Ur. 234. nbonnementS'ßedingungen: Lbonncmcnls- Preis pränumerando i Bicrtcljährl. 330 SHtf., mvnatl. 1,10 Mk„ köchcnllich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg, Post- Slbonncment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post< Zcilungs- Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnemcntS ncdmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 36. Jahrg. Crttttot Wich anftr montags. Verlitter Volksblnkt. öle sniertionz-i-ebiih? Befragt für die sechSgefpaltenc Kolone!» gelle oder deren Raum M Pfg,, für politische und gewerlschasiliche Vereins- und Verfammlungs-Anzeigen La Pfg. „Uteine Anreizen", das erste(fett- gcdrucklef Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» ficllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpcdiüo» ist bis 7 Uhr abends geöffnet, � Telegramm- Adresse: „Soalalt!iiilOtffat Bcrlia", Zentralorgan der fozialdemohrat» feben Partei Deutfcblande. Redaktion: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8Z. Sonnabend, den 25, September 1909. Expedition: SM. 68, Lindcnstraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984, Parteigenosse«! Der Leipziger Parteitag hat einen für die Partei sehr erfreulichen Verlauf genommen. Die Beratungen, die er gepflogen, die Beschlüsse, die er gefaßt hat, entsprachen dem Geiste, der bisher die Partei beherrschte und ihr die Erfolge sicherte. Nunmehr tritt an uns die Aufgabe heran, im Sinne dieser Beratungen und Beschlüsse zu wirken, um neue Erfolge zu erzielen. Das verflossene Geschäftsjahr hat der Partei eine nicht unerhebliche Zahl neuer Mit- glieder zugeführt, aber wie der Bericht des Parteivorstandes nachweist, war dieses Wachstum vorwiegend der außerordentlich erfreulichen Steigerung der Zahl der weiblichen Mitglieder der Partei zu danken, während die Zahl der männlichen Mitglieder nur langsam wuchs. Dieser Rückgang wird erklärt durch die Schwere der Krise, die die Arbeiterklasse hart traf. Aber die proletarische Reservearmee, die heute noch außerhalb unserer Organisation steht. ist leider eine sehr große. Wenn auch Zehntausende durch die Krise der Organisation verloren gingen, so hätten anderseits Zehntausende gewonnen werden können. Es ist bedauerlich, daß teilweise selbst die ersten Zentren der Partei eine Abnahme statt einer Zunahme an männ- lichen Parteimitgliedern erfuhren. Dasselbe ist von der Abonnentenzahl der Parteiblätter zu sagen. Hier sind vielfach Rückgänge zu verzeichnen, die ersetzt werden können und müssen. Nach beiden Richtungen hin müssen die Genossen die günstige Agitasionsperiode, der wir in der jetzigen Jahreszeit entgegengehen, auf das nachdrücklichste ausnutzen zum Besten der Partei. Kein Rückschritt! Fortschritt sei die Losung l Ist es wahr, was wir uns alle sagen, und was die stattgehabten Ergänzungswahlen zum Reichstag bestätigen, daß die Stimmung der Massen infolge der vöm niedrigsten Klassen- cgoismus diktierten Steuerpolitik der bürgerlichen Parteien, uns wie selten günstig ist, dann dürfen auch die Erfolge nicht ausbleiben, die in der Vermehrung der Zahl der organisierten Parteigenossen und in der Steigerung der Leser unserer Parteiblätter sich ausdrücken. Keine öffentliche Versammlung darf vorübergehen, in der nicht in diesem Sinne gewirkt wird. In Anbetracht dieser großen Aufgaben darf die Werbekraft der Partei nicht durch Neinliches Parteigezänk beeinträchtigt werden, das die Parteigenosse� erbittert und die Stoß- krast der Partei schädigt. Sachliche Differenzen erörtere man sachlich, persönliche Differenzen gehören nicht in den Kreis öffentlicher Erörterungen. Parteigenossen l Der Parteitag zu Leipzig hat unter einstimmiger begeisterter Zu- stimmung beschlossen, den Branntweinboykott zu verhängen. Wir wollen dadurch nach zwei Seiten wirken. Es soll dem die Gesundheit und geistige Leistungsfähigkeit aufs schwerste schädigenden Fuselgennß nach Möglichkeit Einhalt getan werden, es soll ferner unseren Schnaps produzierenden Junkern, die erst wieder im Reichstage mit Hilfe ihrer Freunde in den bürgerlichen Parteien einen Raubzug ersten Ranges auf die Taschen der Branntwein trinkenden Bevölkerung unternommen haben, dieser Raub nach Kräften vergällt werden. Da ivir damit eine Verminderung der Einnahmen aus dem Branntwein und zugleich eine Verminderung der Reichseinnahmen für Rüstnngszwecke herbeiführen, wird der Brannt- Weinboykott zu einem mahnenden Protest gegen die die Massen aussaugende Politik der indirekten Besteuerung, die zugunsten der fast gänzlichen Steuerfreiheit der besitzenden Klassen im Reiche herrscht. Das erste Flugblatt betreffend den Branntwcinbohkott wird in den nächsten Tagen fertiggestellt sein und den Parteiorganisationen zur Massenverbreitung übersendet werden. Mit der Massenverbreitung von Flugblättern muß'aber die Aufforderung zum Branntwein- boykott in der Parteiprcsse und in allen Versammlungen fortdauernd wiederholt werden. Wir müssen für diesen Boykott mit ganzer Energie arbeiten. Parteigenossen I Vergessen wir nicht einen Augenblick, daß wir eine ungeheure Arbeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zu leisten haben. Für unsere Aufrüttelungs- und Aufklärungsarbeit ist noch ein sehr weites Feld vorhanden. Unterstützt die Jugend in ihrem Streben nach Erkenntnis Und Aufklärung, agitiert mit allen Kräften in den bevorstehenden Wahlkämpfen, kurz, nützt die Situation nach jeder Richtung ans. Wir dürfen nicht rnhvn und rasten. Die Familie, die Werkstatt, die Fabrik, die Arbcitstätte zu Wasser und auf dein Lande sei unser Werbegebiet. Unser nächstjähriger Rechenschaftsbericht muß noch viel erfreulichere Resultate aufweisen, als der letzte. An Kraft, Ausdauer und Opfermut darf es uns in unseren Kämpfen nicht fehlen. Begeisterung muß uns zu unserem großen Ziele führen, dessen Erreichung die Menschheit von Elend und Not, Unterdrückung und Ungerechtigkeit befreien wird.„Nicht zählen wir den Feind, nicht die Gefahren all!" Gegen eine Welt von Feinden marschieren wir zum Sieg! parteigenof fen! Hn's Merk!— Bocb die dozialdcmobfatic I Berlin, im September 1909. Der Darteworstand: Bebel, Eberl, Gerisch, Liepmann, Molkenbnhr, Müller, Pfannknch, Singer, Wengels, Zieh. Parteigenossen! Die Konstituierung des Parteivorstandes ist erfolgt. Die Adresse des Parteivorstandes ist wie bisher W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenftr. 69. An diese Adresse sind sämtliche für den Parteivorstand be- stimmten Zuschriften und Drucksachen zu richten. Alle Geldsendungen sind nur an den Parteikasfierer A. G e r i s ch. Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, zu adressieren. Alle Zuschriften betreffend die Frauenagitation sind an O. Baader, Berlin SW. 63, Lindenstraße 3, zu richten. Die Adresse des Bildungsausschusses lautet wie seither: H. Schulz, Berlin SW. 68, Lindenstraße 8. Zur Kontrolle des Parteivorstandes und als Bcschwerdeinstanz ist die aus neun Personen bestehende, im Z 20 unseres OrganisationS- statuts vorgesehene Kontrollkommission gewählt. Dieselbe hat sich im Anschluß an den Parteitag in Leipzig konstituiert und sind alle Zuschriften für dieselbe an A. Kaden, Gohlis bei Dresden, zu richten. » Der Leipziger Parteitag hat dem OrganisationS st atut der Partei eine neue Fassung gegeben. Den Parteiorganisationen gehen eine Anzahl Exemplare des neuen Statuts in einigen Tagen zu. Die neuen Bestimmungen in§ 5 des Statuts treten am 1. April 1910 und die übrigen Bestimmungen dieses Statuts am Tage der Veröffentlichung in Kraft. Das neue OrganisatioitSstatut wird die Partei fördern bei der Erledigimg der großen Aufgaben, die von der deutschen Sozial« demokratie zu lösen sind. Der Parteivorstand. slochwsls: Volitsichullehrer und Stadtfrciiinn. In der Debatte über die angebliche„Lehrerfreund- lichkeit" des Berliner Stadtfreisinns tut die „Freisinnige Zeitung", was wir von ihr erwartet hatten. Sie gefällt sich weiter darin, den Spitzbuben- kniff zu üben, mit dem sie die Aufmerksamkeit von dem be- drängten Freisinn hatte ablenken wollen. Noch einmal be- müht sie sich, ihren Lehrern vorzuschwatzen, daß hinter der Aeußerung, die im Jahre 1903 der Stadtverordnete Genosse Dr. Bernstein über die vermeintlich„Nimmersatten" Lehrer getan hatte, tatsächlich die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordnetenversammlung gestanden habe. Solche Albernheit des Freisinnsorgans wird überall nur ungeheuere Heiterkeit wecken. Gegenüber unserer Feststellung, daß jene Bernsteinsche Aeußerung gerade von freisinnigen Stadtverordneten in der Sitzung durch öffentlich zustimmenden Zwischenruf und nach der Sitzung durch privatim geäußerte Anerkennung ge- billigt worden sei, hat die„Freis. Ztg." nur die lahme Ausflucht einer Anzweifelung. Uns wirft sie vor, verschwiegen zu haben, daß damals der freisinnige Stadtv. Kreitling Sie Aeußerung Bernsteins sofort festgenagelt und ihr nainens der Freisinnigen widersprochen habe, während kein Sozialdemokrat dagegen gesprochen habe. Was soll denn da zu„verschweigen" sein!? Daß der Freisinn, wenn er Lehrerfreundlichkcit bekunden soll, mit Worten nicht kargt— nun, das ist ja hinreichend bekannt und war auch durch uns noch hervorgehoben worden. Weder durch die schönen Versprechungen der Wortführer des Freisinns noch durch die frechen Schwindeleien der„Freis. Ztg." kann der Mangel der Tat verdeckt werden, durch den der immer zum Bremsen bereite Stadtfreisinn sich einen Namen gemacht hat. Der höhnende Titel„ K 0 ni in u n a l l i b e r a l i s m u s" ist einst in Lehrerkreisen geprägt worden, und treffen sollte er den gerade in der Lehrergehaltsfrage immer wieder hervortretenden Widerspruch zwischen der Fülle freisinniger Worte im Landtage und dem Mangel freisinniger Taten in den Kommunen. � Will die„Freis. Ztg." die Haltung der Freisinnigen und der Sozialdemokraten zur Lchrcrgchaltsfrage durchaus mit Zitaten beleuchten, so sind wir in der Lage, ihr zur Ver- vollständigung ihrer Zitatensammlung noch ein paar sehr charakteristische beizusteuern. In diesem Jahre 1909, als die Berliner Stadtverordnetenversammlung über die aller- neueste Gehaltsregelung für die Gemcindeschullehrer beriet, wurde am 24. Juni in der ersten Lesung der Magistrats- Vorlage vom freisinnigen Stadtverordneten Cassel die„vom Magistrat genommene Initiative" gepriesen und eine„epoche- machende Verbesserung der Gehälter und Lehrkräfte" an- gekündigt.„Bravo!" bestätigten seine Freunde, aber der sozialdemokratische Stadtverordnete Bo r g m a n n kennzeichnete folgendermaßen die magistratliche Initiative und die epoche- machende Verbesserung: „Ich habe den Eindruck gehabt, als wenn bei der Abfassimg der Borlage nicht so sehr mit dem Herzen und mit Liebe gearbeitet worden sei, wie man das erwarten mußte.... Bei den Gehalts- festsetzungen für die Lehrer ist immer ein gewisser Druck von �lußen oder ganz besondere Umstände die Veranlassung gewesen, die, wie in diesem Fall, eine Aendernng hervorgerufen haben." Borgmann stellte fest, daß durch gesetzliche 3tege- l u n g der Lehrergehälter diese Ncuorcnung nötig geworden sei. Aber trotz den Verhandlungen im Landtag sei leider„die größte Stadt der Monarchie zu dem Entschluß gekommen, die Ortszulage nicht in vollem Umfang in die Gehaltssestsetzung der Lehrer hincinznarbeiten, anstatt 900 M. nur 750 M. zu setzen". Wolle man für die Lehrer auf eine gewisse Zeit Ruhe schaffen, so müsse man ihren Wünschen annähernd Rechnung tragen. Als hier in den Reihen der Freisinnigen gelacht wurde, fuhr Borgmann fort: „Ich höre hier ein ledhaftes Lachen. Ich möchte wissen, mit welcher Berechtigung Sie lachen. Ich erinnerc daran, daß Ihre Vertreter im Parlament die Forderung der Lehrer, mit den Sekretären der allgemeinen Verwaltung gleichgestellt zu werden, so warm vertreten haben, das; ich nicht verstehen kann, wie Sie, die Sie sich zu den Parteigenossen des betreffenden Abgeordneten rechnen, wagen können, bei einer solchen Aenßerung zu lachen."(Sehr gutl) Wie dann die„epochemachende Verbesserung" unter Cassels Führung zustande kam, das ist noch in frischer Er- innernng und gibt seit drei Monaten der pädagogischen Presse immer weiteren Anlaß, dem Berliner Stadt- freisinn seine„Lehrerfreundlichkeit" unter die Nase zu reiben. Daher jener Schmerz der„Frcis. Zeitung"— und daher ihr verlogener Schwatz über„Volks- schullehrcr und Sozialdemokratie". Zchiichiitg zur Strecke gebracht! Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts in dem Disziplinar- verfahren gegen den Bürgermeister Dr. Schücking ist am Freitag verkündet worden. ES lautete: Unter Ablehnung sämtlicher Beweisanträge wird der Angeklagte zum Verlust des Titels Bürgermeister und eines etwaigen Pensionsanspruchcs verurteilt. In der Begründung führte der Präsident aus: Es ist nicht zutreffend, daß der Einleitungsbcschluß keine Anschuldigungs- punkte enthalten hat. In dem EinleitungSbeschlutz werden die Zeitungsartikel und das Buch angeführt; damit sind dem An- geklagten keine Gesinnungen, sondern Handlungen zur Last gelegt. Außerdem ist das Verfahren ergänzt worden. Der Standpunkt der Anklage ist nicht verändert worden, und das Ver- fahren ist somit gültig. Die gerügten Mängel der Beweiserhebung können keine Ungültigkeit des Verfahrens verursachen. Das Aus- scheiden aus dem Am: ist bedeutungslos, sondern es ist so zu urteilen, als ob der Beamte sich noch im Amte be fin d e t! Die Anonymität gibt keine Deckung für das Disziplinarverfahren. Auch außeramtlich wird Verantwortung gefordert. Die Schrift verträgt sich nicht mit dem Amt, die freie Meinungsäußerung findet für den Beamten Schranken in de» Amtspflichten. Die Meinungsäußerung fällt unter politische Betätigung. Hier hat das Oberverwaltungsgericht für den Beamten Schranken gezogen. Auch a u ß er d i e n st li ch hat der Beamte die Treuepflrcht, die Pflicht der rücksichtsvollen Achtung gegen andere Beamte, die Pflicht, Handlungen zu unterlassen, die ihm das Vertrauen nehmen. Die Pflicht zur Treue gegen das Staatsoberhaupt ist geblieben auch nach Einführung der Verfassung. Der Angeklagte kann sich auch nicht mit der Wissenschaftlichkeit seiner Schrift entschuldigen. Der Gerichtshof läßt es un- erörtert, ob die Schriften wissenschaftliche sind. Jedenfalls sind sie es nicht insofern, als parteileidenschaftliche Artikel vorliegen. Es handelt sich um parteipolitische Tendenzschriften, und deshalb ist dieser Prozeß auch ein politischer. Auch daß der Angeklagte außeramtlich seine Schriften geschrieben hat, schützt ihn nicht vor Verantwortlichkeit. Verletzung der Ehrerbietung gegen den Landesherrn ist nicht an- genommen worden, sondern lediglich, daß die Bemerkungen über ihn unpassend und taktlos seien. Dem Angeklagten ist geglaubt worden, daß er weder Vorgesetzte noch gleichstehende Beamte hat verletzen und ein System hat angreifen wollen. Dagegen liegt eine schwere Verfehlung des Angeklagten vor in der Erwähnung des Regierungsrat v. Keller aus Sudennanns„Heimat". Der An- geklagte wollte offenbar einen Typ des sittlich minderwertigen höheren Verwaltungsbeamten aufstellen. Selbst ivenn sich in Preußen der eine oder der andere finden sollte, genügt das nicht, um von einem Typ zu sprechen. Hier liegt also eine schwere Beleidigung höherer Verwaltungsbeamter vor. Es ist nicht angenommen worden, daß der Angeklagte falsche, entstellte Tatsachen behauptet hat, die nach Z 132 St.-G.-B. verfolgt werden konnten. Er hat jedoch in tendenziöser parteipolitischer Weise StaatSeinrichtungen herabgewürdigt in einer großen Anzahl seiner Ausführungen. Es bleibt dem schrist- lichen Urteil vorbehalten, dies im einzelnen auszuführen. Der Beweisantretung, ob die einzelnen Tatsachen richtig feien, bedurfte eS nicht. Verallgemeinerungen, Uebertreibungen. Eni- stellungen lassen erkennen, daß eS sich um subjektive Parteitendenzen handelt, die als m a tz l o s e bezeichnet werden müssen. Der Unbefangene hat den Eindruck, daß es in, Staatswesen völlig verrottete Zustände gäbe. Das Vertrauen zum Staat und zu den Beamten wird erschüttert, wie auch die Preß- stimme» ergeben. Eine derartige Wirkung konnte dem Angeklagten nicht entgehen. AIS Leiter eineS Gemeinwesens hatte er an der Aufrechterhaltung der Autorität und des Vertrauens zum Staat und zu seinen Beamten mitzuwirken. Der Angeklagte hatte die Pflicht, alles zu unterlassen, was zur Schmälerung der Autorität im Staats führen kann. S�r Angeklagte hat nun die Grenzen politischer Betätigung weit überschritten und sich deshalb schwerer disziplinarer Verfehlungen schuldig gemacht. Im Gegensatz zur Anklage hat das Oberverwaltungsgericht bei dem Angeklagten keinen Mangel an Wahrhaftigkeit angenommen und auch keinen Mangel an Ueberzeugungstreue, auch nicht, daß der Angeklagte sich der Verantwortung entziehen wollte. In der Plewkaaffäre ist dem Angeschuldigten geglaubt worden, auch die Affäre Hilbrecht ist dem Angeschuldigten nicht zur Last gelegt worden. Aber wegen der Maßlosigkeit der Angriffe, vor allen Dingen aber lvegen der Wirkung der Angriffe in der Oeffentlichkeit. wegen der Erschütterung der Autorität, in deren Erhaltung der An- geklagte vorbildlich sein sollte, konnte der Angeklagte im Amt nicht gelassen werden. Die gesetzlichen Folgen in bezug auf die Kosten ergeben sich von selbst. Daß das Urteil ander? ausfallen würde, war natürlich nicht anzunehmen. Wer da weiß, wie sehr sich unsere Justiz solidarisch fühlt mit unserer Bureaukratie. wie sie Fleisch von ihrem Fleische ist, Geist vom Geiste der borussischen Reaktion, konnte sich von vorn- herein nicht der leisesten Illusion hingeben. Auch der Freisinn nicht! Er wußte, daß da einer der besten und mutigsten seiner Leute niedergehetzt wurde. Er kannte den Ausgang der Affäre, mußte ihn kennen. Und dieser Freisinn tat nichts, um das Zurstreckebringen eines der besten seiner Leute zu verhindern! Er ließ schwachmütig, lammSgeduldig dem Verhängnis seinen Lauf. Daß Dr. Schücking so sang- und klanglos „erledigt" werden konnte, ist nicht zuletzt der namenlosen Feigheit deS Freisinns zu danken. Vergebens harrte man im Landtag auf die Interpellation Schücking! Einen Vorstoß gegen die reaktionäre Vergewaltigung eines liberalen Bürgermeisters riskierte der Freisinn nicht, um es nur ja nicht mit seinem konservativen Blockgenossen zu verderben. Kaum daß der Feisinn sich nebenbei zu etlichen schüchternen Be- merkungen zur Affäre Schücking aufschwang. So kam eS denn, daß das Verhängnis ruhig seinen Gang ging, daß in der Person SchückingS jeder liberalen Regung eines Gemeinde- beamten der Todesstoß versetzt werden konnte. Daß der liberale Bürgermeister Schücking zur Strecke gebracht und damit jeder schüchterne liberale Versuch, den ostelbischen An- maßungen gegenüber das Recht der kommunalen Selbstverwaltung zur Geltung zu bringen, erstickt wurde, ist vor allem der völligen Apathie unseres heldenmütigen FreisimiS zuzuschreiben l politiscbe(leberückt. Berlin, den 24. September 1909. Die antisemitische Lüge. Schnell ist die antisemitische Lüge bon der sozial- demokratischen Triole-Afsäre elend krepiert. Wir konnten unter den Letzten Depeschen der gestrigen Nummer noch das Telegramm des Genossen Hengsbach, den unsere telegraphische Anfrage noch am späten Abend er- reicht hatte, geben, tvorin er den antisemitischen Schwindel als Schwindel kennzeichnet. Eine heutige Depesche aus Köln meldet: Der hier eingetroffene sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Hengsbach läßt erklären, daß die in Elberfeld in einer Handlungsgehilfenversammlung gemachte Mitteilung, wonach er sich ähnliche Dinge habe zuschulden kommen lassen wie der Abgeordnete Schock, jeder Begründung entbehre. Hengsbach werde gegen den Verbreiter' der Nachricht den Klageweg beschreiten. Inzwischen ist der Wortlaut des Briefes bekannt geworden, den in der Elberfeldcr Versammlung der Antisemit und dcutschnationale Handlungsgehilfe— Wiegershaus heißt er— verlesen hat. Ten Namen des Briefschreibers weigerte er sich zu nennen.(!) Der Brief hat folgenden Wortlaut: Hengsbach lebte mit seiner heute von ihm in Horath bei Wermelskirchen getrennt lebenden Ehefrau in der denkbar un- glücklichsten Ehe. Nach Aussage der letzteren ist es deS öfteren vorgekommen, daß er nachts Frauenzimmer mit nach Hause brachte, während sie, nachdem sie noch obendrein mit Prügeln regaliert worden war, die Nacht auf der Treppe zubringen mutzte. Was aber aller Unmoralität dieses Weltverbesserers die Krone aufsetzt, ist, daß er seinerzeit mit einem solchen Frauen- zimmer eine Reise nach der Schweiz unternahm und dazu seinen 13— 16jährigen Sohn als Reisebegleiter mitnahm. Dies er- fuhr ich aus dem Munde seiner eigenen Frau und war bei diesem Gespräch ihr Bruder, mein Kunde Herr Albert Hiurichs, Anstreicher- mcister tu Hörath, zugegen. So verdammcnsloert ein solches Ehe- leben für jeden rechtlich denkenden und moralisch fühlenden Menschen ist, so wenig wolle» wir uns über derartig täglich vorkommende Fälle als Sittenrichter aufwerfen. DaS, was diese Angelegenheit für uns Deutschsoziale zu einer interessanten niacht, ist, daß der Parteileitung der sozialdemokratischen Partei das Vorleben ihres Parteigenossen bekannt ist, ohne daß sie Veranlassung nahm, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Beweis dafür die Aussage des sozialdemokra- tischen Abgeordneten Severing, mit welchem ich am 28. Februar 1368 mit dem Zuge 12 Uhr 36 Min. mittags von Köln nach M.-Gladbach fuhr. AIS ich mit diesem Abgeordueien unterwegs eine für beide Teile sehr interessante politische Unterhaltung pflog, drückte ich ihm kurz vor unserem gemcinschastlichenZiele.M.