Ur.SVÄ. HbonnementS'Bedinaanäen: ÄBonnementS- Preis pränumerando s »ierteljährl. 3�0 SKf., monatL 1,10 aw, wöchentlich 28 Pffl. frei ins HauS. Emzelne Nummer K Pfg. Sonntags. nummcr mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Psa. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Poft-Zcinmgs. Preisliste. Unter ikreu�band für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnenicnIS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Sitimämen, Schweden und die Schweich 2G* Jahrg. Crfötlnt Wich außer ciontaat. Vevlinev VolKsblelkt. Die Tn?crtionS'G«bü?)f Beträgt für die sechZgcspaltenc Kolonel. zeilc oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» Und Vcrsllmml'.ings-Anzeigcn SO Pfg. „Kleine Hnreigen", das erste(seit. gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzcigcn da? erste Wort 10 Psg. jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöjsnet. Telegramm-Adresse: „SozialiUmolirat ßerliai Zentralorgan der rosialdemokrati leben Partei Deutfcblands. Rcdahtlons 858. 68, Ltndcnstrassc 69, Ferusprechcr: Amt IV, Rr. 1983. vier Nochen Gcneralftreik. (Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 29. August. Der Umstand, daß die Nepräsentantschast der Landes- organisation der schwedischen Gewerkschaften dieser Tage wiederum versammelt war, um über die Lage des Kampfes zu beraten, gab der bürgerlichen Presse im Ausland Veranlassung, zu vermuten oder es gar als Gewißheit hinzustellen, daß die Arbeiterschaft nun das Unternehmertum, sei es direkt, sei es indirekt durch die Schlichtungsmänner der Regierung, um gut Wetter bitten werde. Nachdem man schon wochenlang dargestellt hatte, daß der General- streik gänzlich fehlgeschlagen sei, konnte man ja auch gar nicht an- nehmen, daß die entscheidende Körperschaft der organisierten Ar- beiter so„wahnsinnig" sein werde, den Kampf fortzusetzen. Das dachte man im Ausland und namentlich auch im„Berliner Tageblatt". Hierzulande hat sich aber kaum einer, der auch nur einigermaßen mit den Verhältnissen vertraut ist, dergleichen Er- Wartungen hingegeben. Einsichtige Leute, welcher Partei sie auch angehören mögen, glauben aber nicht an die Lügen der Unter- nchmerpresse und wissen, daß die Macht des Massenstreiks nicht gebrochen ist, wissen auch, daß die schwedische Arbeiterschaft nicht gewohnt ist, bimien kaum vier Wochen einen Kampf verloren zu geben, und daß sie es bei diesem Riesenkampf, wo Kraft und Ein- fluß der gesamten Gewerkschaftsorganisation auf dem Spiele steht, noch viel weniger tun wird. Diese Auffassung wird bestätigt durch dag heute veröffentlichte Manifest an»Schwedens kämpfende Arbeiter", das besagte „Die Nepräsentantschast der Landesorganisation, die in Stockholm zur Beratung über die gegenwärtige Lage des Kampfes versammelt war und dabei besonders die Frage einer Frontänderung behandelte, hat nach eingehender Prüfung be- schloffen, daß der Kampf bis auf weiteres in unveränderter Farm fortgesetzt werden muß. Der Kampf ist nun zu einem Klassenkampf geworden. Die ganze Gesellschaft hat sich mit Macht gegen die um ihr Recht kämpfenden Arbeiter geworfen. Von den höchsten Kreisen und hinunter durchwegs scheinen alle und jeder als die geschworenen Feinde der Arbeiter dazustehen, einander auf alle mögliche Weise unterstützend, um die Arbeiter in diesem ihnen von den Arbeit- gebern aufgezwungenen Kampfe zu vernichten." Es wird dann weiter ausgeführt, wie die gesamte bürgerliche Presse durch verschrobene Darstellungen die kämpfende Arbeiter- schaft zu zersplittern sucht, wie sie in einer Spalte Not und Eni- bchrung der Streikenden in den schwärzesten Farben schildert, in der anderen mit Behagen konstatiert, daß die Regierung die Ver- mittlung ablehnt, und wie andererseits die Arbeiterklasse Schwedens für ihpe aufopfernde Solidarität, die Ruhe und Besonnenheit, mit der fit den Kampf führt, doch wohl das unbedingte Recht auf An- erkennung hat, dies aber offenbar für ihre Gegner ein ganz fremder Begriff zu sein scheint. „Jeder Arbeiter muß bedenken, daß cS die Arbeitgeber sind, die diesen Kampf inszeniert und daß die Arbeiter ihn nur zur Selbstverteidigung aufgenommen haben, und ferner muß ein jeder sich die Frage stellen, ob er dazu beitragen soll, daß die Arbeitgeberorganisationen, die auf dem industriellen Großkapital beruht, gestützt und kräftigst ge- schützt von allen reaktionären Gewalten im Lande, sich allein- bestimmend über die Lebensbedingungen der Tausende von Arbeitern des Landes machen soll. Der Kampf ist lang, hart und bitter geworden, doch wir sind dessen sicher, daß jeder, Männer wie Frauen in der großen kämpfenden Arbcitcrschar, auch in der Folge die großen Opfer auf sich nehmen wird, die nun von allen und jedem für die Sicherung des Mitbestimmungsrechtes verlangt werden, das die Arbeiter sich in jahrelangem Streben mit großen Opfern er- kämpft haben. Von der Arbeiterwelt des Auslandes strömen den kämpfenden Arbeitern Sympathie und- Verständnis entgegen, selbstverständ- liche Beweise für die gemeinsamen Klassenintercssen, und da diese Sympathiekundgebungen von ermunternder wirtschaftlicher Unterstützung begleitet sind, müssen wir alle darin eine Mahnung zu festem Zusammenhalt erblicken, in dem Bewußtsein, wß wir keineswegs uns selbst überlassen sind." Es wird dann weiter ausgeführt, daß die vielen Berichte, die dem Landcssekretariat zuströmen, besagen, daß die Stellung der kämpfenden Arbeiterschaft im ganzen Lande, trotz der von den Gegnern ständig und in verschiedenen Wendungen wiederholten Angaben von Wiederaufnahme der Arbeit, fortdauernd die beste ist, und daß auch die letzte Zählung der Streikenden von feiten der Regierung irreführend ist. da an vielen Orten zu niedrige Angaben gemacht worden sind. „Die Lage ist somit, im Großen gesehen, unverändert." schließt das Manifest,„die Stimmung unter den Massen gut und die Einigkeit f e st und u n e r s ch ü t t e r t. Bei diesen Ver- hältnisscn muß es bis auf weiteres bleiben, und Schwedens Ar- beiterklasse wird diesen in mancher Hinsicht ungleichen Streit mit einem für ihre � fernere Tätigkeit guten Resultat durchkämpfen." — Nach der erwähnten neuesten Streikstatistik der Regierung soll ja die Zahl der„auf Grund des Großstreiks und der Aussperrung Arbeitslosen" in der Woche vom 13. bis 26. August von 278 837 auf 255 668 zurückgegangen sein. Daß die Zahl vom 13. August nicht mit der seinerzeit angegebenen übereinstimmt, soll darauf beruhen, daß damals für Stockholm eine zu hohe Zahl berechnet worden'wäre, und zwar, weil man sich hier auf die Angaben des Landes sekretariatS gestützt hätte. Nun ist aber das Landessekretariat niemals von der Behörde um Angaben über die Zahl der Streikenden ersucht woiden, und es sind lediglich die R e g i e r u n g s- und P o l t z e i> Expedition: 858. 68» �.indcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 198-1» beamten gemeinsam mit den Arbeitgebern, die diese Berechnungen gemacht haben. Die eben wieder- gegebene geschraubteBcnennung für die einfachen Worte„Streikende und Ausgesperrte" mag auch ihre besondere Bedeutung haben. Der Länsmann für Vesternorrland fügt nämlich seinen Angaben hinzu: „nicht einberechnet wurden die Arbeiter, die entlassen sind". Das heißt also, wo ein Unternehmer die Streikenden für entlassen erklärt, da zählen diese für den schlauen Beamten nicht mehr mit. Wie viele dies stillschweigend so gemacht haben, weiß man natürlich nicht. Das Streben nach Abschluß des Kampfes gewinnt in bürgerlichen Kreisen immermehr an Ausdehnung und Einfluß. Das Merkwürdigste ist, daß jetzt auch ein Mann aus dem eigenen Lager der Arbeitgeber, und zwar ein Mitglied ihrer Repräsentant- schaft, der Vorsitzende des Holzindustriellenverbandes, Freiherr v. Adelswärd, einen umfassenden Ver mittelungsvorschlag veröffentlicht hat. Dieser Mann, selbst ein großer Arbeitgeber, führt zunächst aus, daß die Wirkungen des Kampfes sich weit über die streitenden Parteien erstrecken, daß schließlich all und jeder darunter zu leiden hat, und sucht dann objektiv die Ursachen des Kampfes zu schildern, wobei er die Befürchtung ausspricht, im Lager der Arbeitgeber als„unsolidarisch" verschrien zu werden. Die Befürchtung ist offenbar begründet. Hat doch die vom orga- nisierten Unternehmertum abhängige Presse von seinen in der „Social Tidskrift" erschienenen Ausführungen bis jetzt nur einen kurzen Auszug wiedergegeben, während„Svaret" dem Wunsche. sie in vollem Umfange abzudrucken, nachkommt. Mit den Vor- schlügen zum Friedensschluß, oder vielmehr vorerst zum Waffen- stillstand, die der Freiherr macht, erklärt sich weder die eine noch die andere Partei einverstanden. Sie laufen im wesentlichen darauf hinaus, daß alle Streiks, Aussperrungen, Sperren und Boykotts, die jetzt geführt werden, aufgehoben werden, daß die unentschiedenen oder bis zum 1. April 1916 noch ausbrechenden Konflikte entsprechend den Vorschlägen der Schlichtungsbeamtcn erledigt werden, daß die Arbeit überall wieder aufgenommen wird, die Ausgesperrten und Streikenden nach Maßgabe der Arbeits- gelegenheit ihre alten Plätze wieder erhalten, die während des Streiks festangestellten Arbeiter jedoch nicht verdrängt werden solle». In der Zeit bis zum 1. März 1916 sollen die Vertreter der Haupt- Organisationen beider Parteien sich sodann über ein allgemeines Kollektivübereinkommen verständigen, zu welchem Zweck die Arbeit- geberorganisatioen zuvor eine gründliche Untersuchung über die bisher in den Tarifverträgen der verschiedenen Berufsgruppen vor- handenen Bestimmungen bewerkstelligen soll. Das Kollektivüber- einkommen soll, wo möglich, am 1. April 1916 in Kraft treten und auf fünf Jahre gelten. Eine Aufforderung an die Regierung zur Ver- mittlung oder Einsetzung eines unparteiischen Schiedsgerichts hat gestern der Vertrauensrat der Freisinnigen Landesvereinigung eingereicht, obwohl die Regierung kurz zuvor von anderen Leuten gekommene ähnliche Aufforderungen abgelehnt hatte.„Dagens Nyheter", ein„liberales" Blatt, das aber, wie die gesamte bürger- liche Presse, tagtäglich seine Arbeiterfeindlichkeit kundgibt, anderer- seits jedoch kräftig für Vermittelung und Beilegung deS Kampfes eintritt, ist. wie es schreibt, nicht ohne Schwierigkeiten dazu ge- kommen, heute endlich jenes öffentliche Aktenstück abdrucken zu können. Die Regierung hat offenbar auf Wunsch des Unternehmer- tumS solange damit zurückgehalten. Vier Streikbrecher sind heute leider wieder einmal aus Deutschland hier angekommen. Es sind junge S ch l ä ch t e r g e s e l l e n, die als Wurstmacher tätig sein sollen. Sie wurden heute vormittag gleich per Droschke vom Zentralbahn- Hof abgeholt und nach einer hiesigen großen Fleischwarenfabrik gebracht. Es ist bedauerlich, daß sich Deutschland hier und da noch als Ausfuhrland für Streikbrecher erweist. Es müßte entschieden noch mehr getan werden, um die deutsche Arbeiterschaft vor dieser Schmach zu bewahren, und die ettva Arbeitswilligen oder vom Unternehmeragenten über die Lage in Schweden getäuschten Leute aufzuklären. » Auch der heutige Montag hat die Hoffnungen der Unternehmerführer zuschanden gemacht, wie aus folgender uns eingegangenen Privatdepesche ersichtlich ist: Stockholm, den 31. August. Die große Masse der Ausstüudi- gen ist auch am heutigen Tage fest geblieben. Die von den Unter- nrhmern erhoffte Wiederaufnahme der Arbeit ist nur in gering- fsigigem Maße erfolgt. In Stockbolm haben zwei größere Fabriken den Betrieb aufgenommen, sonst ist die Stellung unverändert. Die Bestrebungen»ach einer Bermittelung durch die Regie- rung werden immer eifriger fortgesetzt. Am Sonnabend haben die Führer der liberalen Partei, die Rcichstagsabgeordneten Staaff nnd Bcckman der Regierung eine Eingabe unterbreitet, in der das vermittelnde Eingreifen gefordert wird. Am gestrigen Sonntage habe» eine Reihe großer Versammlungen deS Bürger- tumS stattgefunden, die diese Bemühungen kräftig nntcrstrichcn. Der Gedankengang dieser Bermittlungsvorschläge ist fol- gender: Der Angriff der Arbeiter auf Staat nnd Gesellschaft sei durch die Einmütigkeit des Bürgertums zurückgeschlagen. Die Vertragsbrüche seien durch die öffentliche Meinung verurteilt. Daher könne und müsse jetzt die Vermittlung der Negierung an- geboten werden. Diese solle den kämpfenden Parteien anHeim- stellen, entweder die Differenzen durch ein Schiedsgericht cnt- scheide» zu lassen oder durch gemeinsame Verhandlungen einen Vergleich herbeizuführen. Eventuell seien beide Wege in Bor- schlag zu stelle». Trotz des Unverständnisses dieser bürgerlichen Kreise gegen- über dem Zweck des Riescnstreiks und der in diesem zutage ge- tretenen Solidaritätsmoral der Arbeiterklasse zeugt das Ein- greifen der liberalen Partei davon, daß weite Kreise der bürger- liehen Klasse nicht einverstanden sind mit dem vollUndigen Herab, sinken der Negierung zum Heloten der OrganisationSlcitung deS Unternehmertums. Ei» schwerer moralischer Schlag trifft die Regierung durch das Bekanntwerden der Tatsache, daß der staatliche Vergleichs- beamte, Herr Cederborg, dem die Negierung den Auftrag erteilt hatte, den Kamps zu verfolgen und bei erster passender Gelegenheit Vermittlungsvorschläge zu machen, bereits am 19. August ein vermittelndes Eingreifen befürwortet hat. Wahrscheinlich ist die Regierung jetzt gezwungen, eine Er- klürung abzugeben und ihre Passivität zu begründen. Die Situa- tion wird dadurch vielleicht eine Klärung erfahren. Die Proklamation des Landessekretariats der Gewerkschaften war schon vor dem Bekänntwerdc»» dieser Tatsachen beschlossen und geschrieben. Bei der jetzige» Situation konnte für die Ge- werkschaften keine andere Losung in Frage kommen, als das Be- harren im Ausstände. » Die in unserer telegraphischen Meldung aus Stockholm erwartete Erklärung der Regierniig ist nach einer Depesche des Wolffschen Bureaus schon am Montagabend veröffentlicht worden. Die Regierung lehnt es auch jetzt ab, die Initiative zu einer Vermittelung zu ergreifen. Der Minister des Innern begründet diese Haltung damit, daß es sonst„den Anschein erwecken könnte, als hätten die Arbeiter in ihrem durch den Generalstreik gegen diebürgerlicheGesellschaft(I) aufgenommenen Kampf gesiegt". Diese„Begründung" ist denn doch zu fadenscheinig. Das schwedische Unternehmertum, gegen das sich die Abwehr- akti on der Arbeiter ausschließlich richtet, ist für die schwedische Regierung einfach„die bürgerliche Gesellschaft". Die Regierung dokumentiert dadurch zum soundsovielten Male, daß sie nichts anderes ist als der Büttel der Handvoll von Unternehmern, die zurzeit die Leitung der Unternehmerzentrale in Händen haben. Diese bilden aber nicht die„bürgerliche Gesellschaft" Schwedens, dazu gehören zweifellos noch andere Schichten. Vor allem die von der liberalen Partei vertretenen, die heute die stärkste Partei der Zweiten Kammer bilden. Die Regierung ist nunmehr endgültig als Handlanger der kleinen aber einflußreichen Unternehmerschicht entlarvt, die in der Unternehmerzentrale die Führung inne hat. Wer diese Unternehmer sind, darüber hat die„Frankfurter Zeitung" soeben ausreichende Aufklärung geschaffen. Der Stockholmer Korrespondent des Blattes deckt in einwand- freier Weise den ausschlaggebenden Einfluß der Zellulose- industrie in der Unternehmerorganisation bezw. in deren Zen- trale auf. Diese Großindustriellen sind die einzigen In- dustriellen, die ein direktes wirtschaftliches Interesse an dem Kanipfe haben. Das Interesse dieser Herren ist im Augen- blick nur zum Teile mit der Frage der Lohnhöhe verknüpft, es fällt vielmehr mit der Situation auf dem Welt- markte der Zellstoffe zusammen. Hier herrscht eine Depression, deren Preisbildung durch die Stillegung der Betriebe der Zelluloseindustrie in Schweden beeinflußt werden soll. Die ungeheure Rücksichtslosigkeit, mit der diese w e n i- gen aber kapitalkräftigen Unternehmer ihren Einfluß in der Unternehmerzcntrale zum Schaden der ganzen schwedischen Volkswirtschaft ausüben, ist bezeichnend. Die Regierung aber befindet sich vollständig unter dem Einflüsse dieser Leute. Um das Interesse der Ocffentlichkeit von dem Treiben der Zelliiloseindustriellen, das einzig und allein die bürgerliche Gesellschaft in diese ruinierende Krise gestürzt hat, abzuwenden, schwafelt die Regierung jetzt von einem Kampfe der Arbeiterschaft gegen die bürgerliche Gesellschaft. Das ist der Spitzbnbenruf:„Haltet den Dieb", der hier wieder ertönt, nichts anderes. Aber noch mehr. Der„Vorwärts" hat in zwei Artikeln jene dummdreiste Verhöhnung der öffentlichen Meinung Deutschlands zerpflückt, die sich die schwedische Negierung in einer Denkschrift über den Generalstreik soeben leistete. Der Korrespondent der„Frankfurter Zeitung" teilt jetzt mit, daß diese Denkschrift ein Fabrikat des S ch w e d i s ch e n A r b e i t- gebervereins ist! Der Direktor des genannten Ver- eins, Herr v. S ü d 0 w, hat gegenüber dem Vertreter der „Frankfurter Zeitung" die Denkschrift als„vcrbandsoffiziös" bezeichnet I Die Regierung ist damit zu einer Dirne der Unternehmerführer herab- gewürdigt worden! Sie verbreitet und deckt offiziell die verbandsoffiziösen Auslassungen der Unternehmer- zentrale, die im Hintergrunde bleibt, und nur durch eine Ungeschicklichkeit ihres sonst so geschickten Drahtzichers an die Oeffentlichkeit gezerrt wurde. Wir haben im»Vor- wärts" schon diese Vermutung ausgesprochen, indem wilden Handelskammervorsitzenden von Stockholm als den eventuellen Verfasser der Denkschrift bezeichneten. Daß unser Verdacht so schnell bestätigt werden sollte, hatten wir nicht zu hoffen gewagt. Jetzt steht unumstößlich fest, daß die offizielle Denkschrift ein Machwerk der Unternehmerführer ist, dem die Regierung den offiziellen Stempel geben ließ, um die deutschen Finanzkreise um so leichter täuschen zu können. Demgegenüber ist es angebracht, darauf hinzuweisen, daß diese Negierung sehr bald von der Bildfläche in Schweden verschwinden dürfte. Nachdem sie mit den Volkswirtschaft- lichen Interessen der Nation in einer so unerhörten Weise Schindluder getrieben hat, kann der Tag ihres Sturzes nicht früh genug kommen. Wie schwach die Position des Unternehmertums im übrigen geworden sein muß, zeigen die Mittel, die es im Kampfe gegen die Arbeiter, anwendet. Nachdem die ganze systematisch bfganiftelle Lügenaktwn im eigenen Lande die Arbeiter nicht wankelmütig zu machen vermochte, läßt das führende Unternehmerorgan in Stockholm, das„Stock- Holms Dagbla d", sich von seinem in Berlin an- sässigen Schmock am Sonnabend telegraphieren, daß die deutschen Arbeiter den Kampf in Schweden a l s h o f f n ungslosansehenund deshalb keine U n t erstützungen mehr zu senden gedächten. Diese Depesche ist natürlich von der ersten bis zur letzten Zeile direkt erlogen! Selten hat ein Kampf im Auslande so große Sympathien der deutschen Arbeiterwelt gefunden und selten haben sich die deutschen Arbeiter so eifrig an den Sammlungen beteiligt, wie in diesem Falle. Das Lüßenhand- Werk der kapitalistischen Schmocks und ihrer Hintermänner wird aber gerade das Gegenteil des Erwünschten erreichen: Tie deutschen Arbeiter werden mit noch größerem Eifer die Sammlungen für Schweden betreiben! Ter Sieg der schwe- dischen Arbeiter muß dadurch zu unserem eigenen Siege werden. UmunsereSachehandeltessich! KatyollMag. Der Katholikentag ist am Sonnabend in Breskatl mit dem Glockengeläute sämtlicher katholischen Kirchen eingeläutet worden. Aus allen Gegenden Deutschlands sind die Teilnehmer an der Tagung herbeigeeilt, unter ihnen die Zentrumsabgeordncten Dr. Bccker-Arnsberg, Brust-Essen, Busch, Duffner, Erzberger, Freiherr von Ehnatten. Fehrenbach, Giesberts, Gröber, Graf Praschma, Herold, v. Savigny, Dr. Fleischer. Hauptmann usw. Auch viele hohe Würdenträger sind eingetroffen, darunter der wieder genesene Fürstbischof Kardinal Kopp und eine große Anzahl von Bischöfen und Geistlichen. Wie bei den letzten Katholikentagen sollen wieder vier öffent- liche und vier geschlossene Versammlungen stattfinden. Der preußische Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Dr. Bell-Essen wird über„Die Aufgaben der deutschen Katholiken auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet" sprechen, Professor Dr. Faul- haber von der Straßburger Universität über die„Frauenfrage", Landtagsabgcordneter K a p i tz a über die„Alkoholfrage", das Herrenhausmitglied und Reichstagsabgeordneter Hirsch zu Löwen st ein» Wertheim über die„Missionsfrage", Landtagsabgeordneter Oberlandesgerichtsrat Marx-- Düsseldorf über die„Schulfrage" und Rechtsanwalt Rumpf-München über„Christliche Kunst". Weiter werden sprechen Professor Dr. Meyers- Luxemburg über„Caritas" und Reichstagsabge- ordneter de Witt- Köln über die„Presse". Reichstagsabge- ordneter S ch ä d l e r- Bamberg spricht schließlich über ein ganz unpolitisches Thema„Papsttum und Pius X.". Nachdem vorgestern(am Sonntag) Vormittag in der Dom- Zirche ein Pontifikalamt als Danksagung für die Genesung des Kardinals Kopp abgehalten worden war, fand am Nachmittag der große Umzug der Arbeiter statt, an dem ungefähr 20 000 bis 25 000 Arbeiter teilnahmen. Da man in Breslau auf keine große Be° teiligung der Arbeiter rechnen konnte, hatte man aus den streng katholischen Gegenden Schlesiens mit Extrazügen große Scharen herbeigeschafft, zum Teil auf Kosten der schlesischen Magnaten. So bezahlte z. B. Graf Schaffgotsch, der Besitzer des halben Ricsengebirges, einen Extrazug. der am Sonntag um 9 Uhr von Hirschberg abging.— Trotz aller dieser Veranstaltungen und der reichlichen Musik— man hatte 75 Musikkapellen engagiert—, machte der Aufzug durchaus keinen imposanten Eindruck. Abgehärmt und abgearbeitet, Rücken und Glieder gekrümmt von schwerer Arbeit, marschierten die Land- arbeiter auf. Etwa 200 Schritt vom fürstbischöflichen Palais entfernt, stand ein Kaplan und kommandierte:«Dreimal die Fahnen senken vor Seiner Eminenz und dreimal Hoch rufen." Die Mahnung wurde von den meisten gar nicht gehört; uninteressiert zogen sie weiter. Einen bedeutenden Umfang hatten diesmal die Jugendvereine im Festzuge; schwach vertreten waren dagegen die industriellen Arbeiter. Nach dem Festzuge fanden sieben Arbeiter- Versammlungen statt, in denen Bischöfe den Segen erteilten. Am Sonntagabend fand in der Festhalle auf dem früheren Scheitniger Rennplatz die Begrüßung statt. Die Rede des Justizrats Porsch klang ziemlich elegisch. Er sagte: Eine Zeit lang habe es geschienen, als sollte der Katholikentag durch einen Weltkrieg oder durch parlamentarische Streitigkeiten oder schließlich im Hinblick auf das gefährdete Leben des Breslauer Fürstbischofs Kopp vereitelt werden. Daß der Zustrom so groß sein würde, wie in früheren Jahren, könnte man im Hinblick auf die nahe Grenze nicht erwarten. Dazu kämen noch die nahe Sprachgrenze und die Re- ligions unterschiede in der Provinz. Keine fest. lich geschmückte Stadt trete dem diesjährigen Katholikentage grüßend entgegen. DemonstrationLversammlungen hätten die Gegner bereits angekündigt, bevor sie wußten, was auf dem Katholiken- tage verhandelt werden würde. Die Sozialdemokraten hätten Kränze am Grabe Lassalles niedergelegt; das ginge die Katholiken nichts an, aber ebensowenig gehe es die Sozialdemokratie etwas an. tvenn Von katholischen Dingen geredet würde. Der Katholiken- tag sei kein Zentrumsparteitag, lind die bloße Tatsache des Zu- sammcnkommens von Katholiken gebe der Sozialdemokratie nicht das Recht zu Temonstrationsversaminlungen. Der Redner schloß mit einem Hoch auf Papst und Kaiser. Reichsrat und Landtagsabgeordneter Kuntschatz-Wien brachte Grüße von den Katholiken Wiens, Reichsrat der Krone Bayern Dr. jur. v. Arenthin Grüße von den Katholiken Bayerns, in deren Namen er ersuchte, die nächstjährige Generalversammlung in Augsburg abzuhalten.