Nr. AVI. Mnnementz-IieMMgelii Wonnements> Preis pränumerando: Vicrteljährl. SA> Mr., uionatl. 1,10 Mr., wöchemlich 28 Pfg. frei in» HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Pojt- Wonncment: 1,1l> Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, Av. Jahrg. CrldKlnt täglich auOcr lilontags. Vevlinev VolksblÄtk. Die TnlcrtlonS'GebBIjp vcträgt für die sechsgefpaltenc Kolone?- zcilc oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VcrsammIungS-Anzcigcn SO Pfg. „Uteine Hmeigcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- ftcllcn-Anzeigcn das erste Wort lO Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. 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Strittige Punkte wurden von den amerikanischen Parteiführern in Geheimkonventikeln er ledigt, und die Rebellen in den eigenen Reihen wie die Demokraten stets vor vollendete Tatsachen gestellt; überhaupt bildet die vollständige Ausschaltung der Oppo- s i t i 0 n bei den Beratungen des Tarifentwurfs und das Tagen der Tarifkommission unter Ausschluß der Demokraten eines der lehrreichsten Kapitel gesetzgeberischer Tätigkeit in den Vereinigten Staaten. „Ein Gesetz zur Schaffung von Steuern. zurAusgleichungderZölle.zurErmutigung der Industrien in den Vereinigten Staaten und zu anderen Zwecken" lautet der Titel des neuen Tarifs. Zu diesen anderen Zwecken gehören die Ermächti gung der Regierung zur Verausgabung von Bonds für den Bau des Panamakanals, die Regelung der Handelsverhält- nisse zwischen den Vereinigten Staaten und den Philippinen und die Schaffung der Korporationssteuer. Die Steuer für Korporationen, die anfangs auf 2 Proz. des Reingewinns bemessen war. aber auf 1 Proz. ermäßigt worden ist und deren Ertrag auf 25 000 000 Dollar geschätzt wird, hat eine kleine Vorgeschichte. Ursprünglich war eine allgemeine Ein- kommensteuer in Vorschlag gebracht worden. Dagegen erhob sich heftige Opposition, der die Parteien unter direkter Villi- gung des Präsidenten Taft auch Rechnung trugen mit der fadenscheinigen Ausrede, daß das Oberbundesgericht die Ein- kommensteuer ja doch wieder, wie bereits im Jahre 1894, für verfassungswidrig erklären würde. Um sich nun auf der einen Seite gegen den Vorwurf zu saldieren, die tragfähigen Schultern ganz geschont zu haben, und um auf der anderen Seite einen Eingriff des Oberbundesgerichts unmöglich zu machen, wurde die Frage, ob der Kongreß zur Einführung einer Einkommensteuer berechtigt ist. den cinzelstaatlichen gesetzgebenden Körperschaften in Form eines Verfassungs- änderungsantrages zur endgültigen Entscheidung überwiesen. Dieser von Präsident Taft sanktionierte Beschluß des Kongresses ist der d r e i st e st e Schwindel. Wäre es der derzeitigen Regierung und der herrschenden republikanischen Partei ernstlich um die Beseitigung der befürchteten Oppo- sition des Oberbundcsgerichtes gegen die Einkommensteuer zu tun gewesen, so hätte man nicht den recht langwierigen Weg der Verfassungsänderung durch dm Legislaturen der Einzelstaaten zu gehen brauchen, ein Weg, der obendrein wenig Erfolg verspricht(die Legislaturen der Staaten Georgia und Connecticut haben es bereits abgelehnt, sich mit der Frage zu beschäftigen). Während der Präsidentschaft Taft scheiden nämlich 4 oder 9 Richter des Oberbundes- gerichts, die die Altersgrenze überschritten haben, aus dem Amte. Das Recht der Ernennung der 4 Nachfolger steht Taft zu. Da einzelne der im Amte verbleibenden Richter stets die Auffassung vertreten haben, daß eine Bundes- cinkommensteuer nicht im Widerspruch mit der Verfassung steht, hätte es Taft in der Hand, ohne Schwierigkeiten die frühere Minorität des Richterkollegiums(ini Jahre 1894 ist die Entscheidung mit 5 gegen 4 Stimmen erfolgt) in eine Majorität umzuwandeln und dadurch die Sanktionierung der Bundeseinkommenstcuer durch den obersten Gerichtshof zu sichern. Das heißt, wenn er ein ehrlicher Befür- worter einer solchen Besteuerung des Besitzes wäre; aber in bezug auf die Einkommensteuer versagte Taft ebenso wie in bezug auf den Tarif. Noch während der letzten Tage der Tarifberatungen haben die Gegner der Zollvorlage auf Taft als den rettenden Engel gerechnet. Seine wiederholten Ver- fprechungen und feierlichen Erklärungen, nur ein Zollgeseh zu unterzeichnen, das eine Revision„nach unten", das heißt Ermäßigungen der Sätze des Dingley-Tarifs bedeutet, wurde vielfach ernst genommen. Die Enttäuschung über das schließliche Resultat war deshalb um so bitterer. Taft ist vor den Trustvertretern im Senat feigezurückgewichen. Nur bezüglich der zollfreien Einfuhr der Häute blieb er hart- näckig und der Senat hat sich seinem Diktum gefügt. Den ganzen übrigen Zollwucher sanktionierte er nicht nur durch seine Unterschrift, sondern verteidigte ihn noch obendrein in einer langen Erklärung, deren beachtenswerteste Stelle das Eingeständnis ist, daß durch das neue Zollgesetz„das An- recht des werbenden Kapitals(activs Investe- ments) auf die(hier üblichen höheren normalen Profite garantiert werden sol l." «Das Anrecht des Kapitals auf die höheren normalen Profite" spricht denn auch aus jedem einzelnen Abschnitt des neuen Tarifs, und Tafts freiinütiges Eingeständnis straft alle Erklärungen der republikanischen Parteibonzen über die Berücksichtigung der Konsumenten Lügen. Keinen Augenblick hat man bei den Beratungen auch nur im ent- ferntesten an das„Anrecht" der breiten Massen gedacht oder gar deren Wünschen stattgegeben. Der g e m e i n st e Z 0 l l w u ch e r ist das Resultat. Zwar weist das Payne-Aldrichsche Zollgesetz einzelne Zollermäßi- gungen auf, aber sie beziehen sich auf Artikel, die für den Massenkonsum gar nicht in Betracht kommen, und sie werden mehr denn aufgewogen durch Erhöhungen auf der anderen Seite. Zumeist sind die Sätze des Dingley-Tarifs in das neue Zollgesetz übernommen worden. Trotzdem sind die Zoll- sähe nur scheinbar die gleichen. Durch veränderte raffinierte Oualitätsbestimmungen und die im neuen Gesetz vorgesehene Bemessung der Wertzölle nach den amerikanischen Verkaufspreisen erfahren nämlich die Zollsätze teilweise eine ganz enorme Erhöhung; bei Baumwollwaren z. B. eine solche um 93 Proz. Auf Strümpfe, die bisher um 25 Cents das Paar verkauft worden sind, sind nach dem neuen Tarif 7 Cents Zoll zu zahlen; auf Weißwaren ist der Zoll um 48 Proz. höher als bisher, auf billiges Tuch um 140 Proz. höher, auf Tuch besserer Qualität 94 Proz. usw. Demgegenüber müssen die Behauptungen der republi- kanischen Väter des Tarifs über die Ermäßigung der Zölle auf Bedarfsartikel als eitel Spiegelfechterei bezeichnet werden. In der Kommission hatten nicht die Konsumenten das entscheidende Wort, sondern die Trusts und deren Tra- banten. Durch eine sorgfältige Gegenüberstellung der bis- herigen und der neuen Zollsätze hat Senator La Follette, einer der Rebellen der republikanischen Partei, den unwidcr- legten Nachweis erbracht, daß die ohnedies ungeheuerliche Belastung des Volkes durch die neuen Zölle um weitere 17 000 000 Dollar gesteigert wird. Indessen ist hierbei die dem Zollgesetz eingefügte Be- stimmung nicht mit in Rechnung gesetzt, daß nach dem 31. März 1910 die allgemeinen Zollsätze um 25 Proz. des Wertes der importierten Waren(der söge- nannte Maximaltarif) erhöht werden. Allerdings ist der Präsident ermächtigt, die Zollsätze des Minimaltarifs Ländern gegenüber, die den Vereinigten Staaten die Meistbegllnsti gung gewähren, in Kraft zu belassen. Die Entscheidung, ob das Ausland Waren aus den Vereinigten Staaten demgemäß behandelt, liegt ausschließlich in den Händen des Präsidenten. Die Klausel, die sich zugestandenermaßen hauptsächlich gegen Deutschland richtet, würde die Einfuhr geradezu un möglich machen, und berührt deshalb nicht nur die ameri kanischen Konsumenten, sondern in hohem Maße auch die Exportindustrie Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz, Frankreichs usw. und die in diesen Industrien beschäftigten Arbeiter. Schon ohne die Maximalsätze ist künftig der euro päische Export so mancher Warengruppen, die bisher in Amerika bedeutenden Absatz fanden, infolge der Erhöhung der Zollsätze oder der neuen Oualitätsbestimmungen und der veränderten Bemessung des Wertes sehr erschwert. So werden deutsche und österreichische Spielwaren, die bisher den Markt beherrschten, japanischen weichen müssen. Die schweizerische und Schwarzwälder Uhrenindustrie wird die Zollerhöhungen schwer empfinden. Auch die Messerwaren- industrie im Rheinland, namentlich soweit sie hierher Rasier- messer exportierte, die Buntdruckindustrie(Ansichtspostkarten) Lederwarcnindustrie, Baumwolle und Wirkwarenindustrie, die Handschuhfabriken und nicht zuletzt die Brauindustric Böhmens und Bayerns sowie der deutsche Weinbau werden schwer zu leiden haben. Und gelangen die Vereinigten Staaten mit den euro- päischen Ländern, mit denen sie bisher im Vertragsverhält- nis standen, nach dem in wenigen Monaten erfolgenden Ah- lauf der bereits gekündigten Verträge zu keinen neuen Ver- einbarungen, so droht der Zollkrieg. Die Härte, die in dem Maximaltarif dem Ausland gegen- über liegt, wird denn auch hier einPfunden. So kommen die „New Aork Times" in einem Artikel über„Unser Tarif und das Ausland" zu dem Schlüsse, daß„unsere Politik kindisch und kurzsichtig" ist, halten aber trotzdem die vielfach ausgesprochene Gefahr eines Zollkrieges für aus- geschlossen,„weil die europäischen Länder praktisch hilflos sind, um den Bestimmungen des Minimal- und Maximal- tarifs erfolgreich opponieren zu können." Der IRielenkampf in Schweden. f Wir erhalten über die Lage am Sonnabend folgende Privatdepesche: Stockholm, den 28. August. Die heutige Ausgabe des „Evarct" konstatiert mit grostcr Genugtuung die einzig. stehende Geschlossenheit der kämpfenden Ar- beitcr massen. Selbst die offizielle Zählung muß ringe- stehen, daß nach llltägigem Gcneralausstand 92 Proz. der Ausständigen im Ausstande beharren. Dabei muß berlick- sichtigt werden, baß die offiziellen Ziffern viel zu niedrig sind und zudem in ganz willkürlicher Weise ge- Wonnen werden. Fiir Stockholm beispielsweise hat man ein, gestehen müssen, daß die Zahl nach Gutdünken von 44 999 aus 39 899 herabgescht worden ist. Diese willlür- liche Kürzung um mehr als 7999 macht aber nahezu den dritte» Teil der amtlicherscits angegebenen Abnahme in der Zahl der Ausständigen aus! Wie unzuverlässig die amtliche Zählung ist, geht auch daraus hervor, daß die von den Unternehmern als„entlassen" angr- gebenen Ausständigen nicht mitgezählt werden. Dadurch wird natürlich das Ergebnis der Zählung völlig verschoben. Während also die amtliche Zählung für Stockholm 39899 Ausständige an- gibt, wird die Zahl der Ausständigen vom lokalen Streikkomitee auf 51 999 angegeben. Die abweisende Haltung der Regierung in der Frage der Bermittelung wird heute hier gebührend festgenagelt. Der Bruder des Führers der Unternehmer, des Herrn v. Sübow, ist Mitglied der Regierung und fein Einfluß auf deren Haltung in der Frage unverkennbar. Das wird hier als bezeichnend für die ganze Situation angesehen. Die neuerlichen Versuche der hiesigen FriedcnSliga, die Re- gierung zur Bermittclung zu bewegen, haben aus diesen Gründen wenig Aussicht auf Erfolg. Die organisatorischen Erfolge der Gewerkschaften sind be, reits recht groß. Nach den bisherigen Feststellungen des„Svaret" sind raild 49 999 Unorganisierte während des Aus st an des den Gewerkschaften beigetreten. Die Feststellungen erstrecken sich bisher jedoch nur auf den dritte» Teil der Streikorte. Immerhin ist hervorzuheben, daß unter den amtlich festgestellten 299 999 Ausständigen noch Massen von Unorganisierten vorhanden sind, die gleich ihren organisierten Brüdern entschlossen im Ausstände verharre», (Bon unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 29. August. Die bürgerliche Presse Schwedens, die mit ihrem Streik- brecherpersonal nicht viel zu leisten vermag, pflegt in dieser Massen- streikszeit alte Artikel und Notizen ihren Lesern immer von neuem vorzusetzen. Die Herren denken dabei vielleicht auch, daß eine Uu- Wahrheit, wenn sie immer wiederholt wird, selbst dem ein wenig skeptischen Leser schließlich glaubwürdig erscheinen müsse. Eine von diesen in bürgerlichen Blättern seit Proklamation des Massen- streiks immer von neuem erscheinende Notiz ist jedoch an sich durch- aus glaubwürdig, nämlich diese: „Zu beachten in diesen Tagen: Das Strafgesetz Kap. 15, Z 22 lautet wie folgt: Wer ohne gesetzliches Recht oder unter Mißbrauch seines Rechts durch Gewalt oder Drohung jemand zwingt, etwas zu tun, zu dulden oder zu unterlassen, wird bestraft mit höchstens zwei Jahren Strafarbeit, soweit die Tat nicht anderweitig mit schwererer Strafe belegt ist. Das gleiche gilt für den, der in besagter Weise versucht, jemand zur Teilnahme an Arbeitsein- stellung zu zwingen, oder zu hindern, zur Arbeit zurückzukehren oder angebotene Arbeit zu über- nehmen." Dieser Paragraph in seinem zweiten Abschnitt ist im Jahre 1899 auf Antrag des Reichstagsabgeordnetcn PerSson in Akarp, einem an der Bahn Malmö-Lund liegenden Ort, zustandegekommcn. Dieser Gutsbesitzer Persson in Akarp hat sich seit der letzten Reichstagswahl von der politischen Laufbahn zurückgezogen, aber jene Bestimmung wird, so lange sie bestehen bleibt, zur„Ehre" ihres Machers„Akarpgesetz" genannt, und alle Versuche, weitere derartige gegen die organisierte Arbeiterschaft gerichtete Zucht- Hausbestimmungen einzuführen, bezeichnet man seitdem als „Akarpcrei". An derartigen Versuchen hat es in den letzten Jahren nicht gefehlt, jedoch sind sie bis jetzt gescheitert. Jene Bestimmung genügt ja auch durchaus, um rechtschaffene Arbeiter, wenn sie irgendeinem Streikbrecher einmal ein unsanftes Wort sagen, ins Zuchthaus zu bringen;' und wenn bei dem Ricsenkampfe, der ja jetzt schon über drei Wochen dauert, die Anklagen und Verhaf- tungen nicht übermäßig zahlreich sind, so ist das eben ein weiterer Beweis für die bewundernswerte Ruhe und Besonnenheit der Ar- beitcrklasse dieses Landes. Dazu kommt allerdings, daß es eben, trotz aller gegenteiligen Berichte der bürgerlichen Blätter, nicht viel Streikbrecher gibt, und daß meist eine ernste Mahnung genügt, um untreu gewordene Arbeiter wieder zur Pflicht der Solidarität zurückzuführen. Im übrigen werden unverbesserliche Streikbrecher sich nicht leicht dazu hergeben, vielleicht gar durch falsche Zeugen- aussagen einen organisierten Arbeiter den Gerichten auszuliefern. Müssen sie doch damit rechnen, daß sie in Zukunft niemals mehr mit anständigen Arbeitern irgendwelchen Umgang pflegen können. Es ist klar, daß jenes Gesetz seinem Wortlaut nach ebensowohl gegen die Arbeitgeber wie gegen die Arbeiter angewandt werden könnte. Durch Gewalt und Drohung wollte das Unter- nehmertum mittels Masscnausspcrrung eine Reihe von Arbeiter- gruppen zwingen, sich auf vier, ja fünf Jahre an Löhne zu binden, die nicht zum Leben ausreichten. Das ist eine ofsen- kundige Tatsache. Welche Mittel die Unternehmer in ihren eigenen Reihen anwenden, um die Aussperrungen, die doch sicher- lich manchem Arbeitgeber sehr zuwider sind, allgemein durchzu- führen, wird natürlich vor der Oeffcntlichkeit geheim gehalten. Man weiß aber sehr wohl, daß hierbei Entzieh ungdcs Kredits, Matcrialboykott.Vcrrufserklärung und dergleichen Sanftmütigkeiten eine große Rolle spielen! Aber im Klassen st aat der Bourgeoisie ist eS ja eine Selbstverständlichkeit, daß solche Strafbcstimmungen nur gegen die Arbeiterschaft angewendet werden und auch von Anfang nur gegen sie gerichtet sind. Wie sie angewandt werden, dafür liefern hier und da die Behörden recht interessante Beispiele. In Oskarsström hat der Länsmann ein von den Streikenden gewähltes Besuchskomitee verhastet, das die Aufgabe hatte, etwa wankelmütig werdende Arbeiter durch Hausbesuch zur Solidaritätspflicht zurückzurufen. Das Komitee hatte einen Schneidermeister besucht, von dem bekannt geworden war, daß er seine Kinder zur Streikarbeit in der Jutcfabrik ge- zwungen hatte. Das Komitee soll nach Aussage des Schneiders bei 7M Ju Hause Süf den Tisch geschlagen haben, und das ist alles, was zur Begründung der Verhaftung und Anklage wegen Gewalt, Drohung oder Jwang angeführt werden kann? Am selben Ort sind vier Arbeiterinnen angeklagt, weil sie nach Behauptung des Länsmannes Fagcrström Arbeitswillige nicht nur angeschaut, sondern auch„höhnisch verlacht" haben sollen. In Hudiksvall, Nordland, ist ein Arbeiter verhaftet und gleich ins Gefängnis geschleppt worden, weil er in einer Rede sagte:„Wenn irgend jemand mit dem Kains» zeichen auf der Stirn herumlaufen will, mag er es tun, aber ich kann solchen Menschen nur ver° achte n." Anderenorts sind Streikende verhaftet, nur weil sie sich erlaubten, mit Arbeitswilligen zu reden, ohne daß auch nur der geringste Grund vorliegt, anzunehmen, daß sie irgendtvie Drohung oder gar Gewalt angewendet hätten. Das Unternehmer- tum nimmt in solchen Fällen offenbar von vornherein an, daß es, wie in seinen eigenen Reihen, so auch in der Arbeiterschaft nicht möglich wäre, ohne jene gesetzwidrigen Mittel die allgemeine Soli- darität aufrechtzuerhalten� und sindct dabei natürlich Unterstützung der Behörden. � l Gegen die bei den„Strcikunruhen" in Norberg verhafteten 20 Personen fand gestern wieder einmal Gerichtsverhandlung statt. Die Angelegenheit selbst ist, wie der„Vorwärts" ja schon bemerkte, von der reaktionären Presse mächtig aufgebauscht worden. Der Vcr- leidiger verlangte, daß die Angeklagten auf freien Fuß gesetzt werden sollten, da, wenn überhaupt von Drohung oder Gewaltanwendung die Rede sein könne, diese nur in ihrem zahlreichen Auftreten zu erblicken wäre. Die Verhandlung endete mit Vertagung auf den 14. September. Fünf der Angeklagten wurden aus der Haft entlassen, die übrigen 15 sollen weiter im Gefängnis sitzen, ganz gleich, ob sie schuldig oder unschuldig sind. Das bürgerliche„Schutzkorps", das hier in Stockholm noch immer die Straßen unsicher macht, hatte gestern die Genugtuung, daß ein armer Hoteldiener zu 100 Kronen Geldstrafe verurteilt wurde, weil er den Herren in etwas kräftigen Worten das Recht abgesprochen hatte, die Rote.Kreuz--Fahne zu führen. Ein mit Polizeigewalt der Schutzgardisten ausgestatteter Junker hatte ihn verhaftet, und das Polizeigericht erblickte in seiner Aeußerung ein„Aergernis erregendes Benehmen". Die deutschen oder aus Deutschland eingeführten Streik» brecher hat man soviel wie möglich den Blicken der.Oeffentlich- keit entzogen. Sie arbeiten meist auf im Strom liegenden Kohlen- schiffen. Einige sind jedoch auch am Land beschäftigt. Haben sie ihre TageLarbeit vollendet, so werden sie sofort wieder nach dem Logierschiff gebracht, damit sie ja nicht mit irgendeinem anständigen Arbeiter in Berührung kommen. Sie leben also ungefähr wie Strafgefangene. Ucbrigens soll ein Teil von ihnen bereits in Amsterdam und Antwerpen Gastrollen als Streikbrecher ge-� geben haben. Diese Leute tverden also schon an die Sklaverei ge- wöhnt sein. Wenn die Regierungen in Deutschland ihrer Pflicht, vor den Sklavenhändlern der schwedischen Unternehmer zu warnen, nicht nachkommen, ist es um so mehr Aufgabe der Arbeiterpresse, überall darauf aufmerksam zu machen, was diejenigen zu erwarten haben, die eine Streikbrecherreise nach Schweden unternehmen. Es ist merkwürdig, was das„Berliner Tageblatt" sich manchmal für Schwindeleien über allerlei Vorgänge in Schweden aufbinden läßt. Da behauptet es, die Amerikareise des Landes- sekretariatsvertreters Tholin hätte den Zweck, die Möglichkeit einer Massenauswanderung schwedischer Arbeiter zu untersuchen. Freilich, die hiesige Bürgerpresse hat in langen Artikeln das gleiche gesagt, aber deswegen verdient es noch lange keinen Glauben. Gleichwohl muß das schwedische Unternehmertum darauf bor» bereitet sein, daß die besten Arbeitskräfte auswandern, wenn es wirklich— was ja nicht anzunehmen ist— in diesem Kampf die Oberhand gewinnen sollte. Die schwedischen Arbeiter sind im Aus« lande und auch jenseits des Ozeans ihres Fleißes, ihrer Tüchtig- keit und Geschicklichkeit wegen sehr geschätzt, und wenn die Arbeit- geber im eigenen Lande ihren Wert iucht zu würdigen wissen, sind sie selbst daran schuld, wenn es ihnen schließlich an den nötigen Arbeitskräften fehlt,/_ Katholikentag. In Breslaus Hauptstraßen flattern bunte Fahneit. ES findet dort heute die große klerikale Heerschau statt, die„5 6. General» Versammlung der Katholiken Deutschland s", für die seit Monaten die Zentrumspresse in den Massen Stimmung ge- macht hat. Das Arrangement der Katholikentage war seit jeher mit Geschick auf�die Schaulust und das religiöse Gefühl der Menge berechnet. Wie die katholische Kirche hat es auch die Ieitung der Katholikentage immer verstanden, glänzende Festlichkeiten zu in- szenieren. die nach Abwechselung verlangenden Sinne zu beschäftl» gen und durch feierliche Eindrücke gefangen zu nehmen. Die Ver- Handlungen über kirchliche Themata sind Nebensachen auf den Katholikentagen; die Hauptsache ist die Masscnwirkung, die De- monstration und die Stimulation. Auf großen Prachttribünen werden dem gläubigen Volk seine hohen Kirchenfürsten, seine Parla» mentarier, seine Kirchengelehrten vorgeführt und ihm unter Segenssprüchen die Weltmacht der auf dem Fels Pctri begründe- ten heiligen Kirche verkündet. Und neben diesen Schaustellungen kirchlicher Macht finden große Umzüge, Prozessionen, Korsofahrten, Festessen, Kommerse, pomphafte Messen usw. statt, die die Teil» nehmer in stetiger Spannung und feierlicher Erwartung erhalten. Auch diesmal ist das Arrangement geschickt auf die Massen- Wirkung berechnet. Gestern abend hat das Geläut sämtlicher Glocken der katholischen Kirchen Breslaus die Feier eingeleitet, und heute findet der große Massenaufzug der katholischen Arbeiter statt. An 500 Arbeiter-, Handwerker-, Gesellen- und Jugendvereine werden, wie die klerikalen Blätter triumphierend verkünden, sich daran beteiligen, so daß man eine Gcsamtbctciligung von 20 000 Arbeitern erwartet— nicht so viel, wie im vorigen Jahre in Düsseldorf, wo 40000 bis 50 000 Personen an dem großen Fest- zuge teilnahmen, aber immerhin in Anbetracht der örtlichen Ver- Hältnisse Breslaus eine ganz ansehnliche Zahl."; Auch eine große Kundgebung des KartellverbandeS der katho- lischen farbentragcnden Studentenverbindungen ist geplant. Der Verband wird eine Festfahrt durch die Stadt veranstalten, bei welcher die Chargierten dieser Verbindungen in 68 Wagen unter Begleitung mehrerer Militärkapellen vertreten sein werden. Ferner werden an dem Pontifikalamt am Montag die Chargierten von über 70 Studentenkorporationen teilnehmen. Außerdem finden in den nächsten Tagen Versammlungen, Festmähler und Kommerse von allerlei katholischen Lehrer-, Abstinenten-, Studenten-, Handels-, Handwerker- und Journalistenvereinen statt, sowie ferner Zusammenkünfte der frommen Lourdes-, Vincenz-, BonifaciuS-, Pius-, Windthorstvereine, denen sich am Donnerstag ein feines Festmahl für die Wohlhabenden und, damit auch das weniger zahlungsfähige„trcukatholische Volk" auf seine Rechnung, kommt, ein großes öffentliches Volksfest anschließen wird.. Die Hauptverhandlungen werden in einer großen, auf dem Scheitinger Rennplatz erbauten Festhalle stattfinden, die im Innern ?0 WUc lüNg- 48 Wer�brxit Wd rMsW glit sehr gerWMigcy Emporen versehen ist. Die Halle enthält 5100 Sitz- und ungefähr 2400 Stehplätze; sie vermag also über 7500 Personen zu fassen. Besonders reich ausgestattet ist die höher als die Rednertribüne ge- legene Präsidialtribüne, auf der der hohe Klerus sich dem Volke zeigen wird. Sie ist, wie klerikale Blätter melden,„überwölbt durch einen in dunklen Farben gehaltenen, mit zahlreichen Wappen, die vorwiegend auf den Kardinal Kopp Bezug haben, versehenen Baldachin, umfaßt etwa 150 Sitzplätze und hat einen be- quemen direkten Zugang nach außen. An den beiden Schmalseiten sind rechts eine große Statue der Mutter Gottes und links des Heilandes aufgestellt; beide sind in ihrer ganzen Größe mit einem zweifachen Kranz von elektrischen Lichtern umgeben." Unsere Breslauer Genossen gedenken der großen klerikalen Heerschau insofern eine sozialdemokratische Gegendemon- st r a t i o n entgegenzusetzen, als sie am Sonntag ihre Gedenkfeier des Todestages Lassallcs abhalten werden.— Unter der lieber- schrift„Zentrum und Sozialdemokratie" bringt die Breslauer „Volksmacht" folgenden Aufruf: „Parteigenossen! Die bevorstehende AiNvcsenheit taufender auswärtiger Gäste bietet eine vorzügliche Gelegenheit zur Auf- klärung der Massen über die volksfeindliche Haltung der Zentrumspartei im Deutschen Reichstage und über die Ziele der Sozialdemokratie. Nur die sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands kommt in Betracht, wenn cö sich um eine politische Kundgebung für Freiheit und Lebensglück gegen die geistige und materielle Knechtung des Volkes handelt, die unter der Leitung der mächtigen Zentrumspartei geschieht. Der Augenblick zu einer solchen Kundgebung ist günstig, da mitten in die Tagung der Katholiken Deutschlands der 45. Todestag des Begründers der deutschen Sozialdemokratie fällt. Die Breslauer Sozial- dcmokratie begeht diesen Tag durch eine Kranzniederlegung am Grabe Ferdinand Lassalles am Sonntag, den 20. August, vor- mittags zwischen 9 und 10 Uhr auf dem israelitischen Friedhofe. Hierauf folgt eine DemonstrationLversammlung unter freiem Himmel im Kurgarten(in Kleinburgi. Genosse Eduard Bern- stein-Berlin sprickst über:„Bischof Ketteler und Ferdi- nand Lassall e." Der Garten faßt 10 000 Personen. Partei- genossen! Gewerkschaftler! Arbeiter! Beteiligt Euch in Massen! Sorgt, daß unsere Kundgebung sich wuchtig und würdig, macht- voll und imposant gestaltet, der Partei zur Ehre gereicht." Auch die Demokratische Vereinigung hält am 28. August abends in Breslau im großen Saale des Konzert- Hauses eine Versammlung ab, zu welcher der Prediger Tschirn, Frau Rechtsanwalt Friedländcr u. a. mit dem Hinweise ein- laden, daß der Herr Gaedke-Berlin über das Thema:„Der Block der Ritter und der Heiligen" sprechen wird. Endlich werden die Freireligiösen, deren Zentralleitung sich in Breslau befindet, am Montagabend in drei Versammlungen gegen den Katholikentag Stellung nehmen. Als Referenten über das Them» „Los von Rom!" werden Prediger G. Tschirn, Schriftsteller Vogtherr-Wiesbaden und Prediger Schieler-Tvnzig sprechen. Reichsfinanzreform und christliche Gewerkschaften. In der jüngsten Nummer des Zentralblattes der christlichen Gewerkschaften findet sich eine offenbar vom Ausschuß des Ge- samtverbandeS formulierte Darstellung des Verhältnisses der christlichen Gewerkschaften zur Politik, ins- besondere zur jüngst verhandelten Frage der Reichsfinanz» r e f o r m. Es wird darin zunächst festgestellt, daß die christlichen Gewerkschaften politisch neutral seien, und zwar aus zwei Gründen: Erstens sollte der Ausschluß politischer Fragen der Be- wegung die Möglichkeit geben, sich um so ausschließlicher und entschiedener ihrem eigentlichen Zweck, der Verbesserung der Lohn» und Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu widmen, ein Zweck, der so wichtig erscheine, daß alles, was die Kraft der Bewegung ad- lenken könne, vermieden werden müsse. Selbstverständlich hat die Gewerkschaft im allgemeinen andere Aufgaben zu erfüllen, als die politische Partei, und wenn die Gewerkschaft bei der Macht und Rücksichtslosigkeit des Unter- nehmcrtums ihre eigentliche Aufgabe wirksam betreiben will: die Besserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, dann hat sie alle Hände voll zu tun. Aber es gibt Zeiten im politischen Leben, wo die Arbeiterklasse ihre ganze Macht, das ganze Gewicht ihrer poli- tischen und gewerkschaftlichen Organisation aufzubieten hat, um wichtige Interessen politischer oder wirtschaftliche� Art zu ver» leidigen. Der Kampf um daS Koalitionsrecht, um die Vereins- und Versammlungsfreiheit, um das Wahlrecht, um die Gestaltung der Lebenshaltung durch wirtschafts-, zoll- und stcuerpolitische Maß- nahmen usw.>ist für die Gewerkschaften ebenso wichtig, wie für die Partei. In solchen Fällen hat auch die wirtschaftliche Organi- sation der Arbeiter auf den Plan zu treten und ihre Mittel und Kräfte in den Dienst der gemeinsamen Interessen zu stellen. „Politische Neutralität" wäre hier nicht anders als politische Partei- nähme zugunsten der Volks- und arbeiterfeindlichen Parteien. In .der Tat weiß denn auch das Zentrum die politische Neutralität der christlichen Gewerkschaften, die im katholischen Lager für Ruh: sorgen, wenn dem Proletariat daS Fell über die Ohren gezogen wird, am besten zu schätzen. Als zweiter Grund der politischen Neutralität der christlichen Gewerkschaften wird die Zweckmäßigkeit angegeben. Sie wollen, wie es im„Zentralblatt" heißt, den Anhängern aller bürgerlichen Parteien die Möglichkeit bieten, sich jenseits der sozial- demokratischen Klassenkampfgrundsätze geWerk- schaftlichzuorganisieren. Beider Verschiedcnartigkcit und vielfachen Gegensätzlichkeit der politischen Auffassungen müsse des- halb die christliche Gewerkschaftsbewegung alle politischen Fragen, insbesondere alle parteipolitischen ausschließen. Die freien Ge- werkschaften hätten eS in dieser Beziehung viel leichter, dabei ihnen die Partei auf die Gewerkschaft, und die Gewerkschaft auf die Partei angewiesen sei.- Die eigenartige Stellung der christlichen Gewerkschaften gegenüber den bürgerlichen Parteien— so heißt es weiter—„zwingt uns zum Verzicht auf die Erörterung mancher Fragen politischer und wirtschaftlicher Art, an denen wir als Arbeiter unbedingt ein Interesse hätten, und es bedarf einer großen Disziplin und tiefen Er- kenntniS des Wesens unserer christlichen Gewerkschaften, um die strikte politische Neutralität aufrechterhalten zu können". Nach diesen Darlegungen dürften sich die christlichen Gcwerk- schaften auch nicht um die Erhaltung und Erweiterung des Koalitions-, Vereins- und Versammlungsrechtes, nicht um die sozialpolitische Gesetzgebung kümmern, denn auch über diese Fragen zeigen die bürgerlichen Parteien„vielfache Verschiedenheit und Gegensätzlichkeit der politischen Auffassung". Derartige Fragen, sagen nun die christlichen Gewerkschaften, sind Lebensfragen für die Gewerkschaftsbewegung und deshalb können wir an ihnen nicht vorübergehen. Ganz recht, aber ebenso sind Fragen der Wirtschafts-, Zoll- und Steuerpolitik Lebens- fragen für die Gewerkschaften, da auch sie auf den Arbeitsmarkt, die Arbeits- und Lebensverhältnisse bestimmend ein- wirken und infolgedessen mit der Lohnftage auf das engste zu» I-UWlMängell. D.eML> W eine Gctsxrkichaft die WiA. gpf ihre Mitglieder erzieherisch einzuwirken, daß sie daS Arbeiter- intcresse in solchen Fragen und die Notwendigkeit, auch als Gc- werkschaft dazu Stellung zu nehmen, einsehen lernen— gleichviel welcher politischen Partei sie angehören. Und wenn bei solcher Gelegenheit das Parteiinteresse mit dem Arbeiterinteresse koll'- diert, dann hat sich das Gewerkschaftsmitglied zu entscheiden, ob c-Z mit seiner Organisation für das Interesse der Arbeiter, oder mit seiner Partei das Interesse der Arbeiter- und Volksfeinde vcr- treten will! Jedenfalls ist einer Gewerkschaft nicht mit Mit- gliedern gedient, die auf politischem, wirtschafts- und sozialpo'i- tischem Gebiete die Dienste arbeiterfeindlicher Parteien verrichten Und das gewerkschaftliche Interesse schädigen. Wenn die christlichen Gewerkschaften sich in solchen Fragen zur Untätigkeit verdammen, so geschieht das aus Rücksicht auf die bürgerlichen Parteien, von denen sie sich abhängig fühlen und denen ihre Führer als Abgeordnete angehören. In Wirklichkeit ist also, um es nochmals zu sagen: die„politische Neutra. lität" der christlichen Gewerkschaften politisch: Parteinahme zugunsten arbeiterscindlicher Par- teien. Und an diesem Zwiespalt werden die christlichen Gcwcrl- schaften zugrunde gehen. Auch die katholischen Arbeiter werden einsehen lernen, daß ihrer Sache nicht mit einer Organisation ge- dient ist. deren Programm sie zur Untätigkeit in den wichtigsten, die Arbeiterinteressen betreffenden Fragen verurteilt. Daran ändert nichts das Geschimpfe über die Sozialdemokratie, womit der übrige Teil des Artikels im christlichen„Zentralblatt" angefüllt ist, denn man weiß, daß die Christlichen dieses Gc- schimpfe um so eifriger üben, je mehr sie sich der eigenen Blamage bewußt sind. poUtifcbc OcberHcbt* Berlin, den 28. August 1909, Für einen neuen Block legt sich ein Artikel der„Grenzboten" ins Zeug. Dieser konservativ- liberale Block sei unausbleiblich, den» ein Volk, das Weltpolitik und Weltwirtschaft treibe, könne nicht dauernd konservativ regiert werden. Dem Bürgertum könne ein stärkerer Einfluß auf die Regierung auf die Dauer nicht verweigert werden. Wollten sich die Konservativen gegen die liberale Mitbestimmung auch ferner krampfhaft sperren, so werde die Reichsverdrossenheit derart wachsen, daß die Reich?