-GIadbach, meine Verwunderung darüber aus, daß man einem solchen Mann ein ReichStagsmandat angetragen hätte, und daß man seitens der Parteileitung, selbst wenn man es später in Erfahrung gebracht hätte, ihn nicht wieder sofort eliminierte. Darauf erwiderte S., ich glaube mich wörtlich darauf besimien zu können: Die An- gelegenheit mit H. ist in der Fraktion zur Sprache gekommen; Bebel habe aber gemeint, daß eine Mand'atsniederlegung nicht in Frage komme, weil 1. das eheliche Verhältnis einer gerichtlichen Klarstellung, wie es ein Ehescheidungsprozeß ist. entbehrt; die Frau deS H. sagte mir später« einmal, daß ihr Mann ihr geschrieben hätte, doch eine Ehescheidungsklage einzuleiten, was sie aber mit Absicht unter- ließ, und 2. daß dieSache noch zu wenig bekannt sei, so daß noch nicht einmal der Druck einer bürger- lichen Presse vorläge. Vorstehendes bekräftige ich als unbescholiener Mann durch meinen heiligsten Eid, und daß ich auch nicht durch Motive von Sensationslust zu dieser Veröffent- lichung geleitet wurde, dürfte das Faltum erhellen, daß mir das zuerlt aus dein Eheleben des H. angeführte wenigstens sechs Jahre bekannt lvar, ohne daß ich davon öffentlich Gebrauch machte. Heute aber, wo die sozialdemokratische Partei den Fall Schock in einer Weise ausschlachtet, daß man wirklich msint, mit Engeln zu tun zu haben, da muß jede Rücksicht fallen, und dröhnend muß es den Sittenrichtern in die Ohren gellen:„Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet." Dieser Brief zeigt zunächst, daß, selbst wenn sein Inhalt so vollständig zutreffend wäre, wie er unwahr ist, absolut nicht von einer Triole- Affäre, von einem der Affäre Schack ähnlichem Vorkommnis die Rede sein könnte. Die Spezialität Schacks, die kühne Idee. seine Geliebte auch zur Geliebten seiner Frau zu machen, kann selbst der Antisemit dem Genossen Hengsbach nicht nachsagen. Was aber von den Angaben des Briefes überhaupt zu halten ist, das zeigt folgende Erklärung, die der in dem Briefe auch genannte Genosse Severing, der Reichstags- abgeordnete für Bielefeld, prompt erlassen hat. Sie lautet: Bielefeld, den 24. September 1969. Mit den Anwürfen gegen Genossen Hengsbach bin ich auch von einem Teile der bürger- lichen Presse in Verbindung gebracht worden. Danach solle ich am 28. Februar 1968 auf der Fahrt von Köln nach München- Gladbach einem Deutschsozialen Mitteilungen über Erörterungen gemacht haben, die in der Fraktion über den Genossen Hengsbach gepflogen worden seien.— Ich erkläre demgegenüber, daß alle diese Behauptungen von A bis Z erlogen sind. Am 28. Februar 1968 war ich im Reichs- tage, aber auch an anderen Tagen bin ich weder in München-Gladbach gewesen, noch über München-Gladbach gefahren. Ich habe noch niemandem über Hengsbachs Privatleben Mitteilungen gemacht und auch nicht machen können, weil mir auch bis heute nichts darüber bekannt ist.— Endlich ist mir auch nichts bekannt geworden, daß in der Fraktion oder in der Parteileiumg jemals über Hengsbach im Sinne der antisemittschen Beschuldigung verhandelt worden sei. Severing. Von mehreren Mitgliedern der sozialdemokratischen Rcichstagsfraktion ist uns ebenso versichert worden, daß eine Erörterung über des Genossen Hengsbachs Privatleben in der Fraktion niemals stattgefunden habe. Wahr ist von den Angaben des Briefes lediglich die. daß Genosse Hengsbach von seiner Frau getrennt lebt. Wer die Schuld an der Zerrüttung der Ehe trägt, und ob über- Haupt von einer Schuld irgend eines Teiles geredet werden kann, das zu entscheiden ist Außenstehenden natürlich nicht möglich, und geht die Oeffentlichkeit auch gar nichts an. Wer der famose Bricfschreiber ist, das dürste die Gerichts- Verhandlung feststellen._ Vorarbeiten für die nächste Reichstagssesston. An den Denkschriften, Rachweisungen, Uebersichten usw., die dem Reichstage in der nächsten Tagung vorgelegt werden sollen, wird in den verschiedensten ReichSreffortS eifrig gearbeitet. Es kommt zunächst die Denkschrift über die Ausführung der Anleihegesetze in Betracht. Sie hat insofern eine be- sondere Bedeutung, als nach dem Stande, den sie von der Schulden- summe angibt, die Schuldentilgung des Reiches für 1916 vorgc- nommen werden mutz. Von 1911 ab soll die Schuldentilgung auf Grund der Anordnungen des neuesten FinanzgesetzcS erfolgen, wenn überhaupt an das Schuldenbezahlen zu denken ist. In das gleiche Gebiet gehört der Bericht der Rcichsschuldenverwaltung für das lctztverflossene Geschäftsjahr. Er wird auch über den Stand des Jnvalidenfonds Angaben enthalten, Recht umfangreich werden sich wieder die kolonialen Denk- schriftcn gestalten. Sie sollen über die EntWickelung der einzelnen Schutzgebiete Auskunft geben und wären, wenn sie nicht eine ab- sichtliche Schönfärberei darstellten, der fast jeder wissenschaftliche Wert fehlt, deshalb für die Kolonialpolitiker ebenso interessant wie notwendig. Ferner ist das Reichsversicherungsamt gegenwärtig damit be- schästigt, dgs eingesammelte Mgjerigl über, die N.eZYWMrgebjl ige der Berufsgenossenschaften und der Invaliden- Versicherungsanstalten zu verarbeiten. Es wird wieder mit zwei Nachweisungen über die letzwerfloßenen Jahre an den Bundesrat und Reichstag herantreten und damit neue Unterlagen für die Beurteilung der Ausgestaltung der deutschen Arbeiter- Versicherung liefern. Auch die ergangenen Verfügungen des Bundesrats über den Arbeiterschutz stellt das Reichsamt des Innern für den Reichstag zusammen. Uebersichten über das Heeres- ergänzungsgeschäst, über die Arbeitsverhältnisse in den Militärwerkstätten und Werften, über die Auswanderung u. a. werden in den zuständigen Ressorts vorbereitet. Schließlich dürften diesmal auch einige Anordnungen, die sich auf Grund der neuen Steuergesetze als nötig erweisen oder er- wiesen haben, dem Reichstage zur Kenntnisnahme vorgelegt werden, so die Anordnung des Bundesrats über die Untersagung der Ver- Wendung von Branntwcinschärfen, Bülow dementiert. Die Darstellung der„Mark. Volksztg." über die November- Vorgänge werden von dem Fürsten Bülow natürlich dementiert. Er läßt in der„N. Ges.-Korresp." erklären:„Die angeblichen Eni- hüllungen sind augenscheinlich Wiederaufwärmung unwahrer und längst wiederlegter Behauptimgen; ich werde in keine Polemik eintreten." Natürlich hat niemand vom Fürsten Bülow eine Bestätigung erwartet. Aber daS schließt nicht aus, daß die Schilderung der Vorgänge, wie sie in der„Norddeutschen Allg. Ztg." dargestellt wurden, allzu unwahrscheinlich bleibt. Aufmarsch zur nächsten Bürgerschaftstvahl in Hamburg. In der letzten Landesversammlung der sozialdemokratischen Partei Hamburgs wurde Stellung genommen zu den Anfang 1910 stattfindenden Wahlen der Abgeordneten zur Hamburger Bürgerschaft. Im Jahre 1906 wurde zum ersten Male nach dem Wahlrechtsraub gewählt, wobei sich herausstellte, daß zwei Drittel der Hamburger Bürger gegen den Umsturz votterten. Bei den kommenden Notablen-, Grundeigentümer- und Klaffenwahlen,„gemildert" durch den Proporz, wählt die andere Staatshälfte. Die Sozialdemokratie hat zehn Mandate zu verteidigen, wovon acht im Jahre 1904(unter dem alten Wahlsystem), zwei in der Nachwahl erobert sind. Mehr als zwölf Mandate können auch im günsttgsten Falle nicht erreicht werden, da die übrigen 68 Mandate sich auf die Notabeln, Grundeigentümer und erst- klassigen Wähler verteilen. Ein klares Bild über die Stärke unserer Partei bei den Bürgerschaftswahlen werden erst die Wahlen von 1913 beziehungsweise 1916 ergeben. Da bei der Verzwicktheit dieses Wahlsystems Reserven erforderlich sind. wurden'außer den zehn seitherigen Bürgerschastsmitgliederu 17 weitere Kandidaten in Vorschlag gebracht. Der Irrtum im sächsischen Pluralwahlgesetz. In der Nr. 226 des„Vorwärts" wurde nachgewiesen, daß in Sachsen eines groben Fehlers wegen, der bei der redaktionellen Formulierung des 8 16 k des Pluralwahlgesetzcs unterlaufen ist, Zehntausende zu Unrecht ums Wahlrecht gebracht werden, weil dem jetzigen Wortlaute nach Steuerrest ante» auf unbegrenzte Zeit oder doch— wenn man eine Verjährungs- frist noch anerkennt— mindestens auf drei Jahre zurück vom Stimmrecht ausgeschlossen werden können, während ein Antrag des Zwickaucr Oberbürgermeisters Keil in der Ersten Kammer, der schließlich auch angenommen wurde und zur jetzigen'Fassung des§ 16k verballhornisiert worden ist, Steuerreste nur für ein Jahr eine wahlcntrechtende Wirkung geben wollte. Jetzt hat der Oberbürgermeister Keil einem bürgerlichen Blatte in Dresden ausdrücklich bestätigt, daß er mit seinem Antrage in der Ersten Kammer tatsächlich bezweckt habe, die Steuerreste nur für ein Jahr für den Aus- schluß vom Stimmrecht gelten zu lassen. Dadurch ist die Richtigkeit der Beweisführung in der sozialdemokratischen Presse ausdrücklich bestätigt worden. Auch der Bezirksausschuß der Amtshauptmann. schaft Dresden hat sich mit der Angelegenheit befaßt. Dabei hat der Amtshauptmann Dr. Streit betont, daß aus den Aus- führungen des Präsidenten der Zweiten Kammer Dr. Mehncrt im Kreisausschuß tatsächlich solche Schlüsse gezogen werden könnten, wie es die„Dresdener Volkszeitung" getan habe. Es sei aber nicht Sache des Bezirksausschusses, zu unter- suchen, ob ein Irrtum vorliege oder nicht, er müsse sich an den Wortlaut des Passus 16 k halten. Das heißt mit anderen Worten, man will, sich an den Buch- stoben klammernd, einer großen Anzahl von Wählern älterer Steuerreste wegen das Wahlrecht entziehen, obwohl manselb st zugibt, die Wahrscheinlichkeit spreche dafür, daß der Gesetzgeber ganz etwas anderes gewollt habe. Wenn die Behörden sich zu keiner anderen Auffassung auf- schwingen können, ist die Einberufung eines außer- ordentlichen Landtages unvermeidlich. Es wäre doch eine Ungeheuerlichkeit, wenn man Zehntau sende Wähler eines Irrtums wegen entrechten und da- durch in zahlreichen Wahlkreisen ein ganz anderes Wahl» ergcbnis herbeiführen wollte, als es sein würde, wenn dem Willen der Kammern gemäß verfahren würde. Damit würde man m eine ganz unmögliche Situation kommen- Der Landtagstvahlkampf in Sachsen ist nun auf der ganzen Linie entbrannt. Ju Dresden und Umgegend ist er am Mittwochabend mit einer großen Anzahl Versammlungen, in denen zum größten Teil die Landtags- kandtdaten referierten, eröffnet worden. Sämtliche Ver- anstaltungen waren gut besucht und nahmen einen Vorzug- lichen Verlauf. Allenthalben herrschte Kampfeslust unter den Genoffen. Auch die Gegner halten jetzt fast täglich Versammlungen ab, daneben arbeiten sie rührig mit Flugblättern. Diese Waffe benutzen auch unsere Genossen eifrig. In einzelnen Wahlkreisen wird kommenden Sonntag schon das zweite Flug- blatt von uns zur Verteilung gelangen. Einige bürgerliche Blätter bezeichneten die Geschlossenheit, mit der die Sozial- dcmokratie den Wahlkampf eröffnet habe, als bewundernswert. Klerikale Heuchelei. Die Folgen der Tabaksteuer werden in einem Arttkek der„Kök- nischen Volkszeitung"(Nr. 868) anschaulich dargestellt. Die überall sich zeigende Arbeitslosigkeit, so heißt es in diesem Artikel, sei nickt eine Folge der durch die Tabaksteuer eingetretenen Krise im Tabak- gcwerbe. Nach einer Statistik des christlichen Tabakarbeiter- Verbandes mußten von 11 429 beschäftigten Arbeitern, auf die sich die Statistik erstreckte, öl 11 Arbeiter auf einen halben bis 22 Tage und 1338 Arbeiter auf unbestimmte Zeit die Arbeit aussetzten. Ganz entlassen wurden in 42 Betrieben 434 Arbeiter. Für 3749 Arbeiter wurde die Arbeitszeit um'/z bis 6 Stunden eingeschränkt. Zu diesen Folgen treten noch viele Materialverschlechterungen und sonstige Mißstände hinzu. Die Auszahlung der staatlichen Unterstützungen ist, wie gleichfalls nachgewiesen wird, durchaus unzulänglich. Die„Kölnische Vollszeitung' beschräult fich gegenüber diesen Ausführungen, die die Zentrumspolitik aufs schärfste verurteilen, kurzweg auf die Bemerkung, daß die Finauzreform, wenn sie von anderen Parteien gemacht worden wäre, eine noch viel stärkere Be- lastung der Tabalarbeiter gebracht hätte.-- Wenn man in der Redaktion„telegraphiert". Eine hiesige Korrespondenz schreibt: „Wie sich jetzt herausstelli, ist das mehrerwähnte Schreiben des deutschen Kaisers an die Königin von Holland in dem als Quelle angegebenen„N. Rotterd. Couraut" gar nicht ver- öffentlicht worden. Die Briefgeschichte ist nach der„Rhein.- Wests. Zeitung" lediglich dem„Berliner Tageblatt" zu verdanken. Die Sache scheint nämlich so zu liegen: Irgend jemand in Berlin, also wohl ein Zeituugs- korrespondent, hat an das Rotterdamer Blatt einen Artikel ge- schrieben, worin von dem Briefe die Rede ist. Gleichzeitig scheint man dem„Berk. Tagebl." von dieser„Sensation" Mitteilung ge- macht zu habe». Dies liest sich dann angeblich aus Rotterdam ein Tclegrannn(!) über die Veröffentlichung schicken. Zum Unglück für das Berliner Blatt kam aber die Korrespondenz mit dem Kaiserbriefe in Rotterdam gar nicht ans „Licht" der Druckerschwärze." So geht's, wenn man nicht genug„Privattelegramme" haben kann. Natürlich ist damit im übrigen nicht gesagt, daß der Kaiserbrief nicht geschrieben wurde. „Mittclstandsstammtische." Die in Düsseldorf erscheinende„Westdeutsche Mittel- standszeitung" beklagt sich über den Mangel an Solidarität im gewerblichen Mittelstand, über dem kleinen Alltagsgezänk der Jntereffengrüppchen werde die große Idee einer Zusammen- faffung aller Kräfte vernachlässigt; hier und da würden Orts- gruppen gegründet, die dann aber bald wieder verschwänden. Dann heißt es: „Solche Mißerfolge sollen die Tapfern aber nicht mutlos machen. Hübschlangsamgehen, aber nicht stille stehen! Man versuche es einmal im ganz kleinen. In fast allen Städten von Rheinland und Westfalen hat die„Westdeutsche Mittelstands- Zeitung" eine kleine Gemeinde von Lesern. Diese möge sich zu- nächst lose zusammenschließen, sagen wir einmal zu einem „M i t t e l st a n d s st a m m t i s.ch", der jeden Monat einmal zu- sammen kommt und an der Hand der letzten vier Nummern unserer Zeitung die Gedanken und Berichte des Blattes bespricht. Von solchem Mittelstandsstammtisch könnte ein reicher Segen ausgehen, manche gute, nützliche Anregung für die Teilnehmer und Autzeustehende. Wir sind gern bereit, von Zeit zu Zeit Tag und Ort dieser Zusammenkünfte zu veröffentlichen und alles zu tun, was zu ihrer Förderung in unseren Kräften liegt. Also auf, gründet überall Mittel» standSstammtische!" Wenn jetzt dem Mittelstande nicht geholfen und das Handwerk nicht gerettet ist, dann hilft überhaupt rnchts. St. Bnreaukratismus in Hamburg. In der ersten Sitzung deS illustren Landesparlaments in Hamburg nach den Ferien schilderte Genosse Schaumburg in amü- sanier Weise die Ratlosigkeit der mit Räten reich gesegneten Ham- burger Generalzolldirektion, für die ein weiterer Oberregicrungs- rat mit einem Gehalt von 12 000 M. verlangt wird. Im Frühjahr wurde für den verstorbenen Generalzolldirektor der Oberregierungs- rat Hausbrand auf diesen mit 22 000 M. dotierten Posten berufen, ein Mann von umfassender Bildung, aber zarter Gesundheit. Er hat eine Reihe zolltechnischer Abhandlungen veröffentlicht und gibt auch eine Fachzeitschrift heraus. Der Herr befindet sich schon seit über vier Monaten in Erholungsurlaub. Da in die nächst- höheren Stellen Leute einrückten, die mit den hiesigen Verhält» nissen nicht vertraut waren, herrschte in den Tagen der Einführung der neuen Zoll- und Steuergesetze„Unstimmigkeit". Aber trotzdem fanden die juristischen Oberbeamten der Generalzolldirektion, elf an der Zahl. Zeit zum Sommerurlaub. Auch der Vertreter des nicht anwesenden Generalzolldirektors, ein Oberregierungsrat, weilte fern vom„Schutz", so datz keine autoritative Leitung vor- handen war. Dieweil stritten sich, so wurde ausgeführt, zwei Räte herum, wem als Dienstälteren die Leitung zukommt. Der verstorbene Generaldirektor habe manchen Auftritt mit seinen Oberbcamten gehabt, weil sie sich zu wenig sehen liehen bezw. zu viele gesellschaftliche Verpflichtungen hatten. Bevor man dw neue Stelle bewillige, solle man die Verhältnisse bei der Generalzoll- direktion mit ihren vielen Regierungsräten und sonstigen hohen Beamten gründlichst prüfen.— Die Mehrheit der Bürgerschaft hielt aber eine Prüfung dieser Angaben für überflüssig und bewilligte den neuen„Ober"._ t Das Kontrollsystem der Militärbauverwaltung. Unter der Anklage des Betruges und der Unterschlagung standen vor der Strafkammer in Dresden der Slljährige Bauführer bei der Militärverwaltung Dresden. Ingenieur Unruh, und der Kaufmann G r ü n d e l aus Waldenburg i. S. Sie sind beschuldigt, gemeinsam von 1904 bis 1908 zu Dresden den Reichsfiskus um 8366 und 1416, zusammen 6782 M., und in der gleichen Zeit die Firma Böttcher in Zittau um 2383 M. betrogen zu haben. Im Jahre 1904 war Unruh be, der Kanalisation der Albertstadt tätig und trat wegen Lieferung von Rohren mit dem Vertreter der Zittauer Firma Böttcher, dem Mitangeklagten Gründe!, in Verbindung. Ueber die Lieferungen setzte nun der leitende Ingenieur höhere Beträge als vereinbart in Rechnung l Von den auf diese Weise erzielten 6782 M. soll G r ü n d e l einen Teil er- halten haben. Die Beweisaufnahme jedoch ergab hierfür keinen Anhalt. Gründe! wurde freigesprochen, Unruh hingegen zu l'/z Jahren Gefängnis verurteilt.— � � Gründe! bemerkte zu seiner Verteidigung a. a.: Die Ver- schiebung vonRechnungsbeträgen bei derMilltar- Bauverwaltung ist noch ein alter Zopf aus der ZeitderMilitärreichsverwaltung. DasKontroll- s v st e in der Militärbauverwaltnng versagte voll- ständig. Hätten andere Verhältnisse geherrscht, so hätte Unruh so eiwas nicht gewagt und wir ständen beide heute nicht vor Gericht."_J_ Ein nationalliberaler„Sieg". Im preußischen Landtagswahlkreise Hameln ist der Abgeordnete Haust mann, dessen Mandat für ungültig erklärt worden war. mit 118 Stimmen wiedergewählt worden. Auf den Konscr- vativen entfielen 10S, auf den Sozialdemokraten 4 Stiminen. Die nationalliberale Presse redet von einem.Sieg"! Casselmann � Der frühere steisinnige Reichstagsabgeordnete und Abgeordnete im arotzherzoglich sächsischen Landtag W i l h e l m C a s s e l m an n (nicht zu verwechseln mit dem nationalliberalen Bayreuthcr Ober- bürgermeistcr Dr. Casselmann) ist Freitag früh gestorben. Konservativ-liberale Verbrüderung. Die konservative.Hallesche Zeitung" kann mitteilen, daß die dortigen Konservativen bei der kommenden Reichstagsersatzwahl geschlossen für den freisinnigen Kandidaten R e i m a n n- Berlin eintreten werden, falls der freismnlge Kandidat sich verpflichtet, einen rücksichtslosen Kampf gegen die Sozialdemo. lratie zu führen! Dieses Versprechen zu geben wird dem Freisinns- Helden ganz gewiß nicht schwer fallen. Italien. Das erste kommunale Referetidum in Rom. Rom, 22. Sept.(Eig. Ber.) Das italienische Gesetz über die Munizipalisierung der öffentlichen Dienste setzt fest, daß diese Munizi- palisierung durch eine Urabstimmung der Gemeindewähler beschlossen werden muß, falls Anträge in diesem Sinne vorliegen. Am 20. September hat nun in Rom die erste Urabstimmung dieser Art statt- gefunden. ES handelte sich darum, über die Errichtung einer städtischen Elektrizitätszentrale und über die Uebernahme einiger Straßenbahn- linien in städtische Regie zu entscheiden. Alle kommunalen Parteien waren der Verstädtlichung günstig, so daß kein eigentlicher Kampf auszufechten war. Dementsprechend war die Wahlbeteiligung sehr flau; von 44 895 Wahlberechtigten nahmen nur 21 489 an dein Referendum teil. Für die Mliiiizipalisiermig der Straßenbahnlinien stimmten 21 116. dagegen 326; für das städtische Elektrizitätswerk 21 097, dagegen 332. Spanien. Gegen die weiße» Schrecken. Paris, 24. September. Das Komitee für die Opfer der spanischen Repression ließ in Paris Maueranschläge anbringen, betitelt„Spanische Verbrechen", worin die Männer aller Parteien und Klassen aufgefordert werden, gegen die Gcwaltmaßregeln in Barcelona und den Prozeß F�crrer zu protestieren. London, 24 September. Die Arbeiterpartei hielt gestern abend in einem Saale des Unterhauses eine Ver- sammlung ab und nahm eine Resolution an, worin Einspruch gegen die Aburteilung Ferrers durch ein Kriegs- gericht erhoben wird. Englanck. Gegen das Oberhaus. London, 24 September. Gladstone hielt in Cinder- ford eine Rede, in der er sagte: Wenn das Haus der Lords das Budget vertvirft, so ist es klar, daß die Frage zur unmittelbaren Entscheidung kommen muß. B a l f o u r s Verlangen nach einer Entscheidung durch das Land soll erfüllt werden. Wenn diese Herausforderung an uns herantritt, werden wir sie sofort annehmen und uns an das Land wenden. Die Börsenstcner. London, 23. September. Unterhaus. Im Laufe der Be- ratung über§ 86 der Finanzbill, welcher die Stempel- st euer auf börsengängige Papiere mit Ausnahme von Kolonial- und Regierungsanleihen verdoppelt, sprachen sich ver- schiedene Unionisten gegen diese Steuer aus, weil die erhöhte Steuer das Geschäft vom Londoner Markt vertreiben würde. Major CoateS erklärte, daß, als die Stempelsteuer im Jahre 1908 in Berlin erhöht wurde, das ganze Geschäft der Fondsbörse nach England abgewandert sei. Von einem Vertreter des Schatzaintes wurde dagegen geltend gemacht, daß die neue Steuer dem Geschäft keine unbillige Lasten auferlege. Der Paragraph wurde schließlich mit 216 gegen 64 Stimmen a n- genommen. Dänemark. Die Annahme der RnstungSvorlagen. Kopenhagen, 24. September. Das Folkethiug hat heilte die beiden vom Landsthing zurückgesandten Gesetzentwürfe betreffend die Befestigungsanlagen und die Heeresordnung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Radikalen sowie einige Stimmen der Rechten unverändert angenommen. Damit sind die sämtlichen Landesverteidigungsgesctze vom Reichstag endgültig angenommen worden. IVlaroKKo. Keine Intervention Europas. M u l a h H a f i d hat bekanntlich an die europäischen Mächte einen Protest gegen den spanischen Raubzug gesendet, der eine eklatante Berletzung der Alaecirasakte bedeute. Aber es besteht keine Aussicht, daß dieser Protest Erfolg hat. Der frauzösische Vertreter R e g n a u l t hat dem diplomatischen Korps in Tanger eine Mit- teilung folgenden Inhalts zugehen lassen:„Ich erachte, daß für die angeregte Frage das diploniatische Korps nicht zuständig ist, uiid daß diese Frage ausschließlich zwischen bet spanischen und der marrokkanischen Regierung erledigt werden muß." Es ist kein Zweifel, daß die anderen Mächte denselben Stand- Punkt wie Frankreich einitehinen werden. Spanisches Mißgeschick. Paris, 24. September. Der„Agence HavaS" wird auS Udfchda gemeldet, daß nach Berichten von Eingeborenen die spanische Kolonne, die von Suk el Had auf Seluan marschierte, an der Mündung deS Oued Seluan zum Halten gebracht worden sei. Während der Kämpfe gegen Ben, Sikar soll eine Anzahl Eingeborener, die in die spanische Armee eingereiht waren, desertiert sein, wodurch die Spanier gezwungen sein sollen, nach Melilla zurückzu marschieren. Schließlich sei es aber am 21. d. MtS. den Truppen aus dem Lager von Atalahon ge- lungen, nach lebhaftem Gefecht Nador zu besetzen und sich trotz heftiger Gegenangriffe der Marokkaner dort zu behaupten. Em der Partei. „Dr. LindiMlinnS PublikationSorgan". Zu der gestern aus der.Bergischen Arbeiterstimme' ent- nomnienen Notiz ist festzustellen, daß sich unser Solinger Parteiblatt geirrt hat. Der Brief des Genossen Dr. Lindemann ist zuerst in der„Schwäbischen Tagwacht", unserem Stuttgarter Parteiorgan, veröffentlicht worden. Von dort hat ihir die„Fraulfurter Zeitung" übernommen. Dem Genossen Dr. Lilldemann darf also kein Verstoß gegen seine Parteipflicht in dieser Angelegenheit zum Vorwurf ge- macht werden._ Jugendbewegung. 