(Stürmischer Beifall.) Die am Montagmorgen abgehaltene erste geschlossene Ver- sammlung des Katholikentages wurde mit einer festlichen Auffahrt der katholischen St ud'« nie n verbin- düngen eingeleitet. Dann verlas Dr. Porsch ein Schreiben des Papstes, durch das den Versammelten der apostolische Segen erteilt wird. Darauf wurde zur Vorstandswahl und zur Vorlage der Anträge geschritten. An den Pap st und den Kaiser wurden Huldigungst'elegramme gesandt. In der ersten öffentlichen Versammlung am Abend hielt zu- nächst Fürstbischof Kopp eine mit stürmischem Beifall auf- genommene Ansprache, in der er das Thema vom irdischen und himmlischen Leben behandelte; dann sprachen Fürst zu Löwen st ein-Wert heim über das„ M i s s i o n s w e s e n" und Oberlandesgerichtsrat Marx-Düsseldorf über die . S ch u l f r a g e". Wie wohl kaum mitgeteilt zu werden braucht, forderte Herr Marx die streng konfessionelle Schule und ihre Be- aufsichtigung durch den Klerus. ».» Die sozialdemokratische Gegendemonstration, die am Sonntag- öormittag stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung gegen das Zentrum. Mehr als 20 000 Arbeiter beteiligten sich daran. Der Vorbeimarsch der Massen am Grabe Lassalles auf dem israelitischen Friedhof dauerte etwa zwei Stunden. 50 Kränze mit langen roten Schleifen, die von der sozigldemokrgtischen fäffitii den freien Gewerkschaften und den Arbeikern großer Fabriken stammten, wurden niedergelegt. Die Polizei schritt mehrfach ein und stellte die Personalien der Kranzträger fest. Die Schleife des Kranzes der Schiffszimmerer wurde beschlagnahmt. Zwischen der Polizei und den Kranzträgern des Fabrikarbeiterverbandes entwickelte sich in der Schweidnitzer Straße ein lebhafter Kampf, bei dem der Kranz beschädigt wurde. Die Arbeiterschaft wird selbstverständlich gegen dieses ungesetzliche Vorgehen beschwerdeführend vorgehen. Im Anschluß an die Kranzniederlegung im Millionärviertel fand eine Versammlung unter freiem Himmel statt, an der sich zirka 20 000 Menschen beteiligten. Genosse Bernstein referierte über:„Ferdinand Lassalle und Bischof Ketteler". Es wurde eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß keine Macht der Erde die Arbeiter vom Kampfe zur Erringung eines gleichen Wahl- rechtes abhalten könne, und daß die Herrschenden sich die schweren Folgen, die sich hieraus ergeben könnten, selbst zuzuschreiben Hütten. Als Gegendemonstration fand am Sonnabend eine von un- gefähr 2000 Personen besuchte Versammlung der demokratischen Vereinigung statt. Es sprach Oberst a. D. G ü b ke-Berlin über den„Block der Ritter und Heiligen". In der Diskussion ergriffen u. a. auch Genosse Eduard Bernstein und Genosse Loebe das Wort. Folgende Resolution gelangte zur Annahme: „Die zahlreich versammelten Bürger Breslaus verurteilen die Finanzreform der Junker und der Heiligen, die die breiten Schultern der Mittellosen ungebührlich belasten und die Be- sitzenden freilassen. Sie erblicken die einzige Möglichkeit, die Herrschaft der Reaktion abzuschütteln, in dem Zusammengehen von Bürgertum und Sozialdemokratie.'� politische Cleb er ficht. Berlin, den 30. August 1909. Beamtenbesoldungsreform und Reichsfinanzreform. Die Einsicht, daß durch die Stcucrausplünderung der söge- nannten Neichsfinanzrefonn dicVortcile der Gehaltsaufbesserung der Beamten wieder aufgehoben worden sind, macht sich auch mehr und mehr in den Kreisen der Beamten fühlbar. So lesen wir in der Zeitschrift„Der deutsche Beamte": «Soweit diese Mahnung der Sparsamkeit sich an die breiten Schichten des Mittelstandes, insbesondere an die Kreise des mittleren und unteren V e a in t e n t u ni s richtet, wird sie leider zwecklos verhallen, denn wir wüßten wirklich nicht, woran und wovon die Bcaniten heutzutage eigentlich sparen sollten. Von ihrer Aufbesserung etwa? Nun. die dürfte bei den hcntigen TeuerungS- Verhältnissen nur gerade hinreichen, um sie vor der Notwendigkeit neuer Schuldeumacherei zu schützen und um ihnen die Möglichkeit zu bieten, vor der alleräußersten Not geschützt zu sein. Und das kaum: denn gleichzeitig mit der nun endlich nach langen Kämpfen in sehr beschnittener'Form erlangten Gehaltsaufbesscrimg tritt infolge der Finanzreform aufs neue die Steuerschraube in so empfindlicher Weise in Tätigkeit, daß jedem Patrioten um die wirtschaftliche Existenz des mittelständischen gew«betätigen deutschen Volkes angst und bange werden könnte I Wenn die Steuerschraube zu Zeiten eines allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwunges, zu einer Zeit normaler wirtschaftlicher Verhältnisse einsetzt, dann läßt sich das wohl ertragen; jetzt aber, wo das deutsche Volk schon seit über fünf Jahren unter den empfindlichsten Teuerungsverhältnissen, die von Tag zu Tag wachsen, leidet, ohne daß ein Ende dieser Not abzusehen ist, erscheint das starke Anziehen der Steuerschraube geradezu als ein nationales Unglück, als ein Todesstoß, der dem deutschen Volke wirtschaftlich den Garaus machen soll. Statt daß man von oben her danach trachtet, Mitte! und Wege aus- findig zu machen, um die verhängnisvolle Teue- rung zu beseitigen und wieder normale Ver- h ä l t n i s s e, unter denen allein ein Volk sich wirtschaftlich und geistig entwickeln kann, herbeizuführen, schüttet man eine ganze Pandorabüchse neuer Steuern auf das Volk und fügt, wie zum Hohne, zu dem be- stehenden Jammer noch neue Lasten und Eni- behrungen hinzu. Wahrlich, jeder, der eS mit unserem Vaterlande böse meint, kann an solchen Verhältnissen, an solchem „Verhängnis", nur seine helle Freude habe»! Nun gibt cS sicher Leute, die behaupten werden, unsere Schil- derung sei zu schwarz,(das sind diejenigen, die sich in so guten und auskömmlichen Verhältnissen befinden, daß ihnen weder Teuerung, noch Stenern usw. was besonderes anhaben können. Alle diejenigen Kreise, die auf ihrer Hände Arbeit angewiesen sind, um leben zu können, haben heute schwer zu kämpfen und sind in ihrer Lebens- fiihrnng zu so außerordentlichen Einschränklingen gezwungen, daß von einem„Lebensgenüsse"(im edlen Sinne: Theater, Kunst. Musik, gesellschaftliche Erholungen usio.) überhaupt nicht mehr gesprochen lvcrden kann. Sie lebe» nur,, im einen Kampf für ihre materielle Existenz zu führen. Diejenigen, die das bestreiten, kennen eben die Verhältnisse nicht; sie haben keine Fühlung mit den Klassen des Mittelstandes, keine Fühlung mit den großen Schichten des mittleren und kleinen Beamten, bei denen allen— trotz der„GehaltZaufbessernug", solveit sie überhaupt von einer solche» betroffen worden sind I— Schmalhans auch heute noch Küchenmeister ist und zwar nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch bezüglich der zu einem überhaupt lebens- werten Leben unbedingt gehörenden geistigen Bedürfnisse." So lange die mittleren und unteren Beamten sich wie bisher von den bürgerlichen Parteien nasführen lassen, dürfen sie sich nicht darüber beklagen, daß man zum Schaden noch den Hohn fügt!_ Wirkung des Generalstreiks. Daß das Unternehmertum die Wahrheit nicht immer scheut zeigt folgende Notiz der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitung für das Baugewerbe", eine Notiz freilich, bei der es gilt, den deutschen Arbeitern und ihrem Opfermut(den die Scharsinacherpresse noch vor wenigen Tagen als sehr gering verhöhnte) eins auszuwischen: „I n den Untcrwes erorten geht der General- streik in Schweden nicht spurlos vorüber. ES wird uns hierzu aus Bremerhaven folgendes mitgeteilt: Als vor vierzehn Tagen seitens der Generalkommission der GeWerk- schnften Dentschlands in der sozialistischen Presse ein Auf- ruf zur Nuterstützung der sich im Generalstreik befindenden schwedischen Arbeilerschaft erging, da waren auch die Gc- lverkschaften der Unter weserorte mit Rat und Tat an er st er Stelle. Hunderttausende von Mark, die der deutschen Arbeiterschaft angeblich zum Zwecke der Unterstützung der notleidenden Arbeiterschaft in wirtschaftlichen Krisen von den Gewerkschaften abgenommen worden sind, wandern jetzt in das Ausland. Das auf diese Weise verwandte Geld dürfte aber den hiesigen Arbeitern keine besonderen Früchte bringen, weil durch die damit bezweckte Fortsetzung des Streiks die Holzindustrie an den Küstenplähcn nachteilig beeinflußt wird. Die Folgen des schwedischen Kampfes zeigen sich bereits in den Unterwcserorten. Es sind besonders die Holzgeschäfte und Holzwarenfabriken, die infolge des Streiks kein Holz von Schweden bekommen und wegen Materialmangels sich veranlaßt sehen, täglich Be- triebscinschränkungcn und Arbeitercntlassungcn vorzunehmen. Während also die hiesige Arbeiterschaft die Fortführung des Streiks in Schweden unterstützt, schädigt sie nicht nur die hiesige Industrie, sondern sich selbst ebenfalls, weil sie hiesige Arbeiter direkt brotlos macht." Also bald heißt es: der Generalstreik ist inS Wasser gc- falleiy bifi SSürtuma fißs LleO AM. feie Mliefme Solidarität der deutschen Arbeiker hat versag?. Gass ttbekk die Folgen machen sich in der deutschen Industrie bemerkbar, Materialmangel tritt ein, die Arbeitergroschen werden millionenweise ins Ausland verschleudert.... Für wie dumm müssen doch die Redaktionen der Unternehmerpresse, so einen deutschen Arbeitgeber halten, daß er dieses nach Bedarf Zurechtbiegen der Tatsachen für feare Mnze nehmen soll._ Kleinstädtische Korruption. In Nr. 197 des„Vorwärts"(letzte MittwochZnummcr) kritisierten wir im Anschluß an eine von dem badischen Zentrumsabgeordneten Wittemann im Karlsruher Zcntrumsorgan veröffentlichte Erklärung die eigenartige Verteilung der im vorigen Jahre für die Abgebrannten der Stadl Donauefchmgen gesammelten Geldmittel und forderten eine gründliche Untersuchung des VerteilnngSverfahrens des Hills- komitecs. Bisher verlautet von einer Untersuchung noch nichts; wohl aber veröffentlicht der„Hegauer Erzähler" eine ab- schwächende Darstellung der Vorgänge. Er schreibt: „Nach dem Brande wurden alle Beschädigten aufgefordert, ihren versicherten und ihren tatsächlichen Schaden anzugeben. Die? geschah, um den gesamten Brandschaden genau festzustellen. Bei diesen Angaben sind nun zum Teil die tatsächlichen Schäden weit höher angegeben worden, als die Fahrnis- Versicherung lautete. Herr Wittemann meldete einen Schaden von 42 090 Mark an, während seine Versicherung nur auf 17000 Mark lautete. � Nehnlich war das Verhältnis auch bei verschiedenen anderen Beschädigten, Beamten und anderen Einwohnern. Ihrer Partei- stellung nach zählten diese Herren teils zur liberalen, teils zur Zentrumspartei, unter anderem war der Vorstand des liberalen Vereins, Herr Notar v. Dicmer, in einer ähnlichen Lage wie Herr Wittemann, auch er liguidierte einen höheren tatsächlichen Schaden. als seine Fahrnisversicherung betrug, und auch er nahm seinen Anteil von den Hilssgeldern. Als eS an die Verteilung der Hilfsgelder ging, wurde in einer Ver- sammlung der FahrniSbeschädigten die Forderung aufgestellt, daß die Verteilung nach dem angemeldeten tatsächlichen Schaden geschehen soll: diese Versammlung wurde nicht von Herrn Wille- mann einberufen, er wohnte ihr aber an und stimmte den An- trägen und Beschlüssen zu. Das Hilfskomitee stellte sich dagegen aus den Standpunkt, daß die Hilfsgelder nach Maß- gäbe des versichert gewesenen Schadens ver- teilt werden sollen und nicht nach den unlontrollicr- baren Angaben des tatsächlichen Schadens, und es war namentlich der damalige stellvertretende AmtSvorstaud Herr Overamtmaun Paul, der diesen Standpunkt des Komitees nachdrücklich gegen die weitergehenden Wünsche der FahrniSbeschädigten vertrat. Trotz deS offensichtlichen Bestrebens des Blattes, keine scharfen Ausdrücke zu gebrauchen, bestätigt seine Darstellung doch, daß mit den für die Donaueschinger Notleidenden gesammelten Geldern keineswegs im Sinne der Geber verfahren ist. Diese hatten zum Hilfsfonds beigesteuert, um die durch den großen Brand in bittere Not Geratenen zu unterstützen. nicht aber um den Wohlhabenden Donaueschingens wieder zum vollen Besitz ihrer Habe zu verhelfen oder gar, wie das nicht selten vorgekommen zu sein scheint, sie in den Stand zu setzen, sich aus Kosten der mildtätigen Geber für ihre brand» beschädigten Häuser weit wertvollere Pracht- bauten zu errichten. Um den wohlhabenden Bürgern allerlei schöne Vermögensvorteile zuzuwenden und ihnen„Schäden" zu ver- gütcn, die sie teilweise gar nicht erlitten hatten, ist das Geld sicherlich nicht in allen Teilen des Reiches zusammengebettelt worden. Geplante Wahlrechtsverschlechterungeu in Wandsbeck. Die Kieler Verkümmerung des kommunalen Wahlrechts durch die Bezirkseinteilung hat auch den Wandsbecker Magistrat nicht schlafen lasten. Nachdem eS dort unseren Genossen gelungen war, trotz hohen Wahlzensus, des höchsten in der Provinz Schleswig- Holstein, bei der letzten Wahl das vereinigte Spießertum zu schlagen, indem drei Bürgerliche drei Genossen Platz machen mußten, ist, lvie da? Amtsorgan, der«Wandsbecker Bote", mitteilt, der Magistrat in Erwägungen eingetreten über die Zweckmäßigkeit der Einführung von Bezirkswahlen; das heißt mit andern Worten: Durch eine„geschickte" Bezirksgeometrie soll daS weitere Vordringen der Noten verhindert werden._ Die Hetze gegen das Hamburger Gewerkschaftshaus. Die„Hamburger Nachrichten" inszenierten im Februar d. I. eine Hetze gegen das Hamburger GcwcrkschaftshauS, das sie durch „sensationelle" Enthüllungen über Vorgänge in der HerbergSküche bloSzustellen suchten. Am 13. Februar erschien in diesem Blatts ein Artikel„Zukunft staatliches", in dem es unter anderem heißt: „Wer sich von den Möglichkeiten, die unS der sozial- demokratische Zukunftsstaat bieten würde, schon jetzt ein einigermaßen klares Bild machen will, der tut am besten, wenn er sich die Einrichtungen ansieht, wo die Genossen unter sich sind und freie Hand haben, sich nach ihrem Geschmack und Wohlgefallen zu betätigen." Dann ist die Rede von entlassenen weiblichen Beschwerdeführern, von Vetternwirtschaft und dreierlei Küche:„eine für die Herrschaft, eine für die Kellner und eine für daS gemeine Dienstvolk, also ein Musterbeispiel für die kom« munistische Gleichheit der Sozialdemokratie". Am Schluß hieß es: „Die Arbeitslosen würden mit kümmerlichen Brocken, Speisen auS den Abfalltonnen, verdorbenen Knackwürsten und schlecht gewordenem Schinken abgespeist." Am 20. Februar brachte dasselbe Blatt einen Artikel„Vom Zu- kunftsstaat am Besenbinderhof', in dem der Verwaltung des Ge- werkschaftshauses eine Reihe Vorwürfe gemacht werden, die von der Verwaltung als unwahr zurückgewiesen wurden mit dem Bemerken, daß die Behauptungen böswillig von Leuten aufgestellt seien, die wegen zwingender Gründe aus dem Dienste des GewerkschaftshauseS entlasten werden mußten. Diese Angriffe wurden nicht allein gierig von der Reichs- Verbandspresse aufgegriffen, sie gaben auch der Polizei Anlaß. Er- Mittelungen anzustellen, ob in der HerbergSlüche des Gewerkschafts- Hauses derartiges vorgekommen sei. Die große Aktion endete mit der Erhebung einer Anklqge wegen Vergehens gegen das Nahrung;- inittelgesetz gegen die frühere Oekonomin der Gewerkschafts- Herberge und eine frühere Kochfrau derselben. Die Sache kam am Sonnabend vor dem Schöffengericht II zu Hamburg zur Ver- Handlung, deren Ergebnis war, daß in einem Falle eine nicht zu billigende Unregelmäßigkeit der Oekonomie nachgewiesen wurde, indem sie Vohnengemüse an die Gäste verkaufte, in welchem ein Schinkenknochen gekocht worden war, der von Maden durchsetzt war, dessen Fleisch aber nicht verwertet worden ist. Der zweite Fall betraf die Kochfrau, die versehentlich in die Abfalltonne gc- rateneS Fleisch, das aber auf Kartoffelschalen lag, ver- wertete, nachdem es gründlich gereinigt worden war. Der AmtSanwalt beantragte gegen die Oekonomie wegen dieses einen Falles eine Geldstrafe von 100 M. und gegen die Kochfrau Freisprechung, da deren Schuld nicht erwiesen sei. DaS Gericht verurteilte erstcre zu 20 und letztere zu 5 M. Geldstrafe. Bei der StrafauSincssung sei berücksichtigt worden, daß sonst alles ordimiigSgeinäß vor sich gegangen sei. Solche Fälle mögen auch in andere Küchen vorkommen, aber tvenn sie zur Kcnntius der Behörden kämen, müsse eine Bestrafung eintreten. MNttarjustizlicheS. Der Musketier Walter Kohllöffel vom IS. Jufanteriereziment war vom Kriegsgericht der neunten Division wegen Meuterei zu drei Jahren s e ch s M o n a t en F e st u n g verurteilt worden. Auf die Berufung de- Verurteilten ermäßigte das Oberkriegs- gericht des fünften Armeekorps die Strafe auf ein Jahr drei Monate Festung. Das Ncichs-Militärgericht, das sich infolge des großen Strafunterschiedes mit der Sache zu befassen hatte, hob dieses Urteil auf und verwies die Angelegenheit zur noch- maligen Verhandlung an das Oberkriegsgericht de- sechsten Armee- korps. Dieses hat nun den Musketier mit— vier Wochen strengen Arrest bestraft. Also erst S'/z Jahre, nachher vier Wochen. Wenn sich der Mann bei dem erstinstanzlichen Urteil be- ruhigt hätte Z_ Die griechische Militärrevolte. Die unblutige Militärrevolte, der am Sonnabend das Ministerium Rhallys zum Opfer fiel, trägt einen aus- gesprochen chauvinistischen und zugleich a n t i d y n a st i- s ch e n Charakter. Als Rhallys die Annahme der Offiziers- deputafion verweigerte, zog Sonnabend früh fast die ganze Garnison, verstärkt durch Marinetruppen nach dem Vorort Gudi aus, wo sie, über 3000 Mann stark, ein Lager aufschlugen und dem Könige die Mitteilnng sandten, daß sie seine Abdankung verlangen. Äun gab Rhallys nach und trat von seinem Posten zurück. An seine Stelle trat Mar- wonischalis. Der König mußte ein Dekret unterzeichnen, ivorin den aufrührerischen Truppen A m n e st i e zugesichert werde. Tatsächlich ist die Armee Herr der Lage und der Thron des dänischen Prinzen, der die griechische Krone trägt, wackelt be- denklich. Wie unbeliebt er und sein Haus in der Armee und wohl auch sonst im Lande sind, geht daraus hervor, daß die unzufriedenen Offiziere in der Liste ihrer Forderungen an dritter Stelle anführen: Entfernung der könig- lichen Prinzen aus den Reihen der aktiven Armee. Tie übrigen Forderungen der Liste sind samt und sonders Verbesserung und Verstärkung des Heers und der Flotte, wobei zugleich größere Sparsamkeit verlangt wird. Nach Verkündung der Amnestie sind die Truppen ruhig in ihre Kasernen zurückgekehrt. Doch glaubt man die Dynastie immer noch gefährdet, und vor allem fürchten die Diplomaten internationale Verwickelungen und Friedensstörungen, da die Bewegung ja auch einen Protest gegen die Haltung der griechischen Negierung in der Kreta- und mazedonischen Affäre darstellt. Das neue Ministerium kündet innere Reformen und Er- sparnisse an. Woher es aber das Geld für die von der Armee geforderten Reformen der militärischen Rüstungen nehmen will, ist unklar. Das arme Land ist tief verschuldet und das Volk seufzt unter erdrückender Steuerlast.- Ocrtcrmch. Der Nationalitätenstreit. In Tirol wird in diesen Tagen die Jahrhundertfeier der Erhebung des Landes gegen Bayern und Frankreich gefeiert. Nach bürgerlichem Brauch läuft sie in eine Huldigung vor dem greisen Kaiser aus. Die italienischen Tiroler nehmen wegen ihrer feind- lichen Stellung zu den Deutschtirolern an der Feier nicht teil. Ayl Sonnabend kam es in Trient zu heftigen Demonstra- t i o n e n der Welschtiroler gegen die deutschen Schützenvereine, die zur Feier nach Innsbruck abfuhren. Die Wiener„Neue Freie Presse" meldet, daß ungefähr 3000 Italiener unter der Führung des Reichsratsabgcordneten Avancini am Bahnhof die deutschen Schützenvereine beschimpften und bedrohten. Einzelne Schützen wurden angeblich gezwungen, zurückzubleiben. Die Gendarmerie schritt ein und verhaftete viele Demonstranten, darunter den Abgeordneten Avancini.» Dänemark. Die Demoustration gegen Christensen. Kopenhagen, 29. August. Als Protest gegen den Eintritt I. E. EhristensenS in das Kabinett veranstaltete die Bevölkerung der Hauptstadt heute mittag einen D e m o n st r a t i o n s z u g, an dem viele tausend Personen teilnahmen. Daran schloß sich eine Versammlung, in welcher nach mehreren Ansprachen einstim- mig beschlossen«wurde. König und Folkething zu ersuchen, den jetzigen Verteidigungsminister I. C. Christensen vor das Reichsgericht zu stellen zur Untersuchung des offiziellen Verhältnisses Christensens zu dem ehemaligen Justiz mini st er Albert i. OrKei. Die Ausstiiniie in Albanien«nd Bemen. — Uesküb, 30. August. Von Regovo wird berichtet, daß die Kämpfe im Erlöschen begriffen sind. Auf albanesischer Seite seien große V e r l u st e zu verzeichnen. Die Truppen hatten bisher elf Tote und zahlreiche Verwundete. London, 30. August. Der„Daily Telegraph" meldet aus Konstantinopel: Die Lage in Demen ist nach wie vor sehr e r n st. Der Wali verlangt die dringende Entsendung von 5000 Mann Truppen und vier Gebügs- und vier Schnellfeuergeschützbatterien. Sechs türkische Bataillone sind von den Arabern bereits aufgerieben worden. Die Regierung befindet sich in sehr mißlicher Lage, da die Soldaten nicht nach Jemen abgehen wollen. Amerika. Polizeikorruption in New Jork und Chicago. New Jork, 17. August.(Eig. Ber.)s Ex-Polizeikommissar B i n g h a m, der bis vor wenigen Wochen anderSpitzedesNewIorkerPolizei Wesens stand, veröffentlicht im Septemberheft von„Hampton's Magazine" einen hochsensationellen Artikel über Polizei, Polizei-., Grast", systematische Brandschatzung der Bevölkerung New Jorks, namentlich der Wirte, Spielhöllenbesitzer, Bordellbesitzer und Straßendirnen durch die Polizeiorgane, und über das Schutz- und Trutzbündnis zwischen der Polizei und den Magistraten(Richter, die über leichte Vergehen zu befinden haben) und den Politikern. Bingham behauptet in dem Artikel, daß die von der New Jorker Polizei erpreßten Schmiergelder sich auf 100 000 000 Dollar(4 00000000 M.) per Jahr belaufen und fügt bei, daß 1500 bis 2000 Polizeibeamten der aus insgesamt 10 000 Köpfen bestehenden Polizeimannschaft New Jorks„skrupel- lose„Grafters" sind, nur darauf bedacht, auf„leichte Art" Geld zu erwerben". An der Hand von Beispielen weist Bingham nach, daß einfache Schutzleute, deren Gehalt zwischen 1400 Dollar bis 2000 Dollar per Jahr beträgt, neben ihrer städtischen Wohnung eine Sommerwohnung auf dem Lande besitzen und daß ihr Auf- wand mindestens ein Jahreseinkommen von 5000 Dollar bedingt. Das Manko zwischen Gehalt und Aufwand wird durch Schmier- gelder gedeckt. Ihm(Bingham) selbst wurden während feiner Amtszeit wibderholt Bestechungsgelder angeboten; hätte er sich auf die im Polizeidepartement üblichen krummen Praktiken eingelassen, so hätte er pro Jahr mindestens 600 000 Dollar Schmier- gelder in die Tasche stecken können, wahrscheinlich"nber 1 00 0 00 0 Dollar. Durchaus neu sind ja diese Angaben nicht; da sie aber von solch berufener.Seite stammen� verdiene� sie, Zier xeL'ftxiert z« Werden.°', Nebrigens liegen die Verhältnisse in Chieago nicht anders. Seit Wochen führt unser dortiges Parteiblatt„The Chicago Daily Socialist" einen schneidigen Kampf gegen die Chicagoer Polizei- korruption, und was das Blatt aus dem Polizeisumpfe zutage förderte, war solcherart, daß die Distriktsanwaltschaft, allerdings sehr gegen ihren Willen, sich zum Einschreiten veranlaßt sah. Vor- läufig haben die Grotzgeschworenen gegen ein halbes Dutzend Polizeibeamte Anklagen erhoben, so gegen den Polizeiinspektor McCann und gegen den Polizei- sergeanten Griffin. Beide haben in dem dem Inspektor McCann unterstellten Bezirk seit Jahren die Erpressung systematisch be- trieben und von Bordellbesitzern und so weiter den amtlichen Fest- stellungen zufolge 150 000 Dollar per Jahr eingetrieben. Jede Straßendirne mußte, wie die Untersuchung ergeben hat, mindestens 20Dollar per Monat an McCann abliefern, um sich die Freiheit, ihren Leib zu verkaufen, zu sichern. In den anderen Polizeidistrikten Chicagos herrschte natürlich das gleiche System, und wenn auch dort die Gesamtsumme der Brand- schatzungen keine 100 000 000 Dollar erreicht, so geht sie doch Zweifel- los ig dix Billionen. Hiis der parte!