- regierung sich eines Tages auf einen Block der Linken werde stützen müssen,„und die Konservativen werden dann, wenn auch nicht niehr in einer Droschke, so doch in einem Automobil ins Parla- mcnt fahren können". Die„National-Ztg." stimmt diesen Ausführungen natürlich be- geistert zu. Die von den„Grenzboten' gekennzeichneten Richtlinien dieser neuen Blockpolitik, Anerkennung des Liberalismus als einer gleichberechtigten Macht im Staate, Kampf gegen das Zentrum und erneutes Niederreiten der Sozialdemokratie, er- regen natürlich höchlichst ihr Wohlgefallen. Die Sehnsucht der Nationallibcralen(und wahrlich auch nicht weniger Freisinniger) nach einem Wiederaufleben der famosen konscrvativ-liberalcn Paarung werden freilich an der harten Tatsache des konservativ-ultramontancn Blocks nicht das geringste ändern. Wohl aber wird diese schwach- mütige Sehnsnchtsstimmung den LiberaliSnmS vollends hin- dern, einen ernst haften Kampf gegen die Reaktion zu riskieren, durch den ja die Aussichten auf ein künftiges Znsammengehen mit den Konservativen verschlechtert werden könnten l_ Echt— Preußisches. Auf der Kreiskouferenz der sozialdemokratischen Organisation deS Wahlkreises Zauch-Belzig-Luckenwalde. die am Sonn- tag in Caputh tagte, wurde u. a. folgendes Stückchen der preußischen Bureaukratie mitgeteilt: „Die Genossen Bernau in Michelsdorf, Mahlow in Schmerzke, Hank in Schwina und D e ck o w in Michendorf, die schon jahrelang in diesen Ortschaften als Gemeindevertrcter wirken, waren in den Schulvorstand gewählt worden. Aber da Sozial- demokraten im Schulvorstande, nach Ansicht unserer Staatserhaltendcn, den Ruin des Staates herbeiführen können, so erhielten diese Ge- nassen vom Landrat v. Tschirschkh folgendes Schreiben zu- gesandt: Wie angestellte Ermittelungen ergeben haben, gehören Sie einer den Umsturz der bestehenden Staats» und Gesellschaftsordnung bezweckenden Partei an. Hierdurch haben Sie sich des Vertrauens unwürdig gemacht, welches die Zugehörigkeit zu dem Schulvorstande erfordert, zu dessen vornehmster Ausgabe die Pflege einer vaterländischen und gottesfürchtigen Gesinnung innerhalb der Schuljugend gehört. In Gemäßheit der Z§ 47 Absatz 6, 45 III des Gesetzes be- treffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen vom 28. Juli 1806, schließen wir Sie deshalb von der Zugehörigkeit zum Schulvorstande des SchnlvcrbandeS hiermit auS. Alle Proteste gegen diese Maßnahme hatten keinen Erfolg; die Klagen der Genossen wurden kostenpflichtig abgewiesen. DaS Dokument deS Herrn Landrats spricht Bände über den Mißbrauch, den die herrschende Klasse mit der Schule treibt. Der RcichsdaNes wird trotz deS 500 Millionen-RaubzugeS noch nicht so bald schwinden. Es wird berichtet, daß eS bei den Borbereitungen fiir die Auf- stellung des RcichshaushaltSetatS für 1910 einer besonder» vor- sichtigen Schätzung der im nächsten Jahre zn erwartenden Ein- nahmen bedarf. Bekanntlich schließt die Rechnung für 1908 mit einem erheblichen Fehlbetrage in den Einnahmen ab. J»S- besondere haben die Zölle 121 Millionen Mark weniger ein- gebracht, als veranschlagt war. Unter diesen Umständen werden selbst bei Hinzurechnung der durch die neuen Steuergesetze z» erwartenden Mchrerwäge die Reichseinnahmen ans Zöllen und Steuern im Jahre 1910 kaum einen zlvischen 1400 und 1500 Millionen Mark liegenden Betrag übersteigen. Daneben ist zu berücksichtigen, daß auch die Einnahmen der Rcichspost- mid Telegraphenverwaltung um 21 Millionen, die der Reichseisenbahnen um 9 Millionen und diejenigen anS dem Vankivesen ebenfalls um 9 Millionen Mark hinter den» Voranschlage für 1903 zurück- geblieben sind._ Freisinnige Einigungsfchmerzen. Die«Freis. Ztg." veröffentlicht einen langen Artikel über die Einigungsfrage des Freisinns. Danach hat die Frage der Ver- schinelzung der drei freisinnigen Parteien bereits den gemeinsamen Ausschuß der linksliberalen Fraktionsgemeinschaft beschäftigt. Der auS den Abgeordneten Müller-Meiningen. Wiemer, Schräder und Payer bestehende parlamentarische Vierer-AuSschnß hat am Schlüsse der ReichStagSsitzung nach längerer Aussprache vereinbart, zunächst mit den Organisationen im Lande in Verbindung zu treten. Ein- weitere Besprechung sei für den September in Aussicht genommen. Gegenüber der Behauptung eines Parlamentariers der Freisinnigen Vereinigung, die Freisinnige Volkspartei mache die Einigung von der Anflösung der Organisationen der beiden anderen Parteien und dem bedingungslosen Aufgehen in den Organisationen der Freisinnigen BolkSpartei abhängig, erklärt die„Freis. Ztg.". daß ihr von solchen Bedingungen.nichts bekannt' sei. Allerdings halte sie fflt„unvedniIt geVoten, daß bei ctner etwaigen Terschinelzimg die G�esch lossenheit und Schlagfertigkeit der Frei- sinnigen Volkspartei erhalten" bleibe. Die Forderung Schräders, alle drei Sonderorganisationen aufzulösen und alsdann eine gemeinsame Neubildung vorzunehmen, erscheint dem Wiemer-Vlatte„höchst unzweckmäßig". Die Freisinnige Volkspartei will also der dominierende Teil der neuen Partei bleiben. Sie will nicht nur den ansschlag- gebenden Kern der etwaigen neuen Organisation bilden, sondern auch der geeinten Partei den Stempel ihres Wicmer-Mugdan-Kopsch- Geistes ausdrücken, Die„Freis. Ztg." wendet sich nämlich gleich der „Königsberger Hartungschen Ztg." und der„BreSl. Ztg." mit aller Entschiedenheit gegen den badischen Volksparteiler Dr. Ludwig Haas, der gefordert hatte, daß auch innerhalb der künftigen Gesamtpartei dafür gekämpft werden müsse. daß eine taktische Ver- ständigung mit der Sozialdemokratie zu suchen sei. Von einem solchen Zusammengehen mit der Sozialdemokratie, von einer gegenseitigen Unterstützung bei den Wahlen will das Wremer- Blatt absolut nichts wissen. Es schreibt: „Wir... wollen für jetzt nur mit aller Bestimmtheit aussprechen, daß die Freist nnnige Volkspartei ihre taktische Haltung gegenüber der Sozialdemo« kratie nicht ändern wird und iricht ändern kann, so lange die Sozialdemokratische Partei nicht eine gründliche Revision ihrer sachlichen iln schauungen und ihrer Stellung gegenüber dem Liberalismus vollzogen hat." Die Aussichten auf Einigung unter den drei freisinnigen Gruppen sind also einstweilen keine allzu günstigen. Sollte aber doch eine Verschmelzung zustande komnien. so wahrscheinlich auf Kosten der links stehenden Elemente des Freisinus. ES dürfte sich auch diesmal zeigen, daß nicht die Potthoff und Schräder, sondern die Wiemer und Konsorten die Masse der FreisinnSkapitalisten und Freisinnssprecher hinter sich haben. Wer aus ein freisinnig-sozial- demokratisches Zusammengehen hyfft, wird sicherlich eine herbe Eni- täuschung erleben, denn die Bedingung des biederen Freisinns, die.gründliche Revision" der.sachlichen Anschauungen" der Sozial- demokratie, wird niemals in Erfüllung gehen! Wieder Unterschlagungen in einem preußischen Staatsbetriebe. Die Woffendiebstähle in der Königlichen Gewehr- fahrik in Erfurt sind noch nicht vergehen, einige der in den sabrik in Erfurt sind noch nicht vergessen; einige der in den noch hinter den schwedischen Gardinen, und schon jviedcr ist ein neuer, noch gar nicht zu übersehender großer Skandal zu melden. In der von einem hohen Beamten verwalteten Arbeiter- sparkasse haben sich große Unterschlagungen herausgestellt. Schon öfter war bekannt geworden, daß bei Witwen, die das von ihren- Ehemann gesparte kleine Kapital abheben wollten, die in den Kassebüchern ausgezeichneten Beträge nicht mit den Angaben der verstorbenen Männer übereinstimmten, aber immer wurden solche kleinen Differenzen aus der Welt geschafft. Am vergangenen Montag wurden jedoch plötzlich die Sparer von einem Hauptmann zusammengerufen, und dabei stellte sich heraus, daß bedeutende Beträge unterschlagen worden sind. Ein großer Teil der Spar- einlagen ist nirgends verzeichnet. Der von der Direktion ein- gesetzte Verwalter der Arbeitersparkasse, ein hervorragendes Kriegervereinsmitglied, überhaupt ein Musterpatriot erster Klasse, der auch das Amt eines Kirchenkassierers in Hochheim bei Erfurt bekleidete, nahm seinen Hut und drückte sich. Er soll seitdem nicht wieder gesehen worden sein.— Jedenfalls muß die Direktion den Arbeitern die fehlenden Beträge ersetzen, denn der Obervcrwaltungs- schreiber Kurt Reinhold war von ihr als Kassierer eingesetzt worden, und außerdem hatte die Direktion des Musterbetrieb:? eine RebisionIinstanz bestimmt. Sie hätte eben die Schlampereien nicht einreißen lassen sollen, daß jahrelang die Sparkasse nicht revidiert wurde. Wie hoch die Unterschlagungen sind, ist noch nicht bekannt ge- worden, aber vermutlich kommt eine ganz beträchtliche Summe zusammen, denn bei einzelnen Arbeitern sollen die nicht eingc- tragenen Spargelder mehrere hundert Mark betragen. Die Folgen der Finanz-Mißwirtschast. Der durch die finanzielle Mißwirtschaft der bürgerlichen Parteien herbeigeführte Dalles in den Kassen des Rqichs wie der Einzel- staaten zwingt die Regierungen zum Sparen. Anstatt aber die nn- nützen Ausgaben, besonders die Repräscntationskosten, zu beschränken, sparen sie dnrch Hcrbsetzung der Arbeiterlöhne und durch Arbeiter- entlassungen. Einen neuen Beleg dafür liefert folgender Erlaß der Generaldirektion der badischen Eisenbahnen: .Die Vereinfachung im Einöahnbetriebe wird eine erhebliche Anzahl von Arbeitern entbehrlich machen. Da Entlassungen nicht vorgenommen werden sollen, haben die überflüssigen Arbeiter eine ihnen zugewiesene Arbeitsgelegenheit anzunehmen, auch dann, wenn sich dieselbe außerhalb ihres Wohnortes befindet. Lehnt der Arbeiter das ab, so ist er als gekündigt zu betrachten. Invalide Arbeiter, die infolge hohen Alter? oder sonstiger Ge- brechen keine richtige Verwendung finden können, müssen aus- geschieden werden. Sie erhalten mit ihrer Invalidenrente eine ständige Beihilfe. Auch bei den Beamten ist zu prüfen, ob sie— nachdem sie älter als LS Jahre find— noch auf ihrem Posten belassen werden können."— Ferner soll in den Eisenbahnlvcrkstätten ein Akkordshstem ein- geführt werden, das den Arbeitern schwere finanzielle Nachteile bringt. Der Erlaß ruft in den beteiligten Kreisen große Entrüstung herbor. „Konservative Vornehmheit". Zwischen den Junkerblättern und der Presse der nach„Bildung und Besitz maßgebenden Schichten des deutschen Volkes", das heißt der Nationalliberalen, herrscht zurzeit wegen des Hansabundes bittere Fehde, in welchem beide Teile sich mit den schönsten Schimpfereien bedeuten. In einer Replik auf Ausführungen der„Kons. Korr." behauptete jüngst die„Nationallib. Korr.". in der Schätzung der Konservativen bedeute Gewerbe, Handel und Industrie«ein- fach Freiwild". DaS hat die mit äußerlicher Vornehmheit prunkende„Konserv. Korr.". das offizielle Organ der konservativen Parteileitung, derart aufgebrachs, daß sie sich gegen die.Nationallib. Korresp." folgende Schimpferei leistet: „Die unsäglich gehässige und verlogene Kampfesart nationallibcralcr Zeitimgcu und ganz besonders des offiziellen Organs der Partei, der„Rationalliberalen Kor- respondenz", ist in letzter Zeit eine derartige geworden, daß sie sich kaum noch von derjenigen der sozialdemokratischen Presse unterscheidet. Die Lorbeeren des Herrn Mehring scheinen den nationalliberalcn Generalstab nicht mehr schlafen zu lassen, und man kommt in Versuchung, manche Auslassungen des national- liberalen Parteiblattes nur noch pathologisch zu be- urteilen." Die konservative Presse spielt sich sonst gewöhnlich als Lehr- Meisterin des guten Tones auf. Das obige Beispiel zeigt aber, daß selbst ihre parlamentarischen Größen sich von dein ihnen aus ihrer Jugendzeit überlieferten Jargon deS Pferdestalls und der Rekruten- drillplätze nicht zu emanzipieren vermögen. Versammluttgsvövliot in Baden.' 1 Der Obcramtmann von Notbcrg verbot eine von der Sozialdemokratie für Sonntag nach Weier einberufene öffentliche Ver- samnflimg, die unter freiem Himmel tagen sollte. Der Gemeinderat hatte den Platz zur Verfügung gestellt, der Oberamtmann fand aber, daß das Terrain ungeeignet sei. Vor der Einsührung des neuen VcrcinsgesetzeS kannte man derartige Verbote in Baden nicht. Slns dem Kobnrger Wahlkreis. Man schreibt' uns: Einen„besonders glücklichen Griff" haben die Freisinnigen nach ihren Angaben in der„Verl. Univ.-Korresp." und nach ihren Zuschriften an das„Berliner Tageblatt" mit dem Puppen- faörikant Arnold aus Neustadt bei Koburg gemacht, den sie als Kandidaten für die bevorstehende ReichstagSersatzwahl aufstellten. Auch soll sich Arnold nicht nur im ganzen Lande, sondern auch bei seinen Gegnern größter Hochachtung erfreuen, so daß schon in der Hauptwahl mit einem Siege des Freisinns zu rechnen sei. Zweifellos steht hinter dieser Kandidatenreklame ein ganz ge- rissener Ausschreier, der für jeden Auktionator eine unbezahlbare Kraft sein würde. Und es ist daher von allgemeinem Interesse, diese freisinnige Kandidatur und die damit verbundene Anreißerei ein wenig zu beleuchten. Vor allen Dingen fällt auf, daß, wenn Arnold ein so glücklicher Kandidat ist, die Freisinnigen nicht gleich auf diesen Mann gekommen sind. Arnold lebte doch schon immer in Neustadt. Er war schon tM? dort und auch damals, wie verlautete, zur Kandidatur bereit. Aber man nahm ihn nicht. Auch jetzt wollten die Freisinnigen von diesem glücklichen Griff nichts wissen. Selbst als die Liberalen mit einer besonderen Kandidatur vorgingen, und die Freisinnigen nun wohl oder übel zu einer eigenen Kandidaten» aufstellung schreiten mußten, da dachte niemand an Arnold, trotz- dem er wiederum zum Kandidieren bereit war. Die frei- sinnige Parteileitung unterhandelte mit anderen Leuten. Als dann inzwischen Arnold auf einmal in Neustadt als Kandidat der Frei- sinnigen proklamiert wurde, erklärten die Freisinnigen in Koburg, also die Parteileitung, daß sie mit dieser Proklamation nichts zu tun hätten. Und in der Tat wurden auch danach die Verhandlungen mit einem anderen freisinnigen Landtags- abgeordneten wegen Uebernahme der Kandidatur fortgesetzt. Erst dann, als dieser die Kandidatur ablehnte, Arnold aber zähe an seiner Proklamation festhielt, und der Rektor Kopsch aus Berlin gekommen war, kamen die Freisinnigen zu dem„glücklichen Griff", über den sie anscheinend jetzt so unbändig froh sind. Die„größte Hochachtung", die Arnold bei den politischen Gegnern genießen soll, besteht nun darin, daß die Nationalliberalen erst kürzlich Arnold in sehr bissigem und nichtachtendcm Tone seine Bittgängerei bei Zentrumsabgcordnetcn vorgeworfen hatten, und in Arnold den allerungeeignetsten Mann für eine gemeinsame liberale Kandidatur erblickten. Und unsere Parteigenossen? Die besitzen vor Arnold eher alles andere als die größte Hochachtung. Die jahrelange Tätigkeit Arnolds im Koburger Landtag hat immer weiteren Kreisen die Augen darüber geöffnet, daß dieser Mann zu den größten politischen Schaumschlägern, an denen die Freisinnigen gewiß nicht arm sind, unter seinen Gesinnungsgenossen gehört. Welcher bestimmten Richtung Arnold angehört, läßt sich überhaupt nicht sagen. In nationalliberalen Versammlungen kann er für die Größe und den Waffenruhm Deutschlands, für deren Mehrung nicht genug Gelder hinaus- geworfen werden können, bis zum Ueberfließen sich begeistern, und in Ardcitervcrsammlung redet er dem Arbeiterschutz und allen übrigen Arbeiterforderungen das Wort. So sieht der Mann aus, den sich die Freisinnigen erkürten. Wenn dieser politische Verwandlungskünstler trotzdem erst so spät von seinen Gesinnungsgenossen entdeckt und trotz seiner echt nationalliberalen Wandlussgsfähigkeit von den Liberalen abgelehnt wurde, so hat das seine Gründe, die aber nicht auf politischem Gebiet liegen. Jedenfalls ist es für den Koburger Freisinn un- gemein charakteristisch, daß er auf diesen Kandidaten kommen mußte.-, Der Herr Obergefreite. Vor dem Kriegsgericht des 5. Armeekorps in Posen hatte sich der Obergefreite Max Einfeld vom b. Fußartillerie- Regiment wegen Mißhandlung Untergebener zu verantworten. Als stell- vertretender Korporali'chaftSführer schlug er die ihm unterstellten Rekruten mit der Klopspeitsche; außerdem versetzte er ihnen Faust- hiebe und Fußtritte. Der Angeklagte war bereits am 28. Juli d. I. wegen dieser Vergehen zu IS Tagen Mittelarrest verurteilt worden. Auf die eingelegte Berufung des Gerichtsherrn fand Donnerstag ein neuer Termin statt. Seltsamerweise sagten diesmal die ge- schundenen Mannschaften fast durchweg' zugunsten ihres Peinigers aus, indem sie jetzt die erhaltenen Püffe»nd Schläge als harmloser Natur hinstellten. Trotzdem verurteilte das Gericht den Angellagten wegen Mißhandlung in 36 Fällen wie in der ersten Instanz zu 16 Tagen Mittelarrest. Snglanä. Gewerkschaftliche Beiträge für die Arbeiterpartei. London, 26. August.(Eig. Ber.) Die Verhandlungen vor den Lordrichtern über die Frage, ob es gesetzlich zulässig ist, die der Arbeiterpartei angeschlossenen Gewerkschaften zu zwingen, Beiträge für politische Zwecke der Partei zu l e i st e n, sind bor drei Wochen zu Ende geführt worden. Allein das Urteil steht noch aus. Die Lordrichter halten die Angelegenheit für so wichtig, daß sie längere Zeit brauchen, zu einem endgültigen Urteile zu gelangen. Der Achtstundentag der Bergleute. London, 26. August.(Eig. Ber.) Wie man sich erinnert, wurde der Konflikt zwischen den Bergbesitzern und den Bergleuten über die Auslegung des AchtstundengesetzeS durch ein Ueberein- kommen beigelegt, in dem auch folgendes Punkt vorkam:„Das Gericht soll darüber entscheiden, ob die vom Gesetze gestatteten 60 Uebcrstundcn so zu verteilen sind, daß regelmäßig an einem Tage der Woche nicht 8, sondern 9 Stunden gearbeitet werden soll." Die Bergleute sind der Ansicht, daß die gestalteten Ueberstunden nicht zur Regel gemacht werden können. Die Angelegenheit wurde kürzlich vor dem Lokalgericht in Rhondda(Südwalcs) gebracht, das zu Ungunsten der Ar- heiter entschieden hat. Wegen Einlegung einer Berufung berät heute der Borstand des Bergarbeiterverbandes in London. Die Novelle zum irischen Bodcngcsetz. London, 26. August.(Eig. Ber.) Seit zwei Tagen berät das Unterhaus die Novelle zum irischen Bodcngesetz(1903), um den Auskauf der irischen Grundherren zu beschleunigen. Die Novelle hat folgende Grundzüge: 1. Das Gesetz vom Jahre 1903 ging von dem Gedanken aus, daß 100 Millionen Pfund Sterling genügen würden, den Auskauf zu vollziehen. Inzwischen zeigte es sich, daß nicht 100 Millionen, sondern 180 Millionen nötig sein werden, diesen Zweck zu erreichen. 2. Die Ablösung an die Grundhcrren betrug ursprünglich 12 Millionen Pfund Sterling; jetzt soll sie 1ö Millionen betragen. 3. Der Staat soll des Defizit übernehmen, das sich aus den Kursschwankungen der irischen Landpapiere ergibt. Diese Kurs- schwankungen erwiesen sich als ein hemmender Moment im Auskauf. 4. Unter Umständen kann der Auskauf zwangsweise /vollzogen werden. Ktißlanck. Die Auflösung des Hilfsvcreins der russische» Schriftsteller und Gelehrten. Seit 13 Jahren besteht in Rußland ein HilfsVerein der Schriftsteller und Gelehrten mit dem Hauptsitze in St. Peters- bürg und Filialen in Moskau, Kiew, Odessa, Riga und andere« Städten des Reiches. Die Mitgliederzahl beziffert sich auf etwa 800. Der Verein verfügt zurzeit über ein Kapital von 300 000 Rubel. Der jährliche Umlauf, d. h. die Gewährung von Unter- stützungsgeldern, Pensionen und Versicherungsprämien, beträgt 45 000' Rubel. Die meisten Mitglieder zahlten viele Jahre hin- durch Beiträge in der Hoffnung, nach ihrem Ableben ihre Familie materiell sichergestellt zu wissen. Jede Tätigkeit des Vereins wird jetzt durch einen Auflösungsbefehl Stolhpins lahmgelegt. Das ministerielle Vorgehen richtet sich in erster Linie gegen die im Jahre 1906 von der Hilfskasse eingesetzte Kommission, die zu Beginn der systematischen Unterdrückung der oppositionellen Presse in einer Mitgliederversammlung des Ver- eins gewählt wurde. Viele Journalisten und Schriftsteller standen damals plötzlich vor dem Nichts. Da entstand der Gedanke, eine geringe Summe des Ueberschusses dafür zu verwenden, solchen Mitgliedern des Vereins und Schriftstellern beizustehen, die der Existenzmittel beraubt worden waren, sei es durch Eingehen der Presse oder dank der administrativen Willkür. Bereits vor einiger Zeit fand auf Veranlassung der Geheimagentur eine Haussuchung beim Sekretär der erwähnten Kommission, Kusnezow, statt. Die Geschäftsbücher des Vereins wurden beschlagnahmt. Darauf er- folgte am 1. August die Anordnung zur Auflösung des Vereins auf Grund des Z 3 der zeitweiligen Verordnungen über Gesellschaften und Vereine. Der Polizeikommissarius, der die Stolypinsche Order dem Vorsitzenden des Vereins, Kusmin Karawajew, aushändigte) hatte vom Staatshauptmann auch zu» gleich die Weisung, alle Geschäftsführung des Vereins sofort ein- zustellen. Auf eine Anfrage über die Gründe der Maßregel, wurde dem Vorsitzenden geantwortet, daß die Auflösung erfolgt ist, da der Kommission die Unterstützung namhafter Revolutionäre, unter anderem des Mörders des Ministers Lypjagin und dessen Mutter, der Revolutionäre Deutsch und Morosoff, zur Last ge- legt werde. Diese Behauptung beruht auf Informationen der verlogenen russischen Geheimagentur. Angesichts der absolut halt- losen Beschuldigungen glaubte der Vorsitzende des Vereins, die Institution noch retten zu können. Er erklärte dem Gehilfen des Ministers des Innern, die volle gerichtliche Verantwortlichkeit für die Tätigkeit des Vereins zu übernehmen und sandte am folgenden Tage ein umständliches Schreiben an Stolhpin, in dem er die stets öffentlich gewesene Tätigkeit deS Hilfsvereins eingehend erörterte und das Gesuch stellte, eine Regierungskommission zur Prüfung seiner Angaben einzusetzen, die Auflösung der Hilss- lasse aber im Interesse der 800 Mitglieder zurückzuziehen. Man versuchte auch durch Vermittelung des Finanzministers Kokowzcw etwas zu erreichen, man lieferte eine.vollständige Liste derer, die von der erwähnten Kommission unter Angabe der zwingenden Bedingungen Unterstützungen erhalten haben. Aber Herr Kokowzew wußte nur sein Bedauern auszudrücken. Die Anordnung zur Auflösung wurde außerhalb des Ministerrates erlassen. Am 16. August erfolgte die ablehnende Antwort Stolypins. 16 von den Mitgliedern, denen der Verein Unterstützungsgelder gewährt hat, find dem Ministerium verdächtig, hauptsächlich der Flucht- ling Witoschewsky. Genosse Witoschewsky war allerdings wegen politischer Dinge verurteilt. Er hatte nämlich eine Strafe von neun Jahren Festungsarbeit in Sibirien verbüßt. Seit 30 Jahren ist er aber auf literarisch-wissenschaftlichem Gebiete tätig. Nach seiner Rückkehr ins europäische Rußland war er Mitarbeiter ver- schiedener legaler Zeitungen, unter anderem auch an der Burzew- schen Zeitschrift„Bhlve". Als diese Zeitschrift unterdrückt wurde, war Witoschewsky mittellos und suchte als Mitglied des Vereins um Unterstützung nach, die ihm auch gewährt wurde. Aus diesem Anlaß fand zwischen ihm und dem früheren Vorsitzenden deS Vereins, Kolubowsky, ein Briefwechsel statt, der jetzt als besondere Schuld angerechnet wird. Es besteht nur wenig Hoffnung, den Verein zu retten. Die von Stvlypin gestellten Bedingungen, alle die Personen von der Mitgliedschaft auszuschließen, die seit 1906 in den Vorstand ge- wählt wurden, und ebenfalls die Mitglieder, die in außerordcnt- lichen Fällen die Unterstützungen verwaltet haben, sind für den Verein, solange er noch einigermaßen Selbstachtung besitzt, un- annehmbar. Die Bereitwilligkeit des Ministeriums ist eine Fiktion, die nicht danach angetan ist, jemanden zu täuschen; denn die Ausschaltung vollberechtigter Mitglieder ist den Satzungen des Vereins gemäß faktisch unmöglich. Ol'Kei. Der Aufstand i» Albanien. Uesküb, den 28. August. Entgegen der Ansicht deS Vali Hußni Pascha bewilligte die Regierung nicht, daß das Stand recht in Albanien verhängt werde, mn den loyalen Albrnicsen entgegenzukommen. Die MunitionS- und Truppentransporte dauern fort und werden von der Bevölkerung lebhaft begrüßt.— Ein Statut für Kreta. Konstantinopel, 28. August. Wie verlautet, wird Hilmi Pascha einen vom Exgroßwesir Kiainil Pascha verfaßten Entwurf einer Autonomie für Kreta den Schutzmächten vorlegen.»»» Soldatcn-Menterei. Konstantinopel, 28. August. In der Modschidije-Kaserne fand eine Meuterei statt, angeblich weil der Korpskommandant den Versuch unternommen hat, die von derReligion verbotene Schirmmütze an Stelle deS Fez einzuführen. Kämpfe unter den mazedonischen Bulgare«. In Saloniki hat dieser Tage ein Kongreß der mazedonischen Vulgaren getagt. Zwei Richtungen traten dabei einander gegenüber, eine gemäßigte, die von dem bekannten ehemaligen Bandensührer Sandansky geführt wird, und eine re- volutionär-sozialistische(?) unter dem Parlamentsmitgliede Wlachow. Es soll eine Einigung beider Gruppen erzielt worden sein. Gleich nach Schluß des Kongresses ist ein Attentat ans Sandansky gemacht worden. Er wurde in der Nacht zum Sonnabend an der Brust verwundet und begab sich selbst in ein Spital. Fünf Bulgaren, die der Tat verdächtig sind, wurden verhaftet. 6necbciiland. Ein erfolgreiches militärisches Prounnziamcnto. Griechenland hat am Sonnabend eine kleine, soweit bis jetzt be- kannt geworden ist, unblutige Militärrevolte gehabt, deren Ergebnis der Sturz des Ministeriums Rhallis ist, mit dem besonders das Offizierkorps wegen seiner angeblich schwächlichen Haltung in der Kretafrage mrd Vernachlässigung der militärischen Rüstungen un- zufrieden ist. Die Meldungen lauten: Athen, 23. August. Einer Abordnung von Armee- und Marineoffiziere», die dem Ministerpräsidenten eine Zusammenstellung von Beschwerden überreichen wollte, wurde von diesem der Empfang verweigert, weil die Abordnung aus bestraften Offizieren bestünde und die Art der beabsichtigten Ueberreichung der Beschwerdeschrift gegen die Vorschriften verstoße. Die Offiziere der Garnison haben sich infolgedessen zusammengetan und wollen, wie es heißt, morgen eine militärische De» m ö n str a t i o n veranstalten. Der Ministerrat ist zusammen- getreten, um über die Lage zu beraten. Athen, 28. Anglist. Ministerpräsident RhalliS ist zurück- getreten. Die Bildung des neuen Kabinetts soll Micha! iS übertragen sein. Viele Offiziere und Unteroffiziere lagern mit eiuem Teil der Garnison außerhalb der Stadt. GewerkrchaftUcbea. Unternehmer als Schießheld. Der Schuhfabrikant Leininger, der erst kürzlich seinen Betrieb don Klausen nach Rodalben verlegte, und in bezug auf Behandlung seiner Arbeiter nicht gelobt wird, hat sich auch schon im neuen Wirkungskreis einen besonderen Ruhm erworben. Das Gewerbe- gericht hat sich bereits wiederholt mit ihm beschäftigen müssen, wobei Beleidigungen, Bedrohungen und Mißhandlungen der Ar- beiter oft Gegenstand der Verhandlungen waren. Bei diesen Taten hatte sich besonders der 21 Jahre alte Sohn Michel des Firmen- inhabers hervorgetan. Kürzlich wurde der Zwicker Durm infolge einer Auseinandersetzung mit dem vorgenannten Herrn ohne Kündigung entlassen. Bei dieser Gelegenheit will Durm auch mit einem Revolver bedroht worden sein. Allerdings, eine Anzeige bei der Amtsanwaltschaft war ergebnislos. Die Einleitung des Straf- Verfahrens wurde abgelehnt mit der Begründung, es sei nicht er- wiesen, daß Leininger einen Revolver gehabt habe. Nach einigen Tagen hatte auch Frau Durm, die ebenfalls in dem Betriebe ar- beitcte, eine Auseinandersetzung mit dem jungen Herrn Leininger, die damit endete, daß sie nicht nur in gröblicher Weise beleidigt, sondern auch mißhandelt wurde. Am nächsten Sonntage traf Durm, der in Begleitung mehrerer Freunde durch das Dorf ging, mit Michel Leininger zusammen. Er wollte ihn wegen der Beleidigung seiner Frau zur Rede stellen. Da riß L. einen Revolver heraus, rief:„Geh hinweg oder ich schieße" und schon im nächsten Augen- blicke krachten hintereinander mehrere Schüsse. Durm, aus mehreren Wunden blutend, stürzte zu Boden. Leininger flüchtete, wurde aber dann später verhaftet. Ob der Herr Staatsanwalt nun- mehr Gelegenheit nimmt, gegen die Heldentaten des Leininger, die doch offensichtlich eine öffentliche Gefahr bilden, einzuschreiten? Die Arbeiter aber sollten aus diesen Vorgänge/r lernen, wie wenig sie vom Unternehmer respektiert werden, wenn diesem keine gute Organisation gegenübersteht. Lediglich die mangelhafte Organi- sation ist schuld daran, daß Herr Leininger in solcher provozieren- den Weise gegen einzelne Arbeiter auftreten konnte. Kerlin imck vlniAeg-enck. Achtung, Maschinisten und Heizer! DaS Maschinenpersonal im Berliner Eispalast ist wegen Lohn- differenzen in den Ausstand getreten. Der Berliner Eispalast, Lutherstr. 22/24, ist für Maschinisten und Heizer gesperrt. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berussgenossen Deutschlands, Verwaltung Groß-Berlin. Der Streik der Juuzbierkutschcr beendet. Die Jungbierkutscher und Mitfahrer haben am Sonnabend be- schlössen, die Bedingungen, welche die Kommission mit den Brauerei- besitzern vereinbart hat, anzunehmen. Der Streik ist damit beendet. Werner vom Deutschen Transportarbeiterverband berichtete über die Verhandlungen, die am Freitag mit den Vrauereibesitzern statt- gefunden haben. Das Ergebnis war, daß das Liter Braunbier für 12 Pf. und das Weißbier für 13 Pf. verkauft wird. Betont wurde besonders, daß die Unternehmer sich verpflichtet haben, dos Jungbier für die Zukunft stärker einzubrauen. Der ver- einbarte Tarifvertrag soll auf drei Jahre Geltung haben. Meinung?- Verschiedenheiten oder Streitigkeiten sollen durch eine paritätische Schlichtungskommission erledigt werden. Gegen 6 Stimmen wurde beschlossen, von Montag früh die Arbeit wieder aufzunehmen. Zwecks Legitimation sind.vom Transportarbeiterverband sofort neue Karten von grüner Farbe an die Fahrer ausgehändigt worden. ES wird gebeten, daß die Konsumenten besonders darauf achten, denn nur die grünen Karten gelten als Ausweis dafür, daß die Fahrer organisiert sind und den Streik mitgemacht haben. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Ocutlches Reich. Der Zentralverband der Schmiede im Jahre 1308. Ju der deutschen Schiffsbauindustrie hat sich im vergangenen Jahre die Krise ebenfalls bemerkbar gemacht. Der Schiffbau ist mit 207 000 Tonnen um 07 000 Tonnen gegen das Vorjahr zurück- geblieben. Diese verringerte Produktion übte selbstverständlich auch eine Minderbeschäftignng auf die Werftarbeiter aus, von denen in normalen Zeiten in Deutschland zirka 00 000 beschäftigt werden, und .veiter auch auf die im Schiffbau zahlreich beschäftigten Schmiede. Eine Folge davon ist dann eine Ahnahme der Zahl der gewerk- schaftlich organisierten Arbeiter im Gewerbe. Der Mitgliederrückgang im Verbände der Schmiede ist trotzdein nicht sehr erheblich gewesen. Die Mitgliedcrzahl betrug am Schlüsse des Jahres 17 392 gegenüber 18 743 iin Jahre 1907. Der Mitglied- schafl des einzelne» 44 Beiträge zugrunde gelegt, würde der Mit- gliederrückgang aber nur rund 000 ausmachen. Die Zahl der dem Verbände beigetretenen Mitglieder ist eine erheblich geringere ge- Wesen als in früheren Jahren. Die Hauptschuld hierfür wird der Krise beigemessen, weiter aber auch nicht verkannt, daß auch der Streit um die Organisationsform lähmend gewirkt hat. Im Vorstandsbericht wird dazu gesagt, daß nicht in wilden Rede- schlachten und in Oppositionsversammlungen diese Frage ent- schieden werden könne. Nur wenn die große Maffe der Mit- glicder die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die bisherige noch immer bewährte Organisationsform geändert werden müsse und könne, nur dann dürfte die Frage endgültig er- ledigt werden. Lediglich ZweckmäßigkeitSgründe dürften da- für maßgebend sein. Bei den Einnahmen niit 459 840 M. ist eine kleine Steigerung zu verzeichnen; die BeitragSleistnng ist ctwaS gestiegen, was auf die erfolgte Beitragserhöhung zurück- zuführen ist. Die Ausgaben für Unterstützungen weisen eine un- geheuere Steigerung auf, die aus der durch die Krise verursachten Mehrausgabe für Unterstützungen resultiert. Die Reiseunter- stützung erhöhte sich von 8059 M. im Jahre 1907 auf 12 973,40 M. im Jahre 1903, die Arbeitslosen- Unterstützung gar von 22 906 M. auf 71348,93 M. Die Unterstützungen für Arbeitslosigkeit, Umzug und für Wandernde steigerte sich von 30 695,00 M. auf 89 033,81 M. oder um rund 200 Proz. Darin sind die Leistungen der Lokalkassen noch nicht einbegriffen. Trotzdem ist der in der Hauptkasse und in den Lokalkaffen vorhandene Kassenbestand von 152 276,40 M. nur auf 124 113,61 M. zurückgegangen. Die Streikunterstützung verringerte sich von 69 320,20 M. auf 26 241.39 M.; für die Lohnkämpfe wurden jedoch vom Verbände 44180 M. verausgabt, insgesamt sogar 73 034 M. Immerhin hatte der Verband im Berichtsjahre noch Lohnkämpfe und Lohndifferenzen genug zu bestehen. Es fanden 7 Angriffsstreik mit 116 Beteiligten, 15 AbwehrstrcikS mit 184 Beteiligten und 17 Aussperrungen mit 1069 Beteiligten statt. Von den Abwehrstreiks waren 4 erfolg- reich und 3 erfolglos, von den Abwehrstreiks 8 erfolgreich und 7 er- folgloS, von de» Aussperrungen 5 erfolgreich und 12 erfolglos. In der Tarifbewegung ist der Verband erst am Anfang. Im Berichts- jähre wurden in 6 Fällen für 238 Arbeiter in 74 Betrieben Tarif- Verträge abgeschlossen. Erneuert wurden zwei Tarife für 16 Betriebe mit 100 beschäftigten Personen. Es bestanden insgesamt 21 Tarif- Verträge für 380 Betriebe mit 916 Beschäftigten. Dem Verbände öffnet sich noch ein großes Agitationsfeld. Nach der Berufszählung von 1907 hat sich die Zahl der BernfSgcnossen seit 1895 gewaltig vermehrt. Die Zahl der gelernten Arbeiter ist von rund 143 000 auf 133 000, die der ungelernten Arbeiter von 17 000 auf 30 600 gestiegen. Von den Huffchmieden gehören erst 25 Proz. den verschiedenen Organisationen an.__ Verantw. Redakteur: Emil Unger. Berlin. Inseratenteil verantw. s Der Abwehrstrcik der Töpfer in KönigSlerg i. Pr. dauert nunmehr bereits volle acht Monate. Daß dieser Kampf immer noch nicht sein Ende erreicht hat, liegt vor allem an dem Verrat der Hirsch-Dunckerschen, die früher zumeist bei der gesperrten Firma Bonn beschäftigt waren, und vor dem Beginn des Abwehr- kampfes, der am 1. Januar d. I. seinen Anfang nahm, den reduzierten Tarif der Unternehmer anerkannt hatten. Vor einiger Zeit glaubten die Hirsche für die in der Klemme befindlichen Königsberger Töpfermeister noch ein übriges tun zu müssen. Ihr Generalsekretär Lange erließ einen Aufruf, worin er die Mit- glieder aufforderte, nach Königsberg zu gehen und ihren gegen die Verschlechterung ihrer Lebenslage kämpfenden Kollegen in den Rücken zu fallen. Hier zeigten aber die Arbeiter mehr Klassenbewußtsein, als ihr„Führer". Sie folgten der menschenfreundlichen Einladung ihres Sekretärs nicht. Auch sonst leidet die Führung des Kampfes der Töpfer in Königsberg darunter, daß sich die im Abwehrkanipf Befindlichen wiederum noch in zwei Gruppen teilen, in Lokalisten und Zentralisten. Man befolgt die Taktik, bei den Unternehmern, die am meisten im Druck sind und folglich den alten Tarif bewilligen, die Arbeit aufzunehmen. Dadurch zieht sich der Kampf sehr in die Länge. Auf die Vorschläge der Zentralisten zur schnelleren Erledigung des Kampfes bei günstiger Gelegenheit den Generalstreik zu proklamieren, gehen wieder die in Königsberg sich in der Mehrheit befindenden Lokalisten nicht ein. So wogt nun der Kampf, der durch die Uneinigkeit der Arbeiter bereits volle acht Monate andauert, immer noch unentschieden hin und her. Ein klassisches Beispiel dafür, wie schädigend gerade auf Wirt« schaftlichem Gebiete die Uneinigkeit der Arbeiter wirkt und wie not- wendig eine einheitliche Gewerkschaftsorganisation ist. Der Kampf erfordert ja allerdings zurzeit nur wenig Opfer, weil die Aus- 'tändigen fast durchweg in den umliegenden Orten Beschäftigung gefunden haben und auch für die nächste Zeit wieder Arbeitsangebote nach auswärts vorliegen. Aber immerhin wäre jedenfalls ein energischer Vorstoß auf der ganzen Linie schon von Nutzen gewesen und der Kampf beendet. So aber ist er heute noch unentschieden und der kommende Winter mit naturgemäß schwächerer Arbeits- gelegenheit legt dann den Organisationen wieder größere Opfer auf. Zur Lohnbewegung der Binnenschiffer auf der Elbe melden bürgerliche Blätter, daß mehrere Betriebe der Binnenschiff- fahrt ihren Bootsleuten einen besonderen Arbeitsvertrag zur Unter- schrift unterbreitet haben. Wird die Unterschrift verweigert, so er- folgt die Entlassung. In einem Aufruf der Schiffseigentümer werden die Arbeiter zu einer Ermäßigung ihrer Lohnforderung er- mahnt, da die. Binnenschiffahrtsunternehmungen in diesem Jahre fast durchweg keine Ucberschüsse erzielt und vielfach die Kapitalrück- lagen angegriffen hätten, um den Betrieb fortzuführen. Man be- fürchtet allenthalben einen baldigen Ausbruch des Kampfes. Vertrag im Hamburger Schiffahrtsgewerbe. Die Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverbande für Binnenschiffer und verwandte Gewerbe einerseits und dem Ver- bände der Hafenarbeiter, Sektion Binnenschiffer, sowie dem Jen- tralverbande der Maschinisten und Heizer andererseits haben zu einer bis Ende 1912 gültigen Vereinbarung geführt. Eine Konferenz der sächsischen GewerkschaftSkartelle findet am 26. September abends 6 Uhr im BolkShause in Dresden statt. Als Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Die Förderung der Organisation der Hausangestellten und die sächsische Gesindeordnung. Referentin: Ida Baar-Berlin. 2. Die Förderung der Organisation der Land-, Wald- und Weinbergsarbeiter. Referent: Georg Schmidt-Berlin. 3. Schutz der gewerblichen Arbeiter in Sachsen(Gewerbe- inspektion, Bauarbeiterschntz, Errichtung von Gewerbegerichten usw.) Referent: August Lüttich-Leipzig. 4. Die gewerkschaftliche Agitation in Sachsen. Referent Karl Thiemig-DrcSden. 0. Die Zentralisierung der Arbeitsnachweise und Errichtung kommunaler Arbeitsnachweise und Arbeitslosenfürsorge durch Staat und Gemeinde. Referent: Ignatz Göttfried-DreSden. 6. Die Handhabung des Vereinsgesetzes durch di« sächsischen Behörden. Referent: Wilhelm Buck-DreSden. Knopfmacherstreik. Bei der Firma Schneider u. Willing in Frankenhausen am Khffhäuser ist es erneut zu Differenzen gekommen. Vor 6 Wochen war es nach neunwöchigem Streik bei genannter Firma zum Friedensschluß gekommen. Bald stellte sich aber heraus, daß es dem Fabrikanten nicht ernst mit den bewilligten Forderungen war. Als hierzu noch völlig ungerechtfertigte Behandlung trat, legten die Arbeiter wiederum die Arbeit nieder. Nur einige Arbeitswillige arbeiten im Betriebe. Differenzen der Zigarrcnarbeiter in Bünde i. W. Die Zigarrenfirma Krüger u. Blumenthal in Bünde(West- falen) versucht, ihren Arbeitern daS Koalitionsrecht zu rauben. Sie hat über 100 Arbeiter entlasten und macht eine Wiederetnstellung davon abhängig, daß die Entlassenen aus der Organisation aus- treten. Die Arbeiter werden dafür sorgen, daß der Firma ihr Vor- haben nicht gelingen wird. Husland. Bauarbeiter im Streik. In Swinemünde streiken die Bauhilfsarbeiter seit dem 24. August. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 2V2 Pf. pro Stunde. Die Unternehmer wollen nichts bewilligen. Zuzug verbeten[ „OrientiernngSlisten" oder„diskrete Rapporte" heißen die neuesten Kampfmittel der Unternehmer gegen die Arbeiter, und erfunden wurden sie in der Schweiz, von Stickereifabrikanten. Blaumacher, Hetzer und Agitatoren werden da in einem Atem ge- nannt und in Acht und Bann getan. Eine Stickerin wird als „Schwätzerin" verleumdet, und well sie wegen offenbar schlechter Behandlung davongelaufen ist, wurde sie geächtet. Also eine neue Art von schwarzen Listen. 1 Strcikbrcchercxzcssc sind in Winterthur gegen streikende Bau- arbeiter, andere organisierte Arbeiter und den Arbeitcrsekretär Her- mann vorgekommen. Der letztere wurde von den betrunkenen streik- brecherischen Blaumachcrn auf offener Straße mit Knütteln, Gummi- schläuchen und Revolvern blutig geschlagen, so daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte und einige Zeit arbeitsunfähig ist. Ein geladener Revolver konnte den gemeingefährlichen Wegelagerern ab- genommen und der Bezirksanwaltschaft übergeben werden. Ein ganz unbeteiligter Bäckergchilfe lvurde von den streikbrecherischen Banditen in einen Brunnen mit Wasser geworfen. Auch mehrere Streikposten wurden überfallen. Das ist die von den Unternehmern und ihren behördlichen Handlangern protegierte Diktatur des verkommensten Lumpenproletariats._ Streik der Theatcr-Maschiuisten. Paris, den 28. August. Die Maschinisten der Pariser Theater haben beschlossen, am 1. September in den Ausstand zu treten, wenn ihnen nicht eine Reihe von Forderungen bewilligt würden. Sie verlangen u. a. Lohnerhöhung und Aendcrung der Arbeitsbedingungen. Die Direktoren werden heute eine Versqmm- lung abhalten, um sich über diese Frage zu einigen. Soziales. Wider die guten Sitten verstosiciide Gebräuche bestehen im Fleischergewerbe. Der Schlächtergeselle F. klagte vor dem Gewevbegericht gegen den Schlächtermeister Radeboldt. Das LH, Glocke, Berlin. Druck u.Verlag iVorwärtsBuchdr.u.Perlagsanftakk Arbeitsverhältnis, daS zwischen beiden bestand, hatte schon am 26. September v. I. sein Ende erreicht. Beim Weggange händigte der Beklagte dem Kläger das Vcrbandsbuch, eine Jnnungscinrich- tung, nicht aus, sondern übersandte es dem Obermeister. Wie der Beklagte erklärte, tun das andere Meister auch, wenn sie einen Gesellen„von der Art" des Klägers entlassen. Der Kläger be. mühte sich vergeblich, das Buch wiederzuerhalten. Erst nach mehreren Monaten wurde ihm ein Ersatzbuch ausgestellt. Da in das Verbandsbuch die Arbeitszeugnisse eingetragen werden, Kläger ohne diese anderweitige Stellung nicht erhalten konnte, forderte er nun für den ihm durch die Arbeitslosigkeit ertvachsenen Schaden eine Entschädigung. Das Gericht war der Ansicht, daß diese Ge- bräuche gegen die guten Sitten verstoßen, da dem Arbeiter durch das Einbehalten sämtlicher Papiere die Möglichkeit genommen werde, anderweitig Arbeit zu erhalten. Den dem Kläger ent- standenen Schaden bemaß das Gericht auf 250 M. und es verurteilte den Beklagten zur Zahlung einer Entschädigung in dieser Höhe. Ucber die Bedeutung der Nnfallverhütungsvorscheiften der Berufs- genossenschaften, im Gegensatz zu der milderen Auffassung von Gewerbeinspcktoren, hat sich das Reichsgericht(4. Zivilsenat) in einem Urteil vom 22. April 1909 ausgesprochen. Das Reichsgericht sagt u. a.: Die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften sind, wie der erkennende Senat des öfteren ausgesprochen hat, zwar keine Schutzgesetze gemäß§ 823 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, sie geben aber, namentlich im Verhältnis der Genossenschaft zu ihren Mitgliedern, die Richtschnur, welche Einrichtungen und Anordnungen diese zur Verhütung von Unfällen zu treffen und damit welche Sorgfaltspflichten sie gegen die versicherten Arbeiter und die Ge- nossenschaft zu erfüllen haben, um dem Vorwurf der Fahrlässigkeit zu entgehen.(Vgl. ZI 112 ff. des Gewerbeunfallversicherungs- gesetzes.) Die Bestimmungen, daß gefährliche Maschinen mit Schutzvorrichtungen versehen und jugendliche Arbeiter nicht daran beschäftigt werden sollen, haben ihren Grund darin, daß erfahrungs- gemäß solche Personen ungeachtet aller Ermahnungen und War- nungen infolge der ihrem Alter eigenen Unüberlegtheit und Sorg- losigkeit an die Gefahr nicht immer denken, oder aus Leichtsinn und Uebermut ihrer nicht achten; die Hilfsmittel, die die Arbeit gefahrlos machen würden, besonders wenn ihre Handhabung wenig bequem ist, nicht benützen und so zu Schaden kommen. Die Un- zulänglichkeit der Beamten in Ausübung der Aufsicht kann nicht zur Entlastung des Beklagten dienen. Die Unsallverhütungsvorschristcu richten sich an ihn. Für seinen Betrieb sind sie erlassen. Er hat sie zu befolgen und wird, wenn er es unterließ, nicht dadurch ent- fchuldigt, daß die behördlichen Aufsichtsbeamten die Juwiderhänd» lungen nicht merkten oder geflissentlich hingehen ließen. Eine Niederlage im Kampfe gegen Arbcitcrturnvereine. Das Urteil des Landgerichts Leipzig, das dem„Allgemeinen städtischen Turnverein" zu Pegau auf seine Beschwerde die vorher entzogene Rechtsfähigkeit wieder zuspricht und von einer Auflösung absieht, hat folgenden Wortlaut: „In der Sache betreffend den Allgemeinen städtischen Turn- verein in Pegau, wird auf die Beschwerde des genannten Vereins — vertreten durch die Rechtsanwälte Neu und Dr. Hübler in Leipzig — der Beschluß des königlichen Amtsgerichts Pegau vom 5. August 1908(Blatt 193 der Akten) aufgehoben. Gebühren bleiben auf das Rechtsmittel außer Gesetz." Dieser Prozeß hat den Gerichten ungeheuere Arbeit gemacht und einen ganzen Berg von Akten angehäuft. Wenn dieser Turn- verein weiter besteht und jetzt lebensfähiger denn je ist, Bürger» meister Heidemann trägt seine Schuld daran, denn feine Eingaben reichten ja nicht aus, um den Verein zur Auflösung zu bringen. Versammlungen. Der Deutsche Transportarbeiterverband(Verwaltung II) hielt am 27. August im Gewerkschaftshaus eine ordentliche General- Versammlung ab. Der Vorsitzende UtheS machte auf den Streik der Jungbierfahrer aufmerksam und forderte zu ihrer Unterstützung auf. Ebenso appellierte er an das Solidaritätsgefühl mit Bezug auf den großen Kampf in Schweden. Dann erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht für das zweite Quartal. Daraus ist hervorzuheben: Auch im zweiten Quartal machte sich die Krise noch stark bemerkbar, namentlich in der Agitation. Trotzdem wurde alles daran gesetzt, die Agitation intensiv zu betreiben. Beim Abschluß des zweiten Quartals konnte festgestellt werden, daß die Mitgliedschaft nicht nur stabil geblieben ist, sondern im Laufe des Quartals von 17184 auf 17 299 stieg. Davon waren männliche 15 381, weibliche 1321 und jugendliche 097. Durch die Arbeitsvermittlung wurde festgestellt, daß auf dem Arbeitsmarkt sich ein kleiner Ansatz zur Besserung zeigte. Ein großer Teil Kollegen habe aber noch unter den Folgen der Krise zu leiden. Das trat beim Eingehen der Beiträge in die Erschci- nung. Seit dem Juni gehen aber die Beiträge wieder besser ein. — Eine besonders energische Agitation entfalteten die Geschäfts- kutscher, zum Teil mit recht gutem Erfolge. Unter der Wirtschaft- liehen Krise hatten die Speichereiarbeiter recht zu leiden. Für sie ist eine Besserung der Konjunktur eingetreten, so daß viele die rückständigen Beiträge nachgezahlt haben. Auch bei den Lohn- bewcgungcn im zweiten Quartal zeigte sich eine Besserung, indem bei Abschlüssen von Tarifen mehrfach Vorteile erzielt wurden. Den Kassenbericht erstattete L u ck. Der Kassenbestand betrug am 1. April 14 718,01 M. Einschließlich dieses Bestandes bezifferte sich die Gefamtcinnahme im zweiten Quartal auf 101 394,93 M. Ausgegeben wurden ingesamt 86 803.40 M., so daß ein Bestand von 14 041,03 M. verblieb. Nach einer Diskussion wurde dem Kassierer Decharge erteilt. Der Antrag, die vier Verwaltungen zu einer einheit» lichen Ortsverwaltung für Groß-Berlin zu- sammen zu legen, führte zu einer lebhaften Diskussion. Mit großer Mehrheit erklärte sich die Versammlung für die Zusammenlegung. Zeppelins Ankunft in Berlin erfolgt voranssichtlich Sonntagmittag �et2te I�achrlchtcn und Depcfchcn. Tie Schlächter bei der Arbeit. Barcelona, 23. August.(W. T.©.) In den FestungSgrabcn des Monjuich wurde heute morgen Antonio Molct, der Führer der Revolutionären im Stadtviertel St. Andreas de Bosos, erschossen, Deutschfeindliche Demonstrationen. Tricnt, 23. August.(W. T. B.) Ungefähr 3000 Italiener unter der Führung des ReichsratSabgeordneten Avancini beschimpften und bedrohten am Bahnhof die zu den Festlichkeiten nach Innsbruck fahrenden deutschen Schübcnvercine. Einzelne Schützen wurden. wie die„Neue Freie Presse" meldet, gezwungen, zurückzubleiben. Die Gendarmerie schritt ein und verhaftete viele Demonstranten. darunter den Abgeordnetem Avancini. DaS schwarze Gespenst. Rotterdam, 23. August.(W. T. B.) Einer Mitteilung heS Bürgermeisters zufolge sind seit 20. August fünf Personen gestorben und zwar lauter Kinder, während 47 Personen sich unter Beob- achtung befinden. Paul Singer&. Co.. Berlin SW. Hierzu 5 Beilage«, it. 201 26. Aahtgavg. 1. Stilige des Jotmiitls" Kcelim MsM Ssantilg, 29. ZW? IM. Br Seil ichmclischen Leneealüttik. Bei der Berliner Getverlschaftslommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedische» Ar- beiter ein: «932 Klempner u. Löterinnen& Fürst u. Eo. 10,15. 7128 Füns Angestellte der Allg. OrtSrranIenkasse Spandau 2,75. Einige Genossen aus Staaken 2,—. Zentralverband der Maurer, Bezirk Wedding, Tellersammlung 9,10. Verband d. Musiker, Filiale Berlin, d.Jrrgang, 5411, 54lZ, 5425, 5427, 5428 45,10. Kunslsteinsabr. Gebr. Friesicke 15,—. Kunststeinsabr. Robberg u. Co. 10,50. Kunststeinsabr. Schultz u. Co. 3,—. Pers. b. Janiszewsk 2. Rate 10,—. 6500 Schneider b. Bär Sohn, Brückenstr. 6,05. Neue Berliner Genossenschastsbäckerei 20,—. Nähmaschinenhandl. M. Hahn 5,—. Buchdr. Stankiewicz, 3. Rate 15,50. 7502 Koll. b. Spinn u. Sohn 15,70. Maler A. M. 1.—. Maler T. S. 1,—. 7177 Möbelsabr. Berolina 7,40. Arb.-, sangverein.Zukunft', Nieder-Schönhausen 20,00. Verband der Handlungs> gehilfen und Gehilfinnen, Bezirk Berlin, 957, 961, 967, 969 32,20.— Unter kommission Rixdorj aus folgende Listen: 2425 6.50. 2427 durch Landmann 6,80. 2434 Internationale Taxameter-Gcsellschast 8,30. 2439 Tischlerei Krämer 5,05. 2449 Firma Laborenz 17,05. 2450 Tischlerei Merseburg 14,20. 2460 4,35. 2464 Vehse u. Kort 6,70. 2468 1,—. 2472 9,30. 2480 4,70. 2486 Tischlerei Rothe 5,60. 2487 Tischlerei Hegelmann, 2. Rate 10,05. Textilarbeiterverband, Fil. Apolda 50,—. Verband der Mühlenarbeiter, !;il. Berlin 100,—. 947, 948 Verband der Mühlcnarbeitcr, Verw. Berlin 29,85. 7388 Kollegen bei Reimann 5,25. Bratkartoffel 2,—. Rauch klub Heimliebchen 10,—. 6659 Buchdruckcrei A. Schlicke u. Co. 7,50. Unter« kommission Rixdorj aus solgenden Listen: 2230 13.95. 2231 6,70. 2236 4,—. 2239 11,—. 2251 18,45. 2254 38,65. 2255 13,95. 2260 12,75. 2261 18,05 2331 20,65. 2332 3,—. 2337 18,—. 2354 7,80. 2400 19,10. 2403 3,90. 2404 19,30. 2441 7,30.— 2227 Maschinenbau u. Dreherei Chklop 30,25. 2228 Saal 31 Mix u. Genest 23,50. 2244 Betr.-Schlosscrei Btix u. Genest 17,—. 2246 Tischler bei Flatow u. Pricmer, Berlin 26,15. 2330 Taxameter- sabrik Mauerstrasie 31,75. 2361 Pianosortesabrik A. Lehmalm u. Co. 21,—. 2394 Bohrer u. Schloffer bei Köhler 15,10. 2333 Kollegen bei Bosse 9,90. 2405(darunter 7,— v. Preub) 12,40. 2407(darunter 17,— Sechserlasse der Tischlerei Kaiser) 23,80. 7591 Maschinenmeister bei O. Elsner, 2. Rate 40,—. 7607, 7608, 7609, 7610, 7611„Lokal. Anzeiger"(Gcwißgeld) 4. Rate 72,25. 2991 Kollegen u. Kolleginnen Meklenburg 3,40. 6489 Buchbinderei Schom- bürg 18,40. Verband der Maler u. Lackierer, Ortsverw. Berlin 1000,—. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter, Filiale Grosi-Berlin, 2. Rate auf folgende Listen: 4089 Vcrbandsbureau 14,50. 2597 Cdsbiueau 15,50. Gasanstalt Müllcrftraße 4012 6,20. 4017 8,70. Gasanstalt Danziger Straße 2608 1.—. 2628 10.—. 2629 3,55. Gasanstalt Gitschincr Straße 4131 3,25. 2609 Röhrensystem 3,70. 2631 8,10. 2644 6,20. 4155 3,45. 2581 Oeffcntliche Beleuchtung 10,15. 2627 Laternenwärter 5,75. Review Inspektionen 2600 4,—. 2652 9,75. 4128 7,15. Englische Gas. anstatt 4082 9,25. 4170 3,30. 4171 4,60. 4172 3,70. 4208 15,95. Wasserwerk Berlin 2611 2,75. 2633 6,10. 2634 7,90. Straßenreinigung 2645 2,70. 2646 10,55. 2647 7,65. 2648 3,60. 4003 11,70. Schlacht- und Viehhos 2613 2,25. 2615 14,60. 2620 6,65. 2621 4,80. 2622 2,50. 2623 1.60. 2624 13,10. 2650 7,20. Markthallen 2640 12,75. Desinsektion 2601 11,15. 4207 1,95. Lichtenberg 2603 1,80. 2604 2,55. 2607 3.90. Rixdors 4146 16,05.(Fn Summa 313,55.)— Deutscher Transportarbeitcr-Verband, Bezirk Grob- Berlin, aus solgcnde Listen: 441 Berliner Spediteurverein 12,35. 444 5,50. 1863 11,45. 1872 I. Wöhl 10,75. 1884 Arbeiter der Tcppich-Rcinigungswerke C. Licheni 3,80. 1894 Photochcmie 6,35. 1895 Brauerei Willner, Pankow, Fahrpersonal 11,45. 1896 Bicrfahrer Brauerei Engelhardt 29,90. 1961 Arbeiier der Firma Giert, Rmigestrabe 5,50. 1975 11,75. 1995 13,25. 2530 Deutsche Waffen« und Munitionssabriken, Abt. Wöhlkcn 12,20. 2534 4,80. 4803 1,20. 4812 10,05. 4818 Akticngesellschast sür Gasglühlicht, 2. Rate 5,35. 4320 Krastautosahrer Depot Halensee, Bedag 25,25. 5234 13,45. 5266 Von den Stammkollcgcn der Deutschen Ecke, Stettiner Bahnhof, u. Kind 20.—. 5269 13,30. 5275 Fahrpersonal Brauerei Gehricke 9,40. Verlorene Listen: 5282 22,05. 5283 6,80. 5285— ,80. 5288 Fensterputzer der Glaserinnung 4,86. Diener v. R. Hertzog 5290, 2. Rate 5.90. 5291, 2. Rate 14,55, 5292, 2. Rate(dar. v. d. Schneiderei 8,50) 11,90. L74 Ambrosius 7,40. 1860 gestohlene Listen im Lokal Rixdors, Jägerstr. 61 0,95. 2551 13,45. 2553 Branchenvcrsammlung der Glasbranche durch Gut- mann 3,90. 2560 5,80. 5204 Wittstock 8,25. 5216 Einkassierer Mld Kassen- boten 8,15. 5217 ApothekcrhauSdiener 4,95. 5220 Arbeiter u. Arbeiterinnen der Fa. LabuS u. Pflanzervcrein„Blumenau" 14.25. 5221 Hansdiener der Fa. Gebr. v. Streit 4,25. 5227 Wäschcverleihanstalt Gebr. Marbach 15,—. 7825 Einige Angestellte des Zentral- u. VerwaltungSbureaus Berlin 34,50. Deutscher Transportarbeiterverband, Berw. I, VorstandSfitzung v. 27. 8. 09 10,—. Verwaltung der Freien Hilsskasse der Schuhmacher 9,20. Deutscher Mctallarb eiterverband, Verw. Berlin, aus solgende Listen: 3046 Schneider u. Hänsch 28.70. Kappler 3131 14,50, 3132 20,40. 3133 19,90. 3134 Schmidt ». Co. 10,55. 3175 Fcilenarbcitcr 5,65. Härtung 3326 15,05, 3956 5,75. 3057 34,40. 3317 Kiekow 6,55. 3323 Bolt 10,—. 3324 Kilian 35,50. 3467 Borsig 40,60. 3481„Zyklon", 2. Rate 30,50. 3501 Köpper u. Schulz 22,—. 8504 Bergas, 1. Rate 11,25. 3505 Schleifer Fürst u. Co. 13,05. 3506 Siemon 10,20. 3509 Bergas, 2. Rate 9.10. 3578 E. Jacob 8,25. 3579 Magnet 27,75. 3627 Gebauer 40,95. 3630 Fräul. Marie Krieg 9,75. 3748 Kempermotore 9,60. 3758 Hochbahnwerkstatt 18,35. 3759 Sackhof u. Sohn «,—. Wcichbrodt u. Friedrich 3797 16,95, 3789 6,10, 3799 7,35. 3800 Kien- topp Kottbuscrdamm 4,50. 3801 Hcidenhcim 8,10. 3802 Rosenberg 6,—. Bei den fcbwedifcbcn f)elden. Stockholm, 26. August. Ja, fam Helden will ich sprechen, von stillen, mutigen, opfer- freudigen Helden. Kein starkes Wort soll gebraucht werden, kein Pathos, kein lyrischer Schwung. Grau und nüchtern, wie es ist, soll ihr Leben hier ausgebreitet werden, und was darüber liegt, das muß gefühlt werden von jedem Einzelnen. Das ist ja dieses Gewaltige, das einen hinreißt und über- wältigt, wenn man jetzt unter den schwedischen Helden weilt. Man spürt fast nichts von Leidenschaft, sieht kein Aufflammen, kein Auf- brausen. WaS sich hier kundgibt ist: ein fester Wille, die einer Ikotwendigkeit entsrpingende Ueber- zeugung, alles wagen zu müssen, um zu siegen. Und das ist gut so: die Leidenschaft kann verfliegen, die Ueberzeugung hält stand. Sie schafft Kämpfer, die vielleicht niedergeschmettert, aber nicht zum Weichen gebracht werden können. Von diesen Helden aus Ueberzeugung will ich sprechen. Zwei Wochen weile ich jetzt unter ihnen, die drei Wochen lang diesen gewaltigen Protest der gekreuzten Arme ihren Gegnern entgegenstellen. Ohne zu wanken, ohne zu klagen, ohne den Glauben an den Sieg zu verlieren. Man sieht ihre ernsten Gesichter überall in den Straßen. Junge Mädchen und abgearbeitete Frauen, Jünglinge und alternde Männer. Alle gleich ernst, aber unverzagt. In allen Straßen sieht man sie, zu allen Stunden. Aber ihr Leben spiegelt sich doch nur zu Hause ab. Ich Hab sie dort aufgesucht mit Redakteur Magnusson vom„Sozialdemokraten" als Begleiter und Führer. Eine Runde durch die Wohnungen der Streikenden. Was wir da gesehen und gehört haben, sei hier geschildert, ohne Retouche, ohne Abänderung. Manches klingt romantisch— das Leben ist romantisch I Manches klingt tragisch— das Leben ist tragisch I Und dies alles ist graue, graue Wirklichkeit, über die sich dennoch etwas legt wie Heldengeist und Freiheitssang. In der Vorstadt Kungsholmen sieht auf einem Hügel eine Kolonie von Arbeiterwohnungen, lauter kleine Parterre- Häuser mit einer Vorderfront und einer Rückfront. Ein kleines Gärtchen liegt vor den Häuschen, das schafft einen freundlichen Eindruck. Aber dieser freundliche Eindruck verschwindet, wenn man in das Innere tritt. Jede' dieser Wohnungen besteht aus einem einzigen einfenstrigen Zimmer, das 4 Meter lang und 3,3 Meter breit ist. Neun Kronen(zehn Mark) ist die Miete dafür, die an die Stadt— die Eigentümerin dieser Häuser ist—, gezahlt wird. In dem ersten Hause gab es keine Streikenden; wir konnten aber feststellen, daß eine Witwe mit S Kindern, also insgesamt 6 Per- sonen, in dieser Einzimmerwohnung hausen. Vor dem zweiten Hause stehen zwei alte Frauen und reinigen die Treppe.», Meide stzch vom Ztk.eik �.troffen, Die eine von ihWl 3802 Wcichbrodt u. Friedrich 25,50. 3809 TeLchon 8,60. 3813 Brüggcmann 16,25. 3822 Strcikbnrcau der Schlosser 4,50. 3825 durch Zeidlcr 21,20. 3827 Ritsch 7,—. 3873 Lorisch 19,—. 3954 Bergmann 7,50. 3963 Krebs 4.—. 3974 durch Stock 2,60. 3982 Neue Berliner Messing werke 17,75. 3983 14,45. 3728 Streikende der Firma Kraue 5,35. Sparverein Hoffnung II 2,90. Lottcrievcrcin Malplaquet 5,—. P. St. 20,—. Funktionäre 1. Abt. 6. Kr. 17,50. Verband der Tapezierer, Filiale Berlin, aus solgcnde Listen: 2116 durch v. Ambüren 13,25. 2132 durch Mutzte 2,75. 2136 durch Zingel 2,30. 2144 Tapeziererwerkstatt Hoffmann, Lausitzcrplatz 4 12,95. 2157 Tapeziererwerkstatt Carl Müller u. Co. 29,50. 2175 Tapeziererwcrlstatt Wcigt. Holzmarktslr. 25,50. 2176 Tapcziererwerb statt Hetz u. Rom 27,—. 2177 Tapeziererwerkstatt Prächtel 24,95. 2180 durch Teuber 7,85. 2182 Tapeziererwerkstatt Jahn, davon 3 R. von Un bekannt 12,30. 2183 Tapeziererwerkstatt Rudolf Hertzog 14,—. 3186 durch Klinke 5,30. 2188 durch Salzwedcl 7,15. 2189' durch Heller 7,90. 2194 Tapeziererwerkstatt Dittmar, 2. Rate 19,50. 2196 Tapeziererwerkstatt Hohen zollcru, Leipzigerstr. 8,45. 2203 Tapeziererwerkstatt Jakob u. Braunsisch 15,—. 1542 Buchdruckcrei„Lokalanzciger", Rotat.-Maschinenmeister 28,50. 3 Kollegen Schlosserei Weichet 2,25. Biertisch bei C. Rcumann 2,—. Gesangverein Sangeslust, Tempclhof 14,—. 6496 Tischlerei Kuttner u. Hanf, 2. Rate 8,75. Sparoerein Treu und Brav 5,—. 6282'Lederarbeiler H. Bunle 14,85. 317 Etuisabr. Priester u. Sohn 12,95. 6663, 6700, 6671 Hand- u. Maschinensetzer und Stereothpeure von Otto Elsner 81,15. Bez. 137 u. 138, 2. Kr. 10,-. 6373 Klempner und Drücker v. R. Schulz, 2. Rate 6,—. 5375 Tischler d. Auer-Ges, 9,50. 365, 364 und 6251 LuxuSpapiersabr. O. P, F. 22,05. Tischlerei F. Unger 4,90. 7101 Tischlerei Teisel u. Co. 7,15. 7192 Hutmacher v. Blumenthal 12,75. 7171 Holzbearbcttungssabril Schneider Nachs. 9,70. 2872 Staaken d. Gelv.-Kartcll Spandau 15,10. Sektion der Schneider u. Ladenhausdiener d. T. V. 6,75. B. S. 3,50. Borussia 13,20. Klempner des, Deutschen Metallarbeiter Verbandes, Tellersammlung 25,75. Bauklcmper v. Zechlin, 2. Rate 6.—. 21 Bauklcmpner v. Krankenhaus Fricdrichshain 8,40. Bäcker v. Fischer, 2. Rate 5,—. Arbeiter der Brotfabrik„Vorwärts' 5,—. 1070 Arbeiter der Bäckerei Goldacker, 3. Rate 24,70. Georg Michelsohn 5,— Sozialdem. Verein Rheingönheim 5,—. Vereinigter Arbeiterverein Rhcingotr heim 5,—. Turngesellschast Rheingönheim 10,—. Arbeiier-Raucherbund Berlins u. Umgegend 100,—, Arbcitsstube Marquardt 3,50. Bäckerei arbeiter v. Hanke, 2. Rate 5,—. Gesangverein Nordische Klänge, Herms> dors 3,05. Arbeiter der I. C.-G.-A. 10,—. George Klein 10,—. Kollegen von S. u. H., Abt. Wcnslaff 14,30. Röntgenröhrensabrik Heinz, Bauer u. Co, 6,80. Schloffer der Firma Ludwig Löwe 3,65. Droschk'cnsührer von R. Sagert 18,—. Skatklub Kreuz ohne Sieben 5,—. Otto u. Minna 2,05. Sparverein Notgroschen 2,—. Deutscher Transportarbeiterverband, Orts Verwaltung Plauen 50,—. Lottcricvcrein Zukunft 6,—. Zentralverband der Dachdecker, Fil. Berit» 250,—. 5429 ein Dachdecker 16,90. 5433 Dach decker 8,—. 982 K. 2,10. 7450 G. 3,30. Bäckerei Jander 2,—. 1114 P. T. 5,55. Tellersammlung, Rixdors 10. und 11. Bezirk 6,50. Spedition Charlottcnburg 20,—. Gäste, Präger Restaurant 6,—. femch u. SchikerSki 10,—. Verein Anker 10,—. 6589 BauhilsSarbetter t>. cumann 9,60. Hilfsarbeiter im„Berk. Lokal-Anzcigcr" 37,05. Verband d. Schuhmacher, Fil. Berlin, 3. Rate 500,—. 7616, 7617, 7618 u. 7619 Pers. der Norddeutschen Buchdruckerci 61,75. Skatklub Ramsch 5,—. Diskutier« klub Süd-Ost 10,—. Kutscher 3,—. Metallarbeiter Brothmann u. Wobcser 9,50. Frau Laverdure 0,50. Buchdruckerci Albert Antoni, 2. Rate 7,50. Sektion der Einkassierer u. Kafsenboten 15,—. Vertrauensleute der Ein- kassierer u. Kafsenboten 3,65. 6997 Kronleuchtersabrik Kalm u. Bender 14,50. 'nisspersonal d. Buchdr. Schalem 5,—. Buchbinder P. F. Gcisler 3,75. 151 Grammophonsab. Lindström, Maschtnensaal 21,25. Eisengietzerei Salinger 8,10. Werlstatt s. Kunst u. Handwerk, Bierprozente, Parterre u. Etage 65,—. 1591 Buchdruckerei R. Boll 30,—. 8137 Buchbinder der Aniiinsab. 6,60, Blumensab. A. Theile 4,—. Chef u. Fahrer v. C. Harlseil 11,—. Stadtv. A. HintzelO,—. 397 Chauffeur 7,—. 4805 LangelO.lO. Buchb.Liehr 17,50. Arbeiter der Deutschen Edison Alumulatoren Comp. 20,15 M. 32 Angestellte der freien Hilsskasse Maurer 5.—. Ruderverein Vorwärts 30,—. Buchbinder v. Siemens u. Halske, Nonnendanim 10,25. Bäcker u. Kutscher Konsumverein Charlottenburg, 3. Rate 13,—. Verband der Zimnierer, Zahlstelle KönigSwusterhausen 8,65. W. K. 3,—. Farchmin 5,—. Eugen »erzberg 5,—. Versammlung der Maurer Charlottcnburg 14,20. Deutscher ransp.-Arb.-Verb., Ortsverwaltung Steglitz 20,—. 1479 Personal der Buch- druckerei Barthold u. Klein 11,85. Lolterieverein Glücksstern, 2. Rate 20,—. Radfahrverein Wanderlust, Wclzow 18,20. Wahtvercin Lübben-Stein- kirchen 25,—. Holzarbcitervcrband Lübben 10,—. Heilstätte Müllrose, 2. Rate 5,—. Männer- Gesangverein HUaritaS 10,05. Angestellte im Atelier Hugo Detsch LI,—. I. Ehlers Wilster 100,—. Fabrik arbciterverband aus solgcnde Liften: Anilinfabrik Treptow: 187 4,95. 188 3,15. 189 7,95. 190 7,35. 191 2,80. 192 6,60. 195 2,40. 199 4,90. 201 5,65. Gummisabrik Herz: Bisher sind eingcliescrt 81170,34 M.: dazu Summa 87 134,34 M. Gelder, welche per Post eingesandt A. Körsten, Engelufer IS I zu senden.............. 'ind sofort auf unserem Bureau, Engelufer lS I, Zimmer 23. vor- mittags 9— IL'/z Uhr und nachmittags von 4— 7>/g Uhr abzuliefern. Die Listen 3393. 3687, 1194, 7248, 3282. 3283 und 1869 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Berichtigung. In der Nr. 197 des„Vorwärts" ist für Paul Cornelius, Kameruner Straße 31, der Betrag von 11 M. der« öffentlicht worden. Dieses muß heißen:»Von denKo-l lege» der Bautifchlerei Gruudner u. Löscher und Restauration Sadau". • Am Montag wevden die Sammlungen von nachmittags 4 biA bVi Uhr im Gewerkschaftshause, Saal 2, entgegengenommen. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommiffio«, 193 1,90. 194 5,50. 197 14,10. 198 8,75. kommen 3964,— M., werden. sind an Alle Sammlungen hat sich den guten Humor erhalten. Lächelnd erzählt sie. daß sie ich jetzt„eben so einrichten müssen, daß man noch weniger hat als onst, wo man auch nichts hat." Lächelnd erzählt sie, daß die kleinen Kinder immer vergessen, daß Streik ist und nach dem Schrank laufen, um sich Brot zu holen. Aber das ist gut verwahrt und wird nur zu den Hauptmahlzeiten hergegeben. Hier sind außer den Eltern im ganzen sechs Kinder zu ernähren. Am letzten Sonn- abend erhielten sie die erste Unterstützung: vier Kronen. Ihre rcgel- mäßige Mittagsmahlzeit ist: Hering und Kartoffeln. Da reichen die vier Kronen für acht Personen auf eine Woche.... Die andere Frau erhält sich durch allerlei Haushilfsarbeiten, hat aber eine Tochter, die in einer Hutfabrik beschäftigt ist. Wir sprechen mit ihr. Sie ist klein, verwachsen, kümmerlich. Sie ist nicht organisiert— und streikt. Als Nichtorganisierte erhält sie keine Streikunterstützung— denkt aber nicht daran, die Arbeit auf- zunehmen. Sie hilft sich schon mit ihrer Mutter über die böse Zeit hinweg. Und die Mutter sagt:„Ach bei uns geht das schon, aber da sind so arme Teufel mit vielen Kindern— denen muß man schon helfen, soweit man es k a n n." Ob sie denn diesen „armen Teufeln" helfen kann, fragen wir.„Ach was," sagt sie, „das muß man ebcnl"..- s Wir gehen die Häuserfront entlang und biegen um die Ecke nach der Rückfront der Häuser. Geigenklang tönt uns entgegen. In der Straße steht eine Kinderschar, meistens barfüßig; einige tanzen nach der Musik. In dem Gärtchen sitzen zwei junge Leute und spielen Geige. Wir wollen wissen, ob diese tanzende und spielende Kindcrschar Kinder von Streikenden sind. Wir fragen einen etwas abseits stehenden, etwa achtjährigen Knaben:„Streikt Dein Vater?" Und der Knabe antwortet leise:„Ich habe keinen Vater." Und schleicht schweigend davon. Und auch wir gehen schweigend weiter und wollen diese Kinder nicht stören. Vor dem Nachbarhause steht ein etwa fünfzigjähriger ergrauter Mann in Hemdärmeln. Cr sieht so ernst darein. Wir treten zu ihm und fragen allerlei. Er streikt. Daß die Regierung es mit den Unternehmern hält und deshalb nicht intervenieren will, ist für ihn sicher. Er selbst hat noch keine Unterstützung verlangt, da er sich noch durch Privatkredit helfen kann. Er als Organisierter und Familienvater würde Streitunterstützung erhalten, aber er der- Sichtet daraufl Er will lieber den Privatkredit ausnützen und später aus eigenem die Schuld zahlen. Und auch er sagt:„Ich— ich habe wenig minderjährige Kinder, bei mir geht das noch. Aber wo viel Minderjährige sind— da ist das schlimm I" Er weist uns— auf unser Verlangen— nach der Wohnung einer kinderreichen Familie. In der Nebenstraße. Wir treten in die Einzimmerwohnung. Eine ältere Frau sitzt da; ihr Mann arbeitet in einer mechanischen Werkstätte und streikt. Sechs Kinder haben sie; das älteste hat gerade gestern den fünfzehnten Geburts- tag gefeiert— ohne FestschmauS natürlich— das jüngste Kind ist sechs Monate alt und wird in einem Kinderwagen, der vor der Türe steht, gesonnt. Der Mann verdiente 29 Kronen wöchentlich. Die erste StWkWterstMung hjZt ex eben am Beginn�der Wien Dem Frflflclftlft tfilekzyo und seinem P a st o r Breit Haupt hatte der Berliner Magistrat ncuestenS noch durch den Stadtrat Münsterberg eine Visite machen lassen. Der Magistrat hat nunmehr von Münstcrberg den Bericht über seine Reise entgegengenommen, und die Herren haben dann erneut sich über die Frage unterhalten, ob in Sachen Mielczhn etwas geschehen solle. Ueber den Inhalt des Berichtes und das Ergebnis der Besprechung ist den Zeitungen vom Rathaus aus folgende Notiz zugesandt worden: Die Besichtigung erfolgte in Gemeinschaft mit dem Vertreter des Ministers, Geheimrat Schlosser. Der Bau der Anstalt ist noch nicht völlig beendet, doch sind Vorkehrungen für die Auf- nähme von 60 Zöglingen getroffen worden. Die Einrichtungen kann man als zweckmäßig bezeichnen. Da die schwierigen Ele- mente unter den dortigen Zöglingen nach Berlin und anderen Anstalten zurückverlegt worden sind, so sind jetzt von den früheren Zöglingen nur noch einige 39 anwesend. Diese sind augenblicklich an verschiedenen Stellen mit Erntearbeiten beschäftigt. Wegen der Behandlung dieser Zöglinge sind von der Regierung und dem Magistrat sorgfältige Anordnungen ergangen. Auch ist ein Straf- registcr eingeführt worden, das im Verlaufe dieses Monats drei kleine im Rahmen des Zulässigen sich bewegende Strafen nach- wies. Zu einer sofortigen Zurückziehung sämtlicher Zöglinge wird es nicht kommen, da die in Miclczyn verbliebenen Zöglinge sich dort durchaus wohl fühlen, Berlin auch kaum in der Lage ist, Plätze für eine so große Zahl von Zöglingen zu schaffen und die Möglichkeit der Wiederholung der früheren bedauerlichen Vorgänge ganz ausgeschlossen erscheint. Der Magistrat besteht darauf, daß der bisherige Leiter der Anstalt von diesem Posten zurücktritt. Es ist auch begründete Aussicht vorhanden, daß er durch einen psychiatrisch und pädagogisch vorgebildeten Arzt als Leiter ersetzt werden wird, der sich in pädagogischen und auch anderen Kreisen eines sehr guten Ansehens erfreut. Voraus- sichtlich wird die Verfolgung der Angelegenheit noch zu ent- scheidenden Entschlüssen in Ansehung der Weiterentwicklung der Fürsorgeerziehung führen, worüber der Stadtrat Dr. Münster- berg weitere Vorschläge der städtischen Waisendeputation unter- breiten wird. .Das interessanteste an dieser Nachricht könnte das sein, was sie— verschweigt. Sie sagt kein Wort darüber, welche Fest- stellungen bezüglich der im„Vorwärts" geschilderten Miielczhner Vorgänge jetzt auch von Herrn Münsterberg gemacht worden sind. Nur über die gegenwärtigen Zustände in Mielczhn läßt der Magistrat seinen Notizenschreiber den Zeitungen etwas bor- plaudern. Herr Münsterberg hat jetzt alles in schönster Ordnung gefunden, so erzählte er's dem Magistrat, und so läßt der Magistrat es hinausposaunen. Geschehen soll einstweilen nichts, im besonderen mag der Magistrat nichts hören von einer sofortigen Zu- rückziehung aller Zöglinge aus Mielczhn. Ueber die Gründe seiner Weigerung wird er in der Stadtverordneten- Versammlung sich noch ausführlicher zu äußern haben, sobald dort der bezügliche Antrag der sozialdemokratischen Fraktion verhandelt wird. Wenn die Möglichkeit einer Wiederholung der erst durch den„Vorwärts" aufgedeckten skandalösen Vorgänge wirklich ganz ausgeschlossen scheinen müßte, dann wäre eigentlich nicht zu be. greisen, warum der Magistrat darauf„besteht"(wie tapfer das klingt!), daß B r e i t h a u p t z u r ü ck t r e t e n soll. Was werden übrigens zu diesem Wunsch— denn nur ein Wunsch ist's, auf dem der Magistrat„(besteht"— die Leser bürgerlicher Blätter sagen? Fragen werden sie, was denn dieser Pastor Breit- Streikwoche erhalten: zehn Kronen. Früher nichts. Die Mahl- zeiten dieser achtköpfigen Familie sind: des Morgens Kaffee und Hartbrot(hie und da kommt Weißbrot hinzu), mittags Brei und Kartoffeln und abends wieder Brei. Die Kinder entbehren schwer die sonst üblichen Zwischenmahlzeiten von Butterbrot und Milch. Aber dazu reicht das Geld nicht und sie müssen sich darein fügen. Wie wir gehen, kommen zwei der Kinder in das Zimmer; wir erkennen in ihnen zwei der tanzenden Kinder von vorhin. Wie gut ist es, daß diese zwei jungen Streikenden ihnen lustige Weisen aufspielen! Wie gut ist es, daß die Kinder dabei die Zwischen- mahlzeit vergessen, die fehlende Milch und das fehlende Butter- brot!> Ein Haus weiter. Ein Kohlenverlader wohnt hier mit seiner Frau und vier minderjährigen Kindern. Drei von ihnen besuchen noch die Schule. Sein Wochcnberdienst tvar 13— 17 Kronen. Seit Montag erhält er eine Streikunterstützung von sechs Kronen wöchentlich. Bis dahin erhielt er nichts, und Kredit hatte er auch nirgends! Doch— für eine Sache hat er Kredit! Er holte seine Schnupftabaksdose hervor, nimmt eine Prise und sagt, daß er sich für die ganze Streikzeit beim Händler Kredit für Schnupftabak ausbedungen habe. Der sei ihm unentbehrlich. Und mit einem merkwürdigen Lächeln sagt er:„Der hat mir manche Mahlzeit ersetzt." An Streikbruch denkt er nicht, aber er empfindet Lange- weile, trotzdem er alle Fachvcreinsversammlungen besucht. Er sagt: „So im Sommer vierzehn Tage nicht arbeiten zu müssen, das ist ja ganz gesund— aber länger hält man Idas nicht aus. Das schönste ist halt doch die Arbeit!" Ein arbeitsfreudiger Streikender! Im Nachbarhause. Wir treten in das Zimmer. Auf dem Sofa liegt ein einjähriges blondlockiges Kind auf dem Bauche und schläft. Eine Idylle. Eine Witwe wohnt hier. Ihre zwei Töchter arbeiten sonst in einer Canditenfabrik— jetzt streiken sie. Sie siüd un- organisiert, erhalten keine Unterstützung, die Mutter verdient nichts. Und streiken! Wir fragen, wovon sie leben. Die Mutter antwortet. indem sie auf den schlafenden Blondkopf zeigt:„Das ist ein Junge von meiner älteren Tochter— nun und der Vater schickt ihr monatlich etwas Alimente. Viel ist es nicht— aber in der Zwischenzeit muß man davon eben lebend> Ist das romantisch? Es ist wahr! Und diese jungen un- organisierten Mädchen verharren im Streik....>■ Haus um Haus suchen wir in dieser Arbeiterkolonie auf. Ueber- all der gleiche Zustand und nirgends ein Streikbrecher, nirgends eine Streikbrccherin! Hier mitten unter diesen Leuten wohnt ein armes Mädchen, eine Verkäuferin in einem Milchgeschäft, die von Zeit zu Zeit Gedichte im„Socialdemokrat" veröffentlicht. Marie S a r d e l heißt sie. Vor längerer Zeit hat sie ein Buch veröffent- licht, das sie«Vid Svältgränsen" nennt—„An der Grenze des Hungerns"— und das die Leute dieser Häuser schildert.