Mr. 304. BbcnRcments-Bcdlngungen: Wonnemenls- Preis pränumerando i Biertcljährl. ZP0 Mr., monatl. 1,10 MÜ, wöchentlich 26 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» nummer mit Muftrierter Eomitags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Glfötint Wich außer fflonUflS. Berliner Volksblnlk. Die TnIettiöns--Gc6ö!)P Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gcwcrlschastliche Vereins« und Versammllmgs-Anzcigcn 30 Psg. „Alelne Plnrcrgcn", das erste lsett- gedntckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmiltags in dcr Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramm-Adresse: „SMlallUlnoilMt Serlill". Zentralorgan der fozialdemohrati feben parte» Deutfcblande. Redahtion: SM. SS, Lindenstraoac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Wahrheitsliebe des Kr. Gompers. Von unserem amerikanischen Korrespondenten wird uns unterm 21. August aus New Jork geschrieben: Der Vortrag, den Mr. Samuel Gompers am 31. Juli im Berliner Gewerkschaftshaus über„Die gewerkschaftliche Be lvegung diesseits und jenseits des Ozeans" hielt, wäre keiner Erwiderung wert, wenn das Publikum, vor dem Mr. Gompers gesprochen oder das durch die Presse Kenntnis von seinem Speech erhalten hat, über die tatsächlichen Verhältnisse unterrichtet und dadurch in der Lage wäre, Wahrheit von Gomperscher Dichtung zu unterscheiden. Mr. Gompers spekulierte in Berlin, wie er es hier seit Jahren— und leider mit Erfolg— tut, auf die Leicht- gläubigkeit und Oberflächlichkeit seiner Zuhörer und suchte durch die ihm eigenen Flunkereien und bombastischen Redens arten über unaugenehme Tatsachen wegzujonglieren. Bei diesen Jougleurkunststücken hat da Mr. Gompers den Ber linern so viele Unwahrheiten erzählt, daß es unmöglich ist, ini engen Nahmen einer Erwiderung auf alle einzugehen und zu widerlegen. Nur einzelne Punkte des Gompersschen Ge redes, so weit sie sich auf rein gewerkschaftliche oder Organi sationsfragen und auf gewerkschaftliche Errungenschaften be ziehen, will ich herausgreifen. „Wir haben nicht nur Erfolge errungen, sondern auch verstanden, sie in schwerer Zeit festzuhalten. Als die Börsen- Panik ausbrach und ihr die wirtschaftliche Krise folgte, da warnten wir die Unternehmer vor einer Herabsetzung der Löhne und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Wir sagten ihnen, wir würden uns jedem Versuch der Ver schlechterung energisch widersetzen. Die Unternehmer haben infolgedessen nicht gewagt, den Arbeitern Ver- schlcchterungen zu bieten. Das kann ich mit Genugwung sagen." Also sprach Gompers nach dem am 4. August im„Vorwärts" veröffentlichten Versammlungsbericht. Eine größere Windbeutelei und eine schlimmere Verdrehung der Tatsachen ist nicht denkbar. Denn die Löhne wurden im ganzen Lande herabgesetzt, namentlich aber im Baugewerbe, wo ganz enorme Lohnkürzungen gang und gäbe waren. An Tarifabmachungen kehrten sich die Unternehmer überhaupt nicht, und weit entfernt, daß sie den Gewerkschaften „keine Verschlechterungen zu bieten wagten", wie Gompers sagt, haben sie solche allenthalben vorgenommen, ohne daß von den Leitern der Gewerkschaften auch nur der geringste Widerstandsversuch gemacht worden wäre. Daß Gompers wegen seiner mannigfachen Beziehungen zu den Kapitalisten, so als Vizepräsident der Civic Federation, wo er im Verein mit den schlimmsten Arbeiterfeinden des Landes die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit herzustellen sucht, ein vielbeschäftigter Mann ist, weiß ich ja sehr wohl, aber nichtsdestoweniger sollte er doch noch etwas Muße finden, um Gewerkschaftsblätter zu lesen und sich beispielsweise aus dem„Carpenter", dem Fachblatt der Tischler, Bautischler und Zimmerleute zu orientieren, daß im Frühjahr dieses Jahres in Brooklyn und Queens(zwei Boroughs der Stadt New Jork) etliche Tausend Bautischler streikten, um die während der Krise von den Unternehmern vorgenommenen Lohn reduktionen(bis 50 Proz.) rückgängig zu machen und die frühere Lohnskala wieder zu erlangen. „Wir sind bestrebt, alle Arbeiter in die Organisation zu bringen, denn wir wissen, daß das die Voraussetzung aller Erfolge ist.... Jeder, der als Einwanderer nach Amerika kommt und sich als Mitglied einer Gewerkschaft legitimieren kann, wird in unsere Gewerkschaften aufgenommen." Nach diesen Worten Gompers' zu urteilen, richtet die Am. Federation of Labor ihr Hauptaugenmerk auf die Organisierung aller Arbeiter. In Wirklichkeit richtet sich das Streben der amerika- nischen Gewerkschaften auf die Gründung einer Kaste. Ihre Grundsätze sind rein zünftlerische. Der Organisierung aller Arbeiter eines bestimmten Gewcrkes stehen schon die hohen Aufnahmegebühren für die Erwerbung der Mitgliedschaft im Wege. Und diese Aufnahmegebühren haben auch jene zu entrichten, die sich als Mitglieder deutscher, französischer, österreichischer usw. Gewerkschaften legitimieren können. Wie hoch sind nun diese Aufnahmegebühren? Bei dem Verband der „Earpcnters u. Joiners"(Tischler, Bautischler und Zimmer- leute) betragen sie zum mindesten 10 Dollar, können aber von den Ortsorganisationen nach Belieben erhöht werden; so beträgt in New Jork beziehungsweise Brooklyn die Gebühr 20 Dollar(80 Mark). Wer Mitglied der hiesigen Musiker- gcwerkschaft werden will, hat 100 Dollar zu entrichten. An einen Parteigenossen aus Deutschland, der mit einem Mit- gliedsbuche des deutschen Glasarbeitcrverbandes zureiste und um Aufnahme in den hiesigen Glasarbeiterverband nachsuchte, wurde das Ansinnen gestellt, etliche hundert Dollars als Aufnahmegebühr zu zahlen. Zahlstellen anderer Ver- bände wenden ein noch praktischeres Mittel an, um die Kon- lurrcnz aus ihrem Zunftkrcis fernzuhalten. Sie beschließen, daß auf die Dauer von so und so vielen Wochen oder Monaten Mitgliederaufuahmcii überhaupt nicht mehr voll- zogen werden! Wieder andere Gewerkschaften nehmen nur Arbeiter des betreffenden Gewerbes auf. die Bürger der Vereinigten Staaten sind. Bürger kann aber nur werden, wer mindestens fünf Jahre in den Vereinigten Staaten ansässig ist. Noch niederträchtiger ist die weitere Bedingung, daß der um Aufnahme nachsuchende Kandidat Beschäftigung in einem von der Union kontrollierten Eta- blisscmeut haben muß. Aber keine Fabrik oder kein Etablissement darf den Mann beschäftigen, solange er nicht Mitglied seinerGewerkschaft ist. So wird der Arbeiter von der Arbeiterorganisation zum Narren gehalten. Und angesichts all dieser Tatsachen flunkert Gompers den Berlinern vor, daß die amerikanischen Gewerk- schaften auf die Organisierung aller Arbeiter hinarbeiten! Die Ablcugnungsversuche Gompers betreffs die B e- Handlung der Einwanderer auf Ellis Island, wie ich sie in einer vor Wochen im„Vorwärts" veröffentlichten Korrespondenz geschildert habe, hat der„Vorwärts" an der Hand späterer Berichte der„New Aorker Volkszeitung" bereits energisch zurückgewiesen. Es erübrigt sich deshalb, weiter darauf einzugehen. Und die Nichtigkeit der an meine Kor- respondenz(„The Land of the Free") geknüpfte Bemerkung über die einwandererfeiudlichen Beschlüsse der Kongresse der Federation of Labor hat Mr. Gompers ja nicht abzustreiten gewagt. Nun noch ein Wort über die Inschutznahme des Gompers durch den Genossen Legten. Hätte Genosse Legten das in Millionen von Exemplaren verbreitete Manifest zur vor- jährigen Präsidentschaftswahl und die von Gompers ge haltenen Reden bei den Bauketten der eingangs erwähnten Civic Federation gelesen, dann hätte er wohl anders ge sprachen. In dem Manifest wird die Arbeiterschaft auf gefordert, ihre Freunde(die Demokraten) zu unterstützen und ihre Feinde(die Republikaner und Sozialisten s!s) zu bestrafen. Und in seinen Bankettreden(und auch in Programm- reden auf Kongressen der Federation of Labor) hat Gompers Dutzende Male wiederholt, daß nicht die Beseitigung des Kapitalismus in seinen Absichten liegt, sondern die Erzielung der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit und die Sicherung eines anständigen (tair) Anteils des Arbeiters an seinem Produkt, ein Programm, das sich weder hier bewährt hat, noch von den deutschen Gewerkschaften nachgeahmt werden dürfte. _ C. M. Der Riefenlsaropf in Schweden. (Von unserem nach Schivcden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 30. August. Für die Arbeiterschaft und ihren von der Unternehmerpresse ja schon lange totgesagten Masienstreik sollte der heutige Tag wieder einmal ein kritischer sein. Die Unternehmerpresse weiß denn auch schon zu berichten, daß hier in der Hauptstadt in mehreren Be- trieben die Arbeit wieder aufgenommen sei, z.B., daß beiRörsirand fast die Hälfte des Personals wieder angefangen habe. Ich begab mich heute nachmittag nach dieser größten Porzellanfabrik, um wieder einmal eine dieser vielen Unternchmernachrichten von der Arbeitsaufnahme zu prüfen. Es waren dort einige hundert Streikende, Arbeiter und Arbeiterinnen,-aus der Straße, dazlvischen ungefähr zehn Polizisten, die, wenn sich irgendwo Gruppen bildeten, zum Weitergehen aufforderten. Bon den vielen Schornsteinen der Fabrik rauchte einer. Es braucht das in der heutigen Zeit kein Beweis zu sein, daß gearbeitet wird, wenn ein Fabrikschornstein raucht. Manche Unternehmer lassen Feuer anmachen, nur damit's raucht und die Welt glauben soll, daß wieder gearbeitet wird. Ob heute bei Rörstrand wirklich produziert wurde, ist zweifelhaft, aber Arbeits- willige waren gekommen. Ich fragte einige Streikende, wieviel Arbeitswillige in der Fabrik wären und man meinte, es seien wohl hundert. Um 6 Uhr sollte Feierabend sein nach der bisherigen Orb- nung. Aber cS war eben 3 Uhr. da kamen die Arbeitswilligen schon heraus. Meist Mädchen und Frauen waren eS, dazwischen einige ältere Männer— Werksührer und Borgesetzte— im ganzen sicherlich kaum hundert Personen. Die Fabrik beschäftigt aber in normalen Zeiten über tausend Menschen! Statt der Hälfte waren es also kaum ein Zehntel, die an- gefangen hatten, und ob die Fabrik mit so wenigen, nieist Weib- l i ch e n Arbeitskräften überhaupt produzieren kann, ist mindestens zweifelhaft. Die Streikenden auf der Straße begnügten sich damit, die Streikenden anzuschauen und verhielten sich völlig ruhig. Der nicht weit davon entfernt liegende Großbetrieb des„AtlaS", Maschinen- und Lokomotivenfabrik, ruht noch gänzlich. Man hört keine-Maschine geben, keinen Hammcrschlag, sieht keinen Arbeiter. So ungefähr sieht eS überall aus. Entweder liegen die Betriebe jetzt noch, wie vor nunmehr fast vier Wochen, gänzlich still, oder man macht wieder einmal den Versuch, in Gang zu kommen, kann aber lange nicht die genügende Zahl von Arbeitswilligen heran- holen, trotz aller Drohungen und Versprechungen. Das Fazit des „kritischen" Tages ist, daß der Massen st reik fortdauert, und ztvar so lange, bis das Unternehmertum zeigt, daß eS aufrichtig den Arbeitsfrieden will, auf vernünftiger und icherer Grundlage, und nicht die Vcrskavung der Arbeiterklasse. „Stockholms DagSblad" hat übrigens wieder eimnal.Laken» Wäsche" vorgenommen. Statt eines der aus den Fenstern hängenden bemalten Laken ist ein reineS gekommen. Offenbar konnte man die an derselben Stelle ausgehängten Nachrichten über Cxpedidion: 8M. 63» Lindenstrasae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Wiederaufnahme der Arbeit mit dem besten oder schlechtesten Willen nicht mehr aufrecht erhalten, und wartet nun auf die neuesten Neuigkeiten, die der„kritische" Montag bringen soll. Aus einer Reihe von Orten liegen bereits Proteste gegen die von den Regierungs- und Polizeibehörden angegebenen Zahlen der „durch den Großstreik und die Aussperrung Arbeitslosen" vor. So u. a. aus N 0 r r k ö p i n g, wo die offizielle Berechnung die Zahl von etwas über 8000 angibt, das Streikkomitee aber über 11000 gezählt hat. Jedenfalls hat hier die Behörde nach bekanntem Muster einige 3000 während des Kampfes„Entlassene" nicht mehr als streikend oder ausgesperrt mitgezählt, um der Oeffentlichkeit im Sinne der Arbeitgeber ein recht beruhigendes Bild zu geben. Norr- köping ist eine Fabrikstadt von 45 000 Einwohnern. Die Polizei reißt dort auf höheren Befehl alle Plakatanschläge herunter, in denen die Streikenden zum Ausharren ermahnt werden. Die Textil- fabrikanten haben sich auf Hausagitation verlegt, um Arbeitswillige. heranzuholen. Dabei geht eS sicherlich nicht ohne„Drohung" im Sinne des Oerkarpsgesetzes ab, aber dieses Klassengesetz gilt natürlich in der Praxis nicht für die Unternehmer. Die Textilarbeiter und-Arbeiterinnen gehören bekanntlich zu denen, die auf den ersten Schub am 26. Juli aus- gesperrt wurden. Das hindert die Textilbarone natürlich auch nicht in dem Versuch, sie- ohne Aushebung der Aus- spcrrung wieder in die Betriebe zu locken. Aber der Versuch schlägt fehl. Auch die Arbeiterschaft Norrköpings und der Textilindustrie steht fest im Kampfe. Mögen die Herren die Aussperrung aufheben, dann wird sich die Sache regeln lassen. Zu den V e r m i t t e l u n g S b e st r e b u n g e n des Stadt- Notars Cederborg berichtigt dieser, daß die Regierung a u f seinen eigenen Wunsch seinen Vorschlag auf Einleitung einer Vermittelung nicht veröffentlicht habe, daß der Expeditionschef des Zivilministcrs dem Vertreter von„Dagens Nyheter" gegenüber seinen Vorschlag auch mit erwähnt habe, und zwar in den Worten, daß VermitteluugSgesuche vorlägen von den Frauen, von Gudnmudra. von einem Arbeiter sowie„noch von jemand anders". Dieser gewisse„jemand anders" war eben der von der Regierung für den Großstreik besonders bestellte Vermittelungsmann Stadt- notar Cederborg. Fein ist die Redewendung ja nicht, aber der Stadtnotar hat nichts daran auszusetzen, weil er selbst den Wimsch nach Geheimhaltung seiner Aktion geäußert hatte. » Eine Privatdepesche meldet uns von der Lage in Schweden heute folgendes: Stockholm, den 1. September. Auf einem sich eines enorme» Besuches erfreuenden Massenmeeting übte heute Genosse B r a n t i n g scharfe Kritik an der Haltung der Regierung sowie an der Schwäche der liberalen Bourgeoisie. Lindqvist, der Vorsitzende der gewerkschaftlichen LandcSorganisatio» betonte, daß die von den Arbeitern durch ihren entschlossenen Kampf bereits gewonnene Position nicht mehr z n erschüttern ist. Er ermahnte die Arbeiter zu der gleiche» zähen Ausdauer wie bisher, bis eine die Arbeiterschaft zufriedenstellende Lösimg getroffen werde» könne. Lindqvist sprach die Hoffnung n»s, daß eine solche Vereinbarung bald getroffen werde. Vorbereite ndeBerhandluu gen finden bereits statt. Kätholilteatsg. 3. VcrhandlungStag. Die gestern morgen abgehaltene dritte gcschloffcne Bersammlung bietet wenig Bemerkenswertes. Beraten wurde über eine lange Reihe verschiedener Anträge der Ausschüsse, betreffend die Unterstützung der Antialkoholbewegung, die Pflege„christlicher Bildung", die Verbreitung sogenaimtcr volkstümlicher Schriften, den Kampf gegen die Unsittlich- keit, die Forderung streng konfessioneller Volksschulen, die Fürsorge- tätigkeit für verwahrloste und verwaiste Kinder usw. Allgemeines Interesse kann nur die Annahme des folgenden auf die konfessionelle Volksschule bezüglichen Antrages beanspruchen: „Die Generalversammlung der deutschen Katholiken erklärt bezüglich der Volksschulen: 1. Der katholischen Kirche muh, ab- gesehen von dem selbstverständlich ihr ausschließlich zustehenden Recht, den Religionsunterricht zu erteilen und dessen Erteilung zu überwachen, derjenige Einfluß auf das Sckml- und Erziehungs- Wesen gewährt werden, dessen sie zur Erfüllung ihres göttlichen Auftrages die Völker zu lehren und zu erziehen bedarf. Ins- besondere muß verlangt werden, daß das Recht der Kirche auf U eberwach ung derpgesamten religiös-s-itt» liehen Erziehung durch eine entsprechende Teil- nähme an der Schulaufsicht gesetzlich geivähr- leistet wird. Auf das entschiedenste muß die Erteilung des Religionsunterrichts in der Volksschule in der Muttersprache verlangt werden. Anderenfalls ist der Erfolg des Unterrichts in Frage gestellt, was sowohl im Interesse der Religion und Sitt- lichkeit wie der Heranbildung treuer Mitglieder der Kirche nnd guter Bürger des Staates tief zu bedauern ist. 2. ES ist ernste Pflicht aller katholischen Kreise, für die Forderung ton» fessioneller Schulen und Erzichungsan st alten einzutreten. 3. Dieser Pflicht haben Eltern, Lehrmeister und Arbeitgeber dadurch zu entsprechen, daß sie für die Schul- Pflichtigen möglichst nur solche Unterrichts- und Erziehungs- anstaltcn wählen, die eine religiöse Erziehung in katholisch-kirch- kichem Sinne gewährleisten. 4. Die Katholiken werden aufge- fordert, angesichts der durch die neuere Gesetzgebung den Ge- «icinden eingeräumten Rechte und Pflichten betreffs der Schul- Unterhaltung dafür zu sorgen, daß die Gemeinde- und sonstigen Selbstverwaltungsorgane nur mit Männern besetzt werden, die die Aufrechterhaltung und Förde. rnng konfessioneller Schuleinrichtungen ver- bürgen. 5. Da für die Erziehung der Kinder in katholisch gläubigem Slnne in erster Sink die Persönlichkeit des SeljrerS von ausschlaggebender Bedeutung ist, muh die Vorbildung der katholischen Lehrer und Lehrerinnen in Seminarien verlangt werden, die in katholischem Geistegcleitet werden. (5. Gegenüber der bedauerlichen Tatsache, dah sich auch in Lehrer- kreisen immer mehr ein Geist bemerkbar macht, der der christlichen Weltanschauung widerstreitet, ist der erfolgt« Zusammcnschluh der für die Grundsätze der katholischen Kirche eintretenden Lehrer und Lehrerinnen von hoher Bedeutung. Es ist Pflicht der ka- tholischcn Lehrer und Lehrerinnen, sich dem katholischen Lehrer- verband beziehungsweise dem Verein katholischer deutscher Leh- rerinnen anzuschliehcn." Auch die am Nachmittag abgehaltene dritte öffentliche Versammlung bot wenig Interessantes. Gleich nach der Eröffnung verlas der Vizepräsident Graf Ballestrcm folgende kaiserliche Depesche: Ich habe mich über die Begrüßung der dortigen Versamm- lung der deutschen Katholiken gefreut und danke für den AuS» druck treuer patriotischer Gesinnung. Wilhelm l. R. Graf Ballcstrem brachte hierauf ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, in das die Versammelten begeistert einstimmten. Dann redete Rechtsanwalt Numpf-München über die „deutschen Katholiken und die Kunst", indem er die Verdienste des Katholizismus um die Kunst pries und gegen die unsittliche Afterkunst wetterte. Ferner sprachen Pfarrer Ka- p i tz k a über den„Alkoholismus in sozialer Bezie- h u n g", Landtagsabgeordneter de Witt über die„Press e", Schriftsteller Mumbauer über»die deutschen Katho» liken und die Literatur". Inzwischen war folgendes Antworttelegramm de» Papstes eingelaufen: „Sc. Eminenz, dem Fürstbischof, Kardinal Dr. Kopp, BreS- lau. Der Heilige Vater nahm erfreut die Kundgebungen lind- lichen Gehorsams und der Treue entgegen, die die dort zur SS. Generalversammlung in Breslau vereinigten Katholiken Deutschlands durch ihren Präsidenten Herold dargebracht haben. Er wiederholt seine Wünsche, es möge die Generalversammlung reichste Früchte bringen und erteilt dazu allen Teilnehmern und jedem Einzelnen als Pfand himmlischer Gnade aus ganzem Herzen den apostolischen Segen. Merry dcl Val." Präsident Abg. Herold: In tiefgefühltestem Dank für die huldvolle Begrüßung und für die Erteilung de? apostolischen Segens erneuern wir das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue und unerschütterlichen Gehorsams für den Heiligen Vater auf PetriS Stuhl. Zum Zeichen dessen bitte ich Sie einzustimmen in den Ruf: Se. Heiligkeit, Papst Pius X. lebe Hoch! Hochl Hoch! Die Ver- sammlung stimmte begeistert in den Ruf ein. Schklilsle eines fozlaliffllchen Offiziers. Paris, 29. August.(Eig. Ber.) In der französischen Armee fehlt es nicht an Offizieren von aufrechter demokratischer Gesinnung und sozialer Erkenntnis. An der freien„Hochschule für Sozialwissenschaften" ist ein eigener Kursus für das Thema„Armee und Demokratie" eingerichtet.wobei aktive Offiziere auch höheren Ranges als Vortragende tätig sind. Seit einigen Jahren erscheinen auch Militärzeitschristen, wie „Armee et Democratie" und„Portc-Voix", die die Interessen und Forderungen der fortgeschrittenen Demokraten im Offizierskorps vertreten. Diese Erscheinung nimmt nicht wunder, wenn man die Herkunft und die soziale Lage eines nicht unbedeutenden Teile» der Offiziere ins Auge faßt. Nicht nur die Rekrutierung zahlreicher Offiziere ans dem Mannschaftsstand, sondern auch die Aufhebung der Heiratskaution hat hier einen starken Einfluß ausgeübt. Offi- ziere, die unbemittelte Frauen heiraten, führen oft einen Haushalt von ausgesprochen proletarischem Zuschnitt. Sie können natürlich mit ihren, der alten Militärkaste oder der bereicherten Bourgeoisie entstammenden Standesgenoffen im gesellschaftlichen Auftreten nicht Schritt halten. Diese soziale Scheidung drückt sich auch im politi- scheu Gegensatz zwischen konservativem, mehr oder minder offen antirepublikanischem Traditionalismus und demokratischem Radi- kalismus mit sozialistischen Sympatien aus. Vereinzelt sind re- publikanische Offiziere auch zu ausgesprochen sozialistischen An- schauungen vorgedrungen. Zu ihnen gehört der Jnfanteriehauptmann Gerard in Beauvais. Dieser Offizier, dem seine Vorgesetzten durchwegs das glänzendste Zeugnis für feine militärischen Fähigkeiten und Lei» stungen ausgestellt haben, veröffentlichte in der„Humanite" unter dem Pseudonym„Oberst Rossel" eine interessante Artikelserie über die Rolle der Armee in der sozialistischen Bewegung. Bor einigen Monaten ist er dann mit einem Regimentskameraden, der seine aus einem früheren freundschaftlichen Verkehr stammende Kenntnis dieser Autorschaft unrühmlich verwertet hatte, in der Ka- ferne hart aneinandergeraten. Der Zusammenstoß hatte zur Folge, daß beide Offiziere in Untersuchung gezogen wurden. Die Unter- suchung, die noch nicht abgeschlossen ist, wird mit unverkennbarer Parteilichkeit geführt. Um ihren Abschluß und die Entscheidung des Untersuchungsrats abzuwarten, hatte Gärard einen Urlaub er- wirkt. Da dieser Urlaub indes ablief, bevor die Entscheidung erfolgt war, suchte Genosse Gerard um eine Verlängerung nach. Er be. gründete sein Begehren auch mit der durch die Aufregungen des Konflikts verursachten Ermüdung. Die Militärbehörde erwiderte. daß seinem Ansuchen nur Folge geleistet werden könne, wenn er im Militärspital vom Val-de-Grace seine» Zustand ärztlich konsta- tieren lasse. Gerard begab sich ahnungslos dahin und nun begab sich eine Ungeheuerlichkeit, die an die ärgsten Infamien heranreicht, deren sich die jesuitische Militäclique in der Draifußaffäre schuldig ge- macht hat. Er war kaum in die HauSmeisterloge eingetreten, als er ergriffen und ohne weitere Erklärung in das für Wahnsinnige bestimmte Zimmer mit Gitter- fcnstern geschleppt wurde. Dort entkleidete man ihn vollständig und sperrte ihn ein. Die Gefahr er- kennend unterließ er mit außerordentlicher Selbstbeherrschung jeden Widerstand und Protest, der den gesuchten Vorwand zu einer Jnternierung als Geisteskranker hätte liefern können. Als die Acrzte zur Untersuchung kamen, waren sie von seiner Ruhe und von der Klarheit seiner Antworten überrascht. Sie erzählten ihm, daß man ihn ihnen als sehr überreizt bezeichnet und von seiner S e l b st m o r d a b s i ch t gesprochen habe. Als Grund seiner Entkleidung war ihnen die Wegnahme seines Revolvers — er hatte in Wirklichkeit gar keinen bei sich gehabtl— bezeichnet worden. Aus seiner Zelle richtete Gerard einen Brief an Jaures, der aus den Andeutungen des Hauptmanns den Ernst der Situation erkannte. Jaurös eilte in Begleitung der Genossen Renaudel und Dubreuilh sofort nach dem Hospital, wo sie Gevard schon halb befreit fanden, da die Militärärzte sofort das Fehlen jeder geistigen Störung festgestellt hatten. Jaures nahm Rück, spräche mit dem