Nr. 307. HbonnemcnteBedlngungeit: ?®0"n,??2en®*'*w9i jitünnmctMiSo! Sieüe'jäWUBao«L nionatl, 1,10 Mk,, toMentli�) i Jtg. frei ins Haus, Einzelne NuMrwr?, Pfg� Sonntags- nummer Sonntags- Beilage„Die JWe Mu» 10 Pfo Post. Adonnenicnl: l,o Marl pro Monat. «MliM' Ä��Hast-Leitungs- Preisliste. Intt? llreuzband für Deutschlands»»v Otsterreich- Ungarn 2 Marl, f« j;n»- übrige Ausland 3 Marl pro Mkiat, Bostabonnements nehmen an: Beigten. Dnnemarl, Holland, Italien Luxemkiirg, Portugal, SHumönien, Echireden und die Schweiz. 36. Jahrg. Mchllnt ygiich»Her lllovvg». Berliner Volksblntt. Die TnlcrtlonS'GeDüör velrllgt für die sechsgefpalteiie Kolonel- Geile oder deren Ziaum KO Psg., sür politische und gewerlschastliche Bereit, S- rind LersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Meine Rnreigen", das erste(fett- gedrullt-) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzcigen daS erste Wort 10 Pfg,, jedeS weitere Wort 5 Psg, Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S UhrnachmsttagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SszIaldwüriU RtriiB**, Zentralorgan der rozialdemokrattfchen Parte! Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Oer 42. faires--Kongreß der , 0 britischen Crade-Önions. London, 2. September.(Eig. Ber.) £ ä und sozialistische Kongresse sind geeignete .�F'�stiintte. einen kritischen Rückblick und Ausblick zu wagen. �ackisjche Gründe gebieten jedoch, unser Urteil so matzvoll als lstofiftch zu halten. Die Arbeiterbewegung der Kulturwelt wird zv�iwstminer einheitlicher; die Organisationen des Proletariats n zwar immer deutlicher die neue Teilungslinie hervor, .'.die alten politischen und ethnischen Gebilde der Welt durch- schneidet und die zivilisierte Menschheit in zwei grotze ökonomische Gruppen zerlegt, allein noch sind wir nicht so weit, die alten nationalen und geistigen Unterschiede ganz mitzachten zu können. Dann ist der„Vorwärts" sehr einflutzreich in der internationalen Arbeiterbewegung: sein Lob oder sein Tadel haben eine Bedeutung, die zum Wohle des Proletariats aller Länder ausgenutzt werden mutz, und bei reifen und einander freundlich gesinnten Menschen wirkt ein Tadel um so nach- haltiger, je ruhiger und sachlicher er ausgesprochen wird.— Die britische Arbeiterbewegung zerfällt in drei Teile: � � e T r a d e- U n i 0 n s, die der Zeit und der Mitglieder- >1. ke nach an erster Stelle stehen; die Arbeiter- Partei, die 1899/1900 gegründet wurde; die all- geneine Föderation der Trade- UnionS, die in. Jahre 1899 entstanden ist. Die Mitglieder sind in allen drei Abteilungen dieselben, dennoch sind die letzteren zivei Abteilungen zeitgemäßer, vorgeschrittener und dem kontinentalen Örganisationstypus des Proletariats näher ver- wandt, zeigt sich hierbei, daß die Organisationssorm keine gleichgültige Sache ist. Dieselben Menschen handeln ver- schieden, je nach der Organisationsform, in der sie sich be- finden. Als Mitglieder der alten Trade-Unions handeln die englischen Arbeiter nach den alten liberalen Traditionen, in der Arbeiterpartei werden sie von der sozialisttschen Strömung fortgerissen. Das Nebeneinander der drei Organi'ationsformcn gibt der britischen Arbeiterbewegung etwas Widerspruchsvolles, das sich indes leicht löst, wenn man man bedenkt, daß sie sich, wie an dieser Stelle des öfteren angedeutet wurde, in einer Uebergangsstufe befindet. Die Trade-Unions, deren Vertreter am 6. d. M. in Jpswich zu ihrem 42. Jahreskongresse zusammentreten, sind selbständige Gewerkschaften und Verbände, die durch kein organisatorisches Band mit einander verknüpft sind. Der Trade-Unions-Kongretz geht nicht organisch aus der Bewegung hervor, sondern er ist ein mechanisches Mittel, einmal im Jahre die verschiedenen selbständigen Arbeiterorganisationen in irgend- einer Stadt des vereinigten Königreiches zusammenzubringen. Der Kongreß wählt ein Parlamentarisches Komitee, dessen Aufgabe darin besteht, die Kongretzbeschlüsse auf parla- mentarischem Wege zu verwirklichen und den nächsten Trade- Unions-Äongretz vorzubereiten. Irgendwelche exekutive Bc- fugnisse oder gewcrkschaftlich-verwaltende Funktionen hat das Parlamentarische Komitee nicht, da eben die Gewerkschaften selbständig sind und ihre eigenen Vorstände haben. Will man sich also an die britische Gewerkschaftswelt wenden, so mutz man sich an die verschiedenen und zahlreichen Leitungen der einzelnen Gewerkschaften und Verbände wenden. Die Gewerkschaftseinheiten, aus denen die Verbände bestehen, haben wieder selbständige Unterverwaltungen. Daraus erklärt sich die Schwierigkeit, auf die ein kollektiver Appell an die Trade-Unions stößt. Diese Schwierigkeit ist um so größer, als es auch an einer gcsamtgewerkschastlichen Zeitung fehlt, in der man zu den Trade-Unions sprechen könnte. Diesem Mangel abzuhelfen, wurde im Jahre 1899 die Gcrieral Federation of Trade Unions(Allgemeiner Verband der Getverkschaften) gegründet, die aber erst ein Viertel der Trade-Nnionisten unter eine einigermaßen einheitliche Ver- waltung gebracht hat. Erst wenn dieser Allgemeine Verband sein organisatorisches Ziel erreicht, wird das vereinigte König- reich den kontüientalen Örganisationstypus der Gewerkschaften erhalten. Hat der oben genannte organisatorische Mangel der Trade-Uliions zur Gründung des Allgemeinen Verbandes ge- führt, so hat das Ungenügende des Parlamentarischen Komitees des Trade-Unions-Kongresses zur Gründung der Arbeiter- Partei den unmittelbaren Anlaß gegeben, um eine ständige und selbständige Arbeiterfraktion im Parlament zu haben, die direkt in die Gesetzgebung eingreifen könnte. Es ist selbst- verständlich, daß es neue Umstände waren, die die Mängel der alten Organisationssorm ans Tageslicht brachten, so daß der britische Trade- Unionismus gezwungen wurde, sich den neuen Umständen anzupassen, neue Organe zu entwickeln und zu einem höheren Typus Uberzugehen. Das ist schon immer und überall der Fall: je älter eine Organisation, desto lang- samer und schwerfälliger ist ihr Fortschritt im Vergleich mit den jüngeren Organisationen. Eine alte Fabrik kann sich nur langsam die neuen Erfindungen zunutze machen, mit denen eine neu erbaute Fabrik sofort anfängt. Daraus erklärt sich auch der raschere technische Fortschritt Deutschlands und Nord- amerikas gegenüber England, das so viel altes Zeug in die Rumpelkammer zu werfen hat. expedition: SM. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. IL Im Laufe dieses Jahres veröffentlichte die Arbeitsabteilung des Handelsministeriums einen längeren Bericht über die EntWickelung der Trade-Unions in den Jahren 1905—1907. Dieser dreijährige Zeitabschnitt sah einen sehr erheblichen Auf- schwung des Wirtschaftslebens und demgemäß eine bedeutende Zunahme der Mitgliederzahl der Arbeiterorganisationen. Im Jahre 1908 hatten die Trade-Unions eine Gesamtmitgliedschaft von 1688 531; im Jahre 1905 1 920 373; 1906 2113 806; 1907 2 406 746. Aber nicht alle Gewerbe haben an dem Wachsen der Mitgliedschaft teilgenommen. Baugewerbe und Konfektion zeigen eine Abnahme: jenes sank von 205 197 Mit- gliedern im Jahre 1905 auf 193 190 im Jahre 1907. Die Arbeiterorganisationen in der Konfektion hatten im Jahre 1908 eine Mitgliedschaft von 69 954, zehn Jahre später nur 68 810. Die größte Zunahme zeigen die Arbeiterorganisationen der Minen- industrie: in dem Jahrzehnt 1898—1907 stieg ihre Mtgliederzahl von 366 731 auf 703 344. Erheblich waren auckj die Zu- nahmen in der Textil- und der Metallindustrie. Im Jahre 1898 waren 240 895 Textilarbeiter organisiert, im Jahre 1907 354 427: etwa ein Drittel aller in der Textilindustrie be- schäftigten Personen, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, daß in dieser Industrie viel Frauen- und Kinderarbeit herrscht. Die Zahl der organisierten Metallarbeiter stieg im Jahrzehnt 1898 bis 1907 von 312 444 auf 376 805. Eine starke Zu- nähme zeigt die Mitgliedschaft in den Organisationen des Transports: von 147 957 auf 238813. Die Zahl aller organisierten weiblichen Arbeiter belief sich im Jahre 1907 auf 201 709, wovon 172 120 oder 85,3 Prozent auf die Textilindustrie entfallen, so daß in allen anderen Industrien, die Frauenarbeit gebrauchen, der Prozentsatz der organisierten weiblichen Arbeiter ganz minimal ist. Eine eingehende Zergliederung der Finanzverwaltung gibt es nur von den 100 hauptsädfiichen Trade-Unions, deren Mt- gliederzahl im Jahre 1907 sich auf rund 1,5 Millionen belief.so daß sie für die ganze Tradc-Unions-Bewegung maßgebend sein dürften. Die Einnahme dieser 100 hauptsächlichen Trade-Unions betrug pro Mitglied rund 34 Mark jährlich, die Ausgabe rund 28 Mark. Reich sind die Trade-Unions nicht. Die an- gesammelten Fonds dieser 100 Organisationen beliefen sich zu Ende des Jahres 1907 auf rund 78 M. pro Mitglied. Die Ausgaben verteilten sich im Durchschnitt der letzten zehn Jahre wie folgt: Streikunterstützung 10,3 Proz.; Arbeits- losenunterstühung 22,8 Proz.; andere Unterstützungen(Krank- heit, Alter, Begräbnis. Politik, Unterricht) 44,2 Proz.; Ver- waltung 22,7 Proz. Für politische Zwecke zahlt der Trade-Unionist eine Mark jährlich an die Arbeiterpartei, die für Diäten an die Fraktions- Mitglieder(80 M. pro Woche während der Session) und für ein Viertel der Wahlkosten aufzukommen hat. Im Vereinigten Königreich stellen sich aber die Wahlkosten sehr hoch: etwa 500 Pfd. Sterl.(10 000 M.) pro Kandidat. Die politischen Ausgaben der Trade-Unions in den letzten drei Jahren dürften sich aus ins- gesamt 1,5 Millionen Mark belaufen haben. Bei den nächsten Parlamentswahlen wird die Arbeiterpartei 100 Kandidaten aufstellen, was eine Ausgabe von 1 Million Mark erfordert. Schließlich unterhalten die größeren Trade-Unions das Ruskin- College in Oxford, wo etwa 50 Arbeiter studieren. Die Kosten pro Arbeiterstudent belaufen sich auf 1200 M. jährlich. Nach Vollendung ihres Studienjahres kehren die Arbeiter in der Regel in die Fabrik, Werstatt und Kohlenmine zurück. Allein es müßte noch viel mehr für Bildungszivecke ge- schehen. Daß auch in Kreisen der Trade- Unions dieses Be- dürfnis empfunden wird, zeigt folgende beachtenswerte Reso- lution, die vom Weberverbande von Colne und Distrikt dem Trade-Unionskongresse vorgelegt wird: „Das Parlamentarische Komitee wird aufgefordert, über den von den deutschen Gewerkschaften geschaffe- neu U n t err i ch t s k u r s u s in A r b e i t e r s a ch e n Nachrichten einzuziehen und dann dem Kongresse einen Bericht darüber vorzulegen, ob es" ratsam ist, unter Leitung der Trade» Unions ähnliche Unterrichtskurse zu veranstalten."—• Nicht minder wichtig ist der Aufbau der englischen Arbeiterpresse. Die britische Trade-Unionwelt und die Arbeiterpartei brauchen eine Presse mindestens ebenso dringend, wie eine besondere parlamentarische Vertretung. Es wäre sogar ratsam, bei den nächsten Parlamentswahlen nur 50 Arbeiterkandidaten aufzustellen, um mit den voraus- sichtlichen Kosten der übrigen 50 an die Gründung eines großen Arbeiterblattes heranzugehen. Ohne eine Arbeiter- presse werden sich die geistigen Wirkungen der insularen Lage, die die britische Arbeiterklasse von den kontinentalen Arbeiterorganisationen trennen, schwer neutralisieren lassen. Einen schlagenden Beweis hierfür liefert die Schwerfälligkeit der britischen Trade-Unions in ihrer Aktion zugunsten des Massenstrerks in Schweden. Der Allgemeine Verband der Trade-Unions erließ zwar einen Aufruf zu Geldsammlungen. allein ein solcher Aufruf könnte nur wirksam sein, wenn die Arbeiter in ihrer eigenen Presse jeden Tag über den Stand der Dinge von sympathischer Seite unterrichtet würde. Der Gedanke der internationalen Arbeitersolidarität wird in Großbritannien auf Schwierigleiten stoßen, solange nicht eine bntische Arbeiterpresse besteht, in der man die britisd)en Arbeiter in geistige Verbindung mit den kontinentalen setzen könnte. Dem Kongreß von Jpswich liegt über diesen Punkt eine Resolution vor, die vom Londoner Buchdruckerverband abgefaßt wurde: „Das Parlamentarische Komitee wird beauftragt, zusammen mit der gemeinschaftlichen Kommission(der verschiedenen Ar» beiterorganisationen) sofort daran zu gehen, eine Aktiengesell. schaft zum Zwecke der Herausgabe einer täglichen Ar- beiterzeitung zu gründen, wie dies vom letzten Kongresse beschlossen wurde. Da aber die Gewerkschaften als solche auf gesetzliche Bedenken stoßen, sich finanziell an der Zeitung zu beteiligen, so muß der Plan dahin umgeändert wer- den, an die einzelnen Gewerkschaftsmitglieder wegen Beiträge zu appellieren."— Mehr Bildung, mehr Intellektualismus, mehr Theorie tut der britischen Arbeiterklasse not. Wer ihr diese bringt, wird ihr die Wiedergeburt erleichtern. III. Dem Kongreß in Jpswich liegen, wie gewöhnlich,� eine große Masse von Resolutionen vor, deren Wichtigkeit indes hauptsächlich darin liegt, daß sie einen Einblick in die geistige Tätigkeit der Trade-Unions gestatten. Wir wollen hier eine Anzahl der Resolutionen wiedergeben: M a i s e i e r. Da die Arbeiterdemonstration am 1. Mai den Zweck hat, an einem bestimmten Tage die Arbeiter aller Länder zur gemeinschaftlichen Feier der Arbcitersache zu ver- einigen, so fordert der Kongreß die organisierten Arbeiter aus, sich in Reih und Glied mit den Genossen der anderen Länder zu stellen und am 1. Mai zu demonstrieren für einen Acht- stundentag, für internationalen Frieden und für die Arbeiter- interesscn im allgemeinen durch Arbeitsejinstellung am 1. Mai, wo dies nur ohne Schädigung der Interessen der Arbeiterklasse geschehen kann. Der Kongreß beauftragt das Parlamentarische Komitee, diese Resolution in Kraft zu setzen. Londoner Verband der Buchbinder.) Internationaler Streikbruch. Der Kongreß verurteilt den Gebrauch der internationalen Ein- und Ausfuhr von Arbeitern, um während gewerblicher Konflikte als Streik- brecher zu wirken. Der Kongreß fordert die Regierung auf, die Durchberatung und die Annahme der betreffenden vom Ar, beiterabgeordneten Crooks eingebrachten Gesetzesvorlage möglich zu machen.(Allgemeiner Schutzverband der Güterpacker.) Unterhaltungen und Arbeiterion gX esse. Einladungen zu Unterhaltungen, die nicht von Arbeiterorgani- sationen ausgehen, sind vom Trade-UnionS-Kongresse abzulehnen. (Verband der Eisenbahnbeamten.) Parlamentsferien. Nach Ansicht de? Kongresses ist es wünschenswert, die Dauer der Herbstfericn abzukürzen und eine parlamentarische Herbsttagung einzuführen.(Londoner Verband der Buchdrucker.) Arbeitslosigkeit. Der Kongreß wiederholt seine Ansicht, daß in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung die Ar- beitslosigkeit eine ständige Erscheinung ist und infolge der tech. nischen Fortschritte und anderer lohnsparcnden Methoden im Wachsen begriffen ist. Die Errichtung von Arbeitsnachweisen kann weder Bcschäftigungsgelcgcnheit erzeugen, noch Arbeitslose absorbieren. Schon der Versuch der Regierung, Arbeitslosen- Versicherung einzuführen, ist eine stillschweigende Anerkennung des permanenten Charakters der Arbeitslosigkeit. Aber die Ar» beitslosenversicherung bedeutet die Aufrcchterhaltung der in- dustriellen Reservearmee im Interesse der Unternehmerklasse. Der Kongreß fordert deshalb die Regierung auf. Arbeiten von staatlichem Nutzen zu unternehmen, um 1. die BeschäftigungS. losen zu absorbieren; 2. eine permanente Grundlage zu legen für eine Reorganisation der Industrie im genossenschaftlichen Sinne.(Verband der Maurer.) Arbeitslosigkeit. Der Kongreß erklärt, die Arbeits. losigkcit ist das unvermeidliche und chronische Ergebnis eines Gesellschaftssystems, in dem die Produktionsmittel in den Händen weniger Personen sich befinden, und wo die Produktion nur im Interesse des Profits dieser Personen unteriwmmen wird. Die Arbeitslosigkeit kann deshalb nur dann verschwinden, wenn die Gesellschaft wieder in den Besitz des Grund und Bodens, der Maschinerie, der Minen und Verkehrsmittel gelangt und die Produktion auf genossenschaftlicher Basis stellt zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse und nicht zur Aufhäufung von Profit für irgendeinen Teil der Gesellschaft. Weder Arbeits- nachweise noch Arbeitslosenversicherung können diesem Ucbel ab- helfen. Der Kongreß erklärt, daß, um einen Weg zur Unter- drückung des Privateigentums an Menschen und Sachen anzu- bahnen, es nötig ist, an das Problem der Arbeitslosigkeit heran- zugchen, indem die Regierung öffentliche Arbeiten systematisch unternimmt, bei denen die industrielle Reservearmee beschäftigt und sie vom kapitalistischen System unabhängig gemacht wird. (Verband der Glasarbeiter.) Unterrichtswesen. Angesichts der Aufopferung von Kinderlcben, die aus dem kapitalistischen System resultiert, for- dert der Kongreß die Arbeiter auf, parlamentarische and muni» zipale Anerkennung für folgende Schulpolitik zu erlangen: 1. Staatliche Aushaltung der Schulkinder. 2. Körperliche Erziehung nach wissenschaftlichen Prinzipien; ärztliche Inspektion; Errichtung einer medizinischen Abteilung im Unterrichtsministerium. 3. Trennung der Schulreform von der Armengesetzverwak- tung. 4. Schulverwaltung unter demokratischer Kontrolle; uncnt. geltlicher und weltlicher Unterricht von der Volksschule Eis zur Universität. 6, Mittelschul- oder technische Bildung ist obligatorisch. S. Bessere Ausgestaltung der Lehrerseminare. (Verband der Gas- und allgemeinen Arbeiter.) Militarismus. Der Kongreß verurteilt nachdrücklichst jeden Versuch, die Arbeiterklasse direkt oder indirekt zu zwingen. in die Territorialarmee einzutreten. Der Militarismus und die stehenden Armeen sind eine Gefahr für die Volksfreiheit. Der Kongreß ist der Ansicht, daß eine Miliz, die in Friedens- zeiten dem Militärgesetz nicht unterworfen ist, den militärischen Bedürfnissen dieses Landes besser entspricht als die Territorial. armee.(Verband der Glasarbeiter.) W a h l r e f o r m. AllgememeZ Wahlrecht für Männer und' Frauen; Neueinteilung der Wahlkreise; Abschaffung der Ueber- reste der Pluralstimmen und der besonderen parlamentarischen Vertretung für Universitäten; Ucbernahme der Wahlkosten durch mitee des Tradc-Unionskongrcsses.) den Staat; Diäten für Abgeordnete,(Parlamentqrisches Ko- mitee des Trade. Unions-Konzresses.) Schließlich kommen die alten Resolutionen über Acht- Mndcntag, Fabrikinspektion, Arbeiterschutz. Schiedsgerichte. Die Resolutionen bieten insgesamt ein Bild regen poli- tischen Denkens, das nur ein Zentralorgan, einen Brenn- Punkt braucht, um wirksam zu werden. Der Kongreß beginnt am 6. und schließt am 11. September, Er wird in der Public Hall zu Jpswich tagen� Oer Ricfenkampf in Schweden. (Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 8. September. Die beitzende Kritik des.Vorwärts" über das offizielle Massenstreiks- Conununiquü und die ebenso offiziellen national- ökonomischen Schwachfinnigkeiten sind der Regierung wie dem Unter- nehmertum natürlich höchst unangenehm. Ihre Presse sucht sich heute damit zu trösten, daß die»Kölnische Zeitung" ivieder einmal über den»rohen Ton" des.Vorivärts" entrüstet ist und daß ein Blatt wie die.Post" in dasselbe Horn tutet. Mit dem von vorn- herein aussichtslosen Versuch einer Widerlegmig der.Vorwärts"- Kritik gibt man sich nicht ab. Das Unternehmertum hatte sich von jener regierungS» und offenbar auch trotz aller Ableugnungen arbeitgebervereins-offiziellen Darstellungen eine in seinem Sinne gute Wirkung versprochen..Svaret" schreibt dazu: »Wie weit der Effekt auf das Ausland, der vorausberechnet ist, daS ist eine andere Sache. Vieles deutet auf das Gegenteil. Das vernichtende Urteil über die Taktik der schwedischen Arbeitgeber» Vereinigung in der»Frankfurter Zeitung" hatte dieses Weltblatt unter anderem auf das Studium des fraglichen Communiquös basiert. Und in den letzten Nummern des.Vorwärts" wird das Communiguä in zwei brillant und mit großer Sachkenntnis ge- schriebenen Artikeln einer vernichtenden Kritik unterworfen." Im Anschluß hieran hat.Svaret" gestern und heute in zwei Artikeln den Hauptinhalt wiedergegeben und knüpft daran schließlich folgendes: »Die Frage ist: Wer hat dieses kompromittierende Akten stuck verfaßt?" Darin scheint der.Vorwärts" auf der rechten Spur zu sein— und das zeugt von seiner feinen Witterung und der vortrefflichen Art, die Sache der schwedischen Arbeiter in Deutschland zu führen— indem er indirekt auf Dr. Grönwell als den Verantwortlichen hinweist. Die Absicht mit jenen„nationalökonomischen" Kannegießereien war natürlich, dem Ausland blauen Dunst vorzumachen. Aber man muß maß- halten auch in Bluff, sonst wird der Effekt ein ganz anderer, als man berechnet. Der Vater dieser nationalökonomischen Mißgeburt kann sich in seiner Höhe als Schriftsteller den Thesen über die.nnerhörten Verluste der Arbeiter' anschließen, die in leicht zu durchblickender Absicht auf den reichsbekannten Hildebrandschen Lügenlaken auf- gemalt sind. Aber das ist wohl fast unglaublich, daß der Ver- fasier identisch mit dem Mann sein kann, der eine in Hinsicht auf nationalökonomische Einsichten so außerordentlich anspruchsvolle Stellung als Statistiker in der Reichsbank bekleidet und daneben noch— als Nebenverdienst— einen so bedeutungsvollen nierkantilen Vertrauensposten als Sekretär in Stockholms Handelskammer?" Wenn die schwedische Regierung so sehr, wie es ihre offizielle Darstellung zeigt, jede Unparteilichkeit in diesem Kampf vermissen läßt und selbst mit größter Ungeschicklichkeit die Sache der Unter- nehmer zu verteidigen sucht, so kann man von ihren untergeordneten Organen natürlich erst recht nichts Besseres erwarten. In Göteborg verbot am Donnerstag der Polizeimeister bei einer von 7000 Personen besuchten Massenversammlung die Vorlegung und Annahme einer Resolution, in der die bekannte und klare Tatsache erwähnt wird, daß Regierung und Unternehmer rücksichtslos gegen die Arbeiter- schaff Hand in Hand gehen. Der Polizeimeister erklärte, die Reso- lution— die übrigens schon in Eskilstuna angenommen worden ist— dürfe nicht verlesen werden, und wenn man eine andere vor- schlagen wolle, müsse sie erst ihm, dem Polizeimeister, vorgelegt werden I Die Polizeibehörde der zweitgrößten Stadt Schwedens maßt sich also das Recht einer Zensur über vorzuschlagende Versammlungsbeschlüffe an. Mit solch kleinlichen und gesetzwidrigen Mitteln meint man den Massenstreik, der nun einmal trotz aller Ableugnungsversuche noch innner fortdauert, Ab- bruch zu tun. Einen Einblick in die Verräterei des„Schwedischen ArbeiterverbandeS" gewährt ein geheimes Zirkular Nr. 10 der Schwedischen Arbeitgebervereinigung, das „Svaret" heute veröffentlicht. Es lautet: „Der Schwedische Arbeiterverband hat einen Ausbruch aus der Großstreikslinie beschlossen und zum Rückgang zur Arbeit am 23. d. Mts. aufgefordert. Die Bedeutung dieses, die nicht zum geringsten Teil in der moralischen Wirkung des Beschlusses liegt, braucht nicht näher entwickelt zu werden. Der Vorstand der Arbeitgebervereinigung hat Vcschloffen, den Rückgang durch das Zugeständnis zu erleichtern, daß der Bor- stand des ArbeiterverbandeS für seine Mitglieder an den verschiedenen Orten gegenseitige Verpflichtungen, die A u S- gesperrten oder derenOrganisationen nicht mit Geld zu unterstützen, ausfertigt. In diesem Ver- pflichrunaSschreiben soll bestätigt werden, wer Mitglied des Ver- bandes ist. Werden solche Verpflichtungen, sei eS vom Zentral- vorstand des ArbeiterverbandeS in Stockholm, sei es von einem Lokalvorstand des Verbandes ausgefertigt. so können die VerbaudSmitglieder anfangen zu arbeiten. Der Rückzug des Schwedischen ArbeiterverbandeS trifft gerade zu- fanimen damit, daß die Grobstreikleitung über das Resultat der neuen Streikbcrechnung vom 18. d. M. triumphiert, verglichen mit der vorigen vom 9., wonach die Anzahl der Streikenden von 285 762 auf 231 413 zurückgegangen sein soll. Jedoch verhält es sich so, daß die erste Berechnung mit teilweise ziemlich ober- flächlichen Kalkulationen vor sich ging, weshalb die Schlußziffern da ein gut Teil größer gewesen sein werden, als ein Vergleich der Berechnungen ergibt, zumal in der Zwischenzeit 6000 Typographen und 1000 Landarbeiter zu sweiken anfingen. Stockholm, den 20. August 1909. Hjalmn von Shdow. In diesem Zirkular zeigt sich deutlich, daß der„Schwedische Arbeiterverband" in diesem großen Kampfe, den er zuerst mitmachte, nichts ist. als eine sich dem Unter- nehmertum gänzlich verkaufende Streikbrecher- organisation, daß die Streikbrecher selbst auf das Recht ver- zichten mußten, ihre eigenen noch ausgesperrten oder streikenden Verbandskollegen zu unterstützen. Weiter beweist das Zirkular, daß nach eigener Anficht der Unternehmer die erste Zählung der Streikenden sehr leichtfinnig zustande gebracht ist, und mit gleichem Recht ist wohl anzunehmen, daß auch die zweite und die nun eben bewerkstelligte dritte Zählung nicht zuverlässig sein wird.