Viehh.-Zeitung", daß auch in Offenbach eine Zeitlang genau dieselben Verhältnisse bestanden hätten. Als der Unfug immer größer geworden sei. sei eine Bekanntmachung erlassen worden, daß Fleisch auf der Freibank an Kinder unter 14 Jahre überhaupt nicht abgegeben werde.— Hierzu bemerkt er noch, daß in Offenbach nur an einem Tage in der Woche, und zwar am Samstage, Fleisch auf der Freibank verkauft werde, da eS an den übrigen Tagen der Woche wegen Geldmangels bei der Arbeiterschaft nicht möglich gewesen sei, auch nur ein einziges Stück Vieh zu verkaufen. Opfer der Tabak- und Zigarrensteuer sind viele arme Rentenempfänger geworden, dse bisher noch einige Mark mit ihrem kleinen Zigarrenhandel verdienten. Doppelt, und dreifach sind diese Armen durch die neuen indirekten Steuern ge- troffen worden. Sie müssen sie alle tragen, ohne daß ihre Renten der Verteuerung entsprechend erhöht werden. Durch die Steuer, die auf die von ihnen verhausiertcn Waren gelegt wurden, geht der Umsatz und damit ihr geringer Verdienst noch mehr zurück, und schließlich kommt bei den Unfallrenincrn noch die Berufsgenossen- schaft und kürzt ihnen noch die schäbige Rente weiter. So ein Unglücklicher, der seine Gesundheit auf dem Schlacht- felde der Arbeit eingebüßt hat, stand vor dem Schiedsgericht für Arbeitervcrsicherung in Chemnitz. Der Zigarrenhändler Morgen st ern in Zschopau verunglückte 1893 als Müller- gehilfe. Durch ins Rollen geratene Kleiesäcke war er nach dem Fahrstuhl gedrängt worden und durch die Fahrstuhlöffnung vier Stock hoch herabgestürzt und hatte schlimme Rücken- und Schulter- Verletzungen davongetragen, die ihn zur weiteren Ausübung seines Berufes wie jeder anderen schweren Arbeit unfähig machten. Die erwcrbsmindernden Folgen des schweren Unfalles wurden ihm in Rente verschiedener Höhe„entschädigt". Zuletzt erhielt er seit 1900 25 Proz. der Vollrente. Diese auf 10 Proz. herabzusetzen, hatte jetzt die Müllerei-Berufsgcnosscnschaft beantragt, und sich dabei auf ein von ihr beigczogenes ärztliches Gutachten gestützt. Die beweglichen Klagen des alten Mannes über die teuren Lebens- mittelpreise und die neue Zigarrensteuer, unter denen er schwer zu leiden habe, nützten nichts. Die Rente wurde auf 10 Proz. herabgesetzt und dem Aermsten sagte dann der Vorsitzende, er solle nur den Mut nicht sinken lassenl AuS dem GastwirtSgewerbe. Der Kellner W. hatte sein Arbeitsverhältnis bei dem Gast- Wirt Zicgner gekündigt, er wurde aber schon am folgenden Tage ohne Einhaltung der Kündigungsfrist entlassen. Als Grund dafür war ihm sein ungebührliches Benehmen angegeben worden. W. klagte beim Gcwerbegericht auf Zahlung einer Lohnentschädigung für 14 Tage in Höhe von 87,00 M. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Kläger am Tage vor der Entlassung für 20 Pf. mehr Eis bestellt hatte, als es die Ehefrau des Beklagten haben wollte. Deshalb kam es zwischen der Frau und dem Kläger zu einem Wortwechsel, der vor den anwesenden Gästen ausgetragen wurde. DaS Gericht konnte in dem Verhalten des Klägers einen die Eni. lassung rechtfertigenden Grund nicht erblicken und verurteilte den Beklagten dem Klageantrage entsprechend. Zu den Notizen:„Die verhängnisvolle Gratulation" geht uns folgende Erklärung zu: „Es ist unwahr, daß ich mich an einer Versammlung der Meister und Arbeiter, die sich mit der angeblichen Teilnahme der- selben an der silbernen HochgeitSfeicr des Chefs der Firma E. Liepmann befaßte, teilgenommen habe. Dem Personal war von einer bevorstehenden Hodjzeitsfeier überhaupt keine Mitteilung gemacht worden, sondern nur von dem in Aussicht stehenden Geschäftsjubiläum. H. Frankel." Huö der frauenbewegunef. Die liberale Ftauenpartei attestiert sich ihre völlige praktische Bedeutungslosigkeit selbst, indem sie der Oeffentlichkeit mitteilt(vergl.„Berk. Tageblatt", Nr. 420), daß sie es in den zwei Jahren ihres Bestehens in Groß-Berlin. das noch den verhältnismäßig günstigsten Boden für ihre Be- strebungen bot, auf etwa 100 Mitglieder gebracht habe. Ihre Erfolge in der Provinz sind ganz minimal. Um so komischer klingt der hochtrabende Name„Partei" für ein Gebilde, das an Unbeträchtlichkeit nicht gut überboten werden kann.__ Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstatt � DaS Programm dieses liberalen DämengrüppchenS ist„enl- schieben national und entschieden sozial". Seine Führerin und Gründerin, das sattsam bekannte Fräulein Lischnewska, hat in bezug auf nationalen Fanatismus bisher jeden Rekord in der bürgerlichen Frauenbewegung gebrochen. Die nationale Frosch- Perspektive über alles I Das soziale und liberale Element war dem- gegenüber nur zu oft Nebensache. Wir haben die grotesken Wider- sprüche der liberalen Frauenpartei und ihrer Leiterin des öfteren an dieser Stelle festgenagelt. Die Erfolglosigkeit seiner mit so großem Tamtam verkündeten Unternehmungen kann dem bürge» lichen Frauenliberalismus allerdings als mitleiderregendcr Um- stand angerechnet werden. Leseabcnde. Alt-Glienicke. Montag, den 29. August, SV? Uhr, im Lokale des Herrn Txpppens. Rudolver Straße 54, Versammlungen. Versammlung der Schweizer. Am 26. August fand in den „Oranienburger Festsälen" in der Chausseestr. 16 eine öffentliche Versammlung der im Landarbeiterverband organisierten Schweizer von Groß-Berlin statt. Genosse P o e tz s ch geißelte in seinem Vo» trage die Verhältnisse im Stellenvermittlungsunwesen. Nach Er« Hebungen des preußischen Ministeriums gab es 1894 in Berlin 398 gewerbsmäßige Stellenvermittler. In Preußen wurden vor zirka 10 Jahren einmal 5216 Stellenvermittler gewählt, von denen ins- gesamt 38l 206 Stellen in einem Jahre vermittelt wurden. In ganz Deutschland kann man mit rund 10 000 Stellenvermittlern rechnen, die kolossale Summen an Vermittlungsgebühren beziehen, die in den meisten Fällen von den Arbeitsuchenden aufgebracht werden müssen. Speziell im Schweizergewerbe kann man sagen, daß bis jetzt die private Stellenvermittlung das Feld beherrscht, Während bei den Landarbeitern die Kosten der Vermittlung in den meisten Fällen von den Gutsbesitzern zu tragen sind, ist es bei den Schweizern infolge des großen Angebots gerade umgekehrt, denn hier haben die Arbeitsuchenden, die infolge des often Stellen- Wechsels nicht gerade auf Rosen gebettet sind, die Kosten allein zn tragen. Der Referent beleuchtete sodann die moralischen Oualifika- tionen mancher Stellenvermittler. Nach den stattgefundenen Er- Hebungen üben nicht gerade die bestbeleumdeten Leute diesen Beruf aus. Wie die Vermittelung geschieht und wie die Arbeiter als Handelsware behandelt werden, zeigte Redner dadurch, daß er ein an ihn gerichtetes Schreiben eines Herrn Hansen aus Flensburg verlas, in welchem die Mägde und die landwirtschaftlichen Arbeiter immer nur als„Stück" bezeichnet werden. Dieses Schreiben er- hielt der Redner von dem Vermittler in der Annahme, daß auch er Vermittler sei. Es lautet also: „Aus unserem Vereinsorgan Ihre Adresse erfahren, erlaube mir hierdurch die Vorfrage, ob ich durch Ihre Vermittlung land- wirtschaftliches Personal erhalten kann, zahle für Mädchen zum Melken an Provision und Reisegeld, frei Flensburg per Stück 50—60 M. je nach Beschaffenheit der Zeugnisse, Lohn 150— 165 M. Solche zum Anlernen erhalten 120 M. Lohn und zahle ich hierfür pro Stück 50 M. Burschen zum Anlernen in der Landwirtschast im Alter von 15— 17 Jahren erhalten Lohn 120 M. Für diese zahle ich hier stei Flensburg an Reisegeld und Provision per Stück 25— 30 M. Da ich für diesen Herbst sehr viel Landwirt» schaftspersonal brauche, erbitte baldmöglichst Nachricht.". In der Diskussion nahm das Wort der Kollege Faaß, der mit kräftigen Worten zum Eintritt in die Organisation emsi- forderte. An der Diskussion beteiligten sich noch die Kollegen Engelmann, Eisermann und Gnichwitz. Die Ver- sammlung war sehr gut besucht und sie hatte den Erfolg, daß ein großer Teil der Erschienenen sich zum Beitritt in den Verband der Land-, Wald- und Weinbergsarbeiter meldete.> Zur Richtigstellung. Bezugnehmend auf die Ausführungen des Genossen Groger auf der Generalversammlung von Groß-Berlin (siehe„Vorwärts" vom 24. 8.), soweit sie meine Stellungnahme als Kartelldelegiertcr des hiesigen Ortsvereins der Buchdrucker zu dem bewußten Antrage des Wahlvereinsvorstandes betreffen, möchte ich bitten, mir einige Zeilen zu gestatten. DaS Zitieren nur eines Satzes aus meinen Darlegungen zu dieser Angelegen- heit in jener Kartellsitzung kann leicht zu falschen Schlüssen führen. zumal ja der Genosse Groger an jener Sitzung nicht teilgenommen. die Sache also nur vom Hörensagen kennt. Ich habe gesagt, wenn nicht wörtlich, so doch sinngemäß:„Gleich wie bei den Buchdruckern, so haben auch die meisten der übrigen freien Gewerkschaften den Passus im Statut: Politische, wie religiöse Fragen scheiden ausl Dadurch ist es ermöglicht, daß in diesen Gewerkschaften nicht nur Sozialdemokraten, sondern auch Angehörige fast aller übrigen Par» teien vorhanden sind. Wird nun in den bezeichneten Gewerkschaften sozialdemokratische Agitation gestattet— und das bezweckte der Wahlvereinsantrag doch—, so muß man auch denjenigen GeWerk- schaftsmitgliedern die parteipolitische Agitation innerhalb der Ge- werkschaften gestatten, die anderen Parteien angehören, denn was dem einen recht ist, ist dem anderen billig. Ich persönlich— so erklärte ich wörtlich— stehe auf dem Standpunkte, daß die Sozial» demokratie die einzige Partei ist, die für einen Arbetter in Be- tracht kommen kann. Im Interesse einer ersprießlichen und gedeih- lichen gewerkschaftlichen Arbeit müsse aber die parteipolitische Agitation unter allen Umständen den Gewerkschaften fernbleiben.- — Die Auffassung des Berliner Ganvorstandcs in dieser Angelegen» heit ist mir ebenfalls unbekannt. Naturgemäß kann sie aber von dem, was ich im Nixdorfer Kartell erklärt habe, nicht abweichen, _ P. Hannack. Letzte IVacbnchten und Depefcben. Ztvciundneunzig Prozent stehen fest. Stockholm, 27. August.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die offizielle Totalziffer der Streikenden beträgt 255 668, in Wirklichkeit ist diese Zahl beträchtlich höher. Trotz alledem legt auch sie schon ein stolzes Zeugnis von dem festen Zu» fammenhalt der schwedischen Arbeiterschaft nach dreiundcin- halbwöchigem Kampfe ab. Selbst die Gegner müssen konsta- tieren, daß 92 Proz. unerschüttert im Kampfe stehen. Er will nicht. Stockholm, 27. August.(B. H.) Im heute vormittag abge- haltenen Staatsrat hat der König nach Anhörung des Ministers erklärt, dem eingelaufenen Ansuchen um Vermittelung im Arbeits- konflikt nicht entsprechen zu können. Zeppelins Fahrt. Nürnberg, 27. August.(W. T. B.) 10«hr abends.„Zeppe- lin III" liegt noch fest verankert auf seinem Ankerplatz hinter dem Dutzendteich. Die Monteure sind eifrigst daran beschäftigt, die Ersatzteile einzumontieren. Ein Aufftieg vor Mitternacht ist kaum zu erwarten. Wahrscheinlich wird in den ersten Morgenstunden der Aufftieg erfolgen.__ Arbeiterrisiko. Augsburg, 27. August.(A. H.) Am Gießereineubau der Ver- einigten Fabriken landwirtschaftlicher Maschinen, vorm. Epple u. Buxbaum. ist heute mittag ein Gerüst eingestürzt. Ein Arbeiter wurde getötet, drei sind schwer verletzt._ Haul Singer L: Co., Berlin L W. Hierzu2Beilagen u.UnterhaltungSbl. Ar. 200. 26. Zahkgallg. 1. KnlU des Jotiuitfs" Sttlititt KldsdlM Sonnabend, 28. August 1909. Paftor Breifyaupts mhiges Gewükn. Der Pastor Breithaupt, der noch immer als Borstchcr der Anstalt M i e l c z h n seine Besserungsversuche an Berliner Fürsorgezöglingen fortsetzen darf, hat dem.Zentralvlatt für Vormundschaftswesen. Jugendgerichte und Fürsorgeerziehung' eine Selbstverteidigung übersandt. Das Blatt hat leider nicht den Wortlaut seiner Zuschrift veröffentlicht, sondern nur einen Auszug daraus mitgeteilt. Es heißt da: .Pastor Breithaupt, Leiter de? FürsorgestiftS Mielczhn, betont in einer Zuschrift an die Redaktion, daß die An- schuldigungen, wonach starke Mißhandlungen von Zöglingen in der Anstalt vorgekommen seien, maßlos übertrieben und entstellt seien. ES wäre den Angaben der verlogenen und verkommenen Burschen unbedingter Glaube geschenkt worden und ihre Aussagen seien als unverbrüchliches Evangelium verkündet worden. In eine Preßfehde wolle er sich nicht einlassen, bevor die Sache von den zuständigen Stellen— Berliner Waiscudeputation, köuigl. Re- gieruug in Bromberg, Aufsichtsrat des Stiftes— das letzte Wort gesprochen worden sei. Besonders schmerzlich habe er es empfunden. daß der Name des R v. Vodelschkvingh, der nicht das gerinste mit den Lorkonimnissen zu tun habe, in die Debatte gezogen worden sei. Er habe zwar in Bethel lind Hofsnungstal unter Bodelschwingh gearbeitet und rechne sich dies auch heute zur Ehre an. In seine jetzige Stellung jedoch sei er ohne jedes Zu- tun von feiten des Herrn P. v. Bodelschwingh gekommen. Pastor Breithaupt schließt seinen Brief mit der Aeußerung, er sehe ruhigen Gewissens dem Ausgang der Untersuchung cnt- gegen.' Untersucht ist die Affäre Mielczhn bisher noch von keiner Gerichtsbehörde, sondern nur erst von Verwaltungsbehörden. Herr Breithaupt.sieht ruhigen Gewissens dem Ausgang der Untersuchung entgegen' und.will sich in eine Preßfehde nicht einlassen', bevor.das letzte Wort gesprochen' ist. Aber das hindert ihn nicht, schon jetzt und immer wieder die Presse zu seiner Verteidigung zu benutzen. Wer vor diesem Mann gestanden und mit angehört hat, wie er selber schlimme Anschuldigmigen gegen seine Person als zu- treffend hat bestätigen müssen, der wird zu solchen nachträglichen Verteidigungsversuchen verwundert den Kopf schütteln. Die bürgerliche Presse beschirmt ihn selbstverständlich, und eS ist in dieser Hinsicht interessant, daß bürgerliche Zeitungen Berlins noch vor Erscheine» der betreffenden Nummer des .Zentralblatt' in die Lage gekommen sind, obige Notiz zu veröffentlichen. Das.Zentralblatt' selber erweist Herrn Breit- Haupt die Liebe, die