Mr. 203. nbonnementS'ßedtogungen: Nbonniments> Preis pränumerando i Licrteljährl. 3£0 Wit., monatl. 1,10 Mk., wöchcnllich 28 Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer k Psg, Sonntags- »umuier mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs- Prelsliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, .Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 36. Jahrg. CriAelnt Wich außer montags, Verlinev Volksblntk. Die TnfertlonS'GebDfir beträgt für die fechsgespaltene KoIoneT- zcilc oder deren Raum bO Psg., für politische und gewcrlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen S0 Psg. „steine Snrelgen", das erste fselt- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen da? erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramni- Adresse: „SczlaldemoHrat RtrllDu, Zentralorgan der rozialdemokrattfcben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8 Cd. SS, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 19S3. Mittwoch, den 1. September 1909, Expedition: 8 Cd. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. ßombardement und Küsten- schul?.' In der Marinelitteratur wird häufig der Vermutung Aus druck gegeben, daß»vir im Falle eines Krieges mit einer see starken Macht die Beschießung unserer Küstenstädte zu er »varten hätten, wenn es'nicht einer starken deutschen Flotte gelänge, die feindlichen Seestreitkräfte vor ihrer Annäherung an die deutsche Küste zu schlagen. Nun sind aber schon seit langer Zeit bei den zivilisierten Nationen einige Regeln in Brauch, die auf die Beschießung und Belagerung von bewohnten Plätzen Bezug habe». Diese besagen, daß nur solche Städte und Dörfer Objekte der Be kämpfung, Wegnahme und Zerstörung sein können, die den Vormarsch hindern oder die Niederlverfung des Gegners erschlveren, daß aber keinesfalls un befestigte und offene Städte oder Häfen beschossen werden dürfen. Und als beispielsweise in» Jahre 1854 das englische Geschivader im Kampfe gegen Rußland finnische Fischerdörfer zerstörte, da wurde das ebenso als eine Ver> lctzung des Völkerrechts allgemein anerkannt,»vie die Be� schießung von Valparaiso durch den spanischen Admiral Mendes Nunez. Deinzufolge hieß es auch in der Instruktion, die dem französischen Geschwader 1870 gegeben wurde: »Ich schlage Ihnen vor, unbedingt die Unverletzlichkeit der unverteidigten Städte zu achten, da nur mit Ausnahme von Fällen, die in der Instruktion nicht vorgesehen, die Tätigkeit des Geschwaders sich auf eine strenge Blockade der deutschen Handels- Häfen beschränken muß,**) Und daß Frankreich gewillt war, auch nach dem für ihn so unglücklich verlaufenen Kriege die Regeln des Völkerrechts anzuerkennen, ging aus der seinen Seeoffizieren im Jahre 1392 gegebenen Instruktion hervor: „Das Bombardement von Städten stellt eine Operation dar, die in Kriegszeitcn zulässig ist, um die betreffenden Städte zur Uebergabe zu zwingen, wenn diese Städte sich nicht freiwillig da- zu verstehen. Offene Städte dürfen nicht dem Bombarde- ment unterliegen, besonders dann nicht, wenn sie keinen Widerstand leisten."'**) Uebrigens ist diese Frage für Deutschland nicht von großer Bedeutung, weil nämlich alle unsere großen Hafen st ädte, Hamburg, Lübeck, Bremen, Stettin usw., so weit von der Küste entfernt liegen, daß sie gar nicht beschossen werden können! In dem Bericht, den der Kommandant des französischen Blockadegeschwadcrs seiner Regierung erstattete, kam dies »vis folgt zum Ausdruck: „Diese Städte sgemeint sind Hamburg, Lübeck, Bremen und Stettin) sind von den Mündungen der Flüsse 12 bis 15 Meilen entfernt, das heißt ihre Lage ist eine solche, daß selbst die preußischen Fregatten trotz der Hilfe' erfahrener Lotsen nicht in diese Plätze einlaufen konnten und es auch jetzt nicht können. Von dem Ge- schwader ein Bombardement dieser Städte zu fordern, wäre daher gleichbedeutend mit dem Verlangen, daß englische Schiffe Rouen oder Bordeaux bombardieren sollen." Also selbst»venu man die erwähnten Städte in Verteidigungszustand setzen und so dem Feind die Berechtigung zur Beschießung geben würde, könnte ein Bombardement der geschützten Lage dieser Städte wegen gar nicht zur Aus- führung gelangen. Die Beschießung könnte sich also nur auf unwichtigere Küstcnpunkte erstrecken, und»venu auch der Schaden, der durch die völkerrechtswidrige Kanonade an gerichtet würde, für die betreffenden Orte ein ziemlich bedeutender wäre, die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landes »vürde dadurch nicht geschwächt und der Gang des Krieges nicht beeinflußt. Das gab auch Admiral v. Hollmann mit folgenden Worten zu: „Die Wirkung eines Bombardements kann nicht weit reichen; sie ist auf einen schmalen Küstenstrich. einige Kilometer in das Land hinein, beschränkt, höchstens bis dorthin, wo die Kanonade noch hörbar ist, ohne daß die Geschosse noch dort heranreichen. Hierunter können in der Tat die Be- wohner der Küste leiden, nicht aber das Land in seiner Ge> samtheit." Wir haben also gesehen, daß von unseren Flottenagitatoren die Gefahren, die den vaterländischen Küsten im Falle eines Krieges drohen, maßlos übertrieben »Verden. Wir wollen nun kurz betrachten, was zum Schutze der Küste geschehen kann und wird. Gleich nach dem Ausbruch des Krieges wird man die Feuerschiffe beseitigen, die Seezeichen ein- ziehen und die Feuer der Leuchttürme nicht mehr anstecken, Zur Orientierung für die eigenen Schiffe wird man an cinzelllen geheimen Punkten Seezeichen ausstellen, da ganz ohne Zeichen selbst die bewandertsten Lotsen nichts ausrichten könnten. Die erste Arbeit des Feindes wird es daher sein, Lotungen vorzunehmen. So schreibt Admiral Flüddemann in bezug auf die Nordsee: „Wer gegen einen Nordseeplatz etwas unternehmen will, muß sich er st daS Fahrwasser vermessen und mit Seezeichen versehen, sonst riskiert er, beim Angriff seine Schiffe in unrühmlicher Weise zu verlieren. Natürlich lvird ihm das nicht so ohne weiteres verstattet. Die Festungswerke, Fcld- batterien und Schiffe der Verteidigung beschießen alle sich zeigenden #) Vergleiche die Leitartikel in den Nummern 1S4 und ISS dcS »Vorwärts". **)***) Johann v. Bloch: Der Krieg, Bd. III. Fahrzeuge und Boote mit Schrapnells, und da das Vermeffen nur bei Tage einigermaßen vor sich gehen kann, nachts kaum nennenswerte Fortschritte machen würde, außerdem nur kleine ungcpanzerte Fahrzeuge verwendet werden können, so geht die I Arbeit langsam von statten."*) Dasselbe gilt auch von der Ostseeküste, die übrigens auch— genau wie die Nordseeküste— durch mehrere Küsten befestignngen geschützt ist. So finden wir in der Nordsee beim Eingang in den Jahdebusen die Befestigungswerke von Wilhelmshaven, bei der Wcsermündung Geestemünde, bei der Elbmündung die Werke von Cuxhaven und Brunsbüttel und endlich die befestigte Insel Helgoland, welche die Rolle eines Observationspostens vor dem Jahdebusen und den Mündungen der Weser und der Elbe spielt. In der Ostsee befinden sich die Befestigungen von Friedrichsort vor Kiel, Swinemünde vor Stettin, Ncufahrwasser vor Danzig, Pillau und Memel, welche die Eingänge in das Frische und Kurische Haff decken. Die»vichtigsten Punkte der Küste sind also durch starke Werke gesichert. Nun ist ja von den Flottenschivärmern immer behauptet worden, daß die Küstenbcfestignngen im Kampfe' mit Panzerschiffen stets den kürzeren ziehen werden. Doch das ist sehr zweifelhaft. In der ersten Zeit des Seekriegswesens waren die Forts im Vorteil, die die Lmienschiffe mit glühenden Vollkugeln beschossen und die unbeholfenen Holzkasten in Brand steckten. Als dann aber die Panzerung aufkam und das Holz seine Rolle im Linicnschiffsbau überhaupt ausgespielt hatte, waren die Linienschiffe im Vorteil, und zwar insofern, als die Küstenbefestigungen ein feststehendes Ziel boten,»vährend die Küstenverteidiger bei der Schätzung der Geschwindigkeit der angreifenden Schiffe große Fehler machten. Nachdem aber in den letzten Jahrzehnten auch die Küsten Verteidigung große technische Fortschritte gemacht hat, ist die Frage mindestens unentschieden, wer von vorn herein im Vorteil ist. Dieser Ansicht pflichtet auch Admiral Flüddciiiann bei, der da schreibt: „Mit Verbesserung der Artillerie und Einführung des Panzers auch in der Küstenbefestigung ist das Verhältnis wieder zlveifel- Haft geworden. Der Erfolg der Engländer bei Alexandria ist nicht maßgebend, da sie es mit Aegypten zu tun hatten. Auch der kubanische Krieg bietet kein Beispiel, denn die Amerikaner haben nie energisch angegriffen, da sie keine Schiffe in Besürchtmig eines Konflikls mit anderen Seemächten aufs Spiel setzen wollten."**) Also es wird durchaus nicht so leicht sein, die Küsten befestigungen zum Schweigen zu bringen. Dazu stehen aber der Verteidigung noch andere Mittel zur Verfiigung. Wir denken beispielstveise an eine geschickte Minenverteidigung. Gerade die Mine hat nämlich im ostasiatischen Kriege eine ganz bedeutende Rolle gespielt, verloren doch die Japaner bei den Kämpfen um Port Arthur durch Minen nicht weniger als 4 große Schlachtschiffe, 3 Lkreuzer und 3 Torpedofahrzeuge,»vährend 2 Schlachtschiffe und 2 Kreuzer schwer beschädigt wurden. Der Minenverteidigung wäre also eine erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dann aber liegt ja auch eine ganze Schar von Torpedobooten und Unterseebooten zum Schutz der Küste be reit. Ja unsere Torpedoboote haben eine geradezu treffliche Aktionsbasis. Einmal können sie an den verschiedensten Stellen plötzlich hervorbrechen und dem überraschten Gegner empfindliche Verluste beibringen und zum anderen Male bieten sich ihnen vortreffliche Rückzugslinien, da ihnen die größeren Schiffe in den seichten Gewässern nicht zu folgen vermögen. Der damalige Staatssekretär des Marineamts, Admiral v. H 0 l l m a n n, konnte also mit vollem Recht am 18. März 1897 in der Budgetkommisston des Reichstags sagen: „Für den Küstenschutz brauchen wir gar keine Marine; die Küsten schützen sich selbst. So lange die Dinge gut laufen, hüten sich fremde Mächte, Truppen zu landen. Eine Flotte von großen Kriegsschiffen kann auch nicht in die Flüsse einlaufen, etwa um Hamburg zu bom- bardieren. Auch haben wir Sperrforts. Also zum Küstenschutz brauchen wir höchstens ein paar kleine Boote, die hervorbrechen können." Also nicht um Küstenschutz handelt es sich bei dem Ausbau der Flotte, sondern um die Schaffung eines Werkzeuges für eine Annexionspolitik, die wir als gefährlich und barbarisch ablehnen miissen. Wir bekämpfen den Imperialismus und damit auch den Marinisuus._ Der Kielenkampf in Schweden. Wir erhalten über die Lage am Dienstag folgendes Privattelegramm: Stockholm, 31. August. In der heutigen Ausgabe dcS „Stmrct" wird die Behauptung dcS Ministers des Innern, wonach die Sozialdemokraten den liberalen Bermittcluiigövorschlag ab- »veiscud behandelt habe» sollen, gcbrandmarkt. Die Arbeiter fordern lediglich, daß ihre Srlbfiverteidiguiig gegen die MasscuauösperrungS- taktik der Unternehmer anders beurteilt wird als jetzt geschehen. Nicht. um einen Kampf gegen die Gesellschaft handele eS sich, sondern um eine Abwehr der maßlosen Unterdrückungsversucht des organisierten Unternehmertums. Das Blatt weist ferner die Forderung zurück, daß die Aus- ständigen ihre Kameraden, die ans Solidarität dir Arbeit mit ciiigestcllt heben, preisgebe» sollen, um eine Bcrmittclung der Re- gicrung zu erlangen. Die Kosten, die das Land für die Pudcltreue der konservativen Regierung gegenüber den Befehlen des Herrn v. Södoiv zu tragen hat, sind bereits ungeheuer groß. Diese Auf- fassung bricht sich in weiten Kreisen auch des Bürgertums Bah». •)—) Admiral Plüddemann— Modernes Seekriegswesen. In Amerika beginnt man jetzt dem Kampfe in Schweden Sympathien und Beachtung zu schenken. Unterstützungen sollen gewährt werden. Die Unternehmer wollen jetzt in Deutschland Elektro- Monteure und Reparaturarbeiter für Straßen- bahnwagen als Streikbrecher anwerben. Die deutsche Arbeiterschaft wird dringend aufgefordert, den Zuzug nach Schweden fernzuhalten. Dies gilt für Arbeiter aller Branchen! Die Wiederaufnahme der Arbeit am gestrigen Montag ist in weit geringcrem Maße erfolgt, als angenommen»vurdc. Auch die beiden Stockholmer Fabriken, deren Inbetriebsetzung gestern gemeldet wurde, haben den Betrieb nur teilweise auf- nehmen können. » Die ablehnende Haltung der Regierung, die in dem doplazierten Versuche gipfelt, den jetzigen Abwchrkampf der Arbeiter als einen Kamps gegen die„bürgerliche Gesellschaft" hinzustellen, entbehrt in ihrer Begründung nicht eines gctvissen Interesses. Die Regierung erklärt, ihr vermittelndes Ein- greifen würde von der Arbeiterschaft als ein Sieg der Aus- ständigen angesehen»Verden. Wie schwach muß demnach auf der einen Seite die Position der Unternehmerführer geworden sein,»venu schon ein vermittelndes Eingreifen der Re- gierung als ein Sieg der Arbeiter betrachtet werden könnte. Auf der anderen Seite zeugt es aber auch von der Sackgasse, in die sich die Regierung verrannt hat. Sie kann jetzt nicht mehr von dem Bedientenverhältnis los, in dein sie zur Unter- nehmerzentrale steht. Die ganze Hoffnung der Nnternehmerzcntrale aber läuft daraus hinaus, die Arbeiterschaft durch den Hunger kirre zu machen und ihr sodann ihre Bedingungen aufzuoktroyieren. Sie hofft das noch zu erreichen, bevor der Bankkredit von acht Millionen erschöpft ist. Nach bisher undementierten Nach- richten geht aber dieser Kredit jetzt zur Neige, weil die Unternehmerorganisation einer Anzahl ihrer vor dem Fallissement stehenden Mitglieder unter die Arme greifen mußte. Aus Malmö wird dem„Hamburger Echo" mitgeteilt, daß seitens der Gewerkschaftsleitung eine Aufforderung an die Arbeiterschaft und die mit ihr sympathisierenden Volkskreise in Vorbereitung ist, wonach diese ihre Spargelder von den Banken zurückziehen sollen. Darob soll in Bankkrcisen große Erregung entstanden sein. Wir können heute nicht feststellen, ob die Meldung zutrifft, aber jedenfalls werden die Banken so oder so mit einem größeren Run zu rechnen-haben, weil die Stillegung des ganzen Eriverbslebens auf so lange Zeit naturgemäß die Entblößung der Banken von Spargeldern der kleinen Leute, Arbeiter und Handwerker im Gefolge haben muß. Und selbst die Industriellen werden ihre Bankguthaben stark in Ansprrrch nehmen müssen. Einen bisher in Schiveden seltenen Akt der Polizeiwillkiir hat die Stockholmer Polizei, wie uns am Dienstag früh nach Drucklegung des Blattes telegraphisch gemeldet wurde, verübt. Unser norivegischer Genosse Pu n t e r v 0 1 d, der Korrespondent des„Sozialdemokraten" in Kristiania, ist ohne Angabe von Gründen ausgewiesen worden. Diese Austveisung kann nur im Einverständnis mit der Regierung erfolgt sein, die wiederum hierzu von der Unternehmerzentrale die Anweisung bekommen baben dürste. Denn es ist allgemein bekannt, welche Wunden die Korrespondenzen Puntervolds an unser Bruderorgan in Kristiania den schwedischen Unternehmerhäuptlingen schlugen. >at er doch vermöge seiner guten Verbindungen den einen riegsplan der Unternehmer nach dem anderen an die Oeffentlichkeit gezcrrt, wie er auch iu ihre Finanzverhältnisse hineinzuleuchten wußte. Kathollluntsg. (2. Berhandlungstag.) Die gestrigen Verhandlungen dcS Breslauer Katholikentages beanspruchen ein weit größeres Interesse als die MontagS-Verhand- lnngen, denn eS wurden nicht kanglveilige Referate über Fragen gehalten, die schon unzählige Male in der Zentrumspresse und in den katholischen Fachschriften erörtert worden sind, sondern es kam die Stellung des Volksvereins für das katholische Deutschland zum Episkopat und zu dessen Bestrebe», sich einen maßgebenden Einfluß auf die Leitung des Volksvereins zu sichern, zur Sprache; und die Reden des Generaldirektors Dr. Pieper wie des Fürstbischofs Kopp beweisen, daß hinter den Kulissen ein Einvernehmen zwischen dem Episkopat und der Vereinsleitung hergestellt worden ist und zwar hat der hohe Klerus völlig gesiegt. Die Leitung des Volksvereins gibt ihre demokratischen Allüren auf, bekennt sich zum strengsten KonfessionalismuS und hält künftig, wie Kardinal Kopp sich ausdrückt, mit dem Episkopat„enge Fühlung", daS heißt, der Volksverein unternimmt keinerlei wichtige Aktionen, ohne vorher die Zustimmung der Bischöfe eingeholt zu haben. Eingeleitet wurde die Generalversammlung deS BolksvercinS für daS katholische Deutschland durch eine in dem üblichen Stil solcher EröffnungS- und Begrüßmigs- reden gehaltene Ansprache deS ersten Vereinsvorsitzenden, deS Fabrik- dircktorS Brandt-Münchcn-Gladbach. Er verherrlichte die Leistungen des VolksvereiitS, der den sozialen Gedanken zum Gemeingut deS gesamten katholischen Volkes gemacht habe, und tischte allerlei historische Reminiszenzen aus der Zeit der Gründung deS Vereins auf. Hierauf erstattete Landtagsabgeordneter General- direktor Dr. Pieper-M.-Gladbach den Jahresbericht. Der Verein zählte Ende Juni 1903 610 663 Mitglieder, Ende Juni 1909 626029 Mitglieder. Die Organisation im Lande konnte im Berichtsjahre durch Errichtung von Landes- und BolkSvcreinS- sekretariaren weiter vervollkommnet werben. Die Gesamtzahl der Sekretariate beträgt gegenwärtig 46. Die VolkSvercinSorganiscition verbreitete im Berichtsjahre 2 797 892 Stiick Agitationsmaterialien, 3 871 143 Flugblätter und versandte 130 000 Nummern der Zeitungekorrespondenzen an durchschnittlich 700 Adressen, darunter 400 Redaktionen. Von der Volksvercinsorganisation und dem Volksvereinsverlag kamen im Berichtsjahre fast 13 Millionen, seit Bestehen des Volksvereins rund 123 Millionen Drucksachen aller Art zum Versand. Im Anschluß an den Jahresbericht führte Generaldirektor Dr. Pieper aus: Der Leitgedanke der immer intensiver aus- gebauten Vereinsarbeit ist die Erziehung und Schulung der deutschen Katholiken zur Selbstbetätigung aus sozialem und kulturellem Ge- biet. Die Vcrtrauensmännerorganisation ist das Nervensystem dieses Massenkörpers. Erst wenn eifrige, auf jeder Straße oder in jedem Häuserviertel statio- nierte Vertrauensmänner aller Berufskreise tätig sind, entfaltet der Volksvercin seine volle Lebens- kraft. Heute zählt er rund 20 000 Vertrauensmänner. (Stürmischer Beifall.) Zum Schluß noch ein Wort der Klar- stellung, das geboten erscheint gegenüber vereinzelten Kritiken des Volksvereins. In letzter Zeit erschienen in einigen katholischen Tagesblättern Artikel, die den Volksverein in Verbindung brachten mit dem„systematischen Bestreben, in dem katho- lischeu Volke die Anschauung zu verbreiten, daß wirtschaftliche, soziale und politische Fragen losgelöst von den Grundsätzen der katholischen Weltanschauung zu behandeln sind". Man warnte vor einer„systematischen Jnterkonfessionalisierung der Sozialen und politischen Bestrebungen"'. Es ist schloer erfindlich, wie man mit diesen Bestrebungen den Volks- verein in Verbindung bringen konnte. Die- jenigen, die eine solche Gefahr vom Volksverein befürchten, kennen den Volksverein schlecht.(Lebhafte Zustimmung.) Gewiß, der Volks- verein fördert, den Beispielen hervorragender katholischer Führer folgend, nicht bloß den Ausbau der sozialen Gesetzgebung, sondern auch die längst vor Gründung des Volksvereins bestehenden inter- konfessionellen Berufsvereinigungen, aber durchaus nicht vom Stand- Punkt eines verwaschenen sogenannten interkonfessionellen Christen- tumS.(Lebhafter Beifall.) Die Leitung und die Mitglieder de? Volksvereins kennen nur ein konfessionelles Christen- tum, das für die Katholiken das katholische Bekenntnis ist. Der Volksverein hat in eigenen Schriften und Flugblättern die kon- fessionelle Schule verteidigt, die Pflege des katholischen Familien- lebens, die katholische Presse und Schriftenverbreitung zu fördern gesucht. Das genügt wohl als Antwort auf jene Kritiken, die er- freulicherweise nur von einem sehr engen katholischen Kreise aus- gehen.(Lebhafter Beifall.) Nach dieser gründlichen LoSsagung der Vereiusleitung von so- genannten„interkonfessionellen" Bestrebungen der„Köln. Volksztg." ergriff Fürstbischof Dr. Kopp das Wort, um sich mit dem Verhalten und den Zielen de» katholischen Volksvereins völlig einverstanden zu erklären. Kardinal Kopp sagte, nachdem er den Tod deS erkrankten Bischofs von Paderborn mitgeteilt hatte: Der Volksverein gehört zur Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, und er soll auf ihr Rechenschast ablegen über die Er- folge des letzten JahreS. Die zahlreichen Angriffe auf den Volks- verein sind nicht gerechtfertigt. WaS der Volksverein be- zweckt, besagen klipp und klar seine Statuten: er will die Förde- rung der christlichen Ordnung in der Gesellschaft. Leitende Persönlichkeiten vom Volksverein haben es oft genug aus- gesprochen, daß sie nur katholisches Wisien verbreiten wollen. Der erste Vorsitzende des Volksvereins stand vor nicht langer Zeit vor dem obersten Hirten der katholischen Kirche und legte ihm Rechenschaft ab über daS Wirken und die Ziele des Volks- Vereins.(Lebhafter Beifall.) Ich wiederhole seine schönen Worte, die er dem Papst entgegenrief: der Volksverein hat die Aufgabe, das katholische Volk in voller Glaubenstreue zu erhalten und das wirtschaftliche Leben des Volkes immer mehr zu bessern. Der Volksverein will die 5latholiken im öffentlichen Leben zur Arbeit an- feuern. Der greise Pontifex erhob segnend die Hände über den ersten Redner und über den Volksverein.(Stürmischer Beifall.) Der Volksverein denkt nicht daran, die Selbständigkeit anderer Organisationen einzuschränken, im Gegenteil, er hat sein Wirkungs- gebiet genau abgesteckt und er will stärken und fördern unseren heiligen Glauben. Der Volksverein ist da für das ganze katholische Volk. Ich hoffe und wünsche, daß auch meine Diö- zesanen recht zahlreich dem Volksverein beitreten. Der Epiflopat fürchtet nicht, daß das Zentrum den Volksverein be- herrschen wird, er hätte auch nichts dagegen.(Lebhafter Beifall.) Der Volksverein ist ein selbständiger Verein, der katholisches und soziales Wiffen verbreiten will.(Lebhafter Beifall.) Darumhat der Episkopat kein Mißtrauen gegen den Volks- verein, sondern er hat volles Vertrauen.