Nr. 101. Erscheint täglich außer Montags. Brets pränumerando: Biertel jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 fg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter freuzband: Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Boft- Bettungs- Breistifte für 1898 unter Mr. 6708. Vorwärts 10. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzetle oder deren Raum 40 Pfg., für Bereins- und Berfammlungs- Anzeigen 20 Pfg Guferate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Grpedition abgegeben werden. Die Expedition ift an Wochens tagen bis 7 Ubr Abends, qn Sonnund gefttagen bis Uhr Vormittags geöffnet. Born fprech- Anfin Amt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Der erste Mai. Sonntag, den 30. April 1893. Expedition: SW. 19, 33euth- Straße 3. Bum vierten Mal feiern wir heuer das Weltfest der Recht. Er ist verpflichtet, die Feste bes Brotherrn" zu Arbeit und besonders ernst sind heuer die Verhältnisse. feiern, ein Fest der Arbeit, das ist Anmaßung der LohnDer fromme französische Schriftsteller und Staatsmann Fruchtbar an Lehren war die Geschichte des letzten Jahres. ftlaven. Nachdem das Unternehmerthum sich hat überzeugen Chateaubriand hat irgendwo gesagt, die Katholizität, das Die beispiellose Geschäftstrisis mit ihrem Gefolge müssen, daß das Antämpfen gegen den 1. Mai erfolglos ist, heißt die allumfassende, weltumspannende Macht und Größe von Nothstand und Arbeitslosigkeit hat den Arbeitern aller fann die Aechtung der Arbeitsfeier des 1. Mai seitens der katholischen Kirche werde jedem gläubigen Katholiken Länder zur Erkenntniß und zum Empfinden gebracht, was der Geldproßen nur Chitane fein. Das Unterbeim Beten und Läuten des Ave Maria zu lebendigem ihr Loos ist in dieser" besten der Welten". Hunderttausende nehmerthum will an den Arbeitern sein Müthchen Berständniß gebracht durch das Bewußtsein und die Gewiß- find aus den sogenannten Mittelschichten herabgeschleudert fühlen, ihnen seine erbrückende Uebermacht und ihre Dhnheit, daß gleichzeitig mit ihm jeder gläubige Katholik auf worden ins Proletariat; immer fulturwidriger zeigt sich die macht zeigen. Die Arbeiter merken es sich und ziehen die dem ganzen Erdenrund in Seelengemeinschaft mit ihm das Anarchie der bürgerlichen Gesellschaft, immer verderblicher Lehre. Der heilige Born, den brutales Unrecht gegleiche Gebet zum Himmel entfende. wüthet der soziale Krieg. Bor die Frage gestellt: dem paart mit frechem Hohne in jedem seiner Menschenwürde Dieses Bewußtsein und diese Gewißheit der Seelen- Nothstand abzuhelfen, hat der Klaffenstaat, der Gegen bewußten Menschen entflammt, ist der beste Sporn der gemeinschaft von Millionen ist ohne Zweifel etwas Erhabenes arts staat seine Unfähigkeit, seinen Bantrott er- Thattraft und des Opfermuthes. und Erhebendes. Das haben wir Sozialdemokraten erfannt, tlärt. und das Gefühl der Ratholizität ist es, was dem Weltfeier- Und die durch den Nothstand veranlaßten Reichs tage der Arbeit seine vornehmste Weihe verleiht. tags- Debatten über ben sogenannten, 8utunftsstaat" Heute, am Tage, da dieses Blatt unseren Lesern zugeht, haben dem, der noch zweifeln fonnte, die Gewißheit verweiß jeder Sozialdemokrat, weiß jeder flaffenbewußte Ar- schafft, daß die herrschenden Klassen seit dem Auftauchen beiter auf dem weiten Erdenrund, daß jeder andere Sozial- der sozialen Frage nichts gelernt und nichts ver demokrat, jeder andere klassenbewußte Arbeiter auf dem gessen haben, und daß es für sie, wenn es gilt, den weiten Erdenrund mit dem Gedanken an den 1. Mai be- gerechten Forderungen der Arbeiter entgegenzutreten, feinen Barteiunterschied giebt. schäftigt ist. Auch so arbeiten unsere Feinde für uns- was immer fie thun mögen, um ihre Herrschaft zu verlängern und unseren Sieg zu verhindern, alles schlägt au unserem Vor theil aus. Wir sind die Kraft, wir hämmern jung Das alte morsche Ding den Staat, Die wir von Gottes Borne find Bis heut das Proletariat." Bis heut" - so schrieb der Dichter vor Das ist eine treffliche Lehre für das Proletariat. iegt 48 Jahren Und am 1. Mai weiß jeder Sozialdemokrat, weiß jeder - vor fast einem halben Jahrhundert. Seitdem hat das Proletariat reckenhaft die Glieder ges flaffenbewußte Arbeiter auf dem weiten Erdenrund, daß Seine Feinde sind fest geschlossen, und von ihnen hat es jeder andere Sozialdemokrat, jeder andere tlaffenbewußte nichts zu erhoffen. Die Arbeiterklasse hat nur sich selbst. behnt, und ist aus dem Schlummer erwacht zu frischem, starkem Leben. Und gar wuchtig hat er gehämmert und Und sie Arbeiter in allen Ländern der Erde in Seelengemeinschaft Sie hat auf die Hilfe keiner Partei zu rechnen. mit ihm zwar fein Gebet an den Himmel, wohl aber an braucht auch keine Hilfe. Sie ist für sich allein stark genug. hämmert fort der Titan, daß es fertig werde, das neue die Gewalthaber des Diesseits die Forderung und Auf- Die Stärke muß nur zur Geltung, zur Bethätigung gelangen Gebilde, die neue Gesellschaft, das Reich der Freiheit, und dazu bedarf es der Organisation: der Weckung, Gleichheit und Brüderlichkeit-ber 8utunftsstaat. forderung richtet, der Arbeit ihr Recht zu geben. und dazu bedarf es der Organisation: der Weckung, Die blöden Thoren, die nach dem Zukunftsstaat fragen! Und an Ratholizität kann der Sozialismus und die der Vereinigung und Disziplinirung der Sozialdemokratie fürwahr mit der katholischen Kirche sich vorhandenen Kräfte. Dieser Befreiungsarbeit soll der erste Sie stehen bereits auf der Schwelle, und früher, als sie vermessen. Wohin immer die moderne Kultur gedrungen ist, Wai dienen; ihr gehört er. Mit dem andachtsvoll leiden- meinen, werden seine Geheimnisse sich ihnen erschließen. Er Da hat auch die völkerbefreiende internationale Sozial schaftlichen Ernst des abgeraderten freiheitbürstenden Sklaven wächst vor ihren Augen. Freilich sie sind blind und sehen demokratie ihre Bekenner, und ihre Truppen. erinnert fich an unferem Weltfeiertag jeder tlaffen- und ziel- nicht. Der But unftsstaat, das ist die siegbewußte Arbeiter der Erde seiner Rechte und seiner Pflichten, reiche Sozialdemokratie. Únd am 1. Mai feiern wir im voraus seine Ankunft. der Rechte und Pflichten seiner Klaffe. Und er weiß, daß Auf zum Weltfest der Arbeit! gleichzeitig mit ihm jeder klaffen- und zielbewußte Arbeiter Hoch der i. Mai! Vor vier Jahren von dem Pariser Arbeiterparlament der Erde, von gleichen Gedanken, von gleichen Gefühlen begründet, ist der 1. Mai Weltfeiertag der Arbeit geworden, beseelt, im Kreis der Genossen das Gelübde ablegt, sein eine Thatsache, an der nicht mehr zu rütteln ist. Umsonst ganzes Sein und können einzusetzen für die gleiche Sache: die Emanzipation der Arbeitert lasse. Der 1. Mai ist der Tag der Seelen- und Geiftesgemeinschaft aller Befenner der Heerschau aller Truppen der großen Armee des kämpfenden Proletariats. war der Widerspruch, das Geschimpf, die Gegnerſchaft, die und in diesem Bewußtsein der Gemeinschaft schöpft jeder politische Lebersicht. vor nichts zurückschreckende Feindschaft der vereinigten Häupt- Einzelne Begeisterung, Kraft und Zuversicht. linge und Söldner des Rapitalismus. Das Pariser Arbeiterparlament hat es den Arbeitern Berlin, ben 29. April. An diesem Weltfeiertag, den die Arbeiter als Herren aller Länder überlassen, den 1. Mai so zu feiern, wie es Aus dem Reichstage. Die Mittheilung, daß der der Zukunft den Molochdienern der Gegenwart abgerungen ihnen am zweckmäßigsten erscheint. Die deutschen Arbeiter zweite Nachtragsetat für 1892/93 auch eine Forderung haben, und der durch sein bloßes Bestehen ein Triumph der ber Angehörigen Arbeitertlaffe ist, stellen und befürworten die Arbeiter aller feiern den Tag durch Versammlungen und angemessene für die Unterstüßung Arbeiterflaffe ist, stellen und befürworten die Arbeiter aller Festlichkeiten. Eine allgemeine Arbeitsruhe zu erzwingen, der zu Friedensübungen eingezogenen Länder die gleichen Forderungen: Arbeiterschuh mit find wir bei der augenblicklichen Geschäftslage nicht start Mannschaften enthalten würde, erweist sich als Achtstundentag, Gleichberechtigung der Ar- genug, und die. Masse der deutschen Arbeitgeber ist zu be- falsch. Der Nachtragsetats- Eutwurf, wie er dem beiter, Befreiung der Arbeit. schränkt und zu roh, um das Recht der Arbeiter auf einen Reichstage nunmehr vorliegt, enthält eine hierauf beDer Hauptzweck des Maifestes der Arbeit ist und Feiertag der Arbeit einsehen zu können. Den Arbeitern zügliche Position nicht. Bekanntlich erhielt das Gesez, bleibt aber die Befestigung des internationalen Feiertage des Kapitalismus, Feste des Molochs, wie das welches diese Unterstützung regelt und das mit dem Gedankens, der Solidarität des Pro- Sedan fest, aufzwingen das hält unser Unternehmer- 1. Juli 1892 in Geltung trat, rückwirkende Kraft, so daß Ietariats aller Länder. thum für sein gutes Recht. Für den Arbeiter giebt es tein nach Maßgabe seiner Bestimmungen auch rücksichtlich solcher Feuilleton. abrua verboten.) Bon S. Stepniat. ( 76 frischen, lachenden Bilder dieser Tage traten hervor und Sie ging leicht über ihre Befürchtung hinweg und erverscheuchten die grinsenden, schrecklichen Erinnerungen der zählte ihm lachend die Geschichte von Gregor's fein ausHölle, aus der er eben entkommen war. Er wollte glauben getifteltem Briefe, der sich auf so verschiedene Weise erund glaubte in diesem Moment auch wirklich, daß seine klären ließ. Rückkehr an den alten Ort, wo Tanja ihn erwartete, auch Andrej konnte aber aus dem Gesagten leicht schließen, Die Laufbahn eines Nihilisten. die Rückkehr zum früheren Glücke und zu der früheren daß sie ihn eine Beit lang für verloren gehalten habe, und friedlichen, gemeinsamen Arbeit sei, die soviel zu diesem errieth das Uebrige. Glücke beitrug. Als er sie schließlich bewegungslos am Vergieb mir meine Nachlässigkeit, mein Herz!" sagte Fenster stehen sah und nur ihr Lächeln und ihre er." Erst jetzt sehe ich, wie schlecht ich Dir gegenüber ges Augen ihm verriethen, daß auch sie ihn gesehen handelt habe." hatte; als er hineinstürzte und sie in seine Arme Laß es gut sein!" unterbrach sie ihn. Das kann Sobald er aber die Droschke befstieg, die ihn zu der schloß, da war alles vergessen: feine Pläne und Anschläge, jedem paffiren. Du hättest Dich von der Stadt für wohlbekannten Straße führen sollte, ergriff ihn das Fieber der Bar, die Polizei, die Verschwörungen; alles trat zurück einige Tage entfernen oder irgendwo verbergen müssen, der Erwartung und wuchs, je mehr er sich dem Orte hinter dem erhabenen Glücke zu lieben und geliebt zu oder Du hättest auch keine Beit haben tönnen, übernäherte. Eilig durchfuhren sie das Zentrum der Haupt- werden. haupt daran zu denken. Es war thöricht von mir so viel Aufhebens von solcher Rleinigkeit zu machen. Das nächste Mal werde ich geduldiger sein Autorisirte Uebersehung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. stadt; die Räder rollten über die mürbe lange Holzbrücke." Theuerster!" flüsterte sie, ich fürchtete Dich nie mehr Wie prächtig der Fluß in der Mittagssonne dieses schönen wiederzusehen!" Frühlingsiages aussah! Ein schwarzer graziöjer Schnell Du hattest Unrecht so zu denken," sagte er lächelnd. dampfer flog den Strom abwärts und verschwand unter der Ich sagte Dir, daß ich heil und gesund zurückkehren würde, Brücke; der hohe schwarze Schornstein knickte, als er einige und hier bin ich." Meter von derselben entfernt war, zusammen und fügte sich," Ja, da war er, ihr Geliebter, ihr Held, der Tapfere als ob es aus eigenem Antriebe geschähe, mit einem Ruck der Tapferen, heimgekehrt von den ungeheueren Gefahren, in seine Lage. Eine große Holzbarte bewegte sich in der in die er sich der gemeinsamen Sache wegen begeben hatte. selben Richtung zu; ein prächtiger schöner Bursche mit Sie fonnte taum glauben, daß sie ihn für eine Zeit lang, rothem Hemde, das am Halse ausgeschnitten war, stieß sie nach deren Dauer sie nicht zu fragen wagte, wieder bei mit einer langen Stange vorwärts, während sein Gefährte, sich hatte. der am Ruder sc ß, ein Lied summte. Er setzte sich in einen Armstuhl und sie auf seinen Die Räder schlugen wieder gegen die vorstehenden Schooß. Kieselsteine der Landstraße. Es war nicht mehr weit. Hier Und wie ist es Dir in meiner Abwesenheit var ber halbkreisförmige Couwersky- Platz. Jedes Haus, ergangen?" fragte Andrej. Du siehst blaß und mager aus, jeder Laden, jeder Baum dieses ruhigen, friedlichen Ortes, mein Kind. Bist Du gesund gewesen?" an dem er die glücklichsten Monate feines Lebens verbracht, Nicht ganz, laß' das aber gut sein. Was thut das schien ihn wie einen alten Bekannten zu begrüßen. Die jetzt?" " Ihre Gleichmuth versagte aber bei dem Gedanken, daß fie nochmals solch barte Probe bestehen sollte, nochmals diese schlaflosen Nächte, diese schrecklichen Träume und diese endlosen Stunden des Wartens durchmachen sollte. Nein," rief fie in anderem Tone, sich an ihn tlam01 mernd. Ich " Wir wollen uns nicht mehr trennen. Warum auch? kann bei Dir sein und Dir so vielfach nützen. Du hältst mich doch nicht für feige, nicht wahr?" Sie legte ihm beide Hände auf die Schultern und zog fich muthwillig etwas zurück, so daß sie ihm voll ins Antlig schauen konnte. " Nein, ich halte Dich nicht für feige," antwortete Andrej, sie küssend. Nicht die Gefahr fürchte ich," fuhr sie fort. Habe ich je daran gedacht, wenn Du hier bei mir warft? ber FriedenSübungen Unterstützungen gewährt wurden, welche ganz oder theilweise in der Zeit vom 1. April 1892 bis zum 1. Juli 1892 stattgefunden hatten. Es sind demnach für das ganze Jahr 1892/93 Unterstützungen zu zahlen ge- wesen. Die Lieferungsverbände haben die Zahlungen zu bewirken, die jährlich aus Reichsmitteln erstattet werden.— Dir Militärvorlage. In der„Kreuz.Zeitung" liest man:»Dem Vernehmen nach ist in der gestrigen Fraktionssitzung des Zentrums der Versuch, die genügende Stimmenzahl für eine den verbündeten Regierungen annehmbare Form der Militärvorlag« zusammenzubringen, gescheitert. Trotzdem besteht anscheinend die Absicht, in der zweiten Lesung irgend einen positiven Beschluß zu stände zu bringen, um für eine dritte Lesung die Unterlage zu schaffen. Voraussichtlich dürfte dazu die Einführung der zweijährigen Dienstzeit an sich aus- ersehen sein; selbstverständlich ist auf eine Mitwirkung der kon- servativen Fraktion bei einem Beschluß auf dieser Basis nicht zu rechnen." Die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg." bemerkt dazu:„Wir glauben nicht, daß die Angelegenheit schon so weit gediehen ist, um zu einer so bestimmten Stellungnahme veranlassen zu können; die obige Erklärung kann somit nur als Slimmungssymptom aus bestimmten Kreisen ausaefaßt werden."— Stimmung für die Militärvorlage machte gelegentlich des Aushebung-geschäfts im freundlichen Markte Oberdorf(Bayern) vor kurzem der hierbei fungirende Stabsarzt. Nicht genug, schreibt der„Oberd. Ldb.", daß der joviale Herr die zur Musterung gelangenden Rekruten konstant mit dem vertraulichen„Du" anredete, es fehlte auch att aufmunternden Kosenamen, wie z. B.