* VernstcinS Hinauswerfen ans der„Neuen Zeit". Die„Chemnitzer Volksstimme" hatte behauptet, Bernstein sei aus der„Neuen Zeit"„hinausgebissen" worden. Auf meine Aufforderung, offen herauszusagen, was damit gemeint sei, meldet sich jetzt Bernstein selbst, um zu erklären, daß mein Verhalten ihm gegenüber seinen Austritt unvermeidlich gemacht habe, was Auer und„ein Parteigenosse in hervorragender Stellung" ihm bestätigten. Das bedeutet weder eine Zurücknahme der Beschuldigung, noch ihre Aufklärung, sondern öffnet erst recht allen möglichen Deu- hijtgen und Mißdeutungen Tür und Tor. Es war nicht mein„Verhalten", was Bernsteins Zusammen- wirken mit mir in der„Neuen Zeit" schließlich unmöglich machte, sondern sein Frontwechsel, der unsere ursprüngliche völlige Neber- einstimmung in allen entscheidenden Fragen der Theorie, der Taktik, der Redaktionsführung durch den schroffsten Gegensatz verdrängte. Wohl aber darf ich es meinem„Verhalten" zuschreiben, wenn trotz dieses Gegensatzes aus allen Gebieten, die für unser gemein- sames Arbeiten in Betracht kamen, trotz seiner steten polemischen Hervorkehrung und Zuspitzung noch fast drei Jahre lang ein Zu- sammenarbeitcn Bernsteins mit mir möglich wurde. Ueber mein Verhalten Bernstein gegenüber ist mir bisher von niemand ein Tadel ausgesprochen worden, auch nicht von jenen beiden Genossen, auf die sich Bernstein beruft, ohne sie wörtlich zu zitieren. Ebensowenig von jenen Instanzen, deren Ueberwachung die Redaktionsführung der„Neuen Zeit" untersteht und die berufen waren, Bernstein zu schützen, wenn ich ihn ungebührlich behandelte. Die einzige, erste und letzte, Beschwerde, die Bernstein über mein„Verhalten" an den Parteivorstand richtete, im März 1900, wurde von diesem mit allen Stimmen, auch der Auers, als unberechtigt zurückgewiesen._ Karl K a u t s k y. Die Landeskonferenz der sozialdemokratischen Partei des Herzog- tums Braunschweig fand am Sonntag, den 29. August, in S e e s e n am Harz statt. Sie war von 69 Genossen und Genossinnen besucht. Der Parteivorstand hatte den Genossen W e n g e l s- Berlin entsandt. Nach dem Be- richte des Vorsitzenden der Landcsorganisation, des Genossen Ricke und des Parteisekretärs A n t r i ck waren im Lande Braun- schweig am 1. Juli d. I. insgesamt 7431 organisierte Parteimit- glieder vorhanden, davon 1150 weibliche. Die Landesorgcnrisation hat um 1155 Mitglieder gegen das Vorjahr zugenommen, um 786 weibliche und 369 männliche. Die Landeszcntralkasse hatte eine Gesamteinnahme von 14 336,79 M., eine Ausgabe von 11101,12 M. und am 1. Juli d. I. einen Kassenbestand von 3285,67 M. Die Landesorganisation umfaßt 47 Ortsvereinc, die eine Gesamt- jahreseinnahme von 28 741,18 M. hatten. In den Bürgerschafts- Vertretungen von 6 Städten hat unser? Partei 24 Stadtverordnete, in 27 Landgemeinden insgesamt 53 Gemeinderatsvertreter gegen 63 Stadtverordnete bczw. Gemeindevcrtretcr im Vorjahre. Flug- blätter sind im letzten Jahre 242 000 verbreitet worden. Die Lau- desorganisation hat außerdem ein besonderes� Agitationsblatt „E m p o r" gegründet, das ollmonatlich unter der ländlichen Be- völkerung gratis verbreitet wird. Der„Volksfreundkalen- d e r" ist in 36 000 Exepmlaren auf dem Lande verteilt worden. Die Jugendorganisation hatte am 1. Juli d. I. 176 Mitglieder, jetzt über 200. Die Bildungsbestrebungen wurden von der Partei nach Kräften gefördert. De:„Volks- freund" wird in 80 Orten in über 9000 Exemplaren gelesen, der „Wahre Jakob" in 3509. die„Gleichheit" in 331. die„Neue Zeit" in 57, die„Kommunale Praxis" in 15 und die„Arbeiterjugend" in 240 Exemplaren. Der Parteitag faßte folgende Beschlüsse: Sofern der Parteitag in Leipzig den monat» lichen Mindestbeitrag auf 3 0. Pf. festlegt, so erhält Z 31, Absatz 1 der Landessatzung folgenden Zusatz: Von jedem Beitrage eines männlichen Mitgliedes verbleiben den ort- lichen Verwaltungsstellen 10 Pf. Sofern der Parteitag in Leipzig eine anderweit? Regelung der Beitragszahlung beschließt, so ermächtigt die Landeskonferenz den LondeSvorstand, gemeinsam mit den drei Kreisvorständcn die Verteilung der Beitrage zwischen Landes-, Kreis- und Orts- organisationen bis zur nächsten Landeskonferenz provisorisch zu regeln. � t Der Landesvorstand hat mit Unterstützung d:r Kreisvorstande Einrichtungen zu treffen, die Vorstandsmitglieder der Ortsvereine und Parteifunktionäre besser auszu- bilden.<... Tie Wahl der Delegierten zum deutschen Parteitage wird mittels Urabstimmung vorgenommen. In derselben Weise muß über wichtige Partei. fragen abgestimmt werden, wenn dieses von mindestens 10 Ortsvereinen bezw. Mitgliedschaften beantragt wird.— Pflicht der Genossinnen.ist es. unter dem weiblichen Proletariate zu agitieren. Hierzu soll den Genossinnen vom Vorstand respektive den Bezirksfiihrern ein Verzeichnis der Genossen des betreffenden Bezirks verabfolgt werden._ Schnapsboykott. Durch die Parteipresse geht ein Artikel des Genossen Aug. N e u m a n n- Hamburg, Vorsitzenden des Arbeiter-Abstinenten- bundes, der dem Parteitag empfiehlt, den Schnapsboykott zu be» schließen. Er befürwortet den Boykott als eine ÄrtSteuerver- Weigerung. Nachdem er ausgeführt, daß der Boykott des Bieres auf die Dauer noch nicht durchzusetzen ist, weil der „Glaube an das Bier" noch zu groß sei, legt er dar. daß die Zahl der Verteidiger des Schnapses stetig abnimmt, ebenso wie die Zahl derer, die ihn gewohnheitsmäßig genießen. Der Schade, den er anstiftet, sei unbestritten; auch ohne besonderen Anlaß wäre eine Kriegserklärung gegen den Schnaps des Beifalls und der durch- schlagenden Wirkung in der organisierten Arbeiterschaft sicher. Dann fährt der Artikel fort: „Jetzt aber liegt solch ein besonderer Anlaß vor. Jetzt handelt es sich darum, durch einen Schnapsboykott das Steuererträg- nis fühlbar zu vermindern, die Liebesgabe der Junker aber womöglich ganz zu vernichten. Um dieses Zieles willen wird mancher Widerspruch verstummen, werden auch viele, die noch glauben, damit ein Opfer zu bringen, dem Aufrufe folgen. Natürlich wird es nötig sein, in diesem Kampfe den Massen zu zeigen, daß es kein Opfer ist, was wir verlangen; daß der Ver- zicht auf den Schnaps eine Erhöhung der Lebenshaltung nach jeder Richtung bedeutet; daß die Preisgabe des Schnapses gesundheit» lichen« muterirllui,. MwalischLli Gewinn iL.Wils mit sich bru�t. Selbstverständlich wird' dabei die Darlegung der sozialen Ursachen, die zum Branntweingenuß treiben, die leicht wie eine Verteidigung seines Genusses wirken kann, zurücktreten hinter der Aufklärung über seine Gefahren und die Notwendigkeit, ihn zu meiden." Genosse Neumann glaubt, daß es der Sozialdemokratie möglich sein wird, einen Schnapskonsumrückgang zu erzielen, groß genug, um das Steuersoll von 200 Millionen wesentlich zu schmälern, und zu bewirken, daß die Kontingentshöhe nicht mehr erreicht wird und die Liebesgabe zum Teufel geht. Er schätzt, daß die Partei auf etwa ein Viertel der erwachsenen männlichen Bevölkerung Einfluß genug besitzt, sie für den Boykott zu gewinnen. Er sagt darüber: „... Wenn man diese Zahl zu hoch findet, vergesse man nicht, daß der Branntweinverbrauch in der Arbeiterschaft größer ist, als in den anderen Kreisen; ferner, daß wir weit über den Nahmen der organisierten Arbeiterschaft hinaus auf andere wirken. Man denke daran, daß der Trunk bei der Arbeit, auf Bauten und in Fabriken unter den Augen aller geschieht, daß jeder hier praktische Arbeit leisten kann. Man vergesse auch nicht, welch bedeutenden Einfluß hierbei die Frauen ausüben können und werden. Mit Freuden werden sie den Kampfruf aufnehmen. Einmal in die Masse geworfen aber wird der Boykott auch weitergreifen. Auch in den ch r i st l i ch e n Gewerkschaften mehren sich die Stimmen gegen den Alkohol. Und der Groll gegen die neuen Steuern ist dort nicht geringer als bei uns. Ich glaube daher, nicht zu hoch zu schätzen, wenn ich den Ausfall, den wir erzielen können, auf etwa ein Viertel des heutigen Konsums bemesse. Das würde einen Steuerausfall von rund 50 Millionen ergeben, dazu den Wegfall der Liebesgabe! Und selbst, wenn es weni- ger wäre: es würde sicher ein fühlbarer Ausfall. Es wäre dann ein Schauspiel, wert, erlebt zu werden, wenn dann die Regierung, wenn die herrschenden Klassen sich anschicken würden, unseren Schlag abzuwehren; wenn sie gar dem Schnaps- genuß das Wort reden würden= natürlich dem „mäßigen"." Der Artikel schließt:„Möge der Parteitag diesen Weg betreten! Möge er diese eminent praktische Arbeit leisten— und Leipzig wird in der Geschichte der Partei stehen als ein Ort, an dem eine Befreiungsschlacht des Proletariats seinen Anfang nahm." m Eine sozialdemokratische Versammlung in Magdeburg nahm eine Resolution an, deren Schluß lautet: „Die Arbeiterschaft wird... aufgefordert, durch Enthaltung des Branntweingenusses in jeder Form dazu beizutragen, diese Ausbeuterkreise(die Agrarier), dort zu treffen, wo sie am empfind- lichsten sind, das ist am Geldbeutel. Die Enthaltung vom Branntweingenuß muß zugleich eine Durchkreuzung der Steuerpolitik der Regierung erwirken. Also Krieg dem Branntwein, den geschlossen und energisch zu führen, Ehrensache der Arbeiter sein muß." Em Industrie und Kandel. Bou der Not der Landwirtschaft. Wie ein hinterpommersches Lokalblatt berichtet, hat der Ritter» guisbesitzer Ludden sein 1600 Morgen großes Gut zum Preise von 415 000 M. verkaust. Da er das Gut vor zwei Jahren für 320 000 M. erwarb, hat er pro Jahr 47 500 M. für Nichtstun„der» dieni". Der Besitzer des Gutes Ermielen bezahlte für dieses vor drei Jahren 50 000 M., jetzt hat er es für 120 000 M. losgeschlagen. Der Aufschlag macht 140 Proz. aus. An dem kleinen Objekt„ver- diente" der Verkäufer in drei Jahren 70000 M. Den neuen Be- sitzern wird es vielleicht nicht schwer fallen, auszurechnen, daß trotz der Wucherzölle die Erlöse noch keine genügend hohe Rente abwerfen und daß sie keine höheren Löhne für die Landproletarier zahlen können. Bei der steigenden Grundrente wird die Landwirtschast immer notleidend bleiben und die Junker machen Bombengeschäfte. Gegen den Biertrust. Eine am Montag abgehaltene Versammlung der Genossen- schaftler und Abnehmer der„Ersten Genossenschafts-Brauerei" erklärt sich einsfimmig mit den Matznahmen der Verwaltung einverstanden. Unter keinen Umständen werde man sich von den Grotzbrauereien durch billige BierPreiSangebote einfangen lassen. Den von der Genossenschaftsbraucrei festgesetzten Preis von 18 M. werde man gern zahlen, um so mehr, als er mit dazu dienen solle, kampffähig gegen den Ring zu sein. Es müsse alles daran gesetzt werden, die Vertrustung der Bier- Produktion zu verhindern, andernfalls würden die Wirte zu einfachen Schenkknechten der Brauereien herabsinken.' Das war die einmütig bekundete Ansicht, der zufolge man den Kampf aufnehmen werde._ Z» leicht befunden. In Karlsruhe hat die Polizeidirektion mehr als die Hälfte aller Bäckermeister mit Strafen von 10 bis 50 M. belegt, weil das ver- kaufte Brot im Widerspruch mit dem im Schaufenster befindlichen Aushang nicht das richtige Gewicht zeigte. Auf Veranlassung der Bückerinnung legten die bestraften Bäckermeister Berufung'beim Amtsgericht ein. Das Gericht erkannte das Recht der Polizeibehörde an, im Falle einer Nichtübereinstimmung zwischen tatsächlichem Ee- wicht und den Angaben im Schaufenster Strafen zu verhängen, setzte aber das Höchstmaß der Strafen von 50 M. ans 20 M. herab. Brote, die zu leicht sind, kann man auch au anderen Plätzen finden. Wenn überall ein leistungssähiger gntgeleiieter Konsumverein mit einer eigenen Bäckerei bestände, würden die Herren Bäckermeister wahrscheinlich mehr auf richtiges Gewicht halten. Sozialee. Wegen fahrlässiger Tötung � o..... war der Pächtersohn Garb? aus Barvin angeklagt. Der 75 Jahre alte Arbciterinvalide Schramm hatte sich eines Tages im Stalle des Angeklagten zum Schlafen niedergelegt. Dieser forderte ihn auf, den Stall zu verlassen. Dieser Aufforderung suchte Schramm nachzukommen, er stürzte aber nieder. Garbe brachte ihn dann auf die Straße und überließ ihn dort seinem Schicksale. Am anderen Morgen wurde der Greis dort tot aufgefunden. Da der Tod nach ärztlichem Gutachten durch Lungenlähmung eingetreten ist, und der Tod auch im Stalle hätte erfolgen können, wurde der Angeklagte freigesprochen.— Im Staate der christlichen Nächstenliebe!_, Die Verwertung gewerblicher Schutzrechte. Die Patentverwertnng ist bei den derzeit an die Hand gegebenen Mitteln für viele Erfinder mit recht erheblichen Kosten verknüpft. Es ist häufig unmöglich, bei einem Fabrikanten ein Interesse für eine Erfindung zu erwecken, wenn der Erfinder ihm die Erfindung nicht so vorführt, daß die Vorteile möglichst klar hervortreten. Ein solches Vorgehen, richtig durchgeführt, kostet natürlich Geld und ist schon aus diesem Grunde für manchen Erfinder überhaupt nicht ausführbar. Ein mechanisches Anerbieten der zu verwertenden Erfindung durch Offertbriefe hat, wie die Praxis ergibt, keinen Wert. Solche Offertbriefe sind selten überzeugend, und der Fabri- kant wird heutzutage von solchen Anerbietungen derart überhäuft, daß sie meistens nngelesen in den Papierkorb wandern. Die kgl. Württembergische Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart beabsichtigt nun, den Versuch einer staatlichen Ausstellung zwecks Einleitung der Verwertung von gewerblichen Schutzrechtcn. Die Veranstaltung soll dem Erfinder nur geringe Kosten verursachen, welche lediglich zur Deckckng der Selbstkosten der Behörde bestimmt sind, und es sollen gänzlich unbemittelte Er- finde: kostenfrei ausstellen dürfen. Die Aufforderung zur Ein« reichung ve» Anmeldungen wird binnen kurzer Zeit ergehen, Sewerklcbaftlicdsy. Gewerkschaftliche BilbungSarbeit.. 'Je mehr die gewerkschaftlichen Organisationen durch starke Ausbreitung und systematische Regelung ihres Finanzwesens in die Lage kommen, sich häuslich einzurichten, versuchen sie auch in steigendem Matze auf dem Gebiete der fachtechnischen und prak- tischen Berufsfragcn aufklärend und bildend zu wirken. Der Holzarbeiterverband z. B. gibt eine wertvolle fachtechnische Zci- tung heraus, der Metallarbeiterverband hat für seine Funktionäre ein Organ geschaffen, in dem ebenfalls technischen Fragen ein breiter Raum gewährt wikd. Auch die Gewerkschaftsblätter im allgemeinen wenden der Technik und den besonderen beruflichen Fachfragen grötzere Aufmerksamkeit zu. Eine größere Aufgabe in dieser Beziehung hat sich der Verband der Lithographen gestellt und gelöst mit der Neu-Hcrausgabe des„Lehrbuch der Lithographie und des Steindrucks" das von Alois Senefelder verfaßt 1821 in München erschienen ist. Mit der Neuherausgabe dieses längst vergriffenen Original- Werks des Erfinders der Lithographie, des Altmeisters Alois Sene- felder, über seine Erfindung hat der Hauptvorstand des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe eine über- aus verdienstliche Arbeit geleistet, für die ihm die gesamte Fach- Welt Dank wissen wird. Ist doch die Senefeldersche Originalaus. gäbe nur noch in einigen großen Städten in ganz vereinzelten Exemplaren vorhanden, die außerdem nicht nur für auswärtige Fachgenossen, sondern auch für die der betreffenden Orte sehr schwer zugänglich sind. Dieser Uebelstand ist jetzt beseitigt. Jede Ortsfiliale des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe wird bald das Lehrbuch Senefelders in einer getreuen Wiedergabe ihrer Bibliothek einverleiben können und alle Fachgcnosscn und Liebhaber, die es in ihrer Privatbücherei besitzen möchten, können es zu dem verhältnismäßig sehr niedrigen Preis erstehen. Der gesamten Fachwelt wird es also leicht möglich sein, dieses Standardwerk der Lithographie und des Steindrucks zu studieren und aus dem reichen Quell neue Kenntnisse und Er- fahrungen zu schöpfen. Eine ausführliche Besprechung des im Selbstverlage des Ver. bandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe (Seuefelderbund) erschienenen Werkes werden wir folgen lassen. Das Buch ist zum Preise von(5 M. durch das Hauptbureau, Berlin dl. 23, Anklamer Straße 27 1, zu bezichen. Der christlichen Arbeiterführer Saat und Ernte. Die blockfreundlichen Taten-der christlichen Gewerkschafts- führcr, die in ihrer Eigenschaft als Reichstagsabgeordnete die Finanzreform halfen unter Dach und Fach bringen, und die da. durch mitschuldig an der hohen Steuerbelastung des Volkes sind, . wären jedenfalls mit dem Mantel der christlichen Liebe bedeckt worden, wenn nicht unsere Partei- und Gewerkschaftsprcsse dafür gesorgt hätte, daß diese Ruhmestaten weiten Volkskreisen bekannt gemacht wurden. Im einzelnen haben es sich unsere Gewerkschaften angelegen sein lassen, ihre Berufsgenossen und insbesondere ihren christlich organisierten Kollegen ad oculus zu zeigen, wes Geistes Kind die christlichen Gewerkschaftsführer sind. Die Herren Führcr haben zwar verzweifelte Versuche gemacht, um chren Mitgliedern einzureden, daß sie als Parlamentarier nicht immer so handeln könnten, wie gewerkschaftliche Pflicht ihnen gebietet. Eine vage Ausrede, die nur bei den leichtgläubigsten Mitgliedern verfangen kann. Für eine ungeheure Verteuerung der Lebensmittelpreise stimmen und zugleich Lohnaufbesserungen für die Gcwerkschafts- Mitglieder vertreten wollen, ist für den rechtlich denkenden und handelnden Gewerkschaftsführer ein Unding. Zu erwarten wäre, daß solche einfache und logische Folgerung in den Kreisen der christlichen Gewerkschaftsmitglieder allgemein eindringen und zu der einzig richtigen Konsequenz führen müßte, sich von diesen Gewerkschaften loszusagen,'denn solche Führer haben mit ihrer Handlung das Recht verwirkt, Arbeiterinteressen vertreten zu können. Vereinzelt geschieht das Wohl auch durch den Uebertritt von Einzelmitgliedern aus den christlichen Gewerkschaften in unsere Verbände, ohne daß die Oeffentlichkeit davon erfährt. Einen korporativen Uebertritt vollzog aus diesem Anlaß eine Zahlstelle des christlichen Gärtnerverbandes, weil sie die Taten ihres Führers Franz Behrens richtig bewertete. Der Verein „Flora" in Vritz-Berlin vollzog den Uebertritt mit folgender Er- klärung: „Wir Unterzeichnete haben den festen Entschluß gefaßt, aus den christlichen Gewerkschaften auszuscheiden. In der jetzigen wirtschaftlichen Krisis ist es uns nicht möglich, die Interessen der christlichen Gewerkschaften weiter zu vertreten, da wir sehen müssen, daß und wie in einer derartigen Zeit unser Vertreter, Herr ReichStagsabgeordneter Behrens, im Zusammenschluß mit bürgerlichen Parteien uns zu weiteren Lasten verhilft. Er tritt nicht für, sondern gegen das Wohl der gesamten Arbeiter- schaft auf. Aus diesen Gründen und noch vielen anderen, die sich mündlich besser erklären lassen(persönliches Strebertum in der Leitung des D. G. V., schlechte Kassenverhältnisse usw. D. Red.), ersuchen wir um Ausnahme in die freien Gcwerk- schaftcn, resp. in den Allgemeinen deutschen Gärtnerverein.... Wir unterzeichnete ehemalige Mitglieder des D. G. V. und speziell meine Person, als 1. Vorsitzender des Vereins, werden alles daran setzen, um den Verein) unter dem Banner des Allge- meinen deutschen Gärtnervereins in die Höhe zu bringen." (Folgen IS Unterschriften.) Langsam reift die Ernte von der teuflischen Saat, die die christlichen Volksvertreter im Dienste des Schnapsblocks mit säen halfen!'_ Vereitelte Lokalabtreiberei in Ostpreußen. In den Ostseeprovinzen hält es ungemein schwer. Lokale zum Abhalten von Partei- und Gewerkschaftsversammlungen zu er. halten. Wirten, die einmal ihre Lokalitäten zur Verfügung stellten, wird die Polizeistunde beschränkt oder gar die Konzession entzogen. Die kleinlichsten und niedrigsten Schikanierungen werden ange- wandt, um die Wirte zu veranlassen, ihr einmal gegebenes Ver- sprechen zu lösen. Um nun nicht auf jede Versammlungsmöglichkeit zu ver- zichten, müssen Partei und Gewerkschaften sich dazu verstehen, Lokale zu mieten. In Thorn wurde dies auch getan; der Wirt schloß mit dem Gewerkschaftskartcll einen Vertrag. Um sicher zu gehen, war im Falle des Vertragsbruches eine Konventionalstrafe festgelegt. Plötzlich setzte der Wirt die Mieter auf die Straße ohne Angabe von Gründen und unter Außerachtlassung des Ver- träges. Als die Maurer anläßlich einer Lohnbewegung eine Ver- sammlung abhalten wollten, forderte der Wirt weitere g M. Miete, die eine einzelne Person ihm durch Vertrag auch zugestand. Die erste Vertragspartei erkannte aber den Nachtragsvertrag nicht als rechtsverbindlich an; dies gab dem Wirte Veranlassung zum Vertragsbruch. Um nicht ganz der Willkür der Wirte ausgesetzt zu sein, wurde in diesem Falle der Klageweg beschritten. Das Amtsgericht Thorn hat dann am 27. März 1909 die Klage kosten- pflichtig abgewiesen. Das Landgericht als Berufungsinstanz war anderer Ansicht. Es verurteilte den beklagten Wirt, daß er seine Räume den Klägern für alle Versammlungen und Vergnügungen. die von den dem Geioerkschaftskartcll angeschlossenen Gcwerk- schaften veranstaltet» werden, zur Benutzung zu übergeben habe. In den Entscheidungsgründen sagt das Gericht, daß das Amts- Verantw. Redakteur: Emil Nnger, Berlin. Inseratenteil verantwu gericht zutreffend däd'ön ausgegangen sei, daß den Gewerkschaftest Rechtsfähigkeit nicht zukommt, Paragraph S4 B. G.-B. daher auf das strittige Rechtsverhältnis Anwendung findet. Darin aber, daß diese Gesetzesbestimmung dispositives Recht enthalte, kann dem ersten Richter nicht beigestimmt werden. Die Ansicht findet auch weder in der Literatur noch in der Rechtsprechung des Reichsgerichts irgendeine Stütze. Berlin und Clingcgend- Strcik im Eispalast. Während in den Gesellschaftsräumcn dieses modernen groß- städtischen Unternehmens der raffinierteste Luxus sich breit macht, sind die dort angestellten Arbeiter teilweise mit vollem Recht un- zufrieden über ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen. So auch die in der Maschinenabteilung beschäftigten Maschinisten usw. In der dortigen Maschinenanlage sind IS Maschinisten und Hilfs- personal beschäftigt und zwar bei Arbeitszeiten vor dem Kessel und an der Maschine bis zu 12 Stunden und darüber. Dafür werden Monatslöhne von 120 bis 13S M. gezahlt. Nur sogenannte Ober- Maschinisten erhalten etwas mehr. Obwohl nun bei dem strammen Betriebe reichliche Reparaturcnrbcit zu leisten gewesen wäre, ordnete die Direktion an, daß vom 20. Juli bis 8. August die Ar- beit auszusetzen sei. Außerdem ist auch eine am 8. August ge- leistete Arbeit nicht bezahlt worden. Der Zentralverband der Ma. schinisten und Heizer hat nun, um eine Regelung der Verhältnisse herbeizuführen, der Direktion im Auftrage des bei ihr beschäftigten Maschinenpersonals einen Tarif unterbreitet, in dem gefordert wird: achtstündige Arbeitszeit, bei Wcchselschichten 12 Stunden, jeden dritten Sonntag eine 3östiindige Ruhepause und Wochen- löhne von 31 bis 36 M. Das sind die Hauptforderungen. In dem Anschreiben wurde die Direktion ersucht, mit der Organisation oder einer Kommission der bei ihr beschäftigten Arbeiter in Ver- Handlungen einzutreten. Die Direktion lehnte jede Verhandlung ab. Infolgedessen haben die Arbeiter am Sonnabend ihre Be- schäftigung eingestellt. Der Betrieb des Berliner Eispalastes ist deshalb für organisierte Maschinisten und Heizer gesperrt. Der Zcntralverband der Maschinisten und Heizer. Verwaltungsstelle Groß-Bcrlin. Achtung, Stukkateure! Bei der Firma Bosselmann u. Wachs. mann sind Differenzen ausgebrochen. Arbeitsangebote sind ab- zulehnen. Verband deir Sjtukkateure und verwandten Berufsgenossen. Filiale Berlin. Achtung, Friseurgehilfen! Für Verbandsmitglieder gesperrt Schleicher, Annen- st r a ß e 4 4; geregelt Stephan, Vödikerstr. 