(Stürmischer Beifall.) Der Episkopat hat mit der Zentralstelle des Volksvereins stets enge Fühlung. Auch der Gesamtepiskopat hat Vertrauen zur Zentral- stelle. Sehen Sie, das ist das Verhältnis zwischen dem Volksverein und dem Episkopat. Es ist ein vertrauensvolles Verhältnis und ich betone nochmals, dieses Verhältnis besteht. Und darum erteile ich den Herren meinen Segen. Gott segne und erhalte den Zweck und die Ziele de? Volksvereins.(Stürmischer Beifall.) Der Begründer deS Volksvereins, Windthorst, hat wiederholt betont, daß der Verein das emigende Band sei für alle Katholiken. Deshalb rufe ich auch Ihnen heute zu: Seien Sie einig, denn Einigkeit tut not. namentlich in unserer Zeit.(Stürmischer Beifall und Hände- klatschen.) Fürstbischof Dr. v. Kopp erteilte hierauf der Bersainmlung den Segen. Der stellvertretende Vorsitzende ReichStagZabgeordneter Dr. Trimb orn begrüßte das inzwischen erschienene Präsidium des Katholikentages. Präsident Abgeordneter Herold dankte. Es nahmen dann mehrere Vertreter von Volksvereinen des Auslandes das Wort. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. An» Mittag fand die zweite geschlossene Generalversammlung statt. Beraten wurde über den Hauptantrag des Ausschusses I betreffend das Missionswesen. Nachdem Justizrat Dr. Karl Bachem- Köln, Prälat Dr. Müller-Simonis-Straßburg. Reichstagsabgeordneter Erzberger, Provinzial Froberger« Trier, Bischof Giesen(Nord- Schantung) und einige andere Geistliche sich für die Ausdehnung des Missionswesens ausgesprochen hatten, gelangte folgender Antrag zur Annahme: „Die 56. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands erinnert eindringlich an die bedeutungsvolle Stellung, die die Be- kehrung der Heiden in dem Heilswerk der Kirche nach dem Willen ihres göttlichen Stifters einnimmt. Mit besonderem Nachdruck richtet sie die Aufmerksamkeit der deutschen Katholiken gerade in dieser Zeit auf das Wirken der Missionen, in der die vollendete Aufteilung der unzivilisierten Gebiete der Erde unter die christlichen Staaten und das wiedererwachende Natioualgefühl der heidnischen und mohammedanischen Kulturvöller die religiöse Zukunft derHeiden- länder zur Entscheidung bringt. Auch weist sie auf die Tatsache hin, daß die hohen Ziele wahrer Kulturarbeit in den Kolonien ohne die ungehinderte Mitwirkung der Missionare nicht erreicht werden können. Sie empfiehlt daher dem tatkräftigen Wohlwollen der deutschen Katholiken alle Werke, die der Ausbreitung des heiligen Glauben? dienen, die Missionshäuser, die ihre Mitglieder als Apostel in die heidnische Welt aussenden, und die Vereine, deren Gebete und Geldmittel die Erhaltung und Ausbreitung der Missionen bezwecken." Dann wurde Augsburg als nächster Ort für die Abhaltung des Katholikentages erwählt. Man will alles aufbieten, um die dies- jährige Scharte auszuwetzen, und hofft, in Augsburg nicht von Gegendemonstrationen behelligt zu werden. Die zweite öffentliche Versammlung nahm zunächst ein Referat des Rechtsanwalts H e r s ch e l- Breslau über den Bonifazius-Verein entgegen, der die katholische Seelsorge unter den Katholiken in den nichtkatholischen Gebieten fördert und hätte alsdann eine Rede des Landtagsabgeordneten Dr. Bell- Essen über die Aufgaben der deutschen Katholiken auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet. Der Inhalt war im ganzen derselbe wie jener Reden, die auf früheren Katholikentagen zu diesem oder zu ähnlichen Themata gehalten worden. Wieder kam der lebhaste Wunsch zum Ausdruck, den Katholiken in der Großindusttie, im Großhandel usw. führende Stellen zu erobern. So wurden denn in der Vellschen Rede die„Ver- dienste" des Zentrums um die Einführung des, Schutzzollsystems" kräftig hervorgehoben und hinzugefügt, daß es der„schwerbedrängten Industrie" zum Segen gereicht habe, so daß Handel und Gewerbe, besonders aber die Großindustrie einen in der Geschichte des Wirtschaftslebens beispiellosen Aufschwung genommen hätten. Dann folgte freilich auch eine Lobpreisung der sozialpolitischen Arbeit des Zentrums, wodurch die Katholiken den sozialen und wirt- schaftlichen Befähigungsnachweis erbracht und in der ihre Führer die sozialpolitische Meisterprüfung glänzend bestanden hätten. Auch da« Versprechen fehlte nicht, daß man nach wie vor gern und arbeitsfreudig Schulter an Schulter mit gleichgesinnten Andersgläubigen eintteten werde„für eine Gesundung unserer sozialen Verhältnisse und zur Hebung des Volkswohlstandes". Aber hinterher wurde der„oft schon wiederholte Vorwurf" zurückgewiesen,„als ständen wir der Industrie und vornehmlich der Großindusttie feindselig gegenüber". Und dann fuhr der Redner fort:„Wir freuen uns der ungewöhnlichen Fortschritte der Industrie und freuen uns des außerordentlichen Aufschwungs der Groß- industrie, den sie zum großen Teile der unter unserer aus- schlaggebenden Mitwirkung inaugurierten Schutzpolitik verdankt. Auch den Arbeitgeberverbänden stehen wir durchaus nicht ablehnend gegenüber. Wir erkennen ihre Berechtigung und ihre vielseitige und um sich- tige Tätigkeit an und verkennen auch, wenngleich wir nicht alle Begleiterscheinungen rückhaltlos billigen, keineswegs den großen Nutzen der Syndikate und Kartelle für unseren gesamten Handel und Verkehr. Ja, wir sprechenS unumwunden aus, zu unserem aufrichtigen Be- dauern sind die deutschen Katholik en aus fteilich großen- teils unverschuldeten Gründen in der Industrie, nament- lich in der Großindustrie, nicht annähernd so vertreten, wie es ihrer Bedeutung und Zahl ent- sprechen würde. Diese Lücke muß ausgefüllt werden. An den katholischen Volksteil muß der Ruf ergehen": Hinein in die Industrie, hinein in die Großindustrie.(Bravo I) Wenn wir uns aber auch des wirtschaftlich schwächsten Standes mit besonderer Berücksichtigung angenommen haben, so haben wir uns doch niemals zu einer einseitigen Vertretung von Arbeiterinteresscn aus Kosten der übrigen Stände verleiten lassen. Freilich haben wir auch die Pflichten der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmern betont, andererseits aber haben wir auch stets die Pflichten der Arbeiter gegen- über den übrigen Ständen und der Gesamtheit betont, und wir ver- säumen auch nicht, ihnen ihre Pflichten gegenüber den Arbeitgebern vorzuhalten. Dieser unserer weitausschauenden Auffassung von den Aufgaben einer neuzeitlichen Sozialpolitik ent- spricht auch unser zielbewußtes Eintreten für den Mittelstand...." Nach dieser Anpreisung des Zentrums als einer Partei, die angeblich allen Interessen gerecht werden kann, folgten dann allerlei Allgemeinheiten und zum Schluß eine Kapuzinerpredigt: „Für alle Schichten der Bevölkerung ist die Rückkehr zur Einfachheit und Sparsamkeit geboten, Genußsucht und Verschwendung zehren am Marke des Volkes und lähmen jede soziale Wirksamkeit. Undeutsches Amüsement muß verdrängt werden durch die edle Erholung und lehr- reiche Unterhaltung. Krankhafter Pessimismus und wichtig sein sollende ätzende Verspottung der heiligsten religiösen und Vater- ländischen Gefühle, die charakteristtschen Gepräge einer gewissen modernen Richtung müssen kraftlos zerschellen an dem gesunden deutschen Volkshuinor und an einer echten und ungetrübten Lebens- fteude..." AlS letzter Redner sprach Prof. Dr. M e h e r S(Luxemburg) über„DaS Kulturprogramm der christlichen Ehari- taS(Wohltätigkeit) in der Gegenwart" Stürmischen Beifall fand sein Satz:„Weder der extreme Idealismus, noch der extreme Sozialismus, weder das„Festmahl der Grausamkeit", zu dem Nietzsche die Menschheit als zu ihrer höchsten Kulturstufe einladet, noch das Fabulieren über geistige Rüstungen einer neuen Gesellschaft, können uns die Ueberzeugmig rauben, daß die katholische Charitas die gottbegnadete Humanität ist, das volle Evangelium, der wahre Idealismus und Sozialismus." politilcbe Geber ficbt Berlin, den 31. August 1909. Lnst-Chauvinismus. Ein Teil unserer bürgerlichen Presse hat angesichts des Besuches Zeppelins nichts Besseres zu tun gctvußt, als die internationalen Eifersüchteleien der Chauvinisten d�r der- schiedenen Länder künstlich aufzustacheln. So meldeten diese Blätter mit emsiger Gehässigkeit, daß die französischen und englischen Zeitungen dem Zeppelin-Besuch in Berlin nicht die gebührende Reverenz erwiesen und die angemessene Welt- geschichtliche Bedeutung attestiert hätten. Offenbar entspringe diese ungenügende Würdigung dem Neide oder der A n g st des Auslandes! Es ist beschämend, daß gerade Berliner Blätter in ihrer öden Sensationslüsternheit solchen Blödsinn zu ver- zapfen»vagen konnten. Denn wenn die französische und englische Presse den Zeppelin-Besuch nicht als epochemachendes Ereignis betrachtete, so hatte sie dazu allen Grund: Bedeutete doch die ffahrt Zeppelins nach Berlin und die nach ziviefachem Mißgeschick schließlich doch erzwungene Ankunft in der Reichs- Hauptstadt zwar für die Berliner selbst ein hoch- erfreuliches lokales Ereignis, aber nichts weniger als einen neuen Rekord der Luftschiffahrt! Daß Zeppelins Luftschiffe längere Fahrten zurückzulegen vermögen,»var doch eine dem Ausland seit Jahren nicht unbekannte Tat- fache. Es lag für die französische und englische Presse nicht der mindeste Grund vor, dem Zeppelin-Besuche eine größere Bedeutung beizumessen, als ihm aus rein flugtechnischem Interesse gebührte. Und eine neue oder auch nur b e- sondere flugtechnische Leistung stellte die Fahrt„Zeppelins II!" nach Berlin keineswegs dar. Besonders charakteristisch ist, daß nicht nur die auf stupide Sensationsgier berechneten Scherl- und Ullstein-Blätter dem Ausland hämisch Mangel an Zeppelin-Begeisterung vor- werfen, sondern auch Organe, die polittsch ernsthaft genommen »Verden wollen, z. B. die„Deutsche T a g e s- Z t g." Das Agraricrorgan beschränkt sich nämlich nicht nur auf die Auslassungen des berüchttgten französischen Chauvinisten- organs„Matin", wonach Dentschland die Zeppelin-Fahrt über Gebühr gefeiert, dagegen die Flugwoche der Aviatiker in Reims ungenügend gewürdigt habe, sondern fügt dann auch aus Eignem hinzu: „Welchem System die Zukunft gehören wird, das wird ja vermutlich erst die Zukunft selber eiitscheiden. Daß aber der Lenkballon zu weit größeren Aufgaben berufen ist. sollte eigentlich nicht zweifelhaft sein; und»vir Deutschen wollen den anderen etwaige Vorsprünge auf dem Gebiete der Flug- Maschine durchaus neidlos gönnen— wenn wir nur die Spitze in der Herstellung der Leukballons behalten I" So abhold wir allem Chauvinismus sind und so wenig wir dem Pariser Chauvinismus einen Vorzug vor dem Berliner Chauvinismus einräumen möchten: darin hat der„Matin" entschieden recht, daß gegenüber den Heber- schlvänglichkciten über die Zeppelin-Fahrt die Berichte über die a v i a tis ch e Woche von Reims in unserer Bourgeoispresse denn doch zu kurz gekommen sind!»lud ebenso ist es eine alberne chauvinistische Ruhm- redigkeit speziell der„Deutschen Tages-Zt g.", dem Lenkballon die„tveit größeren Aufgaben" zuzuweisen und dem Auslande die Vorsprünge auf dem Gebiete der Flug- Maschine„durchaus neidlos" zu gönnen. So wenig wir dem Grafen Zeppelin seine(weit zurück- liegenden!) Verdienste und uns selbst das Wohlgefallen an seinem prächtigen Lenkballon schmälern möchten— darüber, daß der F l u g ni a s ch i n e und nicht dem Lenkballon die Zukunft gehört, werden vermutlich schon die nächsten Jahre den bündigsten Belveis liefern I Da aber gerade dcr D e u t s ch e L i l i e n t h a l der Bahnbrecher dcr Flugmaschinen- technik, der Lehrer der Wright usw. geivesen ist, ist es geradezu idiotisch, den Wettkampf zlvischcn Lcnkballon und Flug- Maschine zu einem nationalen Antagonismus steinpeln zu»vollen I_ Handelsverträge. Der Reichstag wird sich in seiner nächsten Session sehr stark mit den Handelsverträgen Deutschlands zu anderen Staaten zu be- schäftigen haben. Am 31. Dezember 1998 erlischt die dem Bundes- rate zuletzt für zwei Jahre erteilte Ermächtigung, England und seinen Kolomen die Rechte deS meist begünstigten Landes zu ge- währen. Da in dem Verhältniffe zu Kanada, das allein von den englischen Siedeluugen die Meistbegünstigung in Deutschland nicht genießt, jedenfalls bis zum Ende dieses Jahres eine Acuderung nicht eintreten wird, wird wohl auch das nun schon länger als zehn Jahre bestehende Provisorium wieder um zwei Jahre ver- längert werden. Der deutsch-portugiesische Handels- vertrag ist längst abgeschlossen, aber noch nicht veröffentlicht worden. Er wird vermutlich nunmehr dem Reichstage zugehen. Sehr wichtig ist das deutsch-amerikanische Handelsabkommen, für daS gegenwärtig noch alle Grundlagen fehlen. Dcr deutsch-schioedische Handelsvertrag läuft mit dem 31. Dezember 1910 ab. Zwei Monate nach dem Ablauf des schwedischen Handels- Vertrages erreicht der deutsch- bulgarische Tarif- vertrag sein Ende, wenn die bulgarische Regierung von ihrem Rechte Gebrauch macht, ihn vor dem 23. Februar n. IS. mit einjähriger Frist zu kündigen. Und der Handelsvertrag mit Japan vom 4. Juli 1896, der am 17. Juli 1899 in Wirksamkeit getteten ist. kann, nachdem 11 Jahre vom Tage seines Inkrafttretens verflossen sind, mit einer Frist von 12 Monaten, also frühestens am 17. Juli 1911, gekündigt werden. Sowohl Bulgarien als auch Japan dürfen, da sie mit golltarifrcvisionen beschäfsigt sind, zum ersten zulässigen Termine kündigen._ Das Vereinsgesetz im liberalen Musterstaate. Zu dem von uns schon kurz gemeldeten VersammlungSverbot m Weier wird uns noch geschrieben: Die badische Staatspolizei lernt vom preußischen Beispiel, wie man da? neue„liberale" Vereinsgesetz zur Unterdrückung dcr sozial- demolratischen Wahlagitation anwenden kann. Die Offenvurgcr Parteileitung hatte sich, da sich die beiden Gastwirtschaften ans Furcht vor dem Zentrum weigerten, ihre Lokale zu einer Volks- versainmlung herzugeben, an den Gemciderat des Dorfe« gewandt, der den freien Platz vor dem Schulhause, den ehemaligen Zehnten- platz bereitwillig zur Verfügung stellte. Weier ist ein kleines Dorf von 500 Einwohnern. Als die Versammlung beim Bezirksamt in Offcnburg angezeigt wurde, erließ der Oberamtmann Freiherr v. Rottberg folgendes Verbot: Großh. Bezirksamt Offenburg. 26. VIII. 09. Auf Ihr gestriges Schreiben teilen wir Ihnen mit, daß wir auf Grund des§ 7 Abs. 2 des Reichsvereinsgesetzes v. 19. IV. 08 und§ 6 der bad. Verordnung vom 11. V. 08... unsere Gr- nchmlgung zu der für Sonntag, den 29. Aug. d. I. in Aussicht genommenen öffentl. Versammlung unter freiem Himmel aus dem Zehntplatz(Gemeindeplatz) in Weier versagen, weil dcr fragliche, nur etwa 18 Schritte lange und 8 Schriite breite, auf der Südseite deS Rathauses in Weier befindliche Platz, der un- mittelbar an die ziemlich verkehrsreiche Ortsstraße grenzt, sich für die Abhaltung einer solchen Versammlung nicht eignet, vielmehr sich au« seiner Benutzung zu gedachtem Zwecke eine Gefahr für die öffentlicheSicherheit ergeben kann. Freiherr v. Rottberg. Auf die gegen das Verbot erhobene Vorstellung mit dem Hin- weise, daß es sich um einen Flächenraum von etwa 250 Quadrat- meter handelt, der vollständig hinreicht, und daß nach dem»nieder- holte» Beschluß deS Gemeinderateö der Platz ohne jedes Bedenken und ohne daß eine Störung des ohnehin geringen Verkehrs zu be- fürchten sei, zu Versainmlungszwecken benutzt»verden kanu, verwies der Oberamtmann die Offenburger Parteileitung an den BenwaltungS- gerichtShof in Karlsruhe. Ein Bauersmann in Weier stellte darauf seinen Hof zur Abhaltung der Versammlung zur Verfügung. Freiherr b. Rottberg, der kürzlich zum Oberamtmann und Hofjunker ernannt worden ist, ivurde bekannt durch die Anklagen, die der Zentrumsabgeordnete Roeren im Reichstage gegen ihn borbrachte._ Betrügereien auf der kaiserlichen Werft in Danzig. In Nummer 183 und 185 des„Vorwärts" vom 8., resp. vom 11. August, berichteten wir von umfangreichen Unterschlagungen und Fälschungen, die sich der Buchführer Elvert auf der Danziger Staatswerft hat zu schulden kommen lassen. Das Ermittelungs- verfahren ist nunmehr abgeschlossen. Drei Monate hat der Berliner Kriminalkommissar Wannowski gebraucht, um die Betrügereien dieses sauberen Beamten und seiner Helfershelfer aufzudecken, die nach amtlichen Feststellungen einen ganz bedeutenden Umfang haben. Die bürgerliche Provinzpresse tröstet ihre Leser damit, daß sie versichert:„Es steht schon heute fest, daß die auf der Danziger Staatswcrft verübten Unregelmäßigkeiten und Unterschleife mit den großen Kieler Unterschlagungen auch nicht annähernd zu der- gleichen sind". Nach der bürgerlichen Presse mühte man also dem Mustermenschen Ewert noch Dank wissen, daß er nicht einige Tausend Mark mehr aus seinen Manipulationen herausschlug. Es sei hier noch erwähnt, daß die getreuen Freunde des verhafteten Werftbuchführers Hermann Ewert von der großen Danziger Metall- und Produktcnhandlung S. A. Hoch, der Kaufmann L. Hoch und dessen Kompagnon, der Kaufmann Kronheim, die das cnt- wendete Material aufkauften, noch nicht verhaftet sind. Sic er- kauften sich ihre augenblickliche Freiheit, indem sie je 100 000 M. Kaution hinterlegten. Die„Danziger Zeitung" bringt keine Zeile über die neuesten Feststellungen der Untersuchungskommission, gehören doch die Mit- schuldigen des Buchführers jenen Kreisen an, in denen der Börsen- liberalismus die politische Hauptrolle spielt. Die Staatswcrft sichert ihre Interessen einstweilen dadurch, daß sie Maßnahmen getroffen hat, die beim Verladen, Verwiegen und Deklarieren des Abfall- und Altmaterials eine größere Uebersicht und Aufsicht er- möglichen. Telegraphenarbeiter und Reichsfinanzreform. Der Bund deutscher Telegraphenarbeiter,-Vorarbeiter und «Handwerker hielt in Berlin eine Versammlung ab, um zu der Frage Stellung zu nehmen, wie für die durch die neuen Reichssteuern den Beamten und Arbeitern auferlegten Lasten ein Ausgleich geschaffen werden könne. Der Referent Kötschke bezeichnete die Volks- feindlichen Wirkungen der vom schwarz-blanen Block geschaffenen neuen Steuergesetze. Er verlangte eine Aufbesserung der ohnehin schon äußerst niedrigen Löhne. Vom Bundes- borsitzenden wurden folgende Lohnsätze zur Einführung empfohlen: Für das 1. Dienstjahr pro Tag g,7S M.. 2. Diensljahr 4 M., 3. Dienstjahr 4,25 M., 4. Dienstjahr 4,50 M., 5. und 6. Dienstjahr 4,75 M, 7. und 8. Dienstjahr 5 M., 9. Dienstjahr 5,25 M.— In einer Resolution, in der mit Recht darauf hingewiesen wird, daß die Abwälzung des weitaus größten Teiles der neuen Steuern auf die wirtschaftlich schwächsten Schultern allen Grundsätzen der Gerechtig- keit ins Gesicht schlägt, wird das Reichspostamt gebeten, die schlimmsten Folgen der Finanzreform durch Lohnaufbesserung ab- zuwenden._ Ocftcrmcb. Tschechenfcindliche Demonstrationen in Wien. Wie», 31. August. Gestern abend veranstalteten ungefähr 800 Deutschnationale im 16. und 16. Bezirk tschechen- feindliche Dxmon st ratio nen und schlugen unter Pfuirufen in den tschechischen Lokalen die Fensterscheiben ein. Die Wache wurde gleichfalls mit Steinen beworfen, durch die mehrere Wachleute verletzt wurden. Es wurden sieben Verhaftungen vorgenommen. frankreick. Ein neues Märchen der russischen Polizei. Vor einigen Tagen teilten wir unseren Lesern mit, daß auf Veranlassung der zarischen Regierung inBordeaux ein russischer Flüchtling Gambadchize verhaftet wurde. Der junge Russe wird von der russischen Polizei eigenartiger Dinge beschuldigt. Er soll an der Entführung eines Kindes Anteil ge- nommen haben, das seinen Eltern nur gegen ein Entgelt von 80 000 Rubel zurückgegeben wurde. Die Anklage ist so Phantasie- voll, daß trotz des Versprechens des abgedankten Ministers Clemenceau, ans der Affaire Azew-Harting eine ernste Lehre zu ziehen. Brian d sich so gerührt fühlte, daß er die Anordnung zur Verhaftung Gambadchizcs erließ. Die Geschichte von den Räubern wird nirgends Glauben finden. Derartige Praktiken sind von allen revolutionären Organisationen Rußlands verworfen worden. Wenn ein solcher Fall sich in der Tat ereignete, so muß man die Urheber davon zweifellos unter dem „schwarzen Hundert" suchen. Die russische Regierung glaubt eine neue Weise erfunden zu haben, um die Auslieferung von Revolutio- nären zu erlangen. Bei seiner Verhaftung protestierte Gambadchize gegen die infame Beschuldigung auf das energischste. Die Affäre Harting zeigte, mit welcher Unverschämtheit das zarische Spitzeltum den französischen Behörden die ungeheuerlichsten Bären aufbindet. Es wird sich bald zeigen, ob man daraus in Frankreich etwas gelernt hat und klüger geworden ist.— Die„Humanitö" protestiert auf das entschiedenste gegen die Verhaftung Gambadchizes. Italien. Ferri prophezeit wieder ein Rcformministerium. Rom, 28. August.(Eig. Ber.) In einer von dem Mailänder „Secolo" veranstalteten Umfrage über die mutmaßlichen Ent- Wickelungen der italienischen Politik prophezeit Genosse Enrico Ferri schon wieder einmal die baldige Bildung eines Re- formkabinetts mit. sozialistischen Elementen. An„höchster Stelle" sei man der heutigen Untätigkeit und Träg- heit längst müde geworden und würde gern einen Versuch mit neuen Elementen machen. Solange Giolitti am Ruder bliebe, bestünde keinerlei Aussicht, die dringendsten Reformen, vor allem die des Abgabewesens, durchzusetzen. Aber das Kabinett Giolitti könnte leicht zu Fall gebracht werden: die Energie von 30 Ab- geordneten der äußersten Linken würde hinreichen, um die De- Mission des Ministerpräsidenten z» erzwingen. Giolitti sei nicht mehr der Mann, einer längeren anstrengenden Diskussion Stand zu halten; er würde ihr einfach körperlich erliegen und lieber vom Amt zurücktreten, als seine Gesundheit aufs Spiel setzen. Weiter gibt Ferri seinem alten Gedanken Ausdruck, daß die italienische Politik, mit einem Abstand von etwa einem Jahrzehnt, den Wand- lungcn der französischen folge. Was wir heute durchmachen, cnt- spräche ungefähr dem Ministerium Meline. Unter Ueberspringung de? Kabinetts Combes strebe die italienische Politik jetzt einem UebergangSmmisterium zu, das die Merkmale der Ministerien Waldeck und Clemenceau in sich vereinige. Das weitere Ziel der Entwickclung sei dann ein Pendant zum Ministerium Briand.