Mielczhner Vorgänge als.von einer fensationslustigen Presse wahrscheinlich stark übertrieben' zu be- zeichnen, obwohl die Redaktion dieser Zeitschrift keine Ahnung da- von hat. mit welchen Beweismitteln und in welchem Umfange die Erziehungsmethode des Pastor? Brcithaupt beleuchtet werden könnte, wenn einem Gericht Gelegenheit gegeben würde, die Affäre Mielczhn zu untersuchen. Die Mielczhner Erziehungsgreuel bleiben hängen auf Pastor Vreithaupt, und sie werfen ein grelles Licht auch auf die An- schauungen seines Lehrers Pastor V.Bodelschwingh. Den Pastoren und ihren Preßorganen scheint das doch ein bißchen peinlich zu sein. In einem hiesigen Blatt für Gottesfurcht, dem.Reich', das bisher klugerweise über die Mielczyner Borgänge geschwiegen hatte, finden wir jetzt eine Verteidigung Breithaupts. Sie ist zusammengeschrieben nach dem bekannten Rezept, das aus dem Rat- Hans stammt. Die Fürsorgezöglinge von Mielczhn werden ge- schildert, wie wenn die meisten völlig verkommene Burschen seien, die Prügelleistungen BreithauptS und seiner Leute werden als harmlos hingestellt. Dabei hat Breithaupt selber eingestehen müssen, daß Zöglinge aus geringfügigen An- lässen ausgepeitscht wurden, z. B. einer, weil er bei der Arbeit geraucht hatte, ein anderer, weil aus einer Aeußerung Fluchtgedanken herausgehört wurden usw. Wo sind denn die schweren.Wider- sctzlichkeiten', die genötigt haben sollen, zur Peitsche zu greifen? Auch für die allererste Prügelexekution, die in Mielczhn vollstreckt wurde, war Anlaß nicht eine Widersetzlichkeit, sondern— Zigarettenrauchen. DaS.Reich' nennt es.festgestellt, daß dauernde gesund- hcitliche Nachteile oder Verletzungen nicht zu ermitteln waren, daß auch niemand Stockprügel auf die Fußsohlen erhalten hat, daß einzelne Burschen Wunden entweder sich selbst beigebracht haben oder die vorhandenen absichtlich nicht haben heilen kleines fe�iilleton. Ein Berliner„Zeppelintag" im Jahre 1788. Berlin erlebte schon einmal einen Lufttag erster Ordnung, wie er uns mit all seinem Drum und Dran wieder bevorsteht. Es war im September 1783, als die Einwohner Berlins den Luftballonaufsticg erwarteten, den der„König der damaligen Lustschisser', Blanchard, zeigen lvollte. Damals handelte es sich um einen der ersten Ballonauf- stiege in Berlin, wenn nicht überhaupt um den ersten. Am 27. Sep- tcmber 1788 stieg Blanchard vor den Augen einer riesigen Menschen- masse von dem großen Exerzierplatz aus, der sich damals bor dem Brandenburger Tor an der Stelle des heutigen Reichstagsgebäudes befand. Mitten auf diesem Platze, so zitiert Linke nach einem älteren Berichte, erhob sich ein Riesensaal, in dem sich der Ballon befand; rings umher waren Plätze sür 4WX) Zuschauer abgegrenzt. Tie ganze Schaubühne war von ungeheuer großen Jagdnetzen um- spannt, die von einem großen Aufgebot von Soldaten Tag und Nacht bewacht wurden. Die Polizei hatte ganz besondere Vorsichts- maßregeln getroffen. Die Zeit des Ballonaufftiegcs war auf 3 Uhr 40 Minuten nachmittags festgesetzt, aber schon um 12 Uhr wurde das Brandenburger Tor für Wagen und Reiter gesperrt..Jeder- männiglich' wurde ernstlich verwarnt,„sich bei der härtesten Strafe olles Zudringens zu enthalten.' Schon um ein Viertel nach Zwei erschien der König auf dem Platze, und bald darauf kam auch der ganze Hofstaat. Zur festgesetzten Stunde machte Blanchard mittels einer Maschine an der einen Seite des Saales eine Oeffnung, und der Ballon schwebte ins Freie, bejubelt von der vieltausendköpfigen Menschenmenge. Gleich darauf fuhr der Luftschiffer wohlgemut in die Lüfte enipor. Aus einer Höhe von 3000 Fuß ließ er einen Fallschirm herunter, an dem ein Korb mit zwei kleinen Hunden hing. Dieser senkte sich langsam und kam, ohne daß die Hunde eine Beschädigung erlitten hatten, in der Gegend des Gesundbrunnens zur Erde. Blanchard erreichte, wie er selbst in der »Gazette litteraire de Berlin' schilderte, eine Höhe von S7K4 Fuß und kam in der Gegend des Dorfes Buchholz zur Erde nieder. Torthin hatte sich natürlich eine ganze Wolke von Ileugierigen gedrängt. Bald nach der Landung erschien eine mit sechs Pferden bespannte königliche Chaise, die den kühnen Luftschiffer in einem wahren Triumphzuge nach dem Nationaltheatcr fuhr, wo dicht neben der königlichen Loge eine Loge für Blanchard reserviert war. Bei seinem Erscheinen wurde Blanchard vom Publikum mit lautem Jubel begrüßt; dann erstattete er dem König Bericht über den Ausgang seiner Fahrt. Blanchard war der Held des Tages und wurde nicht nur mit Ehren, sondern auch mit kostbaren Geschenken überhäuft- lassen, um den Schein der Mißhandlungen zu erwecken'. Wer soll dcnil da? alles.festgestellt' haben? Festgestellt sind Verletzungen, oaS weiß am besten die Waisendeputation selber. Feststellungen sollte man vornehmen bezüglich der Angabe, daß auch auf die Sohlen geprügelt worden sei. Uns ist diese Angabe von so vielen Personen gemacht worden, daß wir schon um dieses einen Punktes willen wünschen müssen, durch gerichtliche Untersuchung die Wahrheit festgestellt zu sehen. Auch Pastor Breithaupt müßte diesen Wunsch haben und daher selber eine gerichtliche Prüfung herbeizuführen suchen. Im Rathause der Stadt Berlin wird man ihm diese Mühe nicht ab- nehmen, der Berliner Kommrinalliberalismus wird gegen ihn keinen Staatsanwalt mobil machen. vom ßkrltrleg. Die VerhandlungLkommission der Gastwirte hatte die Obmänner und Vertrauensleute der einzelnen Vereine und Bezirke der Gast- Wirtsverbände zum 26. August nach den.Arminhallen' zusammen- berufen. Von den Brauern ist nach längeren Verhandlungen den Gastwirten erklärt worden, daß sie an einer Preiserhöhung von 3.50 M. unbedingt festhalten wollten. Dafür sollen die «/m- Ausschänken�nur»och verkaufen dürfen; ferner den Gastwirten dieselben Vergünstigungen gewährt werden, wie den Kantinen und Staatswerkstätten. Außerdem soll den*110- Ausschänken sowie den größeren Lokalen die Remunerationen, als Küchenzuschüsse, Mobiliarbeleihuugen usw. in Zukunft nicht mehr gewährt werden. Für den Fall, daß die Gast- Wirte dies Angebot nicht akzeptieren, wollen die Ringbranereien eine Preiserhöhung so lange nicht eintreten lassen, bis sämtliche ringfreien, vornehmlich die GenossenschaftSbrauercic» zum Konkurs gedrängt worden sind. Von allen Rednern in der Versammlung wurde betont, daß den Gastwirten nichts anderes übrig bleibe, als das Angebot der Berliner Brauer abzulehnen. Man dürfe den Brauern zumuten, daß sie vornehmlich den Genoffenschaftsbrauereien das Lebenslicht ausblasen wollen. Dagegen haben die Gastwirte mit aller Ent- schiedenheit Front zu machen. DaS sei klar, die Brauer würden erst recht diktatorisch auftreten, sobald die ringfreie Konkurrenz be seitigt sei. Aufgabe der Gastwirte müsse es auch sein, den Kon sumenten klar zu machen, welche Absichten die Brauer bei ihrer Taktik verfolgen. Man erklärte den Brauern, nur die Summe als Aufschlag zu bewilligen, die durch die Brausteuererhöhuug gerecht- fertigt sei. Zum Schluß wurde eine Resolution einstimmig angenommen, Vierden Vertretern, welche bisher mit den Brauern verhandelten, den Auftrag erteilt, nicht über 2,50 M. als Aufschlag zu bewilligen. Sollten die Brauer dieses für sie äußerst günstige An- gebot ablehnen, dann werden die Wirte über die weiter zu unter- nehmenden Schritte Beschluß fassen. Die Vertreter der Organi- sationen verpflichteten sich, in ihren demnächst stattfindenden Ver- sammlungen dafür einzutreten, daß alle ihre Mitglieder sich auf den Satz von 2, SO M. Aufschlag einigen. « Die„Erste Gcnosscnschaftsbraucrei' rüstet zum Kampf gegen den Ring. Sie hat bisher das Bier an ihre Mit- glieder zum Selbstkostenpreise abgegeben. Das ivar ein Fehler. Es Märe notwendig gewesen, auf Abstoßung der schwer lastendenden Hypotheken und auf Bereitstellung von Mitteln für Erweiterung der Anlagen bedacht zu sein, an- statt nur auf möglichst niedrige Preise. Jetzt wird man diese heraufsetzen, um Kampfmittel flüssig zu machen. Da übrigens Ueberschüsse, die gemacht werden, den Mitgliedern wieder zufließen, hätte die Preispolitik der Genosscnschaftsbrauerci ftir die Oeffcntlichkeit eigentlich gar kein Interesse. Aber unter den obtvalteudcn Umständen beleuchtet sie trefflich die Plündergelüste der Ringbraucreicn. Natürlich muß die Genossenschaftsbrauerei die erhöhte Brauercistcuer zahlen. Aus diesem Grunde, in Verbindung mit der Absicht gegen den Ring zu rüsten, hat sie beschlossen, den Preis ihres Erzeug- nisses auf 13 M. pro Hektoliter zu erhöhen. Damit steht der Preis um nur öl) Pf. über dem bisher schon von den Ring- Voltoirc als unsittlicher Schriftsteller. Ein eigenartiger Rechts- streit, der die von der beklagten Partei behauptete Unsittlichkeit der Werke Voltaires zur Ursache hatte, wurde, wie„Publishers Weekly' mitteilt, kürzlich vor dem Obersten Gerichtshof von New Dork als Berufungsinstanz verhandelt. Ein gewisser Pater I. Ouine hatte mit einer dortigen Buchhändlerfirma einen Vertrag auf Lieferung einer vollständigen Voltaireausgabe abgeschlossen. für die er zweihundert Dollar zu zahlen versprach, und erhielt auch die gewünschten Bücher, Beim Abschluß des Vertrages war ihm nach seiner Augabc die Versicherung gegeben worden, daß die Bücher einwandfreien Inhalts und für jedermann zum Lesen ge- eignet seien. Nach seiner Anschauung war das indessen nicht der Fall, er fand vielmehr, daß Voltaire„zum Lesen in seiner Familie nicht geeignet' sei, und verweigerte insolgedcffen die Bezahlung, Die Firma suchte nun ihren Anspruch mit einer Klage beim neunten städtischen Bezirksgericht durchzusetzen, wurde aber damit abgewiesen, Gegen dieses Urteil legte sie beim Obersten GerickitSbofBenifung mit dem Erfolg ein, daßdas erste Urteil aufgehoben und die Sache zur neuerlichen Verhandlung au die Erstinstanz zurückgewiesen wurde. In der Be- gründuug seiner Ansicht führte das Oberste Gericht u, a. aus: „Der Zweck dcS Gesetze?, das den Vertrieb oder die Veröffentlichung unsittlicher Literatur verbietet,' ist die Verhinderung der Verbreitung einer Literatur, die der Allgemeinheit anstößig ist. Diese Regel aus die Verhinderung des Vertriebes oder der Veröffentlichung Voltaire- scher Werke anzuwenden, würde ihrem Zweck nicht entsprechen. Mögen die Ansichten in bezug auf Voltaire in vieler Beziehung auseinander- gehen, so kann doch niemand den Einfluß seines Lebenswerkes auf die Beförderung der Gerechtigkeit und Menschlichkeit und der Herr- schaft der Vernunft im öffentlichen Leben leugnen.' Der Richter bemerkte noch, daß das aufgehobene Urteil allerdings nicht das erste war, das Voltaire verurteilte, und daß sogar im Jahre 1786 ein junger Mann, in dessen Besitz sich ein Exemplar des„Diclionnairc philosophique" fand, in Paris öffentlich verbrannt wurde. Humor und Satire. Bon Tränen, Dynamit und Kindeskindern. Wenn Prinzen auf Reisen gehen, dann bekommen die guten Patrioten manches zu sehen und haben Stoff für de» Stamnitisch. Die knechtswonneseligen Blätter aber seien, Orgien höchster Hingabe. Einen ganz netten Rekord— und das will im Deutschen Reich etwa? heißen— schuf das„Letmather Wochenblatt', das irgendwo im Sauerlaude erscheint. Ein Prinz war durch das Ländchen im Automobil gefahren und gewöhnliche Sterbliche hatten nur den Staub gespürt und die Auspuffgase gerochen, die auch im Gefolge prinzlicher Automobile immer noch aufttcten. Der angestellte oder i zu diesem Zweck besonders auSerfehene Byzantiner des Blättchens .aber dichtete: brauereien geforderten. Und mit dem Preise von 18 M. kann die Gcnossenschaftsbrauerei nicht nur den Steueraufschlag tragen, sie will damit auch noch ihre Kapitalkraft erhöhen. Die Ringbrauereien dagegen erklären, mit einem Preise von 20 M. nicht auskommen zu können. Was es mit dieser Be- haupftnig auf sich hat, zeigt die Preisfestsetzung der Genossen- schaftsbrauerei. Diese zu vernichten ist daher die Absicht der Ringbranereien. Zu diesem Zwecke soll die Genossenschafts- brauerei von jenen bei ihren Kunden bis zu 2 M. unterboten werden. Hoffentlich ist kein Wirt dumm genug, den Ring- leisten ailf den Leim zu kriechen. •.' In Solingen, wo nach einein Ucbereinlommen der Wirte mit den Brauereien, die diesen 4 M. Aufschlag pro Hektoliter be- willigt hatten, die Schaukgesäße kleiner werden sollen, scheint eS zu einem heftigen Bierkrieg zu kommen. In einer am Mittwoch ab« gehaltenen Sitzung von Vertretern des Mctallarbeiter-Verbandes, des Jndustriearbeitcr-Verbaudes, des Gewerlfchastskartells, der sozialdemo- kratischen Parteileitung und der Verwaltung des Solinger GewerkschaftS- Hauses wurde e i n st'i m m i g beschlossen, über sämtliche Brauereien und Wirtschaften des oberen Kreise? Solingen den Boykott zu ver- hängen, wenn die Brauerei Beckmann-Solingen ihre Forderung, daß auch das Gewerlschaftshaus. ein Hauptabnehmer der� genannten Brauerei, einen Aufschlag von 4 M. zahlen soll, hochhält. Genau in derselben Weise soll mit den Bramstweiulieferanten verfahren werden, wenn sie höhere Preise fordern. Auch in Opladen(unterer Kreis Solingen) � erhob eine stark besuchte Versammlung von Arbeitern der dortigen Eisenbahn« Werkstätten Einspruch gegen die außerordentliche Erhöhung der Bierprcise. In dem Beschluß dieser Versammlung heißt es: „Die Versammlung erklärt es für ein Unrecht, daß die erhöhte Bier- steuer nicht nur ganz auf die Konsumenten abgewälzt, sondern außerdem ein Mehr gefordert werden soll, das den Steuer- betrag mehrfach übersteigt. Die Versammlung ersucht die Wirte, bei diesem Einspruch mit der Bürgerschaft Hand in Hand zu gehen, anderenfalls sich die Versammlung genötigt sieht, die ge- samte Bürgerschaft Opladens zu ersuchen, bis zur Wieder- Herstellung der früheren Preise sich des B i e r g e n u s s e S voll» ständig zu enthalten.' In Köln beschloffen am Freitag über 1000 Wirte einmütig, den Brauern nur den Betrag der Steuererhöhung zu bewilligen. Alle bisher gemachten weitergehenden Zugeständnisfe lvurden zurück- gezogen._ „Zeppelin in" auf der fahrt nach Berlin. Die seit Wochen in der Presse und in der Bevölkerung erörterte Fahrt dcS Zeppelinfchen Luftschiffes»ach der ReichLhauptstadt hat gestern früh um 4 Uhr 35 Minuten von Friedrichshafen aus begonnen. Der Aufstieg hat also, da er nach vorgestriger Meldung bereits um 3 Uhr erfolgen sollte, eine Verspätung erfahren, welche durch>m» günstiges Wetter notwendig wurde. Soweit sich im Augenblick be» urteilen läßt, sind, außer eincnr kleinen Defekt an einem Propeller in der Nähe von Günzenhausen, zwischen Nördlingen und Nürnberg. die eine zweimalige Landung erforderlich machten, erhebliche Störungen in der Fahrt nicht zu verzeichnen. Uebcr Aufstieg und Verlauf der Fahrt orientieren folgende Telegramme: FrirdrichShafcn, 27. August, 8 Uhr 10 Min. früh. Die Vor« bereitungen zum Aufstieg dcS„Z. III' sind im Gange, doch ist der Aufstieg erst in einer halben Stunde zu erwarten. Der Regen hält bei mäßigem Winde noch immer an. Auch aus Nürnberg wird au- haltender Regen mit leichtem Winde gemeldet. In Ravensburg be- ginnt ebenfalls ein leichter Regen niederzugehen. Stuttgart meldet trockenes, aber bedecktes Wetter. Fricdrichshafcn, 27. August, 4 Uhr 30 Min. früh. Rachvem der Rege» aufgehört hat, ist das Lustschiff„Z, III' soeben aufgestiegen und in nördlicher Richtung auf Ravensburg zu davongeflogen. Ravensburg, 27. August. Um 5 Uhr 12 Min. kam daS Luftschiff in flotter Fahrt hier durch; da» Wetter ist trocken und beinahe wind« still, der Himmel klart langsam auf. Bieberach, 27. August. Das Luftschiff hat um 5 Uhr 26 Min. Mochcnwangen. um 5 Uhr 40 Min. Aulendorf, um 6 Uhr Biebearch in nördlicher Richtung passiert. „Mit der Schnelligkeit dcS durcheilenden prinzlichen Kraftwagens pflanzte sich daS Hoch- und Hurrarufen fort, und manch Taschen- t u ch, das erst mit Begeisterung geschwungen wurde, ward ver- stöhlen benutzt, um Tränen derRührung wegzuwischen, die daS überschäumende patriotische Gefühl den Augen entlockte. In die unaufhörlich donnernden Grüße aus den Steinbrüchen her— eine Ovation, die Letmathe allein in dieser Großartigkeit ausführen kann— mischte sich der eherne Klang der Kircheuglocken und das helle Bimmeln des KranlenhauSglöckchens. Schon morgens, als der Prinz mit dem 8 Uhr-Zuge durchkam und am Bahnhof einige Minuten Aufenthalt hatte, wurde er mit einer Kanonade begrüßt, die ihm unvergeßlich fein wird. Es sollen über 1000 Dynamit- Patronen verschossen lvorden sein. Auch uns ist seine Durchfahrt unvergeßlich. Die Kinder werden einst ihren Kinder» erzählen, daß auch sie haben jubeln und grüßen dürfen, und daß die freundlichen Widergrüße des jugendlich männlich hübschen KaisersohneS ihnen ins Herz gedrungen sind". Notizen. — DaS L e s s i n g- M u s e u m(KöuigSgraben 10) wird von jetzt ab immer am Sonntag, vormittags 11—1 Uhr(nicht mehr Sonnabend nachmittag), geöffnet sein. Die Erinnerungen o» Ewald Christian v. Kleist, die kürzlich am Gedenktage außerordentlich zahl- reiche Besucher angezogen hatten, werden Sonntag, den 29., noch auSlicgen. Der Eintritt ist frei. — Die Nationalgaleric erwarb von dem in Berlin tätigen Maler Otto H. Engel das Gemälde„Im Dänental', das gegen ftiit 1902 angekauftes Bild„Friesische Mädchen' eingetauscht wurde. — Theaterchronik. DaS Neue Schauspielhaus wird vom 1. bis 15. September im Kammerspielhause Henry Bernsteins Lustspiel„Die Sünde" aufführen. — Ein neues Hoftheater wurde in K a f f e l eingeweiht. Au? dem Wolfffcheu Telegramm, das diese feierliche Angelegenheit verkündet, erfährt man nur von Uniformen, staatlichen Spitzen, Hoch?, Verneigaugen und ähnlichem. — 1700 Kilometer F u u I f p r n ch auf See. Derauf der Fahrt von Colon nach Nclv Uork befindliche Dampfer„Ancou" berichtet, daß er am 11. August um Mitternacht südlich von WaelingS Island mit der 1700 Kilometer entfernten Station auf Manhattan Beach in drahtlosem Verkehr gestanden habe. Der„Aucon" ist vor kurzem mit einem neuen, sehr starken Apparat für drahtlose Tele- graphie versehen worden. Mm, 27. August. DaS Lustschiff„Z. VI« wurde um V Uhr 45 Min. gesichtet und flog in nordöstlicher Richtung weiter. Ober- ingenieur Dürr hat hier aus dem Luftschiff folgendes Telegramm geworfen:„Passiere Neu-Ulm um 6 Uhr 48 Min. in guter Wer- fassung. Dürr." Heidenheim, 27. August. Das Luftschiff„Z. EU* wurde hier um 7 Uhr 30 Minuten, in nordöstlicher Richtung fliegend, gesichtet. Oberingenieur Dürr hat hier ein Telegramm an den Ingenieur Schwarz aus der Gondel geworfen, worin er mitteilt, daß in Nürn- Berg eine Landung Beabsichtigt sei. Giengen a. d. Brenz, 27. August. Kurz nach 8 Uhr kam das Luftschiff.Z. Ell" hier in Sicht und manöverierte etwa eine Stunde über der Stadt. Kurz nach 8 Uhr entfernte es sich in nördlicher Richtung und wurde um 9 Uhr 19 Minuten in Oggenhausen ge- meldet. Das Wetter ist still, aber etwas nebelig. NereSheim, 27. August. Um 9 Uhr 39 Minuten überflog das Luftschiff das Kalkwerk in NereSheim und steuerte in der Richtung nach Nördlingen. Nördlingei«, 27. August. DaS Luftschiff„Z. Ell* hat um 9 Uhr 59 Minuten Nördlingen passiert. Bor Nördlingen wurde daS Luftschiff ,Z. Ell" von starkem Gegenwind erfaßt und ging darauf zeitweise auf württembergisches Gebiet zurück. Um 19 Uhr 19 Minuten verließ daS Luftschiff ,Z. IEI" Nördlingen in der Richtung auf Oettingen. Man konnte alle Insassen der Gondeln deutlich sehen. Das Luftschiff folgt genau der hier schnurgeraden Bahnlinie durch das Ries in der Richtung auf Günzenhausen. Oettingen, 27. August.„Z. Ell' passierte Oettingen in der Richtung aus Wassertrüdingen zwischen 19 Uhr 25 Min. und 19 Uhr 27 Minuten. Die erste Landung. Gnnzenhansen, 27. August, 11 Uhr 45 Min. Soeben wird ge- meldet, daß das Luftschiff„Z. EEl" bei Ostheim in Mittelfranken behufs Wasseraufnahme gelandet isü Nürnberg, 27. August, 1 Uhr nachmittags. Ingenieur Schwartz von der Lustschiffbaugesellschaft ließ sich sofort auf die erste Kunde von der Landung des„Z. ElE' mit dem Telegraphenamt Gunzen- Hausen verbinden und von da mit der Fernsprechstelle Spielberg, die der Landungsstelle am nächsten liegt. Von dort wurde ein Mann an die Landungsstelle geschickt, um Erkundigungen ein- zuziehen. Graf Zeppelin junior ließ erklären, daß er Hilfe von Nürnberg nicht benötige, daß er um 1 Uhr wieder abfahren und um 3 Uhr in Nürnberg nochmals landen werde, da das Luftschiff reparaturbedürftig sei. Schwabach, 27. August, 3 Uhr 58 Minuten.„Z. EH.* fährt über unsere Stadt in etwa 199 Meter Höhe. Die Landung in Nürnberg. Nürnberg, 27. August. DaS Luftschiff„Z. III* ist gegen l1/« Uhr auf einer großen Waldlichtung etwa 699 Meter hinter dem Dutzend- teich glatt gelandet. Im Laufe des Abends soll der neue Daimler- motor eintreffen, der sofort eingesetzt werden wird, so daß noch im Laufe der Nacht oder sogar schon abends die Weiterfahrt deS„Z. ElE" nach Bitterfeld erfolgen kann. Nürnberg in Erwartung Zeppelins. Nürnberg, 27. August. Schon vom frühen Morgen an strömte die Bevölkerung hinaus nach dem Dutzendteich. Bon 9Vs Uhr ab umsäumte eine nach vielen Tausenden zählende, stetig an» schwellende Volksmenge die große Waldwiesenfläche, die als Landungsstelle für„Z. Ell' hergerichtet und durch Seile und Schutzmannschaften abgesperrt worden war. Als sich gegen UVa Uhr die Nachricht verbreitete, das Luftschiff habe Weißenburg passiert, und daß eine Landung in Nürnberg not» wendig sei, stieg die Erwartung der harrenden Menge aufs höchste! glaubte man doch mit Bestimmtheit, in einem kleinen Stündchen den „Z. Ell" begrüßen zu können. Einsetzender Regen vermochte die frohe Stimmung nur sehr wenig zu beeinträchtigen, wohl aber die nach 12 Uhr umherschwirrenden Gerüchte, daß„Z. Ell" eine Zwischen- landung habe vornehmen müssen, weil er Defekt erlitten habe. Trotzdem harrte die Menge weiter aus. Um 1273 Uhr traf dann die Meldung aus Gnotzheim ein. Rasch berechnete man, daß der Luftsegler kaum vor 273 Uhr am Dutzendteich sein könne. Ein Teil der Zuschauer- menge wanderte zum Mittagsbrot nach Hause, ein anderer harrte über Mittag am Landungsplätze aus. Zahlreiche Geschäfte hatten heute morgen von 19 Uhr ab ihrem Personal freigegeben. Es herrschte in der ganzen Stadt fröhliche, fieberhafte Erwartung. Nürnberg, 27. August. Nach der unter unbeschreiblichem Jubel der Bevölkerung erfolgten Landung und Verankerung des„Z. Ell" erklärte Graf Zeppelin jr. einem Vertreter der Preffe, daß eine Nächtigung des Luftschiffes nicht beabsichtigt sei, und daß die Weiter- fahrt angetreten werden solle, sobald die nötige Reparatur vollendet worden sei. Eine amtliche Meldung aus Nürnberg besagt: Landung wegen Motordefekt erfolgt. Ersatzteile treffen um 8 Uhr hier ein. Die Weiterfahrt erfolgt sofort nach Beendigung der Reparatur. Der Zeitpunkt läßt sich nicht bestimmt angeben, doch wird gehofft, daß das Luftschiff morgen bei guter Zeit in Berlin eintrifft. Voraussichtliche Ankunft in Bitterfeld. lvitterfeld, 27. August.(Amtliche Meldung.) Das Lustschiff '„Z. Ell' trifft nach Mitteilung der hiesigen Ballonhalle voraus- sichtlich nicht vor morgen früh hier ein. Hus der Partei. Heraus mit der Sprache! Aus dem heutigen„Vorwärts" ersehe ich, daß die»Chem» n i tz e r V 0 l k S st i m m e" behauptet, Bernstein sei aus der „Neuen Zeit"„hinausgebissen" worden. Soll dieser Ausdruck einen Sinn haben, dann kann es nur der sein, daß Bern» stein mit unsauberen Mitteln aus seiner Stellung bei der„Neuen Zeit" hinausgedrängt worden sei, und natürlich kommt der Nc- dakteur der„Neuen Zeit" dabei in erster Linie in Betracht. Diese Beschuldigung wird nicht besser dadurch, daß sie in eine vage, schwer greifbare Form gekleidet ist. Ich fordere die„Chemnitzer V 0 l k s st i m m e" hiermit auf, deutlicher zu werden und ohne Umschweife zu erklären, was sie gemeint hat. Das Parteiinteresse selbst erfordert es jetzt, daß die Aushungerungslegende einmal gründlich klargelegt wird. Berlin, 27. August 1909. Karl K a u t S k Y. Genosse Kurt Eisner äußert sich in der„Fränkischen Tages- post" zu der in der letzten Auseinandersetzung des„Vorwärts" mit Genossen Bernstein von uns gegebenen Darstellung über die Gründe, die zur Streichung des Pauschales führten, das Bernstein vom„Vorwärts" bezog. Er bestätigt sie, indem er schreibt: „Richtig ist zwar, daß— wenn ich nicht irre— auf eine durchaus zu rechtfertigende Anregung der Kontroll- k 0 m m i s s i 0 n hin, eine Anzahl, nicht nur Bernsteins, Mit- arbeiterpauschalien gestrichen wurden; es handelte sich um Fälle, wo das Pauschale dem Umfang der Mitarbeit nicht entsprach. Bernstein sollte nach seiner Rückkehr nach Deutschland ständig, wie zuvor, über englische Politik schreiben. Auf dieser Voraus- setzung beruhte sein Pauschale. Diese Mitarbeit über englische Politik von Berlin auZ ließ sich auf die Dauer Nicht aufrecht- "*"' erhalten. Und seitdem Genosse Beer von New Dork nach London übersiedelte, gewann der„Vorwärts" in ihm einen vorzüglichen englischen Korrespondenten; dadurch wurde naturgemäß— ohne Verschulden Bernsteins— seine Mitarbeit am„Vorwärts" weniger umfassend, die wir aber immer aufs neue anzuregen bemüht waren. Daß ihm ein bindendes Versprechen wegen deS Pauschale gegeben worden ist, erfahre ich erst jetzt; wenigstens ist eine solche Kenntnis nicht in meiner Erinnerung." Diese Bestätigung der„Vorwärts"-Darstellung wird ein- geleitet durch Ausführungen, in denen Eisner zunächst erklärt, er wolle nicht darauf eingehen, ob die heutige oder die damalige „Vorwärts"-Redaktion die Bezeichnung„radikal" beanspruchen darf, und dann fortfährt: „Fest steht, daß die damalige Redaktion wiederholt mit den Auffassungen Bernsteins in Konflikt geriet; ich selbst habe ge- lcgentlich eine höchst entschiedene Kritik an Bernsteinschen Ar- betten geübt. Aber wir hielten«S natürlich trotzdem für unsere Pflicht, Bernstein als Mitarbeiter uns zu erhalten, ihn immer wieder zur Mitarbeit heranzuziehen und ihm freien Raum für seine(von uns nur selten geteilten) Meinungen zu gewähren. Wir betrachteten es als den vornehmsten Grundsatz unserer Redaktionsführung, um der Einheit der Partei willen, alle namhaften Parteischriftsteller, ohne Unterschied der Richtung und Färbung, im Zentralorgan mitarbeiten zu lassen. So waren denn auch in der Tat, ohne jede Ausnahme, alle führenden Parteischriftstcller Mitarbeiter des„Vorwärts", von der äußersten„Rechten" bis zur äußersten„Linken", wenn man einmal diese Unterschiede machen will. Diese Auffassung vom Redakteurberus im Zentralorgan hatten wir von Wilhelm Lieb- knccht übernommen. So war die volle Sicherheit gegeben, daß nicht etwa ein Cliquen, und Absondcrungswesen entstehen, ein stiller, ungreifbarer(aber darum um so wirksamerer) Boykott bestimmter Personen und Gruppen geübt werden konnte. Die Bernsteinsche Beschwerde ist also in dieser Hinsicht unbegründet." Ueber die Pflichten der Redaktion des Zentralorgans haben die Genossen, die sie jetzt führen, etwas andere Ansichten als Ge- nosse Eisner, und werden sie auch festhalten. Indes können wir den Genossen EiSner zu seiner Beruhigung versichern, daß heute mindestens ebenso viele führende Genossen der verschiedenen Richtunoen am Vorwärts" mitarbeiten, als zu seiner Zeit. AuS den Organisationen. Die Kreiskonferenz deS Wahlkreises Zauch-Belzig- Luckenwalde fand am letzten Sonntag in Caputh statt. Der vom Genossen Jahn erstattete Jahresbericht zeigte, daß die Bewe- gung unter der Krise nicht unerheblich gelitten hat. Außerdem wurde die Agitation, wie von vielen Delegierten ausgesprochen wurde, durch die Beitragserhöhung von 29 auf 39 Pf. erschwert. Im Kreise sind 16 Ortsgruppen, die zusammen 2348 Mitglieder zählen, unter denen sich 147 weibliche befinden, die sich unter nur 4 Ortsgruppen verteilen: Luckenwalde, Treuenbriehen, Caputh und Werder a. H. Die Zahl der Leser der„Brandenburger Zeitung" ist ebenfalls wie die Zahl der politisch Organisierten etwa? zurück- gegangen, was aber viel auf Verzug der Genossen infolge der