Ur. 309. Ndonnementz-keSingimgen s ickionnementS- Preis pränumerando: Biertcljährl. 3J0 ORf,, nionatt. 1,10 Md. wöchentlich 28 Psg. frei iu-3 Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncmcMs nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 26* Jahrg. Vicht!»! Wich Zlilki füontags. Berliner Volksblntl. üle TnlcvHonS'GellöIsr keträgt für die scchsgespaltcne Kolonel- zelle oder deren Rauni 30 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Vcrsaminlungs-Anzcigen 30 Psg. „«leine Snreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 13 Buchstaben zähle» für zwei Worte. Inserate für dle nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachinittagS iir der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „ZoÄaiiUmsIila! Rcriin'4. Zentratorgan der fozSaldcmokratifcbcn Partei Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: 8M. 68; Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Hufruf zur weitereu Uuterstntzuug der Aus- gesperrten imd Streikenden in Schweden. Der Kampf der schwedischen Arbeiterschaft gegen die Massenaussperrungstaktik des organisierten Unternehmertums geht nun bereits in die sechste Woche. Mit beispielloser Ent- schlosscnheit und Zähigkeit haben die schwedischen Proletarier ihren großen Kamps geführt. Fünf Wochen lang standen zirka 73 Prozent der gesamten Jndustriearbeiterschaft des Landes im allgemeinen Ausstand ohne reguläre Unter- st Ätzung. Nur den Bedürftig st en konnte eine Bei- Hilfe gewährt werden. Selbst die IM(XX) Unorganisierten, die sich aus Solidarität dem Kampfe angeschlossen haben, hielten bis auf einzelne Ausnahmen tapfer aus. Nach fünfwöchigem Ausstand haben die schwedischen Ge- Werkschaftsvorstände jetzt beschlossen, eine Frontänderung zu vollziehen. Der Kampf soll im weiteren sich nur gegen den einen großen Unternehmerverband richten, der ihn durch Lohnreduktionen und Massenaussperrungen heraufbeschworen hat. Im Organisationsbereich dieses Unternehmerverbandes sind rund 16ö 000 organisierte Arbeiter der verschiedenen Jndustriegruppen beschäftigt. Diese werden den Kampf weiterführen, bis ein die Arbeiterschaft befriedigender Abschluß zustande kommt. Dagegen sollen nach dem Beschluß der Gewerkschafts- vorstände zirka 100(XX) Arbeiter der Maschinenbauindustrie, der Baugewerbe, der Gemcindebetriebe, Straßenbahnen und der Buchdruckereien die Arbeit wiederaufnehmen, nachdem mit den hier beteiligten Unternehmerorganisationen zufriedenstellende Vereinbarungen getroffen sind. Aber auch diese Wiederaufnahme der Arbeit kann sich nicht überall glatt vollziehen, weil die Gemeindebetriebe und die Straßenbahngesellschaften wie auch zum Teil die Buch- druckereien den Arbeitern entehrende persönliche Verträge ans- zwingen wollen. Die konservative Regierung Schwedens hat sich völlig in den Dien st des aussperrenden Unternehmertums gestellt. Sie will den Unternehmern zum Siege verhelfen, indem sie alle Machtmittel des Klassen- staates in deren Dienst stellt. Die Arbeiterschaft steht daher einem mächtigen Feinde gegenüber, der kein Machtmittel zu ihrer Unterdrückung unversucht läßt. Durch die beschlossene Frontverändcrung werden die Gewerkschaften etwa 165 000 Mitglieder im Kampfe behalten. Sie wie ihre Mitglieder sind fest entschlossen, in diesem Umfange den Kampf fortzuführen, Der Kampf in Schweden ist also keineswegs be- endet, wie die bürgerliche Presse glaubhaft machen will, er ist auch nicht im Abflauen begriffen, er ist nur in seinem Umfange eingeschränkt, in seiner Wirkung auf eine der verschiedenen Arbeitgebergruppen konzentriert Mehr als 160 000 Arbeiter stehen noch im Ausstände, in der Erwartung, daß ein ehrlicher Friede unter annehmbaren Bedingungen ihren opfervollen Kampf lohnt. Das ist nicht nur der Wunsch der Arbeiter Schwedens, sondern der Ar- beiterschaft aller Länder, soweit sie an dem Kampfe der schwe- dischen Arbeiter Anteil nehmen. Die deutschen Arbeiter ins- besondere, die bisher in so rühmlicher Weise die schwedischen Arbeitsgenossen unterstützt haben, werden begreifen, daß es nunmehr gilt, einen mit so beispielloser Einmütigkeit und Disziplin geführten Kampf auch zum glücklichen Sieg zu bringen. Wir hoffen daher an unsere Genossen nicht der- gebens zu appellieren mit der Aufforderung, die Sammlungen für Schweden mit unverminderter Energie fortzusetzen und nicht eher nachzulassen, als bis sie von der Generalkommission durch öffentlichen Aufruf als beendet erklärt werden. Die Gewerkschaftskartelle werden ersucht, diese Sammlungen durch öffentliche Versa mmlun- g e n unter Darlegung des derzeitigen Standes der Dinge zu fördern. Alle Geldsendungen sind nach wie vor nur an die Adresse des Kassierers der Generalkommis- sion. H. Kube, Berlin KO. 16, Engelufer 15, zu richten. Auf dem P 0 st a b s ch n i t t ist anzugeben, daß der Betrag für Schweden bestimmt ist. Mit Gruß, die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands. .C. L e g i e n. Die£andratsrcaicrung. Zur Frage der preußischen Verwaltungsreform wird uns von einem früheren Verwaltungsbeamten geschrieben: Soll die geplante preußische Verwaltungsreform ein nennenswertes Ergebnis haben, so mutz die heutige Landrats- regierung fallen. Die erste aller Forderungen lautet deshalb: Preußen mutz in große leistungsfähige Gemeinden geteilt und den Verivaltungen dieser Gemeinden derselbe Wirkungskreis gegeben werden wie in Oesterreich für staatliche Geschäfte aus eigenem Rechte. Damit wäre die Landratsregierung er- lcdigt. Deshalb bei unseren Reaktionären die Angst vor dem Erstarken des preußischen Gcmeindelebcns, deshalb der fortgesetzte Ausbau der Kreisordnung, das Streben nach Stärkung der Macht des Landrats. Es gibt nur eins: Kreis oder Gemeinde! Die Rcattion regiert uns so, daß die Gemeinde verkümmert als zertretenes, belastetes, unterstes Staatsorgan, die Kompetenzen des Kreises aber immer mehr wachsen. Der Kreis soll sich zu einer Art Zentralgemeinde auswachsen. Er hat eine Art Selbst Verwaltung, die in Wirklichkeit aber fast stets eine Landrats regierung ist. Die Kreissteuern lähmen die Finanzkraft der Gemeinden. Die Gemeinde ist etwas demokratisches, der preußischen Reaktion seit jeher verhaßtes. Der Kreis ist des wegen dazu berufen, der Gemeinde das Geld, die Aufgaben, die Betätigung im öffentlichen Leben, die Selbständigkeit zu nehmen, sie pekuniär zu schmälern, zu bevormunden und politisch zu beeinflussen. Oktavio Freiherr v. Zedlitz hat einmal die Kreisordnungen als die ge> lungensten Schöpfungen der Verwaltungsgesetzgebung be zeichnet. Er wußte wohl weshalb. Im Kreise spielt d er W ah lv e r b an d der Großgrundbesitzer die große Rolle. Im Kreisausschuß ist nie ein Proletaner, selten auch ein Liberaler. Die preußischen Kreisansschüsse sind infolge der Eulenburgschen Kreisordnung d i e reaktionärsten Behörden der Monarchie. Sie verschulden es, daß kein Amtsvorsteher, fast kein Gemeinde Vorsteher ausgesprochen liberal oder gar sozialdemokratisch ist. Niemals könnten die preußischen Landräte politisch so wirksam tätig sein, wenn sie nicht die reakttonären Kreis ausschüsse zur Seite hätten. Noch etwas anderes kommt hinzu. Das offizielle Preußen ist bestrebt, in die ganze Verwaltung dadurch reaktionäre Polittk zu tragen, daß an Stelle der technischen Behörden immer mehr politische treten, oder daß technische und politische Behörden unsinnig verquickt werden. Weshalb ist denn der Oberpräsident Vorsitzender des Provinzialschulkollegiums, doch nur, uni die technische Schulbehörde politisch zu überwachen. Ebenso soll der Landrat nach dem Projekt des Ministers v. Mottle denmächst Vorsitzender der Kreisschulbehörde werden. Man will ihm den Schulinspektor und die Volksschullehrer unterstellen, wie man die Gymnasiallehrer und Schulräte dem Oberpräsidenten unterstellt hat. Das Wohl des Landes verlangt technische Behörden, keine politischen, auch keine gemischten. Wir Staatsbürger danken dafür, daß aus unseren Steuern Leute besoldet und angestellt werden, um das Laud und die ganze Verwaltung mit reaktionären Ideen zu verseuchen und die Kulturentwickelung aufzuhalten. Der Landrat als politischer Beamter, als Vor- sitzender einer Krcisschulbchörde ist nicht überflüssig, nein, vom patriotischen Standpunkt aus sogar gemeingefährlich. Deshalb braucht nicht gleich das Kind mit dem Bade aus- geschüttet zu werden. Die Zusammenfassung mehrerer Gemeinden im Kreise kann für die Kultur dieser Gemeinden ebensoviel Bedeutung haben, wie die Zusammenfassung der Gewerbe treibenden einer Gegend zu Handclskainmern. Die alten Kreise vor der Kreisordnung waren Chausseebauverbünde. Der Landrat hatte keine Kommunalaufsicht über die Gemeinden. Die reaktionären Krcisausschüsse waren damals unbekannt. Ein Kreisverband dürfte für die neu zu schaffenden großen leistungsfähigen Gemeinden unzweifelhaft nützlich und deshalb beizubehalten sein. Für die Kreiseingesessenen aber wäre dasselbe Wahlrecht zu fordern wie für die Gemeinde- eingesessenen, nämlich ein direktes, geheimes und gleiches, nach welchem sie den Landrat zu wählen hätten. Nach einem solchen Wahlrecht würden wohl kaum noch Landräte gewählt werden, die die städtische Entwickelung hemmen und die Land- leute gegen die Stadt, die Stadt gegen die Landleute ausspielen. Die Kreisverttetung würde nicht mehr aus Junkern und großen Oekonomcn bestehen mit einem schüchternen Stadttat als ängstlichen Vertreter städtischer Interessen. Von selbst versteht sich, daß Landrat und Kreisverttetung keine Rechte über die Gemeinden erhalten dürften, sondern ein sich"aus der Zusaninieufassung mehrerer Gemeinden ergebendes Arbeitsgebiet hergestellt würde, das ebenso, wie früher vor der Kreisordnung, vor allem interlokal sein und im Wege- und Bahnbau, Ärbeitsvermittelungserrichtung, dem Bau von elckttischen Zentralen, Abdeckereien usw. bestehen würde. Es gibt in der Verwaltung eine ganze Reihe von Aufgaben, die nicht lokal, sondern am besten interlokal zu lösen sind, wie die schon erwähnten. Diese Aufgaben ergeben sich von selbst. Die Abgrenzung gegenüber den Gcmeindeaufgaben ist sehr viel leichter, als man sich denkt. In der Tat haben sich jetzt schon die Kreise öfters dieser Aufgaben bemächtigt. I Da aber im Kreise so viel minderwertige unentwickelte« Zwerggemeinden liegen, geht vielfach der Kreis ganz munter an Gemeindeaufgaben heran, errichtet Krankenhäuser, Spar- kassen, kurz, benimmt sich so, als ob er die Gemeinde sei und den einzelnen Gemeinden ihre Aufgaben abnehmen dürfe. Die Bedeutungslosigkeit der Gemeinde wird dadurch immer größer, und das ist vor allem politisch von den übelsten Folgen. Großstädte zeigen, daß alle lokalen Aufgaben sehr viel besser und fast ohne politischen Einschlag durch die Gemeinde erfüllt werden können. Sie nmß nur groß und leistungsfähig und demokratisch der- waltet sein. Die Leistungsfähigkeit hängt zum großen Teil davon ab. daß die Gemeinde Bettiebsunternehmungen hat. Wenn sie groß genug ist, Gasanstalten und Wasserwerke, Badeanstalten und Schlachthöfe, Genieindesäle und Werkanlagen zu errichten. wenn sie den Kredit regelt durch bankmäßigen Ausbau einer Gcmeindesparkasse, wobei heutzutage am meisten zu verdienen ist, dann muß sie eine Menge von Kulturaufgaben erfüllen können, besser als der in aristokratischer Großartigkeit bisher mit Gemeindegeldern wirtschaftende Kreis. Mit ihm dürfte die Gemeinde nur das weiter verbinden, daß er aus niedrig zu haltenden Abgaben für gewisse, ebenso wie jetzt bei der Provinz genau angegebene interlokale Zwecke Sorge trägt. Dann wäre auch nicht der Kampf um gewisse Stcucrsortcn zwischen Kreis und Gemeinde länger möglich. Beide wollen Umsatzsteuer, Wert- zuwachssteuer, 5lonzessionssteuer usw. haben. Beide machen Zuschläge zur Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Grundsteuer. Eine Kreisverwaltung, rein technisch wie heutzutage die preußische Provinzialvertoaltung mit zwei bestimmten Auf- gaben, wie diese, würde der Gemeindeverwaltung eine Stütze und Ergänzung sein und nicht länger eine Bremse und eine politische Aufsichtsbehörde./ Für die Gemeinde sowohl wie für dsc Kreisverwaltung würde eine gemeinsame Aussichtsbehörde genügen, nämlich die Bezirksregierung, die durchweg kollegial zu gestalten wäre. Daß daneben noch ein Oberpräsident bestände, der politische Beamte für die technischen Behörden der Provinz und für die enge Fühlung der Regierung mit dem Landadel, wäre völlig überflüssig. Die technischen Behörden haben Aufsicht genug in den Ministerien. Die doppelte Aufsichtsbehörde für Kreis und Stadtgemeinde ist zudem schon deshalb überflüssig, weil die Entscheidungen des Oberpräsidenten ja doch nie von der der Regierung abweichen. Für die Ausübung der Aufficht brauchen wir nicht eine Beschwerdebehörde, sondern einen Rechtszug an ein Gericht, nicht aus Regierungsräten, sondern an ein völlig unabhängiges ordentliches Gericht. Oer lüiesenßampf in Schwede». (Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stockholm, den 6. September. Seit die teilweise Wiederaufnahme der Arbeit beschlossene Sache ist, sind Massen von Streikenden, die die Zeit des Kampfes auf dem Lande verbrachten, nach der Stadt zurückgekehrt. Auch heute früh mit den ersten Zügen kamen große Scharen von Arbeitern an, um sich, der Parole der Landesorganifation folgend, den Arbeitgebern wieder zur Verfügung zu stellen. In der Stadt sah man größere und kleinere Trupps nach den Betrieben marschieren, oder auch nach dem Volkshaus. Hier und da auf den Straßen sah man Gruppen von Arbeitern stehen, die eifrig über die Wiederaufnahme der Arbeit berieten. Wie bei Beendigung jedes großen Kampfes glauben die Ulitemehnier auch hier zum Teil, den Streikenden gewisse Be- dingungen vorschreiben oder eine Auswahl treffen zu können. Daß die Arbeiter darauf nicht so ohne weiteres eingehen, ist ja klar, denn ihr KanipfeSmut ist keineswegs gebrochen. So geht denn auch die Arbeitsaufnahme nicht überall so schnell vor sich, wie das Unter- nehmertum, wenn es selbst an die vielen von ihm in die Welt ge- setzten Nachrichten von Mutlosigkeit im Lager der Streikenden geglaubt hat, erwartete. Wenn es in dem Uebereiukommen heißt, daß die Arbeit bei den Arbeitgebern, die nicht Mitglied der Arbeitgeber- Vereinigung sind, in dem Maße wieder aufgenommen werden soll, wie es geschehen kann, so ist damit natürlich nicht gesagt, daß die Arbeiter sich in den einzelnen Betrieben ein Aussuchen der dem Unternehmer angenehmen oder weniger unangenehmen Leute gefallen lassen müssen. Jene Worte können natürlich nur den Sinn haben, daß, wo technische Schwierigkeiten es erfordern, die Wieder- aufnähme der Arbeit erst nach und nach erfolgen kann. Wo die Arbeit- geber sich dieser vernünftigen Auffassung gefügt haben, wird denn auch im allgemeinen die Arbeit fortgesetzt. Man sieht wieder Fabrik- schornsieine rauchen und hört wieder, daß gearbeitet wird. Allerdings nicht überall, denn der größere Teil der Arbeiter- schaft steht ja noch im Kampfe. Die Negierung will mit ihrer zugesagten Vermittelung zur endgültigen Beilegung des Kampfes offenbar noch einige Tage warten, uni zu sehen, ob das Uebereinkommen durchgeführt wird. Die Haltung der Streikenden und Ausgesperrten zeigt aber deutlich, daß die Ausdauer der Arbeiterschaft im Kampfe immer noch auZhält, daß auch sie noch warten kann. Die für heute zur Wiederausiiahme der Arbeit be- stimmten Streikenden kommen nicht als Sklaven oder Besiegte zum Unternehmer zurück, sondern als freie, organisierte Arveiter, und diejenigen, die bcstinunt sind, weiter zu kämpfen, harren aus, so lange es sein muß. Auch die Typographen, die hier bislang noch keine großen Streiks durchgemacht haben, wollen sich ein Aussuchen des Personals durch den Unternehmer nicht gefallen lassen. Daß sie in der Haupt- stadt und auch in einigen anderen Städten die Arbeit in den Offizinen nur wieder aufnehmen wollen, wenn das gesamte Personal wieder eingestellt wird, verzögert natürlich auch die Wiederaufnahme der Arbeit. Wie mir mitgeteilt wird, suchen die Prinzipale im Buch- und Zeitungsdruckgewerbe hier immer mehr Typographen aus Dentschland heranzuziehen, die natürlich, so lange das alte Personal nicht wieder eingestellt ist, als Streikbrecher zu be- trachten sind. Die Prinzipale haben versucht, das im Auslände untergebrachte Vermögen des TypographenverbandeS auf Grund ihrer Schadenersatzklage mit Beschlag belegen zu lassen; es ist ihnen aber nicht gelungen, und bis der Prozeß zur Entscheidung kommt, darüber wird wohl noch einige Zeit vergehen. Im übrigen ist auch für alle Fälle dafür gesorgt, daß den schwedischen Typographen die internationale Unterstützung ihrer Verufsgenossen zu teil wird, falls die Prinzipale versuchen sollten, die Organisation anzugreifen. „Svaret" hat jetzt seine Laufbahn beendet, nachdem von morgen ab „Sozialdemokraten" wie die übrigen Parteiorgane wieder erscheinen. Das Blatt, dessen ersten zehn Nummern in einer Auflage von 150 000 herauskamen und das dann in 100 000 Exemplaren erschien, ist für die Geschichte der modernen Arveiterbewegung von ganz besonderer Bedeutung. Es diente bekanntlich als Mitteilungs- blatt des Landessckretariats, nachdem die Typographen sich dem Massenstreik angeschlossen und wie überall so auch in der sozialdemokratischen Presse die Arbeit eingestellt hatten. Der Redakteur Genosse Magnussen gibt in„Svarets" letzter Nummer eine Ucbersicht über die Geschichte dieses merkwürdigen Organs der streikenden Arbeiterschaft. Er führt darin auch aus, daß der Typo- graphenstreik nicht die Wirkung gehabt hat, die man erwartete, daß aber das nicht den Typographen zur Last gelegt werden kann, die ihre Pflicht gegenüber der kämpfenden Arbeiterschaft erfüllten. Man hat auch die Frage erwogen, ob„Svaret" nicht als Nach- mittagsblatt weiter erscheinen sollte neben der Parteipresse, aber es war von Anfang an als Organ der allgemeinen Arbeitsein- stellung von 1009 gedacht und hat in dieser Hinsicht seine Aufgabe voll erfüllt, wenn der Kampf selbst auch für die größere Hälfte noch nicht beendet ist. « Ueber die heutige Lage in Schweden meldet uns folgende Privatdepesche: Stockholm, den 7. September. Der Kampf gegen den schwedischen Arbcitgebcrvcrein wird mit unverminderter Kraft fortgesetzt. Rund 165000 Arbeiter werdennach der Frontänderung im Kampfe verbleiben. Die Stim- inung unter den Kämpfenden ist wie ihre Entschlossenheit «ng eb ro che». Die Wiederaufnahme der Arbeit bei den Nnternehmcrgruppeu, mit denen eine Uebcrcinkunft getroffen wurde, ist erfolgt. Betroffen werden davon rund 100 000 Arbeiter. Wie viele davon bereits in Arbeit treten können bezw. getreten sind, konnte noch nicht festgestellt werden. Die Gemeinden und die Straßenvahngescllschaften fordern von de» zur Arbeit wiederkehrenden Arbeitern die Unterschrift persön- lichcr Verträge. Da diese Bedingungen»nannchmbar sind, ver- weigern die betreffenden Arbritergruppc» selbstverständlich die Wiederaufnahme der Arbeit. Eine Bercinbarnng konnte in diesen Fälle» nicht getroffen werden. Ssz Manifest des italienischen Komitees gegen den?sren. > Rom, 4. September. Der„Avantt" veröffentlicht das Manifest, das das Zentral- komitee gegen den Zarenbesuch an das italienische Volk richtet. Es hat folgenden Wortlaut: Mitbürger! Der Mann, den Ihr aus Solidarität mit einem bedrückten Volke vor Jahren zurückwieset, versucht noch einmal, unseren Boden durch seinen Besuch zu beflecken. Dem neuen Versuch müßt Ihr, wie vor Jahren, Euren energischen Protest entgegenstellen.denn Nikolaus II. ist heute fluchwürdiger als gestern, weil noch mehr besudelt mit dem Blute seines Volkes. Tie konstitutionellen Allüren, die Rußland dem Auslande gegen- über annimmt, sind nur eine Maske, durch die es bei den Kultur- ländern moralische und materielle Stütze sucht. In seiner inneren Politik herrscht aber das offizielle Rußland noch immer mit un- beschränkter Autokratie. Laßt Euch nicht irreführen: der russische Henker arbeitet ohne Siast. Die russischen Galgen sind nie leer, die Vertreter des russischen Volkes werden nach Sibirien verschickt, und das Geld, das man dem Volke abpreßt oder aus dem Ausland zu- sammenbettelt. dient nur dazu, die verworfensten Teile der Be- völkerung gegen die mächtig wiedererstehende Kraft der Revo- lution zu bewaffnen. Nein, nicht als Vertreter einer Kulturnation und eines kon» stitutionellen Regimes kann dieser Mann den Fuß auf italienischen Boden setzen. Er ist unmittelbar verantwortlich und mitschuldig an den furchtbaren Metzeleien, unter denen Rußland jammert, die Euch seit Jahr und Tag mit Ausdrücken der Wut und des Schmerzes von derselben Presse berichtet wurden, deren Servi- lismuS Euch heute bestimmen möchte, dem Mörder Gastfreund- schaft zu gewähren. Mitbürger! Wenn man Euch von Bündnissen mit Rußland spricht, die an Eurer feindlichen Haltung scheitern könnten, so antwortet, daß nur die Bündnisse von Dauer sind, die die Sym- pathie des Volkes umgibt. Ehrliche Bündnisse entstehen nicht aus Diplomatenkünsten, sondern aus einem Bund der Völker: nicht zwischen Völkern und den Schlächtern eines Volkes. Nikolaus II. ist der höchste, treueste und perverseste Ausdruck der „schwarzen Bande", der„echten russischen Leute", die um den Preis jeder Grausamkeit Rußland im Joch des Despotismus er- halten möchten. Die echten Vertreter des gekrönten Mörders sind Azew, Harting, die Lockspitzel, die Söldlinge der Polizei, die unter dem Schutz des Zaren Attentate vorbereiten, um die Helden der Revolution an den Galgen zu bringen. Wenn man es wagt, Euch an den Heldenmut.cher russischen Matrosen in Messina zu erinnern und aus ihm Verpflichtungen gegen den Zarismus abzuleiten, so antwortet, daß nie herrlichere Selbstaufopferung Gegenstand einer gemeineren Spekulation war, daß nie eine edle Handlung infamer profaniert worden ist. Denkt daran, daß die in Messina zur Hilfe geeilten Matrosen die Brüder jener Matrosen find, die für die Freiheit Rußlands die Fahne der Revolution vom baltischen bis zum schwarzen Meere gehißt und die Tage von Kronstadt und den Namen de? „Potemtin" mit Ruhm umgeben haben, daß sie die Söhne und Brüder der Helden sind, die die russische Reaktion mit der rohesten Gewalt zu vernichten sucht. Wenn jene Matrosen die echten Untertanen ihres Zaren gewesen wären ,so hätten sie die Toten geschändet, hätten Beute gemacht in der Finsternis des Unglücks, hätten den wehrlosen Opfern Gewalt angetan: Sie hätten, kurz gesagt, die ganze erstaunliche Verbrechervirtuosität gezeigt, die die echten Untertanen des Zaren immer gegen das Volt, gegen die Arbeiterklasse, gegen die revolutionären Elemente wie bei den periodisch organisierten Judenmetzeleien entfalten. Die russischen Matrosen, die auf dem Felde der menschlichen Soli- darität Hilfe brachten und den Tod fanden, haben sicher nicht daran gedacht, daß ihr Werk und ihre Aufopferung je dazu dienen sollten, den Zarismus zu rehabilitieren. Und wir werden nicht Verrat üben an ihrem Heldentum und ihrem Erbarmen. Nein, gerade die Erinnerung an ihr Werk wird unsere Emp- findung schärfen für den Schrei der gequälten Menschheit aus Sibirien� aus den Gefängnissen, aus Pen großen Städten und den kleinsten Weilern Rußlands, für den Schrei, der die Kultur- Menschheit um Hilfe anruft. Mitbürger! Sobald man erfuhr, daß der Zar eine Reise durch Europa unternehmen würde, haben die russischen Revo- lutionäre alle Völker aufgefordert, dem Autokraten den Weg zu versperren und ihn als Gefangenen zu erhalten der eigenen Ver- brechen und des tragischen Geschicks, das ihn erwartet. Dieser Appell verhallte nicht ungehört. Er genügte, um den Zaren ab- zuhalten, irgendwo den Fuß auf festes Land zu setzen, wo ein Kulturvolk lebt und empfindet. Die Empfangsfcstlichkeiten, die ihm die Regierungen bereiten, wie sie sie einem Pestkranken be- reiten würden, indem sie selbst über das freie Meer den Be- lagcrungszustand verhängen, bestätigen nur die Wirksamkeit des Appells der russischen Revolutionäre, denn sie sind nichts als Formalitäten trockener Diplomatie, denen die öffentliche Meinung des Volkes gänzlich fremd bleibt. Schweden, England, Deutschland, Frankreich, haben schon großartige Protestkundgebungen veranstaltet: unser Volk, von dem der erste Protest ausging, wird nicht hinter den anderen zurückbleiben. Ueber Stunde und Art wird Euer Exekutiv- komitee befinden. Euch allen.Bürger Italiens, liegt es ob, schon jetzt aus die Gemüter einzuwirken, damit die Kundgebung in ihrer Wucht und Strenge Eurer Traditionen würdig sei und der angstvollen Erwartung eines gemarterten Volkes. Es lebe das fteie Rußland auf den �Trümmern der Auto- kratie! Es folgt nun eine Zahl von Unterschriften, unter denen wir von bürgerlichen Namen den Giuseppe Sergis hervorheben, des Professors der Anthropologie an der Universität Rom, ferner den des Bildhauers B i o n d i. Die übrigen Unterzeichner sind Parteigenossen oder Syndikalisten. Genannt seien die Genossen G no cch i-Vi an i, Dugöni, Giovanni Lerda, S u z z a n i und die Genossin Altobell i. Sie ist das einzige Mitglied des Parteivorstandes, das unterschrieben hat. Von der Parlamentsfraktion fehlen 24 Namen, darunter B i ffo lati, Zerboglio, Treves, Cabrini, Rondant, Montemartini. Badaloni, Pescetti, Ciccotti, Chiesa, Andrea Costa, Enrico und Giacomo Ferri. Für das Komitee zeichnet Genosse Morgari, Zerbint, S o t t o v i a für die Anarchisten Roms, Bella für die sozia- listische Jugendorganisation, die zur Partei gehört, und P a c e für die außerhalb der Partei stehende sozialistische Jugendorganisation. politilcbe GeberlicKt. Berlin, den 7. September 1909. Der Donaueschinger Hilfsfonds. Verschiedentlich haben wir auf die eigenartige Verteilung des für die notleidenden Abgebrannten Donaueschingens gesammelten Hilfsfonds hingewiesen und Aufklärung über die Verwendung der Gelder verlangt. Lange hat das Hilfskomitee gezögert. Jetzt hat es aber endlich die Schlußrechnung über die Verteilung der Hilfs- gelber für die Opfer der Brandkatastrophe in Donaucschingen ver- öffentlicht. Sie bestätigt die in den letzten Tagen an dieser Stelle mehrfach ausgesprochene Vermutung, daß auch besitzende Abgebrannte von den Hilfsgeldern nahmen, was sie bekommen konnten. Die Ab- rechnung ergibt sogar, daß der mehrfache Millionär, Großindustrielle und Großagrarier, Besitzer von Gütern in drei europäischen Neichen, Fürst v. Fürstenberg, durch die Art der Verteilung die Summe von 80000 M. geschenkt erhalten hat. Da an Hilssgeldern inkl. Naturalien 1 138 000 M. eingingen und rund 000 000 M. zur Verteilung an die Abgebrannten kamen, überwies man der Stadt für das zerstörte Rathaus und für sonstigen Schaden 200 000 M. Man wollte verhüten, daß in diesem und den nächsten paar Jahren die Kommunalsteuern stark erhöht werden müßten. Nun zahlt die Fürstenbergsche Staudesherrschaft in Donau- eschingen allein durch ihre ausgedehnten Besitzungen halb Donau- eschingen gehört Fürstenberg— 40 Proz. der Kommunal steuern. Durch die 200 000 M. ersparte man dem Fürsten von Fiirstenberg die Zahlung von 80000 M. Kommunal- st e u e r n. Und dazu haben im vorigen Jahre Hunderte armer Leute ihr Scherflein beigetragen! Die Geschichte des Donaueschinger Hilfsfonds lehrt, daß man bei ähnlichen Gelegenheiten bestimmte Garantien festlegen muß, damit nicht wieder um ihr Dasein schwer ringende Arbeiter gewissen Kapitalisten zur Vermögensvermehrung verhelfen. Ganz beiläufig bemerkt, erhielten aus dem Hilfsfonds die ver- sicherten Mobiliarbeschädigten 17 Proz. ihres Schadens, die nicht versicherten 42—45 Proz. Den abgebrannten Hausbesitzern wurden die Abräumungsarbeiten mit 600 M. pro Haus und außerdem noch 23 Proz. ihres Schadens vergütet. Wohlgemerkt, dies alles außer der Entschädigung, die die Feuerversicherungen zu decke» hatten. Gar manche der Abgebrannten sind heute besser daran als vor der Brand- katastrophe, ganz abgesehen davon, daß sie in modern gebauten und neu eingerichteten Häusern wohnen. Konservatives Terzett./ In der konservativen Presse ist ein höchst amüsanter Streit um die Taktik entbrannt. Bisher polemisierten nur der fromme„Neichsbote" und das Blatt der Hammerstein- Epigonen, die„Kreuz-Ztg.", miteinander, und zwar deshalb. weil der„Reichsbote" der konservativen Parteileitung fehlerhafte Taktik, Ueberschreitung der Grenzen berechtigten Land- wirtschutzeZ, agrarische Uebertreibungen, zu große Nach- giebigkeit gegen die Forderungen des Bundes der Land- Wirte usw. vorgeworfen hatte. In ihrer Antwort auf die Vorwürfe des„Reichsboten" hat nun aber die„Kreuz- Zeitung" offen zugegeben, daß der Bund der Landwirte tat- sächlich manchmal zu ausschließlich die agrarischen Interessen verfochten habe, und daß daher sie, die„Kreuz-Zeitung", oft genug genötigt gewesen sei.„den agitatorischen Uebertreibungen des Bundes der Landwirte entgegenzutreten". Erbost ob dieses Zugeständnisses an die Auffassung der„Kreuz- Ztg." begann heute früh auch die„Deutsche Tageszeitung" sich in das schöne Flötcnkonzert zu mischen, indem sie sich zugleich gegen den„ReichSboten" und das Organ der Hammer- und Kalcksteine Ivandte. „Agitatorische Schärfen," meinte sie in ihrer Polemi! gegen die„Kreuz-Ztg.",„kommen überall einmal vor; vor Ueber- treibungen aber hat sich der Bund der Land- Wirte stets gelvissenhast gehütet; und jedenfalls hat er in seiner ganzen Agitation nichts aufzuweisen, das etwa dem Wort von dem„Raubzuge" der neuen Steuern auch nur von weitem ähnlich sähe, das der nationalliberale Führer auf der Reichstagstribüne zu gebrauchen sich nicht gescheut hat. Daß ferner die Haltung des Bundes beim Zolltarif keine Uebertreibung bedeutete, haben wir zu oft nachgewiesen, als daß eine neue Erörterung irgend welchen Reiz für unsere Leser haben könnte. Wenn aber die„Kreuz-Ztg." meint, der Bund der Landwirte habe„mit seiner einseitigen Bekämpfung der Reichs- steuer auf das Erbe der Ehegatten und Kinder als einer Vorzugs- weise die Landwirtschaft belastenden Steuer einen Fehler be- gangen, der sich jetzt an ihm selber rächen kann." so können wir dieser durch nichts gerechtfertigten Behauptung nur wieder ent- gegenhalten, daß es besser um das Verständnis des Volkes für das große nationale Werk der Finanzreform stehen würde, wenn die konservative Partei dasselbe wie der Bund der Landwirte in-der Aufklärung über die Bedeutung der Erbschaftssteuer geleistet hätte... Endlich meint die„Kreuz-Zeitung" noch, von einer Aenderung der konservativen Parteipolitik in agrarischen Angelegenheiten sei nicht die Rede.„Geändert hat sich höchstens die Haltung des Bundes der Landwirte, der unter dem erziehenden Einflüsse der konservativen Elemente in Form und In- halt seiner Agitation gemäßigter worden ist." Die„Kreuz- Zeitung" müßte wirtlich wissen, daß von einer Aende- rung des Inhalts der Bundesagitation absolut nicht die Rede sein kann; über den anderen Teil ihres letzten Satzes gehen wir wohl am besten mit nachsichtig-ver- st e h e n d e ni L ä ch e l n hinweg." Darauf hätte nun wieder die„Kreuz-Ztg." das Wort. Leider scheinen wir jedoch um den Genuß kommen zu sollen. daß in dieser Weise das Terzett fortgesetzt Ivird, denn in ihrer letzten Abendnummer druckt die„Kreuz-Zeitung" einfach die Erwiderung des„Reichsboten" ab und fügt lakonisch hinzu: „Zu Bemerkungen gibt uns diese Erwiderung des„Reichs- boten" keine Veranlassung; sie schien uns aber doch interessant genug, sie unseren Lesern vollinhaltlich mitzuteilen." Und zu- gleich bringt die„Deutsche Tagesztg." ein mit der bekannten Kognakmarke(Chefredakteur Dr. Georg Oertel) unterzeichnetes „Letztes Wort", in dem das Blatt ankündigt, daß es ein Weiterspinnen der Auseinandersetzungen nicht für an- gebracht hält, da dabei„verzweifelt wenig Greif- bares" herauskäme und überdies die Konservativen aller Richtungen so viele gemeinsame Gegner Hütten, daß es nicht- nötig sei, daß sie selbst gegen einander loszögen. Allem Anscheine nach hat die konservative Parteileitung im EinVerstand mit dem Vorstand des Bundes der Landwirte Ruhe geboten. Schade darum, die Melodie fing gerade an. recht interessant zu werden._ Von der„loyalen" Ausführung des Vereinsgesetzes. In der Auslegung des VereiusgesetzeS hat die Polizei- direltion in Braunschweig wohl jetzt den Vogel abgeschossen. Sie bedachte den Vorsitzenden des Transport- arbeiter-VerbandeS in Braun schweig, den Genossen B ä r s ch, mit zwei Strafmandaten über je 15 M., weil er eine öffentliche politische Versammlung ein- berufen und geleitet, aber nicht angemeldet haben sollte. Die Polizei hatte dabei absolut keine Ahnung, was in der Versammlung gesprochen worden war. Ganz auf gut Glück hin hat sie sich einige Genossen zur Vernehmung geladen, von denen sie annahm, daß sie die Versammlung besucht hätten. Alle Ver- nommenen haben bestritten, daß politische Dinge besprochen worden sind. Trotzdem erließ die Polizeidirektion Strasinandate. Am Montag, 6. September, kam der Fall vor dem Schöffen- gericht in Braun schlveig zum AuStrag. Auch nicht den gering st en Nachweis vermochte die Polizei für ihre An- schuldiguug zu erbringen! Aber der Vertreter der Staatsanwaltschaft, ein junger strebsamer Herr, kam ihr zu Hilfe. Er verlangte Be- strafung des Genossen Barsch, auch wenn die Polizei nichts über die Versammlung wisse. Die Versammlung sei eine öffentliche politische gewesen, weil sich 1. aus dem Wortlaut der Einladung auf d i e sozialdemokratische Tendenz der Versa nrmlnng schließen lasse, weil 2. der Referent Redakteur des sozialdemokratischen„VotkSfreund"(Genosse Wagner) sei. und loeil 3. der Angeklagte Vorsitzender der Verwaltungsstelle eines Verbandes sei, der unter sozialdemokratischer Leitung stehe.— Dabei lautete das Thema des Referenten: „Warum tut allen Arbeitern die gewerkschaft- liche Organisation dringend not?", und in der Ver- sammlungSeinladung war nicht ein Wort enthalten, was auch nur den geringsten Verdacht hätte erwecken können, daß die Ver- sammlung eine politische sei; eS sei denn, daß der Vertreter der Staatsanwaltschaft die allerdings nicht verwunderliche Anschauung vertreten will, daß es sozialdemokratisch sei, wenn den Arbeitern gesagt wird, daß sie 12, 13 Stunden und länger arbeiten müssen bei einem Wochenlohn von 18, 20 bis 24 M. und daß eine Familie davon nicht ernährt werden kann.— Das Gericht sprach den An- geklagten selbstverständlich frei. Ein zweiter Fall spielt wieder in Schlesien. Letzten Sonntag sollte in Wolfsdorf, Kreis Goldberg-Haynau. eine öffentliche politische Versmnmlung unter freiem Himmel statt- finden, in der über die neuen Steuern gesprochen werden sollte. Auf vorschriftsmäßige Anmeldung erhielt der Einberufer folgenden Bescheid: „WolfSdorf, den 1. September 1009. Die Genehmigung wird aus folgenden Gründen verweigert: Das Grundstück ist zur Abhaltung von Versammlungen zu klein und ist daher anzunehmen, daß der öffentliche Verkehr auf dcr Dorfstraße behindert wird, zumal da sich an diesem Tage größere Truppenmassen im Dorfe befinden. Der Amtsvorstcher Scheller." DaS Grundstück ist aber nicht zu klein, eS ist zirka 2500 Quadratmeter groß und bietet Raum für 5000 Per- s o ii e n. ES liegt von der Dorfstraße reichlich 20 Meter entfernt, kann von dieser nicht gesehen werden und hat außerdem keinen direkten Zugang von der Dorfstraße auS, sondern dieser geht durch ein Gehöft. Die nicht genehmigte Versammlung sollte die erste politische sein, die überhaupt in WolfSdorf abgehalten wird. Der AmtSvorstehcr, der nicht über die neuen Steuern sprechen lassen wollte, ist Pächter zweier der königlichen Ritterakadcmie Liegnitz gehörenden Rittergüter und ist als solcher Besitzer etiler Schnapsbrennerei und Empfänger von Schnapsliebesgaben._ Der verbesserte Deknmeron. Noch nie ist ein Politiker und OrganisationSsührer von einem vernichtenderen Schlage getroffen worden» als Herr Schock, Reichstagsabgeordneter und Vorsitzeuder des Deutschnationalen HandlungSgehilfenverbandeS. Schack ist nach seiner Triolen-Affäre nicht nur als Abgeordneter und Leiter eines Verbandes eine total unmögliche Figur geworden, er ist fortan auch für jede Gesellschaft unmöglich. I» einem EntschuldigungSbrief an das auserkorene Opfer der Schackschen Familienperversität wagt Schack davon zu reden, daß die Familie Schack„für den praktischen Sinn der meisten Menschen etwas zu romantisch veranlagt" sei. In der Tat, für die Schack-Romantik ist die heutige Zeit zu „praktisch", zu prosaisch. Sie findet höchstens in BocaccioS kichernden Novellen eine Art Seitenstück. Dort erwischt ein gehörnter Ehemann nämlich nächtens im Bette seiner Frau einen schönen Jüngling, für den er alsbald in heißer Liebe entbrennt. AIS der Jüngling am Morgen entlassen wird, weiß er selbst nicht, ob er eigentlich der Geliebte der Frau oder ihres ManneS ist. Just so. nur im Geschlechtlichen umgekehrt, ist'S auch bei Herrn Schack. Eine tolle Dekamcron-Schnurre, über die man zur Zeit der heidnisch- welschen Renaissance lachte, die aber unser christlich-germauisches Zeitalter bitter ernst nimmt. Und Herr Schack war ja selbst einer der christlich-gcrinanischcn Tugendwächter. der die d e u t s ch e S i t t e, die Ehe als unantastbare Sakramente pries. In einem der vom Deutschnationalen Verbände herausgegebenen Hefte eiferte der heim- liche Renaissance-Mensch Schack: g daß dieser und jener„Kaufmann" die weiblichen Arbeitskräfte nicht nur deshalb den männlichen vorzieht, weil sie anzeblich besser arbeiten und nebenbei billiger und weit niehr gefügig sind, sondern weil er sich auch ganz in, Stillen eine gewisse orientalische Einrichtung leisten möchte, die wohl den, Sultan gestattet, aber hier in Deutschland Verboten ist." Noch am 15. Juni klagte ein anderes Organ des Herrn Schock, die„Deutsche Handels wacht", über unsittliche Theatervorstellungen und ebensolche Literatur: „DaS traurigste Zeichen aber für die völkische Verkommenheit vieler unserer Mitbrüder ist, daß sie sich solche Produkte der kokettenhastesten Ungeniertheit gefallen lassen, obwohl sie Sturm rennen gegen die beiden höchsten Heiligtümer des deutschen Volkes: gegen das Heerund gegendie Ehe." In einer von Herrn Schuck im Jahre 1904 herausgegebenen Schrift„Zur Frauenarbeit im Handclsgswerbe"(Seite 43) heißt es: „Wäre es nicht Pharisäertum, den Stab über ein junges Ge- schöpf zu brechen, das den Verlockungen eines„Freun- des" folgt, um auch etwas von der schönen Welt um sie her zu genießen? Und doch führt auch hier jeder Schritt abseits vom Wege nur zu leicht auf eine abschüssige Bahn, wo im Hintergrunde der Moloch der Prostitution lauert, der jährlich so viele Tausende junger, blühender Mädchenopfer fordert." Wenn man jetzt in jeden. Lokal mit Fingem auf den Verehrer der ehelichen Triole weist, mag Herr Schack zerknirscht an seine Brust schlagen und gleich Gleichen am Brunnen seufzen: „Wie könnt ich über andrer Sünden Nicht Worte g'nug der Zunge finden I" Die Abschaffung der erste» Wagenklasse auf den preußischen Staatsbahnen wird am 1. Oktober weitere Fortschritte machen. Nach dem Entwurf zum Winterfahrplan wird die erste Klasse insbesondere auö einer Reihe von Personenzügen auf der Strecke zwischen Berlin und Frankfurt a. M. zurückgezogen. Strafexerzieren— Kadavergehorsam— Militärjustiz! Ein Prozeß, der grelle Streiflichter auf die Zustände in unserem Militarismus wirst, wurde jetzt vor dem Oberkriegsgericht in Dresden verhandelt. Wegen Achtungsverletzung, Ungehorsams, Beharrens im Ungehorsam. Ge- horsamsverweigerung und Drohung war der Ulan Lorenz vom Ulancn-Regiment Nr. 17 angeklagt. Am 23. Juni mußte L. nebst 15 Kameraden am Strafexerzieren teilnehmen. welches bei strömendem Regen auf der völlig durchnäßten und weichen Reitbahn abgehalten wurde. Schon vorher äußerte der Sergeant:„Wenn ich Strafexerzieren habe, könnt Ihr Euch gratulieren I" Gleich zu Anfang mußten die Soldaten auf Befehl des Sergeanten Casepr zirka eine viertel Stunde lang in dem Schmutz Laufschritt mackien! Weiter mußten sie in den Kot. worin sie bald stecken blieben, Parademarsch„üben" und sich des öfteren lang in den Dreck werfen 1 1 Die Pausen wurden dann wieder mit Laufschritt ausgefüllt! Durch diese Strapazen wurden die Soldaten überanstrengt und einige blieben erschöpft zurück. Der Ulan Lorenz fing schließlich vor Erschöpfung an zu stöhnen, was der Sergeant als Murren auffaßte und auf sich bezog! Im Verlauf des Exerzierens sagte der Angeklagte zu einem Kameraden:„Ich weiß gar nicht. warum ich Strafexerzieren mitmachen muß l" Als schließlich die Soldaten abermals Laufschritt machen mußten, war Lorenz infolge Seitenstechens nicht mehr imstande, schnell zu laufen; er ging deshalb nur im Schritt. Wegen dieser „Frechheit" zur Rede gestellt, soll B. eine„unmilitärische" Stellung -ingeimmmen und schließlich geäußert haben:„Ich bin so gebaut!" Töllner 4,25. Sparverein„Biel Glück« 10,—. D. A. M. B. x,—. Kollegen b. Kraus 5,60. Kollegen b. A. Schülke Nachf., 2. Rate 17,35. Stammgäste bei P. Dietrich 3,55. Kollegen bei Gebr. Müller 5,70. Krolls Buchdruckerei 5,85. Pflanzerverein»Frisch aus«, Lichtenberg 5,—. Buwdruckerei des.Vorwärts«, Zeilungsabteil., 4. Rate 100,—. Kollegen bei H. Kühne 7,15. Sechserkasse der Gießerei Hartmann 5,—. 3163 Kollegen d.»Fndustria«, 2. Rate 37,40. 3007 Kollegen b. Pinkus 15,80. 7629 Per- sonal der Druckerei Huber, 2. Rate 4,80. 3003 I. C. Psaff, Saal IV 4 75. 7643 Buchdruckerei Theinhardt 6,05. Wilmersdorf 30—. 8153 Pers. b. Kühn u. Söhne 27,30. 6158 Kollegen v. Bau Schulz, Steglitz, Hardenbergstr. 15,85. 7373 Organisierte b. Reiß u. Martin 11,40. Zwei Brüder aus Lichtenberg 2,—. Tischlerei Lücke 6.—. Wcrlstelle C. Luckat 2,50. Tischlerei v. Krauter 2,50. 7645 Buchdruckerei von Gebhardt, Jahn und Land, 4. Rate 22,15. 7656 Buchdruckerei Simion Nachf, 3. Rate 10,—. Personal der Feisterschen Buch- druckerei 5,25. 7653 Buchdruckerei Harrwitz Nachf, 2. Rate 10,70. Möbelfabrik Carmen 7,60. 8821 Buchdruckerci Müller u. Trapp 3,80. 7592 Buch- druckerei F. Weber, 2. Rate 5,35. Tischlerei Zellnier u. Bartsch. 2. Rate 14,85. Kollegen und 3 Kolleginnen bei Geutz u. Co., Pianomechaniksabrik 13,40. Tischlerei Oehlschläger 12,35. Kollegen bei Wagner u. Dünnebeil 7,20. 3170 Kollegen bei Werkzeugmaschinen bei Deichen 20,50. 1087 Stollegen bei C. Landmayn, 3. Rate 10,15. Rot 23 3,50. Bildhauer bei P. Schulz 3,50. 8790 Kollegen bei Hilse Nachf., 5, Rate 10,10. 7637 Buchdruckerei S. Seeger, 3. Rate 10,—. 3174 Kollegen bei Zllisch u. Co. 7,25. 3232 Tischlerei Orthmann 6,05. 8033 Kollegen bei Noeske u. Co., Pianino- sabrik, 3. Rate 11,15. Zwei nicht gefeierte Geburtstage, Druckerei A. S. Hermann 10,—. 9008 Gebr. Roll, Schraubensabrik, 4. Rate 17,65. Gesangverein»Borax«, 2. Rate 10,—. Werkstatt Kaune u. Co. 5,25. Tischlerei Mietusch 7.80. Tischlerei Mai u. Co. 10,85. Kollegen von F. P. Krüger, Rixdorf 46,90. 3807 Kollegen bei Georg Killmer 3,20. 7142 Kollegen bei Kubitz u. Imberg 9,45. Kollegen bei G. Klug, Tischlerei 30.—. 6384 12,05. 4362 Hellermann 1,50. 4364 4,30. 4368 1,—. 4367 2,75. 4361 2,55. Sparverein Fester Wille 3,25. 3263 Berliner Verlagsdruckerei 7,85. Tischlerei Kaseloff, 3. Rate 5,50. 3188. 3183 Kollegen bei Gehrs, Eisengießerei, 2. Rate 27,05. 7650 Personal der Druckerei H. Dohm 15,25. Maschinisten und Heizer des»Lokal-Anzeigers« 7,—. Hohljchleiserei Fischer 5,—. Von der östentl. Versammlung der Cafe- angestellten vom 6. eept. 15,30. Zweigvercin der Casöangestellten Berlins aus folgende Listen- 1307 18,50. 1303 4,45. 1310 17,—. 1311 7,40. 1312 5,—. 1313 9,20. 1314 3,30. 1315 2,50. 1316 8,50. 4792 5,80. 4793 13,30. 4794 7,30. 4795 6,50. 4796 5,10. 4797 11,95. 4798 11,—. 4799 4,65. 4800 4,40, 4801 5,50. 1353 15,—. 1354 3,50. 1355 8,—(in Summa 167,85, davon verrechnet 100,—, Rest 67,85).— Tischlerei Thörmer u. Scharlau 5,30. Rohrleger v. Bärensprung 13,—. Kollegen bei Fabricius 5,—. 3176 Kollegen bei Bcnicke u. Co., 2. Rate 22,20. 3172 Kollegen bei Meyer, 3. Rate 6,85. 9082 Kollegen bei M. u. Franz Berndt 54,45. 7652 Buchdr. G. Schack Nachf, 4. Rate 15,30. 1778 Kollegen bei Zwiebusch u. Co., 2. Rate 30,60. Einige Kollegen von Dönniges 2,—. 3152 Montiersaal Lindström, 3. Rate 40,—. Zentralverband aller in der Hut- und Filzwarenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, Ortsverwaltung Berlin, aus solgende Listen: (4. Rate) 7223 Roick 4,75. 7230 Rieck 4,—. 7233 Sriihlich 4,50. 7237 Burkcrt 9,—. 9190 und 9191 Bambus u. Co. 32,55. 9133 Zechelius 11.30. 3204 Berlctt 7,75. 3208 Weiß 7,55. 9209 Kirchhoff 3.—. 3210 Pctag 7.25. 9211 und 3212 Gebr. Gatte! 10,35. 9214 de Roche 6,50. 9218 Gundelach 2,70. 3220 David u. Löwenstein 5,20. 9222 Paschka u. Omstein 11,50. 9223 Pniower 6.35. 9224 Teschner 5,75. 3225 Paul. Seidelstr. 4,90. 3227 Ortskasse der Hutmachcr(Krankenkasse) 6,—. 9223 Blumenthal 9,—. 3230 Neubauer 4,—. 9232 Engel 6,—. 9234 Schilling 9,50. 9236 F.W.Borchert 4,50. 9241 Th. Müller 1,—. 9244 Schlesinger 4,55. 9245 Lichtenftein 12,20 (in Summa; 108,25 M.)— Tischlerei Nickel, Kernicke u. Lehmann, 4. Rate 22,65. Darmarbeiter bei F. u. L., 2. Rate 2,50. Handtuchsahrer bei H. Posner, 4. Rate 6,—. 8329 Metallarbeiter bei R. Weber u. Co., 3. Rate 55,25. Tischlerei Lachse u. Hesse, 3. Rate 15,70. 2223 Tischlerei Rößler, 2. Rate 18,50. 4775 Lederfabrik Salonron 20,35. 6463 Bau Großtops u. Schulz 11,90. Schulbau Wilmersdorf Emserstr., 4. Rate 13,30. Tischlerei Garzinski u. Werner 7,30. 9034 Tischlerei Jkes u Co., 4. Rate 16,35. 7544 Bohrersaal bei Oskar Köhler 12,50. 3035 Kollegen bei Gansereit 3,45. 3863 7.35. 7654 und 7655 Buchdruckerei Strauß, 3. Rate 37,50. Transport« nrbeitcrverband, Verwaltung Oppeln 8,—. Transportarbeiterverband. Berwaltung Schmölln 20,—. Verband der Sattler und Portescuiller, Ortsverwaltung Berlin, 4. Rate, aus solgende Listen, darunter 6 Mark vom Theater» und Vergnügungsverein»Einigkeit 1303« 253,30. Grebenstein 3,—. 7253 15,40. 6126 Bau Müllerstr. 4,55. Tischsabrik Glombitzki u. Koppe, 3. Rate 5,50. Tischlerei Felzer u. Kosser, 4. Rate 10,55. 7740 d. Falk 7,50. 3230 Tischlerei O. Weise 7,15. Buchdruckerci G. Eichler, 4. Rate 3,75. 6144 Gäste von Rößler 10,50. Rahmensabrik M. Nipprasch 5,50. 9003 Goldleistensabrik Adols Werkmeister, 2. Rate 17,55. Transport. arbciterverband. Ortsverwaltung Spandau, Tellcrfammlung 4. Septeniber 1903 8,35. 7625 Personal der Stempelsabrik K. Lehne 7,—. Tischlerei Friedrich, 2. Rat« 15,—. 8764 Tischlerei Adam 5,45. 8042 d. Lansky 13,20. Druckerei W. Köbke, 4. Rate 20,45. 7630 Druckerei Rosentbal u. Co., 4. Rate 20,45. Kronleuchtersabrik P. Rietzel 6,75. 7640 Buchdruckerei Nagel 10,—. 9178 Tclcphonsabrik R. Krüger 15,65. 3251 Möbelfabrik Hoffnung 20,—. Ziseleure bei Rauch 3,—. 6578 Kronleuchtersabrik E. Grimm 27,20. Tischlerei von Krast 10.—. Tischlerei F. Maust 3.75. 9041 Tischlerei von kleines femUeton. Die Entdeckung de? Nordpols. Es ist noch nicht viel mehr als ein Menschenalter her, seit der berühmte englische Nordpolfahrer Rares, der 1876 die höchste bis dahin erreichte nördliche Breite mit 83 Grad M Minuten 26 Sekunden maß, in einem lakonischen Telegramm den Nordpol für unerreichbar erklärte. Lange wurde diese Meinung in weiten Kreisen geteilt und der Nordpol wie das lenkbare Luft- schiff und verschiedenes anderes unter die Dinge gerechnet, an deren Erreichbarkeit kein ernsthafter Mensch glauben könnte. Und jetzt wäre der Nordpol, wenn alles stimmt, gleich von zwei Forschern ent- deckt worden. Denn zu dem Dr. Cook, der seit einigen Tagen die ganze Welt von sich reden macht, ist der Kapitän Peary als zweiter gekommen, der die Ehre in Anspruch nimmt, den Nordpol entdeckt zu haben. PearyS Name hat seit langem unter den Polarforschern einen sehr guten Klang. Er hat schon eine ganze Reihe von Polar- expeditionen unternommen und ist am 21. April 1306 bis zu dem nördlichsten bis dahin erreichten Punkt vorgedrungen, bis 87 Grad 6 Minuten. Zu seiner jetzigen Expedition benutzte er wieder, wie schon 1305/7, den Dampfer„Roosevelt«. Seit dem vorigen Sommer hatte man nichts mehr von Peary gehört; man wußte nur, daß er von Grant-Land aus einen Schlittenvorstoß gegen den Nordpol zu unternehmen beabsichtigte. Nun langen plötzlich von Labrador her mehrere kurze Depeschen an, die zur Kenntnis der Welt bringen, daß Peary am 6. April 1309 den Nordpol erreicht habe. Außer Peary selbst hat noch ein anderer Teilnehmer seiner Expedition, der Mathematiker Mac Millan in die Heimat ein Telegramm geschickt des gleichen Inhalts, daß er am Nordpol gewesen. Den Angaben Pearys wird in Amerika und anderswo kein Mißtrauen entgegengebracht. Das liegt zum Teil an dem großen Ruf, den Peary besitzt, zum Teil an der Tatsache, daß er in Gesellschaft von Weißen war, nicht bloß von ein paar Eskimos be- gleitet, wie Dr. Cook. Cook erwartet nach Telegrammen aus Kopen- Hägen, daß Peary nun für die Wahrheit der Cookschen Angaben Zeugnis ablegen und bekunden werde, daß er— Cook— zuerst am Nordpol gewesen. Diese Erwartung Cooks wird" sich offenbar nicht bestätigen. Denn es liegt schon ein Telegramm von Bartlett, dem Kapitän der»Roosevelt«, vor, wonach Peary keine Spur von Cook gefunden hat. Ferner erhebt Peary nach einem weiteren Telegramm Anspruch darauf, als erster den Nordpol erreicht zu haben. Nun gibt eine der kurzen Depeschen, die bisher die einzigen Lebenszeichen Pearys sind, den 6. April dieses Jahres als den Tag an. an dem Pearv den Nordpol erreichte, während Cook bekanntlich am 21. April vorigen JahreS dagewesen sein will. Danach bezweifelt also Peary entweder, daß Cook zu der von ihm angegebenen Zeit am Nordpol gewesen oder gar, daß Cook überhaupt dort gewesen. Der Streit um den Nordpolfahrer Cook wird also augenscheinlich noch Hjcht sobald zu Ende gehen. Demnächst wird man wohl Genaueres Kanke u. Keber, 3. Rate 13,45. 3253 Klavierarbeiter v. G. Schmechten, 3. Rate 28,40. Kranzüberschuß von W. Kühn 5,10. 8169, 8170 und 8171 Buchbinderei Ashelm, 4. Rate 47,15. Pianosabr. G. Hoffmann 4,—. Bade- wannensabr. v. I. Schiegnitz, 3. Rate 18,20. 3010 Buchdr. A. Scholcm, 4. Rate 14,60. Tischlerei K. Thomas, 3. Rate 15,—. 7644 Buchdr. Lenz u. Co. 16,65. Personal der Luxuspapierfabrik H. Wolf, 4. Rate 50,50. 9182 Tischlerei Dittmar, 3. Rate 20,—. 3016 Buchdruckerei Denier u. Nicolas 11,25. Bau- tischlcr E. Mittag. 2. Etage, 3. Rate 8,50. Schlosser v. Schmutze u. Thiele 3.—. 8941-8944 Dewitt u. Herz 60,75. Töpser v. Truks 3,95. 565 Sattler des Deulslyen Osfiziervereins, 3. Rate 13,60. Leistensabrik Christan 2,35. Tischlerei A. Bänger, 3. Rate 20,—. 7693 Buchdruckern G. Heinicke, 4. Rate 7,80. 6121 Bau Schöneberger Krankenhaus, 4. Rate 8,50/ 9018 Tischlerei Blankenburg u. Schnabel, 4. Rate 13,05. 3110 Druckerei A.Büttner, 3. Rate 3,90. 3278 Tischlerei E. Barth 16,-. Malerei 3.—. 8946 Tischlerei Nöthling, 3. Rate 17,90. Tischlerei Krüger 4,75. 9107 Schneider v. Solms u. Husseld 12,75. Tischlerei Heim u. Gehrken, 3. Rate 17,05. Treppen- geländerfabrik Heinrich Dochom 2,—. 7641 Buchdruckerei Nauck u. Hartmann, 2. 3!atc 13,40. 9034 Metallarbeiter v. Bischoff 13,50. Tapezierer v. Jahn 10,—. 9017 Möbclsabrik Phönix. 4. Rate 12,05. 7607 Möbelfabrik Starick n. Co. 7,30. Jalousiesabrik H. Freese 15,05. Verband Deutscher Gastwirlsgehilsen, Ortsverlvaltung I aus folgende Listen: 1329 Pharussäle 6,25. 1333 An- gestellte Hotel Kaiserhos 25,30. 1336 Roscnthaler Hos 18,80. 4606 Abteilung Bierabzicher 5,30. 4605 2,30. 4601 Büfett Kaiserkcller 2,35. 4610 Älark- grasensäle 4,05. 4613 Sitzung der Gastwirtsgehilfen 5,50. 4612 Meute, Lichtenberg 8,40. 4596 Sektion Friedrichstadt 2,70. 4603 Weinabteilung Nürnberger und Theater des Westens 18,—. 4607 Bureau der Gastwirts- gehilsen 7,20. 1323 21,05. Zimmermann 1,—. 3046 Bau Schöueberger Krankenhaus 5,25. 1177 Bautischlerei Gebr. Faul, 2. Rate 38,20. Maler v. Fischer u. Naß, Bau Lichtenberg, 2. Rate ll,10. 8194 Friedrichstraße 219 24,50. Werkstattversammlung A. Tenncr 3,85. Kollegen der Möbelfabrik Eich-, 2. Rat- 12,20. 9180 Tischlerei G. Wegner, 3. Rate 23,40. 7642 Hilfsarbeiter und Bcrbandsmitgliedcr von Liebheit u. Thiesen 7,80. 8288 Metallarbeiter von E. Angrick 20,05. Bautischler von Meyer 15,85. 3038 Verbandsmitglieder des Reichsbotcn, 3. Rate 17.25. 9004 Tischlerei Kukulenz, 3. Rate 9,40. Tischlerei Wöhlcc u. Schwab, 3. Rate 6,70. Küchen- möbelmaler von Kutsch, 4. Rate 4,—. Küchcnmöbelmaler vo» Reimann u. Co., 3. Rate 5,—. Frau Riesche 1.—. 6944 8,20. 7804 Allgemeine Metallwerk« für Beleuchtung(inkl. Kranzüberschuß 6,30), 4. Rate 23.05. Kollegen von Massivbaugesellschast 6.80. 9272 Pianosabrik C. Otto 24.50. Möbelpolierer von Klug 5,90. 9037 Klaviatursabrik von Wermckc, 4. Rate 23,—. 9274 Pianomechaniksabrik Wiesner 12,—. 7805 Arbeiter von Müsam u. Goldschmidt 5,25. 7806 Durch Klose 5,—. Schneider von Fabian u. Hirich 15,15.— Zentralverband der Glaser, Orlsverwaltung Berlin, aus folgende Listen: 318 1,85. 331 1,90. 333 0,50. 335 4,60. 337 3,80.— Verband der Gemeinde, und Staatsarbciter, Filiale Groß-Berlin, 4. Rate aus folgende Listen: 4214 Verbandsbureau 16,50. Gasanstalt Müllerstraße: 2663 7,50. 4013 3,50. 4014 6,40. 4026 8,40. Gasanstalt Danziger Straße: 2595 7,50. Gasanstalt Tegel: 4023 3,70. Revierinspcktion: 2583 3,60. 2641 2,55. 2665 3,25. 2667 13,40. 4007 3,05. 4003 12,—. 4024 7,75. 4220 24,— Zenwalmagazin: 4217 10,65. 4218 21,75. Kohlenplatz: 4210 8,75. Englische Gasanstalten: 2643 0,30. 4002 3.40. 4061 5,25. 4062 1,10. 4063 3,10. 4064 2,50. 4137 2,80. 4212 13,65. Kanalisalion 2671 1,40. 4021 2,80. 4079 5,75. Bauverwaltung 2656 4,70. Rieselfelder 4187 4,60. Wasserwerk Berlin 2660 0,75. 2672 1,45. 2673 3,50. 4001 2,70, Wasserwerk Tegel 4038 8,75. 4039 4,65. 4040 6,10. Straßen- rcinigung 2585 7,05. 2668 5,85. 4004 15,35. 4022 8,45. 4041 6,25. 4042 4,70. 4043 3,85. 4051 5,60. 4065 3,60. 4066 2,65. 4141 4,70. 4219 5,60. Schlacht- und Viehhos 2616 3.60. 2618 3,85. 2633 Städtisches Obdach 28,30. 4047 Virchow< Krankenhaus 4,60. 4186 Heilstätte Beelitz 53.—. 4204 Heilstätte Lichlenberg 2,75. 4067 Städtische Badeanstalt 3,80. 4011 Steinplatz Seestraße 11,30. 4025 Pariverwaltung 6,20. 4058 Char- lottenburg 6,85. 4023 Reinickendors 10,75. 4068 Schöncberg 2,60. 4070 10,55. 4071 7,30. 4072 1,50. 4073 2,30. 4248 Frau Zeetze 5.—. in Summa 498,95 M.— Großmann 1,—. Verband der Buchbinder, Zahlstelle Berlin 8149, 8155, 8157 u. 8176 29,80. 6141 Maurer N. O. 13,80. 6161 Bau Kühlhallcn, Scharnhorststraße 9,75. 6157 durch Sicmund 2,65. 6113 Maurer Osten II 4,—. 6117 Möbelfabrik»Zukunft* 6,80. 6105 durch Albrecht 9,20. 6617 Buchdruckerei Heyns Erben 13,15. Deutscher Metnllarbeiteroerbaiid, OrtSverwaltung Berlin aus solgende Listen: 3114 Weber u. Hampel, 2. Rate 48,60. Gebr. Bolzani, 3. Rate 3115 23,85. 3116 10,45. 3117 21,—. 3144 Deutsche WaffenmunilionsabAk. Abt. Ulbrich 44,40. 3165 Aulomobil-Betriebsgesellschast, 2. Rate 17,95. 3173 Maschinensabrik v. Gebauer. 2. Rate 18,25. 3234 Kikew 6,20. 3241 Spitz u. Co, 3. Rate 30,30. 3251 Schraubenfabrik v. Schulz durch Hoff- mann 11.30. 3253 Schäffer u. Hauschner, 4. Rate 14,80. 3313 v. Kollegen § arder 3,30. 3456 Türk 15,40. 3465 Hein». Lehmann 15,80. 3500 chleiser bei Müller, 2. Rate 17,25. Gießerei v. Arndt 3624 9,70, 3625 11,20. 3774 Bcrnhardi u. Co., Schöneberg 10,—. 3370 Katz- mann 6,05. 2833 Gießeret Cyklop 13,15. 3358 Fritz Kilian, 3. Rate 33,—. 5740 Klempner Meter 11,75. 5771 Boß u. Stange 11,75. 5310 Schmidt u. Co. 6.—. 5328 Wcigbrod u. Friedrich 20.75. 5338 Stempelsabrik Beruerl, Schönebirg. 54,40. 5333 Nictzsch 8,50. 5974 Münchmeyer 17,85. 8231 Zimmermann u. Buchloh, Abt. III, 2. Rate 9,05. 8302 Elges, Linienstr., 6,35. 8307 Heubach, Tempelhos, 3. Rate 22,25. 8398 Lcwcnstcin, 2. Rate 10,25. Maschinensabril Siclafs 8400 13,35, 8401 15,—. 8404 Beck u. Friede, 3. Rate 5,25. 8418 Magnet durch Hoffmann 27,75. 8432 Palisch, simeonstr., 3. Rate 23,30. 8456 Kollegen Menz 10,—. 8468 Aetzplatlensabrik Jastro 10,—. Schwabe u. Co. 3662 1,95, 3999 9,45. Borfig, Tegel, 3461 Metallgießerei und Schleiferei 32,25, 3468 Eisengießerei 24,30, 3469 Lok.-Montage 53,80, 3470 Hammerschmiede 35,10, 3474 Hammer- schmiede 40,65, 3471 Kesselschmiede 54,10, 3472 Kesselschmiede 45,70, 3473 Maschinenarbeiter Mechanische Werkstatt 52,75, 3475 Werkzeugbau und Vorzeichnerwerkstatt 44,35, 3476 Teilschlosser 73.—. Typograph, ,40. 5368 40,—. 5963 48,75. 5370 26,55. >rzeichneriverkstatt Rate 5967 31/ von Peary hören, der in einigen Tagen in New gork ein- treffen wird. Sprichwörter der Riffioten. Man schreibt der»Franks. Ztg.« aus Madrid: Aus Anlaß des Krieges mit den Niffleuten finden sich in spanischen Blättern manche Betrachtungen über Sitten und Bräuche der feindlichen Stämme. Von deren Lebensauffassung aber geben folgende, im Norden Marokkos heimische arabische Sprichwörter Kunde die wir der»Correspondencia de Espana« ent- nehmen: Soldat ohne Waffen. Vogel ohne Flügel I Die Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg. Der Arme ist ein Fremdling in seinem Vaterlande. Wer Getreide besitzt, findet schnell jemand, der ihm Mehl borgt. Wenn das Auge nicht sieht, braucht das Herz nicht zu leiden. Ein vornehmer Feind ist besser als ein ungeschliffener Freund. Einen eiligen Brief schreibe langsam I Eine Ruineustadt in der Wüste G-bi. Der Asienreisende P. K. Koslow, der sich auf der Rückreise aus der Mongolei be- findet und kürzlich Kjachta passierte, wird voraussichtlich im Sep- tcmber in Petersburg eintreffen. Er hat sich auf seiner soeben abgeschlossenen Reise mehrere Monate in der Wüste Gobi aufge- halten und am Fuße des Altaigebirgcs Ausgrabungen auf den Trümmern der Tangutenstadt Chara-ckioto vorgenommen und eine Menge wertvoller Altertümer und Handschriften äns Licht gebracht. Gegen tausend Bücher, Handschriften und einzelne Blätter, etwa hundert Buddhabilder und Buddhastatuen und viele andere Dinge sind in dem Wüstenfande, der die Trümmer der Ruinenstadt ver- wehte, in gut erhaltenem Zustande gefunden worden, dank der Trockenheit des Klimas und des Bodens jener Gegend Zentralasiens. Besonders reich an Funden war ein Grabhügel, der eine Menge Handschriften in türkischer, arabischer, tibetanischer und mongolischer Sprache, doch auch solche, deren Sprache vorläufig nicht bestimmt werden konnte, enthielt. Die Funde versprechen den Orientalisten reiches Material zur Klärung der Geschichte jener Zeit, wo Chara- choto, gleich anderen Ruinenstädten ZentralasicnS, der Sitz einer blühenden Kultur war, eine Stadt, in welcher sich die Einflüsse Indiens, Irans, Chinas, des Buddhismus, des Christentums und des Manichäismus berührten. Die Einfälle der Mongolen und ihr grausames Wüten gegen die Bewohner des Landes, haben dann die Gegend öde gemacht und die künstliche Bewässerung, die die Kulturoasen Zentralasiens so fruchtbar machte, in Verfall geraten lassen, worauf der Wüstensand die Trümmer der Städte bedeckte. Die früheren Funde, die in Chara-choto gemacht worden sind, weisen bis auf das 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurück. Wie alt die jetzt gemachten Funde sind, wird erst noch festzustellen sein. Koslows Expedition hatte infolge der sommerlichen Hitze und der in Chara-choto herrschenden Dürre— der nächste Fluß ist etlm 20 Werst entfernt— viel zu leiden. 5371 15,50. 5372 35,75. Daimler, 4. Rate 8386 13,30. 8387 22.—. 8383 20.35. 8383 24,50. 8390 40,25. 8391 19,—. 8392 15,75. 8393 6,15. 8394 16,30. 8395 11,10. F. F. A. Schulze 5732 Schwarzblechklempner 11,60. 5733 Drücker 7,15. 5734 Schlosser 15,50. 5735 Schwarzblechklempner 10,50. 5736 Schwarzblechklempner 6,15 Klamroth, Waldstr. 35, 2. Rate 7,75. A. E. K., Lrunnenstr., Abt. Krull, 10 Ps.-Kasse 40,—. C. Otto Nachf., Fabrik für Lochbleche 20,10.(In Summa 1649,10). Summa 6913,59. 'Bisher sind cingeliesert 117 250,35 M.; dazu kommen 6313,53 M.. Sumwa 124 164,54 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, find an A. Körsten, Engelufer 16 1 zu senden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 23, vor- mittags zwischen 9— 121/2 Uhr und nachmittags zwischen 4— 7�, Uhr abzuliefern. Die Listen 3396. 3687, 1194, 7248, 6282, 6285, 1880 und 2614 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Berichtigung. In Nr. 193 muß es heißen f W. Gurlt 54,25 M., nicht 24,25 M. — Auf der Liste Nr. 1728 sind von der A. E.- G., Brunnenstraße, 21,80 M., nicht 6,50 M. gezeichnet worden. Der Ausschuß der Berliuer Gewerkschaftskommisfio«. 9. Kongreß der tschechischen Sozial- demohratie. Prag, 5. September. Erster Tag. Heute begann in Prag der 9. Kongreß der tschechischen Sozial- demokratie Oesterreichs. Er tagt im städtischen Nationalhaus in Freichow, in demselben Prager Vorort, in dem vor 39 Jahren in einem kleinen Wirtshause der erste tschechische Parteikongreß getagt hatte. Damals waren alle Teilnehmer, deren man habhaft werden konnte, wegen Geheimbündelei verurteilt worden. Der jetzige Kongreß ist der neunte seit der Reorganisation der gesamtöster- reichischen Sozialdemokratie auf dem Hainfelder Kongresse im Jahre 1839. Der Kongretz ist von fast 599 Delegierten besucht. Die deutsche Sozialdemokratie Oesterreichs hat die Ge- nassen Seliger(Teplitzji und Beer(Wien) entsendet, die slove- nische Sozialdemokratie Oesterreichs Kristan und Dr. Tuma (Laibach), die slovakische Sozialdemokratie Ungarns V r ch o v S k y (Budapest), die Sozialdemokratie Bulgariens K y r k o f f(Sophia). Begrüßungsschreiben und-Telegramme sind u. a. eingelaufen von der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, von der Unabhängigen Arbeiterpartei(I. L. P.) und von der Fabian Society in England, von der Sozialdemokratie Serbiens, von der Sozialdemokratie in Bosnien und Herzegowina, von der türkischen Organisation in Uesküb. In das Präsidium wurden gewählt: Steiner(Prag), Jarosch (Prag), Vanek(Brünn) und Tomaschek(Wien). Vor dem Eingehen in die Tagesordnung beantragte Abg. Dr. Soukup einen Protest gegen die gesetzwidrige Schließung der tschechischen Privatschulen in Niederösterreich. Abg. N e m e c beantragt eine S y m- pathiekundgebung für die schwedische Arbeiter» schaft, Bruha eine Sympathiekundgebung für die spanischen Märtyrer. Alle drei Resolutionen werden unter stürmischem Beifall einstimmig angenommen. Hierauf folgen die Begrüßungen. K y r k o f f überbringt die Grüße der Sozialdemokratie Buk» gariens, die die Vormacht des Sozialismus auf dem Balkan ist, sowie die Grüße der jungen sozialdemokratischen Organisation von Mazedonien. Vrchovsky schildert die Verfolgungen, denen die Sozial- demokratie und alle nichtmagharischen Nationen in Ungarn aus- gesetzt sind. Beer führt aus, daß gerade jetzt, wo die bürgerlichen Parteien die nationalen Leidenschaften bis zur Siedehitze zu entflammen suchen, die deutsche Sozialdemokratie Wert darauf leg«, zu kon- statieren, daß sie in unverbrüchlicher treuer Waffenbrüderschaft mit der tschechischen Sozialdemokratie den Kampf für die Befreiuna der Arbeiterschaft führen wolle. Kristan überbringt die Grüße der slovenischen Arbeiter. Hierauf erstattet Bruha(Prag) den Tätigkeitsbericht der Parteivertretung. Das Wesentliche davon ist bereits im»Vorwärts" mitgeteilt worden. Humor und Satire. ' Cook. Mutter, das Schiff mit den Cook« ist da, Herr Cook, Frau Cook rufen Heureka. Er hat ihn entdeckt, Sie hat i h n entdeckt, Der im Schnee wie der Nordpol war bersteckt. Hundertachtzig Grade liefen dort Zusammen, ein Klecks entstand sofort; Den sah der Cook Und sprach:»Genug, Daß mich bis hierher mein Schuhzeug trug.' Er hat darauf die Flagge gehißt, Die voller Sterne und Streifen ist. Und in dem Eis Vergrub er mit Fleiß Eine Messingröhre als Tatbeweis. Statt des Pols sucht die Röhre nun alle Welt, Weil sie den Cookschen Bericht enthält, Wo befinden sich Die Beweise? Sprich l Die sind in der Röhre, du stehst s« man nich. Gott lieb im„Tag«. Historisches, von eine aide Frankforde r. Der selig' Korferscht von Hesse hat emal geheert gehabt, daß sei Hof- unn Leibkomponist e neu Oper geschriwwe hätt. Also hat er zu seim Hofmarschall gesächt:»Philipp«, hat er gesächt,»heut awend will ich die neu Oper gucke, wo mei Hof- unn Leibkomponist ver- zappt hat!"— Entschuldige Se, Dorchlaucht,' hat der Hofmarschall erWiddert,„des werd sich schwer mache lasse; die Oper muß erscht«'studiert wern I"—„Halt' Dein Schnawwel I" hat da der Korferscht gedunnert.»Geh bei mein Hoftheaterintendant unn sag em. ich will heut awend die neu Oper gucke, unn damit basta I« Wie awwer der Hofmarschall de Befehl ausgericht hat, da hat em der Intendant gesächt:„En scheene Gruß an de Korferscht, unn e neu Opernwerk war kää Zeppelin III. daß es uff höchste Befehl ohne Probe' funktionieren müßt, vis es kopores geht l' Wahres Geschichtchen. In einen überfüllten Trambahn- wagen steigt ein älterer Herr und sieht sich hilfesuchend um; da nie- mand Platz machen will, ersiicht der Kondukteur d,e Insassen, ein wenig zusammenzurücken. Da tönt's auS der Mitte der Fahraaste: „Was, zammrückcn a noch? I sitz eh scho nur noch auf einem Buch- stoben statt auf vier l«. � t. Jugend.«) Mkitag für Schlesuilg-HolSeiu, Herzogtlim Fauevblllg und Fürstentnm Lübeck. Nm Sonntag und Montag tagte in Wandsbeck bei Ham- bürg der von 105 Delegierten und Parteifunktionären besuchte Provinzialparteitag. Als Vertreterin des Parteivorstandcs war Genossin L. Zieh- Berlin erschienen. Parteisekretär Bartels erläutert! den von uns schon auszüglich wiedergcgebenen Geschäfts- kericht. aus dem ersichtlich ist, das; trotz wirtschaftlicher Depression die Zahl der organisierten Genossen und Genossinnen in ständigem Wachstum begriffen ist. In der Debatte bemerkte Adam» Kiel, die bisherigen Wahlrechtsdemonstrationen hätten nicht den nötigen Eindruck gemacht und seien nicht geeignet, die preußische Reaktion zu erschüttern, dazu bedürfe es anderer Mittel. Auf dem bisherigen Wege werde man nicht weiterkommen. Hering» Schleswig meinte, die Maifeier sei in einen chronischen krank- hasten Zustand geraten, hervorgerufen durch die Bremserlasse der Gewerkschaften. Jakobs en-Lockstedt: Der agitatorische Cha- rakter der Maifeier dürfe nicht unterschätzt werden, man solle sich energisch ins Zeug legen für ihre Ausgestaltung.— Poller- Kiel: Die Wahlreckitsdemonstrationcn haben doch insofern ihren Zweck erfüllt, als wir uns das Recht auf die Straße erobert und so er- zieherisch auf die Polizei eingewirkt haben, die jetzt nicht mehr so- fort den Säbel oder die Browningpistole zieht, wenn Arbeiter zu- sammcnströmen. Wenn von anderen Mitteln gesprochen werde, so solle man diese auch angeben. In der weiteren Debatte wurde namentlich die Not- wendigkeit der Organisierung der Frauen und derJugend betont. Von anderen Rednern, so von den Altonacr Delegierten, wurde der imposante Charakter der Wahlrechtsdemon- strationen hervorgehoben, deren Bedeutung doch in die Augen springend sei:— Frau Z i etz behandelte die Einwände des Ge- nossen Bartels gegen den Vorschlag von Parteileitung und Generalkommission betr. Bildung von Bezirken zur Unterstützung der anläßlich der Beteiligung an der M monstrationen und Kampfmitteln greifen müssen. Daher solle man die Maifeier als Dcmonstrationsmittel nicht preisgeben. Wenn gesagt werde, die Abmalbungen seien für den Bezirk Schleswig- Holstein nicht günstig, so sei das eine Verkennung der Absicht, die den Vorschlägen zugrunde liege. Es sei da nicht an die jetzt be stehenden Bezirke gedacht, sondern es sollten Bezirke gebildet werden mit gleichen wirtschaftlichen Verhältnissen. Wirtschaftlich schwache Bezirke müßten an leistungsfähige angegliedert werden. Sei erst den jetzigen Debatten der Boden entzogen, sei die Frage der Unter- stützung geregelt, dann werde die Beteiligung an der Maifeier eine größere und deren demonstrative Wirkung eine immer wuchtigere werden.— B r e c ou r- Kiel: Verkleinerungssucht sei nicht an- gebracht angesichts der wirklich gelungenen Demonstrationen. Habe knan denn geglaubt, auf dem ersten Hieb, mit der ersten Demon- stration das allgemeine Wahlrecht für Preußen erringen zu können? Nicht auf den einzelnen Bezirk, sondern auf die Gesamt- bewegung solle man den Blick richten. Deshalb vergälle man den Arbeitern nicht die Freude an diesen Demonstrationen. Auch der Massenstreik werde einmal, wenn die Erziehungsarbeit so weit fortgeschritten sein werde, zur Anwendung gelangen können. Be- züglich der Maifeier stellt Redner sich auf den Boden der von Ge- nossin Zietz entwickelten Anschauungen. Wie von Kiel und Altona wird auch von Flensburg und ande» ren Orten der vorzügliche und eindrucksvolle Verlauf der Demon- strationen hervorgehoben. Der Voranschlag des Etats für 1909/10 sieht eine Ein- «ahme von 26593 M. und eine Ausgabe von 26 594 M. vor. Schluß des ersten Verhandlungstages. Die Montagssitzung begann mit der Berichterstattung über die Presse. Das Kieler Parteiorgan ist. entsprechend den Be- schlüssen des vorjährigen Parteitages, inhaltlich ausgestaltet worden. Der Abonnentenstand ist im allgemeinen etwas zurückgegangen, aber in Kiel gestiegen. Sämtlichen Arbeitern und Angestellten, die über fünf Jahre im Geschäft tätig sind, wurde eine Woche Ferien mehr zu den bereits gewährten zugebilligt. Die Abrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 368 438,30 M. Ein nord- schleswigischer Delegierter wünscht die Schaffung eines eigenen Organs für das dänische Sprachgebiet, was von anderer Seite unter Hinweis auf den Kostenpunkt und die fehlenden Voraussetzungen als zurzeit undurchführbar be- zeichnet wurde. Ueber den Entwurf des neuen Organisation?. sta t uts referierte B reco ur- Kiel, der im allgemeinen sich mit dem Entwurf einverstanden erklärte. Von einer Beschluß- fassung wurde Abstand genommen. Genosse A d l e r- Kiel sprach sodann über:„U n s e r e T a k t i k bei den Kommunalwahlen". Der Altonaer Parteitag 1907 beschloß, daß eine Beteiligung an den Magistrats- Wahlen in der Regel unterbleiben solle; nur mit Zustimmung der Parteiinstanzen sollte sie zulässig sein. Ferner wurde damals beschlossen:„Sozialdemokratische Gcmeindevertreter dürfen in den Prasentationskommissionen nie für einen bürgerlichen Kandi- baten für den Magistrat eintreten, und kein Genosse darf ohne vor- herige Zustimmung seines Orts- wie Kreisvereins für den Ma- gistrat kandidieren." Diesen letzten Passus beantragte der Orts- verein Kiel zu streichen. Außerdem wird beantragt, daß die Beteiligung an Magistratswahlen zulässig sein soll, jedoch nur mit gemeinsamer Zustimmung des Ortsverdns, des Kreisvorstandcs und der Agitationskommission für die Provinz. Diese Anträge fanden Annahme. lieber die„Landarbeiterorganisation" sprachen Bartels-Altona und der Vorsitzende dieser Organisation, Schmidt- Berlin. Der Organisierung des ländlichen Prole- tariats soll die größte Aufmerksamkeit zugewendet und die schon bestehenden Anfänge ausgebaut werden. Beschlossen wurde, den Parteibeitrag generell auf 40 Pf. zu bemessen. Der Beschluß soll bis zum l. April 1910 zur Durchführung gelangt sein. Zum Parteisekretär wurde einstimmig Genosse Bartels wiedergewählt.,. Der nächste Parteitag findet in Ottensen statt. Genossin Zietz begründete mit feurigen Worten eine Reso- lution, die einstimmig angenommen wurde und in der es heißt: „Der Parteitag sieht in der heldenmütigen Erhebung der Proletarier Spaniens, die trotz blutigster Reaktion und schwacher Organisation das äußerste wagten, um die bluttriefende Geißel des Völkermordes ihrem Volke und den Hütten der Armut fern- zuhalten, eine glänzende Bekundung der Tatsache, daß das Prole- tariat der einzige tatkräftige Förderer des Weltfriedens ist. Der Parteitag sieyt ferner in dem bewunderungswürdigen Großstreik, mit dem die Arbeiterschaft Schwedens mit bisher un- bekannter Wucht einen brutalen Ueberfall ihrer Arbeitskaufer zurückweist, einen durchschlagenden Beweis dafür, daß ein ge- schultes, klassenbewußtes Proletariat in der Tat die Macht in Händen hat, der kapitalistischen Ausbeutung ein Ende zu mächen. Der Parteitag erkennt aus diesen Gründen an, daß die spanischen Arbeiter wie die schwedischen Arbeiter durch ihre Taten sich den Dank des klassenbewußten Proletariats reichlich verdient haben und spricht den Kämpfern im psaffenverseuchten Spanien wie im von Kapitalisten ausgebeuteten Schweden die höchste Bewunderung und die wärmste Sympathie aus. Dann schloß der Parteitag unter dem Gesänge der Arbeiter Marseillaise._ vom Bieiiiricg. Der Kampf der organisierten Arbeiterschaft gegen die Bier berteuerung trägt seine Früchte. Wie uns aus Solinge» berichtet wird, hat der Bierkrieg im Kreise Solingen nach kaum dreitägigem Kampfe bereits eine Wendung zugunsten der Koiisumenteu genommen Die Drohungen der dortigen Brauereien, die Hypotheken den Ge> werkschaftshälisern zu kündigen und die organisierten Brauergehilsen bei Erklärung des Bierboykotts aufs Straßenpflastcr zu werfen, hat die organisierte Arbeiterschaft nicht abzuhalten vermocht, den Bierverieuerern am letzten Mittwoch den offenen Krieg zu erklären. Die Wirte sahen wohl schon im voraus welche Beschlüsse die Solinger Arveiterschaft fassen würden, und gingen sie denn her und bestellten vor Inkrafttreten des Anfschlags von 4 Mark pro Hektoliter, welcher am 1. September in Kraft treten sollte, riesige Mengen Bier, um die Boykotterklärung der Arbeiter schaft umgehen zu können. Die Wirte und Brauereien hatten aber die Rechnung ohne die Konsumenten gemacht; denn die Arbeiterschaft durchschaute die Pläne der Biervertenerer und faßte den Beschluß vom 1. September ab überhaupt jeden Biergenuß einzustellen Die Gcwerkschaftshäuser in Solingen und Wald und eine An zahl dem Freien Gast« und Schankwirte-Verbaud angehörende Wirte schraubten in Konsequenz dieser Beschlüsse ihre Bicrkranen am 1. September ab, trotzdem sie ebenfalls noch Biervorrat für Wochen hatten. In den übrigen Wirtschaften, wo noch Bier verzapft wurde, tranken die Arbeiter eben etwas anderes. Die Wirkung dieses Vorgehens zeigte sich schon nach wenigen Tagen. Bereits am Frei tag erklärte sich eine dem Ring angehörende Brauerei dem Aktions ausschuß gegenüber, welcher von den Volksversaminluiigeii eingesetzt war. bereit, kapitulieren und die Beschlüsse der Volksversammlungen anerkennen zu wollen, die dahin lauteten:„Keine Abwälzung au den Konsum in Gestalt erhöhter Preise, verkleinerter Gefäße oder verschlechteter Qualität, Wiederherstellung des einseitig ver- schlechterten Tarifes der Brauereiarbeitcr. Austritt der Brauereien des oberen Kreises Solingen aus dem Boykottschutz-Verband." Zwischen der in Frage kommenden Brauerei und dem Aktion? ausschuß kain denn auch am letzten Sonnabeiid früh eine Einigung auf vorstehender Basis zustande und am Somn abend nachmittag war das Solinger Parteiblntt in der Lage, 48 Wirte und Flaschenbierhändler aufzuführen— darunter auch die Gewerkschaftshäuser— in denen ringfreieS Bier von abends 6 Uhr an zu haben war. Der Brauereiring und die Absicht der Gastwirte, kleinere Gläser einzliführen, wurde also in wenigen Tagen durch die Einigkeit der Arbeiterschaft durchbrochen. Auch die übrigen Brauereien haben sich nunmehr bereit erklärt, Anfang dieser Woche unterhandeln zu wollen. Gegen die übrigen Wirte und Flaschenbierhändler, die Ringbier führen, dauert der Boykott natürlich noch fort. Das Beiipiel der Solinger Genossen sei den übrigen Genossen im Reiche zur Nachahmung empfohlen. In Duisburg ist der Bierkrieg am Sonntag durch beider- seitiges Entgegenkommen beendet. Seitens der Brauereien ist zwar an der Belastung der Wirte mit 4 M. pro Hektoliter fest gehalten, doch haben die Wirte ein erhebliches Entgegenkommen ge- zeigt, indem sie statt der geforderten 25 Pf. pro y» Liter jetzt 20 Pf. und'/20 Liter für 15 Pf. geben wollen, dagegen bleiben für kleine Gläser"-/,« für 10 Pf. bestehen. Ferner hat der Wirteverein durch Unterschrift erklärt. seine Säle und Vereinsräume den freiorganisterten Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Partei zur Abhaltung ihrer Ver- sammlungen, Besprechungen und Vergnügungen in derselben Weise zur Verfügung stellen zu wollen, wie jeder anderen Gewerkschaft, Partei oder sonstigen Vereinigung. Der Syndikus deL rheinisch- westfälischen Bezirks, Herr Dr. Kampers, erklärte, seinen Einfluß dahingehend geltend zu machen, daß diejenigen Brauereibesitzcr, welche Säle haben, dieselben gleichfalls den frei organisierten Gewerkschaften und der sozial- demokratischen Partei überlassen. Die Brauereibesitzer haben ihren Arbeitern das Koalitionsrecht zu garantieren und dürfen den Arbeitern wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation keine Hinder- nisse in den Weg legen, auch keine Entlassungen dieserhalb vor- nehmen, ebenfalls nicht wegen der erhöhten Brausteuer. Zur Ueberwachung der Jnnehaltung der Vereinbarungen ist eine aus Vertretern der Brauereien, des Wirtevereins, der freien Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Partei bestehende ständige Kommission eingesetzt, welche Verstöße gegen die Abmachungen beim Syndikat der Brauereien und der Wirtevereinigung anzubringen und mit diesen Körperschaften zu erledigen hnt. Die von annähernd 2000 Personen beinchte Vollsversammlung erklärte sich unter der Bedingung mit den Abmachungen ein- verstanden, daß die Zusagen auch wirklich gehalten werden, anderenfalls behalte man sich weitere Schritte vor. Des weiteren sprach die aus allen Bevölkerungsschichten zu- sammengesetzte Versammlung ihre Empörung über die ungerechte indirekte Steuerbelastung durch die bürgerlichen Parteien aus und erklärte, daß nur die sozialdemokratische Partei verstanden habe, die Rechte des Volkes zu wahren. Auch in Gera ist ein Erfolg des Kampfes zu verzeichnen. Das energische Vorgehen des Gewerkschaftskartells hat den Erfolg gehabt. daß in erneuten Verhandlungen zwischen den Brauereien, den Wirten und Verttetern der Konsumenten, die am 3. d. M. auf Beschluß einer öffentlichen Versammlung stattgefunden haben, die Preiserhöhung auf 2.01 Mark für den Hektoliter herabgesetzt wurde. Es bedurfte allerdings sechsstündiger Verhandlungen und der Ankündigung verschärften Boykotts, um die Brauereivertreter, besonders aber die Wirte, zum Rückzüge zu veranlassen. In Bochum schicken sich ebenfalls die Wirte an, zu kapitulieren. Der Wirteverein hält zwar offiziell noch an seinen Beschlüssen fest, aber der Vorstand hat keine nennenSIverte Gefolgschaft mehr. Eine ganze Anzahl Wirte ist aus Grund einer unter der Hand getroffenen Abmachung zu den alten Preisen und Gefäßen zurückgekehrt. Hus der partei. Der Bericht der Parteiverttctung der dcutschöstcrreichischcn Sozial- dcmokratie ist soeben erschienen. Er umfaßt die Zeit seit dem Herbst 1907, da die Parteitage nur jedes zweite Jahr— zwischen den gesamtöster- reichischen Parteitagen— stattfindeii. Der Bericht beschäftigt sich mit den fast in allen Ländern geführten Kämpfen um Landtags- wahlreformeii, die aber nur in den Alpenländern Erfolg hatten, während in den Jndustrieprovinze» der Sudeten, wo der schärfste Klassenkampf tobt, nichts erreicht werden konnte. Seit den all- gemeinen ReichSratSwahle» von 1907 gewann die Partei bei Nach- wählen noch die Mandate Freiwaldau-Land lSchlesie») und Inns- brück I dazu, während sin Elendsbczirk LaiidSkron-Grulich-Land fOstbohmen) ein Stimmenrückgang zu verzeichnen war, der auf die Krise, die Aussichtslosigkeit des Kampfes und die schlechten Organi- sationSverhältnisse zurückgeführt wird. An LandtagSmandaten besitzt die Partei— es ist wohl zu beachten, daß hier innner nur von den deutsch österreichischen gesprochen wird— in Niederösterreich... 6 Mähren..... 1 Steiermark.... 5 Obervsterreich... 1 Salzburg..... 2 Kärnten..... 1 Ueber den Stand der Parteiorganisation wird mit« geteilt: Es sind etwa 112000 deutsche Genossen politisch organisiert. wovon 27 000 in Böhmen, 13 000 in Steiermark usw. und 45 000 in Wien— nämlich die regelmäßigen Abnehiner der„BolkStribüne". welche Gemeinschaft von Wochcnblattabonnenlen man nur bedingungs- weise als eine Parteiorganisation betrachten kann. Den politisch Organisierten stehen 550 000 Stimmen und 320 000 deutsche Ge« werkschaftsmitglicder gegenüber. Die Monatsbeiträgs sind vom 1907er Parteitage mit 20 Heller festgesetzt worden,«S gibt aber unter den Lokalorganisationen noch 7,2 Proz., die weniger als 20 Heller, allerdings auch 27,4 Proz., die mebr erheben, darunter ist aber auch wieder Wien, wo als Parteibeitrag die 8 Heller wöchentlich für die„VolkStribüne" gelten. Politische Verfolgungen gab es insbesondere in Böhmen, wo Verwaltung und Justiz schon halb preußisch-sächsisch sind, zahllose. Verhängt wurden 1177 Tage Arrest, 910 Tage Kerker und 3255 Kronen Geldstrafe. Die Parteipresse umfaßt 2 Tageblätter, 4 Blätter, die dreimal, 9 die zweimal, 9 die einmal wöchentlich erscheinen, und 1 MonatSblatt; ferner erscheinen 48 deutsche Gewerkschaftsblätter und eine wissenschaftliche Monatsrevue(„Der Kampf").„Der jugend- liche Arbeiter" erscheint monatlich in 7200 Exemplaren als Organ des Verbandes der jugendlichen Arbeiter Oesterreichs; ferner sind noch zu vermerken daS antialloholistische MonatSblatt„Der Abstinent", einige Sportblätter, eine Sängerzeiiung und daS Witzblatt„Nene Glühlichter"(14tägig). Die Parte, hat die ftüher private Wiener Volksbuchhandlung erworben und führt sie mit Gewinn als Partei- biichhaiidlung weiter. Parteidruckcreien gibt eS in Wien, Reichen- berg und Salzburg. Die gesainte Presse und Parteiliterawr li« unter der Krise. Ueber die erfteuliche Entwickelung der österreichischen Gewerr- schaften ist bereit« vor einiger Zeit in diesem Blatte berichtet worden, wir können daher die hierauf bezüglichen Stellen des Parteiberichts übergehen. Merkwürdig ist, daß der Parteibericht über die.Zersplitterungstätigkeit der tschechischen Gewerkschaften nichts sagt. Ueber die Genossenschaftsbewegung wird berichtet. daß der„Zentralverband österreichischer Konsumvereine" 483 Ge- nosse»schaften zählt, wovon 326 mit deutscher Geschäftssprache; davon sind 418 Konsumvereine, der Rest Produktiv-, Gastwirts- und Baugenossenschaften. 333 Konsumvereine berichteten über eine Mitgliederzahl von 206 620, Jahreölosungen von 59 606 408 Kr., 3 188 000 Kr. Resiigewinn. Außer dem„Konsumverein" und einem tschechischen Blatt erscheint ein Familienblatt»Der Pionier" in 54 000 Exemplaren. Der"Verband jugendlicher Arbeiter stieg seit 1907 von VS auf 159 Ortsgruppen und Zahlstellen. Die Partei kas>e hatte vom t. Juli 1907 bis 1. Juli 1909 Einnahmen: 228 141,88 Kr., Ausgaben: 177 515,57 Kr., verbleibt Saldo 50 626,31 Kr. Da läßt sich fteilich nicht viel tun und man muß umfomehr staunen, wie die deutsch-österreichische Sozialdemokratie soviel leisten kann. Für deutsche Leser wird es interessant sein, daß 11 gewerkschaft- liche Zentralverbände an die Partei 28 000 Kr. abführten. Die Frauenorganisation hat einen großen Aufschwung genommen. Es bestehen 88 deutsche politische Frauenorganisationen (davon 39 in Böhme») mit 6412 Mitgliedern, serner 32 Ortsgruppen und Zahlstellen des Zentralvereins der Heimarbeiterinnen(wovon 10 in Wien) mit insgesamt 1520 Mitgliedern. In den GeWerl- schaften sind gegen 50 000 Arbeiterinnen organisiert. Dem Parteibericht ist ein vom deutsch- böhmischen Landes- vertranenLniann, Abgeordneten Genosse Seliger- Teplitz auf Be- schluß der Parteivertretung ausgearbeiteter Entwurf emes verbesserten Organisationsstatuts angeschlossen. Zum Parteitag. Die WahlkreiSorganisation von Lübeck beschäftigte sich am Montagabend in einer stark besuchten Versammlung mit den An- trägen zum Leipziger Parteitag. Genosse Reichstags- abgeordneter S ch w a r tz referierte über die parlamentarischen und die zur Maifeier gestellten Anträge. Er sprach sich g e g e n d e n Antrag des Parteivorstandes aus, der weder Fisch noch Fleisch sei. Die Maifeier dürfe nur vom idealen, nicht vom Standpunkte des Portemonnaies aus betrachtet werden. Die Hofgängerei der sieben Schwaben sei entschieden zu verurteilen. Der zweite Parteitagsdelegierte, Genosse Mehr- lein, referierte über den übrigen Teil der Anträge. Er wünschte, daß der Leipziger Parteitag als ein Markstein der Tat in der Ge- schichte der deutschen Sozialdemokratie glänze, hob die Wichtigkeit der ReichSversicherungsordnung hervor und wies die Notwendigkeit nach, daß die ReichSfinanzreforin und ihre Folgen besprochen werden müsse. Er verurteilte ebenfalls die Hofgängerei. Von den Anträgen zum Organisattonsstawt bezeichnete er die von der sächsischen Or- ganisation vorgeschlagenen Staffelbeiträge als durch- t ü h r b a r. Nach einem Referate des Parteisekretärs Genossen Bromme über„Die Greueltaten in Spanien" wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der eS heißt:„Die sozialdemokratische Ar- beiterschast von Lübeck... spricht ihre Abscheu aus über die Blutarbeit der Realtionäre und bettachtet es als eine Schmach, daß die deutsche bürgerliche Presse Lügen und Verleumdungen über die aus Ver- zweiflnng in den Aufstand gehetzten spanischen Arbeiter verbreitete und ihnen Taten unterzuschieben sucht, die entweder von den Kreaturen der Herrschende» verübt wurden, oder gar nicht vor- gekommen sind. Die Versammlung drückt den heldenmütigen F reiheitskämpfern und den unglücklichen Opfern der Reaktion ihre rüderliche Sympathie aus." Diese Resolution ist dem Internationalen Sozialistischen Bureau in Brüssel übermittelt worden._ Ein fürchterliches Verbrechen des„Vorwärts" nagelt die Chemnitzer„Volks stimme" mit viel innerlicher Genugtuung und ebensoviel moralischer Entnistung fest. Wir haben chuld, wenn der Wahlsieg im Wahlkreise Schneeberg-Stoll- b e r g, der am 7. September erfochten wurde, nickst glänzend genug ausfällt. Erstens haben wir uns um diesen Wahlkamps nicht ge- nügend gekümmert, haben wir die Genossen des Kreises nicht ge- nügeild unterstützt— wie daS durch den„Vorwärts" geschehen soll, ist Chemnitzer Geheimnis— und zweitens haben wir am Sonntag endlich eine Notiz� über den Wahlkampf gebracht, die— die sozial- demokratischen Wähler„flau macht". Und so sagt nnS denn unser liebchSwürdigeS IChemnitzer Parteiblatt im schönsten Ruber- rimuSstil: „Eine solche Notiz, wie die oben mitgeteilte, ist. wenn man nicht Bosheit amiehmen will, ein Beweis vollendeter Un« f ä h i g k e i t, die bei dem Zentralorgan einer Dreimilllonenpartei einfach traurig ist." Die Notiz, die solch' furchtbare Verheerung am guten Ton unseres Chemnitzer Parteiblatts angerichtet hat. finden unsere Leser in der SonntagSnummer des„Vorlvärts". Sie sagt, daß der Kandidat Genosse Schöpflin seit Wochen stark besuchte Versammlungen ab- hält, daß die Parteiorganisation, die relativ schwach ist, was auS der Armut der erzgebirgischen Arbeiter erklärt wird, Fortschritte gemacht hat, daß der Kreis fast immer sozialdemokratisch der- treten gewesen ist und schon von Wilhelm Liebknecht erobert wurde, daß kaum daran xu zweifeln ist, daß der Kreis sozialdemokratischer Besitz ist, daß man aber auf das Wahlresultat gespannt sein darf, da die Gegner mit Aufgebot aller Kraft und mit den schmutzigsten und niedrträchtigsten Mitteln arbeiten. Das ist's, was die Chemnitzer.-Bolkssnmme" toben und uns vollendetste Unfähigkeit attestieren läßt. Zitternd vor moralischer Empörung ruft sie aus: „Glaubte aber der„Vorwärts trotzdem, seinen geistvollen Tadel gerade an die Genossen des 19. Kreises richten zu sollen, so konnte er wohl noch drei Tage warten.,." Wir erlauben uns zunächst, die sozialdemokratischen Wähler von Stollberg-Schnecberg gegen die ganz unbegründete Beleidigung'-r Schutz zu nehmen, die ihnen die Chemnitzer.Volksstimme" antut. Sie werden sich gewiß nicht um einer.,Vorwärts"notiz willen, selbst wenn sie so sehr zum Flaumachen geeignet wäre, wie unser Chemnitzer Parteiblatt phantasiert— lässig machen lassen in der Erfüllung ihrer politischen Pflicht. Wenn aber diese Notiz wirklich dem Erfolg der Sozialdemokratie im Wahlkreise so ungeheuerlich gefährlich wäre, wie eS in den Halluzinationen der Chemnitzer „Volksstimme" erscheint, und ihre Veröffentlichung ein so abscheu- liche? Zeugnis der Bosheit oder der Unjähigkeit wäre, wie groß ist dann die Fähigkeit der Chemnitzer„Volks- stimme", die mit der Veröffentlichung nicht noch einen Tag warten konnte, sondern diese angeblich so gefährliche Notiz deS„Vorwärts" noch am Tage der Wahl selb st brüh» warm ihren Lesern vorsetzen mutzte!! Noch dazu mit ihrer„flaumachenden" Auslegung! ES bewährt sich das Sprichwort vom blinden Eifer. Wir drücken der Chemnitzer„Volksstimme" ob dieses ihr selbst be- retteten Reinfalls teilnehmend die Hand. Es genügt eben nicht der brennende«gute Wille", dem bösen„Vorwärts" etwas anzuhängen. Ein klein wenig Fähigkeit gehört auch dazu,~ Hirn Ißduftne und Handel. GeschäftSergebnissc Sro Vreschen AktiewjtseHschaften. lieber die Geschäftsergebnisse der in Deutschland bestehenden Aktiengesellschaften veröffentlicht das Statistische Amt statistische Erhebungen. Demnach gab eS am 30. Juni 1308 in Deutschland SIVS tätige Aktiengesellschaften seinschl. der Kommanditgesellschaften ans Aktien) mit einem Aktienkapital von 14 420 Millionen Mark. 4578 waren reine ErwerbSgesellschaften. Diese hatten am Ende ihres Bilanzjahres ein eingezahltes Aktienkapital von 12 783,8 Millionen Mark. Von den 4578 Gesellschaften arbeiteten 3S06 mit Jahres- gewinn, 538 mit Jahresverlust und 74 ohne Gewinn und Verlust. Der Gewinn betrug 1351,4 Millionen Mark, der Verlust 71,4 Millionen Mark, so daß sich der Jahresmehrgewinn auf 1280 Millionen Mark berechnet. ES ergibt sich hieraus für das Aktienkapital eine RentabilitätSziffer von 10,1 Pro z. oder unter Berück- sichtigung der Reserven von 3,4 Proz. Am günstigsten stehen von den Gewcrbegruppen hinsichtlich der Höhe der verteilten Dividenden die VersichernngSgesellschnften mit durchschnittlich IV, 3 Proz. da; dann folgen die chemische Industrie mit 15,7 Proz. und in weiterem Abstaridc mehrere Gruppen, darunter Bergbau und Texrilinduftrie mit V.3 oder 9,4 Proz. Einzelne Gewerbearten weisen noch viel höhere Erträge auf; die grötzten hat die Feuerversicherung mit 23,4 und die Farbematerialienindustrie mit 25,4 Proz. Im ganzen verteilten 8356 Gesellschaften auf ihre Stammaktien Dividende, 69 nur. auf ihre Vorzugsaktien, 176 autzer auf ihre Stammaktien auch auf ihre Vorzugsaktien. Die Dividende auf die Stammaktien betrug bei 1430 Gefell- schaften bis 6 Proz., bei 1926 über 6 Proz. Von letzteren konnten 162 eine Dividende von mehr als 20 Proz., 15 davon sogar eine solche von mehr als 50 Proz. verteilen. Auf die Stammaktien entfielen bei 169 Gesellschaften 0— 6 Proz., bei 76 mehr als 6 Proz., darunter bei 13 mehr als 25 Proz. Sehr verschieden ist der Anteil der nicht dividendczahlenden Gesellschaften bei den einzelnen Gewerbearten. Während er im ganzen 25,2 Proz. beträgt, steigt er beim Baugewerbe auf 40.5, bei den Kolonialgesell- schaften auf 58,3 und beim Kalibergbau sogar auf 74,1 Proz., sinkt dagegen bei der Textilindustrie auf 16,6 und den Banken auf 4,2, darunter den Hypothekenbanken auf 2,7 Proz. Günstige Erträge der Zuckerfabriken. Die Zuckerfabriken, soweit sie in der Form von Aktiengesellschaften bestehen, haben im letzten Jahre äuherst befriedigende finanzielle Ergebnisse erzielt. Der gewerbliche Niedergang, der in fast allen anderen Gewerben die Rentabilität stark herabdrückte, hat die Ent- Wickelung der Zuckerindustrie nicht zu beeinflussen vermocht. Bei 55 Zuckerfabriken, die im Laufe dieses Jahres ihre Geschäfts« ergebnisie veröffentlicht haben, stellte sich die Dividende auf das Gesamtaktienkapital in Höhe von 55 Millionen Mark auf 6,7 Proz. für das Geschäftsjahr 1908/09, während dasselbe Kapital im Jahre 1907/08 eine Dividende von durchschnittlich 5,8 Proz. gebracht hatte. Die Dividende ging demnach um fast ein volles Prozent in die Höhe._ Deutsche Eisenproduktion im Monat Angust. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industrieller betrug die Roheisenerzeugung in Deutschland und Luxemburg während deS Monats August 1909 insgesamt 1 100 671 Tonnen gegen 1 091 0S9 Tonnen im Juli 1909 und 935 445 Tonnen im August 1908._ Huö der frauenbewegung* Schlimmer als nichts! Ueberall und bei jeder Gelegenheit versteht es das Unter- nehmertum, viel Arbeit für möglichst wenig Arbeitslohn herstellen zu lassen. Am traurigsten sind wie bekannt die Löhne in der Heimarbeit. Immerhin sind die Löhne in den Grotzstädtcn den Verhältnissen entsprechend höher als in kleinen Orten oder auf dem platten Lande. Diese Tatsachen nützt das Unternehmertum aus. So bestehen in Berlin grohe Geschäfte der Stickereibranche, die ihre Arbeiterinnen überall fast ausschlietzlich im Reiche haben. In die entferntesten Provinzorte senden diese Geschäfte daS Material zu den verschiedenen Arbeiten. Hauptsächlich werden Decken und Tischläufer, sowie Schuhblätter und Kreuzstichstickerei hergestellt. Die Arbeiterinnen sind nicht in der niedersten Be- Völkerungsschicht zu finden, sondern rekrutieren sich hauptsächlich aus Beamtenfrauen und-töchtern, überhaupt aus solchen Frauen und Mädchen, die nicht direkt für den Erwerb arbeiten, sondern das Geld, das sie für ihre mühselige Arbeit erhalten, als Taschen. gcld gebrauchen. Andere, die wirklich diese Arbeit als Erwerbs- arbeit betrachten, können sich nicht allein davon ernähren; trotzdem müssen sie Tag und Nacht arbeiten, wollen sie auch nur einen nennenswerten Verdienst erzielen. Die Preise für die Sachen sind unerhört niedrig. Ein Geschäft zahlt für Tischläufer auszu- sticken 60—70 Pf. pro Stück, je nach Stärke des Materials. � Eine eingearbeitete Stickerin braucht zur Herstellung eines Läufers mindestens drei Tage, bei feinem Gewebe und dementsprechend feinem Garn vier Tage; sie mutz dann aber äutzerst schnell und vom Morgen bis zum Abend ununterbrochen arbeiten. Für eine Scrviertischdccke gibt es 75, 90 Pf. bis 1,10 M. Vier Tage sind erforderlich zur Herstellung einer Decke. Eine Buffetdecke bean- sprucht 4—5 Tage, der Preis beträgt 1,25—1,50 M. Zehn bis zwölf Tage mutz eine Arbeiterin an einer Balkontifchdccke ununter- brachen sticheln, um dann 3 M. als Lohn in Aussicht zu haben. Das Sticken von Schuhblättern ist, der jetzigen Mode ent» sprechend, zurückgegangen. Schuhstickcrinnen erhielten vro Paar bei Kreuzstich 75 Pf., bei Halbstich 45 Pf. Ersteres erforderte mindestens drei, letzteres zwei Tage ununterbrochener Arbeit einer flinken Arbeiterin. Die Geschäfte, die so ihre Arbeiterinnen ausbeuten, zahlen auch noch nicht einmal die Portokosten für den Versand selbst, sondern jede Stickerin mutz beim Zurücksenden das Porto aus ihrer Tasche bezahlen. Die Pakete werden beim Versenden genau gewogen und müssen beim Zurückkommen dasselbe Gewicht auf- weisen. Für etwa fehlendes Gewicht wird der Arbeiterin ein Abzug gemacht. Aus diesem Grunde müssen alle Abfälle des Stick- garnes gesammelt und mit zurückgesandt werden. Läufer und Decken sind noch sämtlich zu säumen, Wozu wieder Zeit und Näh- garn hergegeben werden muh. Man wundert sich oft, wenn man in den Warenhäusern hübsche Stickereien ausgestellt findet, wie billig die Sachen heutzutage sind. Wohl selten denkt jemand daran, wieviel Mühe und Fleitz, wie mancher Fluch daran hängt. An den Arbeitslöhnen gemessen sind die Sachen noch viel zu teuer; die Fabrikanten lassen sich von ihrem Profite nichts schmälern. Will man feststellen, wieviel eine Stickerin pro Stunde ver» dient, so ist das äutzerst schwer, wird aber— wenn es gelingt— die Ausbeutung in krassen Farben malen. Nach unseren obigen Angaben über Preise und Arbeitszeit dürfte bei etwa zehnstündiger Arbeitszeit ein Stundenlohn von 2— 3 Pf. herauskommen! Ist es nicht geradezu himmelschreiend, datz erwachsene Arbeiterinnen für solche Löhne schanzen? In den Kreisen solcher niedrigbezahltcn Lohnsklavinnen„hört man oft den Ausspruch:„Es ist doch besser wie nichts?" Wenn jemals ein Wort dumm war, so ist es dieses. Nicht genug, daß diejenigen, die solche schlechtbezahlten Arbeiten verrichten, sich um ihre freie Zeit bringen, andere, die diese Arbeit als Erwerb betrachten, müssen Tag für Tag bei langer Arbeitszeit sich in gebückter Stellung die Schwindsucht holen. Die Herren Fabrikanten aber bringen bei derartiger Ausbeutung ihr Schäf- chen ins Trockene, Es gibt auch Arbeiterinnen, die tagsüber eine Beschäftigung haben, die ihnen nicht genug einbringt. Viele von ihnen sind dann abends noch bei der Stickerei zu treffen, um so den kargen Ver- dienst etwas zu erhöhen. Anstatt den einen Arbeitgeber zu zwingen, mehr Lohn zu zahlen, wird die notwendige Ruhezeit noch für einen zweiten hingegeben für ein Butterbrot. Die Ausbeutungs- sucht hat wirklich herrliche Blüten gezüchtet! Leider sind alle diese Frauen und Mädchen für den Gedanken der Befreiung der Arbeitersckmft nicht zu haben. Wären sie es, so würden sie unter den geschilderten Verhältnissen nicht mehr arbeiten. In diese Kreise einzudringen, sie mit dem Wesen der modernen Arbeiterbewegung bekanntzumachen, mutz mit unsere Aufgabe sein._ Gerichts-Zeitung» Vom alten Schulrecht in SchleSwig-Holstein. (Ausländische oder inländische Konfirmation.) Nach dem in Schleswig-Holstein geltenden Recht— Schulordnung von 1814— endet dort die Schulpflicht mit der Konfirmation, die in der Provinz, abgesehen von einzelnen Teilen, in der Regel mit Vollendung des 16. Lebensjahres stattfindet. Von der Regel kann infolge Dispensation abgegangen werden. Der Hofner Damm hatte solche Dispensation für seinen über 14 Jahre alten Sohn vergeblich beantragt. Die Ablehnung erfolgte, weil nach der Auskunft der Schule der Knabe nicht die erforderliche Reife habe. Damm, der im nördlichen Schleswig wohnt, schickte nun den Sohn in ein dänisches Kirchspiel und lietz ihn dort konfirmieren. Tann hielt er ihn von der Schule fern, trotz wiederholter Mahnung, ihn zu schicken. Er wurde wegen Uebertretung der schleswig- holsteinischen Schulordnung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, datz die Schulordnung eine Konfirmation seitens der Landeskirche meine. Das Landgericht in Flensburg sprach aber den Angeklagten frei und führte zur Begründung aus: Kon- firmation sei Konfirmation, ganz gleichgültig, ob sie in Dänemark oder in Preußen erfolgte. Die Schulordnung für Schleswig- Holstein verknüpfe das Ende der Schulpflicht lediglich mit der Konfirmation, ohne zu bestimmen, wo sie zu erfolgen habe. Sie sei erfolgt, das genüge. Auch habe der Vater nach§ 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuches das Recht und die Pflicht, über den Aufenthalt des Kindes zu bestimmen. In dieses Recht würde ein- gegriffen werden, wenn man es dem Vater verübeln wollte, das Kind nach Dänemark zu schicken und dort konfirmieren zu lassen. Der Knabe sei darum nach der Konfirmation nicht mehr schul- pflichtig gewesen. Der Ferien st rafsenat des Kammergerichts gab der von der Staatsanwaltschaft eingelegten Revision statt, hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zu anderweiter Entscheidung an das Landgericht zurück. Begründend wurde aus- geführt:§ 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuches scheide aus, weil er sich nur auf privatrechtliche Verhältnisse erstrecke und die öffentlich-rechtliche Verpflichtung der Eltern, für den nötigen Schulbesuch zu sorgen, nicht berühre. Die Frage sei hier ,ob die Konfirmation in einem dänischen Kirchspiel ausreiche, das Ende der Schulpflicht in Schleswig gemäß den dort noch geltenden Verordnungen(Schulordnung von 1814 usw.) eintreten zu lassen. Danach entscheide die Konfirmation, die in Schleswig(abgesehen von einzelnen Teilen) bei Knaben in der Regel mit Ablauf des 16. Lebensjahres stattfinden solle, wovon aber durch Dispensation Ausnahmen gewährt werden können. Offenbar habe die Kon- firmation beziehungsweise � das Ende der Schulpflicht von der sittlichen und sonstigen geistigen Reife abhängig gemacht werden sollen. Mit Rücksicht auf diesen Zweck jener Vorschriften könne nicht anerkannt werden, datz die ausländische Konfirmation der inländischen in bezug auf das Ende der Schulpflicht ohne weiteres glcichzuachten sei, selbst wenn die Voraussetzungen im wesent- lichen dieselben wären. Es habe vielmehr der Geistliche als Orts- schulinspektor nach den entsprechenden gesetzlichen Vorschriften eine Prüfung vorzunehmen, ob die für das Ende der Schulpflicht in Schleswig vorausgesetzte Reife gegeben sei. Das Urteil des Land- gerichts müsse deshalb aufgehoben werden. Dreiste Raubzüge durch Neubauten hat mit stauneSwertem Erfolge der Buchdrucker Hermann Scherz ausgeführt, der gestern unter der Anklage deS fortgesetzten Betruges bezw. Diebstahls bor der 2. Strafkammer des Landgerichts Berlin III stanK Der bisher unbestraft gewesene Angeklagte hatte es ganz systematisch auf Neubauten abgesehen, in denen von Ver- tretern hiesiger Linoleumfirmen Arbeiten ausgeführt wurden. Mit der höchsten Dreistigkeit erschien er in den Neubauten, gerierte sich dort als Angestellter der bezügl. Firma und erklärte, datz er be- auftragt sei, die nicht mehr zur Verwendung kommenden größeren Rollen Linoleum abzuholen. Sein Auftreten in den Baubuden war so sicher, datz ein Verdacht gegen ihn überhaupt nicht aufkam und er unbehindert daS Linoleum auf dem von ihm mitgebrachten Fuhr- werk wegfahren konnte In einzelnen Fällen haben sogar die Portiers oder die sonstigen Hausoffizianten freundwillig mitgc- halfen, das Linoleum aufzuladen. Zur Anklage standen gestern 16 Fälle, in welchen der Angeklagte im Westen Berlins, sowie in Charlottenburg, Wilmersdorf und Steglitz in dieser betrügerischen Weise sich in den Besitz des Linoleums gesetzt hatte, welche? er in jedem einzelnen Falle zu verkaufen leichte Gelegenheit fand. Er hat einen Erlös von 30— 40 M. in jedem einzelnen Falle erzielt. U. a. hat er seine„Kunst" auch auf dem Neubau der königlichen Bibliothek ausgeübt, ebenso hatte er auf dem Neubau einer Post- anstatt Erfolg. Hier kam ihm noch der Zufall zu Hilfe, datz die betr. Linoleumfirma irrtümlich Linoleum von falscher Farbe ab- gegeben hatte und der matzgebende Postinspektor es aus diese»«. Grunde ganz natürlich fand, daß das Linoleum wieder abgeholt werden sollte.— Der Angeklagte war in vollem Umfange der An. klage geständig, so datz sich die Vernehmung der vorgeladenen 33 Zeugen erübrigte. Der Staatsanwalt beantragte 2 Jahre Ge- fängnis, das Gericht erkannte auf 1 Jahr Gefängnis. Vermischtes. Ermordet aufgefunden. Wie aus Plauen/Vogtl. gemeldet wird, wurde dort vorgestern nachmittag zwischen Vzö und Va7 Uhr die in den 70cr Jahren stehende Witwe Köbke, Theaterstratze 17 in ihrer Wohnung ermordet. AIS ihr Sohn um>/,7 Uhr nach Hause kam, fand er alles verschlossen und lietz die Tür von einem Schlosser öffnen. Man fand die Frau tot mit einem blutigen Handluch im Munde und einem Strick um den Hals. Allem Anschein nach liegt Raubmord vor. Die Frau galt als wohlhabend. Der Täter ist bisher noch nicht ermittelt._ Explosion in einer Zündschnurfabrik. Harburger Meldung zufolge ist gestern nachmittag 1 Uhr ein Teil der dortigen Zündschnurfabrik von Heino Marx infolge einer Explosion in die Luft geflogen. In der Nachbarschaft wuxden die Fensterscheiben zertrümmert. Menschen sind nicht verletzt. Automovilunglück in Frankreich. Pariser Meldung zufolge stieß gestern ein mit fünf Personen besetztes Automobil, welches i» mätziger Geschwindigkeit den Ort Bälävre(Departement Jndrc) durchfuhr, mit einem in voller Fahrt befindlichen Stratzenbahnwagcn zusammen. Das Automobil wurde vollständig zertrümmert, zwei Insassen getötet, die drei übrigen leicht verletzt. Elf Personen ertrunken. Nach einer Meldung aus Santiago de Chile ist der chilenische Dampfer Riobueno in dem peruanischen Hafen Lomas untergegangen, elf Personen find ertrunken. Die Besatzung eines englische» Schiffe? ermordet. Wie den, „Reuterschen Bureau" aus Sydney gemeldet wird, haben Ein« geborene im Bismarckarchipel einen englischen Schiffsführer und feine aus zehn Eingeborenen bestehende Schiffsmannschaft ermordet, dann das Schiff geplündert und samt den Leichm der Ermordeten verbrannt._ Amtlicher Marktbericht der städtifchen Markthallen-DlreMon adcr den Grotzhandel in den Zenwal-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr genügend, Geschäsl schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäsl rege, Preise gut. G e s l ü g e l: Zusubr sehr knapp, Ge- schäst rege, Preise hoch. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft still, Preise uuver- ändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, Ge- schäst rege, Preise wenig verändert. rsttterungskbersicht vom 7. September 1969, morgens 8 Uhr. 6tattonen Swinnnde Hamburg verlin Frantf.a.A München Wie» «t-tionen ßZ II zaparanda 746©SB tzitersburg 7K2SW Scilly Ab erde»» Parts 766 NNW 751 NNW 753 SW Setter 4 Regen Iwoltenl 4wolkig 4wolklg 3 Wolken! "J 11 11 13 9 11 Wetterprognose für Mittwoch, de« 8. September 1999. Vorherrschend wolkig mit einzelnen Regenschauem, auffrischenden nord- westlichen Winden und neuer Abkühlung. Berliner Wetterbureau. «asserftandS-Nachrlchte» der Landesanstalt für Gewässerkunde, mttgeteB vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M« m e l. Ttlstt P r« g e l, Jnsterbmg Weichsel, Thom Oder, Ratibor , Krassen , Franksurt Wa r t h e, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamu» Elbe, Leitmeritz , Dresden » Barby , Magdeburg 4- bedeutet Much».— Fall.—*) Unterpegel. Sunlichf Seife wird inSporlskreisen als geeignefete Seife bcvorzugl'.da sie dos notwendige häufige Waschen von Flancll-und Wollsteffen etc. ohne Schaden für diese ge- sralter.Man beachte die speziellen Anweisungen für das Waschen dieser fiei» Kein Kleidungstüeke.Sie bleiben dann stete wie neu in färbe und Gewebe! Für den Inhalt der Inserat« übernimmt die Redaktion dem Pnbltkum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mtttlvo ch, 8. September Ansang VI, Uhr. Kgl. Opernhaus. Fidelio. Kgl. Schauspielhaus. Abb von Berlichingen.(Ans. 7 Uhr.) Reues kgl. Opcrn-Theater. Ee schlössen. -deutsches. Faust. Kammerspiele. Die Sünde. Anfang 8 Uhr. Bolksopcr. Der Freischütz. Anfang 8 Uhr. Lessing. Rosenmontag. Neues. Emilia Galotti. Berliner. Einer von unsere Leut. Neues Schauspielhaus. Miß Dudelsack. Thalia. Prinz Busfi. Komische Oper. Der Wildschütz. (Anfang VI, Uhr.) Residenz. Kümmere dich um Amelie. Hebbel. Revolutionshochzelt. Triano». Licbcsgcwitter. Lustspielhaus. Im Klubsessel. Kleines. Moral. Neues Operetten« Di« Dollar- Prinzessin. Westen. Der fidele Bauer. Schiller O.(Wallner- Thealer.) Die Ehre. Sch-tter Charlottenburg. Die von Hochsattel. Friedrich. Wilbelmftädt. Schau- sPtelhauS. Der Widerspenstigen Zähmung. Luisen. Die Jungfrau von Orleans. Beruhard Rose. Im Cafö Noblesse. Metrovo!. Die oberen Zehntausend. Folies Caprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8>/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. Fra« Elkams Friseur. Meine« Deine Tochter. Roacts Theater. Venetianertn. Stadt-Theater Moabit. Spezia- litäten. Banage. Spezialitäten. BolkSgarten. Spezialitäten. Walhalla. speziaUräien. Reichsvallen. Steltiner Singer. Karl Hnverland. Theater. Spe- zialitäten. Easino. Onkel Cohn. Prater. Der Verschwender. Urania. Tanvennrasse t8/4S. Abends 8 Uhr! Von Abbazia bis Korsu. Sternwarte, Fnvalidenftr.»7/sL. Urania. WiBsenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/i9. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Corfu. liesaing-Theater. 8 Uhr: Rosenmontag. Donnerstag, 8 Uhr: Zwischenspiel. Freitag, 8 Uhr; Der König,_ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von nnsere Liont'. Morgen: Das LebenSsest. Heues Tdeater. Ansang 8 Uhr. Emilia Qalotti. Morgen und folgende Tage: Emilia Galotti. Tdealer des Westens. Allabendl. 8 Uhr: Der fidele Bauer. Sonntag nachm. 3'/, Uhr, Halbe Preise: Ein Wnlzertranm. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Schwank in 3 Akten von Feydeau. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Vorstellung._ Blenes Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr: Die Dollarprlnzessln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Mittwoch, 8. September, Ans. 8 Uhr: Oer Viderspenstigen Zühmung. Lustspiel von William Shakespeare. Donnerstag: Die Stützen der Gesell« Freitag: Die Stützen der Gesellschaft. Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr: Im Klubsessel. Tolks-Oper. 8W., Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8, Ansang 8 Uhr. Der Freischütz. Romantische Oper in 3 Auszügen von C. M. v. Weber. I KKHEMttGU nXK» jV Abends 8 Uhr: lungfrau von Orleans, Ein romantisches Trauerspiel von Fr. v. Schiller. Donnerstag: Von sieben die Hätz- ichsle. Freitag: Neueinstudierung: Emilia »alotti. lllll..S.lltü CARTER Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab SO PI, Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte. Schiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Donnerstag, abendSSllhr: Alaeheth. Freitag, abends 8 Uhr: Doktor Klans. riieater. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Lustspiel in 3 Ausz. von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. DsnoerStag. abendS8Uhr: Die Ehre. Freitag, abends 8 Uhr: _ Per Biberpelz. MtPROUIW ®r. Frankfurter Str. 182. Ans. 8 Uhr. Ende n. 10 Uhr. _ Im Cafe Noblesse._ Spitzbubenkomöd. i.3Akt. v. C. Schüler. Aus der Gartenbühne, Ans. i1!, Uhr: Theatervorstellung, Spezialitäten. Radwettfahren.— Pamenringkämpfe. Täglich: Henry Bender und das mit stürmischem Beilall aufgenommene Erüffnungs-Programm! U.a.; Morris Cronin. Mlle. Striowa. The 6 Cutlys. Geschw. KISs. Truly Shattuck. Belleclalre Bros. MiB Marquis. 3 Pattersons! „Leben und Treiben im Freien." Ballett-Divertissement. Zeppelins Landung in Tegel. Sanssouci, l'ZTl Direktion Wilhelm Reimer. Morgen Donnerstag: Hoffmanns Die modernsten Schlager! Beg. Sonnt, b, Wochen!. 8 U. XV. Saison. Circus Busch. Sonnabend, den 11. September, abends 7'!, Uhr: Gala-ErölTnungs- Abend. Die Circuskassen sind täglich von 10 Uhr an geöffnet. Billetts sind ferner zu haben: beim Invalidendank, Unter den Linden 24 und in der Billett-Abteilung des Waren- t Kommandantenstr. 57. T. A. 4, 5083. 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Reichshallen-Tbeater. i Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. � Verantwortlicher Redakteur; Emil Unger» Berlin. Zur den Qn{etatenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag-Vorwärts Luchdruclerei u. Verlagsanstalt Paul Siüger Li Co, Berliv SVt». Voltegarten-Thealer Badstr. 8, Gesmidbr., Bellermann str. Heute ringen: Weber, Weltmeister, gegen Ehlert, Berlin. Eritsen. Dänemark, geg.Nkadralli, Armenien. Schibilski, Berlin, geg. PetlinSki, Polen. Zlppollon le GoUofie, Bei- gien, gegen Michaiioff. Rußland. 'EntscheidungSkamp!:'Achner, Bayern, gegen Schwarz, Berlin._ liiir MeHm M verksusen wir zu de» zuLerst hiiligen preisen □ R somk.™ in Biesdorf, Stadlbahn, |DR 15 Nik.«« Seegefeld, am Bahnhof, □ R 15 Mk.«n Bahnhof Sadowa, Biesdorf, Knulsdorf-SSd, R 12 IRIls an Kanlödorf, am Bahnhos, � R 4 �ks an in Peteröhagen, Ostbahn. Verkaufsstellen an den Bahnhöfen.* | Berlin, Neue KSnigstr. 16. «mt VII, 6376. Nr. 209. 26. Iahrgavg. 2. Kcilqe Ks m (tlinn WÄM. Mittwoch, 8. September 1909. Heute lttitwoch: ZahiabemZ in Lrok- Kerlin. Morgen Vonnerstag:?lugbiattverbreitung in lien Lanätagsg/ahibeÄrken. Partei-)Znge!egenkeiten. Charlottenburg. Am Mttwoch, den 8. September, findet Kaiser- Friedrich-Strafie 24 bei Schulze ein kombinierter Zahlabcnd der 6. Gruppe statt. Erkner. Heute, Mittwoch, den 8. September Wahloereins- Versammlung. Königs-Wusterhausen. Den Parteigenossen der beiden Bezirke de-? Ortes zur Kenntnisnahme, datz laut Beschluß des letzten geniein- schaftlichen Aahlabends bis auf weiteres beide Bezirke ihren Zahl- abend gemeinschaftlich im Lokal des Herrn Stechardt sSiegcskranzs abhalten._ Der Vorstand. Berliner JVaebriebtem Für die bevorstehenden Stadtverordnctcnwahlen war die Wählerliste in der zweiten Hälfte des Juli zur Ein- sichtnahme ausgelegt worden. Sie wurde diesmal von 7 5 247 Personen kontrolliert, während vor zwei Jahren nur b6 674 Personen und vor vier Jahren gar nur 21 314 Personen so borsichtig gewesen waren, sich um die Wählerlisten für die damaligen Stadtverordnetenwahlen zu kümmern. Man sieht, wie in immer weiteren Kreisen der Wählerschaft es als Pflicht erkannt wird, die Wählerliste zu prüfen, um nötigenfalls Berichtigung fordern zu können. Verhältnismäßig noch stärker hat die Zahl der Einsprüche sich erhöht. Diesmal sind 3630 Berichtigungsanträge ein- gegangen, während vor zwei Jahren nur 1663 Berichtigungen und vor vier Jahren nur 318 Berichtigungen beantragt worden waren. Wenn auch in der Regel viele dieser Anträge sich hinterher als un- begründet erweisen, so bleiben doch immer noch mehr als genug Fälle berechtigten Einspruches übrig. Immer wieder ist aufs neue die alte Erfahrung bestätigt worden, daß das gedankenlose Vertrauen auf die vermeintliche„Zuverlässig- keit" der Wählerliste, das sich bei noch viel zu vielen Wählern findet, sein höchst Bedenkliches hat. Es handelt sich da nicht nur um irrtümliche Weglassung aus der Liste, durch die so mancher Wahlberechtigte um das Recht mitzuwählen gebracht wird, weil er es für überflüssig gehalten hat, beizeiten die Liste zu prüfen und nachträgliche Aufnahme zu fordern. Auch solchen Wählern, die in der Liste verzeichnet sind, kann es am Wahltage passieren, daß sie nicht zur Wahl zugelassen werden, weil die Liste erhebliche Un- genauigkeiten der Namenschreibung, der Berufsangabe usw. ent- hält, deren Berichtigung der ahnungslose Wähler nicht be- antragt hat. Den Stadtverordneten legt der Magistrat jetzt für ihre erste Sitzung nach den Ferien eine Zusammenstellung der diesjährigen Einsprüche vor, indem er sogleich eine An- gäbe darüber hinzufügt, ob der Einspruch berechtigt scheint oder nicht. Er stützt sich dabei auf die vorläufigen Erklärungen, mit denen inzwischen das Wahlbureau sich zu den Einsprüchen geäußert hat. Die Stadtverordnetenversammlung wird nun noch genauer zu prüfen haben, welche Einsprüche als berechtigt anzuerkennen sind. Eine Reihe Einsprüche, deren Berechtigung ohne weiteres klar war, sind vom Magistrat durch sofortige Berichtigung erledigt worden. Das sind die 311 Anträge auf Berichtigung des Vor- oder Zunamens, der Berufsangabe usw. Vor zwei Jahren waren nur 122 solche Anträge eingegangen, die Häufig- keit dieser Irrtümer hat sich hiernach bedeutend gesteigert. Man glaubt gar nicht, welche tollen Schreibfehler da manchmal vor- kommen. Eine Aufzählung der einzelnen Irrtümer fehlt diesmal in der Vorlage, wohl deshalb, weil der Magistrat nicht mehr be- kannt werden lassen will, wie skandalös liederlich die Wählerlisten zusammengestellt werden. Besonders den sozialdemokra- tischen Wählern kann, wenn sie mit fehlerhaften Angaben in der Liste stehen, das Schicksal einer Zurückweisung von der Wahl blühen, alldieweil sie den zumeist aus Freisinnsmännern zusammen- gesetzten Wahlvorständen in der Regel„nicht persönlich bekannt" sein werden. Auch die g 2 Wohnungsumtragungen werden wohl ohne weiteres von der Stadtverordnetenversammlung gutgeheißen werden müssen. Matzgebend ist da ein erst vor einigen Jahren glücklich wieder ausgegrabenes Ortsstatut von 1854, nach dem jeder Wähler mit derjenigen Wohnung in die Liste aufzunehmen ist, die er nach dem Ostcrumzug hatte. Diese Bestimmung ist der Arbeiter- bcvölkerung ungünstig insofern, als gerade der Arbeiter oft seine Wohnung wechseln mutz. Manche Wähler haben schon zur Zeit der Listenaufstellung nicht mehr die Wohnung, mit der sie in die Liste kommen. Das erschwert uns die Wahlagitation, zur Ge° nugtuung des Stadtfreisinns. Die größte und wichtigste Gruppe der Berichtigungsanträge sind diejenigen, die eine nachträgliche Aufnahme in die Wählerliste fordern. Diesmal sind es 3230, vor zwei Jahren waren es nur 876. Wie üblich, erklärt die Magistratsvorlage die allermeisten dieser Einsprüche für unberechtigt. Aber die Er- fahrungen der Vorjahre lehren, daß man dem die stärksten Zweifel entgegensetzen mutz. Von den Streichungsgründen, die da angeführt werden, wollen wir nur die häufigsten erörtern. Geradezu ungeheuerlich groß ist diesmal die Zahl der Wähler, die als S t e u e r r e st a n t e n aus der Liste gestrichen worden sind. Lediglich dieser Grund wird bei 1364 Personen angegeben (vor zwei Jahren nur bei 288), außerdem spricht es auch noch bei einer erheblichen Zahl anderer Wähler mit, die zugleich auch aus anderen Gründen(z. B. Unterstützung) gestrichen wurden. Diese Ziffern zeigen, wie die Arbeitslosigkeit und der Not- stand, die auf dem»verktätigen Volk lasten, die Arbeiter- klasse auch in ihren politischen Rechten beein- t r ä ch t i g t haben. Fragen muß man aber, nach welchen Grund- sätzen eigentlich entschieden wird, wer als Steuerrestant zu be- trachten sei. Sollte nicht doch mancher, der im Quartal April- Juni seine Steuern schuldig geblieben war, sie im Juli noch vor der Listenauslegung entrichtet haben? Es folgt dann eine Gruppe von 264 Personen(vor zwei Jahren nur 49), gegen die geltend gemacht wird, daß sie im letzien Jahr aus öffentlichen Mitteln unterstützt worden seien. Das kostet bekanntlich gleichfalls das Wahlrecht, so will es der Klassenstaat. Meist handelt es sich dabei nicht mal um Unter- stützungen in bar, sondern nur Um Gewährung von Kranken hauspflege, die nicht schnell genug bezahlt worden war. Aber auch das bringt dem beschäftigungslos und erwerbslos gewordenen Arbeiter die Wahlentrechtung. Noch darf das liberale Bürgertum sich dieses die Arbeiterklasse schädigenden Zustandes freuen, weil für das Gemeindewahlrecht noch keine gesetzlichen Bestimmungen getroffen sind, die den wahlentrechtcndcn Einfluß der„Armen- Unterstützung" beschränken. Der Notstand des letzten Jahres hat die Schar der durch Armut Entrechteten noch bedeutend ver mehrt. Auch die Bestimmung, daß Schlafburschen nicht das Ge- meindewahlrccht haben, schädigt die Arbeiterklasse und kommt dem liberalen Bürgertum zugute. Die MagistratSvorlage gibt diesmal für 329 Personen(vor zwei Jahren für 249) lediglich das als Streichungsgrund an, daß sie Schlafburschen seien. Ob das immer stimmt, ist sehr zu bezweifeln. Mancher Arbeiter wird gewiß ohne weiteres als Schlafbursche gemeldet, obwohl er selbständig über den von ihm gemieteten Raum verfügen darf und daher als Chambregarnist gelten müßte und wahlberechtigt wäre. Wer als vermeintlicher Schlafbursche aus der Liste gestrichen wird, erfährt das erst dann, wenn er in der Liste vergeblich seinen Namen sucht. Und auch dann erfährt er noch nicht den Grund der Streichung, so daß er nicht mal weiß, was er zur Begründung seines AufnahmeantrageS anführen soll. Dasselbe gilt von all den anderen Streichungsgründen, von den Steuerrcsten, die noch nicht bezahlt sein sollen, von der Unterstützung, die angenommen worden sein soll, und schließlich auch von dem Mangel der p r e u tz i- schen Staatszugehörigkeit, den die vom Magistrat vor- gelegte Zusammenstellung in zahlreichen Fällen als Grund an gibt. Es ist schwer, solche Behauptungen rechtzeitig durch Be. schaffung der Nachweise zu widerlegen, wenn man nicht schon bei der Listenauslegung erfahren kann, warum man nicht in die Liste aufgenommen wurde. Für eine ganze Reihe von Fällen gibt schon das Wahlbureau und der Magistrat zu, daß zuunrecht die Aufnahme unterblieben ist. Für zahlreiche weitere Fälle wird, davon sind wir überzeugt, noch die Stadtverordnetenversammlung die nötige Korrektur vorzunehmen haben. Mußte doch vor zwei Jahren durch die Stadtverordnetenversammlung nahezu die Hälfte aller Aufnahmeanträge— 416 von 876— als berechtigt anerkannt werden. Darunter waren Anträge namentlich von sehr vielen, die irrtümlich als„Schlafburschen" gegolten hatten, ferner auch von vermeintlichen„Steuerrestanten",„Unterstützten",„NichtPreußen" usw. » Die vorstehenden Darlegungen liefern für jeden Wähler den schlüssigen Beweis, wie wichtig die Einsichtnahme in die Wählerliste ist. Das sollten sich auch unsere Genossen ein- prägen angesichts der in Aussicht stehenden Landtagsersatzwahlen. Wir haben mitgeteilt und wiederholen es, daß die Wähler- listen für die Landtagswahlen in den vier zur Wahl stehenden Bezirken ausliegen am Sonntag, den 12. September d. I., von mittags 12 bis nachmittags 5 Uhr, am Montag, den 13. September d. I., und am Dienstag, den 14. September d. I., von mittags 12 bis abends 8 Uhr, also nur drei Tage in den in unserer Sonnabeudausgabe namhaft gemachten Turnhallen der Gemeindcschulen. Jeder Landtagswähler muß Einsicht in die Wählerliste nehmen und sich seines Landtagswahlrcchts versichern. Auf jede Stimme kommt es bei den Urwahlen zum Landtag an! Protegierte Sänger. In hiesigen Blättern lesen wir: „Zum Märkischen Sängertag, einberufen vom Märkischen Sängerbund, hatten sich am Sonntage zahlreiche Delegierte aus allen Orten der Provinz und Vertreter der Behörden in Berlin eingefunden. Vom Kultusmini st eriu in war Geheimrat Herfurth erschienen. Der Märkische Sängerbund umfaßt gegen- wärtig 129 Vereine. Neu aufgenommen wurden sechs Vereine. Als Bundesdirigent wurde der Kantor Pohl, Nowawcs, wieder- gewählt. Das Gesangsfest im Jahre 1919 soll im Juni in Eberswalde stattfinden. Der Märkische Sängerbund wird weiter- hin die Pflege des Mückegrabes, das sich auf dem Alten Jcrusa- lemer Kirchhofe in der Bergmannstratze in Berlin befindet, über- nehmen. Den Vereinen lourde empfohlen, der Anregung des Kaisers entsprechend vor allem das volkstümliche Lied zu pflegen. In dem Jahresbericht wurde unter anderem mitgeteilt, daß der neue Reichskanzler v. Bethmann Hollweg ein Gönner und treuer Förderer des Märkischen Sängerbundes ist." Wenn der Arbeit er-Sängerbund seinen Sängertag abhält, erscheint kein Vertreter deS Kultusministeriums; auch kein Reichs- kanzler wird ihm Gönner oder Förderer sein. Das brauchen die Arbcitcrsänger auch nicht, sie verzichten auf Protektion; ihnen ge- nügt, wenn die Arbeiterschaft ihren Liedern, die wirkliche Volts- tümliche Lieder—• nämlich Freiheitslieder— sind, Verständnis entgegenbringt und sich zu freiheitlichem Handeln begeistert. Die beste Protektorin der Arbeiterlieder ist die Arbeiterschaft selbst. Die Deputation für die Kanalisation und Güter Berlins be- schloß in ihrer Sitzung am Montag, den 6. September, das Gesuch des Vereins der Blankenburger Grundbesitzer, eine Brücke� über die Panke zu bauen, abzulehnen. Die Benutzung der Fußgänger- Wege soll wie seither den Anliegern gestattet bleiben. Die Jagd und Fischerei am Gorinsee ist für 5999 M. verpachtet, die Aus- schreibung daher zurückgezogen worden. Das Gesuch, die Er- richtung einer Volksbibliothck in Gütcrgotz zu unterstützen, wird genehmigt. Der Kirchengcmeinde Blankenfelde eine Unterstützung, über den Patronatsbeitrag, zur Reparatur der Kirche zu gewähren, wird abgelehnt. Die Erwerbung einer Waldparzelle im Gebiet der nördlichen Rieselgüter, findet unter gewissen Voraussetzungen die Zustimmung der Deputation. Ein Kaufangebot im Bezirk der Administration Osdorf bei Teltow wurde glatt abgelehnt, da der geforderte Preis jede weitere Verhandlung als aussichtslos er- scheinen läßt. Ueber die verstorbene alte Genossin Stiigemann, der wir bereits gestern in Kürze gedacht hatten, schreibt uns noch eine be- kannte Genossin: Nun ist auch die letzte jener Genossinnen von uns gegangen, die bereits am Ausgang der 6ver Jahre innerhalb der Arbeiterbewegung für den Anschluß und die Aufklärung der Frauen eintraten. Aus ihrer ländlichen Heimat im Oderbruch kam sie in frühen Jahren nach Berlin, wo sie bald an der Seite ihres Mannes in die Scharen Lassallcs eintrat. Sie gründete, nachdem sie zum ersten- mal in einer Volksversammlung mit den Männern diskutiert hatte, vereint mit den Frauen K a n t i u s und S ch a ck o w, den ersten Arbeiterinncnverein. Die Polizei machte diesem bald den Garaus, weil„sich seine Mitglieder mit Politik" beschäftigt haben sollten. Haussuchungen beim Vorstand und Gefängnisstrafen waren die Folgen. Genossin Stägemann hat nach Verbüßung derselben mit um so größerem Eifer unter den Proletariern agitiert und mitgearbeitet, so manchem Ausgewiesenen hat sie Unterkommen und Schutz gewährt, viele der Gehetzten durften sich an ihrem Tische sättigen. Als dann anfangs der 89er Jahre eine neue Bewegung unter den Proletarierinnen sich Bahn brach, war sie es wiederum, die überall anfeuernd und ermutigend wirkte. Ihre Ansprachen und Aufrufe zur Organisation, schlicht und einfach, fanden immer Verständnis und Widerhall in den Herzen und Köpfen der Frauen und der Männer des Proletariats. Sie gehörte dem Vorstand des zweiten Arbeiterinnenvereins wiederum bis zu seiner Schließung an und wurde gleich den anderen Vorstandsmitgliedern mit 199 M. Geldbuße bestraft. Derselbe nichtige Vorwand, die angebliche Be- schäftigung mit Politik, hatte der Polizei für die Schließung als Vorwand gedient. Mutter Stägemann blieb mit ganzer Seele bei dem kämpfenden Proletariat und als die Todcskrankheit sie schon erfaßt hatte, war ihr Interesse, ihre Sorge immer noch darauf gerichtet, daß der Kampf für Freiheit und Recht auch fortschreite, daß auch die Frauen, die Arbeiterinnen, stets lebhaften Anteil nehmen möchten. Das ist ihr Vermächtnis an das Proletariat, nie werden wir unsere treue Vorkänipferin vergessen. Einen Triumph Orville Wrights stellte der Flug dar, den der kühne Aeronaut am DicuStagnachmittag unternahm. Die 59—69 999 Zuschauer, die sich wiederum eingefunden hatten und bereits um 4 Uhr daS mächtige Flugterrain in schwarzem Ring umschlossen hielten, mußten zwar lange warten, wurden dann aber auch über Erwarten reich für ihr Harren belohnt. Infolge de? starken böigen Südwests flog der Aviater erst 3 Minuten nach a/tG Uhr auf. Und in der ersten Viertelstunde seines Fluges hatte er, wie das Auf- und Niederwogen seines AeroplanS bewies, auch noch tüchtig mit dem Winde zu kämpfen, wenn auch die Flug- Maschine unbekümmert ihre Kreise zog. Dann aber gewann der Flug zusehends an Stetigkeit und Eleganz. Mit geradezu wundervoller Grazie zog jetzt Orville Wright in bald größeren, bald kleineren Rundflügen, bald von West nach Ost, bald von Ost nach West übers Feld. Die Maschine gehorchte ihm wie ein Auto- mobil einem getvandten Chauffeur. Jetzt flog er auch unmittelbar an den langen Ketten der enthusiasmierten Zuschauer vorüber, bald auf der Rixdorfer Seite, bald unmittelbar an der Tempelhofcr Chaussee, bald auf der Süd-, bald auf der Nordgrenze des Flug- terrainS. Jedesmal, wenn er an der Tempelhofer Chaussee vorbei- ratterte, machten etliche Hunde einen heftigen Angriff auf den selt- samen Riesenvogel. Einmal veranstaltete er an der Ringbahn einen Wettflug mit einem von Tempelhof nach Rixdorf fahrenden Zuge, den er aber im Handumdrehen weit überholte. Und als sich die Schatten des Abends auf die Landschaft legten, stieg der weiße Riesengeier immer höher in die Lüfte, um sich in der Höhe von 59 Metern wie spielend in der Runde zir tummeln. Unvergleichlich sah es aus, wenn das Fahrzeug — wir beobachteten die Flüge von der oberen Etage eines Hauses der Schtvicbuser Straße aus mit einem 12fachen GoerzglaS— hoch über den Baumwipfeln der Hasenheide wie ein Schwan majestätisch dahinzog, sich mit seinen weißen Segelflächen scharf gegen das Wolkengrau deS abendlichen Himmels abzeichnend. Deutlich sahen wir den Lenker dieses Wunderfahrzeuges in sicherer Ruhe neben seinem Motor sitzen und mit gelassenen Armbewegungen durch die kühlklare Luft steuern. Wer diesem Fluge beilvohnte, für den wurde es zur frohen Ueberzeugung. daß die„Eroberung der Luft" keine Illusion niehr, sondern eine glorreiche Tatsache ist. Nach einem Flug von 52 Minuten landete Orville Wright sanft in der Mitte des Feldes. Er muß mindestens 69 Kilometer zurück- gelegt haben._ Die Erpresseraffäre des Journalisten Dahsel ist dein Herausgeber der„Wahrheit", dem ReichstagSabgeordnetcn Wilhelm Bruhn, immer noch sehr unangenehm. Der Prozeh gegen 2>ahsel rückt immer näher, und die Gewißheit, daß festgestellt wird, daß Dahsel zu seinen Erprcsscrpraktiken als Mitarbeiter die Bruhusche„Wahrheit" benutzt hat, bereitet Herrn Bruhn sichtliches Unbehagen. Auf eine vor Wochen über die Dahselschen Beziehungen zur„StaatSbürgerzeitung" und dann zur Bruhnfchen„Wahrheit" gemachte, in zahlreichen Blättern abgedruckte Korrespondenz ist Bruhn besonders schlecht zu sprechen. Und er kündigt großmäulig an, den Verfasser der ZeitungSkorrcspondenz, als welchen er einen Herrn Schweder bezeichnet, zu verklagen. Hierzu wird uns ge- schrieben: „Der Herausgeber der„Wahrheit", Reichstagsabgcordnetcr Bruhn, entrüstet sich über einen von dem Berichterstatter Schwedcr über die Erpresserangelegenheit Dahsel veröffentlichten Bericht, da in diesem Beleidigungen enthalten seien. Bruhn will Schtveder und alle Zeitungen, die den Schwcderschen Bericht aufgenommen haben, wegen Beleidigung verklagen. Ich kann im Augenblick nicht beurteilen, ob und inwieweit Bruhn recht hat, jedenfalls ist dieser Konflikt zwischen den zwei ehemaligen antisemitischen Freunden sehr interessant. Der feinfühlende Herr Bruhn. der Herrn Schwcder. damals Famulus des Herrn Dahsel, sehr begünstigte. hatte nichts einzuwenden, als in den 1899cr Jahren— wenn ich mich nicht täusche, unter dem Vorsitz Bruhns— zwei Bericht- erstatter, die Herren Wohlberg und Krause-Görner, auf aus- drückliche Veranlassung Schweders, aus einer Anti- semitenversammlung hinausgeprügelt wurden. Der damalige Kandidat der Theologie Wohlberg, der, soweit mir erinnerlich, für den„Lokal-Anzeigcr" schrieb, wurde nicht nur in furchtbarster Weise verprügelt, es wurden ihm auch die Sachen vom Leibe ge- rissen. Schweder befürchtete nämlich, die genannten Journalisten könnten ihm Konkurrenz machen. Es ist eine Ironie des Schicksals, daß Herr Bruhn die Rüpelei, durch die sich am Ende des vorigen Jahrhunderts die Antisemiten in jeder Beziehung auszeichneten und die er in erster Reihe hat großziehen helfen, nun von einem feiner Zöglinge am eigenen Leibe zu spüren bekommt." Durch dncit Sturz aus dem Fenster tödlich verunglückt ist gestern nachmittag der ö Jahre alte Sohn Max des Arbeiterehepaares Markgraf aus der Triftstratze 60. In Abwesenheit seiner Eltern fiel der Knabe aus einem Fenster der im vierten Stock gelegenen Woh- nung auf den Hof hinab und war sofort tot. Die Leiche wurde von der Nevierpolizei beschlagnahmt. Der Abonnements-Verein von Dienstherrschaften für kranke Dienstboten zu Berlin auf Gegenseitigkeit schickt durch seinen Vor- sitzenden, Herrn Stadtverordneten und Landtagsabgeordneten Leopold Rosenow, folgenden Waschzettel den Zeitungen zum Abdruck: „Die Hauptleistungen des Vereins bestanden bisher in der Gewährung von Krankenhausverpflegung und Behandlung der erkrankten Dienstboten in der Sprechstunde der Aerzte.' Die Krankenhauskosten sind neuerdings in allen Krankenanstalten von 2,56 M. pro Tag auf 3 M. und mehr erhöht. Die ärztliche Behandlung in der Sprechstunde hat sich von 1 M. auf 1,25 M. für die Befragung verteuert. Dies erfordert eine Mehrausgabe von etwa 86 666 M. für Krankenhausverpflegung und etwa 56 666 M. für ärztliche Behandlung in der Sprechstunde. Eine weitere Erhöhung der Ausgaben erfordert ein vor- liegender Antrag auf Gewährung freier Arznei und des not- wendigen ersten Besuches bei erkrankten Dienstboten im Haufe der Dienstherrschaft. Eine völlig sichere Schätzung dieser Kosten ist schwer zu treffen, es werden aber mindestens 166 666 M. jährlich dafür erforderlich sein, so daß die Mehrausgaben insgesamt 236 666 Mark betragen werden. Wie wir hören, will aber die Ver- waltung den Versuch machen, die gesamten entstehenden Mehr- kosten zu tragen, wenn der Beitrag von 7,56 M. auf 16 M. erhöht wird. Hierüber, sowie über die durch die dauernde Steigerung der Jahresausgaben notwendig gewordene Erhöhung des Re° servefonds, soll in der einberufenen außerordentlichen Mitglieder. Versammlung am Mittwoch, den 22. September 1969, Beschlutz gefaßt werden. Insbesondere wird von den Mitgliedern die Gewährung freier Arzneien lebhaft verlangt." Der Zweck dieses Änschreibens ist ganz klar. Mit den großen Zahlen will man prunken und den Anschein erwecken, wunder welch große Leistungen der Abonnementsverein gewähre. Ob dabei die Berechnung der Kosten richtig ist, die durch Lieferung freier Arznei erwachsen, soll einstweilen unerörtert bleiben. Verwischt werden soll aber die Tatsache, daß der Verein an Vorstand und Aufstchtsratsmitglieder hohe Summen an„Entschädigungen" zahlt, die in gar keinem Verhältnis stehen zu der„Tätigkeit", die in Wirklichkeit geleistet wird. Ein Kindesmord? Auf dem Flur des Hauses Steglitzer Straße 32 fand gestern morgen um 8 Uhr ein Briefträger ein Paket, das die verkckhlte Leiche eines neugeborenen Knaben enthielt. Die kleine Leiche, die in braunes Packpapier eingewickelt war, wurde dem Schau. Hause überwiesen. Nach Aussage von Hausbewohnern hat das Paket schon vorgestern abend auf dem Flur gelegen, und zwar dicht hinter der Haustür. Wie es dorthin gekoinmen ist, ließ sich noch nicht feststellen. Auf der Treppe des Vorderhauses fanden sich in allen drei Stockwerken Blutspuren. Ob diese mit dem Leichen- funde zusammenhängen, bedarf noch der Aufklärung. Sie wurden zu genauer Untersuchung aus dem Treppenholz herausgesägt. Ob die Leiche aus dem Hause stammt oder von der Straße herein- gebracht worden ist, läßt sich noch nicht sagen. Von einem Straßenbahnwagen angefahren wurde vorgestern abend um 9 Uhr eine etwa 56 Jahre alte Frau in der Peters- burger Straße. Die Unbekannte wurde besinnungslos nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Sie hat eine starke Gestalt und graugemischtes Haar und trug einen braunen Rock, eine grau-schwarze Bluse, eine blau-weitz punktierte Schürze, ein Umschlagetuch und eine Markttasche. Ein Brand beschäftigte gestern die Feuerwehr in der Rosen- thaler Str. 27. Dort stand der Dachstuhl des von der Firma A. Wertheim zu Lagerzwecken gemieteten Seitenflügels in Flammen. Um an den Brandherd zu gelangen, wurden in der Sophicnstratze zwei große mechanische Leitern aufgestellt und über diese drei Schlauchleitungen vorgenommen. Außerdem wurde ein Rohrführer mit einem Rauchschutzhelm ausgerüstet, um wirksam Wasser geben zu können. Stach einhalbstüudiger Tätigkeit war die Gefahr für daS Warenhaus beseitigt. Das Feuer soll angeblich im Packraum aus- gekommen sein. Absturz von der Bahnhofstreppe. Eine aufregende Szene hat sich vorgestern abend auf dem Potsdamer Südringbahnhof abge- spielt. Ein unbekannter, anscheinend dem Arbeiterstand ange- hörender, etwa 46 Jahre alter Mann, wollte sich auf den Bahnsteig des Bahnhofs begeben, doch war ihm von einem Beamten der Zutritt versagt worden, angeblich, weil er angetrunken war. Noch mehrere Male machte der Fremde den Versuch, auf den Bahnsteig zu gelangen. Es hatte sich schließlich eine größere Menschenmenge angesammelt, die sich zum Teil auf die Seite des Unbekannten stellte. Als der letztere dann noch einmal die hohe steinerne Treppe hinaufstieg und durch die Billettsperre wollte, stürzte er rücklings ab und fiel die ganze Treppe hinunter. In besinnungslosem Zustand wurde der Verunglückte nach der Rettungswache in der Köthener Straße gebracht, wo bei ihm schwere Verletzungen fest- gestellt wurden. In sehr bedenklichem Zustand fand der Unbekannte im Krankenhaus Moabit Aufnahme. Mit dem Rade gestürzt und unter die Straßenbahn geschleudert. Doppelt verunglückt ist gestern der 32 Jahre alte Tischler Fritz Peleschke aus der Brüsseler Str. 62. P. pflegte stets auf seinem Zweirade nach seiner Arbeitsstelle zu fahren. Gestern kam er auf der Rückfahrt plötzlich zu Fall. Er stürzte mitsaint dem Rade und wurde unglücklicherweise unter einen gerade vorüberfahrenden Straßenbahnwagen geschleudert. P. wurde zwischen Schutzblech und Gleise geklemmt und konnte, nachdem der Wagen erst mittels Winden hochgehoben worden, aus seiner qualvollen Lage befreit werden. Mit schweren inneren und äußeren Verletzungen wurde der Verunglückte in das Virchow-KrankenhauS eingeliefert. Der Zustand deS Verunglückten ist hoffnungslos. Arbeiter-Samaritertolonue. Morgen Donnerstag, abends 9 Uhr: Beginn des Kursus in der 3. Abteilung in Schöneverg bei Wieloch, Grunewaldstr. 116; 4. Abteilung in Lichtenberg bei Beckmann, Samariterstr. 11 und 6. Abteilung in Rixdors bei Kaufhold, Erl- straße 8. BortragSthenia: Ueber Anatomie Der Besuch des ersten Abends steht jedem als Gast frei. Das Polizeischiffahrtsbureau wird am 1. Oktober d. I. von Probststr. 8 nach Molkenmarkt 1 Part. r. verlegt. Durch die cnt. stehenden Umzugsarbeiten werden an diesem Tage bei der Ab» fertigung der Schiffer einige Verzögerungen eintreten. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht kam in der Manteuffelstr. 47 Feuer aus. Möbel in einer Wohnstube waren in Brand geraten. Nicht weit davon, Adalbertstr. 41, mußte gleichzeitig ein Kellerbrand gelöscht werden, der durch eine Lampe ausgekommen war, die eine Holzverschalung in Brand gesetzt hatte. Der 16. Zug wurde nachts nach der Hennigsdorfer Straße 6 alar- miert. Grober Unfug lag einer Feuermeldung zugrunde, die nachts um 3 Uhr aus der Ackerstr. 129 einlief. Der Täter ist unerkannt entkommen. Ein Balkenlagerbrand beschäftigte den 7. Zug in der Pallisadenstr. 26. Mit Erfolg wurde ein Sauerstoff- apparat benutzt bei einem Kranken in der Jerusalemer Straße 44-45. Wegen einer Leuchtgasvergiftung wurde der 16. Zug nach der Plantagenstr. 7 verlangt. Dort hatte ein Mann in selbstmörderischer Absicht sich vergiftet. Es gelang den Be- mühuugen eines herbeigerufenen Arztes den Lebensmüden zu retten. Vorort-sisacbricbten. Schöneberg- Stadtverordnetenversammlung. Die Versammlung nimmt zunächst davon Kenntnis, daß der Vorstand des deutschen Städtetages die von Schöncberg beantragte Einberufung eines außerordentlichen Städtetages abgelehnt habe. Ebenfalls zur Kenntnisnahme unterbreitete der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung die Antwort des Vorstandes des Brandenburgischen Städtetages, die der Oberbürgermeister Koeltze-Spandau auf die Anregung der Schöneberger Stadtverordnetenversammlung, die Frage der Verbesserung des kommunalen Wahlrechts» auf die Tagesordnung des diesjährigen Brandenburgischcn Städtetages zu setzen, erteilt hat. In der Antwort heißt es, daß dem gestellten Antrage nicht entsprochen werden konnte, weil die vorher festgesetzte Tagesordnung schon so umfangreich ist, daß weitere Gegenstände nicht behandelt werden können. Die sozialdemokratische Fraktion hatte zu dieser Angelegenheit folgenden Antrag eingebracht: Die Stadtverordnetenversammlung beauftragt ihre Dele- gierten zum 32. Brandenburgischen Städtetag zu Punkt 11 der Tagesordnung des Städtetages den Antrag zu stellen: „Auf die Tagesordnung des nächstjährigen Branden- burgischen Städtetagcs ist als ein besonderer Punkt d i e Frage der Verbesserung des kommunalen Wahlrechts zu setzen." Der Magistrat wird ersucht, sich diesem Antrage anzu- schließen. Stadtv. Zobel(lib. Frakt.) meinte, daß es zu erwarten war, daß den Herren die Beratung einer derartigen Frage in Rixdorf unangenehm ist. Die Wahlrechtsfrage sei eine der brennendsten Fragen der Kommunen. Deshalb hätte die Tagesordnung abge- ändert werden müssen, um den Antrag Schönebergs zur Beratung zu stellen. Seine Fraktion habe die Absicht gehabt, einen ahn- lichen Antrag in der nächsten Sitzung zu stellen, wie ihn die sozial- demokratische Fraktion gestellt hat. Redner hält es für richtiger, wenn der Antrag nicht an den Städtetag selbst, sondern wieder an den Vorstand gestellt wird. Der Städtctag würde den Antrag ja doch ablehnen. Stadtv. Wollermann sSoz.) äußerte sich dahin, daß es nicht nötig sei, heute auf die Wahlrechtsftage näher einzugehen. Die Schöneberger Stadtverordnetenversammlung habe ihre Stellung in dieser Beziehung bereits bei früheren Gelegenheiten festgelegt. Wenn der Stadtv. Zobel meine, daß man sich mit dem Antrag wieder an den Vorstand und nicht an den Städtetag direkt wenden solle und sich davon mehr Erfolg verspräche, so kenne er eben die ganzen Verhältnisse nicht. Davon könne man schon heute überzeugt sein, daß der Vorstand des Brandenburgischen Städtetages den Antrag wieder genau so ablehnen werde, wie er vom Städtetag selbst auch abgelehnt wird. Man braucht sich nur vor Augen zu führen, welche Stellung in anderen Stadtparlamenten bürgerliche Vertreter zu dieser Angelegenheit eingenommen haben. Die bürgerlichen Parteien wollten eben von einer Verbesserung des kommunalen Wahlrechts nichts wissen. Durch die Annahme des sozialdemokratischen Antrages würde wenigstens erreicht, daß in Rixdorf über die Wahlrechtsfrage gesprochen werden könne, dort, wo die bürgerlichen Parteien sogar noch eine Verschlechterung des ohnehin schon elenden Wahlsystems vorgenommen haben. Die ab- lehnende Begründung des Oberbürgermeisters Koelhe sei ja einzig. Wenn man sich das Programm des Städtetages ansehe, so finde man, daß an den beiden Tagen nur je drei Stunden verhandelt wird, während die übrige Zeit dem Essen, Trinken und sonstigen Amüsement gewidmet werden soll. Man sollte dagegen energisch protestieren, daß sich solche Veranstaltungen überhaupt noch den Namen eines„Städtetages" beilegen. Redner empfahl die An- nähme des sozialdemokratischen Antrages. Stadtv. Küter(Soz.) empfahl, zu dem diesjährigen Städte- tag 4 Stadtverordnete zu entsenden, so daß jede Fraktion dort ver- treten sei. Stadtv. Heyne(Unabh. Vereinig.) war mit der Entsendung von 4 Stadtverordneten einverstanden. Der Antrag der sozialdemo- kratischen Fraktion sei in so vorsichtiger Form gefaßt, daß eigent- lich niemand dagegen stimmen könne. Stadtverordnetenvorsteher Rheinbacher trat dafür ein, daß die Referate über die Wertzuwachssteuer von der Tagesordnung des Städtetages abgesetzt werden. Nachdem eine derartige Steuer vom Reich vorgesehen ist, sei es ganz nutzlos, darüber noch zu reden. Die Städte hätten sich früher damit beschäftigen müssen. Stadtv. G o t t s ch a l k(lib. Frakt.) trat den Ausführungen des Stadtverordnetcnvorstehers entgegen. Man müsse alles daran- sehen, um zu verhüten, daß ein Reichswertzuwachssteuergesetz zu- stände kommt. Stadtv. Molkenbuhr(Soz.) wandte sich ebenfalls gegen den Stadtverordnetenvorsteher. Die Reichswertzuwachssteuer sei ein Zukunftsgesetz, das erst 1912 in Kraft treten soll. Es stehe noch gar nicht fest, wie die Gestaltung des Gesetzes aussehen werde. Wenn das Gesetz erst vorliegt, würde eine Opposition dagegen in allen Kreisen eintreten. Der sozialdemokratische Antrag wurde darauf angenommen. Zum Städtetag entsandt werden vier Delegierte und zwar: Zobel(lib. Frakt.), Hepner(Unabh. Vereinig.), Alterthum(lib. Vereinig.) und Hoffmann(Soz.). Eine Vorlage des Magistrats fordert die Stadtverordneten- Versammlung auf, genaue Bestimmungen darüber festzusetzen, in welcher Weise ein vor mehreren Jahren�geschaffener Fonds zur Unterstützung bedürftiger Schüler beim Besuch der höheren Schulen verwandt werden soll. Nach dem damaligen Beschlutz der Stadt- verordnetenversammlung sind alljährlich 3666 M. in den Etat ein- zusetzen, um hervorragend begabten Schülern der Volksschule Frei- schule an einer höheren Lehranstalt zu gewähren. Oberbürgermeister Wilde erklärte, daß für die höheren Schulen ja bereits ein derartiger Fonds besteht, indem alljährlich 16 Proz. Freistellen zu besetzen sind. Nach der Meinung des Magistrats sei der Fonds von 3666 M. von diesen Freistellen un- abhängig; es müßten also besondere Bestimmungen darüber getroffen werden. Es müsse als Pflicht der Gemeinden anerkannt werden, armen begabten Kindern den Besuch der höheren Schulen zu ermöglichen. 3666 M. jährlich bedeutet für diesen Zweck aber gar nichts. Es wäre daher am besten, einer gemischten Deputation die Angelegenheit zu überweisen. Stdtv. Molkenbuhr(Soz.) bemängelte, daß die Summe eine Reihe von Jahren im Etat stehe, aber wenig davon ausge- geben sei. Wer die Schöneberger Verhältnisse kennt, der wisse, daß es eine ganze Anzahl von bedürftigen Volksschülern gibt, denen eine Freistelle gewährt werden könne. Mit der Freistelle allein sei auch nicht viel gedient. In den meisten Fällen sollen die Kinder mit dem 14. Jahr bereits Geld verdienen helfen und es müssen die» selben dann von der Schule weggenommen werden, ehe der Besuch der höheren Schule vollendet ist. Es müsse dafür gesorgt werden, daß den Eltern ein mäßiges Kostgeld bezahlt und die nötigen Bücher angeschafft werden; dann erst würde man mit den Frei- stellen das erreichen, was man sich als Ziel gesteckt hat. Die Vorlage wurde darauf einer gemischten Deputation über- wiesen. Dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung, den Ge- werbegerichtsbeisitzcrn Zivilprozeßordnungen zu liefern, ist der Magistrat beigetreten. Eine Reihe von Nachbewilligungen für einzelne Etatspositionen wurden ohne nennenswerte Debatten genehmigt. Am Sonntag, den 12. Scptcmlicr, ist vom JngendauSschuß ein AuSflug nach dem„Alten Freund" geplant. Abfahrt 16>/z Uhr Bahnhof EbcrSstraße, Treffpunkt 11 Uhr Bahnhof Grunewald. Alle Jugendlichen Schönebergs find hierzu freundlichst eingeladen. Der Jugend-BildungSauSfchuß. �' Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich vorgestern nachmittag in der Gothenstraße. Der 9jährige Schüler Willi Meier hatte sich an daS Hintergestell einer den Straßenzug passierenden Droschke angehängt. Als er von dem Gefährt heruntersprang, glitt der Knabe auS und geriet unter einen vorbeifahrenden Lastwagen, dessen Räder ihm über Brust und Beine hinweggingen. Er wurde mit zermalmten Unterschenkeln und einer schweren Brustquetschung nach dem Schöneberger Krankenhaus übergeführt. Polizeilich beschlagnahmt wurde die Leiche des 14jährigen Schülers Bruno Behrens, der in der Nacht zum Dienstag in der elterlichen Wohnung, Hohenfriedbergstr. 7 in Schöneberg, verstarb. Die Stiefmutter des Knaben behauptet, daß Bruno B. noch um 2 Uhr munter gewesen sei, während sie ihn eine Stunde später, als sie wieder erwachte, als Leiche im Bette vorfand. Der Junge habe wohl feit zwei Tagen etwas gekränkelt, doch habe sie dem keine Be- dcutung beigelegt und infolgedessen ärztliche Hilfe nicht in Anspruch genommen. Da der auf Veranlassung der Polizei herbeigerufene Arzt die Todesursache des Schülers nicht festzustellen vermochte, wurde die Leiche beschlagnahmt und nach der städtischen Halle in der Maxstraße übergeführt, wo heute die Obduklion vorgenommen werden soll. Steglitz. Die Tat eines Lebensmüden rief vorgestern abend in der Paulsenstraße in Steglitz großes Aufsehen hervor. Ein unbekannter, annähernd 35 Jahre alter Mann, zog, mitten auf dem Fahrdmnm stehend, vor den Augen der Passanten eine Flasche mit Blausäure aus der Tasche und trank das Gift. Sterbend wurde der Lebens- müde in einer Droschke nach dem Krankenhaus gebracht. Ober-Schöueweide. Tie Bestätigung des einstimmig von der Gemeindevertretung gewählten neuen Gemeindevorstehers Bertholdt durch die AufsichtS- behörde ist nunmehr erfolgt. Die Einführung in fein Amt wird in der nächsten Vertretersitzung stattfinden. Durch die Wahl des Herrn Bertholdt ist die von ihm bisher innegehabte besoldete Schöffcnstelle zurzeit unbesetzt. Ueber eine Neubesetzung ist bis- her noch kein Beschluß gefaßt worden. Eines schweren Verbrechens wird der 27 Jahre alte Arbeiter Kotke aus der Deulstratze beschuldigt. Gegen K. ist eine dahin- gehende Anzeige erstattet worden, daß er sich schon seit längerer Zeit gegen die 8 resp. 16 Jahre alten Schwestern seiner Frau ver- gangen habe, infolgedessen die beiden Mädchen erkrankten. Tempelhof. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung stand im Zeichen Verkehrs. Die unzulänglichen Verkehrseinrichtungcn haben sich durch das stetige Anwachsen der Bevölkerung zu einer Kalamität entwickelt. Bei einer so wichtigen Angelegenheit hätte man daher auch erwarten sollen, daß alle Gemcindedertreter am Platze waren. Indessen nur 9 Mann waren zur Stelle, die anderen waren aus der Rebhuhnjagd! Hier zeigt sich wieder einmal die von uns schon so oft geforderte Notwendigkeit einer Vermehrung der Gemeinde- vertretcrzahl. Die Große Berliner hat beim Berliner Polizeipräsidium den Antrag gestellt, die beiden Linien 96 und 97 so zu verlängern, daß sie durch die Französische Straße nach dem Alexander Platz ge- führt werden, von wo aus die eine Linie mit der Linie 76 bis Friedrichsfelde, die andere mit der Linie 73 bis zur Prenzlauer Allee geht. Hiergegen wurde nichts eingewendet, eine Verbesserung aber nur dann erblickt, wenn unter Errichtung eines 5 Minuten- Verkehrs eine Linie Tempclhof-Behrenftraße bestehen bleibt und/ diese Linie von Tempelhof abgelassen wird. Begründet wurde dies durch den Uebelstand, daß die Tempelhofer von Berlin aus schwerer mitkommen werden, weil die Wagen in der Französischen Straße schon besetzt ankommen. Der Wunsch der Einwohner aber sei es, eine der neuen Linien durch die Lindenstraße-Moritzplatz geführt zu sehen. Wie schwer die VerkehrSverbiudung auf Tempelhof lastet, geht aus dem Vorschlage eines Gemeindevertreters hervor, der empfahl, durch Vermittelung der Gemeindeverwaltung ein billiges Grundstück der reichen„Großen Berliner" anzubieten, damit, wenn diese Gesellschaft ihren Bahnhos in der Kreuzberg- straße eingehen läßt, sie auf Tempelhof gelenkt werden solle, wo- durch evtl. einige Linien mehr nach Tempelhof kommen könnten. Beschlossen wurde, der Linienverlängerung 96 und 97 nur dann die Zustimmung zu erteilen, wenn ein 5 Mimitenverkehr auf der Strecke stattfindet und außerdem noch alle 15 Minuten ein direkter Wagen bis Behrenstraße fährt. Noch in derselben Sitzung mußte 'ich der Amts- und Gemeindevorsteher Mussehl über die Bchand- inng Dempelhofs durch das Berliner Polizeipräsidium bitter be- 'chweren. Seinerzeit habe diese Behörde durch Versprechungen Tempelhof zu einem Vertrag mit der„Südlichen Vorortbahn" auf 56 Jahre veranlaßt und jetzt, nach 16 Jahren, wo die„Südliche Vorortbahn" ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllen will, ver- wehrt dieselbe Behörde trotz ihrer Versprechungen die Ausführung! So muß auch die Verlängerung der Linie lV nach der Linkstraße unterbleiben, da diese Straße schon überlastet ist.(Die Linie IV, von Groß-Lichtcrfelde kommend, endet beim„Tempelhofer Tivoli", das für die Arbeiterschaft streng gesperrt ist.) Obwohl die Ge- meindevertretung aus früheren Eingaben weiß, daß eine Beschwerde beim Minister wenig Erfolg hat, will sie doch beim Minister vor- stellig werden, selbst gegen den Wunsch des Gemeindevertreters Ticdecke, der fürchtete, daß die Tempelhofer Gemeindevertreter oben als„Nörgler" verschrien würden.— Mitgeteilt wurde noch, daß auch auf dem„Südring" insofern eine Verschlechterung be« absichtigt sei, indem statt dem bisherigen Abstände von 24 ein solcher von 36 �Minuten geplant sei. Als Ersah für die 6 Minuten will die Direktion zu gewissen Zeiten Wagen von der Eisenacher Straße in Schöneberg nach der Gottlieb-Dunkelstraße in Tempel- Hof einlegen. Auch gegen diese beabsichtigte Verschlechterung wurde Einspruch erhoben. Aber all diese Einsprüche und Beschwerden werden wohl ohne Erfolg sein. Besser täte man, bei Verkehrs- Verbindungen an eine eigene Regie zu denken.— Für die zwei in Tempelhof stationierten Kriminalbeamten forderte das Ber- lincr Polizeipräsidium zwei Drittel der Gesamtkosten. Der Betrag von 1918 M. mußte nach dem neuen Polizenkostengesetz bewilligt werden. Da die Gemeinde die Diensträume für diese Beamten stellt, der Mietspreise derselbe inkl. Heizung in Höhe von 266 M., vom Präsidium aber nicht in Anrechnung gebracht wurde, müssen zwei Drittel des Mietspreises der Gemeinde zurückerstattet werden. Wittenau. Eine folgenschwere Gasexplosion hat sich in dem Haufe Rosen» thaler Straße 25 zugetragen. Der Gasmonteur Hermann Jamke aus Berlin hatte in einer Wohnung eine Gaslampe angebracht und dabei die Rohre auf ihre Dichtigkeit hin abgeleuchtet. Während des entströmten einer undichten Stelle große Mengen Gas. Als I., auf der Leiter stehend, die an den Deckcnwandungen angebrachten Gasleitungen ableuchtete, erfolgte plötzlich eine Detonation und im nächsten Augenblick wurde der Monteur von der Leiter her- untergeschleudert. Das im Zimmer sich ansammelnde GaS war durch die brennende Lampe entzündet und auf diese Weise die Explosion herbeigeführt worden. I. wurde durch die Stichflamme getroffen und brannte bald lichterloh. Herbeieilende Hau?- bewohner löschten an ihm die Flammen und sorgten für scme Ucbcrführung nach dem Krankenhaus. Auch drei Hausbewohner, die dem I. au Hilfe geeilt waren, erlitten leichtere Brandwunden an den Händen und im Gesicht. Briefkasten der Redaktion. 100. Zwei Wettende. Die Frage kann so im allgemeinen nicht be- antwoitct werden. Es kommt im mescntlichen aus die Art de» Bruches an. — ft. 27. 1. In Charlotteubura ist ein Gemcindctriedhos nicht. 2. Aus dem Kirchhos der sür den Wohnbezirl zuständigen Kuchengemelnde. 3. Unter bestimmten Bedwgungen ja.— Alter Abonnent Strelitzer Tttaffe. Unter keinen Umstänven dürfen Sie aus die Erpresserbrieje cm» geb«n. Nehmen Sie die Briefe und senden Sie diese der Staatsanwalt- Ichäst ein. Legen Sie die Verhältnisse dar, dann wird dem srechen Burschen das Handwerk gelegt werden.— H. L. 10. Deputatian zur Verwaltung des Gcsindc-Belohnungs- und Nnterstiltzungssonds, Verlin C., Rathaus.— A. G. 21. Sie haben für- das Jahr 1909 noch Kirchensteuer zu zahlen, nicht aber für 1910. Sie müssen aber reklamieren unter Ausweis Ihres Austritts. — E.®. 75. 1. Anmeldungen Rückerstr. 9. 2. Wollen Sie sich gesl. an den Ruderklub.Vorwärts", Stralau, Tunnelstrajze, wenden.— KovScs Nela, Budapest. Das ist eine private Sache, auch Sache des Taktes, aoer letne Parteisache. Ein Genosse, der etwas aus sich hält, wird die Finger davon lassen.— N. 65. 1. u. 2. Richten Sie Ihr Gesuch an den Direktor des städtischen Gewerbesaales, Herrn Ingenieur Hrabowski, Groß- beerenftr. 23, 3 Tr. 3. Das Heim befindet sich Michaelkirchplatz l, 2 Tr.— Börnichen. 1. Für die Wahlen zum Reichstage findet die direkte und ge- Heime Wahl Anwendung, Klassenwahl, aber nicht mit gehäusten Stimmen, dafür aber mit öffentlicher Stimmenabgabe zum preußischen Landtag. 2. Schreiben Sie an den Genossen Hähnchen, Arbeitersekrerär in Guben. — E. ich. 66. Schulen der angefragten Art finden Sie im Adreßbuch, II. Teil, eine ganze Reihe verzeichnet.— F. P. 25. Der Handels, und Transportarbeitervcrband, Berlin, Engeluser 13, hat eine Sektion für Portiers und Hausverwalter.—' O. N. 100. 1. und 2. Nein. 3. Ja. — Schlosser 1Ö0. Ihr Sohn muß sich mit der schriftlichen Erlaubnis des VaterS oder Vormundes und unter Beibringung einer polizeiliche» B«> Icheinigung bei der Ersatzkommission des Ortes seines dauernden AnsentjalteS einen Meldeschein ausstellen lassen und dann sich damit unter Vorlegung seines Geburtszeugnisses bei dem Kommando der Truppe melden, der er sreiwillig beitreten will.— Gharlottenbnrg 40. Wiederholen Sie Ihre Anfragen unter Beisügung Ihrer Abonnemenisquittung.— Einigkeit. Bornholm ist eine Jusel in der Ostsee, einem Amte des dänischen Stijtes Seeland, seit ISSO wieder mit Dänemark vereint.— H. S. 19. 1. Das kommt doch ganz aus Ihre persönlichen Verhältnisse an. 2. Geschmackssache, über die wir nicht urteilen.— Erdmann Dietzmaiin. Felir— lateinisch, Theophil— griechisch, Gottlieb— deutsch, Bogibmo— polnisch. Richtig. o» SozialiiemokratiseliEr te für den lyefiliierBeielistapalilkFeis.l Den Parteigenossen zur Kennt- 1 I nis, daß unser langjähriges Mit- ] glied, die Genossin Psulins Stagemann im Alter von 71 Jahren ver- starben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. September, nachmittags i Uhr, von der Leichenhalle des Zentralsriedhoses in Friedrichsselde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 223/11 Der Boritand. weikUftällellüllilMlick!! öer Ärteitepklasse. Todes-Anzeige. Am Sonntag, den 5. Septem- ber, verstarb unser langjähriges, treues Mitglied, Frau Paulme Stägemann im Alter von 71 Jahren. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am ! Donnerstag, den 9. September, nachmittags 4 Uhr, von derLeichen- > Halle des Zentral- Fricdhoses in | Friedrichsselde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Oer Vorstand. fl' Sozlaldemokrailsclier Wahlvereli dos 6. Eeri. PÄtags- Wahlkreises, Todes• Anzeige. Am 5. September verstarb unser Mitglied, Frau �isrie Füllgraf Marttn Opitzstr. 22. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 8, September, l| nachmittags 4 Uhr, von der Z LeichenbaUe dcS PaulS-Kirchhoscs m Plötzensee auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/9 Oer Vorstand. Am Sonntag entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann und sürsorgender Bater, Bruder, Schwa- ger und Onkel, der Putzer �tixtist Sperling im Alter von 50 Jahren. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. d. M., nach- mittags 3 Uhr, vom Moabiter Kranlenhause nach dem Johannis- Kirchhof in Plötzensee statt. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen Zentral-VerW iler Maurer Deiitseiilauils. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rlitglied August Sperling am 4. September an Herzklappen- cntzündung verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. September, nachm. 3 Uhr, von der Leichen- balle des Moabiter KranlcnhauseS, Birkenstr. 62, aus nach dem neuen It, Johannis-Fricdhos, Plötzensec, hinter dem Schützenhause, statt. Die Erlaubnis zum Singen ist verweigert worden. Die Bccrdi- I gung findet statt obne Prediger. Um rege Beteiligung ersucht ! 134/16 Der Borstand. Am Sonnabend, den 4, Sep- tember, verstarb nach kurzem, schwerem Krankenlager unser früherer Kollege üoitlieb Ikeopkil. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute I ! nachmittag 5 Uhr von der I I Leichenhalle des Heilig- Kreuz- I Kirchhoses in Mariendors aus I j statt. 1340b Die Kollegen und Kolleginnens der Firma Oonipnnslng Compnnz-. Zentraiverband der 1 Schuhmacher Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, s daß unser Kollege am 4. September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beervrgung findet am Mittwoch, den 8, September, nach- mittags 51/, Uhr aus dem«Vau- efischen Gemeinde- Friedhof in ovf statt, Die OrtSlierw oltung. Haben Sie Stoff? /dt lertite davon Anzug od. Paletot ach Mass, schick, daucrh. Zutaten, von20 Mark an. Mot..... Neue Promenadel.ll.t Deutscher Metallarbeiter-Verband! Verwaltungsstelis Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß| unser Mitglied, der Hobler (jottlieb Ideopkil am 4, September an Nierenleidens gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet aml Mittwoch, den 8. September,! nachmittags 5 Uhr, von der I Leichenhalle des Heilig> Kreuz- Kirchhofes in Martendorf aus statt, s Rege BeteUigung wird erwartet. Naelirntk'. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin Frida Günther am 3. September an Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken 122/9 Ois Ortsverwaltung, y Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, Kollegen und Kolleginnen sowie der Firma Paul Hahn für die große Be- leiligung und die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben, unvergeßlichen Frau Anna Ney geb. Ihm sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank, insbesonöere dem Gesangverein .LiedeSsreundschast" für die gütige Mitwirkung bei der Leichenfeier. Der trauernde Gatte ttermann Ney 23732_ nebst Kindern. Franen-Begräbtriskasse der in Schriftgießereien beschäftigten Arbeiter Berlins. Freitag, 10. September, abends 6 Uhr, beim Kollegen P. Zimmermann, Wilhelmstrahe S: Veverai-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht für das erste halbe Jahr 1909 und Bericht der Revisoren. 3. Ver- schiedenes. Sämtliche Mitglieder find hierzu eingeladen. 28814 Der Torstand. In Berlin o. Vororte .A, UUU�I.t, CMlUtCl Moritz Labana h.Il.(SrtllhMrst). Wegen r soinor die1 �Gesundheit färd\ �Eigeuschaften sein. �Wohlgesohmacks u.hoh � �Nährw.w. e. Versuch genagt, rBr. Well's flSbrsalz-Binaiien-Kekio' �dauernd zu verw. Besond. f. �Blutarm., Nervös., Gones �Paket=,/S Pfd. 1 �Versand O.MADER� Berlin S., . Prinzonsf., jedes 37. Quantum\/ frei Haus. j Billiüfsto Bezugsquelle I geilieg-TraueFgarilerohe IWestmannsl Trauer-Magazin j Berlin W., Mohrenstr. 37a j HO., Gr. Frankf. Str. 115. 1 Genaue Beoclitung | meiner Firma u. Haus- 1 nummer geboten! Keine Mietskiserne, sondern gemütliche, geschmackvolle I Heime u. doch billigl 2 u. 1 Z. I ' mit u. ohne Bad u. Balkon. Kaiscr-Friedrichstrahe 78/70 I ß zu Rixdors. Bei zweijährigem I Kontrakt 1 Sllonat frei. LandtagswahL Öffentliche Wähler- Versammlungen Treiian, den 10. September, abends S Uhr: i. Landtags- Wahlbezirk. Sanssouci, KMchr Str. ß. K. Landtags- Wahlbezirk. Keller(pr'eyer), KlMIlßr. 29. 7. Landtags- Wahlbezirk. Nrtichffiiltde-Osttlis,Frtii,ks.AlIll15VS2. 1. 12. Landtags- Wahlbezirk. PriiWle Uorwest, Wicksjtr. U. Tages-Ordnung: Die bevorstehenden Landtagswahlen. Referenten: Die Kandidaten der Kreise korgmann, Heimann, Hirsch, Ad. Holfmann. 2. Freie Diskussion. Jedermann ist freundlichst eingeladen.'"MA Um rege Agitation ersuchen Die sozialdemokratischen Wahlkomitees. veauerei prZeckricksliaia An» Kttnlgstor. Heute, Mittwoch und folgende Tage: SaK" Gr. bayerisches) Volksfest«~S9(B Der berühmteste gestwirt Sederzeli Ldrengruder mit feiner Originaltruppe(SO Pers.) auS München. Extra stark gebrautes Bier wird von 2S bahr. Madl'n serviert. Bei ungünstiger Witterung im großen Saale. Wßf Dauzkräuzchen."Tis® Ansang O Uhr. Enlree 20 Pf. Saisonl. h. Güttigk. Vereins- Snumii llixdorf, tiermnnnstr. 214/219.\ Oekonom; Max Wandt TilgUch:-WÜ IGr. 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Tanzlehrer-Verein „Solidarität". Vereine, Gewerkschaften, Komitees! Hierdurch zur gest. Kenntnis, daß der Tanzlehrer-Verband »Solidarität", gegr. 1892, von fsreitag, den 1«. September, abends 9 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer IS, regel» mähig seine Sitzung abhält. Bestellungen werden im Gewerkschaftshause, Bricskasten, am Busctt, sowie beim Unterzeichneten jederzeit entgegengenommen. IIvi- Vorstand. 200/1 Richard Heinrich, Wrangelstr. 107, Amt IV, 10381. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,«tÄ 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2—4. Giiiist, Eliten, gar. lebend Ank., 8 Monat alt, voll- kommen ausgewachsen, vollfcdrig, ffeischig, schlachtreif, 10 St. ca. 3 Psd. schwere Gänse 32 Mark; 18 schivere Enten 30 Mark. 256/14 K. Streusand, Ozieditz, Schlesien 45. Die V. Abänderung des Kassen- statuts ist genehmigt und tritt die Erhöhung des täglichen Kranken- gelbes von 50 aus 55 Prozent des durchschnittlichen Tagelohns vom 13. September er. ab in Krast. Jiiniliigs-Krankcnkaffc der Dach-, Schiefer- und Ziegcldccker-Jnnung zu Berlin. vor VorsteuMl. I. A.: 277/8 Gustav Hohüorf, Vorsitzender. Verleih-Iiiatitnt: Friedrichst.115/l,a.Dia6g. 'Tor. Elcg. Frack, Gehrock 1,50, Hose 1,00, Weste 50Ps. VSSÄVSGSSGG«« Tndcknrhkitcr- GkiiOiisdillst, Ke«l>iirz Gleneralvertrieb und Fabriklager Berlin SO., Köpenicker Straste ZOa Vertreter: Ud« Stangenberg at94«,ov' Niederlage der Nordhäuser Kautabäkarbeiter-Genossenschast �lx»rrei»— IMgrsretten— Kantababe zu Fabrikpreisen. Ein Wort: Goldperle 44 Entscheidet beim Einkauf von ___ Seiscnpulver._____ Jedes Paket enthält ein hüb- schcs, praktisches Geschenkt— Fabrikant: Lctiulzrnsrlcs. Carl Gentner, Göppingen. l I l Obacht wegen den vielen minderwertigen Nachahmungen l l l -....— ten üoldschmuck,_______ 14 karätige Goldauflage. lOjührige urkundl. Garantie für gutes Tragen, sonst verbürgter Umtausch. Elegante Original-Etuis. Binige Preise. 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