Mr. 316. HbonncmentS'Bedlngungcn: WonncmentS- Preis pränumerando i Vicrlcljährl. Z,Za 2Rf., monati. 1,10 Mr„ wSchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- »ummcr mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PoslabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. vlidilDt Wich iUtLtl montags. 36. Jahrg. Vevlinev VolksblAtt. Me MerNons-i-ebühi' velrägt für die sechsgespaltene Kolanep- zcile oder deren Raum M Pfg,, für politische und gewcrlschaflliche Vereins- und Bersammlungs.Anzcigen Z0 Pfg. „Ulelne Rnreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- slellcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 0 Pfg. Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis»UhrnachmittagSindcr Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends gevfsnet. Telegramm-Adresse: „Soalaliloinoürat Berlin1*, Zentratorgan der fozi atdemokrati feben Partei Deutfchlandd. IKlfMi Redaktion: 8Äl. 68. Lindenstraede 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 16. September 1909« Sxpeditiom 8M. 68, Ltndcnatrasac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Die Debatte über die 6rbkbaft$' (teuer. Am Dienstag konnte Genosse Singer konstatieren, daß die Frage der Haltung der Fraktion zur Erbschaftssteuer „erfreulicherweise in den Formen" stattfand,„in denen Meinungsverschiedenheiten unter Genossen auszutragen sind". Am Mittwoch ist es leider anders geworden, da eine Anzahl Genossen sich bemüßigt fühlten, die bisher sachliche Debatte zu persönlichem Zank und Streit zu erniedrigen. Das ist be- dauerlich, es enthebt uns aber nicht der Pflicht, in aller Nuhe und Sachlichkeit das Für und Wider und die Ergebnisse der Debatte zu behandeln. Fest steht, daß zwei Ansichten über die Sache Vor- Händen sind, auch unter den Mitgliedern der Reichstags fraktion. Welche Ansicht die Majorität für sich hat, ist nicht zum Austrag gekommen, iveder in der Fraktion, noch auf dem Parteitage. Indessen ist sicher, daß es sich nicht etwa um einen zwecklosen Streit handelt, sondern ganz sicher die Partei früher oder später von neuem Vor die Entscheidung gestellt werden kann. Im allgemeinen dreht sich die Frage darum, ob die Der trcter der Partei auf Grund des Programms verpflichtet sind, für direkte Steuern zu stimmen. Sonderbarer� weise wird die Anschauung, daß dem so sei, tatsächlich vertretenl Allerdings haben verschiedene Genossen besonders durch Zurufe— abgeleugnet, daß sie diese Anschauung vertreten, sie haben es sogar eine„Dumm heit" genannt, was indessen andere, zum Beispiel Genossen Richard Fischer nicht abhielt, sich auf diese „Dummheit" zu versteifen, indem er erklärte, die Revisionisten stützen sich auf das Programm, wenn sie erklären, man müsse fflf die Erbschaftssteuer stimmen. Daß unser Programm uns dazu nicht verpflichtet, ist ja wohl durch die Genossen Singer. Wurm, Kautsky. Geyer u. a. m,, die jedenfalls einige Ahnung voll unserem Programm haben dürften, festgestellt.— Wir möchten noch hinzufügen: wäre es richsig, daß tatsächlich unser Programm uns verpflichtet, für jede direkte Steuer ein- zutreten, so wären unsere Vertreter im preußischen Land- tage zum Beispiel in sehr eigentümlicher Lage, da der größte Teil der Ausgaben des preußischen Staates durch direkte Steuern gedeckt wird. Es wäre absurd, zu be- haupten. unsere Genossen seien verpflichtet, für die Erhöhung dieser Steuern unter allen Umständen zu stimmen. Also das Programm entscheidet hier nicht, und es kann auch nicht entscheiden, da es sich um eine Frage der Taktik handelt. Ob wir der Regierung die Einführung einer neuen oder die Erhöhung einer bestehenden direkten Steuer bewilligen wollen oder nicht, hängt von einer Reihe von Erwägungen ab, die wir nach den allgemeinen Prinzipien unserer Taktik, der Taktik des proletari scheu Klassenkampfes zu entscheiden haben. Nun sagen wir— und mit uns eine ganze Reihe von Theoretikern und parlamentarischen Vertretern der Partei: da im gegebenen Falle die von der Regierung geforderte Erbschaftssteuer 1. eine absolut unzulängliche war. eine„verhunste", eine„lumpige" Steuer ist sie genannt worden, 2. nur ein Mittel sein sollte, um die Massen zu ködern, den freisinnigen Volksverrätern die Annahme immenser indirekter Steuern gegen ihr Prinzip zu bewilligen, 3. dazu dienen sollte, die Steigerung der Aus- gaben für den Militarismus und Marinis- mus zu ermöglichen, so war die Ablehnung dieser Steuer geboten, und auch in zukünftigen analogen Fällen werden wir der Regierung unter solchen Umständen direkte Steuern nicht bewilligen. Was wird nun dagegen geltend gemacht? Eine Reihe von Opportunitätsgründen. Man sagt uns, es wäre ungünstig für uns gewesen, wenn wir durch unsere Ab- stimmung die Erbschaftssteuer zu Fall gebracht hätten und somit gegen die Liberalen und mit den Junkern und Pfaffen gegangen wären. Die Verkehrtheit dieses Argumentes liegt ans der Hand. Wir haben nicht gezögert, mit den Pfaffen gegen die Kolonialpolitik und m i t den Ueberagrariern gegen den Zolltarif zu stimmen. Indessen lag hier, so wird behauptet, die Sache insofern anders, als wir dann eben mit den Junkern und Pfaffen nicht gegen einen Akt volksfeindlicher Politik gestimmt hätten, sondern gegen eine Steuer. die die Reichen trifft. Das ist ein ernsthafter zu nehmendes Argument. Aber ausschlaggebend bleibt hier doch unter allen Umständen der Verwendungszweck: die von den Neichen gezahlte Steuer sollte dem Staate ermöglichen, seine milita- ristischen Zwecke weiter zu verfolgen. Es bleibt von dem Argumente also nur eines übrig: wir hätten gegen eine„populäre" Steuer gestimmt. Das scheint in der Tat vielen Genossen das meiste Kopfzerbrechen zu verursachen. Zum Glück aber hat die Sozialdemokratie es noch nicht verlernt, gegen den Strom zu schwimmen, wo es sein muß. Sie hat mit Recht seinerzeit das Gesetz über die Kranken- Versicherung bekämpft, trotzdem es populär war, und sie hat schließlich das Verständnis der Massen für ihre Haltung ge- künden. Dann wird gesagt: indem wir für die Erbschaftssteuer stimmten, verhinderten wir, daß den Massen weitere indirekte Steuern aufgebürdet wurden, also mußten wir nach dem Prinzip des kleineren Uebels für die Erbschaftssteuer eintreten. Das hieße indessen, jenes an I sich brauchbare Prinzip des kleineren Uebels in einer Weise übertreiben, die wir nicht verantworten können. Es ist mit Recht betont worden, daß dann die Regierung einfach nur recht viel indirekte Steuern zu fordern brauchte, um für die Zwecke des Mili- tarismus direkte Steuern mit unserer Zu- stimmung zu erhalten, wenn die bürgerlichen Parteien eben diese direkten Steuern bewilligen; wir wären dann einfach in unserer Taktik durchaus abhängig vom Willen der Regierung und der bürgerlichen Parteien.— Das letzte Argument lautet: Wir mußten für die Erbschaftssteuer stimmen, um die Auflösung des Reichstages zu erzwingen. Das widerspricht durchaus den Tat- s a ch e n. Es lag die.Situation nicht so, daß durch die Annahme der Erbschaftssteuer die Auflösung zu erzwingen war, das hat ja die Erfahrung gelehrt I Weitere Argumente für die Festlegung der Partei, für die Forderung, unter allen Umständen für direkte Steuern zu stimmen, sind in der Debatte nicht vorgebracht worden. Die Frage bleibt offen, sie steht zur Diskussion und sie mnß ent- schieden werde« I Indessen ein Resultat hat die Debatte gezeitigt: die Annahme der Resolution von Berlin I, die den Kampf in schärfster Form gegen die Freisinnigen eröffnet, und damit, glauben wir, ist auch ein gut Teil des Streites über die Erbschafts- steuer erledigt. Denn soviel ist sicher, daß eines der Motive, ivarum von manchen Genossen die Stellungnahme der Partei für die Erbschaftssteuer unter allen Umständen gefordert wurde, darin lag, ein Zusammengehen mit den Liberalen zu ermöglichen. Räch Annahme dieser Resolution dürfte die Frage manches von ihrer Zuspitzung verlieren. j Der Kampf in Schwedeu. Stockholm, den 15. September.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Die Erledigung der Konflikte außerhalb des ArbeitgcbervereinS nimmt ihren ruhigen Fortgang. Die Bäckereiimternchmer in Malmö haben ihre Forderungen zurückgezogen, so daß hier die Angelegenheit erledigt ist. In Stockholm werden Verhandlungen zwischen den Bäckermeistern und den Bäckcreiarbeitern geführt. Kleinere De monstrationrn fanden gestern abend gegen die Streikbrecher statt. Die Straßenbahngesellschaften'geben bisher nicht nach. Ecdcr borg stützt immer noch die Gesellschaften in ihrem Borhaben, indem er fir als nicht unter die Vereinbarung gehörend hinstellt. Das RathauSgericht hat den Genossen GustafSson zu �zwei Monaten ZuchthanS wegen seiner Demonstrationsrede bei LilljanS verurteilt. GustafSson hatte eine Resolution zur Annahme verlesen, die eine Mahnung an die Eisenbahner, sich dem Ausstände anzu- schließe», enthielt. Der Umfang dcS Kampfes ist fortdauernd unverändert. DaS Bedürfnis nach Unterstützung ist naturgemäß ein großes. » Das Zuchthausurteil gegen den Genossen Gustafsson ist die Frucht einer unverfälschten Klassenjustiz. Unser. Genosse hatte nichts weiter verbrochen, als eine Resolution vorzulegen, die die Teilnahme der Eisenbahner an dem Ausstande wünschte. Die Justiz findet darin eine Aufforderung zur Vornahme unerlaubter Handlungen, obgleich die Resolution davon kein Wort erhält. Es stand in der Resolution nichts davon, daß nicht die vertraglichen Verpflichtungen der Eisenbahner inne- gehalten werden dürften; lediglich die Aufforderung zur Teil- nahine am Ausstande wurde erhoben. Aehnliche Resolutionen wurden in mehreren Streikver- sammlungen im ganzen Lande angenommen. Die Justiz muß sich aber auf eine größere Arbeitsleistung vorbereiten. Denn die Konsequenz des Urteils gegen Gustafsson ist, daß nicht nur derjenige, der eine solche Resolution einer Versammlung vorliest, sondern vor allem die, die die' sie nachher beschließen. unter Anklage gestellt werden. Nicht das Verlesen einer Resolution, wohl aber ihre Erhebung zum Beschluß enthält logischer- weise die„strafbare" Handlung. Nicht der eine Gustafsson hat dieses Verbrechen begangen, sondern die 33- bis 43333 Streikenden, die die Resolution einmütig zum Beschluß er- hoben, sind die„Schuldigen". Wenn schon das Verlesen der Resolusion mit zwei Monaten Zuchthaus nach schwedischem „Recht" bestraft werden muß, welche Strafe wird das Stock- holmer Rathausgericht dann nicht für die beschließenden Massen jener Versammlung in petto haben I Das ist eine treffliche Illustration zu dem Thema, wie in Schweden die sozialen Gegensätze„versöhnt" werden. Die„liberale"„Stockholmstidningen" tut sehr entrüstet über den„Vorwärts", weil wir das soziale Pflichtgefühl jener kapitalistischen Sumpfpflanze am letzten Sonnabend unter die Lupe nahmen. Wir stellten da die Ungcnicrtheit fest, mit der eine Kunstkritikerin Knall und Fall nach 17jähriger Tätig- keit entlassen wurde, weil sie die legitime Ehefrau eines Arbeiterführers ist. Das löbliche Blatt— ein würdiges Exemplar der von der indifferenten Ardeiterschaft in allen Ländern leider aus-, gehaltenen Generalanzeigerpresse— behauptet nun, diese Entlassung sei„eine reine Privatsache", die als solche von schwedischen Blättern nicht erwähnt worden sei. Branting bezw. seine Frau werden sodann verdächtigt, die Mitteilung in den„Vorwärts" lanciert zu haben. Unserem Genossen wird dadurch in versteckt verlogener Weise Feigheit vorge- worfen, eine Sache im Auslande zur Sprache gebracht zu haben, über die im Jnlaude geschwiegen wird. Dieses schöne Programm des gelben Blattes müssen wir zerstören. Branting hat weder unser Eingreifen veranlaßt, noch hat er unserer Redaktion eine Mitteilung von der Ange- legenheit gemacht. Mit Frau Branting, dem Opfer der sozialen Gesinnung der Kapitalistenclique, die die„Stock- Holms tidningen" herausgibt uud aus der Haut der Arbeiter- klaffe Riemen schneidet, sind wir nie in Verbindung ge- kommen. Auch hat sie sich nicht, weder direkt noch indirekt, an uns gewandt. Wohl aber hatten wir ein großes Interesse daran, die soziale Moral eines Organs der öffentlichen Korruption, als welches sich jenes Blatt in den letzten Wochen entpuppt hat, ans Tageslicht zu zerren. Die Entlassung der Frau Branting war in Stockholm längst kein Geheimnis inehr, pfiffen doch alle Spatzen diese„Privatsache" der„Stockholms tidningen" von den Dächern herab. Daß die bürgerlichen Blätter nichts davon meldeten, zeugt nur davon, daß sie innerlich kreuzvergnügt über diese Maßregelung sind. Der Stockholmer„Sozialdemokraten" hat aus Gründen, die wir nicht kennen, aber wohl erraten und billigen können, zu der Sache geschwiegen. Für uns bestand dazu keine Veranlassung. Der Fall war eben sehr charakteristisch für die Arbeiter- freundlichkeit jener Sorte Preßorgane, denen das Geld der Arbeiterklasse sehr angenehm ist, die aber in entscheidenden Stunden ihre„Unparteilichkeit" lüften. Wobei das gewöhn- liche Gesicht eines kapitalistischen Ausbeuters entblößt wird. „Stockholmsttdningen" hat nicht nur eine geistige Ar- beiterin brutal mißhandelt, sondern auch die Zeitungsaus- träger ihres Koalitionsrechts zu berauben gesucht. Das ist das wahre Gesicht eines Blattes, das seinen Leserkreis durch Vorschützen der„Unparteilichkeit" und mit„liberaler" Roß- täuscherei in der Arbeiterschaft sucht. Leider bisher mit Erfolg. Die schwedische Arbeiterschaft hat jetzt die Kon-' sequenzen gezogen, indem sie jene Blätter boykottiert hat. Wir haben den„Fall" durch die Mitteilung der schoflen Maß- regelung der Frau Branting ergänzt und als eine Anregung für die deutsche Arbeiterschaft erachtet, nun ebenfalls dafür zu sorgen, daß jene Presse aus ihrem Heim verschwindet. ..Stank". Wenn sich innerhalb der Partei die Klärung einer Streitfrage notwendig macht, gibt es ethisch-ästhetische Gemüter, die sofort über den„Stank" zetern, der wieder einmal zum Gandium der Gegner und zum Schaden der Partei produziert werde. Diesen„Stank" sollen natürlich allemal die„Radikalen" anrichten. Wobei wir uns eine Zwischenbemerkung gestatten wollen. In dem Kasseler Partei- organ war eS jüngst gerügt worden, daß die auf dem Boden der alten Parteigrundsätze Stehenden sich immer als„Radikale" be- zeichneten. Sie sollten doch auf diese besondere Hervorhebung ihrer grundsätzlichen Anschauungen verzichten und sich einfach Sozial- demokraten nennen. Das ist natürlich gaq: unsere Meinung und die Meinung der„Radikalen" überhaupt. Wir wollen selbst- verständlich gar nichts anderes sein, als schlechthin Sozialdemokraten. „Radikale" sind wir nur im'.Gegensatz zu den„Revisionisten". Wobei man doch auch der Tatsache eingedenk sein sollte, daß gerade die Revisionisten uns Sozialdemokraten immer als Leute hinzustellen versucht haben, die das„revolutionäre" RR besonders dramatisch zu rollen pflegen— ein Scherz, den man nachgerade der bürgerlichen Witzpresse endgültig abtreten sollte. Doch um auf den„Stank" der„Radikalen" zurückzukommen, so entpuppt sich der bei näherem Zusehen jedesmal als ein revisionistisches Märchen, als eine kecke Spekulation auf die Un- kenntnis der Massen. So, wenn man von dem„Stank" phantasierte, den in Dresden die Radikalen verursacht haben sollten. In Wirklichkeit ward der widerliche persönliche Skandal gerade von revisionistischer Seite inszeniert. Und den Teilnehmern am Nürnberger Parteitage wurde eS vollends offenbar, in welch unerhörter Weise man, wiederum von revisionistischer Seite, in eine sachliche Debatte den abscheulichsten„Stank" hineinzutragen suchte. Von den Verhandlimgen des Leipziger Parteitags konnte man bis zum Dienstagmorgen mit Genugtuung feststellen, daß sie im allgemeinen völlig sachlich verlaufen waren. Natürlich wird man wieder versuchen, die Diskussion über die Erbschaftssteuer als einen „Streit um des Kaisers Bart", also eine unnötige Debatte dar« zustellen. Als ob sich nicht herausgestellt hätte, daß innerhalb der Reichstagsfraktion die denkbar größten MeinungS- Verschiedenheiten über die Abstimmung in dritter Lesung vorhanden gewesen sind I Wenn man sich aber überhaupt darum streiten konnte, ob bei einer Abstimmung das F ü r oder das Gegen die Mehrheit gefunden haben würde, so ist daS doch der schlagendste Beweis dafür, daß die Vertretung der Gesamtheit der Partei, der Parteitag, geradezu die unausweichliche Ver- p f l i ch t u n g hat. in diesem Streit der Meinungen den A u S s ch l a g zu geben. Nur Freunde diplomatischer Schleich- und UeberrumpelungSpolitik könnten wünschen, daß diese Streitfrage solange ungelöst bleibt, bis sie in der Fraktion vielleicht durch eine knappe Mehrheit enischieden wird, die möglicherweise nur eine Z u f a l l s Mehrheit ist, von der man aöer in jedem Falle nicht weiß, ob diese Mehrheit sich auch mit der Mehrheit der Partei selbst deckt! Man war also den Fraktionsmitgliedern geradezu Dank schuldig, die die Streitfrage vor das Forum des Parteitags gebracht hatten I Ueber„Indiskretion" oder„Zerren an die Oeffentlichkeit" sollte doch nur der klagen, der es einer demokratischen Partei für würdig erachtet, daß selbst schwerwiegendste Meinungsdisferenzen innerhalb der Fraktion künstlich der Kenntnis und dem Mitbestimmungsrecht des Parteitages entzogen w e r d e n I Das mag der Taktik deS Zentrums oder deS Mugdau-Freisiuns würdig sein; die Sozialdemokratie aber möge allezeit vor solch korrumpierender Geheimniskrämerei bewahrt bleiben! Die Debatte blieb auch, trotz aller Gegensätzlichkeit der An- schauungen und trotz aller Leidenschaftlichkeit der Redner, sachlich, bis Genosse Richard Fischer Gelegenheit fand, unter grob- lichen Aerdrehungen der Tatsachen seine Jnvcktiven gegen die von ihm bitter gehaßte„Vorwärts"-Nedaktion in die OeffeiUIichkeit zu schleudern. Die Fraktion und der Partei- V o r st a n d sollten vom„Vorwärts", so halluzinierte Fischer, be- leidigt und herabgesetzt worden sein. Seltsam, daß gerade Richard Fischer diese Entdeckung machen mußte, die bis dahin offenbar sowohl dem Parteivorstand wie allen inzwischen zum Wort gekommenen Mitgliedern der Fraktion entgangen war! Diese Ehrenkränkung und Herab- Würdigung bestand in einer streng sachlichen und in der For m überaus gemäßigten Kritik unseres Kampfes gegen die Reichsfinanzreform. Diese Kritik befand sich zwar in einem Artikel, der vom Genossen Karski persönlich gezeichnet war, aber wir erklären mit der größten Bereitwilligkeit, daß dieser Artikel durch- aus der Auffassung derRedaktiou des, Vorwärts" e v t s p r a ch und auch auf ihren Wunsch geschrieben worden war. Wir übemehmen also jede Verantwortung für den Artikel, bestreiten aber nichtsdestolveniger dem Genossen Fischer jedes objektive Recht, aus unserer Erklärung irgendwelchen Vorwurf gegen die Redaktion zu erheben. Fischer hatte höchstens das subjektive Recht revisionistischen Verärgertseins und traditioneller Schimpffreiheit für seine ungualifizierbarcn Rempeleien. Wer Fischer kennt— und wir kennen ihn nur zu gut— wird ja auch solche AuL- bräche eines ungewöhnlich erregbaren Temperaments und sein Kokettieren mit einem sein intensives Heimatsgefühl bezeugenden Ueber-BajuvarismuS des Ausdrucks nicht allzu tragisch nehmen; es gibt aber immerhin ans Parteitagen Neulinge, die Fischer ernst- haster nehmen könnten, als er sich selbst träumen laffen mag, und ihret- und der Oeffentlichkeit wegen sehen wir unS denn doch zu diesen Bemerkungen genötigt. Freilich war es ja ein Schauspiel für Götter, daß derselbe Fischer, der von„Gänserichen der Fraktion" sprach und die Ansichten seiner Gegner einfach einen„Dreck" nannte, Partei- vorstand und Fraktion gewissermaßen für tabu, für erhaben über jede, auch die in Form wie Inhalt gemäßigtste Kritik erklären wollte! Und das tat derselbe Richard Fischer, der sich nicht genug in der Verhöhnung wissenschaftlicher Autoritäten des Sozialismus zu leisten vermag I Trotzalledem würden wir das geschmackvolle Auftreten des Ge- noffen Fischer auch diesmal ignoriert haben, wenn er nicht loieder einmal gar so klassisch bewiesen hätte, daß der S t a n k, um in dem urwüchsigen Jargon Fischers und seiner Freünde zu sprechen, jedes- mal von revisionistischer Seite ausgeht, von jenen Leutchen, die nachher über die Parteischädigung durch„Stänkereien" so be- weglich zu jammern pflegen I * a* Leipzig, 15. September. In seinem Schlußwort zum Parlamentarische» Bericht wußte Ledebour zuerst sein Temperament in geradezu bewundernswerter Weise zu zügeln, obwohl ihn doch dieser und jener Diskussions- redner— und gar oft nicht gerade loyal— attackiert hatte. Erst als man ihn auch jetzt wieder durch Zwischenrufe mit Absicht reizte, und als Genosse Dr. Frank der subjektiven Meinung seines FraktionS- flllgelS in erregten Zwischenrufen partout zum Durchbruch verhelfen wollte, erst da ging Ledebour gegen David, Frank und deren nächste Nachbarn so scharf an, daß es hüben und drüben zu stürmischen Unterbrechungen kam. Genosse Robert Schmidt, der im Bunde mit seinen Freunden so oft den„guten Ton" in der Reine MarnmenlHinft mit Sinaida Wichenko in Berlin. Von Wladimir L. Burzew. Ich will hier die Geschichte der außergewöhnlichen Zusammen- knuft erzählen, die ich vor kurzem in Berlin hatte. Angesicht zu An- gesicht saß ich einem agsnt provocateur, einer Frau, einem neuen Azew im Unterrock gegenüber. Viele Stunden habe ich mich mit ihr unterhalten in dem Bemühen, in ihre Seele ein- zubringen und alle die nützlichen Mitteilungen über jene Sachen zu erhalten, die sie auf Grund ihrer langen Dienste dem Polizeidepartement von Grund auf kennen mußte. Während meiner Reise von Paris nach Berlin und in Berlin selber erwartete ich, während ich an den Besuch dachte, den ich zu machen hatte, daß ich auf absolutes Leugnen stoßen Würde, daß mich eine Szene von mit mehr oder weniger Kunst gespielter Entrüstung. Tränen- krisen und hysterischen Schreien, Protesten und Verwünschungen er- warteten. Die Wirklichkeit, die gräßliche Wirklichkeit hat mir etwas viel Außergewöhnlicheres beschert. Es war das erste Mal, daß das Verbrechen nicht bestürzt und beschämt vor uns floh, daß es keine Schleichwege und Winkclzüge suchte, um sich zu verteidigen und zu rechtfertige». daß eS nicht in Tränen ausbrach und nicht seine letzte Zuflucht in feigen Rcuebeteuerungen suchte. Es bäumte sich vor mir auf in seiner ganzen Schamlosigkeit und Niedertracht. Mit eisigem Zynismus gestand es... Es ist schon mehr als ein halbes Jahr her. als rch aus emer sehr kompetenten Quelle eine peinliche Nachricht erhielt. Man teilte mir mit, daß sich in der Partei der Sozialisten- Revolutionäre schon seit' mehreren Jahren ein sehr bedeutender aZsiit provocateur befinde. Man teilte mir zugleich mit. daß es eine Frau sei..ohne mir jedoch ihren Namen zu übermitteln. Mehrere charalteristllche Tatsachen aus ihrer polizeilichen Tätigkeit Wurden mir aufgezeigt. Aber sie waren nicht bestimmt und vollständig genug, um danach die Persönlichkeit des Schuldigen festzustellen. Sie genügten nicht, um seine Spuren sofort zu entdecken. Zur selben Zeit hat die Partei der Sozialisten-Nevolutionäre aus einer anderen Quelle eine ähnliche Nachricht bekommen. Sehr ungern habe ich das Leben aller derjenigen, die infolge der Uebereinstinmiung einiger dunkler Punkte in ihrer Vergangenheit und Tätigkeit mit der des unbekannten Spitzels meinen Verdacht erregten, einer gründlichen Untersuchung unterzogen. Aber alle meine Schritte blieben lange Zeit bollständig unfruchtbar. Ganz kürzlich erregte endlich eine Frau meine Aufmerksamkeit, dre wahrend der letzten Jahre hauptsächlich in Moskau als Revo- lutionann wwkte. Ich durchforschte ihre Vergangenheit, ihr Ver- halten und ihre Handlungen und ich hatte bald die Gewißheit erlangt, daß sie im Dienst des Polizeidepartements steht. Es war euie langiam. vorwärtsschreitende peinliche Arbeit, reich an Weitlansigkeitcn und Schwierigkeiten, die oftmals unüber- Partei gerettet hat, wußte gegen Ledebour schließlich keine leichter wiegenden Vorwürfe zu finden als: er habe sich perfide Be- merlungen erlaubt, das Schlußwort mißbraucht und dergleichen mehr. Die Wogen glätteten sich erst, als Singer geschickt vor der Mittagspause ein paar Anträge verhandeln ließ, die dazu an- getan oder derartig vorbcarbeitet waren, daß sie ohne Aufregung erledigt werden konnten. Damit war das Parka nr entarische abgetan... bis auf eine„Kleinigkeit": Die Resolution der Genossen von Stuttgart, die den sieben württembergischen„Hofgängern" ein wenig den Text zu lesen wünschten. Lautlose Stille legte sich über den Saal, als Singer das Wort ergriff, um die Verhandlungen zur Resolution Nr. 49 einzuläuten. Die Stille wich gar bald freudiger Erregtheit, da Singer bekannt gab: daß der Wunsch, die Angelegenheit kame ra d- schastlich zu regeln, Verhandlungen herbeigeführt hat, und daß die Sieben eine Erklärung abgegeben habe» des Inhalts: sie hätten nicht annehmen können, daß jener Zeppelin-Ausflug zu einer monarchischen Huldigung benutzt werden würde, sonst wären sie,„der Partei- traditio» entsprechend, die auch für uns maßgevcnd ist, der Ver- anstaltung fcrilgcblicben".