Oberstabsarzt, der die vollkommene Geistesklarheit Gerards bestätigte und mit einiger Verwirrung davon sprach, daß der Hauptmann ihm als„Neurastheniker" zugewiesen worden sei. Unter dem Begriff Neurasthenie seien aber Störungen jeglicher Art bis zum ausgebrochenen Wahnsinn zu rechnen und Lifliiün£ej die Beobachtung gerechtfertigt gewefen. � JauröS fordert von der Regierung eine Untersuchung der offenbar von einer Clique im Kriegsministerium oder vom Pariser Militärgouvernement bewirkten Schändlichkeit und droht mit einer parlamentarischen Intervention. Der Ministerwechsel hat ver- hindert, den General Piquart, unter dessen Regime sich die Begebenheit zugetragen hat, zu fragen, was er gegen diese in der Aera der„Wahrheit und Gerechtigkeit" in der„republikanischen Armee" begangene verbrecherische Bedrohung der persönlichen Freiheit tun wolle. Da die Intrige gegen Gerard ihren Fort- gang nimmt, appelliert Genosse Jaures an alle ehrenhaften Ele- mente der Bürgerschaft und der Armee. Im Kriegsministerium hat man einem Redakteur des„Matin" erklärt, die von Jaures veröffentlichten Tatsachen seien dort voll- ständig unbekanntl Auch habe Hauptmann Gerard gar keine Beschwerde eingereicht. Diese Behauptung ist aber unwahr. Denn Gärard hat am Tage nach seiner Jnternierung durch einen Rechtsanwalt einen Protest beim Kriegsministerium eingereicht, der auch die sofortige Freilassung des Hauptmanns und eine Untersuchung forderte. Diese Untersuchung wurde zu- gesagt. In der Presse hat Jauräs' Appell vorläufig erst ein schwaches Echo gefunden. Die großen Gcrechtigkeitsphrasen des DrehfuS- rummels interessieren seine im Fett sitzenden Nutznießer nicht mehr._ politifche GcberHcbt. Berlin. den 1. September 1809. Der Reichsfinanzsumpf. Selbst die imperialistischen„Hamburger Nachrichten", das Blatt der für die Vermehrung der deutschen Kriegsflotte schwärinenden Hamburger Reeder und Exporteure, fühlen sich in Anbetracht der stetig steigenden Ausgaben des Deutschen Reiches bewogen, ernstlich zur Sparsamkeit zu mahnen. In einer Betrachtung über die not- wendigen neuen AuZgabeerhöhungen des ReichShauShaltSetatS für 1910 schreiben sie: Nicht bloß die Gestaltung der Einnahmen, sondern auch die der Ausgaben zwingt zur Befolgung des Sparsamkeitsgrundsatzes im Reiche. Schon im Reichshaushallsetat für 1910 wird es sich um die Einsetzung einer ganzen Reihe durchaus notwendiger Ausgabeerhöhungen handeln. Zunächst kommen dabei d i e Besoldungserhöhungen in Betracht. Sie sind durch Gesetz verbürgt und werden, wie ganz natürlich, hauptsächlich auf die Etats der Betriebsverwaltungen, in denen die große Mehrzahl det Beamten beschäftigt ist, ungünstig einwirken. Es müssen aber noch weit mehr AnSgabeerhöhungen eingestellt werden. Einmal erfordern die sozialpolitischen Ausgaben alljährliche Erhöhungen. Sind sie nicht beim Reichszuschuß für die Invaliden- Versicherung unmittelbar notwendig, so erfolgen sie bei den Kosten für das Reichsverficherungsamt. Nun aber müssen doch auch die Ausgaben für die Hinterbliebenen- Versicherung ins Auge gefaßt werden. Daß zu ihrer Bestreitung die bisherige Einrichtung mit dem Hinter- bliebencnversichcrungsfondS und den Mehreinnahmen der land- wirtschaftlichen Zölle nicht ausreicht, braucht wohl nicht noch näher bewiesen zu werden. Dann ist zu bedenlen, daß auch für 1910 wieder eine Steigerung der Ausgaben für die Veteranen zu erwarten ist, die ja überhaupt noch einige Zeit anhalten wird. Fällt diese Ausgabesteigerung schon für 1910 ins Gewicht, so ist von 1911 ab damit zu rechnen, daß die bis dahin aus dem Rcichsinvalidenfonds mit einigen 30 Mill. Mari zu be- streitenden Ausgaben dem allgemeinen Etat zur Last fallen tverden. Im Jahre 1911 ist bekanntlich der Jnvalidenfonds aufgezehrt. ES ist drittens darauf hinzuweisen, daß jährlich bisher die Pein ionsbe- träge gewachsen sind und daß in diesem Prozeß auch in der nächsten Zeit eine Acnderung nicht eintreten wird. Weiter wird die Zin S- l a st nicht kleiner, wenn die Schulden des Reiches, wie dies bisher doch noch immer der Fall gewesen ist, größer werden. Schon im Etat für 1909 war ja für die Reichsschuld eine fortdauernde Ausgabe von über 170 Millionen Mark zum Ansatz gebracht. Die Schulden- tilgun g wird 1910 fortgesetzt, von 1911 abbeträchtlich erhöht werden müssen. Andere Ausgabcerhöhnngen und Neuausgaben, wie die für die Marine, sind durch Gesetz festgelegt und müssen in den Etat für 1910 und in die nächstfolgenden Etats eingesetzt werden. Kurz, die Enttvickelung, die in nächster Zeit den ReichSauSgaben bevorsteht, ist durchaus nicht für den ReichSfäckel günstig. Gewiß ist diese Entwickelung der Ausgaben für die letzte Reichsfinanzreform maßgebend gewesen und die Höhe der neuen Einnahmen nach ihr bemessen worden, aber ebenso sichert st auch, daß die vorauszusehende nächste Gestaltung der Reichs- ausgaben es nottvendig macht, zu sparen, wo es nur möglich ist. Wenn dieser Grundsatz schon bei der Auf« stellung des ReichShaushaltSetats für 1910 im vollsten Um- fange zur Anivendung gelangt, so kann man um so sicherer sein, daß die Reichsfinanzen endlich werden in gesunde Bahnen über- führt werden können. Die Hoffnung, daß die Reichsfinanzwirtschaft in„gesunde Bahnen" einlenken wird, teilen wir nicht. Dazu wäre erste? Er- fordernis, daß die stetig zunehmenden HeereS« und Flotten- rüstungen eingestellt würden, und zu solchen Maßnahmen wird sich die nach Ausdehnung des deutschen Kolonialbesitzes lüsterne. völlig ins weltpolitische Fahrwasser geratene deutsche Bank-, Handels- und Jndustriebourgeotsie nicht verstehen. Einige kleine Abstriche an nebensächlichen AuSgabeposten aber nützen wenig. So geht die Mißwirtschaft weiter. Schon nach zwei, drei Jahren wird es voraussichtlich wieder heißen, daß, um der traurigen Finanzlage des Reichs abzuhelfen, ein neuer Aderlaß der deutschen Steuerzahler nötig ist, wahrscheinlich wiederum um 400 bis 500 Millionen Mark. Herrliche Aussichten. Ans August Scherls Anfänge». August Scherl stand nicht immer auf der Höhe seiner jetzigen Macht und Größe. Er hat, wie so maitcher andere auch„klein angefangen", und er hat damals, als er zuerst von sich reden machte, ganz gewiß nicht daran gedacht, daß er dereinst berufen sei, der geistige Erzieher des deutschen Philistervolkes zu werden und die Welt mit Unternehmungen und Projekten wie der Sparlotterie, dem Schnellbahnsystem und der Emporlese-Bibliothek zu überraschen. Scherls An- sänge verlieren sich in die siebziger Jahre; in Köln, der Stadt, aus der mancher anschlägige Kopf zum Gipfel des Wohlstandes emporgestiegen ist, war es, wo August Scherl seine ersten geschäftlichen Anschläge machte. Er hat in Köln nicht sonderlich gut abgeschnitten, es sind ihm mehr Projekte mißlungen als geraten, aber jedenfalls hat er hier gelernt, wie man es machen oder auch nicht machen muß, um seinen Weg und sein Glück zu machen. Wie sauer es dem jetzigen Zeitungskönig, der seinem Volke neue, ungeahnte Bahnen der Kultur weist, damals ge- worden ist, wie er mit Unverstand und Böswilligkeit zu kämpfen und unter Verfolgungen der Verständnislosen und Neidischen zu leiden hatte, dafür ein Beispiel aus den Werde- jähren des großen, damals noch sehr kleinen Mannes. Mitte Dezember 1876 brachte die„B a r ni e r Zeitung" unter dem Titel:„Eine neue Spekulation auf die Dummheit" folgende Notiz: „Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir nnS im Laufe jbieseZ Jahres veranlaßt sahen, das Publikum vor dem von dem „Grundbesitzer" und' ,,V e r l a g s h ä n d l e r" August Scherl in Köln herausgegebenen Kolportageroman „Um ein H a a r" zu warnen. Herr Scherl, dem wir in hiesiger Gegend das Geschäft so ziemlich verdorben hatten, was wir zu unserer Genugtuung konstatieren können, ging darauf bekanntlich dazu über, gegen die„Barmer Zeitung" einen Ver- leumdungsprozeß anzustrengen, jedoch wurde er in beiden Instanzen abgewiesen. Aber Herr Scherl scheint auf dem Gebiete der Ausbeutung ein„fester Charakter" zu fein, der absolut seinen Willen durchsetzen will. Es liegt unS nämlich ein Zirkular vor, Inhalts dessen' Herr Scherl den Roman„Um ein Haar" jetzt unter dem Titel„Der Polizei-Spion, Kriminal-»Erzählung aus dem Jahre 1848, von Ferdinand Becker" herausgibt! Als„eine noch nie dagewesene Prämie" erhält jeder Abonnent mit dem Schlußhefte„eine hochfeine echte Pelz- garnitur(bestehend aus Muff und Boa), modern, schön und dauerhaft gefertigt"— gegen Nachzahlung von drei Marl! In einem uns ebenfalls vorliegenden, für das Publikum be- stimmten Prospekte heißt es in der Einladung zu diesem „Originalwcrk" folgendermaßen:„Diese von dem so beliebten Roman-Schriftsteller neuerdings verfaßte Erzählung deruht auf einer wahren Begebenheit" usw. Die hier beabsichtigte Täuschung, dem Publikum einen alten Roman unter dem neuen Titel anzuhängen, ist so niederträchtig, daß es eigentlich keine Bezeichnung dafür gibt. Um zu beweisen, daß die Pelzgarnitur nicht echt sein kann, wollen wir hier noch anführen, unter welchen Bedingungen Herr Scherl an seine Unterhändler das Werk verkauft. Heft 1 und 2 gibt er gratis und die übrigen 24 berechnet er mit 30 Pf. pro Stück, macht im ganzen 7,20 M.; dazu kommen noch 3 M. für die Prämie, so daß also Herr Scherl für das ganze Werk und die Prämie 10,20 M. erhält. Wie demnach die„e ch t e P e l z- garnitur" beschaffen fein muß, kann sich jeder selber sagen. Möge daher das Publikum den Kolporteuren, wenn sie mit dem„Polizei-Spion" kommen, nur einfach die Türe weisen. Schließlich sei noch daran erinnert, daß die auS„Um ein Haar" und„D e r Polizei-Spion" verwandelte Sudelei, wie seinerzeit vor Gericht konstatiert wurde, zu den schlüpfrigsten und unsittlichsten der Schund» und Schandliteratur gehört." Es wäre ungerecht, wenn man verkennen wollte, daß Herr Scherl unterdes etwas gelernt und heute nicht mehr mit Mitteln arbeitet, die vor einem Menschenalter das rheinische Blatt in dieser Weise kennzeichnen konnte. Herr Scherl führt seine Unternehniungen heute nicht mehr mit dem Versprechen ein, den Abnehmern für 3 M. eine„hoch- feine echte Pelzgarnitur" zu liefern. Ob sein Publikum heute besser fährt als damals, ob der Schaden, den er heut? mit seinem publizistischen Großbetrieb auf geistigem und materiellem Gebiet anrichtet, nicht unendlich viel größer ist, als derjenige, den er vor dreißig und einigen Jahren niit seinen Kolportage-„Sudeleien" anstiftete, das sei der Beur- teilung des einsichtigen Lesers überlassen. Wie steht's mit der Reichsversicherungsordnung? Die KronSbeinsche„Post" bringt die Aufsehen erregende Mit- teilung, daß der Bundesrat beträchtliche Aenderungen des Entwurfs der Reichsversicherungsordnung beschlossen hat, und zwar so be- deutende Aenderungen, daß die ganze JRefom" als imnoiig erscheine. Wie dem Blatt der Scharfmacher geschrieben wird, habe der jetzige Reichskanzler die Posadowskysche Erbschaft„Reform der Arbeiterdersicherung" nicht gerne an. getreten. Die Reichsregierung war jedoch festgelegt; es mußte etwas geschehen. Und sohätte nach langen Beratungen Anfang April dieses Jahres der Entwurf der Reichsversicherungsordnung das Licht der Welt erblickt. In den letzten Jahren hätte der Reform- eifer jedoch erheblich nachgelassen, und da die Unternehmer sich völlig ablehnend gegen das Projekt verhielten, wäre er jetzt ganz erkalte:. Wörtlich heißt eS in der„Post": „Wie verlautet, hat der Bundesrat auf Grund dieser Stellung- nähme der Beteiligten in manchen Punkten bedeutsame Aenderungen des Entwurfs beschlossen. Man kann daher gespannt sein auf die Fassung deS Entwurfs, wenn er Ende dieses Jahres dem Reichs- tage vorgelegt wird. Der Reichstag wird wohl auch noch manche Wünsche und Forderungen der Interessenten zur Geltung brinycn. Ueberschaut man dann, was von der großen Reform geblieben ist, so wird man zu der von weiten Kreisen ver- tretenen Ansicht kommen, daß die„Reform" überhaupt nicht erforderlich war. Die Lücken und Mängel hätten sich im Nahmen der bestehenden Gesetze bewirken lasten: Ausdehnung des Kreises der Versicherten, Beseitigung der Herr- schaft der Sozialdemokratie in den Ortskranlenkassen, Regelung des Verhältnisses zwischen Krankcnlassen und Kerzten, geordnete Rechtsmittel und Instanzen in der Krankenversicherung, Hinter- bliebenenversicherung und einige Punkte von geringerer Bedeutung. Vielleicht kommt der Reichstag auch zu dieser Ansicht, lehnt den Entwurf der ReichsversichcrimgSordnung ab und beschränll sich darauf, hervorgetretenen Mängeln unv Bedürfnissen durch Novellen zu den verschiedenen Versichcrungsgcsetzen zu entsprechen. Der Reichskanzler kann seinem Vorgänger im Reichsamt des Innern aber das Sprüchwort entgegenhalten: Vorgetan und nachbedacht, hat manchem schon viel Leids gebracht l" Der deutsche Friedensdelegierte als Kriegsverherrlicher. Zu den Delegierten, die Deutschland nach dem Haager Friedenskongreß entsandt hatte, gehörte bekanntlich der Münchener Universitätsprofessor Stengel. Und es ist ja nicht minder bekannt, wie wenig sich dieser famose Friedens- delegierte damals bemüht hat, im Interesse des internationalen Friedens zu wirken. Dieser Anti-Friedensdelegierte hat nun ein Buch veröffentlicht, in dem er dem Chauvinismus und der Deutschtümelei das Wort redet und nicht nur den„be- waffneten Frieden" feiert, sondern auch ganz unverblümt den Krieg als Kulturhebel verherrlicht I Zur Kennzeichnung der professoralen Leistung mag folgendes Zitat dienen: „Die Friedensfreunde haben schon wiederholt mit Bedanern festgestellt, daß in anderen Ländern die Friedensbewegung größere Fortschritte zu verzeichnen hat, als in Deutschland. Man wird aber vielmehr dem deutschen Volke Glück w ü n s ch e n können. daß diese Bewegung es nicht mehr ergriffen hat. als eS der Fall ist. Wohin Friede ii Sd u felei und kosmopolitischer Schwindel einen Staat führen kann, hat Preußen in den Jahren 1803/07 erfahren müffen, denn mit Recht wird ein großer Teil der Schuld an dem Zusammenbruch deS preußischen Staates in der angegebenen Zeit der unkriegerischen, unmännlichen, jeden nationalen Bewußtseins entbehrenden Gesinnung zugeschrieben, die sich infolge der kosmopolitischen, humanen und schönaeistigen Richtung der Zeit gerade in den maßgebenden Kreisen breitgemacht hatte. In national so gefestigten und geschlossenen Völkern, wie eS die Franzosen und Engländer sind, wird ja wohl die Friedens- Propaganda keinen besonderen Schaden anrichten. In Deutsch- land haben wir aber allen Anlaß, sie nicht bloß mit Miß- t r a n e n zu betrachten, sondern sie auch ernstlich zu be- kämpfen, da in der Friedensbewegung ein kosmopolitischer. der nationalen Gesinnung feindlicher Zug liegt, derartig- Richtungen aber leider gerade in Deutschland auch jetzt noch viel mehr Anhänger und Anerkennung finden, als anderswo. Allerdings scheint, wie namentlich unsere Helden in Süd- Westafrika gezeigt haben, die Gefahr noch nicht groh, dajj dem deutschen Volke' die Wasfcnfrcudigkeit und der TodeSmut der Gennanen sobald verloren gehen wird. Aber eS heißt in solchen Dingen:„frincixiis obsta"; eS muß namentlich verhütet werden, daß, wie die Friedensfreunde wollen, in der heran- wachsenden Jugend die pazifistischen Ideen Platz greifen und der heldenmütige und kriegerische Sinn in unseren jungen Männern unterdrückt wird, Abscheir vor dein Militärdienst sich geltend macht und die Ausopferung für da» Vaterland als eine Torheit und Ungeheuerlichkeit erscheint." Es ist geradezu unglaublich, daß ein deutscher Professor eS wagen kann, den Zusammenbruch Preußens iin Jahre 1806/07 auf den„Friedensdusel" und„kosmopolitischen Schwindel" zurückzuführen, während in Wahrheit bei Jena das preußische Junkerregiment und der geschwollene Dünkel der preußischen Gamaschenknöpfe die verdiente Niederlage er- fuhren. Aber solch groteske Blamage eines deutschen Universitäts- Professors wäre ja nicht so ungewöhnlich und so schlimm, wenn eben nicht dieser Professor seinerzeit durch seine Delegation zum Haager Kongreß für das Ausland zu einer Art bedeut- samer, historischer Persönlichkeit avanciert wäre. Und wenn diese vermeintlich autoritative Persönlichkeit jetzt den Krieg verherrlicht, so wird natürlich in Zukunft das Ausland noch viel weniger den deutschen Versicherungen glauben können, daß die deutschen Flottenrüstungen lediglich der V e r- teid igung, niemals aber dem Angriff dienen würden I Und die deutsche„nationale" Presse, die sich sogar über den Chauvinismus des Auslandes entrüstet, preist in den höchsten Tönen die rettende Tat des Münchener Anti-Friedens- Professors!_ Der Termin der Landtagswahlen in Sachsen ist nach der Meldung der.National-Zeitung" noch nicht bestimmt fest- gesetzt. Sicher ist nur so viel, daß die LandtagSwahlen im Monat Oktober stattfinden werden. Bisher galt als Termin der 2ö. Oktober. Die Mitglieder der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine im Königreich Sachsen haben zu den LandtagSwahlen Stellung genommen und fordern in einer Erklärung auf, nur solche Kandidaten zu unterstützen, deren Parteizugehörigkeit dafür bürgt, daß sie für billiges Brot und gleiches Wahlrecht eintreten. Von den bürger- lichen Parteien könne nur der Freisinn in Frage kommen. Die Hirfch-Dunckerianer sind in Sachsen allerdings zieinlich schwach vertreten. Sie standen schon immer auf Seite der Freisinnigen, so daß diese auf einen besonderen Zuwachs aus diesem Lager nicht rechnen können. Ein weiblicher Lockspitzel in Berlin entlarvt. Wie sich ein hiesiges Blatt aus Paris telegraphieren ließ, sollte am 1. September in einem Pariser Blatts eine Enthüllung Wladinnr B u r z e w s erscheinen, die einen gefährlichen russischen Lockspitzel in Verliit, eine Frau namenS Siuaida Jutschenko. geborene G e r n q r o ß entlarvt, die als eine bewährte Anhängerin der Eozialisten-Revolutionäre galt. Vurzew kannte ihren Verrat schon seit einiger Zeit. Da er aber keine positiven Beweise besaß, zögerte das revolutionäre Zentralkomiice damit, gegen Sinaide Gerngroß vorzugehen. Es wurde jedoch Burzew auf seinen Vorschlag an. heimgestcllt, unter eigener Verantwortung die Gcrngroß zu einem Eingeständnis zu bringen oder indirekte Beweise ihrer Tätigkeit zu erlangen. Burzew reiste in dieser Absicht nach Berlin und es gelang ihm zunächst, in der Wohnung der Gerngroß, dann in einem großen Cafe in der Nähe des Bahnhofs Friedrich- straße vor Zeugen ein Geständnis der Frau zu er- halten. Diese letzte Szene soll von erschütternder Tragik gewesen sein. Nachdem in dreistündigem Gespräch Burzew die Verräterin in die Enge getrieben hatte, erklärte sie endlich:„Ja, ich bin eS. die Ihre Freunde der Polizei ausgeliefert h a t. Ich habe Ihre Unternehmungen zum Scheitern gebracht." Sinaida Gerngroß stand, wie nunmehr nachgewiesen ist, seit fünfzehn Jahren im Dienst der russischen Ge- h e i m p o l i z e i. Burzew schreibt über sie: sie organisierte Attentate, um sie zu v e r r a t e n. Sie warb Anhänger, um sie als Terroristen denunzieren zu können. Wohin sie auch kam, sie brachte für viele, die ihr nahten, Tod oder Ver. bannung. Sinaida Gerngroß stammt aus einer wohlhabenden und angesehenen Familie in Witebsk und begann ihre unheilvolle Wirksamkeit schon im Jahre 18V4. Damals war sie 23 Jahre alt. Sie Hatzte BeziehunAen zur Revolutionspartei, berichtete alles, was sie von ihren Genossen und über ihre Genossen erfuhr, gegen monatliche Vergütung an den zweiten Di- rcktor der Petersburger Geheimpolizei, Semjachin. Im Jahre 1835 zeigte sie das K o m p l o t t R a s p u t i n S gegen den Zaren an. Um jeden Verdacht von sich abzulenken, lieh sie sich gleichfalls verhaften lste selber hatte den Vorschlag gemacht) und blieb elf Monate im Gefängnis. Seit dieser Komödie hat sie der Partei als Märtyrerin ge- gölten und unbeschränktes Vertrauen genossen. Ihre monat- lichen Bezüge von der Petersburger Behörde wurden bcträcht- lich erhöht. Zugleich aber ivurde ihr Geheimnis so gut ge- wahrt, daß selbst in den geheimen Polizeiberichten jener Zeit Sinaida Gerngroß als eine gefährliche Revolutio- närin bezeichnet ist. Nur wenige wußten, welche gefährliche ßj P i o n i ii diese„gefährliche Revolutionärin" war. Nach dem Komplott Nasputins gab jedoch Sinaida Gerngroß zunächst für einige Zeit ihre Tätigkeit auf, und obwohl sie in Verbindung mit der Polizei blieb, ist doch sieben Jahre lang keine Anzeige von ihr erstattet worden. Sie hatte geheiratet, einen ehrenhaften jungen Mann, der damals deutsche Universitäten besuchte und mit dem sie in Leipzig und Heidelberg lebte. Von ihrem Gatten hat sie sich später getrennt. Ihre aktive Arbeit für die Polizei nahm sie im Herbst 1335 wieder auf. Damals erschien sie plötzlich in Moskau, und jetzt war sie nicht nur als Spionin, sondern als �gent provocateur mit unheimlichem Eiser tätig. Sie hat viel zum Scheitern des geschichtlichen Auf- standeS von 1336 beigetragen. Während sie im Auftrage des revolutionären Zentralkomitees in das Ausland ging, um Waffen für die Revolutionäre zu kaufen, gab sie Führer Und Beteiligte der russischen Polizei an. Unter denen, die sie verraten hat. ist die junge Revolutio- närin Fruma Frumkin, die 1337 wegen eines Attentats gegen den berüchtigten Oberpolizeimeister R e i n b o t t in Moskau verhaftet wurde. DieS Attentat war von der Gcrngroß in allen Einzelheiten vorbereitet. Sie hatte der Frumkin die Stelle im Theater bezeichnet, wo sie auf Reinbott schießen sollte, an dieser Stelle wurde Fruma Frumkin auf Anzeige der Gerngrotz hin verhaftet. Ihre letzte Verräterei im März 1333 lieferte eine ganze Gruppe von Revolutionären der Polizei in die Hände, unter ihnen einen der intimsten Freunds der Gcrngroß und dessen kranke Frau. Lange war sie in ständiger Ver- bindung mit Asew. Ihre Hauvtaufgabe war es, die ent- schlossensten Revolutionäre herauszufinden und sie der Kampf- organisation als Leute zu bezeichnen, die für ein ernsthaftes Werk geeignet seien. Viele haben aus ihren eigenen Händen die Bomben erhalten, mit denen sie unmittelbar nach dem Abschied von Frau Sinaida ergriffen wurden. Das Reichsvereinsgesetz in Oberschlesien. In Beuthen verbot die Polizei eine Freidenkerversamm- lung, in der Professor Schieler-Danzig über das Thema„Der UltramontaniSmuS der schlimmste Kulturfeind" sprechen sollte. Bc- gründet wurde das ungesetzliche Verbot damit, daß die öffentliche Ruhe und Sicherheit gefährdet seien, wenn die Versammlung statt- finde. Auf telegraphische Beschwerde an den Reichskanzler und den Regierungspräsidenten wurde das ungesetzliche Verbot auf- gehoben. Tie„Wacht am Rhein" als Kirchenlied. Die„Stimmen ans St. Clara von Baals" bringen, wie die„Tttgl. Rundschan" berichtet, in ihrer Sept- tember-Numnier zu Ehren des jüngst in Köln abgehaltenen eucharistischen Kongresses folgende fromme Umdichtuna der „Wacht am Rhein": Es braust ein Ruf wie Donnerhall Vom Lobgesang und Glockenklang: Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein, Wer will des Grabes Hüter sein?..... Lieb Vaterland magst ruhig sein, Hell strahlt vom Rhein der heil'gen Hostie Schein." Weil Martyrblut trank Kölnerstrand, So blieb er stel» Marienland, Auch steigt dort auf aus Sängergruft Herz Jesu und der Reinsten Duft I Lieb Vaterland usw. Religion gut, aber Verstand schwach. Einkommensteuerhtnterziehnngen in Preußen. Vom preußischen Finanzministerium ist eine Statistik der zur Einkommensteuer abgegebenen Steuererklärungen veröffentlicht worden, die interessante Schlaglichter auf die Steuerdriickcbcrgerei in Preußen wirft. Die von den Einkommensteuerbehörden vor- genommenen„Berichtigungen" an den von den Steuer- Pflichtigen präsentierten Erklärungen haben im Jahre 1838, wie wir aus den amtlichen Nachweisen ersehen, sich auf ein Jahreseinkommen von 1413 Millionen Mark mit einer Steuerpflicht von 42 Millionen Mark bezogen. In 175 255 Fällen sind die