5 Jahre Jugendorganisation. Noch stehen wir in den Anfängen der proletarischen Jugend- bewegung in Deutschland— und doch schon ein kleines Jubiläum. Vor 8 Jahren war es. daß in Berlin die Freie Jugend- organisation, Berein der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen damals genannt, gegründet wurde. Den Anlaß dazu gab der Selbstmord eines Schlosserlehrlings. Prügel, lieb- lose Behandlung und unmenschliche Ausbeutung, das Typische der heutigen Meisterlchre, hatten ihn zur Verzweiflung getrieben. Wie jetzt bei den Selbstmorden einiger Realschüler, beschäftigte sich auch damals die sogenaimte„öffentliche Meinung" mit dem Fall. Während aber jetzt bei den Kindern der Reichen alles»ach Be- sirafung der Schuldigen, nach Aenderung des Systems schreit, vor- langte bei der damaligen Heulmeierei niemand im Bürgertum die Bestrafung und Unschädlichmachung der Lehrlingsschinder. Eine Debatte im damaligen„Neuen Montagsblatt" deS Genossen Eduard Bernstein. an der sich auch Jugendliche beteiligten, hatte daS Resultat, daß die Jugendorganisation gegründet wurde, um gegen die Mißstände im Arbeitsverhältnis der Jugend anznlämpfen, um aber auch die Auf- klärung der Jugend im Sinne der modernen Arbeiterbelvegung zu betreiben. Die neue Organisation fand begeisterte Aufnahme bei der Jugend. Die Versammlungen waren überfüllt und zu Hunderten liefen gleich in den ersten Monaten die Beitritts» erklärungen ein. Aber auch die Gegner gaben acht. Die C h r i st l i ch e n unter Stöckers Führung nahmen in Versammlungen und Zeitungen zuerst den Kampf auf. Allerdings unterließen sie es bald, Versammlungen zu veranstalten, da diese zu Kundgebungen für die Freie Jugend- organisation wurden. Der Kreisverband der ostdeutschen Jünglings- vereine faßte sogar bald den Beschluß, in Versammlungen der Jugendorganisation sich nicht mehr an Auseinandersetzungen zu be- teiligen. So sehr hatten diese Leute das Bewußtsein, daß sie doch unfreiwillige Agitatoren für die verhaßte proletarische Jugend- bewegung sind. Die Unternehmer gingen als zunächst Betroffene natürlich ebenfalls gegen die Jugendorganisation vor. Maßregelungen. Vereinsverbote und Schikane setzten ein und wurden gekrönt durch den berüchtigten Versuch auf gänzlichen Raub des Vereins- und Versammlungsrechts der Jugend mittels des Lehrvertrages. Die Behörden leisteten an Maßnahmen zur Niedcrhaltung der Jugendbewegung das�Menschenmöglichste. Versammlungen wurden aufgelöst und verboten, Beschwerden der Jugendlichen nicht beachtet. Noch heute liege» seit ungefähr zwei Jahren beim Rcgicriiugs- Präsidenten sechs Beschwerde» über den verstorbene» Laudrat, späteren Berliner Polizeipräsidenten, v. Stilbenranch, die nicht beantwortet sind. Durch diese Unterdrückungsversuche wurde die Arbeit natürlich sehr erschwert. Besonders die Vorortabteilungen hatten sehr zu leiden. Denunzierte doch sogar die Behörde die tätigen'Jugendlichen bei ihren Arbeitgebern. Auch mit dem neuen Reichsvercinsgesetz sollte ein Schlag gegen die Jngendorganisation geführt werden. Aber man hat daneben gehauen. Die Freie Jugendorganisation hatte ja die politische Tätigkeit seit jeher abgelehnt. So ging die Entwickelung der Jugendorganisation trotz aller Schwierigkeiten vorwärts, heute zählt sie in Groß-Berlin über 3200 Mitglieder. Am Stande der Jünglings- bewegung gemessen, die auf eine 60jährige Tätigkeit zurückblickt, ist das ein glänzender Erfolg. Aber es gibt in Groß-Berlin doch über 80000 erwerbstätige Jugendliche und da erscheint die Zahl der Organisierten, auch die Jugendlichen in den-Gewerkschaften in Be» tracht gezogen, allerdings winzig klein. Die Organisation hat nach besten Kräften und unter großen Opfern der Jugendlichen ihre Aufgaben zu erfüllen gesucht. In zahlreichen Fällen konnte gegen Mißstände im Lehrvcrhältnis eingeschritten werden, zum Teil mit Hilfe der Gewerkschaften. Bei der Berliner Gelverbeinspektion ist die Freie Jugendorganisation als Erstatterin vieler Anzeigen gegen gcsctzeSverletzendc Unternehmer bekannt. In vielen Fällen mußten allerdings Jugendliche wieder nach Hause geschickt werden, ohne daß ihnen geholfen werden konnte. Es waren dies gerade die auSgcbcutetsien aller Lehrlinge, die im Klcinhandwerk beschäftigten. DaS Gesetz schützt sie ja nicht. Als letzte Stützen von krachenden Existenzen des sogenannten„Mittel- standcs" sind hier der schrankenlosen Ausbeutung ausgeliefert. Auch an der geistigen Weiterbildung hat die Berliner Jugend- organisation nach besten Kräften und so weit es ihr bei den finanziellen Mitteln, die nur aus den Beitragspfennigen der Jugend- lichen bestehen, möglich war, gearbeitet. Nach wenigen Monaten ihres Bestehens gab sie die Jngendzeitung„Arbeitende Jugend" heraus, die auch zum Organ vieler Jugendvereine im Reiche wurde und die nun zugunsten der neuen„Arbeiter-Jugend" zurück- getreten ist. Um die speziellen Interessen der Berliner Jugendorganisation zu fördern, erscheint schon seit 1907 ein „Mitteilungsblatt", zurzeit in einer Auflage von 4000 Exemplaren. Allmonatlich finden ungefähr dreißig kleinere Versammlungen in den verschiedenen Stadtgegenden statt, die Vorträge anhören und auch der geselligen Unterhaltung dienen. Spiel und Sport wird gepflegt, Ausflüge in großer Zahl und zu jeder Jahreszeit unternommen. Alle Arbeiten i» der Organisation luerden von den Jugendlichen selber ausgeführt, so daß die Organisation nicht nur eine BildnngL- stätte. sondern auch eine Vorschule für die spätere praktische Tälig- keit in den Organisationen der Arbeiter ist. Für die herrschende Klasse wird der Kampf gegen die Sozial- demokratie jetzt zum guten Teil als Kampf um die Jugend geführt. Pfaffen. Behörden und Unternehmer machen Gewaltaustrengungen beim Jugendfang. Sogar die Fortbildungsschnle wird zum Kampf gegen die moderne Jugendbcivegung mißbraucht. Der Kampf der Gegner um unsere Jugend sollte aber auch uns Veranlassung geben, alle Kräfte zusammenzuschließen. Wiedereinmal steht Schulentlassung vor der Tür. Sorgen wir dafür, daß die Freie Jugendorganisation gestärkt wird. Die Jugend selber wird und muß mit der Be- geisterung. die ihr eigen ist. an der Ausbreitung des Organisations. gedankcns tätig sein. Dann werden wir nach weiteren fünf Jahren jagen können: In Berlin ist es ausgeschlossen, daß die Arbeiter- jugend sür die Zwecke der Besitzenden mißbraucht werden kann I dl. » AuS Anlaß des fünfjährigen Bestehens feiert die Freie Jugend- organisation heute in der Neuen Welt. Hascnheide, ihr Stiftungsfest. Mitwirkende sind: Festrede: Genosse Heinrich Schulz. Prolog und Rezitationen: Otto K rille aus Stuttgart. Gesang: Kreuz- berger Harmonie, Konzert: Hollfeldersche Kapelle. Billett 30 Pf. Beginn'Iß Uhr.. Sozialem Der Flibrikwiichter— Gesinde? : Wegen Zuwiderhandlung gegen die Sonntagsruhevorschriftcn des 7. Titels der Gewerbeordnung war gegen einen Wäsche. fabrikanten H. Anklage erhoben worden, weil et einen Fabrikwächter vorschriftswidrig an einem Sonntage von 6—6 Uhr nachts beschäftigt habe. H. behauptete, daß Wächter und Pförtner nicht zu den gewerblichen Arbeitern im Sinne des Titels 7 der Ge. wcrbcordnung gehören; Wächter und Pförtner verrichteten lediglich Gesindedienstc. Das Schöffengericht trat dieser kuriosen Ansicht bei und erkannte gegen H. auf Freisprechung. Diese Entscheidung focht die Staatsanwaltschaft durch Berufung beim Landgericht an, welches unter Aufhebung der Vorentscheidung H. zu einer Geld- strafe verurteilte, da Wächter gleichfalls zu den gewerblichen Ar» beitern zu rechnen seien; die Wächter sollen die Gerätschaften und Materialien bewachen und dafür sorgen, daß fremde Personen nicht in die Betriebsstätten eindringen und Störungen deL Bc» triebes hervorrufen. Ein Fabrikwächter befinde sich in einem ge» werblichen Arbeitsverhältnis und stehe nicht in einem Gesinde» dienstverhältnis. Das Kammergericht wies dieser Tage die Revision des Angeklagten als unbegründet zurück, indem u. a. ausgeführt wurde, ohne Rechtsirrtum nehme die Strafkammer an, daß die Vorschriften des 7. Titels der Gxwerbcordnung über die Sonn- tagsruhe auch auf Fabrikwächter anzuwenden seien. Wächter und Pförtner in Fabriken seien bestellt, um die Betriebseinrichtungen zu bewachen und um zu verhüten, daß der Betrieb durch Personen oder durch eine Fcuersbrunst gestört werde. Ans dem Hinterlande OstelbienS. Auf einer Besitzung bei Klcin-Stürlack, in der Nähe des oft» preußischen Städtchens Rhein, war der Hirt und Viehfüttercr Kar» lisch mit seiner Ehefrau von dem Besitzer aus der sogenannten „Dienstwohnung" gewiesen worden, weil er den Zorn des gnädigen Herrn durch ein unbedachtes Wort erregt hatte. Der arme Mann, der mit seiner Frau nicht obdachlos auf der Landstraße herum- streichen wollte, machte sich im Walde an einem Bergcsabhang eine Erdhöhle zurecht. Hier hausten die Vertriebenen 14 Tage lang. Da starb die Frau an den Folgen der Entbehrungen, die sie erdulden mußte. Besonders war es. wie der Arzt feststellte, die in der Höhle vorhandene schlechte Luft gewesen, die der ohnehin schwächlichen Frau den Rest gegeben hatte. DaS ist doch ein wirklich erhebendes Bild aus deiy christlichen GegenfvartSstgat der Junker. GcwerfeFchaftUcbee. Die Arbeiterorganisationen in den Jndustriegruppen. Unser Artikel über:„Die Arbeiterorganisationen in den Jndustriegruppen" hat in der Partei- und Gewerkschaftspresse mehrfach Kontroversen hervorgerufen. Der Verband der Ge- meinde- und Staatsarbeiter stellte fest, daß die Zusammen- stellung den Christlichen auf diesem Organisationsgebiete eine zu große Quote zuwies; der christliche Gemeindcarbeitcrverband rekrutiert sich durchaus nicht aus Gemeinde- und Staats- arbcitern, sondem in erster Linie aus ungelernten Arbeitern des Transportgewerbes usw. Eine Nachprüfung ergab, daß hier tatsächlich ein Fehler unterlaufen war, der aus der Firmenänderung des christlichen Verbandes entstand. Eine neue Zusammenstellung, welche die Mitteilungen des Ver- bandes zur Grundlage hat, ergibt ein anderes Bild. Aller- dings nicht völlig dasselbe wie beim Verbände der Gemeinde- arbeiter. Unsere Statistik beschäftigte sich mit den einzelnen Organisationen der Jndustriegruppen, es können also bei der prozentualen Verteilung der Organisationsquoten nur die eigent- lichen Gemeindearbeitervcrbände der verschiedenen Richtungen in Frage kommen, die in anderen Gewerkschaften organisiertenArbeiter des Gemeindearbeiterorganisationsgebietes müssen selbstverständ- lich außer Betracht bleiben, da sie in ihrer Organisation schon mitgezählt worden sind. Es ergeben sich also für die Gewerk- Christ- N»ab- Jns- schaften Dunckerschen lichen hängigen gesamt Mitglieder 20 319 lOSg 2744 2320 36 442 in Proz. 80,5 2,9 10,8 6,3 100,0 Wenn dann weiter die Behauptung bestritten wird,„daß unter den christlichen Gewerkschaften die Gemeinde- und Staatsarbeiter der Mitgliederzahl nach an dritter Stelle stehen", so muß dies auf einem Irrtum beruhen; dies ist von uns gar nicht behauptet worden. ES wurden nur die Jndustriegruppen und Gewerbe aufgezählt, die mehr als 10 Proz. Christliche haben, darunter standen die Gc- meindearbeiter zufällig an dritter Stelle, daher wohl der irrtümliche Schluß. Des weiteren versandte der Verband der Bäcker an die Parteipresse, auch au den„Vorwärts" eine Zuschrift, in welcher er darauf hinweist, daß in unserer Zu- sammenstcllung das Prozentverhältnis der Gelben für die Nahrungsmittelgruppe als mit 9,1 Prozent zu hoch an- gegeben ist. Der Verband weist nach, daß die in der Zu- sammenstellung ausschlaggebende Zahl der gelben Bäcker an das Statistische Anit des Deutschen Reiches falsch angegeben worden ist, die Zahl beträgt in Wirklichkeit ini allergünstigsten Falle nur die Hälfte. Solche Möglichkeiten sahen wir voraus und schrieben deswegen:„Wenn die Statistik auch nicht absolut bis in die letzte Einzelheit genau sein kann, schon aus dem Grunde nicht, weil sie die Mängel der amtlichen Statistik mit übern eh nreir mußte, so zeigt sich doch recht klar— Das wichtigste ist dabei die neue Bestätigung der alten Tatsache, daß das amt- liche Zahlennmterial immer zu Ungunsten der freien Getverk- schaften aussagen wird,sweil sie die bestenZahlemiachweise liefern, während gerade die anderen kleineren Gewerkschaften gelber, vaterländischer usw. Richtung allzugern geneigt sind„Pauschal- summen" anzugeben. Berlin und Umgegend. Maßregelung von Bertrauensleuten. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der früheren Firma Monoline, Berlin, Alte Jakobstr. 130— 143, jetzt Gcneral-Composing-Company, die im Deutschen Metallarbeiterverband organisiert sind, nahmen in einer Betriebsversammlung Stellung zu den fortwährenden Eni- lassungen ihrer Vertrauensleute. Es wurde festgestellt, daß bei zirka 530 Beschäftigten inklusive von etwa 136 Lehrlingen inner- halb 2 Jahren 16 Vertrauenspersonen wegen ihrer Tätigkeit für den Deutschen Metallarbeiterverband gemaßregelt wurden. Dar- unter befinden sich allein 8 Obleute. Unter welchen Vorwänden die Entlassungen vor sich gehen, davon nur einige Beispiele. Das Mittel„Entlassung wegen Mangel an Arbeit" vorzunehmen, ist jetzt zu durchsichtig geworden. Vor einem Jahre war es dagegen noch lebhaft im Schwung, obgleich Arbeiter unter den Entlassenen dabei waren, die jahrelang der Firma gegenüber ihre Schuldigkeit getan hatten. Innerhalb der letzten 3 Monate sind nun 3 Obleute ent- lassen. Der erste hatte über ein Jahr lang komplizierte automa- tische Maschinen eingerichtet und man ließ durchblicken, daß er es besser haben könnte, wenn er die Agitation ließe. Da der Mann den Sirenenklängen aber nicht folgte, fand man auf einmal heraus, daß er vor so und so langer Zeit einige Massenteile um ein paar Hundertstel Millimeter falsch angefertigt hatte, und alsbald ward dies der gesuchte Grund zur Entlassung.— Wieder ein anderer Obmann hatte die schöne Aufgabe, halb verhunzte Bohrfutter laufend zu schleifen. Daß dies mehr Zeit in Anspruch nimmt, als das gut vorgearbeitete Futter ist selbstverständlich. Aber anders kalkulierte die Firma. Wie konnte sich der Arbeiter auch unter- stehen, noch zumal er fast regelmäßig Futter der ersten Konstruk- tion bekam, darauf mehr Zeit zu verwenden, als kalkuliert war. Raus mit ihm. Der Betreffende besaß die Dreistigkeit, die sani- tären und hygienischen Einrichtungen der Firma ein wenig unter die Lupe zu nehmen.— Dem jüngst entlassenen Obmann konnte man bei der Arbeit absolut nicht beikommen. Doch siehe da, auch hier kam man zum Resultat. Obgleich in der betreffenden Ab- teilung den Drehern bisher Lohnakkord verrechnet wurde, kam Meister Augenträhner dem Arbeiter nach Fertigstellung einer Arbeit mit einemmal mit viel zu niedrigen Akkordpreisen. Bei dieser Preisdifferenz erklärte dann der betreffende Meister, daß er den Kollegen überhaupt nicht mehr beschäftigen wolle; er hetze ihm zuviel. Toiletten, Garderoben und Waschräume sind verbesse- rungsbedürftig und unzureichend. Strafgelder, über deren Ver- Wendung keine Abrechnung gegeben wird, werden in schwerer Menge in Abzug gebracht. Bedeutendere Firmen, als die Setzmaschinen- und Dreibackenfutterfabrik General-Composing, haben eine Ver- tretung der Arbeiter anerkannt, und regeln dadurch Differenzen im guten. Will die Direktion diesen Weg nicht beschreiten, nun, so mag sie es nicht; aber jedenfalls wissen die organisierten Arbeiter. daß die wirtschaftliche Krise auch mal ein Ende und der Tag der Abrechnung dann nicht ausbleiben wird. Sie sollte bedenken, daß ja nicht alle Druckereien so arbeiterfeindlich wie die Monoline ge- leitet werden. Wenn die Linotypematrizen und Dreibackenfutter unter solchen Mißständen nicht den gewünschten Absatz finden, so darf das eine so wenig sozial denkende Firma nicht wundern. Die Gold- und Silberarkeiter kamen am Donnerstagabend im Gewerkschaftshause zu einer Besprechung über das gegenwärtige Tarifverhältnis zusammen. Das Tarifjahr läuft am 1. Oktober ab. Da der Vertrag aber nicht am 15. August gekündigt worden ist(eine Frist von 6 Wochen ist für die Kündigung festgesetzt worden), so hat der alte Vertrag weitere Gültigkeit auf ein Jahr. Otto Handle legte den Versammelten die Sachlage dar und führte verschiedene Gründe an, welche die Agitationskommission veranlaßtcn, eine abwartende Haltung einzunehmen. Zugleich gab Handle eine die Mehrheit der Versammlung befriedigende Erklärung ab, warum die Kom- Mission nicht vor dem Kündigungstermin eine Versammlung der Gold- und Silberarbeiter einberufen habe, um sie Stellung zu der Frage der Kündigung nehmen zu lassen.— In der Diskussion wurde daS Vorgehen der Kommission von der- schiedenen Rednern scharf gerügt; im allgemeinen aber zeigte sich, daß der Kommission das volle Vettrauen der Versammelten bewahrt blieb. Man war damit einverstanden, daß die alten Tarif- bedinguugen auf ein Jahr weiter in Geltung bleiben, sollen. Viele Unternehmer werden damit auch zufrieden sein; ihre Organisation hat sich freilich dem.Deutschen Arbeitgeberverband" angeschlossen, und es gilt, streng darauf zu halten, daß die Unternehmer die Tarif- bedinguugen einhalten. Folgende Resolution wurde von der Ver- sammlung angenommen: .Die am 23. September tagende Versammlung der Gold- und Silberarbeiter erklärt sich mit Rücksicht auf die gegen- wältigen Verhältnisse und aus den von der Kommission berichteten taktischen Maßnahmen mit der Nichtkündigung des Tarifvertrages einverstanden. Sollten jedoch die Arbeitgeber in irgend einer Weise ver- suchen, den Tarif zu umgehen resp. die einzelnen tariflichen Be- ftimmungen nicht mehr innezuhalten, dann ist es Pflicht eines jeden Kollegen, diese Angelegenheit sofort an zuständiger Stelle zu melden." Achtung, Friseurgehilfen! Differenzen sind beigelegt bei Becker, Wiescnstr. 7. Für Mitglieder gesperrt: K eiser, Hufe- landstr. 31; B o d d i n. Swinemünder Str. 84. Verband der Friseurgehilfen. Deutsches Reich. Zur Holzarbeiterbewegung in Sübwest-Deutschlanb. Die vom südwestdeutschen Arbeitgeberverband für die Holz- industrie angedrohte Aussperrung sämtlicher Holzarbeiter im Ver- bandsgebiet will Nicht vom Fleck kommen. Wohl haben die Unter- nehmer auf ihrer Generalversammlung die Aussperrung einstimmig beschlossen, aber die Ausführung des Beschlusses läßt auf sich warten. Mit Ausnahme von Frankfurt rührt sich in den Orten Südwest- deutschlands nicht«in Unternehmer, um den Beschlüssen Rechnung zu tragen. Vielmehr sind die Unternehmer froh, wenn der Holz- arbeiterverband sie in Ruhe läßt. In einzelnen Städten sind die Unternehmer an die Leitung des Holzarbeiterverbandes heran- getreten und haben angefragt, ob die Absicht vorhanden sei, Forde- rungen zu stellen. Als dies entschieden verneint wurde, folgte die Gegenerklärung, daß dann ja auch keine Veranlassung vorläge, für die Frankfurter die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Diese sollten dann nur sehen, wie sie die Suppe, die sie sich eingebrockt haben, auch selbst auslöffeln. Die Frankfurter Unternehmer bearbeiten jetzt jeden Betriebs- inhaber einzeln, um ihn für die Aussperrung zu gewinnen. Die Unternehmer haben aber kein Vertrauen mehr zu ihrer Leittmg. Von den 50 Mitgliedern des Arbeitgeber-Schutzverbandes haben sich bisher ganze 22 an der Aussperrung beteiligt. Seit Montag, an welchem Tage die Aussperrung in Kraft trat, sind ganze 4 weitere Ausgesperrte dazu ge- kommen. Dagegen hat der Holzarbeiterverband alle Betriebe beer gemacht, die Teilausspcrrungen vorgenommen haben. Jnsge- samt befinden sich jetzt 357 Mann im Streik resp. Aussperrung. Der christliche Holzarbeiterverband, der sich von vornherein solidarisch erklärt hat, ist bisher mit 23 Mitgliedern beteiligt. Die Weltfirma Schneider u. Hanau, die gegenwärtig Montagen in Mann- heim, Nürnberg, Hamburg und Baden-Baden auszuführen hat, sperrte 16 Mann aus, um dem Beschluß des Arbeitgeberverbandes nachzukommen. Der Holzarbeiterverband hat darauf die Arbeit in allen Orten, in denen die Firma Montagearbeiten ausführen läßt, sofort einstellen lassen. Die Arbeiten der Firma sind darum an allen Orten gesperrt, auch in Frankfurt ist der Rest der noch bei der Firma Beschäftigten sofort in den Ausstand getreten, so daß von den 100 in Frage kommenden Arbeitern nicht einer weiter arbeitet. Die Firma sucht jetzt in einer ganzen Anzahl Blätter Arbeiter zu einem Tagelohn von 10 M. Es heißt also: Die Augen offenhalten! In Pforzheim haben die Schreiner jetzt ebenfalls au� Anweisung des Verbandes die Arbeit eingestellt. 