— Diese Prophezeiungen wiederholt Ferri in den letzten Jahren periodisch, ohne daß sich bis jetzt die italienische Politik dazu an- schickte, ihm Recht zu geben. England. Tie Verfolgung des Verlegers vom„Jndian Sociologist". London. 23. August.(Eig. Ber.) Seit einigen Jahren er- schien in London eine kleine Monatsschrift unter dem Titel: „Jndian Sociologist", die von Krischnawarma, einem in Cambridge ausgebildeten und in. Paris lebenden Hindu, redigiert wird. 5lrischnawarma ist Anhänger des politischen Meuchelmordes, und er propagierte diesen Gedanken in seinem Blatte. Nebenbei unter- hielt er in London ein Heim unter dem Namen„Jndia House", in dem indische Studenten, die hier die Universität besuchen, ihren Sammelpunkt hatten. Tie Regierung ließ Krischnawarma ge- währen und seine Propaganda nahm einige Jahre hindurch un- gestörten Fortgang. Jedoch hielt es Krischnawarma für nötig. sein Domizil nach Paris zu verlegen. Als der indische Student Dhingra seine wahnsinnige Tat verübte, untersagte die Regierung die Herausgabe des„Jndian Sociologist"" und bestrafte dessen Ver- leger, einen englischen Druckereibesitzer, mit drei Monaten Gefängnis. Das Blatt erschien im Juni und Juli nicht mehr, aber im August wurde hier eine weitere Nummer herausgegeben. Der neue Verleger ist Guy A. A l d r e d, der früher in der „Justice" schrieb, aber bald aus der Sozialdemokratischen Partei austrat, da ihm diese nicht atheistisch und revolutionär genug tvar. Aldred gründete einen Verlag unter dem Titel Bakunin- Presse und gab anarcho-sozialiftische Broschüren heraus. Nach dem Verbot des„Jndian Sociologist" setzte er sich mit Krischnawarma in Verbindung und übernahm den Verlag des Blattes. Aldred erklärte, er sei zwar gegen Attentate und identifiziere sich keineswegs mit den Ansichten Krischnawarmas, aber er Wer- nahm den Verlag des„Jndian Sociologist", um das Prinzip der Preßfreiheit zu verteidigen. Aldred wurde darauf wegen Verbreitung verbotener aufrührerischerSchriftcn(d. h. des„Jndian Sociologist") verhaftet, aber bei der ersten Verhandlung vor dem Unter- suchungsrichter gegen Kaution von 200 Pfund Sterling auf freien Fuß gesetzt._ Die Flottenrüstung. London,' 31. August. Von den sechs Kriegsschiffen, deren Bau bedingungsweise beschlossen ist, werden zwei am 1. November dieses Jahres und die übrigen vier am 1. April nächsten Jahres in Angriff genommen werden. Das eine der in diesem Jahre zu beginnenden Schiffe wird ein Panzer von der Klasse der„Dreadnoughts", das zweite ein Kreuzer vom Typ des„Judomitable" sein. Cttrhci. Die Wahrheit über die Metzeleien in Adaua. Aus Konstantinopel wird uns geschrieben: Die Schrecken der blutigen Ereignisse in Adana, bei denen etwa 30 000 Menschen das Leben einbüßten, empören noch immer das öffentliche Gewisse», weil die türkischen Regierungskreise bis in letzter Zeit— die Armenier selbst als die Schuldigen anklagten. Im„Vorwärts" haben wir öfter Gelegenheit gehabt, diese schreiende Ungerechtigkeit darzulegen und die wahren Anstifter der Metzeleien zu brandmarken. Jetzt endlich können wir mit großer moralischer Genugtuung eine wichtige Tatsache melden: der türkische Ministerrat hat offiziell bekannt gemacht, daß die Beschuldigungen. die bisher gegen die armenische Bevölkerung in Cilicien erhoben waren, jedes Grundes entbehren." Wir halten es nicht für überflüssig, den Inhalt dieses Doku- ments zu veröffentlichen, eines Dokuments, das, abgesehen von allem anderen, ein Fußtritt ist für die bürgerliche Presse Deutsch- lands, die jene unwahren Beschuldigungen unbesehen verbreitet hat. In dem Rundschreiben des Ministerrats an die Provinzbehörden wird also gesagt: «Die politischen Organisationen, die unter der armenischen Bevölkerung existierten, hatten den vollständig gerechten Zweck, das Volk von den Grausamkeiten und der Gewalttätigkeit der despotischen Regierung zu befreien. Und die Anstrengungen, die diese Parteien für die Wiederherstellung der Verfassung gemacht haben, beweisen tatsächlich, daß das Armeniertum sich für einen Bestandteil der allgemeinen osmanischen Nation hält. Und auch nach der Wieder- Herstellung der Verfassung haben die armenischen Parteien alle ihre Kräfte der Arbeit für das Wohl des allgemeinen Vaterlandes ge- widmet. Dies alles beweise, daß die Gerüchte, als ob das armenische Volk verderbliche politischen Be- strebungen hätte, aus der Luft gegriffen sind. Als Ursachen der Metzeleien werden im Rundschreiben die Ausschreitungen der Reaktionäre, die Untätig- keit und die Versäumnisse der Behörde und die Unwissenheit und derFanatismus der mohamedanischen Volksmassen angegeben. Am Ende verspricht der Ministerrat, die wahren Schuldigen und die Anstifter zu bestrafen. Es wird also offiziell anerkannt. daß die bis jetzt Be st rasten nicht die wahren Schuldigen waren und daß— dies ist das Entsetzliche— die sechs gehängten Armenier unschuldig waren! Belagerungszustand. Konstantinopcl. 31. August. Wie verlautet, soll wegen der Bor- gänge in Griechenland sowie wegen der a I b a n e s i s ch e n Unruhen der Belagerungszustand auf die ganze europäische Türkei ausgedehnt werden. Snecdenland. Die Lage. Die Athener Presse protestiert einhellig gegen die Unterstellung auswärtiger Zeitungen, daß die Militärbewegung sich gegen das Herrscherhaus richte, und betont die K ö n i g S t r e u e der Armee und des Volkes.— JndeS wird aus Athen gemeldet: Die Lage bleibt eine h o ch e r n st e. Die revoltierenden Offiziere fordern kategorisch die Entfernung der für den Kronprinzen eingetretenen Offiziere. Der Kronprinz wird, wie ver- lautet, mit seiner Familie längeren Aufenthalt im Auslände nehmen. MroKKo. Neue Rüftungr» Spaniens. Die spanische Regierung betreibt energisch die Bereitstellimg weiterer Truppen fiir den Transport nach Afrika. Zunächst soll, falls General Marina weitere Verstärkungen verlangt, die Division Sotomayor in Bittoria und Galicien, die auf die vollständige Effektivstärke von 8000 Mann. 20 Geschützen und 4 Eskadron» Jäger zu Pferde gebracht ist, hinübergeschickt werden. London, 31. August.„Daily Telegraph" meldet aus Madrid, daß 65 000 spanische Reservisten durch lönigliches Dekret mobil ge- macht worden seien.__ Hus der parteü Zum Parteitag. Die Generalversammlung des Wahlkreises Borken-Reck- lingbausen nahm folgende Resolution an: Die Gcileralversaiiiiiilniig erwartet vom Leipziger Parteitag einen würdevollen Verlauf. Die vorhandenen MeinungL- Verschiedenheiten müssen in einer Form behandelt werden, die unseren Gegner» keinen Anlaß breten darf, die im Volke herrschende Mißstimmung anläßlich der ReichSfinanzreform von sich abzuwälzen. Dies Ivürde ganz besonder? der ZentrumSpartei gefallen, deren Einfluß durch die jüngsten Vorgänge stark mS Wanken geraten ist. Die Parteigenossen, die hier mit der ZentrumSpartei in einem harten, aber erfolgreichen Kampfe stehen, müßten es als durchaus unklug empfinden, ivenn ihnen die Früchte jahrelanger intensiver Arbeit zerstört würderr. Als Delegierter zum Parteitag wurde Genosse Salzmann gewählt. In einer Parteiversaimnlung des 12. und 13. sächsischen W'a hlkreises Leipzig-Stadt und Land, die am Freitag tagte, hielt Genosse L i p i n s l i ein Referat über den Parteitag, in dem er u. a. sagte:„... Trotz aller Gegenanträge einiger süddeutscher Genossen wird sich der Parteitag mit dem Ver- halten der württembergischen Landtagsabgeordneten befassen und ihnen klarmachen, daß sie als Abgeordnete lediglich die Interessen der Wähler zu vertreten, alle übrigen Dinge aber, die mit den Interessen und Auschannngen des Proletariats unvereinbar sind, zu umerlassen haben. Weiter werde es sich um die Mitarbeit an bürgerlichen Zeitungen handeln, die durch die Geschmacklosigkeit des Genossen Bernstein zu einer Affäre aufgebauscht Ivorden ist. Wenn die Parteigenossen dem immer wieder ruhig zusehen, würde der Skandal überhaupt nicht mehr aufhören. Es müsse ein- mal ausgesprochen werden, daß solche Dinge nicht vorkommen könnten, wenn die Parteigenossen bei der Vergebung von ver- antwortungsvollen Aemtern nicht so oft die Gutmütigkeit als oberstes Prinzip gelten ließen, sondern mehr die prinzipielle Haltung der Kandidaten berücksichtigen würden. Es gäbe eine ganze Reihe von Parteigenossen, die die Interessen der Partei verletzt haben und immer ivieder anfgeuommen werden. Das führe dazu, daß Per- soncn, die an der Spitze stehen, glauben, sich alles herausnehmen zu können.... Auch die Maifeierfrage werde wieder Staub aufwirbeln. Das Bestreben, die Arbeitsruhe einzudämmen, mache sich unverkennbar bemerklich. Dem müsse ganz energisch entgegengetreten werden. Die vom Parteivorstand und der Generalkommission gemachten Vor- schlüge zur Unterstützung der Maiausgesperrtcn seien unannehmbar, weil dadurch eine ganz ungerechtfertigte Belastung der Partei ein- trete. Die Parteileitung empfehle folgende Entschließung: „Die Versainmluiig erklärt nach wie vor die Arbeits« ruhe am 1. Mai als die würdigste Demonstration für die Ver- kürzung der Arbeitszeit und erwartet von den Leipziger Delegierten, daß sie auf dem Parteitag für die Beibehaltung der Arbeitsruhe am 1. Mai eintreten. Im übrigen erachtet die Versammlung auch den neuen Vor- schlag für die Unter st ützung der Maiausgesperrten in dieser Form für unannehmbar, sie hält vielmehr an folgenden Grundsätzen fest: Die Schaffung von Bezirksfonds unter Ausschaliung der Mitwirkung der Zentralkassen der Gewerkschaften ist ebenso wie die früher vorgeschlagenen Lokalfonds eine Aufhebung des seit Jahr- zehnten erkämpften zentralistischen Prinzips. Grundbedingung für Schaffung derartiger Fonds ist, daß die Zentralverbände Träger der Unterstützung auch für die Mai- ausgesperrten sind. Mitgliederbeiträge der politischen Organisationen dürfen für derartige Fonds nicht verwendet werden, da eine solche Verwendung bei den geringen Beiträgen eine Einschränkung der politischen Aktion herbeiführen muß." Der erste Teil dieses Antrages wurde einstimmig, der zweite lUnterstiitzilngsfrage) gegen einige Stimmen angenommen. Außer- dem wurde ein von Plottke und 17 Genossen eingebrachter Antrag angenommen, der den Delegierten empfiehlt, alle Anträge auf Ein- schränkung des A I k o h o l g e n u s s e s zu unterstützen. Der Wortlaut des Antrags ist derselbe, wie der deS in voriger Nummer von uns mitgeteilten der Genossen von Halle. Die ParteitagSmimmcr der„Neuen Welt" führt in diesem Jahre ihren Lesern Leipzig in Bild und Wort vor Augen. Mehr als ein Dutzend gut gelungener Illustrationen zeigen die charakteristischsten Bauwerke der Pleißestadt/ unter denen natürlich auch das Parteitagslokal nicht fehlt. Von den textlichen Beiträgen der prächtig herausgekommenen Nummer unseres illustrierten UnterhaltungSblattes nennen wir:„Aus schwerer Zeit", Erinnerungen von Fritz Geyer;«Leipzig und seine Spießer" von Paul L e n s ch, und„Leipzigs Handel und Industrie" von Richard L i p i n s k i. Soziales* Aus dem Bäckergewcrve. Die Frühstücksausträgerin G. klagte vor dem Jnnungsschieds- gericht gegen den Bäckermeister Veckenstädt auf Zahlung von 10 M. rückständigen Lohn. Der Beklagte hält sich berechtigt, den Lohn ein- zubehalten, weil die Klägerin ihre Dienste einem Konkurrenten von ihm angeboten und ihm gleichzeitig von den 42 Kunden, die sie bediente, den größten Teil abspenstig gemacht habe. Der cntstan- dene Schaden müsse ihm doch ersetzt werden. Das Schiedsgericht belehrte den Beklagten dahin, daß der Lohn nicht cinbehalten werden dürfe und von einer Schadenersatzklage in diesem Falle schwerlich ein Erfolg zu erhoffen sei. Der Beklagte erkannte daraufhin die Forderung an. Der Arbeiter M. war beim Bäckermeister Albert Giebelmann als Hausdiener gegen 8 M. Lohn und freie Kost beschäftigt. Eines Tages sagte ihm der Meister, er solle machen, daß er fortkomme. M. nahm die Entlassung an, erhielt aber seinen rückständigen Lohn nicht. Das führte zur Klage. Im Termin meinte der Beklagte, der Kläger sei kontraktbrüchig geworden, die Aushilfe sei zu teuer geworden und diesen Schaden dürfe er mit dem restlichen Lohn des Klägers decken. Das Schiedsgericht bemühte sich vergeblich, dem Beklagten klar zu machen, daß das nicht zulässig sei; Schaden- ersatzansprüche könne er nur im Wege der Widerklage geltend machen, die aber erfolglos sein würde, da er den Kläger selbst ent- lassen habe. Der Beklagte mußte verurteilt werden, dem Kläger 3,50 M. zu zahlen. Um eine üble Erfahrung reicher geworden ist der beim Bäcker- meister Otto Wiesner beschäftigt gewesene Bäcker Hoffmann. Er hatte in dem ihm zur Verfügung stehenden Kleiderschrank feine Barschaft ausbelvahrt. Eines Tages waren ihm 20 M. abhanden gekommen. Er machte nun den Unternehmer für den Schaden ver- antwortlich, weil der Schrank nicht verschließbar war. Seine Klage war aber erfolglos, da, wie das Schiedsgericht sagte, der Meister nur einen verschließbaren Raum zu stellen habe, und diese Ver- pflichtung sei von ihm erfüllt worden. Ein Landrat für den Alkohol-Boykott! Folgendes, vom Landrat Dr. Lucas in Solingen unterzeich- netes Schriftstück, ging der„Bergischen Arbeiterstimme" zu: „Was eine Gewerkschaft vermag im Kampfe. gegen den Alkoholmißbrauch, zeigt folgendes Beispiel: Auf der kaiserlichen Werft in Kiel bestand der Brauch, die Gcburts- tage durch Ausgabe von„Runden" und„Litern" Schnaps zu feiern. Die Verbote, die von der Leitung der Werft hiergegen gerichtet wurden, fruchteten wenig. Was sie nicht ver- mochten, hat die Leitung des Mctallarbciterverbandes zustande ge- bracht: auf ihre Anweisung ist jener schlimme Zopf neuerdings abgeschnitten._ Steuerschraube. Im Jahresbericht der Handelskammer in Lüdenscheid für das letzte Jahr liest man: „Die Verfügung des Finanzministcrs über die Besteuerung des Einkommens aus Ueberstunden veranlaßt vielfach die Ar- bciter, die llcbcrarbeit überhaupt zu verweigern. Die Erbitte- rung der Arbeiter über die nach ihrer Meinung äußerst harte Maßnahme ist eine so große, daß man lieber auf die Mehre innahme verzichtet, so dringend notwendig es für dcü Arbeitcrhaus- halt auch ist, daß der Lohnausfall flauer Perioden durch lieber- arbeit in flotten Zeiten einigermaßen wieder eingebracht wird. Eine hiesige Firma, die glaubte, im Interesse ihrer Arbeiter die Lohnangaben aus Ueberstunden verweigern zu sollen, wurde in empfindliche Strafe genommen." Den feudalen und kommerzicnrätlichen Steuerhinberziehcrn mutz es doch eine moralische Genugtuung bereiten, zu wissen, daß wenigstens der Arbeiter den letzten Pfennig versteuern muß, 6ewerhrcbaftUcbc& KaffeehauSkcllncr. Zu der Notiz„Die S t e u e r l a w i n e", in der Ausgobe des„Vorwärts" vom 26. August betreffend die Verhältnifse in den hiesigen Cafes schreibt man uns: Das Lohn- und Arbeitsverhältnis der Kellner in den Cafes ist ein viel schlechteres, als allgemein an- genommen wird. Diese Sklaven im sauberen Frack oder in der schneeweißen Wäsche führen ein geradezu erbärmliches Dasein. In Frage kommt hierbei hauptsächlich der Revier- und der Zahl- kellner. Die große Masse der Cafehausbesucher weiß es nicht, daß der Kellner weder Lohn noch Kost von seinem Arbeitgeber erhält. Man weiß auch nicht, daß der Kellner im Cafe an den Unternehmer sogar noch Abgaben zu leisten hat. lediglich um arbeiten zu dürfen. Die fortlaufenden Abgaben erstrecken sich auf Glas- und Porzellan- bruch, Streichhölzer und Zeitungen, Putzgelder an das Hilfst- personal, Placeurgeld an den Rausschmeißer im Gehrock, Leih- Wäsche an den Unternehmer und verschiedenes andere mehr. Da hält es wahrlich schiver, redlich und ehrlich zu bleiben. Es gibt keine feudalen Cafes,„in denen der Kellner entlohnt wird". Feudal ist ohne Ausnahme jedes Cafe, aber nur für den Inhaber. In den sogenannten„besseren" Cafes, in denen zuweilen Musik verzapft wird, besteht ja schon längst der Preis von 35 Pf. für eine Tasse Kaffee— das Cafe National läßt sich sogar 45 Pf. bezahlen. Der Cafetier wendet in den seltensten Fällen mehr an als 1,60 M. für ein Pfund Kaffee. Auf einem Pfund Kaffee werden niindestens 8 Liter Wasser verarbeitet. Das ergibt bei den „Finkennäpfchen" 70 Tassen. Die Herstellungskosten betragen daher für solch einen Finkennapf niemals mehr als 2V. Pf. Rechnet man die Sahne, den Zucker und auf jede Tasse die Feuerung hinzu, so wird der Selbstkostenpreis nicht mehr als 5-6 Pf. betragen. Nicht minder groß ist der Profit für den Cafetier beim Bier. Da, wo noch der alte Preis gehalten wird, verabreicht man kleinere Matze. Man verschänkt echtes Bier ein viertel Liter für 30 Pf., helles Bier zwei Zehntel wird mit 15 Pf. und ein viertel Liter mit 20 Pf. verkauft. Hierbei bleibt dem Cafetier ein Rein- gewinn beim echten Bier von 68 Pf. und beim hiesigen Bier von 60 Pf. pro Liter. Weit höher aber ist der Reingewinn beim Verkauf von Tee, Schokolade, Likören, Punsch, alkoholfreie öder Eisgetränke. Es kann deshalb als eine Tatsache hingenommen werden, daß das Cafe das rentabelste Unternehmen ist. Als schamlos, aufreizend und unmoralisch muß das Aus- beutungssystem der Cafetiers gegenüber ihren Kellnern bezeichnet werden. Aber die Zustände werden sich nicht eher ändern und bessern, bis die Cafckellner den Weg zur Organisation gefunden haben. Mit moralischen Betrachtungen lockt man den Cafetiers keinen Lohn für die Kellner aus der Tasche. Berlin und dnigegcnd. Aus der Tabakindustrie. Die Zigarrcnfirma Krüger u. Blumenau in Bünde, die ihren Arbeitern das Koalitionsrecht rauben wollte, verzichtete auf die Durchführung ihrer Maßnahme, als sie auf den einmütigen Widerstand der Arbeiter stieß. Die Firma hat die. Organisation anerkannt. Die Zigarrenfirma Rentsch u. Co. in Werther i. W. hat aus Anlaß der neuen Tabakwertsteuer die Löhne der von ihr beschäf- tigten Zigarrenarbeiter um 1 M. pro Mille gekürzt. Das macht einen Lohnabzug pro Arbeiter von 75 bis 100 M. im Jahre. Neutsch u. Co. ist bis jetzt die einzige Firma in Westfalen, die es unternommen hat, trotz der herrschenden Teuerung und der neuen Belastung der Konsumenten durch die neuen Steuern, den Ar- beitern einen solchen Lohnabzug zuzumuten. Die Zigarrenarbciter sind im Deutschen Tabakarbeitcrverband organisiert und haben den Kampf aufgenommen. Die Firma Rentsch u. Co. hat ihren Hauptabsatz in Berlin. Die Marken, welche hier hauptsächlich ver- kauft werden, sind:„B a r o n e s i a". Werthers Lotte" und „Graue Vögel 1, 2 und 3". Die Arbeiter von Groß-Bcrlin werden wissen, daß sie die Konsumenten und Verkäufer dieser Marken aufzuklären haben._ Die Geldschrankschlosscr der Firma Panzer haben mehrere Ver- sammlungen abgehalten, um zu dem Verhalten der Firma in bezug aus die Wicdereinstellung der Streikenden Stellung zu nehmen. Die Arbeiter warteten geduldig von einem Tag zum anderen, daß die gemachten Versprechungen eingelöst würden. Als sie aber sehen mußten, daß hei Panzer Gelbe anstatt der Streikenden ein- gestellt wurden, entgegen der eingegangenen Verpflichtungen durch die Meisterkommission, da war man entschlossen, den Kampf von neuem aufzunehmen. Der Arbeiterausschuß hatte' Unterhand- lungen mit der Direktion angeknüpft und das Resultat sollte einer Versammlung der Arbeiter vorgelegt werden, die am Dienstag- mittag bei Frisch in der Badstratze stattfand. Die Mittagspause in der Fabrik wurde zu diesem Zwecke um eine halbe Stunde ver- längert. Der Ausschuß berichtete, daß die Unterhandlungen ein günstiges Resultat gezeitigt hätten, indem 13 Streikende am nächsten Tage schon eingestellt werden sollten. Dann sind noch 19 ohne Arbeit, aber auch sie können eingestellt werden, wenn keine Gelben mehr Aufnahme finden. Arbeit scheint genügend vor- handen zu sein, denn es wurden sogar schon Ueberstunden verlangt. In der Schlichtungskommission, die am Donnerstag Sitzung hält, wird man darauf dringen, daß bei Panzer keine Gelben mehr ein- gestellt, die getroffenen Vereinbarungen mit der Meisterkommission eingehalten werden. Die versammelten Arbeiter erklärten sich mit dem Resultat der Unterhandlungen vorläufig zufrieden. Für die Gas- und Wasserrohrleger hat der Allgemeine Metall- arbeitcrverband einen Akkordtarif mit der Organisation der Unter» nehmer abgeschlossen. Die Unternehmer haben vor einigen Jahren schon einen solchen Tarif durchzudrücken versucht; damals sind aber die Rohrleger nicht darauf eingegangen. Die im Deutschen Metallarbeiterverband organisierten Rohrleger sind mit dem Tarife sehr unzufrieden. Sie kamen am Sonntag zu einer Besprechung der Situation im Gcwerkschaftshause zusammen und verurteilten scharf das Vorgehen des Allgemeinen Metallarbeiter- Verbandes, der sich zum allergrößten Teile aus Rohrlegern zu- sammensetzt. In einer Resolution sprachen die Versammelten ihre Eni- rüstung über den Abschluß des Akkordtarifes aus, da sie darin eine schwere Schädigung der Berufsinteressen erblicken. Die Ge- wissenhaftigkeit. die bei Rohrlegerarbeiten erforderlich ist, müsse unbedingt unter den neuen Ahmachungen leiden. Die Versammelten bedauern, daß die Kollegen vom Allgemeinen Verband diesem Tarif ihre Zustimmung geben konnten. Achtung, Böttcher und Fahkntscher! Di: Böttcher und Faßkutscher der Firma Vereinigte Faß- Handelsgesellschaft m. b. H., Fröbelstratze, befinden sich sc,t Sonn- abend, den 23. August, im Ausstand. In vielen Betrieben Berlins wird schon seit längerer Zeit für Böttcher ein höherer Lohn ge- zahlt als bei genannter Firma. In diesem Betriebe besteht auch noch die 9 M- stündige Arbeitszeit, wohingegen in den anderen Be- trieben die Arbeitszeit nur 9 Stunden beträgt. Die Böttcher ver- langten nun die Erhöhung des Lohnes und Einführung der Sstündigen Arbeitszeit. Auch die dort beschäftigten Kutscher richteten an die Firma das Ersuchen, den bisher für die zu leistende Arbeit gerade nicht zu hohem Lohn etwas aufzubessern. Die Firma, eine Filiale des gleichnamigen Hamburger Unternehmens, gab den Arbeitern am Sonnabend den Bescheid, daß das Hauptgeschäft die Erfüllung der Forderungen strikte abgelehnt habe und sich auf keine Verhandlungen einlasse. Unter diesen