Pr. 219. Hbonnemcnts�nedlngungen: MonnementS- PrciS prSnumeranda i Liortcljnhrl. 3£0 mt., monatl. 1,10 Ml.. wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nunimcr mit illiistricrtcr Sonntags- Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Poft-Zeitunas- Prcisliflc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland z Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark Rolland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz» 26. Jahrg. kllcheliit laglich außer ßootagt. Vevlinev Volksblcltt. Vle snserttonz-eebilhr ieiriigt für die fechsgefpaltene Kolonel« zeile oder deren Raum 50 Pfg, für politische und gcwcrlschaslliche Vereins- lind Versammlung� Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnxeigen", das erste lfett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über SS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUHrnachmiltagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 1 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Soaialämöilral ßeriin". Zentralorgan der fozlaldemohratifcben parte» Deutfcblands. Redaktion: SÄl. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983» Sonntag, den 19. September 1999. Expedition» SM. 68» l-indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Mstet zum Kampf! Das dritte Quartal neigt sich dem Ende zu. Die Herbst- kampagne steht vor der Tür! Sie wird diesmal heißer sein, als seit Jahren! Der Schnapsblock hat dem Volke 400 Millionen neuer, indirekter Steuern aufgebürdet. Die Produzenten und Zwischenhändler nehmen das zum Anlaß einer besonderen Kontribution von ebenfalls mehreren Hundert Millionen! Im ganzen wird das Volk 699-7'99 Millionen mehr zu stenern habe». Und die«ichtbesitzende Klasse, die ja die übergroße Mehrheit des Volkes bildet, den allergrößten Teil davon! Daß das von einer egoistischen Bourgeoisie und Pluto- kratic ausgeplünderte Volk sich diesen Raubzug auf sei» karg- liches Einkoinmcn nicht lammsgeduldig gefallen läßt, haben ja die seit Annahme der neuen Steuern erfolgten Ersatzwahlen zum Reichstag bewiesen. �. Die sozialdemokratische Partei eroberte in glänzendem Kampfe den Wahlkreis Neustadt-Landau neu. behauptete mit stark gewachsener Stimmenzahl den Wahlkreis St oll- berg-Schneeberg, sie errang sogar in dem stock- ultramontanen Wahlkreis Koblenz-St. Goar einen stattlichen Stimmenzuwachs, während der Kom- plice am Steuerraub, das Zentrum, viele Tausend Stimmen einbüßte. Aber diese Siege dürfen uur der Anfang der Vergeltung sein. Der Kampf muß mit vermehrter Energie, mit gesteigertem Erfolge fortgeführt werden. Gelegenheit dazu bieten die noch bevorstehenden Reichs tagS-ErsatzwahleninLandsberg-Soldin, in Koburg, in Halle, in Eisenach-Dermbach! Mit fiebernder Spannung harrt das kämpfende Prolo tariat dieser Wahlschlachten. Mit Anspannung aller Kräfte ringt es um seine Erfolge. Gilt es doch, die namenlose Erbitternng des Volkes zu nutzen, der Armee des klassenbewußten Proletariats neue Massen von Mitstreitern zuzuführen! Aber nicht nur neue Reichstagswahlen stehen dicht bevor. Auch die vier Berliner Neuwahlen zum Landtag stehen vor der Tür. Den schnöden Streich der Rechtlosmachung der großen Mehrheit der Berliner Wähler gilt es gründlich zu durch- krenzen! Trotz deS elendesten aller Wahlsysteme und aller perfide ausgeklügelten Schikanen der Gegner müssen die nach der Ueberzeugung der Berliner Volksmehrheit rechtswidrig kassierten Wahlen mit einem wuchtigeren Siege der Sozialdemokratie enden, als es die Juniwahlen des Jahres 1903 waren. Dem jänimerlichen Berliner Freisinn, der an den: Wahlrechtsraub den Hauptanteil trägt, mutz eine neue vernichtende Niederlage beigebracht werden I Die nächste Zukunft steht im Zeichen des erbittertsten Kampfes. Die gehäufte Schmach der bürgerlichen Parteien schreit nach Vergeltung, nach Stlltnlttung eines abschreckenden taipels! Und wie kein Genosse sich lässig zeigen wird im Wahl- kämpfe, so darf auch kein klassenbewußter Arbeiter, kein Sozialdemokrat sich lässig zeigen im Kampfe um Werbung ucner Klassenstreiter! Solcher Werbung dient aber in erster Linie die Partei- presse, dient für Groß-Berlin der „Vorwärts"! Kein nachdrücklicher Kampf ohne weite st e Verbreitung der Parteipressel Darum ergeht zum Ouartalwechsel an alle Genossen die dringende Mahnung: Helft der Parteipresse die weiteste Verbreitung schaffen! Werbt mit rastlosem Eifer inimer neue Abonnenten für das Zentralorgan der Partei. für den„Vorwärts"! Sie Ceiptfger Tagung. An einen guten Anfang hat der Parteitag zu Leipzig das gute Ende geknüpft. Die Annahme der Resolution Dittmann hat den falschen Deutungen ein Ende gemacht, die das tvechselvolle Schicksal der Resolution Berlin I hervorrief. Den Spekulanten auf die Mauserung der Sozialdemokratie ist eine bittere Enttäuschung bereitet worden. Die Dresdener Resolution, die den schärfsten Klassenkampf proklamiert, die jedes Entgegenkommen an die bürgerliche Gesellschaft verwirft, diese Resolution, die dasselbe sagt, was Bebel einst in klassischer Kürze in den beiden Sätzen aussprach:„Ich bin der Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft- und„Es bleibt bei der Expropriation!" ist aufs neue bekräftigt, aufs neue als Richtschnur unserer Taktik bestätigt worden. Allerdings hat ein Teil der Dcle- gierten das mit der Zustimmung zur Resolution Dittmann nicht sagen wollen, wie die Erklärung des Genossen Auer nachweist. Die hinter ihm stehenden Genossen haben viel- mehr nur bestätigen wollen, daß die Ablehnung der Resolution Berlin I die Dresdener Resolution nicht berührt. Ueber den Wert der Dresdener Resolution selbst wollten sie damit kein Urteil abgeben. Darüber zu sprechen haben sie ausdrücklich vermieden und sie haben der Resolution Dittmann zuge- stimmt, weil sie nicht wollten, daß angesichts der gegenwärtigen politischen Lage die auf dem Parteitag dokumentierte Einig- kcit der Partei durch eine geteilte Abstimmung über eine vor 6 Jahren beschlossene Resolution getrübt werde. Dieser Entschluß ist von achtungswcrten Motiven diktiert. Wir müssen aber auf dieses Moment hinweisen, weil es der Partei nicht förderlich wäre, wenn über das Maß der grundsätzlichen Uebereinstimmung in der Partei Illusionen unter den Ge- nossen entstehen würden. Jedenfalls aber steht fest, daß die große Mehrheit des Parteitages in dem Sinne abgestimmt hat, wie es der Antragsteller an jener Stelle seiner Rede formuliert hat, wo er nach Verlesung der entscheidenden Sätze der Dresdener Resolution sagt:„... Das ist klar und un- zweideutig, und durch die Annahme meines Antrages wird das für die gegenwärtige Situation noch einmal unter st richen, und denen, die von einer Schwenkung der Partei reden, wird das Konzept ver- dorben. Darauf aber kommt es an." Die lebhafte Zustimmung, die diesen Worten folgte, der lebhafte Beifall und das Händeklatschen, womit dem Redner zum Schluß gedankt wurde, wird in der Partei im Lande, des sind wir sicher, ein starkes, freudiges Echo lvecken. Genosse Auer hat in seiner Erklärung die Resolution Dittmann als überflüssig bezeichnet. Darin können tvir ihm so wenig beistimmen, wie es die Mehrheit des Parteitags getan hat. Die nachträgliche Ablehnung der Resolution Berlin I hatte Mißverständnisse nicht bloß im Bürgcrtuin, sondern auch in der Partei hervorgerufen. Gegen die Re- olution Berlin I konnten Bedenken erhoben werden, weil ihre etwas unklare Fassung die Deutung zuließ, daß künftig in Stichwahlen jedes Eintreten für den Freisinn verboten werden sollte. Wir haben diesen Sinn nicht darin gefunden, da man solches Stimmen fiir das eventuell kleinere Ucbel unseres Erachtens nicht als„Zusammen- gehen" mit dem Freisinn bezeichnen kann, das die Resolution verwirft. Aber andere, zum Beispiel Genosse Mehring haben die Resolution so ausgelegt und deshalb die Ablehnung befürwortet, da die Festlegung unserer Wahltaktik auf Jahre hinaus, wie die Erfahrung gelehrt hat, einfach nicht möglich ist. Die Ablehnung hätte daher nichts zu be- deuten gehabt und hätte nimmer als ein Angebot an den Liberalismus gedeutet werden können, wenn nicht besondere Begleitumstände sie in ein zweideutiges Licht gerückt hätten. Deshalb war das Einbringen und die Annahme der Resolution Dittmann eine klärende Tat und wird von all denen lebhaft begrüßt werden, die in unzweideutigen Entscheidungen die Aufgabe des Parteitags sehen, die die Taktik der Partei nach dem klar ausgesprochenen Willen ihrer obersten Vertretung bestimmt wissen wollen und die im schärfsten grundsätzlichen Kampfe gegen die herrschende„Ordnung" die Gewähr un- gebrochenen, geradlinigen Fortschritts der Arbeiterbewegung und ihres schließlichen Sieges erkennen. Daß die Mehrheit des Parteitages so denkt, das hat der Parteitag zu unserer Freude und zum Wohle der Partei und des deutschen Prole- tariats erwiesen. So entspricht der Schluß dem guten Anfang, den der er- freuliche, anspornende Geschäftsbericht des Vor- st a n d s. die treffliche Jugenddebatte und der politisch wie kulturell hochbedeutsame Beschluß bilden, den Vrannt- weinbohkott über die ostelbischen Raubritter vom Destillier- Helm zu verhängen. Wir werden vom Leipziger Parteitag einen Abschnitt in der jungen Geschichte der freien Jugend- organisation datieren dürfen. Nürnberg hat ihr die offizielle Anerkennung der Partei und eine gesicherte Grundlage für ihre EntWickelung gegeben— Leipzig bedeutet, daß die Jugend- bewegung im Begriff ist, sich eine gefestigte Stellung in der Arbeiterbewegung zu erwerben. Mit der Proklamierung des Branntweinbohkotts hat die Partei eine gewaltige Aufgabe in Angriff genommen. Mit freudiger Genugtuung dürfen wir auf das Krastgcfühl schauen, das aus dem Beschluß spricht. Er bezeugt, daß die deutsche Sozialdemokratie sich stark genug fühlt, ihre Anhänger zu einem Kampfe aufzurufen, der an viele von ihnen die Forderung stellt, auf ein gewohntes und beliebtes Genuß- mittel zu verzichten, der in hohem Maße an die Disziplin und die Opferwilligkeit weiter Kreise der Arbeiterschaft appelliert. Die Partei darf darauf vertrauen, daß ihr moralischer Einfluß im klassenbewußten Proletariat stärker ist als die alte böse Sitte, als die gewaltige Macht der Gewohnheit. Die Sozialdemokratie darf darauf vertrauen, weil sie jahrzehnte- lange Erziehungsarbeit in der Arbeiterschaft geleistet hat, weil es ihr gelungen ist, in den Massen ihrer Anhänger die Erkenntnis zu wecken, daß der Einzelne Opfer zu bringen hat für die Interessen der Gesamtheit. So ist dieser Beschluß ein lebendiges Zeugnis für die innere Kraft der Partei, für die Tatsache, daß sie eins ist mit dem vorwärts strebenden Proletariat. Wie dieser Beschlutz die Feinde trifft, die er treffen soll, das haben in diesen Tagen schon die Ergüsse der Junker- und Zentrumspresse gezeigt, denen die mühsam verhaltene Wut und Angst nur zu deutlich anzumerken ist. Wird diese Steuerverweigerung zur kräftigen Tat. und dafür bürgt uns die einmütige Haltung des Partei- tages und der feste Wille jedes Genossen, sein Bestes für die Ausführung des Beschlusses zu tun, so werden die Liebesgabenempfänger an ihrer empfindlichsten Stelle getroffen, so wird ein raffiniertes System der Unterstützung der Herr- schenden Junkerschaft aus öffentlichen Mitteln, aus den Groschen der Aermsten, zu schänden gemacht, so wankt eine der Säulen, auf denen die wirtschaftliche Kraft der ostelbischen Ritter beruht, so wird der Sturz ihrer politischen Herrschaft, die auf ganz Deutschland wie ein Alpdruck ruht, wirksam vorbereitet. Daß der Boykott mit dieser politischen Wirkung eine kulturelle von hoher Bedeutung verbindet, daß er eine Eindämmung der verheerenden Schnapspest bringt, erhöht den großen Wert der Aktion, die nun von der Presse und den Organisationen der Partei mit allem Nachdruck zu führen ist. Die große Auseinandersetzung über unsere Stellung u den S t e u e r f r a g e n, die sich beim Bericht der cichstagsfraktion entspann, ist bis auf einige wenige Entgleisungen, bei denen wir nicht weiter verweilen wollen, in würdiger, sachlicher Form geführt ivorden. So ist sie ein Zeugnis für den Ernst, mit dem die Partei ihre Aufgabe be- trachtet, für den lebendigen Eifer, mit der ihre Glieder nach dem besten Wege zur Förderung der proletarischen Sache suchen. Diese Debatte im ganzen und großen genommen gereicht der Partei zur Ehre. Und sie war notlvendig, weil die Partei wissen muß, ivie es in der Fraktion, in der Körperschaft, der eine der »vichtigsten Aufgaben in der Bewegung anvertraut ist, aussieht. Die sozialdemokratischen Abgeordneten bilden nicht einen über der Partei, über den Organisationen stehenden Rat wie bei den bürgerlichen Parteien, sondern sie bilden eine der Kontrolle der höchsten Vertretung der Partei, dem Parteitag unterstehende Körperschaft, und diese ist berufen, wenn die Meinungen in der Fraktion auseinandergehen, den Willen der Partei auszusprechen und so der Fraktion die Richtlinie zu stecken. Dazu ist es freilich in Leipzig nicht gekoinmen, aber die Frucht der Debatte ist der Beschluß, die Steuerfrage auf dem nächsten oder einem der nächsten Parteitage zu be- handeln. So daß eS auch in dieser Frage zu einer Eni- scheidung des Parlaments der sozialistischen Proletarier Deutschlands kommen wird. Das neueOrganisationsstatut, das die Partei sich in Leipzig gegeben hat, bedeutet einen wesentlichen Fort- schritt. Die Partei nutzt die wenigen Vorteile, die das an sich schlechte Reichsvereinsgesetz bietet, aus. Die Frauen sind endlich zu gleichberechtigten Mitgliedern der Organisation geworden, das Vereinsprinzip ist restlos durchgeführt. Die finanzielle Rüstung der Partei wurde verbessert, für die großen Kämpfe der Zukunft die feste Burg der Partei aus- gebaut und verstärkt. Alle Wünsche erfüllt die neue Partei- Verfassung noch nicht— aber bei der Vielheit und Verschieden- heit dieser Wünsche war die Enblocannahme ein Akt kluger Selbstbescheidung. Die weitere EntWickelung darf die Partei getrost der Zeit überlassen, die ihre Forderungen schon ge, bieterisch genug stellen wird. Mit dem Organisationsstatut hat der B e s ch l u tz zur Maifeier gemeinsam, daß er viele Wünsche unerfüllt läßt. Mit restloser Befriedigung wird kaum ein Parteigenosse auf das Abkommen blicken, das der Parteitag besiegelt hat. Aber es war das Erreichbare. Daß es nicht die Abwürgung der Arbeitsruhe bedeute, das ist die Sache der Organisationen. Unter der neuen Vereinbarung wird die Maiseier immer das sein, was die Arbeiter daraus zu machen verstehen. Eine Mahnung an alle, denen die würdigste Form der Feier am Herzen liegt, die in ihr eine Quelle der Kraft und der Be- geisterung erkennen, die unter dem neuen Parteigesetz in der Arbeit für die Maifeier nicht zu erlahmen. Drei treffliche Referate über die Reichsversiche» rungsordnung schlössen den Reigen der großen Gegen, stände des Parteitags. Sie werden dem Kgmps der Arbeiter, schaft gegen die reaktionären An,chläge, die in dem dickleibigen Paragraphenwerk stecken, kräftigen Anstoß geben. Sie bilden ein Waffenarsenal für den kommenden Kampf, der die prole- tarischen Massen nicht minder aufrütteln muß wie der Streit widei die neuen Steuern. � Kst Par?eikag Von Leipzig seine Zchüldigkeit Man. Jetzt ist es an den Genossen im Lande, an den Organisationen, an der Presse, das ihrige zu tun. Wenn im Herbst 1310 zu Magdeburg die Delegierten der Arbeit zusammenkommen, so sollen sie auf ein gutes Stück Arbeit und Fortschritt zurück- schauen können! Pattor ßreichaupts ende? Es„verlautet" wieder einmal, daß die Prügelanstalt M i e l c z h n, die der Waisenverwaltung Berlins gut genug zur Unterbringung ihrer Fürsorgezöglinge erschienen war, ihren Bor- steher Pastor Breithaupt doch noch loswerden solle. Herr Breithaupt werde, so wird gemeldet, seinen Posten zum Oktober verlassen und durch einen Nachfolger ersetzt werden, nach dem man schon Umschau halte. Warten wir ab, ob es wirklich noch dazu kommen wird. Sollte in der Tat die Beseitigung Brcithaupts erreicht werden, so wäre das allerdings kein Verdien st des Magistrats unserer Musterstadt Berlin. Erst spät hat er sich dazu herbeigelassen, diesen vorher von ihm so eifrig ver» teidigten Mann preiszugeben. Noch in der Stadtverordneten- Versammlung taten die Redner des Magistrats— Bürgermeister Reicks und Stadtrat Münsterberg— das in einer Form, aus der deutlich genug das Bedauern sprach, den durch den„Vorwärts" zur Strecke gebrachten„angenehmen Menschen" Breithaupt nicht doch noch retten zu können. Gleichzeitig ließ der Herr Pastor selber durch die Presse verkünden, daß„seine Versehen an den maß- gebenden Stellen nicht allzu hart beurteilt" wurden, da ja nicht nur der„Aufsichtsrat" der Anstalt Mielczyn sowie die Regierung, sondern auch der Stadtrat Münsterberg für sein Bleiben sei. Ob der Magistrat es für seine Pflicht gehalten hat, zur Be- urteilung des von ihm„nicht allzu hart beurteilten" Pastors Breithaupt die Staatsanwaltschaft um ihre Mitwirkung zu ersuchen, darüber„verlautet" noch immer nichts. Damit nicht die vom Rathaus aus geflissentlich genährte Meinung sich erhält. dem Magistrat fehle es an einer Handhabe, weil ihm ja als Spuren der Erziehungstätigkeit des Herrn Pastors nur„ein paar blaue Flecke" bekannt geworden seien, wollen wir hier noch einmal öffent- lich feststellen, daß das Gegenteil zutrifft. Im Rathaus ist seit jetzt einem Vierteljahr bekannt, daß ein aus Mielczyn entflohener fünfzehnjähriger Fürsorgezögling mit Striemen und Wunden auf dem Körper in Berlin angekommen war. Er erzählte seinen Eltern, daß er von dem Paswr Breithaupt und dem Inspektor Engels ge- schlagen worden sei. Seine Mutter führte ihn schleunigst nach der königlichen Klinik, um ihn dort untersuchen zu lassen. Wenn der Magistrat das Ergebnis jener allerersten Untersuchung haben will, um es zu einem Vorgehen gegen Breithaupt zu be- nutzen, so wird die Klinik ihm die betreffenden Aerzte nennen, da. mit sie unter Hinweis auf das damals von ihnen aufgenommene schriftliche Protokoll ihre Aussagen machen. Die Mutter wandte noch an demselben Tage sich an die Redaktion des„Vorwärts", und durch uns erhielt sofort der Arzt und Stadtverordnete Genosse Dr. B e r n st e i n Gelegenheit, den Jungen noch einmal zu unter- suchen. Die Absicht, ihn nun unverzüglich noch am Abend dem Berliner Waisenhaus zuzuführen, scheiterte daran, daß der geängstigte Junge, der wieder nach Mielczyn zurückgebracht zu werden fürchtete, aus der elterlichen Wohnung entfloh. So wurde der Waisenverwaltung leider die Möglichkeit genommen, ihn noch an demselben Tage, an dem er bereits in der Klinik und von Bern- stein untersucht worden war, durch ihren eigenen Arzt ein drittes Mal untersuchen zu lassen. Erst als der Junge später sich wieder bei seinen Eltern eingefunden hatte und dann mit ihnen zum Waisenhaus gegangen war, wurde er dort untersucht. Dabei zeigten sich noch so erschreckend deutliche Spuren der Schläge, die er erduldet hatte, daß schon damals sofort eine gerichtliche Untersuchung hätte beantragt werden müssen.. Wird es jeWls zu einer solchen kommen?/ Die„onbayern" In der Pfalz. Man schreibt uns aus der Pfalz; In der Pfalz großes Reinemachen! Altehrwürdige Löcher im Strahenpflaster sind ausgebessert, die Winkel vom Schmutz ge- säubert. Untrügliche Zeichen für das Volk, daß hohe Gäste kommen. Ueber hundert Mitglieder des bayerischen Landtages schenken der Pfalz vom 20. bis 21. September die Ehre ihres Besuche?. Gar keine üble Idee, die Altbayern einmal in unsere Pfalz einzuladen. Aber wie ist der schöne Gedanke in der Ausführung verhunzt worden! Wir wollten die Herrn GesetzeSmacher aus dem „Jenseits" hier haben, um ihnen an Ort und Stelle zu zeigen. daß die weitabliegende Pfalz das Aschenputterchen unter den acht Kindern der ehrwürdigen Mutter Bavaria ist. Sie sollten hören und sehen, daß die wichtigsten Interessen des pfälzischen Kreises und seiner werktätigen Bevölkerung von der bayerischen Regierung mißachtet und vernachlässigt werden. Eine Informationsreise also sollte eS sein im Fnter- esse und zum Besten unserer Pfalz. Nun ist es eine Vergnügungs- tour geworden. Im Extrazuge und Automobil geht die Fahrt im Fluge durch die Pfälzer Gauen. Ehrenpforten und Triumphbögen werden gebaut, die Häuser beflaggt, schwungvolle Huldigungs- und Begrüßungsansprachen gerne entgegengenommen. Mit nüchternen Reden aber über die Wünsche und Forderungen der pfälzischen Be- völkerung dürfen die Abgeordneten nicht belästigt werden. Die ge- schäftlichen Dinge könnten den Herren den Appetit verderben.' Aber nicht einmal eine vernünftige Vergnügung». tour hat man zu arrangieren verstanden. Wollte man schon bei der Pfalzreise nützliche parlamentarische Vorarbeit nicht leisten, so hätten die Abgeordneten wenigstens die eigenartigen landschaft- lichen Schönheiten und Reize unserer herrlichen Pfalz genießen können. Nichts von alledem. Die Informationsreise ist zur Ver- gnügungstour und diese zur unvernünftigen Mastkur geworden. An Stelle der Bahnprojekte, der Pläne für Brücken- und Bahn- hofbauten legt man den Abgeordneten nur Speise- und Weinkarten zur geneigten Ansicht vor., DaS Programm ist für alle Städte das gleiche: erstes Früh- stück, zweites Frühstück. Mittagessen mit 4— S Gängen, kaltes Büfett mit Bier, Abendessen mit 3—4 Gängen, Bankett und Ueber- nachten. Es wird eine schwere, aber dankbare Aufgabe für die Abgeordneten sein, sich durch sämtliche Frühstücke, Diners und Soupers hindurchzuessen und alle Wein- und Bierproben mit Ehren zu bestehen. Was sonst noch auf dem Programm steht, Besichti- gungen von Fabriken, Kirchen. Museen. Bahnhöfen und dergleichen, ist nebensächlicher Natur. Sie sind offenbar nur deshalb ein- geschoben, damit zwischen den Mahlzeiten eine Lücke und in den Abgeordneten für das nächste Essen der unbedingt nötige„leere Raum" entsteht. Diese Besichtigungen stellen also mehr eine sani- täre Maßregel dar. Die Beteiligung ist hier auch nicht wie bei den Mahlzeiten obligatorisch, sondern nur fakultativ. Das zweite Frühstück, das kalte Büfett, das„einfache" Abend- essen mit 3 bis 4 Gängen und die Musik gehen auf Kosten der SlädtL. We tvexktgtige AepöskLxgng derselben wirb, erstgvm» seix. ttiH ffile ivenig„Tangen" und tsti? Eelch„'einfachen" Mendessen man sich in der Pfalz ernähren kann. Sie wird es mit bissigem „pälzer" Humor zu tragen wissen, daß„for die Katz" 10—20 000 Mark aus öffentlichen Mitteln verpulvert werden. In einigen Städten werden die Abgeordneten auf Bankettabenden dem Volke gezeigt. Warum nicht?, Zie Leute sehen dann wenigstens etwas für ihr Geld. Auch Weinproben in Deidesheim stehen auf dem Pro- gramm. Deidesheim ist für uns politisch-historischer Boden. Auf diesem Terrain wurde vor wenigen Wochen ein beispiellos harter Wahlkampf gekämpft und trotz schmutzigster Kampfesweise unserer liberalen Gegner das Neustadter Reichstagsmandat erobert. Der Kampf richtete sich besonders gegen die Weingutsbesitzer und Haardtgrafen. Er wurde gewonnen durch die erstmals zu uns gestoßenen Hilfstruppen der Winzertagner und kleinen Wein- dauern. Wenn die Abgeordneten in den Schlössern und Kellern der millionenreichen Haardtgrafen die edlen Weine geprobt und an der rcichbesetzten Tafel sich gestärkt haben, dann gedenken sie vielleicht auch des mit 2,20 bis 2,40 M. elend bezahlten Taglöhners jener reichen Herren; dann gedenken sie bielleicht auch des kleinen Winzers, der einen außerordentlich harten Daseinskampf zu führen hat. Vielleicht! Man läßt sich bei solch festlichen Gelegenheiten durch Notstandsbilder die Stimmung nicht gern verderben. In der„Perle der Pfalz" lernen die Abgeordneten eine pfälzische Berühmtheit kennen: den„Ferst von Neustadt" oder den „Kerweonkel". Er ist der Mann, bei dem zumeist kurz vor der Wahl die Schenkwut zum Ausbruch kommt. Er ist der Mann, der den Landtagswahlkampf gegen uns vor drei Wochen weniger mit Reden als mit Wein, Mer und Zigarren geführt hat. Die Ab- geordneten sind in Neustadt in Wirklichkeit die Gäste dieses Geld- fürsten, des Landtagsabgeordneten Abrefch. Ihm kommt es aus ein paar Tausender nicht an. Er hält sie alle frei: die Arbeiter. Geschäftsleute, Stadträte, Beamten, Abgeordneten und— auch bayerische Staatsminister. Man hat sich gestritten, was man bett seltenen Gästen als Erinnerung ins„Jenseits" mitgeben will. Vielleicht ein Album mit all den schönen unerfüllten Wünschen der Pfälzer? Nein, ein Album mit sämtlichen Speise- und Weinkarten, die ihnen auf ihrer Reise vorgelegt wurden. Wohl Lekomm'sl Der österreichische Parteitag. Sonntag tritt in R e i ch e n b e r g der Parteitag der deutsch- österreichischen Sozialdemokratie zusammen. Die wichtigste Auf- gäbe, die der Parteitag zu lösen hat, ist die Revision des Organisationsstatuts. DaS Slächstliegcnde wäre auch für Oesterreich die Organisationsform des politischen Vereins nach deutschem Muster. Doch steht dem vor allem das elende öfter- reichische Vereinsrecht mit seinem Verbindungsrecht, seinem An- meldezwang und dem Ausschluß der Frauen und Minderjährigen entgegen. Diese Fragen behandelt nun Genosse Viktor Adler in der„Wiener Arbeiterzeitung" in einem ausgezeichneten Artikel, dem wir einige Ausführungen allgemeinen Charakters entnehmen, die auch für Deutschland von Interesse sind. Genosse Adler führt auS: „Wir bedürfen der Vereine noch mehr für die Agitation als für die Organisation. Wir haben in Oesterreich Jahrzehnte der fast ununterbrochenen politischen Aktion gehabt und so notwendig, so erfolgreich sie war, zweifellos hat die sozialdemokratische Propa- ganda, die eigentliche Erziehungsarbeit der Partei, nicht gleichen Schritt mit der Aktion gehalten. Das sozialdemo- kratische Wissen hat nicht dieselben Fortschritte gemacht wie das sozialdemokratische Handeln. Damit hängt zu- sammen, daß wir