3, Haus- mann, Libauer Straße 21. Verband der Friseurgehilfen. Zweigverein Berlin und Vororte. DeutTcstcs Reich. Eine ländliche Scharfmachergriindung! Einen sogenannten Arbeitgebervcrein haben Bauern in War- t e n b e r g, einem Dorfe zwischen Phritz und Greifenberg, ge« gründet. Die Gründung geschah zu dem klar und deutlich aus- gesprochenen Zweck:„Die Löhne der Knechte niedriger zu halten," und, da die Knechte zuviel Freiheit genießen, wurde ein Arbeitsvertrag ausgearbeitet.— Diese Bauern nennen das Kind beim richtigen Namen und machen keine Sprüche von sozialen Wohlfahrtscinrichtungen. Unternehmer gegen Unternehmer. In Delmenhorst streiken die baugewcrblichen Arbeiter. Nun haben drei der Bauunternehmer die Forderungen der Strei- kenden bewilligt. Um sich hierfür zu rächen, ist von feiten des Arbeitgcberbundcs über die Betriebe dieser Unternehmer die Ma. terialsperre verhängt worden. Auf das Ersuchen um Liefe- rung von Zement erhielt einer der Unternehmer von einer Bremer Firma zur Antwort, daß sie während des Streiks kein Material liefern dürfe.— Auch dieser Terror der Unternehmer wird den Streikenden keinen Abbruch tun. Der neue Tarif im Schiffahrtsgewerbe. Zwischen dem Arbcitgeberverband für Binnenschiffahrt und verwandte Gewerbe, e. V. in Hamburg, und dem Verband der Hafenarbeiter und verwandten Berufsgenosscn und dem Zentral- verband der Maschinisten und Heizer kam nach fünfstündiger Ver- Handlung eine Einigung auf folgender Grundlage zustande. Die seit 1906 bei den Mitgliedern des Arbeitgeberverbandes für Binnen- schiffahrt und verw. Gewerbe in Hamburg und zwar Gruppe Elbe, Moldau und Saale und Gruppe märkische Wasserstraßen be- stehenden und zurzeit gültigen Lohn- und Arbeitsbedingungen der von den beiden vorgenannten Arbcitnehmerverbänden vertretenen Maschinisten und Heizern sowie Dampfersteuerleuten und Deck- leuicn bleiben bestehen mit folgenden Maßgaben: 1. die Löhne für die vorstehend bezeichneten Mannschaften erfahren ab 1. Okto- ber 1909 eine Erhöhung von 9 M. pro Monat mit Gültigkeit bis 31. Dezember 1910 und vom 1. Januar 1911 eine weitere Er- höhung von S M. pro Monat mit Gültigkeit bis 31. Dezember 1912. Die Ueberstunden werden vom 1. Oktober 1909 ab und zwar für die Tauer'dieser Vereinbarung vergütet mit 50 Pf. pro Stunde für die ersten drei Ueberstunden und 60 Pf. für weitere Ueber- stunden. Als Ueberstundenarbeit für die Heizer wird auch das Uebernehmen von Kohlen nach Feierabend angesehen. Für das Maschinenpersonal gelten auch solche Arbeiten als Ueberstunden. arbeit, welche sie am Bestimmungsort des Dampfers nach Beendi- gung der ortsüblichen Arbeitszeit verrichten, und werden mit 50 bezw. 60 Pf. pro Stunde vergütet. Diese vergütungsbercchtigten Arbeiten erstrecken sich auf Kesselablasscn, Dampfaufmachen sowie alle Reparaturen an Kessel, Maschinen und Räderausbuchsen; für Putzen der Maschine wird eine Vergütung nicht geleistet. Die Mitglieder des Arbeitgeberverbandcs der obenbezeichneten Gruppen dürfen während der Dauer dieser Vereinbarung niedrigere Löhne weder an die zurzeit in Arbeit befindlichen noch an die neueinzustellenden Maschinisten und Heizer sowie Steuerleute und Deckleute zahlen und ungünstigere Arbeitsbedingungen nicht ein- führen. Die Maschinisten und Heizer, Steuerleute und Decklcute sowie der Verband der Hafenarbeiter und verwandten Berufsgenossen Deutschkinds und der Zcntralverband der Maschinisten und Heizer sowie verwandten Berufsgenossen Deutschlands dürfen Forde- rungen nach höheren Löhnen und günstigeren Arbeitsbedingungen während der Dauer dieser Vereinbarung weder bei einzelnen Mit- gliedern des Arbeitgebcrverbandes noch bei diesem selbst erheben. Dieses Ucbereinkommcn hat Gültigkeit von heute bis zum 31. Dezember 1912. Die Parteien übernehmen die vorstehend ein- gegangenen Verpflichtungen für sich selbst wie auch für ihre Mit- glieder. Sie erklären ausdrücklich, daß sie einen rechtsgültigen Vertrag schließen und begeben sich im voraus jedweden Einwandes gegen dessen Rechtsgültigkcit. Außerdem wurde vereinbart: Matz- rcgclungen anläßlich der Lohnbewegung dürfen nicht stattfinden. Die bereits verfügten Kündigungen werden rückgängig ge. macht und die schon entlassenen Mannschaften werden wieder ein- gestellt. Die Regelung weiterer Positionen von untergeordneter Be- deutung ist einer demnächst tagenden Zusammenkunft von Ver- tretern des Arbeitgeberverbandes und der beiden Verbände der Arbeiter zu überlassen._ Knappfchaftswahle» im Dortmunder Revier. Bei den am Sonnabend stattgefundenen Knappschaftswahlen im Dortmunder Revier wurden folgende Stimmen abgegeben: ci. Glocke, Berlin. Drutk u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlugSctnMr � Im Sprengel Bcaistvauer für den Verband' 209, für best Ge. werkvcrein 66. Im Sprengel Lütgen-Dortmund für den Verband 13S, für die Polen 17, für die Zechenpartei 6S. Im Sprengel Mengede für den Verband 170, für die Polen 181 Stimmen. Im Sprengel Mengede hatten sich die Christlichen mit den Polen, und in Lütgen-Dortmund mit der Zechenpartei verbündet. Mit schwarzen Listen arbeitet der Verband deutscher Metallindustrieller nach wie bor, selbst bei den kleinsten Differenzen zwischen Unternehmern und Arbeitern. Bei der Firma Joh. C. Tecklenburg(A..-G.) in Geeste- münde bestanden Lohndifferenzen mit den Tischlern, da die Forde- rungen nach einem Rundschreiben des Verbandes der Metall- industriellen„nicht bewilligt werden konnten". Am 11. August legten 11 Tischler die Arbeit nieder. Bereits am 13. August wurde vom Zentralburcau des genannten Verbandes in Berlin eine schwarze Liste mit genauen Personalangaben der Streikenden herausgegeben mit der Aufforderung, die Streikenden nicht ein. zustellen. Unter dem gleichen Datum verschickte der Verband eine Ergänzungsliste mit 69 Namen von Arbeitern einer anderen Firma, der allerdings schon zwei andere vorausgegangen waren mit dem Ersuchen, die bezeichneten Arbeiter von der Einstellung auszuschließen._____ Hus der frauenbewegung. Die Fortschritte der russischen Frauenbewegung hinsichtlich der Erringung der politischen Freiheit erörtert die be- kannte russische Revolutionärin Vera Figner in„La Revue�. Seit 1902 treten zwei deutlich unterschiedene Bewegungen auf: die der sozialdemokratischen Partei und die der Sozialisten-Revolutionäre. In beiden haben Frauen mit Energie und Selbstverleugnung mit- gewirkt, um den Triumph der sozialistischen Ideen zu sichern. Die Propaganda in der Armee ist zum großen Teile ihr Werk. Eine Anzahl von Frauen nehmen auch teil an den terroristischen Attentaten im Kampfe um die wirtschaftliche und politische Befreiung des russischen Volkes. In den Jahren 1904—1905, als die Regierung mit der Möglich- keit einer Volksvertretung rechnen muhte, wurde auch die Frage be- züglich der Verleihung der politischen Rechte an die Frauen aktuell. Im Februar 1905 wurde in Moskau die allrussische Vereinigung zur Erringung bürgerlicher und politischer Frauenrechte gegründet. Im Mai wurde ein Kongreß abgehalten, auf dem scchSundzwanzig Sektionen der Vereinigung vertreten waren. Außer politischer Gleichberechtigung mit dem Manne forderte sie Freiheit des Ge- Wissens, der Rede und der Presse, eine allgemeine Amnestie für alle, die um ihrer politischen und religiösen Ueberzeugungen willen ge» litten hatten, sowie die Abschaffung der Todesstrafe. Vera Figner erinnert daran, daß in der ersten Duma die Frage deS Frauenwahlrechts in der Adreßdebatte auftauchte, die der Thron- rede als Erwiderung folgte. Die Duma entschied, daß die Worte „ohne Unterschied deS Geschlechts" eingefügt werden sollten; aber die Kadcttcnpartei, die der Adresse eine möglichst große Majorität sichern wollte, widersetzte sich jeder Veränderung des Textes, welche die Stimmen hätte spalten können. Infolgedessen erklärte die Duma schließlich nur das„allgemeine Wahlrecht" als unerläßlich. Demnächst begann eine Kommission die Frage der politischen und bürgerlichen Rechte der Frauen zu untersuchen und die Vereinigung arbeitete in wenigen Wochen einen Gesetzentwurf auö. Leider aber wurde die Duma zwei Tage später aufgelöst. Die zweite Duma war noch von kürzerer Dauer als die erste. Die große Mehrheit, die zugunsten der Frauenbefreiung vorhanden war, hatte keine Gelegenheit, ihre Ansichten hierüber auszusprechen. Mit der Auflösung der zweiten Duma erhielt die Frage der Ver» leihung politischer Rechte an die Frauen einen schweren Stoß, ob» wohl in der dritten Duma ein Gesetz angenommen wurde, das den Frauen das Stimmrecht für die Semstwos, die Selbstverwaltungs- organe der Kreise und Gouvernements, gab. So haben die russischen Frauen ebenso wie das ganze russische Volk(Finnland ausgenommen) ihre politische Freiheit erst noch zu erkämpfen._ Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 1. September 8>/z Uhr im Neuen Klubhaus, Kommandanten- straße 72, Vortrag:„Der Wert der Bildung für die Arbeiter- bewegung". Referent: Engelbert Graf. Gäste sehr willkommen. Verband der Hausangestellten. Donnerstag, 2. September, abends 9 Uhr Versammlung Kommandantcnstr. 62. Vortrag: Redak» teur Tarnow:»DaS Vaterland und seine Landes» linder". Letzte Nachncbten und Depcfcben. Zeppelins Havarie. Bülzig, 30. August.(W. T. B.) Am frühen Nachmittag weilte Major Groß einige Zeit auf der Landungsstclle des Z. III. Die Ausbesserungsarbeiten der Luftschifferabteilung sind im Laufe des Nachmittags rüstig vorangegangen. Die verletzte Gaszelle ist be- rcits vollständig ausgeflickt. Die Füllung wird im Laufe der Nacht erfolgen; das notwendige Gas ist auf der Landungsstelle ein- getroffen. Die aus zirka 500 Flaschen bestehende Füllanlage ist bereits fertiggestellt. Eine Anzahl Ersatzteile, so vor allem ein Vorgelege und ein Rcservepropellcr sind gleichfalls schon zur Stelle. Mit den beiden Propellern des Z. II fährt heute abend ein Mann aus Köln ab und trifft Dienstag früh 6 Uhr in Wittenberg ein. Unaufhörlich niedergehender Regen erschwerte während des Nach- mittags die Reparatur. Abends war das Wetter trübe, aber trocken. Teilweise Rettung. Sosnowice, 30. August.(W. T. B.) Die Rettungsarbeiten in dem Bergwerke Jan, das von einem Wassercinbruche heimgesucht wurde, haben einen glücklichen Erfolg gehabt. Es gelang, in einem alten Schacht vorzudringen und 22 Arbeiter, die sich dorthin ge- flüchtet hatten, zu retten, Nach Angaben der Geretten sind beim Einbrüche des Wassers noch sechs Arbeiter in der Grube gewesen, die vermutlich umgekommen sind. Streik im Pariser Baugewerbe. Paris, 30. August.(B. H.) Heute morgen streikten 5000 von 9000 Bauarbeitern, was eine leichte Zunahme der Ausständigen gegen den Sonnabend bedeutet. Auch zwei Drittel der Ziegelei- arbeiter befinden sich im Ausstande. Immer noch die Cholera. Rotterdam, 30. August.(W. T. B.) Nach einer amtlichen Mitteilung des Bürgermeisters befinden sich in den hiesigen Ba- racken 11 Cholerakranke und 3 Choleravcrdächtige. 90 Personen befinden sich unter Beobachtung. Seit dem 23. d. M. sind 3 Todesfälle, seit dem 20. d. M. insgesamt 8 Todesfälle festgestellt, von zcnen die Mehrzahl aus den Genutz ungereinigten FlußwasserS zu». rückznfiihren ist._ Handelsvertrag genehmigt. Lissabon, 30. August.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer hat den Handclsvertoag zwischen Deutschland und Portugal ge« nehmigt._ i Ißjml Singer& Co,, Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltunasbk. |t. 202. 20. Jahrgang. 1. Irilmt des AmSrts" Snlim AlksM. Dienstag, 31. Augvß 1909. tnam für den fcftwedlfcften GeneraKtreih. Bei der Berliner GewerlschaftSkommiision gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik siehenden schlvedischen Ar beiter ein: Buchbinder und Buchdrucker bei Schuckar 5,8a Buchdrucker des.Vorwärts", ZeitungSabteilung, 3. Rate 100,—. Pianosabrik v. K. Krause 8,05, V374 7,60. Rnhmemnacher v. Raschig 6,75. Gesangverein d. Glasarbeiter, Berlin 5,—. Farbenzersläuber 1,50. Maschinenarbeitcr Reinh, Haberer 5,— Tischlerei I. C. Psass, 2. Rate 14,65. Kollegen der Metallgießerei Graden Witz. 2, Rate 5,30. 1600 Buchdruckerei Behreild Nachf. 8,—, Kollegen der Buchdruckerei Maurer u, Dimmick, 2. Rate 7,—, 11 Kollegen d. Glasschleifcrei Salomozns, 2. Rate 8,60. 7623 Verw. des Vereins Berliner Buchdrucker 9,50. Arbeiter der Firma Hufs 9,25, Buchdrucker« O. Lange, 4. Rate 3,—. Kollegen der Möbelsabril Ehrlich, Krautstr. 6,—. Hilssarbeiterinnen bei O. Elsner, 2. Rate 13,60. 6691 Buchdr. W. Harlmann, 2. Rate 7,—. Fünf organisierte Drucker aus Treptow 2,50. Personal bei Halbich u. Schröder 3,—. 5770 Graveure b. H.Thiele, 2. Rate 22,50. 6296 BuchbinderciMctschke U.Co. 8,85. Hiljsarbeiter der Berliner Illustrierten Zeitung 12,60. Tapezierer b. Kohl- inetz. 3. Rate 8,25. Tischlerei Rösler u. Schmidt, 4. Rate 23,25. Personal b. Gebr. Grunert, 2. Rate 8,—. 7509 u. 7510 Patienten v. Sanatorium Beelitz A. I 11,65. Pers. d. Buchdruckerei Gebr. Unger, 3. Rate 25,30. Buchdruckerei Büttner, Sechserkasse, 2. Rate 7,50. 7538 Klempner o. Zentral- magazin, 3. Rate 27,60. 7400 Tischlereigenossenschast Hansa 10,05. Buch- druckcrei A. Lüdtke 4,—. Tischlerei Flatow u. Priemer 30,50. 6613 Druckerei Robert Rohde 5,25. Bautischlerei Gast u. Bruck 9,—. Arbeiter b. Michaelis, Knopssabrik, 2. Rate 2,70. 7516 Buchdruckerei Gebr. Emst 24,25. 7886 .Kollegen b. A. König 10,—. Personal der Galvanoplastik, 3. Rate 23,50. Kollegen der Stockfabrik A. Henning 4,25. Maler u. Tischler d. Küchen- möbcifabr. Prause 10,50. 7579 Kollegen b. Heilbmnn Söhne 12,85. 7528 Kollegen b. Baum u. Scholz, 2. Rate 8,35. Personal der Linden- druckcrei(Rational-Zeitung), 3. Rate 56,05. 38. S. 2,—. Mechaniker von Lax, 2. Rate 4,—. Kollegen der Patentlistcnsabrik 3,—. 8192 Kollegen bei Spinn u. Sohn, 2. Rate 20,—. Gesangverein»Lieder- srcundschast", Treptow-Baumschulenweg 10,—. 6362 Buchdruckcrei E. Billig Aachs., 3. Rate 22,35. Tischlerei Grönau 11,—. Arbeiter bei Kliemt 18,70. Tellersammlung der 28. Abt. 11,31. Kollegen bei Rabe 5,65. 6294 süns Arbeiter bei Plöstner 2,75. 8772 Tischlerei Großkops u. Schulz, 2. Rate 9,30. 4055 32. Revier-Jnsp. 6,25. 7519 Pianosabrik Steinbcrg u. Co. 9,30. Modelltischlerei Müller u. Schmelzer, 3. Rate 5,—. Kistenmachcr bei Pjlugrat, 3. Rate 18,—. Kollegen bei Heymann u. Nawratzki, Kainmsabr. 5,—. Möbelpolierer bei Klug, Warschauer Straße 5,60. 7529 Kollegen bei Huth u. Co. 9,70. 7433 Kollegen bei Reiß 8,25, desgl. 7,05. Buchdmckcrei- Hilfsarbeiter u.-Arbeiterinnen Druckerei„Woche" 15,—. 8786 Tischlerei Holstein 13,10. 7537 Schnittarbeiter bei Jürste u. Co., 3. Rate 10,80. 7587—7590 Kollegen bei Dewitt u. Herz 62,80. Tischlerei ThierichenS, 3. Rate 10,50. 6979 Söllegen der Tischlerei Schneider 15,75. I. M., Manendorf 2,—. Schneider u. Schneiderin, v. V. Manheimer. Atelier Görsmeier 20,—. 4571, 4589, 5155, 5160, 5161, 5163 Verband der Tylographen, Verwaltung Berlin 43,40. 8193 Buchdruckerei ASbelm 30,—. Fliesenleger der Stetiiner Firma 13,30. Schuhmacher b. Mohr n. Speyer, 2. Rate 5,—. Bäckergesellen der Brotbäckerei Goldacker 28,95. 6143 Maurer vom Bau Trist- straße 40 12,25. Verband der Lithograhen und Steindrucker u. verwandter Banse, Mitgliedschaft Berlin, a konto Listen 400,—. Deutscher Metall- arbciterverband, Ortsverwaltung Berlin, aus solgende Listen: A. E.-G. Bruunenstr. u. Voltastr.. 1. Rate 1631 54,30. 1682 14,95. 1683 34,55. 1634 23,50. 1686 16,15. 1687 11.55. 1683 10,60. 1689 16,—. 1690 11,05. 1691 11,50. 1692 30,25. 1693 24,75. 1694 14,20. 1696 21,10. 1697 1,60. 1698 18,65. 1699 15,60. 1700 8.—. 1701 37,15. 1702 37,15. 1703 26,40. 1704 24,60. 1705 25,55. 1707 12,80. 1708 47.75. 1708 10,30. 1710 34,15. 1711 36,30. 1712 25,40. 1713 28,75. 1714 15,25. 1715 20,85. 31.15. 1718 27,90. 1719 18,20. 1720 1722 28,55. 1723 33.55. 1724 21 40. 1725 43,90. 1728 6,50. 1729 22,60. 1730 4,10. 1731 2,85. 1734 13,95. 1735 12,25. 1736 16,40. 1737 21,65. 1738 23,15. 1739 38,30. 1740 47,25. 1741 24,45. 1742 36,40. 1743 14,—. 1744 43,40. 1745 19,65. 1746 11,20. 1747 17,25. 1743 5,40. 1749 23,65. 1750 12.70. 1751 26,40. 1752 1.—. 1753 20,15. 1754 13,75. 1755 10,40. 1 756 37,50. 1757 30,50. 1758 23,15. 1760 49,60. In Summa 1688,20.— Lehmann 7,10. Buchbinderei Reichert 2,—. Personal d. Brauerei Alt-Berlin, Charlottcnburg 9,35. E. S. 18 5.—. 6317 10,—. 4376 Tischlerei vorm. Schupke 3,75. 7993 Ahcendt u. Co., 2. Rate 10,50. 6683 Buchdruckerei Anilinsabrik, 2. Rate 5,30. Buchdruckerei Abt. Deyhle u. Wagener 9,—. 1508 Buchdruckerei L. Schumacher, 3. Rate 18,—. 8132 Vergolder von A. Müller, 2. Rate 7,95. 6300 Kontobüchcrsabrik L. M. Barschall, 2. Rate 20.—. Gesangverein.Solidarität", Berlin 20,—. 8775 Bautischler von Wille u. KlauSnitzcr 20,—. 8138 LuxuSPaPicrsabrik Pauli u. Pinner 9,80. 1492 Buchdrucker« des.Reichsboten", 1. Rate 14,—. 8128 Schirmstocksabrik Bernhard Raa. 3. Rate 38,—. 7518 Tischlerei Olm, 3. Rate 15,90. Gießerei O. Sauer 3,50. Tischlerei Wusterbarth u. Sohn, 2. Rat« 16,50. Gießerei Amelung 5.—. 1545 Buchdruckerci M. Kcttcnbeil, 3. Rate 27,65. Buch- druckcrei Kroll 11,10. Kisienfabrik Hinz, 2. Rate 6,—. 7447 Metallarbeiter Weber u. Co., 2. Rate 97,65. 1593 Buchdruckcrei Wolssohn 9,30. Tischlerei Quiehl, 2. Rate 5,25. Arbeiter und Kutscher von Gilka 15,—. Gießerei Krüger 4,50. Kanimarbeitcr von M. Streich 4,—. Organisierte Arbeiter der Taxameter- A.- G.. 2. Rate 7,—. Tischlerei G. Peters 7,50. Einige Graveure v. W. Williner 2,20. Berliner Musikaliendruckerei, 2. Rate 17,—. Lotterieverein Einigkeit 10.—. 6112 Bau Köpenickerstr. 40 17,70. 1716 9,45. 1717 24,55. 1721 29,70. 1726 21,50. 1727 30,05. 1732 14,30. 1733 3,25 kleines feuillcton. Was die Augustmeteore gebracht haben. Die Leute, die in diesem Jahre einige Nachtstunden geopfert haben, um nach den August- meteoren auszuschauen, werden nicht besonders gut auf ihre Rech- uung gekommen sein, obgleich der Zustand deS Himmels ziemlich günstig war. Professor Denning stellt in der.Nature" seine Be- cbachtungen von den Tagen des 10. bis 14. August zusammen. Am 10. wurden in 1°/« Stunden nur 19 Meteore gesichtet, von denen 12 zu dem Schwärm der Perseiden gehörten.— ein unerwartet schwaches Ergebnis. Am 11. August war die Beobachtung schon ciwas lohnender, denn in 23/« Stunden vor Mitternacht wurden 73 Meteore gezählt, die fast sämtlich Perseiden waren; sie waren aber meist nur klein. Am 12. August war die Luft besonders klar, aber die Zahl der Meteore war schon wieder geringer geworden, denn in fast vier Stunden wurden nur 65 Meteore gesehen. Im Verhältnis zu dieser spärlichen Zahl war die Größe der Meteore um so auffälliger, und Professor Denning hebt hervor, daß er noch niemals innerhalb seiner langen Erfahrung vergleichsweise eine solche Menge von schönen Meteoren mit langer Flugbahn und stark leuchtenden Schweifen gesehen habe. Das herrlichste Schauspiel war eine Feuerkugel, die um etwa 93/, Uhr erschien und die Landschaft gleich einem starken Blitz erleuchtete. Die Helligkeit schätzte der Beobachter auf den dreifachen Glanz der Venus. Der feurige Schweif blieb mehrere Minuten lang am Himmel sichtbar. Es ist schon jetzt festgestellt worden, daß dies Meteor an vielen Stellen gleichzeitig beobachtet worden ist. Im ganzen wurden innerhalb einer Stunde noch sechs Meteore von der Helligkeit des Jupiter und sieben andere von der ersten Größenklasse gezählt. Flugrekord eine» Sinderballons. Ein bekannter Berliner Physiker ließ dieser Tage einen kleinen Reklameballon, der den ganzen Tag im Zimmer gewesen war und schon etwas Gas verloren hatte, gegen 8 Uhr abends vom Balkon seiner Wohnung in Wilmersdorf aus aufsteigen. An dem Ballon hatte er eine Postkarte befestigt mit seiner Adresse und der Bitte, von dem etwaigen Fundort de» Ballons Mitteilung zu machen. Nach wenigen Tagen kam die Nachricht, daß der Ballon in Rehberg im Böbmerwalde, Bezirk Schutterhofen, schon am nächsten Morgen um 4 Uhr aufgefunden worden sei. Der Ballon hatte also eine Entfernung von etwa 400 Kilometer Luftlinie in acht Stunden zurück- gelegt; dabei ist noch zu berücksichtigen, daß beim Aufstieg Ostwind herrschte, der Ballon also zunächst nach Osten getrieben wurde, und daß der Ballon um 4 Uhr gefunden wurde, also unter Umständen schon vor langer Zeit gelandet sein konnte, ferner daß der Fundort etwa 900 Meter, Berlin dagegen nur etwa 30 Meter über dem Meeres- spiegel liegt. Allem Anschein nach ist der Ballon nicht nieder- 7802 Norddeutsche Metallwareiisabrik 9,60. Bodeulegcr der Firma Kirch- stein 12,50. Bez. 345, Sechserkasse 15,—. Tischlerei Anders, 2. Rate 6,30. 6676 Drucker« Köbke, 3. Rate 21,05. Druckerei H. S. Hermann 270,15. Setzer u. Drucker v. S. Scholcm, 2. Rate, Schöuebcrg 21,—. Maler und Anmachcr Schildcrsabrik Gebr. Eilbert 3,—. Tischlerei Schimming, 2. Rale 4,40. Kistenmacher Pretzlaff u. Mäker 9,95. Glasschlciserei Firma Ditt- meyer 10,—. 7506 Tischlerei Ostend 12,—. Modclljabrik Jahn u. Zinke 12,50. Halpaus 1,—. Kollegen der Firma Bachmann u. Goebcl 10.15. 5789 Pianoarbeiter Hih'e Nachf., 4. Rate 12,30. 6485 Buchdrucker« Schmitz u. Bnkowzer, 2. Rate 6,75. 7540 Klavialursabrik H. Buch- holz 17,90. Schmiede Hollmannstraße 37 2,—. Tischlerei Nöthling 14,60. 6146 Schulbau Wilmersdorf, 3. Rate 14,30. Zahn 1,50. 30 durch Metzle 7,90. 34 Bau Nikolsburger Platz 20,95. 6128 Maurer d. Vogel 4,20. Gclvcrkschajtskartcll Fürstenwalde 512,07. Nniondruckerei d. Petzold 6,50. Von den Böttchern der Deutschen Bierbrauerei 5.—. Vierter Wahlkreis, Bez. 373», Teil III 6,—. Kontincntalbremsengesellschast 15,30. X. P. St. d. Halle 3,—. O. G. 127» 2,05. 3 Maler von L. u. H.. Nieder- Schöneweide 2,50. Küchenmöbclmaler von Gustav Rasem 6,50. Graveure von Zllbrecht u. Meister, 2. Sammlung 12,30. Vom Eisbeinessen Lotterie- verein Nordwest 1904 2,30. I. Mielle 2,—. 5 Klempner von Schering 4,50. Berliner Arbeiter-Nadsahrervereln, 8. Abt. 10,—. Bautischler« Lassen, 2. Rate 8,60. 3. Rate v. d. Kollegen von L. Figner, Handtuchgesch. 16,—. 2 N. C. N. Typen 2,55. Von d. Patienten d. Sanatoriums Stubbe Zuls- Hayn, 2. State 6,—. G. Witt, Charloltenb. 4,50. Töpfer von Kiliidi 13,—. Messinglinienabtcilung W. Wöllmcr(außer dreien) 8,50. o. Schneider, KaushauS d. Westens 3,90. Walstatt Ncumann, Schönhauser Allee, 2. Rate 8,—. Lotterieverein„Glückstern" 5,—. Hugo Vegelcin(11 Frank) Baccarat 8,87. Von den Arbeitern der Deutschen Ton- und Steinzcugwcrke 7,15. Lotterieverein.Glückstern", Wiesenstr. 46 5,—. Von den Gürtlern der Fa. Breiter 4,50. Freie Jugendorganisation, Abt. 10, 11, 12 10,50. A. Pflüger, Stuttgart 200,—. Summa 5110,65 M. Bisher sind eingeliefert 87 170,34 M.; dazu kommen 5110,65 M., Summa 92 280,99 M. Gelder, welche per Post eingescmdt werden, sind an A. Kör sie n, Engelufer 15 I zu senden. Alle Saminlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 23, vor- mittags 9— IL'/z Uhr und nachmittags von 4— 7i/z Uhr abzuliefern. Die Listen 3395. 3387, 1194, 7248, 5282, 5285 und 1860 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Berichtigung. In Nr. 201 des.Vorwärts" muß es heißen: Einige Genossen ans Staaken 5 M. Der Ausschuß der Berliner Gcwcrkschaftskommissio». Sie Parteikonferenz für die Provinz Krandenbnrg wurde am Sonntag im Gewerkschaftshause zu Berlin abgehalten. Der vorliegende gedruckte Jahresbericht des Verbandes der sozial- demokratischen Wahlvcreine der Provinz Brandenburg gibt in einer 63 Seiten starken Broschüre eine allgemeine Uebersicht über die agitatorische und organisatorische Tätigkeit in der ganzen Provinz, sowie Nachweise über die Situation in den 18 Wahlkreisen. Wir entnehmen dem Bericht die nachfolgenden Angaben: Zur Finan- zierung des Verbandes, der bisher keine eigenen Einnahmen hatte, sondern nur auf die Zuschüsse von Grotz-Berlin angewiesen war, wurde beschloffen, alle Wertzeichen gegen Abführung von 16?h Proz. ihres Wertes durch die Berbandskaffe abzugeben, um dadurch den ersten Schritt zur finanziellen Selbständigkeit des Verbandes zu machen.