Umständen sahen sich die Böttcher und Kutscher veranlaßt, die Arbeit niederzulegen. Im Betriebe blieb nur ein arbeitswilliger Böttcher, der das Füttern der Pferde übernommen hat. Wir ersuchen, die im Ausstande befindlichen Arbeiter in ihrem Kampfe zu unterstützen. Dir Firma ist für Böttcher und Kutscher gesperrt. Verband der Böttcher. Deutscher Transportarbeiterverband. Stukkateure. Die Differenzen bei der Firma Bosselmann u. Comp, sind zugunsten der Kollegen erledigt. Deudlcbes Reich. Ein lustiger Reinfall bei der Jagd auf Arbeitswillige. Die Aussperrung bei R. A. Pfeiffer in Wermels- k i r ch e n dauert bereits sechs Wochen. Die Firma gibt sich die größte Mühe, Arbeitswillige zu bekommen, hat aber viel Pech; die„Roten" machen eben alles ausfindig und schnappen Herrn Pfeiffer, wenn er glaubt, Arbeitswillige zu haben, diese ihm vor der Nase weg. So erschien vorige Woche in einer Wülfrather Zeitung folgendes Inserat: Es werden mehrere tüchtige, perfekte und christlich ge° sinnte Zuschneider für Ledergeschäfte gegen guten Lohn und dauernde Beschäftigung nach auswärts gesucht. Schriftliche Angebote aub � 5 an die Geschäftsstelle d. Bl. erbeten. Verschiedene Zuschneider von Wülfrath suchten nun zu er- fahren, wer denn dieser Fabrikant sei, der nur christliche Zu- schneider verlangte, und reichten ihre Offerte ein. Darauf meldete sich die Firma Pfeiffer in Wermelskirchen; die Meldenden er- Hilten postlagernd folgendes Schreiben: Gestern abend erst Brief erhalten. Am Donnerstag, also morgen, zwischen lh12 Uhr wird jemand von uns am Bahnhof der Berg. Kleinbahn sich befinden, und bitten Sie, sich dort, am besten vor 12 Uhr. einzufinden, um Sie persönlich sprechen zu können. Unser I. Pfeiffer trägt eine Brille, daran Sie ihn er- kennen können. In der Hoffnung nun daß Sie sich am dortigen Bahnhof kurz nach �12 Uhr einfinden werden, zeichnen Achtungsvoll R. A. Pfeiffer. Pünktlich traf Herr Pfeiffer ein und auch drei„ganz be° sonders christliche" Zuschneider. Zum Verhandeln ging man in eine nahegelegene Wirtschaft. Hier erklärte Herr Pfeiffer, daß er die„roten Brüder" hinausgeworfen und nur noch ch r i st l i ch e Arbeiter einstelle. Am Montagmorgen wurden die drei„christlichen" Arbeiter empfangen von Herrn Pfeiffer, einem Gendarmen und zwei Polizisten. Am Abend hatten sich vor der Fabrik gegen 300 Menschen eingefunden, um zu sehen, was loS ist. Als die Langersehnten kamen und von den Ausgesperrten die„sonderbaren" Christen angesprochen wurden, war sofort Polizei zur Stelle und der Gendarm wollte gleich in Aktion treten und die Arbeitswilligen schützen. Diese erklärten ihm jedoch:„Wir brauchen keine Polizei begleitung, gehen Sie nur JhrerWege!" Lautes Gelächter der versammelten Menge; Polizei und Herr Pfeiffer zeigten verdutzte, lange Gesichter wie die betrübten Loh- gerber, denen die Felle weggeschwommen. Holzarbeiter im Kampf. Die Schreiner und Maschincnarbeiter der Firma Schmetz u. Diepenbrock in Altenessen haben die Arbeit eingestellt, da die Firma sich weigerte, den auch für sie gültigen Essener Tarif anzuerkennen. Am Streik sind 70 Arbeiter beteiligt. Zuzug nach dort ist fernzuhalten. Die Holzarbeiter in Pforzheim sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Es handelt sich in der Hauptsache darum, die Forde- rungen, über die im Frühjahre schon Verhandlungen stattfanden, die aber ergebnislos abgebrochen wurden, nunmehr zur An- crkennung zu bringen._ Lohnbewegung der Hamburger Glasschleifer. Die Glasschleifereibesitzer von Hamburg hahen den mit dem Zentralverband der Glasarbeiter abgeschlossenen Tarif gekündigt und der Arbeiterschaft ganz erhebliche Verschlechterungen an- gekündigt. Der Tarif läuft am 1. Oktober 1909 ab, uttd wenn die eingeleiteten Verhandlungen kein zufriedenstellendes Resultat ergeben, dann dürfte die Arbeit in allen Glasschleifereien Ham- burgs vom 1. Oktoher ab ruhen. Die Unternehmer haben die Re- duzierung der Löhne damit begründet, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse sehr trübe seien und daß die Konkurrenz sie dazu zwinge. Nun haben aber die Berliner Schleifereibesitzer mit der Organisation einen Tarif abgeschlossen, der gleichfalls bis zum 1. Oktober Gültigkeit hat und der, weil nicht gekündigt, auf ein weiteres Jahr gilt. Dieser Tarif ist aber für die Arbeiter be- deutend besser als der Hamburger Tarif. Die Glasschleifer von Hamburg weigern sich, die Verschlechterung des Tarifes anzunehmen und daher dürste eventuell ein Streik ausbrechen. Die Glas- schleifer werden aus diesem Grunde ersucht, Arbeitsangebote aus Hamburg nicht anzunehmen._ 120 Former und Gießereiarbeiter legten am Sonnabend m der Wuppertaler Eisenhütte in Barmen die Arbeit wegen Lohn- differenzen nieder. Zuzug ist streng fernzuhalten. Iiigenäbewegimg. Eine Konferenz der Jugendausschüsse vou Rheinland-Westfalen tagte am Sonntag im Volkshaus zu Elberfeld. Vertreten waren die Jugendausschllsse von Aachen, Dortmund, Düsseldorf, Elberfeld-Barmen, Essen, Krefeld, Hagen, Rem- scheid. RonSdorf, Schwelm, Solingen und W er in e l s- k i r ch e n. Nach einem Referat des Genossen M i l» w- Düsseldorf wurde in eingehender Diskussion die Tätigkeit der Jugend- auSschüsse und die Stellung der Jugend in ihnen besprochen. Entschließungen wurde» nicht gefaßt, doch wurde all- gemein gewünscht, daß der Jugend mehr Selb- ständigkeit und Bewegungsfreiheit gelassen werde. In bezug auf die Organisationsform war inan der Meinung, daß man es den Jugendlichen in den einzelnen Orten überlassen niüsse, j e nach den lokalen Verhältnissen sich für die fe st e Organisation, für Jugendausschüsse oder Angliederung an die BildungSausschüsse zu entscheiden. Für besondere gewerkschaftliche Jugendsektionen war nur wenig Stimmung vorhanden; die bekannten Auslassungen RexhäuserS zur Jugendbewegung wurden scharf zurückgewiesen.— lieber die Frage:„Sind Bezirks- und Reichskonfe- renzen der Jugendausschüsse notwendig", refe- rierte Genosse Werner- Elberfeld. Er hielt eS für angebracht, daß neben den örtlichen Jugendausschüssen und der Zentrale auch Jugendausschüsse für größere Agitationsbezirke bestehen, denen die Aufgabe zufalle, in jenen Orten Jugend- organisationen inS Leben zu rufen, in denen noch keine bestehen und für die bestehenden Jugendausschüsse geeignete Referenten zu vermitteln. Zur Beratung der gemeinsamen Arbeiten innerhalb des TätigkeitskreiieS des Bezirksausschusses und zum gegen- seitigen Erfahrungsaustausch seien regelmäßige Bezirks- konferenzen der Jugendausschüsse notwendig. Ebenso seien Reichskonferenzen erforderlich', um allgemeine Organisationsfragen zu erledigen. Es sei nicht angäuglg, daß Parteitage und Gewerkschaftskongresse allein über die Angelegen- heiten der Jugendorganisationen beschließen, zumal die Mehrheit der Delegierten auf solchen Tagungen nicht immer die wünschenswerte Fühlung mit den Jugendlichen habe. Es wurde nach kurzer Dis- kussion die Gründung eines Bezirksausschusses be- schlössen und der Jugendausschuß von Elberfeld- Barmen als gefchäftsführender Ausschuß bestimmt. Ebenso wurde eine Resolution angenommen, welche von der Zentral st eile die Einberufung einer Reichs- konferenz verlangt._ Versammlungen. Die Laubenkolonisten von Treptow und Umgegend ver- sammelten sich am Sonntag in Ncumanns Lustgarten, um Stellung zu den großen Steigerungen der Pachtsummen für Lauben- ländereien zu nehmen. Der Gcwerkschaftssekretär Karl Giebel referierte. Die Kolonisten beklagen sich besonders über die Aus- beutung durch das Zwischcnunternehmertum. Niedrige Speku- lationsmanöver werden mit den Ländereien getrieben, ganz gleich, ob sie Privatleuten, der Stadt oder einer Kirche gehören. Die Generalverpachtung im Wege der öffentlichen Ausbietung hat zu den schlimmsten Mißständen geführt. Die Preise werden immer höher getrieben; eine Parzelle, die bei der vorigen Gcneralver- Pachtung 200 M. brachte, wird jetzt mit über 500 M. bezahlt. Bon dem Besitzer nimmt der Generalpächter das Land, der gibt es weiter an den Unterpächter, und von diesem erhält es erst der K o l o n i st, der die sich eindrängenden Schmarotzer, die Pächter, ernähren muß. Besonders frech sind die Unterpächtcr, wo sie einen Bierausschank haben. Sie fordern, daß die Kolo- nisten bei ihnen viel verzehren, und haben als Zwangsmittel gegen schlechte Kunden, also mätzige Biertrinker, die Kündigung in der Hand, da die Verpachtung nur auf ein Jahr läuft. Für den Kolonisten bringt es aber großen Schaden, wenn er nur ein Jahr auf einem Platze hausen kann. Der Redner empfahl den Kolonisten, ihre Organisation, den„Bund der Laubenkolonistcn Berlins und Umgegend" zu stärken, um gegen die Gcneralpächter vorzugehen. Es gibt 46 000 Laubcnkolonisten in Berlin, darunter massenhaft Arbeiter, die den Wert der Organisation kennen. Der Bund könnte selbst Angebote machen und Laubenland meistbietend für seine Mitglieder erstehen. Der Bund könnte von der Stadt Berlin verlangen, daß sie das Generalpächtertum ausschalte. Der Bund könnte die öffentliche Meinung gegen die Kirche mobil machen, die mit ihren Ländereien ganz unchristliche Geschäfte treibt, indem sie niedriger Spekulation Vorschub leistet. Ebenso macht es die Stadt Berlin mit ihren Ländereien, während andere Städte noch Privatland pachten, um das System der Laubenkolonien zu fördern. Hier müßte der Bund bestimmte Forderungen an die Stadtverwaltung stellen. Auch große ideelle Zwecke könnte der Bund erfüllen, indem er erzieherisch wirkt, das freundnachbarliche Verhältnis stärkt und kommunistische Gedanken weckt. In der Diskussion, die dem sehr beifällig aufgenommenen Vor- trage folgte, wurden zahlreiche Klagen über die Pächter und auch über die Stadt Berlin laut, der vorgeworfen wurde, daß sie shste- matisch auf eine Verteuerung der Laubenländereien hinarbeite. Ueber die Spekulation, welche die Kirche treibt, war man be- sonders aufgebracht. Die folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: «Die am 29. August in Treptow tagende öffentliche Ver- sammlung des Bundes der Laubenkolonisten erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und nimmt mit Ent- rüstung Kenntnis von den außerordentlichen Preistreibereien bei der letzten Verpachtung der Laubenländereien. Durch das Treiben der Generalpächter sind die Pachtpreise bis zu 300 Prozent in die Höhe gegangen. Da diese Verteuerungen durchweg mit hohen Zu« schlügen auf die Kolonisten abgewälzt werden, führt dies zu einer schweren Belastung besitzloser Volksschichten. Die Laubenkolonisten und ihre Bestrebungen in Hinsicht auf die Volksgesundheit werden dadurch arg geschädigt. Die Versammlung richtet deswegen dringend den Appell an den Magistrat von Berlin, das System der Generalverpachtung an Zwischenunternehmer in allen Fällen abzuschaffen. Umsomchr ist diese Forderung berechtigt, als das Beispiel anderer Großstädte gezeigt hat, daß die unmittelbare Verpachtung sich praktisch bewährt und die Ziele der Lauben- kolonisten wesentlich fördert. Die Versammlung beauftragt eine Kommission, diese Resolution der Stadtverwaltung mit weiterer Begründung zur Kenntnis zu bringen." Der Anschluß an den Bund, der auch eine Fachzeitung„Der Laubenkolonist" herausgibt, wird allen Kolonisten dringend emp- fohlen. Der einzelne Kolonist ist machtlos, nur durch die Organi- sation können die Wünsche, die jeder Einzelne hegt, erfüllt werden. Letzte IVachrichten und Dcpefchen. Ein Arsenal in Flammen. Paris, 31. August.(B. H.) Das Arsenal in TarbeS steht w Flammen. Der Schaden wird bereits auf 3 Millionm Franken ver- anschlagt._ Rette Aussichten. Paris, 31. August.(W. T. B.) Der„Temps" meldet aus Madrid: Der Ministerrat beschäftigte sich heute mit dem Feldzuge in Melilla, sowie mit den Kosten desselben. Eine Kreditoperation zum Zwecke der Ausgabe von Schatzbonds soll solange wie möglich herausgeschoben werden. Erst im äußersten Notfall will die Rc- gicrung auf den Goldbestand bei der Bank von Spanien zurück- greifen, der sich auf 75 Millionen beziffert und dem Finanzminister für die Bezahlung der Kupons der äußeren Schuld und für andere im Ausland in Gold zu leistende Zahlungen reserviert ist. Im Prinzip ist die Regierung entschlossen, das Siecht zum Loskauf vom Militärdienst wieder einzuführen, wovon man eine bedeutende Ein- nähme erwartet. Die Minister behaupten, den Ursprung und die Fäden der revolutionären Bewegung in Barcelona entdeckt zu haben lO- Die Urheber, sowie die Hauptbeteiligten sollen zur Verantwortung gezogen werden, selbst wenn die Regierung von dem Parlamente die Ermächtigung zur Verfolgung von Senatoren und Deputierten verlangen müßte. Diese Drohung zielt offenbar auf dem Senator Sol y Ortega ab, der jüngst die Ereignisse in Barcelona verteidigt hat. Angeblich ist dieser, wie der Deputierte Leroix und der Journalist Ferrer nach Frankreich geflüchtet. Keine Abfahrt heute nacht. Zahna, 31. August.25 Pf. für die große Weiße an. Manche Restaurateure liehen die I Erhöhung schon vor mehreren Wochen eintreten, und sie begnügen sich nicht mit 13 Pf., sondern nehmen 15 Pf. Durch die jetzt vor- genommene Erhöhung haben die Wirte ihre Position den Kunden gegenüber wieder mal verschlechtert. Als wesentliches Beruhigungsmittel wegen des in Aussicht stehenden Aufschlages wirkte die Behauptung, mit der Verteuerung werde eine wesentliche Qualitätsverbesserung des Weißbieres Hand in Hand gehen. Davon werden die Weiffbier- trinker aber doch vorläufig nichts merken. Mindestens hätte man mit der Verteuerung warten müssen, bis die bessere Qualität zum Ausschank kommen konnte. Die Wirtevertreter suchen ihre Zu- stimmung mit der Behauptung zu begründen, sie hätten mitwirken wollen, dem Weißbier wieder ein gröfferes Absatzgebiet zu erobern. An dem Rückgang seien vielfach die Wirte schuld. Obwohl manches Weiffbier nicht einmal 9 Proz. Stammwürze enthalten habe, sei bis 20 und mehr Proz. Wasser zugegossen worden. Zudem habe man durch mancherlei Zusätze eine schnelle aber ungesunde Reife herbei- geführt. Solche Planschereien verbietet nun das Gesetz, so. daß die Lieferung guten Bieres bei den Brauereien liege. Diese hätten sich gegen das Zugeständnis der Preiserhöhung von 3 M. ehrenwörtlich verpflichtet, nur noch Bier mit 10 Proz. Stammwürze zu liefern.— Daß die Wirte den Brauern die ganzeSorgeumdie Absatzerweiterung ab- nehmen wollen, setzt eine Selbstverleugnung voraus, zu der unseres Er- achtens keine Veranlassung vorlag und die mit der Vornahme der Preiserhöhung, ehe eine beffere Bierqualität ausgeschenkt werden kann, schwer vereinbar ist. Die Wirte hätten sich' auch mit einer moralischen Garantie für eine Qualitätsverbesserung nicht begnügen dürfen. Sie brauchen sich nicht zu wundern, daß die Biertrinker solchen Erklärungen skeptisch gegenüberstehen. Die uns gegenüber von Wirten geäußerte Meinung, der von den Brauern zugesagte Wiirzegchalt sei gesetzlich vorgeschrieben, ist durchaus irrig. Mindestens müßten da von den Brauern noch sachliche Garantien verlangt werden. kleines fcuillcton. Wie man 180 Kilometer fliegt. Henry Farman, der kühne Aviatiker, der jetzt in Reims mit seiner Flugma>chine in 3 Stunden und 5 Minuten 180 Kilometer zurückgelegt und damit einen Welt- rckord aufgestellt hat, veröffentlicht im.Matin" einen interessanten Bericht über den Verlauf seines Fluges und die Enchfindungen. die ihn dabei erfüllten. Trotzdem eine Reihe von Zwischenfällen ihn verhindert hatten, seinen neuen Motor vorher zu erproben, trat Farman voll Vertrauen in den Wettkampf. Es war nicht möglich gewesen, seine Flugmaschine vorher genau auszubalanzieren, so daff er am Vorderteil ein Brett anbringen muffte, um ein Gcgeugelvicht zu schaffen..Ich wußte, daff ich bei einem plötzlichen Breinsen auf die hintere Zelle meines Zweideckers zurückfallen müßte. 62 Liter Essenz führte ich mit; mit ihnen sollte ich drei Swnden fliegen können." Auch am Motor mufften noch im letzten Augenblick kleine Aendernngcn vorgenommen werden, bis Farman endlich zum ent- scheidenden Fluge aufbrach..Ich wußte nicht sicher, ob ich drei Stunden würde fliegen können; denn in Flugdingen kann man nichts sicher wiffen, ja kaum voraussagen. In dem Augenblick als ich abfuhr, war der Wind noch ziemlich stark, so daß ich schwankte und Gefahr lief, wieder zur Erde hinabgedrückt zu werden; während der Hälfte meiner Fahrt muffte ich mit diesem Winde kämpfen. Ich wählte eine Flugbahn dicht über dem Erdboden; das ist vielleicht nicht sehr bestechend und nicht sehr elegant, das entfesselt vielleicht beim Beschauer keinen Enthusiasmus, aber ich hatte andere Dinge, um die ich sorgen muffte, vor allem den Essenz- verbrauch des Motors. Ich wollte lange fliegen und so hatte ich auch die Gewißheit, keinen Tropfen Essenz zu vergeuden. Ich regelte die lvkotorheizung so ökonomisch wie möglich; nach wenigen Minuten aber hörte ich am Motor ein warnendes Geräusch. Nun griff ich zu dem Trick, der bisher uie versagte: ich gab eiue reichere Essenz- mischung, die sofort die vorübergehende Schwäche des Motors beseitigte. Nun flog ich in einer Höhe von zwei bis drei Meter. Nach der ersten Tour überkam mich die Kälte, eine Kälte, die mir fchrecklich schien und gegen die ich verzweifelt ankämpfte. Ich raffte mich zusammen, aber im nächsten Moment über- wälsigte mich der Lärm und daS Geknatter des MotorS. Es war wie eine Art Betäubung. Ich hörte nichts mehr: ich war taub geworden. Sehr deutlich sah ich die Wendeposten an den Enden deS FlugwegeZ. Um l/z5 Uhr war ich aufgestiegen; zwei Stunden lang hatte ich klares Wetter. Dann neigte sich der Tag, die Dämme- rung kam, ich sah nicht mehr so gut und zudem breitete sich ein leichter Schleier über die Ebene. Baunigruppen. Heuschober von besonderen Formen oder Häuser dienten mir als Nichtzeichen. Einen Augenblick glaubte ich mich sogar in ein Landhaus zu verfangen; dank der Feuer, die man an den Wendeposten entzündet hatte, flog ich dann zur Tribüne. Die brausenden Ovationen, die mir ans Ohr drangen» verrieten mir, daff ich den Rekord gebrochen hatte. Die letzten In Leipzig macht sich der Boykott besonders in den Lokalen, wo Leipziger Bier ausgeschenkt wird, sehr stark fühlbar. Viele Fabrikkantinen haben ihren Betrieb einfach ganz eingestellt wegen Mangel an Absatz. Die Einfuhr auswärtiger Biere nimmt dagegen noch zu. In verschiedenen Gegenden des Reiches hat der Bierkrieg bereits sein Ende erreicht. Die Wirte sehen sich vielfach gezwungen, die alten Preise wieder einzuführen, so daff das bierkonsumierende Publikum den Sieg aus dem Kampfe davongetragen hat. In den meisten Orten des Saarreviers muffte die vorgenommene Bier- Preiserhöhung wieder fallen gelassen werden. Nicht nur die Wirte haben den ftüheren Zustand wieder her- gestellt, auch die Brauereien lenken ein und versuchen, einen AuS- gleich herbeizuführen. Durch die sortgesetzten Proteste deS Publikums und durch den Rückgang des Konsums sahen sich die Groffbrauereien in Breslau veranlaßt, mit einer Preisermäßigung vorzugehen. Die erhöhten Preise wurden durchweg auf die Hälfte herabgesetzt. Auch die Breslauer Bierverleger haben beschlossen, die Preise zu ermäßigen. Die To.rpedowerkstatt in FriedrichSort, die reich- lich 1500 Arbeiter beschäftigt, beschloß, den Mergenuff gänzlich ein- zustellen. Die Mitglieder deS Arbeiterausschusses stimmten in einer gemeinsam mit der Leitung abgehaltenen Beratung gegen den Bezug von Bier für die Kantine, die Werkstatt und das Erholungshaus, so lange die jetzigen Bierpreise bestehen. Der Beschluß wurde allen Arbeitern durch Anschlag mitgeteilt. Eiue groffe Versammlung der Maurer und Bauarbeiter Kiels beschloff einstimmig, kein Bier zu erhöhten Preisen zu trinken, das sogenannte Budikerwescn auf den Bauten abzuschaffen und auf den Branntweingenuff ganz zu ver- zichten. Der passive Kamps gegen die Bierpreistreiberei hat in Gera- R e u ff den Erfolg gehabt, daff die Brauereien den mit den Wirten vereinbarten Preisausschlag von 3 M. auf 2,50 M. ermäßigt haben, ohne daff eine Verschlechterung des Bieres erfolgen soll. Brauereü direktor Vorberg erklärte in einer Volksversammlung, daß die neue Bierstcuer 2 M. pro Hektoliter Bier ausmache. Die Versainmlung beschloff, weiter zu verhandeln, so lange aber den stillen Kampf gegen daS Bier weiterzuführen, bis die Brauereien noch weiter, bis auf die neue Steuer selbst, zurückgegangen sind. Runden im Dunkel der Nacht, machte ich sozusagen als Blinder. Als ich vor der Tribüne landete, stürzte eine riesige Menge auf mich zu. Ich fühlte, wie man mich emporhob, sah Arme wirbeln, hörte Schreie und sah mich in ein Meer grellen Lichtes getragen, das mich blendete. Man hob mich auf eine Balustrade und dann begannen neue Ovationen. Ja, wenn man so den Erfolg zu spüren bekommt, ist es kinderleicht, energisch zu sein. Ich hatte den Flug unter- krochen, obgleich der Motor noch immer arbeitete und noch Benzin enthielt. Als mein Vater und mein Bruder mich gerührt um- armten, rief ich ihnen noch ganz aufgeregt zu:„Schlicfft die Hähne, ich muff wissen, wieviel Benzin noch im Reservoir geblieben ist." Es waren noch 10—15 Liter Essenz da und ich hätte den Flug noch fortsetzen können..." 