— Folgende Privat depes che über die neue Situation iö dem schwedischen Kampf geht uns heute aus Stockholm zu: Stockholm, den 4. September. Das UoftraeMer, orgaS«Stockholms Dagblad" konstatierk, baß die jessk gelröfsene Vereinbarung zwischen der Arbeiterschaft und einzelnen Unter- nehmergruppen gegenseitiges Entgegenkommen beweist. Die liberale Presse hofft auf einen baldigen vollständigen Friedens- schlus, und schlägt im weiteren einen recht versöhnlichen Ton an. Demgegenüber ist der Jubel einiger Blätter über den«Sieg der Gesellschaft" recht billig. Tie Streikleitung fordert jetzt die vön der partiellen ver- einbarung getroffenen Arbeitergruppen zur Wiederaufnahme der Arbeit auf. Die Regierung sucht jetzt nach neuen Borwänben, um in der verbleibenden zweiten Hälfte de? Kampfes zunächst nicht ver. mittel» zu müssen. Diese Haltung der Regierung wird eventuell dazu führen, daß der Kampf aufs neue um so gewaltiger entbreng� Legen Sie Deitioftratinerung des preußischen Wahlrechts. Der Führer der Freikonservativen, Freiherr v. Zedlitz, ergeht sich im„Tag" in nicht uninteressanten Betrach- tungen über die preußische Wahlrechtsreform. Er untersucht, was denn eigentlich die vorjährige Thronrede in Sachen der Wahlreform versprochen habe. Das sei von praktischem Wert, da es sicher sei, daß die Frage der Wahlreform bald nach Beginn der neuen Landtagssession angeschnitten werden dürfte. Habe doch sogar die nationalliberale Fraktion die unverzügliche Wiedereinbringnng des nationalliberalen Wahlrechtsantrages angekündigt. Aber auch deshalb sei eine Untersuchung des Inhalts der vorjährigen Thronrede von praktischem Wert, weil man in der Presse sich vielfach in dem gröblichen Irrtum befinde, als ob etwa nahezu das Reichstagswahlrecht in Aussicht gestellt worden sei. Diesen Irrtum bekämpft Herr v. Zedlitz mit aller Entschiedenheit. Er wenigstens habe die feste Anschauung ge- Wonnen, daß die Regierung an eine durchgreifende Aeirderung des Wahlrechts gar nicht denke. Nicht ein- mal an eine durchgreifende Aenderung der Wahlkreis- e-int eilung. Höchstens könne es sich um die mäßige Vermehrung der Zahl der Abgeordneten durch eine stärkere Vertretung ausnahmsweise volksreicher Wahl- kreise handeln. Auch eine Beseitigung des plutokratischen Wahl- Unrechts ist nach Herrn v. Zedlitz nicht verheißen worden. Es sei nichts anderes in Aussicht gestellt, als eine Aenderung des Wahlrechts nach Maßgabe der wirtschaftlichen Entwicke- lung, der fortschreitenden Bildung und politischen Reife. I n diesen Rahmen passe auch die Aufrechterhal- tung des Dreiklassenwahlsystems, wenn nur seine„Auswüchse" beseitigt würden: also etwa ein Vierklassenwahlrecht oder das Pluralwahl- recht. Nur in einer Beziehung erwartet der freikonser- vative Führer ein weiteres Zugeständnis der Regierung, nämlich in der Frage der Einführung des geheimen Wahlrechts. Es sei wohl möglich,„daß auf Grund der an- gestellten Ermittelungen die Auffassung gewonnen wird, die neue Ordnung unseres Wahlrechts werde sich ohne dessen Demokratisierung am leichtesten in Verbindung mit der Einführung dev geheimen Stimmabgabe voll- ziehen". Die Wahlreform, die der Führer der Freikonservativen befürwortet und die unter Umständen durch eine Koalition von Freikonservativen, Nationalliberalen und Zentrum zu- stände zu bringen sei, beschränkt sich also auf die Einführung der geheimen Stimmabgabe, da man seit den letzten Wahlen in der öffentlichen Abstimmung ein Haar gefunden hat. auf die Schaffung einiger weniger neuer Wahlkreise und eventuell die Ersetzung des Dreiklassenwahlrechts durch ein anderes Klassen Wahlsystem, das die Uebermacht des Geldsacks kaum weniger zum Ausdruck bringt als das bisherige Drei- klassenwahlsystem! Man darf auch nicht einen Augenblick daran zweifeln, daß diejenigen Kreise der Freikonservativen, der National- liberalen und eventuell auch des Zentrums, die die Aufrecht- erhalwng des Dreiklassenwahlsystems in seiner gegenwärtigen Form als unhaltbar erkannt haben, tatsächlich bestrebt sein werden, die Wahlreform aus dies Maß einer geradezu lächer- lichen Scheinresorm zu beschränken; Eine solche Reform be- deutet aber nichts anderes, als eine minimale Beeinträch- tigung der Junker zugunsten des mobilen Kapitals, aber eine ebenso schlimme Entrechtung der großen Masse des Volkes, wie sie imv das Dreiklasfenwahl- system je dargestellt hat! Das Proletariat und alle Freunde einer Wirklich demokratischen Wahlreform werden alle Tatkraft aufbieten müssen, um diese perfiden Machenschaften der Gegner gegen eine wirkliche Wahlreform zunichte zu machen! Legen die verieumdungen der Kämpfer von Barcelona. Von einem spanischen Genossen, der die Kampf- tage in Barcelona in führender Stellung mitgemacht hat und der mit Magin Vidal A. Nibas unterzeichnet, erhielt unser Pariser Bruderblatt, die„H u m a n i t ü. einen Ab- Wehrartikel gegen die Verleumdungen, die die bürgerliche Presse über die Revoluttonäre von Barcelona ausgeschüttet hat. Wir entnehmen diesem Artikel das Folgende: ... Es wurde behauptet, baß die Banden von Catalonien zuerst dem Generalstreik Beistand zu leisten gewillt gewesen seien, sie hätten sich aber alsbald von der Bewegung losgesagt, nachdem die Einäscherung der Kirchen und Klöster begonnen hatte. Das ist ganz falsch. Die Bauern von Catalonien sind ebenso wenig Nerikai wie die industriellen Arbeiter, die Handwerker und selbst der Mittelstand. Wäre dem nicht so, man wüßte keine ErNärung dafür, wie so viele Klöster in Brand gesteckt werden konnten. DaS Streikkomitee hatte dazu keine Parole ausgegeben. Die bürgerlichen Radikalen. die Sozialisten und Anarchisten, hatten ebenfalls keine Anweisungen dazu ergehen lassen. DaS steht unbedingt fest. Allerdings ist auch festgestellt, daß, als gewisse Freidenkergruppen, Republikaner, Ferrandisten oder auch Leute, die keiner bestimmten politischen Gruppe angehörten, den Einfall hatten, den Mönchen„Katzen- musiken' zu bringen, niemand ihnen den gerwgsten Widerstand leistete. Das Bürgertum bettachtet die Mönche und Nonnen als Konkurrenten im industriellen Wettbewerb, deren Ansprüche und Sonderrechte(sie zahlen keine Steiler) unbeschränkt sind. Für die Sozialisten und Anarchisten sind die Klosterleute nicht nur Verdcrber des VolkSgclvissens, sondern auch Feinde, die durch die von ihnen gegründeten klerikalen Arbeiterassoziationen und ihre gelverblichen Unternehmungen die Arbeiterklasse in ihrem mühseligen BesteiungS- werk hemmen. Im allgemeinen war auch die öffentliche Meiuung, die den Einfluß der Kirche auf die Politf Spaniens nur als Grund für den nattonalen Verfall nur zr gvt kennt, diesem Streich des entrüsteten Volkes gegen die Stützer des Thrones, der Kirche und des Geldsackes nicht abhold. V.frSsnt? Verschärft wurde diese Stimmung durch ieiiUmfiant», daß die Kirche in der Kriegsfrage sofort auf die Seist! bei; Regierung und der Militärkaste trat. WaS ist da Außergewöhnljch��dabei, daß a!! dieser Zündstoff in einem gegebenen Moment und iu der Einäscherung der Klöster explodierte?'ära qu:i Man mag jetzt in Spanien sehr verschieden" die Ercigni'is der„ttagischen Woche" urteilen; aber im(Brur&t bedauert mau auch jetzt nicht— selbst in bürgerlichen Kreisen nichts-?- /Hin mächtigen Ausbruch de? AnttNerikaliSmuS. der fich in dä,'-Mgriffen auf die Klöster kundgab. Um so weniger, da überall die Menschen geschont wurden und die Angriffe sich nur gegen Anstalten richteten. Manchen beliebt eS, die revolutionäre Bewegung in Catalonien einer anarchistischen Machination zuzuschreiben. DaS ist die Ansicht vieler Madrider Zeitungen... Die Beschuldigung ist aber nicht stichhaltig... Wenn es sich um einem von den Anarchisten geführten Kampf gehandelt hätte, so hätten sich die Kämpfer nicht darauf be- schränkt, die Klöster in Brand zu stecken. Man wäre dann bedeutend weiter gegangen. Ebenso haltlos ist die Beschuldigung, die Bewegung sei eine separatistische(auf LoSreißung CatalonienS von Spanien hinzielende) gewesen. Stur einige Schriftsteller und Idee- logen sind in Catalonien Anhänger des Separatismus. Das Bürgertum ist eS nicht aus bestimmten politischen Gründen... Die Arbeiter sind selbstverständlich geneigt, ihr Kampsseld zu er- weiteren und nicht, eS zu verengern. Wir können uns keines einzigen Falles erinnern, wo jemals in einer Arbeiter- Versammlung oder in der Presie vom Separatismus ditJlt'de wäre. Dagegen ist der Gedanke des Internationalismus se�r wrdreitet und wird unaufhörlich propagiert, wo die Arbeiterbevö ikeninz zahlreich ist. Was bleibt nun von den Beschuldigungen der Grausamkeit, der Plünderung und der rohen Zerstörungswut übrig, die die Ausständigen von Barcelona schleuderte?.n, Allerdings, eS kommen auch Gewalttätigkeiten bor. unerbittlichen Gewalt, die oft in tragischen Augenblicken notWMg. unentbehrlich ist, wenn die BolkSmassen alle Mächte vor sich haben, die eine absterbende Vergangenheit unterstützen. Aber eS war hii-- beabsichtigte, vorher überlegte Grausamkeit, ähnlich der, die so-oft den regierenden Klasien vorzuwerfen ist, wenn sie wieder die Hm«, im Lande geworden sind und sie für die von ihnen empfundene Furcht Rache üben. In der Hauptstadt CatalonienS gibt eS viele Bank- und Kredit- Häuser. ES sind auch Gold- und Silberwarengeschäfte reichlich vor- Händen. ES gibt Warenhäuser, die mit Wertgegenständen voll- gepfropft sind. Und man weiß eS wohl, daß man in diese Häuser mit viel geringerer Schwierigkeit eindringen kann. als in die Klöster und Kirchen. ES wurde aber keine einzige Tür eines Privathauses erbrochen I ES gab auch keine Racheakte gegen irgevlz- eine Person. Der Haß, der oft im Herzen gewisser Leute austaucht. gab sich durch keinerlei häßliche Handlung kund. Wenn eS wahr ist. daß in Ronda de San Pablo eine Likörfabrik in Brand ge- steckt wurde, so ist doch allen bekannt, daß nicht der Haß gegen den Eigentümer Grund dafür war, sondern daß aus dem Inneren die Mönche des AeSkulapiuSklosterS auf die Menge geschossen hatten. Es ist der einzige Fall, wo Privatinteressen ge- schädigt wurden. Die Zeitungen und Redakteure, die strenge Verfolgung der. langen, würden besser tun, statt gegen die.Brandstifter" zu toben. ihren Zorn gegen jene zu richten, die durch Vergewaltigung der spanischen Verfassung, der Gesetze des Landes und Vernach. lässigung der Pflichten gegen die Bürger einer zivilisierten Naticu zuerst einen Krieg gegen die Unabhängigkeit eines fremden Landes entfesselten und darauf einen Kampf gegen die eigenen Staats- bürger. Auch wir wollen die Vergeltung und möchten die Schuldigen an den Ereignissen in Barcelona bestrafen. Man beginne nur mit den Schuldigsten. Herr Maura, Herr La Cierva und seine Kollegen im Ministerium müßten, wenn die Gerechtigkeit nicht blind sein wollte, als die ersten hingerichtet werden oder die Tracht eines Sträflinge sm Cents oder Fernandv-Po anlegen." Polftilcbe GeberHcbt Berlin, den 4. September 1909, Der Katholikentag vud die Zentrnmspresse. Der Breslauer Katholikentag ist beendet und die katho- ltsche Presse feiert ihn in längeren Artikeln als welthistorisches Ereignis, das aufs neue die Macht und Geschlossenheit des deutschen Katholizismus bewiesen hat. Zwischen den Zeilen liest man jedoch deutlich, daß sich die Verfasser dieser Artikel, wenn auch nicht von dem Verlans der Verhandlungen, so doch, Was die Beteiligung und den äußeren Glanz der Parade anbetrifft, von der Tagung enttäuscht fühlen, da sie in ihrer Massenwirkung allzu sehr hinter dem letzten Katholikentage, besonders hinter dem pomphaften Düsseldorfer Massenaufgebot zurückbleibt. Am meisten wird in Zentrumsblättern hervor- gehoben, daß trotz der voraufgegangenen Stteitigkeiten zwischen der Bitter- Roerenschen Richtung und der Gefolgschaft der „Köln. Volksztg." die Verhandlungen ohne jegliche Streitig- ketten verlaufen sind. So schreibt z. B. die„Köln. VolkSztg.": »Wir bleiben einig! Das ist das Gelöbnis, das aus den Verhandlungen, aus den hervorstechendsten Kundgebungen wie ans der ganzen Stimmung des soeben abgeschlossenen BreSIaner Katholikentages herauSflingt. Vom ersten Tage bi» zum letzte» stets besonderer Jubel, besondere Begeisterung, wenn diese Saite anklang, DaS ebenso erhebend wie rührend wirkende Auftreten des greisen Veteranen der deutschen Katholiken, des Grafen Ballestrein, und der Beifall, der ihm entgegenschlug, als er an die Gemein- samkeit der Prinzipien gemahnte, an eine Gemeinsamkeit, die gläubige Protestanten und Katholiken umschließt, waren ebenso wenig mißzuverstehen wie die großartigen Kund- gebungen für den Volksverein, dem kein Ge- ringerer als Kardinal Kopp das Vertrauen der Bischöfe aussprach, so wie eS im Westen schon der Kardinal von Köln nicht minder warm bezeugt hatte. Und ebenso bc- tonten Kardinal Kopp sowohl wie der Präsident Herold die un- erschütterliche Einheit zwischen dem katholischen Volke in Deutsch- land und seinen Bischöfen. In allen seinen Gliedern steht der deutsche Katholizismus einig und geschloffen da, und er wttd eS bleiben, weil er einig bleiben will. Hier bedeutet der ernste Wille soviel wie die Tat, denn wo ein solcher Wille besteht und mit solcher Kraft zum Aus- druck kommt, da braucht einem nicht bange zu sein, daß die Aus- fühnmg den Vorsätzen nicht entsprechen könnte. UeberdieS sorge» ja auch die Gegner dafür, daß die Katholiken immer wisder daran erinnert werden, wie notwendig sie ihre Einigkeit brauchen." Tie goldene Internationale. Die„Deutsche Tageszeitung" bejubelt die neueste Phase des Riesenkampfes in Schweden als das „Ende des schwedischen Generalstreiks". In einem Original- telegramm lätzt sich das Bündlerorgan die„v o l l st ä n d i g e Niederlage der Arbeiter" berichten. Die beiden Industrien, die in erster Linie den Kampf weiterführten, die Textil- und Zellulose-Jndustrie, ver.ügten über so hinreichende Mittel, daß sie dem Fortgange des Kampfes mit Ruhe ent- gegensehen könnten. Das Oertel-Blatt schließt seinen Triumph- artikel folgendermaßen: „Jedenfalls steht aber trotz der Sophistereien des„Vorwärts" das eine fest: der„Generalstreik" in Schweden ist durch den gestrigen Beschlutz in aller Form beendet; und der Ge- danke des Generalstreiks hat bei diesem Versuche zu seiner Ver- wirklichung wiederum eine volle und entschiedene Niederlage erlitten. Mit den besonderen Umständen dieses Kampfes werden wir uns noch eingehender zu beschäftigen haben. Heute soll nur die Genugtuung darüber ausgedruckt werden, datz die Anwendung dieses revolutionären Kampf- mittels wiederum zu einem gründlichen Mitzerfolge geführt hat. Die schwedischen Arbettgeber haben sich durch ihre vorsorgliche, kluge und feste Politik ein Verdienst um die gesamte Zivilisation er- warben, die durch einen Erfolg der sozialdemokratischen Methoden im Arbeitskampfe die schwersten Erschütterungen erleiden müßte." Nach unseren gestrigen eingehenden Darlegungen ist der nochmalige Nachweis überflüssig, wie verfrüht der Jubel des Organs der Zollwucherer ist. Er zeigt aber in be- sonders eindrucksvoller Form, wie sehr die Interessen des Ausbeutertums der einen Nation die der Ausbeuter aller Nationen sind. Daß 300 000 schwedische Arbeiter trotz eines unvergleichlich heroischen Kampfes sich der Fuchtel eines skrupellosen Unternehmers angeblich wieder unter- werfen müssen, begeistert das Organ der deutschen Agrarier zu einem Ausdruck ungezügeltenJubelSl Aber der Jubel ist verfrühtl Noch liegen die schwedischen Arbeiter nicht am Boden I Und die deutschen Arbeiter werden jetzt erst recht eine Ehre darein setzen, ihre schwedischen Brüder im ferneren Kainpfe zu unterstützen! Ans den Ausführungsbestimmungen zu den neuen Steuergesetzen, die am 1. Oktober in Kraft treten, wird bekanntgegeben: Nach Z 42 des Zündwaren st euergesetzes vom 15. Juli 1909 unterliegen Zündwaren, die sich am 1. Oktober 1909 im Be- sitze von Herstellern außerhalb der Räume ihres angemeldeten Fabrikbetriebes oder im Besitze von Händlern, Wirten, Konsum- vereinen. Kasinos. Logen und ähnlichen Vereinigungen befinden, der Zündwarensteuer in Form einer Nachsteuer. Die dazu vom Bundesrat unter dem 28. August d. I. erlassene Zündwaren- nachsteuerordnung bestimmt, datz als Händler im Sinne der ge- nannten Vorschrift alle Personen anzusehen sind, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes Zündwaren in größeren Mengen an- gekauft haben, um sie nach dem 1. Oktober 1909 wieder zu ver- kaufen, und daß der Nachsteuer auch die Zündwaren in Auto- mate» oder ähnlichen zum Verkaufe dienenden Vorrichtungen sowie alle Zündwaren unterliegen, die sich in den Privaträumen der Händler, Wirte usw. befinden. Die Nachsteuer wird nicht erhoben von Zündwaren in angebrochenen Einzelpackungen(Schachteln usw.) und von Zündwaren, die unter Steueraufstcht ausgeführt oder auf ein Zoll- oder Steuerlager gebracht werden. Ferner bleibt von Zündkerzchen, die sich am 1. Oktober im Besitze von Stratzenhändlern, Hausierern oder ähnlichen Kleinhändlern ohne festen Verkaufsstand befinden, ein Vorrat bis zu 200 Stück der zum Einzelverkaufe bestimmten Schachteln oder anderen Behält- nisse von der Steuer befreit. Die nach vorstehendem zur Nach- Versteuerung verpflichteten Personen müssen ihre Vorräte minde- stens am 5. Oktober 1909 bei der Steuerhebestelle ihres Bezirkes schriftlich unter Angabe der Art der Zündwaren, der Anzahl der Einzelpackungen und der in jeder Einzelpackung durchschnittlich enthaltenen Stückzahl sowie de» Aufbewahrungsraumes anmelden. Der Nachsteuer unterliegende gündwaren, die sich am 1. Oktober 1909 unterwegs befinden, sind vom Empfänger anzumelden, so« bald sie in seinen Besitz gelangt sind. Die Ausführungsbestimmungen zum Leuchtmittel st euer- gesetz sowie die Leuchtmittelnachsteuerordnung besagen, datz der Nachsteuer alle Vorräte von elektrischen Glühlampen, einschlietz- lich der Brenner zu Nernstlampen. von Glühstrümpfen, Brenn- stiften zu Bogenlampen und Quecksilberdampflampen unterliegen. die sich am 1. Oktober 1909 außerhalb eines angemeldeten Her- stellungSbetriebeS oder einer Zoll- oder Steuerniederlage befinden, soweit sie nicht für den privaten Haushalt ihrer Besitzer(physischer Personen) bestimmt sind. DaS Gesetz erwähnt ausdrücklich als nachsteuerpflichtig sowohl die zur Veräußerung bestimmten als andere Vorräte. Ausgeschlossen von der Nachsteuer sind die in Laternen, Lampen und dergleichen eingesetzten und entweder an eine Gas- oder Elektrizitätsleitung angeschlossenen oder bereits in regelmäßiger Benutzung gewesenen Glühlampen, Glüh» strümpfe usw. Die Nachsteuer wird ferner nicht erhoben von den Be- leuchtungSmitteln, die unter Steuerkontrolle ausgeführt oder auf ein Zoll- oder Steuerlager gebracht werden.— Die der Nachsteuer unterliegenden Vorräte sind von demjenigen, der sie im Besitz oder Gewahrsam hat. spätestens am 7. Oktober bei der zuständigen Steuerhcbestelle anzumelden. Die vorgeschriebenen AnmeldungS- Vordrucke werden von den Steuerstellen unentgeltlich abgegeben. Beleuchtungsmittel, die sich am 1. Oktober unterwegs befinden. sind vom Empfänger anzumelden, sobald sie in seinen Besitz ge- langt sind. In den Anmeldungsvordrucken werden Angaben ver- langt über den Raum, in dem die Vorräte lagern, über die Art der Beleuchtungsmittel(Kohlenfaden-, Metallfadenglühlampen, Nernstbrenner. Quecksilberdampflampen, Brennstifte au? Stein- kohle oder aus Kohle mit Leuchtzusätzen), über die Stückzahl der Glühlampen. Glühstrümpfe usw. und das Gewicht der Brenn- stifte zu Bogenlampen. Für elektrische Glühlampen und Queck- silberdampflampen ist ferner die Wattzahl, die der Gebrauchs- spannung entspricht, oder wenn diese nicht bekannt ist, neben der Art der Lampen die Kerzenstärke anzugeben. Die angemeldeten Vorräte werden einer Nachprüfung durch die Steuerbehörde unterzogen. Die eine reaktionäre Masse. Der»Vossischen Zeitung" wird aus Halle a. S. gemeldet, daß die Konservativen auf Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichten. Da auch die National- liberalen die freisinnige Kandidatur Reimann unterstützen, so wird, wie die.Vossin' freudestrahlend feststellt, eine Zersplitterung der bürgerlichen Stimmen vermieden. Was mutz da? für ein Freisinn sein, der den Konservativen genehm ist! Die Neubildung des konservativ-liberalen Blocks bei dieser Wahl wird unsere Genossen zu um so eifrigerer Arbeit an- sporne». Und das Kampfterrain dürfte durch die Tatsache, datz der Freisinn von den Konservativen für würdig erachtet wird, den Gturmbock der Junker gegen die Sozialdemokratie zu bilden, für unsere Partei eher günstiger, denn ungünstig gestaltet werde». Ein Rekord der Schamlosigkeit» AuS russischen Kreisen wird uns geschrieben: Bis zur letzten Zeit galt es in Rußland bei jedem, ohne Unter- schied der Parteien, als der schmachvollste Beruf, als Spitzel oder Provokateur in dem Dienste der politischen Polizei zu stehen. Das Wort Bismarcks, daß kein anständiger Mensch zur politischen Poolizei gehe, fand hier in verstärktem Matze Anwendung. DaS lichtscheue Gesindel, das sich in den Dienst der politischen Polizei stellte, verschwand sofort nach seiner Entlarvung von der Bild- fläche, und es kam sogar vor, datz dieser oder jener von ihnen unter dem Druck der öffentlichen Verachtung zum Selbstmord griff. Das„konstitutionelle" Rußland Nikolaus II. hat auch in dieser Beziehung Wandel geschaffen— ein Beweis, wie korrum- pierend daS Regime der„konstitutionellen" Knute auf die öffent- liche Sittlichkeit gewirkt hat. Die dritte Duma von Staatsstreichs Gnaden hat das Spitzeltum legalisiert und zu einer staatlichen Einrichtung erhoben. Nach den Erklärungen StolypinS und der Vertreter der Regierungsparteien während der Verhandlungen über die Asew-Affäre gilt der Beruf deS Spitzels als ehrenhaft und der Spitzel selbst als ein nützlicher, aufopfernder„Mitarbeiter" der Regierung im Kampfe gegen den Umsturz. Diesen Umschwung in der öffentlichen Meinung der Helden der Konterrevolution machten sich die Spitzel und Pro- vokateure sofort zunutze. Nach den Dumaverhandlungen über die Asew-Affäre erschien im Zentralorgan der Echtrussen,„Rutzkoje Snamja", ein Brief des Beamten der Petersburger politischen Polizei, I. DobroSkm, in welchem dieser die Beschuldigungen deS Dumaabgeordneten Genossen PokrowSki, er habe jahrelang als �xent provocateur in den Reihen der sozialdemolratischen Partei gewirkt und namentlich an dem Transport von Waffen regen Anteil genommen, mit den Worten zurückwies, datz er sich blotz als Sozialdemokrat ausgegeben habe, um in die Reihen dieser„ver- brecherischen Bande" einzudringen.„Ich bin— schrieb er— von Kindheit auf im orthodoxen Glauben, in der Liebe und grenzen- loser Ergebenheit zu Thron und Vaterland erzogen worden, und konnte darum kein Sozialdemokrat sein." Genau so versucht die soeben entlarvte Agentin der russischen Regierung, Sinaida Jutschenko, ihre verbrecherische Tätigkeit zu rechtfertigen.„Ich stamme— so äußerte sie sich vor einem Mit- arbeiter des„Berliner Tageblattes"— aus alten russischen Adels- kreisen und meiner ganzen Erziehung nach wurde ich überzeugte Monarchistin." Sie verbirgt sich nicht, sie flieht nicht vor der allgemeinen Verachtung, sie verhüllt nicht daS Kainszeichen auf ihrer Stirn; mit einem Zynismus, der Asew und Harting in den Schatten stellt, verkündet sie vor aller Welt, datz sie ihren JudaSberuf als ehrenhaft betrachtet:„Ich kam zu den Re- volutionären als fertiger Agent der Polizei, nicht als Verräter. Nach meiner Auffassung habe ich einer idealen Sache gedient!" Und ähnlich ihrem Herrn und Meister. Stolypin, der während der Asew-Debatte zu beweisen suchte, datz Asew blotz ein Spitzel und kein Lockspitzel war, wiederholt Sinaida Jutschenko mehrere Male, datz sie sich nie zur Provokation hergegeben habe, sondern blotz als Angeberin tätig gewesen sei,— allerdings mit demselben Erfolg, den Stolypin bei seiner Ver» herrlichung Asews davongetragen hat. Die Motive dieses Appells der russischen Polizeispionin an die Oeffentlichkeit sind so klar, datz sie kaum eines Kommentars be- dürfen. ES wäre aber in ihrem eigenen Interesse und im Jnter- esse ihrer„Arbeitgeber" besser gewesen, wenn sie dem Beispiel AsewS gefolgt und im Dunkel untergetaucht wäre. In ihrer Ge- schwätzigkeit gibt sie nämlich einige Tatsachen preis, die eine interessante Ergänzung zur Charakteristik der russischen Geheim- Polizei im Jnlande wie im Auslände dienen. Es erweist sich, datz Sinaida Jutschenko unter der Bedeckung einiger Polizeiagenten Bomben von einem Ort nach dem anderen expediert hat; datz sie in Berlin Waffen für die Re- volutionäre kaufte und nach Rußland transportierte, datz durch ihre Hände viel Geld der Revolutionär« ging. Angesichts diese» Geständnisses klingt eS wie blutiger Hohn, wenn Sinaida Jutschenko behauptet, daß sie in Berlin weder zur deutschenPolizei noch zu russischenPolizei- agenten in irgendwelchen Beziehungen stand. DaS„Verl. Tageblatt" wußte, was es tat. als eS, ebenso wie während der Harting-Affäre, seinen Mitarbeiter zur hiesigen„zuständigen Stelle" entsandte, um die polizei-offiziöse Weisheit zu er- lauschen. Der Fall Sinaida Jutschenko mit allen seinen wider- lichen Begleiterscheinungen bildet ein besonderes Kapitel in der deutsch-russischen Polizeigeschichte. Ein heftiger Kampf tobt im 19. sächsischen ReichStagSwahlkreise. Ivo nächsten Dienstag. den 7. September, die Ersatzwahl stattzusinden hat für den ver- storbenen Genossen Goldstein-Zivickau. Seit Wochen hält der Kandidat unserer Partei, Genosse S ch ö p f li n- Leipzig, stark be- suchte Vocksversammlunsen ab. um die Masse der gleichgültigen Wähler auf die Beine zu bringen. ES ist bekannt, daß diese Gegend in Sachsen zu denjenigen gehört, wo die Partei- und Gewerkschafts- organisation nicht gerade glänzende Resultate aufweist. Hier hat die Armut allzusehr das Szepter. Wir hatten im Jahre 1901 insgesamt tnt Wahlkreise erst 1351 Partei, nitglieder. Diese Zahl ist bis Ende Juni 1908 aller- dingS auf über 3000 gestiegen, und auch die Abonnenten- zahl der Partciprosse stieg auf 5 S 4 0, doch kann dies in einem stark mit Industriearbeitern durchsetzten über 30 000 Wähler zählenden Kreise nicht befriedigen. Bisher ist der Kreis fast immer sozialdemokratisch im Reichstage vertreten gewesen. Wilhelm Liebknecht war der erste, der ihn eroberte. Obwohl kaum daran zu zweifeln ist. datz er auch diesmal gewonnen wird, macht doch der dort auSgebrochene Kampf die Genossen gespannt auf das Wahlresultat, denn die reichen Fabrikanten arbeiten in der gehässigsten Weise gegen Schöpflin. Und die zurzeit im Kreise herrschende Arbeitslosigkeit, der schlechte Lohn, die riesige Ausbeutung der trzgebirgischen Bevölkerung, dazu das System der Matzregelung der VertraueuSmänner der Arbeiter brücken die Arbeiter- schaft nieder._ Polen und Zentrum. Die Führer der polnisck-n«lionalen Partei sind sehr erbost darüber, datz der polnische Abgeordnete Pfarrer Kapitza-Tichm» sich nicht nur an dem vor einigen Tagen in Breslau abgehaltenen Katholikentag beteiligt, sondern sogar ein langes Referat über die Schädlichkeit des SlkoholiSmuS gehalten hat. Der„Lech" schreibt: „ES wundert uns sehr, datz Pfarrer Kapitza an einer Zusammenkunft deutscher Katholiken tätigen Auteil nimmt, der doch im Grunde genommen eine Kräftcübersicht deS Zentrums ist. Hat Abgeordneter Kapitza die Polnische Fraktion um ihre Meinung gefragt? Wir hoffen, die polnische Fraktion werde diesen Schritt des Abgeordneten Kapitza nicht so leicht durch die Finger gehen lassen, wie seine treuergebene Red« im preußischen Abgeordnotenhause." Noch mehr scheint sich der„Polak zu ärgern. Er nennt die Teilnahme KapitzaS am Katholikentage einen politischen Skandal. Kapitza kenne nicht die Grenzen zwischen der Polen» fraktion und dem Zentrum, vor der Teilnahme hätte er aus der Fraktion scheiden müssen. DaS polnische Zentralwahlkomitee und der Borstand der Polenfraktlou werden aufgefordert, in ver»unlieb- samen Affäre" die notwendigen Schritte zu tu», da» heißt, Kapitza l auSzuschlietzen. Zur Nachwahl iu Halle schreibt die»Vossische Zeitung":»Die ReichStagSersatzwahl in Halle scheint einen für den freisinnigen Kandidaten R e i in a u u g ii n st i g e n Verlauf zu nehmen. Sicherem Ver- nehmen nach verzichten, wie uns aus Halle a. S. berichtet wird, die Konservativen auf Aufstellung eines eigenen Kandidaten. Da auch die Nationalliberalen die freisinnige Kandidatur unterstützen wollen. so wird eine Zersplitterung der bürgerlichen Stimmen vermieden." Die Kaiserfeier als Betriebsstörung! Die„Arbeiterzeitung" in Dortmund berichtet: „Am Gewerbegericht Hörde klagte ein Arbeiter der Eisengießerei Millich wegen Auszahlung des ihm für den Tag der Hohensyburg- feier nicht gezahlten Lohnes. Der Vertreter der Firma machte geltend, datz daS allgemeine Feiern am 10. August auf—■ Anregung des Landrats erfolgt sei I Das Gericht erkannte auf Abweisung der Klage-» trotzdem der§ 5 der Betriebsordnung das willkürliche Einlegen von Feierschichten nur im Falle von Betriebsstörungen vorsieht. — Daniit hat also das Gewerbegericht die Kaiserfeier als Be- triebsstörung charakterisiert, wogegen wir unsererseits nicht daS mindeste einzuwenden haben.