— Die Stuttgarter zogen nunmehr ihre Resolution zurück, die Affäre war zu Grabe getragen und— ein paar bürgerliche Journalisten packten ihre Koffer... Genosse Singer erwarb sich das Verdienst, diese Episode mit einem Nachwort zu versehen, in dem er sagte: daß der nunmehr erledigte Vorfall eine Richtschnur zu bleiben hat für alle Körper- schaftcn unserer Partei! Wir hoffen, daß diese Mahnung, hinter die sich der Leipziger Parteftag einmütig gestellt hat, sich ins Gedächtnis der Gesamt- Partei etwas tiefer eingräbt als manche ähnliche, die ebenso stark unterstrichen war und trotzdem von gewissen, mit bestauneiiSwertem Gleichmut bepanzerten Genossen„vergessen" worden ist. Wir halten diesen Hinweis schon um deswillen für durch- aus geboten, weil selbstverständlich die bürgerliche Presse, verärgert über die ihr wieder einmal entgangene Sensation, auf der Stelle ihre bekannten Experimente erneuert zur AuL- einanderkrittelung der Sozialdemokratie. Ist uns doch in ein Telephongespräch, das wir kurz vor Beginn der Nach- mittagSsitzung zu führen hatten, ein für die katholische„Kölnische Volks-Zcitung" bestimmtes Telephonat hineingeraten, das etwa folgendes in das große Kölner ZentrumSblatt gab: „Die Revisionisten haben einen großenSieg errungen. Nach einer persönlichen Erklärung Bebels schließt die Debatte. Damit ist die Niederlage der Radikalen besiegelt.(!) Gleich darauf ein weiterer Sieg der Revisionisten: die mit so großem Tamtam in der Presse eingeleitete Hofgänger-Debatte findet durch eine nichtssagende Erklännig der Hofgänger ihr Ende l Singer fügt der Erklärung wenige väterliche Ermahnungen hinzu. Die Revisionisteu jubeln, die Radikalen sind niedergeschlagen.(?) Die Wortführer der Berliner Radikalen, Borgmaitn, Wels und der Führer der süddeutschen Radikalen, Abgeordneter Geck- Offenburg, stehen im Saale in Gruppen zusammen. Es sind höchstens noch zwanzig an der Zahl.(?) Der Radikale Kautsky sowie die Führerinn der radikalen Frauen, Klara Zetkin, haben überhaupt nicht gewagt, den Mund aufzumachen." « Am Freitag wollen die Parteitagsdelegierten— wenn irgend möglich— die Einrichtungen des großen Leipzig- Plagwitzer Konsumvereins studieren. Darum nutzt das Präsidium jede Minute aus. und Singer ließ kurz vor der Mittags- pause noch schnell die Anträge zum Kapitel„Preffe und Literatur" begründen und diskutieren. Zu den Berliner Anträgen Nummer 23 und 29 sprach Wels mit dem Resultat, daß die Anregung, die Herstellung eineS Abendblatts deS„Vorwärts" in Erwägung zu ziehen, dem Parteivorstand und der Preßkommission deS»Vorwärts" überwiesen wurde. Ein Antrag der Genossen von Potsdam-Osthavelland will, daß der Parteitag die russische Gegenrevolution und ihre Greuel brand- marke, daß er gegen die Besudelung Deutschlands durch den Zaren- besuch protestiere, den russischen Freiheitskämpfern aber Sympathie und Solidarität zusage. Nach kurzer Begründung durch Karl Liebknecht wurde der Antrag einstimmig ohne Debatte angenommen. Die zweistündige Mittagspause dieses SturmtageS hatten die Delegierten sich redlich verdient. windlich schienen. Ich verglich meine Ergcbniffe meiner Unter- suchungen mit den Meldungen, die mir von der kompetenten Quelle gemacht worden waren und es blieb kein Zweifel. Dann habe ich sofort— es war vor ungefähr drei Monaten— eine förmliche Anklage dem Zentralkomitee eingereicht. Die Vertreter deS Zentral- komiteeS haben, nachdem sie mich gehört hatten, eine Untersuchung eröffnet. Sie kamen zu dem Schluß, daß meine Anklagen von sehr schwerem Gewicht seien und ihnen im höchsten Grade gerechtfertigt erschienen. Indessen beschloß das Komitee nicht, sie zur Kenntnis der Partei und der Oeffentlichkeit zu bringen. Vielleicht erschien ihm die Verantwortlichkeit zu groß und es zögerte, irgend eine Entscheidung zu treffen. Wider meinen Willen und ohne mir jemals klar bewußt zu werden, stieg die dunkle Vorstellung einer wagischen Lösung, eines blutigen Endes, das den Verräter erwarte, vor mir auf. Trotz meiner Regel, mich nicht in die inneren Geschäfte der Partei zu mischen, entschloß ich mich in diesem Falle, das Zentral- komitee zu bitten, mir diese Frau zu überlassen, indem ich es auf mich nahm, ihren Fall endgültig aufzuhellen. Die Verweter des Zentralkomitees stellten mir einige Fragen und nach einigen Tagen der Ueberleguug teilten sie mir ihren Beschluß mit, mir die Affäre und die. Person vollständig zu überlassen. Damals habe ich meinen Plan gefaßt, gerade aufs Ziel loszugehen und jede Hintertür zu verineiden. Ich entschloß mich, die Frau persönlich aufzusuchen, ihr meine Anklagen vorzulegen und zu versuchen, ihr ein Geständnis zu ent- reißen. Ich wußte, daß sie in Berlin, in Charlottenburg wohnte, und in Begleitung eines Freundes reiste ich nach dorthin ab. Sogleich nach meiner Ankunft in Berlin eilte ich in ihre Wohnung. Aber kaum hatte ich die Schwelle überschritten, so merkte ich. aus einigen Einzelheiten, die an sich unwesentlich waren, aber die uns bisweilen stärker beeinflussen als die grobschlächtigsten Tatsachen, daß ich in einer deutschen Familie war, dte die Jutschenko als einen ihrer Angehörigen betrachtete. Man wird meinen seelischen Zustand, meine schmerzlichen Ge- fühle, meine Unruhe, meine Qual verstehen in dem Augenblick, wo ich dieser Frau, die ich noch gestern meine Genossin nannte, die schreckliche, vernichtende Anklage ins Gesicht werfen sollte, da ich sie zerschmettern sollte in ihrer Wohnung inmitten der Ihrigen. Das erschien mir zu unmenschlich und unmöglich und ich beschloß— schon im Salon— die Sache so einzurichten, daß ich mich ihr irgendwo anders erklären könne. Indessen hatte das Dienstmädchen. daS mich in den Salon sührte, mir gesagt, daß sie Madame Sina rufen werde, und ihre Stimme verriet soviel Zärtlichkeit, als sie rief:„Frau Sina. ein Herr will Sie sprechen," daß mein Entschluß, die Erklärung in der Wohnung zu vermeiden, sich noch mehr festigte. Einige Augenblicke waren verflossen. Ich hörte Flüstern und da? Gernusch gerückter Möbel. Endlich öffnete sich die Tür und eine Frau von ungefähr vierzig Jahren und mittlerer Größe, mit Brille, in ihrem Aeußern an den verbreiteten Typ»? der Dorfschullehrerin erinnernd, der sich häufig in den Kreisen der russischen Revolutionäre findet, trat ein. Sogleich wandte ich mich an sie mit den Worten: 1 Das Organisatiousstatut. Im Vergleich zu den Verhandlungeir am Vormittag war das Thema, das nach der Vause zur Verhandlung stand, ein trockenes. Genoffe Ebert hatte also als Berichterstatter der„Kommission wegen Aenderung deS Organis ationSstatutS" nicht gerade einen leichten Stand. Wenn die Delegierten seinem eineinhalbstündigcit Vortrage mit Ruhe lauschten, so beweist dies, daß Ebert dem Thema doch mehr abzngewinnen wußte, als nach allgemeinem Ermessen bei solcher Materie für möglich gilt. Die Diskussionsredner beschäftigten sich in erster und in langer Reihe mit der B e i t r a g s f r a g e. Karl Liebknecht plädierte für einen Antrag, der dem jetzigen Zustande sowie dem vom Entwurf geplanten Zustande ein Ende macht, einem Zustand, bei dem die Ver- treter des„VorwärtS"und der„Neuen Zeit" nach wie vor auf den Partei- tagen zwischen Himmel und Erde schweben müßten. Der von Lieb- knecht begründete Antrag Potsdam-Osthavelland will, daß dem„Vor- wärtS", der„Neuen Zeit" und der„Gleichheit" das Recht zu teil wird, je einen Vertreter mit Sitz und Stimme zu delegieren. Genosse H e n n i g stimmt diesem Antrage— als einem demokratischen— zu und plädiert sodann für einen Hallenser Antrag, der die Möglichkeit schaffen will, daß Parteitagsbeschlüsse unter gewissen Bedingungen zur U r a b st i m m u n g an d i e G e s a m t p a r t e i gehen sollen. Die Debatte wurde durch den Hereinbruch der siebenten Abendstunde unterbrochen. Politische debersicdt. Berlin, den 15. September 1909. Die Agrarier gegen Dcrnburg. Eine hiesige Korrespondenz glaubt feststellen zu müssen, die Vermutung, daß es sich bei einer kürzlich stattgefundencu Besprechung des Kanzlers mit Herrn Dcrnburg um die Mög- lichkeit eines Wechsels in der Leitung des Kolo- nialamts gehandelt habe, unbegründet sei. Es sei zwar richtig, daß Dernburg einmal geäußert habe, er sei nicht abgeneigt, das Staatssekretariat der Kolonien mit einem anderen Amte zu vertauschen; diese Aeußerung sei aber vor geraumer Zeit gefallen, und es sei sehr die Frage, ob Deru- bürg heute noch ebenso denke wie damals. Diese Mitteilung ist deshalb etwas auffällig, weil, wer dementiert, zu bestätigen scheint. Offenbar richtet sich das Dementi gegen gewisse Intrigen, die gegen den Kolonial- sekretär wieder rm Gange sind. Diese Vermutung wird fast zur Gewißheit durch den auffälligen Kommentar, mit dem die„Dtsch. Tagesztg." die Meldung versieht. DaS Agrarier- blatt schreibt drohend: „Wir wissen nicht, ob Herr Dernburg diesen Aeußerungeu irgendwie nahesteht. Wir können es aber nicht glauben, weil sie nach unserer Empfindung nicht in seinem Interesse liegen. Man könnte durch derartige Andeutungen versucht werden, die Frage ernstlich zu erörtern, ob Herr Dern- bürg die Hoffnungen tatsächlich erfüllt habe, die bei seiner Berufung an die Spitze deS Reichskolonialamts gehegt und geäußert wurden. UebrigenS ist es unseres Erachtens ganz überflüssig, sich über die Gründe des Besuches des Kolonial- staatssekretärs beim Reichskanzler den Kopf zu zerbrechen. Es ist in letzter Zeit auf kolonialem Gebiete manches geschehen, das eine Aussprache recht wohl nötig oder doch wünschens- wert erscheinen ließ." Es scheint also fast, daß Herr Dernburg geliefert ist. Er war nur eine Kreatur Bülows, und da sein Schöpfer ge- stürzt ist, wird der den Junkern und dem Zentrum stets un- angenehme„Emporkömmling" bald verschwinden müssen. Bei der Geschicklichkeit, die die Herren um die„Dtsch. Tagesztg." im Ministerstllrzen besitzen, braucht das gar nicht, mehr lange zu dauern, und auch diese letzte Säule der geborstenen Block- Herrlichkeit wird gestürzt sein. Antwort auf die Steuerauspliinderung. Auch die Reichstagsersatzwahl in Koblenz- St. G o a r ist wiederum eine Antwort auf die vom blau- schwarzen Block verübte schamlose Steuerausplünderung. Wie die Zentrumswühler selbst über das von Herrn Erzberger und den anderen Fraktionsgrößen als„ n a t i o n a l e T a t" verherrlichte Stenerattentat denken, beweisen die Ziffern der „Ich bin Burzew. Ich bin gekommen, um mit Ihnen im Namen der Redaktion des„Byloie" zu sprechen." Ein Ausdruck der Unruhe und deS Mißbehagens huschte über ihr Gesicht.... Aber sie sammelte sich und wartete, indem sie ihr Mißtrauen zu verbergen suchte. Sie argwöhnte und war aus ihrer Hut.... Um sie zu beruhigen und ihr Mißttauen einzuschläfern, fuhr ich fort: „Ich reise nach Stockholm. Schon seit langem wollte ich Sie sehen. Unglücklicherweise verhinderten mich, so oft ich in Berlin war. verschiedene Umstände. Ihnen einen Besuch zu machen. Ich er- griff daher diesmal diese gute Gelegenheit und Sie werden sich sicherlich nicht weigern, mir einige historische Informationen für eine Revue zu geben." Sinaida Jutschenko hatte sich allmählich wieder gefaßt und ant- wartete ruhigen Tones: „Ich habe Sie sofort erkannt, aber inwiefern könnte ich Ihnen nützlich sein? Meine Arbeit in der Partei war nicht regelmäßig und beständig." Mit vieler Mühe gelang es mir, sie dahin zu bringen, mir für den Abend ein Rendezvous in einem Cafü zu beloilligen, in den: ich irgend ein dringendes Geschäft vorgab. Am Abend fand ich mich zur bestimmten Stunde in dem Cafs ein, das sie benannt hatte. aber sie kam nicht. Am folgenden Tage gegen 10 Uhr morgens war ich wieder in ihrer Wohnung. ES war augenscheinlich, daß ich die Erklärung, vie mir in ihrer eigenen Behausung so sehr widerstrebte, nicht wurde vermeiden können. ES war notwendig und ich mußte meine per- sönlichen Gefühle unterdrücken und die schrecklichen Geschäfte dort beginnen, wo ich eS am wenigsten wollte. Sobald wir uns im Salon gegenüber saßen, ttegte sie mich: „Ich erwarte Ihre Fragen. Worüber wollen Sie von mir hören?" „Ueber einige sehr ernste Fragen und wenn Sie wollen, so können Sie mir Erklärungen geben, die für mich sehr wertvoll sind. Die Redaktion hat Material bekommen übe r I hre Tätigkeit als Lockspitzel im Dien st e des Polizeideparte- mentS während der letzten 15 �ahre. Sie sind seit 1895 in diesem Dienst I Sie haben da? erste Attentat gegen den Zaren Nikolaus II. angegeben I Zusammen mit den anderen Mitgliedern des Komplotts wurden Ste verhastet, ins Ge- unguis geworfen und deportiert! Dann sind Sie ins Ausland geaangeu! Die Regierung schätzte dteDienste, die Sie leisteten, so hoch. daß Sie Ihnen eine monatliche Vergütung von 199 Rubel zahlte! Von 1905 haben Sie von neuem aktiv an der Arbeit der Orgaui- lation der Sozialisten-Revolutionäre in Rußland teilgenommen! Sie haben eine ganze Reihe wichtiger revolutionärer Unternehmungen zum Scheitern gebracht..,." Sinaida Jutschenko hörte mit gespanntester Aufnterksamkeit aber zugleich so ruhig, so kaltblütig zu, daß ich wahrhaftig ein wenig aus der Faffung kam. Wer uns gesehen hätte, würde geglau.: haben, daß wir uns über ganz harmlose Sachen oder über eme dritte Person unterhtelten. „Auf was gründen Sie Ihre Behauptungen?' fragte ste mich. Abstimmung. Die Stimmen für den Zentrums- kandidaten Wellstein sind nämlich von 19 232 auf 11 462 herabgegangcn, während die sozialdemokratischen Stimmen seit 1907 von 2172 auf 2844 Stimmen anwuchsen! Die zensurierte Kniserrede. Die„Magdeb. Ztg." will erfahren haben, daß die Ver- schiedenheit der Berichte über die letzte„kriegsspielfreudige" Kaiserrede sich daraus erkläre, daß dem Wolffschen Tele- graphenbureau der vorher entworfene Wortlaut der Rede mitgeteilt worden sei, während die„Frankfurter Zeitung" die Rede so wiedergegeben habe, wie sie der Kaiser ratsächlich gehalten hat. Es wird also nicht in Abrede gestellt, daß der schärfere Text der authentische ist. Tagegen möchten wir bezweifeln, daß die Darstellung der„Magdeb. Ztg." auch im übrigen stimmt. Wäre der Text im voraus festgestellt gewesen, so hätte ihn wohl der Kanzler billigen müssen. Obwohl die Studien Herrn v. Bethmann Hollwegs in der auswärtigen Politik vielleicht noch nicht sehr vorgeschritten sind, hätte ihm doch wohl die Jnopportunität einer solchen Kundgebung gegenüber den Berständigungsanträgcn der englischen Re- gierung ohne weiteres klar sein müssen. Oder reicht der Einfluß des neuen Herrn auf den Kaiser nicht so weit, von ihm für schädlich gehaltene kaiserliche Reden zu verhindern? Uebrigens ist die LeSart der„Magdeb. Ztg." für das persönliche Regiment noch ungünstiger als die Meinung, daß die Rede von den verantwortlichen Stellen nachträglich ab- geändert worden sei. Doch wenn der Kaiser sich an den mit den Verantwortlichen Personen einmal vereinbarten Text später doch nicht hält, so ist ja die Verantwortlichkeit des 5tanzlers erst recht eine Farce. Keine Kandidatur Bülotvs! Der„hübsche Gedanke" Limans, der das„Berk. Tagebl." so in Ekstase versetzt hatte, den Fürsten Bülow als bürgerlichen Sammel- kandidaten im Wahlkreise Eisenach-Dermbach aufzustellen, hat zum Schmerze unseres braven Freisinns leider jede Aussicht auf Ber- wirklichung verloren. Bülow selbst will sich nicht der Gefahr aus- setzen, von dem sozialdemokratischen Gegenkandidaten glatt auf den Sand gesetzt zu werden. Auch mag Bülow ein Gefühl dafür haben, daß er, selbst wenn er gelvählt würde, im Reichstag nur eine komische Rolle spielen würde. Der Regierung Opposition zn machen, konnte ja einem so vorsichtigen Politiker niemals ein- fallen. Seine Klopffechtereien gegen die Sozialdemokratie haben aber schon zu der Zeit, als er noch Kanzler war. bei der Rechten nur geteilte Aufnahme gefunden, so daß er schwerlich hoffen dürfte, mit dieser etwas ridikülen Spezialität feine politische Existenz fristen zu können. Sollte es ihm aber ein- mal einfallen, mit den Agrariern anzubinden, so würde ihm sicherlich im schönsten Zirkus-Busch-Ton eine Antwort gegeben werden, die an Deutlichkeit und Massivität nichts zu wünschen übrig ließe. Des- halb denkt Bülow als kluger Mann gar nicht daran, das bißchen Renommee, das ihm unsere braven Liberalen zuguterletzt noch attestiert haben, durch Ausübung eines Reichstagmandats leichtfertig zu verscherzen. Auf eine Anftage antwortete er telegrapisch aus Norderney: „Ich würde die Kandidatur nicht annehmen und bitte von einer solchen abzusehen. Nachdem ich meine Aemter nieder- gelegt habe, wünsche ich politisch nicht mehr in die Oesfentlichkeit zu treten. Fürst Bülow." So schmerzlich das also auch dem BörscnliberaliSmuS des „Berliner Tageblatt" und vielleicht auch den Wiemer-Mugdan-Leuten sein mag— Bülow dankt höflich aber entschieden für die ihm zu- gedachte liberale Ovation. Eigentlich ist es schade, daß diese tolle„liberale" Farce ein so jähes Ende gefunden hat._ Der rückständige Berliner Kommunalfreisinn hat bekanntlich durch die Festsetzung der Ortszulagen für Lehrpersonen ans 730 M. verschuldet, daß die Regierung in Rücksicht auf diesen Beschluß den Beschlüssen der Vorort- gemeinden Charlottenburg, Schöneberg und Wilmersdorf, die eine Ortszulage von 900 M. vorsahen, die Genehmigung „Auf unbestreitbare Angaben", antwortete ich.„Was meine Quellen anbetrifft, so kann ich sie nicht nennen. Ich will Ihnen nur eins sagen: Unter den Informationen, die man mir bis jetzt ge- liefert hat, war nicht eine, deren Genauigkeit geleugnet werden konnte, und sobald ich„Ja" sage— dessen seien Sie sicher— so steht dies„Ja" fest." Die Jutschcnko stellte mir nun eine Menge Fragen. Es interessierte sie besonders, zu wissen, woher ich meine Informationen habe, von Revolutionären oder aus einer Polizeiquelle. Ich miterbrach sie mit den Worten: „Also Sie geben die Richtigkeit meiner Anklagen zu?" „Für mich ist Ihr Besuch keine Ueberraschung. Nach dem Falle Azews habe ich meinen Chefs wiederholt gesagt: Jetzt bin ich an der Reihe. Burzew wird mich entlarven und mich verderben. Ich sagte ihnen sogar: Er wird zu mir kommen und von mir Er- klarungen fordenr. Ich erwartete Ihren Besuch. Ich wünschte nur das Eine, daß er nicht im Juli sein möchte." „Warum fürchteten Sie diesen Zeitpunkt?" „Sie wiffen, ich habe einen Sohn. Ich wollte mit ihm noch seine Ferien verbringen. ES ist ein prächtiger Junge. Ich liebe ihn wahnsinnig..." Zum erstenmal verriet ihre Stimme Bewegung und Schrecken. Ich fühlte, sie sah in diesem Augenblick den schwarzen Abgrund der Verachtung und der Schande vor sich, der sich ihr austat. Aber sogleich fuhr sie mit gefestigter Stimme fort: In Ihrer Erzählung haben Sie einige Irrtümer begangen. So bin ich z. B. nicht im Jahre 1835, sondern im Jahre 1394 in den Dienst der Polizei getreten." � � w Unwillkürlich erinnerte ich mich eines anderen ähnlichen Irrtums. Ich habe mich auch bei Azew in einer Jahreszahl geirrt. Ich glaubte, daß er Lockspitzel seit 1833 se,. während er es schon seit 1832 war .Ja. ich bin im Dienste der Polizei. Sie täuschen sich, wenn Sie sagen, daß man mich auf's Polize,departement geladen hat und daß man mich pur das Dilemma gestellt hat. entweder die Revo- lutionäre zu verraten und in die Polizei einzutreten oder verhaftet und deportiert zu werden Das ist nicht wahr! Wenn ich im Dienst der Polizei bin. so bin ich nicht aus Furcht, sondern aus Ueberzeugung dazu gekoinmcn. „Ich bin adliger Herkunft meine ganze Familie war durch- drungen von wildem Haß gegen die Revolutionäre und von tuser und glühender Anhänglichkeit an die Regierung. Obgleich ich bis- weilen das heroische Verhalten einiger Revolutionäre bewundett habe, so bin ich doch immer ihr bewußter Gegner gewesen. „Zur Zeit meines Eintritts j» den Dienst der Polize, war meine Familie mit der des Chcfadjunkten der Polizei von Peter»- bürg. Semjakrn. bekannt. Er hat mir zuerst vorgeschlagen, ihm Informationen iiber d,e Stevolutionnre zu liefern die ich kannte, wobei er mir eine monatliche Entschädigung anbot. Ich habe an- genommen. Als ich später nach Moskau reisen mußte, vernnttelte Semiakin meinen Uebergang in den Dienst Subatoffs „In Moskau bin ich in die Gruppe Raschputin gelangt, die das Attentat gegen den Zaren vorbereitete. Die ganze Gruppe wurde versagt hat. Der Stadtverordnetenborsteher von Schöne- b e r g hat um eine Rücksprache bei der Regierung in Potsdam nachgesucht, um persönlich für die Bestätigung der 900 M. Ortszulage zu wirken. Aus dieses Gesuch hat er folgende glatte Absage erhalten: Euer Hochwohlgeboren erwidere ich ergebenst, daß die von Charlottenburg und einigen anderen Bororten beschlossene Ortszulage von der Schulaufsichts- behörde selbstverständlich unter Zustimmung des Herrn Ncgierungs- präsidenten als Vorsitzenden der Schulabtcilung der hiesigen könig- lichen Regierung nicht genehmigt worden sind, weil sie über die Berliner Sätze hinausgingen. Es versteht sich von selbst, daß ein diesbezüglicher Beschluß der Gemeinde Schöneberg die gleiche Behandlung erfahren müßte. Hieran würde eine mündliche Aesprechun g nichts mehr ändern können. Der Herr Regierungspräsident befindet sich übrigens bis in die ersten Tage des nächsten Monats außerhalb Potsdams auf Urlaub. Lehmann. Oberregierungsrat, Dirigent der Kirchen- und Schulabteilung.' Die obengenannten Gemeinden sind der Meinung, daß die Beschlüsse des Berliner Kommunalfreisinns eine Ver- schlechterung des Volksschnl Wesens herbeiführen werden und wollen trotzdem noch Mittel nnd Wege suchen, um diese Verschlechterung für ihre Gemeinden abzuwehren. Es wird ihnen hierzu fraglich kaum ein Weg offen sein. Der Berliner Kommunalfreisinn kann aber wieder einmal für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, in kommunalpoliti- scher Rückständigkeit den Vogel abgeschossen zu h a b e n I Bitter ist, daß er sich das von Liberalen sagen lassen nrußl_ Der Schnapsboykott. Die neueste Nummer