Nr. m RbennemcntS'ßedinsungtn: «lbonnements> PrciS prünumerand»: Liertcljährl. 3£0 SRI, monatt. 1,10 50! f., wöchenllich 28 Pfg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag«- nummer mit illustrierter Sonntag«- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiiung«- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, A6. Jahrg. CrWelnt tZgll» außer Glontas«. _)& � Vevlinev Volksblcltt. Die TnlertlonS'Gebübr CälrSgt sür die scchsgcspalienc Kolonef- , geile oder deren Raum m Pfg., für polltlsche und gcwcrkschafiüche Vereins- und VerlaminIungs.Anzelgen SO Pfg. „Kleine Jlnicigen", da« erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jede« weitere Wort 10 Pfg. Stellengeluche und Schlaf- stellen-SInzeigen da« erste Wort 10 Pfg., jede« weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ü Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SuUlileinslirat BeriiD". Zcntralorgan der rozialdemokrat» fehen Partei Deutfcblande. Redaktion: SRI. 68, Lindenstraeae 69* Ferusprechcr: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenatraaae 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Quittung. Im Monat August gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Aachen-Land-Eupen, sozialdcmolr. Verein 33,04. Groß-Berlin, a konto seiner 8 Wahlkreise 12 000,— fdarunter: Waldfest Süden 138,80, von den Schneidern der Werkstatt Benedikt 20,—. A. B. Mister 1,—, Männerchor»Liederlust II" 20,—, Bleistegs Bierkasse 1,—, Uebcrn See gefahren bei Garn 2,20, Monatsbeitrag Bagkarl 3.—, MonatSbcitrag Raschle 10,—, L. Pemükler 2,10, Argus Motoren 10,—, Ueberschuß einer Kranzspende von Hein u. Lehmann Co. 6,—, Laast 653a 10,—, Gaedicke 1,—, von den Arbeitern der Werk- statt Stern, Seliger u. Co. 10,—, Arbeiter der Möbel- fabril Felper u. Köster, Cadinerstraste, znr LandtagSwahl 20,—, Max Richter 5,—, von den organisierten Arbeitern deS Böhmi- schen Brauhauses 4,10, von den Genossen des 33. Stadtbez. 15,—, .Vorwärts", Rauchllub ohne Zwang 20,—, Tischlerei Rösler u. Schmidt zur LandtagSwahl durch SchinkowSky 30,—.) Berlin, diverse Beiträge: Personal deS.Lokalanzciger", Abt. Falzerci 35,50. Dr. K. R. 25,—. Mitglieder der II.» Dr. 7,50. Ueberschust einer amcrik. Auktion vom Waldfcst deS 2. Kreises durch H. L., G. M. 5.—. C. D.. Guhrau 3,—. Buchdruckerei Billig Nachf. 2,30. AuS der Sechserkaste der Buchdruckerei von Maurer u. Dimmick 10,—. Von den Kollegen und Kolleginnen der Auer- Gesellschaft 30,—. Machetes, Juni— August 15,—. Gutenberg. Juli— August 63.90. Die Kontobucharbeiter vom Wedding 5.—. Dr. L. A. 100,—. A. B. 50.—. P. S. 50,—. Knabe 5,—. M. 23., Juli— August 4,—. Backnang. 11. württcinbg. Wahlkreis, 2. Ouart. 09 38,96. Bochum-Gelsenkirchen, sozialdcmokr. Wahlverein, 2. Quart. 09 961,23. Bant, 2. oldenburg. u. 2. hannov. Wahlkreis, 2. Ouart. 09 618,33, Bremen, sozialdemokr. Verein a Konto des Restes für 1903/9 1600,—. Bonn, sozialdemokr. Verein, 2. Ouart. 09 15,—. Coblcnz, sozialdemokr. Verein, 2. Ouart. 09 15,—. Cüstrin, Wahlkreis Königsberg(Reu- mark), 2. Ouart. 09 36,56. Comorowen, E. 50,—. Eberswalde. sozialdemokratischer Verein des Wahlkreises Obcrbarnim, 2. Ouart. 09 49,60. Emden, Beitrag deS 1. hannov. Wahlkreises für 1908/09 154,95, Freiburg i. B., 5. bad. Wahlkr. für 2. Ouart. 09 50,—. Jalkenberg(Ovcrschl.) 3,—. Halle u. Saalkreiö, 3. Quart. 09 750,—. Herford-Halle, sozialdemokr. Verein für 1. Halbjahr 1908/09 178,40. Hamm-Soest, sozialdcmokrat. Verein, 2. Quartal 09 262,16. Halberstadt- Oschersleben, 2. Rate für 1909 150,—. deutung. Der tiefe Inhalt deS Kampfes für die künftige Stellung der Arbeiterklasse in der schwedischen Gesellschaft bedarf nicht der Hervorhebung. Wohl aber hat das so stark bezeugte Interesse der stärksten Arbeiterpartei der Welt darüber hinaus unseren Kamps von Anfang an auf ein Niveau gehoben, wo eS klar und deutlich als ein Glied in den immer erneuten Krajtäußerungen des inter- nationale« Proletariats mit dem internationalen Kapitalismus erscheint. Wir haben umsomehr Ursache, bei der Wiederaufnahme unserer Tätigkeit uns an den„Vorwärts" zu wenden, da er durch seine energische Kampagne für unS in der erfreulichsten Weise gezeigt hat, daß die momentane Dissonanz, die wegen gewisser Aeußeruugen über die schwedische Unternehmerllasse verspürt wurde, nicht zu irgend einer Mißstimmung geführt hat. Wir für unseren Teil stellten sofort fest, daß die h e r a u S g e r i s s e n e» V r u ch st ü ck e rn dem Telegramm der bürgerlichen Presse, gegen die wir uns zn einer gewissen Reservation gezwungen fühlten, nur einen schiefen Eindruck des aus Tatsachen und Zahlen sich st ätzenden„Vorwärts-'ArtikelS gaben. Auch „Svaret" hat gelegentlich einem bürgerlichen deutschen Blatte heim- geleuchtet, als es ünsere ersten Worte gegen den„Vorwärts" auS» zunutze» suchte. Wir erinnern heute daran und fügen gern hinzu, daß die Er- fahrungen über die Eigenschaften der schlvcdischen Kapitalistenklasse, die vielleicht nicht so sehr während des Großstreils, als, wie eS scheint, bei seiner weitere» Erledigung zu machen sind, sicherlich nicht spurlos an den Arbeitern Schwedens und ihren Funktionären vorübergehen werden. Die Urteile im „Vorwärts" waren hart— die nächsten Tage werden zeigen, ob sie nicht in vielen Fällen hinter der brutalen Wirklichkeit zurückbleiben. Unsere Unternehmer sollen jetzt der Welt, die der Haltung der schwedffchen Arbeiter ihre Be- wunderung gezollt hat, zeigen, welche Haltung sie jetzt einnehmen werden, wenn ihre mehr passive Rolle zu Ende ist. Nach dem bisher Gesehenen befürchte» wir, daß eS zun, Teil Grund zu Urteilen geben wird, die der Unternehmerpresse ebenso schlecht behagen Werve», wie die Hinweise des„Vorwärts" auf das. was wir alle hier im Lande anerkenne»: daß unsere GeschäflSleiter oft zn sehr Faulenzer(„Goddagspiltar") sind, zu wenig geschäftliche Energie besitzen. Früh genug werden wir sehen, ob auch hier im Lande„kein Raubtier so wild ist wie eine Bourgeoisie, die ihren Geldbeutel in Gefahr glaubt". In dieser Stunde, in der der schwedische „Socialdemokraten" seine Tätigkeit wieder aufnimmt, wollen wir dem leitenden Blatte unserer deutschen Vruderpartei unseren Dank aussprechen für alle die scharfen nnd beißenden Hiebe, die er unseren gemeinsamen Feinden während unseres Kampfes bereits erteilte." Wir haben die Ausführungen unseres Stockholmer Vruderblattes im Wortlaut wiedergegeben, um der deutschen Presse Gelegenheit zu geben, sie ihren Lesern vorzuführen. Bei ihrer notorischen Wahrheitsliebe wird sie uns dafür gewiß dankbar sein. Für uns ist die Sache damit erledigt. Wir haben in» Interesse des schwedischen Proletariats damals geschwiegen, als die ganze bürgerliche Presse Deutschlands uns mit einer Schlammflut von Verleumdungen und Schmutzftnkereien übergoß und sich dabei auf unsere schwedischen Genossen, übrigens in verlogener Weise, berief. Unser schwedisches Zentralorgan war infolge des allgemeinen Aus- standes nicht in der Lage, sich zu äußern; für uns ivar es damit eine einfache journalistische AnstandSpflicht, die Sache auf sich beruhen zu lassen, bis sich unsere Stockholmer Genossen näher erklären konnten. DaS ist jetzt in der ersten Ausgabe des Blattes nach dem Ausstand in einer so beut- lichen Weise geschehen, daß die bürgerliche Presse sowohl Schwedens als Deutschlands wenig Freude daran haben tvird. Damit scheint uns die Kirche ivirklich„mitten in« Dorfe" zu stehen._ nochmals die KuMellung der Aähier- listen durch den ßerliner Magistrat. Angesichts der Wichtigkeit des von uns mitgeteilten Beschlusses des Berti»» Magistrats erscheint es notwendig, anf die EntstehungS- geschichte und auf die Bedeutung deS§ 20» deS Einlommensteuer- gesetzcs näher einzugehen. Nach Z 19 des Einkommensteuergesetzes in der Fassung vom 19. Juni 1909 wurden Steuerpflichtigen mit Einkommen bis zn 3909 M. für jedes Kind oder jeden Familienangehörigen, dem sie auf grund gesetzlicher Verpflichtung Unterhalt gewährten, 59 M. in Abzug gebracht, und zwar mit der Maßgabe, daß in jedem Falle bei dem Vorhandensein von drei oder vier solcher Familien- Mitglieder eine Ermäßigung der Steuer um eine Stufe, bei fünf oder mehr solcher Familienmitglieder um zwei Stufen stattfindet. Die Regierung schlug nun in der Vorlage, die sie dem Landtage im Herbst 1998 unterbreitete, eine Erweiterung dieser Vergünstigungen nach der Richtung hin vor, daß bei Steuerpflichtigen mit Einkommen bis zu 3999 M. ohne Iveiteres eine Ermäßigung der Steuer um eine Stufe bei dem Vorhandensein von zwei derartigen Familien- Mitgliedern eintritt, eine Ermäßigung von zwei Stufen bei drei oder vier, und um drei Stufen bei fünf oder mehr derartige» Familien- Mitgliedern. Der Landtag hat die Regierungsvorlage in doppelter Hinsicht abgeändert: einmal hat er diese Vergünstigung ausgedehnt auf Einkommen bis zu 6399 M. und zweitens hat er die Möglichkeit einer noch weiteren Ermäßigung geschaffen, indem er bei fünf oder sechs Unterhaltungspflichtigen eine Ermäßigung um drei Stufen, bei je zwei weiteren Unterhaltungspflichtigen eine Ermäßigung um eineweitcre Stufe zuließ. Während also nach der Regierungsvorlage ein Zensit höchstens nm drei Stufen ermäßigt werden konnte, ist jetzt eine un- beschränkte Ermäßigung zulässig. Wer zwölf Kinder hat. kommt jetzt um sechs Stufen in der Steuer herunter. Auch auf Einkommen von mehr als 6399 bis 9399 M. findet dieses sogenannte Kinder- Privileg, wenn auch in etwas abgeschwächter Form, Anwendung. Ferner ist nach§ 29 deS EinkoinmensteuergesetzeS gestattet, bei Einlommen von nicht mehr als 12 599 jfrüher 9599) M. besondere, die Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen wesentlich beeinträchligende wirtschaftliche Verhältnisse in der Art zu berücksichtigen, daß eine Ermäßigung um höchstens drei Stufen gewährt wird. Do nun die Gefahr bestand, daß durch die Ausdehnung der auf Grund der ZZ 19 und 29 gewährten Ermäßigungen weite Kreise der Wählerschaft in ihrem Wahlrecht noch mehr beschränkt werden könnten, nahm die Mehrheit des Landtags auf Antrag der Sozial- demolraten folgenden neuen§ 29a in das Gesetz auf: Die in den KZ 19 und 29 gewährten Ermäßigungen bleiben außer Bettacht bei Berechnung der zu entrichtenden Steuerbettäge für Wahlzwecke. Der Wortlaut dieses§ 29a ist der denkbar klarste. Es soll da- mit gesagt werden, daß z. B. einem Wähler mit 2799 bis 3999 M. Einkommen, der auf Grund des TarifcS 32 M. StaatSsteucrn zu zahlen hätte, aber weil er 3 Kinder hat, um 3 Stufen herunter« kommt und nur 31 M. zahlt, für Wahlzwecke— und ztvar soioohl für die Landtags- als auch für die Stadtverordnetenwahlen— 52 M. angerechnet werden. Ein solcher Wähler zahlt in Berlin sabgeschen von dein 3proz. Zuschlag) 31 M. Staats- und 31 M. Gemeinde- einlommensteuer, zusammen also 92 M., für Wahlzwecke dagegen müssen ihn« 32-j- 52, also 191 M. angerechnet werden. Daß dies die Absicht deö Gesetzgebers war. ergibt sich nicht nur aus dem Wortlaut, sonder» auch auS der Entstehungsgeschichte deS des Z 29 a. Während der konservative Redner Bedenken gegen den sozialdemokratischen Antrag geltend machte, weil er einen Bruch mi dein Prinzip bedeutet, welches das Wahlrecht von der Steuerlelstung abhängig macht, sprachen sich die Redner der Linken und des Zen- tnmrS für den Antrag unter ausdrücklichem Hinweis darauf aus, daß dadurch der plmokratische Charakter des Wahlsystems abgeschwää t werden solle. So hielt eS der Nationalliberale Dr. Keil für nötig. festzustellen, daß mit der Annahme des sozialdemokratischen Antrages in Verbindung mit dem§ 7 des Mantelgesetzes, wonach die Steuerzuschläge bei Bemessung des Wahlrechts außer Betracht bleiben, „der Vorlvurf, den die Sozialdemokraten immer gegen den Pluto- kratischen Charakter des Wahlrechts erheben, sich ganz erheblich per- ringern wird. Denn es gibt mm nachher wohlhabende Leute, die Viel mehr Steuern zahlen, sals ihnen bei Bemessung des Wahlrechts angerechnet wird, und es gibt ärmere Leute, die viel Kinder haben und deshalb gar keine Steuern bezahlen und doch das Wahlrecht haben". Aehnlich äußerte sich Abg. Dr. Herold vom Zentruni, der es als eine Unbilligkeit bezeichnete, wenn jemand, der eine große Anzahl von Kindern hat, dadurch in seinen staatsbürgerlichen Rechten irgendwie herabgedrückt werden soll.„Dann würde das Privilegium, welches wir gewähren ourch die Steuerherabsetzung, geradezu ein?rivlloxnim odiosum werden. DaS wollen wir der- meiden." Endlich erklärte auch noch der Vertreter des FreisinnZ Abg. Gyßling, daß alle diejenigen, welche wollen, daß durch die Erweiterung deS Kinderprivilegs keine Beeinträchtigung deS Wahl- rechts in irgend einer Beziehung eintritt, für den sozialdemokratischen Antrag stimmen können. So iveit über die Entstehungsgeschichte des§ 29 a. Wie ist es nun angesichts einer so klaren Sachlage möglich, daß der Berliner Magistrat das Gesetz so interpretiert,«vie er eS durch seinen Bc- schlutz vom 11. Juni getan hat? Ungesetzlich ist eS zunächst, wenn der Magistrat sich aus den Standpunkt stellt, daß der 8 20a nur auf die in den 83 19 und 29 der neuen Fassung des Einkommensteuergesetzes vorgesehene Ermäßigung Anwendung findet. Wenn eS heißt«Die in den 83 19 und 29 gewährten Ermäßigungen", so können nur die in den ganzen Paragraphen vorgesehenen Er- Mäßigungen gemeint sein, nicht aber nur diejenigen, die in den Abänderungen dieser Paragraphen vorgesehen sind. Wäre das die Absicht deö Gesetzgebers gewesen, dann hätte§ 29a lauten müssen:„Die infolge der Bestimmungen der vorstehenden Ziffern 3 und 4 eintretenden Ermäßigungen bleiben außer Betracht bei Berechnung der zu euttichtenden Stcuerveträge für Wahlzwecke.' Ist der§ 20a aber so auszulegen, so muß er auch in diesem Sinne angewandt«verde» für alle Wählerlisten, die nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Auslegung kommen. ES mußten also nachträglich für die Rollenveranlagungc.: 1999, bei denen die alten 83 19 und 29 angewandt waren, die- jenigen Sätze eingesetzt«verde», die aus das veranlagte st c u e r- Pflichtige Einkommen ohne Berücksichtigung der Ermäßi- gungSstufen entfielen. Eine abweichende Auslegung würde zu Un- gerechtigkeiten führen und namentlich die Zensiten»nit niedrigem Einkommen erheblich schädigen. Der Berliner Magistrat kann unS dankbar sein, daß wir bei- zelten auf die Ungesetzlichkeit seines Vorgehens aufmerksam gemacht haben. Noch hat er die Möglichkeit, seinen Beschluß aufzuheben und die Wählerlisten dem Gesetz entsprechend aufzustellen. Tut er eS nicht freiwillig, so wird er dazu gezwungen iverden. Die Berliner Ar- beiter werden sich dieses neue Attentat aus ihr ohnehin schon eng genug bemessenes Wahlrecht nicht gefalle» lassen, Taufende und Aber- taufende von Wählern werden gegen die Richtigkeit der Wählerlisten Einspruch erheben, sie werden fordern, daß ihueu ihr Recht wird, und diesen Einsprüchen muß der Magistrat Folge geben, ob er will oder nicht. Die Berliner Arbeiter werden dadurch nicht nur erreichen, daß ihnen ihr Wahlrecht erhalten bleibt, sie werden-mch den Magistrat vor der Blamage bewahren, daß ihm aufS neue vom Dreiklassenparlametit Unkenntnis des Gesetzes vorgeworfen wird. Sin Zentrumsabgeordneter in flöten. Znm aktuellen Thema:„Bürgerliche Wähler und der neueste S te u crs eg e n" ist durch eine große Versammlung. die am 6. September in R e i ch e n b a ch in Schlesien tagte und in der der Zentrumsabgeordnete und Sekretär der katholischen Fach- vereinter Dr. Fleischer bös in die Klemme kam, ein interessanter Beitrag geliefert«vorden. Dr. Fleischer sprach im Anschluß an den BreSlaucr Katholiken- tag im Wahlkreise Reichenbach-Neurode in einer Reihe von Wer- sammwngen über seine Tätigkeit bei der Finanzreform. Bei diesen Versammlungen hatte er nach ZentrumSbrauch Andersgesinnte auS- geschlossen. Nur in Ncichciibach tvurde eine Ausnahme gemacht, offenbar deshalb, weil in dieser Stadt die Mehrzahl der Freisinnigen deS hiesigen Wahlkreises sitzt und diese dem Dr. Fleischer 1997 das Mandat verschafft haben, wozu die vereinte Kraft deS Zentrums und der Junker allein nicht ausgereicht hätte. Den Freisinnigen zuliebe brach also hier Dr. Fleischer mit seiner sonstigen Taktik. Es sollte ihm geradezu fürchterlich bekommen. Die Versammlung war riesig besucht. Mehr als 1999 Besucher fanden im Saale Platz, etwa ebenso viele mußten in den Vorräumen und im Hofe bleiben oder umkehren; eine Versammlung, so massig, lvie sie Steichenbach schwerlich jemals sonst gesehen hat. Dr. Fleischer sprach nahezu 3>/z Stunden und ließ alle demagogischen Künste spielen, über die er ausgesucht reichlich verfügt. Er gefiel sich in ungezählten zwei- bis dreifachen Wiederholungen, ging aus Zwischen- rufe in so«viderlicher Breite ein. daß es, wie man deutlich an deren Gesichtern erküren konnte, selbst dem anständigen Teil seiner Partei- genossen zu bunt wurde. Alles das tat er in der klar erlenubaren Absicht, die nun einmal als zulässig angekündigte Diskussion unmöglich zu machen, denn, so sagte sich Dr. Fleischer, eine in so drangvoller Enge zusammen- gekeilte Versammlung ist nicht über Mitternacht hinaus möglich I Endlich war die Fleischcrsche Suade versiegt. Er hatte falsch spekuliert, die Versammlung blieb eichenfest zusammen. In der DiSlussion kam zunächst unser Genosse Kühn zum Wort und widerlegte in etwa dreiviertel Stunden daZ Wichtigste. Dan» folgte ein freisinniger Gasthofsbesitzer, der Fleischer manch' bittere Nuß zu knacken gab. Hierauf kam Fabrikant Cohn, Mitbesitzer der größten Rcichenbacher Textilfabrik, zum Wort und strich dem Dr. Fleischer den Baß in kräftiger Weise. Immer mehr sank Dr. Fleischer in sich zusammen. seine sonstige Dreistigkeit verschwand wie Schnee in der Himdtagshitzc, er vergaß ganz, sich«roch Notizen zu machen, wie Donnerschläge brachen die in ruhiger Form von Cohn gesprochenen Sätze über den Referenten herein. Der Schwerpunkt der Cohnschen AuSführnirgcn lag für Dr. Fleischer darin, daß sie gerade aus diesem Munde kamen. Dr. Fleischer begriff sehr richtig, daß damit der Stab über sein Mandat gebrochen wurde, denn wenn ihm die Liberalen nicht mehr helfen, so ist ihm eben nicht zu helfen. AIS nun gar Herr Cohn eine scharfe Mißbilligungsresolution gegen Fleischer und das Zentrum beantragte, war eS ganz aus. Ein Sekretärkollege Fleischers, von denen es in Schlesien wimmelt, suchte durch allerlei feine Spitzfindigkeiten die Abstimmung zn hinter- treiben, den» jeder Anwesende suhlte, daß diese Resolution mit neun Zehnteln gegen ein Zehntel der An« wesenden angenommen worden wäre. In der höchsten Not hatte der Vorsitzende, ein Amtsgerichtsrat, Erbarmen mit Meischer und schloß die Versammlung plötzlich. Einmal und nicht mehr gibt Dr. Fleischer freie Diskussion. Auch ohne Ab- stimmung ist ihm der Beweis erbracht, wie wenig sogar die bürgerlichen Wähler mit ihm einverstanden sind. Diese Versamm- lung war ein wirksamer Gerichtstag über ihn und die Zentrums- Politik. Zur besonderen Kennzeichnung des»Arbeiter sekretärS" Fleischer sei noch angeführt, daß er den Ausspruch tat: Durch indirekte Steuern werde die soziale Gerechtig- keit am besten gewahrtl Politische CUbcrficbt. Berlin, den 8. September 1909. Der Klub der Harmlosen. Wie die„ S t a a t s b ü r g e r- Z t g." mitteilt, hat der B e r- WaltungsratdesDeutsch-nationalenHandlungS- gehilfenverbandes Herrn SchnS, dem Vorsitzenden des Ver- bandes, unbegrenztes Vertrauen ausgesprochen! Da dem Ver- waltungsrat selbstverständlich daS erdrückende Material in der Triolen-Affäre vorlag, müßte, sollte man meinen, Herr Schock einen ganz unerwartet glücklichen und schlagenden Beweis seiner Unschuld erbracht haben. Davon kann nun aber gar keine Rede sein. Was er zu sagen hat, enthält eine Zuschrift an die»Staatsbürger-Ztg.", die folgendermaßen lautet: Für meine erkrankte Frau, die nicht nur körperlich, sondern infolge meiner beständigen Abwesenheit von Hamburg geistig an Schwermutsanfällen leidet, suchte ich vor einiger Zeit in ihren. Auftrage und mit ihrem Einverständnis eine geeignete Pflegerin und Gesellschafterin, die unter den durch die Krankheit meiner Frau gegebenen Uni- ständen natürlich in einem anderen als dem sonst all- geniein üblichen Dienstverhältnis stehen sollte. Beim Schreiben der in Betracht kommenden Briefe ist mir in der Eile ein Aus- druck unterlaufen, der, wie ich ohne weiteres zugebe, m i ß v e r- ständlilb aufgefaßt werden kann. Ich habe denn auch keinen Augenblick gezögert, die Empfängerin des Briefes, als niir bekannt wurde, daß sie sich beleidigt suhlte, um Entschuldigung zu bitten. Aus dieser völlig bedeutungslosen Familienangelegenheit leiten sozialdemokratische und leider auch bürgerliche Blätter einen Angriff gegen mich her, in dem diese Tatsachen entstellt und übertrieben und andere ver- schwiegen werden, wodurch der Sachverhalt in einem gänzlich anderen und für mich ungünstigeren Lichte er- scheint. Die völlige Haltlosigkeit der daran ge- knüpften Kombinationen ergibt sich aus der einfachen Tat- fache, daß der in Rede stehende Brief vor der Absendung von n» einer eigenen Frau gelesen und von ihr gebilligt worden ist. Nichtig ist, daß man die Sache sogar der Staats- anwaltschaft angezeigt hat, richtig aber auch, daß ich selbst schon vor mehreren Wochen dringend ummöglich st eBeschleuuigung des Verfahrens gebeten habe, um eine gerichtliche Klar- stellung herbeizuführen. Bis dahin muß ich eine weitere öffentliche Erörterung über diese rein persönliche Angelegenheit, nanieutlich in Rücksicht aus den leidenden Zustand meiner Frau ablehnen. Wer mir überhaupt Handlungen zutraut, die mit den öffent- lich von mir vertreteneu Grundsätzen in Widerspruch stehen, dem werde ich auch durch wiederholte Erklärungen kailm eine andere Meinung beibringen können, es sei denn durch eine ausführliche Schilderung des zwischen«neiner Frau und mir bestehenden glücklichen und in jeder Beziehung ungetrübten Verhältnisses. Bisher hat aber der politische Kamps vor der Familic überall achtungsvoll Halt gemacht, und auch ich kann der Majestät Oeffentlichkeit nicht das Recht zu- gestehen, bis in die Räume meiner kranke„Frau einzudringen. WilhelmSchack. Wie wenig Beweiskraft die antisemitische Presse selbst diesen geradezu kindischen Ausflüchten beimißt, ergibt sich schon daraus, daß sie, wie die»Staatsbürger-Zeitung", ihren Lesern die wirkliche Darstellung des Sachverhalts, ins- besondere den Wortlaut deS kompromittierenden Briefes voll- ftiindig vorcitthält! Die Herrn Schock nahestehende Presse weiß selbst nur zu genau, daß der ganz unmißverständliche Wortlaiit des Briefes alle Flunkereien des Herrn Schack glatt zu Boden schlägt! Unglaublich ist eS z. B., daß Herr Schack in seiner»Recht« fertigung" die»völlige Haltlosigkeit" der einzig möglichen Deutung seines perversen Angebots einer Ehe zu Dritt und übers Kreuz daraus herleitet, daß seine Frau den fraglichen Brief vor der Absendung gelesen und gebilligt habe. Das wird ja gerade behauptet, das steht ja in dem famosen Brief selbst, das ist ja die Boraussetzung und Bestätigung der ganzen Beschuldigung! Eine so bodenlos alberne und dreiste Ausrede kann die Staatsbürgerin eben nur Lesern vor- zusetzen wagen, denen sie hartnäckig den Brief selbst unterschlägt. Nicht minder grotesk ist Herrn Schacks angebliche Sehnsucht nach