— Datz das Urteil, gegen das es keine Berufung gibt, rechtlich völlig unhaltbar ist, versteht sich von selbst. Hoffentlich wird das sonderbare Urteil noch an anderer Stelle zur Sprache ge- bracht werden."_ Fürstliche Totschläger? Wie die„N. B. LandeSztg." nach Schweizer Blättern meldet. wurde gegen die Söhne des Fürsten Max Egon von Fürstenberg die Untersuchung wegen Totschlages eingeleitet. Diese jungen Herren unternahmen mit ihrem Hofmeister Bourgoin am 10. August auf dem Bodensee eine Kahnpartie, bei der dieser an- aeblich wegen eigenen Verschuldens ertrank. Die Behörden sollen nun festgestellt haben, datz nicht eigenes Verschulden von feiten des Hofmeisters vorliege, sondern daß Bourgoin von seinen Zöglingen„spatzhalber" in den Bodensee geworfen wurde. Er konnte nicht schwimmen und ertrank trotz angestellter Rettungsversuche seiner Schutzbefohlenen. Die»Münch». Post' meint zu der Sache: „Es wird interessant sein, zu erleben, wie der Prozeß gegen die Söhne deS einflußreichen hohen Herrn durchgeftihrt wird. Fürst Maximilian Egon Christian Karl Alois Emil Leo Richard Anton VIII. zu Fikstenberg, Landgraf in der Baar und zu Stüblingen, Graf zu Heiligenberg und Wordenberg, Freiherr zu Gnndelfingen, Herr zu Hausen im Kinzigtal, Mötzkirch, Hohenhöwen, Wildenstein, WaldSperg, Werenwag, Jmmendingen, Weitra und Pürglitz usw. hat drei Söhne: 1. den Erbprinzen Karl Egon Maximilian Maria Emil Leo Erwin Franziskus Xaver Johannes WenzeSlauS Hubertus, geboren 6. Mai 1801; 2. den Prinzen Maximilian Egon Maria Erwin Leo Franziskus AmoS WenzeSlauS Hubertus, geboren 31. März 1890; 3. den Prinzen Friedrich Eduard Franz Xaver Maria Egon Maximilian Erwin Leo Bernhard PeregrinuS WenzeSlauS Hubertus, geboren 27. April 1898. Welcher von den WenzeSlauS an dem„Spatz" besonders be- teiligt war, da? wird leider nicht genau mitgeteilt. Soviel ist aber heute schon sicher, wenn der Spaß Ernst wird, dann wird schon zur gegebenen Zeit der betreffende WenzeSlauS ebenso schlver erlranken wie der Eulenburger.._ Oesterreich. Der Agramer HochverratSprozeß. Agram, 4. September. Gestern wurde nach sechSmonat» l i ch e r Dauer im Hochverratsprozeß das Beweisverfahren geschlossen. Die Zeugen, die die Unglaubwürdigkeit NastitschS beiveisen sollten, wurden abgewiesen(?). Die PlaidoyerS beginnen am nächsten Freitag.(»Frkf. Ztg.") frankreieb. Eine Versammlung für den Völkersrieden. Paris 2. September.(Eig. Ber.) Aus Anlaß der Internationalen Konferenz der Gewerkschaftssekretäre hatte die Arbeiterkonföderation gestern in die Salle Wagrem eine DemonstrationSver- sammlung gegen den Krieg einberufen, zu der sich über 0000 Teilnehmer einfanden. Es sprachen A p p l e t o n, Delegierter der Trade-Unions, Genosse Legten, Gompe rS, TedeSchi (Italien, für den zu einer Proteswcrsammlung gegen den Zaren hcimberufenett Ripola), B a r r i o(Spanien) und zum Schluß die Konföderationssekretäre Jouhaux und Übe tot, die sich be- strebten, die Versammlung in eine Kundgebung für daS Programm der insurrektionevcn Generalstreiklerei auslaufen zu lassen. Und so wurde denn auch eine Resolution in diesem Sinne angenommen. Rußland. Die Danziger Bestechungsaffäre. Die Petersburger Zeitung„Rjetsch" veröffentlicht einige recht interessante Einzelheiten über einen Skandal in der russischen Frei. willigen Flotte, der sich in Danzig abgespielt hat. Dort halte der Marinekapitän Skalski bei der Abnahme eines Schiffes bei Schichau-Werft eine Provision von 40 Proz. verlangt. Nach der Darstellung der„Rjetsch" erzählte der kommerzielle Leiter der Firma Schichan von dieser Forderung dem Ingenieur, der von der russischen Regierung nach Danzig kommandiert war. Als der Direktor das Erstaunen dieses Herrn bemerkte, versuchte er den Eindruck seiner Worte abzuschwächen:„bei einigen Firmen" — sagte er—„ist eS üblich, den Kapitänen und den älteren Mecha- nikern kleine Geschenke zu geben... Und auch wir geben sie zu» weilen, aber von 30 bis 40 Proz. hat man bisher nichts gehört." AIS der entrüstete Ingenieur einigen Mitgliedern des Komitees der Freiwilligen Flotte davon Mitteilung machte, wurde der Direktor des Komitees, General von Radloff, nach Danzig gesandt, um eine Untersuchung einzuleiten. Hier bestätigte ihm der Direktor nicht nur die geschilderte Provisionsforderung Kapitän SkalSkiS, sondern machte von einer noch größeren Affäre Mitteilung. Kapitän SkalSki hatte nämlich den Antrag gemacht, eine Kohlenlieferung von etwa 7000 Tonnen für die Freiwillige Flotte zu übernehmen, im Falle er, SkalSki, 20 bi» 30 Proz. Provision erhalten würde. Trotz dieser unzweideutigen Angaben erklärte General Radlow die ganze Affäre als ein Mißverständnis, und schlug die Untersuchung nieder. Kapitän SkalSki ist nämlich sein Günstling, der nur auf seine direkte Forderung hin, trotz des einmütigen Einspruches des Komitee?, nach Danzig kommandiert wurde. In der sibirischen Verbannung. Die Zustände in der sibirischen Verbannung werden mit jedem Tage trauriger, besonders schlimm sind die Zustände in den end> j losen EiSwüsten deS JakntSker Gebietes, wo die politischen Vex- bannten in den elenden Jakutendörfern zerstreut sind. Von der ganzen Welt abgeschnitten, sind sie hier der ä r g st e n Not preis. gegeben, denn die von der Regierung ausgesetzten VerpflegnngS. gelder sind J*i weitem nicht auSrei�nd. Selb st mordfäll e sind an der Tagesordnung, vor kurzem erfchoh sich Genosse Dobromytzlow. in Willuisk erschossen sich zwei Verbannte, in Amga vergiftete sich die Genossin Schmidt. Griechenland. Die geschaßten Prinzen. näii»»D Athen, 4. September. Der König unterzeichnete ein Dekret. durch welches der Kronprinz und Prinz Nikolaus in Dispo» chilitat versetzt. Prinz Andreas einen dreijäheig«, Urlaub, i'tO Ausland «pT und der Urlaub des Prinzen Christoph bsrHwS«rt wird. Die Beleuchtungsarbeiter des Kampfes in den Aus- gebunden waren, sich wie zu lassen. Der Buchdrucker- Die gelbe Vundesleitung erst am 21. August. Also 6ewerfcrcbaftUcbe3* „Der Geiverkverein" als Verteidiger einer gelben Organisation. Das Zentralorgan der H.-D. Gewerkvereine hat sich aus Stockholm von dem Borstande des Schwedischen Arb eiterverbandes, jenes gelb- christlich- liberalen Vereinsgebildes, einen Bericht über„die EntWickelung der ganzen Bewegung" in Schweden schreiben lassen. Zweck der ilebung war, eine Rechtfertigung des vom„Vorwärts" ge bührend gekennzeichneten Verrats der gelben Bundesleitung zu bekommen, die das Organ der deutschen Hirsche gegenüber dem„Vorwärts" ausschlachten könnte. Das Ergebnis ist recht mager. Es reicht nur für einige faule Witze gegen den„Vorwärts", die gar nicht witzig, sondern recht dumm sind. Das ist im Interesse des immer ledernen„Gewerkvereins" zu bedauern. Wir hätten ihm mehr Erfolg auf diesem Gebiete gewünscht. Dagegen haben die schwedischen Hirsche mehr Sinn für Humor. Das bekundeten sie schon damals, als sie mit den deutschen Gewerkvereinen ein Gcgenseitigkeitsverhältnis ein gingen, das heute noch besteht, während sie kurz darauf sich auch an dem internationalen christlichen Kongreß in Zürich beteiligten. Das gelbe Organisatiönchen Schwedens unterhält also zu gleicher Zeit eine internationale Verbindung mit den deutschen Gewerkvereinen und den Zentrunisgewerkschaften. Die Zuschrift an den„Gewerkverein" stellt nun in Ab rede, daß der schwedische Ausstand programmgemäß verlaufen sei. Der gelbe Bund habe bei der EntWickelung, die der Kampf genommen hatte, sich nicht länger daran betelligen können. Nachdem eine Reihe von Gewerkschaften Vertrags- brüchig geworden seien, so die Buchdrucker und die Be- leuchtungsarbeiter der Stockholmer Gaswerke, mußte die Vertragstreue gelbe Organisation aus dem Kampfe scheiden, wenn sie sich nicht niit diesen Tarisbrüchigen solidarisch stellen wollte. Bitte sehr, das ist Unsinn. traten gleich in den ersten Tagen stand, weil sie nicht vertraglich Streikbrecher militärisch bewachen ausstand begann am 9. August. proklamierte ihren Verrat aber nahezu 14 Tage hatte der gelbe Bundesvorstand'gebraucht, um sich auf seine Vertragstreue zu besinnen! Selbst„Der Gcwcrkvcrein" will wohl seinen Lesern kaum zumuten, einer so fadenscheinigen Begründung des Verrats zu glauben. Nicht glücklicher ist der zweite Teil der Zuschrift in ihrer Motivierung des Verrats. Das„ursprüngliche" Programm der sozialistischen Landesorganisation soll angeblich später erweitert worden sein, indem auf die anderen Arbcitergruppen ein Druck zur Teilnahme an dem Ausstände ausgeübt worden sei. Um das zu beweisen, wird der erste auch unseren Lesern bekannte Beschluß der Gcwerkschaftsvorstände abgedruckt. Wenn das wahr wäre, dann war es ganz und gar programmwidrig, daß sich die Gelben überhaupt am Kampfe beteiligten. Denn der Ausruf richtete sich naturgemäß aus- schließlich an die der Landesorganisation angeschlossenen Verbände. Er konnte sich übrigens an die anderen Organi- sationen gar nicht richten, weil über deren Tun und Lassen die Landesorganisation nicht zu bestimmen hat. Trotzdem leistete der Schwedische Arbeiterverband ihm Folge. Diesen Zwiespalt der Natur der Gelben wolle man doch gefälligst erst erklären, bevor man uns„Unlvahrhcit" vorwirft. „Dör Gewerkvereiir" verbürgt sich nun dafür, daß sein schwedischer Schützling nicht gelb ist. Wie steht es aber damit? Am 29. August richtete Herr V. S ü d o w, der Direktor der Unternehmerzcntrale ein Zirkular an seine Mit- g lieber, in dein er ihnen den Verrat der Gelben zum folgenden Montag in Aussicht stellt. Er sagt darin: „Die Bedeutung dieses Beschlusses besonders in seiner mora- lischeu Wirkung bedarf nicht erst der Hervorhebung. Der Vorstand des Schwedischen ArbeitgebervercinS hat zur Erleichterung dieser Arbeitsaufnahme beschlossen, daß der Vorstand des Arbciterverbandes für seine Mitglieder in den verschiedenen Orten Gesamtverbind'.ichkeiten eingehen darf, wonach sie nicht durch Geldmittel die Ausgesperrten oder deren Organisationen unter st ützen dürfen..." Eine Organisation, die hinter dem Rücken der Kämpfenden solche Verbindlichkeiten niit dem Uitternehmcrverbande eingeht, nennt man in Deutschland eine gelbe Organisation. Das Zirkular zeigt aber auch, daß der„Vorwärts" diese Sippe richtig beurteilt hatte, als er ihre interne Verbindung mit der Untcrnehmerzentrale aufdeckte. Daß der Vorstand des„Arbeiterverbandes" sich auch über die Stockholmer Totengräber entrüstet, ist nicht verwunderlich. Es sind ja seine nächsten Berufsverwandten, nur daß er nicht gestreikt hat, sondern sich faktisch als Totengräber seiner eigenen Organisation während des Kampfes betätigt hat. Berlin und Omgegend. Achtung, Generalstreikslistenl Die Entgegennahme der Gelder durch die Gewerkschafts- kommission findet am Montag, in der Zeit zwischen 4 bis Uhr nachmittags, im Saale II des Gewerkschaftshauses, statt. Berliner Gewerkschaftskommission. Begiiglich der Beendigung des Streiks der Jungbicrfahrer ist mitzuteilen, daß sich die Aufnahme der Arbeit am Montag, den Sv. August, glatt vollzogen hat. Nur in einer Brauerei kam es zu Differenzen, die aber durch Verhandlungen mit einem Verbands- Vertreter beigelegt wurden, so datz die Arbeit auch hier gegen Mittag aufgenommen werden konnte. Wir machen bei dieser Gelegenheit noch einmal darauf aufmerksam, daß die organisierten Jungbier» fahrer sich durch eine grüne Kontrollkarte legitimieren. Wir richten an die Jungbierkousumenten das höfliche Ersuchen, jeden Jungbier- fahrer nach der grünen Karte zu fragen und nur solche zu berück- sichtigen, die im Besitz der Karte sind. Die Bezirksleitung Groß-Berlin des Deutschen Transportarbeiter-VerbandeS. Achtung, Böttcher, Faßkutscher! Der Streik der Böttcher und Fatzkutscher der Firma„vereinigte Faßhandelsgesellschaft m. b. H. sDietert Adolf Ww.) Fröbelstraße 4 dauert noch fort. Die Firma weigert sich beharrlich, die minimalen . Forderungen der Böttcher sowohl als auch der Kutscher zu erfüllen. g. ,'>ig ist strengstens fernzuhalten. verband der Böttcher. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Acht'.ing, Schuhmacher! In der Schuhfabrik von JakoviuS Söhn c. Nachfolger. Bergstr. St. sind Differenzen anSgcbrochen. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Dcurrdies Reich. Der Verband der Steinsetzer und Pflasterer im Jahre 1gl>8. AI» elitjäahr des Kampses und der Krise bezeichnet der Vorstand in seinem ioepeu erschienenen Jahresbericht das Jahr 1008. Die Käinpfe im Bericht, Ablvehrkäinpfe und zwar solche großen Stils, worunter besonders die Aussperrung in Rheinland und Westfalen zu rechnen ist. Obgleich in diesem Kampfe viele günstige Faktoren auf feiten des Gegners standen, wurde der Kampf von den Arbeitern gut bestanden. Und der Verband erhielt in diesem Bezirke— trotz der Krise— noch einen Zugang an Mitgliedern. Der Mitgliederbestand selbst hatte einen kleinen Verlust von 228 zu verzeichnen; im Jahresdurchschnitt mit 10 3öS nur 39 Mitglieder. Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen fanden insgesamt 124 in 213 Orten in 592 Betrieben mit 11 943 Beschäftigten statt. In 191 Fällen hatten in 195 Orten und in 557 Betrieben 11 213 Arbeiter Forderungen gestellt. Ohne Arbeitseinstellung, durch erfolgreiche Verhandlungen mit den Unternehmern wurden die Forderungen in 67 Fällen an 129 Orten für 8102 Beschäftigte erledigt; durch stillschweigende Zugcständniffe der Unternehmer in fünf Fällen an fünf Orten für 194 Beschäftigte. In 12 Fällen wurden die Forderungen zurückgezogen und in 17 Fällen fanden Streiks und Aussperrungen statt, die sich auf 49 Orte und 121 Betriebe mit 2225 Beschäftigten erstreckten. Von den Unter- nehmern wurden Verschlechterungen derArbeilsbedingungen in 23 Fällen versucht, wodurch 732 Arbeiter bettoffen wurden. Erreicht wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit für 1765 Personen von 6765 Stunden pro Woche; eine Verlängerung der Arbeitszeit wurde von 73 Mann mit 234 Stunden pro Woche abgewehrt. Lohnerhöhungen wurden für 5450 Mann mit 18 461 M. pro Woche erreicht, eine Herabsetzung der Löhne wurde für 371 Mann mit 854 M. pro Woche abgewehrt. Eine Lohnherabsetzung trat nur für 8 Mann in Höhe von 72 M. pro Woche ein. Für die Lohnbewegungen wurden rund 123 060 M. verausgabt. Tarifverttäge wurden 84 abgeschloffen für 6295 Arbeiter; am JahreSschluffe bestanden 117 Tarife in 826 Betrieben für 8496 Personen. Der Kassenabschluß war nicht gerade günstig. Einer Gesamteinnahme von 216 887,93 M. stand eine Ausgabe von 236 713,70 M. gegenüber. Der Kassenbestand in der Hauptkasse betrug 66 407,24 Mark, der Vermögensbestand deS Verbandes inkl. 127 724,50 M. Bestand des StteikfondS zählt 213 641,80 M. Die Ausgabe für Unterstützungen war eine sehr hohe. Für Streikunterstützung wurden rund 116 000 M., für Krankenunterstlltzung 17 000 M„ für Sterbeunterstiitzung 11 000 M. und für Reiseunterstützung 2500 M. gezahlt. Interessant ist, daß unter den Krankheitsarten neben Ver« letzungen resp. Unfällen mit 252 Fällen die Berufskrankheit der teinsetzer, Rheumatismus, mit 262 Erkrankungsfällen die höchste Ziffer aufweist, nachdem weisen Brust- und Lungenleiden mit 186 Fällen die höchste Erkrankungsziffer auf. In einem besonderen Teile des Berichte? wird die Aussperrung in Rheinland-Westfalen als ein Dokument kommunaler Sozialpolitik im Staate der Sozialreform behandelt. Es wurde bei dieser Lohn- bewegung erwiesen, daß eine große Anzahl Stadtverwaltungen in Rheinland und Westfalen eS fertig brachten, bei einer von dem organisierten Unternehmertum heraufbeschworenen Machtprobe sich völlig unverhüllt auf Seite des Unternehmertums zu stellen und ihm gegen die ausgesperrten Arbeiter in der ausgiebigsten Weise den Rücken zu steifen. Schließlich drangen die Arbeiter dennoch in neun- wöchigem Kampfe mit ihren Forderungen durch und erreichten einen Tarifabschlutz. Die Organisation der Unternehmer im Gewerbe hat im Jahre 1903 ganz erhebliche Fortschritte gemacht, weshalb die Steinsetzer und Pflasterer die doppelte Pflicht haben, auch ihrerseits mit aller Energie für eine Stärkung ihrer Organifatton zu sorgen. Achtung, Former und Gießcreiarbeiter! Bei der Firma Behrendt in Pasewalk haben gestern 23 Former die Klln- dignng eingereicht. Die Differenzen haben ihre Ursache in Akkord« abzügen, schlechter Behandlung durch den Meister, Nichtbezahlung von gänzlich unverschuldetem Ausschuß. Wir ersuchen Former und Gießereiarbeiter, Pasewalk als gesperrt zu betrachten und den Ort zu meiden. Die Bezirlsleitung des 1. Bezirkes des Deutschen Metallarbeiter-DerbandeS. I. S.: Ed. Bauer. Streikörecher nach Schwede« gesucht! Eine Stockholmer KonfektionSfirma sucht in Stettin Schneider anzuwerben. Es ist jedoch dafür gesorgt, daß die Bemühungen er- f o l g l o S bleiben. In einem Schreiben jener Firma heißt es: „Im Austrage verschiedener Grossisten für Herrenkonfektton Hierselbst möchte ich mir die ergebene Anfrage erlauben, ob Möglichkeiten vorhanden sind, von dort 25 bis 50 Schneider für billigere Konfektion zu bekommen. Wie wohl bekannt fein dürfte, hier momentan Generalstreik und sind die Schneider schon seit einigen Monaten ausgesperrt. Tüchtige Arbeiter würden mindestens dreißig Kronen pro Woche verdienen können und einige Monate verpflichtet werden können. Die Leute sollen als Streikbrecher engagiert werden, damit von vornherein die Sache klar liegt, für Wohnung und genügenden Schutz würde vorgesorgt werden. Die Arbeitslöhne sind für SalkoS zirka 4 Kronen; filr W. Paletots zirka 6 Kronen. Freie Reise und event. auch Rückreise ist selbftverständlicki." Hoffentlich macht die Solidarität der deutschen Arbeiterschaft den Herren einen Strich durch die Rechnung. Ein internationaler Gegenseitigkeitsvertrag� Die graphische Internationale zählt schon seit langem zu den besten internationalen Verbindungen der Gewerkschaften. Jetzt teilt das„Bulletin", die internationale dreisprachige Zeitung des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe, mit, daß dem Gegenseitigkeitsvertrag, der vor einiger Zeit schon einmal erweitert wurde, auch die beiden holländischen Organisa- tionen beigetreten sind, es ist die der Lithrographen und Stein- drucker und die der Chemigraphen. Außer den Holländern gehören dem internationalen Gegenseitigkeitsvertrag die LandcSovganisa. tionen von Dänemark, Deutschland. Oesterreich, der Schweiz. Un. garn und Schweden an. Der Vertrag garantiert den Mitgliedern außer der internatio- nalen Reiseunterstützung bei sofortigem Uebertritt in die ent- sprechende Landesorganisation unter Anrechnung der im Verbände des Mutterlandes geleisttten Beiträge das entsprechende Recht auf alle Unterstützungen. Jedes Mitglied solcher Gegenseitigkeits- organisation hat sich innerhalb acht Tagen im Lande der Zureise anzumelden und tritt sofort nach den von ihm bereits gezahlten Beiträgen in alle Rechte d�r vorhandenen Unterstützungen ein, soweit die Beiträge für die eine oder andere Art der Unterstützung bereits gezahlt worden sind. Alle Ansprüche auf Unterstützung richten sich nach dem Statut derjenigen Landesorganisation, wo das Mitglied sich zur Zeit aufhält. Jedes Mitglied muß aber min- destens acht Tage gearbeitet haben, ehe es Anspruch auf die e r w e i- t e r t e n Unterstützungen stellen kann. Die Unterstützungsarten er» strecken sich auf Reise-, Arbeitslosenunterstützung, Umzugskosten, Unterstützung bei militärischen Uebungen, Kranken-, Invaliden- Unterstützung, Witwen- und Waisenunterstützung. sowie Sterbe, gcld. Wenn ein Mitglied für die eine oder andere Art der Unter. stützung im Mutterlande noch keine Beiträge geleistet hat, weil im Statut der Mutterorganisation ein solcher UntcrstützungSzweig nicht vorgesehen ist, so ist erst die vorgeschriebene Karenzzeit zurückzulegen. Zur Zeit werden noch Verhandlungen mit Norwegen gepflogen. sie werden sicher auch noch zu dem Anschluß an diesen erweiterten Gegenseitigkeitsvertrag führen. Es steckt in diesem Vertrag wirk- lich ein ganz Teil von dem gewaltigen„Arbeiter vereinigt Euch". das der Altmeister deS Sozialismus den Arbeitern vor einem halben Jahrhundert zugerufen hat. Fortdauer der ArveltSlosigkeit. In nordbayerischen Städten muß man sich jetzt schon auf die Fürsorge für die Arbeitslosen im kommenden Winter einrichten, da Anzeichen genug dafür vorhanden sind, daß die Arbeitslosigkeit kaum weniger umfrnigreich sein wird, wie i«n vorigen Winter. Die Arbeitslosenzählung, die der Sradtmagistrat Nürnberg mitten im Sommer veranstaltete, ergab, daß die Zahl der Beschäftigungslosen sich gegen die Zählung vom Dezember nur um ein Drittel ver- mindert hat. Die Metallindustrie liegt noch immer schwer darnieder. In Fürth hat sogar eine bedeutende Eisen- gießerei und Fabrik von BrauereieinrichtlMgen. die Firma I. W. Engelhard, die seit fast 20 Jahren besteht und Welt- ruf genoß, ihren Bettieb vollständig einstellen müssen. Hunderte von Arbeitern sind dadurch brotlos geworden. Das Silber- schlägergewerbe leidet ebenfalls unter äußerst schlechtem Geschäfts- gang. Nachdem die Bettiebe monatelang still gelegen hatten, wurde am Montag die Arbeit wieder begonnen, aber sofort den Arbeitern neuerdings gekündigt. Auch in anderen Gewerben ist die Produktton stark eingeschränkt. In Nürnberg werden bereits Maßnahmen ge- troffen. um- NotstandSarbeiten bereit_ zu stellen, aber mit der in Vorberatung befindlichen Einrichtung emer� Arbeits- losenversichernng scheint es sehr langsam vorwärts zu gehen. Im Stadtmagistrat Schweinfurt gab es ebenfalls eine Notstandsdebatte. ES wurde beschloffen, einen Stein- bruch zu eröffnen und darin Arbeitslose je drei Tage in bei Woche zu beschäftigen. Arbeitslose, die im Steinbruch nicht beschäftigt werden können und aus ihren BerufSorganisattonen nicht unterstützt werden. sollen täglich 80 Pf., wenn verheiratet und 50 Pf. wenn ledig aus der Stadtkasse erhalten. Arbeitslose, die au« ihrer Organisation Unterstützung bekommen, erhalten, wenn diese weniger als 1,25 M. beträgt, einen städtischen Zuschuß in der Höhe, als zur Erreichung deS genannten Betrages notwendig ist. Die Errichtung einer ge- meindlichen ArbeitSlosenunterstützungskaffe, wie sie das Ministerium bei den Gemeinden angeregt hat, wurde abgelehnt. Nedatieur: Emil Unser, Berlin. Inseratenteil verantw.: Lh,Glocke, Berlin. Druck u.Berlas:Vorwärt»Buchdr.u.VerlasSansta1» Paul Singer sc Co..BcrlinS�V. Soziales. Gilt baS Hinausschieben der Entlassung in grgenseittgem Einverständnis? Um diese Rechtsfrage handelte es sich in einem gestern vor der 2. Kammer des Berliner KaufmannSgerichts zur Entscheidung gekommenen Rechtsstreit. Der Stadtteisende einer Getreidefirma war trotz wiederholter Verwarnung erheblich zu spät gekommen, und der Prinzipal sprach schließlich am 22. Mai wegen erneuten Zuspätkommens die Entlassung aus. Nun trat aber der Angestellte mit Bitten an den Chef heran, er möchte ihn doch noch bis zum 1. Juni behalten. Es würde an der Börse einen zu schlechten Eindruck machen, wenn er mitten im Monat seine Tätigkeit Unterbreche, und andererseits würde es wohl die Firma noch die acht Tage mit ihm aushalten. Durch die Bitten des Stadtreisenden ließ sich auch der Chef bewegen, ihn bis zum Ablauf des Monats zu beschäftigen. Um so erstaunter war der Prinzipal, als er ersehen mußte, daß ihm der Angestellte sein Entgegenkommen damit dankte, daß er Klage auf Gehaltszahlung für Juni erhob. Die Entlassung sei, so behauptete dieser, damit hinfällig geworden, daß ihn der Chef noch weiter beschäftigte.— Das Kaufmannsgericht wies de» Kläger mit seiner Forderung ab. Nach seiner eigenen Erllärung habe der Kläger eingesehen, daß er eine Verfehlung begangen und daß seine Entlassung nicht unberechtigt sei. Nur auf sein Bitten behielt ihn der Beklagte bis Ablauf deS Monats. Diese vertragliche Vereinbarung sei gültig und Kläger habe demnach kein Anrecht aus Gehalt über den vereinbarten Schlußtermin hinaus. Ungenügende Leistungsfähigkeit ift kein Entlassuugsgrund. Der Zahntechniker Sp. klagte gestern vor der 8. Kammer des Gewerbegcrichts gegen den Zahnkünstler Kallmann. Er war gegen ein Monatsgehalt von 100 M. und wie er behauptet, auf einen Monat fest engagiert. Aach dreitägiger Beschäfligung wurde er aber wieder entlassen, weil seine Leistungen den Beklagten nicht be- friedigten und Kläger für 75 M. pro Monat nicht bleiben wollte. Der Beklagte bestreitet, daß Kläger auf einen Monat fest engagiert sei und behauptet. daß nur ein probeweiseS Arbeitsverhältnis unter Ausschluß einer Kündigungsfrist bestanden hat. Da beide Parteien für ihre Behauptungen einen Beweis nicht erbringen können, wird der Beklagte verurteilt, an dem Kläger eine Entschädigung für die gesetzlich ihm zustehende Kündigungsfrist von 14 Tagen sowie den rückständigen Lohn von 3,65 M.. insgesamt 53,65 M. zu zahlen. Wenn auch der Kläger in seinen Leistungen keine Berühmtheit sei. so seien diese doch noch so. daß er nicht als total unfähig gelten kann. Die mindere Leistungsfähigkeit stelle jedoch einen gesetzlichen Entlassungsgrund nicht dar. letzte l�achricbten und Depefcben» Sonntag keine Flugversuche. vrville Wright wird am Sonntag, wie uns mitgeteilt wird, mit seinem Aeroplan keinen Flug unternehmen. Dampferznsammenstoß. Hamburg, 4. September.