der„Bergarbeiter-Zeitung" fordert die Bergarbeiter zur strikten Enthaltung vom Branntweingenussc auf. Sie schreibt, wenn es die Arbeiterschaft Deutschlands auch nur fertig brächte, den Schnapskonsum um ein Viertel einzuschränken — und das müsse möglich sein—, dann wären die Schnapsjunker schon um ihre Liebesgabe von rund 50 Millionen gebracht._ Schnapschristen. Der Schnapsbohkott kommt den frommen Zentrumschristen sehr ungelegen. Kein Wunder, U n d e r b e r g- B o o n e k a m p ist ja eine sehr christliche Marke. Die„Germania" bringt deshalb eine längere Schimpfnotiz gegen den Beschluß des Parteitages, worin sie unter anderem lügt, die„Genossen hätten sich nie um das Elend, das der Schnaps anrichtet, gekümmert und nie habe der Kampf gegen den Alkohol auf der Tagesordnung eines Parteitages gestanden. Das ist ein bißchen unverschämt und wir bedauern nur, die„Germania" nicht zwingen zu können, das ausführliche und ausgezeichnete Referat des Genossen Wurm auf dem Essener Parteitag, das auch im Separatabdruck erschienen ist, vollinhaltlich zum Nutzen ihrer Leser abzudrucken. „O welche Lnst Soldat zu sein!" Vor dem Kriegsgericht der zweiten Division zu Jnsterburg(Ost Preußen) stand am 11. September der Hauptmann Simon von der 12. Kompagnie des ostpreutzischen Jnfanterie-Regiments Nr. 44. Dem Herrn Hauptmann wurden Mißhandlungen Untergebener in zwölf Fällen, Beleidigungen Untergebener in vier Fällen, davon in drei Fällen im Zusammenhang mit vorschriftswidriger Behandlung Untergebener, zur Last gelegt. Die Verhandlung fand unter Ausichluß der Oesfentlichkeit statt. Was braucht das Volk auch zu wiffen, wie die Söhne des Proletariats beim Militär behandelt werden. Der Herr Hauptmann muß es schon arg genug getrieben haben, denn vom Kriegsgericht wurde dieser Erzieher zu vier Monaten Festungshaft verurteilt. Oeftcrmcb. Die«ngarische Krise. Wien, 15. September. Die Audienz WekerleS beim Kaiser dauerte zwei Stunden. In derselben ist. wie vorauszusehen war, eine Eittscheidung nicht erfolgt. Nachdem die Krone nicht g e» willt ist, weitere Konzessionen zu machen, dürfte dein auf meine Anzeige hin am Vorabend der Ankunft Nikolaus verhaftet. Bor der Festnahme hatte Subatoff eine lange Beratung mit mir, um die- jenigen auszuwählen, die er arretieren mußte. Uebrigens ist es üblich bei uns, daß die Chefs mit ihren geheimen Mitarbeitern vor solchen Maßregeln Rücksprache nehmen. Subatoff schlug mir vor. mich in Freiheit zu setzen. Ich sollte irgend eine List gebrauchen, um die Aufmerksamkeit der Revolutionäre zu täuschen. Aber ich habe das kurzweg abgelehnt und verbrachte auf mein eigenes Verlangen 11 Monate im Gefängnis. Ich unterhielt mich dort mit den Ge- fangenen vermittelst eines KlopfsystemS und erfuhr so alle Einzel- heften über das Komplott gegen den Zaren, die mir unbekannt ge- blieben waren, während ich mich in Freiheit befand. Ich übermittelte sie alle meinen ChesS von der Polizei, die mich im Gefängnis be- suchten. Nach der Gefängnishaft wurde ich auf mein beiondereS Verlangen hin in den Kaukasus verbannt, wo ich mich verheiratet habe. Nach der Geburt meines Sohnes ging ich ins Ausland. Die Sorge, die ich meinem Kinde schuldete, hat mich vollständig in Anspruch genommen und ich zog mich vollständig von aller sonstigen Tätigkeit zurück." Ich kann meinerseits hinzusetzen, daß die Teilnehmer am Kam- plott RaschputinS nicht vor Gericht gestellt wurden. Alle wurden auf administrativem Wege zur Deportation nach Sibirien oder zu Gefängnis verurteilt. Man vermied die Gerichtsverhandlung, damit die Spitzelrolle der Sinaida Jutschenko nicht enthüllt werde. (Schluß folgt.) gas«onaert im KiistsIIpalait. Das Fest, das Leipzigs Arbeiterschaft dem Parteitag zu Ehren am Dienstagabend gab, war für die überwiegende Mehrzahl der Delegierten ein Ereignis; denn sicherlich nur ganz wenige von ihnen haben solche Musik, vor allem aber solchen Mämicrgesang jemals gehört. Woran das liegt? Einmal daran, daß ja dem Proletariat in und von der heutigen Gesellschaft der Genuß der Kunst unterbunden wird(Molkenbuhr hat diesen Gedankengang umrissen in der prächtigen Rede, mit der er den Leipziger Genossen für diesen Abend dankte); dann aber auch daran, daß die Kunst, solche Kunst an die Arbeiterschaft zu bringen, den meisten unserer Organi- sationcn— auch der Berliner— noch ein Buch mit sieben Siegeln ist. Allerdings: ein Dreitausendperionenraum von der Art� des Leipziger Kristallpalastes steht in den anderen deutschen Großstädten der Sozialdemokratie nicht leicht zur Verfügung, und einen Arbeiter- sängerchor wie die 250 vom„Männerchor Leipzig-West" und von der„Sänzerabteilung Leipzig-Thonberg" hat die ganze Arbeiter- Internationale ganz gewiß nicht noch ein zweites Mal aufzuweisen. Aber in bezug auf Proarammzusaimnen- stellung, Exaktheit in sämtlichen Teilen des Geiamtarrangements könnten wir alle— und wir Berliner nicht in letzter Kabinett Weierle nichts anderes übrig bleiben, als dem Parlainent am 28. d. M. mitzuteilen, daß es seine Demission gegeben hat. franfcmcb. Amnestie von Postbeamten. Paris, 15. September. Der Bautenminister Mille» r a n d Hai ein Dekret unterzeichnet, durch welches von morgen ab 68 Beamte, 14 Unterbeamte, 14 Damen und 20 Arbeiter der Post- und Telegraphenverwaltung, welche seinerzeit ver- abschiedet worden waren, wieder eingestellt werden. Spanien. Gegen die Willkürherrschaft. San Sebastian, 15. September. Eine Abordnung der liberalen Presse ist hier eingetroffen, um beim König eine Audienz nachzusuchen. Die Delegierten wollen dem König die der liberalen Presse vom Minister des Innern und seinen Organen bereitete schwierige Lage darstellen. Sie beschuldigen diese Be- amten, daß sie die Zensur mißbrauchen und die Wahr- heit fälschen, die kennen zu lernen das spanische Volk ein Recht habe. 6ngland. Annahme der Erbschaftssteuer. London, 15. September. Unterhaus. Die Paragraphen des Finanzgesetzes betreffend Erhöhung der Erb- schaftssteuer sind nach zweitägigen Beratungen a n g e- n o m m e n worden, von denen die letzte bis heute früh 4 Uhr 20 Minuten dauerte. Rußland. Asew. Wie Burzew aus sicherer Quelle erfahren hat, befindet sich A s e w gegenwärtig in Rußland, ivo er einen h ö ch st verantwortlichen Posten bekleidet. Wie sollte sich auch der Zar, obwohl Asew seinen Oheim und seinen treuestcn Minister ermordete, von diesem seinem erprobtesten Lockspitzel trennen können!_ Ein entlarvter Provokateur. Vor kurzem wurde das ftllhere Mitglied der soziakrevokutionZren Partei Michael WosskrßenSki überführt, als Lockspitzel in den Diensten der Regierung zu stehen. Die Biographie dieses Lock- spitzels, um dessen Entlarvung sich auch Bakai verdient gemacht hat, enthält einige recht interessante Einzelheiten, die die Praktiken der russischen Lockspitzel grell beleuchten. Der genannte Lockspitzel nahm im Jahre 1907 an einer„Expropriation" in JekaterinoSlaw teil und begab sich dann nach Petersburg. Obwohl er dort mit Waffen in der Hand verhaftet wurde, wurde er dennoch nach 2 bis S Wochen befreit und in die Heimat zurücktransportiert. Dort ver- suchte er einige Zeit, terroristische Akte zu inszenieren; als er aber keinen Erfolg hatte, begab er sich nach Paris, wo er sein Handwerk fortsetzte. Während der Asew-Affäre wollte er Bakai ermorden. Burzew. Wie auS Paris mitgeteilt wird, werden auf die Initiative Professor Forels in der Schweiz Unterschriften auf einer Petition an den Föderalrat gesammelt, in welchem mn die A u f h e b u n g des Verbotes nachgesucht wird, das Burzew den A u f e n t- halt in der Schweiz untersagt. Die Petition wird dadurch motiviert, daß Burzew durch die Enthüllungen über Asew und Harting Europa einen Dienst erwiesen hat. Ferner wird darauf hingewiesen, daß die Ausweisung BurzewS aus der Schweiz auf Grund einer lügnerischen Denunziation der russischen politischen Polizei erfolgt ist. ES sind schon gegenwärtig mehr als 10 000 Unterschriften gesammelt, zu denen fast alle bekannten Namen der Schweiz gehören. perNen. Der Exschah. Teheran, 15. September. Die Bevölkerung ist beunruhigt durch die Nachricht, der Exschah habe unterwegs halt- gemacht und weigert sich, die Reise fortzusetzen. Man fürchtet, daß ihm die reaktionären Stämme zur Hilfe eilen werden. Linie— viel, sehr viel lernen I In ganz Leipzig— darüber sind die Akten geschlossen— gibt's keinen bürgerlichen Männerchor, der die vom Chormeister Michael geschulten besten Arbeiterchöre in den Schatten stellt: ein Faktum, das da beweist, welcher Eifer, welcher Ernst, welche Energie, welche Liebe zur Kunst in den Herzen deutscher Arbeiter aufgespeichert ist, Dem Feste wohnte von Anfang bis zu Ende A u g u st Bebel bei, und Molkenbuhr Hoffnung gestattet, die unter uns wirken zu prach das als ein Zeichen an, das uns die m unseren Parteiführer bald wieder rüstig .ehen. Dem Feste wohnte auch— o Ironie der Weltgeschichte!"— der alte Polizeimann Förstenberg bei, der unterm Sozialistengesetz unsere sächsischen Genossen härter verfolgt, grimmer befehdet hat als sonst irgendwer! Der Herr Polizeiinspektor war wohl nur gekommen, um— wie in der „guten alten Zeit"— die Reden oder richtiger: die Redner zu „überwachen", aber das Feuer der Sänger ritz auch ihn mit fort: er hörte mehr als die Reden... und klatschte Beifall dem deutschen Lied auS deutscher Proletarierkehle I Ein„historischer Moment", wenn man will; denn Molkenbuhr, der Grübler, hatte herausgctiftelt, daß sich's gerade zum 31. Male jährte, daß unter Bismarcks Regime— am 14. September 1873— der erste Entwurf des Sozialistengesetzes zur Veröffentlichung kam. Das alles mutzte Förstenberg mit anhören. Und mehr noch: Er mußte hören, wie Genosse Lindblat die Lehren des schwe- dischen Generalstreiks entrollte, wie er darlegte, daß jetzt auch Schwedens Bürgertum zum politischen Kampf gegen das Proletariat, zum Kampf mit Ausnahmegesetzen, zum Klassenkampf rüstet, daß aber die Arbeiterschaft Schwedens am Platze sein wird, wie Deutschlands Arbeiterschaft am Platze gewesen ist! Nur eines Mannes Rede hat der Herr Polizei- inspektor vermutlich mit Vergnügen angehört: die Rede des öfter- reichischen Genossen R i e g e r. Mit Vergnügen deshalb, weil sie sehr witzig war, aber auch weil Nieger aus seiner zehnjährigen Parlamentspraxis heraus der deutschen Sozialdemokratie ganz allgemein und ohne jede Einschränkung den Rat zu geben für erforderlich hielt: sich vor der Obstruktion im Parka- ment zu hüten, weil sie das Parlament ruiniert! Worauf jeder halbwegs beschlagene Arbeiter mit allem Respekt bor der parlamentarischen Praxis eines Jahrzehnts lachend antworten wird, daß es schließlich besser ist. eZ gebt mal ein Parlament zum Teufel, als daß sich ein ganzes Volk in Grund und Boden ruinieren- läßt! Zum Glück ist ein Volk unverwüstlich, dessen„unterste", mit Gewalt niedergehaltene, an freiem Reyen und Schaffen gehemmte Klasse Kulturwerte schafft, sich den Smn für Kunst und Wissen- schaft durch alle Lebenspein hindurch rettet, wie wirs von je und immer wieder neu und neu am Nassen- und zielbewußten Proletariat erlebten und erleben. Was Leipzigs Arbeiterschaft. allen Schwierigkeiten zum Trotz, an Kunstkultur sich bereits an- geeignet hat, das sollte sobald wie möglich Gemeingut der Gesamt- arbciterschast werden; denn für alle Proletarier hat der Dichter gesprochen, der da sagte: „So, Sohn des Volkes, soft Du Feste feiern� S.v. GewerkfcbaftUcbe� Lohnbewegungen. Streiks und Aussperrungen im Jahre 1908. Die Statistik der freien Gewerkschaften über die Arbeitskämpfe im Jahre 1908 zeigt, dah wohl die Unternehmer das Jahr des stärksten wirtschaftlichen Niederganges und der geradezu erschrecken- den Arbeitslosigkeit benutzen wollten, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, daß aber auch die Gewerkschaften dank ihres wachsenden Einflusses nicht nur diese beabsichtigten Verschlechterungen erfolgreich zurückweisen, sondern darüber hinaus noch Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen erreichen konnten. Mit dem im Jahre 1907 einsetzenden wirtschaftlichen Niedergang trat auch zugleich ein Rückschlag in der Zahl der Be- wegungen ein. Dieser Rückgang kommt für das Jahr 1908 noch erheblicher zum Ausdruck, als es im Jahre 1907 der Fall war. Die Zahl der Bewegungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingun- gen zeigt eine starke Abnahme, während die Zahl der Abwehr- kämpfe stieg. Bewegungen mit und ohne Arbeitseinstellung wur- den im Berichtsjahre 5837 geführt gegenüber 8053 im Jahre 1907; doch ist die Zahl noch höher als im Jahre 1905, das 5659 Bewe- gungen aufwies. Von den Bewegungen wurden im Berichtsjahre 15 758 Orte und 49117 Betriebe mit 742 704 beschäftigten Per- sonen betroffen. Ohne Arbeitseinstellung wurden 63,7 Proz. der Bewegungen für 449 434 beteiligte Personen erledigt. Von diesen ohne Arbeitseinstellung verlaufenden Bewegungen wurden 88,9 Prozent durch erfolgreiche Verhandlungen mit den Unternehmern, 1,7 Proz. durch Zugeständnisse der Unternehmer ohne VerHand- lungen und 7,7 Proz. durch Zurückziehen der Forderungen erledigt. Streiks und Aussperrungen fanden 2230 statt mit 126 383 be- teiligten Personen. Im prozentualen Verhältnis der mit oder ohne Arbeitseinstellung verlaufenen Bewegungen zeigt das Jahr 1907 mit dem Berichtsjahre sehr geringe Differenzen, die zu irgend welchen Schlüssen keine Berechtigung geben. Während 1908 auf friedlichem Wege 63,7 Proz. der Bewegungen endeten, waren es 1907 61,8 Proz.; durch Arbeitseinstellung wurden 1908 36,3 Proz. der Bewegungen erledigt, 1907 33,2 Proz. Von den gesamten Bewegungen waren erfolgreich: 3025 gleich 51,8 Proz., teilweise erfolgreich: 1425 gleich 24,4 Proz., erfolglos: 1183 gleich 2033 Proz. 129 Bewegungen waren am Jahresschluß nicht beendet und von 75 Bewegungen blieb der Ausgang unbekannt. Es waren beteiligt: an den erfolgreichen Bewegungen 191 428 Personen gleich 33,2 Proz., an den mit teilweisem Erfolg beendeten Bewegungen 217 562 Personen gleich 37,8 Proz. und an den erfolglosen Bewegungen 146 233 Personen gleich 25,3!sch:oz. Die Gesamtausgabe für die Bewegungen ohne und mit Ar- beitseinstellung betrug 4 624 325 Mk. An den Bewegungen parti- zipieren 55 Verbände. Keine Bewegungen hatten die Verbände der Bureauangestellten, Friseure, Hoteldiener, Notenstecher und Zivilmusiker. Bon den Bewegungen ohne Arbeitseinstellung dienten 3059 mit 401 334 Beteiligten der Erringung besserer Lohn- und Ar- beitsbedingungen. 548 Bewegungen mit 48 100 Beteiligten wurden veranlaßt durch beabsichtigte Verschlechterungen der Lohn- und Ar- beitsbedingungen seitens der Unternehmer. Die Zahl der Angriffs- bewegungen hat sich um 36,3 Proz. und die Zahl der daran be- teiligten Personen um 21 Proz. verringert. Dagegen ist die Zahl der Abwehrbewegungen um 106 Proz. gestiegen und die Zahl der daran beteiligten Personen war um 174,7 Proz. gestiegen. Die Angrifssbewegungen endeten in 54,2 Proz. erfolgreich, in 30.7 Proz. teilweise erfolgreich und in 372 Fällen mit 91 156 Be- teiligten erfolglos. Von den 548 Abwehrbewegungen waren 79,3 Prozent erfolgreich, 9,5 Proz. teilweise erfolgreich und in 61 Fällen mit 8404 Beteiligten erfolglos. Der Erfolg der friedlich verlaufenen Bewegungen hat sich im Berichtsjahre noch ungünstiger gestaltet als im Jahre 1907. Immer- hin muh berücksichtigt werden, daß die Erfolge dieser Bewegungen auch in diesem Jahre trotz der ungünstigsten wirtschaftlichen Kon- junktur außerordentlich große sind, zumal die erfolglosen Bewe- gungen doch nur eine untergeordnete Rolle spielen. Zeigt die Zahl der Streiks und Aussperrungen schon eine Verminderung um 26,5 Proz., so ist die Zahl der daran beteiligten Personen mit 126 883 gar um 54,8 Proz. zurückge- gangen. Die Kämpfe hatten also auch einen geringeren Umfang. Die Ausgaben dafür betrugen denn auch nur 4 477 039 Mk. gegen- über 12 364 032 Mk. im Jahre 1907. Beachtenswert ist, daß das Bestreben der Verbände» ihre Kämpfe aus eigenen Mitteln zu be- streiten, in den Jahren steigende Tendenz zeigt. Im Jahre 1908 wurden mit 99,2 Proz. fast sämtliche Streikunterstützungen aus den eigenen Mitteln, also ohne Hilfe von außen, des betreffenden Ver- bandes bestritten. Von den Kämpfen waren Angriffsstreiks: 33,1 Proz.(1907 53,6 Proz.), Abwehrstreiks 54,4 Proz..(29,9 Proz.). Aussperrungen 12,5 Proz.(11,5 Proz.). Die Erfolge der Kämpfe sind etwas günstiger als im Jahre 1907, sie stehen auch unter dem Durchschnitt der 18 Berichtsjahre. Den größten Anteil an der Zahl der Kämpfe hat das Baugewerbe mit 911 Kämpfen und 29 669 beteiligten Personen, dann folgt die Holzindustrie mit 309 Kämpfen und 15 195 Beteiligten, die Metall- industrie mit 240 Kämpfen weilt jedoch mit 34 643 Personen die höchste Beteiligungszifser auf. Die Bekleidungs- und Leder- industrie weisen 163 Kämpfe auf, stehen aber mit den 24 530 Per» sonen an dritter Stelle der Beteiligungsziffern. Den geringsten Anteil an den Kämpfen hat das graphische Gewerbe mit 26 Kämpfen und 935 Beteiligten. Beteiligt waren 92 091 männliche und 10 513 weibliche Per- sonen, von denen 83 412 bezw. 5803 gewerkschaftlich organisiert waren. Die Verluste an Arbeitszeit betrugen rund 2 045 000 Tage, an Verdienst nahezu 8 Millionen Mark. Die Angriffs st reiks haben mit 678 gegenüber 1635 im Jahre 1907 einen Rückgang von 58.5 Proz. erfahren. Erfolgreich endeten 46.0 Proz., teilweise erfolgreich 25,8 Proz. und erfolglos waren 24,5 Proz. Die Zahlen weisen eine geringe Verschlechte- rung gegenüber 1907 auf, sie stehen unter dem Durchschnitt der letzten 9 Berichtsjahre, sind jedoch noch erheblich günstiger als in den Krisenjahren 1901 und 1902. Die Abwehr st reiks weisen mit 1117 gegen 834 des Jahres 1907 eine Vermehrung um 33,9 Proz. auf. Die Zahl der Be- teiligten stieg mit 36 120 Beteiligten jedoch nur um 8,3 Proz. Erfolgreich endeten 47,0 Proz., teilweise erfolgreich 12 Proz., er- folglos 36,7 Proz. Auch von den Erfolgen der Abwehrstreiks gilt das von den Angriffsstreiks Gesagte. 573 Streiks mit 16980 Be- teiligtcn mußten um Zurückweisung von Lohnreduktionen geführt werden, die zu 47,7 Proz. erfolgreich und zu 10,5 Proz. teilweise erfolgreich beendet wurden. In 179 Fällen fanden Streiks wegen Maßregelungen statt. Ueberaus bezeichnend für unsere„herrliche Gesellschaftsordnung" ist es, daß bei der erschreckenden Arbeits- losigkeit des Jahres 1908 noch 37 Streiks geführt werden mußten, um— eine Verlängerung der Arbeitszeit abzuwehren! In 18 Fällen— 48,6 Proz. war es leider nur möglich, solche, allen Vernunftsgründen hohnsprechenden, Maßnahmen zurückzuweisen. In vier Fällen wurde nur ein teilwciser Erfolg erzielt und in 15 Fällen war die Abwehr der Arbeitszeitverlängerung erfolglos. In 16 Fällen mußte gegen den vom Unternehmer verlangten Aus- tritt aus der Organisation gekämpft werden, die leider den ge- ringsten Erfolg aufzuweisen hatten.. Die Aussperrungen sind ungefähr im gleichen Verhältnis wie die gesamte Zahl der Kämpfe zurückgegangen. Es wurden 257 Aussperrungen mit 60 576 Beteiligten gezählt gegenüber 323 Aus- sperrungen mit 104 738 Beteiligten im Jahre 1907. Der Zahl der Beteiligten nach sind die Aussperrungen im Jahre 1903 im Ver- hältniS zu den gesamten Kämpfen erheblich umfangreicher vorge- nommcn worden als in früheren Jahren. Von den Aussperrungen endeten für die Arbeiter insgesamt 54~ 21,0 Proz. mit 4928 Beteiligten= 8,1 Proz. erfolgreich und 84 Aussperrungen_ 32,7 Prozent mit 9241 Beteiligten— 48,3 Proz. teilweise erfolgreich. Wie bei den anderen Kämpfen ist der Erfolg der Arbeiter bei den Aussperrungen ungünstiger als in den Vorjahren, jedoch trat auch für die Unternehnwr nicht der Erfolg ein, den sie erwarteten. Die Resultate der Bewegungen insgesamt sind eine Arbeits- zeitberkürzung für 59 324 Personen in Höhe von 183 751 Stunden pro Woche und Lohnerhöhungen für 230 641 Personen im Gesamt- betrage von 365 923 Mk. pro Woche. Außerdem wurden noch für 175 687 Personen sonstige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen erreicht. Korporative Arbeitsverträge wurden 1860 für 282 958 Personen abgeschlossen. So zeigen die wirtschaftlichen Kämpfe der freien GeWerk- schaften selbst in dem so schweren Krisenjahre und bei erheblich ver- minderten Zahlen noch die tatkräftige Hilfe der Organisation, die den Arbeiter gegen die willkürlichsten Anschläge des Unternehmer- tums schützt. Würde das immerhin noch große Heer der den freien Gewerkschaften noch fernstehenden Arbeiter doch erst diese Kultur- arbeit der Zentralverbände richtig würdigen und durch Massen- cintritte in die Gewerkschaften die Reihen der Kämpfer stärken. In so geschlossener Phalanx würden die Gewerkschaften auf wesentlich größere Erfolge blicken können. Deutsches Kelch. Eine Kriegserklärung. Die Delegierten des Arbeitgeberverbandes der Maler- und Anstreichern, eister von Rheinland und Westfalen traten am 12. September in Aachen zu einer Be- ratung zusammen, zu der auch die Stadt Aachen, sowie die Hand- werks'kammern Vertreter entsandt hatten. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildete das Referat des Vertreters des HauptverbandeS deutscher Arbeitgeberverbände im Maler- gewerbe, Hansen- Hamburg über die bevor st ehenden Tarifverhandlungen. Er führte unter anderem aus: Am 1. Januar 1910 laufen in ganz Deutschland die Tarifverträge im Malcrgewerbe ab, und die Arbeitgeber sind so gut organisiert, daß sie den Gehilfen gegenüber die Forderung durchsetzen konnten, ihre Wünsche für die bevorstehende Tarifrevision nicht den lokalen Organisationen, sondern dem Hauptverband zu überreichen. Das ist auch gescheben, und zwar haben der sozialdemokratische sowie der christliche Arbeitnehmerverband im wesentlichen gleiche Forderungen gestellt. Es sind Lohn- erhöhungen von 10—20 Prozent, in manchen Orten 30, 35 und 40 Prozent verlangt worden. Demgegenüber vertrat Redner unter Hinweis auf die gedrückte wirtschaftliche Lage den Standpunkt, d i e Gehilfenforderungen seien un diskutierbar und ließen jedes Verständnis für das wirtschaftlich Erreichbare vermissen. Die Sachlage sei derart, daß man sich der Erkenntnis nicht ver- schließen könne, es werde i m F r ü h j a h r 1910 beziehungs- weise am 1. Januar ein Kampf im ganzendeutschen Malergewerbe ausbrechen. Die Arbeitgeber hätten keinen Grund, ihn heraufzubeschwören, im Gegenteil, sie wollten sich auf den Boden der Tarifverträge mit den Gehilfen einigen, aber diese müßten mehr Verständnis zeigen. Eine Verkürzung der Arbeitszeit sei ganz unmöglich. In der Lohnfrage hätten die örtlichen Organisationen sich schlüssig zu werden, was sie be- willigen könnten, und diese Beschlüsse würden bei den bevorstehenden Verhandlungen zwischen Arbeitgebem und Arbeitnehmern in Berlin als Unterlage dienen. Auch wenn ein Schiedsspruch erfolgen werde, würde nichts gegen die lokalen Beschlüsse akzep- t i e r t, ohne daß bei den betreffenden Organisationen Rücksprachen erfolgten. Es gebe also keine Einigung über die Lokalinstanzen hinweg. Ernst mahnte aber der Redner, auch zu bedenken, eine wie große Personenzahl von beiden Seiten und wie große Kapital- interessen bei einem Kampfe in Frage kämen. Man könne einen solchen nicht auf Grund leicht gefaßter Meinungen durchführen. Darum legte er den Arbeitgeberorganisationen, die Lohnreduzierungen verlangten, eine Revision ihrer Beschlüsse nahe. Sollte es zum Bruche kommen, so dürften die Arbeitgeber über- zeugt sein, daß alles versucht sei, ihn zu vermeiden. Gegenüber Auslassungen im Gehilfcn-Verbandsorgan schloß Redner mit der beifällig aufgenommenen Erklärung:„Bleiben wir ohne Tarif, so bleibeu unsere Werkstätten in Deutsch- land geschlossen!"_ Die Miihlenarbciter Leipzigs stehen in einer Lohnbewegung. Der Arbeitgeberverband der sächsischen Mühlenindustrie(Sitz Dresden) verweigert die VerhandlungenUmit„betriebsftemdcn Per- sonen' und hol obendrein erklärt: Wenn die Mühlenarbeiter nicht genug verdienten, sollten sie ihre Frauen mitarbeiten lassen; die Frauen der Mühlenbesitzer müßten auch mitarbeiten. Eine gütliche Erledigung der Lohnbewegung scheint somit aussichtslos. Die Unter- nehmer versuchen schon, unorganisierte Arbeiter nach Leipzig zu locken. Die Mühlenarbeiter allerorts wollen dies beachten. In Notwehr gegen Baker Staat. In Italien steht man am Vorabend eines Ausstände? de» Inhaber der staatlichen Tabak- und Salzverkaufsstellen. Diese haben bereits seit längerer Zeil eine Beloegnng ins Werk gesetzt, um von der Regierung eine Anfbesscrung ihrer Lage zu erhalten. Ihre Forde- rangen stießen jedoch immer auf Widerstand. Nunmehr kündigen die Verkaufsstelleninhaber den Ausstand an. der gleichzeitig in allen Städten Italiens ausbrechen soll. Aussperrung der Holzarbeiter i» Süd-West-Dcntschland. Eine am letzten Sonntag in Heidelberg abgehaltene Sitzung deS Verbandes der Schreinermeister und der Landesorganisation badischer Schreinerinnungen faßte den Beschluß, bis zur Erledigung der Streiks in Mannheim-Ludwigshafen und Heidelberg sämtliche Tischler in den Städten Süd- und Westdeutschlands auszusperren. Am kommenden Sonnabend soll die Aussperrung in Frankfurt a./M. einsetzen und dann Zug um Zug auch auf die übrigen Städte aus- gedehnt werden. ZZuslanck. Die Holländische Eisenbahngesellschaft, deren Wagen ohne jeg- liche Untersuchung auf allen Linien des Vereins Deutscher Eisen- bahnverwaltungen verkehren, hat in ihrer Zentralwerkstätte in Haarlem Maßnahmen getroffen, unter denen die Sicherheit des Verkehrs zweifellos leiden muß. Die Zentralleitung des Niederländischen Verbandes des Eisen- bahn- und Tramwaypersonals hat deswegen Anlaß genommen, das nachstehende Schreiben an die geschästsführende Verwaltung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen zu richten: Nr. 5124/5. Utrecht, den 10. September 1909. An die geschästsführende Verwaltung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen, die königliche Eiscnbahndirektion in Berlin. Ergebenst erlauben wir uns die Aufmerksamkeit des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen darauf zu lenken, daß die Hol- ländische Eifenbahngesellschast durch außerordentlich große Ab- setzung mehrerer Stücklöhne die Arbeiter in ihrer Zentralwerk- stätte zu Haarlem zu Ueberanstrengung und Uebereilung zwingt. Die Zuverlässigkeit der Reparaturarbeiten wird dadurch so sehr verringert, daß wir Anlaß gefunden haben, Seine Exzellenz den Minister von Waterstaat um Abhilfe zu ersuchen. Die technischen Vereinbarungen des Percins wirken darauf hin, daß von allen Vcreinsmitgliedern die Herstellung und Aus- besserung von Wagen in der Weise ausgeführt wird, daß der Ver- kehr möglichst gesichert wird. Weil nun das Verfahren der Hol- ländischen Eifenbahngesellschast den Berkehr gefährden muh, so er- achten wir es als unsere Pflicht, die geschästsführende Verwaltung des Vereins zu verständigen. Die Zcntralleitung des Niederländischen Verbandes deS Eisenbahn- und Tramwaypersonals. I. A.: Rosenveldt, zweiter Vorsitzender, A. v. d. B e r g, Sekretär. Lohnbewegung der französischen Eisenbahner. Das Syndikat der Eisen bahnbedien st eten richtete an seine Mitglieder einen in 400000 Exemplaren gedruckten Anstus, worin unter Hinweis auf die L e b e ns mi tt elteu er u n g zu einem entschiedenen Eintreten für allgemeine Erhöhung der Löhne und Gehälter aufgefordert wird. Morgen findet in der hiesigen Arbeitsbörse eine große Versammlung statt, die sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen soll. Soziales. Die Verweigerung einer Arbeitsbescheinigung ist unzulässig. Diesen an sich vollständig klaren Rechtsgrundsatz hat die Kammer 8 des Gewerbegerichts in ihrer letzten Sitzung erneut feststellen müssen. Es klagte der Kesselreiniger Sch. gegen den Inhaber eines Kesselreinigungsinstituts namens Krüger. Er war eines Tages infolge eines Auftritts mit dem Beklagten, den er in seiner Trunkenheit veranlaßte, sofort entlassen worden. Bei der Ent- lassung wurde ihm eine Arbeitsbescheinigung nicht behändigt. Kläger hatte sie auch nicht bei der Entlassung, sondern erst am folgenden Tage gefordert. Da wurde sie ihm aber verweigert. Ihm war es nun, ohne dieselbe nicht möglich, anderweitig Arbeit zu erhalten. Vom Zentralarbeitsnachweis ging dem Gewerbe- gericht auf Anfrage die Mitteilung zu, daß ohne die Vorzeigung einer solchen Arbeit nicht vermittelt wird. Das Gericht verurteilte den Beklagten zur Tragung des dem Kläger zugefiigten Schadens von 36 M. Die Bescheinigung dürfte nicht verweigert werden._ Ein nichtiger Entlassungsgrund. Der Hausdiener B. ist nach dreijähriger Beschäftigung bei der Firma Jopnson u. Son, Alte Jakobstr. 144, plötzlich entlassen worden. Er bewarb sich um die im Geschäft freigewordene Stelle eines ersten Packers, die ihm mit dem Hinweis auf zu große Arbeitszeitversäumnisse, die Kläger meistens in dem von seiner Frau betriebenen Geschäft zugebracht haben soll, vorenthalten wurde. Kläger war darüber sehr ungehalten und gab auch seinen Unwillen zu erkennen. Dies trug ihm die sofortige Entlassung ein. Er klagte nun am Gewerbegericht gegen die Firma auf Zahlung einer vierzehntägigen Lohnentschädigung. Im Termin machte die Firma geltend, daß der Kläger den ablehnenden Bescheid als eine Unverschämtheit bezeichnet hätte. Das fei eine Beleidigung der Beklagten, die sich djeserhalb auch berechtigt hielt, den Kläger so- fort zu entlassen., Das Gericht kam aber zu einer anderen Auffassung der Sache. Da der Beklagten die gewiß recht unpassende und ungehörige Aeußerung des Klägers erst hinterbracht worden sei, als die Ent- lassung des letzteren schon ausgesprochen war, könne sie zur Be- gründung derselben nicht mehr herangezogen werden. Das un- willige Verhalten des jdlägers über die Abweisung seiner Be- Werbung durch die Firma stelle aber nach dem Gesetz keinen Ent- lassungsgrund dar. Die Firma war deshalb»ur Zahlung der geforderten 50 M. zu verurteilen. Vom Kontraktbruch. Die Firma L i ch t e n st e i n u. Co. verklagte die Arbeiterin Johanna Will wegen Kontraktbruchs beim Gewerbegericht. Die Beklagte war am 13. Juli engagiert worden, hat aber die Stellung nicht angetreten. Die Firma fordert deshalb eine Entschädigung von 9,60 M., das ist der durchschnittliche Tagelohn für 6 Arbeits- tage, auf den sie nach§ 124b der Gewerbeordnung Anspruch machen kann, ohne daß sie den Schaden nachzuweisen verpflichtet ist. Die Beklagte machte geltend, daß sie sich bei Abschluß des Arbeitsvertrages mit der Klägerin in einem Rechtsirrtum befunden habe. Sie stand in einem aushilfsweisen Arbeitsverhältnis, das sie glaubte, an jedem Tage lösen zu können; das war jedoch nicht möglich, weil sie für eine bestimmte Frist engagiert war. Sie habe der Klägerin von diesem Rechtsirrtum sofort Mitteilung ge- macht. Das Gewerbegericht hielt danach einen Kontraktbruch nicht für vorliegend, da die Beklagte im guten Glauben das Arbeitsver- hältnis mit der Klägerin einging und auch die pflichtgemäße Mit- teilung von ihrem Irrtum der Klägerin gemacht hat. Die Be- klagte hatte also nicht die Absicht, die Klägerin zu schädigen. Das Gericht empfahl die Klagezurücknahme, dem entsprochen wurde., Letzte Naebnebten und Depefeben. Bei günstigem Wetter heute Flugvorführunge». Im Falle günstiger Witterung wird Orville Wright am Donnerstag, den 16. d. M., nachmittags 4'/? Uhr seine Flug- Vorführungen auf dem Tempelhofer Felde wieder aufnehmen. Deutsch-französische Beziehungen. Paris» 15. September.(W. T. B.) Bezüglich der gestrigen Unterredung des Reichskanzlers mit dem französischen Botschafter in Berlin, Cambon» will der„Temps" erfahren, daß die beiden Staatsmänner sich gegenseitig zu den seit Abschluß des Marokko- abkommcns zwischen den beiden Nationen bestehenden guten Be- ziehungcn beglückwünscht haben. Sie stellten das zwischen franzö- fischen und deutschen Interessen in Marokko herrschende Einver- nehmen fest, welches es ermöglicht habe, dem zwischen der Firma Renschhausen und dem Wachsen anläßlich der Bezahlung für die Tanger Hafenbauten entstandenen Zustande ein Ende zu machen. Man glaubt in den berufenen deutschen Kreisen, daß die von Frank- reich zugestandenen Vereinbarungen Deutschland und Frankreich gleich nützlich sein werden für die EntWickelung ihrer Handels- interessen in Marokko. Der Reichskanzler und der Botschafter Cambon haben nach dem„Temps" auch verschiedene andere Fragen der Gegenwart berührt. Landtagseinbentfung. Wien, 15. September.e Kom- Mission keine in Abhängigkeit von der Gesamtpartei befindlichen Personen zu wählen. Wir haben noch nicht gefunden, datz solche Genossen in der Kontrollkommission sich in der Vertretung ihrer Auffassung Beschränkung auferlegt haben. Man sollte der Straß- burger Anregung um so weniger stattgeben, als man sonst, wie ja bisweilen in Gewcrksckaften schon verlangt worden ist, zu einer ähnlichen Bestimmung über die Teilnahme an Parteitagen kommen könnte, was sehr bedenklich sein sollte.— Anträge, dem„Vorwärts" den Charakter als Zcntralorgan zu nehmen, sind aus sehr guten Gründen und im Einklang mit mehrmaligen ParteitagSbeschlusscn von der Kommission einstimmig abgelehnt worden.— Die Frage deö Ausschlusses aus der Partei ist besonders eingehend geprüft Korden. Das bisherige Verfahren belastete zu sehr den Partei vorstand. Wir hatten im letzten Jahre allein 6g Schiedsgerichts fachen zu erledigen. Die Kommission schlägt vor, künftig als erste Instanz die Vorstände der Bezirks- und Landesorganisationen zu bestimmen. Als zweite Instanz schlägt die Kommission das Schiede gericht in der bisherigen Verfassung vor. Die endgültige Eni- scheidung des Parteitags wird man nicht ausschalten tonnen. Die Kontrollkommission wird künftig nicht mehr bei dem Ausschlußver- fahren in Frage kommen. Die Mitglieder der 5lontrollkommissioy werden nicht böse darüber sein, im Gegenteil. Nach der Interpretation von Wollmar als Kommissionsrefe reuten dursten die Schiedsgerichte nur ausschließen oder freu sprechen, nicht aber Rügen erteilen, von Vertrauensämtern aus' schließen usw. Sie haben es aber doch getan, und die Vorsitzenden der Bezirksorganisation als alte Praktiker dringen mit aller Ent schiedenheit daraus, daß den Schiedsgerichten künftig auch statuten mäßig dies Recht eingeräumt wird. Dafür schlagen wir vor, auch gegen Rügen ein Berufungsrccht einzuräumen. Heftig angegriffen ist unser Vorschlag auf Erweiterung der Ausschlußmöglichkeiten. Die Kommission war aber in unserer Mehrheit der Ansicht, daß eine solche Erweiterung dringend notwendig sei. Es müssen auch Sachen zum Ausschluß führen können, die ohne einen Verstoß gegen die Grundsätze des Parteiprogramms oder eine ehrlose Handlung zu bedeuten, doch das Parteiinteresse im hohen Maße gefährden. Behauptet man von der einen Seite, wir wollten Ketzerriecherei treiben, so wird auf der anderen unser Vorschlag Kautschuk ge- nannt. Ein anderer, ein betriebsamer Vielschreiber, sprach von „nörgelnder Neuerungssucht", von einem„Wegweiser zur Spaltung der Partei" usw. Wir haben nochmals über die Sache beraten und ich bin einhellig beauftragt worden, zu erklären, daß es keinem Kommissionsmitglied einfällt, die Freiheit der Meinungsäußerung in der Partei angreifen zu wollen.(Bravo!) Wir haben uns nunmehr auf eine Fassung geeinigt, die, wie wir glauben, allen Einwendungen vorbeugt.„Auch kann der Ausschluß eines Mit- gliedes erfolgen, wenn es durch beharrliches Zuwiderhandeln gegen Beschlüsse seiner Parteiorganisation oder des Parteitages das Parteiinteresse schädigt." In bezug auf die Wiederaufnahme Aus- geschlossener schlagen wir vor, daß die Organisation, die den Aus- schlutz beantragt hat, gutachtlich vor der Entscheidung zu hören ist. Wie der Antragsteller, so soll auch die Organisation das Recht haben, die Entscheidung des Parteitages anzurufen. Die bayeri- schen Genossen wollten nur dem Angeschuldigten das Recht ein- räumen. Sie sprachen von Einschränkung des staatsanwaltlichen Bcrufungsrechts. Aber man kann doch nicht unsere Organisation mit der Staatsanwaltschaft vergleichen, die das Organ der Klassen- justiz ist. Das Berufungsrecht liegt im Interesse eines geordneten Parteilebens. Ein Antrag von Posen verlangt Regelung des Verhältnisses der polnischen sozialdemokratischen Partei zur sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wir empfehlen aber, es bei dem bisherigen Verhältnis, das nicht einseitig abgeändert werden kann, zu be- lassen und die Posener Anträge abzulehnen. Alle Einzelheiten des Entwurfs und der zahlreichen dazu vor- liegenden Anträge zu besprechen, hätte sich in keiner Weise empfohlen. Die Kommission hat fleißig gearbeitet, um dem Partei- tag ein möglichst fertiges Werk vorlegen zu können und ihm so seine Arbeit zu erleichtern. Wir bitten unsere Vorschläge sachlich zu prüfen und hoffen, daß es durch die Verhandlungen gelingen möge, die Reihen unserer Organisationen enger zu schließen, ihre Schlagfertigkeit zu verbessern und die wichtigste Waffe im Kampf um unsere Politik möglichst wuchtig zu gestalten.(Lebh. Beifall.) Auf Vorschlag Singers werden mit dem Referat sogleich sämtliche Anträge mit zur Generaldiskussion gestellt. Peus-Dessau regt zunächst an, nach dem Vorgang von Anhalt die Beiträge nach dem Einkommen der Mitglieder zu staffeln. Die Kreise sollen mit Recht die Kosten der Delegation tragen. Dann dürfen aber nicht die Bezirke sie übernehmen. Mir ist z. B. bekannt, daß meines Er- achtens unberechtigterweise die Delegationskosten Berlins aus einer Kasse bezahlt werden. Die Vertreterkonferenzen sollten auch Beschlußkraft haben. Der Kontrollkommission sollte man unter gleichzeitiger Verstärkung ihrer Mitgliederzahl regionale Zu- sammensetzung geben. Sindermann-Dresden bittet um enblock-Annahme des Organisationsentwurfs. Die Staffelung der Beiträge würde zu Steuerhinterziehungsprozessen führen.(Heiterkeit.) Die besser gestellten Parteigenossen leisten sowieso Außerordentliches. Hüttmann-Frankfurt a. M. Der Entwurf bedeutet einen erheblichen Schritt vorwärts, wönn er auch noch nicht allen Anforderungen entspricht. Die Be- zirksorganisation mutz weiter ausgebaut werden. Dem Unfug, daß einzelne Wahlkreise sich ein besonderes Statut geben, muß gesteuert werden. MSäsftnger-Mdgdeburg weist auf die guten Erfolge Magdeburgs mit dem 10 Pf.'-Wochen- beitrag hin und empfiehlt den Antrag 141, der die Einführung der Urabstimmung nach Bezirken und Listenwahl fordert. Mit dem demokratischen /Proportionalverfahren, das wir für alle Wahlen fordern, sollten wir doch bei uns selbst anfangen. Dihmann-Hanau: Wir sollten die Beiträge der weiblichen Mitglieder auf das allernotwendigste beschränken. Nach Ueberwindung der Krisis wer- den gewaltige Mehreinnahmen der Zentralkasse zufließen. Wir sind der Ansicht, daß die Reichstagsfraktion in Zukunft nicht mehr beschließende Stimme auf dem Parteitag haben soll. Die Dele- gierten der Organisation und nicht eine separate Gruppe wie die Reichstagsfraktion sollen auf dem Parteitag die Entscheidung fällen. Mit den Parteifunktionären sind übrigens nicht 23, sondern 31 Ab- geordnete anwesend. Ottilie Baaber-Berlin: Ich bitte um Ablehnung aller Anträge, die die zwingende Be- stimmung des§ 4 über die weiblichen Vorstandsmitglieder beseiti- gen oder einschränken wollen. Auf die Genossen, die der Organi- sation der Frauen noch lässig gegenüberstehen, muß ein gewisser Zwang ausgeübt werden.(Sehr richtig!) Was die Beiträge der Frauen betrifft, so ist die Hauptsache die Ausklärung, nicht aber die Frage, ob 5 Pf. mehr oder weniger Beitrag gezahlt werden soll.(Sehr gut!) In Berlin waren es nicht die Frauen, sondern die Männer, die für niedrigere Beiträge eintraten. Eine Degra- dierung der Frau ist es, wenn gesagt wird, der Mann zahlt den Beitrag für sie. Wir Frauen verdienen uns den Beitrag selbst und auch die nicht erwerbsfähigen Frauen ersparen ihrem Mann tausendfältig die IS Pf. dadurch, daß sie die Kinder in unserem Geist erziehen.(Sehr gut!) Lassen Sie es also bei dem Kom- missionsvorschlag. Die einzelnen Kreise können ja einen höheren Beitrag nehmen. In Berlin glaube ich. wird der Beitrag von 20 Pf. für die Frauen bestehen bleiben. Was die Lieferung der „Gleicheit" betrifft, so sind die organisierten Frauen so selbst- bewußt, daß sie selbst das aufbringen wollen, was für ihre geistige Ausbildung nottvendig ist. Die Frauen wollen die„Gleichheit" gern bezahlen und die Beiträge so gestalten, daß etwas für die Agitation unter dem weiblichen Proletariat übrig bleibt, damit die Frauen zielbewußte Sozialisten werden und die Jugend im sozialistischen Sinne erziehen können.(Lebhafter Beifall.) Massa-Tegel zieht namens der Niederbarnimer Delegierten den Antrag ö zurück, der durch die Crklärund Eberts erledigt sei, wonach die Ortsvereine sich den Beschlüssen der Kreiswahlvereine unter- zuordnen haben. Zorn-Fürth: An sich wären Wochenbeiträge das idealste; sie sind auch dort angebracht, wo wöchentliche Zahlabende eingerichtet sind, nicht gber dort, wo, wie in Bayern, kassiert werden muß. Ich bin des halb beauftragt, gegen den Antrag auf einen Wochenbeiträg zu stimmen. Wir müssen angesichts der Depression froh sein, wenn wir mit einer Fünfpfennig-Beitragserhöhung bei den Mitgliedern durchkommen. Doch sind wir bereit, dieser Beitragserhöhung zuzustimmen. Die Anträge auf Uebernahme der Delegations- kosten auf die Parteikasse lehnen wir ab; dagegen sollten allerdings die Kreise, die nicht in der Lage sind, einen Delegierten zu senden, vom Parteivorstand unterstützt werden. Wir lehnen auch ab, daß Frauen in den Vorstand gewählt werden müssen. Wo be- fähigte Genossinnen vorhanden sind, werden sie auch in den Vor- stand gewählt; ich sehe nicht ein, warum das ausdrücklich als Zwang ausgesprochen werden muß. Ich bin nicht damit ein- verstanden, daß die Anmeldung der Vorstandswahl in Orts- vereinen beim Parteivorstand zu dem Zweck geschieht, damit der Parteivorstand als solcher mit den Vereinen direkt in Verbindung treten kann. Das würde nur störend wirken. Friedrich- Zwickau: Im großen ganzen kann man dem Entwurf der Kommission zustimmen. Ich habe mich gefreut, daß den zahlreichen Wünschen, die Rechte der Franen im Vorstande zu beschränken, nicht Rechnung getragen ist. Die sächsischen Wahlkreise erheben mit drei Ausnahmen einen wöchentlichen 10 Pf.-Beitrag. Wenn das in Sachsen möglich ist, wo das Elend zu Hause ist, warum sollte das nicht in anderen Gegenden Deutschlands möglich sein. Beanstanden möchte ich, daß man nach wie vor der Reichstagsfraktion die vollen Rechte auf dem Parteitag einräumen will. Bei der Debatte der letzten Tage hat die Reichs- tagSfraktion als solche keine Seide gesponnen.(Widerspruch und Zustimmung.) Warum soll man der Reichstagsfraktion eine Extrawurst braten.(Sehr richtig!) Wir wollen doch die Zahl von 81 Abgeordneten nicht nur einholen, sondern überholen.(Lebhaste Zustimmung.) Wenn dann die ganze Fraktion anwesend ist, sein müßte, so ist das eine Privilegierung der Fraktion. Was den Ausfchlnß betrifft, so sollte man ein Wort finden, das zweifellos den Ausschluß festsetzt.(Volkmar: kleines Sozialistengesetz!) Gottschalk-Königsverg: Die Bestimmungen über die Delegation befriedigen nicht. Auch fernerhin wird die geographische Lage des ParteitagsorteS wesentlich mitbestimmend sein für die Zusammensetzung des Parteitages. Die benachbarten kleineren Orte werden verhältnismäßig in viel größerer Zahl vertreten sein als die entfernteren, nicht leistungs- fähigen Orte. Ich empfehle Ihnen daher den Grundgedanken deS Magdeburger Antrages und des Königsbergcr Antrages. DaS Aus- schlußverfahren bedeutet in der veränderten Gestalt keine Ver- besserung, sondern eine Verschlechterung. Bei dem Verfahren sollten wie bisher auch vom Angeschuldigten bestimmte Männer mitlvirken. Dr. Liebknecht begründet den Antrag 152. Genosse Ebert sprach von der Not- wendigkeit einer engeren organisatorischen Verbindung der Fraktion mit der Partei. DaS ist richtig, gilt aber auch für die Ver- treter der zentralen Preßorgane der Partei. Die Presse ist ein ebenso wichtiger Faktor in unserer Partei wie die Reichstagsfraktion(Sehr richtig I) und darum sollte, was den Mitgliedern der Fraktion recht ist, auch den Vertretern der zentralen Presse billig sein. Nun sollen aber die Fraktionsmitglieder ihr Stimmrecht behalten, während die Vertreter der zentralen Presse keins erhalten sollen. Alles spricht für vollberechtigte Hinzuziehung von Vertretern der er- wähnten Preßorgane mit Stimmrecht. Und eS empfiehlt sich nicht, die Hinzuziehung von dem Parteivorstand abhängig zu machen. Es war bedauerlich, daß im vergangenen Jahre Genosse Kautsky erst in einem anderen Wahlkreis delegiert werden mußte, und daß sich allerlei Erörterungen in Presse und Versammlungen daran knüpften. Gewiß läßt sich die'Zahl der Vertreter der Institutionen, die eventuell hinzu- zuziehen sind, heute nicht abgrenzen. Aber das ist kein Grund, die Degradation dieser ungemein wichtigen Parteiorgane aus dem Statut zu beseitigen. Singer teilt nnt, daß noch ein Antrag 274 eingegangen ist.*) Hcnnig-Halle bedauert, daß der Referent kein Wort über den Antrag 267 gesagt hat, der die U r a b st i m m u n g über die Beschlüsse des Parteitages einführen will. Wir verlangen im Einklang mit dem Charakter unserer Partei als demokratische Massenpartei, daß wichtige Beschlüsse des Parteitages, von denen nicht zweifellos feststeht, daß sie die Zustimmung der Parteigenossen haben, einer Urabstimmung' unterzogen werden. Wir verlangen das Referendum für Staat und Kommune, warum sollen wir es nicht in unserem eigenen Hause einführen? Wir müssen die Garantie haben, Parteitags- befchlüsse den Massen zur Nachprüfung unterbreiten zu können. Denken Sie nur an die Erregung, die entstanden wäre, wenn in Nürnberg ein anderer Beschluß gefaßt worden wäre. Die Ur- abstimmungen sollen die Entscheidung auf die Massen abwälzen, da doch einmal die entscheidende Schlacht nicht von uns Vertretern, sondern von den Massen geschlagen wird. Die Massen müssen der entscheidende Faktor bei den Beschlüssen sein.(Zuruf: Undurch- führbar I) Schinitt-München: Wir wünschen in erster Linie, daß in§ 4 die Bestimmung. daß weibliche Mitglieder den Organisationsvorständen angehören müssen, gestrichen wird. Wir tun das nicht aus Animosität gegen die Frauen, denn wir haben sofort nach Beseitigung des Hindernisses Frauen in den Kreisvorstand gewählt; aber der ganze Satz paßt nicht in das Statut einer Organisation, die für die Gleichberechtigung der Frauen ist. Dem Mindestbeitrag von 30 Pf. stimmen wir zu. Ich betone bei dieser Gelegenheit, daß die gegen die Südbayern erhobenen Vorwürfe in bezug auf die materiellen Leistungen unberechtigt sind. Wir haben die Agitation aus eigenen Mitteln betrieben; es widerstrebt uns, auf der einen Seite zu geben, auf der anderen zu nehmen. Weiter wünschen wir, daß der Reichstagsfraktion das Recht gegeben wird, einen außerordentlichen Parteitag einzuberufen. Die Bestimmungen über das Ausschluß- verfahren passen uns weder in ihrer ersten, noch in ihrer zweiten Fassung. Es ist von Genossen die Rede, die beharrlich Beschlüssen ihrer Parteiorganisation oder des Parteitags zuwiderhandeln. Solche Genossen sind an sich unmöglich, und es macht auf mich einen deprimierenden Eindruck, daß wir solche Bestimmungen treffen sollen. Gerade in erregten Zeiten kann es vorkommen, daß tüchtigen Genossen, die den guten Willen haben und in bester Absicht einem Beschluß zuwiderhandeln, daraus Fußangeln gelegt werden. Auch die sonstigen Bestimmungen über die Schiedsgerichte sind so, daß wir schließlich vor lauter Schiedsgerichten zu keiner praktischen Arbeit mehr kommen.