Ztr. A4. BtoiHiemcnts-Bcdlnstlngsn: BBonncmtntS- Preis pränumsraniwi Vicrtcljährl. 3M SKf., monatl. 1,10 SKf- wöchentlich 28 Plg. frei ins Haus. Einzelne Nuinnier K Pfg. SonnuiaS. nummcr mit wuftrierter Sonntags« BeUoge.Di- Neue Welt» 10 Pfa. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. EinActragcn in die Post- ZeitunaS. PrelSIisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Däncmarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Crididst täfllidj 8iiß«f llloolilg,. Verlinev Volksblertt. Bit TnTeiUonS'Gcbflftr Beträgt für die fechSgespallene Kolenel- zeile oder deren Raum 5S Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersamnilungS-Anzeigen 30 Pfg. ..Aleine Snr«lg«n". das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafe siellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nuinnier niüsscn bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition jjt bis 7 Uhr abcntrs gefiffuct Telegramm-Adresse! „SozüliKinohrat Berlin''. Zcntralorgan der roziatdemokrati feben parte» Deutfchlands. Das periöoliche Regiment. Vergangenen Dienstag hat die englische Regierung und die liberale Partei im Unterhause noch einmal für ihre Bereitwilligreit demonstriert, ein Abkommen mit Deutschland auf Ein» schränkung der Flottenrüstungen zu treffen. Ministerpräsident Asqinth versicherte, daß jede Andeutung der deutschen Regierung, ein solches Uebereinkommen zu wünschen, das herzlich st e Entgegenkommen der britischen Regierung finden werde. Und Asquith fügte ausdrücklich hinzu, die britische Regierung habe in dieser Frage die Initiative ergriffen. Es handelt sich also um ein in aller Oeffentlichkeit ge- machtes neues Angebot der englischen Regierung, im Einvernehmen mit dem deutschen Volke dem wahnsinnigen Wettrüsten Einhalt zu tun. Auch die englische Regierung steht vor der Tatsache, daß die unproduktiven und dabei ganz sinn- und nutzlosen Ausgaben für den Militarismus und MariniSmus die Mittel für alle Kulturausgabcn aufzehren und immer neue Steuern notwendig machen. Es ist also das gemeinsame Interesse des deutschen wie des britischen Volkes, das durch dieses Verlangen der englischen liberalen Regierung vertreten wird, vertreten gegen die wachsende imperialistische Agitation des eigenen Landes. Die deutsche Regierung hat auf dieses Anerbieten nicht geantwortet. Nur in der„Kölnischen Zeitung" erschien ein offiziöses Berliner Telegramm, worin unwirsch von diplomatischen Indiskretionen geredet wurde, die der englische Minister angeblich begangen habe. Jedoch am Sonnabend hat Wilhelm II. eine Rede gehalten, in der man nach Zeit und Inhalt wohl eine Antwort auf das Friedensanerbieten der englischen Nc- qierilng zu sehen hat. Und diese Antwort ist ein s ch r o f f e S Nein. Es ist bezeichnend für den Jammer unserer konstitutionellen Zustände, daß in dieser Lebensfrage des deutschen Volkes »veder die Verantwortliche Regierung, noch gar die Volks- Vertretung das Wort hat. Der Reichstag ist bis Ende No- vember oder Anfang Dezember vertagt. Gehört es doch zu den streng befolgten Prinzipien des deutschen Regicrungs- absolutisnius, der Tagung des Parlaments möglichst kurze Zeit einzuräumen, und von den Parlamenten der großen europäischen Staaten ist sicherlich das deutsche dasjenige, dessen Kontrolle am längsten ausgeschaltet wird. Und so hat der Absolutismus wieder freies Spiel. Wilhelms II. Rede macht wohl dem Gerede jener Schön- färber endgültig ein Ende, die da dem deutschen Volke ein- reden wollten, es hätten jene Novembertage der Verfassungsund Kaiserkrise irgend etwas an den tatsächlichen Verhältnissen geändert. Von jener Zurückhaltung, die damals Wilhelm II. der erzürnten Oeffentlichkeit versprochen. ist wirk- lich in der jüngsten Rede nichts zu spüren. Ganz mit der alten Sclbstsicherhcit und der alten Be- stimmtheit wird da die Politik des deutschen Volkes fe st gelegt. Das deutsche Volk, behauptet der Kaiser leichthin, trägt seine Rüstung leicht und gern, denn es sei ein kriegspielfreudiges Volk. Es ist wieder dieselbe Erfahrung, die wir so oft mit Wilhelm II. machen mußten: Aus dem völlig falschen Bilde, das er sich über die politischen Strömungen und Gesinnungen des deutschen Volkes macht, zieht er stets die- selben falschen Schlüsse. Eine gewaltige Erbitterung lebt im deutschen Volke über die ungeheuren Lasten, die ihm der Wahnsinn des Wettrüstens auferlegt hat. Immer stärker wird das Gefühl, das es so nicht weiter gehen könne, daß dem kultitrfeiudlichen Nüstungseifer Zügel angelegt werden müssen. Die Empörung, daß diese Lasten'fast ganz den Armen auferlegt werden, während sich die reichen Nutznießer der Weltpolitik ihrer Folgen entzogen und alle finanziellen Opfer von sich abzuwälzen gewußt haben, ist eben in einer Reihe von Nachwahlen offenkundig geworden. Wilhelm II weiß nichts davon und behauptet ruhig, daß das deutsche Volk kriegsspielsreudig. leicht und gern die Rüstungen trage! Gegen eine solche Auf- fassung muß wirklich mit aller Energie protestiert werde» und es muß mit aller Schärfe gesagt werden, daß gerade das Gegenteil z u t r i f f t, daß die arbeitenden Massen des deutschen Volkes den Krieg verabscheuen als Wahnwitz und Verbrechen, daß sie d e n Frieden wollen und zur Sicherung des Friedens ein Abkommen mit England über die Einschränkung der verderblichen und verhaßten Rüstungen. Wilhelm H. hat sich aber nicht mit diesen Acußcrungen begnügt. Er hat wieder ganz uunötigertveise seine man verzeihe das Wort— Geschichtsauffassung entwickelt.„Solange es Menschen gibt, wird es Feinde und Neider geben---- Infolgedessen wird es auch Kriegsaussichten und Krieg geben, und wir müssen auf alles gefaßt sein." Leider paßt diese Geschichtsauffassung sehr wenig auf die gegenwärtige Situation. Das englische Volk und vor allein die englischen Arbeiter sind keine Feinde und Neider des deutsches Volkes, genau so wenig Ivie die deutschen Arbeiter Feinde unserer englischen Brüder sind. Indem Wilhelm H. zu so unzeitgemäßen Betrachtungen ausholt, entsteht die Gefahr, daß das Anerbieten der englischen Re- gierung, daS zu prüfen und zu gutem Ende zu führen eine dringende Forderung der deutschen Arbeiter ist, wieder von der deutschen Regierung zurück gewiesen wird und die Beziehungen zwischen England und Deutschland aufs neue verschlechtert werden. Daß diese Befürchtung nicht unbegründet ist, daß von der neuesten rhetorischen Leistung Wilhelms II. auch von anderen Leuten keine günstige Wirkung erwartet wird, beweist die interessante Tatsache, daß an dem' Wortlaut der Rede offiziöse Zensur geübt wurde. Die Stellen von der Kriegsspielsreudigkeit. von den Feinden und Neidern, von dem Kriege, den es immer werde geben müssen, fehlen in der offiziellen Wiedergabe und finden sich nur in einem Originalbericht der„Franks. Zeitung". Diese Zensur ist bedeutsam, weil sie beweist, daß diese neueste Einmischung des persönlichen Regiments in die auswärtige Politik von den verantwortlichen Stellen als Störung enipfunden wird. Daher das Bestreben, aus dieser„kriegs- spielfreudigen" Rede eine etwas sanfter klingende zu machen. ES ist nicht uninteressant, daß die bürgerliche Presse an dieser politisch immerhin wichtigen Rede fast stillschweigend vorübergeht. Gewiß, auch in Deutschland wächst in bürger- lichcn Kreisen die Erkenntnis, daß die Lasten der Rüstungen immer unerträglicher werden. Aber die Schwachmütigen sind weit entfernt, sich zu getrauen, diese Erkenntnis in Taten, um- zusetzen. Ihre Furcht vor dem Prolclariat läßt sie alles von oben, von der Regierung und der Gunst des persönlichen Regiments erwarten und so verraten sie immer auss Neue die Interessen des Volkes an die imperialistischen Gelüste der Machthaber. Wilhelm II. schickt sich wieder an, sein eigener Kanzler zu werden, ivie wir das mitten im Jubel der bürgerlichen Presse über das Novemberversprechen vorausgesagt hatten. Damit wird aber auch die Verfassung s frage aufs neue zu einer brennenden und der Ruf nach Garantien gegen das persönliche Regiment wird aufs neue ertönen, sobald der Reichstag zusammentritt. Aber mit versassuugs- mäßigen Bestimmungen allein ist es nicht getan. Der Reichstag muß seine Pflicht erfüllen und in der auS- Ivärtigen Politik endlich die Forderung der großen Majorität des deutschen Volkes zur Geltung bringen: Schluß mit der Bewilligung immer neuer Schlachtschiffe und Verständigung mit Eng- land zur Einschränkung der Rüstungen. Unsere Fraktion wird nicht versäumen, den Reichstag vor diese Entscheidung zu stellen, und wenn er versagt, so wird ja in nicht mehr allzu ferner Zeit der Appell an die E n t- scheidung des Volkes möglich sein. Und um die braucht eL uns Sozialdemokraten wirklich nicht bange zu sein. Der Rarnps in SchmÄen. Ueber die heutige Lage in Schweden meldet uns folgende Privatdepesche: Steckholni, 13. September. Heute ist hier das Protokoll der gestrigen Sistung der Regierung veröffentlicht worden. Der Minister des Jnncru, Hamilton, erklärt darin, durch die Wiederaufnahme der Arbeit in den öffentlichen Betrieben, sowie dort, wo„VertragSbritche" vorgekommen find, hat sich die Lage dahin verändert, das* nur der Kampf des schwedischen Arbeitgeber- Vereins gegen die Laiiidesorganisation der Gewerkschaften iibrig bleibt. Die Regierung hat daraufhin beschlossen, auf Grund beS Ge- setzeS betreffend Bermittelung in Arbeitskonflikten, einen be- sonderen BergleichLbrainten zur Bermittlnng in diesem Kampfe zu ernennen. Hierzu wurde der Stadtnotar C e d e r b» r g be- stimmt. Ihm werden drei Beiräte zur Seite gestellt, die eine Vermittlung in allen vorliegenden Differenzen versuchen sollen; besonders soll auch der Versuch gemacht werden, eine Verein- barung über die Behandlung von Konflikten zwischen den beiden kämpfenden Organisationen zustande zu bringen, und zwar auf der gleichen Grundlage, aus der zwischen dem Untemehinerver- band der Maschinenindustrie und der Arbeiterschaft eine solche Vereinbarung bereits besteht. Im wesentliche» bedeutet dieser Beschluß der Regierung nur, daß sie nicht inehr der Bermittelung hindernd im Wege stehen will. Sic gibt dadurch ihre bisherige Haltung auf, durch die sie die Bergleichsbeamten verhinderte, ihre gesetzliche Pflicht, zu ver- Mitteln, zu erfülle». Die Stellung der N n t e r n e h m c r r e g i e r u n g>»ird im übrigen trefflich dadurch beleuchtet, daß sie gleichzeitig be- schlössen hat, die von ihr zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs betreffend die Rechtstellnng der Tarifverträge eingesetzte Kom- Mission aufzulösen. Der Kommission gehörten unsere Partei- genossen Nils PcrSso» und Lindanist an. Der Minister des Inner» und der Jnstizminister wollen selbständig Entwürfe zu Ausnahmegesetzen ausarbeiten, die dem kommenden RcichStag unterbreitet werden sollen. Die Ncgicriiug schützt vor, sich auf die nicht'fertigen Entwürfe der ausgelöstcu Kommission stützen zu wollen. Nicht einmal der Vorsitzende der Kommission, Justizrat Thomasson, war von dem beabsichtigten RegierungScoup unter- richtet, dessen Rücksichtslosigkeit von den Absichten der Reaktion zeugt. Offizielle Zahlen über die Verluste des Staates an AuS- fällen im Zollwcscn und SpirituShandcl durch den Generalstreik im Monat August werden jetzt bekanntgegeben. Demnach betragen diese mehr als vier Millionen Kronen. * Die Regierung hat damit ihren ungesetzlichen Widerstand gegen eine Bermittelung in diesem Kampfe, den sie auf Geheiß der Unternehmerzentrale bisher geleistet hat, aufgegeben. Sie hat aber zu gleicher Zeit einen reaktionären Coup gemacht, der«s. der parlamentarischen Geschichte Schwedens bisher unerhört war. Man vergegenwärtige sich die Situation: Die Regierung setzte im vorigen Jahre eine Kommission ein, mit dem Auftrage, die Frage der Rechtstellung der Tarifverträge zu untersuchen und eventuelle Vorschläge zu machen. Der Komniission gehören u. a. auch die beiden Antipoden in diesem Kampfe, Herr von Südow und unser Genosse Lindquist an. In der Mitte deS diesjährigen August richtet die Regierung einfach an die Kommission den Befehl, einen entsprechenden Gesetz- entwurf bis spätestens zum 1. November unter allen Umständen fertigzustellen. Die Kommission lehnt dieses Aüsinnen entschieden ab und verweist auf die Schwierigkeiten der Materie. Sie erklärt, mindestens noch ein Jahr zu brauchen, um den Entwurf fcrtigzu- stellen, wozu umfangreiche Studien auch der ausländischen Gesetz- gebung notwendig seien.!, In diesem Punkte waren auch Südow und Lindquist einig. Die Regierung indes schickt die Kommission nach Hause und will selb st am grünen Tisch den Entwurf im Hand- umdrehen fertig st ellenl Sie deckt damit vollständig ihre Karten auf. Es kommt ihr gar nicht auf die sachliche Be- Handlung dieser Materie an— insofern müßte sie genau die gleiche Zeit schließlich zur Verfügung haben wie ihre frühere Kommission — sondern sie braucht Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter. Zur Ausarbeitung solcher braucht man wenig Zeit, keine sachlichen Studien, sondern lediglich den geistigen Horizont de» Polizeischädels und die dazu gehörige Borniert« h e i t I Auf diesem Gebiete freilich wird die schwedische Regierung gewiß die Qualitäten aufzuweisen haben, die ihr auf Volkswirt- schaftlichem Gebiete vollständig abgehen. Wie sie hier kürzlich zum Gespötte der ganzen Welt wurde, so wird sie sich allerdings auf dem Gebiete der polizeilichen und juristischen Unterdrückung der EmanzipationSbestrcbungen der Arbeiterschaft als gelehriger Schüler des russischen Linutenregiments erweisen. In beiden Fällen hat sie auf keinen Zuspruch in der zivilisierten Welt zck rechnen. Aber uns scheint, eine rechtzeitige Warnung ist am Platze. Soweit wir die schwedische Arbeiterschaft aus dem jetzigen Kampfe kennen lernten, wird sie sich den beabsichtigten gesetzlichen Raub ihres Koalitionsrechts nicht gefallen lassen. An Stelle deS wirtschaftlichen Großstreiks beschwört die Regierung die Gefahr eines Ausstandes auS politischen Motiven herauf. Ob der schwedischem „Gesellschgft" damit gedient ist? ver Parteitag. Bvrversmiimlung. Leipzig, 13. September. Machtvoll brausend dröhnte das Willkommen, das 200 Sänger der Rühleschen Chöre dem Parteitag brachten. Dann entrollte Genosse L i p i n S t i in seiner Begrüßungsrede das Bild der Leipziger Parteicntwickelnng von 1848 bis 1809. Die alten Partei- und GcwerkschaftSfahnen, die den prächtigen Saal der Tagung zieren, boten ihm wertvolle Anknüpfimg. Die Geschichte der Leipziger Partei ist unangenehm-innig verknüpft mit der Geschichte der sächsischen Polizei, mit der Geschichte der sächsischen Klassenjustiz, Erkämpft werden mußte Zoll um Zoll jeder Fußbreit Rechts, das Sachsens Proletariat in jahrzehntelanger Arbeit gewann, von der Erniöglichung der Existenz der sächsischen Sozialdemokratie über- Haupt bis zum ersten Eindringen in die kommunalen Körperschaften de» Landes, bis zur grandiosen Leipziger WahlrechtSdcnwiistration vom 1. November 1908, da auf dem Meßplatz, auf städtischem Areal, an 80 000 Menschen den Worten lauschten, die von sechs Tribünen zum Kampfe riefen. Und endlich bis zum Bau des herrlichen, riesigen VolkshauseS— des ParteitagSlokalS— und des prächtigen Saales, der die Sitzungen des Parteitages sieht. Die Geschichte des Volkshausbaues, die Geschichte des SanlbaneS, die Geschichte der in machtvoller Entfaltung erstarkten Leipziger Arbeiter- schast: sie bilden ein Fundament, auf dem die erste Sachsenwahl unter dem in zweijähriger„Geistesarbeit" raffiniert ausgeklügelten Vierklassenrecht sich im Oktober dieses Jahres noch vollziehen wird. Dem Willkommengruß der Leipziger Arbeiterschaft bot Genosse Singer im Namen deS Parteitags Gcgengruß und Dank. Von warmer Empfindung war seine Rede getragen; nur eine Note der Wehmut klang hinein, als er davon sprach, daß eigentlich ein anderer— August Bebel~ auch diesen Parteitag hätte eröffnen sollen. Freude bewegte die Versammlung, da Singer bekannt gab. daß es dem Genossen Bebel möglich sein wird, an einem der nächste» Tage doch»och nach Leipzig zu kommen. Was Lipinski angedeutet hatte, das legte Singer breiter dar: die Hauptetappen der Historie des Leipziger Proletariats, jene geschichtlichen Phasen, ans denen die Namen der Fritzsche, der Vahlteich, Lassalle, Bebel- Liebknecht emporragen. Mit der Auf- fordcrung an die Genossen, die alten Waffen zu schärfen und neue zn schmieden, schloß der Redner die Begrüßung, eröffnete er den Parteitag. Nach gutem alten Brauch wurde Singer nebst einem Genosse» aus der Parteitagsstadt— Lipinski— mit der Leitung der Verhandfungen betraut. Darauf konstituierte man schnell die Schriftführer-Körperschast, die MandatSprüfungS-, die Beschwerde- Kommission. Von den Anregungen zur Bereicherung der Tagesordnung kam in» Antrag 3 in Betracht:„Die R e i ch S f i n a n z r e f 0 r m und ihre Folgen" als Sonderpunlt zu behandeln. So viel Mühe sich Löbe und PeuS auch gaben, den Wunsch der BreSlauer, der Aachener und der Nürnberger Genoffen durchzusetzen, der Parteitag machte sich den Standpunkt der Genossen Molkenbuhr. Ledeboiu Mld Geher zu eigen: daß die Neichsfinanzreform aufs innigste mit dem Parka nieutarischen Bericht zusammenhängt und daher von diesem nicht losgerissen werden darf. Die vom Parteivorstand vorgeschlagene Tagesordnung wuyde vom Parteitag in allen Teilen gebilligt und nach zweistündiger Dauer ging die Vorversammlung zur SUiste unter den brausenden Klängen des Sanges, der alle Proletarier, die auf harter Erde Hausen,«Empor zum L i ch t I" ruft. ... Der erste Tag. Leipzig, 13. September. Bekundungen internationaler Solidarität— PegrüstungSworte der ausländischen-Gäste, die Mitteilung von der zweiten Spende der Parteikysse für die Schweden— eröffnete die Sitzung. Dann gings an die Arbeit. Schnell und glatt wurde der Bericht des Partei- Vorstandes erledigt. Die beiden Berichterstatter Molkenbuhr und Gerisch konnten sich auf kurze Erläuterungen und Er- gänzungen der gedruckten Berichte beschränken. Molkenbuhr, der die erfreuliche Mitteilung/machte.- daß die Organisation der Partei die des katholischen Volksvereins überflügelt hat, wies zum Schlich auf das Abflauen der Krise hin und knüpfte daran die Mahnung zu neuer eifriger Werbearbeit für die Organisation. Jederzeit müsse die Sozialdemokratie kampfbereit dastehen, auch wenn wieder einmal Neuwahlen zum Reichstag hereinbrechen, wie der Dieb in der Nacht. Genosse G e r i s ch konnte den stolzen Zahlen, die der gedruckte Kaffenbericht enthält, noch einige erfreuliche Ziffern anfügen- Aber als echter Kassierer will er erst dann zufrieden sein, wenn alle?, was die Partei braucht, allein ans den Mitgliederbeiträgen fließt, die Einkünfte aus den Parteigeschäften aber ohne Abzug auf die hohe Kante gelegt werden können. Kadens Bericht der Kontrollkommission, der sich gleich an diese beiden Referate anschloß, und die kurze Dis, kussion füllten die Vormittagssitzung nicht mehr ganz aus. Da Ledebour, der Referent zum Parlamentarischen Bericht, von Heiserkeit befallen, um einen Dispens von 24 Stunden bat, trat man in die Beratung von Anträgen ein. Besonderes Interesse finden die zahlreichen Anträge zur Jugendbewe- gun g. Leipzig, 13. September. Rachmittagssitzung. Die Debatte über die Anträge zur Jugendbewegung füllte den ersten Teil der Sitzung. Sie war ebenso lebhaft wie lehrreich. Kräftiger Appell wurde namentlich an die Kassen der Parteiorganisationen und der Gewerkschaften gerichtet. Schließlich wurden die Anträge der Jugendzentrale zur Verücksülztigung über- wiesen. Leipzig, 13. September. 0.2ö nachm. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Den Neigen der Befürworter des S ch n a p S b o y k o t t s er- öffnet L o e b e mit einem markigen Appell zum Rachefeldzug gegen daS stiselbrennende preußische Junkertum. Seine Ausführungen und seine Resolution finden starken Beifall. In der knappen aber von hoher Stimmung getragenen Diskusston erklärt sich Luise Z i e tz im Namen des Parteivorstandes für die Ne- f o l u t i o n. E i n st i m m i g n i m ty t der Parteitag unter brausendem Jubel die Resolution an. Singer spricht sodamr zum Thema: Internationaler Kongreß. Er fordert zu starker Beschickung der großen Tagung in Kopenhagen auf, sowohl zur Bekundung unserer inter- nationalen Solidarität, als auch deshalb, weil Deutschlands Sozial- demokratie den Kopenhagener Genossen für die ihr unterm Schandgesetz gewährte Gastfreundschaft viel Dank schuldet. Die Diskussion ist bald erledigt. Morgen wird der parla» men tarische Bericht verhandelt. kPattor ßrelthaupt obenauf! Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat am Donners- tag zu Gericht gesessen über Pastor Breithaupt und das noch immer von ihm geleitete Prügelstift Mielczyn. Zu Gericht gesessen wurde auch über den Berliner Magistrat, dem jener zu Breithaupts Verteidigung inszenierte unwürdige Vertuschungsmethode zur Last gelegt wurde. Der Magistrat freilich rückte jetzt vorsichtig von Herrn Breithaupt ab, weil er erkannte, daß er mit solchem Erzieher doch wohl keine Ehre einlegen konnte. Die Wortführer der freisinnigen Etadtverordnetenmehrheit taten's dem Magistrat nach, weis auch sie begriffen, daß sie den Berliner Koinviunalliberalismus nicht >ioch heilloser bloßstellen durften. Ader die Aussichten auf ein praktisches Ergebnis der ganzen Mtion sind dessenungeachtet nur gering. Der Magistrat Wils nichts davon hören, daß mit dem Prügelstift Mielzcyn. wie die soziql- demokratischen Stadtverordneten es fordern, völlig gebrochen werde. Im Magistratskollegium selber hat auch die Meinung, daß man mindestens auf Entlassung Breithaupts„bestehen" müsse. schwerlich soviele überzeugte Anhänger, wie es scheinen könnte. Am Donnerstag ließ ,n der Stadtverordnetenversammlung der Stadtrat M ü n st e r ö e r g als Sprecher des Magistrats sogar durchblicken, daß es eigentlich schade sei um diesen Mann. dem man das Zeugnis eines„a n g e ne h m e n Menschen" geben dürfe. Und dieser„angenehme Mensch" selber? Der Herr Pastor B r e i t h a u p t macht kein Geheimnis daraus, daß er sich immer noch obenauf fühlt und auch obenauf zu bleiben hofft. Das„Zentralblatt für Vormundsschaftswesen, Jugendgerichte und Fürsorgeerziehung". daS ihm(in Nr. 10) zur Selbstverteidigung das Wort gegeben hatte, hqt jetzt von ihm erneut eine Zuschrift erhalten, die noch zuversichtlicher ist. Wir lesen in dem genannten Blatt(in Nr. 11): „Zugeben muß ich." so schreibt Herr Pastor Breithaupt,„daß beim Strafe,, gesündigt wurde; doch läßt sich dies aus den Um- ständen erklären. Von der Lichtcnberger geschlossenen Anstalt wurden die widerhaarigsten und rohesten Elemente nach unserer offenen Anstalt übergeführt. Wie ungerechtfertigt der Vorwurf ist. die Burschen seien infolge der strengen Behandlung entwichen. können Sie am besten daraus entnehmen, daß seit der Zeit, da ich gezwungen bin, gelindere Saiten aufzuziehen, schon gegen zwanzig Zöglinge von hier entlaufen sind, darunter solche, denen weitgehendstes Vertrauen entgegengebracht wurde und welche nie die geringste Bestrafung erlitten haben. Ein Arzt wird der An- statt im Hauptamt angeschlossen werden; mit dem bekannten Psychiater Herrn Dr. Fürstenheim in Berlin-Karlshorst schweben deswegen Verhandlungen' Weiler erzählt dann Herr Breithaupt in der Zuschrift, der „Christliche Verein junger Männer" habe nicht alle Erzieher ge» liefert, und dje Berliner Stadtmisston habe nichts mit ihm z« tun. Aus seinen sonstigen Angaben teilt das„Zentralblatt" im Auszug noch mit: „Schließlich behauptet der Einsender, der AufsichtSrat des Fürsorgestlfts Mielczyn sowie auch die Regierung seien für sein Bleiben, und denselben Standpunkt vertrete Herr Stadtrat Dr. Münsterberg-Berlm. der sich persönlich von den Mielczhner Per- Hältnissen überzeugt habe. Hieraus gehe hervor, daß seine Per- sehen ffon den maßgebenden Stellen nicht allzu hart beurteilt würden." Nach der ersten Zuschrift chatte das„Zentralblatt" die auf keinerlei. Kenntnis des Sachverhalts gestützte Bemerkung gemacht, die Mielczyner Vorgänge seien von einer sensationslustigen Presse wahrscheinlich stark übertrieben worden. Dieser zweiten Zuschrift wird die schon sehr viel bescheidener klingende Bemerkung an- gehängt, daß zu Breithaupts Behauptung über die„nicht allzu harte Beurteilung" die bekannt gewordenen Zeitungsberichte über die Ansichten und Wünsche des Magistrats nicht recht stimmen wollen. Aber es scheint, daß das„gentralblatt" auch diesmal wieder vorbeigehayen hat. Inzwischen hat sich ja bereits gezeigt, daß Pastor Breithaupt das Berliner Magistratskollegium und im besonderen den Stadtrat Münsterbcrg gar nicht so falsch taxiert, wenn er sich von dort keiner allzu harten Beurteilung versieht. Er wird es seinen Gott auf den Knien danken, daß— uygeachtet der Feststellungen, die Stadtverordneter Genosse Bernstein zu- sammen mit dem Magistratsrat Voigt, veranlaßt durch die Eni- hüllungen des„Vorwärts" über Mielczyn, dort bereits gemacht hatte— noch Herr Münsterberg nach Mielczyn geschickt wurde, just Herr Münsterberg. Ja, Herr Münsterberg versteht's, zu„revidieren" l Tatsächlich stimmt dieser neueste Verteidigungsversuch des Herrn Pastors durchaus zu den Beschwichtigungsreden, die wir noch am Donnerstag von den Vertretern des Magistrats zu hören be- kamen. Herr Breithaupt weiß, daß er der Zustimmung des Magi- strats sicher ist, wenn er immer wieder von der Qualität der ihm überwiesenen Zöglinge spricht, dje ihn genötigt habe, zur Peitsche zu greifen. Hat doch im Rathaus auch Bürgermeister Reicke es für angemessen gehalten, mit Hinweisen auf das„Vor- leben" der Zöglinge die Prügclleistnngen des Pastors zu entschuldign. Wie wenn das„Vorleben" eines Zöglings es entschuldigen könnte, ihn wegen bloßen Verdachtes einer Fluchtabsicht— wegen der Neuerung, in etlichen Wochen hoffe er schon auf der See zu schwimmen— mit Peitschenhieben zu bestrafen! Wie wenn das„Vorleben" eines Höglings den Er- zicher berechtigte, gegen ihn wegen Zigarettenrauchens zur Peitsche zu greifen! Wie wenn einem Zögling mit Rücksicht auf sein Vor- leben" Bastonaden(Schläge auf den Fußsohlen) zudiktiert werden dürften! Herr Pastor Breithaupt, der in Mielczyn seine Vesserungsver- suche an Berliner Fürsorgezöglingen noch immer fortsetzen darf, ist obenauf. Er verläßt sich darauf, daß Stadtrat Münsterberg für sein Bleiben ist. Er deutet unverblümt an, daß er nach wie vor seine frühere Methode, die Fürsorgezöglinge zu behandeln, für die richtige hält. Und er triumphiert, daß ein Arzt nur„der Anstalt im Hauptamt angeschlossen werden" wird. Wenn es so kommt, wird der Magistrat es sich gefallen lassen müssen. Wird kein Staatsanwalt versuchen wollen, diesem schönen Traum ein Ende zu machen? eilevdahnvenvaltuug und KoaDtlonsmbt. Die Königliche Eisenbahndirektion Berlin sendet uns zu der skandalösen Maßregelung von Eisenbahnarbeitern, die wir in mehreren Itummern geschildert haben, folgende angeblich berichtigende Darstellung: Königliche Eiscnbahndireltion. E.-Nr. 2232. Berlin, W. 35, den 11. September 19Q0. Schöuebergcr Ufer 1—4. Die Nummer 211 Ihres Blattes vom 10. September d. I. enthält einen Artikel mit Ueberschrift:„Die gesicherte Existenz der Eisenbahner". Unter Berufung auf§ 11 des Preßgesetzcs ersuchen wir crgebcnst, in der nächsten Nummer des„Vorwärts" an gleicher Stelle folgende Berichtigung zu bringen: 1. ES ist unrichtig, daß die Eisenbahnverwaltung auf die im Ärbeiterausschuß des Auhalt-Dresdener und Potsdamer Güter« bahnhoses gestellten Anträge ans Einführung der achtstündigen Dienstzeit und ans allgemeine Lohnerhöhung mit der Eilt- laffung der Ausschußmitglieder resp. deren Ersatzmänner ge- antwortet hat. 2. Nichtig ist vielmehr, daß sich unter den acht entlassenen Arbeitern dieser beiden Güterbahnhöfe überhaupt nur zwei Mitglieder des Arbeiterausschusses— und zwar beide nur Ersatzmänner— befmiden haben und daß die Entlassung aus- schließlich erfolgt ist, weil nach den Feftstellimgen der Vcr- waltimg die Entlassenen Mitglieder des ordnungsfeindlichen Deutschen TraiwportarbeiterverbandeS resp. dessen Reichssektion der Eisenbahner sind. Bchxcndt. An die Redaktiyn des„Vorwärts" in Verlin. Wir werden vermutlich öfter, als der Königlichen Eisen- bahndircktion lieb ist, Gelegenheit haben, ans diese Maßrege- lung zuriickzukomnien- Für heute wollen wir nur sagen, daß es nicht richtig, sondern unrichtig ist, daß die Entlassenen Mitglieder des Transportarbeiter-Verbandes waren. Wäre aber die Entlassung deswegen erfolgt, so wäre dies genau so verwerflich, als wenn dies wegen der Stellung„horrender Anträge" geschah. Es ist das gute Recht der Eiseubahnarbeiter, sich zu organisieren und gegenüber einer Behandlung, wie sie den Entlassenen zu teil wurde, sogar ihre Pflicht. Nun hat aber die Direktion sich selbst bereit erklärt, den Passus aus dem Entlassungszcugnis zu streichen, der als Eulassungsgrund die Zugehörigkeit zum Transportarbeiterverbande angibt. Die von gewissen Leuten falsch unterrichtete Eiseubahnverivaltung kann ihre Behauptung über die Orgauisationszugehörigkeit der Eni- lasscnen selbst nicht aufrechterhalten. Warum hat sie nicht den Mut, diese Behauptung zurückzunehmen? Und warum will sie die HinauSgetvorfenen durchaus durch falsche Zeugnisse an ihrein ferneren Fortkommen hindern? In ihrem blinden Eifer, der organisatorischen und arbeiterfreundlichen Täksgkeit des Trausportarbeiterverbandes entgegenzutreten, schafft die Eisen- bahnverwaltung diesem daS AgitationSinaterial massenhaft heram Wir hätten sicherlich nichts dagegen, wenn die Arbeiter nicht die Leidtragenden bei diesem Kampfe gegen Windmühlen wären._ politircbe OeberSIcbt Berlin, den 13. September 1009. Der Fall Schack. Dieselben Herren Antisemiten, die erst vor 43 Stunden versicherten, daß auf Grund ihrer genauen Kenntnis der Persönlichkeit des Herrn Schack und seines Familienlebens die Annahme ganz ausgeschlossen sei, daß seinem Inserat und seinen Unterhandlungen mit der betreffenden Gesellschafterin geschlechtliche Perversitäten zugrunde lägen, haben aus einmal entdeckt, daß Herr Schack schon seit geraumer Zeit g e i st i g anormal ist. Die Parteileitung der dcutschsozialen Partei erläßt folgende Erklärung: „Die Angelegenheit, über deren schmerzliche Einzelheiten unsere Parteifreunde wohl durch die Tagcspresse ausreichend unterrichtet sind, ist auch uns, den Unterzeichneten, erst am Dienstag, den 7. September, durch die Presse vestnMt geworden. Nach unserer langjährigen, genauen KerrntwiS der Persönlichkeit Schacks und seiner Geistes-, Ge- müts- und Charakteranlagen mußten uns die be- haupteten Tatsachen zuerst als völlig unglaublich und unmöglich erscheinen. Inzwischen ist uns ein neues, t-a t s ä ch- liches Material zugänglich geworden, was der Oeffentlich- kcit bis jetzt noch nicht unterbreitet ist, das aber bei der gerichtlichen Behandlung der Angelegenheit zur Sprache kommen wird. Dadurch ist es uns zur traurigen Gewißheit geworden, daß unser Freund Schack von einem schweren psychischen Leiden befallen ist. Wir haben uns deshalb veranlaßt gesehen, seine Ueberführung in eine Nervenheilanstalt anzuraten, und ihn ärztlicher Behandlung zuzuführen. Alle ernstdenkenden Kreise werden ihr eigenes Urteil über die traurigen Vorgänge zurückstellen, bis die jetzt damit befaßten Aerzte und Richter ihr amt- liches Urteil abgegeben haben. Ueber die Schritte, die bezüglich des Reichstagsmandats für den Wahlkreis Eisenach- Dermbach erfolgen sollen, wird eine Vertrauensmännerversamm- lung in den nächsten Tagen beschließen. Hamburg, 10. September 1009. Die Parteileitung: Liebermann v. Sonnenberg. Lattmann. Raab." Daß Herr Schack in sexueller Beziehung nicht ganz normal war, bewiesen ja die über ihn veröffentlichten Briefe in der Triolen- Affäre. Solche geschlechtliche Anormalität schließt aber die Zurechnungsfähigkeit in anderen Beziehungen keineswegs aus! Die Herren Liebermann, Lattmann usw. be- zeugen denn auch in ihrer Kundgebung, daß sie nach langjähriger genauer Kenntnis der Persönlichkeit Schacks und seiner Geistes-, Gemüts- und Charakteranlagen von irgend welchen Abnormitäten niemals etwas entdeckt hätten. Und trotzdem soll Herr Schack ans einmal von einem schweren psychischen Leide» schon seit geraumer Zeit befallen gewesen sei» I Bei hohen Herrschaften ist das ja freilich immer so! Zur Neuumhl tu Eisenach-Dermbach. Nach einer Meldimg habe» die A n t i s e n> i t e n für Eisenach- Dermbach bereits einen neuen Kandidaten gefunden, nämlich den Oberlandesgerichtsrat v. R i ch t h o f e n- I e n a. Auch die Liberalen sollen sich einer Meldung der„National- Zeitimg" zufolge bereits aus eine Kandidatnr geeinigt haben. ES soll nämlich in der Person des Nationalliberalen Archivdirektors Dr. Winter- Magdeburg der Kompromißkandidat gefunden worden sein._ Herr Erzberger kneift. Der Zentrumsjüngling Matthias Erzberger sprach am Sonntag in Frankfurt a. M. in einer vom Zentrum einberufeilen Versammlung über die Politik des Zentrums bei der Reichsfinanz- reform. Er bezeichnete es als eine nationale Tat, daß das Zentrum in Gemeinschaft mit den Konservativen dem Volke neue Lasten auf- gebürdet hat. Die Kritik der bürgerlichen Blätter sei stark über- trieben, denn die Belastung der Konsumenten durch die neuen Steuern sei keineswegs so groß wie in der liberalen Presse be- hauptet werde. In der Versammlung befanden sich auch eine Anzahl Partei- genossen. Genosse Dr. Quark wollte die Ausführungen des Herrn Erzberger in das rechte Licht stellen, erhielt aber nicht das Wort. Auch sonst wurde«ine Dislussion nicht gestattet, was von einen, großen Teil der Anwesenden mit starkem Mißfallen auf- genommen tvurde._ Vom Sklavenmarkt des Kapitalismus. Die Sonntagausgabe des„B. T." enthält eine auffallend große Anzahl von Angeboten ans A k a d e m i k e r k r p i s e n. Hinter vielen dieser Annoncen verbirgt sich eine dlirchaus proletarische Existenz und es wäre den Herren sehr zu empfehlen, sich ans der Universitätsbibliothek den dritten Band von Mar�'„Kapital" zu entleihen. Dort finden sie die Rolle haarscharf gezeichnet, die ihnen die nivellierende Kraft des Kapitals in der modernen Gesellschaft zuweist und die sie ans eine! Stufe mit dem Lohnarbeiter stellt. Woraus sich für einen gebildeten Menschen mit besonderer Leichtigkeit die alsein mögliche Nutzanwendung ergibt, sich der organisierten Arbeiterschaft anzilschließeir und mit ihr vereint— in Reih und Glied— den Kapitalismus niederzuringen. Die heute noch grassierende Scheu der sogenannten .Intellektuellen" vor der Berührung mit der Sozialdemokratie kommt den Kapitalisten sehr gelegen, weil sie nur akademisch gebildete Ma- schinen, aber keine aufgeklärten und freien Männer haben wollen. Kämpft erst die große Mehrheit der Akademiker in den Schlachtreihen des organisierten Jndustrieproletariats, dann werden solche Annoncen zu de» Seltenheiten gehören und bald ganz verschwunden sein. Preffkorruptson. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" berichtet in Nr. 995, daß sich die Schriftsteller D. von Strom berg, Antwerpen, und Dr. E. C a r l e t t o, Berlin-Wilmersdorf, bei hervorragende» In- dllstriellen dazu angeboten haben, über ihre Ausstellungsgegenstände auf der Frankfurter„Fla" Reklameartikcl im redaltionellen Teile einer großen Anzahl deutscher Tageszeitungen unterzubriilgen. 453 Zeitungen des In- und Auslandes seien dazu bereit. Genannt wurden u. a.:«Leipziger Neueste Nachrichten", ,.K ö l- nische B o I k s z e i t u n g",„M ü n ch e n e r Neueste Nach- richten",."„H ambnrger St achrichten",„Norddeutsche Allgemeine".„Bos fische Zeitling",„Dresdener Anzeiger",„Kieler Neueste Nachrichten". Der programmlose Freisinnskaudidat. Im Wahlkreis Koburg, wo die Wahlarbcitcn bereits mit boller Wucht einzusetzen begonnen haben, hicst der Kandidat der Freisinnigen, der Puppenfabrikant Arnold aus Neustadt, in Wählervcrsammlnngen in Neustadt und Koburg eine Kandidaten- rede, in der kein Wort über die Neichspolitik enthalten war. Ter Freisinnskandidat sprach vielmehr in langatmiger Weise über seine Tätigkeit als Präsident des Koburger Landtages. Als Spiel- Warenfabrikant txat ex warm für die Ausdehnung der Heimarbeit und Hausindustrie ein und brach schließ- sich in den Ruf aus:„Meine Herren! Auf ein bcstimiiitcs Pro- gramm sollte man sich überhaupt nicht festlegen!" Diese SeiUänzerei ging selbst fccin Herrn W t c m e r. den sich die Freisinnigen zur Hilfe geholt hatte», zu weit. Und es war höchst originell anzuhören, wie dieser Herr dem neuen Schützling Arnold vor der Berstcknmlung klarmachen mußte, lpaS ex als Frei- sinnSkandjdat zumindest als Programmfordernngcn ausstellen müsse. ES war ein Schauspiel für Götter!— Im übrigen bc- giuigte sich Wicmcr damit, in seiner selbstgefälligen Weise UM alles hcrumzurede», dessen Erörterung dem Freisinn nnangcnchm sein könnte. Kein Wort fiel über die herrschende wirtschastliche Not und ihre Folgen auf die Kreise der ärmeren Bevölkerung. Nicht erwähnt wurden die neuen Steuern und ihre Wirkungen. Dagegen verbeugte sich Wiemer tief vor den Nationalliberalen. denen er schon im voraus die Stichtvahlhilfe der Freisinnigen in Aussicht stellte, da ihnen die Nationallibcrcflcn das kleinere Nebel bedeuteten. Und diese Erklärung fiel i» d e r s e l b e n R e d e. in der Wiemer die nationalliberale Kandidatur als eine land» w i r tS b ü n d t er i s ch e bezeichnete! Doch nach per anderen Seite hin war Wiemer ganz anders. Gegen die Sozialdemokratie zog er gleich einem eben flügge gewordenen NejchSvcrbandsschüler vom Leder. Und mit den ollen Kamellen, die noch von dem secligen Eugen Richter Herstammen, suchte er mit dem Gespenst deö „Teilens' und der„ForwaWe des Privateigentums" bor der Sozialdemokratie graulich zu machen. In überquellendem Kraftbewußtsein fragte er nach dem Endziel der Sozialdemokratie, zitierte Bernstein und Kautskh und ließ sich dann mit einem hurrapatriotischen Fanfarengeschinetter auf seinem Rohrstuhl nieder- sinken. Unser Kandidat, Genosse Z i e t s ch. der unerwartet in der Versammlung erschienen war, und den man nicht gern zu Wort kommen ließ, blieb Wicmer und Arnold die Antwort nicht schuldig. Unser Genosse sprach nicht nur über das„Endziel", sondern er schüttelte Arnold und Wiemer dermaßen zusammen, daß der ersterc zur Antwort nur hilfloses Zeug zusammenstammelte und Wiemer um so hitziger und sinnloser in Hurrapatriotismus machte, auf die Sozialdemokratie schimpfte und jeder von unserem Genossen Zietsch gemachten Feststellung freisinniger Jämmerlichkeit und Halbheit mit leeren Phrasen aus dem Wege gipg. So blieb von dieser Versammlung in Neustadt nichts weiter übrig als die Programmlosigkeit des Freisinnskandidaten, die reichsverbändlerische Sozialistenreiterei des Freisinnsführers und — ein voller Erfolg unserer Partei! Christliche Toleranz. Was sich manche Geistliche erlauben, zeigt ein Bericht des amt- lichen„Leutenberger Kreisblatts". Leute nberg(Schwarzburg- Rudolstadt) ist Badeort und als solcher seit einiger Zeit bestrebt, die an einen Badeort gestellten modernen Ansprüche zu erfüllen. Seit Jahresfrist ist eine Stadtkapelle errichtet worden, an der bis jetzt niemand Anstoß nahm. Bor einiger Zeit hat der Geistliche im benachbarten St. Jakob, der die Leute anscheinend lieber in der Kirche als bei einem Konzert sieht, seinem Aerger Über die Neuerungen in Leutenberg in einer die Stadt sehr verletzenden Weise auf der Kanzel Ausdruck gegeben. In Leutenberg sei jetzt fast täglich Musik, Konzert und Tanz, der Kirchenbesuch dagegen lasse zu wünschen übrig. Leutenberg sei sehr tief gesunken. Darauf sandte ihm Bürgermerster Crone folgendes Schreiben: „In einer vor 14 Tagen gehaltenen Predigt haben Sie sich gemüßigt gefunden, die Veranstaltungen des hiesigen Ver- schönerungsvereins zu kritisieren und in Verbindung damit die Aeußerung getan, Leutenberg sei sehr tief gesunken. Als Vor- sitzender des Vcrschöuerungsvcreins verbitte ich mir Ihre Kritik von der Kanzel herab ganz entschieden. Kümmern Sie sich ge- fälligst nicht um Sachen, die Sie absolut nichts angehen. Leutenberg, im September ISOS. Crone, Bürgermeister." SBit diesem Schreiben ist die Angelegenheit für den Pfarrer noch nicht erledigt. Eine Abschrift des Briefes wurde dem Ministerium in Rudolstadt und auch der vorgesetzten Behörde Schülers— so heißt der eifrige Gottesmann— gesandt. Falls diese Instanzen versagen, will man aus andere Weise gegen den Pfarrer vorgehen._ Die christlichen Arbeiter und die Reichsfinanzreform. Das Kartell der christlichen Arbeitervereine Münchens hatte für Sonnabend nach dem Hackerbräukellersaale eine öffent- liche Versammlung einberufen. Sie sollte nach der Meinung der ultramontanen Presse eine„imposante Kundgebung" gegen die vor acht Tagen von der sozialdemokratischen Partei ein- berufenen 7 massenhaft besuchten Protestversammlungen, also ein Votuin für die Reichsfinanzreform, sein. Schon lange vor Begstin der Versammlung war der geräumige Saal von unseren Parteigenossen besetzt, hatten doch die christlichen Macher freie Diskussion zugesichert. Der Einberufer machte bei Er- öfftiung der Versammlung unnötigerweise daraus aufmerksam, daß er den Saal gemietet habe und daß er unnachsichtig gegen jede Störung einschreiten werde. Der Referent, der christliche Arbeiter- sekretär Königbauer, meinte eingangs seiner Ausführungen, daß auch die christlichen Arbeiter nicht in allen Punkten mit der Reichsfinanzrcform einverstanden seien, da aber in Versammlungen und in der Presse soviel Unrichtigkeiten und Entstellungen über die neuen Steuern auftauchten, sei es angezeigt, daß auch die christ- lichen Arbeiter zu der Reichsfinanzreform Stellung nähmen. Er habe nicht die Absicht, das Zentrum zu verteidigen. Die zwei- stündigen Ausführungen des ultramontanen Arbeitersekvetärs waren ein regelrechter Tanz ums goldene Kalb und eine zusammen- gestoppelte, fadenscheinige Verteidigung der Zentrumspolitik. Land- tagsabgeordneter Genosse Eduard S ch m i d ging mit der schäm- losen Äusplünderungspolitik des Zeutrums scharf ins Gericht. Oft durch lebhaften Beifall unterbrochen, geißelte er den Volksverrat des Zentrums an der Hand zahlreicher vor den Wahlen in das Volk hinausgeworfener Zentrums-Flugblätter, und gab den christ- lichen Arbeitern den Rat, bei/ den nächsten Wahlen diesen Volts- Verrätern den Laufpaß zu geben. Zum Schlüsse seiner Ausfüh- rimgen empfahl unser Genosse eine Resolution, in der die Per- sammelten den bürgerlichen Parteien ihre schärfste Mißbilligung aussprechen. Den Ausführungen unseres Genossen Schmid folgte minutenlanger frenetischer Beifall, der sich in ein Hoch auf die Sozialdemokratie auslöste. Nachdem sich der Bei- fallssturu? gelegt, nahm der christliche Arbeitersekretär Albrecht das Wort, der eingangs eine Parallele zwischen der ReichSfinauz- reform und—— den«hohen L.chnen" der Arbeiterschaft ziehen wollte. Die spontan zum Ausdruck gekommene Empörung der Versammlung verhinderte diesen christlichen Muster-Arbeiter- sekretär am Wettersprcchcn. Unter Zurufen:„Du bist ein netter Aubeitersekretär" usw., mußte dieser Red>�r abtreten. Wohl um nicht über die von unserem Genossen Eduard Schmid übergcbene Resolution abstimmen lassen zu müssen, schloß der Vor- sitzende C a d a u schleunigst die Versammlung.— Nun werden sich wohl die„Christlichen" wieder als die Terrorisierten ausspielen. oestemieK-dnAarn. Die Lage in Ungarn. Budapest, 13. September. Ministerpräsident Dr. Weierle ist heute nach Wien abgereist. Ter Ministerpräsident wird auch vom Könige in Audienz empfangen werden und ihm Vorschläge für die Klärung der Lage unterbreiten. Was den Standpunkt des Kabi» netts betrifft, so wünscht dasselbe nach einer Meldung des„Pester Llohd'' eine Regelung der Bankfrage bis 1917, jedoch ugt-ir der Bedingung, daß die Barzahlungen der österreichisch- ungarischen Bans ausgenommen werden. Bezüglich der M i l i- tärfrage vertritt das Kabinett den Standpunkt, daß es vor den Reichstag nicht mit der Forderung der für Heer und Marine beanspruchten bedeutenden Militärkredite treten könne, falls nicht gewisse bescheidene, von militärischen Autoritäten gebilligte Zu- gcständnisse bezüglich Zulassung der ungarischen S p räche in der Armee gewährt würden. Betreffs der Wahl- r e f o r m schlägt das Kabinett gewisse Aenderungen der ursprüng- lichen Vorlage vor. Es läßt die dreifache Pluralität fallen und dehnt das Wahlrecht wieder auf jene Analphabeten aus. die es bisher ausgeübt haben, so baß das P r i mz i p des allgemeinen Stimmrechts möglichst verwirklicht wird. lDas letztere ist natürlich echt magyarischer Schwindel, da das Pluralitätswahlrecht bestehen bleiben und die Besitzenden nur statt drei zwei Stimmen erhalten sollen. Auch bleibt das Wahlrecht der besitzlosen Analphabeten eingeschränkt.� Preßfreiheit in Bosnien. Aus Sarajevo wird uns geschrieben: In Sarajevo erscheint einmal wöchentlich„Die Stimme der Freiheit", Organ der sozialdemokratischen Partei für Bosnien und Herzegowina, die um Kongresse in Sarajevo am 28. und 2g. Juni d. I. konstituiert wurde. Tie letzte Nummer des braven Kampfesgenossen ist weiß wie der Schnee. Es ist die Zensur des WillkürregimentS. das seine Hand auf das junge Organ unserer Genossen in Bosnien ge- legt hat. Und tvaS stand in der Nummer? Im Leitartikel„Für Volksrechte" heißt eS?«In letzter Zeit hört man nichts mehr von unserer Verfassung. Wie man hört, soll ihre Einführung vertagt werden, und als Rechtfertigung dafür wird auch in Bosnien ein„Hochverrat' vorbereitet. Das klingt sehr wahrscheinlich. Die Verfassung wurde versprochen, um das Volk zu täuschen, damit es der Annexion ohne Widerstand zu- stimme. Die Annexion ist fertig, über die Verfassung braucht also kein Wort mehr verloren zu werden. Die Alleinherrscher in diesem Lande brauchen keine Perfassung. Das Volk ist grausam betrogen. Es ist die Frage, kann das Volk dem gegenüber ruhig bleiben? Wird es erlauben, daß die Herrschendon mit seinen Rechten ihr Spiel treiben? Das wird, das darf nicht sein. In diesem Augen- blicke sollmitderganzenKraftdesVolkesdenauto- krat: schon Absichten Widerstand geleistet werden. Es soll eine allgemeine Volksbewegung für die Verfassungsrechte des Volkes geschaffen werden. In dieser Bewegung wird die sozialdemokratische Partei in den ersten Reihen stehen." Der Artikel schließt mit dem Aufruf zu einer großen Protest- Versammlung aller Parteien, die�vom Zentralausschuß der Sozial- demokratie einberufen wird. Der ganze Artikel ist konfisziert. Das ist die Kultur, arbeit, die Oesterreich-Ungarn in den oklupierten Ländern leistet. War es wirklich nötig, über ganz Europa die Kriegsgefahr zu ver- hängen, wenn das österreichische Regime seinen neuen Bürgern nicht einmal soviel Freiheit verschaffen kann, daß sie nicht die Ber- fassungszustände der Türkei als unerreichbares Ideal hetrachtcn müssen? frankreick. Für die Militärpflicht der Schwarzen. Paris, 13. September. Der frühere Minister des Aus- wärtigen Hauotaux spricht sich in einem vom„Journal" veröffentlichten Artikel mit großer Entschiedenheit für den neuerdings erörterten Gedanken ans, die Eingeborenen der französischen Kolonien Afrikas zum Militärdienst heranzuziehen. Frankreich lönne danach in Afrika eine Armee von 300000 unvergleichlichen, treuen Soldaten ausheben, die gegebenen- falls jeder afrikanischen Macht die Stirn bieten würde. Er habe aber nicht bloß das Interesse Frankreichs, sondern auch das Afrikas im Auge. Man werde Afrika nur dann für die Zivilisation gewinnen können, wenn«nan es diszipliniere. Spanien. Ein ncner RegimulgSmord„ Barcelona, 13. September. Heute morgen ist ein Bürger- gardist, der vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden war, weil er auf Soldaten geschossen hatte, in der Festung Montjuich hingerichtet worden. Ein Protest. Paris, 13. September. Im Saale der wissenschaftlichen Gesell» schaft fand gestern abend ein P r o t e st m e e t i n g gegen die Reaktion in Spanien statt. Mehrere Redner, unter anderen Sebastian F a u r e, S y v e t o n usw., verlangten die Boykottierung spanischer Waren in Frankreich als Antwort auf die Verhaftung Ferrers. Es gelangte schließlich eine Tagesordnung zur Annahme, in der Einspruch erhoben wird gegen das Verhalten der spanischen Regierung bei den Unruhen in Barcelona. Der revolutionäre Journalist M a l a t o hat aus London die Meldung erhalten, daß ein Dokument besteht, welches die U n s ch u l d Ferrers bei den letzten Unruhen in Barcelona beweist. Grieckenlancl. Gegen die Offiziersdiktatnr. Athen, 12. September. Die Zeitung„Atnenai" veröffentlicht eine Unterredung mit dem früheren Ministerpräsidenten Theotokis in Corfn. Danach verurteilt Theotokis die Bewegung unter den Offizieren entschiede» und ist der Ansicht, daß die Kammer ans- gelöst werden müsse, damit das Volk seinen Willen bezüglich der Wünsche der Offiziere kundtue. Er, Theotvkis. wie seine Partei würden niemals siir die Abschaffung des Oberstloinmandos der Armee stimmen.—> perften. Russische Exzesse. Der»Neuen Freien Presse" wird au« TäbriS von persischen Poli- tikern telegraphiert: Trotz der Versicherung, welche die rnsfiiche Gesandtschaft dem persischen Kabinett und den Mächten erteilt hat. und trotz der Bürgschaft, welche die Konsuln Rußlands und Englands gegeben haben, hat die russische Militär- g e w a l t. statt ihre Angriffe einzuschränken, ihr illegitimes Eingreisen noch gesteigert. Nachdem die russischen Truppen während der Abwesenheit des Gouverneurs unter dem Vorwande, die öffentliche Ordnung aufrecht zu halten.' verschiedene Exzesse begangen hatten, setzen sie in seiner Gegenwart ihre HandluugSweise fort. Kürzlich entsendeten sie ohne Wissen des Gouverneurs eine Abteilung Kosaken und Soldaten mit zwei Geschützen nach Karadscha Dagh. um ihre Forderungen an Rahim Khan durchzusetzen. Sie nahmen eine beträchtliche Summe Geldes' an Entschädigung fort, griffen das Haus des Ali Khan in Karadscha an, plündert?» es und töteten seine Tochter. Der russische Konsul in KaSwin greift direkt in innere Angelegenheiten ein. Was den Grausamkeiten deö�Exschah entronnen ist, wird dieser Trclppen Beute.' Die Verzweiflung ist aufs höchste gestiegen. Wir gehen alle zugrunde. Die Anwesenheit der russischen Truppen verursacht eine fortwährende Anarchie. Im Namen der Menschlichkeit bitten wir um Hilfe und Befreiung. So suchen die Russen mit allem Mitteln neue Unruhen zu provozieren, um einen Vorwand für neue Eroberungen zu finden. Marokko. Ein ncner Anfftnnd. Tanger, 13. September. Nach einer Meldung auS Fes vom 10. d. M. haben die Stämme der Tsi>l»nd Riflta sowie die Stadt Taza, unzufrieden mit den ihnen auferlegten Steuern, Abder R h a m a n, einen Vetter des Rhogl, zu ihrem Oherhaupt aus- gerufen._ Buq der partcu ' Der Berein Arbeiterpresse hielt am Sonnabend, den 11. September, im Volkshaus« in Leip- zig seine 9. Generalversammlung ab. Den allge- meinen Geschäftsbericht erstattete Genosse Wurm. Die Witgliederzahl des Vereins ist ständig gewachsen. Sie betrug 1899 177, im vorigen Jahre 988, und ist gegenwärtig ungefähr aus 1000 gestiegen. Der Kassenbericht, den Genosse Rob. Schmidt erstattete, ist sehr ungünstig, Den Neiueiimahmeg von 3577 M. standen 4291,50 M. Ausgaben gegenüber, so daß ein Defizit von 714,50 M. zu verzeichnen ist. Um die Ausgaben zu decken, mußten von dem Vereinsvermögen 500 M. abgehoben werden. Das Defizit ist durch die hohen Ausgaben für das Jahrbuch des Vereins (1251,60 M.), für die Statistik vom vorigen Jahre(603,55 M.) und für dip Generalversammlung(818,60 M.) entstanden. Die Versammlung nahm deshalb einen Antrag des Vorstandes an, künftig die Generalversammlungen nur alle zwei Jahre tagen zu lassen. Hierauf kam die Gehaltsregulierung für die Gruppe II der Mitglieder(Angestellte in Expedition und Buch- Handlung) zur Verhandlung. Robert Schmidt begründete die Anträge des Vorstandes, die dahin gingdn, a» Stelle der bisherigen drei Ortsklassen deren nur zwei zu schaffen. Und zwar sollte für die Ortsgruppe I eine Skala ausgestellt werden, die mit einem Anfangsgehalt von 1500 M. beginnt und in zweijährigen Zulage» von je 150 M. in den ersten 12 Jahren bis 2400 M. und darauf in zweijährigen Zulagen von je 100 M. bis zum 18. Jähre zur Höchstgrenze von 2700 M. steigt. Für die Gruppe II wurde eine Skala beantragt, die mit einem AnfangSgehalt von 1800 M. be- ginnt, das alle zwei Jahre um je 200 M« also im 12. Jahre bis 3000 M. steigt, und dann durch alle 2 Jahre eintretende Zulagen von je 100 M. im 18. Jahre die Höchstgrenze von 3300 M. erreicht. In der Diskusswn.wurde« die vom Vorstande vorgeschlagenen Anfangsgehälter mit Rücksicht aus die gesteigerten Anforderungen als zu niedrig bezeichnet. Ferner wurde bemängelt, baß die Steige- rungssätze für die beiden Ortsgruppen verschieden bemessen werden sollten und entsprechende Berbesserungsanträge gestellt, die nach längerer Debatte angenommen wurden. Danach sollen für die in Expeditionen und Buchhandlungen Angestellten folgende Ge» hälter gefordert werden: Es werden zwei Lohnklassen gebildet, und zwar eiste höhere Lohnklasse I und eine niedere Lohnklasse II. Das AnfangSgehalt beträgt für die Ortsklasse I 2000 M., für die Ortsklasse II 1800 M. Für beide Klassen gilt gleichmäßig eine zweijährige Steigerung um 200 M., bis das Höchstgehalt von 3500 M. in der ersten und 3000 M. in ber zweiten Klasse erreicht wird. Die Beschlüsse sollen den Parteiverlagen zugestellt werden. Bestimmt wurde noch, daß die Mindestsätze fürmänn. liche und weibliche Angestellte gelten. Unterm 4. Punkt der Tagesordnung: Anträge der Mitglieder, wurde ein Antrag Fabians-Magdeburg angenommen, wonach der Vorstand beauftragt ist, bis zur nächsten Generalversammlung Arbeitsbedingungen für Arbeiter- und Partei» sekretäre auszuarbeiten. Es lag ferner ein von mehreren Delegierten nnterstützter An» trag vor, die Pensionssätze der U n te r st ü tz u n g s ve r- e i n i g u n g um 50 Proz. zu erhöhen, unter entsprechende« Steigerung der Beiträge, der in Form eines Wunsches dem Vorstande der Unterstützungsvcreinigung überwiesen werden soll. Der alte Vorstand, bestehend aus den Genossen E. Wurm, Rob. Schmidt, H. Schulz, M. Grunwald und Hans Block, wurde ein- stimmig wiedergewählt. Als Vorort für den Ausschuß wurde wieder Hamburg bestimmt.. Nach einmal die„Nußkija Wjcdvinosti". Die„Leipziger V o l k s z e i t u n g" antwortet auf die bei uns veröffentlichte Erklärung des.�Lerliner Vertreters des obengenannten Blattes: 1. Es ist unter den Russen allgemein bekannt, daß die Kadetten als legale Partei von der russischen Regierung nicht anerkannt sind, daß es also eine offizielle„Kadettenpresse" über- Haupt nicht gibt. Trotzdem ist natürlich die„Rußkija Wjedomosti" ein ausgesprochenes Kadettenorgan. Ihr von den Echtrussen ge, töseter Leiter, Hollos, war ein Mitglied der Kadettenfraktton ln der zweiten Duma. Auch die„Vossische Zeitung" ist ein von der Freisinnigen Partei„völlig unabhängiges" Blatt, und trotzdem ivürde sich jeder lächerlich machen, der deshalb bestreiten wollte. daß die„Vossische Zeitung" ein freisinniges Organ ist. 2. Die nichtswürdigen und gemeinen Angriffe der„Rußkija Wjedomosti" auf die Sozialdemokratie schafft man nicht dadurch aus der. Welt, daß man sie bestreitet, und was den Kampf der Kadetten gegen die Reaktion angeht, so vergleiche man die schon von uns erwähnte Rede Miljukows, des Parteiführers, in London, wo er ausdrücklich erklärte, die Kadettcnpartei denke gar nicht an eine prinzipielle Opposition gegen„Seine Majestät den Zaren". 3. Daß die„Rußkija Wjedomosti" die Auflösung des Kongresses für Fabrikhygiene entschuldigte, und zwar mit dem Vor, gehen der mit allen schuftigen Mitteln der russischen Regierung verfolgten Sozialdemokratie, bestreitet der treffliche Berliner Vertreter nicht. Es will ihm nur„unglaublich ericheinen". UnS auch! Nichtsdestoweniger ist es Wahrheit. Was nun die an- gebliche Mitarbeit der„aufrichtigsten Befürworter jeder Arbeiter- Wohlfahrt" an der„Rußkija WjedomSsti" angeht, so genügt eS. darauf hinzuweisen, daß kein einziger organisierter Sozialdemo- krat zu diesen Mitarbeitern gehört. Augenscheinlich gehären die „aufrichtigsten Befürworter jeder Arbeilerwoylfahrt" nach Ansicht dieser bürgerlichen Herren allen möglichen Parteien, nur nicht der Sozialdemokratie an. Schließlich tut es uns leid, dem treff- lichen Vertreter auch seine letzte Trumpfkarte aus der Hand schlagen zu müssen: Der„Fall" Totomjnnz(nicht Tostomianz). Totomjanz ist mal bei der„Neuen Zeit" einige Artikel über Italien losgeworden, Dadurch wird er noch nicht Sozialdemokrat. Mit der russischen Sozialdemokratie hat er nicht das geringste zu tun. Dagegen schreibt er für alle möglichen Zeitungen. Die „Neue Zeit" hat auch einmal Artikel von Rudolf Meyer, dem he- kannten preußischen Konservativen, gebracht, ohne daß er dadurch zum Sozialdemokraten wurde. Es bleibt also bei dem,>vas wir gesagt haben, und das „Berliner Tageblatt", das auch diesen Anlaß wieder benutzt, um ihren Schützling Bernstein vor der„Leipziger Volkszeitung" unter ihre Fittiche zu nehmen, kann sich wieder trollen. Erklärung. Im„Nachtrag" seiner Erklärung in Nr. 212 des„Vorwärts" hält Genosse B e r n st e i n seine Behauptung, daß auch die Ar- bciter-Bildungsschule einen Hungerboykott über ihn verhängt habe. aufrecht und behauptet sogar,„noch zu wenig" gesagt zu haben. Ich habe keine Ursache, von meiner in der Generalversammlung ab- gegebenen Erklärung— daß nie mglsim Auftrage oder m i t Einwilligung des Vorstandes mit dem Genossen Bernstein wegen Abhaltung von Vortragskursen für die Schule unterhandelt worden sei—- ein Wort zurückzunehmen. Daß mit ihm unverbindliche Besprechungen von Ge- »offen, die nicht dazu autorisiert waren, stattgefunden haben, ist schon in der Generalversammlung von mir gesagt worden. Der Vorstand hat eiste Lehrtätigkeit Bernsteins wohl einmal in Erwägung gezogen, die„Verhandlungen" sind aber abgebrochen worden, ehe sie noch eingeleitet waren; oder kann uns Genosse Bernstein d»« Vorstandsmitglied nennen, das ihm schrikt» lich oder mündlich einen Auftrag oder event. eine Absage erteilt hat? Die Absage wäre doch wohl bei einer perfetten Abmachung notwendig gewesen! Wegen Einzclvorträgen ist mehrfach mit Genossen Bernstein unterhandelt worden, und einen davon der auch später im Druck erschienen ist hat er auch in der Schule gehalten. Vielleicht»leldeu sich aber einmal die dem Genossen Bernstein so schnell und liebendswürdig beigesprungencn Zeugen, damit auch diese Bernstein-Legende gründlich zerstört werde» kann. Berlin, den 18. September 1909.,, Otto Geithner. Huq Induftrie und Dandel Starkes Ueberangebot von Banschlossern. Der Andrang von Bauschlossern am Arbeitsmarkt hat im laufenden Sommer eine Höhe erreicht, Wie sie der Andrang t» keiner einzigen anderen Bc- rufsgruppe aufzuweisen hat. Im Reichsdurchschnitt kamen nämlich nach dem Juliausweis auf je 100 offene Stellen 408 Arbeitsuchende'. Außerordentlich start war der Ueberfluß an Bauschlossern im West- lichen Jndustriebezirk. In der Provinz Westfalen kamen auf je 1SQ offene Siellea im Durchschnitt 800 Arbeitsuchende: ei ist ba Höchste AndranA, den irgendein Landesteil aufweist. Auch km Rheinland war die Arbeitslosigkeit sehr empfindlich; der Au- drang erreichte hier eine Höhe von 601 für je IM offene Stellen. Die Zahl der Arbeitsuchendem hat sich zwar im Laufe der letzten Monate etwas verringert, doch ist gleichzeitig auch die Zahl der offenen Stellen zurückgegangen. Außer Rheinland-Wcstfalen weisen auch Brandenburg mit Berlin, die Provinz Sachsen, Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau einen überaus hohen Andrang arbeitsuchender Bauschlosser auf; so kamen z. B. in der Provinz'Sachjen aus je 100 offene Stellen 487 Arbeit- suchende. In Hessen-Nassau erreichte der Andrang eine Höhe von rund 400. in der Provinz Brandenburg mit Berlin einen solchen von rund 350. Von den nichtpreußischen Landesteilen weisen vor- nehmlich noch Baden. Hessen und Elsatz-Lothringen einen sehr starken Andrang auf; in Baden stellte er sich auf 442. in Hessen aui ßM und in Elsaß-Lothringen aus 355. In Anbetracht der gewöhnlichen Höhe, die der Andrang in den erlvähnten Landes- teilen aufweist, ist er in Bayern, Königreich Sachsen und Württem- berg niedrig zu nennen; immerhin reicht er auch hier fast durchweg an LM heran._ Vorbereitung einer nenen russischen Anleihe. Wie die russischen Zeitungen berichten, niacht die Aufstellung des neuen Budgets dem russischen Finanzminister Kopfzerbrechen. Er be- müht sich vergebens, ein scheinbar möglichst geringes Defizit zu er- halten. Es steht aber schon jetzt fest, daß eine neue Anleihe un- umgänglich ist. Einige Tatsachen bestätigen es auch, daß von der russischen Regierung alle möglichen Maßnahmen getroffen werden, um den Boden für eine Anleihe vorzubereiten. Die berühmt ge- wordene Dumadeputation in London und Paris, die im Auslande verbreiteten Nachrichten von einer Wendung in der inneren Politik. ja sogar die„Auslieferung" Dubrowins, des Organisators des Attentats auf Herzenstein, an das finnische Gericht, all dies sagt dem Kenner der russischen Verhältnisse nur eins: die Negierung braucht Geld! Und noch wiel Wird doch der Berkauf der Nordbahnen an eine englische Gesellschaft ernst erwogen. Mit welcher Mühe hat einst die russische Negiening die Verstaatlichung der Bahnen durch- geführt uud nun sieht sie sich gezwungen, die Bahnen wiederum an Private zu verkaufen. So weit sind wir gekommen I Zu der Kategorie von Maßnahmen, die eine Anleihe ermöglichen sollen, gehören auch die übertriebenen Berichte über die gute' Ernte in Rußland. Wie weit entfernt in der Tat diese von einer guten Ernte ist. zeigt folgende Gegenüberstellung der Ernte von 1904 und der von 1907. Rußlands Ernte in Millionen Pud 1004 Ivos Weizen..... 1104 978 Roggen..... 1590 1141 Hafer...... 996 817 Gerste..... 460 484 Mais...... 40 77 Auch gegenüber der Ernte im vorigen Jahre weist die Roggen- ernte ein Minus von zirka IM Millionen Pud auf, während die Weizenernte bloß um 30 Millionen Pud höher ist. Dabei muß noch in Betracht gezogen werden, daß die Welternte eine ziemlich gute ist und daß infolge dessen oer Getreidepreis wohl sinken wird. Der Bauer, der jahrelang gehungert hat und in Schulden geraten ist, sieht sich nun gezwungen, sofort seine Ernte zu realisieren. Das Resultat ist, daß in Rußland auf den inneren Märkten ein Preissturz eingetreten ist. Kurz, weder der Bauer, noch die Regierung werden auS der„guten" Ernte großen Nutzen ziehen, und dabei steigen mit jedem Tage die StaatsauSgaben, während die Einnahmen immer mehr zurückgehen. ES ist in der Tat ein Problem, das dem russischen Minister Kopfzerbrechen verursachen kann.... Arbeitszeit durchzusetzen. Es Kurde darauf aufmerlsam gemacht, daß bei I. Guse Streikarbeiten gemacht werden. Es wurde be- schlössen, über die Hamburger Faßhandelsgesellschaft Witt u. Co. und über I. Guse die Sperre zu verhängen, bis die Forderungen bewilligt sind. In der Werkstätte der Witwe Giese ist der Tarii von 1906 anerkannt worden, so daß nach halbtägigem Ausstand weiter- gearbeitet wurde., Achtung, Sclterkutscher! Bei der Firma Chr. Lieh u. Co., Mineralwassersabrik. Charlottenburg. Röntgenstr. 3. sind Diffe- renzen entstanden. Der Betrieb ist für arbeitsuchende Kutscher gesperrt. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Verlin. Ocutfcbes Reich. Wieder ein christlicher Schwindel. Ein Waschzettel elendester Sorte macht gegenwärtig die Runde durch die christliche und Zentrumspresse. Er entstammt der„christ- liehen"„Textilarbeitcrzeitung" und enthält die Behauptung, der Deutsche Textilarbeiterverband sei finanziell bankrott und deshalb kampfunfähig. Es ist diese Darstellung ein Racheakt dafür, daß im„Textilarbeiter" das volksverräterische Verhalten des Zentrums und der dieser Partei angehörenden„christlichen" Arbeiter„ver° treter", insbesondere aber das Verhalten des Vorsitzenden des „christlichen" Textilarbeiterverbandes, Matthias Schiffer, bei der Finanzreform gründlich an? Licht gezogen wurde. Wie steht es in Wahrheit? Ein Vergleich der Mitgliederbewegung des„christlichen" mit dem Deutschen Textilarbeiterverbande vom Jahre 1901 bis zum Jahre 1908 zeigt schv, daß es nur der Verband deutscher Textil- arbeiter sein kann, der dem Unternehmertum den zähesten Wider- stand entgegenzusetzen in der Lage ist. Im Jahresdurchschnitt weisen beide Verbände folgende Mit- gliederzahlen auf: � Verband Verband „christlicher" deutscher Textilarbeiter Textilarbeiter 1901..... 13 273 28 836 1902..... 16 639 38 178 1903..... 16 557 54 720 1904..... 19 968 53 568 1905..... 27 390 66 957 1906..... 36 984 94 327 1907..... 41916 111 747 1908..... 37 561 116 403 Dieser die Mitgliederzahl de?„christlichen" Textilarbeiterver- bandes um mehr als da? Dreifache übersteigenden Mitgliederzahl des deutschen Verbandes entspricht auch seine Fiuanzkraft; da? beweist die Höhe der Wocheneinnahme beider Verbände. Dieselbe betrug itff Jahre 1908 bei dem: Verband„christlicher" Verband deutscher Textilarbeiter Textilarbeiter 10 344 M. 31 505 M. Heute, nach den erhöhten Beiträgen, beträgt die Wochenein- nähme des' deutschen Verbandes natürlich noch mehr. Und hier, hier in den laufenden Einnahmen einer Organisation, liegt der wichtigste Hebel ihrer Kraft. Denn eine Organisation, die für reichlichen Zufluß ihrer laufenden Einnahmen Sorge trug, büßt noch lauge nicht ihre Aktionskraft ein, wenn sie bei heftigen Kämpfen gezwungen ist, einen erheblichen Teil des aufgestapelten Kapitals zu opfern. Gewiß, das Jahr 1908 hat dem deutschen Ver- band schwere Kämpfe gebracht. Bei einer Einnahme von 1 638 298 Mark war er genötigt, zur Führung des wirtschaftlichen Kampfes seiner Mitglieder allein an Streik- und Gemaßregeltenuntersttitzung 1 197 167 M. zu verwenden. Aber ist das denn ein Zeichen der Schwäche? Nein, gerade das ist ein Zeichen dafür, daß der Deutsche Textilarbeiterverband diejenige Organisation ist, die durch ihre. starke Kasse in der Lage ist, dem Unternehmertum zähen Wider- stand zu bieten. Nett» zehnmal soviel wie der Verband„christ- sicher" Textilarbeiter hat der Verband deutscher Textilarbeiter im Jahre 1968 zur Führung des wirtschaftlichen Kampfes aufgewandt. Es zahlte im Jahre 1908 an Streik- und Gemaßregeltenunter- stützung der: Verband„christlicher" Verband dcuschcr Textilarbeiter Textilarbeiter 101 334 M. I 107 167 M. Und gehen wir zurück bis zum Jahre 1901 und sehen uns die Ziffern an, welche die Summe verkörpern, die beide Organisa- tionen jährlich an Streik- und Gemaßregeltenuntcrstützung ausge- geben haben, so entrollt sich uns über die wahrhaft b e- jammernswerte Ohnmacht des„christlichen" Textil Ärbeiterverbandes wie über die hervorragende Leistungsfähigkeit der freien Organisation folgendes interessante Bild. Es zahlten an Streik- und Gematzregeltcnunterstützung: (3e werk fcbaftli cbce. Bahnhofspolizei als Auskunftsbureau für Streikbrecher. Daß auch die P o l i z e i w a ch t st u b e auf dem Bahn- Hofe als Bureau für Streikbrecher nutzbar gemacht wird, zeigt die Lohnbewegung der Tischler und Maschinenarbeiter in Magdeburg. Von dort wird berichtet:„Der Oberste der hiesigen Streikbrecheranwerber, Billard- und Tischfabrikant Gustav Kindling, der ganz Deutschland mit seinen Streikbrecherinseraten unsicher macht, ließ einem Arbeitswilligen folgendes Schreiben zugehen: Magdeburg, k. 9. 09, Herrn Danzig. Zufolge gepflogener Rücksprache mit unserem Chef, Herrn Gustav Kindling, bitte ich mir auf beiliegender Postkarte mitzu- teilen, an welchem Tage und mit welchem Zuge Sie in Magdeburg eintreffen, damit ich entsprechende Dispositionen geben kann, daß Sie von jemand abgeholt werden. Sollten Sie vielleicht Wider Erwarten mit einem Nachtzuge eintreffen und von jemand gefragt werden, ob Sie Tischler sind, dann bitte ich dies zu ver- neinen und sich behufs Auskunft an die auf dem Bahnhof bestehende Polizeiwacht st übe, Bahnsteig 4, zu begeben, dort wird Ihnen die nötige Auskunft erteilt. Am allerliebsten wäre es mir, wenn Sie am Tage an- kommen, damit Sie von jemand meiner Leute abgeholt werden können. Ihren geschätzten Nachrichten entgegensehend, zeichne Hochachtungsvoll p. Magdeburger Billard- und Tischfabrik Gustav Kindling E. Ganda. Interessant ist die Vielseitigkeit der Polizei. Nach diesem Schriftstück hat die Bahnhofspolizei ein Auskuuftsbureau der Tischlermeister Magdeburgs für Streikbrecher eingerichtet. Lerlln und Umgegend. Den Ausstand der Böttcher in der„Vereinigten Hamburger Faßhandelsgesellschaft Witt u. Co." behandelte eine Versammlung des Verbandes der Böttcher, die am Sonntag im Gcwerkschafts- Hause stattfand. Zur Regelung des Arbeitsverhältnisses in der Berliner Filiale der genannten Firma waren eine Reihe Forde- rungen gestellt worden. Unter anderem wurde gefordert ein Lohn- aufschlag pon 2,50 Mk. pro Woche und daß die tägliche Arbeitszeit nur 9 Stunden, statt QVi Stunden, ausschließlich der Pausen, be- tragen soll. Sonnabends soll eine halbe Stunde früher Feierabend sein. Andere Forderungen beziehen sich auf Ucbcrstunden, äuf Eß-, Umkleide- und Waschräume usw. Auch wurde die Anerkennung des Verbandsnachweises verlangt. Die Kutscher der Firma haben ebenfalls Forderungen gestellt. Der Bescheid des Hauptgeschäfts erging dahin, daß die Festsetzung der Arbeitszeit auf 9 Stunden abgelehnt wurde. Als Lohnzulage wollte die Firma den Böttchern nur 25 Pf. pro Tag, also 1,50 Mk. pro Woche bewilligen. Ein heizbarer Raum für die Mahlzeiten soll zur Verfügung gestellt werden. Bezahlung der in die Woche fallenden gesetzlichen Feier- tage wurde zugesichert. Eventuell wollte der Berliner Vertreter noch den Arbeitsnachmeis anerkennen. Weitere Zugeständnisse wurden nicht erzielt, so daß die Arbeitsniederlegung erfolgte. Tie Kutscher legten ebenfalls die Arbeit nieder. Spätere Verhand- lungen mit dem Hamburger Vertreter des Geschäfts hatten auch keinen Erfolg. Sie scheiterten hauptsächlich daran, daß die neun- stündige Arbeitszeit nicht bewilligt wurde. Die Kutscher, denen einkleines Zugeständnis gemacht wurde, haben im Einverständnis mit den Organisationen die Arbeit kürzlich wieder aufgenommen. Der' Streik der Böttcher dauert fort. In. der Dis- kussion wurde mehrfach betont, daß versucht werden müsse, durch Fortsetzung des Kampfes auf jeden Fall auch die neunstündige____________ Verantw. Redakteur: Emil Unger. Berlin. Inseratenteil verantw.: Ttz.Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u, VerlagSgnftalt Paul Singer Lc Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen«.NnterhaltungShl� Der Deutsche Textilarbciterverband wandte also in den acht Jahren kbbmal soviel für den wirtschaftlichen Kampf seiner Mit- glieder auf wie der„christliche" Textilarbeitcrverband. Noch beut- licher tritt die finanzielle Kraft des deutschen Verbandes gegenüber der entwickelten Ohnmacht des„christlichen" Textilarbeiterver- bandes hervor, wenn wir die Summen, welche die Verbände bei Streik- und Maßregelung zahlten, pro Kopf der Mitglieder be- rechnen. Es ergibt sich dann folgendes Verhältnis: Es zahlten bei Streik und Maßregelung pro Kopf der Mit- glieder: Verband Verband „christlicher" deutscher Textilarbeiter Textilarbeiter 1901... 0.78 M. 3.05 M. 1902... 2,65„ 6.63, 1903... 1,85„ 19,52.. 1904... 0,77„ 1,88„ 1905... 6,22„ 10,59„ 1906... 5,78„ 3,48, 1907... 1,87. 7,30. 1908.., 2,69„ 9,51„ Im Durchschnitt pro Jahr 2,80 M. 7,74 M. Nachdem wir diese Zahlen der beiden Organisationen reden ließen, können wir mit der größten Gelassenheit ausrufen: Textil- arbeiter und-Arbeiterinnen, prüfet und wäget! Welche Organi- sation vermag dem organisierten Unternehmertum den sichersten Widerstand zu bieten? Welche Organisation kann Eure Wirtschaft- lichen Interessen am besten vertreten? Die Antwort muß lauten: „Der Verband deutscher Textilarbeiter." Tliisland. Glasarbeitcrstrcik in Brasilien. Wie uns ein Telegramm aus San Paulo meldet, ist in Brasilien ein Generalstreik der Glas- arbeiter ausgebrochen. Es werden Streikbrecher in Deutschland gesucht. Zuzug ist deshalb fernzuhalten SozialderooMschel'(Parteitag in Leipzig. (Schluß aus der 2. Beilage.) Mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit wirb auf Vorschlag von Singer nicht in die Beratung des dritten Punktes getreten, sondern Punkt 7 der Tagesordnung: Internationaler Kongreß in Kopenhagen zur Debatte gestellt. Berichterstatter Singer: Es wäre gegenüber der Betätigung der Sozialdemokratie an allen internationalen Veranstaltungen überflüssig, über die Frage der Beschickung des Kongresses zu debattieren. Ich halte die Be- schickung für ganz selbstverständlich. Ueber die Tätigkeit des inte» nationalen Bureaus sind Sie unterrichtet, seine Tätigkeit war in den letzten Jahren ziemlich fruchtbar, es wurde in?lnspruch ge- nommen, Differenzen in unseren Bruderparteien zu schlichten. Daß es das getan hat, ist verdienstvoll. Diese seine Tätigkeit wird Gegenstand der Förderung des nächsten Kongresses sein. Das inter- nationale Bureau wird mehr und mehr Zentrale der internatio- nalcn Bewegung, von ihm aus wird die Ausführung der Beschlüsse der internationalen Kongresse vorbereitet und die Tagesordnung der internationalen Kongresse aufgestellt. Einen besonderen Anlaß, die Tagesordnung des nächsten Kongresses zu beeinflussen, haben wir im Augenblick nicht. Sie können Ihren Delegierten im Bureau vertrauen, daß sie das Erforderliche tun. Ich schlage Ihnen also vor, den nächsten internationalen Kongreß in Kopenhagen zu be« schicken. In Stuttgart 1907 waren wir durch 300 Delegierte vertreten. 150 von der Partei, 150 von den Gewerkschaften. Eine solche Eini- gung zwischen Partei und Gewerkschaften halte ich auch jetzt wieder für praktisch, nur braucht die Zahl nicht so groß zu sein. Ich schlage vor, daß die Partei und die Gewerkschaften den Kongreß gleichmäßig beschicken und daß sich Parteivorstand und General- kommission über die Zahl verständigen. Den Antrag 239, wonach zugleich mit dem Kongreß eine internationale Kon- ferenz der Bildungsaus schüsse stattfinden soll, können wir hier nicht annehmen, wir können ihn nur unseren Delegierten zum Internationalen Bureau auf den Weg geben, aber ich ver- hehle nicht, daß die Zeit dazu noch nicht gekommen ist.(Sehr richtig!) Wir wollten seit Jahren ein internationales Preßbureau gründen, aber auch daS war bisher nicht möglich. Ich fürchte, daß wenn der Parteitag die Anregung sanktioniert, sie von �inem Ge- wicht getragen wird, das in keinem Verhältnis zu den praktischen Erfolgen steht. Deshalb können wir den Antrag höchstens den deutschen Delegierten zum Internationalen Bureau überweisen. Durch den Beschluß, den Kongreß zn beschicken, geben wir aufs neue unserem internationalen Gefühl Ausdruck; wir erklären da- mit aufs neue, daß der Kampf gegen den KavitalismuS, gegen die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen nur siegreich auf internationalem Wege geführt werden kann. Wir folgen nur dem Leitstern„Proletarier aller Länder vereinigt Euch!", wenit wir di« Beschickung des Kongresses beschließen. Ich hoffe Und wünsche, daß der Kongreß, auf dem wir Gelegenheit haben, unseren dänischen Genossen für den uns unter dem Sozialistengesetz ge- währten Schutz Dank auszusprechen, zahlreich von Uns besucht wird, und daß der Kongreß sich seinen Vorgängern würdig an die Seite stellt.(Lebhafter Beifall.) Der Antrag 239 wird nicht genügend unterstützt. Dr. Dnvid-Mainz regt an, daß dafür gesorgt wird, daß die Berichte des Internationalen Bureaus in Zukunft nach einem be- stimmten Schema abgefaßt werden, damit man daraus einen Ueber- blick über den Stand der Organisation in den einzelnen Ländern gewinnen kann. In seinem Schlußwort verspricht Singer, daß die Delegierten zum Internationalen Bureau dieser Anregung Folge leisten werden. �. Es wird beschlossen, den Internationalen Kongreß in Kopenhagen gleichmäßig durch die Partei und die Gewerkschaften zu beschicken. Die Festsetzung der Zahl der Delegierten soll dem Parteivorstand und der Generalkommission überlassen bleiben. Punkt 7 der Tagesordnung ist damit erledigt. Die weiteren Verhandlungen werden auf Dienstag vertagt. Schluß 7 Uhr._ Hus der frauenbewegung. Ein Dienstboteilstrcik. Das Diensipersoual des EinküchcnhauseS in der Wilhelmshöher- straße 17— 20 in Friedenau hat am Sonntag abend die Arbeit niedergelegt und ist in den Streik getreten. Am 11. d. MtS. hat die Zwangsversteigerung des Einküchenhauses stattgefunden, wobei die Freunde deS früheren Begründers deS EinküchenhanseS, des Herrn Dr. Koch, Meistbietende geblieben sind. DaS Personal, welches bis dahin zum gerichtlichen Verwalter im Dienstverhältnis stand, konnte sich mit den neuen Eigentümern nicht einigen und hat bis auf eine fromme Köchin die Arbeit niedergelegt. Von Montag mittag an werden die Bewohner des Einküchenhauses offenbar auf die Restaurants angewiesen sein. In Streik getreten sind die Direktrice, die Tele« phonistin, sämtliche Stuben- und Küchenmädchen. Bereits Montag- morgen wurde das Frühstück den Mietern durch einen Nachtwächter der Wach- und Schlietzgesellschaft zugetragen. Die Löhne sollen bei reichlicher Arbeitsleistung, die denkbar niedrigsten gewesen sein. Die durchweg den besser gestellten bürgerlichen Kreisen angehörenden Mieter sind bereits arg besorgt, daß durch die bescheidenen Mehr» fordcrungen der„dreisten" Dienstboten sich ihre Pension etwa erhöhen könnte. Für die Organisation der Dienstboten dürste dieses kleine Regen der unter der herrlichen Gesindeordnung ge« knechteten HauSsklaben von großem Interesse sein. Besonders in Friedenau, einem der schönste» der westlichen Vororte, dürfte für die junge Organisation ein weites Feld sein, wenn man den HauS- angestellten ihre Lage an Hand der jüngsten Votkomninisse, des Selbstmordes eines jungen Dienstmädchens bei einem Ober» postinspektor und den sich ihrer Klassenlage bewußt werdenden Mädcheiv des EinküchenhauseS, vor Augen führt. Ob die Dienstboten dann endlich erkennen, daß alle Hilfe nur von einer straffen Or« ganisation zu erlvarten ist?> Leseabende. Wilmersdorf. Der nächste Leseabend findet am Freitag, den 17. September, abends 8% Uhr, im Gesellschaftshause. Wil- helmsaue 112, statt. Frl. Grete Liepmann wird Freiligraihs Leben und Werke behandeln. Letzte ISfachricbtcn und Depefeben. WrightS letzter Flug. Berlin, 13. September.(B. H.) Günstige Windverhältniffe vorausgesetzt, wird morgen Dienstag, den 14., der letzte Flug Orville Wrights auf dem Tempclhoscr Felde stattfinden. Opfer deS Militarismus. Die„Halberstädter Allg. Ztg." meldet: Im Manövergelände starben bei Benziugcrode vier Infanteristen, bei vagerse zwei Husaren am Hitzschlag. Lnndsbcrg a. W., 13. September.(B. H.) Bei den Manövern deS Gardekorps in der Nenmark find vier Man» am Hitzschlag ge» starben. Kr. 214. 3ß. Jahrgang. 1. KnlU Ks Jitiirts" Kerlim MM Dienstag, 14. Zeptelnber MS. Zo�ialäemokratiicher Parteitag in Leipzig. Vorversammlung. Sonntag, den 12. September, abends 9 Uhr. Im großen Saale des Volkshauses in der Zeitzer Straße fand heute um 7 Uhr abends die feierliche Eröffnung des Parteitages statt. Bereits mehrere Stunden vorher strömten festlich bewegte Scharen durch die freundliche Zeitzer Straße, deren saftiges Pia- tanengrün der vorgerückten Jahreszeit zu trotzen scheint, dem prächtigen Monumentalbau zu, der in seiner kraftvollen Schönheit sich wie eine Verkörperung des unermüdlichen und unverzagten Leipziger Proletariats ausnimmt. Die Arbeiterschaft der großen sächsischen Handels- und Industriestadt, deren Namen unlöslich verwebt ist mit der glorreichen Geschichte der deutschen Arbeiter- bewegung, hat es verstanden, dem 20. Parteitag, den die deutsche Sozialdemokratie seit dem Ende des Schandgesetzes abhält, einen eben so würdevollen wie herzerfreuenden Empfang zu bereiten. Freundliches Grün umrahmt den schlichten Willkommengruß über dem stattlichen Hauptportale des Volkshauses. In dem durch die würdige und zweckentsprechende Raumgliederung doppelt imposant wirkenden Riesensaale, der für die Verhandlungen des Parteitages bestimmt ist, sitzen die zirka 350 bereits angekommenen Delegierten und die Genossen und Genossinnen Leipzigs, soviele ihrer Platz fanden. Schon vor 0 Uhr war der Saal gefüllt und bald nachher war auch auf den geräumigen Galerien kein Platz mehr zu finden. Aus dem rotdekorierten Halbrund der Bühne schauen neben der Statue der Freiheit die Büsten Laffalles und Liebknechts auf das Gewimmel im Saale herab. Die Jahreszahl 1863 gemahnt an die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, die im Pantheon zu Leipzig am 23. Mai 1863 erfolgte, nachdem ein paar Monate zuvor an Leipzigs Arbeiter das Offene Antwortschreiben Ferdinand Lassalles ergangen war. Zur Linken der Bühne flattert das Banner des Gewerblichen Bildungsvereins aus dem Jahre 1861, das die ersten tastenden Organisationsversuche des noch nicht zum Klassenbewußtsein durchgedrungenen Proletariats versinn- bildlicht, während die rechts von der Bühne flatternde Gewcrk- schaftSfahne der Steinhauer aus dem Jahre 1862 auf die Anfänge gewerkschaftlicher Bewegung hindeutet. Punkt 7 Uhr leitete kraftvoller Männergesang die VerHand- lungen ein. Die Rühleschen Chöre, die Arbeitergesangvereine von Leipzig und Umgegend, weckten durch den formvollendeten Vortrag des Festgesanges von Paul Kurz„Krönt den Tag" die Begeisterung der Versammlung. Als die Töne verhallt sind, ergreift das Wort Lipinski-Leipzig: Werte Genossinnen und Genossen! Zwei Zahlen bilden Marksteine in der Geschichte der Parteibewegung Leipzigs: das Jahr 1863, das Geburtsjahr der deutschen Sozialdemokratie, und das Jahr 1909, in dem zum ersten Male Leipzig den deutschen Parteitag begrüßen kann. Wie in ganz Deutschland, so war auch in Sachsen nach 1849 jedes organisatorische Leben lahmgelegt, und erst später zeigten sich schüchterne Organisationsversuche, und zwar zunächst im Zu- sammenhang mit bürgerlichen Bestrebungen in Leipzig. Ein stummer Zeuge aus jener Zeit ist die Fahne dort, die von dem Ge- werblichen Rildungsverein aus dem Jahre 1861 stammt. Daß auch die gewerkschaftliche Bewegung anfing, kleine Wellen zu schlagen, beweist das Pendant auf der anderen Seite, die Gewerkschaftsfahne aus dem Jahre 1862. Aber alle diese Organisationsbestrebungen waren auf Leipzig beschränkt. Erst am 25. Mai 1863 tagte zum ersten Male ein Kongreß, der das Bestreben verfolgte, nicht die Arbeiter einer Stadt, sondern ganz Deutschland in eine Organi- sation zu vereinigen. Der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein wurde an diesem Tage begründet. Zehn Delegierte aus verschie- denen Städten hatten sich eingefunden, und Lassalle war es, der am selben Abend noch in einer Nachtversammlung in Leipzig sprach. Dies Jahr 1863 ist das Geburtsjahr der deutschen Sozialdemokratie geworden, und aus dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein hat die große mächtige deutsche Sozialdemokratie sich entwickelt, die das politische Leben aller Länder beeinflussen sollte. Bis dahin ließen die Arbeiter sich am Gängelbande des Bürgertums leiten. Mit dem 23. Mai 1863 aber gingen sie zu selbständigem politischen Leben über. Leider fehlt heute unter den Delegierten einer, der kleines femUeton. Theater. Freie Volksbühne(im Residenz-Thcater): Musotte. Schauspiel von Guy de Mau Passant und Jaques Nor- m a n d. Die Frage, ob Maupassant dramatisches Talent besessen habe, bedarf im Hinblick auf die häufig in dramatischer Form gegebene Hauptentwickelung seiner Romano sowie verschiedene Fabliaux und Dtalognovellen keiner Beantwortung. Er selbst dachte freilich recht verächtlich von der Tätigkeit für die Bühne: „diesem pseudoliterarischcn Schacherhairdel", wie er an die Mutter im November 1887 schreibt.„Ich werde es"— sagt er weiter— „mit dem Theater versuchen, das ich als einen Erwerbszweig an- sehe, um meine Bücher ganz nach meinem Gutdünken zu schreiben, ohne mich im mindesten darum zu bekümmern, ivas aus ihnen wird." Er betrachtete das Theater lediglich als„Goldgrube", und er machte daraus kein Hehl, daß es ihn„langweile", daß«r sich „nie entschließen" könne,„die Stücke der anderen anzusehen. Das ist nicht dazu angetan", schreibt er einmal,„mir Lust zu verleihen. mich meinerseits heranzumachen." Abgesehen von einigen Jugend- versuchen, hat er denn auch kein eigentliches Theaterstück mehr ge- schrieben. Was da ist, sind ausschließlich Dramatisierungen von wenigen seiner Novellen, wobei Jaques Normand und sein Jugend- freund Pinchon seine gelegentlichen Mitarbeiter waren. Was nun das Schauspiel„Musotte" angeht, so ist es die Dramatisierung der Maupassantschen Novelle„L'enfant"(das Kind). Alexander Dumas gewidmet, wurde es zuerst aufgeführt am Pariser Ginn- nasc-Theater. den 4. März 1891, später auch mehrfach in Deutsch- land gegeben. In der vorgenannten Novelle handelt es sich einfach um ein verblüffendes„Tableau". Am Abend seines Hochzeits- tgges wird ein junger Ehemann ans Sterbebett seiner längst ver- lassenen Geliebten gerufen. Er kehrt mit dem Kinde, das diese soeben geboren und ihm, dem Vater, als„Vermächtnis" hinter- lassen hat, zu seiner jungen Frau zurück. Das Ganze hat einen fast humoristischen Anstrich. Es ist ein Kontrastbild des Lebens: Hier das junge Paar, dort schon das 5lind dazu! Ganz anders im Stück: da bildet die ganz neue, breit ausgemalte Szene zwischen der sterbenden Geliebten und dem jungen Ehemann den Hauptakt des Dramas. Dagegen wird man fast den ganzen ersten Akt, der nur ersonnen wurde, um die Voraussetzungen der Gc- schichte erst zu schaffen, sowie den dritten Akt, der dazu da ist, um den nachfolgenden Widerstand der jungen Frau gegen eine Weiterführung der noch gar nicht angefangenen Ehe zu brechen, teils als wenig interessant, teils als überflüssig erachten müssen. Trotzdem— der Mittelakt ist ein psychologisches Meisterstück, gleich larmoyant wie erschütternd und Maupassants, des tiefgründigen Dichters, würdig. Die Rolle der Musotte— keine leichte Aufgabel — wird hier von Frida Keppler rührend und realistisch wahr gegeben. Ihr Gegenpol, Frau von Rouchard, die typisch vornehme Dame aus der sogenannten höheren Gesellschaft, hat in Marie L e u ch t mayn Me sichere TgrstMexjn. Lnjer den Pertretern mehr als andere an dem politischen Leben Leipzigs regen Anteil genommen hat. Der Genosse Bebel weilt zurzeit noch nicht auf dem Parteitage und in Leipzig, aber sein Name ist mit der Ent- Wickelung der Leipziger Arbeiterbewegung aufs engste verknüpft. Ein Berufenerer wird nach mir auf die Geschichte der Leipziger Arbeiterbewegung eingehen, die in allen iyren Entwickelungs- Phasen identisch ist mit der deutschen Arbeiterbewegung. Wenn der Parteitag erst heute in Leipzig stattfindet, dem Ausgangspunkt der Bewegung, so liegt das an den Zuständen Leipzigs und ganz Sachsens. Wo immer von Polizeiwillkür und Polizcimaßnahmcn die Rede war da tourde Sachsens gedacht, und wie sehr wir auch den Wunsch hegte», in Leipzig einen Parteitag abzuhalten, so mußten wir doch bedenken, dag der hier wütende Parteigcist den Parteitag evtl. zwingen könnte, über die nahe preußische Grenze zu gehen. Dieses Opfer wollten wir der Partei nicht zumuten und wir verzichteten auf einen Parteitag in Sachsen, bis wir ihm einen besseren Boden bereiten konnten. Der Dresdener Parteitag blieb unbehelligt; die Polizei wollte sich offenbar nicht noch einmal international blamieren. Jeden Fußbreit unseres Rechtes, haben wir der Polizei, der Behörde, der Staatsrcgierung in mühevollem Kampfe abgerungen. Als die Sozialdemokratie sich anschickte, in die Stadtverordnetenversammlung einzuziehen, da beseitigte die Leipziger Bourgeoisie das allgemeine Wahlrecht, führte das Drei- klassenwahlrecht ein und versuchte noch dazu, durch Wahlkreis- gcometrie die dritte Wählerklasse um ihren letzten Einfluß zu bringen. Es hat der Bourgeoisie nichts genutzt. Trotz der Wo" entrcchtung zählt die Sozialdemokratie 19 Stadtverordnete im städtischen Parlament und 240 Gemeindcvertrcter. Der Polizei geist hat sich etwas zum Besseren gewendet. Ein schlagendes Bei spiel von der Veränderung der Situation gab die Wahlrechtsdcmon- stration am 1. November v. I., zu der uns die städtischen Behörden den Meßplatz zur Verfügung stellten. Auf diesem Meßplatz hat eine Demonstration stattgefunden, die alle unsere Erwartungen weitaus übertraf, eine Demonstration von nahezu 80 000 Menschen für das allgemeine Wahlrecht. Im Jahre 1863 gehörten 10 Mann in Leipzig dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein an. Die da verzagen wollten, die berücksichtigten nicht, daß der Arbeiter wohl langsam sich neuen Ideen zuwendet, aber dann mit um so unerschütterlicher Ueberzeugung an ihnen festhält. Heute haben wir, wie der Vorstandsbericht ergibt, 600 600 organisierte Sozialdemokraten in Deutschland; über 3 Millionen Stimmen sind 1907 für uns abgegeben worden, und die letzten Nachwahlen haben gezeigt, daß die 1907 angeblich niedergerittene Sozialdemokratie fröhlich wcitermarschiert. Leipzig hat starken Anteil an diesem Aufschwung genommen, haben wir doch allein in Leipzig und seinen Vororten am 1. Juli 27 189 Mitglieder gezählt, darunter 3800 Frauen. 64 Bibliotheken mit 360 000 Bänden bestehen im Leip- ziger Bezirk, und die über 121 000 Entleihungcn in einem Jahr beweisen, daß die Bücher nicht nur im Schranke stehen.(Lebhafter Beifall.) Im kleine» zwölften Wahlkreis haben wir eine eigene Zentralbibliothek mit einem besonderen Lesesaal; vor drei Jahren haben wir ein Arbeiterbildungsinstitut geschaffen, das für künstlerische Theatervorstellungen und für die geistige Ausbildung eines Teiles der Arbeiter sorgt. Die Bildungskurse haben die er- freulichsten Resultate gezeitigt. Imposante Einnahmen crmög- lichen uns die Erfüllung der großen Aufgaben und auch der Partei- vorstand ist von uns nicht spärlich bedacht worden. Die rege Wechselbeziehung zwischen Partei und Gewerkschaft bringt zum Ausdruck, daß die Arbeiterbewegung in Leipzig eins ist. Noch ein Wort über den Saal hier, in welchem Sie tagen. In dem großen Stadtbezirk Leipzigs mit über 300 000 Einwohnern standen uns kaum ein halbes Dutzend Säle zur Verfügung, Durch unablässigen Kampf hat die Arbeiterschaft erreicht, daß uns jetzt im Stadtkreis Leipzigs mehr als 70 Säle zur Verfügung stehe». Die Saalfragc war damit zunächst gelöst, aber es hieß weiter für die Zukunft sorgen. Es mußte verhindert werden, daß je die Tätigkeit der Gewerkschaften lahmgelegt werden könnte. Auch Leipzig ist nicht von der Krise verschont worden, aber diese hat nicht verhindern können, daß 58 000 Arbeiter bei der Gewerkschafts- sahne geblieben sind.(Lebhafter Beifall.) Auch die politische Or, ganisation hat ihre Mitgliederzahl behalten trotz der starken Fluktu- ation der Großstadt. Aus allen diesen Erwägungen heraus ging die Arbeiterschaft Leipzigs an die Errichtung eines eigenen Heims. Am 12. April 1904 wurde das Grundstück erworben und gleich darauf mit dem Bau begonnen. Ohne unser Zutun wurde Leipzig fiir den diesjährigen Parteitag ausersehen. Wir haben nicht ab- gelehnt; ich erklärte in Nürnberg:„die Leipziger Arbeiterschaft wird sich bemühen, dem Parteitag eine gastliche Stätte zu bereiten. männlicher Rollen bietet wohl Hermann S e l d e n e ck als Advokat Leon de Petitpre die trefflichste Leistung. Nächst ihm sind Emil Kühne(Maler Martine!) und Richard Georg(Schiffsreeder Martine!) zu nennen. Als Ganzes ergibt sich eine gut abgerundete Vorstellung, obzwar man merkt, daß diesem Schauspielerensemble ein pikanteres Genre doch näher liegt. c. lc. Lessing-Theater:„Die Gefährtin", Lustspiel in einem Akt von Arthur Schnitzler. Die geistvoll durchdachten und lebenswahr aufgebauten Einakter gehören heute zu den Seltenheiten unserer Bühnen. Desto mehr ist die Aufführung des Schnitzlerschen Stückes am Lessing-Theater zu begrüßen, wenn es sich auch nicht gerade um eine Erstaufführung im eigentlichen Sinne des Wortes handelt(das Schauspiel ist etwa vor einem Jahrzehnt bereits in Berlin gegeben worden). Das Stück behandelt die ehe- liche Untreue von feiten der Frau. Er aber, der um zwanzig Jahre ältere, verdammt nicht; auch dann nicht, als er in Er- fahrung gebracht, daß sein bester Freund ihm die Liebe der Gattin gestohlen. Nur als er hört, daß der Liebhaber der Verstorbenen sich just an ihrem Todestage verlobt habe, da tvallt in ihm ein jäher Zorn über diesen Verrat empor. Aber auch der legt sich, nachdem ihm die Freundin der Toten mitgeteilt, daß diese bereits bei Lebzeiten um die Verlobungsabsichten dessen gewußt, der ihre Gunst genossen. So endet das Stück mit einem wehmüftg-vcr- zeihenden Ausklang. Zu dem starken Erfolge des Einakters trug im wesentlichen Oskar Saucrs(Professor Pilgram) fein abgetöntes Spiel bei. In jede Geste und in jedes Wort wußte er so viel Lebenskunst und so hohen Seclenadcl zu legen, daß er auch den letzten Zuschauer ganz in den Bann seines gewaltigen Könnens zwang. Neben seiner Prachtleistung verblaßte das Spiel der anderen Darsteller, von denen wir nur noch Mathilde Sussin nennen wollen, die als Olga Marholm. die Freundin der Toten, sich dezent und sympathisch zu geben verstand. Dem Schnitzlerschen Einakter folgte eine Neueinstudierung von Gerhart Hauptmanns Traumdichtung„H a n n e l e s H i m m c l f a h r t", in der besonders Ida O r l o f f in der Titel- rolle glänzte. Auch dieses Stück übte eine große Wirkung aus das Publikum aus.-n. Musik. Die neue„V o l k s- O p e r" im früheren Bclle-Alliance- Theater eilt von Einstudierung zu Einstudierung weiter. Am Sonnabend wurde mit L o r tz i n g s„Zar und Zimmer- mann" ein hübscher Fortschritt über den Anfang hinaus er- reicht. Des Direktors M. Alfieri nächste Bundesgenossen: Oberregisseur B. GlesinAer und Kapellmeister G. Enders, verdienen in erster Linie Anerkennung. Wohl die meiste künstle- rische Freude bereitete Helene Hesse als Marie. Endlich also jemand, der nicht nur gut singt, sondern auch gut spricht und mimtl Im übrigen scheint doch für die genannten drei Führer der Künstlerschar manche nicht allzu schwere Bemühung übrig zu bleiben. Noch immer stehen Chor und Solisten manchmal ionzert- mäßig da, und wen» Sänger, wie Hans Arnold als Zar, (Lebhafter Beifall.) Anfang Mai dieses Jahres wurde der Bau begonnen, alle Beteiligten haben alles vorangesetzt, es zu ermög- lichen, daß wir den Parteitag in eigenen Räumen begrüßen können. (Stürmischer Beifall.) So bitten wir Sie, über einige Rückstände freundlichst hinwegsehen zu wollen. Und nun noch eine persönliche Note. Die Leipziger sind immer so etwas anrüchig in der deutschen Arbeiterbewegung(Heiter- keil). Das kommt daher, weil wir in Leipzig bemüht gewesen sind, eine grundsätzliche Politik zu treiben. Dadurch haben wir es natürlich mit sehr vielen häufig verdorben. Aber nachdem Sie hier eingekehrt sind, nachdem Sie die Leipziger einmal persönlich kennen gelernt haben, werden Sie finden, daß es doch ganz nette Kerle sind, mit denen sich auskommen läßt.— Im Namen des Lokalkomitees und der organisierten Arbeiterschaft biete ich den Vertretern der deutschen Sozialdemokratie und ihren Gästen ein herzliches Willkommen. Möge die Tagung dazu beitragen, die Organisation zu festigen und zu neuem Bormarsch die Waffen zu liefern!(Lebhafter, anhaltender Beifall.) Hierauf ergreift das Wort Singer(mit stürmischem Beifall begrüßt): Werte Genossen und Genossinnen I Ich möchte mir zunächst gestatten, dem Vorredner für seine freundlichen, warmen Be- grüßungsworte herzlichen Dank abzustatten. Wie er mit einer persönlichen Note geschlossen hat, so möchte ich um die Erlaubnis bitten, mit einer persönlichen Note anfangen zu dürfen, und zwar muß ich erklären, daß ich. den lebhaften Wunsch gehabt habe, daß heute an dieser Stelle ein anderer die Eröffnungsrede zu Ihnen halten könnte. Wir alle haben gehofft, daß unser ver- ehrter August Bebel dazu in der Lage sein würde. Er selbst hat mit vollem Eifer sich dieser Hoffnung hingegeben, und ich bin überzeugt, er betrachtet es als ein widriges Geschick, daß es ihm aus Gesundheitsrücksichten versagt ist, heute hier zu erscheinen. Aber ich darf an diese, gewiß von uns allen und von mir am meisten bedauerte Tatsache die erfreuliche Mitteilung knüpfen, daß ich nach den letzten mir zugegangenen Nachrichten mit Sicher- heit die Hoffnung aussprechen darf, daß wir unseren August Bebel in den nächsten Tagen hier begrüßen dürfen.(Lebhafter Bei- fall.) Parteigenossinnen und Parteigenossen! Dem Dank an die Begrüßuugsworte des Vorredners muß sich anschließen der Aus- druck der Freude und des Glückwunsches an die Leipziger Ge- nassen, daß es ihnen möglich gelvescn ist, dem deutschen Parteitag in diesen schönen, glänzenden Räumen einen Willkommensgruß zu bieten.(Bravo I) Wir alle wissen die energische Arbeit zu schätzen, die die Leipziger Genossen daran gesetzt haben, und wir sind ihnen aufrichtig dankbar dafür, um so mehr, als es zum ersten Mal den Leipzigern vergönnt ist, die deutsche Sozialdemo- kratie auf einem Parteitag bei sich vereinigt zu sehen. Leipzig. ist klassischer Parteiboden, von Leipzig aus ist ein Strahl des Sozialismus in die Lande gedrungen, und mit Recht hat man Leipzig als die Wiege der deutschen Arbeiterbelvegung bezeichnet. Die Arbeiterbewegung hat in Leipzig schon 1859 eingesetzt. Damals marschierten die deutschen Arbeiter noch im Schlepptau der bürgerlichen Parteien, wesentlich im Schlepptau des Libera- lismus. Den einsichtigeren Mitgliedern des Nationalvereins, so- weit sie hier in Leipzig vertreten waren, war damals wohl schon der Gedanke gekommen, daß sie die Arbeiter mehr am öffentlichen Leben interessieren müßten, wenn sie weiter darauf rechnen soll- ten, daß sie ihnen folgen. Es ging deshalb von der Polytechnischen Gesellschaft, die in Leipzig ihren Sitz hatte, der Plan aus, einen Arbeiterbildungsverein in Leipzig zu gründen, den man sich als Abteilung der Polytechnischen Gesellschaft dachte. Erfreulich ist es, daß sich schon damals in den"Reihen der Leipziger Arbeiter schwere Bedenken dagegen erhoben, daß man die Arbeiterbewegung allein in die Bildungsbestrebungen einzudämmen beabsichtigt�. Man wird der deutschen Sozialdemokratie nicht den Vorwurf machen können, daß sie jemals die Notwendigkeit der Verbreitung von Bildung und Wissen außer acht gelassen hat.