Wirt- schaftskrise zurückzuführen ist. Außer der„Brandenburger Ztg." wird im Kreise der„Vorwärts" gelesen; 65 Frauen sind auf die „Gleichheit" abonniert; die„Arbeiter-Jugend" wird in 52 Crem- plaren gelesen. Zur Agitation im Kreise gelangte der„Märkische Landbote" in 18 999 Exemplaren zur Verbreitung. Sozialdemo- kratische Gemeindevertreier sind 69 in 21 Ortschaften vorhanden. Die Einnahmen betrugen 5621,54 M., die Ausgaben 4961,42 M., so daß ein K a s s e n b e st a n d von 1566,12 M. ver- bleibt. Ueber den Parteitag referierte Genosse Gärtner- Luckenwalde. Er wandte sich gegen die Hofgängerei und die Ab- schwächung der Maifeier. Gen. S a i l e r besprach das O r g a n i- s a t i 0 n S st a t u t. Er ist gegen die Gratislieferung der„Gleich. heit", den Reichstagsabgeordneten wünscht er auf den Parteitagen die beschließende Stimme erhalten. Im Z 23, der vom Ausschluß wegen parteischädigender Handlungen handelt, wünschte er die Worte„in bewußter Weise" gestrichen. Genosse Faß erörterte die Landarbeiterorganisation. Zum Parteitag wurde der Kandidat des Kreises, Genosse Ewald, delegiert, zur Pro- vinzialkonferenz die Genossen Sailer, Sasse und' Werg. zum Preußentag die Genossen B a r t h, Lehnin, Litzner- Beelitz sowie Genossin H u b e. Luckenwalde. ZIiis Industrie und ftandel Machination? Die Waggonfabrik Zypen-Charlier in Köln-Deutz hat, wie wir mitteilten, 499 Arbeitern gekündigt und für die übrigen eine verkürzte Arbeitszeit eingeführt. Diese Tatsachen werden trefflich illustriert durch eine von„informierter Seite" an die„Deutsche BergwcrSzeitung" gerichtete Mitteilung. Danach hat die obige Maßnahme nur den Zweck, auf die preußische Regierung einen Druck auszuüben, damit sie Waggonbestellungen macht. ES heißt da: „Die Krise, welche inl der deutschen Waggonindustrie im Jahre 1992 hervorgerufen wurde, war verursacht durch die auf ein Minimum reduzierten Bestellungen seitens der preußischen Staatsbahn, und eine große Anzahl von Waggonfabriken gingen damals ihrem finanziellen Ruin entgegen." Die Dinge lagen in Wirklichkeit so, daß gerade die Großen unter den Waggonfabriken durch scharfen Konkurrenzkampf, der die Kleinen tötete, mächtig wurden. 1994 wurde dann daS preußische Zentralamt gegründet, daS durch seine LieferungS- Verträge oft genug von sich reden gemacht hat. Darum wird cS von Interessenten in der Zuschrift an die„Deutsche Bergwerks» zeitung" natürlich gelobt, dann folgt ein Gejammer, daß jetzt die Waggonbestellungen fast völlig ausgeblieben und deswegen Ar. better entlassen werden müßten. Da merkt man die Absicht! In Wirklichkeit liegen die Dinge wieder so, daß die Waggonfabriken, in erster Linie die Norddeutsche Waggonbauvereinigung, die für Waggonlieferungen an Preußen das Monopol besitzt, während der Hochkonjunktur mit den Klagen an die Regierung herantraten, die diese veranlaßten, immer wieder große Bestellungen zu machen. Ueber das Monopol selbst kommen recht interessante Dinge zur Sprache. Es heißt da unter anderem: „Die Norddeutsche Waggoubauvcreinigung, welche das Monopol für die Lieferungen an den preußischen Staat besitzt, steht im Kampfe gegen die wenigen Außenseiter und wehrt sich mit Erfolg gegen jede Erniedrigung der Beteiligung bei der preußischen Staatsbahn. Unter ihrem Schutz haben sich die alten, seit zirka 39 Jahren bestehenden Fabriken, die zum Teil eine Modernisierung nicht für nötig erachretcn, kräftig entwickelt und konnten ihre Anlagenkonten auf 1 M. abschreiben." Also ist die Staatslieferung, die an alte, unmoderne Werke vergeben wurde, außerordentlich gcwinntragend gewesen. ES wird dann davon gesprochen, daß gegenwärtig die Beschäftigung in der Waggonbauindustrie wieder anzuziehen beginne. Dann folgt die Mahnung an die preußische Regierung, recht bald größere Be- stcllungcn zu machen. Wenn eS nach diesen Herren ginge, und eS geht oft genug nur nach ihnen, dann wäre der Staat zu nichts weiter da, als sie in ihrem Kampfe gegen Konkurrenten zu unter- stützen, ihnen immer gute und gewinnrciche Aufträge zu gewähren, ihnen ihr Lieferungsmonopol zu erhalten, kurz und gut, ihr Auf- träge zuschleppender Hausknecht zu sein. Steuerhinterziehung— Konkurs. Die Steuerbehörden in Düsseldorf beschlagnahmten bor einigen Tagen K,affce, welcher der Fippj MM gehöpix. Ppr- gestern erfolgte eine weitere Beschlagnahme von einer großen Menge Kaffee derselben Firma. Es handelt sich um Kaffee, der zur Verzollung nicht angemeldet worden war. Die Steuerbehörde verlangt von der Firma Klaps 169 999 M. für Steuer und Strafe. Wie berichtet wurde, hat die Firma infolge dieser Anforderungen sich genötigt gesehen, den Konkurs anzumelden. Betriebseinstellung. Infolge der neuen Tabaksteuer» erhöh ung beabsichtigt die Zigarrenfabrik von Rose u. Schweig- hosser in Klausthal, ihren Betrieb am 1. Oktober einzustellen. Sämtlichen Arbeitern und Arbeiterinnen ist zu diesem Termin ge- kündigt._ Indirekte Fleischverteuerung. Da am 1. April des nächsten Jahres die kommunale Be- steuerung des Fleisches in Wegfall kommt, gehen immer mehr Städte dazu über, den Ausfall durch Erhöhung der Schlachthof- gebühren auszugleichen, wodurch sie allerdings die Absicht des Ge- fctzeS naturgemäß durchkreuzen. So hat. wie die„Fleischer-Ztg." mitteilt, der Stadtmagistrat zu München eine Erhöhung der Gebühren des Schlacht- und Viehhofes beschloffen, die so gehalten sind, daß sie den Ausfall des Betrages des Fleischaufschlagcs dar- stellen. Die Stadt Koblenz hat die zulässige Höchftverzinsung deS Schlachthofes mit 3 Proz. beschlossen, wodurch die Schlacht- gebühren um drei Fünftel der bisherigen Sätze erhöht werden. Ein Trust der bulgarischen Zigaretteufabriken. Wie verlautet, haben sich ungefähr 69 Zigarettenfabriken Bulgariens zu einem Trust zusammengeschlossen. Der größte Teil von ihnen soll den Betrieb einstellen und nur 6 sollen in Zukunft weiterarbeiten, Die übrigen, zumeist recht kleinen Betriebe werden dann aus den Uebcrschüssen deS Trusts entschädigt. Die neue Gesellschaft wird die Form einer Aktiengesellschaft annehmen und mit 4 Millionen Frank kapitalisiert werden. Insbesondere ist seitens der Urheber des Planes eine Regelung des Zigarettenexportes aus Bulgarien ins Auge gefaßt worden. Seridrts- Leitung. «Wert etwa 10 Pfennige." Der„Oeffcntliche Anzeiger zum Amtsblatt der königk. Regie- Hing zu Hildesheim" enthält folgenden Strafbefehl: Auf Antrag der königlichen Staatsanwaltschaft wird gegen Sie wegen der Beschuldigung, am 8. Juni 1909 in Mehle von der Wiese des BahnhofSaufsehcrs Friedrich Rcinecke Gras ent- wendet zu haben, Wert etwa 19 Pfennige, Uebertretung gegen § 18 deS Feld- und ForstpolizeigefetzeS vom 1. April 1889, wofür als Beweismittel bezeichnet ist: Zeugnis der Ehefrau des Bahn- hofSaufseherS Friedrich Reinecke in Mehle, eine Geldstrafe von 5 Mark(fünf Mark) und für den Fall, daß dieselbe nicht bei- getrieben werden kann, eine Haft st rase von 1(einem) Tag festgesetzt. Zugleich werden Ihnen die Kosten des Ver- fahrcns auferlegt. Dieser Strafbefehl wird dollstreckbar, wenn Sie nicht binnen einer Woche nach der Zustellung bei dem unter- zeichneten Gericht schriftlich oder zu Protokoll des Gerichts- schreiberS Einspruch erheben. Die Geldstrafe und die unten berechneten Kosten sind an die hiesige Gerichtskasse, Bahnhofstr. 4, binnen einer Woche nach dem Eintritt der Vollstreckbarkeit bei Vermeidung von Zwangsvollstreckung zu zahlen. Bei der Zahlung ist dieser Strasbefehl vorzulegen oder durch Angabe Ihres Namens und der GeschäftZnummer genau zu bezeichnen. ,„ Elze, den 22. Juli 1999. Königliches Amisgericht II. Kostenrechnung. 1. Gebühr für den Strafbefehl 1 M. (ß 63 des GerichiskostengesetzeZ.) 2. Schreibgebühr 19 Pf., zusammen 1,19 M An den Schmied Herrn Hermann Dede in Mehle. zurzeit unbekannten Aufenthalts. Diese Leistung des Herm Bureaukratius, Abteilung Justiz, redet wahrlich Bände. Die Gerichtsbarkeit bei Orte» ohne KaufmannSgericht.>. In Ortschaften, die selbst kein KaufmannSgericht besitzen, müssen Klagen zwischen Prinzipal und Angestellten beim ordcnt- lichen Gericht anhängig gemacht werden, sofern nicht etwa die Zuständigkeit deS KaufmannsgerichtS einer Nachbargcmeinde an- erkannt worden ist. Sonst gibt eS nur dann noch einen Weg zur Kaufmannsgerichtsbarkeit, wenn einer der Prinzipale in einer Stadt mit KaufmannSgericht seinen Wohnsitz hat. Er muß dann diesen Gesellschafter verklagen. Den nämlichen Weg wählte ein Buchhalter S., der bei den Viehgroßhändlern Höhne u. Wolter in Friedrichsfelde bei Berlin in Stellung war. Am Domizil der Firma gibt es kein KaufmannSgericht, da der Inhaber W. aber in Berlin feinen Wohnsitz hat, so reichte E. gegen diesen die Klage beim Berliner KaufmannSgericht ein. Der Beklagte erhob da- gegen den Einwand der Unzuständigkeit. Erstens könne Berlin nicht für eine Firma in Friedrichsfelde zuständig sein, und sodann müsse der Kläger seine vermeintlichen Forderungen gegen die Firma und nicht gegen einen Chef persönlich geltend machen. Die fünfte Kammer des KaufmannSgerichts hielt sich für zuständig. Der Handlungsgehilfe sei beizchtigt, bei einer Forderung gegen eine offene Handesgesellschaft auch einen der Gesellschafter zu ver- klagen, da jeder für die Gesellschaft haftbar sei. Zu einem Kampf zwischen Stadtbahnflebderern und einem Kriminalschutzmann kam es in der Nacht zum 31. Januar d. I. auf dem Bahnhof Janno- witzbrücke. Wee die fast täglich bei der Kriminalpolizei eingehen- den Anzeigen von Beraubten beweisen, scheint das Geschäft der Stadtbahnfledderer immer noch ein recht blühendes zu sein. Die Kriminalpolizei hat deshalb schon seit längerer Zeit eine besondere Stadtbahnpatrouille eingerichtet. Eine überaus schwierige Fest- nähme hat am 31. Januar ein Beamter der Stadtbahnkontrolle, der Kriminalschutzmann Brückner, zu bestehen gehabt. In jener Nacht fuhr der Beamte, um möglichst wenig aufzufallen, in einer stark beschmutzten Arbeiterkleidung. Zwischen dem Schlesischen Bahnhof und der Station Jannowitzbrücke überraschte er drei Fledderer da- bei, wie sie einem Arbeiter KupilaS, der im Kupce eingeschlafen war, ausplünderten. Zwei der Fledderer sprangen aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge und liefen die Gleise entlang nach dem Schlesischen Bahnhof zu. Der dritte der Fledderer, der Ar- beiter Paeschke, wurde von Brückner gepackt. ES kam zu einer furchtbaren Prügelei, da der Fledderer wie toll um sich schlug. Die größte Schtvierigkeit bestand darin, den Verhafteten während des kurzen Aufenthalts auf der Station aus dem Zuge herauszuschaffen. Beide gerieten zwischen Zug und Perron während der Zug noch in Bewegung war und wurden mitgeschleift. Auf dem Bahnhof selbst erging es dem Beamten noch sehr übel, da er infolge seiner Ar- beiterkleidung verkannt wurde. DaS Publikum nahm gegen ihn Partei, bis er schließlich von einem Bahnbeamten erkannt wurde. Inzwischen war nach dem Schlesischen Bahnhof telepljoniert worden, daß die zwei Leute, welche die Gleise entlang gelaufen waren, fest- gehalten werden sollten. Es gelang auch noch, einen der Fledderer, den Hausdiener Lwrl Kampe, festzunehmen, während der dritte entkam. Paeschke wurde vor einiger Zeit zu drei Monaten Ge- fängnis verurteilt. Kampe behauptete, geisteskrank zu sein und sich an nichts mehr besinnen zu können. Da er früher einmal bei einem Fahrstuhlunglück schwer verletzt worden war, wurde er erst auf seinen Geisteszustand untersucht. Die Untersuchung fiel je- doch negativ aus. Vor der fünften Strafkammer des Land- gerichtS I mutzte sich Kampe nun gestern wegen Diebstahls verant- Worten. Rechtsanwalt Dr. Coßmann beantragte mit Rücksicht auf die erhebliche geistige Minderwertigkeit des Angeklagten eine recht milde Bestrafung. Das Gericht erkgWtq auch auf nur 3 Menaje Gefängnis.'" Für den Inhalt der Inserate ndcrnimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 28. August. Ansang 61;, Uhr. Kgl. Opernhans. Götterdämme« rung. Ansang Vi, Uhr. Kgl. Schauspielhans. Iphigenie aus Tanns. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Ketten. Kammerspiele. Freund Jack. Berliner. Einer von unsre Leut. Lessing. John Gabriel Borkman. Neues. Sein Sündenregister. NeneS Schauspielhaus. S Dudelsack. Thalia. Prinz Bussi. Komische Oper. Tiefland. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Hebbel. Nevolutionshochzeit. Trianon. Liebesgewitter. Lustspielhaus. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Nene? Operetten. Die Dollar. Prinzessin. Westen. Der fidele Bauer. Kchiller O.(Wallner» Thealer.) Die Ehre. Schxier Charlottenburg. Der Biberpelz. Friedrich- Wilbclmstädt. Schau- sPiclhauS. Wilhelm Tcll. Luisen. Die Herren Söhne. Metropol. Die oberen Zehntausend. Folics Capricc. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. 8'/« Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. Frau ElkamS Friseur. Meine- Deine Tochter. Paflngc. Spezialitäten. Bernhard Rose. Der Mann mit der eisernen Maske. Noacks Theater. DaS HeiratSnest. Spezialitäten. Stadt-Theater Moabit. Spezia- litäten. Volksgarten. Spezialitäten. Brunnen. Der Stabstrompeter. Walhalla. Spezialitäten. Reichshalle». Stettiner Sänger. Urania. Tanbenstrasie 18/19. Rom und die Campagna. Sternwarte, Jiivalidenttr. S7/S2. Urania. Wißsenachaftlichea Theater. laubenstraßo 18/19, Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna liCssins-Theater. Sonnabend, 8 Uhr: Jbsen-ZylluS: 7. Borst.: lohn Gabriel Borkman. Sonntag, 8 Uhr: Vom andern Ufer. 1. Der Gras. 2. Der Ernst des Lebens. 3. Auserstchung._ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Flnor von nnscro Licnt'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Täglich 8 Uhr: SeinSiindenregister Mittwoch, den 1. September: Emilia Galotti. itl'!S H.,- CARTER Heute Sonnabend, nachm. 