„Dummes Luder, ver- fluchtes Rindvieh ee. ic." vermischt mit einer Blumenlese der schneidigsten Flüche nicht, wenn einer der jungen Burschen sich nicht ganz anstellig erwies. Den Gipfel der Humanität erreichte aber der leutselige Herr Stabsarzt durch folgendes Stück Menschenfreundlichkeit. In dem Untersuchungssaale ist eine Matratze vorgesehen zum Zwecke der Visitation Bruch. leidender k. ic. Die an solchen und ähnlichen Fehlern krankenden armen Rekruten konnten jedoch dieser wohlthätigen Einrichtung nicht theilhaftig werden, weil, ja weil— man höre und staune— genannte Matratze von dem Herrn Hund des liebenswürdigen Herrn Stabsarztes mit Beschlag belegt war und dieser getreue Begleiter seines Herrn darauf süßer Ruhe pflegte. Man sollte meinen, der Arzt, und namentlich der Militärarzt, müsse als Helfer der leidenden Menschheit auch der erste Träger der Humamlät sein. Wenn nun derlei Dinge schon beim M u st e- r u n g s g e s ch ä f t e vor den Augen bürgerlicher Personen vor- kommen, so kann man sich gewiß leicht einen Vers daraus machen, wie sich der genannte Hnmanitätsapostel in der Kaserne macht. Daß nebenbei eine derartige Behandlung in den jungen Burschen auch eine gewaltige Berufssreudigkeit für den Soldaten- stand hervorruft, ist gewiß leicht denkbar.„O, welche Freude, welche Lust, Soldat zu sein!"— Das Kompromißgeschäft zwischen denen um H u e n e und Caprtvi soll, wie verschiedene Abendblätter melden, end- giltig sehlgeschlagen sein.— Reichstags«Auflösung. In Sachen der Reichstag?- Auflösung ist daS amtliche Organ der sächsischen R e- gierung, das„Dresdener Journal" ermächtigt, die Nachricht zu widerlegen, daß einige größere Regierungen, namentlich diejenigen von Bayern, Sachsen und Baden im Falle einer Ablehnung der Militärvorlage sich gegen eine Auslösung des Reichstages ausgesprochen hätten. Zur Zeit habe für Sachsen wenigstens kein Anlaß vorgelegen, zu einer solchen Frage Stellung zu nehmen. Als ob man nicht wüßte, daß die preußische Borherrschaft für die nöthige Uebereinstimmung der Bundesstaaten vorsorgte? Eine ähn- liche Erklärung für Bayern geben die von dem bayrischen Ministerium des öfteren„inspirrrten" Münchener„Neuesten Nachrichten" ab. Es heißt darin, daß die Gewaltigen in Wiünchen sich nicht gegen die Auflösung erklärt hätten. Daß ihnen die Auflösung mit Rücksicht aus die Landtags- wählen nicht gelegen kommen würde, verstehe sich von selbst. Im übrigen sei aber die bayrische Regierung von der Roth- wendigkeit der Militärvorlage nickt minder überzeugt, als die übrigen Bundesregierungen; sie habe im Bundesrathe der Vorlage zugestimmt und werde selbstverständlich auch alle Konsequenzen ihrer Abstimmung tragen.— Der deutsch-rusflsche Handelsvertrag. Die Sonn- abend-Ausgabe der»Post* bringt folgende offiziöse Nachricht: „Die russische Antwortnotemit Gegenvorschlägen auf die von deutscher Seite an die Gewährung des Konven- tionaltarifS geknüpften Bedingungen ist an amtlicher Stelle hier überreicht worden. Die Prüfung der einzelnen Punkte wird selbstverständlich eine sehr gewissenhaft« sein, möglicher- weise ergiebt sich die Nothwendigleit zu Rückfragen, jedenfalls aber ist ein baldiger Abschluß der VerHand- lungen nicht zu erwarten." Der kleine aber mächtige Junker-Ring wird den Vertragsabschluß mit allen Mitteln zu verhindern suchen. die Ungewißheit.... Ich kann Dir gar nicht beschreiben, wie ich, seitdem Du mich verlassen, gelitten habe. Ich lebte nur in der Erwartung Deiner Sendungen. Ich habe mir die Augen nach ihnen ausgesehen. Und wenn sie kamen, war eS kein Trost, denn ich sagte mir, daß Du eine Stunde, nachdem Du sie aufgegeben, verhaftet sein konntest. Und die Tage und Nächte, da keine Botschaft kam! Was dachte ich nicht alles! WaS stellte ich mir nicht alles von Dir vor! Ah! eS ist zu schlecht von mir, darüber zu sprechen. Ich weiß, daß Du nicht lange friedlich daherm bleiben wirst. Du mußt mir aber jetzt versprechen, daß, was Du auch nächsthin unternehmen magst, selbst wenn es schlimmer ist, als die Angelegenheit in Dubrawnik, ich mit Dir gehen und Dein Schicksal theilen werde. Willst Du?" Sie sprach diese Worte leidenschaftlich und mit dem kecken Selbstvertrauen, welches ihr so eigen war, als ob sie ihn Heraussordern wollte, es ihr abzuschlagen. Andrej aber antwortete nichts, sondern blickte starr in dieses reizende, arglose, jugendliche Antlitz. Durch ihre Frage hatte sie selbst den Rausch der Freude, der eine Zeit lang seinen Geist bezwungen hatte, vertrieben. Er erinnerte sich an den letzten Morgen in Dubrawnik, in Watajko's Hause und an den großen Entschluß, welchen er gefaßt hätte.... Sein Schicksal war entschieden. Menschliches Glück oder Gesellschaft war ihm nicht beschieden. Die Sache, in welche er sich einlaflen wollte, mußte er ganz allein zu Ende führen; Tanja konnte da nicht mitthun, und ihm blieb keine andere Aussicht, als das Grab. Ihr es jetzt zu sagen, war der einzige Antheil, den er ihr einräumen konnte. Er schwieg aber. So sehr auch seine Nerven, mehr als die eines anderen Verschworenen, durch die schrecklichen Erfahrungen gestählt waren, zagte, zögerte und zitterte er jetzt, wo es galt, daS Messer gegen die Brust des geliebten Opfers zu zücken. Andrej, Liebster, was hast Du? Was starrst Du so?" rief Tanja aus.»Du lehnst es ab? Du fürchtest, daß ich DaS Volk mag ruhig unter den hohen Kornpreisen leiden, und der Nachtragsetat fordert für die aus der Preis- steigerung der Viktualien sich ergebenden Mehrkosten der Truppenverpflegung etliche Millionen mehr. Thut nichts, die Großgrundbesitzer»leiden Roth", man muß ihnen Helsen.— Das Gesetz gegen den Verrath militärischer Ge- heimmniffe werde, so verkündet die„Post", vom Bundes- rathe wohl nicht angenommen werden, weil der Reichstag die Nachrichten von solchen Geheimnissen für straflos er- klärt habe. Wir haben gegen das Begräbniß dieser über- flüssigen und reaktionären Vorlage natürlich nichts einzu- wenden. Es zeigt sich aber hier, daß den Regierungen vor allem an jener durch das Parlament gestrichenen„Nach- richten"-Bestimmung lag, die sich gegen die volksthümliche Presse richtete und den Regierungsentwurs zu einer lex „Vorwärts" stempelte.— „Der deutsche Zukunftsstaat". Eine ergötzliche Satire auf den Gegenwartsstaat, für den die Ballestrem, Richter u. Co. die Lärmtrommel rühren, hat Dr. S igl, der bekannte katholische Publizist und Politiker, in seinem „Bayrischen Vaterland" veröffentlicht. Er schreibt unter der Spitzmarke:„Der Zukunftsstaat": „Angesichts der aller Wadrscheinlichkeit nach zur Annahme gelangenden M i l i t ä r v o r l a g e, die des Landes beste Ar- beitskräfte absorbiren und für die Landlruppen und die Marine, sowie für die sortifikatorische Befestigung Helgolands und wo möglich noch anderer, ähnlich wichtiger, requirirt werdender Inseln immense Geldopser verschlingen wird, steht uns Hinsicht- lich der zukünftigen Gruppirung der menschlichen Gesellschafts- klaffen folgende reichssreundliche Zukunft in Aussicht: Di« menschlichen Gesellschastsklassen werden im deutschen Zukunftsstaate zerfallen: 1. in die gottbegnadeten re- gierenden und regierungsiähigen nachsintfluthlichen Geschlechter des Blaubluts nebst ihren Nachkommen und Anhängseln (Dynastien); 2. in die steuer- und abgabenfreien, unter sich in vornehmem Umgang verkehrenden und in der Oeffent- lichkeit zurückhaltenden hoffähigen O s s i z i« r e und höheren Militärbeamten(Oifizierskorps); S. in die zum Theil ge- treuesten und auch nicht getreuesten(aus dem Bezirksamt Jerusalem gekommenen oder stammenden), je nach„Verdienst" auch mit Blaublut injizirten Großkapitalisten(Rentiers, im Volksmund auch„Blutsauger" genannt); 4. in die die Zoll-, Steuer- und Monopol- Maschine(Staats- Maschine) leitenden, führenden, schürenden und schmierenden Beamten und Bediensteten(Staatsdiener); ö. in die nach Brot suckenden Künstler und Handelsgenosienschaftler(gebildetes Prole- tariut); 6. in die aus Krüppeln, Greisen und allen Weibern bestehenden Hab- und gutlosen Feldarbeiter(Bauern) und Ar» beiter schlechthin(Sozialc emokraten); 7. in den Soldaten- stand(Ferienkolonisten). Die ersten beiden Klaffen haben zur Sicherstellung ihrer Existenz selbstverständlich ein sehr wesentliches Jntereffe an der Genehmigung der Militärvorlag«. Die dritte Klasse macht dabei wieder ein schönes Teschästchen. Die vierte Klasse verhält sich, was die Leitenden und Führenden anlangt, offiziell regierungsfreundlich, während die Schürenden und Schmierenden zum größten Theil den Sozi angehören. Die fünfte und sechste Klasse ist sozialdemokratisch oder stark in Fühlung mit den Sozi, und die siebente Klaffe macht zwar eine Faust im Sacke und würde am liebsten„den Staub von den Pantoffeln schütteln". Da sie jedoch, aller Wahr- scheinlichkeit nach, nach 2—3 Jahren unter den Rothblutigen einzig und allein unter die noch alltäglich Mastochsenfieisch essende MenschenNafs« gehört und wegen alsbald bevorstehen- der Zeugungslosigkeit der kartoffelbäuchigen Zivilisten gesctz- mäßig nach bestandenem Abexerziren zum Heirathen verpflichtet werden dürsten und sodann selb>> verständlich der Staat für die Familienkosten auszukommen hat und zur ziffernmäßigen Stärkung des Militärstandes für ieden männlichen Sprossen der Mutter eine Prämie von ÜOO M., dem Vater, nach erbrachtem Nachweis der Baterschaft,«in Orden vierter Klasse verliehen wird, so dürste der männliche und weibliche Zndrang zu den Kasernen bald ein so enormer sein, daß wir im Kriegsfälle nach vier Seiten„Front machen" können."— ©o«„festen Thurm". Wie kürzlich in Finnentrop, so hat jetzt auch in M e s ch e d e«ine Versammlung über Grün- dung einer neuen ultramontanen Zeitung mit E usangel als Chefredakteur berathen. Größere ummen zur Unterstützung des Unternehmens sind, wie die„Voss. Zeitung" berichtet, schon gezeichnet, lieber den Ort, wo das neue Blatt erscheinen soll, ist ein endgiltiger Entschluß noch nicht gesaßt. Die Stimmung für Fusangel hat infolge der Erklärung des Zentrums nur noch zugenommen.— Der deutsche Bauernbund wird in Berlin am 13. Mai tagen, um seine Auflösung und Uebersührung in den Bund deutscher Lanowirthe zu beschließen. Die Bauern, die diesem Verbände angehören, liesern sich Dich, wenn ich bei Dir bin, durch meine beständige Furcht um Dich entmannen werde? Glaub' das nicht! Ich könnte Dich nicht lieben, wenn Du nicht das wärst... was Du bist! Als ich von den Gefahren hörte, die Dich in jener Stadt umgaben, und von der Art, wie Du ihnen entgegen- tratest, war ich ebenso stolz als glücklich. Ich dachte, so kann nur mein Andrej handeln. Glaube mir, ich werde Dich nie von dem, was recht und gut ist, abhalten." „Mein Herz, daS weiß ich," sagte Andrej, ihr die Hand küssend. „Warum dann diese Zögerung und daS verstörte Gesicht? Warum versprichst Du mir es nicht sofort? Liebst Du mich vielleicht nicht genug, um mich immer bei Dir zu haben?" „Ick Dich nicht genug lieben!" Sie blickte ihn lächelnd an und lachte dann laut aus. „Gut, es ist Deine Sache, Du kannst es für Dich be- halten, wenn Du willst. Wann Du wieder zu einem Unter- nehmen fortgehst,— werden wir sehen, ob Du mich los wirst! Sprechen wir nicht mehr darüber. Erzähl' mir jetzt alles über Dubrawnik. Und übergehe nichts! Ich kann alles hören, was Du gesehen hast." Sie kam zu der Ueberzeugung, daß Andrej's plötzliche Schwermuth dadurch verursacht sei, daß sie die Erinnerungen an Dubrawnik aufgefrischt habe. Sie wußte wohl, daß sie sehr qualvolle wareu, wollte ihm aber zeigen, daß sie das Schlimmste ertragen könne. Andrej freute sich einer sofortigen Erklärung aus diese Weise vorbeugen zu können. Es lag keine Nothwendigleit vor, ihr seine Pläne sofort zu enthüllen. Er konnle sich sehr gut eine Frist gewähren und die Eröffnung um einige Tage verschiebe»— aus jeden Fall bis morgen. Niemand konnte ihm mißgönnen, wenn er die letzten Tage seines Glückes ungetrübt genießen wollte. (Fortsetzung folgt.) an Händen und Füßen gebunden ihrem Todfeinde, dem Junkerthum, auS. Erwachen sie auS dem Verbrüderung:»- rausch, dann wird die Aschermittwochsstimmung die Er- nüchterten mit elementarer Gewalt zur Einkehr und zum Anschluß an die Arbeiterpartei drängen.— Politische Prozesse. Die Kölner Strafkammer hat den Herausgeber und Chefredakteur der Bismärck'schen „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", Dr. Kleser, von der Anklage der Majestätsbeleidigung frei- gesprochen, die er durch die Veröffentlichung des Artikels „Das Glaubensbekenntniß des neuen Kurses' begangen haben sollt«. Wann wird in Deutschland die Preßfreiheit vor solchen Anklagen geschützt sein? Ergänzt wird das oben Gesagte durch folgende Mittheilung der„Volks- Zeitung":„Die zahlreichen Majestätsbeleidigungs-Prozesse, welche in Deutschland jährlich stattfinden, haben aus den 27 jährigen Sohn des Rittergutsbesitzers Weszkallnys aus Weszkallen eine sonderbare Wirkung ausgeübt. Nach Beendigung seiner Studien hielt sich— so wird uns aus dem Kreise Pillkallen vom 26. d. M. geschrieben— der junge Mann auf dem Gute seines Vaters auf, dessen Besitz er demnächst antreten sollte. Zu Trübsinn neigend, bildete er sich ein, daß er wegen Majestätsbeleidigung verhaftet werden sollte. So sehr ihm dies auch ausgeredet und auf ihn geachtet wurde, wußte er doch einen unbewachten Augenblick zur Ausführung des Selbstmordes zu benutzen. Vielleicht hat der bedauernswerthe junge Mann irgend einmal eine harmlose Bemerkung gemacht, von der er glaubte, ein denunziationswüthiger guter Freund könnte sie entstellen und zu einer Anzrige mißbrauchen."— Wie nothwendig die Einführung der Berufung gegen die Urtheile der Strafkammern ist, dürfte auch aus folgender Entscheidung hervorgehen, die wir der Bres- tauer„Volksmacht" entnehmen. Vom Landgericht Breslau war am 10. Februar der Müllergefelle Hermann Geppert zu Rogau wegen Diebstahls und versuchten Bc- truges zu Gefängnißstrafe verurtheilt worden. Die von ihm eingelegte Revision hatte den Erfolg, daß daS Urtheil vom 4. Strafsenate des Reichsgerichts aufgehoben und die Sache an das Landgericht in OclS zurückverwiesen wurde. Die Gründe des Reichsgerichts lauteten folgendermaßen:„Das Urtheil des Landgerichts läßt in vielenFällen jeden klaren Rechtsgedanken vermissen. Was den versuchten Betrug betrifft, so ist zwar nicht zu bezweifeln, daß der Angeklagte durch seine falschen Eintragungen in die Geschäftsbücher seines Dienstherrn eine falsche Bor- spiegelung gemacht hat, dagegen ist schlechterdings nicht verständlich, wie gerade hierdurch die Bermögensschädigung verursacht sein soll. Soweit das Urtheil ver- st ä n d l i ch ist, kann man nur annehmen, daß er bereits begangene Diebstähle oder Unterschlagungen verdecken oder die Begehung künftiger Strafthaten stch ermöglichen wollte. In beiden Fällen aber würde die Vermögens- schädigung, nämlich die Wegnahme der Mehlvorräthe, nicht durch die Täuschungshandlung verursacht worden sein. E b e n s o tä ß t das Urtheilvollständig darüber im Stiche, ob der festgestellte Diebstahl von zwei Säcken Mehl nicht blas eine Unterschlagung ist. Die Gericht« pflegen Zioeifel, die in nicht subtilster Weise gegen ihre Unfehlbar- teit geäußert worden, mit den allerschärfsten Strafen zu ahnden. Wie sehr aber auch sie dem Jrrthum unterworfen sind, zeigt drastisch dieser ReichSgerichts-Entscheid.— Zu der ReichStagS-Ersatzwahl in Dortmund erhält jeder Wähler eine besondere Wahlein ladung, die zugleich als Legitimation dem Wahlvorstande bei der Stimmenabgabe dient. Mit dem Austragen dieser Ein- ladunjjen haben die Polizeibeamten Donnerstag begonnen. ES wäre zu wünschen, daß diese namentlich für größere Orte recht dienliche Einrichtung in allen Wahlkreisen ein- geführt würde.