Steuerdeklarationen durch Er- örterung mit den Behörden berichtigt worden, das sind im Vergleich zu allen überhaupt abgegebenen Steuererktänmgcn 23,75 Proz. Und man muß zugeben, daß die mehr oder weniger ernste Aus« spräche für den SteuerfiskuS recht lohnend gewesen ist. denn an steuerpflichtigem Einkommen find auf diese Weise 333 Millionen Mark aus der Bevölkerung neu herausgeholt worden, was einen Mehrertrag von rund 11 Millionen Mark Einkommensteuer ergibt. Wenn den anfänglichen Angaben der Steuerzahler ohne weiteres Glauben geschenkt worden wäre, so würden die Beteiligten um mehr als ein Drittel zu niedrig veranlagt worden sein. Ausdrücklich wird hervorgehoben, daß die Korrekturen der Behörden an den Dekla- rationen sich keineswegs auf die kleinen und mittleren Steuerzahler beschränken, sondern über alle Stufen sich erstreckt haben. Auch das ist charakteristisch, daß eine solche Selbstverständlichleit erst noch besonders unterstrichen werden muß. Von Ottober 1337 bis dahin 1338 sind 1433 Fälle verhandelt worden. Durch vorläufige Straf- festsetzungen wurden 253 472 M. als Strafe eingefordert, für den einzelnen Fall im Durchschnitt 238 M- Außerdem wurde durch gerichtliche Entscheidung in 81 Fällen auf 34 433 M. Geldstrafen er- lannt, also rund 733 M. für jeden Fall. Im Anschluß an das Strafverfahren wurden rund 236 333 M. als Nachsteuer erhoben. Dazu kommt noch die besondere Kategorie der„Hinterbliebenen" Steuerpflichtigen. In 444 Fällen wurden von den Erbe» 223 343 M. Nachsteuern verlangt._ Wie's gemacht wird. Aus Altenburg wird uns geschrieben: Da? offiziöse Wolsssche Dcpeschenbureau verbreitete am Montag die Nachricht, daß die Altenburger Bauern aus Anlaß deö Besuchs von Wilhelm II. beim Herzog von Sachsen-Altcnburg ein sogeiiannics„Bauernrciten" veranstalten werden. Bis dahin hatte kein Mensch etwa» von dem „Plane" der Altenburger Bauern„geahnt"; die Bauern selbst auch nicht. Ist doch so ein Bauernreilen für den einzelnen eine sehr kost- spielige Sache. Nachdem jetzt aber das Wolffsche Bureau ein solches Bauernreitcn angelündigt hat, wird natürlich mit Hochdruck daraufhin gearbeitet. So wird der Besuch des altpreußisch-sparsamen Königs von Preußen in Altcnburg den Altenburger Bauern auf einige hunderttausend Mark zu stehen kommen. Die Stadtverordneten in Altenburg glaubten auch ein übriges tun zu müssen und bewilligten trotz der gähnenden Leere des Stadtsäckels 3333 M. für Straßen- schmücknng. Um die sozialdemokratische Kritik an dieser Geschichte nicht in die Oeffentlichkeit dringen zu lassen, wollte man über die Forderung des Stadtrates von 6333 M. in geheimer Sitzung be- raten. Unsere Genossen drohte aber durch Verlassen des Saales die Verhandlung unmöglich zu machen, wenn in geheimer Sitzung verhandelt würde. Acrgerlich fügte sich die bürgerliche Majorität dem Willen unserer Vertreter, drohten aber mit Wiedervergeltung. In eingehender Weise begründete Genosse Dikreiter den ablehnenden Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion, indem er den Herren von der bürgerlichen Mehrheit— unter der millionenschwere Unter- nehmer sitzen den Rat gab, in die eigene Tasche zu greise». Oertcireicb. Bom Ngtionalitätenstrekt. Wie», 31. August. Am Abend versuchten abermals 200 Deutsch- Nationale. im 15. Bezirk antitschechischeDemon st rationen zn veranstalten, wobei die einschreitende Wache mit Steinen beworfen wurde. Zwei Wachleute sind leicht verletzt; eS wurden 23 Ver- Haftungen vorgenommen. Wien, 1. September. Die Polizeidirektion erläßt eine Kundgebung, in der sie die schärfsten Maßregeln gegen die anti- tschechischen Demonstranten ankündigt. frankreicl). Tippclskircherci wirft die reaktionäre„Autorita" dem verflossenen Postminister B a r t h o u vor. Nach der Verwüstung der Pariser Fernsprech- zentrale durch den Brand habe man einen Raum zur Unterbringung der Apparate gesucht. Mehrere Hausbesitzer der Gegend, die sich bewarben, habe der Minister schroff abgewiesen. Den Zuschlag erhielt eine Frau D.: zufällig die Schwägerin des Ministers. Zu- fällig habe er das Eigentum an dem betreffenden Gebäude erst kurz vorher auf sie übertragen. Und zufällig habe die Miete für zwei Etagen nicht mehr betragen als— 183 033 Frank! Auch der Staalssekretär Simynn, dessen glänzende Verwaltung die Post- beamten in den Streik getrieben hat, habe für Dienstzwecke ein Gebäude mit einer Ueberzahlung von jährlich 25 333 Fr. gemietet: zufällig von der Familie Pickjon, der der damalige und noch amtierende Minister des Aenßeren angehört. Wird es unter dem neuen Reformministerium anders werden? Erzählt doch„Rappel", daß der neue Marine minister anstatt der abgesägten Verwaltungs- dircktoren einige seiner guten Freunde eingestellt habe, die sich vor allem durch gute llerikale Gesinnung auszeichneteu. Einer da- von sei Schwager eines HüttendirektorS, dessen Gesellschaft viel für die Marine liefere.— Die Reform der Marine wird übrigens von dem neuen Marineminister mit eiserner Hand betrieben. Be- reitS hat er verfügt, daß das Mittelmeer- und das Nordsee- geschwader künftig den Namen: Erstes und zweites Geschwader führen. Ferner hat er die abgeschaffte Galauniforn wieder eingeführt. Nun ist aber die französische Marine ganz bestinunt unüberwindlich. Italien. Die Volksbewegung gegen den Zarenbesnch zieht immer weitere Bahnen. Neben dem Nationalkomitee ist die Bildung von Lokalkomitees beschlossen worden, die eine einheitliche Durchführung der Kundgebung sichern sollen. Der Partei« v o r st a n d hat einen Aufruf erlassen, die Mittel für einen Gedenkstein zu Ehren der Opfer der russischen Freiheitsbewegung aufzubringen, der am Tage des Z a r e n e m p f a n g s im Volkshause in Rom eingeweiht werde» soll.— Spanien. Die Rache der Maura und Konsorten. Die spanische Regierung plant verschärfte Maßnahmen gegen der Revolutionäre und ihre Verteidiger. Der Direktor der modernen(schule in Barcelona, Ferrer, gegen den wegen Teilnahme an den Vorgängen in Katalonien ein Haftbefehl erlassen war, ist in der Nähe von Barcelona verhaftet worden. � Rußtand. Chronik der Greuel. Der Telegraph brachte am 28. August, also an einem Tage, folgende Nachrichten: Im Riga er ZentralgcfängniS wurde die politische Gefangene Pitter am Fenster des Gefängnisspitals er- schössen. In Archangelsk wurde der politische Gefangene Schutow unter denselben Umstanden erschossen. In Jeka- terinoSlaw wurden„zur Vorbeugung einer Flucht" zwei Ge. fangcne getötet und einer verwundet. Cürhcu Die Lage. Konstantinopel, t. September. Nach amtlichen Meldungen sind die Aufständischen in Jemen von den Truppen ins Gebirge zurückgetrieben worden. Kreta. Die Räumung. Kanea, 1. September. Laut Beschluß des Konsularkorps ver- läßt heute das internationale Militärdctachement die Insel und wird durch kretische Gendarmerie ersetzt. Oltatten. Ein chinesisch-japanisches Abkommen. Peking, 1. September. Die chinesisch- japanischen Verhandlungen über die Mandschurei sind zum Ab- schluß gelangt. Das Ucbercinkommen wird in kurzem unter« zeichnet werden und enthält folgende Vereinbarungen: Japan macht Zugeständnisse in der Streitfrage über das C h c n t a o« Gebiet, und in der Frage der Rechtsprechung über die dort angesiedelten Koreaner. China unternimmt nichts zur Aus- dehnung der Eisenbahnlinie von HsimMin-tun nordwärts, ohne Japan zu befragen. Japan lehnt es ab, in Erörterungen einzutreten erstens über die Verwaltung der Eisenbahnzone, zweitens über das Gebiet der auswärtigen Polizcirechte, und drittens über die Be- wachung der Antung— Mukden-Linie. China sieht in dieser Haltung Japans eine Ablehnung der von Rußland im Charbiner Uebcr- einkommen ergriffenen Initiative, d. h. eine dem Portsmouther Friedensvertrage entsprechende Anerkennung der chinesischen S o u v e r ä n i t ä t in den betreffenden Gebieten. Marokko. Kämpfe um Melilla. Melilla, 31. August. Ein feindlicher Angriff auf das Dorf Lahadara wurde von einem Bataillon, einer Batterie und einer Eskadron, die in zwei Abteilungen vorrückten, energisch zurück- gewiesen. Der Rest des Tages verlief ruhig. Es sind hundert Kamste an Land gebracht worden. Soziales. Vetriebsnnfall. Die OZjährige Ehefrau des Privatmannes T. ist am S. Mai des JahoeS 1337 dadurch körperlich zu Schaden gekommen, daß sie in einem von Dresden nach Berlin fahrenden Eisenbahnzuge, als sie sich bei der Station Falkenberg erhoben hatte, um auszusteigen, in dem Seitengang des DurchgangSwagens infolge plötzlichen hef. tigen Ruckes zu Boden geschleudert wurde und einen Schenkelhals- bruch erlitt. Die von den Eheleuten T. gegen den EiscnbahnfiskuS erhobene Schadenersatzklage wurde vom Landgericht Halle abgewiesen. Auf die Berufung der Kläger sah das Oberlandesgericht Naumburg das Vorliegen eines Betriebsunfalles für erwiesen an und verurteilte den Beklagten nach dem Klageantrage zum Ersatz allen den Klägern erwachsenen Schadens. Dieses Urteil des Oberlandesgerichts Naumburg wurde vom 3. Zivilsenat des Reichsgerichts bestätigt. Aus den Entscheidnngsgrünbcn des Reichsgerichts ist hierzu folgendes mitzuteilen: Auf Grund der Aussage des vernommenen Zeugen erachtet das Berufungsgericht den behaupteten Unfall für dargctan. Es nimmt für erwiesen an, daß bei der Einfahrt des Zuges in den Bahnhof Falkenberg ein sehr starker Stoß erfolgte, durch den die Mitklägerin, die eben aus dem Abteil in den Seiten- gang des als O-Wagen gebauten Wagens treten wollte, zu Boden geworfen wurde, so daß sie sich nicht selbst wieder zu erheben ver- mochte und von Bahnbcdiensteten herausgebracht werden mußte, und daß sie durch den Sturz erheblich körperlich beschädigt wurde. Damit sei ein Betriebsunfall nach§ 1 des Reickis-HaftpflichtgesetzeS gegeben, der den Beklagten für den der Mitklägerin erwachsenen Schaden ersatzpflichtig mackie. Ein mitwirkendes eigenes Ver- schulden der Beschädigten sieht das Berufungsgericht nicht als nachgewiesen an; daß die Mitklägerin noch während der Fahrt in den Seitengang des Wagens sich begeben wollte, stelle ein solches nicht dar. zumal sie in'Falkenberg aussteigen wollte, und zu solchem Zwecke die Fahrgäste regelmäßig vor dem vollständigen Halten des Zuges in dem Seitengange sich ohne Behinderung durch das Zug- personal bereit zu stellen pflegten. Die Revision konnte keinen Erfolg haben. Ein mitwirkendes eigenes Verschulden der verletzten Mitklägerin an dem Unfälle ist vom Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum verneint worden. Tag jemand während der Bewegung des ZugeS aus dem Abteil in den Scitengang des v-Wagens tritt, ist kein Verschulden, auch wenn ihn dazu nicht ein besonderer triftiger Grund(Aufsuchen des Speisewagens, Gang zum Abort) veranlaßt. Durchaus üblich und zweckmäßig ist es, daß die Fahrgäste, die auf einer Station aus- steigen wollen, noch während der Bewegung ixs Zuges im Seiten- gange de» Wagens sich bereit stellen. Der im gegebenen Falle fest- gestellte Ruck war aber nach dem Zeugnisse des S., das für die Feststellung eine vollständig zureichende Grundlage ist, ein ganz vcsondcrs starker, wie er sich nur ausnahmsweise ereignet. Daß der Klägerin ein besonders unvorsichtiges Verhalten zur Last falle, womit sie sich den Unfall ganz oder zum Teil selbst zugezogen, ist nicht behauptet. Durch Nichtanwendung des§ 254 B.-G.-B. ist mithin das Gesetz nicht verletzt. Durchführung der NnfallvcrhütimgZvorschrifteii. Die bom NeichSverstcherimgSanit herausgegebene Zusammenstellung der Jahresberichte der gewerblichen Berufsgenosienschaften über die Durchführimg der Unfallverhütungsvorschriften für dos Jahr 1333 ist jüngst veröffentlicht worden. Das mit vielen Ab- bildungen und mit einem Sachregister ausgestattete Werk ist in zwei Teilen als drittes Beiheft zu den„Amtlichen Nachrichten" des Reichs- versicherungSamteS 133S hei Wehrend u. Co. i» Berlin Vf. 34 erschienen. Gewerkfcbaftlicbe� BertraMiihigkcit der Arbeitgeberverbände. Die„Deutsche Arbeitgeberzeitung" sieht sich in der Num- nier vom 29. August wieder einmal genötigt, die Vertrags- treue der Holzarbeiter in Zweifel zu ziehen. Den Anlaß dazu gaben die Arbeitsniederlegungen bei der Firma Gebr. R. und N. Maul in Berlin und Pößler jun. in Schöneberg. In beiden Fällen könnten doch berechtigte Vorwürfe nur erhoben werden, wenn die beteiligte Organisation den Vertragsbruch unter- stützt hätte, nicht aber wenn, wie in den beiden bekannten Fällen, für ordnungsmäßige Erledigung durch die zuständigen Instanzen Sorge getragen wird. Den Holzindustriellen steht es aber überhaupt schlecht an, über mangelnde Vertragstreue ihrer Arbeiter zu klagen. In dem soeben erschienenen Jahr» buch des deutschen Holzarbeiterverbandes 19 9 8 wird der dokumentarische Nachweis geführt, daß nicht nur einzelne Arbeitgeber, bei denen man vielleicht noch mangelhafte Auffassung des Tarifgedankens annehmen könnte, sonderbare Änsichte über Vertragstreue entwickeln, sondern daß sogar der Vorstand des Arbeitgeberschutzverbandes die� Nichtinnehaltung getroffener Abmachungen der- t e i d i g t. Es wird dort ferner klipp und klar nachgewiesen, daß die Mitglieder des Schutzverbandes die von ihrer Ver- bandsleitung getroffenen Vereinbarungen nicht anerkannten und der Vorstand des Schutzverbandes sich in dieses, die Ver- tragsfähigkeit des Schutzverbandes eigenartig illustrierende Verhalten seiner Mitglieder fügte. Feierlichst hat der Vorsitzende des Schutzverbandes, Herr N a h a r d t. in einem Schreiben vom 29. Januar 1908 an den Staatsminister v. Berlepsch versichert,„daß sie sich einem Schiedsspruch der Schlichtungskommission, deren Vor- sitzender Ew. Exzellenz ist, ohne weiteres unterwerfen wollen." Trotzdem lehnten die Bezirksvereine Darmstadt, Essen, Frank- furt am Main, Luckenwalde, Magdeburg, Wiesbaden und Zoppot die Anerkennung des Schiedsspruches ab. Wurde in diesen Fällen die Verbandsleitung von ihren Mitgliedern im Stich gelassen, so hat sich die Verbandsleitung in einem weiteren Falle recht kräftige Seitensprünge erlaubt. Die Eisenacher Holzarbeiter glaubten Ausstellungen an der Erfüllung des mit dem dortigen Schutzverband getroffenen Abkommens machen zu sollen und wandten sich deshalb an den örtlichen Vorsitzenden. Dieser antwortete darauf: „Wenn Sie Anspruch darauf erheben, daß unser Vertrag bei . der jetzigen Geschäftslage eingehalten werden soll, so müssen Sie jedenfalls darauf bedacht sein, daß ihre Mitglieder bei uns fern- stehenden Betrieben, also NichtMitgliedern des Arbeitgeberver- bau des, zu keinen günstigeren Bedingungen für die betreffenden Arbeitgeber arbeiten. Wird Ihnen dies nachgewiesen, so haben Sie absolut keine Aussicht auf strikte Durch- führung unserer Vertragspflichten, jedenfalls würde ich es unter diesen Umständen ablehnen, weitere Schritte zu unternehmen. Die Verstimmung bei unseren Mitgliedern über den Ausgang des Vertrages ist bei der jetzigen Zeit so stark, daß es nur einiger Beschwerden Ihrerseits bedarf, um den unseligen Kontrahenten des Vertrages zu verlieren. Persönlich werde ich versuchen, wenn solche Uebelstände wirklich vorhanden sind, auf deren Abstellung einzuwirken, aber auf Erfolg habe ich selbst keinen Glauben. Möchte Ihnen vielmehr raten, mit dem Erreichten recht zuftieden zu sein und kleinere Uebertre. tungen nicht zu sehen, ich glaube, daß sie damit besser fahren. Nach der nächsten Versammlung werde ich Ihnen auch die unsrigen Mitglieder der Schlichtungskommission namhaft machen." Das war etwas reichlich viel. Kein Wort der vertrag- liehen Abmachungen deutete auf eine Klausel hin, nach der die Erfüllung des Vertrages ausgesetzt werden kann, wenn in anderen Betrieben zu anderen Bedingungen gearbeitet wird. Trotz dieser offenkundigen Vertragsverletzung brachte es auf Einspruch des Holzarbeiterverbandes der Vorstand des Arbeit- geberschutzverbandes fertig zu antworten: „Wir schließen uns diesem Schreiben voll und ganz an, und machen auch wir Sie darauf aufmerksam, daß, solange Avbeit- geber, die uns nicht angehören, zu günstigeren Bedingungen ar» Veiten wie unsere Mitglieder, wir unter keinen Umständen die Garantie für Jnnebaltung der Verträge seitens unserer Mit- glicder übernehmen können." Es bedurfte ganz energischen Auftretens des Vorstandes des Deutschen Holzarbeiterverbandes, um der Leitung der Arbeitgeberorganisation begreiflich zu machen, daß a u ch die Herren Arbeitgeber einmal getroffene Abmachungen respektieren müssen. Die Herren aus dem Lager der Arbeitgeberorganisation haben also gar keine Veranlassung zu einem pharisäerhasten Gezeter über die Vertragsuntreue der Arbeiter. lveutsches Kelch. Bürger LebiuS und der Meineid. Im letzten Beleidigungsprozeß gegen den„Vorwärts* hat bekanntlich der Obermime der Gelben sein Urteil über sozialdemo- � kratische Meineide gefällt. Als der Verteidiger des beklagten«Vor- � wärts"-Nedakteurs eine Anzahl Zeugen nannte, die über den Leu- mund und die Vergangenheit des Biedermannes Lebius Aussagen machen sollten, versuchte LebiuS diese Zeugen mit der Verdächtigung 7-5 v-•;.7.-- �. 5.,-.„.., «fi-nrn-Sr«,.«w.'„n.„r, 7," beide Seiten verteilen, werden aus fünf Tote und 40 Verwunde e Straßenbahnwagen befanden. Die Kerle feuerten nach der fried- lichen Aufforderung streikpostenstehender Arbeiter, den Wagen zu verlassen, gleich ihre Revolver auf die Leute ab und mußten dafür sämtlich mit dem Leben büßen. Prompt sprengten darauf berittene Konstabler heran, aber leider vermochten die Arbeiter der Auf- forderung, sich zu zerstreuen, in ihrer Erregung nicht ebenso prompt Folge zu leisten, und jetzt eröffneten die Berittenen ein scharfes Feuer, dem die mit Revolvern bewaffneten Arbeiter wohl eine halbe Stunde lang Stand hielten. Die Verluste, die sich auf abzuwehren: Das Gericht solle keinen Sozialdemokraten als Zeugen laden, da diese alle Meineide leisten; in der Sozialdemokratie gälte es als Pflicht, politische Gegner durch Meineide zu vernichten. Früher, als Lebius noch den Partcigenosien markierte, muß das wohl anders gewesen sein. Damals hat er sich weidlich über Klassenurtcile und Fehlurteile motiert, wenn unsere Genossen als meineidsverdächtig verschrien wurden. Dafür einen netten Be- weis, der das Bild dieses politischen Chamäleons noch recht charakteristisch vervollständigt. Nach dem bekannten Güstrower Meineidsprozeß veröffentlichte beziffert, jedoch wird die Anzahl der verwundeten Arbeiter, die während des Gefechtes ununterbrochen durch die Straßen flüchteten oder von Kameraden weggetragen wurden, vielleicht niemals genau ermittelt werden. Am Montag herrschte im Orte die Kirchhofs- ruhe des Kriegsrechts, wenn es nicht die Stille vor dem Sturme einer noch entsetzlicheren Katastrophe ist. Diese Schilde- rung enthält die Quintessenz der Berichte, die, im wesentlichen übereinstimmend, von bürgerlicher wie von Arbeiterseite bisher vom„Kriegsschauplätze" nach Newhork gedrungen sind und sogar in den deutschbürgerlichen Blättern der Metropole Schauer und Eni- sehen vor den Infamien des kapitalistischen Shstems auslösen. Das Bürger LebiuS in der„Dortmunder Arbeiterzeitung" einen Artikel,, Streikkomitee ruft in einem erschütternden Manifest die gesamte den er für so wichtig hielt, daß er ihn mit seinem Signum versah. �„ Den Artikel im Wortlaut hierherzusetzen, würde zu weit führen: lassen wir eS an einigen markanten Stellen genügen, die den Sinn des ganzen Artikels natürlich keineswegs beeinträchtigen. Er schrieb damals: »Jeder mit normalem Rechtsempfinden veranlagte Mensch wird beim Lesen des Gerichtsurteiles förmlich einen körperlichen Schmerz empfunden haben, den brennenden Schmerz, der beim Anblick von Vergewaltigungen und Mißhandlungen den unbeteiligten Zuschauer erfaßt. In unseren Augen ist Genosse Holst unschuldig und die ganze Beweisaufnahme und die Ausführungen des Staatsanwalts haben uns nicht von seiner Schuld überzeugen können. Für jeden gesunden Menschenverstand liegt der Fall überaus klar... Aber durchaus nicht einmal die Wahrscheinlichkeit eines Meineides lag unzweifelhaft vor. Es ist durchaus unglaubhaft, daß ein Mann, den seine Mitbürger für würdig erachteten, sie im Bürger- ausschuß Wismars zu vertreten, wegen einer Bagatellsache einen Meineid schwören werde.... Wer will unter solchen Umständen jemand verargen, an die Befangenheit der Geschworenen zu glauben... In der Sozialdemokratie steht man infolge der offiziösen Verlenm- dung in Mecklenburg mehr als anderwärts Aufrührer, Religions- verächier. Feinde der Familie usw. Daher der Haß der sozial- politisch verdummten Bourgeoisie. Auf diesem Boden des politischen Fanatismus ist das Urteil gewachsen. Die Vorwürfe der Klassen- jnstiz gegen die herrschenden Gesellschaftskreise sind keine Hallu- zinationen, die nur in sozialdemokratischen Hirnen herumspuken... Das Güstrower Urteil wird zwar das erbarmenswürdige Justiz- opfer in seiner Gesundheit schwer schädigen, die Ehre und die allgemeine Achtung kann es dem Genosien Holst aber nicht rauben. Das Proletariat läßt seinen Märtyrer nicht im Stich, das beweist der Essener Meineidsprozeß. Das Güstrower Urteil wird aber auch der Sozialdemokrane nicht schaden. Märtyrertum ist Samen, der tausendsältige Frucht trägt. Mögen unsere agitatorisch tätigen Genossen, wenn sie in Stadt und Land vor die Volksversammlungen treten, den Güstrower Meineidsprozeß in ausführlicher Breite dem Volke vortragen. Das Volk hat ein feines Rechtsempfinden, eS wird urteilen und welche Nutzanwendung eS ziehen wird, das sollen unsere Gegner mit Schrecken gewahr werden." Das also war der Lebius, der heute die Sozialdemokratie des Meineides bezichtigt._ Berlin und Qmgegend. Nuternehmerterrorismus. Wenn streikende Arbeiter an sogenannte Arbeitswillige heran- treten und auf gütlichem Wege an ihr Solidaritätsgefühl appel- lieren, so schreit die ganze Unternehmerprcjse über den Terroris- mus der Arbeiter. Daß Unternehmer den Terrorismus offen und skrupellos betreiben, ohne von einem Staatsanwalt daran be- hindert zu werden, entnehmen wir einem Bericht, welcher in der Nr. 23 des„Mineralwasser-Fabrikanten"(Fachzeitschrift) enthalten ist. ES heißt da:' „Den Bericht der Rechtskommission erstattete Herr K. und erwähnt zunächst den Fall P., der eine raffinierte Umgehung des Kutscherparagraphen darstellt. P. wurde in eine Gefängnis- strafe von 100 M. genommen; Ausschluß auS dem Verein soll beschlossen werden, falls der Kutscher nicht umgehend entlassen wird." Also 100 M., für einen kleinen Fabrikanten, wie eS die meisten dieser Branche sind, eine geradezu horrende Strafe. In keiner Arbeiterorganisation wäre dergleichen möglich. Aber nicht genug, daß der Fabrikant bestraft wird. Die Rächer vom Berein der Berliner Mineralwasserfabrikanten fordern größere Opfer. Der Unternehmer wird bei Androhung des Ausschlusses gezwungen, den Kutscher sofort zu entlassen. So will eS die Satzung des Unter- nehmcrvcreins. Der berüchtigte Kutscherparagraph schreibt näm- lich vor, daß ein Kutscher nach dem Ausscheiden aus einem Be- triebe drei Monate lang von keinem organisierten Unternehmer in seiner alten Tour beschäftigt werden darf. Jeder Stellenwechsel eines Selterkutjchers ist also in Berlin mit einer mindestens drei- monatlichen Hungerstraf: für sich und seine oft recht zahlreiche Familie verbunden. Ist inzwischen die Saison vorüber, so kann sich die Frjst von drei Monaten eventuell verdoppeln. Der also hart betroffene Kutscher, und mit ihm alle Kollegen, welche die Bedeutung der Organisation noch nicht begriffen haben, werden hoffentlich die nötige Lehre aus diesem Fall ziehen. Die organi- sierien Mineralwasserkutscher führen gleich den Bier- und Dcstil- latioiiskutsshern eine Kontrollkarte in rosa Farbe. Streikirechergardr. Nachdem in Hamburg der Kampf im Baugewerbe beendet ist, Verlasien die durch die Vermittelung der Streikbrecherogentur in Firma Auguste Müller. Wandsbeck, herbeigeschafften Arbeitswilligen nunmehr Hamburg, wie die Ratten das sinkende Schiff. Ein Teil dieser nützlichen Elemente ist von der Firma Auguste Müller nach Schweden geschafft, ein kleinerer Teil ist mit den in Kiel beim Streik der städttschen Arbeiter Rausreißerdienste leistenden nunmehr nach Eckernförde transportiert, um dort den Bau- Unternehmern als Engel in der Not zu erscheinen. Nachdem die Unternehmer sechs Wochen lang vergeblich nach Streikbrechern aus- geschaut hatten, ist«Auguste Müller" nun mit öS Mann angerückt gekommen. Unter dieser Kolonne befinden sich zum größten Be- dauern der Unternehmer aber nur 2 Zimmerer und 7 Maurer, alle anderen sind eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft, die sich in vielen anderen Berufen schon versucht hat. Um diese Gesellschaft an den Bauten beschäftigen zu können, haben die Unternehmer Handwerks- zeug für Maurer gekauft, womit nun diese Arbeitswilligen zur «Hebung des Handwerkes" wirken. Die streikenden Maurer und Zimmerer haben an diesen„Bauarbeitern" ihre besondere Freude gehabt, die aber leider nicht lange dauern sollte. Zu den an den Bauten ständig stationierte» Gendarmen sind noch zwei weitere ge- kommen, die jeden, der irgendwie einem Streikenden ähnlich sieht, in angemesiener Entfernung von den Bauten halten. Zum Teil sind diese RauSreißer recht vornehm untergebracht. Weil in der Stadt jeder an- ständige Mensch sich weigert, diesen Basiermannschen Gestalten Logis zu gewähren, so haben die Unternehmer ihnen in zwei Hotels, die sonst von Sommerfrischlern(!) frequentiert werden und in der Guttemplerloge Quartier verschafft.