1U.; Gr. MiliiileilsM 3 Militlr- Kapellen. Illumination. Feuerwerk. Sommernachts-Ball. Eintritt 1 H., Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte. Tlieater des Westens. Llllabendlich 8 Uhr: Per Adele Bauer B0gdjeag Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonnabend, den 28. August, 8 Uhr: Wilhelm Tell. Sonntag:»anäverregen. ' Montag: Uanöverregen._ Keue« Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenflr. Ansang 8 Uhr: Die vollarprln�ennln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Resillkirc-Ihöalus Direktion: Richard Alexander. Abend« 8 Uhr: Schwank in 3 Akten von Feydeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung._ Luisen-Theater Sonnabend: Eröfslinugs-Vorstellung: Die Herren Söhne. Voirsstück IN 3 Alten von O. Walthcr und L. Stein. Sonntag nachm. 3 Uhr zu kleinen Preisen: Bio lunglrau von Orleans. Abends 8 Uhr: Die Herren Sühne. Montag: Die Herren Sühne. Gr. Frantsurler Str. l32. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Der Mann mit der eisernen Maske. Schausp. in 5 Akt r. Foumier u. Arnold. Aus der Garlenbühnc Ans.!>/, Uhr. 7hoalervorsle!Iung� Spezialitäten. skt»nitx«tacht-Iin»Ki»«. tolzmarttslr.72(Ecke Alexanderstr.) ägl. tHerrl.Natur-Sommcrgartcn Gr. fheater- u. Spez.- Vorstellung. Die selbe Gefahr. BurleSle von A. Hoffmann. Duell Horrrnann, Loews- Lessen, Heina Heuer, The Eltons, The Laongs, Charly Salwing, Minnia Schrüderu. erstklaff. Spezialitäten. Ans. wochenL 8, Sonntags 5 Uhr. Lustspieihaus. AbendS 8 Uhr: Im Klubsessel. Union-Theater Alexanderplah. Texte folgen! Das gigantische Eröffnonos-Programm! Henry Bender Truly Shatluck, amerik. Operetten- Diva. Bellechaire Brothers, med. Gladiatoren. Geschwister Kies, Gymnastio Akt. Miß Marquis mit ihren dressierten Ponnies. Six Cuftys, musikal. Akt. Mlle. Julie Sidowa, Prima Ballerina von der k aiserb Hofoper St. Petersburg. Morris Cronin Truppe, moderne Jongleure. The 3 Fattersons, Reck- und Trampolin-Akt, Oer Biograph mit neuesten Aufnahmen. „Leben und Treiben Im Freien." Tanz-Divertissement in 3 Bildern Metropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik' v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Auf. 8 Uhr. Bauchen gestattet. Ans. ö Uhr: Tivtxitv Woehc! 9 Uhr: Sine Karemsnaeht. 9M llhr: Triumph der Sciiöuheit. Humpstl-Bumsti, Dolvard, Nadrage, Ethel Whitesides u. a. m. Passage-Theater. Letzte Woche! Ein durchschlagender Erfolg! Alola PUachl Edmondo liuclnl The liingtons und das großartige August-Programm! 12 erstklass. Varl6t6-AttraktIonen. � Passage- Panoptikum. Aga! die echvveb. Jungfrau. Ganz Berlin zerbricht /ßMra sichwlederd. Kopfüber DerMann m.d.eisernen Schlund! Experimente d. IV. Dimension! Alles ohne Extra-Eotree. MM» Kommandantenftr. 57. T. A. 4, 5083. 0V- Die erfolgreichsten ISBQ Lach-Komödie» Meine-Deine-Tochter Frau Elkams Friseur mit Slnton und Donat Herrufeld. Borverkaus 11—2 Uhr. Ansang 3 Uhr. IWcinbergsweg 18-20, Rosenth.7 Ansang 8 Uhr. Im Theater: Die gr. Angust.SPezialitäten. Frei: Im Garten Kentert. Leben u. Treiben im Traumland. s Schiller Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theater.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Ehre. Schauspiel in 4 Allen von Hennann Sudermann. Sonntag, abends 8 llhr: von Berlichlngcn. Montag, abends 8 Uhr: _ Ein Erfolg._ Theater« Schiller-Theater Chartottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Dlherpel�. Eine Dtebeslomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Sonntag, nach m. 3 u h r: Dehler Klaas. Sonntag, abends 8 UHr� Andame Denivax-d. Montag, abends 8 Uhr: Bresters Slillionen. CASTAN's P Aü OPTICEM Frledrichstr. 16S(Pschorrpalast). 0jine B0V liente: Ectzter Tag!-WK Exira Entreei Das menschliche Monstrum! 2 Köpfe, 1 Rumpf, 4 Arme und 4 Beine. Sign. Artnro, Entfesselungskünstler, X X Arturos Zaubertand. Täglich T'/j Uhr abends: Hamorlstlsche Ktinsllcr-Abende.— Ohne Exfra-Entree! Schwarzer Adler Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 5 Inh.: Gebr. Arnhold. Taglich: Gr. internation. Ringkampf-Konkurrenz um die Meisterschaft d. Prob. Brandenburg u. die Prämie SOOO M. in bar. eute Sonnabend, den 28.: S grolle Entscheldnngslianipfc: van dar Berg-Holland. Axa-Australien gegen Miehallol-Nnffland. Außerdem ringen: lakson- Schottland gegen Burghardt-Oesterreich gegen Eggeherg-Finnland. Sauerer-Bayern gegen Hiörnann- Australien. W.Z�ossksTksstsr Direktton: stob. DI». Srunnenftr. lö. Grofte Extra-Borstellung! Das Heiratsnest. Posse in 3 Akten. Vorher: Das lustige bunte Progr. Ans. 7, Äaffeek.» Uhr. Entree 30 Ps. Ball. Montag: Benefiz. Lied. d. Musikanten. Oasmo-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: �vs-otju Cte C-»» ohn nkel nkel »kelW nkel oh» mit Dir. Hans Berg als Onkel Cohn. �»Knkel /Cä** ATjutel BV, ttfel ohn oh» Ktrliner Prater-Thkattr» Kastanienallee 7—9. Täglich:> Der Verschwender.> Spezialitäten ersten Ranges.! Konzert und Ball. Ansang 4'/, Uhr. Karl Haverland I Theater 77/79 Kommandantenftr. 77/79. II erstklassige Spezialitäten. Victor Ritter Humorist der neuen Zeit. Der schönste Ausflugsort und Aufenthalt ist immer und gern gesehn sind wir beim Pichelswerdep 17042* Alten freund. GlataKM m& U.so Vornehmes Aussehen— billiger Preis— bequemes Tragen— alle Vorzüge finden Sie im Salamander- Stiefel vereint— Fordern Sie Musterbuch V. Salamander Scbuhstt.«. b. H., BtrUa W. 8 Friedrich-Sifasse 18J C, König-Strasse 47 SW. Friedrich-Strasse 221 C, Roscnthaler Tor W. Potsdamer Strasse 5 NW, Witsuacker Strasse Eck« Turm- Streu« 9 W. 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Direktion: Willi Voigt Benefiz für das Schauspielpersonal: -Ber Stahslrompctcr. Volksst. m, Ges. in 4 Alt. c. Mannstädt. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Grostrei«emachen. 'jic feine Nummer. Marga Scholz, Souiretta Anfang 4'/, Uhr._ Entree 30 Ps. M-Theater Moabit. Alt-SIoablt 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Uhr, Konzert S Uhr. Sonnt. 6 bezw. 5 Uhr. Garteneröffniing 3 Uhr. Jeden Montag Elitetag, Spezia- litäten und Soiree der„Lustigen Sänger". Bei Regenwetter Verstellung im großen Theater-Saal._ Reiehshallen-Theater. »er Atter Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. M»x Rliems Sflmer- Theater«ml Festsäle Rudolf Krüger Hasenheide 13/15. 8W* Täglich: Großes Konzert, Theater«m! Art. Leitung: Walter Gravenitz. Jeden Donnerstag: Elltetag. Während und nach der Vorstellung TanzUriinzchen. Ii Schweizer- Gartenii Am KönigStor. Am FriedrichShain '* Kiäalitit ♦'kUoatsr und t» l! tlljillt). Spezlalitiiten. Vom 16.— 31. August: Neues Programm.— Kihematograph. Volksbelustigungen. Jeden Abend 10 Uhr s Am Brunnen vor dem Tore. Lebensbild mit Gesang. Ansang 5 Uhr. Euirce 3g Ps. Sommerkarten Hab. Gültigkeit. Volksgartcu- Theater früher Weimanns VolkSgartrn. Harry Stelner. losephine Delcllsaur. Max u. Moritz. Tho drei Barretts. Der Aktienbuditer. Voirsstück m. Ges. U.Tanz in ö Bildern. Konto: Gros/es Gartenfest. — Sonntags geöffnet.— Garte«. Besitzer O. Erncrt, 8\V., Kreuzbergstr. 48. Jeden Freitag: KolDnann» A'ord- denhseho Süngcr. Passcp.u. Borzugsk. gültig. Jeden Sonntag: Gr. Spezialitäten- Vorstell. Entree fiel. Verschied. Sonnab an Vereine zil vcrg. «SU» Vereins- Brauerei Rixdorf, Hcrmannstr. 214/219. Ookonom: Max Wendt TilgUch:-MA Gr. Militär- Konzert. BorzngSkarten haben wochentags GülllgkciL Entree 15 Pf. W« unstgeigenbauer E. Toussain BERLIN C. Joachimstraße HC, liefert Reparaturen. aus Wunsch zugleich mit vorzgl. Tonverbesscrung. Spezialität: Erzeugung des alt- italienischen Timbres für große Säle an alten :: und neuen Geigen.:: MäBiges Honorar.• ISozlaltekratiseherWahlYerelD des |6.6er!. Reichstags■ ff ahlkreises. Todes- Anzeige. Slm 26. August verstarb unser Mitglied, der Klempner KtaH Paulenz (Panlstr. 60). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 29. August, nach« mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des neuen St. Pauls- Kirchhofes w Plötzevsee.Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/4 Oer Vorstand. Kerbaoii lier haugewerbliehe« ilsarbeiter DeutsEhlamis. Zweinverein Berlin u. Umgegend (Bezirk Rixdors.) Tode« Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser alter, treuer Kollege ffjlhelm Lehmann verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. August, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorsei Friedhofes, Mariendorser Weg, ans statt. 20/5 Um recht rege Beteiligung ersucht Dar Zweigvereinsvorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin Klara Keller gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. August, nnch mittags 2'/, Uhr, von der Leichen halle des Nixdorser Gemeinde Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. 122/4 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Nach langem schweren Nerven- leiden verschied gestern, den 26. August, mein tnnigstgeliebtcr Mann, unser guter Bruder und Schwager, der Buchbinder Sermann Trautmann im 46. Lebensjahre. DieS zeigt ticsbetrüdt an Berlin, de» 27. August 1909 Die kauernde Witwe Henriette Trautmann, geb. Silz Die Beerdigung erfolgt Sonn tag, den 29. d. M., nachm. 5 Uhr, aus dem BcgräbniSplatz der Frei religiösen Gemeinde, Pappel allee 15. 262/17 Zentral-Verband der Steinarbeiter. Filiale Berlin. Am Montaanachmtttag 5 Uhr findet die Beerdigung unseres am Bau verunglückten Kollegen l�udoik Thiele von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes, Müller- und See- straßen-Ecke ans statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 172/6 Dia Ortsverwaltuag. Am 26. August 1909 verschied nach langem schweren Leiden unser lieber Vater, der Gastwirt hermaim Hahn. DieS zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Berlin, den 27. August 1909 Neue Friedrichstraße 5 Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. August 1909, nachmittags 31/, Uhr, aus dem Nikolai-Kirchhose statt. Hieb Am Mittwoch, den 25. August, verschied unsere liebe Mutter, Tochter, Schwester und Schwägerin Frau Witwe lllbb Eirnrna Baumert geb. UUbel im 41. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen Artnr, Willi und Gertrud, als Kinder. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Luisen- Kirchhofes.| Neuer Fürstenbrunner Weg aus statt. Allen Genossen, Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich mein altes Geschäft wieder übernehmen mußte.— Allen meinen Gästen ein herzlich Willounnen. fritz Kockegei Bixdorf, Bentcrstniße GS. AWERTHEIM GM B.H. LEIPZIGER STRASSE EOSETf THALER- STRASSE. OR ARIER- STRASSE. J?ar Vermeidung Von Verwechselungen: Unsere Firma unterhält in'Berlin nur diese drei Geschäfte. Heute Sonnabend besonders billige Lebensmittel der Vorrat mcM, WILD UND GEFLÜGEL Junge Gänse.. Pfu„d 58. 65 Brathühner.. 80pf., loo, I.20 Suppenhühner.......... 2.25 Rehblätter. Rehkeulen. Rehrücken. Rebhühner. FLEISCHWÄREN Zervelatwurst Pfand lio Zervelatwurst SalamiWUrSt In Rlnddarm.. Pfund �.10 Mausschinken ca-2-3pfd �wer � w Rollschinken ca- 4-7 pfund sÄr 1.25 Feine Leberwurst.. Pfand 95 w. Landleberwurst Rotwurst... Teewurst Pfund Pfund 90 pf. 45. 65 pf. 1.10 ...... Pfund Dose ca. 1 Pfd. 2 Pfd, Königsberger Fleck 50 85 OBST u. SÜDFRÜCHTE Pf. Französ. Weintrauben Pfd. 18 Italien. Pfirsiche Pfd. 17» 35 n Zitronen....... 15«. 20 pf. Tomaten.............. Pfd. 9 Pf. Tafelbirnen......... Pfd. 1 Z pf. Tiroler Tafeläpfel... Pfd. 1 1 Pf. Italien. Tafeläpfel... Pfd. 12 pf. KOChäpfel„Stern Reinetten". Pfd, 1 0 Pf. Unsere Geschäftshäuser Werden Während der Fahrt des Grafen Zeppelin über'Berlin geschlossen, zmc 2� Z&VC ymz 2m: 2mz 2mz Rand ee* u 11«»X nrtA M Urf+n l Ivan gar nicht ausigleichen Beispiel zu bleiben— Typhusbazillen in -■•'~- �ner Iprozentigen Karbollösmig selbst nach dreißig Minuten'lustig weiter leben und ansteckungssähig bleiben. Aber in noch viel schwächeren Lösungen entfaltet AutomorS seine Wirksamkeit! Löst man zum Beispiel m einem Eimer Wasser einen Eßlöffel voll Slutomors aus des Arbeiter-RadjahrvereinS aus'. .FAIch der Räume, die zur Vernichtung der Kranheitskeimc verwendeten Mittel riechen, und daher der Name Kranlenhauslust I Angenehm ist eine solche Lust nie- rnandem. im Gegenteil, vielen Leuten direkt un- angenehm. Ja, ,ch kenne Leute, die nicht so große Furcht vor dem Krankenhause selbst, al« gerade vor selbst alles Schädliche!' Und daß das Mittel hält, was sein Name verspricht, beweist uns die Tatsache, daß zum Beispiel eine nur Iprozentige Lösung von AutomorS innerhalb einer Mnute THPhuSbazMen abtötet und wirkungslos macht. Das ist eine geradezu frappante Wirkung, wenn man bedenkt, baß— um bei dem Schwaben usw. Zimmer, welche mit«utomors gereinigt werden, als sei der Böse hinter ihnen her. Da AutomorS eine sünsfach so starke SeSinfektionS» kraft wie die riechenden Desinfektionsmittel besitzt, tft es bedeutend preiswerter als diese. Wir können daher wohl mit Recht erwarten und verlangen, daß aus den öffentlichen Anstalten und Gebäuden die üblen! und reinigt hiermit die' Fußböden oder besprengt DesinsektionSgerüche verschwinden. Reine Lust wollen nur dieselben hiermit, so werden die aus diescnwir, gesunde Lust! Diese verbürgt uns Auto- hastenden Krankheitserreger vernichtet und jeder schlechte mors! Warum sollen wir unS mithin Geruch aus den Zimmern verhieben. Die Lust wird AnncHmlichkest einer geruchlosen Desinsektion so klar und rein, alS ob man stundenlang gelüstet machen? hätte. Merlwürdig aber ist, daß— so angenehm und zuhäglich den Menschen diese reine gute Lust ist— die Insekten und daS kleine Ungeziefer dieselbe durchaus nicht verhagen können. So meiden Fliegen, Mücken, nicht die zu Nutze Dr. Aesculapius, Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH.GIocke, Berlin. Drucku.Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Lerlagsansialt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Ht m 2«. zchWg. 2. Ktilllge iltS LliMtiris" Kttlilltt Dillkslillllt. SMM«d.Z8.w.l"W. Partei- Angelegenheiten. Zur Loknlliste. In Fangschleuse(NiederLarnim) hat daS Lokal »Hotel zum Dampfschiff" den Besitzer gewechselt, jetziger Inhaber Otto Pogrell; dasselbe steht uns nach wie vor zur Verfügung. In Rciilickeudorf-Wcst stehen folgende Lokale der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung: Zentral-Schützenhaus(Inhaber Mielenz), Scharnweberstr. 