Ar. AS. BbonnementS'Bedingungen: Abonnements* Preis prnnumerando; Liertcljährl. 330 W., monatt. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, fiir das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Poslabonncmcnts nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. «»ein» täglich äitBcr montags. Verlitter Volltsltlntl. Sie sniertlons-eebilh? vcträgt für die sechsgespaltcne Kolone», geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Meine ZZnresgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzeigcn daS erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist dis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm< Adresse: „Sozläldkinoürat Bullot Zcntratorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. Redaktion: 8Al. 68. Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Zwei üulturaufpben. Mit einem vortrefflichen Auftakt, der lauten Widerhall wecken wird im deutschen Proletariat, hat die rote Woche in Leipzig eingesetzt. Zivei Debatten uild ein Beschluß von großer politischer und kultureller Bedeutung haben dem ersten Tage unseres Parteiparlaments das Gepräge gegeben. Zwei großen Knlturaufgaben galten sie, dem Kampf um die Jugend und dem Kampf gegen die Schnaps j u n k e r. Beide rütteln an zwei wichtigen Positionen unserer Gegner. Je stärker die Arbeiterbewegung sich entfaltet, um so Wütender stürzt sich die herrschende Klasse auf die proletarische Jugend, um so skrupelloser geht sie darauf aus, den proletarischen Eltern die Seelen ihrer Kinder, der Arbeiterbewegung den Nachwuchs zu rauben. Dem freien Geist im Elternhause setzt sie die vermuckerte Volksschule entgegen, die das selbständige Denken ertöten, die ein Geschlecht bigotter, demütiger Knechte, von Mordspatrioten und Byzantinern züchten soll, die dem Kampf ihrer Klasse frenid und feindlich gegenüber stehen. Der Mißbrauch der Schule für die Zivecke der Herrschenden wird von Jahr zu Jahr offener gepredigt und getrieben, die Fortbildungsschule wird in seinen Dienst gestellt und Jugendvereine verschiedenster Art suchen das Werk der Schule über ihre Zeit hinaus fortzusetzen und zu festigen. Es war höchste Zeit, daß die freie Jugendbewegung kam, daß die Arbeiterbewegung den Kampf gegen die bürgerliche Gesell- schaft um die Köpfe der Jugend aufnahm. Denn ivenn auch die harte Schule des Lebens dafür sorgt, daß die Bäume der Jugend- und Schulverderber nicht in den Himmel wachsen, wenn die Schule des Lebens auch schließlich bei der Mehrheit der Proletarierkinder über die blutlosen Schemen triumphiert, mit denen die Schule der Herrschenden ihre Kraft in Bann zu halten sucht, so niuß doch das Proletariat um jeden seiner Sprossen mit der Reaktion kämpfen und ihre Anschläge auf die Zukunft der Arbeiterbewegung gründlich zuschanden machen. Wie lebhaft das Empfinden dafür in den Reihen der Partei ist, Wie sehr sie die Pflicht empfindet, den Nachwuchs gegen den Seelenfang der Herrschenden zu verteidigen, das zeigt das schnelle Vorwärtsschreiten der jungen proletarischen Jugend- bcwegung, über das Genosse Ebert so erfreuliche Zahlen geben konnte, das zeigte die angeregte, von brennendem Interesse getragene Debatte des Parteitags. Die Partei hat die große Aufgabe mit Ernst und Eifer in Angriff genommen und die lebhafte Auseinandersetzung von Leipzig wird sie fördern und befruchten. Sie»var ein lauter Appell an alle Partei- und Gewerkschaftsgenossen. Herz und Beutel für die Arbeit unter der Jugend zu öffnen, und wir dürfen der festen Zuversicht sein, daß er gehört wird. Und ebenso dürfen wir gewiß sein, daß die Arbeit in der Jugend das Verständnis bringen wird für die Bedürfnisse der Jugend, daß die tastenden ersten eisten Schritte bald zu zielklarem Vorwärtsschreiten werden und daß sich immer kräftiger und mächtiger entwickeln werden die jungen Garden des Sozialismus 1 •• Arbeit um die Zukunft ist der Kampf um die Jugend— Gegenwartsarbcit im besten Sinne der Kampf gegen die Schnapsjunker. Politischer Kampf und Kultur kämpf. Den giftigsten, den gefährlichsten und mächtigsten Gegner des Proletariats, das ostelbische Fuseljunkertum, soll der S ch n a p s b 0 yko tt. den der Parteitag in eindrucksvoller Kundgebung— einstimmig und unter jubelndem Beifall der Delegierten und der Zuhörer— beschloß, an seiner empfindlichsten Stelle, am Geldbeutel. treffen. Und nnt ihm seinen Verbündeten, das Zentrum, und sein Werkzeug, die Regierung. Eine Steu erver Weigerung, der sich der Klasscnstaat mit all seinen gewaltigen Macht- Mitteln nicht zu erwehren vermag, hat das Parlament der deutschen Arbeiter beschlossen, eine direkte Aktion, die die Massen zum unmittelbaren Kampf gegen ihre Feinde führt. Die alte Waffe des Boykotts soll auf neuem Schlacht- seid, auf politischem Kampfterrain geschwungen werden. Und sie wird, dafür zeugt die einmütige Aufnahme, die dieser aus kleinen Anfängen schnell erstarkte Gedanke in der höchsten Vertretung des klassenbewußten Proletariats fand, nicht nm- sonst aus der Scheide fliegen. Der Leipziger Parteitag hat den Junkern eine Fehde angesagt, die zäh durchgefochten werden wird und die nur mit schlverem Verlust auf der Seite der Feinde ausgehen kann. Daß dieser neue Gedanke aber so schnell zur begeistert aufgenommenen Idee der Vertretung der proletarischen Massen werden konnte, das ist nicht nur in dem Umstand be- gründet, daß er einen Weg zeigt zur Vergeltung der Steuer- Plünderung und zur gefährlichen Verwundung der Junker, die Deutschlands Volk geknechtet halten. Sondern das er- klärt sich mit aus dem anderen Umstand, daß der Boykott des Branntweins zugleich eine gewaltige kulturelle Wirkung zeitigen muß. Die Schnapspest ist je länger je mehr als einer der schlimmsten Feinde der Arbeiterbewegung, des Aufstiegs der proletarischen Massen zu wahrer Kultur erkannt worden. Hier hat die Abstinenzbewegung eine große, frucht- bare Arbeit geleistet. Zwei Feinde schlägt der Boykott den äußeren und den inneren Feind, das Expedition: SM. 68» I-indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. ausbeutende, unterdrückende Junkertum und die Stumpfheit und Unwissenheit in den eigenen Reihen! Zwei Kultur- aufgaben erfüllt er, die Unterwühlung des Fundaments, darauf die Junkerschaft steht, die aller wahren Kultur bitterster Feind ist, und die Befreiung des Proletariats von selbst gc- schmiedcter Fessel I Ziele, die des Schweißes aller echten Kulturfreunde tvert sind. Der Parteitag zu Leipzig hat einen trefflichen Anfang seiner Arbeit gesetzt! Möge sein Fortgang ebenso gute Er- gebnisse bringen! • m » Die deutsche Sozialdemokratie und ihre Reichstags! fraktion. Leipzig, 14. September. Kaum hatte Ledebour. stimmlich noch immer indisponiert. den Parlamentarischen Bericht eröffnet, da wurde er durch eine lebhaft- freudige Erregung im Saal für einen Augenblick unterbrochen: A u g u st B e b e l trat ein und begab sich hurtigen Schrittes— wie in seiner besten Zeit— an seinen Platz Trotz der stimmlichen Behinderung Ledcbours war sein Referat frisch und lebendig. Der Redner nahm vorweg die Abfertigung der Angriffe aus den Reihen unserer eigenen Partei, die das Kind mit dem Bade verschütten und in ihrer an sich durch- aus wünschenS- und bcgrützenslvcrten Kritik am Tun oder am Nichtgenugtun unserer Reichstagsfraktion so weit gehen, daß diese Kritik von der unserer Gegner schon nicht mehr zu unterscheiden ist. Im übrigen konnte Ledebour sich recht kurz fassen, denn der Bericht, den die sozialdemokratische RcichstagSfraklion dem Leipziger Partei tag und allen Genossen im Reiche schwarz auf weiß erstattet hat, registriert und erläutert ja in mustergültiger Weise die parlamentarische Tätigkeit der Fraktion vom November 1SV3 bis zum ominösen 13. Juli 1909. Als die zum parlamentarischen Bericht gestellten Anträge und Resolutionen zur Begründung kamen, trat als einer der ersten Paul Müller aus Hamburg auf die Tribüne und sprach der sozialdemokratischen ReichStagSfraktion Dank aus für die kraswofr sachkundige Förderung der Interessen unserer SchiffahrtSbevölkcrung. Er zeichnete in knappen Worten ein Bild vom Elend des Proletariats zur See, das mehr und mehr in der Sozialdemokratie die Partei erkennt, die allein für seine Rechte und seine Forderungen ficht. Der erste Diskussionsredner, S t a d t h a g e n, zog die Erb schaftssteuerfrage in die Debatte und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß unsere Fraktion im Reichstag gemäß ihrer Haltung im Plenum bei der ersten Lesung, wäre es zur dritten Lesung gekommen, gegen jene Karikatur eines Gesetzes gestimmt hätte. das nichts gewesen wäre als ein Sprungbrett zur Vierhundert- millionen-Belastung der Besitzlosen. Jedenfalls würde er für seine Person, so schloß Stadthagen, sich der Stimme enthalten haben, wenn unsere Fraktion etwa doch hätte helfen wollen, diese Erbschafts steuer unter Dach zu bringen. Damit war der Weg gebahnt zu lebhaften Erörterungen, denen Schubert aus Spandau neuen Stoff zuführte, indem er rügte, daß unsere Reichstagsfraktion eS nicht wieder einmal mit der Obstruktion versucht habe. Heißer und heißer wurde die Debatte, in der Südekum, David und L 0 e b e auf der einen, Wagner. Hoch und eher auf der anderen Seite standen. Geyer regte an. der Parteitag 1910 solle das Thema auf die Tagesordnung setzen, da> mit die Frage geklärt sei, bevor die nächste Fmaiiz-„Ncform* sie neuerlich in unsere Diskussionen schleudert. »» • Ehe am Nachmittag die Aussprache über den Parlamentsbcricht ihren Fortgang nahm, trat Genosse Lindblat aus Stockholm vor den Parteitag und dankte der deutschen Sozialdemokratie für die Opfer, die sie der schwedischen Arbeiterschaft zum Großstreik dargebracht hat; dem»Vorwärts" dankte Lindblat, weil er (mit bewußter Betonung sprach der Redner diese Worte), weil er nach Ansicht der maßgebenden Personen — der streikenden Arbeiter Schwedens— deren Kampf in geradezu hervorragender Weise gefördert hat. Nachdem noch Knieriem für die Mandatsprüfungskommission einen kurzen Bericht gegeben hatte, an den sich eine längere DiS- kussioii schloß über das Mandat Litfin(Berlin IV), und nachdem dem Antrage der Kommission gemäß alle 295 Mandate für gültig erklärt waren, kam Kurt EiSner zu Wort. Er begründete einen Antrag, der die Reichstagsfraktion verpflichten will, ein aktuell-gesetz- geberisches Aktionsprogramm mit Entwürfen, Begründungen, Richt- linien, ferner aktuelle Denkschriften zu entwerfen und einzubringen. die„unmittelbar, auch in der bürgerlichen Gesellschaft, auSführ- bar sind". Nach dieser Unterbrechung, die EiSner allerdings nicht als Unterbrechung charakterisiert zu sehen wünschte, kamen die beiden Elsässer P ei rotes und Emmel zu Wort. PeiroteS sprach ebenso wie nach ihm Robert Schmidt lebhaft für eine Politik, die sich in gelvissen Momenten von opportunistischen Erwägungen bc- stimmen läßt, während Emmel darlegte, daß die Fraktion auch gegen die Erbschaftssteuer sich hätte ablehnend ver- halten müssen. Genosse Singer gab hierauf in einer sehr scharf und klar gegliederten Gegenrede zu erwägen, baß die Diskussion, wie sie sich zuletzt zugespitzt hatte, eigentlich aus zwei Gründen in der Luft schwebt: einmal, weil eS ja keinem unserer Parteigenossen eingefallen ist, daS Verhalten der sozialdemokratischen Fraktion zu mißbilligen, und dann: weills zu der berühmten dritten Lesung der Erbschaftssteuer ja überhaupt nicht gekommen ist, wo- gegen Ulrich Wohl nicht mit Unrecht dafür plädierte, daß eine Debatte, so interessant und so sachlich wie diese, der deutschen Sozialdemokratie und dem Parteitag nur zur Ehre gereichen kann. Molkenbuhr behauptete die Unmöglichkeit der Obstruktion und forderte von Kautsky genaue Angabe, mit welchen Mitteln die Fraktion sie hätte ins Werk setzen sollen, während Wurm die Gründe, die für die Annahme der Erbschaftssteuer ins Feld ge« führt wurden, mit knapper, treffender Argumentation zerzauste. Da die Leipziger Genossen dem Parteitag zu Ehren ein Abend- konzert veranstaltet haben, so ließ das Präsidium die Vcrhand- lungen eine Stunde früher als sonst zu Ende gehen. Morgen wird die Debatte fortgesetzt. ver Kampf in Schweden. Ueber die heutige Lage in Schweden meldet uns folgend« Privatdcpesche: Stockholm, den 14. September. Die offizielle Zählung der „Arbeitslosen" gibt heute die Zahl auf 125 009 an, gesteht aber selbst ein, daß diese Zahl unvollständig ist. Die Landcszcntrale der Gewerkschaften stellt fest, daß 140(100 ausständig sind. Das späte und schwache Eingreifen der Regierung, um eine Vermittelung zwischen den Kämpfenden herbeizuführen, ist hier im allgemeinen mit einer Erleichterung aufgenommen worden. Die liberale Presse findet nur langsam den richtigen To» gegen die Herausforderung der öffentlichen Meinung, die sich die Rc- gierung mit der Auflosung der Kolleltivvertrngskommission er- laubt hat. Die eine bürgerliche Masse gegenüber der Arbeiter- Nasse steht noch im wesentlichen fest, was fiir die Arbeiterpresse von großem Borteil ist. Die ersten Verhandlungen zwischen den beiden Parteien werden in den nächsten Tagen im Rcichstagsgebäude beginnen. » Nach den Mitteilungen, die das Landessekretariat der schlve- dischen Gewerkschaften aus dem ganzen Lande erhalten hat, stehen jetzt noch mindestens 140 000 Arbeiter und Arbeiterinnen im Kampfe, der ja nur noch gegen die'Schwedische Arbeitgebervereini» gung geführt wird. Bei allen außerhalb dieser Untcrnehmerorgani- sation stehenden Arbeitgebern ist die Arbeit überall wieder auf- genommen worden, ausgenommen bei denjenigen, die die Lage noch immer zur Maßregelung und Schikanierung der Arbeiter auszunutzen trachten, wie das von den Straßcnbahngescllschasten Stockholms und, gegenüber den Gemeindearbeitern, von der städtischen Vertvaltung geschieht. Um die Straßenbahngesellschaften zur Anerkennung des Uebereinkommens vom I. September zu veranlassen, hat die Arbeiterschaft ein gutes Mittel, den Boykott, zu dem jetzt durch Flugblätter aufgefordert wird. Die Lage der Gesellschaften wird dieser Maßregelung gegenüber gänzlich unHalt- bar. Das alte Personal zu den verschlechterten Arbeitsbedingungen wiederzugewinnen, scheint auch ausgeschlossen. Der Straßenbahn. direktor Waldin hat gegen die Leute, die wieder in Dienst getreten waren, die Drohung ausgestoßen, daß keiner sich erlauben sollte. das Volkshaus zu besuchen, weil sonst Entlassung folgen werde. Der Erfolg war, daß 25 solcher Leute doch zur Versammlung ihrer Kollegen gingen und sich ihnen anschlössen. Zum Konflikt kam eS auch in der elektrischen Industrie, deren Arbeitgeberverband die Wiederaufnahme der Arbeit ebenfalls von Verschlechterung der Arbeitsbedingungen abhängig machen möchte. Es sind jedoch in diesem Fall Verhandlungen angeknüpft, die jeden- falls guten Erfolg für die Arbeiter haben werden. Vor allem kommt es nun natürlich darauf an, daß die inter- nationale Hilfe auch fernerhin nicht versagt. Für ein Land wie Schweden ist ja die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten noch immer ungeheuer groß, für die Masse der organisierten inter- nationalen Arbeiterschaft ist es aber ein Kleines, jene 150000 vor der bittersten Not zu schützen, lSülotv ei» aufrechter liberaler iflann. Durch die Triolen- Sehnsüchte des Ehepaares Schack ist das Reichstagsmandat Eisenach- Dermbach frei geworden. Liberale, Antisemiten und Sozialdemokraten stehen sich dort gegenüber. Bei der letzten Wahl vermochte der Antisemit Schack nur dadurch den Sieg davonzutragen, daß ein großer Teil der„Liberalen" für den Antisemiten Schack stimmte. Inzwischen hat sich die Situation nicht unwesentlich ver- ändert. Der konservativ-liberale Block hat ein schmähliches Ende gefunden. An Stelle der konservativ-liberalen Paarung ist der konservasiv-nltramontane Schnapsblock getreten. Und bei der R e i ch s f i n a n z r e f 0 r m prallten die agrarischen und liberalen Interessen derartig gegeneinander, daß-sogar die N a t i 0 n a l l i b c r a l e n den Mut fanden, gegen die Agrarier anzukämpfen. In dieser Situation ist nun ein antisemitisches Mandat rcigcworden. Daß der Antisemisismus nur eine demagogisch aufgefärbte Abart des Konservatismus ist, weiß der Liberalismus genau so gut wie die Sozialdemokratie. Zu- dem war ja Herr Schack Mitglied des Bundes der Landwirte. Man sollte also meinen, daß der Liberalismus, der bei der Reichsfinanzreform im heftigsten Kampfe gegen das blau-schwarze Agraricrtum gestanden und nach erbitterten Kraftproben niedergerungen wurde, alles aufbieten müßte, um der Reaktion, dem Agraricrtum, das Mandat zu entreißen. Man sollte meinen, für alle liberalen Elc- mente, die nationalliberalen nicht ausgeschlossen, gäbe es nur die eine Parole: Nieder mit dem Reaktionär, nieder mit dem antisemitisch verkappten Agrarier! Nun erwartet natürlich kein Mensch irgend etwas Uedcr- menschliches von unserem Liberalismus. Da der Kampf im Wahlkreise Eisenach-Dermbach seit Geraumem zwischen drei Parteien, den Liberalen, dem Sozialdemokraten und dem Antisemiten, geführt wird, wird niemand den Liberalen zu- muten, etwa von vornherein zugunsten des sozialdemo- kratischen Kandidaten zu verzichten. Wir fanden es deshalb ganz in der Ordnung, daß das„Verl. T a g e b l." in seiner Nr. 461 von: Sonnabend, dem 11. September, sofort nach der Mandatsnicderlegung dcZ Herrn Schack, dazu aufforderte, als- bald dafür Sorge zu tragen, daß ein geeigneter liberaler Kandidat aufgestellt werde. Das ,. B e r l. Tagebl." schrieb in der genannten Nummer wörtlich: „Daß es den Antisemiten diesmal gelingen sollte, den Wahl- kreis zu behaupten, kann wohl nach den letzten Vorgängen als ausgeschlossen erscheinen. Die Aussichten sind deshalb für den entschiedenen LiberalismnS nicht ungünstig, vorausgesetzt, dah es ihm gelingt, einen tüchtigen und aufrechten liberale» Mann als Kandidaten zu gewinnen. Jedenfalls haben die freifinnigen Parteien alle Veranlassung, ihre Vorbereitungen rechtzeitig und in i l E n e r g i e zu treffen, damit Eisenach nach der trüben Schack-Episode wieder zum liberalen Besitz wird." Das war am letzten Sonnabend. Inzwischen ist Schmock Lim an auf den ingeniösen Gedanken verfallen, als bürger- lichen Sammclkandidaten für Eisenach den— Fürsten B ü l o w vorzuschlagen. Und was erleben wir da? Nichts Geringeres, als daß das am weite st en links st ehende sreisinnige Blatt der Rcichshauptstadt, eben das„Berl. Tagebl.", diese echt Limansche Schmockidce geradezu begeistert aufnimmt! In einem Leitartikel vom Dienstag, dein 14. September, nennt dasselbe„Berl. Tagebl.", das drei Tage vorher zur Aufstellung eines aufrechten Liberalen aufgefordert hatte, die Empfehlung des agrarischen Kanzlers zum Kandidaten einen„hübschen Gedanken". Ja. es fährt sogar wörtlich fort: „Von unserer Seite wäre sicherlich kein Wider- stand zu erwarten, wenn Fürst Bülow ein Reichstagsmandat er- strebte. Wir glauben auch annehmen zu können, daß die Liberalen im Wahlkreise E i s e n a ch gern darüber hinweg- sehen würden, datz Fürst Bülow, der sich selbst als k o n s e r< vativ und agrarisch bezeichnet hat, keinen direkten st) Zuwachs der freisinnigen FraltionSgemeinschaft bedeuten würde. So mandatshungrig brauchen die liberalen Par- teicu nicht zu sein, das; sie eS sich nicht zur Ehre an- rechnen sollten, einem Staats manne vom Rangle des Fürsten Bülow zu einen, Sitz im Reichstage zu verhelfen. Wenn wirklich Fürst Bülow den guten Willen hat, von den Bänken des Reichstages aus die äufeere und innere Politik dcS Reiches krisisch zu prüfen und nach besten Kräften fördern zu helfen, dann dürfte ihm, wie wir hoffen, von liberaler Seite kein Stein in den Weg gerollt werden." Das„Berl. Tagebl." empfiehlt also in allem Ernste die Kandidatur Bülow. An die Stelle des Triolen-Schack möchte es den Fürsten Bülow gesetzt sehen, an Stelle der erotischen Perversität die politische Perversität, den gerade nach dem „Berl. Tagebl." so absurden Paarungsvcrsiich von Karpfen und Kaninchen l Das am weitesten linksstehende freisinnige Blatt Berlins macht also Reklame für die Kandidatur eines ausgesprochenen Bündlers, der sich sogar eine agrarische Grabschrift bestellt hat. um nur ja die Wahl eines wirklichen Anti-Agrarters, eines Sozialdemokraten zu hintertreiben! Daß das„Berl. Tagebl." am Sonnabend die Auf- stellung eines„aufrechten Liberalen" forderte, um sich am Dienstag mit Vehemenz für die ausgerechnet von Lim an lancierte Kandidatur des agrarischen Exkanzlers ins Zeug zu legen, beweist drastischer als irgend etwas, wie unsäglich jammervoll es um den Freisinn bestellt ist I Zu den Candtagswahlen in Sachsen. Die Wahlbewegung ist zwar noch nicht recht im Schwünge, doch wird sie mit jedem Tage lebhafter. Es scheint, als wolle keine der Parteien das Pulver zu früh verschießen. Kann daher auch über einen eigentlichen Wahlkampf noch nicht be- richtet werden, so ist doch die Wahlbewegung durch Vorgänge belebt worden, die eine kurze Beleuchtung erheischen. Auf Grund der Wählerlistenaufstellung ist jetzt auch etwas Licht über die Verteilung der Plural st immen ver- breitet worden. Zwar liegen umfassende Angaben erst aus wenigen Wahlkreisen vor, doch lassen auch die Ziffern aus den einzelnen Orten ein allerdings noch vorsichtig zu haltendes Urteil zu. Es geht daraus hervor, daß die Erwartungen, die die Gegner auf das neue Pluralunrecht setzten, voll erfüllt werden dürften. Pluralstimmen sollten bekanntlich möglichst nur den nationalen Wählern zukommen und so das Stimmengewicht der Arbeiter- Wähler niedergedrückt werden. In der weitaus größten Zahl von den 91 Wahlkreisen wird die bösartige Hoffnung der Gegner voll in Erfüllung gehen. In mehreren Kreisen stellen die Besitzenden als V i e r st i m m e n w ä h l e r, ob- wohl sie an Zahl weit hinter den übrigen Wahlberechtigten zurückbleiben, die absolute Mehrheit aller Stimmen. In welchem Umfange das in Dresden der Fall ist, hat ja die vor einigen Tagen auch im«Vor- wärts" veröffentlichte Aufstellung ergeben, aber auch in den mittclstädtischen Wahlkreisen ist es nicht besser. So hat sich im ersten städtischen Wahlkreise, der neben Zittau und L ö b a u noch drei Lausitzer Kleinstädte umfaßt, folgendes Bild von der Verteilung der Pluralstimmen ergeben: Die Viersttmmenwähler versiigen zwar hier nicht ganz über die absolute Mehrheit, es brauchen ihnen aber nur 203 Dreistimmenwähler zugerechnet zu werden, so haben sie die Mehrheit! Uebcr den Ausfall der Wahl unter solchen Ver- Hältnissen kann ein Zweifel nicht bestehen. Sicher ist, daß das Stimmengewicht der Arbeiter, die eine, höchstens zwei Stimmen erhalten können, von vornherein völlig von den an Zahl bedeutend kleineren Drei- und Vier- sttmmenwählcrn erdrückt wird. Die Wahl eines sozial- demokratischen Kandidaten ist unter solchen Verhältnissen natürlich absolut ausgeschlossen. Aehnlich wie in diesem sieht es auch in anderen städtischen Wahlkreisen aus. wie sich aus den Angaben aus. den einzelnen JDrten ergibt. Daß gerade in den Klein- und Mittelstädten durchweg ein erdrückendes Uebergewicht der Drei- und Vierstimmenwähler besteht, ist darauf zurückzuführen, daß Handwerksmeister und Hans- besitzer bei der Stimmenzuteilung ganz besonders begünsttgt worden sind, weil sie bisher noch immer die zuverlässigste Gefolgschaft der Konservativen bildeten. Etwas anders ist das Ergebnis der Stimmcnverteilung in den Orten und Wahlkreisen, wo Zünftler, Hausbesitzer und Beamte nicht so vorwiegend dominieren, in den Industrie- zcntren und Arbeiterorten. Namentlich in letzteren hat das Pluralwahlsystem seine entrechtende Wirkung nur in be- schränktem Maße zur Geltung bringen können. Hier sind die Wähler mit einer und zwei Stimnien oft bedeutend zahlreicher wie die Drei- und Merstimmenwählcr; ja, es gibt Arbeiter- gemeinden, wo bei einer Wählerzahl von 200 bis 350 nur drei bis acht Vierstimmenwähler und ungefähr ebensoviel Wähler mit drei Stimmen festgestellt wurden. Das sind die eigentlichen Proletarierdörfer, wo die Arbeiter zum Teil selbst in ihrem ererbten Häuschen wohnen und Handwerks- meister ebenso selten zu finden sind wie Beamte und sonstige besser situierte Leute. Es ist klar, daß in Wahl- kreisen, die überwiegend aus derartigen Arbciterwohngeiueinden zusammengesetzt sind, noch einige Aussicht auf Wahl sozial- demokratischer Vertreter besteht. In der Regel wird in den Wahlkreisen ein sozialdemokratisch er Wahlerfolg noch im Bereiche der Möglichkeit liegen, wo die ein- und zweistimmigen Wähler an Zahl bedeutend stärker sind wie die Wahlberechtigten mit 3 und 4 Stimmen. Das gilt namentlich von den Industriezentren, wo die Löhne noch einigermaßen sind. Hier dürfte die Mehrzahl der Zweistimmenwahler von Arbeitern gestellt werden. Wieviel Wahlkreise bestehen, wo die Verhältnisse derart verhältnismäßig günstig liegen, läßt sich noch nicht sagen, mehr als 12 bis 15 dürften es aber keineswegs sein. Wesentlich verschlechtert worden ist das Pluralwahlrecht noch durch das Verfahren der Wahlbchörden, die alle Wähler aus den Listen gestrichen haben, die auf 15 Jahre zurück noch unbeglichene Steuerreste haben. Das ist eine neue Wahlentrechtung, der viele Tausende Arbeiterwähler zum Opfer fallen. Dieses aufreizende Verfahren ist eingeschlagen worden, obwohl im sächsischen Einkommensteuergesetz ausdrücklich steht, daß Steuerreste nach drei Jahren verjähren, und auch vor zwei Jahren das Oberverwaltungsgericht in einem Urteil ausgesprochen hat, daß verjährte Steuerrcste keinen Vorwnnd mehr zu WahlrechtSentziehungen geben können, weil in diesem Falle keine Steucrrückstände mehr existteren. Diese neue bösartige Wahlentrechtung bat große Erregung und Erbitterung wachgerufen. Tatsächlich steht es in Sachsen so, daß ein schwerer Verbrecher, selbst wenn er zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, sein Wahlrecht eher ausüben kann wie ein braver Arbeiter, der einmal infolge Krankheit oder besonderer Notlage keine Steuern bezahlen konnte. Die sächsische Parteipresse hat sich mit Schärfe dagegen gewandt und damit auch erreicht, daß einer Deputation sozialdemokratischer Wahlkomitees vom Ministerium zugesagt worden ist, die Angelegenheit noch vor Abschluß der Wähler- listen dem Oberverwaltungsgcricht zu unterbreiten. Was da- bei herauskommen wird, muß abgewartet werden, die ver- worrcne Sachlage läßt nichts voraussagen. Wenn aber die neue Wahlentrechtung auch von den obersten Instanzen be- stätigt werden sollte, dann dürfte durch die herrschende Er- bitterung der Stimmenausfall, den die Sozialdemokratie dadurch erleiden würde, durch Ueberläufer aus dem bürger- lichen Lager reichlich wieder ausgeglichen werden. Die nMch-evgliiche Lotevte. Ans Petersburg wird uns geschrieben: Wer die Wandlungen der auswärtigen Politik von den Aspirationen des sogenannten nationalen Geistes abzuleiten die Gewohnheit hat, muß sich jetzt vergeblich den Kopf über die Frage zerbrechen, was für nationale Eigenschaften Ruß- land mit England so eng verbinden. Eine Seelenverwandt- schaft ist hier wirklich schwer zu konstruieren. Man könnte vielleicht das Rätsel mit der Annahme zu lösen suchen, daß es hier die Extreme sind, die sich berühren. Und in einem bestimmten, nur nicht im nationalpsychologischcn Sinn ist dem auch wirklich so: Ruß- land braucht Geld, viel Geld und immer Geld; und England sucht gewinnbringende Anlage für seine Kapitalien. Für diese ökonomische Annäherung schufen die Rivalität zwischen Deutsch- land und England einerseits und der Bankrott der zarischen Politik in Asien andererseits die notwendigen polittschen Vor- bedingungen. Auf dem Wege der Verbrüderung mit dem Zarismus hatte die englische Börse ein Hindernis zu überwinden: die öffentliche Meinung der liberalen Demokratie. So unzugäng- lich pflegt sie ja nicht zu sein, diese öffentliche Meinung, doch kostete es immerhin ein wenig Mühe, sie in zarenfreundlicher Richtung zu bearbeiten. Die konventionelle Lüge von der Nicht- einmischung in die inneren Angelegenheiten deS befreundeten Staates war sehr nützlich innerhalb des Parlaments, um die „taktlosen" Anfragen der Arbeitcrvcrtreter abzuwehren. Um aber die von den Aseiv- und Harting-Affären aufgeregte Stimmung der breiten Gesellschaftskreise zu beruhigen, reichte die parla- mentarische Pontius-Pilatus-Stratcgie nicht aus. Man be- durfte zugunsten der konstitutionellen Metzger an der Newa überzeugenderer Beweise— und so kam nmn auf den glücklichen Gedanken, die russische„öffentliche Meinung" selbst über die englisch-rusiische Entente zu befragen. Wo pflegt aber die öffentliche Meinung zu logieren? Natürlich nicht in den Arbeitervierteln der Städte und nicht in den Bauern- gemeinden der Dörfer. Wo also? Natürlich in der dritten Duma, in der famosen Körperschaft, die durch die Schande ihrer volksfeindlichen Handlanger die Schande ihrer Geburt aus dem Staatsstreich zu vertilgen sich bemüht. Es ist jetzt festgestellt, daß die Liste der russischen„Volksvertreter", die man im Juli nach London gefahren hat. von den Ftnanzfürsten der Lombard Street zusammen- gesetzt worden war. Die öffentliche Meinung ans Be- stellung I— daS hat sich die englische Börse geleistet. Und in ihren Erwartungen hat sie sich nicht getäuscht. In Reih und Glied marschierte Miljukow, der große„Demokrat", mit seinen oktobrissischen und schwarzhundertlerischcnRcisekameraden. Mit ihnen zusammen protestierte er feierlich gegen den Aufruf der Arbeiterpartei, die dem Zaren den Willkommen des englischen Volkes verweigerte.„Wir sind die Opposition Seiner Majestät, nicht g e g e n Seine Majestät l" so erklärte er vor dem Forum der britischen Börse. Und die Stallknechte der Negienmgspresse schlugen ihm aufmunternd auf die Schulter. Jetzt, wo Petersburg, Moskau und Odessa am Vorabend der Ersatzwahlen stehen, bemüht sich Miljukow im Schweiße seines Angesichts, seine Londoner Erklärungen hinwegzuinterpretiereu. Von den Sozialdemokraten heftig angegriffen wird er von seinen Freunden von rechts im Stiche gelassen. Der liberale Mohr hat seine Schuldigkeit getan! Er hat sie wirklich getan I Nachdem die Londoner Börse die Majorität und die Minorität Seiner Majestät, wie diese Majestät selbst vor sich hatte defilieren lassen, findet die englische Börse es für zeitgemäß, eine regere Tätigkeit in Rußland zu entfalten. Man spricht schon von einer Anleihe von einer halben Milliarde Rubel, und die zarische Regierung reibt sich in ihrer Vorfreude schon die Hände. ES scheint aber, daß die englischen Kapitalisten nicht sehr bereit sind, den Petersburger Machthabern bareL Geld zur Verfügung zu stellen. Viel verlockender wäre es für sie, einfach das Land auszukaufen: die Städte und die Dörfer, die Berge und die Flüsse, Eisenwerke und Eisenbahnen. Ucber den ganzen Ural mit seinen unermeßlichen Reichtümern erstreckt das englische Kapital sein Netz. In Petersburg und Moskau treten russisch- englische Handels- kammern ins Leben. Die Stadt Wilua ist im Begriff, eine Anleihe von 12 Millionen Rubel in England zu placieren, lind uncrwarteterweise erklärt das russische Handelsministerium, es sei der Transvaaler Markt für Schienen russischer Produktion eröffnet worden. Was bedeutet das? Nichts anderes, als daß die englischen Unternehmer Schienen für Transvaal auf russischem Boden, aus russischem Material mit billigen MuSkeln der russischen Proletarier produzieren werden. Die Naturschätze und die Arbeitskrast sind russisch, nur der Mehrwert wird britisch sein. Auf diese Weise sind sie einstweilen alle zufrieden. Die Börse wartet auf fette Gewinne. Die Regierung auf ihre Milliarden. Der Adel auf neue Liebesgaben der Regierung. Die Kapitalisten auf Belebung der russischen Industrie durch englisches Kapital. Die Ernte ist ziemlich gut ausgefallen. Und alle Zeichen auf dem Firmament der europäischen Börse stimmen darin überein, daß ivir einer Periode der„Prosperität" entgegengehen. politische(leberkicdt. Berlin, den 14. September 1309. Lehrcrbesoldung und Berliner Kommunalfreistnn. Bei der Ordnung der Besoldungsverhältnisse des Lehrerpersonals hat sich der Berliner Kommunalfreisinn im hellsten. Lichte gezeigt. Bekanntlich setzt sich das Lehrergehalt zusammen aus dem Grundgehalt, der Alterszulage, der Mietsentschädigung und der sogenannten Ortszulage. Letztere soll es ermöglichen, die besonders teucrn Verhältnisse der Großstadt zu berück- sichtigen und den Lehrern ein besonderes Aequivalent für besondere Aufwendungen zu gewähren. Im preußischen Lehrerbesoldungsgesetz ist aber den Städten in dieser Hinsicht eine Grenze gezogen, indem die höchste zulässige Ortszulage auf 900 M. festgesetzt ist. Der Berliner Komumnalfreisinn hat es nun verschmäht, diese Höchstgrenze für die im Dienste der Stadt Berlin stehenden Lehrer in Anspruch zu nehmen. Trotz aller Hin lv eise von sozialdemo- kratischer Seite, daß gerade freisinnige Abgeordnete im preußischenLandtag sich mit aller Schärfe gegen den Studtschen Bremserlaß gewendet hätten, wurde die Ortszulage auf 759 M. bemessen. Anders die Vororte Charlotten bürg, Schöneberg und W i l Nl e r s d o r f; sie setzten für die in diesen Orten tätigen Lehrpersonen die Ortszulage auf 999 M. fest. Die R e- gierung hat nun aber den genannten Orten die Gr- nchmigung zu diesen Beschlüssen verweigert. In ihrer Begründung bezieht sie sich ans die Berliner Be- s ch l ü s s e, Berlin und die Vororte bildeten eine Wirtschaft- liche Einheit.