jahrelang immer genötigt waren, mit dem Gegner zu diskutieren, und zu wenig Zeit gefunden haben, unter uns z u d i s k u t i e r e n. So ist es gekommen, daß unsere Organi- sationskärper, wie sie sich auch nennen mögen, vortreffliche Werk- zeuge der Aktion geworden sind, aber wenig geeignet als Boden der Diskussion; und Diskussion heißt immer Belehrung, Selbstvcr- ständigung. Der geeignetste Boden für die Diskussion, also für ein wichtigstes Mittel der Parteierziehung, ist aber nicht die Volksver- sammlung, auch nicht die Lokaloxganisation, sondern der Verein. Die Volksversammlung hat zu viel Oeffentlichkeit, die Organisa- tionSfitzung zu wenig; jene hat einen zu weiten, diese einen zu engen Boden. Schon aus diesem, nach meiner Ueberzeugung wich- tigsten und entscheidenden Grund wird der Parteitag dafür sorgen müssen, daß der politische Verein wieder die ihm gebührende Funktion erhält und in ine Organisation eingegliedert wird. Wie enge die Verknüpfung sein kann, in welchem Grade und Umfang er auch als Grundstock der Organisation ausgenützt werden kann, daS wird eine der schwierigsten Fragen sein, zu deren Lösung unsere Vertrauensmänner aller ihrer Erfahrung und Umsicht bedürfen werden. Allerdings auch einiger Entschlossenheit, Schwierigkeiten zu überwinden und jene allzu große Aengstlichkeit von Neuerungen abzustreifen, mit welcher konservativen Neigung unsere Umsturz» Partei in hohem Grade behaftet ist... Wer den Bericht, den die Parteivertretung soeben erstattet hat, aufmerksam prüft, dem kann nicht entgehen, daß die Zahl der„politisch organisierten" Genossen— daß es auch Zehntausende von Genossen gibt, die nicht politisch organisiert sind, liegt auf der Hand— in starkem Mißverhältnis steht nicht nur zur Zahl der sozialdemokratischen Stimmen bei jeder Wahl, sondern auch Aur Zahl der Mitglieder unserer Gewerkschaften. Gerade diese letztere Tatsache gibt zu denken und häufig wird, wie ich meine, sehr mit Unrecht, daraus ein Vorwurf gegen die Gewerkschaften abgeleitet. Wenn nur ein Teil der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter der politischen Organisation auch formell angehört, so ist daran nicht eine Unterlassung der Gewerkschaft schuld, sondern eine Schwäche der Partei. JnOe st erreich istdaS Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft ein muster- Haftes. Die beiden Formen, in denen daS österreichische Prole- tariat wirkt, bilden eine unzerreißbare Einheit. Diese Einheit ist die stärk sie Wurzel unserer Kraft, und verdorren möge die Hand, die es wagen würde, daran zu rühren. Aber diese Einheit und Einigkeit wird nicht beeinträchtigt, sondern gefördert, ja geradezu bedingt durch eine möglichst genaue T e il u n g derArbeit. Nicht an die Gewerkschaft sollen wir die Forderung stellen, politische Organisationsarbeit zu leisten, sondern Auf- gäbe der Partei ist es. die Arbeiter, die schon gewerkschaftlich organisiert sind, zu bewußten Sozialdemokraten zu er- ziehen und sie für die politische Organisation als Parteimitglieder zu gewinnen. Unsere in der Gewerkschaft tätigen Genossen haben nicht als Gewerkschafter, sondern als Parteimitglieder die Pflicht, bei dem Aufbau der politischen Organisation tätig zu sein. Nun ist es klar, daß die Gewerkschaft den Arbeiter mit. fast möchte man sagen, physisch stärkeren Banden an sich zu fesseln vermag als die Partei; ihre Leistung für den einzelnen Arbeiter ist eine greif- barere, unmittelbarere. Um ihn für die Partei dauernd zu ge- Winnen, gilt es nicht nur sein Klassenbewußtsein zu erwecken, sondern ihn zum politischen Denken zu erziehen. Wie ungeheuer viel die Partei für die Gewerkschaft, die GeWerk- schaftfürdieParteileistet, indemjedederbeiden Organisationen einfach ihre eigene Funktion ausübt, das braucht nicht erst gesagt zu werden. und davon ist hier nicht die Rede. Aber die Erziehung zum So- zialdemokraten kann nur Sache der Partei sein und ist ihre eigenste, oberste Pflicht. Die Gewerkschaft hat in ihrem eigenen Bereich genug zu tun. und es ist ganz verfehlt, von ihr zu ver- langen, daß sie die Organisationsarbeit der Partei gewissermaßen >A üb.ertxggenen WÄMgs.ltM AisiMÜma soöe... Die gSgitti selbst tttuß starker lverbeN, Muß ihtt Erz,'essuklg?arbes? iiertiefcn. ihre Organisationsarbeit verdichten und muß den von allen Parteitagen aufgestellten Grundsatz, daß als pflichtgetreuer, voll- wertiger Genosse nur anzusehen ist, wer nicht nur gewerkschaftlich. sondern auch politisch organisiert, also Parteimitglied ist. zur Tat und Wahrheit machen. Die Partei hat die Gewerkschaft mit ihrem Herzblut aufgezogen, sie hat sie mit ihrem Geiste erfüllt und sie hat reiche Frucht davon; aber sie kann und darf nicht erwarten, dyß die Gmerkschaft für sie leistet, was nur sie selbst leisten kgnn." Politische debcrHcbt Berlin, den 18. September 1909. Wahlrechtsraub in Wandsbek. Aifk Freitagabend gelangte im Wandsbeker Stadtparlament der schon mitgeteilte Antrag des Magistrats, die beiden Wahl- bezirke zu einem zu vereinigen, zur Verhandlung. In dürren Worten erklärte Oberbürgermeister Rauch, der Zweck der Vorlage sei, die Sozialdemokratie nicht zur Mehrheit kommen zu lassen, weil dies ein Unglück für Wandsbek sein würde. In der mehrstündigen, sehr lebhaften Debatte brand- markten unsere drei Genossen die Tendenz der Vorlage und be- zeichneten diese als das, was sie ist, als einen Raub von Rechte» zugunsten des Bürgertum?, das durch den unerhört hohen Wahl- zensus— den höchsten in der Provinz— sich dauernd die Herr- schaft in der Kommune zu erhalten hoffte. Erst als die Sozial- dcmokratie erst einen, dann noch drei Vertreter ins Stadtkollcg wählte, entdeckte man, daß es eine„Ungerechtigkeit" sei, wenn der Villenbezirk Mariental für sich allein wähle. Da in diesem Bezirk viele ehrenwerte privilegierte Wähler wohnen, die früher in Hamburg das einträgliche, keine Schwielen verursachende Ge- werbe eines Bordellwirtes betrieben, machten unsere Ec- nossen sich das Vergnügen, die primitive Ethik der Anhänger dieses Wahlrechts zu charakterisieren. Die Anträge der Sozialdemokraten auf Herabsetzung des Wahlzensus auf 660 bezw. 000, 10S0, 1200 und 1300 M. wurden in namentlicher Abstimmung abgelehnt; für den letzten Antrag stimmten auch vier bürgerliche Stadt- verordnete und e i n Stadtrat. Die Vereinigung beider Bezirke zu einem Wahlbezirk wurde mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Also die Vertreter der Arbeiterschaft sollen mit Hilfe des Mastbürgertums hinausge— wählt werden. Der Oberbürgermeister, der den Fleiß der sozialdemokratischen Stadtverordneten an- erkannte, die er, kontingentiert, nicht missen möchte, bedauerte, der Arbeiterschaft nicht ein Wahlrecht bieten zu können, das die ihr in steuerlicher Hinsicht„gebührende" Vertretung gewährt. Weil er die? nicht kann, muß gründliche Aufräumung s- arbeit gemacht werden! Als unsere Genossen erklärten, daß es die Arbeiter satt seien, sich als Heloten behandeln zu lassen(tags zuvor hatten die Ar- beiter in zwei Massenversammlungen wuchtigen Protest gegen den Wahlrechtsraub erhoben) und zu geeigneten Gegenmaßnahmen greifen würden,„entrüstete" sich ein höherer Schulmeister, der darin eine versteckte Drohung gegen die Geschäftsleute witterte, die gegen die Sozialdemokratie stimmen. Ihm wurde die Ant- tvort, daß die öffentliche Stimmabgabe und der hohe Wahlzensus auf Terror und Boykott gestimmt seien, und von diesen Mitteln hätte das Bürgertum bislang ausgiebigst Gebrauch gemacht. Die Herrschaften hatten es so eilig mit ihrem Wahlrechts- raub, daß sie beschloffen(immer in namentlicher Abstimmung, die unsere Genossen bei jeder Position beantragten, damit d�e „Ehrentafel" draußen bekannt werde), die Beschlüsse schon am 1. November d. I. in Kraft treten zu lassen, damit schon bei den diesjährigen Wahlen die Sozialdemokratie niedergestimmt werden kann._ Triolen- Schack will M. d. R. bleiben! " Die„Magdeb. Zt g." läßt sich aus Hamburg folgende. kaum glaubliche Meldung übermitteln:-,. „Wie aus Kreisen. d,e dem Abgeordneten Schock nahestehen, gemeldet wird, soll Herr Schock in be. stimmter Form abgelehnt haben, sein Reichs- tagsmandat niederzulegen, da er von dem Ausgang des gegen ihn angestrengten Beleidigungsprozesses seine voll- ständige Rehabilitierung in der Oeffentlichkeit er- warte." Wir wiesen ja schon gestern auf Anzeichen dafür hin, daß die Antisemiten sich von der Pflicht der Mandatsniederlegung unter den faulsten Ausreden zu drücken suchen. Daß Herr Schack oder einer seiner Freunde wirklich auf Rehabilitierung des Triolen-Mannes hoffen könnten, ist nach dem erdrückenden Beweismaterial natürlich ganz ausge- schlössen. Die Biederen rechnen im Gegenteil wahrscheinlich mit der Niederschlagung aller Prozesse und erhoffen alles von der Zeit, die Gras über die Geschichte wachsen lassen soll. Eine solche Hoffnung ist freilich ganz aussichtslos. Ueber den Triolen-Skandal wird niemals Gras wachsen, solange nicht Schack sich völlig aus der Oeffentlichkeit ins Dunkel des Privatlebens zurückzieht. Trotzdem haben wir gar nichts dagegen, daß die Anti- semiten die Skrupellosigkeit so weit treiben, einem nicht nur für alle anständigen Menschen Geächteten, sondern auch für alle Zeit mit dem Fluch der Lächerlichkeit Verfallenen das Mandat zu erhalten. Mit einem Schack im Bunde wird der Antisemitismus vollends zum Kinderspott weiden. Bündlerflucht. Durch die liberalen Blätter geht die Nachricht, daß der Bund der Landwirte seit dem Abschluß der Reichsfinanzreform 32 400 Mitglieder verloren habe. DaS Organ des Bundes bestreitet natürlich die Meldung. Aber deshalb kann diese doch wahr sein und jedenfalls hat sie die innere Wahrscheinlichkeit für sich._ Ein Austritt. Richard C a l w e r hat feinen Austritt an? der sozialdemokratischen Partei erklärt. An der Nachricht ist nur überraschend, daß sie s o spät kommt. Denn Calwer hatte sich in seinen Anschauungen schon längst in Widerspruch zu der Politik der Partei gesetzt. Insbesondere war eS die proletarische Wirtschaftspolitik, die in Calwer einen heftigen Gegner fand. Er geriet dabei in eine sich steigernde Verbissenheit, die dazu führte, daß er immer wieder über die Partei auf daS heftigste herfiel und so der geschätzteste Kronzeuge der konservativen, klerikalen und national- liberalen Schutzzöllner wurde. Sein Auftreten für die herrschende Wirtschaftspolitik verführte ihn immer mehr dazu, alle Wirtschaft- lichen Ereignisse im rosigsten Lichte zu sehen, und er erschien viel öfter als Lobredner denn als Kritiker des Kapitalismus. UebrigcnZ stand er in seinen schutzzöllnerischcn Ansichten mit Schippel fast allein in der Partei. Richard Calwer ist nicht mit der offenen und ehrlichen Begründung aus der Partei ausgetreten, daß seine An- [ schauungen andere geworden. Wie die Ullsteinpresse mitteilt, hat er Ä vorgezogen, das alte, nun schon so abgebrauchte, von ehrliche» Gegnern selbst als Unsinn zurückgewiesene Mätzchen wieder vorzu- bringen. er sei ein Opfer der mangelnde» Meinungsfreiheit. Statt still die Partei zu verlassen, an die ihn längst nichts mehr band, findet er es für geschmackvoll, sie in der bürgerlichen Presse zu bekämpfen, um nicht um den Schlußeffekt eines billigen.Mar- thriumS" zu kommen. Wie er sich seinerzeit noch als Parteigenosse nicht gescheut hat, innere Parteiftagen in der Scherischen Presse zu besprechen, so teilt er jetzt der Ullsteinpresse mit. er trat aus, weil die Annahme des neuen Parteistatuts eine nicht mehr er« trägliche Bedrohung und Gefährdung der fteien Meinungs« äußerung sei. Im übrigen werden nach seiner Meinung die Mt- gliedsrechte derart beschränkt, daß für ihn ein Verbleiben in der Partei unmöglich gemacht sei." Da genügt wohl die nüchterne Feststellung, daß das Statut einstimmig angenommen wurde, eine Einstimmigkeit, die. wenn die Beschuldigung Calwers nur im entferntesten gerechtfertigt wäre, sicher nicht vorhanden gewesen wäre. Aber diese Denunziation der Partei vor der bürgerlichen Welt sagt nur, daß Calwers Austritt das einzige war, was er f ü r die Partei noch leisten konnte. Dernburg. Gegen die Mgriffe der„Deutschen Tageszeitung" auf den Kolonialsekretär wendet sich folgendes Dementi der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung": „Nach der Meldung eines hiesigen Blattes soll der Staats- sekretär des Reichskolonialamts Dernburg zweimal in Hohen- sinow beim Reichskanzler gewesen sein, und zwar soll es sich das eine Mal um einen Brief an eine Eisenbahnfirma, das andere Mal um Differenzen mit dem Reichsschatzamt wegen Verstaatlichung der Otavibahn gehandelt haben. Diese Angaben sind vollständig unbegründet, Exzellenz Dernburg ist nur einmal in Hohenfinow gewesen, um dem Reichskanzler auf dessen Wunsch, ebenso wie die anderen Staatssekretäre, Vor- trag über den Stand der Angelegenheiten seines Ressorts zu halten." Die„Deutsche Tageszeitung" tritt demgegenüber den Rück- z u g an, indem sie meint, sie hätte die Mitteilungen wiedergegeben, ohne Gewähr dafür zu übernehmen. Mit dieser Ausrede, über die die„Deutsche Tageszeitung" sich nicht wenig entrüstet hätte, wenn sie von anderer Seite gebraucht worden wäre, wird sich das Blatt kaum aus der Affäre ziehen können. Läßt doch die An- spielung aus einen„seltsamen Brief" an eine Eisenbahnfirma allerhand Deutungen zu, die ein Staatssekretär schwer auf sich sitzen lassen kann. Das Blatt wird also doch wohl etwas deutlicher wertes müsse». Der gestrenge Oertel. Auf der Hauptversammlung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hatte Graf Posadowsky eine Rede gehalten, in der er bedauert, daß jemals der Gedanke auf- tauchen konnte, auch alkoholfreie Getränke der Besteue- rung zu unterwerfen. Er beklagte auch, daß der Schnapsblock auf Kaffee und Tee einen erhöhten Zoll gelegt hat. Die„Deutsche Tageszeitung" hat die Rede des Grafen arg verschnupft. Das Blatt spricht daher kurzerhand dem früheren Staatssekretär das Recht auf freie Meinungsäußerung ab. Es schreibt: „Daß ein früherer Staatssekretär gegen die soeben von den Verbündeten Regierungen angenommene und gebilligte Reichs- finanzreform Stimmung machen zu sollen glaubt, ist trotz der verhältnismäßigen Bedeutungslosigkeit der Sache doch immerhin eine etwas peinliche Erscheinung." Diese Junker sind so sehr gewöhnt, die Minister als ihre Be- Dienten zu betrachten, daß sie es sofort peinlich empfinden, wenn einmal auch von einem Minister, natürlich einem gewesenen, eine schüchterne Kritik an der Junkerraffgier gewagt wird. Der„Skandal von Halle" in Permanenz. Die in Halle erscheinenden bürgerlichen Blätter verkünden feierlich, daß eine vertrauliche Besprechung der bürger- liehen Parteivorstände des Wahlkreises Halle- Saalkreis be- schlössen habe, von allen Sonderkandidaturcn abzu- sehen und den Wählern die Unterstützung des vom Verein der Liberalen aufgestellten Reichstagskandidaten Kaufmann Georg R e i m a n n aus Berlin zu empfehlen. Am 24. September soll sich Herr Reimann den Wählern vorstellen und sein Programm ent- wickeln.— Was wird nun Herr Arendt, der Entdecker des„Skan- dals von Halle", der für ihn in der Aufstellung eines auswärtigen Kandidaten bestand, dazu sagen? Merkwürdigerweise wollen seine Parteifreunde, die Konservativen des Kreises, erst in einer Generalversammlung am 28. September zur Kandidatenfrage end» gültig Stellung nehmen, also erst nach der offiziellen Proklamierung der Kandidatur. Die Angst der bürgerlichen Parteien um das bei der Hotten- tottenwahl erschwindelte Mandat äußert sich jetzt bereits in krassester Form. Bevor der Wahltermin ausgeschrieben, wird bereits zum altbewährten Mittel der Saalabtreibung gc- griffen. Unsere Genossen hatten im Bierkrieg nicht allein einen billigeren Bicrpreis, sondern auch die Freigabe von verschiedenen Versammlungslokalitäten errungen. Jetzt suchen die Gegner durch Androhung des bürgerlichen Boykotts die Brauer un d Lokal besitzer zu bestimmen, ihre Zusage w l e d e r z u r ü ckz u z i e he n. Sollten die bürgerlichen Treiber damit Glück haben, so würde die Empörung der Arbeitermassen, die infolge der schamlosen Wahlverschleppung ohnehin schon einen hohen Grad angenommen hat. keine Grenzen mehr kennen. Christliche Nachsicht. Die Ultramontanen sind bekanntlich sehr streng in Sachen der Sittlichkeit, aber sie können doch auch wieder sehr nach- sichtig sein, wie das Urteil der„W e st d e u t s ch e n A r b e i t e r- Zeitung" über den Fall Schack beweist. Das M.-Glad- bacher Blatt redet von einer„peinlichen Angelegenheit", in die der Abgeordnete Schack verwickelt sei, von einem Briefe, der „Aeußerungen mindestens mißverständlicher Art" enthalte. Die politischen Gegner Schocks hätten die Wendungen in dem Briefe „nach der schlimmsten Seite hin ausgedeutet" und das habe Schack veranlaßt, seine Aemter niederzulegen. Das Blatt gibt dann der Vermutung Ausdruck, daß bei Schack„eine schwere, in ihren An- sängen weit zurückliegende geistige Krankheit" vorliege und schließt dann: „Wer Schack persönlich gekannt hat, der muß sich in der Tat fragen: Wie ist es möglich? Was hatte Schack vor, und was � geradezu verrückte Einleitung? Man steht vor lss a l l e l n. Ez somit nicht ausgeschlossen, daß tatsächlich die letzte Ursache in dem Vorhandensein einer geistigen Störung gesucht werden muß und gefunden werden dürfte." Nachsicht mit den Schwächen des Mitmenschen ist eine schöne Sache, aber sie ist nur dann zu loben, wenn sie nicht unter Schändung der Wahrheit geschieht und auch gegen jedermann und nicht nur gegen Nahestehende geübt wird. In diesem Falle liegt aber die Sache so. daß es der„Westdeutschen Arbeiter-Zeitung" unter Verdrehung der tatsächlichen und für jedermann offenkundigen Verhältnisse nur darum zu tun ist. den Gesinnungsgenossen zu retten. Herr Schack war mit den Führern der christlichen Gewerkschaften und der konfessionellen Arbeitervereins eine Hauptstütze der sogenannten christlich- nationalen Arbeiterbewegung;« spielte auf dem«Deutschen ArB'eiterko»gresse" eine Haüptrdlle und' saß Mit d'eü Herren Giesberts, Stegerwald usw. im Ausschuß des Arbeiterkongresses, und wenn die Namen der Ver- treter der„christlich-nationalen Arbeiterbewegung" im Reichstage genannt wurden, so fehlte Herr Schack darunter nicht. Die Nachsicht, die das sonst so sittenstrenge Blatt aus M.-GIadbach gegenüber moralischen Schwächen zu üben weiß, ist also in diesem Falle mehr als verdächtig, und man darf sich auch verwundern, daß ein Mann, der mit einer„weit zurück- liegenden geistigen Krankheit behaftet war", im Januar 1907 mit Hilfe des Zentrums in den Reichstag gewählt wurde und daß derselbe Mann im Oktober 1907 auf dem zweiten christlich- natiMglen Arbeiterkongreß eine maßgebende Rolle spiele» durfte. Nachwirkungen der Zündwarensteuer. Zwischen den deutschen Fabriken und den Großhändlern von Zllndwaren haben seit Jahren Lieferungsverträge bestanden, ohne daß von der Industrie'die strenge Jnnehaltung der Ab- nahmetarife durch die Großhändler verlangt wurde. Auf diese Weise waren sehr erhebliche Lieferungen noch rückständig, als das Zündwarensteuergesetz zur Annahme gelangte. Um nun die bis zum Inkrafttreten des Gesetzes gegebene Frist für den Verkauf steuerfreier Streichhölzer auszunützen, verlangten die Grossisten die sofortige Lieferung aller noch rückständigen Austräge. Hierzu waren die deutschen Fabriken naturgemäß nicht im- stände, trotzdem fie ihre Betriebe, soweit nur irgend möglich, ausnützten. Die Genehmigung zu Ueberstunden in den Fabriken wurde von verschiedenen Regierungen nicht erteilt, weil man die bevorstehende Einführung der Steuer nicht als einen ausreichenden Anlaß anerkannte. Da nun die Grossisten infolge des Sturmes auf die Streichholzvorräte in den Detailgeschäften zur Ausführung ihrer vereinbarten Lieferungen gezwungen wurden, bezogen sie den sehr erheblichen Teil ihres Bedarfes, der von den deutschen Fabriken nicht geliefert werden konnte, aus dem Auslande, zu durch den Zoll erhöhten Preisen. Diese Preisdifferenz ist nun von den Groß- Händlern gegen die deutschen Fabriken eingeklagt, wobei eS sich um sehr bedeutende Summen handelt. Von den Fabriken wird in dem Rechtsstreit toroe majeure eingewendet; mit welchem Erfolge, bleibt abzuwarten._ Spanien. Die politische Lage. PariS, IS. September. Der„Matin" berichtet aus Madrid: Die Oppositionsparteien treffen Vorbereitungen, um einen energi- schen Kampf gegen die Regierung einzuleiten. Die Republikaner verlangen sofort die Einberufung der CorteS. Der frühere Minister des Auswärtigen Gulong erklärte, daß eS notwendig sei, die jetzige Regierung zu stürzen und dieselbe durch ein konservatives Kabinett zu ersetzen, welches das Gesetz achte, da die liberalen Parteien noch nicht bereit seien, die Verantwortlichkeit der Regierung zu übernehmen. Der Führer der Demokraten, Lopez Domiguez, hatte gestern eine lange Unterredung mit den Vertretern der liberalen und republikanischen Partei. Er ist der Ansicht, daß die Haltung der Regierung verfassungswidrig ist. Alle Oppositionsparteien werden einen Block bilden, um die Wieder- Herstellung der spanischen CorteS sowie die Ein- berufung derselben zu verlangen. Polizeistreiche. Madrid, 18. September.„El Pais" meldet die Explosion und Auffindung mehrerer Höllenmaschinen in Barcelona, worüber die Zensur keine Depeschen verbreiten ließ. So habe fie die Ver- öffentlichung zweier Explosionen am 28. August und die Auffindung zweier Höllenmaschinen und von acht Petarden am 30. August unter- sagt. An diesem Tage sei auch eine Explosion vorgekommen, die gleich den früheren keine Opfer erforderte, wohl aber seien am 13. September durch eine Explosion in der San Pahlostraße fünf Personen verwundet worden. Englanc!. Im Kampf um das Budget. Birmingham, 17. September. Hier fand eine große Demonstration der Liberalen zugunsten des Budgets statt, bei der 70 Parlamentsmitglieder am Vor- standstisch saßen und Arthur Chamberlain, der Bruder Josef Chamberlains, den Vorsitz führte. Premierminister Asquith erklärte, die Versammlung müsse eine gleich- mäßigeBelastung desReichtums verlangen. Die erwählten Vertreter des Volkes müßten hierin das letzte Wort haben. Er gebe den Ernst der von R o s e b e r y er- hobenen Vorwürfe zu: die immer wiederkehrenden Grund- steuervorschläge jedoch seien kein Sozialismus jüngsten Datums, sondern beinahe von ehrwürdigem Alter. Asquith schloß, die Liberalen nähmen die Herausforderung der Lords kampfesmutig an. Der Widerstand der Lords gegen das Budget sei die ungeheuerlichste Revolution der neueren Zeit. Imperialistische Agitation. New Jork, 17. September. Der englische Admiral Lord Beresford erklärte bei einem Bankett im Anwaltsklub, an- gesichts der Lage in Europa bleibe England nichts anderes übrig, als einen großen nationalen Verteidigungsplan vorzu- bereiten. Es wolle behalten, was es habe, und die Suprematie zur See bedeute für daS Reich Leben oder Tod. Wenn erst die Zeit gekommen, wo die englischsprechenden Nationen sich zusammengeschloffen haben würden, so gäbe es keinen Krieg. Die Sufsragettes. Birmingham, 13. September. Zwei Anhängerinnen des Frauen- stimmvechts, die gegen einen Eiscnbahnzug, in dem sich Premier- minister Asquith befand, Steine geworfen hatten, Mrden zu einem Monat Gefängnis verurteilt, Marokko. Berhöhnung der europäische» Juterventlon. Fez, 18. September. Wie mitgeteilt wird, ist der Roghi Buhamara im Innern des Palastes hingerichtet worden. Diese Matzregel soll verfügt worden sein infolge der Auftegung. in welche der Sultan durch den Schritt der fremden Konsuln gegen die grau- samen Folterungen versetzt worden ist. Die Hinrichtung fand in Gegenwart seiner Haremsdamen statt. Infolge der Nichtzahlung des Soldes desertierten 1300 Soldaten. TJmenKa. Folgen des Zolltarifs. Hamilton'(Ontario), 17. September. Bei einem Festmahl des Kanadischen Fabrikantenvereins erklärte Eisenbahnmini st er G r a h a m mit Bezug auf den amerikanischen Zolltarif, Kanada würde eine würdevolle Haltung bewahren und seine Geschäfte weiter betreiben, ohne sich durch irgendwelche Maßnahmen anderer Länder einschüchtern zu lassen. Es sei nicht nur die Politik der Regierung, sondern auch die des kanadischen Volkes, daß dem Mutterlande eine Vorzugsstellung eingeräumt werde. Da die Vereinigten Staaten diese Vorzugszölle für England sls eise Verlegung bei gilei&beie&tißuaa ansehen und' daknit drohen, gegen Kanada den Maximaklarlf angtef wenden, könnte es infolgedessen leicht zu einem Zollkrieg zwischen beiden Ländern kommen. Eue der Partei. Zwei wichtige Broschüren zur Steuerfrage sind erschienen. Im Verlage der Leipziger Buchdruckerei A.-G. (Druckerei der„Leipziger Volkszeitung") kam heraus: Die Brandschatzung des Volkes durch indirekte Steuern in Deutschland. Von I. K a r s k i. 90 Seiten. Preis SV Pf. Im Vorwort sagt Genosse Karski: «Die reaktionären Parteien und die Regierung haben der Be- völkerung Deutschlands von neuem eine ungeheure Last an in- direkten Steuern aufgebürdet, um Mittel zur Fortführung der ver- heerenden volksfeindlichen Politik des Militarismus zu erlangen. Von neuem fühlt das Proletariat am eigenen Leibe die Wirkungen dieses infamen Steuersystems. Vor nahezu fünf Jahrzehnten schrieb Ferdinand Laffalle seine zündenden Broschüren gegen die indirekten Steuern, und seither kämpft die Sozialdemokratie aller Länder ununterbrochen gegen dieses System. Indessen fehlt im Rüstzeug des proletarischen Kämpfers eine Waffe für diesen Kampf. Die Broschüren Lassalles sind unentbehrlich und unersetzbar, auch heute soll man sie lesen und wird man sie lesen. Allein seit sie niedergeschrieben, hat sich manches geändert, denn nirgends ist wohl die Erfindungsgabe der Volksbedrücker tätiger als da, wo es gilt, immer neue Millionen aus dem Beutel der arbeitenden Massen herauszuholen. In den Reden der parlamentarischen Vertreter des Proletariates und in der Preffe haben diese Praktiken der Lebensverteurer und Liebes- gabenempfänger stets die gebührende Beleuchtung erhalten, aber es fehlt eine zusammenfassende Darstellung. Diese soll die vor- liegende Schrift geben, sie soll schildern, wie heute das Volk in Deutschland durch indirekte Steuern gebrandschatzt wird, nicht nur zugunsten des Staates, sondern auch zugunsten der Junker und der Kapitalisten. Aus den Aufgaben des Kampfes geboren, möge das Büchlein im Kampfe guten Dienst tun. Am Jahrestage des Todes Ferdinand Lassalles 1909." ■<• Im Verlage der Wiener Volksbuchhandlung Jg. Brand u. Co., Wien, erschien: Das arbeitende Volk und die Steuern. Zum Kampfe gegen die Steuervorlagen der Regierung Bienerth-Bilinski. Vom Reichs- ratsabgcordneten Dr. Karl Renner. 