— Eine rege Agitation wurde betrieben, zunächst im November v. I. aus Anlaß der dem Reichstage zugegangenen Novelle zur Gewerbeordnung, dann im Anschluß an die Debatten über das persönliche Regiment und weiter zum Kampf gegen die Reichsfinanzresorm. Der Wahlrechtskampf in Preußen erlitt auch in diesem Jahre keine Unterbrechung, wenn er auch nicht im gleichen Matze wie im Vorjahre betrieben wurde.— Der Tätigkeit auf kommunalem Gebiet bringen die Genoffen steigendes Interesse entgegen. Es treten auf diesem Gebiet immer mehr sichtbare Er- folge zutage. Wir haben jetzt in 12 Städten 54 sozialdemokratische Stadtverordnete und in 48 Landgemeinden 142 Gemeindevertreter. Das sind insgesamt 196 sozialdemokratische Vertreter gegen 115, die im Bericht des Vorjahres nachgewiesen wurden, der aber in diesem Punkte lückenhaft gewesen sein kann.— Ein Hemmnis auf allen Gebieten unserer Betätigung ist der Mangel an Vcrsamm- lungSlokalen. Im Jahre 1906 standen uns 180 große und 110 kleine Lokale zur Verfügung. 1907/08 waren es 171 große und 101 kleine und im Berichtsjahre 174 große und 154 kleine Lokale. Der Boykott wurde verschiedentlich angewandt, jedoch mit wenig Erfolg.— Die Frage der Organisierung der Landarbeiter ist eine brennende geworden. Der neugegründete Verband der Land-, Wald- und Weinbergarbeiter bedarf zu seiner Einführung der gegangen, sondern an das dort bis 1200 Meter hohe böhmische Gebirge angetrieben, welche Vermutung auch dadurch bestätigt wird, daß sich der Ballon nach Entfernung der Karte noch erhob und noch zwei Tage an der Decke deS Hauses des Feldhüters stand. welcher ihn gefunden hatte, bis er durch eine Gasexplosion sein Glovetrotterdasein beendigte. Der Purpur der Alten. Sich in Purpur und köstliche Leinivand kleiden ivar im Altertuni das Vorrecht der Reichen, was bei den minimalen Mengen Purpurstoff, den die einzelne Murexschnecke enthält, sehr begreiflich ist. Dieser antike Purpurstoff hatte un- zweifelhaft einen beträchtlich mehr ins Blaue gehenden Stich als der heutige, wie sein Vergleich mit der Farbe deS Meeres, mit Amethyst. Heliotrop und Veilchen in den Schriften der Alten be- weist. P. Friedländer hat nun den Inhalt der Purpurdrüsen von 12 000 Stück der Schnecke Dlursx brandaris, die er mit Hilfe der Vorsteher verschiedener zoologischer Stationen am Mittclmeer ge- sammelt hat, chemisch untersucht und gefunden, daß dieser Purpur stark bromhaltig ist und zu den Dibromderivaten des JndigoblauS gehört. Da der Technik die Herstellung von synthetischem Indigo- blau längst geglückt ist und auch die Herstellung der fraglichen Dibrom-Jndigonuance keine wesentlichen Schwierigkeiten macht, so wird es wahrscheinlich bald gelingen, Kleiderstoffe mit chemisch zu- sammengesetztem Purpur, der das Produkt aus den Meereöschnecken durch seine größere Reinheit übertrifft, zu färben. Solche Stoffe werden unvergleichlich billiger als die des Altertums sein, so daß sich bald wahrscheinlich auch der Minderbegüterte den Luxus eines Purpurgewandes leisten können wird. Theater. Freie Volksbühne(im Lessingtheater):»Hanneleö Himmelfahrt." Von Gerhard Hauptmann. Die Werbe- arbeit des Vereins während der sommerlichen Ruhepause ist erfolg- reich gewesen; denn eS sind 2000 neue Mitglieder gewonnen worden. Es geht also rüstig vorwärts. Dieser erfreuliche Zuwachs spannt selbstverständlich unsere Hoffnungen und Erwartungen, die wir vom neuen Spieljahr hegen, auch in künstlerischer Hinsicht ungleich höher. Eingedenk der Parole: Nur vom Guten das Beste, wollen wir auch wohl acht haben, daß die Schöpfungen der Bühnendichter in einer Weise zur Vorführung gelangen, die szenisch, dekorativ und dar- stellerisch dem gegenwärtigen Stand und demgemäß den höchsten Forderungen der Schauspielkunst entsprechen. Die Erziehung des werktätigen Volkes zur Kunst ist eine Aufgabe wert und würdig der emsigsten Mühen: In neuer Welt bring' einzig Die Arbeit LebenSglück— Und s ch lv e r st e Arbeit sei die Kunst, Kein Taschenspielerstück l So hat 1892 Franz Held, der nun verstorbene Dichter in seinem Prolog:.Der Jungbrunnen" zur Eröffnung der Freie» Hülfe der aufgeklärten Arbeiterschaft. Den nächsten auf dem flachen Lande zur Verbreitung kommenden Nummern der„Fackel" soll Agitationsmaterial für den Verband beigelegt und über die ganze Provinz ein Netz von Meldestellen für den Verband eingerichtet werden.— Wie auf diesem Gebiet, so trat im Laufe des Jahres auch auf anderen Gebieten die Notwendigkeit des Zusammen- arbeitens zwischen den örtlichen Parteileitungen und den Gewerk- schaftskartellen zutage. So bei der Beschaffung von Material zu der von unserer Fraktion im Reichstage eingebrachten Jnterpella- tion über die Handhabung des Sprachenparagraphcn im Vereins- gesetz, weiter bei der Bildung von Kinderschutzkommissionen und Jugendausschüssen. Ferner sind mit den Vertretern der Gewerk- schaftcn feste Grundlinien für ein gemeinsames Zusammenarbeiten bei allen Wahlen vereinbart worden. Aehnliche Abmachungen haben mit der Gauleitung des Arbcitcr-Radfahrerbundes„Soli- darität" stattgefunden. Die ständige Fühlung zwischen Partei und Gewerkschaft wurde weiter gestärkt durch eine Konferenz sämtlicher Gauleiter der Provinz Brandenburg, die von dem Sekretariat in Verbindung mit den Gauleitern der größten Gewerkschaften ein- berufen wurde. Es soll in Zukunft ein gemeinsames Arbeiten in allen angängigen Fragen, sowohl zwischen den Vertretern der ein- zelnen Berufe, als auch zwischen denen von Partei und Gewerk- schaft stattfinden. Bestimmte Leitsätze sollen aufgestellt und die Konferenzen regelmäßig vierteljährlich abgehalten werden.— Die allgemeinen Bildungsbestrebungen wurden durch Einsetzung von Bildungsausschüssen in 23 Orten gefördert.— Der Kalender „Märkischer Landbote" wurde in 820 000, die„Fackel„ in 300 000 Exemplaren verbreitet.— In 22 Städten sind Auskunftsburcaus eingerichtet worden, die alle stark in Anspruch genommen werden.— Tie Arbeiten des Sekretariats und der Kommissionen wurden in 23 Sitzungen der Kommissionen und in 3 Sitzungen mit dem Zentralvorstande erledigt. 454 Referenten wurden in die Provinz vermittelt.— Die Zahl der Posteingänge betrug 3123, der Post- ausgänge 2915 Briefe, 1058 Karten, 8065 Drucksachen, 1094 Pakete, 75 Postanweisungen, 34 Depeschen, 35 Sendungen von Geschäfts- papieren. Für die Verbreitung der Partcipresse ist durch HauSagitationen gewirkt worden, doch hat eine größere Zahl von Städten sich nicht so wie nötig an derselben beteiligt. Vom Juli 1908 bis Juni 1909 ist die Abonnentcnzahl der„Brandenburger Zeitung" von 11 580 auf 10 922, die der„Märkischen Volksstimme" von 12 116 aus 11 706 zurückgegangen. Die Gründung eines Kopfblattes der„Märkischen Volksstimme" für die Neumark ist in Erwägung gezogen. Der Kassenabschlnß zeigt eine Einnahme von 30 127,87 M., eine Ausgabe von 28 790,25 M. und einen Bestand von 1337,62 M. Die 18 Kreiswahlvereine haben zusammen 1552 Ortsvercine mit 18 608 Mitgliedern und zwar 17 165 männlichen und 1443 Weib- lichen. Im Vorjahr betrug die Gcsamtmitgliederzahl 19 028.— Am 1. Juli 1908 betrug der Kasscnbestand in sämtlichen Vereinen 10 684 M. Ihre Einnahmen beliefen sich auf 55 034 M., die Ausgaben auf 40 871 M. und der Bestand am 30. Juni 1909 betrug 14 163 M. • Der große Saal des„Gcwerkschaftshauses" hatte festlichen Schmuck angelegt. Ehe die Verhandlungen begannen, trug der Männerchor„Fichte-Georginia 1879" einige proletarische Kampf- lieber bor. Als die stimmungsvollen Weisen verklungen waren, eröffnete Genosse Zucht die Konferenz mit einer kurzen Ansprache. Er hieß die Delegierten willkommen und gab der Erwartung Aus- druck, daß die Konferenz dazu dienen werde, die Waffen deS kämpfenden Proletariats zu schärfen, damit wir den Kampf für die Erweiterung der Volksrechte auch in Zukunft erfolgreich führen können. In das Bureau wurden gewählt die Genossen Zucht- Berlin, S i d o w-Brandenburg, F a b e r-Frankfurt a. O.. Pari S-Velten. Hierauf wurde eine Mandatprüfungskommission eingesetzt, sowie die Tages- und die Geschäftsordnung angenommen. Den Bericht des Zentralvorstandes erstattete Parteisekretär Richard Schmidt. An der Hand deS gedruckten Jahresberichts gab er eisten Ueberblick über die agita- torische und organisatorische Tätigkeit in der Provinz. Zum Schluß sprach der Redner den Wunsch aus. daß die Parteigenossen sich mit allen Kräften an der Agitation beteiligen möchten. An Stoff zur Agitation fehle es ja nicht, namentlich müsse die durch die Reichs- finanzreform verursachte Stenererhöhung agitatorisch ausgenutzt iverden. Durch rege Hausagitation müsse die Abonnentenzahl der Parteipresse vermehrt werden. Wenn sich die Parteigenossen mit verdoppelter Kraft der Agitation widmen, dann werde der nächste Jahresbericht ein günstigeres Bild bieten wie der diesjährige. Zur Diskussion meldete sich niemand. Volksbühne gesprochen. Und in diesem Sinne wird beharrlich weiter gearbeitet. Das bewies auch gleich die Eröffmmg des neuen Spiel- jahreS am letzten Sonntag mit der Aufführung der Hanptmannschen Traumdichtung:.Hanneies Himmelfahrt", die den Mitgliedern über- Haupt zum ersten Male geboten wird, und zwar, was sofort an- erkannt sei. in einer sowohl des DramaS, wie des Lessing-TheaterS durchaus würdigen Weise. Erste Künstler: Irene Driesch, Meister Emanuel Reicher, Heinz M o n n a r d, der während der letzten Bahre am Münchcner Hoftheater an erster Stelle gewirkt hat, Ida > r l o f f, die Darstellerin der Titelrolle, ferner Mathilde S u s s i n, Margarete A l b r e ch t. Ida W ü st, Karl Forest. Regisseur Gustav Rickelt, Hans Marr, endlich die Vertreter der Engel ver- halfen der Dicktung zu der ihr innewohnenden Zauberwirkung, der sich wohl kein Zuschauer zu entziehen vermochte. Rückhaltlose An- erkcnnung verdient auch die Veremsleitung dafür, daß sie, entgegen dem sonst üblichen Gebrauch, das Stück ohne Einschiebuug irgend eines Einakters nur allein zur Aufführung gebracht hat, um ihm die Weihe zu sichern. Alles in allem: es war eine vortreffliche Wähl l «. k. Humor und Satire. Deutsches Recht. Man kann es gar nicht oft genug beteuern: bei uns hat selbst der ärmste Patriot das heil'ge Recht, sein Scherflein beizusteuern, wenn's Vaterland in Not. Dies Recht dem deutschen Volke zu verkümmern, das wäre ruchlos, undeutsch und frivol, das hieße frevlen Mutes zu zertriimmer» ein heiligstes Symbol. Bei jedem noch so kümmerlichen Bissen, den dir zum Munde führt die Arbeitshand, bei jedem Trünke darfst du jubelnd wissen: eS ist für'S Vaterlandl Kein deutscher Fuhrmann lenket seinen Karren. er bringt ein frommes Räucheropfer dar, und sei es mit der schlechtsten der Zigarren. am Laterlandsaltar. Bei jedem Streichholz, das mit krummem Finger du sorglich zündest, weißt du, deutscher Mensch:. dein Herz erglüht wie diese teuren Dinger so hell und vaterländ'sch. O strömt, ihr Wonnezähren, strömt in Bächen, sei keine deutsche Tränendrüse faul! Heil dir, o Volk, du hast das Recht, zu blechen.. I Im übrigen halt's Maul l Lsra.vz. Den Bericht Ler M a n d a t p r ü f u n g'S k o m m i s s i o n er- stattete G r i es. Es sind 7S Delegierte anwesend, außerdem 46 andere zur Teilnahme berechtigte Genossen, im ganzen 122 Per- sonen. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Der zweite Punkt der Tagesordnung lautete; Die Verwaltung in Preußen. Der Referent Paul Hirsch sagte in der Einleitung seines Vortrages: Daß in Preußen die Reaktion Trumpf ist, das ver- danken wir der Gesetzgebung und der Verwaltung. Von dem preußischen Dreiklassenparlament und dem Hcrrenhause ist natür- iich keine volksfreundliche Gesetzgebung zu erwarten. Noch reak- tionäirer wie die Gesetzgebung ist die preußische Verwaltung. Der Minister Moltke bezeichnete das preußische Verwaltungswescn als ein Labyrinth, in dem man sich nur schwer zurechtfinden könne. Wenn es schon für einen hohen Verwaltungsbeamten schwer ist, sich in dem Labyrinth der preußischen Verwaltung zurechtzufinden, dann kann man aber verstehen, daß dies dem einfachen Manne überhaupt nicht möglich ist. Um den Genossen einen Einblick in das preußische Verwaltungswesen zu geben, gab der Redner eine Darstellung der Gliederung der Verwaltungsbehörden und besprach deren Befugnisse. Er zeigte, daß der ganze preußische Verwal- tungsapparat nichts anderes ist als ein Instrument zur Festigung der Junkerherrschaft. Unter anderem führte der Redner aus: So schlecht auch die Landgemeindeordnung ist, so wenig sie der Selbstverwaltung Rechnung trägt, so gibt es doch ein Gebilde, welches noch viel schlechter ist. Das ist der Gutsbezirk. In ihm hat nur der Gutsbesitzer zu bestimmen. In seiner Person ver- einigt er gewissermaßen alle Verwaltungsinstanzen einer Gemeinde. Die Gutsbezirke sind für die Junker vorzügliche Mittel,'um sich alle möglichen Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit zu verschaffen und die Rechte der Bevölkerung zu schmälern. Die Agitation unter den Landarbeitern mutz sich nicht nur gegen die Gesinde. ordnung, sondern auch gegen das Wesen der Gutsbezirke wenden. Ueben doch die Gutsbösitzer die Praxis. Arbeiter in ihrem Bezirk nie so lange zu beschäftigen, daß sie dort den Unterstützungswohnsitz erwerben. Wenn die Volksschulen auf dem Lande so schlecht sind, so liegt das zum großen Teil daran, daß sich die Gutsbesitzer vor den Schullasten drücken. Die preußische Verwaltung ist so zu- geschnitten, daß sie von den Angehörigen bestimmter Kreise, näm» lich des Adels, ausgeübt, das Volk aber von der Mitwirkung gänzlich ausgeschlossen wird. In der Hauptsache ist es der kleine Adel, mit dem die Verwaltungsstellen besetzt werden. Das sind meist Leute mit sehr beschränktem Gesichtskreis, aber von echt kon- servativer Gesinnung. Sie betrachten es als ihre Hauptaufgabe, das reaktionäre Regiment zu stützen. Der Landrat ist in erster Linie ein politischer Beamter. Er hat für regierungsfreundliche Wahlen zu sorgen und der Verbreitung der Sozialdemokratie ent- gegenzuwirken. Ein Mittel im Kampfe gegen die Sozialdemokratie ist die Handhabung des Vereinsgesetzes. Oft ist es Dummheit, welche zur mißbräuchlichen Handhabung des Gesetzes führt, oft aber schrecken junkerliche Verwaltungsbeamte nicht vor bewußtem Gesetzesbruch zurück, wenn es gilt, die Sozialdemokratie zu bc- kämpfen. Auch die Amtsvorsteher bemühen sich, in derselben Weise zu wirken, wie die Landrätc. Wenn ein Amtsvorsteher sozialdemo- kratischen Arbeitern gegenüber das Gesetz mit Füßen tritt, so kann er darauf rechnen, daß sein Vorgesetzter, der Landrat, in solchem Falle eine Beschwerde nicht zuungunsten seines Untergebenen ent- scheiden wird. Ja, selbst solche Beamte, denen vor Gericht Gesetz- Widrigkeiten nachgewiesen wurden, sind in Amt und Würden ge. blieben.— Es ist ja eine Reform der preußischen Verwaltung an- gekündigt. Wie diese Reform aussehen wird, wissen wir noch nicht. Nach dem, was man vom Minister des Innern gehört hat, soll das Regiment des Landrats noch gestärkt werden. Das bedeutet, die Verwaltung soll noch reaktionärer werden als sie es bis jetzt schon ist. Das ist für uns Anlaß genug, uns einer solchen Reform mit aller Energie zu widersetzen. Ein Programm für die Verwal- tungsreform aufzustellen, ist nicht Aufgabe dieser Konferenz. Wenn eine Reformborlage im Landtage eingebracht wird, werden unsere Parteigenossen unsere Forderungen vertreten. Vor allem haben wir zu fordern, daß die Landratsregierung beseitigt wird. Die Notwendigkeit einer Reform der preußischen Verwaltung wird von keiner Seite bestritten. Die Absicht der Regierung geht dahin, eine Reform einzuführen, welche die preußische Verwaltung noch reaktionärer gestaltet. Wenn diese Reform durchgedrückt ist, dann wird die Regierung vielleicht kleine Zugeständnisse in bezug auf das Wahlrecht machen, die aber nicht als Reformen in unserem Sinne angesehen werden können. Wir haben zu fordern, daß die Verwaltungsreform aufgeschoben und zunächst eine wirklich demo- kratische Verbesserung des Wahlrechts eingeführt wird. Erst wenn wir ein durch ein wahrhaft freiheitliches Wahlrecht zustande- gekommenes Parlament haben, können wir eine Reform der Ver. waltung erwarten, die für Uns annehmbar sein kann. Eine Diskussion über den Vortrag entstand nicht. Ein Antrag wurde angenommen, der den Zentralvorstand ersucht, bei der Buch- Handlung„Vorwärts" die Herausgabe einer Broschüre anzuregen, worin Genosse Hirsch das Thema seines Vortrages ausführlich be- handeln soll. Es folgte der nächste Punkt der Tagesordnung: Die politische Lage. Der Referent Robert Schmidt entwickelte in eingehender Weise ungefähr folgende Grundgedanken: Im Hinblick auf die po- litische Lage, wie sie sich durch die Verabschiedung der Reichsfinanz- resorm, der jetzigen Gruppierung der Parteien und dem Wechsel der leitenden Staatsmänner gestaltet hat, befindet sich die Sozial- dcmokratie in einer äußerst günstigen Situation, die allerdings � dadurch einen bitteren Beigeschmack hat, daß es uns nicht gelungen > ist, die schwere Steuerbelastung vom Volke fernzuhalten. Man sollte meinen, die Steuerpolitik der Regierung mutzte nicht nur bei der Arbeiterklasse, sondern auch bis weit ins Bürgertum eine Ent- rüstung hervorrufen, die unserer Partei zugute käme. Wir be- finden uns insofern in einer günstigen Lage, als unsere Stellung zur Steuerfrage von Anfang an so war, daß die Klassen der Be- völkerung durchaus damit zufrieden sein konnten. Anders ist es � mit den bürgerlichen Parteien. Der Liberalismus hat sich in der Steucraffäre arg kompromittiert. Auch die Konservativen können mit ihrer Loge nicht ganz zufrieden sein. Haben sie sich doch den Zorn des Schloßherrn in Berlin zugezogen. Das ist ihnen immer- hin unangenehm, wenn es ihnen auch nicht auf die Dauer schaden wird. Es fragt sich, ob wir diese Situation nicht benutzen sollen, um den Anhang, den die KonserbdibSN ifi Volkskreisen haben, aufzuklären über die Haltung der Konservativen in der Steuerfrage. Auch in den Reihen unserer Partei ist eine gewisse Unzufriedenheit zum Ausdruck gekommen über den Abschluß der Steuerkampagnc. Ich'begreife, daß manche Genossen ihren Unmut über die Steuer- erhöhung zum Ausdruck bringen, indem sie sagen, unsere Fraktion hätte mit allen Mitteln, auch mit Obstruktion, versuchen müssen, die Steuervorlage zu Falle zu bringen. Diese Frage ist auch in der Fraktion eingehend erörtert worden. Die Obstruktion wendet man doch nur an, wenn sie Aussicht auf Erfolg bietet. Das war aber mit Rücksicht auf die jetzige Geschäftsordnung des Reichstages, und weil wir ganz allein standen, nicht der Fall. Unter diesen Um- ständen wäre unsere Obstruktion in den ersten Tagen gebrochen worden. Der Ausgang der Steueraffäre sollte uns auch veran- lassen, dem Volke vor Augen zu führen, daß es unter der Herr- schaft des allgemeinen Wahlrechts selbst schuld daran ist, wenn es Vertreter ins Parlament sendet, welche die Interessen des Volkes mit Füßen treten. Es muß dem Volke klar gemacht werden, daß alle, welche nicht für die Sozialdemokratie gestimmt haben, für die gegenwärtige Situation mitverantwortlich sind. Was die Sozial- demokratie im Reichstage tun konnte, um die Steuerbelastung abzu- wenden, das hat sie getan. Auch die Haltung der Fraktion zur Erbschaftssteuer war vollkommen berechtigt. Nach unserem Pro- gramm müssen wir für ein? solche Steuer stimmen. Sie hätte ja auch nur die Besitzenden getroffen. Gegen die Erbschaftssteuer hätten wir nur dann stimmen können, wenn wir dadurch zugleich die indirekten Steuern hätten zu Falle bringen können. Davon aber konnte nach Lage der Sache keine Rede sein. Es fragt sich nun, wie wir uns zu dem Wechsel der in der Regierung verantwortlichen Personen stellen. Dieser Personen- Wechsel kann uns kalt lassen, denn er bedeutet keinen Wechsel des Systenis. Dies bleibt vielmehr dasselbe. Ich bin der Meinung, daß wir unter den neuen Ministern eine in politischer und sozial- politischer Hinsicht schlechtere Situation bekommen werden. Dafür bürgt schon die Koalition zwischen Zentrum und Konservativen. Ist uns doch bereits in Aussicht gestellt, daß wir im Herbst wieder neue Steuervorlagen zu erwarten haben. Man hat auch in unseren Kreisen die Frage aufgeworfen, was wir von der neuen Konstella- tion der bürgerlichen Parteien zu erwarten haben, und ob wir nicht Veranlassung hätten, zum Freisinn in bessere Beziehungen zu kommen. Ich glaube, dafür ist unter unseren Genossen keine Stim- mung vorhanden. Wenn es sich um ein Zusammengehen mit den Freisinnigen bei Wahlen handelt, dann kommt nicht in Frage, daß tvir, sondern daß die Freisinnigen ihre Stellung ändern. Wir haben bis 1603 bei Stichwahlen zwischen Freisinnigen und Konservativen den Freisinn als das kleinere Uebel betrachtet und für ihn ge- stimmt. Seitdem aber der Freisinn 1967 die Taktik befolgte, bei Stichwahlen zwischen Konservativen und Sozialdemokraten gegen uns zu stimmen, war unsere frühere Stellung nicht mehr aufrecht zu erhalten. Eine Partei, die der Reaktion zum Siege verhilft, können wir nicht mehr unterstützen. Sind uns doch in der Pro- vinz Brandenburg vier Wahlkreise, die uns sicher waren, dadurch verloren gegangen, daß die Freisinnigen für den Konservativen stimmten. Wir können zu unserer alten Stichwahltaktik nicht zu- rückkehren, wenn nicht der Freisinn seine Stellung wechselt und sich gegen die Konservativen wendet. Die Situation auf parlamentarischem Gebiete sieht schlecht aus. Di« Nationalliberalen treten für ein Pluralwahlsystem ein. Mir scheint das in Sachsen eingeführte Pluralsystem viel schlimmer zu sein wie das preußische Dreiklassenwahlsystem. Im Zentrum haben wir nur laue Wahlrechtsfreunde, und die Konservativen sind aus- gesprochene Gegner jeder Verbesserung des Wahlrechts. Auf dem Gebiete d«r Sozialpolitik haben wir von dem gegenwärtigen Regi- ment recht wenig zu erwarten. Bethmann Hollweg ist nicht der Mann, von dem wir erwarten könnten, daß er in der Sozialpolitik ein anderes als das bisherige Tempo einschlägt. Die von ihm vor- gelegt« Reichsvcrsicherungsordnung hat in allen Kreisen des Volke? Unzufriedenheit erregt. Auch der Arbeitskammergefetzentwurf bringt den Arbeitern nur sehr geringe Vorteile. Bezeichnend ist auch der Standpunkt, den Bethmann Hollweg gegen die Einführung des ZehnstundentageS für die Industriearbeiter eingenommen hat. Also auf dem Gebiete der Sozialpolitik werden wir unter den neuen Männern der Regierung nicht vorwärts kommen. Es ist auch nicht daran zu denken, daß in bezug auf die polizeilichen Nadelstiche gegen die Arbeiterbewegung eine Aenderung zum Besseren eintritt. So ist also die Aussicht auf die Lage der inneren Politik eine sehr trübe. Nicht besser ist es mit der äußeren Politik. Spannung herrscht überall. Als einziger Hort des Friedens steht die Arbeiterschaft und ihre Vertretung, die Sozialdemokratie, da. Die Arbeiter aller Länder müssen sich die Hände reichen, um den Frieden zwischen den Nationen aufrecht zu erhalten. Mit tiefem Ahscheu sehen wir, wie man dem russischen Zaren, an dessen Hand das Blut der besten Söhne Rußlands klebt, in den Regierungskreisen huldigt. Wir be- dauern es tief, daß unser Verhältnis zu England durch Hetzereien seitens der herrschenden Klassen in eine ungünstige Situation ge- rückt ist. Wir bedauern es, daß diese Hetze, die in Deutschland gegen England betrieben wird, von den englischen Konservativen zu Wahlzwecken ausgenutzt wird, um eine Partei in den Sattel zu heben, von deren Betätigung wir schwere wirtschaftliche Nachteile zu erwarten haben. Auch vom humanitären Standpunkt haben wir ein Interesse an dem engen Zusammenhalt dieser beiden Kulturnationen. Blicken wir nach dem Norden, so sehen wir, daß sich die schwedische Arbeiterschaft in einem schweren Kampf mit dem Unternehmertum befindet. Wir wünschen unseren Arbeitsbrüdern in Schweden einen vollen Erfolg. Wir wollen dahin wirken, daß Zwietracht und Haß zwischen den Völkern aufhöre und daß friedliche und freundschaftliche Be- Ziehungen alle Kulturnationen aneinanderknüpfcn. Die Sozial- demokratie hat in den nächsten Jahren bedeutsame Aufgaben zu er» füllen. Wenn die sozialdemokratischen Gedanken die Massen der Arbeiter durchdringen, dann ist uns der Friede gewährleistet. In der Diskussion vertrat Schubert- Spandau die Ansicht, die sozialdemokratische Rcichstagsfraktion hätte bei der Beratung der Finanzreform Obstruktion treiben müssen. Die Situation sei dafür günstig gewesen, die Genossen im Land? würden ein solches Vorgehen der Fraktion unterstützt haben. Die Obstruktion sei des- halb nicht betrieben worden, weil ein Teil der Fraktion es mit den bürgerlichen Parteien nicht verderben möge. Die Arbeiter aber seien überzeugt, daß wir auf die bürgerlichen Parteien keine Rück- ficht zu nehmen hätten, da ein Zusammengehen mit ihnen für vnS nicht in Frage komme. Bloch- Berlin I gab derselben Ansicht Ausdruck. Müller vom Parteivorstand trat dieser Auffassung ent- gegen, indem er ausführte, die Obstruktion, die wir beim Zolltarif trieben, sei kein Kampfmittel, welches wir in jeder Situation wieder anwenden könnten. Nicht nur die Geschäftsordnung des Reichs- tages komme in Frage, sondern auch der Umstand, daß seit den Zoll- tarifdebatten die Parteigruppierung eine andere geworden sei und unsere Fraktion sich an Zahl verringert habe. Während der Be- ratung der Finanzreform sei von Kampfftimmung der Massen nicht viel zu merken gewesen. Erst nach Ablehnung der Erbschaftssteuer sei Feuer in die Massen gekommen. Nach der Annahme der Fi- nanzreform sei unsere Situation sehr günstig gewesen. Es sei recht übel angebracht gewesen, daß gerade zu jener Zeit durch den Genossen Emmel eine Diskussion eröffnet wurde über die Frage, wie wir uns in der dritten Lesung zur Erbanfallsteuer hätten stellen sollen. Wir hätten für diese Steuer stimmen müssen, weil es unsere Pflicht sei, dafür zu sorgen, daß bei der Verteilung der Steuern die Arbeiterklasse so wenig wie möglich gerupft werde. Hinsichtlich unserer Stellung zu den Liberalen stimmte der Redner dem Referenten zu. Robert Schmidt vertrat im Schlußwort nochmals fernen Standpunkt hinsichtlich d?r Frage der Obstruktion und betonte, daß von der Aufklärung der Massen und von der Wirkung der politi- sehen Tatsachen mehr zu erwarten sei, als von einer nutzlosen Ob- struktion. Unsere nächste und wichtigste Aufgabe sei, das Junker- regiment in Preußen zu brechen. Diese Aufgab? müßten wir im Interesse der Arbeiterschaft zu erfüllen suchen. Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf die Erledigung der eingegangenen Anträge.__ Auf Antrag des Kreises Königsberg N.-M. wurde beschlossen, eine Flugschrift:..Winke über Gemeinde- und Stadtverordneten- Wahlen" herauszugeben.. Ein Antrag des Wahlkreises Kalau-Luckau fordert die Her- ausgab« eines Flugblattes, welches die Arbeiter, um die Finanz- reform zum Teil unwirksam zu machen, auffordert, den Schnaps- genuß zu meiden.. � Wels und P e u s erklärten sich mit der Tendenz des An- träges einverstanden, traten aber für dessen Ablehnung ein, weil nicht angenommen werden könne, daß derselbe in allen Kreisen der Provinz strikte durchzuführen sei und weil es auch nicht zweckmäßig sei, die Abstinenzbewegung mit der Partcibewegung zu verquicken. Der Antrag wurde abgelehnt. � Ein anderer Antrag des Kreises Kalau-Luckau, welcher fordert. daß jeder Kreis vier Delegiert- zur Provinzialkonferenz soll ent- senden dürfen, fand nicht die erforderliche Unterstützung. Ein Antrag des Wahlkreises Friedeberg-Arnswalde fördert, daß in diesem Kreise ein befähigter Genosse selbständig gemacht werde, um eine wirkungsvolle Agitation betreiben zu können. Eugen Brückner begründete den Antrag, zog ihn dann zurück und beantragte: Es solle der nächsten Konferenz eine Bc- rechnung der Kosten für die Anstellung von Genossen in rückstandi- gen Kreisen vorgelegt und festgestellt werden, wieviel die Berliner Genossen zu diesen Kosten beitragen wollen. Wels wandte gegen diesen Antrag ein: Es sei ein Irrtum, wenn man glaube, ein Parteisekretär könne uns in einem rückstän- digen Kreise größeren Anhang schaffen. Erst wenn durch ständige Agitation der Genossen eine starke Anhängerschaft erwachsen sei, könne ein angestellter Sekretär eine wirksame Tätigkeit entfalten. Der Antrag wurde abgelehnt. Damit war die Tagesordnung erledigt. Genosse Zucht schloß die Konferenz mit einem Rückblick auf die Beratungen derselben und brachte ein Hoch auf die Sozial- demokratie auS.__ �' Soziales* Aechtung. Ein pommersches Kreisblatt publiziert folgenden Aech- tungsbefehl: „Der Deputant August Holtz hat ohne Grund fernen Dienst daselbst verlassen und ist aus dem Dorfe fortgezogcn. Ich warne(I) davor, denselben in Dienst zu nchmen. Der Amtsvorsteher. Etvest." Woher weiß der Amtsvorsteher. daß dieser Landprole- tarier ohne Grund seinen Dienst verlassen hat? Allem Anscheine nach glaubt der Amtsvorsteher, Landarbeiter sind ganz vogelfrei._ Fürsorge bis inS hohe Alter. Zum Ausspruch des Eiseubahnministers v. Breitenboch über die„Fürsorge für die Eisenbahnarbeiter bis ins hohe Alter" wird ein besonders krasser Fall aus Bremen gemeldet, der diese Fürsorge illustriert. Seit dem Jahre 1872 ist dort bei der Güterabfertigung der Bodenarbeiter Haselmann beschäftigt gewesen. Er erlitt im Jahre 1967 einen Unfall, und nachdem er 9 Monate krank danieder- gelegen, aber nicht arbeitsfähig war, und die Betriebskrankenkasse zu zahlen aufhörte, wurde ihm nach vielen Schwierigkeiten eine Unfallrente von monatlich 16, 2S M. zugestanden. Außerdem erhielt er von nun an eine Invalidenrente aus der PensionSkasse A von monatlich 18,25 M., also zusammen 34,59 M. Da H. von diesem Geld« noch feine Frau und zwei unmündige Kinder ernähren muß, geriet er in große?!ot. So sieht also die Fürsorge bis inS hohe Alter auS! Nach 35jähriger ununterbrochener Tätigkeit an der Eisenbahn diese Hungerrente, die zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig ist. In eigener Art hat man sich des H., der nicht arbeiten konnte, zu entledigen gewußt. Um ihm die Rente aus der PensionSkasse S, der H. angehörte, nicht gewähren zu müssen, zahlte man ihm seine zu dieser Abteilung geleisteten Beiträg? zum Teil heraus und gab ihm noch zu verstehen, daß er die Auszahlung dieser Beiträge als Gnade auffassen müsse, da er ja erst 4M> Jahre sich im Eisenbahndienst befinde.— Besserung solch unhaltbarer Zustände kann nur durch Selbsthilfe, durch eine starke Organisation geschaffen werden. � Fiir den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortniig. Zhtzter. Dienstag, 31. August. Anfang 7 Uhr. Kgl. Operuhaus. Lohengrw. Ansang 7'/, Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Die Braut von Messina. Volksoper. Ernani. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Ketten. Kammerspiele. Freund Jack. Berliner. Einer von uiilre Leut. Lessing. Die Stützen der Gesell- lchast. NeueS. Sein Sündenregister. Neues Schauspielhans. Miß Dudelsack. /Thalia. Prinz BusS. Komische Oper. Hosfmanns Er- Zählungen. Residenz. Kümmere dich um Nmelie. f ebbet. Revolutionshochzeit. rianon. Liebesgewitter. Lustspielhaus. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Neues Operette«. Die Dollar- Prinzessin. Westen. Der fidele Bauer. Schiller O. i Wallner« Theater.) Der Biberpelz. Schiller Eharlottenburg. Madame Bonivard. Friedrich. Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Manövrrregcn. Luisen. Von sieben die Häßlichste. Metrovol. Die oberen Zehntausend. FolieS Capriee. Drei Fraucnhüte. Der Delertcur usw. Ans. 8Y, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. Frau Elkams Friseur. Meine- Deine Tochter. Bernhard Rose. Der Mann mit der eisernen Maske. Noacks Theater. DaZ HciratSnest. Spezialitäten. Stadt-Theater Moabit. Spezia- lttäten. Baitage. Spezialitäten. Volksgarten. Spezialitäten. Brunnen. Der Stabstrompeter. Walhalla. Speziatiläten. Rcichshallen. Stcltiner Sänger. Urania. Ta»be, istrahe 48/19. Die Insel Rügen. Sternwarte» Jnvaltdenstr. 67/62. I-essl n g-Theatcr. 8 Uhr: Dio Stützen der Gesellschaft. Mittwoch, 8 Uhr: Oer Känig. Donnerstag, 8 Uhr: Reuewstudiert: Zwischenspiel. Residenz-Theater Direltion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Schwank in 3 Alten von Feydeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. KvMUvr- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.Z Dienstag, abends 8 Uhr: vci» Biberpelz. Eine Diebeskomödie in 4 Akten von Gerhart Hauptmann. Mittwock. abends 3 Uhr: Htaebetb. Donnerstag, abendS8Uhr: _ Der Biberpelz._ Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Hadaiue Bonivard. Schwant in 3 Alten von Alexander Vision und Antonh Mars. Mittwoch, abendS 3 Uhr: Die Obre. Donnerstag, abtnd»8Uhr: Madame Bonivard. EterHner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere I-ent'. Morgen 71/, Uhr zum ersten Male: Das liebensfest. üWMMMll �(«1. Franlfnrter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Der Mann mit der eisernen Maske. Schausp.i. 5 Akt. v.ArnouId u. Fomnier. Aus der Gartcnbühne, Ans. i'/, Uhr: Theatervorstellung. Spezialitäten. Ncnes Opercttcn-Tbeater, Schissbauerdamm 25, o. d. Luisenstr. Anfang 8 Uhr: nie Dollnrprinzcssln. Operette in 3 Akren von Leo Fall. �.msvn-Theater Anfang 8 Uhr. Premiere: Ton Sieden i WM. Komödie in 3 Alten und einem Bor- spiel von Louis Zlngely. SM- Neubearbeitung. Mittwoch: Bon Sieben die Häßlichste. Heues Theater. Anfang 8 Uhr. Zum 50. Male: Sein Sündenregister Mittwoch, den 1. September: Emilia Gaflotti. Theater des Westen». Allabcndl. 8 Uhr: Der fidele Bauer. Operette von Leo Fall. Sonntag nachm. 3'/«Uhr, halbe Preise: Die lustige Witwe. RiödfiMIIhMdtisekLS Schauspielhaus. Dienstag, den 31. August, 8 Uhr: Manöverregeu. Schwank in 3 Alten v. G. Schätzler- Perasini und Keßler. Mittwoch: Der Widerspenst. Zähmung. Urania. Wissenschaftliches Theater. TanbenstraBe 48/19. Abends 8 Uhr: Die Insel Rügen. OOISCISCHER GARTEN Täglich: Großes Militar- Doppel-Konzert. Eintritt 1 Jf., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder nnt. 10 Jahr, die Hälfte. 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Freitag: Da Traviata. Sonnabend: Der Frei schütz. Sonntag: Ernatti. vasBno Lothringer Strahe 37. Täglich 3 Uhr: ��nkel /Ts*' olm OnL C""» nfel ohn Cnfet g�oitn nkel iVoIj« Ittel �ohu Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. W.Koacks Theater DtreMo»: Hob. Olli. Bruimenstr. 16. Heute: Geschlossen k Sonnabend, den 4. September 1909: Eröffnung der Winterspielzeit. Bollstandtg neues, bedeutend ver- grögertes Personal. tim 1. Male: Die Venettanerin. onntag z. 1. Male: Unser Leopold. kssssge-ftmoptiilum. Aga! die schweb. Jangfran. Ganz Berlin zerbricht An*» sich wieder d. Kopf über trSJjesas DerMann m.d. eisernen Schlund! Experimente d. IV. Dimension! Alles obne Extra-Entree. Arnold Scholz Haue Welt 108/114 Tiigllch: Spezialitäten Konzert. Anfang S Uhr. Entree 23 Pf. Schwarzer Melier Lichteitber'g, Frankfurter Chaussee 5(�er Inh.; Gebr. Arnhold. Täglich: Gr. inleröalion. Ringkampf-EonkiiFreflz Heute Dienstag, den 31. August: Untviderruflich lehter Tag. Um den 1. und 2. 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Mittwoch, den I.September, abends 8 Uhr, in den„Musikersälen«, Kaiser-Wilhclm-Strabe 8m: Kgllltiillieete Mitgtieder-Uersamiiltililg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Karl Giebel über: Die Reichsversiche- rungsordiinng. 2. Gcwcrkschastliches. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Ortsdertvaltung. das auf der Erde wandelnde Tierreich überragt, fo überragt das aus ihrer Frucht gewonnene Pflanzenfett Palmin alle tierifche Fette durch feine Reinheit und Oütö Palmin eignet ßd) gleich vorzüglich zum Kochen, Braten und Badcen. E ecscccm* B'fiae« sind rwar keine Imporfcigaretlen, sondern lediglich Produkte Deutschen Gewerbeflelsses. Trotzdem sind dieselben Jedoch geeignet vollen Ersatz für manche Importmarke zu bieten, die mit 3 oder 4 Pt verkauft wird und deren Qualität hSufig genug diesen Preisen auch nicht annähernd entspricht. 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Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes L238L l�ndolt Majewski sage ich allen Beteiligten meinen herz> � mten Dank. Wwe. Majewski und Kinder. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Eduard Hippler sagen hiermit allen Freunden und 'Bekannten, insbesondere seinen Arbeitskollegen, den Genossen deS 6. WabltrcijeS, dem TranSporb arbeitcr-Berband und dem Lauben- kolonisten-Berein.Freudental- unser» herzlichsten Dank. Witwe Marie Hippler und Kinder. Danksagung. Für die'herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines guten ManneS, Bruders und Schwagers Hermann Traatmunn sagen wir hiermit allen Kollegen, Freunden und Bekannten aus- richtigsten Dank. 1226b Ww. H. Trautmann und Angehörige. beste Schuh Putz Ueberall zu haben in Dosen a 10 und 20 Pf. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄÄ, 10— 2, 6— 7. 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August verstarb unser i �Mitglied, der Maler Gustav Drömert Gruppe IIa. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitk- woch, den 1. September, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des I Luisenkirchhoses, Fürstenbrunner Weg, aus statt. 256/261 Um rege Beteiligung ersucht Be? Voi-»tnn«l. Gesangverein „Wotteoburger Liedertalel1: T odes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser langjähriges, treues Mitglied Gusla? Drömert nach schwerem Leiden im Aller von 34 Jahren enlschlasen ist. Ehre seine« Audeukeu k Die Beerdigung findet am Milt- woch, den 1. September, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Luifenlirchhofes, Fürstenbrunner Weg, auS stall. 61/6 Derband der Maler, Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied 129/11 Gustav Drömert (Bezirk Charlottenburg) in Landsberg gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitwoch, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Luisenfirchhoss, Fürsten- brunner Weg aus statt. Um rege BeteUigung ersucht Die Ortsverwaltnug. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dag unser lieber Sohn, der Arbester Wilhelm Guderjahn im 24. Lebensjahre nach langen. schweren Leiden an der Proletarier» lrankheit verstorben isL 1224b Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. September, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- 'alle des Schönebcrger Fried- ose»(Blanke Hölle) aus statt. Die trauernde* Hinlerbliebonea. Sozialdemokrat WabM für Schöneberg. Am 28. August verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Wilhelm Guderjahn im 24. Lebensjahre an der Proletarierlrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» I. September, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS Schöncberger Fried- hoses(Blanke Hölle) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 15/17 Der Vorftand. Hfcbarnim (Bezirk Waidmaonslast). Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Genosse ötarl Fubel (Borsigwalde) gestorben ist. Der Verstorbene gehörte zu den Gründen» unseres Vereins, dessen Leitung er mehrere Jahre in treuer Pslichlcrsüllung inne hatte. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, von der LeichcnbaUe des Borsigwalder Fricdhoscs aus statt. 238/18 Khiinril- und Knulzlmidmi oou Robert Meyer,' nur Ulnlllinltn-Zlmßk 2. VerUlUportliMr Nxdgkteijr� Emil Unser, Berlin. Für iusn Fnieratenttzil vcrsntw,: Th, Glucke, Berlin. Druck u. Berlag:Lorwärt« Luchdruckerei». BcrlagSanstalt Paul Singer L- Eo., Berlin SW., Kr. 202. 26. Jahrgang. 2. KtilU ks.Amiirlg- Kklliim JülWIiitf. Dienstag, 81. Anguß 1909. Zeppelin in Berlin. Daß Zeppelin erst am Sonntag in Verlin eintraf, hat, wie wir ja in unserer Sonntagsnummer boraussagten, seinem Enipfang nicht geschadet. Im Gegenteil: am Sonntag mittag konnte ihn ganz Berlin sehen und begrüßen. DaS Hauptleben konzentrierte sich begreiflicherweise auch vorgestern wieder auf das Tcmpelhofer Feld, wo das Flugschiff ja besondere Evolutionen ausführen sollte und wo es auf der 560 Hektar großen Fläche besonders gut beobachtet werden konnte. Von 10 Uhr ab strömten unabsehbare Massen zu Fuß, per Straßenbahn, Dampfbahn oder Auto nach dem riesigen Paradeplatze. Immer dichter schoben sich namentlich auf der östlichen größeren Hälfte die Massen zu- saminen, bis gegen 12 Uhr wohl reichlich eine Viertelmillion Menschen versammelt sein mochte. Und wie am Tage vorher herrschte die heiterste, gemütlichste Stimnnmg unter der ungeheueren Menschenmasse, die infolge der hellen Toiletten der Damen und der bunten Hüte und Sonnenschirme bei der freundlichen Sonnenbeleuchwng ein ungemein farbenfreudiges Bild bot. Und diesmal wartete das Publikum nicht vergebens. Bereits um �/.11 Uhr zeigte sich über den westlichen Vororten ein lichter Punkt, der bald die Gestalt eines winzigen weißen Stäbchens an- nahm:.Zeppelin III" war in den Gesichtskreis der Berliner Be- bölkcrung eingetreten. Allerdings hatten die am Tempelhofer Feld ver- sammelten Massen noch eine harte, aber unverdroffen auSgehaltene Geduldsprobe zu überstehen, kreuzte doch das Lustschiff noch min- dcstcnS anderthalb Stunden über Charlottenburg, Wilmersdorf, Friedenau, Steglitz, Groß-Lichterfelde und Lankwitz, bevor es seine Fahrt nach dem Tempelhofer Feld lenkte. Pünktlich um Vzl Uhr, genau zur„befohlenen" Zeit, kam es in prächtigem Fluge im Zuge der Ningbahn von Tempelhof her angesaust. Als es in 2— 300 Meter Höhe das westliche Feld übcrgnerte, brauste aus den Hunderttauscnden von Kehlen das.Hoch Zeppelin" in die Lüste. Und selbst mit bloßem Ange vermochte man wahrzunehmen, wie Graf Zeppelin in der vorderen Gondel zum Gruße unausgesetzt seine weiße Mütze schwenkte. Bei der Schleifcnfahrt über dein Tcmpelhofer Felde und später über der Stadt zeigte das Luftschiff, das über den westlichen Vor- orten mit aller Gemächlichkeit gefahren war, was eS zu leisten ver- mag. Es war ein wunderbarer Anblick, als eS unter dröhnendem Surren der drei mächtigen Propeller(der linke vordere fehlte) elegant die Luft durchschnitt und mit spielender Präzision prächtige Bogen beschrieb. Kein Zweifel, daß das starre System wegen seiner straffen, schlanken Form, die dem gewaltigen Fahrzeug geradezu . graziöse Linien verleiht, vor den Halbstarren und unstarren Luft- schiffen zum mindesten die ästhetische Wirkung voraus hat. Und das ist bei der Luftschiffahrt, die sich einstweilen ja vorzugsweise an Phantasie und Gemüt wendet, ein gewichtiger Faktor. War eS ein Genuß, dem majestätisch die Luft durchrauschenden Riesenfahrzcng mit den Blicken zu folgen, so war es auch eine Freude, das Publikum während des Schauspiels zu beobachten. Was die Hunderttausende am Tempelhofer Felde bekundeten, war frohlockender Jubel über den so glänzend verkörperten Triumph der Technik, war freudige Dankbarkeit für den greisen Erfinder und Lenker des prächtigen Luftschiffs. Zu Ausbrüchen des Hurra- Patriotismus aber ließ sich die Menge nicht fortreißen. Als etliche .Patrioten" da?„Deutschland, Deutschland über alles" anzustimmen versuchten, fanden sie so wenig Echo, daß sie alsbald wieder be- schämt verstummten.— Als Kuriosität fiel den Umstehenden übrigens ein Mann auf, der seelenruhig am Felde dicht an der Schwiebuser Straße schlief und sich auch durch die Demonstrationen der Massen beim Erscheinen Zeppelins, der unmittelbar gerade über diese Stelle hinflog, nicht aus seiner völligen Apathie ausstören ließ. Ein Stoiker, ein Philosoph, ein moderner Diogenes— vielleicht aber auch nur ein Unglücklicher, den das Elend, das deutlichste Spuren seinen Zügen wie seiner armseligen Kleidung aufgedrückt, völlig stumpf gemacht hat gegen alle Triumphe des MenschcngeisteS. Vom Tempelhofer Felde aus überflog Zeppelin die innere Stadt, wo er das Schloß und das Rathaus umkreiste, um dann in einem großen Bogen den Norden und Osten der Stadt zu über- fliegen. Nach nochmaliger Rückkehr nach dem Zentrum der Stadt fuhr er dann die Linden entlang über das Brandenburger Tor nach Tegel, wo er um SU2 glatt landete. Ucberall begrüßte ihn stür- mischcr Jubel, namentlich auch von den HauSdächern, auf denen viele Tausende das unvergleichliche Schauspiel genossen. Die Be- wohner der Berliner Mietskasernen bemerkten bei dieser Gelegenheit einmal, welch prächtigen Aufenthaltsort solch flaches HauSdach eigent» lich darstellt und'welch prächtige Dachgärten sich da 25 Meter über dem Straßenniveau anlegen ließen I Am Nachmittag verriet nichts mehr die Aufregung der Mittags- stunden, als höchstens ein paar mal hunderttausend Stullenpapiere, mit denen man das Tempelhofer Feld freigebig übersät hatte. Wann endlich wird der Berliner die abscheuliche Unart ablegen, die Natur durch diesen papierenen Unrat zu verschandeln?! Denn auch das Tempelhofer Feld ist für viele Tausende allsonntäglich eine geschätzte Erholungsstätte, die zu verunreinigen ebenso frevelhaft ist wie die Verunzierung des Grunewalds. Neues Mißgeschick des„Zeppelin IH". Zeppelins Luftschiff trat bereits am Sonntag«m'/z12 Uhr seine Rückfahrt an. Die mondhelle Nacht schien glückliche Fahrt zu verheißen. Aber ein abermaliges Mißgeschick zwang„Z. HI" bereits nach kurzer Fahrt unweit der Station Vülzig, zwischen Zahna und Wittenberg, zu landen. Die Havarie trat wiederum durch Bruch eines Propellers ein. Sei cö, daß die Motoren in der Eile schlecht montiert waren, sei eS, daß das Material der Propeller schadhafte Stellen aufwies: jedenfalls zwang der Bruch eines zweiten Propellers die Führungslnannschaft, bei Bülzig nieder- zugchen,«m dort die Auswechselung der Propeller und die Reparatur sonst entstandenen Beschödigungeu abzuwarten, also mindestens zwei Tage liegen zu bleiben. Em Stück des gebrochenen Propellers wurde mit solcher Wucht gegen den 5lörpcr des Luftschiffes geschlendert, daß es beide Außcnhänte und cincS der dazwischenliegenden Ballönette durchschlug, und �war dergestalt, daß meterlange Nisse entstanden sind. Vermntlich werden also nicht nur zwei neue Propeller eingesetzt und die sonstigen Beschädigungen der Motore repariert' werden müssen, sondern auch das Ballonctt wird zu flicken und neu aufzufüllen sein, bevor die Weiterfahrt angetreten werden kann. Monteure und Ersatzinatcrial solle» bereits von FricdrichShafcu aus unter- wcgS sein. Der Unfall beweist anfs neue, daß bei LcnkballonS ebenso wie bei den Flngmaschinen alles auf gnteS Material und tadellose AnSführnng der Motoren ankommt. Die Technik dcS Flug- körpers hat bereits eine hohe Vollendung erreicht, versagen iudeS die maschinellen Triebkräfte, so tritt rettnngSloS Havarie ein. Der zweimalige Bruch von Propellern während einer Fahrt wird Zeppelin und seinen Ingenieuren besonders nahelegen, auf die Herstellung dieser Tricbflngel ans bestem Material ganz besonderes Gewicht zn legen. Die Abfahrt. Um 11 Uhr 30 Min. nachts stieg daS Luftschiff zu seiner Rück- kehr nach FricdrichShafen auf. Gegen'/eil Uhr wurde ein zweiter Scheinwerfer nach Süden zu aufgestellt,' um das Steuer und die Rückseite des Ballons ausgiebig zu belichten und auszuprobieren. Sodann wurde gegen 11 Uhr jeder einzelne Motor und Propeller laufen gelassen und der ganze Ballon noch einmal von beiden Scheinwerfern vollständig belichtet. Dann trat der Ballon in den vollen Mondschein und wandte seine Spitze nach Südwesten. In ziemlich rascher Fahrt überflog er mm den Schießplatz Tegel. Dann verschwand er in der Richtung nach Spandau. Er hatte keine Lichter. Das Steuer führte Obcringeuieur Dürr. Der ganze Aufstieg und die Abfahrt hatte nur einige wenige Minuten gedauert. Ein neuer Defekt. Bittcrfeld, 30. August, 5 Uhr 40 Min. morgens. Wie von der Ballonhalle gemeldet wird, wäre der„Z. Hl" nach einer bisher nn- bestätigten Meldung nahe der Station Bülzig bei Wittenberg an- scheinend wegen eine? Defekts niedergegangen. Fricdrichshafcn, 30. August, 7 Uhr morgens.