(SS. T. B.) Der Schleppdampfer „Kuhwaerdrr", der den aufkommenden Dampfer„Blücher" in den Kaiser Wilhelmhafen bugfierte. stieß mit diesem Dampf« zusammen und kenterte. Drei Mann des Schleppdampfers sind ertrunken. Ein Mann wird vermißt. Zu dem gemeldeten Dampferunglück ist nachzutragen, baß der Schleppdampfer„Kuhwärder" den Dampfer„Blücher", der fest- gekommen war. wieder abschleppen sollte, wobei er mit ihm in Berührung kam, so daß er kenterte. Er wird voraussichtlich wieder gehoben werden können. Soweit bis jetzt festgestellt ist. sind nur zwei Mann der Besatzung, ein Heizer und ein Koch, ertrunken., Eine furchtbare Ucbcrraschung. Hamburg, 4. September.(W. T. B.) Der in der Rönn- haidstr. 61 wohnende Straßenbahnschaffner Engelhardt fand, als er mittags nach Hause kam, seine Frau und seinen Bruder entkleidet mit Schußwunden am Kopfe tot im Bett liegend vor. Die Polizei nimmt an, datz der Bruder seine Schwäge- rin und sich selbst getötet hat. Bergmannslos. Dortmund, 4. September.(B. H.) Bier Bergleute kamen auf Zeche„Glückaufsegen" unter GesteinLmasscn. Zwei lvaren sofort tot. Direktor und Aktienfälscher. Chemnitz, 4. September.(B. H.) Das Schwurgericht ver- urteilte den früheren Direktor der Sächsischen Maschinenfabrik vorm. Hartman» Stöcklin wegen Unterschlagung und Münzvcr- brechen? zu 6 Jahr 2 Monaten Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust. Stöcklin hatte bekanntlich Aktien seiner Gesellschaft gefälscht. Zeugnis für Cook. Kopenhagen, 4. September.(W. T. B.) Der Inspektor von Skordgrönland, Daugaard Jensen, der auf dem Dampfer.Hans Egede" mit nach Dänemark gekommen ist und zwei Monate hindurch Ge- legenheit gehabt hat. Dr. Cook näher kennen zu lernen, erklärte dem Vertreter von RitzauS Bureau, daß nach seiner Ansicht E-ok ein völlig vertraucnerwcckcnder, solider Mann sei, der unter keinen Um- stände» von der Wahrheit abweiche. Der Inspektor erklärt weiter. er habe über die Reise Cooks mit dem Grönlandreifcnden Knud RaSmussen gesprochen, der von den Eskimos am Kap Jork, auS denen Cook seine Begleiter wählte, Berichte erhalten habe, die in letzter Beziehung Dr. Cooks Mitteilungen bestätigten. Sic hätten Ra-mussen. der ihren Dialekt vollständig beherrsche, erklärt, daß die Expedition ihr weiteres Bordringen am Nordpol völlig freiwillig aufgegeben habe, ei hätten sich ihr dort weder das Eis noch andere Hinder- nisie entgegengestellt.- Hierzu 4 Beilas»». 8r.207. 26. Jahrgang. i KeilU des Joriräls" Setlintt Poltetlstt. Zoillltllg, 5. September lW. filr den lchmdikchei» GeneraKtrcilt. Bei der Berliner GewerkschastSkommisfion gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreil stehenden schwedischen Ar beiter ein: Liste 3160 Kollegen Lindström. Maschinensaal 22.10. 6682 Buchdruckerei ifunle 4,60. 7432 Kollege Niemann 4,60. 7620 Kollegen bei Ksionsek, 4. Rate 14,46. 7663 Buchdruckerei Stankiewicz, 4. Rate 11,60. Bautischlerei Noack 9,—. Bautischlerei Scheller u. Co., 4. Rate 7,—. Stocksabrit von Brückmann 11,35. 6620 Buchdrucker der»Deutschen Warte' 13,10. Küchen- inöbelmaler bei Kuisch, 3. Rate 4,—. Küchcnmöbelmaler bei Reimann u. Co. 6,—. 6998 Bautischleret Kuhnert u. Kühne 20,90. Treppengeländer� sabrik Schmidt u. Co.. Steglitz. 2. Rate 13,15. 7877 Kollegen bei Wolfs ?iachs., 3. Rate 8,85. Hilsspersonal der Akzidenz- u. Rotat.-Abt. des»Berl. Tageblatts', 4. Rate 46,—. Schneidereigenossenschast.Hossnung'. 3. Rate 20,—. E. D. 2,—. Fr. Bereinig, d. Kinematogravh.-Operat. Deutschi. 12.50. Organisierte Bäcker in EberSwalde 7,—. Deutscher Metallarbeitcrverband, «rtSverwaltung Berlin aus folgende Liften: 3229 Kremmener, Pankow 49,60. 3232 Deutsche Kabelwerke, 3. Rate 20,70. 3233 Bold 5,50. 3239 Bergmann, Neinickcndors 8,05. 3240 Knorr, Bremse 46.40. 3243 Danncberg u. Ouandt 23,—. 3246 Kray,«oeckbstratze 31,25. 3320 Danneberg u. Co. 6,55. 3657 Enzwger 12,35. 3660 P. Bachwitz 16,20. Durch Kollegen Wirfing 3671 15.—. 3672 7,30. 3780 Muslulus, Wiener Str. 18 12,80. 3784 Zielbewusite Arbeiter 7,40. 3803 Kabelwerk Oberspree, Alumwimn-Gicherei 14,75. 3831 Frieg 8,76. 3897 Metallarbeitcrverband 13,—. 3967 Gebrüder Siemens 15,70. 3984 Schwartzkopff, Wildau. Abt. Kadew 73,50. 5664 Pahntle Nachs. 7,80. 6666 Falbe 15,—. 5739 Butzke, Dreherei Kuhnert 18,30. 5741 Medizinisches W-renhauS 32,25. 5746 Adlersahrradwerke 13,80. 5773 Wailer 20,50. 5807 Dapay. 2. Rate 23,70. 5915 Kunst- xlaserei von Brätsch 10,90. 5918 Metallarbeiter von Omnibus-Ges. 23,10. 5925 Gundelach, 3. Rate 16,20. 5930 Schleie u. Stephanie, 3. Rate 5,80. 8234 E. u. tz. Schützl-r 7.—. 8267 Evcr Readh 6,55. Anschläger v. H. Klemme, Friedenau 3814 5,—. 3816 26,20. 3817 5,—. 5729 Former v. Segel 2,50. 5730 Schleifer v. Segel 5,70. 5731 Gürtler u. Dreher v. Segel 17,45. Deutsche Wassen- und Munitionsfabrik, 2. Rate: 3138 Abt. Petzsch 12.80. 3140 Abt. HarNnann 40,65, 3142 Abt. Büttner 15,50. 3143 Abt. Wöhlkeu n. Güth 100,05. 3145 Abt. Hufenbach 20,30. 3146 Abt. Hcinemann 45,—. Bernhard Joseph, 2. Rate: 3667 Gietzerei I 25,65. 3668 Gießerei II 16,90. 3663 Gürtler 8,85. 3664 Schleifer 10,50. 3666 Dreher 26,10. Turbine: 3921 26,—. 3930 10,50. 3931 21,50. 3935 27,. 3939 44,75. 5669 33,25. 5670 25,75. 5672 11,75. 5673 13,25. 5674 20,50. 5675 11,90. 5675 19,50. 5677 24,75. 5678 12,25. 5680 20,50. 5681 43,75. 6683 21,60. 5684 29,40. 5685 25,05. 5686 7,60. 5687 5,80. £089 19,—. 5691 42,—. 5692 25,25. 5693 47,—. 5694 11,40. 5695 12,75. 5696 20,55. 5697 28,—. 6698 20,50. 5699 44,70. 5700 13,55. 2. Rate Bergmann. 3176 Abt. Krüger 18,90.. 3177 Zählerbau 26,75. 3178 Zicmendors 3,95. 3179 Lichterscld 59,55. 3180 Franke 12,30. 3181 Necke 40,70. 3183 Bergmann 9,80. 3184 Abt. Brennerei 11,60. 3186 Grünberc 4,45. 3188 Löhs« 1,85. 3189 Joseph 6,35. 3191 Tragert 36,25. 3195 Schwarz 30,40. 3193 Brink 10,75. 3194 Leistikow 18,55. 3195 Kirftein 22,55. 3196 Bl-ek 25,—. 3197 Richter 53,85. 3198 NicolauS 22,40. 3199 Künkel 21,—. 3201 Dünze 33,66. 3203 Herrmann 7,75. 3204 Schleiferei Tischlerei 20,60. 3208 Glühlampenwerk 38,95. 5828 A..G. Kernst- 5,60. 3206 Severing 7,90. 3207 11,85. 3210 Scherbarth 8,80. 2010 Klawitter lainpensabrik 23,05. 5829 A.. G. Glühlampenfabrik 16,30. 5830 Signalb auiabrik A.-G. 22.85. Ludwig Löwe. 2. Rate 5708 29,20. 5709 25,20. 5710 15,95. 5711 19.55. 5712 15,85. 5713 9.-. 5714 30,30. 5715 50,—. 5717 21,40. 5718 13,80. 5719 9,70. 5720 11,20. 5721 14,—. Flohr, elektrische Abt.: 5754 15,55. 5758 21.35. 5755 Werk- zeug-Fräseru.-Bohrer 16,50. 5756 Maschiuenbau II 2,15. 5757 Dreherei II 14,70. 5759 Großdreherei 20,90. 3227 19,20. 3231 Pregreß 23.75. 3245 Kahnt, Stralau, 2. Rate 6,20. 3244 Eisengießerei Grauert, Stralau, 2. Rate 39,85. 3679 Abt. I Gießerei Grauert. Stralau, 1. Rate 9,10. 3856 Schmidt, Chaufieestraße, Gießerei 10.—. 5652 Zielke 7,50. 5667 3. Rate, Emmerich u. Schöning, Prinzen ftraße 18,35. 5722 3. Rate. Schönheimer Maschinen- se.brik 15,60. 5745 Brauchelioersammlung der Fcilenarbeiter 4,10. 5747 Cduard Horst 21,50. 5774 Dieckmann«. Schweizer 13,80. 5926 Tialchmenfabrik von Fischer 12,25. 4458 Siemen?, Gelbgießerei 19,20. 8227 Weinberg 25,50. In Summa: 2949 Mark 85 Ps. Ge- buAZtaa, Pankow 7,35. Mehrere Victoria-Beamte 4,20. Hausdr. Berthold 2,98. Tcllersammlung d. WahIverelnSversammlung vom 28./8. S.55. Franz Schmitt, Müncheu 196,60. M. Kosyrcn, vorübergehend in Berlin 50,—. Clliche ArbeUer von C. Grüder 5,—. Verband deutscher Gastwirtsaehllfen, Orlsverwaltung'Charlottenburg 20,—. Tapeziererwerkstatt Ehrlich 3,55. Bon einer amerikanischen Aukilon, Neuwebow 2,75. Giwerkschasiskartell HcnnIgSdors 61,65. GewerkschastSkarlell Steglitz, 2. Rate 100,—. Bon den Bauhilssarbettern deS Bezirk» Steglitz 27,40. 6. Wahlkreis, 581. Bezirk, Ncberschuß von einem Ausflug nach der Jungsernheide durch BI. II.—. H. Arbeitlang 3,05. Bon den Kollegen der Buchdruckeret A. Winser 10,05. Setzmaschmenabteilung der Buchdruckerei Denier u. Nicolas 4,05. Bon den Kollege» der Firma O. Dietrich u. Co. 8,—. Bon H. RewderS, Emden 10,05. Tapezierer d. Jnnenbaulnnst, BoSwau«. Knauer 5,—. Gesammelt von dem Arbeiterradsahrvergnügen in Caputh 10,05. Berlag und Expedition.BoikSbote', Stettin 556,—. Bon den Hilfsarbeitern der Buchdruckerei der»Deutschen Tageszeitung', 3. Rate 8,90. Pianinosabrik Liese 8,60. BcrgnügungSsondS der Wagenbauer B. 11. 20,—. Lotterie- verein»Jtalla 1899' 4,—. 7240 Lederfabrik Stetnletn 13,—. 7242 Treib. riemeusabrik Rüger u. Malon, Zurichter und Satller 12,80. 7243 Leder. Kleines feuilleton. Dr. Goot in Kopenhagen. Der Dampfer»Hanl» Egede' ist am Sonnabend vormittag in Kopenhagen eingetroffen. Eine ungeheuere Menschenmenge erwartete die Landung des amerikanischen ?!ordpolfahrerS und begrüßte ihn dermaßen stürmisch, daß Dr. Cook sich kaum zu retten wußte. Gleichzeitig setzten die offiziellen Chrungen ein. Neben wissenschaftlichen' Gesellschaften hat auch die dänische Regierung Cook begrüßt, und der König von Dänemark hat ihm eine feierliche Audienz gewährt. Während also der Erop. fang Cook? in der danischen Hauptstadt nichts von dem vermissen läßt, was heute bei derartigen, zur Sensatwnsmache geeigneten Lknlässen geboten zu werden pflegt, wollen andererseits gewichtige Stimmen noch nicht verstummen, die zur Vorsicht und zum Ab- warten mahnen. Im eigenen Heimatlande Cooks machen zahlreiche Sachverständige die Meinung geltend, daß es möglicherweise mit der Cookschcn Nordpolentdeckung nichts sei. Unter den deutschen Zweiflern ist der Berliner Professor Sieglin, Direktor des gco- graphischen Seminars an der Universität Berlin, der sich zu einem Korrespondenten der„Neuen Fr. Presse" weitläufig über die Cook» sche Nordpolreise ausließ und schließlich dahin zusammenfaßte: „Daß Dr. Cook den Nordpol erreicht hat, ist möglich, aber ich glaube es nicht." Inzwischen beginnt nun auch Cook, sich mit den Zweif- lern auseinanderzusetzen. Was er zunächst, noch an Bord des „Hans Egcde", gesagt hat, war allerdings nicht ganz überzeugend. Er lud nämlich die Skeptiker ein. nach dem Nordpol zu gehen, dort würden sie. unter der Flagge vergraben, eine Messingröhre finden, in der ein kurzer Bericht über die Expedition enthalten sei. Selbst- verständlich müssen kontrollierbarere Beweisstücke als jene Röhre am Nordpol von Cook verlangt werden. Er hat nun mittlerweile sich dahin ausgesprochen, daß er ein sorgfältiges Tagebuch geführt und ständige astronomische Messungen gemacht habe, wodurch der Beweis füx die Wahrheit seiner Angaben schlüssig erbracht werden sonne. Man wird also auf detailliertere Angaben warten müssen, als Cook sie bisher der Oeffcntlichkeit gegenüber gemacht hat, ehe mit Sicherh'>4 entschieden werden kann, ob Cook tatsächlich den Nordpol erreicht hat. Gegenüber sachkundigen Mitreisenden auf dem„HanS Egcde", nämlich den Teilnehmern der Guervani-Hol- bergschen Grönlandexpedition, hat Cook sich nach einem Telegramm des„Berliner Tageblatt" eingehender vernehmen lassen, und sie haben aus seinem Vortrag die Ueberzeugung von der Zuverlässigkeit der Cookschen Angaben gewonnen. Dr. Holbcrg erklärte, daß Cook«hm gegenüber geradezu den Beweis der Wahrheit seiner Dar- siellung erbracht habe: derartige detaillierte Angaben zu fingieren. sei ganz unmöglich, der Fälscher würde vom Kenner zu leicht ertappt werden können. Hofientlich ist Cook also bald in der Lage, die ungläubigen Thomasse zu bekehren.— Die Hunde von Konstantinopel. Di« Hunde sind noch heute das charakteristischste Wahrzeichen von Konstantinopel, hauptsächlich des Einsetzer von Henke 4,—. 11,30. 6694, 6695. 6696, 6697, Sohn, ll.�Rate 70,65. Lotterie- sabrik Caprano 15,30. 7245 Lederfabrik Römer 11,30. 8246 Ledersabrik Rösler, Zurichterei 6,45. 7247 Ledersabrik Rösler, Nasse Werkstatt 4,95. 7810 Lederfabrik Fritz 4,55. 7809 Treibriemensabrik Krüger«.Malon 11,90. »Berliner Tageblatt', Walzerciabt., 3. Rate 37,—. 6680 Buchdruckerei C. Marschner, 3. Rate 23,90. Kronleuchtersabrik D. Schlesinger 5,25. 1120 Kotzke 4,—. 1132 Schwedens Sieg auch unser Sieg l 17,60. Textil- arbeiter-Verband, Filiale Reichenbach t V., inklusive 2 Mark von Boß 77,—. 7738 Buchdruckerei Micr u. Glasemann 5,50. Pflanzer- verein Mt-Ruhleben 12,95. 6215, 6216, 6217 und 6218 Zigarettenarbeiter und-Arbeiterinnen von Manoli 59,30. Diener der Firma A. W., Rosen- thalcrstraße 10.—. Sektion der Putzer 1208 4,85. 1215 6,15. 7256 4,—. 7258 7,05. 7262 8,95. 7267 3,80. 7268 7.-. 7269 8,40. Lvttericvercin Reinsberg 3,—. Verband der Bau-Hilssarbeitcr Berlin aus Listen 6596 4.—. 6595 5,—. 6597 7.—. 6521 8,30. 6520 8.90. 6527 4,85. 6563 4,—. 6564 8,90. 6565 4,15. 6566 5,65. 6548 Bautischler C. Walz 11,05. 6612 Buchdruckerei Paß u. Garlepp 4. Rate 40,—. Druckerei Otto Eisner 30,—. G. Breridlcr 1,—. 7614 Buchdruckerei Technik 7,25. Stockarbeiter von H. Fischer 5,50. 6700 Buchdruckerei voi, Bolltraß u. Apel 6698, 6699 Buchdruckerei E. S. Mittler u. u. Skatllub.Norden' 10,—. 8758 Kollegen von D. Meier 11,15. 7878 Tischlerei von Siebert u. Schwesinger 11,70. Sechserkasse von Nicolas 3,—. 6603 Buchdruckerei Vaterländische Verlagsanstalt 15,50. 7599 UniversitätS- Buchdruckerei Schade(Franke), 8. Rate 8,50. 7383 Modelltischler von C, Ä. Lucas, 2, Rate 14,—, Angestellte der Orlskasse der Maurer, 2. Rate 11,50. 8133 Kartonsabrik Fichte 2,90, 8037 Bieuicke 9,40. Bezirk 189a und 189b 10,—. 6618 H. F, 4,—. 8759 Möbelfabrik von Diltmar 20.—. A. F. 100 6,25, 8774 Kammsabrtk von Beiz 5,20, fiuih und Krüger 3,—. Emsetzerkommission 9,50. Maschinisten u. Heizer- ahlstelle Ober-schöneweide aus Listen: 5414, 5415, 5416, 54,75. Zentral- verband der Stcinarbciter aus solgcnde Listen: 7722 1,10, 7714 4,—, 6730 durch Herzfcld 14,25. 7728 durch Breiding 15,60. 7717 Steinarbeiter der Firma Teich 12,—. 7707 Marmorarbeiter F. Häger 2,65. 7720 durch Eller 3,40. 7701 Messerschmidt 6.—. 7726 Jörissen 6.50. 7712 Gottschalk 12,45. 7725 Steinmetzen v. Liesner u. Schach 3,—. 6725 Körner 4.50. 7727 Holz- mann 7,60, 6727 Wimmel u. Co. 10,—. Metz u. Nachs. 13,55. Hand- werker u. Maschinisten A. Wertheim. Oranienstraße 10,50. Mitglieder der Wagenbauerkasse, Berlin 8, Gesundbrunnen 20,—. 6372 K. P. 1,60. 8197 Bauttschlerei von Metz 11,95. Zentralverband der Schmiede, Zahlstelle Berim, aus folgende Listen: 2702 21.40. 2704 4.90. 2710 6,70. 2719 Kühlstein 21,85. 2727 8,30. 2735 Schwartzkopfs 28,55. 2740 6,-. 2743 6.85. 2750 15,75. 2751 11,15. 2760 Brauerei Patzen- hoser I 11,15. 2761 8,60. 2763 6,95. 2764 Lautenschläger, Reinickendorf 26,60. 2765 Codson 8,60. 2768 Arbeiter von Thyssen u. Co. 24,30. 2780 Arbeiter von Druckenmüller 26,25. Tellcrsammlung vom 25. August 1909 16,50(in Summa 260,40). Zenwaiverbaud deutscher Brauereiarbcitcr, OrtSverw. Berlin 200,— und aus folgende Listen: Brauerei Patzenhoser I 573 Brauer 19,—. 721, 722 Flaschcnlcllcrarb. 28,60. Schloß- brauerei Schöneberg 580 Stall- u. Fahrpersonal 10,60. 584 Brauer 6,15. 586 Bergschloßbrauerei, Brauer 9,30. 599 Böhmisches Brauhaus, Flaschen- kellerarb. 14,—. Oswald Berliner.605 Flnschenkellerarb. u. HUssarb. 8,10. 771 Brauer 6,40. Löwenbrauerei 608 Hils-Zarbeitcr 6,40. 733 Brauer 5,50. Germania-Brauerei 727 Flaschenkellerarb. 5,85. 723 Brauer 7,20. 773 Brauer 5,55. Happoldt 620 Fiaschenkeller- und Hilssarbeiler 12,30. 723 Brauer SFO. 626. 782 Psesserberg, Brauer 21,25. 628 Schweizergarten 6,20. Viktoria» Brauerei 748 Fiaschenkeller- und HUfS- arbeiter 6,55. 751 Brauer 6,—. 632 FlehinghauS 5,05. 633 Wanninger. Fahrpersonal 12,85. 737 Habel, Brauer 3,30. 732 Müncheucr Brauhaus, Brauer 14,19. 642, 773 Spandauer Bergbr., Brauer 20,35. 739 Versuchs- m:d Lehrbr., Fiaschenkeller- Arbeiter 4,85. Schultheiß I, 743, 744, 784 Fiaschenkeller- und Hosarbetter 39,30. 654. 777 Brauer 88,70. Schult- dciu II, 658 Fahrpersonal 15,30. 661, 774, Brauer 39,90. Deutsche Vierbr. Pichelsdorf, 668 Brauer 38,40. 670 Niederlage, Fahrpersonal u. Hosarbetter 9,75. 763 Roland, Biernicdcrlage, Flaschenkeller-Arbciter 14,—. Kaiscrbr., 677 Fahrpersonal 6,25. 678 Brauer und Hllssarbeitcr 8,10. 766 Pilscner Brauhaus, K.-Wusterh., Brauer u. Hilfsarbeiter 5,10. 693 Patzenhoser, Spandau, HUssarbeiter u. Fahrpersonal 18»35. 700 Wcißbierbr. Gehricke, HiisSarbeiter u. Fahrpersonal 3,40. 704 Patzenhoser, Niederlage Lankwitz, Fahrpersonal 5,95. 719 Genossenschastsbr. FriedrichSh., Brauer 12,50. 772 Angestellte der Ortsverwaltung Berlin des Brauereiarbciter- Verbandes (dabei eine Mark vom Kollegen Herder) 6,—. 767 Angestellte der Orts- Krankenkasse für daS Bierbrauer-Gewerbe 5,50. Jnsgesammt 710,95 2)1. Vertrauensleute d. Hausdiener d. Wäscheindustrie 4.—. Handtuchsahrer Wolter 2,—. Handtuchsahrer PelcrS 4,—. Anton Bocket 10,—. Fischer 3,—. 8140 Lederfarvensabrit H. Blinke 14,70. 7743 Kollegen der Metall- platterungSwerke inkl. Naß 13.30. Lamprecht, Pallsadcnstr. 3,—, Buch- druckerei Winterfeld 3,—. Wahlverein Treptow-Baumfchulenweg, Teller- sammlung 13,25. Lottcrieverein Glücksvogel 3.—. Jüdische Studenten in Druskeniki 108,—. Amerikanische Auktion O. Junker, Wilhelmsruh 6,65. Kollegen von Laue u. Co., 2. Rate 11,80..Volksbote', Stettin 425,—. Drei vaterlandslose Gesellen, 2. Rate 5,—. Buchbinderei F. Weimann 8,40. SenSner, Grotz-Lichterfelde 10,—. Kupferschmiede Borfig in Tegel 30,—. Scböneberg A. B. 25,—. Werkstatt Gebr. Retzlaff, Steglitz 4,50. Fünf Schnitttnacher v. W. Wolter 4,05. I. M-inafsewitsch 5,—. Fritz Kunz 1,—. Arbeiter-Radsahrverein Velten 15,—. 8754 Werkzeugmacher v. Tietz u. Co. 18,40. 331 LurtiSpapiersabrik O. Schloß 21,75. 8131 Etuisarbeiter A. Kann, 3. Rate 12.35. 8947 Mechaniker von Galle 6.—. 6681 Stuttgarter Union 9.30. 7998 Bautischler von Alpstädt 6,50. Gesangverein»Frisch aus' 5,—. Kranzüberschuß Jsolatorensabrik A. E.-G., Ober-Schöneweide 24,—. Hausdruckeret der Akluniulaiorensabrit 7,15. O. M. 2.—. 6686-6690 Buchdruckerei Ullstein u. Co.. 3. Rate 70,55. jenseits der Galawbrücke gelegenen Stadtteiles. Man schätzt sie auf 40000, und alle fast sind von mittlerer Größe und haben langes, rotgelbcs Haar. Sie sind die Könige des Trottoirs; in der Mitte der Straße halten sie sich nur selten auf. weil es ihnen lästig ist, fortwährend den Wagen auszuweichen. Auf dem Trottoir aber herrschen sie als unumschränkte Gebieter: es fällt ihnen gar nicht ein. dem Menschen Platz zu machen, der Mensch muß vielmehr ihnen aus dem Wege gehen. Sie leben von den Abfällen, die auf die Straße geworfen werden, und machen sich dadurch, daß sie. die Straßen wenigstens einigermaßen säubern, recht nützlich. Daß sie in einer Art Kommunismus lebe», ist schon oft erzählt worden. Jeder kommunistische Verband hat seinen bestimmten Stadtteil, und jeder Stadtteil hat genau festgesetzte Grenzen. Es wird sich kein Hund in einen Stadtteil wagen, in dem er nicht„beheimatet' ist; tut er es dennoch, so läuft er Gefahr, von anderen Hunden zer- rissen zu werden. Im übrigen sind die Hund« von Konstantinopel die gutmütigsten und ruhigsten Tiere, die man sich denken kann. Sie betrachten jeden, der ihnen auch nur einmal ein Stück Brot gegeben hat, als ihren Freund: sobald sie ihn irgendwo erschauen, schmiegen sie sich an ihn, um ihm die Hand zu lecken und ihn bis zur Grenze ihres Gebietes zu begleiten. Bei Nacht sind sie die besten Nachtwächter. Eine englische Gesellschaft, so erzählt d'Apri- corta im„Corricre d'Jtalia", wollte sämtliche Hunde von Konstantinopel durch eine grosse Razzia zur Strecke bringen und hatte für die Erlaubnis zur Jagd eine halbe Million geboten. Fell und Haare der Hunde sollten verwertet werden, und man versprach sich ein glänzendes Geschäft. Das Gebot der Engländer wurde jedoch rundioeg abgelehnt, nicht so sehr aus sentimentalen Gründen, als aus Liebe zu den alten Traditionen. Die Hunde sind wertvoll auch deshalb, weil sie die Gerber von Konstantinopel sind. Ihr Kot wird sorgfältig gesammelt, da er ein geradezu idealer Gerbstoff ist. Mit dem Einsammeln des KoteS. der getrocknet und zu Pulver zerrieben wird, beschäftigt sich ein ganzes Heer von Parias der Straße. Zur Verwendung gelangt der seltsame Gerbstoff zum größten Teil in den Konstantinopeler Gerbereien; es findet aber auch ein nicht unbedeutender Export statt. Künstliche Blumen. Die hängenden Gärten der Semiramis können kaum schöner gewesen sein als die mit Blüten reich gar- nierten Hüte unserer Damen. Fast die ganze Flora der Welt ist auf den Töpfen vertreten;— sogar die Sonnenblume und die noch größere und berühmtere Victoria regia fehlen nicht. Nur der studierte Botaniker oder erfahrene Gärtner ist imstande, alle die hutschmückenden Blüten richtig zu nennen. Die Fabrikation künst. licher Blumen hat eine staunenswerte Höhe erreicht. Tausende fieißsiger Hände sind unter Leitung botanisch, technisch und künstlerisch geschulter Kräfte bei der Arbeit, um Blumen, Knospen. Blätter und Gräser aus den mannigfaltigsten Stoffen erstehen zu lassen. Noch im 18. Jahrhundert lieferte die Fabrikation, di- als„italienische" bezeichnet wurde, obschon ihr Hauptsitz Paris war, nur Khantasieblumen, denn es genügte, daß daS Gebilde) Dr. Z. 20,—. 8783 und 8784 Kraft- und Ringsportverein»Fortuna II' 16.05. Tischler v. Manske 10,35. Mechanische Werkstatt H. Goetzke, 3. Rate 5,75. Henjchcl 3,—. 3947—3950 Eisengießerei Keyling u. Thomas 69,05. Summa 6103,15. Bisher sind eingeliefert 103 376,91 M.; dazu) kommen 6403,15 M., Summa 109 780,09 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 16 I, Zimmer 23, vor- mittags 9—12'/, Uhr und nachmittags von 4—7'/, Uhr abzuliefern. Die Listen 3395. 3687, 7248, 5282, 5285, 8796 und 1360 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Berichtigung. In Skr. 197 muß es heißen: Von den Konditoren und Arbeitern der Firma Müller Nachf., Stargarder Straße 73 8,30 M., nicht von den arbeitslosen Bäckern. Der Ausschuß der Berliner GewerkschaftLkommissiou. vom kierkrleg. In den Kreisen der Brauer herrscht in der Frage der Preis« erhöhung immer noch keine Einigkeit. Wohl ist bezüglich der Faß« preise dahin Verständigung erfolgt, daß der Aufschlag auf keinen Fall mehr als 2,50 Mark pro Hektoliter betragen soll. Wenn jetzt noch-'wieder verschiedene Wirte für einen höheren.Satz eintreten, dann kommen sie damit auf die zunächst von Wirten und einer Reihe Brauereien vertretenen Bestrebungen zurück. Den Brauereien sollten danach bis 5 Mark zugestanden werden, wenn diese den Wirten Mindestpreise vorschreiben würden, so daß den Konsumenten ein Aufschlag von 7 bis 10 Mark aufgezwungen werden konnte. Verschiedene der größeren Brauereien wollten für solche Politil sich nicht erwänneu. Man wäre auch Wohl noch gleich unter den Satz von 3,60 M. heruntergegangen, wenn nicht die Schultheiß-Brauerei sich widersetzt hätte. Trotzdem liegt aber die Situatton so, daß die Brauereien auch mit 2,00 M. sich begnügen werden, wenn die Wirte geschlossen jede weitergehende Forderung ablehnen. Melden sich nun aber Stimmen, wie in der am Freitag abgehaltenen Versammlung des Vereins Berliner Gastwirte, wo man einem Preisaufschlage von 3,50 M. für die Brauer das Wort redete, dann werden natürlich die Brauer auf 2,50 M. beharren. Die Biertrinler aber wissen dann auch, daß sie Wirten die Verteuerung zu verdanken haben. Die Brauer wären sicher schon mit dem Vor- schlage eines AuffchlageS von 2,50 M. an die Wirteorganisationen herangetreten, wenn nicht noch Unstimmigkeiten in der Frage deS Flaschenbierpreises beständen. In dem schon mehrfach er- wähnten Vertrage der Ringbrauereien war ein Mindestpreis von 2,70 M. pro Kasten— 30 Flaschen— vorgesehen. Verschiedene Brauereien wollen den Preis aber so halten, daß der Händler den Kasten für 3,00 M. abgeben kann. Deshalb soll der Preis auf höchstens 2,50 M. pro Kasten festgesetzt werden. Das würde immer noch einem Aufschlage von 2,50 M. pro Heltoliter entsprechen. Die Schultheiß- Brauerei will aber einen Mindestpreis von 2,60 M. festgesetzt wissen. Die Konsumenten werden sich das natürlich merken. Die Wirte haben in der Frage der Bierverteuerung schon viel verschuldet, aber trotz« dem sind sie auch jetzt noch in der Lage, jeden über 2 M. pro Hekto« liter hinausgehenden Aufschlag zu verhindern. Tun sie tS nicht, müssen sie auch die Folgen tragen I Die Kölner Wirtevereinigung hielt am Freitag eine Versammlung ab, in der mitgeteilt wurde, daß die Brauereien nunmehr statt 5 M. 4 M. Preiserhöhung verlangen. Die versammelten Wirte erklärten, daß sie auch den jetzt ermäßigten Betrag nicht zahlen werden. Sie wollen höchstens den durch die Steuererhöhung bedingten Preis- aufschlag bewilligen. Da die Brauereien gegen Zahlung einer hohen Konventionalstrafe verpflichtet sind, an leinen Kunden von anderen Brauereien Bier zu liefern, so dürfte nunmehr ein scharfer Bierkrieg gewiß sein. Die Gastwirte haben bereits Verhandlungen wegen Gründung einer großen Genossenschaftsbrauerei aufgenommen, die dem Ab« schlusse bereits nahe sein sollen. blumenähnlichen Charakter zeigte. Damals wurde auch noch viel ein Material benutzt, das jetzt nicht mehr verwendet wird: die feinen Häutchen, die die letzten zusammengeleimten Fadenlagcn der CoconS bilden. Aus den abgelösten Häutchen wurden, nach- dem sie sortiert und gefärbt oder bemalt waren, die Blumenblätter ausgestanzt und modelliert, um dann mit Klebstoff oder Draht verbunden zu werden. Auch Berlin hat schon damals in solchen italienischen Blumen Absatz gehabt, denn eine 1769 angelegte Fabrik brachte es bis 1782 von 90 auf 175 Arbeiterinnen und auf einen jährlichen Fabrikationswcrt Pen 24 000 Talern. Später trat unter Anführung des Botanikers Seguin, der von der Fa» brikation künstlicher Blumen Naturwahrheit in Formen Und Far- den forderte und dementsprechende Muster vorlegte, jene große Wandlung des Geschmacks ein, die immer mehr zu einer täuschen. den Nachahmung der natürlichen Blumen drängte. Franzosische Firmen schritten voran und suchten mit Hilfe verbesserter Werk- acräte, fein silhouettiertcr Ausschlageiscn und delikat gravierter BSatrizcn dem Verlangen Seguius nach Möglichkeit zu entsprechen. Berlin und Leipzig machten sich diese Bestrebungen gleichfalls zu eigen. Nun sind sie, ebenso wie Paris, schon längst Hauptzentren der Blumenfabrikation für den Weltmarkt geworden. Verhältnis« mäßig schnell geht die meist von Arbeiterinnen geübte Fabri. kation von statten. Mit dem Ausschlageisen werden die Blätter aus dem Material, wie Sammet, Taffct, JaquonettS, Mull, eng- lisch Leder und Papier ausgestanzt, um dann durch Pressung in der Matrize ihre Rippen und Adern und, nachdem sie zuvor dem natürlichen Original entsprechend gefärbt sind, durch Bearbeiten mit heißen Eisen ihre Wölbungen und Krümmungen zu erhalten. Das Vereinigen der einzelnen Blumenblätter und Teile mit Hilfe von Klebestoffcn oder mittels ZusammenwindcnS der einzelnen Drähte, die sorglich umwickelt werden, ergibt dann Blume und Blütenzweig, deren Schönheit die Damen entzückt und den Männern— teuer ist. Notizen. — Die Volksoper im Bcllealliancetheather gab am Frei- tag vor gutbesetztem Hause Verdis„Traviata'. Was man auch vom musikalischen oder allgemein ästhetischen Standpunkt über diese Oper aus der ersten Periode des bis ins späteste Alter entwickelungS- fähigen Meisters sagen mag: dem Publikum gefielen Musik und Darstellung. Um die letztere machten sich besonders die Darstellerin der Violetto, Frau F r e a s e- G r e e n und Germont Vater. Herr August Körner, verdient. Frau Frease- Green besitzt ein schönes, wohlgebildetes Organ und temperamentvolles Spiel und Herr Körner wenigstens einen herbkräftigen Baßbaryton. Minder gefiel uns Herr Rolf als Germont junior; sein Tenor flackert allzusehr und entbehrt des männlichen Timbres.