136 Mann stehen im Streik und nur einige Nichtorganisierte arbeiten weiter. In Mannheim. Ludwigshafen und Heidelberg hat sich die Situation für die Kämpfenden noch verbessert, indem von den wenigen stehengebliebenen Arbeitswilligen sich noch eine Anzahl den Streikenden angeschlossen hat. Zuzug von Holzarbeitern nach Südwest-Deutschland ist unter allen Umständen fernzuhalten._ Eine Tageszeitung für die gelben Gewerkschaften? Die. W e st d e u t s cki e Zeitung" in Essen a. Rh., ein bisher von einer Gesellschaft evangelischer Geistlichen herausgegebenes chnstlich-soziales Blättchen, das nicht leben und sterben konnte, ist neu finanziert, anscheinend von der Firma Krupp. An der Spitze des Unternehmens steht jetzt Assessor Viel- haber, der bisher die politischen Angelegenheiten bei Krupp behandelte._ Zur Lohnbewegung der Glasschleifer in Hamburg. Die Unternehmer stehen noch immer auf dem Standpunkt, daß die Arbeiter den bedeutend verschlechterten Tarif annehmen müssen, während die Arbeiter die bisherigen Arbeitsbedingungen aufrecht- erhalten wollen. Eine Einigung ist bisher nicht zu erreichen ge- wesen und dürfte der Streik am 1. Oktober zu erwarten'sein. Es werden deshalb alle Facettenschleifer ersucht. Hamburg zu meiden. Die Schlcifereibesitzer haben genügend Aufträge und kann die Kon- junktur in dieser Branche als gut bezeichnet werden, so daß der Erfolg für die Arbeiter sicher nicht ausbleiben kann. Huö Induftric und fjandel Eine Berurteilung der deutschen Zoll- und Wirtschaftspolitik bedeutet— wie im vorigen Jahre— auch diesmal der Bericht der Straßburger Handelskammer für das Jahr 1903. Zunächst konstatiert der Bericht, daß der wirtschaftliche Rück- schlag auch im Jahre 1908 angehalten habe, wodurch ein allgemeines Zurückhalten auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens eingetreten sei. Infolge des anhaltend hohen Preisstandes der Rohstoffe und der Kohlen deS Syndikats habe sich in zahlreichen Industriezweigen jenes Mißverhältnis zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreisen gezeigt, das bei dem Eintreten jeder rückläufigen Konjunktur un- vermeidlich fei. Die Arbeitslöhne hätten durchweg ihre durch die andauernde Teuerung der Lebenshaltung herbeigeführte Höhe behauptet. Und weiter heißt es dann wörtlich: „Es liegen bisher noch keinerlei Anzeichen vor, daß die Lebensmittelpreise den hohen Stand wieder verlassen werden, auf den sie... in Deutschland hauptsächlich durch die Schutzzoll- Politik gebracht worden sind." Es sei erklärlich, daß sich in allen Kreisen der Bevölkerung eine Einschränkung des Verbrauches in allen nicht unentbehrlichen Konsnmartikeln bemerkbar machte. Alle Industrie- und Handels- zweige klagten über einen ganz empfindlichen Rückgang der Kaufkraft und eine allgemeine Bevorzugung der billigen und billigsten Artikel bei dem kaufenden Publikum. Auch die landwirt- schaftliche Bevölkerung habe sich im Berichtsjahre weniger kaufkräftig gezeigt als zuvor. Der Export werde ungemein er- schwert durch die empfindlichen Zollerhöhungen, denen die Export- industrie fast allenthalben begegne. Die Wirkungen der letzten, durch Deutschland angeregten Neuregelung der Handelsverträge machten sich jetzt in verstärktem Maße fühlbar. Von den in amt- lichen Kundgebungen immer wieder behaupteten, günstigen Wirkungen dieser Handelsvertragspolitik habe die Industrie des Strahburger Bezirkes noch recht wenig verspürt. Dagegen seien Anzeichen vorhanden, daß auch diejenigen Staaten, die in den letzten Jahren ihre Zolltarife noch nicht erhöht hatten, dies jetzt umso ausgiebiger nachzuholen beabsichtigten. Es werde aber schwer sein, solchen Zollerhöhungen entgegenzuwirken, da Deutschland selbst mit dem schlechten Beispiel vorangegangen sei. Zum Schlüsse klagt der Bericht über die neuen Steuern, ve« sonders über die Verkehrssteuern und über die Einschränkung des Dienstes der Post gegenüber dem Publikum(Beseitigung des An- kunftsstempels auf Briefen, Einschränkung der Briefbestellungen auf dem Lande usw.). Es erübrigt sich, dieser Kritik der deutschen Wirtschaftspolitik etwas hinzuzufügen._ Never die Lage des ArdeitSmarktes im Monat August schreibt das„Reichs-Arbeitsblait": Obgleich auch im Berichtsmonate die Lage des Arbeitsmarkts in den einzelnen Industrien und den verschiedenen Teilen Deutsch- lands nicht gleichartig war, ist doch überwiegend eine allmähliche Aufwärtsbewegung der Beschäftigungskurve eingetreten. Zwar war die Lage auf dem Ruhrkohlen markt un- verändert unbefriedigend, jedoch lauten die Nachrichten aus den schlesischen Revieren und aus dem mitteldeutschen Braunkohlen- gebiete vorwiegend günstig. Besonders der Absatz von Haus- brandkohle zur Auffüllung der Wintervorräte hat sich gehoben. Auch in der Metall- und Maschinenindustrie belebte sich der Geschäftsgang. Der Stahlwerksverband konnte seinen Ver- fand steigern. Ebenso hat sich die ungünstige Lage der Gießereien teilweise— so in Sachsen und Westdeutschland — gebessert. Die elektrische Industrie war eben- falls höher beschäftigt als im Vormonate. Das Bau- g e w e r b e verzeichnete fast allenthalben noch eine befriedigende Tätigkeit. Eine zum Teil stark erhöhte Beschäftigung trat in den verschiedenen Zweigen der Bekleidungsindustrie ein. Teil- weise, vor allem in den Großstädten, herrschte Mangel an Arbeits- kräften. Dagegen hatte die Textilindustrie noch immer unter ungünstigen Verhältnissen zu leiden. DieLage der Tab akindustrie hat sich nach der u n g ü n st i g e n Seite hin verändert. Auf die angestrengte Tätigkeit, die im Vormonat und auch noch in der ersten Hälfte des Berichtsmonats herrschte, ist mit dem 15. August, dem Tage des Inkrafttretens des Wert st euer- Zuschlages auf Rohtabak, zunächst ein empfind« licher Rückschlag gefolgt. Auch im Brauereige werbe hat seit der Mitte des Monats teilweise einsetzenden Preiserhöhung ein zeitweiliger Rückgang des Absatzes Platz gegriffen. Bei den an das Kaiserliche Statistische Amt berichtenden Kranken- lassen ergab sich am 1. September 1909 gegen den 1. August 1909 eine Zunahme der Befchäftigungsziffer um insgesamt 9542 Per- sonen(1781 männliche, 7761 weibliche). Im Vorjahre hatte sich an dem gleichen Zeitpunkt eine Abnahme von insgesamt 941 Personen herausgestellt, die sich aus einer Abnahme von 9662 männlichen und einer Zunahme von 8721 weiblichen Mitgliedern zusammensetzte. Der Beschäftigungsgrad stand demnach im August 1909 über dem der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Berichte der Arbeitsnachweise geben kein einheitliches Bild, lauten jedoch in der Mehrzahl günstiger als im Vormonate. Nach dem Berliner Bericht besserte sich die Beschäfttaungsgelegen- heit für ungelernte Arbeiter und Arbeiterinnen wesentlich; auch im Baugewerbe, besonders im Tiefbau, herrschte rege Nachfrage nach Arbeitskräften. Der Bericht aus Westfalen spricht sich im allgemeinen ungünstig au?, meldet jedoch ebenfalls eine Belebung in Baugewerbe und in der Bekleidungsindustne. Die westdeutschen und süddeutschen Berichte lauten ziemlich gleichartig; fast alle lassen erkennen, daß sich in der Mehrzahl der Industrien der BeschäftigungS- grad etwas gehoben hat. Die Verkehrseinnahmen aus dem Güterverkehre beut« scher Eisenbahnen waren im August 1909 um 4 051 851 M. höher als im gleichen Monat des Vorjahres; das bedeutet eine Mehreinnahme von 32 M. oder 1,22 Proz. auf 1 Kilometer. Neue fiskalische Kohlenlager. Daß der preußische BergfiSkuS fich in seiner Handelstätigkeit nicht sehr vom rheinisch-westfälischen Kohlen» syndikat unterscheidet, ist schon seit langem bekannt. Nur wurde es immer offiziell abgeleugnet. In welch' starkem Maße er aber gerade die unerfreulichsten Seiten des Syndikatswesens unterstützt, erhellt aus der jetzt von Essen aus verbreiteten Nachncht, daß der preußische BergfiskuS beabsichtige, am Dottmund-EmS-Kanal sowie bei Waltrop große Kohlenlagerplätze zu errichten, um dort im Falle neuen Absatz- mangels die Produktion lagern zu können. Besser wird die Kohle durch das Lagern auf keinen Fall. Sollte der FiskuS sein Projett verwirklichen, so wird er damit alle diejenigen Matznahmen durch- kreuzen, die auf eine Verbilligung des Kohlenverbrauches gerichtet sind. Der einzige Druck auf die unliebsame Preispolitik deS Kohlen- shndikats ging bekanntlich bisher von dem Ueberhandnehmen der Kohlen« und Koksvorräte sowie vom Wettbewerb des FiskuS auS, der die steigende Produktton seiner neuen Zechen unterbringen mußte. ES ist nicht anzunehmen, daß der FiSkus durch die Stapelung der Kohle an und für fich einen Votteil hat, denn wie bereits gesagt, leidet die Qualität darunter und zweitens ftttzt das nutzlos angelegte Kapital hohe Zinsen. Das zeigt am deutlichsten die Harpener Gesellschaft, die ihr Kapital erhöhen mußte, weil sie ihre flüssigen Mittel in Koksvorräten festgelegt hatte. Die Anlegung fiskalischer Kohlenstapelplätze würde nur einen höchst tadelnswerten Liebesdienst gegenüber dem Syndikat bedeuten. Insbesondere wird die preußische Volksvettretung darauf sehen müssen, daß das Kapital der Allgemeinheit nicht zu deren Schädigung verwendet wird. Hua der fraucnbcwcgung, Leseabende. Tempelhof. Den Genossinnen zur Nachricht, daß nach längerer Sommerpause am 27. September im Lokale des Genossen M.Müller, abends 8 Uhr, die Frauenleseabende wieder beginnen. Vortrag der Genossin Schulte. jDer Vorfland. Letzte jVacbricbten und Depefcben. Der jungtürkische Kongreß. Saloniki, 24. September. Heute begann hier der jung» türkische Kongreß. Seine Verhandlungen werden streng geheim gehalten. Nur eine Bazillcnträgcrin. Königsberg i. Pr., 24. September.(W. T. B.) In Pokallna im Kreise Heydekrug sind bei einer Frau Klingbeil Cholerabazilleu festgestellt worden. Die Frau war bei den Vorbereitungen zur Be- erdigung des an der Cholera verstorbenen Flößers Kibelka be- hilflich gewesen., Sie wurde damals soglejch isoliert, so daß die Gefahr der Krankheitsverbreitung nicht vorliegt. Die erkrankte Frau Klingbeil ist bisher nur als Bazillenträgcrin anzusehen. Ein Grund zur Beunruhigung liegt nicht vor. Streik in amerikanischen Kupferminen. Montana, 24. September.(W. T. B.) Achtzig Prozent der Ar- beiter der hiesigen Kupferminen verweigerten infolge eine? Streites zwischen den Bergleuten und den Ingenieuren die Arbeit. Das bedeutet eine Stillegung der Minen. Verantw. Redakteur: Emil Unger, Berlin. Inseratenteil verantw.: LH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltungsbl, Nr. 224. 26. Iahrgavg. 1. AeW des Jonörtf Inlinet KlksdlM Somlabend, 25. Zeptember 1909. Organisation der fozialdemoliratlkbcn Partei Deutschlands (beschlossen auf dem Parteitag in Leipzig). Parteiangehörigkeit. 8 l- Zur Partei gehört jede Person, die sich zu den Grund- sätzen des Parteiprogramms bekennt und Mitglied der Partei- Organisation ist. Gliederung. 8 2. Die Grundlage der Organisation bildet für jeden Reichs- tagswahlkreis der Sozialdemokratische Verein, dem jeder im Wahl- kreis wohnende Parteigenosse als Mitglied anzugehören hat. Um- satzt ein Ort mehrere Reichstagswahlkreise, so kann die Zugehörig- kcit zu den einzelnen Wahlkreisorganisationen mit deren Zustim- mung örtlich geregelt werden. Erstreckt sich der Reichstagswahl- kreis über mehrere Orte, so kann an jedem Ort ein Ortsverein des Sozialdemokratischen Vereins gebildet werden. 8 3. Die Sozialdemokratischen Vereine schließen sich zu Be- zirksverbänden, sowie zu Landesorganisationcn zusammen, denen die selbständige Führung der Parteigeschafte nach eigenen Statuten obliegt, diese Statuten dürfen nicht mit dem Organisationsstatut der Gesamtpartei im Widerspruch stehen und sind innerhalb einer Woche dem Parteivorstand einzureichen. In gleicher Frist haben die Vorstände ihre Wahl dem Parteivorstande mitzuteilen. § 4. Organisationen, denen weibliche Mitglieder angehören, müssen diesen eine Vertretung im Vorstand gewähren. Die weib- lichen Vorstandsmitglieder haben im Einvernehmen mit dem Gc- samtvorstand vornehmlich die Frauenagitation zu betreiben. § 5. Die Festsetzung der Mitgliederbciträge ist den Bezirks- verbänden und Landesorganisationen überlassen. Der monatliche Mindestbeitrag muß jedoch für männliche Mitglieder 3l) Pf. und für weibliche Mitglieder 15 Pf. betragen. Mindestens 20 Prozent der erhobenen regelmäßigen Mitgliederbciträge sind an die Jen- tralkasse abzuführen. Der Parteivorstand kann den Wahlkreisen mit Zustimmung des Vorstandes der Bezirks- oder Landesorgani- sation einen über 80 Prozent dieser Einnahmen hinausgehenden Betrag zur Eigenverwendung überlassen. Berichterstattung. § 6. Das Geschäftsjahr für alle Parteiorganisationen läuft vom 1. Juli bis 30. Juni. Die Vorsitzenden der Sozialdemokrati- schen Vereine haben alljährlich bis zum 15. Juli dem Partcivor- stand Bericht zu erstatten. Der Bericht ist nach einem Fragebogen des Parteivorstandes zu geben und mutz mindestens enthalten An- gaben über Art und Umfang der entfalteten Agitation, die Zahl der :m Wahlkreise organisierten Parteigenossen, die Höhe des von den Mitgliedern erhobenen Parteibeitrages, die Summe der gesamten Einnahmen, die Art der Verwendung der dem Wahlkreise verblie- benen Gelder. Den gleichen alljährlichen Bericht über ihre Tätigkeit und die Verwendung der ihnen vom Parteivorstande überwiesenen Gelder haben die Vorstände der Bezirksverbände und Landesorganisationen zu erstatten. Parteitag. 8 7. Der Parteitag bildet die oberste Vertretung der Partei. Zur Teilnahme an ihm sind berechtigt: 1. Die Delegierten der Partei aus den einzelnen Reichstags- Wahlkreisen. Di« Wahl der Delegierten erfolgt nach Maß- gäbe der Mitgliederzahl. Es können gewählt werden: In Wahlkreisen bis 1500 Mitglieder ein Delegierter, bis 3000 zwevbis 6000 drei, bis 12 000 vier, bis 18 000 fünf-und über 18000 sechs Delegierte. Die Vertretung richtet sich nach der vom Parteivorstand auf Grund der nach§ 5 abgeführten Befträge festgestellten Mitgliederzahl. Wo mehrere Delc- gierte zu wählen sind, soll unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein. 2. Die Mitglieder der Reichstagsfraktion. 3. Die Mitglieder des Parteivorstandes und der Kontrollkom- Mission. 4. Die vom Parteivorftand berufenen Referenten. Die Mitglieder der Reichstagsfraktion haben in allen die parlamentarische und die Mitglieder des Parteivorstandes in allen die geschäftliche Leftung der Partei betreffenden Fragen nur be- ratend« Stimme. Nur beratende Stimme haben auch die vom Par- teivorstand hinzugezogenen Vertreter von Parteiinstitutiondn. Kleines feuilleton. LathamS Flüge. Auf dem Tcmpelhofer Felde beweist in diesen Tagen, kurz nach den erfolgreichen Versuchen Orville Wrights, ein anderer Aviatiker, L a t h a in. daß die Menschen des 20. Jahrhunderts tatsächlich das Fliegen gelernt haben. Latham ist durch seine vor Blöriot unternommenen Versuche, über den Kanal zu fliegen, be- kannt. Er hat, im Gegensatz zu Blöriot, den Flug nicht ganz zu Ende führen können, Schuld daran war aber, nach den über- einstimmenden Berichten, eine Reihe unglücklicher Zufälle, nicht aber der Flieger oder sein Apparat. Seine Leistungsfähigkeit zeigte Hub. Latham auf der großen Fliegerwoche in der Champagne, wo er den Höhenrekord von 155 Meter aufstellte und einen Flug von 154 Kilometer Länge während 2 Stunden 17 Minuten ausführte, was einer Geschwindigkeit von über 67 Kilometer in der Stunde rntspricht. Sein Apparat ist im Gegensatz zu den Doppeldeckern WrightS ein Monoplan oder Eindecker, besitzt also nur eine Tragfläche. Er hat eine Breite von 12 Meter und eine Rumpflänge von 13 Meter und ist daher mit seinen Tragflächen von insgesamt 30 Quadratmeter Fläche viel kleiner als die Wrightschen Flugapparate. Zur Steuerung des Apparates dienen zwei Seiten- und ein Höhensteuer, außerdem bedient sich Latham gleichfalls des von den Brüdern Wright angegebenen Verwindens der Tragfläche. Als Triebkraft für die zweiflügelige ll'/z Meter große Schraube, die mit 1200 Umdrehungen in der Stunde läuft, dient ein acht- zylindriger Antoinette-Motor, der 50 Pferdestärken leisten kann. Ein prinzipieller Unterschied zwischen Lathams Apparat und dem der Ge« brüder Wright besteht in der Abfahrvorrichtung. Latham benötigt keine besondere Vorrichtungen zum Starten, sein Apparat läuft zuerst auf Neinen Rädem, die fest mit ihm verbunden sind, eine Strecke auf dem Boden— bei seinein ersten öffentlichen Flug in Berlin zirka 30 Meter— und steigt dann bei genügender Geschwindigkeit langsam aber sicher unter Zuhilfenahme des Höheiisteuerö auf. Latham sucht im Gegensatz zu anderen Fliegern mit Vorliebe größere Höhen auf. Bei seinen Flügen auf dem Tempelhofer Feld bewegte er sich hauptsächlich in Höhen von 30 bis 70 Metern. Latham fliegt ungemein sicher, er sitzt ruhig m seinem bootartigen Gestell und läßt sogar für Augenblicke beide Hände von den Steucrapparaten frei, um seine Sicherheit zu zeigen. A ästhetisch ist Latham jedenfalls wirkungsvoller als Wright. Seine Maschine erinnert mit ihren einfachen Linien und ihrem ruhigen Fluge tatsächlich an einen der Riesenvögel, die wir aus Märchen und Sagen kennen. Die gelungenen Versuche Lathams sind ein ivürdiger Austakt für die in den nächsten Tagen beginnende große .Berliner Flugwoche". Auch ein deutscher Aviatiker Grade hat in den letzten Tagen auf dem Flugfelde in Berlin seine ersten Erfolge erzielt. Er erreichte Höhen bis 20 Meter und hielt sich mehrere Minuten in der Luft, was allerdings, gemessen an den Stunden- flügen Wrights und Lathams. sehr wenig erscheint. Grade beab- sichtigt sich aber jedenfalls um den von Lanz ausgesetzten Preis von 8 8. Der Parteitag prüft die Legitimation seiner Teilnehmer, wählt seine Leitung und bestimmt ferne Geschäftsordnung. Zur Gültigkeit der Beschlüsse des Parteitages ist die absolute Mehrheit der stimmberechtigten Anwesenden erforderlich. 8 0. Alljährlich findet ein Parteitag statt, der von dem Par- teivorstande einzuberufen ist. Hat der vorhergehende Parteitag über den Ort, an welchem der nächste Parteitag stattfinden soll, keine Bestimmung getroffen, oder kann in dem vom Parteitag bestimmten Ort der Parteitag nicht tagen, so hat der Parteivorftand gemeinsam mit der Kontroll- kommission den Ort zu bestimmen. 8 10. Die Einberufung des Parteitages muß spätestens vier Wochen vorher mit der vorläufigen Tagesordnung im Zentralorgan der Partei veröffentlicht werden. Diese Veröffentlichung ist min- bestens dreimal in angemessenen Zwischenräumen zu nnedcrholen. Anträge der Parteigenossen für die Tagesordnung des Partei- tages sind dem Parteivorstande einzureichen, der sie spätestens drei Wochen vor dem Parteitag im Ientralorgan der Partei zu ver- öffentlichen hat. 8 11. Zu den Aufgaben des Parteitages gehören: 1. Entgegennahme der Berichte über die Geschäftstätigkeit des Parteivorstandes und der Kontrollkommission, sowie über die parlamentarische Tätigkeit der Reichstagsabgeordnetcn. 2. Die Bestimmung des Ortes, an dem der Parteivorstand seinen Sitz zu nehmen hat. 3. Die Wahl des Parteivorstandes und der Kontrollkommission. 4. Die Beschlußfassung über die Parteiorganisation und alle das Partecleben berührenden Fragen. 5. Die Beschlußfassung über die eingegangenen Anträge. § 12. Ein außerordentlicher Parteitag ist einzuberufen: 1. auf einstimmigen Beschlutz des Parteivorstandcs; 2. auf einstimmig gestellten Antrag der Kontrollkommission; 3. auf Antrag von mindestens 10 Vorständen der Bezirks- oder Landesorganisationen. Falls der Partcivorstmid sich weigert, einem nach Ziffer 2 oder 3 gestellten Antrage stattzugeben, ist der Parteitag von den Antrag- stellern zu berufen. Als Versammlungsort eines außerordentlichen Parteitages ist ein geographisch möglichst günstig gelegener Ort zu bestimmen. § 13. Die Einberufung des außerordentlichen Parteitages muß spätesteuö 14 Tage vorher im Zentralorgan der Partei in wenigstens drei aufeinanderfolgenden Nummern mit Angabe der Tagesordnung veröffentlicht werden. Anträge der Parteigenossen sind spätestens 5 Tage vor der Ab- Haltung des Parteitages im Ientralorgan zu veröffentlichen. Im übrigen gelten für die außerordentlichen Parteitage die- selben Bestimmungen wie für die ordentlichen Parteitage(§§ 7 und 8.) Parteivorstand' 8 14. Die Zahl der Mitglieder des Parteivorstandes wird vom Parteitag bestimmt. Der Parteivorstand besteht aus zwei Vor- sitzenden, einem Kassierer, den Schriftführern und drei Beisitzern, unter denen eine Vertreterin der Genossinnen sein muß. Die Mit- glieder des Parteivorstandes sind berechtigt, sich gegenseitig zu ver- treten. Die Wahl des Vorsitzenden, des Kassierers, der Schriftführer und der Vertreterin der Genossinnen erfolgt durch den Parteitag mittels Stimmzettel in einem Wahlgangc und nach absoluter Mehr- heit. Hat ein Kandidat die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen nicht erhalten, so findet Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten statt, auf die die meisten Stimmen gefallen sind. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. Die Wahl der übrigen zwei Beisitzer erfolgt durch die Kontroll- kommission. Nach erfolgter Wahl hat der Parteivorstand seine Konstitu- ierung vorzunehmen und sie im Zentralorgan der Partei zu ver- öffentlichen. 8 15. Scheidet ein Mitglied des Parteivorstandes borzeitig aus, so hat die Kontrollkommission eine Ersatzwahl vorzunehmen. 8 16. Die Mitglieder des Parteivorstandes können für ihre Tätigkeit eine Besoldung bezichen, deren Höhe durch den Parteitag festgesetzt wird. 8 17. Der Parteivorstand verfügt nach eigenem Ermessen über die vorhandenen Gelder. Der Parteivorstanb oder die Kontrollkommission können durch keinerlei Rechtsgeschäfte die einzelnen Parteigenossen oder die Partei verbindlich machen. Auch erwirbt kein Parteigenosse oder ein anderer durch Verträge mit dem Parteivorstande oder der Kon- 40 000 M. zu bewerben, der als Bedingung das Durchfahren einer großen„Acht" unter bestimmten Verhältnissen vorschreibt. Der Zu- schauer sieht bei den Flügen LatbamS viel mehr und erhält groß- artigere Eindrücke als bei den Gradeschen Versuchen, besonders da das Tcmpelhofer Feld ein viel günstigerer Beobachtungspunkt ist als daS nur mit der Fernbahn zu erreichende Flugfeld bei Bork. Theater. Leffing-Theater..Des Pfarrers Tochter von Streladorf." Von Max D r e y e r. Mit diesem Schauspiel, das am Donnerstag feine Erstaufführung erlebte, hat sich der erfolg- reiche Autor des„Probekandidat",„Tal des Lebens" u. a. wieder in sein mecklenburgische» Volkstum zurückbegeben. Etwas von heimatlichem Erdgeruch haftet an diesen Gestalten, die die nieder- sächsische Stiernackigkeit und Geradheit, doch auch die feuerfteudige Lebensbejahung ihr eigen nennen. Wenn Max Dreyer nichts weiter getan, selbst wenn dies Schauspiel kein einwandfreies Kunstwerk wäre, was es, technisch besehen, auch nicht ist, so gebührt ihm doch rückhaltlose Anerkennung für die Bühnenbereicherung durch den Pfarrer und seine Tochter: zwei Charaktere, knorrig und stark wie Eichen. Käthe hat ihrem Verlobten. Dr. Dahse, völlig vertraut. Sie glaubte an seine Mannhaftigkeit. Nicht bloß, daß er ihr als großer Gelehrter erschien, der die Wissenschaft um neue Erkenntnisse be- reichert; nein, er werde auch den Mut der Ueberzeugung äußern. Statt dessen muß sie nun sehen, daß dieser Mensch eine komplette Strebernatur' ist. DaS gibt ihr einen Riß. Mit diesem Manne wird sie nicht zusammen im LebenSschiffe fahren. Von ihr verabschiedet, geht er von bannen. Als glatten Höfling sehen lvir einige Monate später den Prinzessinnenlchrer wieder. Käthe selbst hat ihn zu sich zurückgefordert. Sie fühlt sich Mutter. Zu- nächst vertraut sie dem älteren Bruder, der genau so ein starker ehrlicher Charakter, wie sie selber, ihr Geheimnis an. Er erschrickt; denn die Tragik des Falles ist ihm offenbar. Aber Käthe soll nicht verlassen sein; er wird sie schützen und schirmen. Noch weiß der alte Pfarrer nichts. Als Dr. Dahse mm kommt, da erfährt auch er, was zwischen den beiden jungen Menschen sich begeben hat. Im ersten Aufwallen seines Zornes will er die Tochter vor allen Dörflern an deix Pranger stellen. Schließlich besänftigt er sich. Es muß ein Ausweg genommen werden; und dieser Ausweg heißt: rasche Heirat. Jetzt entpuppt sich Dr. Dahse in all sciner Erbärmlichkeit. Nein, an solch einen Kerl soll sein Mädel nicht gefesselt sein. Nie und nimmer. Jetzt erhält der Pastor seine alte Spannkraft wieder. Jedem wird er für fein Kind Trotz bieten. Ja er glaubt, daß er nun auch wieder so kraftvoll auf der Kanzel stehen werde wie einst— vor- auSgefetzt,„daß sie mich noch predigen lassen"... Man wird ja einwenden: die Theorie sei gut— aber die bare Wirklichkeit lehre Kompromisse mit dem Leben zu machen. Allein hier läßt sich ein- wenden, daß dem Pfarrer wie seiner Tochter in dem Dichter ein mächtig beredter Anwalt erstanden ist. Während der beiden letzten Akte verharrte das Publikum lautlos unter dem Banne der psychologischen Feinkunst, die hier entfaltet wird. Freilich darf sich trollkommission ein klagbares Recht gegen, diese oder ihre Mit- glieder. 8 18. Kein Parteigenosse hat ohne ausdrücklichen Beschluß deS Parteitages ein klagbares Recht, die Geschäftsbücher oder Papiere des Parteivorstandes, der Kontrollkommission oder'der Partei ein- zusehen oder sich aus ihnen Abschriften oder Auszüge anzufertigen oder eine Auskunft oder Ueberjicht über den Stand des Parteivcr- mögens zu verlangen. Hierdurch wird das Recht der Delegierten, während der Tagung des Parteitages Einsicht rn die Bücher zu nehmen, nicht berührt. 8 19. Der Parteivorftand besorgt die Parteigeschäfte und ton» trolliert die prinzipielle Haltung der Parteiorgane. Der Parteivorstand entscheidet über Differenzen, die sich bei der Aufstellung von Neichstagskaicdidaturcn zwischen der Organi- sation eines Wahlkreises und dem Bczirksverband oder der Landes- organisation ergeben. Bei wichtigen, die Gesamtpartei berührenden Fragen hat der Parteivorftand die Vorstände der Bezirks- oder Landesorganisa» tioncn gutachtlich zu hören, oder eine Konferenz ihrer Vertreter zu veranstalten. Kontrollkommission. 8 20. Zur Kontrollierung. des Parteivorstandes sowie als Be- rufungsinstanz für Beschwerden über den Parteivorstand wählt der Parteitag eine Kontrollkommission von neun Mitgliedern. Die Wahl erfolgt nach einfacher Mehrheit. Bei gleicher Stimmenzahl entscheidet das Los. Zur Leitung ihrer Geschäfte wählt die Kon- trollkommission einen Vorsitzenden, der Ort und Zeit der Sitzungen bestimmt, soweit die Kontrollkommission nicht darüber beschließt. Die Kontrolle muß mindestens vierteljährlich einmal statt- finden. Alle Einsendungen für die Kontrollkommission sind an den Vorsitzenden derselben zu richten, der seine Adresse im Zentralorgan der Partei mitzuteilen hat. Auf Antrag der Kontrollkommission oder des Parteivorstandcs finden gemeinsame Sitzungen statt. Zentralorgan der Partei. 8 21. Zentralorgan der Partei ist der„Vorwärts". Berliner Volksblatt. Die offiziellen Bekanntmachungen sind an hervorragender Stelle des redaktionellen Teiles zu veröffentlichen. 8 22. Zur Kontrolle der prinzipiellen und taktischen Haltung des Zentralorgans sowie der Verwaltung desselben wählen die Parteigenossen Berlins und der Vororte eine Pretzkommission, die aus höchstens zwei Mitgliedern für joden beteiligten Reichstags- Wahlkreis bestehen darf. Die Prcßkommission entscheidet in Gemeinschaft mit dem Par- teivorstande über alle Angelegenheiten des Zentralorgans, insbe- sondere über Anstellung und Entlassungen im Personal der Redäk- tion und Expedition. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Parteivorstand und der Preßkommission entscheiden die Kontroll- kommission, der Parteivorstanb und die Preßkommission in der Art mit gleichen Rechten, daß jedes dieser drei Organe eine Stimm: hat. Ausschluß. 8 23. Zur Partei kann nicht gehören, wer sich eines groben Verstoßes gegen die Grundsätze des Parteiprogramms oder einer ehrlosen Handlung schuldig macht. Auch kann der Ausschluß eines Mitgliedes erfolgen, wenn es durch beharrliches Zuwiderhandeln gegen Beschlüsse feiner Parteiorganisation oder der Parteitage das Parteiinteresse schädigt. Ucber die Zugehörigkeit zur Partei entscheidet der Vorstand der zuständigen Bezirks- oder Landcsorganisation. Der Ausschluß darf nur von einer Parteiorganisation(Orts- oder Wahlkreisorganisation)— mit Zustimmung des Angeschul- digten auch vom Vorstand der Parteiorganisation— beantragt werden. Die Zustellung des Beschlusses und dessen eventuelle Be- kanntgabe erfolgt durch den Bezirks- oder Landcsvorstand. 8 24. Gegen die Entscheidung des Vorstandes der Bezirks- oder Landesorganisation können die Beteiligten innerhalb vier Wochen nach Zustellung des Beschlusses beim Parteiborstand die Einsetzung eines Schiedsgerichts beantragen. Das Schiedsgericht besteht aus sieben Personen. Je drei Bei- sitzer wählt der Angeschuldigte und die antragstellende Organisation, wobei die Auswahl auf die Parteigenossen des Bezirksverbandes zu beschränken ist, dem der Angeschuldigte angehört. Den Vor- sitzenden bezeichnet der Parteivorstand. Unterläßt es der Angeschuldigte, innerhalb einer vom Partei- vorstand zu bestimmenden Frist, die mindestens vier Wochen be- Dreher auch zugleich für die splendide Darstellung seines geholt- vollen Schauspiels gratulieren. Hilda H e r t e r i ch(Käthe) und Hans M a r r(Pastor Reimers): das sind schauspielerische Charakter- leistungen auS einem Guß, voll Innerlichkeit und Wahrhaftigkeit. Als dritter, ihnen seelenverwandt, gesellt sich Heinz M o n n a r d (Jürgen) zu den beiden; während Karl F o r e st als Senator Klock- mann schlechtweg eine originelle Charge gab. Otto Gebühr stand der Student Thomas recht gut an; desgleichen war Ida O r l o f f als Bettina sympathisch. Um den Dr. Dahse bemühte sich Kurt Stieler mit ziemlichem Glück. Die Exzellenz Dr. Frick, von Willi F r o b ö s e dargestellt, hätte etwas Zurückhaltung ertragen. Die Wirkung des Dramas auf das Publikum entlud sich in einmütigem, anhaltendem Beifall und Hetvorruf des Dichters, dem dieser mehrfach zu folgen genötigt wurde._«. fc. Notizen. — Cook fährt mit der Veröffentlichung deS Berichts über feine Nordpolexpedition fort und ist jetzt bereits über die ersten Stadien der Schlittenfahrt hinausgelangt. In der Pariser„Illustration" teilt er eine Photographie mit. Es ist das Bild einer Eiswüste; mitten darin erhebt sich ein Schneehaufen, aus dem ein Flaggenstock mit der amerikanischen Fahne emporragt: daneben stehen zwei Eskimos. Diese Photographie hat Cook nach seiner Angabe am Nordpol aufgenommen. Er wird in New Jork andauernd als Nordpol- entdecker gefeiert. In Europa aber erhebt sich wieder eine energische Stimme, die ihm die Anerkennung versagt, und nicht ihm allein, sondern auch seinem Rivalen Peary. Auf der Naturforscher» Versammlung zu Salzburg hat sich, tclegraphischen Meldungen zu- folge, am Freitag der Geograph P e n ck, amerikanischer Austauschprofessor in Berlin, dahin ausgesprochen, daß er sowohl bei Cook als bei Peary jeden Nachweis für die tatsächliche Erreichung des Nordpols vermisse. Wir werden noch ausführlicher über den Pcnckschen Vortrag berichten. — Plate ii§ Grab. Graf August b. Platen-Hallcrmimd, der berühmte deutsche Dichter, ist im Garten der Villa Landolina bei Syrakus begraben. Jedes Jahr, so berichtet die in Palermo er- schemende„Ora", schickt die bayrische Regierung an den Besitzer der Villa eine lleine Gcsdsnmme mit der Bitte, das Grab und die über der Grabstätte befindliche Bronzestatue des Dichters in guter Hut zu halten. In der Villa find übrigens noch andere berühmte Aus- länder begraben, da der Garten früher einmal ein protestantischer Friedhof war. Jetzt ist aber die Villa an einen Bauern verpachtet worden, der sich nur um seine Feldfrüchte kümmert und von August v. Platen wahrscheinlich noch nie etlvas gehört bat. ES besteht die dringende Besorgnis, daß der neue Pächter die Grabstätte dein Erd- bodcn gleich macht.„Da die Stätte," so schreibt die„Ora",„allen Syrakus besuchenden Ausländern heilig ist. und da Syrakus zu Italic» gehört, wäre es angebracht, wenn sich Italiens Geisteselite .usammentätc, um die Schändung der Villa Landolina zu v«r- piten." traM Nuß, Schiedsrichter zU erMWSi, so gilt eL ohne weiteres als ausgeschlossen. Die Zustellung des schriftlichen Urteils sowie dessen eventuelle Bekanntgabe erfolgt durch den Partcivorstand. ß 25. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts steht den Be- teiligtcn die Berufung an den nächsten Parteitag zu. Die Be- rufung mutz spätestens vier Wochen nach Zustellung des Urteils dem Parteivorstand eingereicht sein. § 26. Der Ausschluh aus der Partei in Fällen des§ 23 Ws. 1 darf nur im Wege des vorstehend festgesetzten Verfahrens erfolgen. Alle Instanzen sind berechtigt, sofern sie nicht dauernden Aus- schluh aus der Partei aussprechen, auf zeitweise Ausschlietzung von Vertrauensämtern zu erkennen und Rügen zu erteilen. Auch gegen diese Entscheidungen steht den Beteiligten das Recht der Be- rufung zu. Das Recht der Organisationen, auch ohne Ausschlutzantrag eine Untersuchungskommission gegen ein Mitglied einzusetzen, wird durch vorstehende Bestimmungen nicht berührt. 8 27. Mit dem Tode, dem Austritt oder der Ausschlietzung aus der Partei verliert der frühere Parteigenosse jedes Recht, das er etwa gegen die Partei, gegen den Parteivorstand, gegen die Kon- trollkommission oder gegen einzelne Parteigenossen aus seiner Par- teimitgliedschaft erworben hat. Wiederaufnahme.. -§ 28. Der Antrag auf Wiederaufnahme eines aus der Partei Ausgeschlossenen� ist an den Vorstand der Bezirks- oder Landes- Organisation des Wohnortes des Ausgeschlossenen zu richten. Vor der Entscheidung ist die Organisation, die den Ausschluss beantragt hatte, zu hören. Gegen diese Entscheidung steht dem Antragsteller sowohl wie der Organisation, die den Ausschluss beantragt hatte, Berufung an den nächsten Parteitag zu. Die Berufung ist so zeitig beim Partei- vorstand anzumelden, datz sie mit den übrigen an den Parteitag gc- stellten Anträgen veröffentlicht werden kann. Abänderung der Organisation. 8 29. Aenderungen an der Organisation der Partei können nur durch einen Parteitag vorgenommen werden. Anträge auf Abänderung der Organisation können nur be- raten werden, wenn sie innerhalb der Fristen, die die 8§ 19 und 13 vorschreiben, verösfentlicht worden sind. Eine Abweichung von der letzten Bestimmung ist nur dann zu- lässig, wenn mindestens drei Viertel der anwesenden Vertreter auf einem Parteitag sich für die Abweichung entscheiden. § 39. Die neuen Bestimmungen im 8 5 treten am 1. April 1910 und die übrigen Bestimmungen dieses Statuts am Tage der Veröffentlichung in Kraft. Parteitag der dcuticlj-öitcprclchiichcn Sozialdemokratie. Rcichenberg» 23. Sepkember. Donnerstagsitzung. Der Parteitag beschäftigte sich heute zunächst noch mit der Frage der Schaffung eines neuen Organisationsstatuts für die Partei. Die Diskussion währte den ganzen Vormittag und drehte sich in der Hauptsache um die Frage, ob an die Stelle der losen Organisation, die jetzt besteht, die geschlossene Vereinsorganisation treten soll. Die stärksten deutsch-österrcichischen Parteiorganisa- tionen sind die Wiener Arbeitsorganisationen mit etwa 46 000 Mitgliedern. Und gerade die Wiener Parteigenossen erklären sich für die lose und gegen die geschlossene Vereinsorgani- sation, weil sie in dem noch bestehenden Vereinsgesetz, das ein Verbindungsverbot der politischen Vereine und die Anmeldepflicht der Mitglieder bei der Behörde enthält, einen Hinderungsgrund für die Bildung von geschlossenen Vereinsorganisationen sehen. Schliesslich wurden die folgenden Grundsätze für das noch auf diesem Parteitag. auszuarbeitende Organisationsstatut an- genommen: „Mitglied der Partei ist nur, wer der politischen Organi- sation seines Wohnortes angehört. Als Grundlage oer politischen Organisation ist überall der politische Verein anzustreben. Wo und insolange die Umwandlung zur. Vereinsorganisation nicht vollzogen ist, gilt an Stelle dieser die bisherige Form der Or- ganisation als Grundlage. Für die Mitglieder, die nach dem Gesetze oder aus anderen wichtigen Gründen nicht Mitglieder des politischen Vereins sein können, ist die Zugehörigkeit und Beitragsleistung zur Partei- Organisation nach gleichen Grundsätzen zu regeln. Jedes Parteimitglied erhält als Legitimation die im ganzen Reiche und überall geltende einheitliche Parteimitgliedskarte. Die Leistungen des Parteimitgliedbeitrages ist auf dieser Partei- zzitgliedskarte mittels einheitlicher Marke zu quittieren. Die Quittungsmarken und Legitimationen werden durch die Landesorganisation von der Reichsparteivertretung bezogen und gN die ihr unterstehenden Organisationen abgegeben. Die Aufteilung deS Parteibeitrages unter die verschiedenen Parteiinstanzen erfolgt auf Grund der von den Bezirks-, Kreis- und Landeskonferenzen sowie vom Parteitage gefahten Beschlüsse über die Höhe der Beitragsleistung. Der monatliche Mindest- beitrag hat jedoch für jedes Mitglied nicht weniger als 20 Heller 33 betragen. Die Einhebung des ParteibetrageS geschieht in der Weise, Laß die Ouittungsmarke von der Reichsparteivertretung gegen Erlegung des Reichsparteibeitrages der Landesorganisation, von dieser wiederum um den Betrag deS Landesbeitrages an die Kreisorganisation, von dieser um den Kreis-, Landes- und Reichs- beitrag an die Bezirksorganisation und von dieser endlich um denjenigen Betrag, den Bezirks-, Kreis-, Landes- und Reichs- beitrag zusammen ergeben, an die Lokalorganisation abgegeben wird." Nachdem der Referent Seliger-Teplitz als das Resultat der Debatte bezeichnet hatte, dass sich der Gedanke der geschlossenen Vereinsorganisation siegreich auf dem Vormarsche befinde, wurde eine Kommission gewählt, die nach den angenommenen Grund- fätzen und einer grossen Anzahl dazu borliegender Anträge das neue Statut auszuarbeiten hat. Nachmittags wurde u. a. folgende Depesche des Partei- sekretärs der serbischen Sozialdemokratie, T u tz o w i t s ch, verlesen: «Ich vermittele Ihnen die Grütze der serbischen Sozial- Demokraten. Trotz aller Feindseligkeiten und Gegensätzen der Herrschenden trennt uns nichts von den Genossen Oe st erreich s. Hoch die internationale Sozialdemokratie."(Stürmischer Jubel.) Dann wurde in die Verhandlung deS nächsten Punktes der Tagesordnung eingetreten. Genosse Anstcrlitz referierte über den Punkt Parteipresse: Die Presse ist eines unserer wichtigsten Agitationsmittcl, das Haupt- mittel, um das Ideal der Sozialdemokratie zu erreichen, dass die Partei immer mobilisiert ist, dass jeder Arbeiter zu sozialistischem Denken, zu einem ziclbewussten Genossen erzogen wird. Wenn der Abonnentenstand unserer Presse nicht ganz auf der Höhe unserer Parteientwiekelung steht, so ist ein Hauptgrund dafür in dem Um- stand zu suchen, dass im österreichischen Volk wenig Neigung zur Reflektion besteht. In Wien ist die verbreitetste Zeitung zugleich die schlechteste Zeitung. Diese Blätter bewirken eine Verflachung des Empfindens, des Geschmacks und des geistigen Gehalts des Ar- beiters. wie sie nicht schlimmer gedacht werden kann und machen es unmöglich, sein geistiges Bewußtsein zu der Höhe zu steigern, auf die eine Kampfpartei, wie die Sozialdemokratie, nun einmal nicht verzichten kann. Der Kampf gegen diese Schmutz- uitd Bilderpresse kann nun nur durch eine Zeitung geführt werden, die den bercch- t igten Ansprüchen des Arbeiters auf geistige Unterhaltung ebenso Rechnung trägt wie seinen politischen und wirtschaftlichen Ueber- zeugungen. Das Problem ist dabei natürlich das: die Zeitung jnuss von dgm AxjhZitex guKö?KeUt öbex der Nz- berter mutz mit der Zeitung wachsen.(Sehr gut!) Ich glaube, Sie werden anerkennen, dass die„AÄeiterzeitung" bestrÄt war, diese Richtlinien innezuhalten. Wenn Genosse Renner bei einer früheren Gelegenheit gesagt hat, die„Arbeiterzeitung" lehre nicht mehr wie früher in jedem Artikel das ABC des Sozialismus, |0 ist das richtig, aber ich habe gefunden, datz diese Pädagogik auch in der so mustergültigen reichsdeutschen Parteipresse nicht geübt wird. Wir betrachten es als unsere Hauptaufgabe, an jeder aktu- ellen Frage die Klassengegensätze aufzuzeigen.(Zustimmung.) Ich meine aber, wir sind in der Partei im Punkt Zeitungslcktüre zu duldsam. Wir verfemen die Teilnahme an bürgerlichen Veran- staltungen, die Zugehörigkeit an bürgerlichen Vereinen, aber wir schreiten nicht ein, wenn ein Parteigenosse nicht das Parteiblatt, sondern ein bürgerliches liest. Und wenn ich diese Beobachtung nicht nur bei NichtParteigenossen, sondern bei zielbewutzten Ar- beitern, ja sogar bei Männern unseres Vertrauens mache, datz sie diesen Abfall aus der Hexenküche des Kapitalismus, diese niedrigste Schmutzpresse lesen, dann meine ich, würde es der Partei wohl anstehen, etwas weniger Toleranz zu üben.(Lebhafte Zu- stimmung.) Und die Organisationen sollten wirklich in dieser Rich- tung tätig sein. Uns fehlt aber der Ordnungssinn, der die deutschen Organisationen so sehr auszeichnet.(Heiterkeit.) Noch ein anderes Moment, was in Deutschland das Interesse an den Parteizeitungen erhöht, fehlt uns. Unsere politischen Diskussionen sind eigentlich nur nach außen gerichtet. Unser inncrpolitisches Leben ist nicht so reichhaltig wie bei der deutschen Partei. Es steht mir nicht zu, ein Urteil darüber zu fällen, ob es notwendig ist, datz die D i s- kussionen in Deutschland sehr häufig zu grossen Streitereien ausarten.(Grosse Heiterkeit.) Aber es ist dies doch ein Zeichen des starken Lebens innerhalb der Partei, das wieder ein erhöhtes Interesse an dem Inhalt der Parteiblätter zur Folge hat. Wie sind ja in der glücklichen Lage, nicht solche Differenzen zu haben, die den einzelnen Genossen in Deutschland zu gewissen Rufnamen verholfen haben. Wir bleiben hoffentlich immer bei der altbewährten österreichischen Art, alles, was wir auf dem Herzen haben, ohne Gehässigkeit zu sagen und das Interesse an der Sache, nicht das Interesse an der Kritik voranzustellen.(Erneute Heiterkeit.) Aber ein st ä r k e r e s inneres Partcileben könnte auch uns und der Verbreitung unserer Presse nicht schaden.(Sehr richtig!) Ich hoffe zwar, daß es der„Arbeiterzeitung" nicht so ergehen wird, wie es der Fraktion von einigen Rednern ergangen ist lHeiterkeit), aber es wäre mir durchaus unerwünscht, wenn nicht kritisiert werden würde. Nur Kritik kann zeigen, dass das Interesse an der„Arbeiterzeitung" im Wachsen begriffen ist.(Beifall.) Nun ein paar Worte über unsere wissenschaftliche Revue. Wir können ausserordentliche Genugtuung über die Schaffung unseres neuen wissenschaftlichen Organs, des„Kampf", empfinden. Der„Kampf'' ist unsere stärkste geistige Leistung in den letzten zwei Jahren und er hat sich lebhafte Anerkennung innerhalb der gesamten internationalen So- zialdemokratie erworben.(Sehr richtig!) Den Schöpfern des Blattes, den Genossen Dr. Braun, Dr. Bauer und Dr. Nenner gebührt der Dank des Parteitages.(Lebhaste Zu- stimmung.) Gut entwickelt hat sich die„Arbeiterinnen- z e i t u n g" und ich glaube, man würde dieser guten EntWickelung nur schaden, wenn man einem hier gestellten Antrage, aus der „Arbeiterinnenzeitung" eine Art Familienblatt zu machen, stattgeben wollte. Der Abonnentenstand unseres Witzblattes„Der Glühlichter", ist von 30 000 auf 13 000 zurückgegangen. Es ist bei uns anders wie in der deutschen Partei. Obwohl drauhen Jahr für Jahr Klagen über das rcichsdeutsche Parteiwitzblatt laut werden, obwohl man von ihm sagt, dass es zwarcinWitzblatt.aber kein witziges Blatt sei(Heiterkeit), hat die Abonnentenziffer des deutschen Blattes eine riesige Höhe erreicht. Dabei ist es doch ganz klar, daß der Hang zur Verspottung und Verhöhnung deS Gegners in der Sozialdemokratie sehr ausgebildet ist. aber der Witz und Humor, der in unseren Parteikreiscn lebendig ist, spiegelt sich leider nicht in unserem Witzblatt wider. Ich meine, die Partei- instanzen sollten sich der Sache annehmen. Redner geht im weiteren Verlauf seiner Ausführungen auf die Ausgestaltung des Press- rechtes ein. Früher habe das Bürgertum die Pressfreiheit als eine Gunst angesehen; jetzt betrachte sie es als eine Last. Ueberdics sei es, solange das Parlament in dem gegenwärtigen anormalen Zustand sei, fast unmöglich, eine positive Reform durchzusetzen. Redner fchlicsst: Die EntWickelung geht dahin, datz eine Zu- sammenballung aller bürgert ichen Parteien gegen die Sozialdemokratie stattfindet. Die Unterschiede zwischen den einzelnen bürgerlichen Parteien der- wischen sich allmählich. Die bürgerlichen Parteien finden sich alle zusammen in ihrem scharfmacherischen Geist gegen die Arbeiterbewegung. Und alle Versuche, diesen Prozetz aufzuhalten, werden vergeblich sein. (Lebhafte Zustimmung.) Die nationalen bürgerlichen Parteien bilden einen Kuddelmuddel, dessen ganzer Lebensinhalt der Haß gegen die Arbeiter ist. Diese EntWickelung spiegelt sich natürlich auch in der Presse Wider. Die bürgerliche Presse ist eine Scharf- macherpresse. Sie nimmt ihre Lügen vom deutschen Reichsverbande, weil das eine deutsche Sache ist(Heiter- keit), als wenn sie nicht selbst genug in Oesterreich fabrizieren könnte. Unser Ziel mutz es deshalb sein, aus jedemArbeiter einen Sozialdemokraten zu machen, denn nur so können wir dem gesamten Heerbann der bürgerlichen Parteien ent- gegentreten.> Es gibt mehr Arbeiter als Bürgerliche; w i r brauchen den Bürgerlichen nicht nachzulaufen. Unsere Presse ist eine Hauptquelle unserer Kraft. Sie müssen wir zu der Waffe ausgestalten, die in diesem schweren Kampf unseren vereinigten Widersachern gewachsen ist.(Stürmischer Beifall.) Genosse Emmerlimg-Wien berichtet über die Entwickelung der deutsch-österreichischen Parteipresse: überall werden Klagen über zu geringen Absatz der Presse laut. Auch die F l u g b l a t t v e r- br ei tung mutz besser werden; damit wird der Verbreitung der Parteipresse vorgearbeitet. In den grossen Versammlungen mutz mehr als bisher für die Ausbreitung der Presse agitiert werden. Die Partei verfügt über zwei Tagesblätter, 4 Blätter, die dreimal, 9 Blätter, die zweimal wöchentlich erscheinen, über 9 Wochenblätter, ein 14tägig erscheinendes Blatt. Die Parteipresse leidet unter einer grossen Fluktuation der Leser. Der Gesamtzuwachs an Abon- nentcn beträgt 45 124. Parteisekretär Skarct-Wien berichtet über die Volksbuchhand- lungen. Er schließt mit anerkennenden Worten für den bisherigen verdienten Leiter der Buchhandlung, Genossen Brandt, der aus Gesundheits- und Altersrücksichten aus seinem Amte geschieden ist. In der Diskussion wünscht Schicgel-Wien eine etwas populärere Schreibweise der„Arbeiterzeitung". Bernstcin-Gablonz bespricht die bereits vom Referenten berührte Frage der Gründung eines grossen Tageblattes für ganz Deutsch-Böhmen, hält es für überflüssig, datz in jeder deutsch-böhmischen Bezirkshaupt- Mannschaft ein kleines Parteiblättchen erscheine. Sehr wünschenswert erklärt der Rqdner die Schaffung einer belletristischen Beilage, die Schaffung einer ins Oesterreichische übersetzten„Neuen Welt". Ge- nossin Popp-Wien spricht sich gegen den Antrag aus. die„Arbeite- rinncnzeitung" zu einem sogenannten Familienblatt auszuge- stalten. Sie verlangt, datz für die„Arbeiterinnenzeitung" mehr agitiert werde, ebenso wie für Broschüren, die Frauenfragen be- handeln. Nach einem längeren Schlußwort von Austcrlitz, in dem er in ebenso geist- wie humorvoller Weise auf die einzelnen in der Debatte zutage getretenen Beschwerden gegen die Redaktion der „Arbeiterzeitung" eingeht, und nach einem kurzen Schlußworte der beiden anderen Referenten, Emmerliog und Skaret, wird ein An- trag der Bezirksorganisation Wien XVlII, der von der„Arbeiter- zeitung" eine mehr sozialistische Schreibweise und grössere Be- achtung der gewerkschaftlichen Kämpfe verlangt, mit der Moti- Vierung fast einstimmig abgelehnt, dass diese Vorwürfe gegen die „Arbeiterzeitung" gänzlich unberechtigt seien. Die übrigen die Parteipresse betreffenden Anträge, Anregungen und Wünsche werden der Parteivertretung überwiesen. Die weiteren Verhandlungen wexden hierauf auf Freitag früh tzertggtz sür den fchwedifchen Generalftreüt. Bei der Berliner Gewerkschaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: 9355 Druckerei G. Eichler, 5. Rate 8,50. Deutscher Mctallarbeiter-Ver- band, Ortsverwallung Berlin, aus folgende Listen: 3L32 Schwarzlose, Waffensabrik 53,—. 3776 Hein u. Lehmann 7,35. 3992 Altuiann 12,70. 8315 Stolzenberg, Gießerei 22,55. Schneider, Kastanien-Allee 8496 27,85, 8497 36.10. 3589 Buhle, Dreherei. 4. Rate 15.45. 8634 A. E. G. Monteure 5.45. 8653.H. Reinhold 34,20. 8680 Senunler u. Bleiberg, Dresdener Str. 29,—. Siemens Eisengießerei 10166 12,60. 10167 16,45. 10171 Büppel 8,75. 10172 Koppe u. Schulz, 5. Räte 16,30. 10186 Jaeche 37,05. Stock u. Co., Mariendorf. 4. Rate 10193 19,95. 10194 32,50. 10195 14,95. Lege! u. Co.. 5. Rate 10220 14,95. 10221 3,80. 10222 3.55. F. Gaebevt, 6. Rate 10227 2,—. 10228 9,50. 10229 18,05. 10230 15,25. 10231 17,55. 10232 Brau u. Wolff 3,10. 10236 Pahnlc, 6. Rate 7,30. 10237 Eckner, 6. Rate 9,—. 10238 G. Lenz, 4. Rate 15,30. 10239 Kremmener 10,75. 10246 Speck. 6. Rate 18,40. 10287 Frost u. Söhne. 5. Rate 41,05. Werner. 5. Rate: 10289 13,95. 10290 15.50. 10291 12,25. 10292 27,80. 10293 25,—. 10298 Hauptner, 6. Rate 44,50. 10299 M. Lindner, 4. Rate 12,90. 10397 Schönheimer, 6. Rate 14,40. 10337 Kunsch u. Jäger, 2. Rate 7,45. 10423 Ziilke, 5. Rate 9,35. 10447 Gebr. Arndt 23,20. 10452 Deutsche Bioskop. Gesellschaft 7,75. 10454 Emmerich u. Schöning, 6. Rate 17,85. 10456 Asch u. Sons, 3. Rate 20,30. 10473 Köppe u. Schulz, 6. Rate 23.—. 10578 Möhring, Mauerstraße, 5. Rate 4.—. Fritz u. Co.. 2. Rate 18,70. Tcllersammlung der Feilenarbeiter, 3. Rate 4,—. 10223 Eckel u. Glienicke, 6. Rate 21,55.(In Summa 919,30.)— 5378 Schneider v. B. Leinweber, 2. Rat- 12.-. 5791 Galvanische Anstalt Enkel 3,05. 9171 Aus der Bau. Hütte 211), Bez. Rixdors 6,—. Zentralverband aller in der Hut- und Filz- warenindustrie bcschästigten Arbeiter und Arbeiterinnen, Ortsverwaltunz Berlin, 6. Rate auf solgcnde Listen: 9198 Zechelius 9,05. 9200 Silber- niann u. Co. 8,70. 9202.Huth 12,75. 9215 Reichwald 4.—. 9243 Paul, Schdelswaße 3.25. 9-247 de Roche 6,50. 10941 Weiß 8,—. 10944 P, u. C Habig 1,75. 10949 Bcrlelt 7,75. 10950 und 10951 Silber u. Brandt 21,60. 10952 Roik 4,—. 10954 Reiser 1,50. 10955 C. W. Borchcrt 6,40. 10956 Schlesinger 3,75. 10957 Neubauer, darunter 2,— Geburtstags- spende 6,—. 10964 Kirchhoff 6,50. 10967 S. Bock 13,15. 10971 Gundclach 2.—. 10972 David u. Lvwenftein 1,75. 10974 Burlert 6,50. 10975 Pniower 5,25. 10976 Engel u. Co. 7,05. 10977 Teschner 5,10. 10980 Brühlich 1,75.(In Smnma 154,05.)— 10046 Firma Stein, Alte Jakobstraße 23 10,40. 6537 Lauhilssarbeiter 4,55. Gemütlicher Abend, Bezirk 337 2,—. Zentralverband der Schuhmacher, Zahlstelle Schönebcrg 20.—. 6193 Bau Schvneberger Krankenhaus 14,60. 6115 Osten kl Bau Boswau u. Knauer 15,55. 6140 Maurer und Hiljs- arbeiter der Linoleumsabrik Rixdors 7,35. 3877 Berliner Turnerschast 9. Abt. 10,80. 7402, 7405, 740? und 7410 3. Abt. 2. Wahlkreis, darunter Schlosser von Ullstein 7,50. Schlosser vom Lolat-Anzciaer 4,35 und Kollegen von G. Drechsler 8,65, in Summa 41,40. 9997 Kollegen vom Alexanderwerk, 4. Rate 19,—. Druckerei H. S. Hermann, 4. Rate 29,35. Tischlerei A. Fiatow 10,—. 10990 Metallarbeiter v. Prothmann u. Wobeier, 6. Rate 8,15. 9879 bis 9884 Buchdruckcrei Mittler u. Sohn, 6. Rate 68,70. 9904 Berbandsmitglieder und Htlssarbeiter von Liebhcit u. Thiesen 7,80. 9324 Tellersainmluiig Einschalcr von M. Czarnikow u. Co. 9,35. 11374 Metall- warensabr. von Herberg u. Co., 2. Rate 13,40. 8911 Buchdruckerei Paß u. Garled, 7. Rate 45,—. 11144 Buchdruckerei G. Bernstein, 6. Rate 12,15. 11335 Tischlerei Siebert u. Schwcsinger, 7. Rate 11,70. 11377 Bronzcwarensabrik Spinn u. Sohn, 6. Rate 22,—. Bootsbaucr Berlin, 2. Rate 7,50. 8840 Korrespondenz Gelb 2,30. Bau Böttcher durch Kerber 9,25. 9483 Buchbindcreiabt. Deutsche Warte, 2. Rate 25,—. 7524 2,15. Zuckersack Salzuser 7 6,—. 11306 bis 11310 Berbandsmitglieder der Buchdruckerei Büxenitein 67,—. Von den Anschlägern bei tließling, 2. Rate 15,80. GcwerkschastSkommijsion Rheda, 2. Rate 20,—. Rnhnau, Eisen- Möbelfabrik 6.05. Partie am Scharniützelscc durch Thorup 5,—. Organis. Maler von Fischer u. Naß Bau Lichtenberg, 4. Rate 9,—. Stammtisch Laus, Huttenstraße 3,10. Arbeiter d. Deutsch. Tagesztg., 6. Rate 7,25. T. B. 88 2,50. Von den Kollegen der Bautischlerei Nütz 4,90. EinsegnungSscicr Nowawes 2,10. Neuenhagen, ein Stück Kuchen d. Schumann 1.80. Gesammelt in der Sitzung des Vereins P. P. S. 3,30. Arbeiter- Nadsahrcrverein Zehdemck 10,—. Laubenkolonie„Gicsiand" 10,—. Hankes Bäckerei, Weinbergsweg 3,25. Vnlag7und, Expedition„Volksbote', Stettin 680,—. T. d, W. Buch- holz 10,80, Hochzeit beim Blauen in Köpenick 6,10. Pianosabril A. Lch- inann u, Co, 15,55. Buchdruckcrei Denier u. Nicolas, 5. Rate 4,—. Ein- setzcr v. D. Wcgner, 4. Rate 23,—. 8830 Personal v. Bartholdt u. Klein 11,30. Verband der Schneider und Wäschearbciter, Filiale Steglitz 21.—. 4. Rate der Tischler von Hornig 6,53. 10781 13,45. Firma Rüdiger Nachf., Wäscheverleihgeschäst 2,10. Branchenversammlung der Handtuchsährcr 7,50. Handtuchsahrer Marienburger Straße 8,—. Faffadenputzer vom Vau Reform- gymnasium Friedenau, 5. Rate 8,50. Verband der Maurer(Sektion der Putzer) Berlin, aus solgende Listen: 7249 7,45. 7254 3,30. 7257 4,35. 7274 7,75. 7277 11.30. 7279 12,25(in Summa 46,40 M.). Verband der Maurer(Sektion der Putzer) Berlin, aus der Lokalkasse, 2, Rate 1000,—. 4764, 4767 und 4768 Verband der Schneider(Filiale II) 46,55. Verband der Lederarbeiter(Berlin II) aus solgcnde Listen: Lederfabrik 4769 Fritz 5,25. 4790 Salonion 21,75. 7811 Römer 11.90. 7813 Stcinlein 9.50. 11279 RöSler, nasse Werkstatt 4,85. 11230 Röster, Zurichter 6,05(in Summa 59,30). Textilarbeiterverband, Filiale Eilenburg 50,—. 11289 Handtnch- sahrer Emensia, 5. Rate 11,05. 11290 Metallarbeiter v. Förster ü. Runge 12,25. Freie Jugeildorgaiiisation Berlin-Ost 13,50. Sparvercin Nickel 10.—. Kronlcuchtersabrit v. D. Schlesinger 5,55. 9837, 9889, 9890, 9891, 9894 und 9395 Buchdruckerei Ullstein u. Co., 6. Rate 9l,—. Ges. General Versammlung Wahlverein Spandau 22,72. Skatllub Fidelilas 5,50. Psropsenverein Nordost 5,—. 9484 Vers, der Kartonarbeiter und Arbcilcrinncn v. 17.19. 09 11,50. 6274, 9453, 9463 und 10930 Verband der Buchbinder, Zahlst. Berlin 32,95. 9860 bis 9363 Setzer, Maschincnmcistcr u. Stercotppciire v. O. ClSner, 4. R. 92,90. 8895„Borussia'-Druckerei, 3. Rate 9,40. 10872 Kollegen von Hugo Hart- mann, Köpeuicker Straße 10,55. 11316 Kollegen bei Gebr. Schaar 18,20. Bautischlerei Schcller u. Schulz 4,50. 9885 Buchdruckcrei der„Deutschen Warte' 18,05. Konfinnandeniisch bei Kynast 1,50. 11394 Goldleistcnsabrik Kubitz u. Imberg 7,70. 10937 Berliner Druckerei, 6. Rate 5,85. Unter» kommission Schönebcrg aus solgende Listen: 1160 2. Rate v. den Arbeitern der Firma„Bedag", Depot II Halcnsee 21,10. 1161 Bezirk 7a Schöne. bcrg 12,50. 1174 Bezirk 3a Schönebcrg 3,70. 4441 3. Rate der Firma Taxameter. Mauerstraße 86—88 33,—. 4444 Fliesenleger und Hilssarbeiter vom Bau der Talgschmelze Lichtenberg, 5. Rate 39,—. 4446 Gesammelt durch Weißenborn 5,20. 7452, 7453 und 7454 5. Rate der Tischlerei Max Wegcncr, Schöneberg 32,20.(Summa 146,70).— 8594 Kollegen bei Fritz Becker 6,75. G. B. 3,—. Kollegen bei Fricke u. Stiller 9,—. 9388 Pianinosabr. Nöskc u. Co.. 4, Rate 15,35. Modelltischlerei Gallo, 2, Rate 10,—. 10985 Klaviatursabrlk v. Wernicke, 6, Rate 19,—. 11304 Berliner Genoffenschastsbäckerci, Gerichtstr. 23,50, 10680 RotationSarbcitec „Berliner Lolal-Anzeigcr' 21,15. 10788 Herdsabrik Bauin, 3. Rate 15,55. Hilsspersonal der Akkord- und Rotations-Abt.„Berliner Tageblatt', 7. Rate 49,—. 11380 Kollegen der Pianinosabr. E. Koch u. Co. 13,25. Verband der Gemeinde» und Staalsarbeiter, Ortsverwaltunz Berlin. 4. Rate, aus solgcnde Listen: 4252 Ortsbureau 10,50. Gasanstalten Müllerstr. 4269 11,15. Gitschincrstr. 4257 21,15. Danziqcr- straße 4236 14.40. 4237 14,90. Tegel 4027 19,70. 4241 17.85. 4242 5.90. 4243 10.55. Rcvierinspektioncn 4008 16,30. Oeffcntliche Beleuchtung 2670 7,10. 4216 15,70. 4253 7,60. 4211 Kohlenplatz 7,25. 4149 Rieselscldcr 5,60. 4262 Laternen Wärter der engl. Gasanstalt 12,65. 4249 Englisches Gaswerk Mariendors 9,—. 4279 10,20. 4232 Straßenreinigung 8,55. 4060 Charlottenburg 4,30. Tellersammlung der Rixdorscr städt. Arbeiter 9,75. (In Summa 240,10) In Summa 4 694,52. Bisher sind abgeliefert 182 513,35 M.; dazu kommen 4694,52 M. Summa 187 207,87 M. Gelder, welche per Post eingeliefert werden, sind an A. K ö r st e n, E n g e l u f e r 1 ö I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau. Engelnfer 15 I, Zimmer 23, vor- mittags zwischen 9— lü'/z Uhr und nachmittags zwischen 4— 7'/z Uhr abzuliefern. Die Listen 3395. 8687, 8243, 1860. 2614, 6542, 1402, 7186, 7908. 936, 922, 941 und 8342 sind verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. _ Der Ansschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Lexika H kauft Dr. Sehünemann llanncmann» Buchhandlung, Spezialarzt für Haut- und Harnleldea, Berlin, FriedrichstraBe 208. Frauenkrankheiten. ksceonhärlni« jeder Art AugnsüT- Fr,®dir,cistr- 203, Ecke©ichützenftt. RdSitöllällBr Bad, ftöScmcfcrftr.60 SÄochentogs 10—«, 5—7. Ilrbßitot finden für ihren Zkru) gute und billige XlOidltttCI in grosser Auswahl SrunnsnLtr. 158, Felder Saden. Mein Geschäft hat mit den„Gelben Gewerkschastcn' nichts zu tun. SoziaidetnokratiseberWablfereiii für den 2. Berliner Mehstags-Wablkreis. (Bezirk 43.) Nachruf. ttm Dienstag, 21. September, verstarb unser Mitglied, der Gast- Wirt Hermaim Neubauer. Die Beerdigung hat bereits am 24. September stattgefunden. Der Borstand. Zentralverliaiiii Brauerei-ÄiMer. Ortsverwaltung Berlin. Am 22. September verstarb nach langen Leiden unser Kollege, der Reservesahrer l�emhoM Hertel (Spandauerberg-Brauerei) an der Proletarierkrankheit. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. September, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhoss in Stahnsdorf (an der Wannseebahn) aus statt. Rege Beteiligung erwartet 43/10 Die Ortsverwaltung. Danksagung. llr die zahlreichen Beweis« herz licher Teilnahme bei der Beerdigung meine? lieben Mannes und Vaters sagen wir allen Bekannten und Arbeitskollegen der Firma F. Ohrcn> ftew u. Koppel, insbesondere dem Wahloeretn sowie Transportarbeiter- verband unseren herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe Stinna Hasselberg/ nebst Kindern. Nie wieMeMe Gelegenlieit! Zündhölzer imprägniert, allerfeinste Qualität; 2 Pakete... MI.—,25 10,.... 1,20 50„»>., 5,80 100..... 11,50 solange der Vorrat reicht, zu haben. Zündholz-Zentrale Chausseestr. 00. Bei Abnahme von Original- listen bedeutende Preis- ermästignng. 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Septmber 1909. i partei- Hugelcgciihciten» Sechster WahkreiS. Die Parteigenossen werden darauf auf- Merksam gemacht, dajj im Bureau des Wahlvereins, Ravenestr. 6, noch Nraniabilletts zu den morgen vormittag 10 Uhr und mittags 1 Uhr stattfindenden Vorstellungen zu haben sind. Der Eintrittspreis beträgt 65 Pf. inklusive Garderobe. Achtung! Moabit! 42. und 43. Kommunalwahlbezirkl Die Genossen der 8. Abteilung wollen sich am Sonntag früh 8 Uhr recht zahlreich in ihren Bezirkslokalen einfinden. Die Genossen der 7. Abteilung gehen nach den ihnen zugewiesenen Lokalen. Das Wahlkomitee. Zur Lokallistc. Anläßlich der am Sonntag, den 26. September, auf dem Flugplatz„Johannisthal" stattfindenden Wettssüge weisen wir darauf hin, daß uns dortselbst folgende Lokale streng v e r- weigert werden:.Einsiedler", Ww. Bortz,.Wald kater", Jnh. Wicland,„Kaiser W i l h e lm s g a r t e n", Jnh. Roß,„Lenzes R e st a u r a n t", Ww. Lenze sfrühcr Faustniann). Wir ersuchen daher, diese Lokale streng meiden zu wollen. Die Lokalkommission. Nixdorf. Bcrechtigungskarten zu der morgen nachmittag 2s/4 Uhr im Rixdorfcr Theater, Bergstr. 137, stattfindenden Theatervorstellung .Der Richter von Zalamea" sind in der Spedition, Neckarstr. 2, und von Sonntag früh 8 Uhr ab im Restaurant Hugo Meier, Prinz- Handjcry-Straße 3, bis kurz vor Beginn der Vorstellung erhältlich. Der Bildungsausschuß. Oder-Schöneweide. Die Genossen, welche sich am Sonntag, den 26. d. M., an der Gedächtnisfeier in Hohen-Neuendorf beteiligen, fahren 11.59 Uhr vom Bahnhof Nieder-Schöneweide und 12.46 Uhr vom Bahnhof Gesundbrunnen nach Hohen-Neuendorf. Der Vorstand. KarlShorst. Dienstag, den 28. Sept.: Mitgliederversammlung im Restaurant zum Fiirstenbad. Beginn SVa Uhr. Bericht vorn Parteitag in Leipzig. Referent: Genosse Grauer. S o n ntag früh 7 Uhr treffen sich die Genossen am Bahnhof Karlsbof zum Abmarsch nach Biesdorf. Die Biesdorfer Ge- nossen wollen sich bis spätestens 3'/z Uhr bei Gustav Berlin einfinden. Die Genossen, die sich an der Denksteinsetzung in Hohen- Neuendorf beteiligen, treffen sich um 12 Uhr am Bahnhof Karlshorst. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Heute Sonnabend, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn Tcoppens, Nudower Str. 54, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Verbands� generalversammlung von Groß- Berlin. 2. Aufnahme neuer Mit glieder. 3. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Ncuenhagen und Umgegend. Am Sonntag, den 26. d. M., nach' mittags 4 Uhr, findet im Lokal„Zum alten Dessauer", Petershagen, Hcnnickendorser Straße, eine Volksversammlung statt, in der Gen. Ad. Hoffmann referieren wird über: �Wie schütze ich mich gegen neue Steuern?" findet eine Handzettelverteilung statt. dieselben von den Bezirksführern zu Zu dieser Versammlung Die Genossen werden ersucht, entnehmen. Rcinickendorf-West. Zu 3 Uhr, auf dem Friedhof in der morgen, Sonntag, nachmittags Hohen-Neuendorf stattfindenden Eni' hüllung eines Denksteins für Adolf Herrmann werden die Genossen ersucht, sich zahlreich einzufinden. Abfahrt vom Bahnhof Wittenau Mordbahn) nachinittags 1,04, für Nachzügler 1,44 Uhr. Tegel. Morgen Sonntag, den 26. Septembe�, nachmittags 4 Uhr, findet in Tegelort, Lokal Schöne, Scharfenbergerstr. 9, eine Volksversammlung statt. Die Genossen und Genossinnen werden gebeten, sich zahlreich an dieser Versammlung zu beteiligen. Ab- marsch in Tegel 2'/» Uhr nachmittags vom Genossen Krause, Berliner Straße 11.' Die Bezirksleitung. W-ißensee. Morgen. Sonntag, findet auf dem Friedhof zu Sohen-Neuendorf eine Gedenkfeier und Denksteinenthüllung für den enossen Herrnmnn statt. Diejenigen Genossen, welche sich hieran beteiligen, fahren ab Gesundbrunnen 12,46 Uhr nachmittags bis Stolpe. Treffpunkt Lokal Bergemann. Bernau- RLntgcntal. Heute abend Uhr Versammlung im Lokal von Salzmann, Basdorfer Straße. Dw Tagesordnung ist von außerordentlicher Wichtigkeit; es werden daher auch besonders die Röntgentaler und Schönower Genossen darauf hingewiesen. ßerlincr JVachricbten» Der Krankentransport in eigener Regie in Schöneberg. Die Ucbernahme des Krankentransports der Stadt Schöneberg in eigene Regie und seine Uebertveisung an die Feuerwehr hat sich, wie die Monatsübersicht des Betriebes ergibt, auf das beste bewährt. Im Juni d. I. wurde der bespannte Krankenwagen 71 mal, der Automobilwagen 82mal in Anspruch genommen. Es wurden 157 Personen befördert. Die zurückgelegte Wagenstrecke betrug im ganzen 17lX> Kilo- Nieter und nahm 200 Stunden in Anspruch. Zahlungspflichtig waren die Krankenkassen mit 297, Einzelpersonen mit 602, die Armendirektion mit 66 M., so daß sich ein Gesamtbetrag von 965 M. ergab. Ungefähr auf derselben Höhe hielten sich die Zahlen im Monat Juli, so daß man annehmen kann, daß die Verbindung des Krankentransports mit der schnell und exakt arbeitenden Feuerwehr allgemeine Anerkennung findet. �_ Bahnhof„Heerstraße". Am 1. November d. I. wird, wie die köuigl. Eisenbahndirektion Berlin bekannt gibt, die links der Bahn- strecke Charlottenburg— Spandau neu errichtete Haltestelle„Heer- st r a ß e" für den Personen-, Gepäck- und Exprcßgutverkehr eröffnet werden. Die Entfernungen betragen: zwischen Heerstraße und Char- lottenburg 3,24 Kilometer, zwischen Heerstraße und Spandau 4,77 Kilometer. Zur Bedienung des neuen Bahnhofs werden sämt- liche Vorortzüge der Strecke Spandau-Charlottenburg in beiden Richtungen halten.— Die neue Haltestelle ist sehr geräumig und bequem angelegt; vom Kaiserdamm aus führt eine breite Treppe hinab zum Bahnhofsgebäude, das gegenwärtig schon abgeputzt wird. Soldaten als Konkurrenten freier Arbeiter. Wir haben kürzlich schon gerügt, daß zur Herstellung des Flug- Platzes der deutschen Flugplatzgescllschaft in Johannisthal an Stelle der dort beschäftigten freien Arbeiter Soldaten eingestellt worden find, wodurch zahlreichen Arbeitern Arbeitsgelegenheit entzogen wurde. Die Gewerkschaftskommission von Berlin hat sich darauf hin beschwerdeführend an das Kriegsministerium gewandt und wollte in einer Audienz persönlich die Klagen der Arbeiter vortragen. Die Vertreter der Arbeiter sind aber gar nicht vorgelassen worden; man hat ihren Schriftsatz, in dem die Klagen näher dargelegt werden, entgegengenommen und will schriftlich antlvorten. Bis heute ist eine Antwort nicht eingegangen. Inzwischen ist aber keinerlei Aenderung in der Sachlage cm- Dekreten und die Soldaten haben nahezu die Arbeiten vollendet. Es ist unseres Erachtens gänzlich ungehörig, Soldaten zu diesen Arbeiten zu verwenden. Die Soldaten sind nicht dazu da, den freien Arbeitern das Brot wegzunehmen, denselben Arbeitern, die zur Erhaltung unseres Reichsheeres durch ungeheure indirekte Steuern beitragen müssen, und es muß immer wieder ganz ent- schieden gegen eine derartige Verwendung von Militär Protest erhoben werden._ | Die Spielhölle im Vorortzug. Während die Berliner Polizei den Gastwirten, in deren Räumen verbotene Glücksspiele getrieben werden, recht energisch zu Leibe geht, gibt es bei uns jedermann zugängliche Stätten, in denen ungeniert„getempelt" wird. Uns wird dazu geschrieben: Als ich gestern abend vom Strausberger Nennen mit dem Vorortzug 9.6 Uhr nach Berlin zurückfuhr, teilte ich mein Abteil mit einer Gesellschaft, die ihren Gesprächen nach der ehrsamen Zunft der„Rennbahuschieber" anzugehören schien. Kaum setzte sich der Zug in Bewegung, so breitete einer der Passagiere ein Zeitungsblatt aus. belegte es mit acht Streichhölzern, holte Spielkarten aus der Tasche und nun begann das schöne Spiel„Meine Tante, deine Tante". Der Bank- Halter ermunterte die Passagiere mit der Aufforderung:„Jedermann kann sich beteiligen I" und er erzielte bei dem Spiel auch ansehnliche Umsätze. Nickel wurde nicht angenommen, dafür wurden aber wieder' holt Goldstücke gesetzt. Auch aus den Nebenabteilen wurden Mit- spieler herangeholt und bald war die Beteiligung so groß, daß eine Filiale des„Tempels" errichtet werden mußte. Aus einem Täschchen holte ein anderer Passagier ein aufklappbares Brett, das auf einen Spazierstock aufgeschraubt wurde. Auf dem Brett war in sauberen Lackziffern die Skala der„Lustigen Sieben" aufgeklebt. Der Arrangeur stellte einen Knobelbecher mit Würfeln zur Verfügung und bald war auch das aus dem Nuhstrat- Prozeß bekannte'Würfelspiel im schönsten Gange. Die Bankhalter haben auf der Fahrt von Strausberg nach Berlin ganz nette Sümmchen eingenommen. Aus der ganzen Handhabung des Spiels und der Tatsache, daß für die„Lustige Sieben" ein zweckmäßig konstruierter transportabler Spieltisch vorhanden war, geht hervor, daß das „Tempeln" im Vorortzuge eine ständige Hebung der Herren von der Zunft zu sein scheint. Wird der Eisenbahnminister nun eine Anzeige wegen DuldenS verbotener Glücksspiele erhalten? Einen schönen Beweis von Pietät lieferten anläßlich der Be- erdigung des erblindeten, infolge Ueberfahrcns zu Tode gekommenen Adolf Dittmann die streikenden Zigarettenarbeiter und-Arbeiterinnen von Manoli, indem sie am Donnerstag am Grabe des früheren langjährigen Kassierers deS Tabakarbeiterverbandes einen hübschen Kranz niederlegten. UebrigenS wohnten auch zahlreiche Freunde und Bekannte der Beerdigung bei. Gesangverein„Nord", dessen Mitglied der auf so tragische Weise ums Leben Gekommene war, sang Traucrweisen und ließ gleichfalls einen Kranz niederlegen. Auch die Genossen deS Bezirks widmeten den»„Alten" ein letztes Liebeszeichen. Zur Warnung teilt der Inhaber eines Zigarrengeschäfts folgende Tatsache mit: In mein Geschäft, das meine Frau versieht, kam dieser Tage eine Zigeunerin und kaufte für 5 Pf. eine Zigarre, wo- bei sie 10 Pf. in Zahlung gab. Als meine Frau 5 Pf. herausgeben wollte, bat die Käuferin, doch nachzusehen, ob sich in der Kasse ein abgenutztes Einmarkstück mit dem Münzzeichen L befände. Als meine Frau verneinte, drang das Weib auf meine etwas der- schüchterte Frau ein und untersuchte selbst die Kasse. Die Gaunerin hat dabei etwa 8—10 M. gestohlen. Dieser Vorgang diene anderen Geschäftsleitten zur Warnung. Ein Kind an Kohlengasen erstickt. Das zweijährige Töchterchen Dorothea des Telegraphenarbeiters Krause in der Stübbenstr. 12 zu Schöneberg wurde gestern nachmittag erstickt in seinem Bette vor' gefunden. Das noch ganz neue Haus wird vorläufig nur von der Fainilie Krause bewohnt. Am Donnerstagabend war die Zentral' Heizung im Keller zum ersten Male angefeuert. Während nun Krause gestern seiner Beschäftigung nachging, verließ auch die Frau die Wohnung, nachdem sie das Kind schlafen gelegt hatte. Bei ihrer Heimkehr fand sie die Schlafstube mit Kohlengasen angefüllt, die wahrscheinlich aus dem Keller eingedrungen waren. Das Kind lag leblos im Bette und konnte auch durch einen herbeigerufenen Arzt und durch Samariter der Feuerwehr(Sauerstoffapparat) nicht wieder ins Leben zurückgerufen werden. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am 6. September cr., nach mittags 5 Uhr, wurde im Schilf des Tegeler Sees, in der Nähe des Kaiserpavillons, eine Flasche mit einem darin befindlichen Brief gefunden. Der Brief war an Herrn Hermann Puhlmann, Berlin, ohne nähere Angabe der Adresse gerichtet. Der Text des Briefes ist folgender: Tegel, den 2. September OS. Lieber Papa! Wenn Dich meine Zeilen erreichen, bin ich nicht mehr am Leben. Es ist nachts dreieinhalb Uhr. Meine trostlose Lage, in der ich mich befinde, hielt ich nicht länger aus, deshalb ist eS besser, daß ich diesen Schritt getan. Da ich kein Geld mehr besaß, so mußte ich auf diesem Wege Euch, meine Lieben, verständigen. Sucht mich nicht, ich habe einen seltenen Tod gewählt, indem mich niemand finden wird. Ich liege auf dem Grunde deS Tegeler Sees. Aber nun, lieber Papa, grüße noch alle Lieben von mir, der- zeihe mir bitte diesen Schritt. Auf Wiedersehen I Dein Paul. Auf der vierten Seite des Briefes: Auf Wiedersehen dort oben! Herrn Hermann Puhlmann, Berlin. Die bisherigen Ermittelungen nach Hermann Puhlmann waren erfolglos. Es wird daher gebeten, daß sich der hier in Frage kommende Hermann Puhlmann zwecks Aufklärung des Sachverhalts bei der Kriminalpolizei Zimmer 331 oder in einem Polizeirevier zu Tagebuchnummer 3738, IV. 40. 09. meldet. Die Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur veranstaltet am Mittwoch, den 29. Sept., abends 8'/« Uhr, im Bürgersaale des Ber- liner Rathauses einen Vortragsabend über Fürsorge- erziehung. Als Referenten werden sprechen: Herr Lehrer Agahd über: M i e l e z y n— ein Schreckschuß oder Bußruf für Staat und Gesellschaft; ferner: Herr Pastor Crüsemann, Pfleger am städtischen Obdach, über: Grundlinien einer Fürsorgeerziehung. Eintritt frei! Diskussion l Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt der neue Vor- trag„In den Dolomiten, eine Wanderung anf der neuen Dolomiten- straße von Bozen über Toblach ins Pustertal", allabendlich, mit Aus- nähme von Mittwoch zur Darstellung. Am Mittwoch hat sich Herr Dr. Elias bereit erklärt, einen Vortrag„Die Flieger auf der Flug- woche in Verlin" zu halten. Außerdem finden anläßlich der Schul- fcrien Nachmittagsvorträge zu kleinen Preisen statt und zwar am Mittivoch, Freitag und Sonnabend„Rom und die Campagna" und am Donnerstag„Von Abbazia bis Korfu". Vorort- JVachricbtem Nixdorf. Nochmals:„Wie ein Hauswirt zu feinem Geld kommt!" Den Rentier Gustav Neu mann(Nixdorf, Allerstraße 7) hatten wir kürzlich(Nr. 217) in seinein Hausivkrtswalten gegenüber einer von ihm wegen Mietsschuld exmittierten Familie K. geschildert. Herr Neumann hat nun das Bedürfnis, sich öffentlich zu rechtfertigen: in einer Zuschrift an uns kommt er mit Beschuldigungen gegen die Familie K. und Entschuldigungen seiner eigenen Person. Er habe Nachsicht geübt und sei zur An- nähme von Ratenzahlungen bereit gewesen, doch seien ihm zuletzt noch Grobheiten statt Geld gegeben worden. Auch habe er nach erfolgter Kündigung die Absicht zu rücken vermutet, darum habe er schließlich der Familie einen Teil der Möbel abgenommen. Die übrigen Möbel habe er ihr nach erfolgter Exmission nicht vor- enthalten, er sei aber genötigt gewesen, sie wegbringen zu lassen. weil Herr K. das nicht selber habe tun wollen. Die Kosten dafür habe hinterher noch er, der Herr N., zahlen müssen. Die Familie K., die noch einmal von uns befragt worden ist, weist die� gegen sie vorgebrachten Beschuldigungen zurück. Zu der wohl auf einer irrigen Annahme des Herrn N. beruhenden Behauptung, K. habe den ihm überlaffenen Rest der Möbel nicht selber wegbringen lo ollen, stimmt schon nicht die Tatsache, daß er sich einen Wagen beschaffte, auf den er sie aufladen wollte. N. hatte dem von der Arbeit heimkehrenden K. gesagt, bis 10 Uhr abends müßten sie weggeschafft sein. Selbstverständlich mußte K. sich zuvor eine andere Wohnung suchen, weil er doch nicht die Möbel auf die Straße stellen konnte. Sein neuer Wirt war es, der ihm einen Wagen lieh. Als aber abends um 3/48 K. mit dein Wagen vor dem Hause N.S vorfuhr, war bereits ein durch N. herbeigerufener Gerichtsvollzieher mit etlichen Leuten dabei, das bißchen Möbel auf einen von ihm mitgebrachten Wagen zu laden. Herrn K. wurde jetzt erklärt, nur dann werde man sie ihm ausliesern, wenn er die Kosten des nicht zustande gekommenen Transports zahle. DaS konnte er nicht, weil er nicht so viel Geld hatte, und so wurden die Möbel bis auf weiteres nach einem Fuhrhof gefahren, wo sie über Nacht verblieben. Die Familie aber— Vater und Mutter mit sechs Kindern(das eine von sieben lag im Krankenhause)— nahm für dieselbe Nacht Quartier im Obdach der Stadt. Erst am anderen Tage erhielt sie dann diesen geringwertigen Teil ihrer Wirtschaft zurück. Herr N. geht in seiner Zuschrift sehr rasch hinweg über den Punkt, der uns mit der wichtigste war, über das von ihm eingeschlagene Verfahren, die auf Abzahlung genommenen Stücke der K.'schen Wirtschaft in seinen Besitz zu bringen. Dagegen legt er Wert darauf, uns zu überzeugen, daß die Familie keine Not gelitten habe. Als sie von ihm exmittiert worden war, habe man in der Wohnung noch Eisbein mit Sauer- kohl gefunden. Frau K. sagt uns, in der Tat habe sie am Tage vorher, einem Sonntag, Eisbein mit Sauerkohl bereitet, 3 Pfund Eisbein für 90 Pf. und 2 Pfund Sauerkohl für 15 Pf. Hiervon aßen am Sonntag acht Personen, und ein Nest wurde für Montag beiseite gestellt. Dqß das als Schlemmerei angesehen werden � könne, wird hoffentlich niemand behaupten wollen. Nebenbei: in Wirklichkeit war's nicht mal„Eisbein", denn das kostet mehr als 30 Pf. pro Pfund, sondern das billigere„Spitz- bein". Es wäre besser gewesen, der Herr Hauswirt Neumann hätte uns nicht diese Rechtfertigung geschickt, sondern still geschlviegen. Und besser wür's, cr suchte noch jetzt einen Weg, sich mit der Familie K. durch einen für beide Teile annehmbaren Vergleich zu einigen._ Zu einem komplizierten Zusammenstoß, bei welchem vier Fuhr- werke beteiligt waren, kam es vorgestern nachmittag gegen Vs6 Uhr vor dem Hause Hcrmaunstraße 14. Dortselbst hielt ein Kohlen- wagen. Zur genannten Zeit kamen zwei Geschäftsfuhrwerke der Firma Karl Lichr, Hermannstr. 4, und Schneider-Berlin hinter- einander die Hermannstraße hinaufgefahren. Sie bogen um den Kohlenwagen herum und fuhren auf das Straßenbahn- gleis, ohne zu beachten, daß auf diesem ein Straßcnbahnzug der Linie 29 entgegenkam. Obwohl der Führer des letzteren sofort die Gefahrbcemse zur Anwendung brachte, konnte em Zusainmenstob nicht mehr vermieden werden. Der Anprall war so heftig, daß der erste Geschäftswagen gegen das nachfolgende Fuhrwerk und dieses wiederum gegen den Kohlenwagen geschleudert wurde. Bei diesem Zusammenstoß sind alle vier Wagen beschädigt worden. An dem Motorwaggon war der Vorderperron eingedrückt, an dem einen Geschäftsfuhrwerk das ganze Vorderteil zertrümmert, bei dem zweiten Lastwagen der Scherbaum zerbrochen und das Geschirr zcr- rissen, und bei dem Kohlenwagen die Hinterachse gebrochen. Per- sonen wurden bei diesem vierfachen Zusammenstoß glücklicherweise nicht verletzt. Bei der Feier deS achten Stiftungsfestes des Ortsvereins der städtischen Straßenreiniger zu Nixdorf sind diesen„braven Kindern" des Magistrats nach einem Bericht eines Rixdorfer Blättchens einige Reden gehalten worden, die der Erwähnung aus dem Grunde wert sind, weil sie die Tatsachen direkt auf den Kopf stellen. Wenn zum Beispiel der Vorsitzende sowohl als auch der Verbandsvorsitzende Stadtv. Goldschmidt davon sprachen, daß eS stets erstes Bestreben des Vereins gewesen sei, die wirtschaftlcche Lage der Mitglieder zu heben,, so mag festgestellt werden, daß hiervon bisher absolut nichts zu merken war, ja daß die Parteigänger und Vertreter dieser Art Vcrcinchen bisher fast immer die auf Verbesserung zielenden Anträge der sozialdemokratischen Stadtverordnete» niederstimmen halfen. Aber auch Herr Stadtrat Mier stellte den Leutchen Ver« kürzung der Arbeitszeit in Aussicht und versprach, daß die Stadt in sozialpolitischer Beziehung für die Arbeiter alles tun werde, was sie nur irgend, tun könne. Wir wissen jedoch, daß in einer ganzen Reihe von Fällen auch der Magistrat in Gemeinschaft mit dem reaktionären Klüngel die be- scheidenen und berechtigten Forderungen der städtischen Arbeiter glatt ablehnte, während einigen am besten besoldeten Beamten der Stadt in den letzten Jahren Zulagen bis zu 1000 M. gewährt wurden. Wir erinnern uns aber auch noch eines Falles, in ivelchem ein Straßenreiniger deshalb entlassen wurde, weil er bestrebt war, nach dem klaren Wortlaut der Desinfektionsordnung zu handeln. In dieser Anweisung ist festgelegt, daß die Straßenreinigcr. wenn sie bei der Desinfektion als Helfer beschäftigt werden, nach jeder Des- infektion ein Bad zu nehmen haben. Dem versuchte der Mann, der etwa fünf Jahre bei der Stadt beschäfttgt war, ent- gegen der Anschauung des Desinfektors, nachzukommen, er ist deshalb entlassen worden. Man hat es in diesem Falle also nicht für zweckmäßig gehalten, im Interesse der öffentlichen Gesundheit dem Desinfektor die falsche Handhabung der Anweisung zu untersagen. sondern entließ den Arbeiter, der auch nach mehrfachen Gesuchen an den Magistrat nicht wieder eingestellt worden ist. So sieht die sozialpolitische Fürsorge aus, die geübt wird in Gemeinschaft mit den Wahlrcchtsräubern. Charlottenbnrg. In ber Generalversammlung des Wahlvereins am Dienstag erstattete, nach der üblichen Ehrung der verstorbenen Genossen Hampel, Jacckel und Drömcrt, Genosse Z u b e i l ausführlich Bericht über den Parteitag. Insbesondere hob der Redner die Wichtigkeit des Beschlusses betreffend das Schnapsverbot hervor, pries diesen als eine Kulturtat und wendete sich dann scharf gegen den Genossen Molkenbuhr, der den Fraktionskollegen das Recht abgesprochen hatte, Meinungsverschiedenheiten in der Fraktion zur Kenntnis der Ge. nossen zu bringen. Darauf verbreitete sich Zubcil über die Steuerfrage und meinte, daß, wenn eine Frage in der Fraktion zur Spaltung führen könne, es Pflicht der Fraktion sei, einen außerordentlichen Parteitag einzuberufen. Innerhalb weniger Jahre müßte die Regierung ja mit einer neuen Finanzreform kommen, und wir würden uns dann wiederum mit der Frage be- schäftigen müssen, ob wir unter allen Umständen verpflichtet sind, für direkte Steuern zu stimmen, auch für solche, die einem kultur- widrigen Zwecke zugewendet werden sollen. Diese Frage müßte der nächste oder übernächste Parieitng auf jeden Fall zur Entscheidung bringen. Zum Schlust betonte Redner, dah man anerkennen müsse, daß der diesjährige Parteitag tüchtige Arbeit geliefert habe, zum Wohle der Partei, zum Aerger der Gegner. Die Frage des Revi- sionismus sei so bedeutsam nicht, denn solange uns der Boden noch zum Teil von unseren Gegnern selbst geebnet würde, marschierten wir mit„Revisionisten" und„Radikalen" zusammen weiter, dem Ziele entgegen.— An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Gchrke, Doose, Rosenfeld und Goge. Es folgte nunmehr die Aufstellung der Stadtverordneten- kandidaten. Die Borschläge des Vorstandes wurden ohne Wider- spruch entgegengenommen und demgemäß einstimmig aufgestellt für den 1. Bezirk: Emil Lehmann, für den 2. Bezirk: Otto Ewald(Hausbesitzer), für den 3. Bezirk: Paul Hirsch(Haus- besitzer) und August Gebert, für den-4. Bezirk: Isidor Rosenthal, für den S. Bezirk: Heinrich Vogel(Haus- besitzer), für den 6. Bezirk: Alfred Will, für den 7. Bezirk: August Weisheit und für den 8. Bezirk: Siegfried R o s e n f e l d. Für die Genossen, die in der zweiten Abteilung wählen, wurde Genosse P a u l H i r s ch als Zählkandidat aufgestellt. Weiter wurde an Stelle des Genossen Schiemann der Genosse Gerlach als Bibliothekar gewählt, und sodann die Aufnahme von 32 neuen Mitgliedern vollzogen. Der Vorsitzende, Genosse Will, teilte ferner mit, daß 221 Personen gegen ihre Nichtaufnahme in die Wählerliste protestiert haben(gegen 7 Personen vor 2 Jahren), und datz von diesen Reklamationen nur 54 als berechtigt anerkannt wurden. Nach der Bekanntgabe, daß am Sonntag, den 13. Oktober, eine allgemeine Flugblattverbreitung stattfinden wird, wies Genosse Will noch mit einigen Worten auf die Fortschritte unserer Be- wegung hin, wie sie sich bei den letzten Reichstagsersatzwahlen gezeigt haben, und gab der Hoffnung Ausdruck, bei unseren Stadt- verordnetenwahlen ein ähnliches Wachstum unserer Stimmenzahl verzeichnen zu können. Steglitz. Einen tödlichen Verlauf hat ein Stratzenbahnunfall genommen, von dem der Mechaniker Döring betroffen wurde. In der Schloß- straße vor dem Rathaus sprang Döring von einem in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie D kurz vor der Haltestelle ab. Er kam zu Fall und schlug so unglücklich mit dem Kopf auf den Bürgersteig, daß er in besinnungslosem Zustand davongetragen werden mußte. Einige Stunden später erlag er den schweren inneren Verletzungen, die er sich bei dem Unfall zugezogen hatte. Wilmersdorf. Die Inbetriebnahme der neuen Fernsprcchvermittelungsstelle in Wilmersdorf, Pfalzburger Straße 41/42, findet am 26. September bei Beginn des Tagesdienstes statt. Von diesem Zeitpunkt ab ist seitens der jetzt an die alte Vermittelungsstelle angeschlossenen Teil nehmer die für die übrigen Vermittelungsanstalten in Berlin, Char- lottenburg, Nixdorf und Steglitz vorgeschriebene Betriebsweise(vergl. Seiten 5—11 der Vorbemerkungen zum hiesigen Teilnehmerverzeichnis) anzuwenden. Schöneberg. Die Zahl der rechtmäßig erhovenen Einsprüche gegen die Nichtig keit der Stadtverordnetcnwählerliste beträgt 74, von diesen gelten 44 als begründet, während 33 angeblich nicht begründet sind. Dem Beschlüsse der städtischen Körperschaften, wonach die von der Armen« Verwaltung verausgabten Gelder für Kur und Verpflegung im Krankenhanse nicht mehr als Armenunterstützung anzusehen ist und die davon Betroffenen ihr kommunales Wahlrecht nicht wie bisher verlieren, wurde Rechnung getragen. Dagegen wurde bei den- jenigen, die mit den Steuern im Rückstände geblieben sind und bei denen eine erfolgte Pfändung fruchtlos ausfiel, der Einspruch als unbegründet zurückgewiesen. Eine Härte liegt darin, daß jemand, der steuerfrei veranlagt ist, sein Wahlrecht behält, während der mit seinen Steuern im Rückstände stehende das Wahlrecht verliert. Die Zahl der begründeten Einsprüche zeigt erneut, wie notwendig eS ist, sich bei Auslegung der Wählerlisten von deren Richtigkeit zu überzeugen. Die Zahl' der unbegründeten Einsprüche werden noch einer genauen Prüfung unterzogen, und es ist Aussicht, daß auch da noch einige als begründet anerkannt werden. Erkner. Großfener brach in der gestrigen Nacht in der Seestraße aus. Auf einem Zimmerplatz standen mehrere langgestreckte Schuppen der Kvpnicker Baufirma von Wagenknecht u. Cunitz in hellen Flammen. Auf den Feuerschein hin eilten neben der OrtSwehr sieben Feuer- wehren aus den umliegenden Ortschaften zur Hilfeleistung herbei. Mit mehr als zehn Schlauchleitungen wurde vorgegangen. Da der Wind günstig stand, konnten die in der Nähe der Brandstelle befind- lichen Wohngebäude geschützt werden. Die Schuppen selbst brannten mit allem Inhalt an Materialien vollständig nieder, lieber die Ent- stehung des Feuers ist noch nichts festgestellt. Auch gestern vor- mittag war die Ortswehr noch auf dem Brandplatz tätig. Tegel. Der hiesige Jugendausschuß veranstaltet am Sonntag, den 26. September, einen Besuch des Aquariums, an dem auch Erwachsene teilnehmen können. Wir bitten die Eltern, ihre erwachsenen Söhne und Töchter auf diese Veranstaltung aufmerksam zu machen. Treffpunkt nachmittags 1 Uhr Bahnhofplatz. Der Jugendausschuß. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. In einem eingegangenen Schreiben petitioniert ein Ausschuß der Bezirksvereine um Ein- führung einer progressiven Wertzuwachssteuer. Die Angelegenheit wurde der betreffenden Kommission überwiesen.— Einen breiten Raum der Verhandlung nahm dann wieder das Brückenstraßen- Projekt in Anspruch. Diese Angelegenheit, welche der Stadt schon sehr viel Geldkosten verursacht hat und noch verursacht, scheint ja nun endlich eine Lösung durch den neuen Stadtbauvat Brugsch ge- funden zu haben, dessen Projekt der Stadtverordnetenversammlung zur Genehmigung vorlag. Die Straße soll hiernach vom Stresow- platz aus bis zur Mitte fertig gestellt werden und zwar bleibt die alte Brückenstraße in ihrer tiefen Lage, während der angeschüttete Teil in seiner höheren Lage verbleibt. Die Trennung der hoch und tief gelegenen Stvatzentette erfolgt durch eine möglichst niedrig gehaltene, architektonisch ausgebildete Stützmauer und daran sich anschließende flache Böschungen, deren gärtnerische Anpflanzungen dieser Straßentrennungsfläche das Aussehen eines Schmuckplatzes verleihen werden. Zwei Treppenanlagen sollen den Fußgängerver- kehr zwischen den hoch und tiefer gelegenen Fußgängersteigen ver- Mitteln. Für die andere Hälfte der Straße, welche nach der Char- lottenbrücke zu gelegen, soll vorläufig ein Provisorium geschaffen werden, dahingehend, daß die Straße bis zur jetzigen Höhenlage der Brücke wieder abgcebnet wird und zwar so lange, bis die neue Charlottsnbrücke erbaut wird, was immerhin noch einige Jahre dauern kann. Durch die Ausführung des vorliegenden Projekts wird ermöglicht, daß die Bauparzellen bebaut werden können. Die Kosten des Projekts belaufen sich nach dem Kostenanschlag auf 153 333 M. Mit diesen Kosten sind dann für die Brückenstraße bereits ausgegeben 1 456 327,73 M. Da die Stadwerordneten bis- her nur eine Anleihe von 353 333 M. für diesen Zweck bewilligt haben, so muß die Anleihe noch um rund 536 533 Mi. erhöht werden. Bei der einsetzenden Debatte, an welcher sich von unseren Genoffen der Stadtverordnete Pieck beteiligte, mußte man allseitig das-Zu- geständnis machen, daß mit dem Abriß der Häuser zu voreilig vorgegangen worden ist und der Stadt dadurch große Geldausgaben erwachsen sind. Das vorgelegte Projekt sowie die Anleihe wurden genehmigt.— Die zweite Vorlage fordert die Bewilligung von 55 333 Mark zur Erbauung eines Direktor-Wohnhauses auf dem Realschul- grundstück. Von einer Seite wird eingewendet, daß das Projekt zu teuer sei, da ein früheres Projelt nur zirka 23 333 M. kosten sollte. ES wurde beschlossen, die Vorlage dem Magistrat zurückzugeben und ein anderes Projekt abzuwarten.— Zur Erweiterung der Bade- anstalt am Wröhmämierplatz wurden 115 333 M. gefordert. Dem Projekt selbst hat die Versammlung anfangs dieses Jahres bcreijS im Prinzip zugestimmt. Unsere Genössen Stadivv. Pieck und Pieper traten lebhaft für die Errichtung einer Badeanstalt in der Wilhelmstadt ein. Die Vorlage wurde genehmigt. Mit dem Bau soll demnächst schon angefangen werden, damit die Badeanstalt im kommenden Frühjahr wieder in Benutzung genommen werden kann.— Für die Beleuchtung des Hafens mit elektrischem Licht wurden 12 587,53 M. bewilligt.— 8833 M. bewilligte die Ver- sammlung für die Pflasterung der tiefer gelegten Gatower Chaussee und 833 M. zur Herstellung eines Zufuhrweges zur Landcswrn- anstalt.— Der Stadtverordnete Maurermeister Nakowka hatte für den Pauschalpreis von rund 143 333 M. die Einebnung der Festung»- wälle übertragen erhalten. Er war schließlich mit dem Magistrat wegen erheblicher Mehrleistung in Differenzen geraten und forderte 158 653 M. Nach längerer Debatte stimmte die Versammlung der Vorlage zu lediglich aus dem Grunde, um einen Prozeß zu ver- meiden.— Bei der Vorlage betreffs Bewilligung von Umzugskosten für einen Oberlehrer äußerten sich der Genosse Pieck sowie noch andere Stadtverordnete mißbilligend darüber, daß man nicht auch den Volksschullehrern die Umzugskosten bewillige. Diese Anregung soll in der Beamtenkommission bei der Gehaltsrcgulierung berück- sichtigt werden. Die Vorlag? wurde genehmigt. Potsdam. Aus der Stadtverordnetenversammlung scheiden mit Ende dieses Jahres 25 Mitglieder aus, fast die Hälfte der Versammlung, da außer den abgelaufenen Mandaten noch mehrere durch Tod, Verzug und Wahl zum Stadtrat erledigt sind. Zur Neuwahl stehen neun Mandate der ersten Abteilung, sieben der zweiten und neun der dritten Abteilung. Die letzteren sind: Hofsattlermeister Bernhard, Rentner Müller, Agent Töpfer und Hoflieferant Fröhlich im ersten Wahlbezirk, und Bäckermeister Hohmann, Kaufmann Noack, Post- sekretär a. D. Winzler und Kaufmann Zappe für den zweiten Wahl- bezirk. Die Sozialdemokratie ist bis jetzt im Stadtparlament noch nicht vertreten._ Gerichts-Zeltung. Das Verhältnis der natioualliberalen Partei zu der Großindustrie sollte in einer Verhandlung zur näheren Erörterung kommen, welche gestern unter Vorsitz des Landgcrichtsrats Charmak die 4. Straf- kammer des Landgerichts III beschäftigte. Als Kläger trat der Rc- dakteur Beckmann von der in Siegen erscheinenden christlich-sozialen Zeitung„Das Volk" auf. Als Beklagter erschien der Generalsekretär der nationalliberalen Gesamtpartei Breithaupt. Mit dieser Sache hatte sich schon einmal das Schöffengericht Charlottenburg beschäftigt, welches den Beklagten Breithaupt zwar der Beleidigung für schuldig, aber für straffrei im Sinne des§ 199 erklärte, da dieser eine ihm zugefügte Beleidigung auf der Stelle erwidert habe.— In der von dem Privatkläger Beckmann redigierten Zeitung„Das Volk" erschien am 33. Dezember vorigen Jahres ein Artikel mit der Ueberschrift: „Nationalliberale Syndikatsvertreter", in welchem u. a. gesagt wurde, daß die rheinisch-westfälische nativnalliberale Partei von jeher die parlamentarischen Vertreter der Großindustrie und Shn- dikatsherren stelle. Sie könne auch nicht anders, da sie sehr viel Geld brauche. Es wurde ferner indirekt der Vorwurf erhoben, daß die Großindustrie unter Hinweis auf die von ihr geleisteten hohen Geldopfer die Parteileitung für ihre Pläne und Zwecke gefügig mache. Schließlich wird gesagt, daß sich der Generalsekretär Breit- Haupt zu dem Geständnis habe bequemen müssen, daß im Parlament zwischen der Großindustrie und der Partei Verhandlungen statt- gefunden haben.— Der Beklagte ersuchte sofort um eine Berichti- gung dieses Artikels, da die darin aufgestellten Behauptungen un- wahr seien und drohte, wenn diese Vorwürfe nicht zurückgezogen würden, daß er den Redakteur öffentlich einen Verleumder nennen würde. Eine Berichtigung erschien nicht, statt dessen aber ein neuer Artikel, in welchem jene Vorwurfe in der Hauptsache aufrecht er- halten wurden. An demselben Tage nannte Breithaupt dann in einer Versammlung der nationalliberalcn Partei den Redakteur Beckmann einen„Verleumder". In der gestrigen Verhandlung in der Berufungsinstanz gaben die Rechtsanwälte Dr. Münk und Dr. Mietschke als Vertreter der Parteien die Erklärung ab, daß zurzeit außergerichtliche Vergleichsverhandlungen in die Wege ge- leitet worden sind, deren Abschluß nahe bevorstehe, so daß sich eine gerichtliche Verhandlung vorläufig erübrige. Das Gericht beschloß deshalb eine Vertagung der Sache bis zur Erledigung der außer- gerichtlichen VergleichSverhandlungen. Die Schroederfche Giftmordangelcgenhcit kam gestern zum zweiten Male vor dem Schwurgericht des Landgerichts I zur Ver- Handlung. Aus der Untersuchungshast wurde der Kaufmann Otto Fcller vorgeführt, um sich auf die Anklage des versuchten Morde? zu verantworten. Der Angeklagte, der sich seit dem 7. November 1938 in Untersuchungshast befindet, ist im März d. I. vom Schwur- gericht zu 4 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden, während die Mitangeklagte Frau Johanna Schroeder frei- gesprochen wurde. Sie hat es vorgezogen, ins Ausland zu gehen, da ihr ein Verfahren wegen Meineids drohte. Auf die gegen das Urteil des Schwurgerichts eingelegte Revision hat das Reichsgericht das Urteil aufgehoben und die Sache zu erneuter Verhandlung an das Schwurgericht verwiesen. Die Verhandlung entrollte dasselbe Bild wie die erste, die noch im Gedächtnis unserer Leser ist. Der Angeklagte behauptet, die freigesprochene Mitangeklagte habe ihren früheren Ehemann ver- giften wollen. Er habe unter unwiderstehlichem Drang ihr hierbei durch Uebersendung zweier mit Arsen stark vermischter Flaschen Wein an den Ehemann Hilfe geleistet. Durch Zufall wurde der frühere Ehemann der Schroeder vor dem Genuß des Giftes be- wahrt. Das Urteil lautete auf 3 Jahre 6 Monate Zuchthans unter An- rechnung von 8 Monaten Untersuchungshaft und auf den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. D�e Wahrspruch der Geschworenen hatte auf Nichtschuldig wegen Mord- Versuchs, aber auf Schuldig wegen Totschlagsvcrsuchs unter Ver- sagung mildernder Umstände gelautet. Mord liegt vor, wenn je- wand einen Menschen tötet, falls er die Tötung mit Neberlegung ausgeführt hat, Totschlag, wenn die Tötung nicht mit Ueberleg'ung ausgeführt ist. Die Mindeststrafe für Totschlag ist 5 Jahre Zucht- haus. Der Versuch ist milder zu bestrafen, die Strafe kann bis auf ein Viertel des Mindestbetrages für das vollendete Verbrechen er- mähigt werden._ Ein Schreckensurteil gegen Kinder. Die Strafkammer zu Hohensalza verurteilte den zwölfjährigen Schulknaben Dziamski zu einem Jahr und einer Woche Gefängnis und den vierzehnjährigen Schüler JasinSki zu einem Jahr Ge- fängnis. Die beiden hatten im April d. I. auf die Eisenbahnschienen der Strecke Stralau-Kruschwitz einige größere Steine gelegt. Vor Gericht gaben sie an. daß ihnen das Zermalmen der Steine durch den Zug Spaß gemacht haben würde. Da der Bahnwärter die Steine rechtzeitig bemerkte und entfernte, wurde ein Unglück ver- hütet. Der zwölfjährige Knabe erhielt eine Woche mehr, weil er als der Anführer angesehen wurde. DieS Schreckenöurteil war durch die Annahme ermöglicht, die Kinder hätten das Bewußtsein der Strafbarkeit ihrer Handlung gehabt. Die Heraufsetzung des Strafmündigkeitsalters und noch mehr der Ersatz gelehrter Richter durch aus allen Berufen der Bevölkerung von dieser gewählten Richter ist eine dringende Forde- rung, derett Notwendigkeit solche Urteile aufs neue beweisen. Streit um Kirchenkosten. Vor dem vierten Zivilsenat des Reichsgerichts wurde am Donnerstag die Klagesache der Kirchengemeinde in Brielow gegen die Stadtgemeinde in Brandenburg auf Anerkennung der Patro- natSpflicht verhandelt. Die Leute von Brielow und Umgegend sagen, sie haben eine.Pgtronatskirche und das.Patronat, daS Schutz. recht und die Unterhaltungspflicht der Kirche gehöre zu der Stadl Brandenburg. Diese will davon aber nichts wissen und es hat ihr auch das Kammergericht recht gegeben. Auch das Reichsgericht er- kannte die Gründe dieser letzten Instanz an und entschied sich für kostenpflichtige Abweisung der Klage. Der Verteidiger der Klagepartei hob besonders den Umstand hervor, daß durch die Begründung des Kammergerichtsurteils eine ganze Anzahl neue Tatsachen bekannt geworden wären, die früher keine der beiden Parteien kannte. Die von dem Referenten, ein auf diesem Gebiete belvanderter Autor, hervorgesuchtc» Urkunden hätten eine merkwürdige Auslegung erhalten, so daß er sich ver- anlaßt sähe, das meiste davon als auf Phantasie beruhend zu er- klären. Wo wolle man andere Patronatsrechte herleiten. So etwas existiere auch nach altem märkischen Recht nicht. In einem Proto- koll aus dem Jahre 1541 ist festgestellt, daß der Küster zu Brielow der Kirchengeldeinnehmer war, und daß er dieses Geld an die Sankt Gotthardkirche zu Brandenburg ablieferte, die ihre Kapläne davon besoldete. Jni selben Jahr ist das Schulhaus abgebrannt und ab- gebrochen worden, die Schule wurde in die Kirche verlegt. Ein Vertrag, daß nun von Brielow aus ein Pfarrhaus unterhalten werden sollte, wäre nicht geschlossen worden, vielmehr sei Brielow und Umgegend von jeder Pflicht zur Reparatur und Unterhaltung oder Bau eines solchen ausdrücklich befreit gewesen. In den alten Urkunden werde der Magistrat von Brandenburg als Kollator be- zeichnet, woraus ersichtlich, daß nur er über Pfarre und Kirche zu entsckieiden habe. Vorher hätten die Kapläne Brandenburgs oie Pfarrer für Brielow angestellt. Die Entscheidung des Kammergerichts erklärt es dagegen für „nichts Auffälliges", daß die Gelder an die St. Gotthardkirche ab- gegeben wurden. Es handele sich bei der Kirche in Brielow vom Üranfang an um eine selbständige Kirchengemeinde. Die Unter- Haltspflicht bestehe. Bei dem Protokoll vom Jahre 1541 handele es sich lediglich um ein Visitationsprotokoll, wobei alle havelländi- schen Orte in Frage kommen. Die armen Brielower müssen nun nicht nur den ganzen jähre- langen Prozeßstreit, sondern auch ihre Kirche, soweit sie ihr an- gehören, erhalten und behüten. Vermiscktes. Gesunkenes Schiff. Nach einer Meldung aus South ShieldS sind Mittwoch nacht aus der Nordsee im Nebel der Dampfer.City Nochester" von der Reederei Sunderland und der Dampfer.Direktor Reppenhagen" aus Stettin zusammengestoßen, wobei das englische Schiff sank. Ein Mann wird vermißt, die übrigen wurden heute morgen gelandet. Beim Bootfahren ertrunken. Einer Meldung aus Mainz zu» folge schlug gestern nachmittag beim Bootfahren em mit drei Per» soncn besetztes Boot um. Zwei Insassen konnten gerettet werden, während der dritte, ein sechzehnjähriger Mensch, ertrank. Vom elektrische» Strom getötet. Der Monteur Schitting auS Breslau gebürtig kam gestern einer Meldung auS Zabrze zufolge auf der Concordiagrube. mit der Starkstromleitung in Berührung und fand dort sofort den Tod. Ullgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 23 Hamburg.) Filiale Schöneierg.. Sonnabend, den 25. Sevtember, abends«>/, Uhr: Versammlung im Lokal von Wieloch, Grimcwatdstr. 113. Sozialdemokratischer Zcntralwablverei» für den Reichstags, Wahlkreis AruSwalde- Fricdcberg(Orts ver ein Berlin). Am Sonntag, den 26. September, nachmittags 3 Uhr, findet bei Thieme. Tilstterstr. 73. die Mitgliederoersammlung statt. Bnefkarten der Kedahtion. Tie luristische«prechstnnde findet Linden st raüe 3, zweiter(gf, dritter tktngano, vier Treppen, xstzk" Fahrstuhl wochentSgltch adcnds von bis 9)4 Uhr ft-It. Geöffnet 7 Uhr. Sonnadend» degtnnt die Sprechstunde um L Uhr. Jedrr Anfrage ist ein Buchstabe und cinc Zahl als Merkzeichen beizufttocn. Briefliche Antwort»trd nicht rrteUt. vis zur Beantwortung im Briefkasten können 1t Tage vergehen. Eilige Fragen trag» man in der Sprechstunde vor. F. E. 100. Nach den in Berlin üblichen MietSsormularen, der Mieter. — K. R. 134. DaS Strasgesetzduch überläßt es dem Ermessen des Richters, welche Umstände er als strafschärfend oder als strasmUdemd erachten wlll. Es kann daher Trunkenheit vom Richter sowohl als Straf- mUdcrungsgrund wie als StrasschärsungSgrund in Betracht gezogen werden. — M. K. 77. 1. DaS mit Rechtskraftattest versehene EcheidungSurteil sowie einen Auseinandersetzungsschein müssen Sie dem Standesbeamten vorlegen. 2. Den Antrag, die Auseinandersetzung mit Ihren Kindern vor. zunehmen und Ihnen den Auseinnndersetzuiigsschcin zu erteilen, haben Sie an das Amtsgericht zu richten, in dessen Bezirk Sie wohnen. Zweckmäßig ist es. einen Tcilungspfleger in den, Antrag vor» zuschlagen. 3. Wenden Sie sich an das Bormundschastsgertcht mit dem�Antrag, die Erziehung des Kindes Ihnen zu übertragen. 4. Ein vor der Ehe von der Ehefrau geborenes nicht von ihrem Ehemann erzeuglcS 5tind kann den Namen des Ehemannes erhalten. Ersorderlich Ist, daß die Mutter und der Vormund darin einwilligen und Mutter, Vormund und Ehemann vor dem Standesbeamten oder vor einem Notar oder vor einem Amtsgericht die er» sorderlichcn Erklärungen abgeben. Diese können erst nach Abschluß der Ehe abgegeben werden. Die AlimentationSverbindlichkeit des Erzeugers des Kindes bleibt trotz der Namensänderung bestehen.— D. S. B. 7. Eine Klage aus unentgeltliche Herausgabe der versetzten gestohlenen Uhr hat Aussicht aus Ersolg. Die Kosten sallen dem unierliegenden Teil zur Last. Amtlicher Marktbericht der städttschen Martthallen-DlreNIon über den Großhandel in den Zentral-MarNHallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geschält flau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäst lebhast, Preise gut. G e s l ü g e l: Zufuhr«der Bedarf. G-Ichäst lebhast, Preise nicht besriedlcftnd. Fische: Zusuhr reichlicher. Geschäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft still, Preis« unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst etwas lebhafter, Preise wenig verändert. Witterunqauberstcht vom 24. September 1000. morgen» 8 Ubr. 6tattoncn Swwemde. Hamburg B-rltn Frautf.a.M München Wien P Ii II äs 763 SO 768020 768 SO 763 SO 763 W 767 W Vetter 1 wolkenss 3 heiter 2 wölken! 1 Nebel 3 bedeckt 1 bedeckt »s |- wSi Stationen B j Ii 2= Sä, BH Havaranda Petersburg Seilitz Aberdeeu Pari« es 763 Still 772 WSW 763 WSW 767 D 770SSD Vetter bedeckt Ihciter 4 bedeckt 1 Nebel 2 bedeckt t* *£ o n 14 12 11 Wetterprognose für Sonnabend, den 25. September 1009. Milde, teils heiter, teils nebelig bei schwachen südöstlichen Winden: keine wesentlichen Niederschläge. Berliner Welterbureau. SöafferstaildS-Nachrtchten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mllgeteill vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor » Krassen , Franksurt Warthe, Schrinnn . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden „ Larby , Magdeburg am 23. 3. cm 119 -40 34 90 72 75 31 -19 -21 —24 143 127 108 seit 22. 9. ora1) +1 —6 +6 0 +8 —1 +6 4-2 +3 —6 —5 +4 +11 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandaus . Rathenow») Spree, Spremberg») , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Heilbrona Mai», Wettheün Mosel. Trier am 23. 3. om 150 33 30 66 43 -52 80 400 188 200 42 138 öS seit 22. S. cm —26 -2 —1 +2 +1 —25 -30 — 6 — 7 —3 +3 +18 -18 0+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Nnterpeget. f?flr den Inhalt der Inserate ndcrnimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. UKearer. Sonnabend, 25. September Anfang VI, Uhr. Kgl. Opernhaus. Götterdämme- rung.(Ans. 6'/, Uhr.) Kgl. Schauspielhaus. Der ein> gebildete Kranke. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Kammerspiele. GygeS und sein Ring.(Ansang 8 Uhr.) Ansang 8 Ubr. Neues königl. OPcrn-Theater. Der verkehrte Hof. Berliner. Einer von unsere Leut. Reues. Das Urbild des Darin Neues Schauspielhaus. Miß Dudelsacf. Lefsiug. DeS Pfarrers Tochter von Strcladorf. Volksoper. Ein Maskenball. Thalia.. Prinz Bussi. Komische Oper. Der Wildschütz. Residenz. Gretchen. Hebbel. Hanna Jagert. Trianon. Pariser Witwen. Lnftspielhaus. Man soll keine Briefe schreiben. Kleines. Moral. Neues Operetten. Die Dollar> Prinzessin. Westen. Der fidele Bauer. Schiller«.'Wallner- Theater.) Die von Hochsatted Schiller Charlottenburg. Jungfer Obrigkeit. Friedrich> Wtlhelmftädt. Schau spielhaus. Manöverregen. Lnisen. Die Herren Söhne. Bernhard Rose. Die Jäger- Meisterin. Metrovol. Hallohlk— Die große Revue. Folies Caprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8'/« Uhr. Zlpullo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. ülebr. Herrufeld-Dheater. 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In Kahla steht die Sache noch auf dem alten Fleck, in Schmölln haben die Arbeiter einen teilweisen Erfolg zu ver- zeichnen. Zu diesen Städten ist nun auch noch die Stadt Alten- bürg getreten. Die beiden Brauereien am Orte wollten 3, SV M. auf den Hektoliter aufschlagen, Ivogegen sich die Arbeiterschaft wehrte. Die Arbeiter erklärten sich hereit, 2 M. Aufschlag zu be- zahlen. Dieses Angebot wurde abgelehnt. Darauf hin wurde in einer grasten Versammlung beschlossen: Die organisierte Arbeiterschaft enthält sich so lange jeglichen Biergenusses, bis durch Entgegenkonunen hiesiger oder auswärtiger Brauereien es möglich ist, Bier zu dem von der Arbeiterschaft be- willigten Preise zu erhalten. 6o2iales. Pom Geltungsbereich des Tarifvertrages im Baugewerbe.'" l. Der Schlosser und Maschinist T. klagte gestern� vor der I. Kammer des Gewerbegerichts gegen die Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefba» auf Zahlung einer Entschädigungssumme von 39 Mi. wegen fristloser Entlassung. Die Beklagte wendete verein- barten Knndigungsausschluh ein. Der Bauführer, der den Kläger vor etwa Jahresfrist engagiert hat, bekundete als Zeuge, dast er mit dem Kläger den Küicdigungsausschlust mündlich ausgemacht har. Das Gericht empfahl nach erfolgter Beratung eine Einigung auf , der Hälfte der Klagcforderung in Rücksicht darauf, das; der ange- zogcne Tarifvertrag im Baugewerbe, der Kündigungsausschluh vor- sieht, für den Kläger nicht in Anwendung komme und der Zeuge sich jetzt nach Jahresfrist inöglickcrweise doch irren könne. Da der Kläger die Verabredung entschieden in Abrede stellte, wäre die Ver- eidigung des Zeugen erforderlich geworden. Dem gingen die Par- teien durch Zustimmung zu dem Verglcichsvorschlage aus dem Wege. 2. Der Bauwächter Schulz klagte gegen den Bauunternehmer Pcnkcrt auf Zahlung einer Ittägigen Lvhnentschädigung von 49 M. Auch hier wurde der im Baugewerbe übliche Kündigungsausschlust eingewendet. Außerdem soll Kläger seinen Verpflichtungen nicht in genügendem Matze nachgekommen sein. Doch wurde für diese Be- hauptung Beweis nicht erbracht. Das Gericht wies die Einrede des üblichen Kündigungsausschluffes mit dem Bemerken zurück, daß der Kläger dem Tarifvertrag nicht unterliegt. Dieser sieht wohl für alle möglichen Bauarbeitergruppen Lohnsätze vor, für Wächter aber nicht. Die Parteien einigten sich darauf auf 22,59 M. Die Gewährung freier Rückreise. Eine eigenartige Auslegung fand gestern vor der 4. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts eine Vertragsbestimmung. nach welcher dem vom Ausland kommenden Angestellten freie Rückreise nach der Heimat garantiert wurde. Der Kläger M. wurde von der Schreibmaschinengescllschaft„Roneo" von Wien aus nach Berlin auf einen Monat zur Probe engagiert. Ter Probcanstellungsvcrtrag enthielt die Klausel, daß, falls M. sich nicht bewährt und seine Eni- lasiung erfolgen mutz, er ein Anrecht auf Ersatz der Fahrkosten zur Rückreise nach Wien habe. Obgleich nun die Reiseerfolge des Klägers völlig negative waren, erhielt er nicht feine Entlassung, sondern der Geschäftsführer erklärte ihm, er wolle es mit ihm noch einen Monat versuchen. In diesem Monat erzielte M. Erfolge, er iourde aber trotzdem am Monatsschlutz entlassen, ohne daß man seinen Anspruch auf Vergütung der Kosten zur Rückreise lrefricdigte. Die Firma hält sich nicht für verpflichtet, dem Kläger die Fahrkosten zu vergüten, da M. ans Grund des ersten Probevertrages nicht entlassen worden sei und ihm nur bor Entlassung freie Rückfahrt garantiert wurde. Auf die zweite Probeanstellung fände aber die Bestimmung der Rückfahrt keine Anwendung.— Ter Vorsitzende hielt zuerst diese Auslegung nicht für richtig und gab seiner per- sönlichen Meinung dahin Ausdruck, daß das zweite Probecngage- inent doch nur als eine Fortsetzung der ersten Probetätigkeit anzu- sehen sei. Leider bestätigte das Urteil der Kammer diese Vernunft- gemäße Ansicht nicht, es wies vielmehr den 5kläger mit seiner For- dcrung auf Vergütung der Rückreise ab. Aus den zweiten Probe- vertrag könne die für die erste Probeanstcllung gültige Vertrags». bcstimmung nicht übertragen werden. Das Kaufmannsgcricht, das gerade dazu berufen ist. Treu und Glanben zu hüten, hat hier eine sehr bedauerliche Entscheidung ge- fällt. Nach ihr kann jede Zusage auf Garantie freier Rückreise sm Entlassungsfalle illusorisch gomacht werden. Der Geschästsherr braucht nur vom Angestellten noch einige Tage Probetätigkcit zu verlangen. Ist letzterer einverstanden, so hat er keinen Anspruch auf freie Rückreise, lveil ein neuer Vertrag vorliegt. Geht der An- gestellte aber nicht darauf ein, so hat er erst recht keinen Anspruch, Leun er ist ja nicht entlassen worden. Wertzuwachssteuer. Die Opladener Stadlverordnetcnversanimlung hat mit 1k gegen 3 Stimmen einen von der Verwaltung vorgelegten Entwurf einer Wcrtzuwachssteuer angenommen, die rückwirkende Kraft bis zum 1. April 1993 hat. Die Steuer wird in Höhe von 5 bis 25 Proz. erhaben. H. Greifenhagen Nachf Brunnensfrasse 17-18 Veleranenstrasse 1-2 Besonders billige Angebote für den ümziig Tischdecken FilztUCh mit sehBner Stickerei 2.48. 1.05, 1-40 FÜZtUCh mit eleganter Stickerei 6.60, 4.75, 3 45 PlÜSCh mit Stickerei.... 7.50. 6.76, 4-50 PlÖSCh mit schwerer Stickerei 16.80, 13.50, 11-�5 Diwandecken 7.60. e.so, 4-50 Gardinen Engl. TU 1 weis» u. erftmo, Meter 66, 48, 35 Pf. Engl. TÜl! gute Qualität.. Meter 86, 75. 68 Pf. 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Branchen- und Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert.. 89/20 Um zahlreichen Besuch bittet Ble Branctaenleitnns. Gänse! Täglich irisch! Gänse! sowie sämtliche Gänse-Artikel. Gänseklein, Gänsefleisch usw. empfiehlt Prima Schlack- und Salami-Wurst a Pfd. 1.10 Hermann Leissner, Berlin c., 105/10 Klostcrstr. 03/05, Eckhaus Kaiser-Wilhelm-Str. 11. Zweigverein Berlin und Umgegend. Sonntag, den 36. September, vormittags 10 Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstrafte 38/30(großer Saal): Atttzerordeutl. Mitgliederversammlung Tages-Ordnung: 30/12* 1. Konjunktur und Organisation im Baugewerbe. Referent: Kollege Georg f röhlich-Köln a. Rh. 2. Die Verschmelzung des Zentralverbandes der Maurer und des entralverbandes der Bauhilfsarbeiter zu einem Deutschen Bauarbeiterverband. Wegen der hochwichtigen Tagesordnung darf kein Kollege in der Versammlung fehlen! Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Einlas.-MU _ Der Zwcigvereinsvorftand. Cfafrcafooftusu j ßfiht Rnprpn Rinriprn wohlschmeckendes Chocoladen- tteuinueieuhmueru Lebertran-Präparat. Knochen- I T* fbfrtc a T1 a f hildend, kräftigend, ärzil.empfohl. V/EtUi,U3alla; Zu haben j. Apothek. u. Drogerien. Nach 31/ jähriger Tätigkeit an verschiedenen gragen Zkrankenhäusern habe ich mich als praktische Aerztin niedergelassen.* Dr. med. Annemarie Bieber. Berlin\V. 30, Grunewald-Sir. 49, Ecke Stubben« