Nr. 108. Erscheint täglich außer Montags. Breis pränumerando: Viertels jährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Bfg. Poft- Abonnement: 8,80 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland a Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Poft geitungs- Preisliste für 1898 unter Nr. 6708. Vorwärts 10. Jahrg Infections- Gebühr beträgt für die fünfgefpaltene Betttzelle oder beren Raum 40 Bfg., für Vereins: und Berfammlungsanzeigen 20$ fg Inferate für die nächfte Nummer müffen bts 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition tft an Wochentagen bis 7 lbr bends, an Sonnund Fefttagen bis 9 Uhr Bormittags geöffnet. Serafpeech- Anflu 3mt 1, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Arbeitspausen für jugendliche Fabrikarbeiter. 糖 " einer neuen Stelle durchlöchert würde. Mittwoch, den 3. Mai 1893. " D Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. ftündigen Arbeitszeit, die ja natürlich dem Rapital in feiner stehe, daß die neue Formulirung des§ 136 eine ErWeise geschmälert werden darf! In dem Paragraphen steht leichterung der Industrie" gewähren solle. Folglich müsse fein Wort davon, daß es einen Unterschied machen soll, ob der Paragraph so lag wie möglich für die Industriellen aus der Fabrikant die 14-16 jährigen volle zehn Stunden, oder gelegt werden und ihnen gestattet sein, bei blos 7 oder Im Egmont läßt Goethe den Schneider Vansen mit be blos neun, acht oder sieben ausnutzt. Das ist seine Sache, Sstündiger Beschäftigung jugendlicher Arbeiter die Vor- und zug auf die spanische Rechtspflege" in den Niederlanden das wird er schon so einrichten, wie es seinem Nachmittagspausen megfallen zu lassen.„ Daß auch fagen: Und ich versichere Euch, mit mehr Sorgfalt suchen Geldbeutel am besten paßt. Den 14-16jährigen soll bei 3. B. siebenstündiger Arbeitszeit die drei Pausen die Bettelweiber nicht die Lumpen aus dem Kehricht, als so als Mindestmaß des Schutzes" wenigstens drei Mal Zeit gewährt werden müßten, blos weil sie eben mehr ein Schelmenfabrikant aus fleinen, schiefen, verschobenen, zum Athemholen und Rasten während ihrer unnatürlichen als sechsstündig ist, erscheint in dem Falle abfurd, verrückten, verdrückten, geschlossenen, bekannten, geleugneten Anspannung gegeben werden. Hygienifer verlangen be- wenn nur Vormittags oder Nachmittags gearbeitet wird, Anzeigen und Umständen sich endlich einen strohlumpenen fanntlich schon lange, daß die Arbeitszeit dieser jungen weil nicht ausführbar, entspricht aber auch nicht der Ers Vogelschen zusammenfünftelt, um wenigstens seinen Inqui- Leute auf 6 oder 8 Stunden herabgesetzt werde, und re- wägung des Gesetzgebers, daß sogar für Kinder bei sechsfiten in effigie hängen zu können". Eine rechte, echte Probe gierte bei uns nicht der Kapitalismus, so müßten die stündiger Arbeitszeit eine halbstündige Pause genügt. 3 folcher Tattit liegt uns in eben dem Blatte vor, das viel- 14-16 jährigen richtig in der erweiterten Volksschule bleibt also nichts weiter übrig, als bei fach dem Interesse der sächsischen Buderbarone dient, bleiben und bis zu ihrem sechszehnten Jahre dort geistig einer vertürzten Arbeitszeit ber jugend: in der Magdeburger Beitung". Dort versucht solch und förperlich weiter lernen, geistig die Volksschul Kenntlichen Arbeiter nach vernünftigem Erein juristischer Tiftler aus der Bewerbenovelle von 1891 bezüg- nisse befestigen, staatsbürgerliche neu lernen und in die messen die Bausen zu bestimmen, und als lich der Ausnutzung jugendlicher Arbeiter etwas zum höheren Theorie der Technik und Gewerbe eingeführt werden; folches Ermessen ergiebt sich ganz von selbst die Einhaltung Profit des Kapitals herauszudeuten, und es ist vielleicht törperlich aber sich ausbilden durch Handarbeits- Unterricht, ber regelmäßigen Pausen für den vollen Fabrikbetrieb in gut, wenn gleich von vornherein gehörig auf diesen Aus- der feinem Profit diente und nicht nur einseitige Fertig so fern, als, wenn nach Beendigung der Vormittagspause legungsversuch aufmerksam gemacht wird, da sonstige Aus- feiten entwickelte; auf diese Weise täme mit 17 und 18 von 8-8 Uhr mit der Arbeit begonnen oder bei Beginn beuter und am Ende sogar Behörden den lieblichen Spuren Jahren eine Arbeiterschaft aus den Schulen, die jeder an der Nachmittagspause von 4-4 Uhr die Arbeit geder Magdeburger Beitung" folgen könnten und der Ar- deren geistig und körperlich überlegen wäre. Das ist das schlossen wird, von einer Vor, bezw. Nach mit beiterschutz dann auf Kosten des Proletariats wieder an Programm der Sozialdemokratie bezüglich der Jugend- tagspause teine Rede sein tann." So das bildung und Jugendarbeit, und zu diesem Programm ver- Capitalistische Plaidoyer der Magdeburger Beitung", das Um die elende halbe Stunde Arbeitspause handelt es halten sich die elenden Arbeitspausen, die das Gesetz jetzt mit nackter Offenheit schließlich an die Stelle des Gesetzes fich, die jugendlichen Arbeitern von 14-16 Jahren je Vors für die jugendlichen Arbeiter vorschreibt, bereits wie Flicks das vernünftige Ermessen" des Unternehmers setzen und Nachmittags neben der selbstverständlichen Mittagspause lappen zu einer gefunden, warmen Kleidung. Noch weniger möchte, mit anderen Worten, den Bod zum Gärtner! Seine Unhaltbarkeit und Rechtsverdrehung liegt nach dafür gewährt werden soll, daß diese in vollster Entwickelung fann man freilich verlangen, daß die furzsichtige fapitabegriffenen jungen Leute netto zehn Stunden täglich, aus- liftische Profitgier begriffe, was eigentlich höthig ist. Die Allem, was wir ausgeführt haben, flar zu Tage. Die schließlich der Baufen, abgeracfert werden dürfen, genau so, ftochert in den Motiven und Erläuterungen des Arbeiter Erleichterung", von der in den Motiven die Rede ist, be wie völlig erwachsene und gekräftigte Arbeiter, die vielfach schutz- Gesetzes herum, wo sich ein Abfall für ihre Zwecke zieht sich nur auf die findlichen Arbeiter. Das Reichsauch nicht länger als zehn Stunden beschäftigt werden. Die finde, und so kommt die Magdeburger Beitung" gericht hatte einmal entschieden, daß auch für diese drei betreffende Vorschrift der revidirten Gewerbe- Ordnung lautet zu ihrem Artikel über die Arbeitspausen der jugendlichen Bausen zu halten seien. Diese Auslegung ist durch die Arbeiter. in§ 136 flar und bündig: neue Form des§ 136 beseitigt; findliche Arbeiter haben Sie sagt: es sei die Ansicht" entstanden(), daß nur eine halbstündige Pause. Für jugendliche Für jugendliche Arbeiter, welche nur 6 Stunden täglich allen jugendlichen Arbeitern, welche mehr als 6 Stunden Arbeiter von 14 bis 16 Jahren ist Gott sei dank der Inbeschäftigt werden, muß die Pause mindestens eine halbe Stunde betragen. Den übrigen jugendlichen Ar- täglich arbeiten, drei Bausen Vormittags, Mittags und dustrie" teine Erleichterung" gewährt. Hier sind die beitern muß mindestens Mittags eine ein Nachmittagsgewährt werden müßten, und zwar ganz rei Bausen stritte einzuhalten, gleichgiltig, ob stündige, sowie Vormittags und Nachmittags gleichgiltig, ob 7 oder 10 Stunden gearbeitet wird, und auf die Arbeitszeit 10 oder 8 Stunden dauert, ob sie von 9 Uhr eine halbstündige Pause gewährt werden." welche Tagesstunden die Arbeitszeit gelegt ist". Wie wir oben Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags oder von 1 bis 7 Uhr Unter den jugendlichen Arbeitern, welche nur 6 Stunden ausführten, ist dies keine Ansicht", die entstanden ist", Nachmittags liegt, und gleichgiltig, ob der nationalliberale täglich beschäftigt werden"( dürfen), sind, wie der Zusammen- sondern es ist der sonnentlare, deutliche Sinn Kapitalismus, den die Magdeb. Btg." verkörpert, ein Verhang ergiebt, die 13-14 jährigen Kinder verstanden, die ja des Gesezes. Die„ Magdeburger Zeitung" behauptet ständniß für die hygienische Vorschrift hat, daß jugendliche auch nach der„ revidirten" Gewerbe- Ordnung noch ausge- nun, der Wortlaut des Gesetzes spreche zwar gegen sie und Arbeiter in jeder Beschäftigungsperiode, die 6 Stunden am beutet werden dürfen, wenn sie ihrer Schulpflicht genügt die tapitalistische Ausnutzungstheorie; nach dem Tage übersteigt, mindestens drei Erholungspausen genießen. haben( was z. B. in Bayern bei allen der Fall ist), und Sinne und der Entstehungsgeschichte" de 3 Die Magdeb. 8tg." räth den Unternehmern, sich an Polizei zwar 6 Stunden täglich mit einer furzen halbstündigen Paragraphen aber hätte derjenige Recht, und Gewerbe- Juspektoren zu wenden, damit die gesezwidrige Pause, die sehr oft einfach nicht beobachtet wird, wie die der sich weigerte, seinen jugendlichen Ar- Weglassung der Pausen nicht bestraft werde. Die Arbeiter Gewerbe- Inspektoren hundertfach berichten. Die übrigen beitern neben der Mittagspause auch noch mögen also noch wachsamer als Polizei und Gewerbejugendlichen Arbeiter" sind die 14-16 jährigen, und für eine Vor- und Nachmittagspause zu ge- Inspektoren sein und sich der jugendlichen Mitdulder, die diese ist doch, so sollte man meinen, im Gesetzestert sonnen- währen, wenn er sie nur acht oder sieben um ein gutes Recht betrogen werden sollen, in jedem Falle flar bestimmt, daß sie Mittags unter allen Umständen eine( st a t t zehn Stunden) beschäftige. Und um energisch annehmen! ganzstündige, Vor- und Nachmittags je eine halbstündige dieser zwei halbstündigen Pausen willen wird nun Tod und Arbeitspause haben müssen, nota bene außer der zehn Teufel beschworen. In den Motiven zur Gewerbenovelle Feuilleton. adbrud verboten.] ( 78 " " " Ich werde warten, so lange Du willst..." sagte werden?... Mein Liebling, vergieb mir die Bein, die ich Andrej, die liebe bleiche Stirn füffend. Laffen wir die Sache für heute ganz fallen Sie schüttelte energisch mit dem Kopfe. Nein, fie mußte und würde finden, was sie zu sagen hatte. Die Bauern, die an den Baren glauben Nein, das Dir verursache, nicht um meinetwillen, sondern um des Vaterlandes willen. Bedenke, was ist der Tod, was find unsere Leiden, wenn wir dadurch das Ende der Schrecken, die uns von allen Seiten umgeben, nur um einen Tag schneller herbeiführen können... Die Laufbahn eines Nihilisten. es nicht! Die Geſellſchaftsschichte, die jetzt neutral ist- Andrej sprach mit leiſer Stimme, welche manchmal zu Bon S. Stepniat. Autorisirte Uebersehung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Nein, das ist es wieder nicht!" Blöglich zitterte sie an allen Gliedern und sogar ihre Lippen wurden blaß; sie hatte den großen Grund ,, der ihr Bollwert werden sollte, erkannt, und sah jezt ein, wie schwach -O einem schwachen Geflüster herabsant. Er war durch den unnatürlichen Kampf erschöpft und konnte nicht länger den Streit führen. Es war nur das Auerbieten eines Waffenstillstandes, das Verlangen nach einer Ruhepause. Diese einfachen Worte rührten aber Tanja's Herz und führten einen Umschwung herbei, als er von Andrej am wenigsten erwartet wurde. So erhaben, romantisch oder jugendlich eine Frauens liebe auch sein mag, hat fie, wenn es wahre Liebe ist, immer ein bemitleidendes, mütterliches Element. Durch das schwache Geflüfter hatte Andrej diese Saite bei Tanja Je grausamer fie mit uns umgehen, desto größer er war o wie schrecklich! D, was wird aus mir werden, wenn sie Dich tödten!" wird unsere Anhängerschaft werden. Ich wünsche, ich könnte fie dazu veranlassen, meinen Körper in stieß sie hervor, indem sie die Augen mit der Hand bedeckte Stücke zu zerreißen oder mich an einem langsamen und den Kopf zurückwarf. Feuer lebendig auf dem Marktplatze zu verbrennen," Mein armes, liebes Kind!" sagte Andrej, fie in die schloß er mit leisem ungestümen Flüstern; sein Gesicht Arme schließend. brannte, als er den festen glühenden Blick auf sie richtete. Die Zurückbleibenden drückt das Schicksal viel schwerer als berührt und bewegt. Sie war nicht überzeugt, wenigstens Ich weiß, welch schweres Leid Du zu tragen haft. Anstatt das verzehrende unter der Aſche glimmende die, welche um ommen. Aber glaube mir, auch mein konnte sie nicht mit Bestimmtheit sagen, daß sie es war Feuer zu dämpfen, hatte sie es zu einer hellauflodernden Loos ist fein leichtes. Das Leben ist mir theuer, oder nicht war, denn bei seinen Beweisgründen vergaß ste Flamme angefacht. theurer als es mir je war, seitdem Du mich liebst. alles. Sie ergab sich. Sie bemitleidete ihn so tief, daß Sie fühlte mit Schrecken, daß der Boden unter ihren Es ist schwer in den Tod zu gehen, mich von Dir zu fie sein Loos durch ihren Widerstand nicht schwerer machen Füßen wantte. Sie wußte nicht, was sie sagen, was sie trennen und zu sterben, wo ich so glücklich sein könnte! wollte. thun sollte. Doch war es zu schrecklich nachzugeben. Ich gäbe etwas darum, uns das zu ersparen. Es kann Die Starrheit mich aus ihren Gesichtszügen. Die tiefen Marte einen Moment... lieber Andrej!" sagte fie, aber nicht sein! Der Schlag muß geführt werden. Ich Augen blickten wieder freundlich und liebend auf ihn, als ihn am Arm ergreifend, als ob er schon jetzt dorthin gehen kann mich nicht zurückziehen, weil ich dich liebe. Ich sie ihm mit bebender Hand die Haare und das Gesicht, wollte.„ Nur einen Moment... Ich habe Dir noch etwas würde mich selbst für einen Feigling, einen Lügner, einen welches auf ihrem Schooße lag, streichelte. Sie sprach zu zu sagen... etwas sehr Ueberzeugendes. Ich vergaß aber, Berräther meiner Gelübde, meiner Sache, meines Landes ihm sanfter und schmeichelnd, während sie innerlich noch was es ist... All' das ist so schrecklich, daß mir schwin halten, wenn ich's thäte! Es wäre dann besser, mich selbst viel gütigere Worte der Liebe und Zärtlichkeit ergoß, als belt... Du mußt mich denken lassen. in dem ersten schmuzigen Teich zu ertränken, als lebend mit diejenigen, die sie laut aussprach. solch' einer Last auf dem Herzen einherzugehen! Wie könnte Die Zukunft war für sie ganz dunkel; über die That, ich's ertragen? Was würde dann aus unserer Liebe auf die Andrej's Geist jetzt gerichtet war, konnte sie nicht " Sie stand ganz dicht neben ihm, die Augen niedergeschlagen, das Haupt gebeugt. . poHftlifjc MevevNlkLt. Berlin, den 2. Mai. Die Militärvorlage. Die von Herrn R i ck e r t inspirirte „Liberale Korrespondenz" theilt mit, daß der pestern noch von uns gemeldete Fraktionsbeschluß der Deutschfrei- sinnigen(ihre beiden Anträge aus der Kommission: Die verfassungsmäßige. dauernde Sicherstellung der zweijährigen Dienstzeit für die Fußtruppcn und die Normirung der Friedens Präsenzstärke in der jetzigen Höhe von 4S6 983 Mann für die Dauer von N/e Jahren wieder einzubringen) nur von 38 Fraktions- Mitgliedern unterzeichnet worden sei.„Die Minorität"— so heißt es in der„Lib. Korr."—„behielt sich freie Hand vor für eine etwaige Verständigung mit der Regie rung auf Grundlage einer anderweitigen Präsenzziffer, aber unter der Voraussetzung, daß sich für eine solche Verständigung eine Mehrheit ergiebt." Der dem Reichstag bereits zu- gegangene deutschfreisinnige Antrag ist nicht unterzeichnet von den Abgeordnelen: Berling, Broemel, Dr. Dohrn, Eberty, Gold- schmidt, Gutfleisch, Dr. Hänel, Dr. Harmening, Hinze, Dr Horwitz, Lorenzen, Lüders, Maager, Dr. Alexander Meyer, Dr. Müller, Rickert, Dr. R»g», Schroeder, Schütte, Dr. Seelig, Dr. Siemens, Dr. Frhr. v. Stauffenberg, Dr. Thomas, Wilbrandt. Dr. Witte und Dan. Letzterer ist Hospitant der Fraktion.— Daß die Hinze, die A lex. M ey er, die Hänel und Rickert in „wabernder Lohe" für ein K o m p r o m i ß ch e n„wallen und weben", ist wohlbekannt. Wie aber der zur bürgerlichen Demo- kratie sich bekennende Bodenreformer Harmening in die Gesellschaft der Kompromißler gerathen ist, bedarf der Aufklärung. Wir setzen voraus, daß der thüringische Abgeordnete sich beeilen wird, für diese Aufklärung zu sorgen. Die„Rational-Zeitung" stellt folgendes Rechen- exempel über die Art, wie der Kuhhandel zu stände kommt, an:„Es sind 3 Mandate erledigt, die Zahl der Abgeordnete» ist somit 394. Von diesen werden Fürst Bismarck und 10 Elsaß- Lothringer wohl jedenfalls fehlen, bleiben 383, so daß die absolute Mehrheit 192 betrüge. Für das Kompromiß stimmen die Nationalliberalen(41), Konservativen(63), Freikonservativen(13). Polen(17) und mindestens 3 Wilde, macht 149; es würden danach zur Mehrheit 43 Stimmen fehlen, welche der Deutsch- sreisinn und das Zentrum zu stellen hätten. Jndeß ist bei dieser Rechnung überall die volle Stärke der Fraktionen in Anschlag gebracht, während für die Entscheidung auch ins Gewicht fallen wird, wie viele Mitglieder der in ihrer Mehrheit das Kompromiß verwerfenden Fraktionen fortbleiben werden. Von den An- hängern desselben wird selbstverständlich nur fehlen, wer unbedingt außer stände ist, seinen Platz einzunehmen." Dasselbe Blatt meldet in seiner heutigen Abendausgabe:„Man erwartet, daß Graf Caprivi noch vor dem Beginn der zweiten Berathung einen entsprechenden Beschluß des Bundesraths herbeiführen werde Der Antrag H u e n e ist noch nicht eingebracht, soll aber spä- testens morgen früh vertheilt werden. Heute Abend findet die FraktionS-Sitzung des Zentrums statt, in der sich entscheiden wird, wie viele Mitglieder desselben mit Herrn v. Huene stimmen und wie die Mehrheit der Fraktion sich zu diesem stellen wird. Bei den Deutschfreisinnigen sind die Herren Rickert und Genoffen bemüht, für ihre Stellungnahme weitere Anhänger zu gewinnen."