(Sehr wahr!) Simon-Nürnberg: Ich warne vor der Einführung von Staffelbciträgen. Der Hinweis auf die Gewerkschaften ist hinfällig, denn die GeWerk- schaften zahlen für höhere Beiträge auch höhere Unterstützungen. (Sehr richtig!) Auch der Anregung von Peus, daß die Bezirks- leiterkonfercnzen bindende Beschlüsse fassen können sollen, darf keine Folge gegeben werden, bindende Beschlüsse kann nur der Parteitag fassen. Ein Wochenbeitrag von KD Pf. würde zur Folge haben, daß die Bezahlung der Einkassierer uns viel kostet, da wäre es praktischer, alle vierzehn Tage 20 Pf. zu erheben. Diese An- regung können wir auf dem nächsten Parteitag weiter befolgen. Die Debatte wird vertagt. Peus(persönlich) erklärt, daß Genossin Baader seinen Aus- führungen einen falschen Sinn untergelegt hat, er habe nicht ge- sagt, daß der Mann den Beitrag der Frau mit verdient. Im übrigen habe er mit seiner Aeußerung über die Bezahlung der Delegationskosten aus einer Kasse nicht Berlin, sondern die PrA vinz Brandenburg gemeint. Singer teilt mit, daß ein Antrag eingegangen ist, nach Schluß der Generaldebatte den Entwurf nebst allen Anträgen einer Kom» Mission zu überweisen. ' Schluß 7 Uhr. Berichtigung. In Nummer 214, zweite Beilage des„Vorwärts", vierte Seite, dritte Spalte mutz es in Lobes Rede auf Zeile 43 nicht»verhindern" heißen, sondern: vermeiden. Verantwortlicher Redakteur: Emil Nnger, Berlin. Für den *) 274. Im§ 7, Ziffer 1 soll der vorletzte Satz(von„die Vertretung") lauten: Maßgebend sind die Mitgliederzahlcn. die sich aus der Beitragsleistung an den Parteivorstand ergeben, wobei Zahlungen über 20 Proz. der Mitgliederbeiträge außer Betracht bleiben. P a e p I o w. Haniburg III. und andere.________________ Inseratenteil verantw.: Th, Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärt» Buchdruckcrei u. Verlagsa.istalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hus Induftric und Kandel. Vom Arbeitsmarkt im Bergbau. Der Arbeitsmarkt im preußischen Bergbau bietet im laufende» Jahre ein wenig fteundliches Bild. Der Arbeiterbedarf, der im ersten Quartal den des Vorjahres noch merklich überstieg, ist im zweiten Quartal zurückgegangen, was in keinem der letzten Jahre zu beobachten war. Immer ist vielmehr die Zahl der Beschäftigten vom ersten aufs zweite Quartal gestiegen oder doch zum mindesten gleichgeblieben. Auch die Gestaltung des Lohnniveaus zeigt eine sehr unbefriedigende Tendenz. Der Schichtlohn, der schon im ersten Vierteljahr beträchllich hinter dem des Vergleichsquartals 1303 zurückblieb, hat im zweiten Vierteljahr noch eine weitere Reduktion erlitten. Der Rückgang, den der Schichtlohn 1003 vom ersten auf das zweite Quartal erfuhr, war nicht so stark wie in diesem Jahre, so daß sich die Spannung gegenüber 1908 zuungunsten deS laufenden Jahres noch vergrößert hat. Berechnet man nämlich den Schichtlohn eines Arbeiters im preußischen Bergbau, der dem Lohnsatz gleichzustellen ist, so erhalten wir folgende Be- wegung. Ein preußischer Bergarbeiter verdiente pro Schicht in Mark: r O«,..., n. Quactal 1907.... 4,19 4,28 0,09 1908.... 4.31 4,28— 0,03 1909.... 4,10 4,03— 0,07 Das laufende Jahr bietet demnach ein ungünstiges Bild. Die Bewegung von Quartal zu Quartal ist nicht nur weniger gut als in den Vorjahren, sondern bleibt hinter dem der Vorjahre zurück. Die Gesamtsumme der Löhne erfuhr dementsprechend im laufenden Jahre einen beträchtlichen Rückgang: sie stellte sich im zweiten Quartal nur auf 189,34 Millionen Mark gegen 196,08 Mil- lionen im ersten Quartal. Gleichgeblieben ist die L e i st u n g der Arbeiter: ein Arbeiter verfuhr durchschnittlich in beiden Quartalen 72 Schichten. Der einzige Zweig des Bergbaues, der eine günstige Veränderung der Lohnverhältnisse gegenüber dem ersten Quartal auf- weist, ist der Braunkohlenbergbau; hier hat der Schichtlohn noch eine Steigerung aufzuweisen. Er betrug im 1. Quartal 3,53 M. und 'ing im zweiten auf 3,63 M. hinauf; im zweiten Quartal 1903 etrug er 3,67 M. Dagegen schlössen die im Steinkohlen- bergbau beschäftigten. Arbeiter im laufenden Jahre ungünstig ab. Im gesamten preußischen SIeinkohlenbergbau ging der Schichtlohn von 4,19 M. im ersten Quartal auf 4,13 M. im zweiten zurück, Ivährcnd er in derselben Zeit 1908 von 4,47 M. auf 4,43 M. ge- sunken war. Der Hauptrückgang entfällt ün laufenden Jahre auf den Obervergamtsbezirk Dortmund und den Steinkohlen- bergbaubezirk bei Aachen; in letzterem; sank der Lohnsatz um 0,11 M. In Schlesien war die Entwickelung deS Lohnniveaus weit weniger ungünstig. Ganz besonders scharf war aber der Rück- gang des Schichtverdienstes im Erzbergbau, wenn auch durch stark vermehrte Arbeitsleistung ein Teil deS Verdienst- ausfalle» wieder eingeholt werden konnte. Es wurden im Erz- bergbau durchschnittlich im-ersten Onartal 68, im zweiten aber 71 Schichten verfahren. In der entsprechenden Zeit 1908 war die Schichtzahl von 74 ans 70 zurückgegangen. Besonder» im Sieger« länder Erzbergbau und hier wieder bei den unterirdisch be- schäftigen Arbeitern hat der Lohnsatz einen empfindlichen Rückgang erfahren. Im Steinkohlenbergbau Rheinland- Westfalens sind es ebenfalls die unter Tage beschäftigten eigentlichen Bergarbeiter, deren Lohn empfindlich sank! er stellte sich im ersten Quartal d. I. noch auf 5,42 M., im zweiten Quartal aber nur auf 5,28 M._ Gerichtö- Zeitung» Ein verwegener Zechpreller hatte sich gestern in der Person des Rentenempfängers Max Kertzinger vor der 3. Ferienstrafkammer des Landgerichts I(Verlin) zu verantworten. Eines Tages erschien der Angeklagte in dem Schanklokal von Oldcn- bürg in der Prenzlauer Allee, welches er sckion einige Tage vorher besucht und sich dort als Sohn eines Gutsbesitzers ausgegeben hatte. Um sich mit dem Nimbus eines reichen Mannes zu umgeben, ließ er beim Bezahlen der Zech- einige Hundertmarsicheine sehen, die allerdings, wie sich später herausstellte,»Blüten" waren. Der Angeklagte ließ eine Flasche Rotwein nach der anderen anfahren, bis sich eine ganz niedliche Batterie Flaschen unter seinem Tische an» gesanmieltj hatten. Dazu verzehrte er sechs Trinkeier und zwei RumsteakS mit dem besten Appetit. Schließlich erklärte der Angeklagte in aller Geniüt-ruhe, daß er keinen Pfennig Geld bei sich habe. Der dreiste Zechpreller wurde hierauf festgenommen. Einen weiteren Betrug verüble der Angeklagte bei dem Schankwirt Dombrowsky, dem er unter Vorlegung einer gefälschten Quittung der Ober- staatSanwaltschaft vorspiegelte, daß er wegen eines im Gefängnis erlittenen Unfalls eine Rente von 1400 M. ausgezahlt erhalte. Der Wirt ließ sich auch düpieren und gab dem Schwindler ein Darlehn von 50 M-— Der Staatsanwalt beantragte nur neun Monate Ge« fängnis. DaS Gericht erkannte auf e i n J a h r G e f ä n g n i s. Wegen Mißhandlung ihres KindeS hatte sich gestern vor� der 2. Ferienstrafkammer des Landgerichts II (Berlin) die Briesträgersfrau Ida Lau aus Rixdorf zu verant- Worten. We in den meisten Fällen handelte es sich auch hier um ein vor der Ehe geborenes Kind. Als der Angeklagten in der Ehe ein zweites Kind geboren wurde, begann für den kleinen Fritz eine Leidcnszeit. Hausbewohner hörten des öfteren ein wüstes Schimpfen und das Geräusch von Schlägen, die von einem kläg- lichen Wimmern des KindeS begleitet wurden. Der Knabe wurde nie anders gesehen, als mit blauen Beulen und Striemen, von denen selbst der Kops und das Gesicht bedeckt waren. Zuletzt war das Kind, wie Nachbarn beobachtet haben wollen, schon so ver- ängstigt und eingeschüchtert, daß es nicht den geringsten Schmerzenslaut von sich gab, wenn es von der Mutter mißhandelt wurde. Einmal wurde das Kind des Nachts auf der Treppe sitzend aufgefunden, da es die Angeklagte ausgesperrt hatte. Nach der Angabe des Kindes selbst, habe die Mutter es auch häufig mit dem Kopf in einen Eimer kalten Wassers gesteckt. Als die Miß- Handlungen immer schlimmer wurden, erstatteten Haubewohner Strafanzeige. DaS Schöffengericht Rixdorf verurteilte die An- geklagte mit Rücksicht auf die Schwere der Mißhandlungen zu sechs Monaten Gefängnis. In der Berufungsinstanz machte der Rechtsanwalt der Angeklagten geltend, daß man gerade bei Kindesmißhandlungen mit Uebertreibungen klatschsüchtiger Nach- barn zu rechnen habe, die sehr leicht geneigt sind, einer bisher unbescholtenen Frau etwas anzuhängen, was sich in Wirklichkeit nur in ihrer Phantasie abgespielt hat. Das Gericht nahm eben- falls cm, daß in dem vorliegenden Fall gewisse Uebertreibungen eine Rolle spielen. Als festgestellt wurde aber doch angeschen, daß die Angeklagte ihr Züchtigungsrecht weit überschritten hatte. Das Urteil lautete deshalb nur auf drei Monate Gefängnis. lt. 216. 26. IahtMg. 2, KeilU i>ts.AwSiIs" Dttlim Donnerstag, 16. Zepteinber 1969. für Sen kchu?eüiichen Seneralitreik. Bei der Berliner Gewerlschastskommission gingen ferner für die ausgesperrten und ini Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: Rechtsanwalt Dn Heinemann 100,—. Bez. 581, 8151. 5, 6. Wahlkreis 10,—. Zechlin Baullempner, 3. Rate 9,04. 370. Bez., Teil II, d. Lehmann 8,—. Lotterieklub.Kleeblatt' 3,—. Hntmacher Wegner 2,—. Grahme u. Co. 2,50. Tcllersamnilung, 81. E.-G., Elektromotor 5,25. Deutscher Metallarbeiterverband, OrtSverwaltung, aus folgende Listen: 81. E.-G., Brunnen- u. Voltaftratze 5504 17,60. 5509 11,50. 5510 4,55. 5526 17,65. 5527 42,30.. 5528 9,—. 5529 25,10. 5530 31,25. 5532 24,85. 5541 21,60. 5543 33,50. 5548 30,05. 5552 17,80. 5555 32,15. 5556 2,60. 5558 49,20. 5559 24,40. 5564 28,05. 5565 35,30. 5569 10,50. 8325 16,95. 8327 21,30. 8328 46,60. 8330 13,90. Auer. 3. Rate 3106 5,60, 8405 4,50. 8407 10,05. 8409 5,80. 8410 12,90. 8413 21,85. 8414 28,75. Siemenswerke, 2. Rate 5978 28,60. 5979 19,25. 5981 19,25. 5983 22,70. 5986 19,—. 5987 12,35. F. Werner 8637 25,05. 8638 15,65. 8639 12,25. 8640 31,15. 8641 15,50. Daimlerwerke 8643 8,80. 8644 10,50. 8645 20,30. 8646 24,10. 8647 22,80. 8648 36,25. 8649 13,25. 8650 21,50. 8651 14,90. 8652 13,10. Siemens Dynamo-Werke 8298 8,—, 8299 32,—, 8300 31,20. 3171 Hartinann, Eijeng., Maschincnsabr. 35,95. 3219 MeweS, Kotck u. Co. 8,95. 3496 R. Schulz 6,95. 3498 durch Gastwirt Schmidt, Riydors 5,20. 3508 Bergas, 3. Rate 9,60. 3516 Knciscl 4,90, M. Hofiinann 9,65, Conrad 16,—, zus. 30,55. 3518 Pardemann 8,65. 3520 Hauschild 15,05. 3521 Haase u. Schön, 2. Rate 5,30. 3631 Schwarzlose, Wafjensabrik 51,35. 3661 Scherbe! 23,20. 3892 Friedrich 19,70. 5810 Schröter u. Co. 11,—. 5921 Aron. Abt. Stieber 22,95. 5927 Dietrich. 2. Rate 16,80. 5960 F. A.Conrad. 2. Rate 12,75. 5962 Rauschenberger 9,80. 5964 Pardemann, 3. Rate 13,30. 8207 Köppe u. Schulz. 4. Rate 20,—. 8268 Eoer Ready 4,70. 8286 Chkiop, Gießerei 16,—, 8292 Bahnhallc Nonncndamm 46,25. 8295 Siemens- Schuckcrt, Großmaschinenbau, Abt. Schmidt II., 2. Rate 25,25. Siemens Eisen- gießerei 8296 13,—, 8297 14,80. 8304 Emmerich u. Schöning, 4. Rate 19,40. Grauert, Maschinenbau, 2. Rate 8321 9,05, Eisengießerei, 2, Rate 8323 36,50. 8416 Petroleum-Gesellschaft, Klempner 11,—. 8433 Sommerfeld 8,05. 8459 R. Nietzfch 8,50. 8471 Stempelsabrik H. Bcrnert, Charlottenburg, 4. Rate 57,05. 8473 Münchmeyer u. Co. 17,60. 8563 Spitz u. Co. 27,50. 8619 Knörs Maschinensab. 25,50. 8735 Grüder. Blank u. Co. 13,—. 8678 Betricbsvers. A. E.©., Gernianiasäle 88,90. 10160 ElgeS, 4. Rate 5,55. 10164 Lüdke u. Zander, 2. Rate 8,50. 10197 Skatklub A. E. G. d. Schars 3,50. 10193 durch Weinberg 37,50. 10202 Reinh. Schiller 7,50. Gebrüder Krüger, Köpenik 3591 Schleifer 5,—. 3594 Klempner 9,25. 3647 Schlosserei Reduktorbau 15,05. 8375 Drehersaal 19,—. 8376 Gießerei 9,55. 8379 Schraubendreher 3,80. 8382 Dreherei u. Reduktorbau 18,40. Lege! 8615 Gürtler u. Dreher 15,30. 8616 Schleifer 4,55. 8617 Former 3,10. 8435 Klüger u. Cie, Köpenicker Straße 9,—. 8475 Gebr. Friedländer 15,60. 8543 Wortington Blake, Hoheu-Schönhausen 20,30. 3636 Emmerich u. Schöning, 5. Rate 16,45. Bezirk 4 Lichtenberg 7,50. Deutsche Wasseu- und MunitionSsabrik, 2. und 3. Rate 5942 Abt. Möller u. Krähe 46,50. 5948 Abt. Walter 30,30. 5953 Abt. Wagner 39,60. 5954 Abt. Ziesemer 27,60. 5957 Abt. Masch.-Gewehr 41,40. 5958 Abt. Hintze 11,20. 5959 Abt. Heinemann 36,—. D. W.-F., Wittenau, 3. Rute 5813 d. Koll. Bendt 32,35. 5818 Abt. Witte 6,10. 8601 Wähl 39.45. 8602 Lange 55,—. Diener 8603 15,40. 8604 24.50. 8605 10,50. Keller 8606 18,60. 6607 6,10. 8608 40,30. 8610 Woischm 7,35. 6611 Schräder 38,20. 8612 Großmann 12,70. Abramczek 8613 29,50. 8614 33,95. Typo- graph, 5. Rate 8463 36,20. 8464 50,25. 8465 27,55. 8466 15,50. 8467 65,35. F. Gaebert. 5. Rate 8486 7,80. 8437 16,80. 8483 15.75. 8189 15,15, Deutsche Tclcphonwerke 3262 12,80. 3293 11,50. 3218 Karsunkelstein Wirt und Gäste von Zimmerling 15,65. 8285 Kremener, 2. Rate 37,60. 8415 Siemens u. Halske, Treptow Werkstatt, 2. Rate 14,10. 8426 Deutsche Maschincnvertriebsgesellschaft, 2. Rate 24,60. 8429 Staguitz. Mct.-Gicßerci 3,50. 8469 Schäfer u. Hauschncr, 5. Rate 12,90. 8491 Sauer u. KlaaS 10,90. 8193 Sckncr, 5. State 9,—. 8495 Enzinger, 5. Rate 13,05. 8498 Bach u. Mahlow. 3. Rate 8,10. 8526 Eckel u. Glienicke. 5. Rate 20,85. 8536 Cchlcin u. Stephany, 5. Rate 6,—. 8540 Speck, 5. Rate 18,50. 8542 Borna Ges., 2. Rate 8,—. 8693 Pahnle, 5. Rate 7,35. 8595 Schnchardt u. Schütte 12,05. 8598 E. Lenz. 3. Rate 31,50. 8600 E. A. Lentz, 2. Rate 14,50. 8654 Borgerdt Nachs. 16.-. 8655 Hasse u. Wredc 34,65. 8661 Schult u. Holdesleiß 41.—. 10158 Gebr. Petersseld, 3. Rate 30.-. 10,65 Schwager 7,—. 10168 Königküken u. Co., 2. Rate 46,50. 10 225 Möhrllig, 4. Rate 4,—(in Summa 3607,94).— 9455 Lederarbeiter bei H. Bunke 16,—. 9976 Kollegen bei Förster u. Runge 13.95. Putzer-Sektion 7266 15,85, 7275 2,25, 7276 7,25. 9433 Expedition b. Siltenseid 3,30. 8787 u. 8788 Heims, ölte Heinersdors 6,—. Geburtstagsfeier H. Späth 6,—. 9398 Kollegen d. Firma Kristan 5,25. Gesellschaft bei Stechow, Kolbcrger Straße, und b. Hostmann d. Warnst 2,30. Drei Buch- drucker 3,—, Bischof 3,—, Ramonath 0,50, in Sa. 6,50. 9535 Telegraphenbau Schuchardt 45,35. Blocksägenschneider bei Treitel 14,20. 9700 Kollegen bei Hirschhorn, 3. Rate 22,65. 9436 Kollegen bei Jakob. Mechaniksabrik, 2. State 37,35. Sechlerkasse d. 24.'Abt.. 4. Kreis 25.—. 348. Bezirk, 2. Teil. 4. Kreis 8,15. Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands, Filiale Berlin I, auf folgende Listen: 276 d. Stoltenberg 5,25. 278 durch Perleberg 5,20. 304 d. Schulz 6,40, Horwitz u. Co., 10,70, 17,10. 6001 Schneider von Skala 25,—. 6004 Schneider und Schneiderinnen von Kraft u. Lewin 8,30. 6029 durch Kroll 8,—. 6048 Schneider von Wendt u. Redlich 21,50. 6052 Schneider von Romann, 4. Rate 25,30. Schneider von Wolf und Schulz, 2. Rate 10,—. Schneider von Ebenstem 22,50. Schneider von Lachs 10,—. Schneider von Piasta 3,50. Schneider von Sunk 6,05. Schneider von Folksdors 10,—..Hoffnung', Berliner Schneidercigenosscnschaft, 4. Rate 20,—. Angestellte der freien Hilfskasse 13,—. 4835 durch Krienke 4,15. 4836 Bureauliste 21,05. 6041 Schneider von Pabst u. Kunze 15.—. 6043. 6044, 6046 und 6047 Schneider von H. Hoffmann 126,90. 6054 Schneider von Mohr u. Speyer, 2. Rate 8,45. 6055 Tagschneidcr von Peel u. Cloppenburg 27,25, 6056 Schneider von Schwarz 18,30. Schneider von Israel 10,—. Betriebswerlstätte von Peel u. Cloppenburg, Kottbuscr Damm 59,00.(In Summa 500,80 M.) Per- band der Bauarbeiter, Bezirk Friedrichsberg 10.-. Arbeiter der Kisten- fabrik Eckert 4,50. 10782 Goldleislensabrik C. Barthel» 8.80. Schnstgteßerei Gursch, 2. Rate 66,60. 9768 Tischlerei Olm, Dresdener Straße, und Bau Herzog, 3. Rate 13,05. 9758 Metallarbeiter bei Proihmann u. Wobeser 8.20. 9751 Arbeiter bei Thiele u. Co.. 4. Rate 23,85. 8827 Druckerei von Klockow, 3. Rate 10.—. 883? Naucksche Druckerei. 4. Rate 13.15. Bez. 327, II. T.. 4. KreiS 8.—. Kollegen der Modellsabrik von Wegner. 2. Rate 4.50. Skatklub.Kreuz nenne' 5.—. 2420 Tischler« von Barth 17,30. 9756 Buchdruckerei von Bemstein. 5. Rate 12.95. 6523 Verband der Bauhilfsarbeiter, Verwaltung Berl. 8,55. 8884 Personal der Firma Horwitz. 3. Rate 5,—. Plüschweber b. Elster, 6. Rate 14,—. 8908 Buchdruckerci Gebr. Unger. 5. Rate 24,30. Metallarbeiter bei S. Weinbaum 10,80. Arbeiter der Stocksabrik H. Goldbach. 2. Rate 10,—. Tischlerei Sauerwein, 3. Rate 13,60. 5914 Amerikanische Metallbettstellen- fabnk 4,35..Berliner Tageblatt'. Abt. Falzerei. 5. Rate 50,—. Buch- binderet Lüderitz u. Bauer. 3. Rate 57,40. 7664 Setzer u. Drucker bei Seydel u. Cie. 26.60. 11145 Tischlerei L. Lüdtke, 5. Rate 12,10. Tisch- fabrik Einicke 10,—. 10657 Frei organisierte Kollegen bei Lob u. Co. 35.—. 9367 Metallwarenfabrik Robert Schulz, 4. Rate 5.—. 9550 UniversitatS- duchdruckeret, 5. Rate 7,05. 8856 Buchdruckerei Len, u. Co. 15,50. 10659 Maschinenfabrik Timm 8,75. 8850 Druckerei W. Koebke, 5. Rate 17.40. 9544 Kollegen bei Ehestädt u. Robert 15,50. ..... der.Deutschen Tageszeitung' 30,60. Sechser- Wahlverein Boxhagen-RummelSburg 10,—. und Arbeiterinnen der Auergesellschaft, Abt. B der Firma Stein 8,70. 10 670 Kollegen bei Freud u. Co., 2. Rate 14,50. 9410 Kollegen bei Bischof, Neue Königstraße 15,75. 6178 Bau Potsdamer Platz 3 9,75. 10 674 Kollegen bei Knabe u Söhne 11,50. 9449 und 9450 Berliner Buchbinderei Wübben u. Co., 2. Rate 51,85. Möbelfabrik Phönix. 5. Rate 12,50. 1. Bezirk der Einsetzer 12,65. Tischlerei Sievert u. Osthorst 5,—. Verband der Schuh- macher, Filiale Berlin, 5. Rate 500,—. Tischlerei Groß 5,—. Unterkommission Charlottenburg aus folgende Listen: 68 4,55. 69 5,35. 70 4,45. 72 3.—. 73 Becherke 6,—. 78 Reinsch 15,55. Hb Bernhard 17,20. 7158 Bautischlerei Hischer u. Conradsen, 2. Rate 11,75. 7160 13,95. 7917 9.05. 7918 Bau Seydel, Hohenzollerndamm, d. Bunge 20,40. 7921 Bautischlerei Seiler u. Co. 13,30. 7922 Micklcr 5,85. Verband der Schneider, Zahlstelle Charloltenburg d. Huxol, 2. Rate 220,—. Sozial- demokratischer Wahlverein(erw. Vorstandzsitzung vom 7. 9.) d. Reinsch) 7,50 (m Summa 357,90 M.). 8885 Buchdruckerci Otto v. Holten, 5. Rate 22,75. 8151 Buchbinderet Sperling, 3. Rate 46,45. 8191 Tischlerei Harri? u. Sheldon, 3. Rate 29,—. 8156 Karlonfabrik Union, 2. Rate 3,50. 9014 Tischlerei Brande» u. Co. 6,30. 9013 Tischlerei Schönwetter 11,70. 9845 ArgoZ-Motorengesellsch. 21,55. Tischlerei O. Fischer Nachf. 5,35. 10684 und 10685 Kollegen bei Belter u. Schneevogcl, 2. Rate 26,—. 10 683 Gießerei Butzkc. 3. Rate 17,15. Kollegen bei O. Röhr 3.50. Unter- kommission Schöneberg auf folgende Listen: 116? Tischlerei Kaulke u. Walther 14,10. 1169 Arbeiter-Radfahrerverein, M. d. A.-B. Solidarität. 2. Abteilung 16,05. 1172 3. D. Bezirk Schöneberg 4,55. 1175 durch Rosenkranz 8,20. 1184 4a Bezirk Schönebcrg 6,45. 1135 4b Bezirk Schoneberg 2,35. 4431 vautischleret Thon, 3. Rate 10,30. 4442 Fliesenleger und Hilfsarbeiter v. 7649 BerbandSmitglieder kasse des 9. Bezirks, O.ganisierte Glasarbeiter 26,40. VerbandSkollegen Bau der Talgschmelze in Lichtenberg, 4. Rate 33,30. 4449, 4450 und 4451 Tischlerei Max Wegner, Schöncberg, 3. Rate 38,—. 7451 Töpfer der Firma Cngelmann, Charlottenburg, Horstweg 18,—. 4453, 4454 und 4455 Tischlerei Max Wegner, Schöneberg, 4. Rate 32,50.(In Summa 183,80.) 9423 Tischlerei Hehde u. Krah 30,10. 6142 9,—. X.§. Z. 500,—. In Summa: 6896,04 M. Bisher sind eingeliefert 152 533,25 M.: dazu kommen 6896,04 M., Summa 159 429,29 M. Gelder, welche per Post eingeliefert werden, find an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau, Engelufer 15 I, Zimmer 23, vor mittags zwischen 9— IL'/z Uhr und nachmittags zwischen 4— T'/a Uhr abzuliefern. Die Listen 3395, 3687, 7248, 1880. 2014, 0542, 1402 und 7180 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Der Ausschuß der Bcrliuer Gewerkschaftskommissiou. vom viekßrjeg. Zur Frage der Bierpreiserhöhung nahm die Berliner Gewerkschaftskommission am Dienstag Stellung in einer Versammlung der Delegierten, Vorstände und Unterkommissionen. Der Referent Link forderte, daß sich die Arbeiter in dieser Frage lediglich auf den Standpunkt des Kon- sumenten zu stellen haben. Wie sich die Gastwirte mit den Brauereien über den Bierpreis verständigen, das könne den Kon- sumenten gleichgültig sein. Als Konsumenten mühten wir uns gegen jede Erhöhung des Bierpreises sowie gegen jede Verkleine- rung der Gläser bei gleichbleibenden Preisen entschieden wehren. Auf die freien Gastwirte besondere Rücksicht zu nehmen, hätten wir keine Veranlassung. Würden doch die Arbeiter von den freien Gastwirten ebenso geneppt, wie von den anderen Wirten. Fast alle Diskussionsredner stimmten dem Referenten darin bedingungslos zu, dah die Arbeiterschaft jede Erhöhung des Bier- Preises abzulehnen habe. Einige forderten, dah als Abwehrmittel gegen die Bierverteuerung sofort der Boykott erklärt werden solle. — Ein Gewerkschaftsvertreter, der eine Gastwirtschaft betreibt, bemerkte, die Verhandlungen zwischen Brauereien und den Wirten seien noch nicht abgeschlosien. Die Brauereien berechnen den Wirten zwar den erhöhten Preis, jedoch hätten mehrere Brauereien den Wirten mitgeteilt, dah sie ihnen den Prcisaufschlag zurück- zahlen, bis die Streitfrage über die Preiserhöhung endgültig geregelt sei. Auf eine Anfrage erklärte Körsten: Die Verwaltung des Gewcrkschaftshauscs denke natürlich nicht an eine Erhöhung der Bierpreise. Hier werde alles beim alten bleiben. Da in nächster Zeit nochmals eine Verhandlung der freien Gastwirte mit der Vertretung der Partei und der Gewerkschaften stattfindet, so sah die Versammlung von der Fastung eines Bc- schlusses ab, präzisierte ihren Standpunkt aber dahin, dah, wenn die Verhandlungen nicht den Erfolg haben sollten, der im Interesse der Konsumenten erwartet wird, unverzüglich der Boykott in die Wege geleitet werden soll. Hus der Partei« Erklärung. Ich hatte die Absicht, während des Parteitages die Streitaxt ruhen zu lassen und darum mich entschlossen, auf Kautskys neueste Erklärung und den darin zitierten Brief Lafargues vorläufig nicht zu antworten. Da aber die Einsendung Geithners mich nötigt, das Wort zu nehmen, sei mit der Antwort auf sie auch die Ant- wort auf die Angriffe Kautskys und Lafargues verbunden. 1. In Sachen der Arbeiterbildungsschule mögen zunächst andere reden. Unterm 28. Dezember 1905 erhielt ich von einem Mitglied der Schule einen Brief» dessen erster Teil fol- gendermahen lautet: „Sehr geehrter Genosse Bernsteins Vor etwa einem Vierteljahr hatte ich die Ehre, Sie in Sachen der hiesigen Arbciterbildungsschule persönlich zu sprechen. Unsere Unterredung hatte den Erfolg, dah Sie für die Schule für einen Kursus über Theorie und Geschichte der Gewerkschaften gewonnen wurden. Und zwar sollten Sie im Januar 1900 mit Ihren Vorlesungen beginnen; das war zwischen Ihnen und dem Vorstande fest vereinbart worden. Zu meiner grohcn Verwunderung erfahre ich jedoch auS einer Publikation der Schulvcrwaltung, dah an Ihrer Stelle der Genosse Simon Katzcnstein den erwähnten Kursus über- nommen hat. Ich habe nun Grund, anzunehmen, dah Sie Ihrer Person und Ihrer wissenschaftlichen Ueberzeugung wegen von dem be» reitS übernommenen Amte wieder suspendiert worden sind. Da- mit ich mich aber ja keinen Täuschungen hingebe, so bitte ich Sie, sehr verehrter Genosse, mir privat mitzuteilen, ob Sie nicht etwa von selbst das Lehramt niedergelegt haben." DaS war damals. Jetzt schreibt mir unterm 9. September dieses Jahres unaufgefordert ein anderes Mitglied der Schule: „Nun weih ich aber, dah in einer Generalversammlung der Arbciterbildungsschule in irgendeiner Art erklärt wurde, dah Sie im nächsten Quartal über„Gewerkschaftsbewegung" lesen sollten. Ich wollte daran teilnehmen und war erstaunt, wie dann im Lehrplan Genosse Katzenstein als Lehrer hierüber ge- nannt war und glaubte zuerst, dah Sie zurückgetreten seien." Soweit diese Briefe. Sie sagen, denke ich, genug. Den Vor- trag, auf den Geithner sich beruft, habe ich mehr als zwei Jahre vor den erwähnten Vorgängen gehalten, das heißt vor der Zeit, wo die Einflüsse in der Schule zur Geltung kamen, die jene Umstohung durchsetzten. Seit ihrem damaligen Erfolge ist keine Einladung der Schule mehr an mich ergangen. Ob der Vor- sitzende der Arbeiterbildungsschule, als er damals in meiner Woh- nung mit mir über den Vortragskursus verhandelte, dies auf Grund eines definitiven Beschlusses oder nur erst vorbereitend tat, kann ich nicht wissen und tut auch nichts zur Sache. Es genügt die Tatsache, d a h er mit mir verhandelt hat, dah wir über alle in Betracht kommenden Punkte einig geworden waren, und dah dann erst die Gegenagitation einsetzte. Außer den Verfassern der zitierten Briefe wird auch der Genosse Langhammer, der damals dem Vorstand der Schule angehörte, bestätigen, dah es nicht bloh einige, auf eigene Faust vorgehende Schüler waren, die meine Person für den Kursus in Aussicht genommen hatten. Und Genosse S. Katzenstein, der so loyal war, selbst zu mir zu kommen, um mir von dem beabsichtigten Personenwechsel Mit- teilung zu machen, wird mir bezeugen, dah, so sehr mich die Sache empörte, ich ihm sagte, ich wünsche keinen Skandal und hätte außerdem von seiner Sachkunde und Unpar- teilichkeit die beste Meinung, er möge den Kursus nur ruhig über- nehmen. 2. Zum Fall Lafargue wird mir der Vorstand des Deutschen sozialdemokratischen Leseklubs in Paris bezeugen: Dah nicht einzelne„Freunde von mir", sondern der Vorstand offiziell an mich mit dem Gesuch heran- getreten ist. bei Gelegenheit meiner Vorlesung in der Pariser „Ecole des hautes Etudcs Sociales" auch einen politischen Vor- trag in Paris zu halten; dah ich den Vortrag zusagte, ohne ixgegdwxlchtz Bedingung in bezug auf die Form twx Versammlung zu stellen oder auch nur eine Einwirkung in dieser Richtung zu versuchen; dah alle Schritte, die in Paris in Sachen der Versammlung getan wurden, ohne meinen Rat und ohne mein Wissen getan wurden; dah ich auf die Anfrage nach der genauen Zeit meiner Ankunft in Paris die Antwort gab, ich könne bei meiner beschränkten Zeit erst im letzten Moment die Abreise bestiinmen, man solle sich meinetwegen keine Umstände machen, und dann auch ohne„Empfang" in Paris eingerückt bin; dah an den Vor st and der deutschen Sozialdemo- kratie in dieser Sache offiziell geschrieben worden ist und er eine, die Veranstalter der Versammlung durchaus befriedi- gende Antwort gab; daß das Borstandsmitglied der französischen Partei, der Abgeordnete Gustav Rouanet, die Versammlung dann leitete, hervorragende Mitglieder der Partei auf der Tribüne an ihr teilnahmen, und ihr Besuch und Verlauf in jeder Weise die Erwartungen übertrafen— kurz, dah Lafargue's Darstellung ebenso unrichtig ist, wie sie darauf berechnet ist, mir unanständige Motive und unwürdiges Verhalten anzudichten. 3. Kautsky's Anwürfen gegenüber begnüge ich mich festzustellen, dah die Bezeichnung seines Briefes an Lafargue als „Uriasbrief" nicht von mir herrührt. Hätte ich dieses nun ver- schwundene Schriftstück zu charakterisieren gehabt, so würde ich, statt beim alten Testament, eher beim Jugendwerk unseres großen deutschen Dichters eine Anleihe gemacht und mit Schweizer gesagt haben:„Ein zuckersüßes Brüderchen. In der Tatl" Schöneberg, den 14. September. Ed. Bernstein. Fortschritt der Vildunosarl-Ät. In Bremen wurde dieser Tage die neu geschaffene Arbeiter- Zentralbibliothek eröffnet. Mit ihr verbunden ist eine Lesehalle und eine Jugendbibliothek. In der Lesehalle stehen eine Anzahl Zeitschriften und Nachschlagebücher. Atlanten, ein Globus und Karten den Besuchern zur Verfügung. Vorläufig werden die Bücher allerdings nur wochentags von 0 bis 9'/» Uhr abends und Sonntags von 19 bis 12 Uhr vormittags ausgeliehen; zu den gleichen Zeiten ist die Lesehalle der Bibliothek geöffnet. Die Jugendbibliothek ist Mittwochs nachmittags von 3 bis i1/� Uhr geöffnet. Zur unentgeltlichen Benutzung der Arbeiter-Zentrnl- bibliothek sind alle Mitglieder des sozialdemokratischen Vereins und der freien Gewerkschaften sowie die Angehörigen der Mitglieder dieser Organisationen und außerdem die Mitglieder der Jugend- organisation berechtigt. Die Jugendbibliothek ist geschaffen, um den Kindern des modern organisierten Proletariats gute Jugendliteratur unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Die Hauptbibliothek, Lese- halle und Jugendbibliothek befinden sich in der 4. Eiage des Gewerkschaftshauscs. Verzeichnisse der vorhandenen Bücher sind bei den Ordnern der Lesehalle für 10 Pf. zu haben. In Hastedt besteht eine Zweigstelle der Zentralbibliothek mit über 000 Bänden. Das Zensurstückcheu des„VolksblattcS für Anhalt", das wir neuljch zur Erbauung unserer Leser mitteilten, so lesen wir im „Hamburger Echo", kommt nicht auf Rechnung des Chefredakteurs Pens, wie uns dieser mitteilt. Ein anderer Redakteur des Blattes hat den Streich— nein, die Streichung gemacht, was Peus selbst als„kleinlich" bezeichnet. Wir nehmen davon mit gebührendem Ernst Notiz, da wir nicht möchten, dah ein Fehler in die Weltgeschichte gelangt. IpolfceUickies» ßericbtlicbes ufw. Das Opladcner ZeugniSzwangSvcrfahren mifgehoben. Das Zeugniszwangsverfahren, das vom Schöffengericht Opladen(KreiS Solingen) am 30. Juli d. I. in zwei Privatklagesachen gegen den verantwortlichen Redakteur der .Bergischen Arbeiterstimme' in Solingen. Genossen Hans Deisel (der„Vorwärts" berichtete über die Affäre in seinen Rummern 178 und 180) in Anwendung gebracht wurde, ist nunmehr auf d i e eingelegte Beschwerde durch Entscheid der ersten Ferien- strafkammer zu Düsseldorf zum Abschluß gebracht worden. Deisel sollte bekanntlich in zwei Privatklagesachen als Zeuge vernommen werden. Der Vorsitzende Richter und der Anwalt der beklagten Partei wollten von unserem Genoffen wissen, wer ihm Material zu verschiedenen Artikeln, die sich gegen einen katholischen Geistlichen richteten und in der.Bergischen Arbeiterstimme" vor zirka fünf Monaten erschienen waren, geliefert habe. Deisel verweigerte mit dem Hinweis darauf, dah die fraglichen Artikel ja mit der zu verhandelnden Sache nicht das geringste zu tun hätten und nicht einmal mittelbar damit in Zusammenhang gebracht werden könnten, die Aussage. Ans Antrag des Anwalts der beklagten Partei nahm das Gericht den Genoffen Deisel in beiden Fällen in eine Geldstrafe von je 25 Mark. Deisel erhob Beschwerde. Die Düsseldorfer Fericnstrafkammer I stimmte ihr in allen Punkten bei und hob beide Strafe» wieder auf. In dem Entscheid wird u. a. ausgeführt:.... Der 8 59 Strafprozeßordnung ist verletzt. Beschwerdeführer hat das Zeugnis mit Recht geweigert, da die Aussage ihm die Gefahr strafrechtlicher Verfolgung zugezogen haben würde...." Die beiden Herren Juristen am Opladener Schöffengericht werden es künftig wohl nicht mehr so eilig mit der Einleitung von Zeugnis- zwangsverfahren haben. «US der frauenbewsgung. Frauenarbeit und LohnverhSltnisse in der englischen Industrie. Die englische Regierung hat eine Enquete über die Beschäftigungs- und Lohnverhältnisse in der englischen Bekleidungsindustrie vcr- anstaltet, die sich� auch eingehend mit der Frauenarbeit in dieser Industrie beschäftigt. ES geht aus diesem Berichte hervor, daß ein großer Teil der beschäftigten Frauen unter 10 Mark und etwa zwei Drittel aller Frauen nicht mehr als 15 Mark die Woche erhalten. Am ungünstigsten sind die Lohn- Verhältnisse in der Schuh- und in der Wäfcherei-Jndustrie, wo von 100 Arbeiterinnen 72 unter 15 M. erhalten. Die KonfektionS- industrie zahlt an 28 Arbeiterinnen unter 10 M. An 30,2 von 10—15 M.. an 21,2 15—20 M. und nur an 14.7 über 20 M. Die durchschnittlichen Lohnerträge bei voller Arbeitszeit sind in den folgenden Industrien: Konfektion(Arbeitsstuben) 13,80 M., Konfektion(Fabnk) 15,50 M., Hemdennäherinnen 13,32 M., Maß- schneiderei 14,10 M., Fabrikationsschneiderei 12,92 M., Schuh- fabrikasion 13,80 M., Mahschuhfabrikation 12,50 M., Hut- fabrikation 10,32 M., Handschuhfabrikation 12,80 M., Korsett- fabrikation 12,10 M, Pelzkonfeklion 10,32 M., Strohhutfabrikation 19,90 M., andere BekleidungSstückfabrikation 12,92 M., Färberei 13,80 M„ Wäschereifabrik 12,80 M. und Wäscherei(Kleinbetrieb) 12,79 M. Die Arbeitszeit für jugendliche Arbeiterinnen imtcr 13 Jahren ist auf 00 Stunden die Woche festgesetzt. Es müssen außerdem sechs freie Tage während des Jahres gegeben werden. Leseabende. Schöneberg. Montag, den 20. September: Gemeinsamer Frauen» zahlabcnd des sozialdemokratischen Wahlvereins bei Grosser, Mcininger Str. 8. Dr. Alfred. Bernstein spricht über:„Er- ziehungSfragen". Der regelmäßige Franenzahlobend in den einzelnen Bezirken am Montag, den 27. d. M., findet nicht statt. Der Vorstand. Steglitz. Der Leseabend der Frauen findet am Freitag, den 17. Scp- tember, abends 8>/a Uhr, bei Rohmann, Schlohstr. 117, statt. Thema:»Die Erziehung im Hause." Der Vorstand. Lese- und DiSkutierklub„Wilhelm Liebknecht«. Heute Donners« tag, abends 9 Uhr, bei K, Eichhorn, Danziger Strohe 83- Sitzung, Sozialdemokratischer Lese- und Diökiitierklub„Johann Jacoby«. Heute abend 8'/, Uhr bei Bugge, Kastanien«Allee SSM: Sitzung, Gäste willkommen. Der Arbeiter-Abftinenten-Bnnd(Ortsgruppe Berlin) hält am Frei« tagabcnd 8'la Uhr im Gewerlschastshause eine Versammlung ab. Amtlicher Marktdericht der städtischen Marlthallen-DIrektion über den Großhandel in den Zcntral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusnhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert, Wild: Zufuhr knapp, Geichäst etwas lebhast, Preise wenig verändert, G e s l ü g c l: Zufuhr genügend, Geschäft flau, Preise besriedigend. Fische: Zufuhr ziemlich ae- nügend, Geschäft rege, Preise zum Teil hoch. Krebse zu niedrigsten Preisen kaum absetzbar. Butter und Käse: Geschäft still, Preise unverändert, Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, in Pflamnm über Bedars, Geschäft sehr still, Preise wenig verändert. Wetterprognose für Donnerstag, den t/. Uhr. Palast. Grotzstadlzaubcr. Speziali- täten. NoackS Theater. Unser Leopold. Paiiage. Spezialitäten. Bolksgarten. Spezialitäten. Walhalla. Spezialitäten. Reichsliallen. Stettiner Sänger. Karl Haverland- Theater. Epe- zialitäten. Casino. Onlel Cohn. Prater. Der Verschwender. Urania. Ta»b«»>traste 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Korsu. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67/82. liesaing-Thentcr. Donnerst., 8 Uhr: Die Gefährtin. Hieraus: HanneleS Himmelfahrt. Freitag. 3 Uhr: Der König. Sonnab., 8 Uhr: Ztvischeuspiel, Berliner Theater. Heute 3 Uhr: Elnvi» von nnaere Iieut'. Morgen: Einer von unsere Lcut'. lleues Idester. Ansang 8 Uhr. Das II« Des farle. Morgen und folgende Tage: V»» Tlrdll«!«1«» Dnrttttr«. 7!iesler lles Westens. Allabendl. 8 Uhr: Der fidele Baner. Sonntag nachm. 3'/«Uhr. halbe Preise: Die lustige Wittve�_ Neues Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 23, a. d. Luisenstr. Ansang 8 Uhr. Vle Dollarprlnsessln. Operette in 3 Alfen von Leo Fall. L.usftspivH,sus. Ab-ndS 8 Uhr: Im Klubsessel. hiöllsleli-MIligWMvIigs Schauspielhaus. Donnerstag, 18. September, 8 Uhr: Lustspiel von William Shakespeare. Freitag: Das Her, aus der Hand. Sonnabend: DaS Herz aus der Hand. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: „Slrotvl»«!»." Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung._ Ansang 3 Uhr. Gestlleiik Eiizel. Sin Stück au» dem Volksleben von Nordmann. Freitag; Der Mann mit der eisemen Maske. Urania. WiseenschaftUches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von Abbazia bis Corfu. Täglich; Großes Militär- Doppel-Konzert, Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf-, Kinder unt. 10 Jahr, die Hallte. Volks-Oper. SW., Belle-Miance-Straße Nr. 7/8. Ansang 8 Uhr. La Trafiata. Freitag zum 1. Male: Die Jüdin. »sang rlß Uhr._ An Gastspiel-Theater Köpenicker Straffe 67/68. Täglich abend» 8'/. Uhr: Ungerade Tage. Der Deaertonr. Die boneche Totnette. Conaln l'nniponl ctto. 3SE=TMEATE Grosse Frankfurter Str. 132. Zum ersten Male: Die iagerneisierin. Komödie i. 4 Akt. v. Charl. EylerSaaard. Ansang 3 Uhr. Ende 11 Uhr. Morgen: Die Jägermeisterin. j Q5*SiS33E55e,a»«.*a««.e>«Ma Passage-Theater. Das fuhrende Vari�t�-Prograrain Berlins! Ciaire Waldoff. Lneie König. Tbe Monte-Carlo-Girls und 12 Tarldtd- Attraktionen!!I J Passage-Panoptikun). Täglich au sehen: Die Traum-Malerin Wilhelmine Assmann Bilder ans d. Jenseits! 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Trauerspiel in 5 Auszügen von William Shakespeare. Freitag, abends 8 Uhr: Bresters Millionen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die von Hoehsattel. Theater. Schiller-Thealer Charloltenburg. Do nnerStag. abendS8llhr: Die Ehre. Schauspiel m 4 Slklen von Hermann Sudermann. Freitag, abend» 8 Uhr: Doktor Klaus. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Ehre. »» •• Einige neue Mitglieder: können sich noch in den Zahlstollen anmelden. Die nächsten Vorstellungen sind am: Zreftag Sonntag Montag Freitag Sonntag Montag 17. 19. 19. 19. 19. 20. 24. 26. 26. 26. 27. Sept. 6. Abt. I: 3.(b. o.) 10.(b. o.) 16.(in) 8., 9.. 11.112. 6.(6.. 17.(IV) N. Schausp. do. Lessingtheat. Hcrniscldth. Residenzth. N. Schausp. do. do. Thaliatheat. Herrnseldth. do. GhgeS und sein Ring do. HanneleS Himmelsahrt Bater und �ohn Musoite Gyge» und fein do. do. Eisgang Vater und Sohn und sein Ring Ring Extravorstellungs» Karten zur Vorstellung am Sonntag, den 20. September, 3 Uhr, im Leasing-Theater „vor König44, erfolgreichste Burleske von Caillavet und E. do Flers, sind vom 10. September ab in allen Zahlstellen zu haben. 241/17 Der Torstand. Brauerei Friedricltshain. Am Königstor. Heute Donnerstag fällt die BsZtveranetaltnng von Schorsch Efirengruber aus; Fortsetzung morgen Freitag ununterbrochen bis zum 3. Oktober 1909. BaUett-Divertissement. = Henry Bender= Morris Gronin-Troupe moderne Jongleure, sowie die sensationellen Attraktionen des Erbfflmiigs-Prograinms. Stadt-Theater Moabit. Alt-Moabit 47/48. Donnerstag, den 16. September: Des Meeres mtd der Liebe Wellen. Schauspiel in 6Ausz. v. Fr. Grillparzer. Ansang der Vorstellung 8 Uhr, Konzert 7ff, Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Vorverkauf täglich von 10—1 Uhr im Theater-Restaurant. Karl Havertend Theater 77/79 Kommandantenstraffe 77/79. Ansang Präzise 8 Uhr. DaS Neueste vom Neuesten sind die wunderbaren 14 September-Spezialitäten. Technikum Bingen a. 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Unser Präparat soll folgendermaßen angewendet werden: Man löst einen Eßlöffel boll AutomorS in einem Eimer Wasser aus und scheuert hiermit regelmäßig die Zimmer oder besprengt diese oder Stallungen, Vieh zc. regelmäßig mit demselben. Einesteils wird durch diesen— wohlgemerkt regelmäßigen— Gebrauch die Brut der Fliegen, Mücken, Motten zc. zerstört, dann aber auch die Fliegen zc. selbst vertrieben. Wir haben Nie behauptet, daß dieselben hierdnrch getötet werden. Durch zncht aufmerksames Lesen unsererer Gebrauchs« anweisung, vielleicht aber auch durch die Gewohnheit, Fliegen mit Giften zc. zu töten oder durch Fliegenleim zu fangen, versuchte ein Teil der AutomorS-Bezieher, ein Tellerchen mit Automors-Wasser auszustellen oder die Zimmerschwelle damit zu bestreichen, ja, ein besonders gewissenhafter Herr fing jede Fliege einzeln und warf sie in AntomorS-Wasser I Daß der- artige Anwendungsformen natürlich unrichtig find, wird jeder- mann einleuchten, und Zweck dieser Zeilen soll eS sein, darauf hinzuweisen. Die begeisterten Zuschriften von Privatpersonen, Anstalten und Behörden, die AutomorS richtig nach unserer Anweisung anwenden, beweisen: AutomorS vertreibt bei regelmäßiger Anwendung die Fliegen, Mücken. Motten und vernichtet ihre Brut. AutomorS desinfiziert in nur einprozentigen Lösungen ge« ruchlos und giftfrei. AutomorS verbessert die Zimmerlust und reinigt dieselbe von schlechten Gerüchen. AutomorS befitzt die fünffach keimtötende Wirkung der Karbolsäure, ohne deren Giftigleit aufzuweisen(bereits eine einprozentige Lösung vernichtet die Krankheitserreger deS Typhus, der DiphtheritiS, des Keuchhustens zc.). AutomorS wird infolge dieser Borzüge jedem der riechenden und gefährlichen bisher gebräuchlichen Desinfektionsmittel vor« gezogen. Gedr. W G Co.,& ß. eksrlottsndurg. ...».'1:. ....'-'Ml■ r v-:»....■'■rnk Danksagung. dt« überaus reiche Beieiligung Spende» bei Beerdigung meines Leben ManneS und Vaters sag« ich hiermit allen Verwandten und Be- kannten sowie dem Gesangverein, den Kollegen und Genossen des sechsten Kreises meinen tiesgesühlten Danf. Die trauenide Witwe 524532 grau Allwardt nebst Kinoern. Mnsaine Ortskrankenkasse sür Dt« Wilmersdorf u. Umgegend. Wahlaufruf! Airs Grund deS§ 49 des Kasten- statu Es ist eine Neuwahl sämtlicher Delegierten zur Generalversammlung sür die Wahldauer vom t. Oltober 1909 bi» 30. September 1912 er- jordernch. Es sind S7 Vertreter der Arbeit- gcber zu wählen. Jeder Arbeltgeber, welcher Beiträge aus eigenen Mitteln leistet, führt bei der Wahl ein« Stimme. Sämtliche wahlberechtigten Arbeit- geber werden zu einem zwecks Vor- nähme de.? Wahlen am Freitag, den S4. Sept. 1909, abend»«-8>/,Uhr im GesevschastShalzs«, Wilhelms» aue 112,(tattsinbenben Termin hierdurch«ingelad m. Von den Sastenncktgltedern find 77 Vertreter Ml wählen. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen iTastenmitalieder, welche großjährig und im Besitz der b ärger- lichen Ehrenrechte find. sämtliche wahlberechtigten Kasten- Mitglieder werden zu einem zwecks Vornahme der Wahl am Mittwoch, den SS. Sept.»909, abend» Uhr im Gesellschaftsbaus� Wilhelms- aue 112, stattsindenden Termin hier- durch mit der illustorderung ein- zur Legitimation ihre lenbachcr. Mitgliedstarten bezw. Meldeabschnitt« niilzubringcn. Die Wahlen find geheim und werden durch Stimmzettel je in einem Wahlgange tn der West« vor- enommen, daß jeder Stimm- mchtigte so viel Namen aus einen ..... il geladen, Stimmzettel zu wählen find. lreibf, wie Vertreter Für die Mitglieder genügt zur Legitimation eine ArbeitSbescheini- gung, welche mit der Unterschrist und dem Stempel deS Arbeitgebers ver- sehen ist; auch sind Leaitimations« karten, welch« zur Teilnahme be> rechtigen, im Geschästilofal Kaiser- Allee 173» am Schalter 1 und in den befannten Meldestellen zu haben. Für Arbeitgeber, welche der Person nach nicht bekannt sind, iegsttmtert die letzte BettragSrechnung. Wilmersdorj-Berlw, den 15. Eep- tember 1S09. 277/14 Der Vorstand. Wegener, Vorsitzender. Tuckermann, Schristsührer. kekanntmscdullx der Gemeinsame» Nris- Krnilhcilhnfft für 277,13 MaHendorf und Umgegend. I. Am Moutag, den 27. Sep- tember 1909, »ach mittags von 4»/, bis 7 Uhr, findet im Restaurant Löwenhage« zu Mariendorj, Chausteestraße Nr. 27, die Neuwahl von SS Vertretern der Kastenmitglieder zur Keneral-Ver- sammlung statt, zu der sämtliche wahlberechtigte Kastcnmitglieder hier- durch eingeladen werden. ill« Legitimation bei der Wahl« Handlung gelten die OuittungSbücher und ersuchen wir die Herren Arbeit- geber ergebenst, dies« den Mitgliedern ushändigen zu wollen. Zweck» Ausstellung der Kandidaten zur vorstehenden Wahl wird hier. durch zum Montag, den 20. Sep- tember 1909, nachmittags«'/, Uhr. nach dem Restaurant.WUHclms« irten" berufen.(Name und Wohnung der Kandidaten ist genau anzugeben.) ll. Am Mittwoch, den SS. Sep- tember 1909. nachmittags von 8 bis 9 Uhr, findet im Restaurant Herold zu Mariendorj. ehausscestraßc Nr. 2S3, die Wahl von 27 Vertretern der Arbeitgeber zur General-Versamm- lung IlaU. zu der sämtliche Slrbeit- gcber, welche Beiträge auS eigenen Mitteln zahlen, hierdurch eingeladen werden. Zweck» Ausstellung der Kandidaten zu dieser Wahl findet'/, Stund« vor Beginn derselben— 71/, Uhr— in demselben Lokal«ine Äersamm- lung der Arbeitgeber statt. Di« Wahlberechtigung regelt sür beide Wahlen K 49 des Statuts. Mariendorf, den 9. September 1909. Der Vorstand. Saetiiei-, Bayer, Schristsührer. stellv. Vorsitzender. OentsGiier Metallarbeiter-Verband! Verwalhinjjsstelie Berlin. Todes- Aneelge. Den Kollege» zur Nachricht, daß! unser Mitglied, der Gürtler ünmo Sehöltzke am 14. d. M. an Luugenschwind- sucht gestorben ist. Ehre feinem Andenke« 7 Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle deS neuen Jakobt-KirchhofeS m Rixdorj, Hermannstr., aus statt, Rege BeteUigung erwartet 122/13 Bio Ortsverwaltung. Deutscher Baehbinder-Yerhanl Zahlstelle Berlin. Am 13. d. Mts. verstarb zmch nach 3 langem, schwerem Leiden Mitglied, der Buchbinder lotiann Rudolf Nordström. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. d. Mts., nach- mittag» 5 Uhr, von der Halle des Gemeinde« Friedhofes ZliLdorj, Mariendorser Weg, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 24/10 Din Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- ruht, daß mein lieber Mann,! unser guter Bater, der Maurer Grix am Dienstag nach langem schwe- rem Leiden saust entschlafen ist. DieS zeigen tiefbctrübt an vis trauernden Ninterbliobenen. Aa�nnt««rix nebst Kindern.| Die Beerdigung findet am i Sonntaanachmitlag 2'/» Uhr don j der Letchenhalle des WilmerS- dorfer Friedhofes, Berltnerftraße,! auS statt._ 14556} Plötzlich und unerwartet wurde uns am 14. Sevteiuber unser lieber Kollege, der Maschinen- meifter MHHhsIm Timm im 62. Lebensjahre durch den Tod entrissen. Wir verlieren w dem Verstorbenen nicht nur einen braven Kollegen sondern auch einen langjährigen Freund, besten Andenken wir stets in Ehren hatten werden. 1457b Das Personal der BuchdruckereiKarl Marschner. Die Beerdigung findet am 13. d. M., nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause in Hermsdors, Weiß- W��MWMWSSWWn���NWWMv Wdniek-MilZMmMi'. Den geehrten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser lieber Kollege tfilhelm Timm am Dienstag, den 14. September, im 62. Lebensjahre nach kurzem Leiden an Herzschlag gestorben ist. Derselbe war unS ein braver Kollege, indem er unserem Verein Jahrzehnte alS Mitglied an- gehört hat. 14596 Sein Andenken werden wir in Ehren halten! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. September, nachmittags 5 Uhr, vom Trauer- hause in Hermsdorf, Weißbach- straße 5, au» statt. Um rege Beteiligung ersticht Der Borstand. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Beweise "' er Teilnahme� bei unserer so .lich verstorbenenTochtcr.Schwester, Schwägerin und Tante, Witwe Margarete Ravenstein e,!,*- sagen wir allen Parteigenossen und Genossinnen, Freunden und Vcr- wandten, sowie den Mitgliedern der Konsumgenoflenschast und dem Ge- sangverein.Nordwacht" unseren vcr. binblichsten Dank. 1450b Die rauerndc» Hinterbliebene». Eiter» u. Geschwister. P. Gleinert 5 Wetmiw kostet ein Versuch mit Or. Simmei Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄPa, 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12. 2—4. � MftGGl5 Douillon-VOrreln. Lediglich mit kochendem Wasser übergoffen, gibt jeder Würfel sofort >/. 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September, abends 6 Vi Uhr: Ißapertraucnsmänncr- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1. Tagcs-Ordnung! i. Die angenlillWe Fnge in unserem Kerns und Kericht der Dertraueusleute. 2. Verschiedenes. Unter Punkt 1 soll Stelung zu der Firma Markert(in Frage kommen die Meister Päschke, Kalbe Kozewreck und Jäger) genommen werden wegen der Eulenofen-Differenz. SW Notwendig ist deshalb, dast die Bertrauenslente dieser Firma unter allen Umständen z» erscheinen haben, desgleichen alle anderen Vertrauensleute. Anfang präzise. 116/10 ver V oratand. Streichhölzer, Pack 10, Glich» strümpfe 20, 25, 30 Pf., 100 Stck. K-Ps-Zigarr. 4,50, 100 Stck. 8.Pf.. Zigarr. 6,50, 100 Stck. 10-Pf..Zigarr. 3,50, echt Mercier-Kognak Fl. 3 M. Weißbiergläser, gr. 30, kl. 20. all. and. billig. Schweden gebe nur kl. Quant. ab. I>raa«, Pankow, Wollankstr. 73. CfMmm Katalog ID. Ernpfohl.viel. Aerzle u.Prof. grat. y ff H. 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Für den guseratenteil verantw.: Th, Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Si Co., Berlin SW. Nr. 216. 26. Iahrgaag. 3. Keilagt Ks Jotmirts" Snlim IMIntt. AsMerstag, 16. Zeptember 1969. Partei- Hngelegenbeiten. Zahlmorgen, Zahlnacht. Seit einem Jahre besteht nun im zweiten Kreise die Einrichtung des Zahlmorgens für die in den Nachtbetrieben der Zeitungs druckereien der Friedrichstadt beschäftigten Arbeiter. Es kann mit Genugtuung konstatiert werden, daß die von den beteiligten Ge- nossen des Kreises gern aufgewendete Mühe keine vergebliche war. Durch über 200 Neuaufnahmen sind dem Kreise frische Hilfskräfte zugeführt worden in der südlichen Friedrichstadt, die dort wohnende Parteigenossen nur in geringer Zahl aufzuweisen hat. Bereitwillig haben diese neuen Kräfte die Ausführung der notwendigen Partei- arbeiten übernommen und sicher ist, daß bei dem weiter zu er- wartenden Wachsen der Mitgliederzahl nie ein Mangel an arbeits- willigen Genossen eintreten wird. Jeden zweiten Monat wird ein Referat gehalten, um den neuen Mitgliedern, denen die Beteiligung an Abendversammlungen durch die Nachtarbeit versagt ist, Gelegenheit zur Aufklärung und Weiter- .bildung zu geben. Gewerkschaftliche und politische Thematas sowie sonstige Fragen von öffentlichem Interesse kommen zur Behandlung. Diese Zahlmorgen stellen sowohl an den Referenten, der früh vor 7 Uhr zur Stelle sein muß, wie an die Besucher, die eine schwer durcharbeitete Nacht hinter sich haben, große Ansprüche. Mit Freude kann man jedoch beobachten, wie von beiden Teilen die der- langten Opfer gern gebracht werden. Aufmerksam hört man dem Bortragenden bis zum Schluß zu und stets haben die Referenten sich freiwillig bereit erklärt wieder zu kommen, ohne jede Eni- schädigung, befriedigt von der Eigenart des Zahlmorgens und der guten und freudigen Stimmung der Zuhörer. Im kommenden Winter wird auf eine starke Zunahme von Mitgliedern bestinunt ge- rechnet. Auch andere Kategorien von Druckereiarbeitern, denen ihre Arbeitszeit eine Anteilnahme an unseren Abendveranstaltungen der- bietet, wünschen fiir sich eine ähnliche Einrichtung. Die Zeitungs- setzer z. B. haben sich wiederholt in diesem Sinne geäußert und es wird noch in diesem Jahre der Versuch gemacht werden, für sie eine Zahlnacht, im Anschluß an die Beendigung ihrer Arbeitszeit, einzuführen. Zu diesem Zwecke sollen in allernächster Zeit Besprechungen mit den Werkstatt-Vertrauensleuten gepflogen werden und es ist wohl zu hoffen, baß auch diesen Spätarbeitern in Zukunft ihre Zahlnacht gleich lieb sein wird wie den Nachtarbeitern ihr Zahlmorgen. Zur Lokalliste. Der Rauchklub„Lorbeer', Mitglied des „Berliner Raucherbundes', veranstaltet anr Sonnabend, den 13. d. M., im«Neuen Klubhaus', Wilhelmstr. 113, ein Vergnügen mit Tanz. Da dieser Verein zum weitaus größten Teil aus Arbeitern bestehen soll und daher auch in Arbeiterkreisen eine lebhafte Propaganda für den Umsatz von Billetts betrieben wird, weisen wir daraus hin, daß obiges Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht und sind daher alle dortigen Ver- anstaltungen zu meiden. Die Lokalkommission. Schönebcrg. Am Sonntag, den IS. Septeinber, morgens Ve8 Uhr, findet für die Kommunalwahlbezirke, in welchen anfangs November die Ergänzungswahlen für die ausscheidenden Stadtverordneten der dritten Abteilung stattfinden, von den bekannten Lokalen aus eine Flugblattverteilung statt. Zur Wahl stehen der 2., 3., 4., 7., 8. und 9. Kommunalwahlbezirk. Die Parteigenossen aus den Bezirken, in denen keine Wahl stattfindet, werden, ebenso die Genossen der in Frage kommenden Wahlbezirke, dringend ersucht, sich an den Arbeiten zu beteiligen. Der 1. und 11. Bezirk helfen im 2. Bezirk, der 5. Bezirk hilft im 4. Bezirk; der 6., 10. und 12. Bezirk helfen im 9. Bezirk. Die Flugblattverteilung des g. Bezirks findet vom Lokal des Genossen Heidt, Sedanstr. 31 Ecke Leuthenstraße, und vom Lokal des Genossen Andreas, Feurigstr. 16, statt. Die Genossen vom 10. Berzirk be- mühen sich nach Andreas, Feurigstr. 16, und vom 6. und 12. Bezirk nach dem Lokal von Heidt, Sedanstr. 31. Der Vorstand. Pankow. Am kommenden Sonntag, den 19. d. Mts., findet eine Agitationstour nach den Landorten unseres kleines feuilleton. Theater. Hebbek-Theat er:„Hanna Jagert", Komödie in drei Akten von O t to Erich H a r t l e b c n.— Hanna Jagert, die Tochter eines Maurerpoliers und Verlobte eines Schriftsetzers, wirkt als begeisterte Agitatorin und kluge Führerin in der sozial- demokratischen Partei. Während ihr Bräutigam wegen eines poli- tischen Vergehens eine mehrjährige Gefängnisstrafe abbüßt, lernt sie einen wohlhabenden Fabrikbesitzer kennen, der ihr eine neue, „moderne" Lebensauffassung beibringt. Sie wird der Sache des Proletariats und dem Verlobten untreu und gibt sich aus Dankbar- leit dem Fabrikbesitzer hin, dessen pekuniäre Unterstützungen es ihr ermöglichen, sich geschäftlich selbständig zu machen. Aber die vor- wiegend pädagogischen Fähigkeiten des Lehrmeisters genügen der Begehrlichen auf die Dauer nicht. Als sie dem Fabrikanten die letzte Rate ihrer Geldschuld abgezahlt hat, wird sie erst dio Ge- liebte und dann die Gattin eines hübschen, jungen, unbedeutenden Aristokraten. Das Stück ist 1831 entstanden und feine Handlung beruht zum Teil auf wahren Begebenheiten. Die älteren unter unseren Ber- liner Lesern werden sich noch der Mäntelnäherin Hanna Jagert er- innern, die in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre eine Zeit- lang eine Rolle in den Parteiversammlungen spielte, die Verlobte eines polnischen Arbeiterführers I. war, während der Gefängnis- Haft ihres Bräutigams die Geliebte eines anderen wurde und schließlich aus Berlin verschwand, um nach England überzusiedeln, wo sie, soviel ich weiß, noch heute lebt. Hartleben hat übrigens Hanna Jagert, als er sein Stück schrieb, persönlich nicht gekannt. Erst nach Jahren besuchte sie gelegentlich eines kurzen Aufenthaltes in Berlin den Dichter und stellte sich ihm als das Urbild seiner Komödicnheldin vor. Aus der Entstehungszeit ist das seltsam zwie- spältige Wesen des Werkes zu erklären, das zugleich eine unserer glänzendsten Charakterkomödien und ein mattes Tendenzstück ist. Es waren damals die Jahre, da in den jüngstdeutschen Literaten- kreisen die Lehren Stirners und Nietzsches zu wirken begannen und namentlich des sprachgewaltigen Zarathustra lockende Sirenen- lieber manches jugendliche Poetengchirn verwirrten und betörten. Auch der kluge und klare Otto Erich war damals dem Seelen- fänger in die Netze gegangen und als Manifest der neuen Lebensanschauung schrieb er die Hanna Jagert. Die Tendenz des Stückes ist eine Verteidigung des egoistischen Individualismus, der an Stelle des unpraktischen und aussichtslosen Sozialismus der modernen Menschheit den Weg zu den höchsten kulturellen Entwickclungszielen weisen und bahnen soll. Diese Lehren, die damals mit den stolzen Prätensionen einer neuen Religion auftraten, sind heute längst bis in alle Details als die ideologisch verbrämten und verschminkten Forderungen des brutalsten großkapitalistischen Klasscninteresses erkannt und er- wiesen und ihre bcgeistGte Propagierung kann auf den, der die nüchternen Grundlagen solcher bürgerlichen Ideologien kennt, schlechterdings Mr eine unfreiwillig-komische Wirkung üben, J Bezirks statt. Rege Beteiligung hieran ist Parteipflicht. Behufs 1 Besprechung und Inempfangnahme näherer Anweisungen usw. wollen die sich beteiligenden Genossen morgen, Freitag, den 17. d. Mts., abends hl/z Uhr, im Lokal von Rachut, Gaillardstr, 32, anwesend sein. Die Bezirksleitung. Neucichagcn. Sonntag, den 19. September: Flugblattverbreitung im ganzen Bezirk. Das Material ist beini Bezirksleiter Joh. Hübscher abzuholen._ Berliner JNfadmchten. Freifinnige Laudtagskandidatnren. Im 5. Berliner Landtags- Wahlkreise hat die Vertrauensmännerversammlung der Freisinnigen Volkspartei den Schriftsteller und Syndikus Hermann Schöler als Kandidaten für die bevorstehende Landtagsersatzwahl aufgestellt. Herr Schöler kandidierte bei den allgemeinen Wahlen, die am 16. Juni v. I. stattfanden, im 11. Berliner Landtagswahlkreise. Im 5. Berliner Landtagswahlkreise kandidierte damals der Stadtv. Re- dakteur Karl Goldschmidt, der mit 207 gegen 303 Stimmen dem Genossen Borgmann unterlag. Hängen Herrn Goldschmidt die Trauben zu hoch, oder wollte man diesen Schwätzer nicht mehr haben, daß man Herrn Schöler heranholt? DaS Marienheim, das auf der Feldmark Mariendors am Wege nach Britz liegt, will hauptsächlich der Kranken, und Genesendenpflege dienen. Auch von Krankenkassen und Berufsgenossenschaften wird diese Pflcgeanstalt, die vom„Roten Kreuz" abhängig ist, zur Unterbringung von Kranken und Ge- nesenden benutzt. Kürzlich hat eL dort in der Abteilung für genesende Männer eine Massenentlassung gegeben, über deren Grund die Meinungen unter den Patienten geteilt sind. Der leitende Arzt Dr. Richter ließ nach seiner Rückkehr vom Sommerurlaub seine Pfleglinge zusammentrommeln, er- kundigte sich nach ihrem Befinden, untersuchte auch mehrere— und verfügte dann ein halbes Dutzend Entlassungen. Herr Dr. Richter wird zur Erklärung dieser Maßregel sagen, er habe eben die Besserung jetzt für so weit fortgeschritten gehalten, daß ihm ein weiterer Aufenthalt im Marienheim nicht mehr erforderlich schien. Hiermit könnte und müßte man sich zufrieden geben, wenn nicht Dr. Richter gegenüber einigen der Entlassenen noch etliche unklare Andeutungen gemacht hätte. Es wird unter den Patienten erzählt, dem einen habe er unliebenswürdiges Benehmen vor- geworfen, zu dem anderen habe er von einem an die Kranken- Hausleitung gelangten denunzierenden Brief gesprochen, und so weiter. Da ist es begreiflich, daß die Frage nach dem Grund der Entlassungen unter den entlassenen wie den noch in der Anstalt verbliebenen Patienten lebhaft erörtert wird. Bei manchen Patienten hatte in letzter Zeit sich eine gewisse Unzufriedenheit mit der Beköstigung bemerkbar ge- macht. Man klagt uns, öfters sei der„Belag" zum Frühstück unzulänglich gewesen, einmal habe er ganz gefehlt, auch sei einmal zu Mittag weiter nichts als eine Mehlsuppe und eine Art Semmel- Pudding nebst Kirschen gegeben worden. Aus Mitteilungen von anderer Seite dagegen müssen wir schließen, daß andere Patienten mit der Beköstigung im ganzen zufrieden waren und über einzelne Mängel hinwegsahen. Es möge dahingestellt bleiben, wie weit die Unzufriedenheit berechtigt war. Sicher ist aber, daß man die Un- zufriedenen nicht mit der Redensart abfertigen kann, wem der liebe Gott zum Frühstück noch Kakao, Käse oder Radieschen schenke, der müsse ihm dafür auf den Knien danken. Diesen billigen Trost spendete ihnen eine Dame des Vorstandes, die verwitwete Frau Prediger Richter, die im Marienheim das Oberkommando führt. Es läßt sich begreifen, daß die Antwort, die ihr von einigen minder gottesfürchtigen Patienten gegeben wurde, nicht besonders freund- lich ausfiel. Nun ist diese Frau Prediger Richter die Mutter des oben erwähnten Dr. Richter, des leitenden Arztes. Die Familie Richter spielt überhaupt im Maricnheim eine wichtige Rolle; an der Verwaltung ist noch beteiligt eine Tochter der Frau Prediger Richter, und die Seelsorge wird geliefert von einem anderen Sohn Aber diese Tendenz ist auch durchmis nicht das Wesentliche in Hartlebens Komödie. Die rein dichterischen Vorzüge sind es viel- mehr, die Otto Erichs Jugendarbeit ihren hohen und bis heute un- geschmälerten Wert verleihen: diese meisterhafte Kunst der drama- tischen Charakterisierung, die mit sparsamen, treffsicheren Linien das Bild eines lebendigen Menschen in festen Konturen und all- seitig plastischer Rundung auf die Bühne stellt; diese unVergleich- liche Kunst des Dialogs, der, knapp, gedrungen und pointenreich, jeder Gestalt ihre eigentümliche, aufs feinste nuancierte Sprache gibt; dieser graziöse Humor und dieser espritvolle Witz, der, immer schlagkräftig, aber niemals aufdringlich, über Menschen und Ge- schehnisse seine funkelnden, ergötzenden und erleuchtenden Blitze wirft. Wir besitzen in deutscher Sprache wahrhaftig nicht viele humoristische Bühnenstücke, deren dichterische Qualitäten, deren technische Eleganz und Sauberkeit und deren theatralische Wir- kungskraft an Otto Erichs Komödie heranreichen, und eS ist merk- würdig, daß sich so wenige Theaterleiter zu einer Aufführung dieses Werkes entschließen, das der Bühnendarstcllung fast nur dankbare Aufgaben bietet. Dafür lieferte auch die vorgestrige Aufführung im Hebbel- Theater den Beweis, die mit nur teilweise erstklassigen schau- spielerischen Kräften bei Verständnis- und geschmackvoller Regie einen sehr starken Erfolg erzielte. Die kluge, kühle, überlegende und überlegene Hanna der Ida Roland, die rührend schlichte, von der Last eines langen Proletarierdaseins niedergedrückte und zermürbte Mutter Jagert der Frida Richard, Lichos bürger- lich gemütlicher, phrasenfeindlicher und behaglich sich selbst ironi- sierender Fabrikant Könitz, Paul Ottos entzückend graziöser, vornehmer und liebenswürdiger Bernhard von Vernier waren samt und sonders kleine Kabinettstücke einer feinen, diskreten und eindrucksvollen Charakterisierungskunst, die man nicht so bald aus dem Gedächtnis verlieren wird. Das Publikum nahm die�Komödie und ihre Darstellung mit freudigem Beifall auf und bereitete dem ergötzlichen Komiker Richard Leopold, der die lustige Figur eines jüdischen Weinhändlers und Hausbesitzers ins Derb-kari- katuristische ummodelte, einen besonderen Triumph. 5- L. Neues Theater:„Das Urbild des Tartüffe" von Karl Gutzkow. Daß Moliere bereits mehrere Jahre ver- heiratet war, als er seinen„Tartüffe" schrieb, also nicht erst, wie Gutzkow will, den Vollzug seiner Heirat vom Erfolg dieser Komödie abhängig zu machen hatte, ist bekannt. Freilich steht auch fest, daß er sich schon lange zuvor der besonderen Gunst des„Sonnenkönigs" erfreute. Sonach hat die etwas unhistorische Fabel der Handlung des Gutzkowschen Lustspiels poetische Gerechtigkeit. Vor nun 65 Jahren entstanden, gehört es auch noch heute zu den besten älteren Stücken; und nichts ist ihm von seiner Frische verloren ge- gangen. Daran kann selbst eine mittelmäßige Aufführung Wenig verderben. Ucber das übliche Mittelmaß erhob sich diese Neu- einstudierung aber schwerlich. Zunächst wurde die Geduld der Zu- schauer durch die übersprudelnde Hast einiger Chargenvertretcr auf eine ungebührliche Probe gestellt. Hernach herrschte ja mehr Deut- lichkcit; es trat, wenn auch keine eigentliche Charakterisierung der Nebenrollen, wenigstens doch ein karikaturistisches Schema zutage. der Frau Prediger Richter, der selber Prediger ist und im Nachbar- dorf Marienfelde amtiert. Man darf vermuten, daß die fromme alte Dame bei ihrem Sohn, dem Herrn Doktor, sich über die unfrommen Patienten beklagt hat, die es so schroff abgelehnt hatten, Gott für Kakao, Käse oder Radieschen auf den Knien zu danken. So wird uns die ingrimmige Andeutung über das„u n- liebenswürdige" Benehmen erklärt, die der Arzt bei der Entlassung gemacht habe. Herrn Dr. Richter wäre das wahr- schcinlich erspart geblieben, wenn im Marienheim Beschwerden über Beköstigung erledigt würden, ohne den lieben Gott zu Hilfe zu rufen. Der denunzierende Brief, auf den seine andere An- deutung sich bezog, soll von irgendeinem Patienten herrühren; das wurde wenigstens aus den Reden des Herrn Dr. Richter geschlossen. WaS in dem Brief stand, ist den Patienten, die wir hierüber be- fragt haben, nicht bekannt geworden. Herr Dr. Richter soll es nicht für nötig gehalten haben, ihnen die darin etwa vorgebrachten An- schuldigungen zu nennen. Das wäre allerdings ein sehr sonder- bares Verfahren. Im Interesse der Ehrlichkeit wird man wünschen müssen, daß Denunziationen, sofern ihnen überhaupt Beachtung geschenkt werden soll, rückhaltlos mit den an- geschuldigten Personen erörtert werden. Nur so läßt sich prüfen, ob sie begründet sind oder etwa gemeine Rachsucht sich hinter ihnen verbirgt. Den Andeutungen, die von Herrn Dr. Richter gegenüber einigen der entlassenen Patienten gemacht wur- den, hat er es zu danken, daß dieser unkontrollierbare Brief mit den Entlassungen in Zusammenhang gebracht wird. Ein postalisches Kuriosum. Daß eine in Deutschland aufgegebene Postkarte, um ihren in Deutschland gelegenen Bestimmungsort zu erreichen, die Zeit von zehn Jahren und neununddreißig Tagen gebraucht, dürfte sicherlich einige Verwunderung erregen. Und doch haben wir den Beweis für dies seltsame Faktum in Händen. Die uns vorliegende Postkarte wurde am 3. 8. 99 in Schönwald im Schwarzwald aufgegeben und trägt den Stempel S ch ö n w a I d 4. 8. 99. 5—6 vormittags. Ein zweiter Berliner Stempel trägt das Datum vom 5. 8. 99. Die Karte hätte nun ein paar Stunden später im Besitz des Adressaten sein müssen. Allein ein rätselhaftes Schicksal fügte es anders. Zehn Jahre und diverse Wochen trieb sie sich irgendwo in der Welt herum, um am 11. 9. 09— wie ein dritter Poststempel ausweist— in R i x d o r f zu landen. Von dort aus erreichte sie nun mit der bei unserer Post gewohnten Prompt- heit den Adressaten.— Sollte also einer unserer Leser sich einmal über die Nichtanknnft eines Briefes beunruhigen, so möge er sich in dem Gedanken getrösten, daß der vermißte Brief sich nach einem kleinen Jahrzehnt ja noch immer einstellen kann. Der Ersatz des männlichen Kranken-Pflegeperfonals durch weib- liches geht immer weiter vor sich. Die Verwaltung der Charitö stellt jetzt nur noch Wärterinnen, Schwestern als Pflegepersonal ein. Wärter werden als Pfleger nur ganz ausnahmsweise noch benutzt, es sind dies dann meist nur ältere, erprobte Leute, die schon jähre- lang dort oder im ärztlichen Dienst tätig find. Grundsätzlich sollen in Zukunft nur noch Schwestern, die gründlich für diesen nicht leichten Beruf vorgebildet sind, angestellt werden. Eine Ausnahme wird nur in der„Neuen Charitö", wo Geisteskranke und unruhige Kranke Aufnahme finden, gemacht werden. Auch in unfern städtischen Krankenanstalten geht die Tendenz in gleicher Richtung wie in der Charits. Wir halten diesen Grundsatz für verfehlt. Selbst wenn man zugeben will, daß das weibliche Geschlecht in einer Reihe von Fällen sich sehr gut zu Kranken- Pflegern eignet, so gibt es andererseits zahlreiche Verrichtungen, die besser vom Mann als vom Weibe ausgeführt werden und zwar im Interesse der Kranken. Tödlicher Automodilunfall. Von einem Geschäftsautomobil über- fahren und getötet wurde der Telegraphenarbeiter Emil Gerlof aus der Rhkestr. 42. G. hatte beim Passieren des Fahrdammes der Prenzlauer Allee das Herannahen eines Geschäftsautomobils über- sehen und wurde infolgedessen angefahren. Die Räder des schweren Gefährts gingen ihm unglücklicherweise über Brust und Beine hin- Die beste Zeichnung lieferte Walter Schmidt-Hätzler als Präsident La Roquctte. Die Tartüfferie seines Helden gelang ihm ausnehmend gut— freilich konnte es auch Shylock sein. Meta Jäger(Madeleine) ist frisch, immer sie selbst, soubrettcnhaft, weniger das, was sie darstellen soll. Alwin Neutz: gute Moliere- maske, auch den Jahren nach; als Doppelgänger La Roquettes gleichfalls naturgetreu aufgeputzt. Anna R u b n e r(Armande) fiel nicht weiter auf. Franz Höbling hatte als Ludwig XIV. nichts an sich, was königlich war, sondern nur, was so scheinen wollte. Bleiben noch Paul Schwaiger(Minister Lionne) und Hans Werckmeister(Chapelle) mit annehmlichen Ansätzen zu einer über die Karikatur hinausstrebenden Charakterdarstellung. Wenn der obligate Beifall nicht täuschte, so war das Auditorium, aus dessen Mitte heraus zu Anfang einige Unwillensäußcrungcn verlautbar wurden, doch zufriedengestellt. e. k. Trianon«TH eater:«Pariser Witwen', Lustspiel in 3 Akten von Andrö Sylvanne und Fabrice Carrö, Deutsch von Max Schönau. Die Komödie des französischen Autoren- Paares wurde bei ihrer Berliner Erstaufführung von einem lach- lustigen Publikum recht freundlich aufgenommen. Uever die Fabel des Stückes sind nicht viel Worte zu verlieren. ES ist die übliche Koinödie der Irrungen. auch der Eheirrungen. wobei die Liebhaber von Situationskomik und mehr oder weniger saftigen Kalauern ihre Rechnung fanden. Der Erfolg des Stückes war vor allem dem guten Spiel ber Mit« wirkenden zu danken. Besonders wirkungsvoll war der Letruffier von Hans Junkermann, der den bureaukratischen Philister bor- trefflich spielte, die Frau Letruffier von Johanna Z a d e m a ck, die das Spießerweibchen in seiner ganzen Beschränktheit wiedergab, nnd der Chamerol von Adolf Klein, der den anglisierten„Gentleman" in Sprechweise und Haltung ausgezeichnet zum Ausdruck brachte. So verstanden eS aber fast alle Mitwirkenden mehr oder weniger, die Lachmuskeln der Zuhörer in Tätigkeit zu setzen: und das ist ja schließlich der Ziveck der Uebung.— y. Humor und Satire. — Der HauLpascha. Frau(zum Hausbesitzer): Ich muß dringend um Abhilfe ersuchen, Herr Wirt, hinter den Taveten steckt ja alles voll Ungeziefer!" „Ja. in Dreiteufelsnamen, was haben Sie hinter den Tapeten zu tun?" — Einsam wie ein Rhinozeros.„WaS. drei Jahre sind Sie schon verheiratet? Und noch nie habe ich Sie mit Ihrer Frau zusammen gesehen?" «Ja. wissen Sie, ich schließe mich nur sehr schwer an!" („Lustige Blätter".) — Humor des Auslandes.„Mama," sprach der Sohn des ZeitungSnrannes,„ich weiß, warum die Redakteure immer von sich als„wir" reden."—„Warum denn?"—„Damit derjenige. dem der betreffende Artikel nicht gefällt, denkt, daß es zu viele für ihn zum Verprügeln find."•.(.Answers".) einen Gast in unserer unS in Er- weA. Im Krankenhause, wo der Verunglückte Aufnahme fand, erlag er bald nach seiner Einlieferung den schweren Verletzungen. AuS dem Feustcr gestürzt ist gestern in aller Frühe eine Frau Winkler in der Koloniestrabe. Die Verletzungen sind lebensgefährlich, da die Frau mehrere Knochenbrüche und einen Bruch des Beckens erlitten hat. Zu der KmnpfcSwcise des„Freien Arbeiter" gegen irirt 23. in der Thorner Straße, die wir bereits Sonntagsnummer kurz gekennzeichnet haben, schreibt gänzung nnd Richtigstellung unserer Darlegungen der Gastwirt Wedekind:.Am 12. August kam die Mutter des ertrunkenen Ge- »ossen Wilhelm Franke zu mir und fragte mich, ob ich nicht jemand hätte, der mitgehen könnte, sie habe Nachricht erhalten, daß eine Leiche gefunden sei. Da ich keinen Genossen hatte und meine Frau seit acht Tage bor Ostern krank ist und an demselben Tage noch krank war, habe ich Frau Franke nach der Thorner Straße zu Przadka geschickt, da der Genosse Franke an demselben Abend, wo er verunglückt ist, dort gewesen war, und weil ich glaubte, daß diese Sache schneller erledigt werden würde. Der„Freie Arbeiter" hat meine Aufforderung, eine Richtigstellung zu bringen, unbeachtet gelassen. Fcuerwehrbericht. Ein großer Dachstnhlbrand kam in der letzten Nacht aus noch nicht ermittelter Ursache in der Nuppiner Straße 33, Ecke der Stralsunder Straße zum Ausbruch. Als der 3. Löschzug nach Mitternacht dort ankam, stand der Dachstuhl schon in großer Ausdehnung in Flammen und waren die Treppen so verqualmt, daß über eine ain Hause aufgerichtete mechanische Leiter vorgegangen werden mußte. Durch lrästiges Wassergeben gelang es der Feuer- wehr, die Flammen auf den großen Dachstuhl zu beschränken. Der Schaden ist natürlich bedeutend. In der Wilhelmstraße 22 kam gestern ein sehr gefährlicher Brand in einer Wellblechbude auf dem Hofe zum Ausbruch. Oel, Lacke usw. brannten dort. Die Feuer wehr mußte energisch angreifen, um die Gefahr zu beseitigen, die auf Unvorsichtigkeit zurückgeführt wird. In der Nosenthaler Straße 13 brannten in einem Keller Schaldecken, Balken und anderes nnd in der Schönholzer Straße 18 eine Küche. Ferner hatte die Wehr in der Levetzowstraße 12, Linienstraße 161, Revaler Straße 6, Schlesische Straße 7 und anderen Stellen zu tun. Vorort- INsadmdrten. Wilmersdorf. AuS der Stabtverorbnetenversammlung. Die Königliche Re- gierung zu Potsdam hat sowohl die Charlottenburger wie die Wilmersdorfer Lehrerbesolvungsordnung verworfen, weil die ausgeworfene Ortszulage in ihrer Höchstgrenze über die in der Berliner Besoldungsordnung enthaltenen Satze hinausgeht. Der Mehrbetrag beläuft sich bei Lehrern auf 160 M., bei Lehre- rinnen auf 250 M. Nach Ansicht der Regierung findet das Hinaus- gehen über die Berliner Sätze in den wirtschaftlichen Verhält- nissen der Stadt Wilmersdorf keine Rechtfertigung. Gegen dies neue Stück preußischer Lehrerfreundlichkeit wandte sich eine Interpellation aus den Reihen der Stadwerordneten. Bürger- me-ster Peters antwortete den Fragestellern, daß der Magistrat sich mit den Behörden von Charlottenburg und Schöne- b e r g in Verbindung gesetzt habe; man will durch gemeinsame Vorstellungen die Regierung milder zu stimmen suchen. Nachdem an Stelle des aus Wilmersdorf verzogenen Stadt- verordneten B r e s s e r der Stadtverordnete Rosen baum zum Beisitzer gewählt worden war, führte eine weitere Anfrage des Inhalts, welche Maßnahmen der Magistrat zur Verbesserung des Leuchtgases ergriffen habe, zu einer ausgedehnten Er- örterung. Wie die meisten westlichen Vorovte. so bezieht auch Wilmersdorf sein GaS von der englischen Gasanstalt. Seit Mona- ten klagt man nun über die schlechte Qualität des Gases, die darin ihre Ursache haben soll, daß die Gesellschaft aus Sparsamkeits- gründen das Kohlenstoffgas mit Wasserstosfgas vermischt. Im Gegensatz zu den Interpellanten wollte Stadtbaurat Lambert von einer Minderwertigkeit des Gases nichts bemerkt haben. In 27 Fällen habe die Gasgesellschaft auf Beschwerden hin eine Untersuchung veranstaltet, und immer habe sich dann er- geben, daß mechanische Ursachen, wie schlechte Brenner und schlechte Glühstrümpfe dem Uebel zugrunde liegen. Als nun etliche Stadt- verordnete dem Magistrat bedeuteten, daß es mißlich sei, sich einzig auf die Berichte der interessierten Gasgesellschast zu verlassen, gab Bürgermeister Peters das Versprechen, daß der Magistrat selber Untersuchungen veranstalten wolle. Hierauf gab die Stadtverordnetenversammlung zum Ankauf eines in der Mainzer Straße gelegenen Grundstückes ihre Zu- stimmung. Es kostet 438 450 M., das sind 1185 M. für die Ouadrat- rute, und soll zum Bau eines Reform-Realgymnasiums dienen. Zum Schluß kam es in der Versammlung zu so etwas wie einer sozialpolitischen Debatte. Sie war allerdings auch danach. Der Magistrat hat voriges Jahr in der Wilhelmsaue 21 eine Fürsorge stelle zur Bekämpfung der Tuberkulose eingerichtet, die sich eines weit lebhafteren Zuspruchs rühmen darf, als anfänglich angenommen wurde. ES ist keine Seltenheit, daß die leider nur einmal wöchentlich abgehaltenen Sprechstunden von 35 bis 40 Personen besucht werden; die Durchschnittszahl der Be- sucher ist 22. Wie eS immer bei derartigen Einrichtungen geht, wenn sie einigermaßen ihren Zweck erfüllen sollen, mußte von dem anfänglich aufgestellten Grundsatz, daß eine Behandlung der Kranken nicht ersolgen dürfe, abgelvichen werden. Es kamen Fälle vor, wo weder die Krankenkassen und die Landesversicherungsanstalt noch sonstige Ilnterstützungsverpflichtete in Anspruch genommen werden konnten, und daher die Stadt selber eingreifen mußte. So ist es denn kein Wunder, daß die bei der Etatsberatung von der Stadt ausgeworfenen 4000 M. nicht reichten und der Magistrat mit dem Antrage kam, ihm weitere 4000 M. zur Verfügung zu stellen. Nachdem der Arzt Stadtverordneter Dr. Edel die Vorlage kurz befürwortet hatte, setzte die Kritik ein. Die Vorhaltungen klangen nun beileibe nickt in einen Tadel darüber aus, daß der Magistrat sich nicht die Nachbarstädte Charlotlenburg und Schöneberg zum Muster genommen, wo man immerhin durch Besorgung von Wohnungen und Betten für Tuberkulose einen be- scheidcnen Anfang mit einer rationellen Bekämpfung der Volks- krankheit gemacht hat. Die ziemlich energische Kritik stützte sich einzig darauf, daß der Magistrat entgegen seiner ursprüng- lichen Zusage überhaupt mit Unterstützungen ein» gegriffen hat.„Wir können nicht gestatten", sagte Stadt- verordneter Professor Dr. Leidig,„daß der Magistrat sich auf Lasten einläßt, die sich schließlich auf Millionen belaufen können und deren Ende man gar nicht übersehen kann." In Fällen wie dem vorliegenden darf nach dem früheren Geschäftsführer des Zentralverbandes deutscher Industrieller überhaupt keine Awangsgemeinschaft, sondern nur nie berüchtigt-„freie Liebestätigkeit" eingreifen, mag diese ihre Unzulänglichkeit auch schon tausendmal bloßgestellt haben. Sehr beachtenswert war noch die weitere Acußerung des Stadtvcrord- neten Dr. Leidig, daß der Magistrat bei der kommissarischen Etatsberatuna auf Anfrage aus den Reihen der Stadtverordneten ausdrücklich erklärt habe, sich auf„Torheiten" wie die nun doch notgedrungen und im bescheidensten Maße geübte Unter- stützung Lungenkranker.nicht einlassen werde. Als nun Stadtrat S t e i n b o r n mit beinahe verängstigter Stimme er- klärte, daß die Stadtverordneten formell ja im Recht seien, daß der Magistrat aber geglaubt habe, um des allgemeinen Besten willen dennoch mit Fug die ihm zur Verfügung gestellten Mittel wie geschehen verwenden zu können, tönte ihm ein vielfaches Oho l „ntgegen. Die vom Magistrat beantragte sofortige Bewilligung der geforderten 4000 Alt. wurde abgelehnt; vielmehr über- wies die Versammlung die Angelegenheit dem Rechnungsausschuß mit dem Bedeuten, strenge Prüfung zu halten. Ohne Zweifel Verantwortlicher Redakteur: wird dies der sozialistenfreien Wilmersdorfer Stadtverordneten- Versammlung durchaus würdige Stück Sozialpolitik uns in der Agitation für die im Herbst erfolgenden Stadtverord- neten-Ersatzwahlen vortreffliche D i e n st e leisten. Es bleibt eben dabei, daß Wilmersdorf sich an sozialpolitischer Wer- ständnislosigkeit von keinem anderen der größeren Berliner Bor- orte überbieten läßt. Charlottenburg. Auf der Straße erschossen hat sich vorgestern abend gegen 8 Uhr auf den: Karl-August-Platz der 22 Jahre alte Handlungsgehilfe Franz Hercr. Der junge Mann hatte sich schon längere Zeit in der Umgebung des Platzes aufgehalten und war den Passanten durch sein unruhiges Wesen aufgefallen. Plötzlich zog er einen Revolver aus der Tasche und jagte, bevor er noch an der Slusfiihcung der Tat gehindert werden konnte, sich eine Kugel in die rechte Schläfe. In besinnungslosem Zustande wurde der Lebensmüde nach der Unfallstation in der Berliner Straße übergeführt und dann nach dem Krankenhause Westend gebracht, wo er kurze Zeit nach seiner Ein- lieferuna verstarb. Die Wohnung des Mannes konnte bisher nicht festgestellt werden, ebensowenig ist das Motiv zu dem Selbstmord zu ernntteln gewesen. Friedenau. Zu dem Selbstmordversuch bcS Dienstmädchens bei dem Ober- postinspektor Fräntzel, Bismarckstr. 22. erfahren wir, daß die Gründe dazu in der unfreundlichen Behandlung, die dem Mädchen durch die Hausfrau zuteil wurde, gelegen haben. Das Mädchen soll auf dem Krankenbett erklärt haben, daß es täglich harte Worte hören mutzte, während es sich nach ein wenig Freundlichkeit sehnte. Sie war fremd in Berlin, arm und hilflos ihrem Schicksal preis- gegeben, verzweifelte schließlich und stürzte sich vom Balkon der dritten Etage auf den Hof hinunter, um ihrem Leben ein Ende zu machen. Nicht in hoffnungslosem Zustande, wie zuerst gemeldet wurde, kam sie nach dem Krankcnhause; sie siel auf einen Baum, und diesem Umstände verdankt sie es, daß sie mit dem Leben davonkommen wird und in 4 bis 6 Wochen das Krankenhaus wahr- scheinlich verlassen kann. Bei Frau Fräntzel soll der Dienst nicht leicht sein, was schon daraus hervorgeht, daß kein Mädchen dort lange aushält. In den letzten 18 Monaten sollen dort 6 oder 7 Mädchen in Stellung gewesen sein. Der schwere Dienst sollte aber kein Grund für ein Mädchen sein, sich das Leben zu nehmen. Da gilt es, Widerstand zu leisten, wenn die gestellten Anforde- rungen zu groß sind. Wenn ein Mädchen Mitglied des Ver- bandes der Hausangestellten ist(Bureau Michael- kirchplatz 1), dann findet es dort Rat, Hilfe und die notwendige Unterstützung gegenüber den Herrschaften. Diesem Verbände sollte sich jedes Dienstmädchen anschließen. Rixdorf. Zeugen gesucht. Am Freitag, den 10. September, abends zwischen ö'/2 und 6 Uhr wurde der neunjährige Sohn Erich des Ge- nossen Karl Wolff, Mainzer Straße 24. von einer Kraftdroschke über« fahren. Augenzeugen dieses Vorganges werden gebeten, ihre Adresse an obengenannten abzugeben. Lichtenberg. Nicht weniger als 27 BeratmigSpunkte hatte die Tagesordnung der ersten Stadtverordneten-Versammlung nach den Ferien auf- zuweisen. Die in dieser Sitzung vorzunehmende Auslosung deS ersten ausscheidenden Drittels hatte folgendes Resultat: In der HI. Abteilung scheiden aus unsere Genossen Düwell, Kertzscher, Rösler, Seikel. Stöber; in der II. Ab- teilung die Stadtverordneten Dr. Bukofzer, Hör st mann, Schulz. W e i g e l, Dr. Wolff; in der I. Abteilung: B r ö t l e r, Hagenbeck, Jungmann, Hirsch, Kopp.— Bon unseren Genossen wurde die schlechte Ventilation des Sitzungssaales bemängelt und Abhilfe verlangt. Der Sachverständige für Terrain- spekulation Stadtverordneter Wolff glaubte unsere Redner mit einigen faden Witzen abtun zu können. Bei einem der nächsten Punkte der Tagesordnung verbreitete sich dieser Herr zum Entsetzen und unter Schlußrufen seiner Freunde % Stunden lang über alles Mögliche, allerdings, um möglichst von der Sache selbst, den Konflikt mit dem Magistrat, abzulenken. Zwei Beratungsgegenstände boten der bürgerlichen Mehrheit Gelegenheit. nachdrücklichst die Rechte der Stadtverordnetenversammlung gegen- über dem Magistrat zu wahren. Am 25. Mai hatten die Sradt- verordneten beschlossen, für Lichtenberg ebenfalls wie in anderen Städten Bezirksvorsteher einzuführen. Auf Antrag unserer Genossen war diesem Beschluß das Verlangen beigefügt, daß der Magistrat die ausgearbeitete Instruktion der Bezirksvorsteher der Siadt- verordnetenverfammlung zu unterbreiten habe. Der Magistrat weigerte sich, diesen Beschluß auszuführen und fügte in seiner Begründung, daß die Stadtverordnetenversammlung kein Recht habe, über die Jnstruklion zu beschließen oder auch nur mitzubeschließen, folgende Stelle an:„lieber sein Entgegenkommen vermag der Magistrat nicht zu gehen, besonders nachdem in öffentlicher Stadtverordneten-Versammlung seitens ver« schiedener Stadtverordneter Ansprüche auf Mitwirkung beim Er- laß von Instruktionen geltend gemacht worden sind." Der zu diesem Punkt ernannte Berichterstatter, Stadtv. Rott, machte sich denn auch weiter kein Kopfzerbrechen, der Begründung des Magistrats Gegengründe gegenüberzustellen, sondern be- schränkte sich nach Verlesen einiger Stellen de« Magistratsantrages auf Aufhebung des Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung diesem der Versammlung zu empfehlen. Demgemäß wurde auch, nachdem einer unserer Genossen dazu gesprochen, ohne weitere De- batte beschlossen. Ganz so leicht wurde den Herren der Umfall, die Borwahl des leitenden Arztes für das neu zu erbauende Krankenhaus. der KraukenhauSbaukommifston zu übertragen, nicht gemacht. Genosse Spicckerinann als Berichterstatter konnte nach Darlegung unseres prinzipiellen Standpunktes über die Wahrnehmung der Selbst« Verwaltung überhaupt an der Hand der verschiedensten Kommen- tatoren der Städteordnung, die auch der Magistrat herangezogen hatte, die Haltlosigkeit der magistratlichen Begründung seines Rechts- standpunktes nachweisen. Mit Ausnahme des Stadtverordneten Wolff, der in längeren unklaren Redewendungen die Weigerung des Magistrats, den Beschluß der Versammlung auszuführen, lebhaft begrüßte, stimmten sämtliche weiteren Redner der Bürgerlichen diesen Darlegungen zu. Der Magistrat mußte sich im Verlauf der Debatte verschiedentlich recht scharfe Worte über sein krasses Vorgehen in dieser Frage sagen lassen. Insbesondere wurde protestiert gegen die scharfe, herausfordernde Art, in der diese Magistratsleistung be- gründet war, wogegen sich Bürgermeister Ziethen glaubte verwahren zu müssen. Nach anderthalbstündiaer Debatte, in der der Magistrat wieder- holt, aber ohne Erfolg ersucht wurde, doch ein ganz klein wenig nachzugeben, um der bürgerlichen Majorität den Umfall nicht allzu- schwer zu machen, wurde ein Antrag Schachtel in namentlicher Ab- stimmung mit 23 gegen IS Stimmen angenommen, der den Be- schluß vom 25. Mai, den leitenden Arzt anzustellen, aufhebt. Zur Bestreitung der durch Heranziehung von Gutachtern notwendigen Ausgaben wurde für die Zeit von 4—5 Jahren, die nach Ansicht der Herren noch vergehen werden, ehe das Krankenhaus erbaut fein wird, ein Pauschale von 1200 M. pro Jahr bewilligt. Damit haben beide Körperschaften ihre Blamage. Der Magistrat muß die bereits vollzogene Ausschreibung der Stelle des leitenden Arztes rückgängig machen und mag zusehen, wie er sich mit der Oeffent- lichkeit abfindet, und die Stadtverordnetenversammlung hat den Konflikt mit dem Magistrat, bei dem ja doch nur die Sozialdemo- krasie Gewinn haben konnte, aus dem Wege geräumt. Johannisthal. Die letzte Gemeindcvcrtreterfitzung vollzog zunächst die Neuwahl der BoreiiischätzungSkommission. Dieselbe besteht aus den Herren Rehbein, v. Triitzschler, Marzahn, Scherfling und Genossen G o b i n. Die Bewilligung der Jahresabrechnung für 1807 hat gezeigt, mir welcher Oberflächlichkeit die Voranschläge aufgestellt werden. Die Abrechnung schließt mit einem Defizit von 22 349 Mark. Eine von unseren Genoffen beantragte NachprüfungSkommisffon wurde abgelehnt und somit auch die Abrechnung gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Eine lebhafte Debatte rief die Bewilligung der Fenstervorhänge in der Schulaula hervor, die ausschließlich nur kirchlichen Zwecken dient. Der einzig vernünftige Gedanke unserer Genossen, die Ausgaben zur Renovierung der Schulaula der Kirchcngemeindc zu überlassen, fand keine Gegenliebe bei den Bürgerlichen. Die gemeinschaftliche Errichtung des Gewerbe- und Kaufmanns- gerichts kommt für Johannistha! nicht mehr in Frage, da durch die Kostenverteilung sich Johannisthal gegenüber von Ober- und Nieder- Schöneweide übervorteilt fühlte. Der Arbeiterschaft Johannisthals erwächst hierdurch kein besonderer Nachteil, da sie fast gänzlich außerhalb des Ortes beschäftigt ist. Das beispiellose Verhalten der Flugplatzgesellschaft, die die Herstellung ihres Terrains durch Sol- daten vornehmen läßt, veranlaßte unsere Genossen, folgenden An- trag zu stellen: Der Gemeindevorstand wird veranlaßt, Schritte zu unternehmen, damit die Arbeiten anstatt durch das Militär von be- schäftigungslosen Arbeitern ausgeführt werden. Wenn auch die Be- rechtigung des Antrages von den bürgerlichen Vertretern zugegeben wurde, waren diese doch zu feige, dem Antrage zuzustimmen, weil man glaubte, die Interessen Johannisthals und damit die eigenen zu verletzen. Der vorgelegte Vertragsentwurf mit dem Schularzt, der unwesentliche Veränderungen gegen den vorigen aufweist, wurde einstimmig angenommen. Treptow. Eine verhängnisvolle Baukatastrophe hat sich in der gestrigen Nacht in der Gerichtstraße ereignet. Auf einem Neubau stürzten vier Arbeiter, die Nachldienst hatten, in die Tiefe und zogen sich Ver- letzungen zu. Die Leute hatten sich auf einer provisorisch her- gestellten Treppe aufgehalten. Sie waren gerade dabei, Bau- Materialien nach den oberen Stockwerken zu schaffen, als ein Ver- schalungsbrett brach. Die vier Arbeiter wurden mit in die Tiefe ge- rissen. Während es dreien der Verunglückten gelang, sich an Seiten- Pfeilern festzuhalten, stürzte der vierte, der 53 Jahre alte Friedrich Bonn, Bergstr. 155 in Rixdorf wohnhast, mit solcher Gewalt nach den unteren Stocklverken, daß er in besinnungslosem Zustande vom Platz getragen werden mußte. Er hatte sich einen schweren Schädel- bruch, einen Nasenbeinbruch und innere Verletzungen zugezogen. In fast hoffnungslosem Zustande wurde er nach dem Krankenhause ge- bracht. Die anderen drei verunglückten Arbeiter waren mit äußeren Verletzungen davongekommen. Ober-Schöneweide. In der am DienStag anberaumten Gcmcindevcrtretersttzung er« folgte die Einführung de» ueugewählten Gemeindevorstehers Bcrtholdt durch den Landrat des Kreises Graf Rödern. An hochtönenden Aus« führungen und gegenseitigen Versickerungen hat es in den dabei gehaltenen Reden nicht gefehlt; möge die Zukunft die Bestätigung bringen. Kötligs-Wusterhausen. Ein KaualisntionS- und Wasserleitungsprojekt beschäftigt schon geraume Zeit die hiesige Gemeindevertretung. Es wurde ein Dar- lehen in Höhe von 600 000 M. aufgenommen, welches ratenweise abgehoben werden kann. Die erste Rate(75000 M.) wurde fällig, bevor das Projekt zur Ausführung gediehen war. Um nun das Geld nicht tot liegen zu lassen, mußte nut der Kanalisation be- gönnen werden. Wie ficht nun die Kanalisation selbst au»? Diese wird in den Straßenzügen zuerst ausgeführt, welche erst teilweise vom Kreise übernommen werden. Ein Teil der anliegenden Straßen, auch da, wo die Gemeinde direkt iuter- essiert ist, wie im Gebiete der Gemeinde- Gasanstalt, wird nicht kanalisiert oder aber man ist sich noch im Zweifel darüber. Sind die bürgerlichen Gemeindevertreter nicht genügend informiert worden oder liegt hier ein Mißverständnis vor? Es wundert uns jedoch, daß man nur ein gutes Drittel der Ortschaft kanalisieren will; wir fürchten, daß die Gemeindevertreter glaubten, für den Preis von zirka 125 000 M. den ganzen Ort kanalisiert zu bekommen. Aus diesem Vorgang ergibt sich für die hiesige Arbeiterschaft aufS neue, daß sie mit aller Kraft dahin streben muß, Vertreter ihrer Klasse ins Ortsparlament zu entsende». Vermischtes. Die oft miserable Personenbeförderung auf unseren Eisen» bahnen wird wieder einmal durch folgende uns übermittelte Zu- schrift eines Fahrgastes beleuchtet: „Als am Sonntagabend S Uhr 1 Minute in die Bahnhofshalle zu Strausberg der Zug Richtung Dirschau einfuhr, bemerkten wir, daß 40 bis 50 Männer und Frauen anscheinend polnischer Ratio- nalität mit Kisten und Körben beladen den Zug besteigen wollten. Die Leute befanden sich am hintersten Teil des Zuges und wollten nun in die beiden letzten Waggons einsteigen; die Waggons waren jedoch verschlossen. Es wurde den Leuten zugerufen, vorn einzu- steigen. Da die vorderen Wagen jedoch dicht gedrängt voll waren, begaben sich die Leute wieder nach hinten. Durch den Ruf des diensttuenden Assistenten:„Steigen Sie ein oder wir fahren ab", wurden die vor dem Zug Stehenden vollständig irre gemacht. Nun riefen einige Leute vom Publikum, der Schaffner möge doch die Waggons öffnen; endlich, nachdem der Herr Stationsvorsteher er- schien, öffnete der Schaffner die Türen, die verschlossen waren. Alles schob nun seine Koffer hinein, so gut und schnell es ging. Der Assistent schimpfte indessen über die„polnische Nation", daß sie so langsam machten. Zwei junge Leute, welche Bahnsteigkarten hatten, halfen wohl ihren Landslcuten die Koffer in die Kupees befördern. Einer derselben stand noch auf dem Trittbrett, als plötzlich der Assistent herankam und den jungen Mann in das Kupee drängen wollte. Als der Hilfsbereite sagte, er bleibe hier, packte der Herr den jungen Mann am Llrm und schob ihn in das Bureau des Bahnvorstchcrs, ging zurück und gab das Zeichen zum Abfahren. Dieser Vorgang rief eine Erregung und gleichzeitig eine Neugierde unter dem zurückbleibenden Publikum, welches nach Berlin wollte, herbor. Schreiber dieser Zeilen drängte sich nach vorn, um zu sehen, was mit dem armen Polen geschehen soll. Die Tür stand offen. Als der Herr Assistent erschien, sagte er zu dem armen Teufel:„Sie kommen mir nicht eher hier weg, als bis Sie 6 M. bezahlt haben." Hierauf wandte sich der Beamte wieder um und ging hinaus. Das Publikum war über diesen Vorgang teil- weise erregt, so daß Stimmen laut wurden, die dem jungen Manne zuriefen, er solle nicht bezahlen, es sei Freiheitsberaubung. Der arme Teufel hatte es vielleicht anders verstanden, denn er zog sein altes Portemonnaie hervor und legte ein Fünf- und ein Einmark- stück unter Tränen auf den Tisch. Mehrere Herren und ich gingen nun dem Assistenten nach und frugcn ihn, aus welchem Grunde der Mann 6 M. bezahlen müsse. Uns wurde die Antwort, daß uns das nichts anginge. Ich frug den Beamten, wer ihm den Auftrag ge- ?eben habe, so mit dem reisenden Publikum zu verfahren. Auch ierauf gab der Beamte eine abweisende Antwort. Es folgte nun, da der Zug einfuhr, vom Publikum eine Flut von Schmähreden, die der Herr lächelnd hinnahm." Es wäre dringend erwünscht, wenn die Eisenbahnverwaltung diesen Vorgang eingehend untersucht. Trifft das, was der Schreiber des Vorstehenden mit aller Be- stimmtheit versichert, in allen Teilen zu, so müßte dem Herrn von seiner vorgesetzten Behörde ganz unzweideutig klargemacht werden. daß er sick im Umgang mit dem reisenden Publikum eines ange» messencn Verhaltens befleißigen muß; selbst wenn eS sich wie hier um Reisende polnischer Nationalität handelt. In den Flammen umgekommen. Nach einer Meldung aus Iben« köping ist gestern früh bei dem Brande eines zweistöckigen Holz« Hauses in Vrigstadt ein Ehepaar mit vier Kiuicrn in de» Flamme» nmgckommen.__ Kmil vnger, Berlin. Für den Inseratenteil veranftv,� Th. Glocke, Berlin. Druck u- Verlag: Vorwärts Buchdrucker?! u, VerlagSanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW»