Mr. 208. flbonncmcnts-Bcdingungen: Sffionnementä- Preis pränumerando: Biertcljährl. SPS Mä, monatl. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZciwiigS- PrelSIifle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehm-" mr: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, so. Jahrg. vlchtlllt tiglld) außer tilontags. Berliner VolKsblntt. Me Inkrlienz-Lediilsi' beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pjg., für politische und gewerkschaftliche BercinS- und BersammwngS-Anzcigen L0 Psg. „kleine Hnreigen", daS erste lsett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stcllcn-Anzeigen d«S erste Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SKUlftinomt Berlin" Zentralorgan der fozialdemokrati feben parte! Deutfchlands. Arbkiter. Kknossrn.«nterW dmih Grldsmilmimgkil die A«sstij»digeil Hmdklis! vom klelevlteeiji in Schweden. Die sechste Woche deS schwedischen Kampfes hat be- gönnen. Die Kampfesfront ist durch den Beschluß der Ge- Werkschaftsvorstände zwar ein wenig verändert; die Phalanx richtet sich für die Folge nur gegen die eine große Unter- nehmerorganisation, die den Kampf heraufbeschworen hat. Es verlohnt sich, heute auf den bisherigen Gang der Dinge einen kurzen Rückblick zu werfen, um so mehr, als in der von der der Unternehmerzentrale indirekt bedienten bürgerlichen Presse bereits der Kampf als„beendet" hingestellt wird. Daß hier der Wunsch Vater deS Gedankens ist, bedarf an dieser Stelle nicht hervorgehoben zu werden. Das Ziel des gewaltigen Kampfes ist, wie in dem ersten Aufruf der schwedischen Gewerkschaften über die Arbeitseinstellung ausdrück- lich festgelegt wurde, der Masse naussperrungStaktik des Unternehmertums ein Ende zu bereiten. Es sollte durch einen Machtkampf auf der ganzen Linie dem organisierten Unternehmertum entschieden gezeigt werden, wohin ihre tarifvertrag« liche Bestimmung über die Zulässigkeit der Sympathiekämpfe trotz geltender Tarifverträge in der Praxis führen muß. Damit sollte die Taktik der Unternehmer abgewehrt werden, wohl Verhandlungen mit den Gewerkschaften einzuleiten, sich dabei aber der Gewerkschaftsvertreter nur als Staffage bedienen zu wollen. Denn nur darauf läuft die bisherige Taktik der Unternehmerorganisationen hinaus. Es hieß nur: Verhandeln wollen wir mir Euch, aber wenn Ihr Euch nicht unseren Bedingungen fügt, werfen wir morgen 10 000, übermorgen 20000, nächste Woche weitere 50000 usw. auf die Straße. DaS Damoklesschwert der Massenaussperrung der Arbeiter, auch der dem Konflikt völlig fernstehenden und gänzlich unbeteiligten Industrie- gnippen sollte stets die Gewerkschaften unter das Joch der Unternehmerführer zwingen. In dieser Taktik waren sich die ZentralorganisationSgnippcn der schwedischen Unternehmer durchaus einig. Sowohl der unter der Leitung deS Herrn v. Südow stehende schwedische Arbeitgeber- verband, in dessen Rayon zirka 160 000 organisierte Arbeiter be- schäftigt sind, wie auch der Werkstättenverein für die Maschinenbau- industrie und der Arbeitgeberverband für die Baugewerbe, haben zu diesem Zwecke den Gewerkschaften die ominöse Vertragsbestimmung aufgezwungen. Eine Abwehr dieser Taktik der Unternehmer ist aber nur möglich dadurch, daß man ihre Konsequenzen zieht. Als daher bei den diesjährigen Differenzen über die beabsichtigten Lohn- redilktionen in der Herrenkonfektion und Zelluloseindusirie der schwedische Arbeitgeberverband mit der Generalaussperrung begann, in der ausdrücklichen Absicht, die Gewerkschaften sich langsam verbluten zu lassen, um sie nachher an die Wand zu drücken, blieb den Gewerkschaften nichts anderes übrig, alS den Kampf auf der ganzen Linie aufzunehmen. Es genügte nicht, ihn von vornherein auf den einen großen Unter- nehmer-Verband zu beschränken. Denn sobald der Kampf mit diesem durch die Kraftprobe entschieden gewesen wäre, hätte man keine Garantie gehabt, daß nicht eine der beiden anderen Zentralisationen irgend eine unbedeutende Differenz zum Ausgangspunkt neuer Massenaussperrungen oder von Drohungen mit solchen genommen hätte. So mußte sich also die Ausstandsparole auf alle der gewerk- schaftlichen Landesorganisation angeschlossenen Berufe erstrecken. Darüber hinaus haben die übrigen Organisationen sowie 100 000 Un- organisierte Solidarität geübt, so daß faktisch die ganze Industrie zum Stillstand gebracht werden konnte. Nicht nur für wenige Tage, sondern, und das zeugt für die bisher beispiellose Entschlossen« hcit und Zähigkeit, mit der das schwedische Proletariat den Kampf führt, für nahezu fünf Wochen. Ein fünfwöchiger allgemeiner Ausstand schlägt gewiß der Arbeiterklaffe tiefe Wunden. Aber nicht weniger dem Unternehmertum wie der ganzen Gesell- schaft. Handel und Industrie haben ungeheure Verluste erlitten, die sich schließlich erst nach Jahren überwinden lassen. Das sind die Folgen der Massenaussperrungstaktik deS Unter- nehmertninS. Diese Folgen treffen aber nicht nur den einen schwedischen Arbeitgeberverband beziehungsweise seine Mitglieder, sondern durch die Allgemeinheit des Ausstandes auch die in den anderen Zentral- organisationen vereinigten Unternehmer, die die gleiche Taktik der Maffenaussperrungen befolgen und diese Taktik durch die Tarif- Verträge legalisiert haben. Auch diese an den vorliegenden Differenzen nicht direkt beteiligten Unternehmerkreise haben durch den fünfwöchigen allgemeinen Ausstand jetzt am eigenen Leibe erfahren müssen, wohin die Konsequenzen der Verhöhnung des Geistes der Tarifverträge durch die den Arbeitern aufgezwungene Legalisierung der Sympathiekämpfe führen. Sie werden jetzt kaum Neigung verspüren, schon gleich wieder im alten Gleise mit Sympathie« auSsperrnngen vorzugehen. Damit war aber die Möglichkeit einer Frontänderung der känipfenden Arbeiter gegeben. Ihre Notwendigkeit für die Arbeiter selbst braucht in dicsent Zusammenhange nicht untersucht zu werden, weil es klar ist, daß eine Unterstützung der Mehrheit der Industrie- arbeiterschast eines Landes für längere Zeit auf Schwierigkeiten . stoßen muß. Wenn es auch noch ein paar Wochen gegangen wäre, [fo hätte gegenüber den in Frage kommenden nicht direkt beteiligten Unternehmcrgruppen nicht mehr erreicht werden können, als jetzt schon nach nahezu fünf Wochen erreicht war: ihnen die Konsequenzen ihrer Taktik eindringlichst vor Augen zu führen. Zudem kam die Haltung der Unternehmerregicrung des Landes für die jetzt einzuschlagende Taktik der Gewerkschaften in Frage. Die Regierung verweigerte ein vermittelndes Eingreife», so lange die„Vertragsbrüchigen" Arbeiter, also die Buchdrucker, die Straßen- bahner einiger Städte und verschiedene Kommnnalarbeitergruppen, ihr nicht ausgeliefert wurden. War das auch nur ein Borwand, so kam dieser Vorwand für die Entscheidung über die weitere Taktik der Streikleitung doch sehr in Betracht. Weite Kreise deS Bürger- tumS, und an ihrer Spitze die liberale Parteileitung, forderten eindringlichst die Vermittelung der Regierung in dem die ganze Volkswohlfahrt des Landes ruinierenden Kampfe. Nun besteht dieses liberale Bürgertum aus den kleinbürgerlichen und zum guten Teil auch aus den kleinbäuerlichen Kreisen der Bevölkerung, während das industrielle Unternehmertum völlig im Lager der Kon- servativen steht, die die Erste Kammer des Reichstages beherrschen und die jetzige Unternehmcrregierung stellen. Durch den Beschluß der Gewerkschaften, jetzt die KampfeSfront einzuschränken und den Kampf ausschließlich gegen den großen Unternehmerverbänd weiter zu sichren, wird der Regierung jener auch daS liberale Bürgertum einschüchternde Vor wand, die Vermittelung zu verweigern, genommen. Die RegierungS- forderung auf AllSlieferung der Vertragsbrüchigen ist zu gleicher Zeit durchkreuzt. Während aber der Beschluß der Streikleitung, mindestens zirka 100 000 Arbeiter die Arbeit aufnehmen zu lasten und 163 000 im Ausstände zu behalten, die KampfeSfront der Arbeiter vermindert, wird die der Untemehm erzentrale und ihres Ministeriums, politisch betrachtet, erweitert. Das kann für die fernere KampfeSführung nicht ohne Bedeutung bleiben. Um diesen Kampf durchzuführen, bedarf eS natürlich noch der weitgehendsten Unterstützung durch die Arbeiterschaft deS Auslandes! Besonders auch an die deutsche Arbeiterschaft ergeht die Bitte, die Sammlungen eifrigst zu betreiben, da der Kampf mit der Unter- nehmerzentrale des schwedischen ArbeitgebervereinS noch wochenlang andauern dürfte. Bis auf den Maschinenbau, die Baugewerbe, die kommunalen Betriebe und die Buchdruckereien nimmt der Kampf in der ganzen übrigen Industrie unverändert seinen Fortgang! » Um die Berliner Arbeiterschaft über die Lage deS Kampfes zu informieren, hat die Berliner Gewcrkschaftskommission für heute, Dienstag, abends 8'/? Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine Versammlung einberufen. in der unser Genosse Reichstagsabgeordneter Hjalmar Branting-Stockholm über den Massenstreik in Schweden referieren wird. Für einen zahlreichen Besuch der Versamm- lung wird die Berliner Arbeiterschaft sicherlich Sorge tragen I » Eine Wolffdepesche meldet aus Stockholm, daß nur in einigen wenigen Druckereien die Arbeit heute wieder aufgenommen worden ist, die überwiegende Mehrzahl der Typographen verweigerte die Wiederaufnahme der Arbeit. Diese Meldung zeigt aufs neue, wie das Ausland durch die vom Unternehmertum organisierte Bericht- erstattung getäuscht wird. Ueber die Ursache der Weigerung der Buchdrucker, die Arbeit aufzunehmen, sagt die Depesche nichts. Der Grund ist nämlich der, daß die Buchdruckerei- besitzer von den Arbeitern die Unterschrift und A n- erkennung persönlicher Verträge fordern, was die Typographen selbstverständlich verweigern. Die sozial- demokratische Presse wird von diesen Differenzen nicht be- troffen, da sie jene Unternehmerforderung nicht erhebt. Auch ein großer Teil der bürgerlichen Druckereien scheinen nach dem Wortlaut der Depesche von jener Forderung Abstand ge« nommen zu haben. Sie chineüich-jspaniiche Veritandigung. Die Ueberraschungen in Ostasien hören nicht auf. Kaum war kürzlich bekannt geworden, daß China sowohl in der Antung-Mukdcn-Bahnangelegenheit wie in dem Streit um die Fortführung der nordchinesischen Eisenbahn nachgegeben habe, in dem einen Fall dadurch, daß es Japan für den Aus- bau der Linie Antung-Mukdcn als Fortsetzung der großen koreanischen Zentralbahn keine Schwierigkeiten mehr machen wollte, im andern Fall dadurch, daß es selbst auf den Weiter- bau der nordchinesischen Bahn im eigenen Territorium, von Hsinmintung nach Fakumön, Verzicht leistete,— kaum war dieses Abkommen wie eine Unterwerfung Chinas unter den japanischen Willen angekündigt, da schwirrten über Petersburg, über New Jork, über London alle möglichen Gerüchte über weit umfassendere Abmachungen zwischen den beiden ostasiatischen Mächten durch die Welt. Und es dauerte nicht lange, bis sich herausstellte, daß in der Tat China und Japan, wenn auch vielleicht kein formelles Bündnis, so doch eine sehr weitgehende Verständigung über alle unmittelbaren Streitsragen erreicht haben, eine Verständigung, die ihre Spitze u n v e r- kennbargegenRußland richtet. China baut seine nord- chinesische Bahn aus, zwar nicht als Parallelbahn zu der von den Japanern verwalteten südmandschurischen Strecke, wohl aber bis zum Anschlüsse an diese bei Mukden. Vielleicht war dies Ergebnis nicht schwer vorauszusehen: Abgesehen davon, daß der bisherige Endpunkt der nordchinesischen Bahn in der Höhe von Mukden liegt, so daß ihre Fortführung bis zu diesem Platz das mindeste war, was die Japaner den Chinesen zugestehen mußten, ab- gesehen davon haben die Japaner auf ihren offiziellen Karten auch bereits die jetzt von ihnen bewilligte Strecke Hsinmintung- Mukden eingetragen, waren also offenbar schon lange bereit, diese Lösung der Frage allein zu genehmigen. Aber das wichtigste ist nun, daß auch die Antung-Mukdenbahn die Spurweite der nordchinestschen Eisenbahn erhält, also weder die der koreanischen Zentralbahn von Fusan über Soeul nach Widjou, deren Fortsetzung auf manschurischem Gebiet sie bildet(die Brücke über den Aaln zwischen Widjou und Antung soll diesen Herbst begonnen werden), noch die der südmandschurischen Bahn, die sie bei Mukden erreicht. Durch dies Faktum wird am deutlichsten bewiesen, daß der Pakt auf japanischer Seite durchaus loyal gemeint ist. Die nord- chinesische Bahn wird nun also als technisch einheitliches Werk von Äintschou aus über Mukden bis Antung einen großen Halbkreis um die Liantung- Halbinsel herumschlagen. Weiter ist zwischen China und Japan ein ganz neues Bahnprojekt verabredet worden, nämlich von Kirin nach der koreanischen Grenze oder vielleicht nach der Halbinsel Tschientao an der Mündung des Tumen-Flusses, der die nordöstliche Grenze Koreas gegen die Mandschurei bildet. Der Streit um die Tschientao-Halbinsel ist durch das gleiche Abkommen zugunsten Chinas beendet, jedoch behält sich Japan das Recht vor, die Hälfte des Kapitals zum Bau der genannten Bahn aufzubringen. Der dritte wichtige Punkt ist, daß Japan für seine Stellung an der südmandschurischen Bahn auf die Geltendmachung aller jener Hoheits- und Bcwachungsrechte verzichtet, die Rußland an der nordmandschurischen Bahn, besonders in Charbin, so rücksichtslos geltend gemacht hat, daß sogar die europäischen Mächte und die nordamerikanische Union Ein- spruch zu erheben für nötig befanden. Japan wird voraus- sichtlich binnen kurzem seine„Polizej"-Truppen aus dem Ge- biete der südmandschurischen Bahn vollständig zurückziehen, und wenn dann Rußland notgedrungen in der Nord- Mandschurei das Gleiche tut, ist seine militärische Verbindung zwischen Transbaikalien und dem südlichen Zipfel der Küsten- Provinz(Wladiwostock) auf eine Strecke von mehr als IlXB Kilometer unterbrochen. Wenn es das aber nicht tut—— ja, dann tritt vielleicht die militärische Bedeutung der chinesisch- japanischen Vcr- st ä n d i g u n g in ihre Rechte. Es braut sich also wieder was zusantmcn im fernen Osten. Wann es zum Schlagen kommt, das ist freilich nicht voraus- zusagen. Es sprechen viele Gründe dagegen, daß es sehr bald losgeht, aber es spricht auch einiges dafür. Die Situation ist nämlich so. daß China erst im Jahre 1912 seine Militär- reorganisation vollendet hat und daß bis dahin auch Japan aus finanziellen Gründen noch Ruhe braucht. Auch dauert es natürlich einige Jahre, bis die nordchinesische Bahn den An- schluß an Mukden erreicht und die Antung- Mukdenbahn vollständig ausgebaut ist. Die Bahn Kirin-Tschientao oben- drein, die einen Hauptteil der japanischen Militärtransporte übernehmen müßte, wenn gleichzeitig China von Mukden aus die südmandschurische Bahn bis Charbin zu dem gleichen Zwecke beansprucht, ist noch nicht einmal bewilligt oder auch nur traciert. geschweige denn gebaut. Aber alle diese un- günstigen Momente werden dadurch wettgemacht, daß auch Rußland hoffen kann, in einigen Jahren bedeutend stärker da- zustehen als heute. Erstens kann es seine militärische und finanzielle Desorganisation bis zu einem gewissen Grade überwunden haben, wobei freilich das„kann" zu unter- streichen ist. Zweitens aber, und hier handelt es sich nicht nur um Möglichkeiten, wird es in einigen Jahren bedeutend bessere Verbindungen mit und in Ostasien besitzen wie heute noch. Während nämlich heute die transsibirische Bahn nur einen Zugang vom europäischen Rußland aus besitzt, den von Moskau durch das mittlere Wolga-Gebiet, erhält sie zur- zeit noch einen zweiten, die sogenannte nordrussische Bahn, die von Petersburg über Wologda, Wjatka uno Perm geführt wirb, dann den Ural überschreitet, und über Jckaterinburg und Tjumen die wcstsibirische Ebene erreicht, wo sie sich bei Omsk am Jrtisch mit der transsibirischen Bahn vereinigt. Von hier aus aber wird die transsibirische Bahn zur- zeit zweigleisig ausgebaut, vorläufig, wenn wir nicht irren, bis zum Baikalsee(Jrkutsy. Und weiter wird(gegen den Widerspruch der Dunia) von Transbaikalien aus die so- genannte Amurbahn nördlich um die Mandschurei herum- geführt, so daß also in absehbarer Zeit eine unabhängige Bahnverbindung mit der Kiistenprobinz am Japanischen Meer vorhanden sein und die transmandschurische Bahn bis zu einem gewissen Grade militärisch ersetzen wird. Wollen also China und Japan warten, bis alle diese bereits in der Aus- führung begriffenen Bauten fertig sind, dann wird der Krieg von beiden Seiten mit vollkommeneren Transportmitteln ge° führt iverdcn, also um so hartnäckiger und blutiger werden. Uebrigens wissen auch die Russen ganz gut, worauf es in letzter Linie ankommt: Wie dem„Daily News" aus Montreal berichtet wird, hält sich zurzeit ein Fürst Lyoff,„Repräsentant der russischen SemstwoL", in Kanada auf, um das dortige Ansiedelungswescn zu studieren. Er will„die besten Methoden für eine organisierte Kolonisation der Mandschurei durch russische Siedler" ausfindig machen, um eine landwirtschaft- liche Pufferkolonie„gegen das Vordringen der orientalischen Raffen" zu schaffen. Wir vermuten, daß Fürst Lyoff zu spät konimt. politische(leberliekt. Berlin, den 6. September 1909. Herr Reichstagsabgeordneter W. Schuck. Im„Hamburger Fremdenblatt" erschien am 29. Juni 1909 eine Anzeige, durch die eine Reisebegleiterin nach der holsteinischen Schweiz gesucht wurde. Ein junges Mädchen von zwanzig Jahren, das sich erbot, die Stellung an- zunehmen, ward anonym nach einem größeren Lokal Ham- burgs bestellt. Dort fand es ein Ehepaar vor, das merk- würdigerweise seinen Namen nicht nannte und auch manche dunklen Redewendungen gebrauchte. Nach der Unterredung ging dem Mädchen folgendes Schreiben zu: Hamburg, den 19. Juli 1909. Geehrtes Fräulein! Bon denjenigen jungen Damen, die sich bei uns vorgestellt haben, würden wir am allerliebsten mit Ihnen die Verhandlungen weiterführen. Die Bemerkung meiner Frau über das von Ihnen gewünschte Verhältnis war nicht so aufzufassen, daß von Ihnen ein Abschließen Ihrer vorhandenen gesellschaftlichen Beziehungen verlangt wird, im Gegenteil würden Sie über Ihre freie Zeit natürlich ganz nach Ihrem Ermessen verfügen können, in dieser Beziehung überhaupt eine so angenehme Stellung haben, wie Sie sich nur wünschen können. Es ist uns aber zweifelhast, ob Sie uns richtig verstanden haben, waS wir unter dem innigen Verhältnis meinen, zu dem wir einladen. Wir wollen mit der junge» Dame, die wir suchen, das Leben und die Freuden der Liebe, ihre Schönheiten in allen Teilen gemeinschaftlich genießen in k ö r p e r- l i ch e r und seelischer Gemeinschaft. Sie soll als richtig gleichberechtigte Dritte in unseren Bund eintreten und müßte bei gegenseitiger Neigung natürlich ebenso wie meine Frau die Gefühle für einen Mann und Frau in sich ver- einigen. Sollten Sie uns aber doch richtig verstanden haben, so bitten wir um Ihre Nachricht. Jedenfalls würden Sie bei uns recht glücklich sein. Indem ich Ihnen Ihr Bild, da wir Sie ja jetzt kennen gelernt haben, zurücksende— übrigens reicht das Bild nicht entfernt an die Wirklichkeit heran—. verbleibe in der Hoffnung auf eine zu- sagende Antwort, die erbeten wird unter T r i o l e. Wenn an dem Sinne dieses Briefes noch ein Zweifel wäre, die Pseudonyme Unterschrist„Triole" würde ihn be- seitigen. Nach Meyers Kleinem Konversationslexion bedeutet das Wort„Triole" nämlich eine Figur von drei Noten, die soviel gelten sollen wie sonst zwei derselben Art.— Die Eltern des Mädchens übergaben den Brief der Kriminal- Polizei, weil sie der Ansicht waren, es mit einem Mädchen- Händler zu tun zu haben. Beim Abholen der postlagernd er- betenen Antwort sollte der vermeintliche Mädchehändler ae- faßt werden, und als man zugriff, da hatte man den Reichs- tagSabgeordneten W. Schack gefangen. Also kein Mädchen- Händler, sondern ein Neichstagsabgeordneter war der Kriminalpolizei in die Hände gelaufen I Und es ist auch kein Zweifel, daß der im 41. Lebensjahre stehende Wilhelm Schack mit seiner Frau und der 20jährigen, für vier Wochen„gleichberechtigten Reisebegleiterin" wirklich, wie in dem Inserat angegeben war, nach der holsteinischen Schweiz reisen wollte, denn dort befindet sich in herrlicher Gegend die idyllisch gelegene Villa Schack. Welche Rolle die Eheleute Schack als Privat- Personen in dieser Sache spielen, ist gleichgültig, uns interessiert nur der Sl b g e o r d n e t e W. S ch a ck. der als V o r st e h e r des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes so sehr gegen die sittlichen Gefahren der Frauen- arbeit im Handelsgewerbe zu wettern verstand und über den Segen der Tätigkeit der jungen Mädchen im„reinen deutschen Hause" wahre Loblieder zu singen wußte. Die Oeffentlichkeit aber hat jetzt die Frage zu beantworten: Kann dieser Mann, der eine treue Stütze des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie ist, noch längerMitglied desReichstags bleiben? Zeutrumstaktik. Der Führer der Zentrumsfraktion des Reichstages, Herr Dr. Spahn, hat am Sonntag in Rheinbach bei Bonn eine Rede vom Stapel gelassen, in der er sich gegen die Be- mühungen aussprach, eine Definition mit„konfessionellem Einschlag" für die Zentrunispartei aufzustellen, und in der er zugleich etwas von der Taktik mitteilte, die die Zentrums- leitung in nächster Zeit auf parlamentarischen! Gebiete zu befolgen gedenkt. Er sagte: „Wie bisher werden wir in Zukunft bemüht bleiben, daß bei allen Gesetzen der Meistbeteiligte, das deutsche Volk, zu seinem Rechte kommt. Die gegnerische Presse beschäftigt sich wieder mit der Wiedereinbringung eines Antrages auf Aufhebung deZ§ 1 des Jesuitengesetzes, die im früheren Reichstag beschlossen ist. Die Fraktion hat sich damit nicht befaßt. Deshalb dürfen unsere Wähler doch überzeugt sein, daß wir die Ehrenpflicht, die wir den Jesniten schulden, nicht vergessen haben und nicht vergessen werden. Deshalb sind wir nicht kulturfeindlich; mit dieser abgestandenen Redensart mögen die Herren aus dem Kulturblock uns vom Leibe bleiben. Wir pflegen ebenso früh aufzustehen wie sie. Die Zentrums- staktion ist durch die lange Zeit ihres Bestehens manchen schweren Gang gegangen. Sie hat im festen Vertrauen auf ihre Wähler im Glücke nicht nur, sondern auch in Unglück und Rückschlägen ihre Festigkeit und Entschlossenheit bewahrt. Wer auf ihre Zer- splitterung wettet, verliert auch jetzt den Einsatz." Sind diese Sätze auch sehr vorsichtig gehalten, so ergibt sich daraus doch, daß daS Zentrum, um nicht mit den Kon- servativen in Zwist zu kommen, zunächst seine Forderungen aus kirchenpolitischem Gebiete, besonders sein Verlangen der Aufhebung des§ 1 des Jesmtengesetzes zurückzustellen gedenkt. Sein Bestreben geht offensichtlich dahin, sich unentbehrlich zu machen und wieder fest in den Sattel zu gelangen— das Weitere folgt später.__ Hakatistenkongreh. In Kattolvitz(Oberschlesien) hielt am Sonnabend und Sonntag der Ostmarkenvercin, das heißt der Bund der Hakatisten, einen so- genannten„Deutschen Tag" ab, um sich zum Kampf gegen das Polentum durch gegenseitige patriotische Versicherungen zu stärken. Daneben wurden Telegramme an den Kaiser und den Reichskanzler fabriziert. Das Telegramm an den Kaiser hat folgenden Wortlaut: Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät legen die auf den Ruf des Deutschen Ostmarkenvereins zum Deutschen Tage in Kattowitz vereinigten viele Tausend treuer Patrioten ihre ehr- furchtsvollen Huldigungen zu Füßen. In unserem Bestreben, das Deutschtum im Osten und insonderheit auch in dieser Pro- vinz, die Euerer Majestät großer Vorfahr gewonnen, zu kräftigen und gegenüber feindlicher Agitation den deutschen Besitzstand zu sichern, blicken wir dankbar aus zu Euerer Majestät, als dem erhabenen Hort jeder nationalen, auf die Größe und Einheit des Vaterlandes gerichteten Tätigkeit. Gez.: v. Tiedemann. Pohlmann. Auf dieses Telegramm ist folgende Antwort eingelaufen: In dankbarer Anerkennung der Bestrebungen des Deutschen OstmarkenvereinS, das Deutschtum auch in der Provinz Schlesien zu kräftigen und zu fördern, spreche Ich allen zum Deutschen Tage dort vereinten Patrioten für die freundliche Begrüßung Meinen wärmsten Dank aus. Möge der für die Zukunft und die Größe des deutschen Vaterlandes so bedeutungsvollen Arbeit Gottes Schutz und Segen, in reichem Matze beschiedcn sein. Wilhelm, l. R. Der Sonntag war vornehmlich dem Vergnügen gewidmet. Am Mittag fand ein großes Festmahl zu 200 Gedecken statt mit den üblichen Toasten auf Kaiser und Reich, und darauf zog ein großer wohl an 10000 Teilnehmer zählender Festzug nach dem Südpark hinaus, um dort Sedan zu feiern» Der weibliche Lockspitzel. Die russische Polizeiagentin Jutschenko hat dem Berliner Korrespondenten der Moskauer Zeitung„Rußkoje" mitgeteilt, daß sie a u S g e w i e s e n worden sei und Berlin im Laufe der nächsten drei Tage verlassen müsse. Sie sei auf die Polizei geladen worden. Dort habe man ihr mitgeteilt, daß ihre weitere Anwesenheit zu Unzuträglichkeiten führen könne und daß sie deshalb Preußen ver- lassen müsse. Von der rusiischen Polizei wurde ihr angeraten, nach Brasilien zu fahren. Sie lehnte dies ab und will in einem Orte Europas Aufenthalt nehmen. Die preußische Polizei kann also doch russische Lockspitzel auS- weisen. Allerdings erst dann, wenn sie entlarvt worden sind und also für Väterchens Polizei keinen Wert mehr haben. Alsdann ist der preußischen Polizei erlaubt, ihr Reinlichkeitsbedürfnis bor aller Welt zu demonstrieren._ Moderne Gesetzgebungskunst. Wie oft Gesetze abgefaßt werden, dafür gibt der Direktor der Seeberufsgenossenschaft, S ch a n s e i l. in der deutschen nautischen Zeitschrift„Hansa" ein Beispiel. Schauseil bespricht die Reichs ver- sicherungsordnung vom Standpunkte der Seeschiffahrt aus. U. a. verweist er auf den§ 1160, der die Bestimmungen über die Heil- anstaltspflege enthielt. Der Paragraph beginnt mit den Worten: „Für Heilanstaltspflege find die§§ 688, 689 Abs. 1, 690, 691 ent- sprechend anzuwenden." „Schlägt man diese Paragraphen nach", so schreibt Direttor Schauscil,„so findet man, daß in ihnen wiederum auf die§§ 648, 665 bis 669, 671 und 223 verwiesen wird. In diesen wird wiederum Bezug genommen auf die§Z 202, 205, 208, 209, 214 bis 221, 223, 226, 240, 503, 504, 505, 514, 518, 525, 528 und 717. Beschäftigt man sich sodann mit letzteren Paragraphen, so findet man dort wieder Verweisungen auf die§§ 218, 263 und 417. Durch diesen ganzen Wust von Paragraphen, die an die Stelle der durchaus ein- fachen, klaren und verständlichen Bestimmungen des§ 17 des bisherigen See-Unfallversicherungsgesetzes getreten sind, würde sich für die Zukunft jeder hindurchzuarbeiten haben, der sich ein zu- treffendes Urteil über die auf dem Gebiete der Seeunfallversicherung zu leistende Heilanstaltspflege bilden wollte. In ähnlicher Weise liegen die Verhältnisse bei vielen übrigen Bestimmungen. Einem Fachmann wird es schon sehr schwerfallen, sich in den verschiedensten in Rücksicht zu ziehenden Gesetzesbestimmungen zurechtzufinden, für weite Kreise der Versicherten aber dürfte sich die Möglichkeit einer auch nur einigermaßen zutreffenden Orientierung direkt als aus- geschlossen erweisen. Die praktische Verwendbarkeit des Gesetzes— und auf diese muß doch in erster Linie Rücksicht genommen werden— wird aber unter diesen Umständen in hohem Grade erschwert, wenn nicht gar illusorisch gemacht werden." Mtlitärrevolte in Kamerun. Wie es scheint, ist es dem deutschen Militarismus im tropischen Kamerun noch nicht gelungen, den farbigen Vaterlandsberteidigern durch eiserne Disziplin und barbarische Bestrafung jeder Auf- lehnung gegen die Befehle der Vorgesetzten in gleichem Maße blinden Kadavergehorsam und SelbstgefühlSlosigkeit einzupauken, wie den deutschen Volkssöhnen im Waffcnrock. In der farbigen Schutztruppe Kameruns ist eine bedenkliche Revolte ausgebrochen, über welche die„Nordd. Allgem. Ztg." folgendes zu berichten weiß: „Nach soeben aus dem Schutzgebiete Kamerun bei dem Reichs- kolonialamt eingetroffenen Meldungen haben etwa sechzig farbige Soldaten der in Banjo stehenden 4. Kompagnie der Schutztruppe für Kamerun am 14. Juli d. I. ihreStationbewaffnet in Richt ung der Küste verlassen, um in Soppo, dem Sitze des Kommandos d-r Schutztruppe, wegen verschiedener Kom- petenzfragen gemeinschaftliche Beschwerde zu führen. Es handelt sich anscheinend in erster Linie um das für die farbigen Soldaten schon seit mehreren Jahren im Interesse der Schlagsertigkeit der Truppe erlassene allgemeine Verbot, mehr als ein Weib und einen Boy zu halten, während bei der genannten Kompagnie manche Leute nachweislich bis zu fünf Weibern und drei Boys hatten. Die hierdurch den einzelnen Soldaten in ihrem HauS- halte entstehenden Verpflegungsschwierigkeiten und Geldverlegen- heiten haben dann die Unzufriedenheit der Leute wachgerufen. Dem energischen Eingreifen der Europäer der Kompagnie und ihrer tadellos sich haltenden farbigen Dienstgrade gelang es, die abziehenden Leute unweit der Etation ohne Waffengewalt zur Rückkehr und Abgabe der Gewehre zu bewegen. Die Rädels- führer wurden sofort in strengen Gewahrsam genommen und harren nunmehr ihrer Bestrafung. Ucber den Verlauf der kriegsgerichtlichen Untersuchung ist näherer Bericht telegraphisch eingefordert worden. Die Ablösung der ganzen Kompagnie durch andere Mannschaften hat in- zwischen stattgefunden." Die schwarzen Vaterlandsverteidiger haben es demnach in Kamerun noch nicht bis zu der tiefen Erkenntnis gebracht, daß Gehorsam und Fügsamkeit die höchsten aller militärischen Tugenden sind. Die„Nordd. Allgem. Ztg." tritt denn auch erneut für den Vorschlag ein, die Zuverlässigkeit der farbigen Schutztruppen der deutschen tropischen Schutzgebiete dadurch zu verstärken, daß man in sie landfremde Söldncrmannschaften auS anderen Gebieten einreiht. Ob das nützen wird, ist fraglich. Die Schönheiten des deutschen Militgrisinus sind so eigenartiger Aatur, dgß kngn selbst bei den rohesten afrikanischen und ozeanischen Völkerschaften sür sie kein Verständnis finden wird. Nenderungen in den höheren Kommandostellen der Marine sind durch Kabinettsorder bekanntgegeben worden: Prinz Heinrich von Preußen wurde unter Beförderung zun, Großadmiral zum Generalinspekteur der Marine ernannt. Vizeadmiral v. Holtzendorff wurde zuni Chef der Höchste- flotte, Admiral v. Fischel zuni Chef des AdmiralstabeS der Marine. Admiral Graf Baudisstn zum Chef der Nordstestation, Konteradmiral Pohl zum Chef des ersten Geschwaders, Konteradmiral Jacobsen zum Jnspelteur der Schiffsartillerie ernannt, und Konteradmiral v. Krosigk in das Marinekabinett kommandiert. Die Analphabeten im deutschen Heer. Nach der Statistik wurden im Ersatzjahr 1903 in das Heer 58 Rekruten(0,02 Proz. der Gesamtzahl aller Neueingestellten) ein- gestellt, die ohne Schulbildung waren. Bezüglich der verschiedenen deutschen Länder verteilten sich die 53 Rekruten_ so: Aus Preußen stammten 40 und zwar 7 auS Posen, 8 auS Ostpreußen, je 4 ans Pommern, Schlesien, Hessen, je 3 aus Sachsen, Westfalen, je 2 anö Westpreußen, Brandenburg, Rheinland, 1 auS Hannover. Dann kommt Württemberg, welches 7 aufwies. Aus Bayern stammten 4. Bade» zählte 2 und Mecklenburg und Brannschweig hatte je 1. J-.n Fahre 189? waren noch 200, im Jahre 1337 gar noch 1250 Rekruten Analphabeten. Es ist charakteristisch für die Zustände Ostelbiens, daß die Preußischen Ostprovinzen den größten Teil der Analphabeten stellen. „Grober Unfug". Acht Genossen, die in Königsberg von der Polizei fest- genommen waren, weil sie bei der Wahlrechtsdemonstration am 31. Januar Hochrufe auf daS Wahlrecht ausgebracht hatten, wurden vom Schöffengericht zu je 15 M. Strafe verurteilt. In der Be- rustmgsinftanz' mußten sechs der Angeklagten freigesprochen werden, da nicht genau festgestellt werden konnte, daß sie wirklich gernfen hatten. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Haase, wies darauf hin. daß man Hochrufe politischer Tendenz oft höre, wenn patriotisch- Umzüge veranstaltet würden und hohe Persönlichkeiten der Stadt Besuche abstatten. Bei derartigen Gelegenheiten wird in den Hoch- rufen kein grober Unfug erblickr. ES sei deshalb ganz unverständlich. warum Hochrufe auf eine Wahlreform, die in der Thronrede bereits zugesagt sei, grober Unfug sein sollen. DaS Gericht ging auf die Einwände des Verteidigers nicht ein. Landtagserfatzwahl in Neustadt a. H. Bei der vorgestern vollzogenen Ersatzwahl im bayerischen Land- tagSwahlkreise Neustadt(Haarst)- Edenloben erhielt Hamnierschmidt (Lib.) 4779, Lorenz(Zentr.) 3445, Ackermann(Soz.) 4179 Stimmen. Hammerschmidt ist somit mit 600 Stimmen Mehrheit gewählt. Die Aktendiebstähle in Kiel sind weit größer als ursprünglich angenommen wurde. Die Unter- suchung hat ergeben, daß nicht nur eine Anzahl Briefe, die den Magazindirektor Heinrich belasten, entwendet worden sind, son- dein auch die umfangreichen eigenhändigen Abrechnungen der mir- angeklagten Kanfleute Franlenthal, Brakol und Jacob- söhn. Auch diese Dokumente sind wertvolles Beweismaterial für die jahrelang betriebenen großen Durchstechereien. Die Schriflstiicle sind gewaltsam aus den Akten herausgerissen worden. Die Kiclcr Staatsanwaltschaft hat auf die Wiederbeschaffung der Asten eins Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Der wegen Verdachts der Täterschaft verhaftete GerichtSaktuor Candenberg ist noch nicht wieder entlassen worden. Wie berichtet wird, soll ver Staatsanwaltschaft bekannt sein, daß seit etwa Jahres- frist von ganz bestimmter Seite mit großem Nachdruck immer von neuem versucht worden ist, den Gang der Untersuchung in der Affäre der Werftunterschleife zu stören, und Akten und Belastungs- material zu beseitigen.—_ Der Fall Schiicking wird demnächst wieder von sich reden machen. Wie dem „Berliner Tageblatt" telegraphisch gemeldet wird, ist die Ber- Handlung vor dem Obcrverwaltungsgericht als Bcrufungs- instanz auf den 21. September angesetzt worden. Die beleidigte„Soldateska". In der Nummer vom 7. August 1903 unseres Bremerhavenc. Parteiorgans„Norddeutsche Volksstimme" erschien ein Artikel mit der Ueberschrist„Soldateska", der den sakrosankten Militarismus einer Kritik unterzog und Mittel und Wege angab, wie dessen Aus- wüchsen entgegengetreten werden müsse. Der preußische Krieg?- minister, der den das Wesen deS Militarismus kritisierenden Artikel als beleidigend für die Gesamtheit der Angehörigen deS Kriegsheeres erachtete, stellte gegen den verantwortliche-i RedalteurdcsgenanntenParteiorgans, Genossen Hartig, Strafantrag. Das Schöffengericht zu Bremerhaven erkannte auf Frei- sprechung, während daS Berufungsgericht, die Bremer Strafkammer, auf eine Geldstrafe von 100 M. oder 10 Tage Haft erkannte. Wegen Verletzung des materiellen Rechts legte H. Revision ein, die aber vom hanseatischen OberlandeSgericht zu Hamburg mit folgender Begründung verworfen wurde: Die Revision hat sich als uu- begründet erwiesen. Eine Gesetzesverletzung ist nicht zu erkennen. Der Einwand des Angeklagten, daß sich der Artikel lediglich gegen daS System des Militarismus richte und daß er nur durch A u s- kl ärun g wirken wolle, wird durch Wortlaut und Sinn des Artikels widerlegt: Welch Endziele der Verfasser auch verfolgt haben mag, die geschriebenen Worte enthalten gehäufte Schmähungen des deutschen und insbesondere des preußischen Heeres; daß eine Personenmehrheit unter einer Kollektivbezeichnung„das deutsche Heer"— gegen das sich der Artikel richtet— beleidigt werden kann, ist unzioeifelhaft. Der preußische Kriegsminister war daher zum Strafantrag berechtigt. Diese Begründung läßt sich in die Worte kleiden:„Rühret nicht daran!"_ OeHtemicb. Nationalitätcnradau und Polizeibrutalitäten. Am Sonnabendabend fanden in Wien drei deutschnationale Versammlungen statt, in denen blöde Tschechenhetze betrieben wurde. Nach Schluß der Versammlungen wollten die Teilnehmer auf die Ringstraße ziehen. Obgleich dabei alles in vollster Ordnung vor sich ging, wollte die berittene Wack« die Demonstranten,„zerstreuen". ES kam infolgedessen zu erbitterten Zusammcnstützen. Die Wach- leute zogen blank und schlugen auf dieflüchtendenDemon- stranten ein. Einer der Fliehenden blieb tot auf dem Platze, verschiedene andere wurden verwundet. Außerdem wurden massenhafte Verhaftungen vorgenommen. Einer der Verletzten ist inzwischen gestorben.__ Konfiskation der„Arbeiter-Zeitung". Die„Wiener Arbeiterzeitung" meldet vom 3. September: In einem seiner periodisch wiederkehrenden Anfälle hat der Staatsanwalt heut« die„Arbeiter-Zeitung" konfisziert. Der Ar- tikel des Abgeordneten Renner„ReligionS-, Kultus- und Klassenkampf" schloß mit den Worten, daß Jesus uns immer teuer sein wird und daß wir nicht müde werden, an sein Wort immer zu gemahnen. Und in diesen Schlußsätzen hat der weise Pollak anderthalb Zeilen als— Gotteslästerung konfisziert? Ja auch gegen Pollak kämpfen Götter selbst vergebens? Gelegentlich werden die Leser noch erfahren, waS der Herr Staatsanwalt da konfisziert hat; selbstverständlich werden wir auch die gerichtSordnungSmäßigen Mittel nicht scheuen, um mit ihm, so weit es das jämmerliche Kreßgesetz zuläßt, abzurechnen. fpankrcicb. Die Friedensdemonstration. Heber den Verlauf der schon kurz gemeldeten öffentlichen Ver- sammlung zu Paris, die sich an die Konferenz der gewerk- schaftlichen LandeSgentralen anschloß, wird noch ge- meldet: Als Redner traten auf: Appleton(England). Legien, GomperS(Ver. Staaten). To deSchi(Italien), Dario (Spanien). Jouhaux und Dvetot(Frankreich). Dario sagte: Ich will nicht erzählen, was man im Falle eines Krieges tun mutz, sondern was wir getan haben... Unsere Re- gierung verhaftet jetzt die Teilnehmer am Kampfe und die sich ferngehalten haben... Wenn der Konflikt fortdauert, werden wir Euch auffordern, die spanischen Schiffe und Waren zu boh- kottieren, um die spanische Bourgeoisie, die den Krieg gewollt hat. zugrunde zu richten. Legien betonte, datz die deutschen und die französischen Arbeiter einander nicht als Feinde betrachten, sondern als Kampfgenossen gegen den gemeinsamen Feind Kapitalismus. So gut wie die spanischen Arbeiter mutzten auch die deutschen und französischen Arbeiter sich einem Kriege widersetzen, was sie noch viel erfolgreicher vermöchten...Mögen die Bourgeois sich selbst schlagen, wenn sie wollen, aber nicht den Arbeiter ins Feld schickenl" �**£ begrüßte es, daß man nun nicht mehr sagen könne, die englischen und deutschen Arbeiter stimmten hinsichtlich deS Anti. Militarismus mit den französischen nicht überein.„Wir werden die Kriegserklärung mit dem Generalstreik beantworten, die Auf. fordcrung zur Menschenmetzelei mit der Befreiung der Völker!" Der„Temps" ärgert sich über die Ausführungen LegienS. Er wirft ihm Unverschämtheit vor und verdächtigt ihn. datz er zu Hause anders rede. Es patzt diesen Nutznießern deS EhauviniSmuS naturlich nicht, wenn ihrer Taktik, die Arbeiter der verschiedenen Lander gegeneinander auszuspielen und den..unpatriotischen" französischen Arbeitern die deutschen Sozialdemokraten als patrio. tische Musterknaben entgegenzuhalten, der Boden entzogen wird. Hier lsts za nicht anders. Italien. Zarenbesuch und Zarenmethoden. Rom, 2. September. sEig. Der.) � Der..Avanti" erfährt von zuverlässiger Seite, datz der Zaren- besuch im Hafen von Spezia in der letzten Septemberwoche statt- finden werde. Der Zar würde vorher Mahomet V. besuchen und dann an Bord der„Standard" unter Begleitung deS Geschwaders, das sich in Messina ausgezeichnet hat, im Golf von Spezia mit dem König von Italien zusammentreffen. Eine Abteilung eines französischen Geschwaders werde zu dieser Gelegenheit entsendet werden. Der Zar würde die städtischen Behörden, die zurzeit, da der Stadtrat von Spezia aufgelöst ist, aus Regierungsbeamten bestehen, an Bord empfangen, aber dann an Land gehen, um die Marinewerft zu besuchen. Der„Avanti" fügt wörtlich hinzu: „Man spricht auch von einem Abstecher nach Messina, den der Zar auf der Hin» und Rückreise machen wollte. Es scheint jedoch kaum möglich, um es nicht gerade unmöglich zu nennen, datz die italienische Regierung die Verantwortung für eine Ausschiffung in einer so schwer zu überwachenden Lokalität übernimmt, und datz der Zar seinerseits seine Gastgeber und sich selbst in eine so gefahrvolle Situation bringen würde." Auf Grund dieser Informationen erklärt der Mailänder reformistische„Tempo", datz die Regierung eS offenbar darauf angelegt habe, die öffentliche Meinung zu provozieren und schlägt die Proklamierung des Generalstreiks vor! Datz der Zar schon seine Schatten vorauswirft, geht übrigens (hervor aus einem Protest, den 2b in Capri wohnende Russen im „Avanti" veröffentlichen. Hierin wird nicht nur über PolizeU fchikane geklagt, sondern auch angedeutet, datz die russischen Polizisten durch allerhand Kniffe die guten Beziehungen zwischen der russischen Kolonie und der Bevölkerung von Capri zu stören suchen. Die Lockspitzelei sei in hoher Blüte, und eS würden Vorbereitungen zu Anschlägen getroffen, gegen die die Russen sich zu schützen wissen würden. Auf alle Fälle gibt der Brief bekannt, datz die Verantwortung für etwaige Attentate ganz der russischen Polizei zur Last fiele. Interessant ist übrigen?, datz die römische Abteilung der anarchistischen Föderation Italiens beschlossen hat, sich an dem Zarenprotest nicht zu beteiligen und alle ihre Sektionen zu einem Beschlutz in diesem Sinne auf- zufordern. Der Regierung dürfte diese Haltung der Anarchisten, an deren hysterische Taktik wir nachgerade gewöhnt sind, sehr ge- legen kommen. Steht doch Spezia in dem Rufe, ein Hauptzentrum der anarchistischen Bewegung Italiens zu sein. Snglanck. Der Etat und die Lords. London, 4. September.(Eig. 0er.) In den letzten Tagen wurden zahlreiche Gerüchte in Umlauf gesetzt, die LordS würden entweder die Paragraphen betreffend Grund- und Boden- st e u e r in der F i n a n z b i l l streichen oder den Eta t ganz ablehnen, um auf diese Weise eine Auflösung des Parlaments zu provozieren. Die Ansicht ist heute viel verbreitet, datz sich alle Parteien auf den koinmenden Wahlkampf vorbereiten. Man rechnet, datz die Wahlen zu Anfang deS nächsten JahreS stattfinden werden.—— Der 42. Trade-UnionSkongreß. London, 4. September.(Eig. Ber.) Der in Jp'wich am Montag zusammentretende Trade-Unionskongretz besteht aus 502 Delegierten, die über 1,7 Millionen Gewerkschastler vertreten. Den Vorsitz wird der Arbeilerabgeordnete Shackleton führen. Die Sozialdemokratische Partei und die Unabhängige Arbeiter- Partei senden mehrere Redner nach Jpstvich, um dort während der Kongretzwoche Volksversammlungen abzuhalten. Rußland. Die Korruption. Immer neue KorruptionSherde werden offenbar. In Kiew hat eine Revision des JntendanturdepotS ergeben, datz der Staat auch dort auf das infamste betrogen iind bestohlen wird. Von den jüngst durch einen Kaufmann Alafusow gelieferten Uniformen wurden 10 ovo Stück völlig unbrauchbar befunden, weil sie aus verdorbenem Tuch angefertigt waren. Es mutz noch die Prüfung weiterer 73 000 Uniformen vorgenommen werden, welche, wie bereits für sicher gilt, sich gleichfalls als unbrauchbar erweisen werden. In Petersburg hat der Senator Garin unvermutet die Warenlager mehrcv-r Kaufleute revidiert, in denen grotze Partien der Krone ge st ohlener Soldatenmäntel entdeckt wurden. OirKd. Nachspiel zu dem Massaker i« Adana. Konstantinopcl, S.September. General Mustaft Ramzi, der zur Zeit des Massakers Kommandant von Adana war, ist vom Kriegsgericht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der damalige Wali von Adana, Dfchewad-Bei, wurde für die Zeit von sechs Jahren autzerDienft gestellt. Die verbrecherischen Beamten, die durch ihre Untätigkeit, wenn nicht durch Schlimmeres, den Tod taufender Armenier jeglichen Alters und Geschlechts verschuldeten, sind sehr glimpflich davon- Gekommen, Mrokko. Borgepliinkel. Aus Madrid werden neue Kämpfe der spanischen Truppen mit den Rif-Kabylcn gemeldet. General Aguilcia, der sich gestern zur Unterstützung des Detachements in Cabo del Agua und zur Beobachtung des Feindes mit einer halben Brigade von Suk el Arba nach Mulay Ali Scherif begeben hatte, wurde auf dem Rückmarsch von Rifleuten angegriffen. Die spanischen Truppen setzten ihren Marsch fort, indem sie das feindliche Feuer lebhaft erwiderten. Die Feinde ließen erst einen Kilometer von dein Lager entfernt von den Angriffen ab und wurden von Verstärkungen, die aus dem Lager auS> rückten, zurückgeworfen. Die Spanier hatten vier Verwundete. Tanger, 6. September. Wie aus FeS vom 1. d. MtS. gemeldet wird, haben die Debdus und die Giata Mulay Hafid zugleich mit den Bewohnern von Taza gehuldigt, deren Gouverneur dem Machten alle Güter des Rogi Bu Hamara zur Verfügung gestellt hat. Der Gouverneur wird sich nach FeS begeben, um Mulay Hafid über die Punkte Äufkärung zu geben, über die sich der Rogi nicht geäußert hat. ES sind Meldungen eingegangen, datz die Ben! Hassen in der Umgegend von Rabat und FeS Karawanen überfallen und gcbrandschatzt hätten. Madrid, 6. September. Der„Jmparcial" meldet, datz die 12. Division in einer Stärke von 11 000 Mann unter dem Kommando des Generals Sotomayor nach Mslilla abgehen wird. Neuer spanischer Truppcnnachschub. Madrid, den 6. September, Ministerpräsident Maura, der nach Madrid zurückgekehrt ist, hat bestätigt, datz die Entsendung der Division Sotomayer nach dem Rif wegen der Ausdehnung der Operationslinien notwendig fei. Der Minister des Innern hat erklärt, wenn eS nötig sei, würde die Mobilmachung einer wei- teren Division erfolgen.— Amtlichen Meldungen zufolge sind Truppen von Melilla abgegangen, um die Stellungen bei Soul el Arba und Restingo zu verstärken. Die Harka hat einen Teil des GuruguberaeS verlassen und sich auf die Strasse Nador und Zelnan begeben. Gestern wurde ein Angriff auf die zweite Station der Grubenbahn gemacht. Ein Mann wurde verwundet. Hus der Partei. Mein UriaSbrief. Einen UriaSbrief nennt das„Verl. Tageblatt" ein Schreiben, von dem Bernstein in der gestrigen Generalversammlung von Grotz- Berlin Mitteilung machte. Es ist der neueste fette Bissen, den er unseren Gegnern hinwirft und den sie gierig verschlingen. Da?„Tageblatt" berichtet darüber: „ES handelt sich um einen Brief, der hinter Bernstein hergeschickt wurde, als er in Paris einen Vortrag halten sollte. Dieser Brief war an Paul Lafargue gerichtet und rührte nach Bernsteins Behauptung von keinem Geringeren her, als dem sozialdemokratischen Grotzinauisitor Karl KautSky. Darin soll gestanden haben, datz Bernstein seine Rolle in Deutschland aus« gespielt habe und sich nun im Auslände nach einem Posten umsehe." Mit dieser„geheimen Denunziation", fügt das„Tageblatt" hinzu, fei ich„in den Augen aller anständigen Menschen erledigt". Das ist der Eindruck, den die Bernsteinsche Mitteilung machte und wohl auch machen sollte. Was liegt ihr zugrunde? Ich muh gestchen, datz ich zu der Zeit, als Bernstein in Paris eine Versammlung abhalten sollte, einen Brief an Lafargue richtete. Eine Abschrift des Brieses besitze ich nicht und der Wortlaut der einzelnen Sätze ist mir nichl erinnerlich. Ich weiß nicht einmal mehr, in welcher Sprache er abgefaßt war. Wahrscheinlich französisch. Mit Bestimmtheit kann ich aber behaupten, daß eS mir nie eingefallen ist zu schreiben, Bernstein sehe sich im Auslände nach einem P o ft e n um. Ich kann nie auch nur die leiseste Andeutung dieses Gedankens geäußert haben, denn ich erfuhr von ihm zum erstenmal aus dem„B. T.". Datz Bernstein feine Rolle in Deutschland ausgespielt habe, mag ich in irgend einer Form gesagt haben. Aber in welchem Zu- sammenhang? Ich erfuhr von der Versammlung, in der Bernstein sprechen sollte, zuerst von Lafargne. Dieser schneb mir am 20. Januar davon und bat mich, dafür zu sorgen, datz Bernstein nicht der einzige Redner von deutscher Seite in der Versammlung sei, datz von Deutschland auch ein radikaler Genosse nach Paris käme, der in der gleichen Versammlung spreche. Das ist eS wohl, was Bernstein unter der geistigen Aushungerung verstand, mit der ihn die„GueSdisten" bedrohten. Mein„UriaSbrief" bildete die Antwort auf diesen Brief Lafargues. Ich teilte ihm mit, datz kaum jemand aus Deutschland von unserer Seite werde kommen köliiien. Da§ sei aber nicht tragisch zu nehmen. Für Bernstein empfindet man lein Interesse mehr in Deutschland. Diese Antwort auf LafargueS Mitteilung, diese Ab- l e h n u n g. irgend etwas zu tun, was Bernstein unangenehm fein konnte, das ist es, was nach Bernstein-Mosscscher Darstellung als ein hinter Bernstein hergeschickter UriaSbrief erscheint, der mich„bei allen anständigen Mensche» erledigt." ES ist unnötig, auch nur ein Wort weiter zu meiner Recht- fertignng zu verlieren. Aber ich glaube auch, datz eS ebenso unnötig ist, ein Wort zu verlieren zur Braudmarlung der Verdächtigungen auf Grund von Klatsch über Privatbriefe, die er nicht gelesen hat und deren Entstehungsgeschichte er nicht kennt, durch welche Verdächtigungen Bernstein leichtfertig unseren Gegnern die Mittel liefert, die Ehre seiner Genossen, ja seiner Partei zu be- sudeln. Für dieses gewissenlose Verfahren gibt eS nur eine Eilt- fchuldiguug: O u e r ii l a n t e n w a h n. K. K.a u t S l y. - i AuS den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein für Halle und den SaalkreiS hielt am S. September Generalversamm- lung ab. Dem Bericht des Vorstandes entnehmen wir, datz die Organisation sich trotz der Krise vortrefflich entwickelt hat. Die Mitgliederzahl stieg von 3790, worunter 91 weibliche, auf b17b, worunter 543 weibliche. Der Prozentsatz der politisch Organisierten zu den gewerkschaftlich Organisierten beträgt 43 Proz., zur Zahl der sozialdemokratischen Stimmen bei der ReichStagSwahl 21 Proz.(nur die mäimlichen Mitglieder gerechnet). Auch der Kassenbericht ist ein recht günstiger. Er schließt ab mit 27 013,33 M. Eimiahme, der eine Ausgabe von 14 988,30 M. gegenübersteht, sodatz ein Vermögens- bestand von 11475,03 M. verbleibt; außerdem ist ein MaisondS von 550 M. vorhanden. Vom Vermögen sind 7000 M. in Volkspark- Anteilen begeben, 4475,03 M. sind Kassenbestand, gegen 975,10 M. zu Beginn deS JahreS. Flugblätter sind verbreitet worden 121 800, dazu 24 000 VoltSkalender. Der Kreis steht vor einer Ersatzwahl zum Reichstage, als Kandidat ist wiederum der Genosse Kunert nominiert worden, der die Erfolge, die in der Zeit schwerer Wirt« schastlicher Not errungen sind, als Anlatz bezeichnet, mit froher Zu- verficht den koinmenden Kämpfen bei der Reichstags- und Stadt- verorduetcnwahl cntgegeiizilsehen. Neber den Stand der Presse ist zu melden, datz eS gelungen ist. die Abonnentcnziffer zu halten; der Kaffenabschlutz des Verlags ist ebenfalls günstiger als im Vorjahr. Namen» der Redaktion erklärt Genosse Hennig, datz das„VolkSblait für Halle" wie bis- her den Standpunkt des schärfsten Klassenkampfes vertreten werde. Das sei um so leichter, da in Halle nach wie vor der alte Block von den Stockkonservativen bis zu den„Liberalen" herrsche. Von diesem Gesichtspunkt aus werde auch jede Parteisrage behandelt.— Der Vorsitzende, ReichStagSabgeordncte Genosse Albrecht, stellt fest, datz sowohl in Halle wie in allen Kreisen deS Bezirks die Ge« nossen sich mit der Haltung deS BlatteS ein- verstanden erklärt haben. Für das laufende Vereinsjahr wird der alte Vorstand wieder« gewählt, bestehend ans den Genossen Albrecht, Frommhold, O e r t e l und Genossin Sperling. Zum Parteitag werden die Genossen Kunert wrd Hennig delegiert. Unsere Toten. In W ü r z v u r g starb ein Veteran der Arbeit und der Arbeiter- bewegung, der Genosse Schreiner Friedrich B ö p p l e. Ein geborener Stuttgarter, schlotz er sich schon in jungen Jahren in der Schweiz dem Grütliverein an, der dann unter Dr. Dulks Führung der Eisenacher Richtung beitrat. Im Jahre 1831 kam Genosse Böpple nach Würzburg und war lange Jahre bei der Firma Billigheimer Vorarbeiter, um schließlich einer jüngeren Kraft Platz zu machen. Unter Genosse hatte dann schwere Zeiten durchzumachen. Der Tod seiner Frau brachte auch ihn dem Tode nahe. AIS einbeiniger Krüppel, notdürftig dem Tode entrissen, schleppte sich unser Freund noch V/n Jahre, immer kränkelnd, dahin, b,S ihn endlich der Tod er- löste. Der Partei hat er bis zum Tode vorbildliche Treue gehalten. Jugendbewegung. Konferenz der Jugendkommifsionen SchleSwig-HolfteinS. Die Jugendkommissionen der Provinz Schleswig-Holstein hielten vor einigen Tagen eine Konferenz ab, auf der 20 Jugendkommissionen durch 26 Delegierte, darunter 7 jugendliche, vertreten waren. Ueber die e r f r e u l l ch e E n t w i ck e l u n g der Jugendbewegung in der Provinz SchleSwig-Holstein hat schon der Bericht der Agitations- kommission der sozialdemokratischen Partei der Provinz, der kürzlich im AuSzuge im„Vorwärts" veröffentlicht worden ist, näheres mit- geteilt. Der Verlauf der Konferenz bestätigt diese im Bericht zum Ausdruck gekommene Ansicht. Die Konferenz beschloß einstimmig folgende Resolution: Die heutige Konferenz der Jngendkommissionen in Schleswig« Holstein, beschickt von 20 Kommissionen, erklärt, eS ist wünschenswert, eine Zentral st elle der Jugend« kommissionen für SchleSwig-Holsteinzu sck, äffen. Diese hat die Aufgabe: Beratung der Jugendloinmissioiien, Statistik der Jugendbewegung, Versendung von informatorischen irkularen und Schriften. Veranstaltung von AuS« ildungSkursen für Jugendleiter, Einberufung einer jährlichen Jugendkonferenz. ES soll allen Jngendkommissionen nahegelegt werden, zu der Frage dieser Zentrale Stellung zu nehmen und den Anschluß zu beschließen. Eö soll auch der Hamburger Zentralstelle nahegelegt werden, wenigstens für die ihr angeschlossenen im preußischen Ge- biete liegenden Orte, der Provinzorganisation beizutreten. AIS Z e n t r a I st e l l e bis zur Abhaltung einer weiteren Konserenz wird die Ki e l e r I u g e n d k o m in i ss i o n provisorisch eingesetzt. Die Konferenz beschäftigte sich dann noch mit der Frage der Einberufung einer Reichskonferenz. Einmütig trat die Ansicht zutage, die auch in der einstimmigen Annahme einer Resolution Ausdruck fand, datz die Einberufung von ReichSkonferenzen der Jugendlom Missionen vor« läufig noch verfrüht sei, datz zunächst vielniehr die B e» gründung von Bezirksverbünde n vorzunehmen sei. Soziales, Die nummerierten Frommen. „Wenn du aber gar nichts hast, Lump, so lasse dich begraben"— denken die Hausbesitzer deS Städtchen? Brüel in Mecklenburg. Die Herren sind der Meinung, haß zwischen einem, der ein HauS hat, und einem, der keinS hat, schon äußerlich Ivahrnehmbare Unterscheidungsmerkmale bestehen müssen. Als besonderen Miß- stand empfinden eS die Leutchen, daß in der Kirche von Brüel der Hausbesitzer unter all dem anderen armseligen Gesindel sitzen muß, so daß der Herrgott, wenn er die Getreuen von Brüel mustert, leicht in Zweifel kommen kann, wen er in der Gemeinde der An- dächtigen als Besitzenden und wen als Proleten zu behandeln hat. Um diesem unerquicklichen Verhältnis ein Ende zu machen, fetzten die 80 Hausbesitzer in der letzten Versammlung des Bürgervercins einen Beschluß durch, beim Ltirchenvorstand vorstellig zu werden, daß ihnen in der Kirche ein bestimmter Platz an- gewiesen werde. Man möge die Plätze mit der be» treffenden Hausnummer versehen, damit bei evcnt. Verkäufen von Häusern der neue Besitzer gleich seine Nummer in der Kirche habe. In einem sind die Vrücler Hausbesitzer konsequent: Verliert einer sein Haus, so verliert er auch seine Nummer in der Kirche. Ob der Platz in der Kirche mit Hypotheken belastet werden kann, darüber gehen die Meinungen der Brüeler noch auseinander. Ens Industrie und Dandcl KonknrSstatiftik. Wie jede Krisenzeit hat auch die jetzige eine Vermehrung der Konkurse zur Folge. Nach der vorläufigen, noch nicht ganz sicheren Feststellung des kaiserlichen Statistisckcn Amts wurden im zweiten Quartal 1909 im Deutschen Reich 2783 neue Konkurse gezählt gegen 2905 im zweiten Bierteljahr 1903. 