— Die„V olkS» Zeitung", deren Chefredakteur der deutfchfreifinnige Reichstagsabgeordnete Bollrath ist, schreibt: „Es haben von den in der Fraktionssitzung zugegen ge- wefenen Mitgliedern der Fraktion nicht unterzeichnet, weil sie bei einer„Verständigung" dabei sein wollen: Brömel, Dr. Dohrn, Goldschmidt, Dr. Hänel, Hinze, Dr. Horwitz, Maager, Dr. Alexander Meyer, Rickert, Schröder, Wilbrandt. Diese elf Mann sind es zunächst, die sich daS Lobbes Herrn Schweinburg und der anderen Offiziösen„voll und ganz" verdient haben. Was den Abgeordneten Dr. M ü l l e r(Glogau) betrifft, so scheint das Fehlen seines Namens unter dem Antrag Richter nur auf einem V e r s e h e n zu beruhen; denn soviel wir wissen, steht derselbe auf dem Boden des Antrages. Bon denen, die am Montag gefehlt haben, sind mit Bestimmtheit den Rickert'schen zuzurechnen: Dr. Witte, Dr. Siemens, Lorenzen." Die Wähler mögen sich diese V i er zehne r-Liste liberaler„V o lks fr e u n d e" sorgfältig einprägen. Wir vermuthen, daß sie noch nicht vollständig ist. Man schreibt uns:„Der Handel um die Militär» vorläge ist also„in letzter Stunde" zu stände gekommen. Der Zentrumsmann Huene war glücklicher und geschickter als der nationalliberale Bennigsen— er hatte mehr hinter sich und konnte mehr bieten. Ob gleich bei der zweiten Lesung oder erst bei der dritten die nöthige Mehrheit gestellt wird, das ist noch ungewiß. An dem Kompromiß selbst ist nicht mehr zu zweifeln. Beschlossen war er schon beim Beginn der Session— aber die Furcht vor den Wählern zwang zu der sechsmonatigen Komödie der Zauderverhandlungen(mit obligater hinaussehen, ebensowenig wie über das Grab, �etzt sah sie aber ihren Weg ganz deutlich. Sie war sem Weib, seine Schwester, sein Gefährte, und beschloß daher, allen Muth zusammen zu nehmen und ihm in dieser schrecklichen Prüfung beizustehen, ihn zu stützen und aus ihre jungen Schultern soviel von seiner Last zu nehmen, als sie nur konnte. Sie war jetzt viel ruhiger. In ihren großen traurigen Augen war keine Thränenspur zu sehen. Innerlich weinte sie aber Blutsthränen— jedoch nicht mehr über ihr Ge- schick, denn in dem einzigen Gedanken an ihn hatte sie sich selbst ganz vergessen. Kapitel VIH. Zwei Generationen. Andrej machte sein Anerbieten. Es wurde angenommen. Die weit ausgedehnte und verwickelte Verschwörung, deren vollziehende Hand er sein sollte, wurde in Bewegung gesetzt und nahm ihren Lauf. Eines Abends, ungefähr vierzehn Tage nach seiner Rück- kehr, überschritt Andrej die Tutschkow- Brücke und lenkte seine Schritte nach dem Schloßplatze. Er wohnte noch in seiner alten Wohnung, doch zeigte es sich, daß er dort nicht mehr sicher war, so daß sie schnell nach einem anderen Viertel überzusiedeln beabsichtigten. Deshalb machte auch Andrej einen großen Umweg, denn er konnte seinen Weg sehr ver- kürzen, wenn er die Gagarin- Fähre benutzte. Er wollte den alten Repin besuchen und war bei diesem Vorhaben noch mehr als sonst bemüht, keine Spione nach sich zu ziehen, die etwa in der Umgebung seines Hauses herumlungern konnten. Repin hatte ihm sagen lassen, daß er ihn in einer wichtigen Angelegenheit zu sprechen wünsche. In dieser Aufforderung lag nichts Ungewöhnliches, so daß Andrej sich nicht bemühte, die Absicht dieser Einladung zu errathen. Repin war aus den Besuch vorbereitet und erwartete ihn im Studierzimmer, nachdem er dafür gesorgt hatte, daß er nicht gestört werde. Der alte Mann sah, als er so vor dem von zwei Kerzen erhellten Tische saß und zerstreut über einige Schriftstücke hinblickte, gedankenvoll und besorgt aus. Er wollte Andrei ein Anerbieten machen, welches ihm Zukunftsstaats-Debatte al? burlesker Zwischenakts- Einlagen). Möglich, daß man sich schließlich noch zu einer Scheinablehnung versteht, um bei den Neuwahlen em frisches Mandat auf fünf Jahre zu ergattern. Jedenfalls wird eine unwürdige Komödie gespielt. Nun, die Strafe wird nicht ausbleiben. Die deutschen Wähler werden mit den Urhebern dieser Komödie und mit allen, die eine Rolle in ihr gespielt haben, streng ins Gericht gehen."— Die ultramontane„Kölnische Volks-Zeitung" schreibt „Wir können angesichts dieser Miliheilungen und Andeutungen nur nochmals an die Zentrumsfraktion die drmgende Mahnung richten, an der in der ersten Lesung erklärten Stellungnahme festzuhalten. Käme die Militärvorlage durch Absplitterung oder Enthaltung eines Theites der Zentrumsfraktion noch jetzt zu stände, so würde das, wie die Dinge sich entwickelt haben, von den ver- hängnißvollsten Folgen sein."— Die„Germania" ergreist endlich heute Abend das Wort. Sie schreibt: „Kompromißgerüchte aller Art durchschwirren die Blätter. Was die Zentrumspartei angeht, so können deren Mitglieder auch im Lande vollständig ruhig bleiben. Für die Regierungsvorlage ist kein Mensch in der Zentrums- Fraktion, für das Huene'sche Kompromiß, wenn es offiziell formulirt würde— bis jetzt ist weder die Fraktion noch der Reichstag damit befaßt— kämen h ö ch st e n s so viele Mit- glieder der Fraktion in Betracht, daß die Finger— wir bitten, das wörtlich zu nehmen, zur Abzahlung ausreichen würden. Heute Abend hält die Fraktion Sitzung über die Militär- vorläge. Käme dann das Huene'sche Kompromiß vor, so würde sich jenes Resultat ergeben. Wahrscheinlich aber tritt es an die Fraktion gar nicht heran, weil deren Stimmung auS den Frakuonssiyungen der vergangenen Woche bekannt rst. Es würden dann nur noch die Redner der Fraktion für die Plenarberathung bestimmt werden u. dergl." Wenn das Zentrum nicht seinen raschen Untergang als große Partei selbst herbeiführen will, muß es fest bleiben. Die Sprache der„Germania" läßt heute an Entschiedenheit nichts zu wünschen übrig. Sie erklärt nochmals, daß die Minderheit in der Zentrumsfraktion viel zu winzig sei, um ins Gewicht zu fallen, und schließt mit dem deutlichen Wink an Huene:„Nur das kann noch in Betracht kommen, ob Herr v. Huene auch nur �für seine Person" der geeignete und nolhwendige Antragsteller ist bei einem Kompromiß, den die alten Kartellparteien— die Konservativen machen dazu den zweiten Umsall— vertreten, der die Nationallideralen aus ihrer Roth rettet, den die eigene Partei aber verwirft." Sie verzeichnet ferner ohne Rand bemerkung unter„Parlamentarisches" die Notiz:„Wie die „National-Zeitung" hört, will der Abg. Freiherr v. Huene, falls es zur Auslösung des Reichstages kommen sollte, ein Mandat nicht mehr annehmen." Hoffentlich theilt die„Germania" umgehend auch das Ergebncß der Fraktions-Sitzung mit. Reiner Wein muß eingeschenkt werden.— Wie berichtet ist, hat der Reichskanzler nach den weiteren Mittheilungen über die Abmachung mit Herrn von Huene auf die Erhöhung der Brau st euer und der Branntweinsteuer verzichtet. Für den Rest des Haushalts- jahres sollen die Kosten der Hceresverstärkung durch Matrikutar- beitrüge ausgebracht werden. Sollte die Vorlage Annahme finden, so wird die Lösung der Finanzsrage also auf eine spätere Session verschoben. Unsere volksverwüstendeFinanzwirth- s ch a f t würde dadurch in noch ärgere Wirrnisse als bisher ge- rathen. Nach Art eines schlechten Haushalters soll mit einem Provisorium gewirthschaftet werden. Aber wenn die Re- gierung jetzt aus höhere Brau- und Branntweinsteuer ver- zichtet, so geschieht dies nicht in der Absicht, der die Masse auspowernden indirekten Steuerpolitik Abtrag zu thun. Im Gegentheil! Die„Lösung der Finanzsrage" wird „verschoben", das Budget rechnet mit den Beiträgen der Einzel- staaten, die also noch höher als bisher zu den Reichsausgabe» herangezogen werden sollen, was das preußische Defizit z. B. und die Ansprüche an die Steuerzahler in den Einzelstaalen recht erklecklich steigern müßte. Und wie werden die neuen Ausgaben am Ende, wenn die„Finanzsrage" zur„Lösung" kommt, gedeckt werden? Durch neue indirekte Steuern, durch Erhöhung der alten Steuern, durch Zölle und etwa Monopole. So lautete denn das Paßwort der Kompromißwütheriche und der Regierung: „Die Militärvorlage muß bewilligt werden, wie die neue Gut- und Blutsteuer bezahlt wird, dafür mag später ge- sorgt werden. Nach uns die Sintfluth!" Das a r- bettende Boll, das die Zeche zahlen soll, sei auf der Wacht! Schamloser als je drohen die Landsknechte der Reaktion, die Reptilienbrüder mit einem S t a a t s st r e i ch, mit einem Verfassungsbruch. Möge das Volk die richtige Lehre daraus ziehen!— Die„Freisinnige" von heute Abend windet sich ob der Spaltung in folgenden Qualen: Wir geben die Hoffnung noch nicht aus, daß der Kompromißantrag Huene, zu welchem übrigens der Kaiser bereits seine Zustimmung ertheilt hat, scheitern wird. Bis zur Entscheidung behalten wir uns ans naheliegenden Grün- sehr am Herfen lag, und er hatte vollauf Grund zu glauben, daß dadei keine Zeit zu verlieren sei. Wenn die Verschworenen an etwas ausnehmend Ernstem arbeiten, errathen oft selbst diejenigen, die nicht aktiv thätig sind, daß etwas Wichtiges im Gange sei. Eine unbestimmte Empfindung der Gefahr verbreitet sich überall. Man sieht, daß die Verschworenen sorgfältiger die Vorsichtsmaßregeln gegen die Polizei beobachten. Sie ermahnen die mit ihnen Sympathiesirenden und gelegent- lichen Helfer gegen Haussuchungen auf ihrer Hut zu sein. Sie entfernen bloßstellende Papiere aus Häusern, in denen sie zu anderen Zeiten fast offen gehalten wurden. Einige Mitglieder der Partei, die über weniger Selbstbeherrschung verfügen, als die andern, können ihre hochgradige Nervosität nicht verbergen, wenn sie heiter und ruhig aussehen sollten. So können, selbst wenn das Geheimniß, um welches es sich handelt,"streng gewahrt wird, diejenigen, welche die Zeichen der Zeiten lesen können, oft etwas voraussehen. Repin gehörte zu Ijenem großen in Rußland auS den verschiedensten Elementen zusammengesetzten Kreise von Leuten, welche für die Verschworenen Freundschaft und Mit- gefühl empfinden. Er hatte diese verhängnißvollen Zeichen mit scharfer und schmerzlicher Aufmerksamkeit beobachtet und war fest überzeugt, daß ein neuer Ausbruch nahe bevorstehe. Er hatte lange Zeit keinen aktiven Geschworenen gesehen, vor einigen Tagen aber Tanja aus einer kleinen Gesellschaft in dem Hause eines Freundes getroffen. Sie konnten nur einige Worte heimlich austauschen, doch sah sie so verstört, so müde aus, daß er seine schlimmsten Vermuthungen de- stätigt fühlte. Das unterirdische Leben mußte jetzt mit be- sonders großen Sorgen verknüpft sein, denn nie zuvor hatte er seine Tochter in solchem Zustande gesehen. Er war machtlos, sie der revolutionären Sache abspenstig zu machen, vielleicht gelang es ihm aber sie und Andrej eine Zeit lang von der Bewegung fern zu halten. Er war entschlossen, es zu versuchen. Nach seiner Tochter war die Person, um die er am meisten besorgt war, sein Schwiegersohn, zu dem er auf so eigenthümliche Weise gekommen war. Wenn er einen Gatten für Tanja zu wählen gehabt hätte, hätte er ihr sicherlich den weitere Ausführungen über die in der freisinnigen Partei hervorgetretene Spaltung vor. Die einzige Partei, welche den Antisemitismus von Anfang an bekämpft habe, sei die deutschfreisinnige— prahlt die„Frei- sinnige Zeitung". Mit Nichten. Die einzige Partei, die den Antisemitismus von Anfang an erkannt und bekämpft hat und die ihm auch das Lebenslicht ausblasen wird, ist die sozial- d emokratische. Und die einzige, die ihn von Anfang an bis auf den heutigen Tag nicht erkannt hat und ihm deshalb ganz rathlos gegenübersteht, ist die deutschfreisinnige Partei.— O welches Glück, einen Ahlward zum Ankläger zu haben— können jetzt alle diejenigen singen, die zur Zeit der Gründerära ihr deutsches Panama-Schäfchen geschoren haben. Der Ahlwardt hat richtig an ihnen das Wunder der Mohrenwäsche fertig gebracht. Freilich nur in den Augen derjenigen, die an Wunder glauben. Und zu diesen gehören, wie jedermann weiß, wir Sozialdemokraten nicht. Wenn es wahr wäre, waS einige Antisemiteriche jetzt in Umlauf setzen, daß Ahlwardt im Solde der �Ilianos israelite stehe, so hätte diese„Allianz" in der That einen glänzenden Beweis von Scharfsinn und Menschcnkenntniß gegeben.— Ein Muster der Folgerichtigkeit ist die„Kölnische Zeitung". Ihr einstiger Redakteur, der jetzige Herausgeber der„W estdeutschen Allgemeinen Zeitung", stellt die Wandlungen fest, welche die „Kölnische Zeitung" in Sachen der Militärvorlage durchlebt hat. Man urtheile selbst! „Kölnische Zeitung" vom 12. November 1392:„Die nationalliberale Kor- respondenz ist mit uns der Ansicht, daß es die Aufgabe der nationalgesinnten Deutschen ist, in der Militärvorlage auf einen Kompromiß zwischen den Forderungen der Re- gierung und der Rücksicht auf die wirthschastliche Lage hinzuarbeiten. Wir nehmen an, daß die Negierung z u wetteren Zugeständnissen bereit ist." 16. November 1392:„Die Regierung wird weit- gehende Zugeständnisse machen müssen, aber sie ist dazu, wie wir glauben, auch bereit. In diesem Falle aber dürften die staaterhallenden Parteien schwerlich die Ver- antwortung für eine ernste Krisis in unserem Staatsleben auf sich nehmen, vielmehr bereit sein, die Hand zu einem Kom- promiß darzubieten." 21. November 1392:„Wir verkennen durchaus nicht die Nothwendigkeit. daß bei der Beurtheilung von Fachsragen zunächst Fachmänner das Wort ergreifen, aber die Militär- vorläge ist keine ausschließlich militärische Fachangeleaenheit, sie ist zugleich von großer volkswlrthschaftlicher Bedeutung, die der Poll- tiker wahrhaftig nicht in letzter Linie in den Kreis seiner Erwägungen zuziehen hat. Hier den rein militärischen Standpunkt als allein und ausschließlich maßgebend hinzustellen erzeugt einerseits eine Ein- sei t ig k e it d er A u ffa ssu n g und giebt anderer- seits schreib- und redegewandten Agitatoren scharfe Waffen in die Hand— beides Umstände, die wir gerade im Interesse der geplanten Heeresverstärkungen, soweit sie sich als unerläßlich herausgestellt, beklagen." 24. November 1892:„Es wird Sache der Mittelparteien, de? Zentrums und der Konservativen sein, sich über den Kompromiß schlüssig zu machen, den sie der Regierung anbieten wollen." Und wir fügen auS der„Kölnischen Zeitung" vom 1. Mai 1893 das Folgende hinzu. „Im Laufe dieser Woche werden im Deutschen Reichstag die Würfel über eine schicksalsschwere Frage fallen. Sachver- ständige Männer haben uns nachgewiesen, daß sowohl Deutsch- land für sich als auch der Dreibund in ver Entwicklung seiner Wehrkraft hinter den Gegnern zurückgeblieben ist. Unser Heer bietet uns bei all seiner Bortresslichkett kein« Bürgschaft da!Ür. daß wir den Krieg, der uns etwa aufgezwungen werden sollte, auf feindlichem Boden führen werden...... Aus sorgfältigen Erwägungen aller berufenen Männer ist eine Vorlage hervor« gegangen, welche die Verstärkung und Äerj ingung des Heeres anstrebt und zugleich einen gerechten und liberalen Gedanken. Verkürzung der Dienstzeit unter thunlichster Durchsührung der allgemeinen Wehrpflicht, verwirklicht." Was sind die vielgewandten Höflinge des Dänen- prinzen, die Rosenkranz und Gyldenstern für starrnackige Gesellen verglichen mit den Kautschukmännern der „Kölnischen Zeitung"! Dieses Blatt kämpft für die„besten Schichten der Nation", für„Bildung und Besitz" und wie die Schlagworte sonst heißen für den Geldsack.— Der„feste Thurm". Die bayerische Zentrums- Partei bietet alles aus, um ihre schwankende Stellung keinen Gefährten auS den Reihen der Verschworenen ausgesucht. Aber junge Leute, die in politischen Angelegenheiten ihren eigenen Weg gehen, pflegen auch in Lebensfragen keine Leitung von den Eltern zu dulden. Seitdem sich übrigens Tanja zu den Verschworenen gesellt hatte, kam es ihm auf den Berus ihres Gatten nur noch wenig an. So gelang es schließlich Repin, durchdrungen von den Sympathieen, welche die besten der Liberalen den Revolutionären entgegen- brachten— Andrej als seinen wirklichen Schwiegersohn gelten zu laffen und ihn aufrichtig zu lieben. Hätte Andrej einer weniger radikalen Richtung der revolutionären Partei angehört, so wäre der alte Mann mit ihm ganz zufrieden gewesen. Sie standen aus sehr gutem Fuße, und Andrej besuchte Repin so oft es die nöthige Vorsicht und seine Thätigkeit irgendwie erlaubte. Repin wußte viel von dem, was ihn betras, denn Andrej war mit ihm so offen und ehrlich, als ein Verschworener es mit einem vertrauten Freunde sein darf. Tanja war in der That die zurück- hallendere von beiden, da sie jünger war und als Tochter Repin's sich dem Vorwurfe der Beeiuflussung durch persöu- liche Voreingenommenheit mehr ausgesetzt fühlte. Er war wohl unterrichtet über die Dubrawnik'sche Expedition, die großen Gefahren, welche daraus für Andrej erwuchsen. Er hielt es gerade an der Zeit, daß Andrej sich für eine Weile zurückzog. Darauf beruhte seine Hoff- nung, daß der Plan, den er in Aussicht hatte, sowohl ihm, als Tanja angenehm sein werde. Er begrüßte Andrej, der ihn seit seiner Rückkehr aus Dubrawuik nickt besucht hatte, recht herzlich und fragte ihn nach Tanja's Befinden. ' Andrej antwortete, daß sie ganz wohl sei. „Es ist ebenso unwahrscheinlich, denke ich, daß einer der Unseren krank wird, als daß ein Salamander sich erkältet," fügte er hinzu.„Es ist so brennend heiß in unserer unter- irdischen Region, daß ich zweifeln muß, daß Bazillen dort am Leben bleiben können." Er lächelte, aber nur mit den Lippen, seine Augen be- hielten den ernsten Ausdruck bei. (Fortsetzung fofgt.) refrtet z» befestigen und das auf dem platten Lande ver- lorene Terrain wieder zu erobern. Aber die a l t b a y e r i« schen Bauern sind widerhaarig und mögen nicht länger die Genasführten des Zentrums sein. Kürzlich fand in H a a r b a ch(Niederbayern) eine Bauernversammlung statt, in der die Bauern, denen die geistlich- zünftlerischen Ver- sammlungsleiter die Redefreiheit einschränkten, rund heraus beschlossen, sich jetzt an den sozialdemokratischen Agitationsverein in München zu wenden. Der solle ihnen den Volkmar oder sonst einen Abgeord- neten als Redner schicken. Sie wollen jetzt auch einmal etwas anderes hören und nach ihrem eigenen Kopfe handeln. Und das geschieht im frommen Niederbayern, im einstigen Paradies der Ultramontanen.— PreuhischeS. Bei der am 2- Mai stattgehabten Landtags-Ersatzwahl.im Wahlbezirk Sieg-Mül- Heim-Wipperfürth(4. Reg.-Bez. Köln) an stelle des ver- storbenen Ultramontanen B ö d i k e r wurde der Zentrums- kandidat Otto Rings mit 496 von£>08 abgegebenen Stimmen gewählt. Auf den Obcrpräsidenten v. Bennigsen fielen 6 und auf den Pfarrer Düsterwald zu Scheiderhöhe (Zentrum) ebenfalls 6 Stimmen.— Das Herrenhaus kommt den bedrängten National- liberalen Rheinland-Westfalens �u Hilfe und will aus dem neuen Landtags-Wahlgcsetz die zenen peinliche 2000 Mark- Klausel entfernen. In der heutigen Sitzung der erlauchten Versammlung, die seltsamer Weise noch immer nicht in der e g y p t i s ch e n Abtheilung unseres Museum? im Mumien- saale tagt, trat Pharao Stumm für die Interessen des GrofcbcsitzeS thatkräftig ein. Er betonte, daß das Herrenhaus gegenüber den zu Tage tretenden Bestrebungen der Sozialdemokratie die Pflicht habe, den Besitz zu schützen, der durch die Einkommen- st euer beschränkt sei, und jetzt durch die 2000 Mark- Klausel wiederum beschränkt werden solle. Auch bei den Regierungsmaßnahmen gegen den Bergarbeiter- st r e i k hätten sich solche demokratischen Tendenzen geltend gemacht, es hätte dort an Energie gefehlt. Nun die Regierung diesen Wischer erhalten, wird sie in Sack und Asche Buße tbun für den Knappentrutz, der noch viel zu mildiglich mit den Grubenarbeitern verfährt und für die Ablegung der streikenden Bergleute des Saarreviers, sintemal sie diese Missethäter einfach hätte zur Raison süstliren lasten sollen. Pharao Stumm befiehlt's, und der „demokratischen Tendenzen' huldigende Sozialminifter Berlepsch wird wissen, was er zu thun hat.