4; A. Müllers Festsäle. Scharnweberstr. 12. und»Zum Feuerwerker"(Inhaber Marks), Scharnweberstr. 68. Wir ersuchen dringend, dies während der„Zeppelin- Tage" besonders zu beachten. Die Lokalkomnnssion. Mnnciidorf. Die Genossen treffen sich Sonntag mittag 2 Uhr bei Löwenhagen. Bezirk WaidmannSlust. Sonntag, den 20. August, nachmittags L'/z Uhr. findet in Birkenwerdcr eine öffentliche Versammlung statt. Frau Fahrenwald-Berlin wird über das Thema„Der Steuer- raubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes" referieren. Die Genossen werden aufgefördert, nach Kräften für den Besuch der Vcr- sammlung zu agitieren. Die Bezirksleitung. Bernau. Heute Sonnabend, abends 8% Uhr, findet die Mit- gliederversaimnlung des Wahlvcreins im Lokal von Kunze, Bürger- meistcrstrafie, statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. Diskussion über die Vorträge des Genossen Schütte über das Erfurter Pro- gramm, sowie sehr wichtige geschäftliche Mitteilungen. Die Bezirksleitung. Falkenhagen-Scegefeld. Die Parteigenossen mit Frauen und Kindern treffen sich Sonntag, den 29. d. M.. nachmittags 2 Uhr, am Bahnhof Fiukenkrug zum Spaziergang nach Waldheim. Daselbst Kaffeekochcn und gemeinsame Unterhaltung. Allseitige Beteiligung erwartet Der Vorstand des Wahlvcreins. ßcrlincr jVacbncbten. Die LandtagSersatzwahlen für Berlin. Bekanntlich hat der Oberpräsident den Termin für die Wahlmännerwahlen auf Dienstag, den 26. Oktober, festgesetzt. Vor diesem Termin aber muß die Wählerliste zur öffentlichen Einsicht ausgelegt werden. Dieser Termin ist bis jetzt noch nicht bekannt, wir machen aber schon heute darauf aufmerk- sam, daß diese Listen nur drei Tage lang ausgelegt werden und daß die Wähler auf diese Bekanntgabe des Termins genau achtgeben müssen, um sich zu überzeugen, ob sie auch in die Listen eingetragen sind. Urwähler ist jeder Preuße, der das 24. Lebensjahr voll- endet hat, im Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist und keine Armenunterstützung erhält. Er muß in der Gemeinde seit sechs Monaten seinen Wohnsitz oder Aufenthalt haben. Bemerkt sei noch, daß auch diejenigen, die infolge ihrer wirtschaftlichen Lage zu einer Staatssteucr nicht veranlagt sind, aber die sonstigen Bc- dingungen erfüllen, zu einem Steuersätze von drei Mark in die Wählerliste aufgenommen werden und in der dritten Ab- teilung wählen. Erst wenn die Auslegung der Wählerliste stattgefunden hat, werden die Listen nach einzelnen Wähler abteilungen ausgelegt. Zunächst aber gilt es, die ganze Aufmerksamkeit auf den Termin zu lenken, an dem die Wählerliste ausgelegt ist. Sobald derselbe amtlich bekanntgegeben ist, werden wir Mitteilung machen. Die Parteigenossen aber ersuchen, wir, die Landtagswähler der in Frage kommenden Landtags- Wahlbezirke auf diesen wichtigsten Faktor im Wahlkampfe auf- mcrksam zu machen. Achtung: Sechster Wahlkreis. Die Partcigenoffen nachstehender Abteilungen werden auf- gefordert, am konimenden Sonntag, den SS. August, früh '/aß Uhr, zur Agitation im 12. Berliner Landtags- lo a h l k r e i s e sich an folgenden Stellen einzufinden: 6. Ab- teilung bei Cäsar, Alt-Moabitllll; S.Abteilung bei Siebert, Birkenst ratze 16, Ecke Perleberger Stratze; 10. Abteilung bei Faber, Stephan st r. 11. Parteigenossen! Wir erwarten vollzähliges und pünktliches Erscheinen.— Das Wahlkomitee im 12. Berliner Landtagswahlkreis. Der Kampf gegen die Arbeiter-Turnvereine wird von der preutzischen Staatsregierung eifrig fortgesetzt und nach wie vor von der Berliner Stadtverwaltung willig unterstützt. Wie man dem Arbeiter-Turnverein„Fichte" in Berlin die Jugendlichen zu entziehen sucht, das haben wir wiederholt dar- gelegt. Diese Bemühungen werden weiter beleuchtet durch zwei neue Dolnmente, die zu unserer Kenntnis gelangt sind. Viel hatten die Gegner der Arbeiter-Turnvereine sich versprochen von dein Einfall der Regierung, die von Vereinen vcr- anstalteten Turnübungen Jugendlicher für Turnunterricht zu erklären, den Turnwarten der betreffenden Abteilungen die Beschaffung eines Unterrichtserlaubnisscheines auf- zuerlcgcn, sozialdemokratischen Turnwarten die Gewährung dieses ErlaubnisschemeS zu verweigern, den nicht mit solchen» Schein aus- gerüsteten Turnwarten die Leitung von Turnübungen Jugendlicher bei Strafe zu untersagen und schlietzlich zu den Jugendlichan auch alle Vereinsmitglieder bis zur Bollendung des 21. Lebens- j a h r e S zu zählen. Als auch das nicht den erwarteten Erfolg hatte, kam die Sperrung der Turnhallen fiir alle Abteilungen, zu denen Personen von weiriger als 21 Jahren gehörten. Die Regie- rung winkte, die Schuldeputation der Stadt Berlin gehorchte, und gegen den Verein„Fichte" wurde für alle seine Lehrlingsabteilungen sowie für die eine seiner beiden Damenabteilungen die Turn- hallensperre ab 1. Ottober verfügt. Bezüglich der Damenabteilung erhob der Berein Ein- spruch mit der Begründung, datz beide Daincnabteilungen von a e- prüften Lehrerinnen geleitet werden. Auf diese Beschwerde hat jetzt die Schuldeputation geantwortet, sie könne der Abteilung die Turnhallenbenutzung nur dann gestatten, wenn die Leiterin„in» Besitze eines von dem königl. Provinzialschnlkollcgium ausgestellten linterrichtserlaub nisscheines sein wird". Also: die durch Priisungszeugnis beglaubigte Unterrichtsbefähigung genügt nicht, man mutz erst noch vom Provinzialschulkollegium die Erlaubnis zuin Gebrauch seiner Befähigung einholen. Die Schuldeputation hat ihrer Antwort noch die Mit- teilung angefügt, datz sie jetzt auch der andern Abteilung die Turn« Halle sperrt, weil auch zu ihr jetzt Personen von weniger als 21 Jahren gehören. Mit solchen Mitteln hofft man von dem Ar- beiter-Turnverein die schulentlassenen Personen bis zum 21. Jahr fernzuhalten! Der Verein wird zwar nunmehr genötigt sein, alle Mitglieder von weniger als 21 Jahren aus seinen Abteilungen— auch aus den Damei'iabteilungen— zurückzuziehen. Er lvird ihnen aber an anderer Stelle und in anderer Form eine Gelegenheit zu Leibesübungen schaffen, so datz die Feinde der Arbeiterkaffe sich in ihren Hoffnungen getäuscht sehen werde». Für die n o ch schulpflichtige Jugend waren ja dem Turnverein„Fichte" längst die Turnhallen gesperrt. Er hat dennoch seine Schiilerabteilungen zu behalten geloutzt, indem er sie in privaten Sälen turnen lictz, und auch die Verweigerung der TurnerlaubniSscheine war ihm kein Hindernis. Inzwischen hatte aber auch hier daS Provinzialschulkollegium nach neuen Mitteln ge- sucht, ihm seine Arbeit an der noch' schulpflichtigen Jugend noch weiter zu erschweren. ES wurde den Saalbesitzern ver- boten, die Säle herzugeben, wenn nicht die betreffenden Turnwarte den Untcrrichtscrlaubnisschein hätten; für jede Zuwider- Handlung wurden 100 M. Geldstrafe festgesetzt. Diese Matzregel hatte die Nebenwirkung, die Gastwirte in der Ausübung ihres Gewerbes zu beeinträchtigen. Auf eine Beschwerde, die ein Gastwirt hiergegen beim Kultusministerium eingelegt hatte, ist jetzt endlich Antwort gekommen, natürlich eine abweisende. Sie führt in der üblichen, sattsam bekannten Weise aus, Turnen unterliege den Vorschriften für Unterricht, zur Erteilung von Unterricht an Jugendliche sei Erlaubnis nötig, verboten iverden könne nicht nur Unierricht ohne Erlaubnis, sondern auch Hergabe von Räumen zu solchem Unterricht, auch könne das Provinzialschulkollegium daS Verbot durch Strafandrohung unterstützen, ein Gastwirt müsse bei Vermietung seiner Räume die Erteilung unerlaubten Unter- richtcs ausschlietzen. Wird dieser Schlag die erwartete Wirkung haben? Warten wir ab, ob der Verein»Fichte" sich durch ihn kämpf- unfähig machen lassen wird. Zu welcher Waffe wird nun die Regierung greifen, um ihren nächsten Schlag zu führen? Mit den Verordmmgen, auf die sie sich stützt— Kabinettsorder, Ministcrialinstruktionen usw. von 1834, 1839, 1817, 1398— könnte sogar der Verkauf von Turngeräten. Turnairzügen usw. verboten werden, sofern sie zur Erteilung uner- laubten Turnunterrichts benutzt werden sollen. Vielleicht erleben wir auch daS noch, inPreutzeniftja alles möglich. Das Bürgertum aller Parteirichtungen, vornehnrlich der Berliner K o n, m u n a l l i b e r a l i s nr u s, würde I a und Amen nicken. Zur Stadtverorductenersatzwahl. Der Stadtverordnetenversammlung sind vom städtischen Wahl- bureau nicht weniger als 3300 Proteste gegen die Nichtigkeit der Wählerliste znr Entscheidung zugegangen, die ihr allein nach§>20 der Städteordnung zusteht. Ein grotzer Teil der Protestier sollen Steuer- restantcn sein, ein weiterer, und zwar der grötzte, sind als sogenannte Schlafburschen bezeichnet. Zwar fragt die Steuerbehörde den Teufel. danach, ob der Steuerpflichtige als Schlafbursche angeincldct ist oder nicht, bezahlen mutz er seine Steuern nach Heller und Pfennig seines Verdienstes, den der Arbeitgeber der Steuerbehörde angezeigt hat. Die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung werden am 3.. N o v c m b e r stattfinden. Da die ordentliche Sitzung der Stadt- vcrordnctenversammlung am 2. September ausfällt, die Einsprüche daher erst am 9. September dem Ausschutz überwiesen werden können, so wird von einer gründlichen Durcharbeitung aller Einsprüche durch den Ausschuß kaum die Rede sein können. Es wird sich für alle diejenigen, die Einspruch erhoben haben, sehr empfehlen, die Verhandlungen der Stadtverordnetenversainmlung aufmerksam zu verfolgen, um, falls ihnen ihr Recht geschmälert wird, die not- wendigen Rechtsmittel in Anwendung zu bringen. Der§ 20 der Städteordnung sagt hierüber:„Gegen den Beschlutz der Stadtverordnetenversammlung in betreff der Nichtigkeit der Wählerliste findet binnen zivei Wochen die u n- mittelbar beim Bezirksausschutz anzubringende Klage statt. Sie hat keine aufschiebende Wirkung; jedoch dürfen Ersatzwahlen vor ergangener rechtskräftiger Entscheidung nicht vor- genommen werden." Kommen also Klagen zustande— und das ist nicht ausgeschlossen— so mutz mit Bolldampf gearbeitet werden, wenn alles bis 3. November zur Erledigung kommen soll; denn alle die Einsprüche, die als berechtigt anerkannt werden, müssen ja auch erst noch in die Wählerliste nachgetragen werden. In dem Artikel„Nur eine Backpfeife"(Nr. 199 vom 27. Angnst) ist ein Druckfehler zu berichtigen. Nicht im ziveitcn Schuljahr, sondern im zweiten Schul Halbjahr sitzt die Schülerin W. noch in der unteren Abteilung der achten Klasse. Der Magistrat Berlins hat sich in seiner gestrigen Sitzung auf einen Antrag der Markthallendcputation mit der Frage der Schließ un g von drei städtischen Markthallen be- schäftigt und beschlossen, das; zunächst nur die Halle in der Zimmer- stratze und zwar zum 1. April 1910 geschlossen wird. Bezüglich der anderen beiden Markthallen in der Dorotheenstratze und Wörthcr Stratze ist ein Zeitpunkt für die Schließung noch nicht festgesetzt worden; es sollen in dieser Hinsicht die Vorschläge der Markthallen- Deputation abgewartet werden. Zu diesem Beschluß soll nach den Ferien die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung ein- geholt werden. DaS schwere BootSnnglück in Grünau, bei welchem die 20jährige Wando Tcichcrt aus der Wallnertheaterstratze und ihre 17 Jahre Freundin Frida Feld aus der Ackcrstratze am Sonntag ertrunken sind, ist nun vollständig aufgeklärt. Der 22jährige Kaufmann Fritz Mannheim, Michaelkirchstc. 8 bei den Eltern wohuhast, war am Sonntag in einem Boote auf die Dahme Hinansgerudert und fuhr gegen 6 Uhr nachmittags an dem Strande bei Grünau vorüber. Hier wurde er von zwei jungen Dnincn angerufen, die ihn baten, sie doch nach dem anderen Ufer hinüberzufetzen. M. lehnte anfangs die Bitte ab, lveil das Fahrzeug nicht drei Personen fassen könnte. Da die jungen Mädchen aber versicherten, datz sie sich während der Fahrt ganz ruhig verhalten würden,»villigte der Kaufinann schließlich, ein, die beiden Personen überzusetzen. Als das Boot in der Milte der an jener Stelle sehr breiten Da»ne angelangt war, erhob sich plötzlich ein böcnartiger Wind, und nur mit Mühe vermochte der ohnehin nicht geübte Ruderer das Fahrzeug im Gleichgewicht zu halten. Das ivar um so schwerer, alz die beiden jungen Mädchen aus Angst nach der linken Seite des Nachens drängten. Plötzlich kenterte das Boot und alle drei Insassen fielen in das Wasser. Ein Segelboot, Mitgliedern des Berliner Jachtklubs gehörend, welches unweit der Unfallstelle sich befand, eilte sofort hinzu, doch sahen die Segler nur noch den Mannheim mit den Fluten känipfend. Der junge Mann teilte seinen Rettern mit. datz noch zwei junge Mädchen in den Wellen verschwunden, doch war eS bei der herrschenden Dunkelheit nicht möglich, sie aufzufinden. M. wurde nach Grünau gebracht, Ivo er vor Aufregung und Schreck in ein heftiges Fieber verfiel. Am Donnerstag erst war er soweit hergcstellr, daß er nach Grünau fahren konnte und sich dort als den Ruderer bezeichnete, der von dem Segelboot gerettet worden war. Der junge Wann, der wahrscheinlich geglaubt hat, datz ihm Unannehmlichkeiten entstehen köi»ntcn, hat leider seineu Eltern von dem Vorfall keine Mitteilung gemacht. Mannheim ist vorläufig in Hast behalten worden. Durch den elektrische» Strom schwer verletzt wurde vorgestern der Stolpischcstr. 