4.» Dir Kanaricnvögelstadt. Seit zwei Jahrhunderten schon ist Norwich, die Hauptstadt der englischen Grafschaft Norfolk, in ganz England als die, Stadt der Kanarienvögel" bekannt. Außerhalb Großbritanniens dürften jedoch nur wenige wissen, daff die alte Stadt die gröfften Kanarienzüchtereien der Welt besitzt und daß sie mit den kleinen, hübschen Vögeln, die alle Farbenabstufungen von Gelb und Grün aufweisen, die Vereinigte» Staaten, Kanada. Italien, Oesterreich« Ungarn und Südafrika versorgt. Es werden— so erzählt ein Mitarbeiter der„Daily Mail" — alljährlich von Norwich 25 000 bis 30 000 Kanarien- Vögel ausgeführt; 15 000 bis 20 000 gehen nach Amerika. Die Preise sind natürlich je nach der Rasse und den gesanglichen Vor- zügen des Vogels verschieden. Ein guter Kanarienvogel kostet oft nicht wcger als 200 M.; besonders hervorragende Sänger können sogar bis 1000 M. bringen. ES leben in Norfolks Hauptstadt fast viertausend Personen von der Kanaricnvogelzucht, über deren Ursprung in dieser Gegend man nichts BcstinnnteS in Erfahrung gebracht hat. Man erzählt sich, daff vor einigen Jahrhunderten ein Schiff, das von den Canarischen Inseln kam, an der belgischen Küste gcfimken sei, und daff mehrere Kanarienvögel, die die Matrosen mitgebrachl hatten, ans Land geflogen seien und sich doch verniehrt hätten. Die Bauern hätten eiue Anzahl Vögel gefangen und sie später, als viele Vlämen ihre Heimat verließen und nach England auswanderten, nach Norfolk gebracht. Die Engländer seien von den Kanarienvögeln so entzückt gewesen, daß der Bogelhandel bald prosperierte und in Norwich nach und nach eine förmliche Kanarien- Vögelindustrie entstand. Humor und Satire. HundStagS-Ode. Wenn der Zeppelin, der dritte, Mit der Parfeval-Suite Nächtlich bis zum Nordpol dringt, Und der Bloriot, der kühne, Ihm auf einer Mandoline Stimmungsvolle Hymnen singt, Em Indurtne und FjandeL Nusfuhrprämie». Welche Bedeutung den Einfuhrscheinen gegenwärtig im deutschen Außenhandel zukommt, zeigt deutlich die folgende Tabelle. Der Zoll wurde mittels Einfuhrschei'nen beglichen für: Januar— Juli 1 vfich 1 ctfiQ 1 QfY7 Roggen...... 5 600 290 4 087 624 3 580 573 Weizen...... 28 887 319 26 789 229 15 803 871 Malzgerste..... 346 434 394 351 819 642 Gerste, andere... 2 434 202 1 179 563 933 726 Hafer...... 5 471 543 1 690 788 849 792 Buchweizen.... 197 371 388 753 228 359 Hülsenfrüchte, trocken. 413 452 431 785 427 336 Raps und Rübsen.. 109 687 72 878 144 138 Kaffee, roher.... 3 895 586 1 502 503 1 489 269 Erdöl, gereinigt (Brenn-).... 6 869 205»001 596»147 389 Sonstige Waren..—— 108 54 227 039 39 539 057 26 878 203 Die Erlegung des Zolles durch Einfuhrscheine hat sich demnach in den letzten beiden Jahren mehr als verdoppelt und ist in immer steigenderem Maße der Einfuhr von Kaffee und Petroleum zugute gekommen. Daff ini letzten Jahre die Zollzahlung auf Hafer mittels Einfuhrscheinen so stark gestiegen ist, hat darin seine Ursache, daff die vorjahrige Haferernte in Deutschland nur sehr klein war und daher eine größere Einfuhr ausländischen Hafers notwendig machte. Aeuffcrst lehrreich ist auch ein Vergleich der Waren, für welche in den letzten drei Jahren die Getreideeinfuhrscheine ausgestellt wurden. Die angerechneten Einfuhrscheine lauteten über 100 Kilogramm. Januar— Juli 1909 1908 1907 Roggen.... 5 866 451 1 870 209 1 857 535 Weizen.... 2825651 2040718 1428689 Gew. Gerste.. 161550 138 343 135 539 Hafer.... 1719318 3 655491 1798465 Erbsen.... 101 122 117262 113018 Der Rest entfällt auf Spelz, Buchweizen, Speisebohnen, Linsen, andere Bohnen, Lupinen. Wicken, Raps und Rübsen. Die obigen Tabellen zeigen, wie die Reichskasse von den Notleidenden ge- plündert wird._ Zur Lage in der deutschen elektrotechnischen Industrie. Der letzte wirtschaftliche Aufschwung war für die elektrotechnische Industrie besonders günstig. Seit der Gewerbezählung von 1895 hat sich die Zahl der Betriebe von 1336 auf 5956 und die der darin beschäftigten Personen von 26 321 auf 142 171 erhöht. Während sich die Zahl aller industriellen Betriebe im Deutschen Reiche um 4 Proz. verminderte und die Zahl der darin Tätigen um 37 Proz. vermehrte, stieg die Zahl der elektrischen Betriebe um daS Vier- fache und die der befchäftrgten Personen um daS Sechsfache. Die Entwickelung der einzelnen Zweige der elektrotechnischen Industrie ging jedoch nicht gleichmäßig vor sich. Die summarische» Zahlen geben deshalb kein richtiges Bild. Leider sind aus der Gewerbezählung von 1895 keine detaillierten Angaben für Deutsch« land vorhanden. Für Preußen ergeben sich die folgenden Zahlen: Betriebe Personen 1895 1907 1893 1907 Zur Herstellung von Maschinen. Motoren usw... 20 54 1465 24 150 Akkumulatoren usw..... 19 63 918 3 247 Telegraphen u.Haustelegraphie 104 65 1843 6 485 Apparaten, Lampen, Meßinstrumenten, Zählern.... 220 315 8924 24734 Erd- und Seekabeln....— 55— 7 707 Jnstallationsanstalten.... 155 1294 3381 17886 Kraftanlagen....... 81 1012 1131 13 999 In dieser Statistik fällt die Entlvickclung der Kraftanlagen und der elektrischen Fabriken besonders auf. Der Zahl nach vermehrten sich die Betriebe für Elektrizitätserzeugung um das Zehnfache. Nach der Statistik der»Elektrotechnischen Zeitschrift" hat sich die aus�öffent- lichen Werken des ganzen Reiches abgegebene Kraft in der gleichen Zert fast v er d r e i ffi g f a ch t. Die elektrischen Fabriken zur Er- zeugung von Maschinen, Motoren usw. haben um 170 Proz., die Zahl der darin beschäftigten Personen gar um 1540 Proz. zu- genommen. Wenn Herr Bethmann General wird, Außerdem noch Adiniral wird. Und ein schwankes Brett sich nimmt» Und auf diesem von Hannover BiS nach London via Dover Als der deutsche Sieger schwimmt, Wenn ein Landrat schnell und schneller Mit dem Dynamo-Propeller * Bis zum Horizont entrinnt. Und mit seiner Wünschelrute Auf dem kolonialen Gute Einen Diamanten find't, Wenn zur Stunde der Gespenster Einer ins Juwclenfenster Mit bewährter„Treuhand" schlägt, Und nachher auf alle Fülle In die ausgeraubte Stelle Zwanzig faule Kuxe legt, Dann ade, ade, ade usw. I m. _(.Lustige Blätter.") Notizen. — Die Neue freie Volksbühne beginnt ihr 20. Spiel« jähr im Septeniber in elf Theatern, darunter, als neu hinzu- gepachtet. das Kammerspielhaus des Deutschen Theaters, das Metropolthcater und da? Kleine Theater. Im Neuen Theater ge» langt am Sonntag, den 5. September, die Komödie„Acker- mann" von Felix Hollaender und Lothar Schmidt zur Aufführung. Der Verein zählt zurzeit rund 35 000 Mitglieder; die Aufnahme- Möglichkeit für dieses Vereinsjahr geht bis 40 000 Mitglieder. — Drahtlose Telegraphie vom EiffeUurm nach m e r i k a. Unter dem Eiffelturm wird jetzt ein großes neues Gebäude aus Eisen und Zement errichtet, das die neue Station für drahtlose Telegraphie aufnehnien wird. Schon am 1. Oktober soll die neue Einrichtung vollendet sein, mit deren Hilfe man hofft, vom Eiffelturm aus drahtlose Depeschen über eine Entfernung von 7000 bis 8000 Kilometern senden zu können. Bis zur Küste von Kanada hat mau bereits früher von hier aus drahtlose Meldungen senden können; in Zukunft aber hofft man. diese Verbindung bis San Francisco zu erzielen. — Ein neues Rekord schiff, das an Schnelligkeit die „Manretania" bei weitem übertreffen soll, ist von der Cunard- Gesellschaft für den Dienst über den Atlantischen Ozean in Auftrag gegeben worden. Das Schiff wird bei einer Länge von 600 Fuß, einer Breite von 70 Fuß und einem Deplacement von 20 000 Tonnen nur etwa zwei Drittel der Größe der„Mauretania" haben, dagegen oll es diesem Schiff an Maschinenstärke nicht nachstehen, so daff es eine Schnelligkeit von 30 Knoten oder fünf Knoten mehr als die .Mauretania" erreichen wird. Schon diese Zahlen markieren eine starke Konzentration. Und doch gibt die Gelverbezählung nicht die llnternehmungen, sondern blas; die Betriebe an. Mehrere Betriebe geboren aber einer und derselben Unternehmung an. Die Allgemeine Elektrizitätsgescllschaft in Berlin hat sechs Betriebe. Dazu sind noch verschiedene Unter- nehmungen in den Händen einzelner Grostfirmeu vereint. Die All- gemeine Elektrizitätsgesellschaft, Siemens- Schmkert und Feiten- Guilleaume-Lameher beherrschen fast vollständig den Markt. Auster diesen kommt noch die Bergmann-Gesellschaft in Betracht. Die übrigen Firmen beschäftigen sich meist mit der Herstellimg einzelner Fabrikate. Unter den Grostfirmen besteht bekanntlich ein„gc- Heimes" Abkommen. Außerdem steht die Allgemeine Elektrizitäts- gesellschast mit der amerikanischen General Electric Co. und die Bergmann-Gesellschaft mit der Westinghouse Co. in Verbindung. Auf dem Gebiet der Produktion von einzelnen Artikeln gibt es ebenfalls mehrere internationale Kartelle. So daS Glühlampen- shndikat seit 1903, dem die„maßgebenden Firmen in Deutschland, Niederlanden, Oesterreich-Ungarn, Schweden, Italien und in der Schweiz" angehören; dann das Kartell der deutschen und öfter- reichischen Porzellanfabriken(gegründet 1908), Vereinigung deutscher Starkstromkabclfabriken seit 1901 usw. Recht charakteristisch ist die Geschichte der Konzentration in der Produktion von Turbinen und Akkumulatoren. Schon 1903 gründete die A. E.-G. im Verein mit der General Electric Co. eine Gesellschaft zur Herstellung von Riedlcr- und Stumpf-, sowie von Curtisturbinen. Zusammen mit der schweizerischen Firma Brown, Bovert und Co. wurde das Parfon-Patent zur Herstellung von Dampfturbinen er- 1 hat das letzte Jahr das Monopol worben. Die Siemens- u. HalSke A-G. gründete zusammen mit i großen Betriebe Fr. Krupp, der Vereinigten Maschinenfabrik Augsburg und Maschinen baugcsellschaft Nürnberg und Escher, Wyß u. Co. in Zürich ein Syndikat für Dampfturbinen des Systems Zoelly. Nun sind aber in der letzten Zeit einige neue Fabriken entstanden. Es sind jetzt ungefähr 13—11 Turbinenbaufabriken vorhanden. Dies paßt den Großen nicht und sie suchen die jetzige KrisiS zu dem Zweck auszunutzen, die neuen Firmen aus der Welt zu schaffen. ES herrscht momentan wiederum ein heftiger Konkurrenzkampf auf diesem Gebiet. Zur Produktion von Akkumulatoren haben die A. E.-G. und Siemens u. Halske die Gesellschaft Alkumulatorenfabrik Berlin-Hagen ins Leben gerufen. Schon während der Krise 1901—1903 gelang eS ihr, die kleineren Werke konkurrenzunfähig zu machen. Einige ver- schwanden, andere wurden von der Alkumulatorenfabrik übernommen. Das Akkumulatoren- und Elektrizitätswerk vorm. W. Ä. Boese u. Co., Berlin, das sich bis jetzt halten konnte, ist nun ebenfalls in Schwierigkeiten geraten. Die EleklrizitätSindustrie hat im allgemeinen im Jahre 1903 noch wenig von der KrisiS zu leiden gehabt. Die Erleichterung auf dem Geld« und Warenmarkt, die Milte 1907 eintrat. wurde von vielen Unternehmungen dazu benutzt, um den elektrischen Betrieb einzuführen. Die anhaltende KrisiS mußte jedoch auch auf. die ElektrizitätSindustrie zurückwirken. Einem heftigen Konkurrenzkampf fielen mehrere kleinere Betriebe zum Opfer. So der Großfirmen gestärkt. Diese rüsten jetzt eifrig für den kommenden Aufschwung. Die A. E.-G. und Siemens u. Halske haben im Verein mit der Deutschen Bank und Berliner Handelsgesellschaft und der Konzern Fclten. Guilleanme und Lameyer neuerdings Banken gegründet, um ihren Kunden als Kreditgeber entgegenzukommen, und sie von sich noch mehr abhängig zu machen. Folgen der Tabakstener. In den Zigarrenfabriken in Hainstadt bei Offenbach am Main wurde infolge der Tabaksteuer die Arbeitszeit eingeschränkt und eine Anzahl Arbeiter bereits entlasten. Weitere Lrbeitseinfchränkungen und Entlassungen stehen bevor. ,gr. Ztg." Dividenden. von Unternehmen, deren Geschäftsjahr : Reichelbräu Folgende Dividenden zum Teil am 30. Juni ablief, werden jetzt bekannt: Reichelb A.-G. Kulmbach 10 Proz.; Trachenberger Zuckersiederei 10 Proz.: Tuchersche Brauerei A.-G. Nürnberg 11 Proz.; Porzellanfabrik Hutlchenreutber A.-G. Hohenberg a. d. Eger 11 Proz.; Vereinigte Harburger Oelfabriken A.-G. 16 Proz.; FaUeusteiner Gardinen- Weberei S Proz. Da sind natürlich energische Preisaufbesterungen dringend nötig, sonst sinken die armen Aktionäre ins Proletariat hinab. Für den Jnvalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnbliknm gegenüber keinerlei Aerantwortung. Ukeater. Mittwoch, I. September. Ansang Vlt Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Der Schlag- bäum. Neues. Emilia Galottt. Ansang L Uhr. Kgl. Opernhaus. Die Puppensee. Teutsches. sianst. Kammerspiele. Die Sünde. Berliner. DaS LebenSsest. Lessing. Der König. Neues Schauspielhaus. Miß Diidelsack. Thalia. Prinz Busst. Komische Oper. Tiesland. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Hebbel. RcvolutionShochzeit. Trianon. LlcbeSgcwitter. LustsPiclhmis. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Neues Operetten. Die Dollar« Prinzessin. Westen. Der fidel« Bauer. Schiller O.(Wallner. Theater.) Macbeth. Schiller Charlottenbnrg. Die Ehr«. Friedrich- Wilhelmstäd». Schau- spielhanS. Der Widerspenstigen Zähmung. Bolksoper. Ernani. Luise». Von sieben die HSßllchste. Bernhard Rai«. Im Tass Noblesse. Ntctropol. Die oberen Zehntausend. FolieS Eavrice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. Sst« Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Speziallläten. Gebr. Herrufeld-Thcater. Frau ElkamS Friseur. Mewe- Deine Tochter. Nonrks Theater. Geschlossen. Stadt-Theater Moabit. Ss lttäten. Daiiagr. Spezialitäten. Voltsgarten. Spezialitäten. Brunnen. Der Stabstrompeter. Walballa. SpeztalUScen. Reichsballen. Etettlner Sänger. Karl Haverland- Theater. Epe- ziautätcn. Easino. Onkel Cohn. Urania. Tn»de»ttrahe 48/41). Hebet den Brenner nach Venedig. Sternwarte» Invaltdenttr. 67(62. I.cssing-Theatep, Mittwoch. 8 Uhr: Der König. Donnerstag, 8 Uhr: N euein studiert: Zwischenspiel. Freitag, 7';a Uhr: Rosrnersholni. Spezla- Hell II ler-Tlieater. Berliner Theater. Heute 71/, Uhr zum ersten Male:; Das Licbcnsfest. Morgen: Einer von unsere Leut'. Heues Theater. Zum erstenmal: Lmilialislotti. Ansang>,.3 Uhr. Morgen und solgende Tage: Emilia Galotti. Theater des Westens. Allabendl. 8 Uhr: Der sidele Bauer. Operette von Leo Fall. Sonntag nachm. 3'/«Uhr, halbe Preise« Di« lustige Wltwe. issdenz-Tfieater j Direktion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr! Schwank In 3 Akten von Feydeau. Morgen und solgende Tage, Dieselbe Borstellung. LusispieEhaus. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. Neues Operetten-Theater. Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr: DI« Dollarprlnzcsstn. Operette tu 3 Akten von Leo Fall. Linsen-Theater AbendS 8 Uhr: w Sieta Sie Riitt. Komödie in 3 Akten Und einem Vor» spiel von Louis Angeiy. Neubearbeitung."Mg Donnerstag! Die Jungsrau von Orleans. Freitag: Di» Herr«» Söhne. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Dacheth. Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Donnerstag. abendz8Uhr: Der Dlderpeln. Freitag, abends 8llhri Ein Erfolg:. • i i---- Schiller-Theater CharlotteRburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Ehre. Schauspiel in l Allen von Hermann Sud ermann. Donnerstag. abend«8Uhr! llladaine Bonlvurd. Freiing, abend« 8 Uhr: Z. 1. M.: Die von Doehsnttel. Passage-Panoptikum Von heute ab täglich zu sehen: Die Traum-Malerin Wielmine Assmann. Bilder aus dem Jenseits! D Der berühmte Professor Cesare Lombroso, der größte Psychologe der Jetztzeit, erklärt unumwunden, daß diese Malereien im somnambulen Znstande auf die Existenz Uberirillscher Wesen zurückgeführt werden müssen. Die Mal» Sitzungen in Trans finden täglich von 11—1 Uhr und von 3— 81/, Uhr statt. Zutritt jederzeit! X X Ohne ExtraoEntree! X X Der magische Messengerboy ein künstlicher Mensch, welcher geht, Musik spielt usw., wird vor den Augen des Publikums in olle seine Teile zerlegt. AfZ A das unergründete Rätsel. ■»* schwebt frei in der Luft! Kanka Gcfchloncwl Sonnabend, de» 4. Sepiember 1W9: Eröffnung der Winter, pielzeit. «ollitändlg neues, bedeutend vor- ' großerte« Personal. stum 1. Male: Die Beuetianeriu. Sonntag z. 1. Male: Unser Leopold. mm U.T.??? Ein Ereignis für GroßeBerlin ist dieEröffnun�des Union-Theater am AI©*andcrpl»t« Anfang September.[ Volks-Oper. SW, Belle-AMance-Straße Rr. 7/8. Ernani. Donnerstag: Der Waffenschmied Freitag: I-aTraviata. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntag: Ernani. VoiteMeß-Tdester Badstr. 8, G-sundbr., Bellermannstr. Heute: Beginn der groften tuter- narionalen Ringkampstonturrenz um den großen Preis von Berlin. Vorher da» nene September-Programm. Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung._ ( ( < ( ( Kttliuer Prater- Theater; Kastanienallee 7—8. i Kastanü Täglich: Der Veruchwcnaer. Spfilalitätm ersten Rangoo., Konuert and Bnlz- ( I rwwv I Ansang 4'/, Uhr. j Partei- Speditionen: Llugustftr. 50, Eingang Joachimstraße. Gustav Schmidt. Kitchbachftr. 14, Hoch. Hermann Werner, �entmin: Mbert H a bnil ch ». Vadlki'vl». Westen' parterre. » Süden und Südwesten: Gncisenaustr. 72, Laden. S. Wahlkreis: St. Frit», Prinzenstr. 31, Hos rechts Part. 4. Wahlkreis: Ost e n: Robert W e n g e l s, Andreas strafe 17.— Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4(Laden). �.Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/1S (Laden). 6. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchftr. 12(Hof). v. Wahlkreis(IRoabit und Hansavlertcl): Karl AnderS, Ealzwedelerstr. 8, im Laden. Weiioinx: Karl Weiße, Nazarethtirchstraße 4g. Bosenthaler und Ornnlcnbarsrer Vorstadt: Hermann Raschle, Ackerstr. 3S, Eingang Anklamcrstraße. Oesanelbrannen: F. Trapp, Slettinerstr. 10. Schtinhanser Vorstadt: Karl MarS, Lhchenerstr. ISS. .Adlershok: Karl Schwarzlosc, Hoffmamislr. 9. .Alt-Cillealeke: Wilhelm Dürre, Rndowerstr. 83 II. Itaiinischnlenn eg: H. Hornig, Marienthalerstr. 13, I. lNeraaa-Ilönt«eataI: Heinrich Brose, Hohcstcinstr. 74, Part. Lohusdort' und Falkenberg: G. Pfeifer, Bohnsdorf, nossenschastShauS. vharlotieabar�: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Goctbcstraße, Laden. Elehaalde. Zeuthen, Tlicrsdorf und Hnnkels Ablage: Fritz Oldenburg, Eichwalde, Kronprinzenstr. 81. Erkner; Ernst Hossmann, Friedrichshagener Chaussee. Erledenau.MegUtvi-Stidende: H. B e rn s e e, Schloßstr. 11g, z>os I, in Sieglitz. Bestellungen nebinen entgegen in Steglitz: J. Mohr, Duppelstr. 32, und Fr. S ch e 1 1 h a s e, Ahornstr. Ida. Frledrlchnhagen: Ernst Berlin an n, Friedrichstr. ö7. Grünau: Franz Klein, Bahnhofstr. S III. ilohen-Veuendort: Wilhelm T e n t s ch e r, Stolperstr. 50 I. dohannllsthal: P i e l i li e> Kaifer-WilHelm.Platz 4. Barlshorst: Richard Küter, Rödelstr. 9, II. Bbnlxs-Wusterhauseu: Friedrich B a u m a n N, Bahnhofstr. 13. 80» Ecke Bvpenlek: Emil W itzler, Kietzerstr. S. Laden. ehtenberg, Settels Kronprinzenstraße Wlllielmsberg: Otto Scheid», MaHIsdors, Erledrlobsfelde, '.Prinzenstraße 4, I. lZlahlsdork und Baalsdort: Hugo Waldcrseestr. 14. ZUarleudvrk: August L«ip, Chausseestr. 236. Hof. Aieu-WeiLeusee: Kurt Fuhrmann. Scdansir. 105, parterre. lVleder-Stehituenelde: Paul Bengsch, Grünauerstr. 8. h on an-es: Wilhelm I a p p e, Friedrichstr. 7. Ober-Schünewelde; August HenjeS, Lanfcnerstr. 2, I. Eaakon-Ziledersebünhansen: Otto Riß mann, Mühlen» straße 30. Aeiairkendor f»«Ist, Wilhelmsruh und Schöuhols; P. Gursch, Kamclestr. 12, I. Illx.dorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, lm Laden. Ituninielnburg, Boxhagen: A. R o s e n t r a n z. AIt'<»» der Reise sui-Uck. Di. Cotaheim�ÄJ'niÄ,"" 96/7 Oranienburger Str. 39. Gfoßg internationale Ringkampf-Konkurrenz um den großen Preis von 4500 M. „ a lllnuzende Spesialltatcn- Programm. Anfang 4'/, Uhr. Emtree 30 Ps. Die Ringt- beg. um«'/, Uhr abends. Vereins- Lrsuerei Zlidorl,«erwaiinstr. 214/219. Gskonomi Max WendL gJfT" TUgllch:»M» Gr. Militär-Konzert. vorzugStarten haben wochentags GüliigkelL Sntree 1» Pf. > rmwmwwwwwwwwwwwmwmw� 1 Das »utmouimeaain. wirklich aelbalttttgo Waschmittel von«nerreiehur Wirkung; gibt mahelo» blendend weisse Wasche Lei gröbster Schonung de« Gewebes. Pakete aJS und GS Pf» Ueherall erhaiUitp. Alleinige Pahrlkanlea. BeuKct* Co., Dässeldorft. In allen Drogen-, Kolonialwaren- und Seifengeschäften erhältlich. Fabrik-Niederlage für Berlin und Vororte: Johe Schmalor, Berlin Ne, Tieckstraße 11. 201/14* Los nup Vz Mark! Ziehung am 10. 8ep«elB09 ISchneldemUhler Automobil- Ue Pferde- lotterie 3103 GewimiB I. W. v. zu«. M. 100 Hauptgow 1 Automobil i.W.v.M lose 50. Ff, 11 Lose«ort. a. verachled. h Wl Tnuaenden Ulli, Porto u. Liste 20 Pt. extra diu ob das General-Dcblt H. C. Kröger, Berlin W. 8 Frlcdrtehslrnsse 193 n, MW sowie alle durch Plakate Otr kenntlich. Verkaufastellen. IQOlJ Hochelegante Die neuesten Fassons and StoSe für selten billig) erwecken besonderes Interesse. Prüfen Sie bitte Westmann''»—- Angebot Herbst- Winter-Saison! Sie werden erstaunt sein, meine Damen I OrigtnalmodeUe Mäntel! KosUime! Paletots •f acketts! Kim onos S Capes! Kleider! Köeke! Blusen! ganz bedeutend unter Wert! Einige Pieoen sogar schon zum Teil für den dritten Teil des Preises I M j l�CStl?C9� ti.�usw. bis M. 00.—.-�63 Besondere Auswahl für starke Figuren! EinsegnungskSeider Westmann's Spezial- Konfektionshaus Berlin W., MohpenstraBe 37a) 5än„fÄÄ. H™ � «nd Berlin N0.| Gr. Frankfurter Str. 115) �Ndre�°ss»a0e. Besuch wegen des großen Andranges möglichst vormittags erbeten! B kein Eckhaus, 2 tos Haus von der Sozi&ldemokratiseiierWaliiyereiii des 6. fierl refeiii\ Tode.- Anzeige. Am SO. August verstarb unser> Mitglied, der Arbeiter ktfctwd Preuß Dalldorfer Str. 1. Ehre seinem Andenke» Z Die Beerdigung Nndet heute, 1 Mittwoch, den f. September 1909, i nachmittags& Uhr, von derj Leichenhalle des Dantes-Kirch- hoscS, Reinickendors-West.nuS stalt. Um rege Beteiligung ersucht 230/6 Bcc VorHiand. ßeütseher fraDsporiarijeiter-Fer&aal Ortsverwaltung Berlin II. Den Milgliedern zur Nachricht. »daß unser Kollege, der Lager- j arbeiter 69/10 f Richard Preuß jnm Sonntag, den 29, August, � im Alter von 46 Jahren ge- I sterben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am ! Mittwoch, den 1. September, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhofes der Dankes- Gemeinde, Reinickendorf, Bianke- f straße auS statt. Rege Beteiligung erwartet Verwaltung II. kiaiiiioMehJäUvereiii Bezirk Borsigwalde-Witten««. Toden- Anzeige. Am 29. August verstarb«Nfer Mitglied. Modelltischler Karl Fubel. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1. September, >S 5 Uhr. von der de» Borfigwalder 238/20 Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Leichenhalle Friedhose« auS statt. Deulseher Holzarbeiter-Yerband Zahlstelle Berlin. lven Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Eirnst Schmidt am 29. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung stndet heute, Mittwoch, den 1. September, nach- mittag» 6 Uhr, von der Halle des ChristuS-KirchhosS in Marien- dors, Lichlmrader Chaussee, auS statt._ Am 29. August starb unser Kollege, der Modelltischler Karl Pudel. Ehre feinem Andenke« I Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 1. September, nach. mittag» 5 Uhr, von der Halle de« «orsigwalber grtedhoses aus statt. 