— Die bei der jetzt herrschenden schlechten Witterung allerdings nur in geringer Anzahl vorhandenen Badegäste haben an dieser Einquartierung ihre ganz besondere Freude.— 12 bis 16 Mann umlagerten am Montag und DienS« tag das Streikbureau in einem kaum wiederzugebenden Zustande und verlangten Geld zur Abreise. Die Streikkommisfion verweigerte selbstverständlich jede Zahlung. Ei» Erfolg des TabakarbeiterverbandeS. Die Zigarrenfabrik Krüger u. Blumenau in Bünde in Westfalen hat das an ihre ent- lasienen Arbeiter gestellte Verlangen, bevor sie wieder eingestellt werden, auS dem Verband auszutreten, zurückgenommen. Die Firma hat gegen die Organisatton der Arbeiter nichts mehr einzuwenden. Der Steiusetzerstrcik in Dresden, der seit April d. I. andauert, geht weiter. Vom EinigiiugSamt des Gewcrbegerichts wurde ein Schiedsspruch gefällt, der von den Unternehmern angenommen, von den Arbeitern aber bei geheimer Stimmabgabe gegen drei Stimmen abgelehnt wurde. TZiislsnd. Der Klafienkrieg in Amerika. Während bei den KricgSspielen des amerikanischen HeereS in Massachusetts die„blauen" Verteidiger Bostons dem Ansturm der die deutsche Invasion markierenden„roten Armee" erliegen, er- ringen die Blauen auf dem pensylvanischen Kriegsschauplatz, näm- lich die StaatSpolizisten zu Fuß und zu Pferde, ruhmlose, dafür aber umso blutigere Siege über den roten Feind, die Strciker! Nach fünfwöchiger Dauer hat sich der Streik der 8000 Stahlarbeiter von Mc. Kees Rocks um die Mitte des August wieder zu täglichen blutigen Zusammenstößen zwischen den Streikenden und der bewaffneten Macht zugespitzt, die am Sonntag, den 22. August, in einer regelrechten Straßenschlacht ihren dramatischen Höhepunkt fanden. Die Verzweiflung der durch Austreibung aus den Fabrik„wohnungen" obdachlos gewordenen Arbeiterschaft und ihre Erbitterung, angesichts der heerdenweise in die Fabrik bc- förderten Streikbrecher, äußerten ihre provozierenden Wirkungen. Die Kämpfe vom Sonntag sollen spät abends ihren Anfang ge- nomnien haben durch die Brutalität einiger— anscheinend für Streikbrecher gehaltenen— Polizisten in Zivil, die sich in einem Arbeiterschaft des Landes zur Unterstützung auf, und die„New- Yorker Volkszeitung" regt eine Hilfsaktion im größten Stile an. Man kann gespannt daraus sein, ob sich im G o m p e r s- schen Gewerkschaftsbunde das proletarische Grundgefühl endlicb stärker erweisen wird als die zünftlerisck-patriotische Eng- Herzigkeit, die sonst gegenüber den„foreigners"(Fremden) Trumpf ist, obwohl die amerikanischen Arbeiter und Arbeiterführer gerade an dem unerschütterlichen Kampfesgeift der Fremden ihren stärksten Rückhalt haben. Bisher verharrt die Federation of Labor diesem blutigen Klasienkampfdrama gegenüber auf dem erhabenen Standpunkte uninteressierter Betrachtung. Dagegen scheint da? österreichische Konsulat zu Pittsburg seine Schuldig- keit zu tun. Es veröffentlicht Lohnlisten, wonach Arbeiter von Me. Kees Rocks für einen langen und harten Arbeitstag ganze 10 Cents, andere kaum einen halben Dollar bekamen. Der Konsul hat sich auch mit Anzeigen wegen Mißhandlung und Freiheitsberaubung zahlreicher Landsleute in der Fabrik an das Gericht gewandt, ist aber natürlich prompt abgewiesen worden, wie auch schon seine Intervention vom Juli ohne jede Wirkung blieb. Die einge- wanderten Arbeiter sollen um jeden Preis in dem alten Zustand helotischer Rechtlosigkeit gehalten werden, und es gehört mit zum System, daß die Gerichte auch den Arbeitern von Mc. Kees Rocks, meist Slawen österreichischer Nationalität, aber auch vielen Deut- scheu, das amerikanische Bürgerrecht bisher stet» verweigert haben. Wie der große Kampf aber auch ausgehen möge, e» ist schon ein wertvoller moralischer Erfolg, daß dieser Streik die bestialischen Methoden, die in dem„Schlachthause" von Mc. Kees Nocks an hilflosen eingewanderten Proletariern praktiziert wurden, der Welt aufs wirksamste denunziert hat. Es ist dieselbe Methode, die Millionen von Arbeitern in den amerikanischen Kohlengruben, Eisenwerken usw. tagtäglich zu spüren bekommen. Hus der frauenbcwegung* Menschen zweiter Ordnung. Bis Ende des vorigen Jahrhunderts war die rechtliche Stel- lung der Frau in England dem Manne gegenüber die einer Lnü- eigenen. Wenn sich auch dank der unermüdlichen Agitation der Frauen in bezug hierauf vieles gebessert hat, so ist die englische Rcchtsauffasiung von einer Würdigung der Frau im modernen Sinne offenbar noch weit entfernt. Das Gesetz sieht z. B. das Gchorsamsgelübde bei der kirchlichen Eheschließung als absolut bin» dend, nicht als bloße Forin an. Beweis hierfür das folgende, kürz- lich gefällte Gerichtsurteil: Ein Mann stahl Stiefel aus einem Laden, übergab sie seinee Frau und hieß sie damit fortlaufen. Sie tat es, wurde aber fest. genommen und mit ihrem Manne zusammen unter Anklage ge- stellt. „Der Mann sagt, seine Frau handelte auf sein Geheiß," stellte der Gerichtshof fest.„Es ist Gesetzesvorschrift, daß die Frau glauben kann, recht zu handeln, wenn sie tut, lvaS ihr Mann ihr sagt. Folglich muß sie ftcigesprochen werden." Der Mann wurde zu sechs Monaten Zwangsarbeit verurteilt. Nach dieser famosen Urteilsbegründung gelten die englischen Frauen also im privaten wie im öffentlichen Recht als inferiore Geschöpfe, als Menschen zweiter Ordnung. Letzte IMacbricbten und DepeFcben. Auf der Heimreise. Landungsstelle Bülzig, 1. September.(W. T. B.) Zeppelin ist 10,68 Uhr unter dem Hurrarufen des Publikums und den Klängen der Musikkapelle zur Fahrt nach Friedrichshafen auf» gestiege»._ Verhaftungen in der Werftdiebstahlassäre. Kiel, 1. September.(B. H.) Wie die„Kieler Neuesten Nach. richten" melden, verhastete die Kieler Kriminalpolizei heute nach» mittag den 22jährigen Gerichtsaktuar Zander und den ehemaligen Gefangenenaufseher und jetzigen HilfSgerichtsdiener Halberg. welche dringend verdächtig sind, an dem Diebstahl von gerichtlichen Urkunde» bezüglich der Wcrftdicbstahlaffäre beteiligt zu sein. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Streik der Autoführer. Brüsiel, 1. September.(B. H.) Die hiesigen Automobil- droschkenführer sind heute in den Ausstand getreten, weil die Unter- nehmer sie für eventuelle Unfälle verantwortlich machen wollen. ES wird weiter„beruhigt". Madrid, l. September.(B. H.) In Barcelona sowie an anderen Orten dauern die Bcrhaftungen fort, desgleichen die Deportationen. Unter anderem wurde auch der Bürgermeister der Ortschaft Pre» miadelmar gefangen gesetzt. Das Kriegsgericht verhandelt gegen- wärtig gegen einen Schutzmann, der während des Aufruhrs auf die Truppen sckzoß. Voraussichtlich wird er zum Tode verurteilt. An den Nachrichten betreffend Prozessierung des republikanischen Führers Senator Sol y Ortega wegen seiner angeblichen aktiven Nolle in der Aufruhrbewegung ist kein wahres Wort, wie nunmehr selbst amtlich zugegeben wird. Steuerberatungen im englischen Unterhaus. London, 1. September.(W. T. B.) Das Unterhaus hat heute die Beratung der Finanzbill wieder aufgenommen. Zunächst wur. den die Bestimmungen über die Steuersätze für KonzessionS- erteilungen beraten, die erhebliche Abänderungen erfahren haben. Im Laufe der Debatte gab Premierminister ASquith der Hoffnung Ausdruck, daß die Beratung dieser Bestimmungen sich nicht so in die Länge ziehen möchte, wie die Beratung der Grundsteuern. Das kann interesiant werden. Konstantinopel. 1. September.(W. T. B.) Heute begann die Verhandlung der Beleidigungsklage deS bisherigen Arbeitsministers gegen den jungtürkischen Abgeordneten Djahid, der im Tanin dem Minister Bestechlichkeit und Parteilichkeit bei Vergebung Sffent- ljchcr Arbeiten vorgeworfen hatte. Der Minister verlangt 1000 Pfund Schadenersatz: die er dem türkischen Flottcnverein überweisen will. Djahid erklärte den Wahrheitsbeweis antreten zu wollen. Die Verhandlung wurde vertagt. Verantw. Redakte'T'. Emil Unger, Berlin. Inseratenteil verantw.:»h. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdr. u. Verlagsanstall PauISingerLcCo., Berlin LW. Hierzu 2 Beilaaru u.llnterbaltunaSbl. Nr. 204. 26. IahkMg. 1. Kilm des rtiint Poiliüblnll. Domerslag, 2. Stptfiukt 1909. für den schwedischen Generalstreik. Bei der Berliner Gelverkschaft-Zkommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehende» schwedischen Ar beiter ein: Sparverew„Mchwerzagt'!,S5. Maschinenmeister der Mustrations Rotation Ullstein 11,—. Tischlerei(Surisch 12,05. Liste 4390 Tischlerei L. Kitz ling. 2. Rate 15,10. 6800 Druckerei Eichler, 3. Rate 13,25. Skatklub„Süd-Qst 1908' b. Mir, Restaurant 5.—. 7997 Kollegen der Möbelsabril.Union' 10,05. Töpfer v. Bau Kalbe 7,—. 7606 Maschinenmeister der.Woche" Flachdruck, 3. Rate 18,—. Kollegen b. G. Hossmann, Pianosabr., Oranien ikaste 4,—. Zentral-Krankcn- u. Sterbekasse d. D. Wagenbauer, Bez. 17 25,—. 9002 Kollegen d. Tischlerei D. Lüdtke, 3. Rate 12,—. 7733 Kollegen der Möbelfabrik Siewert 9,40. Kollegen der Posamcntensabrit Otto Röder 4.30. 2208 Von den Angestellten der Herberge des Berliner Gewerkschasts. bauscs 1,05. Hilfsarbeiter des.Vorwärts", Werkabt., 4. Rate 10,50. 7984 Arbeiter der Firma Kerb 7,65. Kollegen bei Schneider, Kronleuchtersabrik 6,45. Kollegen bei Wähler u. Schwab 6.15. 7517 Tischlerei Lübnih u. Reese, 3. Rate 14,30. 7665 Buchdruckerei v. Reinke u. Grunwald, 2. Rate 6,75. Kollegen bei Zöllmer u. Bartsch 13,15. 6675 Buchdruckerei Nagel II,—. 7593 Korbmacher von Heineinann, 2. Rate 7,50. 7995 und 7996 Kollegen der Firma Israel 55,—. 7584 Kollegen bei Pinkus 13,30. Firma Krönke 7,25. 4414 Gäste bei Hofsmann, Pankow 3,15. 4413 Modelltiichlerei d. Cdklop 12,50. 2213, 2215, 2221, 7401, 3. Abt. 2. Kreis 21,30. 8921 I. C. Psaff, Saal IV 5,05. 8756 Kollegen bei Prottmann u. Wobefer 8,85. Tischler bei Hirsch, 3. Rate 4,—. Kollegen der Firma V. Richel 8,—. 527 Sattlerei v. Just 12,65. Handtuch sahrer R. Bach, 3. Rate 8.—. Handtuchsahrcr bei G. Posner, 3. Rate 6,—. Kollegen bei Vollmer u. Hanke, Tischlerei 17,—. 6494 20,—. 7480 Kollegen bei Heinz u. Sohn 15,25. Kollegen bei Wagner u. Dünncbeil 6,90. 6941 Tischlerei Weinland 21,25. 6395 Tischlerei Schüler 7.95. Buchbinderei Slshelm, 3. Rate 49,10. 7585 Kollegen bei Nevir u. Weise 25,15. Seher des NeichS-Adrestbuches(R. Moste) 19,05. Tischlerei Fitzer u. Koste, 3. Rate 9,25. Tischlerei Glombitza, 2. Rate 4,30. 7749 Möbeisab. Phönix, 3. Rate 13,10. 7612.Lokalanzeiger". Ztg., 2. Rate l2,50. 8752 8,95. Hilfsarbeiter n. Arbeite- rinnen b. Ullstein, Schncllprcsscnsaal, 2. Rate 13,50.'Kollegen d. Gießerei Klaust 3,80. 8001 Tischlerei Treue 11,65. 2 Kistenmacher 2,—. Buchdruckerei "uhe u. Co. 10,85. 8777, 8778, 8779 u. 8790 Kollegen u. Kolleginnen der Zigarctlcnsabrit Manoli 48,25. 6942 Kollegen v. Wollmar u. Hanke, Frank- iurtcr Allee, 2. Rate 25,70. 7731 Bau Hcrtzog, Held u. Franke 5,80. Tischlerei v. Naucke 10,75. Verband der Hutmacher, Ortsverwaltung Berlin, 3. Rate, aus folgende Listen: 7182 Roick 8,40. 7185 H. Bock 25,90. 7187 Huth 8,—. 7199 Pappenheim 6,—. 7201 Schilling 10,60. 7205 Schmidtke 4,—. 7207 de Roch- 6,—. 7209 u. 7210 Silber u. Brandt 27,70. 7213 C. W. Borchert 6,75, 72l5 P. Geistler 6,—. 7217 Lewa und Tauber 12,90. 7219 P. u. C. Habig 11.—. 7220 Baumberg 6,50. 7222 Kochanick 6,50. 7224 Moritz 3,80. 7225 Markus 4.—. 7226 Möckcl 5,50. 7227 Lcntz 3,50. 7231 SJ ersten 3,—. 7232 Brühlich 7,75. 7235 Reichwald 4,—. AuS dem Dispositionsfonds 22.30.(In Summa 200,—.)— Baulischlerei G. Müller. Tegel 25,50. F. u. L., Darmarbeiter, 2. Rate 3,50. Vcrcinshaus in Güsle. diese 5,90. Wanderdund der Naturfreunde 10,20. Tischlerei Schäle Sohn 10,—. 3832 bis 3836 Buchdruckerei Büxen stein, Vcrbandsmitglieder 3. Rate 71,15. Tischlerei Bauke, Franksurter Straste 6,—. 6424 Bau Held u. Franke, Albrecht, u. Marienstrasten-Ecke 20.95. 7543 u. 7545 Kollegen bei O. Köhler, Pianomechanik, 2. Rate 25,50. 1613 Buchdruckerci A. Hast 2. Rate 9,50. Möbelfabrik Hiljenbeck, Kroll u. Co. 21,30. Organisierte Arbeiter bei W. u. Co. 3,50. 7744 20,85. 7835 Kollegen bei Bischof, Neue Königstraste 14,50. Tischlerei Nickel, Kcrmcke u. Lehmann 3. Rate 22,35. Kollegen der Tischlerei Naujock 6,—. Tischlerei Havcrkorn 6,75. Kollegen bei Corts, Brot- sabrik. Stendaler Str., 2. Rate 10,—. Kollegen d. Herdsabrik W. Baum 12,20. 8757 Kollegen der Kammsabrik W. Schweizer 6,60. 7735 Kollegen bei Wernicke, Klaviatursabr., 3. Rate 18,05. 7747 Tischlerei Schulz u. Hinsche, 2. Rate 6,25. 7773 Kollegen der Giesterei Butzke 19,05. 8781 Kollegen der Tischlerei G. Kuhnert, 2. Rate 25,05. Richtfest b. Bau Schloststr. 24, Lharlbg. 3,75. Lagerpersonal der Konfumgenossenschast Berlin und Um- gegcnd, 2. Rate 12,—. Thieme u. Weber 3,50. Durch Stummel 3,—. Bautischlerei Mausols, 3. Rate 11,80. 7803 Kollegen bei Heinz, Lauter u. Co. 3. Rate 24,60. 8765 Tischlerei O. Erdmann, Steglitzer Straste, 2. Rate 13,75. 6299 Buchbinderei Riesenstahl, Zumpe u. Co., 2. Rate 17,50. 6987 Ma�ereibetrieb 9,30. Äugest b. H. Tietz. Leipziger Straste 4,25. 6137 Bau Schöneberger Krankenhaus 10,95.«Iis Bau Schöneberaer Krankenhaus, 3. Rate 16,30. 6135 Bau Schöneberger Krankenhaus, Rubenstrahe 10,15. 2881 Schuhmacher bei H. Holze 7,65. Verband der Bäcker u. Konditoren, Fil. Berlin 200,—. 1084, 1088, 1089, 1091, 1095, 6961 Verband der Bäcker u. Konditoren, Fil. Berlin 124,05. Einige Kollegen der Bäckerei Hain V 6,50. Verband der Textilarbeiter, Fil. Berlin, aus folgend« Listen: 6799 14,75. 5383 9,95. 5408 3,65. 6806 16,20. 5394 8,65. 6796 16,—. 6795 13,10. 6797 3.90. 5397 2,95. 5398 3,45. 5399 8,45. 5400 3,15. 6794 2.—. 6805 11,20. In Summa 118,40.— Lotterievercin Dorf Grünthal 6,70.— Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands, Fil. Berlin I, auf solgendc Listen: 223 Schneider von Cohn u. Sohn 10,—. 226 5,65. 233 1,75. 254 3,—. 258 5,90. 266 durch Dunkel 4,50. 271 durch Probst 5.95. 303 durch Faustmann 6,70. 4339 Schneider von Fabisch u. Co. 6,20. 4840 Schneider vom Jockey-Klub 13,45. 4841 Schneider von Pabst u. Kunze 11,80. 6003 Schneider von Romann, 3. Rate 20,—. 6013 Tagschneider von Peel u. Cloppenburg, 3. Rate 31,25. kleines Feuilleton. Eine KristS der Schweizer Uhreaindustrie. Soeben wurde die Statistik über die Uhrenausfuhr der Schweiz für das erste Tri- mcster 190S veröffentlicht; aus ihr geht hervor, daß diese Schweizer Industrie zurzeit einen außerordentlichen schweren Stand hat. Schon 1998 war die AnSsuhr rapid gesunken, diesmal aber ergibt sich für die ersten vier Monate des Jahres ein Minus von 4 399 999 Franks gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit gelangt die Uhrcnindustrie auf die Basis der schlechten Zeiten zu Anfang der 99er Jahre. Zweierlei Dinge werden als Ursache dieser Verschlechterung angesehen. Einmal die immer starker werdende Konkurrenz in Deutschland, sodann— und dies hauptsächlich— die ungünstige ökonomische Lage im allgemeinen, besonders aber in Deutschland, denn dieses nimmt den Hauptteil der Gesamtausfuhr auf und hat 1993 um S Millionen weniger gekauft als 1907; das ist allein ein Viertel der Verminderung. Pilzkulturen im japanischen Walde. Die stetig wachsende Rachfrage nach eßbaren Pilzen weckt auch das Bestreben, Pilz- kiikturcn anzulegen. Von wirtschaftlicher Bedeutung sind in Europa bis heute nur die Champignon- und für Frankreich die Trüffel- zucht geworden.� Im übrigen wird der Pilzmarkt fast ausschlietz- lich von der Tätigkeit der Sammler bestritten. Da dürfte es intersssant sein, zu erfahren, daß die Japaner, wie die„Natur- wissenschaftliche Zeitschrift für Forst- und Landwirtschaft" mitteilt, bereits seit längerer Zeit dazu übergegangen sind, den Boden ihrer Wälder in rationeller Weise zur Aufzucht von Pilzen zu benutzen. Für ganze Distrikte des japanischen Waldes ist die Kultur eines sehr schmackhaften Hutpilzes, des Schitake, die einzige Art der Forstbenutzung, die noch dazu von einer ganz außerordentlichen Rentabilität ist. Eichen- und Buchenwälder, besonders der sub- tropischen Zone, eignen sich vorzüglich dazu. Die ganze Aufzucht läuft auf eine künstliche Jnfizierung des Holzes, auf dem dieser Pilz wächst, wit Sporen hinaus. Junge Bäumchen von Armes- bis Schenkeldicke werden im Herbst gefällt, etwa drei Monate an Ort und Stelle liegen gelassen und dann in drei bis vier Fuß lange Stücke zersägt, in die mit dem Beil bis ins Holz hinein Schnitte gehauen werden. Die Stücke werden sodann im Frühjahr an schattigen Plätzen verteilt, hie und da auch im Bambusgebüsch oder unter einem künstlichen Dache. Die in der Näh« der Pilz- kulhtren stets vorhandenen Sporen des Pilzes nisten sich nun in den Wundstcllen des Holzes ein; es entwickelt sich das sogenannte Pilzmycel» das das Holz in eine weißliche, brüchige Masse vcr- wandelt, und bereits im Herbst des ersten Jahres kann die erste Ernte der Hutpilze erfolgen, die aus der Rinde oder den Schnitt- stellen hervorbrechen. Falls das Abernten in vorsichtiger Weise geschieht, braucht die Pilzkultur erst nach sechs bis sieben Jahren erneuert zu werden. Die geerntetcn Pilze werden langsam und im Schatten getrocknet, da schnelles Trocknen am Feuer oder in der Sonne das Aroma zerstört. Der Schitake erreicht eine Größe bis zu 13 Zentimeter Hutdurchmesser und wird in Japan meist Von den Schneidern H. Hossmann 6002 37,30, 6014 15,50. 6015 11,— 6016 6,—. 6017 Schneider von Macho n. Lcivin 5,35. 6025„Ausgewiesene Frauen Kolonie Albrcchlsruh II" 4,25. Schneiderwerkstatt Veit 6,—(in Summa 211,55).— Deutscher Mctallarbciierverband, OrtSverwalttmg Berlin, aus folgende Listen: Kernmacher, Keiling u. Thomas 3103 18,15. 8109 16.—. Gebrüder Bolzani 3110 26,40. 3111 11,30. 3112 16,50. 3113 Arbeiter von Max Hasse u. Co., Llndowerstr. 22, 50,75. 3128 Elgcrs, Linienstraße 155, 6,15i 3130 Fabrik A. Gebrüder Israel 10,05. 3220 Tnuseiidsreund 11,05. Topograph, 3. Rate 3221 42,35. 3222 36,25. 3223 56,70. 3224 26,80. 3225 19,-, 3226 36,30. 3228 Slempelfabrik Bernerl, Charloltenburg 55,10. Anhalliiche Maschinen sabrik 3249 20,95. 3250 16,40. 3401 12,80. Gebert, Sophienstratzc, 3. Rate 3252 9,10. 3253 18,—. 3254 16,60. 3255 17,75. 3256 Gartemnöbcl'abrik Gebr. Jäckel 4,55. 3258 Schässner u. Hauschner, 3. Rote 13,25. 3433 Sentker 22,30. 3434 P. Sachse 6,70. Durch Kollegen Koblank 3440 4,25. 3444 2,30. 3445 5,70. 3450 Sentker 9,45. 3452 Leopold Zi-gicr 19,60. Dreher u. Maschinenbauer v. Borsig 3453 31,—. 3462 42,—. 3463 34,25. 3464 56,50. Durch Kollegen Koblank 3515 10,25. 3517 8,45. 3522 10.65. 3523 11,15. 3524 6,10. 3572 Mechaniker von Bosse 11,30. 3656 Speck, Lützowstr. 2, 3. Rate 15,59. 3658 E. Lenz, 2. Rate 24,55. 3669 O. R. Nictfch 7,—. 3819 Zwerg 6,15. 3840 H. Frost u. Söhne 51,10. 3855 Schall u. Kiltz 4,—. 3886 Hnnibert, Ritterstr. 11 22,—. 5653 Bach u. Mahlow 15,05. Daimler, Marlenfelde, 3. Rale 5654 20,85. 5655 12,75. 5656 17,—. 5657 20,90. 5658 24,10. 5659 38,45. 5660 13,55. 5661 4,65. 5662 16,95. 5663 16,10. 5668 Münchmeier 17,70. 5701 Glogowsky u. Co. 7,20. Stock. Mariendors 5723 35,25. 5724 11,—. 3946 20,90. 5738 Petersscldt 26,50. 5742 Heubach, Tcmpelhof, 2. Rate 28,60, 5743 E. Brüggemanu u. Co., 2. Rate 12,75. 5744 Monteure u. Chauffeure Altonacr Str. 22 12,50. 5772 Erkner 10,30. 5811 Höhne. Steglitz 12,80. 5812 Gebr. Blank u. Co. 12.05. 5913 Windler 10.—. 5916 Hauptner 38,15. 5917 Henniger u. Co. 21,70. 5923 Schuchardt u. Schütte 13,80. 5929 Köppe u. Schulz 19,—. 5936 Durch Oskar Nagel 11,25. 5973 Branchenvcrsamm lung der EIckwomonieure 20,75. 5995 Möhriug, Mauerstr. 3 4,—. 2019 6. Wahlkreis Bez. 725 8,20. 2020 A. Dinse 9,25. Hcrrenpariie Sandkrug d Münchcbcrg 7,—. 8211 Tellcrsamml. d. Gencralversamml. d. Metallarbeiler- Verbandes 112.—. 5934 Eckel u. Glinicke, 3. Rate 23,10.(Sa. 1694,60 M.)— 5410 D. Klein 11,—. Von den Malern der Fa. I. Bodenstein 8,65. 6655 Buchdruckerei Sporn 5,50. Hcinze 1,—. 6299, 8141, 8142, 8155 Verband der Buchbinder, Zahlstelle Berlin 20,55. 6101 Bau Landsberger Bahnhof 4,—. 4396 D. 31' Vinning 5,—. Töpfer d. Fa. Grund jun. 9,80. Maler- gehilse 1,—. 5135 und 5118 Rabitzputzer u. Träger d. Fa. Träger u. Schulze 14,50. 5112 und 5133 Sektion der Gips- u. Zcmentbranche 7,50. 5115 Zemcntarbeiter P. Zöllner u. Co. 12,40. 5101 Rabitzer der Ges. für Spezialbauauss. 6,80. 5107 Zementarbeitcr der Fa. Schomburg, Thorner Strasse 6,—. 5127 und 5134 GipZ» u. ZemnNbranche 3,60. 8751 Kollegen d. F. Gensichcn, 2. Rate 8,75. LagodzinSki, Wilmersdorf 28,65. 8041 Holzarbeiter d. Spälhe 22,65. Geburtstagsfeier Gesangverein„Sanges lust" 5,70. 8199 Tischlerei Neumann u. Bunar 20,95. Bedagsahrer 8,35. Tilchlcrei v. Baier 3,50. Skatkiub„Laubenhocker" 3,—, Lotterievercin„Glücksrad". Charlolicnburg 8,50, Modelltischler von Korytha u. Sohn 8,—. 8130 Tischlerei o. Kuttner u. Haas, 3. Rate 12,85. Gramm 2,—, Karl Leppin u. Masche 10,—. Förster 10,—. 6952 Tischlerei Köhlert 10,75. 7577 Goldleistensabrik Adolf Werkmeister 24,55. 8129 Metallarbeiler von Weincrt, 2. Rate 14,45. Zentralvcrband der Maschinisten und Heizer, Berw. Berlin 300,—. 6736 Färber von Bloch 5,—. 6737 Löwcnbrauerci 3,—. 6738 Bez. Rixdors 14,60. 6739 Bez. Weigenlce 13,05. 6740 B. E. Zentr. Moabit 19,70. 6742 Bez. Osten 14,65. 6746 Bez. Moabit 11,85. 6747 Bez. Baumichulenweg 17,50. 6748 Bez. Südost 4,—. 7781 Vikloria Brauerei 7,50. Tischlerei Dobberi, 3. Rale 4,40. Holzarbeiter von Bauer u. Seeger 4,45. 7595 Schraubensabrik Gebrüder Roll 16,25, 6679 Buch druckerei H. Theinhardt 6,05. 5340 Tischlerei Kimbel». Friedrichsen 18,65. Hilfsarbeiter Buchdruckerci Eisner 18,80. 7514 Nauckjche Buchdruckerci, 3. Rate 15,40. 8776 Metallarbeiler der Firnia H. BoaS, 2. Rate 21,30. 7596 Buchdruckerei A. Scholem, 3. Rate 14,75. 7426 Neue Vcrgaser-Ges. 21,50. 6672 Buchdruckerei Beyer u. Böhme, 2. Rate 19,05. 760l, 7602, 7603. 7604, 7605 Buchdruckerci Hempcl, 2. Rate 71,65. 3149 Montiersaal Lindström, 2. Rate 52,90. 6657 Buchdruckerei v. Denier u. Nicolas 16,55. 7873 Personal der Luxilspapicrsabrik H. Wolss, 3. Rate 56,20. 7597 Tischlerei Blankenburg u. Schnabel, 3, Rate 13,75, 7542 Baulischlerei Osten 10,50. Goldlcistensabril C. Ruther.berg Nachf. 8,10. 8763 Buchdruckerci G. Heimele, 3. Rate 5,30. 7746 Tischlerei v. Fürst u. Kunard, 3. Rate 5,50. 7888 Bau- ttsiblerei H. Ziehe 3,45. Buchbinderei Prager u. Lodja 5,60. Tischlerei Dein u. Geilen, 2. Rake 18,75. 