23 ivohnhafte Monteur Karl Köbel. Er war auf dem Grundstiick Köpenicker Stratze 23 mit Reparaturarbeiten an einer elektrischen Leitung beschäftigt. Hierbei stietz K. infolge einer unvorsichtigen Bewegung gegen den Draht und erhielt in dcinselbe» Augenblick eine» so heftigen elektrischen Schlag, datz er besinnungslos zusammenbrach. Auf der Unfallstation iu der Kommandantenstratze, lvohin der Verunglückte gebracht wurde, stellte der Arzt fest, datz Köbel antzcr einem heftigen Nervenchok und einigen Brandtvunden anscheinend auch schwere innere Verletzungen davongetragen hat. Als ein besonderes Glück ist es zu bezeichnen, datz der Monteur von dem L00 Volt stallen Strom nicht getötet worden ist. Ii» Fall der Ankunft des„Z. III" in Berlin verkehren am heutigen Sonnabend von nachmittags 3 Uhr ab je nach Bedarf Auto- oinnibusse der Großen Berliner Motoronmibus- Gesellschaft vom Blllchcrplatz über Fricdrichstratze, Chanssee- und Müllerstratze bis zum Tegeler Schietzplatz. Am Sonntag befahren Omnibusse die gleiche Strecke ebenfalls nach Bedarf bereits von 10 Uhr vormittags ab. Der Fahrpreis beträgt für die ganze Tour 50 Pf., von der Stratze Unter den Linden ab 40, vom Oranienburger Tor ab 30 Pf. In Tegel selbst wird ein Pendelbetrieb zwischen Bernancr Stratze(Ge- fängnis) und Bahnhof Tegel eingerichtet; der Fahrpreis beträgniO Pf. Am Sonntag verkehren die Autobusse von nachmittags 1 Uhr ab nur zwischen Oranienburger Tor und Schietzplatz Tegel. Autzerdem werden am Sonntag Onmibiisse nach Charlottenburg(Wilhelmsplatz) und Jnngfernheide'(Karlshof) abgelassen. Der Betrieb beginnt um 1 Uhr nachmittags, die Omnibusse fahren nach Bedarf. Ein entsetzlicher Betriebsunfall ereignete sich gestern im Botanischen Garten. Auf dem an der Eltzholzstratze belegenen Ge« lände des Botanischen Gartens wird gegenwärtig das neue Kammer- gericht durch die Firma Held u. Franke errichtet. Aus dem Vau- grundstück steht eine grotze Zementmaschine, auf der von Arbeitern Zement zubereitet wird. Gestern nachmittag geriet nun der 43 Jahre alte Arbeiter August Lehmann. Sachsendanim 33 in Schöncberg wohnhaft, durch ein Versehen so unglücklich mit dem rechten Bein in das Getriebe der Maschinerie, datz er nicht befreit werden konnte. Da das Räderwerk erst einige Sekunden später zum Stillstand gebracht werden konnte, wurde L. mit dem Bein zwischen den Zahnrädern nach unten gezogen. Vergeblich bemühten sich die Kollegen eine halbe Stunde hindurch, den Verunglückten aiiS seiner entsetzlichen Lage zu befreien. Es blieb schlietzlich nichts anderes übrig, als die Feuerwehr herbeizurufen. Ans den Rnf „Menschenleben in Gefahr!" rückten bald zwei Löschzüge sowie einige Krankenwagen und ei» Polizeiaufgebot heran. Erst nach einhalbstündiger Bemühung gelang es der Feuerwehr, L. zu bc- freien. Das Bein ist vollstäudig zerquetscht, doch ist Lebensgefahr nicht vorhanden. L. fand im Elisabcth-Krankenhause Aufnahme. Ein BovtSunfnll, bei dem fünf Personen in Lebensgefahr schwebten, hat sich vorgestern nachniittng ans der Havel ereignet. An der EinmündungSstellc des WnmiseeS in die Havel geriet ein mit zwei Herren und drei Damen besetztes Ruderboot in den Wellengang eines voniberfahrendcn Stcriidampfers. Da die Rndcrcr dem Fahr- zeug eine falsche Richtimg gaben, so wurde es so heftig ins Schlendern gebracht, daß es umschlug. Die Insassen stürzten in die Fluten und klammerten sich verzweifelt am Kiel des Bootes an. Nur einer der Verunglückten vermochte zu schwimnien. Er hielt zwei der Damen so lange über Wasser, bis ein Motorboot herbeikam und die fünf Personen vom Tode des Ertrinkens durch die BesatzungSmannschaften gerettet wurden. Vom Treppengeländer abgestürzt. Ein schwerer Unfall hat sich vorgestern im Hause Schönhauser Allee 30 zugetragen, wo sich mehrere Jungen damit vergnügten,, auf das Treppengeländer zu kleltcrn und darauf herunterzurutschen. Unter den spielenden Kindern befand sich auch der 7jährige Sohn des Hausverwalters Klimszewski, der, als er das Geländer erstiegen hatte, das Gleichgewicht verlor und so ungliicklich zur Erde stürzte, daß er sich einen schweren Schädelbruch zuzog. Der Knabe wurde in die Wohnung seiner Eltern gebracht; dort liegt er so schwer danieder, daß nur wenig Hoffnung besteht, ihn am Leben zu erhalten. Eine umfangreiche Störung im Straßenbahn betriebe ereignete sich gestern vormittag in Eharlottenburg. Gegen 10 Uhr glitt beim Rangieren eines Wagens der Linie? in der Kirschen-ANee die Kontakt- stange von der Drahtleitung ab und schlug gegen den Hörnerblitzableiter. Letzterer wurde zerstört und hierdurch trat auf den Speiscpunkten Westend und Lnisenplatz eine zeitweise Stromimterbrechung ein. Die Störung erstreckte sich vom Wilhclinsplntz bis zum Spandauer Berg. Am Wilhelmsplatz war der Verkehr fiir die Zeit von 9.53 bis 10.20 Uhr, am Lnisenplatz von 10.20 bis 10.50 Uhr und am Bahn- Hof Westend von 10.50 bis 11.15 Uhr vormittag? unterbrochen. Die Wagen der Linie 54 sichren durch die Leibniz-, Bismarck- und Grol- manstratze; die Linien 64 und N mutzten am Wilhelmsplatz um- legen. Die Wagen der Linien 5 und 8 wurden über Knie, Großen Stern, Moabit und Gesundbrunnen geleitet. Bon Strolchen überfallen und schwer verletzt worden ist am Dienstag abend Dr. Grunscheidt, der Direktor des städtischen Fach- und Fortbildungsschulwescns, auf dem Wege nach seiner Wohnung im FricdrichShain. Strolche verlangten von ihm Übe und Portemonnaie. Als er sich weigerte, überfielen sie ihn und brachten ihm erhebliche Verletzungen bei, so datz er auf einige Zeit dos Bett hüten mutz. Die Strolche sind leider uiierkannt entkommen. Wie berichtet, haben sich in letzter Zeit schon des öfteren solche Vorfälle im Friedrichshain und der Umgebung ereignet. Es wäre daher Sache der Polizei, datz sie den gefährlichen Strolchen etwas mehr Anfmerlsamleit schenkte. In der SäuglingSfürsorgestelle l, Blumenstr. 78, findet im Sep- tembcr einmal wöchentlich Unterricht in Säuglingspflege mit prak- tischen Uebungen statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich im Bureau des Kinderhauscs, Blumenstr. 78, vorn links parterre, von» Montag, den 30. August, bis Sonnabend, den 4. September, von 2—4 Uhr. Wer ist der Tote? Am Donnerstag, 26. d. M., vormittags gegen 8'/« Uhr, ist in der Schankwirtschnft von Bernert, Greifswalder Stratze 43a, ein unbekannter Mann im Alter von 60 bis 65 Jahren am Herzschlag verstorben. Der Unbekannte ist etwa 1,67 Meter grotz, mittelstark und hat weißes Haar, rötlich- granmelicrtcn Schnurr- bart und eine ausgeprägt breite Nase mit einer Warze. Bekleidet war er mit einem graugesprenkelten Jackett- anzuge, mit Zugstiefeln und Strohhut. Der Anzug trägt die Firmenbezeichnung: Ernst Roll, Berlin L1V., daS Hemd ist mit 4'. H. gezeichnet. LcgitimationSPapiere irgend welcher Art führte der Unbekannte nicht bei sich, wohl aber eine goldene Herren- Rcmontoirnhr Nr. 231 433 LongineS-PariS 1878 mit goldener Kette und Medaillon und 64,15 M. in bar. Zweckdienliche Mitteilungen können schriftlich zu den Akten 3157 IV 5909 und mündlich bei der Kriminalpolizei und auf jedem Polizeireviere erstattet werden. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am 18. Mai d. I., morgens 63/4 Uhr, ein Radfahrer von eine», Geschäftswagen an der Ecke Schul- und Reinickendorfer Stratze überfahren worden»st, werden gebeten, ihre Adresse abends 3 Uhr bei Reitze, Müllerstr. 159», ab- zugeben. Die Explosion einer Kohlcnsänrcflaschc verursachte gestern früh um 6 Uhr in der Fchrbcllincr Stratze 47 eine grotze Ausregung. Dort waren Pretzkohlen in dem Treppenhause der Bcleuchtmigö- fabrik von F. F. Schulze in Brand geraten, wobei der Kohlensäure- bastou unter großer Detonation explodierte. Der Schaden am Hause ist aber nicht erheblich, auch sind die Personen säintlich mit dem Schrecken davongekommen. Die Feuerwehr beseitigte durch kräftiges Löschen jede weitere Gefahr. Der fünfte Zug hatte längere Zeit in der Schmidstr. 6 mit der Löschung eines Brandes zu tun, der in einem Kesselhause ausgekommen war. Der siebente Zug wurde nach der FricdrichSfeldcr Stratze 26 alarmiert, wo Papier u. a. in Brand geraten waren. Ferner hatte die Fcncrlvehr in der Sprengel- stratze 16. Wcitzenbnrger Stratze, am Engelnfer, in der Novalis- stratze 13 und anderen Stellen zu tum Vorort- J�admcfotern Nixdorf. Möhler RixdorfsZ Die Wählerlisten fiir die Stadwerordnetenwahl liegen nur noch Sonntag, den 29. August, von 8—10 Uhr vormittags im alten Stadtverordnetensitzungssale, 1 Treppe links, Zimmer ISS. und Montag, den 89. August, von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr nach� mittags im Rathause, Eingang Berlinerstraße 62, 1 Treppe rechts (Wahlbureau), Zimmer 137, zu jedermanns Einsicht öffentlich aus Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtgemeinde gegen die Nichtigkeit der Listen Einwendungen erheben. Da die Wähler listen nicht nach dem Drittelungsverfahren, sondern nach dem 1'/z> fachen Durchschnitt aufgestellt sind, hierdurch also die Wähler noch mehr entrechtet werden, wird jeder Wahlberechtigte aufgefordert, seinen Einspruch schriftlich zu Protokoll zu geben. Wahlberechtigt ist derjenige, welcher das 24. Lebensjahr erreicht hat, sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet, 1 Jahr am Orte wohnt und keine Armenunterstützung erhalten hat. Charlottenburg. Die Wählerlisten zur Stadtverordnetenwahl liegen nur noch bis Montag, den 80. August, von 8—8 Uhr, aus, außerdem am heutigen Sonnabend von 3—8 Uhr abends, am Sonntag von 8—12 Uhr vormittags. Wir fordern nochmals die Parteigenossen auf, dafür zu sorgen, daß sich jeder davon überzeugt, ob sein Name in der Liste steht. ES wird diesmal die Aufnahme sehr streng und genau gehandhabt. Wer mit seinen Steuern auch nur mit dem geringsten Betrage im Rückstand oder als.Schlafbursche" polizeilich gemeldet ist, wird nicht aufgenommen. Wer nicht in der Liste verzeichnet steht, setze sich sofort mit dem Genossen A. W i l l, K i r ch st r. 30, in Verbindung, der dann bei der Einlegung des sofort zu erhebenden Protestes behilflich ist. Schöneberg. Die im November stattfindenden Stadtverordnetenwahlen werfen ihre Schatten bereits voraus. Die bürgerlichen Gruppen entwickeln im geheimen bereits eine fieberhafte Tätigkeit. Ihr Bestreben ist darauf gerichtet, die Vertreter der Arbeiterschaft aus ihren Positionen zu verdrängen. In letzter Zeit haben große Verluste an geeigneten bürgerlichen Vertretem stattgefunden, und auch jetzt wollen einige nicht niehr mitmachen, so daß die Neuwahlen verschiedene neue Ge sichter zeitigen werden. Die Sozialdemokratie wird, wie immer, schlagfertig erscheinen und auf ihr bewußtes Ziel los marschieren. Die Nominierung der Kandidaten kann je doch erst dann erfolgen, wenn der Magistrat die Ver> teilung der Hausbesitzer und Mieter auf die einzelnen Bezirke geregelt hat. Um die nun bevorstehenden Arbeiten zu erledigen, ist es notwendig, daß jeder Parteigenosse sich in Reih und Glied stellt und seine volle Schuldigkeit tut. Dann bleiben uns nicht nur die schwer bedrängten Bezirke erhalten, sondern wir gewinnen neue hinzu. Darum gilt es die vorhandene Zeit auszunutzen und alle diejenigen, die in die Liste der stimmberechtigten Personen noch nicht Einsicht ge« nommen, schleunigst zu veranlassen, dem sofort nachzukommen. Die Listen liegen nur noch aus am heutigen Sonnabend und Montag, den 30., in der Zeit von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 1 Uhr; am Sonntag, den 29., nur von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 1 Uhr im Bureau M des Rathauses, Ouergebäude, Zimmer 2. Ein« spräche, die später als am Montag aufgegeben werden, verlieren ihre Gültigkeit. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Einwohner, der Preuße ist, seit mindestens einem Jahre im Orte wohnt, im letzten Jahre keine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erhalten hat. mindestens zur zweiten Steuerstufe— 660 bis 900 M.— eingeschätzt ist und die Steuern bezahlt hat. Der Unterstützuug aus öffentlichen Mitteln gleich geachtet wird die eigene KrankenhauSbehaudlung oder die Ber- pflegung Angehöriger im Krankenhause im letzten Jahre, für deren Unterhalt der Betreffende zu sorgen hat. Selbständig ist jeder, der einen eigenen Haushalt oder die wlbständige Verfügung über einen Raum hat. Chambregarnisten— Zimmerherren— sind wähl« berechtigt, Schlafburschen nicht. Wahlberechtigt ist aber nur, wer in der Wählerliste steht. Deshalb darf kein Arbeiter, kein Parteigenosse versäumen, die kurze Spanne Zeit aus- zunutzen und die Wählerliste einzusehen. Das bestehende Drei« klassenwahlstistem, das nach der Größe des Geldsacks aufgebaut ist, verhindert die große Maffe der Wähler, daß sie ihrer Stärke nach im Stadtparlanient vertreten sind. Darum alle an die Arbeit, um zugleich gegen dieses elende Wahlrecht Protest einzulegen. Tempeshof. Die von der aeugegründeten GewerkschaftSunterkommisfioa für Tempelhof-Mariendorf-Marienfelde im.Wilhelmsgarten" einberufene Versammlung, welche gegen den ablehnenden Beschluß der Tempel« hofer Genreindevcrtretuug, ein Gewerbcgericht zu schaffen, protestieren sollte, nahm nach Anhörung eines verständlich gehaltenen Vortrages des GewerlfchaftSsekretärS Ritter eine Resolution an, in der auf daS entschiedenste gegen den am 26. Juli d. I. gefaßten Beschluß pro- testiert wird. Die Versammelten können sich mit den von der Ge- meindevertretung angeführten Gründen, welche zur Ablehnung des Gewerbcgerichts Veranlassung gaben,'nicht einverstanden'erklären, da eS dieselben Gründe sind, die an allen Orten angeführt wurden, aber nach Errichtung eines Gewerbegerichts sich als unzutreffend erwiesen haben. Da das Gesetz es gestattet, daß sich zur Errichtung eines Gewerbegerichts mehrere Gemeinden zu einem solchen Zweckverband vereinigen können, wurde die Gewerlschaftskommission beauftragt, der Genieinde einen dahingehenden Antrag zu unterbreiten. Hoffent- lich wird der Arbeiterschaft und damit des größten Teiles unserer Einwohnerschaft Rechnung getragen. Oder sollte sich die Gemeinde 'Tempel Hof, die von industriellen Unternehn,ungen stark durchsetzt ist, von kleineren Gemeinden in sozialer Hinsicht beschämen lassen? Reinickendorf. Ein Automobil in Flammen. Bis auf die Eisenteile wurde ein Automobil vernichtet. daS in der Waldstraße in Brand geriet. DaS Droschkenautomobil Nr. 382S befand sich in früher Morgenstunde auf der Fahrt von Wittenan nach Berlin. Beim Passieren der Waldstraße kam der Benzinbehälter plötzlich zur Explosion. Eine mächtige Feuersäule schlug empor und in wenigen Sekunden stand der Kraftivaaen vollständig in Flammen. Dem Chauffeur gelang es, durch schleuniges Abspringen, sein Leben in Sicherheit zu bringen. Nieder-Schönhausea. A«S ber G«meinbcvertret„ns. Von der Einführung des Post. schcckverkehrs ist vorläufig Abstand genommen worden, da die Post- Verwaltung für Unregelmäßigkeiten, die entstehen, nicht aufkommt. Es soll indes geprüft»erden, ob der Einführung im nächsten Etats. jähr nähergetreten werden kann. 100 000 M. Kanalisationsbeiträge und 6000 M. auS dem Reservefonds des Wasserwerks sind bei der Mitteldeutschen Kreditbank zu 3 Proz. angelegt. Die Bank will % Proz. mehr Zinsen geben, wenn eine halbjährliche Kündigung der Gelder eintritt. Die Vertretung stimmte der Abmachung zu, wenn es nicht gelingen sollte, ein von der Landesversicherungsanstalt empfangenes Darlehn über 100 000 M. zu kündigen. Vom neuen Grundbesitzcrverein lag ein Antrag bor um Bewilligung eines Ge- meindezuschusses zu einem gemeinnützigen Unternehmen. Dem Verein ist die Aushängung von Plänen Nieder-Schönhauscns auf einigen Stationen der Stcttiner Vorortbahn von der Königlichen Eisenbahndirektion gestattet worden. Die Kosten betragen 2S0 M., hierzu soll die Gemeinde einen Zuschuß von 100 M. zahlen. ES wurde noch darauf hingewiesen, daß nicht nur der Verein, sondern auch die Gemeinde von der Aushängung der Pläne Vorteile hat. Die 100 M. wurden hierauf bewilligt. Die Vergebung der Ar» beiten zur Herstellung der Regenfvasserleitting in der PlanjgWN- straße wurde der Firma Steinbach in Steglitz zum Preise bon 1832 M. übertragen. Hierauf folgte eine nichtöffentliche Sitzung. Französisch. Buchholz. Reber die Wirkungen ber neuen Steuern referierte in einer öffentlichen Versammlung die Genossin Jeetze. Die Referenttn verstand es, in temperamenwollcr Weise sich ihrer Aufgabe zu entledigen. In der Diskussion ersuchte Genosse Geipel, für die Jugendorganisation lebhaft zu agitieren. Der Vorsitzende forderte noch auf, den„Vorwärts" zu abonnieren und, soweit eS noch nicht geschehen ist, sich der Organisation anzuschließen. Ferner wurde mitgeteilt, daß am Sonntag, den 5. September, nachmittags, ein Besuch der Ausstellung für Wohlfahrtseinrichtungen in Charlotten- bürg stattfindet. Da Unkosten nicht entstehen, werden die Genossen ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen. Nach Schluß der Ver sammlung wurden noch einige Neuaufnahmen für den Wahlverein vollzogen. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Nach Erledigung mehrerer Schreiben gelangten dringliche Vorlagen zur Verhandlung; die- selben betrafen den Bau der Landesturnanstalt. Zwecks Fest» stellung der Ergiebigkeit des Grundwasserstromcs für eine event. Erweiterung der städtischen Wasserversorgung sollen 4 Bcobachiungs- brunnen hergestellt werden; die Versammlung bewilligte hierzu 1600 M.— Die Kosten für die Pflasterung der Zufahrtsstraßen zur Landesturnanstalt sollen 283 000 M. betragen. Die Summe wurde von der Versammlung bewilligt.— Die Versammlung beschließt, daß die Arbeiterausschüsse für die städtischen Arbeiter um einen Vertreter der Stratzenbahnarbeiter vermehrt werden, da seit dem 1. Juli er. die Straßenbahn in städtischen Besitz übergegangen ist.— Der geplante Rathausneubau scheint auch unter keinem Glücksstern zu stehen. Man hatte nämlich die Firma Drescher u. Selchow, welche für den Rathausentwurf den ersten Preis erhalten hatte, mit der Ausarbeitung eines Vorentwurfs beauftragt. Dieser Vorentwurk ist aber so ausgefallen, daß die Korridore und Treppen kein Licht haben und dort eventuell am Tage Gas gebrannt werden müßte. Die betreffende Kommission hatte dies moniert und eine Aenderung verlangt. Die Firma verlangte aber für die Um- änderung Bezahlung und knüpfte daran noch mehrere Begingungen. Das paßte der Kommission und dem Magistrat aber nicht, und so beschloß man denn einfach, mit dieser Firma abzubrechen und einer anderen Firma, die den'zweiten Preis erhalten hatte, die Aus« arbeitung des Vorentwurfs zu übertragen. DaS kostet allerdings nochmal Geld, aber was schadet es, wir nehmen ja eine llVa Millionen-Anleihe auf, da kommtS ja nicht darauf an. Die Vorlage wurde angenommen.— Zur Uebernahme von Bau. und Betriebs- Materialien für die Straßenbahn von der A. E--G.. die meist aus altem Schi'enenmaterial und Ausrüstungsstücken für die Arbeiter bei der Straßenbahn bestehen, werden 17 94S 42 M. bewilligt. Diese Summe ist aber nicht etwa in die drei Millionen einberechnet, welche die Straßenbahn kostet.— Großes Geschrei hatten die Be» wohner der Seegefelder und anliegenden Straßen erhoben, als be- kannt wurde, daß bei den Eisenbahnüberführungen in der Nauencr Straße diese Straße um zirka 2 Meter tiefer gelegt werden und daß trotzdem die Durchfahrt nur 2,80 Meter lichte Höhe erhalten sollte. Es wurden Protestversammlungen einberufen, die Stadt- verordneten wurden scharf gemacht, namentlich war es der Stadt- verordnete Schmidt III, auch ein Anwohner der dortigen Gegend, der sich scharf ins Zeug legte und gegen den Eisenbahnfiskus los- wetterte. Es wurde eine Kommission gewählt, welche mit dem Eisenbahnfiskus weiter verhandeln und demselben ordentlich zu Leibe gehen sollte. Dieser Kommission gehörte auch der Stadt- verordnete Schmidt III an. Die Kommission hat verhandelt, und der Erfolg, es bleibt so wie es ist. entweder die Stadtverordneten erklären sich mit der verschandelten Durchfahrt einverstanden, oder die Bahn bleibt im Niveau liegen. Aber der Eisenbahnfislus hat sich doch entgegenkommend gezeigt. Nämlich dafür, daß die Nauener Straße tiefer gelegt, die Einfahrt zum Schlecht eine der- artige Steigerung erhält, daß sie nur mit einem Zeppelin zu nehmen ist, und daß die ganze verfahrene Geschichte auf einen Fehler der Eisenbahnverwaltung zurückzuführen ist. Dafür erhält die Stadt die Erlaubnis, diese Umänderungsarbeiten selbst zu be- zahlen, die Eisenbahnverwaltung gestattet der Stadt auch gütigst, ihr Terrain abzukaufen, dessen Preis aber noch nicht angegeben werden kann, und stellt in Aussicht, der Hafenanschlußbahn keine Konkurrenz zu machen. Man sperrte Mund und Nase auf, als man dies Resultat erfuhr, und glaubte nun, der Stadtverordnete Schmidt III würde jetzt vom Leder ziehen. Aber weit gefehlt. Der Herr hat umgesattelt. Er empfahl jetzt mit ebensoviel Eifer die Vorlage, wie er früher dagegen gekämpft hatte. Der Herr scheint zum Freisinn zu gehören. Die Versammlung biß denn auch in den sauren Apfel und genehmigte die Vorlage; so wird man dann später das Vergnügen haben, bei starkem Gewitterregen die Feuer- wehr nach der Nauener Straße zu beordern, um dort die Waffer- mengen fortzupumpcn. Ja, ja, Spandau wird Weltstadt.— Gelegentlich der Vorlage betreffend die Pflasterung der Mittel» und Birkenstraße, schnitt der Stadtverordnete Weber die Frage an, wie weit denn die Angelegenheit mit der Waldcrholungsstätte sei, mit der man sich nun schon bald zwei Jahre beschäftige. Der Oberbürgermeister gab die Erklärung, daß die Pläne immer noch nicht fertig sind. Hoffentlich wird die Frage der Waldcrholungs- statten noch erledigt, bevor der Stadtwald abgeholzt ist.— Eine große Anzahl von Vorlagen mußte wegen der vorgeschrittenen Zeit vertagt Verden,' 1 Vermilebtes. Mit dem Förderkorb in die Tiefe gestürzt. Wie eine Meldung aus K a r d i f f besagt, ist ein Förderkorb, in welchem sich 31 Mann befanden, auf den Boden einer Grube der NaVal Collerh Company in Pen-y-graig gestürzt. Man fürchtet, daß mehr als 25 Personen umgekommen find. Nach weiteren Meldungen enthielt der Förderkorb 34 Mann, von denen fünf getötet und fünfzehn verletzt wurden._ Die Cholera in Rotterdam. Wie eine Meldung aus Rotterdam besagt, ist daS Befinden der unter choleravcrdächtigen Erscheinungen erkrankten neun Personen, die sich in den Baracken befinden, zu- friedenstellend. Eine weitere Person, die unter Choleraverdacht er- krankt ist, ist gleichfalls nach den Baracken geschafft worden. Nach einer amtlichen Mitteilung des Bürgermeisters befinden sich gegenwärtig in den Baracken fünf Cholerakranle und vier cholcra- verdächtige Personen. DaS Befinden von drei Kranken ist besorgniS- erregend. 40 weitere Personen sind noch in Beobachtung. Der Bürgermeister warnte vor dem Genuß nicht gereinigten Fluß- wasserS. Die Opfer der SchiffSkollision bei Montevideo. Bei dem Unter- gang des Dampfers„Columbia" sind laut einem Kabeltelegramm auS Buenos Aires 42 Personen ertrunken und 116 gerettet. Die Untersuchung ber Schnldfrage schwebt vor der uruguayischen Be- Hörde. Der Kapitän der„Schlesien" hat alles getan, um die Kollision zu vermeiden, nachher sofort die Boote aussetzen lassen und viele Menschenleben gerettet. Schiffbruch li» Indischen Ozean. AuS Perth in Australien wird telegraphiert,, daß ein Boot mit 13 Mann von dem französischen Schiff„Gael", das am 22. August in sinkendem Zustande verlassen wurde, in Bunburh(Westaustralien) eingetroffen ist, während ein zweites Boot mit 12 Mann noch vermißt wird. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für de« ReichStaaS« Wahlkreis Slrnswalde- Friedebcrg(Ortsverein Berlini. Am Sonntag, den 29. August, vormittags 9 Uhr, bei Thimm, Tilfiter Str. 79: Morgcnsprache. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 29. August, vormittags 9 Uhr, in der Halle Pappel-Allee 15/17: Freireligiös« Borlesung. 10*/, Uhr in der Schule. Kleine Franlsurtcr Slr. Ks: Vortrag des Hrn. Dr. M. H. Bacgc: .HI. Unser Wissen vom Werden der Welten, b) EntwickclmigSgeschichte des Sounensysteuis". Damen und Herren als Gäste sehr willlommcn. Briefhaftcii der Redaktion. Tie Ilirlstlsche Sprcchsiunde findet Lindeuftraße 3, zweitcr Hof, dritter Eingang, vier Trippen,£sSf N a h r st u h l'TRSS wocheutttglich abrnds von 7V4 bis 9 Vi Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist«in Buchstabe und ein« Zahl olS Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht crtrUt. Bis zu» Beantwortung im Brtcilafte» tonne» 1t Tage»ergehea. Eilig« Fragen trage man in drr Sprechstunde vor. Iva SL. B. Vor ähnlichen Kassen ist durch die Polizei jetzt wieder- holt gewarnt, da in der Regel die geleisteten Beiträge nicht den Ver- sicherten, sondern zum größten Teile der Verwaltung nutzbar gemacht werden. Wenden Sie sich um Auskunst über eine für Sie zuständige Kasse an den Genossen Simanowski, Enoclufcr 15.— E. P. Uns sind die Vor- bedingungen nicht bekannt. Diese können sie aber bei der Hausverwaltung der technischen Hochschule sehr leicht ersahrcn.— Bildung. I bis 3. Srnd Fragen, die Ihnen ein Arzt beanlwortet. 4. In einer Schauspielschule, die sie im Adreßbuch finden.— Militär 51. Sie tun gut, sich an einen MilitSrniusikineistcr zu wenden, der Ihnen dann die notwendigen Rat- Ichläge erteilen wird.— O. M. G. 8. Wollen Sie Ihre Frage unter Darlegung dessen, woraus eS Ihnen ankommt, wiederholen; so unverständlich. —(Zeit). 1«0. 1. Verein sür Feuerbestattung. Brcitestr. 8. 2. Unsere? Wissens verleihen solche Optiker.— Döhgast 5. Ohne Zeichen richtiger. — Genosse T. III. An das Kommando der Feuerwehr, Lindenstr. 41. — M. K. 100. Ein solcher Verein ist unS nicht bekannt.— Verkehrs- g dstwirt. Solche Ausstellungen haben wiederholt statigesunden, doch sehlt uns die Zeit zum Nachschlagen, um nähere Angaben machen zu können. Sollten Arbeiter jetzt keine anderen Bedürfnisse haben?— B. Z. 0. 10. Die Kreuzotter ist lebendig gebärend.— W. K., Moabit 15. Es werden vollständig neue Wählerlisten ausgestellt und neue Wahlmänncr gewählt. Wegen Ihrer Wahlberechtigung wenden Sie sich an den Genossen Max Nichter, Wiclesslraße 24.— W. K. 75. Das 4. Gardc-Rcgiment steht w Berlin.— W. N. 309. Sie befinden sich im Irrtum. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markihallen-Dlrektlon über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr reichlich, Geschält rege, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügcnd, Gcschäst lebhast, Preise besriedigcnd. G e s l ü g e l: Zusuhr genügend, Gcschäst etwas lebhast, Preise besricdlgend. Fische: Zusuhr genügend, in Frühkarpfen Über Bedarf, Geschält etwas schleppend, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise un- verändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft rege, Preise wenig verändert. Wttterungsüberstcht vom 27. August 1909, morgens 8 Uhr. Htttlonen Swtnemde. Hamburg Berlin Frantf.a.Vl. München Wien JSB flf Ii s®— -i= -- s if i 762 N 764 NNW 762 NNW 763 NO 763 A !761W Letter « 1 bedeckt 1 bedeckt 1 bedeckt 1 Nebel 3 bedeckt 4 wollig ei !«• ie to 19 14 16 14 12 18 «tationen i°3 teil es Haparanda 759 SSW Petersburg 765 S Scillh Ab erbten Paris 766 WSW 762 WR« 765 NNW . Wetter l 2Regen 1 Nebel 3 Regen 4 halb bd. 2 wolkig teil Mä 13 16 15 13 14 «Setterprognosc für Sonnabend, de» 28. August 1909. Ziemlich kühl, zeitweise aufklarend, aber noch vvrherrschend wollig mU etwas Regen«nd mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterburea» «Zasserftauds-Nachrichten ber LlMdiZanstalt sur Gewässerkunde, mitgelellt vom Berliner Wetterbureau._ Wasserstand Memel, TUM P r e g e l, Jnsterdmg Weichsel. Thoru Oder, Ratibor , kkrossen „ Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg ft 4- bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unierpegel. Soebtll tWttttv! Dieluftscliiffalirt Ihre Geschichte, Elitwickelung und ihre liawrwissenschastlichen Grundlagen. Gemeinverständlich dargestellt von vr. W. Epstein. Preis 20 Pf. Wlederverkänler erhalten Rabatt. Expedition des Vorwärts, Dcrlln SW., Lindenstr. 69, Laden. Nathan Manck ß 129 Skalitzer Str. 129. Die schönsten 20872 Herren•Sommer-Paletots und Anzöge{elJ" Imien Monats-Garderobe vonKavalierengelragcileSachcn, säst neitjfür jede Figur passend, speziell Bauchanzüge sind in großer Auswahl slels zu stauucud billigen Preisen zu haben. Natkan Wand 12»«kalt her Str. 12». I Hochbahnstation KottbuscrTor. Bitte asisHanSnummer zu achte«. 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