„Die Zulassung einer Ablveichung von den Sätzen der Berliner Besolduiigsordnung bei den Ortszulagen würde das dem LehrerbesoldnngSgcsetze zugrunde gelegte Prinzip der Gewinnung möglichst gleichartiger Besoldungsverhältnisse für jede Kategorie aller unter denselben wirtschaftlichen Verhältnissen lebenden Lehrpersoneu durchbrechen." Also weil der Berliner RalhauSfreistnn in seiner Rückständigkest den gerechten Ansprüchen der Lehrer nicht entsprochen hat, dürfen die Vorvrtgemeinden das auch nicht tun. Das war vorauszusehen. Unser Kommunalfrcisinn hat wieder einmal den Beweis geliefert, wie lehrerfrcundlich er ist, was natürlich die Lehrer in ihrer Mehrheit nicht hindern wird, dem Freisinn auch fernerhin nachzulaufen. Interessant ist. daß der Ober- bürgcrmeister von Schöneberg, Wilde, den Beschluß des Berliner Freisinns in Sachen der Lehrerbesoldung als eine Mißachtung der Selbstverwaltung bezeichnete und anregte, gemeinsam nüt Charlottenburg und Wilmersdorf bei der Negierung vorstellig zu werden. Die Wirkung des Tabaksteuergesctzes auf die Tabakarbciter äußert sich auch im dritten Gau des Deutschen Tabakarbeitcrbervandc? (Braunschweig) in erschreckender Weise. Bis vorige Woche wurden in diesem Gau und zwar in den Orten Dessau, Brannschlveig, Gandersheim, Wernigerode, Hannover, Stendal, Zellerfeld, Magdeburg. Klausthal, Seesen a. H., Saarstedt bei Hildes- heim, Burg bei Magdeburg. Emmerke, Erxieben, lirölcbc:i, Gittelde a. H., Neundorf, Halberstadt. Hildeshcim, Weißewarte. Goslar und Zerbst insgesamt 414 Tabalarbeiter brotlos. Und 570 Tabalarbeiter wurden mit verkürzter Arbeitszeit bezlv. mit Festsetzung eines ArbcitSpcnsuniS in Bernburg, Braun- schweig, Gandersheim, Ildehausen, Münchehof, Rhüden, Seesen. Käthen, Oranienbaum, Oschersleben, Groß»Heere und Zellerfeld beschäftigt. So hat der Schnapsblock unendlicheSElend über weite Kreise der Arbeiterschaft gebracht, nur um die besitzende Klasse vor dem Beizug zu irgendwelcher Steuerleistung zu bewahren. In Oerlinghausen(Lippe) ist nun auch den Arbeitern der Firma Aug. Gronemeier u. Fritz Schling gekündigt worden. ES siud 45 bis 50 Tabakarbeiter ain Orte arbeitslos. Den Arbeitern der beiden größten Zigarrenfabriken in Vlotho (Westfalen), Firma Saatmann n. Bödicker, zirka 150, wovon in Vlotho einige 40, in Bcntorf, Hohenhausen und Vahrenholr im Lippeschen an die hundert bcschäsligt sind, und Finna Riemann u. Tinteliiot, die über 300 Arbeiter zusammen beschäftigen, wurde am Freitag angekündigt, daß sie lvechsclweise seiern muffen. Tie Firma Georg Meier, Söhne(Westfalen) will ihre sämtlichen Filial- fabriken aus vier Woche» schließe». Davon werden über 500 Arbeiter Sfn UnterstützungSgesuchen sind vis vorige Woche eingegangen beim Magistrat in Bünde 230, beim Ainte Ennigloh 927, beim Amte Enger 463, beim Anite Gohfeld über 730. Die ersten Unterstützungen wurden vorige Woche ausgezahlt. Ein politisches Urteil. Wie auS Posen telegraphiert wird, verurteilte die hiesige Strafkammer den Neichstagsabgeordneten MielzynSki wegen Aufreizung zu Ge Waltätigkeiten. Gefährdung des öffentlichen Friedens durch eine Rede in der polnischen Wähler- Versammlung zu Polajewo am 20. Januar 1907 zu 150 Mark Geld- strafe. Graf MielzynSki ist der Führer der polnischen Fraktion und seinem Einstich gelang es vor allem, die Fraktion für die Unter- stützung des schwarzen Schnapsblocks zu gewinnen. Daß dieser Mann, der mit solcher Hingabe den Verbündeten Regierungen den Steuerraubzug in Sicherheit zu bringen half, nun das Opfer der Justiz dieser Regierungen geworden ist. entbehrt sicher nicht der Komik. Das Vereinsgesetz in Westpreutzen. Die ostelbische Polizeipraxis scheint amtlich noch immer nichts von dem einst viel besungenen loyalen Liberalismus des neuen Vereinsgesetzes zu wissen öder aber sich von ihm nicht imponieren zu lassen. Wenigstens trifft das für den Machtbereich des Polizei- Präsidenten Wessel in D a n z i g zu. Dort begann der Genosse Dr. D u n ck c r am 10. September einen wissenschaftlichen Vortragskursus über:.Die Entwickelungs stufen des Wirtschaftslebens', zu dem nur durch Karten legitimierte Teilnehmer Zutritt hatten. Trotz des zweifellos wiffen- schaftlichen und privaten Charakters der Veranstaltung, fand sich zum gröstten Erstaunen der leitenden Genossen auch ein Polizei- kommissar mit einem Unterbcamtcn ein. Alle Proteste des Leiters halfen nichts. Bei Eröffnung des Kursus stellte deshalb der be- treffende Genosse fest, daß ein gesetzlicher Grund zur Ueberwachung nicht gegeben sei. Sämtliche Anwesende hätten aber nur das Recht der Teilnahme auf Grund der auf ihren Nanien lautenden Teilnehmerkarte. Er ersuche daher die Polizei- beamten um Auskunft, ob sie im Besitze solcher Karten seien? Darauf fühlte sich der Kommissar veranlaßt, im bekannten.energischen' Tone zu rufen:.Die Frage ist sehr überflüssig. Sie wissen doch am besten, daß Sie mich nicht eingeladen haben. Eine Legitimation besitze ich nicht, bleibe aber so lange, wie ich will!" Der sie leitende Genosse erklärte dann, daß er nun zu der Feststellung gezwungen sei, daß die Polizei unbefugt eingedrungen sei und somit Haus- friedensbruch begangen habe. Er forderte dann die Beamten formell auf, den Saal zu verlassen. Der Kommissur erwiderte jedoch, daß er bleiben werde. Auf die ent- rüsteten Zurufe drohte er, daß er auflöse, wenn es.Skan- dal' gebe! Dr. D n n ck e r stellte dann fest, daß es ihm in seiner mehrjährigen Tätigkeit als Vortragender jetzt zum erstenmal passiere, daß die Polizei sich zur Ueberwachung einer Wissenschaft- lichen Veranstaltung einfinde. In keinem anderen Landesteile feiste bisher so ohne Berechtigung eingedrungen. Auch trotz dieser für die ostelbischen Zustände genügend bezeichneten Konstatierung blieben die Beamten und plazierten sich am Büfett. Nach den Iveiteren einführenden Bemerkungen deS Genossen Duncker schien der Kommisiar sich schließlich aber doch von seiner Ueberflüssigkeit überzeugt zu haben. Denn in einem unbewachten Augenblick räumte er endlich ziemlich unauffällig das Feld, Jedenfalls beweist dieses echt preußische Vorkommnis, mit welcher Beharrlichkeit trotz aller gesetzlichen„Fortschritte' der ostelbische SonderkurS gesteuert wird. Eine Abrechnung mit dem Zentrum. In E s s e n- W e st, wo die Essener Zentrumsfanatiker zu Hause sind, fand am Sonnabendabend eine Zentrumsversammlung statt, zu der sich zirka 4300 Menschen eingefunden hatten, weil unseren Genossen freie Diskussion zugesichert war. Der weitaus größte Teil der Erschienenen waren Sozialdemokraten, wie die Zentruins- presse am Montag selbst zugibt. Mit dem größten Bemühen sachlich zu bleiben, versuchten Dr. Bell und G i e s b e r t s die Haltung deS Zentrums zu verteidigen. Um die Diskussion in ein ihnen passendes Fahrwasser zu leiten, verlas Dr. Bell zwölf Thesen, um deren Besprechung er die sozialdemokratischen Redner ersuchte. Die erste dieser Thesen lautete: Der von der Sozialdemokratie aufgestellte Programmsatz .Religion ist Privatsache' ist unwahr und zur Irreführung der Wähler geeignet. Im Gegensatz zu diesem Programnrpunlt ist das wahre Ziel der Sozialdemokratie die Durchführung des Atheismus. Weiter hieß es dann, die Sozialdemokratie erstrebe die religions- lose Schule, wolle auf den Trümmern des heutigen Staats den Zukunftsstaat einrichten, sie stimme gegen alle Maßnahmen, die geeignet seien, die heutige Gesellschaft zu stützen, gegen die Arbeiter« schutzgesetzgebung usw. Erst die letzte Hälfte der Thesen betraf die Finanzreform. Das Kunststück, die Debatte auf das religiöse Gebiet zu lenken, schlug natürlich fehl und von unseren Rednern L i m b e r tz, Weyers und Becker wurde die Verrätertaktik deS Zentrums im Reichstage und Landtage unter stürmischem Beifall gebührend ge- brandmarkt. Wir glauben nicht, daß sich Giesberts nach einer weiteren, derartigen Versammlung sehnen wird. Ein neuer Reinfall Erzbergers. In Mainz hatte Herr Mathias Erzberger ebensowenig Glück mit seiner Verteidigung der Zentrumspolitik wie in Frankfurt. Wie uns aus Mainz gemeldet wird, nahm die Versammlung in Mainz einen karnevalistischen Verlauf. Herr Erzberger erntete bei der Mehrheit der Versammelten nur höhnischen Beifall, vermischt mit Zischen und Pfuirufen. Beim Schluß der Versammlung ertönte von Taufenden von Lippen der Gesang der Arbeitermarseillaise. Freisinnige Taktik bei den sächsischen Landtagswahlen. In Chemnitz sprach am Sonntag in einer freisinnigen Land- tagswählerversammlimg Herr Naumann. In der Diskussion erklärte Genosse Heilmann, wie wir der Chemnitzer.Volks- stimme' entnehmen, daß„die von Naumann uns vorgeworfene 816« sondcrungspolitik notwendig sei, so lange die freisinnige Partei eine Block- und selbst nachher rein reaktionäre Politik treibe. Zum Schlüsse fragte er Naumann, ob der Freisinn auch bei den Stich- Wahlen jeden Wahlrechtsfeind bekämpfen werde. Naumann aiit- wartete unter vielen Phrasen: Nein. Er möchte die Verbindung mit der Sozialdemokratie gewiß nicht ganz aufgeben, aber vor allem müffe man den Liberalismus einigen usw. Kurz, hinter den ganzen glatten und platten Worten steht der Entschluß, zuerst für den nationalliberalen Wahlrechtsfeind einzutreten... Reichstagsersahwahl in Koblenz-St. Goar. Koblenz, 14. September. �(Privatdepesche des„Vorwärts'.) Das bisherige Wahlresultat für Sozialdemokrat 2368 Stimmen, für Zentrum 9370 Stimmen. In gleichen Orten 1907: Sozial- .demokrgt 2169, Zentrum 13 073 Stimmen. Das amtliche Wahlresultat in Schneeberg-Stollberg. Nach amtlicher Zählung wurden bei der Neichstagsersatzwahl im 19. sächsischen Wahlkreise von 39 160 Wahlberechtigten 30 813 Stimmen abgegeben. Redakteur Georg Schöpflin- Leipzig(Soz.) erhielt 21 190 Stimmen, Schuldirektor Friedrich Wilhelm Vorwerk- Untersachseiiberg 9444 Stimmen, zersplittert und ungültig waren 179 Stimmen. Ländliche Schnlidyllen. Man schreibt uns aus Stolp: Von dem Licblingskinde unserer Regierung, der Volksschule, ist wieder mal recht Erbauliches zu berichten. In dem Dorfe Ildl. Freest, Besitzer Herr von Somnitz, Amtsvorsteher, ließ sich der Lehrer am 1. Juni versetzen, um Mißhelligkeiten mit dem Schul- Patron aus dem Wege zu gehen. Da die Regierung nun keinen Ersatz schickte, haben die Kinder Ferien, was unseren Llgrariern Freude macht. Die Schulaussichtsbehörde verhandelte nun mit dem Schulvorstande des benachbarten Dorfes Freist zwecks gast- weiser Aufnahme der Kinder, da die dortige Schule von fast einem Drittel weniger Schülern besucht wird. Der Schulvorstand er- klärte sich bereit, aber— eS fehlt die Erlaubnis der Regierung. Wie nun eine Notiz in den bürgerlichen Blättern besagt, ist„gegen die gastlveise Ueberweisung der Freester Kinder rechtzeitig beim Oberpräsidenten Beschwerde erhoben worden, und zwar„wegen schwerer Bedenken!" Sonderbar, daß unsere Agrarier mit einem Male Bedenken haben. Offenbar wünschen sie diese billig? Kinder- ausbeutung noch weiter auszunutzen. Noch netter ist es in dem in Rcntengütern aufgeteilten Dorfe Tamusin. Der Lehrer dieses Ortes hat etwa 160 Kinder allein zu unterrichten. Infolge der Aufregungen ist er erkrankt. Auch hier haben die Kinder Ferien, weil ein Vertreter nicht entsandt worden istl Und nun will man uns erzählen, daß der Staat die Volksschule als sein höchstes Kleinod ansieht! Wie nun amtlich bekannt gemocht wird, soll die Lehrerstelle in Freest zum 1. November besetzt werden! Oesiterreicb-dngarn. Eine Konfiskation. Der Wiener Staatsanwalt, ein Streber namens Pollack, hat die Sonntagsnummer der„Arbeiterzeitung" kon- f i s z i e r t, womit natürlich eine bedeutende materielle Schädigung des Blattes verbunden ist. Wie frivol diese Kon- fiskation war, die unser Bruderblatt sehr richtig als ver- Wegeue Willkür charakterisiert, ist schon daraus zu ersehen, daß der Staatsanwalt in den zwölf Seiten des Blattes nichts gefunden hat, was für eine Konfiskation tauglich gewesen wäre, als vier Zeilen in dem Feuilleton, und diese vier Zeilen mußte er in drei Stellen zusammenkratzen! Diese Konsiskationspraris, die an die schlimmsten Neaktions- zeiten erinnert, ist charakteristisch für die Politik des Mi- nisteriums Bienerth, für die die deutschbürgerlichen Par- teien so viel Bewunderung übrig haben, während die lächer- liche Obstruktion der tschechischen Chauvinisten die Lebens- dauer dieser ministeriellen Mischung von Unfähigkeit und klerikaler Reaktion verlängert. Gegen den Nationalismus. Eine gewaltige Demonstration gegen die nationale Ver» h e tz u n g veranstaltete die Wiener Arbeiterschaft. Genoffe Dr. Ellenbogen legte vor taufenden Zuhörern dar, aus welch geringfügigen, maßlos aufgebauschten Anlässen die Bewegung gegen die angeblichen„tschechischen Vorstöße" in Wien und Nieder- österreich hergeleitet werden. So scharf wie die tschechischen Aus- schreitungen in Prag usw. im vorigen Jahre verurteilte die Sozial- demokratie die von gewerbsmäßigen oder eitlen Rettern der Nation herbeigeführten Roheiten gegen slawische Arbeiter, die Ausflüge veranstalten oder harmlose nationale Feste feierten. Er zeigte, wie die nationale Vermischung mit Notwendigkeit aus der kapita- listischen Betriebsweise hervorwächst. Derselbe Fabrikant, der gegen die„Angriffe auf den deutschen Charakter Wiens" demonstriert, wird sich energisch zur Wehr setzen, wenn man ihm den Bezug billiger slawischer Arbeitskräfte abschneiden wollte. Die Gefahr dieser nationalen Hetze sei aber noch gesteigert dadurch, daß sie dem Volke die wirklichen Gefahren verdecken, die es be- drohen. Neue gewaltige Ausgaben für Heer und Marine stehen bevor, neue Steuerlasten werden die Folgen sein. Die nationalen Kämpfe lähmen die Arbeitsfähigkeit des Parlaments und der?lb- solutismus triumphiert. Vor allem gilt es, die Bahn freizumachen für die ins Stocken geratene sozialpolitische Gesetz- gebung. Die Arbeiterschaft werde sich die Möglichkeit, durch das Parlament für die Verbesserung ilfter Lage zu wirken, nicht nehmen lassen, und, wenn es nötig werden sollte, schließlich selbst die Straße von den nationalen Radaubrüdern säubern. Im gleichen Sinne sprach Genosse R e u m a n n. Eine Resolution, die den nationalen Haß verwirft und friedliches Zu- sammenlebcn der Völker Oesterreichs auf dem Boden voller natio- naler Gleichberechtigung fordert, wurde einmütig beschlossen. Spanien. Die Gewaltherrschaft. Madrid, 14. September.„Jmparcial" teilt mit, daß über 120 Schulen in Katalonien geschlossen sind. Ihre Wiedereröffnung hängt von dem Gutachten der betr. Bürgermeister und Dorspfarrer(!) ab. Demselben Blatte zufolge, das seine Mitteilungen von dem Abgeordneten Genor erhalten haben will, sind augenblicklich 3000 Personen in den Gefänguiffeu Kataloniens interniert. Italien. Kirchliches oder staatliches Eherecht. Rom, 11. Sept.(Eig. Bcr.) Das italienische Zivilrecht erkennt, wie das der meisten Kulturländer, nur die standesamtliche Trauung alö gültig an und überläßt die kirchliche Trauung dem Klerus der verschiedenen Konfessionen. In der Regel wird zuerst die zivil- rechtliche und dann die kirchliche Handlung vorgenommen, aber in vielen Fällen, wo einer rechtsgülligen Ehe Hindernisse im Wege stehen, begnügt man sich mit einer kirch- lichen Trauung, die zwar keinerlei rechtliche Folgen hat. aber dem durch sie geeinigicu Paar in der gesellschaftlichen Anerkennung bis zu einem gewissen Grade als Legitimation gilt. So kommt es vor, daß Offiziere, die die nötige Kaution nicht be- sitzen, sich nur kirchlich trauen lassen, ebenso Witwen, die durch ihre Wiederverheiratung ihre Pension verlieren würden, oder auch Frauen. die die gesetzlichen Vorteile ihres Wittums— Militärfreiheit für den Sohn— nicht einbüßen möchten. 8lll diese Ehen sind zivilrechtlich als Konkubinate zu be- trachen. Vergebens hat die Regierung gegen das Fort- bestehen nur kirchlich geschlossener Ehen Stellung zu nehmen versucht, aber die Gesetzentwürfe, die die kirchliche Trauung vor erfolgter Ziviltrauung verbieten sollten, wurden in der Kammer nicht angenommen. Dieser Tage hat nun der Justizminister ein Zirkular versandt, um die Staatsanwälte der AppcvationSgerichte aufzufordern, ihm Informationen zugehen zu lassen über die folgenden Fragen: In welchen Diözesen ist die Einsegnung der Ehen erst nach erfolgter Ziviltrauung gestattet? Wie hoch ist die Zahl der nur lirchlich geschlossenen Eben? Wie stellt sich die Geistlichkeit zu der Frage? Durch diese Umfrage soll das Material herbeigeschafft werden, um bei der Gewährung des königlichen Exequatur oder Placet bei der Anstellung von Bischöfen und Pfarrern eventuell die Elemente zurückstellen zu können, die der Ab- schließung der Ziviltrauung entgegenarbeiten. Vom Standpunkt des modern denkenden Menschen ist offenbar die Verfolgung oder Behinderung der nur kirchlichen Eheschließung ebenso zu verwerfen wie überhaupt die Verfolgung des Konkubinats. Nur wo die kirchliche Trauung eine Irre- führung eines der Interessenten darstellt, muß sie vom Staate ge« hindert werden; hierzu ist Verbreitung von Rcchtskemitnissen unter dem Volke das allerbeste Mittel. Im übrigen mag es den Staat wenig kümmern, wenn religiöse Menschen einen Ehebund kirchlich einsegnen lassen, den sie zivilrechtlich nicht eingehen können. Für die rechtliche Stellung der Kinder, die aus solchen Ehen hervorgehen, wird sowieso in der Regel durch Legitimation von Seiten beider Eltern Sorge getragen, so daß keinerlei Benachteiligung der DeL- zendenz vorliegt. Srieckenlanck. Für die Offiziere. Slthcn, 13. September. Die Presse drückt einstimmig ihr Erstaunen über die Aeutzerungen von Theotokis aus und er- klärt sich entschieden gegen die Auflösung der Kammer sowie gegen die Beibehaltung des Oberkommandos des Krön- Prinzen. Wenn die Anhänger von Theotokis sich an den Arbeiten der Kammer nicht beteiligen würden, würden die Folgen fierhäng- nisvoll und nicht wieder gut zu machen fem.— Zahlreiche Vereinigungen in Ilthen und in der Provinz haben Resolutionen an- genommen, in denen sie sich für die Forderungen der Offiziere aussprechen und verlangen, daß die Kammer den von der Regierung borzuschlagenden Matzregeln zustimme. Wahr- scheinlich wird sich Theotokis, der auf Opposition in der eigenen Partei stößt, vom politischen Leben zurückziehen. Mrokko. Gegen die Barbareien Mulast Hafids. Tanger, 13. September. Das KonsularkorpS ist am 11. d. M. vom Sultan in feierlicher Audienz empfangen worden. Ihm wurde dabei der Wunsch der Mächte mitgeteilt, daß er g r a u- same Strafen und Verstumm elnugen, welche den Tod zur Folge haben, einstellen möge. Der Sultan antwortete, daß er derartige Strafen nicht mehr verhängen wolle. Hiis Induftm und Fjandel. Ein Kameratrust. Die Trustbcwegung hat sich jetzt auch einem Handelsartikel zugewandt, dessen ShndizierUng weite Kreise berührt. Es handelt sich um die soeben gegründete Vereinigung der Kamera- fabriken. Diesem neuen Trust gehören die drei Firmen an, die bisher den größten Teil der deutschen Produktion an Photo- graphischen Apparaten herstellten. Es sind dies die Firmen Hüttig u. Sohn, Ernemann und die Emil Wünsche-Aktiengesellschaft. die alle drei ihren Sitz in Dresden haben. Die bisher selbständigen drei Unternehmungen gehen in eine einzige Gesellschaft auf. Diese wird als Aktiengesellschaft konstituiert und erhält den Namen„Jca-Slktiengesellschaft" in Dresden. Das Aktienkapital beträgt 3,8 Millionen Mark. Die deutsche Kamerainduftrie hatte seit langer Zeit unter einer recht erheblichen Ueberproduktion und gegenseitiger Konkurrenz zu leiden. Daher war schon seit Jahren der Wunsch rege, durch einen Zusammenschluß der einzelnen Werke und Ausschaltung der Konkurrenz die Rentabilität der gesamten Industrie zu heben. Gerade bei der Kameraindustrie dürften sich durch die Fusion der drei Gesellschaften recht erheb- liche Ersparnisse erzielen lassen. Die Unzahl der einzelnen Fabrikate, die gegenwärtig auf dem deutschen Markt zu haben sind, wird eine Verminderung erfahren; voraussichtlich werden in den einzelnen Werkstätten des neuen Trusts nur diejenigen Spezialitäten hergestellt werden, die bisher den Einzelfabriken die größten Gewinne gebracht haben. Des weiteren hat gerade die photographische Industrie außerordentlich hohe Kosten für Re- k l a in e. Auch diese werden sich durch die Vereinigung erheblich herabmindern lassen, denn ein Prospekt der vereinigten Fabriken wird dieselben Früchte tragen wie bisher drei Prospekte der einzelnen Werke. Größere Schwierigkeiten wird wohl das Hinauf- setzen der Preise haben. Nicht nur der inländischen Konkurrenz wird der neue Trust, der keineswegs alle maßgebenden Kamera- fabriken Deutschlands umfaßt, ausgisetzt sein. Auch der aus- ländische Wettbewerb wird den Werken zukünftig genau in dem gleichen Maße fühlbar werden wie früher. Vor allem sind die Amerikaner seit Jahren daran, den deutschen Markt mit recht billigen Fabrikaten zu überschwemmen. Ueberhaupt kann an ein Heraufschrauben der Preise für Kameras nicht so leicht gedacht werden, da ihm eine Einschränkung des auf Billigkeit an- gewiesenen Absatzes auf dem Fuße folgen müßte. Bedeutende Verkäufe von Kolftenfeldern. Seit langer Zeit hat wieder einmal eine wichtigere Besitz- Übertragung von deutschen SteinköhleAfeldern stattgefunden. Die bekannte lothringische Eisenfirma Gebrüder Röchling erwarb von der Internationalen Bohrgesellschaft in Erkelenz 30 Steinkohlenfelder zum Preise von 12 Millionen Mark. Diese felder sind in dem neuen zukunftsreichen Steinkohlenrevier der ippe im Kreise Lüdinghausen gelegen und das Kohlenflöz be- findet sich dort in einer Teufe von 700 bis 800 Meter. Diese Transaktion ist nach verschiedenen Seiten hin interessant. Die Internationale Bohrgcscllschaft dürfte mit diesem Felderkomplex vielleicht ihren letzten Besitz an Steinkohlenfeldern in Westfalen verkauft haben. Durch die Lex Gamp ist ja bekanntlich die Ver- leihung von Bergwerkseigentum auf Steinkohle im preußischen Berggebiet dem Fiskus vorbehalten worden, weil die großen Käufe des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikates und seiner Hinter- männer den gegenwärtigen Bergwerksbesitzern das Monopol der deutschen Koylcnvcrsorgung für alle Zukunft zu verschaffen drohten. Allerdings ist der preußische Fiskus nicht alleiniger Herr der westfälischen StcinkohlenschMe. In einem recht be- deutenden Teil des zukünftigen PrDuktionsgebietes steht die Oberhoheit des Bergregals dem Fürsten E a l m und dem Herzog von Arenberg zu. Der letzte Verkauf eines großen Stein- kohlenfelderkomplexes seitens der Jnte«ationalen Bohrgesellschaft geschah vor etwa einem Jahre. Damals wurde von der Deutsch- Oesterreichischen Bergwerksgesellschaft, dem Wcstböhmischen Berg- bauverein, dem Schaaffhausenschen Bankverein und der Dresdener Bank der Deutsch-Böhmische Kohlenvercin ins Leben gerufen zur Uebernahme von zirka 125 Normalfelder in Westfalen, Lothringen, Oberschlesien und Galizien. Für diesen Komplex sollen damals gleichfalls 12 Millionen Mark gezahlt worden sein. Der Preis, den jetzt Röchling für 30 Normalfelder gezahlt hat, würde demnach als ungewöhnlich hoch anzusehen sein, auch wenn man bedenkt, daß nur ein Teil der Felder des Deutsch-Oesterreichischen Kohlen- .bergbauverxins in Westfalen gelegen ist. Gewerfefcbaftlicbe� Staatlicher Koalitionsrechtsraub überall! Auch die Generaldirektion der sächsischen Staatsbahne», die fortgesetzt Arbeitervertreter gemäß- regelt und kürzlich wieder eine derartige Maßnahme ge- troffen hatte, ist von dem Betroffenen, einem Werrkstätten- arbeiter Leipzig-Engelsdorf, der Plötzlich ohne Angabe von Gründen entlassen, um Wiedereinstellung ersucht worden, da er sich zu Unrecht entlassen glaubte. Darauf ist dem Arbeiter folgendes Schreiben zugegangen: „Auf das Gesuch hat die kgl. Generaldirektion zunächst fest- zustellen, daß der Grund, der dazu geführt hat, Ihnen den Dienst bei der Staatseisenbahn zu kündigen, keineswegs in Ihrer Tätig- keit als Mitglied des Arbeiterausschusses zu suchen ist. Vielmehr ist die kgl. Generaldirektion nach längerer Beob- achtung(Bespitzelung!) zu der auch jetzt noch nicht erschütterten Ueberzeugung gelangt, daß Sie dem Hamburger Verband oder dem Transportarbeiterverband angehört und unterstützt haben. Irgendeine Einzelperson zu nennen, ist die kgl. General- dircktion nicht in der Lage. Die ausgesprochene Dienstkündi- gung muß aufrecht erhalten bleiben." Dresden. K i r ch b a ch. Daß es der Generaldirektion daran gelegen sein muß, den wahren Grund der Entlassung zu verschleiern bezw. abzuleugnen, ist ja zu verstehen, denn als Teil des Staates selbst darf man sich nicht einmal den Anschein geben, als Wenn man die für die Eisenbahnarbeiter geschaffenen legalen Einrichtungen, worin sie ihre Interessen wahrnehmen spllen, dadurch illusorisch macht, daß man Arbeitervertreter, die ihre Sache e r n st nehmen, matzregelt bezw. kurzerhand ent- läßt. Wie die Werkstättenarbeiter in ihrer Gesamtheit sich zu dem Vorgehen der Generaldirektion stellen, beweist fol- gender Vorfall bei der Stimmabgabe für die Ersatz- Wahlen zur Arbeiterpensionskasse: Von mehr als 700 Arbeitern gingen nur 340 zur Urne: von diesen gaben fast alle weiße und u n- gültige Stimmzettel ab, so daß der Ver- treter mit 16 Stimmen und der Ersatzmann mit 12 Stimmen gewählt wurde. Eine treffendere Antwort konnte der Generaldirektion kaum gegeben werden. Die Arbeiter wollen nicht mehr ihre besten Kol- legen durch die Wahl zum Arbeitervertrcter maßregeln lassen. Sie legen auf„Wohlfahrtseinrichtungen" keinen Wert, in welchen ihre Fürsprecher entlassen werden. Ist es schon in den Großstädten für die Ausschußmitglieder sehr schwer, sich mit den Arbeitskollegen in Verbindung zu setzen, so draußen im Lande vollständig unmöglich, wo ein Ausschußmitglied das Personal von etwa 100 Sta- tionen zu vertreten hat. Die Verhältnisse hier liegen um vieles schlimmer als bei der großen Berliner Straßenbahn, wenn man über- Haupt einen Vergleich ziehen will. Man höre und staune:„Die-sächsische-Eisen- bahnverwaltnng hat den Ausschuß mit- gliedern verboten, Versammlungen abzu- halten und Briefe auf dem Dien st Wege zu w c ch s e l n 1 1 Noch n i e ist ein Ausschußmitglied g u t a ch t- lich von seinen Vorgesetzten befragt worden. Mit diesen reaktionären Verhältnissen auf- zuräumen, muß das Ziel aller Eisenbahnarbeiter sein: jedoch kann hier nur eine starke, geschlossene, freie Organisation Wandel schaffen! verlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Die heutige Bezirksversammlung für Lichtenberg findet nicht um S'/a, sondern um 6>/z Uhr statt. Die Ortsverwaltung. Die Treppvngeländerarbeiter besprachen in ihrer Branchen- Versammlung am Montag die Lage in ihrem Beruf. Lebhaft wurde darüber geklagt, daß viele Arbeiter der Branche häufig Ueberstunden machen, woraus sich für die allgemeine Lage der Berufsangehörigen mancherlei Mißstände ergeben. Die Organisation, der Holzarbeiter- verband, hat das Ueberstundenwescn seit Jahren bekämpft, und zwar mit Erfolg. Die Treppengeländerarbeiter, die früher nur Saison- arbeiter waren, haben es durch konsequente Ablehnung der Ueber- stunden dahin gebracht, daß ihre Arbeit eine mehr ständige ge- worden ist. Wenn jetzt das Unwesen der Ueberstunden wieder ein- reißt, muß sich die Arbeitsgelegenheit wieder auf kurze Zeit zu- sammendrängen und den Arbeitslosen das Unterkommen erschweren. Llber noch eine andere unangenehme Folge ist zu erwarten. Durch viele Ueberstunden und Sonntagsarbeit erzielen manche Arbeiter einen verhältnismäßig hohen Wochenverdienst im Akkord. Das wird den Unternehmern, wenn der Tarif im nächsten Jahre ab- gelaufen ist, Veranlassung geben, unter Hinweis auf den hohen Akkoroverdienst der Arbeiter, eine Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse abzulehnen oder gar Verschlechterungen zu be- fürworten. Aus diesen Gründen soll jeder Kollege dahin wirken, daß dem Unfug des Ueberstundenwekens im Interesse der All- gemeinheit ein Ende gemacht werde. veutfekes Reich. Achtung, Buchbinder! Aus Schweden ging uns die Mitteilung zu, daß die Arbeitgeber anläßlich des noch immer andauernden Generalstreiks Arbeit in Deutschland herstellen lassen wollen und daß einige Arbeitgeber sich bereits mit Depeschen brüsten, durch die ihnen die Herstellung ihrer Arbeiten in Deutschland in Aussicht gestellt würde. ES sollen so- wohl Drucksachen wie Geschäftsbücher in Frage kommen. Wir ersuchen, auf daS Eintreffen etwaiger Streikarbeit überall Obacht zu geben und zutreffenden Falles der örtlichen Verwaltung und durch diese dem VerbandLvorstand hiervon schnellstens Mit- teilung zu machen. Auch ist Zuzug von Buchbindern nach Schweden strengstens fern- zuhalten! Deutscher Buchbinder-Verband. Die Holzarbeiter(Tischler, Drechsler, Maschinenarbeiter und Möbelpolierer in Luckenwalde sind in den Streik eingetreten. Zuzug ist streng fernzuhalten. Das Bürgermeisteramt Krenzinach als Streikbrecheragentur. Mit welcher Fürsorge sich staatliche und kommunale Behörden der Unternehmer annehmen, sobald Lohndifferenzen irgendwo aus- brechen, beweist die städtische Kommunalbehörde der Stadt Kreuz- nach. Infolge größerer Betriebseinschränkung der dortigen Glas- Hütte wurden die Arbeitslosen um etwa 80 vermehrt. Dadurch, daß die Lokalblättchen dies pflichtgemäß registrierten— ohne natürlich der Arbeitslosen zu gedenken— wurde diese traurige Tatsache auch dem Arbeitgeberverband in Saarbrücken bekannt— der seine Fühler ja überall ausgestreckt hatte—, und ließ sich dann auch sofort IM bis IM Leute verschreiben. Auf die Weigerung der Arbeiter, sich einfach als Streikbrecher verschicken zu lassen— sie hatten dem Bürgermeister den letzten Appell der Streikleitung Berantw. Redakteur: Emil Nnger, Berlin. Inseratenteil verantw.: Von Saarbrücken unter die Nase gehalten—, mußte der Sekretär der Armenverwaltung am Montag nach Saarbrücken fahren und mit dem Arbeitgeberverband unterhandeln. Nachts kehrte dieser Herr mit geschwellter Brust nach Hause, im Bewußtsein, den Armen- etat mindestens mit 10Ö Mann wieder entlastet zu haben. Mittler- weile hatten jedoch das Gewerkschaftskartell und die Vorstände der Maurer- und Bauhilfsarbeiterverbände davon Kenntnis erhalten und bedachten den Bürgermeister mit nachfolgendem Schreiben, das gleichzeitig mit dem zurückkehrenden Sekretär beim Bürgermeister einging: Kreuznach, den 6. September 1909. An Herrn Bürgermeister Kirchstein, hier. Wie uns bekannt geworden ist, beabsichtigt das hiesige Bürgermeisteramt, die zurzeit Arbeitslosen, zufolge eines Ge- suches des Arbeitgeberverbandes Saarbrücken, dort in Arbeit unterzubringen. Die unterzeichneten Korporationen erlauben sich darauf aufmerksam zu machen, daß in Saarbrücken und Um- gebung seit Vi Jahr die Bauarbeiter sich im Streik und Aus- sperrung befinden, und demzufolge mehrere Tausend Arbeiter um ihre Existenz ringen. Sofern die Tatsache des Lohnkampfes dem hiesigen Bürgermeisteramt bekannt ist, kann die hiesige Arbeiterschaft nicht glauben, daß Kreuznach als einzige rheinische Stadt die gegenwärtige Notlage der Arbeitslosen dazu benützt, um sie als Streikbrecher nach Saarbrücken zu dirigieren und da- durch dem dortigen Unternehmertum Handlangerdienste zu leisten. Für das Gewerkschaftskartell: Heinr. Riegel. Für die Verbände der Maurer und Bauhilfsarbeiter: And. Dengel. Daß dieses Schreiben nun beachtet würde, haben die Arbeiter von der Kreuznacher Behörde allerdings nicht erwartet, um so weniger, als bei dem Wormser Streik der Bauarbeiter bei der Firma Paul Schmidt vor nicht langer Zeit durch den besoldeten Beigeordneten ebenso verfahren wurde. Der Herr äußerte dem Vorsitzenden des Gewerkschaftskartelles gegenüber bei einer Rück- spräche sogar:„Was geht mich ein Streik an! Die sollen arbeiten, aber nicht streiken" usw. Außerdem sei diese Streikbrecherver- Mittelung sein Privatvergnügen und in das lasse er sich von nie- mandem hineinreden. So wurde auch diesmal Verfahren. Die Arbeitslosen von Kreuznach hatten aber Ehrgefühl genug im Leibe, sich nicht als Streikbrecher verschicken zu lassen und lehnten dankend ab; nur 3— 5 Mann konnten an die Drahtseilfabrik vermittelt werden. Das war der bisherige Erfolg. Aber auch diese werden nur dann die Arbeit aufnehmen, wenn dort keine Differenzen bestehen. Tarifabschluß im Portejeuiller- und Reiseartikelgewcrbe in Freiberg i. Sa. Ab 1. Oktober 1910 tritt in Freiberg i. Sa. anstatt der bisherigen Löstündigen Arbeitswoche die b9stündige in Kraft. Der Mindestlohn für Ausgelernte beträgt im ersten Jahre nach der Lehre 18, im zweiten Jahre 21 Mk. die Woche. Akkordarbeitern wird dieser Mindestlohn garantiert. Bei Akkordlohnfestsetzungen haben die Arbeiter durch eine von ihnen gewählte Kommission mit- zuwirken. Nur solche Löhne sind im aushängenden Lohntarif für beide Teile bindend. Bis zum 1. Januar 1910 sind alle Akkord- löhne um mindestens 15 Proz. zu erhöhen. Ab 1. Oktober erhalten alle Arbeiter, auch die im Akkord beschäftigten, neben ihrem ver- dienten Lohn pro Stunde 2 Pf. Zuschlag. Ueberstunden werden mit 10 Pf. pro Stunde extra vergütet. Werkstattarbeiter dürfen Arbeit nach Feierabend nicht mit nach Hause nehmen. Das Zentraltarifamt für die Lederwarenbranche Deutschlands gilt als höchste Instanz in Tarifangelegenheiten. Der Tarif selbst gilt bis zu dem Termin, an dem im übrigen Deutschland die Tarife ab- laufen, d. i. der 30. Juni 1911. lZusbmd. Kein Streik im Londoner Hafen. Der Streit, der in der Leichterschiffahrt des Londoner Hafens wegen der Arbeitszeit ausgebrochen war, ist beigelegt. Der Streit war lvegen der Auslegung der auf die Arbeitszeit der Lehrlinge be- züglichen Bestimmungen des Schiedsspruches von 1889 entstanden. Beide Parteien, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sind übereingekommen, daß die Auslegung des genannten Schiedsspruches einem vom Handelsamt zu ernennenden Kronjuristen übertragen werden soll. Soziales. Arbeiterferien. Nur in wenigen Betrieben sind bisher Sommerferien für die Arbeiter eingeführt. Kurzsichtiger Unternehmerstandpunkt kann sich nur selten dazu aufschwingen, den Arbeitern einige Tage der Erholung im Sommer zu gönnen, um ihnen, die in täglicher, harter Fron jahrein, jahraus arbeiten müssen, Gelegenheit zu geben, sich körperlich und geistig zu erholen. Vielfach sind die von de: Firma bewilligten Ferien auch von so kurzer Dauer, daß sie den eigentlichen Zweck nicht erfüllen können. Und die Arbeiter auch nur einiger Gewerbe erfreuen sich dieser kleinen Vergünsti- gungen. Neben dem Buchdruckgewerbe ist es das Braugewerbe, in dem in einer namhaften Anzahl von Betrieben Ferien für die Arbeiter eingeführt sind. Im Laufe der Jahre ist es dem Brauereiarbeiterverbande nicht nur gelungen, dem Erholungsurlaub für die BerufSarbeiter eine ausgedehnte Verbreitung zu verschaffen, sondern sie konnten ihn auch tariflich festlegen. Der Erholungsurlaub ist in der Regel nach dem Dienstalter steigend und beträgt 2— 8, teilweise 14 Tage bei Bezahlung des vollen Lohnes. Bis zum Jahre 1908(einschließ- lich) war ein solcher Erholungsurlaub für 30 504 Personen tariflich festgelegt. Bemerkenswert ist, daß in einer größeren Brauerei in Hannover bei einwöchentlichem Urlaub neben der vollen Be- Zahlung des Lohnes noch ein Zuschuß von 1b M. pro Person ge- zahlt wird, und zwar partizipieren daran die gesamten Arbeiter des Betriebes. Es wäre zu wünschen, daß ähnliche Einrichtungen bald allgemein eingeführt würden. Eine Bmiarbeiterschutz-Konferenz für das Herzogtum Braunschweig fand am Sonntag, den 12. September, in Langelsheim am Harz statt. Die Konferenz war von 36 Delegierten aus 12 Städten und Orten des Herzogtums, außerdem von den Gauvorfitzenden der ver- schiedenen Verbände, vom Genossen G. H e i n k e von der Zentral- kommission für Vauarbciterschutz aus Hamburg und einem Mitglieds der Banarbeiterschutzkommission auS Magdeburg besucht. Genosse H e i n k e sprach über„Die reichsgesetzliche Regelung der Bauarbeiterschutzfrage und die Hannoversche Baugewerks-VerufS- genoffenschaft". Ueber„Der landesgesetzliche Bauarbeiterschutz und die mmisterielle Verordnung vom Jahre 1906 für den Bauarbeiter- schütz" referierte der Sekretär des Maurerverbandes, Genosse Schulze- Braunschweig. Es wurde hierzu eine Resolution angenommen, die einzelne substantiierte Forderungen der Bau- arbeiter enthält. Diese Resolution soll als Forderung der Konferenz der Braunschweiger Landesregierung unterbreitet werden. Die Konferenz fordert weiter die Aufnahme von Bestimmungen in die Anweisung des Ministeriums, des Inhalts, daß die Bauten, in denen gearbeitet wird, in der Zeil vom 1. Oktober bis 1. Mai jeden Jahres gegen Zugluft gedichtet werden(Fenster, Türen); daß für jede Baustelle Waschgefäße nebst Seife und Handtüchern von den Arbeitgebern zu liefern sind, und zwar für größere Baustellen in dem Umfange, daß für mindestens je zehn beschäftigte Personen je ein Wasch- gefäß nebst der entsprechenden Zahl von Handtüchern vorhanden sein müssen._ ?h.Glodr. Berlin. Druck u. Vcrlgg: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstgU Die_ Steinsetzer und Berufsgenossen beantragen, bei dem Staatsministerium dahin zu wirken, daß auch da» Steinsetzergewerbe unter die bezügliche Gesetzgebung(Sicherheitsvorkehrungen bei der Ausführung von Bau- und Abbruchsarbeiten) zu stellen. Die Konferenz nahm ferner eine Protestresolution gegen die bekannten Ausführungen des Zimmermeisters Rieß an, der die Verletzten für Simulanten und Rentenbetrüger erklärt hatte. Den Schluß der Konferenz bildete ein Referat des Gauleiters der Maurer, des Genossen Barnstorf-Hannover. über„Die Agitation für den Banarbeiterschutz in den Gewerkschaften und den einzelnen Gemeinden"._ Huq der frauenbewegirng. Vom Kampfe gegen das Franenstimmrccht in England. Mit wahrem Behagen druckt die deutsche Bourgeoispresse alle die verlogenen Berichte nach, die von England aus über die Kampfestaktik der Suffragettes verbreitet werden. Man will da- durch nicht nur die englischen Frauenrechtlerinnen dem allgemeinen Hohngelächter preisgeben, sondern auch Stimmung gegen die Frauenstimmrechtsbewegung überhaupt machen. Selbst dcmo- kratische Blätter entblöden sich nicht, diese unanständige Praxis mitzumachen.