6661 Buchdruckerci Gicßmann 5,75. 6971 Baulischlerei E. Mittag, 2. Rate 26.65. 6951 Bauklcmpner d. Firma Geister 17,55. Laubenkolonie Sperlingslust 8,45. Kollegen der Firma Grutzke, Gulschle u. Co. 11,—. Stammtisch Fuhrmann 11,—. Putzer vom Bau Kossatz 8,25. Umbau Dresdener Bank 4,70. Touristen- verein Vorwärts 5,—. Buchdruckerci C. Gernbeck 6,75. Krön- leuchterfabril von Ganscweit n. Co. 10,55. Bettstellensabrik H. Reinbold 4,60. Stockarbeiter v. Goldmann 9,20. Möbelfabrik v. H. u. A. Schulz 34,80. 8099 Reparaturwerkstatt Jobannisd. Maschincnsabril 18,50. 8187 Giesserci Gebr. Müller 10,30. 6677 VcrbandSiiülglicdcr und Hilfsarbeiter der Druckerei Liebhcil u. Thicssen 7,60. 6678 Buchdruckerci D. Feilcheiiseld, 4. Rate 16,50. 6614 VerbandSmitglicder d.„Reichsboicn", 2. Rale 14,25. 8190 Tischlerei v. Harris». Eheidon, 2. Rate 30,—. 6861 Tapetcnsabrik E. Liepmann 10,15. Möbelfabrik Hanke u. Kaebcr, 2. Rate 20,—. Tischlerei Krau 0. P. Böhme 13,25. Trcppengeländcrarbeiter v. Heinz 9,50. 7500 Tischlerei Isis u. Co., 3. Rate 19,50. 8753 Maschinenfabrik Behling in einer Art Suppe zubereitet genossen. In Deutschland sind gegenwärtig ausgedehnte Versuche im Gange, diesen Pilz auch in unseren Wäldern einzuführen und ständige Pilzzuchtplätze im Walde anzulegen. Die wahren Schätze Alaskas. Großes Aufsehen erregen in Amerika Mitteilungen, die Ingenieur Harrington Emerson, einer der gründlichsten Kenner von Alaska, über dieses Land macht. Bisher hatte man das seinerzeit den Russen für die geringe Summe von 7 200 000 Dollar abgekaufte Goldland für eine Art Eiswüste gehalten. Emerson stößt diese Ansicht vollkommen um. In seinen amtlichen, dem Ackerbaudepartement erstatteten Berichte charak- terisiert er die klimatischen Verhältnisse der für die Valdcy und Jukon-Eisenbahn in Frage kommenden Gegenden mit den Worten: „Das Winterklima ist identisch mit dem von Washington und der Sommer gleicht dem von Maine." Der Landwirtschaftsminister Wilson bestätigt, daß Alaska in vielen Strichen alle Gctreidcartcn bauen kann, und daß es dereinst Getreide in Massen expedieren wird. Darin seien die wahren Schätze des Goldlandcs zu suchen. Musik. Mit lebhafter Freude begrüßen wir den abermaligen Versuch, eine„Volks-Oper" zu schaffen. Wie schwer dies wenigstens hierzulande ist, zeigt auch der Umstand, daß die„Freie Volksbühne" derzeit anscheinend ganz auf eine Fortsetzung ihres früheren Opern- spieleS verzichtet. Und die Königliche Oper, die über die reichsten Mittel verfiigt, geht nicht nur nicht in einer solchen Richtung vor- wärtS, sondern versäumt auch sonst so gut wie jeglichen positiven Fortschritt. Der neue Versuch aber will nicht Rur Volkstümliches, sondern auch für die Kunst selbst etwas Apartes bieten. Dr. M. A l f i e r i, vor mehrmals einem Jahrzehnt unseren Lesern als Musikrefercnt be- kannt, seither als Gesangsmeister erfolgreich wirkend, will nunmehr als Operndireltor de» alten schönen Bühnengesang wieder zu Ehren bringen, und zwar angesichts der Tatsache, daß in dieser Kunst Deutschland allmählich vom Ausland überholt wird. Seiner Absicht soll ein Zurückgreifen auf die ältere italienische Oper dienen. Im Begriffe, darin etwas„Reaktionäres" zu erblicken, wird man sich vor allem sagen müssen, daß hier keine Gegnerschaft gegen anderes Wertvolle, sondern vielmehr die Förderung eines wohl- berechtigten Gebietes neben anderen angestrebt wird. Sodann ist es immer fruchtbar und erfreulich, wenn in einer, sei's auch einseitigen Richtung, etwas Bestimmtes und KonkretoierteS geleistet wird. Das aber scheint hauptsächlich Alfieris Gedanke gewesen zu sein, als er daS ehemalige Velle-Alliance-, nachmalige Lortzing- Theater, daS an volkstümlichen und unvollstümlichen Schicksalen so reich' geworden ist, als nunmehrige VolkSopcr übernahm. Vorgestern (Dienstag) war die Eröffnung. Der erste Abend griff aus die Zeit einer„Romantik" zurück, die damals etwas Revolutionäres war. heute jedoch mehr nur als kuriose Jugenderinnerung von uns Aeltercn Bedeutung hat. Anno 1330 hatte der französische Dichter Victor Hugo mit seinem Drama.Ern an i" sozusagen eine Schlacht gegen den„Klassizismus" u. Lübke, 3. Rate 36,—. 7521 Pianofadrik von W. Hossmann 7,20. 1292 Maler der Firma Böcher 8,—. 6119 Bau Potsdamcrplatz 3 10,25. Schlosser n. Lindstädt 5,—. 10 Maurer Osten II 7,95. 11 Bau Feuerwache, Ungerstr. 8,70. Maurer Osten II 12 6.55, 13 10,—, 14 7,60, 6122 6,70. 6114 Ausbau Kicsholzstr. 4,10. 6152 und 6153 Bau Potsdnmerstr. 10 u. 11 21,15. 36 Bau Schröder, Tempelhoj 3,55. 19 d. Puschel 5,30. 6136 Vau Schönhauser Allee 129 7,—. 109 Bau Küthe 9,—. Summa 5557,15. "Bisher sind eingeliefert 92 280,93 M.; dazu kommen 5557,15 M, Summa 97 838,14 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 13 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserer» Bureau, Engelnfer 15 I, Zimmer 23, vormittags 9— 12l/.2 Uhr und nachmittags von 4— Vffz Uhr abzuliefern. Die Listen 3393, 3637, 1194, 7243, 3282, 3233 und 1830 find verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommisfio«. Sechste Zilternatlonale Konferenz der Sekretäre der gewerkfchaftlkhen Candeszentralen. Paris, 30. August. Die Konferenz wird nach 9 Uhr von dem Generalsekretär der französischen Confedöration Günörale du Travail, Jouhaux, eröffnet. Er begrüßt die Delegierten und spricht seine Freude darüber auS, daß die Verbindung des Internationalen Sekretariats mit der französischen C. G. T. wieder ailfgenommen ist. Er hoffe, daß die Delegierten die französischen Vorschläge in versöhnlichem Geiste prüfen würden. Es sei endlich an der Zeit, der kapitalistischen Jnter- nationale die Arbeiterinternatlonale entgegenznstellen. Zwei Vor- fragen müsse die.Konferenz erledigen, ehe sie in die eigentlichen Ver- Handlungen eintreten könne. Der bulgarische Delegierte sei nämlich Delegierter der nicht angeschlossenen Gewerkschafts- zentrale Bulgariens, während die dem Internationalen Sekretariat angeschlossene Zentrale keinen Delegierten gesandt habe. Ferner bitte der Delegierte der rumänischen Gewerkschaften um Zu- lasiung zur Konferenz, obschon die dortige Zentrale noch nicht an» geschlossen sei. Lcgien gibt dazu die Erläuterung, daß von den beiden in Bul- garien bestehenden Gewerkschaftszentralen die eine seit Jahren an- geschlossen sei. Nach dem Regulativ der zweiten Konferenz von Stuttgart könne die Konferenz keinen Delegierten einer nicht- angeschlossenen Organisation anerkenne». DaS Regulativ bestimmt, daß für jedes Land nur eine Zentrale anerkannt werden darf. Er sei aber trotzdem nicht dafür, den anwesenden Delegierten auszuweisen, sondern man möge ihn a lS Gast mit beratender Stimme zulassen. Uvctet, zweiter Sekretär der französischen C. G. T-, ist für Legiens Vorschlag, will aber damit eine Einladung an die Organi- sationen aller Länder verbunden wissen zur Herstellung der Einigkeit. Die Konferenz beschließt den bulgarischen Delegierten als Gast den Verhandlungen beiwohnen zu lassen. Ralowöky- Rumänien erklärt, daß eine ganze Anzahl von nlmäiiischen Gewerkschafien den internationalen Verbänden schon angeschlossen seien. Er sei da, um den Anschluß der Zentrale zu verlangen. Legicn erklärt sich gegen die Aufnahme. Von der Existenz rumänischer Gewerkschaften"ivisse er nichts. Wenn sie bestehen, so hätten sie wohl Zeit genug finden können, um sich wenigstens durch eine Karte beim Internationalen Sekretariat anzumelden. Er stelle der rumänischen Zentrale anheim, sich anzuschließen, dann könne sie an der nächsten Internationalen Konferenz teilnehmen. Hnysmans- Belgien meint, wenn Lcgien von der Existenz der rumänischen Gewerkschaften nichts wisse, so sei das sein Fehler. Die rumänischen Organisationen waren in Stuttgart vertreten. Trotzdem sei er dagegen, den Delegierten ohne weiteres anzuerkennen, dagegen sei er dafür, ihn ebenfalls als Gast zuzulassen. Rakomsky-Rumäliien betont, daß den rumänischen Gewerkschaften 8300 Mitglieder angeschlossen seien. Schwere Kämpfe, unzählige Streiks und Aussperrungen hätten das Aufblühe» der Organisationen zurückgehalten. Wenn viele Vertreter der dortigen Arbeiterbewegung gezwungen sind, sich im Ausland aufzuhalten(RakowSky lebt in geliefert. Anno 1844 brachte der italienische Komponist G. Verdi seine darauf gebaute Oper vors Publikum. Dann kam sie über die deutschen Bühnen. In Berlin fehlte sie wenigsten? während der letzten Jahrfünste. Jetzt haben wir sie vor dem Halleschen Tor. Auf den Inhalt de? Operntextes einzugehen, wird man unS wohl erlassen. Kaiser Karl V. und ein Bandit, viel Rache und Verschwörung in ober- und unterirdischen Gemächern, und ioaS sonst alle? zu Arien, Duetten, Terzetten usw. nötig ist l Darüber eine Musik ausgebreitet, die von dem gräßlichen„ U m- da- da" der einleitenden„Ritornellc" bis zu den merkwürdigsten Feinkünsten im Gesang und im Jnstrumentalspiel ansteigt. Wie nötig Alfieris Bemühungen nach dem„dol canto" sind, ersieht in an auch daraus, daß ihm selbst darin noch kein Jdealerfolg beschieden ist. Am nächsten kommt einem solchen seine Sopranistin Frl. S e n b e r k, weniger nahe sein Tenor Herr Kogl. Bei allem, was im übrigen fehlte, war ein Streben nach Weichem im guten Sinne des Worts zu merken. Dies gilt bcs anders vom Chor und auch vom Orchester. Dem schönsten Gesang aber ist es nicht nur nicht schädlich, sondern geradezu notwendig, daß er die Konsonanten nicht ver- nachlässige: alle Akustik verlangt darin das Höchstmögliche. Ein Versuch, gegenwärtige Operndrainatik auf die Darbietung älterer Stücke zu übertrage», ist nicht beabsichtigt. Doch den Sängern wenigstens etwas Stehen und Gehen und Agieren bei- zubringen, würde doch wohl nicht schwer sein. Auch sonst liegen vor der Direktion noch zahlreiche Möglichleiten, im Kern und im Aeußeren neues Gute zu schaffen. Sie verdient eS ganz wohl, daß man durch derlei Wünsche ihr Mitarbeiter wird, wie sie denn auch den temperamentvollen Erfolg der ersten Vorführung, der bis zu einer Ansprache deS Direktors führte, wohl verdient hat und ein weiteres Interesse deS Publikums ebenfalls verdient._ ez. Notizen. — Die Presse der Schweiz. Die kleine Schweiz gehört zu den im Zeitungswesen fortgeschrittensten Ländern. Die Zahl der dort erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften beträgt nicht weniger als 1332. Davon erscheinen in Zürich 182, in Bern 158, in Genf 123, in Lausanne 90, in Basel 72. In französischer Sprache erscheinen 429 Blätter, in italienischer 43, in englischer 3, in rhäioromanischer S, ferner 2 in Esperanto(Genf), ein polnisches in Zürich und ein armenisches in Genf. — Statistik französischer Schriftstellerinnen. Nicht weniger als 3000 schriftstellenrde Frauen zählt das heutige Frankreich. Unter dieser stattlichen Schar sind 1300, die Romane oder Jugendbücher schreiben, 300 befassen sich mit pädagogischen Schriften und 300 schreiben Gedichte. Etwa 60 sind Mitglieder der Vereinigung der dramatischen Autoren. Journalistinnen zählt die Statistik 360 auf, aber von diesen kommen 340 nur für die Mode- zeitschriften oder die Modcrnbrik in den Tageszeitungen in Betracht. Auf den übrigen Gebieten der Journalistil betätigen sich also nur zwanzig Frauen. Immerhin bezeichnen auch diese Zahlen den SiegeSzug der Frau, da vor fünfzehn Jahren den journalistischen Berns nur sieben oder acht Frauen ausübten. Paris), so sei die reaktionäre Regierung Rumäniens dran schuld und ihre AuSweisungspolitik. Er schlägt vor, die Beschlußfassung über seinen Fall auf Mittag zu vertagen, damit er bis dahin einen schläft- lichen Antrag zur Aufnahme der rumänischen Gewerkschaftszentrale einreichen könne. Oudcgecst-Niederkande ist der Ansicht LegienS. Hucbcr-Oesterreich will solche Mandate nicht anerkannt haben. Die rumänischen Gewerkschaften arbeiteten brav, aber das entschuldige ste nicht, daß sie fich noch nicht anmeldeten. Das Internationale Gewerkschaftssekretariat sei doch keine formale Sache, sondern eine organisatorische von höchster Bedeutung. Legien betont, daß man informiert werden wolle über die der- schiedenen Bewegungen und daß eS deshalb nötig sei, Delegierte vor sich zu haben, die in den betreffenden Ländern auch wohnen. Die Konferenz beschließt, den rumänischenDelegierten als Gast zuzulassen. Bei der darauf folgenden Bureauwahl werden I o u h a u x und N V e t o t zu Präsidenten, Sassenbach- Berlin zum Sekretär bestimmt. Im Namen der französischen E. G. T. stellt dann Aoetot den Antrag, die Oeffentlichkeit auSzu» schließen, und begründet das mit dem allzugroßen Zudrange zu den Verhandlungen seitens Unberufener, der sonst eintreten könne. Hncbcr hält das im Interesse der Konferenz für unangebracht. WaS geredet und verhandelt werden würde, selbst wenn man nicht immer einig sei, dürfe die ganze Welt hören. Der französische Antrag würde auch die Presse ausschließen. DaS sieht aus, als ob man fturcht hätte vor ihr. Die Presse aller Parteien könne schreiben, was sie wolle. Avetot erklärt, daß die C. G. T. nicht aus Angst vor der Preffe diesen Beschluß gefaßt habe, sondern auS Unparteilichkeit gegen die- jenigen, die Zulassung verlangen und denen auS Raunimangel fdie Konferenz findet in einem kleinen Saale statt) nicht entsprochen werden könne. Die Preffemitglieder könnten ja zwei, drei Delegierte bestimmen, die dann ein Communiquö ausgeben könnten. Gce-Enaland ist für die Oeffentlichkeit. Man solle der Preffe einen Tisch für sich geben. Rigola-Jtalien will das Publikum ausgeschlossen wissen, die Presse nicht. Hueber besteht darauf, baß die Presse in vollem Umfange zu- gelassen wird. Nach weiterer Debatte kommt es endlich zur Abstimmung: nur die zwei französischen Delegierten.stimmen für Ausschluß der Oeffentlichkeit. Auf Borschlag LegienS vertagt sich darauf die Konferenz bis 2 Uhr mittags. sMittagssitzung.) SassenVach-Deutschland legt eine Sympathieerklärung für die schivedischen und spanischen Arbeiter vor, die ohne Widerspruch angenommen wird. Die amerikanische Organisation der unbeschäf« tigten Arbeiter hat Dr. Eadshowd zur Konferenz entsandt und ersucht um Zulassung desselben. Gleichzeitig ladet sie die Kameraden zur Teilnahme an dem 1810 in C h l c a g o statt- findenden Kongreß der Arbeitslosen ein. Sassenbach erklärt den Antrag für unannehmbar und schlägt vor. von dem Antrag einfach Kenntnis zu nehmen. Auf Antrag der Franzosen wird Dr. Eadshowd als Gast zu- gelassen. Die Konferenz geht dann zur eigentlichen Tages- ordnung über. Legien erstattet den Bericht des Internationale« Sekretär». Die Zahl der Mitglieder der den Landeszentralen angeschlossenen Gewerkschaften, für welche Beiträge an das Internationale Sekretariat gezahlt wurden, ist im Berichtsjahr gestiegen, obgleich die Gewerkschaften in einigen Ländern infolge der wirtschaftlichen Krise einen Mitgliedcrverlust zu verzeichnen hatten. ES zahlten Beiträge: England für Svb 000, Niederlande für 37 000, Belgien für 67 000, Dänemark für SS 000, Schweden für 170 000, Norwegen für 46 000, Deutschland für 1 831 731, O e st e r- reich für 480 000, Ungarn für 130 000, Schweiz für SO 000, Italien für 2ö0 000, Spanten für 34 000 Mitglieder, das heißt zusammen wurden Beiträge gezahlt für 3 886 731 Mitglieder. An Beitrag war zu leisten bis 190S pro 1000 Mitglieder der angeschlossenen Organisationen pro Jahr SO Pf., von IVOS— ISO? pro 1000 Mitglieder 1 M., und von ISO? ab t.SO M. Entsprechend den Bestimmungen über die gegenseitige Unterstützung in Streikfällen versandte der Internationale Sekretär im Oktober 1908 ein Gesuch der Landes- zentrale in Finnland um Unterstützung der ausgesperrten Metall- arbeiter. Soweit berichtet, wurden an Unterstützungsgeldern an die finnländische Landeszentrale gesandt von: Dänemark 278S M., Deutschland 2468 M., Kroatien 266 M., Holland 1043 M., Bulgarien 60 M., Norwegen 1378 M., Oesterreich 206 M. und von den Papierarbeitern in N a st r e d in Dänemark 191 M. Bon der LandeSzenwale in Schweden wurde ein Unterstützungsgesuch für die in der Generalaussperrung und im Generalstreik befindlichen Arbeiter Schwedens dem Internationalen Sekretär übermittelt. der es am 31. Juli d. I. den gewerkschaftlichen Landeszentralen zustellte.— Die Korrespondenz des Internationalen Sekretärs war im Berichtsjahre etwas umfangreicher als in den Bor- jähren. ES gingen an Postsendungen vom 1. Juli 1908 bis 30. Juli 1909 ein: 148 Briefe. S Postkarten, 10 Postanweisungen. 13 Druck- fachen, zusammen 176 Postsachen. Versandt wurden 16S Briefe. 14 Postkarten. 85 Pakete, 266 Drucksachen. 2 Postanweisungen. 2 Telegramme, zusammen 534 Postsachen.— Die Einnahmen betrugen 6772 M., der Berkauf der internationalen Berichte ergab 1937 M.. zusammen 8709 M. Der Bestand vom Borjahr betrug 3054 M.. die Ausgaben 7290 M.. fo daß ein K a s f« n- bestand von 7290 M. für daS Jahr 1909/10 vorhanden ist. Dem Internationalen Sekretariat gehöre« bereits an: England. Frankreich. Niederlande, Belgien. Dänemark. Schweden. Norwegen. Finnland, Deutschland. Oesterreich. Ungarn. Kroatien. Serbien. Bulgarien, die Schweiz. Italien und Spanien. Wenn der Vertreter der American Federation of Labor, dem die Möglichkeit, der Jnternatio- nalen Konferenz beizuwohnen dadurch gegeben wurde, daß man die zuerst für 1910 geplante Konferenz auf daS Jabr 1909 verlegte. wie es vorauszusehen sei, den Anschluß seiner Organisation aussprechen werde, so wiirde sich die internationale Verbindung auf alle Länder erstrecken, die zurzeit dem Internationalen Sekretariat angehören können. Die GewerlichoftSkommisfion für Bosnien und dre Herze- g o w i n a in Sarajewo hat um den Aiischluh an das Internationale Sekretariat ersucht. Legien macht darauf anstnerksam, daß eS von der Erklär»ing, die Gomper» abgeben wird, abhängen muß, ob er als beschließender Delegierter oder niir als Gast anerkannt werden kann. In dem Mandat, daS ihm GomperS überreicht habe, stehe über den Anschluß der A. F. o. L. nichts. Was das Gesuch Bosniens und der Herzcaoivina betreffe, so möge die Frage im Einverständnis mit den Delegierten der Länder, die in Betracht kommen, geregelt , verden, da ganz besondere Berhältnisse vorliegen. Zum Schluß spricht Legien dahin die Hoffnung aus. daß die gewerkschaftliche Internationale innner mehr für die Erziehung der Arbeiterklasse E ckar d t sb erg a hielt am Sonntag in Sangerhansen seinen Kreistag ab. Die Organisation hat wegen der' wirtschastlichen Krise zwar keinen Fort- schritt gemacht, sich aber ans ihrer vorjährigen Höhe gehalten. Die Einnahmen betrugen 1360,31 M. und die Ausgaben 1003,91 M. Der Milgliederstand beträgt 309. Da«„Hallesche Volksblatt" ist in 043 Ercinplaren verbreitet. Da der bisherige Kandidat des Kreises, Genosse Graf- Sangerhausen, die Kandidatur niedergelegt hat, wurde der Kreisvorstand beauftragt, sich nach einem geeigneten Kandidaten umzusehen. Die Generalversammlung des Kreises Recklinghausen- Borke» fand zum ersten Male in der Stadt Recklinghausen statt, was früher ivcgen der Saalabtrelbcrei der Gegner nicht möglich war. Der Jahresbericht weist entgegen dem Vorjahre eine Mehr- einnähme von 2000 M. auf. Die Mitgliederzahl stieg von 830 auf 1077. Der Kassenbestand beträgt neben einem nlsPrcßfondS zinsbar angelegten Darlehen von 1930 M. 333 M. Die Zahl der Weib- lichen Mitglieder stieg von 193 auf 49», da? Abonnement der „Gleichheit" von 400 auf 495. Die Fluktuation der Mitglieder ist eine sehr starke. Im Berichtsjahre erhöhte sich die Mitgliederzahl bei 790 Neuaufnahmen um nur 242. Die Anstellung eines Partei- sckretärS wurde aus finanziellen Rücksichten zurückgestellt. Mit der taktischen Haltung deS„Bochumer Volksblatts' erklärte sich die Generalversammlung ausdrücklich einverstanden. Eine erfreuliche Zunahme an Mitgliedern hat der Sozialdemokratische Verein für R e u ß j. L.(G e r c) im Monat August zu verzeichnen. Ohne daß eine allgemeine Agitation vorgenommen worden, wurden über 220 neue Mitglieder gewonnen. Besonders in den ländlichen Teilen des Wahlkreises nimmt unsere Organisation beständig zu. Es ist zu hoffen, daß es unseren G-. nassen auf diese Weise gelingt, die Scharte von 1307 bis zu den nächsten Wahlen wieder auszuwetzen. polireUicbes»©eritbtllchcs ufw. Wege«„Anstiftung zum Diebstahl" ist gegen den verantwort- lichen Redakteur des...Harburgcr VolkSblatt", Genossen Zielke, ein Strafverfahren eingeleitet worden. Das„Volksblatt" veröffentlichte während der Bauarbeiteraussperrung einen an den Harburger Hauptscharfmachcr im Baugctvcrbe, Aug. Prien, gcrich. Wien Brief eines Arbeitswllligenlieschützers, den ein günstiger Wind auf den RcdaktionStisch des..Harburger PolksblatteS" geweht hatte. Das Verfahren dürfte mit einem kläglichen FiaSko des ergrimmten Scharfmachers enden,________ Hus Industrie und Kandel. Lebensmittelwucher. Die umheimliche Verteuerung der Lebenshaltung rücken die Feststellungen deS Statistischen Amts der Stadt Berlin über verschiedene Warenpreise in bengalische Beleuchtung. Nach den aufgestellten Berechnungen kostete z. B. 1 jtilo gramm Roggenbrot im Jul'.-Zlugust 3t, b? Pf., 1 Kilogramm Weizenbrot 56,49 Pf. Bringt nian die letzten diesjährigen Preise mit denen nach dem Jahresdurchschnitt früherer Jahre in Vergleich, gewinnt man dieses Bild: 1304 1899 1909 Roggenbrot 1 Kilogramm t. 20,43 24,21 31,57 Pfennig Weizenbrot 1... 30,15 41,70 56,49, Gegenüber 1899 ist der Rogaenbrotpreis um 39,49 Pro zent, der Weizenbrotpreis run 35,47 Prozent gestiegen. Ge messen an dem Preise des Jahres 1894 sind die jetzt gültigen Preise höher: Roggenbrot um 54.52 Prozent Weizenbrot» 69.71. So wird dein Volke das notwendigste Nahrungsmittel verteuert und die Junker schlucken Liebesgaben über Liebes gaben. Da» ist die Frucht feudal-klerikaler Wirtschaftspolitik m Preußen-Deutschland. Hundert Prozent Dividende. Die Internationale Bohrgesellschaft, ein Unternehmen, das nach Erdschätzen bohrt, an dem der Schaaffhansenscho Bankverein stark interessiert ist, läßt verlauten, daß es dieses Jahr wieder nur 100 Prozent Dividende zu verteilen in der Lage sei. Die Jnter« nationale Bohrgesellschaft hat in fritheren Jahren sogar 500 Proz. verteilt I Es sei daran erinnert, daß der preußische Staat dieser Ge- sellschast erst Bodenschätze schenkte und sie ihr dann wieder indirekt zu horrenden Preisen abkaufte. Der Internationalen Bohrgesell- schaft wurden in Nordwestfalen wertvolle Kohlenfelder ver- liehen, das heißt geschenkt! Die Bohrgesellschaft verkaufte bann, nachdem sie durch Bohrungen gute Fundresultate erzielt hatte, den Teil der mittelmäßigen Felder mit großem Gewinn an Dritte, daß sie die schon genannten hohen Dividenden berteilen konnte. Der preußische Fiskus hat dann zu wahren Wucherpreisen die vorher unentgeltlich verschenkten Felder zum Teil zurückgekauft, und zwar von den Privatunternehmern, die von der Internationalen Bohrgesellschaft die mittelmäßigen Felder erst gekauft hatten. Die erstklassigen Fundstellen behielt die Gesellschaft natürlich für sich. lieber die bezahlten Preise machten sich die Eingeweihten lustig; es war ihnen nämlich bekannt, daß die durch den FiSlnS au« Privathänden gekauften Felder in Wirklichkeit Käufe aus den Händen von Hintermännern der Bohrgesellschaft waren! Folgen der Tabaksteuer. Die schlimmen Folgen der Neichsfinanzreform machen sich jetzt schon in der Tabakindustrie der Vorderpfalz reckst empfindlich fühlbar. So wurde in Lingenfeld, in dem bisher eine lebhafte Tabak- industrie ihren Sitz hatte, von fünf Zigarrenfabriken der Geschäfts- betrieb eingestellt. Wann die Arbeit wieder aufgenommen wird, steht noch nicht fest. 200 Tabakarbeiter sind arbeitslos geworden. AuS den anderen Tabakindustrieorten kommen ähnliche Klagen. SuimissionSblüten. Für die Erweiteningsbauten am Bahnhof Kassel wurden für 1000 Kubikmeter Erdarbeiten und 2000 Kubik- mcter Bruchsteinarbeiten von Liebold u. Co.