— ?err Hitze. Wiederum tritt die„Kölnische S- Z e i t u n g" in einem langen Attikel für den Ab- geordneten und Professor Hitze in die Schranken. Da es aber unsere Sache nicht aota axsro, d. h. Gethanes noch- mals zu thun, unterlassen wir es, nochmals unsere grund- sätzliche Auffassung zu wiederholen. Wenn in die Polemik zivischen dem„Vorwärts" und der„Kölnischen Volks- Zeitung" daS persönliche Element hineingetragen wurde, so war dies nicht unsere Schuld, wir haben, mag die „Kölnische Zeitung" es auch bestreuen, loyal und sachlich gestritten. Ueberfliisstg wäre es, der„Kölnischen Volks- Zeitung" auf ihre Bebauptung zu entgegnen, daß„Herr Hitze den Schutzzoll im Juteresse der Arbeiter und des Kleinbauernstandes vertreten" habe. Wir über- lassen es unfern Lesern zu entscheiden, ob in der Thal Hitze, der die nothwendigsten Lebensmittel hat vert heuern helfen, „bloS den Arbeitern gedient hat." Wer die Politik des seudal-reaktionären Zentrums mitmacht wie Herr Hitze, darf sich nicht darüber beklagen, daß er eben als Zentrumspoliliker nach seinen Thaten beurtheilt wird. Uns ist es nie eingefallen, seine Beweggründe zu verdächtigen, aber da er eben ein ultramontaner Parteimann ist, so kam» er nicht aus seiner Haut heraus. DieS unser letztes Wort in dieser Sache.-- Die französische Depntirtenkammer hat das vom Senate angenommene Gesetz betreffend die Börsen- st e u e r angenommen und hieraus daS ganze Budget mit 417 gegen 48 Stimmen votirt.— Die Depntirtenkammer hat mit 171 gegen 3 Stimmen den Antrag Billebois Mareuil, betreffend die Ausschließung von ausländischen Koulissiers von der Börse, angenommen. D. h. im Juteresse der inländischen Börsenjobber und Bürsenagenten werden die Fremdlinge, so an der Börse fixen, aus dem Palaste der Prinzessin Mumpitz hinausgeworfen. Inländische und ausländische Koulissiers, alle beide— fixen.- Das neue Wahlrecht wird in Belgien dieser Tage schon Gesetzeskraft erlangen. Der König wird auf grund des Antrages des Ministeriums den von beiden gesetz- gebenden Körperschaften angenommenen neuen Berfassungs- artikel 47, der für die Deputirlenwahlen das Mehr- stimmen-Wahlsystem einführt, sofort auch seinerseits genehmigen und die betreffende Urkunde vollziehen. Der neue Artikel wird ungesäumt, voraussichtlich zum ersten Mai, als von den drei berufenen Faktoren beschlossen, bekannt gegeben werden.— England. Der im Unterhaus« verhandelte Antrag Loder'», daS Briefporto innerhalb des gesammten britischen Reiches, einschließlich der Kolonie n, auf 1 Penny fSV» Pf.) für V» Unze herabzusetzen, wurde nach dreistündiger Debatte zurückgezogen. Im Laufe der Debatte erklärte der General-Postmeister Arnold Morlerz, die Durchführung des Antrages würde keine Schwierigkeit bieten, wenn der Schatzranzler einen Ueberschuß habe. Die Ermäßigung des Portosatzes aus 1 Penny würde aber für die Staatseinkünfte jährlich eine Einbuße von 90—100 000 Pfund Sterling bedeuten, außerdem Verluste von lOSOOO Pfund Sterling, welche die 1891 eingesübrte Reduktion aus 2Va Penny involvire. Außerdem sei die Regierung außer stände, als Theilhaber des Weltpostvereins das Porto ohne Zustimmung der übrigen Mitgliederdesselben herabzusetzen. Jedenfalls ist der englische Generalpostmeister entgegenkommender, alS Stephan, der sich jetzt grundsätzlich gegen jede Reform sträubt.— Ferner erklärte Morley betreffs der jüngsten Ereignisse in Belfast, viele Arbeiter beider Konfessionen seien infolge der herrschenden Aufregung von der Arbeit fortgeblieben; eine große Anzahl von Katholiken Hab« infolge des Vorgehens ihrer protestantischen Kollegen die Beschäftigung verloren. Andererseits seien jedoch viele Arbeiter bereits wieder zur Arbeit zurückgekehrt. Morley spricht alsdann die Hoffnung auS, daß in wenigen Tagen die herrschende Erbitterung beseitigt sein werde. Was die Zusammenstöße selbst be- treffe, so seien drei Wirthshäuser angegriffen, in 20 Häusern die Spiegelscheiben zertrümmert, ein Polizist schwer verletzt und im Ganzen 4ü Personen verhaftet worden. Die Führer aus beiden Seiten seien ernstlich bestrebt, den Frieden aufrecht zu halten. Morley glaubt, der Kampf dürfe jetzt als beendet angesehen werden. Hierauf wurde die erste Lesung der Budgetbill angenommen.— DaS Attentat auf G l a d st o n« war keine Polizeiente und auch kein« Polizeimache, eS ist wirklich ge- plant gewesen— allerdings blos geplant, denn der Atten. täter, ein fanatischer Konservativer, dem die Rebellenreden des Exministers Salisbury und der übrigen Ulstermänner den Kops verdreht hatten, stand im letzten Moment von seinem Vorsatz ab, als er sah, daß der todgeweihte Glad. stone seinem Großvater oder seiner Großmutter frappant ähnlich ist. Das rührte den weichherzigen Attentäter so sehr, daß er die Mordwaffe wegwarf und in Thränen aus- brach. Ob Gladstone nach bekannten Mustern telegraphirt hat:»Ausnahmegesetz gegen die Konser« v a t i v e n!' das wiffen wir nicht. Bis zum Augenblick. wo wir dieS schreiben, ist noch keine Depesche eingetroffen, welch« uns meldet, daß die englische Regierung ein AuS- nahmegesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der konservativen und sonstigen kapitalistischen Umstürzler dem Parlament vorgelegt habe. In der Sachsenwäldcr Rakete�- kiste wird es wohl rumoren:»Dieser Gladstone ist kern Säkularmensch— Die schwedischen Bourgeois sind so volksfeindlich wie die preußischen Landtägler. Die Stimmrecht?- frage wird trotz deS Volks-Reichstags in dieser Tagung deS Parlaments nicht gelöst. Die erste Kammer lehnte mit 54 gegen 34 Stimmen alle Anträge auf Herabsetzung des Zensus auf SOO Kronen sowie wegen Einfuhrung des allgemeinen StimnirechtS ab, die zweite Kammer nahm die Herabsetzung des ZensuL auf bOO Kronen mit 117 gegen 71 Stimmen an.— Numänieu. Wegen der letzten Straßentumulte sind 20 Personen auS Rumänien ausgewiesen, darunter zwei Redakteure deS regierungsfeindlichen„AdverulS".— DaS„Attentat" auf den Zaren. Die deutsche »Petersburger Zeitung' veröffentlicht nach dem amtlichen Charkower Organ emen Dank deS Zaren an die Charkow'sche Polizeibehörde, durch deren Wachsamkeit recht- zeitig entdeckt worden war, daß auf dem Geleise, welches der kaiserliche Zug passtren sollte, eme Schiene losgerissen war. Klarheit kommt dadurch in diese Geschichte nicht. Man erfährt nichts von dem Bauerngemetzcl. Ein Peters- burger Drahtbencht des»Daily Telegraph' verleugnet, wie die»Vossische Zeitung' meldet, die vom»Standard' ge- brachte, von uns mitgetheilte Darstellung deS Vorfalle? unweit Charkow. Es wären danach keine Bauern in der Nähe der Schienen gewesen, das Geleise indeß hinreichend beschädigt, um einen Unfall zu verursachen, wenn der Zug nicht rechtzeitig zum Stehen gebracht worden wäre. Die Beschädigung der Schienen wäre eine vorsätzliche, um den Zug zum Entgleisen zu bringen. Mehrere der That Verdächtige seien verhaftet. Es sei räthselhaft, wie die Schienen in Gegenwart des die Geleise bewachenden Militärs gelockert werden konnten.— VarlamenkaviMzes. In der heutigen Ahlwardt-Kommission berichtete Dr. Porsch, daß die etwa belangreichen Briefe im Original schon im März dem Seniorentonvent von Ahlwardt überreicht worden sind, während er jetzt die Abschriften davon übergeben hat. ohne zu ahnen, daß die früheren»Akten' dies» Schrislstücke schon im Original enthielten. Dabei, habe sich, wie Herr Porsch feststellt, gezeigt, daß Ahlwardt keine blaffe Ahnung davon hätte, was eigentlich in den von ihm als Akten bezeichneten Papieren stehe. Betreffs der an die Diskonto- Gesellschaft gezahlten Provisionen ergeben die von dem mehrfach erwähnten Komloirboten Meißner hergestellten Abschriften nicht, daß, wie Ahlwardt behauptet halte. IL bis LS pCt. gezahlt worden sind. Vielmehr wird durch die zivei Schriftüücke lediglich die Thatsach» belegt, daß ö pEt. Zinsen für das Jahr und 4 pCt. Provlstonen für das Vierteljahr gefordert worden sind. Was die Zeugenaussage des Herrn Miquel betrifft, so konnte ein Nachweis über den Wortlaut derselben nicht erbracht werden. Herr Plack produzirte nun zum Be- lege eine Streitschrift eineS Herrn Beta. Finanzminisler Miquel theilt einen Brief der Diskonto- Gesellschaft mit, wonach sie„nur(!) S bis 9 pCt. an Zinsen und Proviston' ein- genommen habe. Ahlwardt kommt auf die schon gestern mit- gctheilte Thntsache. daß einzelne Aktenstücke neben der Unter- schrift des Herrn Miquel den Namen Meißner tragen, zurück und folgert daraus, unter dem lauten Gelächter der Kommission. daß man den Komptoirboten Meißner vielleicht zeitweilig neben Herrn Mtquel als Direktor habe sungiren lassen. Es wird darauf aufmerksam gemachi, daß ein Herr, namen? Meißner, Prokurist der Diskontogesellschaft gewesen ist und als solcher die Schriftstücke unterzeichnet hat. Betreffs des Zinsfußes bleibt Ahlwardt bej srmer Behauptung, daß derselbe ein übermäßig hoher gewrsen und daß einschließlich der Provlstonen IS bis 35 pCt. von der Dislontogesellschaft verdient worden seien. Porsch erklärt. Bebel und er hätten sich(wir berichten nach der »Nalional-Zeitung', dem»Berliner Tageblatt'«. f. w.) von 9—11 Uhr vergeblich bemüht, Herr» Ahlwardt klar zu machen, daß von SS pTt. keine Rede sein kann. Herr Bebel, der verhindert sei. der heuligen Kommifstonssitzung beizuwohnen(er ist zur Wahlagitation nach Dortmund abgereist. Red. d. V.), sagte schließlich zu Ahlwardt: Dann könne selbst Adam Riefe ihm nicht Helsen. Eonach wird es auch jetzt nicht gelingen. Herrn Ahlwardt die Rechnung klar zu machen. Ebenso wenig wäre Herrn Ahlwardt klar zu machen, daß sich der Lid des Herrn Miquel gar nicht aus die Borschüffe der Diskontogesell- schaft an die rumänische Eisenbahn-Gesellschaft bezieh«, sondern auf ein Darlehen von S Millionen Thalern, das die Reichs- regierung der rumänischen Gefellschaft gegeben hat. Ueber dieses Darlehen macht Direktor Aschenborn nähere Mittheilungen.»Als dieses Darlehen gewährt wurde, hatte die Reichstaffe«inen Ueber- fluß an Mitteln, der sich aus den zuströmenden Kriegs- entschädigungsgelden» erklärt. Eine Anlag« in«rstklafstgen Papieren war nicht überall möglich; dieselben waren nicht am Markte. Eo mußt« die Regierung danach ausschauen, wie sie die Kapitalien wirthschaftlich anlegen konnte, wenn sie dieselben nicht nutzlos liegen lassen wollte. Man kauft« damals Prioriläts- obligationen, Goldwechsel auf London. Man gab Lombarddarlehen und dergleichen. Aus diesen einstweiligen zwilchenzeitigen An- lagen hat die Reichskaffe etwa 11 Millionen Mark an Gewinn zu verzeichnen außer dem schon gestern erwähnten Gewinn von 8 Millionen, der für Rechnung der drei unter der Verwaltung des Jnvalidenfonds stehenden Fonds gemacht wurde. Die rumänische Eisenbahn-Gesellschaft wandte sich an das Reichs- kanzleramt mit der Bitte um ein Darlehn von 9 Millionen Mark. Dieses Darlehn wurde 1874 gewährt gegen Hinterlegung von Sicherheiten und außerdem gegen die Bürgschaften der Diskonto- Gesellschaft und des Herrn Bleichröder. Die Verzinsung betrug 4.53 pCt. DaS Darlehn ist auf Heller und Pfennig zurückgezahlt worden, und die Reichskasse hat dabei ejn gutes Geschäft gemacht. Uebrigens befindet sich unter dem bezüglichen Bürgschaftsdokument die Unlerschrist des Herrn Miquel nicht." Die verschiedenen Kommissionsmitglieder üben an Ahlwardt oller- schärfste Kritlk, auch der Pickenbach erklärt, er glaub« ihm nicht! Ahlwardt erhält zwei Ordnungsruf« und erklärt:»Wenn ich hier von der Kommisston. also von meinen Richtherren, in dieser Weise behandelt werde, dann kann ich den Verhandlungen der Kommission überhaupt nicht mehr beiwohnen." Daraus v e r- ließ Ahlwardt die Sitzung. Di« Referenten beantragen schließlich, zu erklären,»daß der Inhalt der von dem Abgeord- neten Ahlwardt dem Reichstag übergebenen Akten die durch den genannten Abgeordneten m den Sitzungen deS Reichstages vom 18., 21. und 22. März und 25. April d. I. gegen srühere und jetzig« Mitglieder des Reichstages und des Bundesraths er- hobenen Anschuldigungen nicht rechtsertigt'. Diese Resolution wird hinsichtlich des Jnvalidenfonds mit allen Stimmen gegen die des Abg. Pickenbach, hinsichtlich aller übrigen«instimmig ange- nommen. Den mündlichen Bericht für das Plenum werden die Abgg. Dr. v. Eu»y und Dr. Porsch erstatten. Die Kommission, welcher da? Seuchengesetz zur Bor- berath ng überwiesen ist, stimmte in heutiger Sitzung über die ßß I bis 9 ab. Fast alle zu§ 1 gestellten Abänderungsanträge wurden abgelehnt. Auch der Antrag der Sozialdemokraten. welcher die Anmeldung, statt bei der Polizeibehörde, wie der Entwurf ei verlangt, bei einem von der Gemeindeverwaltung zu erwählenden Gesundheilsamt forderte, wurde gegen die Stimmen der Abgg. Wurm. Molkenduhr und Dr. Langerhans abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag von Birchow, der am Schluß des Abs. 1 folgendes einschaltet:»AlS verdächtig gelten solche Fäll«, in denen bestimmte Erscheinungen beobachtet worden sind. welche als Borläufer oder als bezeichnende Merkmale der Krank- heil bekannt sind." Ferner wurden im Abs. 3 die Worte:»vor- stehende Bestimmungen', durch die Worte„die Bestimmungen dieses Gesetzes" ersetzt. Der S 2 erhielt folgende Fassung: Zur Anzeige sind verpflichtet 1. derjenige, welcher mit der Heilung des Kranken befaßt ist, 2. der Haushallungsvorstand, 3. derzenig«, in dessen Wohnung oder Behausung der Er- krankungs- oder Todessall sich ereignet hat, 4. jede mit der Pflege des Erkrankten beschäftigte Person. Di« Verpflichtung der unter Nr. 2 bis< genannten Per- fönen tritt nur dann ein, wenn ein früher genannter Ber- pflichteter nicht vorhanden ist. Eine Berpflichlung zur Anzeige von Personen, welch« nur ansteckungsverdächlig sind, findet nicht statt. § 3 wurde nach dem Wortlaute des Entwurfes angenommen. § 4 erhält folgenden Zusatz:»Die auS der Anzeige erwachsenden Koste» werden aus Antrag erstattet." Die 6 bis 9 der Vorlage wurden ohne Aenderung angenommen. Eine längere Debatte entspann sich über die SK 10 und 11. Selbst die konservativen Abgeordneten Graf Stolberg und Unruh-Bomst trugen Bedenken, der Polizei so weitgehende Befugiiifl» einzuräumen, wie dieses im Entwurf verlangt wird. Der Regierungsvertreter Geh. Rath Hops erklärte offenherzig: »Daß wir hier nur ein Polizeigeseh machen, ist allseitig anerkannt. Mehr als ein Volireigesetz soll es nicht sein." Pros. Dr. Koch hob hervor, daß früher beim Ausbruch von Epidemien eine voll- ständig« Absperrung des verseuchten Ortes eingetreten sei, die gegenwärtigen Quarantäne-Maßregeln seien noch Reste auS ver- gangenen Zeiten. An stelle der Absperrung solle jetzt eine Be- obachtung der Kranken und Ansteckungsverdächtigen treten, wie das in neuerer Zeit von den Aerzten verlangt wird. Um diese Beobachtung zu ermöglichen, seien Vorschriften, wie die der vor- liegenden Paragraphen nöthig. Da noch viele Redner sich ge- meldet hatten, wurde die Sitzung um 1 Uhr vertagt. Varkeinackrickiken. Maifeier. Magdeburg hält am Abend des I.Mai vier Bolksversammlungen ab. In W erbau i. S. ist die öffent- liche Abhaltung der Maifeier diesmal polizeilich genehmigt worden, während das früher nicht der Fall war. In Raum- bürg hat der Wirth des»Grünen Baums" in letzter Stunde sein Lokal verweigert; die Feier findet daher nicht am 1. Mai, sondern am 7. Mai und zwar in Form eines Ausflugs statt. Die Parteigenossen von M u s k a u und W« i b w a s s e r halten daS Fest am 30. April in Keula ab. Im Kreise Hanau wird die Maiseier diesmal in einer sehr großen Anzahl von Ortschaften abgehalten. Nach den der Frankfurter»Volks- stimme" zugegangenen Nachrichten unterliegt es keinem Zweifel, daß auch der Besuch der Feierlichkeiten in allen Orlen ein höchst imposanter sein wird. Die Parteigenossen aus Luckenwalde, Jülerbogk, Zinna uud Treuenbrietzen machen am LO. April einen Ausflug: am Abend deS l. Mai ist Volks- Versammlung in Luckenwalde, am S. Mai Nach'eier. Die organisirte Arbeiterschaft des elsässischen Ortes St. Ludwig und Umgebung erklärt in einem Aufrufe:»Der t. Mai. der