„Z. III" ging bei Bülzig in der Nähe von Wittenberg wegen eines Defekts nieder. Oberingenieur Dürr verlangte tclegraphisch die Absendung einiger Mann mit Material nach Bülzig. Die Reparatur werde etwa zwei Tage beanspruchen. Vitterfcld, 30. August.„Z. III" ist um 6'/, Uhr bei Station Jahna an der Linie Jüterbog— Wittenberg infolge Beschädigung eines Propellers gelandet. Der Schaden wird sofort repariert werden. Gas zum Nachfüllen wird dorthin transportiert. Bülzig, 30. August. Dem„Z. III", der hier kurz nach 5 Uhr eintraf, ist der rechte vordere Propeller gebrochen. Damit ist nun das ganze vordere Propellerpaar vollständig zerstört. Der eine Flügel des Propellers sauste mit voller Gewalt durch die Hülle des Ballons, riß auf der einen Seite ein drei Meter langes Loch in die Hülle, flog dann durch den sechsten Ballonet, den er voll- ständig zerstörte, und riß auf der anderen Seite der Hülle ein Loch von einem Meter Länge. Die GaSsüllung des verletzten Ballonets ist vollständig entwichen. DaS Luftschiff verlor infolgedesien daS Gleichgewicht. Die vordere Gondel neigte sich verhältnismäßig stark. Der ganze Wafferballast mußte ausgeworfen werden. Die Insassen warfen einigen in der Nähe der Bahnstation tätigen Bahn- arbcitcrn Taue herunter. Die Arbeiter zogen dann das Luftschiff glatt herunter. Berlin, 30. August. Wie von authentischer Seite mitgeteilt wird, hat„Z. III" einen Bruch des zweiten vorderen Propellers erlitten. Ein Stück des Propellers durchschlug die Hülle. Infolgedessen strömte Gas aus, doch konnte man sich durch BallastauSgabe oben halten. ES wurde aber vorgezogen, die Fahrt nicht fortzusetzen. DaS Lustschiff ist auf einer Heide bei Bülzig niedergegangen. Die Reparatur wird dort zwei Tage in Anspruch nehmen, da Gas herbei- geholt und die Hülle geflickt werden muß. Partei- �Zngeiegenkeiten. Schöncbcrg. Heute Dienstag, den 31. d. M., abends 8'/z Uhr, findet in den Neuen Nathaussälen, Mcininger Straße 8, die Wahl- Vereinsversammlung statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag des ReichStagsabgcordnetcn Genossen Eichhorn über die Stellung- nähme der Sozialdemokratie zum Staat, zur Schule und zur Religion. 2. VereinSangelegenhcitcn: Antrag des Genossen Schüfer. 3. Ver- schiedcncs. Der Vorstand. Steglitz. Dienstag, den 31. August, abends ll'/z Uhr, Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins bei Schellhase. Ahornstr. löa. Tages- ordnunz: 1. Vortrag über„Unsere Taktik. 2. Berichterstattung von den Generalversammlungen des Kreises und von Groß- Berlin. 3. Bericht des BildungsauSschusscS. 4. Sonstige Angelegenheiten. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Heute Dienstag, den 31. August, abends 3 Uhr, findet in Wahre Udorfs Gesellschäftshaus, Backe st raße 22, eine Volksversammlung statt, in der Genosse Eduard Bern st ein über:„Religion, Christentum und Staats- kirche" sprechen wird. Die Vorstände der Kirchenbehörden und die Ortsgeistlichkeit sind brieflich eingeladen. Die Genossen und Ge« nossinnen werden ersucht, für zahlreichen Besuch der Versammlung eifrig zu agitieren. Schmargendorf. Heute abend 8'/» Uhr, findet im Wirtshaus Schmargendorf, Warnemünder Straße 6, eine Mitgliederversammlung des Wahlvercins statt. Trcptow-Baiimschulcnweg. Heute, Dienstag, den 31. August. pünktlich abends 8'/z Uhr. in der„Radrennbahn", Vereins- Versammlung mit nachstehender Tagesordnung: 1. Vortrag des Ge- Nossen W i ss e l l über:„Patriotismus und Jnter- Nationalität." 2. Bericht von der Kreisgeneralvcrsammlung. 3. Bericht von der Generalversammlung Groß-Berlin. 4. Vereins- angclegcnhciten. 5. Verschiedenes. Die Mitglieder von Baum- schülenweg sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Der Vorstand. Nieder-Schönhauscn-Nordeud. Heute, Dienstag, den 31. August. abends 8'/z Uhr, findet in Stephans„Lindengarteu", Lindenstr. 43, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1.„Der Raubzug auf die Taschen des Volkes". Referentin: Frau Ihrer. 2. Neuwahl dcS zweiten Bezirksleiters. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Parteiaenoffen werden ersucht, zu diefer Versammlung ihre Frauen mitzubringen. Die Bezirksleitung. Potsdam. Die Wahlvcreinsversammlung am Mittwoch fällt in- folge der am gleichen Tage abends 8 Uhr im„Viktoriagarten" stattfindenden öffentlichen Versammlung, in welcher Genosse Karl Liebknecht über die neuen Stenern referiert, aus. Agitiert für Massenbesuch I LerUner l�acdrickten. DaS Drciklassen-„Wahlrccht" in der Gemeinde. Während im vergangenen Jahre die Zahl der eingeschriebenen Wähler in der ersten Abteilung 1259 betrug, ist dieselbe in diesem Jahre auf 860 zurückgegangen. Diese 860 haben das Recht, 48 Stadtverordnete zu wählen, also ebensoviel w i e d ie 350 000 Wähler, die der dritte» Abteilung angehören. Die enorme Verminderung der Wähler in der ersten Abteilung ist darauf zurückzuführen, daß das Einkommen und die Stcuerleistiuig der sogenannten nicht physischen Personen unausgesetzt wächst. Diese nicht physischen Personen sind die Großbanken und Aktien- gesellschaftcn, deren Stcucrlcistung mit in die Drittelnng innerhalb de? ganzen Gcmciudegcbiets herangezogen wird. Die freisinnigen WahIrechtSvcrbcsscrcr o. In Fischbcck haben cS wiederholt lebhaft beklagt, daß durch die Driltelung in den Urwahlbczirlen, wie solche bei der LandtagSwahl erfolgt, Ungeheuerlichkeiten entständen, daß z. B. der Reichskanzler mit feinem Kutscher in einer Klasse wählt. Daß aber mit der Drittelnng der Steuer über den ganzen Gemeinde- bezirk eine Handvoll Leute dabei dasselbe Recht ausüben wie mehrere hunderttausende, empfinden die Braven nicht als eine Un- geheuerlichkcit, obwohl dabei offenbar die Rechtlosigkeit der Masse der Bevölkerung noch größer ist. Dasselbe tritt ein, wenn die Drittelüng in den LandtagSwahlkreiscn vorgenommen wird. Das Dreiklasscnwahlverfahrcn ist nicht zu verbessern, nicht gerechter zu gestalten, sondern muß eben ganz beseitigt werden. Ist nun in diesem Jahre die Zahl der ein- geschriebenen Wähler in der ersten Abteilung herabgegangen, so wird es im nächsten Jahre in noch viel stärkerem Maße erfolgen. Im nächsten Jahre kommen die 25 Proz. Steucrzuschlag in An- rechuung, die die nicht physischen Personen sanit und sonder? zahlen müffen. Es ist daher mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Zahl der Wähler der 1. Abteilung weit unter Fünfhundert sinkt. Für die Reichshauptstadt ein unwürdiger Zustand, für die„freisinnigen" Leuchten Fischbeck und Genossen ein Sicherheitsgefühl, daß ihnen die Macht nicht genommen werden kann. Die Zahl der Wähler in der dritten Abteilung ist fast gleich ge- blieben, obwohl durch die Erhöhung des sogenannten Durchschnitts- stcuerzahlers eine größere Zahl aus der zweiten Wählerklasie in die dritte gesunken ist. Die Ursache ist der Rückgang der Bevölkerung, die wirtschaftliche Krise und ein„wohlwollendes" Verfahren des Magistrats, der selb st solche aus der Wählerliste ent- fernt hat. die sonst ihre Steuern gezahlt haben, die aber wegen Arbeitslosigkeit um Stundung nachgesucht haben. Dieses Stundungs- verfahren kommt auch bei Hausbesitzern vor, die aus irgend einem Grunde ihre Grundsteuer usw. nicht bezahlen können. Es wird Auf- gäbe deS Ausschusses sein, dem jetzt die Proteste wegen Nicht- aufnähme in die Wählerliste überwiesen werden, festzustellen, ob auch solche aus der Wählerliste gestrichen wurden und— wie in früheren Jahren verfahren wurde—, ob die Wählerliste nach der Ver- anlagung oder nach der Steuerfestsetzung aufgestellt wurde._ Die Störche ziehen. Früher, als man es sonst gewohnt ist, scheint der heurige naßkalte Sommer seinem Ende zuzugehen. Nicht nur das gflbende Laub gibt davon Kunde. Auch die Zugvögel rüsten bereits zur Fahrt nach dem Süden. Eine besonders günstige Ge- legenhcit für diese Beobachtung gab der letzte Sonntag, an dem Zeppelin sein Luftschiff über dem Häusermeer der Reichshauptstadt manöveriercn ließ. Zwischen 1 und 2 Uhr mittags war es, als sich zweimal langgestreckte, große, dunkele Wolken in der Richtung nach Südosten über das nördliche Berlin fortbewegten. Beim näheren Zusehen, namentlich wenn dieses' durch ein Theaterglas oder Fern- rohr geschah, erwiesen sich diese Wolken als südwärts reisende Storchschwürme, die sich in beträchtlicher Höhe am Himmel fort- bewegten. Die beiden Schwärme, von denen der erste etwa 300, der zweite etwa 200 Tiere zählen mochte, folgten sich kurz aufein- ander. Mit ausgebreiteten Schwingen, angezogenen Füßen und lang vorgestreckten Hälsen zogen die Störche dahin. Wenn der Volksmund recht hat. so deutet dieses frühe Fortziehen Meister Adebars einen zeitigen und harten Winter an. Der erste wohlgclungcne Probeflug von Orville Wright hat gestern in aller Frühe auf dem Tempelhofer Felde stattgefunden. Von einer Ankündigung dieses Fluges war auf ausdrücklichen Wunsch Wrights abgesehen worden, weil es sich um die Erprobung eines neuen Apparats handelte. Infolgedessen wohnten nur wenige Personen dem Aufstieg bei. Wie berichtet wird» umflog Wright den östlichen Teil des Feldes in verschiedenen Runden, wobei er un» unterbrochen etwa 15 Minuten in Höhenlagen bis etwa 30 Meter in der Luft schwebte. Feuerwehr und Zeppclinenthufiast. Einen recht eigenartigen Ort hatte sich ein junger Mann aus Berlin dl. ausgewählt, um die Schleifenfahrt des„Zeppelin III" über Berlin möglichst genau beobachten zu können. Auf dem städtischen Begräbnisplatz an der Ecke der Adolf- und Gerichtstraße wird zurzeit vom Berliner Verein für Feuerbestattung eine große Urnenhalle erbaut. Ohne Wissen des Friedhofsaufsehers war nun jener junge Mann in dem Neubau der Urnenhalle emporgeklettcrt und hatte sich einen luftigen Platz in der eisernen Dachkonstruktion gesucht. Von hier aus erwartete er die Ankunft des Lüftschiffes. Allmählich wurde er im Brand der Mittagssonne schläfrig und legte sich auf den Eisenschienen um. Straßenpassantcn bemerkten den Vorgang und trugen Sorge um das Leben des Mannes, da dieser jeden Augenblick im Schlaftaumel herunterstürzen konnte. Man alarmierte die Feuerwehr, und zwar durch den Ruf„Menschenleben in Gefahr!" Da derartige Mcldun- gen sofort auch an den Verband für erste Hilfe weitergegeben werden, so rückten neben der Feuerwehr auch unverzüglich drei Krankenwagen nach dem städtischen Begräbnisplatz aus. Auch Branddirektor Reichel eilte dorthin. Als der 16. Löschzug aus der Pankstraße eintraf, lag der Mann noch im tiefsten Schlummer. Erst nachdem die Feuerwehrmänner Anstalten trafen, in die Höhe zu klettern, e.rwachte der Enthusiast. Da er gutwillig nicht herab- steigen wollte, mußte er angeseilt und zur Erde gebracht werden. Bcrkchrsziffern von den Zeppeliu-Tagen. Welch ungeheure Volks- massen am Sonnabend und Sonntag durch die Straßenbahnen. Omnibusse und die Hochbahn befördert wurden, ersieht man aus folgenden Zahlen: die Straßenbahnen haben am Sonnabend rund 1450 060, am Sonntag 1650 000 Personen befördert. Die Omnibusse haben am Sonnabend 450 000 Fahrgäste und am Sonn- tag 330 000 befördert. Die Hochbahn beförderte Sonnabend 160 000 und am Sonntag 150 000. Neue Straßenbahn und Straßenbahnlinien im Zentrum. Die Große Berliner Straßenbahn hat bekanntlich in der Roß- und Neuen Noßstraße Gleise verlegt. Für die Nenbanstrecke sind jetzt zwei wichtige neue Verbindungen in Aussicht genommen worden. Einmal wird der GcrichtSring 5 über die Nenbanstrecke geschlossen. Die Linie 5 ging bisher von Pankow über Wilmersdorf und Charlottenburg bis Gesundbrunnen. Die Linie soll über die Vrunnenstraße, den Hackeschen Markt, den Molkemuarkt, den Köllnischen Fischmarkt, die Roßstraße, die Dresdener Straße, über daS Kottbnser Tor, den Herinaunplatz. die Hascnhcide zu einem Ringe geschlossen lverden. Daun wird eine durchgehende Ver- binduug zwischen Nciuickendorf und dem Görlitzer Bahnhof her- gestellt. Die Linie 32 geht jetzt von Reinickendorf über dcn Wcdding- Platz und die Weidcndammer Brücke bis zur Cbarlottcnstraße an der Ecke der Straße Unter den Linden. Diese Linie wird über den Opernplatz, den Schloßplatz, die Breite Straße, die Noßstraße, die Dresdener Straße, de» Oranienplatz bis zum Görlitzer Bahnhof verlängert. Echt katholische Nächstenliebe. Hierzu wird unS geschrieben: Ein Berliner Kaufmann, in dessen Familie durch Krankheit und Stellungslosigkeit die äußerste Not herrschte, wendete sich um Hilfe an den katholischen Charitasvcrband. Ziemlich schnell traf ein Schreiben ein, daß zwar nicht durch die Tat, wohl aber mit gutem Rat, der bekanntlich sehr billig ist, geholfen werden solle. Zu diesem Zweck werde sich demnächst in der Wohnung ein beauftragtes Mit- glied des Sankt Vincenzvereins einfinden. Der Beauftragte, ein Herr, kam tatsächlich sehr bald, lieber die Not brauchte er sich nicht lange in Ausfragereicn einzulassen. Die leuchtete sichtbar aus allen Ecken und Winkeln. Waren doch nicht mal soviclc Betten toie Familienmitglieder vorhanden, sodaß der Vater mit zwei Knaben auf dem Fußboden schlafen muß. Desto eifriger erkundigte sich der fromme Vincenzmann nach dem religiösen Befinden der Familie des Bittstellers, wobei er gleich vorausschickte, daß derselbe als ein lauer Kalholik" belannl\el Wahrheitsgemäß erklärte nun der Notleidende, daß er in einer Mischehe lebe, die den„Segen" der Kirche nicht erhalten habe. Die beiden katholisch getauften Kinder seien in einer evangelischen Gemeindeschule, dagegen sei das sieben Monate alte Jüngstgeborene überhaupt noch nicht getauft. Entsetzt sprang der Vertreter christlicher Nächstenliebe vom Stuhl auf und meinte, daß unter solchen Umständen an eine Hilfe von katholischer Seite wohl kaum zu denken sei.„Aber ich will Ihnen einen Vor- schlag machen," schloß er seine frömmigkeitstriefende Moralpredigt, „lassen Sie sich nachträglich kirchlich trauen, schulen Sie Ihre beiden Knaben ausjser evangelischen nach der katholischen Schule um und veranlassen Sie, daß das jüngste Kind sofort getauft wird. Für diesen Fall glaube ich Ihnen versprechen zu können, daß Sie, wenn uns die Bcweispapiere vorliegen, wöchentlich eine Brotmarke im Werte von 75 Pfennig erhalte n." Leider vergaß der unduldsame Frömmling den Zusatz:„Hoffentlich sind Sie mit Ihrer Familie bis dahin nicht verhungert!" Tiefgerührt dankte der Bittsteller für den guten billigen Rat und für diesen schönen Beweis echk katholischer Nächstenliebe. Die betreffende Familie hat nunmehr ihren Austritt aus der katholischen Kirchengemein- schaft veranlaßt. In den Karpftenteich gcstürzif und ertränkt hat sich am Sonn- tag vor den Augen zahlreicher Spaziergänger die 19 Jahre alte Verkäuferin Erna Sch. aus der Zossener Straße. Das Motiv der Tat soll verschmähte Liebe sein. Die 147. Mädchcn-Gemeindeschule(Grenzstraße), die in unserm Artikel„Rur eine Backpfeife"(Nr. 199 vom 27. August) erwähnt wurde, wird nicht mehr vom Rektor Mielentz geleitet. Zu dieser Annahme waren wir gelangt, weil auf einer uns vorge- legten Osterzensur Herr Mielentz als Rektor unterzeichnet war. Herr Mielentz teilt uns mit, daß er inzwischen an die 223. Ge- meindcschule(Putbuser Straße) versetzt worden ist. Als jetziger Rektor der 147. Schule wird in dem neuesten„Rotbuch" der Stadt ein Herr Wulk genannt. Das Kafino-Theater hat am Sonnabend seine Spielzeit eröffnet mit dem für seine Zwecke besonders hergerichteten Lustspiel:„Onkel Cohn". Der alte Onkel, der in der Familie seines Schwagers den Helfer in der Not und den Berater in allen Situationen spielte, wurde vom Direktor Berg in naturgetreuer Weise dargestellt. Unter- stützt wurde er wirksam durch die Damen Gertrud Singer, Enrilie Butzke, die Herren Zimmermann, Schäfer, Schmuck und Zeunert. Auch das bunte Programm kann sich sehen lassen, es ent- hält mehrere recht gute Nummern, so das Auftreten einer indischen Barfußtänzerin. Gewiß etwas Neues für die Besucher deS Musen- tempels in der Lothringer Straße. Wegen der Explosion einer Spiritusmaschine wurde die Feuer- webr nach der Ziuzendorfstraße 18 alarmiert. Die Gefahr konnte balo beseitigt werden. Zwei Frauen, die Brandwunden im Gesicht und den Händen erlitten hatten, mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Durch die Explosion einer Petroleumlampe kam in der Ackerstr. 83/84 Feuer aus, das bald gelöscht werden konnte. Gestern früh um 4 Uhr brannten Zossener Str. 2 Spiegel und Regale im Barbierladen. Auf einem Neubau in der Köpenicker Str. 113 brannte der Fußboden, Lumpen u. a. Wegen einer Gasausströmung er- folgte ein Alarm nach der Zimmerstraße 84. Die Jeuerwehr be- scitigte die Gefahr und sperrte die Leitung ab. Am Waterloo- ufer 16 brannten Kartons, Wäsche u. a. und in der Lortzingstr. 38 Fett u. a. Ein Küchenbrand rief die Feuerwehr nach der Kolonie- straße 32. Gardinen brannten Schliemannstraße 26, ein Schorn- siein in der Brandenburgstraße 23. Der 16. Zug hatte längere Zeit in der Badstraße 21 zu tun. wo in der Eisenwarenhandlung von Otto Teucrkauf(Schütze Nachfolger) Feuer ausgebrochen war. Regale, Schaldeckcn, Treppen, Pakete mit Nägeln usw. standen dort in Flammen, so daß kräftig Wasser gegeben werden mußte. In der Forster Straße 28 stand ein Holzschuppen auf dem Hofe in Flammen. Gardinen, Kleider, Spinden, Preßkohlen, Körbe mit Wäsche brannten Eisenbahnstrahe 35, Wrangclstraße 53, Memeler Straße 29, Ncustädtische Kirchstraße 13 u. a. Stellen. Radrennen im Botanischen Garten. Die Hauptnummer des Programms am Sonntag, der„ G o l d p o k a l", ein 29 und 30 Kilo- nreter-Nennen hinter Tandemführung, sah die Franzosen Berthet und Bouhours, den Holländer Stol und den Berliner Theile am Start. Im ersten Lanf kam erst nach dem 19. Kilometer etwas Bewegung in das Feld, indem alle vier Fahrer sabwechselnd Vorstöße machten, ohne jedoch Erfolg zu erzielen. In der 47. Runde kommt Berthet zu Fall, steigt aber wieder aufs Rad und arbeitet sich, mit zwei Runden Verlust an das Feld heran; xine prächtige Leistung. Kurz danach, in der 61. Runde, stürzt auch Bouhours und reißt seinen Schritt- macher mit. Er scheidet aus dem Nennen und nimmt auch ain zweiten Lauf nicht teil. Zwei Runden vor Schluß beginnt der Endkampf, der sehr aufregend ist und den Theile mit Handbreite vor Stol zu seinen Gunsten ent- scheidet.— Der zweite Lauf(wegen der Dunkelheit bei 29 Kilometer abgebrochen) hat fast den gleichen Verlauf. Berthet und Stol machen gelegentliche AuSreißvermche, aber Theile bleibt ihnen auf den Fersen und hält feine Kräfte für den End- kämpf zusammen; bei der Glocke sichert er sich die Spitze und be- hauptet dieselbe vor Stol, der großartig auftiolt und de» abermals nur Handbreite vom Sieger trennen. Berthet'/q Runde zurück.— Das Nennen verlief sehr spannend und fand bei dem zahlreich er- schienenen Publikum rege Anteilnahme. Die Fliegerrennen zeitigten ebenfalls schöne Kämpfe. Das Ergebnis ist: H a u p t'f a h r e n. 1. B e t t i n g e r. 2. Schmittchen. 3. Wegener, 4. Techmer. Handicap. 1. Süßmilch(39 Meter Vorgabe), 2. Kurz- meier(29), 3. Rudel(49). Tandemprä mienfahren. 1. Techmer-Wegener, 2. Rudel-Tetzlaff. 3. Schmittchen-Vierck. Goldpokal<1. Lauf, 29 Kilometer): 1. Theile; 2. Stol, dichtauf; 3. Berthet, 2 Runden; 4. Bouhours. 2. Lauf: 1. Theile; 2. Stol. Reifenstärke, 3. Berthet, Vs Runde. Radrennen zu Treptow. Die Treptower Bahn war die erste der Berliner Rennbahnen, auf der nach Aufhebung des ministeriellen Verbotes der Motorführung wieder Rennen hinter Motorschritt- machern stattfanden; allerdings war die sogenannte Schutzrolle 49 Zentimeter vom Hinterrade des MotorZ entfernt, um die Ge- schwindigkeit herabzusetzen und dadurch die Rennen gefahrloser zu gestalten. In zwei Dauerrennen, die von dem Berliner Herm. Prztirembel. I. Miller« Zürich, B u b n i ck- Leipzig und R a s ch k e- Berlin bestritten wurden, erwies sich Przyrembel seinen Gegnern weit überlegen, denn er endete jedesmal mit großem Vor- sprunge. 25 Kilometer-Rennen: 1. Przyrembel in 23 Min. 52�/. Sek.; 2. Miller, 1659 Meter; 3. Bubnick, 3999 Meter; 4. Raschle, 4399Metcr zurück.— 59 Ki l o m eter-Ren n e n: 1. Przyrembel in 49 Minuten 52�/- Sekunden; 2. Miller, 2199 Meter; 3. Bubnick, 6945 Meter; 4. Raschle, 8349 Meter zurück. DaS Hauptfahren über 1299 Meter gewann Fr. H o f f m a n n vor Tschirpe, W. TheiS und Birkholz. Auf einen Protest von Tschirpe gegen Hoffmann wegen Behinderung wurde dieser des ersten Preises verlustig erklärt und auf den zweiten Platz verwiesen.— Das Prä mienfahren über 5999 Meter gewann H o f f ni a n n sicher vor W. Theis, Gehrke und Gülze. Eine am Sonntag veranstaltete Fernfahrt Berlin-KottbuS- Berlin über 399 Kilometer wurde von 16 Fahrern bestritten. Erster war E. R o t t n i ck vor Glaser. C. Wolf, Hamann und Sterba, die bis 7 Uhr abends eingetroffen waren. Ganzevoort war bei Golßen zu Fall gekommen und hatte dabei einen Bruch es Schlüsselbeins erlitten. Orgelkonzert. In der St. Marienkirche veranstaltet der kgl. Musikdirektor Beruh. Jrrgang am Mittwoch, abends 7(4 Uhr. das nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frau Charlotte Kimpel(Sopran), Herrn Carl Rache(Baß) und Herrn Armin Liebermann(Cello). U. a. Psalm 94(große Orgelsonate) von Z. Rellbke. Der Eintritt ijt fisil HrogWim M Text 19 sgf. Vorort- JVaeJmebtem Charlotteubiirg. Her mit einem Gemeindefriedhof. Als unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung am 39. Juni darauf hinwiesen, daß in letzter Zeit in Charlotienburg Leichen länger als eine Woche un- beerdigt blieben, ein Zustand, der auf die Dauer unhaltbar sei, da suchte man seitens des Magistrats unter teilweiser Au- erkeuuung und Verurteilung der gerügten Mißstände doch die Sache zu beschwichtigen. So wurde darauf hingewiesen, daß jetzt in Stahnsdorf auch den Dissidenten eine Stelle auf dem Kirchhof reserviert sei. Und auch in anderer Beziehung seien von der Kirche bestimmte Zusicherungen gemacht, nach denen man wohl von einer eigentlichen Friedhofsnot nicht mehr sprechen könne. Wohl sei der Friedhof etwas weit entfernt, aber die Erwerbung eines Gemeinde- friedhofs, der näher gelegen wäre, hätten sich unllbersteigbare Hindernisse in den Weg gestellt.— Dann machte im Verlauf der Diskussion ein liberaler Redner der Sozialdemokratie den Vorwurf, daß sie durch ihre Enthaltung bei den Kirchenwahlen mit schuld an diesen Zu- stünden sei. Kurz darauf wurde durch einen Schlußantrag die Debatte abgebrochen, so daß es den Fragestellern nicht möglich war, auf die vorgebrachten Einwände zur Genüge eingehen zu können. Die nächste, am 8. September stattfindende Stadtverordnetenver- sammlung wird sich daher mit folgendem sozialdemokratischen Antrag zu beschäftigen haben:„Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, sich mit aller Energie um die Erwerbung eines Grundstücks zur Anlage eines Gemeindefriedhofs ohne Verzug zu bemühen." Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Automobil und einem Break lebensgefährlich verletzt wurde vorgestern die 17jährigc Tochter Margarete des in der Schulstraße 9 wohnenden Kaufmanns Tulay. Fräulein T. hatte mit ihren Angehörigen nachmittags einen Ausflug nach dem Grunewald unternommen. Als gegen �9 Uhr abends die Gesellschaft in einem Break, auf dem Rückwege begriffen, die Grüne- waldchaussee passierte, wurde das Fuhrwerk plötzlich von hinten von einem Privatautomobil mit großer Gewalt angefahren. Infolge des Zusammenpralls wurde Margarete T. aus dem Wagen ge- chleudert und schlug mit solcher Wucht auf den Erdboden auf, daß ie besinnungslos und blutüberströmt liegen blieb. Auf der Unfall- station in der Berlinerstratze, wohin die Verunglückte gebracht wurde. stellte der Arzt einen schweren Schädelbruch fest und ordnete die Ueberführung der Schwerverletzten nach dem Krankenhause Westend an. Rixdorf. Ein schwerer Unfall ereignete sich am Sonntag auf der Schützen- wiese. Es wird hierüber gemeldet: Unter den zahlreichen Schau- zelten befindet sich dort ein großes eleklrisch betriebenes Karussel des Schaustellers Paul Püschel aus Strehlen, in dessen oberem Stock Luftschiffe schwebend angebracht sind, während im unteren Teile sich Automobile befinden. Das Obergestell mit den Sitzplätzen darauf ist an jedem Fahrzeug mit nur zwei Schrauben an der Außenseite des eisernen Untergestells festgeschraubt. Infolge dieser mangelhaften Befestigung und da, wie festgestellt, der Elektromonteur des Karussels irrtümlich den Hebel auf zu hohen Kontakt gestellt hatte, so daß das Karussel zu schnell fuhr, brachen am späten Nachmittag. als Luftschiffe und Automobile des Karussels gerade stark besetzt waren, die Schraubenköpfe. Der obere Stock mit den Lustschiffen trennte sich infolgedessen vom Untergestell und wurde mit donnerähnlichem Getöse zwischen die auf den Laufbrettern der- botswidrig stehenden Personen geschleudert. Es entstand eine furcht« bare Panik unter den Insassen des Karussels und unter den Zu- schauern, und laute SchmerzenS- und Wehrufe ertönten aus der am Boden sich wälzenden Menschenmasse. Sofort griffen die Um- stehenden zu und zogen die unter dem Karussel Liegenden hervor, von denen drei Berletzungen davongetragen haben. Schwere innere Verletzungen hatte der zwölfjährige Schüler Rudolf Pfennigschmidt aus der Prinz- Handjery- Straße 37 erlitten. Mit leichteren Ver- letzungen waren der Gürtler Rudolf Wesenfeld, Delbrückstr. 27, und die unverehelichte Anna Frick aus der Knesebeckstraße 33 in Rixdorf davongekommen. Tchöneberg. Die Fciicrmcldung in Schöncberg erfährt demnächst eine Aende- rung durch Ausgabe der Schlüssel für die in den Feuermeldern an- gebrachten Telephonanschlüsse an die Hauptwache. Man hat sich erst jetzt zu diesem Versuche entschlossen, obwohl die Einrichtung selbst bereits längere Zeit vorhanden war. Um Unfug und Irrtümer zu vermeiden, gedenkt man zunächst 299 Schlüssel an Schutzleute, Aerzte, Apotheker, Briefträger und Leute, die infolge ihres Berufes sich viel im Straßenverkehr bewegen, zu verteilen. Man glaubt, daß sich diese Einrichtung bei größeren Unglücksfällen besonders da bewähren wird, wo die Krankentransportwagen wie in Schöneberg unier eigener Regie stehen und in der Hauptfeuerwache bereitgehalten werden, wie sich denn der Zusammenhang des Reitlings- und Fenerlöschwesens vielfach bewährt. Auch die Motor- räder, auf denen die Fahrer den Löschzügen auf die Brandstelle voranseilen, sind inzwischen in Dienst gestellt und zwar erfordert der„Antrieb, wie die Versuche ge- zeigt haben, nur wenige Sekunden. Besonders interessant ist, daß die RichtmigSzeiger bei nächtlicher Fahrt in Schöneberg von innen her elektrisch beleuchtet werden und so einen nachahmens- werten, weithin sichtbaren Ersatz für die qualnienden Fackeln bieten. Auch an der Spitze der mechanischen Leitern find jetzt elektrische Glühlampen angebracht, die durch Beleuchtung der Fassade, an der die Leitern hinaufgeschoben werden, die Arbeit der Feuerwehrmänner erleichtern. Die erste Gruppe der in das SchöneSerger Erholungsheim in Boldixum auf Föhr entsandten Kinder ist nach sechswöchentlichem Aufenthalt in der Nordseeluft zurückgekehrt. Bon den 85 Pfleglingen waren 69 auf den städtischen Etat der Ferienkolonien, 13 auf den der Fürsorgestelle für Tuberkulose, 2 aus den der Armenverwaltung übernommen, für den Rest wurde Zahlung geleistet. Der zweite Transport umfaßt 79 Kinder, während für 15 von dem Anstaltsarzt eine zweite Kur in Aussicht genommen ist. Die Zunahme des Körpergewichts der Kinder betrug zwischen'/g und 11 Pfund, im Durchschnitt 6 Pfund. Auch konnten die behandelnden Aerzte nach der Rückkehr bei den Kindern überall eine beträchtliche Hebung des all- gemeinen Körperbefindens feststellen. In einem besonders inter- essanten Fall fand eine vollständige Ausheilung tuberkulöser Fisteln statt. Größere Drüsenschwellungen erfuhren eine erhebliche Rück- bildung, die für die Wirkung der klimatischen Verhälinisse gerade am Wattenmeer günstiges Zeugnis ablegt, um so mehr als diese Resultate durch einen immerhin kurz bemessenen Kuraufenthalt erzielt wurden. Hoffentlich wird im nächsten Jahre einer größeren Anzahl Kindern die Möglichkeit der Erholung gegeben. Mariendorf-Südende. Die letzte Gemeindevertretersitzung befaßte sich mit dem geplanten Umbau des RangierbahnhofeS Tempelhof auf Mariendorser Gebiet. Die Vertretung erhob gegen dieses Projekt einstimmig Protest mit der Begründmig, daß durch den sowohl am Tage wie des Nachts durch das Rangieren verursachten Lärm die Ruhe der Anwohner gestört und der Villenkolonie Südende ihr ruhiger Charakter ge- iwmmen würde. Zur Kenntnis gegeben wu/de sodann ein Schreiben des Polizeipräsidenien von Berlin beireffend Durchlegung der Straßen- bahnlinie IV, die bis zur Eichhornstraße weitergeführt werden sollte. Der Polizeipräsident versagte die Genehmigung aus Verkehrsgründen, da die zu benutzenden Straßen schon bereits überlastet seien und der Linie ein Verkehrswert nicht beizumessen sei.— BaudiSpenssachen, Straßenangelegenheilen und andere Gesuche wurden teils zustimmend, teils ablehnend verabschiedet oder vertagt.— 25 M. wurden dem Lehrer Müller für einen Kursus im HaiidsertigkeitSiinterncht bewilligt. Genosse Weber richtete hierbei an den Vorsteher die Frage, wie es mit der doppelten Einschulung stehe. Der Vorsteher be- merkte, daß von der Regierung noch kein Bescheid er- gangen sei, er werde aber bei der Regierung anfragen, Iviewekt die Verhandlungen gediehe» seien. Von unserem Vertreter wurde weiter gefragt, wie es mit der Gehalts- regulierung der Lehrer stehe. Der Vorsteher glaubte die Sache mit der Bemerkung abtun zu müssen, daß diese Angelegenheit nicht auf der Tagesordnung stände, mußte sich aber belehren lassen, daß dies zum Punkte Schulsachen gehöre und es jedenfalls wünschenswert sei, die einzelnen Punkte der Tagesordnung näher zu präzisieren. Ge- nosse Reichardt unterstützte den Genossen Weber in wirksamer Weise. Zur Sache selbst gab der Vorsteher dann be- kannt, die Lehrer hätten einen Antrag auf anderweitige Regelung ihrer Gehälter eingereicht, doch müsse man erst die Ver- Handlungen mit den Nachbargemeinden abwarten, mit denen in dieser Frage einheitlich vorgegangen werden müsse. Die Angelegen- heit wurde der Schuldeputalion überwiesen. � Mit einer Einnahme von 886 871,33 M., einer Ausgabe von 774 68ö,35 M. und einem Bestand von 112 186,53 M. schließt die JahreSrechnung pro 1993. Ein sonderbares Denunziantenstückchen. In der Sonntagsnummer der„Mariendorser Zeitung' leistet sich der Herr Redakteur Wegner folgenden Erguß: Die Lehrer der Mariendorser Gemeindeschulen haben sich, wie in der letzlen Gemeiiideveriretersitzung festgestellt wurde, an die beiden sozialdemokratischen Gemcindevertreter Weber und Reichardt mit einem Schriftstück gewandt, sie betreffs Regelung ihrer Ge- hälter nach Kräften zu unterstützen. Dieser Schritt dürfte für die beteiligren Lehrer ein bedenkliches Nachspiel haben; da unzweifelhaft eine Agitation gegen die Gemeindeverwaltung vorliegt, die um so schwerer ins Gewicht fällt, als die betreffenden Lehrer den sozialdemokratischen Vertretern, aber nicht den Vertretern der bürgerlichen Partei ihren Wunsch unterbreitet haben. Die Schulbehörde wird nicht umhin können, von den Herren Lehrem, die das Schriftstück unterzeichnet haben, eine ein- gehende Erklärung einzufordern. Es genügt, diese Zeilen niedriger zu hängen. Nur eine Frage: Hat Herr Wegner während der Sitzung als Berichterstatter ge- schlafen?! Denn sonst müßte er gehört haben, daß die bürgerlichen Vertreter ebenfalls erklärten, den betreffenden Antrag der Lehrer erhalten zu haben, ebenso wie auch unsere Vertreter. Verna«. Infolge eines unheilbaren Leidens stürzte sich am Montag früh gegen 3 Uhr die 52jährige unverheiratete Johanna Rödler Hierselbst aus dem Flurfenster des zweiten Stockwerkes des Hauses König- straße 257. Mit schweren äußeren und inneren Verletzungen wurde dieselbe nach dem Krankenhause übergeführt, wo bald darauf der Tod die Unglückliche von ihren Leiden erlöste. Potsdam. Zum Bornimer Frauenmord, dem die 79jäbrige frühere Opern- sängerin Josephine Rudolphi in Bornim zum Ofer fiel, sind jetzt neue Einzelheilen bekannt gewnrden. Es steht fest, daß der des Mordes verdächtige Schriftsetzer Max Hackardt in der Zeit nach der Begehung des Raubmordes und der Flucht noch einen Diebstahl in Potsdam verübt hat, bei dem er etwa 59 M. erbeutete. Dieses Geld ermöglichte die Flucht und eine Irreführung der Behörden. Er bestieg in Wildpark einen Zug nach Magdeburg. Auf der Fahrt dorthin wurde er infolge Hantierung mit einem Revolver sistiert.. Bei dem Verhör auf dem Magdeburger Bahnhos gab er seinen richtigen Namen und Wohnort an, und nur dem Umstände, daß dort die Kunde von dem Bornimer Raubmorde noch nicht bekannt war, verdankt er seine Freilassung. Er fuhr dann mit einem Billett 4. Klasse nach München. Bis jetzt konnte er noch nicht ergriffen werden._ Gerichts-Zeitung» Flugblatt-Justiz. Neichsiagsabgeordneter Genosse Kaden in Dresden erhielt als Firmenträger der Druckerei der„Dresdener Volkszeitung" wegen eines vor 1(4 Jahren gedruckten Flugblattes gegen die Friedrich- August-Mühle ein Strafmandat von 5 Tagen Haft wegen Verrufs- erklärung. Auf beantragte gerichtliche Entscheidung hin wurde Genosse Kaden freigesprochen. Wegen eines anderen Flugblattes war der Bäckergeselle Fichte am 21. November v. I. zu 159 M. Strafe verurteilt worden, weil er in einem Flugblatte den Bäckermeistern schofle Handlungsweise und Bruch des Ehrenwortes vorgeworfen hatte. Auf eingelegte Be- rufung bestätigte das Landgericht das Urteil. Im Urteil wurde ausgesprochen, daß eigentlich eine Gesängnisstrafe am Platze ge. Wesen wäre._ Zur Warnung der Hausfrauen. Wegen fahrlässiger Brandstiftung war die Frau Anna HSfchcn angeklagt.— Trotz aller Warnungen und Hinweise auf die ganz enorme Gefährlichkeit der Anwendung von Petroleum oder Spiritus beim Feueranmachen finden sich doch noch immer wieder Frauen, welche diese gefährliche Sitte aus Bequemlichkeit anwenden und dabei zu schaden kommen. Die Angeklagte hatte ebenfalls, als ihr des Mittags das Feuer im Küchenherd ausgegangen war, mit einer unglaublichen Fahrlässigkeit aus einer vollen SpirituSflasche Spiritus auf die nur scheinbar erloschenen Kohlen gegossen. Die Folge war eine Explosion der Flasche, durch tqelche der brennende Spiritus überall umhergeschleudert wurde. Die Angeklagte selbst stürzte lichterloh brennend und einer Feuersäule gleich, in das Nebenzimmer, wo sich glücklicherweise ihr Schwager befand, der die Flammen mit Hilfe von Decken und Tüchern erstickte. Die Ange- klagte hatte am ganzen Körper äußerst schmerzhafte und gefährliche Brandwunden erlitten, durch welche sie längere Zeit in Lebens- gefahr schwebte. Außer diesem körperlichen Schaden stellte sich noch eine zweite unangenehme Folge ihrer Fahrlässigkeit ein. Durch den brennenden Spiritus war ein Teil des Fußbodens in der Küche am. gebrannt. Die Staatsanwaltschaft erhob deshalb Anklage wegen fahrlässiger Brandstiftung.— Vor der Strafkammer beantragte der Staatsanwalt eine ZLoche Gefängnis, da in nachdrücklichster Weise gegen eine derartige hohe Fahrlässigkeit vorgegangen werden müsse, vor welcher zur Genüge schon öffentlich gewarnt worden ist. Das Gericht ließ jedoch lediglich mit Rücksicht darauf, daß die An. geklagte sich selbst durch ihre Handlungsweise schon genug bestraft hat, Milde walten und erkannte nur auf 59 M. Geldstrafe, Vermischtes. Grofte Ueberfchwemmungea haben Nord-Texas heimgesucht. Wie eine Meldung auS Lared» (Texas) besagt, sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Auch ist viel Eigentum vernichtet worden. Bis Sonntag mittag waren in Montereh vierhundert Leichen geborgen. Eine Meldung aus New Dort hierüber besagt: Di« Heber» schwemmung des Santa CatharinoflusseS hat im Gebiete von Montereh allenthalben große Verwüstungen angerichtet. Am Sonn- abend morgen stürzten Plötzliche Wassennengen im Flußbett zu Tal. und rissen die Häuser am Cüdufer mit allem, was sich darin befand, mit sich fort. Vom Nordufer schauten die Menschen zu und waren nicht imstande, Hilfe zu bringen. Tausende von Mensche» verlöre« Hab und Gut. Die Zahl der Ertrunkenen erreicht 899. Die Zahl der Obdachlosen wird auf 15999 geschätzt. Der Sachschaden wird auf zwanzig Millionen Dollars geschätzt. Die Stadtbehörden von Montereh sind vergebens bemüht, für die Not« leidenden Nahrung und Kleidung zu beschaffen. Heute beginnt das Wasser sich zu verlaufen, die Gefahr ist vorüber. Bis Sonntag abend waren fünfhundert Leichen geborgen. New-Dort, 30. August. Nach weiteren Meldungen auS Mon- terey ist das plö�liche Steigen des Flusses Santa Catharina durch unaufhörliche, wolkcnbruchartige Regengüsse am Freitag und Sonn- abend enstanden. Es sind 17>/z Zoll Regen gefallen. Am Sonnabend- morgen wurden die Bewohner am Südufer durch das rasch steigende Wasser von Stockwerk zu Stockwerk bis auf die Dächer der hohen Häuser getrieben. Viele von diesen stürzten plötzlich ein und rissen die unglücklichen Menschen in die Fluten. Ein Schulgebäude begrub auf diese Weise neunzig Frauen und Slinder unter seinen Trümmern. Die Stadt ist zurzeit ohne Trink« Wasser und Beleuchtung, ohne Straßen- und Eisenbahnen. Nach amtlicher Schätzung dürften Wochen vergehen, bis der Bahnverkehr von außerhalb wiederhergestellt ist. Bleriots Flugapparat verbrannt. AuS Betheny wird vom Sonntag gemeldet: Blöriot, der heute vormittag einen nicht für die Wettfahrten in Betracht kommenden Versuch unternahm, hatte gegen lOVg Uhr einen Unfall und wurde in einem Automobil vom Platz geschafft. Seine Verletzungen sind aber, wie sich später herausstellte, nur leichter Natur. Der Flugapparat Blöriots ist bei dem Unfall gänzlich der- brannt._ Ein Automobilunfall. Regensburg, 30. August. Gestern abend zwischen 6 und 6 Uhr stieß zwischen Geisling und Psalter das Automobil des Justizrats Hauser aus Regensburg mit einem Post- automobil zusammen. Justizrat Hauser und ein Bauführer Kolb wurden schwer verletzt, ein weiterer Jnsasie und der Chauffeur er- litten leichtere Verletzungen. Justizrat Hauser ist seinen Verletzungen erlegen._ Dampferzusammenstoß. Wie auS Stockholm gemeldet wird, stieß vorgestern abend der Dampfer„Uppland" bei Stora Essingen mit einem Motorboot mit 11 Insassen zusammen. DaS Motorboot, das keine Lichter führte, wurde in zwei Teile geschnuten und sank sofort. Sechs Personen konnten gerettet werden. Die Umgekommenen sind jugendliche Arbeiter._ Uebcrschwemmung eines Bergwerks. Nach einer Meldung aus Sosnowice drang am Sonntagmorgen in dem in der Nähe des Dorfes Dombrowo gelegenen Bergwerke Jan während der Arbeit Wasser aus einem alten verlassenen Schacht ein und überschwemmte das Bergwerk. Im Augenblick der Katastrophe befanden sich 23 Berg- arbeiter in der Grube. Man hegt die Befürchtung, daß sämtliche Arbeiter umgekommen sind. Ein amerikanischer Dampfer gesunken. Der Dampfer»Ohio', der von Seattle nach Nano in Alaska bestimmt war, ist, wie ein Telegramm aus New Jork meldet, in der Nähe von Ketickan ge- funken. Sechs Personen sind ertrunken, 43 Personen werden ver- mißt. Der Dampfer hatte 123 Passagiere an Bord. Die Besatzung besteht aus 30 Mann. Die Dampfer„Humboldt' und„Kupert City' retteten viele Passagiere. Freie Jugendorganisation Nieder- Schiineweide.(Südöstliches Vorortviertel.) Mittwoch, den 1. September, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Rabe in Ober-Schöncweide, Wilhelmmenhojstr. 42: Diskutierabend. Thema:„Bildung und Erziehung." Das Erscheinen der Kolleginnen und Kollegen ist unbedingt notwendig. Kaufmännische Kranken- und Sterbckasie von 1883.(E. H. 71.) 8. 42, Wasscrtorstr. 26 HI. Dienstag, den 3l. d. M., abends ä Uhr, im Restaurant A. Landes, Stralauer Str. 36/37: Sitzung. Cmgegangene vruckfckrlften. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 24 des 13. Jahr- gangs zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Der Generalstreik in Schweden. Preußische Rückständigkeit in der Gewerbeaufsicht. Von gh.— Der Tiroler Ausstand im Jahre 1809. III. Von Dr. Wilhelm Hausenstein. — Die Hinterbliebenenversicherung. Vortrag von Ed. Gräs aus den: Kranken- kassenlongrejz in Berlin.(Fortsetzung.)— Ausbeutung und Gefahren in der chemischen Industrie. Von lr. soll.— Warum sragcn die Mütter nicht? Von G.— Der schweizerische Hcimarbeiterschutzkongrcß. Von v. Z.— Aus der Bewegung: Die politische Frauenorganisation im Jahre 1903.— Politische Rundschau. Von II. L.— Geiverlschajtliche Rundschau.— Genossen- schastliche Rundschau. Von H. II.— Notizcntcil: Dienstbotensrage.— Frauenarbeit aus dem Gebiete der Industrie, des Handels- und Verkehrs- Wesens.— Frauenstimmrecht.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. — Die Frau in öffentlichen Acmter». Für unsere Mütter und Haussrauen: Moderne Ode. Von Otto Erich Hartlcben.— Die Stellung des Menschen in der Lebcwelt. Von Hannah Lewin- Dorsch.— Gottsried Keller über den Atheismus.— Für die Hausfrau.— Feuilleton: Die Heimat. Von A. R. Für unsere Kinder: Morgen. Von E. Preczang.(Gedicht.)— Erntesest in der Laubenkolonie. Von W. Martin.— Der Teufel in der Not. Von Detlev von Liliencron.(Gedicht.)— Eine Flostsahrt aus dem Main: VL'Am Spessart vorüber. Von Heinrich Wandt.— Die Heide blüht I Von Brand.— Das Lumpengesindel. Märchen von den Brüdern Grimm.— Tanzlicdchen. Von Friedrich Güll.(Gedicht.) Die.Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der AbonncmentspreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld SS Ps., unter Kreuzband 8S Ps. Jahresabonnement 2.60 M. Vom„Wahren Jacob' ist soeben die 18. Nummer deS 26. Jahr- ganges erschienen. AuS ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder.Das Gelage des Königs Belsazar",„Falstaff und seine Steifleinenen' sowie die weiteren Illustrationen„Geeignete Vorsichtsmaßregeln",.Der neue Kurs",.Das Blutmeer von Barcelona",.Der Ehrenhandel",.Zum Ausgleich",„Schwierige Frage" und„Nikolaus aus Reisen". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Die Breslauer Zentrumsparadc", „Alfons Klagegesang",„Der Pastor Breithaupt",„Deutsche Elegie",»Das Autodafs von Jena",„Am Strom" von Paul Enderling und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons .v. Arnim-Schnodderhcim an v. Bcloio Pleitenburg",.Kaiser und Kanzler" und.Ferien", zwei Szenen von Ernst Preczang. Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Ps. WitterungSüberstcht vom 30. August ISVS, morgens S Uhr. Stationen II Ii «•=4 II Swmemde. j 7 56 SO tamburg>755 SSW erlm 1 756 SO Franki.a.M. 757 SW München 1 759$28 Wien-758 L-till Wetter 3 heiter 2 wolkig 2 heiter 2 Dunst 3 heiter woltenl ax e* gl Wetterprognose für Dienstag, den 31. August Ii>0S. Etwas kühler, zunächst meist trübe mit Regensällen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden: später wieder langsam aufklarend. Berliner Wetterburea«. WasterstandS-Raclirichten der Landesanftalt für Kewätserkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. TUM B r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor , Jhwssen , Frankfurt Warthe. Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg ')-p bedeutet Wuchs.— Fall.—>) Unterveqel. Partei- Speditionen: Z�entl-iiin: Albert H a h n i s ch, Auguststr. 60, Eingang Joachimstraße, L. Watalkreis, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch» parterre. , Süden und Südwesten: Hermann Werner. Gneisenaustr. 72, Laden. 8. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts Part. 41. Wahlkreis: Ost e n: Robert W e n g c l s, Andceasstraße 17.— Wilhelm Mann. Pelersburgerplatz 4(Laden). 41. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausttzerplatz 14/16 6. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchftr. 12(Hof). 6. Wahlkreis(lloablt und llansavlcrtcl): Karl Anders, str. 8, ir Ion im Laden. Salzwedclerstr. Weckcklnx: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 43. Itosenttaaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Naschte, Ackcrstr. 36, Eingang Slnklamerstraße. Gesundbrunnen: F. Trapp, Stcttinerstr. 10. biehiinbanser Vorstadt: Karl MarS, Lychenerstr. 123. Adlcrshof: Karl Schwarzlose, Hoffmannstr. 9. Alt-Gllcnicke: Wilhelm Dürre. Rudowerstr. 83 II. Bauniscliulenwcg: H. Hornig, Marienthalerstr. 13, I. Bernan-Rönfsental; Heinrich B r o s e. Hohesteinstr. 74, Part. Bohnsdorf und Valkenberg: G. Pfeifer, Bohnsdorf, Ge- nossenschastshaus. Charlottcnbeirsr: Gustav Scharnberg, Sescnheimerftraße 1, Ecke Goethestratze, Laven. ElehHvalde, Zeuthen, Miersdorf und Ilankels Ablage: Fritz Oldenburg, Eichwalde, Kronprinzenstr. 81. Erkner: Ernst H o f f m a n n, Friedrichshagener Chaussee. Friedenau-Steglitz-Südende: H. B e r n s e e, Schloßstr. 119, os I, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: i. Mohr, Duppelstr. 32. und Fr. S ch e I l b a s e. Ahornsw. lös. Friedrich shnge n: Ernst Werkmann, Friedrichstr. 67. Grünau: Franz Klein. Bahnhossir. 6 HI.... Bohen-Xenendorf: Wilhelm T e n t s ch e r, Stolperstr. 30 I. Johannisthal: P i e 1 1 ck c, Kaiser-Wilhelm-PIatz 4. Karlshorst: Richard Hüter, Rödelstr. 9, H. KUnigs-W nsterhansen: Friedrich Baumaun, Bahnhossir. 18. KUpenlck: Emil W ißler. Kietzerstr. 6, Laden. Lichtenberg, Frledrlchsfelde, Wilholmsberg: Otto Seilei, Kronprinzenstraße 4, I. Mahlsdorf und Kanlsdorf: Hugo Scheibe, MahISdors, Walderseestr. 14. Marlendorf: August Leip, Chausseestr. 236� Hos. Ken-Welßenscc; sturt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. A'leder-Schöneweide: Paul B e n g s ch. Grünauerstr. 8. Nowuwcs: Wilhelm I a p p e, Friedrichstr. 7. Obcr-Sch«neweidc: August Henjes, Lausenerstr. 2. I. Pankow-Nlederschönhaasen: Otto Riß mann, Mühlen- straße 30. Beinickendorf• Ost, Wilhelmsruh und Schünholx: P. Gursch, Kamekestr. 12, I. Klixdorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. Knnimelsbnrg, Boxhagen: A. R o s e n k r a n z, Mt-Boxhagen 56, Schmargendorf: Gustav Kaminsky, Cunostraße 2. Schüncberg: Wilhelm Sau ml er, Martin Luthersw. 51, im Laden. Spandan: K ö p p e n. Jagowstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wittenau. Waldmannslnat, llcrmsdorf und Uclntckcndorf- West: Paul Kienajt, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Teltoiv: Wilhelm B o n o w, Teltow, Zchlcndorser Str. 4. Tenipelhof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmstr. 20. Treptow: Rob. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Laden. Wllmersdorf-Balensee: Äittnebel, Landhaus str. 27 Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschasllichen Werke werden geliefert. Annahme von Inseraten für den„Kormärts«. Bitte ausschneiden. U» 245/1* Wer eine wirklich gute Pleife rauchen will, der wühle unter den |£apitäti- l�auchtabaken die von hervorragendster Qualität Mischungen und.Preislagen(in P 1,50 M.) in den meisten Zigarrengesohüften zu haben sind. in den verschiedensten (in Päckchen von 10 Pf. bis Spezialität: Feiner Goldshag in roten Duten. Man achte Jedoch genau auf das gcs.gesch. Wort „Käpitän"* Piickchcn ohne diese Bezeichnung weise man als unecht zurück. 2182L* Gen.-Vertrieb Karl Röcker, Gruner Weg 112. Orts Krankenkaffe Friedenau. Dcm in der General-Versammlung vom 22. April 09 beschlossenen fünften Stalutemmchtrag ist vom Bezirks- ausschuh zn Potsdam in der össent- lichcn Sitzung vom 13. August 09 mit Ausnahme der beschlossenen Ab« äuderung zu§ 13 Absatz 1 Ziffer 2, § 23 Absatz 1 und§ 41 die2,—, Küchenspind 10,—, ganze Wohuuiigscinrichtimgen von 200,— Mark an. Garantie jür jedes Stück. Drcsdenerstraffe 124. 2472» Kinderbcttftell verkauft Schiedlich. Boeckhstraffe 47. fft34 Mköbelgelegenheit! Wenig ge- brauchte, gutcrhaltene Möbel, auch neue, einfachste, eleganteste, beliehen gewesen, verfallene spottbillig. Riesen- lager, Lombardspeichcr, Neue König- straffe 5/6, Fabrikgebäude. Sonntags geöffnet.(Zahlungserleichterung.)' Polstermöbel- Fabrik Heinrich Stargardt. 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