— Hoffentlich bewegen sich die Darbietuiigen des jungen Unternehmens in auf- steigender Linie; der Sympathien des Publikums dürste e» dann sicher sein.— b— Die mecklenburgische Generaleisenbahndircktion in Schwerin bat ebenfalls zu dem Bierkriege Stellung genominen. Sie wendet sich gegen die Bahnhofswirte, die eigenmächtig erhöhte Bierpreise fordern oder kleinere Schankgefäße eingeführt haben. Die Wirte werden aufgefordert, bis zur Neufcststellung der Preise, die sich die Generaldirektion vorbehält, die bisher vorgeschriebenen Schankgefäße und Preise nicht zu ändern. Tins der Partei. Der Vormarsch der tschechischen Sozialdemokratie. Dem am Sonntag in Prag-Smichow zusammentretenden Par» teitage der tschechischen sozialdemokratischen Partei liegt ein aus- führlicher, vom Sekretär, Genossen B r u h a, erstatteter Bericht vor. Er umfaßt die Zeit seit dem Parteitage von Weinberge im Jahre ISOö bis Ende Juni 1009, also zwei Jahre und 19 Monate und zeigt, daß die Partei in dieser Zeit trotz der wirtschaftlichen Krise und trotz der in diesen Jahren wieder im großen Stile bc- triebenen chauvinistischen Hetze einen erfreulichen Auf« s ch w u n g genommen hat. Im Jayre 1906 wurde berichtet, daß die Partei 1517 Lokalorganisationen besitze, von denen 1376 ihren Per- pflichtungen nachkamen und insgesamt 99 000 Mitglieder zählten. sDie politische Organisation ist nicht auf politischen Vereinen auf- gebaut, die in Oesterreicht nicht miteinander in Verbindung treten dürfen, sondern auf losen örtlichen Organisationen, die aber ein regelrechtes Vereinsleben führen.) Nunmehr tveist der Bericht 2462 Lokaloraanisationen, davon 1850 in Böhmen, 324 in Mähren, 69 in Schlesien, 123 in Nieder- und 6 in Oberösterreich. Diese verteilen sich auf 28 Kreisorganisationen. Die Zahl der politisch organisierten Genossen ist auf 116 762 gestiegen, von denen 91 794 in Böhmen, 16 897 in Mähren, 4802 in Nieder- und 289 in Oberösterreich organisiert sind. Da eine Reihe von Organisationen nicht berichteten und im Juni 1909 bei der Partcikasse die Beiträge für 148 535 Genossen einliefen, schätzt der Bericht die Gesamtzahl der organisierten Genossen auf rund 13000 0. Die Partei entwickelte auch eine rege Versammlungstätigkeit. In der 34monatigen Berichtsperiode wurden insgesamt 57 103 öffentliche und nichtöffentliche Vereins- und Wählerversammlungen abgehalten. Davon wurden 783 verboten oder behördlich aufgelöst. Die Presse macht ebenfalls gute Fortschritte. Die Partei ver- fügt jetzt über 25 politische Blätter, von denen drei täglich, eins dreimal, zwei zweimal und neunzehn einmal wöchentlich erscheinen. Andere Parteiblätter erscheinen neun, darunter eine Wissenschaft- liche Monatsschrift(„Akademie"), ein sehr vornehm ausgestattetes illustriertes Unterhaltungsblatt und zwei Witzblätter. Genossen- fchaftsorgane erscheinen in tschechischer Sprache 43. Ferner sind noch im sozialdemokratischen Sinne redigiert ein Organ für Häusler und Kleinbauern, eines für Gewerbetreibende(beide sind Organe von Verbänden sozialdemokratischer Kleinbauern bezw. Gewerbe- treibenden), eines für Konsumvereine und eines für Staats-, Landes- und Kommunalbeamte. Der Parteiverlag gab Bücher und Broschüren in einer Gesamtauflage von 530 000 heraus. Es wurden >168 000 Kalender und 80 000 Maifestschriften abgesetzt. Recht hoch ist das Strafkonto der Partei. Wegen ihrer politischen Tätigkeit wurden in den 34 Monaten 1845 Genoßen verfolgt, von denen 508 freigesprochen und 1337 zu insgesamt 12 Jahren 8 Monaten und 4 Tagen Freiheits- und zu 6293 Kronen Geldstrafe verurteilt wurden. Die Genossen beteiligten sich an 786 Gemeindetvahlen und er» rangen in 564 Fällen Erfolge. Insgesamt gibt es 1621 tschechische sozialdemokratische Gemeindevertrcter, darunter 15 Gemeindevor- steher.(Schulzen)._ Die Wirkung des Boykotts. i «— Au» Burscheid wird berichtet: In der..WermelSkircher Zeitung" befindet sich folgendes Inserat: Bekanntmachung. Durch den von sozialdemokratischer Seite gegen den Gast- Wirt Wilms ausgeübten Terrorismus bestehend in den Tatsachen verdrehenden Zeitungsnachrichten, Flugblättern und Poftenstehen ist es gelungen, da? Saalgeschäft des Herren Wilms stark zu be- einträchtigen und dadurch das dort gastierende erstklassige Kölner Burleskentheater finanziell ganz erheblich zu schädigen, und das alles, weil Herr Wilms seinen Saal den Sozialdemokraten ent- zogen hat. Wir richten deshalb an alle patriotischen Kirmes- besucher die dringende Bitte, diesem sozialdemokratischen Druck einen Gegendruck zu versetzen, und muß deshalb heute, morgen und Mittwoch die Parole lauten:„Ins Deutsche Haus", damit dieser Saal von den Sozialdemokraten nicht wieder gewonnen wird. Mehrere patriotische Bürger, die sich freuten, der Sozial- demokratie einen Saal entrissen zu haben. Das ist eine Anerkennung der Disziplin der WermelSkircher sowohl, wie der auswärtigen Arbeiterschaft, wie man sie sich besser gar nicht wünschen kann! Dieselben Patrioten aber, die den Mann heute gegen den sozialdemokratischen Terro. riSmuS in Schutz nehmen, vereitelten demselben vor Jahresfrist mit dem niederträchtigsten Mittel der Denunziation ein Militärronzert. Und das alles, weil Herr Wilms seinen Saal den Sozialdemokraten zur Verfügung stelltet l Das war Terrorismus in der schmutzigsten Formt t poKrellllbeo» OerlchtUcbeo ukw« Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung zweier Grubenbeamten von Zeche«Ein- tracht Tiefbau" wurde Genosse Pierenkaemper vom Bochumer „Volksblatt" vom dortigen Schöffengericht zu 100 M. Geld- strafe verurteilt. Er hatte aus Anlaß eines Unfalles auf genannter Zeche, bei dem ein Bergmann umS Leben ge- kommen, geschrieben, daß das Unglück nicht hätte kommen können, wenn alles in Ordnung gewesen wäre. Zugleich war mitgeteilt worden, daß die Bergleute sich über eine alles Maß überschreitende Antreiberei deS betreffenden Hilfssteigers beklagten. Obwohl das letztere erwiesen wurde und feststeht, daß die Antreiberei die Ver. mehrung,, von Grubenunglücken zur Folge hat, und obwohl in der Bemerkung über die mangelhafte Ordnung keine Namen genannt waren, kam das Gericht doch unter Versagung deS Schutzes des 193 zur Verurteilung nicht nur wegen Beleidigung des Steigers, sondern auch wegen Beleidigung eines Neviersteigerö und Sei Betriebsführers. Wegen Beleidigung eines Fabrikanten wurde Genosse Hey von der»SchleSwig-Hol steinischen VplkSzeitung" zu Kiel zuLlloM. Geldstrafe verurteilt. fugendbewegiitig. Sozialistische Jugend. — 22„Volkskin deren" aus Gent(Belgien) im Alter von neun bis dreizehn Jahren weilten in dieser Woche zum Besuch in K ö l n. Als..Volkslinderen" bezeichnet man jene Arbeiterkinder, die systematisch im sozialistischen Geiste erzogen werden. Mit Spiel, Gesang und leichtfaßlichen Vorträgen wird bei den Kindern be- gönnen. Man lehrt sie, daß die Feinde nicht im Auslande sitzen, sondern als kapitalistische Ausbeuter im eignen Lande herrschen, daß auch jenseits der Grenze unsere Brüder wohnen. Die Erziehung wird später in der eigentlichen Jugendorganisation fortgesetzt, bis die Kinder in einem solchen Alter sind, daß sie in die Parteiorgani- satioy, die Genossenschaften usw. eintreten. Die belgischen Ge« Nossen wollen auf diese Art dem systematischen Jugendfang der Klerikalen entgegenwirken, und sie führen diese Absicht energisch durch. Seit zwölf Jahren machen die„Volkskinderen" in den Schul- ferien Ausflüge ins Ausland: nacki Frankreich, Holland, Luxemburg usw. Diesmal war Deutschland an der Reihe. Die Kosten bestreiten die Eltern durch Ersparnisse. Die Kinder wohnen unentgeltlich bei den ausländischen Genossen der zu besuchenden Städte. In Köln überwogen die Meldungen derjenigen, die die Kinder und ihre erwachsenen Führer aufnehmen wollten, den Be- darf um das das Vielfache. Die Hauptführung hatte Genosse Bogaertz, Chefredakteur des Gentcr„Vooruit'. ES war ein> herzerfrislh:ndcr Anblick, die mit roten Schleifen und Bändern ge- schmückten Kinder unter Trammelschall durch die Stadt ziehen zu sehen. Sie besuchten alle Sehenswürdigkeiten und machten eine Rheinfahrt ins herrliche Siebcngebirge. Außerordentlich bemerkenswert war der BegrüßungS» a b e nd im Kölner Volkshause. ES war gerade am Sedantage, und Genosse Bogaertz nahm Veranlassung, unter speziellem Hin- weis auf Viesen Tag die internationale Verbrüderung zu feiern. Dann sangen die Kinder, deklamierten, führten Spiele, lebende Bilder und dergleichen auf, und schließlich sangen sie auf der Bühne die Internationale, und zwar mit so packender Wirkung, daß sie das Lied wiederholen mußten. Und nun fielen alle Besucher in den Gesang mit ein, und mächtig durchbrauste das Kampflied den Saal. Hua Industrie und k)andel. Arbeitslosigkeit, Steuerdruck, LebenSmittelteuerung. Die Verteidiger der indirekten Steuern, die Apologeten der Zollwucherpolitik, die LiebeSgabenemter, sie haben erfolgreiche Arbeit hinter sich. Erfolgreich nach zwei Richtungen. Für sich haben die Nutznießer der von Konservativen, Großindustriellen und Ultra- montanen betriebenen Wirtschaftspolitik Millionenbeute ergattert, dem Volke sind immer neue Lasten aufgebürdet worden. Die außer- ordentlich hohen Lebensmittelpreise während der Hochkonjunktur ver- teidigte und erklärte man mit der steigenden Kaufkraft der Be- völkerung und der starken Nachfrage; jetzt, wo die Arbeiterschaft schon lange unter den Folgen der Krise leidet, wo sie ihren Konsum hat einschränken müssen, weil die Einkommen zurückgingen, sinken aber die Lebensmittelpreise nicht, im Gegenteil, teilweise stehen sie heute sogar höher als in der Zeit besserer Wirtschaftslage. Dieser Tage gaben wir einen Ueberblick über die Steigerung der Brotpreise, jetzt lassen wir einige Angaben folgen über die Veränderung der Preise verschiedener anderer Lebensmittel. Es kosteten nach den Angaben der städtischen Markthallendirektion in Berlin Anfang September: Höchstpreise Schweine... 50 kg M Landeier unsort. Schock. große.. Butter I.,, 50kg, . II..... abfallende 1907 67 3,80 4.00 120 117 95 Jetzt hat der schwarzblaue Block 1903 67 8,60 4.50 123 119 104 dafür 1909 77 4,20 4,80 123 113 103 gesorgt, in 1909 höher gegen 1907 14,92 Proz. 10,52, 20,00. 6,66, 8,42' daß dem Volk Bier, Kassee, Tee, Streichhölzer auch noch ordentlich verteuert werden. Was die Arbeiterschaft in mühevollen Kämpfen dem Unternehmertum abringt, das jagen ihr die Beutemacher auf dem Wege politischer Schnapphahnerei zum großen Teile wieder ab. So wird'S bleiben so lange noch große Massen Proletarier den bürgerlichen Parteien Wahlgefolgschaft leisten._ Krise und Großindustrie. Ueber die Verhältnisse in der Eisen- Großindustrie macht die Handelskammer zu Bochum u. a. folgende Angaben: Der Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation erzielte im Kalenderjahre 1903 eine Verminderung feines Umsatzes um zirka 9 Proz., während sich der DurchschnittSerlöS uni zirka L>/g Proz. erhöhte. Aus der ersten Hälfte des JahreS 1903 lagen noch einige ältere Aufträge zu guten Preisen vor. Immerhin zeigt das Resultat, daß die Werke sich— auf Kosten der Löhne— einen guten finanziellen Abschluß sicherten. Die Westfälischen Stahl- werke A.-G. in Bochum hatten im Kalenderjahre 1903 einen Umsatz von 11'/, Millionen Mark. Die Zahl der Arbeiter belief sich aus 1562 gegen 1304 im Jahre 1907. Der Schalker Gruben- und Hüttenverein hatte eine Produktion von 273 397 Tonnen im Werte von 24,83 Mill. M. DaS Gußstahlwerk Witten hatte 1908 eine Produktion von 11.72 Mill. M. nnd 1471 Arbeiter gegen 1741 in 1907. Das Drahtwalzwerk Boecker u. Co. in Gelsenkirchen- Schalke hatte in 1903 eine Produktion von 43 872 Tonnen im Werte von 8,47 Mill. M. Die Witlener Stahlröhrenwerke A.-G. hatten einen Umsatz von 5,77 Mill. M. Infolge des Rückganges der Beschäftigung wurde die Erzeugung derart zusammengefaßt, daß die Wittener Betriebe im wesentlichen voll beschäftigt blieben, während auf dem Schalker Werke Einschränkungen des Betriebes und auch der Arbeiterzahl vorgenommen wurden. Weiter heißt es in dem Bericht der Handelskammer, es werde darüber geklagt, daß nach Auflösung des RoheisenshndikatS manche Hochofenwerke von den Eisengießereien verlangten, bei ihnen ihren Roheisenbedarf zu hohen Preisen zu entnehmen, andernfalls sie den Gießereien ihre Be- stellungen in sonstigen Eisengußwaren entziehen würden. Soweit Angaben vorliegen, zeigt sich ein nicht unbeträchtlicher Rückgang in der Arbeiterzahl._ Großkapitalistische Industrie. In Deutschland haben wir rund 100 chemische Gesellschaften mit einem Aktienkapital von 840 Millionen Mark. Von diesen 840 Millionen Mark besitzt der größte Konzern— Elberfelder Farben- fabriken— Badischo Anilin- und Sodafabrik— Anilinfabrik Treptow — allein rund 160 Millionen Mark. Dann kommen noch einige andere Konzerne, wie Höchster Farbwerke— Casella u. Co. usw., die wieder alle innerliche Jnteressenverbindungen mit den anderen Konzernen eingegangen find. Einen kleinen Einblick in die organisatorische Tätigkeit der großen Konzerne mag die nachfolgende Zlisammenstellung geben. Der schon genannte Konzern Elberfeld— Badische Anilin— Treptow hat die Kohlenzeche Auguste Vittoria erworben. Man will im Kohlenverbrauch von den Shndikatspreisen unabhängig sein. In Norwegen hat die Interessengemeinschaft eine Gesellschaft ins Leben Serusen, die den ausschließlichen Zweck hat. die Patente der Badischen nilinfabrik für die Gewinnung von Stickstoff aus der Lust mittel« der billigen Wasserkraft zu verwerten. Das Unternehmen besteht au« zwei Gesellschaften, der Kraftaesellschaft mit 16 Millionen Mark, und der eigentlichen Salpetergefellschast mit 18 Millionen Mark Aktienkapital. Ebenso hat man in England eine Fabrik gegründet. Dasselhe gilt vom Konzern Höchst— Casella. Die? sind einige Beispiele von dem AuSdehnungSdraug der chemischen Industrie. DaS schweizerische Schnapsmonopol. Im Jahre 1908 hat das schweizerische Schnapsmonopol einen Ueberschutz von 5 920 000 Fr. erzielt, wovon 6 918 541 Fr. an die Kantone— 1,80 Fr. pro Kopf der Bevölkerung— verteilt werden. Seit 1837, in welchem Jahre das Monopol errichtet wurde, hat eS einen Gesamtüberschuß von 130 654 729 Fr. abgeworfen, wovon an die Kantone 123 573 279 Fr. verteilt wurden, die ein Zehntel davon zur Bekämpfting deS AlkoholiömuS verwenden sollen. Im Jahre 1908 kamen ans den Kopf der Bevölkerung 4 Liter SchnapS, was bedauerlich viel ist. Die Monopolverwaltung beschäftigt insgesamt 81 Personen._ 18 809 44 881 75 370 Soziales« Die Ursachen der Betriebsunfälle. Eine wirksame Bekämpfung der Unfälle in Industrie und Landwirtschaft wird durch die genaue Kenntnis der Ursachen der Unfälle jedenfalls sehr erleichtert. Die Unfallverhütungsmaß- nahmen haben sich in erster Linie auf jene Vorgänge und Ar- beitsgelegenheiten zu erstrecken, welche die meisten Unfälle zeitigen. ES ist anzuerkennen, daß die einschlägige Statistik durch die Berufsgenossenschaften ziemlich ausgestaltet ist. Die entschädigten Unfälle, also diejenigen, welche eine Er» werbsbcschränkung der Verletzten auf länger als 13 Wochen zur Folge hatten, ereigneten sich(nach Prozenten der Gesamtzahl dieser Unfälle) bei den gewerblichen PerufSgenossenschaften durch: L Motoren, Transmissionen, Arbeits« Maschinen und sonstige maschinelle Vorrichtungen........ 2. Fahrstühle, Aufzüge, Krane, Hebezeuge 3. Dampfkessel. Dampfleitungen, Wasser- dämpfe........... 4. Sprengstoffe(Explosionen usw.).. 5. Feuergefährliche heiße und ätzende Stoffe, Vergiftungen...... 6. Zusammenbruch, Einsturz, Herab- und Umfallen von Gegenständen... 7. Fall von Leitern, Treppen, in Ver« ttefungen usw......... 8. Auf- und Abladen, Heben und Tragen 9. Durch Fuhrwerk und Wagen... 10. Eisenbahn und sonstigen Bahnbetrieb 11. Schiffahrt und Verkehr zu Wasser. 12. Durch Schlag. Stoß und Biß von Tieren........... 18. Durch Handwerkszeug und einfache Geräte........... 14. Sonstige Vorgänge....... Absolute Zahl der Unfälle...... Die Veränderungen, die im Laufe der Jahre in den Ursachen der zu entschädigenden Unfälle eingetreten sind, sind sehr intcr- essant. Abgenommen hat verhältnismäßig die Zahl der durch die Maschinen, Dampfkessel, Sprengstoffe, Schiffahrt usw. hervor. gerufenen Unfälle, zugenommen dagegen die der durch Aufzüge, Heben und Tragen, Fuhrwerk usw. entstandenen Verletzungen. In der Landwirtschaft sind ähnlich« Tendenzen zu beobachten. Hier erhöhte sich die Zahl der durch Fall von Leitern, in Ver- tiefungen usw. entstandenen Unfälle in der Zeit von 1838 auf 1907 von 26,1 auf 28,4 Proz., die durch Auf- und Abladen und Tragen von Lasten entstandenen von 2,4 auf 9,0 Proz.(!) usw. Vermindert hat sich die Zahl der durch den Fahrbetrieb hervor. gerufenen Unfälle von 25,2 auf 18,0 Proz. und die durch Motore und Maschinen entstandenen von 11,4 auf 8,1 Proz. Die Zahl der durch Tiere hervorgerufenen Verletzungen ist gleich geblieben. Es ist also unrichtig anzunehmen, daß heute in erster Linie der maschinelle Betrieb die Ursache der Unfälle bildet. Nur in rund ein Fünftel aller Unfälle in der Industrie und ein Zwölftel in der Landwirtschaft sind durch die verschiedenen ArbeitSmaschinen verursacht. Die mit der Beförderung von Gegenständen vor- bundenen Arbeiten, die Beschäftigung an Fahrstühlen, Kranen, mit Fuhrwerk usw. setzen den Arbeiter beständig erhöhten Ge- fahren aus. Hier die menschliche Tätigkeit auszuschalten Und immer mehr durch die der Maschine zu ersetzen, muß eine Hauptaufgabe der Unfallverhütung sein. Bemerkt sei noch, daß relativ d>e Zahl der Unfälle pro 1000 Arbeiter sich in der Industrie von 1888 auf 1907 von 4,4 auf 8,3 und in der Landwirtschaft von 1.6 auf 5,6 vermehrt hat, eine kolossale Steigerung, die aber wie gesagt nicht auf die vermehrte Anwendung mechanischer Kraft, sondern Neben den sonstigen ge- nannten Ursachon vor allem auf die ständig steigende Intensität der Arbeit zurückzuführen ist. Aerzte und BcrilfSsrnossenschaften. Der Präsident des ReichsverfichcrungSamteS, Dr. Kauf. mann, erläßt eine interessante Rundfrage an die BerufSgenosscn- fchaften über ihr Verhältnis zu den Acrztcn. Aus den Kreisen der UnfallversichcrungSträger sei angeregt worden, auch ihr Ver- hältnis zu den Aerzten in der ReichSversicherungSordnung näher zu regeln. Die BerufSgenoffenschaften befürchten also, daß auck ihnen die Herren Aerzte eines schönen TageS die Gefolgschaft auf. kündigen werden. Für den Staatssekretär deS Innern wäre daher von Wert, wie cS m der Rundfrage heißt, zu erfahren: 1. wie sich die Berufsgenossenschaften bisher die ärztlichen Gutachten bc- schaffen; 2. in welchen Fällen diese Gutachten und von wem nach- geprüft werden; 3. wie sie die ärztliche Heilbehandlung gewähren; 4. wie die Mitwirkung der Aerzte bei den Nachrcvisionen sich ge- staltet? Von besonderem Interesse sei eS zu erfahren: 5. inwie- weit Vertrauensärzte bestellt sind oder dem Versicherten die freie Wahl des Arztes überlassen ist? Ob bei Abschluß von Verträgen Aerzteorganisationen mitwirken, welche Grundsätze bei Festsetzung der Kosten für ärztliche Hilfe vorherrschen, ob schon Streitigkeiten und Beschwerden seitens nicht berücksichttgter Aerzte und deren Organisationen vorgekommen wären, ob der jetzige Zustand bei- behalten werden sollte oder worin eine Aenderung anzustreben sei? Hervorgehoben wird zum Schluß, ob speziell§ 69 Absatz 3 des Gewerbeunfallversicherungsgesetzes geändert oder beibehalten werden soll. Es beißt da unter anderem, daß vor Festsetzung der Rente»der behandelnde Arzt gehört" tverden soll. Der Minister will nun auch wissen, ob sich in der Praxis Schwierigkeiten hier- aus ergeben haben, die Aerzte sich weigern oder in der Honorar- frage bestimmte Regelung eintreten sollte? . Die Anworten der BerufSgenossensckvften werden eben lauten, daß der seitherige Zustand„ideal" sei und beibehalten werden müsse. Daß sie auch künftig das Recht haben müssen, ihre eigenen Vertrauensärzte selbst zu ernennen und zu bezahlen, ohne daß die Aerzteorganisationen drein zu reden haben. Alle Berufsgenossen- fchaften haben ja ihre Vertrauensärzte und von eine»„freien Arztwahl" der Unfallverletzten kann doch wahrlich keine Rede sein. Schwierigkeiten aus§ 69 des G. U. G. werden sich insofern ergeben haben, als die meisten Berufsgenosscnschaften den behandelnden Arzt gar nicht„hören", sondern einfach die Rente nach dem Attest ihres Vertrauensarztes festsetzen und wenn sie den behandelnden Arzt wirklich„gehört" haben, auf dessen Gutachten pfeifen. Daß dann anderseits wieder zahlreich« Aerzte die Anfta«n der Berufs- genoffenschaften sehr lange unbeantwortet liegen lassen die Ver» letzten unter Umständen dann lange warten müssen, ist auch er- wiesen. Wir sind neugierig, wie der Minister die Arztfrage bei den BerufSgenoffenschaften regeln will, zumal ja den Verletzten selbst keinerlei Rechte auf die Verwaltung der Genossenschaften eingeräumt werden soll. Diese Frage wäre wohl diel wichtiger als die ganze Rundfrage, die schon Ende August dieses Jahres„eil- fertig" beantwortet fein mußte. Wozu sie Geld habe». Wie die klerikale Presse mit Genugtuung konstatiert, läßt der frühere ReichStagSpräfident Graf Ballestrem zum Andenken an seinen bei einer Automobilfahrt verunglückten Sohn in Lostau eine katholische Kirche nebst Pfarrhaus u» Werte von 800 000 Marl erbauen. Ob das Geld nicht viel besser angewendet würde, wenn der schwerreiche Graf damit WohlfahrtScinrichtungen für arme alte Arbeiter, die ihm ja die kolossalen Mittel schafften, schaffen würde. Denn bekanntlich herrschen auf den ausgedehnten Grubenrevieren und Gutsbezirken des Grafen Ballestrem unter den Arbeitern keineswegs ideale Zustände. Vi. Wahlkreis. Dienstag, den 7. September 1900, abends S1/* Uhr, in Fritz Wllkes FestsiUcn, Brunnenftr. 188: Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1 Die politische Lage. Rcserent: Genosse Max Grunwald. 2. Freie DiZkusston. 230/7» Der Einberufer:«i. 0»iim»nn, Ackerstr. 17. �ugelläsuzzeliuk kür Groß-Berlin. MT Heute abend 7 Uhr:*V(B Große Jttgendversttminlttng im Gewerkschaftshause, Engelufer IS. Vortrag dcS SchriststellerS Selnrloh Sehnlz Nach dem Vortrage: Gesellige Unterhaltung. Zu dieser Versammlung sind alle Lehrlwge, jugendlichen Arbeiter und Arbeuerinnen eingeladen._ 287/18 Verwaltung Berlin. Montag, den«.September: Mitglieder- Uersammlnngen €lfchl€l*9 Bezirk Südoftcn i u. 2 um S1/, Uhr(gleich nach Feierabend) in der„Urania", Wrangelsir. 11. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deö Kollegen Daraerv über:»Die Gewerkschaften nach der Krise». 2. Bericht von der General- Versammlung. 3. VcrbandSangelegenheiten. Clfchlct*} Bezirk Bilden um B'l, Uhr(gleich nach Feierabend) im„Markischen Hof", Admiralstr. 18o. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. L. Wahl der Beitragsammler. 3. VcrbandSangelegenheiten. um 8 Uhr in den„�»dreas-Festsillen", AndraSstr. 31. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Ver- bandSangelegenheiten.________ 89/4 Perlmutt-, yorn- u. Steinnuß-Arbeiter und Arbelterinnen «m 6 Uhr sglelch nach Feierabend) im„Gen-erKseltaltshans", Engelnfer 14/15(Saal V): TageS-Ordnung: 1.„Der Ablauf des Perlmutt- und Knopf» arbettertarifeS und unsere Aufgaben». Rcserent: Kall. Laopold. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. VcrbandSangelegenhetten. Leftergerüstbauer. Unsere letzte Branchen- Versammlung vom 26. Juli fable den einstimmigen Beschluß, dag von jetzt ab regelmäßig jeden 2. Sonntag im Monat unsere Vranchen-Versammwng staltstnden soll. Demgemäß findet am Svttntag, den IS. Sepien, ber, vormittags 10 Uhr» = Branchctt-VcrfammlMttg= im Englischen Garten, Alcxanderstraße 27c, statt 62/12» TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Ausgabe der LcgitimationSIarten. PlW Kollegen I Wir erwarten einen recht zahlreichen Besuch. Marken sär die Unierstützungskasse können in der Versammlung entgegengenommen werden. Die Sertionsleitung �_(Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht.) Montag, den 13. September 190». abendS 8 Uhr; Ordentliche Leneralverlammlung in Drapps Festsälen, Tegel, Bahnhofstrafse 1. TageS-Ordnung: ............. 8. Genehmigung der ..............„.._____________________ Seneilung«. planes. 4. Wahl eines Vorstandsmitgliedes und von vier AussichtSratS- Mitgliedern. 6. VcreinSangelegcnheiten._ 107/19 1. Geschäftsbericht und Bericht deS AussichtSrateS. Dllanz und Sntlaswng dcS Vorstandes. 3. Genehmigung de»� Eintritt nur gegen LegitimationSkarte. >»t Der Borstan Mu l.Ichtsabsrg. Hugo Kölilor Friedrich Hfllle. Der AnfsichtSrat: H. Bsrndl. Arbeiters Samariter»ß» Kolonne für Berlin und Umjgejgendo (Mitglied deS Arbetter-Samarsier-BundeS.) ES beginnt der Kursus in dieser Woche In der 2, �MOÜiiilj) Brmmenstraße 164, am MontüQi 3,„ in SchOneberg, Ärunewaldsir. 110, am DonilfirStag, 4|„ in Elchtonberg, Samartterstr. 11, am OORIiSkStSSi SlnfangSvortrag in jeder Slbteilnng über: �.nn�nntlH(»an des menschlichen Körpers). Unterstützt wird der Vortrag durch Erklärungen am Skelett und Wandtafeln. jM- Einschreibegeld 60 Pf.- Monatsbeitrag 30 Pf. 288/2_________ Der Vorstand. A ♦ Großer Frühstück-, Mittag- and Abendtlscb. ♦ Mittag mit vier 60 Pf., abends& la oarts in reicher UuSw. zu sol. Preisen. Gr. Fremdenwgi« a Bett 40 Ps. 2 Vereinszimmer(20 u. 60 Pers.) Teleph. SlmtIV 2366. B � ssasan Ritterstraste •mramm Nr. ts». Sopbienstraße 17/18 QuerstraOe der Rosenthaler StraBe— am Hackeschen Markt* Inhaber: Panl Baats— empfiehlt seine von 60—2000 Personen fassenden Säle zu DersammlungenZ Vortrags- tt Kuvstabendm usw. Borztigl. Akustik. Kulant Entgegenkommen. 8opdiell-8s!e lisirrelgvereln Berlin und Umgegend. flehtung! Töpfer träger. Achtunn i Dienstag, den 7. September 1000, abends 8 Uhr: Merordentliche Mitgliecler-Vei'sammlung � TageS-Ordnung: 1. Bericht der Lohnkommlsston. 2. Diskussion. Zg/7» Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eS Pflicht aller bei Töpfern vefchäfiigten Kollegen, in dieser V-rsanimIung zu cr,cheinen._________ Die Lohukommtsston. Konsum-Genossenscbaft Friedenau und Omg. E. G. m. b. H. in Liquidation. _ Elqnldatlons- Bilanz am 4. Jnll 1000. M. An Inventar-Konto 10»/,Ubschr. 99,80 Unkosten-Konto EinrichtungS-Konto 26 Proz. Abschr.. Gehäiter-Konto., Lagerh. Eegadiosche Konto..... Großeink.-Ges.-Konto 1021,85 . 22,50 . 1603,- . 1016,03 . 460,— Sa. 4723,18 M. Per LIeferanten-Rabait-Konto 224,25 m Zinsen-Konto.... 25,90 , Delkredere-Konto... 716,03 , Spez.-ReservesondS-Konto 47,82 „ DiSpositionSsondS-Konto 210,96 , Waren-Konto Bruito-Ge- winn....... 2818,59 , Bilanz-Konto, Verlust. 679.63 Sa. 4723,18 Bllans. M. Jnveniar-Kont»..... 698,30 Kassa-Konto...... 44,45 EinrichtungS-Konto Debitoren-Konto.... Bankeiniage-Konto Groß- rinkaufS-Ges...... Bank-Konto...... Waren-Konto, Warenbestand DariehnS-Konto Großeink.» Grs......... Gewwn« a Verlust-Konto, Verlust....... Sa. 67,60 317,39 638,65 237,36 3310,65 86,60 679,63 6130,43 GeschäfiSanteii- Konto der Mitglieder...... Reservefonds-Konto... Spareinlage-Konto.... Untostcn-Konto(noch zn zahlende Inserate)... Kautions-Konto..... RückvergütungZ-Konto.. Waren-Konto, Warenschuld. M. 3319,70 197,70 247,06 68,— 638,65 18,50 1740.82 Sa. 6130,43 Der Mitgliederbestand betrug mn 4. Juli 1909 245, wie am Schlüsse des letzten GeichästSjahrcs am 30. September 1908. Das Mltglicder-Guihaben betrug am 30. September 1903 281t,— M. am 4. Juli 1909.. 3319,70, mithin mehr.... 508,70 M. Die Hastsumme betrug am 4. Juli 1909 7830,— M., wie am Schlüsse de? letzten Geschäftsjahres am 30. September 1903. Der Mitgliederbestand sowie die Hastsumme ist unverändert geblieben. Die Liquidatoren: 107/13 _ Ewald Günther, Otto Meyer, Gottfried Döhring. mal 4JttafUmd Man/it' cftlefci nuuAt cUti iMuhfUfärnätet Urbin In Dosen zu 10, 20 und 25 Pf. überall erhältlich. 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BERLIN SW., Beuthstr. 10 u. 11, 1,2., 3. Etage amSpIttelmarkt Grösstes und ältestes Institut Berlins. Gegr. 1830. jeder, der sich(Hr den kaafmänn. Beruf ausbilden will, verlange ausführliche, reich illustr. Lehrpläne mit Angabe der Elnteilong, Preise, Daner und ünterrichts- Stoffverteilung der einzelnen Kurse. Der Unterricht In meiner Anstalt wird von 20 Herren, praktisch erfahrenen Kantleuten, akademisch gebildeten und staatlich geprüften Lehrern, und 11 Lehrerinnen erteilt. Eestehrn25Klassenzimmeru.QOerst- Hlsasigo Schrsibnaaschisaeia cur Verfügung. \__ /■ Beginn der neuen Kurse am 5. Oktober. I. Handelskurse für Damen jsbres«. Hslbisbps» und DreimoastsKurso Eur gründlichen theoretischen und praktischen Ausbildung Bis; Buchhalterin, Geschäftsstenographin, Bureaubeamtin, Korrespondentln, Kassiererin, vormittags 9—1 oder 2 Uhr. Mit den Halbjahrs- oder Jahreskursen Ist ein praktisches i ii Vebangakantar(Mus terkontor) verbanden.—— Lebrfiehei Deutsche Bandeiskorrespondenz........ 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In Breslau, dem Zentralpunkt eines großen Gebietes, in dem «die Masse des Volkes vollständig der klerikalen Beeinflussung unter- steht, wo die Zentrumsleuchten Graf Ballestrem, Fürst Pless, Matuschka usw. als Jndustriekönige herrschen, hielt das Zentrum in der letzten Woche seinen diesjährigen Parteitag ab. Es wurde auch über die Frauenfrage gesprochen. Dieser Teil der VerHand- lungen brachte am allermeisten die Lachmuskeln in Bewegung, wurde doch das Thema mehr vom humoristischen Standpunkt aus behandelt. Die Arbeiterinnenfrage interessierte die Herren über- baupt nicht. Nur die Frage des Frauenstudiums veranlasste sie, sich damit zu beschäftigen. Konkurrenzfurcht war wohl das treibende Motiv. Der Referent zum Punkt Frauenfrage, Professor Dr. Faul- Haber, meinte, das brennendste Kapitel in der deutschen Frauen- frage sei wohl die Bildungsfrage, zunächst das akademische Frauen- studium. Aber auch diesen Teil der Frauenfrage behandelte er unter dem Gesichtswinkel, dass der„natürlichste und allgemeinste Beruf" des Weibes der der„Hausfrau und Mutter" sei. Und da die Frauen nicht zwei Berufe ausüben können, so wäre die Argumen- tation schon gegeben: Entweder Mutter oder ausnahmsweise auch noch irgend einen untergeordneten bürgerlichen Beruf. Dass die Herren in Breslau, unter denen sich die bekanntesten Sozialpolitiker des Zentrums befanden, sich mit der Arbeiterinnenfrage gar nicht beschäftigten, könnte Wunder nehmen, wenn nicht Schlesien schon längst als das deutsche Belgien einen gewissen Ruf erlangt hätte. In Belgien, unter der Herrschaft des Klerikalismus, wo Diener der Kirche vielfach Mitbesitzer von Gruben sind, herrscht die furcht- barste Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft in den Bergwerken. In Deutschland kennt man die Frau als Bergarbeiterin fast nur in Obcrschlesien. Im liberal beherrschten rheinisch» westfälischen Industriegebiet kennt man Frauenarbeit auf den Kohlengruben nicht. Was aber das bezeichnendste für ultramontane Arbeiter- freundlicbkeit ist, das sind die Lohnverhältnisse in dem von Zen- trumsgrafen gesegneten Bezirk. Die Teilnehmer des katholischen Parteitages hätten auf den Gruben Anschauungsunterricht nehmen können über den„natürlichen" Beruf des Weibes, wie ihn die frommen Unternehmer dort praktizieren. Nirgends wird die weib- liche Arbeitskraft rücksichtsloser ausgebeutet als hier. Das sei durch die nachsolgenden, amtlichen Berichten entnommenen Angaben der- enschaulicht: Im Oberbergamtsbezirk Breslau waren im Jahre 1908 im obcrschlesischen Steinkohlenbergbau 5315 weibliche Arbeiter beschäftigt, deren Lohn auf eine Schicht 1,25 M. betrug Im nieder. schlesischen Steinkohlenbergbau waren 380 weibliche Arbeiter be- schäftigt, die einen Schichtlohn von 1,63 M. erhielten. Im Ober- bcrgamtsbezirk Halle finden wir für Arbeiterinnen Schichtlöhne von 1,93 im Braunkohlenbergbau und 1,96 Mk im Salzbergbau. Im Oberbergamtsbezirk Bonn werden Schichtlöhne von 1,56 und 1.57 gezahlt. Die höchsten Schichtlöhne werden berichtet vom Salz- bergbau im Oberbergamtsbezirk Clausthal, diese betrugen 2,19 M.; daneben finden wir noch minimale Löhne im Erzbergbau von 1,18 M. und 1,13 M., die sich jedoch nur auf eine kleine Zahl weib- licher Arbeiter, meist jugendlicher, beschränken. Leider geben die amtlichen Berichte nicht im ganzen Umfange Auskunft über die Frauenlöhne. Bei der Gewinnung der Zinkerze sind in Ober- schlesien allein 3133 weibliche Arbeitskräfte tätig, die in die Lohn- stntistik nicht aufgenommen sind. Aus letzterer ergibt sich eine Ge- samtzahl von 6971 Arbeiterinnen, während die Zahl der im Berg. bau Preuhens beschäftigten weiblichen Arbeiter im Jahre 1908 in täglicher Belegschaft 10 831 betrug. Nach der Berechnung der geleisteten Arbeitsschichten ergeben sich Tagclöhne von 1,00—-1ch0 bei 8— 12stündiger Arbeitszeit. Oberschlesien leistet in der Ausbeutung der weiblichen Arbeits- kraft das höchste, wie nicht nur die niedrigen Löhne, sondern auch die grosse Zahl weiblicher Arbeiter im Steinkohlenbergbau und in den ZinMtten bezeugen. Erscheinen im Verhältnis zu dem Tiefstand der Frauenlöhne die Männerlöhne hoch, so sind sie doch, gemessen an den Löhnen in anderen Bezirken, sehr niedrig, und sie geben eine treffliche Illustration zu der oberschlesischen Magnatenherrschaft und zen- trümlichen Arbeiterfreundlichkeit. Folgende Angaben beweisen das. Es erzielten von den über Tage Beschäftigten Löhne: auf eine JahreSlohn verfahrene in Mark Schicht auf 1 Arbeiter Steinkohlenbergbau(Ober« schlesien)...... Steinkohlenbergbau(Nieder« schlesien)...... Oberbergamtsbezirk Halle, Braunkohlenbergbau...... Oberbergamtsbezirk Dortmund, Steinkohlenbergbau.,., Halle, Salzbergbau..., männl. weibl. männl. weibl. 3.07 3,03 US 1,63 912 360 922 195 3,31 1,93 1014 579 3,91 3,62 2,19 1334 1160 511 Der Unterschied zwischen den Männerlöhnen in Schlesien und Westfalen ist zweifellos ganz enorm; so gross, dass der Lohn eines Mannes und einer Frau in Oberschlesien zusammen den eines Mannes in Westfalen nur wenig übersteigt. Ja, berücksichtigt man die Löhne der unterirdisch Beschäftigten, dann ergibt sich folgendes Resultat: Im Durchschnitt verdient ein Bergarbeiter in Westfalen pro Schicht 5,86 M., ein unterirdisch tätiger Bergmann in Oberschlcsicn zusammen mit einer Frau nur 5,29 M. Die Zentrumsgrafen verstehen sich auf die Lohnpolitik. Sie halten es in der Praxis für den natürlichen Beruf des Weibes, auf der Zeche zu arbeiten, damit Mann und Frau zusammen daS zum Unterhalt emer Familie erforderliche Einkommen erarbeiten. Dann kann die Frau im Nebenamt ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter genügen. Die Zentrums-Sozialpolitiker falten die Hände und predigen von dem natürlichen Beruf des WeibeS, der sie nicht aus dem Hause lassen sollte. Ultramontane in Theorie und Praxis k Vernnlcdtes. Der heftige Wirbelfturm, der, wie bereits mitgeteilt wurde, vor- gestern in Scordia auf Sizilien gewütet hat, war, wie weiter aus Catania berichtet wird, von einem heftigen Gewitterregen begleitet. Besonders stark mitgenommen wurde der Stadtteil Santa Maria, in dem die Dächer fast aller Häuser weggerissen wurden. In der Bevölkerung rief das Unwetter panischen Schrecken hervor. Etwa hundert von armen Familien bewohnte Häuser wurden eingerissen. Unter den Trümmern sind vier Tote sowie zehn schwer und etwa vierzig leicht Verletzte hervorgezogen worden. Neue Uedcrschwcmmungcn in Mexiko. Ein in Mexiko ein- getrost neS Telegramm aus Morelia meldet, dass grosse Ueber- schwemmungen gestern erhebliche Teile deS Distrikts Zamora heim- gesucht haben. Infolge eines Wolkenbruchs traten die Flüsse über ihre Ufer und unterwuschen an verschiedenen Stellen die Haupt- und Nebenlinien der Eisenbahn.— In T ula in Mexiko sind durch aber« malige verheerende Ueberschwemmungen 200 Häuser weggeschwemmt worden; zahlreiche Menschen sind umgekommen. Unfall des französischen LuftkreuzcrS„Republique". Der Lenkballon„Republique" erlitt, wie aus Paris gemeldet wird, vorgestern bei Revers einen Motordefekt. Der Motor hörte vollständig zu arbeiten auf, so dass die„Republique" bei Precy landen muhte. Die Landung gestaltete sich äusserst schwierig, da der Ballon vom Winde fortgetricben wurde. Er sti-ss gegen einen Apfelbaum, wurde dabei stark verbogen und musste durch Ziehen der Reissleine entleert werden. Auch die Gondel wurde demoliert. Die Mitwirkung des Luftschiffes bei den Manövern scheint demnach ausgeschlossen zu sein. Die Cholera in Rotterdam. Rotterdam, 4. September. Der Kapitän Jespersen de? norwegi- scheu Dampfers„Hella", der gestern aus Archangel hier eintraf, erkrankte unter choleravcrdächtigen Erscheinungen. Der Erkrankte wurde sofort in eine Baracke geschafft, der Dampfer ist isoliert und desinfiziert worden. Sämtliche Personen, die sich an Bord befanden, sowie etwa 100 Personen, die mit dem Löschen deS Dampfers beschäftigt waren, wurden unter Beobachttmg gestellt. Kapitän Jespersen starb wenige Sttinden nach seiner Einlieferung. Wie aus Amsterdam gemeldet wird, wurde in Middelburg bei einen, Mann der Besatzung eines aus Rotterdam kommenden Dampfers Cholera festgestellt. Amtlicher Marktbericht der städtilchen Marktballen-Dlrektion über den Grohbandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusubr schwach, Keschäst still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp. ffi eich äst lebhaft, Preise fest. Geslügel: Zusubr nicht genügend, Geschält lebhast, Preise gut. Fische: Zufuhr mätzig. Geschalt Icbhajt, Preise hoch. Lütter und Käse: Geschäft still, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zujuhr reichlich, Geschäft lebhast, Preise wenig verändert. WnfferftaudS-Naclirichten der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgelellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Kernel, TUM Pre gel, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Natibor , Krassen , Frankiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, ZZordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Serba , Magdeburg 0+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unlerpegel. Öinsegnungs- ßnjügt Reichhaltigste Auswahl in den neuesten Moden u. Webarten, Kammgarnen, Satins, Cheviots, Drapds, Foules, Meltons u. s. w. Nur eigene Erteugnlssul 36.- 33.— 30.— 28.— 26.— ML 24.- 22.— 20.— 18.— 16.— ML 15.— 14.— 12.— 11.— 10.— ML MfmgS'flnsüge Moderne gemusterte Webarten. Tausende Exemplare neuester Geschmacksrichtungen Nur eigene Erzaugnisse I 33.— 30.— 28.— 26.— 25.— Mk. 24.— 22.— 20.— 18.— 16.— Mk. 15.— 14.— 12.— 11.— 10.— ML . 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Täglich 8 Uhr: �«�nkcl FZ�ohn nkel ohn ggaanfcl �>a-ohn «Tjukel SVohn -��nkel �Z�ohn Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Tolles Caprice.| Mobilisierung. Bnnter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. II— 2. Anfang 8'/, Uhr. I Stadt-Theatef Moabit. Alt-Hoablt 47/4S. Sonntag, den 5. September: ClroBe Ansang der Vorstellung 7 Uhr, Konzert 6 Uhr. Kassencröffnung 5 Uhr. Montag, den 6. September: 8eiree der„Lustigen Sanger". Reichsballen-Theater. Stetto Um Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntag? 7 Uhr. Bninnen-Tlieater Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt. Das Dild der Mutter Volksstück m. Ges. w 3 Akten v. Serien. Kassenerösinung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. m alhalla- Variefe-Thpater 1 Woinbergsweg 19-20, Rosonth.Tor.l Ansang 8 Uhr. Die großartigen I September- Spezialitäten I V.JikoseksTksatsr Direktion- llod. 01». Brunnen Nr in. Mit neuem vergrößertem Personal l Zum erstenmal: Unser Leopold. Große Posse mit Gesang in 4 Sltten. Anfang 7 Uhr, Entree 30 Ps. Nach der Vorst.: Gr. Tanzkränzohsn. 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Montags lO'le Uhr nach soeben beendeter Engro«-8ataon beginnt der Verkauf MTdex neuesten Kerbst-/, Uhr, im Restaurant der Witwe Glaser statt. Tagesordnung: Vereinsangelegenheiten. Bericht über die ÄreiS-Generalversammlung in Nauen, Verschiedenes. Berliner]\acbncbten. In der Urnenhalle. Die Bestrebungen, das unhygienische und zudem den bodenlosen Säckel der Kirchs füllende Beerdigen durch die Leichenverbrennung zu ersetzen, gehen rüstig vorwärts. Die im Bau begriffene Urnenhalle auf dem alten städtischen Fried- Hof an der Gerichts- und Adolfstraße wird mehrere tausend Urnen aufnehmen können. Daneben bleiben natürlich die Urnenhallen im Treptower Park und auf dem städtischen Zentralfriedhof in Friedrichsfelde bestehen. Täglich defilieren Hunderte an den Aschenkrügen von Friedrichsfelde vorüber, und keiner vermag sich des ganz eigenartigen Eindrucks zu entziehen, den diese Sammlung menschlicher Neste auf den Denkenden und Fühlenden ausübt. Außer der Inschrift „Urnenhalle" über dem Eingang verrät nichts die Bestimmung des schmucklosen kleinen Kuppelbaus. Vor der offenen Tür sitzt ein alter Graubart mit der Amtsmütze der städtischen Friedhofsdiener. Höflich fragen wir, ob der Eintritt gestattet ist, und wir werden gern hineingelassen. Ein halbes Dutzend Stufen nur. dann steht man in der einfachen, aber würdigen Rotunde, in der ringsum auf sechs übereinander angebrachten weißen Marmorplatten fast gänzlich mit Aschenurnen bestellt ist. Ueber dreihundert sollen es hier insgesamt sein, nur für höchstens fünfzig ist noch Platz. Gedämpft fällt das Tages- licht von oben herab. Da strahlt in zittrigen Bündeln die lachende Mittagssonne durch das gläserne Dach auf das stille Reich der Toten. Und unwillkürlich erinnert man sich des schönen Wortes, das da draußen dicht bei der Halle auf einem Urnendenkmal steht:„Frühling, Sommer. Herbst und Winter — im Leben und darüber hinaus". Die Mitte der Rotunde öffnet sich hinter einem meterhohen Gitter weit nach unten zu einer Gruft. Auch dort Marmorplatten und Aschenurnen, Namen und Kränze. Auf der Sohle ein einfaches eichenes ZZult für den Trauerredner bei besonderen Anlässen. Doch werden die meisten Urnen ohne jede Feierlichkeit still an ihren Standort gesetzt. Ein kleines Trinkgeld macht den alten Totenwart gesprächig. Er zeigt uns das Bronzerelief des Legründers der Urnenhalle, des im Jahre 1901 verstorbenen Stadtverordneten Mattern. und hoch am Deckenrand die vielsagende Inschrift:„Der Leib in der Urne, der Geist im Licht, das Bild im Herzen— da weichet es nicht". Viele Urnen sind sehr prächtig, manche mit Photographien versehen, andere sehr einfach. Alle tragen das Datum des Todes in Goldbuchstaben. In mehreren Urnen ruht die Asche beider Ehegatten, an einigen fehlt noch das zweite Datum, zum Zeichen, daß der eine Gatte noch lebt. Nur eine einzige Urne weist gar keine Schrift auf. Ihr Inhaber hat sich schon bei Zeiten für seine letzten Neste hier ein beschauliches Plätzchen gesichert. Allzu billig ist das gerade nicht. Die oberste Reihe auf der Marmorplatte kostet für ein Vierteljahrhundert eine Gebühr von 25 M., die bis zur untersten Etage auf 150 M. steigt. Also auch hier noch regiert mit Vorzugsrecht die Stärke des Geldbeutels. Aber auch die Totenreste da oben unter der Decke sind nicht verlassen. Die Angehörigen dürfen, so sonderbar es klingt, eine große Stehleiter benutzen und weilen so in allernächster Nähe des verlorenen Erdenfreundes. Sobald eine Verwandter in solcher Weise die Manen seines Toten ehren will, wird die Halle für kurze Zeit abgeschlossen. Der Ueberlebende ist mit seinem geliebten Toten allein. Viel bemerkt werden etwa ein Dutzend winzige Särge, die in einem Metalleinsatz die Asche enthalten. Unten in der Gruft, die hauptsächlich den Mitgliedern des Vereins für Feuer- bestattung vorbehalten bleibt, sind auch gemauerte Nischen vorgesehen, die nach der Beisetzung der Asche durch eine metallene Nanwnsplatte verschlossen werden.„Da ist unser jüngster Toter," sagte der alte Wärter, auf eine große schwarze Urne zeigend,„ein Referendar, der sich erschoß". Die Kranz- sckNeifen sind noch nicht vergilbt, die Blumen noch nicht ver- dorrr. Und ich sinne inmitten der vielen Totenurnen nach über das große Mysterium, daß vom Menschen mit seinem machtvollen, weltbezwingenden Geist nur ein Häuflein Asche übrig bleibt..-._ Ei» städtisches Nachrichtenburea» will der hiesige Magistrat in Kürze ins Leben treten lassen und damit eine Einrichtung schaffen, die schon in verschiedenen deutschen Städten besteht. Das Nachrichtenamt will durch objektive Mitteilungen tatsächlicher Natur über kommunale Angelegenheiten der Presse und der Bürgerschaft nützen; es will mit dazu beitragen, daß die Bürgerschaft ivahrhcitsgemäß unterrichtet wird über Vorgänge und Maßnahmen der städti- schen Verwaltung Berlins. Diese Absicht ist eine löbliche: wird sie so, wie hier dargelegt, durchgeführt, und das Amt nicht etwa dazu benutzt, in gelegentlichen Fällen Bertuschungs- und Verkleisterungspraktiken zu üben, so kann diese Absicht des Magistrats nur begrüßt werden. Der bisherige Zustand und das bisherige Verhältnis des Magistrats zur Presse und damit zur Berliner Bürgerschaft ist schon längst gänzlich unhaltbar und lag nie im Interesse unserer Stadt. Kaum über ein Gebiet des öffentlichen Lebens wurde in der bürgerlichen Presse soviel Falsches, Schiefes und Un- richtiges verbreitet, wie über das kommunalpolitische und wiederholt haben uns mit der Materie vertraute bürgerliche Stadtverordnete erklärt, daß in Berlin nur ein Blatt vorhanden sei, das gewissenhaft über kommunalpolitische Fragen berichte und das sei der„Vorwärts". Die Art, wie bürgerliche Zeitungen sich Nachrichten über kommunale Vorgänge verschafften, war alles andere, nur keine der Würde der Presse entsprechende. Auf den Korri- doren deS Rathauses lauernd. standen Abgesandte der bürgerlichen Blätter und suchten Nachrichten zu er- gattern, die ihnen oft nach langem Warten De- zernenten bestimmter Verwaltungen so im Vorbeigehen gaben. Aus diesen gelegentlich hingeivorfenen unvollständigen Auskünften wurden dann unter Hinzunehmen einer gehörigen Portion Phantasie Notizen und Artikel fabriziert und den Lesern als Hcilswahrheiten serviert. Zwar gab es auch bisher eine sogenannte magistrats-offiziöse Berichterstattung, die die Presse gegen Bezahlung mit kommunalen Nachrichten versorgte. Diese Berichterstattung war aber in ihrer ganzen Aufmachung so geartet, daß sie von der gesamten Berliner Presse ohne Ausnahme als ein Uebel betrachtet wurde, dessen Beseitigimg dringend erwünscht sei. Ganz abgesehen davon, daß die Be- richterstattung in journalistischer Beziehung auch nicht den ge- rtngsten Anforderungen entsprach, war der Inhalt der verbreiteten Nachrichten durchaus nicht einwandsfrei, was aber nicht hinderte, daß viele Blätter in Er- mangelung von Besserem die Notizen nachdruckten. Dazu kam, daß der Magistratsoffiziosus sich mit der Zeit herausnahm, die Zeitungen oft in der schnoddrigsten Weise zu rüffeln und zu schulmeistern, ohne dabei sachlich Wesentliches zu sagen. Dabei wurde oft selbst dem Magistrat bange vor seinem Verteidiger, der ihm oft mehr schadete wie nützte und oft von ihm abrücken mußte. Nun ist er selbst zu der Ueberzeugung gekommen, daß dieser Zustand einer Stadt wie Berlin unwürdig sei. In einer Konferenz, die dieser Tage zwischen Vertretern der Berliner Presse und Magistratsvertretern stattfand, wurde unter Anerkennung des bisherigen mißlichen Zustandes der Plan der Errichtung eines städtischen Nachrichtenamts, wie oben dargelegt, entwickelt und von allen Seiten sympathisch begrüßt. Hoffen wir, daß die Einrichtung das hält, was man von ihr erwartet._ Zum bevorstehenden Umzugstermin und Herbstreinmachen bringt d«r Zentralverein für Arbeitsnachweis seine kostenlose Ver- Mittelung von zuverlässigem Wasch- und Reinmachpersonal in Er- innerung. Bestellungen werden erbeten durch Postkarte L. bt, Rückerstr. S, oder durch telephonischen Anruf Amt 3, 3791— 3797. Das Bureau ist geöffnet von 7—1 Uhr vormittags. Die Auszah- luiig erfolgt direkt an die Arbeitenden. Es findet kein irgendwie gearteter Abzug statt, der sich bei den Privatreinigungsinstituten auf b9--7S Pf. pro Arbeitstag beläuft. Die Unfehlbarkeit des Schutzmanns. Der Schutzmann ist Herr der Straßel Er darf Dich mit seinem„Weitergehn!" vorwärtstreiben, wann und wo er es für erforderlich hält. Er darf, wenn Du ihm nicht Folge leistest, Dich zur Polizeiwache schleppen und Dir ein Strafmandat besorgen. Den Anordnungen ocs Schuhmanns ist„unbedingte" Folge zu leisten", so fordert eS die polizeiliche Straßenordnung für Berlin in ihrem§ 132. Besonders in dem Kampf der Polizei gegen Streikposten zeigt dieser Unbedingtheitsparagraph sich in seiner ganzen Schönheit. Ein Streikposten ist etwas von vorn» herein Polizeiwidriges, schon durch seine bloße Anwesenheit ver- stößt er gegen die„Ordnung", deren Aufrechterhaltung dem Unter- nehmcrtum nötig ist. Auch wenn er keinem Menschen in den Weg tritt— einem ist er sicher im Wege: dem Schutzmann. Einen Streikposten wegzuweisen, das zählt ohne weiteres zu den Anord- nungen, die ein Schutzmann nach§ 132„zur Erhaltung der Sicher- heit usw." trifft und denen daher„unbedingte Folge" zu leisten ist. Verscbwindet der Streikposten nicht so schleunig, wie der Schutz- mann es fordern zu dürfen meint, so hat er sein Strafmandat weg. 30 M. kann der Frevel kosten, billiger machts die Polizei ge- Wohnlich nicht. 39 M. hatte auch ein Zimmermann Schneider be- zahlen sollen, der von einem Schutzmann zur Wache gebracht worden war, weil er den Streikposten gemacht habe. Die Sache liegt gar manchen Monat zurück, aber sie ist erst kürzlich vom Gericht ent- schieden worden und wird noch im Beschwerdewege weiterverfolgt. Gestreikt wurde gegen Ende des Winters von Mechanikern, die bei der Firma Bosse u. Co., Wiener Straße 43, beschäftigt geivesen waren. Durch die Wiener Straße ging am 8. März, nach- mittags gegen 2% Uhr, Sch. mit einem Kollegen L., beide nach Arbeit suchend. Sch. holte aus einem im Hause Wiener Straße 43 befindlichen Laden ein paar Zigarren, gab vor der Tür seinem Kollegen eine Zigarre ab, und dieser zündete sie sich sofort an. Beide wurden von einem Schutzmann Noack bemerkt, der auf dem Bürgersteig umherstand, um auf Streikposten zu fahnden. Als- bald war eS ihm klar, daß er ein paar Streikposten vor sich habe, und er kommandierte, wcitergehn. Sch. und L. taten das, sie glaubten aber, daß die Polizei ihnen nicht vorzuschreiben habe, wohin sie gehen sollten. Sie begaben sich in baS in demselben Hause befindliche Bierlokal, tranken ein Glas Bier und verweilten dort etwa zehn Minuten. Erst in dem Lokal erfuhren sie, daß hinten in der Fabrik gestreikt wurde. Als sie auf die Straße hinaus- traten, wurden sie sofort wieder von jenem Schutzmann Noack, der sie für Streikposten hielt, aufs Korn genommen. Zu gleicher Zeit trat aber an sie ein wirklicher Streikposten heran, der Arbeitswillige in ihnen vermutete. Geschwind war der Schutzmann zur Stelle, und w.ieder kommandierte er, weitergehen. L. ging ein Stück, drehte sich aber dann um, iueil er sehen wollte, wo Sch. blieb. Da wurde L. arretiert. Sch. hielt es für seine Pflicht, ihn als Zeuge zur Wache in der Liegnitzer Straße zu begleiten. Dort angekom- men, wurden beide belehrt, daß man in ihnen ein paarStreik- Posten erwischt habe. Ihre Versicherung, daß der Streik der Mechaniker sie als Zimmerleute nichts angehe, machte keinen Ein- druck. Es wurden ihnen ihre Papiere abgenommen, darunter auch die Jnvalidcnkarte Schs., die seinen Beruf angab, jeder wurde in eine Zelle gesteckt, und erst nach mehreren Stunden ließ man sie wieder frei. Nicht lange nachher kam das Strafmandat, das ihnen je 39 M. abforderte. Die beiden Zimmerleute, die dem Streikposten der Mechaniker als Arbeitswillige, aber dem auf Streikposten fahndenden Schutz- mann als Streikposten gegolten hatten, beantragten richterliche Entscheidung. Das Schöffengericht Berlin. Mitte (150. Abteilung) nahm die Schutzmannsbekundungen entgegen und sah als durch sie erwiesen an, daß Schutzmann Noack die beiden Jimmerleute durchaus zu Recht als Streikposten der Mechaniker sistiert habe. Sie hätten den Verkehr gehindert, so daß sie im In- teresse der öffentlichen Sicherheit ivegzuweifen waren, die Aufforderung wegzugehen sei aber nicht befolgt worden. Für Sch. ver- blieb es bei der Strafe von 30 M. Dagegen erreichte L., daß ihm die 39 M. auf 3 M. herabgesetzt wurden. So wurde dem Schutz- mann Noack durch Schöffengerichtsurteil seine Unfehlbarkeit bestätigt. Sch. legte aber Berufung ein, und weil er auch die ihm auf der Polizei- wache widerfahrene Behandlung als ungehörig ansah, so richtete er zugleich eine Beschwerde an den Minister des Innern. Auf die Beschwerde wurde geantwortet � vom Polizei. Präsidenten, an den sie zur Prüfung und" Bescheiderteilung überwiesen worden war. Im Auftrage des Präsidenten wurde da von irgendeinem Unleserlich erwidert, daß er die Beschwerde„als unbegründet zurückweife, da die Beamten nur gemäß den gegebenen Bestimmnnge» gehandelt und die geführten Verhandlungen keinen Grund zum Einschreiten gegeben haben," Sch. hatte in keiner Beschwerde nicht nur den Borgana geschildert, der sich auf oer Straße abgespielt hatte, er hatte auch ausgeführt, daß man— trotz seiner Beteuerung, an dem Mecha- nikcrstreik nicht interessiert zu sein, und nach Abnahme seiner Papiere, aus denen fein Zimmermannsberuf hervorging— ihn den Nachmittag über in einer Arrestzelle festgehalten habe, und daß schließlich bei der Entlassung der Polizeileutnant ihm auf seine Klage erwidert habe:„Mitgegangen, mitgefangcn, mitgehangcn." Diese Behauptungen Schs. wurden in der Antwort des Polizei- Präsidenten mit keiner Silbe erwähnt. Hält das Polizeipräsidium sie fiir unwahr, so entsteht die Frage, warum das nicht in dem Bescheid getagt wird. Wer daraus schließen will, daß sie dem Polizeipräsioium alz wahr gelten, der wird fragen müssen, was für Prüfungen das fein können, nach denen der vermeintliche Streikposten Sch. für einen ganzen Nachmittag(so stands in der Beschwerde) in die Zelle gesteckt werden durste. Auch über Schs. Berufung gegen das verurteilende Erkenntnis des. Schöffengerichts ist inzwischen vom Landgericht I (Strafkammer 9) entschiede» worden. Das Gericht kam zu einer Freisprechung, weil nicht widerlegt sei, daß Sch. der Auf- forderung weiterzugehen widerspruchslos Folge geleistet habe, auch nicht nachgewiesen sei, daß er den Verkehr behindert habe, und ihm zu glauben sei, daß ex das Bierlokal nicht etwa nur deshalb auf- gesucht habe, um dem Schutzmannsbefehl nicht Folge Teistcn zu müssen. Nachdem so die Berufungsinstanz dem Schutzmann Noack die Unfehlbarkeit wieder aberkannt hat, will Sch. dem Minister des Innern nochmals die Frage vorlegen, ob ihm das Verhalten der Polizei korrekt erscheint. Eine Wiederholung seiner Beschwerde hält er auch deshalb für nötig, weil das Polizeipräsidium den Auftrag, ihm Bescheid zu erteilen, unvollständig ausgeführt hat. Wenn ein Bescküveroeführer behauptet, daß die Polizei ihn einen ganzen Nachmittag hindurch festgehalten Habe, so darf in der Tat erwartet werden, daß das antwortende Polizei- Präsidium den Grund angibt, aus dem eine derartige Freiheits-' entziehung— sofern nicht die Behauptung widerlegt werden kann— über einen Arrestanten verhängt worden sei. Dampfcr-Herbstfahrpläne. Von Montag, dm 6. September, ab tritt nunmehr eine weitere Einschränkung der regelmäßigen „Skern"-Dampferfahrten ein. ES verkehren alsdann nur noch fol- gende Schiffe: 1. Ab Jonnowitzbrücke(Belvedere) 2. 3, 4, 5 Uhr nach Grünau, 8 Uhr bis Loveleh; ferner täglich um 9 Uhr und an allen Werktagen(außer Sonnabend) auch um 2 Uhr ein Sondcrdampfer direkt nach Woltersdorfer Schleuse(Rückfahrt 7 Uhr). 2. Ab Grünau(Gesellschaftshaus) 2.23, 3.23, 4.23, 5.23, Uhr über Marien- lust bis Schmöckwitz und um 3.15, 4.15, 5.15, 6.15 Uhr von Schmück- Witz zurück nach Grünau-Berlin. Eingestellt wird der Verkehr zwischen Schmöckwitz-Zeuthcn-Rauchfangswerder-Ziegenhals. 3. Auf dem Müggelsee finden von nachmittags 2 Uhr noch stündlich Ueber- fahrten nach Rübezahl und Prinzcngartcn statt; um 2 und 4 Uhr auch Rundfahrten über Rahnsdorfer Mühle. 4. Auf der Räcknitz v�rdehren die Motorboote Sonntags stündlich, dagegen an Werk- tagen nur noch nach Bedarf, bis Grünheide-Altbnchhorst und zurück. 5. Auf dem Scharmützelsce bleiben die Verbindungen 12.39, 3.25 und 5.59 Uhr nach Ptcskow-Pcchhütte noch bis auf weiteres be- stehen. 8. Ab Wannsee laufen noch um 11.49, 2.49, 3.49, 4.49, 5.49 und 6.49 Uhr Dampfer über Cladow-Pfaueninsel bis Potsdam. Der Werktagsverkehr zwischen Spandau-Wannsee wird eingestellt. 7. Ab Potsdam verkehren täglich noch Dampfer um 12 und von 2.19 bis 8.19 Uhr stündlich bis Wannsee, ferner um 2 Uhr nach Ferch(Rück- fahrt 5.15 Uhr), um 3 Uhr nach Werder(Rückfahrt 8.15 Uhr) und Dienstags und Freitags 3 Uhr nach Phöben. Mittwochs 3 Uhr nach Glindower Alpen. Der Verkehr nach Ketzin, ferner die Verbin» dung zwischen Potsdam-Ncdlitz-Krampnitz wird eingestellt. 8. Zwischen Tegel und Spandau verkehren die Schiff« auch jetzt noch in stündlichen Zwischenpausen, ebenso zwischen Tegel und Sand- Hausen; bei gutem Wetter wird zwischen Sandhausen und Heiligen- see ein Sonderdampfer eingestellt, der die Verbindung aufrecht er- hält. Nach Tegelort besteht halbstündliche Verbindung. An Sonn- tagen werden die Dampferfahrten nach Bedarf durch Einlegen von Sonderschiffen vermehrt. Der Polizeipräsident v. Stnbenrauch ist gestorben. V. Stuben« rauch war lange Jahre Landvat des Kreises Teltow und hat dort vor allem in Berkehrsfragen recht verständige Ansichten entwickelt und durch Schaffung des Tcltowkanals diese auch in die Praxis umgesetzt. In politischer Beziehung hat er sich durch seinen klein- lichen Kamps gegen die Jugendorganisation unsterblich gemacht, die Bewegung aufzuhalten ist ihm aber nicht gelungen. Polizei- Präsident wurde er am 6. Januar vorigen Jahres als Nachfolger des nach Magdeburg als Negiernngspräsideut versetzte» Herrn v. Borries. Es stand zu hoffen, daß Herr v. Stubenrauch auch in Berlin gerade auf dem Gebiete des Verkehrswesens fördernd wirken würde. Diese Hoffnung verwirklichte sich nicht, denn bald nach seinem Amtsantritt mußte er sich krankheitshalber auf Urlaub be- geben und ist nun im Alter von 57 Jahren gestorben. Er ist also gar nicht in die Lage gekommen, zu zeigen, was er ans dem von ihm verivaltcton, so sehr reformbedürftigen Gebiete des Polizei« Wesens leisten konnte._ Orville WrightS erster Flug. Berlin hat seine Flugwoche erlebt: am Sonntag war der große Zeppelin-Tag und am heutigen Sonnabend konnte eS den ersten öffentlichen Flug des berühmten amerikanischen Aviatikers Orville Wright bewundern. Und obgleich am Donnerstag wohl 59 999 Zu- schauer abziehen mußten, ohne etwa» gesehen zu haben, da der Aviatiker(oder Aviater, wie man neuerdings sagt) des starken böigen Windes und der noch geringen Erprobtheit des neuerbauten Flugapparats wegen keinen Aufstieg riskierte, hatten sich am Sonn- abend wohl wieder ebensoviel Menschen eingcfnnden. Diesmal kamen sie denn auch ans ihre Nechming. Um"�5 Uhr startete Wright, um 16 Minuten lang über dem mittleren Teile des Flugterrains zahlreiche Schleifen und Achten zu fahren, wobei er im ganzen loohl zwei deutsche Meilen zurückgelegt haben mag. Erwies sich Zipfel, der seine Kilometerflüge geradeaus zustande brachte, als Stümper in dem modernen Flugsport, so zeigte sich Orville Wrigth als Meister. Sein Aeroplan manöverierte ebenso geschickt gegen den ziemlich starken Südwest, wie er mit dem Wind fuhr, wenn auch das Lustauto am schneidigsten in der Windrichtung fuhr. Wright flog im Durchschnitt in einer Höhe von IS— 20 Metern, stieg aber auch häufig bis zu 3V Metern auf. Wie ein riefiger weißer Vogel zog der Flieger unter dem Jubel der Menge seine stolzen Kreise über dem Felde. Die Landung erfolgte wegen eines Motordefekts, aber sanft und ohne jeden Unfall. Da ein weiterer Aufstieg diesmal nicht erfolgte, zerstreute sich das Publikum, das auch diesmal ein belebtes Bild bot. Wie schon am Donnerstag fiel auch diesmal ein Zuschauer auf, der ein riesiges Fernrohr auf einem gewaltigen Stativ aufgepflanzt hatte. Selbst verständlich fehlte es auch nicht an Händlern, die Wright-Karten und Zeppelin-Fäh.ichen feilboten. Ein resoluter Stratzenhändler hatte sich sogar mit seinem Obstwagen mitten unter den Zuschauern etabliert, unter denen er dankbare Käufer fand. Fromme Reklame. In der Mittelftraße ist neuerdings eines der alten Häuser in der Nähe der Neustädtischen Kirchstrahe als Hotel eingerichtet worden. An der Front prangen von unten bis oben mächtige Reklameschilder mit der lockenden Aufschrift:„Frau Pfarrer(folgt Name) Hotel." Jeder nährt sich wie er kann, auch eine ehemalige Pfarrersfrau, die vorliegend eine Wittib zu sein scheint. Aber der Pfarrertitel als öffentliches Aushängeschild macht doch einen recht sonderbaren Eindruck. Freilich paht es zu der bekannten Betriebsamkeit der Gescheitelten und Geschorenen. Die Meldung von der Wiederaufnahme des JrrenhanSfolter- ProzesseS wird in dem amtlichen„Beuthener Anzeiger" vom 3. September durch den dortigen Vertreter des Wolffschen Tele- graphenbureaus bestätigt. Hiernach hat Chefredakteur Karl Schneidt von der„Zeit am Montag", welcher die über ihn ver- hängte Gefängnisstrafe von sechs Wochen am vergangenen Donners- tag antreten sollte. Aussetzung des Vollstreckungsverfahrens be- antragt und gleichzeitig ein Gesuch wegen Wiederaufnahme des Verfahrens eingereicht. Begründet wird dieses Wiederaufnahme- gesuch, wie der„Beuthener Anzeiger" weiter schreibt, mit angeblich widersprechenden eidlichen Aussagen der verwandtschaftlichen Aerzte der Provinzialirrenanstalt LeubuS sowie mit einem gegen die Ehefrau deS im Leubuser Jrrenhause interniert gewesenen Stadt- verordneten Emanuel Lubecki schwebenden Meineidsverfahrens. Inzwischen haben sich beim Redakteur Schneidt neue Zeugen ge- meldet, die bei der Behandlung mit den berühmt gewordenen Dauerbädern nach Leubuser Rezept die schlimmsten Erfahrungen gemacht haben wollen. Zu dem tödlichen Automobilunfall am Blücherplatz, über den wir gestern berichteten, wird uns mitgeteilt, datz die verunglückte Frau direkt in den Wagen hineingelaufen sei. Der Führer des Wagens behauptet auch, langsam gefahren zu sein und genügende Warnungssignale gegeben zu haben. Der Kraftwagen muhte auher Betrieb gesetzt werden. Die Verunglückte ist mit einer Droschke fortgeschafft worden. Verunzierung von Brücken. Ein Leser schreibt unS: Schon längere Zeit benutze ich des Morgens und Abends den Weg über die Achenbach-Brücke und bemerkte eines Morgens, dah die Granitpfeiler, welche schöne Bildhauerarbeiten aufweisen, mit gelben Plakaten beklebt waren, die folgende Aufschrist trugen; Neue Wohnungen, 2—7 Zimmer, mit allem Komfort, billig sofort oder später zu vermieten. Neues Hansaviertel. Terrain- Aktien- Gesellschaft. Israel Schmidt-Söhne. Bemerken will ich, dah unweit der Brücke ein großes Schild mit gleicher Aufschrift aufgestellt ist, welches denselben Zweck er- füllt. Wie würde wohl die wohllöbliche Polizei auf dem Posten sein, wenn an derselben Stelle Plakate von einer Gewerkschaft oder ein Flugblatt oder ein Handzettel der freien Jugend- Organisation, welche in dieser Gegend sehr gut Aufklärung schaffen könnte, angebracht würden. ES mutz gefragt werden, mit welchem Recht und mit welcher Erlaubnis hat die Gesellschaft die Plakate angeklebt. Fingierte Anzeigen Gefledderter. Fortgesetzt gehen der Polizei Anzeigen über Fleddereien in Stadt- und Vorortzügen zu. bei denen die Beraubten angeblich betäubt worden sein sollen. Die Kriminalpolizei steht diesen Behauptungen sehr skeptisch gegenüber. zumal in vielen Fällen die Nachforschungen ergeben haben, dah die Gefledderten vor Benutzung der Eisenbahn dem Alkohol fleißig zu. gesprochen und somit das Betäubungsmittel selbst zur Anwendung gebracht haben. Wenn die Verbrecher tatsächlich über Ein- schläferungsmittel verfügen würden, bei denen sie durch Vergasung des Stoffes, wie mehrfach behauptet worden ist, eine Betäubung deS Mitreisenden verursachen, so würden sie ja in der Lage sein. die sämtlichen Insassen eines Abteils, auch wenn dieses besetzt wäre, einzuschläfern und die Leute dann in aller Ruhe zu be- rauben. Dies ist natürlich Unsinn. Uebrigens ist in einzelnen Fällen angeblicher Fledderung nachgewiesen worden, dah die„Be- raubten" schon vor Antritt der Bahnfahrt fast ihr ganzes Geld verausgabt hatten und nur wenige Pfennige bei sich gehabt haben können. Es wird daher mit der Möglichkeit gerechnet, dah in verschiedenen zur Anzeige gelangten Fällen die Diebstähle fingiert worden sind. Die beiden noch im Elisabcth-Krankenhause besindlichen bei der Rennbahn-Katastrophe im Botanischen Garten verunglückten Klempner Max Ritsch aus der Salzwedeler Straße n und Rein- hold Grund, Goltzstr. 30. werden nun auch in kürzerer Zeit, voraussichtlich Ende nächster Woche, als geheilt entlassen werden. Beide hatten außerordentlich schwere Verletzungen erlitten und schwebten Wochen hindurch in äußerster Lebensgefahr. Nitsch batte Brandwunden davongetragen, die nicht nur die Haut, sondern auch das Fleisch beschädigt hatten, während der 17jährige Gast- Wirtssohn Grund einen komplizierten Schädelbruch erlitten hatte. Der Heilungsprozetz ist bei beiden so günstig verlaufen, dah die Aerzte mit Sicherheit dauernde Folgen aus den Verletzungen für ausgeschlossen halten. Ein aufregender Boots, tnfall, wobei fünf Personen in grotzer Lebensgefahr schwebten, ereignete sich vorgestern nachmittag auf dem Müggelsee. Auf der nach den Müggelbergen zu belegenen Seite war ein mit drei Herren und zwei Damen besetztes Ruder- boot so unglücklich in die Wellen eines vorüberfahrenden Stern- dampfers hineingeraten, datz es umschlug. Die Insassen stürzten in die Fluten und stietzen laute Hilferufe aus. Während eine der Damen von einem des Schwimmens kundigen Ruderer über Wasser gehalten wurde, drohten die andere Dame sowie die beiden Herren jeden Augenblick unterzugehen. Zum Glück kam im Augen- blick der höchsten Gefahr ein Motorboot, dessen Besatzung die Hilfe- rufe gehört, herbeigefahren, und es gelang auch schließlich, die bereits völlig Erschöpften zu retten. Zwei der Verunglückten, die das Bewußtsein verloren hatten, konnten erst nach längerer Zeit wieder ins Leben zurückgerufen werden. Da« Schicksal eines Invaliden. Im Humboldthain wurde vorgestern abend der 7? Jahre alte Invalide Ernst Beul aus der Schönflietzer Strohe 26 blutüberströmt vor einer Bank liegend aufgefunden. Der alte Mann hatte sich mit einem scharfen Messer die Pulsader der rechten Hand geöffnet und wäre auch zweifellos verblutet, wenn nicht noch rechtzeitig Spaziergänger hinzugekommen wären und sich seiner angenommen hätten. Der Lebensmüde hatte das Messer vor Ausführung der Verzweiflungstat noch an einem Stein geschärft. Schwere Schicksalsschläge, die B- in den letzten Monaten betroffen, und zum Teil auch bittere Not haben den alten Mann zu der Verzweiflungstat getrieben. In bedenklichem Zustande wurde B. nach dem Virchow-Krankenhauje gebracht. Arbelter-BildnnaSschule Berlin. Sonntag, den S. Sep- tencher, Familienausflug nach dem Schloßpark Friedrichs- f e l d e. Abfahrt des Zuges nach Friedrichsfeldc-Lichtenberg Alexan derplatz 1.48, Jannowitzbrücke 1.51, Schlesischer Bahnhof 1.54. Treff Punkt von 2� Uhr nachmittags ab:„Bubes Volksgar- t e n". PrinzLn-Allee30, dicht an der Endstation der Straßen- bahnlinicn 69 und 70. Zahlreiche und pünktliche Beteiligung von Mitgliedern und dexen Angehörigen sowie von Freunden der Schule erwartet_ Das Komitee. Barieteprogramme. Seine Winterspielsaison eröffnet hat daS Budapester Possen- theater„Folies Caprice". Zwei Einakter:„Der gewisse Augenblick" und„Die Mobilisierung" amüsierten das Publikum in unbändiger Weise und reizten zu wahren Lachsalven. Schuld daran war aber nicht so sehr der Inhalt der Sckwänke als die bekannte Art der Darstellung, bei der die Künstler aus der Mauschelei und Jüdelei nicht herauskommen. Auch der bunte Teil brachte mehrere Schlager, wobei sich die Herren Grünecker, Schul- hoff und Fleischmann und die Damen Nanon und Anni Willens besonders verdient machten. Das Apollotheater bringt eine Pantomime: „Couszience", in der Herr Severin sich als Meister der Mim'k und der Geste vorstellt. Daneben erweisen sich„Sepp'l und Franz'l als bayrische Kunstschützen und Schuhplattler auf� dem Rade. Ueber eine gewaltige Stimme, speziell in den hohen Tonlagen, ver- fügt Amelie de l'Euclos. Reichlich ist der Tanz in dem Programm vertreten, worunter vor allem die mexikanischen Tänze der Carter und Bluford Interesse beanspruchen. Im Passage theater treten sibirische Sträf. l i n g e vorstellende Russen auf und bringen Originalgesänge und Lieder aus dem Gefängnis zu Gehör, die durch ihre schwermütige Weise eine große Wirkung auf das Publikum ausüben. Di« Ouartettfänger verfügen über gute Stimmen. Einen vollen Er- folg erzielte die charmante Brettlsängerin Frl. Claire W a l d o f f durch ihre im naivsten Tone vorgetragenen Chansons. Auch die übrigen Nummern sind passabel. Im Walhalla. Variete unterhält T a t ä, der Mann mit den tausend Spähen, das Publikum ebenso fesselnd, wie es der Humorist Martin Kempinski mit seinen vielbelachten Couplets zu amüsieren verstand. Die Illusionisten The Mac- laines leisteten Erstaunliches in der graziösen Gewandtheit, mit der sie ihre Zauberkunststücke vorführten. Spahig wirkte die Grotesiszene„Walzer.Fieber", in der sich L i l i und F r e? Irving als anmutiges Tänzerpaar produzierten. Schliehlich fehlte auch nicht eine vorzüglich« Dressurnummer. M a r c i et Marck führten ihre Löwen vor: erst zwei junge Löwinnen, dann ein altes ausgewachsenes Löwenpaar, das sich recht wild gebäcoete. Mit Peitsche und Stange, vor allem aber durch die Kraft des die Bestien hypnotisierenden Blickes wurde der etwas schaurige Dressur- akt hinter dem die Bühne abschliehenden Gitterwerk durchgeführt. Der Kreuzdamm der Neuen Friedrichstrahe und Burgstrahe ist behufs Baues eines Notauslahkanals vom 3. d. M. ab tnS auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Wir machen auf die in dieser Woche beginnenden Samariterkurse aufmerksam. Am Montag beginnt die 2. Abteilung, am Donnerstag die 3. und 4. Abteilung. In der 5. Abteilung am Donnerstag Fortsetzung des Vortrages über Anatomie. Der Besuch des ersten Abends steht jedem als Gast frei. Wir bitten, das Inserat in der heutigen Nummer zu beachten. Ein großer Brand beschäftigte am Sonnabend die Feuerwehr auf dem Gesundbrunnen. Dort stand mittags der Dachstuhl des Seitenflügels und QuergebäudeS Koloniestr. 33 in großer Aus- dehnung in Flammen. Diese waren erst bemerkt worden, als schon Qualm und Flammen aus den Dachluken hell und mächtig empor» loderten. Als der 16. Löschzug an der Brandstelle ankam, lieh Brandmeister Steiner sofort von mehreren Seiten kräftig ein- greifen und tüchtig Wasser von Dampfsprihen geben. Die Treppen- aufgänge waren anfänglich kaum zu passieren. Erst nack längerer angestrengter Tätigkeit war eS möglich, den Brand zu löschen. Die Entstehung konnte mit Bestimmtheit nicht mehr festgestellt werden. Der Schaden ist ganz erheblich; einige Meter sind sehr geschädigt durch Verlust von Betten usw. Genosse Emil Gutheil, Liegnitzer Straße 34, bittet unS nochmals, aus das spurlose Verschwinden seines Sohnes aufmerksam zu machen und etwaige Ermittelungen an obige Adresse gelangen zu lassen. Der junge Mann ist 19 Jahre alt, 1,75 Meter groß, hat runde? Gesicht, dunkelblond, hochstehendes Haar, sehr starke, zusammengehende Augenbrauen, gewöhnliche Nase, große, gute Zähne, frische, gesunde Gesichtsfarbe und Pickel im Gesicht, Haupt- sächlich an Stirn und Hals. Kleidung: grau und schwarz ge- streifte Beinkleider, schwarzer Rock und schwarze Weste, brauner, weicher Filzhut. blaugestreistes Hemd, braune Stiefel, desgleichen Strümpfe.— Der Vermißte wurde in der Nacht vom Sonntag zu Montag in Tempelhof ins Garnisonlazarett in großer Auf» regung eingebracht, nach ärztlichem Befund jedoch wieder entlassen. Vorort- JVachrlcbten. Rixdorf. „Jugendheim" nennt sich ein« in Kürze zusammentretende Ver» einigung, die aus Anregung von Partei» und GcwerkichasiSgenosien gebildet wird und bezweckt, dem bereits bestehenden Jngendausschuß der Arbeiterschaft RixdorsS zur Erfüllung seiner Aufgaben zweck- entsprechende Räume einzurichten und zur Verfügung zu stellen. In diesem„Jugendheim" soll der schulentlassenen Arbeiterjugend voll- ständig kostenlos die Möglichkeit zur Fortbildung durch Vor- träge und Lektüre und zu gesellschaftlicher Betätigung gegeben werden. Der Beitrag ist auf 10 Pf. pro � Monat festgesetzt; die Anmeldung der Mitgliedschaft ist vorläufig an den Genossen E. Wutzky, Niemctzstr. 5. zu richten. Der äußerst niedrige Beilrag setzt natürlich eine große Mitgliederzahl kür die Erfüllung des gesteckten Zieles voraus, gibt aber andererseits ollen Freunden unserer arbeitenden Jugend die Möglichkeit der Beteiligung. Der angestrebte Zweck verdrent jedenfalls die ansgedehnteste Unterstützung. — Die regelmäßig in jeder Woche stattfindenen Spiele der Schul- jngend auf dem Turnplatz der Freien Turnerschaft Rixdorf-Britz an der Grenzallee finden am nächsten Mittwochnachmittag 3 Uhr daS letztemal in diesem Sommer statt. Schwer verunglückt ist der Arbeiter Paul Walter, Schiller- Promenade 38 wohnhaft. W. war aus einen, Kohlenwagen durch die Berliner Straße gefahren. Vor dem Grundstück Nr. 99 sprang er plötzlich während der Fahrt ab und stürzte so unglückltch. daß er unter einen vorüberkonunenden Straßenbahnwagen der Linie 15 ge- riet. Der Verunglückte wurde nach dem städtischen Krankenhause geschafft, wo außer erheblichen Wunden am Kopf und im Gesicht schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Bon einem erheblichen Verlust wurde eine Arbeiterfamilie betroffen. Der schulpflichtige Sohn derselben verlor auf dem Wege von der Prinz-Handjerystr. 47 nach der Steinmetzstraße ein Zwanzigmarkstück. Der ehrliche Finder des Geldes wird gebeten, dasselbe bei Th. Strohalm, Prinz-Handjerystr. 47. v. lll r., abzu- geben. Einen schrecklichen Tod fand der 50 Jahre alte Tischler Otto Rauch. Beim Passieren der Treppe des Hauses Jägerstraße 8 stürzte R. so unglücklich ab, datz er sich schwere innere und äußere Ver- letzungen zuzog. Der Verunglückte wurde in besinnungslosem Zu- stand nach dem städtischen Siechenhaus gebracht, wo er» ohne daS Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb. Ober-Tchöneweide. Gewerbe- und Kaufmannsgericht. Die' zum 1 Oktober gepkmttr Eröffnung des Gerichts erscheint nach dem jetzigen Staude der Angelegenheit mehr als fraglich, indem die Genehmigung des Ortsstatuts durch die zuständige Behörde bis jetzt noch nicht erfolgt ist. Die von der Gemeindeverwaltung geplante Art der Aufstellung der Wählerlisten, welche auf den Angaben der Orts- und Betriebskrankenkassen beruht, bedeutet einen großen Zeitauf- wand und dürfte auch keine Gewähr für Vollständigkeit bieteru Die immerwährende Hinauszögerung der Eröffnung des Gerichts ist wirklich dazu angetan dem Gedanken Raum zu geben, als wenn die Angelegenheit,— weil eben nur widerstrebend ausgenommen— nicht mit dem rechten Eifer K:Handelt würde. Man darf nun wirk- lich gespannt sein, wann endlich die Eröffnung erfolgen wird. Treptoiv-Baumschnlentveg. Automobilbrand in Treptow. Ein Droschkenautomobil geriet in der letzten Nacht gegen 12 Uhr auf der Treptower Chaussee durch Explodieren des Benzinbehälters in Brand. Personen wurden dabei nicht verletzt. Ein Radfahrer konnte schnell durch Feuer- melder die Treptower Feuerwehr alarmieren. Inzwischen lockte die in der Dunkelheit weithin leuchtende Feuersäule eine große Zuschauermenge herbei. Der Führer des Zuges 1 der Treptower Feuerwehr war bald auf seinem Fahrrad zur Stelle, aber die Mannschaft selbst kam erst nach 25 Minuten, Der Brand der Autodroschke war bald gelöscht. Spandau. Stadtverordnetcnwahlen. Mit Ablauf dieses Jahres scheiden von der dritten Abteilung aus der Stadtverordnetenversammlung aus: die Stadtverordneten Genossen Köpnick, Rieck und Schmidt I. außerdem der Stadtverordnete Ducksch. Außerdem scheiden noch drei Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung von den im Jahre 1907 neu Hinzugewählten aus. Sollte dies Los den Genossen Pieper treffen, dann würden sämtliche vier sozialdemokratischen Stadwer- ordneten ausscheiden. Will die Arbeiterschaft Spandaus in der dritten Abteilung würdig und durchgreifend vertreten sein, dann wird sie alles aufbieten müffen, nicht nur die frei werdenden Man« date der Genossen, sondern auS daS deS Stadtverordneten Ducksch zu erringen. Die bürgerlichen Parteien sind allem Anscheine nach bereits in die Agitation eingetreten. 8o2iales. Aerzte und BersicherungSorbnung. Entsprechend dem Beschluß deS deutschen AerztetageS z u L ü b e ck hat jetzt der geschäftsführende Ausschuß eine Denk- schrift gegen die Versicherungsordnung beim Bundesrat und Reichstag eingereicht. Der deutsche Aerztetay hat einstimmig den Entwurf für unannehmbar erklärt und Ab-» änderungsvorschläge gemacht, deren Begründung die Denkschrift unternimmt. Die freie Arztwahl wird mit Worten aus der Be- gründung des Gesetzentwurfes empfohlen. Sie lauten: „Die ärztliche Tätigkeit fetzt, wenn sie erfolgreich wirken soll, in besonders hohem Maße ein persönliches Vertrauens- Verhältnis der Pflegebefohlenen zu dem ihn behandelnden Aerzte voraus," und ferner„der freie Beruf des Arztes bedarf in weitem Maße der Möglichkeit freier Betätigung. Dem Aerztestand als Ganzem wird diese Bewegungsfreiheit, dem einzelnen Arzt die Gelegenheit zur Begründung einer gesicherten Lebensstellung geschmälert, wenn große Gruppen der Be-' völkerung für den freien Wettbewerb ausgeschaltet werden. Es läßt sich nicht leugnen, daß das KrankenversicherungStvesen hierzu durch die Schaffung und Förderung des Krankenarzt- systems in der Tat beigetragen hat." Die Denkschrift führt weiter auS: „Erwägt man. daß mit der Einbeziehung immer weiterer Volkskreise unter die Zwangsversicherung der Kreis der für die Privatpraxis übrigbleibenden Bevölkerung immer mehr ein- geengt wird, so datz kaum 8,5 Millionen Erwerbstätiger dafür in Betracht kommen und daß bei der zu erwartenden Zunahme der Aerztezahl Bestechungen und andere unehrlichen Manipulationen die Moral de? AerztestandeS noch mehr depravieren, als bisher schon das Monopolsystem gezeitigt hat, so ist eS nicht zu verstehen, daß der Entwurf die freie Arztwahl fast unmöglich macht, mit der Begründung, daß dadurch das Selbstverwaltungsrecht der Kassen geschmälert wirf), während er bei der freien Zulassung der Apotheken diese Begründung nicht kennt. Die im Gesetzentwurf beabsichtigten Einigung?» kommissionen und SchiedSin stanzen können nur akzeptiert werden, wenn zunächst den Aerzten das Recht auf Arbeitsmöglichkeit gewährt und der ärztlichen Standesvertretung die Ausgabe zugewiesen wird, im Rahmen dieses Grundrechtes alle übrigen Bedingungen des kassenärztlichen Dienstes mit den Kassen nach besten Kräfte» zur beiderseitigen Zufriedenheit zu vereinbaren. Das ist aber nicht möglich, wenn nach Z 439 die Beziehungen zwischen der Kasse und den zugelassenen Aerzten von der Kasse und diesen Aerzten zu vereinbaren sind, und der Kassenvorstand daraufhin eine Aerzteordnung aufzustellen hat, da dadurch ein Eingreifen der ärztlichen Organisationen ein- fach unmöglich gemacht wird. Deshalb ist zu verlangen, daß die Aerzteordnung gemeinsam aufgestellt wird und daß eS nicht in daS Belieben der Parteien gestellt wird, zur Einigung über die zukünftige Arztordnung die Einigungskommission an- zurufen, sondern dah diese Form des Vertragsabschlusses im § 441 zwingendes Recht wird. Die vorgeschlagenen Schieds- instanzen sind in den vorgeschlagenen Formen unannehmbar, besonders noch deshalb, weil die Schiedskammer als höhere In- stanz einen bindenden Spruch fällen kann." DeS weiteren wendet sich die Denkschrift gegen§ 449, der den Arzt zur Vornahme einer ärztlichen Handlung durch Entscheidung deS Schiedsausschusses verpflichtet und ihn bei Unterlassung ent- schädigungSpflichtig macht. Diese Bestimmung würde zu einer wirtschaftlichen Vernichtung der Aerzte führen und bedeute den denkbar stärksten Eingriff in die berufliche und staatsbürgerliche Freiheit des ärztlichen Standes.