alte Volkssererlag, er ist ein Tag, den man dem Volk« genommen, er ist ein Tag. den da? Volk sich selbst wieder- gegeben. Damm stimmen auch wir mit ein in den Ruf, welcher millionenfach auf der ganzen Welt ertönt:„Hoch der 1. Mai, der Tag der Verbrüderung des Proletariats;" F e st z ü g e sind poltzeilich genehmigt worden in Aken (Prov. Sachsen) und Bremen. Verboten wurden sie in Kassel und— wie das Wolff'sche Bureau wiffen will— in der ganzen Rheinpsalz. In E i s e n a ch ist, wie in früheren Jahren, die Maifeier auf arund eines Gesetzes vom 7. Januar 1854 verboten worden, da? sich, wie man uns schreibt, gegen den in der W a l p u r g i s- nacht üblichen„Unfug" richtet. Um den Walpurgisnacht- Unfug mit der weihevollen internationalen Manifestation der Arbeiterschaft»u verwechseln, dazu bedarf es sicherlich einer außergewöhnlichen Portion und kurzsichtigen Haffes gege« die Sozialdemokratie. Der» r f u r t e r Ober-Bürgermeister Schneide, hat den FfH- zug mit der für dies Jahr den Reiz der Neuheit tragenden Be- gründung verboten, daß»dieser Umzug wie überhaupt die ganze geplante Maifeier ausgesprochenermaßen den Charakter einer Demonstration gegen die bestehende Gesellschaftsordnung tragen soll und deshalb aus Abhaltung desselben Gefahr für vre öffent- liche Sicherheit und Ordnung zu befürchten ist": Weiter hat das Stadtoberhaupt dem Gesuchsteller eröffnet,»daß roth« Fahnen innerhalb des Weichbildes der Stadt Erfurt an Orte», welche dem Publikum unbeschränkt zugänglich sind, nicht entfaltet oder aufgestellt werden dürfen." Nun wird daS gutgesinnte Erfurt wohl ruhig schlafen können. In R o n S d o r s hat die Maifeier der Polizei schwere Mühe verursacht. Die heilig« Hermandad mußt« nämlich folgende köpf- zerbrechende Anordnungen treffen: Der Festzug durch die Stadt ist verboten; der Ausflug in geschlossenem Zuge ist verboten; das Musiziren in der Stadt ist verboten; das Tragen auffallen- der Abzeichen tc. ist verboten. Der Brünner»V o l k» sre u n d' begrüßt de» I.Mai in einem Artikel, in dem es heißt:»Der 1. Mai soll ein Feier- tag sein für das Proletariat, so lange eS mit Schmach und Roth zu ringen hat, damit es an diesem Tage auf imposant« und hellig ernste Weise für seine ihm vorenthaltenen Rechte demonstrire. Der erste Mai soll aber auch ein Feierlag bleiben für die erlöste Menschheit, damit ste sich an diesem Tage jener erinnere, die unerschrocken und unverdrossen in harten Zeiten das Panier der Freiheit ergriffen und zur Glückseligkeit künftiger Zeiten den Grundstein legten." Das Generalkomitee der Pariser Arbeiterbörs« be- schloß, diese am I. Mai nicht zu öffnen, weshalb dort die zu jenem Tage projeklirt gewesene Masjeuversammlung nicht statt- finden wird. Zur Maifeier in den vereinigten Staaten schreibt die»New-Aorker BolkS-Zeltung" u. a.:»Leidcr müssen wir gestehen, daß hier in Amerika, welche? die erst« An- regung zum Begehen dieses TageS gab.� jene Bedeutung von den Arbeiterorganisationen noch nicht genügend erkannt wird, und daß man deshalb der Feier deS 1. Mai nur wenig ver- ftändniß und Interesse entgegendringt. Es ist hier wiederum im Wesentlichen das eingewanderte Element, welches durch die Feier deS 1. Mai die Zusammengehörigkeit der Arbeiterklaffe der ganzen Welt prollamirt. Und selbst von diesem Element steht noch ein Theil indolent und apathisch seitwärts, nicht erkennend die Wahrheit des groben Wortes:»Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" Nur andauernde Aufklärung, fortwährend« Arbeit wird auch hier bewirken, daß die Arbeilrrmaffen zur Erkenntniß der Wichtigkeit jenes Tages kommen, daß ste sreudig und be- wüßt sich mit ihren europäischen Brüdern gemeinsam zur Feier desselben verbünden und ihm jenen demonstrativen Charakter gegen die Ausbeuterwelt geben, den der 1. Mai tu Europa bereits gewonnen hat.' »« ReichstagS-Kandidatnr.'Für den Wahlkreis Quer» furt-Merseburg ist der Parteigenosse Otto Mittag auS G i« b i ch e n st e i n alS Kandidat ausgestellt; die srühere, theilweise ungenaue Meldung ist danach� richtig zu stellen. Eine Konferenz der Sozialdemokratie deS»weiten braunschweigischen Wahlkreises wird am 7. Mai von Vormittags II Uhr ab in Helmstädt in Moormann's Garten über die Aufstellung eines Reichslagskandidateu ver- handeln, da der bisherige Kandidat Wilhelm B l o S nur noch im ersten Wahlkreise zu kandidiren gedenkt.— Wegen der in Aus- ficht stehenden Auflösung des Reichstags findet für den»weiten württembergischen Wahlkreis(Kannstatt. Ludwigs- burg-Mardach-Waiblingen) am 30. April von Nachmittags 1 Uhr ab in Kann statt im»Russischen Hofe", für den zehnten württembergischen Wahlkreis am SO. April im »Hirsch" zu Lorch statt Die«gitationSkommissiou für Pommer»(Adresse: E. NalhustuS, Grabow a. O., Langestr. S) ersucht die Partei- genoffen, im Hinblick auf die Möglichkeit der Reichstag»» Auf- lösung, überall in Pommern Reichstags- Kandidaten aufzustellen. Für die Kreise, wo geeignete Kandidaten nicht vorhanden find, iverden ste solche selbst in Vorschlag bringen. Wer Verbindung mit den Kreisen Dramburg-Echievelbein und Schlawe-Rummels- dura- Bütow hat, wo unsere Partei Vertretung noch nicht hat, wird gebeten, der Agitattonskommisflon schleunigst seine Adresse mitzutheilen. Bei der nächsten Wahl sollen in sämmllichen 14 Kreisen PommernS Kandidaten ausgestellt werden. G* Die nltramontane„Kölnische VolkSzeitunfl" erklärt in einer auS Berlin stammenden recht müßige» Kritu deS sozial- demokratischen Grundsatzes:»Religion ist Privatsache": Die Ausbrüche des ingrimmigsten Reltgionshaffes in zahlreichen sozialdemokratischen Versammlungen, wo man sich nicht aus taktischen Rücksichten Beschränkungen auserlegt, und die unab- lässigen Verspottungen und Verhöhnungen aller Religion. namentlich aber des Katholizismus in allen sozialdemokratischen Blättern— diese Taktik habe im Wahlkreis A m b« r g keinen Erfolg gehabt, wie die Wahl des Zentrumskandidaten Bürger- meislcrs R i ß deweise, die mit sehr großer Mehrheit erfolgt sei. — Wenn in sozialdemokratischen Versammlungen gelegentlich das Pfaffenthum tüchtig geschüttelt wird, so hat dies mit den Rc- ligionen nichtS zu thun, denn Religionen und Pfaffenthum sind nicht dasselbe, und wenn wirklich irgendwo einmal jemand die Religionen schmäht, so bedarf es nicht der Denuiizialion des Berliner Korrespondenten der»Köln. Votksztg.", um die Staats- anwälte daraus aufmerksam zu machen. Thut endlich der Ber- liner Korrespondent der»Köln. Volksztg." so stolz aus den Bürgermeister Riß von Amberg, so können ivir ihn ruhig seinem Glaubensgenossen Dr. Sigl in München überlassen, der ja den famosen B« t t e l b r i e s des Riß an seinen Gegenkandidaten Sigl veröffentlicht hat. � Tobteuliste der Partei.'In Mannheim ist wieder ein bewährter Parteigenosse, der Schreiner»nd Gastivirth Franz Raith gestorben. Er war seit drei Jahren Mitglied des Bezirlsausschußes. Polizeiliche», gerichtliches»e. — In Magdeburg wurde der Redakteur Beer von der .Volksstimme', der kürzlich wegen Beleidigung des Ober-Bürger- ineisters zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden ist, wegen angeblichen Fluchtverdachts in Hast genommen. Damit sitzt der dritte Redakteur der»Volksstimine" hinter Schloß und Riegel. — Ein Parteigenosse in GefreeS im Fichtelgebirge ist wegen Majestätsbeleidigung unter Anklage gestellt worden, weil er— wie die»Fränk. Tagespost" meldet— während seiner An- Wesenheit bei der Prinzregenlenseier des Veleranen- und Turner- Vereins nicht sein Glas aus Kommando erhoben hat, als die üb- lichen Toaste aus den Prinzregenten ausgebracht wurden. Das wurde vom Vorstande des Vereins angezeigt!— Daß der Besuch derartiger Feste von unseren Anhängern unter allen Umständen und zwar aufs strengste vermieden werden muß. dafür ist der ungeheuerliche Borfall wieder ein Beweis. — Wegen Abhaltung einer trotz persönlicher Einladung der Theilnehmer angeblich öffentlichen politlschen Versammlung in Boizenburg a. E. waren der Parteigenosse G a r b e r und die Inhaberin des Versammlungslokals vom Schöffengericht zu lO und 5 M. Geldstrafe verurtheilt worden. Gemäß dem neulich ?«meldeten Entscheide des Rostocker Oder- Landesgerichts er» annte daS Schweriner Landgericht als Berusungsinstan» aus Freisprechung. Für den Inhalt der Juferate über. nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Sonntag, 30. April. Opernhaus. Bajazzi. Djamileh. Montag: Götterdämmerung. Neues Theater. Basantasena. Montag: Nathan der Weise. Deutsches Theater. Talisman. Montag: Diefelbe Vorstellung. Circus Renz. ( Rarlstraße.) Sonntag, den 30. April, 2 letzte Unferen Kollegen und Genoffen Franz Merz u. Ewald Shmig 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis. zu ihrem morgigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch. fich wat merken lassen? Ob die Beeben 3697b Sonntags- Vorstellungen. Die Kollegen von„ Oben und Unten". Todesanzeige. In beiden Vorstellungen Auftreten Am 26. April starb unser langfämmtlicher Künstler- Spezialitäten ersten Ranges, sowie Vorführen und Reiten jähriger treuer Freund und Genosse, der bestdressirten Freiheits- und Schul- der Schmied pferde. Besonders reichhaltiges Programm. Nachmitt. 4 Uhr( ein Kind unter 10 Jahren frei): Lehte diesjährige Komiker- Vorstellung mit besonders Wilhelm Witt in Marienburg im 48. Lebensjahr. Dieses widmen seine Freunde und Genoffen. Er ruhe sanft! im Montag, den 1. Mai 1893: Grohe Maifeier Feenpalast, Burg- und St. Wolfgangstraße, Vokal- und Instrumental- Konzert bestehend in 343/4 41202 unter Mitwirkung der Gefangvereine Senefelder", Steinmeken", „ Gemüthlichkeit und Berliner Buchdrucker"( M. b. Arb.- Sängerb.) Um 9 Uhr: Festrede des Genossen Alwin Gerisch. Um 10 Uhr: Eine fürmische Reichstageßhung im Zukunfts Staate. Dramatische Szene frei nach Eugen Richter. Bon C. M. Scävola. Anfang 5 Uhr. mingi Billets 30 f. Zanz 30 Pf. Jeder Theilnehmer erhält beim Eintritt die Maifest- Beitung gratis. zur Beluftigung der Jugend gewähltem Deffentliche Versammlung Berliner Theater. Biel Lärm um Programm. Nichts." Montag: Othello. Abends 72 Uhr: Unter anderem: Mr. James Leffing- Theater. Brave Leut' vom Fillis m. d. Schulpferde Markir. Grund. Montag: Heimath. Wallner- Theater. Die Orientreife. Montag: Gefchloffen. Broll's Theater. A Santa Lucia. Montag: Unbestimmt. Rehdenz- Theater. Jugend. Montag: Die beiden Champignol. Adolph Ern- Theater. Goldlotte. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- Wilhelmtädt. Theater. Mam'zelle Nitouche. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thomas- Theater. Gute Zeugnisse. Hierauf: Wenn man im Dunkeln füßt. Montag: Diefelbe Vorstellung. Viktoria Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. Montag: Dieselbe Vorstellung. National- Theater. Die Waise aus Lowood. Montag: Fauft. Freie Volksbühne.( Nationaltheater). IV. Abth.( braune Karten). Nach mittag 22 Uhr: Egmont v. Goethe. Alevanderplah- Theater. Zimmermann's Lene., Montag: Diefelbe Vorstellung. Winter- Garten. Spezialitäten- Bor stellung. Apollo Theater. Borstellung. Spezialitäten Theater der Reichshallen. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufmann's Variété, Spezialitäten Borstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spezialitäten- Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Zum 29. Male: Goldlotte. Gesangspoffe in 8 Aften v. Ed. Jacobson und W. Mannstädt. Couplets theilweise v. G. Görss. Mufit von G. Steffens. In Szene gefett von Adolph Ernst. Anf. 7 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Der Sommer Garten ist N gröffnet. American- Theater. Dresdenerstrasse 55. Letzte Woche. Der Dussel ( Nulpus) Parodie von Oscar Wagner. in seinen Bendix Glanznummern. Robert Dellor, Instrumentalist. Alfred Bender in seinen neuesten Rouplets. NB. Montag, den 1. Mai: Lette und Wiederholung der JubiläumsBorstellung des urkomischen BenZum Schluß: zum letzten Male Die lustigen Heidelberger. Gr. Ausstattungs- Pantomime. Neue Morgen, Montag, Abends 71/4 Uhr: Ausstattung. Borlegte Borstellung. Abschieds- Vorstellung am 2. Mat. Billet- Vorverkauf an der Zirkustafse u. beim„ Invalidendant", Markgrafenftraße 51a. Fr. Renz, Direktor. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Neu! Die Inftige Neu! für Männer und Frauen der polnischen Bevölkerung 2. Berliner Neichstags- Wahlkreis. am Montag, den 30. April, Nachm. 4 Uhr, in Riedorf, Bergstr. 130, Zagesordnung: bei Miefegk. Bortrag über die Bedeutung des 1. Mai. 2. Diskussion. 259/5 Achtung! Der Einberufer. Achtung! Steinfeger! Die öffentliche Versammlung der Steinseher und Berufsgenossen mit Frauen findet am Montag, den 1. Mai, nicht bei Keller, Bergstraße 68, statt, sondern in Henfel's Festfälen, Invalidenstr. 1, Abends 81/2 Uhr. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Pinn: ,, Die Bedeutung des 1. Mai". Nach der Versammlung: Gemüth Schwiegermutter. liches Beifammenfein. Komische Pantomime mit Ballet in 1 Aft. Ausgeführt v. d. PantomimenGesellschaft Diovanie, sowie Auftreten von 12 f. Berlin neuen Spezialitäten. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Parteigenossen empfehle mein schön eingerichtetes Lokal zum gefälligen Be fuch. Vereinszimmer als Bablftelle für 40 Personen. 3652L* Edmund Reuter, Swinemünderstr. 45. 3696b Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. Verkäufer und Händler grosser Verdienst! Maifest- Album. 10 Pf.- Artikel, rascher Umsatz. 5 Pf. Rabatt per Stück. Kauft Jedermann! Zu haben bei A. Hübner, Wilhelmftr. 134. Die kleinsten Boften werden abge: geben. Nach Auswärts nicht unt. 50 St.. Säle zu Privat Festlichkeiten und Versammlungen Oranienftr. 180. 8551b Schweizer Garten. = Jeden Sonntag: Garten Concert. Theater- und Spezialitäten- Vorstell. Am Königsthor. Haltest. d. Ringb. Entree 30 Pf. Anfang 41/2 Ubr. Volksbeluftig. u. Ball. Spandauerberg- Brauerei Jeden Sonntag: Westend bei Charlottenburg. Militär- Concert. Bequeme Verbindung mit der Stadtbahn bis Westend. Volksbelustigungen aller Art. Buge's Vereinshaus, Pankow, Schulzestr. 28, bicht an der Nordbahn( früher Borchard). Empfehle den geehrten Ausflüglern und Vereinen meine Lokalitäten. Jeden Sonntag großer Ball. 4083L strasse. Konzert und Ball. B bir zum Benefiz für Direktor Treptow, Park. Jeden Sonntag von Nachmittags 4 Uhr: Bade's Volksgarten. Ausschank v. Weiss- u. Bairisch- Bier. Louis Heinsdorf. Passage Treptow Panopticum. Im Theater- Saal: Neu! Die Kaffeeküche ist geöffnet. Grosse Maifeier am Montag, den 1. Mai 1893, in den Gesammträumen und Garten der Berliner Bockbrauerei( Tempelhofer Berg), bestehend in Yokal- und Instrumental- Konzert, ausgeführt von Mitgliedern der Freien Vereinigung der Zivil- Berufsmusiker und unter Mitwirtung der Gesangvereine des Arbeiter- Sängerbundes Frühlingsluft, Gerechtigkeit Welten, Freiheit 1, Kreuzberg, Rothe Nelke( Schöneberg), Liedertafel Weften, Froh- Hoffnung, Gernenähre. Festrede gehalten vom Genossen Richard Fischer. Aufführung lebender Bilder und Tanz. Die Fetzeitung erhält jeder Theilnehmer beim Eintritt in das Lokal gratis. Den Damen ist die Kaffeeküche von 3 Uhr an geöffnet. Während des Konzerts findet in dem fleinen Saal Zanz statt, nach dem Konzert in beiden Sälen. Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Entree 20 Pf. Anfang Nachmittags 4 hr. Kinder fret. Billets find aber nur vorher, da öffentliche Kaffe nicht stattfindet, bei folgenden Komiteemitgliedern zu haben: Ferd. Kleinert, sügowftraße 113; Heinemann, Wißmannftr. 6; Parduch, Solmsstr. 39; Schmidt, Alexandrinens itraße 7, Hof 2 Tr.; Brademann, Noftizftr. 