— Die Ehristlich-Sozialen rücken ab von den Anti- semiten und erlassen im.Volk' eine Kundgebung, worin sie auch gegen die konservativ-liberalen Gelüste nach dem Sturze des allgemeinen Wahlrecht» Front machen. Ter den Christlich-Sozialen gesinnungsverwandte „Reichsbote' druckt das Manifest ab, die Ausführungen in Sachen deS Wahlrechts aber läßt er fürsichtiglich fort. Denen um Stöcker ist das Wahlrecht ein Dorn im Fleisch.— England. DaS Unterhaus hat die erst« Lesung der Bill, betreffend Gleichstellung der lokalen Ab- gaben in London angenommen. Der Präsident der Lokalverwaltung, Fowler, gab dabei die Erklärung ab, die Vorlage ermächtige den Grafschaftsrath, eine gleich- mäßige Abgabe von 6 Pente per Pfund Sterling vom ein- geschätzten Wcrthe de» Londoner Grundbesitzes zu erheben und den Ertrag unter die Londoner Sanitätsbehörden nach dem Verhältnis der Bevölkerungszahl zu vertheilen.— Vom Premier Gladstone wurde angekündigt, daß er den Beginn der Einzelberathung der Homerule-Bill vom nächsten Donners- tag auf den folgenden Montag verlagt.— Taö Frauen-Stimmrecht macht in Amerika immer mehr Fortschritte. Im Staate Arizona wurde das Gesetz detreffend volles Stimmrecht der Frauen vom Repräsentantenhause mit 16 gegen 7 Stimmen angenommen. Minnesota will in einem Ergänzungsgesetze den Frauen das volle Stimmrecht aeben. Der betreffende Antrag ging mit 26 gegen 14 Stimmen durch. D'e Frauen pelitionirren nur für daS Stimmrecht in Gemeinde- An- gelegenheiten. Aber mehrere Stimmen erklärten, man müsse endlich einmal weiter gehen und den Ausdruck.männlich' vor dem Worte Person, Personen(Wähler jc.) aus der Verfassung ein für allemal streichen. In Nebraska unterlagen die Frauen mit nur 4 Stimmen. Mit der Petition um das Stimmrecht in Gemeinde-Angelegenheiten unterlagen die Frauen in Massachusetts und Michigan, in letzterem Staate aber nur mit einer einzigen Stimme. Togegen erlangten die Frauen in California das Stimmrecht in Schulangeleaenheiten. Das Stimmrecht der Frauen i» Schulangelegenheiten ist nun in 22 Staaten der Union ein- geführt.— Die WeltanSstevnng in Chicago. Nach den Mit- theilungcn des Reichskommissars für die Weltausstellung in Chicago ist die Eröffnung der Ausstellung gestern in feier- lichcr Weise erfolgt. Dabei zeigte sich, wie die„Nord- deutsche Allg. Ztg." offiziös meldet, die deutsche Ab- t h e i l u n g als in der Vollendung am weitesten vor- geschritten und fand vielseitige Anerkennung.— Aus England. London, S0. April. Der Docker-Streik in Hull zieht sich in die Länge, und je mehr dies der Fall, um so mehr sinken die Aussichten aus einen Sieg der Arbeiter. Kämpfe, wie der in Frage stehende, bei dem es sich um sog. unqualifizirte Ardeiter handelt, können unter nornmlen Verhältnissen nur im Sturm gewonnen werden, sobald sie über eine gewisse Zeit hinaus dauern, sind die Arbeiter schon halb geschlagen. Fälle wie der erfolgreiche Dockerstreik des Jahres 1S5S gehören zu den Ausnahmen. Die Strategie der Leitung solcher Streiks muß daher aus die denkbar krästigne Aktion gleich von Ansang derselben an gerichtet sein, und diese Regel scheint in Hull theilweise außer Acht gelassen z» sein. War es über- Haupt möglich, die Einführung von Streikbrechern in die Huller Tocks zu verhindern bezw. denselben das Arbeiten zu verleiden, so nur am Anfange, wo es sich um Hunderte handelte, zeht aber zählen sie bereits mindestens Zweilausend, während die Bewachung derDocks eine bedeutend schärfere und beffer organisirte ist. Auch steht nunmehr unzweifelhaft fest, daß die Regierung jederzeit bereit ist, die„Freiheit der Arbeit" durch Sendung von Schutztruppen zu unterstützen. Der liberale Staatssekretär des Innern, Äs- quith, hat sich darüber mit einer Entschiedenheit ausgesprochen, die ihm den lautesten Beifall der— Konservativen eingetragen bat. Bürgerliche Regierung bleibt schließlich unter allen Formen Regierung des bürgerlichen Erwerbs, und wenn es darauf an- kommt, wird keine das Prinzip desielben preisgeben. Jndeß wollen wir uns hüten, die Sache zu abstrakt zu nehmen. Rein abstratt betrachtet, hätte Herr Asquith immer noch Recht, denn wir leben nun einmal noch in der bürgerlichen Gesellschaft und innerhalb dieser bestimmten Individuen ein Monopol auf eine bestimmte Arbeit zuerkennen. hieße die- selben auf Kosten anderer Arbeiter privilegiren. Es sind vielmehr die konkreten Umstände, die der Maßregel ihren Charakter aufprägen. Es handelt sich in Hull in Wirklich- keit nicht oder nicht mehr um organisirte Arbeit gegen freie Arbeit, sondern um gewerlschaftlich organisirte Arbeit gegen dem Kapital verschriebene Arbeit, und dies« ist es, deren Privilegium etzt durch die den Hafen bewachenden Polizisten und Mann- cbaften geschützt wird. Nachdem die Unions-Arbeiter sich bereit erklärt, mit Nichtunions-Arbeitern arbeiten zu wollen, sobald diese nur keinen Vorzug vor ihnen erhielten und das Werbe- bureau der Schiffsherren-Föderation dem— staatlichen— HandelSamt unterstellt würde, hätte die Regierung, wenn sie nur wollte, Anlaß genug gehabt, den Schiffsherren in Hull zu er- klären, von diesem Moment an heißt die Verwendung von Truppen zur Bewachung der Docks Parteinahm« für das koalirte Kapital gegen die koalirte Arbeit und dazu sind wir nicht da— seht zu, wie ihr allein in diesem Kampfe fertig werdet. Aber sie kann wohl durch den Mund Gladstone's allgemeine Philippiken gegen die Bockbeiniakeit der besitzenden Klassen zum besten gaben, zur Umsetzung derselben in die entschiedene That fehlt«8 ihr dagegen nicht nur an Muth sondern auch am Willen. Woher sollte sie ihn auch haben? Haben ihn doch die Masse der Arbeiter selbst immer nur in Momenten akuter Konflikte und vergessen darauf, wenn es gilt, die politische Macht zu veraeben. Warum soll die Regierung dem großen Schiffsrheder Wilson einen Liebesdienst versagen. nachdem erst vor Favresfrisl die Arbeiter Hulls denselben Herrn mit einer für englische Verhältnisse enormen Mehrheit als ihren Vertreter ins Parlament geschickt? Das bringt mich auf eine andere Seite der Frage. Herr Charles Wilson ist von feiten der Wortführer der Streikenden, insbesondere Herrn Tillet, jetzt nach Menschenmöglichkeit herunter- gerissen worden, als Blutsauger, als Jay Gould von Hull, als Verräther an seinen Versprechungen ic. jc. Es liegt mir nun fern, mich zum Vertheidiger dieses Millionärs aufzuwerfen, wohl aber ist Eines zu bemerken. Die Wilsons haben that- sächlich lange Zeit sich der Dockerunion gegenüber sehr freundschaftlich verhalten, sie so zu sagen selbst mit über die Taufe gehoben, und sich am längsten dagegen gewehrt, der Schisisherren-Föderation beizutreten. Das mag nicht auf- richtige Sympathie, sondern, wie jetzt behauptet wird. Berechnung gewesen fein— jedenfalls hatten die organisirten Arbeiter hier eine Position, die es gerade in einer Zeit wie die gegenwärtige, wo alle großen Hafenarbeiter-Organffationen, es ist dies un- bestrittene Thatsache— spotlschlecht stehen— zu halten galt. Ich könnte hier auf eine andere der neueren Organisationen «xemplifiziren, die zwar ungleich gesundere Finanzen hat als die Docker-llnion, aber doch unter der geschäftlichen Depression längst gleich dieser zusammengeschmolzen wäre, wenn ihre Leiter nicht eS verstanden hätten, die wichtigsten Positionen dadurch sich zu erhalten, daß sie kleinen Konflikten nicht erlaubten, sich zu großen zu entwickeln und den Unternehmern so einen Vorwand»u liefern, von früheren Abmachungen zurückzutreten. Ich enthalte mich jedoch, hier Namen zu nennen, da dies möglicherweise zum Schaden der betreffenden Organisation ausgedeutet werden könnte. Uebrigens ist es ja ein elementares Gebot der Taktik, solange man die Mehrheit der entscheidenden aktoren gegen sich hat. nicht selbst die Schlacht zu provoziren. hatsächlich aber hat die Docker-Union mindestens den Herren Wilson den Vorwand zur Eröffnung der Schlacht geliefert. Wenn sie sich z. B. berechtigt glaubte, die Firma für die schlechten Zahler unter ihren eigenen UnionSmitglledern haftbar zu machen, fo ist es immer noch fraglich, ob eS gerathen war, diesen Punkt in einem Moment erzwingen zu wollen, wo es sich in den meisten Häfen um Sein oder Nichtsein der Union überhaupt handelt, und alle Augenblicke die Arbeit zu unterbrechen, weil die Beamten der Firma den Restanten der Union nicht unter Androhung der Entlassung zur Beitragszahlung anhielten. Solche und ähnliche sortgesetzte Chikanirereien, erklären die Herren Wilson, hätten es ihnen zur Pflicht der Selbsterhaltung gemacht, der Schiffs- herren-Föderation beizutreten und deren Arbeitsvermittelung in Anspruch zu nehmen, und daß diese Dinge stattgesunden, wird nicht bestritten. Man kann beim besten Willen nicht behaupten, daß es kluge Politik war, grade hier den Bogen aufs äußerste zu spannen. Jndeß diese Frage liegt nunmehr in der Vergangenheit, und es handelt sich für den Moment darum, zu retten, was zu retten ist. Es steht mehr in Hull auf dem Spiel als nur die Lokal- brauchen von zwei oder drei Unionen unqualistzirter Arbeiter, mehr als das Ansehen nur dieser Unionen. Hull ist einer der bestorganisirten, vielleicht der bestorganistrte Play in England. Je größer die Bresche, die hier gelegt wird, desto prekärer die Positton aller Unionen der unqualistzirten und vieler Unionen qualifizirter Arbeiter.') Wäre ein Generalstreik aller Hafen- arbeiter Englands zur Zeit mit einiger Aussicht auf Erfolg durch- sührbar, oder auch nur für einige Wochen zustande zu bringen, fo würde es vielleicht möglich fem, das verlorene Terrain wieder zu«robern, aber alle Führer, die die Verhältnisse kennen, er- klären, daß er unmöglich ist. Die Kassen der zunächst in Betracht kommenden Unionen— der Docker- und der Matrofen- ic. Union— sind so erschöpft, daß dieselben von Anfang an auf die Hilse Außenstehender angewiesen waren, um nur die Streikenden in Hull einigermaßen unterstützen zu können. Wenig genug bekommen dieselben � sechs Shilling« die Woche— aber das Gros besteht aus strammen Iorkshiremen. die aushalten, so lange nur die geringste Hoffnung auf Durchsetzung ihrer Forde- rung noch vorhanden ist, und von feiten der besser situirten Ge- werkschaften sowie auch vielfach aus den Reihen des Publikums laufen namhafte Beiträge für die Streikenden ein. Burns hat z. B. bereits Hunderte von Pfund Sterl. im Parlamente für sie gesammelt. Ader da? reicht alles nur für eine Weile, da selbst bei der obigen UnterstützungSrate jeden Sonnabend gegen 2biX) Pfund Sterling aufgebracht werden müssen. Inzwischen aber arbeiten die angeworbenen Streikbrecher sich immer mehr in die ihnen anfangs ungewohnte Arbeit hinein, und so wird den Ar- beitern schließlich doch nichts übrig bleiben, als nachzugeben, wenn es nicht inzwischen noch zu einem leidlichen Kompromiß kommt. Es werden große Anstrengungen in dieser Richtung gemacht, aber die Schiffs- und Dockberren-Föderalion, durch den bereits zur Hälfte errungenen Sieg übermülhig gemacht, hat allen Zumulhungen bisher em starres Kon vossuinus entgegengesetzt. Die Streikenden versuchen natürlich ihr Möglichstes, die Zufuhr weilerer„freier" Arbeitsleute zu verhindern oder die eilt- gebrachten zur Rückkehr zu veranlassen. Wo sie können, bedienen sie sich dabei auch drastischerer Mittel, als das Gesetz sie ihnen an die Hand giebt. Das ist, so lange es innerhalb gewisser Grenzen bleibt, in England nichts Neues, und wird auch nicht als moralische Ungeheuerlichkeit beurthcilt. Wer erwischt wird, muß die gesetzlichen Folgen aus sich nehmen, das ist alles. Schon ernster werden die Maßnahmen benrtheilt. die das große Publikum in Mitleidenschast ziehen, und deshalb glaube ich nicht, daß der am 28. April stattgehabte große Brand aus den Holzlagern bei den Docks von Streikenden gelegt war. Da man den„freien" Arbeitern, um sie bei guter Laune zu erhalten, sowie den Soldaten das Rauchen gestattet, kann auch sehr wohl eine von den- selben weggeworfene Zigarre das unter der Wirkung der an- dauernden warmen Witterung ausgetrocknete Holz in Brand gesetzt haben. Aber selbst wenn der Brand, der über«ine Million Mark Schaden verursachte, von streikenden Arbeitern gelegt war, so 1 Nur beiläufig sei hier erwähnt, daß die Londoner Omnibus- gesellschaften dieser Tage wieder den alten 16 stündigen Arbeitstag proklamirt haben. So bleibt den Arbeitern vom großen Streik her nur eine.Errungenschast" tDieBilletkontrollel haben diese begeisterte Vertheidiger gefunden, auf die sie sich-m so mehr berufen können, als dieselben der Partei für Ord-timg und Gesetz angehören. So schrieb das Erztoryblalt, die„St. J/rmes Gazette" am Tage nach dem Brande: „Die Bevölkerung ist in einem Zustand höchster Erbitterung, und obwohl ihre Führer ihr bestes thun, sie zurückzuhalten, kann es sehr leicht kommen, daß ein unbedeutender Zwischenfall sie zur rasenden Wuth entstammen und der Unternehmer- Partei eine erneuerte Auflage jener Anschaulichkeitslektionen über A r- bette r-Srsiologie ertheilen mag, deren sie fo sehr von Nöthen hat." Herzhafte Worte, nicht wahr. Aber warum sollte das Organ der Primrose-Liga Anstand nehmen, sie zu äußern, nachdenc Lord Ealisbury vier Tage vorder auf einem Meeting der Primrose-Liga unter stürmischem Beifall erklärt ljatte:„Nun, ich muß sagen, alle Zeichen deuten darauf hin, daß es in Hull Unruhen geben wird, und zwar sehr ernste Unruhen. Die Leute von Hull würden jammervolle Leute sein, wenn sie die Polizei der Schis ssherren nicht niederschlagen könnten." Was sagen die Leser des„Vorwärts" dazu. Und die Sätze sind authentisch. Nur einige wenige, das Wesen derselben nicht berührende Wortänderungen habe ich nach dem Vorgang eines htesigen Blattes mir erlaubt. Statt„Unternehmer" heißt es im Original„Liberale", statt„Arbeiter"„irische", statt„Hull"„Bel- fast", und statt„Schiffsherren"„Nationalisten". Sonst ist der Sinn derselbe. Und daß es keine leeren Hypothesen waren, haben die Tumulte in Belfast gezeigt, wo durch solche und ähn- liche Renen der Herren Balfour, Churchill it. aufgestachelte protestantische Arbeiter ihre katholischen Arbeitskollegen mit Steinwürfen ic. von den Arbeitsplätzen vertrieben, die Häuser von Katholiken und desgleichen die Polizei mit Steinen und Eisentheilen bombardirlen, als die letztere sich einfallen ließ, ihnen das Spiel zu verwehren. Die Leute von Belfast rüsten sich zum gewaltsamen Aufruhr für den Fall, daß Homerule Gesetz werden sollte, sie warten gar nicht erst ab, ob Iie sich alsdann in dem Stadium der Nolhwehr gegen Ver- gewaltigung befinden werden, sondern verlheidigen sich gegen den bloßen Gedanken einer solchen Möglichkeit dadurch, daß sie mit Vergewaltigung ihrer nationalistisch gesinnten Mitbürger anfangen. Alles dieS gestützt auf die Autorität von Leuten, die gestern das Gesetz des Landes repräsentirten und eS morgen wieder zu repräsentiren hoffen, alles dies, um sich nicht von Lord Ealisbury den Vorwurf zuzuziehen, daß sie.Jammerkerle"(„vsrz? poor people") seien, oder um dessen Neffen Balfour nicht Lügen zu strafen, der am 9. April in Dublin ausrief:„Ulster kann in jedem Fall kämpfen. Diese letzte Zuflucht braver Männer, für ihre Freiheit zu kämpfen, kann ihnen nicht bestritten werden." Nun, was Ulster recht ist, ist für Hull nur billig. Oder, wie man hier zu Lande sagt: was Sauce ist für die Gans, ist auch Sauce für den Gänserich. Und die Leute von Hull kämpfen jetzt für einen ehrenhasten Frieden, die Leute von Ulster aber für ein verjährtes Privilegium. Soztals lleliersiiltzk: Achtung, Filzschuharbeiter! In der Filzschuhsabrik von Gilberstein jun., Ketdelstr. 21, sind 7 Arbeiter wegen der Mai- feier entlassen worden; sämmtlicke Arbeiter, mit Ausnahme der Zuschneider, erklärten sick mit ihnen solidarisch und legten die Aroeit nieder. Der Stre,r bei Buchholz. Lottumstr. 12,. dauert unverändert fort. Der Zuzug in beiden Fabriken ist streng fern zu halten. Sämmlliche Zusendungen sind an C. Wlllner, Elisabeth-Ufer 20, Hof 1 Tr., zu richten. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Agitationstommifsion der Filzschuh- Arbeiter Berlins und Umgegend. Achtung, Former! Die österreichischen Former ersuchen um Fernbaltung des Zuzugs von Formern m.b Formermeistern nach Wien und Pest. Der Vorstand des Verbandes aller in der Metallindustrie beschästigteu Arbeiter Berlins und Umgegend. VorlÄnriulunsen. Die Branchenversammluna der Rohrleger und deren Gehilfen tagte am 23. April. Des schwachen BesucheS wegen mußte von dem angekündigten Vortrag Abstand genommen werden; es wurde daher zunächst das Mitglied Jsack zum Ver- lreler der Branche im Vorstand vorgeschlagen. Sodann wurde daS dem Reichstag zugegangene Seuchengesetz erörtert und er- wähnt, daß wenn man die Hinterbliebenen eines bei einer Epidemie ums Leben gekommenen Arztes unterstütze, man im selben Fall ein Gleiches den Familien der Rohrleger gewähren solle, da diese infolge ihrer Beschäftigung einer Ansteckung in hohem Maße ausgesetzt seien. Zum Schluß wurde aus die am IS. Mai stattfindende Generalversammlung hingewiesen. Der Frauen- und Mädchen-Bildnngsverein deS ar- bettenden Volkes hielt am 26. April seine erste Wander- Versammlung ab. In derselben sprach Herr Adler unter dem Beifall der Anwesenden über das Thema„Einst und Jetzt". Der Redner legte in seinem Vortrage dar, daß wie heute, so auch bereits im Mittelalter das arbeitende Volk sich seine Rechte zu erkämpfen gewußt hat. An der Diskussion betheiligten sich mehrere Mitglieder. Sodann wurde beschlossen, am 1. Mai den von den Wahlvereinen veranstalteten Festlichkeiten beizuivohnen. Ziterarisches. Sozialpolitisches Zentralblatt.(HerauSgegebm von Dr. Heinrich Braun, Verlag von Carl Heymann, Berlin �V., Mauerstr. 44, Preis 2 M. So Pf. vierteljährlich.) Die soeben erschienene Nummer 31 hat folgenden Inhalt: Der Kampf gegen die Prostitution in der lex Heinz«. Bon Dr. Bruno Schoenlank.— Reichsstatistik und Landesstatistik. Bon Uuter- staatssekretär z. D. Dr. G e o r g v o n M a y r.— Der Gesetz- entwurs betreffend die Abzahl>ngsgeschäste.— Der Berliner Zenttalverein für Arbeitsnachweis.— Die Unzulässigkeit der Kurtaxen.— Ein Arbeitsamt in Oesterreich.— Löhne m Ober- bayern von 1884- bis 1892.— Die Revision der Verfassung in Belgien und die Arbeileragitationen. Von Dr. E. V i n ck.— Zum Arbeiterschutz im englischen Eisenbahn-Betrieb.— Zur Statistik der deutschen Alters- und Jnvaliditätsversicherung.— Zur Arbeiterversichernng in Schweden.— Herkunst der Insassen von Gefängnissen und Armenhäusern in den Berelnigten Staate» von Amerika.— Konferenz der Zentralstelle für Arbeiter- Wohlfahrlseinrichtungen.— Eingesendete Schriften.— Abdruck sämmtlicher Artikel ist Zeitungen und Zeitschriften gestattet, jedoch nur mit Angabe der Quelle. Der Pfarrer von Breitendorf. Roman in drei Bänden von W i l h e l m v. P o l e n z. Verlag von F. Fontane u. Co., Berlin Vf. 35. Preis 9 M. Zeitschrift für HypnotiSmuS, SnagestionStherapie, SnggestionSlehre und verwandte pstzchvlvgische Forfchun- Sen. Redigirt von Dr. I. G r o ß m a n n.. Heft 7. Erster ahrgang. Berlin, Verlag von Hermann B rieger. Für den Inhalt der Inferate über. nimmt die Nedaktion dem Publikum Metallarbeiter! Diejenigen Kollegen, welche mit der gegenüber keinerlei Verantwortung im Rückstande sind, werden ersucht, Abrechnung vom Wintervergnügen noch Theater. Mittwoch, den 3. Mai. Opernhaus. Der Freischüß. Neues Theater. Die Anna- Life. Deutsches Theater. Der Talisman. dieses noch vor der Generalversammlung beim Raffirer Kirmes, Roppenftraße 43e, zu thun, widrigenfalls die Namen derselben laut General versammlungs- Beschluß bekannt ge geben werden. 229/14 Das Vergnügungskomitee. Am 30. April verftarb unsere gute Mutter, Schwieger- und Großmutter Wittwe Marie 3707b Strielack, geb. Noad. Um stille Theilnahme bitten Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Mittwoch, Nachm. 6 Uhr, von der Leichen. halle des Philippus- Apostelkirchhofes, Müllerstr. 44-45, ftatt. Allen Verwandten und Kollegen die traurige Nachricht, daß mein lieber Berliner Theater. Graf Waldemar. Buss' Salon und Garten, ann, der Former Albert Dörnberg Leffing- Theater. Hanna Jagert. Wallner- Theater. Geschlossen. Kroll's Theater. A Santa Lucia. Rehden Theater. Die Sirene. ( La Flamboyante.) Adolph Ernf- Theater. Goldlotte. Friedrich- Wilhelmnädt. Theater. Der Bettelstudent. Thomas- Theater. Gute Zeugnisse Hierauf: Wenn man im Dunkeln füßt. Viktoria Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. National- Theater. Don Carlos. Alexanderplat- Theater. Zimmermann's Lene. Winter- Garten. ftellung. Apollo Theater. Borstellung. Spezialitäten- Bor SpezialitätenTheater der Bridehallen. Spezialitäten- Borstellung. Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spe zialitäten- Borstellung. Adolph Ernst- Theater. Bum 31. Male: Goldlotte. Gesangspoffe in 3 Aften v. Ed. Jacobson und W. Mannstädt. Couplets theilweise v. G. Görss. Mufit von G. Steffens. Jn Szene ge fetzt von Adolph Ernst. Anf. 2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Der Sommer- Garten ist gröffnet. A PassagePanopticum. Im Theater- Saal: Neu! Lebende Bilder. Castan's Panopticum. Neu: Bauern Aufstand! Akka- Zwerginnen. Neue Jllusion: Lotosblume. Andere Jlufionen. Castan's Irrgarten. Schreckenskammer. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Nen! Die Inftige Neu! Schwiegermutter. Komische Pantomime mit Ballet in 1 Aft. Ausgefübrt v. d. PantomimenGesellschaft Diovanie, sowie Auftreten von 12 f. Berlin neuen Spezialitäten. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Bf. Moabiter Gesellschaftshaus. Alt- Moabit 80 und 81. Täglich: Theater- und SpezialitätenVorstellung, sowie Concert. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf., refervirler Plat 50 Pf. 4127L* Helmuth Peters. Etablissement morißBuggenhagen. Play. Morik Play. Täglich: Intrumental- konsert. Großer Frühstücks- u. Mittagstifd. Spezial- Ausschant von Patenhofer Lagerbier, hell und dunkel. An Sonn- und Festtagen findet das Konzert in den oberen Sälen statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Versammlungen, Rommerse, Festlichkeiten 2c. Jeden Mittwoch 87086 frische Grüßwurst. C. Läske, Schlächtermstr., Oranienst. 2a. Gr. Frankfurterstr. 85. 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Mittwoch Donnerstag Allen Freunden und Bekannten sage Freitag. ich für die zahlreiche Theilnahme am do. Begräbniß meiner Frau, sowie dem Sonnabend Prediger Herrn Köster für die troft Sonntag reichen Worte meinen besten Dank. Auguft Rothert, Schantwirth, 3710b Rüdersdorferstr. 2. Die Worte, die ich am 29. April Montag gegen das Fräulein Duz ausgeftoßen Dienstag habe, nehme ich hiermit zurück. A. Dosch. Mittwoch do. J. Semmel, Oranienstr. 55, am Morigplay, pr. Zahn- Arzt. Spr. 8-6. Sonnt. 9-1. Theilzahlung gestattet. Maitrank Flasche 60 Pfg., 10 Fl. 5,50 Mk. Spiritus Liter 32 Pfg. Himbeersaft( ohne Stärkesyrup), 40882* Str. 1,50 Mt. bo. Donnerstag bo. Freitag. Sonnabend do. Sonntag · . · • Nordschule. Müllerstr. 179a. Deutsch( ob.). * Kaufm. Rechnen, Wechselrecht, Korrespondenz. Geschichte( alte). Deutsch( unt.). Physiologie. Buchführung. • Gesetzeskunde. . Ostschule. Markusftr. 81. Gefeßestunde. Deutsch( unt.). Logit. Phyfiologie. Geschichte( alte). Rechnen. Buchführung. Südschule. 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Unsere wirthschaftliche und politische Lage. Rede des deutschen Reichstags- Abgeordneten August Bebel. Gehalten im Dezember 1892 im Kasino Zürich III. 48 Seiten geheftet. Preis 25 Pfg. Die Organisationen ber Arbeiterinnen Deutschlands, ihre Entstehung und Entwickelung. Bearbeitet und zusammengestellt von Emma Ihrer. 16 Seiten geheftet. Preis 10 Pfg. Wintersonnenwende. Zum Gipfel auf! Zwei Volksfestspiele von Franz Diederich. 82 Seiten geheftet. Preis 25 Pfg. Dichtungen von C. M. Scävola: oder: Des Ausgewiesenen 12 Jahre der Verbannung, Heimkehr. Spisch- dramatische Dichtung in 12 lebenden Bildern. 16 Seiten, geheftet. Preis 10 Pfg. 12 Illustrationen in Lichtdruck( Borlagen zum Stellen der Bilder) zu obiger Dichtung in rother Mappe. Preis( infl. Text). 1,50 M. und andere rothe girder. Rothe Wollen, rothe Wipfel 16 Seiten geheftet. Breis 10 Pfg. Naffe Augen, blaffe Lippen 16 Seiten, geheftet. and anders rothe girder. Preis 10 Pfg. Die französische Revolution. 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Die Zahlftellen find folgende: S. Börner, Mitterftr. 108. Gründel, Dresdenerstr. 116, Klein, Schönleinftr. 6. Ehrenberg, Annenftr. 16. Schöning, Stallschreiberstr. 29. SO. Südostschule, Reichenbergerstr. 188. Kehr, Röpniderftr. 126. * Schulz, Admiralstr. 40 a. Ulrich, Wrangelftr. 84. Zubeil, Naunynftr. 86. Schayer, Reichenbergerstr. 54. Fafforke, Wrangelstr. 16. SW. Grabe, Mariendorferstr. 5. Windhorst, Junkerstr. 1. * Antrick, Steinmeßftr. 60. 0. Ostschule, Markusstr. 81. A. Böhl, Rüdersdorferstr. 8. 402/ 17* E. Böhl, Frankfurter Allee 74. Rattke, Krautstr. 48. Lock, Friedrichsbergerstr. 11. Ungering, Breslauerstr. 27. C. Löwenberg, Alte Schönhauſerftr. 18. Wernan, Rosenstr. 30. N. Nordschule, Müllerstr. 179a. * Gleinert, Müllerstr. 174. Gnadt, Swinemünderstr. 120. Kleinau, Gartenstr. 171. Lehmann, Brunnenstr. 83. Schmidt, Tresdomstr. 24. Raabe, Ruppinerstr. 42. Meinhart, Bappel- Allee 3/4. NO. " Gumpel, Barnimftr. 42. Drescher, Linienftr. 50. NW. Vogtherr, Stephanftr. 27a. 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Nr. 103. Die Maifeier. Eine von etwa 1000 Genossen besuchte Versammlung mit Kommers fand im Schloß Weißensee statt. Eine entsprechende Resolution wurde von den Theilnehmern, welche vom besten Geist beseelt waren, einstimmig angenommen. Bereits am Sonntag tagte in Rigdorf eine Mai- Bersamm lung der polnischen Arbeiter, welche sich etwa in der Stärke von 60 Mann eingefunden hatten. Von Stralau- Rummelsburg aus unternahmen hundert Nachtarbeiter Morgens um 6 Uhr eine Waldpartie nach der Köpnicker Haide, um dort ihr Maifest zu begehen. In Mariendorf und Tempelhof stand den Genossen fein größerer Saal zur Verfügung; man mußte fich daher mit dem kleinen Lofal von Hilpert begnügen. Dort sprach Tannenberg vor etwa 60 Buhörern. Mittwoch, den 3. Mai 1893. " 10. Jahrg. Haftedt Hemelingen. 600 Versammlungsbesucher. Ref. Genoffen Enauer an demselben Tage eine Agitationstour nach Ebert. Der Geist der Versammlung war vorzüglich. In der Mupper, haubisch und Fürth am Berg. 40-45 PerUeber den Verlauf der Feier in Deutschland wird uns angenommenen Resolution wird erklärt, weiter zu tämpfen, bis sonen rückten aus und verbreiteten Arbeiterzeitungen, Maifestdie Beschlüsse des Pariser Kongresses voll durchgesetzt sind". schriften und Bebel's Rede. Das Resultat dieser Tour ist unserer weiter berichtet: Harburg. Vor 2500 Personen sprach Heine aus Hamburg Sache gleichfalls günstig. Herrliches Maiwetter steht der Sozials In Friedrichshagen fprach Stadthagen vor über den Achtſtundentag. Mehrere hundert Personen fanden demokratie auch in diesen Ortschaften für die kommende Wahleiner von 700 Personen besuchten Versammlung über die Bewegen Ueberfüllung des Lotals feinen Eintritt. Einstimmig schlacht in Aussicht. In Hüttensteinach fand das Arbeiterdeutung des 1. Mai. Nach Schluß des Vortrages fand ein wurde eine dem Zwecke der Versammlung entsprechende Refest am 1. Mai statt. Festredner war Web der. In Juden. geselliges Beifammensein statt, bei welchem die am Orte bestehenden solution angenommen. Die Feier trug durchweg den Charakter ba ch die sozialdemokratische Domäne" im Kreise Sonneberg Arbeiter- Sängervereine mitwirften. einer würdevollen Demonstration. feiern die Arbeiter ebenfalls den 1. Mai. Wolfram aus Hamburg. 1. Wahlkreis. Eine Versammlung im Hammer- Sonneberg, der Landtagswahl- Kandidat für diesen Kreis, hielt broof war von etwa 800 Personen befucht. Stengele referirte. die Festrede. Greiz. Reichstags- Abgeordneter Förster Die Stimmung war begeistert. 3. Wahlfreis. Die Voltsversamm- sprach hier vor einer von 1200 Personen besuchten Versammlung. lung in Barmbet war von 2500 Personen besucht und verlief Gößnig. Die Maifeier fand hier am 30. April statt. Ausin bester Ordnung. Segeberg( Holstein). Vor 200 Personen gezeichneter Verlauf. Zahl der Theilnehmer 250. Festredner sprach am 30. April Theiß aus Hamburg. Buxtehude und Reichstags- Abgeordneter W. Stolle. In Schmölln, wo Estebrügge. Versammlung am 30. April von je 150 Per- die Behörde sowohl Konzert wie Ball verboten hatte, wurde die fonen besucht. Die nachgesuchte Tanzerlaubniß war in Burte- Maifeier trotzdem in bester Stimmung begangen und zwar in hude verweigert worden. Die Versammlungen würden noch besser Form eines programmlofen gemüthlichen Beisammenseins. 600 besucht gewesen sein, wenn nicht jetzt die Schiffer auf der Fahrt Theilnehmer. Alles verlief in bester Ordnung. Gotha. Die wären und die Fabritarbeiter nicht Sonntags ihr Feld bestellen Maifeier ist unter allgemeiner Betheiligung glänzend verlaufen. müßten. Stodelsdorf bei Lübeck. Die öffentliche Maifeier Es herrschte große Begeisterung. Beulenroda( Reuß ä. 2.) war polizeilich verboten worden. Dafür hatte die Arbeiter- Lieder Die Boltsversammlung am 30. April war von 4-500 Berfonen etwa 300 befucht; das Konzert am 1. Mai von 6-700. Triebes( Reuß tafel einen Ausflug arrangirt; 7-800 Personen, mehr als im Vorjahre nahmen baran theil. Schiffbet. i. 2.) 200 Festtheilnehmer. Schleiz 150. Die Volksversammlung am 1. Mai war von 450 Personen besucht. Ghemniz. 1000 Theilnehmer( Referent SchippeD. Die Pariser Resolution wurde einstimmig angenommen. Gaarden Rappel 1500( Referenten Grenz und Schippel). Srüna bei Kiel. 800 Versammlungsbesucher erflärten sich mit den 2000( Ref. Schipped). Martersdorf 10co 1000( Ref. Pariser Beschlüssen einverstanden. Rendsburg. Außer Albert). Neukirchen 1000( Ref. Rosenow). Die Fest ordentlich start besuchte Festversammlung. Referent Deifinger lichkeiten in den kleineren Ortschaften des Chemnizer Diftcifts aus Hamburg. Büdelsdorf. Nachdem am 30. April in waren von über 1000 Personen besucht. Alle Colale waren überFocbet eine Versammlung stattgefunden hatte, wurde Abends in füllt. Die doppelte Zahl der Festtheilnehmer fonnte feinen Blaz Neu- Büdelsdorf die Maifeier abgehalten, wobei Deisinger finden. Dresden. Am 1. Mai ließen ca. 400 Arbeiter der aus Hamburg die Feftrede hielt. Der Besuch war sehr gut. Steinindustrie die Arbeit ruhen. Eine von diesen abgehaltene o sto d. Die geschlossene( durch Personalfarten zusammen- Versammlung war von 250 Personen besucht und nahm nach dem berufene) Versammlung am 1. Mai war von 800 Personen besucht. Grimmen. Unter freiem Himmel wurde hier am 30. April eine Volksversammlung abgehalten, woran froß des strömenden Regens über 100 Personen, darunter gegen 20 Frauen, theilnahmen. A. Genzen aus Stralsund hielt das Referat. Gin Lotal war nicht zu bekommen gewesen. Lassan in Bom mern. Die Maifeier wurde hier von 25 Parteigenoffen aus Anklam, 20 aus Lassan, 60 aus Wolgast gefeiert, un gerechnet die Frauen und Kinder. Die Festrede war untersagt. Gendarmerie war zahlreich anwesend. In Strausberg referirte Dr. Lütgenau vor einer über aus zahlreich versammelten Zuhörerschaft. Die Versammlung nahm jedoch zum Erstaunen der Theilnehmer um 11 Uhr ein plögliches Ende, indem der Ueberwachende" ohne einen Grund anzugeben, die Auflösung diftirte. Von etwa 200 Genoffen referirte Ra 3 par am 1. Mai im Kurhaus zu Friedenau. Nach Beendigung des Vortrages nahm die Versammlung eine der Bedeutung des Tages entfprechende Resolution an. Eine von 250 Personen besuchte Versammlung wurde in Friedrichsfelde abgehalten. Die Nachfeier findet bort am 7. Mai statt. feit an. " 9 • Referate Fräßdorf's eine Resolution an, worin die Solidarität In Pantow nahmen an der Maifeier, welche in Buge's der Arbeiter aller Länder ausgesprochen ist und energisch die VerGesellschaftshaus abgehalten wurde, gegen 500 Personen theil. fürzung der Arbeitszeit gefordert wird. Eine Versammlung im Ueber die Bedeutung des Festes hielt näther einen mit Restaurant Lehner, die von 200 Personen besucht war, nahm rauschendem Beifall aufgenommenen Vortrag. Wie bei sonstigen eine Resolution an, die auf den Beschlüssen des Pariser Arbeiter Gelegenheiten, so hatte auch diesmal der Landrath dafür Sorge fongresses und des Berliner Parteitages fußte. Bühlau bei getragen, daß die Arbeiter nicht um ihre wohlverdiente Nacht: Dresden. Die von 200 Personen besuchte Maiversammlung erruhe famen; um 11 Uhr ordnete der Gendarm, geftüßt auf flärte sich in enthusiastischer Weise mit den Ausführungen des die bekannte vielumstrittene Verfügung, den Schluß der Festlich Referenten und den vorgeschlagenen Resolutionen einverstanden. Striefen bei Dresden. 400 Versammlungsbesucher. Fest Die von den Genossen in Friedrichsfelde- Lichten. Hagen in Westfalen. Das Fest am 1. Mai war von 1500, redner Landtags- Abgeordneter R. Postelt. Bindenau bei berg veranstaltete Maifeier war von ca. 200 Personen besucht. Die Versammlung von 500 Personen besucht. Mülheim an Dresden. Landtags- Abgeordneter a den sprach unter großem Nach der vom Genossen Hansen gehaltenen Feftrede fand ein der Ruhr. 150-200 Parteigenossen, die am Abend des 1. Mai Beifall in einer von 250-300 Personen besuchten Versammlung. gemüthliches Beisammensein statt. für den Achtstundentag und den Sozialismus demonstrirten, ent- Radeburg. 150 Versammlungsbesucher. Große Begeisterung. Brandenburg( Stadt). Die Versammlung war von fenden brüderlichen Gruß. Bielefeld. 1500 Personen be- Alles ohne jede Störung verlaufen. Bittau. Die hiesigen Parteis zirka 1600 Personen besucht. Mindestens ebenso viel mußten fuchten die Versammlung am 1. Mai. Nächsten Sonntag genossen feierten das Fest in dem eine Stunde entfernten wegen Plazmangels umfehren. G. Schneider hielt das Referat. Wolfsfeft. böhmischen Städtchen Grottau, Bezirk Reichenberg. Die Woltersdorf. An der Versammlung nahmen 4-500 Per Eisenach. Da jegliche Feierlichkeit, jede Versammlung Feier nahm einen großartigen Verlauf. Die um 9 Uhr Vorfonen theil. Die Polizei verhinderte den Referenten Berndt am 1. Mai untersagt war, wurde am 28. April eine öffentliche mittags angefeßte Versammlung war schon um 8 Uhr von mehr aus Berlin, die geftrede in seinem Sinne zu Ende zu führen, Männer- und Frauenversammlung abgehalten, in der Hülle als 2000 Personen besucht. Nachmittags fand ein Festzug nach wogegen gebührend remonstrirt wurde. Abgefehen von dieser aus Erfurt in glänzender Weise über die Bedeutung der Mai- dem eine Stunde entfernten Ort Retten statt, Abends war Tanz polizeilichen Maßregel verlief alles in befter Ordnung. Beiß. feier sprach. Die von 3-400 Personen besuchte Versammlung im Versammlungslokal. Benig. 600 Feft theilnehmer. Referent Gottfried Schulz aus Berlin fprach hier vor 150 Berfonen. faßte folgende Resolution: Die heutige, im Saale des Gast Wiesenthal aus Leipzig. Bortrefflicher Verlauf der Feier. Eine Resolution zu gunsten des Achtstundentages fand ein: hauses zum fröhlichen Mann tagende, start besuchte Männer Annaberg. Glänzendes Fest, obschon nur ein fleines Lofa! stimmige Annahme. Bernau. Die Versammlung am 1. Mai und Frauenversammlung erklärt sich mit den Ausführungen des zur Verfügung stand. Referent Albert aus Chemnis. Bahl war von 300 Personen besucht. Einstimmig ertlärte man sich Referenten vollständig einverstanden und verspricht, ganz ent- der Festtheilnehmer: 100. Wäre ein größeres Lokal zu bekommen mit den Ausführungen des Referenten Kiesel einverstanden schieden für die Beschlüsse des internationalen Pariser Arbeiter gewesen, so würden wenigstens 5-600 Personen fich betheiligt und verpflichtete sich, in immer weiteren Kreisen für die Mais tongreffes vom Jahre 1889 einzutreten, durch deren Berwirt haben. Meer ane. Die Feier am 30. April war von 800 Perfeier zu agitiren. Ludenwalde. Die Volksversammlung, in lichung dem arbeitenden Volfe aller Länder ein menschenwürdiges sonen besucht. Am 1. Mai machten diejenigen, die von der der Otto Antric aus Berlin sprach, war von 600 Personen Dasein geschaffen werden kann. Die Versammlung erblickt die Arbeit fort fonnten, einen Ausflug. Am 28. April hatte besucht. Bortrefflicher Verlauf. Wriezen. Die hiesigen und Ursache des riesenhaften Anwachsens der Arbeitslosen in der Rosenow aus Chemnitz vor 1800 Personen über die gegendie Parteigenoffen aus Freienwalde hielten die Maifeier regellosen Produktion und hält die Einführung eines gefeglichen wärtige Situation referirt. Mylau i V. In der Volksgemeinsam in legterem Orte am 30. April ab. Bruns Normal- Arbeitstages von 8 Stunden und eines Minimallohns versammlung am 30. April sprach Reichstags Abgeordneter aus Berlin referirte vor zirka 400 Personen. Die zum 7. Mai für die zunächst nöthigen Mittel, um die Lage der Arbeiter au Seifert unter großem Beifall über den Achtstundentag. An geplante Nachseier muß wegen Lofalverweigerung aufgegeben verbessern. Das Bureau wird hiermit aufgefordert, die For- der Abendfestlichkeit nahmen 1500 Personen theil. Grimmitwerden. Rummelsburg. Versammlung von 400 Personen derungen der heutigen Versammlung der sozialdemokratischeni cha u. Ueber alles Erwarten großartiger Verlauf der Maifeier. besucht. Referent Bruns Berlin. Fürstenwalde Reichstags- Fraktion zu überweisen, welche dafür Sorge zu tragen Mehr als 3000 Personen konnten zum Feste und zur Versammlung a. Spree. Vor ca. 400 Personen referirte Roland aus Berlin hat, der Reichsregierung flar zu legen, daß es der deutschen wegen Playmangels feinen Zutritt bekommen. Plauen i. B. unter großem Beifall über die Bedeutung der Maifeier. Sprem Arbeiterschaft bei der anarchischen Produktion der Gegenwart Am Ausflug am 30. April betheiligten fich 800, an der Fest. berg. 600 Versammlungsbesucher. Redner Beyer aus faft nicht mehr möglich ist, ihre Existenz zu fristen. Ferner pro- versammlung am Montag ebensoviel Personen. Gerings. Rottbus. Rottbus. Fest von 1000 Personen besucht. Fest testirt die Versammlung gegen die Maßregel, welche man über walde. Am 30. April war Vorfeier in Form einer Abende rebner Gottfried Schulz aus Berlin. Einstimmig wurde die hiesige Arbeiterschaft betreffs der Feier des 1. Mai verhing." unterhaltung. 300 Theilnehmer. Die Boltsverfammlung om folgende Resolution gefaßt. Die heute von tausend Personen Klein Wechfungen. Weit über 200 Personen nahmen 1. Mai war von 250 Männern und Frauen besucht. Burt besuchte öffentliche Versammlung erklärt der internationalen Ar- an der Versammlung und dem Fest am 30. April theil. Referent hardt sdorf im Erzgebirge. Erfolg der Feier über Erbeiterbewegung und der internationalen Völkerverbrüderung ihre Th. Glocke aus Berlin. Nordhausen( Stadt). Fest wartung günstig. Das Lokal Jägerschlößchen war bis auf den volle Sympathie und protestirt energisch gegen die von der be- theilnehmer gegen 500. Referent h. Glode. Salza. legten Blag befeht. Zahl der Theilnehmer 150-200. tiesa. fizenden Klasse systematisch betriebene Wölferverbegung, Sie ver- Theilnehmer 380-400. Den Festvortrag hielt ülle Erfurt 300 Versammlungsbesucher. Festredner Lorenz aus teißen. spricht ferner für den Achtstundentag alle ihr zu Gebote stehenden Herrenden. Versammlung. Ref. Hülle Erfurt. Ellrich. Glänzender Verlauf der Feier. Nächsten Sonntag Nachfeier. Mittel zur Anwendung zu bringen, um die geistige Wiedergeburt Bersammlung, von gegen 400 Personen besucht. Ref. Th. Hainichen. Die Maifeier wurde am 30. April abgehalten. der menschlichen Gesellschaft mit zu bewertitelligen. Landsberg Glode. In allen Ortschaften große Begeisterung. Seiligen 700 Fefttheilnehmer. Glänzender Verlauf. Pegau. Ueber a. W. Versammlung von 300 Personen besucht. 300 Personen besucht. Referent ſtadt. Infolge ihrer wirthschaftlichen Abhängigkeit mußten die 300 Festtheilnehmer. Einstimmige Annahme der in der Festzeitung Bäyel aus Berlin. Neudam m. Am Kommers nahmen hiesigen Genossen die Maifeier schon Sonntag den 30. April ab: vorgeschlagenen Resolution. 100 Personen theil. Finsterwalde. In der Volksversamm halten. Sie fuhren per Bahn nach Arenshausen und marschirten Ulm. Gut besuchte Bersammlung, trotzdem die Partei lung am 1. Mai waren zirfa 1000 Personen anwesend. I em pel von da nach dem Heustein, wo die Wizenhauser Genossen durch Verweigerung der städtischen Tuchhalle vergewaltigt aus Berlin hielt die feftrede. empfangen wurden. Hierauf gemeinschaftlicher Spaziergang nach worden war. Das Feft wird am 7. Mai abgehalten. Als Görlig. Hier wurde die Maifeier durch ein Feft am Wizenhausen. Dort Festtommers und Vorträge. Verlauf des Redner ist Dietrich aus Stuttgart gewonnen. Sonnabend und durch Ausflüge am Sonntag, sowie durch eine impo- Festes gut. Theilnehmerzahl ca. 150. Bürgel i. Th. Vorfeier Würzburg. Die sehr gut besuchte Boltsversammlung hatte sante Versammlung am Montag begangen. Die Zahl der Theil von 400 Personen besucht. Am Ausfluge am 1. Mai, der nach einen ausgezeichneten Verlauf. nehmer an den verschiedenen Veranstaltungen wird auf 3000 Gilberthal gemacht wurde, betheiligten sich 150. Da Bürgel nur Augsburg. Das Volksfeft in Pferfee litt anfangs etwas geschäht. Warthau( Kreis Bunzlau). 180 Versammlungs- etwa 1700 Einwohner zählt, ist die Betheiligung eine sehr starte unter dem Regen; es fanden sich aber doch 4-5000 Berfonen gewesen. Po eßnect. Maifeier am 30. April glänzend ver. Stendal 300 efttheilnehmer. Tangermünde. 500. Laufen. Nachmittags doppelt so viel Personen im Konzert als ein, die bis zum Abend aushielten. Jm allgemeinen war die Telisch( Prov. Sachsen). 400. Zeuchern( 30. April). 700. voriges Jahr. Abends fand im größten Saale der Stadt eine Betheiligung an der Maifeier bedeutend größer als im Vorjahre, Imposanter Verlauf. Borne( Kreis Calbe a. S.). Da tein Saal Boltsversammlung statt, in der Reißhaus aus Erfurt obwohl die liberale Presse nichts unversucht gelassen hatte, um das Gin Fest zu diskreditiren. Die Augsburger Parteigenoffen sind mit dem zu bekommen war, wurde das Fest in der Privatwohnung des sprach. Der Saal war nebst Nebenräumen überfüllt. Parteigenossen Brüning gefeiert. Der Verlauf war vortrefflich. Drittel der Anwesenden waren Frauen und Mädchen. Am Erfolge der Feier hoch zufrieden. In Memmingen und Nördlingen ging die Maifeier ebenfalls unter großer BeGilenburg. Mai eier bei einer Betheiligung von 700 Ber Abend des 1. Mai war eine öffentliche Parteiversammlung. theiligung vor sich. In ersterem Orte sprach Renner, in fonen glänzend, ohne jedwede Störung verlaufen. Solz- Sonneberg. Am 80. April veranstaltete der sozialdemos minden( 3. braunschweigischer Wahlkreis). Hier wurde am fratische Arbeiterverein eine Agitationstour nach Föri, legterem Sadler, beide Parteigenofen aus Augsburg. Worm 3. Die Maifeier der Parteigenossen aus dem Wahl30. April das Fest zum ersten Mal gefeiert und zwar in Form Schwarzdorf, Neuhaus, Lindenberg, Sichel- treife Worms- Heppenheim- Wimpfen fand am 30. April statt und eines Ausflugs, an dem 18 Personen, darunter 4 Frauen, theil- reuth und Gefall. Bebel's Rede über den Zukunftsstaat, verlief ohne jede Störung. 300 Personen waren anwesend. nahmen. Das Wetter war sehr ungünstig. Köthen( Anhalt). Der Thüringer Bollsfreund"," Der wahre Jakob"," Süddeutscher Starisruhe. In der Festhalle sprach am 1. Mai Adolf Beim Ausflug nach Afen( 30. April) waren 150 Theilnehmer; Bosilon" und" Glühlichter" wurden in zahlreichen Exemplaren ed aus Offenburg vor 1500 Personen. Fechenheim, bei der Volksversammlung am 1. Mai 120 Theilnehmer. Die verbreitet. Ueberall freudiger Empfang! In Neuhaus bielt Resolution wurde einstimmig angenommen. Da die größeren der sozialdemokratische Landtags- Abgeordneter Web der eine 600 Festtheilnehmer. Allgemeine Begeisterung. Würdigster Verlauf. Lofale verweigert worden waren, wußte die Versammlung in einem begeisternde Ansprache an die zahlrer versammelten Arbeiter Desterreich Ungaru. In Wien find am Dienstag fleinen Saale abgehalten werden. und erflärte ihnen die Bedeutung des Maifestes der Arbeit. In Morgen außer der amtlichen Wiener Zeitung" und dem„ Vaters Osnabrud. Der Versammlung am 1. Mai wohnten über Sidh elreuth fand Abends eine Boltsversammlung statt, in land" feine Morgenblätter erschienen; die Beitungsberausgeber 300 Personen bei. Referent Fr. Rauch aus Limmer. Nächsten welcher Wehder über die Ziele der Sozialdemokratie einen entsprachen damit einem Wunsche der Wiener Zeitungsseter, die Celle. von Beifall unterbrochenen Vortrag sich mit ihnen darüber verständigt hatten. Auch in Graz er Sonntag Nachfeier. 550 Versammlungsbesucher, 11/ 2stündigen, vielfach auf dem Heimweg fchienen am Dienstag Morgen teine Blätter. darunter viele Frauen. Die Pariser Beschlüsse wurden ein- hielt. In Gefall machte Wehder im Wirthshaus versammelten Bauern auf die Aus Wien meldet Herold" unterm 2. Mai: Nachdem pimnig angenommen. Am 7. Mai Nachfeier. Bramsche bei die Das Maifest wird hier gestern weder im Laufe des Tages noch des Abends die Ruhe Osnabrück. Die Versammlung am 30. April war von 250 Per- diesjährige Maifeier aufmertfam. Das Maifest fenen besucht, für diese Ortschaft eine gut besuchte Bersammlung. erst am Sonntag, den 7. Mai gefeiert. Weiter veranstaltete der gestört wurde, obgleich sich eine ungeheure Menschenmenge an fozialdemokratische Wahlverein am 30. April der Maifeier betheiligt hatte, tam es doch noch in einem VorDas Referat hielt Fr. Rauch aus Limmer. Abends fand ein Sonneberger fozialdemokratische Wahlverein Sest statt. Lüneburg. 700 Versammlungsbesucher, Hunderte mit dem Volksverein in Bettel beden- Murschnit orte zu einem Zusammenstoße zwischen der Polizei und fanden keinen Platz mehr und füllten dicht gedrängt die Straße. eine gemeinsame Agitationstour nach dem Hinterlande,( Effelden, hängigen", welche unter Entfaltung rother Fahnen lärmend Die Grümpen, Schaltau und noch vielen fleinen Ortschaften) die für einherzogen. Die Polizei verhaftete mehrere Führer und Fesiredner Bärer aus Harburg. Walle bei Bremen. Maiversammlung war von girta 1000 Personen besucht. Alwin die sozialdemokratische Sache recht erfolgreich war. Mehrere Ver- einige Personen, welche sich besonders durch Lärmen hervor. Kerr I referirte. Eine entsprechende Resolution wurde ein- sammlungen nach dem Maifest zu arrangiren wurde all- thaten. Aus der Provinz wird von nirgends Störung der Ruhe ftimmig angenommen. Es herrschte allgemeine Begeisterung, be- gemein gefordert. Der neugegründete Arbeiter Bildungssonders auch in bezug auf den in Aussicht stehenden Wahlkampf. verein in Oberlind unternahm unter der Führung unseres gemeldet. In Prag, Salzburg, Graz, Linz, Steyr, Lembera, b: fucher. , Unab Trieft und Eapodistria fanden zahlreiche Arbeiterversammlungen statt. Nach denselben überließen sich die Ardeiter ihren Ver- gnügungen, die alle harmlos verliefen. Das Unternebmerthum in Böhmen versucht Maß- regelungen. In G a b l o n z streiken 400 Weber der Firma Mauthner u. Oesterreicher, weil diese einige Arbeiter entlassen hat, die für die Maifeier besonders eingetreten waren. Die Fabrik von Hoffmanns Söhne u. Brande! entließ 300 Arbeiter wegen ihrer Betheiligung an der Maifeier und stellte dann den Betrieb ein. Danach müssen ihre Geschäfte nicht besonders floriren, sonst würde sie das jedenfalls bleiben lassen. Schweiz. In Luzern zogen 600 Parteigenossen mit rothen Bannern und unter Musikbegleitung durch die Stadt. deren Straßen anläßlich der Reise des deutschen Kaisers im Flaggenschmuck prangten. Auf dem Festplatz hielt W u l l- s ch l ä g e r aus Basel die Festrede. Das W etter war herrlich. Frankreich. Die radikalen Pariser Blätter greifen die Re- gierung heftig an wegen der Vorfälle vor der Arbeitsbörfe und wegen der Verhaftung Baudins, der von den Polizisten miß- handelt worden ist. Die Angelegenheit soll in der Kammer zur Sprache gebracht werden. Das Exekutivkomitee für die Kund- gebung vom l. Mai hat einen Protest gegen die Haltung der Polizei und die vorgenommenen Verhaftungen abgefaßt. Von den 100 Verhaftungen haben nur wenige ausrecht erhalten wer- den können. Aus Marseille berichtet das Wolff'sche Bureau: Am Schlüsse eines im Chateau de Fleurs stattgehabten Arbeiter- Meetings hißte einer der Manifestanten eine rolhe Fahne. Es entstand ein Tumult, bei welchem zwei Polizeikommissare Ver- letzungen erhielten. An einer anderen Stelle der Stadt wurde eine Kavallerie-Abtheilung mit Steinen beworsen, wodurch drei Husarenoffiziere verwundet wurden. Auch mehrere Schutzleute wurden in gleicher Weise verletzt, ein Schutzmann erhielt eine Wund« an der Stirn. Belgien. Aus Brüssel wird unS geschrieben: Die Ge- nossen des Arbeiter- Gesangvereins„Fraternitö" hielten am 1. Mai bei Schmidt, Grand Place 14, ihre Maifeier, verbunden mit Konzert und Ball, ab. Das Fest, von ca. 200 Personen be- sucht, verlief aufs schönste. AuS Holland meldet das Wolff'sche Bureau: Ueberall im Lande sind die von den Arbeitern veranstalteten Kundgedungen friedlich verlaufen. In Gröningen veranstalteten die Theilnehmer an einer Versammlung, in welcher Domela Nieuwenhuis die An- spräche gehalten hatte, einen Umzug. Als die Menge der Polizei- lichen Aufforderung sich zu zerstreuen nicht nachkam, zog die Polizei blank und trieb die Demonstranten mit der blanken Klinge auseinander. Mehrere Personen wurden dabei durch Säbelhiebe verwundet, eine derselben schwer. Jetzt ist überall die Ruhe wiederhergestellt. Norwegen. Ans C h r i st i a n i a berichtet das Herold'sche Bureau unterm 2. Mai: An dem gestrigen Demonstrationszuge der Sozialdemokraten betheiliglen sich fast alle hiesigen Fach- vereine; der Zug ging mit Musik und Fahnen vom Ankermarkl nach Tullinlökken, wo Advokat Ludwig Meyer für den acht- stündigen Normalarbeitslag sprach. Im Zirkus fand am Abend ein Fest statt, die Festrede hielt Advokat Arnhold Hazeland. Alles verlief in Ruhe und Ordnung. Spanien. Aus Madrid läßt sich Wolff depeschiren: Hier war gestern Abend alles ruhig.— In den Bergwerken von Gallarta versuchten mehrer« Ausständige die Arbeitenden an der Fortsetzung der Arbeit zu verhindern, so daß die Gendarmerie einschreiten„mußte." Die Gendarmen wurden mit Steinen be- worfen und gaben Feuer; ein Arbeiter wurde verwundet.— Auch in Malaga versuchten Arbeiter die Arbeit im Hafen zu ver- hindern, jedoch kam es nicht zu ernsten Ruhestörungen. Italien. Die Nachrichten vom 2. Mai bestätigen, daß die Maiseier in ganz Italien in Ordnung vor sich gegangen ist. Z>arlcmrenksl»evtlhke. Deutscher Reichstag. 87. Sitzung vom 2. Mai 1893. 1 Uh«. Am BundeLrathStische: von Bötticher, Miquel, von Kaltenborn, von Maltzahn und Kommissare. Eingegangen ist die Verordnung des BundeSraths über die Beschäftigung der jugendlichen Arbeiter und der Arbeiterinnen in den Ziegeleien. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Ersatzvertheilung. Derselbe wird unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt; ebenso wird in dritter Berathung ohne Debatte der zweite Nachtrag zum Reichs-Haushalts- Etat für 1892/93 genehmigt. Der Entwurf eines Gesetzes, betreffend Ergänzung der Bestimmungen über den Wucher, wird in der Schluß- abstimmung endgiltig gegen die Stimmen der Freisinnigen an- genommen. Es folgt die Berathung des schleunigen Antrag«? Ahl- warbt. Die Kommisston beantragt:.Der Reichstag wolle beschließen: 1. nachdem die Kommission erklärt hat, daß der Inhalt der von dem Abgeordneten Ahlwardt dem Reichstage übergebenen Akten und Druckschriflen die durch den genannten Abgeordnelen in den Sitzungen des Reichstags vom 18., 21. und 22. März, sowie vom 25. April d. I. gegen frühere und jetzige Mitglieder des Reichstags und des Bundesraths erhobenen Anschuldigungen nicht rechtfertigt, den Antrag Ahlwardt für erledigt zu erklären; 2. über die der Kommisston überwresene Petition der Wittwe Hiebsch und des H. Wagenbret, um Hinausfchiebung des Be- schlusses der Kommifston, zur Tagesordnung überzugehen." Berichterstatter sind die Abgg. von Cuny und Porsch. Abg. von Cuny berichtet über die Frage, ob die Äeschuldi- aungen des Abg. Ahlwardt, soweit sie sich auf den Reichs- Jnvalidenfonds beziehen, durch den Inhalt der von ihm über- gcbenen Akten gerechtfertigt werden. Es kommt hierbei nicht blos der Reichs-Jnvalidensonds in Betracht, sondern auch zwei andere Fonds, die derselben Verwaltung unterstellt waren, der Ecstungs-Banfoiids und der Reichstags-Baufonds. Die Lage der ache ist eine eigenthümliche, insofern, als derjenige Veschluß, welcher die Kommission einsetzte, von der Uebergabe von Akten ausging, während Herr Ahlwardt keine Akten eingereicht hat, sondern Druckschriften, die schon vor 16 Jahren erschienen sind. Eine Schrift enthält keine Jahreszahl, wird aber bereits 17 Jahre alt sein. Die Schriften sind damals viel besprochen worden, sie haben Aufsehe» erregt; der Inhalt kann als etwas Neues nicht betrachtet werden. Ich erwähne daS, weil sich auch im Auslande der Gedanke verbreitet hat, als wenn von Ahl- warbt neue Enthüllungen k la Panama zu erwarten wären. Der Abg. Ahlwardt knüpfte seine ersten Beschuldigungen an die Novelle zum Militär-Pensionsgesetz an; er tadelte die zu ge- ringe Dotirung des Reichs-Jnvalidensonds(Redner verliest die Auslassungen Ahlwardt's), welche eine Folge sei der Ver- Handlungen hinter den Koultssen mit großen Börsenjuden. Die Behauptung des Abg. Ahlwardt wird durch nichts bewresen. Die eine Broschüre hat mit dieser Frage nichts zu thun; sie spricht blos von Gründergewinnen auf grund des Berichts der Eisenbahn-Kommission. Eine Broschüre beschäftigte sich mit dem vorher genannten Reichssonds. aber der Verfasser derselben. Rudolf Meyer, meint, die Fonds seien eine Erfindung der Diskonto- Gesellschaft, die sich emer Menge fauler Effekten entledigen wollte. Diesem Plane stand der Geheimrath Wagner entgegen, nach dessen Beseitigung erst es gelungen ist. die Fonds zu bilden. Rudolf Meyer spricht sich durchaus nicht in dem Sinne aus, wie Herr Ahlwardt; er ist überhaupt ein Gegner eines solchen Fonds; die Diskonto- Gesellschaft hätte gerade ein Interesse gehabt, die Fonds recht groß zu machen. Die Behaup- tung des Abg. Ahlwardt steht also vollständig beweislos da. Der Abg. Ahlwardt hat im Laufe der Verhandlungen die An- griffe wieder aufgenommen über die Belegung dieses Fonds. Herr Ahlwardt hat darüber ganz genaue Auskunft in der Kom- Mission versprochen, er bat darüber aber nichts angegeben, son- dern sich nur auf die Broschüren berufen, lieber die Behaup- tung derselben hat in den siebziger Jahren eine eingehende Berathung stattgefunden und es ist damals ein ausführlicher Bericht vorgelegt worden.(Redner geht auf diese Vorverhand- langen ausführlicher ein und weist darauf hin, daß die An- läge von 12 Millionen in Hannover- Altenbekener Priori- täten im Verhältniß zur Gesammtanlage von 300 Mark nur sehr gering war. Alle diese Eisenbahn- Prioritäten seien aber von dem Fonds mit Gewinn veräußert worden.) Herr Ahlwardt meint nun, es würden Verluste eingetreten sein, wenn der Staat die Linie Hannover-Altenbeken nicht verstaatlicht hätte. Aber der Kaufpreis für die Linie ist auf S0 Millionen Mark normirt worden, fodaß die 12 Millionen Prioritäten ge- sichert waren. Berichterstatter Abg. Porsch: Die Anschuldigungen des Herrn Ahlwardt sind nicht blos hier im Hause, sondern auch im ganzen Baterlande mit Bedauern gehört worden; es sollen nicht blos die Mitglieder des Reichstages, sondern auch andere, die ein Interesse daran haben, unseren Befund superrevidiren können; deshalb ist der stenographische Bericht über die Kominissions- Verhandlungen verlheilt worden. Redner verliest die Aus- lassungen Ahlwardt's vom 21. März, in welchen er daraus hin- wies, daß Verhandlungen k la Panama hinler den Koulissen geführt sind, daß Altenstücke vorliegen, vom gegenwärtigen Finanz- minister unterzeichnet n. f. w.; es handle sich'um Original-Aklen, über deren Echtheit kein Zweifel sei. Am 22. Marz legte Ahl- warbt nur einige Aktenstücke vor; die Akten sollten zusammen 2 Fentner wiegen. Die Vertrauenskommission des Reichstages prüfte die vorgelegten Aktenstücke und erstaltete durch den Grafen Ballestrem Bericht, daß Ahlwardt Aktenstücke nicht bezeichnen konnte, die etwas Gravirendes enthalten; er hat das auch jetzt nicht gekonnt. Am 22. April wurde der Antrag Ahlwardt auf Einsetzung einer besonderen Kommisston eingebracht. Er versprach genaue Auskunft in der Kommission darüber, daß das Volk um Hunderte von Millionen— Thaler oder Mark ist nicht gesagt— betrogen oder geschädigt worden sei. Ahlwardt selbst konnte sich in den Akten nicht zurecht finden, es wurde, ohne dadurch ein Präjudiz zu schaffen, ein Schriftsteller Plate zugezogen, der besser niit den Akten Bescheid wissen sollte. Es ist in den Berichten der Kommission irrthumlich von dem Schriftsteller Glagau die Rede; das haben die Stenographen ver- hört; es handelt sich um den Herrn Plake. Der Abg. Ahlwardt erklärte in der ktommission, daß die Aktenstücke sich nur auf den früheren Abg. Miquel bezogen. Bezüglich Bennigsen'? berief er sich nur aus die gedruckten Bücher. Redner weist daraus hin, daß eine Briefkopie mit vorgelegt sei, in welcher die Namen Hör- witz und Munckel sich befinden. Sie sind als Vertreter von Aklier. auf der Generalversammlung erschienen, aber wenn der Brief richtig ist, sind sie als Gegner der betreffenden Person erschienen, welche den Brief geschrieben hat. Der Brief datirt überhaupt aus dem Jahre 1881, während die Beschuldigungen Ahlwardt's sich beziehen auf die Zeit vor 1876. Redner weist noch darauf hin, daß sowohl die Besassung des Seniorenkonvents mit der Sache als die Einsetzung einer besonderen Kommission außer- gewöhnliche Schrille seien: aber da niemand dagegen Wiederspruch erhoben habe, so habe die Kommission verhandelt, obgleich es sich nicht um Reichsangelcgenheilen handelte. Der Abg. Ahlwardt hatte in einer öffentlichen Versammlung erklärt, daß er die wich- tigsten Aktenstücke noch zurückbehalten habe, er sagte aber zu, daß der Kommission sofort die noch fehlenden Aktenstücke vorgelegt werden sollten. Der Vorsitzende der Kommission fragte deshalb sofort bei Beginn der Verhandlungen, ob er die fehlenden Schrifstücke übergeben wolle. Ahl- warbt erklärte sich bereit dazu, er holte die Akten, welche noch in der Hand des Herrn Plake sich befanden. Ahlivnrdt hatte in der Verhandlung des Seniorenkonvents von einem zerrissenen und wieder zusammengeklebten Brief eines rumänischen Senats- Präsidenten gesprochen. Der Brief wurde vorgelegt, aber die Quittungen der österreichischen Journalisten über die erhaltene Bestechungssumme konnte Ahlwardt nicht finden: der Schrift- steller Plake wurde zugezogen und Ahlwardt erklärte, daß die Quittungen sich nicht unter den übergebenen Aktenstücken befänden; er übergebe sie erst am nächsten Morgen, nachdem er Abends in einer Volksversammlung erklärt halte, die Akten seien so in Un- ordnung gebracht, daß er sich nicht mehr hätte herausfinden können. Ein Unheil darüber brauche ich wohl nicht erst fällen. Als der Referent und Korreferent die?lkien prüfte, stellte sich heraus, daß dieselben nichts weiter sind, als zum Theil recht unorthographische Abschristen und Herr Ahlwardt erklärte, das seien die mit Kopirlinte geschriebene Originale des Herrn Meißner. (Heiterkeit.) Briefe der Diskontogesellschaft an die rumänische Eisenbahn waren in Abschristen von den Abschriften Meißners überreicht; dabei war an einem Aktenstück ein Name von den zwei Unterschristen wegradirt; im Original stand neben Miquel der Name Meißner. Der letztere war Prokurist und hieß ebenso wie der Komtoirdiener. Das mußte dem betreffenden Benutzer verwunderlich vorkommen, deshalb ist der Name Meißner wegradirt. Herr Ahlwardt meinte. Meißner habe zur Beglaubigung mit- unterzeichnet(Heiterkeit) und zwar als Direktor, gleichsam zum Ersatz für den abwesenden andern Direktor als Kolleg« des Herrn Miquel(Große Heiterkeit). Das habe ich auch nicht geglaubt, daß Herr Ahlwardt so etwas vorbringen würde. Die rumänische Eisenbahn habe ein Darlehn gegen Bürgschaft der Diskouto-Ge- sellschaft und Bleichröder's erhalten. Der Bürgschastsverlrag wurde dem Finanzminister Miquel zur Last gelegt; es standen aber im Original ganz andere Namen, nicht der Name Miquel; in der Abschrist fehlten die Unterschriften gänzlich, vielleicht im Vertrauen darauf, daß die Referenten die Sache nicht weiter prüfen würden. Alle die verschiedenen Schreiben, welche Ahl- warbt vorgelegt hat, enthalten nichts, was irgendwie den Finanz- minister Miquel belasten könnte. Genau geprüft worden sind die Schriftstücke, welche sich aus das Verhältniß der Diskonto-Gesell- schaft zur rumänischen Eisenbahn beziehen; sie stimmen mit den Originalen zum Theil übercin, aber sie beweisen nicht das, was Ahlwardt beweisen wollte. Was Ahlwarvt nach Ostern über- reicht hat, beweist gar nichts und offenbar hat er gar nicht de- merkt, daß er Abschriften überreicht hat, deren Originale er vor Ostern schon überreicht hatte. Sonst bestnoen sich unter den sogenannten Akten Ausschnitte über allerlei Prozesse, Drucksachen der rumänischen Eisenbahn u. s. w. Die Akten machen überhaupt den Eindruck, als ob niemals ein verständiges Auge in die- elben hineingeschaut und sie in Ordnung gebracht hätte. Der Abg. Ahlwardt hatte behauptet, daß die rumänischen Eisen- bahnen auf das grauenhafteste ausgewuchert seien; es habe des- wegen schon ein Prozeß stallgefunden gegen Gehlsen, in welchem der jetzige Finanzminister Miquel der Hauptzeuge war. Dieser bestritt, daß sehr hohe Zinsen gezahlt wurden; er sprach von 4 pCt., Ahlwardt dagegen behauptete, daß 16 und 35 pCt. Zinsen gezahlt worden sind. Dem Finanzminister wird also der Vor- wurf gemacht, daß er mit Hilfe der Diskontogesellschaft die rumänische Eisenbahn-Gesellschaft ausgewuchert habe durch Forde- rung von 16 oder 35 pCt.; ferner hat Ahlwardt dte Richtigkeit des seitens des Finanzministers geleisteten Eides bezwerfelt. Die Darlehen, um welche es sich dabei handelt, sind 1372/73 verlangt worden von der Diskontogesellschaft, das ReichSdarlehn von ö Millionen Thalern ist erst 75 verlangt worden, bezieht sich also nicht mehr auf die Zeit der Thäligkeit des Herrn Miquel, der bereits 1873 aus der Direktion ausschied. Als Beiveis für den Wortlaut deS EideS de? Finanzministers berief sich Ahlwardt auf eine Broschüre, die Herr Placke überreichte, welche ohne Tilclblatt war und einen Auszug aus der Prozeßverhandlung gab. Der Finanzminister Miquel übergab die ohne sein Zuthun aus- genommene stenographische Niederschrift des Gehlsen'schen Pro- zesses und auch seines Eides. Herr Miquel erklärte vor Gericht, daß er von der anderen Darlehnssache erst später nach seiner Rückkehr aus Thale, wo er sich längere Zeit aufgehalten. erfahren habe. Aus dem Prozeß Gehlsen geht hervor, daß es sich dabei nicht um Darlehen aus dem Jahre 1872/73 handelte. Das beweift das Urtheil in Sachen Gehlsen, welches Herr Lieb- knecht mir zur Verfügung gestellt hat. in welchem ausdrücklich festgestellt wird, daß ein Zinssatz von acht Prozent für ein solches Geschäft nicht zu hoch ist. Nach dem Aktenmaterial ist es also ein durchaus ungerechtfertigter Vorwurf, wenn Herr Ahlwardt behauptet, der Eid des Herrn Miquel habe die Verurtheilung Gehlsen's herbeigeführt. Der Berichterstatter führt dann die ge- währten einzelnen Vorschüsse und die verabredeten Zinssätze genau auf, weil Ahlwardt von 16 bis 35 Prozent Zinsen ge- sprochen habe, trotzdem es sich nur um 8 bis 9 Prozent Zinsen und Provisionen handelte. Wie nach allen diesen Dingen der Abgeordnele Ahlwardl behaupten konnle, daß das deulsche Velk um Hunderte von Millionen betrogen worden sei. ist um so weniger zu begreifen, als es sich bei diesen Darlehen überhaupt nur um elwa 15 Millionen Mark gehandelt hat. Ahlwardt hat behauptet, daß der Finanzminister Miquel 100 000 Thaler'Aktien der rumänischen Eisenbahngesellschaft gezeichnet hat. Ein Akten- stück dafür ist nicht vorhanden, außer einer unbeglaubigten Ab- schrist Meißner's. Wenn Herr Miquel wirklich gezeichnet hat, so hat er es gethan, wie er schon im Plenum erklärt, für die Inhaber der Obligationen der rumänischen Eisenbahnen. Ahlwardt hat behauptet, daß Stempel- Erlasse vorgekommen seien, daß niemand hastbar war für das Darlehn. Für das letztere berief er sich auf einen Brief eines Herrn Calindero, der aber diese Behauptung nicht beweist. Bezüglich des Stempelerlasses liegt auch nur eine Abschrift von Meißner vor, die aber Ahlwardt selbst falsch zitirt hat. Daß überhaupt Wechsel vorhanden waren, könne er nicht beweisen; er berief sich auf Meißner als Zeugen, der jetzt in Calania sich befinde. Die Bestechungen der Zeitungen werden ebenfalls Herrn Miquel zugeschoben, Ahlwardl verwies auf einen Brief deZ Herrn Miquel. Das Vorgelegte war nur eine Abschrift, die durchaus nichts für die Behauptungen Ahlwardt's beweist. Dafür, daß die Berliner Presse direkt von der Diskonto-Gesell- schaft bearbeitet wurde, konnte Herr Ahlwardt keinen Beweis er- bringen; er verwies wieder aus Plack, der zwei Notizen ans den Büchern vorlegte, in welchen es sich zweimal um hundert Thaler handelte. Damit wird wohl die ganze Berliner Presse nicht ge- kauft sein.(Heiterkeit.) Die sonst angeführten Zahlungen an Zeitungen u. s. w. beziehen sich augenscheinlich aus die Kosten für Inserate und eingesandte Notizen, die elwaS theurer bezahlt zu iverden pflegen als Inserate. In den stenographischen Berichten über die Kommissions-Verhandlungen sind die betreffenden Akten- stücke zum Theil abgedruckt. 21 Wiener Zeitungen haben je 50 bis 100 Gulden erhalten! Das soll ein Beweis für eine Be- stechung sein! Ahlwarbt berief sich auch aus einen Brief des rumänischen Senatsnrästdenten Calindero; der Brief sollte zcr- rissen im Papierkorb gefunden und wieder zusammengeklebt worden sein. Die Jahreszahl ist vorsichligerweife abge- rissen. Es ist nicht zu ersehen, an wen der Brief ge- richtet ist. Der Brief ist, was für einen Rumänen merkwürdig ist, in flüssigen deutschen Buchstaben geschrieben. Der Finanzminister hat mit Hilfe der rumänischen Regierung feststellen lassen, daß es 1872/73 keinen rumänischen Senats- Präsidenten Calindero gegeben hat. daß erst 1881 ein Herr Calindero nach Berlin gekommen ist, also lange nach dem Aus- scheiden des Herrn Miquel aus der Diskonto-Gesellschaft. Herr Ahlwardt hat diesen Brief selbst als gefälscht, als nicht beweis- kräftig erklärt. Der Berichterstatter verliest ein von Herrn Calindero an den Präsidenten des Reichstags eingegangenes Telegramm, in welchem dieser den Brief als eine Fälschung, als eine abscheuliche Infamie erklärt und gegen solche gehässigen Anschuldigungen protestirt. Der Berichterstatter empfiehlt den Antrag der Kommission und erklärt, daß die Kommission davon Abstand genommen hat, die Anschuldigungen des Herrn Ahlwardl weiter zu verfolgen, weil es innerhalb des Hauses keine Quali- fikation für seine Anschuldigung giebt. Herr Ahlwardt hat er- klärt, daß ihm jede Absicht der Verleumdung fern liegt, daß er sich aber irren könne. Was die Belege zeigen, habe ich Ihnen dargelegt. Was Herr Ahlwardt weiter thun wird, muß ich ihm überlassen. Ich handle im Sinne der ganzen Kommission, wenn ich nur das eine ausspreche: Wenn der Abg. Ahlwaldt einen Funken von Verständniß für das hat, was er hier vorgebracht hat, wenn er einen Funken von Ehrgefühl im Leibe hat, dann wird er nicht anstehen, die schweren Anschuldigungen, die er aus- gesprochen hat. zurückzunehmen.(Zustimmung und Unruhe.) Abg. Ahlwardt: Es handelt sich um zwei Dinge: um den Jnvalidenfonds und um die rumänische Eisenbahn. Ich hatte den Jnvalidenfonds als zu niedrig bemessen bezeichnet, weil die allmälige Aufzehrung des Fonds nicht geeignet war für die Invaliden und für das Volk, wohl aber für die Börse, welche bei derBeschaffung der Obligationen ein gutes Geschäft machte und nach Aufzehrung des Fonds immer wieder bei Anleihen in Anspruch genommen werden mußte. Die Invaliden sind heute nicht besser versorgt als 1870. Daß bezüglich des Jnvalidenfonds etwas vorgekommen sein müsse, ist eine Vermuthung, die einen hohe» Grad von Wahr- scheinlichkeit hat.(Gelächter.) Diese Thalsache(Zuruf: That- fache?) liegt in den Verhältnissen begründet. Ich erinnere an die Worte des Herrn Richter, die ich nicht wörtlich ziliren kann: Fürst Bismarck ist ein Großgrundbesitzer, also hat er einen Vor- theil von der Einführung der Schweinesteuer(Zuruf Richters: Erfunden!) Meine Vermuthungen sind begründet durch That- fachen; die Begründung durch Aktenstücke habe ich überhaupt nicht übernommen.(Gelächter.) Ich habe diesen Beweis nur bezüglich der rumänischen Bahn übernommen. Redner beruft sich bezüglick des Jnvalidenfonds auf einen Bericht der Budget- kommissio» über denselben, in welchen von den damals schwer verkäuflichen Eisenbahnobligationen die Rede ist. Redner verliest unter wachsender Unaufmerksamkeit des HauseS einige Stelleu darüber aus der Niendorf'schen Broschüre. Er führt aus, daß die Bahnen, deren Obligationen für die Fonds angekauft wurden, erst hätten geprüft werden müssen. Redner geht nun auf die Entstehung der Linie Hannover-Alten- beken ein und auf die Untersuchungen der Eisenbahn-Kommission von 1873. Die ersten Gelder waren alle, ehe nur die Haupt« fachen für den Bahnbau beschafft waren; eS wurden dann Priori- täten aufgenommen von bedeutender Höhe. Hannover-Alteubeken wurde auf diese Weife die theuerste Bahn; eine Meile kostete nämlich 360 000 Thaler, ohne daß eine Spur von rollendem Material be- schafft war. Was aus solchen Bahnen wird, wenn sie ohne Staatshilse bleiben, kann man sehen an der Norddahn und der pommerschen Zentraldahn, die für einen billigen Preis vom Staate übernommen wurden, obgleich man erklärte, daß sie kaum den Abbruch werth waren. Wäre Hannover-Altenbeken nicht auf den preußischen Staat übernommen, so hätte der Jnvalidenfonds große Verluste erlitten, die jetzt der preußische Staat zu tragen hat. Jedenfalls ist durch alle diese Manipulationen die Ge- sammtheit des Volkes schwer geschädigt worden. Präs. v. Leveyow bittet den Älbg. Ahlwardt, nicht zu weit abzuschweifen, sondern bei seinen ursprünglichen Behauptungen zu verbleiben. Abg. Ahlwardt: Ich will beweisen, daß der Invaliden- fonds schwere Schädigungen hätte erleiden können, wenn der preußische Staat die Bahn nicht angekauft hätte. Präsident v. Levetzow: Sie haben zunächst davon zu sprechen, daß ehemalige und gegenwärtige Mitglieder des Reichs- tags an dieser Schädigung schuld sind. Abg. Ahlwardt: Darauf kann ich nicht wW Angehe.,. ick> kann auf dai verweisen, waS der Referent vorgetragen hat. (Gelächter.) Redner geht auf die Aktenstücke bezüglich der rumänischen Eisenbahn ein. Diese seien abgeschrieben worden. Daß dabei die Unterschriften weggelassen sind, halte keine de- sondere Absicht. Wie der Name Meißner unter das eine Akten« stück gekommen ist, hat sich ja nun vollständig herausgestellt. Die anderen Aktenstücke beweisen, wenn man sie mit einander vergleicht, daß alles mit einander stimmt. Die rumänische Bahn ist von Strousberg gegründet worden; ihm standen zur Seite der Herzog von Ratibor und Gras Lehndorf. Strousberg hat Aktien ausgegeben: er ist in Rumänien ebenso verfahren, wie anderwärts.(Präsident von Levetzow: Das Stronsberg'sche Verfahren geht uns nichts an.) Ich habe geglaubt, daß das für die weitere Verwaltung der rumänischen Bahn von Wichtigkeit sei.(Heiterkeit.) Ich komme nun zu einem Wider- spruch, der zwischen dem Finanzminister Micmel und mir besteht. (Gelächter.) Die Diskonto-Gesellschaft und Bleichröder sollen die rumänischen Bahnen gerettet, das deutsche Kapital vor Schädi- gung bewahrt haben. Nachdem die rumänische Bahngesellschaft gegründet war, wurden als Direktoren zwei Leute der Diskonto- dank eingesetzt, die also direkt unter Aufsicht des Herrn Hanse- mann standen. In den Büchern sind Ausgaben für die Presse angesührl, ganz erbebliche Beträge. Es ist von den Notizen, die in die Preffe gebracht wurden, in den Kommissionsberichten nur eine abgedruckt, die eine offenbare Unwahrheit enthält. Präsident v. Levetzow erklärt, daß die Presse den Reichstag nichts angeht. Abg. Ahlwardt: Ich komme nun zu der Zeichnung von 100 000 Thalern Für die Dislontogesellschaft zeichnete Hanse- mann eine erhebliche Summe, dann für persönliche Rechnung Hansemann IM 000 Thaler und Miquel ebensoviel. Der Finanz- minister Miquel erklärt, daß das keine persönliche Zeichnung sei, sondern eine im Auftrage erfolgte Zeichnung. Das ist mir nicht wahrscheinlich; es wäre doch richtiger gewesen, solche Zeichnungen für Auftraggeber mit in die Zeichnungen der Diskonlobank auf- zunehmen. Bezüglich des Eides des Herrn Miquel ist mir vor- feworfen worden, daß ich zu Unrecht von einem Falscheid ge- prochen hätte. Ich habe mich auf eine Schrift von Beta de- rufen; der Wortlaut des Eides stimmt ja auch überein mit dem Wortlaut desselben nach dem stenographischen Bericht. Es war behauptet worden, daß mit dem Gelde der Reichskaffe die rumänische Bahn unterstützt ist. Der Eid des Herrn Miquel crgiebt, daß er von diesem Geschäfte nichts erfahren habe; es seien seines Wissens 4 pCt. Zinsen und>/» pCl. Proviston ge- zahlt worden. Bezüglich des Zinssatzes ist eine Meinung»« Verschiedenheit entstanden zwischen dem Referenten und mir(Ge- lächter). Es wurden für das Darlehn 6 pCt. Zinsen und 4 pCt. Proviston für drei Monate verlangt, bei Pro- longirung sollte die Provision auf l/» pCt. herabgesetzt werden. Würde das Geschäft auf ein Jahr prolongirt sein. dann würde der vom Referenten berechnet« Zinsfuß herauskommen. 4 pCt. Provision für das Vierteljahr macht 16 pCt. für das ganze Jahr und dazu 6 pCt. Zinsen sind 22 pCt. Monatlich 2-/5 pCt. Zinsen würden 23'/, pCt. Zinsen für das Jahr ergeben. Be- züglich des Reichsdarlehns liegt ein Jrrthum vor; dabei handelt es sich wirklich nur um 4 pEt. und>/, pCt. Provision. Ob 22 pCl., die ich herausrechne, nicht Wucher sind, das ist eben die Frage. Ich hatte die Akten geordnet und mit Zeichen versehen; aber die Akten sind durcheinander gekommen; wenn das wSH- rend der Berathung der nommisston nicht geschehen ist, so ist es vorher geschehen. Präsident v. Levetzow: Ich muß dem Redner bemerken, daß tch den Auftrag gegeben bade, an der Lag« der Aktenstücke nicht das Geringste zu ändern; die Akten sind auch immer unter der schärfsten Aussicht gewesen(Hört! Hört!) Abg. Nhlwardt: Der Brief des Herrn Calindero soll ge- fälscht sein; das mag sein, aber es liegen andere Briefe des Herrn Calindero in Originalkopien vor(Großes Gelächter). Herr Metßner, der mir den Brief übergeben hat, war kürzlich noch in'Berlin, nach- her war er aber verschwunden(Heiterkeit). Ich habe ihn nicht aus- findig machen können, wohl aber habe ich einen Brief von ihm gesehen, aus Catania.(Heiterkeit, Zuruf: Krähahn I) Herr Meißner soll in den letzten Tagen in Berlin gesehen sein in Begleitung eines terrn, der ihm die Gelder zur Reise gegeben hat, aus welchem onds weiß ich nicht. Ich habe also keinen Beweis für meine Behauptung, ich bedauere dieselbe und zieh« sie mit Bedauern zurück.(Heiterkeit.) Ich komme auf die Kommission und aus die Erfahrungen, die ich in der Kommission selbst gemacht habe. (Großes Gelachter.) Daß Herr Horwitz Mitglied der Kommission war, obgleich ich ihn genannt halte, war mir bedauerlich. Das war nicht das Schl'mmste. Aber Abg. Lieber hat sein Urtheil gesprochen, seinen physischen Ekel kundgegeben, ehe der Referent berichtet hatte; ein Gericht, bei welchem ein Angeklagter so be-- handelt wird,— denn als Angeklagter stand ich doch vor der Kommission(Sehr richtig! links)— kann ich nicht mehr als Aus- druck der Gerechtigkeit anerkennen. Da andere Kominissions- Mitglieder mich in geradezu schmachvoller Weise der Oeffentlich- keit preisgegeben haben.(Gelächter.).... DaS ist doch kein Gegenstand des Lachens! Wenn s o viele Personen über einen zu Gericht sitzen, sollte doch die Uebermacht der Zahl der Personen dahin führen, daß nur anständige Mittel zur Anwendung kommen. Herr Lieber hat auch die Besucher meiner Versammlungen als Mob bezeichnet; ob daS richtig ist, überlasse ich dem Urtheil der Versammlungen. Die Besucher antisemitischer Versammlungen müssen doch auch als anständige Leute betrachtet werden. Dem Rechtsspruch der Kommisston konnte ich mich nicht beugen. Da der Finanzminister erklärt hat, daß er die Sache gerichtlich weiter verfolgen würde, wenn ich sie in die Oeffenllichkeit bringe, so erkläre ich, daß ich die Akten verarbeitet habe, das Buch wird demnächst erscheinen und bin ich bereit, mich dem ordentlichen Gericht zu stellen. Es ist mir peinlich gewesen, mit diesen Dingen vorzutreten, da ich doch nur sachlich kämpfe(Gelächter). Die Aktenstücke liegen vor. An dem Zinsfuß können Sie nicht rütteln. Eine Eingabe wegen Erlaß der Stempelkosten ist vorhanden. Wenn ich in einem Punkte meine Behauptungen zurückziehen muß, weil mir der Zeuge fehlt, so ist daS bedauerlich, aber ich konnte nicht wissen, daß mir dieser Zeuge so schnell entgehen wird. Es ist eine zweifellose Thatsache, daß an den vielen Gründungen ungezählte Summen verloren gegangen sind, große Volkskreise sind geschädigt worden. Ich mub gegen solche Zustände ankämpfen, das bin ich meinen Wählern schuldig. Daß dieser Kamps kein leichter ist. das ist selbstverständlich, wenn ich in dieser Weise dem«nlschicdensten Mißtrauen des ganzen Hauses begegne. Der Kamps wird hier in einer Weise geführt, die nicht ehrlichen und ritterlichen Anschauungen entspricht.(Präsident von Levetzow ruft den Redner wegen dieser Aeußerung zur Ordnung). Herr Miquel war ein Vertreter de? Großkapitals. Ob ick mit meinem Angriff gegen ihn bei Ihnen durchdringe, bezweifle ich.(Lachen.) Daß er an einer großen Anzahl von Gründungen belhettigt war, steht fest. Ich kann nur erklären, daß ich diesen Kamps fortsetzen werde und wenn ich noch so sehr persönlich angegriffen werde; ich glaube das den produktiven Volksklassen schuldig zu sein. Daraus schließt der Präsident die Diskusston, da sich nie- wand mehr zum Wort gemeldet hat. In seinem Schlußwort weist der Berichterstatter v. Cuny darauf hin, daß der Jnvalidenfonds von den Eisenbahn- Prioritäten keinen Nachlheil, sondern eine» Gewinn gehabt hat. Abg. Porsch lehnt es ab, auf die Angriffe Ahlwardt's gegen die Kommission irgend etwas zu erwidern; wenn Ahlwardt sich vor der Uebermacht der 21 Mitglieder fürchte, so müsse er daraus aufmerksam macheu, daß die Kommisston aus Wunsch des Herrn Ahlwardt selbst eingesetzt worden ist. Die Alten selbst sind auf das Sorgsamste gehütet worden; wenn sie in Unordnung ge- lommen sind, so kann das nur durch Herrn Ahlwardt selbst ge- schchen sein, der der Kommission etwas aus den Atten zeigen wollte, aber sich nicht zurecht finden tonnte. Redner spricht dem Finanzminister Miquel den Dank au? dafür, daß«r d» Be- denken nicht verkennend, trotzdem an den Verhandlungen theil- genommen hat im Interesse der öffentlichen Moral und des öffentlichen Vertrauens und zur Warnung und wenn möglich zur Belehrung für den von einem solchen Manne wie Ahlwardt irre geführten Theil des Volkes.(Beifall.) Darauf werden die Anträge der Kommisston einstimmig an- genommen.(Abg. Ahlwardt hat schon einige Zeit vorher den Saal verlassen.) Schluß gegen 6 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. (Zweite Berathung der Militärvorlage.) Uolrktles. Von wohl 10 000 Personen war am Sonntag, trotzdem das Wetter nicht allzu einladend war, die Baumblülhe in Werder besucht. Von Potsdam aus waren 6 Dampfschiffe voll- gepfropft mit Passagieren nach dort gegangen und die Eisen- vahn beförderte schon von früh an von Berlin große Menschen- massen nach der Havelstadt, zu welchen sich noch zahlreiche Rad- fahrer und Turner, die zu Fuß gekommen waren, gesellten. Nachmittags um 4 Uhr konnte man in Werder an verschiedenen Orten keine» Kaffee mehr bekommen, ebenso wie es keinen Kuchen und keine Backwaare mehr gab. Ersatz war wegen der Sonntags- ruhe nicht zu beschaffen. Die Verkäufer von Blüthenzweigen, meist Kinder, fragten indessen nichts nach der Sonntagsruhe und machten ebenfalls wie die Gastwirlhe und Obstweinschänker großartige Geschäfte. Zur Mastvieh-AuSstellung, welche morgen auf dem Zentral- viehhos eröffnet wird, sind in den letzten Tagen umfassende Vor- arbeiten getroffen worden. So manches Bourgeoisherz dürfte denn in den nächsten Tagen beim Anblick der gemästeten Pracht- exemplare vor Rührung vergehen und aufs neue die Bortrefflich. keit der„göttlichen Weltordnung" zu preisen Gelegenheit haben. Uebrigens wie wäre es, wenn man auch der Proletarier ein wenig gedächte und für diese etwa eine Hottehühausftellung ver- anstaltete? Unsere Nachbarstadt Potsdam befindet sich bereits wieder in Finanzschwulitäten. Die von derselben erst im Vorjahre auf- genommene Anleihe von 3 Millionen Mark reicht noch nicht ein- mal zur Erreichung der in dem Anleiheprivilegium vom S. Mai 1892 angegebenen Verwendungszwecke, nämlich: Errichtung eines städtischen Schlachthauses, Ankauf der Wasserwerke und Durch- führung der Kanalisation. Zum Bau eines neuen Feuerwacht- lokals sollen deshalb später rund 210000 M. durch eine neue Anleihe bei der städtischen Sparkasse, vorläufig aber durch Realistrung der städtischen Vermögensmasse beschafft werden. Die Explosion deS„Humboldt" dürfte, wie Breslauer Blätter übereinstimmend melden, noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Premierlieutenant Groß hatte bei seiner Landung be- kanntlich sofort das herbeiströmende Publikum dringend gewarnt, ja nicht mit brennenden Zigarren sich dem Ballon zu nahen. Diese Mahnung wurde von dem Bauerngutsbesitzer K. aus Alt- Heinrichau nicht beachtet, und unmittelbar, nachdem er mit brennender Zigarre sich dem Ballon genähert hatte, erfolgte die Explosion. K. hat in seiner polizeilichen Vernehmung diesen Sachverhalt angeblich auch bereits zugestanden. Da K. sich in günstigen Vermögensverhältnissen befindet, so dürfte er, wie die Breslauer Blätter meinen, für den etwa 16 000 M. betragenden Schaden haftbar gemacht werden. Entgegen früheren Meldungen, daß durch die Explosion des„Humboldt" Menschen nicht verletzt worden seien, ist festzustellen, daß dies doch der Fall geivescn ist. Die Personen, welche den Ballon an de» Stricken festhielten, wurden mehrere Meter in die Höhe geschleudert. Ein zwölf- jähriger Knabe aus Zesselwitz bei Münsterberg kam dabei so unglücklich zu Fall, daß er bewußtlos liegen blieb und nach Hause getragen werden mußte, und gegenwärtig liegt derselbe nock schwer krank darnieder. Ein anderer Knabe aus Heinrichsau hat sich bei dem Sturz« zwei Zähne ausgeschlagen, und einem 'Arbeiter wurde das Gesicht erheblich verbrannt. Einer Anzahl von Personen, die durch Brandwunden verletzt waren, und deren Kleidungsstücke gelitten hatten, wurden von Premierlieutenant Groß sofort Schmerzensgelder bezw. Entschädigungen von drei bis fünf Mark ausgezahlt. Ein Schwindel mit englischen Zirkularnoten ist am 27. v. Mts. bei der hiesigen Diskonto- Gesellschaft vorgekommen. Ein anständig gekleideter Mann kam in die Wechselstube und legte einen Kreditbrief der Londoner Unionsbank und sieben Zirkularnoten über je 20 Pfd. Sterl. vor, die auch in dem Kreditbriefe verzeichnet waren. Er bat, den Werth in deutschem Gelde auszuzahlen. Als Name des Inhabers mar Charles Lee mittels Abdruckes angegeben; dieser Name befand sich auch als Unterschrift auf den Noten. Der Beamte der Diskonto- Gesell- schuft nahm eine sofortige Prüfung vor und da anscheinend alles in Ordnung war, auch das Wasserzeichen, wie Unter- schristen des Giranten und Sekretärs der Unionsbank stimmten, auch der Borzeiger erklärte, daß er im Hotel National logire, so wurde ihm der Betrag 20S3,10 Mark ausgezahlt. Dann erhielt er den Kreditbrief zurück, auf dem die Zahlung der Noten vermerkt worden war. Tags darauf wurden die Noten mit dem Giro der Diskonto-Gefellschaft der Unionbank in London übersandt. Gestern Nachmittag erfolgte darauf die Draht- nachricht, daß die Noten gefälscht seien, und daß außerdem Fälschungen mit 20 Pfundnoten der Unionbank von Nr. 93 740 aufwärts auf die Namen Georg Fischer, Charles Lee und Alfred Hill vorgekommen seien. Die Diskonto-Gesellschast fragte in dem Hotel hier an und erfuhr, daß dort ein Mann namens Charles Lee vom 24. bis 27. v. M. gewohnt habe, aber nach Dresden abgereist sei. Nach den weiteren Feststellungen der Gesellschaft find bei den hiesigen 4 Einlösungsstellen der Zirkularnoten weitere Betrügereien nicht vorgekommen, wohl aber bei zwei Firmen in Hamburg, wo je acht 20 Pfundnoten eingelöst sind und Geld er- hoben wurde. Der angebliche Lee ist in den 40er Jahren, mittel- groß, hat dunkelblonden Schnurrbarl und hat während der Ver- Handlungen seinen schwarzen Cylinderhut nicht abgenommen, sodaß Gesicht und Haare nicht ganz genau gesehen wurden. Auch im Hotel hat er den Hut stets auf dem Kopfe getragen. Ueberfahren wurde am Sonntag Morgen 3 Uhr in Steglitz ein Taubstummer von dem Fuhrwerk des Milchhändlers Möbus. Leider war nicht gleich Hilfe am Platz, da«in Arzt, der zuerst requirirt werden sollte, noch kein« Sprechzeit zu haben erklärte. Man trug den Armen daher zum Dr. Ganzer in der Albrecht- straße, welcher die erste Hitfe leistete. E» ist wenig Ausficht auf Wiederherstellung des Armen vorhanden. Ein Leichenfuud im WirthShause Zum Priilate». Der am 10. August 1852 geborene Kaufmann Karl Klösel, der in dem Hause Königgrätzerstr. V2 bei Kappel ein möblirles Zimmer be- wohnte, war m der Nacht zum Dienstag mit dem ihm bekannten Kaufmann Paul Rebstock. Alexanderstr. IS, zusammen im Prä- taten anwesend. Die Stnnde war bereits vorgeschritten, als Klösel erklärte, daß ihm unwohl geworden sei und sich in den Garten hinausbegab. Als er um II Uhr in das Jnnere des Lokals noch nicht zurückgekehrt war, so suchte man überall nach ihm, jedoch ohne Erfolg, und nahm jetzt an, daß er in aller Stille den Heimweg angetreten habe. Als nun gestern Morgen gegen 7 Uhr der Gärtner Trappe den Garten des Prälaten etrat, fand er in dem durch die Stadtbahn überbrückten Theile die Leiche eines unbekannten Mannes auf, in dein später der Kauf- mann Klösel erkannt wurde. Das Gerücht, das den Zeitungen den Vorgang als ein Verbrechen zutrug und von einem verübten Raube wissen wollte, ist völlig unbegründet. Klösel ist wahr- scheinlich infolge zu starken ZechenS an einem Herzschlage ge- starben. Die Leiche ist allerdings behördlich beschlagnahmt wor- den, indeß nur zu dem Zwecke, um die bisher unbekannte Todesursache, die durch einen hinzugerusenen Arzt nicht ermittelt werden konnte, festzustellen, da anders der Beerdigungsschein von der Staatsanwaltschaft nicht zu erlangen ist. Brände. Ein Brand in der Kastanien-Allee 29/30, der am Montag Nachmittag gegen 6 Uhr gemeldet wurde, war in einer der harligen Tischlereien ausgekommen: seine zerstörenden Wirkungen waren aber auf den möglichst engsten Kreis be- schränkt, da das schnelle Eingreifen der Feuerwehr mit einer Spritze eine umfangreichere Entwickelung verhinderte. Die Ursache des Feuers scheint von der Leimküche ausgegangen zu sein. Gleich darauf mußte die Feuerwehr nach der Reichenberger- straße 43 ausrücken, wo in einem Bretterverschläge auf dem Dachboden ein Sack mit Heu brannte. Bei einer verspäteten Wahrnehmung der Gefahr hätte ohne Zweifel ein Dachboden- brand bevorgestanden. Auf welche Weise der Brand entbanden, ist unaufgeklärt geblieben. Marktpreise in Berlin am 1. Mai, nach Ermittelungen des königlichen Polizeipräsidiums. Weizen per 100 Kg. g.uter von 16,40— 16,10 M., mittlerer von 16,00— IS, 30 M., geringer von 15,70—15,40 M., Roggen per 100 Kg. guter von 13,90 bis 13,60 M., mittlerer von 13,50—13,30 M., geringerer von 13,20 bis 13,00 M. Gerste per 100 Kg. gute von 17.50—16.30 M.. mittlere von 16,20—15,10 M., geringe von 15,00-— 13,30 M. Hafer per 100 Kg. guter von 16,00—15,50 M., mittlerer von 15,40—15,00 M., geringer von 14,90 bis 14,40 M. Stroh, Richt- per 100 Kilogr. von— Mark. Heu per 100 Kilogr. von— ,— Mark. Erbsen, gelbe zum Kochen per 100 Kg. von 40,00—24,00 M. Speisebohnen, weiße per 100 Kg. von 50,00—20,00 M. Linsen si>cr 100 Kg. von 80,00 bis 30,00 M. Kartoffeln per 100 Kg. von 6,00-/1,00 M. Rind- steich von der Keule per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Bauchfleisch per 1 Kg. von 1,80—0,90 M. Schweinefleisch per 1 Kg. von 1,60—1,20 M. Kalbfleisch per 1 Kg. von 1,60—0,30 M. Hammelfleisch per 1 Kg. von 1,50—0,90 M. Butter per 1 Kg. von 2,30—1,30 M. Eier per 60 Stück von 4,00—2,40 M. Fische per I Kg.: Karpfen von 2,40—1,20 M. Aale von 3,00 bis 1,20 M. Zander von 2,40—1,00 M. Hechte von 1,30—1,00 M. Barsche von 1,60-0,60 M. Schleie von 2,30—1,20 M. Bleie von 1,40 bis 0,70 M. Krebse per 60 Stück von 12,00—2,00 M. Polizeibericht. Am 1. d. M. Mittags fiel vor dem Grundstück Perlebergerstraße 49 ein Kutscher anscheinend in der Trunkenheit von dem von ihm geführten Gcschäftswagen und erlitt schwere innere Verletzungen, so daß seine Ueberführung nach dem Krankenhause Moabit erforderlich wurde.— Auf dem Hofe des Hauses Beemerstr. 67 stürzte Nachmittags ein Hänge- gerüst beini Aufwinden etwa zwei Meter hoch herab und traf einen dabei beschäftigten Maler, so daß er eine Verstauchung des Rückgrats erlitt. Er wurde nach dem Krankenhause Moabit gebracht.— Infolge des Sturmes wurde der an der Christiania- straße befindliche Zaun des Grundstücks Prinzen-Allee 23 um- geworfen und fiel auf einen dort spielenden fünfjährigen Knaben. Derselbe erlitt einen Bruch des Oberschenkels und mußte nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden.— An der Eck« der Barnim- und Neuen Königstraße gerieth Abends ein Hutmacher unter die Räder eines Mörtelwagens und erlitt anscheinend schwere innere Verletzungen, so daß seine Ueber- führung nach dem Krankenhanse am Friedrichshain erforderlich wurde.— Nachmittags fanden zwei kleine Brände statt. Gerirftks-IeWmrgr Schwere Beleidigungen von Militärpersonen führten gestern den Postschaffner Heinrich Lotto vor die vierte Straf- kammer des Landgerichts 1. Der Angeklagte hat einen Sohn, der die Militärlanfbabn«ingeschlagen hatte und bei der hiesigen Garde-Feldarlillerie stand. Derselbe ist im Gegensatze zu seinen Kameraden, die mit ihm im gleichen Dienstalter standen, nicht zum Unteroffizier befördert worden. Der Angeklagte sah dies als eine ungerechte Zurücksetzung seines Sohnes an, die auf Voreingenommenheit des betreffenden Batteriechefs, sowie des Sergeanten, der der nächste Vorgesetzte seines Sohnes war, zurückzuführen sei. Eines Sonntags besuchte der Angeklagte eine Barbierstube. Der Barbier richtete an ihn die unglückliche Frage, ob sein Sohn Uuterosfizicr geworden sei und dadurch fiel ein Funke in ein Pulverfaß. Der Angeklagte, der kurz zuvor einen Brief von seinem Sohne erhalte« hatte, in welchem derselbe über die ihm zu theil gewordene Behandlung bitlere Klagen führte, gerieth in einen Zustand hoher Erregung. wobei er sich in schweren Beschuldigungen gegen die vor- erwähnten Vorgesetzten erging. Vergebens wies der Bar- bier ihn darauf hin, daß noch andere Personen, u. A. ein Schutzmann, anwesend seien, der Angeklagte ver- stärkte noch seine beleidigenden Behauptungen und machte den Schutzmann noch besonders daraus aufmerksam, daß derselbe wider seine Pflicht verstoße, wenn er das Gehörte nicht zur An- zeige bringe. In der gestrigen Verhandlung blieb der Angeklagte dabei, daß seine Behauptungen aus Wahrheit beruhten. Sein als Zeuge vernommener Sohn behauptete ebenfalls, daß ihm Unrecht geschehen sei. Er ist inzwischen als Ganz-Jnvalide entlassen ivorden. Der betr. Hauptmann hat der Ehefrau des Auge- Nagten erklärt, daß ihr Sobn zwar ein tüchtiger Soldat sei, aber nicht die Eigcnschasten besitze, die ein Vor- gesetzter haben müsse. Wahrend der Staatsanwalt als erschwerend hervorhob, daß der AngeNagle selbst Soldat gewesen und deshalb eine Gefängnißstrafe von 6 Monaten beantragte, bat der Vertheidiger, Rechtsanwalt Leonhard Friede- mann, unter Berücksichtigung der vielen Milderungsgründe um eine gelinde Strafe. Er erzielte auch, daß der Gerichtshof es bei einer Geldstrafe von 150 M. beließ. Zu eine«„festen Verhau" soll der Schlächtermeister Karl Becker, welcher im Verein mit seinem Bruder, dem Schlächtermeister Louis Becker aus Charlottenburg, und dem Schlächtergesellen Ernst Niese gestern vor der zweiten Strafkammer hiesigen Landgerichts 1 stand, am 9. Februar 1391 seinen Schlächterladen gemacht haben. Die drei Angeklagten wurden wegen Freiheitsberaubung und Körper- Verletzung mittels gefährlicher Werkzeuge(Knotenstock, Rauch- spieß und Ochsenziemer) zur Verantwortung gezogen. Bei dem ersten Angeklagten arbeitete der Schlächtergeselle Adolf Rick- st e i n, dessen Aufenthalt zur Zeit nicht mehr zu ermitteln ge- wesen ist. Derselbe schien die Absicht zu haben, seinem Meister etwas am Zeuge zu flicken, denn er kündigte demselben eines Tages die Arbeit auf, unter der gleichzeitigen Drohung, ihn wegen angeblicher Verarbeitung von Pferdefleisch denunziren zu wollen. Er hat späterhin diese Drohung auch wahr gemacht, ein Strafverfahren ist aber überhaupt nicht eröffnet worden. Meister Becker war über diese schimpfliche Beschuldigung aufs höchste empört und seine Erregthett machte sich Luft, als der Ge- selle am 9. Februar in seinem Laden erschien und einen Ent- lassungsschein forderte. Die Szene, welche sich da im Laden ab- spielte, hat der Geselle Rickstein in einer früheren gerichk- lichen Vernehmung sehr anschaulich geschildert und auch dein Arzt dargestellt, bei welchem er kurz nachher mit blutender Nase und blutendem Munde mit verbeulten Augen und blutrünstigen Striemen am Körper erschien, um sich ein'Attest ausstellen zu lassen. Nach dem Inhalt dieses Attestes muß der Geselle„nach allen Regeln der Kunst" verbauen worden sein. Nach seiner Be- hauplung habe er, als er den Laden seines Meisters betrat, diesen mit seinem Bruder angetroffen. Man habe die Ladenthür -O verfchloffen, und die Brüder Beder haben fofort auf Bon der Rettungsstation Colbergermünde wird tele- feiner Erwiberung babei, daß der Bericht der Polizei unrichtig thn Losgeschlagen, der erfte mit einem Knotenftod, graphirt: Am 1. Mai von dem gesunkenen Fischerboot Nr. 74 fei; er habe sich teines Vergehens schuldig gemacht; er fei auf der zweite mit einem Rauchspieß, und als er blutend brei Personen durch das Rettungsboot Reichstelegraph ge- dem Polizeibureau von einem Polizeiagenten geohrfeigt worden. am Boden gelegen, fei auch noch der Dritte An- rettet. Der Minister erwiderte, die Regierung habe ihre Pflicht ges getlagte hinzugekommen und habe mit einem Ochsen- Durch Brand wurden im Zentrum der schwedischen Stadt than, indem sie die Ordnung aufrecht erhalten habe. ziemer auf ihn eingehauen. Als die Lynchjuftiz zu Ende ge- Christinehamn 40 Häuser vernichtet. Pourquéry de Boifferin protestirte gegen die einem Des gangen, sei in freundlichster Weise der Lehrling mit einem Napf In Dänemark sind nach einer Statistik in den Jahren 1866 putirten gegenüber angewendete Handlungsweise der Polizei. Wasser zum Abwaschen des Blutes herbeizitirt worden und dann bis Ende 1892 von den Gerichten 54 Todes urtheile gefällt Caffagnac beantragte, daß Baudin vor das Gericht habe man ihn zur Thür hinauskomplimentirt. Der Geselle will worden, von den Verurtheilten waren 27 Männer und 24 Frauen; gestellt werde, damit Licht über die widersprechenden Besechs Wochen arbeitsunfähig gewesen sein. Die Angeklagten be hingerichtet wurden nur 4 Männer. hauptungen verbreitet werde. Millerand brachte eine Tageshaupteten ihrerseits, nur mit der Hand bezw. mit dünnem Rohr Der ehemalige Statthalter von Mähren, Baron Adolf ordnung ein, wonach eine Untersuchung über die der Polizei zum tod geschlagen zu haben. Nach ihrer Darstellung soll sich der Poche, stürzte sich in Wien in selbstmörderischer Absicht aus dem Vorwurf gemachte Brutalität eingeleitet werden solle. Der Streit daraus entfponnen haben, daß Meister Becer darauf 3. Stockwerte feines Wohngebäudes und ist infolge des Sturzes Minifter des Innern, Dupuy, sprach gegen diesen Antrag und bestand, die Entlassung dem Gefellen in das Verbandsbuch geftorben. Als Motiv wird Furcht vor Erblindung angegeben. verlangte die einfache Tagesordnung, welche mit 319 Stimmen zu schreiben und da Rickstein ein solches nicht bei sich Warnung vor Brasilien. Aus Altona wird im Ham- gegen 150 angenommen wurde. Hierauf wurde die Sigung gehatte, so soll er darüber in Aufregung gerathen sein. burger Echo" berichtet: Im Herbst 1891, als so viele Leute hier schlossen. Rechtsanwalt Dr. Jvers bat den Gerichtshof, zu bedenken, und namentlich auch in Lägerdorf das Answanderungsfieber ers Dundee, 2. Mai. Der Streit der Jute- Arbeiter infolge der daß die falsche Behauptung, Pferdefleisch zu verarbeiten, für griffen hatte, wanderte auch die aus Mann, Frau und 5 Kindern 5 prozentigen Lohnherabfehung nimmt zu. 19 000 Arbeiter feiern. einen reellen Schlächtermeister doch die denkbar empfindlichste bestehende Arbeiterfamilie Schwarzenberger von hier nach Bra- Die Streifenden zogen heute mit Musik durch die Straßen. Beleidigung darstelle. Man werde es den Angeflagten nicht so filien aus. Ihr wurde die Auswanderung, mit den Ersparnissen Chicago, 1. Mai. Die Eröffnung der Ausstellung durch sehr verargen fönnen, wenn sie ihrer Empörung in einer Weise aus faurer Arbeit in der Tasche, verhältnißmäßig leicht. Vor den Präsidenten Cleveland erfolgte vor einer Versammlung von Luft machten, die bei weniger zartfühlenden Leuten doch nicht wenigen Tagen fehrte Frau Schwarzenberger mit dreien ihrer etwa 300 000 Personen. Am Morgen regnete es; in dem Augengar so ungeheuerlich sei. Aus denselben Gesichtspunkten heraus Kinder heim und danfte, jetzt wieder am Kremperwege wohnen blicke aber, als Cleveland durch den Druck auf einen Knopf beantragte der Staatsanwalt gegen Karl Becker nur 50 M., zu tönnen. Die Frau erzählt: Weil mit Geldmitteln versehen, sämmtliche Maschinen der Maschinenhalle und sämmtliche Springgegen Louis Becker und Niese nur je 30 M. Geldbuße. hatten wir nicht nöthig, uns eine Urwaldfolonie anweisen zu brunnen in Bewegung gesetzt hatte, brach die Sonne durch dieWolfen. Der Gerichtshof meinte aber, mit Rücksicht darauf, daß der lassen; wir fauften uns eine bereits abgerodete Kolonie für 35 M., Die Vorkehrungen, welche die Behörden zur Aufrechterhaltung der Geselle eigentlich am ganzen Körper zerschunden worden war, auf der wir Roggen, Weizen, Mais und Zwiebeln fäeten und Ordnung unter der ungezählten Menschenmenge getroffen dieses Strafmaß doch erheblich überschreiten zu sollen, und er pflanzten. Mein Mann, Müller von Profeffion, hatte bald Ge hatten, waren höchst mangelhafte. Die Ausstellungspolizei, die verurtheilte deshalb die Brüder Beder zu je 200 M., den Angefl. legenheit, sich eine Mühle zu kaufen. Er war unvorsichtig genug, fogenannte Columbische Garde, stand den Volksmengen ohn Niese au 100 M. Geldbuß e. auf einem Wege nach der zu kaufenden Mühle zu verrathen, daß er mächtig gegenüber. Das Ausstellungsgebäude zeigt in feinem 450 M. bei sich trug. Auf dem Wege wurde er überfallen, vom Inneren das Resultat der Riesenarbeit der letzten Woche. Die Eine Anklage wegen versuchten Betruges wurde gestern Pferde gerissen und seiner Baarschaft von Brasilianern beraubt. Was meisten ausländischen Abtheilungen find fast fertig gestellt, im vor der weiten Straffammer des Landgerichts I gegen den wir gefäet und gepflanzt, gedieh nicht; denn in drei Monaten fiel Gegenfaß zu der amerikanischen Abtheilung, in welcher nur die Schuhmacher Karl Bigalte verhandelt. Der Angeklagte be- fein Tropfen Regen und was ohne Regen gewachsen war, fraßen von den einzelnen Bundesstaaten ausgestellten landwirthschaft treibt Wechselgeschäfte, mit Vorliebe solche, bei denen Offiziere uns die wild weidenden Pferde der noch wilderen Brasilianer ab. lichen Produkte einen hervorragenden Platz gefunden haben. betheiligt find. Bor reichlich zwei Jahren übergab ihm der Mein Mann beschwerte sich beim Inspektor". Dieser ließ den Auf dem Gebiete der Industrie gebührt gebührt Deutschland Hauptmann v. 2. ein Afzept über 1200 m. mit dem Auftrage, Pferdebesizern eine Warnung zugehen und gab meinem Manne die Palme, obgleich auch Großbritannien Gutes geleistet Geld darauf zu verschaffen. Wie Bigalte behauptet, sind seine den Rath, die Thiere einzufangen, was geschah. Die Brasilianer hat. Frankreich und Japan erregen großes Interesse. Bemühungen vergeblich gewesen, und als er nach geraumer follten für jedes Pferd das ihm zuerfannte Löfegeld von 2 M. Ueber dreihundert ausländische Journalisten wohnten den Zeit den Wechsel zurückgeben wollte, hatte der Akzeptant zahlen, was sie nicht wollten. Vielmehr tamen ihrer Drei, ftachen Eröffnungsfeierlichkeiten bei, darunter befanden sich viele ein Jahr Urlaub erhalten und befand sich auf Reisen. meinen Mann mit Messern nieder, so daß er in 5 Minuten ver- Engländer und Deutsche. Einige derselben hatten sich aus Im August vorigen Jahres reifte der Angeklagte mit schied und nahmen ihre Pferde mit. Man soll sie zur Strafe Furcht, in dem Menschengewühl zu ersticken, auf die Estrade des dem inzwischen wegen Wuchers und und Unterschlagung an 5 Jahre unter Polizeiaufsicht gestellt haben. Zwei meiner Kinder Präsidenten gedrängt, von wo sie durch die Polizei entfernt 21/2 Jahren Gefängniß verurtheilten Kaufmann Borcke nach sind drüben gestorben. Mein einziger Wunsch war, mit meinen wurden. Einige wurden verhaftet. Bei dem Rundgange, welchen Danzig, wo der Lettere mit dem Hauptmann v. H. ein Wechsel drei Kindern nach Deutschland zurückzukehren. Eine deutsche Cleveland nach der Eröffnung durch die Ausstellung machte, geschäft zu regeln hatte. Wie der gestern als Beuge vernommene Druckerei in Porto Alegre und dortige deutsche Geschäftsleute intonirten zwei deutsche Militärkapellen die amerikanische und Borde befundete, hatten sich die Hauptleute v. 2. und v. H. haben für mich eine Sammlung veranstaltet und mir die Heim- deutsche Hymne. Die deutsche Ausstellung fand die wärmfte Angegenseitig mit Wechseln ausgeholfen, und der eine war auch für fehr ermöglicht. Jetzt bin ich wieder hier, von allen Mitteln erkennung des Präsidenten, der sie als einzig in threr Art und den anderen am Verfalltage eingetreten. Bigalte habe ihm nun entblößt und genöthigt, die öffentliche Unterstützung in Anspruch als den Glanzpunkt der ganzen Ausstellung bezeichnete. einen Wechsel, der bereits seit 9 Monaten verfallen und von zu nehmen. Wären wir doch nie auf den Gedanken gekommen, bem Hauptmann v. Z. afzeptirt war, mit dem Auftrage über nach Brasilien zu reisen!" geben, den Hauptmann v. H. zu ersuchen, hierfür ein neues Atzept auszustellen. Borde entledigte sich auch des Auftrages, rieth aber selbst dem Hauptmann v. H., doch erst bei Dem Akzeptanten anzufragen, ob der Wechsel nicht bereits bezahlt sei. v. H. weigerte sich auch, irgendwelche Verbindlichkeit zu übernehmen. Er erfuhr auf Anfrage bei dem Akzeptanten, daß für den fraglichen Wechsel niemals Valuta gezahlt worden sei. Die Anklage beschuldigt nun Bigalte, daß er den in seinen Händen verbliebenen Wechsel zu einem Betruge habe benutzen wollen. Derselbe bestritt dies entschieden und behauptete, er habe nur die Adresse des Hauptmanns Don Z. er fahren wollen, und nachdem er diesen Zwed erreicht, bem zeptanten auch den Wechsel aus freien Stücken zugesandt. Die Anlage findet es auffällig, daß dies nach dem mißglückten angeblichen Betrugsversuch anonym geschehen ist. Da aus der fommissarischen Vernehmung der beiden Difiziere und aus den widersprechenden Angaben des Angeklagten Bigalte und des Zeugen Borde eine Klärung des Sachverhalts nicht zu erzielen war, beschloß der Gerichtshof das persönliche Erscheinen der Offiziere anzuordnen und verlagte zu diesem Zwecke die Berhandlung. Auf Wunsch des Herrn August Langer, Reftaurateur. Brenzlauer firaße 21, erklären wir hiermit, daß derselbe mit dem in Nr. 98 des Vorwärts" unter Gerichts- Zeitung genannten Mann gleichen Namens nicht identisch ist. Vermischkes: Depeschen. Spezial- Telegramme des Vorwärts". am 1. Mai in der Erholungshalle in Hufen zusammen und Königsberg i. Pr., 2. Mai. Zweitausend Personen trafen zogen durch die Stadt nach dem Lokal des Reichstags Abgeordneten Schulze. Abends wurden vier überfüllte Versamm lungen abgehalten. M ( Deveichen des Bureau Herold.) Chemnis, 2. Mai. Tannert, welcher im Zuchthause zu Waldheim den Aufseher Baufler erstach, und zwei andere schwer verlegte, wurde vom hiesigen Schwurgericht zum Tode und zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilt. Wien, 2. Mai. In verschiedenen Fabriken, welche Ar beiter entlassen haben, weil sie gestern troz des Verbotes nicht zur Arbeit erschienen waren, ist ein Streit ausgebrochen. Die betreffenden Fabriken mußten infolge dessen den Betrieb einstellen. Christiania, 2. Mai. Bei Beginn der geftrigen Sitzung des Storthinges sagte Präsident Ullmann, daß er, da ein neues Minifterium in der Bildung begriffen fei, es für rücksichtsvoll halte, wenn die Sigungen vorläufig ausgefeßt würden. Das Thing stimmte zu. Horit( Linke) hat folgenden Antrag eingebracht: Das Storthing erklärt seine Zustimmung zu der Auffassung von ber Minifterverantwortlichkeit, wie sie das Ministerium Steen im Protokoll vom 22. April geltend gemacht hat, sowie auch zu der Auslegung des Storthingsbeschlusses vom 10. Juni 1892, den das Minifterium auch vertreten hat." Wien, 2. Mai. Die Maifeier ist in sämmtlichen Provinzen Desterreichs glänzend verlaufen, ausgenommen Schlesien, wo sowohl die Versammlungen wie die Feste verboten wurden. Die Arbeiter Nordböhmens haben trotz des bekannten Beschlusses der Unternehmer, wonach jeder entlassen werden sollte, der nicht am 1. Mai arbeite, meist gefeiert. In allen Kohlenrevieren Böhmens, Steiermarks und Krains ruhte die Arbeit vollständig. Von den Maifeierlichkeiten in den Provinzen sind als besonders impofant eine bebeutungsvolle Ansprache, in Gegenwart einer ungebeuren Chicago, 2. Mai. Nachdem der Präsident Cleveland durch hervorzuheben die in Prag mit 50 000, in Brünn mit 30 000, Voltsmenge, die Ausstellung eröffnet hatte, wurden sämmtliche in Kratau mit 7000 Theilnehmern. In Rolomea feierten 1000 Maschinen in Bewegung gesetzt. Die Menge war, trotz des unjüdische Arbeiter. Bisher sind nur wenige Aussperrungen be- günstigen Wetters, außerordentlich enthusiasmirt und nahm der Besuch der Ausstellung im Laufe des Tages immer mehr zu. fannt. ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Paris, 2. Mai. Deputirtenkammer. Guillemet und Yves Guyot beantragten die Dringlichkeit zu Gunsten des Antrages betreffend die Aufhebung des Oktrois. Der Minister des Innern Briefkaffen der Redaktion. Dupuy befämpfte die Dringlichkeit, weil der Antrag vorher reiflich durchstudirt werden müßte. Hierauf wurde die Dringlichkeit E. Hanisch. Auf Ihren Wunsch berichtigen wir hiermit, Sananer, der Staatssekretär des Reichs- Justizamts, ist am mit 252 gegen 246 Stimmen angenommen. Dumay( Sozialist) daß Sie in der betreffenden Bauhandwerker Bersammlung nicht 80. April gestorben. Er war ein Rheinpfälzer. In der letzten richtete an die Regierung eine Interpellation wegen des gesprochen haben. Zeit war er besonders bei den Vorarbeiten für die lex Heinze zc. gestrigen Tages und sprach sich mißbilligend über die Johann Megner, Sachsen, Maifeier betreffend. In thätig. Herausforderungen der Polizei, die Schließung der Arbeits- Ihrer Buschrift fehlt die immerhin nöthige Auskunft darüber, Ein großer Brand äscherte, wie der Boffischen Zeitung" börse und über seine fowie die Verhaftung Baudin's aus. Der in welchem Orte das Fest abgehalten worden ist. aus Elbing gemeldet wird, in Neukirchhöhe auf 18 Besitzungen Minister des Junern Dupuy rechtfertigte die getroffenen G. Leichnis. Ja. 60 Häuser, meistens Wirthschaftsgebäude, ein. Viele landwirth Maßnahmen und führte aus, Baudin sei verhaftet worden, Schumannstraße. Lehrlingsverträge müssen schriftlich sein. schaftliche Maschinen und 50 Stück Vieh sind mitverbrannt. Das weil er die Menge aufgefordert habe, die Polizei anzugreifen. Das Weitere finden Sie in der Gewerbe- Ordnung§§ 126 u. fg. Feuer entstand durch Spielen fleiner Kinder mit Streichhölzern. Der Minister fügte hinzu, die Regierung wolle, daß Jeder Wenn Sie wollen, sprechen Sie vor Unterschrift des Vertrages In Neustettin hat ein Großfeuer in der König- und Wall- mann das Gesetz respektire, und sie werde auch verstehen, zwischen 12 und 1 Uhr bei uns vor. ftraße neun Wohnhäuser mit allen Hintergebäuden zerstört. Die demselben Achtung zu verschaffen. Jeder Deputirte, welcher Berichtigung. In der Einleitung zum Bericht über die Löscharbeiten wurden durch Waffermangel beeinträchtigt. Der die öffentliche Ordnung auf der Straße store, werde verhaftet Maifeier ist in gestriger Nummer in der 40. Zertzeile von oben Schaden beträgt über 50 000 m. werden.( Unterbrechung auf der Linken.)-Baudin blieb in zu lesen dereinst" anstatt demnächst". Dr. Thompson's Seifenpulver ist das beste and im Gebrauch billigste und bequemste Waschmittel der Welt. 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