— Ein Hungerstreik der inhaftierten Suffragettes waren diesem Preßgelichter kürzlich der will- kommene Anlaß zu neuen Lügen und Verdrehungen. Die Frauenrechtlerinnen, hieß es, hätten damit beabsichtigt, sich der Bestrafung überhaupt zu entziehen. Demgegenüber veröffentlicht die„Zeitschrift für Frauenstimmrecht" in ihrer letzten Nummer einen ausführlichen Bericht über die wahren Motive 3U dem Ent-, schluß der Nahrungsverweigerung. Die auf Grund der Gesetze wegen„Aufruhrs",„Obstruktion" und dergl. verurteilten Frauen- rcchtlerinnen werden nicht als politische Gefangene behandelt, sondern genau so wie Verbrecher, die wegen Diebstahls oder ärgerer Dinge eingesperrt werden. Sie wollen nun ihre Ein- rangierung in die ihnen bei loyaler Handhabung der Gesetze zu- stehende 1. Strafklasse erzwingen, und 14 wegen„Aufruhrs" verurteilte Suffragettes haben damit bereits den Anfang gemacht. Sie weigerten sich, ihre Kleidung abzulegen und Gefängniskittel zu tragen, sie wehrten sich gegen die Stickluft der Zelle, deren Fenster nicht geöffnet werden konnten, durch Einwerfen der Scheiben und begingen eine Reihe ähnlicher Widersetzlichkeiten, indem sie ankündigten, daß sie so lange hierbei beharren würden, bis sie als politische Gefangene behandelt würden. Darauf wurden sie zu Dunkelarrest in feuchtkalten, unterirdischen Räumen ohne Fenster verurteilt. Die ganze Ausstattung dieser Höhlen bildeten eine Pritsche, ein Baumstumpf als Sitz und ein schmieriger Gummi- trinkbecher. Obwohl die Gefangenen ohnehin entsetzlich litten, nahmen sie willig neue Leiden auf sich, indem sie die Brutalität der Regierung mit dem Hungerstreik beantworteten. Alles, was über Tätlichkeiten der Eingekerkerten gegen das Gefängnispersonal in der Presse berichtet wurde, gehört in das Reich der Fabel. Als das Parlament sich auf Grund einer Interpellation mit der skanda- lösen Behandlung der kämpfenden Frauenrechtlerinnen beschäftigen mutzte, erlitt die Regierung eine schwere Niederlage. Sie versuchte sich dadurch aus der Affäre zu ziehen, daß sie die Gefangenen nach 2 bis 3 Tagen aus dem Kerker entließ. Das ist in Kürze die Geschichte des Hungerstreiks der Suffra- gettes. Immer unhaltbarer wird die Situation der englischen Negierung. immer weitere Kreise ergreift dafür die Frauen- stimmrechtsbewegung. Der Zähigkeit, Aufopferung und Rücksichts- losigkcit, mit denen die Suffragettes für ihre Sache kämpfen, haben wir unsere Anerkennung nie versagt, obwohl das Ziel ihres Kampfes mit dem unseren nichts gemein hat. S i e kämpfen für ein beschränktes Wahlrecht, das nur einer dünnen Schicht von Frauen der besitzenden Klassen zugute käme; auf dem Boden des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts treten wir für die volle politische Befreiung aller Frauen ein. Versammlungen. Angriffe gtgen den Hauptvorstand des Verbandes der baugewerblichen Hilfsarbeiter sind enthalten in einer Broschüre, welche ein ehemaliger Hilfsarbeiter des Hauptvorstandes unter dem Titel „Der rote Sumpf" herausgegeben hat. Die Broschüre hat bei einem Teil der Verbandsmitglieder Aufsehen erregt und die Zahlstelle Rixdorf verlangte die Einberufung einer außerordentlichen Gene- ralversammlung des Zweigvereins Berlin, wo der Inhalt der Bro- schüre besprochen werden sollte. Diese Generalversammlung fand am Sonntag statt. Der Hauptvorsitzende Behrendt- Hamburg stellte den in der Broschüre angeführten Behauptungen Tatsachen gegenüber, um zu zeigen, daß alle Beschuldigungen, welche der Ver- fasser der Broschüre gegen den Hauptvorstand erhebt, vollkommen unbegründet seien und daß der Verfasser in verschiedenen Punkten wissentlich die Unwahrheit gesagt habe. Im Wege einer Beleidi- gungsklage gegen Roche, den Verfasser der Broschüre, werde vor Gericht volle Klarheit über diese Angelegenheit geschaffen werden. — Mehrere Diskussionsredner erklärten zwar, daß sie durch die Ausführungen des Referenten nicht befriedigt seien, doch scheint es, daß diese Redner nur eine Minderheit vertraten.— Die Versammlung war nur schwach besucht und von den wenigen Besuchern entfernte sich ein großer Teil schon während der Diskussion, was darauf schließen läßt, daß die große Mehrheit der Mitglieder nicht viel auf die Angaben Roches gibt. I�acbricbtcn und Depefcben. Maßnahmen gegen die Cholera. Duisburg, 14. September.(B. H.) Die Regierung in Düffel- dorf hat die Polizeibehörde in Emmerich beauftragt, alle von Rotterdam kommenden Fahrzeuge zu untersuchen, um die Ein- schleppung der Cholera zu verhüten. Ein Ehrdrama. Frankfilrt a. M.» 14. September.(W. T. B.) Heute nachmittag erschoß hier der Arbeiter Theodor Jäger seine 26 jährige Frau und schoß dann sein zweijähriges Kind in ein Ohr. Er selbst versuchte sich hierauf an der Tür zu erhängen. Der herbeigerufenen Retwngs- wache gelang eS, den Mann wieder ins Leben zurückzurufen, worauf er in polizeilichen Gelvahrsam genommen wurde. Das schwer ver- wnndete Kind ist ins Krankenhaus gebracht worden. Das Motiv der Tat soll Untreue der Frau sein. Der Agramer Skandalprozeß. Agram, 14. September.(B. H.) Heute beendete im Hoch- verratSprozeß der Staatsanwalt sein Plaidoyer. Er beantragte gegen fünf Angeklagte Todesstrafe, gegen die anderen 10 bis 20 Jahre Kerker._ Cook klagt. Paris, 14. September. Wie der„Matin" aus London berichtet. kündigt nunmehr Cook seine Absicht an, den Kommandanten Peary wegen Verleumdung gerichtlich verfolgen zn lassen, sobald er in New Dork eingetroffen sein werde. Auch wolle er Schadenersatz von ihm verlangen._ Paul Singer L: Co., Berlin LW, Hierzu 3 Beilagen u.linterhaltungsbl, Nr. 215. 26. Illhrgavg. 1 Dtülljt in„Potmnitö"§n\m Polblilutl«>»«««. Sozialdemokratilcbcr Parteitag in Leipzig. Zweiter Berhandlungstag. Dienstag, den 14. September 1909. DormittagSsitzung. Auf der Tagesordnung steht heute an erster Stelle der parlamentarische Bericht. Berichterstatter Ledebour: Die verflossene Session war außerordentlich umfangreich und brachte ausgiebigere Debatten als sonst, weil die Finanzreform vom Leginn bis zum Schluß der Tagung die Verhandlungen beherrschte, diew Finanzreform, die nichts ist als eine neue Schröpfung des Volkes durch Steuern. Im engsten Zusammenhang mit ihr stehen Verfassungsfragen, fodaß es schwierig gewesen wäre, die' Finanz- reform für sich allein zu behandeln. In diesem Augenblick betritt Bebel den Saal und wird mit stürmischem Händeklatschen begrüßt. Ledebour(fortfahrend): Der Bericht ist diesmal sämtlichen Fraktionsmitgliedern vor seiner Publikation zur Durchsicht zugegangen und einige Aenderungs- wünsche haben die gebührende Berücksichtigung gefunden. Die Bei- beHaltung dieser Neuerung empfiehlt sich unbedingt, da es einem einzelnen Abgeordneten tatsächlich unmöglich ist, sich in die sämt- lichen Details aller Einzelsragen und Gesetzentwürfe einzuarbeiten. Infolge der Durchficht sind einige Abschnitte des Berichts, wie zum Beispiel die über den unlauteren Wettbewerb, die Gebühren- ordnung der Rechtsanwälte und da? Weingesetz, durch die dankens- iverten Korrekturen einzelner Genossen einer vollständigen Aenderung unterzogen worden. Selbstverständlich find in Presse und Versammlungen kritische Bemerkungen über die Tätigkeit der Fraktion laut geworden. Das ist an sich sehr erfreulich, denn nichts könnte der Fraktion unan- genehmer sein, als die Gleichgültigkeit der Massen gegen die parla- inentarische Tätigkeit. Auf Einzelheiten dieser Kritik einzugehen, wird während der Diskussion Gelegenheit sein, in der die Genossen ihre Ausstellungen hoffentlich möglichst gründlich und spezialisiert aussprechen werden. Da wird einmal der Vorwurf erhoben, daß die Fraktion nicht genügend praktische Erfolge erzielt hat. daß sie ihre Entwürfe und Anträge zu theoretisch und zu wenig praktisch ausgearbeitet und so den bürgerlichen Parteien die Annahme unmöglich gemacht habe. Demgegenüber behaupte ich. wohl im Einklang mit der gesamten Fraktion, daß wir unsere Vorschläge und Anträge von vornherein sorgfältig daraufhin geprüft haben, ob sie auch von bürgerlichen Politikern gegenwärtig schon angenommen iverden können, und daß wir nicht bloß theoretische Z u k u n f t S forderungen gestellt, sondern direkt praktische Vorschläge gemacht haben. Ich erläutere das an der Berfassungs- und der Abrüstungsfrage. Wir haben eine Anzahl Verfassungsanträge eingebracht, die so zurückhaltend waren, daß man hätte erwarten müssen, mindestens eine starke Minderheit des Liberalismus würde dafür stimmen. Niemals war die Situation für eine gründliche Reform unserer Verfassung so günstig. Aber die bürgerlichen Parteien haben uns einfach schmählich i« Stich gelassen. DaS Verhalten der Liberalen bewies die Torheit des Gedankens, unsere Politik gewissermaßen aus der Seele der anderen Parteien heraus einzurichten. Die Liberalen haben es so gemacht und ihre Anträge nach der Seelenstimmung ihrer konservativen Hottentotten- Blockbrüder zu- geschnitten: diese haben sie aber einfach aufsitzen lassen. Eine Partei verliert von vornherein ihr Spiel, wenn sie nicht nach ihren eigenen Grundsätzen, natürlich unter Berücksichtigung der Umstände, ihre Politik betreibt. In der Abrüstungsfrage war es ebenso, wir blieben völlig allein, nur Naumann stimmte diesmal mit uns: die anderen Liberalen, die sonst immer Friedensredcn halten, lehnten unseren Antrag ab, iveil er nicht zeitgemäß sei. Wann kommt für diese unglückseligen Eintagspolitiker jemals die Zeit?(Sehr richtig!) Täuschen wir uns nicht, je stärker die sozialdemokratische Partei wird, desto schlechter werden die Aussichten für sie, praktische Tageserfolge durch Durchdringung von Anträgen zu erzielen, weil dann für alle Parteien, auch für die liberalen, immer mehr die Furcht maß- gebend wird, daß schließlich die Sozialdemokratie die Macht in die Hände bekommt. So lehnen Liberale und Zentrum oftmals unsere Anträge ab, um sie bald darauf in etwas veränderter und abgeschwächter Form selbst einzubringen, bloß um sagen zu können: nicht die unpraktischen Sozialdemokraten, sondern wir praktischen Sozialreformer bringen was Positives fertig. Speziell das Zentrum betreibt diese Taktik seit Jahren mit außerordentlicher Geschicklichkeit.(Sehr richtig!) Ich verstehe die Angstpolitik unserer Gegner: ich verstehe aber nicht, daß der alberne Vorwurf unserer unpraktischen Politik einen Widerhall findet in unseren eigenen Reihen.(Sehr richtig!) DaS zeugt von keinem gründlichen Studium unserer parlamentarischen Verhältnisse. Ein anderer Vorwurf geht dahin, daß die Fraktion nicht mit dem genügenden Feuer und Schwung die Situation bei der Finanzreform agitatorisch ausgenutzt habe, daß sie hinter den berechtigten Erwartungen zurückgeblieben sei. Bis zu einen, gewissen Grade haben wir Fraktionsmitglieder die'elbe Empfindung. Bebel hat einmal gesagt: Ein jeder von uns denkt wohl, wenn er von der ReichstagStribüne herunter- kommt, eigentlich hättest du dem Kerl das noch ganz anders und gründlicher sagen können, und er knüpfte an das Bibelwort an, wir sind allzumal Sünder und mangeln des NuhmS.(Heiterkeit.) Die Absicht der Fraktion war eS durchaus, die Situation durch aller- schärfste Opposition auszunutzen. Möglich, daß der Einzelne bei seine», Temperament oder seiner Auffassung hin und wieder hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Aber erf olgloS haben wir nicht gearbeitet. Daß wir auf die Masse eingewirkt haben, zeigen die Nachwahlen. Ich denke nicht daran, auch nur in gekürzter Form den aus- giebigen Bericht zu wiederholen und konzentriere mich auf die Hwuplsache, die Finanzreform, zumal ich nicht weiß, ob in bezng auf die anderen durch die Ver- hälttrisse in den Hintergrund gerückten Fragen irgend welche Aus- stellnngcn zu machen sind. Wie gesagt, hängt die Finanzfrage eng mit der Verfassungsfrage zusammen, und nur aus den VerfassungS- Verhältnissen, die wieder aus den realen Machtverhältnissen cnt- springen, läßt sich die Masseiisteuerschröpfuug mit rund 450 000 ODO M. indirekter Steuern erklären. In Wirklichkeit ist das Deutsche Reich weder Staatenbund noch Bundesstaat noch porlamentarischer Staat, sondern eine Filiale Prcußenö.(Sehr gut!) Preußen ist auch kein parlainentarischer Staat, sondern ein nach der Dil- tatur der Junker bureaukratisch regierter Staat. Durch Herrenhaus und DreiklasscnhauS beherrschen die preußischen Junker den Landtag; die anderen bürgerlichen Parteien haben sich mit diesen. Zustande abgefunden und unterstützen abwechselnd die Junker. Im Nebenamt betreibt der preußische Ministerpräsident als Reichskanzler die Neichsregierung. Der Bundesrat ist nur dekoratives Beiwerk, etwaige oppositionelle Regungen sind längst erstickt und selb st Bayern hat sich Preußen unterworfen. Selbst bei der ungeheueren Elektti- zitätSsteuer hat die bayerische Regierung nicht gegen Preußen opponiert, wenigstens nicht öffentlich. Die Beherrschung Deutschlands durch die preußische Bureaukratie wird dadurch ermöglicht, daß auch im Reichstag die eigeutlich bürgerlichen Parteien abwechselnd der Junkerpartei, den Konservativen, den Steigbügel halten und sie auf dem Rücken des deutschen Michel herumreiten lassen. Der Hotten- tottenblock war eine Unterstützung der Junker durch die Liberalen, und der Schnapsblock eine Unterstützung der Junker durch Zentrum und Polen. An sich haben die Junker selbst mit ihren frei- konservativen und antisemitischen Anhängseln nicht die Mehrheit. Aber Zentrum und Liberale wetteifern um die Ehre, den Junkern behilflich zu sein, das deutsche Volk zu regieren. An der Stelle des sehr gegen den Willen der Liberalen mit dem schönen Roten Adler- orden IV. Klasse zu Ende gegangenen Hottentottenblocks(Heiterkeit) haben wir jetzt den S ch n a p s b l o ck, der eine Art Triolc ist, wobei die Polen die wenig anmutige Rolle des kurzfristig gesuchten Dritten spielen.(Große Heiter- keit.) Zun, Teil erklärt sich die Unterstützung der Junker durch die bürgerlichen Parteien durch das Anwachsen der Sozial- demokratie, das den bürgerlichen Parteien Angst in das schlotternde Gebein jagt. Daher das bureaukratische Regiment. das, wie Marx bereits ausgeftihrt hat, sich immer dort etabliert, wo die Klassen sich die Wage halten. Wir müssen uns darüber klar werden, daß es das allertörichste wäre, unsere Macht- entfaltung darum einzuschränken, weil sie Liberale und Zentrum in die Arme der Junker und der Bureaukratie treibt. Sollen wir etwa nach dem liberalen Rat liberal wählen und nicht sozialdemokratisch. bloß damit das liberale Bürgertum nicht in Augstzustände verfällt? Sollen wir unsere Opposition einschränken, damit die Liberalen vielleicht etwas mehr Opposition machen?(Zu- stimmung.) Das wäre eine Politik, die auf den Krähwiukler Landsturm wartet. Da könnten wir uns gleich begraben lassen.(Lebhafte Zustimmung.) Aus all diesen Machtverhältnissen heraus erklärt sich auch die Rolle des persönlichen Regiments. Das bureaukratische Element Kitt eben in dem Haupt der Bureaukratie in Erscheinung. Das Haupt der Bureaukratie kann in dem bureaukratischen �System die Rolle spielen, die Kaiser Wilhelm II. spielt. Wir haben in, Reichstage ja sehr gründlich mit dem persönlichen Regiment ab- gerechnet. Aus den Machtverhältnissen resultiert aber auch das ganze volksfeindliche Steuersystem. Wir haben in» Reiche ein indirektes Steuersystem, und erst neuerdings hat man in der Not zu dem Feigenblatt einer direkten Steuer in dem Ansatz einer Erbschaftssteuer gegriffen. Das System indirekter Steuern hat zwei höchst schädliche Wirkungen für daS Volk. Erstens wirkt jede indirekte Steuer, zumal aber eine Steuer auf Verbrauchsartikel der breiten Masse, wie eine umgekehrte progressive Einkommensteuer, belastet prozentual ein Einkonimen um so m e h r, je k l e i n e r es ist. Die zweite Wirkung ist die, wenn der Mann mit der blauen Mütze die direkten Steuern einholt, so merkt das natürlich jeder Be- troffene. Um aber die Schröpfung durch die indirekten Sleuern zu erkennen, muß inimer schon ein gewisser Denkprozeß angewandt werden. Ein weiterer Mißstand des indirekten Steuersystems ist fol- gender. Je kleiner der Massenverbrauch, desto geringer sind die Einnahmen aus den indirekten Steuern. So kommt es, daß gerade beim wirtschaftlichen Niedergang, wenn die Masse schon so wie so Not leidet, der Bedarf nach neuen Steuern sich einstellt. Beim wirtschaftlichen Aufschwung dagegen steigen die Einnahmen: Deutschland schwimmt im Golde, und das bedeutet für das Bür- gertum und Junkertum den Anreiz, sich im Militaris- nlus, Marinismus, Kolonialismus, Jmperialis- mus zu ergehen.(Sehr richtig!). Bon der Rüstungspolitik stammt die Finanznot des Reiches. Die Charakteristik der indirek- ten Steuern mutz noch durch einen besonderen deutschen Zug er- gänzt werden. Die indirekten Steuern werden bei uns nicht von Jahr zu Jahr, sondern durch Gesetz bewilligt, zu dessen Aenderung die Zustimmung des Bundesrats nötig ist. Dadurch wird das Bud- getrecht des Reichstages auf das Empfindlichste geschmälert. Die Bureaukratie und die herrschenden Parteien arbeiten daher mit aller Kraft darauf hin, daß nie eine Steuer eingeführt wird, bei der die Raten von Jahr zu Jahr festgelegt werden müssen. Eine sogenannte Finanzreform folgt auf die andere. Auf die Stengel- sche folgte die Bülotvsche, und auf diese wird wieder eine andere folgen. Abgesehen von unserer Stellung zu den Steuern über- Haupt müssen wir darauf drängen, daß indirekte Steuern nur durch jährliche Bewilligung eingeführt werden. Dadurch erst wird das Budgetrecht des Reichstages zu einer lebendigen Kraft. Der einzige Ansatz in dieser Richtung sind die Matrikularbeiträge, die in bezug auf ihren Erhebungsmodus allerdings furchtbar un- sinnig sind, nämlich Kopfsteuern, die den einzelnen Staaten nach der Bevölkerungszahl auferlegt werden. Aber weil die Matrikular- beitrüge wenigstens alljährlich festgesetzt werden müssen, versucht die Bureaukratie sie abzuschaffen oder wenigstens nach oben zu ergänzen, was diesmal selbst von den bürgerlichen Parteien nicht zugestanden ist. Bei der früheren Finanzreform gab es noch ein sogenanntes Mantelgesetz, welches den einzelnen Par- teien ermöglichte, sich für Verwerfung oder Annahme der Steuern insgesamt zu entscheiden. So stimmten wir z. B. in der Einzelberatung für die damalige'Erbschaftssteuer, lehn- ten aber die Finanzreform im ganzen ab, weil wir das herrschende Rcgierungssystem in keiner Weise unterstützen wollten. Diesmal hat die Regierung, die ihrer Sache nicht sicher zu sein glaubte, von einem Mantelgesetz abgesehen. sie spekulierte auf Annahme der Einzelsteucr mit wechselnden Majoritäten und wollte diese wechselnde Majoritäts- bildung. Es war wider Erwarten und Willen der Regierung, daß sich schließlich nach Ablehnung der Regierungsvorlagen eine ein- heitliche Majorität für Steuervorlagen anderer Art herausbildete. Der Verzicht auf ein Mantelgesetz bedeutet eine direkte Schädigung des konstitutionellen Prinzips und des Budgetrechts des Reichstages, und im Interesse der eigenen Macht hätten auch die Mehrheitsparteien auf ein Mantelgcsetz drängen müssen.(Sehr richtig!) Bei einer künftigen Finanzreform werden wir auf das energisch st e gegen dies nichtswürdige Manöver der Schädigung des Budgetrcchts Front machen. Auf die einzelnen Vorlagen gehe ich hier nicht ein. Die Situation ist gegenwärtig folgende. Wir haben eine neue Rcgierungsmehr- heit bekommen, an die Stelle des konservativ-liberalen Hottentottenblocks in der agrarisch-konservativ-zentrümliche Schnapsblock getreten. Vielleicht hat er eine längere Tauer, vielleicht nicht. Das ist gleichgültig. Wir befinden uns jedenfalls in der schärfften Opposition dagegen. Aber selbstredend fassen wir diese Opposition nicht vom liberalen Standpunkte des Konkurrenzneides auf. Die Liberalen machten den Konservativen den Sturz Bülows zum Ver- brechen. Dadurch habe sich Herr v. Heydebrand zum ungekrönten König von Preußen gemacht. Zu meinem großen Bedauern hat diese alberne Phrase auch in unserer eigenen Partcipresse Widerhall gefunden. Daß die konservative Partei den Schaukelpolitiker Bülow gestürzt hat, war ihr gutes Recht, auch wir hätten ihn gestürzt, wenn wir gekonnt hätten. Was wir den Konservativen und dem Zentrum zum Vorwurf machen, ist die elende Heu- ch e le i, mit der sie den Sturz absichtlich in Abrede stellen.(Sehr richtig!) Aber die Heuchelei stammt daher, daß Junker und Zen- trum kein Interesse an konstitutionellen Grundsätzen haben, son- dern zufrieden mit der Regierung der Bureaukratie sind, sofern sie nur nach ihrer Pfeife tanzt. Daß die Bureaukratie über den Parteien steht, ist ein albernes Märchen. Unsere bureau- kistische Regierung ist eine kleinliche, gehässige MinderheitSregierung. Die opposittonellcn Parteien werden in einer Weise unter- drückt, die in einem parlamentarisch regierten Lande gegenüber Minderheitsparteien einfach unmöglich wäre. Wir Sozialdemo- kraten haben das am eigenen Leibe erfahren; aber auch die Liberalen sind selbst zur Zeit des Hottentottenblocks mit Skorpionen ge- züchtigt worden, wie der Fall Schücking beweist. Und doch ist der Liberalisinus nicht freiwillig in die Opposition gegangen, sondern erst nach den von den Junkern erhaltenen Fußtritten.(Sehr gut I) Wir müssen das Märchen von der Unparteilichkeit eines Bureaukratenregiments zerstören. Wir haben eine Parteiregierung schlinmister Art in Deutschland, die besonders brutal gegen die Klasjenpartei des Proletariats aufKitt. Ein paar Bemerkungen über daS Verhältnis zu den anderen Parteien. Daß wir die gegenwärtigen Mehrheitsparteien auf das schärfste bekämpfen, ist selbstverständlich. Wie stellen wir unS nun zu den Liberalen? Man rät uns. recht milde und nach- sichtig zu sein, damit der Krähwinkler Landswrn, auf unsere Seite treten kann. Ja, haben wir denn jemals im Reichstage die Liberalen aufgefordert, nicht für unsere Ankäge zu stimmen? Haben wir ihnen nicht zugeredet wie»inem kranken Schimmel (Heiterkeit), für unsere Anträge zu stimmen? Wir haben unsererseits für liberale Anträge gestimmt, wenn wir konnten. Wir haben je nach dem, wenn ein Antrag sachlich annehmbar für uns war, m,t dem Zentrum, den Polen, ja bisweilen mit den Konservativen ge- stimmt. In dieser Hinsicht liegt nicht der geringste Grund zur Aenderung unserer Haltung vor. Nun aber das Zusammengehen bei den Wahlen. Ob sich da etwas ändern wird, liegt nicht an uns, sondern an den Liberalen. In der letzten Zeit haben die Liberalen bei allen Wahlen, namentlich aber bei den Slichwahlen gegen uns gestimmt. Die letzten Nachwahlen lassen nichts davon verspüren, daß die Vorgänge bei der Reichsfinanzreform die Liberalen zu einer scharfen Oppositionspartei gemacht haben. Außerhalb des Saales ist ja sogar schon von Partei- genossen empfohlen worden, durch Verzicht aus Geltend- machung unserer Grundsätze oder auf Aufstellung von Kandidaten den Liberalen den Sieg zu er- möglichen. Ich hoffe aber, daß es in diesem Saale„ienrand gibt, der eine solche Politik der Selbstentmaimung empfiehlt.(Lebhafte Zustimmung.) Alle Erfahrungen zeigen, daß wir am besten fahren, wenn wir in der allerschärssten Weise gegen das ganze System Opposition machen. DaS zeigen auch die kolossalen Erfolge bei den letzten Nachwahlen. Wenn diese Stimmen- steigerung sich zurückführen lassen sollte auf unsere prinzipielle Erklärung für das Prinzip der Erbschaftssteuer, so müßten auch die Freisinnigen und Nationalliberalen Stimmenzuwachs zu verzeichnen haben, die doch in dieser Frage auf unserer Seite waren. Doch diese sind überall und stellenweise noch schlimmer durchgeruscht wie Zentrum und Konservative. Nicht wegen unserer Haltung in irgend einer Ncbenfrage, in der wir uns auf feiten bürgerlichen Parteien befinden, sondern wegen der Grundsätze, die unS von allen anderen Parteien trennen, wächst das Vertrauen des Volkes zu uns.(Sehr richtig!) Darum eben wendet sich das Vertrauen der Massen wieder in erhöhten, Maße uns zu, weil wir uns nicht durch Redensarten und Schönheitspflästerchen, wie die Erbschaftssteuer eine sein sollte, kirre machen lassen. Nur durch grundsätzliche Opposition gegen Bureaukratie, Junkertum und Bourgeoisie gewinnen «vir das Vertrauen des geknechteten Proletariats, daS sich immer dichter um das rote Siegesbanncr der Sozialdemokratie schart,(�eb- hafter, anhaltender Beifall.) Mit dem parlamentarischen Bericht werden gleichzeittg die An- träge 30, 31, 33, 34 und 41*) beraten. Den Antrag 30 begründet Gradnaucr-Dresden: Wir wissen, daß die Fraktion stets der Frage der Neueinteilung der Wahlkreise die gebührende Berück- sichtigung geschenkt hat. Unser Antrag soll keineswegs ein Tadel für die Fraktion sein, sondern nur erneut die hohe Wichtigkeit dieser Frage unterstreichen. Auf der ungerechten Wahlkreiseinteilung beruht die konservativ- klerikale Herrschaft. Ich bitte um Ueber« Weisung unseres Antrages an die Fraktion. Kampf-Dresden begründet den Antrag 31, der die Fraktion auf- fordert, energisch auf Verkürzung der Legislaturperiode zu drängen. Die herrschenden Parteien haben die Verlängenmg der Legislatur- Periode durchgedrückt, um nicht allzuschnell nach ihren Sünden zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das Volk mutz in möglichst kurzer Frist in der Lage sein, über die Taten der herrschenden Parteien zu Gericht zu sitzen.(Sehr richtig I) Müllcr-Hamburg begründet die Resolutton 263. Zunächst danke ich im Auftrage meiner seemännischen Berussgenossen der Fraktion für ihre Tätigkeit zugunsten der seemännischen Arbeiterschaft, zumal bei der Beratung der Subvention für den Norddeutschen Lloyd und bei der Frage des Massenimports farbiger Secarbeiter, durch die aus Profitrücksichten die einheimische seemännische Arbeiter- schaft aus dem Betriebe des Norddeutschen Lloyds verdrängt werden sollte. Die Genossen NoSke, Molkenbuhr, Hoch und Sevenng haben bei verschiedenen Gelegenheiten den Terrorismus des deutschen Groß- reedertumS, insbesondere derHamburg-Amerika-LiniejdeS Norddeutschen Lloyds, in der schärfsten und zutreffendsten Weise kritisiert. Die Hiebe, die unsere Verketer ausgeteilt haben, haben zweifellos gesessen, das beweist das Geheul des deutschen ReedertumS und die EntrüstungSruse in der Reederpresse. Die Regierung hat sich aus- geschwiegen und die bürgerlichen Abgeordneten haben Verlcgenheits- *) 30. 5. fach f. Kreis: Die Reichstagsfraltion ist zu be- auftragen, den Antrag auf gleichmäßige Einteilung der Reichstagswahlkreise so oft als irgend angängig einzubringen. Bei RcichstagSwahlen ist bei llnterstützung eines bürgerlichen Kandidaten demselben mit zur Pflicht zu machen, für diese unsere Forderung einzutreten. In, Falle seiner Weigerung ist ihm von der Parteileitung unsere Unterstützung zu versagen. 31. 4. sächs. KreiS: Der Parteitag wolle beschließen, unsere Fraktion im Reichstage zu beauftragen, einen Antrag einzn« bringen, in welche», die Herabsetzung der fünfjährigen Legislatur- Periode auf die urtprünglich dreijährige gefordert ivird. 33. Saarbrücken: Der Parteitag möge bestimmen, daß die sozialdemokratische Reichstagssraktion bei Vorberatungen sozial- politischer Gesetzesvorlage» jedesmal eine vorherige Rücksprache mit den Albeitcrsekretären oder einen, Teil derselben veranstaltet. 34. München I und II: Die ReichStagSfraktion wird be- austragt, im Reichstage dahin zu wirken, daß den Ausländern die. Erwerbung der deutschen Staatsangehörigkeit leichter gemacht wird als bisher. 41. Berlin I: In Anbetracht, daß die bisherige Politik des Liberalismus nichts war als eine dauernde Kette des Verrats von Arbeiterinteressen; daß auch bei der Finanzreform die Liberalen das arbeitende Volk mit der Unsumme indirekter Steuern belasten wollten, und jeder kaftvollen Oppositton Hindernisse in den Weg legten; daß bei den letzten RcichstagSwahlen die Liberalen aller Schattierungen sich als ein fester Bestandteil dereinen reaktionären Masse erwiesen nnd die jetzige agrarisch-Ilerikale Mehrheit geschaffen haben; daß schließlich der Viermandatcranb in, preußischen Landtage, die Wahlrechtsverstümmelung in Kiel, Rixdorf usw. von Liberalen in- szeniert worden ist; angesichts alles desseu muß die Zumutung sozial- demokratischer Reichötagsabgeordnetcr, mit dieser Sorte Liberalen zusamnrenzugehen und gar die Kritik aus taktischen Gründen ein« zuschränken, wie eine blutige Verhöhnung der Partei anmuten. Die Arbeiterschaft hat Mittet und Wege genug, ihren Willen aus eigener Kraft durchzusetzen. Phrasen gemacht, wobei der freisinnige Mg. Hoormann-Bremen sich als ausgesprochener Lloydagent gezeigt hat. Wir richten einen neuen Aufruf an die Fraktion,' uns zu unterstützen in unserem schweren Kampfe um die Erweiterung der seemännischen Rechte, durch Kritik der bestehenden Zustände und durch praktische Arbeit für den weiteren AuSbau der seemännischen Arbeiterichutzgesetzgebung. Es handelt sich hier um eine Frage der Menschlichkeit, nicht um eine parteipolitische Frage.(Sehr richtig!) Unsere Resolution soll keine Beschwerde gegen die Fraktion sein, sondern eine Rücken st ärkung für sie, gegenüber derRegierung und den bürger- lichen Parteien, die die alberne Legende verbreitet haben, hinter der Kritik der Sozialdemokratie stehe nicht die seemännische Bevölkerung, sondern es sei nur eine Mache gewissenloser Hetzer. Wir brauchen eine durchgreifende Revision der Seemanns- ordnung. Die letzte Revision war nur eine Scheinrevision. Die Erfahrungen auf den Seemannsämtern und in den Gerichtssälen bestätigen das-Lorliegen der Klagen und Schäden. Selbst Richter und Behörden haben anerkannt, dast die sogenannte revidierte See- nmnnsordnung ungenügend ist, sie ist ein Messer ohne Heft und Klinge. Wir verlangen seemännische Arbeitsämter analog den Gewerbe- geeichten. Wir verlange», dast die seemännische Bevölkerung nicht von dem Genuß der Ärbeiterschutzgesetze ausgeschlossen wird. Möge die Fraktion einen selbständigen Geletzentwurf einbringen, damit endlich der rücksichtslosen Verschwendung der Menschenleben im See- betriebe ein Ende gemacht wird.