89/1 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung, i Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwallungtilalle Berlin. Tode.• Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Fmd Hecht am SO. Slngust an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle de» Golgatha-Kirch- Hose», BarsuSstraße au» statt. Rege Beteiligung erwartet 122/6 vis Ortsverwaltung. Kranken- n der Seifensieder und Berufsgenossen (E. H. Nr. 17), Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser alte» Mitglied Kurl!Leintek am Sonnabend, den 28. August, plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch- nachmittag 3 Uhr. von der Leichen- Halle de» AilletttehungS-Kirchhol», Weißens«! Weg. au» statt.. 237/1? Der Borsiand. Znrückgekehi-t;! Dr. H. Wey!, N.. Lothringer StraBo»7. Zahlstelle Berlin.— Bureau: Engeluser 14/15. Tel. IV Nr. 3578 u. 10623. Achtung! Achtung! Bodenleger! Jalousiearlieiter! Donnerstag, den S. September, abends 8 Uhr, bei Böcker, Weberstr. 17: Kranchen-Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Die Zustände auf den Bauten und der Arbeiterschnh. Referent: Arbeiterjekretär Gustav liink. 2. Diskussion. 82/2* Die Branchenkommlsalon. Von der Reise zurück 256/11 Dr. Julius Baruch Stralauer Str. 54. Hohenzollerndamm 7 ß l: Haben Sie Stoff? Itk ftrttrt dmon Anzug od. Pztatoi nach Motz, schick, dauerh. Zutaten, ton 20 Mark an. Moritz Lnbnnd, Neae Promen adeS.IliSidtb. Börse). •■J Bauschule a.Teclinikuin. Berlin C., Münzstr. 7, errichtet 1890. Hoch- und Tiefbau(4 Semester). Elsenbetonban! Spezialabteilung s. Steinmetz, Tischler und Schlosser. TageS- und Abendkurse. Programme kostenlos durch die 1679L* Direktion. Zentralvcrband der Stukkateure, Gipfcr und»erw. ßerufsgenonen.— Filiale Berlin. Donnerstag, den 2. September IWS, abends 8 Nhr: - Zahlstellenbespreehunp in allen Bezirken. TageS-Ordnung: 174/6 Unsere Arbeits- und Organisationsverhältnisse. Daran anschließend findet die Urabstimmung über die Einführung der Erwerbslosen- Unterstützung statt.— Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der �ahlstellenbesprcchung an- wesend zu sein. Tie Ortsverwaltung. Iii*, Tintinsl LpemKArN für Haut- und Harnleiden. Frlnzenslr. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Giinse, Enteil, gar. lebend Ant., 8 Monat alt, voll« kommen auSgeivachsen. volljedrig, fleischig, schlachtreis, 10 St. ca. 8 Psd. schwere Ganse 32 Mark; 18 schwere Enten 27 Mark. 257/1 Streusand, Ozieditz, Schlesien 45. Fjkftitlkgn tinii tillssarbkiter! D ounerstag, den S. September, nach Arbeitsschluß, im Neuen Klubhaus, Kommandantenstraße 72: OeHetiMeK« Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht über den Stand der Bewegung gegen die Subunternehmer. 2. Bericht von der Verhandlung vor dem Gewerbegericht. 139/4* Arbeitsgenossen, sorge jeder sür zahlreiche Beteiligung. I. A. der Fliesenleger- nnd HitfSarbeiterorgauisatione«: _ H. Waldheim, Kysshäuserstr. 26. Amt 6, 1398._ Im Sommer bedarf die Ernährnng der Säuglinge besonderer Sorgjalt, weil die Darmkatarrhe in dieser Zeit durch die Gärung der Nahrung im Darme leichter verursacht werden. Durch die Ernährung mit„ K u s e k e* und Mich beugt man in wirksamster Weise den ge- fürchteten Darmerkrankungen vor. 91/4 Zentralverband der Lederarbeiter. = Filiale I.. Donnerstag, de« L. September 1900, abends 8 Uhr; Versammlnngs"WSi int Lokale von Franke, Badftratze Nr. 19. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:»Rechte und Pflichten dcr Versicherten auS der Nnsall- gesetzgebung". 2. Bericht der Lokalkassenkommission. 144/12 DM- Die Vertrauensleute haben für zahlreichen Besuch zu agitieren."MsK Der Vorstand. Inh.: Georg Wolffgraram Ackerstr. 6 7. Empfehle meine 4 Säle. 100—800 Personen lastend, sür Vereine und Ver« sammlungen. Mx|jxm Sonnabtudt und Zoniiiage«och frei. Aorussis-�estsäls, Beckes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(lettgedruckt) 20 Ptg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Ptg.; das erste Wort (lettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ) Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN IOr die nächste Nuntmer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition. Lindenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. DotalauSverkauf. Restbestände Tuch» und Plüschportieren, Garnitur 2.65, 8.75, 4.85, 5.65, 6.75, 8.50, 9.50 usw. E. Weistenberg« Portierenhaus, Große Franksurterstraste 125. Diillbettdecke«, extra groß, 1.95, 2.25, 3.35, 4,25 usw._ ErbstiiilstoreS, entzückende Ausführungen, 3.45, 3,85 4.50, 5.25, 6.00 usw. GardinenhauS, Groste Frank« furterstrahe 125. Riesenposteu Gardinenreste und einzelne Fenster(2 Schah mit 10 Prozent Rabatt, Fenster 1.25, 1.85, 2.25, 2.75, 3.50, 4.50 usw. Gar. dinenhaus, Große Franksurter» straße 125. Abfallteppiche 3.25, 3.85, 4.50, 5.80, 6.50 usw. TeppichhauS Große Franksurterstraße 125._ Plüschteppichc mit kleinen Färb- fehiern, 10 Prozent Extrarabatt, 7.50, 9.85,11.—, 13.— ,15.— usw. E.Weißen- bergS TeppichhauS, Große Frank- surterftraße 125. Tnchdecken 1.25, US, 2.50, 3.50 usw. Plüfchdecke» 3.85, 4.85, 6.50, 7.85, 9 25 usw. Große Franksurterstraße 125. Rtesenposten Steppdecken, Wolle und Simlliseide, 3.25, 3.85, 4.50, 5.50, 6.50, 7.85 usw. Große Frankfurter- straße 125. SNassenverkauf von Möbelstoff- reften, Linoleum- und Läuserstosf- resten zu Spottpreisen. E. Weißenbergs TeppichhauS, Große Frankfurter- straße 125. Drehrollen, Buttermaschinen, Wiegeschalen,.Berltnea*. Waßmann- straße 29(Kawlog kostenlos)._» Nadfahrerkarten. Wir empfehlen den Freunde» des Radsports: Mittel- bachS Karte für Rad- und Motor- sahrer von Berlin und weiterer Um- gebuna, aus Leinen gezogen Preis 1,75 M.(zusammenlegbar).— Karte sür Rad- und Motorsahrer von Brandenburg, aus Leinen gezogen und zusammenlegbar 2,50 M. Expedition des.Vorwärts*, Lindenstraße 69, Laden.• Teppiche!(fehlerhafte) in allen Großen sür die Halste des Wertes Teppichlager Brunn, Hackescher Markt 4. Bahnhos Börse.(Leser deS „Vorwärts* erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet I_* Monatsanzüge, SommerpaletotZ, Gehrockanzüge, Hosen, setnste Maß- stoffe, spottbillig. Rosenthalerstraße achtundvierzig, II._ 11256* 1000 neue Nähmaschinen. Prima Langschist für Familie 55 Mark, Ab- Zahlung 75 Mark ohne Anzahlung. Bellmann, Gollnowftraße 26, nahe LandSbergerstratze._ 1962K* Monatsanzüge, Paletots, wenig getragene, von 5 Mark an, große Auswahl für jede Figur, auch neue elegante Garderobe auS erster Be- zugsquelle, 20 Prozent billiger wie im Laden, direkt vom Schneider- meister Paul Fürstenzelt, nur Rosen- thalerftraße 10._ 275/16* Zur Einsegnung: Uhren 2,85, Arm- bänder 1,85, Ringe, 333 gestempelt, 1,00, Brosche mit Ohrringen 4,00, 7.50, 10,00. Alles mit Garantieschein. Psand leihe, Andreasstraße achtunddreißig._* 5,00 prachtvolle Betten, 9,00 vanernbetten, Daunenbetten 12,00, Aussteuer, Damastbezüge 3,90. Nur Psandleihe, Andreasstraße achtund dreißig. Landbett, zwei Deckbetten, zwei Kissen, zweischläserig, 18,00, große Laken 1,00. B'auerndcckbctt, Unterbett, zwei Kissen 27.00. Psandleihe, Andreas straße achtunddreißig. Annoncenoor zeiger vergüte Fahrgeld. 2471K Vorwärtsleser erhalle» 5 Prozent Extrarabatt selbst bei nachstehend aus- gesührten Gelegenheitskäusen. Teppich- ThomaS, Oranienstrage 160, Oranien- Platz. Teppiche, sarbsehlerhaste, spottbillig._ Gardine«, Stores, exemplare, für halben Wert. Rüster- Sofastoffreste selten billig. Plüschportieren, einzelne Paare, spottbillig. Steppdecken, Musterstücke. spottbillig. Vorwärtsleser, stehende 6 Anzeigen. beachtet vor- 2481K* Pfandleihhaus Krebber, Küftriner- platz 7, spottbilliger Betienverkaus, Gardinenverkaus, Wäscheverkaus, Uhrenverkaus, Deckenverkaus, Sozmuck- fachen, Goldsachen, Silbersacheu, ver- sallene Pfänder._ 24285t Siiigermaschine» reisehalber 10,00, «dalbertstraße 34. 1237b Nähmaschine, 6 Mark, verkaust Sieber, Strelitzerstraße 32. 12356 Monatsanzüge und Sommer- paletotS, von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Gebrockanzüge von 12,00, Fracks von 2,50, sowie sür korpulente Figuren. Reue Garderobe zu staunend villigen Preisen, auS Pfandleihen verfallene Sachen lauft man am dilligsten bei Naß, Mulackstraße 14. ZnchthauS, Acht Jahre. Lebens- erinnerungen von Sepp Oerter. Hochinteressant. Preis 1 Mark. Zu beziehen Buchhandlung Vorwärts.* LescdSttsverkSufe. Zigarrengeschäft verkäuflich Lie> benwalderstraße 57. t84 Reftanration, voller Echank, billig verkäuflich, Parteigenosse, Vieles- straße 12,13._+53 5! (siiitflclieiid! Kolonial. Gemüse .-eiSwert zu verkaufen. Erfragen igarrengeschäst, Wienerstraße 38. Tischlerei mit drei Bänken und Kundschaft zu verlausen unter Chiffre A. B., Postamt 31._+94 Seiseitgeschäft wegen Verheiratung nach außerha w sofort verkäuflich, auch Teilzahlung. Rirdors, Hermann- straße 110, n geradezu.+137 Modernes Odiigeschäs« billig ver- käuflich Rixdors, Weserstraße 212. Zigarrengeschäft. kleines, sauberes, ortzugshalber für jeden annehmbaren "reis. Schöneberg, Wartburgstr. 11. i Möbel. Wegen baupolizeilicher Räumung spottbilliger Möbelverkaus Andreas- straße 30, geradeüber Markthalle. Kleiderspind, Sosa, Chaiselongue 12,—, Küchenspind 10,—, ganze Wohnungseinrichtungen von 200,— Mark an. Garantie sür jedes Stück. Dresdenerstraße 124._ 217251 Wolle» Sie wirklich gute, billig« Einrichtung kaufen, so muß man Lothringcrstraße 26 hingehen. Billiger wie im Möbelgeschäft l ilomplette Ein- richlmig mit moderner Küche 250, bessere 325— 400— 475— 525— 600— 1200. sonst ganz bedeutend mehrl Aus- bewahrung und Transport, auch nach Vororte sreil Bitte Hausnummer 26 zu achten, da w der Straße mehrere Möbelgeschäste existieren I Verkauf nur Hos im Speicher und 6 Etagen, also die größte Auswahl in Gelegen- heilskäusen l Nur Lothringerstr. 26, Ausbe Währung?- Speicher. Augen aus 26. 1148b' Was gibt'S jetzt im AusbewahrungS- speicher Lothringerslraße 26: Billige Speisezimmer, wenig gebrauchte Herrenzimmer, fast neue Salons, wmiderbare Schlaszimmer, alles in großer Auswahl, auch schwere und große Zimmer am Lager I Hasemanns AusbewahrungS- Speicher Lothringer- straße 26. Bitte Nummer 26 zu achten, da Möbelgeschäjte in der Straße existiere». 1149b' Nur sür*? Privatpublikum! Billige Büfette, Schreibtische. PlüschsofaS, Ankleideschränke, Garnituren, Chaise- longueS, Ausziehtische, Säulen- trumeauS, Umbaue, Lederstühle, Klub- sessel. Teppiche, Steppdecken, Gai- kronen, Bettstellen, Vertikos, moderne Küchen bis 30 Prozent billiger als im Mäbelgeschästl Lothringerstr. 26, Hos, im Speicher. Nummer 26 zu achten!_ 1150b Billige Möbel, gebrauchte, ver- liehen gewesene und neue. Kleiderfpind, Vertiko 18, Ausziehtisch, Sosatisch 15, Küchenspind 10, Bettstelle mit Matratze 18, Garderobenschrank, Herren- schreibtijch 36, Chaiselongue mit Decke 19, Sosa 22, elegante TaschensosaS 45, PaneelsosaS 68, Säulentrumeau 30, NußbaumbüsettS, Bücherspinde, englische Schlaszimmer, bunte Küchen 55, Waschtoiletten 20. Ratenzahlung. Transport frei. StargardtS Möbel- speicher, Lothringerslraße 69. 220/6* MSbelgelrgenhrit! Wenig gebrauchte, guterhaltene Möbel, auch neue, einjachste, eleganteste, beliehen gewesen, verfallene spottbillig. Riesenlager, Lombardspeicher, Neue König- straße 5/6, Fabrikgebäude. Sonntags geöffnet.(ZahIungSerIeichIeruiig.)MW Spottbillige Metallbetten Ritter- straße 90. IN. 94/2* Polstermöbel- Fabrik Heinrich Stargardt, Dresdenerftraße 107/108, verkaust billig Paneelsofa mit Spiegel 60,00, elegante TaschensosaS 45,00, Herrenschreibtische 30,00, Bettstellen mit Matratze 13,00, Waschtoiletten 20,00, Kleiderschrank 24,00, Säulen- ttumeau 28,00, Ausziehtisch 15,00, komplette Wohnungs- Einrichtung 150,00 an, bunte Küchen sehr billig. -.Ol vbel..Vi meiner seit 1880 bestehenden Möbelfabrik, Gneisenau- slraße 15, am Halleschen Tore, stehen viele Wohnungseinrichtungen zu sehr billigem Verkauf. Teilzahlung bei geringer Anzahlung. Beamten ohne Anzahlung. Einrichtungen von 150 bis 500 Mark. Bessere bis 10 000 Mark. Empfehlenswerte Besichtigung der verliehen gewesenen Möbel! Kleiderschrank 18,—, Sosa 33.—, Bettstelle mit Federmatratze 23,—, Muschrlspinde, Vertikos 26,—, Plüsch- garnituren. PaneelsosaS 70,—, Muschelbettstelle mit Matratze 35,—, Schreibtische, Ausziehtische, Schlaszimmer, Herrenzimmer, gebrauchte SalonS. Farbige moderne Küchen 47,—. Kostenlose Ausbewahrung. Sonntags geöffnet. Bitte aus Haus- nunimer 15 zu achten. 2473K' Gebrauchte Möbel au» Versteige- rungen, Schränke. Vertiko». Tische, SosaS, Schreibtische. Bücherschränke, BüsettS.Garnituren.Bettstellen, Waschtoiletten, Bilder, Krone», Teppiche, komplette Wirtschaften bedeutend billiger wie überall. LennertS Möbel- speicher, Lotbringerstraße 55. Brautleute» bietet sich Gelegen- heit zu nie dagewesenen Preisen Wohnungseinrichtungen sowie ein- »eine Möbel zu kaufen. Besonders billig SosaS von 35,— an, elegante TaschensosaS 45,—, Lagerung, Tran»- Port frei. Möbelkaushau» Skalitzer- straße 47/48, dicht Görlitzerbahnhos. Kletderspinb, Bettstelle, Matratze. Sosa 10,00, Kommode 5,—, Pali« sadenftraße 23, Tapezierer. 96/10 Pahrrader. Herrenfahrrad, Dameniabrrad einmal benutzt 405X1. ftrap« 36 h._ Holz. Blumen- 168351* Herrenfahrrad, Damensabrrad, sofort umständehalber spottbillig. Wassertorstraße 44, I rechiS. 226/5* Herrenfahrrad, hochelegant, spott- billig, sosort, Huttenstraße 66, Nestau- 226/4 rant. Musik. Ptanino. hohes, 100,Turmstrabe3, l. Elektrisches Pianino, wie neu, 750(Teilzahlung), Turmstraße 8, I. Orchestrio», groß, früher 3000, jetzt 500, verkauft wcgzugShalber (eventuell Teilzahlung). Surlemont, Rixdorf, Schillerpromenade 30. 1227b Grammophon mit Platten 12,00. Große doppelseitige Schallplatten 0,40. RiesenanSwaHl erstklassiger Sprech- Maschinen und Schallplatte». Spott- billig. Kein Laden. Tasche, Lands- bergerstraße 40._+76* Utolinunterricht(neue, doppelt fördernde Methode bt» zur Vollendung) gibt erfahrener Künstler wöchentlich, auf Wunsch auch nur eine Lektion a 1,25 M., bei zwei Schüler» je 75 Ps. Offerten unter v. 2 Expedition de» .Vorwärt»*._[ KlabierkiirsuS. Erwachsene, Schnellmethode. MonalSPrei» 3,00, Klavterüben frei. 20 Klaviere. Musik- akademie Oranienstraße 147, Moritz, Platz. 96/11 flnnaßinestellcn für„Kleine Anzeigen" Berlin C. A. Hahiiiich, Auguststr. 50. MV. G. Schmidt. Kirchbachstr. 14. O. W. Mann, Petersburger Platz 4. Gustav Bogel, Koppenstr. 83. R. Wrugels, AndreaSstr. 17. AlO. S. Zucht. Jmmanuelkirchstr. 12. I. Renk, varnimstr. 42 X. H. Mnschke, Ackerstr. 36. F. Trapp, Stettiner Str. 10. Karl. MarS. Lychener Str. 123. Karl Weiße, Nazarethkirchstr. 49. H. Bogel, Lortzingstr. 37. 91. Diel?, Jnvalidenstr. 124. 8. Dechand, Ruheplatzstr. 24. Karl Anders, Salzwcdelerstr. 8. Wecker!. GotzkowSkvstr. 29. H. Werner. Encijcnaustr. 72. Daehn, Hagelberger Str. 27. Lt. FriN, Prinzensir. 31. Rich. Lchmtbt, Kottbujer Damm 8. SO. Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch. Engeluser 15. �.cklernbok. Karl Schwarzlose. Hoffinannstr. 9. Bansnacbnlenwex. H. Hornig, Marienthalerstr. 13, I. Borttltrsvalcke. Paul Ktcnast, Räuschstr. 10. Obarlsttenbnrtr. Gustav Scharuberg, Sesenheimer Str. 1. Frleckrlebnbaxon. Ernst Werkmann, Friedrichstr. 67. t-rltnan. Franz Klein, Bahnhosstr. 6, lll. ck«bannl>,tbal. Pielicke, 5kaiser.WilheIm-Platz 4. Barlnb-rat. Richard Küter. Rödelstr. 9. II. Bitnonlok. Emil Wtßler, Kietzerslr. 6, Laden. U-lcneonberg-. Ctto Srikel, Kronprinzenstr. 4, I. Xlockor Sobitnosvolcko. Paul Bengsch. Grünauer Str. 8. Zknurnwo». Wilhelm Jappe, Friedrichstr. 7. Obor-Bobitnosvolcko. Rugusi HenjeS. Lauscner Str. 2. 1. Fanknrv. Otto Rißmann, Mühlenstr. 30. lloinlokoncktzrr. P. Gnrsch, Kamekestr. 12. Iklxckorr. 9W. Heinrich, Neckarstr. 2. Conrad, Hermannstr. 50. Knnnnclftbare. 31. Rosenkranz, M-Boi/hagen 56. Schmargendorf. Gustav Kaiiiinskh, Cunowstr. 2. Sobitnoborg. Wilhelm Bäumler, Marliu-Lulher-Str. 51 im Laden. Spandau. Koppen, Jagowjtr. 9. Stogllt«. H. Bernsee, Echloßstr. 119. Tcnipclhof.»lbert Thiel, Friedrich. Dilhelm-Str. 20. Vroptov. Robert Gramenz, Kiesbolzfir. 412, Laden. Vl'oillon«»«. Fuhrmann, Sedauslr. 105. Schillert, König-Ehauffee 39a. Wllmorndorf. Wittnebel, Landhausstr. 27. Versckieäenes. ElSholz, straße 6. Komiker, GropiuS- 1223b Lernt die MMteriprache beberrichen! Ersolgreichen, leicht faßlichen Unterricht in Won und Schrift der deuffchen Sprache erteilt Damen und Herren (separat) auch abend» ein tüchtiger und gewiffeichaster Privattebrer. Die stunde tostet eme Mark. Eine Unter- richtSftunde wöchentlich genügt Ge- fällige Angebote find unter 5. 4 an Spoeditton de».vorwärt«* zu richten. Kunftstopserei von grau KotoSth Schlachtensee. lkurftratze 8, lll. Patentanwalt Weisel. Gitschiner- strage 94a. Tanzschule Tchebel, Boeker» Festsäle, Wcbcrstraße 17. Wiederbcoijin: Sonntag. 5. September. Gesallige Anmeldungen erbeten. Rein hold Schebel, Tanzlehrer, Keibelstraße 6. Abendkurse sür Hochbau. Tiesbau. GaS-, Wassertechnik, Techniker- und Meister-Ausbildung. Prospekte frei. Technische Akademie. Berlin 45, Mark- grasenstraße 100._ 228751* Aufpolsterung sämtlicher Polster- fachen, Freitag, Weißenburgerslr. 68. Pfandleihe MartuSstraße 27. Gewerkschafte«, Buchbinderei Sieber, Strelitzerstraße 32, ab 1. Ok- tober Zlnnenstraße 50. Bediene meine 5kundlchajt nach wie vor und bin nicht nach außerhalb verzogen, wie Meyer verbreitet hat._ 12346 Warnung, och warne vor der Weiterverbreitung deS GerüchiS, in bezug aus die von mir gemacht sein sollende Aeutzerung gegen den Nestau- rateur Pühl und dessen Frau, da ick mich sonst veranlaßt sehe, gerichtlich feststellen zu lassen, daß daS ver« breitete Gerücht unwahr ist. Possek, Rixdors. Etetnmetzstraße 107. 1230b Vermietunxen. �Vodounzen. t> und l-Zimmerwohnung, billig, Rixdors, Weigand-User 10. 2372K' Zwei große Stuben und Küche, eine große Stube, Küche nebst Kor- ridor zu vermieten, Joachimftraße IIa. Arbeiter-Wohnungen billig Guinea straße 33. mit Vergütung.+53* Timmer. Teilnehmer zum möblierten Jim- wer gesucht. Witwe M. Jaeobey, Wiesenstraße 10, vorn II 9936* Alnrztmmer, möbliert, 16,00, Waldemarstraße 40a, Herren, vorn II. Möblierte» Zimmer, Herren, 11,00, Priikzenstraße 107, vorn IV, Winter.+123 Schlafstellen. Dellnchmerzur freundlich möblierten Schlafstelle gesucht. Wusterhausener- straße 8 II.__ Möblierte Schlasslelle, separat, ferrn, Vorderzimmer. Grüncrweg 63, Treppe.+139 Schlafstelle sür Herren, Busch, Rückerslraße 2, Ouergcbäude IV. Schlafstelle(Eingang separat) Ritlersiraße 124, Hos III. Elsholz. Möblierte Schlafstelle Dresdener- straße III, vorn I, Landgras.+123 Möblierte Schlasslelle, Herren, Wassertorstraße 63, Hos II recht» Arbeitsmarkt. Stellenangebote. Anschläger, tüchtige, verlangt Crust Franke, Admiralstraße 18 d. Farbigmacher aus bessere Leisten und 1 flotten Einpacker verlangen Neumann, Hennig u. Co., Zeughos- straße 21. 2336b Metalldreh erlehrling sür GaS- und Wasserarmaturen verlangt Sandmann, Metallwarensabrtt, Kott- buserstraße 8.__ 96/5* Perfekter Einrichter sür Schrauben- automaten verlangt. Offerlen unter Chiffre II. 3 an d. Exped. d. Bl.. Ei» jüngerer Graveur wird ver- langt G. Schröder. Rixdors. Prtn, tzandjerhstraße 38.+110 Zeitungsfraueu mit Hilse sucht per sosort Berliner VollSzeitung, Rixdors, Berlinerstraße 41. 96/4 Verkäuferinnen für unsere Butter- abteilung sosort gesucht. Meldungen schristlich mit genauen Angaben oder persönlich 1— 2 mittag» oder 7— 8 Uhr abends. A. Jandors u. Co., Belle« Alliancestraße 1 12.__ L474K Goldleisten-Versilberinnen, Farbig. macherinnen sofort verlangt sür große Goldlelltensabrik, außerhalb. Schritt, Iiche Offerte Em. Zappert, 35 Größ- görschenstraße. 1228b llv Arbeiierinnen aus Damcu- paletotS.. Briest, Osten, Schaniweber. straße 63.+124* Jackett-Arbcilerinnen verlangt Zeitz. Swinemünderstratze 33._+66* MamseUS, bessere Kostümpaletot», verlangt Schulze, Görlitzerstraße 41.* Im Zlrbettsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen koste» SV Pf. die Zeile. Aelterer erfahrener MiwebiMWeiZtefM sucht in Parleidruckerei Stellung. Offerten erbeten unter V. lt Exp. d. Zeitung. 12326* Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik nnd Differenzen find gesperrt: sür Modelltischler Modelltischlerei Bormann u.SSrting, Gerichtslraße, sür Tischler. Polierer und Ma- schinenarbeiter Baulischlerei Sommerlatte, Prenz- lauer Allee 100. Firma Staats, Oberbaumstr. 5. Sämtliche Betriebe in den Orten Schwerin a. d. W., Rathenow. Muskau, Segeberg(Holstein) und Magdeburg. Gleickzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- Industrie daS DermittelimgSbureau deS gelben»Handwerkerschutz- Verbandes* streng zu meiden. Für Stellmacher: Berliner Motorwageufabr» w Reinickcndors. Für Kistenmacher t Stol», Lindenstraße 35. Die Ortsverwalt»»«. Verantwortlicher Redalteur: Emil Unger, Berlin. Für denJnseratenteil verantw.: TH.Glocke.Berlio. Druck u.Vcrlag:Vorwärt« Luchdruckerei u.Verlagsu..j:alt Paul Singer � Ev, Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlntclle Berlin. Achtung k Achtung t Galanteriearbeiterinnen und Anschmiererinnen! ?n der Firma C. Kirchner«. Schw edh elm. Galanteriewarenfabrik, Prinzessinnenstraße 17, haben die Arbeiterinnen wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedei gelegt. Der Betrieb ist sür Galanterie- mbeiterinnen und Anschmiererinnen gesperrt 1 24/7* Die OrtSverwaltnng. Berlin SVU Nr. 203. 26. Jahrgang. 2. KtilU Ks„ Mittlvoch, i. September 1909. ßerlincr J�acbncbtcn. Dke Freie Bolksvuhne eröffnete am Sonntag das zwanzigste Spieljahr mit zwei Vorstellungen, zu denen man ihr und der organisierten Arbeiterschaft Berlins freudig gratulieren kann. Aus der organisierten Arbeiterschaft Berlins ist die Freie Volksbühne lalter Verein) hervorgegangen, aus ihr saugt sie ihre stets wachsende Kraft, sie ist die Organisation, welche das in der modern und frei denkenden Arbeiterschaft so mächtige Verlangen nach Kunstgenuß und Bildung sich erschuf. Ein glänzendes Zeichen in diesem Sinne waren die beiden Eröffnungsvorstellungen und ihre Aufnahme. Im Neuen Schauspielhaus(Direktion Halm) wurde„GygeS und sein Ning' von Friedrich Hebbel, im Lessing-Theater(Direktion Dr. Otto Brahm).Hanneles Himmelfahrt" von Gerhart Haupt- mann gespielt. Jedes dieser beiden Stücke bedeutet ein künstlerisches Programm, jedes einen Höhepunkt deutscher Dichtkunst, so ver- schiedenen Charakters sie auch sein mögen. Dort, bei Hebbel, die kraftvoll und leidenschaftlich dahinschreitende Handlung, die klassische Formschönheit und der herrliche Wohllaut der gedankenreichen Sprache. Hier, bei Hauptmann, die moderne naturalistische Dramatik mit ihrer scharfen Anschauung der sozialen Wirklich keit, die— wie vielleicht in keinem anderen Werke— aufs innigste mit dem phantastisch geheimnisvollen Märchenzauber der Poesie sich verwebt und Zusammenhänge von schauervoller Tiefe und zartester Lieblichkeit gestaltet. Beide Darstellungen waren vor- züglich. Wirkte doch eine stattliche Anzahl der geschätztesten Berliner Bühnenkünstler mit: Rudolf Christians gab den Gyges, Gertrud Arnold die Rhodope; und im Lessing-Theater spielten Irene T r i e s ch, Emanuel Reicher, Ida W ü st, Ida O r l o f f, Kurt S t i e l e r. Auch die moderne Dckorationskunst hatte, be- sonders im Neuen Schauspielhause, Gelegenheit gefunden, das Auge der Zuschauer mit prächtigen Szenenbildern zu entzücken. Ist nun schon der Beginn des Jubiläumsjahres ein höchst er- freulicher, so scheint es zudem, daß auch der weitere Verlauf sich durchaus auf der Höhe halten will. Dafür sprechen die Stücke, die auf den« Spielplan stehen. In Vorbereitung find:.Eisgang" Schauspiel von Max Halbe,„Vater und Sohn", Lustspiel von Gustav ESmann(Deutsch von Rudolf PreSber), diese beiden unter der Regie Witte-Wild im Thalia- resp. Herrenfeld-Theater. Ferner aber im Residenz-Theater das Schauspiel des modernen französischen Meisters Guy de Maupassant:.Mussotte", eine Aufführung, die immer ein Ereignis bedeutet. Später sollen folgen: das berühmte Lustspiel.Die Welt in der man sich langweilt" von P a i l l e r o n, Shakespeares„Macbeth",„Richard III" u. a. m. Als Extravorstellung im Lessing-Theater wird die Burleske von Cavaillet und Avöne.Der König", der größte Lacherfolg des Winters, vorbereitet. ES sei auch hier noch bemerkt, daß die Freie Volksbühne, die, wie aus obigem hervorgeht, jetzt auf fünf Berliner Theatern spielt, zwei neue Abteilungen eingerichtet hat, und daß die Vorstellungen dieser Ncuabteilungen bereits nächsten Sonntag beginnen. ' Ter Bettlerfang ist eine Beschäftigung, die in Berlin am besten im Winter lohnt. Arbeitslosigkeit und Notstand er- reichen alljährlich im Winter ihren Höhepunkt, da sind denn auch der Polizei in ihrem Kampfe gegen die„Bettel- plage" die höchsten Triumphe beschicden. Gewöhnlich werden von der Berliner Polizei in einem Wintermonat etwa doppelt so viel Bettler zur Strecke gebracht, wie in einem Som- niermonat. In diesem Jahre ober ist unter dem Druck des Ar- beitsmangcls, der auf der Arbcitcrbevölkerung lastet, die Zahl der Bettelnden so gewaltig angeschwollen, daß die auf Bettler fahn- dcnden Schutzleute sogar in den Sommermonaten alle Hände voll zu tun haben. Wegen Bcttelns wurden aufgegriffen und nach den Polizeiburcaus gebracht im Mai, Juni, Juli HÖH, 1268, 1277 Personen, während im vorigen Jahr in denselben drei Monaten nur 1216, 1641, 1087 Personen dieses Schicksal gehabt hatten. Die �beträchtliche Steigerung des Ertrages der Jagd auf Bettler ist ein trübes Zeichen der Zeit und gibt sehr zu denken. Die besitzende Klasse aber wird aus solchen Zahlen nichts lernen, sondern wird höchstens die Polizei preisen, daß sie's an Eifer nicht fehlen ließ. Das Elend des Arbeitslosen, der durch Entbehrung und Hunger zuletzt zum Betteln getrieben wird, ist dem Wohlhabenden gleichgültig. Er empfindet nur die„Belästi- gung", die der Bettler ihm bereitet, und schreit entrüstet nach dem Schuhmann. Wozu wäre der Schutzmann da, wenn er nicht den Satten vor dem Hungrigen schützen wollte! Es entspricht den An- schauungen der bürgerlichen Gesellschaft, daß sie den Kampf gegen die„Bettelplage" weniger mit Beschaffung von Arbeitsgelegenheit als auch Beschrafung der Arbeitslosigkeit geführt sehen will. Zur Straßenbeleuchtung. Vorgestern fand die erste Sitzung der Deputation der städtischen Gaswerke in dem neuen Verwal- tungsgebäude der Gaswerke, Neue/ Friedrichstraße 169, Ecke der Waisenbrücke statt. In der Sitzung wurde unter anderem ein von Professor Dr. Kallmann vorgelegtes Projekt über die Verstär- hing der elektrischen Beleuchtung auf der Potsdamer und Viktoria- Brücke beraten und angenommen. Ferner wurde beschlossen, von den vielen, den Spittclmarkt verunzierenden Masten mehrere zu entfernen. An deren Stelle sollen dann zwei neue Kandelaber auf- gestellt werden, die gleichzeitig Bcleuchtungs- und Straßenbahn- zivccken dienen sollen, wodurch die Zahl der dortigen Masten ver- ringert wird. Außerdem wurde noch beschlossen, in der Umgebung der Thorner Straße die öffentliche Beleuchtung einzurichten und durch Installierung von Niederdruck-Jnvertlampen die öffentliche Beleuchtung in der Zimmer- und Prinz-Albrecht-Straße zu ver- bessern._ C welche Lust Nentcnempfänger zu sein? Den Segen unserer so viel gepriesenen Versicherungseinrich- tungen hat schon so mancher bis zur Neige zu kosten bekommen. Wir haben des öfteren Klagen dieser Rentenempfänger veröffent- licht, in denen die Behandlung beleuchtet wurde, die den Aermsten selbst bei der Rentenauszahlung zuteil wurde. Man müßte glauben, daß diejenigen, die krank, siech und daher unfähig geworden sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, nun auch bei der Erlangung der ihnen zustehenden Rente die Behandlung erfahren, die sie billigerweise zu beanspruchen haben. Doch weit gefehlt. Sie werden oft abgefertigt wie Almosenempfänger, nicht wie Leute, die auf Grund langjähriger Beitragsleistung rechtmäßig in den Besitz der an sich ärmlichen Rente gelangt sind. Uns wird ein Fall mitgeteilt, in welchem einem am 26 Juni 1963 an Rheumatismus erkrankten und völlig erwerbsunfähigen Mann am 19. Dezember 1998 eine Invalidenrente von monatlich 17,26 M. zugesprochen wurde. Am 2. August wurde der Kranke vom Arzt wieder untersucht und dauernde Erwerbsunfähigkeit festgestellt. Es wurde nun R., so heißt der„Glückliche", die Rente um 15 Pf. pro Monat erhöht; er erhielt also von nun an monatlich 17,35 M. R. erhielt durch einen Briefträger des Postamts 57, Schalter I, einen Zettel zugestellt, worauf er aufgefordert wird, sich 14 Pf. Rente für die Zeit vom 2.— 31. August abzuholen. Uns wurde dieser Zettel vorgelegt; wir waren nicht wenig erstaunt, daß die Postverwaltung es fertig bringt, auf solchem Papier noch Mitteilungen zu versenden. Fast gewinnt es den Anschein, als ob dieser Zettel, nachdem er lange Zeit im P.a- 1 I pierkorb gelegen hatte, wieder herausgezogen wurde, und gerade gut genug war, hierauf dem R. diese Aufforderung zustellen zu � lassen. Es ist ein vollständig vergilbter, von einem xbcliebigen ' Bogen abgeschnittener Papierfetzen. Aber noch eins ist es, was uns auffällt.- Der betreffende Be- amte, der diesen Zettel ausgeschrieben, scheint gar nicht zu wissen, daß auch einem Rentenempfänger gegenüber— und bekommt er auch nur 17,35 M.— die sonst im gesellschaftlichen und Geschäfts- Verkehr üblichen Formen angewandt werden müssen. Das sonst auch von den Behörden augewandte„Herrn" fehlt vor dem Namen des Rentenempfängers. Man könnte eine solche Erwähnung als etwas Kleinliches bezeichnen; indessen, wir können uns wohl denken, daß ein Mensch, der schon elend und unglücklich ist, sich angesichts einer solch eigenartigen Behandlung tief verletzt fühlen muß. Wir fragen daher: wie kommt man dazu, einen Nentcncmpfän- ger in dieser Form abzufertigen. Hat der betreffende Beamte die Anweisung hierzu von seiner vorgesetzten Behörde, oder hat er hier selbst die auch für die Postbehörde üblich sein sollenden Formen ver- missen lassen? Die Gerechtigkeit gebietet, daß Rentenempfängern dieselbe Behandlung zuteil wird, wie dem anderen Publikum auch. Die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Leichen der beiden bei Grünau ertrunkenen jungen Mädchen, der 26jährigcn Wando Tcichcrt und der 17 Jahre alten Frida Feld, sind nunmehr zur Beerdigung freigegeben worden. Die beabsichtigte gerichtsärzt- liche Obduktion ist nicht vorgenommen worden, weil zweifelsfrei festgestellt werden konnte, daß die Verletzungen, welche die Körper der Verstorbenen aufwiesen, erst nach deren Tode entstanden sind und wahrscheinlich von Dampferschrauben verursacht worden sind. Auf der Flucht verunglückt ist ein Einbrecher, der gestern früh in dem Hause Pankstr. 75 eine Gastrolle gab. Er war gegen V26 Uhr in das unverschlossene Haus gedrungen und hatte sich mittels Nachschlüssels Eingang in die Wohnung eines Kaufmanns verschafft, der zurzeit verreist ist. Der Dieb öffnete sämtliche Schub- laden und Kasten und raffte Kleidungsstücke, Wäsche und Schmuck- fachen zusammen. Als er sich mit seiner Beute entfernen wollte, wurde er von einem Bäckcrjungen bemerkt, der sofort Lärm schlug. Hausbewohner nahmen die Verfolgung des Diebes auf. der nach dem Hofe lief, hier die Mauer erkletterte und nach den, Neben- grundstück hinabsprang. Hier blieb er hilflos und blutüberströmt liegen. Der Einbrecher wurde mittels Droschke nach der Unfall- statiou in der Lindolver Straße gebracht, wo ein komplizierter Bruch des linken Fußes sowie erhebliche Kopfwunden festgestellt wurden. Der Verhaftete ist ein 23jähriger, bereits wegen Einbruchs vor- bestrafter obdachloser Gelegenheitsarbeiter Max Sanadowitsch. Er wurde zunächst nach dem Rudolf Virchow-Kraukenhause übergeführt. Eine traurige Aufklärung hat dnS Verschwinden des 10jährigen Buchhalters Emil Burg aus der Rosenthalcr Straße gefunden. B., der seit etwa 14 Tagen spurlos verschwunden war, wurde gestern bei Nieder-Schöneweide als Leiche aus der Spree gelandet. Ob der junge Mensch bei einer Bootsfahrt verunglückt ist oder ob er sich in selbstmörderischer Absicht in die Spree gestürzt hat, konnte mit Be- stimmtheit noch nicht festgestellt werden. Flugversuche mit einem nen erfundenen Motoren-Monoplan werden gegenwärtig auf dem unweit Bernaus gelegenen Flugfelde an der Vörnicker Chaussee gemacht. Der neue, von dem Aviatiker Karl Buttenstedt erfundene Monoplan hat zwei elastische Flügel von je acht Meter Länge und etwa drei Meter Breite. Zwischen den beiden großen Flügeln ftigt sich der langgestreckte Körper des Fliegers ein, der eine Länge von etwa zehn Meter aufweist und allen Ivcscntlichen Apparaten nebst dem Sitz des Führers und die Steuer trägt. S� stellt sich also der Monoplan als ein richtiger Vogel dar. Die Bewegung wird durch Anlaufen auf dem Boden eingeleitet, zu welchem Zweck der Flieger auf drei Rädern montiert ist. Als Bewegungsv'orrichtung dient ein Benzinmotor. Der zwei- teilige Propeller ist in seinen Flügeln verstellbar. Der Flugapparat ist aus dem größten und stärksten Bambus und Tonkinrohr zu- sammengefügt und an den Stellen, wo sich die Maschinenteile be- finden, aus bestem Stahlrohr aufgebaut. Beim ersten Versuch am Sonnabend gelang es dem Flieger nicht, sich von der Erde zu er- heben, da sich der Motor als zu schwach herausstellte. Es soll nun zunächst ein neuer Motor gebaut werden, um dann noch im Laufe dieser Woche mit den Versuchen fortzufahren. Eine KindeSleiche im Eisenbahnzug. In einem Abteil der 4. Klasse des Personenzuges, der von Hamburg gestern nachmittag un, 4 Uhr auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin einlief, fanden Eise»- bahnbeamte einen auf einer Bank zurückgelassenen Pappkastcn. Als Inhalt ergab sich die Leiche eines neugeborenen Knaben, die in einem weiß- und blaukarierten Kissenbezug eingewickelt war. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Ucbcr die königliche Klinik, Zicgclstraßc, gehen uns mancherlei Beschwerden zu. Ein Kranker, der dieses Institut aufsuchte, klagt in einem uns überinittclten Schreiben über unzureichende Sitzgelegen- heit im Wartezimmer. Der betreffende hat ein Fußleiden und mußte, nachdem er längere Zeit gestanden und Schmerzen in den Beinen verspürte, einen anderen Patienten bitten, daß dieser ihn etwas sitzen lassen möchte. Nachdem er 1'/- Stunden gewartet hatte, wurde er in das Behandlungszimmer geführt, wo die Neiuigung der Füße vorgenommen wurde. Die hierzu dienenden Becken sollen sich, wie uns der Briefschrciber versichert, nicht gerade in dem von ihm er- warteten sauberen Zustande befunden haben. Noch mehr erstaunt war ich, so teilt uns der Beschwerdeführer mit, daß der Herr Ober- stabsarzt die Patienten mit Handschuhen anfaßte. Trifft das, was uns hier mit aller Bestimmtheit versichert wird, zu, so wäre das allerdings kein besonderes Renommee für ein solches Institut. Namentlich bedeutete die Behandlung der mit verschiedenerlei Krank- heiten behafteten Patienten mit Handschuhen eine Ansteckungsgefahr. Es wäre uns besonders interessant zu erfahren, welchen Zwecken die Handschuhe dienen sollen. Eine Flugmaschine BlöriotS ist zurzeit im Kaufhaus des Westens ausgestellt. Die Maschine ist der Monoplan Nr. 9. eine direkte Vor- läuferin deS Modells, mit dem der kühne Pionier der Flugtechnik die Kanalüberfliegung erfolgreich unternahm. Erst durch die Er- fahrunge», die Vlöriot mit der hier ausgestellten Flugmaschine machte, konnte'er den Typ fertigstellen, der ihn, das Wagnis möglich mackste. Deshalb ist dieses Modell besonders lehrreich und interessant. Der Laie staunt, wie so ganz anders der Eindruck dieses Luftfahrzeuges ist, das ja auf ganz anderen Voraussetzungen beruht als das lenk- bare Luftschiff, loeil es durch mechanische Kraft nicht nur vorwärts bewegt, sondern auch hochgehoben wird. Arbeiter-Bildnngsschiile Berlin. Am Sonntag den 5. September: FamilicnauSflug nach dem Schloßpark Friedrichsfelde. Abfahrt des Zuges„ach Lichtenberg- Friedrichsfclde: Alcxanderplah 1.48, Jamiowitzbrücke 1.51, Schlesischer Bahnhof 1.54. Treffpunkt um 2>/g Uhr nachm. in„BubeS Volksgarten", Prinzenallee 80, dicht an der Endstation der Straßenbahnlinien 69 und 76 gelegen. Zahl- reiche und möglichst pünktliche Beteiligung erwartet Das Komitee. Vermißt wird seit dem 11. August er. die Schülerin Frida Meyer, 3. Januar 93 Stettin geboren, hier Ebertystr. 3 bei den Eltern wohnhaft gewesen. Sie ist mittelgroß, kräftig, hat blondes ettffaS gekräuseltes Haar, müdes volles Gesicht und auf dem Zeige- finger der linken Hand ein Muttermal. Bekleidet war sie mit grauem Kleide und schwarzen Schnürstiefeln. Personen, die über den Verbleib der Vermißten irgend welche Angaben machen können. werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten 3144 IV/3409 mitzuteilen. Für den Verkehr gesperrt wird, wie der Polizeipräsident bekannt gibt, aus Anlaß der am heutigen I.September, vormittags 8Vz Uhr, auf dem Tempelhofer Felde stattfindenden Parade die Tempelhofer Chaussee von etwa T1� Uhr an bis zur Beendigung der Parade. Die Bellealliancestraße und die Lichterfelder Straße dürfen von Last- wagen während der Zeit vom Ausrücken der Truppen bis nach deren Einmarsch in die Stadt nicht befahren werden. Nur den mit Passierscheinen versehenen Personenwagen ist das Befahren der Bellealliancestraße bis zum Steuerhause gestattet. Alle übrigen Personenwagen haben bei der Kreuzbergstraße in die Lichterfelder Straße einzubiegen und durch diese auf das Tempelhofer Feld West- lich der Chaussee zu fahren. Der Betrieb der Straßenbahnlinien wird auf der Tempelhofer Chanssee und den aus Berlin nach dem Tempelhofer Felde führenden Straßen mjt dem Beginn des Aus- niarsches der Truppen(etwa von 7 Uhr ab) bis zur Aufhebung der Absperrung abgelenkt, eingeschränkt oder ganz eingestellt. Der Betrieb der Onmibuslinien wird erst mit dem Beginn des Einmarsches der Truppen eingeschränkt oder abgelenkt. Die Bauhofstraße von der Straße Am Kupfergraben bis zum Hegelplatz wird behufs Umpflasterung bis auf weiteres für Fuhr- werke und Reiter gesperrt. Im Bernhard Rose- Theater findet heute Mittwoch die Erst- aufführung der Komödie„Im CafS Noblesse" statt. Bon einem empfindlichen Verlnst wurde an, Freitag abend 7 Uhr ein Arbeiter betroffen, als er auf dem Ringbahnhof Jungfernheide ein schwarzes Lederportemonnaie mit Inhalt und einen Trauring, gezeichnet E. K. verlor. Der ehrliche Finder wird gebeten, den Verlust an E. Henschel, Rathenower Str. 51, Seitenflügel parterre, abzugeben._ Vorort- JVadmdrtem Rixdorf. Eine» tödlichen Verlauf sollten zwei Unglücksfälle nehmen, die sich in der Weser- und Wcisestraße ereigneten. Vor dem Hanse Weserstraße 131 hatte das zweijährige Töchterchen Margarete des Arbeiters Werzinger, Weserstr. 186 auf der Straße gespielt. Als ein Geschäftsfuhrwerk der Firma Otto Klauke vorüberkam, lief die Kleine gegen das Pferd und wurde umgerissen. Der Kutscher vermochte den Wagen nicht mehr ftüh genug zum Halten zu bringen, so daß die Räder über Kopf und Brust des Kindes hinweggingen. Ein hinzuspringender Passant trug die Kleine zu einem benachbartsu Arzt, der aber nur noch den Tod feststellen konnte.— Vor dem Grundstück Weisestraße 3 wurde der dreijährige Knabe Bernhard Jentsch, Weisestraße 16, von einem Kohlenwagen überfahren und so schwer verletzt, daß er auf dem Transport nach dem städtischen Krankenhause starb. In beiden Fällen trifft den Kutscher keine Schuld. Arbeiter- Samariter- Kolonne. 5. Abteilung bei Kaufhold, Erk« straße 3. Heute abend 9 Uhr Beginn des Samariterkursus. Vortrag über Anatomie(Bau des menschlichen Körpers) mit Demonstrationen am Skelett und anatomischen Abbildungen. Einschreibegeld 56 Pf., Monatsbeitrag 86 Pf. Bibliothek steht den Teilnehmern zur Ver- fügung. Schöneberg. Die Stadtverordnetenversammlung hielt am letzten Montag eine außerordentliche Sitzung ab, um zu dem Untergrund- bahnvertrage mit Charlottcnburg ebenfalls Stellung zu nehmen. Von den Stadtverordneten Charlottenburgs ist der Ver- trag bereits in der vergangenen Woche genehmigt worden. Die Verhandlungen sollten in geheimer Sitzung erfolgen; auf Antrag des Stadtv. Wollermann(Soz.) wurde aber öffentlich ver- handelt. Stadtv. Kutznitzky(lib. Frakt.) führte als Referent au?. daß der alte Vertrag mit Charlottenburg daran gescheitert sei, daß Schöneberg die Bestimmung gestrichen haben wollte, wonach ein eventueller Zlnschluß der Wilmcrsdorfer Bahn nur an die pro- jektierte Charlottenburger Linie erfolgen dürfe. Die Charlotten- burger Stadtverordneten haben jedoch dieser Aenl�rung nicht zu- gestimmt. Um nun den Stillstand des Baues der Schönebcrger Untergrundbahn, der durch Scheitern des Vertrages erfolgte und durch die ein-getretenen Ferien der Stadtverordneten sich lange hin» ziehen würde, sei Schöneberg verpflichtet gewesen, das Ergänzungs» verfahren einzuleiten. Dem Magistrat Charlottenburgs sei mit» geteilt worden, daß nach den Stadtverordnetenfcrien die Cini. gungsverhandlungen fortgesetzt werden sollten. Redner empfahl, dem vorliegenden Vertrage zuzustimmen, wenn er auch nicht allen Wünschen Schönebergs Rechnung trägt. Oberbürgermeister Wild? erklärte, daß der alte Vertrag mit Charlottenburg jetzt völlig wertlos sei. Nach einem Ausspruch des Ministeriums erhalte Charlottenburg die Genehmigung zum Bau einer Untergrundbahn nach dem Nollendorfplatz nicht; somit wäre auch nicht an die Errichtung eines Gcmcinschaftsbahnhofes am Nollcndorfplatz zu d-nken. Für die bloße Durchführung der Schönebergcr Bahn durch Charlottenburger Gebiet auf einige hundert Meter könne doch Charlottenburg nicht alles mögliche ver- langen. Das eingeleitete Ergänzungsverfahren habe die VerHand- lungey wesentlich beschleunigt. Sicher würde zu erwarten sein, daß innerhalb drei Jahren eine volle Einigung mit Charlotten- bürg erzielt wird. In der kurzen Diskussion wurde hauptsächlich die Stellung- nähme des Ministeriums gerügt, das gegen die Interessen der West- lichen Vororte ein mangelndes Entgegenkommen bewiesen habe zum Vorteil einer privaten Aktiengesellschaft. Auch hier scheine das Bestreben vorzuherrschen. die Schnellbahnen ebenso zu einem Mo- nopol einer Privatgesellschaft zu gestalten, wie dies bei den Straßen- bahnen geschehen ist. Der Vertrag wurde darauf einstimmig angenommen, das eingeleitete Ergänzungsverfahren soll rückgängig gemacht werden._ Die Versammlung überwies dann noch die Vorlage des Magi- strats lietr. Festsetzung der Amtszulage für die Rektoren auf 1366 M. dem Etatsausschuß. Weiter lag der Versammlung noch ein Antrag betr. Abände- rung des Entwurfs der Untergrundbahn in der verlängerten Inns- brucker Straße vor. Es soll bereits dem Ausbau der Bahu nach Süden Rechnung getragen werden. Auch ist statt des provisorischen ein definitiver Betriebsbahnhof einzurichten..Diese Vorlage brachte lange Debatten, die sich hauptsächlich gegen die Geschäftsführung der Untergrundbahndcputation richteten. Namentlich war es auch unser Genosse F r i tz s ch, der eine objektivere Geschäftsführung in der Untergrundbahndcputation verlangte. Der Dezernent der Untergrundbahndeputation solle sich befleißigen, sich mehr der Lei- tung der Sitzungen hinzugeben, als hinter jedem einzelnen Redner selbst immer große Reden und Bevormundungen zu halten. Die Vorlage wird schließlich einem Ausschuß überwiesen Wilmersdorf. Ein neues RcichSPostgcbiindc ist in Wilmersdorf errichtet worden. DaS neue Posthans wird am 16. September in Gebranch geiiouunen. Die Oberpostdireliion in Berlin hat jetzt angeordnet, daß das Post- amt 1 in Wilmersdorf am 15. September nach Schalterschluß aus dem Hause Nhlaudstr. 164 in das reichöcigene Dienstgcbäude Uhland- straße 35 verlegt wird. Obcr-Schöneweide. Zeppelinbezeistcrung auf Kosten der Arbeiter. Auf recht billige Art suchte die Direktion des Kabcltverks Oberspree, der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft gehörig, ihr« Verehrmig für Zeppelin zur Schau zu tragen. Am Sonnavendmittag wurde das ganze Wer! mit zirka btXX) Arbeitern stillgelegt, sogar die Nachtschicht wurde nicht zugelassen. Eine Entschädigung für den entgangenen Arbeitsverdienst wird nicht gezahlt. Es herrscht darüber bei den Arbeitern begreif- licher Unwille. Es erscheint dieser Akt der Direktion um so verwerflicher als sonst jede Verweigerung einer Ueberstunde streng geahndet loird, ganz abgesehen von den bekannten Erklärungen, dah ein Stillstehen des Werkes anläßlich der Maifeier nicht angängig sei. Das neue Ortsstatut, wonach ab 1. September 1909«in er- höhtes Marktstandgeld für den Gemeindewochenmarkt ein» geführt wird, hat die Genehmigung des Regierungspräsidenten ge- funden. Es werden hinfort per Quadratmeter Standfläche 29 Pf. Gebühren erhoben, gegen früher eine Erhöhung um das Doppelte. Nicht genehmigt ist dagegen die Bestimmung, wonach vom selben Zeitpunkte auch der Handel mit Posamentier- und Schnitt- waren auf dem Wochenmarkte zugelassen sein sollte. Gleichfalls am 1. September tritt die neue Polizei- Verordnung in Kraft, wonach sänitliche frei umherlausende Hunde mit Maulkörben versehen sein müssen. Nieder-Schöneweide. Von einem Lastfuhrwerk totgefahren wurde gesiem mittag nach 1 Uhr die zweijährige Tochter deS in der Berliner Straste wohnenden Bäckermeisters Hantel. Das Kind lief vor dem Hause Berliner Strohe 2ö beim Spielen direkt unter die Räder des Wagens und wurde so schwer verletzt, dah der Tod auf der Stelle eintrat. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Kaulsdorf. Schwer verunglückt ist gestern nachmittag um 4'/, Uhr der vier- undzwanzig Jahre alte Zimmermann Otto Kuhn, der auf einem Neubau in der Schönower Straße beschäftigt wurde. Er befand sich im dritten Stock und fiel infolge eines Fehltritts in die Tiefe. Er erlitt Rippenbrüche und Brüche beider Beine, so daß er in einem Koppschen Rettungswagen nach dem Krankenhaus Rummelsburg ge- bracht werden mußte. Teltow. In selbstmörderischer Absicht sprang am Montagabend 7 Uhr der im Zehlendorfer Erholungsheim MunrepoS zur Kur weilende Rentier Michaelis in den dortigen Hafen des Teltowkanals. Erst nach geraumer Zeit gelang es einigen Passanten, den Lebensmüden den Fluten zu entreißen. Ein sofort herbeigerufener Arzt unter- nahm Wiederbelebungsversuche mit einem Sauerstoffapparat, die leider erfolglos blieben. Unheilbare Krankheit soll die Ursache des Selbstmordes sein. Der Tote hat in der Anstalt einen Brief hinter- lassen, der eine Aufstellung feines Vermögens sowie Anordnungen über die Verwendung desselben enthält. Tegel-Borsigwalde. Karl Fubel, einer der Besten, ist plötzlich aus den Reihen der kämpfenden Arbeiterschaft durch den Tod entrissen worden. Als Mt- begründer deS Wahlvereins(Bezirk Waidmannslust) hat der zu früh Verstorbene mehrere Jahre in aufopferungsvoller Weife die Leitung der Organisation innegehabt. Und bis in die letzte Zeit hat unser treuer Kampfgenosse sein Bestes für die Partei geleistet. Aber auch die Nachbarbezirke wissen, waS Fubel für die Partei war. Keine Mühe und Arbeit war ihm zu schwer, wenn es galt, das Evangelium des Sozialismus unter den Mafien zu verbreiten; nicht Wind noch Wetter hielten ihn davon ab, immer frisch und wohlgemut war er ein leuchtendes Vorbild für die Genossen. Zu früh ist er uns entrissen, kaum 38 Jahre, im besten ManneSalter, raffte ihn die heimtückische Krankheit dahin. Unvergeßlich wird er den Seinen bleiben, ein treuer Gatte, ein guter Vater. Er hat sich deshalb ein dauerndes Andenken im Kreise seiner Freunde und Ge- nassen erworben. Die Beerdigung findet heute, am 1. September, nachmittags ö Uhr, von der Leichenhalle des Borsigwalder Fried- hofeS aus statt. Die Genossen von Borsigwalde-Wittenau versammeln sich um 4 Uhr bei Woitschack. Die Genossen von der Wittesttaße und West-Reinickendorf bei Scheibe!, Schubart- und Ernststraßen- Ecke; von Waidmannslust und Umgegend bei W. Schulz, Schubart- straße, und die Tegeler Genossen bei Zühlke, Ernststraße. Es ist Pflicht der Parteigenossen, recht zahlreich zu erscheinen. Reinickendorf- West. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins erfolgte die Neuaufnahme von 13 Genossen und drei Genossinnen. Sodann gab Genosse Hentschel den Bericht von der Kreis» Generalversammlung und Genosse Kuschminder den von der VerbandS-Generalversamm- lung. Als Bezirksfübrer für den zweiten Bezirk wurde der Genosse Gustav Meißner bestätigt. Der vom ersten Bezirk gestellte Antrag, ein Komitee von 13 Ge- Nossen, zwecks Eintritt in eine Agitationsbewegung zum Austritt auS der Landeskirche zu wählen, fand einstimmige Annahme. Dem Komitee gehören an: Emil Heinrich, Eichbornstr. 33; Fritz Hentschel, Eichbornstr. 39, 1; Gustav Meißner. Antonienstr. 22 p Frau Kusch« minder, Eichbornstr. 13; Wilhelm Rudow, Antonienstr. 63; Hermann Röder, Klixstr. 26; Hugo Pötter, Schillingstr. 2; Walter Sablowski, Auguste-Viktoria-Allee 33; Adolf Schneider, Scharnweberstr. 146; Max Mette, Scharnweberstr. 124; Otto Beilke, Berliner Straße 79; Fritz Hundt. Berliner Straße 121; Franz Bahr, Kögelstr. 16. Da am Ort die Absicht besteht, einen neuen Gesang- sowie Theaterverein zu gründen, nahm die Versammlung eine Resolution an, in tvelcher in solchen Bestrebungen eine Zersplitterung der Arbeiter- bewegung erblickt wird. DeS weiteren wird betont, daß alle Vereine, die sich gegen bereits bestehende Arbeitervereine neu bilden, boy- kotttert werden sollen. In einem weiteren Antrage wird den neu eintretenden Mitgliedern zur Pflicht gemacht, den von den ZeiwngS- boten zugestellten„Vorwärts' zu abonnieren. Borsigwalde-Wittenau. In der letzten Genieinbevertretersitzung teilte der Gemeinde- Vorsteher mit, daß das Projekt, gemeinschaftlich mit der Gemeinde Rosenthal an der Rosenthaler Straße einen neuen Bahnhof zu schaffen, gescheitert ist. Die Kosten würden 139 999 M. betragen, die Gemeinde Rosenthal, welche den größten Nutzen von diesem Bahnhof hat, lehne jedoch jede Beihilfe ad. Die Aufnahme eines Wechsel-Darlshens bis zur Höhe von 399 999 M. wurde einstimmig beschlossen; 399 999 M. sollen sofort zur Deckung von Kanalisations- kosten von der Preußischen Genossenschaftsbank erhoben, der Rest- betrag soll zu dem jeweiligen Diskontosatz von 3l-h Proz. verzinst werden. Die Wechsel laufen von Jahr zu Jahr und werden drei. monatlich prolongiert. Die Bauarbeiten für das neue Maschinen- haus der Pumpstation, zum Preise von 11868,19 M., wurden dem Baumeister Ernst mit 9 gegen 3 Stimmen bei einer Stimmenthal. tung übertragen. Unsere Genossen hielten eine beschränkte Aus- schreibung für Gemeindearbeiten nicht am Platze, es müsse eine öffentliche Submission stattfinden, da man der Vetternwirtschaft sonst Tür und Tor öffnet. Zur Vorrinschätzungskommission wurden auf drei Jahre die Herren Deßin, Göricke, Pach und Genosse Karl Müller gewählt. Gegen die Stimmen der vier sozialdemokratischen Gemeindevertreter wurden die Shnodalkosten in Höhe von 397M9 Mark pro Jahr bewilligt. Dem Grundgehalt der Lehrer von 1499 M. wird zugestimmt. Die Anstellung eines Buchhalters für die Gasanstalt mit einem Anfangsgehalt von 1899 M. und 399 M. Mietsentschädigung wurde beschlossen. Die Verlegung der Gas» röhren in der Hauptstraße werden der Gasanstalt zum Preise von 13 699 M. übertragen. Gegen 3 Stimmen bei einer Stimmenthal- tung beschloß die Gemeindevertretung, die Asphaltierungsarbeiten für den Teil der Hauptstraße zwischen Oranienburger Chaufiee und dem Niederschen Grundstück zum Preise von 79 261,59 M. der Firma Schier zu übertragen. Der Erwerb des Niederschcn Grund- stücke? rief eine sehr rege Debatte hervor. Die Hauptstraße ist zika 29 Meter an der betreffenden Stelle breit, trotzdem wurde der Gemeindevertretung empfohlen, das Grundstück für 69 999 M. zu kaufen, der Herr ist aber schon von selber auf 33 999 M. herunter- gegangen, so daß die Ouadratrute 399 M. kostet. Mit 9 gegen 3 Stimmen bei einer Stimmenthaltung wurde einem Antrag deS Herrn Göricke gemäß beschlossen, das Grundstück für 39 999 M. zu kaufen, sollte der Eigentümer damit nicht einverstanden sein, so soll gegen denselben das Enteignungsvcrfahren eingeleitet werden. Genosse Adam empfahl, mit den Steucrgroschen der Arbeiter spar- samcr umzugehen. Dies veranlaßt« den Herrn Direktor der Ter- raingesellschaft Hempel zu dem Zwischenruf:„Die Arbeiter be- zahlen ja überhaupt keine Steuern, oder aber viel zu wenig." Unser Genosse gab ihm eine deutliche Antwort. Herr Hempel werde erst durch die Arbeiter in die angenehme Lage versetzt, Steuern zahlen zu können, im übrigen gehöre er zu den Leuten, deren Arbeit. Bodenwucher, Grundstücksspekulation, keine produktive sei. Es seien also nichts anderes als Drohnen im Staate. Durch heftiges Klingeln mit der Glocke versuchte der Vorsitzende die Ausführungen zu unterbrechen. Eine 69jährige Frau Schulz, welche ihren Unter- stützungSwohnsitz in Hohenneuendorf hat, von einem Arzt unter- sucht und als unterstützungsbedürftig befunden ist, wurde vom Gemeindevorsteher von Hohenneuendorf mit folgenden � Gründen abgewiesen:„Die pp. Schulz ist noch rüstig und gesund, erhält 19 M. pro Monat Altersrente, ist also infolgedessen imstande, sich selbst zu ernähren." Die Gemeindevertretung lehnte ein Ein- schreiten gegen den Lehrer Korge ab, welcher, wie behauptet wird, den Knaben Jonas wegen einer geringfügigen Sache hart bestrafte. Potsdam. Zweimal verhaftet.— Zweimal entwischt. Der Mörder der Opernsängerin Frau Rudolphi in Bornim, der flüchtige Schriftsetzer Hackradt, hat Glück. Er entwischte zweimal den Fingern der Polizei, die ihn zweimal gepackt hatte. Bereits in Magdeburg ließ, wie gemeldet, die dortige Polizeiverwaltung den Täter laufen, da sie nicht wußte, was er vierundzwanzig Stunde» vorher bei Potsdam begangen hatte, und dasselbe Glück hatte Hackradt in Halle a. S. Hierüber wird uns von dort be- richtet: Der Schriftsetzer Max Hackradt. der des Mordes an der Frau Rudolphi in Bornim verdächtig ist, war am Sonnabend hier kurze Zeit verhaftet. Er hatte auf dem Bahnhof von einem Nestaurations« wagen eine Flasche Wein und Rum gestohlen und wurde erwischt. Nach Erlegung der Strafe wurde Hackradt fteigelafien. Er legittmierte sich, gab als sein Reiseziel München an und schrieb sogar seiner Frau eine Postkarte, daß er in Halle verhaftet sei. aber nicht wegen Mordes, sondern wegen Mundraubes. Erst heute wurde hier be- kannt, daß Hackradt vorher schon in Magdeburg verhaftet worden war, weil er auf der Fahrt von Potsdam aus dem Coupcefenster geschossen hatte. Auch dort wurde er freigelassen. Weder in Halle noch in Magdeburg war von der Mordtat etwas bekaimt gewesen. Sericbts- Leitung. Mädchenhändler. Unter dem schweren Verdachte, ein internationaler Mädchen- Händler zu sein, wurde gestern der 42jährige„Photograph" William Dent aus der Untersuchungshaft der Ferienstrafkammer des Land- gerichts Berlin l vorgeführt. Da der Angeklagte die deutsch« Sprache nur unvollkommen beherrscht, mußte der Patentanwalt Loubier als Dolmetscher fungieren. Die Anklage lautete auf Eni- fllhrung einer Minderjährigen zu unzüchtigen Zwecken und Ver- gehen gegen§ 48 des Gesetzes über das Auswanderungswesen vom 9. Juni 1897. Der Angeklagte ist eine sehr problematische Exi» stenz. Er ist Amerikaner und in New York verheiratet. Nach seiner Behauptung hat er es mit seiner Frau nicht mehr aushalten können, zwei Jahre getrennt von ihr gelebt und ist schließlich unter Mitnahme von zirka 1499 Dollar nach Europa durchgebrannt. Er tauchte in Wien auf, wo er mit Photographien handelte, ging nach Lemberg und wollte angeblich nach London, doch will er sich von einem Manne haben überreden lassen, auf dem Wege dorthin sich doch einmal die schöne Stadt Berlin anzusehen. So kam er Mitte April nach Berlin und quartierte sich in dem Grohbandschen Gast- Hof in der Grcnadicrftraße ein. Dort diente die 18jährige Anna M., die hübsche und üppige Tochter eines Ackerbürgers aus Schlesien, als Zimmermädchen und erregte die Aufmerksamkeit des von der Natur keineswegs verschwenderisch ausgestatteten Angeklagten. Dieser lockte sie in sein Zimmer und erreichte durch die Versiche- rung, daß er sich sterblich in sie verliebt habe, daß sie ihm ihre Gunst zuwandte. Er erzählte ihr, daß er sehr vermögend sei, sprach von einer halben Million, zeigte ihr Brillanten und goldene Ringe und versprach ihr die Ehe, wenn sie sich entschließen würde, ihm ohne viel Bedenken nach London zu folgen. Anna M., der der Angeklagte auch viel von seinen in London wohnenden reichen Ver- wandten, denen sie vorgestellt werden sollte, erzählte, wähnte sich im Geiste schon als reiche,„mit allem Komfort der Neuzeit" aus- gestattete Dame und willigte ein, heimlich mit nach London zu fahren. Am 29. April kam die sonst so fleißige Anna nicht zum Vorschein und als ihr Prinzipal nach ihr forschte, fand er in ihrer Kammer einen Zettel mit folgender Nachricht vor:„Bin nach Amerika gefahren, zürnen Sie mir nicht!" Indessen dampfte das Pärchen nach Hamburg. Unterwegs erzählte der Angeklagte dem Mädchen noch viel von London und den Damen, mit denen sie dort zusammenkommen würde und prägte ihr ein, daß, wenn sie nach ihrem Alter gefragt werden sollte, sie zu antworten habe: sie sei 21 Jahre alt. Bei der Ankunft in Hamburg fiel das ungleiche Paar dem auf dem dortigen Bahnhof stationierten Schutzmann Stoike auf, ihm stieg ein gewisser Verdacht auf und er fragte nach ihrer Herkunft und ihrem Reiseziel. Sehr schlagfertig erklärte der Angeklagte, daß er seine Begleiterin zufällig im Eisenbahn. coupe kennen gelernt habe, daß er Russe sei und nach Amerika aus- wandern wolle, das Mädchen aber beabsichtige, sich in Hamburg einen Dienst zu suchen. Der Schutzmann sagte darauf, daß er für diese Dinge die richtige Adresse sei und brachte den Angeklagten vorläufig in ein Auswandererhaus, das Mädchen aber wollte er in eine von der Mission eingerichtete UnterkunftSstclle für arbeit- suchende Dienstmädchen unterbringen. Da ihm aufgefallen war, daß der AiMklagte sich bemüht hatte, der M. heimlich etwas zuzu- flüstern, so befragte er sie auf dem Wege nach dem Asyl noch ein- gehend über ihre Verhältnisse, ihre Papiere usw. und da gestand ihm denn das Mädchen, daß sie ohne Gepäck und ohne Papiere heimlich ihren Dienst verlassen habe, um dem Angeklagten, der ihr die Ehe versprochen, nach London zu folgen. Nun war es dem Beamten nickt mehr zweifelhaft, daß das Mädchen von einem inter» nationalen Mädchenhändler verschleppt werden sollte. Er sorgte daher für die Festnahme des letzteren. Der gegen diesen aufge- tauchte Verdacht erhielt auch dadurch weitere Nahrung, daß man bei ihm die Adresse eincS in Paris wohnenden Mannes vorfand, der als Mädchenhändler bekannt ist. Auffallend ist auch, daß der An- geklagte, der seiner Frau so schnöde ausgerückt sein will, von dieser hierher in die Untersuchungshaft recht freundliche Briefe erhalten hat. Er bestritt gestern mit großer Entschiedenheit, etwas vom internationalen Mädchenhandel zu wissen und behauptete, daß es nur seine Absicht gewesen sei, mit dem Mädchen, rn das er sich ver- liebt habe, zusammen zu leben. Der Staatsanwalt hielt dies für gänzlich unglaubwürdig und den Angeklagten, der ganz nach dem Muster der Mädchenhändler vorgegangen sei, für vollständig über- führt. Er beantragte 2 Jahre Zuchthaus, 4 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Auch der Gerichtshof hielt den Angeklagten dringend verdächtig, den Plan verfolgt zu haben, das Mädchen ins Ausland in ein Bordell zu verschleppen, doch reichten dem Gericht die Beweise hierfür nicht aus. Es verurteilte den Angeklagten daher nur wegen Entführung einer Minderjährigen (§ 237 St.-G.-B.)> setzte aber mit Rücksicht auf die ganze Sachlage die Strafe auf 2 Jahre Gefängnis fest. Verschiedene Berschuldcnsmomente bei StraßenbahnunfaS.' , Aus Anlaßt eines Rechtsstreites des Bauhilfsarbeiters W. auS Weimar gegen die Aktiengesellschaft Siemens u. Halske kommt das Reichsgericht zu erwähnenswerten Erörterungen über die gegen- seitige Wwägung der einzelnen Verschuldensmomente, indem es dabei auch das Verschulden des Wagenführers als zur Annahme der Erhöhung der Betriebsgefahr geeignet betrachtet. Der Kläger war am 3. April 1996 von einem ihn über- holenden Straßenbahnwagen erfaßt und verletzt worden. Sein Schadenersatzanspruch wurde vom Landgericht zu einem Drittel für gerechtfertigt erklärt. Auf die Berufung beider Parteien er- kannte das ObcrlandcSgericht Hamm den Anspruch des Klägers dem Grunde nach zur Hälfte als gerechtfertigt an, jedoch mit der Maßgabe, daß die Rente wegen Erwerbsverlustes nicht über das vollendete 79. Lebensjahr des Klägers gezahlt werden soll. Diese Entscheidung des Obcrlandesgerichts wird vom 6. Zivil- senat des höchsten Gerichtshofs bestätigt. Aus den Entscheiduugs- gründen ist folgendes gesagt: Das Verschulden des Klägers l>at nach der Feststellung des Berufungsgerichts darm be- standen, daß er die Ehaussce entlang zwischen den Schienen der Straßenbahn ging, ohne sich nach einem etwa hinter ihm herkom- menden Straßenbahnwagen umzusehen, daß er auch die vom Wagenführer ausreichend gegebenen Signale aus Unachtsamkeit überhörte. Demgegenüber ist vom Berufungsgericht erwogen, der Wagen habe zwar die zulässige Geschwindigkeit nicht überschritten, auch sei die Bremsvorrichtung in Ordnung gewesen, aber der Wagenführer habe doch bemerken müssen, daß der zwischen den Schienen gehende Kläger nicht auf die Signale aufmerksam wurde und habe darum so früh die Bremse anziehen müssen, daß er, als der Kläger immer noch nicht aufmerkte, den Wagen rechtzeitig zum Stehen bringen konnte. Diese Vorsicht habe der Wagenführer nicht beobachtet und darin liege ein die Betriebsgefahr erhöhendes Ver- schulden.__ Vermischtes. Die Reparatur des„Zeppelin III". Friedrichshafen, 31. August. Laut Mitteilung der Lustschiff- baugesellschait wird die Reparatur des„Zeppelin HI' im Laufe dieser Nacht beendet sein und das Luftschiff voraussichtlich morgen früh seine Abfahrt antreten. Da aber keine bestimmte Sicher- heit besteht. daß das Lustschiff bis zum 8. September sich wieder in fahrtbereitcm Zustande in FriedrichShascn befindet, sind die Mitglieder des Bundesrates gebeten worden, ihren Besuch aus den folgenden Tag zu verschieben und gleichzeitig mit den Mit- gliedern deS Reichstags die Zeppelinschen Anlagen zu besichtigen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß angesichts der letzten Zwischenfälle mit dem neuen Propeller auch für den Termin des 4. September heute noch keine bestimmte Garantie geleistet werden kann. Aus Seenot gerettet. Bremen, 31. August. Die RettungSstatton Barhoest der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 31. August von der auf dem Bock gestrandeten holländischen Tjalk Nooidgedachl, Kapitän Kverts, mit Heringen von Emden nach Stettin bestimmt, fünf Personen durch das Rettungsboot der Station gerettet. Die Cholera. Wie amtlich aus Rotterdam gemeldet wird, be- finden sich 13 cholerakranke und 2 choleraverdächtige Personen in den Isolierbaracken. Seit gestern sind 2 Erkrankte gestorben. Die Ge- samtzahl der Todesfälle beträgt bisher 19. von denen 7 aus Kinder entfallen. 74 Personen stehen unter ärztlicher Beobachtung. Sie be- finden sich sämtlich wohl._ Leseabende. FriebrichSbagen. Donnerstag, den 2. September, 8% Uhr, bei Singuhr, Seestr. 36._ Lese- und Diskiitlerklub-Südost*. Heute abend 8'/, Uhr: Sitzung bei Ncidhardt, Görlitzer Strohe 33. Käste willkommen. Sozialdeiiiokratischer Lese- und Diskutiertluv„Heinrich Heine*. Heute abend 8>/, Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenbergsttahe 8. Sozialvcmotratischer Lese- und Diskutierklub„Karl Marx*. Heule abend 8'/, Uhr Sitzung bei Hummel, Sophtcnstrahe 3. Gäste will- kommen. Freie Jugendorganisation. Abteilung IS. Heute abend 8 Uhr bei Beckmann, O., Samariterstrabe It: Versammlung. Vortrag dcS Gc< nassen M-ivner über:„Der Weg zur Macht.' Die Genossen werden ersucht. ihre schulentlassenen Kinder auf diese Veranstaltung ausmerksam zu machen und die Versammlung selbst zu besuchen. Zentralverband der Fleischer(OrtSverwaltung Berlin). Mittwoch, den 1. September er., abends 9 Uhr, rm„Rosenthaler Hos', Rosenthaler Straße 11—12: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Dr. M. Schütte über: Lockspitzeltum und Regierungen. L. Vor« legung der Arbeilslosenlontrolle. 3. Anträge und Verschiedenes.— Wir erwarten von allen Mitgliedern, daß sie recht pünktlich erscheinen; ferner, daß sie unter ihren Freunden und Kollegen agitieren und dieselben mitbringen. Neuausnahmen werden gemacht. Die Ottsverwaltung. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. Donnerstag, den L. September, abends 9 Uhr: General- versamnilung, Rosenthaler Straße 11/12. Amtlicher Marktbericht der städttschen MarNhallen-Dtreitton über den Großhandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zuluhr genügend, Geschält ruhig, Preise unverändert. Wild: Znsuhr genügend. Geichäst lebhast, Preise gut. G e i l ü g e l: Zufuhr nicht ge- nügend, Geschäft ziemlich rege. Preise bcsttcdigend. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäst etwas lcbhaster, Preise leicht gcbcssott. Butter und Käse: Geschäft ruhtg, Preise wenig vcrändett. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusnhr reichlich, Geschäft ruhig, Preise gedrückt. Wttterungsubcrsicht vom St. Aug» st t»t»v. morgen«» Ubr. «tattonen «tatwnen Ü S§ sv Setter Haparanda 751 NO Petersburg 755 SSO 760 NNW 756 N 756 SSW 2 bedeckt 2 wolkenl 5 wollig 3 wolkig 2 bedeckt Lwtnemd». Hamburg Berlin 751 WSW Zbedeckt 11 Sctlly zrankI.a.M.!753SA 5 wolkig 12 tlberdee» München>755 SW»bedeckt 1» Patt« Wien Wetterprognose für Mttttvoch. de« t. September 1009. Ziemlich kühl, zettweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regenschauem und vieljach statten nordwestlichen Winden. Berliner Setterbureau. » 15 14 9 11 Waslerttands.Nachrichte« der LandeSanstalt für wewSiscrtunde. milgeuitt vorn Berliner Wetterbureau. «)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Unterpegel. Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Berlin. Für den Inseratenteil verani».; Th. Glocke, Berlin. Kryck u.Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin SW,