(Sehr richtig!); Basieren unsere Erfolge doch darauf, daß wir von Anfang an bt- müht gewesen waren, aufzuklären, zu belehren, den Massen klar- zumachen die ökonomischen Zusammenhänge, sie vorzubereiten, daß sie die Bewegung im richtigen, großen, historischen, proletarischen Sinn führen können. Damals waren es von in der Partei be- kannten Namen Jritsche und Vahlteich, die bei der Gründung der Abteilung der Polytechnischen Gesellschaft den Standpunkt ver- traten, daß nicht nur ein Arbeiterbildungsvercin begründet wer- den muß, sondern daß die Arbeiter sich in ihren Vereinen auch mit den Fragen des öffentlichen Lebens zu beschäftigen haben. die hohen Töne durch ein Hinaufziehen des unteren Stimm- registers schädigen, so darf man wohl auf ein Eingreifen des an der Spitze stehenden Gesangsmeisters hoffen. Die gute Behand- lung, welche der Tenor Philipp Massalsky und der Baß Karl Fischötter ihren nicht eben gewaltigen Stimme geben, trägt ja bereits viel zu dem angenehmen Eindruck des Ganzen bei. sz. Notizen. — Der Nordpol. Der Rest des Pearhschen Reiseberichts liegt jetzt vor. Als die Hauptsache darin erscheint unter den ob- waltenden Umständen natürlich, was Peary vom Nordpol selbst erzählt. Er gibt das gleiche an, wie Cook, nämlich, daß sich kein Land dort vorfindet. Nichts als eisbedecktes Meer war zu sehen, obwohl Peary den ganzen Horizont mit dem Teleskop nach Land absuchte. Acht Kilometer vom Nordpol unternahm Peary an einem bloß mit schwachem Eis überzogenen Spalt eine Tieflotung: das Senkblei wurde 1500 Faden(9000 Fuß) tief hinabgelassen, ohne daß es auf Grund stieß. Trotzdem hat Peary es fertig gebracht, in aller Form vom Norpol für die Vereinigten Staaten Besitz zu ergreifen. Um in der modernen Entdeckungs- geschichte auf ein Schildbürgerstückchen von gleich grotesker Komik zu stoßen, muß man wohl schon bis auf Balboa zurückgehen, der vor vierhundert Jahren die mittelamerikanische Küste des Stillen Ozeans zuerst erreichte und schleunigst bis an die Kniee ins Wasser watete, um das neue Weltmeer für Spanien zu annektieren. Sonst ist bloß noch zu berichten, daß der Streit der beiden Nordpol- Parteien lustig fortdauert. Peary erklärt von neuem— ohne Anführung von Beweisstücken—, daß Cook der Welt einen Bären aufgebunden, und aus dem Cookschen Lager kommt die Behaup- tung, daß Peary seinerzeit ein Cooksches Vorratshaus in Besitz genommen habe, allerdings in der Meinung, daß Cook tot sei. Dieser fortgesetzte Austausch von Liebenswürdigkeiten läßt die Sache natürlich auf dem alten Fleck, und das anfängliche Interesse an dem Streit um den Nordpol hat überall stark nachgelassen. Frankreichs Geschichte in Bildern. Der Pariser Nationalbibliothek ivurde jüngst eine interessante Sammlung von Bildern, Darstellungen geschichtlicher Szenen, Karikaturen, Annoncen und Briefen geschenkt; diese Sammlung gibt ein ge- treues Bild der Geschichte Frankreichs von dem Tage der Ver- iuählung der späteren Königin Marie Antoinette bis zur Kam- mune; man kann sagen, daß in irgendeiner Weise fast zedcr Tag mit allen seinen bemerkenswerten Erscheinungen der Nachwelt vor Augen geführt wird. Da ist u. a. ein Kapitel über„Figäros Hochzeit" von Beaumarchais, eines über Cagliostro und eines über die Sensation jener Zeit: die Luftballons. Es ist geradezu un- glaublich, wie viele Aeronauten damals gleich den Brüdern Montgolfier in die Luft fliegen wollten. Mehrere Bilder zeigen den verunglückten Aufstieg des Luftschiffers de Rozier, der mit einer Montgolsiere über den Kanal fliegen wollte. Nachdem er etwa 15 Minuten geflogen war, explodierte in einer Höhe von 600 Metern der Ballon. Ein letztes Bildchen zeigt den kleinen Friedhof von Miinereux, wo sich das ßiab Roziers befindet. Zu jener Zeit gelang es nicht, diese Auffassung zum Turchbtuch zu bringen. Der Verein wurde als eine Abteilung II der Poly technischen Gesellschaft unter dem Namen: Gewerblicher Bildungs verein ins Leben gerufen. Die damalige Opposition war klug ßemig, in den Verein einzutreten, um dort ihre Bestrebungen auf Erweiterung des Programms fortzusetzen. Diese Bestrebungen erlangteir bald eine Majorität, und so sehen wir denn nach einigen Jahren, daß der Verein sich in zwei Gruppen spaltete, daß die Mitglieder der Opposition austraten, einen neuen Verein grün- deten, der unter dem Namen:„Arbeiterbildungsverein" ins Leben trat. In diesem Verein wurden allgemeine öffentliche Fragen erörtert, es wurde aber auch der Gedanke ventiliert, von dem auch der Vorredner sprach, daß die Arbeiterbewegung nicht von ein- zelnen Orten aus zu betreiben sei, sondern daß sie sich ausstrecken müsse über den Erdball, daß sie zusammengefaßt werden müsse nach einhcitbichen Grundsätze» und einheitlichen Plänen. Dem Komitee, welches den Auftrag bekam, die Berufung eines allgemeinen Arbeitertages in Angriff zu nehmen und dafür zu sorgen, daß innerhalb deS Arbciterbildunysvercins Leipzig politische und wirtsckxiftlidT. Fragen erörtert werden, gehörten Fritsche, Vahlteich und Bebel an. Als dann im Jahre 1863 die Agitation Lasfalles einsetzte, wurde von Leipzig aus eine Deputation an ihn geschickt, um mit ihm über bestimmte Fragen zu diskutieren. Lassalle veröffentlichte sein„Offenes Antwortschreiben", er kam selbst nach Leipzig, hielt seinen Vortrag und gründete die Bewe- gung, die damals dann hier einsetzte. Die Geschickte der Leipziger Arbeiterbewegung fällt mit der Entwickclung der deutschen Sozial- demokratie zusammen, und die gemeinsame Tätmkeit Bebels und Liebknechts, unterstützt von einer großen Anzahl anderer Genossen, getragen von der größten Begeisterung der gesamten Leipziger Ar- beiterschaft, war es, die von Leipzig aus auch für die gesamte deutsche Partei von außerordentlichem Wert und Vorteil war. Das„Demo- kratische Wochenblatt", ursprünglich die Gründung der Sächsischen Volkspartei, wuchs sich mehr und mehr zum Organ der prole« tarischen Interessen aus. Der lebhafte Anteil, den die Kämpfe zwischen Lassalleanern und Eisenachern erweckten, mußte auch in Leipzig wie überall dazu führen, daß die Gegner sich trotz aller Streitigkeiten mit der Zeit näher kamen. Die Einigung zwischen den Lassalleanern und den Eisenachern, an der Leipzig redlich mit- gearbeitet hat, wurde 1869 auf dem Kongreß in Eisenach versucht, aber noch war die Einigung unmöglich, und es mußte noch eine Zeit vergehen, ehe sie zustande kam. Aber schon damals wurde auf Grund eines von Bebel ausgearbeiteten Organisationsstatuts die sozialdemokratische Partei begründet, und insofern bedeutet der Eisenachcr Kongreß, obwohl die Einigung damals noch nicht zustande kam, doch auch einer der wichtigsten Geburtsdaten für unsere Partei. Ich erinnere dann weiter an die Verfolgungen unserer Leipziger Genossen zu Anfang der siebziger Jahre, an die Verhaftung des Braunschweiger Ausschusses, der bekanntlich noch der Festung Boye» bei Lützen in Ostpreußen geführt wurde. Dem Ausschuß wurde zugeteilt Genosse Geib, der, als der Aus- schuß seine Geschäfte in Dresden nicht führen konnte, als Vor- sitzender der Kontrollkommission in Hamburg provisorisch die Leitung übernahm. Ihm gesellte sich auch zu Johann Jacoby, der gegen die Annexion protestiert hatte, und es gereicht den Leip- zigern zur Ehre, daß auch sie trotz aller polizeilichen Verfolgungen, troy der richterlichen Bluturteile in einer öffentlichen Versammlung gegen die Annexion protestierten. DaS Jahr 1872 hat für Leipzig eine besondere Bedeutung. In diesem Jahre wurde der Leipziger Hochverratsprozeß verhandelt, ein Prozeß, dessen Verlauf wesentlich zur Propagierung der sozialdemokratischen Ideen beigetragen hat, ein Prozeß, der das Wachstum unserer Partei außerordentlich gefördert hat und die Bewegung außerordentlich anschwellen ließ. Ich werde selbstverständlich Ihnen hier nicht eine Geschichte des Leipziger Hochverratsprozesses geben, aber wir dürfen mit Recht sagend dem damaligen Prozeß ist eS zu danken, daß in weiten Kreisen sozialdemokratische Anschauungen Eingang fanden, denen unsere Ueberzeugungen bis dahin noch nicht zugängig gewesen tvaren. Der Prozeß, der damals gegen Bebel, Liebknecht und Heppner angestrengt wurde, führte zu einer Verurteilung, aber ich glaube, das Urteil über diesen Prozeß nicht besser zusammen. fassen zu können, als wenn ich die Worte hier wiederhole, die Bebel und Liebknecht damals im„Volksstaat" darüber veröffent- lichten:„Dieser Prozeß hat soviel für die Verbreitung unserer Ideen gewirkt, daß wir gern die paar Jahre Gefängnis hinnehmen. die über uns verhängt worden sind. Die Sozialdemokratie steht über dem Bereich des Schwurgerichts, wohl aber haben Sie. meine Herren Geschworenen, durch Ihr Verdikt daS Todesurteil über das Institut der Schwurgerichte gesprochen." Parteigenossen, diese damals geschriebenen Worte sind heute noch wahr, und wir können noch heute unser Urteil über jenen Prozeß nur in diese Worte zu- fammenfassen. Von da an begannen in Leipzig schwere«er- folgungen gegen die Sozialdemokratie. Hand in Hand damit gingen aber, und das ist daS Erfreuliche, die Einigungsbestrebungen auch in Leipzig voran, die zur Einigung der Lassalleaner und Eise- nacher führten, und so konnte denn im Jahre 1876 auf dem Gothaer Kongreß die Einigung vollzogen werden. Von da an haben beide Richtungen gemeinsam den Kampf geführt, die gegenseitige Be- kämpfung hörte auf. alle Kräfte konnten zusammengefaßt werden in dem Kampf gegen den Feind, in dem Kampf gegen den Kapi- talismuS, in dem Kampf gegen die Reaktion.(Bravo l) Leipzig hat auch in den Bestrebungen, die internationale Be- wegung zu fördern, mitgewirkt. Ich erinnere daran, daß es jetzt gerade 40 Jahre her sind, daß in Basel der 1. Internationale Kon- areß getagt hat. auf dem die Grund- und Bodenfrage erledigt wurde. Parteigenossen! Die alte Internationale ,ft vorüber, aber die neue Internationale, die sich gebildet hat als ein Bund aller sozialistischen Arbeiter, der heute die Länder des Erdballs um- spannt, der seinen Zentralpunkt hat in dem Internationalen Bureau, dem auch Deutschland angeschlossen ist, diese neue Jnter. nationale ist emporgewachsen auf den Schultern der alten Jnter- nationale, und dieser Internationale zu dienen, hat auch wiederum Leipzig, wie es die Gcsamtpartei getan hat, im vollen Maße für feine Pflicht gehalten. Parteigenossen, eine Wirkung der inter. nationalen Solidarität, die durch die neue Internationale geübt wird, haben wir gerade in diesem Augenblick zu verzeichnen. Unsere Arbeitsbrüder in Schweden stehen in einem Riesenkampf, und ,ch glaube, im Namen aller Versammelten zu sprechen, wenn ich von dieser Stelle aus unseren schwedischen Brüdern unsere Bewunde. rung. unser- Sympathie ausspreche.(Lebhaftes Bravo I) Wir in Deutschland verfolgen mit dem größten Interesse den Kampf'» Schweden. Wissen wir doch. Parteigenossen— darauf basiert ja im wesentlichen unser Streben nach internationalen Beziehungen— daß das, was der Arbeiterklasse in einem Lande zugemutet wird, feine Rückwirkung hat auf die Arbeiter anderer Länder.(Sehr wahr!) Jeder Sieg der Arbeiterklasse eines Landes� ist auch ein Fortschritt für die gesamte Arbeiterklasse der Welt(Sehr richtig!) und jeder Verlust der Arbeiterklaffe eines Landes wirkt zurück auf die Arbeiterklasse der übrigen Länder. Wir wollen es heute schon vorbehaltlich aller anderen Erörterungen aussprechen, daß die Herzen und die Köpfe der deutschen Arbeiter bei den schwedischen Arbeitern sind, und daß wir uns glücklich preisen, sie. stzweit es uns möglich ist. in ihrem schweren Kampfe unterstützen zu können. �Lebhafter Beifall.) Die Sozialdemokratie, die politische organisierte Vertretung der Arbeiterklasse aller Länder,>st in Deutschland nur auf sich allein angewiesen. Die Einzelheiten der die gegenwärtige Situation in Deutschland beherrschenden Fragen werden bei den einzelnen Punkten der Tagesordnung ihre Erledigung finden. Für jetzt will ich nur eins darüber sagen. Die Militär-, die Marine-, die Kolonial- und die Steuerfrage haben bei allen bürgerlichen Parteien im Laufe der Jahre eine totale Rechtsschwenkung hervorgerufen. Die jammervolle Rolle, die die bürgerlichen Parteien und namentlich der Liberalismus in den letzten Verhandlungen des Reichstags ge- spielt hat, wird ja auch hier noch des näheren erörtert werden. Ich möchte nur hier schon zu Beginn unserer Verhandlungen das eine feststellen, daß die 160 Millionen direkter Steuern, zu denen der KiberaliMuS sich bereit erklärt hatte, gls nichts seiter bezeichnet tvörden könn'en als eine Loskaufsteüer gegen diejenigen Stellern, die von Rechts wegen den Besitzenden� der bürgerlichen Gesellschaft hätten auferlegt werden müssen.(Sehr wahr!) Parteigenossen, im Jahre 1907 waren wir die angeblich Niedergerittenen, die Zcr- schmetterten, wie man sich ausdrückte. Nun, ich glaube, die deutsck)e Sozialdemokratie hat in der Zwischenzeit den Beweis dafür ab gelegt, daß sie sich nicht als niedergeritten, als zerschmettert be trachtet. Es gehörte ein gewisser Mut dazu, die Sache so darzw stellen, so in ihr Gegenteil zu verkehren, als ob eine Partei, die eine Viertel Million Stimmen Zuwack>s bei der Wahl erhält, als niedergeritten und zerschmettert betrachtet werden könnte.(Sehr gut!). Die„niedergerittene" Sozialdemokratie hat in den aller- letzten Tagen noch offenkundig zeigen können, wie es damit steht. Der Sieg, den unsere Parteigenossen in Stollberg-Schneeberg vor einigen Tagen erfochten babcn, hat Zeugnis dafür abgelegt, was die Sozialdemokratie zu leisten imstande ist.(Bravo!) Parteigenossen!'Ich darf sagen: wir hätten von unseren Leip. zigcr Genossen keinen schöneren Willkommensgruß erwarten können, als den Sieg, den sie uns entgegengebracht haben aus dem Wohl» kämpf in Stollberg-Schneeberg. Daß wird, wie ich überzeugt bin, ein glückliches Omen für die weitere EntWickelung der Partei bedeuten. Wir dürfen lvcitere Siege erhoffen und dürfen guten Muts in die Zukunft blicken.(Lebhafter Beifall.) Die neueste Öewerbczählung zeigt deutlich, wie die Bevölkerung, die deutsche Bevölkerung, sich mehr und mehr prolctarisicrt. Auf der einen Seite sehen wir die Notwendigkeit eines entschiedenen Sozialismus, auf der anderen Seite sehen wir, wie die sozialen Gegensätze immer mehr in den Vordergrund treten. Parteigenossen! Die Zersetzung des Liberalismus als Repräsentant der bürgerlichen EntWickelung beweist, daß unsere Bestrebungen, unsere Ziele, unsere Arbeit innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft von Erfolg begünstigt sein müssen, und daß wir nichts anderes zu tun haben, als wachsam auf dem Posten zu sein, um jede Gelegenheit zur Propagierung unserer "iele auszunutzen. Unsere Aufgabe ist Organisation und Agitation. licht nur Wie bisher, sondern mehr als bisher.(Lebhafte Zu- stimmung.) Genossen und Genossinnen! Den Sozialismus zu propagieren in Fabrik und Werkstatt, in Stadt unb Land, in den Industriezentren und in den Handclsemporen, in den Gebieten der Landwirtschaft, all überall da, wo Lohnstlaven im Dienst des Kapi- talismus fronen, zu agitieren, zu organisieren, das ist unsere Auf- gäbe.(Lebhafte Zustimmung.) Die Frauen, die Jugend mit dem Geiste des Sozialismus zu erfüllen, sie vorzubereiten, sie einzu- stellen in die Kampfesreihen, das ist ebenfalls die Aufgabe, die die Partei zu erfüllen bat.— Parteigenossen! Die Herzen und Köpfe zu revolutionieren, sie reif zu machen für den großen, heiligen Ge- danken de« sozialdemokratischen Prinzips, dafür haben wir zu ac- beiten.(Lebhafte Zustimmung.) Und wahrlich, in der schändlichen Ausraubung, die die bürgerliche Gesellschaft auch in der letzten ReichstagSsession an den arbeitenden Massen verübt l)at, finden wir die besten Waffen.(Sehr richtig!) Genossen, auf dies« Tat- fachen gestützt, werden wir unsere Ziele, unsere Bestrebungen in die weitesten Massen hineintragen.(Lebhafte Zustimmung.) Die alten Waffen zu schärfen und neue zu schmieden, das ist Sache des Leipziger Parteitages.(Stürmischer Beifall.) Ich erkläre den Parteitag nunniehr für eröffnet. Der Parteitag konstituiert sich. Auf Vorschlag von Auer- München werden zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten und Pflichten Singer und L i p i n s l i gewählt. Zu Schriftführern werden auf Vorschlag von Buhl- Leipzig gewählt: Bar enth in-Berlin. Fräulein Bader- Berlin, Franz Schmitt- München, Sindermann- Dresden, P e i r o t e s- Straßburg, D ö r n k e- Hannover, Winkelmann- Bremen, Geiß- Mannheim und H e r p i ch- Göppingen. In die Mandatsprüfungskommission werden auf Vorschlag von H i l d e n bran d- Stuttgart gewählt: Pa gel s. Rixdorf, P a r r S- Velten. S ch m i d t- Zwickau, Knierim. München. Thöne- Kassel, Pauline Ludwig- Neichenboch, Engelmann-Worms und Hug-Bant. In die Beschwerdekommission werden auf Vorschlag von Borgm ann-Berlin gewählt: Joseph-Berlin. Drescher- Elberfeld, Paul Müller- HamburA Lienchen Baumann- Altona, Rudolph- Frankfurt, Jungnickel- Annaberg, W a l t e r- Nürnberg. Schräder» Hannover und G ö r i n g- Ulm. ES folgt die Festsetzung der Tagesordnung: Die provisorische Tagesordnung lautet: 1. Geschäftsbericht des ParteivorftandeS. 2. Bericht der Kontrollkommission. S. Parlamentarischer Bericht. 4. Kommissionsbericht über Aenderung deS Organifations- statutS. 5. Maifeier. 6. Reichsversicherungsordnung:») Allgemeines und Krankenversicherung, b) Unfallversicherung, c) Jnvaliden- und Hinterbliebencnversichcrung. 7. Internationaler Kongreß in Kopenhagen. 8. Sonstige Anträge. 9. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes des nächsten Parteitages. Zu der Tagesordnung liegen die Anträge 1 bis b vor. Der Antrag 1. die Taktik der Partei auf die Tagesordnung zu setzen, wird zurückgezogen. Zu den übrigen Anträgen bemerkt: Singer: Der Parteitag ist belastet genug durch die Punkte, die schon auf der Tagesordnung stehen und deren Erörterung durch eine Häufung der Tagesordnung nicht beeinträchtigt werden darf. Die Parteileitung ist auch der Ueberzeugung, daß es nicht gelingen werde, jetzt noch mit voller Sachkenntnis und mit vollem Material ausgerüstete Referenten für die von den Antragstellern angeregten Themata zu bekommen. Ein Teil der Anträge wird übrigens zweifellos bei der Diskussion über verschiedene Punkte der TageS- Ordnung ausgiebig zur Verhandlung gelangen, so namentlich die rage der Neichsfinanzrcform. Ich bitte also namens der bis- -rigen Parteileitung, keine Aenderung der Tagesordnung vorzu- nehmen. Singer stellt nunmehr die U nt erst ü tzu ng s fr ag e. Bei Antrag 2, die Genossenschaftsfrage zu behandeln, und bei den An» trägen 4 und 5(die Landarbeiterfrage und die Stellung der So- zialdemokratie zu den Konsumvereinen auf die Tagesordnung zu setzen, genügt oie Unterstützung nicht. Dagegen wird der von Aachen-Land, Breslau und Nürnberg gestellte Antrag, die Reichs- finanzreform und ihre Folgen auf die Tagesordnung zu fetzen, ge» nügend unterstützt und von Löbe-Breslau begründet. Dre tief« gehende Erregung der Produzenten und Konsumenten über die so- gcnannie Finanzreform und die großen Erfolge, die wir mit diesem AgilationSstoff erzielt haben, sollten un» veranlassen, daß daS. was jetzt in Tausenden von Versammlungen behandelt wird, auch bei uns in den Mittelpunkt der Verhandlung gestellt wird. Molkenbuhr: Wenn wir den Punkt ReichSfinanzreform als Sonderpunkt behandeln, so würden wir dein Referat des Genossen Ledebour so ziemlich das Genick brechen. Ledcbour: Ich kann Molkenbuhr nur zustimmen. Nehmen wir die Finanzreform aus meinem Referat heraus, dann bleibt kaum etwas übrig. Denn das Hauptinteresse konzentriert sich auf die Finanzreform. Lobe: Zu dem parlamentarischen Bericht liegt eine bunte Fülle von Anträgen vor, so daß eS kaum zu einer einheitlichen Kund» gebung kommen wird. UeberdieS wollen wir doch über den Krei» der eigenen Genoffen heraus auf die christlichen Arbeiter und alle die wirken, die mit der Finanzreform genarrt und betrogen sind. Peus-Dessau bittet ebenfalls um Annahme de» Antrages. Geyer: Wird die Reichsfinanzreform als neuer TageSordnungS- punkt eingeführt, gibt eS nur eme Widerkäuung des schriftlichen Berichts. Die Parteigenossen sind genügend durch die Presse in- formiert und der Parteitag möge sein Uxteil tn ein» besondren Resolution fällen. Der Antrag Löbe wird abgelehnt und die Tagesordnung in der vom Parteivorstand vorgeschlagenen Reihenfolge festgesetzt. Damit sind die Arbeiten der Vorversammlung erledigt. Die Sitzung schließt mit dem Vortrag des Uthemannschen Sturmliedcs durch den Rühleschen Gesangchor um 8% Uhr. für den schwedischen Generalftresh. Bei der Berliner Gewerkschaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- bester ein: 8S07 Verwaltung d. Vereins Berliner Buchdrucker u. Schristgietzer 9.—. Wahlvcrein Baumschulenweg, Bez. I 8,—. Stadlbezirk 139» u. d, Wahl- bez. 393 I. T., 4. Wahlkreis 4.—. Pianosabril C. Krause 8,30. Kollegen bei Globeck 10,43. 10778 Bautischler Wilke u. KlauZnitzer 17,—. KoLegeu b. Haese u. Hartz, 2. Rate 7,—. Kollegen b. Schultz« u. Joost, 2. Rale 12,30. Kollegen bei Espig 0,60. 8828, 8829 u. 8830 Setzer, Maschinenmeisier und Stereotypeure, 3. Rate 83,—. 9208 Kollegen d. Berliner Aletallplatierungs- wcrke. 2. Rate 6,40. Bezirk 403, II. T., 4. Kreis 9,05. Personal d. Galvanoplastik, 5. Rate 21,—. Kollegen b..Hellichte u. Buchholz 30,—. Kollegen bei König, 5. Rate 8,10. 8887 Bnchdruckerci Ziosentbal u Co., 5. Rate 13,85. 9165 Kollegen bei Ksionsck 37,35. Kollegen ber Schlosserei Gcelhaar 4,85. 8820 Bnchdruckerci Emil Billig Aachs., 6. Rate 24,05. 8175 Kollegen bei T. '. Geister 15,15. 10043 Drechsler u. Schleiser b. C. Müller A.-G., 3. Rate 15,35. 425 Kall. b. R. Weber u. Co., 4. Rate 50,65. Tischlerei Stavenow, 3. Rote 22,45. Kollegen bei Brand n. Co. 9,10. 172. Bezirk, 4. Dahlkreis 2,—. 9542 Buch- druckerci Gebhardt, Jahn u. Land, 5. Rate 22.45. 10054 Tischlerei Wols 15,05. Kollegen bei I. C. Psaff. Saal I 9,15. Kollegen bei Zerit u. Böhmer 4,50. Buchdrucker« H. S. Hermann 288,45. Tischlerei Baumann u. Hoffmann 7,25. 10000 Kollegen bei Tippelt u. Rote 13,80. Bezirke 76 u. 77. 2. Kreis 6,—. 7007 Buchdruckerei Anrlinsabrik 4. Rate 5,—. 9538 Tischlerei Thomas 3. Rate 13,30. 10783 Kollegen bei W. Röttger 5,—. 10026 Druckerei Ashclm 4. Rate 23,25. 9440 Kollegen bei Bcting u. Lübke, 5. Rate 40,05. 387? Kollegen bei MöbeS 12.05. Tischlerei G. Zipsel 14.25. M. Bcttke 1,60. ausdiencr bei Dewill u.Herz 2,75. Kollegen bei Hoffmann u. Göbler 4,50. Zahlbezirk 349 Teil I, 4. Kreis, Sechserkasse 10,—. 9759 Kollegen der Stocksabrik Bernhard Noa 4. Rate 40.50. 9357 Kollegen bei Ludwig Löwe, Huttenslratze, Modelltischlerei 18,25. 9306 Kollegen bei Cordes u. Co. 7,50. Kollegen bei B. Simon 2. Rat- 13,70. Kistenmacher bei Pflugrath 18,50. 9015 Tisch!«« K. Schüler 5,—. Bezirk 23b, Rirdors, Sechserkasse 5.50. Ktftcnjabrik Hinz 7,30. Kollegen bei Heymann u. Naivratzki 3.90. Tischlerei Anders, 3. Rate 5,25. GloSschleiser bei Werner Nachs., 2. Rate 5,—. 10 067 Kollegen bei A. Berwch, Lichtenberg 7,25. 9300 Kistensabrik Thurow 0.25. 9309 Klempner v. Zentralmagazin, 5. Rate 27,10. Beizer b. Krause, Corilla u. Co., 5,—. Tilchlerei Gronau, 2. Rate 8,35. 9345 Pianosabril N. Hoffmann 3,50. Kollegen bei Louis Klaus 8.—. Dreher u. Schlosser der Glashütte Stralau 10,—. 9370 Kollegen bei SSillsricd Deyhlc 14,50. Hilssarbciter der.Berliner Illustrierten Zeitung". 3. Rate t6,30. Tischlerei Siroka, 3. Rate 8,—. Mechanische Werkstatt H. Götzle, 4. Rate 0,25. 9359 Buchdruckerei Gebr. Ernst, 5. Rate 20,85. GlaSschleiserci Ditmeher, 5. Rate 8,35. 8940 Schnittarbciter b. Jürst, Adlershof, 4. Rate 12,50. 9484 Piano- sabrik Hilse Nachs., 0. Rate 11,45. 10 032 Kollegen bei Gerhardt, Laternen- sabrik 11.95. Buchdruckerei Lange 3,10. 9368 Kollegen bei Bohn u. Co. 16,80. Tischlerei Priebenow, Bierprozente 15,—. Tischsabrik Brämer 16,—. Sparverein Einiglest 4,—. Angestellte deS Bäcker- u, KondstorenverbandeS, Fil. Berlin 14,—. Bez. 5 Lichtenberg 11,35. 9304 Leistcnanschläger bei Staude 2,75. G. M. 2,—. I. K. 1,—. Von einem Reservemann 10,—. L. W. 2.05. Bezirk 170 3. Kreis 0.—. M. bei K. 1.—. 9303 Möbelsabrik I. C. Psaff, Saal II, 3. Rate 11,45. Metallarbeiter v. Dehhle, 3. Rate 8,—. 7252 Sektion der Putzer Berlins 0,50. 7449 Durch Vcrgolder Hennann Schlvartz 10,50. Sektion der Putzer 7270 II,—. 7271 3,—. Lotterieoerein Niete 3,—. 8880 Maschinenmeister der„Woche", Flachdruck, 3. Rate 17,50. Bez. 328 Test IV. 4. Krei« 2,—. Zenlralocrband deutscher Brauereiarbeiter, Zahlstelle Berlin, auf folgende Listen: 508 Brauerei Friedrichshain 15,25. 595 Union, Fahrpersonal 0,15. 006 O. Berliner. Hilss- u. Flaschenk.-Arb. 9,40. 624, 717 Königstadt. Brauer u. Flaschenk.-Arb. 10,80. 648 Wenn 4,20. 718 Bock II, Hilfsarbeiter 3.35. 745 Patzenhofer II, Flaschenk.-Arb. 23,05. 74? Kronenbraueret, Brau« 3,—. Schlotzbrauerei Schöneberg, 749 Hilss- a Flaschen!-?lrb. 19,50. 789 Brauer 7,60. 776 Böhmisches Brauhaus, Flalchenk.-Arb. 11,35. 781 Löwenbrauerei Brauer u. Hiijsarb. 9,50. 808, 809 Schuitheitz IV 42.25. 770 Pfefferberg. Flaschenk.-Arb. 4,30. Viktoria. 786 Flaschenk-Arb. 8,80. 804 Brauer 6,-. Spandauerb.-Brauerei, 750 Hofarb. 2,50. 797 Brauer 9,90. 794 Vereinsbrauerei 12,10. Schultheis I 802 Flaschenk. u. Hosarb. 20,90, 805 Brauer 13,40. Schulthcitz n 812, 813, 814 Handw., Flaschenk. a Hosarb. 58,15. 759 ilsebein II, Brau« 9,70. 764 Gabriel a Richter, Brau« 4,50. 795 bland, Bierhdlg., Flaschenbiervertricb 16,65. 755 Stadlbrau«ei 13,30. 756 Nordd. Brauhaus Grünau, Brauer a HilsSarb. 10,25. Nordstern Brauerei, 754 Brauer 9,—, 842 Fahrpersonal 8,75. 769 Patzenhofer I, gesammelt durch Werner 13.—. 779 Brauerei Ender» 3,80. 788 Schloß- braurei K.-Wusterhausen 2,50. 819 Angestellte der OrtSoerwalwng(dabei v. Genossen Füldner 1 M.) 9.—. 725 Angestellte d. Hauptverw. 13,20.(4l0,60 M.) Skatklub �Hoffnung" 10,—. Zigarettenfabrik Josetti, 3. Rate 25,60. 7672 Bäckereiarbeiter der Dilhelma, 3. Rate 5,—. 350 S. W. 4,50. Konditoren und Arbeiter von Cyliax 7,35. 9302 Schlofferei Moldenhauer u. Metzdorf, 4. Rate 10,25. 8883 Buchdruckabt. Gebr. Dehhle u. Wagner, 3. Rate 40,45. 7700 Buchdruckerei C. Marschner. 5. Rate 23,05. 10660 Metallarbester von Gebr. Hoff, 5. Rate 10,50. 8823 Buchdruckerei L. Schumacher. 5. Rate 18,15. Pianosabril Linke, Godenschweg« u. Co. 0,15. Tapezier« von Kohlmetz, 6. Rate 4,50. 8841 Buchdruckerei A. Unger. 2. Rate 12,15. Silberniann u. Co., Hutsabril 20,—. Graveur» v. Thiele a Co., 3. Rale 23,85. Metallgießerei von Gradenwitz 5,60. 10649 Goldleistensabrtk Juliu» Müller, 3. Rate 7,40. Stockarbeit« Gebr. Goldmann. 3. Rate 10,25. Tischlerei Frist« u. Roßmann 4.25. Bezirl 148, zweiter Kreis 3,—. Zwei Kollegen Patentkistensabrik 2,—. I. C. Psaff. Saal 13. 3. Rat- 15.20. Kollegen von A. Kurtz Metallarbeiter von Meden u. Co. 4,30. Pinselmacher von F. Witte Ein armer Stecher 2.—. 9441 Buchbind« der Buchdrucker« Kroll 8831 bis 8835„Lokal-Anzeiger" Gewißz-ld, 5. Rate 04,05. 883C.Lokal- Anzeiger" Zeitung, 4. Rate 8,40. 9342 Tischleret Olm, 5. Rate 14,30. Metallarbeiter von Zschauer 10.80. Tischlerei von Flatow u. Priemer 18,—. 8920 Pianosabrik Kinnes a Schwitella 12,90. 10650 Tischlerei Lüdtke 16,30, Metallarbeiter von Gebr. Mcchnlg 0,—. Tischler von C. Flohr 7,20. Kunst- schmlede von F. P. Krüger, 2. Rate 75,—. Korona Suinpshuhn 5,—. V«> rusene Fahrer von Hartseil 6,—. Vergold« u. HtlsSarbeit« von A. Zander 22,00. 9358 Kartonfabrst von Baum u. Scholz, 4. Rate 7,55. 9350 Schul- bau Richardplatz 13 12,90. Dtechnmk« von Lax, 3. Rate 4,—. Pianosabrik G. Hofsmann 4,—. 8285 Buchbinder v. Rech 3,50. Bezirk 126, 2. Kreis 5,—. Buchdrucker« Gehring u. Reimers 10,45. 10053 Bautischlcr Sponar 17,80. Setzer, Zenwalbureau Deutsche Presse, 2. Rate 4,30. 9343 Tilchlerei Schüddelops u. Heine. 3. Rate 10.55. 8842 Verbandsmitglted« der Firma A. Joachim 11,35. 7669 Druckerei für Bibliophilen 4,05. Presser 0. Finkenrath a Co. 6,—. 9346 Norddeutsche Metallwarenjabrik 8,40. 10681 RotationSarbcit«„Lokalanzeiger", Nachtschicht 31,05. Möbelsabrik «tern 10,30. W. S. 1,60. Buchdrucker« Stanticwicz, 5. Rate 11,60. Orso, Mariendorj 13,—. Fliesenleger der Stettin« Firma 13,—. Polterer o. Naschig, 4. Rate 12,70. Bezirk 406 U, 4. Kreis 5,—. 9421 Bon den Kollegen von D. Meyer, 4.�Rate 7,30. Bau Leinestr. 13/14 9.05. 9630 BellerS Rcgistraior Comp., 3. Rate 20,—. Kollegen Kämmerer, Boxhag enerftr., WWW seid, 6. Rate 16,—. 10656 Tischlerei 41. Zahn. 4. Rate 33,45. Bierprozente Tischlerei 41. Zahn 40,—. Tischlerei von G. Seyffert 5,—. Pianosabrii«. Ouandt 12.75. 9355 Berliner Musikaliendruckerei, 4. Rate 17,10. 10069 Tischlerei Salzmanu n. Sohn U,SO. 9372 a 9373 Allgem. Metallw. für Beleuchtung, 5. a 6. Rate 21,50. Mal« v. Gebr. Drabig, Bau Hauptstr. 7,50. Tparvercin Gnnidstein, Baumschulenweg 0,—. Buchdruckerei JaniszeivSlt, 4. Rate. 25,—. 9991 Dreher und Gürtler von H. Hartuiann 10,10. 9344 Buchdruckeret M. Keltembeil, 5. Rate 24,85. Tischlerei W. Franz 8,—. Verband der Tapezierer, Filiale Berlin, aus solgcude Listen: 2110 durch Kollegen Brunow 13,10. 2120 durch Kollegen Barnitzki 0,50. 2139 durch Kollegen Brandt 4,05. 2155 Werkstatt Gleiser 15,40. 2187 durch Kollegen Petlc 7,40. 2202 Werlitatt Groschtus 12,45. 2204 durch Kollegen Fabry 18,60. 2206 durch Kollegen o. Ambüren 17.50. 7117 Werkstatt S-rtzog 14,05. 8122 Werls.,-.» Gerson 26,25. 3126 WerlslaN Jakob u. Braunsisch 9,80. 9258 Werkstatt Hohenzollcru-KaushauS 11,50. 02C4 Werkstatt Gerson, 4. Rate 18,90(in Summa 160,90). Gesangverein Frohsimi I, Rbg. 5.—. 4l. L. 100 6,—. 10002 Kollegen von Geusichen, 3. State 7.10. Bezirk 21? Rixdors 10,—. Personal der Uniondruck-rei, 5. Rat« 7,10. Lotterieoerein 1903 4.—. Bau- tischlerei Lassen. 4. Rate 9.00. Bezirk 053a. S. Kreis 7.20. Werkstatt Heyde 8,—. 41. M. 1,—. Berliner Zentral-Riege 6,—. Metallarbeiter der Kon- tlnental-Bremsenaeselllchast. Lankwitz. 4. Rate 14.-. Firma Schober 6.—. Werkstatt Louis Galopp 7,60. W. Märker 2,—. Zwei rote Sänger 3,—. Kollegen von C. Grüder 10,—. Freie Gast, und Schankwirte. Octsverivaltung Dclßensee 15.—. Gustav Böhring« 2.—. Kronleuchter. sabrik H. Scholiver 6,50. Orthopädiewerkstatt Schmidt. 8. Rate 4.—. M. Waldmann 5.—. Einige Stehlragcnprolctari« d«4l. E.-G., 2. Ouiltung 5,—. 43. H. 2,—. Sozialdemokraten Württembergs, 4. Rate 200,—. Arbeiter v. Vulkan Vibre 5.—. Stellmacher der Firma Neumann 8,—. Maler von S. u.©., Nleder-Schönewetde. 3, Rate 3,—. Dachdecker und Hllss. arbeit« von Nielebock 4,30. Bau Feuerwache, Ungafttraße 5,30. Küchen- möbelmal« von Rasem. S. Rate 5.—- Deutsche Ton- und Stein, eugwerke 8,25. Färberei Sehr. Attenberg 8,-. Verband der Maurer, Zweizvnetn 8922 6.—. 4.—. 5,75. Rowaftrt 100,—. Irifoteirfer der Firma Sttrton u. SUfttd Lehmann 9,20. SRemcI v. Bolschewick 3,—. Sa. 3548,35 M. Bisher sind einneliesert 143 474I3 M.; dazu kommen 3548,33 M., Summa 147 022,53 M. Gelder, welche per Post eingeliefert werden. sind an «. Körsten, Engelufer IV I zu senden. Alle Sammlungen find sofort in unserem Bureau. Engelufer 15 I. Zimmer 23, vor- mittag» zwischen 9— 12Vj Uhr und nachmittag» zwischen 4— T1/» Uhr abzuliefern. Die Listen 3395. 3687, 7243, 5282. 5285, 1860. 2614. 6542 und 1462 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Der NnSschrn der Berliner GewerkschastSkommissiou. Elnsessiisene Druchrdmftdt Deutsche Jugendbuchcre«. Nr. 7. Die Friihalocke. Bon M. Schmitt henner. Nr. 8. Da» kalte Herz. Von W. Haust. Nr. 9. Eine Nach! im Iagerlmuse. Von F. Hcbbel.� Nr. 10. Ter Pfadfinder. I. Auf dem Oswego. Nr. 11 u. Ii. II. Der Kampf auf den Taufendtuselu. von I. F. Tooper. Einzelh. 10 Ps.— H. Hillger, Berlin W. 9. "d ist" seibtf bis in die kleinen und kleinsten Orfschaften des Reiches gedrungen. Die songsdme hausfrau wird sich freuen.diese in ihren Eigenschaften immer gleich» bleibende.zuverlässige Ercundin auch überall in der Sommerfrische zu finden. Man bestehe aber immer auf Ausfolgung des Originalfabrikates u.weise anderes zurück Für den Inhalt der Inserate »ibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheater. Dienstag, 14. September. Anfang 71/, Uhr. »tgl. Opernhaus. Madama Bntterflh. ttgl. Schauspielhaus. Prinz Fried- rich von Homburg. Neues kgl. Opern-Xheater. Ge- fchlosten. Deutsches. Faust. Kammerspiel«. Die Sünde. Anfang 8 Uhr. Neues. Das Urbild de» Tartüffe. Anfang S Uhr. Leffing. Die Frau vom Meer«. Berliner. Einer von unsere Leui'. Neues Schauspielhaus. Mist Dudelsack. Thalia. Prinz Buffi. Komische Oper. Der Wildschütz. Residenz. Gleichen. Hebbel. Hanna Lagert. Trianon. Pariser Witwen. Luftspielhaus. Im Klubsessel. Klciucö. Moral. Nencö Operetten. Die Dollar« Prinzessin. Westen. Der fidele Bauer. Schiller O.(Wallner. Theater.) Di« Ein Ersolg. Schiuer Eliarlottenburg. von Hochjattel. Volt. op er. La Travtata. Friedrich- WilhelmftSdt. Schau- spiclhauS. Die Stützen der G-selllchast. iscn. Gesallene Engel Luisen...W_____ Bernhard Rote. Lm Casö Noblesse. Metro»»!. Geschlossen. FolieS Eapric«. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 81;« Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Svezialitälen. Gebr. Herrnfeld-Thcater. Frau Ellam« Friseur. Meine-Dein« Tochter. Gastspiel. Ungerade Tage. Der Deserteur. Der keusche Toinette. Cousin Pamponlette. Palast. Groststadtzauber. Speziali, täten. Noncks Theater. Unser Leopold. Panage. Spezialitäten. BolkSgarte». Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. RcichSIiallen. Stettiner Sänger. Karl Haverland- Theater. Spe- zialitäten. Easino. Onkel Cohn. Prater. Der Verschwender. Urania.?»»ve»»rasse 4BHO. AbendS 8 Uhr: Durch Dänemark und Südschweden. Sternmar»«, Jiivaltdenttr. S7/6S. ig-rt Dienstag. 8 Uhr: gdicn.ZhkluS, lt. Vorstellung: Die Frau vom Meere. Mittwoch. S Uhr: Zwischenspiel. Berliner Theater. Heute S Uhr: ffllne» von nimere l-ent'. Morgen: Einer von unsere Leut'. lieues Idesler. Zum erstenmal t Das Brill Des Tartffie. Stilfang'/,8 Uhr. Morgen und folgende Tage: v»« vnl>lt/, Uhr. Dienstag, den 14. September: Unser Dolilnr. Vollsstück mit Gesang in vier Akten von Treptow. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. ZKNSS0UVI, ÄT Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoftmanns Die modernsten Schlager: Beg. Sonnt. 5, Wochen!. 8 U. Reiehshailen-Theater. lim Säur Ansang: Wochen!. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Voiksgarten- Theater Gadstr. 8, Gesundbr., Bellermannstr. Heute Dienstag, 14. Sept., ringen: Rettllneki gegen Achner. Mlchailoff gegen Schwarz. Schibilski gegen Weber. EntscheidungSkampf: II geg-n Ipoilon lö Eolte, Vereins- Brauerei Rixdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom; Max Wendt. Täglich: Gr. Militär-Konzert.! Vorzugskarten haben wochentags GAtigkett. Entree 15 Pf. Or. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41,.Xük 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4. Dr. Schttnemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrlchstr. 203, Ecke Schützenstr. SSochentagS 1«-«. S-7. Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Gold- und Silbersachen, Brillanten etc. Seit 25 Jahren Dninooneln QQI Ecke Ritterstr. Bruch-Pollmann /empfiehlt seinLager in Bruch- ___ bandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. 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Glocke. Nach dem Konzert:€*"!?• ohne Nachzahlung bei zwei Orchestern. Anfang 8>/z,llIir. Regen Besuch erwartet Entree SO Pfennige. Das Komitee. Billetts sind im Bureau(Engelufer 14 part.) und in folgenden Lokalen zu haben: Heitmann, Schönleinstr. 