40; Wörner, Hafenhaide 117( Laden); Langbeen, Steinmeßftr. 50, Hof 4 c.; sowie beim Vertrauensmann Werner, Bülowstr. 59, Restaurant, und in allen mit Plakaten belegten Handlungen. Bahlreiche Betheiligung erwartet 345/6 Das Komitee. 3. Wahlkreis. Hafenhaide. Neue Welt. Hafenhaide. Montag, den 1. Mai 1893: 847/7 Grosse Maifeier für den 3. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Vokal- und Instrumental- Konzert unter Mitwirkung mehrerer Gesangvereine. Auftreten verschiedener Spezialitäten. Gr. Feuerwerk. Um 8 Uhr: Festrede, gehalten vom Reichstagsabgeordn. Bebel. Billet 30 Pf. Anfang des Ronzerts 4 Uhr. Beim Eintritt erhalten alle mit Billets versehenen Personen die MaifestBeitung gratis. Billets sind bei folgenden Komiteemitgliedern zu haben: Börner, Hitterstr. 108; Tschernig, Fürstenstr. 17; Georgi, Simeonstr. 22, 4 Tr.; Germey, Gneisenauftr. 63, H. 4 Tr.; Kräcker, Alegandrinenftr. 41, S. 1 Tr.; König, Laufiberstr. 44; Hoffmann, Alte Jakobftr. 89; Karraus, Manteuffelstr. 115; Schölzel, Mariannenplay 5; Wartenberg, Elisabeth- Ufer 18, bei dem Ver trauensmann Fritz, Fürstenstr. 11, 4 Zr., in allen mit Plakaten belegten Handlungen, sowie an der Kaffe. 4. Herren, welche am Zanz theilnehmen, zahlen 30 Bf. nach. Bu zahlreichem Besuch ladet ein Achtung! Das Comité. Achtung! Berl. Reichstags- Wahlkreis( Ost). Montag, den 1. Mai 1893: Grosse Maifeier Restaurant W. Jacob in ben 2otalen Brauerei Friedrichshain( früher Lips) am Königsthor, Köpnicker Landstr., a. d. Verbindungsb. Ausschank der Berliner Bockbrauerei. Elysium, Landsberger Allee 39-41, Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117, beftehend in ff. Lagerbier 0,4 Lit. 15 Pf., München 0,4 Bit. 20 Pf. 6 Stegelbahnen. Kaffeeküche. Gr. Vokal- und Instrumental- Konzert, * Kümpel's Restaurant zum unter Mitwirkung verschiedener Gesangvereine. Um 8 Uhr: Festrede in allen drei Lokalen. Treptow.,, Park- Schloss" ad derfelben Vorträge verschiedenen Inhalts, sowie Tanzkränzchen. Lebende Bilder.. Jeden Sonntag: Konzert.- NB. Der neuerbaute Saal, 1000 Personen Grösster Garten. 11 Kegelbahnen. Tanz. Volksbelustigungen aller fassend, ist zu Festlichkeiten 2c. an Vereine und Gesellschaften zu vergeben. Castan's Restaurant zum Karpfenteich. Panopticum. Neu: Bauern- Aufstand! Sebenar al Treptow. tai geöffn Großer Ball. Gleichzeitig empfehle ich mein Lokal nebst Saal für Vereine u. Gesellschaften. 4058L Hermann Otto. Schloss 25 Anfang 4 Uhr. E wie bei ben Bertrauensleuten H. Baumgarten, Bofenerstr. 4, und R. Wengels, Billets à 30 Pf. find in allen mit Plataten belegten Handlungen, fo= 349/9 Fruchtstr. 80, Quergeb. 2 Tr., zu haben. Beim Eintritt in dei Lokalitäten erhält jeder Theilnehmer die Maifest- Zeitung gratis. 4. Berl. Reichstags- Wahlkr.( Südost). Montag, den 1. Mai: Sonntag: Grosse Maifeier Akka- Zwerginnen. Weissensee. Zum Sternecker. Sonntag: Nene Illusion: Lotosblume. Andere Illusionen. Auftreten der Niagara, Gebrüder auf dem 300 Fuß langen, 100 Fuß hohen Thurmfeile. 1000 Mart Belohnung dem der es nachmacht. in bem 12 Castan's Irrgarten. Schreckenskammer. Gr. Konzert, Sat. Must- Direttor G. voigt: Ball Fuß gr. Parquet- Saal. Welt- Restaurant S. Dresdenerstr. 97. Abschieds- Soiree der Kgl. C. of belukigungen. Spielen der Fontainen. Neu: Arena. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Vorstellung 6 Uhr. Entree 30 Pf., vorher 25 Pf. Am 11. Mai( Himmelfahrtstag): Vorläufige Anzeige: Großer internationaler Wettstreit um die Meisterschaft auf dem Thurmseile. Norddeutschen Sänger, 7 Pers. Abends: Grates Großes Land-, Wasser- und Kriegs- Feuerwerk. Anfang 7 Uhr. 41169 Rud. Sternecker. in den Lokalen Konkordia- Festsäle und Sanssouci, Andreasstr. 64 Rottbuserstr 4a 849/ 8* bestehend in Vokal- und Instrumental- Konzert, Vorträgen ernsten und heiteren Inhalts, lebenden Bildern. Punkt 9 Uhr: Festreden. Groker Ball. Die Festtheilnehmer erhalten die Mai- Zeitung gratis. Entree 30 Pf. Berantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Berlag von Mag Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2 Das Komitee. Pierzy sivai Veilagen 1 Beilage zum„Borwarts" Berliner BoWlatt. Nr. 101. Sonntag, den 30. April 1803. 10. Jahrg. Dorlmnentsverichke. Deutscher Reichstag. SS. Sitzung vom LS. April 1893, 1 Uhr. Am Bundesrathstifche: v. Bötticher.v. Kaltenborn. Zur zweiten Berarhung steht die Vorlage betreffend die Ersatzvertheilung. Ramens der Militär-Kommission erstattet über diese Vorlage Abg Lieber Bericht. Nach der Vorlage soll fortan der Gesammt- bedarf an Rekruten aus die Armeekorps-Bezirke nach dem Ver- hältni» der tauglichen Militärpflichtigen mit Ausschlufj derjenigen der seemännischen Bevölkerung in diesen Bezirken vertheilt werden. Die Kommission hat sich diesem Gedanken durchaus freundlich gegenübergestellt und die Vorlage einstimmig an- genommen, gleichzeitig aber die durch diese Modifikation bedingte Verfassungsänderung in dem Entwurf zum Ausdruck gebracht. Der Referent führt noch aus. dab die Vorlage ihre selbständige Bedeutung habe und angenommen werden könne unbeschadet des Schicksals der großen Militärvorlage. Ohne Debatte wird die Vorlag» nach deu Beschlüssm der Kommission angenonimen. Auch der Nachtragsetat für 1893/94(Forderung für die Botschaft in Washington, für den Bau eines Bolschafts- Hotels in Madrid und für die Weltausstellung in Chicago) wird ohne Diskussion in dritter Lesung endgiltig genehmigt. Ein zweiter Nachtragsetat, der zum Etat für 1892/93 vorgelegt ist, fordert 6'/, Millionen als nachträgliche Bewilligung anzuweisen auf die Matrikularbeiträge. Diese Mehr ausgäbe ist wesentlich verursacht durch das Steigen der Naturalien� preist, infolge wovon die für Brot- und Fourageverpflegung in den Etat für 1892/93 voranschlngsmäßig ausgeworfenen Summen sich als unzureichend erwiesen haben. Die Vorlage wird in erster und zweiter Lesung ohne Debatte erledigt. Die Forderung wird bewilligt. Das Hau? geht darauf über zur zweiten Berathung deS Gesetzentwurfs betr. tue Abzahlungsgeschäfte, über welche Abg. Mehnert namens der IX. Kommission Bericht er stattet hat. Die Kommission hat an dem Entwurf nur unwesent- liche Acnderungen vorgenommen. Z 1 der Vorlage hatte folgenden Wortlaut: Hat bei dem Verkauf einer dem Käufer übergebenen be. weghchen Sache, deren Kaufpreis in Tbeilzahlungen berichtigt werden soll, der Verkäufer sich das Recht vorbehalten, wegen Nichterfüllung der dem Käufer obliegenden Verpflichtungen von dem Vertrage zurückzutreten, so ist im Falle dieses Rücktritts der Käufer berechtigt, gegen Rückgabe der empfangenen Sache die Rückgewährung der von ihm geleisteten Theil- zablungen zu fordern. Eine entgegenstehende Vereinbarung ist nichtig. Dem Vorbehalte des Rücktrittsrechts steht es gleich, wenn der Verkäufer wegen Nichterfüllung der dem Käufer obliegenden Verpflichtungen kraft Gesetzes die Auflösung des Vertrages ver- langen kann. ' Die Kommission schlägt eine anderweit« Formulirung vor, wonach im Falle des Rücktritts jeder Theil verpflichtet fem soll. dem anderen Theil die empfangenen Leistungen zurückzugewähren. Beide Faffungen bezwecke» die Beseitigung der bisher in fast allen Verträgen dieser Art enthaltenen sogenannten Ber- Wirkungsklausel. Die Abgg. von Bar und Genoffen beantragen, die Fassung der Regierungsvorlage mit der Einschränkung anzunehmen, daß der Käufer die Rückgewährung der Theilzahlungen i n f o f« r n zu fordern berechtigt sein soll, als er nachweist, daß bei Verwirkung der geleisteten Theilzahlungen die Vermögensvortheile des Verkäufers in auf fälligem Mißverhältniß zu der von ihm ge währten Leistung st ehe n. Zlbg. Heine: Die größten Abzahlungsgeschäfte in Deuffch- land haben die Einzelsiaaten, und jeder Staat sucht sich die Konkurrenz der Nachbarstaaten möglichst vom Halse zu halten. Ich meine die Slaatsloltcrien. Die Abschlagszahlungen erfolgen in mehreren sich steigernden Raten. Wenn jemand eine Kommode oder eine Uhr kaust und er die Abschlagszahlung nicht leistet, dann ist der Verkäufer nach diesem Gesetz verpflichtet, dein Käufer wenigstn, s einen Theil des Kaufgeldes herauszuzahlen. Bezahlt der Loosinhaber die letzte Rate nicht auf die Minute, dann ver, fällt das Loos, �es wird für den vollen Preis an einen Andern verkauft. Der Staat hat keinen Nachtheil davon, er bekommt das Geld noch einmal und der erste Käufer nicht einen Pfennig zurück. Ich erlaube mir nun an die Sachverständigen der Re- Sorrnkagsplandevei. R. C. Nun strahlt die Natur in frischer Maienpracht, und sie hat sich geschmückt wie eine junge Braut zu ihrem Ehrentage. Mit unwiderstehlicher Gewalt ist der Frühling zum Durchbruch gekommen, und jungfräuliches Grün deckt weit und breit die alte Erde. Heut ist der Tag des Volkes. Aufathmend, mit un- bczmiuglichem Durst nach frischer Luft, getrieben von der Liebe zur Natur und erfüllt von heißem Drang nach Frei- heit, lassen heute ungezählte Tausende und Tausende unserer Brüder und Schwestern die fleißigen Hände ruhen und Taufende und Tausende ziehen hinaus, um ein wahres Volks- fest zu feiern, dessen' tiefe, innere Bedeutung den Prole- tarier» aller Länder immer klarer wird. Und unsere Gegner sehen staunend und verzagt diesem Massenaufmarsch zu, auch sie können sich dem gewalligen Druck nicht entziehen, der in unserer einheitlichen, fried- lichen und darum um so imposanteren Demonstration liegt. Verstummt ist heute bereits das Philister- gcschrei über die unsinnige Forderung des Achtstundentages, verhallt sind die Witzeleien über den Wellfeiertag; auch dem ödesten Schreier dämmert eine Ahnung von der ge- waltigen Kraft auf, die in dem Gefühl allumfassender Solidarität beruht, welches heute alle klassenbewußten Proletarier beseelt und welches den Boden bildet für die Verwirklichung derjenigen Ziele, für welche das aufstrebende, todcsuiuthige Proletariat begeistert ist. Und diese Begeiste- rung führt heute den arbcitsgebeugten Greis, den kraft- vollen Mann, den blühenden Jüngling und den Knaben zusammen; Frauen, Mütter und Bräute schließen sich dem Zug der Känipsenden an— es soll hinfort nur eine Frei- beit geben und ein Recht, und das sei gleich für jedermann. Und der Geist der Liebe und der Brüderlichkeit zieht heute durch das arbeitende Volk: ein Fest des Volkes, eine kurze Ruhe- pause in der nimmer rastenden Thätigkeit, ein Augenblick der inneren Einkehr, und dann auf zu neuen Kämpfen, zn nxuen Siegen. gierung die Frage, ob das Gesetz über die Abzahlungsgeschäfte auch auf die Lotterien Anwendung finden soll. Abg. Wöllmer(dfr.): Die Begründung der Vorlage be- züglich der Nothwendigkeit einer so einschneidenden Maßregel, wie es die Aufhebung der Verwirkungsklausel ist, war ganz un- gemein dürftig. In der Kommission wurde auf die Vorlegung umfassenden Materials gedrungen. Aber alles, was infolge dessen von Gerichten und aus den Akten der Justizverwaltung beigebracht werden konnte, genügt nicht im Entferntesten um das Bedürfnis einer Aenderung der Gesetzgebung nachzuweisen. An einzelnen Gerichten hat sich ja allerdings die Zahl der abgeurtheilten Prozesse dieser Art sehr gehäuft; das liegt aber daran, daß zahlreiche große Geschäfte der Art, namentlich Nähmaschinen- fabriken und einige rheinische Textilfabriken, sich den Gerichts- stand ihres Ortes in den Verträgen ausdrücklich ausbedungen haben. Einzelne Fälle von unwirthschastlichen Anschaffungen sind ja nachgewiesen; es hat sich ein Schullehrer 12 Hemden- einsähe, ein Küster Brockhaus' Konversationslexikon gekauft, auch hat jemand sich drei Anzüge geleistet. Alle diese Fälle aber sind Ausnahmen. Die bedeutendsten Handelskammern haben sich gegen das Gesetz erklärt. Wie die Nähmaschinenbranche durch das Gesetz geschädigt wird, brauche ich nur anzudeuten. Der Eigenthumsvorbehalt soll bleiben, aber ohne Verwirkungs- klausei ist er ganz werthloS; es wird dadurch nicht nur der Zu- griff Dritter, sondern auch der Zugriff des Veräußerers selbst gebindert, da dieser den Gegenstand nicht pfandmäßig ver- steigern darf. In diesem Zugriff aber liegt ein starker moralischer Zwang für den Käuier, es mit der Erfüllung seiner kontraktlich übernommenen Verpflichtung so ernst wie möglich zu nehmen. Während bei den Krankenkassen und theilweise auch bei der Invaliden- und Altersversicherung jeder Versicherungs- Pflichtige ohne weiteres seiner Gesammtansprüche verlustig wird, wenn er mit der Zahlung der Beiträg« wiederholt im Rückstände bleibt, will man hier ganz im Gegensatz zu diesem durch Reicks- gesetz festgelegten Verfahren ganz und gar abweichen. Und daoei strebt man ausgesprochenermaßen nur eine Beseitigung des Miß- braucks, nicht eine Schädigung des legitimen Abzahlungsgeschäftes an. Dieses Ziel läßt sich nach der Meinung der deutschfreisinnigen Partei bester auf dem Wege des Antrages v. Bar erreichen, den wir Ihnen zur Annahme empfehlen. Auch wir wollen hier wie beim WucherMißbräuchemit derselben Schärfe treffen wie Sie, wir wollen aber auch die Rechte der Verkäufer in der Weise wahren, wie diese es zu verlangen berechtigt sind.(Beifall links.) Abg. Ackermann(dk.). Vorsitzender der Kommission, tritt für die Kommissionsvorschläge ein. Die Verwirkungsklausel müsse beseitigt werde». Sie zu gebrauchen in den Verlrügen, werde gar nicht verboten, sondern nur bei böswilliger Ausnutzung der- selben hervorgetretene Unbilligkeiten sollen beseitigt werden. Auch bei Nähmaschinen sei von dieser Klausel in einer Weise Gebrauch gemacht, die einer Ausbeutung der Nothlage gleichkommt. Man könne hier also keine Ausnahme statuire». Der Antrag Wöllmer behandle die beiden Kontrahenten nicht gleichmäßig; er lege die Beweislast dem Käufer aus und dränge geradezu alle diese An- gelegenheiten aus den langwierigen Prozegweg. Abg. v. Bar(dfr.): Wenn sonst Mißbrauch mit der Fest- setzung einer Konventionalstrafe getrieben wird, geht niemand so weit, deshalb die Konventionalstrafe als solche für eine abzuschaffende Einrichtung zu erklären. Wenn der Vertrag aufgelöst ist, soll nach tz 2 ein entsprechender Werth für Gebrauch oder Benutzung der Sache vergütet werden. Aus dieser Bestimmung in Verbindung mit g l wird sich ein ganzes Nest von Kontroversen herausbilden. Der ganze Vorgang findet in unserem Zivilrecht nirgend einen Präzedenzfall. Wir wollen, daß der Käufer beweisen soll, daß dem Verkäufer ein unverhältnißmäßiger Vortheil bei der Auf- lösung des Vertrags erwächst; denn wer einen Kontrakt unter- schreibt, soll ihn auch vorher genau ansehen und sich die Ver pflichtungen, die er übernimmt, klar mache». Die Kommissions fassung muthet dem Richter zu, sich vollständig in einen Preis- taxator zu verwandeln. Wenn man in dieser Weise die Leute verhindern will, Sachen zu kaufen, die sie wirthschastlich schädigen. dann müßte man auch ein wachsames Auge von Gesetzes wegen aus die Schaufenster haben, die durch ihre Auslagen vielfach die Leute zum Ankauf namentlich von Schmucksachen verführen. Ich habe nicht ohne ein gewisses Bedenken selbst unseren Antrag formnlirt, weil ich befürchte, daß das Gesetz im ganzen nur zu einer Schädigung des soliden Geschäfts führen muß; ich bitte Sie aber unseren Antrag anzunehmen, um Schlimmeres zu verhüten. Bundeskommissar Geh. Rath DnngS wendet sich gegen den Antrag von Bar, der dem Richter eine unerfüllbare Aufgabe zumuthe und den Zweck des Gesetzes vereiteln würde. Und wie unS heute der blühende, glänzende Frühling umstrahlt, der sieghaft die Schäden des Winters geheilt hat, so wird einst der herrliche Völkerfrühling anbrechen, wo alles Ueble, was unsere heutige Zeit geschaffen hat, ivie ein nebelhafter Traum hinter uns liegt. Nach der Zeit un- würdiger Knechtschaft wird goldene Freiheit und menschen- würdiges Dasein bei uns einziehen— der Frühling mit seiner Pracht hat diesen Hoffnungskeim lies in das mensch- liche Herz gelegt, und dieser Keim hat bereits Wurzeln geschlagen, aus denen ein starker, trotziger, wettcrharter Baum ersprießcn wird. Und so will denn auch des sieges- bewußte und siegesgewiffe Proletariat nicht mehr flehend und bittend vor den Thoren der heute herrschenden Gesell- schaft stehen— aus dem unmündigen Kinde ist ein junger Riese geworden, der kampfesmuthlg die kraftschwellenden Glieder dehnt und reckt, der, wenn er sich seiner ganzen Stärke erst bewußt ist, mit ehernem Tritt über seine Feinde und Widersacher dahin schreiten wird. Aus dem Bittenden ist ein Fordernder geworden. der sich nicht mehr mit leeren Redensarten abspeisen läßt, — niemand verlangt Wohlthaten: wir wollen unser Recht! Und darum feiern wir heute unser Maifest, unbekümmert um das Geschrei und Gezeter� unserer Gegner— alles Ge- schrei und alles Gezeter ist ja doch nur ein Zeichen der blassen Furcht, der greisenhaften Angst vor dem lebens- sähigen, lebenskräftigen arbeitenden Boll, welches die un- absehbaren Schaaken aller Mühseligen und Beladenen in sich schließt. Ueberbrückt und vergessen soll an dem heutigen Festtage der Arbeit alles sein, was uns sonst wohl trennt. Der Proletarier soll sich heute sals der Bruder des Proletariers fühlen, und harte, arbeitsgewohnte Fäuste sollen heute in innigem Druck sich vereinigen zu gemeinschaftlichem Kampf gegen die verheerenden Wirkungen des Kapitals, welches im Menschen nicht den Menschen sieht, sondern ihn zum willenlosen Diener der Maschine degradirt. Wir alle leiden unter demselben Druck, und das ist das erste, was wir erkennen müssen. Es giebt keinen Unterschied unter den Besitzlosen, und wer beute noch mit Verachtung auf seinen Abg. Krämer(natl.): Wir stehen der Vorlage freundlich gegenüber in der Erwartung, daß sich genügende Bürgschaften gegen die Uebervortheilung der Verkäufer durch bdswillige Schuldner finden lassen werden. Ob das aus der Grundlage des Entwurfs möglich sein wird, ist nicht unbedingt sicher. Der An- trag von Bar ist zwar gut gemeint, aber nicht durchführbar. Jedenfalls ist aber% 1 der Kommissionsbeschlüsse geeignet, den bisher auf dem Gebiet der Abzahlungsgeschäfte hernorgetreteuen Mißständen entgegen zu wirken. Abg. Spahn(Z.). aus der Tribüne unverständlich, empfiehlt anscheinend die Beschlüsse der Kommission gegenüber der Vorlage und dem Antrage von Bar. Abg. Auer(Soz.): Bei der ersten Lesung wurde von allen Seiten zugegeben, daß auf dem Gebiet des Abzahlungswesens, wie es sich heute entwickelt hat, große Mißstände vnrhanden sind. Diese Ueberzengung ist auch heute noch vorhanden. Nur darin gehen die Meinungen auseinander, ob die Arbeiten der Kommission wirklich geeignet seien, diese Uebelstände zu beseitigen, oder ob ste nicht vielmehr auch dasjenige Abzahlungsgeschäft unmöglich machen, was allseits als zweckmäßig anerkannt ist. Die Majorität in der Kommission, zu der auch ich gehörte, und meine Partei- genossen sind mit mir der Ansicht, daß die Befürchtungen, daß die Vorschläge der Kommisston zu weit gingen, nicht berechtigt sind. Wir werden den Kommissionsbeschlüssen zustimmen, wollen damit aber nicht das Urthoil abgeben, als ob auf die eine oder andere Weise das Gesetz nicht noch verbesserungsfähig wäre. Wir glauben aber, daß die Verbesserung des Gesetzes nicht aus die von den Abgg. v. Bar, Pachnicke, Wöllmer vorgeschlagene Art zn erlangen ist. Der Hauptübelstand besteht an der sogenannten Verwirkungsklausel, welche dem Vermiether das Recht einräumt. so wie eine einzige Verpflichtung seitens des Käufers nicht erfüllt ist, das ganze Geschäft rückgängig zu machen ohne Rücksicht auf den Schaden, der dem Käuser dadurch entsteht. Von den Gegnern des Gesetzentwurfs wird zwar behauptet, daß ohne diese Klausel des Abzahlungsgeschäft überhaupt nicht mehr b<.- stehen könnte und damit auch die Wohlthaten aufhören würt�n, welche diese Geschäfte mit sich bringen. Im Interesse des ar?.neu Mannes soll es liegen, die Verwirkungsklausel ausrecht zn erhalten, weil sonst der Kaufmann dem armen Teulel keinen y.redit mehr gewähren würde. Diese Fürsorge für das Wohl des armen Mannes von jener Seite scheint mir ungefähr dieselbe Bedeutung zu haben, wie die Klagen der Gegner des Arbeilerschutzek», sobald es sich um die Verkürzung der Arbeitszeit oder die Einschränkung der Kinderarbeit handelt. Dieses Wohlwollen für den armen Mann ist weiter nichts als das Geschäftsinteresse, welches die Leute haben. Die Geschäfte sind nicht gerade selten. die in geradezu halsabschneiderischer Weise die Verwirkungsklausel an- wenden, indem sie dem armen Mann, der vielleicht l— 2 M. zu bezahlen hat, sämmtliche Gegenstände wieder fortnehmen, weil er diese geringe Summe nicht im Moment bezahlen kann. Das ist Halsabschneiderei, so blutig, wie sie auf anderen Gebieten kaum möglich ist. Dem entgegen zu wirken ist der Grund, der uns bestimmt, die Vorlage in ihrer jetzigen Fassung anzunehmen. Ob jede einzelne Bestimmung gerade daS Richtige trifft, lassen wir dahingestellt. Aber eins steht fest, wenn die Vorlage angenommen wird, wird diesen infamen Zuständen, wie wir sie jetzt auf diesem Gebier sehen, ein für allemal die Thüre verriegelt sein. In der Ab- Handlung des Rechtsanwalts Hausmann Uder Verträge zu Raten- Zahlungen sind einige Formulare mit der Verwirkungsklausel angegeben:„Falls auch nur eine Zahlung nicht geleistet wird, ist die Handlung berechtigt, sämmtliche Gegenstände sofort zurück- zunehmen, auch sollen die bis dahin geleisteten Anzahlungen der Handlung verbleiben"; wenn die Miethe nicht pünktlich bezahlt worden ist, so können sämmtliche Gegenstände fosort ohne vorher- gegangene Kündigung und gerichtlich» Klage zurückgenommen werde». Zu diesem BeHufe ist vom Miether dem Vermiether ausdrücklich die Befugniß zugestanden, zu jeder Tageszeit mit so viel Leute», als er zu,» Transport nöthig hat, in der Wohnung des Miethers zu erscheinen und dort so lauge sich aufhalten zu dürfen, als die Uebernahms und die Verladung der Sachen dauert. Miether erklärt, eine Verletzung seines Hausrechts oder irgend eine andere strafbare Handlung darin nicht sehen zu wollen. Auch muß Mielher die etwa rückständige Miethe bis zum Tage der Abholung der Sachen bezahlen. Kurz und gut, der Kontrakt ist derart abgefaßt, daß der Käufer einfach hilflos in die Hände des Verkäufers fällt, wenn er auch nur eine Rate nicht bezahlt. Nun sagen die Gegner des Gesetz- entwurfs, das ist wohl richtig, aber diese Verträge werden in dieser schroffen Form nicht aufrecht erhalten. Der Verkäufer hat ein menschliches Rühren und macht keinen Gebrauch von seinein Mitmenschen im staubigen und geflickten Arbeitskittel zu blicken vermag, der ist nicht werth, daß er in den stolzen Bund aufgenommen wird, der sich die Befreiung der Mensch- heit zum Endziel seiner Bestrebungen gemacht hat. Nicht umsonst ruft uns unser großer Borkämpfer zu:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" In der Vereinigung und in der Einigkeit liegt unsere Stärke, und niemand weiß das besser als unsere Gegner, die keine Gelegenheit nnbenützt vorübergehen lassen, um unsere Reihen durch Zwiespalt und Mißtrauen zu sprengen. Gerade der heutige Tag soll uns das klar werden lassen. Bilden wir eine geschlossene, fest- gefügte Phalanx, an welcher die vergifteten Geschosse unserer Feinde wirkungslos abprallen, so sind wir siegreich und unwiderstehlich— der Sieg wird mit unseren wehenden Bannern und Fahnen unauflöslich verbunden sein, und der Tag wird sicher und unzweifelhaft anbrechen, wo unsere sturmerprobten Feldzeichen unvestritten aus den Trümmern einer vermorschten und zusammengebrochenen Gesellschaft wehen. Dessen sollen sich die vielen Hunderttausende von Ge- nossinnen und Genossen, die heute dem Fest der Arbeit huldigen, versichert hallen. Das erhebende Gefühl frischen und frohen KampfesmutheS, die unerschütterliche Ueber- zeugung von der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit unseres Kampfes soll sie überkommen, und diese Gefühle werden uns stählen und kräftigen, bis wir unsere Ideale verwirk- licht haben. Mag mancher todwund getroffen werden und zusammenbrechen in dem tosenden Streit, mag der Feind Lücken reißen in unsere Reihen: opferfreudige und sieges- begeisterte Streiter werden in die Breschen springen— und der unaufhaltsame Strom unserer tapferen Streiter wird das feindliche Lager überfluthen, und mit gewaltigen Posaunenstößen wird allüberall Friede, Freiheit und Ge- rechtigkeit verkündet werden. So begrüßen wir denn unseren ersten Mai auch in diesem Jahre als den Tag der Heerschau, den Tag der Sammlung. Mögen die Schaaren vollzählig erscheinen in dem Bewußtsein, daß ihnen die �»'nnft— das heißt die Welt gehört.- $ un= Rechte. Eine große Anzahl von Zahlungsgeschäften mag ja so folgende Bemerkungen: Die ernfteften Mißstände knüpfen sich ihrer Wohnung von heftigem Unwohlfein befallen, ihr Buständ fein schon aus Rücksicht auf die Konkurrenz und darauf, daß die an andauernden Regenfall oder sehr heftige Regengüffe. Die verschlimmerte sich zusehends, und bevor man sich entschloß, einen schon einmal gebrauchten Gegenstände sich schwer wieder ver- Berliner Kanalisation beruht bekanntlich auf dem Vereinigungs- Arzt zu rufen, war die Hönemann gestern früh um 7 Uhr gefaufen lassen, aber es giebt doch eine ganze Anzahl von Ge system: der Einleitung fämmtlicher Meteorwässer in die nämlichen storben. Man nimmt nun wohl mit Recht an, daß die Teppiche schäftsinhabern, die sich brutal auf den Buchstaben des Kon- Röhren, welche auch die aus der Hauswirthschaft und der Kloset- mit einem start wirkenden giftigen Pulver gegen Mottenfraß be trattes stügen, und die freilich darauf hinausgehen von der Ver- spülung stammenden Wassermassen aufnehmen. Dieses Röhren( streut gewesen sind und daß das Einathmen des giftigen Staubes wirtungsklausel einen recht ergiebigen Gebrauch zu machen; dem system ist aber nicht umfassend genug, um die enormen Wasser- den Tod herbeigeführt hat. Die Polizei ist mit der Feststellung Käufer wird dann gesagt: Du mußt Dir' die Verträge genauer massen bei Woltenbrüchen oder bei tagelang andauernoem des Thatbestandes beschäftigt, und die Leiche ist zwecks gerichtsbefehen, jetzt ist Dir nicht zu helfen. Wir können freilich nicht Regenfall zu faffen; es ist eigentlich nach dieser Richtung ärztlicher Deffnung beschlagnahmt worden. alle Dummen vor dem Hineinfallen schüßen, aber wir haben doch erst unzulänglich geworden, seitdem eine so erhebliche auch nicht die Aufgabe, diejenigen, die die Dummen ausbeuten, Straßenfläche( 21/2 Million Quadrat Meter) mit Berichtigung. Unter der Spigmarke„ Strafgelder" brachte darin zu schützen, ihren Nebenmenscheu hineinzulegen. Durchlässigem Pflaster hergestellt und ein Ber der Vorwärts" am 17. Februar d. J. eine auf Herrn G. Bolle, Wenn wirklich das Risiko ohne die Verwirkungsklausel für den sichern des Regenwassers auf diese Weise zur Ausnahme ge- Alt- Moabit 99/103, bezügliche Notiz, die von legterem wie folgt Beriäufer ein zu großes wird, und manches Geschäft dann nicht worden ist. Je mehr besonders die Asphaltirung( jezt berichtigt wird: mehr abgefchloffen wird, nun da fragt es sich doch, ob das wirt- 771 693 Quadratmeter) vorschreitet, desto unzulänglicher erweisen" Es ist nicht richtig, daß ich einer Portierfrau 10 M. Straf lich so sehr zu beklagen ist. Wenn ein junges Paar z. B. fich sich die gemauerten Sammelstränge der Kanalisation, das aus geld abgenommen hätte; vielmehr hat mir die Portierfrau bei seiner Verheirathung einen Hausstand gründen will und den oben genannten drei Ursprüngen herstammende Wasser eines anderen Hauses, welche längere Zeit hindurch aus den von 30 M. Anzahlung leistet und sich verpflichtet, vielleicht auf Jahre schnell abzuführen. Das Funktioniren der Nothauslässe wird meinem Burschen in den Hausflur gesezten Rannen Milch enthinaus 2 M. wöchentlich abzuzahlen, dann muß man doch von mehrfach bemängelt. Werden sie auf zu späte Benachrichtigung wendet hat, 10 M. für die Armen überwiesen, und ich habe vornherein sagen, daß dieser Hausstand ein unglücklicher ist. oder aus anderem Grunde zögernd geöffnet, so fann ein Rück diesen Betrag der Städtischen Haupt Stiftungskasse zugehen Die Leute find fich garnicht ihrer großen Verantwortung bewußt. stau des Wassers in die Ablaßeinrichtungen eintreten, der die laffen." Die Freifinnigen haben einen Antrag gestellt, wonach bei der Ausgüsse der Klosetbeden und die Ausgüsse der Wasserleitungen Rückgabe der Sachen der Minderwerth derselben abgeschäßt sowie die damit verbundenen Wirthschaftsräume in sehr Bur friedlichen Lösung der sozialen Frage. In dem werden soll. Was es mit der Verminderung des Werths diefer unliebsamer Art in Ueberschwemmung verfeßen kann. Be27. April gebrachten Artikel wird auch ein Wertmeister Martin unter obigem Titel in der Beilage des Vorwärts" vom Gegenstände auf sich hat, zeigt die Petition aus Hamburg- Altona. fürchtungen gesundheitsschädigender Einwirkungen erscheinen 27. April gebrachten Artikel wird auch ein Wertmeister Martin Ein Gegenstand foftet 300 M. Nach einem Jahre wird er zurück hierbei nicht unberechtigt. Funktioniren anderseits die Noth erwähnt. Herr Bernhard Martin, Werkmeister in der gegeben, und jetzt ist die Sache nur noch 132 M. werth. Was würde auslässe in voller Ausgiebigkeit und in schneller Bereitschaft, Fabrik hygienischer Bade- Apparate S. Marcus, ersucht uns zu also bei einer derartigen Werthabschägung herauskommen, wenn der so tritt eine sehr rasche Ueberfüllung des Spree und Kanal. erklären, daß er mit demselben durchaus nicht identisch sei. Er freifinnige Antrag angenommen würde? Garnichts mehr. Wir würden inhalts mit fäulnißfähigen Stoffen ein, deren Bedenklichkeit eine stehe den Bestrebungen der Zentralstelle für Wohlfahrtsja unserer Stellung nach viel lieber mit der Linken zusammen ziemlich abweichende Beleuchtung von verschiedenen Seiten er einrichtungen" vollständig fremd gegenüber und habe nie einer stimmen, als mit Ackermann und Genoffen, allein nach wieder fahren hat. Insbesondere unterliegt die Frage nach der Sch a di- Konferenz derfelben beigewohnt. holter Prüfung sind wir zu der Erkenntniß gekommen, daß wir gung des Fischbestandes in der Spree noch einer sachin diesem Falle nicht anders fönnen, als für den Kommissions- gemäßen Untersuchung und Beurtheilung. Der verhältnißmäßig vorschlag stimmen. Uns schreckt der sogenannte böswillige Bahler ficherste Schuß gegen die Rückstauungen und Ueberschwemmungen nicht, wir wollen die sozial Schwächeren, die Käufer, gegen die dürfte in einem völlig geordneten Signalwesen, das sämmt fozial Stärkeren, die Berkäufer, schützen. Wie sehr die ersteren liche Rothausläffe vereinigt und ihre Thätigkeit nach einheitlichen übervortheilt werden, geht aus den Berichten der Juftizbehörden Direktiven leitet, zu suchen sein. hervor. Ein Arbeitgeber hat mit einem Arbeiter einen Vertrag abgeschlossen, worin vereinbart worden ist, daß der Kaufpreis eines Werkzeuges im Wege des allmonatlichen Lohnabauges ratenweise zu entrichten sei, daß aber das Eigenthum und die bisher geleisteten Ratenzahlungen zu gunsten des Fabrikanten verfallen sollten, wenn der Arbeiter vor Ablauf der zur Tilgung des Kaufpreises vorgesehenen Frist entlassen wird. Dieser Mißbrauch des sozialen Uebergewichts ist geradezu himmelfchreiend. Uebrigens wird ja von keiner Seite für die Gegen den antisemitischen Agitator Schwennhagen Aufrechterhaltung des bisherigen Zustandes eingetreten. Der hat der Finanzminister Miquel wegen der in den antisemitischen fre isinnige Antrag aber geht entschieden nicht weit genug. Versammlungen am 27. März und 6. April gegen ihn gerichteten Man verweist mit Vorliebe darauf, daß 9/10 der Nähmaschinen Angriffe Strafantrag gestellt. Den fleinen Köter hätte man ruhig auf dem Wege der Abzahlung erworben werden. Zweifellos bellen laffen sollen, denn etwas anderes versteht er doch nicht. tommen die armen Nähmädchen wie überhaupt die Haus- Was wird die Polizei zu der Verfolgung ihres Schützlings industriellen, die Frauen in der Konfektionsbranche auf diese sagen? Weife in den Besiz der Nähmaschinen. Alle diese sind aber die ausgefchundenften und erbärmlichst bezahlten und mißbrauchtesten Die österreichische Maifest Beitung ist heute in mehreren Buchhandlungen, darunter auch der des Vorwärts", polizeilich tonfiszirt worden. Mandatsuiederlegung. Wie uns Herr Otto RIein, Schönleinstr. 6, mittheilt, hat er wegen Kräntlichkeit sein Mandat als Stadtverordneter niedergelegt. " -Siechenbause, Schönhauser Allee 59, ein dort wohnhafter früherer Polizeibericht. Am 28. d. M., Morgens, wurde im MännerLandwirth erschossen vorgefunden. Er hat sich mittels Revolvers einen Schuß in den Kopf beigebracht. Vor dem Hause Alte Schönhauferstr. 59 gerieth Vormittags eine obbachlose Lumpenfammlerin in der Trunkenheit unter die Räder eines Pferdebahnwagens und wurde am Unterschenfel so schwer verletzt, daß sie nach ber Charitee gebracht werden mußte. Auf dem Hofe des Hauses Adalbertstr. 72 fiel Nachmittags ein zehnjähriger Knabe beim Spielen von einer etwa 1,70 Meter hohen Kiste herab und erlitt eine schwere Verlegung an der Stirn. Er wurde nach dem Krankenhause Bethanien gebracht. Am 29. b. M., Morgens, d. stürzte ein Arbeiter beim Abbruch des Hauses Neumannsgaffe 2 aus dem zweiten Stock auf die Straße hinab und verstarb auf der Stelle. Im Laufe des Tages fanden sechs Brände statt. Gerichts- Beifung. Gegen die Rechtsbeständigkeit der Polizeiverordnung vom " Die überaus große Kindersterblichkeit in Berlin wird 30. Juni 1887, betreffend das Verbot des Anpreisens von Ge Arbeiter, die wir überhaupt haben. Die Fabrikinspektoren geben auch in dem neuesten polizeilichen Sanitätsbericht betont. In heimmitteln, wird noch immer vor Gericht in einzelnen Fällen zu, daß die Arbeiterinnen ohne einen Nebenerwerb, der in nur dem ganzen Jahrzehnt von 1881-1890 ist der Antheil, welchen angekämpft. So hatte sich gestern die 8. Straffammer mit einer allzu vielen Fällen in der Prostitution befteht, überhaupt nicht in Berlin das Alter von 0 bis 1 Jahr an der Gesammtsterblich Anflage gegen den Redakteur ber Kreuz- Zeitung". Freiherrn im ftande find, zu existiren. Dieser Zustand der Hausindustrie feit beansprucht, nur einmal( 1885) auf unter 87 pet., nämlich von ammerstein, zu beschäftigen, welchen das Schöffenift wesentlich damit gefördert worden, daß man die Nähmaschinen auf 36,79 pSt. herabgegangen, während er in der Mehrzahl dieser gericht zu 27 m. Geldbuße verurtheilt hatte, weil in 9 Fällen auf Abzahlung belommen tonnte. Und diese Art der Jahre um 38-40 pet. gefchwantt hat. Im Jahre 1889 starben in der Kreuz- Zeitung" Annoncen mit Dantfagungen über die Industrie ist gefördert worden auf Kosten der mensch im ersten Lebensalter 14 000 Kinder oder 40,63 pCt. der Gesammt Wirkung der Brandt'schen Schweizerpillen abgedruckt waren. lichen Gesundheit, von Sittlichkeit, Anstand und Lebens- fterblichfeit, 1890 12623 oder 37,80 pCt., 1891 12923 oder 37,86 pet. Wie übrigens der Vorsitzende des Gerichtshofes gestern nebenbei glück. Sollte dieses Gesetz die Folge haben, daß die Herren Diese Bahlen lassen sich, wie der Bericht betont, faum als Aus erwähnte, haben die polizeilichen Recherchen ergeben, daß Unternehmer gezwungen sind, sich Arbeitsstätten einzurichten, in druck einer bleibenden Besserung dieser so viel besprochenen die in diesen Danksagungen mit Namen und Wohnung genau denen sie die Maschinen zur Arbeit selbst zu liefern haben, so Kalamität betrachten. Daß dieselbe in der Eigenart des Bieh bezeichneten Personen theilweise gar nicht existiren. v. Hammerwäre das eine wohlthätige Folge, wie wir fie uns beffer gar und Haltekinderwesens ihre Wurzeln hat, ist längst erkannt und stein legte gegen die Verurtheilung die Berufung ein und Rechtsnicht wünschen fönnten.( Bustimmung bei den Sozialdemokraten.) bat zu einer Reihe von Polizeimaßregeln geführt. Dieselben sind anwalt Erdmann versuchte gestern vor der Straffammer den Man befürchtet zwar, daß, wenn dieses Gesetz angenommen wird, aber nicht im stande, dem Uebel zu steuern, da zu dem mangel. Nachweis, daß die qu. Polizeiverordnung angesichts des Preßder Käufer nach einem Jahre oder nach fürzerer Zeit, wenn eine haften Interesse an dem Gedeihen des jungen Kindes noch viele gesetzes und der Verfassung nicht zu Recht bestehe, da die verneue Maschine erfunden wird, die Naten nicht weiter zahlt und ungünstige Momente bei den Haltefrauen hinzutreten: zu niedrige fassungsmäßige Freiheit der Presse durch landespolizeiliche MaßDer Fabrilant genöthigt ist, die Maschine zurückzunehmen. Man Pensionssage, Zusammenpferchen der kleinen, der forgfältigsten nahmen nicht eingeschränkt werden könne. Der Vertheidiger berief darf aber nicht vergessen, daß die Inhaber der Abzahlungs. Pflege bedürftigen Geschöpfe in eng bemessenen Räumen, un fich auf ein gegen den Chefredakteur der Düsseldorfer Beitung" geschäfte ihre Kundschaft sehr genau fennen und wissen, wer ein genügende Versorgung der letzteren mit Luft und Licht, uns ergangenes Erkenntniß des Kammergerichts vom 14. April 1892, fauler Kunde ift. Der Schuhmacher oder Schneider, welcher wedmäßige Betten, Kleider zc. 2c. Dieses massenhafte Hinsterben in welchem das Kammergericht eine analoge Verordnung feine Maschine zurückgeben will, wird damit kein Glück haben, der Kinder aus Mangel an genügender Ernährung und Pflege als rechtsungiltig bezeichnet haben soll, weil dieselbe dem Art. 27 benn der Verkäufer ist bereits gewarnt, und er verabfolgt dem ist die furchtbarste Anklage gegen die Gesellschaft. der Verfassung und dem§ 1 des Preßgesetzes zuwider sei und Kunden feine neue, und dieser muß gegen baar faufen. jede Beschränkung der Preßfreiheit nur im Wege der GesetzDie Käufer von Schnellpreffen auf Abzahlung sind erst recht nicht Das Geschick des früheren Predigers Harder aus gebung erfolgen tönnte. Der Gerichtshof verwarf aber nach gefährlich, denn ihre ganze Existenz z. B. bei Herausgabe einer Weißenfee ist noch immer nicht entschieden. Die Nachricht, welche furzer Berathung die Berufung und hielt an dem schon in Beitung, beruht auf dem Besitz der Presse. Wir wollen nur ver- jüngst durch die Presse ging, daß das Verfahren gegen ihn wegen früheren Fällen von ihm eingenommenen Standpunkte feft, daß meiden, daß die Inhaber von Abzahlungsgeschäften den Kunden feiner geistigen Unzurechnungsfähigkeit eingestellt worden ist, ent: durch die Polizeiverordnung in feiner Weise in die Preßfreiheit eine Schlinge um den Hals legen können. Sollte im Laufe der behrt jeglicher thatsächlichen Begründung. Harders Angelegenheit eingegriffen werde, daß es sich vielmehr um ganz allgemein ernächsten Jahre sich herausstellen, daß das wirklich reelle, solide bat bisher folgenden Verlauf genommen: Als feiner Zeit die laffene Borschriften im gesundheitlichen Interesse handele, denen Geschäft durch dieses Gesez gefährdet wird, dann können Sie ja Hauptverhandlung wider ihn stattfand, als die psychiatrischen sich auch die Presse zu fügen habe. immer noch dieses Gesetz ändern. Sie haben ja doch das Be- Sachverständigen jeden Zweifel an seiner Burechnungsfähigkeit für streben, den Besitz zu schüßen und der Profitmacherei feine allzu ausgeschlossen erklärten, beantragte der Staatsanwalt 12 Jahre Wegen fahrlässiger Tödtung und Rörperverlegung wurde großen Hindernisse in den Weg zu legen. Wir werden für die Buchthaus; der Gerichtshof fegte aber die Entscheidung aus, um gestern der Bäckermeister Friedrich Krüger vor der vierten Vorlage stimmen. Harder auf seinen Geisteszustand noch weiter untersuchen zu Etraftammer hiesigen Landgerichts I zur Verantwortung gezogen. Es sprechen noch die Abgg. v. Bar, Osanu( ntl.) und lassen, weil seiner Ansicht nach nicht denkbar erscheine, daß ein Derfelbe bog im September v. J. mit seinem Fuhrwert vom Spahn, womit Rednerliste erschöpft ift. gebildeter Mann mit gefunden Sinnen solche Handlungen begehe, Tempelhofer Ufer in die Schönebergerstraße ein, um in dem EckVor der Abstimmung wird ein Bertagungsantrag an wie sie durch die Beweisaufnahme nachgewiesen werden. Harder hause Nr. 19 Brote abzuliefern. Er bog furz um die Ecke und ist danach nach der Neuen Charitee überführt werden, er wurde rief einer Frau, welche mit einem Kleinen zweijährigen Kinde Schluß 5 Uhr. Nächste Sigung: Dienstag 1 Uhr. aber nach der üblichen Beobachtungszeit in das Unter- auf dem Arme zu derselben Zeit quer über den Damm ( Dritte Lesung der Borlage betr. die Erfah- suchungsgefängniß zurück gefchickt, weil die Aerzte der Charitee tam, zweimal laut zu. Die Frau achtete aber des Burufs vertheilung und des Nachtrags Etats für feinerlei geistige Störung ihm zu fonstatiren vers nicht, der Angeklagte suchte im letzten Augenblicke seine 1892/93, Antrag Ahlwardt, Wahlprüfungen.) mochten. Das Gericht forderte darauf ein Gutachten des tönigs beiden jungen Pferde mit Gewalt herunzureißen allein es lichen Medizinalfollegiums ein, welches erst in den állerlegten war schon zu spät. Die Deichsel erfaßte bie Frau, welche mit Tagen eingegangen ist. Der Beschluß des Gerichtshofes steht lautem Aufschrei zu Boden fant und auch das Kind fallen ließ, noch aus, eine endgiltige Entscheidung wird erst nach Wochen- durch den Aufschrei wurden die Pferde scheu, und der Angeklagte frist gefällt werden können, indessen verlautet, daß auch das tonnte es nicht verhindern, daß die Räder des Wagens über Medizinalfollegium zu derfelben Anficht bezüglich des Geistes- Mutter und Kind hinweggingen. Die Frau erlitt nur leichte zustandes gelangt ist, wie alle früher vernommenen Sach- Verletzungen, dem Kinde wurden aber mehrere Rippen gebrochen und die Lunge zerrissen, so daß es schon auf der verständigen. eine mitleidige Frau getragen hatte, feinen Geist Der aufgab, Angeflagte zeigte genommen. Tokales. bei es bedrücke, Der Staatsanwalt Die fiädtischen Krankenhäuser haben ihre Bestimmungen über die Aufnahme von Geschlechtskranken geändert. Bisher galt Von einem harten Schlage ist die Familie G., welche Polizeiwache, wohin es als Rege, daß Kranke dieser Art nicht in den städtischen früher in Friedrichsfelde und seit dem 1. b. W. in Berlin wohnt, Krankenhäusern verpflegt wurden. Nunmehr haben die städtischen betroffen worden. Von den sechs Kindern der G.'schen Eheleute gestern deutlich, daß ihn das Unglück schwer Behörden ausdrücklich verfügt, daß die städtischen Krantenhäuser find an einem Tage fünf an der Diphtheritis verstorben und am er versicherte aber, daß er unschuldig daran sei und alles Kranten der bezeichneten Art ohne Beschränkung zugänglich sein Mittwoch auf dem Friedhofe der Domgemeinde in der Müller- gethan habe, um dasselbe zu vermeiden. sollen; ausgeschloffen von der Aufnahme find nur die unter straße beerdigt worden. Nur die älteste, zwölfjährige Tochter ist erfannte letzteres an, machte den Angeklagten aber doch für den fittenpolizeilicher Kontrolle stehenden Personen, für die bereits bisher von der tüdischen Krankheit verschont geblieben. Unglücksfall verantwortlich, weil die Katastrophe vermieden Stationen in der Charitee und im Arbeitshause zu Rummelsworden wäre, wenn der Angeklagte nicht die ganz bestimmte burg eingerichtet sind. Die Neuerung ist auf die Anregung der Mit abgefahrenen Beinen wurde die obdachlose Bumpen Polizeivorschrift, nur in einem großen Bogen um eine Ecke zu Berliner medizinischen Gesellschaft hin getroffen worden. Diese fammlerin Mathilde Mittelstädt gestern in die Charitee ein- biegen, verlegt hätte. Der Staatsanwalt beantragte 6 Wochen hat sich im vorigen Jahre im Anschlusse an einen Vortrag des geliefert. Sie hatte den Griös ihrer legten Forschung" in Al- Gefängniß, der Gerichtshof hielt aber mit Rücksicht auf die Dr. med. 2. Blasch to eingehend mit den einschlägigen Fragen fohol angelegt und taumelte durch die Alte Schönhauserstraße. schweren Folgen der Fahrlässigkeit eine Strafe von 3 Monaten beschäftigt und war bei den Stadtbehörden im Sinne der jetzt Als sie vor dem Grundstück 59 den Straßendamm überschritt, Gefängniß für angemessen. getroffenen Neuerung vorstellig geworden. Es ist der sozialdemo- verlor sie das Gleichgewicht und fiel mitten auf den Pferdebahnfratischen Agitation wohl vorzugsweise zuzuschreiben, daß die schienen zur Erde. Ihres trunkenen Zustandes wegen fonnte sie frühere Praxis, welche die Geschlechtsfranten, felbstverständlich einem herannahenden Pferdebahnwagen der Linie Rathhaus der unteren Klaffen, als Verbrecher anfah, aufgegeben ist. Niederschönhausen nicht mehr ausweichen, ebensowenig wie der Rutscher sein Gefährt rechtzeitig zum Stehen zu bringen verDie Verlängerung der Besuchszeit der Museen an mochte. Die Räder gingen der Mittelstädt über beide Dber Sonn- und Festtagen ist bereits bei einem Institute durch- schenfel, das linke Bein wurde gänzlich abgetrennt und hing nur geführt worden, und zwar bei dem föniglichen Museum für noch an einigen Fasern, das rechte wurde derartig germalmt, daß Naturkunde. Die Berwaltung deffelben ersucht uns um es heute abgenommen werden mußte. Aufnahme folgender Mittheilung: Die Besuchszeit der Schau" fammlung des töniglichen Museums für Naturfunde an Sonn- Abgestürzt ist bei dem Abbruch des Hauses Neumanns und Feiertagen ist unter Berücksichtigung der Länge und gaffe 2 heute früh halb 6 Uhr der Arbeiter Popp. Er fiel auf Kürze der Tage in den verschiedenen Jahreszeiten für die Monate bas Straßenpflaster und war sofort todt. April bis einschließlich September von 12-6 Uhr Nachmittags, für die Monate März und Oftober von 12-5 Uhr Nach Ein merkwürdiges Vorkommuik wird uns aus dem mittags, für die Monate Februar und November von 12 bis 4 Uhr Nachmittags und für die Monate Januar und Dezember von 12-8 Uhr Nachmittags festgesetzt worden. Diese neue Einrichtung tritt vom Sonntag, 30. b. M., ab in Kraft. Ueber Miständer Entwässerung der Berliner Straßen enth brige polizeiliche Sanitätsbericht Haufe Anklamerstr. 44 gemeldet. Die Arbeiterin Johanna Hönes mann, die daselbst wohnte, hatte mit zwei Genofsinnen am Donnerstag das Austlopfen von Teppichen auf einem Grundstücke ber Brücken- Allee zu besorgen. Dabei erklärten zwei Arbeiterinnen, daß sie den beißenden Staub nicht aushalten könnten und des wegen die Arbeit niederlegen müßten, die Hönemann blieb allein bei der Beschäftigung. Noch an demselben Abende wurde sie in Der Chemiker Franz Villain war derzeit vom Schöffen gericht wegen Betrugs zu einem Monat Gefängniß verurtheilt worden, wobei bas Gericht folgenden Thatbestand für erwiesen erachtet hatte: Im Juni vor. J. wurde der Angeklagte in einer Prozeßfache als Sachverständiger angerufen. Nach Beendigung des Verfahrens begab Vilain sich zu der Partei, welche zur Er unterbreitete Tragung der Roften verurtheilt worden war. dem Unterlegenen, dem Architekten J., seine Rostenrechnun in Höhe von 68 M., erklärte, daß er sich die Gerichtslauferei ersparen wollte und deshalb die Rechnung nicht erft habe beglaubigen laffen, wenn 3. mit dem abgekürzten Berfahren einverstanden sei und fofort bezahlen wolle, so dürfe er von der Rechnung 18 M. türzen. J. fand den Vorschlag annehmbar und bezahlte 50 Wt. Bald darauf erhielt Bielain vom Gericht die Aufforderung, in der erwähnten Prozeßfache feine Liquidation einzureichen. Er berechnete nun seine Roften auf 88 M. und erhielt auch diesen Betrag von der Gerichtstaffe unverkürzt ausbezahlt, da er vers schwieg, daß er bereits 50 M. erhalten. Die Behauptung des Angeklagten, daß er sich nur unter der Bedingung mit einem Betrage von 50 m. aufrieden erklärt habe, wenn J. thm einen größeren Auftrag auf das von dem Angeklagten angefertigte Schwamm- Bertilgungsmittel ertheilen würde, erachtete der Ge-| Beiträgen, forte bie Auszahlung bes fälligen Krantengelbes, wirb statt beffen ftraße 18, g. 3 Tr., erfolgen. am Sonntag, den 30. April, Vormittags, beim Kafftrer H. Beufert, Liegniger Nationale kaufmännische Kranken- und Sterbekaffe, Solzmarktstr. 67. Montag, den 1. Mat cr., 8% Uhr, im Restaurant Bodenburg, Kommandantenir. 10-11: Vorstandssigung. Ortsverein der Bildhauer. Montag, ben 1. Mat, Abends 8% Uhr, Dresdenerftr. 10, 1 Er. richtshof durch die gegentheilige Bekundung des Zeugen J. für widerlegt. Da der Betrug als ein besonders schwerer angesehen wurde, hatte das Schöffengericht von der Erkennung auf eine Geldstrafe Abstand genommen. Gegen dies Urtheil hatte Vilain Einspruch erhoben. Im geftrigen Zermine vor der Berufungsstraftammer trat der Angeklagte mit ganz neuen Behauptungen so unwahrscheinlicher Natur auf, daß selbst sein Vertheidiger ihn auf die Aussichtslosigkeit der Berufungseinlegung aufmerksam machte. Der Angeklagte folgte denn auch dem Rathe des Vornahme. fizenden und nahm seinen Einspruch zurück. Versammlungen. Im deutschen Tischlerverband Bezirk SO., hielt oppe am 19. April einen Produktion und Konsumtion" benannten Vortrag. Unter Wertstättenangelegenheiten wurden darauf die Arbeitsverhältnisse bei dem Tischlermeister Grosch, Dresdener. Straße 77, scharf fritifirt. Die zu der Versammlung eingeladenen Arbeiter dieser Werkstatt waren nicht erschienen, weil sie, wie gefagt wurde, noch arbeiten mußten. Allgemeiner deutscher Capesirerverein. Filiale Berlin. 1. Mat tetne Bersammlung, die nächste findet am Montag, ben 15. Mat, statt. Verein Berliner Portiere und Berufsgenossen. Versammlung am Dienstag, den 2. Mat, Abends 9 Uhr, Leipzigerfir. 184, bet Herrn sentttel. Auf Privat Cheatergeſellſchaft Walhalla. Sonntag, den 80. April cr. Nachmittags 3 Uhr, Deutscher Hof, Luckauerftr. 16: Sigung. Tagesordnung General Bersammlung. Borstandswahl. Das Erscheinen sämmtlicher Mitglteder erwünscht. Vergnügungsverein Stalia. Sonntag, Abends 7 Uhr, im Restaurant Roland, Elfafferfir. 26 1 Er.( großer Saal): Fidelitas und Tanz. Cheaterverein Unikum. Sonntag, 5 Uhr, Blumenftr. 78: Gigung mit Damen. Aufnahme neuer Mitglieder. Privat- Theaterverein Lohengrin". Sonntag um 5 Uhr: Reine Stzung im Groinemünder Gesellschaftshaus. Um 7 Uhr: Geſellſchaftsabend im Vorstädtischen Kasino, Ackerstr. 144. Dermildtfes. Hull, 29. April. Da neuerdings 3sammenstöße zwischen den Ausständigen und den Nichtsynbitats Arbeitern stattgefunden haben, so ist die Polizei noch weiter verstärkt worden. Briefkaffen der Redaktion. " mein Auftreten in Bayern und der Schweiz geschrieben wird, B. in B. Sie meinen, ich solle das alberne Zeug, das über durch eine Erlärung" berichtigen. Das wäre dem Klatsch zu viel Ehre anget han. Meine Vorträge über den Zukunftsstaat" und den Antisemitismus werden nach stenographischer Niederschrift in Broschürenform erscheinen. Was den„ Badau" in der Züricher Versammlung betrifft, so sei Ihnen blos mitgetheilt, daß er höchstens von einem Duzent Schreihälse- meist Ausreißen aus Deutschland verübt ward. Es galt, diesen Bürschchen, die schon eine Versammlung Bebel's gestört hatten, das Handwerk zu legen. Wir tamen überein, ihnen volle Rede freiheit zu sichern, damit sie sich den Schweizern in ihrer wahren Gestalt enthüllten. Sie gingen auch in die Falle, hielten die Ruhe der Versammlung für Sympathie, und schwatzten solch haarsträubenden Blödsinn und führten sich so ungezogen auf, daß In Hamburg findet am 1. Mai die Eröffnung der neuen der Geduldsfaden den Bersamraelten zulegt riß. Der eine, der es Sandfiltrations- Werte statt, die 120 Liter Wasser per Tag und am ärgften trieb, wurde hinausgeworfen( ohne meine Dazwischenfunft wäre er windelweich geprügelt worden) und auch die Kopf der Bevölkerung zu liefern vermögen. Aus Stettin berichtet das Wolff'sche Bureau: Die aus anderen werden feine schweizerische Voltsversammlung mehr Eine öffentliche Versammlung der an Holzbearbeitung8. märts verbreiteten Meldungen über einen hier vorgekommenen tören. Natürlich gab ich den schweizer Genossen einige Aufmaschinen beschäftigten Arbeiter tagte am 24. April. Bu choleraverdächtigen Fall sind nach zuverlässigen Wit- schlüsse über„ Unabhängige" und" Anarchisten" in Deutschland, nächst erstattete der Kassirer seine Berichte. Danach sind ein- theilungen ganz unbegründet. Die beobachtete Person hatte was deshalb am Blake war, weil auch die schweizerische schließlich des alten Bestandes 419,54 M. eingenommen worden einen Brechŏurchfall und befindet sich bereits wieder im Wege der Kapitalistenpresse für diese Talmi- Rrrevolutionäre viel Reklame und 267,96 M. ausgegeben. In der Kasse befinden sich mithin Besserung. Aus Ostpreußen wird geschrieben: In den Wäldern des 151,58 M. Darauf wurden Hofmann, Krohne, Bütow, Genfife und Brande in die Agitationsfommiffion, sowie Zimpel, Fischer, russischen Grenzgebietes werden jetzt, nach dem Auftauen des Kobold und Gerlach in die Ueberwachungs- Kommission gewählt. Schnees, viele Leichen gefunden. Es handelt sich meist um Ferner wählte die Versammlung Stein als Delegirten zur Gewandernde Arme, die dem starken Froste erlegen sind. wertschaftskommission. Nachdem unter Verschiedenem noch das Verhalten der Kollegen Hofmann und Liebs getadelt worden war, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Die Branchenversammlung der Klempner vom 24. April ertheilte Boges den Auftrag, in nächster Beit eine öffentliche Bersammlung einzuberufen. Ferner wurde Drange zum Beisiger vorgeschlagen. Depeschen. Der Arbeiter- Bildungsverein für Schöneberg und Umgegend hielt am 27. April eine Versammlung ab, welchen( Wolff's Telegraphen- Bureau.) leider nur schwach besucht war. In derselben wurde eine Vorlesung gehalten, der eine Diskussion folgte, an welcher sich Kleinschmidt und Schimansky betheiligten. Hierauf wurde der Befcheid des Amtsvorstehers bezüglich der von ihm verbotenen Verfammlung verlefen. Zum Schluß wurde bestimmt, daß die Fünftigen Bersammlungen durch Handzettel angekündigt werden sollen. hist Schlächter. Deffentliche Bersammlung am Sonntag, ben 80. April cr., Nachmittgs 4 Uhr, Beuthfir. 21, 1£ r.: Bortrag. Nachher: Borfeter bes ersten Mat. Wien, 29. April. Gine heute stattgehabte Versammlung der streitenden Zimmerleute beschloß die Fortsetzung des Streifs. Deggendorf, 29. April. Der hiesige Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Menzinger ist wegen Mißbrauchs der A.ats. gewalt zu 14 Tagen Gefängniß, 150 M. Geldstrafe und zur Tragung der Gesammtkosten des Verfahrens verurtheilt worden. Qull, 29. April. Bwischen den Rhedereibesitzern und den Streitenden sind aufs neue Verhandlungen eingeleitet worden. ( Depeschen des Bureau Herold.) gemacht hat. W. Liebknech t. W. Frankenstein. Ihr Gedicht zeugt von einem tüchtigen Empfinden und von guter proletarischer Gesinnung. Aber brud. reif ist es nicht. Gruß. M. Könkow. Von einer Beschlagnahme des Wahren Jakob" wissen wir nichts. F. C. Sie befinden sich denn doch im Irrthum. Die Einschränkung der Giltigkeit der vom Bapfte ex cathedra vertündeten Aussprüche auf eine bestimmtes Gebiet widerspricht der firchlichen Lehre. Jeder Priester wird Ihnen das bestätigen. F. B., Tiefenfurt. Derartiges hält der Vorwärts" nicht auf Lager. Es trägt Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vor." W. Sch., Rummelsljurg. Anonyme Zuschriften können Theilen Sie uns zunächst Ihre Adresse mit. wir nicht berücksichtigen. A. S. 1. Nein. 2.' Das ist möglich." nicht wegen Alimente für uneheliche Kinder zulässig. Sp. 100 a. Lohnar rest ist wegen Mimente für eheliche, Berichtigung. In dem Bericht über die Versammlung der in der chirurgischen Instrumentenbranche beschäftigten ArParis, 29. April. Das Arbeiterzeichen für den 1. Mai bilden beiter, welchen wir am Freitag brachten, lese man Elgers ftatt Elsas. Zentral- Kranken- und Sterbekaffe der Schuhmacher und verwandten Berufsgenoffen Deutschlands.( E.§. 91.) 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Schilling Große öffentliche Volksversammlung Der Maifeier wegen werden unſere Exfür den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis / am Montag, den 1. Mai cr., Abends 7 Uhr, im Saale des Schweizer- Garten am Friedrichshain. Zages Ordnung: 1. Gesangsvortrag des Gesangvereins Freie Liedertafel". 2. Bortrag über die Bedeutung des 1. Mai. Referent Genosse Rob. Schmidt. 3. Dis fussion. 4. Gesangsvortrag des Gesangvereins Freie Liedertafel". 351/4 Der Einberufer. 6. Wahlkreis. Die Maifeier für den 6. Wahlkreis fängt an am 1. Mai, Vormittags 10 Uhr, im Eiskeller, Chauffeestraße 88, bestehend im Vortrag des Genossen Wilhelm Liebknecht. Gewerbe- und pedition und Verlags- Buchhandlung kommen Industrie- Ausstell. den Montag von Mittags 1 Uhr ab geschlossen. Wir bitten deshalb um rechtzeitige Aufgabe der für Dienstag bestimmten Inserate. Expedition und Verlags- Buchhandlung des ,, Vorwärts". Maler, Lacirer, Anstreicher. Versammlung der Filiale 3( Ost) Tages- Ordnung: Nachmittags findet die Feier in folgenden Lokalen am Dienstag, den 2. Mai, Abend3 8½ Uhr, bei Henke, Blumenftr. 38. statt: Arend's Brauerei( Moabit), Eiskeller und Nord1. Vortrag des Dr. Gebert. 2. Diskussion. 3. Filial- Angelegenheiten. deutsche Brauerei( Wedding), Weimann's Volksgarten Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten. ( Gesundbrunnen), Bötzow's Brauerei( Prenzlauer Thor). Billets à 20 Bf. find in allen mit Blakaten belegten Handlungen und Reischach'sche Brauerei( Stralau) bei den Vertrauenspersonen zu haben. Mai- Versammlung 353/7 d. Schneider u. Schneiderinnen Berl. am Montag, den 1. Mai, Vormittags 10 Uhr, in der Berliner Ressource, Kommandanten- Strasse 57. Tagesordnung: 1. Der erste Mai, das Kulturfest der Arbeit. Referent: J. Timm. 2. Diskussion. 391/18 Kollegen, Kolleginnen! So weit es Euch möglich, erscheint zahlreich, um das Fest der Arbeit würdig zu feiern. Die Agitations- Kommission der Schneider und Schneiderinnen Berlins. Große Versammlung des Vereins der Plätterinnen und verwandter Berufsgenossen Berlins Dienstag, den 2. Mai, Abends 8 Uhr in Wieft's Salon, Weberstr. 17. Zages Ordnung: = 1. Vortrag über die Bedeutung de. 3. 1. Mai. Referent Herr Dr. Lütgenau. 2. Verschiedenes. Nach Schluß der Versammlung: Gemüthliches Beisammensein mit Tany. Die Maifest- Zeitung wird am Chingang zur Versammlung unentgelt 36045 Der Vorstand. Sonntag, den 16. April: e im Equitable- Gebäude. Eingang an der Leipzigers nahe 4021L Friedrichstraße. Grosse Schaustellung von hervorragenden Erzeugnissen des Gewerbes und der Industrie. Eintritt 25 Pf. Geöffnet v. 9 Uhr früh bis 8 Uhr Abends. Morig Etablissement MorigBlas. Buggenhagen. Play. Täglich: Inftrumental- Konzert. Großer Frühstücks- u. Mittagstifd. Spezial- Ausschant von Pahenhofer Lagerbier, hell und dunkel. An Sonn- und Festtagen findet das Konzert in den oberen Sälen statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Versammlungen, Rommerse Festlichkeiten 2c. Zur Mai- Feier findet Sonntag, den 30. April, Grosses Zither Konzert statt, wozu ergebenft einladet Genoffe Juzi, Weißensee, Langhansitr. 187. 36376 Thinlog via Eintritt frei! Schultheiß- Bier( dunkel Versand) à Glas 10 Pf. Gutes Weißbier( Landré). 1. Auftreten des weltberühmten Chevalier O. Blondin auf dem hohen Thurmfeil. 41212 Grosses Konzert u. Auftreten v. Spezialitäten 1. Ranges. W. Suckert, Defonom. Anfang 4 Uhr. Verlag von Oskar Rosenhain, Ritterstr. 89. Durch alle Buchhandlungen und Rolporteure ist zu beziehen: Der Tourist Berliner [ 41229 Elteste's Frühstücks- Lokal, Stralauerstr. 58, 36005 vis- à- vis dem Gewerbegericht. Bringe Freunden und Bekannten meinen großen Frühstückstisch zu sehr soliden Preisen aur gefälligen Er innerung. Um recht zahlreichen Besuch bittet Rudolph Elteste, Gastwirth. Otte's Eisschlößchen, Plößensee. Jeden Sonntag Früh- u. Nachmittag3 Freikonzert. 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Robert Köppen: 3688b gehen wir morgen hin Früh Franz, ge8-10 Seiten, illustrirt. nannt Tückscher Bengel, MariannenInhalt: Fahrpläne, Zarife, Rarte der Provinz Brandenburg mit straße 48. 3693b Wahlkreis- Eintheilung, Touren u. f. w. Preis 25 Pf. Händlern hoher Rabatt! Ausgabeftellen für Kolporteure: Maurer& Dimmick, Elisabeth- Ufer 55 und Oskar Rosenhain, Ritterstr. 89, 8 Tr. Blücherstraße Nr. 11. Am 1. Mai vis- à- vis der Kreuz- Kirche 89592* fchließe ich mein Geschäft um 3 Uhr. Hans Baake, City- Paſſage. Montag, den 1. Mai bleibt mein Hut- Geschäft von 4 Uhr Wilhelm Böhm, ab geschlossen. Achtung! Gämmtliche Hüte mit KontrollJohannisthal- Nieder- Schönweide, Treptow, Adlershof und Köpenick, Grosse Volks- Versammlung für Männer und Frauen am Montag, den 1. Mai 1893, Abends 8 1hr, im großen Saale der Borusha- Brauerei", Nieder- Schönweide. Tages Ordnung: 1. Vortrag über: ,, Der Achtstundentag". Referent: WiedemannBerlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 10 Pf. erhoben. Bu zahlreichem Erscheinen fordert auf 340/15 Die Vertrauensperson. Gustav Elze. Charlottenburg. Montag, den 1. Mai 1893, Abends 8 Uhr, in der Gambrinus- Braueret, Bismarckstr. 23 und Wallstr. 48, Grosse Volksversammlung für Männer und Frauen. Zagesordnung: 1. Die politische Lage. Referent: Stadtv. Pritz ZubeilBerlin. 2. Diskussion. NB. Sonntag, den 7. Mai, Bismardhöhe und Gambrinus- Braueret grosse Maifeier, bestehend aus Vokal- und Instrumental- Concert, Feftrede, Lanz, humoristischen Vorträgen, Aufführung lebender Bilder und Kinder- Fackelzug. Entree 20 Pf. Herren, die am Zanz theilnehmen, zahlen 25 Pf. extra. Stocklaterne 5 Pf. Böttcher's Seeschlösschen. Reinickendorf. 342/17 Böttcher's Seeschlösschen. Sonntag, den 30. April 1893: Großes Volksfest mit daranschließender Maifeier. Gr. Vokal- u. Instrumental- Konzert unter Mitwirtung der Gesangvereine ,, Weiße Rose", Vergihmeinnicht" ,,, Junge Eiche" u. ,, Immergrün" ( Mitglieder des Arbeiter- Sängerbundes). Auftreten der Duettisten Gebr. Kingmann und des Solo- Sängers Alb. Richter. Aufführung lebender Bilder. B Feßtrede, gehalten vom Genossen O. Knauf. Grosses Kasperi Theater. Jm Saale: Großer Ball. Anfang 3 Uhr. Um 12 Uhr: thlreichen Besuch bittet Entree 20 Bf. 336/17 Das Comité. marken. Großes Lager in Schirmen. KinderwagenBazar, Jerusalemerstr. 42 u. Brunnenstr. 6. Großartig. Auswahl jeder Art, billigste Preise. Viele Anerfennungen. Musterbuch grat. u. franto. ( Auch Theilzahlung.) 86912* Nachtigallen schlagend, 6 Mark. Schnelle, Stalizerstr. 182. Weltberühmt und als billigste und reellte Einkaufsquelle für Herren Knaben Garderoben ift die Goldene Hundertzehn", denn fie giebt jezt in ihrem Ausverkauf: Frühjahrs- Paletots 4071L* Adolf Kehr, Köpenicker- Strasse 126. 3. Fortuna- Säle Straußberger- Straße 3. 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Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.