— Die Denkschrift wendet sich ferner gegen Z 456, der Vereinigungen und Verabredungen, welche die Anrufungen des SchiedsansschusseS oder die Unterwerfung unter ihre Entscheidung ausschließen, für nichtig erklärt. Auch die Forderung, daß Personen mit einem Gesamteinkommen von über 2000 M. weder Kassenmitglieder werden noch bleiben dürfen, wird erneut erhoben, und endlich auf die Ungleichheit der Be- stimmungen hingewiesen, die bei Verschmelzung von Kassen über die Verhältnisse der Kassenärzte und Kassenbeamten besteht. Während diese von der aufnehmenden Kasse zu den früheren oder gleichwertigen Anstellungsbedingungen zu übernehmen sind, kann die Uebernahme von Verträgen, die mit Aerzten abgeschlossen sind. beanstandet werden.— Zum Schluß macht die Denkschrift einige Abänderungsvorschläge zu dem Unfall, und Jnvalidenversicherungs. gesetz._ HtlfSkasse der Graveure, Ziseleure und verwandten BerusSgenossen In Berlin tagt jeden ersten Montag im Monat abend» von 6—10 Uhr im Restaurant Stehmann, Luiseimscr 1. Freie Jugendorganisation Tempelhof- Martendorf. Die Ab- tcilungSversammlung findet diesmal am Montag, den 6. September, abendi 8 Uhr, bei Löwenhagcn, Chausseestraße 27 in Maricndors statt. Tages. ordming: Vortrag des Genossen Zimmermann-Karlshorst über:»Religion und Arbeiterjchast.' Gerichts-Zeitung Zwei kleine Momcntbildcr aus de,„Welt, in der man sich nicht langweilt" beschäftigten das hiesige Schöffengericht. Eines Abends im Rosen- nwnat Juni sah ein wohlsituietter älterer Herr vor ouS- gekühltem Champagner in einer jenen kleinen verschwiegenen Wein- siuben des Westens, die ihren„zweiten Eingang vom Hausflur- Haben. Er hatte soeben die Gattin, die teuere zum Bahnhof ge- leitet und war froh, der ehelicken Fesseln für einige Zeit ledig zu sein. Unter freundlicher Assistenz der schicken Bardame Enimh Klutow brach er in diesem Gefühl der Freude mehreren Flaschen den Hals. Dann bezahlte er die Zeche mit 40 M. und entfernte sich Emmy aber soll in einer Anwandlung von Gedächtnisschwäche vergessen haben, die 40 M. in die Kasse zu legen. Ein kleines Ge- schäft ist natürlich den Folgen solch krankhafter Zustände von Angestellten auf die Daner nicht gewachsen: es kann nicht bestehen, selbst wenn auf heimlichen Wegen wandelnde Ehemänner für eine Flasche Chateau Lafitte oder„Kribbelwasser" einige Mark mehr bezahlen als sonst üblich ist. Es ist daher nicht zu ver. wundern, daß sich nach einiger Zeit folgendes veränderte Bild dar- stellte: Eines Tages war die schöne Emmy Besitzerin eines kleinen traulichen Weinrestaurants im Westen, während ihre frühere „Chcfeuse", die fesche Anni Z. in diesem neuen Buen retiro für fraueulose Ehegatten nun als angestellte Buffetdame fungierte. Trotz dieser veränderten Situation blieb das Verhältnis zwischen den beiden Damen recht kardial. Nach wie vor brachte man ver- einsomte Männer über die Langeweile der häuslichen Oede hinweg, auch besuchte man zu diesem Zweck nach Geschäftsschlutz mit ihnen zusammen Lokale, in denen flottes Leben herrscht. Eines Nachts war ein solches Ziel ein bekanntes Ballokal, doch sollte hier die Eintracht einen unheilbaren Riß bekommen. Emmy erfüllte näm- lich hier ihre Aufgabe, ihren Mitmenschen die Bürde des Lebens zu„erleichtern-, etwas eigenartig: sie nahm ihrer früheren Ar. beitgeberin und jetzigen Angestellten heimlich die Geldbörse weg, als beide die Toilette aufgesucht hatten. Das war um so un» freundlicher, als die Börse 74 M. bares Geld sowie drei Pfand- scheine über Brillanten, die Zeugen einer besseren Zeit, enthielt. Als die Bestohlene ihren Verlust bemerkte, war die Spitzbübin schon über alle Berge. Ihre Täterschaft konnte aber unschwer festgestellt loerdcn, denn sie hatte beim Verlassen de? Etablissements sich der Pfandscheine entledigen wollen und sie weggeworfen; der Portier aber, der da meinte, sie habe etwas verloren, hatte die Papiere aufgehoben und sie ihr wieder überreicht. So stand denn Emmy K. wegen Unterschlagung und Diebstahls vor Gericht. Die Affäre mit den angeblich nicht abgelieferten 40 M. konnte nicht aufgeklärt werden, dagegen wurde die Angeklagte wegen Diebstahls zu vier- zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Sind Anglikaner evangelisch? Auf Grund des Gesetzes vom 26. Mai lSVS, betreffend die Erhebung der Kirchensteuern in Kirchengemeinden und Parochial- verbänden der evangelischen Landeskirche der älteren Provinzen, war eine dem religiösen Bekenntnis der An- glikaner angehörende Gräfin, deren Mann Katholik ist, nach der Hälfte des Einkommens des Mannes von der evangelischen Kirchengemeinde zur Kirchensteuer herangezogen ivorden. Sie hielt sich nicht für verpflichtet, an die evangelische Kirche zu steuern. Nach vergeblichem Einspruch erhob sie noch Be« schwerde, wurde aber auch mit dieser abgewiesen. Im Beschwerde- Kescheid wurde betont, daß es ein Irrtum sei, wenn die Frau annehme, daß die Voraussetzung der kirchlichen Steuer- Pflicht im Sinne des§ 2 des genannten Gesetzes die Zugebörigkeit zur evangelischen Landeskirche sei. Vielmehr sei die Vorauuletzung nur die Angehörigkeit zum evangelischen Bekenntnis. Es sei diesbezüglich in der Begründung zum Entwurf des Kirchensteuer-GesetzeS ausdrücklich hervorgehoben worden, daß auch Angehörige einer ausländischen Religionsgcsellschaft, die sich zur deuiscven Reformation oder zu ihren Grundlagen bekenne, darunter fielen. Das sei bezüglich der anglikanischen Kirche zu bejahen, denn sie habe sich im Zusammenhang mit der deutschen Reforrnation entwickelt.— Das Oberverwaltungsgericht hat die gegen diesen Bescheid gerichtete Klage abgewiesen. In dem umfang- reichen Erkenntnis wird eingehend Wesen und Entwickelung des AnglitanisiruS untersucht und schließlich gesagt: Die Kirche von Ergland sei in der Lehrentwickelung und der individuellen religiösen Stimmung evangelisch. Hieraus komme es an. Denn es handele sich nicht darum, ob die Kirche von England im ganzen in ihrer objektiven Gestalt der preußischen evangilischen Landeskirche wesensgleich fei, sondern darum, ob der einzelne Anglikaner vermöge des Bekenntnisses seiner Kirche mit der evangelischen Landeskirche in Bekenntnis- g e m e i n s ch a f t lebt. Diese« sei zu bejahen. Freitag: Einer von unsere Las Lcbenssest. Sonntag Einer von unsere Leut. CClocben-Spielplan der ßevlhicr Cheatcr. I Königl. LPernbauS. Sonntag: Margarete. Montag: Elektra. kAnf. 8 Uhr.) T»en§tag: Mignon. Mittwoch: Fidclio. Donnerstag: Lohengrin.- (Ansang 7 Uhr.) Freitag: Cavolleria Ruslieana. Die Puppcnfee. Sonn- abend: Tristan und Jtolde.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: Die Hugenotten. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Man spielt nicht mit der Liebe. Montag: Doktor Klaus. Dienstag: Man spielt nicht mit der Liebe. Milt- woch: Götz von Bcrlichingen.(Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: Zopf und Schwert. Freitag: Man spielt nicht mit der Liebe. Sonnabend: Die ver- funtcne Glocke. Sonntag: Hamlet. Montag: Die Rabensteinerin. Neues königl. Lpern-Tbeatcr. Sonntag: Mrs. Dot. Montag: Geschlossen. DienSiag: Die lustigen Weiber von Windsor. Mittwoch bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Der Barbier von Sevilla. Die Puppensee. Montag: Geschlossen. Deutsches Theater. Sonntag bis Sonnabend: Faust. Nächsten Sonnlagnackmittag: Ketten. Abends und Montag: Faust. Deutsches Theater.(Kammersp tele). Allabendlich: Die Sünde. (Ansang 8 Uhr.) Lcssing-Theater. Sonntag: Zwischenspiel. Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Der König. Mittwoch: Rotenmontag. Donnerstag: Zwischen- spiel. Freitag: Der König. Sonnabend und Sonntag: Die Gejährtin. Hannelc. Montag: Der König.(Ansaiig 8 Uhr.) Berliner Theater. Sountagnachm. 3 Uhr: HcrodeZ und Mariamne. Abends: Das Lebenssest. Montag. Mittwoch und s Leut'. Dienstag, Donnerstag und Sonnabend: t nachmittag: HerodeS und Mariamne. Abends: Montag: Das Lebenssest.(Ans. 8 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Emtlla Galottt.(Anfang 8 Uhr.) Hebbet-Theater. Sonntag: Frau Marrens Gewerbe. Montag bis Mittwoch: NcvolutionSbochzcit. Donnerstag: Frau Marrens Gewerbe. Freitag bis Montag: RcvotutionSbochzeit. Neues Schauspielhaus. Sonntag: MiH Dudelsack. Montag: Gyges und sein Ring. Dienstag bis Donnerstag: Mtg Dudelsack. Freitag: Ge- schlössen. Sonnabend und Sonnlag: Miß Dudclsack. Montag: Gyges und sein Ring(Ansang 8 Uhr.) Komilche Oper. Sonntag nachm. 3 Uhr: HoffmamiS Erzählungen. Abends: Tosca. Montag: HofsmannS Erzählungen. Dienstag: Tiefland. Mittwoch: Der Wildschütz.(Ans.?>/, Uhr.) Donnerstag: Manon Lescaut. Freilag und Sonnabend: Der Wildschütz. Sonntag nachm. 3 Uhr: Tiesland. Abends: Der Wildschütz. Montag: HossmannS Erzählungen.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operetten-Theater. Sonntag nachm. 8 Uhr: Der Zigeuner- baron. Bis aus weiteres täglich: Die Dollarpriuzessin.(Ansang 8 Uhr.) Luftspielhaus. Bis aus weiteres täglich: Im Klubsessel.(Ansang 8 Ubr.) Sonntag nachmittag: Im Klubsessel. Theater beS Westens. Sonntag nachm. S'l, Uhr: Die lustige Witwe. Bis aus weiteres täglich: Der fidcle Bauer.(Anfang 8 Uhr.) Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Em Walzcrtraum. Ressdenz-Theater. Sonntag bis Donnerstag: Kümmere Dich um ttmelie. Freitag bis Montag: Grclchen.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: 2X2— b. Abends': Moral. Von Montag bis Freitag: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend: Der Mitmensch. Sonntag nachmittag 3 Uhr: 2 X 2— b. Abends und Montag: Der Mitmensch.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Thenier O. Sonntag nachm. 3 Uhr: Macbeth. AbenbS: Die Ehre. Montag: Macbeth. Dienstag: Ein Ersolg. Mittwoch: Die Ehre. DonncrSlag: Macbeth. Freitag: Dr. KlauS. Sonnabend: Ein Ersolg. Sonntag nachm. 3 Uhr: Macbeth. Abends: Die von Hochsattel. Montag: Macbeth.(Ansang 8 Uhr.) Schiller. Theater Ei Die Welt, in der Montag: Die Ehre. DienStäg und Mittwoch: Die von Hochsattel Donners tag: Die Ehre. Freitag: Der Biberpelz. Sonnabend: Die von Hochsatlel. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Abends und Montag: Die Ehre.(Ansang 8 Uhr.) Fricdrich-Wilhelmftädtisches Schauspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Othello. Abends: Der Widerspenstigen Zähmung. Montag, Donnerstag und Freitag: Die Stützen der Mescllschast. Dienstag, Milt- woch und Sonnabend: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends: Manöverregc».(Ansang 8 Uhr.) Luisen> Thearer. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. AbendS: Von 7 die Hätzlichste. Montag und DienStag: Gefallene Engel. Mittwoch: Die Jungfrau oon Orleans. Donnerstag: Von 7 die täglichste. Freitag: Emilia Galottt. Sonnabend: Von 7 die Häßlichste. onnlag: Die Herren Söhne.(Anfang 8 Uhr.) Bolksoper. Sonntag: La Traoiata. Montag: Der Waffenschmied. Dienstag: Der Troubadour. Mittwoch: Der Freischütz. Donnerstag: Ernani. Freitag: La Travtata. Sonnabend: Zar und Zimmermann. Soiintagnachinittag: Der Troubadour. Abends: Der Freischütz. Thalia-Thrater. Bis aus weiteres täglich: Prinz Busst.(Ans. 8 Uhr.) Bernhard Rosc-Thearcr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Tanz- Husar. Allabendlich: Im Casä Noblesse.(Ansang 8 Uhr.) Trinnon-Theater. Bis aus weiteres täglich: Liebesgewstter.(An- sang 8 Uhr.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: LiebeSgcwitter. Gebr. Herrufeld-Tdeater. Bis aus weiteres täglich: Frau ElkamS Friseur. Meine-Deine Tochter.(Ansang 8 Uhr.) Kultes Eaprlee. Allabendlich: Mobilisierung. Der gewiffe Augen- blick.(Ansang S'l, Uhr.) Meiropol. Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend.(An- sang 8 Uhr.) Retttisdallen- Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Berliner Prater-Theater. Bis aus wettere» täglich t Man lebt ja nur einmal.(Ansang 41/. Uhr.) kharlottenburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr: man sich langweilt. AbendS: Die von Hochlaltel. "• Don Kasino-Theater. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Multer Gräbert. Alk- abendlich: Onkel Cohn.(Ansang 8 Uhr.) ApoNo-Thearer» Allabendlich: Ewe Haremsnacht. Spezialitäte». (Ansang 3 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Passagr-Ttzeater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich? Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Walhnlla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Karl Haberland-Theater. Allabendlich: Spezialitälcn. Urania- Theater. Tauben'tratze 48/43. Sonntag und Freitag: Die Insel Rügen. Montag und Donnerstag: Rom und die Campagna. Dienstag und Sonnabend: Durch Dänemark und Südschweden. Mltiwoch und Sonntag: Von Abbazia bis Corfu.(Ansang 3 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—02. eingegangene Drudtfehnften. Kolonien und Kolonialpolitik. Staatsbürger- Bibliothek Hest 6. Preis 40Ps.— Die Reichssiiianz. und die Fteuerrcforni 1009. Von Dr. Paul Bensch. Preis 2 M. Volksvereins-Verlag M.-Gladbach. Die Zldwehrbeweguug der Konsumvereine des ZentealoerbandeS gegen die preußische Gcscllschastssteuer. Aktenstücke und Dokumente, kom- menticrt von Dr. Aug. Müller. Verlags mstalt des Zcntraloerbandes deutscher Konsumvereine von Heinrich Kausmann u. To., Hamburg. Jahr- und Handbuch für das Jahr 1998. Zenlralvcrband aller in der Schuiiederci bejchästigten Personen. Verlag von Franz Lange, Hamburg. De vecr Uhlcn. Ein Nord-Ostsee-Roman. Von Adols Paul. Preis drosch 5 M., geb. 6 M. Verlag Oesterheld u. Co., Berlin. Die Bekämpfung der unfreiwillige» Arbeitslosigkeit. 1907 bis 1900. Von Pros. Dr. Louis Varlez. Sonderabdruck. Preis 50 Ps. VollSvereinS-Verlag M.-Gladbach. LrUfkafden der Redahtion. Die kurlftlfche Sprechstunde findet LlndenstraSe 8»»Welle» Hof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl"9$} Ivachentäglich adenps von 7Vj bis 9 Vi Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichr» beljuftigcn. Briefliche Antwort wird nicht«rteUt. Bis zur Beantwartung im Brirftasten tonnen 44 Tage drrgchc». Eilige Frage» trage mau tu der Sprechstunde vor. H. 71. Schreiben Sie dem Zentralbureau der Armendirektion, daß Sie mit ihm nichts zu tun haben und direkt an die Charitä zahlen; führen Sie das letztere aus.— O. G. 1874. Fordern Sie den Hauswirt und den Kausmann durch eingeschriebenen Brief aus, die Nachreden zu unterlassen, widrigenfalls Sie Klage erheben würden. Hat das keinen Erfolg, so beschreiten Sie beim Schöffengericht den Weg der Privalllage wegen Beleidigung.— Proletarier Süd-Ost. 1. Nur das Fahrgeld (für die Fahrt zwischen Wohnung und Aibeitssielle) ist abzugssähig; ver» suchen sie eS insoweit mit der Berufung. 2. Bitten Sie die Stelle, bei der Sie den Antrag gestellt haben, um schleunigen Bescheid aus Ihren Erlaßantrag. 3. Ohne ArbeilsverhältniS kann sie nicht mehr kleben. Die früheren Marken verlieren ihre Gültigkeit unwiderruflich, wenn— ohne daß Krankheit vorlag— über zwei Jahre lang nachher leine versicherungspflichtige Beschästtgung bestand und nicht geklebt ist. — M. W. 50. Der große Spiegel ist pfändbar; von den Schneiderei- geraten das, was zur persönlichen Forlsetzung des Gewerbes für Sie nicht notwendig ist. Die Bellen können sie bis zur Scheidung behalten; dann sind sie der Frau zu geben. Sie müssen einen Rechtsanwalt haben. Die Schwiegermutter bat gar kein Recht.— A. W. 50. Die Kündigung ist nicht wirksam. Besser hätten Sic dem Wirt gleich geschrieben; doch wird's wohl auch ohne dies gehen. Sachen der Tochter unterliegen dem Pfand- recht des Vermieters nicht. DaS Pfandrecht deS Vermieters entsteht ohne Pfändung sofort von selbst mit der Einbringung der Sachen in die Mietswohnung. — P. I. 10. 1. In vier Jahren. 2. Deutsche Gerichte sind nicht zuständig.— Z. B. 25. Ja.— B. 73. Er kann aus Berlin und Umgebung ausgewiesen werden.— L. 1000. Sie müssen den Konkurs» Verwalter im Klagcwegc zur Zustimmimg zwingen.— Alter Abonnent. 1. Nein. 2. und 3. sind durch l erledigt. 4. Unsallrente zahlt die Berufs- genoffenschast; aber Ihre Tochter erhält keine, b. Sie können noch klagen. 6. Kein StaniSanwalt, sondern ein AmtSanwatt. 7. Keiner ist.mehr« als der andere._ WttterungSüberiicht vom 4. September 1909. morgen» 8 llyr. Stationen ö 5 c 2 if SwMemdr. 765 SW Hamburg 1 764 SW Berlin|766®53 Franks.« M"67 NO München|768D Wien i 763 still Stationen « 2 c 2 2n ZZ = 2 � S �ndaranda 754 SW Petersburg 762 S Sctllh elb erVeen Pari» 763« 768 SO Setter 4 heiter 1 wölken! 3 bedeckt 1 wolkenl *£ c*» Ü 10 9 14 Wetterprognose für Sonntag, den 5. September 1909. Zunächst ziemlich heiter, etivos. wärmer bei lcbbasien südwestlicheit Winden; später wieder zunehmende Bewölkung, Regen und Abkühlung, Berliner Wetterburcau. 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L Stilanf te Lswmls" Kcrlim PolWtolt. Sonntag. 5. ZkptemdntM. Gerickts- Leitung. Milchpantfcherei. Vor dem Schöffengericht in Spandau hatten sich am Mttwoch der Gutsbesitzer Alfred Schulze aus Seeburg und dessen Mutter, die Rentiere Schulze, wegen Milchpantschcrci zu verantworten. Es wurde erwiesen, daß diese notorisch reichen Leute fortgesetzt die Morgen- und Mittagmilch entsahnt, diese entsahnte Milch in die Abendmilch gegossen und dann als Voll- milch verkauft hatten. Bei der Untersuchung hatte sich ergeben, daß die Milch nur einen Fettgehalt von 2,63, 2,53 und 2,28 Proz. hatte, während der niedrigste zugelassene Fettgehalt 2,76 Proz. betragen mutz. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu der verhältnismätzig niedrigen Geldstrafe von je 366 M. Das Geschäft, welches die Angeklagten bei dem Entsahnen der Milch gs- macht, wird ihnen niehr eingebracht haben als 666 M. Smgegangene DnicKfcbritten. Die Leipziger Messe. Von Dr. P. L. Heubner. Preis 1 M. Georg D. W. 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Schuler, Rlgaer- strafte 14._+38 Zusammenpasser verlangt Stock- sabi+k, Lindenftrafte 16. 1297b Polierer aus Dchirmstöcke ver- langt Stockfabr-ik, Lindensttafte 16. Galanteriepolicrer außer dem Hause verlangt Stocksabrik, Linden- fetafte 1«.->_ 12996 Graveurlchrling, guter Zeichner, sehr gute Zukunft, verlangt R. Tips, Charloltcnstrafte 32 A. 1295b Schraubendreher werden ein- gestellt. Lüben u. Buhse, Berlin. Köpenickerstrafte 153. 1290b Mechanikerlehrlwg verlangt Sebastiansirafte 7. 1289b Tchleiferlehrling verlangt Se� bastlanslrafte 7.__ 1288b Pappenziischnetder, in Berliner Karionsabrtken länger tätig, verlangt Mechanische Kartonnagcn- Fabrik, Alexandrinenstrafte 37 A. 1283b Rasple» auf Schirmstöcke verlangen Alphonse Ludwig u. Co., Belle. Alliancestrafte 92. 1284b Bilderetnrahmer verlangt Lechner, Alexandrinenstrafte 93/94. 1282b Tüchtigen Einpacker verlangen Neumaiiii, Hennig u. Co., Zeughos- strafte 21.+21 Lehrlinge sür Formeret, Gürtler«, Bildhauerei, Drehen und Zff eiteren verlangt Speck, Lützowstrafte 2. Arbeiter-Gesangveretn sucht Dtri- gent sür Donnerstag(Klavier). Zu melden bei Karl Send, WilmerSdors, Ballnerstrafte 143, GarienhanS II. Marmorschleifer verlangt Prieft, Oranienstraftc 20._ 12966 Gitarrezithrr und Dehrock 13,00. Peise, Rixdors, Smserstr. 78.+111 Farbigmacher auf Goldlelsten verlangt Steffen, Rixdors, Eelchower- strafte 3._+111 Paletotschneider sür Damen ver- langt Skarvan, Putikamerstrafte ll. Trückerlehrliug Verlangl Silber- warensabrik Franz Motgau, Markus- strafte 50. Rahmenmacher verlangt Lechner, Alexandrinenstrafte 93/94.__ 1281b Einen verheirateten Arbeiter für Nein» Kohlenhandlung fucht gegen freie Wohnung, Gehalt und Provision GeUeler, Mariendorf. Bergstrafte 8. Ei« tüchtiger Silberarbeiter wird verlangt. H. Rehrmann, Stall- schreibcrstrafte 67.__ 97/19 Guten bi» zwei Goldschmiede- lehrlinge sucht Oskar Hadank, Stall« schreibcrstrafte 34._ 98/1 Arbeitersekretiir. Für daS Slrbelter-sekretariat Itnnt in Oldenburg wird ein Sekretär gesucht. Reflektiert wird auf eine tüchttge, in der GefetzeSkunde und Arbeiter» Versicherung bewanderte Kraft, auch soll derselbe agliaiarifche Fähigkeiten besitzen DaS Ansangsgehalt beträgt SSVi» M. pro Jahr. Offerten mit Lebenslaus und der«ufschrift»Bewerbung* find bis IL. September er. an da» Arbeitersekretar+at Bant, Peterstr. 22, zu richten. Angabe von Referenzen«rwllnscht. 287'! Angabe von Referenzen erwünscht._ 287*200* Nach auSivärtS werden ein oder zwei durchaus lüchlige Dainen gcsitchß die in allen Tellen der Krawatten-Konfektion bewandert find und selbständig arbeiten können. 97/4 Bevorzugt werden solche Bewerberinnen, die Talent haben, Krawatten-Nähnnterricht zu erteilen und möglichst schon Stellungen als Direktrice inne hatten. Gutbezahlte Lebensstellung, eventuell mit Pensionsberechtigung. Anerbieten mit auSsührlichen Angaben der bisherigen Tätigkeit vermittelt Rudolf Moffe, Rathenowcrstr. 3, unter Chiffre T. J- 7457. Schnrzeiinäheriit, perfekt, schwarz, gegen Wochenlohn, auch Lehrdamen. Fabel, Triststrafte 53.+84 Mclkcfrau strafte 4. verlangt Sickmgen- +53 Blusen- Teilhaberin verlangt Pallussek, Weiftensee, Lehdersirafte 4. Damenhemden-Näherin, auch An« lernen, verlangt Boyenstrafte 10 I rechts.__+67 Tüchtige Reinntachjrauen, Waschfrauen werden verlangt im Zentral« Arbeitsnachweis, Rückerstrafte 9, nahe Schönbauser Tor. Geöffnet 7—1.* Mamsells ans Kimonos und Capes. Szczyzielsli, Rcinickendorser- strafte 44., 98,16 Verkäuferinnen sür Spielwaren, Holzgalantcrie, Galanterie und Leder- waren sosort gesucht.— Meldungen l— 2 mittags oder 7— 8 Uhr abends. A. Jandorf u. Co., Grofte Frank- surlerftrafte 113. 2515K Wäsche-Arbeiterinnen für Damen« beinden mit Achselschluft sofort ge- sucht.— Meldungen von 9—10 Uhr vormittags Wäschckonfeklion 21. Jan« darf u Co., Bclle-Alliancestraße 1/2. Paketkontrolldainrn. Junge Mädchen nicht unter sechzehn Jahren, zum Einpacken undkiontrollieren von Waren sofort gesucht. Meldungen 1—2 mittags oder 7— 8 Uhr abends. 21. Jandors u. Co., Bcllc-Aliiancc- strafte 1,2. 251352 Lehrkassiererinnen. Junge Mädchen aus guter Familie, nich! unter sechzehn Jahren, welche fich zu Kassiererinnen ausbilden wolle-.!, sofort gesucht. Meldtmgeu m Begleitung der Eltern oder des Vormundes mittags 1—2 oder 7—8 Uhr abends. A. Jandorf u. Co., Belle- Allianee- strafte 1/2._ 41/2 Junges Mädchen zum leichten �andnähcn verlangt Reetz, Osten, scharnweberstrafte 69, vorn I.+124 Geübte Stepperin und Kavpeni: in, außer dem Hause. Ehling, Bocckh. strafte 36._ 13026 Farbigmacherin. eingeübt aus Spicgclleistcn, findet lohnende Be- schästigung Kastaiiienallee79, Spiegel- sabrik.___ 1279b Polisieuse ans Gold gesucht Neue Grünstrafte 31, Bacr. 1277b Im RrbeitSmarkt durch oefonderrn Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile. Für das 2lrbeitcrsekr-etariat zu Halle a. S. wird zum 1. Januar 1910 ein S. Arrdelttzr.�elti'vtll? ge« sucht. Derselbe muft rednerisch be» sähigt und in der GewerkschaslS- bewegung erfahren sein. Die Gehalts- frage regelt sich nach den Beschlüssen des Siuttgarter GewerkschaslS- longresses. Bewerbungen, denen ein selbstgeschriebener Lebenslauf sowie eine Probearbeit über die Aufgaben des Arbeilkl-sekretariatS beizulegen sind, sind mit dem Vermerk„Ve- Werbung alS Arbcitersckrctär" bis zum 20, September an den Ge- nassen SlaxScimnbel, Italic a.S., Harz 42/43 zu richten,_ 288/1 Einige tüchtige Korbmacher aus Stclic-Kkclktirlb«! werden per sofort verlangt. Stralauer Glas- Hütte, Abt. Korbflechterei. Gesucht bei hohem Kohn ein tüchtiger Arbeiter, der die vleitrApsksbiiksttoil genau kennt. Offerten unter ll. 4 g an die Expedition des.Vorwärts". Ü F zu begründende 1262b ür eine neu Bcrlwerf ttichtiger Werkftthrer gesucht, der eine große Werkstatt mit Umsicht leiten kann, Offerten mit Lebenslaus unter A. 4 an die Expedition dieses Blattes._ Suche 2 Lehrl. f. Bauknnstglascrei. Zu ersr. veelin, Ldristdurgse Str. 32 od. Obet-svddnvneiä», krisohnnsle, 2. Achtung! Holzarbeiter BSegen Streik«np Differenzen sind gesperrt: Für Tischler, Polierer, Ma» fchinenarbeiter und Kiflrii- macher: Kislenfabrik Stolst, LIndenstr 35. Firma Staat». Oberbatimstr. 5. Sämtliche Betriebe in den Orten Rathenow. Mnskau, Segcbrrg (Holstein) und Magdeburg. Kleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- industrie daS Ber-mittelmigsbureau deS gelben,.Handwerkerschtttz- Verbandes" streng zu meidcu sür Modelltischler Modelltischlerei Vormann U. Kärting, Genchlstiafte. Für Stellmacher: Berliner Motorwagenfabrik in Reinickendorf. Die Ortsverwaltung. Einem Teil unserer heutigen Anstage— für den Süden, Süd- ostc» und Rixdorf— liegt ein Prospekt der ZtiidolkubiZ-s Ulclinrd llarnack. Berlin S. 14, Ttallschrciderstraste 57 bei. Werantwortllcber Redakteur: Emil Unaer. Berlin. Lür den Inseratenteil veranttv.l Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Berlag: BorwärtS Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.