030 Anträge auf Konkurs- eröffnung wurden wegen Massenmangels abgewiesen und 2153 Konkursverfahren eröffnet. Von letzteren hatte in 129 Fällen der Gemeiiischuldner die KonkurSeröffnlmg beantragt. Beendet wurden im zweiten Vierteljahr 1909: 2217(zweites Vierteljahr 1908: 1994) Konkursverfahren, und zwar durch Scylutzverteilung 1477, durch Zwaugsvergleich 517, infolge allgemeiner Einwilligung 39 und wegen Massemangels 180. Im Vergleich zum zweiten Quartal des JahreS 1908 hat also die Zahl der Konkurse abgenommen; immerhin beweist die hohe Ziffer, wie weit noch der Einfluß der Krise reicht. Die Bleistiftfabrikation erweist sich als ein recht rentables Ge- schäft. Trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhälliiisse, deS Rück- gangeS deS Exports nach Amerika und starker Verluste zahlt die Aktiengesellschaft vorm. Johann Fabcr in Nürnberg für daS letzte Geschäftsjahr wieder eine Dividende von 15 Proz. Interessant ist, datz die Gesellschaft in der nordamerikanischen Union eine Filialfabrik errichtet. Im Geschäftsbericht der Ver- waltung heißt eS darüber:„Nachdem die ungünstigen Zollverhälttiiffe in den Bereinigten Staate», die inzwischen durch den neuen in Kraft getretenen Tarif keine Verbesserung erhalten haben, uns de» Export unserer Erzeugnisse nach diesem Lande beinahe zur Unmöglichkeit gemacht hatten, sahen ivir uu? veranlatzt, um den Absatz unserer Erzeugnisse in diesem Lande nicht vollständig zu verlieren, dort durch unseren langjährigen Vertreter eine Fabrik zu errichten." Strafen wegen Ucbcrtretung der Zoll- und Stcuergesctze. Nach der im 3. VierteljahrShefte zur„Statistik des Deutschen Reichs" veröffentlichten Statistik über die Zoll- und Steuerstraf- fälle sind in dem deutschen Zollgebiete während deS RcchnungS- jahreS 1908 im ganzen 30 500 Straffälle gegen 33 919 im Vorjahre wegen Uebcrtretung der Zoll- und Steuergcsctze sowie der Ein-, AuS- und Durchfuhrverbote anhängig geworden und 30 548 Straf- fälle haben gegen 33380 im Vorjahre ihre Erledigung gefunden. Wegen Hinterziehung oder Einfchtvärzung wurden im Rechnungs- jähre 1908: 13 962 Personen zu Geldstrafen verurteilt, darunter 74 Personen zusätzlich mit Freiheitsstrafe gegen 14 011 und 38 Per- sonen im Vorjahre. Die bei den Hinterziehungen oder Ein- schwärzungen hintcrzogenen einfachen Gefälle bcliefen sich auf so 098 Mark gegen 90 166 M. im Vorjahre, und die dieserhalb festgesetzten Geldstrafen auf 370 079 M. gegen 638 731 M. im Vorjahre.— Wegen Ordnungswidrigkeit wurden 15 395 Personen bestraft, im Vorjahre 16964 Personen. Der Betrag der wegen Ordnung?- Widrigkeit festgesetzten Geldstrafen stellte siH auf-7 049 M. gegen 74 038 M. im Vorjahre. GewerhfcbaftUcbea» Die christliche Strategie feiert im Solnhofener Lithographiesteingebiete, wo bekanntlich seit 15. Juni 1000 Arbeiter ausgesperrt sind, wahre Triumphe. Erst wurden die wenigen freiorganisierten Steinarbeiter als Streikbrecher gebrandmarkt, weil sie der christlichen Stand- haftigkeit etwas Mißtrauen entgegensetzten und nicht sofort, als die Aussperrung der Christen erfolgte, die Arbeit ebenfalls niederlegten, sondern warteten, bis der verschlechterte Tarif auch ihnen vorgelegt wurde. Wie sehr das Mißtrauen be- rcchtigt war, zeigt sich jetzt dadurch, daß die Christlichen aus- reißen wie Schafleder und selbst Streikbrecher werden. Um sie zusammenzuhalten, hat ihr Führer Tremmel zu einem eigenartigen Mittel gegriffen. Er animierte sie zur Unter- schrift eines Vertrages, worin sie sich verpflichten, noch mindestens zivei Jahre Mitglieder der christlichen Organisation zu bleiben, wogegen er sich namens seines Verbandes ver- pflichtete, daß sie die Streikunterstützung regelmäßig bekommen, und zwar wird diese bis nächsten Mai garantiert! Die Agi- tatoren und die Presse der Christlichen können nicht genug die„treffliche Schulung" ihrer Mitglieder rühmen. Wie Figura zeigt, sind sie so trefflich geschult, daß sie per Kontrakt ver- pflichtet werden müssen, dem Verbände nicht unter zwei Jahren davonzulaufen. SerUn u tick Umgegend. Achtung, Holzbildhauer! Die Firma Felder u. Plathen in Lichtenberg bemüht sich schon seit einiger Zeit vergeblich um Holzbildhauer. Alle, die in den letzten Tagen dort angefangen haben, organisierte und unorganisierte Kollegen, haben gleich wieder ihren Dampfer geheizt. Auch die drei dort länger Be- schäftigten haben am Freitag den Betrieb verlassen, ver un- günstigen Arbeitsbedingungen wegen. Wir ersuchen t-lle Kollegen, welche sich vor Schaden behüten wollen, Arbeitsangebote von dieser Firma unb'f'i-ksichtigt zu lassen. Die Lohnkommission der Holzbildbaner. Achtung, Plakatpräger und-Prägerinnen! Wegen Lohndifferenzen steht das Personal der Firma Falk u. C o., Inhaber Oplatka, in Tolkewitz bei Dresden, in Kündigung Die Firma versucht, aus anderen Orten Arbeitskräfte heranzu ziehen. Ter Betrieb ist gesperrt. Vor Arbeitsannahme wird ge warnt. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Buchbinderverband:s> Achtung! Böttcher, Fahkutscher! Der Streik der Kutscher bei der Firma„Vereinigte Faß- Handelsgesellschaft m. b. H.(Dietert Adolf Ww.)", Fröbelstr. 4, ist beendet. Die Firma hat nach erneuten Verhandlungen den Kut- schern Zugeständnisse gemacht, womit sich dieselben zufrieden gaben. Im Einverständnis mit den ausständigen Böttchern und.ihrer Organisation haben die Kutscher aus taktischen Gründen am Mon tag, den 6. d. M., sämtlich die Arbeit wieder aufgenommen. Der Streik der Böttcher bei der betreffenden Firma dauert noch fort. Verband der Böttcher.— Deutscher Transportarbeiter-Verband. Die Kündigung der Tarifverträge in den Brauereien. Der Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter hatte am Sonntag nachmittag eine gemeinsame Mitgliederversammlung aller Gruppen im Gewerkschaftshause veranstaltet. Es galt, zu der Frage der Kündigung der Tarifverträge im Brauereigewerbe Stellung zu nehmen. Hodapp referierte. Er stellte zuerst fest, daß es sich nur um die Tarifverträge in den Lagerbier- brauereien handelt. Die Frage der Bicrpreiserhöhung, die Möglichkeit, daß ein Bierkrieg ausbrechen könnte, hat die Brauerei arbeiter veranlaßt, bis jetzt mit der Erledigung ihrer Angelegenheit zu lvarten, aber die Zeit dränge und die Arbeiter seien gezwungen, Stellung zu nehmen. Die letzten Tarifverträge sind 1907 abgc- schlössen worden; einzelne laufen nun in drei Monaten, andere in sechs Monaten ab. Die Verträge der Handwerkerkommission, die am 31. Dezember ablaufen, sollen bis 31. März verlängert werden, so daß sämtliche Verträge bis zu diesem Termin erledigt wären Die OrtSverwaltnng und die Vertrauensmänner hatten nach gründ- licher Prüfung der Sachlage beschlossen, der Versammlung die Kündigung der Tarifverträge zu empfehlen und für den neuen Vertrag bestimmte Leitsätze zugrunde zu legen, die in der weiter unten folgenden Resolution enthalten sind. WaS das Verhältnis des Brauereiarbeiterverbandes zu den im„Kartell" vereinigten anderen Organisationen anbetrifft, so haben darüber bereits Ver- Handlungen stattgefunden und ein befriedigendes Resultat ist er- zielt worden. Ein gemeinsames Vorgehen aller freien Organisa- tionen erscheint gesichert. Die Stellung zu dem gelben Gesellen- bund und zu den Hirsch-Dunckerschen ist noch nicht genügend ge- klärt; man wird erst ihr Verhalten zu den neuen Vorschlägen abwarten. Dringend notwendig ist die Entfaltung einer eifrigen Agitation unter allen Berufskollegen, um ein geschlossenes Vor- gehen zu erzielen. Die Ortsverwaltung des Verbandes und die Vertrauensmänner legten der Versammlung die folgende Resolution vor: „Die am 5. September 1909 im Gewerkschaftshaus tagende Versammlung der im Brauereiarbeiterverband organisierten, in den Lagerbierbrauereien Groß-BerlinS beschäftigten Arbeitnehmer erklärt: In der Erwägung, daß die Lohnerhöhungen, welche die Brauereiarbeiter durch die zurzeit geltenden Tarifverträge im Jahre 1907 erzielten, infolge der ganz erheblichen Verteuerung aller Lebensmittel und der sonstigen für die Arbeiter notwendigen Bedarfsartikel, hervorgerufen durch die volksfeindliche Steuer- Politik der Reichsregierung und des Reichstages, längst wieder aufgewogen sind, stimmt die heutige Versammlung dem Vor. schlage der Ortsverwaltung und der Vertrauensmänner zu, die zurzeit mit den Lagerbierbrauereien abgeschlossenen Tarifverträge zu kündigen. Der Abschluß deS neuen Tarifvertrages soll unter Beobachtung nachstehender Leitsätze geschehen: . Verkürzung der Arbeitszeit bei Tag» und Nacht- schicht, insbesondere beim Fahrpersonal. Einführung des achtstündigen ArbettA» t a g e s in 6 Schichten Pro Woche. Erhöhung der Löhne unter besonderer Berücksichtigung der niedrig bezahlten Kategorien. Gleichmäßige Bezahlung aller gelernten Arbeit. nehmer im Brauereibetriebe und der an deren Stelle Be- schäftigten. Bezahlung jeglicher SonntagSarbert, also auch deriemgen des Maschinen- und Dampfkesselpersonals, deS Fahr- und Stallpersonals. Ablösung des Freibieres im Sinne des Beschlusses deS Frankfurter Verbandstagss. Erweiterung des Urlaubes. Die Versammelten verpflichten sich, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln für Ausbreitung und Stärkung der Organi- fation zu wirken, um der Tarifbewegung zu einem für die Arbeit- nehmer günstigen Abschluß zu verhelfen." In der Diskussion sprachen sämtliche Redner im Sinne dieser Resolution. Energisch wurde der Achtstundentag verlangt, und der erste Vorschlag, daß der Achtstundentag nur in den Abteilungen, die einen ununterbrochenen Betrieb erfordern, wie im Sudhaus, beim Bierlaufen, in der Darre und im Maschinen- und Kessel- Haus eingeführt werden sollte, fand keine Annahme. Hervorgehoben wurde in der Diskussion noch die Notwendigkeit der Emheits- Organisation, und Tröger betonte, daß dem Brauereiarbeiter- verbände als dem stärksten auch der entsprechende Einfluß ein- geräumt werden müßte > Einstimmig nahm die Versammlung die Resolution än; daivit ist die Kündigung der Tarifverträge ausgesprochen. ES wurde noch beschlossen, daß die in der Umgegend von Berlin liegenden Brauereien und Brauereiniedcrlagen in das Tarifver- hältnis einbezogen werden sollen. Wie weit dieser Bezirk sich er- strecken soll, ist erst noch festzusetzen. « Die Frage der Bierpreiserhöhung kam darauf ebenfalls zur Besprechung. Man machte besonders Front gegen die Gastwirte, die den gegenwärtigen Kampf benutzen, um dem biertrinkenden Publikum immer kleinere Gläser vorzusetzen. Viele haben schon heimlich die Gläser ausgewechselt und ziehen ihren Profit aus der Verteuerung, die erst kommen soll. In den Weißbierbrauereien wird geklagt, daß der Konsum stark zurückgegangen sei. Die Weiß- biertrinker wollen den Gastwirten nicht ohne weiteres die hohen Profite überlassen. Von der„Deutschen" und der Unionsbrauerei wurde behauptet, daß sie die getroffenen Vereinbarungen, vor dem 1. Mai 1910 keine Entlassungen borzunehmen, nicht einhalten. Vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter geht uns folgende Richtigstellung zu: In Nr. 205 des„Vorwärts" wird unter der Rubrik„Gewerk- schaftliches" bezüglich der Arbeiterorganisation in den Industrie- gruppen gesagt, daß 34,4 Proz. der Gemeinde- und Staatsarbeiter christlich organisiert seien; ferner wird angeführt, daß unter den christlichen Gewerkschaften die Gemeinde- und Staatsarbeiter der Mitgliederzahl nach an dritter Stelle stehen. Dazu haben wir zu bemerken, daß diese Angaben unrichtig sind. Jeder Gewerk- schaftler weiß ja Wohl, daß der Verband der christlichen Staats-, Gemeinde-, Verkehrs-, Hilfs- und sonstiger Industriearbeiter Deutschlands seine Mitglieder zwar zumeist in den Kreisen der nichtgewerblichen Arbeiter, davon aber doch weniger in denen der Gemeinde- und Staatsbetriebe zu suchen hat. Früher nannte er sich nur Zentralverband der Hilfs- und Transportarbeiter, um aber ein besseres Aushängeschild zu haben, das obendrein schon öfter zu Verwechselungen Anlaß gegeben hat, hat man sich einen anderen Titel zugelegt. Es war also ein Irrtum, die Gesamtmitglieder des christlichen Verbandes zu Staats- und Gemeindearbeitcrn zu stenipeln, während doch nur ein Bruchteil hierfür in Betracht kam. Nach einer Zusammenstellung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter waren am Jahresschluß 1908 in seinem Organi- sationsgebiet insgesamt 43A>8 Beschäftigte Mitglieder einer Ge- werkschaft. Davon entfielen 29 319— 67,8 Proz. auf den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, 5265— 12,2 Proz. auf andere freie Gewerkschaften, also zusammen 80 Proz. in freien Gewerk- schaften, 237 auf die Lokalisten, 3744— 9,3 Proz. auf die„Christ- lichcn"(Staats- und Gemeindearbeitcrverband, Sitz Aschaffcnburg, und Krankenpflegerverband, Sitz Berlin), 1059— 2,9 Proz. auf die Hirsch-Dunckerschen, 2320— 5,4 Proz. auf sogenannte unabhängige Vereine und 1264— 2,9 Proz. auf die Gelben. Hieraus ergibt sich, daß christlich nur 9,3 Proz. organisiert sind und nicht 34,4 Proz. Der Unterschied ist doch zu groß, so daß er also berichtigt werden muß. Veuttekes Reich. Die Holzarbeiter in Luckenwalde stehen in einer Lohn- bewegung. Ihre wesentlichsten Forderungen sind: Einführung der neunstündigen Arbeitszeit an Stelle der neueinhalbstündigcn, Erhöhung der Löhne um 5 Pf. pro Stunde Und der Akkordpreise um 10 Proz., Sicherung des Durchschnittsverdienstes der letzten drei Monate bei Anfertigung neuer Muster, Festsetzung des Stundenlohnes für die einzelnen Branchen im Vertrage. Lucken Walde gehört bekanntlich zu den Städten, in denen die Unter nehmer den Leipziger Schiedsspruch vom vorigen Jahre nicht an erkannt haben, und für die darum seither eine vertragslose Zeit gewesen ist. Die Korbmacher haben in Stettin Lohnforderungen ge stellt. Da die Arbeitgeber bisher nicht das geringste Entgegen kommen gezeigt haben, ist am Sonnabend, den 4. September, die Arbeit eingestellt worden. Wir ersuchen die auswärtigen Kollegen, Stettin und Umgegend— Altdamm, Finkcnwalde— streng zu meiden und auch keine Streikarbeit zu liefern. Deutscher Holzarbeiterverband, Zahlstelle Stettin. Kusland. Ein FiaSko der christlichen Streikbrecherzucht in der Schweiz. In Solothurn streikten im vorigen Jahre die freiorganisierten Arbeiter der GaSapparatenfabrik, wohin auch der christliche Metalb arbeitersekretär Laufenegger Streikbrecher vermittelte. Die Fabrik direktion zwang aus Erkenntlichkeit und im eigenen Interesse die neueingetretenen Arbeiter zum Eintritt in die christliche Gewerkschaft. Jetzt sahen sich die Christlichen selbst veranlaßt, die schlechten Arbeitsbedingungen zu verbessern und in eine Lohnbewegung ein- zutreten. Bescheiden, wie die Christlichen nun einmal sind, sorderten sie nur eine Erhöhung deS Tagesverdienstes um 20 CtS.. Garantie deS TagelohneS und Wiedereinführung der gesetzlichen Kündigung. Die Direktion lehnte aber diese bescheidenen Forderungen ab. Run sollte gestreikt werden, aber die Hälfte der christlichen Brüder erklärte, zufrieden zu sein und nicht für andere streiken zu wollen.— DaS ist Konsequenz von Streikbrechergesinnung und ein prächtiger Erfolg christlich-gewerkschaftlicher Erziehungsarbeit. vom klerltkieg. Der Bierkrieg zieht immer weitere Kreise. In Frankfurt am Main fanden am Freitagabend sieben Versammlungen statt, die vom Gewerkschaftskartell und der Partei einberufen worden waren, um zur Erhöhung der Bierpreise Stellung zu nehmen. Die Versammlungen nahmen sämtlich einen ziemlich stürmischen Ver- lauf. Die Arbeiter sind mit dem vom GcwerkschaftSkartell ge- faßten Beschlüsse, eine Erhöhung des Bierpreises um einen Pfennig gutzuheißen, nicht einverstanden. In der größten Versammlung. im Bürgersaal in Bornheim, in der der Redakteur W i t t r i s ch referierte, kam es zu einer sehr lebhaften Auseinandersetzung. Zum Schluß wurde dort folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung lehnt es entschieden ab, den Vorschlag des GewerkschastSkartellS anzunehmen. Sie verlangt, daß die- jenigen, welche die Steuern geschaffen haben, sie auch tragen, und gelobt streng, sich jedes Biergenusses zu enthalten." In einer Versammlung in W e st e n d wurde beschlossen, alle Wirtschaften zu meiden, in denen ein Preisaufschlag erfolgt, sowie den Schnapskonsum auf das schärfste zu bekämpfen. Im G e w e r k s ch a f t s h a u s e gab es gleichfalls eine recht türmische Versammlung. Der Borsitzende mutzte schließlich die Versammlung schließen, sonst wäre eS zu einem Tumult gekommen. Auch dort war man mit dem Beschlüsse des Gewerkschaftskartells nicht einverstanden. Alle Diskussionsredner erklärten, daß alle Wirtschaften zu meiden seien, in denen ein Bierpreisaufschlag erfolge. Die Brauereien in Mainz und Umgebung sind gewillt, die geplante Bierpreiserhöhung um 50 Pf. pro Hektoliter herabzu- ctzen und wünschen auf dieser Basis in weitere Verhandlungen zu treten. Die Gewerkschaften und Partei empfehlen jedoch weitere Abstinenz. In Mülhausen i. Elf. donnerten in einer stark besuchten Wirteversammlung zwei klerikale Gemeinderatsmitglieder gegen die Steuermache deS blau-schwarzen Blockes. Der eine ver- wies darauf, daß die von den elsässischen Brauereien beschlossene Erhöhung des Bierpreises um 2 bis 2,50 M. pro Hektoliter durch die„unselige Steuermache deS schwarz-blauen Blockes" hervorgerufen sei; er spottete über den bewilligungsfreudigen Reichstag und meinte, die Konsumenten sollten sich für tien Bierpreisauf- chlag„eben bei den steuerbewilligenden Parteien, dem Zentrum und den Konservativen, bedanken". Ein Beschluß auf Erhöhung des Bierpreises wurde von den Wirten nicht gefaßt: es bleibt jedem einzelnen überlassen, mit den Brauereien und den Konsumenten fertig zu werden. � Gera(Reuß). Durch Vereinbarung zwischen Brauereien und Wirten sowie dem Konsumverein und Vertretern der Arbeiter ist hier die Preiserhöhung des Bieres auf 2 M. pro Hektoliter fest- gesetzt worden. Im Kleinverkauf sollen fortan kosten: Vi Literglas Lagerbier 15 Pf., V» 12 Pf. und Bier über die Straße pro Liter 22 Pf. Gegen Schnaps- und Biersteuer macht auch die Hamburger Arbeiterschaft mobil. In einer Versammlung aller Funktionäre der Partei und Gewerkschaften wurde folgende Resolution ange- nommen:„Die Versammlung erklärt es für ein Unrecht, daß die erhöhte Biersteuer nicht nur ganz auf die Konsumenten abgewälzt, sondern auch noch ein Mehr gefordert werden soll, das den Steuer- betrag weit übersteigt. Die Versammlung ersucht die Wirte, bei diesem Einspruch mit der Arbeiterschaft Hand in Hand zu gehen, anderenfalls sich die Versammlung genöligt sieht, die ge- samte Arbeiterschaft Hamburgs zu ersuchen, bis zur Wiederherstellung des früheren Preises sich des BicrgenusseS vollständig zu enthalten. Die Bierpreise in Hamburg sind mit die höchsten in ganz Deutschland. 50 bis 60 Pf. pro Liter ist Mindestpreis. Seit kurzem versuchte man ein Zehntel für 10 Pf. auszuschänken. Die Empörung der Arbeiter ist groß. Auch in Trier protestierte vorgestern eine unter freiem Himmel abgehaltene, zahlreich besuchte Versammlung, an der Haupt- sächlich Arbeiter teilnahmen, gegen die Erhöhung des BierpreiscS. Es wurde eine Resolution angenommen, in der sich die Versam- melten verpflichten, sich so lange des Biergenusses zu enthalten, bis der Bierpreis wieder ermäßigt ist. )üijs der frauenbeilvegung. Steuerpolitik und Frauenarbeit. Hatte schon die Krisis die Zahl der weiblichen Arbeiter außer« ordentlich anschwellen lassen, so werden die neuen Reichssteuern, die Kaffee, Tee, Streichhölzer, Vier, Tabak, Glühkörper usw. ganz enorm verteuern und die ohnehin schwer drückende Last der in- direkten Steuern noch unerträglicher machen, zweifellos in der- selben Richtung wirken. Hinzu kommt weiter, daß die eingetretene enorme Verteuerung so vieler Gebrauchsmittel den Konsum derselben in fast allen Ar- beiter- und Kleinbürgerfamilien bedeutend einschränken wird. Die weitere Folge ist Abnahme der Arbeitsgelegenheit für viele tausend Arbeiter und Arbeiterinnen in jenen Industrie- zweigen, die diese Gebrauchsartikel herstellen. Trifft der Verlust der Arbeitsgelegenheit Familienväter und bleibt ihr Bemühen um andere Arbeit erfolglos, so werden dadurch abermals Frauen, die bisher nicht erwerbstätig waren, die sich ihren Mutter- und Haus- frauenpflichten widmen konnten, in die Erwerbsarbeit getrieben. Wir werden deshalb auch in der Zukunft mit einer weiteren be- deutenden Steigerung der Frauenerwerbsarbeit zu rechnen haben. In den Jahren von 1895 bis 1907 stieg die Zahl der weiblichen Er- werbstätigen von 5 264 393 Personen auf 8 243 498, dabei sind die. weiblichen Dienstboten nicht mitgezählt.— Im Jahre 1895 bildeten die weiblichen Erwerbstätigen einschließlich der Dienenden 29,75 Prozent der Gesamtbevölkerung, 1907 dagegen 33,79 Proz., also eine gewaltige Zunahme. Nun haben wir gegen die Erwerbstätigkeit der Frau an sich sicher nichts«inzuwenden, bildet sie doch die Vor- aussehnng ihrer wirtschaftlichen Selbständigkeit und damit die Borbedingung ihrer dereinstigen vollständigen Befreiung aus der Geschlechtssklaverei. Vollzieht sich jedoch die Zunahme der Frauen- erwerbsarbeit aus den eingangs geschilderten Ursachen, so bildet sie allerdings in doppelter Beziehung eine Gefahr für die Arbeiter- schaft und ihrem wirtschaftlichen und geistigen Aufstieg. Freilich erwuchs sie aus der zunehmenden allgemeinen Notlage, der uner- träglichen Steuerbedrückung, und sie bildet eine Illustration der Ge m e i n ge fä h r l i ch k e i t und Schädlichkeit der Steuerpolitik, die aufrüttelnd auf die Massen wirkt, aber gerade diejenigen, die von der Geißel der Not auf den Arbeits- markt getrieben werden, haben sich meistens um die Arbeiter» bewegung bisher nicht oder wenig gekümmert. Sie waren Hausfrauen, die. weil nicht ervxrbstätig, so oft vermeinen, sie gehe es nichts an, wenn Versammlungen und Demonstrationen stattfinden, wenn Frauen und Mädchen sich or- ganisieren, um überall als Kampfesgenossinnen neben dem Mann ihrer Klasse zu stehen. Von der Not in die Erwerbsarbeit ge- trieben, damit eine doppelte Bürde von Arbeit auf ihre Schultern ladend, sind dann diese indifferenten Frauen allen Soli- daritätsempfindens bar und deshalb sehr leicht zu Lohndrückern zu gebrauchen, nicht aus Bosheit und Schlechtigkeit, sondern aus U n- wissen he it. Die Zunahme der FrauenerwerbSarbeit infolge der widersinnigen Steuerpolitik ist für uns alle deshalb eine ernste Mahnung. bei der Agitation unter den proletarischen Frauen die Hausfrauen nicht zu vernachlässigen. Werden sie dann durch die Not auf den Arbeitsmarkt geworfen, so haben sie den Gedanken der Solidarität bereits erfaßt und werden ihn im eigenen und im Gesamtinteresse ihrer Klasse betätigen.— Wenn irgendeine Zeit günstig ist, diese Agitation mit allem Nach- druck zu betreiben, so die gegenwärtige, wo just auch unter den Hausfrauen die Empörung hochlodert ob der neuen drückenden Steuerlast. An unsere Genossinnen richten wir deshalb die Mahnung: Nutzet die Zeit! Versammlungen. Eine allgemeine Gummiarbeiterversammlung fand am Sonn» tagdormittag im„Englischen Garten" statt, einberufen vom Ber- band der Fabrikarbeiter. Genosse E. Wurm hielt einen Vor- trag über das Thema:„Krankheitserscheinungen bei den Arbeitern der Gummiindustrie." Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen und in der Diskussion noch vielfach ergänzt. Man wies auf das Kabelwerk und das Walzwerl der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft hin, die mit ihren Wohlfahrtseinrichtungen soviel prahlt. Di« Gummiarbeiter sind mit den Einrichtungen in diesen Werken sehr unzufrieden und haben dort vieles zu be- mangeln. Die Diskussion soll in einer späteren Versammlung fortgesetzt werden. Der Fabrikarbciterverband hat eine Sektion der Gummiarbeiter eingerichtet, deren Leitung in der Versammlung gewählt wurde. Jeder Gummiarbeiter sollte sich der Organi- sation anschließen. Letzte j�achnchtcn und Dcpcfcbcn. Wer hat nun den Nordpol erreicht? New Jork, 6. September.(W. T. B.) Wie die„Affo- ciated Preß" meldet, ist ihr eine Nachricht Pcarys, die in Jndianharbor auf Labrador an Land geschwemmt worden ist. von dort auf telegraphischem Wege über Cape Bah auf Neu- fnndland zugegangen. Die Depesche lautet:„Sternenbanner am Nordpol aufgepflanzt." Der Sekretär des Arktiklubs Bridgman hat aus St. Johns auf Neufundland folgendes Telegramm erhalten:„Pol erreicht, Dampfer„Noosevelt" un- vcrsehrt. Peary."_ Cook Ehrendoktor. Kopenhagen, 6. September.(W. T. B.y DäS Kuratorium ber Universität beschloß in heutiger Versammlung, dem Vorschlag der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, Dr. Cook zum Ehren- doktor der Kopenhagener Nniversität zu ernennen, beizutreten. Das Diplom wird Dr. Cook am Donnerstag vom Universitätsrektor feierlich überreicht werden. Verantlv, Redakteur.: Emil Unser, Berlin. Lnferatenteil vergntlv,: LH, Glocke, Berlin. Druck u,VerIag:Bs.rwäii-Buchdr»U. VerlagSanjtgtt Dgul Singer&.(iov Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen«.UnterholtungM. lt. 208. 26. Iahrglmg. 1. KeilM Ks JotnM" Kcilim WsM AieMaz, 7. Zepteiate 1909. fiir den schwedischen Generalstreik. Bei der Berliner Gewerkschaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar» beiter ein: Geschäftsdiener und Kutscher von Gebr. Simon 3,80. 8181 Beamten deS Buchbinder-Verbandes 1t),—. Tischlerei Schuster, Böhm u. Co., 2. Rate 8,25. 6133 Bau Heuer 6,50. Mitglieder des Gesangoereins Lerche 31,50. Laubenkolonie Köllnische Heide 13,—. Zigarrensabrik Canner Chaussee 180, 2. Rate 10,—. Bäckerei Blobel 2,50. Gesangverein Liedcssreiheit(Oft) 20,—. Bäcker-Gesangverein Morgengrauen, 2. Rate 50,—. H. K. 3,—. Expedition und Buchhandlung Vorwärts, 4. Rate 26,50. 2 Lichtcrsclder Schneider 3,—. Verband der Schneider, Fil. I, aus folgende Listen: 267 Schneider von E. Cohn 15,80. 4824 Schneider von Koppe 33,—. 4826 Schneider von Vorwitz u. Co. 21,10. 4828 durch Doritz 15,50. 6009 Schneider von Kösj 11,80. 6011 Schneider von Kirchstein 12,—. 6012 Matzschneider von Peel u. Cloppenburg 13,50. 6019 6,—. 6020 durch Gebauer 30,—. Schneider von Strecker 13,—. Schneider von Trunz u. Votz, 2. Rate 10,—. Schneider von Rückert 8,—. Schneider von Stock u. Co. und Landsberger 36,60. Von den Töpfern des Zcntralbureaus D. B. L. Sch. 24,—. 7106 Zahlstelle der Porzellanarbeiter Spandau 23,45. 7122 Spandaner 11,—. Verband der Maler und Lackierer, Flliale Berlin, aus folgende Listen: 1302 8,30, 1303 10,20, 1304 8,75, 5068 5,60, 5075 4,30, 5076 6,20, 5086 11,40, 5089 14,40, 5091 11,—, 5094 11,40, 6324 10,45, 6327 10,15, 6343 5,15. 5060 Lackiererei Herrmann 6,25. 1290 Maler bei Gutknecht u. Becker 9,—. Zahlstelle Rirdors 13,22. Herrenpartie bei Meier u. Weber 14,—. ?lrbeitcrradfahroereln Voran Berlin, M. d. A.-R-B. Freiheit 15,—. Waldfest der H. Brüder 7,30. Personal der Norddeutschen Buchdruckerei auf solgende Listen: 7691 8,35. 7692 5,75. 7693 34,50. 7694 18,—.(In Summa 66,60.) Verband der Burcauangestellten aus folgende Liften: 1003 Angestellte der Ortskasse der Maurer und Töpfer, Steglitz 14,25. 1009 O.-K. der Mechaniker 2l,—. 1026 Angestellte der Ortskasse der Schneider 50,—. 1034 Angestellte der Ortskasse der Graveure in Pankow 4,50. 1037 Angestellte der Ortskasfe der Tapezierer 11,50. 1039 Angestellte der Orts- kasse der Steindrucker und Barbiere 8,—. 1044 Angestellte der Ortskasse Charlottenburg 16,—. Dito 30,—. 1048 Angestellte der Ortskasse der schmiede und der Jnnungskaste der Gastwirte 3,—. 1065 Angestellte der Ortskasse der Tischler und Wäschesabrikation 12,20. Angestellte der Orts- kasse Lichtenberg 10.—. 993 7,25. 102 13,85. 1023 6,60. Arbeiter der Firma G. Schwechten 14,20,(in Summa: 212,35 M.).— Freie Turner, Lichtenberg 6,—. Tischlerei Kutwer u. Hanfs, Sechserlasse 30,—. Hilfsarbeiter der Druckerei Sonntagsblatt, 2. Rate 11,—. 346 Etuifabrik v. W. Schulze 7,35. Stockfair. A. Ludwig u. Co., 2. Rate 38,25. Ncberschutz v. Stistungsseft, Sektion der Lackierer 22,20. Frühstück bei Muttern 1,50. 8144 Firma P. F. Gcitzler 11,35. W. R 68 8,—. 8770 Buchdruckcrei Schomburg, 3. Rate 18,10. Zentralverband der Lederarbeiter und Hand- schuhmacher, 2. Rate auZ der Lokalkasse 50,— und aus folgende Listen: 7770 22,55. 7771 16,15. 7772 19,60. 6906 3,40. 6907 17,65(in Summa: 129,35 M.) 6497 Tischlerei v. Voigt 4,25. 7875Zinkgietzerci Stein 10,65. 8769 Bautischlerei Rösener6.10. Sparverein Hoffnung 7,—. 7634 Druckerei I. Roscnbaum 6,80. 8031 Silberwarenfabrik R. Freund, 2. Rate 14,85. 8189 Tischlerei Teusel u Co. 5,20. Buchbinder der AnUwsabrik, 4. Rate 5,40. 8766 Kronleuchter- sabrik Calm u. Bender, 3. Rate 15,30. Treppengeländerfabrik C. Völker 20,50. Handwerker der Schultheitzbrauerei, Abt. IV 10,55. 8040 Ausbau Bülowftr. 22 2,75. Unterkommission Schöneberg aus folgende Listen: 1165 Luchbinderei H. Sperling 47,80. 1144 Bautischlerei Stahl, Schöne- berg 4,50. 1195 Durch Kuhlmey 11,50. 4433 Bautischlerci Keddemann 12,55. Bautischlerei Wegner. 2. Rat- 4434 16,—, 4435 15,75, 4436 10,65. Von den Glasern der Firma Laake 2,50(in Summa 121,25.)— 7387 Modelltischler A. E.-G. Turbine, Huttcnstratze 45,—. 7983 Schlosserei Moldenhauser u. Metzdorf, 3. Rate 11,65. Unternehmer Conrad• 1,—. Transportarbeitervcroand, Verwaltung I, Vorstandssitzung v. 3. 