Nr. 104. Erscheint täglich außer Montags. Breis pränumerando: Viertels jährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 6,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708. Vorwärts 10. Jahrg. Snfertions- Gebühr beträgt für die füfgefpaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Berfammlungs- Anzeigen 20 fg Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in Der Ervedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentanen bis 7 Ubr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Earnsprech- Anschluß Amt I, Mr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. ,, Am Vorabend der Entscheidung"? Berlin, den 3. Mai. Donnerstag, den 4. Mai 1893. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. Die jetzige Lage mit ihrer fast lächerlichen Ungewißheit Auf der Bühne, vor versammeltem Bolt, spreizt sich wurzelt in dem scharfen Gegensatz, der sich zwischen Volk und katonische Tugend, hinter den Koulissen wird um einzelne Volksvertretung herausgebildet hat. Vom radikal- Stimmen gefeilscht, wie der Teufel um arme Seelen feilscht. demokratischen Gesichtspunkt aus wird bekanntlich seit Jahr- Und die armen Seelen" sind vorsichtig: was würde zehnten dem Repräsentativ- System der Vorwurf gemacht, aus uns werden, wenn die Stimmenzahl nicht langte, wenn Heute begann nach monatelangem, unter den nichtigsten daß es keine richtige Vertretung des Volkes bewirke, daß doch aufgelöst würde und wir vor die erzürnten Wähler Vorwänden immer und immer verlängertem Zaudern die die Voltsvertretung nicht eins sei mit dem Volt, nicht uns hinstellen müßten? Drum Vorsicht! Vorsicht!" zweite Lesung der Militärvorlage im Plenum des Reichs- einerlei Geistes und Gefühls mit ihm; und in der Schweiz Der Verrath ist beschlossen. Fraglich ist blos das tags. Wird sie die Entscheidung bringen? Die meisten hat man diesen, allerdings thatsächlich vorhandenen, Zwie- Wann? und das Wie? Jetzt schon bei der zweiten sagen und glauben es. Wir schreiben ein Fragezeichen. spalt dadurch auszugleichen gesucht, daß dem Volt durch Lesung? Oder erst bei der dritten, falls diese sich nöthig Das Tragikomische der gegenwärtigen Lage ist, daß das Referendum und die Initiative die Möglich oder nüßlich erweist? Oder nach der Auflösung, mit niemand einen Schritt weit vor sich sehen kann, wie in feit gegeben ward, selbstthätig an der Gesetzgebung theil- dem Mandat- Blankowechsel auf 5 Jahre prolongirt? Das einem dicken Seenebel. Die Kannegießer und politischen zunehmen und das Repräsentativsystem durch die direkte ist die Frage. Das allein! Wetterpropheten, die mit der Stange im Nebel herum- Gesetzgebung" zu ergänzen und zu korrigiren. Und die schlimmsten Verräther figen nicht auf der stochern, stoßen auf keinen festen Puntt. Es ist heute alles Wir in Deutschland haben keine solche Korrektur, und rechten, sie sitzen auf der linken Seite. Der Deutschfreisinn so ungewiß, wie am ersten Tag, da die Militärvorlage dem weite Massen des Volkes sind noch nicht zu dem klaren hat sich wieder einmal durch seine Bourgeoisnatur von den Reichstag zuging. Die Zukunftsstaats- Fragler, die uns Bewußtsein ihrer Interessen und noch nicht zu der Erkennt einfachsten Forderungen der Demokratie, ja des bürgerlichen Sozialdemokraten im Februar zumuthen wollten, die sozia- niß gelangt, daß sie nur durch Männer in gleicher oder Liberalismus abdrängen lassen, und liefert ein fortschrittlistische Zukunftsgestaltung des Staats und der Gesellschaft ähnlicher sozialer Stellung, mit gleichen oder ähnlichen An- liches Kontingent für die schwarze Rückschrittstruppe des in allen Einzelheiten auszumalen, sind heute nicht im schauungen und Interessen richtig vertreten" sein können. Herrn von Huene. stande, auch nur 24 Stunden vorauszuschauen, und uns zu Trotz des allgemeinen Stimmrechts bietet deshalb der Aufgeklärt hat die heutige Debatte nichts. Sie sollte fagen, ob morgen( oder übermorgen, oder Sonnabend) um deutsche Reichstag ein durchaus falsches Spiegelbild des nach Verabredung ganz kurz sein, und ist künstlich noch abgekürzt diese Zeit die Militärvorlage angenommen, oder der Reichs- deutschen Volks. Während im deutschen Volk neun Zehntel Stein ist im Rollen. Bringt diese Woche noch nicht die worden die Kompromißarbeit braucht Weile. Aber der tag aufgelöst, oder für neuen Kompromißschacher neue der Bevölkerung, laut der amtlichen Einkommenstatistit, Frist festgesetzt ist. der armen und unbemittelten Klasse angehören und nur Entscheidung, so führt sie uns ihr doch näher, und wir Und-töstlicher Wit der Geschichte und zu ein Behntel der reichen, ist im Reichstag das Verhältniß wollen uns und die Leser nicht mit Vermuthungen und gleich Klassisches Walten der Nemesis! biejenigen Parteien, welche in der famosen 3u wenn auch zum Theil nur als Beamten und Bedienstete, der gegenwärtige Att der Komödie endigen möge, die deutsche alle gerade umgekehrt: neunzig Prozent der Boltsvertreter gehören, Wahrscheinlichkeits- Rechnungen abquälen. Für uns ist der Weg vorgezeichnet. Wie immer funftsstaats Debatte" die Sozialdemokratie vernichtet" haben, sind in vollster Auflösung und Spaltung und zur herrschenden und reichen Klasse, oder sagen wir schlecht Sozialdemokratie weiß was sie zu thun hat, und das deutsche und hin zur Kapitalistenklasse. zwar, wenn auch nicht infolge, doch aus Anlaß der Militär Bolt wird seine Vertreter scharf überwachen, die Verräther Die Kapitalistentlasse ist aber für den Militarismus, unerbittlich zur Rechenschaft ziehen. Die nächsten Wahlen vorlage, die sie zu jener tollen Debatte verleitet hat. Der, Thurm" des Herrn Bachem wackelt nicht blos, er ist gespalten. Die nicht aus Furcht vor den Franzosen und Russen, sondern gleichviel ob fie jest sofort stattfinden oder erst nach Partei bes Baters der Sparagnes gespalten, wie er selbst aus Furcht vor dem Sozialismus. Und für sie hat ja auch anderthalb Jahren sie werden den Verräthern ein diesen Morgen blutenden Herzens verkünden mußte. Die der Militarismus materielle Vortheile( Offiziersstellen, großes Strafgericht sein, und als Anklägerin wird Partei des Stöcker und des Königs Stumm schlimmer als Lieferungen zc.), während die armen und arbeitenden Klassen walten und das Urtheil wird vollstrecken die„ vernichtete" gespalten: verahlwardtet. Und die Partei des biederen die Lasten und Opfer desselben zu tragen haben. Sozialdemokratie. Leuschner, der uns den Todtenschein ausstellte aber wer So ist es denn ganz natürlich, daß der in seiner überkümmert sich noch um die Botschafterpartei"? Sie ist wältigenden Mehrheit fapitalistische Reichstag in seiner gewesen. Und die nationalliberale Partei, die uns schon Mehrheit für, das in seiner überwältigenden Mehrheit früher so oft getödtet und begraben hat? Wo ist sie? proletarische deutsche Volk in seiner überwältigenden MehrBerstreut in alle Winde! Weggeblasen von dem Hauch heit gegen die Militärvorlage ist. der Machthaber, die sie in's Leben gerufen. -FO Die Militärvorlage. Wir sagten schon vor einem halben Jahr, daß im Der Pindter lobt in höherem Auftrage die RonserUnd die„ vernichtete" Sozialdemokratie steht fest, und Reichstag eine Majorität für die Militärvorlage vor fei. Indem diese Partei", deklamirt die„ Norddeutsche Allgem. pativen, deren Zustimmung zum Antrag Huene zweifellos beherrscht die Situation, und die Furcht vor der vernichteten handen sei. Und wir hatten Recht. Wäre dem nicht so Beitung", auch jetzt wieder als erste einem ausführbaren Sozialdemokratie beherrscht die Vernichter"." Die Furcht gewesen, dann wäre die Militärvorlage schon im November Verständigungsvorschlage zustimmt, der ein wirkliches vor der Auflösung, vor den Leidenschaften des entfesselten dem Reichskanzler vor die Füße geworfen worden. Allein aus Angebot darstellt, beweist sie, in wie hohem Grade sie Wahlkampfes drängt die Regierung zum Kompromiß", ge- Furcht vor dem Volf, vor den Wählern wagte die Mehr- fähig ist, in Fragen, welche die Ehre und Sicherheit des stand der Reichskanzler in seiner heutigen, übrigens sehr, heit nicht, Farbe zu bekennen. Und so entstand denn jene Vaterlandes betreffen, alle anderen Rücksichten zurücktreten zu sehr schwachen Rede zur Wauwaupolitit muß man eigens schmachvolle Komödie der langen Bant, jenes planmäßige laffen." Das heißt aus dem Pindter'schen ins Deutsche übersetzt, organisirte Geruchs- und Geschmacksnerven haben, und Beittodtschlagen, jenes berechnete Ermüdungs- und Breit- die Junker stimmen dem Kompromiß zu, weil ihre Klasseninterdie Furcht vor der Anflösung heißt Furcht vor der Sozial- schlagungs- Spiel, womit das deutsche Volk beinahe ein essen dadurch start gefördert werden. Die„ Ehre" und die Sicherheit" des Vaterlandes" haben die Junker immerdar in der Art demokratie, die als einzige prinzipielle Protestpartei gegen den halbes Jahr hindurch gefoppt und genarrt worden ist. beschüßt, daß sie die produktiven Schichten der Bevölkerung unterMilitarismus dem nächsten Wahlkampf, der sich auf politischem Heute hat nun ein frischer Aft der Komödie begonnen. brüdt, ausgebeutet und geprellt haben. Ihre Wirksamkeit in Gebiet zweifellos in erster Linie um den Militarismus dreht, Denn wir sind noch inmitten der Komödie. Der Schacher diesem Jahrhundert läßt sich kurz dahin zusammenfassen: Jena, seinen Charakter aufdrücken wird. dauert fort. Karlsbad, Olmüy, Zivoli! Feuilleton. abrud verboten.) [ 79 Die Laufbahn eines Nihilisten. Von S. Stepniat. Autorisirte Uebersehung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. „ Es muß für Dich wirklich sehr heiß sein, Andrej. Mir wurde gesagt, daß die Polizei einen gehörigen Wischer Deinethalben bekommen hat und nun entschlossen ist, die Echarte auszuwegen. Der Polizeichef sagte, daß er die todt haben wird." wohlthun. Sie kann nach Belieben nach jeder Richtung sehr liebte, die Trennung leichter ertragen könnte, wenn sie lesen und studiren. Du wirst doch nicht ableugnen, dent' bei ihm war. ich, daß die Wissenschaft Eueren revolutionären Bestre- Repin sagte, daß er sich immer freuen würde, Tanja, bungen etwas nüßen kann?" fo lange fie wolle, bei sich zu sehen. Er betrachtete es schon " Nein, das nicht", antwortete Andrej. als Gewinn, sie vier ganze Monate von der Bewegung " Dann wirst Du doch nicht abstreiten können, daß ferne zu wissen. Aber dies war doch nur ein schwacher mein Plan für sich spricht. Tanja wird etwas für die Troft. Er bestand deshalb noch auf seinem Plan einer Zukunft aufspeichern, Du wirst etwas von Deiner Ver- gemeinsamen Reise nach dem Auslande, und hob die Vorgangenheit in Vergessenheit bringen, und beide werdet Ihr theile hervor, welche eine solche hatte im Vergleich zu einer zu einer günstigeren Zeit zurückkehren. Je später, desto zeitweiligen Zurückgezogenheit gerade desjenigen von ihnen, beffer, wenn Ihr meinen Rath annehmen wollt. Wenn Du der weit weniger der Gefahr ausgefeßt war. Bedenken hegst, Dein Geld anzugreifen, so will ich Euch" Nein," sagte Andrej bestimmt. Ich kann auf keinen mit allem, was Ihr braucht, versorgen." Fall die Stadt verlassen. Es hat keinen Sinn, darüber zu sprechen. Lassen wir die Sache fallen." Andrej überlegte nicht gerade über das Anerbieten, Repin's Antlitz verfinsterte sich. Dieser Ton, diese Stadt um und um kehren würde, bis er Dich lebendig oder wie Repin annahm; so weit es ihn betraf, war ja nichts Sartnäckigkeit und vor allem der Wunsch, Tanja fernzuzu überlegen. Es fiel ihm ein, daß der Vorschlag vielleicht halten, zeigten deutlich, daß die neuen Pläne der Revo" Leichter zu sagen als zu thun," bemerkte Andrei es außer Frage, daß sie ihn nicht akzeptiren könne. Sie wirklich fürchterlich sein müßten, und daß Andrej ſelbſt für Tanja annehmbar sei... Aber nein! auch für sie war lutionäre von denen er eine unbestimmte Ahnung hatte, ruhig." Sie haben bei vielen anderen Gelegenheiten auch würde sich nie damit einverstanden erklären, das Land gerade eine ansehnliche Rolle bei ihrer Ausführung zu spielen so geprahlt." " Die Gefahr ist für Dich ernster, als Du vermutheft, jetzt zu verlassen, wenn auch nur für kurze Zeit. habe. sie haben, was Du wohl nicht erwartetest, Wind bekommen, Du bist sehr gütig," sagte er; ich kann aber Dein. Wieder eine Eurer höllischen Angelegenheiten?" fragte daß Du hier bist. Sie können einen Schritt weiter gehen. Anerbieten nicht annehmen, und ich bezweifle sehr, ob Tanja er mit leiser Stimme. Es ist beffer, nicht mit dem Feuer zu spielen. Glaubst Du es thun wird. Du kannst aber etwas Anderes für uns nicht, daß es hohe Zeit für Dich ist, ihnen aus dem Wege thun. Darf ich fragen, wann Du nach Deiner Sommerzu gehen, und nach dem Auslande zu reisen. Gerade villa ziehen willſt?" darüber wollte ich mit Dir sprechen Nach einem Monate. Vielleicht etwas früher. In Andrej schüttelte zum Zeichen energischer Verweigerung wie fern fann das aber einen von Euch berühren?" den Kopf. Es wäre gut," sagte Andrej, wenn Du so früh wie Sei nicht zu voreilig im Ablehnen!" sagte Repin. möglich dorthin übersiedeln würdest, Tanja Dich begleiten " Laß mich ausreden.... Einige Monate Ruhe werden und drei oder vier Monate dort bleiben würde." Dir nicht schaden. Tanja wird dieser Ausflug besonders Andrej hoffte eben, daß Tanja, da sie ihren Vater Etwas derartiges," sagte Andrej ausweichend. Einen Moment schwiegen beide. " Ich denke wirklich, Du solltest Dich nicht so beeilen, Dir den Kopf einzurennen. Du hast ihn lehthin genug auf's Spiel gesetzt, und könntest Dir gerade jetzt etwas Ruhe gönnen", sagte schließlich Repin. " Ich kann nichts dafür", antwortete Andrej. Soldaten dürfen sich in Kriegszeiten auch nicht nach überstandenen Gefahren vom Dienste zurückziehen." Die„Magdeburgische Zeitung" berechnet die für den Kuh h a n d e l nöthigcn S ti in m en z a h len wie folgt: „Es müßten also ouS der deutschfreisinnigen und der Zentrums- Partei noch 52 Abgeordnete gestellt werde». Rechnet man für den Anhang der Herren Rickert und Hcinel nur 20, so müßten aus der Zentrumspartei noch 32 Hinzustößen. Die Zahlen könnten sich indessen etwas niedriger stellen, da die Rechnung unter Voraussetzung eines vollständigen Hauses gemacht ist. aus das nicht zu rechnen sein wird." Natürlich, denn der Lauen und Flauen, die im Stillen für die Vorlage schwärmen, giebt es genug. Die Drückeberger werden sich still davonstehlen. und das Volk soll die Zeche zahlen. Aber über die dunklen Ehrenmänner des Zentrums und des D e u t s ch f r e i- sinns, die schnöde und treulos ihr Wort ge- brachen haben, wird das Volk unbarmherzig zu Gericht sitzen und mit diesen treubrüchigen Parteien aufräumen, wie es gerechten Richtern ziemt.— Bismarck schreibt in den„Hamburger Nachrichten": „Daß die jetzige Militärvorlage die Zustimmung der Mehrheit der Nation hat. glauben wir nicht; das glaubt auch die Re- gierung selbst- nicht, sonst würde sie ohne Zweifel aufgelöst haben. um ihre Vorlage durch ein eklatantes Vertrauensvotum der Wähler zu decken. Wenn die Vorlage trotzdem mit alle» Mitteln des Druckes, über den die Regierung verfügt, und mit Hilfe der Furcht der Fraktionspolitiker vor Verlust bei Neuwahlen durch- gebracht wird, so wird sich dies in der Zukunft ebenso schwer rächen, wie sich die früheren Versündigungen an dem Interesse der Wähler bei den inzwischen stattgehabten Ersatzwahlen gerächt haben."— Den Kompromiß-Zlntrag Hnene, der heute dem Reichs- tage zugegangen ist und der nahezu alle Forderungen der Regierung bewilligt, siebe in der Abtheilung: Par- lamentarisches.— Wir verweisen zum Vergleich auf die nachstehende Uebersicht: Antrag Huene: Friedenspräsenz stärk« 473 229 Gemeine. Kavallerie 46V EskadronS. Regierungsvorlage: 492 068 Gemeine, +(mehr) 12 839 Mann. 477 Eskadrons, + 12 Eskadrons. 711 Bataillone. 7S Millionen. selbst folgende Infanterie 038 Bataillone und 173 Halbbataillone (vierte Bataillone) = 711. Dauernde Jahres-Aus- gaben(nach H.'s Schätzung) 66 Millionen. Huene fügt seinem Antrage selbst folgende„Bemer- kun gen" hinzu: „Der Antrag bedeutet gegenüber der Regierungsvorlage: 1. eine dauernde Herabminderung der Präsenz von rund 13 800 Mann einschließlich 109S Unteroffiziere. Darunter befindet sich eine Herabsetzung der Oekonomie-Handwerker um rund 2300 Mann, so daß die Armeeverstärkung nicht nur keine Erhöhung, sondern eine Herabsetzung des jetzige» Zupandes um ca. 600 Köpfe herbeiführt. Ferner findet durch Nicht- einstellung von rund 11 000 Gemeinen fürUnteroffizier-Manquements für die ersten Jahre eine entsprechende Herabminderung statt, welche frühestens im Laufe von 5 Jahren nach und nach verschwinde» wird. Endlich wird in, ersten Jahre durch Entlassung der Tis positionsurlauber im bisherigen Umfange eine Minder-Präsenj. von BOOO Mann erfolgen. Also im ersten Jahre eine Gesammt- herabminderung von 29 800 Mann. 2. Dauernd Rekruten weniger 6SOO, vorübergehend 11000, zusammen 17 500. 3. Minderkosten dauernd rund 9 Millionen; außerdem für das erste Jahr noch rund 4 Millionen, welche in den folgenden Jahren in ihrem Betrage entsprechend herab gemindert werden. Endlich werden nicht unerhebliche Ersparnisse an den einmaligen Ausgaben eintreten." Der Kompromiß-Antrag ist von Hnene allein eingebracht, ohne sonstige Unterschriften aus dem Zentrum. Graf Ballest r e m hat den Vorsitz der Fraktion niedergelegt Er, von Huene, Prinz Arenberg, Graf Adel- mann und der unfreiwillige Komiker von Schalscha,der schlesische Semmel-Magnat, haben sich, wie die„National- Zeitung" erfährt, in der gestrigen Fraktionssitzung für das Kompromiß erklärt. Das ist also die Blüthe des feudalen Junkerthums. Ein neuntes, zum Umsall bereites Zentrums- mitgliedsoll krank sei». Bei den D e u ts ch fr ei s in n i g en sind fünfzehn bis sechzehn Kompromißler bis jetzt gezählt. Dem Antrag Huene glebt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ihren offiziöse st en Segen: „Der Antrag des Freiherrn v. Hnene hält die Mittellinie zwischen„Sollen und Dürfen" inne. Er gewährt sämmtliche geforderten Formationen, welche nöthig find, um diejenige Schwächung unserer Heeresorganisation, welche moralisch wie technisch mit Aushebung der dreijährigen Dienstzeit für die Fußtruppe unzweifelhaft verbunden ist, zu veo „Dann und wann werden sie aber, um Dein Gleichniß beizubehalten, abgelöst." „Manchmal... Manchmal aber auch nicht, und das ist gerade diesmal der Fall mit uns", antwortete Andrej. Diese unerschrockene Energie und dieser Muth imponirten Repin und eroberten sein Herz für die Re- volutionäre im Allgemeinen und für Andrej im besonderen. Er selbst war so unheilbar skeptisch und hatte überall so viel Feigheit und Selbstsucht gesehen, daß er nicht umhin konnte, Charaktereigenschaften, wie die Andrej's zu be- wundern. Unfähig den Enthusiasmus für die Sache der Revolution zu theilen, bewahrte er ihnen doch wenigstens seine Sympathie. Heute aber überwogen Erbitterung und Enttäuschung über die Bereitelnng seines Lieblingsplanes alles andere. Er zürnte Andrej wegen seiner, wie er meinte, unnöthigen Hartnäckigkeit. „Dann hast Du Dich wohl über jenen Punkt fest ent- schloffen?" fragte er. „Ja, das habe ich. Es ist nutzlos, darüber weiter auch nur ein Wort zn verlieren." „Nun, ich weiß aus Erfahrung, wie unlenksam Ihr alle seid. Ihr seid von einer Gier nach Selbstaufopferung beherrscht und Ihr werdet Euer Leben riskiren müssen, so lange nur Athem in Euch ist. Fanatiker sind Beweisgrün- den unzugänglich. Sie sind unheilbar." „Auch Du, mein Sohn Brutus!" sagte Andrej mit traurigem Lächeln.„Ich dachte, daß Du uns etivas bester kennst. Fanatiker sagst Du. Ich zweifle, ob Menschen, die dieser Definition entsprechen, in Fleisch und Blut existiren. Ich, für meinen Theil, gestehe, keinem begegnet zu sein, obgleich meine Erfahrung in dieser Richtung ziem- lich groß und mannigfaltig ist. Nein, wir sind keine Fa- natiker, wenn anders Ihr unter diesem Worte etwas ver- steht. Wir sind überzeugte und hart arbeitende Leute, welche, ich versichere Dich, gerne leben möchten und die Annehmlichkeiten des Lebens zn würdigen wissen, wofern wir sie, ohne unser befferes Ich zu ersticken, genießen können.". � �. „Ja/ sagte gedehnt Repin,„aber Euer bessere» Ich meiden. Er gewährt auch die hiervon sachlich untrenn- baren Etatserhöhungen bei sämintlichen Truppengattungen, bei denen die zweijährige Dienstzeit zur Einführung gelangen soll. Endlich stellt er auch in seinem Gesammteffekt nicht allein die in hohem Grade wünschenswerthe absolute Vermehrung der ausgebildeten Mannschaften sicher. sondern auch die anzustrebende Verjüngung der Feldarmee im Kriegsfalle. Allerdings bedeutet derselbe immer noch eine dauernde Herabsetzung der geforderten Friedenspräsenz- stärke um 10505 Köpfe des streitenden Gemeinenstandes gegenüber der Regierungsforderung, und es bedarf weiter keiner näheren Auseinandersetzung, daß die ver- antwortlichen Stellen nur höchst ungern zu dieser Minde- rung der Friedensstärke sich entschließen werden, weil Friedens- präsenz und militärische Leistungsfähigkeit der vaterländischen Wehrkraft in untrennbarem Zusammenhange stehen. Die be- treffenden Stellen sind aber der sicheren Hoffnung, diesen Ausfall nocb durch die Vortheile der neuen Organisation ausgleichen zu können. Darüber hinaus jedoch nicht!" Das heißt: Herr von Hnene gewährt alles, was die Regierung will. Denn aufgeschlagen hat von vornherein der kluge Makler Caprivi, um sich nachher widerstrebend einen Bettel abdingen zu lassen. Diese Taktik gehört zum„legitimen" Handelsgeschäft, jeder Roß- täuscher wird darüber Auskunft geben können.— Das amtliche Organ des Zentrums, die „Germania", schreibt über die am 2. Mai stattgehabte Fraktionssitzung der Zentrums-Abgeordneten: „Die Sitzung war natürlich zahlreich besucht. Der zweite Vorsitzende der Fraktion, Herr Graf Konrad Preysing, leitete die Verhandlungen. Der erste Fraktionsvorsitzende Graf v. Ballestrem war nicht erschienen. Er hatte in einem Schreiben an den Grafen Preysing, das verlesen wurde, seine Stellung als Vor- sitzender niedergelegt, weil er bezüglich der Militärfrage mit der Mehrheit der Fraktion sich nicht in Uebereinstimmung befinde. Freiherr von Huene legte seine» Antrag, den die Leser unter Parlamentarischem finden, vor, einen vollständigen Gegenentwnrf gegenüber dem Entwurf der Regierung, dem letzteren aber in den Forderungen in der schon bekannten Weise weit über Herrn von Bennigsen hinaus entgegenkommend. Nach einer kurzen Uebergangszeit, die aber sofort mit größeren Leistungen, als das Zentrum zu bewilligen bereit ist, beginnt, kommt der Hnene'sche Vorschlag hinaus auf eine Friedens- präsenz von 70 000 Mann(Regierungsforderung 84 000), auf 53 500 Rekruten jährlich mehr(Forderung 60 000), au 55 Millionen jährlicher Mehrkoste»(gegen 65 Millionen). Die anwesenden Zentrumsmitglieder lehnten den Huene'schen Vorschlag mit allen gegen 6 Stimmen ab. Von den nichtanwesenden werden noch einige weitere Stimmen kommen; im Ganzen sind eS nicht mehr, als wir schon sagten. Die Zahl reicht nicht einmal aus zur U n t e r st ü tz u n g des An- träges im Reichstage, dazu müssen noch andere Parteien Stimmen hergeben; der Antrag ist also auch in dieser Hinsicht kein Zentrumsantrag, und Herr v. Huene wird ihn als seinen Antrag im Reichstag einbringen. DaS Zentrum bringt den Antrag ein, den Herr Dr. Lieber bei der zweiten Kommifsionsberathung im März im Namen des Zentrums gestellt hat. Wenn also nicht— und das ist nicht zu erwarten— die freisinnige Partei fast ganz um- fällt, so ist die Militärvorlage auch im Reichs- tage verworfen, wie sie von der immensen Mehrheit des Volkes schon längst verworfen war. Möge die Regierung dem Zentrumsantrage entgegenkommen— sie kann es!" Hält das Zentrum Stand, dann scheitert trotzalledem die Vorlage. Es müßte denn der Deutsch frei sinn die ruhmvolle Aufgabe übernehmen, den Negierungskarren aus dem Sumpf zu ziehen und die volksver- wüstende Vorlage mit Hurrah zu genehmigen.— Vergleicht man das Huene'sche Angebot mit dem jetzigen Zustande und dem Zentrum santrage in der Kommission, so bietet sich, wie die„Voss. Ztg." hervorbebt, eine Erhöhung der Friedenspräsenzstärke, im bisherigen Sinne des Wortes, um 71 vaöi Mann, außerdem die llmwandlung der H ö ch st z i s f e r in die D u r ch s ch n i t t s z i f f e r, das heißt nach den in der Kommission angestellten Berechnungen eine weitere Erhöhung um etwa 20 000 Mann.„Für die ersten Jahre" wird die Gesainnitzahl allerdings geringer sein. Aber dieser vorübergehende Zustand kann für die Beurtheilung des Antrages nicht maßgebend sein. Die fortdauernden Mehransgaben, die der Antrag Huene erfordert, stellen sich auf 55 Millionen Mark jährlich. Der vom Zentrum in der Kommission eingebrachte Gesetzentwurf wollte eine Präsenzziffer von 420 031 Mann be willigen, also 58 193 Mann weniger als Herr von Huene; nur sollte nach dem Zentrumsantrage die auf die Fußrruppen ent- fallende Zahl als Durchschnittsstärke, die auf die Kavallerie und die reitende Feldartillerie kommende Zahl als Höchststärke gelten.— Die bisherigen Berechnungen' über die Aussichten der Militärvorlage gingen von der Voraussetzung aus, daß die zehn keiner Fraktion angehörenden Abgeordneten auS Elsaß-Lothringen den Verhandlungen fern bleiben würden. Diese Annahme ist unzutreffend gewesen. Die reichsländischen Abgeordneten sind heute im Reichstage erschienen. Es wird ver- sichert, daß sie. mit einer Ausnahme, einmüthig gegen die Vorlage stimmen werden.— Die in Bonn erscheinende ultramontane„Deutsche Reichszeitunj)" übt scharfe Kritik an Huene und schreibt zum Schluß:„Wrr wiederholen es zum dritten Male, es ist Ehrensache des Freiherrn von Huene, sein Abgeordneten- mandat in die Hände seiner Wähler zurückzugeben, resp. bei der.Neuwahl zurückzutreten." poimrdje LteberNöftk. Berlin, den 3. Mai. Bravo! Dem Seniorenkonvent des Reichstages ist von der Reichsregierung mitgetheilt worden, daß im Falle der Ablehnung der Militärvorlage der Reichstag sofort ausgelöst und auf die Erledigung der noch ausstehenden Gesetzentwürfe verzichtet werde. Je rascher, desto besser, meinen wir.—j Das Herrenhaus hat in seiner gestrigen Sitzung die vom Abgeordnetcnhause beschlossene 2000 M.-Klausel, wonach die Einkommensteuerbeträge über 2000 M. bei der Bildung der Wählerabtheilungen nicht angerechnet werden sollen, im Interesse der nationalliberalen Großbürger Rheinland- Westfalens gestrichen. Gegen die von uns schon mit- getheilten Angriffe des Pharao Stumm vcrtheidigte der Ministerpräsident Graf Eulenburg die Regierung. Er sagte u. a.:„Jedenfalls wird Herr von Stumm be- stätigen, daß der Rückgang des Rechtsschutzvereins eine Folge der Regierungsmaßregeln gewesen ist." Auf die vom Selbstherrscher des SaarrevierS geübte Kritik weiß der Ministerpräsident nur zu entgegnen, daß die Regierung ja das Koalitionsrecht der fiskalischen Bergarbeiter unter- drückt habe. Aber vergißt Graf Enlenburg denn, daß sein Ohm ein weit besseres und den Pharaonenwünschen Stumm's viel mehr entgegenkommendes Rezept verschrieben hat: Die Flinte schießt, der Säbel haut. Der König Stumm wird erst dann befriedigt sein, wenn der Arbeiter- trutz in der Bestimmung gipfelt:„Gegen Ausstände, Lohnbewegungen, Organisationsversuche wird sofort das Standrecht angewendet. Wer räsonnirt, wird füsilirt."- Das ZenguißzwangS« Verfahre» ist im Prozeß R o m e n(Hamburg) gegen den Reichstags- Abgeordneten Genossen Molkenbuhr, eingeleitet. Molkenbuhr sollte als Zeuge über die Urheberschaft und den Sinn einiger Echo-Artikel vernommen werden, durch welche der Staats- anmalt R o m e n sich beleidigt erachtete. Molkenbuhr ist Mitarbeiter des„Echo" und ist der Ansicht, daß, solange die bekannten Darlegungen des Herrn R o m e n über die Stellung sozialdemokratischer Schriftsteller zum Eid nicht offiziell widerrufen sind und solange Herr Romen Staatsanwalt am Hamburger Gericht ist, die Gefahr einer strafgericht- lichen Verfolgung gegen ihn wegen Zeugnißablegung be- steht, und hat deshalb Zeugniß abzulegen abgelehnt. Das Amtsgericht Berlin I, vor dem er kommissarisch als Zeuge vernommen werden sollte, hat diese Gründe nicht als be- rechtigt anerkannt und deshalb eine Strafe von 30 Mark gegen Molkenbuhr wegen Zeugnißverweigerung fest- gesetzt. Beschwerde gegen diesen Beschluß ist eingelegt.— Cin Muster« und Markenschutz-Abkommen zwischen dem Deutschen Reich und Serbien ist dem Bundes- rath zugegangen, welches das frühere Abkommen von 1886 ersetzen soll. Es handelt sich um eine Ausgestaltung nach dem Vorbilde der gleichen Verträge mit Oesterreich-Ungaru und Italien. Der Erfindungsschutz ist einstweilen noch nicht in das Uebereinkommen einbegriffen, da ein solcher in Serbien noch nicht besteht. Doch soll, sobald die serbische Regierung diese Lücke in ihrer Gesetzgebung ausgefüllt hat, eine entsprechende Ergänzung erfolgen. Das Uebereinkommen soll am 1. Juli in Kraft treten.— Die Berufungsfrage. Nachdem die Landgerichte mit nur einigen Ausnahmen die ihnen vorgelegte Frage wegen verlangt so viel, um sich behaglich zu fühlen. Und wenn Ihr es nicht erlangen könnt, werdet Ihr wild wie Kinder, die nach dem Monde schreien." In diesem Tone fuhr er fort. Da er Andrej zürnte, gab er seinem Grolle Ausdruck, indem er die Partei, zu der sein Schwiegersohn gehörte, mit besonderer Bitterkeit angriff. Er sprach von der Aussichtslosigkeit ihrer An- strengungen, der unbedachten, sorglosen Herausforderung, die den Despotismus, gegen den sie stritten, nur noch mehr stärke; daß sie sich dem ganzen gebildeten Rußland, für welches Repin auch das Recht der Existenz beanspruchte, ganz unerträglich niachten. Andrej vertheidigte sich ruhig und zuerst halb scherzend. Er war an solche Angriffe von Repin gewöhnt. Das Thema ging aber zu nahe, um bei seiner Besprechung ruhig zu bleiben und die letzte Anklage brachte ihn ans. „Euere freidenkenden und gebildeten Russen," rief er aus,„sind um ihre Existenz und um ihr bequemes Leben sehr besorgt, das weiß ich wohl. Es wäre für unser ganzes Land besser, wenn sie auf diese Dinge weniger Gewicht legen würden." „Wolltet Ihr vielleicht, daß wir alle auf die Straßen gehen und ans jeden vorübergehenden Polizisten Bomben werfen?" fragte Repin ironisch. � „Welcher Unsinn!" stieß Andrej hervor.„Ihr braucht keine Bomben zu werfen; Ihr habt Eure eigenen Waffen, mit denen ihr kämpfen könnt; aber kämpfet, wenn Ihr Männer seid! Laßt uns znsanimen fechten. Wir werden dann stark genug sein, um die Autokratie ein für alle Mal zu bekämpfen und auch zu siegen. So lange Ihr aber fortfahrt zu winseln und uns vorzuwerfen, daß wir die Hand, die uns schlägt, nicht küssen, wird es nicht besser. Wenn die blinde Wuth der Wiedervergeltung sich ans Euch erstreckt, dann zerreißt Euere Kleider und streut Asche auf Euer Haupt, ertragt es aber als das, was Euch gebührt. Stimmt keine Klagen an, die ebenso würdelos wie nutzlos sind, denn Ihr werdet Euch heiser schreien vor Flüchen, Vorwürfen, Bitten, aber wir werden Euch nicht beachten." „Wer spricht von Vorwürfen?" sagte Repin, eine un- geduldige Haudbeivegung niachend.„Persönlich magst Du recht haben und auch gerechtfertigt sein, wenn Du bei einer besonderen Herausforderung die Vernunft verlierst. Dies wäre eine Entschuldigung für einen gemeinen Verbrecher vor einem gewöhnlichen Geschworenengericht, nicht aber für eine politische Partei vor der öffentlichen Meinung. Wenn Du Deinem Lande dienen willst, mußt Du es verstehen, Deine leidenschaftlichen Triebe zu zähmen, wenn nicht Niederlage und Elend das Resultat Deiner Thätigkeit sein sollen." „Niederlage und Elend!" rief Andrej aus.„Bist Du dessen sicher? Moskau wurde durch eine Pfennigkerzc in Brand gesteckt. Wir haben in das Herz von Rußland einen viel größeren Feucrbrand gestoßen. Niemand kann die Zukunft voraussagen, oder für das, was sie birgt, die Verantwortung tragen. Wir thun augenblicklich unser bestes; wir haben ein Beispiel mannhafter Empörung ge- geben, was bei einem unterjochten Volke nie verloren ist. Mit Deiner Erlaubniß will ich sagen, daß wir Rußland die Selbstachtung wiedergegeben und die Ehre des russischen Namens gerettet haben, so daß er nicht mehr gleichbedeutend mit Sklave ist." „Etwa, indem man zeigt, daß man nur dieser kleinen Angriffe gegen Individuen fähig ist? Besteht das darin?" „Und ivessen Schuld ist es?" erwiderte Andrej, bei Repin's fallendem Tone Feuer fangend.„Nicht unser, sondern Euer ist die Schuld. Es ist die Schuld jenes Theiles des großen liberalen Rußlands, welches sich vom Kampfe um die Freiheit fern hält, während wir. Euere eigenen Kinder, zn Tausenden, Jahr für Jahr kämpfen und zu Grunde gehen!..." Andrej spielte durchaus nicht auf Repin an, der eher eine Ausnahme von der Regel war. Ans dem einen oder anderen Grunde empfand Repin aber den Vorwurf sehr stark. Er beobachtete einige Zeit Stillschweigen und als er wieder sprach, waren Ton und Benehmen verändert. (Fortsetzung folgt.) Einführung der Berufung gegen Entscheidungen der Strafkammern an die Oberlandesgerichte bejahend be- fiutachtet haben, mird der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" berichtet, daß bei den letzteren zur Zeit Erhebungen darüber gepflogen werden, welchen Umfang eine derartige Reorganisatwn in bezug aus neue Richterstellen und den Kostenpunkt erlangen würde.— Etwas vom preußischen Schulmeister. Lehrer- zeitungen widmen einem im Alter von 90 Jahren ge- storbenen Lehrerveteranen I. Peters in Sobrowitz(West- preußen) Nachrufe, die ein Helles Licht auf die Kulturarbeit des bornssischen Militärstaates werfen. I. PeterS erhielt, als er im Jahre 1879 nach 56 jähriger Dien st zeit als Lehrer und Organist pensiomrt wurde, einen Ruhegehalt von 3758 M. Da diese Summe nicht ausreichte, um mit seiner Frau und einer Enkelin davon zu leben, nmßte der Greis zu Hacke und Spaten greifen und als orstarbeiter das zum Lebensunterhalt Nöthige im chweiße seines Angesichts hinzu verdienen. Die Angelegen- heit hat seinerzeit auch das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigt. Zuletzt bezog der Greis 600 M. Pension. Die Offziere, welche an der„Majorsecke" oder etwas später scheitern, erhalten mit dem bekannten blauen Brief, der ihnen eine hohe Pension sichert, die Aussicht auf reiche Sinekuren, z. B. auf Lotteriekollekteurstellen. Sind sie eifrige Fürsprecher der Pläne unserer Regierung, dann wird der Tugend stets ihr Lohn. So ist dieserTage dem Oberstlieutenant a. D. Eneccer uS, dem Begründer des„Patriotischen Vereins", eines ausdrücklich zur Agitation für die Militär- vorläge gestifteten Humbug-Vereins, in Frankfurt a. M. und einer besonderen Zeitschrift zu Gunsten der Militärvorlage, eine einträgliche L o t t e r i e k o l l e k teur- st e l l e verliehen worden.— Vom festen Thurm. Im„Bayerischen Vaterland" liest man:„Herr von Volkmar hatte am Sonntag bei der Versammlung in Tegernsee(dem lieblichen Seeon in den bayerischen Alpen) einen vollständigen und glänzenden Erfolg.„Mindestens 500" nach den„Neuesten", 800 Bauern nach der„M. Post", bis von 3—4 Stunden her waren zur Versammlung gekommen, welche die im ober- bayerischen Dialekt populär gegebenen Aus- sührungen des berühmten Führers der bayerlschcn Sozialisten mit lautem Beifall und Zurufen: Recht hast! Bravo! und schließlich mit einem dröhnenden Hoch V o l l m a r! bc- gleiteten. Er sprach in zweistündiger Rede über das Thema:„Woran leidet das Volt und wie kann ihm ge- Holsen werden?" Redner ging dem Zentrum, das alles bewillige, was die Regierung wolle, unbarmherzig zu Leibe. Das Zentrum habe auf Befehl des Papstes, den die weltlichen Sachen gar nichts angehen(stürmisches Bravo! der Bauern) das Septennat angenommen, indem es sich der Abstimmung enthielt, obgleich es gewählt war, nein zu sagen; es hat die letzte Militärvorlage angenommen, um Caprivi im Amt zu erhalten. Wenn die Regierung nicht schon vorher gewußt hätte, daß das Zentrum wieder umfalle, so hätte sie gar nicht gewagt, mit der jetzigen neuesten Militärvorlage zu kommen. Er habe bayerische Zentrumsabgeordnete gesprochen, die zu ihm gesagt hätten, sie stimmten gern für die Vorlage; aber wenn sie es thun würden, würden sie von den Wählern todt- geschlagen. Man wisse nicht, wie die Sache ausgehe, aber der Huene sitze mit Caprivi zusammen, wie Ihr bei einem Kuhhandel. Redner sprach weiter gegen jede Vergrößerung des Heeres, für Umwandlung des stehenden Heeres in ein wehrfähiges Volksheer, gegen die indirekten Steuern, für Selbstverwaltung der Gemeinden, Uebernahme der Schul- lasten und des Armenwesens auf den Staat:c. Ten Bauern könne nur durch die Bauern und das Volk selbst geholfen werden, im Anschluß an die sozialdemokratische Partei."— Einen Unterschied zwischen dem Ahlwardt vor Tivoli und dem Ahlwardt nach Tivoli erdichtet die„Kreuz- Zeitung", da der Junkersippe der ehemalige Günst- lmg und Erwählte von Arnswalde sehr unangenehm ge- worden ist. Aber Ahlwardt war derselbe damals wie heute. Tie Tivoliritter weichen auch nur darum von dem Braven zurück, weil er als echtes und rechtes Schreckenskind zu schnell abgehaust hat. Aber die„Edelsten und Besten" sind zu der gleichen Solidarhaft für den Ahlwardt verstrickt, wie die Bourgeoisie überhaupt. Die Kapttalistenklasse muß ihre Ahlwardt's haben.— Ter„tvildliberale"„Baucrn"-AbgeordneteWisser, ein geschwätziger Wirrkopf, der die Kunst besitzt, seine Hörer todtzureden, hat es versucht, sich an die National- liberalen heranzufchlängeln, da er für die Neuwahlen Hilfe braucht, und seine bisherigen Wähler ihm großen- theils die Heeresfolge versagen. Aber sogar dem schwind- süchtigen vtationalliberallsmus ist dieser Zuzug unwill- kommen. Die nationalliberale„Jenaische Zeitung", die in Wisser's Wahlkreise(3. Weimar) erscheint, führt ans, während Wisser jetzt vorgebe, in vielen der wichtigsten Fragen mit den Nationalliberalen übereinzustimmen, sei er gegen die nationalliberale Partei aufgetreten und habe die- selbe in unqualisizirbarer Weise bekämpft.„Er hat es allerdings bald darauf fertig gebracht, Fühlung mit dieser Partei zu suchen, ist aber selbstverständlich zurückgewiesen worden und wird auch mit künftigen Annäherungsversuchen zurückgewiesen werden. Zwischen Herrn Wisscr und der nationalliberalen Partei giebt es keine Gemeinschaft." Herr Wisser, so schreibt die„Jenaische Zeitung", iverde von allen Parteien und ebenso von dem Bunde der Laudwirthe ab- gelehnt. Der Renommirbaner Wisser wird voraussichtlich fortan seinen Kohl in Wiudisch-Holzhausen, seinem Stamm- sitze, bauen können, ohne durch Reichstags- Geschäfte daran verhindert zu sein.— In der„Frankfurter Zeitung"(Nr. 12l Abendblatt vo m 2, Mai) liest man:„Man wird sich darauf gefaßt machen müssen, demnächst den„ H a u k o in m e n t" zu parlamentarischen Ehren kommen zu sehe». In seinem„Reichsherold" kündigt der Abg. 83 ö et c I an, den Sozialdemokraleu iverde auf ihre nächsten Angriffe gegen die antisemitischen Apostel mit— Ohrfeigen geantwortet werden; auch auf die Reitpeitsche als richtiges Lnstrument vor versammeltem Reichstage wird verwiesen. Viel- leicht ist bis dahin als Vertreter für Dort- wund der alle Tölcke mit seinem historischen „Knüppel" zur Stelle. Ter Beruf der Präsidentenglocke kann dann durch das„wortuos xlauxo"(die Tobten beklage ich) erweitert werden." Auf die Ungezogenheiten des Böckel reagiren wir nicht. Es hieße, diesem Rowdythum zu viel Ehre anthun. Daß aber das „vopyehme" Organ der„bürgerlichen Demokratie" in dieselbe Kerbe haut, wie daS reaktionäre Zeitungsgesinde und mit der läng st als Lüge gebrandmarkten Geschichte des „historischen Knüppels" Hausiren geht, ist der Beachtung werth. Die Stern Siebengescheidt's der„Frankfurter Zeitung", die, irren wir nicht, damals in Berlin um die Fahne des wackeren Guido Weiß sich sammelten, kennen den Sachverhalt doch sicher- lich aus erster Hand, sie wissen, daß in jener berufenen Versammlung Tölcke den Vorsitz übernehmen mußte, und da die Präsidentenglocke nicht mehr zur Stelle war, sich statt dessen seines Stockes bediente. Wer den formsicheren und ruhigen Tölcke auch nur einmal hat sprechen hören, weiß, daß der tapfere Alte zwar ein schneidiger Parteimann,, aber nichts weniger als ein Händelsucher ist. So gerne die„Frankfurter Zeitung" jetzt „olle Kamellen" dieser Art aufnimmt, so züchtig-verschämt ge- bürdet sie sich gegenüber den in neuester Zeit aufgedeckten xartios honteuses unseres Polizeistaates. Mit keinem Sterbens- wörtchen hat sie bis zum heutigen Tage den Fall Dr. S ch u- mann, diesen wichtigen Beitrag zur Geschichte der preußisch- deutschen politischen Polizei, erwähnt.— Tie Neichseimmhmen. Für die Zeit vom 1. April 1892 bis zum Schlüsse des Monats März 1893 sind von Einnahmen(einschließlich der kreditirten Beträge) an Zöllen und gemeinschaft- lichen Verbrauchssteuern sowie von anderen Ein- nahmen im Deutschen Reich zur Anfchreibung gelangt: Zölle 375 923 165 M.(gegen denselben Zeitraum des Vorjahres— 28 490 733 M.), Tabaksteuer 11 740 336 M. (->- 451581 Mark), Zuckcrmaterialsteuer 57 121811 Mark (-63 633 343 M.), Verbrauchsabgabe von Zucker 73183123 M. (-«- 17645495 M.), Salzsteuer 43 114 277 M.(—117 020 M.), Maischbottich, und Branntwein-Materialsteuer 22 039 913 M. (-1- 1002 857 M.), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 113 471 932 M.(— 2 484 553 M.), Braust euer 25 328 655 M.(— 47 361 M.), Uebergangsabgabe von Bier 3 560 513 M.)(4- 178 379 M.): Summe 611 295 158 M. (— 75 494 698 M.)— Spielkartenstempel 1 363 265 M. (+ 40077 M.). Wechselstempelsteuer 7 9 15 609 M.(—269 983 M.). Stempelsteuer für a. Werth papiere 3642531 M.(—942 434 M.), b. Kauf» und sonstige Anschaffungsgeschäfte 9 305 944 Mark (— 1 718 962 M.), c. Loose zu Privatlotterien 1 756 564 M. (H- 303 650 M). Staatslotterien 6 768 219 M.(— 169 215 M.) Die zur Reichskasse gelangte Ist- Ein nähme abzüglich der Ausfuhrvergütungen und Verwaltungskosten beträgt bei den nnchbezeichnetcn Einnahmen bis Ende März 1893: Zölle 353 445 650 M.(— 18 234 489 M), Tabaksteuer 1 1364 662 M. (— 176 047 Mark), Zuckermaterialsteuer 13 338 209 Mark (+ 8 419 357 M.), Verbrauchsabgabe von Zucker 52 263 607 M. (— 2 966 734 M.), Salzsteuer 42 474 258 M.(- 140 268 M.). Maischbottich- und Branntwein-Materialsteuer 18 771 895 M. (-1- 500 373 M), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 96 110 987 M.(— 3 888 366 M.), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 24 549 443 M. (ch- 111 964 M.); Summe 617 323 711 M.(— 21374 210 M. — Spielkartenstempel 1 306 922 M.(+ 61 590 M.)— Ein Achtstunden-Gesetz für Bergleute wird heute im englischen Unterhause erörtert werden. Die Vorlage ist eingebracht von den Bergarbeiter- Abgeordneten P i ck a r d und Woods, von denen der erstere Präsident und der letztere Vizepräsident des Bergarbeiter- Verbandes von Großbritannien ist. Mitantragsteller sind Lord Raudolph Churchill und Sir Charles Dilke. DaS Gesetz bestimmt, daß niemand innerhalb eines Tages von 24 Stunden in einem Bergwerke unterirdisch mehr als acht Stunden von der Zeit an beschäftigt werden darf, zu welcher er die Oberfläche des Bodens verlassen, bis zu jeuer seiner Auffahrt zu demselben, wobei Unfälle ausgenommen sind. Wer jemand im Wider- spruche mit dieser Anordnung beschäftigt oder zu beschäftigen gestattet, soll einer Strafe im Höchstbctrage von 40 Shilling für jede Uebcrtretung unterliegen. Die Bill wird voraus- sichtlich angenommen werden.— In Kuba greift die aufständische Bewegung um sich, vor allem in den östlichen Provinzen. Wie dem„Herold" aus Havanna depeschirt wird, sind die Brüder Sar« torius, die Leiter des Aufstandes, nach Milas an der Nordküste aufgebrochen, wo sie mit einer Anzahl Anhänger ans den Vereinigten Staaten zusammenzutreffen hoffen. Truppen bewachen die öffentlichen Gebäude, und Schiffe be- finden sich auf der Ausschau nach Flibustier-Booten.— Jsn Australien herrscht eine B a n k k r i s i s. Der Kapitalismus ist international und führt seine Hexen- tänzchen auch in Anstralasien auf. Man könnte das Goethe'sche Wort so variiren: „Es ist ein altes Buch zu blättern Vom Harz bis Sydney alles Bettern."— VarlanrettkavilAzes. Der Kompromißantrag Huene lautet: Der Reichstag wolle beschließen: an Stelle des vorgelegten Gesetzentwurfs dem nachstehenden Gesetzentwurs die versassungs- mäßige Zustimmung zu ertheileu: Arlikel I. § 1. Die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres an Ge- meinen, Gefreiien und Ober-Gefreiten wird für die Zeit vom 1. Oktober 1393 bis 31. März 1899 auf 479 229 Mann als Jahres- Durchschnittsstärke festgestellt. An derselben sind die Bundesstaaten mit eigener Militärverwaltung nach Maßgabe der Bevölkerungsziffer bethciligt. Die Einjährig- Freiwilligen kommen auf die Friedcnspräsenzstärke nicht in Anrechnung. Die Stellen der Unteroffiziere unterliegen in gleicher Weise wie die der Offiziere, Aerzle und Beamlen der Feststellung durch den Reichshanshalts-Etat. In offenen Uiiterosfizierstellen dürfen Gemeine nicht verpflegt werden. § 2. Vom 1. Oktober 1393 ab werden die Jiisanterie in 538 Bataillone und 173 Halbbataillone, die Kavallerie in 465 Eskadron-, die Feldartillerie in 494 Batterien, die FußarNllerie in 37 Bataillone, die Pioniere in 24 Bataillone, die EisenbaHntrnppen in 7 Bataillone. der Train in 21 Bataillone Für die Zeit vom 1. Okloder bis zum 31. März 1899 treten bezüglich der aktiven Dienstpflicht folgende Bestimmungen in Kraft: 8 l. Während der Dauer der akliven Dienstpflicht sind die Mannschaften der Kavallerie und der reitenden Feldariillene die ersten drei, alle übrigen Mannschaften die ersten zwei Jahre zum ununterbrochenen Dienst bei der Fahne verpflichtet. Im Falle nothwendiger Verstärkungen können auf Anordnung des Kaisers die nach der Bestimmung des ersten Absatzes zu entlassenden Mannschaften im aktiven Dienst zurückbehalten werden. Eine solche Zurückbehaltung zählt für eine Hebung, in sinngemäßer Anwendung des letzte» Absatzes des§ 6 des Gesetzes, betreffend die Verpflichtung zum Kriegsdienst, vom 9. November 1367. tz 2. Mannschaften, welche nach einer zweijährigen aktiven Dienstzeit entlassen worden sind(8 1), kann im ersten Jahre nach ihrer Entlassung die Erlaubniß zur Auswanderung auch in der Zeit, in welcher sie zum aktiven Dienst nicht einberufen sind, ver- weigert werden. Die Bestimmung des Z 60 Ziffer 3 des Reichs- Militärgesetzos vom 2. Mai 1374 findet auf die nach zweijähriger aktiver Dienstpflicht entlassenen Mannschaften keine Anwendung. Auch bedürfen diese Mannschaften keiner militärischen Genehmigung zum Wechsel des Aufenthalts. ß 3. Mannschaften der Kavallerie und der reitenden Feld- artillerie, welche nach erfüllter aktiver Dienstpflicht zur Landwehr übertrete� dienen in der Landwehr ersten Aufgebots nur drei Jahre. 8 4. Für die Zeit vom 1. Oktober 1393 bis zum 31. März 1399 werden alle früheren gesetzlichen Bestimmungen, welche denen dieses Artikels entgegenstehen, insbesondere die bezüglichen Be- stimmungen des 8 6 des Gesetzes, betreffend die Verpflichtung zum Kriegsdienste, vom 9. November 1867, der Ziffern 3 und 4 des 8 60 des Reichs-Militärgesetzes vom 2. Mai 1874, sowie des 8 2 des Gesetzes, betreffend Aenderungen der Wehrpflicht, vom 11. Februar 1383 außer Kraft gesetzt. Artikel III. Die Bestimmungen des Artikels II§ 1, erster Absatz, finden für diejenigen Mannschaften, welche nach zweijährigem aktiven Dienst hiernach zur Entlassung zu kommen hätten, im ersten Jahre nach Inkrafttreten dieses Gesetzes keine Anwendung; jedoch zählt eine solche Zurückbehaltnng für eine Uebung, desgleichen eine etwaige Einberufung während des angeführten Zeitraums. Artikel lV. Die§8 1 und 2 des Gesetzes, betreffend die Friedenspräsenz- stärke des deutschen Heeres, vom 15. Juli 1890 treten mit dem 1. Oktober 1393 außer Kraft. Artikel V. Gegenwärtiges Gesetz kommt in Bayern nach näherer Bestimmung des Bündnißvertrages vom 23. November 1370 (Bundes-Gesetzbl. 1871 S. 9) unter Hl 8 5, in Württemberg nach näherer Bestimmung der Militärkonvention vom 21./2S. No- vember 1870 zur Slnwendung.— I» dem Berichte der Militärkommission, so schreibt die „Kölnische Bolks-Zeitung", findet sich auf S. 124 eine Zusammenstellung des Gelderfordernisses zur Ver- zinsung der Reichs schuld von 1376/77—1893/34 und eine Zusammenstellung des Betrages der verzinslichen Bundes- und Reichs-Schulden von 1373—1893/94. Danach be- trägt die verzinsliche Schuld pro Etatsjahr 1893/94 1 755 542 400 oder rund 1755 Mill. M. zu deren Verzinsung in demselben Etatsjahr 65 675 000 M. nothwendig seien. Diese Zahlen gehen gegenwärtig durch alle Blätter, sind aber trotzdem ohne Zweifel falsch. Jene Zusammenstellungen sind im Bureau des Reichstages gemacht. Woher die Unterlagen genommen sind, ist nicht er- sichtlich. Die als Gelderforderniß zur Verzinsung angegebene Summe von 65 675 000 M. deckt sich mit der betreffenden Ziffer im Etat der Reichsschuld auf das Etatsjahr 1893/94. Dagegen deckt sich der als Summe der verzinslichen Schulden des Reiches angegebene Betrag von 1755 Mill. durchaus nicht mit den Angaben in der dem genannten Etat angefügten Denkschrift. Es beträgt nach dieser Denkschrift die Summe der 4prozent. Schuldverschreibungen... 450 000 000 M. der 3'/- proz.„ a) verzinslich am 1./4. und 1./10,.. 71000 000„ b) verzinslich am 2./1. und 1./7.... 641 150 500, der 3proz. Schuldverschreibungen, a) verzinslich am 2,/l. und 1./7... 170 000 000 a b) verzinslich am 1./4. und 1./10., veranschlagt per 1. Oktober 1893 502 500 000„ 1 884 650 500 m"" Die am 11. April aufgenommene neue 3prozentige Anleihe von 160 Millionen Mark ist in dieser Sumnie bereits enthalten. Wie stimmt nun diese Zahl zu der in dem Berichte des Abg. Gröber angegebenen? Will man übrigens ein richtiges Bild sich machen von der finanziellen Lage des Reiches, so muh man obiger Summe noch hinzufügen den„für die bezüglichen einmaligen Ausgaben für 1893/94 im Wege des Kredits zu schaffenden Betrag", der sich »ach der erwähnten Denkschrift beläuft auf 163 153 207 M. sowie den Betrag der ausgegebenen unverzinslichen Reichs- Kassenscheine in Höhe von........ 120 000 000„ Man erhält alsdann 2 122 803 707 M. oder rund 2 Milliarden 123 Millionen Mark als Summe der Schulden des Dentschen Reiches pro 18S3/S4. Wie stimmt nun dazu die Angabe in dem Bericht der Kommission? Auch in der„Freisinnigen Zeitung" ist anfangs April unter der Ueberschrist„Die zweite Milliarde Reichsschulden" ein Artikel erschienen, welcher falsche Ziffern enthält, d. h. falsch, wenn die Angaben der erwähnten Denkschrift zum Etat der Reichsschuld pro 1893/94 richtig sind, wie doch wohl anzunehmen ist. Dort ist die Reichsschuld„in diesem Frühjahr" auf 1997 Millionen Mark berechnet und hinzugefügt:„In Wirklichkeit aber dürfte die zweite Milliarde mit der neuen Reichsanleihe bereits über- schritten sein." Wie oben nachgewiesen, ist die zweite Milliarde Reichsschulden längst überschritten. Woher nun die ver- schiedenen falschen Angaben? Deshalb: U. A. w. g. t Das heißt: Um Ausklärung wird gebeten. Pavfctnadicidifcw. Gegen die Militärvorlage wurde in Arnstadt i. Th. eine Protestverkammlung abgehalten, in der der Parteigenosse Jo os aus Gotha referirte. Ebenso in M arb urg-K ir ch- Hain, wo Reichstags-Abgeordneter Ulrich aus Offenbach das Referat erstattete; die Versammlung zeigte, daß der Äntisemitis- mus im Rückgange ist und wir von der nächsten Wahl einen be- deutenden Stimmenzuwachs zu erwarten haben. ReichStagS-Kandidatur.' Die sozialdemokratischen Vertrauenspersonen für den Wahlkreis Würz bürg stellten den Redakteur der„Unterfränkischen Volkstribüne", A l b r e ch t E ü l l e, zum Reichstags-Kandidaten auf. Für den Wahlkreis schweg«-Schmalkalden ernannte die am 1. Mai in der Geiiossenschasts-Zigarrenfabrik abgehaltene Versammlung den Parteigenossen Huhn aus 5iassel zum Kandidaten. Von der Agitation. illeichstags-Abgeordneter Bebel sprach am Sonnabend in Dortmund für die Wahl Tölcke's. Die „Franks. Zig," schreibt darüber:„Sslchen Zudrang zu einer Ver- sammlung hat man hier noch nicht gesehen... Die zum Ver- sammlungslokale führenden Straßen waren schwarz von Menschen. Tausende fanden keinen Einlaß und mußten umkehren. Die Polizei trieb schließlich die Menge auseinander." Polizeiliches, Gerichtliches te. — In Grün berg i. Schl. ist gegen Genossen wegen Ver- breitung eines Landflugblattes Untersuchung eingeleitet, in dem Verstöße gegen die§| III, 130 und 131 des Strafgesetzbuches enthalten sein sollen. — Der Staatsanwaltschaft hat das gegen den Redakteur der„Reu ß. Tribüne", Leven in Gera, in Sachen der angeblichen Beleidigung des Debschwitzer Bürgermeisters ergangene freisprechende Nrtheil nicht gefallen. Sie hat Berufung eingelegt und so wird die Angelegenheit noch einmal zur Verhandlung kommen. Hoffentlich erkennt auch die Berufungsinstanz auf Frei- sprechung. Für den Inhalt der Inferate über. nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Donnerstag, den 3. Mai. Opernhaus. Bajazzi. Die Rebe. Neues Theater. Basantasena. Deutsches Theater. Don Carlos. Berliner Theater. Viel Lärm um Nichts. Leffing- Theater. Grund. Brave Leut' vom Waliner- Theater. Geschlossen. Kroll's Theater. Frißchen und Lieschen. Der Trompeter von Sättingen. Residenz Theater. Die Sirene. ( La Flamboyante.) Adolph Ernst- Theater. Goldlotte. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Die schöne Helena. Thomas- Theater. Gute Zeugnisse. Hierauf: Wenn man im Dunkeln füßt. Viktoria- Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. National Theater. Der Kampf um den Glauben. Alexanderplat- Theater. Zimmermann's Lene. Rheinländischer Tunnel genannt: Die fidele Nagelkifte. Berlin N, Elsasserstrasse 73. Neu! Neu! Die Möbel- Polonaise! oder: 4070L* Weber hat'n Keber, an de Lunge, an de Bunge, an de Leber! Vorträge der berühmt. Gefang vereine ,, Halbe Lunge" und Keuchhusten", Vorzügliches Lagerbier der „ Schöneberger Schloßbrauerei" à Seidel 10 Pfennige. H. Schultze( mit'n h). ( Notiz: Mang uns mang is teener nich mang, der nich mang uns mang jehört.) Flasche 60 Pfg., Maitrank 10 FL. 5,50 Mk. Spiritus Liter 32 Pfg. Himbeersaft( ohne Stärteſyrup), 40882* Str. 1,50 Mt. Verspätet. Hafenhaide. Neue Welt. Hasenhaide. Am 1. Mai verschied nach langem Leiden unser Mitglied des Fachvereins der Stuckateure Otto Kohn. Der Vorstand 271/15 des Fachvereins der Stuckateure. Orts- Krankenkasse der Sonnabend, den 6. Mai 1893: 3. Stiftungsfest der Freien Vereinig. der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter für Rixdorf und Umgegend, bestehend in gr. Vokal- und Instrumental- Konzert, unter Mitwirkung des Gesangvereins ,, Brih"( M. d. A.-S.-B.), Vorträge, Theater, Feftrede und Tanz. Maschinenbau- Arbeiter Festrede, gehalten vom Reichstags- Abgeordneten Wilh. Liebknecht. und verwandten Gewerbe zu Berlin. Am Freitag, den 12. Mai d. J., Abends 8 Uhr, findet eine außer ordentliche Generalversammlung der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer Zur Aufführung gelangen: Ravachol und die Noth, dargestellt in 7 Bildern vom Verein Rethorit". Die Musik stellt die Freie Vereinigung der Zivil- Berufsmusiker". Nach dem Ronzert: Tanz. Herren, welche daran theilnehmen, Anfang 6 Uhr. zahlen 50 Pf. nach. Entree 25 Pf. Billets sind zu haben in Berlin in den bekannten Lokalen, sowie in im Restaurant Seefeldt, der Neuen Welt. Um zahlreichen Besuch bittet Grenadierstr. 33, statt. Tagesordnung: Antrag des Vorstandes, betreffend Uebergangsbestimmung für das neue Statut. Das Mandat legitimirt. Berlin, den 3. Mai 1893. 3721b Der Vorstand. H. Steinfeldt. Gleichzeitig geben wir den Mitgliedern nachstehenden Beschluß des Das Comitee. 124/2 Deutsch. Tischlerverband ( Zahlstelle Berlin). Am Sonntag, den 7. Mai d. J., Vormittags 10% Uhr, Versammlungen: Franz Beyer, gl. Serrn Oberpräsidenten der Provinz Bortrag des Herrn Dr. Weyl über:„ Erkältungsfrankheiten". Chauffeeftr. 103. Winter- Garten. Spezialitäten- Bor- Sämmtl. Weine zu Engrospreiſ. stellung. Apollo Theater. Vorstellung. Vereinszimmer, 30-50 Pers., auch Spezialitäten als Zahlstelle sehr gut. 3715b Mohr, Naunynftr. 70. Theater der Reidshallen. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufmann's Variété. Spezialitäten Vereinszimmer auch a. Bahlstelle zu Vorstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spe zialitäten- Vorstellung. verg. Naunynstr. 14. Ein grosser Posten Adolph Ernst- Theater. Steppdecken Bum 32. Male: Goldlotte. Gesangspoffe in 3 Atten v. Ed. Jacobson und W. Mannstädt. Couplets theilweise v. G. Görss. Mufit von G. Steffens. In Szene gefekt von Adolph Ernst. Anf. 72 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Der Sommer- Garten in geöffnet. E PassagePanopticum. Jm Theater- Saal: Neu! echt Wollatlas( reine Wolle) Brandenburg bekannt: Für W. und SW. Gabel's Brauerei, Bergmannstr. 5-7. Für den Norden: Schwedterstr. 23: Vortrag des Kollegen Gemäß Nr. 7 der Anweisung Robert Schmidt über:„ Warum find die Arbeiter mit ihrer Lage unzufrieden?" vom 10. Juli 1892 zur Ausführung Am Montag, den 8. Mai, Abends 82 Uhr: des Krankenversicherungs- Gesetzes Für den Osten, Friedrichsberg und Rummelsburg: seze ich mit Rücksicht auf den Be- Bei Schneider, Proskauerstraße 36-37. Bortrag des Herrn S. Joël schluß des Bezirksausschusses zu über:" Die heutige Naturanschauung". Berlin vom 7. Februar d. J. die In allen Bersammlungen: Bortrag, Diskussion, Verbandsangelegen durchschnittlichen Tagelöhne für heiten, Berschiedenes. die weiblichen Mitglieder der Drts- Krankenkasse der Maschinenbau- Arbeiter zu Berlin und zwar: 1. für erwachsene weibliche Personen auf 1,50 M. 2. für jugendliche weibliche Perfonen auf 1 M. hierdurch fest. Der Oberpräsident. 316/ 2* Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Des Pfingstfestes wegen findet die nächste Bundesversammlung 172/11 am Sonntag, den 14. d. M. in den Arminhallen, KommandantenGrösse 150x200, Stück 7,50 M.( e) fchenbach. Staatsminister. Braße 20, statt. Anfang um 10 Uhr. circa 1000 Stück schwere buntfarbige Normal- Schlafdecken Berlin, den 3. Mai 1893. Der Vorstand Tages Ordnung: 1. Vortrag von Dr. Pinn. 2. Aufnahme neuer Vereine. 3. Bundesder Orts- Krankenkasse der Maschinen- angelegenheiten und Fragefaften. bau- Arbeiter und verwandten Gewerbe. H. Steinfeldt. mit kleinen Maschinenflecken, in reizenden Jacquard- Mustern, Grösse Sozialdemokr. Arbeiter- Verein per Stück 4,50 M. greis 9. 150 x 200 cm. Sonstiger Meine illustrirte Preisliste über hochfeine Stepps und Schlafdecken gratis und franko. 3783L für Weissensee. Die neu errichtete Bahlstelle für den Westen Weißensee's befindet sich GustavAdolfstr. 142 bei Hannemann( Flora). Mitgliederaufnahme, sowie Entgegen Steppdecken Emil Lefèvre, ahme von Beiträgen jeden Sonnabend Fabrik Berlin S., Oranienstraße 158. Jede Uhr zu repariren Lebende Bilder.( außer Bruch) unter Garantie toftet bei mir 1,50 Mk. Kleine Reparaturen entsprechend billiger. Uhren, Gold- u. Silberwaaren Castan's C. Wunsch, 89, Panopticum. Neu: Bauern- Aufstand! Akka- Zwerginnen. Naunynftr. Abend durch Gen. Hunzinger. Die Genossen des Westens werden erfucht, der Organisation beizutreten und für das Gedeihen dieser zu agitiren. 8720b Der Vorstand. Conditoren, Pfefferküchler und verwandte Berufsgenossen.( Lokalverein Berlin.) Donnerstag, den 4. Mai 1893, Abends 8 Uhr, in Philipp's Lokal, Rosenthalerstr. 38. Große öffentliche Versammlung. Zages- Ordnung: 1. Sozialismus und Antisemitismus. Referent: Herr Reichstags. Abgeordneter Molkenbuhr. 2. Diskussion. 3. Bericht der Agitations- Rommission. 4. Neuwahl der Agitations- Rommission. 5. Verschiedenes. Bur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Um zahlreichen Besuch bittet Der Einberufer. Albert Haase, Schulzendorferstr. 4. Franken- Unterstützungsbund 96/7 der Schneider u. Berufsgen. Versammlung Sattler. n. d. Dranienplas am Donnerstag, den 4. d. M., Abends Sonnabend, 6. Mat, in Schmiedel's Festfälen, Alte Jakobfr. 32: KinderwagenBazar, Jerusalemerstr. 42 u. Brunnenstr. 6. 812 Uhr, Kommandantenstr. 20. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1892. 2. Berichterstattung über endgiltigen XII. Stiftungs- Fest, Anschluß an die Bereinigung freier des Vereins der Sattler und Fachgenossen, Hilisfassen. 3. Verschiedenes. 278/8 Großartig. Auswahl Erkläre Frau Glessmann für ehrenFriemann. jeder Art, billigste haft. Preise. Viele Aner37196 verbunden mit Konzert, Theater und Tanz. Anfang des Konzert3 Abend 3 8 Uhr. Billets für Herren à 50 Pf., Damen 30 Pf.( intl. Tanz und Theater) sind zu haben bei G. Aßmann, Admiralstr. 15, v. 2 Tr, H. Marske, Staligerstr. 141a, R. Schwarzer, Borsigstr. 3a, S. 4 Tr., R. Fischer, Hierzu ladet ein Der Vorstand. Die nächste Versammlung findet am 9. Mai, Abends 9 Uhr, im Restaur. Holzmarktstr. 3, bei Deter, statt. Neue Illusion: Lotosblume. tennungen. Muſterbuch grat. u. franto. Kinderwagen. Brötene 28 Sottumftr. 21, v. 8 Tr., U. Schuls. Dennewitſtr. 14. Andere Jllusionen. Castan's Irrgarten. Schreckenskammer. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Neu! Die Inftige Neu! Schwiegermutter. Komische Pantomime mit Ballet in 1 Att. Ausgeführt v. d. PantomimenGesellschaft Diovanie, sowie Auftreten von 12 f.Berlin neuen Spezialitäten. Anfang: Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Moabiter Gesellschaftshaus. Alt- Moabit 80 und 81. Täglich: Theater- und SpezialitätenVorstellung, sowie Concert. Anfang 4 Uhr. Entree 80 Bf., refervirter Platz 50 P. Helmuth Peters. 4127L* Etablissement Morit Play. Buggenhagen. Morit Play. Täglich: Instrumental- Konzert. Großer Frühstücks- n. Mittags( Auch Theilzahlung.) Roh- Tabak 36912* A. Goldschmidt, 3806L am hiesigen Plage wie bekannt grösste Auswahl! Garantie für sicheren Brand. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindl. Rohtabate sind am Lager. A. Goldschmidt, Audreauitr. 23. Hp Kinderwagen, größtes Lager, billigste Preise, von 9 M. an, auch Theilzahlung, Oranienstr. 3, im Korbgeschäft. 8704b Vorkoßt- Geschäft sofort für jeden Preis zu verkaufen Stalizerstraße 36. Presskohlen befter Heizkraft pro Tausend 6 Zoll lang 3,80 M. Näheres Rottbuser Ufer 30, Plaz. 37036 Pfandleihe Zoffenerstr. 35.[ 3186b* schlagend, 6 Mark. Schnelle, Staligerstr. 132. Oranienburgerstr.2. Nachtigallen Roh- Tabak Sumatra- Deckblatt v. 140 Bf. Dr. Hoesch, homöopath. Arzt. an, Java- Um- Linienftr. 149. 8-10, 5-7, Sonnt. 8-10. blatt u. Einlage v. 90 Pf. an, CarmenUmblatt v. 100 Pf. an, sowie fämmit. Gebr. Bölke anderen Sorten. 4035L* G. Elkhuysen, Alte Schönhauserstr. 5. 500 Badftfdy- Jaquets à 2,50 M. Uhren- Fabrik Berlin, Mauerstr. 76. Verkauf aller Arten Verlag des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt Berlin SW., Beuthstraße 2. Soeben erschien: Heft 42 der 401/ 6* Reden und Schriften Ferd. Lassalle's ( Vollständig in ca. 50 Heften à 20 Pf.) Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen, Zeitungsspediteure und Rolporteure entgegen. 262/2 abgezogener und genau 1. Berliner Musikalien- Versandt Berlin C., Bischofstr. 23, regulirter Uhren zu 1000 Regenmäntel in eleg. Ausf. stauneno billigen Fabrikpreisen. versendet die neuesten und beliebtesten Musikalien aller Art für Klavier, Gev. 5 M. an. 500 Regenmäntel m. 3 Jahre Garantie und Umtausch ge- fang und Violine. Rouplets, Walzerlieder u. f. w. Stück 40 Pfg.( 10 Stück abnehmb. Peler. v. 10 M. an. Capes, stattet. Reich illustrirtes Preis- Buch 2 M. 50 Pfg.). Man verlange Katalog( gratis und franko). schwarze Promenaden Mäntel, aus fchließlich Modelle, für die Hälfte der allgemeinen Ladenpreise. Damenmäntel- Bazar S. E. Leyser& Co., Leipzigerstr. Nr. 91, I. 27. Markgrafeuftr. 27. Damenmäntel und Jaquetts 2,50, tifd. Spezial- Ausschant von Pahen- 3,4 M. Pelerinen 1, 2, 3. bie hofer Lagerbier, hell und duntel. elegantesten. An Sonn- und Festtagen findet das Konzert in den oberen Sälen statt. 40582 Armin Latter. Neue Rofstr. 3. Zahnarzt Cohn. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Schmerzlos: Bahnziehen von 1,-M. Säle für Versammlungen, Rommerse, Füllen u. Zahnerfah. Theilzahlung. Festlichkeiten 2c. Poliklinik. gratis und portofrei.[ 3945L* Gold. Damen- Uhren, Rem., 20 M. Nur für Wieder Verkäufer! Rauchrequisiten als Cigarrenspitzen, Cigarettenspitzen, Pfeifen etc. in allen Holzarten, Meer schaum, Bernstein 2c., liefert billigst Gustav Klein jr., Heilbronn a/ N. Spezialität: Echte Weichselwaaren. Arbeitsmarkt. Zücht. Silberpolirerin, nur solche, verl. 3653L Frau Göze, Alexandrinenftr. 101. [ 210M Echter Langensalza'er Kantabak 81062 von Gebrüder Adler. Bu haben in den meisten Tabathandlungen Berlins und Umgegend. Cigarren Engroslager in den Preislagen von M. 25,- bis. 100, Haupt- Niederlage: Jüdenstrasse 20. Altenberg's chem. Färberei, Wäscherei, Garderob.- Reinig.Anitalt, Neue Jakobstr. 17, Brunnenstr. 123, Andreasstr. 54, Fruchtstr. 36, Potsdamerstr. 57/58, empf. f. 3. Färb. u. Reinig. v. Garderob. jed. Art, Spizen, Gard., Möbelst. gef. 1 mt. p. Pfd., Bettdeck. gef. 1,25 Mt. p. Stück. HerrenAnzug gereinigt, gebügelt von 2,50 k. an. Reparaturen billigst. Neu! Glangentfernung von blankgetragenen Kammgarn- Garderoben. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2. 3716L* Hierzu eine Beilage. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. llr. 104. Donnerstag, den 4. Mai 1893. 10. Jahrg. Die Maifeier. Ueber den Verlauf der Feier in Deutschland wird uns weiter gemeldet: Tie polnischen Parteigenossen Berlins hielten am l. Mai eine Versammlung und eine gesellige Unterhaltung ab. Festredner war M o r a>v s k i. Die M a s ch i n i st e n n n d H e i z e r von Berlin und Um- gegend begingen die Maifeier am Sonntag durch eine Versamm- lung, an der auch viele Frauen theilnahmen. Die Festrede hielt Tr. Lütgenau. Folgende Resolution wurde angenommen: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Refe- reuten einverstanden und verspricht mit allen gesetzlichen Mitteln für die Einführung des Achtstundentages zu wirken. Jedoch ist sie der Meinung, da» die endgillige Befreiung des Proletariats vom Joche des Kapitalismus nur durch den Sozialismus mög- lich ist." Ein hierauf folgendes Tanzkränzchen hielt die Theil- nehiner noch lange in festlicher Stimmung beisammen. In einer öffentlichen B ö t t ch e r- V erf a m m- lung, die am Abend des 1. Mai in Berlin tagte, hielt Herrsch einen der Bedeutung des Tages entsprechenden Vortrag, nach dessen Beendigung folgende von Müller eingebrachte Resolution einstimmig angenommen wurde: „Die Versammlung ersieht aus den Ausführungen des Referenten, daß das Kapital den Arbeiter oyne Unterschied der Religion ausbeutet. Sie erachtet es für nothwendig, daß die Arbeiterschaft gegen die immer fühlbarer werdenden Uebergriffe des Kapitals Stellung nimmt und verpflichtet sich daher als nächstes Ziel den Achtstundentag zu erstreben. Auch verspricht die Versammlung in Zukunft den 1. Mai als Feiertag hochzu« halten." Nachdem noch zum Anschluß an die Organisation auf- gefordert worden war, schloß der Vorsitzende H. Winter die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiter- bewegung. Ein fröhliches Tanzkränzchen bildete den Beschluß des Abends. Die Steinsetzer und Berufsgenossen Berlins waren am Abend des 1. Mai bei Hensel zahlreich mit ihren Frauen ver- sammelt. Unter rauschendem Beifall sprach Herr Pinn über die Bedeutung der Maifeier. Gesang. Tanz und ensprechende Vor- träge hielten die Theilnehmer bis zum Morgen beisammen. In Britz wurde der erste Mai durch eine Volksversamm- lung begangen, welche, wie man uns meldet, an Bedeutung alle bisher dort abgehaltenen Versammlungen überragt hat. Eine entsprechende Festrede wurde von Fräulein Baader gehalten. Die Versammlung beschloß, am Sonnlag, den 4. Juli, ein Volksfest zu feiern; die Lokalsrage wurde dem Komitee zur Entscheidung überwiesen. Unter Tanz und Vorträgen blieben die Genossen und die Genossinnen bis zu später Stunde beisammen. Reichenbach in Schlesien. Am 30. April Fest. 700 Theil- nehmer. Tie Peterswaldauer Parteigenossen gesellten sich, 300 Mann stark, dazu. Der Zug durch die Stadt war erst ver- boten, dann erlaubt. Das Tragen von Maifestzeichen im Fest- znge war untersagt. Die Witterung war günstig, die Be- geisterung groß. B u n z l a u. 450 Festbesucher am 30. April, 200 Versammlungstheilnehmer am 1. Mai. Strehlen i. Schl. 300 Theilnehmer an der Vorfeier(30. April). G o l d b e r g. 250 Versammlungsbesucher. Rege Diskussion, auch Gegner waren anwesend. Brillanter Verlauf. Oh lau. löv Versammlungs- bcsucher. Landcshut in Schl. 200 Festtheilnehmer. An- sprachen durften nicht gehalten werden. Vlan half sich durch deklamatorische Vorträge und Gesänge. Die Feier war äußerst gemüthlich. Hagenau. 30. April Vorfeier. 800 Theilnehmer. Am Vormittag des 1. Mai Handschuhmacher-Versammlung von 85 Personen besucht. Nachmulags Ausflug nach Steinsdorf und Verbreitung der„Volksmacht; große Belheiligung. Abends Volksversammlung, in welcher H e n n i g aus Breslau vor 300 Personen sprach. Posen. Hier hatte die Bourgeoisie es mit ihrer„Würde" vereinbar gehalten, uns das zur Maiseier in Anwesenheit von Zeugen und mit 5 M. Draufgeld gemielhete Lokal Hotel de Saxe abzutreiben. Als der Referent M o r a w s k i aus Berlin und die Arbeitermassen das Lokal betreten wollten, fanden sie an den Thören große Plakate, auf denen gedruckt stand:„Für heute bleibt mein Lokal geschlossen." Alles Klopfen und Klingen blieb unbeantwortet. Dafür suchten die Polizisten die auf der Straße harrende Menge auseinander zu treiben, was aber vergebliche Mühe war. Um 4 Uhr forderte Morawski von den Stufen des Hotels herab die Mcnschenmassen a f, mit ihm nach dem Vorort Jersitz, in das Steuer'sche Garten- lokal, zu ziehen, und nun setzten sich die Massen in Bewegung. Im Zuge ging eS durch die Breslauer- und Martinstraße nach dem Berliner Thor auf die Jersttzer Chaussee. Als man in Jersitz ankam, untersagte der, wie es heißt, durch die Polizei c.ngeschüchterte Wirth das Betreten seines Lokals. Man leistete Folge und zog nun ins Dorf Jersitz in ein anderes Lokal, wo Rast gemacht und so lange bei Gesang, Deklamationen und dem Studium der Maifestzeitiing verweilt wurde, bis das Bier alle war. Dann ging man nach Urbanowo in ein Gartenlokal, wo die Feier ihr Ende fund. Alle Theilnehmer waren sich darüber einig, daß derartige Chikanen, mit denen jetzt die Posener Arbeiter überschüttet werden, sich die Bourgeoisie nicht mehr lange wird erlauben dürfen. In: Kreise Randow-Greifenhagen in Pommern wurde die Maiseier wie folgt begangen: Grabow a. O. Volks- Versammlung, Referent A. K ö r st e n aus Berlin, 1000 Besucher; Bredow desgleichen. Referent Storch aus Stettin, 800 Besucher; Podejuch(Fischerdorf) desgleichen, Referent A. Körsten aus Verlin, 200 Besucher. Au die Versammlungen schloß sich überall e:n Vergnügen an.— flamm in. Die Volksversammlung war mäßig besucht; trotzdem blieb die Stimmung vortrefflich. D a n z i g in Westpreußen. Stark besuchte Versammlung in einem großen Saale der Vorstadt Schidlitz. Festredner I o ch e m. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, worin sich die Versammlung mit dem Referenten einverstanden erklärt und das Versprechen abgab, für die Forderungen des Proletariats ein- treten zu wollen. Hamburg. Im I. Wahlkreis fanden zwei sehr gut be- suchte Versammlungen statt. In der Versammlung im Englischen Tivoli wurden die geplanten Gesangsvorträge nicht gestattet. 3. Wahlkreis. Die Versammlung für Uhlenhorst, die am I. Mai auf dem Mühlenkamp stattfand, war von 800—700 Personen besucht. Referent war Lorenz� Eine der Maiseier entsprechende Resolution wurde einstimmig eingenommen. Uetersen in Schleswig- Holstein. 350 Versammlungs- besucher. Redner Ehlers aus Hamburg. Schleswig. Am l. Mai 500 Versammlungstheilnehmer. Referent A. von Elm. Am 30. April 300 Besucher des Festballs. Alles in größter Ord- nuug verlaufen. In dem zwei Stunden von Schleswig liegenden Torfe Fleekeby wurde am 30. April die erste sozialdemokratische Vecsammlung abgehalten. A. v. Elm referirte. Der Verlaus war unposant. Oeslere Wiederholung sozialdemokratrscher Ver- sammlungen wurde auch in diesem Orte vielfach gewünscht. H u s u m. 150 Versammlungsbesucher. Flensburg. 1500 bis tö00 Personen nahmen die in der Mmzeitung vorgeschlagene Resolution einstimmig an. Hameln in Hannover. 40 Theilnehmer am Kommers. Nächsten Sonntag Ausflug. Verden. 200 Versammlungs- besucher. H a n n.- M ü n d e n. Lippoldshausen und Wiershausen hielten die Maifeier am 30. April im Freien ab. Die Zahl der Theilnehmer betrug ungefähr 250. Alles verlief bestens. Uelzen. 120 Versammlungsbesucher; die Festrede hielt N i e- hoff aus Hannover. Aus Bremerhaven wird über den 1. Mai berichtet: Seit Mittag war eine so vortreffliche Stimmung in der Stadt, wie selbst unsere Optimisten in der Partei sie sich wohl nicht hätten träumen lassen. Diese Stimmung steigerte sich noch des Abends, nachdem die Fabriken und Wersten ihre Thore geschlossen hatten. Um 8 Uhr begann der Festzug, der von der Behörde genehmigt worden war, da man hier nicht, wie in den unmittelbar angrenzenden preußischen Städten Lehe und Geestemünde, befürchtet, daß die Ruhe und Ordnung„gestört" werden könnte. Man wünschte nur, daß die Musik nicht so oft die„Marseillaise" und das Lied„Zu Mantua in Banden" spielen möge. Warum in den„höheren" Kreisen das letztere Lied verpönt ist, ist uns unbegreiflich. Aber ebenso unbegreiflich ist es uns, woher die Organe der Polizei das Recht hernahmen, nachdem der Zug, an welchem sich 3800 bis 4000 Proletarier betheiligten, in Bewegung gesetzt hatte, den Musikchören das Spielen der Marseillaise zu verbieten. Auch die Frauen betheiligten sich zahlreich am Umzüge. Die Räume des Kolosseums, eins der größten Lokale der Stadt. erwies sich als unzulänglich, denn viele mußten wieder umkehren. Schmal- f e l d hielt eine zündende Rede, welche mit begeistertem Jubel aufgenommen wurde. Im ganzen gestaltete sich das Fest zu einem des Tages vollkommen würdigen; kurz, wir sind damit zufrieden. Detmold. Hier wurde die Maifeier zum ersten Male begangen. 80 Parteigenossen waren anwesend. Nächsten Sonn- tag schließen sich die hiesigen Genossen der Maifeier in Lemgo an. Delmenhorst in Oldenburg. 200 Theilnehmer. Heise hielt die Festrede. Bant- Wilhelmshaven. Vorfeier am Sonnabend in Heppens, 400 Theilnehmer, Feier am 1. Mai in Bant, 1200 Besucher. H a g e n in Westfalen. 300 Festtheilnehmer. Ref. Karl H aber- l a n o aus Barmen. Dieser berührte in seiner Rede auch die Zuknnftsstaals-Debatte und erntete für seine Kritik der gegnerischen Ausführungen großen Beifall— wohlgemerkl, im Wahlkreise Eugen Richler's, des großen„Vernichters" der Sozialdemokratie. Herford. 400 Festtheilnehmer. Achtstunden-Resolution ein» stimmig angenommen. Hückeswagen(Rheinland). 100 Festbesucher. Rem- sch e i d. 500 Volksversammlungsbesucher. Saal zu einer zweiten Volksversammlung in letzter Stunde abgetrieben. Sonntag großer Ausflug als Nachfeier. Barmen. 1000 Versammlungs- besucher. Referent Emil Müller aus Elberfeld. Kalk. 250 Versammlungstheilnehmer. Referent Hofrichler. So- l i n a e n. 300 Versammlungsdesucher. Referent Wilde. Wald bei Solingen. 300 Versammlungsbesucher. Kreuz- nach. Bei der Feier am 30. April. 120 Theilnehmer. Fest- redner Hengsbach aus Köln. Bonn. 500 Versammlungs- besucher. Referent war Hengsbach aus Köln. Infolge des von Zentrumsagitatorcn verursachten Lärms wurde die Ver- sammlung kurz vor Schluß aufgelöst. Abgesehen davon verlies Alles in zuftiedenstellendster Weise. C r e f e l d. 8—700 Ver- fammlungsbesucher. Referent Langhorst. Burscheid. 500 Festtheilnehmer, Reichstags- Abgeordneter Schumacher hielt unter rauschendem Beifall die Jlnsprache. Essen. Trotz- dem hier am 1. Mai die Kirmes und der Wohnungswechsel stattfinden, war die Volksversammlung doch von 400 Personen besucht. Aachen. Zirka 500 Versammlungsbesucher, d. h. so viel, wie überhaupt das Lokal fassen konnte. Neben einer Resolution, in der das Einverständniß mit den Pariser Beschlüssen ausgedrückt ist, wurde an die Parteigenossen in dem Aachen zu- nächst gelegenen belgischen Ort Verviers folgende Sympathie-Erklärung einstimmig gefaßt:„Die Sozialdemokraten Aachens, zur 1. Mai-Manifestation zahlreich versammelt, senden den belgischen Genossen ihren Brudergruß mit der Versicherung ihrer internationalen Solidarität. Zugleich benutzen sie diese Gelegenheit, dem belgischen Proletariat ihre besten Glückwünsche zum Kampfe für das allgemeine Wahlrecht zu übermitteln, mit der festen Zuversicht, daß das belgische Volk ausharren wird, bis auch der vollständige Sieg errungen ist." München-Glad- dach. 300 Festtheilnehmer bei der Feier am 30. April. Am I. Mai fand eine Versammlung des Volksvcreins statt, in welcher H u t h aus Solingen unter reichem Beifall referirte. Einstimmig wurde folgende Resolution gefaßt:„Die Versammlung des sozialdemokratischen Volksvereins M.-Gladbach erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten voll unv ganz einverstanden; sie erklärt ferner: 1. Die heutige kapitalistische Wirlhschaftsordnung, welche einerseits die größte Armuth erzeugt und andererseits der besitzenden Klasse die größten Reichthümer bringt, muß be- seitigt werden. 2. Der heutige Militarismus ist kulturfeindlich, da er die Errungenschast der ehrlichen Arbeit vergeudet. 3. Die überlange Arbeitszeit, unter welcher heute alle Schichten der arbeitenden Bevölkerung schmachten und wodurch Tausende von Menschen zu Grunde gerichtet werden, ist jedem Natur- und Menschcnrccht zuwider, und darum fordert die Versammlung: a) die gesetzliche Einführung des achtstündigen Arbeitstages, und erwartet d) von der Fraktion der sozialdemokratischen Ab- geordneten im Deutschen Reichstage, daß sie mit aller Energie für diese Forderung eintreten wird. Hoch lebe die inlernalionale Sozialdemokratie!" Ronsdorf. Trotz des hier am 1. Mai vor sich gehenden Wohnungswechsels betrug die Zahl der Festtheilnehmer zirka 1000. Veranstaltet war die Feier von der Organisation der Textilarbeiter. Sämmtliche größere Fabriken hatten den Betrieb eingestellt. Halber st adt(Provinz Sachsen). Trotz des ungünstigen Wetters war die Versammlung von weit über 1000 Personen besucht. 2—3 Stunden weit waren die Leute in Schaaren herbei- gekommen. Das Referat hielt Dahlen. Schon am Nachmittag des I.Mai halten sich viele feiernde Arbeiter im Parteilokal eingefunden. Aschersleben. 200 Versammlungsbesucher. Volksfest am 7. Mai. Quedlinburg. Ausflug 100—120 Theilnehmer, Abendversammlung 350. Festredner Reichstags- Abgeordneter Heine. Die Gegner verbreiteten große Quantitäten Schriften gegen die Maifeier, trotzdem fiel diese glänzend aus. Sonntag Nachfeier. Hohenmölsen. 300 Festtheilnehmer. Biebrich(Provinz Hessen-Nassau). Vorfeier am 30. April 1500 Personen, Versammlung am I. Mai 300. Referent Mied- reich aus Mainz. Alles ausgezeichnet verlaufen. Mittel- buchen bei Hanau. Das vom Verein„Arbeilerschutz" veran- staltete gemüthliche Beisammensein war von 27 Personen besucht. In E s ch w e g e mußte, da kein anderes Lokal zu bekommen war, die Versammlung in der Genosscnschafrs-Zigarreufabrik abgehalten werden. 100 Personen waren erschienen. Huhn aus Kassel referirte. Am Sonnlag findet ein Ausflug statt. Fulda. Eine gut besuchte Volksversammlung, in welcher Stein aus Hanau sprach, nahm eine Resolution an, in der die sozialdemokratische Fraktion beaustragt wird, im Reichstag immer von neuem wieder den Antrag ans Verkürzung der Arbeitszeit zu stellen. Wolfenbüttel in Braunschweig. 5—800 Versammlungs« theilnehmer. Referent C a l w e r aus Braunschweig. Kamenz in Sachsen. 200 Vcrsammlungs-Theilnehmer. R o ß w e i n 250. Zwickau. Kommers. 1000 Besucher. Das Lokal erwies sich als zu klein. Die Festrede G o l d st e i n s wurde mit begeistertem Jubel aufgenommen. Die Versammlung in dem benachbarten Schedewitz war von mehreren hundert Personen besucht. Freiberg. Lokal überfüllt. Wolf aus Deuben hielt die Festrede. Glänzender Verlaus. Sonntag Nach- feier in Form eines Ausflugs. T h a l h e i m. Am 30. April Vorfeier, sehr starke Betheiligung. Am I.Mai Versammlung von 600, nach anderer Angabe von 1000 Personen besucht. Karl R i e in a n n aus Chemnitz referirte. Schneeberg. 200 Theil- nehmer an der Versammlung, die in Freitags Restaurant ab- gehalten wurde. Die Gegner hatten hier, sowie in Aue und anderen Orten, die Feuerwehrleute zur Uebung einberufen lassen. um diesen die Theilnahme an der Maifeier zu erschweren. Nächsten Sonntag Ausflug nach Lindenau, da hier sämmtliche Säle abgetrieben sind. Pirna. 700 Versammlungsbesucher, darunter zahlreiche Frauen. Die Rede Fräßdorfs aus Dres- den wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen. Nächsten Sonn- tag Volksfest. Großenhain. Wegen Lokalabtreibung mußte die Versammlung in einem kleinen Saal abgehalten werden; Zahl der Theilnehmer 200. Sonntag Nachfeier. Dresden- N e u st a d t. Die Volksversammlungen im Weißen Adler und bei Claus waren von 300 und 150 Personen besucht. Werdau. 400 Festtheilnehmer, gegen 100 konnten keinen Zutritt mehr be- kommen. E g o st aus Zwickau referirte. Die Feier verlief ohne jeden Zwischenfall. Hartha. Der Kommers war von 700 Personen besucht. Der Ort hat nur 4200 Ein- wohner. Es ist das erste Mal, daß die Maifeier so großartig ausgefallen ist. In fast allen Fabriken hat die Mehrzahl der Arbeiter es nicht gewagt, Programme zu bestellen, da es in jeder Fabrik noch Arbeiter giebt, welche der Feier feindlich gegenüberstehen. M i t w e i d a. Am 30. April Ausflug nach Alt- Mitweida, 500 Theilnehmer; am 1. Mai Fest, 600 Theilnehmer. Glänzender Verlauf des Festes. Wilkau. Am 30. April Volksversammlung, 500 Theilnehmer. Referent Albert aus Chemnitz. Außer einer Resolution für den Achtstundentag wurde eine gegen die Militärvorlag« einstimmig angenommen. Nachmittags fand ein Ausflug nach Kunersdorf bei zahlreicher Theilnahme statt. Döbeln. Am Ausfluge am 30. April waren 150, am Kommers am 1. Mai 3—400 Personen betheiligt. Die Holzarbeiter hielten am 29. April eine Gewerkschaftsversammlung ab, die von 600 Personen besucht war. Sonntag Nachfeier. Limbach bei Netzschkau. Hier wurde die Maifeier zum ersten Male begangen, sie siel imposant aus. Die Zahl der Theilnehmer betrug 100(bei 1400 Einwohnern). W i t l g e n s d o r f bei Chemnitz. Die Maifeier verlief glänzend. 4—500 Theilnehmer. Festredner Lämmermann aus Burg- städt. Cölln bei Meißen. Die Versammlung am 1. Mai war von ca. 400 Parteigenossen besucht. Serkowitz bei Dresden. 220—250 Versammlungstheilnehmer. Referent Stein brück. Die bekannte Resolution wurde einstimmig angenommen. Kahla in Thüringen. 120 Versammlungsbesucher am 30. April. Referent B u ch w a l d aus Altenburg. 1. Mai Abends gemüthliches Beisammensein, 40 Theilnehmer. Walters- Hausen. Am 30. April Ausflug. Abends Konzert und Ball. 400 Theilnehmer. Neichstags-Abgeordneler Bock hielt die Fest- rede. Ohrdruf bei Gotha. Agitationstour nach 2 Dörfern und Abendunterhaltung. Vor drei Jahren nur 28 Festtheil- nehmer, diesmal 350—400. Judenbach bei Sonneberg. Am 1. Mai Umzug mit Musik. Abends Hauptfeier, Festredner Rod. Wolfram aus Sonncbcrg. Lokal bis auf den letzten Platz gefüllt. Ernster und würdiger Verlauf. Zeitz. Ausflug am Vormittag des 1. Mai(130 Theilnehmer), Nachmittag gemüth- liches B�sammensein(100 Theilnehmer), Abends Hauptfeicr (700 Theilnehmer). Festredner Leopoldt. Alles vorzüglich ausgefallen. Pforten bei Gera. Umzug mit Musik durch daS Dorf, sodann Konzert und Vorträge. 7—800 Theilnehmer. Hüttensteinach. Die Maifeier des Ortsvereins der Por- zellanarbeiter war von 450 Personen besucht. W e h d e r aus Sonneberg hielt die Festrede. Alles verlief vortrefflich. Raum- bürg a. S. Am Ausfluge am 1. Mai betheiligten sich gegen 100 Personen. Von der Abendfeier mußte Abstand genommen werden, da sämmtliche Lokale abgetrieben worden waren. Jena. 350 Theilnehmer an, Kommers. Festredner R. S ch u l z. Abends Rothseuer auf den Bergen. Von den angenommenen Re- solutionen lautet die eine:„Die heute am I.Mai 1893 im Saal- schlößchen tagende Festversammlung der sozialdemokratischen Partei zu Jena beschließt, den belgischen Kämpfern für Recht und Freiheit für die Ausdauer im Kampfe gegen politische Bevormundung ihre volle Anerkennung auszusprechen und ihnen zu dem errungenen Siege Glück zu wünschen." Die Gewerkschaften Jenas hielten an, 30. April eine Vorfeier ab. F r a n k e n h a u f e n. 400 Ver- sammlungsbesucher, und zwar nur Männer. Hofmeister aus Halle referirte. Sonntag Nachfeier. Worms im Großherzogthum Hessen. 3— 400 Festtheilnehmer. Referent Wurm ans Darmstadt. O f f e n b a ch. 1500 Ver- sammlungsbesucher. Referent: Reichstags-Abgeordneter Ulrich. Aus dem Kreise Offenbach ist bis jetzt mitzutheilen, daß in den Orten Mühlheim, Lämmerspiel, Bieber, Bürgel, Rumpenheim zahlreich besuchte Versammlungen stattfanden. Der Geist der Bevölkerung ist ein vorzüglicher, was sich hauptsächlich auch durch den kolossalen Besuch der anläßlich der Maiseier ver- anstaltelen Volksbelustigungen zeigte. D a r m st a d t. 800 Ver- sammlungsbesucher. Referent Sparr. Bischofsheim. 100 Versammlungsbesucher. Marburg. Die Maifeier wurde am 30. April abgehalten; die Zahl der Theilnehmer belief sich auf über 300. H e i d e n h e i m a. Br. in Württemberg. An der Maifeier am 30. April nahmen gegen 400 Parteigenossen aus fast sämmt- lichen Orlen des Bezirks theil. Aeußerst gelungener Verlauf. K a n n st a t t. 800 Festtheilnehmer. Reutlingen in» Schwarzwald. Herrlich verlaufene Feier am 30. April. 800 Theilnehmer. D,e Festrede Hildenbrand's aus Stuttgart fand lebhaften Beifall. Ossenburg in Baden. 250 Versammlungstheilnehmer. Festredner Lutz aus Baden-Baden. Sonntag Nachfeier. H e i d e l- b e r g. 8—300 Festtheilnehmer. Referent Dr. R ü d t. Große Begeisterung. Dur lach. 300 Versammlungsbesucher. Sonntag Nachfeier. Baden-Baden. 200—250 Versammlungsbesuchcr. Ref. Adolf Hüter. Schöner Verlauf. Pforzheim. 500 Ver- sammlungstheilnehmer. Referent Alfred A g st c r aus Stull- gart. Sandhofen bei Mannheim. 200 Festtheilnehmer. Nußloch bei Heidelberg. 80—100 Theilnehmer. Festredner Jordan. St. Ludwig im Elsaß. 300 Versammlungsbesucher. Fest- redner Böhle aus Straßburg. In einer Resolution ver- pflichtete man sich, mir allen zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln für die Verkürzung der Arbeitszeit einzutreten. T: sozialdemokratische Fraktion wird beaustragt,„die nöthige Ver- vollkommnung dieser Forderung zu bewirken", Aus dem Auslände gingen uns folgende Original« m i t t h e i l u n g e n zu. DoNtbirn(Vororlberg). Am Ausflug nach Schwarzach nahmen Kl) Genossen von hier und 60 aus Bregenz thcil. Abends sprach in einer Volksversammlung der Parteigenosse Cousall Alles verlies brillant. Prag. I» glänzender Weise feierte daZ Prager Proletariat den ersten Mai. Ueberall, in allen gröhern industriellen Etablissements sowie auf allen Bauplätzen und in den Werkstätten des Kleingewerbes ruhte die Arbeit. Die vormittägige Versammlung der internationalen Sozialistenpartei war von bv ovo Theilnehmern besucht, das Fest am Nachmittage nicht viel schwächer. In der Versammlung referirten Regner und Krapka über das allgemeine Wahlrecht, Steska und Dedic über den Acht- slundentag. Die diesbezüglichen Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Die Mitglieder der„nationalen Sozialistenpartei", zu deren wochenlang plakatirten Versammlung sich nur l6 Leute eingefunden hatten, kamen zu uns mit der Bitte, es möge ihren „Vertretern" das Wort gestattet werden. Mit diesem noch groß artiger als im Jahre 1890 verlaufenen I. Mai können wir die Maifeier der Arbeit hier als für die Zukunft gesichert ansehen. Bichl(Schweiz). Arbeitsruhe von Mittag an. Einige große Fabriken stellten Mittags den Betrieb ein. In einigen mittleren Fabriken wurde vollzählig gearbeitet. Fcstzug mit Musik und 12 Fahnen, Vetheiligung 500 Mann. Viele Tausende bildeten Spalier. Offizielle Reden: Deutsch Reim an n. Französisch S ch w i tz g n e b e l. Großer Beifall. Die von dem schweizerischen Zentral-Maiseier-Komitee aufgestellte Resolution und Petition wurde von 2000 Bürgern angenommen. Dieser Akt fand unter freiem Himmel statt. Hierauf gesellige Unter Haltung mit Frauen und Kindern im Stadtaarten. Theilnehmer- zahl ca. 600. Abends 7 Uhr Zug in die Stadt zum Hause des hiesigen Grütlivereins(Helvetia). Ein Fortschritt der Maifeier gegen die drei letzten Jahre kann nicht verzeichnet werden, aber auch kein Rückschritt. Christiania(Norwegen). Um 5 Uhr Nachmittags setzte sich der Fcstzua in Bewegung. 39 Fachvereine mit ihren Fahnen be- theiligten sich daran. Trotz des schlechten Wetters verlies die Manifestation imposant. Auf dem Tullin-lökken Platz, innerhalb der Stadt, hielten die Parteigenossen Advokat Ludwig Meyer, Buchdrucker G. Olsen-Berg, Jepesen und andere Ansprachen. Hierauf wurde die Marseillaise gesungen. Abends 8 Uhr war große Festfeier auf Tivoli. Bukarest(Rumänien). Die diesjährige Maifeier wurde am 30. April abgehalten. Trotz des sehr unfreundlichen Wetters fanden sich 15 Korporationen mit ihren Fahnen und Emblemen Vormittags 9 Uhr in dem inmitten der Stadt gelegenen Volks- garten ein und marschirten, mehr als 2000 Mann stark mit fliegenden Fahnen und mit einem Musikchor an der Spitze, durch die ganze Stadt auf den Festplatz. Nachmittags fanden sich noch viele andere Theilnehmer ein, so daß im Ganzen weit über 3000 Mann anwesend waren. Besonders bemerkt muß werden, daß sich dies Jahr der Berein der Handlungsgehilfen an der Demonstration der organisirten Arbeiter betheiligte. Das Fest verlief in der würdigsten Weise. Wenn es auch bei den hier herrschenden, sonderbaren Verhältnisse»»och nicht so leicht sein wird, den I. Mai selbst zum Tag der Feier zu bestunmen, so hat die Idee der Maifeier unter allen intelligenteren Arbeitern doch schon so festen Fuß gefaßt, daß der internationale Maifeiertag auch hier, als eine für immer festbegründete Institution betrachtet werde» kann, die zur Ausklärung und Organisation der Massen mehr beiträgt als auf irgend eine anders Weife zu erreichen möglich wäre. z?nrlttnre>tksbe».'i-s»ke. Deutscher Reichstag. 68. Sitzung vom 3. Mai 1893, 12 Uhr. Am Bundesrathstische: Graf v. Caprivi.v.Bötticher, v. 5?altenborn. Stauchan, H o l l m a n n, v. d. Planitz, v. M a l tz a h n, Ritter vom Haag, Graf Hohenthal- Schott v. Schotten st ein, v. Lerchenfelo. Auf der Tagesordnung steht die zweite Berathung des Gesetz- entwurss betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres. Die Friedenspräsenzstärke sollte danach vom 1. Oktober 1893 bis 31. März 1899 aus 492 063 Mann fest- gestellt werden; für dieselbe Zeitdauer sollte die zweijährige Dienstzeit für Fußtruppen eingeführt werden. Die Zahl der Unteroffiziere soll ebenso wie die Zahl der Offiziere alljährlich- durch den Etat festgestellt werden. Vom 1. Oktober 1893 sollte die Infanterie in 711 Bataillone, die Kavallerie in 477 Eskadrons. Die Feldartillerie in 494 Batterien, die Fußarlillerie in 87 Bataillone, die Pioniere in 24 Bataillone, die Eisenbahn- truppen in 7 Bataillone und der Train in 21 Bataillone formirt werden. Die Kommission hat die Vorlage abgelehnt. Heute liegen folgende Anträge vor: 1. Die Abgg. Alt- haus(dfr.) und Genossen beantragen die Friedenspräsenzstärke wie bisher auf 486 983 Mann festzustellen, aber die zweijährige Dienstzeit für die Fußtruppen unter Aenderung des Art. 59 der Verfassung einzuführen. 2. Abg. vo» Huene(Zentrum) beantragt die Friedens- Präsenz auf 479 229 Mann festzustellen und vom 1. Oktober 1893 folgende Formationen bestehen zu lassen: Infanterie 533 Bataillone und 173 Halbbataillone, Kavallerie 465 Eskadrons, Feldartillerie 494 Batterien, Fußartillerie 37 Bataillone, Pioniere 24 Bataillone, Eisenbahn- Truppen 7 Bataillone und Train 21 Bataillone. Nach der Erläuterung bedeutet der Antrag gegenüber der Regierungsvorlage eine Herab- Minderung der Präsenz um rund 13 800 Mann einschließlich 1095 Unteroffiziere; darunter befindet sich eine Herabminderung der Oekonomiehandwerker um 2300 Mann. Ferner findet durch Nichteinstellung von rund 11000 Gemeinen für Unteroffiziers- Manquemeuts für die ersten Jahre eine entsprechende Herab- Minderung statt, welche frühestens im Laufe von 5 Jahren nach und nach verschwinden wird. Die Miuderkosten werden auf 9 Millionen Mark geschätzt, für das erste Jahr außerdem noch 4 Millionen Mark. 3. Ein Antrag des Abg. Graf Preysing will die Friedens- Präsenzstärke auf 420 031 Mann feststellen. Der Referent Abg. Gröber(Z.) berichtet über die Kom- Missionsverhandlungen und schließt seine Ausführungen, die sonst nur Bekanntes enthalten, mit folgenden Worten: Wenn unsere Nachbarn im Weste» und Osten hoffen sollten, aus dem Zwiespalt der Parteien in dieser Frage für sich Vortheil zu ziehen, so ist diese Hoffnung gänzlich eitel. Das Ausland wird das deutsche Volk stets geeinigt finden, wo es sich darum handelt, das Vater- land zu verlheidigen.(Beifall.) Es handelt sich nur darum, ob man das Vaterland besser schützt durch mehr Soldaten und Mehrformationen oder dadurch, daß man die natürlichen Kräfte des Volkes ini Frieden schützt und dadurch den Krieg am besten vorbereitet.(Beifall.) Reichskanzler Graf von Gaprivi: Von allen einzelnen Fragen der Militärvorlage hat keine einen so breiten Raum ein- genommen, wie die der zweijährigen Dienstzeit. Die Anhänger derselben erkannten die zweijährige Dienstzeil an, waren aber nicht geneigt, die Konsequenzen zu ziehen, unter denen allein die verbündeten Regierungen dieselbe bewilligen konnten. Die Kon- servativen aber hielten traditionell an der dreijährigen Dienstzeit fest. Ich kann es den Konservativen nicht genug danken, daß sie treu der Regierung zur Seite standen und ihre einzelnen Interessen unterdrückt haben.(Bravo! rechts. Lachen links.) Wir haben die Ueberzeugung gewonnen, daß die Wehrkraft, sowie sie jetzt liegt, nicht ausreicht. Man entgegnet'uns, sie reicht wohl aus, man stellt Berechnungen allerlei Art an. Diese Methode kann keinen oder wenigstens nicht den Erfolg haben, die verbündeten Regierungen zu überzeugen. Es ist überhaupt nicht möglich, durch irgend welche Art von Exempel festzustellen, was dazu gehört zu siegen. Man wird eben nicht umhin können, die Meinung derjenigen, deren Beruf es ist, sich mit militärischen Dingen zu beschäftigen, ein höheres Gewicht beizulegen als Leien, die sich nur hin und wieder damit beschäftigen. Man hat durchblicken lassen, daß ivir keine Roon und Mottle sind. Als Roon und Mollke ihre Kriegslausbahn betraten, hatte der erstere nur den badischen Feldzug, der letztere nur eine Schlacht in Kleinasien hinter sich. Die jetzigen Führer, welche berufen sind, ihre Kraft und Reputation im Falle eines Krieges einzusetzen, können doch auf andere Kriegserfahrungen zurück blicken. Man muß ihnen vertrauen, wenn sie sagen, die jetzige Heeres Verfassung Deutschlands reicht i ht aus. Kein einziger General stabsoffizier, welcher mit der Vorbereitung der Vertheidigung des Vaterlandes betraut ist, ist der Meinung, daß die jetzige Heeres stärke ausreicht. Die verbündeten Regierungen sind wie früher der Meinung, daß es sich um die Zukunft, um die Existenz Deutschlands handelt.(Unruhe links.) Wir würden uns an Deutschland auf das schwerste versündigen, wenn wir nicht, dem Raths der Offiziere folgend, diese Vorlage durchzubringen suchen Wir werden alle uns zu Gebots stehenden verfassungsmäßigen Mittel anwenden, um diese Verstärkung der Armee herbeizuführen (Zustimmung rechts.) Wir wollen dadurch den Frieden erhalten Mein Herr Amtsvorgänger hat so wie ich die Ueberzeugung ge habt, daß die Armee verstärkt werden müsse. Ich nehme an ist niemand in diesem Hanse, der den Fürsten Bismarck nicht für eine diploinatische Autorität hält, wie sie in Jahr Hunderten nur selten vorkommt. Es können aber nicht immer Diplomaten ersten Ranges an der Spitze der Geschäfte stehen Selbst Friedrichs des Großen diplomatisches Talent ist es nicht gelungen, zu Zeiten den Krieg zu vermeiden. Werden wir zum Kriege gedrängt, so wollen wir siegen, wir wollen nicht unter liegen; wir wollen die Herren des Schlachtfeldes bleiben. Unter den europäischen Mächten herrscht eine gewisse internationale Konkurrenz in bezug auf die Heeresstärke. Keine Macht kann sich dem entziehe», keine Macht kann abrüsten, wenn man nicht den Grund der Rüstung beseitigt; sonst müßte man sofort wieder von neuem rüsten. Keine Macht kann hinter der Kriegsstärke anderer zurückbleiben. Keine Macht kann dulden, daß die anderen in der Rüstung vorschreiteu; den» jedes Stehenbleiben ist ein Zurückgehen auf diesem Gebiete. Es kann auch niemand eine Garantie dafür übernehinen, daß man mit einer gewissen Trüppenzahl nicht geschlagen wird. Man sagt, wir haben nicht allein Vertrauen zur Zlrmee, sondern das ganze deutsche Volk fürchtet nur Gott. Schön! Wundervoll! Aber man kann so urchtlos ins Gefecht gehen wie der größte Held der Welt, allein man hat keine Gararnie, daß man nicht geschlagen wird, wenn die Waffen und Mannschaften nicht ausreichen. Wie Graf Molike über die Stärke im Kriege dachte, ist aus seiner Denk- schrift in dein Generalstabswerke zu ersehen, die ich bereits in der Kommisston vorgelesen habe. Er sagt darin unter anderm, Deutschland kann sich gegen Frankreich allein wehren; wäre es dazu nicht im stände, dann könnte es nicht mehr bestehen. Wir haben nicht das Bestreben der politischen Offensive, aber wir haben das Bedürfniß in der Lage zu sein, strategisch offensiv sein zu können, d. h. einen Kriegsschauplatz in des Feindes Land zu verlegen. Wir find darauf angewiesen, den Krieg schnell zu Ende zu ühren. Ob wir heute noch im stände sind, den Feind ab- zuwehren, selbst wenn ich nur nach Westen sehe, ich will nicht von zwei Fronten sprechen, das mag dahingestellt sein. Wir haben Grenzen, wie kaum eine andere Nation; man setzt sich über die Schicksale der Grenzlande zu cavalierement hinweg. Wir haben auf dem linken Rheinufer eine nicht abgeschlossene Grenze, an welcher eine große Festung liegt. Ungleich unglücklicher liegen unsere Grenzen im Osten. Die Grenze ist durch kein Ge birge, keinen Fluß geschützt. Kann uns das Schicksal dieser Grenzlande gleichgiltig sein? Ist es gleichgiltig, ob Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien von Russen überschwemmt wird? Ich rufe die Vertreter der Stadt Danzig auf! Erinnert ich Danzig noch, was es von der Belagerung auszuhalten hatte an Epidemieen, Hungers-, Feuers- und Wassersnolh. Lebhafter noch sind die Erinnerungen in der Pfalz. Die Pfalz mußte 1870 darauf gefaßt sein, der Kriegsschauplatz zu sein. Was ist natür licher, als daß man gerade da ein lebhaftes Interesse dafür hat, daß die Streitkräfte Deutschands möglichst verstärkt werden, damit der Kriegsschauplatz offensiv in die feindlichen Gebiete verlegt werden kann, lieber die Bewegung in der Pfalz ist in den Zeitungen mit Gespött hingewiesen worden. Warum haben wir denn Deutschland geschaffen? Um etwa unsere Grenzen preiszugeben oder um ein einig Volk von Brüdern zu haben und nicht an der Grenze beim ersten Wetterleuchten schutzlos dazustehen? Wenn Elsaß Lothringen Kriegsschauplatz werden soll, heißt das die Reichs- lande für Deutschland gewinnen? Ich glaube, Deutsch land will die Reichslande schützen und sie nicht preisgeben. (Beifall rechts.) Von den Gründen, welche für die Militär vorläge vorgebracht sind, ist nicht ein einziger widerlegt worden, man hat vielmehr anerkannt, die Militärvorlage ist ein durch dachtes Werk. Man kam schließlich dazu: Ja, wir geben Euch nicht mehr, seht nur zu, wie Jhr's macht. Zwei Fragen schienen mit Recht geltend gemacht werden zu können: die Unteroffizier- Frage und die Frage nach der Zahl der Tauglichen. Die Jlilitärverivaltung kann den Beweis beibringen, daß diese Fragen nicht von Bedeutung sind. Ferner die Deckungsfrage. Man ist bis zu sehr krassen Uebertreibungen gegangen; man hat gemeint, wir würden durch die Einführung der Steuern ein Volk von Bettlern werden.(Heiterkeit.) Das glaube ich nicht. Es ist klar, daß die aufgelegten Lasten drücken, daß niemand gern mehr zahlen will, namentlich wenn sein Abgeordneter ihm vorrechnet, daß es nicht nöthig ist. Aber sicher ist: die hervorragendsten Volkswirtdschaftslehrer sind der Meinung, daß die Militärlasten auf den Kops der Bevölkerung und überhaupt die Belastung auf den Kopf der Bevölkerung geringer sind, als bei andern Völkern. Wir halten die vorgeschlagenen Steuern noch jetzt für die besten. wir würden aber, wenn andere vorgeschlagen werden vom Reichstage. darüber in Erwägungen eintreten. Nun wurde der Militarismus, der alte Gaul aus den echsziger Jahren, wieder aus dem Stall hervorgeholt. neu aufgezäumt, und so lahm er war, uns vorgeritten. Er wurde als kulturfeindlich, als antiparlamentarisch bezeichnet. Die Sozialdemokraten schmückten ihn mit dem Beiwort: Der Moloch! Zur Zeit der Militärresorm in Preußen ging das Wort Militarismus einher mit dem Soldatenheer. Wenn Deutschland seine Kulturaufgabe erfüllen soll, muß es doch erst da sein, muß es doch erhalten werden! Jeder Mensch würde es doch vorziehen, Ausgaben für Kunst, Wissenschaft. Schule und Landesmelioration zu machen, das ist selbstverständlich. Aber wo sitzt in der Vorlage der Militarismus? Die Vorlage ist auf das mindeste Maß zugeschnitten, es ist keine vermeidliche Ausgabe darin enthalten. Bei allem Bemühen kann ich also diesen Ein- wand nicht als gerechtfertigt anerkennen. Ich glaube im Gegen- theil, daß man an der Armee Deutschlands manche gute Seite erkennen kann. Für die Anglie. erung der neuen Provinzen, für das Zusammenschweißen Deutschlands ist der Kitt die Armee gewesen. Man beruft sich auf die Volksstimme. Gewiß, es ist Verstimmung in vielen Landestheilen da, man wünscht Ver- schiedenes anders. Ich will nicht darauf eingehen, wie weit diese Verstimmung eine Folge unserer ganzen modernen Geistesrichtung ist, welche keine Befriedigung aufkommen läßt. Ich gebe auch zu, daß die Verstimmung zunehmen kann, wenn es nicht glückt, der Nation klar zu machen, daß diese Vorlage nothwendig ist. Man sagt: Warum aber im jetzigen Augenblicke eine solche Vorlage? Wir können nicht warten, bis wir die Probe vor dem Feinde machen müssen. Oder sollen wir warten, bis das Verlangen nach der Vorlage aus den Wahlkreisen kommt?(Heiterkeit links.) Wenn man aus Stimmungen Rücksicht nimmt, dann liegt es nahe, auch auf die Stimmung Rücksicht zu nehmen, welche im Lande vorhanden sein wird am ersten Mobilmachungstage. Dann brauchen wir die herzliche Theilnahme, das entschlossene Eintreten der ganzen Nation. Unser Auftreten wird bedingt von dem Gefühl, welches wir selbst von unserer Stärke dem Feinde gegenüber haben. Die Stimmung wird nur dann eine gute und mulhige sein, wenn die Sicherheit vorhanden ist, daß alles geschehen ist, was geschehen konnte. Dann wird es sich nicht um Geldopfer blos handeln, sondern auch um Blutopfer, die dann nicht inehr geringer ge- macht werden können. Wir werden aber an Blut sparen, weun zur rechten Zeit die Aenderungen vorgenommmen werden, die erforderlich sind, wenn unsere Armee verjüngt wird. Wir dürfen nicht das Gefühl, die Schwächeren zu sein, in der Nation auf- kommen lassen. Wenn die Militärvorlage nicht zu stände känie, würde im Volk und in der Armee etwas von dem Gefühl zurück- bleiben, wir sind nicht mehr so stark wie früher. Es wird die Zeit kommen, wo eine volle Patronentasche mehr werth ist, als ein volles Portemonnaie. Zu dieser Zeit soll uns nicht der Vor- wurf treffen, daß wir den richtigen Augenblick versäumt haben, Die verbündeten Regierungen wollen das Ihrige thun, um das Bewußtsein zu haben, daß sie nichts ver- säumt haben. Wir wollen nicht, daß das Volk und die Armee eine Einbuße an Selbstgefühl erleidet. Wir würden es schmerzlich empfinden, wenn die Militärvorlage abgelehnt wird. Handel und Wandel wollen mit Zuversicht darauf rechnen können, daß sie für längere Zeit nicht gestört werden. Wenn die Militärvorlage nicht durchgeht, wird auch für die Landwirthschaft eine Beunruhigung eintreten; bei jedem politischen Wölkchen wird man nach dem Wetterglase laufen, um zu sehen, wie es steht. Wir würden die zweijährige Dienstzeit nicht einführen können, und den verheirathelen Mann, den Familienvater nicht an die Stelle bringen können, die ihm in Kriegsfällen zukommt. Ein patriotischer Mann, der lange im Auslands gelebt hat, sagt, daß er niemals ein so peinliches Ge- fühl gehabt habe, als jetzt während der Verhandlungen über die Militärvorlage. Wie wird es in der Presse des Auslandes aus- sehen, wenn die Militärvorlage fällt. Noch hält sich diese Presse zurück. Aber was nachher zu lesen sein wird, wird sehr peinlich sein. Man hat Gegenvorschläge gemacht: zunächst die Miliz. Im Reichstage wird sich wohl dafür keine Mehrheit finden. Aber es giebt Richtungen, welche der Miliz vorarbeiten, wie es Parteien giebt, welche der Sozialdemokratie vorarbeiten. Denn wenn man uns zumuthet, die zweijährige Dienstzeit ohne Ver- stärkung der Präsenz anzunehmen, so ist das der erste Schritt auf der Bahn zur Miliz. Der Antrag Althaus wiederholt euren Antrag aus der Kommission; er ist heute den verbündeten Re- gierungen ebenso unannehmbar, wie er es früher war. Auch der Antrag des Grafen Preysing, der früher Lieber hieß, trägt die Spuren des beginnenden Milizsystems an sich. In seinem Wahlkreise hat Herr Lieber eine Rede gehalten, in welcher er sagte: Mögen auch die Forderungen der Regierung vollkommen berechtigt sein, so ist das Bestehen einer Partei, wie das Zentrum, doch noch wichtiger. Vielleicht wird Herr Lieber in der Lage sein, mir das Körnchen von Patriotismus, welches in dieser Rede enthalten ist, nachzuweisen(Zustimmung rechts). Herr Bebel hielt in der Kommission eine Rede über die politische Lage, wie kein Regierungskommissar sie besser halten konnte. Ich hoffte, er würde schließen mit der Forderung: Also be- willigen wir die Militärvorlage(Heiterkeit), aber er verlangte eine Herabminderung der Präsenzstärke(Heiterkeit). Der„Vor- wärts" brachte eine Reihe von Artikeln über die Frage:„Kann Europa abrüsten?" Darin wurde die Jugenderziehung verlangt; Unteroffiziere sollten bei den Schulen angestellt werden. Und was denkt sich der Verfasser? Er schreibt: Wenn die Unter- offiziere aus der Heimlichkeit der Kaserne und entrückt dem ge- Heimen Prozeßversahren an die Oeffentlichkeit des Schulhoses kommen, dann wird die rebellische Jugend sie schon rnonm lehren. Also den Vorgesetzten sollen mores gelehrt werden! Ich begreife das bei den Sozialdemokraten, aber ich bedauere, daß andere ihnen dabei vorarbeiten. Der Antrag von Huene ist dankenswerth, aber ich kann mich darüber noch nichs äußern, denn der Antrag ist den Regierungen nicht früher zugegangen als den Abgeordneten. Es muß erst Rückfrage gehalten werden. Ich zweifle nicht, daß die verbündeten Regierungen dieVorlage vorziehen. Bei den Erwägungen über den Antrag Huene wird auch die Rücksicht auf die Möglichkeit der Neuwahl mitsprechen. Die Regierungen verkennen den Ernst der Sachlage nicht. Für Preußen und das Reich bin ich zu der Erklärung ermächtigt, daß sie eine annehmbare Lösung der Frage in dem Antrage er- blicken. Wir behalten uns vor, wenn doch Neuwahlen kommen �ollien, die Konzessionen wieder zurückzunehmen. Wir treten auf zen Boden des Quinquennats, zu weiterem haben wir uns nicht verpflichtet. Wir sind bei der Zustimmung zum Antrag Huene bis an die äußerste Grenze gegangen. Ich bitte, kommen Sie mit uns und bewilligen Sie das, was für die Ehre und Sicher- heit Deutschlands und Europas nothwendig ist.(Beifall rechts.) Kriegsminister v. Kaltenborn: In der Kommission ist den Ausführungen der Militärverwaltung Widerspruch von ver- chiedenen Seiten entgegengestellt worden, aber eine Widerlegung haben ihre Gründe nicht gefunden. Die Vorlage bildet ein ab- geschlossenes Ganzes, aus welchem einzelne Theile nicht heraus- genommen werden können- deshalb mußte die Heeresverwaltung alle einzelnen Theile vertheidigen. Die Heeresverwaltung hat auch die Genugthuung gehabt, daß z. B. bezüglich der vierten Bataillone selbst Gegner dieser Einrichtung sich schließlich für dieselben erklärten. Es war eine falsche Auffassung, daß man immer die zweijähnge Dienstzeit als die Hauptsache, das übrige nur als den Kaufpreis betrachtete, während gerade die zweijährige Dienstzeit nur ein Mittel zur Ver- inehrung der Truppen aus dem finanziell günstigsten Wege ist. Bezüglich der Zahl der Tauglichen hat die letzte Aushebung er- geben, daß noch eine große Anzahl von Tauglichen selbst bei Ver- stärkung der Aushebung übrig bleiben wird. Auch das Manque- ment von Unteroffizieren wird gedeckt werden können, und wir hoffen, daß dies in noch kürzerer Zeit der Fall sein wird als in den sechziger Jahren. Damit sind die Bedenken wohl widerlegt, welche in der Kommisston geltend gemacht sind. Ich möchte das Haus bitten, noch in letzter Stunde seine Zustimmung zu dem Vorschlage zu geben, der das erstrebte Ziel auf die billigst« Weise zu erreichen sucht. Abg. v. Huene(Z.): Es war für mich ein ernster und chwerer Entschluß, mit diesem Antrage vor den Reichstag zu treten, weil ich es thun mußte mit der Erkennlniß, daß nur eine kleine Minorität aus den Reihen meiner Freunde sich aus den Boden meines Antrages stellen würde. Wenn ich es trotzdem ge- lhan habe, so war für mich maßgebend die Erwägung der großen vaterländischen Interessen, welche hier auf dem Spiele stehen. Der Referent hat betont, daß der Feind uns nicht uneinig finden würde. Was nützt uns die Einigkeit gegenüber dem Feinde, der Patriotismus mit dem Stocke in der Hand, wenn wir nicht die Wehrhafligkeit haben, den Feind zurückzuschlagen.(Sehr richtig! rechts.) Bei der ersten Berathung theilte ich die Punkte mit, über welche meine politischen Freunde sich damals geeinigt halten: ivir konnten nicht die volle Bewilligung aussprechen, wir wollten bewilligen, was zur Durchführung der 2jähr. Dienstzeit nothwendig war. Ich war damals bereits der Ansicht, daß wir innerhalb der jetzigen Präsenz nicht die zweijährige Dienstzeit durchführen können. Wenn ich mit dieser Ansicht nicht hervorgetreten bin, so geschah es aus Rücksicht auf meine politischen Freunde. Ich labe damals auch nicht geglaubt, daß ich so weit entgegen- kommen müßte, wie es in dem Antrag steht. Aber wenn man die Sache drei Monate lang erwägt und sachlich behandelt, so kann man auf grund sachlicher Erwägungen weiter kommen als auf Grund einer vorher gefaßten Meinung. Wenn man die Blätter liest, sollte man glauben, wir hätten in Deutschland nicht die allgemeine Wehrpflicht, sondern sollten sie erst einführen. Jeder Deutsche ist wehrpflichtig; es kommt blos daraus an, wie weit will man diese allgemeine Wehrpflicht verwirklichen. Dabei kommen auch die wirthschaftljchen Verhältnisse in Betracht und die finanzielle Lage. Mein Antrag ruft erheblich mehr Leute unter die Fahne als bisher; darin sehe rch keinen Fehler, sondern einen Akt der Ausgleichung; der Rückgang auf die zweijährige Dienstzeit ist auch mit Rücksicht auf die einjährige Dienstzeit ein erheblicher Ausgleich. Die Herabsetzung der Ziffer beruht darauf, daß die Zahl der Oekonomiehandwerker vermindert ist. Darüber freue ich mich, namentlich auch mit Rücksicht aus die wirthschaft- lichen Forderungen der freien Handwerker. Bei der Kavallerie sind alle Etatserhöhungen bei Seite gelassen; bei der Artillerie sollen nur Batterien mit 4 Geschützen bewilligt werden. In den offenen Unteroffizierstellen dürfen Gemeine nicht verpflegt werden. Das bringt eine Verwinde- rung um liovo Mann für die ersten Jahre. Redner geht dann auf die einzelnen Theile seines Antrages ein. auf die Bestimmung über die zweijährige Dienstzeit, die Enl- lassung der Mannschaften nach zweijähriger Dienstzeit, denen im ersten Jahre nach ihrer Entlassung die Erlaubniß zur Aus- Wanderung verweigert werden kann. Die Minderausgaben be- laufen sich auf S Millionen Mark, wozu in den ersten Jahren noch 4 Millionen treten, die sich allmälig vermindern. Diese Er- sparniß sollte man nicht so kurzer Hand zurückweisen. Bei der Regierungsvorlage vermisse ich die sozialpolitischen Rücksichten, auf welche der Reichskanzler sonst immer Werth gelegt hat, es wird namentlich darauf hinzuwirken sein, daß die Deckung der Mehrkosten so beschafft wird, daß die ärmere Bevölkerung nicht belastet wird. Ich hätte kein Bedenken, dafür Zuschläge zur Einkommensteuer in den Einzelstaaten zu erheben. Aber es wird sich auch in dem Rahmen der Reichskompctenz ein Weg finden lassen, um die Deckung zu beschaffen durch Luxussteuern u. f. w. Abgesehen von der Verkürzung der Dienstzeit und der Verjüngung der Armee erkenne ich in der Vorlage eine Verstärkung unserer Armee, eine Ergänzung zur besseren Ausbildung der Soldaten trotz der kürzeren Dienstzeit, die Beschaffung eines Rahmens zur Verbesserung der Mobilmachung und die Möglichkeit, den Krieg in Feindesland zu tragen. Ich habe mich gefreut, gerade diesen letzten Punkt vom Reichskanzler hervorgehoben zu sehen. Der Reichskanzler mußte die Schäden der Armee öffentlich darlegen, um seine große Forderungen zu begründen. Daß das unangenehm ist, ist klar, aber der Reichskanzler konnte es thun, weil er hoffen mußte, daß der Reichstag die Vorlage annehme» würde. Ich glaube mich nicht zu täuschen, daß niemand an der Vorlage an sich selber weniger Freude hat, als die Soldaten, denn es werden die Anforderungen an sie sehr stark vermehrt. Wenn einmal die Regierung davon durchdrungen ist, daß eine solche Vorlage zur Sicherung des Vaterlandes nothwendig ist, dann hat sie nicht nur das Recht, sondern auch die heilige Pflicht, die Vorlage durchzubringen. Ich sehe den Neuwahlen mit großen Bedenken entgegen; ich fürchte, wir treiben einen offenen Konflikt entgegen. Meine Schultern sind mir zu schwach, um die Äer- antwortlichkeit für die Herbeiführung eines solchen Konflikts zu tragen.(Zustimmung rechts.) Ich weiß, daß es eine große An- zahl von Herren giebt, deren Schultern stark genug sind; ob ihre Kraft sich erproden wird, wird die Zukunst lehren. Ich will die Verantwortung nicht auf die Regierung abwälzen. Deshalb bitte ich, meine Anträge anzunehmen.(Zustimmung rechts.) Abg. v. Mantenffel(dk.) beantragt die Vertagung der Sitzung; die Anträge des Herrn v. Huene sind erst heute ver- theilt worden; die Fraktionen werden sich darüber berathen müssen, zumal der Reichskanzler den Antrag im Namen Preußens als annehmbar bezeichnet hat. Abg. Richter(dsr.) erkennt diesen Grund nicht als be- rechtigt an, will aber mit Rücksicht darauf, daß eine große Partei die Vertagung wünscht und init Rücksicht daraus, daß wegen einer Beerdigungsfeierlichkeit(die Beerdigung des Staatssekretärs Hanauer findet um 4 Uhr statt) die Sitzung doch abgebrochen werden soll, dem Antrage nicht widersprechen. Darauf wird die Vertagung beschlossen. Persönlich bemerkt Abg. Groebrr(Z.): Wenn Freiherr von Huene meinen Patriotismus den Patriotismus mit dem Stocke in der Hand nennt, so hat er meine Ausführungen nicht verfolgt. Von einer Rüstung mit dem Stocke in der Hand habe ich nicht gesprochen. Im klebrigen hat Herr von Huene gerade durch seine Rede gezeigt, wie dehnbar und veränderlich gerade die militärische» Anschauungen über das Nothwendige und Unvermeidbare sind. (Zustimmung links.) Abg. v. Huene(persönlich): Allerdings hat Herr Groeber von einem Patriotismus mit dem Stocke in der Hand nicht ge- sprachen. Ich habe mit diesem Bilde blas darauf hindeuten wollen, daß, wenn das ganze Volk wehrhast sein soll, der Patriotismus auch nur wirksam werden könne, wenn er wehrhast sei. Wenn ich den Abg. Gröber verletzt habe, so bedaure ich das; es hat nicht in meiner Absicht gelegen. Schluß 2Vt Uhr. Nächste Sitzung Donner st ag l. Uhr. (Fortsetzung der zweiten Berathung der Militärvorlag«.) LoItÄles. Maßregelungen wegen der Maifeier übte die Firma Völker in der Hagelsbergerstraße an den bei ihr beschäftigten Tapezirern. Dieselben hallen den Montag Nachmittag zu ferern beschlossen und dies ihrem Prinzipal vorher angezeigt. Doch wo bliebe die Autorität, wenn derartige Verbrechen ungehindert ge- schehen könnten?„Erlaubniß" zu feiern gab's nicht, und als die Tapezirer dennoch keine Ordre pariren wollten, wurden sie ent- lassen. Das gleiche Loos traf mehrere Maurergesellen, die in Halensee an den links von der Brücke ausgeführten Neubauten gearbeitet haben. Hier diktirle der Polier Wolter am Morgen des 2. Mai die Entlassung. Mögen die Arbeiter aus solchen Vorgängen die Lehre ziehen, daß es an ihnen selber liegt, der- artiges zu verhindern. Achtung hat das Unternehmerthum vor dem Willen des Arbeiters nur, wenn er einer starken Organi- sation angehört, die ihn ausreichend zu schützen im stände ist. So lange der Arbeiter aber indifferent bleibt oder über den Streit um dre Form der Organisation diese selber vernachlässigt, so lange werden auch die Unternehmer lustig weiter maßregeln. Erfreulich ist es immerhin, wenn man auch einmal von einem weißen Raben hört. Von Herrn Busse. Uhrengeschäft, Invaliden- siraße 157. erfahren wir, daß er anläßlich der Maifeier fortan die neunstündige Arbeitszeit in seiner.Werkslätte eingeführt hat und zwar aus eigenem Willen. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer, und ob eines von der Schablone ab- gewichenen Unternehmers dürfen die Arbeiter nicht vergessen, daß freiwillig das Kapital an die Arbeiter nichts herausrückt. „Durch einen unerwarteten Dienstmädchen-NnSstand, so berichtet ein bürgerliches Blatt, wurde am 1. Mai der Besitzer eines im Thiergarteuviertel belegenen Hotels und Restaurants in peinlichste Verlegenheit gebracht. Derselbe hatte sich seit mehreren Tagen die Gunst' feiner Dienstboten dadurch verscherzt, daß er sie eine sogenannte„Hausordnung" unterschreiben ließ, laut welcher für gewisse Vergehen im Dienstbetriebe entsprechende Strafen slipnlirt ivaren. Die Dienstmädchen benutzten nun den inter- ualionalen Arbeiterfeiertag, um an dem gestrengen Prinzipal Rache zu üben: in corxors zogen sie mit Sack und Pack am frühen Morgen aus—„zur Maifeier", wie sie höhnisch beim Llbgehen bemerkten. Der Hoielier mußte an diesem Tage mit wenigen Kellnern den ganzen Dienst schlecht und recht versehen." Von einem bürgerlichen Blatt kann man selbstredend nichts anderes erwarten, als daß es eine derartige Affäre mit der üblichen Schnoddrigkeit aufputzt. Wer das Dienstbotenelend kennt, der weiß, daß vor allem in Hotels und Restaurants die Haussklaven einer wahrhaft unmenschlichen Ausbeutung ausgesetzt sind. Vielleicht, daß man über das erwähnte Musterstück von einer Hausordnung noch Näheres zu wissen bekommt. Der Kaufmann Theodor Rose in AdlerShof, der im Teltowcr Kreise für die Sozialdemokratie agitirte, ist seit k. Mai im Bureau des Amtsvorstehers von Oppen angestellt. Herr von Oppen ist bekanntlich nichts weniger als ein Freund der Sozialdemokratie. Die moderne liberale Zeitunasmache wird von der „Kreuz-Zeitung" in einer köstlichen Notiz gegeißelt, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Das Junkerblatt schreibt:„Wenn die beiden jüdischen Zeitungsvcrleger Mosse und Ullstein sich in die Haare gerathen, was nicht zu den größten Seltenheiten gehört, so ist das stets ein höchst ergötzliches Schau- spiel, da bei solchen Gelegenheiten oft recht interessante Dinge zutage kommen, und die feindlichen Brüder dabei sehr lehrreiche Einblicke in ihre innersten Herzensfalten gestatten. Im Brief- lasten des„Berliner Tageblatts" fand sich kürzlich folgende Er- klärung:„Ja, Sie haben recht. Es ist dies derselbe industriöse Papierhändler, der sich des Morgens in der„Berliner Zeitung" in die Toga des radikalen Cato hüllt und der des Abends in der „Abendpost" feinen parteilosen Geschäften betriebsam nachgeht. In diesem Geschäftsbetriebe wird man dem Händler mit ge- walkten Lumpen eine gewisse Ueberzeugungstreue nicht absprechen können."— Dies macht sich im Munde des Herrn Mosse ganz besonders schön. Denn dieser Herr benutzt nicht einmal ver- schiedene seiner Blätter(„Berliner Tageblatt", Berliner Morgen- zeitung u. f. w.) um eine ähnliche Vielseitigkeit der Gesinnung zu offenbaren, sondern läßt diese vielmehr z. B. in den Spalten des„Berliner Tageblatt" ganz unverhüllt in die Erscheinung treten. Im sogenannten politischen Theil donnert das Blatt „zielbewußt und unentwegt" gegen Regierung, Junker und Pfaffen und tritt mit edlem Mannesmuthe für Freiheit, Menschenrechte, soziale Gleichstellung der Staatsbürger u. s. w. ein, während es im lokalen Theil nach allen Seiten hin schweifwedelt und katzen- buckelt und seinen Respekt vor allem, was„Gesellschaft",„vor- nehm" u. s. w. bedeutet, unverblümt ausspricht.„Vorne pickt es, hinten nickt es." Mosse sowohl wie Ullstein werden allerdings sich den Teufel um diese Züchtigung scheeren. Erst das Geschäft und dann die Konsequenz. Der letzte Regen hat, trotz der außerordentlich kühlen Temperatur, Wunder gewirkt. Ueber Nacht hat sich das frische Grün von Sträucheru und Bäumen in überraschender Weise entwickelt, und wo gestern Abend nur Knospen sich zeigten, da prangte heute früh zartgrüner Blätterschmuck; selbst die Eichen, die doch sonst die letzten bleiben beim Erwachen des Frühlings, beginnen ihre zarten Blätlchen zu entwickeln. Auf die ausge- dörrte Erde freilich hat der feuchte Niederschlag nur wenig zu wirken vermacht; dieselbe ist heute noch ebenso dürre, wie sie seit Woche» gewesen. Nur ein längerer, milder„Landregen" wird hier befruchtend wirken und dann auch den Gräsern und Blumen zu besserer Entwickelung verhelfen. Leider sind auch die meisten Gemüse, die eigentlich jetzt schon auf den Märkten stark gehandelt werden müßte», noch sehr zurück. Die Linie Ackerstraße-Tchlestscher Bahnhof der Neuen Berliner Pferdebahn-Gesellschast wird bis zur Hasen Haide(Fichte- straße) verlängert, und zwar über die Köpnickerbrücke und Adalbertstraße. DaS Berliner Verkehrö-Lexikon, Semester XV(Verlag von Max Schildborger), ist soeben erschienen mit allen Fahr- plänen der Eisenbahnen, Pferdebahnen, Omnibusse und Dampf» schifffahrten von Berlin und Umgebung. Die letzten Neberreste des Ballons„Humboldt" sind in Charlotteuburg eingetroffen. Sachverständige zweifeln übrigens daran, daß die Explosion durch eine glimmende Zigarre ent- standen sein könne. Das Tischriicken spielt gegenwärtig in den Wirthshäusern mit weiblicher Bedienung eine große Rolle. In mehreren Lokalen der Friedrichstadt haben die Wirthe, um bei der leidigen Polizeiverordnung ihren Kellnerinnen eine größere Annäherung an die Gäste zu gestatten, kleine Dreifüße anfertigen lassen, auf denen nur ein Glas Bier Platz hat, die aber mit der Hebe zu- sammen nach Bedürfniß an die splendiden Gäste herangerückt werden. Ob's lange dauert! Ein dritter Postdiebstahl ist den beiden von der Deutschen Bank gemeldeten gefolgt. Auch dieser betrifft dieselbe Bant und dasselbe Postamt. In allen drei Fällen hat die Bank die Quit- tungen über die geschehenen Einlieserungen der Briefe in Händen. sodaß die Annahme, ein Bankbeamter könnte mit im Spiele sein, ausgeschlossen erscheint. Die behördlichen Nachforschungen richten sich demgemäß nach einer anderen Stelle. Arbeiter- SanitätSkommission. Die Angaben über die Wohnung im Hanse Skalitzerstraße 116a.(siehe vorige Sonntagsnummer) werden uns von der Besitzerin als durchaus unrichtig bezeichnet. Verschwnuden ist feit dem LS. d. Mts. der vierzig Jahre alte Bankier Elling aus EberSwalde. Derselbe hat sich, wie er- mittelt worden ist, nach Berlin begeben, woselbst er auch an demselben Tage noch am Slcttiner Bahnhofe gesehen worden ist. Da keinerlei Gründe vorliegen, die die Annahme eines Selbst- mordes rechtfertigen, so glaubt man, daß E. irgendwie ver- unglückt ist. Die Angehörigen haben behufs Ermittelung des Vermißten die Hilfe der hiesigen Kriminalpolizei in Anspruch genominen. Mit beziig auf dnS Verschwinden der kleinen Hedwig Weber ist jetzt eine schwache Möglichkeit vorhanden, daß der Sachverhalt seine Aufklärung findet. Der Kaufmann Rudolf Pieper, Wilhelmstr. 114, hat aus Kranzlin bei Neu-Ruppin von seinem Vater ein Schreiben erhalten, wonach unweit der Jänsch- hrücke in Neu-Ruppin die Leiche eines etwa elfjährigen Mädchens im Wasser aufgesunden sei. Der Brief betont ausdrücklich, daß die Persönlichkeit der Todten noch nicht festgestellt worden sei. Bemerkenswerth erscheint, daß der Bruder der Vermißten bis vor wenigen Tagen bei einem Schlächtermeister Hindenberg, Wichmannstr. 12, in Neu-Ruppin in der Lehre stand. DieMög- lichkeit ist daher nicht ausgeschlossen, daß Hedwig Weher sich auf die Reise nach ihrem Bruder begeben hat und dabei verunglückt ist. Diese Annahme steht allerdings im Widerspruch zu den Eigenschaften des Kindes, das durchaus keinen Hang zu Aben- teuern zeigte und sich ohne Vorwissen der Ellern niemals von Hause entfernt hat. Der Schlächtermeister Weber hat die Nach- richt nicht ohne Erregung hingenommen und sich sofort nach Neu-Ruppin gewandt, um Gewißheit zu erhalten. Ein flüchtiger Wachtmeister wird aus Bockenheim hierher signalistrt. Der dortige Wachtmeister Schankweiler hat zwei- tausend Mark amtlicher Gelder unterschlagen und ist dann durch- gegangen. Es besteht die begründete Bermuthung, daß er sich aus der Flucht den Namen Otto Schröder beilegen werde, weil er aus diesen Namen lautende Ausweispapiere mitführt. Das„Anspnsten" einer Petroleumlampe hat gestern wieder eine» schweren Brandunfall zur Folge gehabt. Die Feld- zeugmcisterstraße 6 wohnende Frau Erich wollte vor dem Schlafen- gehen eine aus dem Nachttisch stehende Petroleumlampe aus- löschen und blies von oben herunter in den Zylinder. Die Flamme schlug zurück und erreichte das gefüllte Bassin; im nächsten Augen- blick explodirte das letztere, und die brennende Flüssigkeit ergoß sich nun über das Gesicht und beide Arme der Unvorsichtigen, derselben entsetzliche Brandivunden zufügend. Ein Raubanfall ist am Montag Abend in Köpenick an einem Handelsmanne verübt worden. Der Händler Louis G. aus Schlamau, Kreis Belzig. der am Nachmittage dieses Tages mehrere Stunden in der Orlel'schen Wirthschaft gsiveilt, passirte um 9 Uhr Abends die Straße zum Bahnhofe, und zwar, wie der Mann selbst angiebt, in ziemlich angetruntzenem Zustande. Plötz- lich erhielt er einen Schlag gegen die recht« Kopfseile und stürzte halb bewußtlos zu Boden; jetzt beugte sich der Räuber über den Gefallenen, nahm aus der linken Hosentasche desselben einen leinenen Beute mit 161) M. und lief davon. Jedenfalls hat der Räuber vor der That die Bekanntschaft des Händlers gemacht. Polizeibericht. Am 2. d.M. Morgens wurde am Tempel- hofer Ufer ein sechsjähriges Mädchen durch einen Bierwagen überfahren und am Oberschenkel schwer verletzt.— Am Friedrichs- Hain, gegenüber dem Grundstück Fnedenstr. 34, versuchte Abends ein Arbeiter, sich mittels einer mit Schrot geladenen Pistole zu erschießen. Er verletzte sich bedeutend au der Brust und mußte nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden.— Im Laufe des Tages fanden drei kleine Brände statt. Gerirkiks-HJeitmtg. Ein miszgliicktcS unsittliches Attentat auf ein zwölf- jähriges Mädchen wurde dem Militär-Jnvaliden Oskar Se red in zur Last gelegt, der gestern der ersten Strafkammer des Land- gerichts I vorgeführt wurde. Am Abende des 13. März, gegen 8 Uhr, ging das 12jährige Schulmädchen Anna Wulkow durch die Friedrichsbergerstraße. Es trat ein Mann an das Mädchen heran und bot ihm 16 Pfennige, wenn es einen Brief bei einer Dame abgeben wolle, deren Wohnung der Mann als ganz in der Nähe liegend bezeichnete. Das Kind nahm den Auftrag an, worauf der Mann es auf den Flur eines Hauses führte und es ersuchte, nach der drei Treppen hoch gelegenen Wohnung hinaufzugehen. Dem Kinde wurde ängstlich, es gab dem Fremden das Zehn- Pfennigstück zurück und wandte sich zum Gehen. Der Manu er- griff es, hob es auf seinen Arm, hielt ihm mit einer Hand den Mund zu, um es am Schreien zu verhindern und eilte mit'ihm nach dem auf dem Hofe befindlichen Kloset, welchds unverschlossen war. Hier hielt der Unhold dem Kinde mit einem Tuche den Mund zu, würgte es am Halse, um das Schreien zu ersticken und drohte ihm mit Halsabschneiden, wenn es nicht ruhig sei. Das Wimmern des Kindes war aber doch von einigen Hausbewohnern gehört worden; es wurden Fenster ge- öffnet und der Wüstling zog es vor, von seinem Opfer abzulassen. Das Kind schlüpfte hinaus und eilte angsterfüllt hinaus, der Angreifer flüchtete in entgegengesetzter Richtung. Sein Treiben war aber bemerkt worden, er wurde verfolgt und ergriffen. Vor der Polizei wie vor Gericht be- hauptete der Angeklagte, daß er nicht mit dem Attentäter identisch sei, er habe vielmehr zu den Verfolgern gehört und sei das Opfer einer Personenverwechselung geworden. Der Gerichts- Hof gewann durch die Beweisaufnahme die Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und verurtheilte ihn zu einem Jahre Gefängniß. Eine empfindliche«träfe verhängte gestern die erste Straf- kammer des Landsgerichts I über zwei Personen, welche Zuhälter- dienste geleistet und dadurch die öffentliche Sicherheit m hohem Maße gefährdet hatten. In der Nacht zum 27. März hatte der Kaufmann O. fast seine in der Gitschinerstraße gelegene Woh- nung erreicht, als er von zwei Frauenspersonen angesprochen wurde. Er wies dieselben kurz ab. wurde aber fortwährend be- lästigt, bis er damit drohte, handgreiflich zu werden. Nun blieben die beiden Frauenzimmer zurück, O. bemerkte, daß sich gleich darauf zwei Männer zu ihnen gesellten und beschleunigte seine Schritte. Die beiden Männer verfolgten ihn und holten ihn ein, als er im Begriffe war,'seine Hausthür zu öffnen. Mit den Worten: Du willst Weiber schlagen? Das werden wir Dir besorgen!" fielen sie über ihn her und schlugen mit Instrumenten auf ihn eini Der Ueberfallene setzte sich nach Kräften zur Wehre, bevor ihm aber andere Personen zu tilfe eilen konnten, hatten ihm die Angreifer mehrere blutende opswunden beigebracht. Die letzteren, der Komiker Robert H e i n s d o r f und der Gürtler Georg P a r u s ch e l, wurden zur Haft ßevracht und durch gestriges Urtheil zu einer Ge« fängniß strafe von je e i n e m I a h r e verurtheilt. Unter der Anklage der fahrlässigen Tödtnng stand gestern der Droschkenkutscher Karl Lehmann vor der 3. Straf- kammer des Landgerichts I. In der Nacht zum 18. September v. I. fuhr der Angeklagte mit seiner leeren Droschke durch die Pots- damerstraße. liebermüdet wie er war, schenkte er seiner Um- gebung nicht die nöthige Aufmerksamkeit. An der Ecke der Eichhornstraüe stieß er mit einem ihm begegnenden Pferdebahn- wagen zusammen. Der Anprall hatte die Folge, daß der Scheer- bäum der Droschke ausgehakt wurde und daß die Stränge zer- rissen, jede Verbindung des Pferdes mit der Droschke wurde dadurch aufgehoben und das scheu gewordene Thier stürmte die Straße entlang. Es lief in einen Haufen Menschen, die im Begriffe waren sich gegenseitig zu verabschiede». Der 67 jährige Makler Lcwin wurde von dem Pferde überrannt und von dessen Hufen getreten, der- selbe erlitt eine Menge Verletzungen, die ein widerstandsfähiger Körper vielleicht ertragen hätte, bei dem Alter und der Gebrechlichkeit des Lewin aber dessen Tod zur Folge hatten. Der Angeklagte behauptete, daß die Räder seiner Droschke in den Pferdebahn- schienen festgehalten worden seien und er deshalb außer stände gewesen sei, rechtzeitig dem sehr schnell fahrenden Pferdebahn- wagen auszubiegen. Der Gerichtshof hielt diese Behauptung durch die stattgehabte Beweisausnahme weder für erwiesen, noch eine derartige Entschuldigung für stichhaltig, sondern verurtheilte den Angeklagten zu einer Gefängniß st rase von sechs Monaten. Wegen unbegründeter Versäumnis? des Unterrichts in der Fortbildungsschule zu Sommerfeld war gegen den zu seinem Besuch verpflichteten Maurer Sch. und dessen Lehrherrn ein Strasbefehl erlassen. Die Geldstrafe konnte gegen Sch. nicht voll- streckt werden und so wurde ein Haftbefehl ausgefertigt, mildessen Vollstreckung der Polizeidiener N. betraut wurde. Als dieser de» Sch. aus einem Bau erblickte, forderte er ihn auf, nach dem Polizeibureau mitzukommen. Sch. verlangte zunächst, ihm„etwas Schriftliches" zu zeigen und leistete sodann feiner Fortführung durch den Beamten, der den Haftbefehl nicht bei sich führte, Widerstand. Aus dieser Veranlassung wurde Sch. unter Anklage gestellt. Die Strafkammer bei dem Landgericht zu Guben sprach in der Berufungsinstanz den Angeklagten frei, aus die Revision der Staatsanwaltschaft hob aber der Strafsenat des Kammer- gerichts dieses Urtheil auf und wies die Sache in die Instanz zurück. Wenn der Angeklagte angenommen, der Beamte hätte ohne Vorzeigung des Hastbesehls die Verhaftung nicht bewirken dürfen, so habe er auf seine Gefahr dem Beamten Widerstand geleistet. Eine gesetzliche Vorschrift, daß diese Vorzeigung er- folgen müsse, bestehe nicht und so sei der Widerstand ein un- rechtmäßiger gewesen. DaS Vertheilen von Aufrufen an einem öffentliche» Ort ohne polizeiliche Erlaubniß wird in dein preußischen Preß- gesetz vom 12. Mai 1851 mit Strafe bedroht. Auf grund dieser Bestimmung wurde gegen den Former R. das Strafverfahren eingeleitet. Dieser halte in Glückstadt u. a. auf dem Hausflur einer Gastwirthschaft eine Druckschrist niedergelegt, die, sich an die Bewohner des 6. schleswig-holsteinischen Wahlkreises richtend, Ausführungen über die gegenwärtige Militärvorlage enthielt und aufforderte, einer bestimmten Adresse mitzutheilen, welche Säle für die Abhaltung von Versammlungen zur Ver- fiigung ständen. Die Strafkammer zu Itzehoe verurtheilte in der Berufungsinstanz den Angeklagten und die hiergegen eingelegte Revision wies der Strafsenat des Kammergerichts zurück. Unzweifelhaft enthalte jene Druck- chrift einen Auiruf. Hierunter sei jede an die Oeffentlichkeit gerichtete Aufforderung zur Vornahme von Handlungen zu ver« f Soziale Lteberlicht. Achtung, Maurer Berlins! Auf dem Bau des Unternehmers Prescher, Kurfürsten- Damm, Bahnhof Halensee, haben die Kollegen die Arbeit niedergelegt, weil ihnen der beanspruchte Lohn von 52-55 Pf. pro Stunde nicht bewilligt wurde. Der Maurer Krause und der Polier Elsner arbeiten fort. Zuzug ist fernzuhalten. Die Vertrauensmänner der Berliner Maurer. ftehen. Der Borderrichter habe aber auch ben Begriff des öffent- Inur einzig und allein in die Bersammlung gegangen bin, um fant. Der Schüße hatte ben dünnen Schaft der Fahne mit einem lichen Ortes nicht verkannt, wenn er zu legterem den jedermann fachlich zu diskutiren, wie ich es bis jetzt gethan habe und auch Meisterschuß durchschossen. Wenn diese Erzählung nicht eine zugänglichen Hausflur einer Gastwirthschaft rechne. in Zukunft ftets thun werde. Zu Versammlungssprengungen feiste Reporter- Ente ist, scheint der Roßtrappen- Revierförster nicht lasse ich mich nicht gebrauchen. M. Feder, Tapezier, Straß- gerade ein Wilhelm Tell zu sein, denn für ein treffsicheren burgerstraße 43. Jägersmann ist es bekanntlich kein Meisterschuß, in der geringen Gegenüber dieser Zuschrift bemerkt unfer Berichterstatter, Höhe einer Buche einen Fahnenschaft zu treffen. daß gleich ihm Hunderte der Versammlungstheilnehmer Herrn Ein weiblicher Schreinergeselle. Aus Kopenhagen wird Feder unter der Kolonne gesehen haben, welche wegen Stan- der Frankf. 3tg." geschrieben: Am 28. April ist ein junges balirens aus dem Versammlungslokal hinausexpedirt werden Mädchen, Fräulein Sofie Christensen, als Tischlergeselle mußte. Unentschieden bleibe einzig die gleichgiltige Frage, ob in den Tischlerverband aufgenommen worden, nachdem sie die Herr Feder allein in die Versammlung gegangen, wie von ihm vorgeschriebene Probe glänzend bestanden und ihr Gesellenstück behauptet werde, oder ob er mit dem Trupp der Standalmacher gemacht hatte. Es ist dies das erste Mal, daß ein weiblicher gekommen sei. Aber mitgefangen, mitgehangen, wollte Herr Gefelle hier offiziell anerkannt worden ist. Das 26jährige MadFeder nicht einer Unanständigkeit geziehen werden, so hätte er chen ist die Tochter eines Schiffstapitäns und fühlte schon in ja nur die Leute, welche die nichtswürdige Szene in der Ver- ihrer frühen Jugend große Lust, sich eine selbständige Eristenz zu erringen. Sie trat daher bei einem Tischler als Lehrling ein, fammlung aufgeführt haben, zur Ruhe verweisen fönnen. Lese- und Diskutirklub„ Süd- O". Seute, Donnerstag, den 4. Mat, bildete sich in ihrem Berufe sehr schnell aus und zeigte großen Abends 8% Uhr, bei Toltsdorf, Görligerstraße, Ede Soraueritraße, Sigung. Fleiß und Eifer. Ihr Gesellenstück, ein Bücherschrank, der von Sachverständigen sehr günstig beurtheilt worden, wurde einTagesordnung: Vortrag des Genoffen Massini über Wilhelm Tell. Verband deutscher Barbiere, Eriseure und Perrückenmacher, Bweigverein Berlin. Donnerstag, den 4. Mai, Abends 10 Uhr, Rosenthaler: stimmig angenommen. Die junge Dame reist jezt nach Chicago, um die amerikanische Tischlerei zu studiren. ftraße 38: Mitglieder- Versammlung. Zug Zusammenstok. In Venedig bei Fort Marghera stieß ein nach Bologna abgehender Personenzug mit einem von Südost- Schule, Reichenbergerſtr. 133: Unterricht in Kaufmännischen Mestre kommenden Lastzuge zusammen. Zwei Personen erlitten Rechnen, Korrespondenz und Geschichte. mathematit und Buchführung, tönnen noch Schüler und Schülerinnen, auch Unterricht in Physiologie. In allen Unterrichtsfächern, mit Ausnahme leichte Verlegungen. Mehrere Waggons wurden beschädigt. jest im Laufe des Semesters, eintreten. Achtung, Böttcher! Wegen ausgebrochener Lohndifferenzen ist der Zuzug von Berlin strengstens fernzuhalten. Alle Arbeiter: blätter werden um Abdruck ersucht. H. Winter. Arbeiter- Bildungsschule. Donnerstag Abends 8-10% Uhr: SüdDft Schule, Markusstr. 31: An alle Maurer Berlins und Umgegend. Kollegen, Genossen! Wie Euch aus dem Vorwärts" und" Bauhandwerker" bekannt ist, haben unsere Kollegen auf verschiedenen Bauten einmüthig die Arbeit niedergelegt, weil die Herren Unter- Schule, Martendorferstr. 5( bei Grube): Unterricht in Deutsch( oberes). nehmer sich weigerten, einen Stundenlohn von 55 Pf. zu zahlen. Das energische Handeln dieser wackeren Kampfgenossen ist nur anzuerkennen und berechtigt uns zu der Annahme, daß die Maurer Berlins und Umgegend keine Lust dazu haben, ihre Arbeitskraft an das Ausbeuter- und Bauschwindlerthum noch länger für einen Hungerlohn zu verkaufen. Wollen wir aber den schlimmsten Ausbeutern mit Erfolg entgegentreten, so ist ein wohlüberlegtes planvolles Handeln dringend nothwendig. Die Bausperre zur rechten Zeit angewandt und mit fluger Umsicht ausgeführt, ist immer noch eins von den wirksamen Mitteln, welches die Bauschwindler und auch die ,, ehrbaren Innungsmeister" fürchten wie die Wanzen das Insektenpulver. Tele- u. Diskutirklubs. Donnerstag. Dieggen, Abends 8% uhr, bei Schröder, Wiesenstr. 39. Neue Zeit, Abends 8% Uhr, Bogenftr. 40, bei Gieshoit. Süd- Ost, bei Tolksdorf, Gorauer- und Görligerstraßen Ede. Klub der Freunde" bet Gnadt, Swinemünderstraße 120. basen clever, Abends 8% Uhr, Restaurant Bischof, BaumschulenEmanzipation, Abends 8% Uhr bei Spät, Weinstr. 28 1 Mai= = Mehrere Erdstöße sind am Dienstag Vormittag auf Sizilien in den Ortschaften Randazzo, Bronte, Montalbano und Patti verspürt worden. Schaden wurde nicht verursacht. Depelchen: weg Treptow. Sozialistischer Lese- und Distutirtlub Abends 8 Uhr, Reichenbergerfir. 157, Sigung.- Distutivtlub Beitgeift" jeden Don= nerftag nach dem 1. und 15. des Monats bei Tempel, Langeftr. 65, Abends 8% Uhr. Brüderlich feit" Abends 9 Uhr, im Restaurant Lenz, Alte Jatobftr. 69. Spezial- Telegramme des Vorwärts". In diesen unausbleiblichen Plänkeleien werden aber auch Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend.. Alle Aenderungen im einige Opfer fallen, und es ist daher unsere heiligste Pflicht, die Bereinstalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Manteuffelstr. 70. Dortmund, 3. Mai.( Privat- Telegramm.) Bei der heutigen jenigen Kollegen, welche den Muth dazu haben, den Herren Aus- e. Urban, Annenstr. 9, bet Bros.- Pornblume, Blumenitt. 54, bei Reichstags- Erfahwahl erhielt Genoffe Tölcke 13 310 und der Uebungsstunde 9 Aufnahme beutern entgegenzutreten, und die dann als Aufwiegler" ent- Buttte.- Frühlingsluft, Bülowstr. 59, bei Werner.- Brezelfchluß, Nationalliberale Möller 13 297 Stimmen. Einige unbedeutende laffen werden, nach Möglichkeit schadlos zu halten. Wir haben Annenftr. 16, bet Reßner. Weiße Rose, Reinickendorf, Seefchlößchen bei Morgenroth 1, Rummelsburg, Berlinerstraße 9, bei Friefecte.. Orte fehlen noch. Stichwahl erforderlich.( In der Hauptwahl aber auch ferner die Pflicht, andere Gewerkschaften, die für Ver- Böttcher. Dorfglödlein, Wilmersdorf, Berliner- und Auguststr.- Ecke bei Schulz. befferung ihrer Klassenlage kämpfen, mit Geldmitteln zu unter- inigteit( Sutmacher), Pappel- Allee 3/4. b. A. Meinhardt.- harmonie, 1890 fielen auf Tölde 10 422 und auf Möller 11 815 Stimmen. stützen. Tempelhof, Dorfstr. 10, bei Gerth. Ost- und Westpreußischer Männer Ned. d.„ Vorwärts".) Wir fordern daher alle alten und jungen Kampfgenossen, die Gesangverein, Holzmarktstr. 3, bei Deter.-Gbelweiß, MelchiorBorar, Wienerfir. 31 b. Drügemüller. ftraße 15, b. Stehmann. ( Depeschen des Burean Herold.) zur Beit noch in Arbeit stehen, hiermit auf, an unsere Kriegstasse stöckchen 2, Süd- Ost, Reichenbergerstr. 16 b. Päsold. Freie Sänger, zu denken und jeden Sonnabend auf allen Bauten die Sammerautstr. 6, bet Rudolf. Butunft 3, Velten, bei W. Grunow.- Kreuz- Krakau, 3. Mai. Die in der Zahl von etwa 4000 streifenFichtestraße 29, bei Kräfche. Nordstern, den Arbeiter beharren auf Bubilligung des Achtstunden- Arbeitslungen zum Generalfonds der Maurer Berlins und Umgegend berger armonie Müllerstr. 7 bei Reichardt. Morgengrauen,( Bäcker), 3 bis 5 Uhr vorzunehmen. Nachmittags, Gipsstraße 3 bei Pyrted. Steinfeger Gängerchor, tages und Erhöhung der Löhne. Kastanien Allee 28 bei Maiwald. LiedesEcho, Reichenberger- und London, 3. Mai. Am nächsten Sonntag findet im HydeForsterstraßen Ecke, bei Spindler. Siedertafel Westend, Blumenthal Park eine Maffen- Demonstration für den Achtstundentag statt. ftraße bei Behrendt.- Vorwärts 9, Charlottenburg, Schillerstr. 102 bei Stahl. Gefangverein Abendroth in Deutsch- Wilmersdorf bet ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Mölter. Gesangverein der Stuckateure Berlins und Umgegend, Seydel straße 30 bei Preußer.- Arbeiter- Gesango. Spandau Lynarstraße Restaurant Kiefers. Gefangverein, Vorwärts 2" Schönhauser Allee 28, bei Stuhl Arbeiter- Gefangverein yra 2, Charlottenburg, Gaurstr. 23, bei Lange.- Gefangverein Felsenfest( Gem. Ghor), Badstr. 12, Victoriagarten. Gesangverein Collegia 2( freie Vereinigung der Zivil- Berufsmuster), Neue Gefangverein der Kürschner, Landsberger: Friedrichstr. 44, bei Röllig. straße 31 bei Seehausen. Gesangverein Arion in Wittenberge, bet Goring. Gesangverein Glodenrein( gem. Chor) Kastanien- Allee 95/90. Frohsinn 2, Sammellisten sind bei den nachstehend verzeichneten Vertrauensleuten der Maurer Berlins und Umgegend zu haben. Hermann Puttlig, Belforterstr. 16, tafsirt jeden Sonnabends Abend von 8-10 Uhr Treskow- und DiedenhofenerstraßenEcke bei Schmidt. Julius Wagner, Ritterstr. 122, faffirt jeden Sonnabend von 8-10 Uhr Waldemarstr. 61. August Berndt, Rigdorf, Karlsgartenstr. 17, faffirt jeden Sonnabend Abend von 8-10 Uhr Mittenwalderstr. 43 bei Briefe. Albert Käppel, Arndtstr. 21, kassirt jeden Sonnabend von 8-10 Uhr Blumenthalstr. 5 bei Behrend. Rudolf Eng noth, Oderbergerstr. 15, tafsirt jeden Sonnabend von 8-10 Uhr Veteranenstr. 22 bei Peterson. August Matull, Münchebergerstr. 27, Hof 1 Treppe, faffirt jeden Sonnabend von 8-10 Uhr Rüdersdorferstr. 8, bei Böhl. A. Engnoth, Oberbergerstr. 15, Hof 2 Treppen, tafsirt jeden Sonnabend von 8-10 Uhr bei Wernau, Rosen- und Neue Friedrichstraßen- Ecfe. E. Nölte, Adolfstr. 44, tafsirt jeden Sonnabend von 8 bis 10 Uhr bei Wendt, Köslinerstraße. Frizz Korg, Vertrauensmann für Friedrichsberg, Rummelsburg und Umgegend, tafsirt jeden Sonnabend in Friedrichsberg, Wartenbergstr. 67, bei B. Lange. In der Erwartung, daß alle Kollegen, die es mit sich selbst, mit ihrer Familie, mit der allgemeinen Arbeiter und speziell mit der Gewerkschaftsbewegung ehrlich meinen, in jeder Beziehung das Versäumte nachholen werden, wird hiermit noch dazu aufgefordert, in der am Sonntag, den 7. Mai, Vormittags 10 Uhr, in den Concordia- Festfälen, Andreasstr. 64, stattfindenden öffent: lichen Maurerversammlung Mann für Mann zu erscheinen. Mit solidarischem Gruß Die Vertrauensleute der Maurer Berlins und Umgegend J. A.: Ueckert, Vertrauensmann. Achtung, Dentscher Arbeiter- Turnerbund! Zu dem am 21. und 22. Mai d. J. in Gera stattfindenden ersten Turntag des Deutschen Arbeiter- Turnerbundes" geben wir folgende Tagesordnung bekannt: 1. Bericht der Kommission. 2. Statutenberathung. 3. Wahl des Vorstandes und der Kontrollkommission. 4. Unfallasse. Referent: Schulze- Wurzen. 5. Organ. Referent: Kröber- Gera. 6. Liederbuch. Referent: Genz- Berlin. 7. Anträge aus der Mitte der Delegirten. 8. Verschiedenes. Anträge wolle man so schnell als möglich, spätestens aber bis zum 18. Mai, dem Unterzeichneten zusenden. Derselbe versendet auch an jeden angemeldeten Delegirten den Statutenentwurf und das Programm. Die Zehnertommission. J. A.: Franz Gent, Berlin N., Tresdomstr. 26 a. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. In London haben wieder 3000 Rohlen- und Dockarbeiter die Arbeit sofort niedergelegt, weil an einem Dampfer im Vittoriadock Nicht- Unionisten mit dem Herzuschaffen von Kohlen beschäftigt wurden. Versammlungen. mey. 1 211 " E3 Dortmund, 3. Mai. Bei der heutigen Reichstags- Erfah wahl an Stelle Möllers( nationalliberal) erhielten wie die Dormunder Zeitung" meldet Möller 12 561 Stimmen, Eickhoff ( deutschfreisinnig) 1546 Stimmen, Lensing( Zentrum) 10 486 St., Tölcke( Sozialdemokrat) 12 684 Stimmen, Kohn( Demokrat) 245 Stimmen, König( Antisemit) 525 Stimmen. Eine Stich Fraße 6.- Alpenrose, Grenzstraße 16 bet Seibel. Steinnette, Röslinerstraße 17. Sängerrunde, Admiral wahl zwischen Möller und Tölde gilt für gewiß. Hull, 3. Mai. Neuerdings zerstörte eine durch BrandFriedrichsberg- Lichtenberg, Frantfurter Chauffee bei Müller. Treu und stiftung hervorgerufene Feuersbrunst die am 23. April schon eft, Lebuferstr. 5 bet Nemiz. Gefangverein Brüderfchaft( Haus einmal abgebrannte Schneidemühle, welche inzwischen von nichtDiener), Stallschreiberstr. 29,3um eisernen Stab". Gesangverein Freundestreue( gem. Chor), Landsbergerstr. 31 bei Seehaufen.-Brauer- Gesangverein unionistischen Arbeitern wiederhergestellt worden war. Gerstenähre, Neue Friedrichstr. 20 bei F. Keller. Gesangverein Ein- wurden 8 Häuser in Asche gelegt. Die Streifenden erklären, tracht 2, Neu- Glienice, Rudowerstraße bei Hasdorf. Fris" Naunynftraße 86, bei Frig Zubeil. Waldesgrün"( gem. Thor) Böchstr. 8 sie seien entschlossen, 6 Monate hindurch Widerstand zu leisten. Dundee, 2. Mai. Der Streit der Jute- Arbeiter infolge Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. der 5prozentigen Lohnherabsehung nimmt zu. 19 000 Arbeiter Ane Zuſchriften den Bund betreffend find zu richten an: 3 gentel feiern. Die Streitenden zogen heute mit Musit durch die Bergmannstr. 21, Hof 3 Tr. Donnerstag: Bergnügungsverein Bruder Rauchflub Graue Wolte, Krautstr. 48. bund, Andreasstr. 3 bet Noll. Musitverein Osiris, Adalbertstr. 21. Geselliger Verein Grüne Giche( vor dem Salle'schen Thor), Solmsstr. 1 bei Razorte. Bimmers Regel Klub Schüßenverein Fein Korn, Boechstr. 51 bet latt. Lustige 13", Wienerstr. 1 bei Boll. Vergnügungsverein Jugendlust, Bhmgaffe 2 bet rebs.- Rauchflub Frisch auf, Koppenstr. 43 bet Lorenz. Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Donnerstag. MännerGesangverein Alt Deffau, Abends 9 Uhr, bei sind, Wrangelstr. 91. Gesangsabtheilung des sozialdemokratischen Arbeitervereins für Weißensee und Umgegend. Donnerstags und Sonnabends Abend; bei Müller( Pfeifenmüller), Königs- Chauffee. Männer Gesangverein Tyrolienne, Abends 9 Uhr bet Fausimann, Reichenbergerstr. 73a. Gefangverein Gio den rein, gemischter Chor, jeden Donnerstag von 9 bts 11 Uhr bet Snapp, Kastanien- Allee 95/96. bei A. Moewes. Theater- Verein„ Bultanta 2" 9 Uhr, Borstädtisches 1 der alten Straßen. London, 8. Mai. General Sir James Dormer Oberbefehlshaber der Truppen in Madras, ist seinen türzlich aus einer Jagd von einem Tiger erhaltenen Wunden erlegen. London, 3. Mai. Heute Nachmittag fand unter Vorsitz des Lord- Mayor in der Guildhall ein Meeting gegen die HomeruleBill ftatt. An demselben nahmen Vertreter der Handels, Finanz- und Industrie- Institute Theil. Der Saal war überfüllt. Die Mehrzahl der Börsenmitglieder, etwa 1200 an der Bahl, begaben sich in Prozession mit Fahnen und unter Gesang des„ Rule Britannia" nach der Guildhall und hielten die Umgebung gegen die Gladstoneaner befeßt, welche angeblich eine Gegendemonstration beabsichtigten. Privat- Theaterverein, Fideler Geist 2", Abends 9 Uhr, im Märkischen Hof, Admiralitr. 18. Kasino, Ackerstr. 144. Turnverein Gesundbrunnen( Lehrlings- Abtheilung) turnt Montag London, 3. Mai. Unterhaus. Zweite Lesung der Bill be und Donnerstag Abend von 8-10 Uhr, in der Turnhalle, Pantstr. 26. Geselliger Klub Blau- Weilchen, Abends 9 Uhr, Restaurant Lehmann, treffend die Beschränkung des Arbeitstages in den Bergwerken Naunynstr. 44. Berein ehemaliger 22. Gemeindefchüler, punti auf acht Stunden. Dieselbe enthält die Bestimmung, daß jede 9 Uhr bei Schröder, Stegligerstr. 18. Pfropfenverein Webbing, Abends Kontravention seitens der Arbeitgeber mit einer Geldstrafe bis zu Bergnügungs- Verein Renata 9 Uhr, 2 Pfund zu belegen sei. Der Deputirte D. Thomas beantragte ½ Uhr, bei Helterhoff, Antonſtr. 5.Abends im Stestaurant Göy, Oranienstr. 153. Gejangverein Proletariat ( gem. Chor) Abd. 9 Uhr, Uebungsstunde b. Möwes, Böchstr. 8.- Geselliger Verein Verwerfung der Bill. Premierminister Gladstone erklärte, sollte Frage nicht als Parteifrage behandelt univerfum, Sigung mit Damen Abends 9 Uhr b. Hagemann, Lothringer diese Geselliger klub straße 81. Vorträge, Fidelitas. Moabiter, Stephanjir. 23, bet Bittto, jeben Donnerstag um 8% the veniren; aber die Mehrheit der Minister werde für die zweite werden. Die Regierung fönne als solche nicht interjeden Donnerstag nach dem 15. im Monat Sigung mit Damen. Geselliger Verein universum, Sigung Abends 9½ Uhr, im Restaurant Neumann, Lesung stimmen. Auch er selbst werde dafür stimmen, weil er Linienstr. 19: Vorträge, Fidelitas. Verein Gemüthlichkeit und Klub Sumor, Abends 9½ Uhr, Lothringerstr. 105: Geselliges Beisammensein mit, sich überzeugt habe, daß eine sehr bedeutende Mehrheit der BergDamen, Fidelitas und Tanz. Männergesangverein Sangesfreunde leute für die Vorlage sei. Die Vorlage müsse jedoch bei der Abends 9-11 Uhr, Paßenhofer Ausschant, Landsbergerstr. 82. Berein Einzelberathung dahin abgeändert werden, daß das Gesetz in den Waldesgrün, Abends 9 Uhr Sigung bei Nebelin, Langestraße 108. 3ither tiub Gleichheit, jeden Donnerstag, 9 Uhr Abenos, bei H. Rei- Distrikten, in welchen die Majorität der Bergleute gegen dasselbe mann, Alte Schönhauserfir. 42. Privat Theaterverein Crescendo bet sei, nicht in Kraft treten solle, und ferner dahin, daß die Geld= Maißner, Gartenstr. 162: Sigung mit Damen. strafe nicht ausschließlich auf die Arbeitgeber angewendet werde. Rauchtlub Kollegia, Abends 9 Uhr, in Bernhardt's Deftillation, Anderenfalls tönne er nicht für die dritte Lesung der Bill Staligerstr. 41, Rauchflub Waldesgrün, Abends 8% Uhr, Restaurant Nauchflub Ohnesorge, Abends 9 Uhr stimmen. A. Gaspar, Reichenbergerstr. 113a. Restaurant Buder, Gräfestraße 18. Rauchklub Kernipige, Abends 8% uhr, bei A. Böhl, Rüdersdorferstr. 8.- Rauchklub Arabi Pascha, Klub Ohneftreit, Abends 9 Uhr, bei Berndt, Perlebergerstr. 17. Abends 9 Uhr Springstubbe's Restaurant, Manteuffelstr. 67. Rauchflub Süd West, Abends 9 Uhr, Simeonstr. 28 bei Flick. Theaterverein Mai= glöckchen, Englischer Hof, Neue Roßstr. 3. Rauchtlub Brüderlichfeit, von 9 bis 11 Uhr bei Stabernac, Pücklerstraße 49. Rauch tlub Nordstern, jeden Donnerstag nach dem 15. im Monat bei E. Heinicke, Friedrich- Karlstr. 11, Friedrichsberg. Rauchklub Eldorado, Abends 8% Uhr, Restaurant W. Schulze, Ofbahnhof 7. Rauchklub Su matra, Abends 8½ Uhr, im Restaurant Krause, Gitschinerstr. 93. 1 -1 Statflub Tournee, Abends 8% Uhr, bei üürich, Wrangelfir. 84. Stat flub tüc wärts, Abends 8% Uhr bei Arndt Pallisadenstr. 47. Stat tlub Gordischer Knoten Abends 9 Uhr, bei Schilling. Ruderverein Vorwärts. Sigung Abends 8 Uhr, bei Bodenburg Gäste willkommen. Schießtlub Zeit Kommandantenftr. 10-11. Abends 8 Uhr bei Nagel, Schwedterstr. 23. Vermischtes. Ein neuer Dr. Eisenbart. Bayerische Blätter berichten Briefkaffen der Redaktion. E. S., Eberswalderstraße. Wir bitten Sie, dieser Tage zwischen 7 und 8 Uhr Abends in der Redaktion vorzusprechen. F. K., Rigdorf. Nennen Sie uns Zeugen, welche bestätigen tönnen, daß der Vorgang sich in der von Ihnen geschilderten Weise abgespielt hat. . Die Freie Vereinigung der Kutscher und aller im FuhrHeldenthat, Waisenkind. Anonyme Zuſchriften können wesen beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend hatte am nicht berücksichtigt werden. 23. April eine Versammlung. Ein von Timm gehaltener VorW. Sch., Rummelsburg. Wir haben Ihnen erst vor einigen trag wurde mit Beifall aufgenommen und von den Mitgliedern Tagen im Brieftaften bedeutet, daß wir Ihren Namen und Der Rang, Schulz, Böttcher und Muckwer lebhaft diskutirt. Adresse haben müssen, bevor wir auf Ihre Zuschrift eingehen. Kassirer Böttcher verlas sodann die Abrechnung, welche von den P. W., Stellmacher. J. S., Tischler. Bringen Sie Mevisoren bestätigt wurde. Die von der Versammlung hierauf den von Ihnen geschilderten Fall zunächst in Ihrer Organisation vollzogenen Vorstandswahlen hatten folgendes Resultat: Zum zur Sprache. ersten Borsigenden wurde Böttcher neugewählt, zum Rassirer Hoffmann. Großjährigkeit tritt mit Vollendung des Schulz, zum Schriftführer Schmidt, zu Beisigern Rang und aus Dettingen: In einer hiesigen Gastwirthschaft faßen mehrere 21. Lebensjahres ein. Die Ausdrücke großjährig"," volljährig" Kramp. Mehrere Kollegen ließen sich in die Organisation auf- Gäste und ließen sich neben dem Bier auch einen Häring prächtig und majorenn" bedeuten dasselbe. Die Großjährigkeit nehmen. schmecken. Plötzlich fing einer, der ein grätiges Stück hastig ver-( Majorennität oder Volljährigkeit) tritt ohne behördliche AnEine Agitationstour unternahmen am 16. April etwa 40 Ge- schluckt hatte, zu teuchen und zu pusten an, denn es war ihm ordnung ohne Weiteres mit Vollendung des 21. Lebensjahres noffen aus Schöneberg und Steglit nach etwa 17 im Teltower daffelbe im Schlund stecken geblieben. Schnell entschlossen nahm ein. Man tann bereits nach Vollendung des 18. Lebensjahres Kreise belegenen Ortschaften. In den meisten Orten fanden die ein anderer Gast den am Kasten hängenden Cylinder durch Beschluß des Vormundschaftsgerichts für Genossen eine freundliche Aufnahme, nur in Stahnsdorf, Gröbenwischer und fuhr dem Erstickenden ein paar Mal träftig im großjährig erklärt werden. und Großbeeren hatten sie den bekannten Kampf mit geistigen Halse auf und nieder. Mit dankbarem Aufblicke und dem erleichternden Rufe:" Ah! Jezt ist's drunten!" vergalt der Be Waffen zu bestehen. drohte seinem Lebensretter die Radifalfur. In Finsterwalde wählte eine Boltsversammlung den Genossen& lasang zum Delegirten für die brandenburger Parteitonferenz. R. N. 1000. Ob jemand zur Steuer veranlagt werden fann und von wann ab, hängt lediglich davon ab, ob der Betreffende Einkommen hatte oder nicht. War er Soldat, so ist ja dennoch nicht ausgeschlossen, daß er selbständiges Einkommen aus Kapitalvermögen, Grundstücksbesitz u. f. w. Danach ist die Wette also weder mit Ja noch mit Nein zu beantworten. Gueisenaustr. 21. Der Wirth darf ohne Erlaubniß de3 Miethers deffen Wohnung nicht betreten, es sei denn, daß der Vertrag ihm dies Recht einräumt. Eine Maifest Episode erzählt die bürgerliche Bresse aus dem Harz. Auf einer der höchsten Buchen der Roßtrappe hatte ein tapferer Kletterer zur Maifeier eine rothe Fahne angebracht, Wir erhalten folgende Zuschrift: Zu meinem größten die die Inschrift trug: Hoch lebe die Sozialdemokratie." Der Erstaunen lese ich heute im Vorwärts", daß eine Sprengkolonne Revierföriter hatte den Thäter nicht abfassen fönnen. Als nun unter Führung des bekannten Feder in der Volksversammlung drunten im Thale die Dampfpfeife mit ihrem dumpfen Ton um Alwin bei Pirna. Ihr Verwandter würde der Gefahr des 5. Wahlkreises erschien, und die Versammlung zu sprengen 8 Uhr die Frühstücksstunde verkündete, richteten sich die Augen fuchte". Im ersten Augenblick wußte ich nicht, was ich dazu von hunderten rauchgeschwärzter Gestalten nach oben hin zu der entgegengehen, die wahrscheinlich schon in contumaciam erfagen sollte. Zur thatsächlichen Berichtigung erkläre ich:" Daß Flagge über dem grünen Buchenwald. Plöglich aber trachte da kannte Strafe von etwa 300 m. bezahlen und ferner na ch Die inzwischen auswärts vermeintliche ich allein in die Versammlung kam, daß ich nicht die Absicht oben ein Schuß! Man sah von unten, wie das rothe Wahr- dienen zu müssen. hatte, irgend welche Störungen hervorzurufen, sondern, daß ich zeichen wankte und langsam in das grüne Blättermeer hinab- Staatsangehörigkeit nüßt ihm leider nichts. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. い