(Beifall.) Damit ist die Begründung der Anträge erledigt. Es folgt die Allgemeine Aussprache. Stadthagcn: Ich möchte hier einen Vorgang klarstellen, der sich auf die Be- schäftigung von Frauen auf Bauten bezieht, weil da ein falsches Bild entstanden ist. Die Sache war folgende: Wir waren der Meinung, daß man ganz allgemein und nicht nur auf Bauten gesundheitsgefährliche Arbeiten verbieten soll. In der Kommission hatte zunächst das Zentrum beantragt. die Frauenarbeit auf den Bauten zu verbieten. Dadurch wären den Frauen zum Beispiel Reinigungsarbelten verboten worden. Aber die gesundheitsschädliche Arbeit des Sack- t r a g e n S usw. wäre geblieben. Im übrigen kann, ja muß der Bundesrat schon heute gesundheitsgefährliche Arbeiten verbieten. Ich wandte mich gegen den Zentrumsantrag, weil er nicht weit genug geht und nicht in das System der Gewerbe- ordnung hineinpaßt. Ich wollte die bürgerlichen Parteien dazu bringen, auf unseren grundsätzlichen Standpunkt zu treten, wonach jede der Eigenart der weiblichen Bevölkerung widersprechende Frauenarbeit verboten wird. DaS ist auch im Protokoll richtig dargestellt. Nun ist in der Agitation behauptet worden, daß die Abgg. Molkenbuhr und Schmidt Bedenken gegen die Art meiner Aeußerungen erhoben haben sollen. Schmidt hat freilich ohne vorherige Rücksprache mit mir er- klärt, daß er für den inzwischen abgeänderten Antrag des Zentrums stimmen werde, der den Transport von Materialien verbietet. Mein Standpunkt war auch der Standpunkt der Fraktion in der ersten Lesung. Es ist völlig unrichtig, daß irgend ein Mitglied von uns sich gegen den erweiterten Arbeiterinnenschutz ausgesprochen hat. Darüber, ob dieser oder jener Weg richtig ist, kann man ja ver- schiedener Meinung sein. Im Plenum habe ich dann unseren Stand- Punkt dargelegt: „Meine Herren! Im letzten Absatz dieses Paragraphen ist in der Kommission neu eingeführt das Verbot von bestimmten Arbeiten Arbeiterinnen gegenüber. Es sollen Arbeiterinnen nicht zum Transport der Materialien bei Bauten aller Art verwendet werden, und es sollen Arbeiterinnen nicht in Kokereien verwendet werden dürfen. Es läßt sich nicht leugnen. daß ein derartiges Verbot nicht im Ein- klang steht mit dem bisherigen System der Gewerbeordnung. Es läßt sich nicht leugnen, daß es eigentlich Sache des Bundesrats und der Landespolizeibehörde gewesen wäre, längst dahingehende Ver- böte zu treffen, durch welche gesundheitsgefährdende Beschäf- tigKNgen von Arbeiterinnen verboten werden. Es steht ja in der Gewerbeordnung, daß der Bundesrat berechtigt, also, setze ich hinzu, mich verpflichtet ist, gesundheitsgefährdende Beschäftigungen b.m Arbeiterinnen zu verbieten. Leider ist der Bundesrat dazu nicht übergegangen. Ja, meine Herren, eS ist so weit gekommen, daß in Gegenden, wo wir eine solche gesundheitsgefährdende Beschäftigung sehen, sie noch nicht einmal von der Landeszentralbehörde untersagt wird. Wir find gegen das Tragen von Materialien auf Bauten. Der ursprüngliche Antrag war ja bei weitem zu weitgehend, da nach seiner Fassung auch die Reinigungsarbeiten verboten worden wären. Aber diejenigen Arbeiten, die den weib- lichen Organismus gefährden, wie das Tragen schwerer Lasten, find nicht einmal verboten � worden in Bayern, wiewohl in Bayern, besonders in München, der Unfug bestehen soll. daß die Frauen mit Tragen von schweren Lasten beschäftigt werden. Es sind Erhebungen über Erhebungen dort angestellt worden und Gutachten von Gewerbeinspektoren sind eingeholt. Diese haben sich sämtlich, bis auf einen, für die Einschränkung der Frauenarbeiten auf Bauten aus- gesprochen. Der Obermedizinalrat GraSkey hat ein Gut- achten abgegeben, worin er erklärt, daß die Beschäftigung von Arbeiterinnen im Baugewerbe zum Tragen schwerer Lasten, wie Mörtel. Stuck. Steinen und Wasser gesundheitsgefährlich und ein Verbot dieser Arbeit angebracht sei. Er setzt das näher aus- einander, welche Gefahren fiir die Frauen noch dadurch entstehen. Meine Herren, mir scheint, daß dieselbe Gefahr, die fiir die Frau bei dieser schweren Arbeit auf den Bauten und in der schweren Arbeit in K o k e r e i e n besteht, daß dieselbe Gefahr besteht beim Tragen von allen schweren Lasten im TranSportgewerbe und auch außerhalb desselben, bor allem auch in der Landwirtschaft. Ich bedauere lebhaft, daß die Anregungen die wir in der Kommission gegeben hatten, daß man dann, wenn man einmal gesetzlich vorgeht, ein allgemeines Verbot aller dem weiblichen Organismus besonders schädlichen Arbeiten aussprechen sollte, auf unfruchtbaren Boden gefallen ist. Wir können im letzten Stadium der Verhandlung selbstverständlich ein solches Verbot, das über den Nahmen der Gewerbeordnung natürlich und auch über das ausgesprochene Verbot hinausgeht, nicht einbringen. Wir müssen uns mit diesem Verbot begnügen, daß die in diesen, Absatz besonders gekennzeichneten gesundheitsschädlichen Beschäfti- gungen von Arbeiterinnen vermieden werden." In der zweiten Lesung in der Kommission haben wir selbstverständlich dafür gestimmt, aber nicht etwa, weil die Fraktion uns dazu gezwungen hat. Wie recht ich mit meiner Anschauung hatte, daß wir nach vorwärts treiben müssen, zeigt ja der weitere Verlauf, das Zentrum hat sich sogar bereit finden lassen, seinen Antrag hinauszuschieben mit Wirk- samkeit bis auf den t. April 1912, wo er ziemlich gegen- standLloS sein wird, da ja bis dahin polizeiliche oder Bundesrats- Verordnungen auf diesem Gebiet erlassen sein dürften. Ich hielt es für nötig dies auszuführen, um der Legendenbtldung entgegenzutreten, als ob ich etwa gegen Arbeiterinnenschutz sei. Einen solchen Blöoslnn sollte man mir doch nicht zutrauen, sondern man sollte lich vorher an der Hand des Materials unterrichten. Ver- schiedener Ansicht kann man vielleicht darüber sein, ob es richtig ist. die Gegner iveiter zu treiben. Ich halte das für den richtigen Weg, das ist der erprobte Weg, den ich in Kommissionen wiederholt gegangen bin und durch den wir überhaupt nur Erfolge erzielen können. Noch ein Wort über unsere eventuelle Stellung zur dritten Lesung der Erbschaftssteuer. Ich bedauere, daß der Antrag München zurückgezogen ist. Es ist ganz selbstverständlich, daß in der Fraktion, wie in jeder demokratischen Gemeinschaft, die Minderheit sich der Mehrheit unterzuordnen hat, natürlich unter Aufrecht- erhaltung der Parteitagsbeschlüsse. Ich habe in einer Versammlung in Niederbarnim meine Stellung zur Erbschaftssteuer dargelegt, das Recht dazu werde ich mir nicht nehmen lassen, dem, ich bin nicht der Fraktion allein verantwortlich, sondern meinen Wählern, dem gesamten Proletariat und der Arbeiterklasse. Bei der Beratung unserer Stellung zur ersten Lesung der sogenannten Erbanfallsteuer hatte die Fraktion mit Mehrheit beschlossen, zu erklären, daß sie dagegen stimmen will, und das hat ja auch Singer getan, indem er im Plenum aus- führte: „Je nach dem Ausfall dieser Beratungen werden wir unsere Beschlüsse fassen. Aber ich kann Ihnen schon jetzt sagen, daß wir die Vorlatze, wie sie jetzt ist, und wie sie vermutlich noch verschlechtert werden wird, als zur Annahme für unsere Fraktion nicht geeignet bezeichnen müssen." Ich gebe zu, die Erklärung hätte etwas schärfer und präziser sein können. In der zweiten Lesung stimmten wir für das Prinzip und gegen so ziemlich alle Einzelheiten der Vorlage, weil der Entwurf die reine Karikatur auf eine wirkliche Erbschaftssteuer ist. Die dritte Lesung fand nicht statt, ich habe aber meine persönliche Stellung dargelegt, die ja übereinstimmt mit der Stellung der Fraktion bei der ersten Lesung. Zwischen erster und zweiter Lesung war von einer Seite gesagt worden, wir müssen eventuell in dritter Lesung dafür stimmen. Da habe ich erklärt, wenn die Fraktion eine solche Stellung eingenommen hätte, hätte ich mich dem nicht beugen können, ich hätte dagegen gestimmt oder mich enthalten. Ich habe mich vielleicht etwas schief ausgedrückt und habe selbst- verständlich nur gemeint, daß ich mich der A b st i m m u n g enthalte. Das hätte ich getan und hätte ich tun müssen, weil diese Dekoration der Erbschaftssteuer nur ein Sprungbrett für diese ungeheuerliche Volksbelastung geworden wäre. Dazu hätte ich unter keinen Umständen meine Hand geboten, und dazu konnte ich um so weniger gezwungen werden, als die Mehrheit der Fraktion von vornherein sich auf den Standpunkt ge- stellt hat: diesen Schwindel machen wir nicht mit. In einem ähn- lichen Falle würde ich genau so handeln.(Beifall.) Schildert- Spandau: Der Vorwurf, daß die Fraktion nicht praktisch gearbeitet habe, geht nur von einer bestimmten Gruppe aus, die da glaubt. durch Kompromisselei mit den bürgerlichen Parteien mehr Erfolge zu erzielen. Für mich handelt es sich um die Frage, ob eine Obstruktion möglich gewesen wäre, und da bin ich der Meinung. daß die Fraktton zur Obstruktion hätte greifen müssen. Die Partei hat 1992 bewiesen, daß Obstruktion möglich ist, und sie wäre auch trotz der verschlechterten Geschäftsordnung noch möglich gewesen. (Widerspruch.) Nun zur Frage des Zusammengehens mit den bürger- lichen Parteien. Ein Paktieren mit den Liberalen ist undenkbar. Wohl sind Freisinnige und Nationalliberale einen Augenblick in Opposition. Aber sie werden immer wieder dazu getrieben, sich mit der kapitalistischen Regierung zum Schutze deS Kapitals zu vereinigen. Wir erleben es immer wieder, daß die mit unserer Hilfe gewählten Freisinnigen gegen uns Stellung nehmen und das Proletariat schädigen. Einzelne Parteigenossen suchen zwar imnier wieder nachzuweisen, daß ein Zusammengehen mit den bürgerlichen Parteien möglich ist. Die Arbeiter aber verzichten auf ein Zusammengehen mit den Frei- sinnigen, und wir sagen, die Genossen, die mit den bürger- lichen Parteien zusammengehen wollen, sollen dann lieber gleich selbst zu ihnen gehen, uns aber ungeschoren lassen.(Lebhafter Beifall.) Schräder-Hannover: Nur ganz vereinzelt sind Vorwürfe gegen die parlamentarische Tätigkeit der Fraktion erhoben worden. Das Volk ist überzeugt, daß die Fraktion in jeder Weise in allen Fragen die Interessen der Arbeiterklasse vertreten und praktische Politik getrieben hat. Mit der Obstruktion wäre kein Erfolg zu erzielen gewesen. Außer- ordentliches Erstaunen hat es bei vielen Parteigenössen erregt, daß einzelne Genossen Dinge, die sich in der Fraktion abgespielt haben sollen, so ohne weiteres an die Oeffentlichkeit gezerrt haben. Das hätte uns sehr nachteilig werden können. Der Parteitag muß bestimmen, welche Stellung die Fraktion bei einer etwaigen neuen Erbschaftssteuer einnehmen soll. Es darf sich nicht wiederholen, daß ein Abgeordneter vor aller Oeffentlichkeit erklärt: Die Fraktion möchte beschlossen haben wie sie wollte; er würde dagegen gestimmt haben.(Pfannkuch: Das hat er nicht gesagt I) Oder er würde sich der Abstimmung enthalten haben. Von anderer Seite war nicht bloß von Enthaltung, sondern vom Dagegenstimmen die Rede.(Stadthagen: Nur von der Luft, dagegen zu stimmen!) Disziplin muß gehalten werden. Fraktionsbeschlüsse müssen für die einzelnen Abgeordneten bindend sein.(Beifall.) Wagner« Braunschweig: Wir Parteigenossen im Lande tappten über die Stellung der Fraktion zur Erbschaftssteuer im Dunkeln. Aus Singers Erklärung lasen wir die bestimmte Ablehnung heraus.(Ledebour: In dritter Lesung!) Dann gab in zweiter Lesung David die Erklärung ab, die Fraktion werde doch dafür stiminen. Das stand in einem ge- wissen Widerspruch zur Erklärung Singers, und man mußte an- nehmen, daß sich in der Fraktion eine Wandlung vollzogen. (Ledebour: Nein, das war ja bei der zweiten Lesung!) Gerade bei zweiter Lesung hatten wir alle Ursache. nicht Vorspanndienste zu leisten für Block- kanzler und Block. Hätte der Block die ErbschaftS- steuer und seinen Kanzler gerettet, dann hätten die Herren wahre Orgien in der Erfindung indirekter Steuern gefeiert. Diese nationalliberal-freisinnige Heuchler- Politik durfte nicht in die geringste Berührung mit unserer Fraktton kommen.(Ledebour: Ist sie ja auch nicht!) Wir hätten in der kritischen Stunde dem Reichskanzler keine Gefolgschaft leisten dürfen. (Ledebour: Haben wir ja auch nicht!) Die gemeine hinterlistige Spitzbüberei der Regierungsvorlage verurteile ick noch mehr als den brutalen Raubzug des Schnapsblocks. Unsere Agitation mußte sich ganz besonders gegen die Blockpolitik richten. Statt dessen wurde die Erbschaftssteuer ganz in den Vorder- grund gestellt und die Liberalen mit einem Glorienschein umgeben. Die Fraktion hätte sich überhaupt auf keine Verhandlungen einlassen und die ganze Steuerreform von Anfang an obstruktionsartig be- kämpfen müssen. Wir hätten mit großer Machtentfaltung den Reichstag umzingeln müffen und in allen großen Städten hätten wir am gleichen Tage Massendemonstrationen machen müssen. Sie werden vielleicht sagen, das hätte nicht geholfen. Nun, Eure diplomatische Politik hat auch nichts geholfen. Wir haben jetzt ja auch einen günstigen Agitationsboden, aber nur deshalb, weil unsere Fraktion in der Erbschaftssteuer unterlegen ist. Hätten wir den Kanzler gerettet, so wären wir in die allergrößte Verlegenheit gekommen.(Ledebour: Das hätten wir doch nicht getan!) Ich schließe mich den Ausführungen Kautskys an und wünsche für die Zukunft eine weniger diplomatische und mehr propagandistische Taktik im Reichstage. Biniskiewicz-Berlin: Zwischen Zentrum und Polen besteht kein TriolenderhältniS, sondern ein regelrechtes KonkubinatsverhällniS.(Heiterkeit.) Ursprüng- lich war die polnische Fraktion nur zur Vertretung rein polnischer Angelegenheiten begründet worden; aber die polnischen Adligen, die bei der Rückständigkeit der polnischen Bevölkerung gewählt wurden, erkannten sofort daS Tatsachenverhältnis und benutzten ihre parlamentarische Stellung, um im Parlament ihre Taschen zu füllen und Angriffe auf ihre Taschen abzuwehren. Das Zentrum mit seiner Fuchsschlauheit hat sich die polnische Fraktion unterwürfig gemacht. Die politischen Interessen der polnischen Bevölkerung werden von der polnischen Fraktion nur lau wahrgenommen. Da- fegen gehen die Herren in wirtschaftlichen und Steuer- ragen ganz mit den reaktionären Parteien. Im Lande deckt sich die Polenfraktion mit der Behauptung, sie habe gegen die Erbschaftssteuer gestimmt, um Bülow loszuwerden. Die gemeine Art der Kampfesweise der Polen gegen uns geht ans der Behauptung hervor, die Sozialdemokraten hätten Bülow halten wollen und darum für die Erbschaftssteuer ge- stimmt.(Heiterkeit.) Wir sollten uns nicht von dem radikalen Gc» baren einzelner polnischer Abgeordneter blenden lassen. Dr. Südekum: «n sich ist die Kritik über die Haltung der Fraktion sehr gut und zeugt vom geistigen Leben. Aber im einzelnen werden die Urteile bielfach auf Grund unzureichender Informationen gefällt. Wir standen drei Problemen gegenüber. Erstens mußten wir die Juteresseugcgcnsätze unter den bürgerlichen Parteien zu erweitern und den Block zu trennen trachten. Zweitens hatten wir an den Steuern, die wir doch nicht zum Fall bringen konnten, möglichst viele Verbesserungen anzubringen, drittens mußten wir die Gelegen- heit zur Massenaufrüttelung ausnützen. Die Zertrümmerung des Blocks ist uns gelungen.(Zuruf.) Gewiß, Genosse Liebknecht, Interessengegensätze waren vorhanden, aber über diese Gegensätze hinwegzuhelfen, war ja der Sinn der Blockpolitik. Der Block ist in Scherben gegangen und das ist für die Gesundung der deutschen Politik ein erfreuliches Ereignis. Zum Zweiten ist es uns, wenn auch natürlich nicht aus eigener Kraft, gelungen, ein paar der allergefährlichsten Gesetze zu beseitigen, so das Branntweinmonopol, das durch ein Gesetz ersetzt worden ist, welches die Keime eigener Zerrüttung in sich trägt. Was die Auftüttelung der Massen betrifft, so war unleugbar bei der Einbringung der Finanzreform das Interesse auffallend gering; wie sehr jetzt aber das Interesse aufgepeitscht ist, beweisen die Nachwahlen. Mit den gegebenen Mitteln hat die Fraktion die Probleme gelöst. Ob diese Lösung befriedigend ist, ist Ansichtssache. Die Erbschaftssteuer steht auf unserem Programm. Da die Erb- schaftssteuer abgelehnt worden ist, ist es müßig zu fragen, was ge- schehen wäre, wenn die Sozialdemokraten gegen sie gestimmt hätten. Sollten wir etwa an der Seite der polnischen Schlachtschitzen die Erb- schaftssteuer ablehnen? Die Arbeiten der ReichstagSfraktion sind für die Partei und für uns alle sehr förderlich gewesen. Schmalfeld-Bremerhaven begründet die Resolution betr. die Einführung der obligatorischen Krankenversicherung der Seeleute. Die Seeleute sind der Kranken- fllrsorge der Reeder überlassen, die aber nur bis zur Abmusterung dafür aufkommen müssen. Nach der Abmusterung geht der Mann jeder Ansprüche verlustig. Dazu kommt, daß viele kleine Reeder, die zugleich Kapitäne sind, auch nicht viel besitzen, und wo nichts ist, da nutzt kein Anspruch. Nicht nur die Seeleute, sondern auch die Reeder selbst haben ein Interesse an der obligatorischen Kranken- Versicherung. Hoch-Hanau: Dem Genossen auS Hannover habe ich zu erwidern, ich selbst gehöre zu den Leuten, die über einen Umfall in der Fraktion Mit- teilung gemacht haben. Die Wandlung der Fraktion im Laufe der Verhandlungen steht fest.(Widerspruch.) Zunächst haben wir mit 18 gegen IS Stimmen beschlossen, daß Singer bei der ersten Lesung die Erklärung abgeben sollte, daß wir für die Erbschaftssteuer, wenn die Vorlage nicht erheblich abgeändert wird, nicht zu haben sein werden. Später hieß es dann, wir wollen unsere endgültige Stellung erst vor der dritten Lesung nehmen. Das ist einfach der Versuch, die Aufmerksamkeit der Ge- nassen von der Sache aus rein formale Punkte ab- zulenken.(Widerspruch.) Wir hatten uns festgelegt, denn von einer Aenderung der Vorlage in unserem Sinne war keine Rede. Eine kleme Gruppe in unserer Fraktion stand auf dem Standpunkt, wir muffen für die Erbschaftssteuer stimmen, weil sie im Pro- gramm steht. Wir hatten es aber nicht nur mit der ErbschaftS- steuer, sondern mit einem ganzen Steucrbiindel. und zwar ohne Mantel- gesetz, zu tun. Da haben wir uns gesagt: im Programm steht zwar Erbschaftssteuer, aber nicht Erbschafts st euer als Vorspann zur Bewilligung von 499 Millionen indirekter Steuern. Selbstverständlich waren wir uns einig darin, daß wir das Beste für die Arbeiter herausschlagen wollen. Südekum rühmt nun die Zertrümmerung des Blocks. Ja, der eine Block ist zertrümmert, dafür ist aber gleich ein anderer Block an die Stelle getreten. Südekum spricht von der Abwehrung der allerschlimmsten Steuern. Das stimmt nicht, denn die Steuern, die in erster Linie die Interessen der Arbeiter berühren. sind durchgegangen. Die Erbschaftssteuer war das Feigenblatt, das die Zustimmung der Liberalen zu den 499 Millionen neuer indirekter Steuern verdecken soll. Wir hätten uns auf nichts einlassen, sondern erklären sollen, daß wir nichts bewilligen wollten, weil es sich um einen Raubzug gegen die Taschen des arbeitenden Volkes handelt. WaS die Obstruktionsfrage betrifft, ist sie schwer zu lösen. In der Frage, von welchen radikalen Heldentaten wir abgehalten sind, liegt eine Ueberschätzung der Fraktion. Die Fraktion ist nicht die Gesamt- bewegung. Durch die unklare Haltung der Fraktion(Ebert: Oho I) haben wir die Betoegung aufgehalten und die Stoßkraft geschwächt. (Lebhafter Beifall und Widerspruch.) Löbe-BreSlau: Die Stellung unserer Fraktion zur Erbschaftssteuer konnte gar keine andere sein. Jetzt können wir den Zentrumsrednern, dem Dr. Fleischer und Konsorten sagen: Du hast deinen Grafen Praschma. Du hast Deinen Ballestrem steuerfrei gelassen, aber die armen Weber hast Du belastet.(Lebhafte Zustimmung.) Ebenso können wir in Neiße, können wir im Wahlkreise des konservativen Führers v. Heydebrandt spreche», in diese Kreise, in denen wir noch nie Versammlungen gehabt haben, sind wir jetzt eingedrungen. Sollten wir etwa zulassen, daß unsere Gegner uns antworten: Konservative und Arbeitervertretcr haben die Erbschaftssteuer zu Fall gebracht.(Sehr gut!) Wir hätten unS doch lächerlich gemacht damit. Wäre es möglich gewesen, die ganze Finanzreform zu Fall zu bringen, so hätten wohl auch die radikalsten Genossen einmal gegen daS Programm gestimmt.(Große Heiterkeit.) Genosse Hoch Iprach von einem Sprungbrett. Ich begreife das nicht. Das Springen ging ja auch ohne die Erbschaftssteuer ganz vorzüglich. (Heiterkeit und Zustimmung.) Vor drei Jahren hat die Fraktion einhellig eine viel schlechtere Erbschaftssteuer bewilligt.(Widerspruch von Ledebour.) Da würden Ivir uns lächerlich machen, wenn wir jetzt dagegen stimmten. Zerstören Sie nicht unsere wuchtige Agitation im Lande.(Lebhafter Beifall.) Dr. David-Mainz: Ich muß die Darstellung von Stadthagen und Hoch zurück- weisen, als wenn die Fraktion sich in erster Lesung definitiv fest- gelegt hätte auf eine Ablehnung der Erbschaftssteuer. Die Fraktion. hätte damit eine Eselei begangen, die ihr gar nicht verziehen werden könnte.(Sehr richtig I) Sie hat vor der ersten Lesung Singer beaustragt, aufs schärfste gegen die ab- geschwächte Erbschaftssteuer der Regierung Stellung zu nehmen. (Ledebour: Nein, sie für unannehmbar zu erklären I) Es ist ganz selbstverständlich, daß man die Vorlage stark kritisiert und die Stellung bei der dritten Lesung von der Aenderung abhängig macht. (Sehr gut!) In der Fraktionssitzung wurde ausdrücklich beschlossen, unsere Stellungnahme fiir die dritte Lesung offen zu halten. Ich kann aber weiter sagen, wie die Situation sich gestaltet hatte, würde die Fraktion voraussichtlich auch in der dritten Lesung für die Erbschaftssteuer gestimmt haben. Alle Ausführungen von Hoch stehen und fallen mit dem Argument, daß die Ablehnung der Erbschafts- steuer die Ablehnung der ganzen Steuerreform zur Folge gehabt hätte. Wir haben aber doch die Tatsache zu vcrzeickmen, daß die Ablehnung der Erbschaftssteuer dem Zustandekommen dieser ungeheuren indirekten Steuern absolut nicht geschadet hat.(Sehr gut!) Aber alle diese Argumente sind heute geradezu sinnlos. Nicht durch Ablehnung, sondern nur durch Annahme der Erbschaftssteuer konnte eine Reichstagsauflösung erzwungen werden. Der klerikal-konservative Block mit den Polen würde dann gegen die indirekten Steuern gestimmt haben. Denn diese Leute haben Rückgrat, sie wußten, was sie wollten. Wir hätten natürlich mit ihnen gegen die indirekten Steuern gestimmt.(Sehr richtig.) Damit wäre dann die ganze Finanzreform abwärts geschwommen. Genosse Kautsky spricht von der Notwendigkeit einer Fest- legung der Fraktion in bezug auf die Erbschaftssteuer. Die Fraktton ist festgelegt durch den klaren Programmpunkt, progressive Einkommen- steuer, progressiv nach den VerivandtschastSgraden und der Höhe deS Erbguts. Sich für alle möglichen Situationen negativ festzulegen. das wäre das allerverkehrteste. Kautsky müßte dann beantragen. diesen Passus aus unserem Gegenwartsprogramm zu entfernen oder mindestens die Verpflichtung einzufügen, gegen eine von einer bürgerlichen Regierung beantragte Erbschaftssteuer zu stimmen. fSehr richtig I) Versuche doch Kautslp einmal, eine solche Resolution zu beantragen; ich glaube nicht, daß der Parteitag sich einen solchen Knüppel zwischen die Beine werfen lassen will. Sollten wir»ins nachsagen lassen. Arm in Arm mit Pfaffen und Junkern eine den Junkern unangenehme Belastung verhindert zu haben? Schon jetzt wird uns durch das Verhalten von Emmel. Stadthagen und Hoch usw. unsere Agitation erschwert.. Nach Prüfung der Sachlage beantragt die Kommission Gültigkeitserklärung der beiden an- gefochtenen Mandate. Sodann möchte ich noch namens der Kommission die Delegierten, speziell die Vertrauensleute und Wahlvereinsvorstände bitten, bei der Ausstellung der Mandate etwas sorgfältiger vorzugehen. Der Partetvorstand liefert doch leichi auszustellende Mandatsformulare. Wo irgend möglich, empfiehlt es sich, zur Vermeidung jedes Irrtums einen Stempel draufzudrücken. Ncumann-ArnSwalde: Der Genoffe Brückner ist in ArnSwalde nur für den Fall gewählt, daß er, wenn er in Berlin IV durchfällt. das Mandat für ArnSwalde- Friedeberg ausnutzt.(Heiterkeit.) Er ist in Berlin gewählt worden und trat das Friedeberger Mandat an mich ab. Barenthin-Berlin IV: Brückner war ausdrücklich geftagt worden, ob er al« Delegierter oder nur als Ersatzmann in Arnswalde-Friede- berg gewählt fei. Er sagte: nur als Ersatzmann. Diese direkte Un- Wahrheit hat die Genossen gegen ihn aufgebracht und in der zweiten Generalversammlung, die übrigens nur eine Fortsetzung der ersten war, wurde ihm mit großer Majorität das Mandat aberkannt und an Litfin übertragen. Ritter-Berlin: DaS verhalten deS Genossen Brückner war vielleicht nicht ganz einwandsfrei; aber die Annahme des Antrags der Mandatsprüfungskommission würde ein offenbares Unrecht be- deuten. Die Frage an den Genossen Brückner fiel in einer nicht offiziellen Privatunterhaltung. Es hätte doch nichts geschadet, wenn Brückner neben ArnSwalde auch Berlin IV vertreten hätte. Adolf Hoffmann-Berlin: Berlin IV wollte durch drei Delegierte hier vertreten sein. Was heißt das, daß Genosse Brückner nicht offiziell gefragt sei? Ein Vorstandsmitglied hat ihn gefragt. Sollte dasselbe erst Uniform anlegen?(Große Heiterkeit.) Ich bitte, das ordnungsgemäße Mandat für gültig zu erklären. Die Aussprache schließt und' sämtliche Mandate werden für gültig erklärt. Hierauf wird in der Debatte über de» parlamentarischen Bericht fortgefahren. EiSner-Nürnberg begründet folgenden Antrag: (Abgeänderter Antrag 40.) .Die Reichstagsfraktion wird beauftragt, ein Aktionsprogramm von aktuellen gesetzgeberischen Arbeiten, Gesetzentwürfen nebst Ve- "> In Berlin IV war zuerst als dritter Delegierter Brückner gewählt worden unter der Voraussetzung, daß er im Wahlkreise Friedebcrg-Arnsivalde nicht gewählt würde. Als sich aber heraus» stellte, daß Brückner bereits destnitiv in ArnSwalde gewählt war, wurde in der nächsten Versammlung, der Fortsetzung der ersten, dem Genossen Litfin das Mandat übertragen. gründung oder die RichtnngSlinien festlegende Anträge und Denk« schriften zu entwerfen und im Reichstage einzubringen, die im An- schluß an aktuelle Fragen, Rcgierungscntwürse, Anregungen der bürgerlichen Parteien, aber unabhängig von den Vor- schlügen der Regierungen und den Anträgen der bürgerlichen Par- teien den schöpferischen Willen der Sozialdemokratie und des Prole- tariats verkörpern und so gestaltet sind, daß sie unmittelbar, auch in der bürgerlichen Gesellschaft, ausführbar sind. Diese Ent- würfe, Begründungen, Denkschriften bilden zugleich die Grundlage für Abänderungsvorschläge an Entwürfen der Regierung und unserer Gegner. Als solche Gesetzentwürfe, Anträge, Denkschriften kommen zu- nächst in Betracht: eine demokratische Revision der Verfassung, systematische Militärreform, Reichsfinanzreform, ein einheitliches Arbeiterrecht(Arbeiterschutz und Arbeiterverstcherung), Reichsschul- gcsetz. Strafrccht und Strafprozeß. Die Fraktion soll zu diesem Zwecke ihrem Sekretär den Auf- trag und die Möglichkeit geben, auch nichtparlamentarische Fachleute zu kommissarischen Beratungen und Konferenzen hinzuzuziehen. In erster Linie ist unverzüglich auf diese Wesse ein Gegen- entwurf oder eine die Richtlinien festlegende und begründende Denk- schrist zur Reichsversicherungsordnung auszuarbeiten." Die Verhandlungen von heute vormittag sind die beste Be« gründung für den abgeänderten Antrag 40. Er ist nicht neu, der Weg der Parteitage ist gepflastert mit abgeänderten Anträgen. Aber wer erlebt hat, wie man anfangs nur zögernd und schüchtern daS Alkoholthema anschnitt, und wer dann die Begeisterung gesehen hat, mit der gestern der Alkoholantrag angenommen wurde, der wird Optimist von abgelehnten Anträgen.(Heiterkeit.) Ich möchte also fast hoffen, daß mein dresmaliger Antrag abgelehnt wird. Denn dann wird er später um so sicherer angenommen. Wäre man sich in der Partei klar über praktische Arbeit, so wären die heutigen Debatten über die Reichsfinanz- reform unmöglich gewesen. Wohl könnte man auch dann noch über diese oder jene Frage verschiedener Meinung sein, aber nicht über die Annahme einer Besitzsteuer. Das Wort: diesem System keinen Mann und keinen Groschen, bleibt ein leeres Wort, solange wir nicht durchsetzen können, daß diesem System wirklich kein Mann und kein Groschen bewilligt wird. An unserem Nein- sagen geht das System nicht zugrunde. Aber manche Partei- genossen scheinen Neinsagen und Verhindern zu verwechseln. (Sehr gut!) Durch die Einführung direkter Steuern schaden wir dem Militarismus mehr als durch die schönsten Reden. Mein Antrag bezweckt, für die Zukunft jeder DirektionSlosigkeit in Situationen nach Art der Reichsfinanzreform vorzubeugen. Für einen Augen- blick war man in der Kommission des Reichstages auf den» rechten Wege: man forderte die Regierung auf, ein Steuerbündel von 500 Millionen aus nur direlten Steuern zusammenzustellen. Ich glaube, das ist der normale und wirllich fruchtbare Weg. Die Fraktion muß in solchen Fällen mit einem positiven klaren Entwurf herauskommen, muß eine Begründung dazu geben, die die Möglichkeit nachweist, und muß so für alle Zeiten aktenmäßig festlegen: das und das hat die Sozialdemokratie in einer bestimmten Situation gewollt. Das ist keine Kompronrisselei, nein, das ist Systematisierung, Vertiefung, sagen wir Radikalisierung im parlamentarischen Kampf. Der Wert der parlamentarischen Arbeit beruht darauf, daß wir in jeder Situation uns nicht nur mit Protesten begnügen, sondern die Durchsetzung des positiven Programms möglich zu machen suchen. Ich sage nicht etwa, daß die bürgerlichen Parteien einen solchen Antrag annehmen würden, aber er müßte so gestaltet sein, daß sie ihn annehmen müßten, wenn sie überhaupt die Interessen ihrer eigenen Wähler vertreten wollten. Man mutz über die Köpfe der bürgerlichen Fraktionen zu ihren Wählern reden, man muß zeigen, daß diese Fraktionen nur Ausschüsse von kleinen Minder- heiten ihrer Anhänger sind. Wenn wir den Parlamentarismus wollen, so müssen wir ihn ganz wollen. Die selbständige Arbeit der oppo- sitionellsten Partei bedeutet die Eroberung des Parlamentarismus. Das Problem, ob der Parlamentarismus überschätzt wird, ist erst in demokratischen Republiken am Platze. Ich wünsche nicht, daß wir Konzessionen machen, wir sollen vielmehr die bürgerlichen Parteien zwingen, uns Konzessionen zu machen. Der Sinn meines Antrages ist nichts als die Anwendung unseres sozialistischen und demokratischen Prinzips. Wenn Sie meinen Antrag nicht annehmen wollen, so denken Sie wenigstens darüber nach. Peirotcs-Straßburg: ES ist doch sehr müßig, sich darüber zu streiten, was die Fraktion hätie tun sollen, wenn die Erbschaftssteuer zur dritten Lesung ge- kommen wäre. Ich bin noch nicht fortgeschritten genug, um den Unterschied zwischen zweiter und dritter Lesung zu begreifen. Die große Mehrheit der Elsässer ist der Meinung, daß die Fraktion die Frage der ReichSfinanzreform durchaus richtig behandelt hat. In jedem Stadium der Verhandlung wußten wir draußen ganz genau, was wir zu tun und zu lassen hatten.(Sehr richtig!) Die neuen Steuern mußten bekämpft werden; wareil sie nicht zu Fall zu bringen, so mußte mindestens die Last, die auf den Arbeiter fällt, so gering wie möglich sein. Selbstredend müssen wir Propaganda treiben, aber wir dürfen den Ar- beitern nicht Agitationsreden statt Verminderung der neuen Steuern bieten. Die Hochsche Rede war keine Propagandarede, wenigstens nicht für die Sozialdemokratie.(Sehr gut.) Bei der Reichsfinanzreform haben Ivir wirllich auSge- zeichnet praktische Politik getrieben. Die Wahlen von Stollberg und Landau beweisen das. Wir dürfen uns unsere Situation nicht versauen.(Sehr richtig l) Und wir würden sie versauen, wenn wir uns nach irgend einer Richtung hin fest- legen würden. Emmel-Mülhausen: Wenn Schräder recht haben würde, so würde sogar der Parteitag über die Verhältnisse in der Fraktion u n u n t e r- richtet bleiben und könnte keine Stellung dazu nehmen.(Sehr richtig I) Da ist cS doch besser, sich über die Differenzen offen auszusprechen, damit die Parteitage die Richtung anaeben. Nicht die Fraktion, sondern die Partei soll die Taktik bestimmen. Dazu gehört die Kenntnis der Vorgänge in der Fraktion. Die Forderung, un- bedingt für die Erbschaftssteuer zu stimmen, bedeutet eine Durchbrechung der Nürnberger Resolution, wonach unter keinen Umständen die Machtmittel des Staates verstärkt werden dürfen. Bis jetzt hat noch nie die sozialdemokratische Fraktion der Regie- rung wirklich eine Steuer bewilligt, denn 1900 wurde zwar für die Erbschaftssteuer gestimmt, aber das Mantelgesetz natürlich abgelehnt. ES liegt kein Grund vor, von dem Grundsatz abzugehen: diesem System keinen Mann und keinen Groschen. Warum sollen wir dem persönlichen Regiment Mittel für neue Soldaten und neue Schisse bewilligen. Die Theorie deS kleineren UebelS würde dahin führen, der Regierung schlechte Steuervorlagen zu bewilligen, nur damit sie nicht mit noch schlechteren zommt.(Sehr richtig I> Die Nalionalliberalen und die Freisinnigen sind mit dieser Theorie vollständig in den Sumpf geraten.(Sehr richtig I) Wenn Löbe und andere fragen: wie hätte» wir agitieren können, wenn die Fraktion die Erbschaftssteuer abgelehnt hätte, so stellen sie sich damit ein Armutszeugnis aus.(Sehr richtig I und Unruhe.) Gewiß sollen wir Wahlpolitik treiben, aber die beste Wahlpolitik besteht im Hochhalten des Klassenkampfstandpunktes. Dadurch werden wir die Massen aufrütteln und mehr positive Arbeit leisten, weil die Bourgeoisie und die heutige Wirt- schaft dann in Furcht gesetzt werden.(Dr. Frank: Hurra!) Ge- nosse Frank I Wir sind' hier nicht im Zirkus oder ssn Varietö, sondern an einem Ort, wo ernst verhandelt lvird. Der Zuruf ist recht be- zeichnend.(Zuruf: Die Erbschaftssteuer steht ja im Programm). Gewiß, aber dieser Einwand ist heute morgen schon widerlegt worden. Wir wollen grundsätzliche Politik treiben und un» nicht von dem Schein der sogenannten positiven Arbeit blenden lassen.(Lebhafter Beifall und Widerspruch.) Mecrfeld-Köln: Es ist zu beklagen, daß unsere drei Vertreter in der Kam- mission in der Frage der Frauenarbeit iin Baugewerbe drei der- schiedene Meinungen vertraten. Das darf nicht wieder vorkommen, wenn es natürlich auch eine höchst alberne und sofort widerlegte Verleumdung der Zentrumsprosse war, daß Stadthagen dabei als Arbeiterfeind gehandelt hat. Betrübend ist die Spaltung der Fraktion in zwei Lager in Sachen der Erbschaftssteuer. Unsere Stellung zu der Erbschaftssteuer ist durch das Programm gegeben. W i r haben grundsätzlich dafür zu stimmen und nur in außerordentlichen Fällen dürfen wir davon abgehen. Hätten wir durch die Ablehnung eine Reichstagsauflösung erzwingen können, so wäre ich auch für die Ablehnung gewesen. Schon der Jubel unserer Gegner über die unglaublichen Aeußerungen von Parvus hätte uns zeigen sollen, wohin wir mit der unbedingten Ablehnung steuern. Sollen wir dem Zentrum Agitationsstoff liefern, dem jetzt angesichts der Erbitterung in seinen Wählermassen höchst katzen- jämmerlich zumute ist? Jeder, der mit katholischen Arbeitern zu tun hat, wird meiner Meinung sein. Es war bezeichnend, daß die „Kölnische Volkszeitung", die alles tat, um die Erbschaftssteuer zu Fall zu bringen, vor der zweiten Lesung schrieb, man würde es den Sozialdemokraten nicht verdenken können, wenn sie jetzt gegen die verhunzte Erbschaftssteuer stimmen. Dem Zentrum hätten wir aller- dings keinen größeren Gefallen tun können. Gewiß soll man nicht ausschließlich agitatorische Rücksichten maßgebend sein lassen, aber man braucht auch den Gegnern keinen Agitationsstoff zu geben. Ganz gewiß bedeutet die Sprengung des allen Blocks einen politischen Fortschritt, denn das Zentrum ist dadurch aus der ihm willkommenen Stellung als Oppositionspartei herausgedrängt worden und hat durch den Bund mit den konser« vatiben Wahlrechtsfeinden seine volksfeindliche Natur vor aller Welt offenbart. Bleiben wir gut radikal, aber hüten wir uns vor einem krankhaften Ueberradikalismus. Nottebohm-Dortmund: Die gesamten Delegierten des westlichen Westfalens billigen sehr entschieden die Stellung der Fraktion. Dem Rüstungsrummel Einhalt zu bieten, geht vorläufig über unsere Kraft. Die neuen in- direkten Steuern wären mit oder ohne unsere Zustimmung zur Erb- schaftSsteuer gekommen. Der Effekt der Erbschaftssteuer wäre immer- hin gewesen, daß daS arbeitende Volk SV Millionen weniger aufzubringen hätte.'Gewiß war die Erbschaftssteuer unzulänglich. aber sie bedeutete den ersten Schritt. Die Fraktion hat der Gesamt- Partei einen außerordentlich guten Dienst geleistet. Wir haben jetzt wuchtige Waffen ge�en das Zentrum in der Hand, und wir legen Breschen in die chinesische Mauer, die bisher die Zentrums- gebiete umgab. Massenhaft strömen die katholischen Arbeiter in unsere Versammlungen. Keinerlei Grundsätze haben wir verletzt. Lange haben wir unserer Sache nicht besser gedient, als durch unsere Stellung zur Reichsfinanzreform. Nie hat die Sozialdemokratie besser marschiert als jetzt. Ich hoffe, die erdrückende Mehrheit der Delegierten wird auf feiten der Fraktion stehen.(Beifall.) Robert Schmidt-Berlin: Bei der Erbschaftssteuer handelt es sich zunächst um rein taktische Fragen. Als es zuerst vom Regierungstische hieß, ohne Erbschaftssteuer keine Finanzreform, waren wir entschlossen, gegen die Erbschaftssteuer zu stimmen, um mit ihr zugleich die 4V0 Millionen indirekte Steuern zu Fall zu bringen. Dann aber zeigte sich, daß der Bundesrat entschlossen war, jede Steuer zu nehmen, um das 500 Millionen-Loch zu stopfen. Dainit war für uns eine Aenderung der Taktik geboten. Prinzipielle Erwägungen traten hinzu. Herr v. Heydebrand erklärte ausdrücklich, wir bewilligen unter keinen Umständen die Erbschafts- steuer in einem Parlament, das aus allgemeinen, gleichen Wahlen hervorgeht. Damit war der prinzipielle Gesichtspunkt gegeben. Die Erbschaftssteuer, wie sie war, hätten die Agrarier vielleicht noch geschluckt, aber es packte sie die Angst vor der grund- sätzlichen Festlegung direkter Steuern durch den Reichstag.— Im Parteiprogramm heißt es, zunächst verlangt die Pcrctei die Ein- kommen- und eine Erbschaftssteuer. Das„zunächst" heißt doch wohl unter dem kapitalistischen System, denn über das Steuer- system in der s o z i a l i st i s ch e n Gesellschaft sind wir uns vor- läufig ja noch nicht einig.(Heiterkeit.) Es handelt sich nicht darum, daß Ivir mit den Steuern auch Soldaten und Kriegs- schiffe bewilligen. Die Soldaten und Schiffe werden von den bürgerlichen Parteien bewilligt. Hier handelt es sich um die Verteilung der Kosten. Und da sagen wir: Keinen Groschen aus der Tasche der Arbeiterklasse.(Sehr gut!) Aus der Tasche der be- sitzenden Klassen nehmt, was ihr wollt. Wir sind nicht zum Schutz der Besitzenden da. Die Erbschaftssteuer ist der e r st e bedeutsame Schritt auf dem Wege. die indirekten durch direkte Steuern zu ersetzen. Wie kämen wir dazu, uns zu Mitschuldigen derer zu machen, die aus der großen Klassenerregung des AgrariertumS heraus diese Steuer ablehnen. In dem Augenblick, wo die Agrarier unter Aufbietung aller ihrer Kräfte diese Steuer ablehnen, dursten wir uns unter keinen Umständen an ihre Seite stellen. Das ist mein Standpunkt nicht, aus den Taschen der Leute, die Erbschaften über 20 000 M. einsacken, keinen Groschen zu bewilligen. Aus den Taschen solcher Leute mögt ihr Kriegsschiffe bauen, soviel ihr wollt. (Beifall und Unruhe.) Wenn die Besitzenden allein die Kosten für Militarismus und Marinismus zu tragen haben, wird ihre Begeiste- rung sich schon abkühlen. Aus allen diesen Gründen hätten wir nach meiner Meinung auch bei der dritten Lesung die Erbschafts- steuer bewilligen müssen. Ein paar Worte über die Vorgänge von 1900. In der Kommission wurde damals von unseren Vertretern die Tantiemesteuer abgelehnt. In zahlreichen Zuschriften wurde die Fraktion gefragt, wie man dazu komme, die reichen Aktionäre zu schützen. Darauf hat die Fraktion in zweiter wie in dritter Lesung für ErbschaftS- und Tantiemesteuern gestimmt. Natürlich hat sie das Mantelgesetz abgelehnt. Das hätte sie a u ch d i e s in a l getan, wenn ein Mantelgesetz vorgelegt worden wäre, weil eben das Mantelgesetz auch indirekte Steuern enthalten haben würde. Wenn aber über die einzelnen Steuern die Entscheidung zu fällen ist, so steht die Frage so: wem legen wir die Lasten auf? Die Steuern von der besitzenden Klasse abzuhalten, ist nicht unsere Aufgabe.(Lebhafter Beifall.) Singer: Da kein einziger Delegierter mit der Haltung der Fraktion unzufrieden ist, halte ich diese ganze Erörterung für über- flülsig.(Lebhafte Zustimmung.) Was die Fraktion bei der dritten Lesung getan hätte, ist in der Fraktion gar. nicht zur Erörterung gekommen.(Hört I hört!> Entsprechend unserer lang- jährigen Taktik und entsprechend unseren Grundsätzen haben wir, als es sich um die Abstimmung über ein.einzelnes Gesetz handelte, für die Erbschaftssteuer gestimmt. Die Fraktion hatte ihren Redner zur ersten Lesung beaustragt, eine Erklärung abzugeben, wonach die Vorlage in der eingebrachten Form für die Fraktion als uu- geeignet erklärt wurde. Bevor dieser Beschluß gesaßt wurde, haben lange Erwägungen in der Fraktion stattgefunden, und nachdem nun einmal Interna aus der Fraktion mitgeteilt worden sind, hätte ich gewünscht, daß auch der Hergang dieser Erwägungen wenigstens er- wähnt worden wäre. In der Fraktion kam bei der Vor- beratung auch die Auffassung zum Ausdruck, daß dem Fraktionsredner v e r w e h.r t werden solle, die eben er- wähnte Erklärung abzugeben. Die Mehrheit der Fraktion hat aber gemeint, diesem Erbschaftssteuergesetz gegen- über müßten wir schon, um möglichst Verbesserungen in unserem Sinne durchzusetzen, keinen Zweifel lassen, daß wir das Gesetz in dieser Fassung nicht annehmen.(Hört! hört!) Verbesserungen wurden nicht vorgenommen, und so konnten wir nur m der zweiten Lesung für die Vorlage stimmen, weil wir der Meinung waren, wie daS die Praxis oer Fraktion seit langen Jahren ist, daß die endgültig"« Ent- scheidung in dritter Lesung zu fallen hat. Wir konnten also ganz ruhig in der zweiten Lesung für die Vorlage stimmen, ohne uns damit nach außen hin öffentlich für Verantwortlicher Redakteur: Emil llnger, Berlin. Für der die dritte Lesung zu binden. Es ist nicht zur dritten Lesung gekommen und darum sehe ich keinen Vorteil in diesen Erörterungen.(Sehr richtig!) Da aber nun die Sache einmal hier besprochen worden ist, und zwar erfreu- licherweise in den Formen. in denen Meinungsverschieden- heiten unter den Genossen auszutragen sind, möchte ich aus meiner Auffassung keinen Hehl machen und will gestehen, daß ich für den Fall der dritten Lesung für die Ablehnung gewesen wäre.(Bravo! Hört I hört I) Gewiß vertritt die Partei die Forderung direkter Steuern, aber damit ist nicht gesagt, daß wir Steuern nur darum, weil sie direkte sind, für Zwecke bewilligen, die wir an sich nicht billigen.(Zuruf: Niemand stellt ja ein solches Prinzip auf!) Ich für meine Person würde mich gegen die Bewilligung der Steuer in dritter Lesung erklärt haben, weil nach meiner Meinung die bloße Rücksichtnahme auf Verminderung der indirekten Steuern unserer Partei nicht angemessen wäre und wir prinzipielle Politik zu treiben haben.(K a u t S k y: Sehr richtig!) Wenn wir grundsätzliche Gegner des Verwendungszweckes dieser Steuer sind, so haben wir dagegen zu stimmen, unbekümmert darum, ob im Lande die Agitation vielleicht etwas erschwert wird. (Zurufe: Sehr erschwert!) Täuschen wir uns nicht, das ist der Kernpunkt unserer ganzen Debatte. Was hat denn die sozial- demokratische Partei groß und stark gemacht? Doch nur die Uncrschntter- lichkrit und Offenheit, mit der wir unsere Grundsätze im Hinblick auf das Endziel und in der Augenblickspolitik vertreten haben. Gewiß haben unsere Genossen im Lande den bürgerlichen Parteien gegenüber schwere Zeiten. Gewiß werden ihnen Knüppel zwischen die Beine geworfen, indem man sagt, ihr habt gegen diese direkte Steuer gestimmt. Da hier einmal von, kleineren Uebel die Rede war. so muß ich sagen, ich halte es für das kleinere Uebel, wenn einmal durch eine grundsätzlich gerechtfertigte Ab- stimmung Schwierigkeiten in der Agitation entstehen, als wenn wir, um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, schließlich auf eine Bahn kommen, auf der es kein Halten gibt.(Bravo.) Aber wie gesagt, die Frage ist gar nicht akut. Um was handelt es sich jetzt eigentlich. Es wird eine große Sache daraus gemacht, daß die Auffassung einiger Kollegen dahingegangen ist, man hätte in dritter Lesung eventuell gegen die Steuer stimmen sollen. Diese Frage hätte gar nicht solche Wellen aufzuwerfen brauchen.(Sehr richtig I) Hier ist vielfach die Auffassung vertreten worden, daß hier die Taktik in bezug auf direkte Steuern festgelegt werden müsse. Ich würde eine solche Festlegung für den größten Fehler halten. (Lebhafte Zustimmung.) Es kann nichts Unpraktischeres, nichts Schäd- licheres geben. Selbstredend werden wir für direkte Steuern stimmen, wenn der Zweck, für den die Steuern verlangt werden, unseren Auffassungen entspricht. Aber uns für einzelne Fälle fest- zulegen, ist unmöglich.(Sehr richtig.) Sie binden Ihrer parla- mentarischen Vertretung die Hände, wenn Sie auf eine'solche nicht einmal akute Frage hin für die Zukunft die Taktik der Fraktion für alle Fälle festlegen wollen. Nun noch ein paar Worte zu dem zweiten Vorwurf, daß die Fraktion keine Obstruktion gemacht hätte. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen hätte der Versuch einer Obstruktion statt propagandistisch zu wirken, unS einfach im Volke lächerlich gemacht.(Lebhafte Zustimmung.) Wir haben die Obstruktion sehr ernsthaft erwogen und alle an der Beseitigung der indirekten Steuern interessierten Fraktionen ftir die Obstruktion zu gewinnen versucht. Das ist unmöglich gewesen, und so haben wir uns dagegen entschieden in der sicheren Ueberzeugung. daß der Obstruktiousversuch innerhalb weniger Stunden zu Boden geschlagen wäre. Wir haben uns bemüht, im Rahmen der strengsten Opposition und durch Anträge und Reden alles auf- zubieten, um das Unheil vom Lande abzuwenden. Wir haben vom Mittel der Obstruktion nicht aus Mangel an Mut oder aus Mangel an Erkenntnis, sondern im Interesse der Partei abgesehen, die wir nicht lächerlich machen wollten.(Lebhafter Beifall.) Ulrich-Offenbach: Nachdem einmal im Lande die Aeußerungen kolportiert wurden, die von Hoch, Emmel und Stadthagen für nötig gehalten waren, mußten wir auf dem Parteitage zu dieser Frage Stellung nehmen. Die persönliche Erregung kann dabei aus dem Spiel bleiben. Es fragt sich, ob die Erfahrungen der Menge Parteigenossen, die im Lande unter den Gegnern zu arbeiten haben, ohne jede Bedeutung für die Partei bleiben sollen. Ich bin stets dafür gewesen, grund- sätzliche Politik zu treiben. Daß wir das getan haben, hat es be- wirkt, daß uns die Massen des Volkes, wenn sie auch innerlich noch nicht zur Sozialdemokratie gehören, ihr doch zuströmen, sobald die Situation brenzlich wird. Ihr Instinkt, ihr Klassenbewußt- sein treibt sie uns zu. weil sie wissen, daß wir trotz aller Differenzen unter uns doch die aller- schärfste grundsätzliche Politik treiben.(Sehr richtig!) Daß diese Politik die richtige ist. zeigen uns wieder die letzten Wahlen, bei denen die Gegner die Aeußerungen von Stadt- Hägen, Hoch und Emmel gegen uns ausgespielt haben.(Zuruf: Es hat ihnen nichts genützt!) Gewiß, aber nur. weil unsere Fraktion so vernünftig gehandelt hat, weil aus dem amtlichen Protokoll des Reichstages nachzuweisen war, daß wir gegen die Belastung der Armen durch indirekte Steuern und für die Be- lastung der Reichen durch direkte Steuern gewesen sind. DaS ist der springende Punkt. Wir mußten uns vor allem auch die Frage vorlegen, was geschah, wenn wir die direkte Steuer ablehnten. Die Folge war dann offenbar, daß das, was wir den reichen Leuten schenkten, den armen aufgehalst wurde.(Sehr wahr!) Dazu dürfen wir uns niemals hergeben. Wäre es infolge der Ablehnung der Erbschafts st euer zur Auflösung des Reichtages gekommen, o, Genossen, das lväre ein lustiger Kampf gewesen, und� der Deibel soll mich holen(große Heiterkeit), da wäre auch ich mit dabei gewesen. Aber die Auflösung wäre eben nur dann ge- kommen, wenn wir die Erbschaftssteuer durchgedrückt hätten,(Sehr richtig!) Die Situation war nicht anders als 1906, wo wir in allen Lesungen für die Erbschaftssteuer gestimmt haben, und wir durften unsere Haltung von 1906 nicht desavouieren. Ich erinnere auch daran, daß wir gelegentlich der Flottenvorlage noch viel weiter gegangen sind und beantragt haben, die Kosten von den Leuten mit einem Einkommen von mehr als 6000 Mark zu erheben.(Sehr gut!) Wie konnten wir dann jetzt aus einmal sagen: wir machen das nicht mehr mit.(Zuruf: Aus- gezeichnet I) Nein, Genossen, wir haben nicht nötig, allzu radikal zu sein.(Stürmische Heiterkeit.) Allzu radikal macht schmal, genau so wie allzu scharf schartig macht. Wir haben nach allen Seiten hin unseren Standpunkt im Parlament scharf zu wahren und für die Arbeiter herauszuholen, was wir können. Alles, was wir fordern, geht auf dem Wege zu unserem Endziel: der Sozialisierung der Gesellschaft.(Sehr richtig!) Wen» wir einer solchen Räuberbande, wie die Mehrheit des Reichstages nun ein- mal ist, gegenüber erklären, diesen Raubzug auf die Taschen der Armen lassen wir nicht zu. Euch wollen wir schröpfen, dann haben wir den richtigen Weg eingeschlagen.(Lebhafter Beifall.) Molkenbuhr: Auch ich muß mein Bedauern darüber aussprechen, daß Interna der Fraktion zum Gegenstand einer öffentlichen Diskussion gemacht worden sind. Ich glaube nicht, daß das der Tätigkeit der Fraktion nützen kann.(Sehr richtig!) Immer, wenn. Meinungsverschieden- heiten unter den einzelnen Fraktionsgenossen, inbesondere Kom- missionsmitgliedern, entstanden, haben sie die Fraktion zur Ent- scheidung angerufen. Diese Meinungsverschiedenheiten aber zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion-machen, heißt einen Zwie- spalt in die Reihen der Genossen hineintragen. Leider hat Ge- nosse Emmel ja in Aussicht gestellt, daß er diese veränderte Praxis auch für die Zukunft hochhalten will.(Hört! hört!) EL.kann keine Rede davon sein, als ob diejenigen, die bereit waren, in dritter Lesung für die Erbschafssteuer zu stimmen, nun etwa den Staat veranlassen wollten, noch mehr Soldaten und Kriegsschiffe zu beschaffen, es handelte sich da nicht um Mittel für Neubewilli- gungen, sondern um Bezahlung vergangener Bewilligungen, und es fragte sich: wer soll sie bezahlen? Da meine auch ich, zur Be- Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärp kämpfung des Militarismus gibt es kein wirksameres Mittel, als wenn die Reichen die Kosten bezahlen müssen.(Sehr richtig!) Die Meinungsverschiedenheiten in der Fraktion waren gar nicht so groß, wie es hier dargestellt wird.(Sehr richtig!) Wir waren alle einig darin, nach Möglichkeit die Finanzreform zu ver- hindern, und eventuell die Reichstagsauflösung herbeizuführen. Die Meinungen gingen nur darüber auseinander, welche Wirkung die Abstimmung nach der einen oder anderen Seite haben würde. Warum hat nicht Genosse Emmel im vorigen Jahre, als die Reso- lution über die Reichsfinanzreform zur Debatte stand, eine Re- solution gefordert, daß wir alle Steuern ablehnen sollen?(Sehr gut!) In der Resolution des vorigen Jahres stehen wir auf dem Standpunkt unseres Parteiprogramms. Unser Programm ist nicht geändert, also konnten auch die, die in dritter Lesung für die Erb- schastssteuer stimmen wollten, die Grundsätze unseres Programms in Anspruch nehmen. Ob man damit die Auflösung des Reichs- tags erreicht hätte, ist eine andere Frage. Man hat der Fraktion den Vorwurf gemacht, daß sie keine Obstruktion getrieben habe. Genosse Kautsky wird sich beim Schreiben seines Artikels jeden- falls auch etwas dabei gedacht haben, aber er hätte das Wort„Ob- struktion" durch gute deutsche Worte ersetzen und uns mitteilen sollen, wie er es sich dachte, mit Obstruktion einen Erfolg zu er- zielen. Hier sind unsere österreichischen Genossen, die können ein Lied davon singen. Oesterreich ist ja das Heimatland der Obstruk- tion. Man kann Lärm machen, das ist die gewaltsame Obstruktion. Durch Lärmmachen hätten wir unsere eigenen Redner am meisten gestört, denn nicht die Anhänger der Steuern redeten hauptsächlich, sondern die Gegner. Dringlichkeitsanträge, die in Oesterreich ein sehr schönes Mittel sind, kennt die deutsche Geschäftsordnung nicht, und eine Aenderung der Geschäftsordnung wäre uns nicht ge- lungen. Dafür, daß man Geschäftsordnungsdebatten nicht in die Unendlichkeit ausdehnen kann, hat die Lex Aichbichler gesorgt. Na- mentliche Abstimmungen haben wir in großer Zahl herbeigeführt, aber wie bei der Lex Heinhe durch Hinausgehen die Abstimmung unmöglich machen, konnten wir nicht, weil der Schnapsblock die ab- solute Mehrheit hatte. Da soll Kautsky uns sagen, was wir tun sollten. Wir wollen das in deutschen Worten hören.(Lebhafter Beifall.) Wurm: Ein paar Worte über den grundsätzlichen Standpunkt ver- schiedener Redner. Gewiß haben wir beim Flottengesetz verlangt, daß die Mittel von den besitzenden Klassen aufgebracht werden sollen. Wir wollten zeigen, wie weit der Patriotismus der be- sitzenden Klassen geht. Es war ein Schachzug, wie ihn sich damals die Partei leisten konnte. Ich meine aber doch, es geht nicht von dem Verwendungszweck zu abstrahieren. Wir können nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Agitation handeln, wir haben nie- mals gefragt, in welche Gesellschaft wir geraten, wenn wir unseren Grundsätzen gemäß für oder gegen eine Vorlage stimmen. Wir haben 1906 mit den Pfaffen gegen die Kolonialpolitik gestimmt, 1902 mit den lleberagrariern gegen den Wuchertaris gestimmt. Gewiß wird durch solche Vorgänge die Agitation in noch nicht auf- geklärten Bezirken erschwert, aber wenn unsere Partei sich jemals von der Schwierigkeit hätte abschrecken lassen, die es kostet, den „dummen Kerl", den„Unverstand der Massen" aufzuklären, so wären wir nicht so weit, wie wir sind. Als Ferdinand Lassalle seine Agitation begann, da war der größte Teil der Arbeiter noch so befangen, daß er von uns nichts wissen wollte. Daß 50 oder 100 Millionen mehr von den besitzenden Klassen getragen werden, ist kein Schritt in den Zukunftsstaat, und kein Schritt auf dem Wege der Sozialisierung der herrschenden Gesellschaft. England hat schon längst direkte Steuern, und ist darum durchaus nicht auf dem Wege der Sozialisierung, keine herrschende Klasse kommt darüber weg, für die Geschäftszwecke des Kapitalistenstaates Beiträge zu zahlen. Wir hätten nur erreicht, daß dem dummen Kerl gesagt werden konnte:„Sehen Sie, wir reichen Leute tragen auch zu den Kosten bei!" Nehmen Sie ein drastisches Beispiel, denken Sie» daß eine schwarze Garde zur Niederknüppelung der Gewerkschaften von Staats wegen besoldet wird. Würden Sie dann auch direkte Steuern zu diesem Zweck bewilligen? Mit der Theorie der Be- willigung direkter Steuern in jedem Fall kommen wir auf die schiefe Ebene. Wir müssen uns zum Klassenkampf bekennen, zum Kampf gegen die jetzt herrschende Gesellschaft.(Lebhafter Beifall.) Frank-Mannheim: Es ist nicht Unverstand der Massen, sondern Klassenbewußtsein. wenn die Arbeiter für die Erbschaftssteuer sind. Es wäre das dümmste, was wir machen können, wenn wir uns nachträglich die Freude an der außerordentlichen Gunst der politischen Situation verekeln wollten. Gewisse Leute können es anscheinend nicht vertragen, wenn wir Erfolge haben, und wenn unser Einfluß auf die Massen immer wächst. Die Erbschafssteuer ist zweifellos eine Steuer, die nur im kapitalistischen Staat erhoben werden kann. Wie die Zukunftsgesellschaft aussehen wird, wissen wir nicht, aber daß es in ihr ein Privateigentum und ein Privaterbrecht nicht mehr geben wird, darüber sind wir einig. Also die Forderung einer Erbschaftssteuer hat nur Sinn im kapitalistischen Staat. Wenn wir dem kapitalistischen Staat nichts bewilligen wollen, müssen wir die direkten Steuern aus dem zweiten Teil unseres Programms streichen.(Sehr gut!) Selbstredend wird niemand hier im Saal der Meinung sein, daß wir ohne Rücksicht aus die Situation jede Steuer, bloß weil sie direkt ist. bewilligen. Unsere Haltung bei der Flottenvorlage war doch kein Schachzug. sondern der erste Versuch, den herrschenden Klassen Lasten aufzubürden. (Lebhafte Zustimmung.) Dieser..Schachzug" hat so�ar gewisse Erfolge gehabt. Gewiß haben uns die großen sozialistischen Zu- kunftsziele groß gemacht. Aber gegenwärtig macht uns groß die praktische Arbeit, die wir leisten, und weiterleisten wollen.(Leb- hafter Beifall.) Albert-Breslau: Die offiziellen Stellen der Partei hätten, selbst wenn sie keine Obstruktion machen wollten, die Erregung im Volke über die nieder- trächtige Steuermogelei noch ganz anders ausnützen können. Sie lzättcn mehr an das Volk appellieren sollen. Wenn die sozial- demokratische Fraktion des Reichstages mit voller Namensunter- schrift eine Proklamation an die Wählerschaft erläßt, einen Auf- ruf an ihr Volk, so werden auch die Indifferenten darauf gestoßen, daß etwas los ist. Robert Schmidt ließ durchblicken, seinetwegen könnten die besitzenden Klassen so viele Kriegsschiffe und Kanonen bauen als sie wollten, wenn sie es nur aus ihrer Tasche bezahlen. (Zuruf: Unsinn! Hat er nicht gesagt!) Ich danke aber auch dafür. daß auf Kosten der Reichen die Wahldemonstranten mit Kanonen rcgaliert werden. Die Debatte wird vertagt. Robert Schmidt(persönlich): Albert hat eine Aeußerung von mir in rein demagogischer Weise gegen mich ausgenutzt. Ich glaube, in die Verlegenheit rnird Albert und ich nicht kommen, daß die besitzende Klasse aus ihren Taschen Kriegsschiffe baut, und deshalb war meine Redewendung nur eine Uebertreibung, mit der ich gerade diejenigen Parteigenossen eck absurckurn führen wollte, die bei der Erbschaftssteuer diesen Standpunkt vertreten. Von der dänischen Sozialdemokratie ist folgendes Begrützungstelegramm eingegangen: „Die dänische Sozialdemokratie sendet brüderliche Grütze und Glückwünsche zu eurem Parteitag. Ebenso wie die Arbeit, welche vor beinahe einem halben Jahrhundert in Leipzig ihren Anfang nahm, von größter Bedeutung für die deutsche Sozialdemokratie gewesen ist, wird die Arbeit, welche ihr in diesen Tagen ausführt, ohne Zweifel auch zur Kräftigung der internationalen Sozialdemo. kratie beitragen. Glückauf eurer Arbeit zur Befreiung der Ar- beiterklasse! Hoch der Sozialismus! Sigvald Olsen." Schluß der Sitzung 6 Uhr. u, VerlagSgnftalt Paul Singer& Co.. Berlin SW," Nr. 215. 26. Jahrgang. 2. KnlM Ks � MWch, 15. Atpfmber 1909. Hus der Partei. Berichtigung. Der Bericht des„Vorwärts" über den ersten Verhandlungstag des Parteitags legt mir die Aeuszerung in den Mund:„Die anti- militaristische Agitation ist nicht die Hauptsache der Jugend- bewegung". Ich habe aber gesagt, wie mir der stenographische Be- richt bestätigt:„Die antimilitaristische Agitation ist nicht die Auf- gäbe der Jugendbewegung, die die Jugcndzentrale zu leisten hat. Die Jugendzentrale ist in dieser Beziehung gebunden an die Be- schlüsse der Parteitage, insbesondere an das Programm des Nürn- berger Parteitages". _ Heinrich Schulz. Erklärung. Im„Vorwärts" vom 12. September 1909 schreibt Genosse Ledebour, ich hätte mich in der letzten Nummer der„Sozialistischen Monatshefte" mit einer Anzahl anderer„Revisionisten" zu einem Vorstoß zusammengefunden, den daS„Verl. Tagebl." mit den Worten begrüß: habe: Das ganze Heft liest sich wie eine große Anklage gegen die sozialdemokratische Parteileitung, gegen den„Vorwärts" und gegen den Oberinquisiteur der Partei Karl KautSly. Ich muß konstatieren, daß ich nur fiir das, was ich schreibe, die Verantwortung übernehme, daß ich keine Anklage gegen den Partei- vorstand erhoben habe, dessen Mitglieder in der Frage der Erbschafts- steuer zum Teil derselben Meinung Ausdruck gegeben haben, wie ich, mrd daß ich Kautsky überhaupt nicht erwähne. Der Artikel von L e d e b o u r und der in derselben Nummer enthaltene von Hoch, die sich gegen mich wenden, gehen nicht mit einem Worte auf meine sachlichen Auseinandersetzungen der Gründe gegen und für die Zustimmung zur Erbschaftssteuer selbst ein. Keiner hat versucht, zu widerlegen, was ich über die Stellung der Partei zur Erbschaftssteuer von 1909 und zum Flottengesetz von 1897/93 aktenmäßig angeführt hatte. Niemand kann auch die Tatsache bestreiten, daß die Fraktion ohne Widerspruch beschlossen hatte, in zweiter Lesung für die Erbschaftssteuer zu stimmen und daß sie mit großer Mehrheit von sowohl„radikalen" als„revisionistischen" Mitgliedern ihren e n d g ültig e» Beschluß über ihre Abstimmung in dritter Lesung bis nach der zweiten Lesung aufgeschoben hatte, um sich nicht vorzeitig zu binden, sondern die EntWickelung abzuwarten. Karski sucht in seinem Artikel die Frage prinzipiell zu ent scheiden, aber er bleibt durchweg im Abstrakten stecken, und seine Er- wägungen würden uns praktisch nicht einen Schritt weiter gebracht haben. Das Prinzip:„Diesem System keinen Groschen" ist, auf Spezialabstimmnngen angewandt, mit jeder praktischen Politik in Staat und Gemeinde unvereinbar! es würde uns hindern, für den LieichSzuschuß zur Invalidenversicherung, fiir die Erhöhung der Soldatenlöhnung, für die Erhöhung derLage der öffentlichen Angestellten einzutreten. Kurz es kann unter gewissen Umständen eine notwendige Parole der Polemik bilden, aber als Prinzip der praktischen Einzel- arbeit in den BolksvertretungSkörpern würde es zur hohlen Phrase werden oder zur Negation jeder Mitarbeit führen, Bon der Partei ist dies Prinzip nie akzeptiert worden. Karski kämpft gegen Ansichten, die kein Mensch ausgesprochen hatte, z. B. dagegen, daß wir„für jede direkte Steuer stimmen müßtest," und widerlegt natürlich diese Dummheit sehr leicht. Was aber ich und viele Genossen— auch sehr„radikale"— für die Zustimmung zur Erbschaftssteuer angeführt hatten, das über geht er oder gibt es durchaus unzulänglich wieder. Er rechnet uns glänzende Wahlchancen heraus, wenn wir nach Ablehnung der Erbschaftssteuer und Auflösung des Reichstags allein mit den prinzipiellen Forderungen unseres Propramms in den Kampf ge- zogen wären; als ob wir diese Forderungen nicht auch 1907 hochgehalten hätten. Aber er geht nicht im geringsten auf mein Argument ein, daß unsere Aussichten im vorliegenden Falle darunter gelitten haben würden, wenn wir als„Mitschuldige des Zentrums und der Konservativen", belastet mit dem Odium der Ablehnung der Erb- schaftssteuer, den Kampf hätten führen müssen. Kurz, er hält sich auch hier rein an das allgemeine und macht keinen Versuch, die be- sonderen Umstände de? politischen Moments zu berücksichtigen. Zu der Fußnote des„Vorwärts" zum Hochschen Artikel will ich nur dies bemerken: Die Redaktion muß merkwürdig schlecht in- formiert sein, wenn sie nicht weiß, daß einige Redner in der Fraktion� sitzung eine ausdrückliche, öffentliche Desavouierung deS.Vorwärts' erörtertest, und daß von einer„revisionistischen" Seite dem wider> sprochen wurde. Der„Vorwärts" bringt ferner eine geheimnisvolle Anspielung, daß das„Berl. Tagebl." besremdlicherweise so gut über Vorkommnisse in der sozialdemokratischen Fraktion informiert gewesen wäre. Ich erkläre ausdrücklich, daß ich keine Beziehungen zum „Berl. Tagebl." habe und keinem Menschen Mitteilungen über Be� schlüsse der Fraktion gemacht hatte. Es ist ja bedauerlich, daß man so etwas noch sagen muß, aber angesichts der systematischen Ans streuung von Mißtrauen will ich eS nicht unterlassen. Noch eine Kleinigkeit gegen Hoch: er läßt mich von.Ausländern' reden. In Wahrheit habe ich davon gesprochen, daß jemand von den„deutschen politischen Verhältnissen nichts verstehen könne". Die Tendenz dieser Verdrehung ist klar. Die sämtlichen Artikel in Nr. 213 des.Vorwärts' gegen mich verfolgen die bequeme Methode, den Tatbestand umzukehren und mir die Schuld an der Diskussion über die Erbschaftssteuer zuzuschieben. Demgegenüber muß ich doch konstatieren: Emmel, Stadthagen und Hoch haben die Erörterung begonnen. Emmel und Hoch haben in ungewöhnlicher Weise öffentlich Mitteilungen aus der Fraktion gemacht, was sonst auf das schärfste gemißbilligt zu werden pflegt! noch dazu teilweis unrichtige, jedenfalls unvollständige Mitteilungen. Emmel und Stadthaaen haben von der Absicht eines gewissen Kreises erzählt, sich bei der Abstimmung von der Fraktion zu trennen, falls sie in der Minderheit blieben, ein in solcher Lage der Partei schwer zu verantwortendes Beginnen, das auch von„radikaler" Seite(„Kasseler Volksblatt") ernsthast getadelt worden ist. Emmel, Hoch und Ledebour haben der ganzen DiS- kussion von vonihercin einen persönlich aggressiven Charakter dadurch gegeben, daß sie fich nicht auf die sachliche Frage beschränkten, sondern gegen die„revisionistischen" Abgeordneten scharfzumachen und sie öffentlich zu diskreditieren suchten. Wehre ich mich aber dagegen, in dieser Weise zum Genossen zweiter Klasse degradiert zu werden, nenne ich den vom Zaun gebrochenen Zank„frivol" und„unkollegial", so geht das Geschrei loS, i ch hätte den Streit begonnen. Ledebour beruft sich averdings darauf, daß er erst auf Anfrage aus der Versammlung im sechsten Kreise auf die„Revisionisten" zu sprechen gekommen wäre; daS würde aber an der Sache nicht das geringste' ändern. Nach seiner jetzigen Behauptung will er auch nicht gesagt haben: „eL müsse fortdauernd von den Parteigenossen im ganzen Reiche dafür gesorgt werden, daß nur Genossen in den Reichstag geschickt werden, die ganz zuverlässig sind." Nun, wenn er das nicht gesagt hat, so hätte er den Bericht des „Vorwärts" öffentlich richtig stellen sollen, denn er mußte sich doch wohl klar sein, welche grobe Beleidigung seiner„revisionistischen" Kollegen in diesem Wortlaute liegt. Im übrigen kommt das, was Ledebour selbst gesagt zu haben behauptet, im Resultat auf dasselbe hinaus. Ganz wie Hoch will er, daß die Genossen nicht danach fragen, was ihr Abgeordneter leistet, sondern ob er nicht revisionistischcr Auffassung verdächtig ist. Um Mißtrauen gegen einen Kollegen zu erregen, daß er in einer Spezialfrage anderer Meinung gewesen ist, als Ledebour und Hoch. Ob Ledebour dabei den Ausdruck„zuverlässig" gebraucht hat, wie ich nach dem Bericht des.Vorwärts" annehmen mußte, ist sehr nebensächlich! einen Unterschied zwischen den Genossen zuungunsten derer, die er„Revisionisten" nennt, will er jedenfalls statuieren. Ich muß schließlich hier gerade so wie in meinem Artikel in den„Soz. Monatsh." nachdrücklich auf den Punkt hinweisen, den Ledebour, Hoch und die Redaktion des„Vorwärts" mit Stillschweigen übergehen, daß nämlich von einer Spaltung der Fraktion in zwei Lager, ein„radikales" und ein„revisionistisches" im allgemeinen nicht die Rede sein kann. In elf Jahren parlamentarischer Arbeit habe ich außer dieser verfrühten Erörterung über die Abstinimmig dritter Lesung bei der Erbschaftssteuer nur' ein einziges Mal eine tiefergehende Differenz über die Frage der Annahme eines Gesetzes in der Fraktion erlebt. In 99 Prozent aller Fälle sind die Kollegen von vornherein einig. Wo kleine sachliche Differenzen. wurden sie fast ohne Schwierigkeit in kollegialer Weise erledigt. Ueberhaupt wickelt sich die Zusammenarbeit zwischen den„Radikalen" und„revisionistischen" Abgeordneten— soweit ich einen solchen Unterschied überhaupt zugeben kann— in durchaus harmonischer, kollegialer Weise ab. Dies habe ich ausdrücklich betont. Um so mehr muß ich dabei bleiben, daß die Polemik gegen die „Revisionisten" bei dieser Gelegenheit ungerecht und parteischädigend war, und daß es eine Umkehrung der Wahrheit ist, einen anderen des Friedensbruchs zu bezichtigen, als die, die sie begonnen haben. Urfeld, 13. September 1999. Wolfgang Heine. « Anm. der Redaktion: Wir können gegenüber dem Ge Nossen Heine nur wiederholen, daß wir über Vorgänge in der Fraktion, wie er sie andeutet, in der Tat nicht informiert worden sind. Im übrigen sei doch festgestellt, daß Genosse Heine in seinem Artikel in den„S. M." von einem in Erwägung gezogenen Tadelsvotum gegen den„Vorwärts" sprach, während er heute von einer„öffentlichen DeSavouierung spricht, also etwas ganz anderem! Denn so unbestritten das Recht der Fraktion ist, einer Presseäußcrnng gegenüber ihre abweichende eigene Auffassung festzustellen, so entschieden würde der„Vorwärts" den Versuch der Fraktion zurückgewiesen haben, ihm ein„Tadclsvotum" auszusprechen. Wenn Genosse Heine ausdrücklich erklärt, daß nicht er daS „Berliner Tageblatt" über die Interna der sozialdcniokratischen Fraktion unterrichtet habe, so wendet er sich da gegen einen Arg wohn, den auszusprechen uns nicht im entferntesten eingefallen ist! Es ist mindestens ein AuSfluß von Ueberempfindlichkeit, wenn Heine in solchem Zusammenhange von einer„systematischen Ausstreuung von Mißtrauen" spricht. Ganz überflüssig? Genosse Kautsky hat in der Sonntagsnummer des„Vor� wärts" gemeint, es sei„ganz überflüssig" gewesen, daß ich ihm im„Correspondenzblatt der Gcneralkommission" die Erfolge der deutschen Holzarbeiter entgegenhielt. Denn er habe gar nicht be' hauptet, daß der gewerkschaftliche Kampf in Deutschland erfolglos war, sondern seine Erfolge selber ausdrücklich hervorgehoben. Diese Darstellung des Genossen Kautsky kann ich leider nicht gelten lassen. Allerdings hat Kautsky die Erfolge der Gewerk schaften nicht absolut bestritten, aber er hat sie wiederholt der' maßen verkleinert und gegen die Möglichkeiten zukünftiger Er folge soviel Einwendungen erhoben, daß ich und andere Genossen ihm im Interesse unserer gewerkschaftlichen Agitation sehr zu meinem Bedauern entgegentreten mußten. Unter anderem hat Kautsky die Meinung vertreten, daß die Gewerkschaften nicht in der Lage seien, die Ausbeutung der Ar' bester zu vermindern, im Gegenteil, die Ausbeutung vermehre sich; die Erringung von Teilerfolgen werde immer schwieriger und seltener; die Gewerkschaften würden von den Unternehmern allenthalben in die Defensive gedrängt; die Organisation der Ar bester werde immer mehr erschwert usw. Diesen und einigen anderen Einwendungen gegen die Erfolg- Möglichkeiten der Gewerkschaften habe ich die beredten Tatsachen der praktischen Erfahrung gegenübergestellt, die Kautskys Meinung zum Glück sehr widersprechen, und ich kann nicht glauben, daß es außer Kautsky noch viele Leser meines Artikels geben kann, welche darin eine„ganz überflüssige" Arbeit erblickt haben. Natürlich kann ich meine Darlegungen aus dem„Correspondcnz blatt" hier nicht etwa wiederholen, damit würde die Redaktion des„Vorwärts" nicht einverstanden sein. Um den Lesern aber den Zweck und die Notwendigkeit meiner Kritik der Kautskyschen Beurteilung der Gewerkschaften verständlich zu machen, verweise ich darauf, daß lange vor mir schon ein anderer Kritiker KautskyS, den dieser selbst in einer Entgegnung in der„Neuen Zeit" als einen„wohlwollenden, verständnisvollen und sachkundigen" be zeichnen mußte, nämlich der österreichische Genosse Otto Bauer, im Maihcft des„Kampf" Kautsky vorgehalten hat, daß seine Lehre in diesem Punkt der Arbeiterschaft Hoffnung und Tatkraft. Leidenschaft und Mut rauben müsse. Hierum handelt es sich. Gerade jetzt sind nämlich mit der stärktem Eifer alle Kräfte in den deutschen Gewerkschaften an- gespannt, um durch eine systematische Agitation die Wirkungen der KrisiS zu paralisieren, die Zaghaften und Kleinmütigen unter den Mitgliedern aufzurichten und zu stärken, die in- differenten Arbeitsgenossen aufzuklären und als Mitkämpfer heran' zuziehen. In dieser allgemeinen Werbetätigkeit steht der Deutsche Holzarbeiterverband nicht an letzter Stelle, und es liegt mir natürlich am Herzen, daß die großen Mühen und Kosten unserer Agitation nicht etwa vergeblich aufgewendet werden. In dieser Hinsicht freut eS mich deshalb sehr, daß auch Genosse Kautsky nunmehr erklärt, daß er die Erfolge unseres Verbandes nie be zweifelt habe. Er soll es erleben, daß die deutschen Holzarbeiter auch in Zukunft nicht vergehlich von der Macht ihrer Organisation Ge brauch machen werden._ Theodor L e i p a r t. Parteiliteratur. Die Rechtsprechung in Unfallreiitcustreitsachen. Von Hermann Müller, Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SIV. 68. Preis geb. 3 M. Genosse Arbeitersekretär ReichStagSabgeordneter Robert Schmidt veröffentlicht im„Correspondenzblatt der General- kommission der Gewerkschaften Deutschlands" folgende Besprechung: „Allen, die mit der Unfallversicherung zu tun haben, besonders unseren Gewerkschaftsangestellten und Arbeitersckretären, wird das Buch sehr gute Dienste leisten. Der Verfasser hat, übersichtlich ge- ordnet, die wichtigsten Entscheidungen deSReichSversicherungs- a m t e s auS den„Amtlich. Nachrichten", den Zeitschriften der Berufs- genossenschaften und dem Material, das ihm als Sekretär im im Zentralarbeitersekretariat zur Verfügung stand, kurz im Auszug unter Quellenangabe wiedergegeben. Ein sehr detailliertes Sach- register erleichtert die Auffindung einer besonderen Entscheidung auS dem reichen Material, das hier zusammengetragen ist. Derjenige, dem die„Amtlichen Nachrichten" nicht zur Verfügung stehen, wird gern bei Begründung von Ansprüchen auf Grund der UnfallversichernugS- gesetzs auf das hier gebotene Material zurückgreifen und viel Zeit und Mühe sparen. Die„Amtlichen Nachrichten" sind mittlerweile so umfangreich gelvorden, enthalten auch eine Anzahl längst überholter Entscheidungen, daß die Nachforschung nach einer prinzipiellen Ent- scheidung in einer strittigen Frage mit einigen Schwierigkeiten ver- knüpft ist. Hier gibt das Buch von Hermann Müller eine schnelle und sichere Anleitung, und es dürste sich wohl bald in den Bureaus der Gewerkschaften. Auskunftsstellen und Arbeitersekretariaten ein-. führen." Gcmeindewahlsieg. Bei der BürgerauSschußwahl in Lörrach(Baden) erhielt die Sozialdemokratie in der dritten Wählerklasse 421, die vereinigten bürgerlichen Parteien 3Sö Stimmen, Die sozialdemo- kratischeListe ging demnach glatt durch. Lörrach ist zwar ein reines Fabrikstädtchen, aber das Zentrum hat dort ziemlich starken Anhang und eS ist immerhin ein schöner Erfolg unserer Genossen, aus eigener Kraft die bürgerlichen Parteim überwunden zu haben._ Anhalt in guter Hut. Das„Hamburger Echo" brachte folgende aniüsante Notiz: „Einer aufmerksamen und vorsichtigen Redaktion erfreut sich daS „Volksblatt für Anhalt" in Dessau; dessen Leiter Peus ist offenbar darauf bedacht, auch die geringste Andeutung irgend einer„radikalen" Bemerkung sorglich den anhaltischen Genossen fernzuhalten. Wie schon wiederholt, hat das„Volksblatt für Anhalt" auch diesmal unsere„Wochenplanderei" abgedruckt, nach alter lieber Gewohnheit natürlich ohne Quellenangabe. Doch das„Hamburger Echo" ist daran gewöhnt, benutzt, aber nicht genannt zu werden; die Anleihe bei uns kümmert uns also nicht. Wir sind ja doch auf unsere Kosten gekommen, denn wir haben herzlich gelacht über das Zensoren- stücklein, das Chefredakteur Pens geleistet hat. Im„Hamburger Echo" lautete eine Stelle der„Wochenplauderei" so: Mr. Cook machte sich schleunigst auf die Strümpfe und wanderte querfeldein dem Nordpol zu, um an der Erdachse das Sternenbanner zu hissen und auszurufen:„Eetsch. da sind wir schon I" wie es einstmals die Aushöhler machen werden, wenn sie sich in den bekannten Kuchen gründlich hineingegessen haben und dann den Kopf herausstecken. Aber der umsichtige, überlegende Chefredakteur merkte sofort, was der Satz von den„Aushöhlern" neckisch andeuten sollte. Und das geht doch nicht, daß in Anhalt, wo man sich jahraus, jahrein mit dem vorsichtigen, sehr vorsichtigen Hineinessen in den bekannten Kuchen beschäfttgt, ein Spottwort über diese Taktik bekannt wird I Rotstift— nein doch, Blaustist— und weggestrichen wird der Satz: „wie es einstmals" bis„dann den Kopf herausstecken". Die radikale Gefahr ist wieder einmal von den Lesern des„Volksblatt für Anhalt" abgewendet. Peus wacht!"_ Höhere Konfusion. Rom, 11. September.(Eig. Ber.) Wie der„Avan ti" mit Bestimmtheit meldet, wird der Mai- länder„T e m p o"(sozialistsch-reformistisch) demnächst seine Per- öffentlichung einstellen und das Mailänder„S e c o l o" (bürgerlich-demokratisch), das unlängst in den Besitz einer neuen Aktiengesellschaft übergegangen ist, wird eine vollständige Umwand« lung seiner Redaktion erfahren. Aus dem demokratischen Blatte würde der heutige Chefredakteur, Abgeordneter R o m u s s i, aus- scheiden, und an seine Stelle der Journalist M a l a g o d i treten, der zurzeit Korrespondent der„Tribun a" aus London ist. Der heutige Chefredakteur des„Temp o", der Abgeordnete Genosse T r e v e s, soll Mitarbeiter des umgestalteten „S e c o l o" werden. Diese Nachricht, die nur die Sicherheit, mit der sie der„Avanti" mitteilt, glaubbar macht, befremdet um so mehr, als das Secolo" für finanziell sehr fest fundiert gilt und nicht recht einzusehen, was es bei der Fusion mit einem sozialisti- schen Blatte gewinnen könnte. Als Organ kleinbürgerlicher Jntcr. essen und Ausdruck eines wohlfeilen Radikalismus, dem der anti- klerikale und irredentistische Beigeschmack in Italien ein großes Publikum sichert, hat das„Secolo" eine sehr starke Verbreitung, so daß ihm die 19 099 Leser, die der„Tempo" in die Ehe mit- bringt, kaum fühlbar sein dürfte. Nach den Mitteilungen des „Avanti" wäre der Präsident der neuen Aktiengesellschaft der Bankier Genosse Deila Torre, der bisher die hauptsächliche finanzielle Stütze des„Tempo" war. Auf die Richtung deS neuen Blattes kann man neugierig sein. Der Chefredakteur Äalagodi war seinerzeit einmal Parteigenosse, neigte dann immer mehr zum Anarchismus und verband diesen mit den impcralistischen Tendenzen, die er sich in England zu eigen gemacht hat. Die Einheitlichkeit und die politische Direktive, die seiner Persönlichkeit fehlt, dürfte dem seiner Leitung anvertrauten Blatte gleichfalls fehlen. Daß in der neuen Zeitung ein wirklicher Konflikt zwischen sozialistischen und bürgerlick>-demokratischen Interessen stattfinden sollte, glauben wir nicht. Die sozialistischen werden überhaupt nicht zu Wort kommen, wo es sich um mehr als leere Worte handelt. Der Versuch, den in der Kammer so mühsam zusammenzuhaltenden Block der äußersten Linken in das journa- listische Gebiet zu verpflanzen, kann nur mit einem Siege des finanziell stärkeren Teiles, also der bürgerlichen Demokratie, enden. Bemerkenswert ist übrigens, daß der Mailänder Sozialismus, der sich für so stark und hoch entwickelt hält, sich als unfähig er- wiesen hat. eine sozialistische Tageszeitung zu erhalten. In seinem siebenjährigen Leben hat der„Tempo" es kaum jemals auf eine Auflage von mehr als 19 999 gebracht. Allerdings war das Blatt kein Parteiblatt, sondern finanziell das Unternehmen wohlhabender Parteigenossen, denen es viel Opfer kostete. Aber diese Partei« genossen rekrutierten sich alle aus dem äußersten rechten Flügel der Partei, der ja in Mailand tonangebend ist, und der„Tempo" war ganz in ihrem Sinne geleitet. Wie geht es dann zu, daß der starke Mailänder Reformismus nicht imstande gewesen ist, einer Tageszeitung die Existenz zu sichern! Zur politischen Haltung ber sozialistischen Kammerfraktion in Frankreich hat die Pariser Parteiorganisation(Konföderation der Seine) eine Resolution gefaßt, die jede Unterstützung des Mini- steriums Briand verwirft, da jede bürgerliche Regierung not- wendigerweise den Kapitalismus verteidigen und der Befreiung der Arbeiterklasse entgegenarbeiten müsse. Daß dem Kabinett einige ehemalige Sozialisten angehören, müsse das Mißtrauen nur noch reger machen. In der„Humanite" unterzieht Gen. Alb. Thomas diese Forderung einer Kritik. Er ist auch weit entfernt von der Hoffnung auf„sozialistische" oder sonstwie durchgreifende Re- formen, erwartet vielmehr ein ausgesprochen der kapitalistischen Entwicklung dienendes Regierungssystein. Er glaubt aber, die Partei dürfe sich nicht von vornherein festlegen, müsse viclniehr die Taten deS Ministeriums abwarten und ihnen entsprechend, frei von Vertrauensseligkeit wie von Gehässigkeit, ihre Stellung nehmen. poliseilicbes, Oenctittlcbes ulw. Noch ein Nachspiel zum Königsberger Schandsänlcuprozcß. Als Genosse Markwald am 14. August d. I. das Gefängnis zu Allenstein verließ, brachte die Brcslauer„Volks wacht" einen BegrüßinigSartikel. der zugleich Gedächtnisartikel jenes unerhörten Prozesses und des furchtbar harten Urteils war. Wegen dieses Artikels hat die Königsberger Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen den Genossen Schiller von der„Volksmacht" wegen Richterbeleidigung angestrengt. So sorgt also der Staats- anwalt mit zäher Ausdauer dafür, daß jene aufreizende Justiz«' episode, die sich an die Enthüllung der Mcmeler Centenarsäule knüpft, nicht in Vergessenheit gerät._ Straskonto der Presse. Genosse Brenner vom Braunschweiger„Volks- freund" wurde vom Schöffengericht in L u t t c r a. B. wegen Beleidigung einer Fabrikdireltorenfrau in Langelsheim zu 120 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Frau hat den 8jährigsn Sohn eines in der Lungenheilstätte befindlichen Steinhauers mit einem Besen derart auf den Kopf geschlagen, daß der Kleine starken Blutverlust erlitt und noch jetzt— nach fast einein Vierteljahr— Schmerzen hat. Das wurde im.Volksfreund" gerügt. Einige Aus- drücke, die dabei gebraucht wurden, bezeichnet- das Gericht als ehr- verletzend. Es sprach der Presse wohl das Recht der Kritik zu, die Absicht der Beleidigung gehe aber daraus hervor, datz die sozialen Gegensätze in dem Artikel hervorgehoben worden seien- Serlmer I>ladmcKte!i. Die Gcmeindeschulen werden zum Beginn de? Winterhalb jsahres 1809/10 weiter vermehrt, diesmal aber nur um eine einzige. Im laufenden Sommerhalbjahr bestehen 299 Gemeinde- schulen, zum Oktober wird im Stadtteil Wedding eine 300. Schule eröffnet, die für Knaben bestimnit ist. Diese 300. Schule braucht ausnahmsweise mal nicht in eine Mietskaserne hineingesteckt zu werden, wie das sonst seit langem fast jeder neu eröffneten Gemeindeschule beschieden war. Sie wird sogleich ein eigenes Heim beziehen können, das neue Gemeindeschulhaus an der Ostender Straße. Da die Nummer 300 den erwünschten Anlaß bietet, wieder einmal zu jubilieren und den Ruhm Berlins in die Welt hinauszuposaunen, so soll die Eröffnung dieser Schule mit einer besonderen Feierlichkeit verbunden werden. Daß aber geradeaus dem Gebiet des Volksschulwesens die Taten des Berliner Kommunalliberalismus nicht sonderlich rühmenswert sind, das ist im»Vorwärts" oft dargelegt worden. Neu eröffnet wird zum Oktober, wie die Schuldeputation durch das„Gemeindeblatt" bekannt gibt, auch noch eine Gemeindeschule für Mädchen und zwar in der Schönhauser Vorstadt. Für diese Schule steht aber noch kein eigenes Schulhaus zur Verfügung, so daß sie bis auf weiteres mit MietSräumen des Wohnhauses Schönhauser Allee 103 vorlieb nehmen muß. In derselben Mietskaserne haust schon die 298. Schule für Mädchen und außer- dem ein sogenanntes Filial für Knaben und Mädchen. Es scheint fast, daß die angeblich„neue" Schule, die da„eröffnet" werden soll, weiter nichts ist als das bereits bestehende Filial, das um einige Klassen für Mädchen vermehrt werden und daher fortan einen selbständigen Schulorganismus bilden soll. Diese Schule wird als 49. Schule bezeichnet werden, weil die bisherige 4 9. Schule für Knaben und Mädchen, die in der Mietskaserne Alt- Moabit 9S haust, zum Oktober als selbständiger Schulorganis- mus zu bestehen aufhört. Mithin wird durch die Schule in der Schönhauser Allee die Gesamtzahl der Schulen nicht weiter vermehrt. Einige Klassen der bisherigen 40. Schule in Moabit bleiben als Rest übrig, weil sie nicht sofort mitaufgelöst werden können. Sie werden bis auf weiteres als Filial der 172. Schule für Knaben angegliedert, die ein eigenes Schulhaus Bremer Straße 13— 17 benutzt, aber auch bereits ein Filial hat, das in MietSräumen des Hauses Wiclefstratze 2 untergebracht ist. Als 49. Schule war früher eine Schule in der Blumenstraße bezeichnet worden, die vor jetzt anderthalb Jahren aufgelöst wurde, weil auch sie als„überflüssig" galt. So begegnet uns in einem Zeitraum von nur jiwei Jahren die Bezeichnung 49. Schule nacheinander für drei Schulen in drei verschiedenen Stadtgegenden. Die jetzige 40. Schule in Moabit, die nun schon wieder zur Auflösung be- stimmt ist, wurde erst vor anderthalb Jahren dort„neu eröffnet". Sollte in nur anderthalb Jahren das Schulenbedürfnis sich in jenem Stadtteil wirklich so sehr vermindert haben, daß man diese Schule jetzt schon wieder auflösen muß?„Muß" man über- Haupt Gemeindeschulen so geschwind für»über- flüssig" halten und auflösen? Von sonstigen Neuigkeiten, die die Schuldeputation mitteilt, ist noch hervorzuheben, daß zum Oktober die S3. Schule für Mädchen aus ihrer Mietskaserne Lütticher Straße 4 endlich in ein neues Heim übersiedeln kann, in das neuerbaute doppelte Schulhaus au der Ostender Straße, das sie mit der 300. Schule teilen wird. An- dererseits siedelt die 24S. Schule für Knaben aus ihrem bisherigen eigenen Heim, dem Haus Schulstraße 14/1S, in Mietsräume des Hauses Müllerstraße 30 über. Das Haus Schul st raße 14/15 ist jetzt Berlins ältestes Volks schulhaus, es wurde 1821 für die damalige„Kolonie Wedding" gebaut. Bis auf den heutigen Tag hat man es immer noch benutzt, in diesem Sommerhalbjahr beherbergt es noch über SOO Kinder, obwohl es durchaus unzuläng- lich ist und viel Äehnlichkeit mit einem oft elbischen„Schul- palast" hat. Für Kinder der minderbemittelten Bevölkerung war's, so sagte sich die Schulverwaltung, immer noch gut genug. Wir vermuten, daß jetzt das beschämend dürftige Bauwerk endlich niedergerissen werden soll, Die Wartezimmer der Aerztc sind leider nicht immer so, daß man sie als einwandfrei bezeichnen könnte. Geklagt wird, daß zu- weilen die Patienten in engen, unzulänglich belichteten, mangelhast durchlüfteten Räumen warten müssen. Auch das wird als un- gehörig empfunden, daß oft die vorhandene Sitzgelegenheit nicht ausreicht, daß mitunter sogar die Sauberkeit zu wünschen übrig läßt, und so weiter. Im„Vorwärts" sind einzelne dieser Bemängelungen gelegentlich wiedergegeben worden. Der sonderbarste Warteraum, den wir je kennen gelernt haben, wird beidem Augen- arzt Dr. Küthe im Hause K a r l st r. 18a von Patienten benutzt. Ein Arbeiter, der von einer Berufsgenossenschaft an Dr. Küthe gewiesen worden ist und ihn allsonntäglich be- suchen muß, hat uns auf den Zustand dieses Raumes auf- merksam gemacht. Wir haben dann selber an einein Sonntage uns diesen Warteraum angesehen und müssen gestehen, daß wir das, was sich uns da bot. nicht für möglich gehalten hätten. Ueber einen Treppenflur, der vom Tageslicht kaum erreicht wurde und von einer neben der Flurtür hängenden Petroleumlampe nur dürftig er« hellt war, gelangten wir durch die offenstehende Tür in einen kleinen, fensterlosen� Korridor, den gleichfalls eine Lampe mit ihrem dämmerigen Schein unzulänglich beleuchtete. Eine verbrauchte Luft empfing uns. als wir eintraten. Der enge Raum war angefüllt von� einem Dutzend Personen, die an einander ge- drängt saßen oder standen. Sitzgelegenheit war nur für vier oder höchstens fünf Personen vorhanden; wer keine mehr fand, mußte stehend warten. Einzelne Patienten standen auf Schwelle und Flur, weil es drinnen bereits an Platz für sie fehlte. Wir wagen nicht anzunehmen, daß Herr Dr. Küthe keinen anderen Wartsraum habe. In der Tat wird uns gesagt, es sei bei ihm noch ein Wartezimmer vorhanden, das werde aber nur von Privatpatienten benutzt. Sind die Arbeiter, die Herrn Dr. Küthe für seine Sonntagssprechstunde auf den Hals geschickt werden, nur zu schüchtern, sein Wartezimmer zu betreten? Da sollte er selber es ihnen öffnen und sie belehren, daß ein Arzt keinen Unterschied zwischen arm und reich zu machen wünscht. Berliner ertrunken. An der Südspitze der Helgoländcr Düne kenterte bei starkem Seegang ein Segelboot, in dem sich zwei Kurgäste und zwei Schiffer befanden. Dr. Locwenthal aus Berlin und der Schiffer Franz sind bereits als Leichen geborgen, die Leiche des anderen Kurgastes, dem Vernehmen nach Verlags- buchhändler Taendler aus Berlin, ist bisher nicht gefunden worden. Der Schiffer Breders wurde gerettet. Singegangene DmcKscKrifteii. Der Agramer Hochverratsprozest und die Annexion von Bosnien und Herzegowina. Von Pros Dr. Th. G. Masarhk. 128 S. — Kroatien und dessen Beziehungen zu Bosnien. Von einem kroati« fchcn Abgeordneten. 136 S.— Europäische Stcnerwchen. Problemschrist von Dr. G. Kolnlg. 80 S. C. Konegen, Wien, Opernring 3. Tätigkeitsbericht des sozialdemokratischen Vereins Halle a. S. vom 1. Juli 1908 bis 30. Juni 1909. Selbstverlag. Uebiuig in der Betrachtung von Kunstwerken. Bon S. Lichtlvark. B. Cafiircr, Berlin W. 35. Beiträge zur Strafprozeßreform von F. Boden. 50 Pf. R. Schön- Herr, Halbcrstadt. Ein Verrückter, Kamps und Ende eines Lehrers. Von I. Ruederer. 253 S.„Süddeutsche Monatsheste», München. Bericht der k. k. Gewerbeinspektoren Oesterreichs über ihre Amts- tätigkeit tm Jahre 1903. K. k. Hos- und Staatsdruckerei, Wien. Aus Sturm und Stille. Gedichte von E. Apitz. 2 M. Schulze u. Co., Leipzig. Krankheiten und Ehe. Liefer. 7 und 8. Herausgegeben von Geh. Meb.-Nat Pros. Dr. H. Senator und Dr. S. Kaminer. Vollständig in 25 Liescrungen a 50 Pf. S. Schottlacnder, Berlin IV. 35. Protokoll der 18. Generalversammlung des Verbandes der Berg- arbciter Deutschlands. 272 S.— SO. Internationaler Bergarbeiter- Kongrefz, Berlin. 86 S. Verlag: H. Hansmann u. Co., Bochum i. Wests Große Vorteile bieten Kennion- Zigaretten Zu haben in allen Zigarren-Spezial-Qeschäften. IMk .»«jMtap Herren-Oarderoben 1 Wus Jabian, �rr Kr. frankfurter Str. 37 Anfertigung Konfirmanden- n-ck Maß. Anzüge; narciVaB! i J}� Eingang Strans- berger Platz. II. desehäft; 18 nur f. Etage, kein Laden. Th. 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Im Casö Noblesse. Metronol. Geschlossen. Jolies Caprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8'/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. Frau Ellams Friseur. Meine- Deine Tochter. Gastspiel. Ungerade Tage. Der Deserteur. Der keusche Toiuette. Cousin Pampoulctte. Palast. Großstadtzauber. Spezlall- täten. Noacks Theater. Unser Leopold. Paiiage. Spezialitäten. Bolksgnrtcn. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Reichsballen. Stcttincr Sänger. Karl Haverland- Theater. Epe- zialitäten. Casino. Onkel Cohn. Prater. Der Verschwender. Urania. Tandeultraste 48/49. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Jnvalldenstr. 67/62. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Das Drill Des farile. Morgen und folgende Tage: vus Urbild des Tartiiffe. Sclilller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abends SUHr: Die Ehre. Schauspiel in 4 Allen von Hermann Suderuran». Donnerstag, abendS8Uhr: Mlneheth. Freitag, abends SUHr: Dresters Millionen. Tlieater. Schiller-Thealer Charloltenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die von Hoctasattcl. Lustspiel in 3 Ausz. von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. Donnerstag. abendSLUhr: Die Ehre. Freitag, abends 8 Uhr: Doktor Klans. Tbeater des Westens. Allabcndl. 8 Uhr: Der fidelc Bauer. Sonntag nachm. 3'/, Uhr, halbe Preise: Die lustige Witwe. Pienes Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr. Die DoIlurprlnKCSsln. Operette in 3 Alten von Leo Fall. Lustspielhaus. ABenbä 8 Uhr: Im Klubsessel. frislisieh'MglmiatMgs Schauspielhaus. Mittwoch, 15. September, 8 Uhr: Manöverregen. Schwank In 3 Akten v. G. Schätzler- Perasint und Keßler. D onners t.: Der W! d ersp enst. Zähmung. Trkmon-Theater. AbendS 8 Uhr: Pariser Witwen. '«-Vi Mittwoch, 8 Uhr: Zwischenspiel. Donnerst., 8 Uhr: Die Gefährtin. Hieraus: Hanneles Himmelfahrt. Freitag, 8 Uhr: Der König. E3er!mer Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere I-ent'. M argen: Einer von unsere Leut'. MMNSksM ®r. Franlsurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende n. 10 Uhr. Im Läse Nohiasse. Spitzbubenkomöd. i. 3 Akt. v. C. Schüler. Aus der Gartenbühne, Ans. 4'/, Uhr: Theatervorstellung, Spezialitäten. Radwettrennen.— Damenringkämpfe. HEß Berliner II Ik-Trlo, Ui Felix Scheuer V# Stralsunderstr.! Urania. WiBBenschaftliehes Theater. Taubenstraße 48/19. Abends 8 Uhr: Beter ilen Bremier naeb Teaeft. gr k Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Gintritt 1 ffl., j von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unt. 10 Jahr, die Hälfte. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: Groteske in 3 Akten von Davi» und Liplchlltz. Morgen und folgende Tage: _ Dteielbe Vorstellung. Volks-Oper. SW, Belle-Alliance-Straße Rr. 7/8. Ansang 8 Uhr. Oer Troubadour. Donnerstag, Ansang 8 Uhr: Zar üiib Zimmermann. MigwtwM nma w.(law.'.-fSTnagfrWO»)� Premiere: Der Mann mit der eisernen Maske. Schauspiel in S Abteilungen. Ansang 8 Uhr. Donnerstag: Gesallene Engel. Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 67/68. Täglich abend» 8-/, Uhr: Ungerade Tage. Der Deserteur. Die benscbe Tolnette. Consta Pamponlette. W.Koacks Theater Snmnenftt. te, am Rosenthaler Tor. Zum letzten Male: ',,»uhr Mathilde«/.»uhr oder: Ein deutsches Frauenherz. Donnerstag: Unser Leopold, Posse. Freitag z. letzt. M.: Die Venetianerin. Sonnabend: Ein Sohn des Volke». Nene Welt. Hasenheide. Mittwoch, den lö. September ISO»: Naser ftohtot. VolkSstück mit Gesang in vier Men von Treptow. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Kerliner Krater- Theater Kastanienallee 7— S. Täglich: ver Vorsolttvenaor. j z LperlslltSten ersten Rangs». Konzert and BalL (j Ansang 41/, Uhr. Palast-Theater. Direktion: Robert Dill A Karl Pirnau. Vurgstraße 24, am Bahnhos Börse. Nur wenige Tage: Gastspiel der besten Farterre- Akrotoaten-Trnppe The Noslilas. Röhr- Castelli: Ein Stlvestertraum. Großffadtzaubcr mit Direktor Robert Dill in der Hauptrolle. VorzugSkarten in alle» Barbier« und Zigarrengeschästen. Zirkus Busch. Mittwoch, 15. Sept., abds. T'/.U. ©r.©ala-Vorstellnng I Vorführung der altbistorischen isländ. Sportspiele und Künste der Selbstverteidigung(Ollma). 1. Vorführung und Kampf. 2. Glima gegen Ringer. 3. Glima gegen Faustkampf. 4. Glima geg. Angriff m.d. Messer. 5. Glima geg. Ueberf.v. 3 Männern. Ferner Hr. Georg Burckhardt- Foottit, Schulreiter, auf dem neu- dress. irländisch. Wallach„Boy". 4 Gebr.Karolis, ung.lteitkanstl. Signor Alfonse. Die Osnatos und das große Gala- Programm. 8 Uhr: Die vollständig neuen Epezialitäten. »Uhr IS:£täVSI*ln in Conscience, STÄ Wurde 600 mal in Paris, 2 Jahre lang in Amerika, Monate hindurch in Wien usw. mit beispiellosem Ersolg ausgesührt. Sonnabend, d. 18. September Zum erstenmal: Hallohü Die große Revue!! Humorist.-satyr. Jahresrevuo in 10 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Kioh. Schultz. Tänze von Willy Bishop. Wge Lessing. Fritzi Hassary. Jos. Gianipiei.ro. Guitlo Thielscter. K. Plann. R. Kettner. Ida Perry. W. Bishop usw. � Beginn präzise%% Uhr, Sümtliehe Plätze sind vergriilen Belleclaire Bros moderne Gladiatoren. = Henry Bender= Ballett-Divertissement, sowie die sensationellen Attraktionen des EriHTnungs-Programms. Stadt-Theater Moabit. Alt-IIoablt 47/48. Donnerstag, den 16. September: Des Meeres und der Liebe Wellen. Schauspiel w SAusz. v.Fr. Grillparzer. Ansang der Vorstellung 8 Uhr, Konzert 7'/, Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Vorverkauf täglich von HO— 1 Uhr Im Theater-biestaurant. kolies Caprice. Mobilisierung. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11—2. Anfang 81/, Uhr. r Stadtbahnstation I Frankfurter Allee. Inh.; Gebr. Ärnhoid. Heute Mittwoch: Frankfarter Chaussee 5 (früher 120). Fernsprecher FriedrichsbergNoS 1 SröffllllagsvarsttRrmg der Fidele« Spatzen. Vornehmste licrrengcsellschakt Berlins(9 Herren). � Lustiger Abend, Nach der Vorstellung: Familien-Kränzchen. Brauerei Friedrichshain. Am Eönigator. :: Heute Mittwoch und morgen Donnerstag:: fallen die Festveranstaltungen von Schorsch Ehrengruber ans; Fortsetzung Freitag, den 17. September 1000 ununterbrochen bis zum 3. Oktober 1909. Wissen Sie, wie Sie zu biiligein Kaffee kommen? Sehr einfach!— Sie nehmen halb guten Bohnenkaffee und halb Kathreiners Malzkaffee und kochen ihn nach folgender Vorschrift: 1 Lot Kathreiners Malzkaffee mit 1 Liter kaltem Wasser ansetzen, einige Minuten kochen lassen und dann mit dem kochenden Malz- Kaffee langsam 1 Lot gemahlenen Bohnenkaffee überbrühen. So erhalten Sie ein vorzüglich schmeckendes, billiges und— bekömmliches Getränk. 101,10 | Passage-Theater. Das führende Varidtd-Programm Berlins! Ciaire Waldoff. Sibirische Sträflinge, Lieder in Ketten,\ und 12 erstklassige> I Tartet6- Attraktionen!!! g Passage-Panoptikum. Täglich zu sehen; Die Traum-Malerin Wllhelmine Assmann Bilder uns d. Jenseits I OMalsitzungeß im Trance finden tägl. v. tl— 1 U. u. von 3—'/, 8 U. statt. Zutritt jederzeit. Ohne Extra-Entree. Eintr. 60 Pf. Kind., Soldaten 25 Pf. Brunnen-Tiieatar Badstratze 58. Direktion: Willi Voigt Das Dild der Mutter VolkSstlick m. Ges. in 8 Litten v. Seelen. Kasseneröffnung 2 Uhr. Ans. 4 Uhr. Zitimgstadt-Iiasino. Holzmarktltr.72(EckeAIexanderstr.) Wiederaustreten von Franz Sobanski. Gänzlich neues Programm. Dorn Lund, Roth Roffy, Erwin Emmerich, Renne u. Clown Dolly. Nach der Vorstellung Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tnnx. Casino-Theater Lothringer Strabe 37. Täglich 8 Uhr: ntel �vwahn nkel UH.oh» wfcl ��ob« nkel jz�ohn nkel MH.olin nkel ��oh» Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkert. O! Oi VoiifLgsriell-sbeslei' Badstr. 8, Gesundbr., Bellermannstr. Heute Mittwoch, den 16. September: S graste EntscheidungSkämpfe: Madreiii gegen Schwarz. Weher gegen Dlehalloir. Auberdem ringen: Schlbllski gegen Legomac. Petersen gegen Appollon le Cellosse. Letzter Tag! 8 EntscheldnngskUmpfe! Sieger gegen Sieger! 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Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch und Vcrtrauensmänuerkarte legitimiert. Die Vertrauensmännerkarten müssen in dieser Versammlung zwecks Kontrolle abgegeben werden. 8g/iz_ Ple Ortsverwaltnng. Deutscher Buchbinder-Verband. Karton-Branche. Freitag, den 17. September, abends 8V2 Nhr: öeffentUehe Versammlung Meter, Zuschneider u. Arbeiterinnen der �ostUarfonbranche in den„Fortnna-Siilen", Arauslmger Str. 3. Tages-Ordnung: I. Bericht über den Stand der Tarifverhandlnngen mit den Prinzipalen. 2. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen! Die überaus wichtige Versammlung erfordert dringend das Erscheinen aller. Darum fehle niemand. 24/9" Die Ortsverwaltung. Die Branchenlcitung. H»-»»IM DöllteLMälKlS.(Zahlstelle Berlin.) SezirUsversammlungen: Daiiwis I Am Donnerstag, den 16. September, beim Kollegen tjQZllK. I. Schwartz, Tegeler Str. 55/56. ? Am Freitag. den 17. September, beim Kollegen » Wolsfgramm, Ackerstr. 6/7. 3 Am Freitag, den 17. September, beim Kollegen Wolf, » Kolonie Wilhelmshöhe. 4 Am Freitag, den 17. September, beim Kollegen Böhm. « Naunynstr. 6. 5 Am Donnerstag, den 16. September, beim Kollegen • Schmidt, Lindenstr. 3. 6 Am Freitag, den 17. September, beim Kollegen » Weil, Kaiserstr. 42. IMF* Sämtlich um 5 Uhr.-Mg 75/5_ Die Ortsverwaltnng. »» « Achtung, Kleber! Donnerstag, den 16. September, abends 8 Uhr, bei Jul. Meyer, Oranienstr. 103: OeffentUchv Dersammlung. TageS-Ordnung: „Die Zustände in unserem Beruf und ihre Ursachen«. Referent: Max Strasser. Pflicht eines jeden Klebers ist es, zu erscheinen. Die Bau- arbeiter werden ersucht, jeden Kleber ans diese Versammlung auf- mcrksam zu machen. De»- Blndex-nfel-. 177)9* Max Brunow, Stolpische Str. 11. ordentlichen Generalversammlung am Donnerstag, den 23. September 1909, abends 8ll2 Nhr, im kleinen Saale des Volkshauses, Rosinenstr. 3. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und des Aussichtsrates über daS verflossene Geschäftsjahr. 2. Genehmigung des Rechnungsabschlusses. 3. Beschlusi. fassung über die Verteilung des Ueberschusses und Entlastung des Vor standes. 4. Bericht über die stattgefundene Revision. 5. Ersatzwahl des Vorstandes und des Ausfichtsrates. 6. Antrag der Verwaltung: regelung des GeschästSsührers. 7. Anträge der Mitglieder. Anträge der Mitglieder müssen laut§ 29 deS Statuts fünf Tage vor der Versammlung in Händen der Verwaltung sein. Die Abstimmung erfolgt nur durch Legitimationskarte. Zahlreicher Beteiligung der Mitglieder sieht entgegen Der Aufsichtsrat: Otto Storch. Otto Flemming. Zutritt haben nur Mitglieder.-= 107/16 r Möbel- u. Poisterwaren A eigener Fabrik Qericbtstr. 10 <8 daher billigste Preise& II* IVllUl II9 am Hochplatz. Ir.p in gediegener Ausführung zu billigsten Kassapreisen. Sicheren Leuten gewähre auch Teilzahl, bei niedrigster Zinsberechnung. Besichtlenne meiner Terkanfsrünme 2I42L* aneh ohne Kanfzwane bereltwllliest erstattet. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Charit6stra6e 3. Hos HI. Amt 3, 1978. Heute Mittwoch, den 13. September: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: . Hnn'lan*(Wedding, Gesundbrunnen, Rosenthaler Vorstadt u. Tegel) ■t. Ullrucll. tSermania-Festsäle, Chmisseestr. 110, abends 8'/, Uhr. Vortrag über:„Der Streik in Schweden". Res.: Ein Genosse aus Schweden. o llnrriaii»(Schönhauser Vorstadt) Obiglos Fcstsüle. Schwedter- 11 Ul Hell. strafte 23, abends 8'/, Uhr. Vortrag des Kollegen Adolf Wuschick über:„Der Streik in Schweden". o Unniiif- Kronenbraucrci, Alt-Moabit 46/47, abends ■J- murtüll. g'/s Uhr. Vortrag des Schriftstellers E. W. Trojan über: .„Die Klöster des Mittelalters*. Sittengeschichtlicher Vortrag über Kirchen-, Mönchs-, Nonneiiwefcn und Unwesen. A Ciidon* Ce werkschaftshans, Engelufer 15, Saal 4 4. OUUCU. abends 8l/j Uhr. Vortrag des Ingenieurs R. Woldt über: „Amerikanische Einrichtungen in deutschen Fabrikbettieben*. Diskussion. klvkon* l<1thns Festsßle, Memctcr Str. 67, abends S'/j Uhr. UilCIl. Vorttag des Kollegen R. Wissel über:„Jugendorganisation*. e. Stralau und Rummelsburg: Vornag über:„Die Arbeitslosenversicherung und die Ausgaben für Staat und Gemeinde*. Rcserent: Genosse Hermann Grünzcl. <7 I iisklonhomt• Pickenhaeen, Scharnweberstr. 16, abends '• LltllSvIlUcI y. ß'/j Uhr. Vorttag des Kollegen Bahn. 8 k'liai'lnfivnllllk'kl* Volkshans, Rostnenstr. 3, abds. 8'/, Uhr. vuol lUUcliUUi y. Vortrag des Genossen Kotzke über:„Der Generalstteil m Schweden". s.Vesleu und Sedöneberg: Vorttag des Genossen Küter über:„Die Lehren des lchwedilchen GcneralstreilS*. in Divrtnrf* Hoppes Festshlc," Hermannstr. 49, abends 117. niAUUl 1. Ssta Uhr. Vorttag des Kollegen Hartmann. ii. Welßensee: RoBkoPt' tt6eni3 81,1 U5r- io CfonlifT* Warendort, Groft-Lichterfelde, Bäkestr. 32, l�dlcyHlk. abends 8'/, Uhr. is �nsnitan* Hottsvald, Restaurant Vorwärts, Schönwalder 1". üptiilUnU, Strafte 80, abends 8'/, Uhr. Vortrag des Kollegen Hilpert. 11 RÖ�eUiek' IieIl!nanllSi p««tssie, Bahnhofstr. 34, abends i5. Obersehöneweide: 1Lobal Ha85®Iu®r mii 139/7 Hill r «SSZIIDKA Zum heutigen Geburtstage unseres Geineindcvertreters und Gastwirts Bmst Gründer Hoppesir. 24, Rcinickendors, bringen die Vereinsmitglieder und seine Stammgäste dem 62jährigen ein dreifaches Hoch und„Gut Glückt* L. V. R. 1905 am 15. Sept. 09. Ob hei sik wol wat maken lät? m Lv © V W «i © « VI V G NSSÄssEGEO cken tat« m :€€6S� Zillen Freunden nnd Bekmmtcn zur. Nachricht, daß wem lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Zigarrcusabrikant Franz Frank am 13. September nach schwerem Leiden verstorben ist. Dies zeigen ttesbettübt an 24512 Dorothea Frank geb. Sempert sowie die trauernden Kinder. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. September, nachmittags 3 Uhr, vom Trauer- hause Kösliner Str. 5 aus, nach dem Begräbnisplatz der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel- ja Allee 15, statt. H Sozialdemokratischer WahlYEreiii des 6. Herl. Reichstags-Wahlkreises. Todes-Anzeige. Am 13. September verstarb unser Mitglied, der Zigarren- sabrilant Franz Frank Kösliner Str. 5. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. September, nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Begräbnisplatzc der Freireligiösen Gemeinde in der Pappelallee statt. Um rege BcteUigung ersucht 230/17 Der Vorstand. 0eul8eber Holzarbeiter-Yerband Dm Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbel- Polierer Lriek Honeck am 11. September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. September, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Thomas- Kirchhofes in Rixdors, Hermannsttatze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltnng. Deutseher TFansportarheiter-feFhaiid. Ortsvcrwalttmg Berlin 2. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Arbeiter Panl Flaek am Sonntag, den 12. d. M. im Alter von 32 Jahren an Starr- kramps gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. d. Mts., nach- mittags 4>/z Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Skt. Pauls- Kirchhofes, Secstrage, aus statt. Rege Bctcitigung erwartet 69/19 Bis Verwaltung 2. Mal-wlWd der Maurer Deotsclilaiiiis. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. (Bezirk Schönhauser Vorstadt.)/ Unseren sowie den Mitgliedern I deS Gesangvereins zur Nachricht,| daß unser Mitglied Wiltielm Bellin im Alter von 68 Jahren am I 11. September verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am! Donnerstag, den 16. September, I nachm. 5 Uhr, von der Leichen-! Halle des Gethsemane-Kirchhoses\ Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 134/19 Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden I Bekannten zur Nachricht, dag mein| lieber Mann und Vater psu! ttübscker am Montag früh 8 Uhr nach! langen und schweren Leiden saust s entschlasen ist. 1442b[ Die Beerdigung findet Donners- tag nachmittags 4 Uhr vom I Trauerhause, Soldinerstrage 37,> auS statt. Um stilles Belleid bitten Die trauernde Witwe t Klara Hübscher«. Sohn. I Nergntwortlicher Redakteur� Emil Uns er, Berlm, Für dengnstrotenteik vercmtw,: Th. Glocke, Berlin. Druckst, Verlag tVorwSrtßivuHdrnckerej st, Verlagsanstaltz Paul Singer Li Co» Berlin SW,- Nr. 215. 26. Jahrgang. ä. Sdlnjt i>rs Jttniärts" Knlim WIKsM Mittwoch. 15. September 1969. für«len ichu?eüischea Lenerslltreik. Bei der Berliner Gewerkschaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: Tischlerei Hornig u. Co, 3. Rate 9,60. Leutnant Schmidt 50,—. Baßkarl 3,—. Männerchor der Berliner Handels« und Transportarbeiter 20,—. Cb. 490 6,—. Tellersammlung Vers. d. Bierabnehmer„Leilum" 10,15 ©paxiDtiein»Falscher Fünfziger" 6,—. Gesammelt beim Gastwirt Daberkow 5,25. 8166 Lederarbeiter bei Bunke 13,90. 3t. AbteUuna des 4. Wahlkreises 13,—. 214. Bezirk II. Teil 4. Kreis 5,—. 5 Klempner bei Schnell, Holsteiner User 5,—, Kammacher 10,—. Verband der Bäcker und Konditoren, Berlin, aus solgende Listen: 1071 5,90. 1075 1,20. 1082 5,50. 1085 23,75. 6959 19,75. 9048 17,—. 7262 Von den Arbeitern der Neuen Berliner Genossen schastsbäckerei und von einigen Mitgliedern des Bäcker-GcsangSbundes „Morgengrauen" 22,10. Von den Arbeitern der Bäckerei Taupel, Köper- nikusstr. 3 4,50. In Summa 99,70.— Putzerkol. Buck Bau Lützowplatz 5,—. 6503 Verband der Bauarbeiter 7,60. 10662 Tischlerei Prechtel 21,25. Bau- tischleret Schulz, 2. Rate 10,—. Von den Böttchern der Schultheiß-Brauerei 9.25. Verband der Böttcher, Weinküser u. HiljSarbeiter, Verwaltung Berlin 500,—. Unterstützungskasse der Revierinspektiouen: Arbeiter der städtischen Gaswerke 500,—. Mobelpouerer bei Klug 3,15. GcburtstagSseier bei Neu- gebauer 2,50. Personal bei M. Hahn, 2. Rate 5,—. Betriebsversammlung der elektrischen Zentralstation bei Ullstein 6,50. Sparverein„Ameise", Georgenkirchstraße 15,—. Garage Röhn 8,—. 9459 Kollegen bei W. Otte 3,75. Freie Jugendorganisation, Abteilung Lichlenberg-Friedrichsfclde 3,—. Lotterieocrein Hoffnung 1904, 2. Rate 5,—. Marmorarbeiter bei Wöhlich, Wedding 9,—. 8949 Kollegen bei Handel, Gravieranstalt 12,—. 10644 Kollegen u. Kolleginnen bei Weinert, 3s Rate 13,40. Kollegen u. Kolleginnen beiJ. M. Schultze 20,50. Kolonie z. frohen Stunde 3,05. 9752, 9753, 9754 Kollea. bei Gebr. Israel, 3. Rate 55,75. 9383 Kolleg, bei Rudols 5t rüg er, 2. Rate 16,70. 5043 Kollegen bei Dünhölter u. Schölzcl, 2. Rate 4,40. Kollegen bei Lawerenz u. Co. 7,70. 93. Bezirk, 4. Wahlverein, Sechserkasse 10,—. P. G. 2,50. Korbmacher bei Hcinemann, 4. Rate 7,75. 9427 Tischler bei Kukelenz 8,05. 9382 Kollegin bei E. Pinkuff 14,20. Bezirk 206 I, 4. 5kieis 10.—. Kollegen bei Rohrbacher u. Sprengel 6,35. Hilfsarbeiter b.»Verl. Lokal- anzeiger", Abt. Druckerei Woche, 3. Rate 15,—. Lotterieverein Pechvogel 5,—. Druckerei Maurer u. Dimmick 6,60. 10033 5klaviaturfabrik Union 7,50. 7581 Kollegen bei Pinkntz, Gießerei 11,10. Jule, Ritterstr. 85 6,50. 8849 Buchdruckerei Nagel 8,40. Tischlerei Wähler u. Schwab 8,—. Buchdrucker« Müller u. Schwab 2,65. Kollegen bei F. A. Fröhlich 5,25. Tischlerei Wuster- barlb u. Sohn, 3. Rate 15,—. 8889, 8890, 8891, 8892 u. 8893 Buchdruckerei Hempcl u. Co., 3. Rate 75,40. Wittke 3,—. 9999 Montiersaal Lindström, 4. Rate 53,90. Metallarbeiter der Vulkanwcrke 19,25. 9446, 9447 u. 9448 Buchbinder Asbelm, 5. Rate 47,55. Koll. b. Schiegnitz, 4. Rate 19,75. 9044 Möbcljadrik Heinz, Lauter u. Co., 4. Rate 30,30. 10651 Kollegen bei Boas. 4. Rate 25,80. 10673 Tischlerei Gädle u. Co., 2. Rate 13,35. Lackierer, Stellmacher, Schmiede und Schlosser von Kliemt 18,40. 10023 Kollegen bei Konrad u. Erübler 7,95. 9375 Tischlerei Walter Hyan 11,05. 9439 Kollegen b. Kann u. b. Bliesener, 5. Rate 20,95. Arbeiter o. Autogen- Iverke 12.—. 8622 Kollegen b. Gundelach. 5. Rate 18,20. 9994 Lustschiffer Schleftschestraße, 3. Rate 35,05. Möbeltischlerei Siebcnhaar 10,30. 9401 Tischlerei Blankenburg u. Schnabel, 5. Rate 12,55. Sechserkasse d. 311. Be- zirks, 4. Kreis 15,—. 8184 Buchbinder b. Liebheit u. Thießen 5,30. 9391, 9392, 9393 und 9394 Kollegen bei Dewitt u. Herz, 5. Rate 60,20. Kollegen bei C. Otto Nachj.,>3. Rate 22.—. 8928 Bautischlerei Gast u. Bruck, 2. Rate 12,—. Herdsnbrik Baum, 2. Rate 10,50. Sechserkasse d. III. Bez., 2. Kreis 5,—. 9428 Tischleret JkeS u. Co., 5. Rate 16,65. Tischlerei Felzer u. Kosser, 5. Rate 10,35. Bredow 3,50. 8845 Buchdrucker« Wilh. Greve, 4. Rate 12.—. „Vereinigte Sangesbrüder", M. d. A.-S-B., Moabit 10,—. Ringsportverein ,�dand in Hand" 2,40. 10047 Tischlerei Schön, 2. Rate 9,10. Kollegen bei Grützke, Gutfchc u. Co. 7,60. 8768 10,70. 9112 Tischlerei G. Tasche, 8. Rate 11,—. Schlosserei Liskow 5,50. 9386 Tischlerei Orthmann 5,75. Tischlerei Schulz u. Hinsche, 3. Rate 21,65. Personal bei B. Broß 12,30. Kollegen b« F. König 11,50, 9843 Kollegen bei Ibach, 2. Rate 15,15. Angestellte bei Tletz, Leipziger Straße 7,75. 8186 Buchbinderei Ullstein, 4. Rate 10,75. 7837 Transportarbeiter bei Pintsch, 4. Rate 9,30. Kollegen bei Wäscher u. Ehricke 9,20. 10042 Kollegen und Kolleginnen bei L. Stern, 2. Raie 11,20. 6824 A. E. G. Druckerei, 2. Rate 5,—. D. U. 3,45. 9977 Tischlnrei Haserlorn u. Co. 6,—. Maschinisten und Heizer,„Lokal-Anzeiger", 3. Rate 7,—. Buchdruckerei Jakobi u Co. 11,76. G. N. 4,—. 9575 Pianosabrtk I. Pfaffe, 3. Rate 6,45. Schraubendreher bei Angermann u. Schulz 5,80. 10041 Kollegen bei Bell u. Co. 27,60. Droschken- und Autosuhrer bei Sagert, 2. Rate 12,—. Möbelfabrik H. Ludke- Pankow 24,65. 9364 Berliner Druckerei, 5. Rate 6,30. Möbelfabrik Hilsenbeck, Roll u. Co., 3. Rate 21,10. 10688 Tischlerei G. Kuhnert 3. Rate 29,30. 7732 Schneider bei Arnold Müller, 2. Rate 12,95. Tischlerei Heinzel 2,50. Stammtisch der Reisenden 1,—. Handtuchsahrer von Rosenthal. 2. Rate 5.—. 9825-9838 Arbeiter bei C. Bechstein, Grünauer Straße 165,75. 9839 Bauhandwerker bei C. Bechstein, Grünauer Straße 5,—. 4419, 4420 und 4421 Arbeiter bei Dr. Ä. Levb, 2. Rate 36,80. 4411 4,—. Tischler bei C. Müller, Blücherstraße, 2. Rate 13,30. Darmarbeiter F. u. L., 4. Rate 2,50.— Zenwalvcrband aller in der Hut- und Filzwarenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, OctS- Verwaltung Berlin, 5. Rate aus solgende Listen: 9194 und 9195 Silber u. Brandt 21,45. 9196 und 9197 H. Bock 13,30. 9201 Silbermann u. Co. 12,20. 9203 Geißler 6,50. 9205 S. Bock 13.45. 9206 Brühlich 1,70. 9213 Habig 2,50. 9219 Lewy u. Tauber 4,35. 9226 Bluth 3,—. 9235 Pappen- heim 5,—. 9237 Schmidtke 5,—. 9239 Kersten 3,50. 9240 Reiser 2,50. 9246 Lichtenstein 7.—. 9243 Engel u. Co. 6,55. 9249 Pniower 5,—(in kleines feuilleton. Der„Elektrophon" als Reporter. Aus London wird berichtet: Während Lord Noscbery in Glasgow seine Aufsehen erregende politische Rede hielt, saßen in London in einem Nedaktionszimmer ein Dutzend Männer um einen langen Tisch und nahmen seine Worte stenographisch auf l Dieses neueste Wunder der Technik hat zum erstenmal die Zeitung„Evemng News" erprobt. Der„Elektro- phon", wie die Erfindung genannt wird, ist neuerdings durch die Einführung eines neuen Uebertragungsapparates vervollkommnet worden, der die Stimme des entfernten Redners laut tonend, mit klarer Wiedergabe aller Modulationen wiedergibt. Die Erfindung ist bereits aus Entfernungen von 8500 englischen Meilen Draht- leiinng erprobt worden und eröffnet die Aussicht auf ganz neue Möglichkeiten in der Berichterstattung. Nahm man einen der Hörer in dem Londoner Redaktionszimmer an das Ohr, so glaubte man sich mit einem Schlage in die große Halle von Glasgow versetzt. man hörte Lord Rosebery seine Anklagen bald ernst, bald in iro- nischem Tone, bald mit bitterem Sarkasmns in die Versammlung schlendern, deren Beifall, deren„Hörtl hörtl" und deren be- gleitendes Gelächter gleichfalls mit übertragen wurde und das Bild der erregten Menge vor das innere Auge zauberte.... Die Auf- nnhmeapparate des„Elektrophon" waren an der Rednerbühne im Stadthause von Glasgow angebracht und im ganzen waren 2000 Meilen englische Drahtleitung zu der Verbindung mit London nötig. Zwölf Stenographen lösten nach je zwei Minuten einander ab. über- irugen die Rede, die sofort mit der Setzmaschine gesetzt wurde und die Rede lag in London, kurz nachdem sie in Glasgow beendet war, gedruckt vor. Der Nordpol im Spielzeug. Es gibt in Paris eine Vereinigung der„kleinen Erfinder", die alljährlich eine amüsante Ausstellung ver- anstaltet. Di- neuesten Formen des Spielzeugs erwecken in dem - lustigen Gewirr der sich im Tuileriengarten darbietenden Gegen- stände, wie aus Paris berichtet wird, die größte Aufmerksamkeit. Da die Spielzeugerfinder geschwind sind, so haben sie ihre Haupt- anregung aus der Entdeckung des Nordpols gezogen. Der Pol wird durch ein kleines Rohr dargestellt, zu dessen beiden Seiten zwei in Pelz gehüllte Figuren stehen. die amerikanische Flaggen halten. Auf der einen Figur steht „Cook", auf der anderen„Peary". und jeder von beiden versucht, die Fahnenstange in das Rohr zu stecken, wobei mit zwei kleinen Hebeln die Fahnen auf und ab bewegt werden, bis die eine Fahne in der Röhre festhaftet. Das Spiel heißt:„Die Entdeckung des Nord- pols." Bei einem anderen Spiel sind auf einem Globus zwei in weißes und schwarzes Bärenfell gekleidete Figuren angebracht, die die einzelnen Breitengrade bis zum Pol hinaufklettern. Da« Spiel wird mit Würfeln gespielt, wobei die Figuren so viele Grade auf- steigen, wie Augen geworfen werden, und der erste Erkletterer des Pols natürlich gewinnt. Sehr zahlreich sind auch die Flugmaschinenspielzeuge; f Summa 118,—).— 6165 Schulbau Wilmersdorf, Emser Str., 5. Rate 15,40. t Möbelfabrik Carmen 7,65. Bezirk 351b. 2. Teil 7,15. Möbelfabrik H. u. A. ' Schulz, 3. Rate 38,90. 8460 Kollegen bei Neumann und Nechlin 9,35. 9846 Kollegen bei üld. Lexolv 22,30. Arbeiter d. Großen Berliner Straßen- bahn, Hauptwerkstätte, Userstraße 54,80. Arbeiter der Edison Akkumulatoren Comp., 2. Rate 23,—. Maschinenpersonal Habels Brauerei 5,—. 939, 9156, 9157 Verband der Glaser, Verwaltung Berlin 12,05. 9154 Glasschleifer der Firma Mathes 6,—. Bezirkssührer der 7. Abt. v. 4. Wahlkreis 10,50. Buchbinderei Liehr 17,95. 9153 Tischlereien Hellmundt u. Weiß 11,60. 7113 Arbeiter von Kaisers Kaffeegeschäsl in Spandau 20,30. Buchdrucker« Stückrath u. Co., Spandau 6,—. Parkettleger bei Gebr. Vogel, 2. Rate 10,65. 8706 Deutscher Provinzverlag, 2. Rate 13,—. Stammgäste bei Jaksch 6,60. Verband der Sattler und Porteseuiller, Ortsverwaltung Berlin, 5. Rate aus Listen 225,10. Verband der Töpfer, Ortsverwaltung Berlin aus Listen 377.35. Kollegen bei Wöllmer, Messtngabt. und Buchdruckerei 7,50. 7635 und 7636 Buchdruckerei.Vossische Zeitung", 4. Rate 41.—. Buch- drucker des„Vorwärts", Zeitungsabteilung, 5. Rate 100,—. 10677 Tischlerei Abb u. Daum, 3. Rate 21,35. Verband der Textilarbeiter, Zahlstelle Berlin, aus solgende Listen: 7555 stickcrcioerband 12,55. 5390 Rosenkranz 4,20. Sticker 6798 2,10. 6791 14,25. 5386 Teppichsabrik Schwendy 14.85. 6790 gesammelt durch Martha Hoppe 15,—. Teppichsabrik Benjamin 7559 14,15. 7560 16,—. 7561 2,75. 6788 Kurbelsticker d. Nerz 10,50. Stickerei Lande 7549 11,50. 7550 4,45. 7552 4,—. 7554 3,70(in Summa 130,10). F abrikarbeiterverbaud Zahlstelle Schwedt a. O. 20,—. Wcikert 2,—. 10692 Tischlerei R. O. Dischleit 13,85. Stockarbeiter von H. Fischer, 2. Rate 4,—. 9378 Goldleistensabrik Adolf Werkmeister, 3. Rate 16.25. Krolls Buchdruckerei 6,25. 9437 Buchdrucker« Berg«. Schoch 7,—. 9257 Fichte Abt. 5 inklusive 13 M. Rekrutcnabschied 27,27. Buchbinder von O. Elsner, 5. Rate 16,55. Kronleuchterfabrik Rüster u. Gerlinger, 4. Rate 10,50. 9755 Maschinenfabrik G. Skrziwan 5,50. 9454 Kontobüchersabrik H. Schuckar, 3. Rate 29,60. 9352 Buchdruckerei W. Kohn, 4. Rate 8,—. 10648 Luxusmöbelsab. O. Loch» mann 5,50. Dachdecker von Belitz 10,50. 10647 Goldleistensab. Raabe 10.50. Tischlerei R. Keller 16,25. Tischlerei Siesert 9,05. 9040 Tischlerei Hanke u. Kaeber, 4. Rate 17,05. Möbelsabrik Mieles u. Neumann 27,05. 10663 Tisch- lerei A. Koch, 2. Rate 26,75. Tischleret Schmidt, Fruchtstraße 10,80. 9541 Kollegen und Kolleginnen von Äutzke 20,10 9540 Kollegen von Butzke 22,60. Möbelfabrik Berolina 8,—. Gießerei KlauS 4,70. 8838 Buchdruckerei Beyer u. Böhme 22,60. Bautischlerei G. Wegen er, 4. Rate 27,15. Bautischler« Joneleit, 2, Rate 8,80. Holzarbeiter von Wagner u. Dünne- beil 5,—. Bautischlerei Büttner 7,15. Zelluloidarbeiter von Quaas 4,—. 9011 Neue Vergascr-Gesellschast 15,75. Gebrüder Noll, Schraubensabrik, 5. Rate 19,—. Kollegen v. Wreschner 6,55. 9362 Bautischler Fliege u. Leh- mann, 3. Rate 28,50. 9022 Tischlerei v. Vellmar u. Hanke, 3. Rate 15,85. Buchdruckerei„National-Zeitung", 4. u. 5. Rate 122.—. 9763 Möbelsabrik Krause, Korilla u. Co., 2. Rate 24,75. 9424 I. L. Duysen 15.60. Bäckereiarbeiter von Goldacker, 5. Rate 27,40. 9005 Kronleuchtcrsabrik R. Schneider, 2. Rate 8,05. Bautischler Ad. Schulz 8,50. Einige Arbeiter Sticker« M. Grünwald 2,—. 8920 Bilchdrucker« G. Heinicke, 5. Rate 7,30. 7737 H. H. 8,—. Metallarbeiter O. Döring 15,50. 8931 Buchdruckerei Wolssohn 11,30. 10682 Korbmacher Jeziorski 4,35. 9023 Bau Herzog, Held u. Franke 5,40. Hilfspersonal Schalem 6,30. Schuhmacher v. F. Kalz 4,50. 938? Tischlerei Dittmar, 4. Rate 20,—. Tischlerei Richter u. Scherler 13,—. Bezirk 19 Lichtenberg 5,—. Bautischler« Gilowh U. Schulze 15,50. 10 664 Schneider v. Solms u. Husseld, 2. Rate 12,50. Tischlerei Friedrich, 3. Rate 15,—. Tischlerei Krauter 3,—. 10 676 Gießerei Gebr. Müller 6,20. Metallardeiter v. Pfennig- werth, 2. Rate 10,—. 6167 Bau Beuthstraß» 3, 3. Rate 17,—. 10 044 D. Aysche 15,45 9029 Bail Held u. Franke. Aldi echt- und Marien- straße Ecke 8,90. 4. Rate, Fassavenputzer vom Bau Resorm-Gymnasium Friedenau 7,50. Abrechnung der Fassadenputzer Bau Wilmersdorserstr. 142, Charlottenburg 4,—. 7903 Bau«lücherstr. 31. 4. Rate 3t.45. 9820 Tischlerei Liebnitz u. Reese, 5. Rate 18,55. 9361 Tischlerei Ostend 12,—. Bez.-Sitzung Einsetzer des Westens 9,05. 6159 Maurer Schulbau, Ostender Straße 9,05. 9404 Tischlerei Nöthling, 4. Rate 15,90. 8852 Verbands- Mitglieder und Hilfsarbeiter von Licbheit u. Thießen 7,60. 6184 und 6185 Neubau Ideal, Rixdors, 2. Rate 42,75. Kollegen von König u. Bauer, Rate 11,80. 9426 Verbandsmitglieder des.Reichsboten", 4. Rate 16,70. Polierer von Philbert 9,—. 9286 Kistenmacher von Retzlaff u. Makes 5,80. Bautischlerei v. Mayer, 2, Rate 13,—. 10652 Einsetzer Bez. Charlottenbg. 16,65. 9431 Klaviatursbr. v. Wernecke, 5. Rate 20,—. 9432 Koll. v. Gansercit u. Co. 8,50. 9443 Prägerci Bernhardt u Co. 8,75. 6177 Maurer, Neubau DtS- kontobank, Behrenstraße 16,90. Tischlerei Nickel, Kernccke u. Lehmann, 5. State 23,40. 9422 Bau Schöneberger Krankenhaus 4,75. 6125 Maurer Wcddiug, Zschoch 8.65. 6179 Maurer der tgl. Porzellanmanusaktur 6,40. 6181 Bau Landsberger Bahnhos 6,10. 6182 Maurer v. Bau Krankenhaus Friedrichshain 9,15. Bau Tietz, Frankfurter Allee 10,20. Arbeiter-Rad sahrerverein„Vorwärts", Köpenick 15,—. Motard Lichtsabrik 10,75. 7114 Arbeiter Spandau 10,45, 7115 durch Strucks 5,80. In Summa 5 504,67 M. Bisher sind eingeliefert 147 028,58 M.; dazu kommen 5504,67 M., Summa 152 533,25 M. Gelder, welche per Post eingeliefert werden, sind an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau. Engelnfer 15 I, Zimmer 23, vor- mittags zwischen 9— IL'/z Uhr und nachmittags zwischen 4— 7>/z Uhr abzuliefern. Die Listen 3395. 3687, 7248, 1830, 2614, 3542. 1402 und 7183 sind verloren gegangen und sind beim Borzeigen anzuhalten. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommisfio». Kartell Spandau: 7107 vom Bau Johanna-SIist Kollegen bei Matthaey 10,25. so ist der Flug Blöriots über den Kanal in einem Spiel dargestellt, doch eigentliche Neuheiten treten in diesem Genre nicht auf und die Nordpolspiele werden die Flugschiffspiele an diesem Weihnachtsfest schlagen. Unter den anderen Neuheiten fallen besonders originelle Hutnadeln auf, die nicht mehr durch Haare und Hut durchgesteckt werden und mit ihren Spitzen gefährlich sein können, sondern wie Haarnadeln in das Haar hineinzustecken sind. Diese neuen Hutnadel- formen sind sehr schön gearbeitet und scheinen auch praktisch zu sein. Der Erbauer des Great Eastern. Vor 50 Jahren, am 15. Sep- tember 1859. starb in Westminster einer der genialsten Ingenieure aller Zeiten, Jsambard Kingdom Vrunel. 1906 zu Portsmouth geboren und im College Henri IV. zu Caen erzogen, begann er seine Laufbahn als praktischer Ingenieur unter seinem Vater, der den Bau des Themsetunnels angeregt hatte und leitete. Mehr als einmal war er in Gefahr, durch das Eindringen des Wassers sein Leben zu verlieren und rettete sich durch Schwimmen, nidem er bis zuletzt auf seinem Posten ausharrte. Bei dem großen Durch- bruch von 1823, der ihn im Innern des Tunnels überraschte, ent- ging er nur wie durch ein Wunder dem Tode. Nach Bollendung des Tunnels widmete er sich dem Eisenbahn- und Dampfschiffbau. Die Great-Western-Bahn mit ihren Tunnels und Riesenbrücken ist sein Werk. Noch andere Brücken sind von ihm konstruiert und er hat auch die Docks von Cardiff und Sunderland gebaut. Bei der Errichtung des Kristallpalastes war er hervorragend tätig. Während des Krimkrieges erbaute er das Militärhospital zu Renkoi, für das er Aquädukte zur Versorgung mit frischem Wasser und eine Eisenbahn zum Transport der Verwundeten vom Landungs- platze anlegte. Brunei war es, der zuerst dem Bau eiserner Schiffe das Wort redete und die Einführung der Schraube in die britische Flotte empfahl. Sein letztes und berühmtestes Werk war das ge- wältige Dampfschiff, das ursprünglich„Leviathan" hieß, später aber als„Great Eastern" allgemein bekannt wurde und die Aera der Niesenschiffe eröffnete. Die mit der Beschaffung der hierzu erforderlichen Mittel und der technischen Vollendung verbundenen Aufregungen und Anstrengungen führten den Tod des ohnehin kränkelnden Mannes herbei. Kurz vor der Probefahrt traf ihn ein Schlaganfall, dem er erlag. Aus ägyptischen Vorlagebüchern. In die Papyrussammlung der Berliner Museen sind in den letzten Jahren einige Bruchstücke von Miniaturen auf Papyrus gelangt, die zu den wenigen er- haltenen Federzeichnungen und farbigen Bildern aus den ersten Jahrhunderten der byzantinischen Periode gehören und wegen ihrer Verwendung ein besonderes Interesse beanspruchen. Diese Papyrus- fetzen stammen, wie Schubart in den Amtlichen Berichten aus den königlichen Kunstsammlungen ausführt, aus Borlagebüchern für kop- tische Weber oder Wirker, aus dem Vergleich mit den Farben und Motiven der koptischen Web- und Wirkarbeiten ergibt sich dieser Zu- sammenhang ohne weiteres. Man erkennt ihn auch daran, daß auf vom Mertaleg. Seit Sonntag haben die Ringbrauereien die Erhöhung des Faßpreises durchgesetzt. Im allgemeinen werden, wie bereits mit- geteilt, 20 M. pro Hektoliter Lagerbier verlangt. Da vielfach der bisherige Preis unter 17,50 M.>var, so beträgt der Preisaufschlag über 2,50 M. Nicht bekannt ist bisher, ob von den Brauereien, die bei Gründung des neuen Syndikates außerhalb desselben blieben, alle beigetreten sind, oder ob es noch Außenseiter gibt.— Die Wirte scheinen zu einer einheitlichen Aktion sich nicht auf- raffen zu können. Viele von ihnen haben sich vor Sonntag einen größeren Vorrat zum alten Preise gesichert und verkaufen daher vorläufig zum alten Preise. Indessen kann lange die Sache nicht fortgehen. Ob die Wirte nun meinen, nach einigen Tagen würden die Arbeiter einfach in die Preissteigerung willigen? Das dürfte indessen doch wohl seine Schwierigkeiten haben. *«■ ♦ Den Bierboykott nach Solinger Muster beschloß am letzten Freitagabend eine von 500 Personen besuchte Volksversammlung in Velbert, in welcher Genosse S ch a a l- Solingen referierte. Die Versammlung stimmte geschlossen einer Resolutton zu, welche die Konsumenten verpflichtet, sich jeden BiergenusseS zu enthalten. »• • Im.Kaiserautomaten" in Remscheid tagte am Sonnabend letzter Woche eine kombinierte Sitzung der Partei- und Gewerk- schaftsfunktionäre, die sich mit der Bierpreiserhöhung be- schäftigte. Allgemein stellte man sich auf den Standpunkt, daß alles Bier zu erhöhten Preisen strikt zurückgewiesen werden müsse. Die anwesenden Ver- treter der Partei und Gewerkschaften erkannten an, daß der bereits eingesetzte stille Boykott eine über alles Erwarten gute Wirkung gezeitigt hat; sie empfahlen deshalb der Arbeiterschaft, nach wie vor diesen Kampf mit der größten Zähigkeit fortzusetzen. Ob die Brauereien und Wirte diesen Kampf lange aushalten werden, wird die Zeit lehren. Der offene Boykott und die Einleitung einer allgemeinen Agitation dafür soll in dem Moment erfolgen, wo die Brauereien dazu übergehen, die Brauereiarbeiterschast auszusperren. Dieser Boykott soll dann mit den schärfste» Mitteln durchgeführt werden. Eö wurde ein Ausschuß gewählt. An diesen Ausschuß sollen die Lokale und Flaschenbierhändler gemeldet werden, die kleinere Gefäße einführen oder das Bier zu erhöhten Preisen verkaufen. .' In Wermelskirchen(Kreis Remscheid) nahmen in einer gemeinschaftlichen Sitzung die Vorstände der Gewerkschaften und der Partei Stellung zur Erhöhung des Bierpreises, wie sie schon in ein- zelnen Lokalen durchgeführt ist und wahrscheinlich in den nächsten Tagen allgemein eingeführt wird. Da es sich um die Einführung des DreizwanzigstelglaseS handelt, war die Bersammlung der An- ficht, daß dem Publikum nicht zugemutet werden könne, allein die Biersteuer und noch einen erheblichen Betrag darüber hinaus zu tragen, und beschloß, über alle diejenigen Lokale den Bierboykott zu ver- hängen, die an Stelle der bisherigen Zweizehntelgläser die neuen Dreizwanzigstelgläser einführen würden. Partei- Ungelegenkeiten. Trebbin. Am Sonnabend, den 18. September, abends 8V2 Uhr, findet bei Wolf die Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Parteiangelegenheiten. 3. Bierfrage. 4. Verschiedenes. berliner j�ackrickten. Fliegende Menschen. Die moderne Volksschulbildung weiß nichts von der dem grauesten Altertum entstammenden Sage des mit Wachsflügeln gen Himmel fliegenden Dädalus und seines Sohnes Ikarus. Im Gefängnis hatte Dädalus die Federn der Vögel gesainmelt, aus ihnen in qualvoll langer Arbeit zwei Flügelpaare gefertigt. sie mit Wachs an die Schultern geklebt und den gefährlichen Flug übers Meer unternommen. Ikarus kam dem Tagesgestirn einer Zeichnung das Sauinornament nur an einer Ecke gezeichnet ist, was als Vorlage für den Weber genügte. Die eine der Zeichnungen diente wohl als Borlage für eine Decke oder einen Teppich. Der Grund ist leer gelassen, zeigt also die Papyrusfarbe, wie ja auch die gewebten oder gewirkten Ornamente auf der Naturfarbe der Leinwand stehen. Die Zeichnung ist schwarz mit aufgesetzten weißen Strichen. Dargestellt werden Wasserpflanzen, Wasservögel, Fische und See- pferdchen, und im inneren Kreise ein Triton und eine menschliche Figur. Auf einem anderen Stück stehen Blattornamente und Tiere in weiß auf violettem Grunde. Das zierlichste Stück zeigt zwei zusammenhängende, schwarzbegrenzte Streifen mit Darstellung von Wassertieren und Pflanzen, der obere eine im Wasser schreitende menschliche Gestalt. An koptische Wollstickereien erinnert in der Aus- sührung eine Zeichnung, die ein Brunnenmotiv mit Vögeln, blau und schwarz, augenscheinlich nach beiden Seiten hin wiederholt, während sich darüber ein zweites Band derselben Art hinzieht. Ein letztes Blatt dieser Art zeigt geflügelte Genien, die ein Medaillon mit einem weiblichen Kops halten. Notizen. — Das Wokffbureau hat einen neuen Stern entdeckt. Es verbreitete nämlich durch seine in Hannover er- scheiucnde„Mitteldeutsche Korrespondenz" folgende vom 10. September datierte Meldung aus Einbeck:„Ein durch besondere Größe, Hellig- keit und Farbe besonders a u ffäll iger Stern erregt seit etwa Diens- tag allabendlich die Aufmerksamkeit der im Freien sich Ergehenden. Der Stern, gegen 9 llhr im Osten aufgehend und nach Westen seine Bahn vollziehend, erschien zuerst wohl in Ve Sonnengröße, verliert aber seitdem von Abend zu Abend an Größe und Helligkeit." Es handelt sich natürlich um den Mars, der sich in den letzten Wochen durch große Helligkeit auszeichnete. Daß sich das offiziöse Bureau diese Tatsache ausgerechnet aus Einbeck melden läßt, macht seinem astronomischen Verstände alle Ehre. — Ein neues Revolutionsmuseum wird in Paris errichtet werden, und zwar im„Saal der Girondisten" in der Conciergerie, dem berühmten Gefängnis, das so viel Opfer der großen Umwälzung beherbergt hat. Der Saal in dem alten Gebäude, von dem einzelne Teile bis auf Ludwig den Heiligen zurückgehen und dessen Räume zumeist als Amtsräume der Seine- Präfektur dienen, war unter der Restauration als Eühnekapelle ein- gerichtet worden. Das Museum wird Gegenstände, die den be- rühmten Gefangenen der Conciergerie gehört haben, sowie von ihnen herrührende oder auf sie bezügliche Dokumente vercinigen. wie de» Fauteuil der gefangenen Marie Antoinette, die Oellampe ihrer Zelle, die Gewänder, die sie bei der Hinrichtung trug, aber auch Erinnerungen an die Girondisten und an die Opfer deS 9. Thermidor. Das neue Museum wird also eine an einer stimmungsvollen historischen Stätte untergebrachte Ergänzung der an revolutionären Erinnerungen so reichen städtischen Sammlung des Müsse Carnavalet bilden. zu nahe. Er stürzte mit den don den Sonnenstrahlen ab- geschmolzenen Flügeln ins Meer und ertrank. Die Sage ist überaus kindlich. Aber gerade in dieser einfachen Form ver- körpert sie so recht den Traum der Menschheit, gleich den Vögeln die Lüfte zu durchsegeln. Ist der Traum Wahrheit geworden? Fast will es so scheinen, als ob die Menschheit des zwanzigsten Jahrhunderts, das schon in seinem Anfang so überaus reich an der Lösung von Weltproblemen ist, auf dem besten Wege sei, die Luft zu erobern. Wer in der vergangenen Woche die gelungenen Flüge des Amerikaners Orville Wright auf dem Tempelhofer Felde beobachtete, wurde unwillkürlich an die Dädalussage und an den bekannten Ruppiner Bilderbogen erinnert, auf dem ein mit Flügeln versehener Mensch über die Dächer und durch die Straßen fliegt. Die Dädalusflügel auf dem Rücken werden wir uns nun wohl noch recht lange verkneifen müssen. Aber es ist doch tatsächlich nur eine Frage der Zeit, wann wir dieses uns den Vögeln fast gleichmachende hohe Ziel erreichen. Man muß den trotz mancher Kon- struktionsmängel und technischer Versagungen eleganten Flug des genialen Amerikaners mitangesehen haben, um die Be- geisterung der Zuschauermenge zu begreifen. Freilich— an die Zeppelinbegeisterung reicht dieser Beifallssturm der das Tempelhofer Feld umsäumenden Menschenmassen nicht entfernt heran. Wohl sah man wieder Menschen mit Menschengeist und Maschinenkraft durch die Luft sausen, aber es fehlte das patriotisch-nationale Brimborium, das ja bei uns. sobald ein Deutscher in Betracht kommt, mit jeder hervorragenden Er- findung, auch wenn es sich nur um Manschettenknöpfe handelt, untrennbar verbunden sein muß. Jubelte dem unter die Er- finder gegangenen deutschen Reitergeneral das ganze Volk zu, so sah bei den Flügen des Amerikaners das Tempelhofer Feld nur sozusagen eine„Flugmaschinen-Gemeinde" neben zahl- reichen Neugierigen, die im Augenblick nichts Besseres zu tun hatten. Und doch regt sich bei den Weitblickenden bereits teils die Empfindung, daß nicht der„leichter als die Luft-Ballon", sondern die„schwerer als die Luft-Flugmaschine" das bevor- zugte Verkehrsmittel der fernen Zukunft in luftigen Höhen sein wird. Zweifellos hat sich infolge der günstigen Ergebnisse der Wrightschen Flüge das Interesse des Preußischen Staates an der Sache bedeutend gehoben. Wir sehen im Geiste außer dem Piepmatz für August Scherl, wenn der„Zeitungskönig" nicht sogar endlich das heißersehnte„von" bekommt, schon etliche Milliönchen für neuzubildende Flugmaschinenbataillone auf Nimmerwiedersehen aus dem Geldbeutel des Volkes davonfliegen. Trügt nicht alles, so wird die Flugmaschinentechnik sehr bald die Luftballontechnik mit Riesenschritten überholen. Streiten sich vorläufig nur wenige erste Luftballongrötzen um die Palme des Sieges, so zählen die erfolgreichen Flugmaschinen- techniker bereits nach Dutzenden, deren einzelne Erfindungen längst nicht mehr ängstlich gehütete Geheimnisse sind, wie der komplizierte technische Apparat eines lenkbaren Luftballons. Die Küchengehcimnissc des Gastwirts Z i e k o w in Heiligensee, deren Aufdeckung seinerzeit so großes Anflehen erregte und den anderen Gastwirten des Ortes unverdientermaßen großen Schaden zugefügt hat, werden nun noch einmal das Gericht beschästigen. Gegen das schöffengerichtliche Urteil, durch welches die Ehefrau Zielow zu 6 Monaten Gefängnis und 500 M. Geldstrafe, der Ehe- mann Zirkow zu 2 Monaten Gefängnis und 500 M. Geldstrafe ver- urteilt wurde, ist Berufung eingelegt worden. Diese wird am 8. Oktober vor der Strafkammer zur Berhandlung kommen. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich gestern früh in einem Betriebe Winsstr. 12. Dort wollte der Arbeiter Karl Z e u e einen Gasmotor in Gang bringen. Zu diesem Zweck faßte er in das Schwungrad, um es zu drehen. Dabei geriet ein Aermel zwischen die Räder und zog den Arm nach. Obgleich der Gasmotor sofort zum Stillstand gebracht wurde, war eS doch nicht möglich, den Zeue aus dem Betriebe zu befreien. Es mußte die Feuerwehr alarmiert werden, die das Schwungrad lockern und hochheben mußte. Zeue, der an der Hand schwer verlecht war, wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichshain geschafft und dort behalten. Todessturz von der Leiter. Bei einem verhängnisvollen Un- glücksfall sollte der 30 Jahre alte Arbeiter Karl Kutz aus der Reinickendorfer Straße den Tod finden. K. war in der städtischen Gasanstalt in Tegel im Generawr-GaserzeugungSraum beschäftigt. Als er vorgestern eine Leiter hinaufltieg, um die Instrumente einer Kontrolle zu unterziehen, verfehlte er in der Höhe von etwa drei Metern eine Sprosse, verlor das Gleichgewicht und stürzte so unglücklich ab, daß er mit dem Kopf auf den harten Fußboden aufschlug und sich einen schweren Schädelbruch zuzog. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Besuch der Freibäder neigt sich langsam seinem Ende zu. An den schönen Augustsonntagen war beispielsweise das sogenannte Freibad Wannsee von 30— 45 000 Menschen besucht. Diese„Frei- baderei" hat natürlich dem Pächter Frankental nicht unerhebliche Einnahmen gebracht, was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, daß eine ganze Anzahl Angestellter keine Bezahlung erhielten und sich an den das„Freibad" Besuchenden schadlos hielten. Charakteristisch für die Verwaltung dieses Freibades ist die kürzlich durch die Presse gegangene Nachricht, daß Badeaufseher zum Auflesen des Papiers verwendet und somit ihrer eigentlichen Auf- gäbe, der Beobachtung des Wassers und der Badenden teilweise ent- zogen wurden. Schlimmer noch wird die Sache, daß das Personal entlassen wurde, weil es auf seine eigentliche Pflicht hingewiesen hatte. Im übrigen hat sich das„Freibad" durch die raffinierte Schröpfung des Publikums in sehr schlechten Ruf gebracht. Die Bootskatastrophe bei Grünau, bei der bekanntlich zwei junge Mädchen den Tod in den Wellen fanden, hat eine neue Wendung bekommen. Von erheblicher Bedeutung dürften die An- gaben eines noch unbekannten Mannes sein, der sich in einem anonymen Schreiben an die Untersuchungsbehörde gewandt hat. In dem Briefe, der mit der Unterschrift:„Ein Ruderer" versehen ist, werden recht eigenartige Angaben über den Hergang des ver- hängnisvollen Unfalles gemacht. Es wäre daher der Polizei. behörde sehr erwünscht, wenn sich der anonyme Schreiber melden würde, damit die Angelegenheit endlich ihre Aufklärung findet. „Schwarzweis? in der Entbindungsanstalt" war eine Mit- teilung überschrieben, die dieser Tage durch die Zeitungen ging. Zwei kleine schwarze Berliner, hieß es, hätten kürzlich in der Entbindungsanstalt in der Charite das Licht der Welt erblickt. Die Mutter, ein weißes Mädchen, habe den Verkehr mit einem Vollblutneger verschwiegen gehabt und sei frühzeitig nicderge- kommen. Dann wurde noch das Erstaunen der Aerzte und des Personals und die Neugierde der anderen Wöchnerinnen ge- schildert, die tagelang an den Brutapparat, in dem der seltene Zuwachs aufgepäppelt wurde, gelaufen seien. Gleichzeitig sei in der Charite ein anderes Mädchen mit Drillingen niedergekommen. Der glückliche Vater, dem es des Segens etwas zuviel gewesen zu sein schien, habe sich geknickt entfernt. Statt seiner sei anderen Tages ein Abschiedsbricf eingetroffen.— Diese Mitteilung ist in beiden Teilen, von Anfang bis zu Ende, erfunden. Schwarze Kinder sind in der Charite noch nie zur Welt gekommen. Die letzten Drillinge vor IVt Jahren. Ihre Mutter war eine Ehefrau, die nach der Entbindung ganz glücklich zu ihrem Manne zurück- kehrte. Von den Kindern blieben zwei am Leben. Die schwarzwcitze Schwindelgeschichte wurde übrigens vor zwei Jahren schon einmal von einigen Zeitungen verbreitet, genau so wie jetzt. Wer ist der Berunglückte? Am 11. d. M., nachmittags gegen 0 Uhr 45 Minuten, stürzte ein etwa 50 Jahre alter unbekannter Arbeiter infolge vorzeitigen Aufmachens einer Abteiltür aus einem in den Bahnhof Gesundbrunnen einfahrenden Ringbahnzug und zog sich hierbei schwere Verletzungen zu. Nach Anlegung eines Not- Verbandes auf der Unfallstation XVII, Badstraße 67, wurde der Verletzte dem Rudolf-Virchow-Krankenhause zugeführt, woselbst er noch jetzt besinnungslos daniederliegt. Der Verletzte ist 1,65 bis 1,70 Meter groß, hat blondes Haar, rötlichen Schnurrbarl und trägt bräunlichen Jackettanzug, rötliche Strümpfe, schwarze Schnürschuhe, rot kariertes Hemd und schwarzen Hut. Etwaige Mitteilungen über die Person deS Verletzten werden in jedem Polizeirevier oder im Polizeipräsidium, Zimmer 332 II entgegengenommen, eventuell wird um Nachricht zu 3371 IV 59 1000 ersucht. Panik bei einem Brande. In der dritten Morgenstunde wurde gestern die Feuerwehr nach der Ackerst r. 124 im Norden Berlins gerufen. Als der erste Löschzug unter Führung des Brandmeisters Steiner eintraf, stand dort im rechten Seitenflügel ein Heuboden in hellen Flammen. Unter den Bewohnern des Hauses herrschte eine förmliche Panik, alles schrie und flüchtete. Das Gebäude ist nur eine Etage hoch und im Erdgeschoß mit Stallungen und Kutscherwohnungen versehen. Im ersten Stock befindet sich der Heuboden, in dem auch Stroh- und Futtervorräte aufbewahrt wurden. Das Feuer war in dem Heuboden ausge- brachen. Da es reichliche Nahrung fand, war die Flammen- entwickelung eine sehr große, so daß die Kutscherfamilien im Erd- geschah fürchteten, der Brand werde auch nach unten schlagen. Die Leute räumten daher bei Ankunft der Feuerwehr schon teil- weise ihre Wohnungen. Brandmeister Steiner ließ sofort zwei Schlauchleitungen legen. Da die Treppe zum Heuboden ebenfalls schon Feuer gefangen hatte und unpassierbar war, errichteten die Löschmannschaften in aller Hast zwei Steckleitergänge. Ueber diese hinweg wurde der Löschangriff eröffnet, während andere Personen das Vieh in Sicherheit brachten. Nach halbstündiger Löscharbeit konnte die Gefahr als beseitigt gelten. Der Heuboden ist ausgebrannt. Ueber die Entstehungsursache des Feuers ist sicheres nicht festgestellt. Wiederaufgefunden ist die 15 Jahre alte Erna Stubinski aus der Gürtelstr. 17 zu Lichtenberg, die sich am Sonnabendmorgen zum zweitenmal aus der elterlichen Wohnung entfernte. Vorort- JVachrichten. Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Die Versammlung stimmte zunächst debatteloS einer Vorlage des Magistrats zu, wonach der durch Armenunter st ützungen herbeigeführte Verl» st des Wahlrechts einer Ein- schränkung unterzogen werden soll. Nach der Ansicht des Magistrats ist nicht jede Art von Armenunterstützung auch als Armenunter- stützung im Sinne der Wahlgesetze anzusehen. Nach den gefaßten Beschlüflen soll ein Verlust des Wahlrechts bei Kommunal- und Landtagswahlen nur eintreten: 1. bei Empfang laufender Barunterstützungen; einer solchen ist die Gewährung laufenden Pflegegeldes für eigene eheliche Kinder gleich zu achten; 2. bei dauernder Unterbringung und Verpflegung in einem Siechenhause oder einer ähnlichen Versorgungsanstalt; 3. bei zeitweiser Krankenhausverpflegung, die an Stelle der Unterstützungen zu 1 und 2 tritt; Einer weiteren Vorlage des Magistrats, die Amtszulage für die Rektoren auf 1300 Mark festzusetzen, wurde ebenfalls zu« gestinimt. Bei dieser Gelegenheit brachte Stadtv. Bamberg(lib. Frakt.) die Verfügung des Regierungspräsidenten zur Sprache, nach welcher der Charlottenburger Lehrerbesoldungsordnung die Gcnehmi- gung versagt worden ist, weil die bewilligten Sätze über diejenigen Berlins hinausgehen. Redner wandte sich gegen diese Verfügung und unterzieht namentlich die Haltung des Berliner Kommunal- freisinnS einer scharfen Kritik. Es wird das Ersuchen an den Magistrat gerichtet, bei der könig- lichen Regierung vorstellig zu werden, damit die Besoldungsordnung der Schöneberger Lehrer genehmigt wird. Oberbürgermeister Wilde hielt ein derartiges Ersuchen für überflüssig, da vom Magistrat schon alles nötige in dieser Beziehung getan sei. Das sei man sich schon im Interesse der Selbstverwaltung schuldig. Hier hätten nur die städtischen Körperschaften zu be- stimmen; die gefaßten Beschlüsse ständen im Einklang mit dem Gesetz. Befiemdend sei es, daß man mit der Einheit Groß-BerlinS komme. wo es sich um die Gemeindeschulen handelt. Bei den höheren Schulen habe man die Einheit Groß-Berlins nicht respektiert. Es seien be- reits die nötigen Schritte getan, um ein gemeinsames Vorgehen von Schöneberg, Charlottcnburg und Wilmersdorf zu ermöglichen. (Auffallend war bei diesen Debatten die Tatsache, daß der Vorsteher, Landtagsabg. Reinbacher, es auf alle Fälle zu verhindern suchte, eine Kritik an dem Berliner Kommunalfreisinn zu üben. Es wäre nach seiner Meinung vielleicht von unabsehbaren Folgen gewesen, wenn der Berliner Kommunalfreisinn in der jetzigen Wahlbewcgung von den Liberalen Schönebergs an den Pranger gestellt würde.) Die Versammlung nahm dann davon Kenntnis, daß die an den preußischen Landtag gerichtete Petition wegen Erhaltung des Grunewalds nicht zur Beschlußfassung im Landtag gekommen ist und somit seine Erledigung gefunden hat. Es wurde angeregt, die Petition später von neuem einzubringen. Die Schönebergcr Feuerwehr hatte in der letzten Nacht in der Monumentenstraße 39 tüchtig zu tun. Dort war auf dem Lager- platz eines Maurermeisters Feuer ausgekommen. Ein Holzschuppen mit Geräten usw. stand in Flammen. Diese hatten reiche Nahrung gefunden und auch einen Taubenschlag ergriffen. Ein halbes Dutzend Tauben kamen dabei um. Ueber die Entstehung konnte nichts ermittelt werden, Rixdorf. Gellende Hilferufe verursachten in der elften Abendstunde in der Münchener Straße große Aufregung. In dem Hause Münchener Straße 35 war im dritten Stockwerk Feuer entstanden, wodurch fünf kleine Kinder in große Lebensgefahr kamen. Während der Abwesenheit der Eltern hatten sich die fünf Kinder des Betriebsbeamten Schmidt allein in der Wohnung aufgehalten. Als das älteste zwölfjährige Mädchen für die jüngere Schwester auf einem Spirituskocher Milch wärmen wollte, stieß sie den Kocher um, worauf sich der brennende Spiritus auf den Fußboden ergoß, der nach wenigen Sekunden in hellen Flammen stand. Auf die Hilserufe der gefährdeten Kinder eilten Nachbarn und Passanten herbei, die sich sofort an das Löschen des Feuers machten und die Kinder in Sicherheit brachten. Arbeiter- Samariter- Kolonne(6. Abteilung). Heute, Mittwoch, abends 9 Uhr, bei Kaufhold, Erkstr. 8�: Fortsetzung des Kursus. Vor- trag über Physiologie(Lebenstätigkeit des menschlichen Körpers). Neue Mitglieder können noch eintreten. Lankwitz. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurde mitgeteilt, daß der in der zweiten Abteilung gewählte Gemeindevertreter Körting wegen Verzug ausgeschieden sei. Ferner brachte der Gemeindevorsteher zur Kenntnis, daß die höhere Töchterschule durch Erlaß des Mi- nisters vom 0. Juli d. I. als höhere Lehranstalt anerkannt ist und einem Kuratorium unterstellt werden muß. Er schlug vor, dieselbe dem bestehenden Kuratorium des Gymnasiums zu unterstellen. Ein Antrag, dasselbe von 7 auf 0 Personen zu erhöhen, wurde angenommen- Zum Haushaltsplan der Armenverwallung wurde eine Nardbewilli« gung für Ärankenhauspflege gefordert, dieselbe betrug für Octsarme 400 M., für Personen mit auswärtigem Unlerstützungswohnsitz 350 M.; für erstere wurden 600 M., für letztere 500 M. bewilligt. Sodann wurde bei der„Polizeiverordnung über die Anbaufähigkeit der Straßen" beschlossen, daß die Bürgersteige vom Grund« stück bis zu 1 Meter vom Fahrdamm gepflastert werden müssen. Der näibste Punkt„Ankauf eines Parkgeländes" rief eine rege Debatte hervor. Der Schöffe Dillges und G.-V. Wulff verließen als Beteiligte an dem Projekt den Sitzungssaal. Der Park war schon im Bebauungsplan vorgesehen. Der Gemeindevorsteher wies darauf hin, daß ohne den Pari auch die Bauordnung nicht würde genehmigt werden. Der Park habe eine Größe von 48 Morgen. wovon zirka 8 Morgen später Bauland werden sollen. Der Kosten- Punkt betrage 480 000 M. Das macht pro Ouadratrute 55 M. Von der Kaufsumme soll das erste Viertel am 1. April 1012, das zweite Viertel am 1. Oktober 1015 und der Rest am 1. Oktober 1020 ge« zahlt werden; die Zinsen wollen die jetzigen Besitzer eben'alls bis I9l2 stunden. Verschiedene Gemeindevertreter wandten sich dagegen, sie meinten, daß eine Gemeinde wie Lankwitz die Lasten nicht tragen könne, auch sei die Bauordnung nicht danach, daß viel Bautätigkeit und Zuzug zu erwarten sei(der Bauordnung haben jedoch die Herren Ge- meindevertreter in einer früheren Sitzung zugestimmt. D. B.) Ferner müßten auch noch bessere Verkehrsverbindungen geschaffen werden. Die Gegengrnnde würben vom Vorsteher widerlegt und der Ankauf nach vielem Für und Wider in namentlicher Abstimmung mit 6 gegen 4 Stimmen angenommen. In geheimer Sitzung wurde über eine Prozeßsache, betreffs Neuwahl von Ausschußmitgliedern und von Mitgliedern der Voreinschätzungskommission verhandelt. Steglitz. Ein aufregender Borfall spielte sich vorgestern nachmittag gegen 4 Uhr in der Schloßstraße ab. Der Kaufmann Wilhelm Müller und die Schneiderin Frida Rogahl hatten auf der Fahrt von Berlin eine Automobildroschke benutzt und diese an der Ecke der Schloß- und Rheinstratze verlassen. Ohne sich umzusehen, traten die Beiden aus das Straßenbahngleis, unmittelbar vor einem herannahenden Motorwagen der Linie V(Rixdorf-Steglitz), so daß es dem Fahrer unmöglich wurde, den Zug rechtzeitig'zum Stehen zu bringen. M. und R. wurden von der Vorderplattform erfaßt, niedergerissen und kamen unter den Perron zu liegen. Sie erlitten Verletzungen am Kopf. Rücken, sowie Arm- und Beinquetschungen und mußten nach dem Schöneberger Krankenhause übergeführt werden. Köpenick. Wegen Ueierttetung des BereinSgesetzeS hatte sich am Montag der Genosse Richard Jahnke vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Der Angeklagte hatte am 3. Juli d. I. im Stadt« theater eine Versammlung für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen einberufen, in der das Thema„Die Aufgaben der proletarischen Jugend" behandelt werden sollte. Die Polizei erblickte in der Ver- sammlung eine politische Veranstaltung und entsandte zwei Beamte nach derselben. Der Aufforderung des Vorsitzenden, die Versammlung zu verlassen, kamen die Beamten nicht nach, weshalb die Ver- sammlung nicht stattfand. In der Verhandlung vor dem Schöffen« gericht vertrat Jahnke in längeren Darlegungen die Ansicht, daß von einer politischen Versammlung gar keine Rede sein könne. Dieser Auffaffung trat als einziger Zeuge der Polizeiinspektor Hoeren entgegen. Nach seiner Ansicht sei. so betonte der Zeuge, die Versammlung eine politische gewesen, denn scbon das Thema besage, daß man Politik betreiben wollte. Die ganze Jugendorganisation gehe dahin, die jungen Leute von 14—15 Jahren mit den sozialdemokratischen Lehren vertraut zu machen, damit diese später„feste Genoffen" werden und die Sozial- demokratte sich auf diese verlaffen könnte. Am Schlüsse solcher Ber- sammlungen wird auch stets gesungen:„DaS sind wir Arbeits« männer." Der Diakon Hartmann(geistiger Bekämpfer der Jugend- organisatton am Ort) habe schon mehrfach gesagt, daß den jungen Leuten wohl eingeimpft wird, welche Rechte sie haben, aber niemals die Pflichten, die sie zu erfüllen hätten. Der Am'tSanwalt beanttagte nach dieser vernichtenden Rede gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 20 M. event. 4 Tage Hast. DaS Gericht trat diesem Antrage bei. In der Urteilsbegründung wies der Vorsitzende darauf hin, daß daS Gericht sich den Ausführungen des Zeugen Hoeren angeschlossen habe. Daß durch die Verurteilung Jahnkes der Jugendorganisation irgend- welcher Abbruch getan ist, wird weder das Gericht, noch der Polizei« inspektor annehmen wollen. Die ganze Gerichtsverhandlung hat den Jugendlichen nur gezeigt, daß sie unter einem Ausnahmerecht gegen- über den Angehörigen bürgerlicher und christlicher Jugendvereine stehen. DaS wird sie veranlaffen, sich fester denn je zusammen« zuschließen. Lichtenberg. Die Auslegung der Wählerlisten zur Lichtenberger Stadtverord- netenwahl findet vom 15. bis 30. September, nachmittags von 8 bis 3 Uhr und Sonntags von 9 bis 12 Uhr, im großen Saale des Rathauses statt. Kein Wähler darf versäumen, Einsicht in die Listen zu nehmen. Weistensee. Böse Beispiele verberben gute Sitten. Vor einigen Tagen be- richteten wir, daß einer winzigen Sache wegen der Tiefbaurat einer Kolonne von Straßenfegern eine Stunde vom Lohn kürzte. Auch der Stratzeninspektor scheint sich dieses gegen gute Sitten verstoßende Beispiel zu eigen zu machen. Bei großer trockener Hitze erlaubten sich einige Straßenfeger einer anderen Kolonne eine kleine Weiße zu trinken, wobei sie von dem Straßeninspektor, einem früheren Gemeindevertreter, überrascht wurden. Die kurze Unterbrechung der Arbeit mußten die Arbeiter sich mit einer Stunde Lohnkürzung im Betrage von 35 Pf. gefallen lassen. Als vor zirka 3 Jahren unsere Genossen für die verschiedenen Betriebe die Bildung von Arbeitcrausschüssen verlangten, da war es gerade der Straßen- inspektor mit Hilfe eines Vorarbeiters, der dieses vereitelte und zwar � sammelten diese beiden Vorgesetzten Unterschriften der Ar- beiter. In dem abgegebenen Schreiben wurde ein Arbeiterausschuß als überflüflig betrachtet. Jetzt haben die Arbeiter das Nachsehen und müssen sich alle derartigen Maßnahmen gefallen lassen. Nowawes. Ueber Karl Marx referierte in der letzten gut besuchten Mit- gliederversammlung des Wahlvereins Genosse Schütte. Hierauf gab der Vorsitzende bekannt, daß am 29. September eine außer« ordentliche Wahlvereinsversammlung stattfindet, in welcher der Bericht vom Parteitag gegeben wird. Desgleichen machte er aus den am heutigen Mittwoch vom Jugendausschutz arrangierten Unter- Haltungsabend aufmerksam. Ferner ersuchte der Redner diejenigen Gewerkschaftsvorstände, die ihre Mitgliederliste für die bevorstehende Hauöagitation noch nicht eingereicht haben, dies in kürzester Zeit zu tun. Neu aufgenommen wurden 12 Genoffen und zwei Genossinnen. Die Abrechnung vom Sommerfest weist eine Einnahnie von 256,10 M. und eine Ausgabe von 259,40 M. auf. Den Bericht von der Generalversammlung Grotz-Berlin gab Genosse Krautspaul. Potsdam. Stadtverordneteilsiliung. Von der reichhaltigen Tagesordnung. die fast ausschließlich ohne Debatte erledigt wurde, ist die Stellung« nähme dieses rein bürgerlichen Stadtparlaments bei der Bewilligung von Kurkosten für fünf Lnngenkranle charakteristisch für die in der Armenverwaltung geltenden Grundsätze und für die Anschauung ver- schiedener Stadtväter. Die Verhandlungen über diesen Punkt, die früher nicht öffentlich stattfanden, sind seit einiger Zeit in die öffentliche Sitzung verlegt,„damit die Bürgerschaft erfahre, welche Wohltaten ihnen von der Stadt erwiesen werden". Verschiedene Stadtverordnete äußerten sich, datz es gar nicht notwendig sei, mit der Wohltätigkeit so viel Tamtam zu machen. Stadwerordneter Töpfer bemerkte, datz es keinen Zweck habe, in der Nichtöffentlichkeit zu ver- handeln. Da verschiedene derartige Gesuche auch Personen betreffen, die nicht der Armenpflege unterstehen, die auch nicht wollen, daß ihre Unterstützung dem Armenvorsteher bekannt wird, und deren Namen auch nicht in der nichtöffenrlichen Sitzung erwähnt werden könnte. Stadtv. Krause bemerkt, dag ihm verschiedene Personen bekannt seien, die nicht bedürftig waren, vielmehr selbst die Mittel dazu haben. Geklagt wurde auch, daß die Gesuche immer mehr zu- nehmen. Das mag bei manchem Stadtvater wohl auch der Grund gewesen sein, für die Verhandlung in der Nichtöffentlichkeit zu stimmen, um so die„Begehrlichkeit" einzudämmen.— Die am 1. April 1910 zur Aufhebung gelangende Schlachtsteuer macht die Kontrollhäuser an der Stadtgrenze überflüssig. Soweit sie Eigentum der Stadt sind, sollen sie verkauft werden. Für dasjenige auf der Langen Brücke hat man noch keine Verwendung.— Veranlaßt durch verschiedene Differenzen bei Abstimmungen und über Auslegung der Geschäfts- ordnung soll eine Kommission die bisherige Geschäftsordnung revi- dieren. Dazu find bereits Ordnungen aus anderen Städten ein- gefordert.— Der Beschickung der Jahresversammlung des Vereins für Armenpflege wurde, nachdem verschiedene Stadtverordnete solche Vergnügungsdienstreise nicht für nötig hielten, mit 19 gegen 17 Stimmen zugestimmt.— Recht schwer wird dem Magistrat die Stellungnahme zu einer eventuellen Einrichtung einer kaufmännischen Fortbildungsschule für weibliche Angestellte. Die Vorlage wurde zum zweiten Male zurückgezogen, weil sie noch nicht fertig»st. Und das trotz der langen Ferien. In der Wahlvercinsversrnrnnlung knüpfte fich an den Bericht über die Kreis-Generalversamlung eine längere Debatte über den Revisionismus und den Bernsteinkonflikt. Es wurde leb- Haft bedauert, daß jedesmal vor dem Parteilag ein Skandal in- szeniert werde. Bei dieser Gelegenheit regte Genofle Stoof an, bei dem Verzeichnis der auf dem Parteitag anwesenden Delegierten auch deren augenblicklichen Beruf resp. Stellung mit aufzuführen, damit sich jeder ein klares Bild machen könne, wer eigentlich die Barteivcrlrelung ist. Ueber die Provinzialkonferenz gab Genosse Staad einen ausführlichen Bericht. Iugenäbewegung. „Arbeitcr-Jugend". Aus dem Inhalt der soeben erschienenen Nr. 17 heben wir hervor: Der Rat der Alten.— Die jugendlichen Arbeiter in der Arbeiterversicherung. Bon Fr. KleeiS.— Wie ich denken lernte. Bon Paul Rudolf.— Andreas Hofer und der Tiroler Freiheitskampf. Bon W. Hausenstein.— Vom Urtier zum Menschen. Von M. H. Baege.— Großstreik.— AuS der Praxis der Jugendbewegung.— Aus der Jugendbewegung.— Vom Kriegs- schauplatz usw. Beilage: Weil's recht war. Erzählung von A. Ger.— Vision der Arbeit. Gedicht von Bernhard Wilhelm.— Menschen und Götter. Von G. Eckstein.— Piddl Hundertmarks Zukunftsträume. Von Mlhelm Scharrelmann. Gerichts- Zeitung. AlS Urheber einer turbulenten Szene in dem„Sanatorium des Westens" mußte sich gestern wegen Körperverletzung, Beleidigung, Freiheitsberaubung und versuchter Erpressung vor der Ferienstrafkammer des Landgerichts III der Krankenwärter Johann S k o p e ck verantworten. Der Angeklagte war in dem„Sanatorium des Westens" in der Joachimsthaler Straße als Pfleger angestellt gewesen. Am 11. März d. I. wurde der Angeklagte auf das Verlangen des ArzteS Dr. Max Jacobsohn, der einen in Jias Sanatorium gebrachten Kranken dort be- handelte, entlassen. Dr. I. glaubte, daß der Schwerkranke nicht mit der genügenden Sorgfalt von dem Angeklagten bedient wurde und der Kranke berechtigten Grund zur Unzufriedenheit habe, und veranlaßte deshalb die Schwester Oberin zur Entlassung des An- geklagten. Dieser geriet hierdurch in die größte Erregung, da er in dem Sanatorium schon längere Zeit zur vollen Zufriedenheit der Schwester Oberin seine Dienste verrichtet hatte. Er hielt es für ungerechtfertigt, daß er durch den Dr. I. aus seiner Stellung gebracht worden sei; glaubte auf Grund seiner Engagements- bedingungen Anspruch auf Entschädigung durch Dr. I. zu haben und verursachte nun eine Lärmszene. Er ging in daS Zimmer, in welchem Dr. I. bei dem Schwerkranken weilte, riegelte die Tür ab und drang schimpfend auf den Arzt ein. Dr. I. forderte ihn vergeblich zum sofortigen Verlassen des Zimmers auf, und als er nach dem Fenster lief, um von dort aus um Hilfe zu rufen. ritz ihn der Angeklagte zurück und nötigte ihm daS Versprechen ab, daß er ihn entschädigen wolle. Der Arzt, der nun glaubte, daß er einen Geisteskranken vor sich habe, bejahte, um ihn zu be- ruhigen, die auf die Entschädigung bezüglichen Fragen und der Angeklagte verließ darauf das Zimmer. Am nächsten Tage er- hielt der Dr. I. von dem Angeklagten ein Schreiben, in welchem er in sehr bestimmter Weise ausgesordert wurde, ihn in Höhe von LOO M. schadlos zu halten, widrigenfalls sich der Schreiber ge- nötigt sehen würde, einen Kunstfehler des Dr. I., der angeblich vier Wochen vorher in demselben Sanatorium vorgekommen sein sollte, der Oeffentlichkeit zu unterbreiten.— Der Angeklagte entschuldigte sich vor Gericht mit seiner großen Erregung, in die er durch den Dr. I. gebracht worden sei, und bestritt, daß sich die Vorgänge im Zimmer so gewaltsam abgespielt haben, wie be- hauptet worden.— Der Staatsanwalt hielt auf Grund der Aus- sage des Dr. Jacobsohn den Angeklagten im vollen Umfange der Anklage für überführt und beantragte mit Rücksicht darauf, daß das Verhalten des Angeklagten doch geradezu unerhört sei, vier Monate Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. James Friedländer hielt den Tatbestand der Freiheitsberaubung nicht für vorliegend, ebensowenig den der versuchten Erpressung, da der Angeklagte wohl annehmen konnte� daß er ein Recht auf Schadloshaltung durch Dr. I. habe. Im übrigen müsse die sehr große Erregung, in der sich der Angeklagte befunden, mildernd ins Gewicht fallen, und es empfehle sich, über den bisher völlig unbescholtenen Angeklagten, dem seitens der Oberin das beste Zeugnis gegeben werde, eine Geldstrafe zu verhängen.— Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts auf vier Monate Gefängnis. Hus der f rauenbewegung» Der Verband der Hausangestellten hielt am Sonntag eine öffentliche Dienstbotenversammlung in „Dräsels Fcstsälen" ab. Der Besuch war recht gut; viele Partei- genossen waren erschienen und bekundeten ihr Interesse an den Be- strcbungen des Verbandes. Fräulein Rosen stock, die zwei Jahre lang die Leiterin des städtischen Arbeitsnachweises in Posen war, hielt einen Vortrag über das wichtige Thema der Stellen- vermittelung. Sie zeigte die Schäden und Nachteile der pri- baten Vermittelung und empfahl dringend den städtischen Nach. weis, der paritätisch geleitet werde, in dem die Hausangestellten also selbst eine Stimme haben und ihre Wünsche zur Geltung brin- gen können. Für die große Zahl unerfahrener junger Mädchen, die einen Dienst suchen, ist es von außerordentlicher Wichtigkeit, daß sie sich an ein Bureau wenden können, das zuverlässig und ge- wissenhaft arbeitet und nicht um des Profits willen da ist. Bei Vermittelungen nach auswärts werden stets die genauesten Er- lundigungen eingezogen, und ein städtischer Nachweis ist dazu am besten in der Lage, weil er von den Behörden mehr berücksichtigt wird und auch gute Verbindungen durch die städtischen Nachweise in anderen Orten besitzt. Noch besteht leider eine gewisse Abneigung bei den Mädchen, sich dieser Vermittelung zu bedienen, aber wer einmal dies Mißtrauen überwunden hat, kommt gern wieder. Hier ist im Gegenteil volles Vertrauen gerechtfertigt, während den privaten Vermittlern viel mehr Mißtrauen entgegengebracht werden müßte. Nach diesem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag sprach Fräulein Baar über das Thema„Der frei? Arbeitsver- trag". Den Ausführungen von Fräulein Rosen stock sich an- schließend legte sie dar, wie der Verband der Hausangestellten be- strebt ist, die Verhältnisse im Dienstbotenberuf zu verbessern. Der erste Entwurf eines freien Arbeitsvertrages, den der Verband vor die Oeffentlichkeit brachte, begegnete der schärfsten Opposition in der bürgerlichen Presse wie unter allen Hausfrauen. Schätzenswert war die Diskussion, die über die Rechte der Dienstboten aus diesem Anlaß einsetzte. Man mußte einsehen, daß die Mädchen ein Recht haben, sich gegen die veralteten Bestimmungen der Gesindeordnung aufzulehnen. Der Verband legt jetzt einen neuen Entwurf eines freien Arbeitsvertrages vor und hofft, auch die Unterstützung des städtischen Nachweises dafür zu gewinnen, denn die aufgestellten Forderungen sind ebenso bescheiden wie berechtigt; sie lauten: Der Lohn wird am Ende jeden Monats ausgezahlt und beträgt neben freier Station... Mk.... Pf. Das Zimmer muß heizbar und von innen verschließbar sein, ein nach außen liegendes Fenster haben und mindestens folgende Gegenstände enthalten: Kleiderschrank, Kommode, Stuhl, Waschgelegenheit und ein Bett zur alleinigen Verfügung. Die Arbeitszeit beträgt 12 Stunden. Sie beginnt nicht vor 6 Uhr morgens und endet nicht nach 9 Uhr abends. Pausen l3 Stunden):............. Ausgang: Jeden zweiten Sonntag von 3 Uhr nachmittags ab(den über 18 Jahre alten Hausangestellten wird der Haus- und Etogenschlüssel mitgegeben). Ferner einmal wöchentlich ein freier Nachmittag von... Uhr ab. In plötzlichen Krankheitsfällen nicht ansteckender Art ist die Hausangestellte zu Dienstleistungen auch außerhalb ihrer Ar- beitszeit bereit. Bei Gesellschaften in der Häuslichkeit sii»d besondere per- sönliche Vereinbarungen über die Form der Bezahlung von Ueber stunden zu treffen. Die Pflege und Bedienung eines mit ansteckender Krankheit Behafteten, sowie die Reinigung der zur Pflege»»ötigen Uten- silien kann die Hausangestellte ablehnen. Das Dienstbuch erhält die Hausangestellte nach Antritt der Stellung wieder ausgehändigt. Für zerschlagenes Geschirr und ähnliches wird Lohnabzug nicht gemacht. Die Kündigung erfolgt am Ib. zum 1. des folgenden Monats. Entstehen während der Dauer dieses Vertrages zwischen den Parteien Streitigkeiten, so sind diese von einem Schiedsgericht zu schlichtem (Das Schiedsgericht besteht aus je zwei Vertretern des Ver- bandeS der Hausangestellten, des Arbeitsnachweises, und zwei Vertretern nach Vorschlag des Haushaltungsvorstandes(juristische Personen sind ausgeschlossen). Diese sechs Vertreter wählen «ine unparteiische Vorsitzende. Kommt eine Einigung über die Person der oder des Vorsitzenden nicht zustande, so soll die Lei- terin des Stellennachweises die oder den Schiedsgerichtsvor- sitzenden ernennem) Nachdem die Rednerin die einzelnen Bestimmungen dieses Entwurfes erläutert hatte, begann eine lebhafte Diskussion darüber. Man war im allgemeinen damit einverstanden, wenn man auch manches zu bescheiden und gemäßigt fand. Wasch- und Reinmachefrauen, die anwesend waren, verlangten, daß der Verband sich ihrer Sache mehr annehmen müßte, sie würden ausgebeutet durch die„Reinigungsinstitute", sie müßten bei langer Arbeitszeit oft gen»»g mit schlechtem Lohn und schlechtem Essen zufrieden sein. Sie beklagten sich auch bitter über die Dienstboten, die eine Wasch- und Reinmacheftau mit Nichtachtung behandeln und ihr schlechtes Essen vorsetzen. Was die Arbeiter„Solidarität" nennen, das Ge- fühl der Gemeinsamkeit der Interessen, sei vielen Hausangestellten noch fremd. Fräulein K l a u tz n e r, die Leiterin des städtischen Nachweises in Berlin, erklärte, daß die Wasch- und Reinmache- frauen wie die Dienstboten ihren Wünschen viel mehr Geltung ver- schaffen könnten, wenn sie sich daran gewöhnen würden, die private Vermittelung zu meiden und allein die städtische, die zu ihrem Nutzen eingerichtet ist, in Anspruch zu nehmen. Beim großen Holz- arbeiterstreik habe sie beobachtet, daß die Männer die Wichtigkeit ihres Arbeitsnachweises wohl zu schätzen wußten, daß sie aber ihren Frauen keinen Rat zu geben verstanden, die sich in Massen den Reinigungsinstituten zur Ausbeutung anboten; da mußten sie für Wasch- und Reinmachestellen noch 60— 75 Pf. pro Tag bezahlen. Dem Wunsche, mehr Zweigstellen des städtischen Nachweises einzu- richten, würde man gern nachkommen, wenn mehr Mittel zur Ver- fügung gestellt würden, es sei übrigens in Aussicht gerwmmen, in Moabit ein« Zweigstelle einzurichten. Der Nachweis in der Link- stratze 11 ist geöffnet von 9— 12 Uhr vormittags und von 4—7 Uhr nachmittags, in der Gormannstraße 13 von 4— 7 Uhr nachmittags. — Die Vorsitzende. Fräulein Arndt, forderte zum Schluß der Versammlung noch zu weiterer lebhafter Agitation für den Ver- band auf. Agitationsmaterial wird im Verbandsbureau, Michaelkirchplatz 1, gern zur Verfügung gestellt. Ein originelles AgitationSmittcl für daS Franenwahlrecht stellt eine von dem niederländischen Komitee für Frauenwahlrecht heraus- gegebene Ansichtskarte dar. Auf einer Reihe von Bildern sieht man Mann und Frau in Kontor und Fabrik, Schule und Krankensaal die gleiche Arbeit tun. Am Schluß geht der Mann zur Wahl— die Frau wird fortgewiesen,«erdient Nachahmung. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Heute Mittwoch 8'/z Uhr im Neuen Klubhaus, Kommandantenstr. 72: Geselliges Belsammenfein mit musikalischer Unterhaltung und Rezitation. Gäste willkommen._ Vermischtes. Großfeuer in Mannheim. Gestern stüh kurz nach 3 Uhr brach, wie aus Mannheim ge« meldet wird, in den Lagerhallen der Getreidefirma Leopold Cahn am Binnenhafen Feuer aus, das zwei 60—70 Meter lange Hallen vernichtete. DaS Feuer griff mit rasender Schnelligkeit um sich, so daß noch kurz vor 4 Uhr die städtische freiwillige Feuerwehr alarmirt werden mußte. Der Schaden wird auf eine halbe Million Mark geschätzt. Die Entstehungsursache deS Brandes ist unbekannt. Acht Personen ertrunken. Wie nachträglich auS Prag gemeldet wird, hat am Sonntag ein schweres Unwetter mit Hagelschlag und Wolkenbruch in dem Dorfe Trebovetitz bei Horschwitz 44 Anwesen vernichtet. Acht Per- fönen find ertrunken._ Eingegangene Druchlchnftcn. Bon der Kommunalen Praxis ist soeben ein 36 Selten starkes Heft erschienen. Es enthält eine Tabelle aller deutschen Städte und Gemeinden, in denen die Wertzuwachssteuer bereits eingesührt ist, versehen mit den An- gaben über die Höhe der zu erhebenden Sätze und allen weiteren wichtigen Fragen. Ebenso wird eine Ausstellung gegeben über die Steuern, die die Ge- meinden und Städte überhaupt einsühren dürfen. Berücksichtigung sanden hierbei alle Bundesstaaten. Der Einzelpreis dieser Nummer beträgt 60 Ps. Probenummern gratis vom Verlag der Buchhandlung Vorwärts. Berlin. „In Freie» Stunden". Von dieser Romanbibliothel zur Bekänrpsung der Schundliteratur liegen UNS die Hefte 35 und 36 vor. Der Roman „Stesan vom MrMenhos" von Minna Kautskh wird fortgesetzt. WöchenUich erscheint ein Hest zum Preise von 10 P s. Vrobenummern gratis vom Verlag der Buchhandlung Vorwärts. Berlin. AuS Natur und GeisteSwelt. Bd. 12: Aufgaben und Ziele deS Meuicheulebens. Von I. Unold.— Bd. 100: DaS deutsche Bildungswesen. Von F. Paulsen.— Bd. 276: Die Alpen. Von H. Reisbauer. Einzelb. 1 M., geb. 1,25 M. B.®. Teubner, Leipzig. Jahrbuch 1907/08 und Protokoll deS 6. VerbandstageS des Zentral» Verbandes der seemännischen Ardeiter Deutschlands. 306 S. P. Müller, Hamburg, Besenbinderhoj 57. Werden»ud Wirken des BürgerministeriumS. Von F. Schütz. 5 M.. geb. 6 M. G. Wigand, Leipzig. Der Schmied vom Eiland. Gedichte von M. Khber.— Vita, beut- sches VerlagShauS, Charlollenburg, Hardenbergstr. 14. Statistische Erhebungen über die Wohnungsverhältuiffe der Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Verwaltungsstelle Köln a. Rh. 24 S. 10 Ps. Für NichtMitglieder 20 Ps. Selbstverlag. Dokumente des Fortschritts. Nr. 8. Internationale Revue. Jährl. 11 Heste. 10 M. G Reimer, Berlin Vf. 35. Handbuch der Dreherei. Jubiläumsausgabe von Aug. Laß. 6,50 M. Für Mitglieder des Ntetallarbeiter-Verbandes und technischer Vereine 4,25 M. Verlag: Aug. Loh, Giebichenstein-Halle a. S. Jahresbericht der königliche» Bibliothek z« Berlin 4808/09. Selbstverlag. Berein ebemaltger Beeliver zur Bekämpfung der Langen- tuberkulöse. Heule Rüliwoch. den 15., abends 9 Uhr, im.Roienthaler Hos", Rosenthaler Str. Il/l2: Versammlung. Lese- und Tiekntierklnb„Südost". Heute abend 8'/, Uhr: Sitzung bei Neidbardt, Görlitzer Straße 58. Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierkluv„Heinrich Heine". Heute abend 8'/, Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenbergstraße 8. Gäste willkommen. Sozialde»nokratischer Lese- und Diskutierklub„Karl Marx". Heute abend 8'/, Uhr Sitzung bei Hummel, Sophiensüaße 5. Gäste will- kommen. Freie Jugendorganisation. Abteilung Süd. Ost, Vorort- Viertel Heute Mittwoch, den 15. September, findet in Baumschulen- weg, Baumschulenstr. 67 bei Käding eine Versammlung statt. TageS- ordnung: Vortrag des Genossen Peter» über.Bildung und Erziehung" und Abteilungsangelegenheiten. Freie Juaendorganisatton Rixdorf. Am heutigen Mittwoch, abendS 8 Uhr, findet im.Karlsgarten", Karlsgartenpr. 6— IV, die Mitgliederversammlung statt. 1. Vortrag deS Herrn Dr. EhajeS über„Berusskrankheiten". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Alle Anfragen betrefiS Jugendschutz sind an die Kollegen Gräs, Donaustr. 129, und Barsaniy, Herzbergstr. 7—8, zu richten. ßrUfharten der Redahtton. Sie larlstische Sprechstunde findet Lindeastrnße 0»»welter ftf, dritter Eingang, vier Treppt«, WA Fahr stuhl"Wtztz wochcntSgltch abendS von 7ü HS 9li Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Konnadend» beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und«ine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung tm Britfkaften könne« 1t Tage dergehe». Eilige geagr» trage man in der Sprechftnnde dar. F. S. 57. 1. Die Stundung von Krankenhaustosten wird nicht«IS Armenunterstützung angesehen. 2. Ihr Wahlrecht verlieren Sie also nicht. 3. Unter den geschilderten Umständen werden Sie ein Darlehn nicht er- halten.— I. O. 40. Zur Errichtung eines Testaments bedarf es nur, daß Sie das ganze Testament eigenhändig schreiben und unterschreiben. Ihre Ehefrau mutz dann den von ihr selbstgeschriebenen und unter- schriebencn Vermerk hinzusetzen, daß das obige Testament auch als ihr Testament gelten soll.— E. R. 99. Nur wenn wirklich die Wohnung vermietet ist, brauchen Sie die Wohnung nicht mehr zu zeigen.— H. G. 15. Bei dem von Ihnen angegebenen Einkommen sind Sie ver» Pflichtet, mindestens 10 Mark monatlich zum Unterhalt Ihrer Mutter bei- zutragen.— E. 44. Sie find dazu verpflichtet. Treten Sie und Ihre Frau doch aus der Kirche aus.—„Kath. aPost." Reilamieren Sie. Fügen Sie Ihren Tausschein bei und erwähnen Sie auch, was das Amtsgericht aus Ihren Antrag aus der Landeskirche auszuscheiden, Ihnen erklärt hat. — Frenze! 102. 1. DaS Wahlrecht verlieren Sie nicht. 2. Bei Ihren Verhältnissen brauchen Sie nichts zu zahlen. 3. Dagegen können Sie nicht verlangen, daß Ihr Vater zu Ihnen kommt.— M.&. 30. Sie können es ruhig aus eine Klage ankommen lassen, dagegen hastet Ihre Frau. — A. N. 29. Sie können ruhig warten.— Moabit 87. 1. Die Unterbrechung deS Wohnsitzes hebt das Wahlrecht nicht aus. 2. Ja. 3. Ja. — Schtndhelm. Unseres Erachten» muß die Landesversicherungsanstalt eine Beihilfe leisten. Eventuell soll Anstagender beim Schiedsgericht für Arbeiterversicherung sür den Regierungsbezirk Potsdam zu Berlin Beschwerde erheben.— Wildau 750. Sie können innerhalb einer Woche nach Zustellung deS Strafmandats gerichtliche Entscheidung beantragen. — K. 100. Wegen Ihrer Schulden kann in dem zum Vermögen Ihrer Ehefrau gehörigen Geschäft nicht gepfändet werden. Eine gerichtliche Eintragung ist nicht erforderlich.— A. S. 50. DaS Amtsgericht ist zu- ständig. Sie werden wohl bezahlen müssen.— Verwalter 33. Sie dürfen von der Miete nichts abziehen. Sie müssen den Hauswirt aus Her- stellungder Ihnen zugesicherten Renovierungen verklagen.— H. I. So lange Ihnen nicht gekündigt ist, muß die Firma Ihnen Ihren Lohn, abzüg- lich desjenigen, was Sie von der Krankenkasse erhalten haben, zahlen. Falls sie das nicht tut, müssen Sie fie, wenn Sie gewerblicher Arbeiter sind, beim Gewerbegericht verklagen.— Arbeitersekretariat Köln. Der Standpunkt der katholischen Psarrgememde ist leider zutressend. ES bleibt nichts anderes übrig, als daß auch die Ehestau aus der Kirche austritt.— K. 100. Der Betrag erscheint viel zu hoch. Zahlen Sie nichts mehr.— F. A. 33. Der Verletzte nuijj sich sofort an die BerusSgenosscnschast wenden»md Ansprüche erheben. — Wogner. Geben Sie den Anzug zurück und verlangen Sie Rück- erstattung des Kaufpreises.— C. O. 23. Ihre Frau kann von dem Gelbe Anzug und Stiesel kaufen, soll fich aber eine Quittung geben lassen und die Quittung ausbewahren.— Scheidung 5. Wiederholen Sie die Anstage noch einmal.— 99. 4. Köpenick. Nähere Angaben sind erwünscht. Teile» Sie doch auch Ihre genaue Adresse mit. Amtlicher Marktbericht der städttschen MarNhallen-Dtrettion über den Großhandel in den Zentral-Marttballen. Marktlage: F l e i i ch: Zufuhr genügend, Geschäft flau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geichäst lebhast, Preise gut. Geflügel: Zufuhr nicht ganz genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Fische: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäft rege, Preis« wenig verändert. Butter und Käs«: Geschäft still, Preise wenig verändert. Gemüse, Obst und Süd- fruchte: Zusuhr reichlich, Geschäst sehr still, Preise mehrfach verändert. WttternngSübrrsicht vom 44. September 1909, morgen» 8 Uhr. % i| Bwtnemde. Hamburg verlin Franks. a.M. München Wien 763 NNO 766 NNO 762 NW 762 NO 763 SW 762 WNW Wetter 6 bedeckt 3 bedeckt 2 bedeckt 5 Regen 2 heiter 3 wolkig 1* Wio Stationen Havaranda Petersburg Sctllh Aberdeen Pari» 762 NNW 766 SW 769 NNO 774 NW 765 N ! Vetter 4 wölken! 1 heiter 4 wolkig 1 Dunst 2NebeI *9 K-* Wetterprognose für Mittwoch, be« 45. September 4909. Ziemlich kühl, zeitweise aufklarend, jedoch vorherrschend noch wolkig etwas Regen und aussrischenden nordwestlichen Winden. Berliner Wetterburaa» 13 6 11 mit Waflcrstandö-Nachrtchten der Landes anstatt für Gewässerkunde, mitgeteltt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterbmg W e i ch I- l. Thorn Oder, Rattbor , ftrossen , Franktiwt Wa r t h e, Schrtmm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Barbp , Magdeburg am 13. 9. cm 112 —37 18 93 44 63 0 —26 —30 —70 -186 27 44 seit 12. 9. ora') 0 —2 -2 +16 —3 _ 2 0 —1 0 —8 0 -6 Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow») Spree, Spremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier 9+ bedeutet Such».— Fall.—*) Unterpegel. Ä V •N v Ö Ä v ÜJ % S «s k Um aucli solclien Knuden, die die vorzCglicho Tafelmargarine MMR GXtVd noch nicht probiert haben, zu einem Versuch zu veranlassen, verabfolgen wir dem Ueberbringor dieses Bons hente Mittwoch, den 15. September bis Montag, den SO. September bei Einkauf von X Pfand Pßilka extra a Pfand 85 Pf. Fruchtbonbons"U,«1 oder% Pfand Block- Lchokolatlc garantiert reine Haushalt-Schokolade von F. A. Oehler, Zehr; Job.(Zettl. Hauswaldt, Magdeburg und P. W, Qaedke, Hamburg» Eine große Büchse habe Rosentbnlcr Tor. Louis Plötz, Brunnenstr. 147. HermannHermsdorf, Weinbergaweg 8 Fr. Ziemer, Ecke Zehdenicker und Choriner Straße 87. Adolf Hedwig, Augusts tr. 51. Friedrich Brennecke, Ackerstraße Ecke Elsasser Straße 11. SchUnbanser Tor. Otto Sy, Weißenburger Straße 14. Robert Münchow, Schwedter Str. 12. XUlie Krenzongspunkt Scbüniiansop, Pappel- und Kastanien- Allee. Hugo Breest Nachfolger Hermann Schwitzky, Kastamen- Allee 3. Eugen Rohwerder, Dunckerstr. 90a. Robert Münchow, Schliemannstr. 14. Alütae Hingbabnbof Schönhauser Allee. Friedr. Tent, Schönhauser Allee 125. Verb anfsst eilen s Rudolf Schulze, Stargarder Str. 6. Ernst Maaß, Driesonerstr. 17. Ernst Maafl, Schivelbeiner Str. 41. Am Kordbahnhof. Gustav Klage, Schwedter Straße 47. Karl Schulz, Bemauer Straße 70. Kühe Hnmboldthaln. Paul Ernst Maas, Ruppiner Str. 24. Paul Ernst Maai,SwineinünderStr.58 Kühe Gartenplatz. Werner Eherlein, üsedomstr. 10. Werner Eberlein, Stralsunder Str. 25 Werner Eherlein, Bemauer Str. 6. Werner Eberlein, Ackers tr. 80. Eduard Franke, Ackorstr. 49. Kahe Stettiner Bahnhof. Leo Gosehln, Elsasser Stf. 30, Ecke Borsigstraße. Leo Goschm, Novalisstr. 1. Kahe Gcsandbrnnnca. Karl Schettler, Badstr. 16. Otto Odebrecht, Prinzen-Allee 38. Kabc Wedding. P. Fürstenau, Chausseestr. 60 ander Liesenstraße. Rud. Ehrig, Oottschedstr. 12. Rud. Ehrig, Liobenwalder Str. 4fl. Paul Michaelis, Goriohtstr. 73. Paul Michaelis, Müllerstr. 28. Paul Michaelis, Reinickendorfer IOC Paul Michaelis, Müllerstr. 139. Paul Michaelis, Müllerstr. 54/55. Fritz Pfeitter, Pankstr. 5. Whh. GrUning, Adolfstr. 27. Wilh. Grünlng. Reinickendorfer St.70 Heinrich Arndt, Ponnstr. 49. s Alfred Wsndler, Gartenstraße, Ecke Elsasserstraße. Weitem Verkaufsstellen werden errichtet. Interessenten werden gebeten, sich wegen Einrichtung einer Verkaufsstelle direkt an die Berliner Vertretung der Milka-Nährmittelfabrik G. m. b. H., Reinickendorfer Gtr. 103, Telephon: Amt II, 1945. zu wenden. eph Deutsche Kaffee-Mischung einzig in aclner Art. ms äPfd. 40 Pf, Diese seift Jabren so oeliebfte Mlschnuj flebft tob 1 Lth. 2 Lftr. vorzügllcliei Kaffeege tränk A. Pennitz, Berlin G., Rosenthaler Str. 59, u. mit Plakat verseh. Handlungen. (c Haben Sie Stoff? Ich ftrtiqe davon Anzog od. Patetot nach Mass, schick, dauerh, Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Labaad, Nene PromenadeS.lI.( Stdtb. Börse). toi| ten, I ° g' � i Bauschule u.Technikuni. Berlin C., Müiizstr. 7, errichtet 1890. Hoch-«nb Tiefhau(4 Semester). .Elsenb etonban! Spezialabteilung f. Steinmetz, Tischler und Schlosser. Tages- und Abendkurse. Programme kostenlos durch die 16792* Direktion. Trotz der Tabaksteuer keine Preiserhöhung meiner bekannt qualitätreichen Zigarren, so lange mein Vorrat reicht. H. Meier, gegr. isse,«nh. Th. Schnaufer, 1216* Berlin O. 17, Madalstr. 15. 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