9. 09 11,—. Branchenversammlung der Konseltionshausdiener 3,50. Zweigverein der Maurer Ltzchen 20,—. Silberwarensabrik v. Körner u. Proil 22,—. 8933 Gäste v. R. Wiese 3,45. Deutscher Transportarbeiterverband, Bezirk Grotz-Berlin aus folgende Listen: Extraliste Stratzcnbahner Westend 6,60. Vorstandssipung der Verwaltimg 3, Stratzenbahner 11,—. 369 Betrieb Tietz, Frankfurter Allee 8,05. 378 Fliesenleger und Hilfsarbeiter vom Bau „Talgschmelze", Lichtenberg, 3. Rate 29,70. 380 Bartz n. Co., Spedition, Kaiserstr 14.15. Mineralwasserarbeiter 387 2. Rate, durch Warmuth 8,50. 338 durch Fischer 3,15. 403 Kohlenarbeiter, Maschinisten und Heizer der Auilinsabru Treptow, 2. Rate 16,85. 405 4,84. 407 8,65. 411 Speicher- arbeiter, 2. Rate 15,—. 426 S. L. Cohen, Papier EngroS 7,25. 434 2,65. 436 Kempcrmann, Spedition 6,10. 438 Goldleistensabrik Neumann, Hcnnig n. Co. 10,55. 439 durch Frau Berking 6,70. 440 Hausdiener der Firma Psaff 3,35. 443 13,75. 446 4,50. 1865 7,85. 1874 Kohlenarbeiter, Maschinisten und Heizer, Anilinfabrik Treptow, 2. Rate 12,55. 394 2,80. 399 14,65. 1876 Jos. I. Leiukauf, Krüger, Rummelsburg 5,30. 1878 Viktoria-Brauerei, Stralau, Mitglieder des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes 7,10. 1879 10,50. 1881 Adolf Richter, Boxbagcnerstratze 3,90. 1889 13,25. 1890 4,35. 1892 Fahrperfonal Brauerei Groterjan 8,85 189? Hosarbeiter der Brauerei Schultheitz 3,—. 1902 Betrieb Brauerei Gabriel Jäger 6,50. 1903 Schneidemühl Tempclhos 4,80. 1907 Brauerei Gericke(Akl.-Ges.) 3,60. 1914 7,70. 1916 Spedition Bergemann 4,40. ! kleines Feuilleton. Der Streit um den Nordpolfahrer. Dr. Cook ist in Kotzen- bogen der Held des Tages. Am Sonnabend war noch ein großes Festbankett ihm zu Ehren, wobei ihn der dänische Minister Hansen als den Entdecker des Nordpols feierte. Sogar hoffähig ist der Sohn der amerikanischen Republik bereits geworden: er hat die dänische Prinzessin Jngeborg zur Hostafel führen dürfen. Und es drängen sich die Glückwunschdepeschcn. Auch der Präsident der Bereinigten Staaten hat dem Nord- polsahrer telegraphisch seine Anerkennung gezollt. Dagegen sind zahlreiche andere Landsleute des Gefeierten immer noch im Zweifel, ob der Nordpol denn nun wirklich entdeckt ist. Ein Berliner Mittagsblatt, das die Sensationen liebt und auch die Cooksche Fahrt für seine Zwecke gebührend ansschlachtet, leistet sich den anmutigen Scherz, die angebliche englischeMißgunst gegenüber allem Ausländischen für die Bedenken verantwortlich zu machen, die gegen Cooks Angaben geltend gemacht werden. Das Blatt tut dies in Anknüpfung an das Urteil des AdniiralS Melville, der so weit gegangen ist, die Angaben Cooks einfach als Schwindel zu bezeichnen. Hiermit hat nun uu- glücklicherweise das„perfide Albion" schlechterdings nichts zu schaffen: der Admiral Melville ist nämlich gar kein Engländer, wie jener Auglophobe tut, sondern ein— Amerikaner. So scharf wie Melville bat sich wohl kaum ein Engländer über Cook ausgesprochen. Freilich aber sind auch in England, gerade wie anderswo, die Leute zahlreich, die sich noch nicht ganz klar darüber sind, ob sich alles so verhält, wie Cook angibt. Und es läßt sich nicht leugnen, daß diese Zweifler ge- wichtige Stimmen auf ihrer Seite haben, darunter Nansen, Shackleton und Cagni. Auf der anderen Seite niacht allerdings Cook, der offenbar einen sehr gewinnenden Eindruck erweckt, mit Erfolg Proselyten für seine Sache. So hat sich der Professor der Astronomie an der Kopenhagener Universität Dr. Strömgren nach einer Unterredung mit Cook dahin ausgelassen, er zweifele nicht mehr daran, daß Cook am Nordpol oder unmittelbar dabei gewesen fei, Cook hat auch einem gemeinsamen Interview von hundert Journalisten stand- gehalten. Er erklärte dabei u. a., daß er seinen Anspruch auf die Cutdeckung deS Nordpols mit exakten, nachprüfbaren astronomischen Forschungen und Messungen belegen könne. Er fühlt sich sicher, die großen geographischen Akademien von Amerika und Europa von der Wahrheit seiner Angaben überzeugen zu können, und unterwirft sich gern dem Urteil seiner Fachgenossen. Zum Schluß verwahrte er sich gegen den Vorwurf des Schwindels und verlangte, daß man abwarten solle, bis er feine Beweise der Oeffentlichkeit übergeben habe. Am Dienstagabend hält Cook in der Geographischen Gesellschaft in Kopenhagen einen Vortrag, wonach es hoffentlich schon möglich sein wird, klarer zu sehen, als bisher. Vorläufig wird der Streit um den Nordpolfahrer aber wohl noch fortdauern. Theater. Freie Volksbühne(im Thalia-Theater):„Eisgang'. Von Max Halbe. Wenige Mitglieder nur vielleicht vom alten Stamm des Vereins«verde» noch eine Erinnerung an die Ur- 1920 Berliner GenoffenschastShäckerci, Gerichtstr. 23, 2. Rate 24,—. 1921 Montagsarbeiter„Flohr" 14,30. 1922 6,—. 1926 Betrieb Gitzhait 17,75 1927 3,30. 1928 0,50. 1931 6,95. 1933 7,20. 1936 6,20. 1938 P. Gundel, Fouragehandlung 4,15. 1940 10,55. 1950 1,20. 1953 20,20. 1955 5,45. 1957 13,05. 1963 gesammelt in Vaumschulenweg durch Müller 19,75. 401 Fensterputzer der Glaserinmmg, 3. Rate 6,—. 1969 8,60. 1980 Transportarb. b.Delschau d. M. 6,10. 1981 8,10. 1987 3,—. 1997 3,50. 199910,85. 2000 Münchencr Brauhaus, Fahrpcrsonal 5,45. 2528 1,80. 2545 3 90 2548 13,—. 2562 8,10. 2986 3,-. 4808 3,15. 4810 3,30. 4894 9,70. 5206 4,—. 5223 Hausdiener von Oppenheim 4,85. 5224 5,—. 5231 Per- sonal von Vielau Nachs., Neanderstratze 6,15. 5232 gcsanimelt durch LouiS Letvinsohn 5,—. 5210 Hausdiener von Gebr. Grumach 6,—. WirtschaftS- genosscnschaft, Helmholtzstratze 5242 4,95. 5243 8,60. 5245 12,50. 5250 10,50. 5263 21,45. 5277 5,90. 5278 16,60, 5280 Autofahrer, Gebr. Klemens 15,25, 5286 Chauffeure von Arndt 27,95, 7824 GenossenschaflS- bäckerei, Gerichtswatze, 3, Rate 23,50. 7826 Handtuchsahrer„Emcnsia", 2. Rate 12,50. 7831 Rollkutscher, Bodenarbeitcr und Stalllcute, Baartz u. Co., Mühlenstratze 20,—. 7832 9,—. 7836 Angestellte aus dem ZentralverwalwngSbureau, 4. Rate 47,—(in Summa 827,24).— 1159 Arbeiter der Drahtlosen Telegraphie 13,45. Galvanoplastikcr von A. Scherl 5,80. Lotterievercin Rettig 5,—. Zentralverbnnd der Fleischer, Ortsverwaltung Berlin, auf folgende Listen: 4545 7,—. 4569 6.45. 4546 9,—. 7845 17,25. Tellersammlung in der Mitgliederversammlung 5,30. 4558 4,70. 4552 2,40(in Summa 52, t0).— Lotterieverein Glück Aus II 11,50. Bildcrrahmenmacher von Kristan 3,—. Lotterievercin Hoffnung 1905 5,—. Arbeiter von Lawrenz u. Co. 9,—. Leuwant Schmidt 50,—. Batz, Karl u. Marie 5,—. 7696 Verwaltung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schristgieher 9,50. 7994 Metallarbeiter v. Ahrendt u. Co. 12,—. 7681 Maschinenmeister der„Woche", Flachdruck. 4. Rate 14,25. 8150 LuxuSpapier- branche von Selmar Bayer, 2. Rate 15,90. GlaS- und Metallarbeiter von Germensdors u. Sohn, 2. Rate 3,75. 6694 Arbeiter von Domscheit u. Pa- Pesch 7,—. BorwärtS-Buchdruckerci, Werkabteilung, 3. Rate 100,—. Tischlerei tentsch 3,85. Hilfsarbeiter deS Vorwärts, Werkabt. 10,50. Goldleistensabrik , Siesicke, 2."Rate 21,—. Tischlerei Gebr. Nenkirch 6,— Rotationsarbeiter vom Berliner Lokalanzciger, Tagschicht, 2. Rate 13,—. 355 Posener u. Hansen 3,90. 8204 Metallarbeiter von Gebr. Hüft, 4. Rate 9,50. 7627 Buchdrnckcrei L. Schuhmacher, 4. Rate 17,30. Rabitzer, Bau Potsdamer Str. 10/11 6,80. Stocksabrik E. Noa Aachs., 2. Rate 14,25. 9250 Vergoldcr und Schlciserinnen der Firma Rasch 15,80. 8174 Kollegen von C. Tinius 6,—. Tischler von Blciidmger, Bredow u. Co. 8,45. Glas- schlcsfcrci Lorctle u. Co. 7,—. 2389 Arbeiter von Behling u. Lübke, 2. Rate 37,40, 8925 Tischlerei Olm 13,85. Zwei Etuiarbeiler 2,—. Kollegen des Wäschegeschäfts Fiegner, 4. Rate 16,—. Kassierer von L. Littauer 4,60. 7632 Buchdruckerei E. Billig Nchs., 4. Rate 23,05. 7666 Buchdruckerei der Anilinsabrik, 3. Rate 4,25. Personal BcllerS Registrator Comp. 6,50. Silberwarensabrik Abraham 4,50. 7582 Rahmcnfabrik Zicmann, 2. Rate 11,75. 9285 Tischlerei Schüddckops u. Heine, 2. Rate 6,—. Kranzübcrschutz der Firma Lüben u. Buhse 8,50. Buchdruckerei M. Kettcmbcil, 4. State 25,40. Tapezierer bei Kohlmctz, 4. Rate 8,25. 8164 Buchbinderei-Wtcilung Elsner, 4. Rate 17,10. E. G. 1,—. 9045 Pianinosadrik v, W, Hoffmann 7,75. Metallarbeiter u.-Arbeiterinnen v. R. Karst 12,—. Metallarbeiter v. W.Haiden- Hein 18,95. 9273 Druckerei SlShelm, 4. Rate 30,—. 5190 2,85. 9118 4,—. Kistensabr. Hinz 3. Rate 6,—. Kronlenchtersabrik Witte u. Pinsker 2. Rate 12,75. 2936 Monteure v. Auer Abt. B 12,65. Lllttericklub N0. 1908 4,10. 8938 Norddeutsche Metallwarensabr. 4, R. 9,10. 4637 Buchdruckcrei-HilsS- arbeitcr O. ElSner 4. R. 17,50. 7682 Personal der Buchdruckerei Bollsratz u. Apel 5. Rate 11,30. Metallarbeiter v. Hacke! u. Picht 5,—. 7522 Metallarbeiter v. A. Bcnvcr 23,—. 7633 Personal der Buchdruckerei Pormetter 2. R. 8,25. Maurer und Arbeiter Bau Richardpl. 6 13,25. 9160 Arbeiter der Gesellschaft s. drahtlose Telegraphie 16,40. Sängervereinigimg Südost 10,—. Mechaniker v. Lax 3. Rate 4,—. 9254 Kollegen v. Aug. König 10,90. G. B. 3,—. 9111 Metallarbeiter v. Butzke 15,85. 7272 Handwerker der Firma A. W., Leipziger Str., 16,15. 8924 Kartonsabrik Baum u. Schulz 5,60. 9279 Maschinenfabrik Honi 8,25. 8939 Tischlerei Ostend 12,75. Setzer und Drucker S. Schalem, Schöneberg, 3. Rate 22,—. Tischlerei v. Schcffler 2. Rate 11,—. 6 organisierte Drucker, Treptow, 2. Rate 3,—. 9122 Berliner Druckerei, 4. Rate 6,10. Metallarbeiter v. Rosenstock, 3. Rate 11,—. 7481 Pianosadrik Görs u. Kallmann 16,50. Klempner v. Kusserow u. Becker, 2. Rate 7,40. Kartonarbeiter v. M. Tictz 2,80. Kistenmachcr von Pflugrath 19,35. 1908 Gesammelt v. d. Kcgelbrüdcrn d.„Gut Holz" 4 ,—. Allgemeiner Deutscher Gärtnerverein, Ortsverw, Grotz-Berlin, aus folgende Listen: 4531 Rixdoif 8,90. 4545 Charlotlenburg 13,05. 4532 Steglitz 4,65. 4539 Hermsdors 7,40. 4540 S-chos 7,50. 4542 Friedrichsfelde 7,—. 4516 Mahlsdors 6,90. 4517 Rieder-Schönhausen 2,90. 4521 Weitzensee 16,25. 4522 Zehlcndors 10,70. 4523 Zossen 6,—, in Summa 91,25. Fabrik d. Fa. C. Dietrich 3,05. Metallgießerei d. Firma A. Borsig, Tegel. 2. Rate 22,45. Tischlerei Gülle it. Grobowsky 10,65. Berl. Arb.-Rads.-Bei., 8. Abt., 2. Rate 10,-, Freiwillige Sammlung der 8, Abteilung 10,—. Sparverein Hoffnung 20,05. M. Becker 1,05. Jngenicurbureau Barth 9,50. 31. L. u. B. L. 10,—. Vom Telesonisten u. Kundmacher in Beelitz 1,—. Allgcm. A.-Vercin Gens (Schweiz) 50,—. Gesangverein Einigkeit II 10,—. Unterkommission Rixdors aus folgende Listen t 2433 8,85. 2440 Tischlerei Lindgreen 9,30. 2451 Tischlerei Merseburg, 2. Rate 11,95. 2454 17,65. 2475 Tischlerei Weitz 7,—. 2479 Tischlerei Lade 15,05. 2482 Tischlerei Krause 4,—. 2183 5,15. 2484 Bautischlerci Richter 8,80, 2485 Tischlerei Dahlmann u. Grandors 12,90. 2488 Möbelfabrik Schwarz. Rixdors 50,30, 2489 Tischlerei Hansen 9,—. 2503 Tischlerei Probst u. Büker 8,50. 2504 Tischlerei Berning 6,50. 2505 aufführung dieses Schauspiels vor reichlich 16 Jahren bewahrt haben. Von ihm geht ein Hauch poetischer Stimmung und sozialistischen Zukunftwerdens bis in unsere Tage hinein. Manches ist ja längst anders, besser, freier geworden. Das ländliche Proletariat hat den Kampf für seine Befreiung von Knechtschaftsbanden begonnen, um ihn mit zähem Beharren doch endlich einmal zu Ende zu führen. Das ostelbische Junkertum herrscht aber noch wie dazumal. Und so wirkten manche Partien des Stückes, als wäre eS heute geschrieben worden. Symbolistische und fatalistische Züge ragen in die Hand- lung hinein, die, im Zuständlichen hastend, eigentlich nur in einigen Momenten dramatische Energie offenbart. Aber dennoch werden wir gepackt und erschüttert, weil ein Dichter zu uns redet, dessen Stärke die große lyrische Stimmung ist. Die Regie— wir sahen sie wieder in den sicheren Händen von Fritz Witte-WildI— hat ihr Bestes getan, um diesen intimen Zauber in der Darstellung zu wahren; andererseits doch aber auch für eine lebensvolle Gs staltung zu sorgen. Ob freilich Stöbert Hartberg als Hugo Tetz laff in allem und jedem seiner Rolle gerecht wird, möchte ich nicht behaupten; fatalistische Gebundenheit des Willens braucht keineswegs zu sentimentalen Gesten zu greifen, um verständlich zu werden. Immerhin strebt dieser junge Künstler zu selbständiger Menschen darstellung, und eS ist wohl nicht mehr zu befürchten, daß er sich in Manieriertheit verlieren werde. Hugos Vater wurde in seiner krank- haften Reizbarkeit von Heinrich Marlow, das Rentnerpaar Peter und Amalie Leidigkeit in seiner peinigenden Aufsässigkeit von Emil Sondermann und Grete C a r l s e n gut gegeben. Charlotte G o e ß n e r brachte die rührende Liebe Gretens zu ihrem Bruder mit warmen Herzenstönen hervor. Den Arzt Dr. Lange stellte Theodor Stolzenberg sympathisch hin; während Walter F o r m e S die brutale Schneidigkeit des in dem Regierungsbauführer Krüger verkörperten Beamtentums mit viel Glück zur Geltung zu bringen verstand. Die frömmelnde Unterwürfigkeit des ersten Lehrers hatte in August G r u b e r. das agitatorische Element bei dem zweiten Jugendbildner in Kurt O l f e r s eine glaubwürdige Vertretung; und Helene Rietz zeigte als Frau Jagelski alle Resolutheit, die eine Schenkwirtin an der Weichsel notwendig hat. Unter den Arbeitertypen Isar der versoffene Knecht Rnttkowski von Arnold Riek schlechthin eine brillante Leistung, an der jede Faser echt ist. Daneben kann noch Fritz Bernhard als erster Knecht genannt iverden. Uebrigens ist die Enseinbleszene in der Schirrkammcr in ihrer typischen und naturalistischen Gegensätzlichkeit«virksam herausgearbeitet ivorden. Die Aufführung darf durchweg als vortrefflich bezeichnet werden; der reiche Beifall, der ihr zuteil wurde, ist wohl verdient, o. k. Freie Volksbühne.(Herrnfeld-Theater.)»Vater und Sohn'. Komödie in drei Akten von Gustav E s m a n n.— Die Leitung der Freien Volksbühne hat mit der Wahl des dänischen, von Rudolf Presber ins Deutsche übertragenen Stückes entschieden einen sehr guten Griff getan. WaS in dieser Komödie pulst, ist echtes, wahres Leben, kein an den Haaren herbeigezogener Konflikt, sondern ein Gegensatz, wie er sich tausendfach zwischen Alter und Jugend findet. Der Großhändler Holms, welcher an der Seite einer kleinliche» und kranken Frau dahinlebt, deren Hilfstruppen ein fader Schwiegersohn und eine der Mutter in jeder Beziehung ähnliche Tochter sind, sucht Bautischlerei Emmebulch 24,30. 2506 Tischlerei Persin 12,80. 2508 Bautischlerei Kapelke 5,80. 2510 Bautischlerei Sawatzki. 2. Rate 23,25. 2111 Tischlerei Krämer 3,40.(In Summa 244,40. Ein paar Schwedensreunde 3,50. Gewerkschastskartell Herzogenaurach 10,—. Gesammelt beim Ausflug des soz. Wahlvereins Neurode 7,80. Verlag und Expedition.Volksbote", Stettin 3,90. Fabrikarbcitcrverband, Zahlstelle Woldeck 80.—, Rabsahrerverein „Frisch aus", Treptow-Baumschulenweg 10,—. tzlrbeiter-Radsahrervcrein „Frei weg" in Halbe 10,—. Arbeiter-Ziadsahrervercin Reinickendorf, M. d. A.-R.-B.„Solidarität", 2. Rate 10,—. Verband der Lagerhalter, Bezirk Berlin, 2. Rate 40,—. von Werner 1,—. Schwimmklub„Neptun", Weißen» see 10,—. H. F., Frankfurt a. M. 3,00. H. Dietz, Stuttgart 50,00. Zentral- vcrband der Handlungsgehilsen, Bezirk N.°O. 6,—. E. W, Trojan 1,55. Kunstgewerbliches Atelier 6,00, Angestellte bei A, W, 11,20. Sparverein „Wcddmg" 10,—. Zentralvcrband der Maurer, Zweigverem Spandau 100,—. Sammlung der Hochzeitsseier bei Liebenau 2,—. S. D. 3,—. Bäcker und Kutscher des Konsumvereins Charlottenburg, 4. Rate 12,50. Tischler der Bautischlerei H, Bolkmann, Pankow 8,25, Ernst Kutscher durch A. Otto 6,75. 4780 19,70. Kollegen von Horn u. Hummel 21,—. Tischlerei Albert Bellin 7,35. Bergmann, Abt. Schraubendrcherei, Drontheimer Straße 24,50. P. F., Drontheimer Straße 11,—. Kollegen der Armaturensabrik G. Bischoff 13,50. 7658 Buchdruckerci Haitßmann 4,90,— Verband der Tapezierer, Filiale Berlin, aus folgende Listen: 2119 durch Buttkem 8,65. 2130 durch Redwitz 20,75. 2141 durch Becker 9.25. 2173 durch Miim 19,20. 2198 Tapeziererwerkstatt I. C. Psaff 10,30. 2200 Tapeziererwerkstatt Flatow u. Primer 19,50. 2205 Tapeziererwerkstatt Hoffmanu u. Helsrich 8,—. 8120 Tapeziererwerkstatt Kunst im Handwerk 15,75.(In Summa 111,40.)— Buchdruckerei Gebr. Fehl 8,25. Verband der Hafenarbeiter, Mitglied- schalt Berlin, aus folgende Listen: 5417. 5419, 5421, 5422 24,90,— Pslanzcrverein»Schmidts Ruh" 5,—. 7695 Buchdruckerci W. Mocser 2, Rate 30,—. Verband der Buchbinder, Zahlstelle Berlin, aus folgende Listen: 356 9,80. 6273 13,45. 6279 12,90. 6280 5,80. 6281 4,50. 6292 5,35. 7883 6,25. 8148 15,45. 8173 4,80. In Summa 78,30. W. S. 1,—. Buchdruckerci Otto Lange 3,60.' 3805 Maschinensabrik PromeihenS 7,75. 9288 Tischlerei A. Zahn, 3, Rate 34,25, 8924 Licht- druckcrei WUftied Dehhle 15,—. 6155 Maurer Tauentzienstr. 14 7,10. 9301 Tischlerei Brähmer 2, Rate 22,25. Personal der Galvanoplastik 4. Rate 20,50, Tischlerei F. Thierichens 4. Rate 10,—. Modelltischler von Müller n. Schmeltzer 4. Rate 5,50. Tischlerei RöÄer u. Schmidt 5. Rate 23,10. Tischlerei Sippel 7,—. M. bei K. 1,—. Buchdruckerei Maurer u. Dimmick 4. Rate 6,40. 9161 Buchdruckerei Marschncr 4. Rate 23,40. 9276 Tischlerei Neumann u. Bunar 22,60. 6808 Jalousiearbeiter von Hartter 4,66.— Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin, aus folgende Listen: 3048 Magnet 33,55. 3170 Eisengießerei u. Maschinensabrik von R. Hartmann 44,—, 3655 Former it. Putzer von H. Härtung 17,55. 3659 Metallarbeiter von Bedag 20,10. 3894 I. G. Hoftmann, Linienstratze 10,50. 5737 Aichele tt. Bachmann 22,70. 8289 Weinberg 5,—. Bergmann, Wilhelmsruh 2961 19,30. 2962 30,55. K. W. O. 3065 7.—. 3068 11,15. 3033 19,10. 3084 42,65. 371411,30. 3715 5,25. 3719 19,20. 5858 19,—. 3099 3,95. Schwach. kopff, Wildau 3728 103,—. 3649 65,50. 3651 70,85. 3652 37,—. 5847 18,85. Deutsche Nilcs-Werke 5837 12,—. 5839 13,50. 5841 16,95. 5842 20,—. 5843 14,40. Deutsche Pießluftwerke Schultheiß IV, Handwerker 3732 27,35. Deutsche Telephonwerkc, Zeughosstraßc, 3260 Abt. Stümpfle 33,65, 3261 Abt. Revision 16,50, 3292 Abt. Werkzeugbau 22,50, 3539 Abt. Fräserei 7,40, 3540 Abt. Dreherei 6,65. 3541 Abt. Pusch u. Clause 12,60, 3542 Abt. Apclt 26,70, 3543 Abt, Rehberg 82,70, 3544 Abt. Bern 4,80, 8545 Abt. Wilhelm 8,85, 3546 Abt. Dahse 5.—, 3547 Abt. Pape 12,35, 3548 beSgl. 10,75, O. Gladen» beck, Friedrichshagen. 2. Rate 3587 7,55, 3588 27,75. Krüger, Köpenick 3586 6,40, 3592 18,70. Kabelwerl Ober-Spree, Saal 26/27 3590 22,—, 3599 35,20, Auer. 2. Rate 3103 11,20, 3104 10,10, 3105 22,80, 3107 10,05, 3690 13,35, 3694 11,10, 3700 35,70, 3702 17,55,(Sa. 1192,15,)— Kollegen der Deutschen Tachometerges,, 2. Rate 16,—. 9277 Silberwaren» sabrik O. Schneider, 3. Rate 14,75. HauSschlosser v. Nordstern 3,—. Lorenz, Telephon- und Telegraphenbau aus Listen 7985—7991, 2. Rate: Abt. I 25,—. Abt. n 6,10. Abt. III 29,70. Abt. V 20,60. Abt. VI 8,10. Abt. VII 22,75. Abt. VIII 18,10(in Summa 130,35).— Bautischlerci Lasten, 3. State 10,30. 8935 Berliner Musikaliendruckerei, 8. Rate 21,45. 8936 Kistcnsabrik v. Mellinger 12,25. Kollegen bei Brandt u. Co. 10,50. 7668 Buchdruckerci Kühn 5,20. 6684 Buchdruckerei»Die Post" 7,20. 9006 Tischlerei Lübnitz u. Reese, 4. Rate 13.30. Bau Leinestr. 18/14, 3. Rate 4,60. 8154 Buchbinderei Behrendt Nachs. 5,—. 9162 Pianosabrik Giese, Reinicke u. Co. 8,10. 9269 Schlosser bei B. Beck u. Friede 11,—. 2989 Kollegen bei Arlt u. Fricke 10,50. Steinsetzer bei Blümel, Bau Schlachten» see 4,45. 1156 1.50. Tischlerei Dietze 5,50. 8930 Buchdruckerci Gebr. Ernst, 4. Rate 21.90. Kistenfabrik Thurow 7,75. 7161 Bautischlerci Fliege u. Leh» mann, 2. Rate 27,50. 1617„Lokalanzciger" Zeitung. 3. Rate 11,10. 752» Buchbinderei Haake u. Co, 3,65. 9175 I. C. Psaff, Saal II. 2. Rate 11,6». 7638 Buchdruckerci Knops u. Co. 2,70. Kollegen der Aköbelsabrik Gerlott 25,—. Klempner Mariendors 8,—. 9297 Kollegen bei Bcling u. Lübke, 4. Rate 40,45. 6287 Buchbinderei Kollin 7,15. 6163 Kollegen vom Bau Schönhauser Allee 129 8,—. Tischlerei Schimming, 3. Rate 3,60. Graph. Anstalt Himmel, 2. Rate 12,—. 4630 Kollegen bei H.«. Sch., Maschinen» saal 5,55" Ueberschuß der Kranzspende und Tellersammlung bei Dehhle, 2. Rate 9,75. 8134 Metallarbeiter bei Stöbert Schulz 7,75. 8927 Klempnerei Zentr.-Mngazin, 4. Rate 27,35. 6493 Möbelfabrik B. Schmidt 8,50. 9184 Drechsler und Schleifer b. C. Müller, 2. Rate 14,50. Sparvercin Oststcrn, Lichtenberg 10,—. 9303 Personal der Buchdruckerci JaniszewSli, 3. Rate 29,30. Glasschleiserei Firma Dittmcyer, 4. Rate 10,55. A. B. 1,—. Kronsich mit seiner Liebe und seinen Lebenshoffnungen an den zwanzig» jährigen Sohn zu klammern. Der aber ist, wenn auch ein guter Kern in ihm steckt,, ein Luftikus und Tunichtgut. Anläßlich seine? bereits zum Stadtklatsch gewordenen Verhältnisses zu einer frag» würdigen Dame kommt es zlvischen dem Alten und dem Jungen zu einer erregten Szene, die mit der Abschiebung des Sohnes nach Ostasien endet. Nach Jahren kehrt der Sohn, der sich in der Fremde aus eigener Kraft emporgearbeitet hat, mit seiner jungen Gattin heim. Im Vaterhause hat sich vieles verändert. Die Mutter ist gestorben. Die Schwester, der Schwager und ein Hausfreund vergeuden und verprassen das Geld des Alten. Der ist ein müder und willenloser Mann geworden. Nur seine vor der Welt geheimgehaltene Liebe zu Berta Lund, der Witlve eine? seiner Kapitäne, hält den Vereinsamten noch aufrecht. Dieser Liebe aber schämt er sich dem heimkehrenden Sohne gegenüber. Er sucht sein Verhältnis zu der wackeren Frau, die ihm die Sonne seiner einsamen Tage gewesen, vor den Kindern zu verbergen. Doch die Schwiegertochter kommt bald hinter sein Geheimnis. In ernster Unterredung verweist der Sohn den Vater auf seine Pflicht, Frau Lund zu seinem rechtmäßigen Weibe zu machen. Jubelnd verspricht es der Vater. Die gute Verwandtschaft aber, die bisher lustig auf Kosten des Alten in den Tag hineingelebt, wünscht mit saurem Lächeln Glück. Trug schon der graziöse Aufbau des Stückes viel zu seinem Gelingen bei, so hatte doch auch die Darstellung ihren reichen An» teil an dein vollen Erfolg. Frieda Richard(vom Hebbel» Theater) gab die eifersüchtig-spitzig-komische Elendsfigur der Frau Zhr ebenbürtig war Wanda Treu» sthcl Holm, die kluge, tatkräftige Frau welcher von Ewald Schindler (Lustspielhaus) trefflich verkörpert wurde. Auch der alte Holm fand in Aenderly LebiuS(Trianon-Theater) seinen prächtigen Dar- steller. Ausgezeichnet in Maske und Mimik»virkte schließlich noch Karl Wilhelm(LustspielhauS) als Schwiegersohn Bremer. _— n. Notizen. — VolkS«Oper. Man kann der Leitung der neuen Volks» Oper die Anerkennung nicht versagen, daß sie mit Energie arbeitet. Sie brachte am Sonnabend bereits die vierte Oper, Webers Volks- tüinlichen„Freischütz" zur Aufführung, und zwar mit einer recht achtungswerten Besetzung der wichtigeren Rollen. Im einzelnen lassen sich allerdings manche Ausstellungen machen. Dem hohen Sopran der Darstellerin der Agathe(Fräulein Helene Eggeling) fehlt es an Sicherheit, und ihr Spiel ließ einiges zu wünschen übrig. Besser spielte und saug Helene Hesse in der Rolle des Aennchen. Auch Herr Richild Gogl als Max und Herr Karl Fischotter als Kaspar boten«tterkennenS- werte Leistungen, wenn auch der letztere in dem Bestreben, die teuflische Verbrechernatur des Kaspar zum Ausdruck zu bringen, ver» schiedeutlich stark karikierte. Den uneingeschränktesten Beifall kann man dem Orchester unter der Leitung seines Kapellmeisters Georg EnderS zollen. Die Ouvertüre genügte selbst den höchstgestellteu Ansprüche»». --u—. Holm in vollendeter Kunst. mann(Neues Theater) als des heimkehrenden Sohnes, cetidjtcrfaBvil 58. Fritze. 3. Rate 11,10. Sadflawischer Klub zu Berlin 10,—. Hagelberger Schweiz 3,—. Ucöerschuiz vom Kaffeelochen der S., 9. und 11. Abteilung, 6. Kreis, Frauen 3,80. Kollegen der Firma Storsberg, Bau Pestalozzi- und Windscheidstraßen- Ecke 8,60. SISZ Tischlerei Hecht 13,75. 7046 Setzer u. Drucker bei Langenscheidt 13,—. Packer bei Puppet, Wirtschastslagcr 5,—. Kollegen bei Wenzel u. Sicker 15,—. Verband der Bildhauer, Ortsverwaltung Berlin, aus solgende Listen: 5303 4,50. 5308 1,60. 5310 18,50. 5312 3,—. 5315 3,35. 5320 4,20. 5321 3,50. 5324 2,20. 5325 5,—. 5326 6,50. 5327 9,—. 5329 7,30. 5331 8,-. 5332 3,50. 5333 3,80. 5348 14,80. 5351 8,55. 5363 5,60. 5364 6,50. 5365 9,20(in Summa 128,60).— Kollegen bei Riesel u. Kanner 24,70. Onkel Neinhold 1,50. Betricbsversamml. der Pcterschen Bäckereien 9,—. Deutscher Textilarbeiterverband(Verwaltung Berlin) aus solgende Listen: 6798 7,40. 5405 6,50. 6792 9,95. 6795 6,70. 7547 16.05. 7543 14,—. 6307 3,65. 5380 21,45. 5381 15,30(in Summa 101,— M).— Summa: 7470,01-Jf. Bisher sind eingeliefert 109 780,94 M.; dazu kommen 7470,01 M., Summa 117 250,95 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, find an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau, Engelnferlö I, Zimmer 23, vor- mittags zwischen 9— IZl/z Uhr und nachmittags zwischen 4— T'/a Uhr abzuliefern. Die Listen 3395, 3687, 7248. 5282, 5285, 8796 und 1860 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Berichtigung. In Nr. 204 muß es heißen: Bon den Angestellten der Herberge des Berlmer GewerkschastshauseS sind nicht 1,05 M., sondern 9,05 M. gezeichnet worden. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommisfiou. tzeMkchei' Candes-Parteltag. * Darmstadt, 5, September.(Eig.©er.) Am„Gewerkschaftshaus" zu Darmstadt tagte am Sonn- abend und Sonntag die Landeskonferenz der Sozialdemokraten Hessens. Der Parwivorstand hatte den Genossen Müller- Berlin delegiert, Rudolph» Frankfurt a. M. vertrat die Landesorganisation Hessen- Nassau. Den gedruckt vorliegenden Geschäfts- und Kassenbericht er- gänzten die Genossen Ulrich und Orb. In dem Bericht wird gesagt, daß die hessische Parteiorganisation unter der Wirtschaft- liehen Krise zu leiden hatte. Genaue Zahlen des Mitgliederrück- gangeS sind nicht angegeben, es wird aber mitgeteilt, daß der! Marwnnmsatz von 337 400 im vorigen Jahre auf 293 500 in diesem 1 Geschäftsjahre zurückgegangen ist. Der Mitgliederbestand beträgt IL 200. Parteisekretär Orb betonte in seinen mündlichen AuS- führungen, daß eine ganze Reihe Parteifunktionäre mangelhafte Informationen eingesandt hätten und aus diesem Grunde der Ge- schäftsbericht in einzelnen Punkten unvollständig sei. Im Berichts- jähr wurde eine besondere Agitation unter den Frauen ent- faltet und eine größere Anzahl als neue Mitglieder und Abonnenten auf die„Gleichheit" gewonnen. Auch dem BildungSwesen wurde große Beachtung geschenkt und Leitsätze dafür aufgestellt. Ueber die Maifeier heißt es im schriftlichen Bericht:„Die Mai- feier hatte in diesem Jahre unter der wirtschaftlichen Krise sowohl wie durch die nicht erledigten Differenzen zwischen Partei und Gc- tverkschaften bezüglich der Arbeitsruhe zu leiden. Es wäre endlich an der Zeit, daß diese Differenzen auf dem einen oder anderen Wege ausgeglichen würden. Durch die Beschlüsse des Parteitages in Nürnberg ist die Sache nicht klarer geworden. Der Parteitag hat die Vereinbarung des Parteivorstandes und der Gencralkommission abgelehnt, hat aber den Antrag 90, der Mittel für die lokalen oder Bezirksfonds schaffen sollte, angenommen. Die Genossen, die Gegner der Arbeitsruhe am 1. Mai sind, können sich nichts besseres wünschen, als den jetzigen Zustand. Dauert derselbe noch ein paar Jahre fort, so ist die Feier durch Arbeitsruhe abgewürgt. Die Zahl der Genossen, die in Hessen den 1. Mai durch ArbeitSnihe feierten, warumeinDrittelgeringer.wie voriges Jahr, die Abendversammlungen zum Teil schwächer besucht, wie in früheren Jahren."— Die Einnahmen und Ausgaben balan- zieren bei einem Kassenbestande von 374,08 M. mit 23 421,35 M. Das Vermögen beträgt insgesamt 7343,03 M., das Landessekretariat erforderte 3473,72 M. Unterhaltungskosten. In der ausgedehnten Debatte wurde an der Tätigkeit des Landeskomitees und an dem gedruckten Bericht, der ungenügend sei, Aritik geübt. Das Landcskomitee müßte mehr Anregungen geben und die jeweiligen Verhältnisse agitatorisch geschickter aus- nützen. Für die Propaganda der Maifeier sollte das Landeskomitee mehr tun, es sei auch ein besserer Ausbau der Bildungseinrichtungen notwendig. Den Gemeinde Vertretern sollte mehr Gelegenheit gegeben werden, sick in Lchrkursen auszubilden. Von Genossen aus Tarmstadt und Osfenbach-Dicburg werden Anträge begründet, die verlangen, daß die Kosten für die Unterhaltung der Familien der Parteischüler von der Landeskasse tesp. Kreiskaffe ge- tragen werden. Genosse Müller vom Parteivorstand betonte dazu, bei armen Bezirken, zu denen Hessen ja nicht zähle, würde der Parteivorstand sämtliche Kosten übernehmen, im allgemeinen hätten die Landesorganisationen die Unterhaltungskosten für die Familie zu übernehmen, natürlich müßte dementsprechend die Landeskasse gestärkt werden. Auf keinen Fall dürfe bei Ent- sendung eines Genossen auf die Parteischule die Geldfrage aus- schlaggebend sein. Zur Maifeierfrage bemerkte Redner, das Hin- und Herstreiten in den letzten Jahren um die Maifeier wäre das allerschlimmste gewesen, was gegen die Maifeier getan werden konnte, es sei die höchste Zeit, daß in Leipzig eine befriedigende Regelung in dieser Frage geschaffen werde.— Von den zu diesem Punkte vorliegenden Anträgen wurden die folgenden angenommen: Den Betrag für die Familienunterstützung des jeweiligen hessischen Parteischülers zur Parteischule in Berlin hat das Landes- komitee zu tragen.— Es sind Gemeindevertreter-Lchr- k u r s e einzuführen. Am zweiten Verhandlungstage stimmte die Konferenz zunächst einer Shmpathieerklärung fiir die kämpfenden Ar- heiter in Schweden zu: Die Landeskonferenz der Sozial- demokraten des Hessenlandes blickt mit großer Anerkennung und Genugtuung auf den Verlauf des RiescnkampfcS der Arbeiter in Schweden und fordert die Parteigenossen des ganzen Landes zu tatkräftiger materieller Unterstützung der kämpfenden Brüder auf. Die Konferenz sendet den Kämpfenden brüderliche Grüße mit dem Wunsche, den großen Kampf zum erfolgreichen Ende zu führen.— Dann gab Landtagsabgeordneter Genosse Orb ein Bild der Tätigkeit der Landtagsfraktion und präzisierte ihre Stellung zum neuen Wahlgesetz. Dieses sei derart mit Kautelen belastet, daß es für die Fraktion in seiner jetzigen Fassung unannehmbar sei. Nach kurzer Debatte stimmte der Parteitag einer Resolution zu, die sich mit der Haltung der Fraktion einverstanden erklärt. Ulrich- Offenbach referierte über: Die VerwaltungS- und Gemeindesteuerreform in Hessen. Die Vorlage be- deute eine Verschlechterung im Sinne unserer Auffassung und eine Verbesserung im Sinne der Besitzenden, was Redner an den einzelnen Bestimmungen der Vorlage nachwies. Die G e- meindesteuervorlage sei von dem Geiste diktiert: Schonung des Besitzes und rücksichtslose Heranziehung des Einkommens der Arbeiter. Die Fraktion werde alles tun, daß die Entlastung des Besitzes beseitigt und die Belastung der Arbeiterkonsumvereine ab- gelehnt werde. In der Diskussion werden die Ausführungen Ulrichs in zustimmender Weise ergänzt und hierauf dieser Re- solution zugestimmt: „Die Landeskonferenz nimmt die Ausführungen des Refe- renten LandtagSabgeordncten Ulrich über die neue VerwaltungS- reform zur Kenntnis und ersieht daraus, daß die hessische Regie- rung nach wie vor auf dem Standpunkt beharrt, daß zu den Wahlen der Bürgenncister und Beigeordneten die behördliche Be- stätigung notwendig ist, mit dem Endzweck, Sozialdemokraten von diesen Aemtcrn fernzuhalten. Die Konferenz nimmt dies erneut zum Anlaß, gegen diese fortgesetzte Verfassungsvcr- letz n ng zu protestieren und fordert ihre Vertreter im Landtage auf, alles aufzubieten, was geeignet ist, diesem Zu- stände ein Ende zu machen." Ueber:„Die Landarbeiterfrage" referierte Genosse B u s o l d- Friedberg. Er begründet eine Resolution, in der es heißt: „Die Landeskonferenz der Sozialdemokraten Hessens begrüßt es..., daß eine Organisation der Landarbeiter begründet worden ist und macht es daher allen ihr unterstellten Partei- organisationen und Parteimitgliedern zur Pflicht, diese neue Landarbeiterorganisation nach Kräften zu unterstützen." In der Debatte betonte Reichstagsabgeordneter Dr. David, nicht nur die reinen Lohnarbeiter in der Landwirtschaft müßten in den Kreis der Agitation gezogen werden, sondern neben der Schicht zwischen Lohnarbeitern und selbständigen Laudwirftn auch die kleinen selbständigen Bauern. Unter diesen würden sich manche Parteigenossen befinden und der Landarbeiterverband müßte diese kleinen Existenzen in seinen Agitationsbereich ziehen. Gelänge es ihm, diese Elemente zu gewinnen, so hätten die Land- arbeiter einen Stützpunkt an ihnen, da sie wirtschaftlich unabhängig sind.— Die Resolution B u s o l d wurde einstimmig ange» n o m m e n. Es folgte nun ein Referat von Raab-Pfungstadt über den Parteitag in Leipzig. Der Redner begründete einleitend eine Resolution, in der der Wunsch ausgesprochen wird, daß der Parteitag in Leipzig angesichts der verantwortungsvollen Auf- gaben, die der Partei in der nächsten Zeit gestellt sind, alle Aus- einandcrsctzungcn persönlicher Art über in der Partei vorhandene Meinungsverschiedenheiten und einzelne Vorkommnisse unter- geordneter Bedeutung vermeiden wird. Dann ging Raab auf die Maifeierfrage ein. Er plädierte für die allgemeine Arbeits- ruhe am 1. Mai und polemisierte gegen eine Resolution von David, Ouessel, Adelung, Eißnert und anderen Ge- nossen, die die Aufhebung der Arbeitsruhe am 1. Mai verlangt.— Zum Organisationsentwurf begründete der Referent einige Abänderungsvorschläge. In der Debatte begründete zunächst Genosse Dr. Ouessel- Darmstadt die oben erwähnte Resolution� die folgenden Wort« laut hat: „In Erwägung, daß angesichts der großen Macht der Unternehmerverbände und ihrer raffinierten Aus- sperrungstaktik die Gewerkschaften ihre ganze finanzielle und agitatorische Kraft zur unmittelbaren gewerkschaft» l i ch e n Aktion, d. h. zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse aufbieten müssen, verlangt die hessische Landeskonferenz, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai, die den Unternehmerverbänden eine gar zu bequeme Gelegenheit bietet, durch Maifeieraussperrungen die Kassen und damit die Aktionskraft der Gewerkschaften zu schwächen, aufzugeben und für den erhabenen Gedanken des Achtstundentages und Völkerfriedens neben der Feier am 1. Mai durch VolkSfciern am Sonntag nach dem 1. Mai zu demonstrieren. Die hessische Landeskonferenz erwartet von den hessischen Delegierten zum Leipziger Parteitag, daß sie im Sinne dieser Resolution zur Maifeierfrage Stellung nehmen." Ouessel. Hütsch. Delp. Klomann. Adelung. David. Zeh. Eißnert. Winkeler. Weber. Ouessel betont am Sckilusse seiner, unter großer Aufmerk- samkeit der Versammelten und mit Beifall aufgenommenen Aus- führungen, seine Resolution solle keine Abschwächung der Maifeier bedeuten, sie wolle nur aussprechen, was durchführbar sei. ES sprachen noch eine ganze Reihe Redner, zum Teil für die Arbeits- ruhe am 1. Mai, teils für die Resolution Ouessel. Bruhns- Offenbach wandte sich scharf gegen die Ausschlußbestim- mungen des Orgauisationsstatutentwurfs, die keine Berechtigung hätten. Müll er-Berlin betont, diese Be- stimmungen würden in der jetzigen Form wohl auch nicht akzeptiert werden: es sei aber falsch, anzunehmen, daß mit ihnen bestimmte Genossen(Schippel. Calwer usw.) getroffen werden sollten, sondern die Genossen, die bei Landtags- und Kommunalwahlen ihr Wahl- recht nicht ausüben.— Die Resolution Ouessel könne man schon aus dem Grunde nicht annehmen, weil sie gegen einen inter- nationalen Beschluß verstößt. Bei der Abstimung zur Maifeierfrage wird folgende R e s o- lution Raab angenommen: „Die Landeskonferenz erblickt nach wie vor in der all» gemeinen Arbeitsruhe am 1. Mai die würdigste De- monstration für die Verkürzung der Arbeitszeit und die Forde- rungen des Sozialismus. Die Konferenz erwartet daher, daß der Parteitag in Leipzig an der Maifeier in der seitherigen Weise festhalten wird." Damit ist die Resolution Ouessel abgelehnt. Zum Organisationsstatut wird beschlossen: Die Landeskonferenz deantragt, der Parteitag wolle be- schließen: Im Z 5 den Satz:„Den weiblichen Mitgliedern ist die „Gleichheit" unentgeltlich zu liefern" zu streichen. Im§ 12 Ziffer 3 statt:„Bezirks- pder Landesorganisationen" zu setzen:„W a hlk r e i s o r g a n i sa t i o n e n". Im§ 23 den zweiten Satz:„Auch kann der Ausschluß eine? Mitgliedes erfolgen, wenn es wiederholt in bewußter Weise die Partciinteressen schädigt" zu st r e i ch e n. 8 4 Absatz 1 soll lauten:„Organisationen, denen weibliche Mitglieder angehören, ist auf Verlangen eine Vertretung im Vorstand zu gewähren." Der Resolution Raab, die meidung persönlicher fordert, wird ebenfalls z u g e st i m ni t. Das alte Landeskomitee wurde wiedergewählt. Damit waren die Arbeiten der Konferenz erledigt. vom Parteitag die Ver- Auseinandersetzungen Smgegangene Druchrcbriftcn. Der„Süddeutsche Postillon" Nr. 19(Verlag M. Ernst, München) ist soeben erschienen und in Wort und Bild reich ausaestatlet. Bild 1 zeigt v. Heydebrand, wie er dem deutschen Volke durch die Stcuermacherei das Lefte nimmt und dazu die Hilfe VethmamiS anruft. Bild 2: Der iolmie Untertan. Bild 3: Die Künitierin. Bild 4: Wohltätigkeit oder: Die Rechle soll nicht wissen, was di« Linke tut. Bild 5: NegieumgSpartei von vorgestern, oder: Hoffnung iäfft sich nicht zu schänden werden. Bild 6: Ein Beitrag zur Sittlichkeit. Au» dem texüichen Inhalt heben wir hervor: Zum Leipziger Parteitag(Leitgedicht), Parteitagsglossen, WaS in der Welt vorgeht, Ursache und Wirkung, Internationale Solidarität, BreSlauer Sehn- sucht, Die Bremer Wiedertänser, In der Fremdenlegion, Helden, Truh Zeppelin, und verschiedene kleinere Beiträge. Die Nummer lostet 10 Pf. und ist überall erhältlich. 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Bericht des Gcsellenausschnsse». 2. Diskussion. 3. Ausstellung der Kandidaten für die Ersatzwahl des Gescllenausschusses. 175/11 Im Interesse der in weiteren Vororten wohnenden Kollegen wird ge- beten, pünktlich zu erscheinen. Der Gesellenansschnh. _ I. A.: feanr Ereke. Charlottcnburg, Danckclmannstrasie 45. (Dfffcntl. GkiiirrkschastsDersmmlullg. Achiii!!!!! Gtiverlischlists- niid Pnddpolseii Kerliits mid der Wrsrte! MI" lieute'MZ Dienstag, den 7, September 1909, abends 8% Uhr: OeffeiitllelBeler�amiBiliiiag im Gewerkschaftshanse, Engelnfer 15, großer Saal. Tages-Ordnung: Der Massenstreik in Schweden. Referent: HJalmar ISrasitlug? aus Stockholm. Droh der kurzen Zeit der Bekanntmachung erwarten wir von der Berliner Arbeiterschaft und der der Vororte, dasi sie sich angesichts der wichtigen Tages-Ordnung in Massen zu dieser iUersanimluug einfindet. Die VertraucnSIeute der einzelnen Betriebe und Werkstätten sowie die Organiiationsleitungen der einzelnen Gewerkschasten werden'TWfA 200/7 ersucht, am heutigen Tage für die Versammlung ciirig Propaganda zu machen. Der Ausschuß der StlllUkr GkwerkschllstsliomulisSlin. Ad. Ritter. Engelufer 15. Möbelfabrik Rudolf Bart'ch Oranienstr. 73, Brautleute, achiet > aus meine altrenommierte Firma. Möbeltaus ist Vertrauenssachc. Man versäume nicht, meine Fa> brilläger in den süns Etagen meines Vorderhauses, Seiten« stügclS, OuergebäudeS zu besich- ! tigcn. Schriitl. Garantie. Preise ' lesbar an jedem Stück. Tetl« zahlung gestattet. Meine Spezial- einnchtungcn sind unübertrossen. Stube und Küche 1ü7 M, Zwei Stuben u. Küche 352 M., gutes Zimmer, Satinschlaszimmer, Küche 534, Wohnzimnwr, Schlafzimmer, Küche 877, Mahagoni-Saion oder schweres Herrenzimmer, eichen Speisezimmer mit Sofa u. Umbau, apartem Schlaszimmer m. Frisier- spiegel, grosic Küche 1500 M. sowie zirka 100 Zimmer Möbel all. Stilart. u. 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Aus vielseitige» Anscagen und Wunsch der Gewerkschaften sowie Parteigenossen erklären wir hiermit, dasi die Musikdirektoren Maximilian Fischer sowie Franz Hollfelder nicht in unserem Verbände organisiert sind. aiamel-Bler Das beliebteste alkoholarme Spezialbler Ueberau käuflich Blau«« Etikett— gesetzlich geschützt Am Sonnlag, den 5. Sep- 1 tember, früh um 7 Uhr, erlöstes ein sanstcr Tod unsere gute t Btutter' Panlme Staegemann geb. Schach im 72. Lebensjahre von ihrem Leiden. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Die trauernden iiinterdiiobenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, oon der Leichenhalle des Fried- hoses der Stadt Berlin in Friedrichsfelde ans statt. 1331b sasag Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne?, des Packers Franz Fehrmann dem Oberlehrer a. D. Herrn M. Schütte für die trostreichen Worte, dem Ge- sangverem des Deutschen Transport- arbeiter-Verbandes, dem Deutschen Transportarbeiter- Verband, dem 4. Wahlkreis, den Mitbewohnern des Hauses Wcidemveg 6 und allen, die teilgenommen haben, meinen herz Ilchsten Dank. Die trauernde Witwe .Albcrtlnc Fehrmann. Danks agunq. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, guten Mannes, unseres guten Vaters Emil Kutzer sagen wir allen Freunden und Bc kannten, insbesondere dem Personal der Hedwigshütte und den Vereinen RauchNub„Neuer Berliner", dem Schwimuivercin„Vorwärts" und der Berliner Geschäftsdiencr- und Packer- Vereinigung unseren herzlichen Dank für die vielen Kranzspenden. 23692 Die trauernden tlinterbliobenen. Dr. Schünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Frledrichstr. 203, Ecke Schützenstr. SSochentagS 10-2. 5-7. Von der Kcisc zurück. Dr. Ratkowski Spezialarzt f. Hagon- u. Darmkrankh. 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Sept. 19V9. _ Heinrich Bogel. Am Sonnabend, den 4. d. M., ! verschied nach schwerem Leiden i mcin tnnigstgclicbter Mann, unser ! guter Vater, Bruder, Schwager »und Onkel Otto Haense [ im 49. Lebensjahre. Dies zeigen im Namen der trauernden Hinterbliebenen lies- s betrübt an ! Frau Marie Haensv geb. Gabriel nebst Kindern. Berlin, den 6. September 1909. Die Beerdigung findet am i Mittwoch, den 8. d. M., nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des i Philippus-Apostel-Kirchhofcs aus nach dem Städtischen Friedhos !(Seesttasie) statt. 1325b � Sozinltoolmiiste Watilverein des ß. Beil. Reichstags-WaliWsEs, Todes- Anzeige. Am 4. September verstarb unser Mitglied SB Otto Haense Bezirk 707. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. September, nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichenhalle des PhilippuS-Zlpostel- Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/8 Der Vorstand. irbeUer-SchwiHim- verem„ Allen Mitgliedern, Freunden und Bekannten zur Nachricht, dasi unser langjähriges Mitglied mid Mitbegründer Otto Heense I am Sonnabend, den 4. September, ! plötzlich verstorben ist. Er war einer der Beste«. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. September, nach- ! mittags 5»/, Uhr, von der Leichen- Halle des PhilippuS-Apostel-Fried- Hofes auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 13306_ Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin, Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dasi unser Mitglied, der Schlosser Ulbert vöbler am 3. September an Lungenlciden gestorben ist. Ehre seinem Andenken] Die Beerdigung findet am Dienstag, den 7. September, nachmittags 4 Uhr, von derj Leichenhalle des Heilands-Kirch hoseS in Plötzensee auS statt. Rege Beteiligung erwartet 122/7 Die Ort, Verwaltung. T odes- Anzeige. termit die traurige Nachricht, dasi am Sonnabend, den 4. d. M., unser lieber Kollege Fmil Hahner verstorben ist. Wir verlieren tn dem Dahin- geschiedenen einen langjährigen Mitarbeiter, der uns ein lieber Freund war. lZ33b Er wird uns unvergeßlich bleiben. Die Meister der Pinna Kimbel& Friederfchsen. To des- A nzclge. Sonnabend, den 4. September. verstarb nach kurzem, schwerem Krankenlager unser früherer Kollege, jetziger Angestellter, der Tischler 1234b Paul Haliner. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwochnachmittag v Uhr von der Leichenhalle de? Luisen-Kirch- HoseS, Vergmannstrcche, ans statt. Die Kollegen der Firma Kimbel& Friederlchsen. Dp. Simmel Spezia!-Arzt* für Haut- und Hamleiden. Prlnzenslr. 41, Ä,™, 10—8, 5—7. ßonntaga 10—12, 2—1 ° STIMME» iTEMSE. EMAILLIERTE GESCHIRRE Kasserollen ob» tun« Kasserollen Schmortöpfe onn.Ring Schmortöpfe«itRing Fleischtöpfe Gas-Schmortöpfe Wasserkessel rar gm, Wasserkessel mitAbiat» Pfannen runa Milchkocher 80 pt Bratpfannen ung Maschinentöpfe S GrSastn 20 Pt t>U 80 Pt « GtBsien 60 Ff. bi» 1 ,00 8 Grössen 40 Pt bis 2.00 3 Grössen 7 5 Pt bis 1.00 6 Grössen 30 Pt bis 80 Pt 6 Grössen 65 Ptbis 1.60 6 Grössen 45 Pt bis 1.80 3 Grössen 1.35 bis 1.80 8 Grössen 20 Pt bis 00 Pt Reiskocher 1.60 8 Grössen 1 ,20 bis 2.80 8 Grössen 1 0 Pt bis 2 5 Pt Kaffeekannen Teller aer Teller aa-b Schüsseln a»-d Schüsseln aer 4 Grössen 60 Pt bis 1.00 3 Grössen 1 0 Pt bis 1 5 Pt S Grössen 1 2 Ptbis 1 8 Pt 8 Grössen 1 2 Pt bis 70 Pt 3 Grössen 65 Pt bis 00 Pt Seifnäpfe 20 pt, Wasserkrüge 80 pt, 1.oo Schüsseln eckig 6 Grössen 22 Pt bis 70 Pt Bratenschüsseln runa 30ptuna40pf. Bratenschüsseln ovai« Grossen 30 pt u« 75 pt Essenträger ateoig 1.804«emg 1.60 ms 2.75 Trinkbecher 25 pt Kehrschaufeln* Grössen 35 pt ws 70 pt Toiletten-Eimer s Grössen 1.80bis3.oo T oiletten-Eimer dekoriert 4.oo«na 4.50 Wasch'Service dekoriert O.oo 10.00 12.50 KonSOlen mit Sand, Seife and SodkbebiUter 1.80 Konsolen rar LSI- und Mebl 1.25 Konsolen mitv. titer-MMs 45 pt Wandschoner neuwau I.20 Gemüselöffel 1 2 pt Essenträger s Grössen 35 ms 50 pt Eimer Durcbmcsser 8rau63, neublau 7 5, marmoriert 85 Pt Wannen rund 9 Grössen 1 ,75 bis 2,50 Wannen ovsa 8 Grössen 1.25 bis 4.25 WIRTSCHAFTS-ARTIKEL Kaffee-Services tea6.75,5«eu.1 1.50 T eemaschinen kup""'1*16 un'1 8.00 Saftkannen mit vernickelt. Besehlag 70 Pt Essig- u. Oelmenagen«teilig 2.00 Weinkannen vemicke« 3.50 Cakesdosen vemukeit 80 pt Butterdosen vernickelt 80 Pt Salatschüsseln vemicke» 1.60 Brotkörbe vernickelt 35 Pt Tabletts mit Majolika-Einlage 90 Pf. Zuckerkörbe mit Lötrei 55 pt Tischbestecks Paar 40 bis 70 pt Brit. Esslöffel 1 8 pt Brit. Teelöffel 8 pt Büchsenöffner mit»oirgr» 20 pt Gemüseschneider 70 pl Gaskocherz Loch 8.oo Gaskocher voImch°Dgwtrm" 9.50 2 GaSplätten mit Tür u. Erhitzer 4.50 Messerputzmaschinen 4.25 und 5.50 Spiralfussmatten sox«- cm 1.35 Fruchtpressen Eisen 4.50 bis 6.50 Fleischhackmaschinen 3 Grössen 2.25 bis 4.00 Wringmaschinen 3 Gr. 8.50 bis 10.50 Sicherheitstürketten 25u.30 pt Hut- u. Mantelhaken jfmS 1 0 n Ofenvorsetzer mu"« 1.10, tu 4.50 Ofenschirme Ä,m!°''9.50b!e 1 3.50 Waschfässer« Gr. 6.25 bis 1 0.oo Zink mit Drabteinlage Waschfässer s Gr. 1 0.oo bis 1 3.50 Zink mit poL Wulst Zinkzober s or. 7.25 bis 1 1.00 Ascheimer"TcTölsen 40 pt. m. 1.15 Kohlenkasten« or. 85 pt ms 1.40 Briefkasten'�rÄs«-, 35 p». bis 1.40 Metalltuch-Topfreiniger 18pc Salon-Kohlenkasten Äk»» 2.oo Haarbesen"�Grossen 7Optb:s1.60 Handfeger«"«"Grössen 50 ms 75 pl Rosshaarbesen scr. 90pcbis2.25 Rosshaarhandfeger 65 Teppichbesen V3g"ö1,*,.85 pl ms!.25 Schrubber« Grossen 20 bw 35 n Spülbürstenbleche Q-_, � mit Bürsten PL•. I»80 Kleiderbürsten son. 65 pl bis 1.35 Kaffeemühlen�G�ÖS plmsI j35 Kaffeemühlen 3Gross.2,20 us 2.60 Holz mit Niekeltrichter Wandkaffeemühlen 3.90 Marktnetze 80 n. Wäscheleinen fortssen 1.60 us 3.25 Wäscheleinen SsenS.sObi. 7.26 Waschbretter 1 �5 Bezog. Aermelbretter 38 u. 90 pl, g�men' SOpl Wichs- u. 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Der NerbanÄ kr foziatdcniokratifcbcn Aahlvereine von GroB-Eerlln hielt am Sonntag im Kellerschen Saale in der Koppenstraße wieder eine Generalversammlung ab, welche die Diskussion über das in der vorigen Generalversammlung vom Genossen Ströbel über die politische Lage gehaltene Referat fortsetzte.— Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende PaulHoffmann folgende Erklärung des Aktionsausschusses: Der Aktionsausschutz hat sich in seiner letzten Sitzung mit der in der Vcrbandsgencralversammlung vom 22. August er- örterten Angelegenheit des Genossen Bernstein beschäftigt und erklärt: Es ist der Berliner Organisationsleitung nie eingefallen und war auch niemals ihre Absicht, den Genossen B e r n st e i n auszuschalten. Genosse B e r n st e i n ist nicht weniger als andere rednerisch tätige Parteigenossen zu Referaten aufgefordert worden. Er hat auch in Berlin und Vororten mehrfach gesprochen, wie er auch des öfteren unser Ersuchen um Referate abgeschlagen hat.— Die Behauptungen der ihm so wohlgesinnten gegnerischen Presse sind also nach dieser Richtung hin frei erfunden. Dagegen hat es die Berliner Partcigenossenschaft allerdings stets abgelehnt, die besonderen Seitensprünge des Genossen Bernstein irgendwie zu unterstützen. Ferner unwahr ist die Behauptung, Genosse Bern st ein sei von uns„ausgehungert" worden.— Hätte Genosse Bernstein das ihm von der Berliner Organisation übertragene Werk„Die Geschickste der Berliner Arbeiterbewegung" in der versprochenen Frist geliefert, so würde der dafür gezahlte Bs- trag allein schon den Vorwurf der Aushungerung als erlogen charakterisieren. Wir bedauern ungemein, daß Genosse B e r n st e i n Stoff zu solchen die Partei schädigenden Erörterungen hervorruft und wünschten, daß er die unverlangten Vormünder energischer zurück- gewiesen und sich die Beihilfe der Gegner oder in der Partei unmöglich gewordener Elemente dringend verbeten hätte. Die Parteigenossen sind gewohnt, etwaige Differenzen ausschlictzlich in ihren eigenen Reihen zu erledigen. Hierauf trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Adolf Hoffmnnn: Die Rede, welche Genosse Bernstein in der vorigen Vcr- sammlung hielt, stach sehr ab von dem, was er seit Jahren getan und vertreten hat und was uns zwang, Stellung gegen ihn zu nehmen. Was Bernstein seit seiner Rückkehr aus der Ver- bannung getan hat, das gab den Gegnern Stoff zu fortgesetzten Angriffen auf unsere Saebe. Wenn wir gegen solches Verhalten des Genossen Bernstein Stellung zu nehmen gezwungen waren, dann wurde uns gesagt, wir ständen auf der Zinne der Partei und seien bemüht, jede Kleinigkeit aufzuhauschen. Gewiß, es ist nicht einer unter uns, der im Kampfe mit den Gegncjrn nicht mal eine Dummheit gemacht oder doch mitgemacht hätte.(Heiterkeit, Zurufe.) Ich schließe mich selbst nicht davon aus. Ich sehe, Sie wollen mich an die Englandfahrt erinnern.(Zustimmung.) Wir haßten diese Reise als eine Studienreise auf, bei der wir, soweit es in der kurzen Zeit möglich war, die kommunalen Einrichtungen Londons kennen lernen wollten. Wir haben in dieser Hinsicht getan, was uns möglich war; aber wir haben nichts getan, was mit unserem Prinzip in Widerspruch stände. Es haben sich jedoch Situationen ergeben, in die wir lieber nicht gekommen wären, über die man sich aber wohl einmal hinwegsetzen kann. Ein zweites Mal nehme ich für meine Person an einer solchen Sache nicht teil.(Bravo! Heiterkeit.) Ueber den Schwabenstreich in Württcm- berg würde der Parteitag ohne weiteres zur Tagesordnung über- gehen, wenn die sieben Schwaben ebenso rückhaltlos, wie ich es hier tue, sagen würde: Wir haben eine Dummheit gemacht. Es gibt Parteigenossen, die über die Schandtaten der Gegner hinwegsehen, aber die Taten der eigenen Genossen unter dem Mikroskop betrachten und nicht genug Kritik daran üben können. Dadurch geben solche Genossen den Gegnern Stoff zu Angriffen auf unsere Partei. Dos ist eS, was wir verurteilen.— Mit den Freisinnigen können wir keinen Block bilden. Ich erinnere nur an ihre reaktionären Handlungen, die Wahlrechtsvcrschlechterungcn in den Kommunen, die geplante Verschlechterung der Krankenver- sicherung, die nicht das Werk von Bcthmann Hollweg, sondern das Werk Mugdans und seiner Freunde ist. Sie sind die Schieber bei dieser Sache. Ich erinnere ferner an den Raub unserer vier LandtaMnandate. Trotz dieser Tatsachen, und trotzdem, daß B e r n st e i n in Breslau infolge des Bündnisses zwischen Freisinn und Konservativen> durchfiel, mußten wir von ihm hören, von einem Block der Linken könne jetzt noch keine Rede sein. Also jetzt noch nicht, aber nach Bern st eins Meinung vielleicht bald soll ein Block mit den Liberalen möglich sein. Wir wissen ja, daß Bernstein die Hoffnung auf ein Zusammengehen mit den Frei- sinnigen nicht aufgibt. Auf ihn trifft das Wort zu: Am Grabe noch pflanzt er die Hoffnung auf. Unser Bernstein, der ehe- maligc Leiter des„Sozialdemokrat", mutz jetzt erleben, datz er selbst von den bürgerlichen Demokraten als ein Glacehandschuh- Politiker bezeichnet wird. Wenn wir jetzt, nachdem die Konserva- tiven dem Freisinn die Tür gewiesen hat, alles vergessen wollten, was die Freisinnigen getan haben und Hoffnungen auf sie setzen würden, dann wären wir Ideologen. Was wir Bernstein zum Vorwurf machen, das ist nicht, wie er sagte, ein Abweichen von der Schablone, sondern ein Abweichen von unserem Partei- Programm.— Zur Bekämpfung der Gegner bietet die Zeit reichen Stoff. Den soll man im Kampfe mit den Gegnern verwenden, aber man soll ihnen nicht Material zur Bekämpfung unserer Partei liefern. Wenn der Reichsverband Zitate von radikalen Genossen verwendet, dann sind das solche Aeutzerungcn, die die betreffenden Genossen gegen unsere Gegner gebrauchten. Die Zitate aber, die den Ausführungen revisionistischer Genossen ent- nommn sind, richten sich gegen unsere eigene Partei.(Sehr richtig!) Ich brauche ja nur an die neuesten Auslassungen vom Aushungern des Genossen Bernstein erinnern. In den letzten Tagen hat Bernstein behauptet, es sei zum Boykott gegen das früher von ihm herausgegebene„Neue Montagsblatt' aufgefordert worden, die Vertrauensleute hätten aber den Boykott zurückgewiesen.— Es hat sich damals nicht darum gehandelt, jemand in der Gcwerbs- tätigkeit zu stören, sondern die. Genossen wandten sich nur dagegen, daß Zeitungen in Privatbesitz' von Parteigenossen gelangen, weil dadurch unhaltbare Zustände herbeigeführt werden. Ob Bern- stein oder B e b e l ein solches Blatt gründet, das kommt für mich nicht in Betracht. In beiden Fällen würde ich es in gleicher Weise verurteilen. Niemand hat daran gedacht, den Genossen Bernstein zu schädigen oder gar auszuhungern.— Das sogenannte freie Schriststellertum wachst sich zu einem Krebsschaden in der Partei aus. So mancher Genosse, der sich nicht in den Rahmen der Partei schicken will, läßt sich als freier Schriftsteller nieder und sucht seinen Arbeiten dadurch Absatz zu verschaffen, daß er sie mög- lichst sensationell gestaltet und allerlei Seitensprünge macht. Wie weit dieser Krebsschaden schon vorgedrungen ist, dafür liefert eine von Adolf Thiele herausgegebene gewerkschaftliche Beilage einen Beweis. Sie enthält zum weitaus größten Teil Inserate und «ir wenige gewerkfchgftliche Notizen. Ist das der Partei würdig? Angesichts solcher Dinge müssen wir uns die Frage vorlegen, ob wir diesem Treiben nicht einen Riegel vorschieben sollen.— Es ist keiner hier im Saale, der nicht die Fähigkeiten des Genossen B e r n st e i n und seine Kampfeskraft anerkennt. Warum ge- braucht er seine Kraft nicht für die Partei, sondern immer nur zu kritischen Bemerkungen, die den Gegnern Agitationsswff liefern. Wir sind bereit, mit dem Genossen Bernstein gemeinsam zu kämpfen, wenn er aber das nicht will, dann liegt es nicht an uns, sondern an ihm selbst, wenn sich in Zukunft unsere Wege trennen. (Starker Beifall.) Düwell: Bernstein setzt Hoffnungen darauf, datz wir mit den Libc» ralcn zusammengehen könnten. Er geht von dem Gedanken aus: Der Liberalismus hat von einer Wahlreform zu gewinnen, die auch in unserem Interesse liegt. Bernstein will ja nicht mit den Freisinnigen von heut paktieren, sondern er denkt an einen Liberalismus, der erst kommen soll und sagt, die Interessen der Sozialdemokratie lägen mit diesem Liberalismus der Zukunft zu- sammen. Ich gebe zu, datz die Wahlrechtsfrage sehr wichtig ist. Sie kann gelöst werden erstens auf dem Wege des Parlamentaris- mus, zweitens durch eine Agitation außerhalb des Parlaments, welche die Gesetzgebung vorwärts treibt.— Was haben wir zu erwarten, wenn wir die Taktik, die Bernstein uns vorschlägt: ein Zusammengehen mit den Liberalen, befolgen? Im preußischen Landtage besteht eine Mehrheit aus Konservativen und Zentrum, zusammen 292 Mandate, die gegen die Verbesserung des Wahlrechts ist. Also von diesem Parlament ist keine Aenderung des Wahlrechts zu erwarten. Auch im Reichstage haben die Gegner der Wahlrechtsvcrbcsserung 278 Mandate. Wenn wir da? Stimmenverhältnis der Wähler be- trachten, so sehen wir(der Redner wies das zahlenmäßig nach), daß noch nicht einmal eine Mehrheit von bewußten Demokraten vorhanden ist, von Sozialdemokraten gar nicht zu reden. Also große Massen der Wähler stehen uns noch fern. Sie müssen zu uns herangezogen werden, wenn der parlamentarische Kampf etwas bringen soll, dem wir zustimmen können.— Eine Koalition der Liberalen mit den Sozialdemokraten käme dem Zentrum sehr zu- statten. Es würde dadurch über die augenblicklichen Schwierig- keiten hinweggeholfen. Eine solche Koalition würde den Liberalen in den Augen aller Fernstehenden eine Bedeutung beimessen, die ihnen nicht zukommt. Der Liberalismus würde dadurch an An- sehen gewinnen. Ihm würde die Koalition nutzen, uns aber würde sie schaden. Deshalb halte ich den von B e r n st e i n propagierten Gedanken nicht für annehmbar.— Bülow schreibt sich das Vcr- dienst zu, den Rückgang der sozialdemokratischen Mandate veran- laßt zu haben. Ich meine, dieser Rückgang ist auch mitvcrschuldet durch Stimmungen in den Reihen unserer Wähler. Stimmungen, die dadurch hervorgerufen worden sind, datz wir jederzeit mit Parteigenossen zu rechnen hatten, die an unseren Grundsätzen und Forderungen Kritik übten, dadurch Verwirrung unter den Partei. genossen hervorriefen und uns den Kampf mit den Gegnern er- schwerten. Die Verwirrung, die in dieser Weise in unseren Reihen hervorgerufen wird, bleibt nicht auf die politische Bewegung be. schränkt. Sic geht auch auf die gewerkschaftliche Seite der Arbeiter bcwegung über. Durch die von Bernstein empfohlene Taktik würden die Hirsch-Dunckerschen und die christlichen Gewerkschaften gestärkt. Statt Einheit auf gewerkschaftlichem Gebiet würde die Zersplitterung vermehrt werden. Diese Taktik würde also die Arbeiterbewegung in jeder Hinsicht schwächen, und das Ziel, das B e r n st e i n im Auge hat, würde nicht erreicht werden.— Wir dürfen der Wahlrechtsreform, die die Liberalen wollen, nicht zuviel Bedeutung beimessen. Sie wird dem Prole- tariat wenig Nutzen bringen. Nur die parlamentarische Ver- tretung des Bürgertums würde durch die Wahlreform der Libe- ralen gestärkt werden. Das aber ist kein Vorteil für die Sozial- demokratie, wenn wir die parlamentarische Macht des Bürgertums stärken. Man braucht ja nur daran zu denken, wie die Liberalen in den Kommunen das Wahlrecht verschlechtert haben, um eine Vermehrung der sozialdemokratischen Vertretung zu verhindern. Auch auf kulturellem Gebiet ist von den Libe- ralen kein Fortschritt zu erwarten. Wenn die Freisinnigen wollten, könnten sie die Führung in der Wahlrechtsfrage haben. Hier in diesem Saale war eS, Ivo ihnen Genosse Singer zurief:„Wir gehen mit ihnen, wenn sie die Reform des Wahlrechts energisch be. treiben." Aber die Liberalen sind zu den Konservativen gegangen und haben ihnen 49 von unseren Mandaten ausgeliefert. Im Interesse der Sache und im Interesse unserer Partei bin ich für Beibehaltung unserer bisherigen Taktik. Wir haben viel wichtigeres zu tun, als den Freisinn zu hofieren in der Hoffnung, daß er eine liberale Partei werden möge. Viel wichtiger ist es, Bresche zu legen in den Zcntrumsturm und die Landarbeiter zu organisieren. Hier liegen die Wurzeln unserer Kraft.(Beifall.) Stellen Sie sich vor. ein jeder von uns würde eS so machen wie Bernstein, jeden Tag ein neues Problem auf. rollen und jeder seinen eigenen Weg gehen. Das würde ein Tohuwabohu werden, welches zum Ende der Arbeiterbewegung führen müßte. Wir lehnen die von Bernstein empfohlene Taktik ab, weil sie schädlich ist für unsere Partei und für die ganze Arbeiterbewegung.(Lebhafter Beifall.) Hackelbusch tritt dem Gedanken eines Zusammengehens mit den Liberalen entgegen. Wir haben mehr zu tun. als den bürgerlichen Parteien nachzulaufen. Wir haben die Massen aufzuklären. Wer mit den Grundsätzen der Partei nicht übereinstimmt, der mutz ausscheiden und sich da eine Statt suchen, wo er mehr Ellenbogenfreiheit hat. (Sehr richtig!) So wie der Parteitag in Halle die Unabhängigen abgeschüttelt hat, so kann es auch für den rechten Flügel der Partei mal ein Halle gehen. Der Weg, den diese Leute beschreiten, führt ins bürgerliche Lager.— Ich habe noch eine persönliche Sache zu erledigen. B e r n st e i n schrieb kürzlich, sein neues Montagsblatt sei boykottiert worden. Ich war damals Vertrauensmann. Es ist nie ein Antrag gestellt worden, das Blatt zu boykottieren. Bern- stein denkt wohl daran, datz eine Sitzung des vierten Kreises gegen sein Blatt gestimmt hat. Aber das kann nicht als Boykott bezeichnet tverden, denn die Sitzung war ja schon vor der Heraus- gäbe des Blattes. Etwas, was noch nicht besteht, kann man doch nicht boykottieren. Uns haben keine persönlichen Motive geleitet, sondern nur sachliche Gründe. Ein Boykott hat nicht stattgefunden. Nachdem die„Volkszeitung" den Aushungerungsartikel brachte, war es Pflicht des Genossen B e r n st e i n. der„Volkszcitung" zu schreiben, datz kein Parteigenosse auf den Gedanken gekommen ist, ihn auszuhungern. Diese Unterstellung ist eine Beleidigung für die Parteigenossen. Ich verlange, datz B e r n st e i n sagt, es sei nicht seine Absicht gewesen, die Parteigenossen zu beleidigen. Fromke: Genosse Ströbel sagte, die Gewerkschaften seien dem Vor- wärtskommen der Arbeiterbewegung hinderlich gewesen, eS sei zwar in letzter Zeit besser geworden; aber es müsse noch besser werden. Diese Ansicht trifft nicht zu.(Sehr richtig!) Die Gewerkschaften sind auch für die Partei tätig.(Widerspruch.) Wer dem wideV- spricht, von dem nehme ich an, datz er in der Gewerkschaft ge- sündigt hat, indem er nichts für die Partei tat. Ich habe auch in der Gewerkschaft stets für die Partei gewirkt. Die Erziehung der Arbeiter in der Gewerkschaft ist viel schwieriger wie in der Partei, weil die Gewerkschaften viel mehr mit Indifferenten zu tun haben. Gewerkschaft und Partei müssen sich gegenseitig ergänzen und unterstützen. Unberechtigte Angriffe müssen unterbleiben, es mutz anerkannt werden, datz die Gewerkschaften ihre Schuldigkeit tun. Eduard Bernstein: Ich erkläre, daß die Erklärung des AktionsauS« fchuffes, soweit sie einen Tadel gegen mich ausspricht, mir direkt Unrecht tut. Was liegt denn bor? Ich habe einem weitverbreiteten bürger- lichen Blatte einen Artikel zugeschickt, von dem selbst meine Gegner in der Partei zugestehen, datz er unanfechtbar ist. Einige Partei- blätter haben anerkannt, daß der Artikel ein Verdienst ist. Ich hielt es für notwendig, daß auch Nickstsozialdemokraten von dem Vorgehen des Kieler Regierungspräsidenten Kenntnis erhalten. Nach dem Erscheinen des Artikels kam die bekannte Notiz im„Vor- wärts" und dann kam die„Leipziger Volkszeitung" und erklärte, mein Artikel verstoße gegen den Dresdener Parteitagsbeschluß. Die „Leipziger Volkszeitung" forderte, datz ich meine Kandidatur in Breslau niederlegen solle, und zwar in einer Sprache, die mich den Breslauer Genossen denunzierte. Auf diesen denunziatorischen Artikel brachte die„Berliner Volkszeitung" den Artikel„Ausge- hungert". Pon diesem Artikel erhielt ich erst durch den„Bor- wärts" Kenntnis. Ehe ich die„VolkSzeitung" zu lesen bekommen konnte, schrieb ich an dieselbe, ich sei weit entfernt, irgendeiner nennenswerten Gruppe in der Partei den Vorwurf zu machen, datz ich ausgehungert werde, auch litte ich keine materielle Not. Die„Volkszeitung" nahm davon Notiz. Damit war die Frage der Aushungerung erledigt.— Ich sagte, keine nennenswerte Gruppe. Das entspricht meinem Gefühl.(Zuruf.) Ja, es war doch eben erst die denunziatorische Notiz der„Leipziger Volks- zeitung" erschienen.— Auf die weitere Polemik, die sich an diele Angelegenheit knüpfte, will ich nicht eingehen. Ihr ursprünglicher Anlaß war also ein Artikel, aus dem man mir absolut keinen Vorwurf machen kann. Datz man mich zwar nicht materiell aus- zuhungern, aber doch geistig und politisch die Wege abzuschneiden sucht, dafür hat die heutige Versammlung einen Beweis geliefert. Man sagt, Bernstein sitzt da und tut nichts, als die Partei be- kritteln. Genossen, waS erfahren Sie denn von meiner Partei- tätigkeit. Es wird ja alles unterdrückt, was ich für die Partei tue, und nicht erst seit heute, sondern seit vielen Jahren. Das ist nicht nur mir, sondern auch anderen Parteigenossen aufgefallen. Gegen mich wird ein stiller Presseboykott betrieben. Sonst nimmt der„Vorwärts" immer Notiz davon. wenn Vortragskurse in der Partei abgehalten werden. Ich habe solche Kurse in Köln und in Brandenburg gehalten. Die dortigen Partciblätter haben darüber an hervorragender Stelle berichtet. Der„Vorwärts" hat nicht Notiz davon genommen. Ich habe im Wahlkampf große Versammlungen abgehalten. Davon ist keine Silbe in den„Vorwärts" gekommen. Ich habe in Berlin auf Veranlassung eines Parteigenossen und unter ausdrücklicher Zu- stimmung des Aktionsausschusses mich mit den Alldeutschen in einer von ihnen veranstalteten Versammlung wegen der Marokkofrage herumgeschlagen. In der Versammlung waren auch Parteigenossen und ein Redakteur des„Vorwärts" anwesend. Kein Wort über die Versammlung ist in den„Vorwärts" gekommen. Ein paar Tage darauf habe ich in Breslau in einer GewerkschaftSversamm- lung über die LandtagSwahl gesprochen. Ein Bericht ist dem„Vor- wärts" zugegangen, aber nicht aufgenommen worden. Vor l'/h Jahren habe ich in Charlottenburg im Schillersaale 19 Vor- träge über Gesellschaftsideale gehalten. Das war, wie aus dem Programm zu ersehen war, eine Geschichte der sozialistischen Be» wegung. Dem„Vorwärts" sind Eintrittskarten zugeschickt worden, er hat aber nicht über einen einzigen Vortrag berichtet. Bor zwei bis drei Jahren ersuchten mich Schüler der Arbeiter-Bildungsschule, Vorträge über die Gewerkschaftsbewegung zu halten. Alles war bereits festgesetzt, da erhielt ich eine Absage. Es wurde mir ge- sagt. man fürchte anzustoßen, wenn ich die Borträge hielte. Vorigen Winter habe ich in Brüssel eine Reihe von Vorträgen gehalten, die auch in Buchform erschienen sind. Der„Vorwärts" hat weder das Buch rezensiert, noch von den Vorträgen Notiz ge- nommen. Diesen Winter habe ich wieder in Brüssel gesprochen über das Leitende im Marxismus. Die Parteiblätter„Peuple" und„Humanite" haben darüber berichtet, der„Vorwärts" nicht. In Paris sollte ich bei einer Demonstration gegen die Militär- rüstungen sprechen. Unterwegs, in Brüssel, bekam ich die Mit- tetlung, daß ein Teil der GurSdisten gegen mich agitiert. Deshalb wollte ich den Vortrag ablehnen, aber mir wurde gesagt, daS gehe nicht mehr, alle Vorbereitungen seien getroffen. Ich fuhr also nach Paris. In der letzten Sitzung verlas Lafargue einen Brief. Darin stand: Bernstein hat in Deutschland ausgespielt und sucht nun im Auslände Anknüpfungspunkte. Diesen Brief soll Karl Kantsky geschrieben haben. Lafargue drang in der Sitzung nicht durch. Die Ver- sammlung, in der ich sprach, war glänzend besucht. Einen an- ständigen Bericht darüber hätte doch auch der„Vorwärts" bringen können. Einige Wochen später sprach ich in England ebenfalls in einer Versammlung gegen die Rüstungen. Auch davon brachte der „Vorwärts" nichts. So geht es seit einer Reihe von Jahren. Datz ich neben dieser Tätigkeit auch sonst noch in der Partei meine Schuldigkeit tue. erwähne ich nicht erst. Es ist also nicht richtig, wenn gesagt wird, daß ich nur kritisiere. Ich bedauere, datz der Aktionsausschutz eine solche Erklärung abgab, che er mich hörte.— Es kommt noch in Frage, datz auch meine Schriften totgeschwiegen werden, die nicht angegriffen werden können. Nur das, was Gr- legenheit zu Angriffen gegen mich bietet, wird herausgegriffen. Vor % Jahr habe ich mein Buch über die englische Revolution, bei Dich neu erscheinen lassen. Der„Vorwärts" und die„Neue Zeit" haben nichts davon erwähnt. Wenn das alles totgeschwiegen wird, so ist das auch ein Stück aushungern, denn der Schriftsteller ist darauf angewiesen, datz seine Arbeiten in den Kreisen, wo er seine Leser sucht, bekannt werden. Als ich aus England zurückkehrte, machte ich den Vorschlag, mir am„Vorwärts" eine Tätigkeit zu geben. Das wurde ab- gelehnt. Ich war dann darauf angewiesen, wie jeder andere, Ar- tikel zu schreiben, die die Redaktion aufnehmen oder ablehnen konnte. Nach dem Dresdener Parteitag wurde mir das Fixum, welches ich beim„Vorwärts" hatte, gekündigt. Ich durfte dann nur noch al» Zeilenreißcr am»BorwiirtS'« mitarbeiten. Parteigenossen, ich bin doch nicht der erste beste. Ich sagte mir also, du gehörst nicht mehr dahin und habe nicht mehr für de»„Vorwärts" gearbeitet. Dann versuchte ich eS mit dem „Neuen Montagsblatt". Vor der Herausgabe desselben habe ich mich mit den Parteigenossen verständigt. Einer Vertrauensmänner- Versammlung habe ich befriedigende Erklärungen gegeben und sie hat mir erklärt, gegen mein Unternehmen sei nichts einzuwenden. Später hat aber eine Versammlung im vierten Kreise(Ost) be- schlössen, die Genossen sollten mein Blatt nicht durch Kauf unter- stützen. Zwischen den Zeilen war zu lesen, sie sollten lieber bürger- liche Montagsblätter kaufen. Diese Erklärung ist von der gegne- rischen Presse ausgenutzt worden. Ich kann das Vorgehen des vierten Kreises(Ost) nur als eine gegen meine Person gerichtete Handlung ansehen. Mein Blatt ging ein; ich muhte mir andere Arbeit suchen. Materiell leide ich keine Not. Aber man sucht mich als Schrift. steller totzuschweigen. Das ist es, worüber ich mich beklage. Nun zur politischen Seite der Debatte. Ich habe mit der frei- sinnigen Partei keine persönlichen Beziehungen. Meine Vorschläge sind nur auf die Sache gerichtet. Ich sehe immer deutlicher, daß unsere deutsche EntWickelung in eine Sackgasse läuft. Man kann sagen, gut, dann kommt eS zum Brechen. Aber was dann kommt, das ist doch zweifelhaft. Es ist höchst zweifelhaft, ob unsere Partei es außerhalb des Parlaments mit den Gegnern aufnehmen kann. Ich kann auf einen solchen Erfolg außerhalb des Parlaments keine Rechnung stellen.— Noch ist ja die Zeit nicht da, um über die Lehren des großen Generalstreiks in Schweden ein Wort zu der» lieren. Aber so viel darf man schon heute sagen: Es hat sich ge- zeigt, wie außerordentlich schwer diese Waffe zum Erfolg führt, wenn uns die Gegner geeint gegenüberstehen. Deshalb darf man den Generalstreik nicht als entscheidendes Mittel in Rechnung stellen. (Zuruf.) Ich habe schon gesagt, eS gibt Dinge, welche die Arbeiter- schaft nicht stillschweigend hinnehmen darf. Aber das sind Dinge, die man nicht in die politische Bewegung einstellt. Nun frage ich, wie ist es möglich, aus der politischen Sackgasse herauszukommen. WaS hier gegen die Freisinnigen gesagt ist, das sind mir keine un- bekannten Dinge.— Durch das Anwachsen unserer Partei hat der Freisinn an innerer Kraft verloren. ES ist kein Wunder, daß er sich deshalb nach rechts angelehnt hat. Wenn aber nun außer dem Freisinn keine andere bürgerliche Partei da ist, die in der Wahlrechtsfrage Interessen gegen die Konservativen zu vertreten hat, dann muß unsere Politik darauf gerichtet sein,- diese Partei für die Zukunft wenigstens zu neutralisieren und unsere Gegensätze zu ihr nicht mit unnötiger Schärfe zum AuStrag zu bringen. Genosse Hackelbusch sagt, das verwirrt die Massen. Das ist nicht zu befürchten. Die Form des Kampfes soll man so halten, daß, wenn die Möglichkeit kommt, für die andere Partei zu stimmen, man eS auch tun kann. Daß hier kolossale Schwierigkeiten liegen, daß zunächst von einem Zu- sammengehen mit den Freisinnigen keine Rede sein kann, erkenne ich an. Aber es gibt doch noch Möglichkeiten der EntWickelung. ES können Verhältnisse kommen, die jenen das Zusammengehen mit der Sozialdemokratie als das kleinere Uebel erscheinen lassen. Damit rechne ich. Das wird mich aber nicht hindern, den Freisinn zu bekämpfen.— Unsere moderne Zeit bringt uns noch Situationen, wo unsere Selbsterhaltung uns dahin führt, Fühlung mit der bürgerlichen Linken zu suchen. Heute ist es schwer. Das erkenne ich an.— Ich werde nach Wie vor im Interesse der Partei mit- kämpfen, mich der Disziplin fügen, aber daß ich meine Ueber- zeugung geltend mache in ehrlicher, anständiger Weis«, davon werden Sie mich nicht abbringen.(Beifall.) Gntmann wendet sich gegen die Ausführungen Bernsteins. Seine Rede wird von lebhafter Unruhe der Versammlung begleitet, öfter von Schlußrufen unterbrochen und am Schluß ironisch applaudiert. BSSke: B e r n st e i n sagte, die Erklärung des Aktionsausschusses habe ihm bittere? Unrecht getan.— Nachdem drei Parteizeitungen behauptet hatten, B e r n st e i n werde ausgehungert, mutzten wir zu der Sache Stellung nehmen durch unsere Erklärung.— Ost ist Bernstein von uns zu Referaten aufgefordert worden und hat abgelehnt, weil es seine Zeit nicht erlaubt. Auch als wir ihn er- suchten, das Buch über die Berliner Arbeiterbewegung bald fertig- zustellen, sagte er, er habe noch andere Arbeiten. Das erkennen wir an. Aver wir konnten erwarten, daß Vernstein die Bemerkung vom Aus« hungern zurücknahm. Wegen des„Neuen Montagsblattes" trat B e r n st e i n erst an die Vertrauensleute, nachdem die Herausgabe bereits feststand und alles erledigt lvar. Wir haben ihm nichts in den Weg gelegt, aber wir haben ihm gesagt, es ist seine Privatsache und keine Parteisache.— Der Aktionsausschutz kann nicht zusehen, wie täglich Seitensprünge gemacht werden. Wir verlangen, daß Genosse Bernstein den Gegnern energisch erklärt, ich brauche Eure Unterstützung nicht. Nach der Stellungnahme der drei Parteizeitungen konnten wir nicht anders, als die Erklärung abgeben.— Wenn Bernstein sich beklagt, daß über seine Versammlungen keine Berichte im „Vorwärts" erschienen sind. so geht eS etwa 200 Referenten ebenso. Dem Genossen Bernstein kann keine Extrawurst gebraten werden. Wir wünschen, daß B e r n st e i n nicht in seiner Stellung als Ein- gänger bcharrt, sondern daß er seine Kraft der Partei zur Ver- fügung stellt uird nicht durch Seitensprünge die Partei schädigt. (Beifall.) Block: Genosse Bernstein beschwert sich über Boykott durch den „Vorwärts". Ich bin überzeugt, jeder in Deutschland tätige Parteigenosse kann eine ebenso große Leporelloliste aufstellen, wie die, welche Bernstein hier entrollt hat. Der„Vorwärts" kann manches nicht bringen, weil er nicht den Raum dazu hat. Auf die von Bernstein vorgebrachten Einzelheiten kann ich nicht eingehen. So lange ich in der Redaktion des„Vorwärts" bin, hat Bernstein keine Artikel eingesandt. Hätte er eS getan, dann wäre er zum Wort gekommen, ebenso wie manche andere Genossen, die schon Streitigkeiten mit dem„Vorwärts" ausgefochten haben. Der Aushungerungsartikel in der„Berliner Volkszeitung" war nicht, wie Bernstein glaubt, eine Folge des Artikels der„Leipziger Volkszeitung*, sondern die„Berliner VolkSzeitung" hat sich auf die „Brandenburger Zeitung" berufen. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß Genosse Baron von der„Brandenburger Zeitung" glaubt, sich auf Auslassungen Bernsteins stützen zu können. Ich bin erstaunt, daß Genosse Bernstein auch heute nicht rund heraus erklärt hat, daß es keine Elemente in der Parkt gibt, die 'ihn aushungern wollen. Durch sein Schreiben an die„Berliner Volkszeitung" hat er diese Legende nicht aus der Welt geschafft» sondern erst zu neuem Leben erweckt. Die„Berliner Volkszeitung", die die Parteia<"rLssen so schändlich beschimpfte, hat Bernstein in der verbindlichsten Form behandelt, aber gegen die Parteigenossen ist er in schärfster Weise vorgegangen. Dem„DlutuS" und der ..Voss. Ztg.", die auch von dem ÄushungerungSartikel Notiz nahmen, hat Bernstein keine Berichtigung gesandt. Er hat die Partei nicht gegen die lügenhaften und infamen Angriffe dieser Blätter verteidigt. Jeder Genosse müßte in solcher Lage empfinden, daß es die Ehre und Würde der Partei.rheischt, solche Angriffe zurückzuweisen. Daß B e r n jt e i n dgS»W tut» muß ich bedgpein, Dernstei«: Ich habe doch gesagt, ich halte keinen Parteigenossen für fähig, mich materiell auszuhungern, aber es gibt auch eine geistige Aushungerung. Nur die habe ich gemeint. Ich habe nicht verlangt, daß der„Vorwärts" alle?, was ich tue, berichten soll. Weil hier gesagt wurde, Bernstein arbeitet nur gegen die Partei, deshalb habe ich darauf verwiesen, daß die Ge- nossen ja von meiner Tätigkeit für die Partei nichts erfahren. Ich habe dem Aktionsausschuß keine Referate abgelehnt, außer, wenn ich durch andere Parteiarbeit in Anspruch genommen war.— Man kann ja fragen, warum ich mich nicht gegen den„Vorwärts" be- schwort habe. Zu dem Gerechtigkeitsgefühl der Parteigenossen habe ich volles Vertrauen. Aber wenn ich mich an die Preßkommission wende, so wird die Redaktion nicht verlegen sein um Gründe, welche ihr Verhalten in den Augen der Genossen rechtfertigen. So würde schließlich alles beim alten bleiben. Käme ich dann wieder mit Beschwerden, dann würde man mich für einen Querulanten halten.— Aus dem Gefühl, daß der„Vorwärts" doch nichts von mir nimmt, habe ich meine Artikel anderen Blättern geschickt. Als Demokrat lasse ich mir alles gefallen, was die Parteiinstanzen be- schließen. Aber wenn mich die Redaktion des„Vorwärts" wie einen dummen Jungen behandelt, dann bedanke ich mich für solche Redaktion. Geitner: Als Vorstandsmitglied der Arbeiter-Bildungsschule erkläre ich, baß niemals im Auftrage oder mit Einwilligung deS Borstandes mit dem Genoffen Bernstein wegen der Abhaltung von Bortrögen unterhandelt worden ist. Genosse Z a ch a u hat sich an Bernstein gewandt, ohne daß er vom Vorstande dazu autorisiert war. Wels: � In einer Art und Weise, die ich als unqualizifierbar bezeichnen muß, hat Bernstein die Instanzen der Berliner Genossen herab- gesetzt, indem er sagte, er glaube nicht, mit Beschwerden an die Preßkommission Glück zu haben. Wenn die Redaktion die Möglich. keit hat, Gründe für ihr Verhalten geltend zu machen, so gibt es doch auch Gegengründe, welche in der Preßkommission ebenso ge- wissenhast geprüft werden wie die Gründe der Redaktion. Wenn Bernstein glaubt, die Prcßkommission sei so abhängig von der Redaktion, daß sie prinzipielle Gründe nicht anerkennt, so ist das eine Annahme, gegen die ich im Namen der Preßkommission mit aller Entschiedenheit Verwahrung einlege. Der alten Redaktion— die die Artikel des Genossen Bernstein zurückwies— hat doch die Preßkommission erklärt, daß sie die redaktionelle Haltung nicht billigt, weil sie nicht im Einklang steht mit der prinzipiellen Anschauung der Berliner Genossen. Hiernach muß Bernstein wissen, daß die Preßkommission unabhängig. genug ist. um seine Gründe zu prüfen. Allerdings fordern wir von der Redaktion, daß sie nur solche Artikel auftrimmt, die unsere Prinzipien klar vertreten und die Arbeiter nicht verwirren, sondern sie aufklären und für den Klassenkampf fähig machen. Meine Meinung über die heutige Generalversammlung ist: Bernstein hat versucht, wieder von sich reden zu machen und das ist ihm ge- lungen.(Beifall.) ___ Ströbcl(Schlußwort): Ich hatte erwartet, daß mein Referat eine etwas andere DiS- kussion finden würde als die, welche wir heute erlebt haben.(Sehr richtig!) Wir Radikalen, heißt es, sollen immer persönliche Mo- mente in die Diskussion tragen. Ich frage Sie: War es nicht die heutige Rede des Genossen B e r n st e i n, die von persönlichen Angriffen strotzte?(Zustimmung.) In der vorigen Versammlung hat er sachlich gesprochen Heute hat er ein über das andere Mal persönliche Momente in die Debatte gezogen, ohne daß er dazu provoziert war.(Zuruf: Hoffmann hat provoziert.) Hoff- man n hat nur gesagt, was im„Vorwärts" stand. Es war B e r n- st e i n S Recht, auch darauf zurückzukommen. Er ist aber weiter gegangen und hat eine Reihe persönlicher Momente hineingetragen, die gar nicht kontrolliert werden können. Das tat derselbe Bern- st e i n, der dem Aktionsausschuß den Vorwurf macht, er habe eine Erklärung abgegeben, ohne ihn zu hören. Wer kann denn jetzt feststellen, ob daS alles stimmt, was Bernstein hier angebracht hat. Bernstein wird von unS gut genug behandelt. Aber feine fortwährenden Bekrittelungen der Partei nötigen uns, baß wir uns mit ihm auScinandcrseven, mehr als seiner geistigen und politischen Bedeutung entspricht. (Beifall.) Was für ein Politiker B e r n st e i n ist, das hat er in der vorigen Versammlung durch seine hilflose Rede bewiesen, die von der bürgerlichen Presse mit Beifall aufgenommen worden ist. Wir gönnen Bernstein das Vergnügen, von der bürgerlichen Press« gelobt zu werden. Bernstein sollte sich hüten, Anklagen gegen die Partei zu erheben, daß sie seine Tätigkeit nicht genügend gewürdigt habe.— Ich liebe solche Diskussionen wie die heutige nicht und bedaure, daß wir statt ihrer nicht eine prinzipielle De- batte gehabt haben. Wenn auch Bernstein hier Beifall fand, so bedaure ich das nicht, aber es ist ein Beweis dafür, daß innerhalb unserer Partei größere Meinungsverschiedenheiten herrschen als zwischen uns und den bürgerlichen Demokraten. Solckie MeinungS- Verschiedenheiten müssen zum Austrag gebracht werden. Dazu ist die Generalversammlung von Groß-Berlin eine geeignete Stelle. Zu den von Bernstein vorgebrachten Einzelheiten habe ich zu sagen: Der„Vorwärts" hat erklärt, daß gegen den Artikel über die Kieler Affäre nichts zu sagen ist. Nur daß Vernstein denselben im„Tageblatt" veröffentlichte, wird verurteilt. Bernstein glaubt, im„Tageblatt" werde sein Artikel einen größeren politischen Einfluß haben wie in einem Parteiblatt. DaS ist eS, was uns von Bernsten trennt: Er glaubt das bürgerliche Publikum zu gewinnen» wenn er mit guten Gründen an eS herantritt. Wir Radikalen dagegen sind der Meinung, daß die bürgerlichen Blätter die Mitarbeit eines Sozialdemokraten als eine kleine Sen- sation betrachten. Die politische Wirkung einer solchen Mitarbeit aber ist gleich Null.— Wir gestehen zu, daß das„Verl. Tageblatt" eine relativ vernünftige Auffassung von sozialpolitischen Angelegen- hcitcn bekundet hat. Aber in der Behandlung des schwedischen Generalstreiks hat das„Verl. Tageblatt" das Gegenteil getan.— So ist eS immer: Wenn vitale bürgerliche Interessen in Frage stehen, dann vertritt auch das beste bürgerliche Organ den kapita- listischen Standpunkt und wendet sich gegen die Arbeiter.— Daß Bernstein im„Vorwärts" sagte,„keine nennenswerte Gruppe" habe die Absicht, ihn auszuhungern, das war es. was di«„Voss. Ztg." und andere Blätter ausnutzten und was die Genossen irremachen kann.— Was unsere Gegner von den Radikalen zitieren, schadet uns nicht. Aber die von den Revisionisten stammenden Zitate sind es, die gegen unsere Partei ausgebeutet werden und zur Verwirrung beitragen. Deshalb haben wir unerbittlich zu verlangen: Wenn Ihr Euch bei uns nicht wohlfühlt und wenn Euch unsere Partei- taktik nicht gefällt, dann gehört Ihr nicht mehr in die sozialdemo- krotische Partei.(Beifall.) Eine Partei, die nicht wogt, ihre Grundsätze zu verteidigen, hört auf, eine Partei zu sein. Sic wird zum Spott für die bürgerlichen Parteien und ihre Gegner können sich schmunzelnd die Hände reiben.— B e r n st e i n, der sich mo- raiisch entrüstet, weil der„Vorwärts" ihn totschweige. hat den„Borwnrts" in der Angelegenheit deS«Nimm mich mit" verleumdet. Es läßt tief blicken, daß Bernstein dem„Vorwärts" die Infamie zutraut, ihn wider besseres Wissen der Mitarbeit am „Nimm mich mit" beschuldigt zu haben. Anstatt diese Sache so. gleich richtigzustellen, hielt er damit zurück. Er hob seine Trümpfe aus, um eine Sensation zu haben.(Zuruf Bernsteins.) Genosse Bernstein, Sie, der Sie hier den unerhörtesten Skandal entfesselt haben, der hier noch nicht zu Ende ist, sondern in der ieme Fortsetzung fintal N«t>« Sie sollten sich nicht entrüstz-v über das, was ich sage. Bernstein hak auf alle Erklärungen im„Vorwärts" antworten können. Nur seine letzte Einsendung (der Redner verlas sie), in der er Parteigenossen beschimpft, konnten wir nicht abdrucken. Wir würden sie aufnehmen, wenn Bern- stein ihr eine anständige Form gibt.— Bernstein beklagt sich, daß er nicht berücksichtigt wird. Wir haben gehört, daß er zu Re- feraten aufgefordert wurde, aber abgelehnt bat.(Bernstein: Weil ich durch andere Parteiarbeiten, durch Referate an anderen Stellen schon in Anspruch genommen war.) Nein, weil Sie re- visionistische Eigenbrödeleien zu vertreten hatten.— Mitten im Kampf gegen die Reichsfinanzreform fiel es Bernstein ein, einen Vortrag über die Revision des Parteiprogramm? zu halten. Nichts kümmerte ihn unser Kampf gegen die Gegner. Was hat denn Bernstein gegen den SchnapSblock und gegen die Finanzreform geschrieben? Bernstein entrüstet sich, daß wir über seinen Programmbor- trag keinen Bericht gebracht haben. Hätten wir das getan, dann mußten wir doch auf seinen Programmentwurf antworten. Dazu wären ein Dutzend Artikel nötig gewesen. Hierfür schien uns aber der Raum deS Blattes zu schade. Wo soll der„Vorwärts" über- Haupt den Raum hernehmen, um auf alle revisionistischen Spinti- sierereicn zu antworten. Genossen, lesen Sie die„Sozialistischen Monatshefte". Wenn Ihnen dann keine Laus über die Leber läuft, haben Sie kein Temperament.(Beifall.) Wir können auch auf diese Sachen mit Rücksicht auf unseren Raum nichts erwidern. Bernstein hält sich für einen großen Propheten. Das hat ihm die Mvsse- und Ullstein-Presse eingeredet und er glaubt eS. Wir glauben nicht an seine Prophetenmission.— Bernstein? Buch über die Berliner Arbeiterbewegung hat der„Vorwärts" sympathisch besprochen. Natürlich können wir nicht über alle mög- lichen Dinge schreiben. Wenn Bernstein in Paris und in England Versammlungen abhält, so mag das ganz gut sein; aber wir sind froh, wenn wir unsere Berichte über die Berliner Ver- sammlungen unterbringen können.— Die Broschüre über Bern- steins Brüsseler Vorträge hat einen Inhalt, den wir gegen Bernstein ausnützen könnten, wenn wir ihr verfolgen wollten. Wie man eine Eule zur Abschreckung ans Scheunentor nagelt, so hätten wir B e r n st e i n mit dem Inhalt dieser Broschüre an- nageln können. Er soll froh sein, daß wir diese Broschüre nicht erwähnten. Noch ein Wort zu der Rede des Genossen F r o m k e. Ich habe die Gewerkschaftsbewegung durchaus anerkannt und lediglich betont. daß das Band zwischen Partei und Gewerkschaften noch inniger sein müßte. Daß wir die gewerkschaftlich« Bewegung ebenso hoch schätzen wie die politische, das hat ja der Parteitag in Mannheim durch eine Resolution anerkannt. Wie notwendig mein Hinweis auf die Einheit von Partei und Gewerkschaft war, das geht hervor aus einem Artikel, den Genosse L e i p a r t im„Correspondenzblatt der Generalkommission" veröffentlicht. Der Redner zitiert einen Passus aus diesem Artikel zum Beweise dafür, daß der Verfasser des Artikels die Auffassung der Radikalen von den Gewerkschaften völlig verkenne. Weiter führte Redner aus, KautSry werde mit Unrecht von gewerkschaftlicher Seite angegriffen. KautSlh habe die gewerkschaftliche Bewegung nicht herabgesetzt, sondern nur den Standpunkt vertreten, daß durch die Zollpolitik die Lohnerhöhungen wieder wirkungslos gemacht werden und daß es den Gewerkschaften nicht möglich sei, den Kapitalismus zu beseitigen und die sozia, listische Gesellschaft herbeizuführen.— Partei und Gewerkschaften müssen Hand in Hand gehen, dann werden wir die Welt erobern.— Bernstein hat sich hier als den verfolgten und geächteten Vertreter einer Minderheit in der Partei aufgespielt. Lassen Sie sich durch diesen Appell an die Sentimentalität nicht beeinflussen. Denken Sie daran, daß wir eine ganze Welt von Feinden zu überwinden haben und daß wir deshalb den Kampf mit aller Schärfe und Rücksichtslosigkeit zu führen haben.(Starker Beifall.) Robert Schmidt erhält das Wort zu einer Erklärung: Als Mitglied der General- kommission erkläre ich auf die letzten Angriffe des Referenten: Es ist illoyal, wenn ein Referent im Schlußwort Angriffe macht, aus die sich die Angegriffenen nicht verantworten können. Hier sind viele, welche die Artikel des„Correspondenzblatt" nicht gelesen haben. Ströbel hat eine unrichtige Auffassung über die Stellung K a u t s k y s zu den Gewerkschaften vorgetragen. I» der Broschüre«Der Weg zur Macht" verlangt Kautsky die Unter- »rdnung der Gewerkschaften unter die Partei. Das lehnen wir ab, Davon kann keine Rede sein. Es folgen persönliche Bemerkungen. Ad. Hoffmann erklärt, er habe keine persönlichen Momente in die Debatte getragen. Ed. Bernstein: Hoffmann hat recht gehandelt, als er mich kritisierte. Ich nehme dasselbe Recht für mich in Anspruch. Ich habe nicht beabsichtigt, Sensation zu machen. Was ich sagte, war notwendig, weil die Genossen nicht über meine Tätigkeit informiert sind.— Ueber die Finanzreform konnte ich nicht schreiben, weil ich dem Reichstage nicht angehöre und mir deshalb da? Material nicht zur Verfügung steht. Ich habe aber bei der Finanzreform aufmerksam gemacht auf einen Trick der Gegner bei der Wertsteuer. Dieser Artikel ist durch die ganze Partcipresse gegangen; nur der„Vorwärts" hat ihn nicht gebracht. Wenn ich der Konfusionsrat wäre, als den mich Ströbel bezeichnet, dann müßte ich die Genossen bedauern, die mich immer wieder zur Mitarbeit auffordern.(Beifall.) Ströbel: Ich muß bedauern, daß Genosse Schmidt solchen Ton gegen mich angeschlagen hat. Dazu hatte er keine Veran» lassung. Die Stellung KautSkhs zu den Gewerkschaften habe ich nicht erst heute angeschnitten, sondern schon in meinem Refe» rat behandelt.(Sehr richtig!) Also nicht ich habe illoyal gehandelt, sondern Genosse Schmidt, der mir diesen Vorwurf machte. Lei Parts Artikel konnte ich im Referat nicht behandeln, weil er erst später erschienen ist. Ich habe ihm die denkbar größte Loyalität zuteil loerden lassen.(Beifall.) Rob. Schmidt: Ich konnte mich nur auf den Bericht des„Vor- wärt?" stützen. Der enthält nichts über die Stellung Kautskys zu den Gewerkschaften. Außerdem aber hat S t r ö b e l im Schluß- wort Material benutzt, was er in der vorigen Versammlung nicht benutzte. Die von ihm herangezogene Artikelserie ist noch nicht zu Ende und ermöglicht deshalb kein abschließendes Urteil. Es ist illoyal, solches Material zu benutzen. Damit war die Debatte erschöpft. Die folgende, von Adolf Hoffmann beantragte Resolution wurde einstimmig an- genommen: «Die am S. September tagende Generalversammlung der Delegierten von Groß-Berlin erklärt eS in Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Referenten für notwendig, daß auch in Zukunft der Klassenkampf des Proletariats mit aller grundsätzlichen Schärfe zu führen ist. Die Versammlung erblickt serner angesichts des schweren Kampfes, den das deutsche Prolc- tariat gegen die Reaktion zu führen hat, namentlich des alle Energie erforikernden Kampfes um die Demokraiisierung des preußischen Wahlrechts, in der unausgesetzten Bekrittelung der Parteigrundsätze und Parteitaktik durch Parteigenossen eine schwere Schädigung d-". Partei. Die Generalversammlung er- wartet von diesen /Genossen, daß sie künftig in Reib und Glied den Kampf geg'm den gemeinsamen Feind, die Reaktion, führen. Zugleich spricht die Generalversammlung die Zuversicht aus, daß sich die Zusammenarbeit von Partei und Gewerkschaften in Zukunft noch inniger als bisher gestalte, daß insbesondere auch flMäß iyP Beschluß des Minnhcimer Parteitages jeder Gx, nosie es für feine Pflicht halten möge, die Gewerkschaften immer mehr mit dem Geiste des Sozialismus zu erfüllen/' .«- Böske gab noch bekannt, daß von den 6S4 Delegierten 568 anwesend sind. Es fehlen vom zweiten Kreise 5, vom dritte,. Kreise 2, vom vierten Kreise 16, vom sechsten Kreise 22, von Teltow- Beeskow 43, von Niederbarnim 4 Delegierte. Der Vorsitzende Paul Hoffmann wies auf den bevor- stehenden Landtagswahlkampf hin, forderte zur allseitigen Beteili- gung an demselben auf und schlost die Versammlung mit einem Hoch auf die«ozialdemokratie, LnSkKaften der Redaktton. Tie futlfHMe Sprechstunde findet Linden st raste a, zweite» Hof, dritter Eingang, vier Trrppcn, DSM- Fahrstuhl wochcntSglich abends von 7�4 diS 9H Uhr statt, GeSfsnet 7 Uhr. Sonnabends beginn« die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlgriche» beizusiigen. Briefliche Antwort wird«ich» erteilt. Bis zur Bcanlwortnng im Brieffastc» können 11 Tage vergehen. GUIge Fragen trage man in der Sprechstunde vor. £>. G. 48. In Wilmersdorf, Rosberitzcrftr, 8,— Papagei. Die grötzle Reinlichkeit des KöngS und der Stangen ist die erste Bedingung, dann hängen Sie zur Nachtzeit ein weißes Tuch über den Käfig, vielleicht gelingt cS so, der Milben Herr zu werden,— Grannstr. 26. Die Bc- bandlung des Hanraussalls und der Kopsjchinnen muß sich ganz nach den Ursachen und der Beschaffenheit der Kopshaut richten. Befragen Sie daher einen Arzt,— R. K. 68. und W. Pietsch, Sie haben die Kirchensteuer noch für das lausende Kalenderjahr zu entrichten, nicht aber sllr das erste Quartal tSIO, Es dürste sich aber empfehlen, gegen die Veranlagung EIN« spruch zu erheben unter Führung des NachweileS des Kirchenaustritts. — P. R. 1868. E» worden zurzeit eine Reihe verschiedener Oele und Mschungen versuchsweise benutzt,— O. E. IVO. Uns fehlt die Zeit zum Nachschlagen,— I 51. Vielleicht im Kinderkrankenhausc, Sonst erfahren Sie«der auch die Stellen auf Ihrem Polizeirevier— M. G. 8. Sie mflfiwi nnZ angeben, welchen iliternationaien Verband Sie eigentlich meinen. — M. B. 15. Nein,— L.®. 5. Bangenosfenfchaft Paradies, Kottbuser Ufer ü.— Ztzr. Tr. Dissident oder religionslos,— K. 81. 101. 5. Garde« grenadierregnnent und ö, Garderegiment zu Fuß,— Zllbort Hakcr. Auf Anirag geht die Landesversicherung in der Regel darauf ein, ist aber nicht verpflichtet dazu.— Zt. B. III. Jawohl, soweit Die ohne Beeinträchtigung Ihrer eigenen Lebenshaltung dazu imstande sind,-f W. M. 100. Nein, — Zl. D. 232. Das Ersuchen wurde an Sie gerichtet, tvcil der Raum des DricskasteiiS zur auSgiebigcn Ersiillung Ihres Wunsches mcht ausreicht, - B. 100. 1. Nein, aber wvalidenvcrsicherungSpfiichtig. 2. Erst innerlich, dann äußerlich. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. W Cbcater. Dienstag, 7. September. Anfang 7'/. Uhr. Kgl. Opcruhaus. Mignon. »gl. Schauspielhaus. Man spielt nicht mit der Liebe. Neues kgl. Opern-Tbeater. Die lustigen Weiber von Windsor. Tciitschrs. Faust. Kammcriviele. Die Sünde, Anfang 8 Uhr. Volksoper. Der Troubadour. unsana 8 Uhr. Lesfing. Der König. Neue«. Emilia Galottt. Verliner. Das Lebensfest. Neues Schauspielhaus. i Dudelsack, Thalia. Prinz Busfi. «oiiilsche Oper. Tiesland. Nesidenz. Kümmere dich um Ameke. Hebbel. Revolutionshochzeit. Trianon. LiebeSgewitter, Luftspielhaus. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Neues Qveretteu. Di« Dollar- Prinzessin. Westen. Der fidele Bauer. Schiller O. l Wallner« Theater.) Ein Ersolg. SchlUer Eliarlottenburg. Die von Hochsattel. Friedrich- WildelmftSdt. Schau- spielhauS. Der Widerspenstigen Zähmung. Luisen. Gefallene Engel. Vcrnhard»toie. Im Cass Noblesse. LNetronot. Die oberen Zehntausend. FolieS Kaprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8'/« Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. Frau Elkllins Friseur. Meine« Deine Tochter. NoactS Theater. Geschloffen. Stadt-Theater Moabit. Spezia- litäten. Vaiiagr. Spezialitäten. Aolksgarte». Spezialitäten. Walhalla. Spezialilmen. Reichsballe«. Stettiner Sänger. Karl Haverland« Theater. Spe- ztalitäte». Kasino. Onkel Cohn. Prater. Der Verschwender. llrania. Tanoeunraffe 48/40. Abends 8 Uhr: Durch Dänemark und Südfchweden. Sternwarte, Jiivaltdenitr.!i7/S2. liessintr-Theatcr. 8 Uhr: Der KSnig. Mittwoch, 8 Uhr: Rosenmontag. Donnerstag, 8 Uhr: Tnisedensplel. ViLsensekuktliekss Pksstor. laubsnsvralZo 43/19. �,bsn88, Ans. 8 Uhr. Ende n. 10 Uhr. !m lZgfg ttodlö88ö iL. 'I Spitzbubenkomöd. i. 3 Akt. v. C. Schüler. Nachm. 3 Uhr zu halben Preisen: Der Tanzhusar. Aus der«Nartenbühne, Ans. i}L Uhr: Spezialitaten, Theatervorstellung. Int. Radwelttahren, Damenringkämpfe. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Das Ocbensfest. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues tdeuler. Anfang 8 Uhr. Lmillsüslottl. Morgen und folgende Tage: Emtlia Galotti. Idesler lies Westens. Allabendl. 8 Uhr: Der fidele Bauer. Sonntag nachm. 3'/, Uhr, halbe Preise: Diu Walzcrtraam. Aeoes Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr: Die Dollarprlnzessla. Operette in 3 Akten von Leo Fall. IfcsillöiK-'Ms DireMon: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Schwank in 3 Akten von Fehdeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borftrllung._ Friedricti-Wilhelmstädtiscbes Schauspielhaus. Dienstag, 7. September, Ans. 8 Uhr: Der Viderzpedip Zähmung. Lustspiel von William Shakespeare. Mittwoch: Der Widerspenstigen Zäh- mung. Donnerstag: Dl« Stützen der Gesell- ichast._ TSglich: Henry Bender und das mit etürmischem Beilall aufgenommene Eröffmings-Programm! U.a.; Morris Cronln. Mlle, SMowa. The 6 Cutlys. Gesohw. KIBs Truly Shattuck. Belleclaire Bros. MIB Marquis. 3 Pattersonsi „Leben und Treiben im Freien." Ballett-Divertissement. Zeppelins Landung in Tegel, 8 Uhr: Di« vollständig neuen Spezialitäten. 9 Uhr 15: Severin tn Conscience, fnafÄe Wurde 600 mal in Paris. 2 Jahre lang in Amerika, Monate hindurch in Wien usw. mit beispiellosem Erfolg _ aufgeführt._ Melropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jol. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Kich. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage-Theater. Das fuhrende Variete-Programm Berlins! Glaire Waldoff. Sifiirische Sträflinge, Lieder in Ketten,| und 12 erstklassige| Tarlctd-Attrahtlonen!!!| slMMUMlMkl |j tuwMkt nuc» n.> AbendS 8 Uhr: Gtsiilleiic Engel. Ein Stück aus dem LollSleben von Nordmann. Mittwoch: DieJungfrauv. Orleans. Donnerstag: Von sieben die Hätz- Reietislmlleii-Ilieater. Ufer fem Anfang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Utr r-T'SiSAtrr. Schiller-Theater 0. lWallner-Tbeater.) Dienstag, abends 8 Uhr: Ein Erfolg. Lustspiel in 4 Alte» v. Paul Lindau. 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Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. sj Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I L'hr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Berantwortlicher Redakteur: Emil Unger. Berlin. Lür deugnjergtenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u.Beriag:BorivärtSvuchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Berlin SW, Ar. 208. 26. Jahrgang. z. Keiltze te Jowätls" DZevstftg. 7. Sexltmber 1909. Hm Mwoch: Zablabend in GroB'Berlin. Auf zur Landtagswahl! Am Tonnerstag, den 9. September, von Ä'/a Uhr abends an, finden im 5,, 6., 7. und 1Ä. Landtagswahlbezirke Flugblattverbreitungen statt.— Angesichts der neuen, ungesetzlichen Maßnahmen bei Ausstellung der Wählerlisten erwächst den Organisationen die Pflicht, den neuen Tricks durch verdoppelten Eifer zu be gegnen. Wir erwarten, daß kein Genosse der vier Bezirke bei der Arbeit fehlt und jeder sich so frühzeitig als ihm nur irgend möglich in den bekannten Bezirkslokalen einfindet. Die sozialdemokratischen WahlkomiteeS. Partei- Angelegenheiten. Charlottenburg. Den Parteigenossen hiermit zur Kenntnis, daß die gemeinsame Bibliothek des Wahlvereins und der Gelverkschafis- kommissioa wegen völliger Neuordnung der Bücher bis auf weiteres geschlossen bleibt. Diejenigen Genossen, die noch Bücher in Händen haben, werden gebeten, dieselben unverzüglich abzuliefern. Die Wiedereröffnung der Bibliothek wird an dieser Stelle bekanntgegeben. Der Bibliothekar. Die 6. Gruppe veranstaltet am Mittwoch, den 8. September 190g einen gemeinsamen Zahlabend im Volkshause. Rosinenstr. 3, kl. Saal. Der Borstand. Johannisthal. Am heutigen Dienstag, abends 8 Uhr, findet bei A. Gobin, Noonstraße 2, die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalvcrsamm- lung Groß-Berlins. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Grünau. Mittwoch, abends 3>/z Uhr. findet im Lokale des Genossen Franz. Köpenicker Straße 83. die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Vortrag des Genossen Ulm:.Die französische Kommune". Beschlußfassung über den Besuch der Sternwarte und Ausgabe der Billetts. Wahl eines Komitees zum Stiftungsfest. Gäste willkommen. Der Vorstand. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf. Mittwoch, den 3. September, abends 8>/z Uhr. findet eine öffentliche Volksversammlung in Wittes .Waldschlößchen" statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen G r o g e r«Nixdorf über:.Was für Rechte und Pflichten hat eine Landgemeinde!" Diskussion. Der Vorstand. Reinickcndorf-West. Am heutigen Dienstag, abends 8 Uhr, findet im Lokal von H. Schiller, Eichbornstr. 63, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1.„Religion, Christentum und Staatskirche". 2. Diskussion. Die Herren Geistlichen vom Orte sind hierzu ein- geladen. Die Bezirksleitung. Nieder-SchSnhausen. Der Zahlabend deS 2. Bezirks findet nicht bei Ratthey. Uhlandstraße, sondern beim Genossen Gapa, Waldstraße (Ecke Eichenstraße) statt. Franz.-Bnchholz. Auch für unseren Ort findet morgen, Mittwoch- abend, Zahlabend statt._ Die Bezirksleitung. ßcrlincr JVacbncbtcn* Zur Ausbildung von Junkersprößlingen muß auch die Stadt Berlin alljährlich gewisse Aufwendungen machen. Sie muß als Besitzerin von Rittergütern, die sie für die Kanalisationswerke angekauft und in Riesclland umgewandelt hat, die auf diese Güter entfallenden Beiträge für die Ritter- akademie in Brandenburg leisten. Die Ritterakademie ist eine BildungSanstalt für 69 Zöglinge, hauptsächlich für Söhne des evangelischen Adels idaher der Name„Ritterakadcmre"). neben- bei auch für einige Söhne aus höherem Bürgerstand, eine Standes- schule schlimmster Art. Bei der Besetzung der letzten 13 Stellen haben die Söhne der märkischen Rittergutsbesitzer vor allen anderen den Vorzug, und die Freistellen sind ausschließlich für Söhne märkisther Rittergutsbesitzer(adelige und bürgerliche) bestimmt. Den Beiträgen der Rittergüter steht gegenüber der Anspruch, den die Besitzer der Güter an die Nitterakadcmie haben und für ihre Sprößlinge geltend machen können. Die Stadt Berlin aber hat für die Beiträge, die sie noch heute leisten muß— im Rechnungsjahre 1938 waren eS für acht Rieselgüter zusammen 862 M. — keinerlei Anspruch an diese Anstalt. Wenigstens steht nichts darüber in den Akten der Kanalisationsverwaltung und diese hat bisher tatsächlich auch keinen Anspruch zu erheben versucht. Die Angelegenheit ist vor einiger Zeit, bei der Prüfung des Jahresabschlusses der Kanalisationswerke, im Rechnungsausschuß zur Sprache gebracht worden. Der Magistrat hat aber auf die Anfrage, welche Rechte denn die Stadt aus ihren Beiträgen habe, nur die dürre Antwort geben können, daß von Rechten ihm nichts bekannt sei. Wir haben es da also mit einem Zopf zu tun, der ebenso einträglich ist für die junkerliche BildungSanstalt, wie er für den Berliner Stadtsäckel kostspielig ist. Die Prügclpraktikcn deS PastorS Brcithanpt in Mielczyn an Berliner Fürsorgezögliilge» werden am kominenden Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung zur Verhandlung kommen infolge eine? von der sozialdemokratischen Fraktion gestellten Antrages. „In der Luft" liegt fortan„die Zukunft Deutschlands", die bis vor kurzem noch„auf dem Wasser" lag. Wer heute als rechter „Patriot" gelten will, der muß bereit sein, für die Förderung der Luftschiffahrt und für die Schaff'lng einer Luftflotte jedwedes Opfer zu bringen. Auf diese Stimmung spekulierte offenbar der „Berliner Verein für Luftschiffahr t", als er der Stadt Berlin zumutete, für die von ihm zu veranstaltenden Ballonausstiege die folgenden Vergünstigungen zu ge- währen: 1. zur Füllung von Ballons, die zu meteorologischen Zwecken oder aus Anlaß internationaler Wettfahrten aufgelassen werden, jährlich 133 333 Kubikmeter Gas unentgeltlich zu liefern; 2. für zu anderen Zwecken entnommenes GaS höchstens 6 Pf. pro Kubikmeter zu berechnen; 3. eine Fläche des Berliner Gasanstalts- grundstückes in Schmargendorf gegen Zahlung einer geringen„An- crkennungsgcbühr"(d. h. tatsächlich mietefrei) zu überlassen. Ter Verein hat diese nach dem Grundsatz„Bescheidenheit ist eine Zier usw." formulierten Forderungen damit begründet, daß er wenig Barmittel habe, nicht mehr mit den aeronautischen Veranstaltungen anderer Städte konkurrieren könne und daher die Führung an andere Vereinigungen der sportlichen Luftschiffahrt abgeben müsse, falls nicht Berlin ihm ein Entgegenkommen beweise. Indes, der Magistrat scheint doch noch nicht so viel Verständnis für den modernst-dcutschen Aerisinus zu besitzen� wie die Hvrren öes Luft- schiffahrtsvereins bei ihm vorausgesetzt hatten. Er wird sich gewiß auch zu dieser Höhe des Patriotismus noch durchringen, aber einstweilen hat er von den obengenannten Forderungen die erste und die dritte abgelehnt und bezüglich der zweiten sich nur zu einer Ermäßigung auf 9 Pf. bereit erklärt. Uns will scheinen, daß auch hiermit die Stadt schon mehr täte, als nötig ist. Andere Leute müssen ihr 12, 3S Pf. pro Kubikmeter Gas bezahlen. Pauline Stögcumnn, eine alte Genossin, ist am Sonntag in» Alter von 71 Jahren gestorben. Frau Stägemann hat in ihren jüngeren Jahren in der eifrigsten Weife für unsere Bestrebungen ge- lvirkt. In den achtziger Jahren war sie besonders tätig, die Arbeiterinnen in der Konfektion z» organisieren. Im Verein mit anderen Genossinnen gründete sie den Verein der Mäntelnäherinnen und den Verein zur Wahrung der Interessen der Arbeiterinnen. Beide Gründungen wurden aber unterdrückt, weil sie politischen Charakter hätten und in Verbindung getreten seien und die Leiterinnen, Frau Dr. Marie Hoffmann, Frau Stäge- mann, Frau Ihrer und Frl. Jagert angeklagt. Am 3. De- zember 1886 wurden die genannten Genossinnen unter Vorsitz deS berüchtigten LandgcrichtsdirektorS Brausewetter zu Geld- strafen von 63—133 M. verurteilt und der Verein endgültig ge- schloffen. Frau Stägemann war trotz ihres Alters selbst noch in den letzten Jahren eine fleißige Versammlungsbesucherin und bis zu ihrem Tode Leserin der„Gleichheit". Die Genossen mrd Genossinnen, die die Verstorbene kannten, wissen ihr Wirken für die Partei zu schätzen und werden sie in gutem Andenken behalten. Aus der Berliner Parkverwaltung. Die durch rückständige Lohn- und Arbeitsverhältnisse rühmlichst bekannte Berliner Parkverwaltung übertrifft durch Rücksichtslosig- kcit gegen die Arbeiter den gewerblichen Unternehmer in allen Stücken. In diesem Frühjahr stellten die verschiedenen Reviere voll- arbeitsfähige Gartenarbeiter sowie Gärtner ein. Die Neueinge- stellten mußten, da ihnen von nur vorübergehender Beschäftigung nichts gesagt worden war, die Auffassung bekommen, daß sie, wenn sie sich nichts zuschulden kommen lassen, wenigstens den Sommer über, evtl. bis in den Spätherbst hinein, Arbeit haben werden. zumal die städtische Parkverwaltung um 3,63 bis 1,53 M. pro Tag niedrigere Löhne zahlt als die Privatindustrie. Aber schon Ende Juli und Anfang August wurden Arbeiter- entlassungen, wegen angeblichen Mangel an Arbeit, zuerst im Revier 1, Humboldthain, vorgenommen. Der Mangel an Arbeit stellt sich bei der Parkverwaltung immer dann ein, wenn die Etats- gelder durch allerlei notwendige und andere Ausgaben stark ange griffen sind. An den Arbeitern wird dann gespart. Natürlich! Wegen der Entlassung hat der Arbeiterausschuß beim Dezer ncnten, Bürgermeister Dr. Reicke, sich ins Mittel gelegt. Leider mit negativem Erfolg. Der Herr Bürgermeister drückte dem Aus schuß über die in diesem Jahre schon mitten im Sommer Vorgel nommenen Arbeiterentlassungen seine Verwunderung aus. Schlietzl lich versprach der Herr Bürgermeister Anweisung zu geben, daß die Herren Revierleiter die beabsichtigten Arbeiterentlassungen der Deputation bezw. Direktion melden sollen, um evtl. die in einem Revier zur Entlassung bestimmten Leute in einem anderen Revier unterzubringen. Am 29. Juli fand die Aussprache statt und am 7. August erfalgten die ersten Kündigungen im 3. Revier, denen an den nächstfolgenden Sonnabenden je 13— 15 Mann als weitere Kündigungen und Entlassungen folgten. Wäre es dem Herrn Bürgermeister mit seiner Zusage an den Arbeiterausschutz ernst ge- Wesen, so hätte er in dem Sinne der gegebenen Zusage handeln müssen, so aber muß man an dem ernsten Willen zweifeln. Bei den Entlassungen selbst wurde, was besonders festgenagelt werden mutz, nach Gunst verfahren, wie sich verschiedentlich nach- weisen läßt. Jüngere, und Leute, die kurz vor Pfingsten und sogar acht Tage nach Pfingsten in Arbeit getreten sind, werden weiter beschäftigt. Der Gärtnergehilfe K. wandte sich wegen seiner Eni- lassung beschwerdeführend an den Herrn Bürgermeister, der Unter- suchung der Angelegenheit versprach, die wahrscheinlich heute noch nicht abgeschlossen sein dürfte. Die Linderung der Not der arbeitenden Klassen hängt von der straffen, alle Arbeiter umfassenden modernen Organisation ab, damit werden die Wege zum Herrn Bürgermeister und seine wohl wollenden Zusagen überflüssig. Aus der städtischen Verwaltung. In der am Sonnabend abgehaltenen Sitzung der Deputation für das städtische Turn- und Badewesen legten Gchcimrat Hofs mann und Baurat Mntzdorff den Entwurf für den ErweiterungS- bau der Volksbadccmstalt in der Bärwaldstraße vor. Der Neubau soll lediglich als Männerbadeanstalt dienen, während die ältere für Frauen reserviert bleibt. Das Projekt fand mit geringen Monitas ungeteilte Zustimmung der Deputation. Von besonderem Interesse war, daß auf dem Dache ein Licht- und Luftbad errichtet wird. Eine solche Idee schwebte schon beim Erweiterungsbau der Volksbadeanstalt an der Schillingsbrücke vor. Es muhte aber dort aus räumlichen /Gründen darauf verzichtet werden. In der Bär. Waldstraße aber sind die örtlichen und sonstigen Verhältnisse die denkbar günstigsten, so daß die Anlage allen Anforderungen ge- nügen wird. Allerdings wurden in der Deputation Stimmen laut, die prinzipielle Bedenken gegen Sonnenbäder erhoben, da sich namentlich Aerzte dagegen ausgesprochen hätten. Dem wurde cnt- gegengehalten ,datz sich alle Anhänger des Naturheilverfahrens für solche Anlagen erwärmten und diese müsse man doch auch berück- sichtigen. Der Antrag einer hiesigen Firma, probeweise und kostenlos einen selbstdruckenden Eintrittskartenautomaten aufzustellen, wird angenommen. Die im vorigen Winter angestellten Versuche, in den Volks- badeanstalten unbemittelten Kindern Schwimmunterricht zu er- teilen, sind von bestem Erfolg begleitet gewesen In diesem Winter soll in vier Anstalten an 523 Knaben und 433 Mädchen Unterricht erteilt werden, wozu 5633 M. zur Verfügung stehen. Beim Baden ertrunken. Der Vadcsport, dem in diesem Sommer schon so zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen sind, hat vorgestern nachanittag ein neues Opfer gefordert. Der Buchhalter Hermann Breithaupt hatte mit einem Freund einen Ausflug nach dem Grunewald unternommen und bei Schwanenwerder entledigten sich die beiden jungen Leute ihrer Kleidung, um in der Havel ein Bad zu nehmen. B. schwamm weit über seine Kräfte in den Fluß hinaus und als er wieder ans Ufer zurückschwimmen wollte, ließ er immer mehr nach. Er stieß jetzt laute Hilferufe aus, worauf sein Freund hinzuschwamm. Er vermochte den Gefährdeten aber nicht mehr zu retten. Noch bevor er an die Unfallstelle heran- gekommen war, sank B. unter und ertrank. Schaufenster-Blindalen. Wie durch Anschlag bekanntgegeben wird, sind in der Nacht vom 2. zum 3. September in der Leipziger Straße zwischen Dönhoffsplatz und Friedrichstraße eine Anzahl Schaufensterscheiben durch Einschneiden beschädigt worden. Auf die Ermittelung des Täters ist eine Belohnung von 333 M. aus- gesetzt.— Der Unfug der Beschädigung von Schaufenstern durch Einritzen mit Diamanten oder ähnlichen Gegenständen wird in Berlin schon seit vielen Jahren ausgeübt. Neuerdings wird er wieder in größerem Umfange betrieben, ohne daß es bisher ge- lungen ist. auch nur einen der Täter— es kommen deren zweifei- los mehrere in Betracht— zu ermitteln. So wurden im vorigen Monat am Lützowplatz zwei große Schaufensterscheiben durch Kreuz- und Querschnitte derartig verdorben, daß eine Erneuerung der Fenster vorgenommen werden mußte. Geldschwinbler betreiben gegenwärtig, anscheinend gewerbs- mäßig, ihr Unwesen. Sie kaufen in Geschäften irgend eine Kleinig- keit und geben„Zehn- und Zwanzigniarkstücke" in Zahlung. Erst zu spät entdecken dann die Geschäftsleute, daß sie französisches oder österreichisches Geld erhalten haben, an welchem sie einen Verlust von 1,53 bis 4 M. erleiden. Auch österreichische Silbermünzen, besonders Zweikronenstücke, die nur einen Wert von 1,73 M. besitzen, werden in neuerer Zeit vielfach als Zweimarkstücke aus- gegeben. Bei Annahme von derartigem Gelde ist die größte Vorsicht geboten. Schäbig. Bekanntlich sollte Zeppelin anfänglich am Sonnabend, den 28. August, nachniittags 6 Uhr, mit seinem Luftschiff nach Berlin kommen. Verschiedene Betriebe glaubten sich großmütig zeigen und durch früheren Toresschluß ihren Leuten beionders entgegen- kommen zu sollen. Zu diesen Betrieben gehörte auch die Geldschrank- firma Arnheim in der Badstraße. Am letzten Sonnabend bekam sie es fertig, die verloren gegangene Zeit selbst den Lehrlingen vom Kostgelde abzuziehen. Sehr großmütig I Auf der Jagd nach einem armen Teufel. Ein seltsamer Fall hat sich gestern nachmittag auf dem Wedding zugetragen. Der wohnungs- und arbeitslose Fabrikarbeiter August Stadie hatte bei einem Barbier M. in der Pankstraße gebettelt. Er fühlte starken Hunger und bat um einige Pfennige, um sich dafür etwas zu essen zu kaufen. Ein Schutzmann hatte den Vorgang von der Straße aus beobachtet und als er St. festnehmen wollte, rückte dieser aus und flüchtete nach dem Boden des Hauses Kösliner Straße 9 hin- auf. Der Beamte nahm mit Unterstützung eines Kollegen die Verfolgung des Flüchtlings auf und als St. die Beamten auf sein Versteck zukommen sah, brach er ohnmächtig zusammen. Er wurde nach der Unfallstation in der Lindower Straße getragen und nachdem er dort wieder ins Leben zurückgerufen worden war, nach der Charite gebracht. Unseres Erachtens hätte die Polizei wichtigeres zu tun, als Jagd auf einen hungrigen Menschen zu machen, der mitleidige Menschen um ein Stück Brot angeht. Wegen SittlichkeitSvcrbrechens und schwerer Kuppelei sind der 24 Jahre alte Schuhmacher Richard Peltz auS der Triftstr. 4 und die 47 Jahre alte Arbeiterwitwe Sophie Hensel aus dem Nachbarhause Nr. 5 verhaftet worden. Peltz wird beschuldigt, mit der 14 Jahre alten Tochter der H. unzüchtig verkehrt zu haben, und zwar mit ihrem Wissen und ihrer Zustimmung. Vergiftung durch Speise. Schwere Folgen hat Vergiftung durch Speise in der Havelberger Straße 8 gehabt. Die Ehefrau des Zu- schneiders Struks dort besuchte am Montag voriger Woche mit ihren drei 8, 6 und 5 Jahre alte» Kindern Elly, HanS und Erich eine Familie in der Rathenower Straße. Dort aßen alle von einer Vanillenspeise. Am nächsten Tage erkrankten Mutter und Kinder so schwer, daß alle vier nach dem Vircholv-Krankenhause gebracht werden mußten. Bei allen stellte ein Arzt VergistungSerscheinungen fest. Am Donnerstag starb der kleine Hans, am Freitag Elly. Frau Struks und ihr jüngster Sohn Erich liegen»och bedenklich da- nieder, ebenso zwei Kinder der befreundeten Familie. Die Leichen der gestorbenen Kinder wurden polizeilich beschlagnahmt und zur gerichtlichen Untersuchung nach dem Schauhause gebracht. Schwere Brandwunden hat Sonnabendmittag die 47 Jahre alte Ehefrau Berta des im Hause Metzcr Straße 3 lvohnhaflen Maler? Gustav Fischer erlitten. Sie stieß einen Spirituskocher um, der brennende Spiritus ergoß sich über ihre Kleider und setzte diese ebenfalls in Flammen. Bor schrecklichen Schmerzen laut schreiend, lies die Unglückliche— eine lebende Flammensäule— auf den Hof, wo Hausbewohner das Feuer löschten. Mit schweren Brandlviinden an der Brust, im Gesicht und an den Armen brachte man die Ve- daucrnswerte nach dem Krankenhause am Friedrichsham, wo sie be« denklich daniederliegt. Ein Genossenschaftsjuviläum. Die„Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend" feierte am Sonnabend in der„Neuen Welt" ihr zehnjähriges Bestehen. Vor zehn Jahren, im Juni 1899, bildete sich ihre Grundlage im„Konsumverein Nord". Im Jahre 1932 wurde der Name Konsumgenossenschaft Berlin und IliMsegend angenommen, nachdem sich die Konsumvereine„Süd", Schönebcrg und Weißensee angeschlossen hatten. Im November vorigen Jahres verschmolz sich die Genossenschaft mit dem„Berliner Konsumverein" zu einer Einheit. So kam Berlin zu einer einheitlichen Genossen» schaftsbewcgung, die sich an die breiten Massen des Volkes wendet. Wenn auch für die Riesenstadt Berlin und ihre volkreichen Nach- bargemeinden die verflossenen zehn Jahre Genossenschaftsbewegung gleichsam erst einen Anfang bedeuten, so ist doch die bisherige Enlwickelung eine recht erfreuliche. 45 Verkaufsstellen sind jetzt in Betrieb und drei neue kommen hinzu. Im letzten Geschäftsjahr betrug in den damals in Betracht kommenden 42 Verkaufsstellen der Gesamtumsatz 3 361 333 M. Das Geschäftskapital beträgt annähernd 153 333 M. und es wurde ein Reingewinn von 159 333 Mark erzielt. Die Spareinlagen, die höher als bei anderen Spar- lassen verzinst werden, erreichten die Höhe von 253 333 M. Bei Betrachtung der Zahlen ist zu bedenken, mit wie geringen Mitteln die Genossenschaftsgründungen in Groß-Berlin begonnen wurden. Heute hat die Genossenschaft über 23 333 Mitglieder. Als Haus- antcile sind bereits 143 333 M. der Genossenschaft eingezahlt worden. Ihr Anwachsen hat bekanntlich den Gedanken der Beschaffung eigener Kontor- und Lirgerräumlichkeiten, sowie den Beginn der Eigen- Produktion nahegelegt. Zu diesem Zweck sind Grundstücke in Lichten. berg gekauft worden, auf denen fünf Wohnhäuser, ein Lagergebäude mit Kontor eine eine großartige Bäckerei errichtet werden sollen. Von allen Interessenten der Genossenschaftsbewegung, namentlich auch von den Mitgliedern, wird erwartet, daß sie der Weiterentwicklung der Genossenschaft nach Kräften förderlich sind. Die Feier in den Gesamträumen der„Neuen Welt" verlief aufs beste. An die Veranstaltungen im Garten schloß sich ein Festakt im großen Saal, der durch gute Streichniusil und die prächtigen Gesangsvorträge der„Typographia" eine besondere Weihe erhielt. Die Festrede hielt Genosse Karl Mücke. In knapper, aber eindringlicher Darstellung gedachte er der Ent- stehung und Entwickelung der Genossenschaft und sprach die Hoff- nung aus, daß die Genossenschaftsbewegung in Berlin nie zum Stillstand kommen, sondern immer weitere Kreise ziehen möge. Radrennen in Treptow, Sonntag, 5. September. Ein Zwei» stundenrennen mit Motorführung bildete die Hauptiinmiiier des Programms. Von den vier Bewerbern H e r in. P r z y r e m b e l. Tommy Hall, Jngold und Pongs behauptete sich Przyrembcl als der beste Mann; denn er siegte mit weitem Vor- sprung; aber auch der Krefelder Pongs erwies sich als ein tüchtiger Fahrer, der namentlich zum Schluß ganz bemerkenswerte Ausdauer zeigte, durch die eS ihm gelang, vor dem Engländer Hall den zweiten Platz zu belegen. Diesem war offenbar die Strecke zu lang; ansang» fuhr er sehr gut, doch ließ er zum Schluß uach. Der Elsasjer Jngold war durch mehrfachen Radwechsel in den Hintergrund ae- raten, weit zurück gab er acht Kilometer vor Schluß auf. Ergebnisse: Zwei stunden rennen: 1. Herm. Przyrembel 115,624 Kilometer; 2. Pongs 169,056 Kilometer; 3. Hall 98,326 Kilometer; 4. Jugold, aufgegeben.— Das Hauptfahren über 1266 Meter gewann P a w k e vor Götze, Vogt und Birkholz.— Im NeulingS- fahren über 1266 Meter siegte F r e i b e r g e r vor Lauckner und Laugnickel.— Den Schluß bildete ein Prämienfahren über 5666 Meter, das von P a w k e vor Vogt, TrinkS und W. TheiS gewonnen wurde. Die Rennen verliefen bei gutem Besuche ohne Unfall. Botanischer Garten. Das„Goldene Rad', ein 160-KiIo- meter-Rennen mit Motorführung, brachte der Rennbahn einen großen Erfolg und sehr guten Besuch. Drei Franzosen: Contenet, Guignard und der neue Weltmeister Parent standen dem Berliner Theile gegenüber. Da nach dem neuen Reglement die Schutzrolle 46 Zentimeter vom Motor entfernt ist, war man gespannt, wie die Zeiten sein würden, die erzielt werden. Bald nach dem Start liegt Theile an letzter Stelle, doch arbeitet er sich vor und passiert Contenet, der übrigens gar keine Rolle spielte und von allen nach Belieben überrundet wurde. Nach der 66. Runde kommt Theile in Schwung und rückt zu Guignard auf, doch auch dieser wird schneller und kommt an Parent heran. In der 83. Runde wird der neue Weltmeister von dem brillant fahrenden Guignard geholt und auch Theile geht an dem Franzosen vorbei und belegt den zweiten Platz. In der 114. Runde büßt Parent die erste Bahnlänge ein, der im weiteren Verlauf noch mehrere folgen. Guignard macht nun Jagd aus den Berliner, doch erst in der 136. Runde gelingt es dem Franzosen, an Theile vorbei« zugehen. Doch auch dessen Schicksal ist besiegelt und durch Wechseln der Führung büßt Theile noch mehr Boden ein. Gegen den Schluß wurden alle Fahrer noch etwas lebhaft. Parent geht an Guignard und Theile vorbei, wird aber von ersierem wieder geholt. Guignard siegt in 1 Std. 26 Min. 21'/» Sek. sWeltrekord bisher 1 Std. 28 Min. 13 Sek.), mithin eine großartige Leistung: 2. Theile, 1486 Meter; 3. Parent, 2346 Meter; 4. Contenet, 8126 Meter.— Die Fliegerrennen boten ebenfalls viel des Interessanten. Ein M a t ch Arend-Schürmann-Berthet in drei Läufen hatte kein ein- tvandfreies Ergebnis und endete mit gleicher Punktzahl für A r e n d und Schürmann, also unentschieden. Im H auptfahren siegte Bettinger vor Wegener, Kudela und Schwab, ebenso im Ervffuungsfahrcn war B e t t i n g e r Sieger. Das Prämien- fahren gewann T e ch m e r und das Tandemfahren Techmer-Wegener vor Kudela-Arend. Sämtliche Rennen verliefen ohne Unfall. Eine Tonbildbiihne hat die Allgemeine Kinematographem Theatergesellschaft in Frankfurt a. M. unter den Namen.Union- Theater" im Grand Hotel Alexanderplatz geschaffen. Obwohl sich in Berlin die Kiuematographen-Theater mit ihren auf die Sensation spekulierenden Vorführungen keineswegs gut eingeführt haben, glaubt die Gesellschaft mit ihrer Neugrüudung insofern ein Bedürfnis befriedigen zu sollen, indem sie in hoch elegant ausgestatteten Räumen dem besseren Geschmack Rechnung trägt. Der künstlerisch ausgestattete Zuschauerraum faßt 866 Personen. Gute Aufnahmen werden, von einem stark besetzten Orchester begleitet, mit entsprechender Musik vorgeführt. Besonderen Beifall fanden am ersten Abend u. a. Szenen aus der Oper.Carmen", die Fliegerwoche in Reims und das Drama„DaS gefundene Kind". Der ZirkuS Busch beginnt seine Saison am Sonnabend, den 11. September, in einem vollständig renovierten Hause. Feuerwehrbericht. Die Berliner Feuerwehr wurde nach der Wiener Straße 33b alarmiert, wo in einer Klempnerwerkstatt durch Explosion einer Benzin-flasche Feuer ausgekommen war, Türen, Bekleidung u. a. brannten. Dem 8. Zuge gelang es die Flammen bald zu löschen. Betten, Kleider u. a. brannten in der Lands- berger Straße 48 und Schivelbeiner Straße 16 auf Hängeboden und Korridor. Ein Wohnungsbrand mutzte vom 13. Zuge in der Chausseestraße 6 gelöscht werden. Möbel, Gardinen, Wäsche, Fuß- bödcn usw. standen dort in Flammen. Wegen eines Küchenbrandes erfolgte ein Alarm nach der Forster Straße 8. Teer brannte Fliederstr. 6 und Preßkohlen usw. auf dem Anhalter u. a. Bahn- Höfen. Balken und Schornsteine brannten Jagowstr. 7. Kürassier» straße 7/3 u. a. Stellen. Die Schöneberger Feuerwehr hatte einen gefährlichen Keller- brand in der Erdmannstr. 11 zu löschen, wo Preßkohlen sich ent- zündet hatten und längere Zeit tüchtig gelöscht werden mußte. Ferner mußte ein Ladenbrand in der Prinz-Georgstraße 7, wo Teer übergekocht war, und ein Badestubenbrand in der Kyffhäuser Straße 15 bekämpft werden. Vorort- JVacbricbtem Ein neues GenosseuschaftSheim. In AdlerShof, einem namentlich von Arbeitern bewohnten Vor> ort, ist am Sonntag früh ein von der Konsumgenoffenschaft Adlershof und Umgegend errichtetes Gebäude eröffnet worden. Ein herrlicher dreistöckiger Bau, der von den Hänsern der Bismarckstraße in AdlerShof, wo er sich befindet, wesentlich absticht. Der zähen Aus» dauer und Tatkraft der in der Genossenschaft organisierten Konfu- menten in AdlerShof, Alt-Glienicke, Grünau, Ober-Schöneweide, Johannisthal, Bohnsdorf, Friedrichshagen und Erkner ist es ge- lungon, durch die Errichtung dieses Gebäude? der Konstimgenoffen- schaft von AdlerShof und Umgegend Geltung zu verschaffen. Schon rein äußerlich zwingt das HauS den Vorübergehenden in seinen Bann. Ein geräumiger, mit den komfortabelsten Einrichtungen der Neu- zeit versehener Laden bietet den kaufenden Mitgliedern geschmackvoll ge- ordnet allerlei Eß- und Kolonialwaren. Auch das Kellergeschoß mit seinen großen, hellen Lagerräumen macht einen vorzüglichen Eindruck. DaS zum Geschäft gehörige Kontor befindet sich parterre im Quer- gebände. Dort hat auch der Verein Jugendheim für die heran- wachsende Jugend ein freundliches Sälchen eingerichtet. Eine reich- baltige Bibliothek steht ihr zur Erweiterung ihres WiffenS zur Ver- fügung. ES ist«in anheimelnder Raum, und schon die einfache, aber doch höchst geschmackvolle Einrichtung legt Zeugnis davon ab, daß hier Personen ain Werke waren, die ein inniges Verständnis für den Zweck des Raumes besitzen. Der erste, zweite und dritte Stock de? VordergebäirdeS sowohl wie auch des Ouergebäudes sind zu modernen Wohnungen her- gerichtet. Auf den Böden befindet sich nebst Waschküche und Trocken- räumen noch für die Mieter, in deren Wohnungen keine Bade« einrichtung vorhanden ist, ein Gemeinschaftsbad. DaS Genossen- schaftShauS ist mit einem Kostenaufwand von ungefähr 176666 M. erbaut. Die Eröffnungsfeier ging um 10 Uhr auf dem Hofe des Grund- stückeS vor sich. Eingeleitet wurde dieselbe durch ein stimmungS- volles Lied des AdlerShofer ArbeitergesangvcreinS. Hierauf legte in großen Zügen der Vorsitzende des AufsichtSrateS, Genosse Gerhardt, den Entwickelnngsgang des Konsumvereins dar. Der Umsatz, der im ersten Jahre seines Bestehens 19 666 M. betrug, stieg nach jetzt acht Jahren auf 473666 M.. und die Steigerung wäre sicher eine bedeutend größere gewesen, wenn die beengten Raumverhältnisse des alten Geschäfts es nicht unmöglich gemacht hätten, weitere Mitglieder aufzunehineu. Redner wies darauf hin, daß durch die Tätigkeit der organisierten Arbeiterschaft nun jener stolze und dabei so solide Bau entstanden sei— ein Wahrzeichen dafür, was Arbeiter bei ernstem Willen zu tun vermögen. Der Bau aber müsse zugleich die Mitglieder anspornen, die große Zahl derer, die von der Ge- nossenschaftSbeivegung noch nicht erfaßt seien, dem Verein zuzuführen. Verantwortlicher Redakteur: Emil Ungcr, Berlin. DaS nächste Ziel müsse sein, zur Eigenproduktion überzugehen. Der Vorsitzende des GewcrkschaftskartellS von Ober-Schöneweide, Genosse Schneider, betonte, daß es die Pflicht jedes organisierten Arbeiters sei, nicht nur die gewerkschaftliche und politische Organisation, sondern auch die GcnossenschaftSbewegung fördern zu helfen. DaS Wort nahmen noch Vertreter der Großeinkaufsgenossenschaft, der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, des Lagerhalter Verbandes, der Bangenossenschaft Paradies und der Bäckerei genosscnschaft. Sie alle hoben herbor, daß sie beim Anblick der prächtigen Räume geradezu entzückt gewesen seien. DaS Werk, das hier durch die Initiative der Arbeiterschaft entstanden sei, müsse auch andere Vereine zu weiteren Fortschritten anspornen. Hierauf sprach der Geschäftsführer der Genossenschaft, Genosse Hildebrandt, den so zahlreich Erschienenen seinen Dank aus. Mit einigen Liedern des Arbeiter-GesangvereinS erhielt die Feier ihren Abschluß._ Schöneberg. Eine heftige GaScxplofion erfolgte gestern mittag kurz nach 11 Uhr in der Geßlerstraße 4. Im Erdgeschoß des Borderhauses befindet sich dort ein Milchgeschäft, das neu eingerichtet werden sollte. Seit einigen Tagen waren Arbeiter damit' beschäftigt, die Gasleitungen zu verlegen. Als gestern mittag die Arbeiten beendigt waren, wollte einer der Leute die Leitung ableuchten. Kaum hatte er aber ein Streichholz entzündet, als plötzlich eine starke Detonation erfolgte. Fenster und Türen wurden durch den gewaltigen Luft- druck eingedrückt und zertrümmert. Der Arbeiter Ernst RahmSdors wurde von der Stichflamme erfaßt und erlitt derartige Brand- wunden, daß er nach Anlegung von Notverbänden nach dem Schöne- berger Auguste Biktoria-Krankenhaus geschafft werden mußte. Haupt- sächlich das Gesicht und die Hände waren ihm stark verbrannt. Die Schöneberger Feuerwehr, die auf den Llarmruf„Menschenleben in Gefahr I" mit zwei Löschzügen und dem Krankenwagen herbeieilte, konnte bald wieder abrücken, da Feuer weiter nicht entstanden war. In Lebensgefahr schwebten zwei Frauen, die versucht hatten, eine Wohnung in der Feurigstr. 34 von Ungeziefer zu befreien. Zu diesem Zweck hatten sie im linken Seitengebaude in einem Vorder- zimmer Schwefel angezündet und sich dann unbcdachtsamerweise in ein anschließendes Hinterzimmer zurückgezogen, das keinen besonderen Ausgang hatte. Die beiden Frauen waren, als das Vorderzimmer voller Schwefeldämpfe, wie in einer Mausefalle gefangen. Und als dann diese Dämpfe auch das Hinterzimmer füllten, rissen die Frauen das Fenster auf und schrien um Hilfe. Die Schöneberger Feuer- loehr war zum Glück schnell zur Stelle und befteite die Frauen, die sich dann bald wieder erholten. Charlottendurg. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Gemcindewählerliste. Im ganzen sind 221 Einsprüche gegen die Richtigkeit der Gemeinde- Wählerliste eingegangen, mit denen sich die Stadtverordnetenver» sammlung am Mittwoch zu befassen hat. Bon 166 Einwohnern. die wegen Steuerreste nicht aufgenommen sind, haben 8 Nachtrag- lich gezahlt, von 38 angeblichen Schlafburschen sind 31 Mieter bezw. HauShaltungSvorstände, 9 Personen konnten keine Aufnahme finden, weil sie NichtPreußen sind, 17 weil sie Armenunterstützung empfangen haben, 6 weil sie zu jung sind, 14 weil sie noch kein Jahr in der Gemeinde wohnen; der Rest ist aus anderen Gründen nicht aufgenommen oder aus Versehen übergangen worden. Einen großen Teil der Einsprüche wird die Stadtverordnetenversamm- lung als berechtigt anerkennen müssen. Die Errichtung einer Anstalt zur Behandlung von Tuver- kulosen plant die Stadt Charlottenburg. Ein hierzu geeignetes 363 Morgen großes Waldgeläude ist bereits vor l�h Jahren bei Beetz-Sommerfeld angekauft toorden. Der Magistrat hat nunmehr «inen Vorentwurf für die auf dem Gelände zu errichtende Anstalt ausgearbeitet, dessen Genehmigung er bei der Stadtverordneten- Versammlung nachsucht. Hiernach sollen in der Anstalt drei Arten von Lungenkranken Aufnahme finden: Zunächst, soweit irgend möglich, alle Schwer-Tuberkulosen, die zurzeit die innere Ab- teilung des Krankenhauses Westend bis zum Uebermaß belasten und zeitweise bis 54 des gesamten Bestandes dieser Anstalt in Anspruch nehmen. Zweitens sollen in der neuen Anstalt solche nicht mehr für die Heilstätten geeignete Lungenkranke zur dauernden Verpflegung, wenn möglich bis an ihr Lebensende aufgenommen werden, deren Absonderung und Herausnahme aus den engen Wohnungen im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege zur Vermeidung weiterer Ansteckung, namentlich der Jugend, dringend erforderlich ist. Endlich sollen noch zwei Kategorien von Leicht- Lungenkranken untergebracht werden: einmal solche, die für eine Heilstätte bestimmt sind, aber wegen Mangel an Platz nicht sofort Aufnahme finden können, und serner solche, die aus einer Heil- stätte entlassen werden, aber noch längerer Schonung bei ge- eigneter Ernährung und Pflege bedürfen, um den Erfolg der Heil- stättenkur zu sichern und nicht vorzeitig wieder in Frage zu stellen. Die Anstalt ist für Männer, Frauen und Kinder bestimmt, eS sind zunächst 200 Betten vorgesehen, aber eine Erweiterung auf 366 in Aussicht genommen. Spaudau. Vier BeitrogSmarken ä 65 Pf. vom Verbände der baugewerb lichen Hilfsarbeiter sind verloren gegangen. Abzugeben sind dieselben an Abraham, Neue Bergstr. 52 II. Gerichts-Leitung. Bandendiebstahl. Gegen sieben an einer erfolgreichen DiebeSfahrt direkt oder indirekt beteiligte Personen richtete sich eine Anklage wegen schweren Diebstahls, Begünstigung usw., die gestern die Fcrienstrafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Die Näherin Helene Eger hatte längere Zeit für das Konfektionsgeschäft von Münz gearbeitet und war mit den örtlichen Verhältnissen daselbst wohl vertraut. Auf Grund gelegentlicher Aeußerungen, die sie zu ihrem Bräutigam. dem Schlosser Otto Albrecht und einigen anderen Personen über die leichte Ausführbarkeit eines Einbruchdiebstahls im Münzfchcn Geschäft gemacht, faßten der Mechaniker Richard Sander, dessen Bruder, der Arbeiter Emil Sander, besagter Albrecht und der mehr- fach mit Zuchthaus vorbestrafte Mechaniker Albert von Kalkreuth den Plan, bei Müliz„ein Ding zu drehen". Der Plan wurde am Sonntag, den 18. April, ausgeführt. Während v. Kalkreuth und Emil Sander vor dem Haufe Lothringer Straße 26 Schmiere standen, begaben sich Richard Sander, Albrecht und die Eger nach dem fiinf Treppen hoch belegenen Münzschen Geschäftslokal. Richard Sander öffnete mit einem Dietrich die ZugangStür zur Blusen. fabrik und nun wurden aus den Regalen die wertvollsten Stücke unverarbeiteter Seide, sowie Blusen, Spitzen und Besätze heran?- gesucht und in Kartons verpackt. Sander erbrach dann noch mit einem von v. Kalkreuth mitgebrachten Brecheisen ein Pult und ent- wendete das in der Kasse befindliche Kleingeld sowie Postmarken. Jnvalidenmarkcn u. dgl. Der Gesamiwert der gestohlenen Gegen- stände betrug über 3266 M. Herr Münz hat nur einen Teil, nämlich für etwa 1766 M. Seidenstoffe, zurückerhalten; diese waren von den Einbrechern zum Teil auf dem Lehrter Bahnhof in der Aufbewahrungsstelle für Handgepäck aufgegeben worden, teils hatten sie den Weg zu zwei Mitangeklagten Personen gefunden. Bei dem Versuche, Teile der gestohlenen Waren abzusetzen, sind die Täter entdeckt worden. Anfang Juni befand sich als erster der Angeklagte Albrecht in Untersuchungshaft. Die Angeklagte Eger versuchte ihren Bräutigam aus dieser Haft zu befreien. Sie erschien im Bureau deS Rechtsanwalts Dr. Schwindt und gab dort eine rides- stattliche Versicherung zu Protokoll, wonach sie behauptete, daß sie zur Zeit deS Diebstahls mit Albrecht zusammen im Grunewald gewesen sei. Auf Grund dieser eidesstattlichen Versicherung wurde ein Antrag auf Haftentlassung gegen Kaution gestellt, vom Amts- gericht aber abgelehnt. Die Eger hat später eingeräumt, daß ihre Behauptung falsch war und sie nur aus Liebe zu ihrem Bräutigam die eidesstattliche Versicherung wissentlich falsch abgegeben habe. Sie war deshalb außer wegen Begünstigung auch noch wegen Ver- gchcns gegen§ 156 St.-G.-B. angeklagt.— Sie wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, Richard Sander dagegen zu 1 Jahr 2 Monaten, v. Kalkreuth zu 1 Jahr 4 Monaten, Emil Sander und Albrccht zu je 8 Monaten Gefängnis. Auf die erkannten Strafen wurden je 2 Monate als verbüßt angerechnet. Ein sechster Ange- klagtcr wurde wegen Begünstigung zu 26 M. Geldstrafe verurteilt, ein siebenter freigesprochen._ Der Fuselgenutz hat den Arbeiter Otto Strauchel, der wegen grober Mißhandlung seiner Kinder vor der Strafkammer stand, zu einem völlig ver» rohten Menschen gemacht. Seine Ehefrau hatte mit ihm ihre liebe Not, denn wenn er„schwer geladen" nach Hause kam, war er streitsüchtig und Wurde oft brutal gegen Frau und Kinder, die er wiederholt ohne Anlaß verprügelte. Eines Abends kam er wieder betrunken nach Hause, ärgerte sich über seine Kinder und schlug mit seinem Leibriemen unbarmherzig auf seinen vierjährigen Sohn ein, so daß dieser ein markerschütterndes Wehgeschrei er- tönen ließ. Dann ergriff der Unmensch sein am Boden spielendes 1>/ijähriges Töchtcrchen und schleuderte es gegen die Wand. Er behauptet, er habe das Kind nur in die Wiege werfen wollen und habe nur dieses Ziel verfehlt. Da der Angeklagte geradezu tobte» wurde ein Schutzmann herbeigeholt, der einen Arzt zur Unter» suchung des KindcS zitieren ließ. Dieser stellte fest, daß das kleine Mädchen glücklicherweise nur eine große Beule am Kopfe davon, getragen hatte, dagegen zeigten sich am Körper deS Jungen zehn Wunden, die auf das Schlagen mit der am Leibriemen befindlichen Schnalle zurückzuführen waren.— Das Gericht verurteilte den An» geklagten zu 1 Jahr Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Vermischtes. Nach einer Dampfer„Hektar" Schiffsunfälle. Meldung aus Bremerhaven ist der deutsche mit dem einkommenden deutschen Fischdampfcr „Anna" am Sonnabend 11 Uhr 36 Minuten abends unterhalb der Geeste in Kollision gewesen. Der Fischdampfer wurde in sinkendem Zustande bei der Geeste auf den Strand gesetzt. Die Mannschaft wurde durch den Schleppdampfer„Ludwig" gerettet. Einer Meldung aus Helsingör zufolge ist der dänische Dampfer „Lolland" auf der Reise von Alyth nach Korsör am Mittwoch früh in der Nordsee infolge Verschiebung der Ladung 86 Meilen von Blyth gesunken. Sechs Mann der Besatzung wurden von einer schwedischen Bark aufgenommen und in Helsingör an Land gesetzt. Der Kapitän und die übrigen neun Mann der Besatzung sowie ein Passagier werden vermißt. Sie sind wahrscheinlich umgekommen. Wie aus Lugano gemeldet wird, überfuhr vorgestern abend der Dampfer„Dicino" bei Melide das Motorboot eines Herrn Ritter, Besitzers einer Pension Olivell in Morcote, und schnitt es mitten durch. Ritter selbst und drei im Boot befindliche Pensio» näre, zwei Damen und ein Herr, alle aus Basel-Stadt, ertranken, während zwei andere Pensionäre gerettet werden konnten. In der Grube getötet. Wie aus Zwickau gemeldet wird, ereignete sich Sonntag vormittag auf dem Wilhelmschacht 2 eine Explosion schlagender Wetter, durch die zwei Bergleute getötet und einer schwer verletzt wurde. Zur Zeppelinfahrt des Reichstages. Nicht weniger als 238 Abgeordnete, darunter 13 sozialdemokra, tische, und 24 BundeSratsmitglieder sowie mehrere preußische, bayerische und württembergische Minister hatten sich am Sonnabend in Friedrichshafen zur Besichtigung der Zeppelinwerke eingefunden. Insgesamt erfolgten von mittags nach 12 Uhr bis abends 7 Uhr 6 Aufstiege, zu denen je 15 Passagiere ausgelost wurden. Soweit man das festzustellen vermochte, hatte der Zufall die Fraktionen der Stärke ihrer Vertretung entsprechend bedacht. Von unseren Genossen waren vier Teilnehmer der Fahrten. Abends 9 Uhr kehrten die Abgeordneten und die BundeSratsmitglieder nach Kon- stanz zurück, nachdem sie vorher noch die Werftanlagcn bei Manzell besichtigt hatten. An dem dort folgenden Mahle beteiligten sich die sozialdemokratischen Abgeordneten nicht, weil ihnen bekannt war, daß Staatssekretär Delbrück, bayerisch« Minister und andere den Kaiser und die deutschen Bundesfürsten anhochen und an» Himmeln würden, obgleich sie mit der Erfindung Zeppelins gar nichts zu tun haben. Desgleichen haben unsere Genossen auch die Einladung der Städte Konstanz und Ulm zum Sonntag und Mon» tag nicht angenommen._ Entgleist. Amtlich wird au? Diedenhofen vom gestrigen Tage gemeldet: Heute vormittag 6 Uhr 12 Minuten entgleiste infolge falscher Weichenstellung der nach Trier von Bahnhof Diedenhofen ausfahrende Personenzug 401. Verletzt niemand. Materialschaden geringfügig. Betrieb nicht gestört. Ein großer Waldbrand ist, wie auS Lix-en-Pcovence gemeldet wird, auf den Hügeln von Meyreuil(Departement Bouches-du-Rhöne) ausgebrochen. Angefacht von einem starken Nordwestwind breitete sich das Feuer mit großer Geschwindigkeit aus und hat bisher schon mehr als 860 Hektar Waldbestand erfaßt. Die Gemeinde Meyreuil und der Weiler Baftidon sind in Gefahr. Die Hilfeleistung ist un» zureichend, da wegen der großen Manöver militärische Hilfe nicht zu erreichen ist._______ Wttter«ng«i>berstcht vom 6. September 190», morgen» 8 Uhr. etationen II ff.— II if ewwemde Hamburg verltn 75958 Vetter 3 heiter flfranfl.a K. 765 023 760 WSW 3 bedeckt 761 WSW 3 heiter München Wien |766 SW ! 763 NW 4 wollen! 3 heiter Iwollenl §'! n? hS> Etationen Ii Saparanda 756S etersburg 761 SO Sctllh «lderdeen Pari« 761 SW 74« S 765 S veUer �bedeckt L bedeckt 4 Regen 3 Dunst 2 heiler B-» H» f* & 12 13 16 12 8 Wetterprognose für DicnStag. den 7. September 190». Zeitweise aufklarend, jedoch vorwiegend wolkig und österS Regen, an- fang» etwas wärmer bei ziemlich lebhnjten Südwestwindm, später neue Abluhlmig. Berliner Wetterbureaw WallerstandS-Rochrtchten der Landtsanstalt für Gewässerkunde, milgeteM vom _ Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e M e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterbma Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , ftroffen , Frankfurt Warth«, Schlimm , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe, Lettmeritz „ Dresden „ Larbq , Magdeburg 6 4- bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unlerpegel. Für denJnseratenteilvcraiitw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VonoärtS Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer Si Co., Berlin SW.