-Holzmi»den als Höchst- fordernde 03 233 M., von Lauterbach-Kassel als Mlndestforderude 25 231 M. verlangt. Die Differenz beträgt also über 00 Proz. oder 27 902 M. Zur Herstellung der Sperrniauer der Möhuetalsperre bei Soest, wo eS sich um die Ausführung von 290 000 Kubikmeter Mauerwerk handelte, gab das höchste Angebot eine Mannheimer Firma mit 4 107 030 M., das niedrigste eine Hattinger Firma mit 1432 411 M. Die Differenz betrügt also hier nicht weniger als 2 674 619 M. Weltgetreideernte, Nach der Schätzung des ungarischen Ackerbau- Ministeriums ergeben sich folgende Ernteziffern: Welternte an Weizen 939,32 Millionen Doppelzentner sgegen 867,90 de» tatsächlichen vor- jährigen Ertrages), Roggen 447,20 sgegen 432,03), Gerste 337,40 sgegen 826,04), Hafer 601,75 sgegen 563,66) und Mais 1039,66 sgegen 976.11). Sämtliche Körnergattungcn zeigen gegen das Vor- jähr einen Mehrcrtrag von 282,04 Millionen Doppelzentner. Auf die europäischen Staaten entfallen an Weizen 024,27, Roggen 408,86, Gerste 200,87, Hafer 427,37, Mais 157,64 Millionen Doppclzentner. Die aus dem Borjahre vorhandenen Borräte werden beziffert für Weizen ans 16,21, Roggen 4,69, Gerste 2,12, Hafer 4,90 und Mais 6,32 Millionen Doppelzentner. Es zeigt sich ein Bedarf für 1909/10 an Weizen von 933,80, Roggen 430,77, Gerste 361,40, Hafer 600,01 und Mais 994,24 Millionen Doppelzentner. Diese Schätzung lautet sehr günstig; sie übertrifft ganz wesentlich die bisherigen Taxen. So hatte Broomhall nur eine Weizenernte von 890 Millionen Doppelzentner, Beerbohm von 917 Millionen Doppelzentner geschätzt. Hinter den höchsten diesjährigen Taxen bleibt die obige nur un- wesentlich zurück._ Vom Kampf um das Petroleummonopol. In Deutschland geht der Petroleumtrust nach wie vor ganz energisch auf sein Ziel los. Aus Hannover kommt die Meldung, daß die drei in Deutschland existierenden Tochtergesellschaften des StandardtrusteS den dortigen Händlern eine Erklärung unter- breiteten, die besagt, daß sie vom 1. April 1910 ab an die Ab- nehmer, welche auch österreichisches Petroleum führen, ameri« kanischeS Oel nicht'mehr liefern werden. Der Einkaufsverein der Kolonialwarenhändler G. in. b. H. beschloß dagegen, ab 1. April 1910 nur noch österreichisches Petroleum zu verkaufen. In der rumänischen Petroleumindnstrie gehen bemerkenswerte Veränderniigen vor sich. Die Regatul Romana, an der der Schaoffhausensche Bankverein beteiligt ist und die 24 Millionen Lei Aktienkapital besitzt, fusioniert sich mit der Holländisch-Runiänischen Petroleumgesellschast. Versammlungen. Der Deutsche Metallarbeiterverband, Verwaltungsstelle Berlin, hielt am Montag seine Generalversmnm- lung in Freyers Festsälcn, Koppenstrahe ab. Der Kassenbericht vom 2. Quartal 1909 wurde vorgelegt. In der Hauptlasse bilanzieren Einnahme und Ausgabe mit 633 036,20 M. Unter den Ausgaben stehen an Unterstützungen verzeichnet in Krankheitsfällen 130 202 M.. bei A r b c, t S l o> i g k e i t 201 833 M.. bei S t r e i k S 120 003 M., bei Maßregelungen 23 880 M. In der Lokal- lasse bilanzieren Einnahmen und Ausgaben mit 908 068,03 M. Die Lokalkasse zahlte an Unterstützungen bei Streiks 40463 M., bei Maßregelungen 8100 M. und in besonderen Not- fällen 9029 M. Der Kassenbostaud belief sich am 30. Juni 1909 auf 832.776.6! M. Der Kassierer Henning machte darauf aufmerksam, daß im zweiten Quartal an Krankenunterstützung 6416,30 M. locniger und an Arbeitslosen rrnter st ützirng 72 820,60 M. weniger als im ersten Quartal zur Auszahlung kamen, dagegen an S t r e i k- u n t e r st ü tz u n g 91 371,20 M. mehr und air M a ß r e g e l u n gs- Unterstützung 6000 M. mehr gebraucht wurden. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer Dccharge erteilt. � Zu der Abrechnung der Lokalkasse wünschte Cohen eine öffent- liche Erklärung abzugeben. Unter den Einnahmen sieht folgender Posten verzeichnet: Von den Angestellten und Hilfsarbeitern deS Verbandes sowie von unseren Mitgliedern bei der General- und GetverlschaftSlommission am 1. Mai 273,35 M. Diese Summe sei an die Lokalkasse des Verbandes abgeführt worden, weil der Beschluß des Nürnberger Parteitages so zu verstehen sei, daß die Gelder vom 1. Mai die Kasse erhält, welche die Unterstützungen an die Gemaßregelten von der Maifeier zahlt. So werde man es auch in Zukunft halten, und wenn eine andere Kasse Anspruch auf die Maigelder erhebe, so werde man solchen Anspruch nur dann anerkennen, wenn diese andere Kasse die volle Verpflichtung übernehme, für die Gemaßregelten von der Maifeier zu sorgen. Da trotz Aufforderung niemand aus der Versammlung sich in dieser Sache zum Wort meldete, erklärte Cohen, daß damit die Anwesenden dieser Auffassung ihre Zustimmung gegeben hätten. Aus der Lolallasse sind 10 000 M. an die Streckenden in Schweden abgesandt worden. Cohen betonte die Bedeutung des großen Kampfes in Schweden und die Notwendigkeit einer größeren Unterstützung. Er forderte die Anwesenden auf, noch Kräften die Sammlungen zu fördern und die einzelnen Mitglieder zu ver- anlassen, ihr Scherflein beizutragen. Die Generalversammlung nahm auch eine Tellersanmilung zugunsten der Streikenden auf. Der nächste Punkt der Tagesordnung, Neuwahlen, ergab das folgende Resultat: Als zweiter Bevollmächtigter wurde Otto Handle gewählt, als Kaffierer Hermann Henning, als Revisoren Karl Schmidt, Scharf und Gräwe, als Beisitzer S t o p s a ck. I o h a n s e n machte dann auf die Bestrebungen der Orts- vertvaltung aufmerksam, die Organisation der A r b e i t e r i u n e n in der Metallindustrie zu fördern. Die Mithilfe aller Mitglieder ist dabei dringend notwendig. Die folgenden Zahlen illustrieren die außerordentliche Zunahme von Arbeiterinnen, die in einzelnen FtW dustrien viel zahlreicher als Männer, besonders in den letzten Jahren, eingestellt worden sind. ES waren in der Metallindustrie be- schäftigt: im Jahre 1895 insgesamt 44 767, 1907 119 461 weibliche Personen, das ist eine Zunahme von 74 694 weiblichen Personen. In einzelnen besonders für Berlin in Betracht kommenden Branchen ist die Steigerung verhältnismäßig noch bedeutend stärker. So wurden beschäftigt in der Ekektrizitätsiiidustrie: im Jahre 1890 insgesamt 1187, 1907 11 724 weibliche Personen. Das ist eine Steigerung von 887.7 Proz. In der Beleuchtnngsindiistrie waren beschäftigt: im Jahre 1890 insgesamt 1380, 1907 7 306 iveibliche Personen. Das ist eine Steigerung von 427,0 Proz. Die Zahl der in der Metallindustrie beschäftigten Männer hat von 1890 bis 1907 nur um 43,3 Proz. zugenommen. Diese Zahlen sind der Berufszählung von 1007 entnommen.— Mit der Organisation der Arbeiterinnen sieht es dagegen noch recht schlecht aus. Von den in der Metallindustrie beschäftigten 119 461 Arbeite- rinnen sind nur 16 167 organisiert, von den in der Metall- industrie beschäftigten zirka 1 700 000 Männern dagegen sind 448 266 organisiert. Der Verband hat eine Kommission eingesetzt, aus vier Weib- lichen und drei männlichen Mitgliedern bestehend, die es als ihre besondere Aufgabe zu betrachten hat, die Agitation und Organisation unter den Arbeiterinnen zu fördern. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklud„Johann Jaeoby". Heute abend B'l, Uhr bei Bugge, Kastanien- Allee 05/gS: Sitzung. Gäste willkommen. Berein der Buchdrucker und Schriftgieher von Nixdorf-Briv. Versammlung am Sonnabend, den 4. September, abends'l29 Uhr, bei Hoppe, Hermannstr. 49._ SImtlicher Marktbericht der städtischen Marttballen-DIrektton über den Großhandel in den ffenIral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr schwach, Gelchäst still, Preise unverändert. W tl d: Zufuhr knapp, Geschäft lebhaft. Preise gut. Geflügel: Zufuhr in Gänsen genügend, sonst knapp, Geschäft ziemlich still, Preste befriedigend. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft iruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd- s r ü ch t e: Zufuhr genügend, Geschäft still, Preise wenig verändert. BrUfhaftcn der Redahtfon. Die surlstische Sprechstunde findet Linden N rag»»,«weiter Bof, dritter Eingang, vier Treppen, ßgST Fahrstuhl--HMZ wacheniligllch abends von 7>/> bis OVj Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Eoiliiabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mrrl�eichcn bcijufllorn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. BIS zu« Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage vergehe«. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Bernlmrg. Der Ehemann kann von dem Händler die Rückgabe der Sachen ohne Entschädigung fordern. Ob die Frau deS Betruges schuldig ist, hängt davon ab, ob sie wußte, daß sie über die Sachen nicht verfügen durste.— M. P. 48. Die Fürsorgeerziehung kann unter gewissen Bor. miSIetzungen ausgehoben werden; auch kann ohne eine solche Aushebung die vorläufige Entlassung deS Zöglings aus der geschlossenen Pflege bei der Fürsorgebebörde angestrebt werden. Ob eines oder das andere in Ihrem Fall möglich ist, kann aus Grund Ihres Briefes nicht entschieden lvcrdcü. Kommen Sie in die Sprechstunde.— F. M. 72. Verjährung Ist nicht eingetreten. Die Höhe der möglichen Kosten ist nicht zu übersehen. Zu- ständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt. Gehen Sie dort aus die Gelichtsschrciberci. Die noch nicht abgezahlten Sachen können von Ihnen nicht gepsändet werden.— A. 28. Ja. — O. G. Friedenau. Sie hasten sür die Dauer deS Kontrakts.— O. L. 3. Sie sind nur verpflichtet,„bei Unglückssüllen oder gemeiner Gefahr oder Not" der Polizeibehörde aus Ausiorderung beizustehen; und auch daS nur, wenn Sie„der Aufforderung ohne erhebliche eigene Gefahr genügen könnten". Wenn sich nur der S ch u tz m a n n s e l b st in Gefahr besindet, so liegt keine„gemeine Gefahr' vor, also keine Pflicht zur Hilse- letsiung.(Vgl. fj 360 Ziffer 10 des SlrasgesetzbuchS.)— Pslauzer XOOI. Das Bürgerliche Geschbuch gilt. Der Verein kann die Voraussetzungen der Auslösung selbst statutarisch bestimmen. Die Frage 4 ist nicht verständlich. — F. M. 8. Wen» dir Wohnung erheblich gesundheitsschädlich ist. rönnen Sie sofort, ohne Kündignng, ziehen. Lassen Sie das durch die Polizei fest- stellen. Wenn der Wirt den Zustand der Wohnung kannte oder schuldhast nicht kannte, so können Sie Schadensersatz von ihm verlangen.— N. H. 1000. Der Wirt kann die Miete bis zum 1. April ISlO fordern und dafür die von Ihnen in die Mielswohnung eingebrachten Sachen, so- weit sie nicht unentbehrlich sind, zurückbehalten. Er kann Sie in dem vor- liegenden Falle auch wegen der Miete bis zum l. April 1910 im voraus verklagen. Der angegebene JabreSverdienst ist wegen deS MietS- zinses nicht pfändbar.— M. Sit. IOOO. Nein.— R. O. 4. Ja. Allen Freunden und Genossen zeigen die glückliche Geburt eines gesunden Mädchens hocherfreut an wnlzc Friedländer und Frau Regina geb. Kraus. Zentfal-Verhami Ser ZivilniQslker Deutsctilaniis. Ortsvcrwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, 1 daß unser Kollege Rudolf Corduan am Montag, den 30. August, ver. starben ist. 00/4 Ehre seinem Slndenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 2. September, nachmittags i'f, Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Rixdorser Kirchhoscs in der Goitlieb-Dunkel- Straße, verlängerter Maricndorser Weg, auS statt. Zahlreiche Beteiligung erivartet Der- Voi-«tm>d. — Will W IUML'3 ! SozialfeüickFaiisclier Walilverein für den \i Herl. Reielistags-faWkreis. Görliher viertel. Bezirk Nr. 178 Teil H Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Händler Villielm Bniittcli Manteusselstr. 71 gestorben ist. Ehre seinem Nndenlen l Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. September, nach. mittags 0 Uhr, von der Leiche». halle des EmmauS• Kirchhofes in Britz auS statt. 219/17 Der Borstand. Todes-Anzeige. Alle» Freunden, Bekonnten und I Verwandten hierdurch die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau. unsere gute Mutter L240L Elisabeth Frenzel plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag nachmittag S'/, Uhr von der Halle deS Herz Jesu-Kirch- hoseö in Staaken all» statt. Die trauernden Hinter- bltcbrnrn. BeaWkT fransportüPleiter-feFlianil Zweigliureau Charlottenburg. Den Mitgliedern in Charlotten bnrg zur Nachricht, dag unsere Kollegin, die Zeitungsauiträgerin Elisabeth Frenzel am Sonnabend, den 28. August, im Alter von 81 Jahren verstorben ist. 69/11 Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. September, nach mittag» 3'/, Uhr, von der Leichen halle der Herz Jesu-Gemeinde in Ltaaken bei Spandau aus statt Um rege Beteiligung ersucht Am Montag, den 80. August 1909, verschied nach kurzem, echiverom Leiden unser langjähriger zweiter Werkführer lierr ftpfur Schreibe!« im 32. Lebensjahre. Der Entschlafene war seit dem Bestehen unserer Firma bei uns tätig und hat es in gleicher Weise verstanden, sich das Wohlwollen seiner Vorgesetzten und die Achtung seiner Kollegon zu erwerben. Wir betrauern den Tod des bewährten, treuen Mitarbeiters aufs tiefste und worden ihm ein ehrendes Andenkon bewahren. 1210b Berlin, den 1. September 1909. Berliner SitzmöbeUIndustrie Gesellschaft mit beschränkter Haftung. UTOsifsmLm■ gTM.ii III- iTMÜH. BESONDERS BILLIGE LEBENSMITTEL Riesenstangenspargel ViDose 1.75 Stangenspargel extrast»rk Vi Dose 1.55, V2 Dose 80 Pf# Stangenspargel II Vi Dose 1.15, Vs Dose 63 Pf. Stangenspargel III Vi Dose 1,05, Vj Dose 58 Pf. Riesenbruchspargel v, Dose 1.30 Bruchspargel I v. Dose 1.00 Bruchspargel ohne Köpfe Vi Dose 65 Pf. Schoten u. Karotten Vi Dose 55 Pf. Erdbeeren»a vose 85, v, Dose 48 pl Saure Kirschen ohne 75 pl Kaiser-Kirschen ohne � 1.00 Aprikosen ungeschält, halbe Frucht Vi Dose 1.10, Vi Dose 60 Pf. Pfirsiche halbe Frucht' geschäXDo,. 60 Pf. Melangefrüchte Vi Dose 90 Pf., V- Dose 50 Pf. Stachelbeeren Vi Dose 60 Pf., V» vose 35 Pf. Preisseibeeren Vi Dose 58 Pf.,*/i vose 1.15 Reineclauden Vi Dose 68 Pf., Vj vose 40 Pf. Dunstfrüchte bK£ceh„en u-StacGh£ 53 pt. Kochäpfel...... Pfund 1 1 pf. Tafeläpfel..... Pfund 10 pf. Kochbimen....Pfund 9pf. Tafelbirnen.... Pfund 15 Pf. Pfund 1,05 Pfund 1,05 soweit der Vorrat reicht: Zervelatwurst........ Salamiwurst......... Feine Leberwurst•• pz.«, 95 pf- Landleberwurst..... pk»»« 90 pf. Zwiebelwurst....... Pku»» 45 p». Hallesche Leberwurst p«. 1.00 Rotwurst....... pfund 45, 65 pf- Teewurst........... Pfund 1. 15 Jagdwurst......... p�nd 90 pf Gänsebrust(Spickgsns)... Pfund 1 ,50 Landschinken ca 8 12 Pft,n!l sS 1.10 Halberstädt. W Ürstchen?paar85 Pf. Eisbeine-kd-w°>...... Pfund 65?'■ Pfund 58, 65 Pf- Stück 1 Mk, 1.10 Junge Gänse■ Ungar. Hühner Brathühner Suppenhühner Junge Enten• Rebhühner ZU billigsten Tagespreisen. Stück 1 Mk, 1.20 Stück 2 Mk, 2.25 stück 2.25, 2.50 Sprottbücklinge..... ptund 23 pf- Rettichbirnen Pfund 8» Preisseibeeren Pfund 17 Tomaten Pfund 9 Pf. Bismarckheringo... dos« 45 Bratheringe........ Dose 45 pt Delikatessheringe Vi Dose 78, Vj Dose 50 Pf. Heringe in Aspic... dos. 32 pt Aal in Gelee...... Dose 68 pf. Russische Sardinen.. gi«i 24 pt. Anchovis........... cias 24 pf. Hummer Vi vose 1.90, v, vose 1.25 Lachscoteletts d/u 1.45, v/zL5 pt. Schwed. Gabelbissen Dose 50 pt Norwegische Sardinen-- in Tomaten und in Öl Dose PL Oelsardinen Anoi.____ Dose 38 pf. ?rÄkdeng48, V« Dose 75 Vjvose 1.30 Französische Sardinen Marke Amieux FrSres V. Dose 95 Pf., Vj Dose 1.60 in Tomaten Va Dose 65 Pf, V« Dose 95 Pf, in Tomaten, ohne Gräten... V« Dose 1.15 Marke Maquereaux...... V« Dose 80 Pf. Thunfisch Vg Dose 60 Pf, V« Dose 1,15 Haushalt-Schokoladepfd.65,95 p*. Block-Schokolade____ prd. 75 pf. Vanille-Schokolade Pfd. 1.05, 1.15 Deutscher Kakao.. p». 75, 95 pr. Holländ. Kakao.. Pfd. 1.80, 2.10 Pfirsiche Pfd. 19 38 pt. Weintrauben pfund 16 pt Goldtrauben S m 1.25 IS&Z IWC mz J&c IM zmi ZMC Rand gesetxl. ge«ch. j&tc Ginsegnungs- 3(1 ei der fachwarz, weiss und farblc prima Zutaten, besteVer&rbeitunf nur eigene Konfektion kleidsame Fassons Prinreu, Wiederrook und Tailla 15, 20. 24. 32 M. Sadtiisdi-Paletoü 5, 7. 9, 12 Hl. Baörflsdi-JaÄütls 9,10,12,15 M. ßadilisiJi-jatkgnIieiiSür 12. 20 B. .fÄKoslilm-RöcKe Neueste Schnitte aus pa. Satintuch 9, 1 2, 15, 18 M. aus engl. Stoffen 3, 6» 10# 15 M. Ein gross. Posten oefUiterte wollene Blusen 3.50 M. Ti-.Spilzoa-üüflseiueoßSto in tausendfach. Ausw. v. 0 M. an. "'Ell Koirnnandanlen-, Ecke LlndensT. 2 Häuser Tom 12 Schaufenster. MA — Sonntag:« gcüOnct auf Teilzahlung (geringe Anzahlnng) M. Goldstaub ZossenerStr.SaeULil!; Ecke Qneiscnaustraße. Kein Abzahlungsgeschäft! Anerkannt größte Rücksicht bei Arbeitslosigkeit und Krankheit. Nur durch ganz hervorragend feine Qualität hat der Kapitän-Kautabak «einen gnten Rnf erhalten. 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Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VnrimiS iLuchbr. u. VerlagSanstali faul Tinger& Co., Berlin SW, Tnett. politische Satire, ! auch einzeln, Köpenick, Flemining'lraßc 31, Best. Kr. 204. 26. Jahrgang. 2. Irilngc i>cs Joriirts" Sttliutt Bollislilfllt. Dommiag, 2. Zlptemd» 1909, Ccljrlingc, Jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen! Genoiien und Genossinnen! Der Kampf um die Jugend ist auf allen Seiten entbrannt. Kaum hat die proletarische Jugendbewegung sich bemerkbar gemacht, so beginnen auch schon die Gegner der modernen Arbeiterbewegung, ihre Fangarme nach unseren Jugendlichen auszustrecken. Es gilt deshalb, auf dem Posten zu sein und unsere jungen Freunde vor unseren— ihren Feinden zu schützen. Die bürgerliche Jugendbewegung verfügt über reichere Mittel und die Behörden stehen schützend und fördernd hinter ihr. Wir haben Vernunft und Recht auf unserer Seite und gegen uns den gesamten Behördenapparat. Bei unseren Sommerausflügen war die ganze Gendarmerie auf den Beinen und mit aller Macht suchte man unsere Reihen ins Wanken zu bringen. Aber unsere junge Garde hielt sich tapfer, und sie wird ihre Tüchtigkeit und ihren Eifer auch im Winter beweisen, wenn der Jugendausschutz sie zu ernster, stiller Arbeit aufruft, um Bildung und Wissen der Arbeiterjugend zu heben. Am S. September beginnen wir unsere Wintertätigkeit mit einer großen Versammlung im Gcwcrkschaftshause abends 7 Uhr, in welcher Schriftsteller Heinrich Schulz einen Vortrag halten wird. Thema: Jugendideale. An den folgenden Sonntagen sprechen: R. Wissell: 12. September, Arminhallen: Entwickelungs- tendenzen der moderne» Technik. K. Liebknecht: 26. September, Drachenburg: Die deutsche Jugend in den Befreiungskriegen. N. Laube-Leipzig: 3. Oktober, Borufsiafäle: Deutschlands Städte und Gaue.(Lichtbildervortrag.) Luise Zictz: 16. Oktober, Prackstsäle: Festrede.(Jugcndfeier.) S. Kapenstein: 17. Oktober, Feuersteins Festsäle: Jugend und Zllkoholfrage. Dr. Wehl: 31. Oktober, Arminhallen: Die Kunst, das Leben zu verlängern. H. Ströbel: 7. November, Prachtsäle: Festrede.(Schillerfcier.) Weitere Sonntagsvorträge haben zugesagt: Ida Altmann, I. Borchardt, Dr. Frank, Göhre, Grunwald, R. Schmidt, Wally Zepler. An diesen Sonntagabenden soll nach den Vorträgen auch Gc- sclligkeit und Unterhaltung gepflegt werden. Außerdem werden an Wochenabendcn Vortragskurse der» anstaltet, und zwar über Nationalökonomie(1 Kurs für Vor» geschrittene, 2 Kurse für Anfänger), soziale Bewegung, Geschichte, Naturwissenschaft, Technik und Literatur. Referenten: Graf, Grunwald, Schenk, H. Schulz, Schumann, Woldt, Wally Zepler. Diese Kurse beginnen Ende September. Die Teilnehmer wollen sich baldigst schriftlich bei W. Schenk. Werneuchener Straße 13, melden, unter Angabe des Namens, der Adresse und des Kurses, dem sie beiwohnen wollen. Der Jugendausschuß plant ferner Muscumsbesuche unter sachkundiger Leitung. Jede dieser Veranstaltungen wird noch im„Vorwärts" be- sonders bekannt gemacht. Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen! Wir rechnen auf Euch! Erscheint zahlreich zu unseren Veranstaltungen! Lest aber auch Eure Zeitung I Abonniert auf die„Arbeiter- Jugend"! Parteigenossen und Genossinnen! Zeigt auch Ihr, daß Ihr erkannt habt, wie wichtig eS ist. der Jugend möglichst früh die Augen zu öffnen! Sorgt zu Hause und in der Werkstatt dafür, daß die schulentlassenen Jugendlichen zu uns kommen. Bestellt für Eure Kinder die„Zlrbeitcr-Jugend"! Der Jugendausschuß für Groß-Berlin. I. A.: K. Rosen feld. Partei- 5Znge!egenkeiten. S. Wahlkreis. Sonntag, den s. September, findet in den Gesamträumen der„Berliner Bockbrauerei' unser beliebtes Volksfest statt, bestehend aus Konzert. Gesang, Ball, turnerischen Aufführungen. Kinderspielen, kincmatographischen Vorsührungen usw. Jedes Kind erhält eine Stocklaterne gratis. Kassenöffnung 2 Uhr, Anfang des Konzerts 4 Uhr. Billetts im Vorverkauf 20 Pf., am der Kasse 30 Pf. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Stralau. Sonntag, den 5. d. M.. vormittags 10 Uhr. Mit» glied erVersammlung im Lokal von Steinicke, Alt-Stralau ö. Tages» ordnung: 1. Bericht von der Kreisgeneralversammlung und Groß» Berlin. 2. Anträge. 3. Vereinsaltgelegenheiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Die Bezirksleitung. Friedrichshagen. Donnerstag, den 2. September, abends 7 Uhr. findet für die am Sonnabend, den 4. September, stattfindende öffentliche Versammlung von den bekannten Bezirkslokalen aus eine Handzettclverteilung statt. Pflicht eines jeden Genossen ist es. sich an dieser Arbeit zu beteiligen. ßcrlimr JVacbnchtcii. Ein Morgen am Humboldthafen. Wenn die erste Morgenröte die Wolken am Himmel mit rosigem Feuerschein überhaucht, wird es auch schon auf den Zillen, Dampfern und Schleppern lebendig, die dichtgedrängt in den großen Berliner Häfen, besonders im Humboldthafen, liegen. Der dünne Rauch, der aus den Schorsteinen der Kähne aufsteigt, erzählt vom warmen Morgenkaffee, und bald sieht man die wettergebräunten Gestalten der Schiffer auf Deck er- scheinen, um ihr Tagewerk, das Ausfrachten der Kähne, wieder aufzunehmen. Vorwiegend besteht die Ladung der Zillen aus Bausteinen und Kohlen. Andere Güter, die auf dem billigeren Wasserwege verfrachtet werden, wie Petroleum,, Teer und Getreide, kommen in großen Dampfern, die an den stein- gemauerten Quais der Zufahrtstraße halten, und mittels eiserner, oft vom elektrischen Motor bedienter Kräne ihre Ladung in die riesigen Speicher am Ufer löfchen.— Kalter Morgenwind bläst über den Hafen, und erschwert dem Händler feine Fahrt, der im kleinen, wackligen Nachen den Schiffern allerlei Bedarfsartikel heranbringt. Am Steuer hat er ein paar Kästen mit Flaschenbier, ein Korb mit Brot und Semmeln ist in der Mitte des Bootes verstaut, ein paar Wurstzipfel schauen neugierig aus einem Blechkasten in die Morgenwelt, Hosenträger und Holzpantinen vervollständigen seinen Kram, und ist sein Handel schon weiter vorgeschritten, so führt er auch einige große, stark gebundene Nutenbesen, wie sie die Schiffer zum Scheuern des Decks benutzen, zum Ver- kaufe mit. Geschickt flitzt er zwischen den Fahrzeugen durch, und wirft im Vorbeifahren schnell dem Flößer, der auf langen, schweren, zum Floß verbundenen Baumstämmen von einem kleinen Schleppdampfer durch den Hafen gezogen wird, für einen erhaltenen Sechser Semmeln zu, in die der Mann gierig hineinbeißt. Die Signalrufe der durchfahrenden Dampfer ertönen, und ihr schrilles Tuten wird vom Gekläff der kleinen, ruppigen Wolfsspitze begleitet, die munter auf den Zillen umherspringen. Ueberall regt sich emsige Betriebsamkeit, nur die Passagiere der Vergnügungsdampfer, die noch vereinzelt eine Fahrt wagen, in der Hoffnung auf schönes Wetter, schauen müßig in das bunte Hafenleben ringsum. Die Herbsiparade hat gestern unter dem üblichen Drum und Dran, vor allein den viele Personen schädigenden Absperrungen stattgefunden. Der Kaiser war. um 7 Uhr morgens von Swine- münde kommend, wohin er am Sonntag nach Zeppelins Ankunft gefahren war, in Berlin wieder eingetroffen, weshalb die Parade aiistatt um hz9 Uhr, wie angesagt, erst um 9 Uhr ihren Anfang nehmen konnte. Die diesmalige Parade fand nicht im Paradeanzug, sondern in feldmarschmäßiger Ausrüstung statt, ohne Haarschweif und Hclmbusch, für viele Paradcbummlcr sicher eine Enttäuschung. Seelenrcttnng auf dein Wasser. Der Katholische Missionshilfs- verein beabsichtigt, für die Flußläufe, Kanäle und Häfen Berlins nach dem Muster der bereits in Gebrauch stehenden protestantischen eine katholische Schifferkirche zu erbauen und den Bau in Bälde ausführen zu lassen. Die neue schwimmende Kirche wird nicht wie die protestantische von einem Dampfer geschleppt werden, sondern mit einem eigenen Motor ausgerüstet, der gleichzeitig auch die Orgel betreiben wird. Die Zeppelin-Begeistcrung treibt recht sonderbare Blüten. Uns wird berichtet, daß in einigen Gcmeindeschulen Zcppelin-Lieder ge- lernt werden, die teils die Sprache verhunzen, wie das auf ei» vom Lehrer Busch in der III. und IV. Klaffe der 293. Gemeindeschule den Mädchen diktiertes Gedicht zutrifft, oder aber von Hurra- Patriotismus triefen, wie folgende Strophen eines Zeppelin-Liedes beweisen, daß m höheren Klassen der 123. Gemeindeschule Turm- straße 86 gelernt wird. Dort heißt es u. a.: „Ucber Feindeslandes Grenzen läßt er seine Blicke glänzen, weiß genau zu spionieren, wo die Heere aufmarschieren. Und wenn Panzerflotten rüsten, zu verderben Deutschlands Küsten, läßt der Aar aus Eisenkrallen deutsche Bomben niederknallen. Zeppelin, Zeppelin, Hurra l Deutschlands Herzen grüßen ihn.' Vielleicht erklärt uns die Schulverwaltung, ob dieser Unfug mit ihrem Wissen und Willen geschieht. Wir wissen zlvar, daß es„oben" gern gesehen wird, wenn in den Schulen stark in Hurrapatriotismus gemacht wird, aber in vorliegenden Fällen scheint das auch noch auf Kosten der deutschen Sprache zu geschehen. Einem raffinierten BetrugSmanöver ist die Eifcnbahnbehörde kürzlich im Stadtbahnverkchr auf die Spur gekommen. Es wurde eine Monatskarte zweiter Klasse für die Stadt- und Ring- bahn vom März dieses Jahres gefunden, auf der der Inhaber die beiden Stempel so geschickt gefälscht hatte, daß sie von einer für den Monat August dieses Jahres gültigen Monatskarte kaum zu unterscheiden war. Diese Karten werden bekanntlich mit einem Trocken- und einem Schwarzstempel verschen, die Tag und Monat oder Monat und Jahr in Zahlen angeben; vor die Einer(1 bis 9) wird in der üblichen Weise eine Null gesetzt. Um Fälschungen zu begegnen, ist vorgeschrieben, daß im Schwarzstempel die Null nur bei den ersten drei Monaten(Januar bis März) vorangesetzt wird, um zu verhüten, daß aus der Zahl 1 eine 11(November), aus der 2 eine 12(Dezember) und aus der 3 eine 8(August) gemacht werden kann. So lautete denn die gefundene ursprüngliche Karte auf den „01. 03"(1. März) und der im Hinblick auf die Kontrolle an der Bahnsteigsperre größer gedruckte Schwarzstempel„03. 09"(das heißt März 1909). Nun hat der Fälscher mittels einer gekrümmten Hülse oder dergleichen im Trockcnstempcl aus der„03" eine„08" (das heißt August) und im Schwarzstempel mit Druckfarbe auS der„03"(März) ebenfalls eine„08"(August) gemacht. Die letzte Fälschung wäre dem Betrüger bald zum Verderben geworden. Denn den Bahnsteigschaffner mußte es, wenn der Andrang nicht zu groß war, auffallen, daß der Monat August, wie oben dargelegt, statt mit einer„8" mit zwei Zahlen(08) bezeichnet war. Ehe ihn das Verhängnis ereilte, hat der Fälscher die Monatskarte ver» loren. Wäre er erwischt worden, wäre ihm eine schwere Strafe sicher gewesen. Dem Verdienste seine Krone. Der Minister des Innern hat dem Oberbürgermeister K i r s ch n c r, dem Bürgermeister Dr. Reick«, dem Stadtkämmcrcr Dr. Steiniger, dem Stadtrat Mugdan und dem Magistratsrat Hamburger das Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen übersandt. Dies Erinnerungszeichen wird auf der linken Brust unter den Ordcnszcichen getragen. Die dekorierten Herren werden sich wohl selbst wundern über die ihnen aufgeredeten Verdienste um das Feuerlöschwesen, wir wüßten wenigstens nicht, worin sie bestehen sollten. Ein Automobil verbrannt. Vollständig vernichtet wurde ein Automobil, das gestern in der Augustc-Viktoria-Allee in Flammen aufging. Der Kraftwagen Nr. 302 wurde durch die Explosion deS Benzinbehälters in Brand gesetzt. Die Flammen ergriffen in kurzer Zeit den ganzen Wagen, so daß beim Eintreffen der Feuer- wehr so gut wie nichts mehr zu retten war. Ein„warmer" Nachruf. Eigenartige Blüten treibt doch oft die Reklame. Im Inseraten- teil der„Vossischen Zeitung" befindet sich folgender Nachruf: „Nicht nur das Preußische Heer hat in dem dahingeschiedenen Generalleutnant Freiherr» von NichtHofen einen tapfere» und verdienstreichen Kameraden verloren, sondern auch das Pelz- waren-Magazin von I..... U.... in der K... straße.. hat in dem Entschlafenen einen sehr guten Kunden verloren, der sich durch seine langjährige und angenehme Kundschaft meinen wärm st en Nachruf erworben hat. Gott lasse ihn selig ruhen! I..... U.... An Geschmacklosigkeit läßt diese Reklame nichts zu wünschen übrig._ Die Ausstellung von WehnungSeiurichtungen und Erzeugnissen der Berliner Holzindustrie, die in den Ausstellungshallen am Zoo- logischen Garten veranstaltet wurde, ist nach 3l4monatlichcr Dauer geschlossen worden. Bei der Preisverteilung erhielten Ehrenpreise der Stadt Berlin(je eine vom Bildhauer Fritz Heinemann mo- dellierte Figur in goldener Ausführung) die Firmen Kimbel u. Friedrichsen-Bcrlin, I. C. Pfaff-Berlin. Zelder u. Plathcn-Lich- tenberg, I. Groschkus-Berlin, Schwarz it. Fröhlich-Berlin und C. Müller u. Co.-Bcrlin; die goldene Medaille der Handwerks- kammer zu Berlin wurde der Firma Gebr. Schaar-Berlin ver- liehen. Außerdem gelangten noch zehn Ehrenpreise der Stadt Berlin(je eine in Silber ausgeführte Figur), fünf silberne Me- daitten der Handwerkskammer zu Berlin, vier silberne Medaillen des Jnnungs-Ausschusses der vereinigten Innungen zu Berlin. sowie 16 Ehrenpreise der Stadt Berlin(je eine in Bronze ausgc- führte Figur), zehn bronzene Medaillen der Handwerkskammer, acht bronzene Medaillen des JnnungS-Ausschusses und acht Diplome zur Vergebung. Ob die Ausstellung ihren Zweck, die Berliner Holzindustrie wieder zu Ehren zu bringen, in dem Maße erreichte, wie das die Arrangeure wünschten, sei dahingestellt. Hätten dir Holziudu- striellen nicht durch ihre Aussperrungsmaßnahmeu dazu beigetragen. die Berliner Holzindustrie und besonders die Möbelindustrie schwer zu schädigen, stünde es besser um die Berliner Möbelfabrikalion. Der Auftrieb auf dem Berliner Zcntralviehhof war im Juli d. I. außergewöhnlich groß. Es wurden nämlich nicht weniger als 227 644 Tiere aufgetrieben gegen 18ö 360 Tiere im Juli v. I., darunter befanden sich 20 739 Rmder(gegen 16 671 im Juli 1908), 21018 Kälber(15 686), 72 180 Schafe(66 322) und 113 707 Schweine (96 731), demnach ein Mehr von 4 2 2 3 4 Tieren. In den öffent- lichen Schlachthäusern wurden gleichzeitig 157 939 Tiere gegen 156 676 im Juli V. I. geschlachtet, also ein Mehr von 1263 Tieren. Geschlachtet wurden 11015 Rinder, 14 411 Kälber, 47 003 Schafe und 85 505 Schweine. In der Zentral-Roßschlächtcrei Berlin wurden außerdem 777 Pferde und in der Rixdorfer Roßschlächterei 132 Pferde geschlachtet. Maulesel und Esel kamen nicht zur Schlachtung. Aus der tlngllickschronik des Polizciberichts. Am Dienstag nachmittag, gegen 2 Uhr, fuhr der 39 Jahre alte Kutscher Karl Tesch, Stephanstr. 21 wohnhast, mit einem mit zwei Pferden be- spannten und mit etwa 100 Zenter Hafer beladenen Arbeitswagen der Firma Adolf Enders, Ouitzowstr. 2—6, den abschüssigen Teil der Bernauer Straße, zwischen Strelitzer und Ackerstraße, in vollem Trabe hinab. Infolgedessen verlor Tesch, obwohl er die Bremse angezogen hatte, die Gewalt über das Fuhrwerk und stieß mit voller Wucht auf einen ihm entgegenkommenden Möbelwagen der Firma Friedrich Schwenk, Gartcnstr. 30. Durch den Anprall wurden Tesch und auch der 29 Jahre alte Möbelkutscher Karl Luschap, Lortzing- straße 36, vom Bock geschleudert. Tesch geriet so unglücklich unter die Räder seines Wagens, daß ihm das linke Bein über dem Knie abgefahren wurde, während Luschack mit einer Kopfverletzung da- vongekommen ist. Der 10jährige Sohn Konrad der Arbeiterwitwe Anna Krüger, der sich an den Möbelwagen angehängt hatte, stürzte infolge des Zusammenpralls zu Boden und wurde von dem zurück- rollenden Möbelwagen überfahren. Er hat sich einen Beckenbruch, eine Verletzung am rechten Ohr sowie ein Stirnwunde zugezogen. Der Schutzmann Seeger brachte die drei Verunglückten mit Hilfe von Passanten nach dem nahen Lazarus-Krankenhause. Während bei Tesch und Krüger Lebensgefahr besteht, konnte Luschack nach Anlegung eines Verbandes entlassen werden.— Nachmittags gegen 3k4 Uhr stürzte der 40 Jahre alte Dachdeckermcister Ernst Pasold, Stettiner Straße 25 wohnhaft, von dem flachen Dache des vier Stockwerke hohen Hauses Freienwalder Straße 23 auf den Hof hinab, wo er mit gebrochenen Beinen und einer klaffenden Kops- wunde liegen blieb. In einem Wagen des Verbandes für Erste Hilfe schaffte man ihn nach dem Virchow-Krankenhause, wo er noch lebend Aufnahme fand, aber bald darauf ge starben ist. P. hatte vermutlich infolge eines Schwindelanfalls das Gleichgewicht vor- loren.— Gegenüber dem Hause Engel-Ufer 9 sprang Dienstag abend eine etwa 35 Jahre alte, anscheinend dem Arbeiterstande an- gehörende Frau in den Luisenstädtischen Schiffahrtskanal. Man zog sie von einem Rettungskahn wieder heraus und schaffte sie mittels Droschke nach der Unfallstation am Mariannen-Ufer, wo aber nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Die Leiche ist dem Schauhause zugeführt worden. Luisen-Thcater. Auf ihrer Suche nach neuen, zugkräftigen Bühnenwerken haben in letzter Zeit die Direktoren der Berliner Theater, deren Publikum vornehmlich aus den breiten bürgerlichen Mittelschichten besteht, vielfach auf alte Volksstücke aus Großvaters Zeit zurückgegriffen. Auch das L u i s e n- T h e a t e r hat sich diesem Zuge der Zeit nicht zu entziehen vermocht. Die Direktion hat ein altes Stück des seligen Louis Angelys hervorgesucht und neueinstudiert, jenes Theaterdichters und Schauspielers, der nach einem heiteren Komödianten-Wanderleben 1828 Regisseur des neu- gegründeten Königstädtisck>en Theaters in Berlin wurde und hier eine Reihe eigener volkstümlicher Lustspiele, Possen und Singspiele aufführen ließ, von denen mehrere, wie z. B.„Das Fest der Hand» werker",„Die Reise auf gemeinschaftliche Kosten",„Die sieben Mädchen in Uniform" in jener bescheideneren Zeit großen Anklang fanden. Die Leitung des Luisen-Thoaters hat unter diesen An, gelyschen Stücken für ihr neues Repertoire die Bicdermannskomödie „Von fieben die Hätzlich st e" ausgewählt und am Dienstag- abend als Premiere zur Darstellung gebracht. Ob sie damit einen glücklichen Griff gemacht hat, möchten wir bezweifeln, denn die altberlinische Lokalfärbung fehlt diesem Stücke gänzlich, und die naive Fabel von dem reichen Erben, der sich gemäß den Testaments- bedingungen seiner Tante aus den sieben Töchtern seines Guts- Verwalters die häßlichste zur Gattin erwählen muß, mutet heute mit ihren hausbackenen, schalen Spähchen und ihrer frohen Selbst- genügsamkeit selbst jenem Teil des Thcaterpublikums, der im Theater nur lachen will, eine allzu große Dosis naiver Unbefangen- � � bespielt wurde im ganzen gut. Vornehmlich die Rolle der Ernestine Ambrosi, der Hätzlichsten unter den sieben, und des aber- gläubischen Gutsverwalters Jeremias Ambrosi, waren gut besetzt, während Herr Fischer-Krischewski sehr dazu neigte, die Figur des glücklichen Erben Ernst Hellwald, die ohnehin reichlich possenhaft zugestutzt ist, mit allzu viel naiver Komik auszustatten. Vermißt wird seit dem 29. August der neunzehnjährige Kauf- mann Willi Gutheil, Liegnitzer Straße 34 II, bei den Eltern wohnhaft. G. ist 1,75 Meter groß und war bei seinem Fortgange bekleidet mit schwarzem Jakett und Weste, braunem weichen Filz- Hut, braunen Stiefeln und Strümpfen. Personen, die nähere Mit- teilungen über den Verbleib des jungen Mannes machen können, wollen solche an obengenannte Adresse gelangen lassen. Arbelter-BildungSschnle Berlin. Sonntag, den 5. September Familienausflug nach dem Schloßpark Friedrichsfelde. Abfahrt des Zuges nach Friedrichsselde- Lichtenberg Alexander- platz 1,43, Jannowitzbrücke 1,51, Schlesischcr Bahnhof 1,54. Treff- Punkt von 2'/, Uhr nachmittags ab:„Vubes Volks- garten", Prinzen- Allee 30, dicht an der Endstation der Straßenbahnlinien 69 und 70. Zahlreiche und- pünktliche Beteiligung von Mitgliedern und deren Angehörigen sowie von Freunden der Schule erwartet Das Komitee. Wer ist der Tote? Ein unbekannter Mann fiel gestern, Mitt- woch, nachmittag um 2 Uhr an der Ecke der Kastanienallee und Oderbcrger Straße vom Wagen und wurde bewußtlos nach der Rettungswache in der Gaudystraße gebracht. Als man dort ankam. war er schon tot. Der Verstorbene, ein Mann von etwa 45 Jahren, hat blondes Haar, Kinn- und Schnurrbart und trug ein graues Jackett und schwarze Beinkleider. Gesperrt ist der nördliche Teil d-S„Kottbuscr Tores" auf der Westseite im Zuge der Adalbert» und Admiralstraße behufs Asphal- tierung vom 4. d. M. ab. In dem chirurgischen Amvnlatorinm, HO., Nene Königstr. 3 am KönigStor findet von'/°11— �12 Uhr auch eine poliklinische Sprech- stunde für alle chirurgi,chcn Krankheiten, insbesondere Knochen- und Gelenkerkrankungcn statt. Fciicrwchrbericht. Der Brand eines ScifcngeschäfteS akarniicrte vorgestern abend die zweite Kompagnie nach der Wrangelstraße 77. „„Ii hrnmif- hnvt.?;ie Feuerwehr mußte f Petroleum und anderes bräunte dort. Die Feuerwehr mußte löschen, uni die Gefahr zu beseitigen. Gleichzeitig wurde dü nach der Straße Alt-Moabit 126 gerufen. Grober Unfug : du w! Ursache. Der Täter, Arbeiter Ignatz Petrowski, konnte aber ermittelt werden und sieht nun seiner Bestrafung wegen Such beschädig» ng, Verübung groben Unfugs usw. entgegen. Der tti. Zug hatte in der Tegeler Strasse 15 zu tun. Dort War die Sanerstofsfabril überschivemmt. Das Wasser wurde aus- gepumpt. Wegen eines Brandes, der in einer Waschküche entstanden war. erfolgte ein Alarm nach der Lothringer Straße 51. Preßkohlen, Schornsteine. Matratzen und anderes brannten in der Greisswalder Straße 219, Gartenstraße, Schwedter Straße an der Nordbahn, Mohrenstraße IS und anderen Stellen. Vorort- l�admdrteii. Wilmersdorf. Soeben veröffentlicht der Magistrat die durch Beschlüsse der Kollegien angenommene Bezirkseinteilung zu den Gemeinde» Wahlen. Als Grundlage für die Einteilung nach den einzelnen Ab» teilungen gilt bekanntlich der Gesamlsteuerbetrag aller OrtS» anwesenden. Die Gesamtsumme aller für die Abteilnngsbildung zusammen» getragenen Steuern beträgt 3 835 065,86 M. Nach den hierdurch bewirkten Feststellungen gehören zur 1. Abteilung diejenigen Wähler, welche in der Liste mit einem Steuerbetrage von 1484.26 M. abschließen. Die 2. Abteilung beginnt mit dem Steuerbetrage von 1483,36 M. und schließt mit einem solchen von 262 M. ab. während die 3. Abteilung mit dem Steuerbetrage von 261,86 M. anfängt. Die für unsere Wählerschaft in Frage kommende 3. Abteilung gliedert sich in Wahlbezirke wie folgt: Wahlbezirk 4. Boniimcr Straße, Bornftedter Straße, Friedrlchsnchcr Str. 1—7, Georg'WilheliN'Straße, Heitorstraße. Hcitbronner Straße, Hobrechtstraße, Humbolbtslraße, Loachim.Friedrich-Str. 17— 43, Karlsruher Straße, Katharilicustraßi, Kroiiprmzeiidamm, Küstrtner Straße, Kursürstcu. dämm 56—123, Lützenstraße, Marrgras-Albrecht'Slraßc.Rlnabahiistr. 123—123. Wahlbezirk 2. Cicerostr. 19—35, Halberstädter Straße, Joachim- Friedrich-Sir. 1— 16 und 44 bis Ende, Jobann- Georg- Straße, Johann- SIglSmund-Straß«, Kmsürsteiidanim 136—152, Liegiiitzer Straße lweftliche Seite), Neslorstraße, PauISborner Str. 17—46, Rinabahnslr. St— 122 und 139—168, Schlesilchestraße, Schweidnißer Straße. Wettsälischestr. 27—72. Wahlbezirk Ii. Albrecht-. Schill csftraße. Bayerische Straße, Branden- vurgische Str. 23—94, Bregcnzer Straße, Bricgeruraße. Cicerostr. 1—13, Darnrstädter Strake, Düsseldorser Str. 11—99, Elseiizahnstraßc, Emser Straße,(öünßclstr. 36— 33, Hohenzollerndamm 21—47 und 189—192, Konstanzer Straße. Kurfürstendamm 153— 13t, Lieanttzer Straße löstlichc Seite), Lteßenburger Straße 26—33, Ludwlgskirchplaß, Münslersche Straße, Ollvaer Play, Osnabrücker Straße, Pariser Straße>6— 44, Paulsborn er Straße 1—16 und 47 bis Ende. Psalzburgcr Straße 1—27», Pommersche Straße. NaucnSberger Straße, Sächsische Straß« 1—32 und 45 bis Ende, Sauerläudtsche Straße, WestsZIische Straße 1—28 und 73 bis Ende, Wohiauer Straße, Würltembelgilche Straße, Zantcner Straße. Wahlbezirk 4. Düsscldorlcr Str. 1—16, Fasanenstr. 32—51 und 57—66. Hohenzollerndamm 9—11, Joachlmsthalcr Straße, Kaiserallee 1—13, Liedenburger Str. 39 bis Ende, Ludwigslirchstraße, Mcierottostraße, Mciuekeitraße, Pariser Str. 1—15 und 45—55, Psalzburaer Str. 71» bis Ende, Schapersir. 14—26, UHIandstr. 88—58 und 143 bis Ende. Wahlbezirk 5. Achenbachitraße, Augsburger Str. 66, Culmbacher Straße, Eisiebener Straße, Fürther üstraße, Geisbergstraße, Kaiserallee 216 bis Ende, Nürnberger Platz. Nürnberger Straße. Prager Str. 1—9 und 23 bis Ende, Nankestraße, Negensburger Str. 16—23, Schapersir. 1—13 und 27 bis Ende, Spichcnistraße. Wahlbezirk v. Düsseldorfer Str. 166—167, Güntzelftr. 19—29», Hohenzollenidamm 12—26 und 193—261, Holsteinische Str. 26—37, Nassauische Str. 1—16, Psaizburger Str. 56—71, UHIandstr. 59—73 und 128-142. Wahlbezirk 7. Aschassenbnrger Straße, Bamberg«: Straße, Dar- barossastraße, Fasanenstr. 52—56, Güntzeistr. 2—18, Helmstcdter Str. 1—6 und 28 bis Ende, Hohenzollerndanü» 1— 8 und 202 bis End«, Jenaer Straße 1—4 und 27 bis Sude, Kaiserallee 14—36 und 192—269, Landhaus- straße 1—7 und 48 bis Ende, Motzstraße, Nachod-Itratze. Nassautsche Straße 53 biS Ende, Nikolsburger Straße, NtkoiSburger Platz, Pariser Straße 56 bis Ende, Präger Platz, Präger Straße 16—27, Prinzregenten- straße 1—16 und 114 bi» Ende, RegenSburger Straße 19—29, Trautenau- Straße. Wahlbezirk 8. Augustastr. 1-9, Barstraße. Berliner Str. 35-129, Brand cnburgischeitr. 1—22 und 95 bis Ende, Brienner Straße. Gasteiner Straße 9—25, Gicseler Straße, Güntzeistr. 34— 40, Hohenzollerndamm 157 bis 188, Kalischer Straße, Kaubstraße, Lauenburger Str. 4—21, Mann- hcimer Str. 1—22 und 36 bis Ende, Psalzburaer Str. 23—55, Ringbahn- straße 69—88 und 171-263, Rudoristraße, Sächsischestr. 33—44, Sigmaringer Straße, Strelitzschestraße(nördliche Seite), Uhlandstr. 74—95, Wegener Straße, Wiihelnlöaue 29—169. Wahlbezirk». Augustastr. 65 bis Ende, Babelsberger Str. 1—16 irnb 37 bis Ende, Badenlche SNaße. Berliner Sir. 1—34 und 136 bis Ende, Gasteiuer Str. 1—8» und 2V bis Ende, Güntzeistr. 41 bis Ende, Helm- stedtcr Str. 7—26, Holsteinische Str. 1—19 und 88 bis Ende, Jenaer Straße 5—26, Kaiserallee 31—56 und 168—191, LandbauSstr. 8—47. Lauen- burger Str. 1—3 und 22 bis Ende, Mehlitzstraße. Nassautsche Str. 16»— 57, Priiizregciitenstr. 11—37 und 86— 113, UHIandstr. 98—127, Waghäuseler- straße(nördl. Seite), WilhelmSaue 1—28 und 110 619 Ende. Wahlbezirk 10. Augustastr. 33—64, Babelsberger Str. 17—30, Bernhardstraße, Bruchsal Straße, Coblenzer Straße. Durlacher Straße, Ersurter Straße, Güterbahnhof, Hildeaardstraße, Kaiserallee 5i— 66 und 155— 167, Kaiserplatz, Kuppenheimer Straße, Lioländische Straße, Masiizer Straße, Prinzregeutenstr. 38—85, Rinabahnstr. 1—33 und 241 bis Ende, Schramm- straße, Straße 8, Tübinger Straße, Waghäuseler Straße(lüdliche Seite), Weimarischc Straße. Wahlbezirk 11. Aachener Straße, Augustastr. 16—32, vinger Straße, Heidelberger Platz, Johannisberg« Straße, Mannheim« Str. 23— 35, Mecklenburgische Straße. Nauheim« Straße, Paretz« Straße, Ringbahn- straße 31—67 und 209—240, Strelitzsche Straße(südliche Seite). Die W ä h l e r l t st e n liegen in der Zeit vom 1. bis einschlietz- lich 15. September d.J. an den Wochentagen von vormittags SUHr bis nachmittagSLUHr und an den Sonntagen von v o r m i t t a g s 9 b i s 1 2 U h r in der Melde» und Wahlabteilung. Gasteiner Str. 11, 1 Tr., zur Einsicht öffentlich aus. Einsprüche gegen die Nichtigkeit der Wählerliste find während der Dauer der Auslegung der letzteren bei dem Magistrat zu er- heben. Versäume niemand, rechtzeitig nachzusehen, ob er in der Wähler- liste steht. Angesichts der Neueinteilung ist doppelte Vorsicht am Platze. Nixdorf. Auf der Straße angeschossen und schwer verletzt wurde vorgestern in der Jägerstrasse die 21jährige Verkäuferin ElSbeth Haffner, Jägerstraße 4 wohnhaft. Als das junge Mädchen gegen 4 Uhr nach- mittags de» Fahrdamm der genannten Straße überschritt, erhielt sie plötzlich einen Schuß in da» Gesicht. Eine Kugel hatte sie un» mittelbar unterhalb des linken AugcS getroffen. Die Verletzte begab sich sofort nach der nahen Unfallstation in der Sleinmetzstraße, wo es dem anwesenden Arzt alsbald gelang, das Geschoß zu entfernen. Leider ist die Sehkraft deS Auges gänzlich verloren. Der Augapfel ist von der Schrotkugel zweimal durchbohrt und die Netzhaut schwer beschädigt worden. Die polizeilichen Ermittelungen haben ergeben, daß der verhängnisvolle Schuß von dem 15 Jahre alten Kauf» mamiSlchrling Alfred Oehifchlägel abgegeben worden ist. Dieser hatte in der elterlichen Wohnung Jsarstraße 12 mit einer Luftbüchse hantiert. Er berührte infolge einer unvorsichtigen Bewegung den Hahn, die Waffe entlud sich und die Kugel flog durch das Fenster auf die Straße hinaus, wo sie die vorübergehende Haffner traf. Der Unglücksfall, der also wiederum lediglich durch das leichtsinnige Um- gehen Uuerwachfener mit Schußwaffen herbeigeführt worden ist, sollte zur dringenden Warnung dienen. Friedrichsfelde. Die entsetzlich verstümmelte Leiche eines 40jährigen Mannes wurde gestern früh gegen 7 Uhr von Bahnbenmten aus der KauIS» Yorker Borortsirecke in der Nähe des Kilometersteines 6,3 aufge- Der Kopf war glatt vom Rumpfe getrennt. Beine und 'gen zerstückelt umher. In einer Tasche deS Toten fand an seine Schwägerin gerichteten Brief, in welchem der Verstorbene mitteilte, daß er aus Furcht vor einem unheilbaren Leiden sich das Leben nehmen wolle. Allem Anscheine nach hat er sich vor einen Zug geworfen und ist auf der Stelle getötet worden. In dem Lebensmüden wurde der 42 Jahre alte Arbeiter Otto Weiß- heimer von hier aus der Kurzestraße ermittelt. Oranienburg. Die organisierten Arbeiter Oranienburgs und Umgegend werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Organisation der Schiffbauer, welche seit November v. I. sich im Lohnkamps(Abwehrstreik) befindet, am Sonnabend, den 4. September, im Lokal„Waldhans Sand- Hausen". Schützenstr. 34, ihr diesjährige? Sommerfcst feiert. Da ein etwaiger Ueberschutz den streikenden Schiffbauern zugute kommt, werden die organisierten Arbeiter gebeten, für recht guten Besuch zu agitieren. Potsdam. Konservativ« Jugendfürsorge. Hier hat fich ein Verein zur „Förderung von Leibesübungen" gebildet, an deren Spitze der Regierungspräsident, der Polizeipräsident, der Oberbürgermeister und der Vorsitzende des Neuen Wahlvereins Major a. D. v. Stoffel steht. Da der beim konservativen Neuen Wablverein bestehende Jugendbund seine Mitglieder, hauptsächlich Schüler höherer Lehr- austalten und die bei den zahlreichen hiesigen Behörden tätigen jungen Leute, durch sogen, vaterländische Vorträge nicht mehr zusammenhalten kann. will man Jugendspiele einführen. Man er- wartet dadurch einen Zustrom von gewerblichen Arbeitern und Lehr- lingen, auf die mau eS hauptsächlich abgesehen hat. Der neue Verein hat sich dem Jugendbund zu diesem Zweck vollständig zur Verfügung gestellt._ Hackradt verhaftet. Endlich scheint eS gelungen zu sein, den Schriftsetzer Hackradt, der die 78 jährige Opernsängerin Joscphine Rudolphi in Bornim tötete, in Moosach bei München zu verhaften. Eine Meldung aus München vom gestrigen Tage besogt: Der 2Sjährige Schriftsetzer Max Hackradt. der am 27. August in Neu-Bornim bei Potsdam die 78 jährige Joscphine Rudolphi in räuberischer Absicht ermordete, ist heute vonnittag in Moosach bei München verhaftet worden. Hackradt ist gestäudig. Senckts-Leitung. Eine schlagfertige Mutter hatte sich wegen grober Mißhandlung ihres eigenen Kindes vor der Fericnstrafkammer des Landgerichts I zu verantworten. Die Angeklagte, Arbeiterfrau Bernitz, war vom Schöffengericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden und hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Die Angeklagte lebt in recht unglücklichen ehelichen Verhältnissen und ist von ihrem Manne verlassen worden. Sie hatte einen jetzt neun Jahre alten, körperlich sehr zurückge. bliebenen Sohn mit in die Ehe gebracht und ist durch die Ungc« zogenheitcn desselben wiederholt so in Erregung gesetzt worden, daß sie die Herrschaft über sich selbst verlor und mehrfach unbarmherzig mit irgendeinem harten Gegenstand, der ihr gerade zur Hand lag, den Knaben verprügelte. Das Schmerzgeheul des Jungen erregte wiederholt das Mitleid der Hausbewohner, insbesondere war auch die eigene Schwiegermutter der Angeklagten mehrfach empört über diese unzulässige Erziehungsmethode. Auch dem Rektor der Schule, die der Knabe besuchte, ist einmal aufgefallen, daß dieser mit deut» lichen Spuren von Mißhandlungen zur Schule kam. Als die Ange» klagte den Jungen wieder einmal mit einer Kohlenschippe arg der» prügelt hatte, überzeugten sich Nachbarn, daß der Knabe, der jetzt der Erziehungsanstalt Zehlendorf überwiesen ist, am Körper arg zerschunden war. Der Kreisarzt Dr. Lindenau wurde mit einer Untersuchung des Mißhandelten betraut und stellte fest, daß dieser am ganzen Körper, am Ktopf, am Rücken, am Gesäß, am Unterarm usw. zahlreich« Verletzungen aufwies, am Kopfe zeigten sich Narben von Blutergüssen, am Rücken blutunterlaufene Stellen. Auf Grund dieses Befundes wurde die Anklage erhoben. Die Strafkammer war mit dem Schöffengericht der Ansicht, daß die Angeklagte ihr ZüchtigungSrccht weit überschritten habe. Das Bericht erwog aber mildernd, daß dem Jungen von mehreren Seiten das Zeugnis eines recht ungezogenen Bengels gegeben wurde, der seine mit der Not deS Lebens kämpfende und durch die unglücklichen Familienverhältnisse an sich schon leicht erregbare Mutter vielfach schwer geärgert hat. Die Strafe wurde daher auf zehn Tage Gc» fängnis herabgesetzt._ Zwei..Messerhelden". die in rohester Weise und ohne jede Veranlassung mit Berliner Ausflüglern«inen Streit vom Zaune gebrochen hatten, standen gestern in den Personen de? jkutschers Karl Wegener und deS Arbeiters Max Neubauer vor der Ferienstrafkammer de» Land» gerichtS Berlin III. Am 23. August vorigen Jahres machten sechs Herren einen Ausflug nach Buch, der einen bösen Abschluß finden sollte. Als die Herren abends sich auf den Weg nach Carow machten, um dort zur Rückkehr die Eisenbahn zu benutzen, wurden»sie von den beiden Angeklagten belästigt, die sie anrempelten und sofort auf sie einschlugen. Während die übrigen Teilnehmer an der Partie sich nach Hilfe umsahen, blieb der eine, ein Dr. C. kurze Zeit allein zurück und mußte sich der weiteren Angriffe der beiden RowdieS erwehren. Plötzlich zog Neubauer ein Messer und schlug damit auf Dr. C. ein. Dieser erhielt zwei Stiche in den Kopf und mehrere Stiche in den Rücken und eS ist alj ein wahres Wunder anzusehen, daß seine Lunge unverletzt geblieben ist. Die erhaltenen Perletzungen waren immerhin derartig, daß der Per» wundete eine längere Zeit krank danieder lag. Neubauer wurde zu einem Jahre sechs Monaten, der weniger belastete Wegener zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Großstadt-Hyänen. Obgleich die Stadtbahnfleddcrer wissen, daß ihnen ine Polizei sorgsam auf die Finger paßt, werden die Beraubungen schlaf. trunkener Leute in den Abteiken der Stadtbahn munter fort- gesetzt. ES vergeht kaum eine Woche, ohne daß ein neuer Fall dieser Art zur Anzeige kommt. Am 27. Februar bemerkte der mit dem Kampfe gegen die Stadtbahnflcdderer betraute Kriminal- schutzmann Brückner» daß in einem den Bahnhof Rummelsburg passierenden Stadtbahnzuge in einem sonst leeren Abteil ein Mann in offenbar angetrunkenem Zustande schlafend in der Ecke lag. Er vermutvte sofort, daß dieser das Opfer der Stadtbahnfledderer, die vielfach auf dem Alexanderplatz-Bahnhof ihre Opfer erspähen, werden würde. Er bestieg deshalb schnell den Zug, ersuchte einen im Nebenabteil sitzenden Herrn, unauffällig auf die Dinge aus- zupassen, die fich ereignen würden, und nahm selbst einen gedeckten Beobacht erPosten ein. Am Bahnhof Alexanderplatz bestieg der ihm schon bekannte Arbeiter Karl Golbert» ein mehrfach vorbestrafter Mensch, mit drei anderen Männern den Zug und strebte sofort nach dem Abteil, in welchem sich der Schläfer befand. Dieser wurde in aller Eile seiner Habe, die er in Gestalt von 33 M. in der Westen- tasche trug, beraubt. Schon am Bahnhof Börse verließen Golbert und seine Helfershelfer den Zug. Der Kriminalbeamte konnte den Schläfer nur mühsam wecken und nachdem er von diesem be- stätigt erhalten hatte, daß ihm 33 M. gestohlen waren, fuhr er sofort vom Bahnhof Friedrichstrahe nach dem Alexanderplatz zu- rück. Als er dort anlangte, lief ihm gerade der anscheinend auf neuen Raub ausgehende Golbert in den Weg; er nahm ihn trotz seines Protestes und der Unschuldsmiene, die er aufsetzte, ohne weiteres fest.— Der Angeklagte bestritt gestern dar Gericht Stein und Bein, an dem Raubzuge teilgenommen zu haben, er wurde jedoch durch die Beweisaufnahme überführt und von der Ferien» strafkammer zu 1 Jahr Zuchthaus. 3 Jahren Ehrverlust und Po- lizeiaufsicht verurteilt Vermischtes. „Z. III" im Sturm. Der„Z. III" hatte gestern auf der LandungSstelle sei Bülzig schwere Stunden zu bestehen. Unablässig setzte ihm der wütende Weststurm zu. Von der Landungsstelle bei Bülzig wurde am gestrigen Tage gemeldet: Der Wind hat während der Nacht nicht nachgelassen. Die außer» ordentlich ungleichmäßigen, stoßweise auftretenden Böen erschwerten die Lage ganz ungemein. Erst nach 3 Uhr morgens konnte mit der Arbeit begonnen werden, da der Wind um diese Zeit gleichmäßiger wurde. Das Luftschiff lag die ganze Nacht über in blendendem Licht der Scheinwerfer. Zurzeit ist die Windstärke bis zur Höhe von 500 Metern 14, darüber 18 Sekundenmeter. Der Wind kommt aus Südwesten und hat die Tendenz, sich nach Nord- Westen zu drehen. Die in einigen Zeltungen verbreiteten Nach- richten, daß ein Teil der Hülle vom Sturme abgerissen und zerfetzt worden sei, sind frei erfunden. Die Hülle ist an der verletzten Gaszelle sorgfältig abgeschnürt, sodann ausgeflickt und nunmehr wieder aufgesetzt worden. Der Ankerpunkt ist durch eine Anzahl Haltctaue mit mehreren festen Punkten innerhalb des Luftschiffes verbunden und dadurch noch ganz erheblich gesichert worden. Da der Wind das Aufstellen von mechanischen Leitern verhindert, so sind die vorderen Vorgelege vom Innern deS Luftschiffe? her montiert worden. In derselben Weise wird das Anmontieren der vorderen Propeller geschehen, sobald die recht diffizilen Vorarbeiten dafür vollendet sind. Ununterbrochen strömen neue Scharen von Schaulustigen zur LandungSstelle. Trotz der cingelcgteu Extrazilge ist der Verkehr nicht annähernd zu bewältigen. Da die nach Bülzig lautenden Fahrkarten auf allen Stationen der Umgegend längst vergriffen sind, so fährt das Publikum zum Teil auf Hundckarten, zum Teil aus Karten, die auf ganz andere Stationennamen lauten. Auf Bahnhof Bülzig sind die Einlaßschranken zersägt, und auf diese Weise sind sechs Noteingänge geschaffen worden. An eine Festsetzung der Abfahrtszeit deS.Z. HI" ist bei der unsicheren Wetter- läge vorläufig nicht zu denken. Wie eine Telegramm aus Friedrichshafen, 1. September, 10 Uhr vormittags meldet, teilte Direktor ColSmann der Luftschiffbaugesell- schaft auS Bülzig mit. daß das Luftschiff„Z. III" gestern nacht einen schweren Sturm von 21 Sekundenmetern gut überstanden habe. Die Reparaturen seien bis auf das Einsetzen der Propeller beendet. Auch diese Arbeit werde im Laufe des Vormittag? durchgeführt sein. Die Abfahrt werde jedoch voraussichtlich erst nachmittags angetreten, da die Wetterkarten bis dahin eine Besserung der Wetterlage erhoffen lassen._ Grubcnkatastrophe im Saarrevicr. Auf der Grube Kamphausen im Saarrevicr ereignete fich in der gestrigen Nacht eine schwere Katastrophe, durch die zahlreiche Bergleute verunglückten. Ein Telegramm auS Kamphansen meldet: In dem im Abteufen begriffenen Schacht IV der Grube Kamphausen stürzte gestern abend 11 Uhr die Mauerbühne in den Schacht. Hierbei verunglückten vermutlich acht Mann tödlich, die auf der Bühne be- schäftigt waren. Die Bühne ging durch ein Stahldrabtseil an einer Dampffördermaschine. Die Bremsvorrichtung beim Tieferlaffen der Bühne versagte, so daß sich das Seil schnell vollständig ab- wickelte und die Bühne in die Tiefe stürzte. Die Bergungsarbeiten sind im Gange._ Durch Gestein verschüttet. Wie aus Linden(Ruhr) gemeldet wird, find auf der Zeche.Baaker Mulde" gestern vormittag zwei Bergleute durch Gestein verschüttet und getötet worden. Beide waren verheiratet._ 450 Höfe vom Feuer zerstört. In Kriwoj-Rog hat, wie aus Alexandrowsk gemeldet wird, eine gewaltige FeuerSbrunst 450 Höfe zerstört. Der Schaden beträgt über eine Million Rubel. 500 Menschen sind obdach- und brotlos._ Die Niefenüberschwemmungen in Mexiko. Wie auS Mexiko berichtet wird, wurden in der Umgebung des alten Brunnens in Montcrey dreihundert weitere Leichen aufgefunden. ES sind mithin von den Opfern der Riesenüberschwemmungen bisher tausend Leichen geborgen worden. Der Nordpol erreicht? DaS seit langen Zeiten erstrebte Ziel der Nordpolfahrer, den Nordpol z» erreiche», soll, wie eine Meldung auS Kopenhagen besagt, dem amerikanischen Reisenden Dr. Cook gelungen sein. Wir geben diese Meldung, die zumeist noch mit berechtigtem Zweifel aufgenommen werde» muß, hier wieder: Kopenhagen, 1. September.(Meldung vom Ritzau-Bureau.) Der dänische Dampfer„HanS Egede", der der dänischen Verwaltung für die grönländische» Kolonic» angehört, passierte heute mittag Lcrwlck. Der an Bord befindliche Jusprktor für Grönland telegraphierte an die Verwaltung in Kopenhagen, an Bord befinde fich der amerikanische Reisende Dr. Eook, der auf der N o r d p o l e x p c d i t i» n am 21. April 1S08 den Nordpol erreicht haben soll. Dr. Cook kam im Mai 1909 von Kap Aork nach Upernivik. D i e Eskimos bei Kap Aork be st ätigten die Nichtigkeit der Reise Dr. Cooks. Wttteru»gSüberll-t>» vom 1. September 1009, morgens 8 Nhr. eistwnrn LwMenidi Hamdurg Berlin Franfi.n m München Wen etattone» II. önvarandn 744 0 Petersburg 748 S Set Ol) »iberbeev Part» Vetter ** «■* t* 4 Regen 1 bedeckt 764 NNW 4 mollig 756 WNA 4 heiter 761 SSO Iwolkenl !! I 12 15 13 9 « Wetterprognose für Donnerstag, den S. September 1009. VIessach hell« bel abnehmenden westlichen Winden, sehr kühler Nachl und langsam steigender TagcSlemperalur; leine erheblichen Zliedeftchläge. Berliner Weiterbureau. Wallerltands-Nachrtchten d« LandeSanftalt ür GeiuSsserlunde, mttgetelll vom Berliner Wellerbnreau. vasserstand M e m e l, Tilgt P r e g e l. Jnfterbmg Weichsel. Thor» Oder, Ratibor , Kronen , Franllurt Wa r t h e, Schrimm , LandSberg Rehe, vordamm Elbe, Leilnterch , Dresden , Bardo , Magdeburg am 31. 8, cm 173 —27 82 104 72 83 21 —15 —28 —37 -166 40 62 «eil 30. 8. OTT)') +3 +1 0 +2 +6 0 0 0 +4 +9 4-3 +4 +4 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree. Svremberg') , Beeslow 83 e> e r, Münden , MW den Rhein, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbromi Main, Werthelm Mosel, Trier am 31. 8. am 76 38 26 66 -165 -36 473 235 213 33 95 seit 36. S. cm 4-26 -H +j 4-3 4-2 -11 +10 +20 —14 +4 O+ bedeutet Luchs.— Fall.—•) Uulerpegel. FSr den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Cbcatcr. Do«nerStag.2. Septemver. Ansang lll, Uhr. Kgl. Operuhaus. Boheme. «gl. Schauspielhaus. Colberg. Neues. Eniilia Galotti. Ansang S Uhr. Deutsches. Faust. K a m m e r s p i e I e. Die Sünde. Berliner. Einer von uns« Leut. Lessing. Zwischenspiel. Sleues Schauspielhaus. Miß Dudelsack. Thalia. Prinz Busst. Komische Dper. HosfmannS Er> zählungen. Residenz. Kümmere dich um Nmelie. Hebbel. Revolutionshochzeit. Triauon. LiebeSgewitter. Lustspielhans. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Slcueö Overette«. Die Dollar- Prinzessin. Westen. Der fidele Bauer. Schiller U. Äalluei. Tdealer.s Der Biberpelz. Dch u». Eharlottrnburg. Madame Bonivard. Friedrich> Wilbelmstädt. Schau- spielhans. Manöverregen. Bolkooper. Der Wassenschmied. ('Anfang 7'/, Uhr.) Suifrn. Die Jungfrau von Orleans. Bernhard Roic. Im Gass Noblesse. Metroooi Die oberen Zehntausend. Folies Caprice. Drei Frauenhüte. Der Deserteur usw. Ans. S'/, Uhr. Slpollo. Spezialitäten. Wintergarten. Svczialitäten. Gebr. Herrnfeld-Dhrater. Frau Elk-unZ Friseur. Meine«Deine Tochter. Noatfs Theater. Geschlossen. Stadt-Theater Moabit. Spezla« litäten. Vnv, ige. Speztalitäten. Bolksgarten. Spezialitäten. Brnnueu. Der SlabSlrompeter. Walhalla. Spe,iniiiälen Rrichstiallcn. Steltiner Sänger. Karl Haverland- Theater. Epe- zialitäten. Casino. Onkel Cohn. lirauia. Ta»l>eui«rahe Adlift, Abend« 8 Uhr: Rom und di Campagna. Sternn-Iirre, Jnvalidenllr. K7lvs. Oenslnzr-VIieut«!»-. ToimerSlag. L Uhr: Neuelustudiert: �veisekenspiol. Freitag, 7'/, Uhr: Ibsen« ZhkluS, 9. Vorstellung: klo»m?e»holi». 6erl!ner'skester. Heute 8 Uhr: kltnei? von Nil»«»'«? l.ent'. Biorgen: Das LcbenSseft._ Nenes Theater. Ansang 8 Uhr. Emilia Galotti. Morgen und folgende Tage: Emilia Galotti. Tl'Ix-ntvi- de» Westens. Allabendl. 8 Uhr: Der fidele Bauer. Operette vou Leo Fall. Sonntag nachm. 3'/, Uhr, halb« Preise: Die lustige Witwe. iesidenzllieater Direktion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Schwank in 3 Alten von Feydcau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellnug. friödsiMiltigUlliiseKgs Schauspielhaus. Donnerstag, 2. September, 8 Uhr: Manöverregen. Schwank in 3 Alten v. G. Schähler Perasini und Kegler. Freitag: Der Widerspenstig. Zähmung �LustepivIKsus. Abend» 8 Uhr: Im Klubsessel. Ken«» Operetten-Theater Schissbauerdamm 23, a. d. Luisenslr. Ansang 8 Uhr: VI« Dollnrprinzesuln. Operette in 3 Alten von Leo Fall. �.oiiissn-1'kosivi' AbcndS 8 Uhr: Ei:: romantisches Trauerspiel in süns Allen von Fr. v. Schiller. Freitag: Die Herren Söhne. Sonnabend: Die Herren Söhn«. MMWWsMs !'i<Är. Frantlurrer Str. 132. I Ans. 8 Uhr. End- 10-,, Uhr. Im Laie Noblesse. Spisjbubcnkomöd. i.3Akt. O.G. Schüler. Ans der Gartenbühne, Ans. t-/, Uhr: LpeiialltSleii. Le. int. Radwettremieii. Brunnen-Theater C abstrafe« 38. Direktion! Willi Voigt. Heute sowie täglich: Lei' Stabstrompeter. VolkSft. m. Ges. w 4 Alt. v. Mannstädt. kassenerögnung L Uhr. Ans. 4 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 ifl., von abends 6 Uhr ab SO Pf., Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte Volks-Oper SW., Belle-Alliance-Str. 7-8. Der Waffensoliniied. Komische Oper in 3 Aufzügen von Lortzing. Anfang; 7'), ilhr. Täglich: Henry Bender und das mit stürmischem Beifall aufgenommene £rö(fnunss-Prograinin! U.a.; Morris Cronln. Mlls. Sädowa. The 6 Cutlys. Ceschw. Klös Truly Shaltuck. Belleclaire Bros. HiS Marquis. 3 Pattersons! „Loben und Treiben im Freien." Ballatt-Divertissomont. Zeppelins Landung in Tegel. Melropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jul. Freund. Musik v, Gust. Korker. In Szone gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. 8 Uhr: Die vollständig neuen Spezialitäten. » uhr i3: J$«5v«rtn in Conscience,£TÄC Wurde 600 mal in Paris, 2 Jahre lang in Amerika, Monate hindurch in Wien usw. mil beispiellosem Erfolg ausgeführt. I Passage-Ttieater. Das führende Variete-Programm Berlins! 1 Claim Waldoff. i Sibirische Sträflinge� Lioder in Ketten, � und 12 erstklassige£ Varl£t£- Attraktionen!!! j» «KW Kommandanlenstr. 37. T. A. 4, 3083. tMT Die erfolgreichste»-MV Lach-Komödien Meine-Deine-Tochter Frau Elkams Friseur mit Auto» und Douat Herrnfcld. Vorverkaus 11—2 Uhr. Ansang 8 Uhr. II. T.??7 Ein Ereignis für Groß-Berlin Am Sonnabend, den 4. September, abonds 7 Uhr, wird am Alexanderplatz(im Grand- Hotel, gegenüber von Tietz) das Union-Theater eröffnet. Sanssouci, l'ZTl Direktion Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: Eröffnung der Wintersaison. Nene» Programm. Elite-Soiree iÄ« Hoifnianns iiordd. Sänger. u. a.: Neu: Berschlafen Lustspiel in 1 Alt, u. die neueste» Schlagerl Leg. Sonnt. 3. wochent. 3 U. KcIiillSR'- Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theater.) Donnerstag, abendS8Uhr: Der Hibcrpclx. Eine Diebeskomödis in 4 Alien von Ecrhart Hauptmann. Freitaa. abends 8 Uhr: Hin Erfolg. Sonnabend, ab c n d Z 8 Uhr: Die Eiire. Theater. Schiller-Theater Chartstienburg. Donnerstag. abendS8Uhr: Sladaino Bonivard. Schwank in 3 Alten von Alexander Bifson und Antonh Mais. Freitag, abends 8 Ubr: Z. 1. M.: Die von KIveki»utteI. Sonnabend. abends 8 Uhr: Rreeiter. Millionen. Die Mitglieder werden gebeten, zunächst fUr die FDIIung der 1 3. Abteilnng Sorge zu tragen, welche am 5. September ihre erste Vorstellung hat Die nächsten Vorstellungen sind am: Freitag Sonntag Montag Freitag Sonntag Montag Freitag Sonntag Montag Freiing sonnlag Montag GygeS und seht Ring do. HanneleS Hiinmelsahrt Eisgang Vater und Sohn Musotte Gyges und sein Ring do. do. HanneleS Himmelfahrt Eisgang Vater und Sohn Musotte Gyges und sein Ring do. do. HanneleS Himmelsahrt Vater und Sohn Musotte Gyges und sein do. do. Eisgang Vater und Sohn GygeS und sein Ring Ring Extravorslellungs• Marken zur Vorstellung am Sonntag, den 26. September, 3 Ulm, im Leseing-Theater „Der König", erfolgreichste Burleske von von Caillavet und ß. de Kiers, sind vom 10. September ab in allen Zahlstellen zu haben und in die Rubrik X X„Extravorstollung" der Karte zu kleben. X X 241/3 Der Torotnnd. ISiehard Wagner-Abend Sonntag, den 12. September, abends?>/, Uhr, Im Gewerk schaftshause 'grober Saal), Engelufer 15. 1221b* Leitung: Margareta Walkotte. Mitwirkende: Botty Schot, Marg. Walkolle, Gust. Franz, Hugo Heydenbluth, Bernh. Nitzsche. Willi Oeckert. Entree im Vorverkauf 50 Pf., an der Abendkasse 60 Pf. Programm: Aus den fünf Gedichten: Träume— Schmerzen; Wotans Abschied aus der Walküre; Duett aus Lohengrin; Walters Preisliod, Meistersinger; Grals Erzählung, Lohengrin; Lied an den Abendstern, Tannhäuaer: Einsam in trüben Tagen, Lohengrin; Dich, teure Halle, Tannhäuser; Lohengrins Abscnied. Arnold hichol» Neue Welt Hasenhelde 108/114 Heute Donnerstag, den L. September 1800: Große Sedan=Feier. Spezialitäten und Doppel-Konzert. Monsler- Schlacht- u. Fronlen-Feuerwerk. Neue Welt- Fischzitg, Verkauf des Fanges(lebend) M.. _ Anfang 5 llhr. fintree 50 Pf. Passage-Panoptikum Von heute ab täglich zu sehen: Die Traum s Malerin Wllhclmiae Assmann. Bilder aus dem Jenseits I Der berühmte Professor Cesare Lombroso, der größte Psychologe der Jetztzeit, erklärt unumwunden, daß diese Malereien im somnambulen Zustande auf die Existenz Oberirdischer Wesen zurückgeführt worden müssen. Die Mal b Sitzungen in Trans finden täglich von 11—1 Uhr und von 3— 81/, Uhr statt. Zutritt jederzeit! X X Ohne Cxtra>Entree! X X Der magische Messengerboy ein künstlicher Mensch, welcher geht, Musik spielt usw., wird vor den Augen des Publikums in alle seine Teile zerlegt AfZ A das unergründete Rätsel. *-• schwebt frei in der Luft! Kniikasincho Banden- Kapelle. Cgp- Alles ohne E x t r a- E n t p e e t-TM) Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Geöffnet von 10— 10 Uhr. ferner: © Ktfnigfttadt-Kaftino. to(jmarfl(tr.72(Ecke Alexanderstr.) ägl. I herrl.Natur.Sommergarten Gr. Theater- u. Spez- Vorstellung. Die gelbe tiefnlir. Burleske von H. Hoffmann. Duelt Herrmann, Loewe- Lossen, Heinz Heuer, The Eltons, The Laengs, Charly Salwing, Mlnnie Schröder u. erftfloff. Spezialitäten. Ans. wochent. 8. Sonntags 3 Uhr. Polles Gaprice] Heute Donnerstag Premier© Mobilisierung Humoreske von Salzer. Bunter Teil Der gewisse Augenblick 1 Schwank v.Glingoru.Taussig| Anfang 8'/« Ehr. Vorverkauf 1 1-2 U. a.d.Theaterk. Palast-Theater. Direktion: Robert Dill 4 Karl Pirnau. Burgstrafee 24, am BaHnHos Börse. Sonnabend, den 4. September; tofirspi Erstklassiges Vartet6-Programm Großttadtzauber mit Direktor Rob. Dill in der Hauptrolle. Anf.>/z8 Uhr. Entree 50 Pf. bis 2 M. Reiehshallen-Theater. Mner Sanier Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Zahltstelle Berlin.—— Bureau: Engeluser 14/15. Tel. TV Nr. 3578 tt. 10623. Achtunq! Einsetzer! Achtung! BodenlegerS Jalousiearbeiter! Donnerstag, den 2. September, abends 8 Uhr, bei Böcker, Weberstr. 17: Kranchen-Uersammtmlg. TageS.Ordnung: 1. Die Zustände auf de» Bauten und der Arbeiterschatz. Rcserent: Arbeiterselrelär Gut. tu v Eink. 2. Diskussion. 89/2* Die Brancbenkomnsfssion. Verband der Ifaler, Cacbierer, Anstreieher etc. Melchiorstrafee 28, Part. Filiale Berlin. Fernspr.: Amt 4, 4737 Hente Tonnerstag, den 2. September, abends 8'/, Uhr» im Gciverkschastshause, Engelufer 13: Misiis-Versliiiniiliiiig im Lackierer. TageS.Ordnung: 1. Vortrag des Genossen SI. Gebiittv über:»Der Kultus des Krieges-. 2. Diskussion. 3. Vereinsangclegcnheitcn. KV- Mitgliedsbuch legitimiert."TM Zahlreiches Erscheinen erwartet Dl««<>kt!oii«lcItnng. HB�äSSbebbot Sladt-Theatcr Moabit. Alt-BoabU 47/48. Täglich: Spezialitäten und Theater- Vorstellung. Ans. d. Vorstellung wochentags 7 Ubr, Koilzcrt 6 Uhr. Sonnt. 6 bezw. 3 Uhr. Gartencröfsnnng 3 Ubr. Sediii Montag Elitrtag. Spezla- litäten und Soiree der»Luftigen Sänger". Bei Regenwetter Vorstellung im grofeen Tbcatcr-Saal.__ Casino-Theater Lothringer Strafe« 37. Täglich 8 Uhr: ntcl a�oint Ainfcf IVobn ntcl-�alja ©ukel Fk�oh» ntcl IVolin »kel ��ohn Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbcrt. Mj gröfeerteZ Personal. Zum 1. Male: Die Benctianerin. «ouutag z. 1. Male: Unser Leopold. { Weinbergsweg 19-20,(tosenth.Tor.j Ansang 8 Uhr. Die großartigen 1 September-Spezialitäten j Duhimann �MWKMiM Große internationale Ringkampf-Konkurrenz um den große» Preis von 4000 M. Vorder da» glänzende SnenlaHttU«»»- Programm. Ansang 41/, Uhr. Entree 30 Pf, Die Ringt, beg. um»>/, Uhr abends. Karl tlaverianä Theater 77/79 Kommandmitcnstrafee 77/79. Ansang präzise 8 Uhr. Das Sensation erregende Eröffnnngs- Programm 14 nur erstkl. Spezialitäten �71-öAler Badstr. 3, Gelundbr., Bellcrmaunstr. Heute ringen:i>ibil«ki, Berlin. 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Eintrittskarten sind in den unten verzeichneten Verkaufsstellen und bei den Mitgliedern der Agitationskommissionen zu haben. Die Verkaufsslellen worden an diesem Tage um 7 Uhr abends geschlossen. BV Die 45 Verkanfssteilcn befinden sich: denowstr. 30.— Maxstr. 13a.— Prinz en-AUee 85.— Swinemünder Str. 44.— Hussiten- B ST An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. MnKtergtlltlg in Konstrahtlon und AnsfUhrang, gleich vorzüglich für Ilausgehraach a. IndoRtrio. Singer Co. Nähmaschinen Act. Oes. BEBT.ro, I.elpziger Straße 03. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. El Arbeiter-Wanderbimd Die Naturfreunde UMdttfnhrten am Soniitap, den 5. September. 1. Hangel-Zbeep— Rauensche Beige— Schaemiitzelsee- Storfcw. Abs.: Schles. Bahnhof 5,23 Uhr vorm. 2. Spandauer Bock— Saubucht— Wannsee. Tressountt: Spandauer Bock 7 Ufjr vorm.[1/11 3. Köpenick— Grünau. Treffpunkt: Bahnhos Köpenick 2 Uhr nachm. Freitag, den Z. 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Verantwortlicher Redakteur: Emil Knurrt Berlin. Zur denJnseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdrucierei u, Berlagsanftalt Paul Singer Lc Co., Berlin LW»