6; Zebrendt, Hasenheide 9(vis-a-vis der Neuen Welt), Max London, Rixdorf, Ideal- Kasino und im Zigarrengeschäft des Kollegen Fritz Schwemke, Schönleinstr. 34, Ecke Böckhstraße und Kottbuser Damm. 89/8' könntet) nicht so billig verkauft werden, wenn ihr aussergewöhnlicb grosser Konsum nicht, ihre He�tellung in so hervorragender QualiUt und zu so wohlfeilexn Preise ermöglichte. Oass sie In so grossen Mengen geraucht werden. Ist ledigficb ein Beweis ihrer allgemein anerkmintea Oite ttatf VotMliMM itsetli'Jiuw dl 0.4». MsZzM » Siek. 20 Pf. SWi eiSgl'MeS ei 9a rette? beste Schuh Putz üeberall zu haben in Dosen a 10 und 20 PI. Möbelfabrik Rudolf Bartsch, Oranienstr. 73, Brautleute, achtet aus meine altrenommierte Firma. 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Ferner starb der Schloffer Karl Schulze. Die Beerdigung findet am! Mittwoch, den 15. September,! nachmittags 5 Uhr. von der| Leichenhalle des Elisabeth-Kirch- hoscS in der Prinzen-Allee aus I statt. Ehre ihrem Andenken. Rege Beteiligung erwartet 122/17 Die Ortsverwaltung. änBBaasnpBaBaBnpanaBi Zentralverband der Bäcker und Konditoren. Terwaltanpr Berlin. Todes• Anzeige. Allen �Kollegen zur Nachricht, daß am Sonnabend, den lt.Sep- tember, unser Mitglied, der Bäcker Richard Stretetzki an der Proletarierkranlhett ge- starben ist. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. September, nachm. 3 Uhr. aus dem Friedhose in Lichtenberg, Bornitz- Straffe, statt. Rege Beteiligung erwartet 40/12 Die Berwattung. Zentral-Verband der Steinarbeiter. Filiale Berlin. Am 11. September starb unser Kollege Karl /VitiK 39 Jahre alt, an Lungcnbrand. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. d. M., nachmittags 5'/. Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Friedhofes in Potsdam, Saarmund erstraffc, aus statt. 172/8 Die Ortsverwaltung. Kinmen- und fnaujlmihmi vou Robert Meyer,' nur Marmnuen-Ztraße 2. Wer eine wirklich gute Pfeife rauchen will, der wähle unter den l�apitäns Rauchtabaken die von hervorragendster Qualität in den verschiedensten Mischungen und Preislagen(in Päckchen von 10 Pf. bis 1,50 M.) in den meisten Zigarrengeschäften zu haben sind. Spezialität: Feiner Goldshag in roten Hüten. Man achte Jedoch genau anf das ges.gesch. Wort „Kapitän", Päckchen ohne diese Bezcich- nnng weise man als nnecht zurück. 2182L* Gen.-Vertrieb Karl Röcker, Gruner Weg 112. S Ein Hund hat keine Flöhe wenn Sie ihn mit Automors- Wasser waschen. Es genügt ein Eßlöffel voll auf einen Eimer Wasser.*. Prospekte über Äutomors in den Apotheken und Drogerien. 1937L Möbel aufCcilzaWung AnerkaiHl1 (geringe Anzahlung) RÜCkSiCllt M. Qoldstaub ZosseiiBrStr.SSeUiill!; ildMi-AM Ecke Gneisenaustraße. 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Beer: Ich danke namens der deutschen Sozialdemokratie Oester- reich? für die freundliche Einladung und entbiete Ihnen unsere herz- lichsten brüderlichen Grüße. Selbstredend liegt es uns vollkommen fern, uns in Ihre internen Angelegenheiten einzumischen, aber wir haben ein außerordentlich großes Interesse an Ihren Verhandlungen, weil Ihre Beschlüsse sehr stark auf uns zu- rückwirken. Ganz besonders interessiert uns die Frage der Jugendorganisation und die Maifeier.— Ein großer Teil unserer Fortschritte ist darauf zurückzuführen, daß wir, wo es nötig ist, die Leidenschaft mit der berechnenden Nüchtern- heit verbinden, eingedenk des Wortes eines unserer größten Denker, daß zur Vollbringung großer Taten auch Leidenschaft gehört. So wünsche ich denn, daß der Parteitag in diesem Sinne seine Be- ratungen führt und getreu den internationalen Gepflogenheiten auf alle übrigen Staaten Rücksicht nimmt, wo immer Arbeiter im Dienste der Kapitalisten standen.(Lebhafter Beifall.) Ich hoffe, daß es diesem Parteitag gelingen wird, einen bedeutenden Fortschritt in der Geschichte der deutschen wie der internationalen Sozialdemokratie herbeizuführen.(Bravo I) Nemcc-Prag überbringt die herzlichsten brüderlichen Grüße der tschechischen Sozialdenrokratie Die internationale Solidarität des Proletariats ist längst keine leere Form mehr und hat bereits angefangen praktisch zu werden. Vor zwei Jahren jubelte unsere Bourgeoisie den Worten vom.Niederreiten" und „Zerschmettern" zu. DaS Blatt aber hat sich gewendet. Wir haben schon schöne Erfolge erzielt und werden noch größere erzielen. Ihre Erfolge sind unsere Erfolge, Ihr Sieg ist unser Sieg. In diesem Sinne wünsche ich Ihren Verhandlungen den besten Erfolg. (Beifall.) Kristan begrüßt den Parteitag namens der südslawischen Sozialdemokraten. Wir suchen der sozialistischen Idee, die nach Norden und Westen längst siegreich vordrang. Bahn auch nach dem Süden und Osten zu machen. Wir stehen schon ganz an der Schwelle des Morgenlandes, dort, wo Asien sich mit Europa mischt. Unser Klerikalismus besitzt noch eine ganz andere Macht als das deutsche Zentrum, und die nattonalen Unterschiede erhöhen die Schwierigkeiten, mit denen die Sozialdemokratie in unseren Ländern zu kämpfen hat. Trotzdem hat sie festen Fuß gefaßt. Täglich ent- stehen bei uns neue Gewerkschaften und politische Organisationen; die chinesische Mauer um Osteuropa weist bereits eine ganze Reihe Breschen auf, und von uns aus wird der Sozialismus seinen Weg nach dem Balkan und nach Asien nehmen.(Beifall.) Ich hoffe, daß die Zeit kommen wird, da die gleiche Freiheitssonue am nördlichen wie am südlichen Himmel leuchtet. An diesem Siege werden wir gemeinsant arbeiten.(Lebhafter Beifall.) Genossin Schöuberg(jüdischer Arbeiterbund) überbringt die herz« lichsten Grüße und Glückwünsche des jüdischen Proletariats. Vor Jahresstist wollte es scheinen, als ob das russische Proletariat et- schöpft sei von den ungeheuren Kraftanstrengungen des RevolutionS- jahres und zusammengebrochen unter den Schlägen der Reaktion. Das verflossene Jahr hat jedoch gezeigt, daß das glücklicherweise nur ein Schein war. Ueberall schießt neues Leben empor, ein tiefer Aufschwung im Fühlen und Handeln vollzieht sich. Der ökonomische Kampf steht jetzt im Vordergrund. Siegreich haben die Borstcnarbeitcr in Litauen den Achtstundentag gegen das aussperrungswütige Unternehmertum verteidigt. Den Verfolgungen der Regierung begegnen die Gewerkschaften, indem sie ihre Ausklärungsarbeit geheim, unterirdisch führen. Auch das poli- tische Interesse wird wieder lebendig und äußert sich auch in dein Aufschwung der jüdischen Organisation des Proletariats, dem Bunde. Seit einiger Zeit erscheinen wieder zwei illegale Organe, von denen eine» in Rußland in einer Geheimdruckerei hergestellt wird und ein anderes im Auslande erscheint. Es werden wieder politische Versammlungen veranstaltet und den Ortsorganisationen strömen neue Mitglieder zu. Wohl hat die jüdische Intelligenz in ihrer Masse der Partei der Arbeiterklasse den Rücken gekehrt. Sie hat damit nur ihr im Grunde bürgerliches Wesen gezeigt(Sehr wahr!) und des- halb hat das jüdische Proletariat keinen Grund, ihr nachzutrauern. Das Proletariat nimmt das Werk der Befreiung in eigene Hand und zeigt, daß es reif genug dazu ist und daß es die notwendigen Intelligenzen aus seinen eigenen Reihen hervorzubringen weiß. Der tote Punkt ist endgültig überwunden. Keine Reaktion und keine Unterdrückung vermag auf die Dauer den Aufschwung deS Pro- letariats zurückzuhalten. DaS jüdische Proletariat, das stets seine internationalen Pflichten erfüllt hat, gelobt jetzt, wo es nach vor- übergehender Ermattung wiederum in die Reihen der aktiven Kämpfer tritt, nicht zu ruhen und zu rasten, bis die beiden Festen des Absolutismus und deS Kapitalismus von seinen und seiner Klassen- genossen Bataillonen gestürmt sind. Wir schauen zuversichtlich und stohen Mutes in die Zukunft. Unser ist sie kotz alledem.(Leb- hafter Beifall.) Singer teilt einige eingegangene Begrüßungsschreiben mit und verliest das folgende Telegramm aus Schweden: „Die Sozialdemokratie Schwedens, deren Mitglieder in ge- werkschaftlichet Riesenschlacht die Schärfe des heutigen Klassen- kampseS mehr als jemals erfahren, jedoch ungebeugt im Kampfe ausharren, fest entichlosfen, von der vereinten Macht der Bour- geoisie kotz alledem sich nicht niederdrücken zu lassen, sendet den deutschen Genossen herzlichste Grüße. Niemals wird die schwedische Arbeiterschaft die durch opferwillige Tat während der schweren PrüslnigSzcit bewiesene Solidarität der deutschen Klassengenossen vergessen. Wir wünschen Ihnen bestes Glück dazu, Ihre stolze Partei in Einigkeit und Kraft noch mehr zu befestigen und vorwärts zu führen zu neuen Siegen für das gesamte internationale Prole- tariat."(Stürnüscher Beifall.) Ich habe namens der Parteileitung die Mitteilung zu machen, daß wir beschlossen haben, den Arbeitern Schwedens, die in ihrem riesenhaften Kampf mit Mut und Entschlossenheit Opfer über Opfer bringen, die brüderliche Solidarität der deutschen Partei aufs neue dadurch zu beweisen, daß wir zu den bereits für den Kampf gegebenen 20 000 Mark aufs neue 30000 Mark nach Schweden zur Unterstützung schicken.(Stürmischer Beifall.) Die Parteileitung weiß, daß sie mit diesem Beschluß den Willen und den Wunsch des Parteitages zum Ausdruck bringt.(Sehr richtig!) Und der Beifall, der meiner Mitteilung geworden ist, bestätigt mir das. Der Parteitag Kitt nun in die Tagesordnung ein. 1. Geschäftsbericht des ParteivorfiandeS. Molkenbuhr: In einigen Punkten habe ich den schriftlichen Bericht zu er- ganzen, weil verschiedene Angelegenheiten inzwischen zum Abschluß gelangt sind. Auf dem vorigen Parteitage wurden Klagen über sinanzielle Benachteiligung der Parteibuchhandlungen geführt. Der Parteivorstand hat in Verbindung mit der Leitung der Buchhandlung ein Arrangement getroffen, welches derartige Schädigungen für die Zukunft ausschließt.— Bei einer Nachwahl in einem Moselbezirk, der zu dem bombensicheren Besitzstand des Zentrums gehört«, schnellten ganz plötzlich die Stimmen der Sozialdemokratie erheblich in die Höhe. Die Winzer wollten ihrer Mißstimmung über die Lösung der Weinstage durch daS Zentrum und die übrigen bürger- lichen Parteien Ausdruck geben. In den Weinbezirken finden sich neben den zahlreichen Weinbergarbeitern emch zahlreiche proletarische Existenzen unter den selbbständigen Winzern, Elemente, die durchaus für uns zu gewinnen sind. Unsere Parteigenossen in West- und Süddeutschland haben in einer Konferenz Beschlüsse über die Agitation unter den Winzern gefaßt, die hoffentlich von gutem Erfolge begleitet sein werden.— Die Beschlüsse des Nürnberger Parteitages über die Einigung der Lokal- organisierten mit den Zentralverbänden sind zu einem großen Teil durchgeführt. Gegenwärtig liegt ein eingehender Bericht über die Verhandlungen in Solingen vor. Es wird sich leider da wenig machen lassen, und wir müssen das Beste von der Zeit erwarten. Von den bestehenden alten Lokal verbänden hat sich inzwischen wieder einer, der ungefähr 1500 Mitglieder zählende Verband der Kontorboten in Hamburg einem Zentralverband(dem der Transportarbeiter) angeschlossen. So schreitet also die Einigung im Proletariat immer weiter fort. Die Jugendbewegung hat in der Form, wie sie in Nürnberg beschlossen ist, recht gut eingesetzt und auch recht gute Erfolge erzielt. Eine Reihe von Kritikern hat geglaubt, daß jetzt schon gewisse Aendernngen eintreten müssen; aber fast alle diese Kritiken sind von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Wir sind der Meinung, daß zunächst Erfahrungen gesammelt werden müssen. die Erfahrungen eines ganzen Jahres; jetzt verfügen wir erst über die Erfahrungen eine» Sommerhalbjahres. Sicher dürfen wir niemals außer Augen lasten, die Jugend für uns zu gewinnen. ES wurde die Anregung gegeben, einzelne sozial« demokralische Schriften auch in Blindenschrift herstellen zu lassen. Wir haben dem zugestimmt. Während im Norden Europas der schwere wirtschaftliche Kampf tobte, war auch das südlichste Land Europas von den Stürmen der Revolution durchweht. In Spanien, dem Vaterlande der Inquisition, in jenem finsteren Lande, auf dessen dürrem Boden, durch Pfaffenherrschaft ausgesogen, ein armes Volk lebt, auch da fängt der Kapitalismus an, sich zu entwickeln und die Gegensätze zwischen Proletariat und Bourgeoisie treten immer schärfer zutage. Mit demselben Blutdurst, wie seinerzeit die Ketzer verfolgt wurden, werden die modernen Ketzer verfolgt, die ihre Zweifel in Taten umgesetzt haben. Soweit eS in unserer Macht stand, haben wir den Genossen auch dort eine finanzielle Hilfe zu teil werden lassen. Parteigenossen, Sie haben die Pflicht der Kritik an unserer Tätigkeit als Parteivorstand, damit wir wisten, ob der Parteivorstand im Einklang mit den Massen handelt. Denn der Vorstand ist ja nichts anderes als ausführendes Organ der Partei. Im Mittel« Punkt des politischen Lebens stand in einer Reihe von Staaten der Kampf um daS Wahlrecht, in der Reichspolitik das persönliche Regiment, die Finanzreform. Der Parteivorstand hat, sobald diese Fragen im Mittelpunkt standen, Material als Unterlage für die Redner herausgegeben. Mit der Annahme der Finanzreform hat der Parteivorstand diese Frage keineswegs als abgeschlossen betrachtet, sondern wir haben bereits einen Parteigenossen beauftragt,«in Handbuch über die Finanzreform herauszugebe». Die Sünden der Schnapsblockparteien sollen als dauernde Waffen benutzt werden, das Volk aufzuklären. Im Laufe des Jahres sind uns sehr wenig abfällige Urteile über unsere Tätigkeit zu Gesicht gekommen. Meines Wissen» eigentlich nur zwei: eine Resolution von Berlin I und eine Kritik in einer Zeitung von Nordwcstdeutschland, die darüber klagen, daß der Parteivorstand im Kampfe zu la» gewesen sei. In dem Artikel wurde gesagt, man habe mit dem Urteil so lange gewartet, bis der Kampf zum Abschluß gekommen sei. Ich halte cS geradezu für ein Verbrechen, wenn ein Genosse weiß, daß in irgend einer Weise bessere Erfolge zu erringen sind, dann hat er die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, eS uns mitzuteilen.(Zustimmung.) ES ist ganz sicher, daß der Parteivorstand alle Anregungen in Erwägung zieht. Nun ist aber das Merkwürdige dabei, daß sowohl in der Neso- lution als im Artikel gar nicht zum Ausdruck kommt, was eigentlich hätte geschehen sollen. Man hätte es doch wenigstens nachher sagen können, aber bis heute ist eS noch Geheimnis. Wir wissen nur in dem einen Falle, es hätte mehr geschehen können, schärfere Mittel hätten zur Anwendung kommen können: aber welcher Art. wird nicht angedeutet. Vielleicht werden ja Klagen kommen, daß der Partei- vorstand nicht die Redncrzahl zur Verfügung gestellt habe, d,e vcr- langt sei. Das ist freilich eine alte Erbsünde deS ParteivorstandcS. (Sehr gut I) Aber das liegt nicht am bösen Willen der Parteileitung, sondern daran, daß der ÄgitationSeifer größer ist als die verfüg- baren agitatorischen Kräfte. Die Genossen müssen s e l b st agitieren. Die Redegewandtheit ist nicht angeboren, aber die Uebung macht viel. In der Schulung junger Kräfte wird jetzt erheblich mehr getan, als je vorher. Die Genossen sollten von ihrer Redegewandtheit Gebrauch machen selbst auf die Gefahr hin, daß mal ein kleiner Schnitzer unterläuft. Jeder hat zu Anfang Schnitzer gemacht.(Heiterkeit.) Die Parteischule kann jährlich 20 bis 30 junge Leute ausbilden, aber sie kann nur den Genossen, die schon gewisse Vorkenntniste haben, den letzten Schliff geben. Die Bedürfnisse der Partei an Rednern kann die Parteischule nicht decken. Wir haben 3300 Ortsvereine und eigent- lich müßte jeder davon einen Mann haben, der für unsere Grund- sätze öffentlich eintreten kann(Sehr richtig I), genau wie jede religiöse Gemeinde einen Pfarrer hat.(Heiterkeit.) Wenn alle Ortsvereine hierauf bedacht sind, dann wird die Schar unserer Redner bald nach Zebntauscnden zählen. Die politische Lage war im verflossenen Jahre für unsere Agitation so günstig, wie seit langem nicht. Die Gegner haben sich alle erdenkliche Mühe ge- geben, einmal ihr wahres Gesicht zu zeigen, so daß eS abschreckend auf die Kreise ihrer Mitläufer wirken mußte. Die letzten Nach- Wahlen haben gezeigt, wie die Verhältnisse auf die Massen ein- gewirkt haben. Gewiß haben auch einige Hemmungen, hauptsächlich die wirtschaftliche KrisiS, den Ausbau unserer Organisation ver- langsamt. Zahlreiche Arbeiter mußten zum Wanderstab greisen. Schiffahrt und Schiffbau lagen jahrelang still, das Banhandwerk lag in vielen Gegenden danieder. Unwillkürlich fragt man sich. ja, wo sind die Arbeiter hingekommen? Die Berichte der Asyle sür Obdachlose zeigen zun, Teil, wie gewaltig das Heer der Land« straßen gestiegen ist. Wenn trotzdem unsere Organisationen in demselben Tempo wuchsen wie vorher, so zeigt das einmal die werbende Kraft deS Sozialismus und zun, anderen die Gnnst der politischen Situation.(Sehr richtig!) 1903 zählten wir 381000 organisierte Mitglieder, 1907 530 000 und 1908 587 000 und in diesem Jahre 333 000. Wir sind damit die mächtig st e politische Organisation Deutschlands, ja der ganzen Welt geworden.(Lebhaftes Bravo l) Wir haben mit unseren 633 000 Mitgliedern die 325 000 Mitglieder des katholischen Volksvereins überflügelt. Leider verfügt ja noch immer die mächtigste Partei des Schnapsblocks über einen erheblichen Teil von Arbeiteranhängen,. Aber das Zentrum hat iu der letzten Zeit so gesündigt, daß, wenn seine Taten zur Kenntnis aller Arbeiter kommen, auch der letzte Arbeiter'aus den Reihen dieser volksfeindlichen Partei verschwinden müßte. (Sehr wahr.) Es hat gegen die Erbschaftssteuer gestimmt, um die Arenberg und Ballestrem vor Steuern zu schützen, während es die Taste Kaffee der armen Frau mit SO Proz. ihres Wertes be- steuert.(Hört l hört Ij ES besteuert Schnaps und Bier, besteuert tündhölzer und Beleuchtungskörper und lehnt es ab, den durch diese teuer arbeitslos werdenden Arbeitern eine Entschädigung zu geben. ES beloilligt eine Tabaksteuer, wodurch die Kleinbetriebe vernichtet werden, und beschränkt die Entschädigungssumme für brotlos werdende Tabakarbeiter. Es war auch zu einer Parsümsteuer und zu einer Mehlverteuerung bereit. Wenn alleS das in der Agitation richtig ausgenutzt wird, müssen wir auS Zentrumskreisen eine erhebliche Zahl von Anhängern gewinnen.(Sehr wahr!) Die Krise, die bisher lähmend auf den Ausbau unserer Or- ganisationen eingewirkt hat, scheint ein wenig im Nach- lassen begriffen zu sein. Selbst im Juli hat die Zahl der ZwangSmitglioder in den Krankenkassen eine erhebliche Steigerung aufgewiesen. Die Roheisenproduktion in den ersten acht Monaten dieses JahreS weist eine erhebliche Steigerung gegenüber den Vor, fahren auf. Den Aufschwung müssen die Genossen zur Stärkung der Organisation benutzen. Mit einer kräftigen Hausagitation muß eingesetzt werden. Man darf nicht warten, bis der Wahlkampf in sichtbarer Nähe ist.(Sehr richtig!) Wir haben ein gewaltiges Gebiet der Agitation. Wohl haben wir SV* Millionen Stimmen, aber es gibt annähernd 13 Millionen männliche Arbeiter oder Angestellte. Sicher sind darunter 3l4 Millionen Wähler, die für uns in Betracht kommen. Für die gewerkschaftliche Organisation bleiben trotz deS Vereinsgesetzes immerhin reichlich 10 Millionen OrganisationSfähige übrig. Ein' weites Gebiet ist namentlich die Organisation der Frauen. Es gibt 8,2 Millionen arbeitende Frauen, da könnten 3Mj Millionen gelvonnen werden. Die Ergebnisse der Gewerbe» und Bcrusszählungen zeigen, daß die Mehrheit des Volkes aus Leuten besteht, welche aus der Verwirklichung des Sozialismus gewinnen können. Es gibt viermal mehr Arbeiter und Angestellte als Selbständige und unter den Selbständigen sind zudem noch zahlreiche proletarische Existenzen. Selbst bei ungünstiger Schätzung stehen gegenüber 10 Millionen 21 Millionen, die Jnter- esse an der Durchführung der sozialdemokratischen Grundsätze haben. Ein Teil der Arbeiter aus den selbständigen Berufen, ein Teil der Idealisten auS den freien Berufen schließt sich uns immer noch an. Die Hoffnung der Gegner richtet sich auf die Zersplitterung der Partei. Gewisse Gegensätze werden in ber Partei immer bestehen und werden immer stärker werden, je älter die Partei wird, eS sei denn, daß jedes geistige Leben aufhören würde. DaS geistige Leben entwickelt sich zu immer höherem idealen Streben, aber ein Teil der Partei kann niemals mitkommen. Das sind die Neuge- wonnencn, die mit den Schlacken der bürgerlichen Erziehung in die Partei treten. Wenn mancher von uns alten Genosten sich heute sehen würde, wie er vor 30, 40 Jahren ausgesehen hat, würde er sich selbst nicht wieder erkennen und sagen: mit einem solchen Spießbürger verkehre ich nicht.(Große Heiter» Kit.) Man hat vielfach von sogenannten Mitläufern geredet. Als solche bezeichne ich die, die aus Ekel vor den anderen Parteien zu uns kommen, die wir aber verlieren, wenn die Gegner sich bessern. Als richtige Parteigenossen können wir aber nur die anerkennen, welche unsere Grundsätze an erkennen und zu verwirklichen trachten. Die industrielle Bevölkerung beträgt jetzt 56,13 Proz., die landwirtschaftliche nur noch 28,25 Proz. Seit 1882 ist die Zahl der Industriearbeiter um 4 900 000 gestwgen, die Zahl der industriellen Betriebe aber um 183 000 gesunken. DaS zeigt, daß unsere Voraussetzung, daß der AkkulmulationS- Prozeß des Kapitalismus immer weiter schreitet, richtig i st. Nun sehen wir die eigentümliche Erscheinung, daß zwar im Wirtschaftsleben daS industrielle und Handelskapital die wirkliche Großmacht wird, aber doch die agrarische Tendenz die herrschende ist. Man hat vielfach einzelne Parteien dafür verantwortlich gemacht, deren Führer unfähige Leute oder elende Feiglinge seien. Aber daran liegtes nicht. Die agrarische Herrschaft kommt von der Tendenz der Gesetzgebung, die Arbeiter zu entrechten. (Sehr richtig.) Das sehen wir in Sachsen, in Preußen und in vielen anderen Einzclstaaten. Und woran liegt dos? In der Landwirtschaft haben wir 2% Millionen, in der Industrie und im Gewerbe nur 1 977 000 Selbständige. Unter den Selbständigen sind also die Agrarier in der Mehrheit, und haben die Herrschaft an sich gerissen. Dazu sind sie ganz vorzüglich organisiert im Bunde der Landwirte und zwingen einen Teil der Arbeiter sowie die Gewerbetreibenden auf dem Lande zur Gefolgschaft. So kommt es, daß das Industrieland Deutschland unter ber Herrschaft der Agrarier steht und daß eine Befreiung nur durch daS Proletariat möglichist. Die Agrarier zwingen auch einen Teil der Arbeiter durch Terrorismus, ihre Interessen zu unter- stützen, unter den 4 Vi Millionen Stimmen des Schnapsblocks sind viele Arbeiterstimmen. Die,e müssen wir den Agrariern entreißen. Die Agrarier sind die größten Feinde der Landorbei- t e r, denen sie das Koalitionsrecht vorenthalten, deren Freizügig- Kit sie beschränken, die sie bei ber Krankenversicherung zurücksetzen, denen sie selbst die kleinen Renten nehmen möchten. Der Hansa- bund wird nicht eine Großmacht werden wie der Bund der Land- Wirte. Der Kampf gegen die Agrarier kann wirksam nur durch das Proletariat geführt werden. Die Arbeiter sind in erster Linie die Leidtragenden der AuSplünderungS-- Politik der Agrarier. Für uns kommt eS darank an, zu organisieren und zu agitieren, beim nächsten Parteitag müssen wir sagen können: wir haben wieder Hunderttausende gewonnen. Wenn eS dann wieder zu einem allgemeinen Kampfe kommt, dann werden unsere Gegner einsehen, daß sie mit ihrer eigenen Politik die gegenwärtige Gesellschaft am meisten in Gefahr gebracht haben. Wir aber haben die frohe Hoff- nung und den Glauben, daß wir allmählich daS ganze Proletariat hinter unsere Fahnen scharen und dann den endgültigen Sieg unserer Grundsätze erringen werden.(Stürmischer Beifall.) Den Kassenbericht erstattet Gerisch: Der diesjährige Kassenabschluß hat unseren Genossen eine an- genehme und den Gegnern eine unangenehme Enttäuschung be- reitet. Der giftige Neid über den günstigen Stand unserer Partei. finanzen kam in den bürgerlichen Blättern ganz unverhohlen zum Ausdruck. Gewiß werde» auch manche Finanzminister geseufzt haben, die bekanntlich nur noch mit Defizits gearbeitet haben. Glücklicherweise war der Reichstag bereit« geschlossen, als unser Abschluß an die Oeffentlichkcit kam, sonst wären die Stenersucher deS Schnapsblockes auf den Gedanken gekommen, ihn noch extra zu besteuern.(Heiterkeit und Ruf:..Mal den Teufel nicht an die Wand!") Wir dürfen aber nicht bei aller Erfreulichkeit deS Ab- schlusses vergessen, daß wir nach wie vor auf die Ueberschüsse aus unseren großen Parteigeschäften angewiesen sind. Bleiben sie aus, dann ist sofort die Unterbilanz da. Da ist dringend Besserung nötig. Gewiß sind gegenwärtig schon die Beiträge von Hamburg und Berlin größer als noch vor einigen Jahren die Beiträge aus dem ganzen Reiche. Gewiß ist auch die Zahl der Orqanisationen gestiegen, die regelmäßig ihre Beiträge an den Partcworirand ab- führen. Aber leugnen läßt sich leider nicht, daß n o ch immer eine Menge Organisationen sich Verstöße gegen WortlautundSinnunsererStatutenzuschulden kommen lassen. Ich will die Sünder hier nicht aufzählen, zu- mal alle diese moralischen Rippenstöße bisher nichts gefruchtet haben. Die Sache muß anders angefaßt werden. Mit der Ver- bcsserung unserer Organisation haben wir spielend Erfolge erzielt, die wir mit allen Appellen nicht erreicht haben, und wenn die neuen Organisationsverbcsserungen. die die Kommission dem Parteitage vorlegen wird, zur Annahme gelangen werden, werden wir wieder einen guten Schritt vorwärts mschen in der Richtung der fingn, ziellen Stabilisierung Set Partei. Im übrigen berlSeise ich aus den schriftlichen Bericht.— Noch einige Worte über den geschäftlichen Standpunkt der Parteipresse. Meine Voraussage, daß die Krise auch unsere Presse hart treffen werde, ist leider in vollem Umfange eingetroffen. 1907/1308 wurden die Verluste einzelner Blätter an Abonnenten noch ausgeglichen durch die Gewinne anderer Blätter und es verblieb ein Gesamtplus von 11 582 Abonnenten. Im ab- gelaufenen Geschäftsjahr haben auch noch eine kleine Anzahl Blätter Abonnenten gewonnen, aber insgesamt schließen wir mit einem Abonnentenminus von 13 791. Unser gegenwärtiger Abonnenten- stand beträgt 1041498. Entsprechend dem Minus an Abonnenten ist auch ein Minus von Abonnementsgeldern von 76 208 M. zu der- zeichnen. Der einzige Lichtblick ist, daß die Einnahmen aus den Inseraten eine, wenn auch gegen die frühere Aufwärtsbewcgung bescheidene Steigerung, ausweisen. Im Jahre 1907/1908 ivürden aus Inseraten 4 205 322 M., im abgelaufenen Jahre 4 363 761 M., also eine Mehreinnahme in Höhe von 158 433 M. erzielt. Dadurch sind verschiedene Blätter gerade noch darüber weg gekommen, die Zentralknsse in Anspruch zu nehmen. Sonst wäre die Liste der not- leidenden Blätter noch größer geworden. Der Verlust der Abonnen- ten ist tief traurig, aber sehr erklärlich. Auch die allerbeste Or- ganisation und die zäheste, treueste Parteiarbeit kann nicht ganz die Folgen der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse abwehren. Aber zur Mutlosigkeit ist kein Anlaß. Alle Anzeichen deuten auf eine neue Aufwärtsbewegung hin. Hoffentlich können schon dem nächsten Parteitage günstigere Ziffern auch über den Stand der Parteipresse mitgeteilt werden.(Beifall.) Kaden erstattet den Bericht der Kontrollkommission: Der Bericht muß diesmal leider umfangreicher sein, als sonst zumeist. Eine große Anzahl Beschwerden und Berufungen wegen Schieds- gerichtsurteile sind bei der Kontrollkommission eingegangen. Genosse Heinrich- Berlin VI war krank, hatte vierzehn Tage Ferien, reiste drei Tage bor der Landtagswahl in Preußen nach dem Harz und kehrte zur Abgabe seiner Stimme nicht nach Berlin zurück. Der Wahlkreis schloß ihn damals aus der Partei au; das Schiedsgericht hob den Ausschluß aus und sprach ihn eine aus; das Schiedsgericht hob den Ausschluß auf und sprach ihm eine Heinrichs wohl einen schweren Disziplinbruch, bestätigte aber das Urteil des Schiedsgerichts. Der Fall des Genossen Clauder in Sonneberg hat schon den vorigen Parteitag beschäftigt. Die Kontrollkommission hatte das Ausschlußurteil des Schiedsgerichts aufgehoben, weil die Kläger bezw. Angegriffenen im Schiedsgericht gesessen hatten. Ein neues Schiedsgericht schloß ihn abermals aus. weil er bei Diffe- renzen ein bürgerliches Blatt zu seinen Angriffen gegen die Parteigenossen benutzt hatte. Das Schiedsgericht sah darin eine ehrlose Handlung. Die Kontrollkommission konnte nach genauer Prüfung der Sachlage dem Urteil des Schiedsgerichts nur bei- treten. Genosse Klapp in Elberfeld hatte schwere Anschuldigungen .'�gen verschiedene Parteigenossen erhoben und drohte mit der Herausgabe einer Broschüre. Vor einem Schiedsgericht scheiterten alle Versuche zur Einigung, und da Klapp trotz fünfzehnstündiger Verhandlung keinen Beweis für seine Anschuldigungen erheben konnte, schloß ihn das Schiedsgericht aus. Die Kontrollkommission bestätigte den Ausschluß. In Schneeberg in Sachsen waren unter den Parteigenossen Differenzen entstanden, die in schwere Streitigkeiten ausarteten. Ein Schiedsgericht schloß den Genossen August Hergert in Äricsbach aus der Partei aus» die Kontrollkommission kam dagegen «luf Grund der Akten einstimmig zu der Ansicht, daß Ausschluß- gründe nach§ 2 des Statuts nicht vorliegen und hob das Urteil auf. Unter den Parteigenossen Pankows tobte ein heftiger Streit. DaS Schiedsgericht lehnte den Antrag, die Genossen Räber, Korter und Hillmann aus der Partei auszuschließen, ab; ilie Kontrollkommission erkannte aus den Akten und Jnfor- .•Nationen, daß in der Angelegenheit, die sich als eine planmäßige seit langer Zeit betriebene Schädigung der Partei erwies, Räber die treibende Kraft war, während die beiden anderen unter seinem Einfluß handelten. Die Kontrollkommission erwartet, daß Korter und Hillmann bei ruhiger Ueberlcgung sich von der Haltlosigkeit ihrer Anschuldigungen Überzeugen und sich von den leitenden Stellen in der Partei zurückziehen. Dagegen ist der Ausschluß Räbers aus der Partei auszusprechen. Der Wahlverein Ripdorf legte Berufung ein gegen das Urteil des Schiedsgerichts, das den beantragten Ausschluß der Genossen H» h e r und K a m s w i g abgelehnt hatt» Hoher und KamSwig nahmen mit zwei anderen dortigen Genossen als Dcle- gierte am Verbandstage der Buchdrucker in Köln teil, der am 2. Juni zu Ende war. Sie machten am 3. Juni eine Ver- gnügungSfahrt auf dem Rhein. Nun wurde den vier Genossen, von denen die beiden Genannten Wählet der zweiten Klasse waren, zum Vorwurf gemacht, daß sie nicht anKst. Juni heimkehrten und ihr Wahlrecht zum preußischen Landtag ausübten. Das Schicds- . gcrtcht hat den Ausschlußantrag abgelehnt, weil dahingestellt bleiben mußte, ob man den Genossen die körperliche Strapaze einer Nachtreise von Köln nach Berlin zumuten durfte. Die Beschwerde- schrift rügt besonders, daß die beiden angeschuldigten Genossen beim Schiedsgericht auf der Generalversammlung keine Eni- »Jchuldigung für ihre Handlungsweise hatten, während die beiden anderen Beteiligten sich genügend entschuldigten. Die Kontroll- kommission trat dem Urteil des Schiedsgerichts bei und lehnte den Ausschluß von Hoher und Kamswig einstiminig ab. Genosse Mi ehe in Hildeshetm hatte sein Wahlrecht bei der preußischen Landtagswahl nicht ausgeübt, weshalb er durch Urteil des Schiedsgerichts mit 4 gegen 3 Stimmen ausgeschlossen wurde. Miehe begründete vor der Kontrollkommission sein Verhalten da- mit, er habe bisher nicht gewählt, weil die Beteiligung leinen praktischen Wert habe. Er würde aber, wenn er gewußt hätte, daß seinem auch aus geschäftlichen Gründen erfolgten Verhalten solche Bedeutung beigemessen würde, sich anders entschlossen haben. Die Kontrollkommission ist zwar der Auffassung, daß die Handlungs- weise Miehes in keiner Weise zu billigen ist, doch kann nach der Sach- und Aktenlage in seinem Verhalten ein so grober Verstoß gegen die Parteigrundsätze nicht erblickt werden, daß er den Aus- schlutz rechtfertigte und hob daher daS Urteil auf. Genosse Heinrich Udert, Gastwirt in Köln-Ehrenfeld, wurde durch Schiedsgerichtsurteil ausgeschlossen» weil er bei der dortigen Stadtverordnetenwahl, obschon die sozialdemokratische Partei eigene Kandidaten aufgestellt hatte, für den nationalltberalen Vor- schlag gestimmt, was er auch zugibt. Die Kontrollkommission bestätigte einstimmig das Urteil. Der Genosse C a l w e r hatte int bürgerlichen Blatt„Der Tag" einen Artikel veröffentlicht, worin der Zentralbcrein Teltow-Bees- kow-Charlottenlwrg einen Verstoß gegen den Dresdener Partei- tagSbeschluß erblickt hatte. Da« Schiedsgericht sprach Calwer frei. Die Kontrollkommission hob aus formellen Gründen die Entsche!» düng des Schiedsgerichts auf und verwies die Angelegenheit an dasselbe zurück. In Stuttgart fand am 18. August borigen Jahres eine ge- schloßette Parteiversammlung statt, und ehe unser Parteiblatt einen Bericht darüber bringen konnte, brachte schon am nächsten Tage das„Stuttgarter Tageblatt" einen Bericht. In der zweiten ge- schlossenen Parteiversammlung am 31. August gaben die Genossen in scharfen Worten ihrem Unmut über die Berichterstattung an bürgerliche Blätter Ausdruck, ohne daß sich der Schreiber meldete. Der Genosse Schriftsetzer Wilhelm Müller wurde nun in dieser Versammlung beobachtet, wie er. hinter einer Säule stehend, sich Notizen machte. uh& er wurde als Berichterstatter erkannt. Das Schiedsgericht erteilte ihm eine RAge, die Kontrollkommission er- kannte diese Tat als eine ehrlose, die Partei schädigende Handlung an und schloß Müller aus. Der Brauer Kurt Vogel, Berlin, ist durch Beschluß des Schiedsgerichtes vom 1. Juni dieses Jahres auf Grund des Organi- sationsstatuts aus der Partei ausgeschlossen worden. Den Grund der Ausschließung erbtickte das Schiedsgericht in dem Tatbestand � einer ehrlosen Handlung. Der Tatbestand ist folgender.: Ja das Kuratorium dsd paritätischen ArbeitSnachlveises Kurde der von der Mitgliederversammlung des Brauereiarbeiterverbandes aufgestellte Kandidat Florian Tröger gewählt. Gegen diese Wähl legte Vogel Protest ein mittels Zuschriften an den Vorsitzenden des Nachweises Dr. Freund, an den Vorsitzenden der Lrtskranken- kasse für das Brauereigewerbe und an den Magistrat. Darin wird behauptet. Tröger sei nicht wahlberechtigt, weil er nicht im Berufe arbeite. Wenn auch die Kontrollkommission sich der Urteilsbegrün- dung nicht anschließen konnte, bestätigte sie doch den Ausschluß Vogels aus der Partei wegen ehrloser Handlung. Der Genosse R. D i t t r i ch, Vorsitzender des Arbeiter-Steno- tachvgraphenbundes Dresden beschwert sich über die Art, wie im „Vorwärts" am 23. März 1909 zur Frage der Stenographie Stellung genommen wird und über die erfolglosen Versuche, durch Anrufung der Preßkommission etwas zu ändern. Die Kontroll- kommission geht über die Beschwerde zur Tagesordnung über, weil sie nach den Bestimmungen des Organisationsstatuts nicht die Be- kugnis hat, über die Verweigerung der Aufnahme der an die Re- daktion des„Vorwärts" eingehenden Artikel eine Entscheidung zu treffen. Genosse Emil E i ch l e r aus Bormes in Frankreich, früher in Berlin, beschwert sich darüber, daß in den Jahren 1304/07 die Redaktionen des„Vorwärts" und anderer Parteiorgane der- schiedene von ihm eingesandte Artikel nicht veröffentlichte, und daß er von der Berliner Parteiorganisation Nicht auf die Referenten- liste gesetzt worden ist, obwohl er zu guter Dienstleistung befähigt gewesen sei. Auf seine Beschwerden an die lliedaktionen, die Preß- kommissionen und auch an den Parteivorstand seien ihm keine Aus- künfte zuteil geworden. Die Kontrollkommission konnte die Be- schwerde nur zurückweisen Und dem Genossen Eichler mitteilen, daß sie zur Entscheidung über die der Beschwerde zugrunde liegenden Angelegenheiten nicht zuständig ist. Der Genosse Hugo Dieckmann- Hannober hatte sich ein Vergehen zuschulden kommen lassen, wofür er 14 Tage Gefängnis verbüßen mußte. Er will Nun gegen den Genossen W. Derheiber, dem er eine Denunziation aus Rachsucht vorwirft, ein Verfahren auf Ausschluß aus der Partei eingeleitet haben. Die dafür an den verschiedenen Stellen der Parteiorganisation eingeleiteten Schritte entsprechen nicht dem Wunsche des Dieckmann, weshalb er sich bei der Kontrollkommission beschwert. Die Kontroll- kommission kam zu dem Beschlutz, daß die in der Zuschrift ange- gebenen Gründe nicht ausreichen, um ein AuSschlußberfahren gegen Derheiber einzuleiten; auch kann in der Anzeige Nur dann eine ehrlose Handlung erbtickt werden, wenn die behaupteten Tatsachen sich als unbegründet oder böswillig erfunden ergeben würden. Des- halb konnte dem Antrage Dieckmanns nicht stattgegeben werden. Am 7. März d. I. beschloß zu Obcrhausen ein statutengemäß einberufenes Schiedsgericht den Ausschluß des Genossen S pa n io l aus der Partei. Es wurde ihm eine ehrlose Handlung im Sinne des§ 2 unseres Organisationsstatuts zur Last gelegt. Gegen diesen Schiedsspruch legte Spaniol Berufung bei der Kontrollkommission ein. Nach eingehender Prüfung der Akten konnte die Kontroll- kommission den Beschluß des Schiedsgerichts nwr bestätigen. Spaniol hatte in öffentlichen Versammlungen dem Vorstande des Bergarbeuerverbandes zur Last gelegt, er habe den Vcrbandsmit- gliedern verheimlicht, daß im Jahre 1904 10 000 M. in der Verbandskasse fehlten, weshalb zur VerdeckuNg des Mankos eine Ver- schleierung der Bilanz vorgenommen worden war. Eine weitere von Spaniol ausgesprochene Beschuldigung lautet, der Vorstand des Bergarbeiterverbandes habe, um eventuell lästig werdende Strei- kende einzuschüchtern, die Verbandsbeamten mit dazu besonders angekauften Revolvern bewaffnet und Schießübungen machen lassen. Hört! hört!)'Diese Behauptungen wurden durch die in einer Gerichtsverhandlung vorgenommenen Feststellungen als un- wahr erwiesen, wobei auch festgestellt wurde, daß Spaniol den Streit begann und die Zurückbehaltung des Revolvers nicht ein- wandfrei war. Die Kontrollkommission hat aus dem ganzen Ver- halten des Spaniol die Ueberzeugung gewonnen, daß er die Absicht hatte, die sozialdemokratische Organisation im Berggebiete zu schädigen und die in der?lgitation tätigen Parteigenossen räch- sücbtig herabzusetzen. In diesem Gesamtverhalten Spaniols er- blickte die Kontrollkommission den Tatbestand der ehrlosen Handlung. Genosse A. Kohl- Altona, Vorsitzender des Verbandes der Zivilmusiker, äußerte sich in einer Delegiertcnbersammlung des Kartells am 26. Oktober 1908 scharf über die Partei- und Gewerk- schaftsfunktionäre, wozu er eine erläuternde Hondbewegung machte. Darob wurde ein Ausschlußantrag gegen ihn gestellt, das Schiedsgericht sprach ihn aber einstimmig frei. Gegen den Frei- spruch legte der dritte Hamburger Wahlkreis Berufung bei der Kontrollkommission ein. Die Kontrollkommission schließt sich dem Urteil des Schiedsgerichts an und weist die Berufung ab, spricht aber ihren Tadel darüber auS, daß der Genosse Kohl zur Kritik an den ihm bekannt gewordenen Uebelständen nicht eine geeignetere Form und nicht den Ort wählte, wohin eine wahrhaft wohlmeinende Gesinnung ihn hinführen mußte, die dazu eingesetzte Parieileitung. Die Kontrollkommission hat die ihr obliegenden Arbeiten durch- geführt, die Geschäfte, die Bücher, die Kassen genau revidiert, sowohl in Berlin als auch in Stuttgart, Und alles in bester Ord- nung gefunden, so daß ich in ihrein Namen den Parteitag bitte, dem Parteivorstand für seine Tätigkeit Decharge zu erteilen. (Bravo!) Die Debatte wird eröffnet. Profit-Ludwigshafent Im Vorstandsbericht heißt es, daß der Bezirk Pfalz keinen Bericht eingeschickt hat. Man denke aber nicht, daß wir in der Pfalz untätig gewesen sind. Wir haben unsere Schuldigkeit in vollstem Maße getan. Daher werden die Genossen Gnade für Recht ergehen lassen. Wir waren in einer Zeit der vollsten Be- schäftigung, daher konnten wir den Bericht nicht pünktlich ein- senden. Die Organisation in der Pfalz ist trotz der schweren Krise vorwärts gegangen und unsere Presse steht auf gesunden FüßeN. Die Hoffnung der Liberalen, daß der Tod EhrhartS unseren Vormarsch aufhalten würde, ist nicht in Erfüllung ge- gangen. Wir haben zwei neu'e Gebiete erschlossen, die bisher uneinnehmbar für uns erschienen, daS Berggebiet UUd das Weingebiet. Bis vor kurzem hielt der Geist des seeligen Stumm die Bergarbeiter in Abhängigkeit. Jetzt aber kommen sie zu uns und die Gegenmaßregeln der katholischen Kirche können nicht verhindern, daß sie in hellen Haufen den christlichen Organi- sationen davongelaufen und zu uns herübergekommen. Auch im WiNzergebtet emanzipieren sich die Arbeiter mehr und Mehr von den Flaschenbaronen, den Hardtgrafen. Wir haben das M�a n- dat Eyrharts behauptet und wtder aller Erwarten den zweiten pfälzischen Wahlkreis errungen. Gewiß hat der Raubzug der Finanzreformer dazu beigetragen, aber auch die un» ermlldliche Arbeit unserer Genossen. In Kaiserslautern brennen unsere Genossen darauf, den ostelbischen Junker Rösicke aus der Pfalz herauszuwerfen und ihn dahin zu schicken, wohin er gehört, nach Norddeutschtand.(Heiterkeit und Rufe: Nanu!) Uns in der Pfalz paßt er nicht.(Gerischi Behaltet ihn nur!) Gewiß, Sie werden darauf verzichten.(Heiterkeit.) Sorgen wir dafür, daß Herr Kösicle überhaupt keinen Unterschlupf mehr findet.(Beifall.) In dem Vorstandsbericht steht, daß wir neue Waffen schmieden werden. Wir haben in der Wahlagitation am schwersten die gegen- seitigen Kämpfe unter den leitenden Genossen empfunden. Wenn wir Waffen schmteden, so wollen wir sie gegen unsere Gegner, nicht gegen uns selbst anwenden.(Brabo!) DaS wird uns Gewähr weiterer Siege bieten ünd die Pfalz wird nicht an letzter Stelle stehen. Vusolb-Frledbe-rg: Der diesjährige Parteibericht behandelt zum erstenmal in er- höhteM Maße die Landarbeiterfrage. Auf diesem Gebiete hat von unserer Seite viel mehr zu geschehen. Alle Parteimitglieder müssen die neue Landarbetterorgantsation nach Kräften unterstützen. Wir haben ist Hessen überraschende Resultate mit der Landagitation erzielk. Nicht nur Landarbeiter, sondern auch Halbbauern kamen in die Organisation. Der Parteivorstand sollte in dieser Frage uns mehr als bisher unterstützen. Folgen wir der Parole: Hinaus aufs Land.(Beifall.) Hörsing-Beuthen: Oberflächliche Beurteiler könnten zu der Meinung kommen. daß in Oberschlesien riesige Summen verbraucht werden und die oberschlesische Scherlpresse sowie die nationalpolnische Presse haben auch an die Zahl allerhand Rechenkunststücke geknüpft. Die Sache steht aber so, daß wir in Oberschlesien tatsächlich in einem Aus- na'hmezustand leben. Daher die verhältnismäßig riesigen Summen, die dort für Presse und Lokalmiete aufgebracht werden müssen. Wir haben in Oberschlesiett nicht nur gegen das Zentrum und die Liberalen, sondern gegen die N a t i o n a I p o I e n zu kämpfen, die dem Zentrum an demagogischen Tricks hundertmal überlegen sind. Sie haben z. B. den Schack z u'm sozial» demokratischen Reichstagsabgeordneten ge- stempelt.(Hört! hört!) Die Partei und die Gewerkschafts- bewegung haben zudem viel unter polizeilichen Schikanen zu leiden. trotzdem haben wir im vorigen Jahre selbst im dunklen Ober- schlesien gegen 50 Proz. neue Mitglieder gewonnen und in dent- selben Verhältnis haben sich unsere Kassenverhältnisse gebessert. Um aber weiter vorwärts zu kommen, brauchen wir die Hilfe und die Mittel der Partei. Der Parteivorstand ist uns stets entgegen- gekommen, und wir hoffen, daß das auch weiter der Fall sein wird. Wir werden das unserige tun, um das dunkle Oberschlesien zu revolutionieren und endlich der Sozialdemokratie zuzuführen. (Bravo I) Mehrfeld- Köln: Molkenbuhr hat rühmend hervorgehoben, baß unsere Partei die Mitgliederzahl des Volksvereins für das katholische Deutschland überflügelt hat. Diese Mitgliederzahl ist eigentlich kein rechter Matzstab für die Stärke des Zentrums, aber andererseits darf die Bedeutung der großen Mitgliedcrzahl angesichts des niedrigen Bei- träges, des Einflusses der Geistlichkeit und der Nachsicht gegen Restanten doch auch nicht überschätzt werden. Groß ist freilich die Bedeutung des Volksvereins. In Nheinland-Westfalcn fühlen wir ganz besonders seine Macht. In mancher Weise könnte sich unsere Parteileitung den Volksverein zum Vorbild nehmen. Wir müssen noch ganz andere Waffen schmieden, um an die Zentrumswähler heranzukommen. Auf die Dauer wird dem Zentrum auch der ReligionSwauwau nicht mehr Helsen. Um gegen das Zentrum mit Erfolg aufzukommen, brauchen wir viel Opferfreudigkeit, Klugheit, Disziplin und Selbstbeherrschung gegenüber den innerparteitaktischen Zeitfragen.(Sehr richtig!) Solche Streitigkeiten bieten dem Zentrum immer willkommenen Agitationsstoff. Molkenbuhr hat sehr verständige Worte gesprochen über die Gegensätze in unserer Partei. Geben wir Nicht wieder dem Zentrum Gelegenheit, den Arbeitern ein falsches Bild von unS zu malen durch die Vorführung von Streitigkeiten, die den hohen Zielen unserer Partei nicht entsprechen! Hunderttausende von Ar- 'beitern sind in Rheinland-Westfalen noch für die Partei zu ge- Winnen. Tun Sie alles, um die mühevolle Arbeit unserer dortigen Genossen zu unterstützen.(Beifall.) Katzenstei«: Die Kinderschutzkom Missionen haben schon Tüch- tiges geleistet, aber die bisherige Einrichtung ist unzulänglich. Zu unrecht bringt man die ganze Sache unter die Rubrik: Frauen- organisation. DoS ist keine spezielle Fraucnsache, sondern eine all- gemeine Arbcitersache. Sodann reicht es auf die Dauer nicht aus, daß man die Tätigkeit der Ktnderschutzkoiumissionen beschränkt auf die ungesetzliche Kinderarbeit. Das mutz ergänzt werden durch den Schutz der Kinder überhaupt gegen jede Art der Verwahrlosung, Ausnutzung und Mißhandlung. Es sind in den letzten Jahven un-, endlich viel furchtbare Tatsachen durch die Presse gegangen. Wir müssen die öffentliche Meinung aufrütteln, und dadurch auch erziehlich wirken auf unsere Behörden und Berichte, denn ebenso, wie sie rücksichtslos und hart vorgehen, wo es sich um Fragen des Klassenkampfes, um Angriffe gegen die Autorität handelt, ebenso nach- sichtig und milde pflegen sie gegen Personen zu sein, die ihre Autorität mißbrauchen und sei es gegen wehrlose Kinder. Sodann mutz die Sache dezentralisiert und ausgebaut werden. Die ver- schiedenen Organisationen der Arbeiterschaft, politische und»n- politische, müssen herangezogen werden. Wir müssen sorgen, daß die Sachen aufgedeckt loerden, die Einkassierer der Gewerkschaft, die Kontrolleure der Krankenkassen, die politischen und gewcrkschaft- lichcn männlichen und weiblichen Personen müssen in den Häusern die Augen offen halten und die Einwohner darauf hinweisen. Ich gteube, die allerichlimmsten Scharfmacher würden da nicht vom sozialistischen Mißbrauch reden, wenn die Angestellten der Kranken» kassen in dieser Weise arbeiten und vielleicht die Verkaufsstellen der Konsumvereine als Meldestellen eingerichtet werden. Ich habe vor einiger Zeit einen Organisationsstatutenentwurf auSgcarl'eitct und werde ihn weiter bekanntgeben. Ich bitte den Zcntralvorstand, da- für zu sorgen, dafs diese Bestrebungen überall einheitlich und energisch durchgeführt werden. Kommt der Strafgesetzentwurf wieder an den Reichstag, so soll die Fraktion den Kindcrmißhand« lungsparagraphen womöglich noch zu verschärfen suchen. Kein Ver» brechen ist so zuchthaiiSwürdig. Muß die Fraktion, wie voraus- sichtlich, das neue Gesetz ablehnen, so soll sie dafür sorgen, daß dieser Paragraph abgetrennt wird.(Beifall.) Molkenbuhr(Schlußwort): Einen Rüffel für die Pfälzer Genossen kann Genösse Profit auS dem schriftlichen Bericht nicht herauslesen. Wir geben gerne zu, daß unsere Pfälzer Genossen in der Agitation alles geleistet und auch Früchte eingebracht haben, wie wir sie nur wünschen konnten. Aber die paar Minuten für die Beantwortung eines Fragebogens hätten sie doch opfern können, damit wir nicht in unseren Tabellen über den Ansba« der Organisation, der Ge- meindevertrrtUng eine Lücke haben. Die� Landagitaiion hat die Partei schon von jeher sich ange- legen sein lassen, und wir haben ja auch schon verschiedene Erfolge errungen; eine Reihe von Wahlkreisen, die rein ländlich sind oder wo die ländliche Bevölkerung den Ausschlag gibt, können wir ja als die unseligen bezeichnen. Ein doppeltes Bedürfnis hat sich nun für die andere Form der Landarbeiteragitation herausgestellt: einmal die Landbevölkerung der gewerkschaftlichen Bewegung näher zu bringen, wenn auch Streikztvecke ausgeschlossen sind, und auf diese Weise den Landarbeiter dem organisierten Proletariat überhaupt näherzubringen. Das wird geiiwinschaftliche Aufgabe der gewerkschaftlichen und politischen Organtsation kein. Die Folgen muß erst die Zukunft lehren. Das oberschlesische Gebiet bildet ja, wie daS an der Saar, eine pclitisch rätselhafte Erscheinung. Die ungeheure Menge des Pro- letariats' bildet da die Gefolgschaft des Zentrums und der Polen. Es weiß nicht, daß die volntschc Partei im Reichstag eine der ver- schrobensten Arbeiterparteien ist. die wir überhaupt haben.(Sehr richtig!) Die polnischen Proletarier aufzuklären wird eine schivere Aufgabe sein, aber es muß gemacht werden. Dem Zentrum folgt die Arbeiterschaft als Katholiken und dabei sind Zentrumspartci und katholische Kirche zwei entgegengesetzte Dinge. Das Zentrum ist eine Untcrnehmcrpartei, die darauf ausgeht, die Ausplünderung des Proletariats für alle Zeit zu stabilisieren und auch Steuer- gesetze gegen die Proletarier zu machen. Ich weiß, daß die Auf» klärungsarbeit die allerschwerste ist. Gerade diese Partei arbeitet mit den allerrupplgsten Verleumdungsmitwln.(Sehr richtig!) Nicht der Rcichsverband hat die Waffen der Lüge und Verleumdung erfunden, in das politische Leben eingeführt hat sie schon vor Jahr- zehnten die München-Gladbacher Fabrik.(Zustimmung.) Was den Kinderschutz anlangt, so müssen gewiss« Arbeiten vor- zugSweise von den Frauen, andere von den Männern gemacht loerden. Da doch die Frauen am meisten Verständnis für die Be»« Handlung der Kinder haben, so ist ihre Mitarbeit mit Freuden. zc» begrüßen. Unsere Stellung zur Strakaeiednovelle werdetv-wie Noch an anderer Stelle darlegen« GerlsH und Kaden verzichten Süss Schlußüio-rt. Die antragte Entlastung wird dem Vorstande erteilt. Der Bericht der Ncichstagsfraktion soll morgen entgegengenommen werden. Es folgt die Besprechung der Anträge, die sich mit der Agitation beschäftigen. Davon werden genügend unterstützt die Anträge 6. 7. 10. 12. 13. 14. 21. 27 und 26 bis 39. Geiß-Mannheim begründet den Antrag 6. Man hat es bisher als eine der schwierigsten Aufgaben betrachtet, die Arbeiter auf den Schiffen zu organisieren. In Mannheim ist der Beweis erbracht, das; es nicht ganz unmöglich erscheint. Die Organisation der Hafenarbeiter hat Bresche gelegt, ein spezieller Beamter hat die gewerkschaftliche Organisation auf den Schiffen in die Wege geleitet. Die Er folge sind zufriedenstellend, und daher mutz es auch möglich sein, die Schiffer politisch zu organisieren. Etwas kostspielig wird die Sache ja sein. Wie in Mannheim mutz auch in Mainz und Köln organisiert werden. M-lkenbuhr: Der Wortlaut des Antrages richtet sich eigentlich gegen eine Unterlassungssünde der Mannheimer Genossen. Unsere Genossen in Berlin, Hamburg usw. haben es sehr wohl der Mühe für wert gehalten, bei den Binnenschiffern auch eine politische Agitation zu entfalten. Die Flugblätter werden auch auf den Schiffen in den Häfen verteilt. Der Antrag dürfte nicht nur auf die fJlhclw schiffahrt sich beschränken, sondern sich auf die Binnenschiffahrt im allgemeinen erstrecken. Der Parteitag sollte den Antrag dem Parteivorstand überweisen. Was geschehen kann, wird getan werden. Geiß-Mannheim: Der Parteivorstand sollte eine Konferenz einberufen von Vertretern der Binnenplätze. Singer: Der Parteivorstand wird diese Anregung in Er- wögung ziehen. Der Antrag 6 wird dem Parteivorstand zur Erwängung über wiesen. Es folgt der Antrag 7(Antrag Koblenz, betreffend Anstellung eines zweiten Parteisekretärs für den oberrheinischen Agitations- bezirk Köln, mit dem Sitze Koblenz.) Htittmann-Frankfurt a. M. bittet, den Antrag, der in der vor liegenden Form nicht annehmbar sei, dem Parteivorstand zur Er wägung zu überweisen. Trotz ziemlich starker Industrie ist das Gebiet um Koblenz noch sehr rückständig und fast unumschränkte Domäne deS Zentrums. Aus eigener Kraft werden die dortigen Genossen zunächst der Sozialdemokratie keinen grötzeren Einflntz erkämpfen können und auch die Kölner Genossen werden dazu nicht imstande sein. Der Antrag wird debattelos dem Parteivorstand zur Erwägung überwiesen. Die sich auf die Jugendagitation beziehenden Antröge 10, 12, 13 und 14 werden gemeinsam beraten. Simoil-Nürnberg begründet den Antrag 10, der nur einmaliges Erscheinen und dafür bessere Ausgestaltung der„Arbeiterjugend" verlangt. Der letzte Teil des Antrages, die„Arbeiterjugend" für S Pf. pro Nummer abzugeben, ist schon durchgeführt und kann daher als erledigt zurückgezogen werden. Die Artikel müssen besser ausgewählt und häufiger durch Illustrationen verständlich gemacht werden, trotz der wenig angenehmen Erfahrungen, die wir in unseren Parteischriften, von der„Neuen Welt" abgesehen, mit Illustrationen gemacht haben. Der Parteivorstand wird hoffentlich die Schwierigkeiten lösen können, und ich bitte daher, den Antrag, soweit er sich auf die Illustrationen der„Arbeiterjugend" bezieht, dem Parteivorstand zur Berücksichtigung zu überweisen. Dr. Liebknecht begründet den Antrag 12(Lebhafteste Agitation für die Jugendbewegung und billigere Lieferung der„Arbeiter- jagend"): In den Gewerkschaften wie in der Partei wird die Be- dentung der Jugendbewegung immer mehr erkannt. Aus dem Parteivorstandsbericht geht hervor, in welchem Umfange Jugend- auSschüsse in Deutschland errichtet werden. Auch autzerhalb der alten und neuen Jugendorganisationen spielt sich ein Teil der proletarischen Jilgendbelvegung ab, zumal in den Turnvereinen, die sich dadurch den lebhaftestenHatz derReaktionzugezogenhaben.(Sehrwahr>) Bei dem Mangel eines geordneten Instanzenweges haben wir öffentlich zum Ulchehorsam gegenüber diesen Matznahmen aufgefordert; es ist Anklage erhoben worden und wir werden im gerichtlichen Verfahren die Angelegenheit zur Sprache bringen. Wir wünschen, datz das Knltusministerinm gegen jeden Anklage erhebt, der in der Weise, wie ich e» getan habe, seine Matznahmen angreift, damit aus breite st er Grundlage di�se N e ch t s w i d r i g k e i t e» im gerichtlichen Verfahren gebrandmarkt lv erden. (Bravo I) Die Jugendbewegung hat Fortschritte gemacht, aber sie befriedigt noch—nicht. Die Teilnahmlosigkeit der Er- wachsenen mutz aufhören und die Auflage der„Arbeiterjugend" auf mindestens 100000 steigen. Das Defizit, das bei dem notwendigerweise geringen Abonnementspreise kaum vcrmeidlich ist, mutz die Parteikasse übernehmen.(Sehr richtig I) Die Nürn- bcrgcr Resolution in Verbindung mit der Deklaration durch den Genossen Haase ist an sich ausreichend, aber es hapert noch an der praktischen Durckiführnng. Besonders schwierig ist das Zusammen- arveitcn von selbständigen Jugenorganisationen und Jugendausschüssen und auch der nötige konnex zwischen den gewerkschaftlichen Orga- nisationen rmd den Jugendausschüssen hat sich noch nicht ergeben. Auch hier lätzt sich allekdingS ein erfreulicher Fortschritt konstatieren. Man sucht offenbar überall nach Wegen, um mit den Jugendausschüssen in eine gewisse Beziehung zu treten, damit alle Kräfte nach einer einzigen Richtung zusammengefaßt werden. Wenn wir die Frage, wie unsere Partei sich zu der Jugendbewegung zu stellen hat, in ihrer ganzen Tragweite erfassen wollen, 10 müssen wir uns vor allem über die Bestrebungen der Gegner auf diesem Gebiete orientieren. Die Jugendschriften- Ausstellung in diesem Hause hat baS betreffende Material sehr gut zusainmen- gestellt. und Sie können dort ersehen, wie autzerordent- iich un» die gegnerische Jugendbewegung überlegen ist. So existieren Dutzende von Jugendzeitschriften der evangelischen und katholischen Organisation, die zusammen 100 000 Abonnenten haben, während wir alles in allem init mir 30000 auswartcn können. Auch Jngeudhcime, zum Teil sehr stattliche Häuser, sind von den Gegnern über ganz Deutschland verbreitet. Die beim Militär befindlichen An- Hänger der Gegner und die Soldaten, die sie dazu machen wollen, werden von ihnen unausgesetzt mit Fliigschrlften und Zettungen versorgt, natürlich unter Genehinigung der Kommandeure. ES sind so- gar Organisationen der Soldaten� auch Soldaten- und Marinchelme von den Gegnern errichtet, ein palastartiges Gebäude ist z. B. das Soldatenheim auf der Senne bei Paderborn, Der Staat, der seinen Einflntz auf die Schule in skrupelloser Weise ausnützt, trägt auch die nationalistische patriotistcrende Agitation immer mehr in die Schulen hinein durch Bildung von Schülerschictz- riegcn usw. Die Regierung arbeitet mit Hochdruck, um die freie Jugendbewegung zu vernichten und reaktionäre, gelbe Gebilde als Heilmittel gegen das Eindringen des sozialistischen Giftes zu befördern. Hier ist noch eine gewaltige Leistung von der klaffen- bewntzten Arbeiterschaft zu vollbringen. um diese Felsblöcke, die der freien Jugendbewegung entgegengewälzt werden, aus dem Wege zu räumen. Ich halte es für die verdammte Pflicht und Schuldigkeit unseres Parteitages, datz er von neue», ein begeisterndes und anfeuerndes Mahnwort in die deutsche Bewegung hinauSschickt.(Lebhafter Beifall.) Hierauf tritt die Mittagspause ein. Bon dem Zentralbureau der ausländischen Gruppe der russischen sozialdemolratischen Arbeiterpartei tn Paris ist ein BegrsttzungS- telegramm eingegangen. Schlutz 1 Uhr. NachmlttagSsttzung. Singer eröffnet kurz nach 3 Uhr die Verhandlungen mit der Äerlesmig der Grütze und Wünsche, die der Borstand der Sozial- demokratre Hollands dem Parteitage sendet. Mecrfcld-Köln begründet den Antrag 13, wonach die Jugend- auSschüffe auf einer Znsamnrenkunft aus der Summ« der Erfahrungen das Wichtige herausziehen sollett. Wir tasten noch zu sehr bei der Gewinnung der Jugend. Pflüger-Swttgart begründet den Antrag 14, der vermehrte Ge- legenheit zur Ausbildung der organisierten Jugend fordert. Gradnauer-DreSden: Gewitz bieten die gegnerischen Klassen alles auf. um die Ar« beiterjugend von der sozialdemokratischen Weltanschauung fernzuhalten. Man nehme diese gegnerischen Versuche aber nicht zu tragisch, denn sie scheitern an den Realitäten des Lebens, wie es von Anfang an an die Arbeiterjugend herantritt. Wir dürfen auch nicht verkennen, datz wir trotz einiger Irrtümer und Torheiten schon recht schöne Erfolge erzielt haben. Was wir bereits auf dem Ge- biet der Jugendliteratur leisten, zeigt die Leipziger Ausstellung der Lehrmittel. Eine Reihe Parteiblätrer haben besondere Beilagen für die Jugend eingeführt. Natürlich tun die Polizeibehörden alleS was sie können, un, die Jugendbewegung zu hemmen. Die Politik der Nadelstiche blüht munter fort trotz des angeblich liberalen VereinZgesetzes; sie hat unS aber nicht verhindern können, die schönsten Fortschritte zu erzielen. Hier in Sachsen hat man eS als Beschäftigung mit politischen Arn gelegenheiten betrachtet, datz ein Festredner äutzerte, es gäbe in unserer Gesellschaft Reiche und Arme, und einige Heinesche Lieder zum besten gab.(Hört I hört!) Allerdings hat da« Landgericht dieses unsinnige Urteil aufgehoben, während die Entscheidung des Oberlandesgerichts noch aussteht.— Hauptaufgabe für un? alle mutz sein, uns immer noch viel mehr in den seelischen Zustand der jungen Leute hineinzuversetzen.(Lebhaftes Sehr richtig!> Das können wir immer noch nicht, wir denken immer»och, wir haben es mit 18 bis 22jährigen zu tun. Man hat ganz richtig erkannt, datz eine rein abstrakte Behandlung deS Stoffes nach Möglichkeit zu vermeiden ist; aber trotzdem verfällt man immer wieder in diesen Fehler. Wir müffen anschaulich sein und an Tatsachen deS Lebens anknüpfen, an die Entwickolung der Werkzeuge usw. Wir müssen der Jugend bewegung unsere grötzte Aufmerksamkeit zuwenden, denn aus der Jugend kommen die Männer, die erfüllen sollen, was wir aufgebaut haben.(Beifall.) Parteisekretär Ebert: Die Befürwortung einer zweckmäßigen und nachhaltigen Agitation unter der proletarische» Jugend findet die v o l l e Z u- st i m m u n g d e r P a r t e i l e i t u n g. In organisatorischer Be- ziehung sind uns durch daS Vereinsgesetz große Schwierigketten bereitet und Kinderkrankheiten müssen auch auf diesem Gebiet über wunde» werden. Aber der Nürnberger Beschluß über die Jugend bewegung hat einen freudigen Widerhall bei allen unseren Partei genossen gefunden, wie selten ein Parteitagsbeschluß, und der Bericht, wonach in so kurzer Zeit in über dreihundert Orten Jugend- ausschüffe errichtet worden sind, tut den Eifer kund, mit dem die Genossen an die Ausführung der Bcschlüffe gegangen sind. Dabei ist zu bedenken, daß zwei Drittel der Jugendausschüsse erst in den letzten Monaten gegründet worden sind. In der kurzen Spanne von einem halben Jahre sind bereits an 36 Orten Jugendheime errichtet worden, darunter 34 mit einer tzesonderen Jugendbibliothek, 327 Einzelvorträge für die Jugend sind uns berichtet worden. Unter richtskurfe sind an etwa 20 Orten eingerichtet, künstlerische'Dar bietungen an 37 Orten gegeben, Führung durch Museen usw. fanden an 34 Orten statt, über 500 Ausflüge mit Spielen und Uebungen im Freien sind durch die Jugendausschüffe im Laufe des Sommers veranstaltet. Da« ist alles noch herzlich ivenig; aber wenn man die Schwierigkeiten und die kurze Zeit bedenkr, kann man mit dem Er folge zufxiede» fein. Die Abonnenteiizahl der„Arbeiter. jugend" ist von 25 000 auf 32 000 gestiegen, die Gcwerk. schaften gehen fast überall dazu über, für ihre jüngeren Sektionen die„Arbeiterjugend" obligatorisch zu machen. Aus den Berichten der JugendauSschllsse geht hervor, daß die Schwierigkeiten nicht so groß sind, als man annimmt. Auf die Einzelheiten der Anträge und Reden, die viel Beachtenswertes boten, kann ich hier nicht eingehen. Ich bitte Sie, alle Anregungen und Anträge der Jugendzentrale zur Erwägung zu Übenveifen Sie werden dort objektiv und gründlich geprüft und nach Möglich. keit durchgeführt werden. Eine Konferenz der JugendauSschüsse hat die Jugendzentrale schon vor einiger Zeit in Aussicht genommen, sie bedarf aber»och etwas Zeit zur Vorbereitung. Der erste Teil )eS Antrags 12 kann schon hier vom Parteitag angenommen werden, denn eS steht fest, daß unsere Partei« und Gewerk- 'chaftSorga nisationen in der materiellen Unter- t ü tz u n g der JugendauSschüsse weit mehr l e i st e n müssen als bisher.(Sehr richtig I) Die„Arbeiterjugend" wird an alle Vereine und Wiederverkäufer zum halben AbonncinentSprciS abgegeben, wir beabsichtigen durchaus keine Ueberschüffe aus der „Arbeiterjugend" zu ziehen, aber sie umsonst abzugeben würde nicht Iweckmätzig sein. Alles in allem bin ich durchaus der Meinung, daß >er Nürnberger Beschluß und die Maßnahmen der Zentrale sich »urchauS bewährt haben.(Beifall.) Mchlich-Stettin empfiehlt den zweiten Teil des Antrages 13, die Unterstützung des Kampfes deS ArbeiterabstiuentenbUndeS gegen den NkoholiSmuS. Der Bund führt den Kampf, der nach dem Essener Beschluß der Partei obliegt, völlig alloin, und der Kampf gegen den AlkoholiSmnS ist sehr kostspielig. Der Partcivorstand hat eine finanzielle Unterstützung abgelehnt, seine Beweisführung kann ich nicht als richtig auerkennen. Der Vorstand beruft sich auf den Satz der Essener Resolution, wonach die Alkoholgefahr am wirksamsten durch Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter bekämpft wird; er übersieht aber den vorangehenden Satz, in welchem die Arbeiterorganisationen aufgefordert werden, jeden Zwang zum Genuß alkoholischer Getränke bei ihren Zusammenkünften zu be- kämpfen. Der Parteivorstand erklärte in seinem ablehnenden Schreiben weiter, der Kampf gegen den AlkoholiSmnS werde von den Arbeiterorganisationen durchaus gemäß den, Essener Beschlüsse geführt. Ich muß da» bestretten, so hat da» Offenbachcr Partei- Katt in Btld und Wort das Bier als VolkSnahrungSmtttel gefeiert (P f a n n k urh: DaS wird ja von Abstinente» redigiert I Heiterkeit). DaS muß ich bestreiten. Dagegen hat das„Harburgcr Volksblatt" in vorzüglicher Weise den AlkoholtSmuS bekämpft.' Der Stettiner Wahlverein überreicht jedes Jahr seinen Mitgliedern eine Broschüre über die Alkoholgefahr. Aehnliche Deschlitsse hat das Gewerkschaftskartell gefaßt, und der nächstjährige pommersche Partei- tag wird zweifellos in demselben Sinne beschließen. Der Partei« vorstand hat durchaus Mittel in der Hand, dies» Kampf zu unter- 'tützen. Baron-Brandenburg: Im Namen der Nathenower und Brandenburger Genossen unterstütze ich den Antrag deS Genossen Liebknecht. Wir dürfen un» durch die Erfolge der Jugendbewegung an einzelnen Orten nicht blenden lassen. Ans dem Papier nimmt sich diese Statistik schöner aus als in der Wirklichkeit. Die JugendauSschüsse kämpfen einen schweren Kampf. Die Partei und Gewerkscha Mittel mit freundlicher Miene bewilligen. rften sollten die Der Parteivorstand sollte das Interesse der einzelnen Wahlvereine für diese Sache wecken. Vielfach hält man noch die JugendauSschüffe für Spczial- liebhaberelen oder gar für unnütze Vkandschatzer. Erwünscht wäre eS, wenn zur Unterstützung der Zentrale Landes- oder Provinztal- zentralen eingerichtet werden. Wenn 4vir die Jugendbewegung gleichzeitig als Antimilitarismus auffassen, wird auch mehr Zug in die Sache kommen.(Beifall.) Sänger-Münchent Gegen die Verbindung der Jugendorganisation mit anii- militaristischer Propaganda haben sich die Parteitage zum Glück bisher immer ablehnend verhalten.(Sehr gut!) Btldungsovgant- sationen, in denen zugleich körperliche Ausbildung betrieben wird, in Verbindung mit den Turnvereinen, das ist es, was wir erreichen wollen und zunächst erreichen können.(Sehr richtig I) Hoffentlich finden die hier gegebenen Anregungen wirklich Be- solgung. Die Artikel der„Arbeiterjugend" sind vielfach zu hoch, vierzehnjährigen jungen Leuten soll man nicht mit den Matrikulctr- beitrügen kommen. /Heiterkeit.)' Wir müssen bcMH trachten. ähnlich wie das Zentrum, zwei Sorten von Organen zu haben. die eine für die Jugendleiter, die andere für die Jugend selbst. Die Jugendzeitung mühte mehr eine persönliche Note haben. Die Lehrer bei den Bildungskursen von der Zentrale aus zu stellen, geht nicht an. Die Lehrer müssen die einzelnen Personen kennen und mit den lokalen Verhältnissen vertraut sein. Schließlich wird sich doch in jeder sozialistischen Gemeinde so eine Art Pfarrer finden (Heiterkeit), der sich zu Vorträgen für die Jugendlichen eignet. Man soll sich merken, wie es das Zentrum macht, daS übrigens während es in erbärmlicher Weise unsere Jugendorganisationen bekämpft, in seinen angeblich unpolitischen Jugendvereinen mit Staatshülfe Agitation für seine Politik treibt. ES ist zu hoffen, dah wir trotz aller Schwierigkeiten doch im Laufe der Jahre unser Ziel erreichen werden. Friedrich-Zwickau: Es ist erfreulich, datz Liebknecht etwa? mehr Dampf hinter die Jugendorganisation seht, aber vor Ueberhitzung ist zu warnen. Man soll nicht die Jugend, die sich eben freut, der Schulfessel ledig zu sein, gleich wieder unter eine neue Fessel stellen, mag diese auch nicht sehr drückend sein. Man kann jungen Leuten, die den Tag über schwer arbeiten müssen und dann bis 0 Uhr die Pflichtfort- bildungsfchule besuchen, nicht noch am Abend Vorträge über Ur» gesellschaft und über schwere nationalökonomische Fragen halten. Es lätzt sich aber wohl ermöglichen, schwierige Themata wie die Matrikularbeiträge, von denen Sänger sprach, in eine dem Fassungsvermögen der Jugend angebrachte Form zu bringen. Eine Korrespondenz in Bremen hat auf diesem Gebiete schon ganz Gutes geleistet. In kleineren Städten lassen sich die an sich guten An- regungen der Jugendzentrale schwer durchführen. Die Jugend- zentrale soll lieber den Parteigenossen im Lande unter die Arme greifen, als ein Schema zu geben, daS auf die großen Städte zu« geschnitten ist. Vaubert-Apoldat Die Anträge sind meist zu sehr auf die großen Städte zuge- schnitten. In Kleinstädten fehlt es durchweg an geeigneten Kräften. Zugute kommt unS die Tölpelhaftigkeit der Behörden. So wurde in der Fortbildungsschule in Weimar der vom Reichsverband herausgegebene sogenannte Volkskalender verbreitet. Auf unsere Interpellation im Landtage brauchte der Staatsminister ein Paar Verlegenheitsphrasen, um dann aber zu erklären, die Verbreitung der„Arbeiterjugend" unter den Fortbildungsschülern werde man mit allen Mitteln hindern. Der LehrlingsauSschuh der Handwerks- kammer hat auf Anregung des Kultusdepartements des Staats- Ministeriums den Vorschlag gemacht, auf GefetzeSlvege den Besuch politischer Versammlungen und politischer VereinShäuser den Lehr- lingen zu untersagen und dafür die Lchver berantwortlich zu inaclien. Wir werden natürlich um so eifriger in-unserer Agitation fortfahren und den alten Spruch befolgen: auf eine» Schelm anderthalbe.(Beifall.) Dr. Liebknecht: Mit der Ueberweisung der Anträge an die Zentrale bin ich durchaus einverstanden. Bezirksorganisationen sind in Rheinland« Westfalen und Schleswig-Holsicin schon in Bildung begriffe» und lassen sich weiter ausbauen. Von besonderer Wichtigkeit ist, daß die Jugendheimbewcgung eine etwas lebhaftere wird. Im großen Berlin hat man bis zu diesem Augenblick noch kein Jugendheim, und ich bitte alle beteiligten Instanzen, hier für Abhilfe zu sorgen. Im ganzen scheinen mir die Vorwurfe gegen die Artikel in der„Arbeiterjugend" unberechtigt zu sein. Wir wenden uns doch nicht nur an den 14jährigen, sondern an die Jugendlichen bis über 18 Jahre hinaus. Es ist kaum zu vermeiden, daß ein Teil der Artikel etwas zu hoch ist für die unteren Alters- stufen, denn gerade in diesen Jahren vollzieht sich die größte geistige Umwälzung. Schwierig ist die Frage, wie die geeigneten er- wachsenen Parteigenossen für die Leitung der Jugendorganisation zü finden sind. Es gehört dazu außer allgemeiner Tüchtigkeit auch noch ein starkes pädagogisches Element. Wir müssen solche pSda« gogisch geeigneten Personen, deren wir ja zweifellos eine Unmenge haben, suchen und entwickeln. Es ist vielfach üblich, daß zu den Kosten der JugendauSschüsse Partei und Gewerkschaft in gleichem Maße Beiträge leisten. Wenn nun angesichts der derzeitigen schwierigen Lage die Gewerlschasten niedrige Beiträge leisten, dann hält sich die Partei eben auch an diese Höhe deS Beitrages. Das darf nicht sein. Die Partei muß dann eben tieftr in den Beutel greift». Es gibt kein Geld, das nutzbringender angelegt werden kann als das für die Jugendbewegung.(Beifall.) Ich bitte dringend, dem WarnungSruf vor Ueberhitzung tn der Jugend- bewegung keine Folge zu geben. Vorläufig ist die Hitze noch nicht so groß, als daß wir nicht noch tüchtig Heizmaterial hineinstecken können.(Beifall.) Schulz-Berlin: Ueber das große Ziel herrscht erfreulicherweise völlige Einig- keit. Nur die Meinungen über Mitte: und Wege gehen erheblich auseinander. Auf der einen Seite ist das Schlagwort gefallen vom Austobenlassen der Jugend, auf der anderen Seite will man einen erlaubte» Antimilitarismus treiben. Die antimilitaristtfche Anita- tion ist aber nicht die Hauptsache der Jugendbewegung.(Zu- stimmung.) Die Jugendzentrale hat sich an daS Programm de» Nürnberger Parteitags zu halten. Aber auch die Bemerkung vom Austobenlassen der Jugend ist nur zum Teil richtig. Vergessen Sie nicht die Tausende und?lbertausende von Jugendlichen, die einen heißen Drang danach haben, nachzuholen, was die Volksschule ihnen vorenthalten hat. Die Zahl 18 steht doch nur im 3teichsvereinSgesetz; für Unsere pädagogische Auffassung hat sie herzlich wenig Bedeutung. Unsere jugendlichen Arbeiter sind genau so berufen und befähigt zum Lernen und zum Nachdenken auch über abstrakte Dinge, wie die Gymnasiasten und Studenten. Gewiß muß an konkrete Gegenstände angeknüpft werden, aber wir müssen auch auf Dinge mehr abstrakter Natur hinweisen. Hier kommt et auf die Methode der Darbietung an.— Ueber die Wandcrkurs« bin ich anderer Ansicht als Genosse Friedrich.— Gewiß ist der Ton nicht leicht zu finden, tn welchem zu den Jugendlichen gesprochen werden muß. Aber er wird sich lernen lassen. An den politischen Angelegenheiten kann man bei den jungen GenerntiöNen nicht vor« übergehen. Für die Jugend ist erforderlich möglichst e»n bisset Lieb und ein bisset Treu und Ausdauer Und möglichst viel Geld. (Heiterkeit und Beifall.) Dr. Frank-Mannheim: Mit der„Arbeiterjugend" geht e» wie mit der„Jungen Garde": eine ganze Menge Ratschläge ui�d ganz wenig Mitarbeiter. ES ist autzerordentlich schwer, für die Jugend so zu schreiben, datz die Artikel nicht flach werden und doch zu ihr sprechen. Das könne» fast nur Dichter und Frauen. Die Frauen haben bisher n»r ein theoretisches Interesse für unsere Jugendblätter bewiesen und Dichter haben wir in unserer Partei recht wenig, und die. die wir haben, schreiben nicht für die„Arbeiter- jngend". ES gibt keinen Stoff, den man in einem Jugend« blatt nicht behandeln kann, wenn man versteht, zu der Jugend zu sprechen. In der„Arbeiterjugend" sind drei grotze fortlaufende Artikel über die Reichsverfassung erschienen, und wenn der Verfasser mir nicht zu nahe stände(Große Heiter- keit), würde ich sagen, die sind sehr gut geivesen.(Zuruf: Sie waren auch gut!) Daher ntöchte ich davor warnen, (cht einen Schritt rückwätts zu tun, während die bllrger- (che» Parteien und die Regierung auf diesem Gebiete im Begriffe sind, zwei Schritte weiter zu machen. Sogar tn den Volksschulen soll jetzt die Biirgerkunde eingeführt werden, selbstredend in» hurrapatriotischen Geiste und im Sinne der Hohenzollernverherr» lichnng. Wenn der bürgerliche Staat der Meinung ist, er könnte den Schullindern Bürgerkmide beibringen, so brauchen wir nicht zu fürchten, daß die Arbeiterjugend nicht imstande sei, eine geeignete Aufklärung über die Reichsverfassnng anfzunehinen. Ich möchte im Gegenteil anrege», von feiten der Zentrale die Abfassung eines geeigneten kleinen Lehrbuches über Bürgerkmide ins Auge zu fassen, um den geplanten, den verstiiimnclten Geschichtswerken entsprechenden verstümmelt«» amtlichen Publikationen über diesen Gegenstand zu begegnen. ES heißt vorwärtsschreiten und nicht zurückgehen. Ueberi Die Diskussion schließt. DaS Amendement Gottschalk die Wichtigkeit der Jugendbewegung ist man ja überall einig. Der I der unveränderte Antrag Breslau werden abgelehnt. Nürnberger Parteitag hat ja nicht nach allen Seiten befriedigt; aber(_ Baerer-Harburg begründet den Antrag 27,*) den die die Befürchtungen, die man an seine Art der Regelung der Jugend bewegung knüpfte, haben sich nicht erfüllt. fHört! hört l) Die Gegner haben Angst vor unserer Jugendagitation und das ist das beste Zeugnis dafür, daß wir auf dem rechten Wege sind. Hundert- taufend neue Leser der»Arbeiterjugend" werden den Gegnern mehr Schrecken einflößen als eine halbe Million neuer sozialdemokratischer Stimmen.(Beifall.) Wels- Berlin Genosse Liebknecht darf volles Vertrauen zu der Berliner Organisationsleitung haben, die den Beschlüssen des Parteitages vollauf Rechnung getragen hat. WaS das Jugendheim betrifft, so werden alle Vertreter großer Städte hier begreifen, welche kolossalen Mittel dazu gehören. Alle betreffenden Instanzen sind an der Arbeit, eine Reorganisation des ganzen Jugend- und Bildungswesens in Berlin herbeizuführen. Genosse Liebknecht hat eS also nicht not- wendig, uns die Zensur zu erteilen. Die übrigen Dinge hat Genosse Frank vollauf erledigt. Damit schließt die Diskussion. Die Anträge 10, 12, Absatz 1, 13, Absatz 1 und 11*) werden der Jugendzemrale zur weiteren Bearbeitung überwiesen. Der Absatz 1 des Antrags 12 wird mit großer Mehrheit angenommen. Ueber Absatz 2 deS Antrags 13 erklärt Singer später abstimmen lassen zu wollen, da es sich dabei wohl nicht um die Bekämpfung des Alkoholismus bei der Jugend, sondern um die Bekämpfung des Alkoholismus überhaupt handelt. Albrecht-Breslau begründet den Antrag 21 auf Herausgabe einer knappen Broschüre zur Kennzeichnung des Verhaltens der bürgerlichen Parteien bei der ReichSfinanzreform. Der Wunsch ist aus den Kreisen der Arbeiter hervorgegangen, die ein kurzes Handbuch haben wollen, um jederzeit den noch zu gewinnenden Kollegen sagen zu können: so sieht die verräterische Partei aus, der ihr bisher noch nachgelaufen seid. Vielleicht läßt sich in der Broschüre bildlich die Schädigung durch die neuen Stenern darstellen. Müller-Berlin, Parteisekretär: Neben dem Handbuch, das in einigen Wochen erscheinen wird. dieselbe Materie noch einmal zu behandeln in der Art, wie Albert es vorgeschlagen hat, halte ich nicht für möglich. Der Antrag will den Parteivorstand beauftragen, alles geeignete Material über die ReichSfinanzreform zu sammeln. DaS geht nicht in einer so kurzen Broschüre. Muß doch der Verfasser des Hand- buchS sehr eingehend die Alten der Reichstagskommission studieren. Der Antragsteller wünscht sozusagen einen literarischen Totschläger für den Kleinagitator.(Heiterkeit.) Dazu kann das Handbuch sehr wohl dienen, das an die Organisationen zum Selbst- tostenpreis abgegeben werden soll. Ich sehe keinen Unterschied zwischen dem, was wir wollen, und dem Antrage Breslau. Ewald-Berlin befürwortet dringend die Annahme des Antrages Breslau. Eine kurze, knappe, wuchtige Broschüre werde gerade für die Landagitation vorzügliche Dienste leisten. Albert-BreSlau: Wir haben uns die Broschüre so gedacht, wie der Genosse Ewald ausführte, und keineswegs eine komplizierte Dar- legung, die Müller meinte. Eine solche Broschüre würde ein vor- züglicheS Hilfsmittel für die Agitation sein. Adolf Hoffmann(Berlin) bittet um Ablehnung des Antrages, dem eS an Klarheit fehle. Riechen(Kreuznach) bittet um Annahme des Antrages. Eine knappe Broschüre werde vortreffliche Dienste im Rheinland gegen das Zentrum leisten. Parteisekretär Müller-Berlin weist auf die Flugblätter hin, die der Parteivorstand herausgegeben habe. Sonderbroschüren bereiten die Genossen in einzelnen Bezirken vor, so zum Beispiel die Essener Genossen über die Haltung des Zentrumsabgeordneten GiesbertS. Nicht an Broschüren ist ein Maugel, sondern an einem Handbuch über die Stellung der bürgerlichen Parteien zur Reichsfinanzreform. Der Antrag Breslau will doch ausdrücklich eine Schrift für die agitatorisch tätigen Genossen und nicht eine Broschüre zur Massen- Verbreitung. Eine solche Schrift kann aber nur so hergestellt werden, wie wir sie beabsichtigen. Löbe-BreSlau: Die Berliner haben gut reden. Sie habend eS vielleicht mit zehn gegnerischen Blättern zu tun. Wir haben aber mit unserem einzigen Organ 300 Blätter zu bekämpfen. Uns fehlt nicht da? zwölf Bogen starke Handbuch, von dem Müller fragt, sondern uns fehlen die 16 Seiten, die die Haltung der ein- zelncn Parteien geißeln etwa nach Art der Artikel der„Bergarbeiter- zeitung":„Infame Volksbetrüger", die durch die ganze Parteipresse die Runde gemacht haben, und die Theorie und Praxis des Zentrums in packenden Gegensatz stellen. Wir müssen einen Gegen- schlag gegen die sogenannte„Aufklärung" führen, die von Konservativen und dem Reichsverband über die Finanzreform ver- breitet wird. Stubbe- Hamburg: Im großen und ganzen ist vorhanden, was der Antrag verlangt. Wenn die Parteigenossen eine solche Broschüre aber für unbedingt notwendig halten, dann mag sie er- scheinen. Wir Hamburger werden eine Broschüre über die„Finanz. gcschichte des Deutschen Reiches" herausbringen, die auf allen Seiten genügen wird. Adolf Hoffmann-Berlin: Ich begreife nicht die Aufregung des Genossen Lobe. Wir wenden uns nicht gegen den Antrag, weil er aus der Provinz kommt. Die Schlesier sollten eine Bro- schüre für ihre Provinz etwa nach der Essener Broschüre gegen GieSberts herausgeben. Gottschalk-Königsberg: Genosse Hoffmann hat gut reden, die Berliner haben das Geld und die befähigten Genossen zur Ver- fügung. Die Breslauer aber haben an die zurückgebliebenen Be- zirke gedacht. Ich beantrage, den zweiten Satz des Antrages zu streichen und im ersten Satze statt in Broschürcnform zu sehen: „in Form von Broschüren, die zur Massenverbreitung geeignet sind und den Organisationen zum Selbstkostenpreis und, wo es nötig ist, kostenlos überlassen werden". Buhl-Leipzig: Die Frage der Finanzreform ist tatsächlich zur Massenaufrüttelung geeignet. Unser Verlag wird wahrschein- lich schon morgen eine kleine Broschüre dazu erscheinen lassen. *)10. Nürnberg: Der Parteitag beauftragt den Partei- vorstand, die„Arbeiter-Jugend" monatlich nur einmal erscheinen zu lassen. Betreffs Inhalt soll mehr auf Illustration Rücksicht ge- noinmen werden. Den örtlichen Jugendkommissionen ist die„Ar- beiter-Jugend" pro Nummer für 5 Pf. zu liefern, damit dieselbe eventuell obligatorisch eingeführt werden kann. Ferner soll in Er- wägung gezogen werden, ob möglich, daß Parteivorstand und Ge- neralkommission die Kosten für die„Arbeiter-Jugend" selbständig tragen. It. Eilenburg: Alljährlich hat im Anschluß an den Parteitag eine Konferenz der Jugendorganisationen stattzufinden. 12. Potsdam-O st Havelland und Jugend- ausschuß Berlin: Der Parteitag fordert die Genossen aus, mit größerer Energie und lebhafterem Eiser als bisher für die Jugend- bewegung tätig zu sein, auch mehr Mittel dafür flüssig zu machen. IZ. Köln Stadt und Land: Der Parteitag beauftragt die Zentralstelle für die arbeitende Jugend, eine Reichskonferenz der Jugendaüsschüsse einzuberufen, damit die Frage der Jugenderziehung einheitlich geregelt wird. II. Der Parteivorstand wird beauftragt, den Kampf, den der Arbeiterabstinentenbund gegen den Alkoholismus führt, zu unter- stützen. 14. Stuttgart: Der Parteitag möge den BildungsauSschuß beauftragen, eS den Jugendorganisationen durch Anstellung von Wanderlehrern oder-lehrerinnen möglich zu machen, ihre Mitglieder durch Unterrichtskurse und systematische Vorträge in die verschiedenen Gebiete der Wissenschaft einzuführen. sowie kleine Organisation Lilienthal im 17. Hannoverschen Wahlkreis gestellt hat, im Interesse der kleinen Organisationen. Kern-Würzburg empfiehlt den Antrag gleichfalls aus den Ver Hältnissen des flachen Landes. Die Genossen in den Großstädten leiden an Material keinen Mangel, wohl aber in den kleinen Land- städten. Den kleinen Sektionen würde mit der Hergabe der Partei- korrespondcnz ein Mittel gegeben, das gegen die Gegner viel helfen könnte, besonders den jungen Genossen in den neu gegründeten Organisationen. Parteisekretär Pfannkuch: Ein früherer Parteitagsbeschlutz, der in diesem Sinne lautete, wurde durch einen späteren Parteitag aus wohlerwogenen Gründen aufgehoben, und diese Gründe sind auch heute maßgebend. Wir wollen soviel als möglich den Selbst- Verwaltungsorganen unserer Partei freien Spielraum lassen. Ter Antrag wendet sich nur an die falsche Adresse. Er sollte an de» Bezirkstag gehen, da wird dem berechtigten Grund sicher Folge ge- geben werden. Der Antrag 27 wird ab'ge lehnt. *) 27. L i l i e n t h a I: Nach allen Orten, wo eine Partei- organisation vorhanden ist, ist mindestens ein Exemplar der„Partei- korrespondenz" unentgeltlich an die Organisation zu liefern. Den Antrag 263 begründet Nottebofjm- Dortmund: Es handelt sich um eine Gegeninstitution gegen die literarischen Einrichtungen im Volksverein in München- Gladbach und in Berlin, auf deren außer- ordentliche Wirksamkeit Pieper auf dem Katholikentag mit Recht hingewiesen hat. In München-Gladbach sind nicht weniger als acht Personen, wohl zumeist Geistliche freigestellt, die lediglich die literarischen Arbeiten des Vereins besorgen, daneben besteht noch eine Zentralstelle in Berlin, in der auch mehr als sieben Personen in der Zentralregistratur beschäftigt sind. Ohne solches Material sind unsere Leute in den Werkstätten nicht immer in der Lage, aus dem Stegreif die Angriffe und Verleumdungen zu widerlegen. Die Registratur in Berlin, die zurzeit von einem einzigen Genossen geführt wird, kann den Ansprüchen namentlich an Schnelligkeit nicht genügen. Parteisekretär Müller-Berlin: Auch ich bin dafür, den Antrag der Parteileitung zu über- weisen. Gewiß können wir in verschiedener Beziehung noch von dem Volksverein für das katholische Deulschland lernen, andererseits aber haben wir uns längst bemüht, in der Beschaffung von Agitationsliteratur auf die Höhe deS Volksvereins zu kommen. Man darf nicht vergessen, daß unser Parteileben ein vielgestaltigeres ist, als das des Zentrums. Unsere Parteischriflen werden nicht von einer Zentrale versandt, sondern ein ungeheurer Teil derselben auch in den einzelnen Bezirken. ES ist vielleicht ganz an- gebracht, einmal eine Statistik darüber aufzunehmen, was alljährlich auf diesem Gebiete von der sozialdemokratischen Partei geschieht. Zu der gewünschten literarischen Abteilung haben wir einen ersten Anfang auf Grund des Beschlusses des Essener Parteitages durch Be- grünoung eines Preßbureaus gemacht, dem ein literarischer Beirat bestehend aus Dr. Gradnauer, Müller-München, Gewehr-Elberfeld, Sttöbel-Berlin und Stolten-Hamburg zur Seite steht. Schnell zu schreibende Flugblätter werden doch besser von wenigen Leuten ge- macht als von einer Konferenz. Mit seinen Flugblättern über die Reichsfinanzreform ist der Vorstand nicht zu spät gekommen. Bereits am Tage des ReichstagsschkusseS war das Flugblatt gesetzt in unseren Händen. Wir haben ferner ein Flugblatt über die Stellung des Zentrums zur ReichSfinanzreform und einen kurzen Aufruf an das werktätige Volk in Deutschland herausgegeben unter Rücksichtnahme aufSüd- und Westdeuffchland, das von einem süddeutschen Abgeordneten geschrieben war. Also wir haben die nötige Anpassungsfähigkeit gezeigt. Für alle Anregungen auf bessere Ausgestaltung der Partei- korrespondcnz bin ich dankbar. Wir haben seit zwei Jahre» angefangen, billige Flugschriften ohne Umschlag in Massen das Tausend zu 10 M. herauszugeben. Flugschristen über die Arbeiterversicherung haben wir in Hunderttausenden von Exemplaren abgesetzt und an alle finanz- schloachen Bezirke selbstverständlich kostenlos abgegeben. Augenblicklich sind Broschüren über Militarismus, Marinismus und Arbeiterschutz in Auftrag gegeben. Eine Registratur ist vorhanden und sogar eine vorzügliche. Wir werden überlegen, wie weit es tunlich ist, einen engeren Zusammenschluß der bereits vorhandenen In- stitutionen vorzunehmen. Ich bitte, den Antrag der Parteileitung zu unterbreiten. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag 263 wird dem Parteivorstand zur Bearbeitung überwiesen. Den Antrag 264 begründet Kern-Würzburg: Wir wünschen Her- stellung der ParteitagSprotokolle auf besserem Papier. Sie find historische Dokumente, die namentlich auch in Gewerkschafts- bibliotheken übergehen. Infolge ihrer heutigen Herstellung auf ZeituugSpapiet halten sie nicht lange. ES wird vielleicht möglich sein, gegen bessere Bezahlung sie auf besserem Papier her- zustellen. Weiter wünschen wir die Ausgabe einer Massenauflage zum Selbstkostenpreise, damit die Parteitagsverhandlungen mehr in die Massen eindringen. Singer: Der Parteivorstand verhandelt bereits mit der Vor- wärtsbuchhandlung über Herstellung von Exemplaren deS Protokolls auf besserem Papier; auch die andere Frage bezüglich etwaiger Ver- billigung wird erwogen. Der Antrag wird angenommen. Hierauf werden die Anträge 36, 37, 33, 39 und die zweite Hälfte deS Antrags 13 zur Debatte gestellt.*) Löbe-Breslau begründet den Antrag 36. Wir hoffen, daß dieser Antrag ein ge- neigteres Ohr finden wird als unsere bisherigen Anträge. � Wir wollen die Partei bestimmen zu einer Propaganda auf Herabminderung deS Branntweingenusses in den deutschen Arbeiterkreisen. Das mag gewissermaßen als ein Eingreifen in die Privatangelegenheiten der einzelnen Parteigenossen erscheinen. Aber unser Antrag gebt von politischen Ursachen auS und will polnische Wirkungen erzielen. Selbstredend sind uns die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Nebenerscheinungen des Branntweinboykotts sehr will- kommen. Hauptsächlich aber komnit eS uns auf eine Steuerverweigerung gegenüber den Plünderungen an. die der Reichstag jetzt wieder be- schloffen hat. Wir wollen die Verwirrung steigern, ivelche die ohnehin mangelhaft ausgearbeitete Finanzlage in den deutschen Finanzen anrichtet. Erregungen gehen, wie wir oft gesehen haben. nur zu schnell vorüber. Hier aber soll eine Stimmung in aktive Taten umgesetzt werden. Wahrscheinlich wird der Zeppelin- Enth usiasmnS sich in neue Schröpf u n g e n der Steuerzahler umsetzen. Hier wollen wir einsetzen. Die Arbeiterfamilien sind ohnehin gezwungen, jährlich 25 M. weniger auszugeben, weil das Reich ihnen diesen Betrag abnimmt und nur wenige sich eine entsprechend höhere Einnahme verschaffen können. * 516. Breslau: Der Parteitag empfiehlt allen Parteiorgani- sattonen und der Parteipresse, eine planmäßige Propaganda zur Herabminderung deS Branntweinkonsums zu entfalten. Diese Boykottbewegung soll die Verkürzung deS Ertrages der Brunnt- weinsteuer und möglicherweise auch der Liebesgabe zum Ziele haben. 37. Hamburg III, Distrikt Hohenfelde: Der Partei- tag wolle beschließen: Infolge Einführung von neuen indirekten Steuern den Branntweinbovkott zu proklamieren. 38. Bielefeld-Wreden brück: Der Parteitag wolle be- schließen, von den Angehörigen der modernen Arbeiterbewegung zu fordern, sich jeden Genusses von Schnaps zu enthalten, um durch diese Stcuerverweigerung energischen Protest gegen die aus- beuterische Steuerpolitik der Regierung einzulegen. 39. B u n z l a u. Der Parteitag möge beschließen: Gegen den Schnapsgenuß von feiten der Partei eine planmäßige Propa- ganda zu entfalte», um die Großgrundbesitzer und Schnapsbrenner, die geschworenen Feinde der Arbeiter, nicht mehr zu unterstützen. Wir wollen diese Minderausgabe konzentrieren auf den Punkt, wo sie den Konsumenten am wenigsten schadet und wo wir eine Schlacht gegen unsere Gegner damit führen können. Der Branntwein- boykott ruft unsere Genossen zur Aktion auf, erzeugt in den Reichsfinanzen die Möglichkeit eines Defizits und zwingt die Re- gierung, neue Steuervorlagen einzubringen und dadurch das Interesse des Volkes wachzurufen. Denken Sie an die Tatsache, daß der Regierung selbst die Fahrkartensteuer durch die Abwanderung in die niederen Wagenklassen verekelt worden ist. Schon in den 40er Jahren hat ein partieller Alkoholboykott Wirkung auf die Steuerbeträge ausgeübt. Gleichviel, ob es möglich ist, den Boykott voll durchzuführen, er kann uns in keinem Falle schaden. sondern muß uns in jedem Stadium nützen. Der Bierboykatt geht darauf hinaus, den Bierpreis herabzusetze», damit wieder frisch weiter getrunken werden kann.(Heiterkeit.) Der Schnapsboykott aber geht auf dauernde Einschränkung des Konsums. ES handelt sich da um keine vorübergehende, sondern um dauernde Bestrebungen. Wir wollen nicht ein Parteiverbot des Schnapstrinkens, das zu Zerwürfnissen führen könnte.(Heiterkeit.) Wir wollen durch den Schnapsboykott unseren Gegnern und der LiebeSgabcnpolitik einen Schlag versetzen.(Sehr richtig!) Wenn wir in Lichtbildern Schnapsflaschen vorführen und zeigen: soviel frißt der Staat, soviel der Junker, soviel der Spiritusring und so weiter, dann werden wir doch manchen Schnapstrinker zum Nachdenken bewegen. Ich will nichts weiter als eine moralische Kundgebung deS Parteitages zugunsten des Schnapsboykotts. Dankbar sei anerkannt, daß die Ge- Werkschaftspresse sofort den Gedanken des Schnapsboykotts auf- gegriffen und daß auch in der Pacteipresse dieser Gedanke Eingang gefunden hat. Wir haben seit Jahren keine Frage zur Diskussion gestellt, die einen solchen Zustrom von Zuschriften aus den Kreisen der Genossen herbeigeführt hat wie die Frage des Branntweinboykotts, und des- halb möchte ich, wenn Sie sachlich mit den Anträgen einverstanden sind, folgende Resolution vorschlagen: „Die von der agrarisch-reaktionärcn ReichstagSmehrheit be- schlosfene Erhöhung der Branntweinsteuer bezweckt einen großen Teil des durch die wahnsinnige Rüstungspolitik verursachten EinnahmebedarfS des Reiches den Schultern der Aermsten auf- zuerlegen. Zugleich soll durch die Aufrechterhallung der Konttiigentierungspolitikauch fernerhin demGroßgrundbefitzaufKostcn der Branntweintrinker ein jährlicher Extraprofit von über fünfzig Millionen Mark gesichert werden. Um dieser verbrecherischen Volks- auswucherung zu begegnen und zugleich dem durch den Branntwein- genuß verursachten und geförderten körperlichen und moralischen Elend weiter Volksschichten entgegenzuwirken, richtet der Partei- tag an alle Parteigenossen und Arbeiter die Aufforderung, den Branntweingenuß zu verhindern. Die Parteiorganisationen und die Parteigenossen werden aufgefordert, diesen Beschluß in ener- gischster Weise zur Durchführung zu bringen. Ww brauchen dazu keine Sonderorganisation, keine Sonder- Versammlung, überall können wir diesen Ruf lebhast verfechten. 3300 Ortsgruppen stehen bereit, den Ruf zu verbreiten. Das kann nicht ohne erhebliche Nachwirkung bleiben auf die ganze Gestaltung der indirekten Steuern. Deshalb vereinigen Sie sich mit uns in den Ruf:„Weg mit dem Fufcl der Agrarier!"(Lebhafter Beifall.) Hoffmann-Bielefeld ergänzt die Begründung Löbes. Wir gehen damit zur direkten Aktion gegen die Regierung und die Junker über.(Beifall.) In der Diskussion erklärt Fröhlich-Berlin III namens der Delegierten von Berlin III und, wie er annehme, namens der gesamten Berliner Delegierten volle Zustimmung zur Resolution Lobe.(Lebhafter Beifall.) Frank-Mannheim: Wenn die Partei den großen moralischen Kredit, den sie bei den Genossen besitzt, dieser Aufgabe zuwendet, so wird sie eine mächtige politische, wirtschaftliche und ethische Wir- kung erzielen. Die Sozialdemokratie hat den Vorwurf, sie erwarte alles von der Entwickelung und versäume es, auf den Willen der Massen zu wirken, längst durch die Tat widerlegt. Die deutsche Sozialdemokratie ist heute nicht mehr bloß politische Bewegung, sie ist eine Erziehungsbewegung geworden.(Zustimmung.) An der Wiege der deutschen Arbeiterbewegung stand ein mißlungener, viel- leicht nicht einmal unternommener Versuch des deutschen Bürger- tums zu einer direkten Steuerverweigerung. Dieser Versuch hier, Steuern dem Staat zu verweigern, ist durchführbar, wenn die Ar- beiterklasse will. Und wenn der Parteitag diesen festen Willen zum Ausdruck bringt, dann wird im Zusammenwirken der gewerkschaft- lichen und politischen Organisationen ein Erfolg erzielt werden, bei dem den herrschenden Gewalten die Augen übergehen werden. (Lebhafter Beifall.) Albert-Breslau: Wir gewinnen auch damit die Frauen. Denn auf dem Lande und in den kleinen Städten sagen uns die Frauen: Bringt erst unsere Männer dazu, daß sie nicht Schnaps trinken. Faßt der Parteitag heute den Beschluß, dann wird auch der„Vor- wärts" nicht mehr ein Inserat bringen können: Ein Parteilokal ist zu verkaufen, das 20 Tonnen Halbe verschänkt und viel Schnaps. Genossin Zieh: Namens der Parteileitung habe ich zu erklären, daß Wir freudigen Herzens der vorgelegten Resolution zustimmen und um ihre einstimme Annahme bitten.(Lebhafter Beifall.) Wir tun das nicht nur deshalb, weil wir uns versprechen, daß die Durch- führung des Grundsatzes der Resolution zu einer indirekten Steuer- Verweigerung führt, sondern auch deshalb, weil wir uns einen außerordentlichen moralischen Erfolg davon versprechen, nicht nur auf die Masse der Bevölkerung, die bereits zu uns steht in unseren Organisationen oder mit ihrem Herzen, sondern auch einen großen moralischen Erfolg auf die Massen der Bevölkerung, die leider noch wenig von der sozialdemokratischen Idee erfaßt sind und des- halb auch am allermeisten dem Alkoholgenuß fröhnen. Da stimme halb auch am allermeisten dem Alkohlgenuß frönen. Da stimme versprechen uns von der Annahme der Resolution und der Durch- führung der darin niedergelegten Grundsätze eine sehr große Ein- Wirkung auf die weibliche Bevölkerung. Aus all diesen Gründen bitten wir, der Resolution zuzustimmen und erklären ferner, daß wir nicht nur uns diesen Kampf gegen den Alkohol so denken, daß der Kampf nur durch die Parteipresse aufgenommen wird. Wir wollen, daß neben dem Kampf durch die Parteipresse auch der Kamp: geführt wird durch Verbreitung allgemein aufklärender Flug- schriften über die Wirkungen des Alkohols.(Lebhafte Zustimmung.) Dann werden wir einen großen moralischen Erfolg für die Gesamt- bewegung haben.(Lebhafter, langanhaltendcr Beifall im Saale und auf den Galerien.) Die Diskussion schließt. Die Resolution wird einstimmig an- genommen.(Brausender, langanhaltender Beifall und Hände- klatschen im Saale und auf den Tribünen.) Die anderen Anträge zu dissem Gegenstand und auch Punkt L der Tagesordnung sind damit erledigt,. .(Schluß im Hauptblatt.1I Soziales. Sinkende Bergarbeiterlöhne. Die Bergarbeiterlöhne sind auf den Zechen des Ruhr- kohlengebieteS im zweiten Vierteljahr 1909 bedeutend zurück- gegangen. Während im zweiten Quartal 1908 auf jeden Arbeiter 75 verfahrene Schichten mit einem Durchschnitts- schichtlohne von 4.82 Mark entfallen, kommen im zweiten Vierteljahr 1909 auf den Arbeiter 74 Schichten mit einem Durchschnittsschichtlohn von 4.45 Mark. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden 72 Schichten pro Mann verfahren mit einem Durchschnittsschichtlohne von 4,56 M. Verantwortlicher Redakteur: Emil Nnger, Berlin. Für denJnserateLteilperallwu Tb.Glock«, Berliv, Dtycku.Verlag:.PoWgrtS Mchdruckcrej v, Veplagsg.nst.alt Paul Singer& Co., Berlin SW, lt. 314. 26. Iahrgaug. 3. Knlm des Joraiiirts" Kttlim AlksdiM. Dittlstag. 14. September 1969. Partei-?Znge!egenkeiten. Die Wählerlisten zu den Landtagsersatzwahlen im 4., 8., 7. und 12. Landtagswahlbezirke liegen nur noch heute von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr zur öffentlichen Einsichtnahme aus. Jeder Wähler muß sich vergewissern, ob sein Name in der Liste verzeichnet ist und ob auch der richtige Steuerbetrag angegeben ist. Die Listen enthalten Mängel, denen unter allen Um- ständen abgeholfen werden muß. So wird uns mitgeteilt, daß im 666. UrWahlbezirk ein Maurermeister Georg F., Frank- furter Allee 36, als Ersterklassenwähler in der Liste steht, ob- w-chl er im Mai verstorben ist. Nun kann za ein solcher Irrtum unterlaufen, aber wichtig ist, daß für Streichung der Nummer aus der Liste gesorgt wird, da hierdurch eine Verschiebung in den Wählerabteilungcn eintritt. Einer unserer Genossen erhob in der Auslegestelle Einspruch, worauf der Beamte erklärte, wenn der Mann tot sei, könne er doch nicht wählen; schließlich erklärte der gute Mann, der den Charakter des Klassenwahlrechts nicht zu kennen scheint, daß der Einspruch nur in der Poststraße 16 zu er- heben sei. Das ist nun zwar geschehen, ändert aber nichts daran, daß die Auffassung des Beamten falsch ist. Angesichts der Wichtigkeit, die eine vollständige und richtige Wählerliste hat, ist es unerläßlich, daß jeder Wähler nach- sieht oder nachsehen läßt, ob er auch in der Liste verzeichnet ist. Und hierzu ist nur noch heute Gelegenheit. Versäume deshalb kein Wähler, die Liste zu prüfen! Fünfter Wahlkreis(3., 4. und 6. Abteilung). Auf die heute, Dienstag, abends S'/z Uhr, stattfindende öffentliche Versammlung machen wir besonders aufmerksam. Stadtv. Dr. Wey! referiert über„Die Finanzrcform". Die Mtglieder der 3., 4. und S. Abteilung sind besonders der- pflichtet, für Besuch zu sorgen. Lokal: Mufiker-Säle, Kaiser-Wilhelm-Straßc 18m. Der Vorstand. Britz-Buckow. Heute abend, V29 Uhr, findet im Buschkrug, Rudower Straße 51, die Vereinsversämmlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Lehmann über„Kirche und Schule". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Stralau. Heute abend 8 Uhr, Volksversammlung in den Mark- grafensälen, Markgrafendamm 34. Tagesordnung: 1.„Die Aus- Plünderung des Volkes durch die neuen Stenern." Referent Partei- sekretär Nud. Bühler. 2. Diskussion.— Parteigenossen und Genossinnen agitiert für Maffenbesuch, namentlich unter den Frauen. Die Bezirksleitung. Karlshorst. Parteigenossen! Die Mitgliederversammlung am 14. September fällt aus. Die Versammlung findet an: 28. Sep- tember statt. Der Vorstand. Niedcr-Schöneweide. Heute Dienstag, abends 8% Uhr, findet im Lokal von Karl Schultze, Brückenstraße 15. die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem: Bericht von der Provinzialkonferenz und Wahl eines Spediteurs. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Pankow. Am kommenden Sonntag, den 19. d. Mts., findet eine Agitationstour nach den Landorten unseres Bezirks statt. Rege Beteiligung hieran ist Parteipflicht. Behufs Besprechung und Inempfangnahme näherer Anweisungen usw. wollen die sich beteiligenden Genossen am Freitag, den 17. d. MtS., abends 8'/z Uhr, im Lokal von Rachut, Gaillardstraße 32, an- wesend sein. Die Bezirksleitung. Potsdam. Mittwoch, den 15. d. M., abends pünktlich 8'/z Uhr. in allen Bezirken Zahlabend. Wegen wichtiger Besprechung über die Agitation für die Presse müssen sämtliche Mitglieder erscheinen. Der Wahlvereinsvorstand. Berliner]Vacbricbten. Vom Fleiß des Laubcnkolonisten redet die Ernteaus st ellung der Laubenkolonien G r 0 ß- B e r l i n s, die auch in diesem Jahre wieder durch den Bund der Pflanzervereine Berlins und Um- gegend veranstaltet worden ist. Sie war untergebracht im Lokal „Englischer Garten"(Alexandersttaße), wo sie den Saal des Erd- geschost'eS samt Nebenräumen und Hof in Anspruch nahm, und blieb zwei Tage(Sonntag und Montag) geöffnet. Wir sahen sie am ersten Tage und fanden sie so gut besucht, daß ein Mehr die Be- sichtigung erschwert hätte. Die diesjährige Ausstellung ist in der Reihe dieser Veranstaltungen des Bunde« bereits die siebente und hat aufs neue dargetan, daß die Laubenkolonisten sich mit den Erfolgen ihrer Arbeit sehen lassen können. Ausgestellt waren, wie in den Borjahren, Produkte des Garten- und Ackerbaues und auch der Viehzucht: Gemüse. Blumen, Früchte, Kaninchen. Tauben. Hühner. Für die Gemüse scheint der diesjährige Sommer mit seinem fast allzureichlichen„Segen von oben" wenigstens den- jenigen Kolonien günstig gewesen zu sein, die auf Sandboden liegen und in trockenen Jahren unter Wassermangel zu leiden haben. Zahlreich waren wieder die Erzeugmsse. die durch eine so ungewöhn- liche Größenentwickelung hervorragten, daß die Frage nach dem Gewicht— Angaben darüber fehlten leider— unwillkürlich sich uns aufdrängten. Wir sahen ausgesuchte Exemplare von Riefenkürbissen, von mächtigen Kohlköpfen, von reichlich zwei- fäustegroßen Kohlrabi und— zuletzt, doch nicht als Geringstes— von„größten" Kartoffeln. Solche Leistungen erregen Aufsehen und wirken sehr eindrucksvoll, zu mindesten auf das Auge. Uebcr die Qualität aber kann— und das gilt auch für die Baumfrüchte, die in manchem Prachtexemplar zu sehen waren— der AuSstelliuigs- besucher kein Urteil haben, weil da der Gaumen zu entscheiden hätte. Ein Aussteller bot ein Erzeugnis in eßfertigem Zu- stände, ein Gericht gekochter Kartoffeln. Sie waren in ihrer Schale prächtig geplatzt und reizten den Appetit umso- mehr, da auch der dazu gehörige Hering— obwohl nicht auf Laubenland„gezogen"— mit ausgestellt war. Aber auch hier hieß es: bloß besehen und nicht— aufessen I Auch in der Blumenzucht haben die Laubenkolonien wieder Leistungen aufzuweisen, die sehr beachtenswert sind, und hier kam der Ausstellungsbesucher voll aus seine Rechnung. Wir sahen Proben, auf die mancher Gärtner stolz fein könnte. Gerade auf diesem Gebiete scheint der � Wettbewerb, zu dem die alljährlichen Ausstellungen anregen, besonders förderlich zu sein. Die Fülle der ausgestellten Blumen, die das Auge erfreuten, war überreich, und unter ihnen war manche seltene. Noch iinnrer dominiert die Dahlie, deren Züchtung in allen möglichen Arten auch dem Laubenkolonisten gelingt. Mit den Er- zeugnisseil der Blumensucht suchen die meisten Aussteller durch die Masse zu wirken, durch dicke Sträuße, zum Teil auch durch erkünstelte Arrangements(diesmal z. B. auch durch ein unvcrnieidliches Zeppelin-Lusischiff, das aus Blumen zusammengesetzt war). Das Prinzip, möglichst jede Blume als ein Individuum zu behandeln, das für sich allein wirken will, war konsequent von einem einzigen Aussteller durchgeführt worden. Die umfangreiche Blumenziicht, die wir in den Laubenkolonien finden, läßt sogar eine Bienenzucht lohnend erscheinen. Proben von Honig zeigte diesmal ein Aussteller, der sich tatsächlich als Imker versucht hatte. Die Viehzucht in den Laubenkolonien gehört zu den Dingen, die mancher Lallbenkolonist, der sie nicht selber betreibt, mit sehr gemischten Ge- fühlen betrachtet. Auf der Ausstellung sahen wir eine Auswahl ver- schiedener Arten von Kaninchen. Tauben, Hühnern und auch Enten. Sie vervollständigte den Einblick in die an Mühen reiche Arbeit der Laubenkolonisten, den auch die diesjährige AuZstellung unS wieder gewährt hat._ Druckfehlerverichtigung. Die erste Notiz unter„Berliner Nach- richten" in der SonntagSnummer trägt die Ueberschrift„Wahlmachen", in Wirklichkeit mußte eS heißen:„Wahlwochen". Dir Berliner Holzirunnen. Seit einer Reihe von Jahren be steht in der städtischen Verwaltung das Bestreben, auch den Straßen- brunnen künstlerische Formen zu geben. Hunderte der kleinen Holz- brunncn sind auf die>e Weise entfernt und durch gußeiserne, sehr verschieden gestaltete Gehäuse ersetzt worden. Warum läßt man ober an gewissen Stellen in den Vorstädten gerade die ältesten Berliner Brunnen, nämlich diejenigen mit dem unförmigen, über vier Meter hohen Holzkasten und dem mächtigen eisernen Schwengel, stehen? Von solchen Brunnen, die zu unseren modernen Wohngebäuden in häßlichem Gegensatz stehen, gibt es im Berliner Wcichbilde noch Dutzende. Sie sollten so bald als möglich verschwinden. Amerikanischer Mcdizinschwindel. Seit einiger Zeit wird Berlin überschwemmt mit sehr fragwürdigen Neklamenbriefen, die von der „M. Ä. Winter Co. in Washington, Nordamerika", ausgehen. Die Empfänger sind berechnendcrweise auch viele Stellungslose, denen man zutraut, daß sie auf daS„äußerst liberale" Angebot hinein- fallen werden. Nach den Erkundigungen handelt es sich um den „Natürlichen GesundheitS-Hersteller", der in Form von schokolade- überzogenen Pastillen angeblich aus harmlosen Kräutern zusammen- gesetzt ist und als Hausmittel natürlich wahre Wunder vollbringen soll. Wie der Prospekt mit dem üblichen Geschrei erklärt, sollen durch den Vertrieb täglich bis 40 M. Nebenverdienst erworben werden können. Nach allerhand langatmigen Ausführungen über das wohl nur auf dem Papier stehende Kreditsystem der liberalen Firnia kommt zun» Schluß die Aufforderung, in Briefmarken 4,29 M. für eine Probeschachtel zmn eigenen Gebrauch einzusenden. Dafür erhält man eine Anzahl Pastillen, die höchstens einen Wert von 59 Pf. haben und ein ganz gewöhnliches AbführungS- und Blut- reinigungSmittel sind, wie man es viel besser in jeder deutschen Apotheke bekommt. Bei Wirkungslosigkeit wird zwar die Rückgabe des Kaufpreises garantiert, aber Geld. daS erst mal in Amerika ist, kommt so leicht nicht wieder. Also, Taschen zu und in den Papier- korb mit den Wischen! Vom Ruderboot in den Tegeler See gestürzt und ertrunken. Die Tat eines Lebensmüden rief vorgestern nachmittag am Tegeler See Aufsehen hervor. Ein unbekannter, etwa 2öjähriger Mensch hatte sich bei dem Bootsverleiher Siebert einen Einsitzer geben lassen und war auf den See hinausgefahren. Er erhob sich dann plötzlich lund stürzte sich in die Fluten. Es wurden sofort Rettungsversuche unter- nommen, die aber keinen Erfolg hatten. In dem Boot hatte der unbekannte Selbstmörder ein Jackett und eine leere Brieftasche zurückgelassen. Vor Hunger znsammeugcbroche». Einen bemitleidenswerten An- blick bot gestern eine Greisin im Norden der Stadt. In der Reinickendorfer Straße brach die 79 Jahre alte wohnungslose Luise Güntzel auf dem Bürgcrsteig plötzlich zusammen. Die alte Frau war hungernd in den Straßen umhergeirrt und schließlich vor Eni- kräftung zusammengebrochen. Ein Schutzmann nahm sich der Aermsten an und sorgte dafür, daß sie eine Unterkunft erhielt. Eine ganz gefährliche Schlafstcllcndicbin ist durch die Kriminal- Polizei unschädlich gemacht worden. Die erst 19 Jahre alte Emma Gobal trieb seit Monaten das Gewerbe einer Schlafstellendiebin. Sie schädigte eine große Anzahl von Zimmervernrietcrinncn und auch unter ihren Arbeitskolleginnen suchte und fand sie viele Opfer. Fortwährend wechselte die gesährliche Person ihre Schlafstellen und stets ließ sie Geld- und Wertsachen, die sie den Vermieterinnen stahl, mitgehen. Ihren Arbeitskolleginnen entwendete die Diebin Porte- monnais, Uhren, Armbänder usw. Jetzt ist die Polizei der Ver- brecherin auf die Spur gekommen, so daß ihre Verhaftung erfolgen konnte. Mahnung an Rollschuhläufer. Das Polizeipräsidium erläßt folgende Bekanntmachung. Es ist bisher im Landespolizei- bezirk Berlin davon abgesehen worden, den Verkehr von Rollschuh- läufcrn auf den öffentlichen Straßen und Plätzen im Wege der Polizeiverordnung zu beschränken. Nachdem aber dieser Verkehr einen immer größeren Umfang angenommen hat und sich dabei Un- zuträglichkcitcn herausgestellt haben, sehe ich mich veranlaßt, hiermit an alle Rollschuhläufer die Mahnung zu richten, sich diejenigen Be- schränkungen auferlegen, welche zur Vermeidung von Störungen des übrige» öffentlichen Verkehrs unumgänglich erforderlich sind. Hierzu rechne ich besonders: 1. Die Rollschuhläufer müssen sich den Bestimmungen der Straßenordnungen über die Benutzung des Straßendammes seitens der Fuhrwerke anpaffen, namentlich stets die rechte Seite des Straßendammes innehalten. 2. Das Befahren der Bürgersteige ist zu unterlassen und ver- kehrSreiche Straßen und Plätze sind zu meiden. 3. Ganz unzulässig ist die Benutzung der Straße zur Er- lernung des Rollschuhlaufs und zum Kuiistlanfen(Holländern, Paarlaufen und dergleichen), ferner daS Kettcnlaufen, das Wettlaufen mit anderen Rollschuhläusern und mit Fuhrwerken sowie das Anhängen an Fuhrwerke. Sollten vorstehende Mahnungen keine hinreichende Beachtung finden und sich weiterhin aus dem Verkehr von Rollschuhläufern Unzuträglichkeitcn ergeben, so würde ich genötigt sei», das Rollschuh- laufen auf den öffentlichen Straßen durch polizeiliche Vorschriften einzuschränken, wenn nicht ganz zu verbieten. Ein zweites Opfer hat das Ehedrama in der Strausberger Straße gefunden. Die Frau des russischen Ingenieurs Walker ist im Krankenhaus am Friedrichshein von den Dolchstichen, die ihr Mann ihr versetzte, bevor er sich selbst erdolchte, ebenfalls gestorben. Kurz vor ihrem Tode hatte sie noch einige lichte Augenblicke. Zu einem des Russischen mächtigen Angestellten sprach sie nur noch von ihrer Mutter, dann verschied sie. Aus dem Zuge gestürzt. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich Sonntag abend gegen 19 Uhr auf dem Bahnhof Gesund- b ru nn e n. Als dort ein Ringbahnzug in die Halle einfuhr, öffnete ein älterer Mann, dessen Personalien noch nicht festgestellt werden konnten, voreilig die Coupötür und stürzte aus dem Abteil dritter Klasse heraus. Mit stark blutenden Kopfverletzungen blieb der Ver- unqliickte auf dem Bahnkörper liegen, so daß er von Vahnarbeitern auf einer Tragbahre fortgeschafft werden mutzte. Auf der Unfall- ftation in der Badstraße stellten die Aerzte einen komplizierten Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung fest. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Patient sofort nach dem Rudolf- Virchow-Krankenhause transportiert, wo er in bedenklichem Zustande daniederliegt. Einen alten Stcllcnschwindlcr hat die Kriminalpolizei wieder einmal unschädlich gemacht. Es ist ein wiederholt bestrafter früherer Schreiber Max Gänseke. Dieser fing vor den Stellennachweisen und Vermittelnngsbureaus Arbeitsuchende ab und nahm ihnen auch noch das letzte weg. Zuweilen stellte er sich als Geschäftsinhaber vor und ließ sich von den Leuten, die er annahm, zur Sicherheit, daß sie auch kämen, ihr letztes Geld, oder wenn sie keinS mehr hatten, Uhr und Kette als Untevpfand geben. Wenn er als Bevollmächtigter auftrat, so schmeichelte er den Leuten„auf dem Wege zum Chef" vor, daß er für diesen noch eine kleineRechnungzubegleichen habe, und ließ sich von ihnen das Geld geben, führte sie dann nach einem Eckhause, in deni er Bescheid wußte, verschwand nach der anderen Seite und ließ die Geprellten vergeblich auf seine Wiederkehr warten. Gestern ging ein Geschädigter mit einem Kriminalbeamten die Straßen auf und ab, traf den Schwindler und ließ ihn festnehmen. Gänseke legte sich einen falschen Namen bei, wurde aber bald entlarvt. Dann leugnete er die Schwindeleien, aber 39 bis 49 Betrogene erkannten ihn wieder. Jetzt spielt er den wilden Mann. Er nennt sich Graf Bredow, Schwager des Grafen Hochberg, und beteuert, feine Ver- Wandtschaft habe die Leute gedungen, um ihn von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Der alte Sünder wurde dem Untersuchungs- richter vorgeführt. Der Tod in der Narkose. Ein tragischer Vorgang spielte sich dieser Tage im Atelier eines praktischen Zahnarztes in der Linden- straße ab. Dort erschien wehklagend ein sechzehnjähriges Mädchen und erzählte, daß eS soeben von einem anderen Zahnarzt komme, der ihr einen kranken Zahn abgebrochen habe. Um sich von den Schmerzen zu befreien, wollte sie sich narkotisieren lassen. Der Zahnarzt willigte auch ein und betäubte daS junge Mädchen im Beisein eines Assistenten mit Bromäther. Ob- gleich die Narkose nur schwach war, erwachte das Mädchen nicht wieder aus dem Schlummer; und nach und nach lief der Körper blau an. Da der Zahnarzt keine Hilfe mehr bringen konnte, rief er den SanitätSrat Dr. Behrend hinzu, der sofort Wiederbelebungs- versuche anstellte. Auch von der Feuerlvehr wurde ein Samariter mit einem Sauerstoffapparat geholt, aber alle Bemühungen blieben erfolglos. ES konnte nur noch der eingetretene Tod konstatiert werden. Die Ermittelungen ergaben, daß die Tote die sechzehn- jährige Tochter Margarete der Hauseigentümerin Laasch aus der Potsdamer Straße 11 in Steglitz ist. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und noch im Laufe des gestrigen Abends durch einen Wagen des Polizeipräsidiums abgeholt. Der betreffende Zahnarzt ist seit neun Jahren selbständig und hat schon mehr als tausend Narkosen ausgeführt. Er bezeichnet den Vorgang als einen traurigen Unglücksfall, der ohne sein Verschulden geschah. Er vermutet, daß Herzschlag vorliegt. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet. Familicntragödie. In dem Hause Wilsnacker Straße 21 in Moabit erschlug gestern vormittag gegen 11 Uhr der 59 Jahre alte Droschkenkutscher Albert Meyer seine 51 Jahre alte Frau, geb. Hartwig, mit einem Beil und flüchtete darauf. Die Veranlassung zu dieser unseligen Tat bildeten Familienzwiftigkeiten. Zwei her- beigerufenc Aerzte stellten den Tod der Frau fest. Meyer hat sich selbst gestellt und ist geständig. Er stammt aus Polchow. Früher betrieb er einen Straßenhandel mit Büchern und war als herumziehender Händler in einigen Vierteln eine bekannte Figur. Seine aus Großenhain gebürtige Ehefrau, eine frühere Witwe Hoppe, war Hausrcinigerin. Droschkenkutscher war der Mann erst seit acht Tagen. Als er gestern morgen noch im Bette lag, machte ihm feine Frau Vorwürfe, und nun gab es wieder Streit wie schon oft vorher. Frau Meyer nahm hierauf ihre Werk- zeuge und ging ihrer Arbeit nach. Kurz vor 11 Uhr wurde sie noch auf der Treppe gesehen. Dann ging sie nach ihrer Wohnung und kam nicht mehr zum Vorschein. Bald darauf erschien Meyer auf der Wache des 74. Reviers und zeigte an, daß er soeben im Streit seine Frau mit dem Beil erschlagen habe. Eben aus dem Bett aufgestanden, sei er nach der Küche gegangen, sich zu waschen. Dort sei er mit feiner Frau in Streit geraten und habe sie in seiner Wut mit dem Beil mehrmals von vorn auf den Kopf ge- schlagen, so daß sie zusammengebrochen sei. Dann habe er sie auf- gehoben, nach der Stube getragen und quer über das Bett gelegt. Erst hierbei habe er wahrgenommen, daß sie tot gewesen sei. Revierbeamte begaben sich gleich nach der Wohnung und fanden die Frau entseelt auf dem Bette liegen. Vier schwere Beilhiebe hatten ihr den Schädel zertrümmert; diese Hiebe sind nicht, wie Meyer behauptet, von vorn, sondern von hinten geführt worden. ZirkuS Busch hat sich am Sonnabend dem Berliner Publikum in seinem ganzen Glänze wieder präsentiert. Und weil die übliibe Pantomime noch fehlt, hatte das Programm einen ausgesucht circensischen Charakter. Obenan steht die Dressurkunst und die Reit- kunst. Als Schulreiter ersten Ranges ist ja Herr Burkhardt-Footit kein Unbekannter mehr; er zeigte das auch am Sonnabend in glänzendster Weise, und als er gar seinen irländischen Wallach nach der Musik:„Kauf mir doch ein Automobil" dirigierte, wollte der Beifallssturm sich nicht legen. Eine halsbrecherische Leistung voll- führte Signor Alfonso, der auf schwingendem Reck ganz frei Kopf stand. Eigenartige Tricks führten vier isländische Ringer unter der Bezeichnung„ G l i m a" vor. ES ist das eine besondere Art des Ringens, wie eS in Island feit Jahrhunderten geübt, aber vor Fremden streng geheimgehalten wird. Die vier Leute bewiesen eine außerordentliche Gewandheit, wobei sie großes Gewicht auf elegante Haltung des Körpers ver- wandten. Es erübrigt sich Wohl, noch zu sagen, daß auch der Humor zu seinem alte» Rechte kam, da den ClownS im Programm reich- lichcr Spielraum gelassen ist. Das Gastspicl-Thcatcr n der Köpenicker Straße 67/68 ist am Sonnabend wieder eröffnet worden. Da neue Sachen noch der Zensur unterliegen, wurden die französischen Einakter„Die un- geraden Tage",„Der Deserteur",„Die keusche Toinette" und„Cousin Pampoulette". die im Laufe des Sommers im Theater Folies Caprice gespielt wurden, aufgeführt. Radrennen von Steglitz. Die Rennen am Sonntag waren Haupt- sächlich den„Fliegern", d. h. den Fahrern über die kurze Strecke, vorbehalten. 29 Fahrer, unter ihnen W. Arend, Bettinger, Kudcla, O. Meyer und die bekannten Franzosen Duprö und Poulain, be- stritten zunächst den Großen Preis von Berlin über 1999 Meter(2999, 1299, 899, 699 M.). Die vier besten aus den Vor- und Zwischenläufen siegreich hervorgegangenen Fahrer kamen in die Entscheidung, die in drei Läufen ausgefahren wurde. Die Punktwertung ergab: 1. O. Meyer, 2. Poulain, 8. Van dem Born, 4. Duprü. Dem Sieger Meyer wurde lebhafter Beifall zuteil.— Den nicht plazierten Fahrern waren noch fünf andere Nennen vorbehalten, deren Preise sich verminderten. Preis von Schöneberg (599, 499, 399, 299 M.), ebenfalls drei Endläufe: 1. B e t t i n g e r, 2. Stabe, 3. Wegener, 4. Schürmann.— Preis von Steglitz (299, 159, 129, 199 M.) 1. Arend, 2. Techmer, 3. Vicrck, 4. Conrad.— Preis von Friedenau(199, 75, 69, 49 M.) 1. B i r k in a n n, 2. Süßmilch, 3. Kurzmeier, 4. Nudel— Steglitzer Entschädig nngsfahren(59, 49, 39, 25 M.) 1. Nielsen, 2. Tetzlaff, 3. Ganzevort, 4. Kendelbacher. Fried c- n a u e r Entschädig ungsfahren(25, 29, 15, 19 M.) 1. Groß mann, 2. Althoff, 3. Saldon, 4. K. Müller.— Ein Dauerrennen über eine Stunde mit Motorführung(1599, 1299. 1999, 899, 799, 699 M.) wurde von sechs Fahrern bestritten. 1. Waith our(Amerika) 73,419 Kilometer; 2. Scheuermann(BreS- lau) 72.489 Kilometer; 3. Dickentman(Amsterdam) 79,469 Kilo- meter); 4. Schipke(Berlin) 69,259 Kilometer; 5. Contener (Paris) 63,819 Kilometer; 6. Robl(München) 65,139 Kilometer. Scheuermann hielt sich in dem Sechfcr-Fclde an der Spitze, Dickent- man. Contenet, Robl, Schipke waren bald überrundet; nur Walthour zeigte sich dem Breslauer gewachsen, beim 43. Kilometer wurde dieser sogar von dem Amerikaner überholt, der nun unangefochten den Sieg behaupten konnte; Scheuermann endete zwei Runden, die anderen weit zurück. Nobl. der mehrfach seine Führung wechselte, versagte gänzlich, er kam als Letzter ein. Den Schluß der umfang- reichen Veranstaltung bildete ein Tandem- Prämienfahren über 5000 Meier<80, 60. 40 und 20 M.). t. C o n r a d- A lt h o f f. 2. Wegener- Techmer, 3. Kendelbacher- Ganzcvort. Führungspreise a 20 M. erhielten: Saldow-Großmann, Arend-Kudela(2), Kurzmeier- Nielsen. Vermißt wird die ISjährige Tochter Erna des Monteurs StabinSli aus der Gürtelstr. 17 zu Lichtenberg. Das Mädchen ist offenbar gemütskrank. Es ist 1,60 Meter groß, hat blondes Haar und blaue Augen und trägt ein graueS Jackett und ein graues Kleid mit gelben Streifen. Kenntlich ist sie auch an zwei Leberflecken an der rechten Halsseite._ Bon einem Riesenirandt ist in der Nacht zum Sonntag die bekannte Nutzholzhandlung von David Franke Söhne, Berlin, heimgesucht worden. Auf einem ihrer zahlreichen Holzlagerplätze, in der Mühlenstraße 53/54, nahe_ der neuen Brommybriicke, kam nachts aus noch nicht ermittelter Ursache Feuer aus, das schon lange dort geschwelt haben muß, denn als es bemerkt wurde, hatte es schon eine große Ausdehnung erreicht, die Flammen fanden an den vielen Holzvorräten schnell und reiche Nahrung. Gegen 4 Uhr wurde die Berliner Feuerwehr nicht weniger als sieben mal kurz hintereinander alarmiert. Von allen Seiten jagten die Löschzüge im Karriere heran. In kurzer Zeit waren in der Mühlenstraße mehr als 30 Fahrzeuge zur Stelle. Das Geräusch von den vielen anfahrenden Zügen weckte die Einwohnerschaft, und als sie nach der Ursache forschend aus den Fenstern schauten, sahen sie den Himmel weithin gerötet. Es dauerte denn auch gar nicht lange und Tausende von Menschen waren zur Stelle. Als die Feuer- wehr versammelt war. wehte ein starker Ostwind, der die Flammen gegen mehrere direkt an der Spree liegende Holzstapel und ein unmittelbar an der Spree stehendes Wohnhaus trieb. Dieses war aufs höchste gefährdet. Die Hausbewohner räumten eiligst die Wohnungen. Schon brannten die Fensterkreuze, Vorhänge und anderes. Die Hitze war so enorm, daß die abgehärtetsten Feuermänner ihr nur kurze Zeit widerstehen konnten. Von 9 Dampfspritzen wurden 9 L-Rohre, d. h. Rohre allerstärksten Kalibers, und außerdem 3 C- Rohre vorgenommen. Zwei Dampfspritzen, die unmittelbar am Ufer der Spree aufgefahren waren, entnahmen ihr Wasser direkt auS dem Fluß. Um das Dach des gefährdeten Wohnhauses zu schützen, wurde eine mechanische Leiter hochgeschoben und das Dach usw. unter Wasser genommen. Die Hitze von den brennenden Holzstapeln war schließlich so enorm, daß die Rohrführer mit Asbest- schirmen ausgerüstet vorgingen. Hinter diesem liegend, sich dann und wann berieselnd, gaben sie kräftig Wasser. Von ihnen wurden über zwei Stunden lang riesige Wassermengen in die Gluten gespritzt. Der Kampf der Feuerwehr war einige Male, wenn es schien, daß die Flammen trotz aller Anstrengungen Fortschritte zu machen schien, recht ausregend. Die braven Mannschaften hielten aber, trotz Hitze und Funkenregens, Qualm und Durst wacker stand. Ein Zurück gab es nicht. Immer mehr wurde an Terrain gewonnen und nach 6 Uhr war die Macht des Feuers ge- brachen. Ein Teil der Feuerwehr konnte wieder abrücken. In der Mnhlenstraße, wo außergewöhnlich lange Schlauchleitungen hatten gelegt werden müssen, sah es noch um 6 Uhr recht toll aus. Schutz- leute und Feuerwehrmänner waren eifrig im Dienst. Diese sorgten für Wasserzufuhren, bedienten die Dampfspritzen und wechselten hier und da geplatzte Schläuche. Schutzleute zu Fuß und zu Pferde hielten die Menschenmenge zurück. Ausgekommen ist das Feuer in einem großen zweistöckigen Ge- bäude neben dem Maschinenraum. Das Gebäude war leicht gebaut und diente als Holzbearbeitungsraum. Es ist mit allen Vorräten vollständig niedergebrannt. Der vorgelagerte einstöckige Maschinenraum mit wertvollen Maschinen konnte zum größten Teil geschützt werden. Auch die östlich angrenzenden Gebäude haben mit den nördlichen nur wenig gelitten. Dagegen haben die südlich von dem Brand- Herd aufgestapelten Holzvorräte und das westlich davon befindliche Wohnhaus mit vielen kleinen Wohnungen mehr gelitten. Der Schaden ist natürlich bedeutend, läßt sich heute aber nicht annähernd schätzen. Der Betrieb ruht nicht, weil die Finna über eine Menge Vor- räte auf verschiedenen Holzplätzen verfügt und nur ein Teil vernichtet, bezw. beschädigt worden ist. Der Schaden ist voll versichert. Wegen eine? Dachstuhlbrandes wurde der 1. Zug nach der Alexanderstr. 61(Lessing-Haus). das der Stadt Berlin gehört, alarmiert. Dort stand der Dachstuhl in Flammen. Diese konnten bald gelöscht werden. Bei einem Brande, der am Andreasplatz 4 aus Un- Vorsichtigkeit auskam, erlitten zwei Personen Brandwunden durch Fett, wobei Kleider in Brand gerieten. Georg Möller erlitt Brandwunden 2. Grades am linken Arm und August S i e v e r t solche 1. Grades. Beide wurden von Samaritern der Feuerwehr mit Notverbänden versehen. Wäsche, Kleider usw. wurden in der Stettiner Str. 25, Esmarchstr. 26 und anderen Stellen ein Raub der Flammen. Kohlen- und Kellerbrände beschäftigten die Feuerwehr u. a. in der Brunnenstr. 41, Kaiser-Wilhelm-Str. 13, Sene» felderstraße 2 und Schlesischen Güterbahnhof. Teer mußte auf dem Dache Neue Griinstr. 2l gelöscht werden. Potsdamer Str. 44 brannte eine Markise u. a., Wriezener Str. 33 ein Schornstein u. a. Ferner liefen noch Alarme aus der Bischofstr. 23 und anderen Stellen ein. Vorort- JVacfmcbtem Die Polizei beim Lokalkampf. In Mariendorf wird seit längerer Zeit ein zäher Lokal- kämpf geführt, der den dortigen Genossen für ihre rastlose Arbeit einen guten Erfolg gezeitigt hat. Hat auch der Besitzer des„Gesell- schaftshauses", Herr Gratzl, das Lokal noch nicht freigegeben, so zeigt sich doch, speziell des Sonntags, daß der Besuch immer spär- licher wird. Der schöne Garten ist so gering besetzt, daß der Besitzer die üblichen Konzerte des Sonntags einstellen mußte. In seiner Bedrängnis wandte sich Herr Graßl gleich bei Be- ginn des Kampfes an die Polizei, die ihm auch bereitwilligst zu Diensten steht. Je intensiver die Arbeit von unseren Genossen be- trieben wurde, um so eifriger war die Polizei mit ihren Leptcn zur Stelle. Die Situation war oft derart kritisch, daß es nur der Ruhe und Ueberlegung unserer Genossen zu verdanken ist, wenn nicht unliebsame Zwischenfälle vorgekommen sind. Genau wie bei einem Streik werden Genossen ohne triftigen Grund aufgefordert — die Form der Aufforderung ist ja sattsam bekannt—, von der Straße zu gehen. Am letzten Sonntag wurden vier Genossen zur Feststellung ihrer Namen zur Wache geführt. Die Betreffenden standen nur in der Nähe des Lokals, nicht einmal auf dem Bürgersteig, sondern an der Seite, ohne auch jemand zu belästigen. Ohne Aufforderung zum Weitergehen mutzten sie den Beamten zur Aufnahme ihrer Personalien folgen. Noch sonderbarer ging es einem anderen Genossen, der ruhig seines Weges ging; derselbe wurde von zwei Polizeibeamten in Zivil— eine Erscheinung, die früher im Ort unbekannt war— angehalten und zur Feststellung seines Namens die Legitimation abgefordert. Man darf wirklich gespannt sein, was sich aus den Feststellungen ergibt. Daß die Polizei manchmal dort, wo sie eigentlich sein müßte, nicht zu haben ist, be- weist folgender Fall: Als am vorigen Sonntag ein Genosse die Polizeiwache aufsuchte, um Erkundigung über eine angeschwemmte Leiche einzuziehen, mußtet er ohne Auskunft gehen, da kein Beamter dort war. Vielleicht mußte auch der letzte Beamte zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung„anderweitig" tätig sein. Ob die Marien- dorfer Steuerzahler, die zum größten Teil Arbeiter sind, mit solchen Zuständen zufrieden sein werden, ist eine Frage, die zur gegebenen Zeit beantwortet werden maß,' All diese polizeilichen Maßnahmen werden unsere Genossen nicht abhalten, ihren Lokalkampf weiterzuführen, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Hierbei rechnen sie auf die Mithilfe der gesamten Arbeiterschaft. Rixdorf. Die erste öffentliche Stadtverordnetenversammlung nach den Ferien findet am Donnerstag, den 16. September, nachmittags 5 Uhr, im Rathause, Berliner Str. 63, im neuen Sitzmigssaale statt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Einwendungen gegen die Richtigkeit der Stadtverordnetenwählerliste: Beitrag zu den Kosten des Neubaues der Herthabrücke; Einrichtung des Standesamts III; Erweiterungs- bau des Rathauses; Bildung der Stadtbezirke; Errichtung eines HundeashlS; Errichtung einer Omnibuslinie vom Buschkrug in Britz bis zum Krankenhause in Bukow; Einrichtung eines Wochenmarkles auf dem Herrfnrthplatz; Aenderung der VerpflegungSsäxe des städtischen Krankenhauses in Bukow. Wilmersdorf. Nehmt Einsicht in die Wählerlisten! Nur noch bis zum 15. September liegen die Wählerlisten zur Einsichtnahme im Wahlbureau, Gasteinerstr. 11, 1 Tr., in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags aus. Etwaige Ein- spräche gegen die Richtigkeit der Liste sind während der Dauer der Auslegung der letzteren bei dem Magistrat zu erheben. Versäume niemand die Einsicht in die Wählerlisten. Köpenick. In der ersten Stadtvcrordneteiluersanimlung nach den Ferien harrten nicht weniger als 26 Punkte der Erledigung. Eingeleitet wurden die Verhandlungen, wie seit einem Jahre fast jede Sitzung, mit Wahlen zum Bureau. Der Vorsteher und der Schriftführer sind im Frühjahre zu Stadträten avaneiert. Gewählt wurde zum Vorsteher der bisherige Stellvertreter Stadtv. Lucht schied enes. Für Ober-SehGDeweide bei«»b«,, Wilhelminenhofstr. 4». 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Für CilCI'IOttenbüI'O im Tolbshanae, Rosinenstr. 8. 1. Vortrag des Kollegen voniln:.Kirche und Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Für WeißCDSee bei Content, Lchdcrstr. 5. 1. Vortrag des Kollegen polil:„Aus der Werkstatt des Kapitalismus." 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversammlung. 4. Stellungnahme zur Generalversammlung. 5. Verschiedenes. Für RjXdOrf bei Gellort, Tteinmetzftr. 93. 1. Vortrag des Genossen 2immvrinann:„Heinrich Heine als politischer Satiriker." 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversommlung. 4. Stellungnahme zur Generalversammlung. S. Verschiedenes. Sonnabend, den 18. September IVOS, abends 8 Uhr: Für SpälldäQ bei Schröter, Pichelsdorfer Strafte 5. 1. Vortrag des Kollege» iiin»:„Deutsches Strasrecht I" 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung. 4. Gewerkschaftliches. Sonntag, de« 19. September 1909, vormittags 9l/a Uhr: Gruppe der Knnststeinarbeiter im„Roscnthalcr Vereinshans", Rosenthaler Strafte 57. 1. Vortrag des Genossen Zimmormann:„Die Vorläufer der modernen Arbeiterbewegung I" 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversamm- lung. 4. Branchenangelegenheiteu. Für Adlershof M Kaal, Bismarckstr. 16. 1. Vortrag dos Kollegen Sewekow. 2. Diskussion. 8. Stellungnahme zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Sonntag, den 19. September 1909, nachmittags»'/- Uhr: Für KÖpeiliCk bei Joch, Grünauer Strafte 7. 1. Vortrag;„Der Generalstreik in Schweden." 2. DiSknision. 3. Be. richt von der Generalversammlung. 4. Stellungnahme zur General- Versammlung. 5. ErgänzungSwahlen zur Bezirksleitung. Sonntag, den 19. September 1909, nachmittags 4 Uhr: Für JObaimiStbal bei Gobln, Nooustr. 4. 1. Vortrag des Kollegen livokoi-:„Die neuen Steuern und unsere Wirtschastslagc." 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Donnerstag, den 23. September 1999, abends 8'/a Uhr: Für Tegel 6« KaUlcs, Berliner Strafte 98. 1. Vortrag des Kollegen Leun,:„Unfallversicherung." 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Keneralvcrjanunlung. 4. Wahl der Delegierten zum Kartell. 5. Verschiedenes. Zwecks Zlusübuiig einer Kontrolle über die Teilnahme an de» Bezirksversammlnngcn wird darauf aufmerksam gemacht, daft die '.Mitglieder ihre Bücher mitbringen solle», um den Besuch der Versammlung durch Stempel im Mitgliedsbuch eintragen zu können. Da in den Bersammlunge» die Berichte von der General- Versammlung gegeben werden, ist zahlreiches und pünktliches Er» scheine» der Mitglieder unbedingt notwendig. 91/9 Die UczlrksleKungcn. Achtung? Achtung! Nach dem Beschluß der Generalversammlung vom 25. Juli tritt die Lokalbeitragserhöhnng am 1. Oktober 1999 '.n tlraft. Die OrtoTerwaltong. Fünfter Mahlkreis. (3., 4. und 3. Abteilung.) kob Heute Dienstag, den 14. September, 8V2 Uhr abends: fcffvÄdu Yersammlnno in den„MoDtt-Siileu" Kaiftr-Mihelm-Straße t8m. TageS-Ordnung: Die politische Lage«na au pnanzreform. Referent: Stadtverordneter Dr. Weyl. _—— Diskussion.—— 223/15 � ItdttMllllll ist ftklindlichst tingklildkv. Der Vorstand. Verdsnä der Alalvr, Lackierer, Unstreieher Mclchiorsiraße 28, pari. Filiale Zerlin. m. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Donnerstag, den 16. September, abends 8V2 Uhr: IV Mitgliederversammlung'•8 im Gewerkschaftshause fgroher Saal), Engelnfer 13. TageS-Ordnung: l. Unsere Lohnbewegung und die Maßnahme» des Arbeitgeberverbandes. Referent: Kollege A. Tobler- Hamburg. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Mitgliedes zur TarisverhaiidlungSkommission. 129/13* Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Kollegen. Ule/. Stunde. Bes. V,ii«tl»v �VoItT, Oranienburg. Berliner Str. 52a. axamel-Bler Das beSiebteste alkoholarme Spezialbier Ueberau käuflich Hlanoli Cigareüen M verschaffen den höchsten Genuß. Spezialmarken: ibbas, Manolitip, Derby, Gibson Girl. Blaues Etikett— gesetzlich geschlitzt ''W; Kredit E Klobel 7eilza�igng i bei allerklelnstcr An- n. Abzahlung. Größte Rücksicht ÄXi.Äk" i° E- Cohn, 6f. FfuttateM Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. 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