—„An der Grenze des Hungorns" stehen sie, wenn es Arbeit gibt. Wir verlassen diese Parterrehäuserkolonie, gehen in die Gassen mit den Mietskasernen und erkundigen uns nach einem von Ar- beitern bewohnten Haus. Man weist uns eins, wix treten.ein«ni gehen gleich die Treppe im Hinte.rhcM hinsÄ» tkt sich noch ganz kürzlich seines„ruhigen Gewissens" rühmte, überhaupt verbrochen hat. Ist ihm nicht vom Magistrat bescheinigt worden, datz er nur an„mißverstandenem Pfiichtbe- wußtsein" leide? War doch auch in den auS dem Rathaus stammenden Zeitungsnotizen erklärt worden, daß„einige blaue Flecken" der ganze Schaden seien, den er angerichtet Habel Um „einiger blauen Flecken" willen„besteht" der Magistrat darauf. daß der Herr Pastor, der Bedauernswerte, zurücktreten soll? Wer weiß, ob da nicht allmählich auch dem beschränktesten Spießbürger Berlins ein Licht darüber aufgehen wird, wie schamlos vom Rathaus aus die Bevölkerung getäuscht und die öffentliche Meinung irregeführt worden ist! Der Berliner Kommunalliberalismus steht gebrand» markt da vor aller Welt, gebrandmarkt durch sich selber. Die Andeutung, daß für den Herrn Pastor schon ein Nach- folger. ein psychiatrisch geschulter und dabei auch pädagogisch vor- gebildeter A rzt, in Aussicht genommen sei, wird einstweilen wenig Glauben finden. Dasselbe gilt von der„W eiterentwicke- lung der Fürsorgeerziehun g". die als bevorstehend an- gekündigt wird. Zu wünschen wär's, daß solche Entschließungen die Frucht der Aufdeckung des Mielczyner Skandals wären. Aber zunächst fürchten wir sehr, daß hinter diesen Per- sprechungen nicht mehr steckt als der Wunsch, abzulenken und zu beschwichtige�-.p Die Celden der polltiichen Gefangenen in den Gefdngnitfen des Zaren. Die Greueltaten der russischen Regierungsbestien, die hundert- tausende ihrer Gefangenen, Männer und Frauen, Kinder und Greise, in den Gefängnissen, in der sibirischen Verbannung zu- gründe gehen lassen, die unermüdlich neue Martern ersinnen, die sie gegen die politischen Gefangenen anivcnden, sind schon eine solche alltägliche Erscheinung geworden, daß die Nerven allmählich abgestumpft sind und die neuen Greuelnachrichten als etwas Ge- wohntes hinnehmen. Aber die endlose Reihe der Leidenden, alle, oie dem blutigen Moloch des Zaren ausgeliefert sind, können und wollen nicht diese Qualen ruhig hinnehmen. Sie greifen zu der einzigen Waffer der Gegenwehr, zum Selbstmord, zur Sclbstver- brennung, zum Hungerstreik und zur offenen Revolte und senden oon Zeit zu Zeit Enthüllungen in die Welt, die Anklage erheben gegen das System des Zarenterrors, gegen die Gleichgültigkeit und Äbgestumpftheit der zivilisierten Welt. Es sind vor allem die zur„Katorga", zur Zwangsarbeit der. Urteilten Gefangenen, die der Willkür der russischen Regierungs- bestien auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sind. Laut Gerichts- spruch aller bürgerlichen Rechte beraubt, stehen sie jenseits von Recht und Menschlichkeit und fristen in den zahlreichen Kartoga- zefängnissen, die das„konstitutionelle" Regime bevölkert hat, in Schlüsselburg und Akatuj. in Woloyda und Moskau, ein Dasein, oas nur von Exekutionen und Sclbstmordfällen unterbrochen .vird. Der nachstehende Brief eines Genossen aus dem Butirky- Gefängnis in Moskau charakterisiert grell die Atmosphäre, die in Viesen Marterhöhlen herrscht: „In ihrem Vorwärtsschreiten kennt die Reaktion kein Maß, keine Grenzen. Die Regierung nimmt erbarmungslos Rache an ihren politischen Feinden, vor allem an den Gefangenen, die in den, Gefängnissen schmachten. Hier legt sie ihren blutgierigen In. stinkten keinen Zügel auf. hier herrscht unumschränkte Willkür. hier ist das Reich der administrativen Faust und der Knute. Man prügelt Gesunde und Kranke, Physisch und moralisch, mit oder ohne jeden Anlaß. Die Atmosphäre des Gefängnislebens ist töd- lich und verschlechtert sich fast mit jedem Tage. Es ist schwer vor- auszusehen, wie weit die teuflischen Schikanen und Erniedrigungen oon feiten der zarischen Henkersknechte gehen werden.... Das Leben hier ist so furchtbar und freudlos geworden, daß viele, selbst starke Naturen, ihre Rettung im Selbstmord suchen. Ein voll- ständiges Bild des Gefängnislebens in den letzten Jahren kann ich jetzt nicht geben, das würde zu viel Raum erfordern, und ich schreibe doch aus dem Gefängnis. Ich will bloß einige Beispiele anführen. Der Genosse Smoljaninow, ein Matrose, der nach dem Im ersten Stockwerk sehen wir eine Tür offen. Wir treten »in. Ein etwa dreijähriges Kind tänzelt im Zimmer, ein neun- jähriges Mädchen sitzt beini Tisch, die Hand stützt den Kopf. Wie furchtbar sieht doch dieses Kind aus! Dem sieht man den Hunger an. Zum ersten Male sehen wir heute klar, deutlich, kraß den Hunger! Ein hungerndes Kind! Wir wollen schon fragen, ob kein Erwachsener zu Hause ist. da sehen wir in einem Bette eine alte, kranke Frau liegen. Wir fragen und erfahren: die Kranke lst die Mutter der Wohnungsinhaberin, deren Mann in Amerika ist. aber kein Geld schickt. Die Frau erhält die Familie. Sie ist Zeitungsausträgerin.(Daß die Zeitungsausträger und Austrage. rinnen geschlossen streiken, ist zu wenig bekannt.) Jetzt versucht sie etwas zu verdienen, indem sie Haushaltsarbeiten aushilfsweise verrichtet, Wir gehen in die zweite Etage desselben Hauses, in dem ins- gesamt 60 Arbeiterfamilien wohnen. Wahllos klopfen wir an eine Tür. man ruft„Bitte" und wir treten ein. Auch eine Einzimmer- Wohnung, die zugleich Küche ist! Aber wie rein ist da alles! Eine Frau in mittleren Jahren wiegt ein Kind. Wir fragen, wie es hier steht. Die Frau hat 2 Kinder. Bis jcht ist es der Faimhe leidlich gegangen, aber jetzt fängt es an. knapp zu werden. Sie haben bis jetzt nur 4 Anweisungen von je einer Krone an den Konsumverein beheben können. Der Mann ist nämlich Buchbinder und deren Verbandskasse ist durch einen im vorigen Jahre aus- gebrochenen fünf Monate währenden Streik noch erschöpft. Dieser Mann hat also im Vorjahre fünf Monate hindurch nichts verdient. Aber, als wir die Frau fragten, ob ihr Mann streike, da hat sie lächelnd geantwortet:„J a f r e i l i ch st r e i k t e r!" Lächelnd sagt das die Mutter zweier Kinder, die in drei Streikwochen vier Kronen Unterstützung erhielt!## So leben sie. so sind sie, so fühlen sie. Ohne Retusche ist hier gezeichnet, was der wahllose Zufall uns sehen und hören ließ. Mut ist hier und Kraft, Ueberzeugung und daS Bewußtsein. fürdasganzeProletariatderWelt eine Schlacht zu schlagen. Nichts kann sie zum Wanken bringen, als— der Hunger? Nein— das Verhungern. das Kraftlosigkeit bringt! Furchtbar wäre es. diese Heldenschar verhungernd erliegen zu sehen. Sie selbst würden das nicht abwenden können. Hier liegt es bei den Brüdern jenseits der Grenze, sich in die Bresche zu stellen. Sie müssen verhüten, daß auch nur die Möglichkeit auftaucht, als könnte daS Elend hier einen Triumph über Heldenmut erringen. Der Wille zu siegen, die Kraft, die Ueber» zeugung, siegen zu müssen, sie sind hier bei den schwedischen Helden. Die Möglichkeit, siegen zu können, indem die ärgste Not abgewehrt wird— diese Möglichkeit ist da, wenn ihnen ge» Holsen wird! Wenn ihnen von jedem einzelnen draußen in der Welt geholfen wird!-; Dann werden sie nicht nur Helden= dann werden sie auch Sieger sein! Darum: helft ihnen zum Sieget Kronstädter Aufstand zu lb Jahren Zwangsarbeit verurteilt würde, blieb auch im Gefängnis nicht passiver Zuschauer der Erniedri- gungen der Gefangenen; er protestierte und veranlasste auch andere Gefangene, das zu tun.... Im Laufe eines Jahres verbrachte er im Dunkelkarzer mehr als 200 Tage. Zur Ver. zweiflung getrieben, versetzte er im Karzer einem Aufseher einen Schlag mit dem Teekessel. Er wurde dem Kriegsgericht übergeben. Auf die Frage des Untersuchungsrichters, warum er das getan habe, erwiderte er:„So kann ich weiter nicht leben, ich will, daß man mich aufhängt!"(In letzter Zeit zeigte Genosse Smoljaninow Anzeichen von Irrsinn.) Das Kriegsgericht legte einen hohen Grad von Humanität an den Tag: es befriedigte den Wunsch des G?. nassen Smoljaninow und verurteilte ihn zum Tode!... Früher besaß die Administration nur das Recht, die Gefangenen nicht länger als eine Woche in den Karzer zu sperren; seit dem vorigen Herbst wurde es gestattet, die Karzerstrafe auf einen Monat auszudehnen.... Im März dieses Jahres wurde nach dem Butirkh-Gefängnis als Gehilfe des Gefängnisdirektors der durch seine Greueltaten berüchtigte Serdjukow aus Charkow übergeführt. Die Abteilung für Kartogagefangene im Butirkygefängnis steht unter � der Leitung Drushinins, eines eifrigen Anhängers der Knute und des Faustrechts. Ihm wurde Serdjukow als Gehilfe beigegeben, und beide begannen mit vereinten Kräften, die Ruhe und die Ordnung im Gefängnis herzustellen... Nach den Worten eines Mitgliedes der Administration, ließ Serdjukow in den ersten drei Wochen seiner Amtstätigkeit 15 Gefangene auspeitschen! Anlaß hierzu gaben Vergehen, die früher mit Karzer bestraft wurden. Ein„Politischer" wurde durchgepeitscht, weil er sich weigerte, Fragen provokatorischen Charakters zu beantworten. Die Mindestzahl der Knutenhiebe ist 25, die Höchstzahl war bisher 75." Zum Schluß schildert der Briefschreiber einen Vorfall, der die direkte Folge dieser Greuel war. Der zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilte Anarchist Konstantin Basiltschuk faßte den Entschluß. Serdjukow zu töten. Er stürzte sich mit einem Messer auf ihn, brachte ihm aber nur eine leichte Wunde an der Hand bei. Serd- jukow stürzte in den Korridor hinaus und begann, von dem Ober. aufseher Jkjuschin unterstützt, gegen alle Insassen der Zelle, die an dem Vorgang vollkommen unbeteiligt waren, zu feuern. Von den 10 Schüssen, die abgegeben wurden, wurde ein Gefangener getötet und drei verwundet, darunter auch der Attentäter. Dieser wurde trotz seiner Wunden in den Karzer geschleppt und auf dem Wege dahin von den Aufsehern getötet. Der Gefängnisarzt konstatierte „Selbstvergiftung", und der Staatsanwalt, dem der Vorgang ge. meldet wurde, weigerte sich, eine Untersuchung einzuleiten, eh« man ihm B ew e i s e unterbreite. Nach einer Weile wurden noch drei Gefangene in derselben Zelle der Mittäterschaft angeklagt und vor das Kriegsgericht gestellt. Allen drei Gefangenen droht die Todesstrafe... Sächiikche Gewerbeaufsicht im Jahre 1908. Spät wie immer, seit sie von den Kreishauptmannschaften zu einen, dürftigen Rest zusammengearbeitet und in der Reichs- druckerei hergestellt werden, sind die Jahresberichte der sächsischen Fabrikinspektoren erschienen. Jeder Abschnitt fast bringt Mit- teilungen über die verheerende Wirkung der W i r t s ch a f t S- k r i f e. Am schlimmsten ist es dort, wo Webereien, Spinnereien und Strumpffabriken im Wirtschaftsbetriebe vorherrschen. Während die Zahl der erwachsenen männlichen Arbeiter 1907 noch um 29 977 stieg, trat im Krisenjahre 1908 nur eine Vermehrung um 3011 ein; aber auch diese geringe Zunahme ist nur darauf zurückzuführen, daß zahlreiche gewerbliche Zwergbetriebe Kleinmotoren einführten und dadurch zählpflichtig wurden. Sonst würde sicher eine absolute Abnahme der Arbeiterzahl zu konstatieren sein. Trotz der Verschie- bung ist aber der Anteil der erwachsenen männlichen Arbeiterschaft von 61,29 Proz. auf 61,07 Proz. zurückgegangen, während der An- teil der weiblichen Arbeitskräfte von 30,3 Proz. auf 30,7 Proz. stieg. Daraus ersieht man, daß auch in dieser Krisenperiode eine Verdrängung des erwachsenen Arbeiters durch die billigeren und willigeren Frauen statt- gefunden hat. Das würde zahlenmäßig noch schärfer m Erscheinung treten, wenn nicht gerade die T e x t i l i n d u st r i e, die zumeist Frauen beschäftigt, am ärgsten unter Beschäftigungslosig- keit zu leiden gehabt hätte. In Bezirken, wo dieser Erwerbszweig vorherrscht, trat denn auch zumeist eine absolute Verminderung der Arbeiterzahl ein. In Chemnitz konnten entlassene Arbeiter nur schwer wieder Unter- kommen finden; die Folge war, daß sich namentlich in der Stadt Chemnitz eine ausgebreitete Arbeitslosigkeit bemerkbar machte. Aehnlich war eS in Leipzig, Dresden und anderen Orten. Fast überall ein Daniederliegen der Industrie und BeschästigungS» losigkeit. Doch waren die Begleiterscheinungen der Wirtschaftskrise nicht alle schlimmer Art. Manche könnte man als Fortschritte begrüßen, wenn eben nicht das graue Gespenst der Krisennot als Ursache da- hinter grinste. Unter anderem ist fast allgemein ein Rückgang der Ueberstundenarbeit zu verzeichnen, der sich zum Teil genau nach- weisen läßt, und zwar auf Grund der eingegangenen Gesuche um Ausnahmebewilligungen für Sonntagsarbeit und Ueberstunden für weibliche Personen. Die Summe der bewilligten Ueberstunden letzterer Art bezifferte sich 1906 auf 788 520 im ganzen Lande, 1907 auf 706 027 und in dem von der Krise beherrschten Berichts- jähre aber„nur" auf 471 499 und während 1906 noch derartige Ge- suche für 83 267 Arbeiterinnen bewilligt wurden, waren es 1903 nur noch 39 062. Doch auch in den Fällen, wo noch Ueberstunden be- willigt wurden, war nicht allgemeine starke Beschäftigung die Ur- fache, sondern zu kurz gestellte Lieferfristen. Aehnlich war eS übrigens auch mit den Sonntagsarbeiten; eS wurden 1906 solche noch für 387 Betriebe bewilligt, 1908 aber nur noch für 175. Vielfach hat auch die tägliche Arbeitszeit eine Ver- kürzung erfahren, wofür die Gewerkschaftsorganisationen oft schlver, leider vielfach auch vergeblich gekämpft. In der Krise wird vielen Arbeitern eine längere Ruhezeit in einer Ausdehnung zuteil, die ihnen unerwünscht ist, bor allem deshalb, weil sie mit einer empfindlichen Kürzung des Lohnes verbunden ist. Die Unter- nehmer handeln aber aus demselben Grunde, ob sie nun den Ar- beitern in normalen Zeiten auch die kleinste Verkürzung einer langen Arbeitszeit versagen oder ihnen übermäßige Feierpausen oktroyieren: immer ist die Profitgier der leitende Gedanke, ins- besondere wollen sie damit in Zeiten der Krise die Nachteile auf die Arbeiter abwälzen. In welchem Maße das geschah, darüber nur einige Angaben: In den Steinbrüchen und Steinschleifereien der Lausitz wurde die Arbeitszeit von 10 auf 3 Stunden reduziert, in den Strumpfwarenfabriken, Spinnereien und Webereien des Annaberger Bezirks die Arbeitszeit bis auf 7 Stunden herabgesetzt. Aus anderen Bezirken wird ähnliches mitgeteilt. Neben der ver- kürzten Arbeitszeit wurde in manchen Bezirken und Industrie- zweigen noch tagelang in der Woche ganz gefeiert. Bemerkenswert ist noch, daß der berichterstattende Beamte für Chemnitz I annimmt, „die in der Textilindustrie wegen des flauen Geschäftsganges not- wendig gewordene Kürzung der Arbeitszeit dürfte für viele Be- triebe eine dauernde bleiben, so daß der 10 Stunden übersteigende Arbeitstag immer seltener werden würde." Derartige Vorteile sind aber von der flauen Geschäftszeit nur zu erwarten, wenn eine straff organisierte Arbeiterschaft später die Wiederverlängerung der Arbeitszeit vephindpin kann. Zurzeit aber bringt den.Arbeitern die in der Krise verkürzte Arbeitszeit nur Verschlimmerte' Rot und ärgere? Darben. Die Verstöße gegen arbeiterschutzgesetzliche Bestimmungen haben eine Verminderung erfahren. So wurden 1907 in 2961 Be- trieben Zuwiderhandlungen gegen die Gesetze und Verordnungen zum Schutze jugendlicher Arbeiter festgestellt, 1908 dagegen noch 2651. Auf eine laxere Kontrolle kann die Abnahme nicht zurück- zuführen sein, weil das Personal der sächsischen Fabrikinspektion wesentlich vermehrt wurde und auch die weiblichen Inspektoren die Betriebe mit jugendlichen Arbeitern gelegentlich mit revidieren. Fast allgemein machte sich auch mit dem Niedergang des Es- schäftSlebens eine Abnahme der Unfälle bemerkbar. So gingen in der Kreishauptmannschaft Dresden die Unfälle von 6866 auf 6764 zurück, es trat also eine Verminderung um 102 ein. Als Ursache gibt ein Berichterstatter den flauen Geschäftsgang an, der jede überhastende Tätigkeit ausgeschlossen habe. Dadurch wird in gewissem Sinne zugleich auch bestätigt, daß auf dem Schlachtfeld der Arbeit die Opfer auch wieder zahlreicher zu erwarten sind, wenn eine bessere Geschäftsperiode den Arbeitern wieder ein leb- hafteres Schuften zum Vorteile der Profitmacherei gestattet. Schlimm wirkte die Krise auf die E i n k o m m e n s v e r hä l t- nisse und den Ernährungszustand der Arbeiter ein. Das können auch die sonst sehr zum Schönfärben geneigten sächsi- schen Fabrikinspektoren in ihren Berichten nicht abstreiten, doch gehen die meisten mit allgemeinen, nichtssagenden Redensarten darüber hinweg. Nach den Mitteilungen aus der Kreishauptmann- schaft Dresden war das Einkommen der Arbeiter, dem Rückgange der geschäftlichen Lage entsprechend, im allgemeinen niedriger als im Vorjahre. Im Bautzener Regierungs- bezirk sind die Löhne der Arbeiter durch die vielen Betriebsein- schränkungen recht nachteilig beeinflußt worden.„Die Verringc- rung des Verdienste» war," so heißt es wörtlich,„für die Arbeiter- schaft um so fühlbarer, als die hohen Preise für Lebensmittel, Feuerung usw. fortbestanden." Aehnlich lassen sich die Beamten in der Kreishauptmannschaft Chemnitz vernehmen: der allgemeine ge- schäftliche Niedergang hat für viele Arbeiter eine wesentliche Per Minderung ihres Einkommens durch Herabsetzung der Lohnsätze und noch häufiger, namentlich in den Strumpfwaren- fabriken, Spinnereien und Schuhfabriken, durch Verkürzung der Arbeitszeit und Aussetzen der Arbeit an einzelnen Tagen zur Folge..... Der geringe Verdienst war für viele Arbeiter um so empfindlicher, als der im allgemeinen hohe Preis der wichtig st en Lebensmittel und der Brennstoffe nicht zurückging." Inzwischen sind die Preise noch mehr gestiegen, und die Arbeitsverhältnisse noch schlechter geworden. Die Zahl der jugendlichen Arbeiter ist in mehreren Bezirken zurückgegangen. Als Grund geben einige der bericht- erstattenden Aufsichtsbeamten die den Unternehmern lästigen schütz- gesetzlichen Bestimmungen an. AuS der Kreishauptmannschaft Bautzen, wo die Zahl der männlichen erwachsenen Arbeiter bei gleichzeitigem Rückgange der Jugendlichen etwas gestiegen ist, wird darüber wörtlich mitgeteilt:„Dies erklärt sich zum Teil daraus, daß infolge des erhöhten Angebots der erwachsenen Arbeiter und wohl auch wegen der zu beachtenden gesetzlichen Bestimmungen die jugendlichen Arbeiter in den Gewerbeanlagen weniger Beschästi- gung finden als bisher." Die weiblichen Fabrikinspektoren haben in Sachsen hauptsächlich die Aufgabe, die Kinderarbeit in der Heim- industrie zu beaufsichtigen und gelegentlich auch Fabrikbetriebe zu revidieren, in denen hauptsä.h.ich Frauen beschäftigt werden. Für jede der fünf KreiShauptmannschaftcu ist nur je eine Aufsichtsbeamtin tätig. In sehr gedrängten Sonderberichten und kurzen, in den allgemeinen Berichten verstreuten Bemerkungen teilen sie einiges über ihre Wirksamkeit mit. Daraus geht hervor, daß die Fabrikanten, die anfangs gegen die Revisionen durch weib- liche Inspektoren rebellierten, sie jetzt als unvermeidliches Uebel hinnehmen, ja, einige sollen sogar Entgegenkommen gezeigt haben. Auch die Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen, denen anfangs gar nicht einleuchten wollte, daß eine Beaufsichtigung ihrer Betriebe der Kinder wegen, die sie beschäftigen, nötig sei, sind zum großen Teil einer besseren Einsicht zugängig gewesen. Vereinzelt kommen aber noch immer Kleingewerbetreibende vor, die sich höchst rabiat gegen die unwillkommene Einmischung der weiblichen Aufsichts- beamtinnen zeigen. So teilt die Aufsichtsdame des Dresdener Be- zirks mit, daß ein Stuhlbauer über die Revision in maßlose Wut geriet, unter Schimpfrcden alle möglichen Gegenstände durcheinander warf und auch die Arbeiter dieses Betriebes eine drohende Haltung einnahmen. Der Selbstbeherrschung und Ruhe der Beamtin ist es in diesem Falle jedoch angeblich gelungen, die Revision durchzuführen und die Aufgeregten von dem Unsinnigen ihres Verhaltens zu überzeugen. Dieselbe Beamtin hebt an einer anderen Stelle hervor, daß sich bei Ueberwachung der gewerblichen Kinderarbeit die Mitwirkung der gewerkschaftlichen Kinderschutzkommission, deren Mitglieder zu- meist erfahrene Frauen und Mütter seien, von wesentlichem Nutzen erwiesen habe. Die Beamtin verdanke der Kommission unserer Genossinnen manche Anregung. Die Dresdener Aufsichtsdame schreibt:„Auffallend häufig wurde die Beamtin bei der Revision von Heimbetrieben auf die übermäßige Ausnutzung der landwirtschaftlich beschäftigten Kinder hin. gewiesen und nicht selten unmittelbar um Abhilfe ersucht." Es sei keine leichte Aufgabe gewesen, den betreffenden Eltern begreif- lich zu machen, daß die in landwirtschaftlichen Betrieben beschäf- tigten Kinder nicht unter dem gesetzlichen Schutz ständen. Der In- spektorin des Chemnitzer Bezirks wurde„in fast allen Schulen mit- geteilt, daß die gewerblich beschäftigten Kinder im Unterricht durch- schnittlich bei weitem empfangsfähiger und nicht annähernd so übermüdet seien, wie die als Aufwartungen oder in der Landwirtschaft beschäftigte n." Diese Ausführun- gen sprechen jedenfalls eindringlich dafür, daß eine Neberwachnng der Kinderarbeit in der Landwirtschaft genau so nötig ist wie die in der Hausindustrie. Nach wie vor ließen die sanitären Zustände in den Betrieben der Heimarbeit, meist die Wohn- und Schlafstube der Leute, noch immer viel zu wünschen übrig; auch an Verstößen gegen die gesetz- lichen Bestimmungen fehlte es nicht. Doch wollen die Beamtinnen eine schädliche Einwirkung der Heimarbeit bei den dort beschäftigten Kindern in der Regel nicht bemerkt haben. Das läßt sich bei einem flüchtigen Besuche überhaupt nicht feststellen. Mehrfach klagen die Aufsichtsdamen jedoch über schlechte Luft in den ÄrbeitSräumen. So teilt die Beamtin des Bautzener Bezirks in ihren Sonder- berichten mit:„Als ein großer Uebelstand ist die unerträglich schlechte Luft in den Arbeits- bezw. Wohnräumen vieler Betriebe, besonders auf den Dörfern, anzusehen. Den eindringlichen Er- Mahnungen der Beamtin, doch durch häufiges Oefinen der Fenster oder Türen Wandlung zu schaffen, kam man in der Regel sofort. wenn auch mit einigem Kopfschutteln, willig nach." Naturlich hat man die Fenster nur geöffnet, so lange die Beamtin anwesend war. Dann mußten die Kinder sicher wieder über ihre Arbeit ge- bückt, in der Pestluft weiter fronen. Die Beamtinnen aber halten die Arbeit nicht für gesundheitsschädlich. Sonst zeigen auch diesmal die Berichte der sächsischen Fabrik- inspektorcn die schon oft gerügten Schwächen und Mängel: Die Ar- beiterorganisationen werden kaum erwähnt, von den sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen wird großes Aufhebens gemacht. Wenn ein Unternehmer einmal ein paar Hundert aus seinem Ueberfluß spendiert, den ihm die Arbeiter erst erschuftet haben, wird das be- flissen verzeichnet, von den Arbeitslosenunterstützungen der Gewerk- schaften wird nichts erwähnt, obwohl diese viel dazu beigetragen haben, der Krisennot zu steuern. So hat die sächsische Fabrik- inspektion sicher noch immer Anspruch darauf, hinter den übrigen im Reiche zu stehen. Kommentar zum GcneralftreiMeferendum in Ttallen. Rom, den 25. August.(Eig. Ver.) Die Konföde ratio» der Arbeit(der Bund der Getverischaften) nimmt in ihrem Organ an leitender Stelle zu dem Ausgang des Referendums über den Generalstreik im Falle des Zarenbesuchs Stellung. Es heißt in dem Artikel: „Wir hielten uns wirklich nicht für berechtigt, von unserem Proletariat das Opfer der Arbeitsenthaltung als Protest gegen den Zarenbesuch zu fordern. Gesetzt, man hätte den Streik auch nur für eine halbe Million Arbeiter durchgesetzt, so hätte dies mindestens einen Verlust von mehreren Millionen für die Ar- beiterschast bedeutet. Soviel ist der Zar nicht wert. Wir schließen es nicht aus, daß auch ein solches Opfer nötig sein kann, aber dazu müßte die Provokation doch schwerere Formen annehmen. Haben wir nicht das Beispiel anderer Länder vor Augen? Der Zar ist nach Frankreich gegangen, in das klassische Land der Revolutionen, in dem die Wiege der Menschenrechte stand; er ist nach England gegangen, das wahrlich nicht die letzte Stufe in der Freiheitsbewegung einnimmt; er ist in Deutschland ge- Wesen, in dem Deutschland, das 4 Millionen sozialistische Stimmen aufbringt, und in all diesen Ländern hat dcG Prole- tariat feierlich protestiert, aber in keinem von ihnen ist es zum Generalstreik gekommen. Ja. sogar in Schweden ist der Zar gewesen, wo die Arbeiter sich aus den Generalstreik verstehen, ohne daß unsere dortigen Genossen ihn eines Generalstreiks für wert gehalten hätten. Man fürchte nicht, daß Italien in seinem Protest hinter den �anderen zurückbleiben werde. Wenn alle ihren besten Willen dafür einsetzen, daß die Protestaktion sich macht- voll gestalte, so kann sie an Großartigkeit und Feierlichkeit die aller anderen Länder übertreffen. Gehen wir also alle an die Arbeit. Die geeignetste Form des Protestes ist die der Massen- Versammlungen, die am Tage abzuhalten sind mit verfrühtem Arbeitsschluß in den Fabriken. Genauere Vorschriften werden rechtzeitig gegeben werden. Einstweilen bringe ein jeder einen Teil seiner besonderen Ansichten zum Opfer und arbeite eifrig für das gemeinsame Ziel. Auf gegenseitiger Duldsamkeit, auf Eintracht und Disziplin ist unsere Macht gegründet." Ueber den Ausgang des Referendums wird weiter bekannt, daß über den mutmaßlichen Erfolg des Generalstreiks die folgenden Ansichten zum Ausdruck kamen: Die Zentralverbände der Textil- arbeiter, der Arbeiter in Staatsbetrieben, der Seeleute und der Holzarbeiter erklären ausdrücklich, daß sie den Erfolg des Streiks nicht garantieren können. Nur der Zentralverband der Hutmacher glaubt die allgemeine Arbeitsenthaltung seiner Mitglieder gewähr- leisten zu können, wenigstens für die Stunden der Protestversamm- lungen. Weniger skeptisch verhalten sich die Arbeitskammern. Die Arbeitskammern von M a n t u a und Genua. Sampier- d a r e n a teilen mit, daß in ihrem Einflußbereich der Generalstreik vollkommen sein werde. Parese, Luino, PeScia und Pia- c e n z a getvährleisten den Erfolg unter Ausschluß der öffentlichen Dienste. Schließlich haben sich nach Schluß des Referendums noch die folgenden Arbeitskammern für den Generalstreik ausgesprochen und für ihr Gebiet den Erfolg gewährleistet: Como, Rom und Ravenna. Hus der Partei. Vom Genossen Eduard Bernstein geht uns noch folgende Erklärung zu: Nachdem nun auch Genosse E i s n e r sich über die Kündigung «einer Mitarbeit am„Vorwärts" geäußert hat, obliegt es mir, zu seiner Erklärung und den vorhergegangenen Behauptungen der Redaktion des„Vorwärts" das Wort zu nehmen. Die Redaktion des„Vorwärts" unterstellt, eS sei mir das „Pauschale" deshalb gekündigt worden, weil meine Arbeiten für den„Vorwärts" im ganzen Jahr noch nicht ausgereicht hätten, auch nur das Honorar eines Monats zu decken Ich weiß nicht, auf welchen Honorarsatz die Redaktion meine Arbeiten einschätzt, da aber der Außenstehende aus ihrer Bemerkung nur den Schluß ziehen kann, es liege hier eine ganz besondere Abneigung gegen irgend- welches Arbeiten oder hochgradige Minderwertigkeit vor, so mag mir erlaubt sein, zu bemerken, daß mein gegenwärtiges Einkommen aus literarischer Tätigkeit mehr als das Vierfache jener Pauschale beträgt. Indes geht aus EisnerS Erklärung deutlich hervor, daß, wenn damals ein Mißverhältnis zwischen dem Quantum meiner im „Vorwärts" zur Veröffentlichung gelangten Arbeiten und ihrer Bezahlung bestand, eS in einem anderen Mißverhältnis wurzelte, nämlich in der Natur der mir eingeräumten Mitarbeiterschaft. Sie entsprach weder meiner Vergangenheit in der Partei noch meinem tatsächlichen Können und machte mir die Arbeit oft sehr peinlich. Ich glaubte indes, die Stellung als ein Interimistikum betrachten zu können, das ein befriedigendes Ende nehmen werde, sobald erst das Vorurteil in Wegfall gekommen sei, das ein Teil der Berliner Genossen mir zunächst entgegenbrachte. Daß eS anders kam, erklärt sich durch die dem Dresdener Parteitag vorliegenden Ereignisse. Jedenfalls war eS ein eigentümliches Verfahren, das Verhältnis kurzerhand auf solche Kalkulationen hin, wie sie der „Vorwärts" anführt, zu kündigen, ohne den Beteiligten auch nur vorher anzufragen. Ich habe damals den leitenden Parteigenossen gegenüber kein Hehl daraus gemacht, haß ich mich als gemaßregelt fühlte, und sehe die Sache auch heute noch so an. Auf die weiteren Bemerkungen zu meiner Einsendung vom 2t. August, und insbesondere zu den Anwürfen, mit denen die „Leipziger Volkszeitung" mich bedenkt, nehme ich nicht mehr das Wort. Wer der„Leipziger Volkszeitung" auf diesem Gebiet noch glaubt, dem kann ich nicht helfen. Im übrigen konstatiere ich nur, daß der Artikel, den ich dem „Berliner Tageblatt" übersandt hatte, von der gesamten Parteipresse, die mir feindlichsten Blätter ein» geschlossen, als unanfechtbar bezeichnet worden ist, und daß eine ganze Reihe von Parteiblättern ihn direkt als verdienst- voll bezeichnet haben. Die Verantistdrtung für die betreffenden An- griffe der Gegner gegen unsere Partei fällt auf das Blatt zurück, das jenen Artikel zum Anlaß nahm, in Sperrdruck zu erneuter Matzregelung meiner Person aufzufordern: die„L.eipziger Volkszeitung". Zur Anfrage Kautskys an die„Chemnitzer Volksstimme" wegen meines Austritts aus der„Neuen Zeit" habe ich nur zu bemerken, daß KautSkhs Verhalten mir gegenüber diesen Schritt unvermeidlich machte. TaS war nicht nur mein Gefühl, sondern daS schrieb mir damals sehr bestimmt Jgnaz Auer, sowie ein Parteigenosse in hervorragender Stellung der Kautskh ebenso nahe steht als mir. Schöneberg, 23. August 1309.!U. Ed. Bernstein.- i .-• Diese Erklärung Bernsteins hat ein Gutes— sie zerstört die Lüge von der„Aushungerung" bis auf den letzten Rest. Bernstein hat jetzt, wie er selbst feststellt, ein Einkommen aus seiner litera- rischen Tätigkeit allein, das mehr als das Vierfache des Pauschales beträgt, daS er«inst vom„Vorwärts" bezog. Er hat demnach ein Einkommen, das die Mehrzahl der sozialdemokratischen Schrift- steller lange nicht erreichen. Genosse Bernstein empfindet den Entzug de? Pauschales als Matzregelung, kann aber den Nachweis, daß diese Entziehung fach- lich durchaus gerechtfertigt war. nicht bestreiten. Damit dürfte die Sache für die Partei /riedigt ftig. � �. I Der Versuch Bernstein?, die Schuld an den niederträchtigen und schmutzigen Angriffen, die aus Anlaß dieser Bernsteinaffäre von den Gegnern wider die Partei gerichtet wurden, auf die„Leip ziger Volkszeitung" abzuwälzen, ist eine sehr bequeme Manier, die Aufmerksamkeit vom eigenen Kerbholz abzulenken. Wir haben bisher selbst bei den schlimmsten Provokationen Bernsteins unsere Gelassenheit bewahrt— hier mutz aber doch gesagt werden, daß den bürgerlichen Blättern die Unterlage für die Lüge vom„Aus hungern" von Parteiblättern geliefert worden ist, die auf Berw steinsche Aeutzerungen fußten. Ferner ist festzuhalten, daß Bernstein noch jetzt seine Unterstellung aufrechterhält, es gebe einzelne Ele. mente in der Partei, die ihn— freilich vergeblich— aushungern möchten, sowie endlich, daß Bernstein den hundsgemeinen An» würfen der bürgerlichen Presse auf die Partei nur eine für die schmutzigen Angreifer in der verbindlichsten Form gehaltene Er klärung entgegenzusetzen hatte, während er gegen den„Vorwärts' und die„Leipziger Volkszeitung" unbedenklich mit den stärksten Ausdrücken und den schwersten Beschuldigungen losging. Anstatt der„Berliner Volkszeitung", dem„Plutus"-Bernhard usw. den verdienten Tritt zu geben, drückt er ihnen die Hand! Ueber den Geschmack ist nicht zu streiten— aber hätte die Pflicht, die Ehre und Würde der Partei gegen jedermann zu wahren, hier nicht den Geschmack Bernsteins an die Kandare nehmen müssen? Es ist nicht geschehen, und wir werden uns nach alledem nicht wundern. wenn Bernstein noch heute das„Berliner Tageblatt" für ein Organ erklärt, das die Sozialdemokratie nicht gehässig oder hämisch an- greift, nachdem besagtes ehrenwertes Organ dieser Tage den An- Wurf Bernsteins gegen den„Vorwärts" in Sachen des„Nimm mich mit" sorgfältig registriert und daran seinen Lesern demon- striert hat, wie unehrlich der„Vorwärts" sei, bis heute aber ver- logenerweise die Erwiderung des„Vorwärts", die er gleich- zeitig mit Bern st eins Anwurf zu Gesicht erhielt. seinen„gutunterrichteten" Lesern total unterschlagen hat. AuS den Organisationen. Der sozialdeni akratische Verein für Reutz j. L. (Gera) kann, wie der Vorsitzende, Genosse V e t t e r l e i n, in der neuerlichen Generalvejrsammlung feststellte� � auf ein arbeits- und teilweise erfolgreiches Jahr zurückblicken. Die Mit- gliederzahl ist gestiegen von 3503(darunter 163 weibliche Mit- glieder) auf 4000(darunter 556 weibliche Mitglieder). Die Ein- nahmen betrugen 16 406,17 M., die Ausgaben 12 805,76 M., der Kassenbestand 3600,41 M. In den Kassen der Ortsverwaltungen blieben 4533,46 M. Der Stand des Parteiorgans«Neußische Tribüne" ist ein befriedigender. Die Einnahmen sind von 81870,95 Mark auf 85 567,17 M. gestiegen. Allein aus Abonnementsgeldern ergab sich eine Mehreinnahme von über 1300 M. Auch der Stand der Druckerei ist ein guter. Die Volksbuchhandlung hatte 550 M. Ueberschutz.— Als Geschäftsführer für den Sozialdemo- kratischen Verein wurde Genosse Heinrich Knauf aus Straßburg angestellt. Bon der schweizerischen Sozialdemokratie. Das Parteikomitce der schweizerischen sozial. demokratischen Partei hielt am Sonntag in Biel eine Sitzung ab, in der konstatiert wurde, daß die Parteikasse immer noch für nur 20 000 organisierte Mitglieder Beiträge erhalte, weil die Organisationen aus finanziellen Gründen nicht ihre volle Mit- gliederzahl versteuern. Es beträgt denn auch der Vermögensbestand der Partei nur 375 Fr. Zur Vermehrung der Einnahmen der Parteikasse sollen der Verkauf der Maifcstzeichen zentralisiert und Ansichtspostkarten wie auch Parteimitgliedcrkarten herausgegeben werden. Auf die Tagesordnung des am 23. und 24. Oktober in Baden stattfindenden Parteitages wurden unter anderem gesetzt: Berickte der Gcschäftslcitung der Partei und der sozialdemo» kratischen Nationalratsfraktion, die Vereinheitlichung des Straf. rechts(Referent Br. Studcr-Winterthur). die schveizerische Eisen- bahnpolitik(Advokat Albisser-Luzern), schlietzlich Anträge. Zur Präzisicrung der Stellungnahme der Partei gegenüber der Straf. rechtsreform soll die Geschäftsleitung eine besondere Ibglicdrige Kommisston bestellen._ Djugcli. Aus Tiflis wird uns vom 13. d. M. geschrieben: „Der Abgeordnete der zweiten Duma, Djugeli, ist im Gefäng- nis gestorben. Wie der unvergeßliche Djaparidse, war auch Genosse Sevcrian Djugeli einer der vier vom Tifliser Gouvernement nach der zweiten Duma entsandten Sozialdemokraten. Es war ihm gelungen, sich der Verhaftung zu entziehen, der nach dem Staatsstreich des 3.(16.) Juni 1307 die meisten Mitglisder der sozialdemokratischen Duma- fraktion zum Opfer fielen. Anstatt aber in freiwilliger Verbannung sich nach dem Auslande zu begeben, blieb Djugcli in den Reihen der Kämpfenden. Unter einem falschen Namen ließ er sich in Tiflis nieder, und zwei Jahre lang, von der Polizei gesucht, nahm er an dem Kampfe der Tifliser sozialdemokratischen Organisation teil. Er verließ seinen Posten auch dann nicht, als die Verhaftung dcS Exabgeordneten Genossen Suraboff in Baku und seine Ver- urteilung zu vierjähriger Zwangsarbeit eS zur Genüge bewiesen. daß eS den Helden des Staatsstreichs niemals in den Sinn fiel, mit dem Schnüffeln nach den Exabgeordneten aufzuhören, denen eS gelungen war. sich der Zwangsarbeit zu entziehen. Erst vor zwei Wochen brachten die russischen Zeitungen die Nachricht von der VerhaftungDjugelis in Tiflis. Jetzt ist er schon tot. Wir wissen noch nichts über die Ursachen dieses frühzeitigen Todes und können die unmittelbare Verantwortung der Tiener der zarischen Regierung an diesem Tode nicht feststellen. Es bleibt uns einstweilen nur übrig, noch eine Leiche in die Schuld- liste des Zarismus einzutragen und dem internationalen Prole- tariat den Namen eines ehrlichen, tapferen, in den ersten Reihen gefallenen Kämpfers ins Gedächtnis zu bringen. Redaktion des„Golotz Socialdcmocrata"> i(„Die Stimme des Sozialdemokraten"), l Das Leichenbegängnis des Genossen Djugeli gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Tifliser Arbeiterschaft. Tausende von Arbeitern gingen in geschlossenen Reihen hinter dem Sarge her, der vom Hause bis zur Kirche von Frauen, und von dort bis zum Friedhof von Arbeitern getragen wurde. Zwei Katafalke waren mit Kränzen überfüllt, die zum größten Teil von Arbeiterverbändcn stammten. Bon 12 Kränzen hatte die Polizei die Bänder entfernt. Ein ungeheurer Kranz von roten lebenden Blumen prangte auf dem Sarge. Als Vertreter der sozialdemokratischen Dumafraktion war Genosse Gegetschkori erschienen. Obwohl Reden verboten waren, übte die Kundgebung eine gewaltige Wirkung aus._ Ein Jubiläum. Vor 40 Jahren tagte vom 5. bis 12.� September in Basel der 5. Kongreß der 1864 in London gegründeten Jnternatio- nale, der bekanntlich seine ganz besondere und weittragende Be- deutung durch den Beschlutz betreffend die Bcrgesellschaftlichung des Grund und Bodens erhalten hat. Unsere Baseler Genossen ver- anstalten nun zur Erinnerung an diesen, in der Geschichte der Internationale bedeutsamen Kongreß am 5. September eine Feier. auf der Genosse Redakteur Frei-Basel, Greulich-Zürich und Dr. Nenner-Wicn Ansprachen halten werden. Genosse Greulich war einer der schweizerischen Delegierten auf dem Kongreß von 1863; er dürfte heute nur noch wenige„Kongreßkollegen" von dgmsls Katzen. Die Maseler Genossen haben noch.das alte Manner der Internationalen Arbeiterassoziation. Sektion Basel, da? vor 40 Jahren gleichsam als„Fahne des Propheten" die Spieher in Angst und Schrecken versetzte, heute aber wohl als ehrwürdige Reliquie das europäische Gleichgewicht auch in Basel nicht mehr stören wird. Die Feier dürfte sich zu einer imposanten Kundgebung zu Ehren der alten und neuen Internationale gestalten. Em Industrie und ftande!. Industrielle Konzentration. Wir haben zurzeit im„Vorwärts" schon nachgewiesen, daß zwar die Zahl der kleingewerblichen Betriebe zugenommen hat, der Zu- wachs aber auf die nicht produzierenden Gewerbe entfällt. Um die Entwickelungstendenz zu erkennen, muß man die Betriebe der Industrie gesondert betrachten. Eine vergleichende Zusammenstellung nach Gruppen gibt dieses Bild: Kleinbetriebe Von den Betrieben entfallen auf Gärtnerei, Industrie Betriebe Tierzucht einschiießlich überhaupt und Bergbau u. Fischerei Baugewerbe 2 882 768 3 124 193 30673 49 200 2 175 857 1 370 261 Handel und Verkehr, ein- schließlich Gast- und Schankwirt- schaften 676 238 t 204 737 241 430 13 627— —— 305 596 Mittelbetriebe 112 715 1188 86 001 267 430 8 970 187 074 528 499 26 531 76 386 154 715 1 787 Großbetriebe v 974 80 82 007 146 102 073 9 481 29 033 49 865 483 2 828 1882.. 1907.. Zunahme Abnahme 1832.. 1907.. Zunahme 1882.. 1907.. Zunahme. 22 033 116 19 552 2 365 Demnach ist in der Industrie die Zahl der Kleinbetriebe sehr stark zurückgegangen. Die Verminderung macht über 14 Proz. aus. Die Zahl der Zwergbetriebein der Gruppe Handel und Verkehr usw. dagegen hat sich noch über die absolute Zunahme der Kleinbetriebe hinaus vermehrt. Während weiter in der Gruppe Industrie die mittelgroßen Betriebe um über 120 Proz. zunahmen, ergibt sich bei den Großbetrieben dieser Gruppe eine Vermehrung von über 200 Proz. Schon diese Angaben zeigen, daß man, um die industrielle Entwickclung zu erkennen, die Gewerbebetriebe nicht nur nach der Gesamtzahl berücksichtigen darf. Ausdrücklich möchten wir hierbei aber auch noch betonen, daß die Zahlen der Betriebe noch kein vollständig klares Bild geben. Die soziale Qualität der Betriebe hat sich sehr verändert. Viele Betriebe sind Unterabteilungen großer Unternehmen oder ihre Selbständigkeit ist nur noch insofern formaler Natur, als ihnen von den Lieferanten sowohl EinstandS- als auch Ver- kaufspreise vorgeschrieben werden. Aus der Betriebszählung geht ferner nicht hervor, wie viele Betriebe zu einem Unternehmen gehören. Von grotzer Bedeutung ist sodann, wie grotz die Zahl der beschäftigten Personen in den einzelnen Gruppen ist. Die folgende Uebersicht gibt die Personenzahl für die einzelnen Gruppen und Größenklassen an: Kleinbetrieb« von der Gesamtzahl entfallen auf: � Handel und Gärtnerei," Tierzucht und Fischerei Zahl der Personen überhaupt Industrie Verkehr, ein- einschlietzlich schließlich Bergbau und Sa st- und Baugewerbe 1832 1907 4 335 822 5 353 576 51437 96 378 3 270 404 3 200 282 Schankivirt- schaften 1 013 981 2 056 916 1882 1907 Zunahme 1017 764 44 041— 1 042 935 Abnahme—— 70 122•— Mittelbetriebe 1391 720 11422 1 109 128 271 170 3 644 751 40 820 2 714 664 889 267 1882 1907 Zunahme 2 253 031 G 1 618 247 5 850025 29 398 1 605 636 618 097 rotzbetriebe 4 659 1 554 181 64 657 16 913 4 937 927 895 185 Zunahme 8 736 778 12 854 3 383 765 840 628 In der Gruppe Industrie hat die Zahl der in Kleinbetrieben beschäftigten Personen abgenommen, der absolute Zuwachs in dieser Größenklasse entfällt ausschließlich auf die Gruppe Handel. Die ge- waltige Zunahme der in Großbetrieben beschäftigten Personen da- gegen absorbiert fast vollständig die Grrippe Industrie. Daß aber auch innerhalb der anderen Gruppen die Entwickclung zum Großbetrieb drängt, veranschaulicht eine Darstellung nach Gruppen über die Verschiebung im prozentualen Anteil der einzelnen Größenklassen an der Zahl der Personen. Hier die Zusammenstellung: Von je 100 gewerbstätigen Personen jeder Abteilung entfallen: Kleinbetriebe Gewerbe überhaupt Gärtnerei, Tierzucht und Fischerei Industrie, Bergbau, Baugewerbe 1882 1907 Handel und Verkehr, ein- schließlich Gast- und Schankwirt- schaften 75,7 61,6 20,2 26.6 4,1 11,8 Kleinbetrieb ;. 59,1 76,3 65,1 .. 37,1 62,5 23,1 Mittelbetriebe 1882.;; 18,9 16,9 18,7 1007... 25,4 26.5 25.0 Großbetriebe 1882... 22.0 6.8 26,2 1907... 37,3 11,0 45,5 In allen Gruppen ist der Anteil der Personen im zurückgegangen und der Anteil der Großbetriebe ist stärker gewachsen als der der Mittelbetriebe. Ganz unverkennbar demonstrieren die Zusanimenstellungen eine kräftige KonzentrativnSbelvegung. Enorme Steigerung der Fleischpreise. Nach der regelmäßigen Zusammenstellung der„Statistischen Korrespondenz" sind die Fleischpreise in der ersten Hülste August sehr stark über die in der ersten Hälfte Juli hinausgegangen. Es kostete nämlich ein Kilogramm S Aug?st Steigerung Schweruesterich von der Keule 173 178 5 „ vom Bauch.. 161 169 8 Kopf und Bein 82 8? 6 Rückenfett........ 154 166 6 im Durchschnitt Schweinefleisch 156 162 6 Schinken........ 255 266 11 Speck, geräuchert..... 173 135 6 So schnelle» die Preise hinauf und die SchnapsBlodBBrilder ve inuheit sich, dem arbeitenden Volke klar zu machen, daß eS zugunsten der Liebesgabenschlucker noch mehr Steuern zu zahlen in der Lage ist._ . Fleisch aus Schweden. DaS erste aus Schweden eingeführte Fleisch ist am Sonnabend, wie die.Deutsche Fleischer-Zeitung" mit- teilt, auf dem Hamburger Fleischgroßmarkt eingetroffen. Die Sendung, die zwei Waggons Rind- und Kalbfleisch enthielt, kam über die neue Dampffähreverbindung Trelleborg-Saßnitz-Stralsund. Für die Fleischsendung find besondere Transportkühlwagen gebaut worden. Gericbtö- Zeitung. Dienstbotenelend. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte fand am Sonnabend die zweite Verhandlung statt in der Klagesache eines Dienstmädchens, Fräulein Dirks, gegen einen Herrn Blum, Oranienstr. 10, wegen einer Lohnforderung. Herr Blum wendete ein, daß nicht er sondern sein bei ihm wohnender Sohn, der Arzt Dr. Richard Blum, das Mädchen„gemietet" habe. Der Dr. Blum aber habe eine Forderung gegen das Mädchen für ärztliche Behandlung.(!) Das Mädchen sollte also überhaupt keinen Lohn mehr zu bean- spruchen haben. Schon in der ersten Verhandlung versuchte der Richter den Beklagten darüber aufzuklären, daß das Verhalten des Arztes in dieser Angelegenheit zu Bedenken Anlaß gäbe.. In der zweiten Verhandlung wurde der Dr. Blum als Zeuge vernommen, und seine Aussage darüber, ob er das Mädchen wirklich engagiert habe, war sebr unsicher. Jedenfalls wußte die Vermieterin des Mädchens nichts davon. Ter Anwalt der Klägerin wies auf das moralisch Bedenkliche in der ganzen Handlungsweise hin, sowie auch auf das Ungesetzliche der Ausrechnung des Lohnes gegen ärzt- liches Honorar. Herr Blum beantragte Abweisung der Klage, da sein Sohn der Dienstherr sei. Ter Richter wird die Entscheidung am 31. August fällen. Diese Klage enthält eine Lehre für die Mädchen, nämlich die, genau darauf zu achten, von wem sie engagiert tverden, damit sie ihren sauer verdienten Lohn erhalten. Die Mißhandlung eines Dienstmädchens war Gegenstand einer anderen Klage, die mit einem Vergleich endete. Fräulein Bartsch, bei A. Bernstein, Dirksenstr. 42, in Stellung, wurde eines Tages von der Frau und zwei Töchtern, aus nichtiger Ursache arg miß- handelt. Unter Schlägen und Schimpfworten wurde sie plötzlich entlassen. Sie machte nun eine Lohnforderung in Höhe von St M. (inkl. Kostgeld) geltend. Der Beklagte stellte die Angelegenheit so dar, als habe das Mädchen sich die— von einem Arzte bescheinigten — Folgen der Mißhandlung selbst beigebracht, aber er war bereit, auf einen Vergleich einzugehen und der Klägerin 26 M. zu zahlen. Das Mädchen gab ihre Zustimmung, hat aber damit für die er. littene Mißhandlung noch keinerlei Genugtuung. Der Diebstahl im Museum. Recht schnell hat die Justiz in Sachen des kühnen Einbruchs im Kaiscr-Friedrich-Museum, der so großes Aufsehen erregt hat, gearbeitet. Der Einbruch wurde in der Nacht zum 1. d. M. verübt, und gestern schon stand der Täter in der Person des 19 Jahre alten Musikers Waldemar Döring vor der 4. Ferien- strafkammer des Landgerichts I. Auf die Idee, den großen Coup auszuführen, will er dadurch gekommen sein, daß er seinerzeit in den Zeitungen den Bericht über den Diebstahl im Zeughause gelesen hatte. Er hat denn auch zuerst das Terrain im Zeughause sondiert, aber festgestellt, daß dort kein passendes Versteck vorhanden war. Im Kaiser-Friedrich-Museum fand er die Situation günstiger, und dort hat er dann den Diebstahl ausgeführt. Er behauptet, den Kunst- wert der gestohlenen Gegenstände nicht gekannt, sondern nur die Absicht gehabt zu haben, sich Geld zu verschaffen, um von Berlin wegzukommen.— Der Staatsanwalt beantragte gegen den bisher unbescholtenen Angeklagten, einerseits mit Rücksicht auf dessen Jugend, andererseits auf die Planmäßigkeit und Dreistigkeit, die er bei der Tat bewiesen, 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Der Gerichtshof billigte dem Angeklagten mit Rücksicht auf seine Jugend noch mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu drei Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Jugendlandpartie— strafbarer Aufzug. Der Lehrling M. hatte sich am Sonnabend bor dem Jugend- gericht in Köpenick als„Leiter eines nicht genehmigten Aufzuges" zu verantworten. Er war zusammen mit vielen Jugendlichen am 4. Juli nach Adlershof hinausgewandert, wo der Jugendausschuß Spiele im Wolde veranstaltet hatte. Auf dem Wege dorthin wurde er plötzlich von einem Gendarmen angehalten, der be- hauptete, daß der Lehrling einen Aufzug leite. Der Gendarm gab in der Verhandlung an, daß er im„Vorwärts" von dem Ausfluge gelesen habe, und daß infolgedeffen viele Gendarmen auf den Straßen aufgepaßt hätten, was geschehen würde. Mittags seien hunderte junger Leute nach Adlcrshof gekommen, im Schritt Und auf Vordermann marschiert und siegesbewußt durch die Straßen gezogen. Der Angeklagte habe, als er den Gendarmen bemerkte, sich umgedreht und zu den jungen Leuten etwas gesagt, also sei er der Leiter des Aufzuges gewesen. Vergebens machte der Bei. teidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld, darauf auf. merksam, daß nur ein harmloser Ausflug und kein Aufzug vor- liege, und daß der Angeklagte nur mitgegangen sei, nichts aber dafür spreche, daß er den Ausflug veranstaltet habe. Das Gericht folgte dem Amtsanwalt und erkannte auf einen Verweis. Vom Querulieren. (Gültige Vorschriften aus dem Jahre 179 3.) Die„Allgemeine Gerichtsordnung" für Preußen vom 7. Juli 1793 bestimmt im§ 30 des 3. Titels ihres Teil I unter anderem: „Diejenigen Parteien, die sich der vorgeschriebenen Ordnung nicht unterlverfen, sondern entweder die Kollegia und deren Vorgesetzte mit offenbar grundlosen und widerrechtlichen Beschwerden gegen bessere Wissenschaft und Ueberzeugung belästigen; oder nachdem sie ihres Unrechts gehörig bedeutet wurden, mit ihren Klagen den- noch fortfahren und wiederholt supplizieren, etwas, so gegen Recht und Ordnung ist, durchzusetzen und zu erzwingen suchen; oder die endlich ja daS Justizdepartement oder seiner Majestät aller- höchste Person mit falschen und unrichtigen Darlegungen ihrer Angelegenheit, oder mit unwahren und erdichteten Beschuldigungen und Verunglimpfungen der Kollegien und Gerichte zu behelligen sich unterfangen, sollen als mutwillige oder böswillige Querulanten angesehen, ihnen der Prozeß gemacht un-d über ihre Bestrafung rechtlich erkannt werden." Der§ 31 enthält die Strafbestimmungen. — Wegen Ucbertretung dieser Bestimmungen war der Maurer Anders angeklagt worden. Man hatte ihn wegen Diebstahls im Rückfalle zu Zuchtahus verurteilt. Eine Zusatzstrafe betraf den Diebstahl einer Uhr. Seine Rechtsmittel hatten keinen Erfolg. A. versuchte vergeblich, das Wiederaufnahmeverfahren zu erzielen. Er erklärte sich hinsichtlich des Diebstahls der Uhr für unschuldig und kam dann in unzähligen Beschwerden und Eingaben immer wieder darauf zurück, und zwar auch dann noch, nachdem ihn die Staatsanwaltschaft zweimal verwarnt und auf die Strafe hinge- wiesen hatte, die wegen Ouerulierens verhängt werden könne. Die Strafkammer in Görlitz verurteilte ihn dann wegen Querulierens zu drei Monaten Gefängnis. DaS Gericht nahm an, daß et be. züglich des Diebstahls der Uhr wider besseres Wissen die Behörden belästigt und ihnen unnütze Arbeit gemacht habe. Bewußt hätte er durch seine Eingaben, worin er lediglich seine früheren Angaben vorbrachte, Mißbrauch mit den Rechtsverhältnissen getrieben und die Behörden belästigt, und zwar grundlos Und wider besseres Wissen. Die alten Bestimmungen über Querulieren müßten an- gewendet werden, nachdem er zweimal verwarnt worden sei. Der Fericn-Strafsenat des Kammergerichts verwarf die vom Angeklagten eingelegte Revision. Das Kammergericht nimmt an, daß die Bestimmungen der Allgemeinen Gerichtsordnung vom Jahre 1793, soweit sie das Querulieren betreffen, noch rechtsgültig seien, und nicht nur auf die Belästigung kollegialisch organisierter Gerichtsbehörden, sondern auch auf die mutwillig«, boshafte und unbefugte Behelligung der Staatsanwaltschaft Anwendung fänden. Versammlungen. Protest gegen die Verschlechterung von Unfallverhütungsvor- schriftcn erhob eine am Donnerstag abgehaltene Versammlung des Verbandes der Maler. Nach den Ausführungen des Rcfe- renten S?i n k handelt es sich um folgende Angelegenheit: Seit dem 1. Januar 1901 bestehen neue Vorschriften über die Beschaffenheit von Leiter- und Hängcgerüsten. Die Nordöstliche Baugewerks- bcrufsgenossenschaft hat diese Vorschriften erlassen auf Antrag der Malcrinnung und der Tachdeckerinnung in Stettin. Die Forde- rungen, welche die Arbeiter an die Beschaffenheit der Leiter- und Hängegerüste stellen, gehen weiter als das, was in den neuen Un- fallverhütungsvorschristen zum Ausdruck kommt. Die Berliner Arbeitgeber im Dachdecker- und im Malergcwcrbe laufen Sturm gegen die neuen Vorschriften. Man behauptet, durch die neuen Vorschriften werde eine Rechtsunsicherheit geschaffen und das Bau- gewerbe beunruhigt. Die Versammlung nahm eine vom Refe- renten empfohlene Resolution an, welche dem Reichsversicherungs- amt und dem Reichsamt des Innern übersandt werden soll. In der Resolution wird bedauert, daß der Vorstand der Berufsgenossen- schaft dem Antrage der Malermeister auf Revision der Unfallver- hütungsvorschriften stattgegeben hat. Vom Rcichsversicherungsamt wird erwartet, daß einer Revision, die eine Verschlechterung des Bestehenden und eine Erhöhung der Unfallgefahr bedeuten würde, die Zustimmung versage. Für den Generalstreik in Schweden bewilligte die Versamm- lung auf Antrag des Vorstandes eine zweite Rate von 1000 M. Eingegangene Druchrchnftcn. PrSlndinm. Gedichte von Max Marten M a» f r t e d. Selbstverlag, Wandsbek-München. Die Ehescheidung«nd ihre Folge«. Don Otto Schmerbauch. Preis 1.—. Verlag R. Jntrau, Erfurt und Stotternheim. Politische Geheimnisse. Von Rudols Sthrmarck. Prei» 20 Ps. Verlag von C. A. H. Bothe, Frankfurt a. M. Frömmigkeit und Gehorsam. Predigt von Her«. Kutter. Preis 30 Cts. Verlag: Buchhandlung des GrütlivereinS, Zürich I. Warenhaus Berlin. Roman auS der Weltstadt von Erich K ö h r Preis drosch. 2 M., geb. 3 M. Verlag: Dr. Wedekind u. Co., Berlin. Geistliche Wahlbeeinfluffungen. in Ihrer Theorie und Praxis da» gestellt von Hartmann Bodewig. Preis 3 M. I. F. Lehmann» Verlag, München. Am Wendepunkt der Ideen. EntwickelungSgedanken. Von Otto Lang. 222 Seiten. Verlag der Gesellschaft sür graphische Industrie. Richard Wagner. Von Dr. Eugen Schmitz.(Wissenschast und Bildung. Bd. 55.) Geh. 1 M., geb. 1,2ö M. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. Sonniges Land. Gedichte von Bernhard Wilhelm. Prei» 80 Pf. Verlag von Georg Meirich, Hannover-Linden. HERMANN UETZ ALEXANDER PLATZ Leipziger Strasse: Versand-Abteilung Versand nach ausserhalb erfolgt prompt. FRANKFURTER ALLEE Grosser Lebensmittel- Verkauf Montag, Dienstag, Mittwoch— Soweit Vorrat: Fst. Tafeläpfel s 63- Pa. Kochäpfel ör.--. 45« Feinste Williams-Tafelbirnen 16 Pa.Kochbimen 5 � 40 Pf. Pf. Lt™,. Preisseibeeren 5�.95«. GebirgS' Prima Tomaten 9 Pf. 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In der genannten Broschüre wird folgende Rechnung aufgemacht: Sorte 6 Pf. «. 7. 8. 10. 12„ Mehrbelastung durch die Steuer 2,84 M. 11.16. 12,80. 13,60. 15,60„ 17,60. Mehrbelastung im Kleinhandel 10 M. 10—20 M. 10—20„ 20 M. 20, 30. Zu dieser„fachmännischen" Berechnung schreibt die„Tabak- arbeiter-Zeitung": „Danach würde also namentlich die Fünfpfennig-Zigarre nahezu viermal stärker belastet werden, als es durch die Steuer erforderlich sein würde. Die Darstellung der„Germania" ist absolut falsch; nach derselben soll zunächst die Fünfpfennig-Zigarre nur mit 2,84 M. durch Steuer und Wertzoll belastet werden. Wenn die«Germania" eine solche Mitteilung von einem Fachmann aus Zentrumskreisen erhalten hat, so steht fest, daß dieser schwarze Geselle seine Kunden bisher schändlich betrogen hat. Er hat dann nämlich zu seiner Fünfpfennig-Zigarre nur das Deckblatt von ausländischem Tabak genommen, als Umblatt und Einlage aber„Lieb-Vaterland" ver- wandt. Das Rechenexempel ist sehr einfach: 2 Pfund Sumatra, a 2,66 M.....— 5,30 M. Wertzoll 40 Prozent........----- 2,12„ 12 Pfund Pfälzer, a 6 Pf. Mehrsteuer.— 0,72. Zusammen 2,84 M. Die Rechnung ist sehr klar— nur schade, daß eine derart zu- sammengestellte Zigarre ungenießbar ist und der Raucher mit einem solchen stinkenden Glimmstengel aus jeder anständigen Gesellschaft hinausgeworfen würde.... Sonderbar ist, daß, während bei der Fünfpfennig-Zigarre nur die geringe Belastung von 2,84 M. eintreten soll, diese bei der Sechspfennig-Zigarre plötzlich auf 11,16 M. in die Höhe schnellt und dann progressiv bis zur Zwölfpfennig-Zigarre auf 17,60 M. steigt. Der Wunsch ist hier der Vater der Aufstellung; das Zentrum wünscht bei dem Publikum den Eindruck zu erwecken, als bewirke der von ihm so sehr gepriesene Wertzoll eine progressive Steige- rung, als würden die Besitzenden erheblich höher belastet, als die Arbeiter. Im Interesse der Wahrheit muß dieser Zentrumslüge mit aller Entschiedenheit entgegengetreten werden. Die Durchschnittsbelastung bei den besseren Zigarrensorten ist keineswegs so hoch, wie die„Ger- manla" dies angibt. Durch den Wertzoll werden die Zigarrensorten in einer Preis- läge, nicht wie die„Germania" angibt, alle gleichmäßig, sondern äußerst verschieden belastet. Die Belastung bei einer kleinen Sechs- .und 7 Pfennig-Zigarre ist eventuell viel geringer als bei einer bis- hcrigen großen 5 Pfennig-Zigarre, nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität des zu einer Sorte verwandten Tabaks ist ent- scheidend. Unter Berücksichtigung aller nach der Größe und der Qualität der Zigarren sich naturgemäß ergebenden Verschiedenheiten beträgt die Mehrbelastung: 6 Pf.-Zigarren 4— 6 M. pro Mille 6«. 1— 9»„» 7„„ 5-10„,„ 8„„ 6-10„„„ 10„„ 9-10„„„ 12„, 10-12„„„ Damit vergleiche man die Sätze der„Germania". Bei der Zehnpfennig-Zigarre soll die Mehrbelastung 15,60 M. betragen, das ist um mindestens 60 Proz. zu hoch gegriffen. In der Praxis werden im übrigen in Zukunft die bemittelten Raucher, die sich kistenweise ihre Zigarren von einem Grossisten oder von einem Fabrikanten schicken lassen können, für ihre Zigarren pro Stück auch nicht mehr bezahlen, als der ärmste Arbeiter, der in einem Laden- geschäft pro Stück 1 Pf. mehr entrichten muß. Die Tabelle der„Germania" ist nichts weiter als ein plumper Schwindel— nur zu dem Zweck in die Welt gesetzt, um das Zentrum und die Agrarier reinzuwaschen und den Wertzoll sozial- politisch aufzuputzen." Die von der„Tabakarbeiter-Zeitung" angestellte Berechnung er- gibt sich daraus, daß vom Fakturenwert des Fabrikanten, der zirka 70 Proz. des Kleinhandelpreises ausmacht, 30—40 Proz. Tabak- wert in den Zigarren enthalten ist. Hierzu kommt für den Händler eine weitere, vom Fabrikanten vom Steuerauffchlag berechnete Erhöhung von 16—20 Proz. für Provisionen und Skontiabzüge usw. Von den Händlerorganisationen sind folgende Preiserhöhungen vorgenommen worden: die bisherige 6 Pf.-Zigarre wird 6 Pf. kosten, - n 0„„„ 7 8„„ n n 7„„„ 8 9„„ - h 8„„„ 10„„ 10„„„ 12„ »» 12„,„ 15„„ Wenn behauptet wird, die sofortigen Erhöhungen seien nicht ge- rechtfertigt, weil noch große Lagerbestände vorhanden waren, so handelt es sich dabei nur um einige Ausnahmen. Die Verteuerung der Tabakfabrikate entfällt fast restlos auf das Schuldkonto des Schnapsblocks, der auch die BrotloSmachung vieler Arbeiter auf dem Gewissen hat. Versammlungen. Aus der Waffeninbustrie. Am Dienstag, den 23. August, nahmen die Arbeiter und Arbeiterinnen der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken Moabit in zwei stark besuchten Versammlungen Stellung zu den Wirkungen der Krise auf ihr Arbeitsverhältnis. Der Referent, Cohen, schilderte, wie eine ganze Anzahl von Unternehmern, so auch die Waffen- und Munitionsfabrik, sich die Krise zunutze machen, um Verschlechte- rungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen einzuführen. Und das, obwohl z. B. die A. E. G. nach wie vor 12 und mehr Prozent Dividende zahle, und die Waffen- und Munitionsfabrik sogar 20 Proz. Die Firmen und die Angestellten glauben, die Gelegenheit ausnützen zu können, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen herab- zudrücken, in der Erwartung, daß die Arbeiter aus Furcht vor längerer Arbeitslosigkeit sich fügen. Die Arbeiter klagen über Miß- stände, die eigentlich nicht vorkommen dürften bei einer Firma, die sich ihrer Aufgabe gewachsen zeigen will. So wird in allen Abteilungen über mangelhafte Ventilation geklagt. Beschwerden bei der Direktion haben zwar das Versprechen der Abhilfe, aber keine tatsächliche Abhilfe gebracht. Die Arbeiterinnen klagen über ungenügende Garderobe, und besonders darüber, daß in den vor» handenen Garderoben Mäuse und Schwaben ihr Domizil auf» geschlagen haben. Es wird auch sehr darüber geklagt, daß an den Schleifmaschinen nicht für genügende Staubabsaugevorrichtungen gesorgt ist. Vielleicht bemüht sich einmal die Gewerbeinfpektion nach dem Betrieb, um da nach dem Rechten zu sehen. Das Krank- werden ist in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik gefähr- lich. Derjenige, der als Arbeiter der Waffenfabrik krank wird, läuft Gefahr, entlassen zu werden. Die Firma hat eine Vetriebskranken- kasse. Einzelne Meister des Betriebes tun sich noch besonders her- vor. So wird über einen Meister geklagt, daß er Arbeiter schon deshalb entläßt, wenn sie ein Stück Werkzeug— Fräser und dergleichen— abbrechen. Ein Arbeiter wurde von diesem Meister entlassen, der einen Tag die Arbeit versäumt hatte. In einer anderen Abteilung wurde ohne ersichtlichen Grund ein Werkzeugmacher entlassen, der schon 12 Jahre im Betrieb arbeitete. In einer anderen Abteilung handhabt der Meister recht rigoros die Strafbestimmungen der Fabrikordnung. Eine Er- scheinung, über die auch aus anderen Abteilungen geklagt wird. Arbeiter und Arbeiterinnen der Zapponiererei klagen über den unerträglichen Gestank, der sich in dieser Abteilung entwickelt. Auch Abzüge find in dieser Abteilung an der Tagesordnung. Im eigen- tümlichen Licht erscheint die Firma(die, weil sie Lieferungen für die Militärbehörden hat, natürlich stark patriotisch ist), wenn man folgenden Vorgang hört: Ein Arbeiter, der eine mehrwöchige militärische Uebung machen muß, wird entlassen. Trotz all diefer Mißstände will die Firma natürlich auch noch als arbeiterfreund- lich gelten, und sie will das zum Ausdruck bringen, indem sie z. B. im Betrieb Kessel aufstellt zwecks Lieferung warmen Wassers. Sie ist dabei aber auf halbem Wege stehen geblieben; die Kessel sind in so ungenügender Zahl vorhanden, daß durch Drängen fchon mehrere Unfälle infolge Verbrühens vorgekommen sind. Das Ersuchen, doch mehrere weitere Kessel aufzustellen, hat die Direktion bis jetzt ab» gelehnt. Seit einiger Zeit äußert sich starke Sparlust. Wer wo wird gespart? Nicht etwa, wo wirklich gespart werden könnte, an den hohen Gehältern und Tantiemen, o nein! Es wird gespart, indem man den Arbeitern die Putzbaumwolle möglichst knapp zu- teilt, möglichst billige Putzlappen gibt. Mit größter Gewissen» haftigkeit und Umständlichkeit wird darüber gewacht, daß der Ar- beiter nicht etwa zwei statt einen Bogen Einwickelpapier erhält. Es wird auch gespart in der Anwendung von Mitteln zur Ver- tilgung von Ungeziefer, denn sonst könnten unmöglich soviel Tier- chen im Betriebe sich breit machen. Die Arbeiter sind auch darüber verwundert, daß die Direktion ihr Wort noch nicht eingelöst hat, wonach bei eintretendem besseren Geschäftsgang die seinerzeit ge- machten Abzüge rückgängig gemacht werden sollen. Jedenfalls hat die Direktion die Sache vergessen und wird durch diese kleine Er» innerung veranlaßt, das damals gegebene Wort einzulösen. In beiden Versammlungen wurde auch über vielfache Akkord» reduktionen in den verschiedensten Abteilungen berichtet und an der Hand dieser sowie der sonstigen Mißstände auf die Notwendigkeit des Zusammenhaltens der Arbeiter und Arbeiterinnen hingewiesen. Wenn durch die öffentliche Kritik keine Besserung eintrete, dann müßten in energischer Weise Verhandlungen eingeleitet werden. Das war die zum Schluß von den Versammlungen bekundete Ansicht. Ömsegnungs■ flnme Reichhaltigste Auswahl in den neuesten Moden u. Webarten, Kammgarnen, Satins, Cheviots, Drapes, Foulds, Meltons u. s. w. 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SüdseMeD. JLesisInjp-TJieJitcr. Sonntag, 8 Uhr: Vom andern Ufer Montag, 8 Uhr: Wenn wir Toten erwachen. Dienstag, 8 Uhr: Die StDtzen der Gesellschaft. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Eincp von«iisere Lient'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Täglich 8 Uhr: Sein Sündenregister Mittwoch, den 1. September: Emiila öaloiii. Tlieater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: DeFfldeleBauerÄlk FnedriGti-Wüheimstadtiscties Schauspielhaus. Sonntag, den 29. August, 8 Uhr: Manöverregen. Schwank in 3 Akten v. G. Schätzlet Perasini und Kegler. Montags Manövcrregen._ Acnes Öpcretten-Thcatop, Schijjbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Llnsang 8 Uhr: I>lc»oltnnppknTCSskn, Operette in 3 Alten von Leo Fall. Lus'lspisiKsus. AbendS 8 Uhr: Im Klubsessel. Besidenz-Tlieater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Schwank in 3 Akten von Fehdcau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung._ Luisen-Theater Nachmittag? 3 Uhr zu kleinen Preisen: Die Jungfrau von Orleans. Abends 8 Uhr: Die Herren Söhne. 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Marligrsfen-Säle' Markgrafendamm 34. Slmt VIl 4277 Jnh. Hermann 8choltz. s'£i, Gr. Ball. Säle sür 100—1000 Personen zu { Festlichkeiten und Versammlungen., � K�KcgeUtahncn.___* j Alhambra Lallner-Theaterstrabe 15. Großer Ball Grobe» Orchester. Ansang Somitag» » Uhr. A. Zameltat. Jeden Sonntag: Zweiter Serliner Reichstags'Wahlkreis. Sonntag, den 5. September 1909, in den Gesamträumen der Berliner Bockbrauerei(Tempelhofer Berg): Volks« Fest ♦ t ❖ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ! ❖ t S—-EEEE ♦ ♦ ♦ bestehend ans Konzert, Gesang, turnerischen Aufführungen, Kinderspielen, Kinematograph. Bei eintretender V-* ZifXs piTt tOf———— Jedes Kind■« Dunkelheit: tVIllUvl 1 erhält eine Stocklaterne gratis. Die Kaßeeküche ist von 2 bis G Uhr geöffnet. Von 6 ühr ab im großen Saale: BALL. Herren zahlen 50 Pf. nach. Eintritt im Vorverkauf 20 Pf., an der Kaste 30 Pf. Anfang 4 Uhr. Programm an der Kasse gratis. Billetts sind bei den Abteilungs- u. Bezirksführem sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. 211/5 Kocht zahlreiche Beteiligung erwartet Das Komitee. Anton Boekers feslsi Webcrstr. 17.(Sei. Amt 7 13414.) Mein kleiner Saal mit Neben- räumen, 150 Personen sasscnd, ist Sonnabends und Montags noch zu vergeben. 21S2L' .Anton Bocker, Wcberstr. 17. SffeÄrart und Garten mr 15 Alt-Moabit 15 ist zum Besuch sehr zu empfehlen. Gutes Essen, kleine Preise, oorzüg- lichcS Schilltheischier. 1170b Landparzellen am Park in Französ.-Guohholz, 5 Minuten von Stragenbahnhalte- stclle, 10 Ps.-Tour, billig, verk. Näheres beim Gastwirt Karl Kachnc in Französ.- Bnchholz oder J.Soknildt, Berlin, Stra- laacrplatz 18/10._ 1154b Möbelfabrik CrIiiiIt Relchenbergsr/ Gegr. OLliUlZ, strallo 5\ 1878 liefert nucifannt gediegene Möbel zu äußerst billigen Preisen. Ev. Teilxalilung.-TÄJ ..................... W. Hermann Müller, Berlin, Magazinstr. 14. Ijava-Snmatra Nr. OSOS a 2,50 verzollt. iBollblatt, II. 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Bezirk, Süden), Ehre seinem Andenkens Die Beerdigung siudet am s Dienstag, den 3l. August, nach- mittags 5'/, Uhr vom Kreuz- Kirchhof in Maricndors aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. De» Kollegen zur Nachricht, dag I unser Mitglied, der Dreher öruno Lbersbsck am 28, August an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung siudet am Sonntag, den 20. August, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Luisen-KirchhoseS in Charlottenburg, Fürstcnbrunner Weg, aus statt. 122/5 Rege Beteiligung erwartet Die Drisverwallung. ISözialdemoMifalilYereiii! des 13. Bert. ReichstapaMteesJ Todes- Anzeige. Am 26. August verstarb unser i ! Mitglied, der Buchbinder I Hermann Trautmann. 1 Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute s ! Somitag, nachmittags 6 Uhr, aus•" J dem Bcgräbnisplatz der Frei-> religiösen Gemeinde, Pappel-! Allee 15, statt. Um rege Beteiligung ersucht 213/20 Ter Vorstand. Dresdener Karten, MpLOP BHmsBw&aanBasMMaBam Dresdener Strafte 45. 11716 Amt 4, 9561. Jnh.: Wladialaus Pasternackl. Empschle meine Vereins- und Feslsäle zit den kulant. Bedingungen. Ist T™n weil die „Schwarz" Bouillon-ffirlel ��1 Materialion nach dem Originalrezept I hergestellt sind, daher keine minder- 1 wertige Nachahmung. „Schwarz" Bouillon• Würfel enthalten| alleVorzüge einer tadellosen Fleischbrühe. „Schwarz" Bouillon-WDrfel sind leicht i löslich und höchst konzentriert. „Schwarz" Bouillon-Würfel ersetzen die I Fleischbrühe bei Suppen, Saucen j und Gemüsen. „Schwarz" Bouillon-WOriel sind be-| kömmlioh für Kranke und Kekon- 1 valoszenten. Darum verlange man nur „Schwarz" Bouillon-Würfel, erhältlich in allen Kolonial-, Deli-| kateßwaren- etc. Handlungen. f!n Suppenwürielgeseilsehaltm. Ouilltdlk& UUiiAlexandrinenstr. 135/136. '! Alexandrinenstr. 135/136. Tel. 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Die OrtsTcrwaltang. j Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes .Julius tiusse sage ich Herrn Maurenneistcr Wilhelm Schuch sowie allen Kollegen mciiicu innigsten Dank. 2232L Emma Unsso und Kinder, | Billigste Bezugsquelle I idieg.Trauergarüerolie iVestmannsl Trauer-Magazin | Bertin W., Mohrenstr. 37a! NO., Gr. Frankf. Str. 115.[ I Genaue Beachtung | meiner Firma u. Hausnummer geboten! Von der Reite zurück 1201b Dr. Leop. Sommerfeld, Scliöneberg, Hanptstr. 20 I. Deutseher SBuebbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Am 26. d. M. verstarb unser I Mitglied, der Buchbinder ! Hermann Trautmann. Ehre seinem Andenkeu! Die Beerdigung findet am öoiiiitag, den 29. d. M., nach | iniitagS 5 Uhr, auf dem BcgräbuiSl platz der Freireligiösen Gemeinde, Pappclallee 15, statt. Um zahlreiche Betetligling ersucht >24/3 Die Drtsverwaltung. Am 26. d. M. verstarb plötzlich( I unser Mitglied, die Karlonagen. I urrieiterin (Zertmä Geniel. Ebre ihrem Andenken k _ Die Beerdigung findet ani> I Sonntag, den 29. Aiiaust, nach- j mittags i'J, Uhr, in Lichtenberg, j Krugilcgc-Filedhos, vom Trauer- s Hause auS statt, Um zahlreiche Beteiligung ersucht| Die Drtsverwaltung. rj» SozialrtsniokratisctierWalilyerein 4. für den Stralauer Viertel. Bezirk Nr. 326, Teil H. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt kram Kleineidam Warschauer Str. 48 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 31. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Michaelis» KlrchhoseS, Mariendorser Weg, auS statt. 219/16 Der Vorstand. Jede Dame lese: Die Bestände eine» ausgelösten DamenkonsektionS-GeschästS bestehend auS: 95/14 Kostümen. Mänteln, JadkettS. Paletots, Binsen— Spitzen-. Spachtel-. Battist-, Kostiimröckcn, Prtnzeft-Kleidern usw. werden zu spoltbilligen Preisen auS- verlaust.— Hein Eadea. Jacobowltz Rathcnower Straße 7, I. 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August, nach- mittags 4 Uhr, vom Virchow- Kranlenhause auS aus dem neuen I Pauls-Kirchhos in Plötzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/5 Oer Verstand. Varhand d. haugewerhlichsn Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Bezirk Wedding.) Todes- An zeige. Den Mitglieder» zur Nachricht, dag der Kollege 30/0 Franz Heitzmann | am 27. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken S Die Beerdigung findet � am 1 Montag, den 30. Anglist, nachmittags 4 Uhr, vom Neilen PaulS-Kirchhos in Plötzensee auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Zwelgvereinsborstaiid. Dr. Schflneman» Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrlchstr. 203, Ecke Sckiitzenstr. SLochentags 19—12, 6—7, HavOttla» und ToUkommTOit» aelbstt&tlA* Waschmittel ron BB'hrr unmnchic», pxadtiu wundefbam Wiaeza-«ad Blcichkrafi. VViacht die Wlscbe von selbst In tloTiertel dl,«InbalbJtOndigtm Kochen, macht el> rein and blendend weis,, fritch und duftig wie von der Sonne gebleicht! 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Die Liebes« gabenpolitiker haben absichtlich auf die Möglichkeit einer Ver- trustung der Brauereien hingewirkt, um dem Braukapital eine profitable Ablvälzung der Steuer zu erleichtern. Zu diesem Zwecke beschlossen sie, in der Form einer Strafsteuer für neue Brauereien, die begrenzte Kontingentierung der Bierproduktion. Im neuen Gesetz ist folgende Bestimmung getroffen: Für neue Brauereien, welche nach dem 1. August 1309 in Betrieb genommen werden und mit deren Bau nicht bereits vor dem 1. Januar 1909 begonnen war, sowie für Brauereien, welche nach dem 1. August 1909 wieder in Betrieb genommen werden, nachdem sie mehr als zwei Jahre außer Betrieb waren. erhöhen sich die Steuersätze des Abs. 1 in der Zeit bis zum 31. März 1915 um 50 vom Hundert, in der Zeit vom 1. April 1915 bis 31. März 1913 um 25 vom Hundert. Demnach würde für die vorstehend benannten Brauereien die Steuererhöhung bis 1915 um zirka 5 M. pro Doppelzentner mehr betragen als für die alten Brauereien. Diese Straffteuer macht ungefähr 1 M. pro Hektoliter Lagerbier aus. Unter solchen Um- ständen haben die Brauereien neue Konkurrenz vorläufig nicht zu fürchten. Ucber die Bedeutung und Wirkung dieser Vorbeugesteuer waren sich die Brüder im Schnapsblock gar nicht im Zweifel. Man wußte, daß die Großbrauer mit dem Geschenk einer Kon- tingentierung gern eine Steuererhöhung in den Kauf nehmen würden. Gab eine solche diesen doch den erwünschten Anlaß zu einer sprunghaften Preiserhöhung. Die Annahme des Brau- stcucrgesetzcs begrüßte die Börse ja auch mit einer kräftigen Hausse für Brauereiaktien. Die handwerksmäßigen Liebesgabenpolitikcr im Schnapsblock wußten längst aus Erfahrung, zu welchem Zwecke' Kontingentierung irgendeiner Produktion verlangt wird, und wie die Produzenten solche Konkurrenzverhinderung zu ihrem Vorteil ausbeuten. Die ganze agrarische Wirtschaftspolitik basiert ja auf dem Prinzip einer gewissen Kontingentierung der Produktion, das heißt, auf möglichste Ausschaltung der preisdrückenden Kon- kurrenz. Schutzzöllnerei, Grenzsperrungen Gewährung von Aus- fuhrprämien, Steuerdifferenzierungen, das sind verschiedene Formen der von den gleichen Absichten ausgehenden, den gleichen volksplündernden Erfolg garantierenden Liebesgabenpolitik. Nicht nur die blau-schwarzen Blockgenossen, auch die Hansabündler, und »uch sicher die Brauer, wußten, welchen Zweck die verlangte und genehmigte Kontingentierung der Bierproduktion hatte. Es war Absicht, dem in der Brauindustrie investierten Kapital einen orgentlichen Fischzug zu sichern. Die fürsorglichen Schnapsblock- genossen handelten dabei nach dem Erfahrungssatz, daß„kleine" Geschenke die Freundschaft erhalten. Auch haben sie wohl schon von vornherein daran gedacht, durch Entrüstungskomödien über die Abwälzungspolitik der Brauer die Aufmerksamkeit von ihrer eigenen volksplünderndcn Politik etwas abzulenken, des Volkes Empörung zu dezentralisieren. Gewiß, die kapitalistischen Gruppen, auch wenn sie als Hansabund auftreten, sind wirtschaftspolitisch genau so volksfeindlich, genau so profitaierig wie das Agraricrwm. Darüber kann aber kein Zweifel fem: die multiplizierte Ab- wälzung der Brausteuer hat erst der Schnapsblock, und zwar be« wüßt, ermöglicht! Daß die Brauereien planmäßig auf die Vernichtung jeder ihren Plündergclüstcn im Wege stehenden Konkurrenz hin- arbeiten, das beweist sonnenklar der von den Ringbrauereien Groß-Berlins abgeschlossene Vertrag. Er ist vom Syndikus O. Meyer nach dem Muster des Kohlensyndikatsvertrages ausgearbeitet. Hier einige charakteristische Bestimmungen: „Der Normalpreis für das von den Brauereien hergestellte unkergärige Bier wird auf 21 Pf. pro Liter festgesetzt. Spund- geld wird nicht erhoben. Unter 20lÄ Pf. pro Liter(Mindestpreis) darf kein Bier verkauft werden. Für Bier stärkerer Brauart als 13 Prog. Balling muß der Preis erhöht werden. An Privatkunden darf nicht unter 27 Pf. pro Liter geliefert werden." „Gegenüber Abnehmern, die nicht nur vorübergehend Bier' von Außcnseiter-Brauereien beziehen, sind die Vertragschließenden an die vorstehenden Bestimmungen nicht gebunden." „Jeder Brauerei wird eine bestimmte prozentuale Absatz- beteiligung zugewiesen, welche dem Verhältnis ihres bisherägin' Totalabsatzes an Faß- und Flaschenbier im Geltungsgebiet dieses Vertrages... entspricht." „Für die Uebcrschreihing ihrer Absatzbcteiligung hat eine Brauerei eine Abgabe von 5 M. für den Hektoliter an die Vereinskasse zu zahlen; eine Brauerei, welche mit ihrem Absatz hinter der ihr zustehenden Beteiligung zurückbleibt, wird aus der Vereinskasse mit 3 M. für den Hektoliter ihres Minder-. absatzes entschädigt. Uebcrsteigt der Minderabsatz einer Brauerei 50 Proz. ihrer festgesetzten Beteiligung, oder findet im Laufe- des Rechnungsjahres eine dauernde Einstellung des Gesamt- betricbes oder die Eröffnung des Konkursverfahrens statt, so wird der betreffenden Brauerei keinerlei Entschädigung gewährt. Die Absatzbeteiligungen sind ganz oder teilweise unter den vertragschließenden Brauereien übertragbar. Bei Vergrößerung des Absatzes einer Brauerei durch Vereinigung mit einer dem Vertrage nicht angeschlossenen Brauerei oder Uebernahme der Kundschaft einer solchen Brauerei tritt entsprechend diesem Mehrabsatz eine Vergrößerung der Absatzbeteiljaung der betreffenden Brauerei ein....".' »... ein durch Lieferung an Kunden von Außenseiter- Brauereien erzielter Mchrabsatz bleibt für Berechnung der Minderabsatzenffchädiguttg außer Betracht, befreien aber anderer- seits... von der Verpflichtung zur Zahlung der Ueberschreitungs- abgäbe." Erläuternd sei noch bemerkt, daß nach getroffenen Ab- machungen die Preise der Außenseiter um 1—2 M. pro Hektoliter zu unterbieten erlaubt sein soll. Während die bisherigen Preise von 17 bis 17,50 M. auf 20,50 resp. 21 M. erhöht werden, würde man z. B. den Kunden der Gcnossenschaftsbrauerei, die den Preis auf 18 M. festgesetzt hat, Ringbicr zu 16 bis 17 M. anbieten. Für solche Konkurrenz gelten die Bestimmungen des Vertrages nicht; der dadurch- erzielte Mchrabsatz bleibt sowohl bezüglich der Abgaben- Pflicht als auch in Hinsicht auf die Entschädigmigsabigabe für Minderabsatz außer Berechnung. Es handelt sich also um einen ganz planmäßigen Prciskampf, mit der Zweckbestimmung, alle ringfrcien Brauereien zum Konkurs zu treiben oder zur Unter- werfung. Auch in den übrigen Bestimmungen kommt diese Absicht deutlich zur Geltung. Das Brauereilegen ist planmäßig vor- bereitet, es wird dazu durch Vergünstigungen direkt angereizt. So hat die Kontingentierung den kräftigsten Anstoß zur Vertrustung der Brauereien und zu einer unerhörten Plünderung der Kon- sumcntcn gegeben. Der Gegensatz zwischen agrarischen Interessen auf der einen, industrie- und handclskapitalistischen Interessen auf der anderen Seite, läßt sich ja nicht ganz ausgleichen, aber mit der Einbeziehung anderer wirtschaftlicher Gruppen in den Kreis der Liebesgaben- cmpfänger, schwächt die antiagrarische Teichenz dieser Gruppen ab; beche Interessengruppen finden stärkere Berührungspunkte in dem gleichen Streben, die Konsumenten auszubeuten. Der Gegen- sah zwischen den ausbeutenixn Gruppen beschränkt sich mehr auf den Anteil an der Beute. Das trat bei Gründung des Hansabundes schon ziemlich deutlich in die Erscheinung. Das hochschutzzöllnerische Industriekapital ließ sofort erklären, daß es einen Sturm gegen die Schutzzoll-Licbcsgabenpolitik nicht mitmache. Und die anderen Bündler? Leisteten sie den Rütlischwur: Für Volkswohl, gegen Plünderung der Konsumenten!? Das ist ihnen im Traum nicht eingefallen. Gegen die Belastung der Konsumenten, gegen die Einführung neuer und Erhöhung bestehender Konsumsteuern pro- testieren sie nicht. Sic wollten nur das eigene Portemonnaie mehr geschont wissen. Das war das Motiv ihrer Erhebung gegen agrarische Rücksichtslosigkeit. Führt das Bestreben des Hansabundes, die Zusammenfassung kapitalistischer und darum auch antiproletarischer Interessen, zu den erwünschten politischen Erfolgen, dann wird deren Resultat nicht eine Schwächung der auf Volksausplünderung gerichteten Tendenzen sein, sondern vielmehr eine Stärkung dieser. Die Licbesgabenpolitik macht weitere Fortschritte I Das ist der Effekt! Die jetzigen, teilweise lebhaften Stimmungskundgebungen gegen den schwarzblauen Block könnten zu der Ansicht verführen, der Liebesgabenpolitik erwachse nun aus den Kreisen des Industrie- und Handelskapitals eine energische Gegnerschaft. In solchen Ge- danken und Hoffnungen sich wiegen, hieße die Gefahr verkennen, die da im Schöße der EntWickelung heranreift. Unter dem Gesichts- Winkel der Wirtschaftspolitik betrachtet, ist es gleich, ob die Wähler sich zentrümlich, nationalliberal oder freisinnig-liberal einfangen lassen: sie sind in jedem Fall fast in gleicher Weise betrogen! Eine wirksame Bekämpfung der Liebesgabenpolitik ist nur möglich durch Stärkung der Sozialdemokratie, als der konsequenten Ver- treterin und Verfechterin der Bolksinteressen gegen jede Art kapitalistischer Ausbeutung. Doch sehen wir nun zu, was die Einbeziehung der Brauer in den Kreis der geschützten Ausbeuter bedeutet. Für die unter- gärigen Biere ist für Berlin und Umgegend ein Preisaufschlag von 3.50 M. pro Hektoliter beschlossen worden. Der Aufschlag auf Weißbier macht mindestens ebensoviel aus. Der direkte Aufschlag beträgt 3 M.; da aber die Wirte nicht mehr wie früher Wasser zugießen dürfen, werden die Brauer in Zukunft sicher wenigstens etwas schwächer einbrauen als bisher, oder etwas Wasser nach- schütten, so daß auch hier der Aufschlag mindestens 3,50 M. aus- macht. In einzelnen Bezirken begnügen die Brauer sich mit einer Preiserhöhung von 3 M., in anderen Gegenden dagegen werden die Preise um 4 M. gesteigert. Wir rechnen mit einem durchschnitt- lichen Aufschlag von 3,50 M. pro Hektoliter, unterstellen weiter, daß infolge der Preiserhöhung die Produktion, die im Jahre 1907 im Ge- biet der norddeutschen Brausteuergemeinschaft rund 48� Millionen Hektoliter betrug, trotz der Bevölkerungszunahme auf 46 Millionen Hektoliter sinken werde, dann ergeben sich folgende Resultate: Die Mehreinnahme beträgt 161 Millionen Mark. Nach den amtlichen Ausweisen für das Jahr 1907 ergab sich im genannten Gebiet ein durchschnittlicher Malzverbrauch von 17,2 Kilogramm pro Hektoliter Bier. Demnach beanspruchte der Ausstoß von 46 Millionen Hekto- litcr 7,9 Millionen Doppelzentner Malz. Bei einer Steuer- erhöhung von 10 M. pro Doppelzeirtner Malz stände der Mvhr- einnähme von 161 Millionen Mark eine Steuerleistung von 79 Millionen Mark gegenüber. Die Brauer verdienen mit der Ab- wälzung 82 Millionen Mark, ein Angebinde, das bei ihnen das Verständnis für den Segen der Liebcsgabcnpolitik sicher auslösen wird, wie auch die Geneigtheit, die Politik der hilfsbereiten Schnapsblockbrüder zu unterstützen. Eine Bierpreiserhöhung von durchschnittlich 3,50 M. durch die Brauer für ganz Deutschland würde dem deutschen Volke eine Mehrausgabe von 230 bis 250 Millionen Mark verursachen. Aber nicht nur die Brauer wollen ein Geschäft machen. Die Wirte haben ebenfalls das Bedürfnis, profitabel abzuwälzen; die Kaffeehändler besorgten das schon; die Tabakhändler bleiben sicher auch nicht zurück; die Zigarrcnfabriken runden ebenfalls etwas nach oben ab, und so fort. Die große Masse dcS Volkes hört von neuen Fortschritten auf dem Gebiete der Technik und Chenrie, vernimmt die Kunde von der riesenhaft gesteigerten Produktivität der Arbeit. In den Fabriken und Werkstätten vervielfältigt sich die auf den einzelnen Arbeiter entfallende Menge der Erzeugnisse, aber die Konsumfähigkeit der produzierenden und schaffenden Kreise geht mit solcher Entwicke- lung nicht konform. In harten, opferreichen, langwierigen Kämpfen trotzen die Arbeiterorganisationen den Unternehmern höhere Löhne ab; nach von Jahr zu Jahr wiederholten Vertröstungen sehen Staats- und Kommunalbcamte ihre Bitten teilweise erfüllt, die Gehälter werden erhöht. Zugleich aber schnellen die Preise der zur Lebenshaltung notwendigen Nahrungsmittel und Gebrauchs- gegenstände derart hinauf, daß von den Lohnsteigerunge» uno Gehaltserhöhungen wenig oder nichts für eine Verbesserung der Lebensführung übrig bleibt. Das ist die Folge her Schutzzoll-, Grenzfperr- und Steuerdifscrenzierungspolitik die die Vertruswng der Industrie fördert; und diese Politik hat im Schnapsblock eine ganz besondere Stärkung erfahren. D. vom BMrkg. Kampfvereinigung gegen den i Bierring. Mehrere hundert Inhaber von Destillations-Detailgeschäften in Berlin gründeten am Mittlvoch eine Vereinigung. Der Zweck der Gründung soll sein, den Ansprüchen der Brauer mit der Preis- steigerung von 3,50 M. pro Hektoliter Lagerbier entgegenzutreten. Wohlfahrtsfirma Krupp arbeitet für die Schnapsblockpolitik. Auf der Kruppschen Wohlfahrtsfabrik in Essen hat man, wie wir berichteten, den Bierpreis kräftig ge- steigert. Die Folge davon war, daß die Arbeiter Abstinenz übten. Sie fanden, daß auch SelterSwasser den Durst löscht, und sie tranken Zivilsekt. Das scheint die Firma verdrossen zu haben. Nach ihrer An- ficht gehört es anscheinend zu den hurrapatriotischen Tugenden, tüchtig zu saufen, damit der Staat Steuern und das Braukapital große Gewinne einstreichen kann. Und außerdem: je lustiger gesoffen wird, desto willenloser sind die Arbeiter. Besonders dann, wenn Akkorde gemacht werden. Mancher Meister sucht sich dafür solche Leute heraus, die eine Schwäche für den Alkohol haben; die sträuben sich am wenigsten, einen schlechten Akkord anzunehmen. Jedenfalls: die Abstinenz ist bestraft Ivordenl Weil die Arbeiter kein Bier mehr trinken, hat die Wohlfahrtsfirma den Preis der" Flasche Selters- wasser um 100 Proz. gesteigert. Ein neues Ruhmesblatt im Wohl- fahrtskranze! i In Burg bei Magdeburg beschloß eine von über 1000 Personen besuchte Versaniinlung den Boykott de» verteuerten BierL. Nachdem die Äraucreibesitzcr eingesehen, daß sie ihre Rechnung ohne das konsumierende Publikum gemacht hatten, erklärten sie sich bereit, mit Pertretern der Partei und des Gewerkschaftskartells zu verhandeln. Vorher hatten sie sich jedoch bereits auf eine Er- höhung von 3 M. pro Hektoliter festgelegt. Die Versammlung lehnte es ab, den Aufschlag zu akzeptieren. Die Arbeiterschaft in Burg hat bereits vor drei Jahren einen Bierkrieg siegreich durchgesiihrt. Billiges Bier und freie Lokale. In Halle«. S. nahm eine sozialdemokratische Versammlung, in der auch bürger- lichc Elemente anwesend waren, Stellung zu der Bicrprciserhöhung. Reichstagsabgcordneter Albrecht referierte. Es wurde beschlossen, den Genutz des im Preise erhöhten Vieres zu meiden, bis die, Brauer den Bieraufschlag von M. aufheben und den Arbeitern alle Säle freigegeben hätten, die anderen Parteien zur Verfügung ständen. Zur Nachahmung empfohlen sei das Vorgehen Berliner Brauereien, die den Bierkrieg in Leipzig dazu benutzen, dort Kundschaft zu erwerben. Und das gelingt ihnen auch. Die Wirte, in Leipzig verkaufen eben lieber das billige Berliner als das teure Leipziger Bier. Die Nutzanwendung für die Wirte in Berlin und für die Brauereien außerhalb Berlins, liegt auf der Hand. Wenn Berliner Brauereien billiges Bier nach auswärts liefern und auswärtige Brauereien billiges Bier nach Berlin, dann kann ja allerorten der Vierkrieg beendet iocrden. Die Biere gelten nichts in ihrem Vaterlande, wenn sie zu teuer sind. MiMtänäe In einem oitpreukiichea Ssnstolinm. Unweit der Stadt Königsberg, im Dorfe Speichersdorf, befindet sich eine private Nervenheilanstalt, die eine G. m. b. H. vor mehre- ren Jahren erbaute. Seit einiger Zeit wurden über diese Anstalt ungünstige Gerüchte verbreitet. Man sprach davon, daß dort die Patienten von dem Wärtcrpersonal mit unnötiger Härte und Rück- sichtslosigkeit behandelt werden und daß man durchaus harmlose Kranke wider ihren Willen von der Außenwelt fernzuhalten suche. Da trat plötzlich ein Ereignis ein, durch das die im Umlauf befindlichen Gerüchte über die Speichersdorfer Anstalt ihre Bestätigung fanden. Ein Theologe, der Sohn einer Pfarrerswitwe aus Königsberg, flüchtete aus dem Sanatorium. Schon einmal hatte er einen t luchtversuch unternommen, war aber wieder eingefangen worden. ls er sich bei der Festnahme zur Wehr setzte, erhielt er von den Wärtern an Ort und Stelle eine gehörige Tracht Prügel und wurde dann nach der Anstalt zurücktransportiert. Die Ursachen seiner Flucht waren totale Abgeschlossenheit von der Außenwelt und harte Behandlung durch das Anstaltspersonal. Freiwillig hatte er auf Anraten des Hausarztes das Sanatorium aufgesucht, um seine Nerven gesunden zu lassen, die durch das Studium gelitten hatten. Bald aber sah er ein, daß er in Speichersdorf nicht gesunden könne. Ihm wurden die Kleider fortgenommcn und. obgleich er sich körper- lich durchaus nicht leidend fühlte, sollte er Tag und Nacht im Bette bleiben. Er erbat bei der Anstaltsleitung den Besuch seiner Mütter, feine Bitte wurde ihm abgeschlagen; ebenso wurde die Mutter des Theologen, die gleichfalls ihren Sohn sehen und sprechen wollte, trotz aller Vorstellungen wiederholt abgewiesen. Selbstverständlich wurde die Situation für den Theologen nach seiner ersten Flucht nicht günstiger. Er sann wieder auf Flucht. Noch einmal ver- fuchle er durch Bitten, dann durch energisches Verlangen, sein« Freilassung zu erwirken. Vergeblich. Am 1. August, in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag, flüchtete er zum zweiten Male. Nur mit einem Hemde bekleidet, eilte der Theologe über Feld und Wiesen von Spcichcrsdorf nach Awehden(einem Vorort von Königs- berg, in dem auch der städtische Schlachthof liegt) und suchte zunächst bei einem Bahnwärter Schutz. Er fand hier kein Entgegen- komncen. Der Beamte wollte den Flüchtling ergreifen, weil er den Worten des Hilfesuchenden keinen Glauben schenkte. In einem Hause der Aweyder Allee, dessen Flurtüre der Flüchtling schon offen fand, da bereits der Morgen graute, erbarmten sich endlich Menschenfreunde des Theologen. Ein im Hause wohnender Kassen- böte schickte den Flüchtling nach der vier Treppen hoch belegenen Bodenkammer, sofort werde er nachkommen und die Kleidungs» stücke herausgeben. Während der Kasscnbote sich ankleidete, kam der Bahnbeamte hinzu, der den Flüchtling weiter verfolgt hatte. Der Verfolgte, der seine Flucht zum zweiten Male vereitelt glaubte, riß in der Verztveiflung das oberste Flurfenster auf und sprang aus der vierten Etage in den Hof hinab. Er brach die Wirbelsäule, erlitt auch sonst noch andere schwere Verletzungen, war aber bei vollem Bewußtsein, als er von den erschreckten Bewohnern des Hauses aufgefunden wurde. Bald war auch das Anstaltspersonal zur Stelle; man hatte die Spur des Flüchtlings gefunden und die Wärter schickten sich an, dÄ, zu Tode Verletzten nach Speichersdorf zurückzudringen. Die Bewohner des Hauses widerfetzten sich dem und verlangten, daß der Unglückliche nach dem städtischen 5kranlen» hause gebracht werde. Der Theologe erklärte, lieber sterben zu wollen, che er sich nach der Anstalt transportieren lasse. Er nannte seinen Namen, er gab an, aus Königsberg zu sein Und dort eine Muter und mehrere Brüder zu haben. Die Wärter dagegen be- haupteten, der Kranke spreche im Fieber, er sei gar nicht aus Königsberg, sondern aus der Tilsiter Niederung. Dann kam auch der leitende Arzt der Anstalt hinzu, der gleichfalls, unter Hin- Weisung auf seine Autorität, die Herausgabe des Kranken ver. langte. Der Besitzer des Hauses, ein Flcischermeister, machte schließlich kurzen Prozeß, er ließ den Unfallwagen kommen, der den Verletzten nach dem Krankenhause brachte. Zuvor hatten aber die Anstaltswärter, unter Führung des ArzteS, noch einmal den Versuch gemacht, den Theologen mitzunehmen. Der Unglückliche wird, falls er mit dem Leben davonkommt, dauernd ein Krüppel bleiben. Am Sonntag nach dem Unglücksfall besuchten ihn mehrere Personen. Er versicherte, daß in der Speichersdorfer Anstalt noch zwei Nervenkranke auf ihre Be- freiung warteten. Der eine soll ein Gutsbesitzer Hoffmann aus der Lycker Gegend sein, der andere ein Herr, dessen Namen er vergessen habe, der aber einen Doktortitel führe. Der Kranke ver» sicherte ferner, in der Anstalt mehrmals Prügel bekommen zu haben, als er mit Energie feine Freilassung durchsetzen wollte. Er sei auch unter die kalte Douche gesteckt und dort so lange festgehalten worden, vis sein Widerstand gegen diese Behandlungen ge- brachen war. Im Februar des vergangenen Jahres flüchtete aus der An- stalt ein junger Mediziner. Auch er wurde in der Anstalt, obwohl er nur nervös ivar, wie ein Geisteskranker behandelt. Ihm wurden gleichfalls die Kleider fortgenommen und auch ihm wurde der Be- such seiner Mutter verweigert. Bei passender Gelegenheit floh er. Fußhoher Schnee lag auf Feldern und Wiesen. Als Kleidung dienten ihm zwei wollene Schlafdecken. Eine hatte er um den Oberkörper, die andere um die Beine gewickelt. Nach fast zwei- stündiger Wanderung erreichte er den Königsberger Ostbahnhof. Bei der Polizcistation meldete sich der Flüchtling und suchte Hilfe nach. Die Beamten waren scheinbar auf seine Vorstellungen ein- gegangen. Telephonisch wurde ein Wagen herbeigerufen. Er glaubte, er werde zu seiner Mutter gebracht werden. Seine Hoff. nung wurde aber leider arg getäuscht. Der Wagen, der vorrollte, war der Anstaltswagen aus Speichersdorf, seine Flucht war ver- geblich gewesen. Der junge Mediziner, der nach der Flucht wirklich schwer er- krankte, setzte es schließlich durch, daß er nach der Provmzialheil» anstalt Kortau bei Allcnftein gebracht wurde. Auch aus dieser Anstalt ist er dann im Sommer des Jahres 1908 geflüchtet, nicht aber, tveil die Behandlung und Verpflegung dort schlecht war, nein, er versichert, darüber nicht klagen zu können. Er hatte aber Sehnsucht nach gesunden, normalen Menschen, Sehnsucht nach seinen Angehörigen, fühlte er sich doch geistig durchaus gesund. Er ist jetzt vollständig wieder hergestellt und hat seine unterbrochenen Studien abermals aufgenommen. Die..Königsberger Volkszeitung" hat in mehreren Artikeln die geschilderten Zustände des Speichersdorfer Sanatoriums zur Sprache gebracht. Irgendeine Berichtigung von feiten der Anstalt ist der„Königsberger Volkszeitung" nicht zugegangen. Zu der?lffäre wird noch gemeldet: „Das Ermittelungsvcrfahren gegen Dr. Steinert als Leiter des Sanatoriums ist jetzt auf Grund umfangreicher Anschuldigungen und der gegen ihn vorliegenden Verdächtigungen wegen FrciheitS- beraubung und Mißhandlung solcher Patienten, die in dem Sana- torium Heilung ihrer Leiden suchten, von der königlichen Staatsanwaltschaft in die Wege geleitet worden. In nächster Zeit steht die gerichtliche Vernehmung einer Reihe von Zeugen bevor, die angeblich gravierendes Belastungsmaterial er» bringen können. Auch die königliche Regierung, als die in Betracht kommende Aufsichtsbehörde, hat nunmehr amtlich— auf Ersuchen des Chefarztes Dr. Steinert— in der Speichersdorfer Angelegenheit eingegriffen, um die Anschuldigungen, die gegen die Leitung der Nervenheilanstalt und einen Teil des dort ange- stellten Wärterpersonals erhoben worden sind, einer eingehenden Prüfung zu unterwerfen. Am Mittwoch vergangener Woche sind mehrere höhere Rcgierungsbeamte nach Speichersdorf gefahren und haben dort mehrere Belastungszeugen vernommen." Hus der f rauenbewegung. Arbeiterinnen und Hausfrauen! Viele von Euch sind gewerkschaftlich organisiert. Seit das neue VercinSgesetz besteht, könnt und sollt Ihr Euch auch politisch organisieren. Dürfen wir Euch nun auch noch zumuten, daß Ihr Euch einem Bildungsverein anschließt? Ja, wir rufen Euch dazu auf in Eurem eigensten Interesse. Euch, Arbeiterinnen, die Ihr dank unserer elenden Volksschule mit den mangelhaftesten Kenntnissen ins Leben tretet und die Ihr schwer oder nirgends eine Statt» findet, Euch geistig fortzubilden, Euch fordern wir auf, in unseren Bildungsverein einzutreten, der feit zehn Jahren fruchtbringende Bildungsarbeit leistet. Hier könnt Ihr das geistige Rüstzeug sammeln, das Ihr für die EntWickelung Eurer eigenen Persön- lichkeit so dringend braucht, und das Euch zugleich befähigt, als Kämpferinnen für die politische und gewerkschaftliche Organisation kraftvoll zu wirken. Der Verein, der jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat im Neuen Klubhause, Kommandantenstraße 72, tagt, hat für diesen Winter folgendes Programm aufgestellt: Am 1. September: Der Wert der Bildung für die Arbeiter- bewegung. Referent: Herr Engelbert Graf. Am Sonntag, den S. September, vormittags 10 Uhr: Vortrag und Führung durch das Märkische Museum. Referent: Professor Pniower. Am IS. September soll ein geselliges Beisammensein mit musikalischen Veranstaltungen Mitglieder und Gäste vereinen. Am 6. Oktober: Der Maler HanS Thoma und fein« Stellung in der modernen Kunst. Mit Lichtbildern. Referent: Dr. Max Osborn. Am 20. Oktober beginnt ein ZhkluS von fünf Vorträgen Tiber Theorie und Praxis der Erziehung. Referent: Heinrich Schulz. Am 20. Oktober: Zur Geschichte des Erziehungswesens. Am 3. November: Theoretische Grundbegriffe und Hilfsmittel der Erziehung. Am 17. November: Die häusliche Erziehung. Am 1. Dezember: Die öffentliche i Schul») Erziehung. Am IS. Dezember: Erziehung und Sozialismus. Am S. Dezember: Für die Kinder der Berliner Arbeiterschaft: Grimm-Feier. Märchenvorlesung. Vortrag: Heinrich Schulz. Eröffnung der Ausstellung empfehlenswerter Jugendschriften. Am 29. Dezember: Weihnachtsfeier mit Kinder?«. Arbeiterinnen, werdet Mitglieder des Vereins! Gäste sind uns jederzeit willkommen. -" Der Borstaud. Stellenvermittelung für Hausangestellte. Zu dieser Frage schreibt das Organ des Vereins für die Haus- angestellten u. a.: Die Stellenvermittlung ist ein sehr wichtiger Faktor in der Hausangestelltenbewegung. Bei der Vermittlung kann dahin gewirkt werden, Verbesserungen im Beruf herbeizuführen, die Arbeitszeit zu beschränken, den Ansprüchen der modernen Haus- angestelltenbewegung durch einen freien Arbeitsvertrag Rechnung zu tragen. Unbedingt notwendig ist es, daß die Vermittlerin selbst die Forderungen der Hausangestellten als gerecht anerkennt und unterstützt. Ferner, daß sie die Fähigkeiten und Kenntnisse der Haus- angestellten berücksichtigt und den Anforderungen der Hausfrauen und der Hausangestellten entsprechend die Wahl zu treffen weiß. Ist sie aus dem Dienstbotenberuf hervorgegangen und besitzt sie soziale? Verständnis, so ist das ein Vorteil für die Stellung- suchenden, die an ihr die gleichdenkende Kollegin haben, die jeder einzelnen gern mit Rat und Tat zur Seite steht. Für die Berliner Ortsgruppe haben wir stets den Zentralverein für Arbeitsnachweis, Linkstr. 11, 1 Treppe, empfohlen. Wir tun dies jetzt um so lieber, da von Anfang September ab Fräulein Arndt die Vermittlung da- selbst übernimmt. Die reiche Erfahruirg. die Kollegin Arndt während ihrer vieljährigen Dienstzeit sowohl, wie als langjähriges Verbandsmitglied besitzt, verdient das volle Vertrauen aller Kol- leginnen, denen Fräulein Arndt nach wie vor mit gutem Rat zur Seite stehen wird. DaS verantwortliche Amt, welches Fräulein Arndt übernommen hat, kann von den Mitgliedern dadurch unter- stützt werden, daß sie sich selbst immer mehr über die Berechtigung ihrer Forderungen unterrichten, die nicht nur an die Hausfrauen zu stellen sind, sondern darüber hinaus an die Gesetzgebung. Sie müssen ferner mit Ernst und Eifer darüber wachen, daß ihnen das einmal Errungene nicht wieder genommen wird. Die Mitglieder dürfen nie vergessen, daß der Verband dazu da ist, ihnen jeden Schutz angedeihen zu lassen. Für unsere Mitglieder ist es besonders wertvoll, eine Kollegin und Beraterin im Stellennachweis zu finden. und wir hoffen, daß sich alle Mitglieder nur noch an den Zentral- verein für Arbeitsnachweis, Linkstr. 11, wenden werden, damit den gewerbsmäßigen Stellenvermittlern immer mehr der Einfluß ent- ogen wird, den sie jetzt noch in so hohem Maße zum Schaden der Rädchen besitzen. AuS dem Lande der Freiheit. Die rasende Erbitterung, mit der die Arbeiter der Pressed Steel Car Company(Preßstahlwaggon- Werke), von ihren Frauen auf das Heldenmütigste unterstützt, in dem letzten großen Streik in Pittsburg den Kampf gegen ihre Aus- beuter führten, wird aus folgender Tatsache ohne weiteres begreif- lich: Die Meister und Aufseher hatten polnische, böhmische und slavische Arbeiter mit Entlassung bedroht, wenn sie ihnen ihre Frauen und Töchter nicht preis gäben.... Die Furcht vor dem Hunger war oft stärker als die moralischen Grund- sätze, und so kam es, daß viele der armen Teufel die Wünsche der allmächtigen Vorgesetzten erfüllten. Die Empörung über diese schamlosen Zumutungen und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen führte kürzlich zu erneuten Un- ruhen in der eingewanderten Arbeiterschaft, bei denen es Tote und Verwundete gab. Mit Hilfe von Soldaten und Polizisten stellte der Kapitalismus Friedhofsruhe her. Auf wie lange? Tatjana Leontieff unheilbar geisteskrank. Die junge russische Frecheitskämpferin, die vor einigen Jahren in Jnterlaken den russischen Henkersknecht Durnowo ermorden wollte, aber leider einen biederen Bürger traf und deswegen vom Schwurgericht in Thun zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, ist nun als unheilbar irrsinnig aus der Strafanstalt in die Irren- anstatt Neunsingen übergeführt Wörde??. Sie war bermutlich schon zur Zeit des Attentats nicht mehr ganz geistig normal oder hatte doch schon den Keim zum Wahnsinn in sich. Leseabeitde. Weisiensce. Leseabend. Montag, den 30. August, 8� Uhr, beim Genossen Roßkopf, Königchaussee 33. Vortrag. Genossin Fahrenwaldt. Lichtenberg. Montag, den 30. August, SV» Uhr, bei Ertel, Pfarr- straße 74, Vortrag:„Sexuelle Frage und Kindererziehung". Referentin: Genossin Klara Bohm-Schuch. Köpenick. Montag, den 30. August, 8& Uhr, im Lokal des Genossen Albert Stippekohl. Bersalnmlnngen— Veranstaltung««. Spandau. Mittwoch, den 1. September, 8)4 Uhr, bei Fritz Böhle. Havelstr. 20. Vortrag. Genosse Otto Hintze:»Naturheilmethode und Anwendungsformen". Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dtrektlon ilbcr den Großhandel in den Zenwal-Markthallcn. Marktlage: Fleisch: Zusuhr schwach, Geschäft lebhast, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend. Geschält rege, Preise gut. G e s l ü g e l: Zusuhr genügend, Geschäft lebhaft, Preise unverändert. Fische: Zusuhr genügend, Geschäft etwas schleppend, Preise unverändert. Butter und Kase: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obft und Südfrüchte: Zusuhr reichlich, Geschäst ansangS still, später lebhast, Preise wenig verändert. Wltteriingöiiberstcht vom L8. August 100». morgens 8»Hr. €taitoncn S« 0 e c£ 3 c 2 if Swtnemde erlin Frants.aM München Wien 765 N 766 WSW 766 NW 767 NO 765 N 762 NNW SeUer 2 bedeckt 2 wolkig 2 bedeckt 4 wolkig 2 Regen 3 bedeckt tax b5. *11 hS Stationen is "ü paranda 755W ckersburg 763W Scilly Werde«, Baris 763 N 763 WSW 763 N Setter c-» KS 4 wölken! 12 Ibedeckt Ibalbbd. 1 Regen 2 wo! gen -Ilettl 15 14 11 18 Wetterprognose für Sonntag, den SS. August 1009. Trocken und vielfach heiter, nachts ziemlich kühl, am Tage wärmer bei meist schwachen, wechselnden Winden. Berliner Wetterbureau. WaflerttandS-Nack, richten der LlMdeSanstalt für Gewässerlunde, mitgeteilt vom Berliner W-tterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r c g« l, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Kragen . Franksurt Wa r t h e, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Slbe, Leitmeritz , Dresden » Barby , Magdeburg 0+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) llnterpegel. Spezial-Angebot für die Einsegnungen! 'o o o o, 0 o Marke Condom. ist unstreitig das denkbar beste, dabei i prciswiirdigstc yabrihat. Elegante Fassons «udi(«i den blttlgeren pretalagen. Größte Leistungsfähigkeit durch direkten Verkauf eigener Fabrikate. Katalog gratis und franko. Für Mädchen: SChöÖFSllßfBl fein Chromleder, mit Laokkappen----" Für Knaben: Sclmiirstiefel wetterfest» ß7o * Qualität, voraügl. PaJSIorm 7.80 � Schnürstiefel laBosleder.be- 740 Schnürstiefel fein Chromleder, 750 liebte Paßkorm» mit IjackkaDDen......* Schnürstiefel echt b0�m, oso Martö.... 1 0.Rift V 00 währte Marke.... 10.50 Sehnflrstiefel echt Chevreau oder Boxkalf mit Lackkappen, moderne breite Form..... Schnürstiefel"0r�Good- mit Lackkappen....... 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Dieselben besuchen die Vertrauensmänncrversammlung ihrer Branche oder die ihrer Werkstatt am nächsten liegende Bezirks- Vertrauensmännerversammlung. »- Die Versammlungslokal« sind folgende: 88/19 Tischler. SÜß' WeSteil t16' Habel, Bergmannftr. 5/6. Süden bei Glleslng, Wasscrtorstr. 68. SOdOSteil I ü. II tu den h'aunyn■ Fcststtlen, Nannynstr. 6. Die Kollegen der Firma Bokel, Muskauer Str. 80, sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. listen 1 bei Borgmann, AndreaSstr. 81. Osten II bei Plrnan, Frankfurter Allee 106. Osten III bei Bergmann, Boxhagener Strafte 86. Oeslllche Vororte l" Nordosten bei Boeker, Weberstr. 17. Jede Sargtischlerei muß einen Vertrauensmann nach dieser Versamm- lung senden. Rosenthaler n.SchönbauserVorstadt Wedding U. Moabit bei Kaczorawskl, Ravensstr. 6. Bautischler. Bez. 1: Südwesten, Silden, Südosten aLS�isc. BeZ. 2! OSten bei Zlctz, Warschauer Strafte 61. Bez. 3: Hordenu.nördI.¥ororteftoi.S®"Ä.74. Bez. 4: Gesandbrunnen, Wedding und Moabit bei Sachse, Lindower �Strafte 86. MdelpoUerer und Beizer. Osten bei Becker, Weberstr. 17. Südosten im„Märkischen Hof«, Admiralstr. 18°. Norden bei Günther, Brunneustr. 96. Die Tischler werden gebeten, die Polterer ihrer Werkstatt ans diese Versammlung aufmerksam zu machen. Magazinarbeiter bei Wilhelm Kntzncr, Schufteustr. 18/19. Drechsler, Treppengeländer- nnd Luxusmöbelhranehe. NOrden bei OOhling, Brunneustr. 79. OSten bei Schneider, Friedenst». 67. Südosten u. Südwesten � stramm, mtturftr. 123. Musikinstrumenten« Arbeiter um 8 Uhr abends im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15, Saal 8. Maschinenarbeiter im Gewerkscbaftshanse, Engelufer 15, Saal 7. Modell- nnd ftbrikttsehler um 8 Uhr bei Polzln, Gormaunftr. 14. Bodenleger im Gewerkschaltshanse, Engelufer 15. Stellmacher bei Hahn, Nosruthaler Vereinshaus, Rosenthaler Strafte 57!» Ztlsten- nnd XoNermneker bei Bandach, Breslauer Strafte 88. Korbmacher bei Elchhorn, Koppeustraftc 47» Bürstenmacher bei Prenß(Hilsebein-Ausschank), Holzmarktstrafte 65. Kammacher bei Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Vergolder bei Hinge, Lange-Strafte 53. JalousiesArbeiter bei Walter, Adaibertstr. 68. Perlmutt-, Horn-». Steinnußarbeiter um 6 Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorstr. 5. ßiiderrahmenmachep um 6 Uhr bei Natteroth, Rittersir. 38. Stockarbeiter um S'l, Uhr bei Lehmann, Reue Friedrichstr. 1. Die Bibliothek ist wieder eröffnet; die Mitglieder werden ersucht, dieselbe fleistig zu benutzen. Die Ortsvcrwaltnng. 1 Zimmer und Küche von 224 M. an IHOBEL1 A. Erlese, Uiclmelkirchstrile 8. Ecke Köpenicker Straße. S« » s blendend schönen Teint, weiße, sannnetw eiche Haut, ein zartes reines Gesicht uud rosiges jugendsrischeL Aussehen erhält man bei täglichen Gebrauch der allein echtm Stetkcnpferd'CillenmilcivStife von vergmaim S Lo..na�«g! Montag, öen 30. August ct., abends 8'/, Uhr: Versatmnluttg der Saudeptttterfen im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, TageS-Ordnung- Das Resultat der Aufnahme über die ArbeftS-«ud Lohnbedinguugeu. «B. ES sei Pflicht jedes Kollegen, dafür Sorge zu tragen, daft von jedem Bau eine Ver- tretung zugegen ist. Oer Vorstand des Tentralverhande» der Maurer. Zwclgvcrcln Berlin. 139/5 Wir verweisen noch einmal aus bin Besuch der Sternwarte in Treptow am Sonniag, den dSeplember, abends 7 Uhr, bestehend auS einem DemonstraiionSvortrage des Direktors Herrn Dr. Archenhold und nachheriger Beobachtung von Weltkörpern miltels des grojzen Fernrohrs.-MA Billetts zum Vorzugspreise von 80 Ps. sind bei allen Obleuten sowie im VerbandSbnreau, GewerkschastshauS, Engeluser 15, Zimmer 53—55, zu haben. D. O. Achtung! Zigarrenhändler I Achtung! Die bestsortierte und billigste Einkatsfsquelle in Zigaretten, Zigarren und Tabaken sämtlicher eingeführter Fabrikate ist Ii WMMMM Up. Simmel Spezial-Arzt• für Haut- und Harnleiden. 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Der Ilnterrloht in meiner Anstalt wird von 23 Herren, praktisch erfahrenen Kauflentcn, akademisch gebildeten und staatlich geprüften Lehrern, und 11 Lehrerinnen erteilt. Es stehen 25 Klassenzimmer nnd DO erstklassige Schreibmaschinen zur Verfügung. y Beginn der neuen Kurse 5. Oktober. 1. Handelskurse für Herren Jabres-, Halbjahrs-, Dreimonats-, höhere Handelsknrse. Lehrplan für die Halbjahrskurse A. Unterstufe(Eiem.-Kursus) II. Oberstnfe. Wahlfächer: Englisch, Französisch, Grammatik, Korrespondenz, Konversation,]o nach der Vorbildung. Der Elementarknrsns ist für innge Leute eingerichtet, die aus der Voikssehuie oder einer unteren Klasse einer höheren Schule abgegangen sind und in der Zeit zwischen ihrer Konfirmation und dem Eintritt In ein Geschalt das In der Schule Erlernt« ergänzen undaisLebriing in ein kaufmännisches Kontor eintreten wollen. WermltErfoig die Unterstufe durchgemacht hat, kann in die Oberstulo eintreten, C. Htther« Handelzkurse lür Herren, die entweder aas einer oberen Klasse einer höheren Schale abgegangen sind oder bereits praktisch tätig waren und über eins gute Vorblldung vorlügen. Die Teilnehmer werden zu tüchtigen Buchhaltern, Kontoristen nnd Korrespondenten aus- febiidet. Der Besuch ist besonders solchen Herren zu empfehlen, le im Besitze des Einjährigen-Zeugnisses sind und sich dem kaufmänniseben Beruf widmen wollen. Die Oberstufe bietet Vorge- echrlttenon und Kaufleuten, die schon praktisch tätig waren, Gelegenheit zur Erweiterung und Vertiefung ihrer kaufmännischen Kenntnisse. Dozenten; Dr. ph. Kratz, Dr. Jur. Wnlsch, Dr. Jur. Hoerschgen, Syndikus Eickhoff, Braokanf, Foitzick, Gullasoh. Wahlfächer: Engl. Französ. Grammatik, oder Korrespondenz nnd Konversation. 2. Handelskurse für Damen Jahres-, Halbjahrs- u. Dreimonatskurse zur gründlichen theoretischen u. praktischen Ausbildung als: Buchhalterin, Geschättsstenographln, Bureaubeamtin, Korrespondentin, Kassiererin, vormittags 9—1 oder 2 Uhr. Mit den Halbjahrs- nnd Jabresknrsen Ist ein praktisches Uehungs- kontor(Musterkontor) verbunden. xxxxxxxxxxxxxxxxxx Feinstes Berliner floppelliier pasteurisiert allgemein bevorzugt, alkoholarm C Ueberall käuflich! ■■■ o X Bergbranerei, Berlin N. 4, Tel. Amt III, 1412. XXXXXXXXXXXXXXXX XX Eigene Fabrikation Im Hanse! Möbelfabrik Julius Apelt, Tischler-Meister 6. Adalbertstraße No. 6"ÄÄr Komplette Wohmmgs-Sinriehtmmen Moderne Musterzimmer j;™zVfcneiiigÄMten stehen zur Ansicht zu soliden Preisen In meinen großen Fabrik- und Verkaufsräumen.— Auf Wunsch Zahlungserleicbterung. Ringfreie � � Kohlen. � Salonbriketts, Äü!kormat b6i frei Keller 8.25 Industriebriketts ��6ntaer p™ b„ 0.85 Ruobnbo städt., zerkleinert, b. 10 Ztr." ICC UaiRuKb, od. 10 hl pr. Ztr. od. Hektol.„„ pri... 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Und der greise Erfinder, der allen Fehlschlägen und Mißerfolgen zum Trotze viele Jahre hindurch mit der zähen Ausdauer und dem kühnen Wagemut des genialen Bahnbrechers an seinem Werke gearbeitet hat, um zuletzt den glorreichen Erfolg seines Lebenswerkes zu erleben, hat diesen Enthusiasmus auch redlich verdient. In dem Empfangsjubel für Zeppelin findet freilich nicht allein die freudige Anerkennung für die markige Tüchtigkeit des seltenen Mannes, für die prächtige Persönlichkeit dieses Wegweisers und Pfadfinders neuer Kulturentfaltung ihren Ausdruck, sondern auch der von allem Persönlichen losgelöste Enthusiasmus über den neuen glänzenden Triumph des Menschengeistes. Angesichts des trotz seiner Riesendimensionen so graziösen Luftschiffs, das ein leichter Hebeldruck der mensch- lichen Hand so spielend zu meistern vermag, gibt es wohl keinen Einzigen, der sich nicht im Gefühl der Größe des ge- schichtlichen Augenblicks sagte: von heute und hier ab beginnt eine neue Epoche der Weltgeschichte, und Ihr könnt sagen, daß Ihr dabei gewesen seid! Die letzten hundert Jahre der Menschheitsgeschichte sind ja überreich an Triumphen der Technik. Ungeheuer sind die Fortschritte auf dem Gebiete des Verkehrs. Wo sich zur Zeit unserer Großeltern noch die Postkutsche und der schwer- fällige Lastwagen die Landstraße entlangquälten, da braust jetzt mit Hundertkilometergeschwindigkeit in der Stunde der Eilzug, da rollt auf Hunderten von Achsen eine ganze Schiffsladung von Frachtgütern. An die Stelle der schnecken- Haft über das Meer schleichenden Schiffe, gefürchtet als Scorbut- und Typhushöhlen, sind die flinken Ozeanwind- Hunde getreten, schwimmende Paläste, die den Passagier in fünf, ja in vier Tagen von der alten nach der neuen Welt tragen. Und sollen wir erst von den eisernen Sklaven, den Maschinen reden, die der Menschengeist in den Dienst der Arbeit geschirrt hat? Noch fronen diese eisernen Sklaven zwar erst im Dienste des Kapitalismus, statt in dem der Menschheit— allein die Existenz der modernen Arbeiterbewegung, eines starken internationalen Sozialis- mus und die Siegessicherheit dieses Sozialis- mus ist doch nur der Entwickelung der modernen Technik, der Verbreitung der menschliche Arbeitskraft sparenden Ma- schinen zu danken. Ob die EntWickelung der Luftschiffahrt ähnliche tief- greifende soziale Umwälzungen bringen wird? Ob es ihr auch nur jemals möglich sein wird, den Verkehr derartig zu revolutionieren, wie das im verflossenen Jahrhundert Eisen- bahnen und Dampfschiffe vermocht haben? Wer vermöchte heute solche Fragen zu beantworten? Stehen wir doch erst im Anbeginn der Entwickelung der Luftschifftechnik. Vermögen doch selbst unsere genialsten Techniker die Entwickelungs- Möglichkeiten der Luftschiffahrt nicht im entferntesten zu übersehen. Nur das wissen, das erleben wir, daß die Luft- schiffahrt in ein paar Jahren enorme, fast märchenhafte Fort- schritte gemacht hat. Die Fahrt eines Lenkballons vom Boden- see nach Berlin ist eine grandiose Leistung, und die Ersah- rungen von Reims, daß auch eine Flugmaschine sich heute bereits mehr als drei Stunden in der Luft zu halten und 18l) Kilometer zurückzulegen vermag, sind nicht minder staunens- wert. Selbst die Tatsache, daß sich einstweilen der Militarismus und der Sport der Luftfahr- zeuge bemächtigen werden, vermag die Freude an Luftschiffen und Flugmaschinen nicht zu trüben. Und wenn auch nach Zeppelins eigener Kalkulation ein Passa- gier für eine mehrstündige Luftfahrt mindestens 200 M. wird zahlen müssen, wenn ferner auch ein Aeroplan zwischen 7500 bis 20 000 M. kostet, so daß sich nur Angehörige der Bour- geoisie den Luxus des Reifens durch die Luft leisten können, so ist das für das Proletariat nur ein Ansporn mehr, dem Kapitalismus und den privilegierten Klassen die Herr- schaft über die Technik aus der Hand zu winden, damit nicht nur die Arbeitsmaschinen zum Wohle der Menschheit rationell verwendet werden können, sondern auch alle technischen Er- rungenschaften, die den Lebensgenuß, die Lebens- freudigkeit der Menschheit steigern können! Und welch höherer Genuß läßt sich denken, als der Flug durchs unendliche Aethermeer, als die Beherrschung des Ozeans der Luft! Als wie groß oder wie klein sich immer die soziale Bedeutung der Eroberung der Luft herausstellen mag— sinnenfälliger hat sich noch nie ein Erfolg der Technik offenbart, mit höherem Stolze ist noch nie ein Triumph des Menschengeistes empfunden worden! Die Er- oberung der Luft ist das Wahrzeichen des Siegs über wider- strebende Naturgewalten, die Verheißung des endlichen Sieges der Vernunft und des festen Menschenwillens über alle Hemmnisse! * m m Der Aufstieg in Nürnberg und die Weiterfahrt. Die Weiterfahrt des»Zeppelin III" von Nürnberg konnte in der gestrigen Nacht um 2 Uhr 15 Minuten vom Nürnberger Dutzendteich erfolgen. Trotz des schlechten Wetters hatte sich gegen Mitternacht eine große Menschenmenge auf der Landungsstelle im Walde hinter dem Dutzendteich eingefunden. Das Luftschiff hob sich vom nacht« lichen Himmel noch gewaltiger als bei Tageslicht in fast unheimlichen Dimensionen ab. Als um 12 Uhr 4.0 Min. die Motoren angetrieben wurden, begrüßte die Volsmenge dies mit großem Jubel. Die Ab- fahrt verzögerte sich aber noch bis nach L Uhr. Die Anwesenden blieben trotz der nächtlichen Stunde und der fühlbaren Kühle der Zeppelin in Kerlin. Witterung auf der Landungsstelle. Um 2 Uhr 15 Minuten erfolgte dann endlich der Aufstieg. Es war ein großartiger Anblick, wie der „Z. Eil" sich langsam und ruhig in den nächtlichen Himmel erhob. In etwa 50 Meter Höhe machte er eine Schwenkung nach Nordost und schlug dann diese Richtung ein. Die anwesende Volksmenge jubelte unausgesetzt, bis das Luftschiff ihren Blicken entschwunden war. Erst beim Heimmarsch zeigte es sich deutlich, wie ausnehmend groß der Besuch an der Landungsstelle trotz der späten Nachtstunden gewesen war. Ueber den Verlauf der Fahrt melden folgende Depeschen: Nürnberg, 23. August. Der„Z. in." ist über den Schmausenbuck in nordöstlicher Richtung auf Bayreuth zu gefahren. Der neue Motor wurde vor der Abfahrt über eine Stunde lang ausprobiert und zeigte durchaus befriedigende Resultate. Nach Einnahme des nötigen Proviants erhob sich das Luftschiff stolz und sicher und schlug sofort die oben angegebene Richtung ein. Das Wetter ist trocken. Bayreuth, 28. August, 7 Uhr 3 Min. morgens.»Z. III" ist soeben über der Stadt erschienen. Oberingenieur Dürr warf eine Karte aus der Gondel mit folgendem Inhalt: 7 Uhr 3 Minuten über Bayreuth, alles glatt, an Bord alles wohl. Das Luftschiff schwebte noch eine Zeitlang über der Stadt und verschwand dann in den Wolken. ConradSrcuth, 28. August, 10 Uhr. DaS Luftschiff»Z. HI' ist soeben hier in Sicht gekommen. Hof, 28. August, 10 Uhr 23 Min. vorm.»Z. III' hat soeben Hof erreicht; er hat sehr starken Gegenwind gehabt. Plauen i. Vogtl., 28. August.»Z. HI" wurde um 11 Uhr SO Min. über Plauen gesichtet. Plauen, 28. August, 12 Uhr 45 Min. nachm. Die außerhalb verbreitete Meldung von einer Havarie bezw. von einem Zurücktreiben des„Z. III" ist falsch. Der Ballon ist in vorzüglicher Verfaffung und fliegt jetzt in der Richtung auf Greiz. Reichenbach im Vogtl., 28. August.„Z. Hl" überfuhr die Stadt gegen 1 Uhr in der Richtung nach Greiz. Infolge starken Gegen- Windes fuhr der Ballon sehr langsam. Weida, 28. August. 1 Uhr 35 Min. nachm.»Z. HI" kommt soeben aus der Richtung Greiz hier in Sicht in der Fahrtrichtung auf Gera. Wcrdau, 23. August. Nach lli2 Uhr wurde das Luftschiff„Z. Hl" hier gesichtet. Crimmitschau, 28. August. Um 2 Uhr ist»Z. Hl' in Crim mitschau gesichtet worden, er dürfte um 3 Uhr in Altenburg eintreffen. Bitterfcld, 23. August. Wetterbericht von 8 Uhr 30 Min. vorm Windgeschwindigkeit in 100 Meter Höhe 4 Meter, in 200 Meter 3.6, in 300 Meter 6,3, in 400 Meter 7.4. Die Windrichtung ist N. bis NNO i daS Wetter ist trübe, aber aufklarend. Das Barometer steigt, Verlust eines Propellers. Altenburg, 28. August. 4 Uhr nachmittags. DaS Luftschiff „Z. III" hat zwischen Crimmitschau und Altenburg in der Nähe von Schmölln einen Propeller verloren und fliegt langsam in der Richtung auf Leipzig, wo boraussichtlich eine Landung statt finden wird. Bitterfeld, 23. August, 4 Uhr 40 Min. Nach hierher gelangten Nachrichten wurde das Luftschiff»Z. III" gegen 4Vz Uhr über Borna gesichtet. Ingenieur Kober telegraphierte, daß zwei Propeller je einen Flügel verloren haben. Graf Zeppelin ist kurz bor 4'/« Uhr per Automobil dem Luft- schiff entgegengefahren. Roetha, 28. August. Das Luftschiff„Z. III' fuhr um 4 Uhr 35 Min. westlich von Roetha(14 Kilometer südlich von Leipzig) in der Richtung nach Leipzig. Leipzig, 23. August, 5 Uhr 15 Min. Soeben überfliegt das Lustschiff»Z. III" in ruhiger Fahrt die Stadt. Keine Landung in Leipzig. Bitterfcld, 23. August.»Z. III' war um 5 Uhr 30 Minuten über Leipzig-Eutritzsch sichtbar. Er fährt mit drei Schraudcn in der Richtung auf Bitterseld weiter. Die eine ist gebrochen, doch erfolgt keine Zwischenlandung. Graf Zeppelin war persönlich in Leipzig und war mit der Geschwindigkeit des Luftschiffes z u frieden. Die Landung in Bitterfeld. Bitterfeld. Luftschiff ü Uhr 25 Minuten glücklich gelandet. • Bitterseld, 28. August. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist der Aufstieg des Luftschiffes„Z. III" für morgen früh 7 Uhr in Aussicht genommen. � Unvorsichtige Ankündigungen. Nun hat Zeppelin den Berlinern wieder einmal eine Eni- täuschung bereitet. Oder vielmehr: nicht Zeppelin ist an dieser Enttäuschung schuld, sondern die braven Behörden und Presse menschen, die den Tag der Ankunft des„Zeppelin EU" mit durch nichts zu erschütternder Bestimmtheit auf Sonnabend, den 23. August, festgesetzt hatten. Zeppelin wurde dergestalt auf Tag und Stunde zum Erscheinen befohlen, er machte auch gute Miene zum un- überlegten Spiele und versprach, sein Möglichstes zu tun. Nur das Luftschiff selbst kümmerte sich wieder einmal nicht um die vermeffenen Wünsche, sondern zwang seine Führer zur Landung und zum lieber- nachten in B i t t e r f e l d. Zeppelin selbst weiß die Eigenart seines noch immer recht eigen- willigen Vehikels viel zu gut zu respektieren, als daß er sich freiwillig auf Tag und Stunde festgelegt hätte. Das bewies seine erste Fahrt nach Berlin, die ganz im stillen und ohne großspurige Ankündi- gungen seiner Ankunft erfolgte. Zeppelin weiß eben, daß eine glückliche Fahrt zurzeit noch von einer Reihe von Nebenumständen abhängig ist, wie Wind und Wetter, Trockenheit oder Nässe, den Motoren usw., die sich einfach jeder Berechnung entziehen. Er hätte sich deshalb mit der Mitteilung begnügt, daß er dann rqrd dann nach Berlin abfahren werde. Unsere Berliner Herrschasten aber brachten preußischen Schneid in die Sache, machten den Luftschiffern genaueste Vorschriften bis zu den Schleifen, die über jedem einzelnen Stadtteil zu fahren seien, und erlebten dann, daß ein Lenkballon denn doch nicht so gut gedrillt ist wie ein preußischer Grenadier— was sie übrigens aus den mannigfachen Schicksalen der„Parseval" und.Groß" zur Genüge gelernt haben sollten! Soweit also das Publikum eine unangenehme Enttäuschung erlebt haben sollte, mag es nicht den Grafen Zeppelin oder seinen Leuten die Schuld dafüt beimessen, sondern denen, die ihm für den Sonnabend nicht die Möglichkeit, sondem die Sicherheit der Ankunft deS „Zeppelin HI" in Aussicht gestellt hatten. Daß das Luftschiff am Sonnabend Berlin nicht mehr erreichen würde, ließ sich schon am Bormittag annehmen, als erst um Vzll Uhr seine Ankunft in H o f gemeldet wurde. Wenn„Zeppelin IH", der um 2 Uhr 10 Minuten in Nürnberg abgefahren war, zur Zurück- lcgung einer Strecke von kaum 120 Kilometer neun Stunden ge- braucht hatte, so war kaum zu erwarten, daß er die restlichen 250 Kilometer bis Berlin in 6—3 Stunden zurücklegen werde. Statt das Publikum mit dieser Tatsache vertraut zu machen, leistete die Mittagsprcsse noch der Illusion allen Vorschub, daß dennoch gegen 6 Uhr die Ankunft in Berlin zu erwarten sei. » In Erwartung Zeppelins. Die Zeppelin-Erwartung hatte dem Straßenbild bereits in den ersten Nachmittagsstunden ein ganz eigenartiges Ge- Präge aufgedrückt. Namentlich nach dem Tempelhofer Felde strömten schon von 2 Uhr ab gewaltige Menschen- Massen. Die Straßenbahnen und Autoomnibusse waren über- füllt, dazlvischen glitten ununterbrochen behende Autodroschken oder rasselten auch schwerfällig Fahrzeuge, die sonst der Personenbeförderung nicht zu dienen pflegen. Am Tempel- hofer Felde selbst füllten sich nicht nur die Tribünen, sondern auch die enormen Rasenflächen des Paradeterrains. Nament» lich ziuischcn der sogenannten Kaiserpappel und den Tribünen bildete das Publikum eine einzige schwarze Masse, während die übrigen Teile des Hunderte von Hektaren umfassenden Feldes zlvar auch mit Menschen dicht besät waren, aber doch noch ein bequemes Lagern gestatten. Es entzieht sich jeder Schätzung, wieviel Personen hier der Ankunft Zeppelins geharrt haben mögen. Inmitten der ungeheueren Menschenmenge, die aus der Vogelperspektive ein überaus malerisches Bild bot und sich durch Plaudern und Scherzen nach Möglichkeit die Zeit der- trieb, suchten Ballonvcrkäufer und fliegende Bierhändler nicht ohne Erfolg ein Geschäft zu machen. Namentlich auch kleine Zeppclin-Fähnchen bildeten einen begehrten Handelsartikel. Und den riefenhaften Trubel überstrahlte die Sonne, die am Mittag durchgebrochen war, mit ihrem goldigsten Lichte. Nur Zeppelin wollte nicht kommen. Vergebens schauten die Harrenden immer wieder nach den Fahnensignalen aus, durch die die Ankunft des Lustschiffs in Bitterfcld und seine Weiter- fahrt von Etappe zu Etappe kenntlich gemacht werden sollten. Gegen 1lß Uhr endlich verkündigten berittene militärische Ordonnanzen, daß Zeppelins Ankunft verschoben werden müsse. Die 10 Mark-Plätze der Tribünen entleerten sich, und die gewaltige Menschenmenge begann sich nach den Zufahrts- straßen zu schieben und allmählich zu zerstreuen. Aber eine noch gewaltigere Menschenmenge wird Zeppelin an denselben Stellen begrüßen, falls er am Sonntag ein- treffen sollte. Ist die Landung eines Lustballons strafbar? Törichte Frage, wird der Leser meinen. Und doch gibt es eine königlich preußische Polizei, die darüber anders gedacht hat. Vor 22 Jahren stieg der Luftschiffer Opitz mit seinem Ballon in Berlin auf. Er hatte als Ort des NiederkommcnS feines Ballons Schmargen- darf ausersehen und einen Wagen zur Abholung dorthin beordert. Als Opitz auf Schmargendorfer Gebiet landete, bot ihm der da- malige AmtSvorsteher Kirchner seinen Wagen zur Beförderung des Ballons an. Der Luftschiffer lehnte dankend ab. da sein eigener Wagen in Kürze ankommen müßte. Der Vertreter der königlich preußischen Polizei faßte daS als Uz auf, da es ihm unmöglich schien, daß ein Luftschiffer voralisbestimmen könne, wo er landen werde. Er erklärte nun, er pfände den Ballon wegen des Flurschadens, den der Luftsegler durch die Landung seines Ballons und das dadurch veranlaßte Zusammenströmen von Menschen der- ursachte habe. Vergeblich protestierte Opitz, wies darauf hin, daß Kaution für etwaige Schäden bei dem Teltowcr LandratSamt hinter- legt sei. Er machte den Amtsvorsteher dann darauf aufmerksain, daß bei nicht sachgemäßer Entleerung des Ballons die Umhüllung Schaden leiden könne. Der Amtsvorsteher forderte Opitz auf, de» Ballon zu leeren. Der Luftschiffer lehnte das ab. Der Ballon wurde darauf vom Amtsvorsteher für verhaftet erklärt und abgeführt. Am folgenden Tage mußte auf Beschwerde hin der Ballon seinem Eigen- tümer zurückgegeben werden. Wie Opitz vorausgesagt, hatte aber die Umhüllung Schaden gelitten. Der Amtsvorsteher wurde auf Schadensersatz verklagt und zur Zahlung von sechshundert Mark Schadensersatz und etwa ebensoviel Kosten rechtskräftig verurteilt. In- zwischen hatte der AmtSvorsteher einen Strafbefehl g e g e n Opitz erlassen, weil dieser— dadurch groben Unfug verübt habe, daß er„mit einem Luftballon, mit dem er auf- gestiegen, in Schmargendorf niedergekommen war nnd hierdurch einen Auflauf von Menschen verursacht" habe. Diese köstliche Polizei-Jdce, die Niederkunft eines Luftballons als groben Unfug zu bestrafen, fand bei dem Charlottenburger Schöffengericht, an das Opitz sich wendete, keinen Beifall: Opitz wurde kostenlos frei» gesprochen. Seitdem hat, insbesondere wohl durch die erfolgreiche Schadensersatzklage belehrt, die preußische Polizei unseres Wissens das Grobe-Unfug-Mädchen für alles nicht mehr auf Ballons gehetzt. Aber Iveit gefehlt wäre die Annahme, daß nicht auch heute noch der Straf- richtcr in Preußen gegen Luftschiffcr mobil gemacht werden könnte. In Preußen gibt es nichts, das nicht von Juristen, die polizeilicher Führung folgen, als strafbar erachtet werden kann. Die berühmten Verfromnmngsverordnungen, die für die preußischen Regierungs- bezirke erlassen sind— die für Berlin publizierte ist am v. November 1001 unter dem Titel„Polizeiverordnung betr. die äußere Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage' erlassen— bedrohen mit Strafe alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten", wenn sie an Sonn- oder Feiertagen vorgenommen werden. Die Spruchpraxis einiger Ge- richte— so dieser Tage die dcS Nordhausener Schöffengerichts, hin und wieder auch des KammcrgerichtS— hat in einigen Fällen dem polizeilichen Drängen, das Flugblattverteilen als öffentlich bemerkbare„Arbeit" zu erklären, stattgegeben. Gewiß eine dem juristisch nicht verbildeten Menschenverstand unbegreifliche Auf- ässung: das Tragen eines Gewehres oder das Tragen einer Bibel ist keine Arbeit, aber daS Tragen eines leichteren PackeS Flugblätter ist eine„öffentlich bemerkbare Arbeit". So anfechtbar und gefstz- widrig die Bestrafung wegen Flugblattverbreittmg am Sonntag ist; io wenig ließe sich gegen die Anwendung der erwähnten VerstommungS« derordmmg nach ihrem Wortlaut auf die Luftschiffehrt am Sonntag einwenden. Von dem Verbot„öffentlich bemerkbarer Arbeit' ist in § 4 der erwähnten Polizeiverordnung zwar der„Eisenbahnverkehr, der Personclischiffabrtsverkehr, dnS Lohnfuhrwesen, der Gewerbebetrieb der Kahnverleiher, Gondelsührer und Fahrradverleiherinstitute', nicht aber der Lufschiffverkehr ausgenommen. Hätte Zeppelin das Pech, am Sonntag auf preußischem Gebiet zu fahren oder zu landen, so würde ihn also die Strafjustiz wegen„öffentlich bemerkbarer Arbeit' verfolgen können, wenn die berühmten Verfrommungs- ordnungen zu Recht bestünden. Bekanntlich setzte der Kammer- gerichtsrat Havenstein es durch, daß der Strafsenat des Kammer- gerichts die Ungültigkeit dieser Polizeiverordnungen aussprach. Darauf wurde zum Beweise des Märchens von richterlicher Un- abhängigkeit dieser verständige Richter gegen seinen Willen an einen Zivilsenat versetzt und dann beurlaubt. Seitdem hält das Kammer- gericht die angeführten Polizeiverordnungen für gültig. Wird nun Anklage gegen Zeppelin erhoben werden oder sind die matzgebenden Behörden nun selbst zu der Einsicht gelangt, daß die für Preutzcn erlassenen Polizeiverordnnngen, die die Luftschiffahrt am Sonntag Verbieten, verfassungswidrig sind? cehrlinge, lagendlkbe Arbeiter und Arbeiterinnen! Lenoiien und Genoffinnen! Der Kampf um die Jugend ist auf allen Seiten entbrannt. Kaum hat die proletarische Jugendbewegung sich bemerkbar gemacht. so beginnen auch schon die Gegner der modernen Arbeiterbewegung, ihre Fangarme nach unseren Jugendlichen auszustrecken. Es gilt deshalb, auf dem Posten zu sein und unsere jungen Freunde vor unseren— ihren Feinden zu schützen. Die bürgerliche Jugendbewegung verfügt über reichere Mittel und die Behörden stehen schützend und fördernd hinter ihr. Wir haben Vernunft und Recht auf unserer Seite und gegen uns den gesamten Behördenapparat. Bei unseren Sommcrausflügen war die ganze Gendarmerie auf den Beinen und mit aller Macht suchte man unsere Reihen ins Wanken zu bringen. Aber unsere junge Garde hielt sich tapfer, und sie wird ihre Tüchtigkeit und ihren Eifer auch im Winter beweisen, wenn der Jugendausschutz sie zu ernster, stiller Arbeit aufruft, um Bildung und Wissen der Arbeiterjugend zu heben. Am S. September beginnen wir unsere Wintertätigkeit mit einer grossen Versammlung im Gewerkschaftshause abends 7 Uhr, in welcher Schriftsteller Heinrich Schulz einen Vortrag halten wird. Thema: Jugendideale. An den folgenden Sonntagen sprechen: R. Wissell: 12. September, Arminhallen:) EntwickelungS- tendenzen der modernen Technik. K. Liebknecht: LS. September, Drachenburg: Die beutsche Jugend in den Befreiungskriegen. R. Laube-Leipzig: 3. Oktober, Borussiasäle: Deutschlands Städte und Gaue.(Lichtbildervortrag.) Luise Zieh: 1». Oktober, Prachtsäle: Festrede.'(Jugendfeier.) S. Katzenstein: 17. Oktober, Feuersteins Festsäle: Jugend und Alkoholfrage. Dr. Wehl: 31. Oktober. Arminhallen: Die Kunst, das Leben zu verlängern. H. Ströbel: 7. November. Prachtsäle: Festrede.'(Schillerfeier.) Weitere Sonntagsvorträge haben zugesagt: Ida Altmann, I. Borchardt,. Dr. Frank. Göhre, Grunwald, R. Schmidt, Wally Zepler. An diesen Sonntagabenden soll nach den Vorträgen auch Ge- selligjkeit und Unterhaltung gepflegt werden. Auherdem lverden an Wochenabenden LortragSkurse der- anstaltet, und zwar über NationalSkonomie(1 Kurs für Vor- geschrittene, 2 Kurse für Anfänger), soziale Bewegung, Geschichte, Naturwissenschaft, Technik und Literatur. Referenten: Graf, Grunwald, Schenk, H. Schulz, Schumann, Woldt, Wally Zepler. Diese Kurse■ beginnen End« September. Die Teilnehmer wollen sich baldigst schriftlich bei W. Schenk. Werneuchener Strasse 13, melden, unter Angabe des Namens, der Adresse und des Kurses, dem sie beiwohnen wollen. Der Jugendausschuss plant ferner MuseumSbcsuche unter sachkundiger Leitung. Jede dieser Veranstaltungen wird noch im.Vorwärts' de- sonders bekannt gemacht. Lebrlinoe, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen! Wir rechnen auf Euch! Erscheint zahlreich zu unseren Veranstaltungen! Lest aber auch Eure Zeitung! Abonniert auf die«Arbeiter- Jugend"! Parteigenossen und Genossinnen! Zeigt auch Ihr, dass Ihr erkannt habt, wie wichtig eS ist, der Jugend möglichst früh die Augen zu öffnen! Sorgt zu Hause und in der Werkstatt dafür, dass die schulentlassenen Jugendlichen zu unS kommen. Bestellt für Eure Kinder die„Arbeiter-Jugcnd"! Der JugenbauSschuh für Groß-Berli«. I. A.: K. Rosen feld. Partei- HngeUgenbciten. Zur Lokalliste. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit, dass un« in Neu-Zittau. T.-B., folgende Lokale zur Verfügung stehen: „Hubertushof". Jnh. Wilhelm Bauer. Gosener Strasse IS, unb�„FriedrichShof". Jnh. Frenk, Kolonie Burig. Auf Wunsch der Parteigenossen Maricndorfs ersuchen wir noch- mals, die dortigen Lokale:„Grass l's G e s e l l s ch a f t s h a u s"> Chaussecftratze 305. und„F e l d s ch l ö ss ch e n". Jnh. Zierock, Kur- fürstcnstrasse 44, meiden zu wollen. Wird diesem Wunsche allseitig Rechnung getragen wie bisher, so ist es möglich, den dortigen Lokal. kämpf in absehbarer Zeit zu einem fiir die Arbeiterschaft befriedi- genden Abschluß zu bringen. Die Lokalkommission. 2. Wahlkreis. Am n ä ch st e n S o n n t a g. v. September. findet in den Gesamträumen der Berliner Bockbrauerei, Tempel- hofer Berg, unser beliebtes Volksfest statt. Es wirken mit: Berliner Sinfonie-Orchester(Maximilian Fischer). Gesangverein„Kreuz. berger Harmonie"(Chormelster Botho Frank), Mitglieder des Turn» Vereins„Fichte" usw. Näheres siehe heute im Inserat. Das Komitee. Schöneberg. Die Versammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins findet am Dienstag, 31. August, abends 8 Uhr, in den „Neuen Rathaussälen", Meininger Strasse 8, statt. Die Tage«. ordnung lautet: 1. Vortrag des Genossen F. Kunert über: Die Stellungnahme der Sozia löemokratie zum Staat.zurSchule und zur Religion. 2. VereinSange- legenheiten. Zur Debatte steht der Antrag: Erhebung eines Beitrags zur Zahlung der Saalmiete. 3. Ver- fchiedeneS. Der wichtigen Tagesordnung wegen muß jeder er- scheinen. Der Vorstand. Wilmersdorf. Die für Dienstag, den 31. August, fällige mouatliche Mitgliederversammlung findet umständehalber erst am Freitag, den 3. September, statt. Da in derselben Genosse Dr. KurtRosenfeld über Jugenderziehung referieren wird, erwarten wir vollzähligen Besuch der Genossen nebst Frauen. Der Borstand. Friedenau. Heute Sonntag gemeinsamer Besuch der Trep- tow-Sternwarte. Tresfpunkt pünktlich 3 Uhr an der Kaisereiche. Zahlreiche Beteiligung, auch der Frauen, er- wartet Der Vorstand. Steglitz.„Unsere Taktik" lautet der Vortrag in der am Dienstag, 31. August, abends 8)4 Uhr, bei Schellhase, Ahornstr. lös. stattfindenden Versammlung des WahlvcreinS. Ausserdem werden die Berichte der Generalversammlung des Kreises und von Gross- Berlin gegeben. Desgleichen wird der Bildungsausschuss über seine Tätigkeit Bericht erstatten. Der Vorstand. Groh-Lichterfclde. Am Dienstag, 31. August, abends 8 Uhr, findet in Wahrendorfs Gesellschaftshaus, Backe- st r a ss e 22, eine Volksversammlung statt, in der Genosse Eduard Bernstein über:„Religion, Christentum und Staatskirche" sprechen wird. Die Vorstände der Kirchenbehörde und die Orts- geistlichkeit sind brieflich eingeladen. Die Genossen und Genossinnen werden ersucht, für zahlreichen Besuch der Versammlung eifrig zu agitieren. Trcptow-Baumschulenweg. In der am Dienstag, 31. August, in der„Radrennbahn" stattfindenden Vereinsversammlung spricht Genosse Wissell über:„Patriotismus und Jnter- n a t i o n a l i t ä t". Des weiteren Berichte über die Kreisgeneral- Versammlung und Generalversammlung Gross-Berlim— Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Biesdorf. Dienstag. 31. August, abends 8)4 Uhr. Zahlabend bei Gustav Berlin, Marzahner Strasse. Die Bezirksleitung. Reinicke»dorf-Ost. Die bedeutend erweiterte und neu reno- vierte Bibliothek des Wahlvereins ist von heute ab wieder an jedem Sonntagvormittag von 10—11 Uhr geöffnet. Dieselbe befindet sich im Restaurant Brückner, Provinz st ratze 92. Ecke H e r b st st r a sse. Die Bezirksleitung. Rieder-Schönhausen-Nordend. Am Dienstag, 31. August, abends 8)4 Uhr, findet in Stephans„Lindengarten", Lindenstratze 43. die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1.„Der Raubzug auf die Taschen des Volkes". Referentin: Frau Ihrer. 2. Neuwahl des zweiten Bezirksleiters. 3. Vereinsangelcgen- heiten. 4. Verschiedenes. Die Parteigenossen werden ersucht, zu dieser Versammlung ihre Frauen mitzubringen. _ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten» Die verlassene Kirche. ES ist noch gar nicht so lange her. dass die..Vossische Zeitung' ein Blatt, das in kirchlichen wie in politischen Fragen die„Fahne des Liberalismus" hochhält— über die Agitation zum Austritt aus der Kirche spöttelte und ihr ein Minimum an Erfolg prophezeien zu sollen glaubte. Das war vor zwei oder drei Jahren; inztoischen aber hat man auch in liberal-kirchlichen Kreisen all- mählich begriffen, dass die Austrittsbewegung eine verdammt ernste Sache(st. In den orthodox-kirchlichen Kreisen war das von pfiffigeren Leuten schon viel früher erkannt worden; viel früher schon hatte dort die Sorge sich geregt, dass die Kirche, wenn das werktätige Volk immer mehr sich von ihr lossage, nur zu bald am Ende ihrer Macht stehen werde. Ein Notschrei, der von dieser Seite her kommt, geht jetzt wieder durch die orthodox-kirchlich gesinnte Presse Berlins. Da wird aus den amtlichen Berichten über die Kirchenaustritte mitgeteilt, mit welchem Ergebnis das Jahr 1903 abgeschlossen hat. Die Zusammen- stcllung ist lückenhaft, aber sie genügt auch so, die Not der Kirche zu beleuchten. Aus dem Gebiet der Synode Berlin I (hauptsächlich Zentrum, Nordosten, Osten) wird gemeldet, dass Ende des Jahres 1903„die Fluten der Austritts- bewegung sich plötzlich getürmt' haben. Zahlen er- fahren wir nicht. Den Gemeinden der Synode Berlin II(Haupt- sächlich Norden und Nordwesten), hat das Jahr 1903 2095 Austritte gebracht, während aus 1907 nur 703 bekannt geworden waren. Für die Synode Berlin III(Teile des Zentrums und des Nordens) fehlen wieder bestimmte Zahlen, doch wird mitgeteilt, dass hier„die Bewegung im letzten Jahr eine bisher unerreichte Höhe aufwies". Im'Gebiet der Synode Berlin-Kölln-Stadt(hauptsächlich Südosten und Süden) haben im letzten Jahre die Austritte„in auffallender Wesse zu, genommen", bis auf 2766. Angaben darüber, wie viele es in 1907 waren, werden nicht gemacht. Der Synodalbezirk Friedrichs- Werder l(hauptsächlich der„vornehme" Westen) ist«Verhältnis- mäßig am wenigsten betroffen, da hier die unteren sozialen Schichten der Arbeiter, auf die sich in der Hauptsache doch die Bewegung erstreckt— so steht es zu lesen in dem erwähnten Notschreiartikel—, nicht in dem Masse vorhanden sind, wie anderswo". DaS läßt sich denken. Wie viele aber selbst dort noch von ber Kirche sich abgewendet haben, erfährt man leider nicht. Aus Synode Friedrichswevder II(Teile des Westens und Nordwestens) werden 1S30 Austritte gemeldet, ohne daß aus dem Vorjahr eine Zahl hinzugefügt wird. In ein- zelnen Berichten über das Austrittsergebnis der Synodalbczirke wird der fragwürdige Trost gespendet, daß viele Austritte eigent- lich nur Uebertritte in Sekten gewesen seien. Andere Berichte stellen rückhaltlos fest, dass die Austritte eine völlige Los- lösung von der Kirche bedeuteten, und schelten auf die Sozialdemokratie. Lassen wir die Pastoren schelten— und sorgen wir dafür, dass sie Grund haben, noch kräftiger zu schimpfen über das Ergebnis von 1909. Wir dürfen'? ihnen nicht übelnehmen, denn ihre Lage ist in dieser Zeit der Not wirklich nicht beneidenswert. Was sollen sie anfangen, wenn das arbeitende Volk sich von ihnen lossagt, sich lossagt bis auf den letzten Mann und die letzte Frau! Sollen sie sich damit trösten, daß wenigstens die besitzende Klasse ihnen treu bleibt? Die besitzende Klasse sieht in der Kirche, der sie ihre Steuern hingibt, nur ein Bollwerk gegen die Arbeiterklasse, und sie erwartet von dem Pastor die übliche Predigt über Genügsamkeit auf Erden und Freuden im Himmel. Was kann den Besitzenden die Kirche noch wert sein, wenn das Volk dem Pastor den Rücken zeigt?_ Ein Verkehrshindernis war seit Jahren der Exerzierplatz zur Einsamen Pappel, der bekanntlich ein mächtiges, von der Ebers- walder. Schwedter, Gaudystratze und Schönhauser Allee begrenztes Quadrat bildet. Früher wurde jede dort unbefugt angetroffene Privatperson festgestellt und bestrast. Um das Betreten zu ver- hindern, tvaren sogar jahrelang die menschenfreundlichen Schilder: „Achtung, Fußangeln!" angebracht. Das Publikum erzwang sich schliesslich den Durchgang, indem es ein Stück von dem umgebenden Lattenzaun nach dem anderen verschwinden lich. Seitdem wurde das Betreten des Exerzierplatzes ohne auSgcsprochcpe Erlaubnis stillschweigend gestattet. Kürzlich hat man, wie wir schon bc- richteten, auf drei Seiten den Zaun gänzlich beseitigt, damit nicht auch die letzten Reste dem Profit des Fiskus entgehen. Nur an der Schönhauser Allee steht noch der mit Stacheldraht geschützte Zaun und darüber an Bäumen die Warnung:„Das unbefugte Betreten des Exerzierplatzes wird mit Strafe bedroht". Gerade an dieser Stelle wird der Zaun am meisten als Verkehrshindernis empfunden. Es sollte daher, wenn man nicht auch hier die Hätz- lichen, das ganze Strassenbild verschandelnden Latten mit den dicken Schmutzbergcn dahinter beseitigen will, mindestens dafür ge» sorgt werden, dass die im Zaun vorhandene große Pforte am Tage geöffnet bleibt. Der Abbruch des Zauns auf drei Seiten und die praktische Aufhebung des Betretungsverbots haben sich übrigens durchaus bewährt. Der hölzerne Zopf hätte also schon längst durchschnitten werden können. Da? zweite Opfer der Grünauer BoatSkatastrophe, die 17jährige Frida Feld aus der Allensteincr Strasse 10, wurde gestern nachmittag in Grünau nahe der Werft, in der das Verhängnis- volle Sportboot untergebracht war, angeschwemmt. Die Gerichts- kommission begab sich noch im Laufe deS Nachmittags nach dem Fundort, um dort die nötigen Feststellungen zu machen. Von dort wurde die Leiche nach der Cöpenicker Fricdhofshalle übergeführt. Der wegen fahrlässiger Tötung verhaftete Kaufmann Fritz Mannheim ist gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Nach Aufnahme des Tatbestandes ordnete der Untersuchungsrichter die Freilassung des Verhafteten an. Die Freie Volksbühne beginnt ihr 20. Spieljahr heute mit zwei Aufführungen: für die erste Abteilung im Neuen Schau- spielhause und für die sechste Abteilung im Lessing- Theater. Aufgeführt wird Hebbels Tragödie:„Gyges und sein Ring' mit Rudolf Christians und Gertrud Arnold in den Hauptrollen, und Hauptmanns:„Hannele's Himmelfahrt' mit Irene Triesch, Emanuel Reicher, Ida Orloff, Ida Wü't und Kurt Stieler ingänzlich neuer Ausstattung und sorgfältiger Inszenierung. Die alten Mitgliedskarten müssen noch heute aus den Zahlstellen abgeholt werden. Neue Mitglieder können sich noch in allen Zahlstellen melden. Ein aufregender Vorgang spielte sich vorgestern abend in der Rathcnolver Strasse 44 ab. Dort versuchte sich eine Frau Chapsky das Leben zu nehmen. Sie begoß ihre Kleidung mit Spiritus und zündete diesen dann an. Hilferufend stürzte sie dann auf die Treppe, das von zahlreichen Mietern bewohnre HauS alarmierend. Polizei und Feuerwehr wurden benachrichtigt. Bevor diese er- schienen, waren die Flammen gelöscht. Die schwer verletzte Frau wurde von der Polizei nach dem Krankenhause Moabit gebracht, wo sie gleich Hilfe fand. Die Brandwunden sind leider so schwer, dass man ernste Befürchtungen hegt, die Aermste wieder herstellen zu können. Großfeuer kam in der Nacht zum Sonnabend in Weitzensee unmittelbar an der Wcichbildgrenze von Berlin, in der Goethe- strasse 14. aus noch nicht ermittelter Ursache zum Ausbruch und verursachte enormen Schaden. Uns wird darüber berichtet: Nach Mitternacht bemerkte der Wächter N. Flammen und Qualm aus dem grossen Fabrikgebäude der Firma M. Jaede dringen. Als die Weitzerseer freiwillige Feuerwehr an der Brandstelle ankam, stand das Fabrikgebäude für Küchcnmöbel schon in allen Stock- werken in Flammen. Diese hatten an den grossen Holzvorräten, fertigen Möbeln, der Einrichtung reiche Nahrung gefunden. Ob- gleich bald mit sechs Schlauchleitungen Wasser gegeben wurde, ging das Feuer nicht zurück. Es wurde deshalb die Berliner Feuer- wehr um Hilfe ersucht. Diese erschien unter Leitung des Brand- meisters Maeder. Vier L-Rohre von Tampffpritzen wurden vor. genommen und damit wirksam gelöscht. Nach etwa zweistündiger angestrengter Tätigkeit war die Macht deS FeuerS gebrochen; die Berliner Feuerwehr konnte daher wieder abrücken. Die Weissen- scer Feuerwehr hatte dann noch bis gestern vormittag zu tun. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. Das Fabrik- gcbäude ist fast total ausgebrannt. Tödlich verletzt wurde von einer Kraftdroschke die 4b Fahre alte Rentnerin Helene Franke aus der Brunnenstr. 46. In dieser Strasse wollte sie gestern mittag vor Nummer 142 den Fahrdamm überschreiten, als sie von einer dahersausenden Kraftdroschke umge- stoßen wurde. Sie fiel so unglücklich, dass sie eine Gchirnerschütte- rung davontrug und im Lazaruskrankenhause, wohin man sie be- wusstloS brachte, bald nach der Aufnahme starb. Beim Spielen ertrunken ist vorgestern nachmittag um 4 Uhr der 11jährige Sohn Martin der Arbeiter Schatteschen Eheleute aus der Cöpenicker Strasse 175. An der Psuhlstrasse kletterte er durch das hölzerne Gitter der Uferböschung hindurch und fiel in die Spree. Auf das Geschrei der Spielgenossen eilte ein Arbeiter Gollmann hinzu. Es gelang ihm zwar, den aus dem Wasser wieder auftauchenden Knaben mit Hilfe einer Stange herauszuholen, doch war der Tod bereits eingetreten. Wohnungsausstellung am Zoo. Trotz vielfacher Wünsche auf Verlängerung mutz die Ausstellung von Wohnungseinrichtungen am Dienstag, den 31. d. Mts., geschlossen werden, da zufolge ander- weitiger vertraglicher Dispositionen der AuöstellungShallengesell- schaft die Halle geräumt werden muß. Dem Publikum ist somit am heutigen letzten Sonntag nochmals ausreichende Gelegenheit geboten, die interessante Ausstellung zu besichtigem Der Zoologische Garten hat seine jetzt aus über einem Dutzend Arten bestehende Sammlung von wilden Einhufern um zwei sehr seltene südafrikanische Zebraformen vermehrt, von denen das Berg. zebra in freier Wildbahn wohl ausgerottet ist und deshalb eine sehr wertvolle Neuerwerbung darstellt. Diese Art ist ihrer Ge- statt und Ohrenform nach das eselähnlichste Zebra, dabei bis auf die Hufe herunter schwarz und weiß gestreift. Ein junges Paar Kaffern-Zebras dagegen erinnert mit seinen fast ungestreiften Beinen und der gelblichen Grundfarbe stark an daS BurchellS- Zebra und ähnelt in der Kürze der Ohren mehr dem Pferde. Das Berliner Aquarium steht im Zeichen der Riesem Nächst dem Riesenwels aus der Krummen Lanke, dem das geräumigste Süsswasserbassin angewiesen werden mußte, den meterlangen japa» nischen Riesensalamandern und den amerikanischen Riesenmolchen, der südamerikanischen Riesenkröte, den Riesenschlangen und anderen Ungetümen, sind jetzt auch zwei Riesenschildkröten Gäste im Aqua- rium geworden. Sie gehören nicht zu den zentnerschweren See- schildkröten, welche dem Besucher des Aquariums hier auch be- kannt geworden sind, sondern zu jenen echten Landschildkröten, die bis Mitte des 18. Jahrhunderts in mehreren Arten einesteils die GalapagoSinseln, anderntcils verschiedene Nachbareilande Mada- gaskars in ganzen Heelden bevölkerten, seitdem aber, dank der Gedankenlosigkeit und dem Begehr des Menschen nach leicht zu er- haltendem Fleisch, an Zahl erschrecklich zurückgegangen, ja auf einer Reihe Inseln schon ausgerottet sind. Früher gab es Riesen von 200 bis 400 Kilogramm Gewicht, die mehrere Zentner zarteS wohlschmeckendes Fleisch lieferten. Die seltenen und wertvollen Tiere des Aquariums besitzen auch Zentnerschwere und zeigen sich in einer Abteilung beim Affenhause den Besuchern. Im wisscuschaftlichen Theater der Urania gelangt der Vortrag „Rom und die Campagna", der an der Hand zahlreicher Lichtbilder die klassischen Stätten und die modernen Bauten, sowie die Herr- liche Umgebung der ewigen Stadt schildert, am Sonntag und Donnerstag noch einmal zur Darstellung. Am Montag wird der Vortrag„Dänemark und Südschwcden', am Dienstag der Vortrag„Die Insel Rügen', am Mittwoch der Vortrag„Ueber den Brenner nach Venedig", am Freitag der Vortrag„Von der Zugspitze zum Watzmann" wiederholt, während am Sonnabend der Vortrag„Von Adbazia bis Corfu", der die ausserordentlichen Sckiönheiten, an denen die Küsten DalmatienS so reich sind, in wunderbaren farbigen. Panoramen an dem Auge deS Beschauers vorüberziehen läßt und herrliche Bilder von Corfu mit seinen Rosenhainen und Nebenhügeln und dem Achileion bringt, gehalten werden wird» Der PollzeivrSstbent macht bekannt: ES wird wiederholt davor gewarnt. MietsvertrSge über Räume in neuerbauten oder umgebauten Häusern für eine Zeit abzuschließen, zu welcher die von der Ausfertigung des RohbauabnahmeschcinS ablaufende Frist von ö Monaten für die Gebrauchsabnahmcprüfung noch nicht ver- strichen ist, da die Polizeiorgane vor Ablauf dieser Frist das Be- ziehen der fraglichen Räume nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht dulden können. Die Polizeireviere werden nach wie vor auf Anfragen aus dem Publikum über den voraussichtlichen Termin der Beziehbarkeit von Wohnungen in neuen oder umgebauten Häusern bereitwilligst Auskunft erteilen. Vorort- J�admcbtcn. Rixdorf. AuS der Magistratsfitzung. Der Magistrat genehmigte den mit dem Theaterdirekwr Türk für das Winterhalbjahr 1909/1910 abzuschließenden Vertrag, wonach Theaterdirektor Türk mindestens 49 allgemeine Vorstellungen und außerdem 9 Bolksvorstellungen zu halben Preisen und 5 Schülervorstellungen zu veranstalten hat. — Die früheren Kassenräume der hiesigen Ortskcankenkasse in der Jsarstraße 12 sollen zu einem jährlichen Mietspreise von 1000 M. für die Zwecke des städtischen Arbeitsnachweises und der Rechts- auSkunftsstelle angemietet ivcrdcn.— Der Dezernent gibt von dem Schreiben des hiesigen Amtsgerichts Kenntnis, wonach der Justizminister veranlaßt hat. daß mit dem Erweiterungsbau für das Amtsgerichtsgebäude bald begonnen werden und daß wegen des gesteigerten Raumbedürfnisses sofort beide projektierten Flügel- gebäude errichtet werden sollen.— Der Magistrat tritt dem Be- schluß der Krankcnhausdeputation, betreffend die Genehmigung zur sofortigen Bornahme der Fundamentierungsarbeiten für den neuen Gasbehälter am Krankenhaus bei.— Der Magistrat nimmt die von der Krankenhausdeputation vorgeschlagenen 10 Schwestern, 4 Hilfsschwestern und 0 Probeschwestern in den städtischen Schwesterverband auf.— Der approbierte Arzt Dr. Richard Weber aus Pieschen wird zum Assistenzarzt in der inneren Abteilung de? neuen Krankenhauses, der Medizinalpraktikant Neuhause zum Volontärarzt in der chirurgischen Abteilung des neuen Kranken- Hauses für den 1. Oktober d. Js. gewählt. Ausbau des Bahnhofs Hemannstraße. Der ständig wachsende Verkehr auf dieser Station hat eine Vergrößerung der Dahnhofs- anlage erforderlich gemacht. Unter anderem wird ein besonderer Ausgang geschaffen, der nach der Siegfriedstraße führt, während der bisherige Zugang zum Bahnhof von der Hermannstraße auS bestehen bleibt. Auf dem Bahnsteig liegen beide Treppen weit genug von einander entfernt, sodaß für eine glatte Abwickelung des Ver- kehrs Gewähr geboten ist. Charlottenvurg. Zur Stadtverordnetcnwahl. Durch die Niederlegung des Man- dats des Genossen Liebe muß bei den bevorstehenden Stadtver- ordnetenwahlen ein weiterer Hausbesitzer in der dritten Abteilung gewählt werden. Die Auslosung der betreffenden Bezirke, in denen nur Hausbesitzer zu wählen sind, ist abgeschlossen. Danach sind im 2., 3. und 5. Bezirk Hausbesitzer zu wählen. Außerdem ist im 3. Bezirk noch ein NichtHausbesitzer zur Wahl zu stellen, so daß bei den kommenden Wahlen in der dritten Abteilung neun Stadt- verordnete zu wählen find. Elternverein für freie Erziehung. Der Sammelpunkt für die Mittwochsausflüge findet von jetzt ab schon um 3 Uhr statt. Ab- marsch vom Kaiser Friedrich-Denkmal 2xh Uhr. Schöneberg. Die Liste der stimmberechtigten Personen liegt nur noch b i s zum Montag., den 30. August, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 1 Uhr und am heutigen Sonntag, den 29.. in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis nachmittags 1 Uhr, im Rathaus, Quergebäude, Zimmer 2. öffentlich aus. Diese Zeit darf niemand verstreichen lassen, ohne sich überzeugt zu haben, daß sein Name richtig in die Liste eingetragen ist. Eine erhebliche Anzahl Einsprüche sind bis jetzt schon eingegangen. So sind Personen nicht in die Liste aufgenommen, die aus öffentlichen Mitteln einmal unterstützt wurden, weil Angehörige im Krankenhause verpflegt werden mußten. Ebenfalls hat man Chambregarnisten nicht in die Liste aufgenommen, weil dieselben von der Polizei als Schlaf- gänger gemeldet sind. Die Polizei hat die Richtigstellung als Chambregarnist verweigert, so daß den Betreffenden auf Grund eines Formfehlers ihr Wahlrecht genommen werden soll. In allen diesen Fällen muß gegen die Richtigkeit der Wählerliste sofort Ein. spruch erhoben werden. Wilmersdorf. Die Wählerlisten zur Stadtverordneten«»� liegen in der Zeit vom 1. bis einschließlich Ib. September an den Wochentagen von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr und an den Sonn- tagen von vormittags 9—12 Uhr in der Melde- und Wahl- abteilung. Gasteiner Str. 11. eine Treppe zur Einsicht au». Pflicht eines jeden ist e«. rechtzeitig sich davon zu überzeugen, ob er in der Liste steht. Etwaige Einsprüche sind zu Protokoll zu geben. Wahlberechtigt ist derjenige, welcher da? 24. Lebensjahr erreicht hat. sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet, ein Jahr am Orte wohnt und keine Armenunterstützung erhalten hat. Weihensee. Auf der Straße vom Tod überrascht wurde der 70 Jahre alte Rentier Wendt. Wilhelmstraße 31, wohnhaft. Der alte Herr hatte nachmittags einen kleinen Spaziergang unternehmen wollen, doch kaum war er auf die Straße getreten, so brach er leblos zusammen. Man trug ihn ins Haus zurück und rief einen Arzt herbei, der aber nur noch den infolge Herzschlags eingetretenen Tod konstatieren konnte. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. In der BierteljahreSversammlung des hiesigen Bezirks wurde für den nach Berlin verziehenden Kassierer Genossen Fuchs der Genosse Otto Schulz und Genosse Karl Schmidt als Leiter der Agi- tation für Hoppegarten gewählt. Aus dem Kassenbericht war zu ciitnehmen, daß ein Bestand von 04 M. vorhanden ist; es haben sich erfreulicherweise die Kassenverlältnisse im letzten Quartal da- durch gebessert, weil die Spedition jetzt keine Zuschüsse mehr ge- braucht. Genosse Schuhmann erstattete Bericht über die Tätigkeit der Gemeindevertreter. Die Versammlung war mit derselben ein- verstanden. Bemerkenswert aus demselben ist, daß als unsere Ver- treter zur Linderung der Arbeitslosigkeit in der Gemeindevertre- tung Notstandsarbeiten beantragten, die Arbeitslosigkeit auch von den anderen Parteien anerkannt wurde. Sie stimmte daher dem Antrage zu. Es wurde dem Gemeindevorsteher aufgegeben, baldigst der Gemeindevertretung»ine Vorlage zu unterbreiten. Als nun die Vorlage zur Beratung stand, haben die liberalen Vertreter, und vor allem der Gemeindevertreter Plewe— ein ehemaliger Genosse aus Rixdorf— es verstanden, die Vorlage zu Fall zu bringen. Sie hatten hiermit wieder einen Beweis ihrer Arbeiterfreundlichkeit er- bracht. Die hiesige Arbeiterschaft wird diese Haltung so leicht nicht vergessen. Weiter wäre noch gu erwähnen, baß auch die WertzulvachS- stcuer angenommen wurde. Zossen. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Zunächst wurde der Pflasterung der Mittenwalder Straße in einer Länge von 00 Metern zugestimmt. Die mit den Gasanstaltsarbeiten betraute Firma hat statt 100 Röhren, wie vereinbart, nur 12ö gelegt; die Versammlung beschloß, daß die Firma den Fehler auf eigene Kosten abändern soll. In der Debatte über die höhere Knaben« schule zeigte sich wieder, daß, sobald eS sich um Dinge handelt, die die Besitzenden angehen. Geld keine Rolle spielt. Der Magistrat hat für den Bau der achtklassigen Schule noch 20 000 M. beantragt. Man war sich nun noch nicht recht einig, ob in dieser Summe die Utensilien mit enthalten seien. Der Bürgermeister gab eine Auf. klärung dahin, daß noch die Kosten für eine Zentralheizung in Höhe von 1000 M.. ein Bauleiter mit 800 M. und die Ausgaben für die Utensilien hinzukämen; im allgemeinen wäre die Summe äußerst niedrig. Dieser Bau, in dem ganze 00 Schüler unterrichtet werden sollen, kostet der Stadt die Summe von 70 000 M. Allem An- schein bleibt es noch nicht bei obiger Summe, denn der Bürger- mcister erklärte, daß, wenn mehr Mittel benötigt würden, der Ma- gistrat an die Stadtverordnetenversammlung herantreten würde. Das kann ja schön werden. Lankwitz. In der Mitgliederversammlung sprach Genosse Uko-Berlin über:„Die 400 Millioncn-Steuer". Hierauf erstatteten die Ge- nassen Kühl und Bratfisch den Bericht von der Kreisgeneralver- sammlung und die Genossen Herold und Zack den von der General- Versammlung Groß-Berlins. In die Lokalkommission wurden die Genossen Kühl und Aug. Schulz gewählt. Friedenau. In der letzten Mitgliederversammlung des WahlvereinS setzte Genosse Göhre, Zehlendorf, seinen Vortrag über ErziehnngSfragen fort. Er beschäftigte sich dieses Mal besonders mit der Erziehung Halberwachsener, der so notwendigen sexuellen Aufklärung unserer Kinder in Schule und Familie, und erörterte unsere Stellung bei der Erziehung unserer Kinder zur Religion und zum Sozialismus. In der Diskussion wurde auf den gerade für Erzichungssragen so wertvollen Inhalt der„Gleichheit' hingewiesen. Die„Gleichheit" sollte in keinem Hause fehlen. Der belehrende Vortrag wurde all- seilig nnr großem Beifall aufgenommen. Hierauf erstattete Genosse Dietrich den Bericht von der Verbandsversammlung Groß-Bcrlin. Genosse Adain gab einen erfreulichen Bericht von dem gemeinsamen Volksfest der Gewerkschaften und der Wahlvereine Friedenau, Steglitz und Groß-Lichterfelde. Die Abrechnung stellte sich wie folgt: Einnahmen 870,80 M, Ausgaben 508,95 M., Ueberschuß 301,85 M. Dem Friedcnauer Wahlvercin wurde hiervon ein Anteil von 100,00 M. überwiesen. Arn Schlüsse der Versammlung wurden die Genossen aufgefordert, sich an dem beschlossenen gemeinsamen Besuch der Trep- tower Sternwarte recht rege zu beteiligen. Derselbe findet am Sonntag, den 29. August, statt. Treffpunkt 3 Uhr, Katser-Eiche. Spandau. Bei Einsichnahme in die Wählerliste ist bereit? festgestellt, daß eine ganze Anzahl Arbeiter und Parteigenossen in die Wählerliste nicht aufgenommen sind; es ist daher Pflicht eines jeden, sich davon zu überzeugen, ob sein Name auch in die Wählerliste eingetragen ist. Diejenigen, deren Namen in den Listen nicht vermerkt sind, haben sofort mündlich bei dem Magistrat Einspruch gegen die Richtigkeit der Wählerlisten einzulegen. Die Listen liegen während der Dicnststunden im Stadtsekretariat, Zimmer Nr. 13— 14 des Rathauses nur noch Montag, den 30. August, in der Zeit von vor- mittags 9— 1 Uhr und nachmittags von 3—0 Uhr zu jedermanns Einsicht auS. In Betracht kommt die Wohnung, welche der Wähler am 1. Oktober 1908 innegehabt hat. Wahlberechtigt ist derjenige, welcher das 24 Lebensjahr erreicht hat, sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet, seit dem 1. Oktober 1903 im Orte wohnt und seit einem Jahre keine Armenunterstützung erhalten hat. Wer nicht in der Liste steht kann nicht wählen. Zehleudorf(Niederbarnim). In der letzten Mitgliederversammlung des WahlvereinS hielt Genosse W. U l m einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag über„Zwangserziehung und Volkserziehung". Eine Diskussion hierüber fand nicht statt. Aufgenommen wurde 1 weibliches und 2 männliche Mitglieder. Vom Vorstand wurde dann noch der Wunsch geäußert, daß die Mitglieder zahlreicher in den MongtSver- fammlungen erscheinen möchten, als wie in letzter Zeit, Potsdam. Raubmordversuch in Nen-Bornim. Im benachbarten Bornim in der SmtSstraße wurde vorgestern abend in der neunten Stunde die daselbst seit einer Reihe von Jahren wohnende 78jährige Frau Theaterdirektor Josephine R u d o l p h i durch einen Schlag auf den Hinterkopf mit einem harten Instrument tödlich verletzt. Durch das Winnuern der Bedauernswerten wurden die Hausbewohner aufmerksam und ließen die Wohnung öffnen. Hier bot sich ihnen ein grauenhafter Anblick. Frau Rudolphi lag blutüberströmt am Fußboden. Man brachte sie nach dem Potsdamer St. Josephskrankenhaus, wo sie um'/z2 Uhr nachts verstarb. Als Täter kommt ein in Potsdam wohnender 29jähriger Schriftsetzer Hackradt in Betracht. Derselbe ist vor- gestern abend in der zehnten Abendstunde in Adamskostüm in Sans- souci aufgegriffen und nach seiner Wohnung gebracht worden. Ein Anzug, welcher vermutlich dem Täter gehört, ist in unmittelbarer Nähe des Tatortes gefunden worden. Nach dem Täter fand am Sonn- abend eine wahre Jagd statt, ohne daß man denselben erwischen konnte. Als morgens ein Beamter in seiner Wohnung erschien, war er schon ausgeflogen, nachdem er vorher bei einem Hausbewohner den Be« trag von 40 M. gestohlen hatte. Hackradt trug feit kurzer Zeit ein ziemlich sonderbares Wesen zur Schau. Am Freitagabend ist er auch aus dem Geschäft, wo er-seit 10 Jahren beschäftigt war, entlassen worden, weil er sich hier Unehrlichkeiten zuschulden kommen ließ. Nach den ganzen Umständen zu urteilen, ist eS nicht ausgeschlossen, daß er geistig nicht normal ist. Seine Frau ist verhastet worden, da man annimmt, daß sie an der Sache beteiligt ist, zumal sie gestern vormittag mit ihm zusammen ein gestohlenes Fahrrad versetzte. Serickts-Leitung. Der Kampf um das Kind. Eine EntführungSgeschlchte beschäftigte gestern die 4. Ferien» strafkammcr des Landgerichts l. Wegen Entführung einer minder- jährigen Person waren die Arbeiterinnen Anna und Emma Ouäckert angeklagt.— Die Angeklagte Anna Q ist Mutter eines jetzt 4 Jahre alten unehelichen Kindes. Da sie nur einen Wochen- verdienst von 10 M. hatte, war sie seinerzeit genötigt. daS Kind in das Waisenhaus zu bringen, zumal auch der Vater sich seinen Ali- mentationspflichten entzog. DaS Kind wurde schließlich zu einer Frau Fischer in Pflege gegeben, nachdem ihr von dem Vormund. schaftSgcricht aus irgend welchen Gründen die Mutterrechte ent- zogen worden waren. Als Vormund wurde der Pastor Pfeiffer eingesetzt. Zwischen der Pflegemutter und der wirklichen Mutter des KindeS entstand mit der Zeit ein sehr gespanntes Verhältnis. Die Pflegemutter hatte das Kind selbst liebgewonnen und trachtete danach, es ohne jede Vergütigung als eigen anzunehmen. Dem widersetzte sich die Mutter mit allen Kräften, obwohl ihr von dem Vormundschaftsgcricht nahegelegt war. auf diesen Vorschlag ein- zugehen. Die Angeklagte war schließlich direkt eifersüchtig auf die Pflegemutter ihres KindeS. da diese dem Kinde verboten hatte, zu ihr„Mutter" zu sagen, sondern„Tante" sagen mußte, während eS die Pflegemutter mit„Mutter" anreden mußte. Diese Tatsache veranlasste die Angeklagte, sich am 24. März d. I. gewaltsam in den Besitz des Kindes zu setzen. Sie erschien in der Begleitung ihrer jetzt Mitangeklagten Schwester und einem Arbeiter in der Wvhnung der Pflegemutter und entführte ihr Kind. Die Folge war die jetzige Anklage wegen Entführung und gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs. Der Staatsanwalt beantragte Gefängnis« strafen von 10 Tagen bezw. 1 Woche. DaS Gericht hielt es dagegen für festgestellt, daß der Vormund des Kindes in einer nicht ord- nungsmäßigen Weise bestellt worden war, so daß die Angeklagte! als Mutter selbst die Verfügungsgewalt über das Kind hatte. DaS Urteil lautete deshalb gegen beide Angeklagte auf Freisprechung. Weise Frauen. Das gemeingefährliche Treiben gewisser„weiser Frauen", die ihren Rat und Hilfe in den Zeitungen anbieten, wurde gestern wieder einmal jn einer Verhandlung beleuchtet, mit welcher sich die 2. Ferienstrafkammcr des Landgerichts III zu beschäftigen hatte. Wegen Beihilfe zum versuchten Verbrechen wider das keimende Leben waren der Schreiber Hans Matzante, dessen Ehefrau Ida M- und die Arbeiterfrau Melanie Heunig angeklagt.— Die Angeklagte Matzanke ist der Kriminalpolizei schon seit langer Zeit als sog. „weise Frau" bekannt, die sich mit Dingen befaßte, welche gegen den Z 218 des Strafgesetzbuchs verstoßen. Sie ist wegen Beihilfe zu einem derartigen Verbrechen schon einmal mit einem Jahre Gefängnis bestraft. Durch ihre das Licht scheuende Tätigkeit hat sie jetzt wiederum zwei Familien in das tiefste Unglück gestürzt. Die Angeklagte erließ in verschiedenen Provinzzeitungen Inserate, in denen sie ihren„Rat in diskreten Fällen" anbot. Auf diese? Inserat hin meldete sich ein in Konstadt in Schlesien wohnhaftes Fräulein M., welches ein Liebesverhältnis mit dem ebenfalls dort Ivohnhaften Postassistenten B. unterhalten hatte. Um die Folgen dieses Verhältnisses beseitigen zu lassen, kam die M. nach Berlin und fand hier in der Wohnung der Mitangeklagten Hennig Arrf« nähme, wo dann die zur Anklage stehenden strafbaren Handlungen vorgenommen wurden. Schon am nächsten Tage wurde der prakt. Arzt Dr. Landsberger hinzugezogen, der die sofortige Ueberführung der offensichtlich schon dem Tode verfallenen M. in ein Kranken» Haus anordnete. Hier verstarb die Unglückliche bald nach ihrer Ein- lieferung. Als der Geliebte der M.. welcher ihr 10 M. für die Reise nach Berlin gegeben hatte, von diesem tragischen Ausgange hörte, packte ihn die Reue und die Verzweiflung, da er das Mädchen zu jenem Plan angestiftet hatte. Er ging in den Wald und jagte sich eine Kugel in den Kopf.— Vor Gericht beantragte der Staatsanwalt mit Rücksicht auf die ganz enorme Gemeingefährlich- keit derartiger Straftaten eine Zuchthausstrafe von je 3 Jahren, während Rechtsanwalt Bahn die Notlage der Angeklagten, welche sie zu ihrer Handlungsweise getrieben habe, als mildernden Ge- sichtspunlt anführte. Das Gericht erkannte auf je 1 Jahr Zucht- haus._ Wlocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Operubtins. Sonntag: Mignon. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Dienstag: Lohengrin.(Ansang 7 Ubr.) Mittwoch: Die Pappensee.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Boheme. Freitag: Tann« Häuser. Sonnabend: Madama Buiterfly. Sonntag: Margarete. Montag: Eleltra. tAnsana 8 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Karolinger. Montag: Die Lieder des EuripidcS. Dienstag: Die Braut von Messina. Mittwoch: Der Schlagbaum. Donnerstag: Kolberg. Freitag: Ein PiiPPenhcim(Nora). Sonnabend und Sonnlag: Man spielt nicht mit der Liebe. Montag: Dollor Klaus.(Ansang 7>/, Uhr. Nenrö königl. OPern.Theater. Sonntag: Der Postillon von Lon- jumeau. Montag bis Sonnabend: Geschlossen. Nächsten Sonntag: Mrs. Dot.(Ansang Tl, Uhr.)_„ �... Deutsches Theater. Sonntag bis Dienstag: Ketten. Mittwoch bis Montag: Faust.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater.(Kammersplele). Sonntag b:S Dienstag: Freund Jack. Mittwoch bis Montag: Die Sünde.(Ansang 8 Uhr.) Lesstng-Theater. Sonntag: Vom anderen User. Montag: Wenn wir Toten erwache». Dienstag: Die Stützen der Gcsellschast. Mittwoch und Sonnabend: Der König. Donnerstag: Zwischenspiel. Freitag: RoSmcrsholm. Sonntag: Zwischenspiel. Montag: Hcdda Gabler.(An- sang 8 Uhr.),„. Berliner Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Einer von unsere Leut. Abends und Montag, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Mittwoch und Freitag: DaS LcbenSsest. Sonntag nachmittag: HerodeS und Mariamnc. Abends: DaS Lebenssest. Montag: Einer von unsere Leut.(Ansang 8 Uhr.) NeueS Theater. Sonntag bis Dienstag: Sein Sündenregister. Mittwoch bis Montag: Emilia Gaiotti.(Ansang 3 Uhr.) f>ebbel-Theafer. Bis aus weiteres täglich: RcvolutionShochzcit. icucs Schauspielhaus. Sonnlag bis Donnerstag: Miß Dudelsach Freitag: Geschlossen. Sonnabend und Sonntag: Miß Dudelsack. Montag: Gygcs und sein Ring.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Tiefland. AbendS: E offmannS Erzählungen. Montag, Mittwoch und Freitag: Tiefland. ieustag, Donnerstag und Sonnabend: Hossmanns Erzählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Hossmanns Erzählungen. Abends: Tosca. Montag: Hoss» mannS Erzählungen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operetten> Theater. BIS auf weiteres täglich: Die Dollarprinzcssin.(Ansang 8 Uhr.) Lustipiclhaus. Bis aus weiteres täglich: Im Klubsessel.(Ansang S Uhr.) Sonntag nachmittag: Im Klubsessel. Theater des Westens. Bis aus weiteres täglich: Der fidele Bauer. (Ansang 8 Uhr.) Sonntag nachmittag: Die lustige Witwe. Residcnz-Theater. Bis aus weiteres täglich: Kümmere Dich um Ameiie.(Zinsana 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: 2 X 2--- 5. Abends« Moral. Von Montag bis Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Sonntag nachmittag 3 Uhr: 2X2— 5. Abends und Montag: Moral.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntag: Götz von Berlichlngen. Montag und Freitag: Ein Ersolg. Dienstag und Donnerstag: Der Biberpelz. Mittwoch: Macbeth. Sonnabend: Die Ehre. Sonntag nachmittag: Macbeth.. AbendS: Die Ehre. Montag: Macbeth.(Ansang 3 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg,«onntag nachmittag 3 Uhr: Doktor KlauS. AbendS und Dienstag und Donnerstag: Madame Bonioard. Montag und Sonnabend: Bresters M:llionen. Mittwoch: Die Ehre. Freitag: Die von Hochsattel. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. AbendS: Die von Hochsaltel. Montag: Die Ehre.(Anfang 8 Uhr.) Friedrich> WilhelmstädtischeS Schauspielhaus. Sonntag bis Dienstag und Donnerstag: Manüverregen. Mittwoch und Freitag: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonnabend: Die Stützen der Gcjcllschast. Sonntag nachmittag: Othello. Abends: Der Widerspenstigen Zähmung. Montag: Die Stützen der Gesellschast.(Ansang 8 Uhr.) Luisen> Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Di« Jungfrau von Orleans. Abends und Montag und Sonnabend: Die Herren Söhne. Dienstag bis Donnerstag: Bon 7 die Häßlichste. Freitag, Sonntag und Montag: Gefallene Engel.(Anfang 8 Uhr.) Thalia.Thrater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Wo wohnt st« denn? Wends und solgende Tage: Prinz Bussi.(Ansang 8 Uhr.) Bernhard Rose- Theater. Sonntag bis Dienstag: Der Mann mit der eisernen MaSle. Mittwoch bis Montag: Im Casö Noblesse.(An- sang 8 Uhr.) Trinuon-Theater. Bis auf weiteres täglich: LiebeSgewitter.(An- sang 8 Uhr.) Sonntag nachmittag: LiebeSgewitter. Gedr. Herrufeld-Theater. Bis aus weiteres täglich: Frau EllamS Friseur. Meme-Dcine Tochter.(Ansang 8 Uhr.) FolicS Caprice. Allabendlich: Drei Frauenhüte. Der Deserteur. (Ansang 8'U UhrO Mctropol- Theater. Die oberen Zehntausend.(An- Allabendlich: Stettwer Sänger.(Ansang Spezialitätea. Allabendlich: sang 8 Uhr.) Reichöhallen- Theater» 3 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Berliner Prater-Theater. Bis auf weitere» täglich: Man lebt ja nur einmal.(Anfang i'l, Uhr.) Kasino-Theater, Bis aus weiteres: Onkel Cohn. Slpollo-Theater. Allabendlich: Eine Haremsnacht. (Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Pasiagc- Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Speziaiilälen.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Karl Haberland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Uranta< Theater. Taubenslraßc 48/49. Sonntag und Donnerstag: Rom und die Campagna. Montag: Durch Dänemark und Südschweden. DicuSlag: Die Insel Rügen. Mittwoch: Ueber den Brenner nach Venedig. Freitag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Sonnabend: Von Abazzia bis Corsu. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag: Unbestimmt.(Anjang S Uhr) Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—84 Stadtbahn 20-Pf.-Tour 6 Minuten vom Bahnhof An der Straße nach Biesdorf,? Min. ab Bahnhof Strecke Strausberg 10 Minuten vom Bahnhof Kaulsdorf Sadowa Gartenstadt nahe dem Bundesschützeniiaus QR. v. 12 M. an. Ausk. a. d. Gelände n. i. l Bahnhofsrest. Bobey. Neu- Sadowa in altem Hochwald beginnende Gartenstadt, linftschlftliafen das und Wasser i. 0. □ R. v. 15 M. an. Auskunft i. Best. Döring Schönste Kolonie des Ostens QR* v. 4 M. an. Auskunft im Pavillon am Bahnhof. Kleinste Anzahlung, bequemste Abzahlung Nieschalke& Nitsche ii; SSSii; 2059L* Amt VII, 6376. ■' täb'Uf. J? I' cfirV-.-?"• V ■..■ V j auf Teilzahlung (geringe Anzahlung) M. Goldstaub ZossenerStr.38E!J!Jl!; Ecke Gneisenaustraße. Kein Abzahlungsgeschäft! Anerkannt grökle Rücksicht bei und Krankheit. 1000 IW Belohnung zahle ich jedem, der mir in Berlin ein größeres Spezialgeschaft in der Branche, als das meinige, nachweist. 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Eine gut besuchte Mitgliederversammlung der Klempner Berlin» und Umgegend, welche im Deutschen Metallarbeiterverband organisiert sind, tagte am 26. August in den AndreaS-Festsälen. Dietrich besprach zunächst das Bestreben der Arbeitgeber, nach Aufhebung des Streiks Leute nicht zu beschäftigen, welche nicht den Arbeitgebertarif anerkennen und nicht bescheinigen, dem Deutschen Metallarbeiterverband nicht anzugehören. Der Erfolg, den sich die Arbeitgeber davon versprachen, dürfte jedoch ausbleiben. Ferner hätten die Meister ein Zirkular ihrer Leitung erhalten, worin sie ersucht wurden, in der Zeit vom 17. bis zum 24. Juli jeden zu ent- lassen, der dem Deutschen Metallarbeiterverband angehöre. Darauf wurden am 17. Juli ganze drei Mann ausgesperrt und am 24. Juli meldete sich nur ein Mann. Organisierte Kollegen arbeiten bei allen Meistern. Seinerzeit haben die Klempner die Akkordarbeit, auf die die Arbeitgeber so großes Gewicht legten, fast einhellig abgelehnt. Es wurde nun crwwartet, daß die Kol- legen in der tariflosen Zeit unter allen Umständen die Akkordarbeit verweigern würden. Dies trifft leider nicht zu. Auch andere Miß- stände sind festgestellt worden. Während der acht Wochen seit Auf- hebv.ng des Streiks ist es bei drei derjenigen Firmen, die den Ge- hilfepitarif einzeln anerkannt hatten, zu Differenzen ge- kommen. Bei zwei Firmen genügte ein Streik von zwei Tagen bezw. einen Tag, sie zur weiteren Jnnehalwng des Tarifs zu be- wegen. Bei der dritten Firma genügte zum Ausgleich eine Ver- Handlung. Zu einem weiteren Fall, wo zwar den alten Kollegen 7S Pf. gezahlt werden, den neuen aber weniger, wird noch Stellung genommen werden. Bei den 136 Firmen, die den Tarif der Ge- Hilfen anerkannt haben, werde genau darauf geachtet werden, daß der Tarif innegehalten werde. Auch werde man bestrebt sein, dem- nächst nachzuholen, was in dem 13 wöchentlichen Kampfe nicht ge- lungen sei. GSs entspann sich eine lebhafte Diskussion, in der die Erfahrungen der verflossenen Bewegung eingehend erörtert wurden. Von verschiedenen Rednern wurde betont, daß ein verlorener Kampf nicht entmutigen dürfe. Gerade um so fester müsse man an seiner Organisation festhalten und sich nicht durch die Quer- treibereien Wiesenthals beeinflussen lassen, der jetzt im trüben zu fischen suche. Dietrich stellte übrigens fest, daß sich beweisen lasse, daß Mitglieder des Wiesenthalschen Verbandes während des Klempner- streiks Streikbruch verübt hätten. Ueber die entsprechenden Mit- teilungen von Kollegen hätte er seinerzeit in einer Streikversamm- lung berichtet und infolgedessen fei es in den Versammlungsbericht des„Vorwärts" gekommen, nicht durch Cohen, den das Organ Wiesenthals deshalb angezapft habe. Uedrigens sei nur die Tat- fache des Streikbruchs mitgeteilt, nicht aber behauptet worden, Wiesenthal hätte die Streikbrecher vermittelt. NöSle nahm das Wort zu einer wichtigen, den„Vorwärts" betreffenden Richtigstellung. Die Wiesenthalsche„Allgemeine Metallarbeiterzeitung" wendet sich in ihrer Nummer vom 14. August an und gegen den„Vorwärts" und erzählt von einer angeblichen Aeutzerung Nöskes in einer Werkstattsitzung, die mit Bezug auf die Mitteilung des„Vorwärts" über den Streikbruch von Mitgliedern des Wiesenthal-Verbandes dahingegangen sein soll:„Er bedauere diese Mitteilung des„Vorwärts". Es sei weder dem Komitee noch der Verwaltung bekannt, daß von feiten des Allgemeinen deutschen Metallarbeiterverbandes Streikbrecher vermittelt worden seien; auch wären beide Instanzen unschuldig, da niemand den Anlaß dazu gegeben hätte." Nöske stellte fest, daß er das nicht gesagt habe, was ihn das Blatt sagen lasse. Ein Antrag, zwecks besserer Agitation die Klempner in zwei Branchen— Bauklempner und Werkstattklempner— zu gruppieren und für jede eine Agitationskommission zu wählen, wurde der Agitationskommission überwiesen. Er soll von dieser vor die Ver- trauensmännerversammlung gebracht und endgültig von einer all- Freund der Klempner sein könne, wer daran gehe, die Einheitlich. keit der Organisation der Berliner Klempner zu zerstören. Der Zentralverbaud der Zimmerer veranstaltete am Mittwoch eine Versammlung im Saale der„Alhambra". Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Zentralvorsitzenden Schräder- Hamburg. Der Vortragende veranschaulichte an der Hand von Zahlen das Wachstum der Organisation und zeigte, daß der Verband im Laufe des letzten Jahrzehnts für die Berufsangehörigen im ganzen Reiche wesentliche Verbesserungen, besonders Verkürzungen der Arbeits- zeit und Erhöhungen des Lohnes errungen habe. Ferner beleuchtete der Redner die Bestrebungen der Untcrnehmerorganisation. Er zeigte, wie der Arbeitgeberverband im Baugewerbe im Jahre 1967 durch die beabsichtigte Einführung seines Tarifmusters die Arbeiter- organisationen unter seinen Willen habe zwingen wollen. ES sei jedoch gelungen, durch Verhandlungen die ungünstigsten Be- stimmungcn aus dem VertragSmuster zu entfernen. Aber der Arbeit- gebervcrband werde wohl von neuem versuchen, sein Vertragsmuster zur Einführung zu bringen. Gelegenheit dazu böte der Ablauf zahlreicher Tarife im Frühjahr 1910. In 2S0 Zahlstellen des Zimmererverbandes mit 4S()vl) Mitgliedern würden zu diesem Zeit« punkt die Tarife ablaufen. DaS bedeute eine Lohnbewegung, an der Vierfünftel oller Verbandsmitglieder beteiligt seien. Natürlich werde der Verband alles aufbieten, um annehmbare Tarife zustande zu bringen. Daß der Verband in der Lage sei, der Macht der Unternehmer einen wirksamen Widerstand entgegenzusetzen, daS hätten die letzten Kämpfe im Hamburger Baugewerbe bewiesen. Dort sei es den Arbeitern gelungen, trotz des Arbeitgeberbundes eine Lohnaufbesserung durchzusetzen. Im Hinblick auf die große Tarif- bewegung im kommenden Frühjahr müßten die Mitglieder für die Stärkung des Verbandes sorgen, damit er feine Aufgaben um so besser erfüllen könne. Am Schluß der Versammlung verwies der Ortsvorsitzende Witt darauf, daß auch das Berliner Lohngebiet an der Bewegung im nächsten Frühjahr beteiligt sei, daß mit Rücksicht darauf jeder einzelne agitatorisch und organisatorisch tätig sein solle. Der Redner ersuchte um tatkräftige Unterstützung des schwedischen Generalstreiks und erinnerte die Zuhörer an ihre Pflicht, auch der politischen Organi- sation anzugehören und hier ebenso wie in der Gewerkschaft ihre Schuldigkeit zu tun. -» «- GZ Heinrich Weltmann Stefan Esders Kaiser Wilhelmstr. 41-42 GrÖSStCS Spezialbekleidungshaus Ecke Spandauerstr. 70-71 Anzüge 15.50 20.00 schwtra und blau Chevicl oder Kamm«*1 1 A HA garn, moderne Fasson........... 1 v»Uvl 25.50 30.00 35.00 45.00 Zur Einsegnung: AnZÜge schwarz Melton-Cheviot mit Borde eingefasst und seidenem Spiegel........ 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