gerichtlicher Klarstellung I Er selbst hat ja die beleidigte junge Dame um Zurückziehung ihrer Klage angefleht! Wenn also die Staatsanwaltschaft nicht auf Grund versuchter Kuppelei Anklage erhebt, ist eine gerichtliche Aufhellung deö Falles überhaupt nicht zu erwarten! ES sei denn, daß Herr Schack selbst wegen Beleidigung flagte I Aber davor wird er sich hüten! Ein wahrer Klub der Harmlosen also, dieser Vcrwaltungsrat des Deutsch-nationalen HandlungSgehilfenverbandeS, der an die Un- fchip seines Vorsitzenden zu glauben vermag, den dessen eigner Brief so rettungslos belastet! Muß doch selbst die„Deutsche TageS-Ztg." von dem Briefe sagen: »Der ganze Brief war so eigentümlich und die An- deutungen so bedenklich, daß wir geneigt waren, an eine Mhstifikation oder an eine Fälschung zu glauben. Wir konnten unmöglich annehmen, daß der Abgeordnete Schack in voller und klarer Uoberlegung einen derartigen Brief ge- fchrieben habe." Trotzdem gilt Herr Schack dem Verwaltungsrat de? Deutsch- nationalen HandlungSgehilfenverbandeS als verkannte Unschuld! Um so schlimmer für den Verband, besten Widersacher gar nichts inniger wünschen können, als daß der Verband sich einen so un- säglich bemakelten Borsitzenden erhält I Brotverteuerung. DaS Statistische Amt der Stadt Berlin hat festgestellt, daß in der Neichshauptstadt 1 Kilogramm 1834 1833 1303 Pf. Pf. Pf. Roggenbrot 20,43 24,21 31,67 Weizenbrot 85,15 41,70 56,49 kostete. Gegegenüber 1898 ist also der Roagenbrotpreis um 30,40 Proz., der Weizenbrotpreis um 35,47 Proz. gestiegen. Gemessen an den Preisen des Jahres 1894 ist Roggenbrot um 54,52 Proz.» Weizenbrot um 60,71 Proz. teurer als vor ilo Jahren I Und die Junker, die sich als Hauptnutznießer des Brot- »mlchers dergestalt am Marke des �Volkes mästen, wollten, während sie dem Volke weitere Hunderte von Millionen indirekter Steuem aufbürdeten, nicht einmal in Gestalt einer minimalen Erbschaftssteuer zu den Kosten des Staates bei- tragen, der ihnen ihr Parasitendasein sichert I Ein«euer agrarischer Mord. Auf dem Gute W o l l i n bei Altenkirchen(Insel Rügen) wurde bon der Gutsherrschaft ein Kutscher erschossen, ein anderer Arbeiter durch eine Kugel schiver am Halse und ein dritter leicht verletzt. Natürlich soll es wieder Notwehr gewesen sein. Die Arbeiter hatten für einen Knecht, dem Unrecht geschehen war, Partei ergriffen und waren vor daS GutShaus gegangen. Der Schwiegervater des Gutsherrn wurde verhaftet. Späte Einsicht. Der am 7. September in B o r b e ck abgehaltene Rheinische Zonentag des Deutschen GastwirtcverbandeS stellte sich aus den Standpunkt, daß die Säle allen politische» Parteien, auch der Sozialdemokratie, zur Verfügung gestellt werden sollen. Ueber das militärische Wettrüste» schreibt Oberst Gädke in einem Artikel des„Berliner Tage- blatts": „Die Leistungen der acht Staaten Deutschland, England, Rußland, die Vereinigten Staaten. Frankreich, Oesterreich, Italien, Japan für ihre Land- und Secvcrteidigung, oder besser gesagt: für ihre kriegerische Angriffskrast haben im Jahre 1309 bereits den furchtbaren Betrag von mehr als 6,3 Milliarden Mark erreicht. ohne daß in dieser Summe die Zinsen für die zu militärischen Zwecken aufgenommenen Anleihen enthalten wären. An der Spitze aber steht(entgegen den Angaben des neuesten „Nautilus") Deutschland mit 1350 Millionen Mark, ihm zu- nächst folgt England und dann Nußland. Frankreich und die Vereinigleir Staaten haben eine Milliarde noch nicht ganz erreicht, streben diesem Ziele aber energisch zu. Nun ist es gar keine Frage, daß die militärischen Ausgaben infolge der fielen Verbesserung und Vertenermig der Waffen auch ohne Vergrößerung des Rahmens von Heer und Flotte ständig steigen iverden. Die Kosten für ein Linienschiff waren noch in unserem Floltengesetze von 1906 auf 36,5 Millionen Mark veranschlagt; die Italiener berechnen jetzt schon für ihre Dreaduouahts einen Aufwand von 44 Millionen, die Oesterreicher von 47,75 Riillionen und die Franzosen gar von 56 Millionen Mark. Eö ist also klar, daß auch der Preis für unseren»Ersatz Oldenburg" innerhalb der letztgenannten Grenzen sich bewegen wird. Dainit aber ist zugleich sicher, daß selb st ohne jede Erweiterung des Flotten- gesetzeS der Gipfelpunkt des deutschen Flotten- etats nicht, wie angenommen, mit 461 Millionen Mark im Jahre 1311 erreicht sein, sondern diese Summe ganz erheblich über st eigen wird. Und wenn andererseits schon jetzt angenommen werden darf, daß die berühmte Sydowsche Finanzreform ungefähr ebenso weit reichen wird, wie ihre ebenso berühmte Vorgängerin, die Stcugelsche, so darf man wohl an die erleuchtete Weisheit unserer Staatsleuker die Frage richten, wie lange das so fortgehen soll, und woher sie das Geld für weitere Rüstungen zu nehmen gedenke n." Oberst Gädke hält angesichts dieses unglaublichen Zu- standes ein zwischen den acht genannten Staaten zu ver- einbarendes A b r ü st u n g S a b k o m m e n für dringend ge- boten. Wenn Vernunft und Rücksicht auf das Gemeinwohl unsere kapitalistischen Staaten regierten, läge allerdings nichts näher als ein solches Abrüstungsabkommen. Da die Triebfedern der Politik unserer herrschenden Klassen aber sinnlose natio- nale Rivalität und skrupellose Gelvinnsucht auf Kosten der Massen sind, wird erst das erstarkende Proletariat dem Wahn- sinn deS Wettrüstens ein Ende machen. Betrügereien in der Heeresverwaltung. Durch Zufall sind in Königsberg, wie wir damals mitteilten, raffinierte Betrügereien beim cstpreußischen Trainbataillon entdeckt worden. Bei der Versteigerung von ausrangierten Dienstpferdcn ließ im vorigen Jahre der Wachtmeister Schiniedecke, dem bei der Auktion die Rolle eines Aussichtsbeamten(I) zugeteilt war, durch Mannschaften sechs Pferde unter dem wahrheitswidrigen Vorgeben, diese Tiere wären schon verkaust, bei Seite führen. Dann schlug er diese Pferde ohne Vorwissen seines Vorgesetzten an Käufer los. Auf die Anzeige des Sergeanten Petrat wurde gegen Schmiedccke eine Untersuchung eingeleitet, die aber für unredliche Manipulationen deS Angeschuldigten keine Anhaltspunkte lieferte; denn die Bücher ergaben, daß für sämtliche zum Verkauf aus- gestellten Pferde Bezahlungen eingegangen waren. Schmiedecke sollte nur wegen vorschriftswidrigen eigenhändigen Verkaufes der sechs Pferde, der als Ungehorsam angesehen wurde, bestraft werden. Bei diesem Prozeß kam nun ein jahrelang verübter umfang- reicher Betrug ans Tageslicht. Ein Zeuge, der ein Pferd von Schmiedecke gekauft hatte, erzählte: Als er an dem betreffenden AuktionStage auf dem Käsernenhofe erschienen sei, hätte ihn Schmiedecke gefragt, ob er ein Pferd kaufen wolle. Als er dies bejaht hätte. hätte ihm Schnnedecke ein Pferd vorgeführt, für das er 150 M. be° zahlen sollte. 100 M. hätte er an Schmiedecke entrichtet, das übrige Geld hätte er dem Zahlmeister geben sollen. Schmicdecke hätte an das Pferd eine 16 gezeichnet und dann das Pferd dem Zahlmeister vorgeführt. Vom Zahlmeister hat Zeuge»och 4M. herausbekommen, was ihn sehr in Erstaunen setzte, aber Schmicdecke habe ihm gesagt, das würde schon stimmen. In dieser Weise ist der Betrug auch in anderen Fällen verübt worden. Die Militärkasse erhielt von dem Erlöse zahlreicher ver- kaufter Pferde immer nur einen geringen Teil. Und doch war an- scheinend der Verkauf der Pferde.vorschriftsmäßig" von statten ge- gangen. Dieser Zeuge, durch den der Schwindel aufgedeckt worden ist, hatte in der Boruntersuchung die Unwahrheit gesagt, um den Wacht- meister zu retteil. Dieser hatte ihn nämlich vorher aufgesucht und ihn gebeten, ihn nicht unglücklich zu machen. Unter seinem Eide bequemte sich der Zeuge aber doch dazu, die Wahrheit zu sagen, worauf Schmiedecke sofort verhaftet wurde. Als dieser sah. daß nichts mehr zu retten war. gab er noch seine Freunde an. die ebenfalls den Militärfiskus in der geschilderten Weise betrogen hatten. ES wurden verhaftet der Wachtmeister AlitaS und der Sergeant Ricck, während der Kantinenwirt nach Amerika floh. Dieser Tage wurde den Dreien der Prozeß gemacht. Sie hatten sich wegen Unterschlagung, wissentlichen Mein- eideS und Anstiftung dazu zu verantworten. Natürlich wurde die Oeffentlichkeit, angeblich wegen Gefährdung ntilitärdienstlicher Interessen, aus- geschlossen, selb st die Verlesung der Anklage sowie die Urteilsbegründung erfolgte>t unter Ausschluß der Oeffentlichkeit! Nach zweitägiger Ver- Handlung wurden alle Angeklagten verurteilt. Es erhielten Schmicdecke ein Jahr und einen Monat Gefängnis wegen Unterschlagung, AlitaS zwei Jahre Gefängnis wegen Unterschlagung und Meineides, den er, um sich vor Strafe zu schützen, im Vorprozeß gegen Schmiedccke geleistet hatte. Nieck erhielt wegen passiver Bestechung fünf Monate Gefängnis. Von der Anllage der Anstiftung zum Meineide wurde Schmiedecke freigesprochen. Gegen den Angeklagten wurde auch auf Degradation erkgiint. ißlffäßig ist, dgß der TergeM Petrat, der den Schmiedccke zur Anzeige brachte, nach Bekanntwerden der Ver« untreuungen nach sechsjähriger Dienstzeit ohne Pension und- Zivil- Versorgungsschein plötzlich aus dem Militärdienst entlassen wurde mit der merllvürdigen Begründung, daß er zu wenig sprechen könne l_ Gesetzeskundige Gendarmen. Am 5. September wurden in DingolShausen wieder einmal zwei Genossen, die Flugblätter verteilten, vom Gendarm angehalten und gefragt, ob sie einen Gewerbeschein besäßen. Als sie den Hüter des Gesetzes darauf aufmerksam machten, daß sie die Schriften ja nicht verkauften, schnarrte er sie an: „Es wäre jetzt keine Reichs- oder Landtagswahl und somit wäre daS verboten." Nach Feststellung der Personalien ließ der gesetzeskundige Wächter der Ordnung die Missetäter von bannen ziehen. Ein Soldateuschinder. Sergeant Karl Georg Abeck von der sechsten Kompagnie des Füsilier-irtegimeutS Nr. 33 in Düsseldorf war am 16. August wegen fortgesetzter Mißhandlungen Untergebener zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Wir haben damals ausführlich dar- über derichtet. Wegen der geringen Strafe, und weil nicht auf Degradation erkannt worden war, hatte der Anklagevertreter Revision eingelegt, sodaß sich am Dienstag das Oberkriegsgericht Münster mit der Sache zu befassen hatte. Dieses erkannte nunmehr gegen Abeck auf u e u n M o n a t e G e f ä n g n i s u n d D e g r a d a t i o n. Spanien. Die Kriegsgerichte an der Arbeit. Barcelona, 8. September. Fünf Personen, welche deS AuftuhrS und der Gräberschäiidmig augeklagt sind, werden nächsten Donners- tag vor dem Kriegsgericht'«scheinen. Die Polizei in Villafranca hat 31 Personen verhaftet, die sich an den jüngsten Ereignissen be- teiligt haben. Francisco Ferrer soll ebenfalls vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Snglanck. Eine lusttge Debatte um den Nordpol. London, 8. September. Im Unterhaus richtete Sir Gilbert Parker an den Ministerpräsidenten Asquith die Anfrage, ob man annehme, daß das Land am Nordpol zu Kanada gehöre und, falls festgestellt werde, daß Cook die amerikanische Flagge am Pol aufgepflanzt habe, ob alsdann dieser Akt den Vereinigten Staaten irgend ein Recht auf die Besitznahme dieser Gegend geben würde. Der Mini st erpräsident erhob sich unter allgemeinem Gelächter des Hauses und antwortete:„In Erwiderung des ersten Teiles der Anfrage bemerke ich, daß, wie ich gehört habe, am Nordpol kein Land ist(Gelächter), der zweite Teil der Anfrage enthält zuviel Hypothesen für mich, als daß ich! eine definitive Antwort geben könnte." Rußland. Maßregelung des Petersburger„Gewerkschaftsboten". Der Petersburger Stadthauptmann hat dem Redakteur des „Gewerlschaftsboten" wegen eines in der letzten Nummer ent« halteuen Artikels über den Generalstreik in Schweden eine Geldstrafe von 500 Rubel auferlegt. Die Tätigkeit des Blattes dürfte dadurch auf einige Zeit lahmgelegt worden sein.■— GcfängniSgrans. Der„warme" Karzer im Tobolsker KaiorgagefängniS, in wck- chem die Gefangenen lebendigen Leibes gebraten wurden, hat jetzt ein Seitenstück gefunden. In W i t s b s k werden die Gefangenen vollkommen ir a ck t in den Karzer gesperrt. Dauer der Karzer- Haft— eineWoche.---- Cürhd. Armenischer Protest. Konstantinopel, 7. September. Der armenische Patriarch überreichte der Pforte seine Demission, weil die Todes- urteile gegen vier vom Kriegsgericht in Ada na verurteilte Armenier vollstreckt worden sind, obgleich der Patriarch wiederholt bei der Regierung Schritte für ihre Be- gnadigung unternommen hatte._ Der Aufstand in Aemen. Konstantinopel, 3. September. Nach Depeschen der Pforte aus dem Jimern UemenS unterwarfen sich die Stämme der Kajas von Tchaml. Die Stämme der Kajas von Seidil haben neuerdings die türkischen Truppen angegriffen, wurden aber unter großen Verlusten zurückgeschlagen. 6md?enland. Mehr als eine Offizicrsrevolte! Der„Woss. Ztg." wird aus Athen geschrieben: Der Grund. gcdanle der junggriechischen Bewegung, an der die Zünfte, die Stu» denten und andere Elemente des Volles ebenso beteiligt sind wie die' Offiziere, ist der, daß das griechische Staatswesen nicht bor- wärts kommen kann, so lange das Günstlingswescn am Hofe sowie in Heer und Flotte besteht und so lange die Kammer von eigennützigen Personenparteien gebildet wird, deren Führer bloß für sich selbst und ihre Anhänger Profite auf Kosten des Staates herauszuschlagen suchen. Daß diesen Verhältnissen ein Ende ge» macht wird, ist der allgemeine Wunsch, wobei die dynastische Frage selbst vorläufig nicht berührt wird, und die Offiziere haben bloß als Exekutivorgane aller so Denkenden gehandelt, sonst wäre ihnen der Erfolg sicher nicht so leicht zugefallen. Sechs Stunden nach dem Auszug der Athener Garnison nach Gudi, noch in der Nacht, hielten die Athener Zünfte eine Versammlung ab. die den Ossi. zieren ihre„freudige Anerkennung für die tätige Beteiligung der Armee an den Aufgaben der Neuaufrichtung des Landes" aus- sprach und an die Regierung und die Kammer das Verlangen stellte, daß sie, dem Volkswillen entsprechend, eine allgemeine Besse- rung der Zustünde ohne Auflegung neuer Steuern herbeiführe. Diese Resolution ist gleichzeitig mit der Denkschrift der Ossi» ziere dem Publikum bekannt gegeben worden. Die neue Aera soll durch Ersparnisse eingeleitet werden, und man glaubt, auf diese Weise Geld genug zur Ausgestaltung der Landesverteidigung aufbringen zu können. Namentlich ist es auch auf das Vermögen der Klöster aligesehen, von deren enormen Einkünften bisher teils die Personcnparteien, teils die Hofparteien gespeist wurden, so daß z. B. die Athener Metropolis mit ihrer großen Gefolgschaft von Erzbischöfen, Bischöfen, Prioren ein Staat im Staate ge. worden ist, wobei der Korruption und Unredlichkeit Tor und Tür geöffnet sind. In mehreren Provinzen entstanden schon vor zwei und drei Jahren Volksrevoltcn in den Kirchen selbst gegen die unwissenden und diebischen Bischöfe. Die Klöstervcrmögen sollen nun eingezogen und für die Armee sowie zur Hebung des geistlichen Standes verwendet werden. Sollte die Reaktion dem Willen des Volkes Widerstand entgegenzusetzen suchen, dann wäre der Ausbruch einer Revolution unvermeidlich. Die Leiter der jetzigen Bewegung verlangen, daß alle Offiziere der Athener Garnison, die sich der Bewegung nicht angeschlossen haben— es sind deren nicht viele— in die Provinz versetzt werden. Oberst MetaxaS, der sich dem AuSzuge seines Regiments nach Gudi widersetzen wollte, scheidet aus der Armee aus. Ein Adjutant des Prinzen Andreas, der Kavallcricleutnant Aenian, der einige Unteroffiziere beschimpft und einige Soldaten mißhandelt hat, weil sie an der Bewegung teilnahmen, ist verlchwuniixnz man fordert seine Strei» ämng KtzZ der Avroes, 6ewcrhrcbaftUcbcg. Die Christlichen an der Klagemauer. Die christlichen Gewerkschaftsführer, soweit sie Reichstags- abgeordnete sind, haben sich nicht wenig darauf eingebildet, daß durch ihre Hilfe der Viermillionenfonds zur Unterstützung der geschädigten Tabakarbeiter zustande gekommen ist. Nun die Ausführungsbestimmungen zun: Tabaksteuergesetze erlassen sind, weimern sie, daß den Tabakarbeitern Schwierigkeiten gc- macht werden könnten, um zu ihrem Recht und zu Unter- stiitzungcn zu kommen. Das„Zentralblatt der christ- lichen Gewerkschaften" findet nun auch,„daß die mit der Ausführung der Bestimmungen betrauten Be- Hörden unter Umständen Härten schassen können", und daß die eine Bestimmung in den Ausführungsbestinimungcn den Unternehmern geradezu die Handhabe zu Lohnreduktionen geben könne. Es heißt nämlich dort, daß nicht unter- stützungsberechtigt ist, wer einen Minderverdienst erleidet, ohne daß in dem Betrieb, in dem er beschäftigt ist, eine Betriebs- einschränkung eingetreten ist. Das christliche Zentralblatt bricht daher in die Klage aus: „So bieten die Ausstihrungsbestimmungen mancherlei Haken, die zu Schwierigkeiten führen können. Es wird, wie gesagt, alles davon abhängen, ob die beauftragten Behörden mit dem nötigen sozialen Verständnis der ganzen Sache gcgenübertreten. Auf keinen Fall, das möchten wir grundsätzlich festhalten, ist es die Absicht des Reichstages gewesen, durch Annahme des Unterstützungs- antrages die Arbeiter zu verpflichten, gegebenenfalls Streik- brechcr zn werden und den Fabrikanten die Macht zu geben. Lohn- reduktionen vorzunehmen. Beides stände im Widerspruch mit den Intentionen der Gesetzgeber." Der bittere Nachgeschmack folgt dem Steuerbewilligungs- taumel gar sehr bald. Doch die Hoffnung auf das„nötige soziale Verständnis" der Behörden erscheint uns sehr kläglich, die halten jedem deutschen Staatsbürger, der mit Gesuchen kommt, den Buchstaben des Gesetzes unter die Nase.„Wat schrewwen is, is schrewwen!" Daran hätten auch die christ- lichen Heulmeier denken sollen, bevor sie den Sündenfall be- gingen._ Berlin und Umgegend. Die Töpfertriigcr, die im Verband der baugctöerblichen Hilfs- Arbeiter organisiert sind, hatten am Dienstag eine außerordentliche Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshaus, um den Bericht ihrer Lohnkommission über die Frage der Revidierung des Tarifs entgegenzunehmen. Walter berichtete über die Verhandlungen mit der Kommission der Arbeitgeber. Die Töpferinnung hat Vor- schlüge zur Revidierung des Tarifs der Töpferträger gemacht. Eine Anzahl Akkordpositionen sollen danach die alten bleiben, verschiedene sollen aber herabgesetzt werden. Nur eine einzige Verbesserung enthält der Vorschlag der Innung. Die Meister vertraten den Standpunkt, daß der seit vier Jahren bestehende Tarif rcform- bedürftig sei. Aon den Gehilfenvertretern wurde ihnen entgegen- gehalten, daß sich Verschlechterungen der Lohnbedingungen sehr schlecht mit der Mehrbelastung der Arbeiterschaft durch die Reichs- finanzpolitik vertragen. Die Lohnkommission hat nun inzwischen einen Gegenentwurf ausgearbeitet, den sie der Versammlung zur Durchbcratung unterbreitete. Dieser wurde von Position zu Position durchgenommen. Die Versammlung beschloß einige Aende- rungcn und gab der Lohnkommission für die weiteren VerHand- lungen mit den Meistern verschiedene Wünsche mit aus den Weg. Warnung! Die inl„Deutschen Transportarbeiterverband" organiswrten Einkassierer und Kassenboten sehen sich gezwungen, eine neue Kontrollkarte über die Organisationszugehörig- keit herauszugeben. Die rege Nachfrage der Arbeiterschaft veranlaßte auch einige unsaubere Elemente, sich der Organisation anzuschließen, um leichter Geschäfte abschließen zu können. Nachdem dieselben im Besitz der Kontrollkarte waren, sandten einige dieser„gewonnenen Elemente" die Mitgliedsbücher retour mit dem Bemerken, daß sie als Kassierer doch keinem Arbeitcrverband angehören könnten. Die Kontrollkarte wurde wohlweislich nicht zurückgeschickt; die ge- braucht man, um Geschäfte abzuschließen. Die„neue Karte" ist von„grüner" Farbe und muß den Stempel tragen: „Kontrolliert. Die Sektionsleitung." Wir ersuchen die gesamte Arbeiterschaft, in den nächsten Tagen eine scharfe Kontrolle vorzunehmen. Gleichzeitig danken wir für die uns bewiesene Solidarität. Geschäfte aller Art sNähmaschinen» Möbel, Ver- s i ch e r u u g c n usw.) schließe man nur mit organisierten Kassierern ab, welche im Besitze der grünen Kontrollkarte sind. Die Ausgabe und Abstempelung der neuen Karte findet für die Berliner Einkassiettr am Donnerstag, den 9. September 1999, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27c, statt. Die Agitationskommission der Einkassierer und Kassenboten. I. A.: Friedr. Luckow. Berlin dl. 37, Fehrbelliner Straße 3. OeutTebes Reich. Deutscher Bauarbeiterverband. Auf Grund der von den Verbandstagen des Maurerverbandes und des Bauhilfsarbeiterverbandes gefaßten Beschlüsse unterbreiten die Vorstände beider Verbände den Mitgliedern einen neuen Statuten- entwurf. Die neue gemeinsame Organisation soll den Namen: „Deutscher Vauarbeiterverband" führen. Mitglieder können alle im Hoch- und Tiesbau beschäftigten Arbeiter werden. Insbesondere sind aufnähme- berechtigt alle Maurer und deren Hilssarbeiter; auch alle An- gehörigen der Spezialbranchen des Maurergewerbes sBackofenbauer. Kessel- und Schornsteinmaurer, Beton- und Kunststeinarbeiter. Fliesen- leger und Ansetzer, Terazzo- und Mosaikarbeiter. Putzer aller Art). ferner alle Erdarbeiter, Einschaler, Abbrucharbeiter, Gerüstbauer und die bei der Ausschachtung von Baugruben und an den Psahlrammen beschäftigten Arbeiter. Die Mitgliedschaften beider Verbände werden aufgefordert, zu diesem Statuteneutwurf, sowie überhaupt zu der Verschmclzungs- frage Stellung zu nehmen, und Abstimmungen vorzunehmen. Die Abstimmungsresultate sind an die Verbandsvorstände einzusenden, die sie veröffentlichen werden. Im Frühjahr 1919 halten dann beide Verbände zu gleicher Zeit und an demselben Orte einen Verbands- tag ab, um zu der Verschmelzung erneut Stellung zu nehmen. Wird sie beschlossen, dann treten die beiden Verbandstage zusammen und konstituieren den gemeinsamen Verband. Als Termin für den Zu- sammenschluß ivird der 1. Januar 1911 in Aussicht genommen. Tarifbewegung der Vranereiarieiter in Flensbiirg. Mit dem 15. August hat der mit den Brauereien abgeschlossene Tarifvertrag sein Ende erreicht. Die Brauer eiarbeiter haben bereits im Juli einen neuen, nach den heutigen Zeitverhältnissen abgeänderten Tarifvertrag an die Brauereien eingesandt. Die Brauereien, die sich mittlerweile dem Arbeitgeberverband für Flensburg angeschlossen haben, stellten an die Arbeiter das Ansinnen, den alten Tarif ans weitere drei Jahre, ohne irgendwelche Verbesserung anzuerkennen, was begreiflicherweise die Arbeiter ablehnten. Nun stellten die Brauereien an die Arbeiter das Ultimatum, entweder ihrem Ansinnen Verantw. Redakteur: Emil Unger, Berlin. Inseratenteil verantw.: nachzukommen, im anderen Falle müßten sie sämtliche Leute ent- lassen. Die Braucrciarbeiter wollen aber lieber keinen Tarifvertrag, als den alten ohne Verbesserung; sie sehen den Maßnahmen der Unternehmer ruhig entgegen._ Der Streik der Kuopsarbcitcr bei der Firma Schneider u. Willing in Frankenhauseii am Khffhäuscr hat nach zweiwöchiger Dauer mit einem vollen Erfolge für die Arbeiter geendet. Die Fabrikanten haben den Tarif, den sie nicht unterschreiben wollten, nunmehr anerkannt und unterschrieben. Das Resultat haben die Arbeiter ihrem einmütigen Zusammenhalten zu verdanken. Zwei gelbe Tapezierergehilfen in Rostock haben die„Mccklen- burger Volkszeitung" verklagt. Auf Grund der§>5 185 und 186(!) wollen sie die Bestrafung des Genossen Kühn, der die Nummer unseres Parteiblattcs, in der ein Bericht aus dem Ver- bandsorgun der Tapezierer nachgedruckt worden war, auf Wunsch der Verbandskollegen in Rostock, verantwortlich zeichnete. Der Artikel kennzeichnet die Handlungsweise der Gelben, nennt sie „Lieblinge" der Unternehmer,„Angstmeier",„Kriecher" Und„solche Elemente". Der„Vorstand des nationalen Arbeiter- sekretariats mit kostenloser Rcchtsauskunfts- stelle, Ingenieur Beckmann in Rosto ck", verlangt in seinen Eingaben an da» Gericht schleunige Erledigung. Streik der Cclliiloidarleiter in Nürnberg. In Nürnberg ist in der Cclluloidfabrik von Wolff ein Streik wegen Lohnkürzungen ausgebrochen, an dem 299 Arbeiter und Arbeiterinnen beteiligt sind. Bisher haben sich keine Streikbrecher fieftmden; die Firma versucht jetzt aber, solche zu werben. Sie ver- endet Streikbrecheragenten nach allen Richtungen. Zuzug ist streng fernzuhalten I Neue Ernte der christlichen Gewerkschaftsführer.> In Herbolzheim(Baden) hat der christliche Tabakarbciter- verband seine sämtlichen 117 Mitglieder verloren. Besonders die Tabakarbeiter spüren die Wirkung der neuen Tabaksteuer am eigenen Leibe am empfindlichsten. Die christlich Organisierten werden daher auch am ehesten auf den Verrat ihrer Führer im Reichstage aufmerksam, die durch ihre enge Allianz mit dem Schuapsblock die Interessen ihrer Mitglieder schnöde im Stich ließen. Da» Vorgehen der Herbolzheimcr Tabakarbeiter kann da- her den christlich organisierten Arbeitern im allgemeinen nur zur Nachahmung empfohlen werden. Sie wahren sich dadurch ihre eigenen Interessen, i. Ausland. Theorie und Praxis. Der französische Handelsminister Jean Dupnh hat sein Bedauern über den Rückgang der Leistungsfähigkeit des fran- zösischen Arbeiters ausgesprochen und erklärt, er werde sich des ge- werblichen Unterrichts kräftig annehmen. Darauf fragt ihn I. Felix in der„Humanits", wie eS zn diesem Bestrebe» passe, daß die Zeitung„Petit Parisien' tüchtige Buchdrucker entlasse, um sie durch Mädchen und Streikbrecher ohne ordentliche AuSbildnug zu ersetzen. Eigentümer des«Petit Parisieu" ist— Herr Jean Dupuy. 42. englischer Gewerkschaftskongreß. I p s w i ch. 6.— 11. September 1999. Der diesjährige englische Gewerkschaftskongreß hat ein über das sonst übliche Maß hinausgehendes Interesse, da er zur Frage der sozialen Gesetzgebung im allgemeinen wie zu den einzelnen konkreten Gesetz- und Rcformvorschlägcn Stellung nehmen soll. Ganz be- besonders ist die reaktionäre Presse des Lande? durch den Umstand, daß die Organisation der Gasarbeiter eine sozialistische Resolution in der Unterrichtsfrage auf die Tagesordnung brachte, bennrnhigt »nd ausgebracht. Im übrigen haben ja die Gewerkschaftskongresse hier erst wieder seit kurzem neue Bedeutung gewonnen; seit die Sozialisten, wie man Wohl sagen darf, neues Leben hineinbrachten, Der Bericht de» parlamentarischen Komitees an den Kongreß erwähnt mit Genugtuung, daß die infolge des JnlrafttreieiiS des Gesetzes über den Achtstundentag für die Bergarbeiter entstandenen Reibungen glücklich überwunden sind. Zum Zwecke des Studiums der Arbeitsnachweise und der staatlichen bezw, städtischen Einrich- lungen zum Schutze der Arbeitslosen in Deutschland wurde im Be- richtsjahre eine Delegation von vier Parlamenlsinitgliedern nach Deutschland gesandt. Sie besuchte Berlin, Frankfurt a. M.. Leipzig und Dresden, Der gedruckte Bericht dieser Delegation lag dann im März einer besonderen Konferenz vor, an welcher 229 Delegierte teilnahmen, die 1499 999 Gewerkschaftsmitglieder vertraten. ES wurde ein- stimmig eine Resolution beschlossen, die die Errichtung von Arbeits- börsen aus nationaler Grundlage unter der Kontrolle des Handels- Ministeriums und mit paritätischer Verwaltung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern verlangt. Fast gleichzeitig legte die Regierung dem Parlamente ein Gesetz vor, das die Einrichtung solcher Nachweise vorsieht. Das ganze Land soll danach in zehn Distrikte, von denen jeder ein Distriklshauptbureau mit einem DistriktSvorstcher erhält, eingeteilt werden, während das Zentralbureau sich in London befindet. Sogenannte ArbcitZbörsen erster Klasse sollen etwa 39 bis 49 in Städten mit mehr als 199 999 Einwohnern und etwa 169 dritter Klasse in den kleineren Städten errichtet werden. Paritätische ArbeilsnachweiS-Kommissionen sollen in jeder größeren Stadt zusammentreten, zur Hälfte au» Arbeit- gebern und Arbeitnehmern bestehend, unter dem Vorsitz eines von der Regierung ernannten und besoldeten unparteiischen Be- amten. Dies letztere, so sagt der Bericht, sei der Brauch auch in Deutschland. In provisorischen Räumen sollen zu Anfang des kommenden Jahres diese Arbeitsbörsen ihre Tätigkeit beginnen, doch ist ein Plan in Bearbeitung, nach dem mit einer jährlichen Ausgabe von 4 Millionen Mark innerhalb der nächsten 19 Jahre für die hauptsächlichsten dieser VureauS eigene Räume errichtet werden sollen. In den Kreisen der Gewerkschaftler war man jedoch darüber beunruhigt, wie die Reglements für die Geschäfts- führung usw. dieser Arbeitsnachweise ausfallen werden, da das Gesetz hierüber keine Richtlinien enthält. DaS parlamentarische Komitee hatte dieserhalb eine Unterredung mit den RegierungZ- Vertretern und hofft auf Berücksichtigung seiner Wünsche auch in dieser Hinsicht. Ein nationales ArbeitSlosen-UnterstiitzungSprogramm wird eben- falls von der Regierung vertreten, doch soll sich dasselbe vorläufig nur auf die Arbeiter im Baugewerbe, Maschinenbau, Werkzeug- fabrikation, Schiff- und Wagcnbau und in Sägemühlen erstrecken. DieS würde etwa 2�4 Millionen erwachsene Arbeiter umfassen, oder ein Drittel der in der Industrie Beschäftigten. Obligatorische Bei- träge sollen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern erhoben werden, während vom Staate größere Zuschüsse geleistet werden. Neben der direkten wöchentlichen Unterstützung durch diese staatliche Ver- sicheniiigSeinrichtung ist auch die Förderung jeder anderen VersichcrungSform gegen Arbeitslosigkeit vorgesehen. Gegenüber der Befürchtung mancher Gewerkschaftler, daß solche staatlichen VersichcrungSeinrichtungen den Einrichtungen der Gewerkschaften Konkurrenz machen und deshalb der Gewerkschaftsbewegung schädlich sein könnten, führt der Bericht daS Beispiel Deutschlands an, wo trotz der Arbeiterversicherungsgesetze die Gewerkschaften ständig an Mitgliederzahl zunahmen, und heute schon numerisch stärker sind wie in England. Es sind 497 Delegierte, darunter vier Frauen, die 1 791 999 Ge- wcrlschafisniit�liedcr vertreten, anwesend. Unter den Delegierten befinden sich 33 Parlamentsmitglieder, 26 Friedensrichter, 2 Bürger- mcister usw. Außerdem sind Vertreter der Arbeiterpartei(Labonr Partp), der englischen Gewcrlschaftszentrale(General Federation of th�Glocke.Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall i Trade-UnionS), der Konsiimgenossenschaftsbclvegung, des Handels« Ministeriums sowie der amerikanischen Gewerlschaften anwesend. Dem Kongreß gingen eine Reihe öffentlicher Versammlungen und Empfänge voraus, auch eine Konferenz der Metallarbeiter« Föderation, ferner«ine Konferenz der Bereinigung für Arbeiter- Wohnungen und-Züge. DaS offizielle, vom lokalen Gewerkschafts« kartell berauSgegcbene Programm sieht sogar für Sonntag in den drei größten Kirchen besondere„Kongreßpredigten" von bekannten Geistlichen bor. Natürlich benutzen auch die Sozialisten aller Parteien die Gelegenheit, eigene öffentliche Veranstaltungen zu organisieren, deren für jeden Tag bezw. Abend mehrere bor- gesehen sind. Die Begrüßungsrede des Vorsitzenden Shakleton betont be- sonders die Erfolge der Arbeiterbewegung in den letzten Jahren auf politischem Gebiete. Nicht weniger als 53 Vertreter der Gewerl« schaften und Arbeiterpartei gehören jetzt schon den: Unterhause an, besonder» wird das Prinzip des neuen„Budgets" begrüßt, das zum ersten Male dem Prinzip: Neue Lasten den Schultern, die sie am besten tragen können, aufzubürden, Rechnung trage. Daher der große Enthusiasmus der Arbeiterllasse für das Budget. Großen Beifall fand auch die Bemerkung, daß die Möglichkeit eines Krieges zwischen Deutschland und England, der von den Chauvinisten täglich an die Wand gemalt wird, deshalb undenkbar ist, weil die Arbeiter beider Länder einen Krieg nicht ivollen. Der schwedische Reichstagsabgeordneie C. L i n d I e y sprach vor Schluß der Moiitagssitznng in geläufigem Englisch über den Kampf der schwedischen Arbeiterschaft, an die Solidarität auch der englischen Arbeiterschaft appellierend. Er hob rühmend hervor, daß von den deutschen Arbeitern schon rund � Millionen Mark, von den dänischen Arbeitern über 289999 M. Unter- stützung nach Schweden gesandt wurden, während in England ein direkter offizieller Aufruf zur Unter st ützung infolge verschiedener Umstände noch nicht ergangen sei. Unter großem Beifall wurde beschlossen, L i n d l e h s Rede sofort gedruckt allen angeschlossenen Organisationen zuzuienden nebst einer vom parlamentarischen Komitee vorgeschlagenen und vom Kongreß einstimniig beschlossenen Shmpnthieresolution für die kämpfenden schwedischen Genoffen, in der zur kräftigen materiellen Unterstützung aufgefordert wird. Versammlungen. lieber die politische Lage sprach Genosse Max Grunwald in einer öffentlichen Versammlung im sechsten Wahlkreis, die am Dienstag in Wilkcs Saal, Brunncnstraße, stattfand. Der Redner wies besonders auf die Wirkung der neuen Steuern hin und zeigte die historffche Bedeutung der Einführung von indirekten Steuern überhaupt; wie sie revolutionierend wirken, indem sie gerade die ärmsten Volksschichten am schwersten belasten. Die Hauptagitation gegen die neuen Steuern habe erst begonnen, als man ihre Wirkung schon spürte. Dann erst konnten die Indifferenten aufgerüttelt werden.—» Als zweite große Erscheinung, welche die politische Lage beherrscht, nannte der Redner den Generalstreik in Schweden. Tie allgemeine Aufmerksamkeit ist aus diesen großen Kamps gerichtet, dessen politische Wirkungen noch gar nicht abzusehen sind. DaS Unternehmertum wird überall dahin drängen, daß die Regierungen dem Ausbruch eines Generalstreiks vorbeugen. Tie Arbeiter aber können hinweisen aus das große Recht der Tat und können, sagen: Hier brennt das Feuer, womit Ihr spielt, seht Euch vor! Eine andere Erscheinung im politischen Leben, die mit den beiden genannten in keinerlei Zusammenhang steht, aber doch von allen Parteien genau verfolgt wird» bildet die jüngste Diskussion in unseren Reihen über den Fall Bernstein. Redner bedauert die Aufbauschung des Streites. Die bürgerliche Presse glaubt. eS brenne bei uns, während die Revisionisten nur ein Streichholz an- gezündet haben. Wenn wir in heftigen Streit miteinander geraten, sollte es sich doch lohnen, sollte es große Dinge betreffen. Der Fall Bernstein ist nicht wichtig genug und eS sei zu hosjen, daß nicht etwa der Parteitag in Leipzig sich noch darüber aufrege. Ge- nosse Grunwald betonte dabei, daß er die Wichtigkeit des Kampfes gegen den Revisionismus selbst nicht verkenne.— Am Schluß seines sehr beifällig aufgenommenen Vortrages erinnert der Redner noch an den Kampf um das preußische Wahlrecht und fordert zu unermüdlichem Llgiticren und Organisieren im Sinne unserer Parteibestrebungeu aus. Zur Diskussion meldete sich nur ein Redner, der in gleicher Weise für unsere Partei eintrat. Ebenso betonte der Vorsitzende die Notwendigkeit einer starken Organi- sation und schloß dann die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie. Erklärung. Nach dem Bericht des„Vorwärts" über die Versammlung des ersten Berliner Reichstagswahlkreises vom 3. August hat ein Ge- nosse Guttmann mit Beziehung aus einen von mir im„März" veröffentlichten Aufsatz behauptet, daß ich„für die Politik des Zentrums schwärme". In Wahrheit habe ich in dem betreffenden Satze über die Zentrumspartei gesagt: „so schlecht ihre Politik ist, so geschickt ist sie gemacht". Nach dieser Probe von der Zuverlässigkeit der Guttmannschen Zitierungsmethode, die ich lediglich um einer Legendenbildung vorzubeugen, hier festnagele, fühle ich mich der Verpflichtung einer weiteren Auseinandersetzung mit diesem Redner überhoben. Die Genoffen aber bitte ich, ihr Urteil über mich nach eigener voll- ständiger Kenntnis dessen, was ich tue und sage, zu bilden, nicht nach dem, was andere über mich behaupten. Im übrigen möchte ich bei dieser Gelegenheit mich dem mehr- fach geäußerten Wunsche anschließen, die günstige Lage, in der die Partei sich gegenwärtig befindet, nicht durch einen Parteitag voll von Ketzerriecherei und Gezänk zu verderben. Wir haben wahrhaftig wichtigere Aufgaben. Urfeld, 6. August 1999. Wolfgang Heine. Letzte Nacbrlcbtcn und Dcpefcbcn« Die feindlichen Entdecker. New Fork, 8. September.(Auf deutsch-atlantischem Kabel.) Peary hat an seine Frau folgende Depesche aus Jndian Harbour gerichtet:„Guten Morgen, durch Sturm aufgehalten. Gräme Dich nicht über Cookgcschlchte, habe ihn festgenagelt."_ Mißtrauen gegen Dr. Cook. Brüssel, 8. September.(B. H.) Dr. Cook trifft am Sonnabend hier ein und wird sich bereits am Sonntag von Antwerpen nach New Jork einschiffen. Er konimt in Begleitung des Kapitäns Trolle, 2. Kommandant der Expedition Eriksen und wird nur wenige Be- suche abstatten. Er wird einem intimen Empfange beim Herrn Lecointe sowie beim Staatsiniuister Vernarb beiwohnen. Die in Aussicht genommenen Festlichkeiten zu Ehren des Forschers sind abgesagt worden._ Armenische Beschwerden. Konstantinopel, 8. September.(W. T. B.) Der Ministerrat verhandelte heute über die Demission des armenischen Patriarchen und beschloß, drei noch nicht vollstreckte Todesurteile gegen Arme- nier in Gefängnisstrafe zu verwandeln. Zugleich wird die Pforte dem Patriarchen mitteilen, daß eS sich hierbei nicht um eine reli- giöfe, sondern um eine politische Frage handele und daß daher für die Demission kein Grund vorliege. Auf dem Patriarchat er- klärt man das Vorgehen der Regierung in der Adanafrage für unbefriedigend. Wenn die Hauptschuldigen an den Metzeleien nicht ernstlich bestraft würden, würden mit dem Patriarchen beide Körperschaften des Patriarchates ihre Demission geben. MSinger Sc Co., Berlin SW, Hierzu 2 Beilogen u.Unterhaltungsbl. |r.210. 26. Zahrgllvg. t KtilGe des Jutniiitlö" Kerliim Bollulilntt. .........— v FM��imillllWI■IIIIWM ilWIBBMIWIBMWlWMTMniTWITiTIMMnril DgNklstllg, 9. Ztjittlnbkr 1909. für Sei, schlvediichen Generalftreib. Set der Berliner Gewerlschaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreil flehenden schwedischen Ar- better ein: Listen SSSS. ssss und 8SS7 Buchdruckerci Ullstein it. Co.. 4. Rate 62, 65- Dr- Moses 3,— A. Seil 1,—. 6643 Buchdruckeret Littsaß Erben».60. Backer u. Konoltoren, Siemensstr. 7, 2. Siate 7,—. Verband der Tabak- arbeite? aus solgende Listen: 621» Arbeiter der Zigareltensabrik Manoli. 4. Rate 6.50, 6226 Arbeiter der Zigarrenfabrik Genserowsli 3,S0(in Summa 10,40). 0042 Tischlerei Krause 11,60. 9102 Telegraphenbau F. Schuchardt ' 32,10. Lederfabrik Seinisch, Fuchs u. Sohn 4,50. 9282 Tischlerei Schubert, Buckowerstraße. 2. Rate 5,05. 7980 Kollegen bei Gradenwitz. Drehersaal 5,60. 8160 Kollegen der«llbumsabirk Dittmann, 2. Rate 17.55. Kollegen der Etuisabrik Kann. 4. Rate 7,75. Unter.'ommission Pankow aus folg. Listen: 4403 Freie Ingendorganis. Abt. Pankow 6,65,«lrb. v. Dr. M. Lölvy. 1. Rate 4410 17,95, 4408 10.70, 4406 4,70. 4407 6,60, 4402 3,40, 4409 17,70, 4401 1,50. 4412 5,70,(in Summa: 74,90 M.)— 8163 Sparverein.Gut Glück 1909" 3.50..Berliner Tageblatt, Abt. Falzerei, 4. Rate 34.50. 2940 Kollegen bei S. Gurlt, 3. Rate 41,75. Rahmenmacher bei Brückner Nachf., 2. Rate 3,50. R. M. 1,—. Pflanzerverein.Soiineiiblume" 9,25. 7881 Kollegen bei Nachsall 6,70. 9106 Tischlerei Solshardt u. Goldschmidt, 4. Rate 15,70. Zentralverband der Handlungsgehilsen und Gehilfinnen Deutschlands, Be- zirk Berlin, aus solgende Listen: 953 35,50. 954 6,45. 956 18,30. 7838 26,55. 9093 12,—. 9094 13,70. 9095 12,60. 9096 9,60. 9098 2. Rate d. Angestellten der Großewkaufsgesellschaft 13,—. 9100 3,25. 9101 9,70. in Summa 160,65 M. Töpser vom Bau Gustav DameS 13,50. 7651 Setzer und Drucker von Seydel u. Co., 4. Rate 26,50. Buchbinderei Abt. Greve 5,—. Onkel 2,—. Zuckersack Salzuser 7 3,50. Zigarettenfabrik Manoli 35,55. 6266 Buch. dmdecei Moriz u. Kummer 8.7z. Bürstenmacher Levy, Rirdors, 2. Rate 4,—. 9284 Kollegen bei Ehestädt u. Robert, 2. Rate 12,65. Tischlerei Hempel, 2. Rate 10,—. Tischlerei Dobberi, 4. Rate 3.75. 9116 Buchbinderei bei Joachim 3,25. Streikkasse bei Temmler u. Bleiberg A.-G., Abt. Sabs- burger User 38,90. 6164 Maurer und Bauarbeiter vom Bau Sertzog, Finna Metzing 12,70. Verlag Sporn 5,50. Robert Schulze 1,—. 9024, 9025, 9026, 9027, 9028 Verbandsmilglieder der Buchdruckerei Bürenstein, 4. Rate 69,60.— Unterkommission Charloltenburg aus solgende Listen: 58 1,80. 59 15,50. 66 9,50. 81 2,50. 83 Transportarbeiter- verband, Ortsbureau Charlottenburg durch Bernhardt 5,80. 80 Remsch 2,20. 95 5,—. 96 10,90. 97 durch Scheuerbrandt 6,45. 98 Otto Lehmann 12,—. 102 Glinicke 5,95. III Maurer Bau Georg, Wilhelmftr. 6, Halensee 10,55. 112 Bau 20.—. 114 Vogel 43,—. 7150 8,90. 7152 durch Scheuer- brandt 10,—. 7159 Becker 9,75. 7164 Maurer und Arbeiter des Baues de« Beamtenwohnungsvereins Nieder-Schönhausen d. A. Mickler 7.—. 7901 Putzerkolonne Reuendvrs in Südende d. Woschke 15,—. 7902 Kley 14,45(in Summa 216,25). Männergesangverein Ripdorf, Matinee vom 22. August 190» unter sreier Mitwirkung des Berliner Ulk-Trio 484,30. Korbmacher von Wronke Rachsolger, 2. Rate 5,—. 6988 Tischlerei von Max Schulze, Moniiendamm 4, 2. Rate 17,60. Tellersannnlnng gelegentlich des Vortrages des Genossen Branting- Schweden vom 7. September im Gewerkschastshaus 184,15. 6573, 6574 Verband der BauhilsSarbeiter, Verwaltung Berlin 19,10. Handtuchsahrer bei Otto Dürre 3,25. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin, aus solgende Listen: 3119 Adam Schneider, 3. Rate 44.80. 3217 Bertuch 5.90. 3230 Schwabe u. Fetter 4,05. 3414 P. Butting 7.—. 3477 23,65. 3531 Schrisl. giexerei Berihold 11,45. 5665 Brendel u. Löwig 13,50. 5760 Dorn u. Wolter, 2. Rate 12,50. 5806 Krech, Gartenstraße 11,40. 5937 Zahlstelle 65 8,60. 5961 Vom Kollegen Nagel 16,10. 5965 Eckner, 4. Rate 10,30 5976 E. Seaer 5,30. 5990 Melkenthin 11,50. 5996 Bach u. Mahlow nebst Budiker 8,80. 8282 Enzinger 11,15. 8290 Göde, Chausseeftraße 23,90. 8402 Leopold Kausmann, 3. Rate 22,50. 8403 Von Kollegen Kemarek 14,75. 842� Gutmann. Schönhauser Allee 39,75. 8430 Zemiin, 3. Rate 5,90. 8436 Schmidt u. Co. 11,65. 8461 Laubenkolonie Oberspree, Ober-Schöne- Iveide 20,40. 8474 Baumgarten u. Sohn 5,—. 8484 Möhring, Mauerstraße 4,—. 8485 Kolonie Grüne Heimat 5,—. 3608 Jachniann 16,60. 3609 Jachmann 32,50. 4000 Zirkus Busch 5,—. 5651 Zirkus Busch 17,65. A. E.-G.: 5501 Abt. Schmidt 44,70. 5502 19,50. 5503 Slbt. Hildebrandt 7.50. 5505 Abt. Eberhardt 22,60. 5508 Abt. Lehmann 8.70. 5511 Abt. Arit 23,05. 5512 Abt. Arlt 30,55. 5513 Abt. Breier 12,90. 6514 Abt. Mafchinenlager 1,95. 5515 Abt. Risse 16,85. 5517 Abt. Tiedemann 17,70. 5518 22,10. 5519 Abt. Hild 16,65. 5520 Abt. Hensle 47,55. 5521 Abt. Kuhn 37.05. 5523 Abt. Krause 27,25. 5524?Ibt. Müller 20,85. 5534 Abt. Falkenberg 14.50. 5535 Slbt. Schwitlau 11,20. 5537 Slbt. Korth 24,90. 4540 Abt. Scholz 18,25. 4547 Abt. Eckert 23.20. 5549 Abt. Mielz 9,15. 5551 Abt. Schieber 5.70. 5553 Abt. Scheer 12,85. 5557 Abt. Lehmann 17,65. 5560 Ab». SeleSki 8,55. 5561 Abt. Brause 18,20. 5562 Abt. Musiol 6,70. 5563 Hamdräck 19,15. 5566 Abt. Maschinenlager 12,50. 5567 Abt. Maichwenlager 23,15. 5568 Abt. Orchgenat 6,55. 5570 Slbt. Hinhold 15,10. A. E.-G., Schlegelstraße: 1223 Abt. Gummi, 2. Rate 10,40. 1225 Abt. Biehn, 2. Rate 47,90. 1229 Abt. Enders. 2. Rate 21,25. 1233 Abt. Reßmann. 2. Rate 50,20. 1234 Slbt. Schulz, 2. Rate 20,—, 1235 Abt. Jünger, 2. Rate 28,—. 6762 Abt. Haberland, 2. Rate 16,50. 5763 Abt. Schutterich. 2. Rate 76,-. 5764 Abt. Rank, 2. Rate 24,10. 5766 Kleines feuilleton. Cool und Peary. Dr. Cool hat am Dien Stagabend den an gekündigten BortMg über feine Nordpolfahrt in der geographischen Gesellschaft zu Kopenhagen gehalten. Nach übereinstimmenden Ae- richten einer Reihe von Zuhörern verschiedener Rationalitäten lösten die Cookschen Ausführungen ein starkes Gefühl der Enttäuschung auS. Er wiederholte im wesentlichen da?, waS bereits durch seine Depesche an den.New York Herald' bekannt geworden ist, über die Fahrt zum Nordpol und die Rückkehr. Da- gegen fehlten, was man vor allem erwartet hatte. Mit- teilungen streng wissenschaftlicher Natur. Cook erkannte gleich zu Beginn seines Vortrages an, er müßte zunächst die allgemeinen Er- gebnisse der Expedition mitteilen: zur Ordnung dieser Ergebnisse gehöre aber Zeit, und die fei ihm bisher nicht gelassen worden. lind zum Schluß erklärte er, augenblicklich nicht mehr er- zählen zu können, ehe das von ihm vorbereitete Buch ge- druckt vorliegt. Seitdem hat Cook sich nun bereit erklärt, fein wissenschaftliches Material der Universität Kopenhagen zur Prüfung zu unterbreiten. Inzwischen dauert der Streit um Cook fort und wird frisch angefacht durch die neuesten telegraphischen Aeußerungen deS anderen Nordpolfahrers, des Kapitäns Peary. Schon gestern wurde im Depeschenteil ein Kabeltelegramm PearyS mitgeteilt, das den Bericht Cooks als gänzlich unglaubwürdig bezeichnet mtd bestreitet, daß Cook genügend ausgeriistet gewesen und bis in die Nähe des Pols gelangt sei. Dazu ist ein weiteres Telegramm PearyS gekommen, in dem er erklärt, man dürfe die Erzählung Cooks nicht zu ernst nehmen. Die beiden ESkimoS, die ihn begleitet hätten, sagten aus, daß er keine nennenswerte Entfernung in nördlicher Richtimg zurückgelegt habe und gar nicht außer Sichtweite von Land gekommen sei. Peary hat also bereits die Absicht ausgeführt, von der schon in der Depesche eines anderen Teilnehmers seiner Expedition die Rede war, die ESkimos auszuftagen, die Cooks Gefährten auf der Schlittenfahrt toaren. Es wäre natürlich voreilig, auf Grund dieses winzigen Berichts über die PearyscheZeugenvernehmung sich einllrteil erlauben zu wollen; denn Peary ist schließlich doch Partei in der Sache, und die Mög- lichkeit läßt sich zunächst nicht von der Hand weise», daß er durch ei» Gefühl der Rivalität zu vorschnellem Aburteilen über Cook getrieben worden sein könnte. Sollte Peary aber etwa recht behalten, so hätte Dr. Cook der Welt den größten Bären aufgebunden, den man sich nur denken kann, und eS bliebe ihm allemal der Ruhm, zu den größten Münchhausen aller Zeiten zu gehören. Bruno Bauer. Am v. Septentber 1809 erblickte Bruno Bauer zu Eisenberg im Altenburgijchen daS Licht der Welt. Der hundert- lährige Geburtstag deS älteren und bedeutenderen der Gebrüder Bauer ruft die Erinnerung an das erste gemeinsame Werk der beiden Väter der deutschen Sozialdemokratie wach. Bruno Bauer war Privatdozent der Theologie in Bonn. Er gehörte, wie zum Teil damals auch Marx, der sogenannten Heaelschen Linken an, die aus_ den Prinzipien des großen dialekttschen Denkers revolutionäre Schlüsse zogen. Aus Hegelschem Geiste heraus krittsierte Bruno Bauer die Evangelien. Diese Kritik kostete ihm freilich seine Dozentenstelle, hinderte ihn aber nicht, sich immer Abt. Scholz. 2. Rate 41,50. 5766 Slbt. Gunimi. 2. Rate 14,20. 5767 Slbt. Biehn, 2.'Rate 56.—. 5763 Abt. Biehn. 2. Rate 41,75. 5769 Slbt. Jünger, 2. Rate 20,30. F. Gäbert, Sophienstraße, 4. Rate: 5931 9,20. 5932 13,15. 5993 16,10. 5994 16,40. Frisier u. Roßmann, 2. Rate: 8270 10,30. 8271 7,40. 8272 9,85. 8273 8,70. 8275 9,20. 8276 3,55. 8277 3,45. 8278 3.80. 8280 6,70. Schranbcnsabrik Sudikatis, 2. Rate: 8202 20.45. 8203 9,35. Werner, Lützowstr. 6: 8398 20,—. 8308 20.—. 8309 20.45. 8310 14,80. 83l1 18,—. 8312 32,—. Bergmann, Wilhelmsruh: 2958 16,35. 2963 10.20. Deutsche Waffen- und MunitionSsabrik Wittenau 5814 Abt. Mühl 39,90 5815 Abt. Wuichin 11,25. 5816 Abt. Großmam, 4,60. 5817 Abt. Weiland 20,30. 5819 Slbt. Keller 15,65. 5820 Slbt. Abramczek 20,30. 5821 Abt. Adramezel 33,15. 5822 Abt. Keller 23,75. 5823 Slbt. Diehner 15,25. 5824 Abt. Diehner 25,25. 5825 Abt. Diehner 14,50. 5825 Tobler, Wittenau 8,70. 5827 Abt. Lange 57,—. Schlosserei v. O. Fritz u. Co., Schöncberg 27,50. Freiiaminlung bei Resin 1,70. Max Kray n. Co., 3. Rate 28,90. Mix u. Genest 3327 12,95. 3328 10,70. 3329 13,—. 3331 2,30. 3333 4,05. 3337 16,65. 3338 5,75. 3350—,60. 3352—,20. 3359 5,45. 3060 5,50. 3363 2,40. 3365 13,50. 3367 14,15. 3375 10,65. 5767 4,10. 5777 10,—. 5780 4,75. 5781 3,—. 5762 14,50. 5788 9,30. 7413 5,75. 7414 4,05. 7417 9,25. 7418 2,—. 7419 8,10. 7420 5,65. 7421 15,25. 7422 9,80(in Summa 2382,45).— 3 Tapezierer bei Gerlach, 2. Rate 3,25. Stammgäste Belle-Allianecslr. 71 6,—. 6654, 6572 und 6571 Verband der Bauarbeiter, Zahlstelle Berlin 29 50. Arbeiter v. Lipke 3,50. N. N. 20,—. Gips- und Zementbranche aus solgende Listen: 5121 3.40. 5124 10,35, 5148 5.80. 5143 Bau Dernburg- Straße 6,95. 5144 Zcnientierer, Einschaler»ind Hilfsarbeiter der Firma M. Ezantikow. Bau Nicderwallslratze 12,50. 5145 und 5140 Zementlerer, Einschaler u. Hilssarbeiter, Neubau Blücherstr. 31, 3 Rate 28,30(in Summa 67.30). Zenttaloerband der Steinarbeiter aus solgende Listen: 9073 durch Häkec 17,55. 9074 Steinmetzen v. Gebrüder Huth 8,60. Marmorarbeiter: 7710 Taucher 2,40. 7706 Bode 3,50. 6723 Stanke 5,30. 7730 Ki-ser 6,85. 9061 Messerschmidt 8,—. 7708 Sasse, Steglitz 11,—. Verband der Buch- u. Steindruckerei-Hilssarbelter und Arbeiterinnen, Ortsverwaltung Berlin, ans solgende Listen: 4641 Personal der Buchdrnckerei Technik 8,75. 4633 HilsSpersonal der Buchdruckerei Bürenftein 23,10. 4632 Personal der Slcinbruckerci Schröder 9,40. 4629 Personal der Stewdruckerei Pittius 20,20. 4634 Hillspersonal der Buchdruckerci Bernstein 4,40. 4628 Hilss- personal der Buchdruckerei A. W. Schade 5.65. 4640 Bureau der Otts- Verwaltung Berlin 7,—(in Summa 78,50). Ein Rohrleger der Firma Jung 4,—. Kollegen der Metallgießerei von Lustig u. Körper 6,50. 5267 Krasldroschken Progrcß 13,80. Kilt 2,—. 9091 Expedition Sittenfeld 2,70. 8139 Buchbinderei Schreiber u. Co. 5,25. 9435 Tischlerei L. Lüdtke, 4. Rate 12,50. 7631 Buchdruckerci Berg u. Schoch 8,05. 9001 Holzarbeiter durch Stäthe 30,15. 4331 durch Zicke 9,50. 6459? ischlerei K Müller 8,80. Monteure der Firma Völkel 6,25. 4706 durch 5körschke 3,95. 7578 Tischlerei Thomas, 2. Rate 13,30. 7639 Buchdruckerei W. Greve, 3. Rate 11,—. 9177 Personal der Univcrsitäisdruckcrei 7,75. Verband der Schneider, Filiale Berlin I, aus solgende Listen: 240 durch Wolter 11,70. 4833 durch Heimsarth 6,45. 6008 Schneider von Heckenberger u. Becker 15,80. 6010 Schneider v. Benedict 38.70. 6018 Schneider v. Pabst u. Kunze 10,—. 6021 Schneider v. Fabisch u. Co., Werkslattnrb. 4,95. 6022 Schneider von Wcndt u. Redlich 13,30. 6024 Schneider v. O. Frank 15,75. 6027 Schneider v. Jockcyklub, 5. Rate 18,75. 6031—6040 Schneider der Firma H. Hoffmann 144,—. Schneider v. Prinz os Wales 9,20. Schneider v. Grünbaüm 13,—. Durch A. Müller 1,50.(In Summa 303,10.)— 9020 Tischlerei Treue, 2. Rate 9,40. Buchdruckerci Julius Ssitenscld, 4. Rate 120.35. Boldt 1,—. 7535 Pianosabrik I. Psaffe 8,55. 9179 Kollegen der A. G. Kanzler 20,05. Buchdruckerci O. v..Holten, 4. Rate 21,70. Buchdruckerei Gebr. Unger, 4. Rate 25,—. Tischlerei vereinigte Werkstätten vorm. Kümmel 36,75. 9021 Tischlerei Fürst u. Kuhnert, 4. Rate 4,95. Glaserei Schwarz u. Rauchkamp 8,05. 6297 Prägcrci Bernhardt u. Co. 4,75. Bautstchleret v. Mausols, 4. Rate 10,30. 9103 Tischlerei Melzer, 4. Rate 16,40. Versammlung der Buchhandlungsmarktheiser 3,15. Handtuchsahrer R. Bach. 4. Rate 8,—. Verein der Buchdruckmaschinenmeisier 100,—. G. Försterling 2,—. Potowieatz 1,—. 28. Reimann, Jungborn 1,50. Deutscher Textilarbeiter- verband, Filiale Schiltach 15,—. Arbeiter der Eisenmöbelsabrit P. Neye, 2. Rate 9,50. Bezirk 9, Rixdorf 5,60. Unterkommission Rixdors aus solgende Listen: 2245 Maschinenmeister Ullstem u. Co., Flachdruck 5,55. 2268 gesammelt bei Nutzen, Rixdors 19,40. 2277 Lujlschistbau Schlesischestr., 2. Rate 34,40. 2328 Anilinsabrik 9,90. 2352 Arbeiter der Fairik Goliasch, Rixdors 40,60. 2358 Zentralorgauisiette Bohrer, ges. Karow 8,25. 2423 Porte- seuiller der Werkstatt Große 5,25, 19,70. 2496 Tischlerei L. Kayser, 4. Rate 19.45. 2497 Tischlerei Kaiser, Monumentenstraße 12,10. 2224 3.35. 2226 12,10. 2229 6,75. 2232 11,35. 2233 5,90. 2234 16.30. 2235 24.80. 2240 9.40. 2241 6.—. 2248 3,50. 2249 8.10. 2250 15.45. 2252 11,85. 2256 7,75. 2257 37,95. 2259 17,20. 2262 12,60. 2263 12,80. 2269 13,70. 2271 13,55. 2302 24,—. 2309 9,80. 2310 17,85. 2313 10,95. 2315 14,40. 2322 4,95. 2327 6,50. 2357 16,55. 2362 7,80. 2364 12,60. 2363 9,50. 2370 7,—. 2367 7,80. 2371 12,25. 2372 3,00. 2402 8,—. 2501 8,60. 2502 9,70, in Summa 607,53 M.— Sammlung von Württem- berg 200,—. Vom Setzerpersonal der Uniondruckerei 6,25. Metallarbeiter der Kontinentalen Bremlen-Gesellschast Lankwitz, 3. Rate 8,30. H. Hause, Restaurateur 4,—. Wahlverein Wilmersdors, Tellersanmtlung 21,75. Vier Maler von L. u. H., Nieder-Schöneweide 3,50. SchissSwerst .Anker", Rummelsburg: Sechscrkasse 3,—, aus Liste gesammelt 6,—. Firma Steiner, Lankwitz 4,20. Zahlstelle des Textilarbeiter- Verbandes, Landsberg 100,—. Skatllub.Grand Schwarz" 5,—. SSerlslatt mehr den Gemäßigten zuzuwenden. Er landete schließlich als preußischer Reaktionär. Die Hohlheit und der Massen-verachtende Dünkel seiner Kritik hat weitigstens ein GuteS gezeitigt:.Die Heilige Familie", in der Marx und Engels mit dem ehemaligen Freunde tntd Gesinnungsgenossen abrechneten— so scharf, daß der Ton der Schrift bis heute ein Gegenstand deS Vorwurfes für die Verfasser geblieben ist, wenigstens von feiten aller bürgerlichen Marx-Kriiiier. Die Schrift muß aber aus ihrem Milieu heraus, aus der Lage ihrer Verfasser erklärt werden. Sie ist eins der wichtigsten Dokumente des werdenden Sozialismus und darum von Mehring im zweiten Baude de? literarischen Nachlasses von Marx und Engels wieder abgedruckt. Mit Bruno Bauer beschäftigt sich besonders das sechste Kapitel der Schrift. Marx(denn von ihm stammt diese Partie) knüpft dabei an die Aufsätze Bruno BanerS in dessen„All- gemeiner Lireratur-Zcitung" an. Besonders die Kritik von BanerS Auffassung der ftanzvsischcn Revolution, von seiner extrem-idealistischen Ansicht über daS Verhältnis von.Idee" und„Masse" resp..Interesse" bieten Marx eine passende Gelegenheit, seine gerade da- mals entstehende, heute unter seinem Namen uns allen bekannte GeschichtStheorie in ihrer Fruchtbarkeit zu zeigen. Bauer mit seiner unsrnchtbaren ideologischen Kritik zeigt uns, WaS aus Marx geworden, wenn er wirklich, wie einige seiner Kritiker be- Haupte», NichtS-als-Hegelianer gewesen wäre. Gerade der Ausgangs- Punkt ist es. der die beiden zu Gegnern macht: Bauer ging vom Begriff des Menschen, Marx ging von seinem sozialen Sein aus. Das zeigte auch der Streit in der Jndenfrage. Bauer wie Marx hatten sich(letzterer in den deutsch- französischen Jahrbüchern) ausführlich darüber geäußert. Die.Heilige Fantilie" nahm in Beantwortung ders.Allgemeinen Literatur-Zeitung" den Streit wieder aufl Seine allgemeinen politischen Ansichten entwickelte Marx an Bauers Kritik der politischen Vorlesungen deS Professors HinrichS, eines alten Hegelianers. Scharfsinnig sind schon hier die Ansatzpunkte zum späteren Konservatismus Bauers hervorgehoben. Größere Bedeutung als in der Politik und politischen Publizistik hat Bauer, der bis zu seinem Tode(1882) schriftstellerisch tätig blieb, in der Geschichte der wissenschaftlichen Aufklärung. Seine Bestreitung der Geschichllichkeit Jesu erlebt gerade in unseren Tagen von vielen Seiten her Unterstützung und Bestätigung. „Kapallcr"-Nhren. Die Zeitmesser sind von jeher der Mode stark unterworfen gctvesen. Die Moden waren nicht immer gut, aber vielleicht leine so schlecht, wie die der sogenannten .Kavalier'-Uhren. Man versteht darunter Taschenuhren von mög- lichst geringer Dicke. Die Schweizer Fabriken, die seit einigen Jahren diese Art»hren aus den Markt bringen, überbieten sich gegen- seitig in der Erzeugung von Taschenuhren von kaum glaublicher Schmächtigkeit, die sie mit„exira-plat",„ultra-plaf und mit ähnlichen französischen Ausdrücken belegen, die sich auf die Dünn« lcibigkeit dieser Uhren beziehen. Eine Dicke von bloß vier Millimetern ist nichts Ungewöhnliches, und man hat auch schon Knvalier-Uhren von nur drei Millimeter Dicke erzeugt. Man muß nun berücksichtigen, daß hiervon ein erheblicher Teil für den GlaSrand mit dem Glase, für den Hinteren Gehmisedeckel und den inneren Staubdeckel abgeht, um sich eine Vorstellung davon bilden zu können, wieviel Dickenraum dann noch für daS Werk übrig bleibt. Die Stärke der Werkplatteu, der Räder, die Länge Schmidt, Potsdamer Straße 105 4,—. Gesangverein„Gesundbrunner Harmonie", 2. Rate 20.05. Töpser, Bau Kundi 10,25. Mully Sieg 2,—. H. R. Bernstro 2,50. I. Gromoika, Breslau 8,—. Von den Monteuren und Mechanikern der Berliner Privatielephongesellschast und Reslauraleur Hummel 16,40. H. Graschold 5,—. O. Lehmann 1,03. Färberei Gebr. Altenberg 6,50. ZentralltankenunterstützungSverei» der Schmiede Berlins, Zablstelle X. aus der Lokalkasse 20,—. Von der Bautischlerei R. Kussi» 10,50. Parkettleger der Firma Louls Heine, Filiale Berlin 8,80. Finna Halbach. Weißensee 2,—. Stammtisch Anklamerstr. 34 2,25. All- gemeiner Jüdischer Arbeltcrbund Rußlands in Gens(25 Fr.) 20,24. Arbeiter d. Firma J. Groschlus, 2. Rate 50,05. Tischlerei Rosenbach 6,50. O. D. A. B. A. St., Wörishosen 15,—. Lotterieve: ein.Glücksritter 1901", Charlotten- bürg 10,—. Firma Hugo Hortung, Moabit, 3. Rate 10,50. Küchenmöbel- maler d. Fa. Gustav Rasem 4,—. Fisch, Geburtstagsfeier 3,05. Schneider, .Kaufhaus des Westens 9,90. 6 Techniker 6.—. Verein der Bauanschläger Berlins u. Umgeg. 75,—. Kollegen d. Bautischlerei Raetz 4,65. Bromsilber« ableiluna d. A. E.-G. 3,—. Bautischlerei Binzek 4,—. Zweigverein MeierS- berg d. Zentralverb. d. Maurer Deutschl. 20,—. Fabrikatbeiietverband Glückstadt 50,—. Summa 5630,89. Bisher sind eingelicsert 124 164 55 M.; dazu kommen 6 630,89 M, Summa 129 795,43 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau, Engelnfer 15 I. Zimmer 23, vor- mittags zwischen 9—12'/» Uhr und nachmittags zwischen 4—7'/, Uhr abzuliefern. Die Listen 8395. 8687, 1194, 7248, 5282, 5285, 1880, 2614 und 6542 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhatten. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommissiou. ger tschechische sozlafdemoltratische Parteitag. Prag, 6. September 1909. Zur heutigen Sitzung ist auch Abgeordneter S c a b a r(Trieft) als Vertreter der italienischen Sozialdemokratie in Oe st erreich eingetroffen, der den Kongreß auf das herzlichste begrüßt. Von der polnischen Partei ist ein Begrüßnngs- tclcgrarnm eingelaufen. Zur Verhandlung steht der parlamentarische Bericht, über den Wg. Dr. Sonkup referiert. Er führt unter anderem aus: Als das allgemeine Wahlrecht eingeführt wurde, da gaben sich viele Genossen allerlei Illusionen hin, als ob nun Oesterreich sofort ein demokratischer Staat werden würde. Aus diesen Illusionen wurden sie rasch gerissen. Denn wenn nun auch das Wahlrecht demo- kratisch ist, so ist darum das Parlament nicht demokratisch ge- worden. Es ist auch heute bloß ein dekoratives Parlament, während die wirkliche Macht auch loeiterhin in den Händen der Bureaukratie liegt. Die Kontrolle des Militarismus ist zum größten Teil, die der auswärtigen Politik vollständig dem Parla- ment entzogen und einem Scheinparlament, den Delegationen, über- liefert, und nur langsam vermag sich das Parlament einen Ein- fluß auch in diesen Fragen zu erringen. Dazu kommt, daß die innere Gestaltung des Parlaments, seine Geschäftsordnung, sein Schicksal jeden Augenblick in die Hand von 20 Abgeordneten legt. Acht Nationen, die in 26 Parteien gespalten sind, sitzen in diesem Parlament beisammen. In dieser Atmosphäre, wo die un- bedeutendste Frage, die Anstellung eines Gerichtsbeamten, eine Explosion hervorrufen kann, müssen wir arbeiten. Da gelingt es den Feinden einer Demokratisierung Oesterreichs leicht, immer einen Zündstoff hineinzuwerfen, der das Parlament sprengt, und leider finden sie Helfer in den Reihen des Parlaments selbst, bewußte oder unbewußte Helfer, namentlich in den Nationalisten, die ihnen helfen, das Parlament zu zerschlagen. Wir haben ge- leistet, was unter diesen Umständen geleistet werden konnte. Wenn die Frage der Sozialversicherung heute konkrete Gestaltung ge- Wonnen hat, wenn eine Reihe sozialpolitischer Gesetze beschlossen und sanktioniert oder wenigstens im Abgeordnetenhause fertig- gestellt wurden, wenn die staatliche Verwaltung— so viele Mängel sie auch immer hat— heute von einem anderen Geiste erfüllt ist, loenn die Praxis des Vereins- und Versammlungsgesetzes sich modernisiert, wenn die Zahl der Konfiskationen unserer Presse der Wellen usw.. alles ist auf das äußerste beschränkt. Die Folge hiervon ist, daß diese schwindsüchtigen Uhren sehr leicht Störungen erleiden. Ein Stäubchen, das von einer kräftigeren Uhr noch mühelos beiseite geschoben wird, wird hier zum Hemm» block. Die Gehäuseteile sind so dünn gearbeitet, daß schon ein ge« ringer Stoß gegen die Westentasche Vcrbiegungen und Beulen er- zeugt, die das Spiel der Zeiger oder den eigentlichen Mechanismus der Uhr schwer beeinträchtigen. Kurz die.Kavalier"-Uhren sind äußerst empfindliche Zeitmesser und wirklich nur für Kavaliere, d. h. Nichtstuer brauchbar; aber auch diese müssen damit alle Augenblicke zum Uhr- macher wandern, dem die Arbeit an solchen Uhren übrigens auch durch- ans keine Freude macht. Für Arbeiter kann es dagegen keine schlechtere Uhr, als die beschriebene Sorte, geben. Er sehe auf Uhren mit kräftigen, gut schließenden Gehäusen, tn denen Platz für ein ordentliches Spiel des Räderwerkes ist. Je dicker und größer die Uhr. desto mehr Sorgfalt kann auf ihr Werk verwendet werden. Selbstverständlich soll man die Dimensionen schon mit Rücksicht auf den guten Geschmack nicht übertreiben. Humor und Satire. Schackun ä son goQt. Mein Herz, ich will dich fragen: WaS ist nun Liebe, sag'? Drei Seelen und ein Gedanke, Drei Herzen und ein— S ch a ck. Ein Männchen hatte ein Weibchen, Ein Weibchen hatte'neu Mann. Das Weibchen liebte die Weiber»» DaS Männchen ist übel dran. Nun sucht das Männchen ein FrSiileln, Ein Fräulein schön und hold. DaS gleichermaßen daS Weibchen Wie'S Männchen lieben sollt'. DaS ist keine alte Geschichte, Sie ist ganz nagelneu. Und wem sie just passieret, Mit dem ist es vorbei. O Willem, teutscher Willem, Nun sitzest Du im Pfuhl. Jetzt wird'S nicht nur dem Weibchen, Jetzt wird's Dir selber— schwul. Ut». Notizen. — Gustav Frenssen hat einen neuen Roman bollendet. der demnächst unter dem Titel.Klaus Hendrik BaaS" erscheinen soll. — Ein Heilserum gegen die Cholera will Dr. S a l i nt b i n i, ein italienischer Bakteriologe am Pasteurschen Institut in Paris, gefunden haben. — Eine WH l l i o n Beamte. Auf diese stattliche Zahl wird eS im nächsten Jahre Frankreich, der klassische Beamtenstaat, annähernd bringen. Bei einer Bevölkerungsziffer von rund 40 Millionen Seelen bedeutet dies einen Beamten auf 40 Einwohner. Auf den Staat entfallen davon 643 839. sich verringert Ijat, frettn selbst die Zustände beim Militär sich gebessert haben, wenn die unmenschlichen Soldatenmißhand- langen weniger werden, weil jeder Soldat weiß, daß er sich an die sozialdemokratischen Abgeordneten wenden kann, die jeden der- artigen Fall im Parlamente zur Sprache bringen: so beweist das alles, was wir geleistet haben. Ein starker sozialdemokratischer Verband ist eben der stärkste Wall gegen reaktionäre Gelüste der Regierungen. Und daß der Finanzplan der Regierung noch nicht Gesetz wurde, ist ausschließlich das Verdienst des sozialdemokrati- scheu Verbandes, wie das selbst die bürgerliche Presse wiederholt konstatieren mußte. Im alten Kurienparlament sind neue Steuern immer mit größter Geschwindigkeit beschlossen worden. Auch zur Zeit der Kriegsgesahr hat der Verband seine Pflicht vollauf erfüllt. Es ist sicher, daß die serbische Kriegspartei, wenn sie unter der Führung des Kronprinzen Georg so energisch mit dem Säbel rasselte, nicht nur auf die Hilfe des Zaren rechnete, sondern auch darauf, daß in dem Augenblick, wo es zum Ulti- inatum kommt, in Oesterreich eine Revolution ausbrechen werde. Damit mußten wir rechnen, und wenn unsere deutschen Genossen damals im Parlament erklärten, daß sie sich gegen den Krieg stellen, aber nicht um jeden Preis, so taten sie das in der Ueber- zeugung, daß sie damit den Aspirationen der serbischen Kriegs- Partei ein Ende bereiten und damit dem Frieden am meisten nützten, ebenso wie wir alle dann gegen die Kriegsgelüste der österreichischen Soldateska mit aller Energie protestierten— an jenem 18. März, da das Parlament vor den Ferien stand. Die Kriegsgefahr war auf das äußerste gestiegen. Damals brachten wir unseren Dringlichkeitsantrag für den Frieden ein, und bei dieser Gelegenheit kam es zu einem denkwürdigen Duell, wie wir es im Parlament noch nie erlebt haben. Auf der einen Seite die Sozialdemokraten, die mit allem Nachdruck für den Frieden manifestierten, auf der anderen Seite die Patrioten, die Stützen von Thron und Altar, die Christlich- sozialen, die für den Krieg demonstrierten. Hier die rote Fahne, den Frieden verkündend, dort unter der Fahne Christi die Feld- patres nach Krieg schreiend. Als wir durch den Mund unseres Redners dem serbischen Proletariat unseren Gruß entboten und dem serbischen Abgeordneten, dem Genossen Kazlerowitsch, der allein im serbischen Parlament begeistert für den Frieden ein- getreten war, unsere Sympathien über die Grenzen hinübersandten, da schrien die Patrioten, wie von Furien gepeitscht, auf. Aber der Bann war gebrochen und sie wagten es nicht, gegen unseren Antrag zu stimmen. Unser Antrag wurde einstimmig angenommen, und sie konnten den Eindruck dieser Kundgebung nicht durch die Annahme eines Zusatzes verwischen, der den österreichischen Soldaten die Sympathien aussprach. Unter dem gewaltigen Ein- druck dieser Friedensmanifestation ging das Parlament in die Ferien, und diesem Eindruck konnte sich auch nicht die österreichische Soldateska entziehen, die nur darauf gewartet hatte, ihr Ulti- matum nach Serbien zu schicken. Wir traten vor unsere Wähler in dem Bewußtsein, daß wir in dem Augenblick, wo die Kriegs- gefahr am größten war. unsere Pflicht als internationale Sozial- demokraten ersüllt haben, um den Frieden zu retten.(Stürmischer Beifall.) Der Redner bespricht dann die letzten Ereignisse im Parlament ES gibt Parteien, die sich radikal gebärden, und glauben, daß die Obstruktion das radikalste sei. Aber das ist nur Scheinradikalisinus. In Wirklichkeit ist die Obstruktion Arbeit de): Henkersknechte der Reaktion und des Absolutismus. Das System Bienerth wird nicht durch Obstruktion beseitigt. Obstruktion bedeutet im Gegenteil Stärkung dieser Regierung, bedeutet neues Leben für die Bureaukratie, bedeutet eine Schädigung des Volkes; denn niemand hat über die Zer- schlagung des Parlaments eine Freude als die bureaukratisch-militärifche Reaktion, die dadurch der Kontrolle dcS Parlaments entzogen wird. Zu sagen, was nun geschehen wird, ist unmöglich. Man spricht sogar von der Auflösung des Parlaments. Aber mag geschehen was immer, wir sind auf alles vorbereitet. Wird das Parlament arbeiten, so werden wir dort unseren Mann stellen; wird das Parlanient aufgelöst, so werden wir in den Kampf gehen. Wird aufgelöst,'dann auf in den Kampf, Ihr Hunderttausende, in den Kampf unter dem Banner des Sozialismus I(Stürmischer, an- haltender Beifall.) Hierauf referiert Vanek-Brünn über die Tätigkeit der mährischen Landtagsfraktion. In der Debatte wendet sich Novak-Prag dagegen, daß die deutschen Genossen zur Thron- rede in die Hofburg gegangen seien. Burian-Brünn erklärt, wenn man anch im einzelnen vielleicht mit der Fraktion nicht einverstanden sei, müsse man zugeben, daß ihre Politik immer eine prinzipielle und rein sozialdemokratisch war. Er stellt der Fraktion anheini, ob sie nicht einen Antrag auf Erhebung der Ministeranklage gegen das Ministerium wegen Schließung der.Freien Schule" einbringen solle. Abgeordneter Nemec würde wünschen, daß eine ernste Be« wegung für die Abschaffung des Herrenhauses und der Delegationen eingeleitet würde. Bezüg- lich des Ganges zur Thronrede erklärte er, die Thronrede fei em politischer Akt und eS sei keine Kundgebung der Loyalität gewesen, wenn die deutschen Sozialdemokraten hingegangen seien. Auf eine Bemänge- lung der Unterredung PernerstorferS mit dem Kaiser nach seiner Wahl zun, Vizepräsidenten erwidert er. da müsse man doch fragen. wen es größere Ueberwindung gekostet habe. Pernerstorfer. mit dem Kaiser zu reden, oder den Kaiser mit einem Sozialdemokraten mit der erprobten antimonarchischen Vergangenheit PernerstorferS. Zum Schluß wird dem sozialdemokratischen Klub einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. In der dritten Sitzung referierte Bruha-Prag über die Orga» nisatton; über die Jugendorganisation referierte Ebel-Prag, über die Frauenorganisation Genossin Mach- Prag. Die Debatte über diesen Gegenstand soll erst morgen statt- finden. Es folgt der Punkt: Die nationale Frage und die Sozialdemokratie. Darüber referiert Dr. Schmeral, der unter anderem ausführt: Nach der Er- oberung des allgemeinen Wahlrechts ist unsere wichtigste Aufgabe der nächsten Zukunft die Regelung der nationalen Frage, was identisch ist mit der völligen Umgestaltung der Staatsverfassung. Der Dualismus ist ein raffiniertes System zur Beherrschung und Unterdrückung der Nationen, das im Jahre 1867 nur deshalb geschaffen werden tonnte, weil die Nationen in Oester- reich und in Ungarn damals wirtschaftlich, kulturell und daher auch politisch unentwickelt waren mit Ausnahme eben nur der Deutschen und Magyaren. Heute aber gelangen durch den industriellen Ausschwung außer den Deutschen und Magyaren auch die anderen Völker zur Reife und zur Kraft. Die Aendecung der wirtschaftlichen Machtverhältnisse muß auch eine Aenderung der politischen Machtverhältnisse zur Folge haben. Die Sozial- demokratie ist in erster Reihe berufen, an der Regelung der nationalen Frage mitzuwirken, an die Stelle deö alten bureaukra- tischen Oesterreichs ein neues, einen Bund freier, autonomer Nationen zu setzen. Dazu aber ist es nötig, daß die fozialdemo- kratifchen Parteien aller Nationen ein einheitliches, in allen konkreten Einzelheiten ausgearbeitetes nationales Programm haben. Vor zwölf Jahren find die ersten tschechischen Sozialdemokraten mit einer Erklärung gegen das böhmische Staatsrecht in das Parlament ein- getreten. DaS böhmische Staatsrecht kann nicht das Ziel der tschechischen Politik sein. Der Redner stellt dieser ein anderes Ziel: 1. Die Durchführung der nationalen Autonomie für jede der österreichischen Nationen auf der Grundlage des Personalitätsprinzips in sozial- kultureller Beziehung; 2. die Demokratisierung, Autonomisierung und Dezentralisierung der staatlichen Verwaltung und der staatlichen Behörden in allen übrigen Beziehungen. Der Redner legte einen inS einzelne ausgearbeiteren Entwurf vor, der zur Grundlage der Verhandlungen mit den sozialdemokratischen Organisationen der anderen Nationen genommen werden soll, und be- antragt folgende Resolution:.Der Kongreß beauftragt die Parteibertretung, sofort mit den Parteien der anderen Nationen in Oesterreich in Verhandlungen zu treten, damit das vom Briinner Parteitag im Jahre 1839 beschlossene nationale Programm revidiert und so konkret und detailliert ausgearbeitet werde, daß es für die Zukunft die Grundlage nicht nur für die einheitliche Auffassung der nationalen Angelegenheiten, sondern auch einer einheitlichen politischen Praxis aller sozialdemokratischen Parteien in Oesterreich bilde." Auch hierüber wird die Debatte morgen stattfinden. Em der Partei. AuS den Organisationen. Nach dem soeben erschienenen Jahresbericht des sozial- demokratischen Vereins für den Wahlkreis Frankfurt a. M. ging im letzten Berichtsjahr infolge der Wirtschaftskrisis die Mitgliederzahl des Vereins um 175 zurück. Und zwar hat sich die Zahl der männlichen Mitglieder im Berichtsjahr von 4910 auf 4774 und die Zahl der weiblichen Mitglieder von S65 auf 356 verringert. Ein Vergleich der Altersklassen mit denen des Vor- jahres zeigt, daß von der Verringerung ausschließlich die jüngeren Altersklassen betroffen wurden, während die Klassen der reiferen Jahre noch einen Zuwachs erfahren haben. Mitglieder unter 20 Jahren zählt der Verein nur 19 (gegenüber 47 im Vorjahre), männl. Mitglieder von 20—25 Jahren 370(533 im Vorjahre): 26—30 Jahrs zählen 1063(1127) und 31—35 Jahre 1177(1136) Mitglieder. Die übrigen Mit- glieder— von den insgesamt 4774— haben ein Alter von 36 bis über 70 Jahren(über 66 Jahre nur 11 und über 70 nur 3 Mit- glieder!)— Der Kassenbericht zeigt eine Reduzierung der Einnahmen gegenüber 1907/03 um 6869,62 M., die Gesamteinnahmen betrugen 23 577,60 M. und die Gesamtsausgaben 23 306,77 M. Der Wahlfonds verzeichnet eine Gesaniteinnahme von 2478,29 M.; bei Beginn des Geschäftsjahres wurden 3365.53 M. Kassenbestand übernommen, so daß insgesamt der Wahlfonds eine Stärke von 6443,82 M. hat. Diesem steht eine Ausgabe von 832,06 M. gegenüber. Das gesanfte Parteivermögen beträgt 20 053,13 M. Em internationales Jubiläum. Die 40jährige Erinnerung? feier, die am Sonntag in Basel zu Ehren des Internationalen Arbeiter- longresses von 1869 abgehalten wurde, vereinigte zirka 3000 Arbeiter und Genossen, die trotz des strömenden Regens einen Demonstrationszug durch die Straßen der Stadt ausführten und sich sodann bei etwas gebessertem Wetter auf dem Festplatze im großen Äasernenhose versammelten. Genosse Redakteur Frei begrüßte die Versammlung, worauf Genosse Greulich in eindrucksvoller Fest- rede einen Vergleich zwischen der damaligen und der heutigen Arbeiterbewegung zog, um zu dem Schlüsse zu kommen, daß der_ Sozialismus marschiert und daß wir aus der Geschichre der proletarischen Klassenbewegung die unerschütterliche Ueberzeugung von dem endlichen Siege des arbeitenden Volkes schaffen können. Genosse Dr. Adler-Wien wieS auf die uns noch bevorstehenden Kämpfe der Zukunft hin. Genosse Dr. Renner-Wien schilderte in markante» Zügen den Werdegang der proletarischen Klassenbewegung und zeichnete ein Bild der gegenwärtigen revolutionären Vorgänge im Osten Europas und in Asten, wo sich, wie vor 100 Jahren in Europa, gewaltige Umwälzungen vollziehen. Alle Reden fanden stürmischen Beifall. Gesangliche und musikalische Vorträge sowie turnerische Produktionen rahmten in würdiger Weise die unvergeßliche Feier ein. I» Sachen„Rußkija Wjcdomosti" erhalten wir folgende Zuschrift: Von einer längeren Reise zurückgekehrt lese ich erst jetzt im .Vorwärts" vom 29. August eine aus der.Leipziger Volkszeitung" übernommene, anläßlich der Bernsteindebatte getane Aeußerung über die Moskauer Zeitung»Rußkija Wjedomosti". Vielleicht gestatten Sie mir als Berliner Vertreter dieses Blattes einiges auf die dort enthaltene Charakteristik der.Rußkija Wjedo- mosti" zu erwidern. 1. ES ist unter den Russen allgemein bekannt, daß die .Rußkija Wjedomosti" kein Kadettenorgan ist, sondern ein völlig von der Kadettenpartei unabhängiges Blatt, das unter keinen Umständen verantwortlich gemacht werden kann für offizielle Reden der Kadetten- führer im Inlands ivie im Auslande. 2. Jeder Leser der„Rußkija Wjedomosti" weiß ganz genau, daß diese Zeitung keine.nichtswürdigen und gemeinen Angriffe auf die Sozialdemokratie" enthält. Ihr einziger Inhalt ist, den Kampf gegen die Reaktion zu führen und iede wirklich liberale und dentokraliiche Regung zu unterstützen. 3. Jedem Kenner der»Rußkija Wjedomosti" wird eS unglaub- lich erscheinen, dieses Blatt hätte.Sbirren Seiner Majestät des Zaren entschuldigt, als diese einen von Fabrikärzten und Gewerkschaftlern beschickten Kongreß für Fabrikhygiene unmöglich machten." Da- gegen ist Tatsache, daß die aufrichtigsten Beftirworter jeder Arbeiterwohlfahrt und der OrganisatioitSbestrebunge» russischer Arbeiter zu den ständigen Mitarbeitern gehören, darunter auch der be- kannte sozialpolitische Schriftsteller Dr. Tostomianz, der zugleich an der„Rußkija Wjedomosti" wie an der wissenschaftlichen Wochenschrist der deutschen Sozialdemokratie, der.Neuen Zeit", mitarbeitet. Der S-zialiSmuS und die japanische Regierung. ES ist schon häufiger an dieser Stelle auf die ständigen Fort- schritte hingewiesen worden, die der Sozialismus in Japan in den letzten Jahren gemacht hat. Die japanische Regierung sieht das intt Schrecken und greift zu brutaler Verfolgung, uin die Bewegung zu ersticken. Ein Brief, den die„Gazetta del popolo' aus Aoko- hama erhalten hat. legt für diese Haltung der japanischen Re- gierung ein vollgültige» Zeugnis ab, und er sei daher als wichtiges Kulwrookuinent aus dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in seinen wesentlichsten Einzelheiten wiedergegeben. Unter der Beschuldigung, sozialistische Fltigblätter verteilt zu haben, war.vor einiger Zeit die HerauSgevcrin des»Jiyu Shijo' (»Der freie Gedanke"), die Frau Sugano Suga verhaftet worden, und diese Verhaftung hatte in Japan ein solches Aufsehen hervorgerufen, daß sich die japanische Regierung und in erster Linie der Minister des Innern zu einer Erklärung veranlaßt sah, in der eS hieß:.Die Stellungnahme der sozialistischen Be- wegnng gegenüber wird für die japanische Regierung ledig» lich durch die ihr� obliegende Pflicht bestimmt, die öffentliche Moral und die öffentliche Ordnung zu schützen. Die Sozialisten haben ihre Anschauungen bis zu einer unerträglichen Schärfe weiterentwickelt, selbst„die Heiligkeit des Thrones", die von jedem Japaner als übcrkomntenes Erbe treu gewahrt und in frommer Scheu verehrt wird, hat in ihren Augen alle Bedeutung verloren. ES kommen die geradezu furchtbaren Lehren hinzu, die sie über die Beziehungen der beiden Geschlechter untereinander verbreiten, und die nur dazu führen, die menschlichen Wesen aus das Niveau brünstiger Tiere herunterzudrücken. Hier hat die Regierung die heilige Verpflichtung. einzuschreiten, denn sie ist verantwortlich für daS Volkswohl und muß daher die herandrängende Woge solcher Lehren eindämmmen, ehe sie mit verheerender und vernichtender Gewalt über das ganze Land dahinbraust. Die Behörden sind fest entschlossen, ihre Pflicht zu tun und sich durch nichts von diesent Wege abbringen zu lassen. Daß der Sozialismus in Japan existiert, kann von keinent Optimisten mehr gelengnet werden, aber diese Bewegung ist nicht, wie man be- schöitigend und beruhigend gesagt hat, ein halber Wahnsinn, der von selbst wieder auf den rechten Weg finden wird, sondern sie ist eine verzehrende und ansteckende Volkskrankheit und muß daher bekämpft iverden wie die Cholera und die Pest. Und diesen Kampf gegen die sozialistische Bewegung wird die Regierimg führen, so lange sich noch irgendwo und irgendwie sozialistische Regungen zeigen." Das Dokument zeigt, daß die japanischen Staatsmänner nicht gescheiter sind, wie ihre osteuropäischen Kollegen. Sie werden m ihrem Kampf gegen den Sozialisinus dieselben bösen Erfahrungen machen, wie diese. vom ßleritfeg. Die Schultheißbraucrei Aktiengesellschaft zu Berlin sendet uns eine Zuschrift, in der sie mit Bezug auf unsere Veröffentlichung an dieser Stelle in Nr. 207 des.Vorwärts" schreibt: „Es ist nicht zutreffend, baß die übrigen Brauereien durch unseren Widerstand daran gehindert worden sind, sich mit einer Preiserhöhung von weniger als 3,50 M. zufrieden zu geben. Tat- sächlich haben wir von vornherein einen Preisaufschlag von 3,00 M. als vollkommen ausreichend erklärt und nur aus das Drängen der andereii Brauereien sind wir dazu gelangt, uns mit einer Erhöhung dieses Satzes auf 3,50 M. einverstandett zu erklären. Wenn also neuerdings ein Aufschlag von 2,50 M. pro Hektoliter in Aussicht genommen wird, so entspricht dies durchaus unseren ursprünglichen Intentionen. Auch für unser Flaschenbier soll der Preis um höchstens 2,50 M. pro Hektoliter, d. i. 25 Pf. für 30 Flaschen, heraufgesetzt werden."_ Hiiq Industrie und Kandel. Teutschlands Kaufsahrteiflotte. Ueber den Bestand der deutschen Seeschiffe(Kauftahrteischiffe) am 1. Januar 1909 werden im 3. Hefte des Jahrganges 1909 der Vierteljahrshefte zur„Statistik des Deutschen Reiches" einige Mitteilungen gegeben, denen ausführlichere Nachweisungen in dem ersten Teile des Bandes 225 der Statistik des Deutschen Reiches folgen werden. Danach waren an registrierten Fahrzeugen mit einem Bruttoraumgehalte von mehr als 50 Kubikmeter vor- Händen 4638 Schiffe mit einem Gesamtraumgehalte von 4 355 864 Registertons brutto und 2 825 404 RcgistertonS netto gegen 4571 Schiffe mit 4 232 720 Rcgijtertons Brutto- und 2 790 435 Registertons Netto raumgehalt am 1. Januar 1908. Es hat also gegen das Vorjahr die Zahl der Schiffe um 67 zugenommen, der Brutto- raumgehalt um 73144 Registertons, der Nettoraumgehalt um 34 969 RegistertonS. Der Gattung nach waren am 1. Januar 1909 2361 Segelschiffe mit 464 158 Registertons brutto und 416 514 Re- gistertonS netto, 324 Seeleichter(Schleppschiffe) mit 112 342 Re- gistertons brutto und 105 980 Registertons netto, sowie 1953 Dampfer mit 3 779 364 Registertons brutto und 2 302 910 Register- tons netto vorhanden, während am 1. Januar 1908 die Zahl der Segelschiffe 2345 mit einem Raumgehalt von 480 533 Rcgistertons brutto und 433 749 Registertons netto, die der Seeleichter 301 mit einem Raumgehalt von 105 740 Registertons brutto und 99 903 Registertons netto und die der Dampfer 1922 mit einem Raumgehalt von 3 696 447 Registertons brutto und 2 256 783 Re- gistertons netto betragen hatte. Die Verteilung auf die einzelnen Größenklassen war bei den drei Schiffsgattungen sehr verschieden. Unter den Segelschiffen waren der Zahl nach die kleinen Fahr- zeuge am stärksten vertreten, und zwar die Schiffe von 80 bis unter 50 Registerions Bruttoraumgehalt mit 34,8 Proz., die unter 30 Registertons mit 25,5 Proz. und die von 50 bis unter 100 Re- gistertons mit 24,1 Proz. aller Segelschiffe. Die größte Zahl der Seeleichter entfiel auf die Größenklasse von 200 bis 300 Re- gistertons Bruttoraumgehalt mit 29,0 Proz. aller Seeleichter, demnächst auf die Größenklassen von 300 bis 400 Registertons mit 18,8 Proz. und von 100 bis unter 200 Registertons mit 16,7 Proz. Bei den Dampfschiffen fand eine gleichmäßigere Verteilung auf die einzelnen Glößenklassen statt. In beträchtlicherer Anzahl vorhanden waren nur Schiffe zwischen 100 und 200 Registertons Bruttoraumgehalt mit 13,2 Proz. aller Dampfschiffe, sodann solche von 200 bis unter 300, von 50 bis unter 100, von 800 bis unter 1000 und von 2000 bis unter 2500 Registertons(9,2 Proz., 7,1 Proz., 3.3 Proz. und 5,1 Proz.). Die Zahl der regelmäßigen Besatzung betrug am 1. Januar 1909 72 450, wovon auf Segel- schiffen 12 844, auf Seeleichtern 1155 und auf Dampfschiffen 58 451 Mann bedienstet waren. Am 1. Januar 1908 entfielen mm 71 853 Mann Besatzung aller Seeschiffe 12 800 auf Segelschiffe, 1058 auf Seeleichter und 57 995 Mann auf Dampfschiffe. Bewässerungsanlagen in Argentinien. Die argentinische Kainmer genehmigte heute, wie telegraphisch au? Buenos Aires gemeldet wird, das Gesetz betreffend die Durch- sührung der Bewässerungsarbeiten, deren Kosten ans dem Verkauf der Andenbahn und auS der Emission von 25 Millionen Gold- Piastern in fünfprozentigen Papieren bestritten werden sollen. Sie nahm ferner ein Gesetz an, durch welches die Genehmigung erteilt wird zur Ausgabe von 18 Millionen Papierpiastern zu 5 Proz. zur Aussührung der Wasserleitung und Kanalisation von Buenos Aires. Soziales. Bauarbcfterschutzkonferenz für Hessen-Nassau und Waldeck. In Frankfurt a. M. tagte am Sonntag die Konferenz der Bau- arbciter der Provinz Hessen-Nassau, Hessen un» Waldeck, um zu dem in letzter Zeit stark vernachlässigten Bauarbeiterschutz Stellung zu nehmen. Die Beteiligung war außerordentlich zahlreich. Ver- treten waren 93 Orte durch weit über 100 Delegierte. Ferner die Zentralkommission durch Genossen Heinke-Hamburg. Erschienen waren ferner Landtagsabgeordneter Dr. Flcsch, der Reichstags- abgeordnete Brühne sowie ein Vertreter des Magistrats Frank- furt a. M. Die Tagesordnung wurde ausgefüllt durch 2 Referate der Genossen Hüttmann und Kremser, die eine eingehende Dar- stellung der Verhältnisse im Bezirk gaben. Sie fiihrten aus, daß es die Hessen-Nassauische Baugcwerks-Berufsgenossenschaft bisher nach den gesammelten praktischen Erfahrungen nicht erreicht hat, einen wirksamen Schutz für die gefahrvollen Bauarbeiten im Bereich ihres Tätigkeitsgebietes durchzuführen. Aber noch weniger erfolgreich und befriedigend ist die Tätigkeit der Tiefbauberufs- genossenschaft im Bezirk, um für die im Tiefbau beschäftigten Ar- beiter einen ausreichenden Schutz, entsprechend der sich ergebenden Arbeitsgefahren zu gewähren. Jedoch ist es nicht allein die Arbeiterfürsorge der Berufs- genossenschaften, welche ungenügend und wenig erfolgreich sich dieser Aufgabe widmen, sondern dasselbe kann über die Maßnahmen der Polizeibehörden gesagt werden.„Die Grundzüge der erlassenen Polizeiverordnungen zur Förderung des ArbeiterschutzeS auf Bauten", haben nach dem Ministerialerlaß vom 17. Juli 1907 an die Regierungspräsidenten nicht die berechtigten und notwendigen Anforderungen erfüllt. Die wiederholten Erhebungen und Kon- trollen der VertraucnSperfonen der Arbeiter, wie die letzte Er- Hebung im Juli d. I. in der Provinz Hessen-Nassau ergaben dies mit Deutlichkeit. Die durch die Behörden erlassenen Schutzvor- schriften über Gerüstbau, Abdeckung der Balkenlagen, Baubuden, Abortanlagen, Dichtung der Winterbauten, Beseitigung offener Koksfeuer usw. zeigen infolge mangelhafter Ueberwachung die seit Jahren wiederholt und nachdrücklich gerügten Mängel. Den besten Beweis hierfür liefern dir steigenden Unfall- und ErkranknngS- ziffern der bangrwerblichen Arbeiter. Ferner ist eine Erweiterung und Förderung des Arbeiterschutzes nicht von den in Aussicht ge- stellten Maßnahmen der Staatsregierung zu erwarten. Die Aus- führungen des Herrn Ministers v. Brcitenbach am 17. März d. I. können durchaus nicht als solche angesehen werden. Den» eine vermehrte Bauaufsicht durch..mittlere Beamten und vorgebildeten Schutzleuten" wie der Herr Minister meinte, können wegen ihrer ungenügenden, fachlichen und praktischen Vorbildung eine Förde- rung des Bauarbeiterschutzes und eine Beseitigung der Mängel und Mißstände, welche mit der heutigen Bauaufsicht und Ueberwachung des Baubetriebs verbunden sind, nicht bringen. Solche Maßnahmen können nur als neue Konzessionen an das Banunternchmertum auf- gefaßt und alS eine Mißachtung der feit Jahren rechtlich erhobenen und mit zahlreichen Beweisen belegten Forderungen der gesamten Bauarbeiter angesehen werden. Die Diskussion gestaltete sich äußerst anregend. Besonders vom Genosse» Hemke wurde reiches Mqterigk über die Zustände im Tiefbau vorgetragen. Nach sehr eingehender Debatte wurden verschiedene Resolutionen angenommen, wovon sich eine vor allen Dingen gegen den Scharfmacher Niese in Braunschweig wendet. Eine andere Resolution fordert größeren Schutz gegen Bleifarben, und als Ergebnis der Verhandlungen fand dann folgende Neso- lution Annahme: 1. Der Schutz gegen Unfälle und sonstige Gesundhcitsgefahren bei den Baubetricbsstätten ist grundlegend durch Normalvorschriften einheitlich zu bestimmen, wobei die Vorschläge der Arbeiter zur Geltung kommen müssen. 2. Für den Umfang des Staatsgebietes ist beim Ministerium der öffentlichen Arbeiten eine„Zentralbehörde für Beaufsichtigung von Bauausführungen" zu errichten, welche alljährlich über ihre Tätigkeit einen Bericht zu veröffentlichen hat. 3. Die behördliche Baubeaufsichtigung ist dahingehend zu rc- organisieren, daß bei den Baupolizei» und Kreisbauämtern mindestens ein Baukontrolleur aus dem Arbcitcrstande angestellt wird. Für größere Orte sind entsprechend mehr Baukontrolleure anzustellen. Diesen Baukontrolleuren sind die Befugnisse zu erteilen, die eine wirksame Tätigkeit für den Arbciterschuh ermöglichen. Die Baupolizeiämter haben alljährlich über ihre Aufsichtstätigkeit einen Bericht zu veröffentlichen._ Aufsuchen von Bestellungen auf Druckschriften oder Feilbiete» von Waren im Sinne deS Hausicrsteuergefetzcs? Der Buchhändler Hacker betreibt in seinem Wohnort Hannover den Buchhandel als stehendes Gewerbe. Er ließ in anderen Orten. z. B. in Walsrode durch den Reisenden Köppe Bestellungen auf Zeitschriften und auf Romane, die in Lieferungen erscheinen, auf- suchen. Die ersten Hefte der Werke wurden in der bekannten Weise in den Häusern zur Ansicht verteilt und nach einigen Tage» machte der Reisende wieder die Runde bei den Leuten, um Abonnementsbestellungen entgegen zu nehnien. Den Bestellern überließ er gleich die ausgelegte erste Nummer und nahm für diese Nummer die Bezahlung an. Während Köppe und sein Auftrag» geber Hacker in KöppeS Tätigkeit lediglich ein Aufsuchen von Bestellungen auf Druckschriften gemäß§ 44 der Gewerbeordnung sahen und es für ausreichend erachteten, daß Köppe eine LegitmationSkarte nach§ 44 a desselben Gesetzes mit sich führte, war die Behörde anderer Meinung. K. und H. wurden wegen Uebertretung des preußischen Hausiersteuergesctzes von 1867 angeklagt. Weil Köppe bei Aufnahme von Bestellungen den Bestellern gleich die zur Probe ausgelegten ersten Hefte überließ und Geld dafür nahm, lag nach Meinung der Staatsanwaltschaft nicht bloß ein Aufsuchen von Bestellungen, sondern auch ein F e i l b i e t e n von Waren im Umherziehen vor, das nach den, Gesetz von 1867 der Hausierftcuer unterfällt. Es hätte deshalb die Steuer gezahlt und der entsprechende Gewerbeschein eingelöst werden müssen. Das Landgericht in Verden sprach beide Angeklagte frei, indeni eS die Hausiersteuerpflicht verneinte und in der Tätigkeit Köppes nur ein Aufsuchen von Bestellungen auf das ganze Werk und nicht ein Feilbieten der gleich gegen Geld gelieferten ersten Nummern fand.— Der Ferienstrafsenat des K a m m e r g e r i ch t s hob auf die Revision der Staatsanwaltschaft das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück. Es läge allerdings, so wurde aus- geführt, ein Aussuchen von Bestellungen auf Druckschriften vor. Die entscheidende Frage sei aber hier die, ob die dabei vom Reisenden mit- geführten ersten Hefte der Lieferungswerke nur als Proben oder Muster dienten, oder ob sie K. nicht zugleich als Waren seil- geboren habe. Es stehe fest, daß K. von vornherein die Absicht hatte, für den Fall der Bestellung dem Besteller gleich das Probe- best als erste Lieferung des bestellten Werkes gegen den für das Einzelheft berechneten Betrag zu überlasten»nd daß er demgemäß handelte. Somit habe aber tatsächlich der Reisende die ersten Hefte nickt bloß als Proben, sondern zugleich für den Fall der Be- st llung als Ware mitgcführt, die in Ersüllung eüicö Vertrages zu liefern sei. Also habe er mit einem Auf- suchen von Bestellungen auf Waren(Druckschriften), das nicht unter das Hausiersteuergesetz fiel, ein hausier- steuerpflichtiges Feilbieten von Waren verbunden. Daraus folge die Aufhebung des freisprechenden Urteils und die Zurückverweisung der Sache an das Landgericht.— Wenn trotz einer Bestellung das Probeheft wieder mitgenommen und das erste Heft später aufs neue geliefert werde, dann würde bei im übrigen gleichen Tatbestand kein Feilbieten im Sinne des Hausierstcuergcsctzes vorliegen, sondern nur ein Aufsuchen von Bestellungen aus Druckschriflen. für das die LegitimationSkart« ge- uügte._ Eue der frauenbewegung. Antifcminismus in der Presse. Die bevorstehende— Notabene in sehr bescheidenem Maß- stabe geplante— Demonstration deS linken Flügels der bürger- lichen Frauenbewegung zugunsten des Frauenstimmrechts ist der gesamten reaktionären Presse ein gefundenes Fressen. Ganze Kübel voll Hohn und Spott, voll der kleinlichsten und schäbigsten Angriffe wurden neuerdings wieder über die Frauenbewegung im allgemeinen und die Stimmrechtsbewegung im speziellen aus- gegossen zur Freude sämtlicher Stammtischphilister. Die agrarische „Deutsche Tageszeitung" und die„Tägliche Rundschau" taten sich dabei besonders hervor. Hinter ihren vornehmen Prcßschwestern wollte das Leibblatt der Radau-Antisemiten, die„Staatsbürger- Zeitung", nicht zurückstehen, und so mischte auch sie ihre keifende Stimme in den Lästerchor der anderen. Ein längerer Artikel dieses Blatte? in Nr. 204 richtet sich gegen die„Weiber- D r e i st i g k e i t", die sich in der Forderung deS Bürgerrechts für die Frau ausspricht. Er ist in gewissem Sinne typisch für die Wertschätzung, die in weiten Schichten des Bürgertums hinsichtlich der Frau und ihrer Leistungen noch immer gang und gäbe ist. Die Frau ist etwas so Inferiores, daß man ihr wohl die Aufstellung und Anordnung von Wirtschaftsgegenständen, den AuSputz eines Kleides, kurz. daS„Gebiet kleinlicher Hantierungen" überlassen darf, aber sonst nichts. Die Verleihung des politischen Stimm» rechts an die Frau würde„zu einer noch größeren Verwirrung und Verwilderung aller politischen Verhältnisse führen, als sie jetzt schon bedenklich in die Erscheinung tritt", sagt der Verfasser Professor Dr. K. F. Jordan, und stellt den politischen Leistungen der Männerwelt damit eigentlich kein imponierende? Zeugnis aus. Daß infolge der Beteiligung der Frau am öffent- lichen Leben die Familie zerstört und das Kulturniveau sinken, ein kleinlicher Geist völlig dominieren würde, versteht sich nach Professor Jordan von selbst. Alle diese törichten Einwände sind so alt wie die Frauen» stimmrechtLbewegung selbst und durch die Praxis längst wider- legt. Denn in den Ländern, wo Mann und Frau gleiche Bürger- rechte haben, wie in Neuseeland und Finnland, ist infolge der praktischen Ausübung des Frauenstimmrechts auch nicht eine einzige der oben angeführten schlimmen Prophezeiungen in Er- füllung geganaen. Die Familie ist nicht zerstört worden, das Kulturniveau ist durchaus nicht gesunken und von dem Dominieren eine? kleinlichen Geistes hat man absolut nichts gemerkt. Diese Tatsachen widerlegen besser, als lange theoretische Auseinander- sctzungen es vermöchten, das haltlose professorale Geschwätz von dem Unheil, das die Gewährung des Frauenstimmrechts nach sich ziehen würde. Wie hier ein verbohrter Antisemit das Monopol der Männer- Herrschaft in der Politik dyrch das Frauenstimmrecht ernstlich ge- fährdet sieht, so erblickt ein freikonservativer Geistesverwandter in der„Post"(Nr. 405) alles Unheil für sein Geschlecht wie für daS ganze Volk gar schon in der schaudervollen Tatsache, daß der Staat neuerdings die weibliche Leitung höherer Mädchenschulen zugelassen hat. Eine Frau als Vorgesetzte männ- licher Lehrkräfte— entsetzlicher Gedanke! Das sei nicht nur eine Erniedrigung für den Mann, sondern bedeute auch nicht mehr und nicht weniger als eine nationale Gefahrl Feminismus, Frauen- Herrschaft auf der ganzen Linie sei die Konsequenz. Der Antifeminismus in der reaktionären Presse scheint jetzt wirklich völlig auf den Hund gekommen zu sein. Eine kleine Kon- zession des Staates an die Gleichberechtigungsforderungen der Frauen und die Ankündigung eines bürgerlichen Demonstrationchens zugunsten des Frauenstimmrechts genügen schon, um diese Feinde der Frauenbewegung zu den kläglichsten Offenbarungen ihrer Vertrottelung zu provozieren. Statt sich mit Dingen zu beschäftigen, von denen das ehrsame Geschwisterpaar„Post" und„Staatsbürgerin" doch nichts versteht, sollte es sich lieber ihren sehr naheliegenden und aktuellen Ge- bieten zuwenden. So hätten sie alle Ursache, einmal in ge- schmalzenen Leitartikeln ihren Lesern das Wesen der Frauen- bewegung im innigsten Zusammenhange mit der Triolen- Affäre des Herrn Reichstagsabgeordneten Schock klarzulegen. (3mchts~Zätunq. Diebstahl im Polizeipräsidium. Daß selbst die Räume des Polizeipräsidiums bor diebischen Besuchen nicht sicher sind, zeigte eine Anklage, die den 24jährigen Tischler Karl Schwager bor die 6. Ferienstraf- kammer des Landgerichts I führte. Der Angeklagte ist schon in jungen Jahren gründlichst verdorben worden und hat bereits mehrere empfindliche Vorstrafen erlitten. Zurzeit verbüßt er eine ihm kürzlich zudiktierte zweijährige Zuchthausstrafe. Am 11. März erschien er auf dem Polizeipräsidium, um sich eine Jnvalidenkarte ausstellen zu lassen. Er erhielt aber den Bescheid, daß es schon zu spät sei und er die verlangte Quittungskarte von 3 Uhr morgens an erhalten könne. Am 12. März kam er schon vor 8 Uhr in das betreffende Bureau, und da er dort eine Zeitlang sich selbst über- lassen loar, ehe der diensttuende Beamte erschien, so fand er Ge- legenheit, sich eine Quittungskarte und ein mit Versicherungs- marken gefülltes Kuvert anzueignen. Am 18. März erschien er wieder vor 8 Uhr im Gebäude des Polizeipräsidiums, fand das Zimmer, in welchem die Ouittungskarten verausgabt werden, unverschlossen und noch nicht von dem Beamten in Benutzung ge- nommen, und so öffnete er dann in aller Eile ein Pult mit einem Nachschlüssel und stahl einen Stempelkasten mit dem dazu ge- hörigen Stempel und noch eine ganze Anzahl AufrechnungSkarten und Versicherungsmarken. Im ganzen waren ihm auf diese Weise Marken im Werte von etwa 225 M. in die Hände gefallen. Er hat einen Teil der Karten vollgeklebt, mit dem gestohlenen Stempel die Marken entwertet und die Karten in diesem Zustande an dritte Personen zum Preise von 46 bis 56 Pf. pro Stück der- kauft.— Als er später wegen einer anderen Strafsache verhaftet wurde, wurden bei ihm der gestohlene Stempel unv eine Anzahl Versicherungskarten vorgefunden. Der Staatsanwalt beantragte Segen den frechen Spitzbuben eine Dusatzstrafe von 1% Jahren ychthaus. DaS Gericht erkannte zusätzlich auf LJahreZucht- Haus._ Dreizehn- bis Fünfzehnjährige auf der Anklagebank. Nicht weniger als 14 Schüler und Arbeitsburschen im Alter von 13 bis 15 Jahren saßen gestern auf der Anklagebank der ersten Ferienstraftammer des Landgerichts I. ES handelte sich um eine kleine DiebeSgesellschaft, die sich, wie behauptet wird, zusammengetan haben soll, um Diebstähle aller Art auszuführen. Zu der Gesellschaft sollen noch mehr Jungen gehört haben, die noch nicht 12 Jahre alt sind und deshalb strafrechtlich noch nicht verfolgt werden können. Einige Angeklagte wurden aus Er- zichungshäusern vorgeführt. Der älteste Missetäter ist erst tags vorher wegen Diebstahls zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Schauplatz ihrer Taten war das Gebiet zwischen Frankfurter Allee, Eldenaer Straße und Bahnhof. Es sind dort wiederholt Fälle vorgekommen, in denen kleinen Mädchen, die von ihren Müttern zum Einholen ausgeschickt worden, das Geld weg» genommen worden ist. Einige Fälle dieser Art wurden einzelnen Angeklagten zur Last gelegt. Ernster ist folgender Fall: In der Mirbachstraße befand sich ein Bau, der unter ZwangSverwaltung kam und schlecht bewacht wurde. Dieses Gebäude ist von er- wachsenen Personen, denen sich verschiedene Gruppen der An- geklagten zugesellten, gründlich heimgesucht worden. Man riß Jensterbekleidungen loS, stahl Zinkblech und Eisenblech, welches auf dem Boden lagerte, und die beteiligten Jungen verkauften eS für wenige Groschen bei zwei Produktenhändlern. Auch einer :n der Pettenkoferstraße aufgestellten Baggermaschine wurden Besuche abgestattet; man schlug hier mit einem Hammer alle mög- lichen Metallteile ab und fand auch für diese Abnahme bei den beiden Produktenhändlern, die nun unter der Anklage der ge- wohnheitsmäßigen Hehlerei standen. Gegen sie mußte die Ver- Handlung abgetrennt werden, da der eine von ihnen im Gerichts» faal von heftigen Krämpfen befallen wurde und nicht verhandlungs- fähig war. Gegen die 14 jungen Angeklagten einen Schuldbelvcis zu erbringen, war äußerst schwer. Einige von ihnen waren bei der Voruntersuchung zwar im allgemeinen geständig gewesen, sie änderten aber in der Hauptverhandlung ihre Aussagen wesent- lich ab und suchten sich gegenseitig aus der Schlinge zu helfen. Dies geschah mit solcher Virtuosität, daß man ein klares Bild von der Tätigkeit der einzelnen nicht gewinnen konnte. Der Gerichtshof kam nach mehrstündiger Verhandlung zur Freisprechung von acht Angeklagten. Bezüglich der sechs anderen Jungen, deren Be- teiligung an einzelnen Fällen der Anklage nachweisbar war, be- schloß der Gerichtshof Vertagung, weil er noch eine weitere Auf- klärung für notwendig hielt, ob nicht bandenmäßiger Dieb- stahl vorliegt.__ Die Verhandlung eines Rieseu-DiebstahlsprozesseS begann gestern vor der ersten Ferienstrafkammer des Landgerichts Berlin III unter Vorsitz des LandgcrichtSdirektors Bock. Die Straf- fache trägt die Bezeichnung Gehlke und Genossen. Die Anklage richtet sich gegen 88 Angeklagte männlichen und weiblichen Geschlechts, von denen sich 16 wegen Diebstahls, 22 wegen einfacher beziehungS- weise gewerbsmäßiger Hehlerei zu verantworten haben. Die Ehe- leute Artur und Natalie Schröder, die ihre Privatwohnung in der Bellermannstraße haben, betrieben nacheinander im Norden Berlins in der Dänen-, Griinthaler und zuletzt in der Schwedter Straße ein Nestaurationslokal. Hier machten die zum großen Teil wohnungS- und arbeitslosen Diebe, die überwiegend»och in jugendlichem Alter stehen, Bekanntschaft mit einander lind von hier aus verübten sie in der Zeit vom August 1633 bis Januar 1969 zahlreiche Diebstähle im Norden Berlins bei Kails- Icuten und Gewerbetreibenden. In den meisten Fällen wurden die Schaufenster zertrümmert und mehr oder weniger ivertvolle Sachen gestohlen, nianchmal stellten diese eiiien Wert von 1666 M. und darüber dar. Die gestohlenen Sachen versetzten sie teilweise bei Pfand- lcihern der dortigen Gegend, die meisten aber verknusten sie bei dem Ehepaar Schröder. Die Ehefran Schröder und zwei andere au- geklagte Frauen verkansten sie dann weiter an die wegen Hehlerei Mitangeklagten Personen weit unter dem wirkliche» Werte.— Der Ehemann Schröder ist nicht auf der Anklagebank erschien?». Er scheint Mch dein Grachten des Medizirialrats Dr. S t ö r m e r geisteskrank zu sein, doch ist die hierauf bezüglich» Untersuchung noch nicht abgeschlossen.— Die Verhandlung, für welche vorläufig drei Tage angesetzt sind, findet im Schwurgerichts« saale in der Turmstraße statt. Den Angeklagten stehen 18 Rechts- anwälte als Verteidiger zur Seite, die Zahl der Zeugen beträgt zirka 66. Die Verlei'uug des EröffnungSbeschlnsses und die Fest- stelluilg der Personalien nahm allein mehrere Stunden in Anspruch. Wir werden das Urteil nach Beendigung der Verhandlung mit- teilen._ Unlauterer Wettbewerb. Der Zahntechniker Black in Charlottenburg hatte durch Inserate „schmerzloses Zahnziehen" angekündigt. Er wurde des- halb wegen unlauteren Wettbewerbs angeklagt und auch in zweiter Instanz verurteilt. Begründend wurde ausgeführt: Nach dem eid- lichen Gutachten deS gerichtlichen Sachverständigen Zahnarztes Ritter könne auf diesem Gebiete niemand Schmerzlosigkcit ohne Einschränkung versprechen. Es möge allerdings einem geschickten Zahntechniker viel- leicht gelingen, die Schmerzen sehr herabzumindern. Schmerzlosigkeit werde gewöhnlich durch Narkose oder lokale Injektionen zu erzielen gesucht. In manchen Fällen genüge letzteres, aber nicht immer. Und die Narkose sei bei vielen Patienten, namentlich Herzkranken, nicht anwendbar. Deshalb könne nicht allgemein angekündigt werden, daß das Zahnziehen schmerzlos sein werde. Das Publikum habe durch die Ankündigungen auch irre geführt werden können. Es gewinne den Eindruck, als ob B. eS ganz besonders gut niache. Da Angeklagter das Gewerbe schon einige Jahre betreibe, so sei anzunehmen, daß er sich bewußt gewesen sei, durch die ohne jede Einschränkung gemachte Zusicherung schmerz- loser Behandlung unwahre Angaben zu machen. Der Ferienstrafsenat des Kammcrgerichts verwarf die vom An- geklagten eingelegte Revision. Es lägen alle Momente vor, welche die Feststellung unlauteren Wettbewerbs rechtfertigten. Insbesondere sei das Landgericht mit Recht davon ausgegangen, daß Schmerz- losigkcit des Zahnziehens nicht allgemein versprochen werde» könne, weil sie nicht innner möglich sei. März, Eingegangene Oruckfcbriften. Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. im tl erausaebcr: Ludwig Thoma, Hermann Hesse, Kurt Aram, Robert Hessen. cstes Septembcrbest 1R>a. Preis 1,20 M., im Abonnement das Quartal (ö Hefte) 6 M. Verlag von Albert Langen in München. St E(t>- Zeitung. Scptembcr-Nummer. Erscheint monatlich. Preis der Einzelnummer 50 Pf., jährlich 6 M. Verlag: Allgemeine ElektrizilätS- gesellschast Berlin. Das Theater. Illustrierte MonatSschrist. Jahrg. 1. Heft 1. Preis vierteljährlich 5,50 M., Jahresabonnement 20 M. Verlag: Illustrierte HalbmonalSschrist„DaS Theater', Aerlin-Wilmersdorf. Bericht der Agitationskommisston für den Bezirk Görlitz über die Zeit vom t. April 1908 bis 80. Juni 1909. Görlitz. GriuiinelshausciiS Simplizirniischr Schriften, herausgegeben von Ernst Arnold. Erster Teil: Die Landstreicherin Courage. Zweiter Teil: Der seltsame Springinsfeld.(Bibliothek des 17. und 18. Jahrhunderts.) Preis jeden Bandes: gchestet mit geschmackvoller Umschlagzeichnung 2 M., clegant gebunden mit desgleichen und Pergamentrllcken 3,50 M. Franlhsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. Protokoll der III. ordentlichen Generalversammlung dcS Deutschen Arbeiier-Abstinenten-BundeS, Hannover 1909, nebst Bericht an die Delegierten. Preis 70 Pf. Verlag: Deutscher Arbciter-Abstincnten-Bund, Berlin O. 17. Volksfreund 1910. Braunschweiger Volkskalender. Herausgegeben Auftrage des Landcsvorstandes der sozialdemokratischen Partei deS ogiums Braunschweig. Verlag: Heirir. Riekc, Braunschwcig. ahre Konstitution. Der Weg zum Frieden deS Volkes. Von Dr. H. Margolius. 292 Seiten. Verlag von Karl Bellmann, Prag. Weltsiaat und ffriedcnsproblrm. Von Karl v. Stengel. Preis 3 M.. geb. 4 M. Verlag von Reiche u. Co., Berlin IV. 9. Das Recht zu lieben. Schauspiel in drei Aufzügen. Von Wilhelm Karl Becker. Preis geh. 2M., geb. 3 M. Verlag von Rich. Lipinsii, Leipzig. DaS Spielen der Kinder im Sande. Von Hans Dragebjelm. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Als. Dietrich. Brosch. 2.50 M., geb. 3 M. Verlag von TtllgeS Buchhandlung, Kopenhagen. Aus- tieserung bei K. F. Koehler, Leipzig. «nlturfirnis. Koloniales Zeitbild. Von Hubert Nohrmann. Preis 1,25 M. Zcitbilder-Verlag, Leipzig. Rheumatismus, Gicht n»d JSchias. Ihre Entstehimg, Erkennung und Heilung durch die naturaemässe Heilmethode. Von M. Pfenning. Preis 1 M. Verlag Reform, P. Müller, Stuttgart. „RcelainS Universum.« Moderne Illustrierte Wochenschrift. Preis 30 Pf. Philipp Rcciam jun., Leipzig. „Der Naturarzt.' 17. Jahrg., Nr. S. Dr. med. Schönenbcracr und W. Siegcrt. Preis jährlich 3 M. Probe-Nr. frei. Verlag: Berlin SW. 11. Bericht des Landcsvorstandes und des PartelfewctärS der fozialdemo- kratijchen Partei des Herzogtums Braunschweig. Vom 1. Juli 1903 bis Ende Juli 1909. Verlag: Rieke, Braunschweig. „Reue Generation'(HerauSgcbcrin: Dr. Phil. Helene Stücker). Verlag: Ocsterseld u. Co., verlin IV. 15. Der GesundhettskatechiSninS Dr. Bernhard Christoph FaustS. Ein Beitrag zur Geschichte des UnlerrichtSwesen» in Deutschland um die Wende des 18. und 19. Jahrhundert». Von Prof. Dr. Phil. Karl Roller. Preis geh. 3 M. Verlag: B. G. Teubner, Leipzig. üSeltanschauuugösragen. Bd. 1: DaS Kopernikanische Weltsystem bei den Alten. Von Dr. Otto Th. Schulz. 143 Seiten. Verlag: Neue Weltanschauung, Stuttgart. Christentum und freies Denken. Von Nyström. Eine kritisch. historische Darstellung. Brosch. 7 M., geb. 8, 56 M. Verlag i Oesterheld u. Co., Berliu W. 15. Tinge mit. Eine Sammlung politischer nud gewerkschastlicher KampseS, lieber nach bekannten Melodien. 15. verbesserte und ergänzte Auslage. 20 Vf. Porto 5 Pf. Verlag von Rich. LiPinSli, Leipzig, Eisterstr. 14. IS. Bericht. Verein für Volksheilstättcn für Obcrbayern für daS Jahr 1903. 3S Seiten. Druck von R. Oldenburg, München. Larven und Käfer. Praltifche Anleitung zum Sammeln, Züchten und Präparieren sowie zur Anlage antomologtsch-biologilcher Sammlungen. Von Karl Mühl. Preis geh. 1,40 M., geb. 1,30 M. Verlag von Strecker u. Schröder, Stuttgart. Lichtstrahle»-Kalender. Für da» Jahr 1910. Allgemeine Ausgabe. Preis 20 Heller. Wiener Volksbuchhandlung, Jgnaz Brand u. Eo., Wien VI. Religio». Kirche»nd Sozialdeinvkratie. Vorwag von Emil Felden, Pastor pnni. an St. Martini, Bremen. PretS 30 Pf. Verlag von G. Birk u. Co. m. b. H., München. Maria Baumann. Roman von Charlotte Knoeckel. Jeder Band geh. 80 Pf., geb. 1 M. I. Fischer, Verlag, Berlin. AuS Natur»ud Geistestvclt. Sammlung wissenschafMch- gemein- verständlicher Darstellungen. Geschichte der Wartenkuust. Von C. Rank. — Die Geschichte der sozialistischen Idee» im I». Jahrhundert. Erster und zweiter Teil. Won F. Mückle.— Statik und Mechanik des menschlichen Körpers. Von K. v. Bardelcim. Preis 1 M.. geb. 1,25 M. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig.„ � „Koloniale Zeitschrift.' 10. Jahrgang. Nr. 17. Herausgegeben von Oberleutnant a. D. Franz Kolbe, Berlin IV. 30. Das zahuürztlichc Institut der LandeSversscherungSanstalt Berlin. 3S S. W. u. S. Löwenthal, Berlin 0. 19. Dichtungen von L. Kunz. 32 S. Verlag für Literatur, Kunst und in Leipzig. Jahresbericht der AgltationSkommisfion der sozialdemokratischen Partei SchleSwig-Holstein und Fürstentum Lübeck. Vom 1. Juli 1903 bis 30. Juni 1909. Verlag von Fr. Bartels, Altona. � Moderne Philosophie. Rudolf Encken. der Erueuerer d-S deutschen JdeaiiSruus. Von Theodor Kapvstein. 5. Band. Preis 1,50 SÄ. Buchverlag der.Hilfe", G. m. b. H., Berlin-Schöneberg. Jahresbericht des Sozialdenivkrot-I-heii Verein» Elberfeld-Barmen. 1998/9. Verlag: Sozialdemowniilcher Verein Elberscld-Barnicii. Jahrbuch 1908 des deutschen HolzarbeiicrverbandeS. Herausgegeben vom VcrbandSvorsland. Verlag deS deutschen HolzarbeiterverbandeS, "''"Jahrbuch für 1907/08 und Protokoll des 6. Verbandstage» des Verbandes der seemäimischrn Arbeiter DeulschlandS. 300 S. P. Müller, Hamburg, Bcscnbindsrhos 57.__ Simtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Direktion über den Großhandel in den Zmiral-Maiktballen. Marktlage: Fletsch! Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, dieschäsl Icbhast, Preise wenig verändert. G es lü g el: Zusuhr knapp, Ge- ichäsl rege, Preise gut. Fische: Zusuhr masilg. Geschalt lebhast. Preise beiriediaend, für Schleie hoch. Butter und Kase: Geschäft still, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrücht«! Zusuhr meist Übet Bedarf, Geschäjt still, Pflaumen fast unvertäuflich. Presse gedrückt. Arbeiter-WanderM Die Hatnrfreunde Am Sonntag, den 13. September, vormittags 10 Uhr: 1. Besichtigung des Botanischen Gartens in Dahlem. Die wissen- schastliche Führung stellt die Direktion. Abfahrt: Wannsce-Bahnhof 9.30 Uhr. 2. Schüler-Wanderung. Friedrichs- Hagen— Nahnsdorfcr Mühle— Erkner. Treffpunkt: I. Schlcsischrr Bahnhos, II. Bahnhof Wedding 8 Uhr vormittags. Droächkcnkntiscber! 10 Mark Belohnung! Fahrt Dienstag mittag v. E. ein- halt nach Bcllevueslrasie. Alte Akten- Mappe mit Buch mit Namen drin liegen gelassen. WIederbringcr 10 M. Dr. Kretsohmann, Schissbauerdamm 17 II. 256/15 �Hygienische ccaansartüsal. JNcueBt.K.V.aio� ßi.Enjpfohl.viei.Aorzte u.Prof. grat. Ctts1 . EL ünger, GmnmiwarealaliriÄ 1 flortia NW- Friodiicbsiraflsa 91/92 Beseitigt üble Gerüche ohne selbst zu riechen. Vernichtet ansteckende □ Krankheitskeime. □ Prospekte durch: 1930L Gebr. Hey!& Co., A.sG., Charlottenburg. 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Berlagsanstalt Paul Singer Li Co., Berlin S.W, gt. 2io. 26. MW, 2. Keilye des Jormättf Kerlimr WIdsdlM. wm-w. � S.ch«.w.W. Heute, DouuerStag, abends von(t'l* Uhr an: Fwgbl attvcrdre itung i»■>., 6., 7. null 12. FMGMlildkM WW Niemand darf fehlen. Hü parte!-?Zngelege�Keiten. Zweiter Wahlkreis, Fricdrichstadt. Druckerei-Nacht- arbeiler! Zahlmorqen Sonntag, den 12. Sepien, bcr, bei Jnl. Meyer, Oranienstr. 103. Vortrag des Genossen Silber- s ch m i d l über„Partei und Gewerkschaften". Guten Besuch er- warten Die Bezirksführer. Zur Lokalliste. Auf wiederholte Anfragen teilen tvir mit, daß da? Lokal„ S ch ü tz e n r a st Grost-Lichtcrsclde, Moltkestraste, am Bahnhof„Botanischer Garten" der Arbeiterschaft nicht zur Versllgiing steht. Der jetzige Inhaber, Herr Reinhardt, war früher Oekonom des„Charlottenburger Bolkshaufes" und ersuchen wir daher speziell die dort tagenden Vereine, obiges genau zu beachten._ Die Lokalkommission. Kunstabende. Die Kunstabende, die von unseren Parteiorganisationen in den letzten Jahren veranstaltet wurden und den Zweck verfolgten, den Genossen für verhältnismäßig geringes Eintrittsgeld einen wirklichen künstlerischen Genuß zu verschaffen, haben sich in den Reihen der Genossen große Sympathie errungen. Das hat die Veranstalter er- nuitigt, durch ein immer gewühlleres Programm die Kunstabende zu vcrbeffern und so ein gutes Stück Bildungsarbeit zu leisten. Natürlich rechnen die Komitees angesichts der für das Engagement guter Kräfte verausgabten nicht unerheblichen Mittel auf möglichst guten Besuch der Kunstabende. Einen der ersten Kunstabende veranstalten am kommenden Sonn- abend, den 11. September. Genossen des sechsten Wahlkreises in den Germania-Sälen in der Chausseeftr. 110. Das Konzert wird vom Neuen Tonkünstler-Oichestcr(Dirigent Fr. Hollfeldcr) ausgeführt, während für Gesang Frau Mirjam Horwitz-Zicgel vom Kleinen Theater und für Rezitation Herr Fritz Richard vom Deutschen Theater gewonnen sind. Das Billett kostet 50 Pfennig. Anfang L'/z Uhr._ Rudow. Sonntag, den 12. September, abends ö Uhr, Mitglieder- Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins im Lokal von August Palnr. FrcdcrSdorf-PctcrShagen. Donnerstag, den 9. September, abends 8 Uhr: Zahlabend bei Max Girke, Fredersdorf. Bernau. Heute abend: Zahlabend in den bekannten Lokalen. Im Lokal von Kunze Entgegennahme der ausgeliehenen Bibliotheks- bücher. Die Bezirksleitung. Spandau. Freitag, den 10. September, abends 8V2 Uhr, findet im Lokal von Gottwald. Schönwaldcrstr. 80, die Mitgliederversamm- lmig des sozialdemokratischen Wahlvcreins statt. Tagesordnung lautet: 1. Bericht von der in Nauen stattgefimdencn KreiSgcneral- Versammlung. 2. Bericht von der Provinzialkonferenz. 3. Ab- rechnung vom Sommernachtssest. 4. Wahl des 1. Schriftführers, des Geschäftsführers rind einer Genossin zum BildungSausschuß. ßcrlimr JHacbncbten. Drachcnstcigen. Seit Zeppelin über dem Häusermeer Berlins schwebte, ist unsere Jugend außer Rand und Band. Wenn die Ernte in der Scheuer liegt und der Wind über die Stoppeln jagt, war ja von altcrsher die Zeit des Dracheubauens. Heute wetteifern die allerkleiusten Knirpse darin, ihren papieruen Zeppelin an der Strippe in die Lüfte fliegen zu lassen. Wie fing es denn an mit dem herzigen Vergnügen, noch ehe wir in die„Klippschule" gingen? Man nimmt ein Stück Düten- oder Zeitungspapier, schneidet kreuz und quer winzige Löcher, steckt ein Paar Holzstäbchen hindurch und befestigt mit Baumwollcnfäden ein„Spann" daran— fertig ist der„Drache" in seiner primitivsten Gestalt. Und wirklich... er fliegt! Der Dreikäsehoch rennt aus Leibeskräften über die Großstadtstraßc. sieht noch im Laufen mit blitzenden Augen hinter sich, fällt dabei dreimal in den Straßenschmutz und lacht doch vor Freude über das ganze Pausbackeugcsicht. Freilich sinkt die„Spinne", sobald der Knirps stille steht, seltsam wackelnd wieder zu Boden, aber minutenlang hat sie sich wahrhaftig in der Luft gehalten. Die älteren Rangen, die in der Schule sich gegeuseifig die Kunst abgucken, sind schon gescheiter. Sie betteln beim Krämer einen Tonnenreifen, beim Tischler eine Holzleiste, kaufen für ihre Sparpfennige seidenes oder buntes Glanzpapier und bauen mit mehr oder minder großer Fertigkeit den Drachen in der allbekannten Gestalt. Die bedenklichste Frage ist immer die Beschaffung der„Strippe", des Bindfadens. Wer seinen Drachen im Oberwind zum„Stehen" bringen will, muß schon eine halbe Mark dranwcnden, und solche Ausgabe ver- trägt nicht jede tönerne Sparbüchse der Kinder des Volkes. Ja, die reichen Jungens, die holen sich den schönsten, bunt- bemalten Drachen und ein Ricsenknäuel dazu aus dem Spiel- Warenladen. Ob sie auch dieselbe innere Freude beim närrischen Kindcsspicl haben? Wohl kaum. Nach wenigen Stunden fliegt das teure papierne Spielzeug in die Ecke. Bis bor wenigen Jahren kannte man selbst in der Groß- stadt nur den Drachen nnt Rundbogen und Spitze. Daun ging von dem hohen GcistcSflug der Erwachsenen, von dem Streben der Menschen, die Luft zu erobern, auch ein klein wenig auf die junge Welt über. Heute bauen die Kinder und selbst zahlreiche Erwachseue, die das Drachensteigen förmlich als harmlosen Sport betreiben, Drachen in allen möglichen Fassons, völlig quadratisch oder mit sechs und gar acht Ecken, in Größen bis zu zwei Meter. Sehr beliebt sind Vogelformcn, besonders die Eule. Ein solcher Drache, richtig konstruiert, mit pechschwarzem Zcugstoff überzogen, macht hoch in der Luft einen geradezu unheimlichen Eindruck. Später kam der Kastcndrachen auf, der aus einem an niehrcren Seiten offenen rechteckigen Gestell besteht und vorzüglich fliegt. Seine Gestalt und auch die Flugkraft erinnert stark an eine senkrecht gestellte moderne Flugmaschine. Wer ganz besonders bizarre Drachenformen bewundern will, nmß nach dem Tempelhofer Feld gehen, wo mit Vorliebe sogar die in Berlin lebenden bezopften Söhne des himmlischen Reiches sich am Drachensteigen vergnügen. Denn bekanntlich ist dieses Spiel, wie übrigens so sehr viele unserer landläufigsten Jugendspiele, erst aus China zu uns herübergekommen. Im Straßenleben hat der Drache so gut wie abgewirtschaftet. Die ungezählten Taufende von Telephon- drähten haben ihn von hier vertrieben. Ab und zu sieht man noch zwischen dem in der Sonne glitzernden Kupfer eine die Fern- gespräche nicht unwesentlich beeinträchtigende Drachenleiche hängen. Aber auf den wenigen freien Feldern, die das Weichbild Berlins noch aufweist, regiert der Drache um die jetzige Jahres- zeit uneutlvegt. Am Abend und Sonntags zieht die ganze Fanülic zum Drachensteigen aus. Für allzu große Ungetüme, die sich in der Luft durch den Wiuddruck selbst von Erwachsenen nur mit einiger Mühe halten lassen, wird eine in den Erdboden zu grabende Holzrolle mitgenommen. Wenn dann der Drache prächtig„steht" und Vater ein paar„Apostel", das heißt ein paar aus Papier geschuittcue Ringe am Bindfaden vom Winde nach oben treiben läßt, ist des Jubels unter dem kleinen Volk kein Ende. Früher hing mau an den Drachen- schwauz in den Abendstunden Wohl auch einen leuchtenden Lampion. Doch ist das aus feuerpolizeilichen Rücksichten ver- boten worden. Wie lange wird es dauern, dann ist auch das letzte Stückchen freies Berliner Feld der Bauspekulation er- schlössen, und die Jugend nmß auch mit diesem schönen Spiel weit in die Vororte hineinwandern. Die Armcndircktivn hielt am Montag ihre erste Sitzung nach den Ferien ab. Stadtrat Münstcrberg gab zunächst bekannt, daß die im Titel 49 deS Etats eingestellten 160 000 M. zur Entsendung von Kindern in Heim- und Heilstätten bereits verbraucht feien und die Entsendung von Kindern eingestellt werden müst'e, wenn nicht weitere Nüttel bewilligt würden. Von unseren Genossen und einem ärztlichen Mitglicde wurde die weitere Entsendung von Kindern für bringend nötig er- klärt. Die Wirkung des Aufenthaltes der hilfsbedürftigen Kinder in einer Heil- oder WalderholungSstätte sei eine außerordentlich gute und Krankheit vorbeugende. Durch Skrophulose, Blutarmut, Lnngenkatarrh usw. verfallen viele unserer Kinder einem frühen Siechtum und dem Tode. Das ärztliche Mitglied erklärte, es wäre ein Unglück, wenn die Entsendung eingestellt werden solle. Es wurde beschlossen, den Magistrat um Belvilligung weiterer Mittel zu ersuchen. Wir werden die Stellung des Magistrats abwarten, um cveutuell weitere Maßnahmen zu ergreifen. Weiter lagen eine Reihe von Anträgen vor. hilfsbedürftige Personen in die schwarze Liste aufzunehmen. Die Artneiikommissione» machen es sich nicht selten leicht, Hilfsbedürftige, die sich mal ein Wort erlauben, welches dem Vorsteher oder Pfleger nicht paßt, für immer vom Leibe zu halten. Beklagt sich nun so ein armer Teufel, daß die Unterstützung von 6—10 M. nicht ausreiche fiir sich und feine Familie, dann wird ihm oft erklärt, er solle arbeiten und nicht faulenzen. Es lagen Beispiele vor, daß diese schwarzen Listen nicht immer so gehandhabt werden, wie es zu wünsche» wäre. Diese sind in der Tat noch ein dunkler Punkt in unserer Armenverwaltung. Sieben neue KommissionSvorstcher wurden bei Beginn der Sitzung in ihr neues Amt eingeführt. Stadtrai Münsterbcrg ermahnte die Herren, einerseits in humaner und milder Weise ihres schweren Amtes zu walten, nicht nur soviel zu geben, daß der Arme seinen Hunger füllen könne, sondern in reich- Ucher Weise Unterstützung zu geben und den Armen ein wirklicher Freund und Berater zu sein; andererseits aber auch nicht zu ver- gesjen, daß sie öffentliche Gelder verwalten und haushälterisch hier- mit umgehen nrüßtcn. Ja. wie viel Not und Elend könnte erheblich gelindert werden, wenn sich die Vorsteher und Pfleger diese Ermahnungen zu eigen machen würden; aber hier bleibt noch alles zu wünschen übrig. Städtische Förster. Die Stadt Berlin beschäftigt schon zwei Förster, einen in Buch und einen in Klein-Beeren. Durch den Ankauf des großen vierhundert Morgen umfassenden forstfiskalischen Geländes bei Schön- walde und durch Aufforstung von Oedländereien ist der städtische Besitz an Waldungen auf mehr als 12 000 Morgen gestiegen. Es ist Aussicht vorhanden, daß dieser ansehnliche Besitz durch Ivcitere Aufforstung und Anläufe von Holzungen noch eine weitere Aus- dehnung erfahren wird. Es hat sich'deshalb die Ausstellung einer forstlichen Betriebsciurichtiing und einer Forsttaxe als notivcudig erwiesen. Diese ist in der Ausarbeitung begriffen und ihr Er- gebnis wird außer einer Berechnung des Wertes dieser Waldungen, eine Aufnahme der Holzmeugen, ein HauungS- und ei» Kulturplan für die nächsten zehn Jahre sein. Um diese Aufgaben lösen zu können, hat der Magistrat beschlossen, außer den beiden Förstern noch eine» dritten in Chorin und einen Oberförster an- zustellen, wofür schon eine geeignete Kraft in Aussicht genommen worden ist._ � Wie sich die„goldene Jugend" amüsiert!! Wir erhalten folgende Zuschrift: Ahnungslos betraten wir neulich gegen 1 Uhr nachts ein b e- kanntes Weinrestaurant in der Leipziger Straße, um dort noch ein wenig miteinander zu plaudern. Doch kaum hatten wir einen Blick hineingeworfen-- da packte«ms geradezu Entsetzen: Ivo waren wir denn hingeraten? Befanden wir uns denn in der Hexenküche?! Eine Kapelle verübte einen Radau, der anscheinend„Musik" sein sollte. Dazwischen kreischte und brüllte eine rasende Menge von fast durchweg betrunkenen Menschen, die sich samt und sonders gc- berdeten, als hätten sie den Verstand verloren. Das männliche Publikum bestand— das sah man sofort— in der Hauptsache aus Bourgeois söhnchcn: Studenten, Offizieren in Zivil, reichen jnngen Kauflenten usw. Die„Damen" dagegen gehörten meist der Halbwelt an, nicht der reglementierten. sondern der„heimlichen". Aber das Benehmen der„feinen" Herren war ebensowenig „fein" wie das der Prostituierten. Gleich am Eingang traten uns zwei elegante Jünglinge entgegen, von denen der eine auf dem Rücken des andern saß. Mit gläsernen Augen stierten sie unS an, johlend und schreiend und uns rücksichtslos anrempelnd.... Und so wie diese benahmen sich die»leisten Gäste: es war wie im Jrrenhausc! Dort stand einer ans einem Tische und hielt triumphierend einen Damenschuh mit der einen Hand empor— alles jubelte vor Entzücken I Auf einem Stuhle vollführte eine stark an- gemalte Dame stehend eine Art„Bauchtanz", was den umsitzenden Herren so gefiel, daß sie die„Tänzerin" zum Zeichen des Beisallß mit Sektpfropfen bombardierten. Hier und dort versuchte man zu der „Musik" in den engen Gängen zwischen den Tischen zu tanzen. Die meisten Paare küßten uiid„liebkosten" einander ganz offen in einer Weise, daß sie aus jedem anständigen Arbeitcrlokal hinaus» gewiesen worden wären. Hier schien niemand etwas Anstößige« dabei zu finden, auch nicht der Wirt, der nicht zu befürchte» braucht, daß ihn« die P 0 l i z e i die Konzession entzieht. Es Ver- lehren ja keine Proleten hier, sondern nur„erstklassige" Herren aus der„besten Gesellschaft".... So schnell, wie es in dem Gewühl möglich war, flohen Ivir aus diesem Vergnüguiigslokal, wo die Herrschaften von„Besitz und Bildung" den Mehrwert verschlemmen, den sie den Massen abgepreßt haben. Kurz vor dem Ausgange spritzte uns noch der Schaum aus einer Champagnerflasche, die gerade geöffnet wurde, ins Gesicht... Als wir wieder auf der Straße standen, atmeten wir tief auf. Und e i n Gedanke beschäftigte uns alle: Wie lange noch wird sich das Proletariat von diesein vcrkomincnen Gesindel unterdrücken und ansbrnte» lassen?! Wright fliegt mit einem Passagier. Gestern nachmittag setzte Orville Wright seine Flugversuche auf dem Tempelhofer Felde fort. Wiederum hatten sich viele Mit- glicder der Gesellschaft und eine unabsehhare Menge Schaulustiger eingefunden. Um 5 Uhr 24 Min. stieg der Amerikaner zum ersten Male auf. Der Aeroplan nahm sofort eine bedeutende Höhe ein, in welcher er sich fast durchweg hielt; gegen Ende sank der Aeroplan sogar bis ans einen Meter herab. Die Maximalhöhe wird auf etwa 102 Meter geschätzt. Nach einer 35 Minuten lyngen Fahrt landete Wright in der Nähe deS Startplatzes, um alsbald zu einem weiteren Fluge mit einem Passagier aufzusteigen. Hauptmann Hildebrand nahm neben Wright ans der Maschine Platz, die sich um 6 Uhr 20 Minuten von neuem in Be- wegung setzte. Bei diesem Fluge erhob sich der Aeroplan nur wenig über 25 Meter. Nach etwa 17 Minuten ging der Aviatiler mit seinem Passagier in unmittelbarer Nähe deö Schuppens nieder, wiederum wie gestern von der Menge jubelnd begrüßt. Menschenleben waren in Gefahr bei einer Actherexplosion in der Wullenwcberstraße 8 in Moabit. Der 15. Zug war schnell zur Stelle und löschte die Flammen, die an Drogen usw. in dem Geschäft von Eggert an der Ecke des Eyke-Von-Repkow-Plahes reiche Nahrung gefunden hatten. Die Personen waren mit dem Schrecken und leichten Verletzungen davongekominen. Falsche Hmidertmarkscheine. An einer Nebenstelle der Reichs- bank ist ein falscher Hundertmarkschein angehalten worden, der sich von anderen bisher bekannten gleichartigen Falsifilaten durch seine vorzügliche Ausführung unterscheidet. Die Fälschung ist eine so gc- schickte, daß sie erst nach sorgfältiger Prüfung erkannt wird. Selbst die Fasern sind in kunstvoller Weise miltcls KlebestoffeS auf der Banknote befestigt und auch mit dem Papier stimnit die Fälschung fast vollständig mit den echten Scheinen übercin. Nur in dem Druck finden sich einige, bei sorgfältiger Prüfung erkennbare Ab- weichungen. Eine neue Art falscher Markstücke werden neuerdings wieder in Unilauf gesetzt. Die Falsifikate sind aber sehr leicht zu erkennen, weil die Prägung plump und die Farbe der Fälschung stark bläulich ist. Außerdem fühlen sich die Falsifikate fettig an, so daß sie mit Leichtigkeit als solche erkannt werden können. Die Flaschenpost deS Selbstmörders. Ein Vorfall, der noch der Aufklärung bedarf, beschäftigt die Tegeler Polizeibehörde. Von dem Burcaugehilfen F. wurde gestern nachmittag am Ufer des Tegeler SceS im Schilf verborgen eine Flaschenpost antgefimden und der Polizei übergeben. Der in der Flasche befindliche Brief hatte folgenden Inhalt:„Tegel, den 2. Sept. 09. Lieber Papa I Wenn Dich iiicine Zeilen erreichen, bin ich nicht mehr am Leben. Es ist nachts 3'/z Uhr. Meine trostlose Lage, in der ich mich befinde, hielt ich nicht länger mehr aus. Deshalb ist es besser, daß ich diesen Schritt getan. Da ich kein Geld mehr besaß, so mußte ich aus diesem Wege Euch, meine Liebe», verständigen. Sucht mich nicht, ich habe einen seltenen Tod gewählt, indem mich niemand finden wird. Ich liege aus dem Grunde des Tegeler SeeS.'Aber nun, lieber Papa, grüße noch alle Lieben von mir. Verzeihe mir bitte diesen Schritt. Auf Wiedersehen I Dein Paul." Auf der vierten Seite des Briefes stehen die Worte:„Auf Wiedersehen dort oben l Herrn Puhlmann, Berlin." Da in Berlin mebr als hundert Personen namens Puhlmann wohnen, so war eS bisher noch nicht möglich, die Angehörigen des Lebensmüden zu er- Mitteln. Unter einem Mchlstapel begraben. Ein folgenschweres Unglück hat sich gestern nachmittag aus dem Grundstück A l t- M 0 b i t 01/92 zugetragen. Dort stürzte in einem Speicher ein Stapel von Mehl- säckcn um und begrub zwei Personen, die in der Nähe standen, nntcr sich. Die Verunglückten, der Fuhrherr Karl Piorrck aus der Adolfstr. 16 und der Arbeiter Wilhelm Poge ans der Oldcnburger Straße 18. konnten erst nach längerer Zeit aus ihrer gefährlichen Lage befreit werden. Piorrek hatte einen Schädelbruch und Poge einen Wirbelbruch davongetragen; beide wurden sofort nach dein Krankenhaus Moabit geschafft, wo sie bedenklich daniederliegen. Fcucrwchrvcricht. Am Mittwoch wurde die Feuerwehr nach der Swinemündcr Straße 78 alarmiert, Ivo in einem Keller Säcke«i. a. brannten. Ein Schaldccken- und Balkenlagcrbrand beschäftigte den 3. Zug in der Metzer Straße 30. Der 15. Zug hatte in der Feld- zengmeisterstraße 9 zu tun, wo in einer Schnhmachcrwcrkstatt Kleider usw. brannten. Zwei Stubenbrände wurden ans der Kaiser Wilhclmstraße 37 und Frobcnstraße 30 gemeldet. Vorort- J�acbncbtci*. Charlottcnbnvg. Die Charlottenburger GewerkschaftSkommission befaßte sich in ihrer letzten Sitzung unter Anwesenheit der GewcrbcgerichtSbeisitzer (Arbeitnehmer) mit dem Tätigkeitsbericht über das Geschäftsjahr 1908-1909 des hiesigen Gcwerbcgcrichts. Der Berichterstatter, Gc- nosse Pfefferkorn betonte, daß zu dem dem Reichstage vorgelegten Gesctzentwilrf betreffend die Arbcitskammcrn auf einsti'.nmigcn Beschluß der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeisitzer der Antrag"an den Reichstag gerichtet wurde, die zukünftigen ZlrbcjtSkaminern in bezug auf deren Charakter als EinigungSinstanzcn mit den Eini- gungSämtern der Gcwcrbegerichte nicht in Konkurrenz zu stellen. Die Arbeitskammcrn sollten auch nicht als zweite Instanz über den Einigüngsämtern der Gewerbcgerichte stehen. Im Berichtsjahre (!nb anhängig gemacht 1539 Streitsache», aus dem Vorjahre nnev- ledigt übernommen 21 Streitsachen, so datz die Gesamtzahl der Klagen 1569 beträgt. Die Zahl der im Berichtsjahr anhängig ge- machten Streitsachen ist gegen das Vorjahr um 37 Klagen oder 2 Proz. gewachsen. An der Zunahme sind beteiligt die Fabrik- betriebe mit 16, die nicht unter die Zuständigkeit fallenden Sachen mit 13 Streitsachen, während beim Baugewerbe die Zahl der Streit- fachen um 21, beim übrigen Händwerk und Gewerbe um 1, zu- sammen um 22 abgenommen hat. Von den gesamten Klagen wurden im Jahre 1993-1999 erhoben von Arbeitgebern gegen Ar- beiter 24, von Arbeitern gegen Arbeitgeber 1594 und von Arbeitern gegen Arbeiter 11. Die meisten Streitgegenstände betrafen das Gebiet der Leistungen aus dem Arbeitsverhältnis.— Der Bericht wurde noch vom Genossen Emil Lehmann, welcher markante Fälle der Rechtsprechung des Gewerbcgerichts anführte, wesentlich ergänzt. In der regen Debatte über den Bericht wurde hauptsächlich betont, daß mehr Aufklärung über das Gebiet der gewerblichen Rechtsprechung unter der Arbeiterschaft Platz greifen müsse und das; Vorträge in den einzelnen Gewerkschaften über diese Materie recht empfehlenswert erscheinen. Den Generalstreik der schwedischen Arbeiter behandelte der Genosse Flemming; Redner ersuchte in der Opferwilligkeit nicht zu erlahmen. Zum Bibliothekar der Zcntralbibliothek wurde an Stelle deS plötzlich nach autzerhalb verzogenen Genossen Schiemann der Genosse Paul Gerlach(Buchdrucker) gewählt und in die neu- gegründete BibliothelaufsichtSkommission die Genossen Graudenz, Mcnde und Schröder. Für die Ersatzwahl zweier ausscheidender Mitglieder des Auf- sichtsrats des Konsumvereins Charlottenburg und Umgegend sollen in der am 23. September tagenden Generalversammlung des ge» nannten Vereins von der Gewcrkschastskommission die GZnossen Fritz Lehmann und Kahlert in Vorschlag gebracht werden. Unentschuldigt fehlten die Delegierten der Bäcker, Brauerei- arbeiter, Fleischer. Gast- und Schankwirte, Gips- und Zement- arbcitcr. Die Armen- und Waiscnpflege in Eharlottenburg im Rech- «ungsjahr 1993. Die Barausgaben der Charlottenburger Armen- Verwaltung betrugen 1993 1 649 931,17 M., die mit 1 298 974,55 M. aus städtischen Mitteln, mit 342 996 M. aus anderweitigen Mitteln gedeckt wurden. In dem amtlichen Bericht über ihre Tätigkeit zeigt die Charlottenburger Armenverwaltung, datz 1998 die An- forderungen an sie wesentlich größer gewesen sind, als in den Vorjahren. Die Zahl der schriftlichen Unterstützungsgesuche stieg von 9927 im Jahre 1997 auf 13 316, die Zahl der auf Armenkostcn Verpflegten von 1775 auf 2891, die Zahl der in städtische Kost- pflege genommenen Kinder stieg auf 1249. Im ganzen wurden im Wege der Armenpflege 8799 Personen oder Familien unterstützt, vielfach infolge des Ausscheidens aus Kranken- und Hilfskassen wegen Arbeitslosigkeit. Aber nicht nur die Zahl der die Armenhilfe in Anspruch nehmenden Personen ist wesentlich gestiegen, sondern die Preis- steigerung fast aller Lebensbedürfnisse zwang die Armenverwaltung auch dazu, den einzelnen höhere Unterstützungssätze zu gewähren. Die Milch ist um 19 Proz. gestiegen, die Preise für Feuerungs- Material sind stark in die Höhe gegangen, die Pflegesätze der Heil- und Verpflegungsanstalten sind wesentlich erhöht worden, ebenso die Honorare der Hebammen. Die Mieten sind zwar im all- gemeinen nicht gestiegen, nehmen doch infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse die Fortzüge gegen die Vorjahre zu und die Zuzüge ab. Aber die Zahl der für kleine Wohnungen aus Stube und Küche— und diese kommen für die große Mehr- heit der Armen ausschließlich in Frage—, die mit der Miete in Rückstand sind und deshalb mit Exmission bedroht werden, wurde infolge der großen Arbeitslosigkeit größer. Um deshalb drohende Exmissionen zu verhüten, mußten in 559 Fällen 13 496,29 M. ge- zahlt werden; ferner 3381 M. in 172 Fällen, um exmittierten Familien eine andere Wohnung zu beschaffen. Es fand also eine Steigerung der Ansprüche an die Armen- Verwaltung statt, und wenn dies in den erforderten Summen nicht voll zum Ausdruck kommt, so hat das seinen Grund darin, datz in vielen Fällen eine Wiedererstattung der Unterstützung von anderen Stellen oder Gemeinden erreicht wurde; ferner weil die Verpflegungssätze der städtischen Krankenanstalten oft bedeutend unter den Selbstkosten der Krankenhäuser berechnet wurden. Die armenärztliche Hilfe wurde, wie schon in einem früheren Berichte erwähnt, wesentlich stärker in Anspruch genommen als im Vor- jähre. Ergänzend wollen wir hier noch bemerken, datz jetzt außer den Schulärzten auch die Aerzte der Säuglingsfürsorgestellen be- rechtigt sind, die von ihnen als krank befundenen armen Kinder direkt dem Armenarzt zur Behandlung zuführen zu lassen. In die 1997 eröffnete Charlottenburger Säuglingsklinik wurden 74 kranke Säuglinge aufgenommen. Die Zahl der von der Armen- Verwaltung durch Vermittelung der Fürsorgestellen den Wald- erholungsstatten und Pflegeheimen zugeführtcn armen Kranken betrug 1992 Personen, die nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter aufgenommen wurden. Eine Anzahl Krüppelkinder wurde der Verlin-Brandenburger Krüppelheilanstalt zugeführt und Trunksüchtige dadurch zum Eintritt in den Guttemplerorden veranlaßt, datz die Armenverwaltung die Kosten des Eintritts und die laufenden Beiträge bestritt. Die Mitglieder dieses Kreises sind dann darauf bedacht, die Alkoholkranken von ihrer krankhaften Neigung abzuhalten. Die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse, die Teuerung. die Arbeitslosigkeit usw. hatten auch zur Folge, datz die Zahl der eheverlassenen Frauen gegen das Vorjahr wesentlich stieg. So haben diese schlimmen wirtschaftlichen Ursachen auch in einer der wohlhabendsten Städte sich in den verschiedensten Richtungen un- heilvoll fühlbar gemacht und Hilfe und Linderung erheischt. Etwas vom Kochs«. An dem linken Ufer der Spree, die Char- lottenburg durchzieht, liegt bekanntlich der Schlotzgarten. Seitwärts von demselben befindet sich ein kleiner langgestreckter See. der Koch- fee genannt. Der See weist auch eine in privaten Händen befind- liche Naturbadeanstalt auf. Es ist die einzige Naturbadeanstalt, welche in Charlottenbnrg überhaupt anzutreffen ist; der See ist daher ein sehr bevorzugter Ort für fast alle Schichten der Be- ovwerung von Charlottenburg. Es kommt noch hinzu, datz der Kochsee natürliche Quellen und auch einen natürlichen Abfluß nach der Spree hat. Daraus ergibt fich, datz immer reines, gesundes Wasser im See vorhanden ist. Zur Badezeit baden hier zirka 2—3999 Menschen pro Tag, fast durchweg Leute, die sich in Er- mangelung von Mitteln eine Badereise nach Norderney, Sylt usw. nicht leisten können. Wie nun verlautet, plant die Stadt Char- lottenburg, die Sophie-Charlottenstratze zu verlängern und, um dies durchzuführen, will sie den Kochsee zuschütten. Sollte dieS wirklich der Fall sein, so raubt die Stadtverwaltung der Einwohnerschaft einen wichtigen Erholungsort, der unter allen Umständen erhalten bleiben mutz. Aufgabe der Stadt sollte es vielmehr fein, diesen Kochsee nebst dem gesamten Gelände aufzukaufen und aus der jetzigen Badeanstalt ein volles Freibad herzustellen, das ohne Unter- schied jedem Besucher frei zur Verfügung gestellt wird. Hoffentlich werden die Stadtväter die Zuschüttung des Kochsees verhindern. Schöneberg. Armenunterstützung und Wahlrecht in Schöneberg. Der Magistrat hat für die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung folgende Grundsätze aufgestellt? Ein Verlust deS Wahlrechts soll künftig, auch soweit es fich um Wahlen auf Grund der Landesgesetze handelt, nur eintreten: 1. bei fortlaufenden Barunterstützungen. Einer solchen ist die Gewährung laufenden Pflegegeldes für eigene eheliche Kinder gleich zu achten, 2. bei dauernder Unterbringung und Verpflegimg in einem Siechenhause oder in einer ähnlichen Versorgungsanstait, z, B. auch dem städtischen Obdach, 3. bei zeitweise an Stelle der Unterstützungen zu 1 und 2 tretender Krankenhausverpflegungen. Nixdorf. Deutschuationalcr Verrat lautete das Theifiä, über das Ge- nosse Ucko in einer vom Zentralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen einberufenen, überaus gut besuchten öffentlichen Verscnnmlung referierte. In der Diskussion versuchten die Be- amten Thomas und Walz vom Deutschnationalen Verband die Ausführungen UckoS zu entkräften, was ihnen, wie die Stimmung der Versanimlung bewies, jedoch nicht gelang. Als den Deutsch- nationalen die gebührende Antwort zuteil werden sollte, provozier- ten sie ein kleines Skandälchen, um sich mit gutem Wind drücken zu können. Am Schluß der Versammlung gelangte folgende Reso- lution zur Annahme: „Die am 3. September er. vom Zentralverband der Hand- lungSgehilfen und-Gehilfinnen, Bezirk Nixdorf, einberufene Versammlung verurteilt die Zustimmung des Vorstehers des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes Schack zu neuen Steuerbelastungen der arbeitenden Volksschichten und mit ihnen der Handlungsgehilfen als einen Verrat an unseren Berufs- genossen. Sie stellt fest, datz die Redner des Deutschnationalen HandlungSgehilfen-Verbandes vergeblich Schacks Verhalten zu verteidigen versuchten. Durch ihr Eintreten für Schack haben sie die Verantwortung für diesen Verrat mit auf den Deutsch- nationalen Handlungsgehilfen-Verband übernommen und damit gezeigt, datz der Verband mjt der unerhörten Belastung der Handlungsgehilfen einverstanden ist. Dies mutz jeden Kollegen anspornen, Aufklärung über dieses Treiben zu verbreiten. Die Versammlung erklärt eS als eine Notwendigkeit, datz jeder Angehörige des Berufes sich der einzigen Gewerkschaft der Handlungsgehilfen, die diesen Namen mit Recht trägt, dem Zentralverband der Handlungsgehilfen und-Ge- hilfinnen unverzüglich anschließt." Wilmersdorf-Halensee. Ein Elendsbild. Von einem Anwohner der Westphälischen Straße wird uns geschrieben: Ein ebenso trauriges wie Hätz- liches Bild bot sich seit Montag mittag den Passanten der Westphälischen Straße in Halensee. Vor dem Hause Westphälische Straße 58, einem gewissen Herrn Konrad gehörig, stand noch am Dienstag eine ärmliche Wohnungseinrichtung. Ein paar Matratzen, ein paar Stühle, ein Tisch, eine Lampe— das war so ungefähr alles. Die Sachen gehören einer gewissen Frau Engel, die von ihrem Mann verlassen, sich und ihre fünf Kinder durch Auf- Wartungen durchbringen mutz. Da sie die Miete nicht bezahlen konnte, setzte sie der Wirt auf die Straße. Einer Frau gegenüber, die so schwer zu kämpfen hat, ist das zum mindesten hartherzig. Das ist jedoch nicht die Hauptsache. Zu verurteilen ist das Vorgehen des Wirtes, der, als die Frau exmittiert war und eine andere Wohnung suchte, es erreichte, datz man an drei Stellen den mit ihr geschlossenen Vertrag rückgängig machte. Desgleichen ist das Verhalten der Polizei— falls es sich bewahrheitet— geradezu unglaublich. Als die Frau sich an sie um Rat wandte, soll sie die ironische Antwort erhalten haben, die Straße sei ja breit genug. Das berührt eigentümlich. Zunächst ist die Straße nicht zum Wohnen da; was außerdem den Hinweis auf die Breite anbelangt, so mutz der Hochwohllöblichen dann doch empfohlen werden, sich das stets— z. B. im Verkehr mit Streikposten— vor Augen zu halten. Man soll in diesem Punkt deS öfteren anderer Meinung gewesen sein.— Ebenso unbegreiflich wie das Verhalten der Polizei ist aber auch das der Stadtgemeinde Wilmersdorf, die untätig zusteht, wie eine allein» stehende Frau mit fünf Kindern des Nachts inmitten ihrer Sachen auf offener Straße schläft.(I) Es ist doch ein schönes Ding um den bürgerlichen Klassenstaat! Ob sich nicht die Kommerzienratstöchter nebenan am Kurfürsten- dämm zusammentun, um für die arme Frau zu tanzen? Möglich wäre es schon. Wie heitzt es doch im Matthäus?„Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege." Groh-Lichterfelde. Aus der Gemeindevertretung. Die Tagesordnung der ersten Sitzung nach den Sommerferien hatte noch ein sehr serienmäßiges Aussehen. Sie umfaßte nur wenige Punkte von allgemeinem Interesse. Vor Beginn der Beratungen widmete der Gemeinde- Vorsteher dem verstorbenen Polizeipräsidenten und ehemaligen langjährigen Landrat des Kreises Teltow einen warm cmp« fundcnen Nachruf.— Das Ortsstatut gegen die Verunstaltung von Ortsteilen der Gemeinde Grotz-Lichterselde fand die Zustimmung des Kreisausschusses bis auf einige von diesem gewünschte Ab- änderungen bezüglich deS HafengebieteS am Tcltowkanal. Beschlossen wurde eme entsprechende Verbreiterung der mit starkem Verkehr belasteten Schützenstratze. Sie soll eine Gesamt- breite von 18 Meter erhalten; die Ädjazenten haben 2 bezw. 1 Meter zu diesem Zwecke abgetreten unter der Bedingung, datz ihnen die Mehrkosten an Pflasterung für die abgetretene Fläche nicht berechnet wird. Die kleine Villa der Gemeinde in der Chausseestratze neben der Badeanstalt wird ebenfalls auf 5 Jahre dem bisherigen Pächter zum alten Preise von 1899 M. pro Jahr überlassen und gleich- zeitig die Summe bis 1999 M. für Reparaturen an dem genannten Grundstück bewilligt, während der Mieter selbst 599 M. zu den Kosten beiträgt. Nach den Ausführungen des Schössen Lange handelt es sich hauptsächlich um Renovierung des Daches.(Nach unseren Informationen handelt eS sich aber nicht allein um das Wohngebäude, sondern auch noch um das dazu gehörige schätzungs- weise, zirka 2 Morgen große Gartenland; es wäre jedenfalls wünschenswert und auch zweckentsprechender, in solchen Fällen die Vermietung bezw. Verpachtung öffentlich auszuschreiben. D. B.) Für ein Gewächshaus auf dem neuen Zentralfriedhof der Gemeinde wird eine Summe bis zu 8590 M. ausgeworfen. Friedrichshagen. Die Finanzreform und die neuen Steuern behandelte Genosse Wuschick in einer am Sonnabend stattgefundenen Volksversamm- lung. Leider ließ der Besuch der Versammlung sehr zu wünschen übrig. Der Referent nahm daher in seinem eingehenden und trcff- lichcn Referat besonders Veranlassung, die Nachlässigkeit der durch den Steuerraubzug gescbädigten, in der Versammlung aber zum Teil nicht anwesenden arbeitenden Bevölkerung zu geißeln, lind wahrlich: so manchem wären die Ausführungen des Redners von Nutzen gewesen. Sein Appell an die Versammlung am Schlüsse seines Vortrages, als Antwort auf die schamlose SteuerauSplünde- rung die Reihen des kämpfenden Proletariats noch weit mehr zu stärken, fand großen Beifall. Ober-Schiineweide. Ein BcrtrmienSililin» deS FabrikarveitervervandeS verlor vor- gestern abend in Ober-Schöneweide sein Portemonnaie mit Verbands- marlen a 59 und 45 Pf. sowie bares Geld und eine Quittung über abgelieferte Schlvedengelder mit den» Namen deS Eigentümers. Da der Verlierer ersatzpflichtig ist. wird der ehrliche Finder gebeten, dasselbe abzugeben im Bureau des FabrikarbeiterberbandeS, Oben» Schöneweide, Wilhelmiucnhofsir. 47 I, bei Sewekow. Köpenick. Ei» tödlicher Straßenvahmmfall hat sich vorgestern in der Bahuhofftratze ereignet. Der 47jährige taubstumme Maurer Schulze ging, auf dem Wege nach dem Bahnhof begriffen, den Fahrdamm der Bahnhofftratzc entlang und trat unmittelbar vor einem heran» nahenden Stratzcnbahnwagen auf die Schienen. Obwohl der Wagen- führer sofort energisch bremste, vermochte er doch nicht, das schwere Gefährt rechtzeitig zum Stehen zu bringen; Sch. wurde nieder- gerissen und so unglücklich überfahren, datz ihm das rechte Bein vollständig vom Körper abgeschnitten wurde. Obwohl dem Schwer- verletzten durch einen in der Nähe wohnenden Arzt sofort ein Not- verband angelegt wurde, um eine Verblutung zu verhindern, starb der Maurer doch bereits auf dein Trausport nach dem Krankeuhause. Der Jugendausschuß veranstaltet am 2. Oktober im Stadttheater eine Jugendfeier, bestehend aus Vortrag, Gesang und Rezitation. ES wird erwartet, datz die aus der Schule entlassenen Jugendlichen mit ihren Eltern sich zu dieser Feier zahlreich einfinden. Für einen Vortragszyklus mit dem Thema„Einführung in die WirtschaftS- geschichte" in acht Vortragsabenden ist Genosse Schumann gewonnen worden. Der Zyklus beginnt am Sonnabend, den 9. Oktober, in dem neuen Jugendheim, Berliner Str. 27, HauS Israel, separater Eingang vom Flur. Das Jugendheim ist geöffnet vom 1. Oktober ab Sonnabends in der Zeit von 8—11 Uhr abends und Sonntags nachmittags von 3—19 Uhr. Da für geeignete Lektüre und Ge- sellschaftsipiele ebenfalls gesorgt wird, dürften die Veranstaltungen bei der Jugend das lebhafteste Interesse erwecken. Die Genossiiinen und Genossen werden daher ersucht, den JugendauSschutz nach besten Kräften zu unterstützen. DerJugendausschutz. Petershagen l>. Fredersdorf. Die Gegner unseres Ortes hätten augenblicklich die beste Gelegenheit, sich weidlich über Terrorismus zu ereifern; nicht aber, wie unsere Leser glauben möchten, über Terrorismus unserer Genossen, sondern über den Terrorismus des Landlvehrvereins. Dieser Verein hatte zum Sonntag seine Sedanfeier arrangiert, die selbstverständlich mit dem nötigen Klimbim im Restaurant„Zum alten Dessauer" gefeiert werden sollte. Der Wirt, welcher selbst Mitglied deS Vereins ist. hatte dazu alle Vorbereitungen getroffen; verschiedene gebratene Gänse und diverse Pfund Schweinebraten harrten ihrer Aufgabe, die patriotischen Magen zu füllen. Zwei Stunden vor Beginn der Feier bekam der Wirt plötzlich den Bescheid, datz die Feier nicht bei ihm stattfände. Der Leser wird nun fragen: ja warum sollte denn die Feier nicht dort stattfinden? Nun, weil der Wirt versprochen hatte, sein Lokal auch der Arbeiter- schaft zur Verfügung zu stellen. Darum sollte er von den Patrioten geschäftlich geschädigt werden. Ganz ist dies den Leuten, die sonst nicht genug über den Terrorismus der Sozialdemokratie zetern können, nicht gelungen. Die Arbeiterradfahrer hatten am Sonntag auch gerade in einem anderen Lokale ein Vergnügen und sie be- suchten im Verein mit mehreren Genoffen auch das vom Landwehr- derein so plötzlich boykottierte Lokal. Ein Genosse glossierte bei dieser Gelegenheit das Vorgehen des Landwehrverems in derben Worten. Ob der Reichsverband und mit ihm die bürgerliche Press« das terroristische Borgehen der pattiotischen Mannen nun auch m der bekannten Weise rn die Welt posaunen Werden? Nieder-Schönhausen. Ucbcr di» Ursache und Wirkung der neuen VolkSbelaftung referierte in der letzten gutbesuchten Mitgliederversammlung des Wahlvereins die Genossin Emma Ihrer. Die klaren und packenden Ausführungen der Redncrin, die am Schluß zu verstärkter Agitation für die Sozialdemokratie aufforderte, wurden mit großem Interesse verfolgt. An Stelle deS erkrankten bisherigen zweiten Bezirksleiters wurde Genosse Schelle einstimmig gewählt. Für levteren übernimmt die Führung des zweiten Bezirks Genosse Müller. Als Delegierte zur Kreis- sowie Verbandsgeneralversammlung für den verziehenden Genossen Vesper wählte die Versammlung den Genossen JoachimSthal. Neu aufgenommen wurden vier männliche und sechzehn weibliche Mitglieder. Zum Schluß wurde darauf hin- gewiesen, datz am 19. September eine Flugblatt« und.Fackel'» Verbreitung stattfindet. Dabendorf bei Zofsen. Eine sonderbare Auffassung über seine Aufgaben als Lehrer scheint der hiesige Lehrer Herr Schlüter zu haben. Wie man uns berichtet, soll Herr Sch. an die Kinder Fragen richten, die mit dem Lehrplan auch nicht in, entferntesten etwas zu tun haben. So sollen die Kinder befragt worden sein, wessen Vater und wer von den Kindern den„Vorwärts" liest. Am 4. September anläßlich des Kinderfestes soll sich Herr Sch. in einer Rede über die Verrohung der Kinder neu zugezogener Einwohner geäußert haben. Bei einer Anzahl Einwohner hat diese Aeutzenmg eine gewisse Empörung hervorgerufen. Unserer Auffassung nach mit Recht. Solche Fragen und Andeutungen sind nur geeignet, das für eine gedeihliche Er- ziehung der Kinder notwendige harmonische Verhältnis zwischen Schule und Haus zu trüben. Und das kann doch unmöglich die Aufgabe eines Lehrers sein, der es mit seinem Beruf ernst meint. Vermilektes. Straßcniahnkollision im Nebel. In der Nähe von Mainz hat fich gestern früh, wie von Mainz gemeldet wird, ein schwerer Straßen- bahnunfall ereignet. Ein Wagen der elektrischen Straßenbahn überfuhr um 7 Uhr. von Gorsenheiin koinmend, eine Weiche und stieß, da starker Nebel herschte, mit einem von Mainz kommenden Straßenbahnloagen bei dem sogenannten Mülliväldchcn zusammen. Beide Wagen befanden sich in voller Fahrt. Der eine Wagenführer und ein Bureauaiigestellter einer Brauerei wurden schwer, verändere Wagenführer leicht verletzt. Die Zahl der verletzten Passagiere be- trägt etwa zehn. Die Vorderperrons beider Wagen wurden zer- trümmert. Eine spätere Meldung aus Mainz besagt: Bei dem Zusammen- stoß der Straßenbahnwagen am Müllwäldchcn kamen mehr alS 12 Personen zu Schaden; doch sind ihre Verletzungen leichter Natur. Nur der Buchhalter Kaden aus Mainz wurde am Kopfe schwer verletzt._ TodeSsturz des Fliegers Lefövre. Wie eine Meldung aus I u v i s y besagt, stürzte der Flieger Lefsvre mit seinem amerikanischen Biplan aus noch nicht aufgeklärter Ursache aus den Lüften nieder. Kurz darauf erlag der Verunglückte den erlittenen Verletzungen._ Ein neuer Flugrekord. Nach einer Meldung ans London hat der Aviatiker Cody gestern in Aldcrshot einen Rekord für Ucberlandflüge aufgestellt. Er be- gann seinen Flug um 6 Uhr morgeiiS, umkreiste Laffansplan. überflog einige Baracken, wandte sich dann nach Farnborongh und kehrte von dort nach seinem AufstiegSort zurück. Er legte in 63 Minuten über 49 Meilen zurück und erreichte stellenweise eine Geschwindig- keit von 59 Meilen in der Stunde. Er mußte seinen Flug nur auS Mangel an Oel beendigen. Der Flugapparat stieß beim Landen ziemlich heftig auf und erlitt eine geringfügige Beschädigung. Nene NeScrschwemmungeit in Mexiko. Wie ein New Dorker Telegramm der„Daily NcwS" meldet, hat der Fluß Soto La Marina die im»lexikaniichc» Staate Tamaulipas nördlich von Tai» pico gelegenen sehr ergiebigen Oelfelder über- schwemmt. Sie sollen'vollkommen zerstört sein. Iii Palo Alto, Abasolo und Jiminez haben sich infolge des Hochwassers viele Un- glücksfälle ereignet. rahe 48/10. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Stcriiivarlr, Jnvalidenstr. 57/82. hesslng-Tbcatcr, 8 Uhr: Zwischenspiel. Freitag, 8 Ubr; Der König. Sonnabend, 8 Uhr zum erstenmal: Die Gefährtin. Hieraus neu einstudiert: Hanneies Himmelfahrt. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Dn» Oebensfest. Morgen: Einer von unsere Leut'. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Emilia Qalotti. Morgen und folgende Tage: Emilia Galotti. Theater des Westens. Allabendl. 8 Uhr: Der fidele Bauer. Somiiag nachm. Z'/.Ukw, halbe Preise: Li» Walzertramn. Xenes Opepcttcn-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Anfang 3 Uhr: Die Oollnrprlnzcssln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. hisihieti-WiiymztSlHss Schauspielhaus. Donnerstag, 9. Septbr., Ans. 8 Uhr: pie Stühe» der Gesellschaft. Schauspiel in 4 Akten v. Henrik Ibsen. Freitag: Die Stützen der Gesellschaft. Sonnabend: Der Widerspensligen Zähmung. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Husispioliisiis. Abends 8 Uhr: Im Klubsessel. VrtkS'Oper. SW., Bellc-ANlance-Straße Nr. 7/3. Ansang 8 Uhr. Ernani. Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Der Troubadour. Schiller- Schiller-Thealer 0.(Wallner-Thcater.) Donnerstag, abcndS8Uhr: nacbctta. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William tshakesveare. Freitag, abends 8 Uhr: V«ktvr> likans. Sonnabend, abends 8 Uhr: Dia Erfolg. Theater. Schiller-Theater Charloltenfaurg. Donnerstag. abendS8Uhr: I»le Ehre. Schauspiel in 4 Alien von Hermann Sudcrmann. Freitag, abends 8 Uhr: Her Biberpelz. Sonnabend, abends 8 Uhr Nie von Iffochsattcl.: Die nächsten Vorstellungen sind am: sfreitag Sonntag Montag Freitag Sonntag Montag Freitag L-onntag Montag Extravorstellangs- Karten zur VorstelluDg am Sonntag, don 26. September, 3 Uhr, im Lessing-Theater „Der König44, erfolgreichste Burleske von Caillavet und E. de Flers, sind vom 10. September ab in allen Zahlstellen zu haben. 241/16 Der Vorstand. J Brauerei Friedrichshain Am KUnigstor. Heute, Donnerstag und folgende Tage: fjgT" Or. bayerisches Volksfest."I Der bernhinleste Festwirt mit seiner Originaltrnppe(ca. 60 Pers.sa. München cf&Ü-ff®Sfra stark gebrautes Bier wird von 25 bahr. j Jh.. �iudl'n serviert. Bei ungünstiger Witterung im (D* großen Saale. Tniizkilinzchen. Ansang 6 Uhr. Enlree 30 Pf. Saisonk. h. Gültigk. Freitagö: Entrcc frei. Ba>erischc Spszialgerichto und gr. Fischessen. Schorsch Ehrengruber Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: „Kiiire Diel i Uie." Schwank in 3 Akten von Feydeau. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Vorstellung. 10NM.UMMN! Abends 8 Ubr: N äü file Mistete, Komödie in 1 Vorspiel u. 5 Bildern von L. Angely. Freitag: Neucinstudierrmg: Emilia Galotti. Sonnabend: Von sieben die Häß« lichste. 3 Uhr: Die vollständig neue» Spezialitäten. s uhr is: S&vertii w Conscience, ta TÄ6 Wurde 600 mal in Paris, 2 Jahre lang in Amerika, Monate hindurch in Wien usw. mit beispiellosem Ersoig _ aufgeführt.__ Uelropol-Theater Die oberen Zehntausend. Amerik. Operette v. Jui. Freund. Musik v. Gust. Kerker. In Szene gesetzt von Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Mr. Bishop. Anf. 8 Uhr. Bauchen gestattet. RHtllRD ROSE TOI 'flt. Fraiikiurler Str 132. Ans. 8 Uhr. Ende n. 10 Uhr. � tni Cafe Noblesse,__ Spitzbubcnkomöd. i. 3 Akt. v. C. Schüler. Aus der Kartcnbühne, Ans. ill2 Uhr: Theatervorstellung, Spezialitäten. Radwettrennen.— Damanringkämpfe. 1±* Täglich: Henry Bender und da» mit stürmischem Beifall aufgenommene Eröffnungs-Programm! U.a.; Morris Cronin. Mlle. SOdowa. The 6 Cullys. Goschw. Klös. Truly Shaituck. Bdleclaire Bros. Miß Marquis. 3 Patfersons! „Leben und Treiben im Freien." Ballott-Divertissement. Zeppelins Landung in Tegel. Sanssouci, ÄT Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Heute Donnerstag: Neueö Progr. Elite-Soires fÄ„ von BotfinannsNopild. Sängern Großer Erfolg I Ein alter Fllekseteter. Volksstück in 1 Alt. Zwei vom Ballett. Tanz-Duett. Beg. Sonnl. 5. wochcnl. 8 U. m Sozialdemokrat. Wahlverein des 6. Kreises. Herbst-Fest am Sonnabend, den 11. September 1909, in den„Germania- Prachtsälen", Chausseestraße 110. Ein bunter Abend. Mitwirkende: Frau Mirjam Horwifz-Ziegel(Gesang), Herr Fritz Richard(Rezitation), Herr Franz Hollfelder(Cello), Neues Tonkflnstler-Orchester(Dirig.: Herr F. Hollfelder). Nach dem Konzert; T clflZ. Herren zahlen 50 Pf. nach. Anfang 8VS Uhr. X X X X X X X X X X X X X X Billett SO PI. m Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. z 00 LOCI SCHER Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt IM., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., I Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte. I ms*» Kommandantenstr. 57. T. A. 4, 5083. S0®~ Die erfolgreichste» TftS Lach-Koinödien Meine- Deine-Tochter Frau Elkams Friseur mit Anto» und Donat Herrnfeld. Vorvcrkaus 11—2 Uhr. Ansang 8 Uhr. Sladt-Theater Moabit. Alt-noublt 47/48. Sonntag, den 12. September: «rofic Ansang der Vorstellung 7 Uhr, Konzert 6 Uhr. Kassciieröffnung 5 Uhr. Montag, den 13. September: 8nisöö dei„Lustigen Sdnger". alba IIa- Variefe�tbeafer | Weinbergsweg 19-20, fiosenth.Tcr. Ansang 8 Uhr. 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September, abds. 8 Uhr, in den„ArminhaUen", Komiiiandaiitcnstr. 38/59: OeffenMche Versammlung. TageS-Ordnung: 288/7 Niekigks Eehslt- hohe Mml Xn*tXT LZasscnbesuch erwartet Die Ortsverwaltimg. I.A.: Otto Urban. Neue Königstr. 36. keielisIiAllen-Idester. Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. n Vereins-§«rei Rixdorf, tiermannstr. 214/219. j Oekonom: Max Wondt, Täglich:-HKg Gr. Militär-Konzert. Vorzngskarte» haben wochentags Gültigkeit. Entree 15 Pf. MWWWVV WWW Iii*. JiDiNivI Speeisl-.�rzt tür Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41,„tw 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4. Zicbnng 20.— 23. Sept. 09.1 1142b* Lose 2 AI. j Porto und Liste 30 Pfg. 8913 Gewinno Mk. IIi.u|)tgewiane Mk 30000 Lose überall zu haben sowie bei Ein- linil Maiifsgesellschaltj Deutscher Losgeweplie- Ireibeinler G. tn. b. B. Berlin C. 25, Dircksenstr. 45.| Grotze WiÄM-UkchmiillW Sonntag, den 12. September, nachmittags 6 Uhr, in Oräscls Festsälen, Neue Friedrichstratze 33. Neserentin Frl. M\\\i ROSCnStOCk über: StklleNverMttttlNNg. Reserentin Idg LgSt über: Ml fttle jUkitSUfltllig. Freie ZluSsprache. Wir ersuchen die Arbesterschast, alle ihr bekannten Dienstboten, Wasch- und Reinmachcsrauen aus diese wichtige Versammlung ausinerksam zu machen und sür guten Besuch zu sorgen. 288/5 Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein mit Tanz. Zentralkrankenkasse der Maurer /r t" .Grundstein zur Einigkeit" Sonntag, de» 12. September, vornnttags 10 Uhr, im Gewerkschaftshanse: Aiißtrortieiitt. Mitglikder-Nersniniiiliiiig. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über das KtankenversicherungSgesch. HilsSkassicrer. 3. Verschiedenes. itglicdöbuch legitimiert. 2. Wabl der 149/10 Die örtliche Verwaltung. r s Zweigvercln Berlin. Achtung! Backosen-Maurer. Achtung; Freitag, de» 10. September, abends S1/« Uhr: Versammlung aller an Backöfen beschäftigten Maurer. Tages-Ordnung: ' 1. Stellungnahme zu denjenigen Arbeitgebern, welche den Tarifvertrag noch nicht anerkannt haben. 2. Verschiedenes. 139/0* Her Torstnnd. Ehrenpflicht eine 3 jeden BackosenmanrerS ist es, dasi er bestimmt und pünktlich tn dieser Versammlung erscheint. D. O. UM" ßenchtigung. Die Berliner Vertretung der Milka- Nährmittelfabrik be- findet sich keimellevUorrer Straße WZ. Telephon-Amt II 1045. CiGARETTEN sind von so ausgesprochener Eigenart in OuaDtät und Charakter, dass sie eine Kl&sse für sich bilden. Sie repräsentieren die günstigste Zusammen. Stellung aller gnten Eigenschaften, die Cigarenea überhaupt besitzen, sodass sie mit vollem Recht als beste Marke der 2 Pf. Preislage geschätzt werden. Josedi-Jano m. a. o. HandstDek 10 Siek. 20 PL I•«ir.vl'rtk.m/u'i I Vi V» Z 7 ♦» f f# ♦*1 mmmmmmmimm auf Teilzahlung (geringe Anzahlnng) M. Ooldstaub t.u.lTr. Ecke Qnciscnaustraße. Kein Abzahlungsgeschäft! Anerkannt größte Rücksicht bei Arbeitslosigkeit und Deutscher Metallarbeiter-Verband Venvaltungsstello Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Na«icht, dasi unser Mitglied, der Schlosser lluävtt Lecker am 7. September an Brustfell- cnlzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des ZionS- Kirchhofes in Nordend aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Ziaellmk. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser llichan! Unke gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 122/10 Die Ortsverwalfung. I Zentral-ferhaml der Maurer Dentsehlauils. Zweigverein Berlin. Sektion der Patzer. Zur Beerdigung unseres Mit- f glicdes i�uxust LperlinZ I werden die Sänger ersucht, in der Halle des Moabiter Kranken- Hauses um 3 Uhr zu singen. Die H Genehmigung hierzu ist seitens der Frau des Verstorbene» cm- geholt worden. 134/13 Der Vorstand. iZentralverhaotl der Bantiligs-I Ortsverwaltimg Berlin. Nach langem schweren Leiden! \ verstarb unser Mitglied Artur Zander. Sein Aildenke» in Ehren! Die Beerdigung findet Donners- tag, den 9. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des, St. Markus-KirchhoscS in Hohen- Schönhausen, Berliner Str. 86/87, aus statt. i Zahlreiche Beteiligung erwartet 288/6 Uie Ortsverwaltung -- Deiitseher tosiißftarbeiter-yerliaä Ortsverwaitung Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi unser Kollege, der Noll- kutschcr Karl �rZZricd am Montag, den 6. d. M.. im Alter von 44 Jahren an Herz- schlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 9. d. M.. nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Johannis-ZtzirchhofcS i» Plötzcnsce aus statt. 69/ l5 Bio Verwaltung II Eitra-üntersüilzungs- kasse für ßuehbiuder und verwand!. Gewerbe za Kerlin. Sonntag, den 12. d. M.. vormittags 10 Uhr,?Nelchior-Str. 15: Genera!-Versammlung. Tagesordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. 3. Verschiedene Kasscnangelegenhciten. 13505 Per Verstand. lepMeni lalMill Emil Lefevre Berlin, Oranlenstr. 158 , jn Jen ggS Altültl�lllH Färb. blau, oliv.. 750 87S aufbeid. Seit, benutzbar II, LS Wöllais.o... 1® P0 Bunte Xormal- 1 Schlafdecken! Ein Posten echte an ginn Kamelhaardecken lll-M Mein neuer bracht-Katalog Abbogen ptis u. Iraiko. Verantwortlicher Redakteur: Emil Ungrr, Berlin. Für den Inseratenteil verantlo.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtSBuchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.