1. Teil: Allgemeine Einführung in das Steuerwesen. Preis 60 Pf. Genosse Renner hat seiner Schrift folgendes Vorwort ge- geben: Mit schweren Lasten suchen wieder einmal die Regierungen der Staaten ihre Völker heim. Die Not der Massen ist groß, noch größer aber ist der leichtfertige Uebermut der Herrschenden. Erst haben sie ganz Europa mit dem Schrecken der Kriegsgefahr erfüllt: Durch Monate zitterten die Mütter um ihre Söhne, cS schien, daß Oesterreich und Rußland, Deutschland und England, Bulgarien und die Türkei, daß das europäische Festland und Europas Meere der Schauplatz eines ganz ungeheuerlichen Mordens werden müßten! Wie vom Alpdruck erlöst, atmeten Millionen Familien auf, als diese Gefahr an uns vorübergegangen. Aber an dem bescheidenen Tisch der Proletarierbehausung ist der freundliche Genius der Sicherheit ein flüchtiger Gast, dafür hält die Sorge ständige Einquartierung. Kaum war die Kriegs- gefahr geschwunden, so besannen sich die Staatsmänner aus neue Kriegsrüstungen. Neue Staatsschulden und neue Steuern in allen Ländern! Das Deutsche Reich fordert eine halbe Milliarde neuer Reichssteuern. England reformiert seine Finanzen, Rußland macht neue Schulden. Und auch die österreichische Regierung Bienerth hat durch ihren Finanzminister BilinSki eine lange Reihe neuer Steuern gefordert. Diese Steuern sollen in Oesterreich wie in Deutschland auf die geduldigen Rücken der arbeitenden Massen ge- wälzt werden, während sich die Besitzenden steuerfrei zu halten suchen. Sie haben nur einen Wunsch an die Regierung: Laß uns unseren täglichen Profit und versteuere den Massen das tägliche Brot, den täglichen Trunk! Wieder geht in ganz Europa die Steuerfeme um, nachdem die Kriegsfurie sich einstweilen verkrochen. Die Steuern stehen allent» halben auf der Tagesordnung. Und darum ist es notwendig für jeden, über das Steuerwesen im allgemeinen und über die Abgaben in seinem Lande sich zu belehren. Diesem Bedürfnis soll dieses Schriftchen entsprechen. Es ist gemeinverständlich gehalten. aber eS verzichtet nicht darauf, wissenschaftlich zu sein. Manche neue Auffassungen sind darin ausgesprochen, welche erst später in streng theoretischer Weise begründet werden können. Denn die Sache drängt, die Steuerfrage ist heute schon die Angelegenheit der Volksmassen und keine bloße Doktorfrage mehr. Das kämpfende Proletariat in der Abwehr der neuen Steuern zu unterstützen, ist die nächste Aufgabe dieser Arbeit. Sie behandelt das Steuer- und Staatsschuldenwesen über- Haupt, die verschiedenen Arten der Besteuerung und ihre Entwickc- lung. Eine zweite, besondere Arbeit soll den österreichischen Staats- Haushalt, seine Entwickelung und die Bedeutung der neuen Steuer- vorlagen untersuchen. Das vorliegende Schriftchen mag als Ver- such einer Einführung in die Finanzwissenschaft nach sozialistischer Auffassung gelten." Wie aus dem Vorwort ersichtlich ist, ist der I. Teil nicht bloß für österreichische Proletarier bestimmt. In der gegenwärtigen Situation besonders wird er auch den reichsdeutschen Urbeitern gute Diln�p leisten können. vom Ilierinieg. In Remscheid nimmt der stille Bierbohkott mit jedem Tage an Ausdehnung zu. Die von der Parteileitung und den GeWerk- schaften ausgegebene Parole«Bierenthaltung" wird von den Ar- beitern und teilweise auch von der Bürgerschaft strengstens befolgt. Eine Anzahl Wirtschaften, die bereits einen PrciSaufschlag eintreten ließen, haben diese Erhöhung wieder fortsallen lassen. Daß sich hierunter Lokale befinden, die vorwiegend oder ausschließlich von der bessergestellten Bürgerschaft besucht werden, also keine Arbeiter- lokale sind, ist typisch für den ganzen Bierkrieg. Es wird dadurch der Beweis erbracht, daß die Konsumenten aller Bevölkerungs- schichten die Verteuerung zurückzuweisen gewillt sind.— Eine „humane" Maßnahme hat die Wohlfahrtsfirma..Bergische Stahl- industriegesellschast". das größte Werk in Remscheid, durch An- schlag bekannt gemacht. Der Bierkonsum ist durch die Bewegung der Konsumenten total ins Stocken geraten, und ausgerechnet in diesem Monat hält es die Firma für angezeigt, den Milchpreis zu erhöhen. Durch Anschlag teilte die Firma ihren Arbeitern mit, daß die Milch, die bisher zu 20 Pf. pro Liter abgegeben wurde. in Zukunft mit 25 Pf, pro Liter zu bezahlen ist. Anscheinend soll diese Maßnahme den Zweck haben, den Bierkonsum wieder zu be- leben. Die Kalkulation dürfte aber verfehlt sein. Für das humane Getue dieser Firma ist dieser Preisaufschlag auf die Milch aber auf alle Fälle bezeichnend. Sie drohte auch die Schließung der in ihrem Betriebe befindliche« drei Bierkantinen an. 6ewcrkrcbafrl!cbe9* Berlin und dmgegend» Achtung, Gcneralstreikslisten! Die Entgegennahme der Gelder durch die Gewerkschasts kommission findet am Montag in der Zeit von 4 bis 7� Uhr nachmittags im Saale II des Gewerkschaftshauses statt. Berliner Gewerkschaftskommission. Die Tarifverhandlnngcn in der Postkartonvranchs haben bedeutsame Fortschritte nicht gemacht. Wie Schade, der Obmann der Tarifkommission der Arbeiter, in einer am Freitag in den Fortunasälen tagenden Versammlung der Kartonnieter, Zu- schneider und Arbeiterinnen berichtete, haben die beiderseitigen Kommissionen unter dem Vorsitz des Syndikus des Arbeitgeber- schutzverbandes, Rechtsanwalt B r ü ck m a n n, der prinzipalsseitig als„Unparteiischer" präsentiert wurde, schon dreimal zusammen getagt, ohne dah die Verhandlungen irgendwie nennenswerte Fort- schritte gemacht hätten. Einen Vorgeschmack von ihnen bekamen die Arbeitervertreter schon eingangs der ersten Sitzung» Die Prinzipale hatten an der bisherigen Bezeichnung des Vertrages mit„Mininial"-Tarif Anstosz genommen. Diese Bezeichnung soll deshalb nicht wieder angewandt werden, weil die Fabrikanten mehr zu zahlen gezwungen werden könnten. Die Prinzipale wollen auch diesmal nur die Löhne der Nieter durch den Tarif regeln und die Zuschneider und Arbeiterinnen nicht mit einbeziehen. Die Gründe ihres Widerstandes sind sehr eigenartige. Die Zuschneider könnten deshalb nicht mit einbezogen werden, weil deren Stellen Ver- trauensposten sind. Ihnen werde das gesamte Material anvertraut, das bei manchem Prinzipal das gesamte Vermögen darstellt. Red- ner ist der Meinung, daß durch die tarifliche Regelung der Zu- schneiderlöhne das gegenseitige Vertrauen durchaus nicht gestört, sondern nur gefördert werden kann. Der Widerstand der Fabri- kanten hat in Wirklichkeit seine Ursache darin, daß die Herren, wie einer von ihnen mitteilte, sich ihren Kollegen in der Bezugbranche gegenüber verpflichtet haben, die Zuschneider- und Arbeiterinnen- löhne in den Tarifvertrag nicht mit aufzunehmen. Auch über alle anderen Bestimmungen des von der Arbeiterschaft ausgearbeiteten Vertrages, die von Wichtigkeit sind, ist keine Einigung erzielt wor- den. So über die Verkürzung der Arbeitszeit von 53 auf 52 Stunden, die Festsetzung von Minimallöhnen, die für Nieter 28,50 M., für Leistennieter 30 M., für Zuschneider ebenfalls 30 M. und für Ar- beiterinnen 18 M. betragen sollen, und die zehnprozentige Er- höhung der Löhne derjenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, die die geforderten Lohnsätze und mehr bereits erhalten. Die Fabrikanten wollen dafür eine fünfprozentige Zulage auf die Wochenverdienste (Zeit- und Akkordlohn) gewähren. Neben einigen anderen, nicht besonders wichtigen Zugeständnissen soll auch eine Lehrlingsskala eingeführt werden, und zwar dergestalt, daß bei sechs Metern ein Lehrling beschäftigt werden darf. Die Lehrzeit soll ein Jahr betragen. Die Verhandlungen über den Akkordtarif brachten eben- falls ein wenig befriedigendes Ergebnis. Auch die Forderung auf Freigabe des 1. Mai ist von ihnen strikte abgelehnt worden. Die Prinzipale wollen auch keine dreijährige Tarifdauer mehr, sondern eine fünfjährige. Die Tarifkommission hat die Verhandlungen ab- gebrochen, da weitere Verhandlungen keinen Wert mehr hatten, auch die Prinzipale hielten eine Verständigung nicht mehr für möglich. — Besonder« Beachtung verdient die beabsichtigte künftige Be- setzung des Tarifschiedsgerichts. Der Werkmeisterverband für das Buchbindergewerbe ist an beide Tarifkontrahenten mit der Forde- rung herangetreten, ihm im Schiedsgericht zwei Sitze einzuräumen. Die Prinzipale wollen hierin entgegenkommen, aber nur beratende Stimme zugestehen. Damit ist der Werkmeisterverband nicht ein- verstanden. Die Arbeiterschaft könne kaum ein Interesse cm der Vertretung eines Nichtkontrahenten im Schiedsgericht haben. Die Arbeiterschaft ist nun zusammenberufen, um selbst zu entscheiden und der Bewegung einen Stoß nach vorwärts zu geben. In der Diskussion, die bis in die Morgenstunden währte, gaben die Redner ausnahmslos der Unzufriedenheit über die gemachten Zugeständ- nisse Ausdruck; auch dem Verlangen des Werkmeisterverbandes dürfe nicht entsprochen werden. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die versammelten Nieter, Zuschneider und Arbeiterinnen nehmen Kenntnis von den bisherigen Verhandlungen und be- dauern das ablehnende Verhalten der Prinzipale. Sie beauf- tragen die Tarifkommission, dafür zu sorgen, daß die Zuschneider und Arbeiterinnen unter allen Umständen in den Tarifvertrag mit aufgenommen werden. Sie sind ferner der �Ansicht, daß es bei einigem Entgegenkommen der Fabrikanten möglich sein wird, einen Tarif zustande zu bringen, der beide Teile, Prinzipale sowohl als auch die Arbeiter, befriedigen wird. Von der weiteren Verhandlung ist in einer noch vor dem 1, Oktober stattfindenden Versammlung Bericht zu erstatten." Achtung, Maurer! Die Backofenmaurer sind mit den Unternehmern in Unterhandlung getreten. Sie forderten eine Lohnerhöhung um 5 Pf. pro Stunde und Anerkennung deS alten Vertrages, welcher am 1. April 1308 abgelaufen ist. Die Unternehmer machten in der Verhandlung geltend, daß sie nicht imstande wären, eine augenblickliche Lohnerhöhung geben zu können. Sie seien aber gewillt, den alten Vertrag mit der acht- ftündigen Arbeitszeit auf ein Jahr von neuem abzuschließen. Es haben sich zwei Versammlungen der Backofenmaurer damit beschäftigt und haben beschlossen, die Lohnerhöhung fallen zu lassen und den alten Vertrag bei achtstündiger Arbeitszeit bis zum 1. Juli 1310 abzuschließen. Der Vertrag ist den Unternehmern zur Unterschrift zugesandt. Trotz dieses Entgegenkommens weigern sich etliche Unternehmer, den Vertrag zu unterschreiben, und sind nun nach den Abmachungen und laut Versammlungsbeschlutz folgende Unternehmer bis auf weiteres gesperrt: Franke u. Laube, Merker. Dorn, Salomon, Eisenmut h. Wir fordern die Kollegen sowie sämtliche Bauhandwerker auf, dke Maurer, welche bei obengenannten Firmen arbeiten, darauf auf- merksam zu machen, daß ihr Verhalten unsolidarisch ist. _ Der Vorstand. Die Rohrer, organisiert im Verband der baugewerblichen Hilfs- arbeiter, beschäftigten sich in einer außerordentlichen Mitglieder- Versammlung, die am Freitagabend im..Gewerkschaftshaus" statt- fand, mit dem Streik, den der Verein der Rohrer(die Lokalisten) erklärt hat. Norgel referierte. Er forderte, daß eine Organi- sation, die einen Streik führen wolle, mit den übrigen Organi- sationen im Gewerbe vorher zu einer Verständigung kommen müßte. Das habe der Verein der Rohrer nicht getan. Er sei ganz selb- ständig vorgegangen, ohne sich um die Sektion der Rohrer über- Haupt zu bekümmern. Das könne sich die Sektion der Rohrer nicht gefallen lassen. Da sie aber mit dem ausgebrochenen Streik rechnen müßte, so habe die Verwaltung Stellung dazu genommen und schlage vor, daß die Sektion den Unternehmern einen Tarif- vertrag unterbreite und eine Lohnkommission zur Führung der einzuleitenden Bewegung einsetze. Die Versammlung war damit einverstanden, wählte die Kommission und stimmte dem vorgelegten Darifentwurfe zu, der dieselben Forderungen enthält, die schon bei früheren Lohnbewegungen aufgestellt wurden. Die Arbeit wird überall n ie der ge legt. Die folgende Resolution gelangte zur Annahme: „Die heutige außerordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes der baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands, Zweigverein Berlin und Umgegend(Sektion der Rohrer), ver- urteilt ganz entschieden die Maßnahmen des Vereins der Rohrer Berlins(lokaler Richtung) wegen ihres Verhaltens bei der Lohn- lbewegung, indem sie die Leitung unserer Organisation nicht früher über ihre Lohnbewegung unterrichtete, als bis der Streik schon beschlossen war. ! Die Versammelten erklären, sich zwar nicht als Streikbrecher gebrauchen zu lassen, sie beauftragen aber die heute hier ge- wählte Lohnkommission, mit den Unternehmern in Verband- lungen zu treten, um eventuell zum Abschluß eines Tarifver- träges zu kommen."_ Differenzen im Töpfergewerbe beschäftigten am Freitag eine Versammlung der Bauvertrauens- leute der Töpfer. Der Unternehmer Makert vergibt Arbeiten an Zwischenunternehmer(Meister), die sie auf den einzelnen Bauten ausführen lassen. Hier kam es zu Differenzen wegen der Bezahlung der sogenannten Eulenöfen. Diese wurden mit 59,10 Mark beziehungsweise 53 M. bezahlt. Auf Veranlassung der Ar- beiter wurde die Arbeit nachberechnet. Während die Bauten- kontrolleure sich nicht einigen konnten, kam die Schlichtungs- kommission durch ihre Berechnung zu dem Ergebnis, daß die Eulen- öfen mit Zylinder ohne Löcher mit 61,10 M. zu bezahlen seien. Die Nachzahlung der Differenz für die bereits fertiggestellten Eulen- öfen wurde von dem Hauptunternchmer Makert verlangt. Von einer Klage gegen einzelne Meister ikahm man Abstand, da man diese nur als Zwischenpersonen betrachtet. Herr Makert aber lehnte die Nachzahlung ab. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß der von der Schlichtungskommission herausgerechnete Betrag nur für d i e Oefen zu zahlen sei, die n a ch jener Berechnung neu an- gefangen worden seien. Er behielt sich vor, sich am Sonn- abend definitiv zu erklären. Für die Nachzahlung kommen etwa 50 Oefen in Betracht. Die Versammlung war mit dem Vorstand der Meinung, daß die Firma Makert zu sperren sei, wenn die Nachzahlung nicht geleistet werde. Es wurde beschlossen, die Arbeit aus sämtlichen Bauten der Firma Makert niederzulegen, wenn Makert bis Montag früh das Geld nicht zahlt. Die Tarifbewegung der Töpferträger wurde ebenfalls in der Versammlung erörtert. Den Vertrauensleuten wurde anheim- gegeben, diese Bewegung im Auge zu behalten. Die Kollegen hätten darauf zu sehen, ob die Träger organisiert seien. Die Indifferenten seien anzuhalten, sich zu organisieren. Auch sei darauf zu achten, daß die, welche noch dem Transportarbeiterverband angehörten, sich dem Bauarbeiterverband anschließen. Streik bei der Firma Manoli. Die von der bekannten Zigarettenfabrik„Manoli", Inhaber I. Mandelbaum, Berlin, Rüngestr. 22/24, angekündigte Entlassung von 50 Zigaretten Handarbeitern, � ihrer sämtlichen Handarbeiter, hat die Firma am Sonnabend, den 18. dieses Monats� vollzogen. Die am selben Tage stattgefundene, von zirka 300 Personen besuchte Betriebsversammlung sämt- licher Branchen der Firma, erklärte sich mit den Entlassenen solidarisch. Daraufhin wurde von den in Betracht kommen- den Organisationen die Zustimmung zum Streik gegeben, der am Montag, den 20. September, in Kraft tritt. Veutkekes Reich. Ein Unternehmer— auch gegen Hirsch-Dunckersch«. Bei der weltbekannten Gärtnereifirma Gebrüder Dippe in Quedlinburg werden zirka 500 Gärtner und Gärtnerei- arbeiter beschäftigt, an die im Laufe der Jahre viel Mühe auf- gewendet wurde, um sie zu organisieren. Der„Allgemeine Deutsche Gärtnerverein" vermochte darin nur vorübergehend Erfolge zu er- ringen. Erst im verflossenen Jahre gelang es den Hirsch-Duncker- schen, einen Ortsverein der Gärtner zu gründen, der es bis auf 150 Mitglieder gebracht haben soll. Die Hirsche glaubten, daß der Millionär v. Dippe gegen die Organisierung„seiner" Arbeiter in dem Gewerkverein nichts einwenden werde. Aber der Glaube war irrig. Als das Gewerbegericht sich für die Gärtner als zuständig erklärte und außerdem der Fort- bildungsschulzwang für Gärtnerlehrlinge eingeführt wurde, begann Herr v. Dippe zu murren. Und als erst der Vorsitzende des Ge- Werkvereins von den Mitgliedern beauftragt wurde, bei der Firma um eine geringe Verkürzung der Sonntagsarbeit vorstellig zu werden. War es mit Herrn v. Dippes„Langmut" vorbei. Eine Antwort auf das Gesuch blieb aus; dafür wurde aber den Mit- gliedern des Gewerkvereins bei der nächsten Lohnzahlung bekannt- gegeben, daß sie bis zum 1. Oktober ihren Austritt aus der Or- ganisation zu vollziehen hätten, anderenfalls würden sie entlassen. Damit war das Schicksal des Gewerkvcreins besiegelt; die Hirsche traten aus. Vergeblich hatte der Vorsitzende des Zentralverbandes der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine, der frühere Landtagsabgeord- nete Goldschmidt, versucht, vermittelnd einzugreifen. Wie er selbst in einer dieser Tage in Quedlinburg abgehaltenen Versamm- lung erklärtö, hat ihm Herr v. Dippe einfach zur Antwort ge- geben, daß er Herr in seinem Hause sei, und nur er zu befehlen habe. Die Gärtner seien früher, als sie noch keiner Organisation angehörten, viel artiger gewesen. Er habe nichts gegen die Or- ganisation, seine Leute könnten sich gern organisieren, aber bei ihm dürften sie dann nicht mehr arbeiten! Goldschmidt machte dann den so koalitionsrechtsfreundlichen Millionär darauf auf- merksam, daß am Quedlinburger Rathause, das er, v. Dippe, doch gestiftet habe, schöne Sinnsprüche angebracht seien, u. a. auch der:„Anderer Ueberzeugung ehren, heißt Deiner Meinung Wert vermehren!" Die Antwort war:„Ich habe wohl das Geld ge- geben, aber die Sprüche hat der Oberbürgermeister gemacht." In der erwähnten Versammlung schilderte der Bezirksleiter Hauke die Bemühungen des„Allgemeinen Deutschen Gärtner- Vereins", die Dippeschen Gärtner zu organisieren. Schon 1830 hätten 300 Gärtner dem Verbände der Gärtner angehört. Es sei zwar gelungen, den Monatslohn von 38 auf 45 M. zu erhöhen, aber die Organisation hätte die Firma schließlich doch wieder zu vernichten gewußt. Ob die Hirsch-Dunckerschen Arbeiter nun wohl einsehen wer- den, daß dem Unternehmertum jede Organisation verhaßt ist, ganz gleich welcher Richtung, daß also mit Harmonieduselei nichts zu erreichen ist?«_| Etreikjustiz. Der Gauleiter des Maurerverbandcs, Genosse Richard H o r t e r- Pforzheim, der auch Landtagskandidat für den zweiten Pforzheimer Wahlkreis ist, wurde vom Schöffengericht Pforzheim in Baden zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er am 19. Juli beim Maurerstreik in Pforzheim auf dem Bahnhofsplatze gelegent- lich eines Arbeitswilligentransportes das in unserem kapitalistischen Zeitalter unerhörte Verbrechen begangen haben soll, einen Arbeits- willigen„angefaßt und beiseite gezogen" zu haben. Horter wurde damals verhaftet, obgleich es sich um einen ganz harmlosen Vorfall handelte. Der Schutzmann beschwor vor Gericht, Horter habe den Arbeitswilligen mit beiden Händen an die Brust gefaßt, während der„Angefaßte" selbst vor Gericht aussagte, er sei nur einen Augenblick mit einer Hand gehalten worden. Um diese Baga- telle, bei der von einem Vergehen überhaupt nickt gesprochen werden kann— 14 Tage Gefängnis. Gegen das Urteil ist Berufung ein- gelegt._ Huq Induftm und Dmdcl Roheisengewinnung mittels Elektrizität. Eine wirtschaftliche Umwälzung von unabsehbarer Tragweite bedeutet die Möglichkeit, Roheisen inf rationeller Weise mittels elektrischer Energie herzustellen, die zurzeit zur Tatsache zu werden Aräntw. BedgktLj� K»U Vsm Berlin. Zn1«gtWkU VttWtL» Krück u, Mrlag; MSWi»Ml Zii�r& Es-. Aerlw SM»~ scheint. Aus Stockholm kommt die Meldung, daß es drei fchwedl- schen Ingenieuren, Grönwall, Lindblad und Stealham, gelungen ist, das Problem der Massenherstellung von Roheisen auf elektrischem Wege zu lösen und hierauf ein Patent zu erhalten. Mehrere Eisenwerke haben bereits die praktische Durchführbarkeit und Wirtschaftlichkeit dieses technischen Fort- schrittes erkannt und das Patent zur Ausnutzung übernommen. Die Herstellungsunkosten sollen sich nämlich für die elektrische Her- stellung von Roheisen um rund 16 Proz. billiger stellen. Abgesehen von der Tragweite, die die Verbilligung des Eisens, des neben seiner Brauchbarkeit gerade wegen seiner Billigkeit wichtigsten Metalles, für die gesamte Menschheit hat, gibt es noch andere wichtige Folgen, die das neue Herstellungsverfahren sowohl auf die gesamte Welt als auch für das Wirtschaftsleben einzelner Völker mit sich bringt. Von der gesamten Kohlenförderung der Welt, die sich auf rund 1 Milliarde Tonnen pro Jahr beläuft, wird rund der sechste Teil für den Hochofenbetrieb zur Gewinnung von Roheisen verkokt. Die Kohlenschätze der Erde sind indessen beschränkt, und nach allgemeiner Schätzung dürften sie bei dem heutigen Konsum und seiner immerwährenden Zunahme in 300 Jahren völlig verbraucht sein. Erschreckende Bilder sind bereits von der Zeit entworfen worden, in der die Welt des Kraft- und Wärmespenders Kohle entbehren wird; doch schon die Jetztzeit zeigt deutlich, daß die Menschheit bis dahin Mittel und Wege gefunden haben wird, für die fehlende Kohle Ersatz zu schaffen. Die Roh- cisenerzeugung mittels Elektrizität ist bei der Unmenge der früher hierbei verwendeten Kohle geeignet, den Zeitpunkt des Aufhörens der Kohle nicht unerheblich hinauszuschieben und der Menschheit eine weitere Frist zur Schaffung vollgültiger Ersatzmittel zu ver- schaffen. Die Elektrizität scheint in Verbindung mit der Aus- Nutzung von Wasserkräften als Ersatzmittel hierzu am berufensten zu sein. Während die elektrische Energie bisher unter Benutzung von Wasserkräften bereits in der Lage ist, die Verwen- dung der Kohle als Antriebskraft und Lichtspender in der Form der Gasbeleuchtung zu übernehmen, kommt sie hierfür jetzt auch auf dem Gebiete der Warenherstellung immer mehr in Betracht, und wer weiß, wie lange nach der erweiterten Ausnutzung der Wasserkräfte die Wirtschaftlichkeit des Kochens und Heizens mittels des elektrischen Stromes auf sich warten läßt. In der Eisen- i n d u st r i e hat die Fähigkeit der elektrischen Energie, große Wärme zu erzeugen, die ja nur Kraft in anderem Gewände ist, bisher die Verwendung des elektrischen Stromes zur direkten Warenherstellung auf Löten, Schweißen und erst seit kürzerer Zeit auf die Veredlung von Roheisen zu Stahl im elektrischen Ofen beschränkt. Nicht wundernehmen kann es, daß das Bestreben unter Ausschaltung des Kohlenverbrauches Roh- eisen mittels Elektrizität zu erzeugen, in Schweden zu einem Er- gebnis geführt hat, da dieses Land hieran mehr als jedes andere interessiert ist. Schweden entbehrt neben seinem reichen Besitz an hochwertigen Eiscnlagern der Kohle, die es vom Auslande be- ziehen muß, um Roheisen zu erzeugen. So betrug die Einfuhr an Kohlen und Koks im letzten Halbjahr 22 819 000 Hektoliter. Den übrigen Industrieländern gegenüber, die über Kohle verfügen und denen das schwerere Gut, das Eisenerz, zuschwimmt, ist Schweden infolge der höheren Transportkosten im Nachteil. Außerdem reizt der Ueberfluß Schwedens an Wasserkräften, die eine billige Er- zeugung elektrischer Energie gewährleisten, dazu an, der Wirtschaft- lichen Verwendungsmöglichkeit des elektrischen Stromes regeres Interesse zuzuwenden als anderswo. Von den europäischen Ländern hat nur Norwegen einen größeren Besitz an Wasserkräften aufzuweisen als Schweden, dessen verfügbare Wasser- kräfte bei neunmonatlichem Wasser an den Turbinenwcllen auf 6 750 000 Pferde st ärken geschätzt werden, so daß auf 1000 Einwohner 1290 Pferdestärken zur Verfügung stehen. Die Her- stellung des.Roheisens auf elektrischem Wege soll eine Verbilligung von 16 Proz. bedeuten. ES wäre interessant, zu erfahren, welcher Preis für den verwendeten Strom bei dieser Berechnung zugrunde gelegt ist. Auf alle Fälle wird kaum ein Land, das über so reiche Eisenerzlager verfügt, die zur Roheisengewinnung nötigen ungeheuren Elektrizitätsmengen so billig herstellen können wie das wasserkraftreiche Schweden. Ueberdies fallen für dieses die Transportkosten des Erzes fort, da die Elektrizität sich willig an den Ort der Lager leiten läßt und eine Verhüttung des Erzes an Ort und Stelle ermöglicht. Je nach der Berück- sichtigung, die alle diese Momente bei der Berechnung der Herstellungskosten gefunden haben, wird sich der Vorteil, dem Schweden die Roheisengewinnung mittels Elektrizität in Wirt- schaftlicher Beziehung vor anderen Ländern zu bringen verspricht, noch vermehren. Jedenfalls ist die Neuerung dazu angetan, das Wirtschaftsleben verschiedener Völker, ihre wirtschaftliche Ab- hängigkeit voneinander, sowie ihre Stellung auf dem Weltmarkte stark zu ändern. Letzte IVadmcbtcn und Dcpefcbcn. Zum Kampf i» Schweden. Stockholm, 18. September.(Privatdepesche des „V o r w ä r t s".) � Die Verhandlungen nehmen ihren Fort- gang. Zu irgendeinem Resultat ist es indes bisher noch nicht gekommen. Man verhandelt über die verschiedenen Detail- fragen, aber darüber hinaus ist man bisher nicht gekommen und eine Wiederaufnahme der Arbeit steht daher für die kommende Woche auf alle Fälle nicht in Aussicht! Vom Schlachtfelbe der Arbeit. Ludwigshafen, 18. September.(B. H.) Gestern nachmittag platzte in der Badischen Anilin- und Sodafabrik A.-G- in einem Kesselhaus eine Hauptleitung. Durch ausströmenden Dampf wurden der Kesselputzer Wagener und der Hilfsheizer Brückner derart ver- brüht, daß sie kurz darauf im Krankenhaus starben, ein anderer Kesselputzer wurde leichter verletzt. Der Rohölbrand. Lemberg, 18. September.(W. T. B.) Der Brand in den drei mit Rohöl gefüllten Erdreservoirs der galizifchen Rohöltransport- und Magazinierungsgesellschaft Borhslaw ist bereits vollständig gelöscht._ Trübe Botschaften, Konstantinopel, 18. September.(W. T. B.) Nach hierher ge- langten Nachrichten sind auf Samos Unruhen ausgebrochen. Der Fürst hat die Nationalversammlung, welche eine Herabminderung der auf der Insel befindlichen türkischen Truppen forderte, aus- gelöst. Aufständische durchschnitten das Kabel von Smyrim. Ueber weitere Vorgänge auf der Insel ist die Pforte ohne Nachricht. Tabakfcldcr vernichtet. New Jork, 18. Sept.(W. T. B.) Aus Havanna wird gemeldet, daß in der Provinz Pinar del Rio, dem Haupttabakdistrikt, ein schwerer Orkan gewütet hat. Der Umfang des Schadens ist noch unbekannt. Die Verbindungen sind unterbrochen. Das gelbe Fieber. Rio de Janeiro, 18. September.(W. T. B.) Wie die Blätter melden, ist das gelbe Fieber in Bahia wieder aufgetaucht und. wütet insbesondere unter den Hafenarbeitern.__ Hicrjg 5 Aeiligcg, it. 219. 26. Jahrgang. 1. KeillP des Jotiuitls" Kerlim W.ZepteOttlW. SozlaIderooftratif(])er Parteitag in Leipzig. Sechster BerhandlungStag. Vormittagssitzung. Singer eröffnet die Sitzung um 9 Uhr. begrüßt den dänischen Genossen Reichswgsabgeordneten Olsen- Kopenhagen, der leider nicht von Anfang an den Verhandlungen des Parteitages beiwohnen konnte, verliest Grüße der sozialdemokratischen Partei der österreichischen Ukraine sowie der sozialdemokratischen Partei Englands und macht Mitteilungen von dem schönen Siege der Gewerkschaften bei den Gewerbegerichtswahlen in Witten. Die freien Gewerkschaften haben sieben Beisitzer gegen drei gegnerische durchgebracht.(Bravo!) Genosse Landtagsabgeordneter Lindemann-Stuttgart teilt dem Parteitag mit, daß die württembergische Erklärung ihm nicht vorgelegen habe und daß er derselben in dieser Form seine Zustimmung nicht gegeben hätte. Es folgt der Bericht der Beschwerdckommission, den Rudolf-Frankfurt a. M. erstattet. Eine Beschwerde von Richard Zschocher gegen das Leipziger Lokalkomite«, weil es den Zutritt zu dem Parteitag nur gegen Eintrittsgeld gestattet hat, wird auf Antrag der Kommission durch Ucbergang zur Tagesordnung erledigt. Der Genosse Emil Schröder (Berlin IV) wird auf Antrag der Kommission wieder in die Partei aufgenommen. Es folgt die Angelegenheit Müller- Stuttgart. Derselbe hat Vorgänge aus einer geschlossenen Parteiversammlung(im August 1908 in Stuttgart) an das bürgerliche„Stuttgarter Tage- blatt" geliefert, bei dem er als Schriftsetzer arbeitet. In der nächsten Parteiversammlung wurde dre Berichterstattung scharf getadelt. Trotz der Aufforderung des Vorsitzenden meldete sich Müller nicht, auf dem sofort der Verdacht ruhte. Schließlich gab er seine Verfehlung zu. Ein Schiedsgericht erteilte ihm eine Rüge. Die Kontrollkommission hob aber dieses Urteil auf, weil sich die Tat als eine ehrlose, parteischädigende Handlung charakterisiere. Tic Beschwerdekommission empfiehlt dem Parteitag Bestätigung des Urteils der Kontrollkommission. Genosse Hildcnbrand-Stuttgart beantragt, unter Aufhebung des Beschlusses der Kontrollkommission, das Urteil des Schiedgerichts zu bestätigen. Der Antrag der Kom- Mission bedeutet ein Unrecht. Der Streitfall ist auf die hitzigen Debatten über die Budgetbewilligung zurückzuführen. Man suchte Stimmung gegen uns Bewilliger zrc machen, unter anderem da durch, daß man sagte, es seien Verräter unter uns. Zuerst wurde der Anschein erweckt, als ob von den Budgetbcwilligern die Bericht «rstattung ausgegangen sei. Wir protestierten sofort dagegen. Erst im Laufe der Sitzung erfuhr der Vorsitzende, wer der Bericht crstatter war.— Redner verliest den Bericht des„Stuttgarter Tageblatts" und fügt hinzu: In dem Bericht ist kein Wort irgend welcher Kritik, keine tendenziöse Darstellung, sondern nur die Mit teilung, daß die Versammlung stattgefunden hat und die und die ilicdner gesprochen haben. Die Beschwerdckommission betont k>e sonders den vertraulichen Charakter der Versammlung. Das ist eine Fiktion. In unserem eigenen Organ stand an dem- selben Tage ein vier Spalten langer Bericht, in welchem jeder Redner mit seinen Ausführungen wiedergegeben war. Jedes bürgerliche Blatt hätte daraus einen Bericht anfertigen können, der aber nicht so objektiv gewesen wäre. Also von der Mitteilung vertraulicher Dinge kann man nicht reden. Jedenfalls hat B. Müller, der übrigens nicht gewerbsmäßig Bericht erstattet, ange- nommen, daß er nicht vertrauliche Dinge der bürgerlichen Presse übermittelt. Das Schiedsgericht war demgemäß auch der Ansicht, daß weder von einer Verletzung der Parteigrundsätze, noch von einer ehrlosen Handlung gesprochen werden kann. Um aber in Zukunft derartige Dinge zu vermeiden, ist von dem Schiedsgericht dem Schriftsetzer Müller eine Rüge erteilt worden. In der Kon- trollkommission ist ein neues Moment zutage getreten, das in dem Verfahren vor dem Schiedsgericht keine Rolle gespielt hat. Müller sollte sich hinter einer Säule versteckt und dort Notizen gemacht haben.(Hört! hört!) Der Angeklagte hat das unter Abgabe des Ehrenwortes ausdrücklich bestritten.— UebrigenS hat der Vorstand des Stuttgarter Wahlvereins in der„Schwäbischen Tagwacht" die dem Müller erteilte Rüge bekannt gemacht. Solche öffentlichen Proskriptionen sollten nicht vorkommen. Kaden: Die Versammlung war eine geschlossene, zu der nur legitimierte Mitglieder Zutritt hatten. Da ist es doch selbstverständlich, daß darüber nicht an die bürger- l i ch e Presse berichtet werden durfte. In der nächsten Versamm- lung wird das gerügt. Müller meldet sich nicht, man beobachtete ihn aber und findet ihn hinter einer Säule stehend. Zur Rede ge- stellt, erklärt er. erlassesichdasnicht verbieten.(Hört! hört!) Was er früher in Heilbronn stets getan habe, würde er auch in Stuttgart tun. Vor dem Schiedsgericht hat er ja andere Töne angeschlagen. Wir haben den Spruch des Schiedsgerichts auf- gehoben und, meiner Meinung nach, mit Recht, den Müller aus der Partei ausgeschlossen. Es liegt hier ein Verrat an der Arbeiterklasse vor, und wenn wir gegen diesen nicht scharf vorgehen wollten, wäre das eine Ungerechtigkeit gegen Partei- genossen, die wegen weit geringerer Verfehlungen ausgeschlossen ivcrden. Hildenbrand: Wir sind in Württemberg manchmal froh, wenn wir in bürger» liche Zeitungen Berichte hineinbringen lassen können. Eine Menge Genossen tun das, und zwar gerade, um die Partei zu fördern. Wäre Müller nicht ein aufrichtiger Parteigenosse, hätte er nach der gehässigen, vollkommen unrechtmäßigen Proskription des Wahlver- cinsvorstandeS aus der Partei austreten können. Er hat jedoch das Vertrauen zum Parteitag, daß derselbe solche Gehässigkeiten nicht unterstützen wird. Braun-Königsberg: Wie kann Hildcnbrond den Müller einen aufrichtigen Parteigenossen nennen, da doch Müller sich zuerst nicht ge- meldet hat und somit ruhig den Verdacht auf anderen sitzen ließ.(Sehr richtig!) Das ist doch schlimmer als die Berichterstattung an sich, die natürlich schon allein die schärfste Rüge verdient. Bestätigen Sie den einstimmigen Kom- missionsbcschluß und öffnen Sie nicht der Treulosig- keit Tor und Tür.(Beifall.) Maucrer-Münchcn: Es scheint wirklich, als ob eine rein inquisitorische Art des Verfahrens wieder eingeführt werden soll. In keiner Weise schä- digt der Bericht Müllers die Partei.(Braun: Darauf kommt es gar nicht an!) Gewiß hätte er gar nicht berichten sollen. Aber wer noch nie so etwas getan hat, mag den ersten Stein werfen. Daß er sich zuerst nicht gemeldet hat, finde ich verständlich.(Rufe: So?) Daß Müller sich erst auf die Hinterbeine gestellt hat, ist schließlich auch menschlich begreiflich. Die Rüge genügt, der Aus- schluß ist nicht menschlich, sondern parteifanatisch. Rudolf: Müller hat schon bor zwei Jahren sich wegen Bericht- crstattung an die bürgerliche Presse die Rüge eines Diftxiktsvprsitzenden zugezogen(HW! hört!) Ppn Ge* hässigkeit ist keine Rede. Die Kommission hat nicht die Frage des Versteckens hinter der Säule als besonders schwerwiegend ange- sehen, sondern einzig und allein die Tatsache der Berichterstattung an die gegnerische Presse. Der Parteitag b c st ä t i g t mit Mehrheit den Beschluß der Beschwcrdekommission. Dcbattelos wird auf Antrag der Beschwerdekommissson der Ausschluß von Klapp-Elberfcld bestätigt, der gedroht hatte, in einer Broschüre schwere Anschuldigungen gegen eine Anzahl Partei- genossen an die Oeffentlichkeit zu bringen, während doch die völlige Haltlosigkeit dieser Anschuldigungen in einem löstündigcn Schieds- gerichtsvcrfahren erwiesen war. Der Ausschluß des Genossen Gastwirt Mühe- Hildcshcim wegen Nichtbeteiligung an den Landtagswahlcn wird auf Antrag der Beschwerdckommission und gemäß dem Beschluß der Kontroll- kommission aufgehoben. Rudolf betont, daß die Nichtbeteiligung aufs schärfste zu miß- billigen sei, aber nicht als ehrlose Handlung oder Verstoß gegen Partcigrundsätze qualifiziert werden könne. In Zukunft werde das neue Organisationsstatut die schärfere Beurteilung derartiger Verfehlungen zulassen. Ebenfalls und mit derselben Begründung empfiehlt Rudolf die Aufhebung des Ausschlusses des Genossen Heinrich- Berlin VI, der als Angestellter an einer Krankenkasse Ferien hatte und seinen Urlaub drei Tage vor der Landtagswahl ange- treten hat. Die Aufhebung des Ausschlusses wird beschlossen. Dagegen wird der Ausschluß des Brauers Kurt Vogel- Berlin V bestätigt, der in niedriger Weise den Genossen Gröger denunziert hat. Im Anschluß an die P a n k o w e r Vorkommnisse hat im Gegensatz zum Urteil des Schiedsgerichts die Kontrollkommission den Genossen Räber, der sich als die treibende Kraft bei dem parteischädigenden Treiben erwiesen hat, aus der Partei aus- geschlossen. Nach langer gründlicher Beratung beantragt die Beschwcrdekommission B e st ä t i g u n g des Urteils der Kontroll- kommission. Unter Ablehnung eines Antrags W e s s e l- Nieder- barnim auf Zurückverwcisung der Beschwerde an die Kontroll- kommission wird der Antrag der Bcschwerdekommission ange- nommen und damit der Ausschluß Räbers bestätigt. Bon Augsburg wird der Ausschluß des Genossen Gottschling beantragt, der sich mit dem Genossen Abgcord- netcn Rollwagen tätlich auseinandergesetzt hat. Rudolf erklärt namens der Beschwcrdckommission, daß der Ausschluß Gottschlings an sich nicht unerwünscht sei, daß aber das alte Statut keine Handhabe dazu biete. Simon- Augsburg bittet, den Ausschluß Gottschlings aus- zusprechen, der sich einer Anzahl ehrloser Handlungen schuldig ge- macht habe und zudem ein sehr unsicherer Kantonist lei. Unter Ablehnung des Antrages der Beschwerdelommission wird Gottschling aus der Partei ausgeschlossen. Es folgt die Wcitcrbcratung der Resolutionen. Katzenstein begründet die Resvlutioir 267*), welche den Partei- Vorstand auffordert, in Gemeinschaft mit der Generalkommission für Vermehrung der Kinderschutzkomnnssionen Sorge zu tragen. Man sollte dieser Frage mehr Aufmerksamkcit zuwenden, wie den internen Parteizänkerrien.(Zustimmung und Heiterkeit.) Genossin Lchmann-DreSden: In Dresden besteht schon seit drei Jahren eine Kinderschutz- kommission, die viel Ersprießliches geleistet hat. Da ist schon außer ordentlich viel aufgedeckt worden an K i n d e r v e r w a h r l o s u n g, KinderauSbeutung. Sittlichkeitsverbrechen, selbst junge Dienstmädchen mußten von der Kommission in Schutz ge- nommen werden. Die Kinderschutzkommission ist a» das Gewerb schaftSkartell angeschlossen. Alle Genossen und Genossinnen können mitwirken, indem sie die Fälle der Kommission melden. Genossin Zieh begrüßt den Antrag Katzenstein. Gcneralkommisston und Partei- Vorstand haben in einem Zirkular zu Anfang dieses Jahres auf gefordert, eine Kinderschutzkommission zu gründen zur lleberwachung des KinderschutzgesetzeS und in dem Zirkular ausdrücklich betoni, daß diese Kommissionen ihr Augenmerk auf die Verwahrlosung und Mißhandlung von Kindern richten sollen. Wir bitten alle Genossen und Genossiune», an unseren Arbeiten sich zu beteiligen, damit der Fraktion möglichst viel Material geliefert werden kann, ans Grund dessen sie eine Erweiterung des zurzeit völlig ungenügenden Kinder schutzes verlangt. Alle Genossen und Genofsinncn niüssen unS in unserem Kanipfe gegen Verwahrlosung und Mißhandlung von Kindern unterstützen. Auch die Parteipresse muß genötigt werden. unserer Arbeit erhöhte Beachtung zu schenken.(Lebhafte Zu stimmung.) Salzmann-Recklinghausen bittet, dafür zu sorgen, daß die Kinder Heime zu Gcmeindecinrichtungen werden. Von euiem konfessionellen Kinderheim wurde ein Kind� zurückgewiesen, weil ich als Sozial- demokrat die Aufnahme empfahl.(Hört! hört!) Die Resolution wird angenommen. Katzrnstcin begründet die Resolution 270:„Da die politische und die gewerkschaftliche Tätigkeit der Arbeiterbewegung durch die auf bürgerlichem Bode» stehende Abstinentenorgaiiisationen erschwert wird, fordert der Parteitag die abstinenten Parteigenossen auf, nicht diesen Organisationen anzugehören, sondern sich dem Arbeiter- Abstinenteubund anzus chließen." ES ist fraglos, daß viele organisierte Genossen dem Guttempler- orden angehören, und daß dieser Orden Ausgezeichnetes geleistet hat. Aber es steht auch fest, daß der Guttemplerordcn unS vielfach schädigt, wie zum Beispiel in Eckernförde beim Baiiarbcitcrstreik das Guttcmplerhcim geradezu das Quartier der Streikbrecher war. Wir müssen die abstinenten Arbeiter veranlassen, sich in Organisationen zusammenzufinden, die auf dein Boden de» Klassenkampfes stehen. DaS ist der Fall bei dem Arbeiterabstinentenbund. Im Arbeiter» abstinenteubund sind alle Richtungen der Partei bei uns vertreten, von PeuS bis Hänisch, und eS geht immer sehr friedlich bei unS zu. Wenn Sie alle dem Arbeiterabstinentenbund angehören würden, dann hätten wir auch viel mehr Frieden auf dem Parteitage.(Heiter- keit.) In Oesterreich hat die Abstinenzbewegung bei den Genossen viel größere Fortschritte gemacht, da geht eS auch dort viel friedlicher zu.(Heiterkeit.) Lipinski- Leipzig: Ich bin durchaus für Mäßigkeit und teile auch die Ansichten deS Genossen Katzenstein über den Guttempler- orden. Aber der Schlußsatz der Resolution ist sehr bedenklich. haben sich in den letzten Jahren eine Reihe Vereine für Spezialgebiete unter uns gebildet. Dagegen kann man nichts einwenden. Aber wir können unmöglich die Parteigenossen vcr- pflichten, diese Organisationen als offizielle Parteiorganisationen anzuerkenne». Sonst können die.Arbeiter-Turner, die Arbeiter- Schwimmer, die Arbeiter-Rauchcr dasselbe Recht für sich beanspruchen. Sehr richtig!) Durch diese Vereinsspielcrei schädigen wir, wie die Erfahrung beweist, sehr die Parteiarbeit der Genossen. Wir haben nicht soviel überschüssige Kräfte, daß wir eine Zersplitterung be- günstigen könnten.(Sehr richtig!) Katzenstein: Meine Resolution verlangt nicht vom Parteitag, daß er alle Genossen auffordert, dem Arbeiter-Abstinenteubunde bei- zutreten, sondern nur die abstinenten Genossen. ES soll verhindert werden, daß diese bürgerlichen Organisationen angehören. LipinSki weist auf die Zersplitterung in der Pnrteibewegung hin. Aber kein Verein hat so glänzende Resultate in bezug auf die politische Or- gauisation seiner Mitglieder erzielt, wie der Abstincntenbnnd. Es handelt sich nicht um Sonderbcstimmungen, sondern um ein Stück wertvoller Parteiarbeit. Wurm- Verlin: Der negative Teil der Vorschläge KatzensieinS ist durch unsere Essener Resolution bereits gebilligt. Wir haben dort bereits erklärt, daß unmöglich ein Parteigenosse einer bürger- lichen Abstinenzorganisation angehören darf. Ich habe damals bereits darauf hingewiesen, daß die Guttempler Gegenkandidaten gegen Parteigenossen ausstellen uslv.(Sehr richtig I) Wir haben unS in Essen aber sehr ivohl gehütet, die Genossen zum Eintritt in eine bestimmte»ichtbürgerliche Abstinenzorganisation auf- zufordern. Das tut aber der Antrag Katzenstein. Das wäre ein Präjudiz für die Schwiinmer, Turner, Radier usw. Ich schlage deshalb vor. aus dem Antrag Katzenstein den letzten Absatz, „sondern sich dem Arbeiterabstinentenbund anzuschließen", zu streichen.(Bravo!) Ackermann-Frankenthal: Lassen wir eS bei der auf dem Partei- tag in Essen eingenommenen Stellung bewenden. Hier kommen auch viele Proletarier als Abstinenten in Frage. Wir haben den zweiten Pfälzer Kreis nnt Hilfe der kleinen Weinbauern gewonnen, wenn lvir uns so festlegen, wie Katzenstein verlangt, wird unsere Agitation unter den Weinbauern erschwert. Der Schnapsbohkott hat entgegengesetzt gewirkt. Uns Pfälzern ist gestern die Erklärung eines WeiuhändlerS zugegangen, der sich über den Beschluß freut und zugleich eine Offerte über gute und billige Weine beilegt. (Aha I und Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. Der Antrag 270 wird in der von Wurm vorgeschlagenen Fassung angenommen. Die Resolution 272") begründet. Thicle-Halle: In Osteuropa wird ein großes Reich regiert von einer Bande von Verbrechern, die jedes Streben des Volkes nach Licht, Luft imd Recht durch Galgen, Pulver und Blei, durch Kerker und Verschickungen nach Sibirien zu erdrücken versuchen. Unter einer gleich schmachvollen Regiermig leidet in Südwestcuropa Spanien. Eine vollständige Verpfassung und Mißregierimg hat die spanische Nation einer furchtbaren geistigen und leiblichen Berarmimg ausgeliefert. Und doch habe» sich in dieser edlen Nation, die ans glänzende Knlturleistungen zurückschauen kann, Funken freiheitlicher Ve>irebniigen erhalten. Wie in Rußland die Revolution sich erhob, als Hnndcrttailsende von Söhnen deS Volkes nach Asien geschickt waren, so gab in Spanien die Versendung von Kanonensutter nach Afrika Anlaß zürn Ausbruch der Revolution. Ein Offizier mit deutschem Namen bat die Revolution unterdrückt. Wir alle wissen, in wie brutaler Weise daS erfolgt ist und wie die bürgerliche Presse dabei gelogen hat. Daher wolle» wir an dieser Stelle unsere Entrüstung über die brutale Unterdrückungspolitik der spanischen Regierung und unsere Sympathie mit der spanischen Arbeiterschaft ausdrücken. Möge das internationale Bureau sich mit der Frage beschäftigen, ob es möglich ist, den spanischen Arbeitern noch materiell zu helfen.(Lebhafter Beifall.) Die Resolution wird debattelos und einstimmig an» g e n o m m e n. Singer: Ich stelle fest, daß der Parteitag durch diesen Beschluß gegen die blutige kapitalistische spanische Regierung Protest einlegt, der so viele Proletarier zum Opfer gefallen sind.(Lebhafter Beifall.) Eine Anzahl Anträge erhalten nicht die nötige Unterstützung oder werde» zurückgezogen, unter den letzteren der Antrag Dortmund- Hörde, die Mitarbeiter der„Sozialistischen Monatshefte" ans der Partei auszuschließen. Die Zurückziehung wird dancit begründet, daß der Antrag in seiner vorliegenden Form zur Beschlußfassung auf dem Parteitage nicht geeignet sei. Grille- Dresden begründet den Antrag 211, der zur Regelung der sozialpolitischen Einrichtungen und zur Schlichtung der aus dein Arbeitsverhältnis entstehenden Differenzen für die Parteigeschäfte eine Kommission, bestehend auLVer« tretern der P a rte i g c s ch ä fte und der Angestellten verlangt. Die meisten Arbeitsordnungen in de» Parteibetrieben er- füllen bereits die Forderung des Antrags. In letzter Zeit ist aber nicht immer danach gehandelt worden. Es sind Angelegenheiten, die daS technische Personal betreffen, in der GeschäftSführerkonfcrcnz ohne Zuziehung des technischen Personals erledigt worden. Börurd-Hamburg bittet um Ablehnung des Antrages. Es ist nicht zu verurteilen, daß unser Personal sehr weitgehende Wünsche erhebt. Aber lvir müssen doch darauf Bedacht nehmen, da wir nun einmal in einer bürgerlichen Gesellschaft leben, mit der bürgerlichen Gesellschaft zu konkurrieren habne, und wir können nicht für uns allein Dinge zur Durchführung bringen, die wir von einer zukünftigen Ge- sellschaft erwarten. Wir haben getan, was wir konnten, und der achtstündige Arbeitstag bedeutet schon eine große Einbuße. Wir haben doch den Tarif und die Preßkommission und die letztere be- aücksichtigt in möglichst wiitgehender Weise Wünsche deS technischen Personals. Pfannkuch(Parteivorstand) bittet ebenfalls um Ablehgung des Antrages. Die vorgeschlagene Kommission müßte im Umherziehen ihre Geschäfte erledigen. Es sind doch bereits überall, wo Partei- gefchäfte vorhanden find, Organe zur Schlichtung etwaiger Diffe- renzen vorbanden. Der Antrag entspringt aus dein Bestreben, minder günstig gestellten Angestellten, günstigere Bedingungen zu er- langen. Es wird dabei vergessen, daß leineswegs in allen Partei« orten die gleichen Vorbedingungen bestehen.**) Der von Crispien- Danzig befürlvortete Antrag 213 auf Herausgabe eines AdreßkalenderS zweimal im Jahre, wird dem Parteivorstand zur Erwägung überwiesen. Es folgt der Antrag 213, der den Parteigenossen dringead den Austritt aus der Landeskirche empfiehlt, um so» bald als möglich die Einführung von Dissidenten» schulen zu ermöglichen und die Jugend dem verderblichen Einfluß des dogmatischen Religionsunterrichts zu entziehen. Löbe- Breslau begründet den Antrag im Namen der Mehrheit der BreSlauer Organisation. Es waren nicht religiöse, sondern politische Motive, die die Antragsteller zu ihrem Antrage veranlaßt haben. Hengsbach bittet, über den Antrag zur Tagesordnung überzu- gehen, der überhaupt nicht hätte unterstützt werden sollen. DaS wäre ein gefundenes Fressen für das Zentrum. In Breslau sollte man doch den Kamps mit dem Zentrum besser kennen. Wir habe» unS hier überhaupt nicht mit religiösen Dingen zu befassen. An anderer Stelle mag eS den Leuten, die innerlich mit der Kirche gebrochen haben, nahe gelegt werden, die Konsequenzen zu ziehen. *) 267, Der Parteitag legt es den Parteigenossen und Genossinnen anS Herz, allerorten durch Gründung von Kinderschutz- kommisfionen den Schutz der Kinder vor lnigesetzlichcr Ausbeutung, Berwahrlosuna und Mißhandlung zu betreiben. Die Mitglieder der Partei in öffentlichen VertretmigSkörpern und Vereinigungen aller Art werden verpflichtet, diese Tätigkeit nach Kräften zu fördern. Zetkin. Genügend unterstützt. *) 272. Resolution: Der Parteitag der sozialdemokratischen Partei Deutschlands nimmt mit Empörung Kenntnis von den rechts« verletzenden Gewalttaten und Grausamkeiten, die die spanische Re» gierung den Teilnehmern an der Widerstandsbewegung gegen de» Krieg in Aftika wie allen Bdkämpsern der kapitalistijch-psäffischen Gewaltherrschaft gegenüber zur Anlvendung bringt. Der Parieitng erhebt im Namen der Menschlichkeit gegen diese schmachvollen Greuel- taten schärfsten Protest und fordert alle Genossen und alle mensch- lich Fühlenden auf, sich der Protestbewegung der zivilisierten Welt gegen diese Handlungen und gegen das ganze System, aus dem sie hervorgehen, anzuschließen. Der Parteitag sendet brüderlichen Gruß den spanischen Parteigenossen, die mit todesverachtender Kühnheit den Kampf gegen dieses System pfäffischer Berdummung und skrupelloser Ausbeutung führen. K a tz c n st e i n. Genügend unterstützt. •") Der Bericht hat hier leider eine Lücke, über das Schicksal des Antrages wird nichts mitgeteilt. Hoffmann-Berli»: Ich komme zu einem anderen Schiuh als Hengsbach. Wir fordern zum Austritt aus der Landeskirche und nicht zum Austritt ans der Religion aus. Gerade vom Zentrum wird heute die Religion in unerhörtester Weise ausgebeutet. Jeder soll das Recht haben, zu glauben, was er willund mag der Organisation angehören, die seinem Glauben entspricht. Aber es deckt sich nicht mit unserem Programm. daß auS Staatsmitteln Gelder für kirchliche Zwecke hergegeben werden. Da wir nun nicht in der Lage sind, dies zu verhindern, bleibt nur der Austritt auS der Landeskirche. Das tun ja sogar Mennoniten, Baptisten und die Heilsarmee. Nur so lange die grosze Masse in der Kirche bleibt, wird die Kirche vom Staat finanziell unterstützt. Darum fordern wir: Heraus aus der Landeskirche! Klupsch-Dortmund: Durch die Annahme des Antrags wird nicht erreicht werden, daß ein größerer Teil der Parteigenossen als jetzt in Zukunst austritt. Wir würden mit dem Antrag nur dem Zentrum eine neue AgitationSwaffs gegen uns liefern.nit erneuten und berniehrten Kräften aufzunehmen verpflichtet sind. sie wird sich auch mit den letzten volksverräterischen, und volksausraubcnden Be- schlüssen° des Reichstages in bezug auf die Reichs- finanzreform befassen. Allüberall im Lande muß die Agitation einsetzen, um dem Volke durch Flugblätter, durch die Presse, durch Versammlungen klar zu machen, welch eine Schändlichkeit mit dieser ÄuSraubung der breiten Masse begangen ist und, Parteigenossen, ich habe die Zuversi-bt, und darauf weisen ja auch schon einzelne Momente hin, daß die Ab- rechnuna für diesen Streich bei den nächsten allgemeinen Wahlen nicht ausbleiben wird. Die nächsten Wahlen werden, wie ich hoffe, ein vernichtendes Urteil sprechen, nicht nur über die Finanzreform, sondern über daS Treiben der Reaktion im Deutschen Reiche überhaupt, über das Treiben derjenigen Parteien, die anscheinend für direkte Steuern sich erklären, sich aber damit zufrieden geben, daß mit einer halben Milliarde indirekter Steuern eine Anstandssteuer von 50 bis einige naohweieL KATALOG GRATIS. Iiriirts#r| 5% Exlra- Rabatt auf die bekannt billigen Preise, selbst bei Gelegenheitskäulon. Teppißh-Tbomasj Ist weil die „Sctiwarf Bouilloo-Wilrlel SMI dlaterialion nach dem Oripnalrezept 1 hergestellt sind, daher keine minder- 1 wertige Nachahmung. „Schwarz" Bouillon- Würfel enthalten I alle Vorzüge einer tadeUosen Fleisch- 1 brühe. „Schwarz" Bouillon-Würfel sind leicht| löslich und höchst konzentriert. 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Entweder handelt es sich um Personen, die seit vielen Jahren gerichtlich aus der Kirche ausgeschieden sind, oder aber es werden Leute zur Zahlung von Kirchensteuern aufgefordert, die niemals der veranlagenden Kirchen- gemeinde angehört haben. Nun wird den zu Unrecht Veranlagten noch zugemutet, zu reklamieren, obwohl sie doch der Kirche gegen- über gar keine finanziellen Verpflichtungen haben und angedroht, wenn sie die mit Zeit- und Geldverlust verknüpfte Reklamation nicht rechtzeitig einsenden, daß obendrein Pfändung erfolgen werde. Vergreist sich ein über diese Belästigungen Empörter in seiner Reklamation über diese ungerechte Veranlagung im Aus- druck, muh er noch gewärtig sein, wegen Beleidigung der Veran- lagungsbehörde angeklagt zu werden, wie das bereits einigen Re- klamanten gegenüber geschehen ist. Allerdings sind uns bisher nur Beleidigungsklagen bekannt geworden, die von der evangeli- schen Stadtshnode ausgegangen sind; der katholische Gesamtver- band der Kirchengemeinden hat es, wie es scheint, bisher vornehm vermieden, diesen Weg zu gehen, obwohl er sicher nicht minder liebenswürdige Reklamationen erhalten hat, als die evangelische Stadtsynode. Um ein kleine? Bild zu bekommen, wie es mit diesen Ver- anlagungen beschaffen ist, haben wir aus der großen Zahl der uns zugegangenen Klagen nur folgende charakteristische zusammen- gestellt: t. Gürtler R., Mirbachstr. 76, am 15. Mai lg05 auS der evangelischen Kirche ausgeschieden, aber von der katholischen Ge» meinde zur Kirchensteuer veranlagt. 2. Herr St., Mehnerstr. 5, mosaischer Konfesston. teilt mit, daß er im Juli, 10 Tage nach seiner Anmeldung in seiner jetzigen Wohnung, von der katholischen Kirchengemeinde eine Steuerver- anlagung erhalten hat, die er aber uneröffnet lieh und nach zwei Tagen wieder mit der Aufschrift, dah er keine Verwendung dafür habe, in den Briefkasten warf, erhielt die Veranlagung am 23. August im Brief. 3. Wilhelm St., Alexanderstr. 10/11, vor 15 Jahren aus der evangelischen Kirche ausgeschieden, yon der katholischen Kirchen- gemeinde veranlagt. 4. R., Zossener Strahe 51, ist evangelisch, seit einem Jahre aus der evangelischen Kirche ausgeschieden, erhielt von der katho- lischen Kirchengemeinde Steuerveranlagung. 5. Wilhelm A., Maxstr. 13d, am 22. Februar 1889 auS der evangelischen Kirche ausgeschieden, von der katholischen Kirchen- gemeinde veranlagt und das, oblvohl er nach einem Schreiben der Einkommensteuerveranlagungskornmission(Stadtbezirk 314 D, Steuernummer 2958) von der Zahlung einer Steuer überhaupt be- freit ist. 6. Frau Tischler Bl.. Rhkestr. 7, ist evangelisch, aber von der katholischen Gemeinde veranlagt. 7. Franz P., Rohrleger, Rhkestr. 7, seit 1906 auS der evangelischen Kirche ausgeschieden, von der katholischen Gemeinde ver- anlagt. 8. Karl K., Posamentiergehilfe, Köpenicker Strahe 139, am 28.'Februar 1900 aus der evangelischen Kirche ausgetreten, von der katholischen Gemeinde zur Steuer veranlagt. Trotz Reklama- tion und Protest Zahlungsaufforderung erhalten mit der An- drohung des Zwangsverfahrens, wenn nicht innerhalb 3 Tagen bezahlt wird. 9. Leopold, K., Wiesenstr. 7. mit Frau seit 16 Jahren auS der Landeskirche ausgeschieden, aber zu Unrecht von der evange- lischen Berliner Stadtsynode zur Kirchensteuer veranlagt. 10. Wilhelm Oe., jetzt Charlottenburg, Leibnizstr. 58, wohn- Haft, seit 10 Jahren aus der Kirche ausgeschieden, bekommt jedes Jahr von der Berliner Stadtsynode seine Einschätzung zur Kirchensteuer, obwohl er wiederholt mitgeteilt, dah er Dissident sei. 11. Schlosser Karl I., Lortzingstr. 9, ist im Jahre 1390, seine Ehefrau im Jahre 1891 auS der evangelischen Kirche ausgeschieden, im Vorjahre von der evangelischen Kirche zur Kirchensteuer ein- geschätzt. 12. Witwe Fr., Eerichtstrahe ivohnhast, laut amtlicher Mit- teilung vom 3. Juli 1906 von Zahlung der Steuern für die Monate April 1906 bis Ende 1906 infolge des Todes ihres Mannes be- freit, erhielt von der Stadtshnode unterm 2. Oktober 1908 die Auf- forderung, als Erbin des Verstorbenen die Kirchensteuern für 1906 zu zahlen, und als sie nicht zahlte, am 15. Oktober 1908 die An- drohung der Zwangsvollstreckung. Kleines Feuilleton. Der Kampf um die Pole. Immer mehr wissenschaftliche Autori- täten und Polarreisende ergreifen in der Frag« der Nordpolauf- sindung das Wort, um sich fiir Cooks Anspruch ins Zeug zu legen, dah er vor Peary dagewesen. So läht sich jetzt Dr. v. Drygalski, der Leiter der deutschen Südpolerpedition auf dem„Gauh", mit großem Nachdruck dahin vernehmen, dah Cook unbedingt Glauben verdiene. Jeder Zweifel an seinen Angaben würde denen unberechtigt er- scheinen, die ihn kennen. Auch der Belgier van Mirlo, der auf der . Belgica" mit Cook zusammen gefahren ist, bricht für ihn eine Lanze. Und es scheint beinahe, als ob Peary selbst, nachdem er eben erst wieder Cook des Schwindels bezichtigt hat, einen Rückzug vor- bereiten will, indem er nunmehr erklärt, es sei nicht unmöglich, dah eine andere Expedition über eine andere Route den Nordpol erreicht habe, ohne dah er dies erfahren habe. Unter diesen Um- ständen wohnte einem wissenschaftlichen Vortrag, der am Freitag- abend in der Urania stattfand, auch ein aktuelles Interesse bei. Dr. Georg Wcgener sprach vor einem zahlreichen Publikum, das seinen sachkundigen Ausführungen mit großem Interesse folgte und vielen Beifall spendete, über den Kampf um die Pole. Sein Vortrag drehte sich nicht etwa um den Streit, der zwischen Peary und Cook entbrannt ist, streifte ihn aber natürlich. Im größten Teil seiner Rede behandelte Dr. Wegener die Geschichte der Nord- wie der Südpolarreisen. Karten und prächtige Licht- bilder illustrierten die Darlegungen des Vortragenden, der einen großzügigen Ueberblick über die Geschichte der Polarrcisen in Nord und Süd von den Zeiten des Altertums bis auf Cook und Peary gab. Dr. Wegener skizzierte die neueste Fahrt Pearys, der nun tatsäch- lich den Nordpol erreichte. Dieser Erfolg ist, wie der Redner weiter ausführte, dem unermüdlichen Mann durchaus zu gönnen und war redlich verdient. Nun aber ist er zu spät gekommen. Schon ein Jahr vorher ist ein anderer dagewesen. Dr. Cook. Cook war kein Neuling mehr auf dem Gebiet der Polarforschung, sondern hatte bereits mehrere Expeditionen mitgemacht. Durch sein wissenschaftliches Werk über die Reise der„Belgica" hat er sich die größte Achtung als Forseher erworben. Auf den unglückseligen Streit, der jetzt ens- bräunt ist, will der Redner nicht eingehen. Seine persönliche Mei- nung ist die, dah beide am Nordpol gewesen, und dah nicht der ge- ringjte ernsthafte Grund vorliege, um an der Wahrheit der Cook- schen Angaben zu zweifeln. In ihnen selbst liegt, sagte Wegener. nichts, wgs lchvzere Zweifel bexechtigte. Manches ist nsch ttvklgr. 13. Albert P., Arbeiter. Charlottenburg, Helmholtzstr. 4, mit Familie sei 25. April 1906 aus der evangelischen Landeskirche ausgeschieden, von der katholischen Gemeinde zur Kirchensteuer veranlagt. 14. Otto F., Schonenschestr. 10, am 19. Oktober 1903 aus der evangelischen Landeskirche, die Frau aus der katholischen aus- geschieden, aber am 28. Oktober 1903, also nach 5 Jahren zur Kirchensteuer veranlagt. 15. Oskar I., Gisendreher, Koloniestr. 6, ausgetreten mit Frau am 22. März 1906, am 29. Oktober 1903 von der katholischen Ge- meinde veranlagt. War nie katholisch. 16. Josef T., Anstreicher, Schwartzkopfstr. 18, seit 27. Februar 1896 aus der katholischen Kirche ausgeschieden, Frau aus der evangelischen— soll an die evangelische Kirchengemeinde 6,20 M. zahlen, obwohl seit einem Jahre arbeitslos und von der Ein- kommensteuer befreit. 17. Fräulein Meta H., Pankstr. 31, veranlagt mit 4,20 M. Kirchensteuer, also bei einem Steuersatze von 21 M., obwohl die Arbeiterin gemäß ihrem geringen Verdienste zu keiner Einkommen- steuer veranlagt ist. 18. Schankwirt W., Graudenzer Straße 13, seit 30 Jahren aus der Landeskirche ausgeschieden, wurde im Vorjahre gleich- falls von der evangelischen Kirche veranlagt. 19. Albert S., Tischler, Reichenberger Straße 58, am 1. April 1889 mit Ehefrau aus der evangelischen Kirche ausgeschieden, von der katholischen Gemeinde im Jahre 1908 veranlagt. 20. Emil Sch., Handlungsgehilfe, Gitschincr Straße 58, jetzt Moritzstr. 22, am 2. April 1907 aus der evangelischen Kirche aus- geschieden, soll an die katholische Gemeinde Steuern zahlen. 21. B., Portefeuiller, Bprnholmer Straße 72, mosaischer Religion, von der jüdischen und evangelischen Gemeinde ver- anlagt. 22. Otto St., Simon Dachstr. 21, am 6. März 1906 aus der evangelischen Kirche ausgetreten, veranlagt im Jahre 1908 von der katholischen Kirche. 23. R., Gastwirt, Gartenstr. 103, früher evangelisch, aus- getreten am 6. Juni 1906, veranlagt von der katholischen Kirchen- gemeinde. 24. August F.. früher evangelisch. Austrittserklärung am 25. August 1906. Am 24. September 1908 von der evangelischen Kirche veranlagt, reklamierte, erhielt Antwort, dah Veranlagung ausgehoben sei. am 22. Dezember erhielt F. dafür eine Einschätzung von der katholischen Gemeinde. 25. Hermann E., Bötzowstr. 34, mit seiner Frau am 26. Juli 1897 aus der Kirche ausgetreten, bekam am 22. Dezember 1908 von der Berliner Stadtsynode eine Veranlagung zur Kirchensteuer, ferner am 19. Februar 1909 einen Mahnzettel, die Kirchensteuer für das Jahr 1907 zu zahlen. 26. Otto L., Müncheberger Straße 27, im Jahre 1906 aus der evangelischen Kirche ausgetreten, von der katholischen Kirche im Jahre 1908 veranlagt. 27. Max D., Admiralstraße, früher katholisch, seit 1905 aus- getreten, im Dezember von der evangelischen Kirche veranlagt. 23. Hermann L., Hermsdorfer Strahe 8, früher mosaischer Religion, seit 1893 mit Frau ausgeschieden, veranlagt im Dezember 1908 von der katholischen Gemeinde. 29. Rudolf M., Hussitenstr. 42, früher evangelisch aber ausgeschieden am 20. Juli 1907, von der katholischen Ge- meinde veranlagt. 30. Rudolf W., Maurer, Schliemannstraße. Am 14. April 1902 aus der evangelischen Kirche ausgetreten, im Jahre 1908 von der Berliner Staotsynode veranlagt. 31. Ferdinand L., Zimmerer, Pappel Allee 64, ausgeschieden auS der evangelischen Kirche am 24. Februar 1905. Gegen die Veranlagung vom August 1903 rechtzeitig Einspruch erhoben, keine Antwort erhalten. Am 27. Februar 1909 dagegen Mahnzettel er» halten, in dem Pfändung angedroht ist. 32. M., Metallarbeiter, Hussitenstr. 16, ausgeschieden auS der evangelischen Kirche, von der katholischen Gemeinde veranlagt. 33. Vater des obigen Metallarbeiters, Jasmunderstr. 10, das- selbe Schicksal, seit 9 Jahren aus der Kirche ausgetreten. 34. Des Obigen Bruder, Jasmunder Straße 21, dasselbe Schicksal, seit 2 Jahren aus der Kirche ausgetreten. 35. Franz B., Swinemünder Straße 46, ausgetreten am 6. April 1889. Veranlagt von der katholischen Gemeinde. B. war früher katholisch, die Frau evangelisch, aber vor ihrer Verheiratung ausgeschieden. 36. Karl L., Hussitenstr. 34, seit 1905 ausgeschieden, früher evangelisch, veranlagt 1908 von der katholischen Gemeinde. 37. Max E., Rüderödorfer Strahe 69 l, früher evangelisch, am 10. September 1906 ausgetreten. Veranlagung von dem katho- lischen Gcsamtverband. 38. Hugo W., Gastwirt» Müllerstr. 12a. Seit 1906 aus der evangelischen Gemeinde ausgeschieden. Erhielt, ohne eine Ver- anlagung erhalten zu haben, einen Mahnzettel, an den katholischen Gesamtverband Kirchensteuern zu zahlen. das liegt aber an den unvollkommenen Berichten. Für Cooks Glaubwürdigkeit führt der Redner an, daß er kein Neuling sei, sondern einen ehrenvollen Namen zu verlieren hätte bei einem Betrug, der ja doch herauskommen müßte. Dr. Wegener glaubt also, daß wir in Cook den ersten Entdecker des Nordpols zu sehen haben. Er erklärt es für ganz fraglos, dah man nun auch baldigst den Südpol erreichen werde. Er weist darauf hin, daß außer Peary jetzt auch der berühmte englische Polarforscher Scott nach der Antarktis will. Wenn dann der Ehrgeiz, auch den zweiten Achsen. Punkt der Erde zu erreichen, befriedigt ist, so wird die Wissenschaft- liche Arbeit in beiden Polargebieten erst recht losgehen. Theater. Friedrich-Wilhelm städtisches Schauspielhaus. Mehr und mehr scheint sich an manchen Berliner Theatern der Brauch einzunisten, das neue Spieljahr durch einige Aussührungen aus dem Bereich klassischer oder moderner Dramen einzuleiten. Dieser meist stilvolle und sorgfältig vorbereitete Auftakt entspricht immer seltener den an eine würdige Weiterfiihrung geknüpften Erwartungen; und die ernsthafte Kritik hat alle Ursache, eine skeptische Haltung zu beobachten. Denn was nachber zu folgen pflegt, ist nicht, wie sie zu hoffen geivagt, der Kampf um die Kunst, sondern die iv i l d e Jagd nach— gefüllten Kassen. Plötzlich, ehe nian's gewahr wurde, springt das Repertoire von der höchsten Leitersprosse auf die unterste hinab. An Stelle Shakespeares, Schillers, Ibsens oder sonst eines hervorragenden GegenwartS- dramatikerS erscheint Monsieur Clown auf der Bühne. DaS Spektakelstück setzt ein— und alle Musen nehmen Reißaus. In demselben Maße sehen wir aber auch im Zuschauerraum das Bild sich verändern. Zuerst überwog dort ein Publikum, dem man ansah, daß es lediglich einem innerlichen Drange»ach wirklicher Kunst an diese Stätte gefplgt ivar. Jetzt macht sich dort der Premieren- pöbel in kostbarsten Toiletten breit. Früher versammelte sich die vornehmere Schauspielkritik im Parkett. Jetzt dominiert das Re- portertum. Schmock und Schmöckchen, die heute Reklameromane für neue merkantile Aktienunternehmungen, morgen spektakulöse Bühnen- stücke pro et contra im ähnlichen Genre fabrizieren, verrichten das Metier der ClaqueurS und schreiben sich in der entlegenen Provinz- presse die Finger ab: Tot ist die Kunst! ES lebe daS Geschäft! Wahrlich, eS ist ein ekelhaftes Treiben, von dem man sich voll Em- pörung abwendet. Wie soll da die Theaterkunst gesunde»? Denn nichts begreift daS kapitalistische Unternehmertum, das hinter den Kulissen gierig ans Beute lauert, leichter, als die UnterstütznugS- krücke, welche ihm eine unredliche Reportage leiht l— 39. Fritz Sch., Fehrbelliner Straße 4. Am 11. April 1996 aus- geschieden. Am 10. Oktober 1908 zu 4,20 M. Kirchensteuer ver- anlagt, war zweimal in der Steuerstelle seines Bezirks, legte Aus- trittsbescheinigung vor, trotzdem wurde gepfändet. Spiegel ver- siegelt. 40. Tischler Emil V., Hornstr. 17, war veranlagt zu 4,20 M. Kirchensteuer von der evangelischen Berliner Stadtsynode, zahlte am 14. Dezember 1908 an Deutsche Bank, erhielt eine Mahnung vom 16. Februar datiert über 4,80 M., die bei ihm am 1. März abgegeben wurde, widrigenfalls Vollstreckung erfolge. Am 17. März erschien der Vollziehungsbeamte, um zu pfänden, nahm aber schließlich Abstand. 41. S., Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Im Vorjahre gleichfalls zu Unrecht veranlagt, erst nach wiederholten Schreiben von Zahlung befreit. 42. Frau E., Schönleinstr. 6. Seit 20 Jahren ausgeschieden aus der evangelischen Kirche, von der katholischen Kirche veranlagt. 43. M., Tischler, Markgrafendamm 17, mit Frau aus der evangelischen Kirche ausgeschieden am 10. August 1895. Veranlagt von der evangelischen Stadtsynode zur Kirchensteuer. Weil er reklamiert hat, wurde er wegen des beleidigenden Inhalts noch wegen Beleidigung angeklagt. 44. Ernst K., Gastwirt. Woldenberger Straße 10, erhielt die Aufforderung, an die katholische Kirche binnen zwei Wochen 1,60 M. Steuern zu zahlen. K. war evangelisch, hatte noch nie mit der katholischen Gemeinde etwas zu tun. Seit dem 10. Dezember 1907 aus der evangelischen Kirche ausgeschieden. Auf Reklamation hin erhielt er die Mitteilung, daß sich die Veranlagung auf die Ehe« frau bezieht, Ehefrau sei vom Magistrat als katholisch aufgegeben. Das ist aber auch falsch, denn die Ehefrau ist evangelisch. 45. Theodor M., Hussitenstr. 15, ist im März 1901 aus der Landeskirche ausgetreten, wurde trotzdem von der evangelischen Synode zur Kirchensteuer veranlagt. 46. Tapezierer Paul Sch., Charlottenburg, Schillerstr. 47. Im Februar 1903 aus der Landeskirche ausgeschieden, am 6. Scp- tembcr 1909 wollte die evangelische Kirche Steuer einziehen. 47. Tischler Max R., Thorner Straße 2. Am 8. September 1909 von der evangelischen Stadtshnode Kirchensteuerveranlagung erhalten. Ist am 5. März 1906, seine Ehefrau am 5. Juni 1906 aus der Kirche ausgeschieden. 48. Former Valentin T., Emdcner Straße 38, und Frau ver- anlagt von dem katholischen Gesamtvcrband für das Jahr 1909(1. April 1909 bis 1. April 1910) zu je 5,40 M. Ausgetreten aus der katholischen Kirche am 23. Dezember 1907. Reklamierte. Im September von der evangelischen Synode veranlagt, ob» wohl er und seine Frau früher katholisch waren und auch aus der katholischen Kirche ausgeschieden sind. 49. Metallarbeiter Fritz St., Steglitz. BiSmarckstr. 1 wohnhaft, früher Berlin, Schützcnstr. 75. Aus der evangelischen Kirche März 1996 ausgetreten. Veranlagt zur Kirchensteuer 1908. 50. Redaktionssekretär K., Steglitz, wurden bei Bezahlung seiner Steuern auch Kircheustcuern für die evangelische Kirche ab- gefordert, obwohl er gar nicht veranlagt war und auch nicht werden kann, da er seit 1893 ausgeschieden ist. 51. Restaurateur Emil P., Wilhelm-Stolzestr. 41, wird schon 1907 und 1908 von der evangelischen Stadtshnode zur Zahlung von Kirchensteuern veranlagt, ist aber nie evangelisch gewesen; früher katholisch, seit 1908 aus der katholischen Kirche ausgeschieden. Hat der Synode im Vorjahre schon mitgeteilt, daß er nicht evangelisch gewesen sei, wird aber in diesem Jahre wieder von der Synode veranlagt. 52. Arbeiter Gustav M.. Boxhagcn-Rummelsburg, seit 15 Jahren aus der Kirche gerichtlich ausgeschieden, von dem Ge- samtverband katholischer Kirchengemeinden Groß-BerlinS zur Kirchensteuer veranlagt. Stadtbez. Boxhagen-Rummelsburg, Rolle A. II. 141. 1908/1909. 53. Metallarbeiter Franz Kl., Bcllermannstr. 16, mit Frau im Jahre 1878 aus der evangelischen Kirche ausgeschieden, von der evangelischen Stadtsynode für 1903/09 veranlagt. 54. Redakteur Karl L., Buttmannstr. 7, im Jahre 1893 aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Vor zwei Jahren von der katholischen Kirche, in diesem Jahre von der evangelischen Stadt- synode zur Kirchensteuer veranlagt. 55. Vollrat E., Siinon-Dachstr. 33 wohnhaft, wurde im Vor- jähre von der evangelischen Synode zur Steuer veranlagt, rekla- mierte unterm 30. Oktober 1908 mittels eingeschriebene» Briefes unter dem Hinweis, am 16. Oktober 1895 aus der Kirche ausge- schieden z» sein. Bis Ende Mai 1909 keine Antwort erhalten. 56. Ernst M., Klavierarbeitcr, Boxhagen-Rummelsburg, Gärtnerstr. 33 wohnhaft, im Jahre 1878 aus der Kirche aus- geschieden, wird seit drei Jahren von der evangelischen Kirche ver- anlagt, muß jedesmal reklamieren, obwohl es doch auf dem Bureau bekannt sein sollte, dah M. nicht veranlagt werden darf. 57. Gustav R., Berichterstatter, Littauer Straße 17, aus der evangelischen Kirche 1881 ausgeschieden, veranlagt von der evan- gelischcn Synode im Jahre 1909. Auf Reklamation erhielt er die Jedes Wort einer wohlwollenden Ermunterung ist angesichts der neuesten Darbietung des Theaters an der Chausscestraße vom Ucbel.„Das Herz auf der Hand"— so betitelt sich der „Schwank". Er kommt von einer dreispännigen Firma, die am Strand der Themse ihre Fabrikation betreibt. Es lohnt sich wirklich nicht, auf den blöden Inhalt dieses Machwerks einzugehen. So viel sei nur gesagt, daß hiermit der Gipfel der Ordinärtheit und Klobig- keit— von geschäftskundigen Leuten„englischer GroteSk-Humor" ge- nannt— geleistet wird; und man tut allenfalls gut, die armen Künstler zu bedauern, weil sie gehalten werden, solch einem rohen, ungehobelten Zeug ihr besseres Können zu opfern. o. k. Musik. Allmählich kann man sich ganz gut in den Theaterraum der BokkS-Oper hineingewöhncn. Sehr einfach in der Anlage, hält er sich frei von Prunk und besitzt eine gute Akustik. Dazu nun die immer sieigcndeu Leistungen der jetzt in ihm wirkenden Opern- gescllschaft I Sie stiegen auch im Verlaufe der vorgestrigen Neu- ausfiihrung von I. F. H a l ü v y S Oper„Die Jüdin". DaS Werk ist ein hervorragendes Beispiel von dem Typus der Oper, der sich nach dein Höchsten und nanientlich Einheitlichsten be- müht, aber dennoch auch dem nicht weit Erfahrenen eine Zusammen- setzniig aus recht Verschiedenem verrät— vom wlichtigsten dramatischen Rezitativ a» bis zur effektvollsten Leierhaftigkeit. Daran mag auch die dreifache Herkunft des Komponisten aus jüdischer, deutscher und französischer Kultur beteiligt sein; und damit ist auch der beträchtliche Reichtum dieses musikalischen Werkes ge- geben, der es zu einer besonderen Fcinschmeckerei für Opemliebhaber inacht. Eine spezielle Eigenart der„Jüdin" ist daS Vorherrschen des Glanzes hoher Stimmen, zu denen allmählich zwei tiefe Männerstiimnen in Gegensatz treten. Innerhalb dieser Gruppen reizen abermals Gegensätze. Neben dem mehr dramatischen Tenor des Juden Eleazar steht der mehr lyrische des Neichsfürsten Eleazar, »eben dem mehr dramatischen Sopran der angenommenen Tochter des Juden, Recha, der Koloratursopran der Prinzessin Eudora. Und dann wieder neben der Beweglichkeit des Baritons die Ruhe des BasseS I Wie weit die sechs Künstler, denen diese Partien anvertraut waren, deren Eigenheiten wahrten, und wie sehr besonders Vilma von B a l l o g k der Titelrolle auch schauspielerisch gerecht wurde. darüber müßten wir ausführlicher sprechen, als wir es hier vermögen. Genna an der Bemerkung, daß die VolkSoper jetzt über das Unzuläiigliche soweit hinaus ist, um uns hoffen zu lassen, daß sie durch daS Vergängliche hindurch zum Zulänglichen und schließlich zum Unvergänglichen gelangen werde. ea. Mitteilung, daß die Veranlagung für die Frau bestimmt sei. Die Frau ist aber nie evangelisch gewesen und vor 5 Jahren aus der katholischen Kirche aiWetreten. Mit diesen Proben� wollen wir es für heute genug sein lassen. Sie sprechen für sich und beweisen, welche Wirtschaft in Sachen der Kirchensteuerveranlagung herrscht. Es muß die Frage auf- geworfen werden: Wer trägt die Schuld an diesem heillosen Wirr- warr? Als im Vorjahre in der Stadtverordnetenversammlung vom Genossen Leid auf diese Schlamperei hingewiesen wurde, glaubte Herr Stadtrat Tourbie diese Rügen mit dem Hinweis abtun zu können, daß es sich doch nur um einige Fälle handeln könne, und die könnten vorkommen. Will der Herr Stadtrat auch jetzt noch, angesichts der vorliegenden Tatsachen, die gleiche Aus- rede gebrauchen, oder wünscht er die Zahl der Fälle noch vermehrt zu sehen? Bekanntlich ist unsere städtische Steucrverwaltung ver- pflichtet, auf Grund einer ministeriellen Anweisung, den Kirchen- behörden die Listen der Steuerzcnsiten auszuhändigen, wofür, nebenbei bemerkt, ganz unverständlicherweise die Stadt keinen Pfennig erhält. Nun ist ganz sicher anzunehmen, daß diese Listen sehr mangelhaft sind, wozu noch eine saumselige Behandlung auf den Bureaus der Kirchenbehörden kommt, unter welcher dem Publikum Belästigungen bereitet werden, die vielfach unerhört sind. Es wird sich Gelegenheit finden, diese Angelegenheit in der Stadtverordnetenversammlung und auch anderswo«it Sprache zu bringen. Für den Inhalt der Inserate Lbernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. I�Keater. (Siehe Wochen- Spielplan.) Sonntag, d en 19. September. nachmittags 3 Uhr: Freie Volksbühne. 7. Slbteilung im Neuen Schauspielhause: Gyges und sew Ring. 2. Abteilung im Lessing- Theater: HanneleZ Himmelfahrt. 10. Abteilung im Residenz-Theater: Karten d und c: Musotte. 3. Abteilung im Herrnseld-Thcater: Karten d u. o: Vater und Sohn. Montag, 20. Septbr., 8 Uhr: 16.(IH.) Abendabteilung im Neuen Schauspielhaus: Gyges und sein Ring. treitag, 24. Septbr., 8 Uhr: . Abteilung im Neuen Schauspiel- Hause: Gyges und sein Ring. Nene Freie Volksbühne. 19. Sept., nachm. 3 Uhr, im: Neuen Theater: Ackermann. Kleinen Theater: 2 X 2— 5. Friedr.-Wilhelmstädt. Schauspielhaus: Othello. Hebbel-T�ater: Revolutionshochzeit. Schiller-Tyeater O.: Macbeth. Schiller-Theater Charlotienburg: Die Welt, in der mau sich langweilt. Berliner Theater: HerodeS und Mariamne. Neuen Operetten- Theater: Der Zigeunerbarou._ Kiessing-Theater. 8 Uhr: Die Gefahrtin. Hierauf Hanneles Himmelfahrt. Montag, 8 Uhr: Der König. Dienstag. 8 Uhr: Die Gefährtin. Hieraus: Hanneles Himmelfahrt. berliner'Hieatei-. Heute 8 Uhr: Einer von nnscre I-ent'. Nachm. 3 Uhr: Herodes u. Mariamne Neues Tbeater. Anfang 8 Uhr. Oas DM Des Tafle. Morgen und folgende Tage: Dan Urbild des TartttiTc. Theater des Westens. Allabendl. 8 Uhr: Der fidele Bauer Sonntag nachm. 3'/. Uhr, halbe Preise: _ Die lustige Witwe. Volks-Oper. SW., Belle-Alliancc-Strahe Nr. 7/8. Nachm. S'/j Uhr bei bedeutend er- mahigten Preisen: »er �Vairenseliniied. Abends 8 Uhr: IMe Jüdin. Nenes Operetten-Theator, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenftr. Nachm. 3 Uhr: vor Zigeunerbaron. Ansang 8 Uhr. Die Dollarprinzessin. Residenz Tlieater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: <*Teicitvn. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen und solgende Tage:- Dieselbe Vorstcllnng. Sonntag, 26. Sept., nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich»m Zlmelie. Friedricii-Wiltielmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, 19. Septbr., nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 3 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Schauspiel in 4 Akten v. Henrik Ibsen. Montag: Das Herz aus der Hand. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Die Insel Rügen. Montag abends 8 Uhr: Dr. Georg Wegener; Derjtampl um den Kordpol und Südpol. OOmCISCHER Heute Sonntag: CjOk Eintritt: ÖW rl. Kinder unt. lOJahr. die Hälfte. Ab nachm. 4, Uhr: Großes Konzert. Ka�L. Morgen sowie täjjlich: Hilitär■ Doppel-Konzert (l ltUvle...C:-nBJS£ll-TllOI») Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abcnds3 Uhr: Der Mann mit der eisernen Maske. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Kl. 319. 36. Illhkgaaz. 1 KeilU Ks Jimiits" Knlim IWbMitt. Sonntag. 19. Zeptemher 1909. Huö der frauendevyegung. „Weiber-Dreistigleit" ober„Professorales Geschwätz"? Herr Professor Fordan sandte uns die folgende Zuschrift, die wir leider wegen starken allgemeinen Stoffandranges nicht sofort wm Wdruck bringen konnten: Berlin, 13. 9. 09. Sehr geehrte Redaktion! Nachdem ich in Nr. 219 des„Vorwärts" vom 9. d. M.(1. Beilage unter der Rubrik„Aus der Frauenbewegung"), wie ich jetzt erst erfahre, in einer über das Sachliche hinausgehenden Weife angegriffen worden bin(Ausdrücke wie„haltloses Professorales Geschwätz" und„Vertrottelung" sind doch etwas stark!), bitte ich Sie, indem ich an Fhr Gerechtigkeitsgefühl appelliere, mir im Nach- folgenden die Möglichkeit der Verteidigung zu gewähren. 1. Zunächst stelle ich fest, daß mein Artikel„Weiber-Dreistig- keit" in Nr. 204 der„Staatsbürger-Zeitung" ganz und gar nichts mit Antisemitismus zu tun hat, und ich persönlich lehne es durch- aus ab, ein„verbohrter Antisemit" zu sein. Ich erkläre vielmehr, daß ich keiner der bestehenden Parteien— weder offiziell noch aus innerer Ueberzeugung— angehöre, sondern außerhalb aller Parteiung stehe, weil alle Gruppen unvollkommen sind und mir in ihrer gegenseitigen kleinlichen Befehdung nicht zusagen. Mit Tolstoi bin ich der Meinung, daß eine Neugestaltung der Mensch- heit von innen heraus zu geschehen hat und daß ohne eine Reform der Gesinnung(in allen Parteien und Ständen) jede Reform der äußeren Verhältnisse— auf die Dauer— zwecklos ist. Mir ist jede Zeitung recht, die meine Artikel annimmt, indem sie damit meine Ansicht anerkennt oder sie doch für wert hält, ge- äußert zu werden. Hätte ich annehmen können, daß ein l i b e- r a l e s Blatt— oder wohl gar der„Vorwärts" selbst— sich als Sprachrohr meiner Anschauungen hergegeben haben würde: gern hätte ich dort meine Artikel veröffentlicht. 2. Mir wird Antifeminismus zum Vorwurf gemacht. Als ob demnach Feminismus, d. h. Verweiblichung und Frauen Herrschaft, als erstrebens- und wünschenswert zu erachten wären! Der ungenannte Verfasser des Artikels„Anti- Feminismus in der Presse"— i ch ziehe es vor, mit offenem Visier zu fechten— stellt seiner Männlichkeit, seiner geistigen männ- lichen Kraft wahrlich ein schlechtes Zeugnis damit aus— oder steckt gar eine Verfasserin hinter dem Artikel?— 3. Wenn mir vorgehalten wird, i ch stelle den politischen Leistungen der Männerwelt kein imponierendes Zeugnis aus, in- dem ich sage:„die Verleihung des politischen Stimmrechts an die Frau würde zu einer noch größeren Verwirrung und Wer- wilderung aller politischen Verhältnisse führen, als sie jetzt schon bedenklich in die Erscheinung tritt," so be- merke ich, daß der Durchschnitt unserer Politiker allerdings minderwertig ist, wie schließlich jeder Durchschnitt mittelmähig ist, daß es aber eben darauf ankommt, ob man von ihm aus sich höher entwickeln oder hinab st eigen will; letzteres würde geschehen, wollte man der Gesamtheit weiblicher Wesen das Stimmrecht aufdrängen. 4. Ich habe durchaus nicht gesagt, daß alle Frauen(oder „die Frau" im allgemeinen) nur für die Wirtschaft usw. geschaffen seien, sondern mit voller Respektierung des wirklichen Sach- Verhalts darauf hingewiesen, daß es männlich geartete Frauen gibt, die auf allen Gebieten— auch denen des Geistes — mit dem Manne zu konkurrieren imstande sind. Wer sie bilden die Ausnahme, ihnen soll die Möglichkeit ihrer Entwicke- l u n g geboten werden, aber sie dürfen nicht bestimmend für die Gestaltung unserer Gesamtzustände sein. 6. Es ist doch nun mal eine Tatsache, die alle an sich ganz schönen Gedanken der Gleichmacherei nicht aus der Welt schaffen können, daß körperliche und geistige Unterschiede(und ich denke doch: Körper und Geist gehen Hand in Hand, stehen in Wechselwirkung, in innerem Znsammenhang, auch— oder gar besonders— nach ntontstt scher Ansicht!) zwischen Mann und Weib bestehen. Und auch das ist unzweifelhaft und nicht zu bestreiten, daß an Tiefe und Größe das Weib dem Manne im ganzen nicht gleichkommt. Logik, Mathematik und das Schöpferische in der Kunst sind nicht Sache der Frau; ich wiederhole hier: Gibt es eine, nur eine einzige hervor- ragende Komponist in. die man einem Mozart, Beethoven, Richard Wagner oder auch nur einem Verdi oder Bizet vergleichen könnte? Die Frau kann das eben nicht, was der Mann zu leisten imstande ist. Was will man denn eigentlich immer gegen die Natur?— 6. Was da in Neuseeland und in Finnland sich„praktisch er- geben" hat, ist ja gar kein Beweis gegen meine auf naturwissen- schaftlich-psychologische Beobachtung und Gedanken ge- gründeten Ansichten; wer wüßte nicht, wie Berichte, womöglich statistische, über öffentliche Zustände Zustandekommen und wie sie zu werten sind. 7. Ich habe nicht ins Gclach hineingeredet, sondern mich ehrlich an Erfahrungen gehalten(auch im Gebiete der Mädchen- und Knaben er z i eh u n g) und mich durch Ueberlegungen leiten lassen; auch bin ich keineswegs ein Feind des Volkes oder der Freiheit, kein„Reaktionär". Aus einfachen Verhältnissen hervor- gegangen und auf der Suche nach Wahrheit, mache ich aber den einen Anspruch, gerecht beurteilt zu werden, vorurteilslos und nicht nach der Schablone, wie ich selbst alle Schablone— Standesdünkel, Konfession, Kaste, Partei— verabscheue. Ich erkläre mich übrigens gern bereit, in irgendeiner Versammlung, zu der man mich hinzuziehen will, meine Anschau- ungen unbefangen und rückhaltlos zu vertreten. Prof. Dr. K. F. Jordan.! Wir hätten dem Verfasser unseres Artikels über„Antifeminis- nius in der Presse" gern sofort nach Herrn Professor Jordan das Wort gegeben. Raumrücksichten zwingen uns auch hier, dies in der nächsten Nummer zu tun._ Versa»», nlnngen— Veranstaltungen. Schönebcrg. Montag, den 29. September: Gemeinsamer Frauen» zahlabend des sozialdemokratischen Wahlvereins bei Grosser. Meiningcr Straße 8. Dr. Aisred Bernstein spricht über: „Erziehungsfragen". Der regelmäßige Frauenzahlabend in den einzelnen Bezirken am Montag, den 27. d. M., findet nicht � statt._ Der Vorstand.• Britz-Buckow. Dienstag, den 21. September, in Britz, im Lokal «Rosensee"(Jnh.: Grüning), Chausseestr. 69/70, Frauen- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Wutzki über:„Proletarische Jugenderziehung". 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes. Der Vorstand.> Lankwitz. Die Genossinnen veranstalten heute nachmittag ein ge» mütliches Kaffeekochcn bei Ebel, Marienfeldcr Straße 9. eingegangene Druchrcbriftcn. Die dentsche Korsettindustrie. Volkswirtschastliche Studie von P. M. Noscnberg. 3,50 M. I. G. Cottasche Buchhandlung, Stuttgart. Die Bank. Monatshefte für Finanz- und Bankwesen. Herausgeber i A. Lansburgh. Einzeih. 1,50 M. Bankverlag, Berlin W., Manstemstr. 9. Kaffee wird ein Drittel billiger wenn man halb guten Bohnenkaffee und halb Kathreiners Malzkaffee nimmt. Auf diese Weise erhält man ein bekömmliches, wohlschmeckendes und— billiges Getränk. Kathreiners Malzkaffee ist nur echt in geschlossenen Paketen mit dem Bild des Pfarrer Kneipp.— Es gibt Nachahmungen 1 101/11 r Fehlt Ihnen etwas? für die neueNohoung, so gehen Sie rechtzeitig in unser Spezialhaus. Dort finden Sie(jr. Partie-Posten: Tonniphp v' � lO-do, Icppicüc 24.00, 36.00, 45 00 usw. Mn lÄS SS Portiere, liio.™ sowie Steppdecken, Tisch- und Diwandecken, Ldufer- und MSbel- »toffe usw. im Preis itz herabgesetzt Teppichliaus Adler Königstraße 20-21 m» a. d. JUdcnstraßc. ra vornehm wirkt ein jarteS, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen. weiße, sammetweiche Haut und einblendend schöner Teint. Alles dies erzeugt die allein echte $te(1(eitpftrd'CilkntiiiltI)°$eife von Lekgmanns Lo.. �äileveul. äSt.5VPfg. überall zu haben. 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Seidenalies'zog, Berlin, nar Leipziger Straße 79, am „ii, ,,11,___________ Der Privatvcrkaaf besinnt Montag O llür. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Terwaltangsistelle Berlin. Montag, den 20. September, abends 8 Uhr: AI lg. MetaUarbetter- Uersammwng i» Freyers Feftsälen, tstSher Keller), Koppenstraße 29, Tages-Ordnung: Die Internationale der Metallarbeiter und der Streik in Schweden. Referent: Kollege TcIiKcItv» Stuttgart. Tekretitr des Internationale» Metallarbeiter-Bnndes. Außer dem Kollegen Schlicke werden auch die aus Anlaß einer Internationalen Metallarbeiterkonferenz in Berlin anwesenden Vertreter der diinischen, norwegischen, schwedischen, österreichischen, ungarischen, schweizerische« und srauzöfische» Metallarbeiter anwesend sein und Ansprachen halten. Killtgeil! Erscheint deshalb in Massen nnd belmbet bodnrch Euer Interesse str den Kampf in Zchmebcn. iss/so vie Ortsver�altunx. SoiislSemntlrsiiselier Wahlverein d. Tl. Berl. Reichstagsvahlkreises Dienstag, den AI. September, abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Versammlung in SdlLlo» Schwedter Str. SS/At. Tages-Ordnung! t. Vortrag des»enoffen Emil Dlttmer fiSat Nene Steuern ottb Schnapsboykott. 2. DiZlusston. 231/1*_ Der Borstand. innlnt IM Dienstag, de» LI. September, abends 8 Uhr, im große» Saale deS BolkshauseS. Rostnenstr. S» General-Bersammlung. TageS-Ordnung! 1. Bericht vom Leipziger Parteitag. Referent: ReichStagSavgeordneter grih Zubetl. 2. DiStufston. 3. Ausstellung der Kandidaten zur Stadt- verordnetenwahl. 4. vereinsangelegenheiten. -------------- Mitgliedsbuch legitimiert. 251/1_ Der«orstand. r ii Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 22. September: NeckMtltMMttlikchmmlllllgkll der Branchen und Bezirke. Die Lokale werdm in der Dtcnstagsnummer bekanntgegeben. 32/16 Korbmacher. Montag, den 2V. September, abends 8Vz Uhr: Außerordentl. Branchen-Versammlung _ im«ewerkachaftehanee, Engelufer 15, Saal 7. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. edaeiie-traS« 3. Hof III. Amt 3, 1287. Dienstag, den 21, September 1909, abends 6 Uhr: Versammlung d« Metalldrttcker Berlins Umgegend im()ivwerdcacl>aft»l»au»e, Engeluser 16, Saal L Tages-Ordnung: 1. Bericht der Agitalionskommission. 2. Diskussion. 3. Reuwahl der AgitationZkommisston. 4. Branchenangelegenheiten und Verschiedene». Zahlreicher Besuch wird erwartet. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß Protokolle von der Generalversammlung in Hamburg a 40 Pf. im Bureau und bei den Bezirkskassierern zu haben find. 123/2___ Die Ortarcrwaltniig. Aclrtiins! Schmiede. AclHüno! fe 7 der Schmiede Berlins«nd der Umgegend am Mittwoch, den 22. September, abends 8% Uhr: im.Klubha«»«, Schulstr. 2g; im»Ostkaflno*. Frankfurter Allee 106; nn„Märkische» Hof*, Admiralstr. 18« und in der„Kronenbrauerei*. Alt-Moabit 47; 176/15* am Donnerstag, den 2». September, abends 8Vz Uhr: bei Wille, Brunnenstr. 188; bei M i e t h e, Schöneberg, Hauptstr. 5 und bei Roß topf, Weißensee, König-Chaussee 38. abends 7 Uhr. TageSordnungin allen Versammlungen: „Jß die Anfbesserimg uliserer wirtschastlilhea Lagt not- '' Reserenten: die Kollegen Basiter, Haberlaud, Hentschcl, Schliuöky, Tiering. Mp1 Jeder Kollege wird ersucht, diejenige Versammlung zu besuchen, die ihm am bequemsten liegt, jedoch ist es Ehrenpflicht aller Kollegen, in diesen Versammlungen zu erscheinen. Kollegen, erscheint i» Massen! Kollegen Sroß-Berlln» l Agitiert alle sür vollzähliges erscheinen. Vor Elaberof er: W. Slerjsg, 0. 2, Stralauer Str. 43. Mittwoch, den 22. September, abends 8 Uhr: Zwei ffentliche Tmiler- mid Volkslielsiimmlililgen im I in der Böhmischen Brauhans, Landsberger Mee 11.14.| Brauerei Königstadt, SchSnh-mser Alle» 10,10. Tages-Ordnung: 1. Die Bekämpfung der Arbeiter-Turnvereine. 2. Was lehrt uns der Prozeß Wildung. s. Diskussion. Reseriatev: Erann Vvnt»- Berlin, KreiSvertreler des ersten KreiseS. Erlte Wlldang• Leipzig, Ziedakieur der ,Arbeiter-Turn9/19 Der Vorstand. Nachruf! Allen Freunden und Genoffm hiermit zur Nachricht, datz unser ehemalig« Bezirkssahrer, biS< heriger Restaurateur Ulbert Lcdüppke nach kurzem Kamps verstorben ist. Er hat stets nach besten Kräften ! sür die Partei gewirkt und werden mir ihm ein dauerndes Andenken s bewahren. I Tie Genossen des ZS7. Bezirks des 4. Wahlkreises. Verband der freien 6ast- and Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mtgliedern zur Kenntnis, dag der Kollege tlbert Sedöppks �canksurter Allee 74, Bezirk III, am 17. d. M. am Herzschlag ver- slorbm ist. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 20. 0. ÄtS., nachmittag» 4 Uhr, von der Halle des Zentral« FriedhoseS w Friedrichs- fclde au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 75/6 Die Ortsverwaltnng. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß mein I lieber Mann, unser Bruder, -chwager und Onkel Ott« Fiedler | im Alter von 37 Jahren nach langem, schwerem Leiden sanft 1 entschlafen ist. Um stille Tellnahme bitten Die Hinterbliebene«. En SozialdemokratlsehefWablYereln de« S. Bert. Reichstags- ff ahlkrelses. Todes• Anselme. Am Freitag, den 17. Septem- bcr, verstarb unser Mitglied, der Klempner Otto Fiedler Waldstr. 12. Ehre seinem«ndenkeni Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. September, nach- mittag» 3 Uhr, vom Krankenhausc Moabit nach dem HellandS-Kirch- hos, Plötzinsee, statt. Um rege BeteUigung ersucht 230/1» ver Vorstand. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstello Berlin. Todes- Anselgo. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Otto Fiedler am 17. d. MtS. an der Lungen- schwindsucht gestorben ist. Ehre seinem Andenke» t Dt« Beerdigung findet am 1 Dienstag, den 21. September, nachmittags 4 Uhr, vom Moabiter Krankenhause nach dem Heilands- Friedhof. Seestraße, statt. Rege Beteiligung erwartet 123/3 Die Ortsverwaltung. Ich habe meine Sprechstunden(9— 10, 12—1, Sonntags 10—11 Uhr) von Prinzenstraste 42 nach 102/44 Prinzenstr. 88, li, zivischcn Moritzplatz und Ritterstraße, zivischen verlegt. Dr. Max Hasehke, Augenarzt. Berliner Radiahrer Todes-Anzelc«. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Bundesgenosse Otto Fiedler (8. Zlbtcllung) an der Lungenschwindsucht der- storben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Moabiter Krankenhauses, Birkenstratze, nach dem Kirchhofe der Heilands- gemeinde in Plötzensee statt. Um zahlreich« BeteUigung ersucht 11/20 Der Borstand. SozialdenioMeliJaiilrereiD des 6. Berl. Reiehstassvahikrelses. Todes- Anzeige. Am 15. September verstarb unser Mitglied, der Schraubendreher Wilhelm Bohr Seestr. 681. Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet heut« Sonntag, nachmittags 1 Uhr, von der Leichenhalle de» neuen Ra- zarethkirchhosc», Rewtckendors- West, auS statt. Um reg« BeteMgung ersucht 230/29_ Der Borstand. SozIaldemokratiseherValilfereiD des 6. Berl. Reiehstags-Vahlkreises. Todes- Anzeige. Am 16. September verstarb unser Mtglied, der Former �nton Jenike Wiesen str. 29. Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 20. September, nach- mittags 3'/, Uhr, aus dem städt. Friedhos in der Mllllerstratze, Ecke Seestratze, statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/19 Des- Tos-stauid. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin and Umgegend. Bezirk 4. Den verussgenofien zur Nach- richt, daß unser Mitglied Vevrg Glockemeler am 14. d. MtS. infolge de« Un« falle» aus seiner Arbeitsstelle an der Untergrundbahn zu Schöne- berg verstorben ist. Ehre seinem««denken! Die Beerdigung.- findet am Sonntag, dm 19. September er.. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle de» St. Andreas- "riedhoseS lWilhelmSberg) aus att. 854/17 Um rege Beteiligung ersucht Der Verband der 8!einsetzer (Pflasterer) und Berussgenossen Deutschlands. Filiale Groft-Berlin. Hm 12. September verstarb das Mitglied Wilhelm Scheunemann. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. September, nachmittags 3Uhr, von der Leichen- balle de» Simons- Kirchhose» in Rirdors, Mariendorser Weg auS statt. 175/12 Um rege BeteUigung ersucht Der Borftand. T odes- Anzeige. Räch langem, sehr schwerem Leiden verschied unerwartet mein lieber Mann, unser fürsorglicher, herzensguter Vater, Schtvieger- vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Eigentümer und Gastwirt 227/13 Karl Oarnack im 60. Lebensjahr», was wir hier« mit schmerzersüllt anzeigen. Die tlekhetrllhten Hinterbliebenen. Prinzenstr 28. Die Beerdigung findet Mittwoch- nachmittag 5 Uhr aus dem alicn Luisenkirchhos, Bcrgmannstr., statt Nachruf. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein Vater, der Porzellanarbeiler Fduard Pabst am Sonnabend, den 11. September, gestorben ist. 1510b DieS zeigt tiesbetrübt an Der trauernde Sohn Edmund pabst. Allen Genossen, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, der Gastwirt Ulbert Sehöppke am Freitag, den 17. d. M., nachmittags 2 Uhr, nach kurzem, schwerem Leiden im 50. Lebensjahre janst entjchlasen ist. Lies zeigm mit der Bitte um stille Tellnahme ttefbetrübt an BHno» Schttppke geb. Uoede. Paul SchHppke. Jlax Sehöppke. Di« Beerdigung findet am Montag, den 8«. d. MtS.. nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des ZentraisriedhoseS in Friedrichsfelde aus statt. I'zfpognsphlss Den Mitgliedern die betrübende Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, Kollege Ltepban Viktor verstorben ist. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Die Beerdigung findet am DienStaavomnitaa 10 Uhr aus dem Lmsen-Kiichhos in Rixdors, Hermannstraße, statt. Nege BeteUigung erwartet Der Borftand. Am Sonnabend morgen ver» schied nach kurzer, schwerer Krank- heil unser verehrter Kollege und langjährige Vertrauensmann, der Schriftsetzer- Invalide Ltepban Viktor im 73. Lebensjahre. Indem wir in ihm«wen aus- richtigen und treuen Kollege« de- trauern, werden ihm ein stets ehrendes Gedenken bewahren DI« Kollegen der Vose. Zeltung. Die Beerdigung findet am DienSIagvormittag 10 Uhr aus dem Lüisen-Kirchhoj w Rixdors, Hermannstratze, statt. Danksagung. Für die Anteilnahm« sowie Kranz- spende de» Metallarbetter-VerbandeS bei dem Begräbnis meines lieben Mannes, des GllrtlcrS lli-ooo tdchöltske spreche ich hiermit meinen ttes- gesühltesten Dank auS. 1509b Im Namen der Hinterbliebenen Emma SchöUzke. zurückgekehrt 103/9 Dr. Mankiewicz Spezialarzt für Harnleide« Potsdamer Str. IS4. Sarpagazin von Otto Schulze ▼orm. J. Borschel Markustr. 36 Gegründet 1867 Telephon: 7, 1057. Empfehle den geehrten Herrschasten bei vorkommenden Sterbesällen sich vertrauensvoll an mich zu werden. 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Die furchtbare Ccidensgefcijichte eines Kindes, Welche schon einmal das hiesige Landgericht I beschäftigt hatte, gelangte gestern vor der Strafkammer des Landgerichts in Potsdam zur nochmaligen Verhandlung, nachdem das Reichs- gericht das erste Urteil auf die Revision der Staatsanwaltschaft aufgehoben hatte. Die nochmalige Verhandlung wurde vom Reichsgericht der Strafkammer des Landgerichts in Potsdam überwiesen. Aus der Untersuchungshaft wurde die 28jährige Ehe- frau des Fabrikarbeiters Seidel, Martha S., vorgeführt. Neben ihr, der Haupttäterin, mußte sich der Ehemann Richard S. ver- antworten. Die Anklage gegen beide lautete auf Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges und einer das Leben gefährdenden Behandlung mit der erschwerenden Folge, daß der, nitzhandelte Knabe in Siechtum verfiel.— Die beiden Angeklagten waren von der 1. Strafkammer des Landgerichts die Ehefrau Seidel zu 1 Jahr und 9 Monaten, der Ehemann zu K Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Anklage liegt folgender Sach- verhalt zugrunde: Noch ehe die Angeklagten die Ehe eingingen, wurde am 1. Dezember 1901 ein Knabe geboren, der den Vor- namen Otto erhielt. Zwei Jahre später heirateten die An- geklagten. Von dem Augenblick an, als die Angeklagten in der Ehe Familienzuwachs erhielten, hatte es der kleine Otto schlecht. Er wurde herumgestotzen und geschlagen, so datz schlictzlich die eigenen Eltern der Angeklagten das Martyrium des armen Jungen nicht mehr mit ansehen konnten. Die Eltern selbst er- statteten schon Anfang 1904 gegen die Angeklagten Strafanzeige. Das seinerzeit eingeleitete Strafverfahren mutzte jedoch ein- gestellt werden, da der für den Knaben bestellte Pfleger aus irgendwelchen Gründen es unterlassen hatte, ebenfalls Straf- anzeige zu erstatten. Der kleine Otto wurde damals dem Waisen- Hause zugeführt und von dort aus zu einer Frau Liepe in Ketschendorf in Pflege gegeben. Schon nach kurzer Zeit wurde das Kind seinen Eltern zurückgegeben und von nun an begann die eigentliche Leidensgeschichte des Knaben. Zugleich war der Knabe überaus verschüchtert und verängstigt und wagte kaum zu sprechen. Eines Tages bemerkten Hausbewohner, wie der Ehemann Seidel den Otto mehrere Mal mit dem Kopf auf den Fußboden stieß. Eines Morgens suchte eine Frau Krause die Ehefrau auf, die noch im Bett lag. Während da? eheliche Kind in einem sauberen Bettchen lag, hatte der kleine Otto die Nacht in dem Klosett zubringen müssen, wo ihn die Mutter am Tage vorher eingesperrt hatte. Der Kleine hatte dicke blutunterlaufene Schwielen und Striemen auf den Händen. In Gegenwart einer anderen Frau wurde der Junge, als er bor Schwäche mit dem Kinde der Zeugin nicht den Korridor entlang laufen konnte, von der brutalen Mutter an den Schultern gepackt, zur Erde geworfen und von oben herunter geschlagen, so datz das Gesicht am nächsten Tage blau und grün verfärbt war. Eine Frau Elsner sah einmal, wie der Ehemann Seidel den Knaben an der Brust packte, ihn hochhob und mehrere Male mit dem Kopf gegen die Wand stieß, so datz sich die Zeugin schaudernd abwendete. Der kleine Otto mutzte, wenn die Mutter mit den beiden anderen Kindern aus- ging, stets zu Hause bleiben und wurde in das Klosett eingesperrt. Die Ermittelungen der Staatsanwaltschaft haben ergeben, datz das Kind noch an seinem Todestage von den Eltern geprügelt worden war. Am 0. Februar d. I., dem Todestage des Kindes, wurde die Ehefrau von einer Frau Dippe besucht. Der kleine Otto satz ganz verstört und leichenblatz auf dem Fußboden und blickte wie geistesabwesend umher. Gegen 2 Uhr holte die An- geklagte die Frau D. mit dem Bemerken, datz der Junge„Krämpfe" habe. Frau D. sah sofort, datz der Knabe dem Tode nahe war und forderte die Angeklagte auf, sofort einen Arzt zu holen. Diese erwiderte, datz der Bcngel schon öfter„Wutkrämpfe" gehabt habe und ihr Mann nie einen Arzt geholt habe. An demselben Tage gegen 10 Uhr abends erschien der Ehemann Seidel bei dem praktischen Arzt Dr. Ely und bat ihn, zu seinem sechsjährigen Knaben zu kommen. Er äußerte dabei:„Ich habe das Kind vor 10 Minuten geschlagen, darauf bekam der Bengel Wutkrämpfe. Jetzt stellt er sich, als sehe und höre er nichts; kommen Sie bitte mit. vielleicht i st ihm noch zu helfen." In der Wohnung konstatierte Dr. E., daß das Kind seit mindestens sechs Stunden tot war. Die Leiche selbst bot einen entsetzlichen Anblick, der selbst den Arzt tief erschütterte. Der zum Skelett abgemagerte Körper war über und über mit Striemen bedeckt. Ueberall be- fanden sich dicke blutrünstige Stellen, blaue Flecke und Beulen, von denen selbst Kopf und Hals nicht verschont geblieben waren. Auf die Bemerkung des Arztes, daß der Knabe mindestens schon sechs Stunden tot sei, zeigte sich Seidel sehr bestürzt und bat, wegen des nachträglichen Schlagens ihm keine Unannehmlichkeiten zu bereiten. Dr. Ely erstattete dann noch am selben Abend Strafanzeige.— Dr. Ely als Sachverständiger schilderte die Vorgänge, die sich abgespielt hatten, als ihn der Ehemann Seidel zu dem Kinde rief. Nach dem ärzt- lichen Befund sei da? Kind schon mindestens sechs Stunden vorher verstorben, so datz der Angeklagte demnach noch die Leiche geprügelt habe. Der ganze Körper des Kindes sei zu Dutzenden mit blutrünstigen Striemen und blauen Flecken bedeckt gewesen. Hände und Fütze der Leiche wären erfroren und an mehreren Stellen aufgeplatzt gewesen. Der Körper selbst sei zum Skelett abgemagert gewesen. Die Zeugin Frau Liepe aus Ketschendorf hat das ver- storbene Kind der Angeklagten seinerzeit in Pflege gehabt. In der ersten Zeit habe sich daS Kind, wie die Zeugin bekundet, allerdings öfter besudelte DieS sei aber nur eine Folge schlechter Erziehung gewesen, denn der Knabe habe sich diese Unart bald abgewöhnt. Im übrigen sei daS Kind sehr still und artig gewesen, so datz sie nie Ursache gehabt habe, den Knaben zu züchtigen.— Dieselben Angaben macht der Ehemann der Zeugin. Es wurden sodann mehrere Hausbewohner vernommen, die zur Zeit, als sie mit den Angeklagten in einem Hause wohnhaft waren, verschiedene Beobachtungen über Mißhandlungen des KindcS gemacht hatten. Hervorzuheben ist die Aussage einer Zeugin Frau Elsner, die in der Simon Dachstratze mit den Seidelschcn Ehe- leuten zusammengewohnt hatte. Im Sommer 1906 äutzerte die Angeklagte einmal zu der Zeugin:„Ich werde das A— s jetzt mit Hunger kurieren, ich habe ihm schon zwei Tage lang nichts zu essen gegeben." DaS Kind habe dann auf Aufforderung der Zeugin die Mutter gebeten, ihm doch etwas zu essen zu geben. Die Angeklagte habe ihm aber nichts gegeben. Als der kleine Otto einmal sehr schlecht aussah und anscheinend vor Schwäche nicht laufen konnte, hahx die Angeklagte gesagt:„Das A— s ist bloß zu faul zum Laufen", und das Kind vor sich her gestoßen. Aehnlich klingen die Aussagen der übrigen Zeugen. Als Sachverständiger wird hierauf Mcdizinalrat Dr. Hoff- mann- Berlin vernommen, welcher folgendes bekundete: Als er die Leiche des kleinen Otto Seidel am 8. Februar v. I. obduziert habe, sei er ganz entsetzt über die furchtbaren Spuren von Mißhandlungen gewesen, die der Körper des Kindes aufgewiesen habe. Die Leiche selbst wäre eigentlich nur noch ein Skelett gewesen. Der ganze Körper sei mit geradezu unzähligen größeren und kleineren fleck- und stricmcnartigen Verletzungen wie übersät gewesen und habe sich infolge der unsagbar brutalen Behandlung in einem mehr als gräßlichen Zustand befunden. Als eigentliche Todes- Ursache habe die Obduktion eine leichte akute Lungenentzündung und einen Luftröhrcnkatarrh ergeben. Der Tod des Kindes sei zweifellos durch die fortgesetzten bestialischen Mißhandlungen und durch die chronische Unterernährung ganz wesentlich begünstigt und gefördert worden. Keinesfalls sei die konstatierte Lungenentzün- dung als Grund der Abmagerung des Kindes anzusehen. . Die Beweisaufnahme wurde hierauf geschlossen. Staatsanwaltschaftsrat B o e t t ch e r bezeichnete den vor- liegenden Fall als einen der empörendsten, der jemals ein Straf- gericht beschäftigt haben dürfte. Unter Berücksichtigung des Um- standes, datz die Ehefrau die Hauptschuldige sei, beantragte der Ver- treter der Anklage gegen die Ehefrau Seidel 4 Jahre Zuchthaus und gegen den Ehemann 2 Jahre Zuchthaus. Rechtsanwalt Dr. Schwindt machte als Verteidiger in erster Linie geltend, datz die ganze Sache durch den tieftraurigen und be- klagenswerten Todesfall des Kindes sehr leicht in ein den An» geklagten ungünstiges Licht gerückt werde. Man müsse unbedingt daran festhalten, datz der Tod des Kindes nicht etwa eine Folge der Mitzhandlungen gewesen war. DaS Urteil. DaS Gericht kam nach kurzer Beratung zu folgendem Urteil: Beide Angeklagte werden wegen schwerer Körperver- l e tz u n g im Sinne des 8 224 Str.-G.-B., die Ehefrau zu 3 Jahren, der Ehemann Seidel zu Jahren Zuchthaus, verurteilt. Das Gericht hielt nach dem Gutachten des Sachver- ständigen für festgestellt, datz die fortgesetzten rohen Mitzhand- lungen ein dauerndes Siechtum des Kindes hervorgerufen hatten. Der Ehemann Seidel wurde auf freiem Futz be. lassen. HUGO BELIN6. Um die hohe Xachstener zu sparen! verkaufe ich von heute at> bis 30. September er. trotz des hohen Spirituspreises zu herabgesetzten Ausnahmepreisen in unverändert guter Qualität Pf. inkl. Flasche Pf. inkl. Flasche Halb und Halb 90 Qetreidekümmel% � 90 Stonsdorfer.......% u.. 95«■ Kognak, Jamaika-Rum etc. billig u. gut Am 1. 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Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Schöneberg. Heute, Sonntag, den 1Ü. September, morgens 8 Uhr, findet für die Koinmunalwahlbezirke, in welchen anfangs November die Ergänzungswahlen für die ausscheidenden Stadtverordneten der dritten Abteilung stattfinden, von den bekannten Lokalen aus eine Flugblattverteilung statt. Zur Wahl stehen der 2.. 3., 4., 7., 8. und 9. Kommunaltvahlbezirk. Die Parteigenossen auS den Bezirken, in denen keine Wahl stattfindet, werden, ebenso die Genossen der in Frage kommenden Wahlbezirke, dringend ersucht, sich an den Arbeiten zu beteiligen. Der 1. und 11. Bezirk helfen im 2. Bezirk, der S. Bezirk hilft im 4. Bezirk; der ü., 10. und 12. Bezirk helfen im 9. Bezirk. Die Flugblattverteilung des 9. Bezirks findet vom Lokal des Genossen Heidt, Sedanstr. 31 Ecke Leuthenstratze, und vom Lokal des Genossen Andreas, Feurigstr. 13, statt. Die Genossen vom 10. Bezirk be- mühen sich nach Andreas, Feurigstr. 16, und vom 6. und 12. Bezirk nach dem Lokal von Heidt, Sedanstr. 31. Der Vorstand. Friedenau. Eintrittskarten für das am 2ö. September in der „Neuen Welt" stattfindende 5. Stiftungsfest der freien Jugend- organisation sind noch zu haben bei Genossen Putsch, Friedenau, Albestr. 22 sowie bei den Bezirksführern. Groß-Lichtcrfcldc. Am Dienstag, den 21. September, abends 8 Uhr, findet im Saale des Herrn Richter, Chausseestr. 104, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse Kurt Eisner- Nürnberg über:„Die Aktion der Sozialdemo- k r a t i e" sprechen lvird. Die Genossen und Genossinnen werden ersucht, überall auf diese wichtige Versammlung aufmerksam zu machen und sür starken Besuch derselben zu agitieren. Der Wahlvereinsvorstand. Tcmpclhof. Mittwoch, den 22. September, abends S'/a Uhr, findet im„Wilhelmsgartcn" eine große Bolksversamm- l u n g statt. Referent ist Reichstagsabgeordneter Zubeil. Thema: „Der neueste Steuerraubzug." Es wird ersucht, für diese Versamm- lung eine rege Agitation zu entfalten.— Heute Sonntag früh: Handzettelverteilung. Der Vorstand. Montag abend findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen müssen sich zahlreich und pünktlich in ihren Bezirkslokalen einfinden. Martendorf. Montag abend 7 Uhr von den Bezirkslokalen Flug» blattverbreitung zur Geineindeverordnetenwahl. Dienstag, den 21. d. M., öffentliche Wählerversammlung bei Zierock sJ. B. Preuß). Genosse Zubeil referiert über Kommunal- Politik. Aufstellung des Kandidaten. Der Vorstand. Brih-Buckow. Heute Sonntag, nachmittags 6 Uhr, findet in Buckow, Chausseestr. 12 bei Klein eine öffentliche Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen E. Unger über: »Kirche und Schule". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Einberufer. Spandau. Die Generalversammlung deS Wahlvereins findet am Mittwoch, den 22. September, abends SVa Uhr, im Lokale von Paul Holldorf ffrüher Borchardt), Seeburaer Str. 26, statt. TageS- ordnung: 1. Bericht vom Parteitage. Refereiit: Genosse Dr. Karl Liebknecht; 2. Diskussion. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. _ Der Vorstand. ßcHimr JVacbncbtcn. Anderweitige Festsetzung des ortsüblichen Tagclohnes für verlin. Vom 1. April 1916 ab ist nach einer Bekanntmachung deS Ober- Präsidenten der ortsübliche Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter wie folgt festgesetzt: 1. für erwachsene männliche Personen über sechzehn Jahre auf........ 3,60 M. 2. für erwachsene weibliche Personen über sechzehn Jahre.......... 2,20 M. 3. für jugendliche männliche Personen unter sechzehn Jahren auf........ 1,80 M. 4. für jugendliche weibliche Personen unter sechzehn Jahren auf........ 1,40 M. Die vorstehenden Sätze treten am 1. April 1910 anstelle der durch die Bekanntmachung vom 21. Mai 1901 veröffentlichten Sätze und bilden von diesem Zeitpunkte ab den Maßstab, nach welchen, bei der Gemeindekrankenversicherung(Z 4) das Krankengeld(§ 6) und die Versicherungsbeiträge<§ 9) und bei den eingeschriebenen und sonstigen Hilfskassen ohne Beitrittszwang(K 75), wenn deren Mitglieder von der Genieindekrankenversicherung und von der Ver- pflichtung, einer nach Matzgabe der Vorschriften des Gesetzes errichteten Krankenkasse mit Ausnahme der Knappschaftskassen bei- zutreten, befreit sein sollen, das Krankengeld den in den betreffenden Gemeinden beschäftigten Personen zu gewähren ist. Im„Vorhof zur Hölle". Man schreibt uns: Der ist bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert. Nun, ich habe niemals einen Vorsatz so wenig bereut wie den, diesen Höllenvorhof zu betreten. Was daS ist? Der Weg zur Selbsterkenntnis, zur geistigen Ehrlichkeit. Innerlich war ich ja schon seit langen Jahren mit der Landeskirche zerfallen. Es war eigentlich doch ein Stückchen Heuchelei gewesen, mich noch immer bei amtlichen Handlungen. getreu meinem Geburtsstempel, als Kirchenmitglied zu bezeichnen. Dann setzte ich mich eines Tages über alles Nebelhafte, das die Kirche in unserer Jugend in uns hineingepfropft hat, mit energischein Ruck hinweg und schrieb an das zuständige königliche Amtsgericht kurz und bündig:„Ich beabsichtige, aus der evangelischen Kirchen- gemeinschaft auszuscheiden, melde hiermit meinen Austritt an und ersuche um gerichtliche Vorladung". Gewissensbisse empfand ich nicht. So wohl und frei war mir mit einem Male, als ob ich jahrzehntelang eine Zentnerlast mit mir herumgeschleppt hätte. Schon nach acht Tagen kam vom Gericht die Antwort. Man erklärte mir. daß der Pastor meiner Gemeinde, der sich bisher niemals um mich gekümmert hatte, von meinem Vorhaben in Kenntnis gesetzt sei. Als ob der in einer halbstündigen fanatischen Unterredung mich ummodeln könne I Hat !r sich geschämt oder fürchtete er, sich eine Abfuhr zu holen? Er hat mich glücklicherweise nicht belästigt. Innerhalb eines bestimmten »erzehntägigen Zeitraumes, an einem beliebigen Werktage, sollte öh mich zwischen 11 und 1 Uhr mittags im Gerichtsgebäude Neue 5-riedrichstr. 15 Erdgeschoß Zimmer bl 232 zur Abgabe einer mdgültigen gerichtlichen Austrittserklärung einfinden. Frau Justitia nacht es den Abtrünnigen nicht gerade bequem. Man muß in zem Gerichtslabyrinth ziemlich lange suchen, um zur„Höllcnpforte" zu zelangen. Da stand es endlich mit dicker Blauschrift„TerminSzimmer mr für Kirchenaustritte". Aha, das Geschäft muß gut gehen, daß mm hier für andere Dinge keine Zeit hat» Ohne anzuklopfen geht es herein, mit kühler Höflichkeit fragt ziemlich überflüssig ein Beamter nach meinem Begehr, wortlos halte ich ihm die Vorladung hin. „Gehören Sie irgend einer anderen Relegionsgemeinschaft an?" Ich verneine.„Haben Sie Geburts- oder Taufurkunden mitgebracht?" Ich bejahe.„Nehmen Sie, bitte, in der Wartehalle 9 Platz, Sie werden aufgerufen." Gleich daneben. Wartehalle 9, das ist also der „Vorhof zur Hölle", wie man diesen Raum mit kaustischem Witz ge- tauft hat. Wenn es schon im Vorhof so nett aussieht, läßt es sich in der Hölle selbst gewiß leben. Schon ein paar Dutzend glückliche Menschen warten gleich mir auf Erlösung von dem Banne der Kirche. Kein höhnisches Wort fällt. Jeder einzelne begreift, daß er seinen inneren Menschen hier reinigen will, und beweist mit sitt- lichem Ernst, daß er selbständig denken gelernt hat. Alle volljährigen Altersstufen, alle Berufsstände sind vertreten, hochgebildete Leute und einfache, aber geistesklare Arbeiter. Auffällig viele Gerichtsbeamte passieren vorüber, werfen neugierige, mitunter recht hämische Blicke auf die Abtrünnigen. Ruhig, mit überlegenem Lächeln, läßt man die Ignoranz gewähren. Eine halbe, eine ganze Stunde vergeht, niemand kümmert sich um uns. Auch die Mühlen des Erdengerichts mahlen langsam. Endlich, weit nach Mittag, werden gleich zehn, zwölf aufgerufen. Es geht ganz geschäftsmäßig zu, bureaukratisch umständlich. Das Protokoll ist von erfreulicher Kürze. Ein etwas Welt- fremder unter uns hatte vermutet, daß noch irgend ein Schwarzrock auf- tauchen werde, um vielleicht noch zu retten, was zu retten ist. Nein, dazu hat die Kirche kein Recht. Es wäre auch vergebene Liebesmüh', nur eine neue Blamage. Der Beamte liest mir eintönig das Protokoll vor. in dem daS Wort„wohlüberlegt" besonders auffällt, gibt mir meine Papiere zurück, reicht mir die Feder, und mit kräftigen, sicheren Zügen setze ich meinen Namen darunter. Der „Pakt mit dem Teufel", wie die Dummen sagen, ist geschlossen— ich bin frei von der drückenden Fessel der Welt. Heiter und leicht, wie seit langer Zeit nicht, lehre ich ins Alltagsleben zurück... Das„Lcerungspostamt". Generalpostmeister Stephan soll auf dem besten Wege sein, sich im Grabe umzudrehen. Mit einer Er- findungsgabe, die einer besseren Sache würdig wäre, ist die Reichs- Postverwaltung darauf bedacht, die Berliner postalischen Verhält- nisse immer mehr zu verschlechtern, das heißt auf Kosten des Publikums Ersparnisse herauszuwirtschaften. Man hat sich das eine Weile ziemlich ruhig mitangesehen und geglaubt, daß die Post- Verwaltung die UnHaltbarkeit schlechter neuer Einrichtungen sehr bald selbst einschen werde. Wie sich aber die Sache weiter ent- wickelt, hat es den Anschein, als ob das Reichspostamt für Berlin eine Briefbestcllung einführen will, wie sie vor drei Jahrzehnten allenfalls in den Kauf genommen werden mußte. Anstatt„im Zeichen des Verkehrs" vorwärts zu gehen, wird unter dem heutigen obersten Postleiter mit Riesenschritten rückwärts gesteuert, wohl um dem Publikum so recht'vor Augen zu führen, daß es für sein Sechscrporto nicht viel verlangen könne. Wir sind jetzt in Berlin glücklich so weit, daß ein Brief oder eine Postkarte durchschnittlich 4— 5 Stunden Zeit zur Beförderung innerhalb des Weichbildes er- fordert. Unter Stephans kräftiger Leitung brauchten dieselben Sendungen nur die Hälfte Zeit. Briefe, die im selben Bestell- bezirk blieben oder innerhalb des Bezirks des Hauptpostamts zu bestellen waren, kamen sogar meist schon nach einer Stunde in die Hände des Empfängers. Jetzt ist es fast die Regel, daß ein Brief, der im Norden etwa zwischen 9— 10 Uhr vormittags nach dem Jen- trum, und zwar nach dem Bezirk des Hauptpostamts aufgegeben wird, erst in der vierten Nachmittagsstunde zur Bestellung gelangt. Diese Verzögerung wird hauptsächlich auf die ganz verfehlte Neu- einrichtung des sogenannten„Leerungspostamts" zurückgeführt. Ein solches ist beispielsweise das Postamt 54 in der Lothringer Straße. Von hier aus werden sämtliche Straßenbriefkästen, die in der Schönhauser und zum Teil in der Rosenthaler Vorstadt bis zum Gesundbrunnen, zur Weichbildgrenze Reinickendorfs, Pankows und Weißensees hinauf liegen, geleert. Jeder Laie sieht ohne wei» teres ein, daß hierdurch die schnelle Bestellung unbedingt aufge. halten werden mutz. In allen diesen Bezirken sind niemals so viele Klagen laut geworden, wie seit Einführung des„Leerungpost- amts". Wenn sich das nicht ändert, wird man mit Herrn Kraetke wieder mal ein kräftiges Wörtlein im Reichstag reden müssen, Soldatcnfrcudcn. Das Gardekorps hat seine Uebnngen beendet und ist gestern aus dem Manöver zurückgekommen. Die Truppen trafen von nachmittags an auf dem Stettincr und Ostbahnhof bis in die späte Nacht hier ein. Eine größere Zahl Fnßkranker waren schon vorher in Berlin usw. eingetroffen. Nun hat Reserve Ruhe und die Entlaffungen beginnen. Damit aber auch für viele die Sorgen. Es muß wieder Arbeit ge- sucht werden. Mancher, der nur zur Uebung eingezogen war, hat seine bisherige Stelle verloren und muß gleichfalls auf die Suche gehen. Diejenigen, die ihre zwei oder drei Jahre abgerissen haben, müssen sich, wenn sie Arbeit finden, oft erst langsam wieder in ihren früheren Beruf einarbeiten, was nicht immer leicht ist. Andere wieder, die zum Militär ausgehoben sind, müssen ihre Arbeitsstellen verlassen, um sich dem Soldatenhandwerk auf einige Jahre zu widmen. Den Freuden, die ihrer warten, wird mit ge- niischten Gefühlen entgegengesehen. Wright als Rekordbrecher. O r v i l l e W r i g h t hat die zwei letzten Tage seiner Flug- Vorführungen am Tempelhofer Felde dazu benutzt, um durch brillante Fluge verschiedene Weltrekords zu brechen. So gelang es ihm am Freitag, den Höhenflugrekord zu brechen, den L a t h a m in der Flug- Woche zu Reims aufgestellt hatte. Latham hatte dort eine Höhe von 155 Meter erreicht. Orville Wright erreichte am Freitag nach der vorsichtigen offiziellen Registrierung eine Höhe von 172 Meter. In Wirklichkeit dürste der kühne Amerikaner wohl eine Höhe von 200 Meter erreicht haben, da er den in der Höhe von 160 Meter(der Ab- trieb durch den Wind ist hierbei schon berücksichtigt) schwebenden Fesselballon um 40—50 Meter überflog, wie nicht nur Wright selbst annimmt, sondern wie die von der Seite Beobachtenden feststellen konnten. Dieser Rekordflug bot nicht nur eine sportlich interessante, sondern auch ästhetisch hinreißende Leistung. Das annähernd halb- stündige Kreisen des Aviaters in so gewaltigen Höhen hinterließ bei den zahlreichen Zuschauern einen unvergeßlichen Eindruck. Einen zweiten Rekord brach Wright am Sonnabend mittag. Es galt diesmal, einen von Orville Wright selbst geschaffenen Welt- rekord zu brechen. Wright hatte kürzlich in Amerika sür den Flug mit einem Passagier in Dauer von 1 Stunde IL'/g Minuten den Weltrekord aufgestellt. Am Sonnabend flog er nun kurz vor 11 Uhr mit einem Passagier auf dem Tempelhofer Felde auf, um erst nach 1 Stunde 35 Minuten zu landen. Einem Versuch Wrights, auch einen dritten Weltrekord zu brechen, den des Dauerflugs, war heute das Gelingen ver- sagt. Um diesen Rekord zu brechen, hätte er länger als drei Stunden vier Minuten fliegen müssen. Sein zweiter Flug am Sonnabend währte aber nur 1U Stunden. Es wird darüber ge- meldet: Orville Wright führte heute den letzten Flug mit seinem Aeroplan auf dem Tempelhofer Felde aus. Da er die Absicht ausgesprochen hatte, den von Farman aufgestellten Drei- stunden-Weltrekord zu brechen, hatte sich wieder ein zahlreiches Mblikiun eipgefgMn. Der S.tgrt erlitt zgnäHft sm Verzögerung dadurch, daß die polizeilichen Absperrungen nicht rechtzeitig durchgeführt waren. Um 3 Uhr 14 Minuten erhob sich der Aeroplan, um nach einem Fluge von 3 Minuten Dauer wieder zu landen. Die Landung wurde notwendig, da die Absperrungen immer noch nicht vollständig durchgeführt waren und sich noch zahlreiche Personen auf dem Flugfelde befanden. Um 3 Uhr 32 Minuten erfolgte der zweite Aufstieg bei einer Windstärke von 8,4 Sekundenmetern. Wright blieb 1?L Stunden in der Luft, mußte dann aber landen, da der Wasservorrat seines Motors erschöpft w a r. Beim Verlassen des Flugfeldes wurde Wright vom Publikum wiederum stürmisch begrüßt. Der Berliner Volkschor veranstaltet in der kommenden Saison vier große Konzerte. ES gelangen zur Aufführung: Beethoven, die Ruinen von Athen, Violinkonzert; Mendelssohn, die erste WalpurgiS- nacht; Händel, Belsazar; Richard Wagner, die Meistersinger von Nürnberg und Werke von Robert Schumann. In allen Konzerten wirken außer dem Volkschor und dem Blüthner-Orchester die be- rühmtesten Gesangs- und Jnstrumentalsolisten mit. Das erste Konzert findet als Beethoven-Mendelssohn-Abend am 11. Oktober im Konzert- saal Friedrichshain statt, das Violinkonzert wird von Karl Klingler, dem Schüler Joseph Joachims, gespielt werden. Einlaßkarten sind in den bekannten Berkaufsstellen zu haben. Zu den allgemeinen Chorproben, die Freitags von 8'/a Uhr ab in der Aula, Stein- straße 31—34 stattfinden, ist Gästen' der Zutritt gestattet. Einen Schaufciister-Wcttbewerd veranstaltet die Zentralstelle für die Interessen des Berliner Fremdenverkehrs. Auf die Sicherung der Bauaufzüge bezieht sich folgende Bekann'« machung des Polizeipräsidenten: „Es ist wiederholt beobachtet worden, daß bei Bauaufzügen die den Aufzug bedienende Mannschaft nach der polizeilichen Abnahme die Sicherheitsvorrichtnngcn(wie Schranken, Verriegelungen n. dergl), die ihr unbequem sind, abstellt oder beseitigt, so daß die notwendige Sicherheit im Betriebe nicht mehr vorhanden ist. Die Polizei- baninspektoren und die Baukontrollenre sind daher angewiesen worden. bei der Besichtigung der Bauten auf die Bauniaterialienaufzüge ihr besonderes Augenmerk zu richten. Sollte sich bei einer Revision er- geben, daß die erforderlichen SicherheitSvorkehrungen beseitigt sind oder nicht richtig benutzt werden, so wird gegen die Schuldigen nn- nachsichtlich mit Strafen vorgegangen, unter Umständen auch der Aufzug außer Betrieb gesetzt werden." Inwieweit die Behauptung, daß die den Aufzug bedienende Mannschaft ihr unbequeme Sicherheitsvorrichtungen abstellt oder be- seitigt. richtig ist, entzieht sich unserer Beurteilung. Annehmen muß man, daß jedenfalls die bezeichneten Sicherheitsvorrichtungen un- zweckmäßig zu sein scheinen. Das Automobil des Kronprinzen. Der„Lokal-Anzeiger" berichtet: „Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 5 Uhr in der Hauptstraße in Herzfelde. Um die angegebene Zeit fuhr der Kronprinz durch die genannte Straße mit seinem Automobil, in dem sich noch mehrere Offiziere befanden. Der Kronprinz kam aus dem Manövergelände und wollte nach Berlin fahren. AIS das Auto in die Hauptstraße einbog, fuhr vor ihin ein Kohlenwagen, an dem sich der sechs Jahre alte Sohn der in derselben Straße wohnenden Eheleute Zauter angehängt hatte. Der Kronprinz, der das Auto selbst steuerte, ließ die Hupe ertönen, und nun sprang der Knabe von dem Wagen ab, kam aber dabei zu Fall und geriet unter die Räder des dicht dahinter fahrenden Kraftwagens. Trotzdem der Kronprinz, welcher den Knaben erst im allerletzten Monient sehen konnte, sofort stoppte, war es doch leider bereits zu spät. DaS bedauernswerte Kind wurde angefahren und erlitt einen Schädelbruch. Sofort sprang der Kronprinz ab und bemühte sich selbst um den schwerverletzten Knaben, den er nach dem etwa 1500 Meter entfernten Rüdersdorfer Krankenhause fahren ließ, während sein Adjutant die Eltern auf- suchen und sie von dem traurigen Ereignis in Kenntnis setzen mußte. Der Kronprinz begab sich dann nach dem Polizeibureau, wo er über eine Stunde verlvcilte, bis er Nachricht aus dem Krankcnhause über das Befinden des Kindes erhielt. Dem Vater des Knaben, der im Polizeibureau erschien, drückte der Kronprinz sein lebhaftes Bedauern über den Unfall aus und versprach, sich des Kindes anzunehmen. DaS Befinden des kleinen Zauter ist ernst. Nach den gestern abend von dem Kronprinzen eingezogenen neuen Erkundigungen hat sich der Zustand gebessert." Der Zcntralvcrcin für Arbeitsnachweis teilt mit: Eltern und Vormünder der Oktober die Schule verlassenden Mädchen werden aus die kostenlose Stellenvermittelung des Zentralarbeitsnachweises, Rückerstr. 9, aufmerksam gemacht. Lehr- und AnfangSstellcn jeder Art werden den jungen Mädchen dort nachgewiesen. Die Sprech« stunden sind von 7—1 Uhr, Sonnabends bis 2 Uhr. Für diejenigen Mädchen, die den Dienstbotenberuf ergreifen wollen, sind in der Ab- teilung für Hauspersonal. Gormannstr. 13, eine große Anzahl von AnfangSstellcn gemeldet. In ihrer Nachtruhe gestört wurden in der vergangenen Nacht die Bewohner des Südostens. Grund dieser Störung war der Umstand, daß in der vierten Morgenstnnde ein Infanterieregiment mit Tronnneln und Pfeifen die Gegend durchzog. Was würde die Polizei sagen. wenn sich das ein Trupp Arbeiter erlaubte? Das Bernhard Rosc-Thcater wartete am Freitag seinem Pnbli- kum mit einer Premiere„Die Jägermeisterin" von Charlotte Ehlersgaard auf, einem aus dem Dänischen ins Deutsche über- tragencn vieraktigen Volksstück. Das weniger künstlerisch als bühnen- technisch geschickt und wirksam aufgebaute Stück behandelt den Fall, daß ein seine uneheliche Tochter über alles liebender Vater um dieser Liebe willen auch die Mutter seines Kindes zu seiner ehelichen Frau macht. Natürlich geht das bei dem starrköpfigen Alten nicht so rasch. Ein reiches Maß bitteren Lebenserustes muß erst.hüben und drüben aufgesammelt sein, bis sich alles so zusammenfindet, wie es eigentlich von Anfang air hätte sein sollen. Zu dem vollen Erfolg des äußerst beifällig aufgenomnrcnen Dramas trugen die Darsteller der einzelnen, meist höchst dankbaren Rollen nicht Ivenig bei. Besonders anerkannt an dieser Stelle aber seien die auch verwöhnteren Geschmack zrlfriedenstellenden Leistungen deS Direktors Bernhard Rose als Jägermeister Windt, Ger- trud Spiegelbergs als seiner Tochter Regina und Ludwig BargS als Knud Olfen. Arbeiter-BildungSschnle Berlin. Am Sonntag, 19. Sep- tember, findet eine Besichtigung der Erzieh ungs- an st alt„Am Urban" in Zehlendorf statt. Abfahrt des ZugeS: Wannseebahnhof 2.15 Uhr nachmittags. Treffpunkt: Bahnhof Zchlendorf(Wannsccbabn). Da die überaus lehrreiche wie intereffante Besichtigung dieser Anstalt präzise 3 Uhr beginnt, ersuchen wir um pünktliches Erscheinen. ES sei noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß, entgegen der ersten Bekanntgabe, nach der Besichtigung ein gemütliches Bei- s a m m e n s e i n in Wilh. Miels GesellichaftshauS, Karl« straße 12, in Z e h l e n d o r f geplant ist. Zahlreiche(Beteiligung von Mitgliedern und Freunden der Schule erwartet Das Komitee. Im Berliner Aquarium wird der Besucher bei Durchmusterung der Fischbecken manche interessante Erscheinung wahrnehmen. So in einem der mittleren Secwasserbehülter des oberen Grotten» ganges und einem der unteren Bassins einige Vertreter der Familie der Schleimfische. Die Spezies der echten Schleimfische zeichnen sich, obgleich sie je ygch der Art in Färbung und körperlichen Eigen- Seiten tne�r oder minder voneinonder abweichen, doch alle durch die den langgestreckten, zylindrischen Körper bekleidende nackte, sehr schlüpfrige(schleimige) Haut, durch eine langgestreckte Rücken flösse mit ungeteilten, zuweilen in freie Fäden ausgezogenen Strahlen und, was das Absonderlichste ist. durch zwei über den Augen stehende gefranste oder verzweigte Fühler- bezw. hornartige Hautanhängsel vor anderen Fischen aus, und ebenso ist ihre Lebens weise ganz eigenartig, indem sie ihren schlüpfrigen Leib in die Ritzen von Steinen und Felsen, Muschelhausen usw. zwängen und von da aus nach Beute schnappen. Ein seltenes Jubiläum feiert morgen, am 20. September, die in der Spedition des„Vorwärts", A. Hintze u. Co., Filiale Wilhelm Mann, Petersburger Platz 4 beschäftigte Zeitnngsausträgerin Frau Anna P r e i k s ch a t. Dreißig Jahre sind es dann, daß die Jubilarin diesen schweren Beruf ausübt in treuer, ehrlicher Pflichterfüllung. Trotz ihrer 66 Jahre immer gleich ununterbrochen tätig, ob Winter, ob Sommer, ob Schnee, Regen oder Sonnenschein, stets pünktlich am Platze und in der Besorgung ihrer Kunden. Ein leuchtendes Vorbild ihrer Kolleginnen. Seit 26 Jahren trägt sie den„Vor- wärts" aus. Bald nach der Gründung eigener Speditionen übeo nahm sie eine Stellung in der Spedition des Genossen Wengels im 4. Wahlkreis, in der sie bis zur Teilung derselben und Gründung der Spedition Mann, am Petersburger Platz 4, tätig war, um dann in letztere mit überzutreten. Wir wünschen und hoffen, daß der Spedition die Kraft der treuen, unermüdlichen Genossin noch recht lange erhalten bleibe. Strasscusperruiig. Das Schöneberger Ufer von der Einfahrt zum Potsdamer Güterbahnhofe bis zur Schöneberger Brücke aus schließlich wird behufs Uingestaltuug vom 20. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Arbcitcr-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr Mitglieder- bcrsamnllnng bei Dase, Vrruinenstr. 164.— Dienstag abend in dem- selben Lokal Vortragsabend der 2. Abteilung. Vortrag über Physio- logie. Neue Mitglieder können noch eintreten. Vorort- I�sad) ricbtcm (Schluß des Berichts über die Rixdorf. Stadtverordneteilvcrsammluiig. Donnerstagsitzung). Der Eisenbahnfiskus beabsichtigt die in Holz hergestellte Herth a- brücke zu einem massiven eisernen Bauwerk umzubauen. Um die Brücke in ihren Breitenverhältnissen möglichst den an diese an- schließenden Straßenzügen anzupassen, ist der Magistrat mit der Slaatsbahnverwaltung in Verhandlungen eingetreten. Sie führten dahin, daß für den Neubau ein Fahrdamm von 19 Meter und zwei Gehbahnen von je 3 Meter Breite festgelegt wurden. Die Stadt soll als Beitrag zu den Baukosten 66 069 M. übernehmen. Außerdein würden 21 999 M. für die Pflasterung der neuen Brücke in Betracht kommen. Die Versammlung stimmte dem vom Magistrat vorgelegten Abkommen debattelos zu. Der Magistrat beabsichtige, vom 1. Januar 1919 ab für das südlich der Linie Grüner Weg— Thomasstraße— Hohenzollern- und Richardplatz— Hertzbcrgstraße gelegene Stadtgebiet ein neues— das dritte— Standesamt einzurichten. Das Gebiet nördlich dieser Straßenziige bis zur bisherigen Grenze des 2. Standesamtsbezirks soll dann den 1. Standesamtsbezirk bilden. Der Plan wurde ge- nehmigt und die notwendigen Kosten bewilligt. Um die sich als notwendig ergebende Unterbringung der Armen und Waisenverwaltungsbureaus in zweckentsprechende Räume be wirken zu können, sollen dem neuen Rathausbau zwei weitere Flügel zugefügt werden, einer im Hofe und einer an Stelle der ab- zubrechenden Stallungen und Schuppen in der Donaustraße. Der Magistrat ersucht dazu um das prinzipielle Einverständnis, das nach einer langen GcschästSordnungsdebntte als ausgesprochen betrachtet wird, in der Stadtv. Abraham die Gültigkeit der vom Borsteher festgestellten stillschweigenden Annahme der Vorlage bestritt, da— wie er sagte— die Mehrheit der Versanmilung dagegen sei und nur die beabsichtigte Einsprucherhebuug verpaßt habe. Dagegen wandten sich die Sladtvv. Dr. Silberstein und Grog er ganz energisch, von denen der erstere es zurückwies, daß die Geschäfts ordnung ausgeschaltet wird, wenn mal die Regie zwischen Vorsteher und Blocknichrheit nicht klappt. Fast sah es wie Vergeltung für die eben erlittene Niederlage aus, als man versuchte, die nächste Vorlage zu„vertagen", welche den Ersatz schaffen soll für die zum Abbruch kommenden und der Straßenreinigung dienenden Schuppen und Ställe in der Donau- straße. Das Grundstück Emser Str. 132 ist dafür in Aussicht ge- nommen, aus dem für die Feuerwache II und für ein Straßenreinigungsdepot die benötigten Bauten zu er- richten wären. Diese Räume müssen geschaffen werden, weil die Rathauserweiterung beschlossen ist und weil— wie Stadtverordneter T h u r o w(Soz.) in seinen die Vertagung bekämpfenden Aus- führungen feststellte— die Zustände der jetzigen provisorischen Feuerwache auf dem Grundstück Emser Straße 132 unhaltbar sind. Nach längerer Debatte wurde endlich der Vertagungsantrag zurück- gezogen und dem Magistratsantrage zugestimmt. Mit der Bildung von 24 Stadtbezirken nach dem Muster Berlins und anderer großer Vorortgciueinden erklärte sich die Versammlung einverstanden. Der Einteilung sind die 24 Wahl- bezirke der drillen Wählcrabteilung zugrunde gelegt worden. Die Errichtung eine» Hundeasyls auf dem städtischen Müll- abladcplatz wurde genehnügt. Vom Monat Oktober ab wird beabsichtigt, vom Buschkrug bis zum neuen im selben Monat zu eröffnenden städtischen Krankenhause eine O m n i b u s l i n i e einzurichten. Diese ist im Anschluß an die Straßenbahnlinien I und 47 gedacht und sollen die Wagen von 8—12 Uhr vormittags und 3—7 Uhr nachmittags stündlich während der Besilchszeiten des Krankenhauses aber nach Bedarf>/z- oder lli stündlich verkehren. Ueber de» Fahrplan entspann sich eine lebhafte Debatte, der als ungenügend bemängelt wurde. Alle Redner hielten eine Ausgestaltung des Verkehrs nach verschiedenen Aich- tunge» hin für nötig, was vom Magistrat im Fall der eintretenden Notwendigkeit zugesagt wurde. Die Vorlage wurde darauf an- genommen. Die Einrichtung eines neuen Wochenmarktes für die Dienstage und Freitage auf dem Herrfurthplatz, zu der der Magistrat die Zustimmung nachsuchte, rief längere Auseinandersetzungen her- vor, die schließlich damit endeten, daß die Vorlage an die Verkehrs- depntation Verlviesen wurde. Der Magistrat schlägt vor, die Verpflegungssätze für das städtische Krankenhaus wie folgt zu erhöhen: a) L für alle in Rixdorf lvohnhasten Personen und für alle Mit- glieder von Krankenkassen, Abonnementsvereinen und Berufs- gcnossenschaften gleichmäßig für Erwachsene und Kinder 3 M. für den Tag; II. für auswärts wohnende Personen, soweit nicht die Kurkosten von den zu I benannten Einrichtungen getragen werden, gleichmäßig für Erwachsene und Kinder 3,69 M. für den Tag; b) für in die Privatabteilnng aufgenommene Kranke 1. für in Rixdorf wohnhafte Personen, Erwachsene wie Kinder 7 M. für den Tag; II. für auswärts wohnende Personen, Erwachsene wie Kinder 9 M. für den Tag. Sofern von diesen Kranken die Unterbringung in ein Einzel- zimmer verlangt wird, erhöhen sich die Sätze auf 12,69 M- bezw. 15 M. Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n(Soz.) bekämpfte energisch die Vor- läge. Die ärmere Bevölkerung sei— so führte er aus— gegen- wärtig schon genug belastet, als daß noch derartige WohlfahrtS- einrichtuugcn, die die Stadt uncntgeltlich zur Verfügung zu stellen habe, verteuert werden. Der fiskalische Standpunkt des Magistrats würde nicht durch den Hinweis auf die anderen Groß-Berliner Kommunen und den preußischen Staat, der die Armen stets belastet und die Funkcrsöhne hätschelt, keineswegs gebessert. Die erhöhten Knrkosten, welche bei einem kranken Kinde gegenüber dem früheren Monatsvorschuß von 69 M. einen solchen von 99 M. bedingen, müssen die Familienväter in größerem Maße der Armenvcrlvaltung in die Arme treiben� tvas eine erneute Mahlrechtsverschlechterung bedeuten würde. Das könne doch die Mehrheit nicht auch noch wollen; das Attentat vom 18. Dezeniber 1998 sei doch übergenug davon. Die Extrazimmer für zahlende Patienten seien unbedingt zurückzuweisen, weil dadurch die Gefahr bestehe, daß die anderen Kranken schlechter behandelt werden.— Nachdem Bürgermeister Dr. Weinreich und Stadtv. K o y e die Vorlage verteidigt hatten, wurde sie mit 32 gegen 19 sozialdemokratische Stimmen angenommen. Der beantragte Zuschuß von 699 M. zur Provinzial-Lehrer Versammlung wurde bewilligt und hierauf in eine geheime Sitzung eingetreten. Achtmig! Bereinigmig Jugendheim. Am Mittwoch. 22. Sest tember, abends S'/a Uhr, in Hoppes Saal konstituierende Ver sammlung. Ein gefährlicher Kinderfrennd ist in der Person des 42 jährigen Fensterputzers und Kellners Karl Bach verhaftet worden. Der Unhold trieb sich in der Nähe von Mädchenschulen herum, lockte ältere Schülerinnen an sich, zeigte ihnen unsittliche Bilder und stellte strafbare Ansinnen an die Kinder. Diese erzählten dies anderen Schülerinnen, die es den Lehrern und deni Rektor erzählten. Die hierauf benachrichtigte Polizei beobachtete dann das Treiben und nahm den Bach lu üaxrautä fest, als er sich auf dem Herzbcrgplatz herumtrieb. Wie ei» Hauswirt zu seinem Gclde kommt. Unter Bezugnahme auf unsere in der Freitagnummer unter borstcheuder Ueberschrift ge- brachte Notiz teilt uns der auch darin benannte Möbclhändler Firma Karl Graß mann, Schöneberg, Barbarossastr. 6— mit, daß er nach vorliegenden Gerichtsentscheidungen zur Auslieferung der Mietssachen an den Rentier G u st a v N e u m a n n, Allerstr. 7, der die Arbeiterfamilie exmittierte, verpflichtet zn sein glaubte. Die 29,69 Mark in Anrechnung gebrachten Zinsen entsprachen der Summe, die die Firma nach vier Jahren, seit Verleihung der Sachen, zu er- heben berechtigt sei. Steglitz. Achtung, Kranrcnkassenwahl! Die Wahl der Delegierten zur Generalversammlung der Ortskrankenkasse findet am Montag, den 27. September, abends 8>/z Uhr, im Lokal„Patzenhofer", Breite Straße 49, statt. Zu wählen sind 91 Arbeitervertreter und 46 Ver- treter der Unternehmer. Wählbar und wahlberechtigt sind alle weib- lichen und männlichen Kassenmitglieder, welche das 21. Lebensjahr überschritten haben. Wir ersuchen die Vertrauensleute der Betriebe. welche der Krankenkasse angeschlossen sind und Delegierte stellen wollen, die Adressen derselben umgehend an den Genossen Richard Hagen, Friedenau, Rheinstr. 19 III, einzusenden. Parteigenossen! Der Vorstand der Kasse, in welchem die organisierte Arbeiterschaft so gut wie gar nicht vertreten ist, hat nicht ohne Absicht die Ver- öffentlichung der Wahl so lange hinausgeschoben. Sorgt dafür, daß die Liste der Gcwerkschaftskommission eine möglichst hohe Stimmen- zahl auf sich vereinigt. Gewerkschaftskommission Steglitz und Umgegend. Treptow-Baumschulenweg. Die Gemeindcverordnetcn-Ersatzwahl für den aus der Gemeinde verzogenen Ingenieur Pröls, dessen Mandat bis 1912 läuft, fand am Sonnabend statt. Von den 14 in der ersten Wählerklasse ein- geschriebenen Wählern waren acht erschienen, welche ihre Stimme dem Nutzholzhändler Max Lücke gaben. Lichtenberg. Seht die Wählerliste ein! Die Wählerliste liegt aus wochentäglich von 9— Z und Sonntag von 9—1 Uhr. Nutze jeder den heutigen Sonntag aus, um sich sein Wahlrecht zu sichern. Niemand lasse sich zurückweisen; sofern er nicht in der Wählerliste steht, ist der anwesende Beamte verpflichtet, den Einspruch gegen die Richtigkeit der Liste zu Protokoll zu nehmen. Wer selbst durchaus nicht in der Lage ist einzusehen, beauftrage eine der im ganzen Orte durch Pla kate kenntlich gemachten Stellen mit der Einsicht. Als Lcgiti mation genügt Steuerquittung vom 1. Quartal. Folgende Bezirke kommen bei der Neuwahl in Frage: In der dritten Abteilung Wahlbezirk 1, 3, 7, 8, 16. 2. Abteilung Wahl bezirk 1, 4._ Delcgierteuwahlen zur Ortskrankenkasse. Am Montag, den 29. d. Mls., abends von 4—8 Uhr, wählt die erste Abteilung im Lokale von Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 6. Dazu gehören alle Betriebe östlich der Ringbahn.— Am Dienstag, den 21. d. Mts., abends von 4—8 Uhr, wählt die zweite Abteilung im gleichen Lokale. Hierzu gehören die Betriebe westlich der Ringbahn.— Die frei» willigen Mitglieder wählen in der Abteilung, in welcher ihre Wohnung liegt. Als Legitimation gilt das Mitgliedsbuch oder Karte. Pflicht der Arbeiterschaft ist es, sich an diesen Wahlen rege zu beteiligen. �Berliner Gewerkschaftskommission, Abt. Lichtenberg. Potsdam. Die Verhaftung deS RaubmSrderS Hackradt führt jetzt auf die Spur einer Reihe noch bis heute unaufgeklärter Gaunereien und Verbrechen. Hackradt hat jetzt verschiedene Geständnisse abgelegt, die einer Anzahl von Personen zum Verhängnis werden. So gestand er, eine Fabrradmarderbande dirigiert zu haben. Die gestohlenen Räder wurden von einem hiesigen Schlosser umgearbeitet und weiter verkauft. Verschiedene Leute sind in die Affäre verwickelt. Als er vorgestern unter sicherster Bedeckung an die Mordstelle, die seit der Bluttat verschlössen blieb, geführt wurde, gab er eine Schilderung der Ausübnng des Verbrechens. Die Voruntersuchung kann sich noch sehr in die Länge ziehen, obschon für die erste Hauptverhand- lung die Diebstähle und Unterschlagungsfälle ausgeschieden werden. Vermischtes. Die Cholera in Deutschland. In P o k a l l n a bei Ruß(Kreis Hehdekrug) sind zwei Cholera- fälle bakteriologisch festgestellt worden. Eine Person ist bereits ge- storben, die andere ist isoliert. Von feiten der Behörden find alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Mocken-Spielplan der Berliner Cheatcr. Königs. Opernhans. Sonntag: Tannhäuser. Montag: Der Freischütz. Dienstag: Elektra. Mittwoch: La Traviata. Donnerstag: Don Juan. Freitag: Die Hugenotten. Sonnabend: Götterdämmerung.(Ansang 6y, Uhr.) Sonntag: Margarete. Montag: Don Juan. Königl. SchanspiclhanS. Sonntag: Der eingebildete Kranke. Montag: Maria Stuart.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Man spielt nicht mit der Liebe. Mittwoch: Der eingebildete Kranke. Donnerstag: Die versunkene Glocke. Freitag: Zops und Schwert. Sonnabend: Der ctn- gebildete Kranke. Sonntag: Die Jungsrau von Orleans. Montag: König Heinrich IV. Teil I. NeucS königl. Opern-Theater. Sonntagnachmiitag 3 Uhr: Der Dorspsarrer. Abends: Der Paragraphenschuster. Montag: Almenrausch und Edelweiß. Dienstag: S' Dorsgehoamnis. Mittwoch: Der Paragraphen- 1 schuster. Donnerstag: Jägerblut. Freitag: Der HerrgottSschnitzer von Ammergan. Sonnabend: Der verkehrte Hof. Sonntag: Nachm. 3 Uhr: Dorsgehoamnis. Abends: Der verkehrte Hos. Montag: s' Licserl vom Schlicrsee Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Faust. Dienstag: Ein Sonimernachtstraum. Mittwoch: Faust. Donnerstag: Was ihr wollt. Freitag: Revolution in Krähwinkel Sonnabend: Der Kaufmann von Venedig. Sonntag: Ein Sonimeniachisiraum. Montag: Die Räuber. Deutsches Theater.(K a mm ers p i ei e). Sonntag bis Mittwoch: Die Sünde. Donnerstag: Lysistrata. Freilag: Der Arzt am Scheideweg. Sonnabend: Gygcs und sein Ring. Sonntag: Der Arzt am Scheideweg. Montag: Lysistrata.(Anfang 8 Uhrsi Lessiiig-Thcater. Sonntag: Die Gefährtin. Hannelcs Himmelfahrt. Montag: Der König. Dienstag: Die Gesährtin. Hannelcs Himmelfahrt. Mittwoch: Klein Eyols. Donnerstag: Zum 1. Male: Des Pfarrers Tochter von Strcladorf. Freitag: Die Gefährtin. Hanncles Himmelfahrt. Sonn- abend und Sonntag: Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Montag: Zwischenspiel. Berliner Theater. Sonntagnachm. 3 Uhr: HerodeS und Mariamn«. Abends: Der Wildschütz. Montag: Einer von unsere Leut'. Dienstag: Zum l. Male: Sintiiut. Mittwoch bis Sonnabend: Sintflut. Sonntag- nachmittag: Herodcs und Mariamne. Abends: Sintflut. Montag: Einer von unsere Leut'.> NcueS Theater. Sonntag. Montag und Dienstag: Das Urbild des Tartüffe. Mittwoch: Emiiia Galotti. Donnerstag; Das Urbild des Tarlllsse. Freitag: Emitia Galotti. Sonnabend, Sonntag und Montag: Das Urbild oes Tartüfsc. Hcbbel-Theater. Allabendlich: Hanna Jagert.(Anfang 8 Uhr.) Neues Schanspielhans. Allabendlich: Miß Dudeifack.(Auf. 8 Uhr.) Kölnische Over. Sonntag nachm. 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Abends: Der Wildschütz. Montag: Tiefland. Dienstag und Mittwoch: Der Wildschütz. Donnerstag: Tosca. Freitag: HoffmaimS Erzählungen. Sonnabend: Der Wildschütz. Sonntag: Nachm. 3 Uhr: Tiefland. AbendZ: Der Wildschütz. Montag: Tiesland.(Ansang 8 Uhr.) NeueS OPerctten-Thcater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Zigeimer- baron. Bis aus weiteres täglich: Die Dollmprinzessin.(Ansang 8 Uhr.) Lustspielhans. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Im Klubsessel. Abends und Montag und Dienstag: Im Klubsessel. Mittwoch: Zum 1. Male: Man soll keine Briefe schreiben. Donnerstag bis Montag: Man soll leine Briese schreiben.(Ansang 8 Uhr.) Theater deS Westens. Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. Bis auf weiteres täglich: Der fidele Bauer.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Die lustige Witwe. Residenz-Theater. Allabendlich: Gretchen.(Ansang 3 Uhr.) Sonntag nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Ameiie. Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: 2X2— 6. Mends und bis ans weiteres täglich: Moral. Sonntag nachmittag: 2X2— 6. Schiller-Theater Sonntag nachm. 3 Uhr: Macbeth. Abends: Dr. Klaus. Montag: Die Ehre. Dienstag: Macbeth. Mittwoch und Donnerstag: Die von Hochsaitel. Freitag: Die Ehre. Sonnabend: Die von Hochsaitel. Sonntag nachm. 3 Uhr: Macbeth. AbendS: Die Ehre. Montag: Die Ehre.(Anfang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntag nachmittag S Uhr: Die Weil, in der man sich langweilt. Abends und Montag: Die von Hochsatiel. Dienstag: Die Ehre. Mittwoch und Donnerstag: Jnngscr Obrigkeit. Freitag: Zum 1. Male: Das Käthchen von Heilbronn. Sonn- abend: Jungser Obrigkeit. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Weit, in der man sich langweilt. Abends: Das Käthchen von Heilbronn. Montag: Die von Hochsaitel.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Othello. Abends: Die Stützen der Gesellschaft. Montag: Das ' erz auf der Hand. Dienstag und Mittwoch: Die Stutzen der Gesellschaft. wnnerstag und Freitag: Das Herz aus der Hand. Sonnabend: Manövcrregen. Sonntag»achin. 3 Uhr: Othello. AbendS und Montag: DaS Herz aus der Hand.(Ansang 8 Uhr.) Luisen- Theater. Sonntag nachmittag 8 Uhr: Maria Stuart. Abends: Der Mann mit der eisernen Maske. Montag: Gefallene Engel. Dienstag: Zum I. Male: Der KaiscrprciS. Mittwoch: Der Mann mit der eisernen Maske. Donnerstag: Die weiße Dame. Freitag: Der KaiserpreiS. Sonnabend: Die Herren Söhne. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Jung- srau von Orleans. Abends: Der KaiserpreiS. Montag: Der Mann mit der eisernen Maske.(Ansang 8 Uhr.) Bolköoper. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Der Waffenschmied. Abends: Die Jüdin. Montag: Der Troubadour. Dienstag: Die Jüdin. Mittwoch: Zar und Zimmermann. Donnerstag: Zum 1. Male: Masken- ball. Freitag: ILa Traviata. Sonnabend: Die Jüdin. Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Der Freischütz. Abends: Maskenball. Montag: La Traviata. Thnlia-Thcatcr. Bis aus weiteres täglich: Prinz Busst..(Ans. 3 Uhr.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Wo wohnt sie denn. Bernhard Rose-Thcater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Grille. AbendS und Montag: Die Jägermeisterin. Dienstag: Im Cass Noblesse. Mittwoch: Die Jägcrmeisterin. Donnerstag: Im Eass Noblesse. Freitag: Des Meere» und der Liebe Wellen. Sonnabend, Sonntag und Montag: Die Jägermcisterin.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theatcr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Liebesgewitter. Abends und bis aus weiteres täglich: Pariser Witwen.(Ansang 8 Uhr.) Gebr. Herrnfeld-Tbcater. Bis aus weiteres täglich: Frau EikamS Friseur. Mcinc-Deine Tochter.(Ansang 8 Uhr.) Folie« Gaprice. Allabendlich: Mobilisierung. Der gewisse Augen- blick.(Anfang 8'/, Uhr.) Mctropol- Theater. Allabendlich: Die oberen Zehntausend.(An- sang 8 Uhr.) ReichShallen< Theater. Allabendlich: Stettwer Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr) Berliner Prater-Theater. vis aus weiteres täglich z Man lebt ja nur einmal.(Ansang 4'/, Uhr.) Kasino-Theater. Sonntag, den 19. und Sonntag, den 25. d. MS: Familie Klinkert. Allabendlich: Onkel Cohn.(Ansang 8 Uhr9 Apollo-Thcater. Allabendlich: Eine Haremsnacht. Spezialitäten. (Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialiläten.(Ansang 8 Uhr.) Passage-Theater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Spezialiläten.(Ansang 8 Uhr.) Wallialla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Kart Haberland-Theater. Allabendlich: Spezialitälen. Urania< Theater. Taubensttaßc 48/49. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag: Der Kamps um Nord- und Südpol. DicnSrag: Rom und die Campagna. Mittwoch: Von Slbbazia bis Corfu. Donnerstag: Die Insel Rügen. Freitag: Fliegende Menschen. Sonnabend und Sonntag: In den Dolomiten.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvatidenstr. 67—62. WttterungSüberttcki» vom 18. September 1909, morgen« 8 IIB*. Ctattonen «5 c r Bf «Bettet Slvtnembe. Hamburg Berlin Frants.a.M. München Wien 764 SSW 764 WSW 764 Still 762 NO 761 SW 762 SO 2 bedeckt 1 bedeckt Nebel 6 bedeckt 2 Nebel 2 heiter c»1 4". S? hS> «tottonen 2| !»■=■ -6 ff 8? «Bettet t- Haparanda 766 WSW Petersburg 771 SO Scillh Merdee» Parts 766 OSO 768 S 763 N 2 heiter| 1 halb bd. 2haibbd. 2 Dunst 1 wollig 10 12 13 12 12 Wetterprognose für Sonntag, de« 19. September 1999. Ziemlich kühl, zeitweise ausllarend, vorwiegend trübe mtt Rcgensällea und mäßigen uordwesttichen Winden. Berliner Wetterbureau. WasterstandS-Nachrichten der LandeSanstait für Gewäflerlunde, mitgetellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l. Jnfterbmg Weichsel, Tdoru Oder, Nattbor » Krassen » Frankfurt Warthe. Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmcritz , Dresden , Larbv , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau>) , Rathenow') Spree, Spremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden 5t h e t u, Maximiliansau , Kaub , Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wertheim Mosel. Trier >)+ bedeutet Euch».- goO.-•) Unterpegel. ßritfkaften der Redabtfon. Die lurlstlsche Sprechstunde findet Liodenstraste Z, zweiter Hof, dritter Einging, vier Treppen, Mx- Fahrstuhl wochentöglich abends Po» TA bis 9V4 Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten könne» 1t Tage»ergehe«. Eilige Frage« trage man t« der Sprechstunde vor. N. 199. C.®. Sie wählen in der dritten Klasse. Steucrzettel legiti» miert.— B. 44. Wenn der Verkäufer das Rad w Ordnung gebracht hat, müssen Sie es behalten und zahlen.— R. Laurig, Fehuiarnstr. 47. Wenn einer so geringfügigen Bestrafung wird die Konzession nicht versagt. - H. N. 10. Nein.— H. F. 16. Sie haben die Kirchensteuern nur bis 31. Dezember 1909 zu zahlen: machen Sie eine entsprechende Gngabe an das Konsistorium.— N. 1889. Sie haben die restlichen 1» M. zu fordern; der Zahlungsbefehl mutz von allen Vereinsmitgliedern beantragt werden. Zu welchem Gericht der Schuldner gehört, ersehen Sie aus dem Adreßbuch.— Ül. F. 318. Sie können durch Erklärung bei dem Amtsgericht Berlin-Mtte ausscheiden.— Rummelsburg. Nein. — E. S. 2000. Die Armenverwaltung hat keine Ansprüche.— 70. A. R. Sie können gegen die Zeugen nichts mehr tun; lassen Sie die Sache ruhen. Heiraten dürfen Sie natürlich; schließen Sie mit Ihrer «ravt vorher gerichtlichen Ehedertraz.« K. L. 100. Selbstverständlich, wenn er kein Privatvermögen hat.— E. S. 1909. Bis 31. 12. 09, etwa 5—6 M. jährlich.— P. R. 25. Die Altersrente ist etwas höher, etwa um 20 M. pro Jahr.— Schtvestcru. Aus beide Fragen: Nein.— S. B. 1. 1 M. jähilich.— P. S. 100. Aus beide Fragen: Nein.— . M. 100. Die Mutter selbst kann nicht Vormünderin sein, da sie noch minderjährig ist. Ihre Mutter kann dem Gericht einen Vormund vor« schlagen.— W. 27. Sie hasten trotzdem sür die Miete, salls das ausdrücklich vereinbart ist: dies ist die Regel.— Wt. 39. Nein. — K. L. 40. Die Schwester Ihrer Tante beerbt diese zur Hälfte, die Kinder der vorverstorbenen Schwester zur anderen; alle Verwandten des OnkelS fallen aus.— R. L. 7. Sie können als Werkmeister nur mit sechswöchentlicher Frist zum Quartal kündigen.— N. M. 105». Nein. — A. I. 555. Falls vereinbart ist, daß die Nutzungen des Grundstücks mit der Uebergabe aus Sie übergehen, muß die Verkäuferin den Pachtzins bis 1. Ottober herauszahlen.— Nr. 10. M. 1. Ja. 2. Nein, ein solcher Ort existiert überhaupt nicht.— H. S., Friedenau. 1. Nein; die Rechte wegen Mängeln der Kaussache verjähren in sechs Monaten. 2. Der Vertrag muß aus dem Gericht geschlossen werden; Kosten sind bei Notar und Gericht gleich, sie sind nicht erheblich. 4. In drei Jahren. 5. Jeder Ort hat eigenes Meldeamt.— Lothar Paria. Nein.— H. Zühlke. 1. Die zweite Frau erhält die Hülste des Nachlasses. 2. Das Legat ruht aus dem ganzen Nachlaß.— Franz Gehricke. Sie können nur um Stundung oder Erlaß der Steuern cinkommen; em Recht darauf haben Sie nicht.— Ot. P. 13. Sie müssen Bis 31. Dezember 1909 zahlen. —®tamniHfch„Prosit". Der Gastwirt ist zum Verlaus von Getränken nicht verpflichtet; Beleidigungsklage ist ausgeschlossen.— Himmel. DaS Gesuch war an die Stcuerdeputation zu richten; erneuern Sie es dort.— N.®. 25. Frage 1: Nein.— I. 28. Wenden Sie sich wegen Rück« zahlung an die städtische Stcuerdeputation, Rathaus.— A. G. 80. 1. Nein. 2. Ja. 3. Schließen Sie mit Ihrer Braut aus dem Amtsgericht Berlin-Mitte Ehevertrag. 4. Etwa 22— 25 M. wöchentlich.— K. B. R. Einen Aus« weis sür Ihre Staatsangehörigkeit und eine Bescheinigung des Heimat« landes, daß Ehehindernisse nicht vorliegen. Naturalisation ist unnottg.— 8t. N. 25. 1. Der Austritt kann jederzeit bei dem Amtsgericht Lichterfelde erfolgen. 2. Nein. 3. Bei dem Stadtverordneten Hoffmann, Blumenstraße. — I.®t. 44. Die Entscheidung ist richtig, ebenso die polizeiliche Auskunst. Amtlicher Marktbericht der städttschen Martthallen-Direktton über den Großhandel in den Zenwal-Markthallen.«tarktlage: Fleisch; Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Gelchäst lebhast, Preise gut. Geslügel: Zufuhr in Gänsen genügend, sonst mäßig, Geschäft besriedigend, Preise gut. Fische: Zusuhr genügend, Geschalt schleppend, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft still, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Süd« s r ü ch t e: Zusuhr reichlich, Geschäst lebhast, Preise unverändert. Nur bei den Tischler-Meistern der Berliner Tischler-Innung bestellen Sie Ihre Möbel! Nur bei den Tapezierer- Meistern der Berliner Tapezierer-Innung decken Sie Ihren Bedarf in Polstersachen! Wir liefern an keine Bazare noch irgend an Möbelgeschäfte, sondern haben uns fest vorgenommen, nur an Private zu verkaufen. 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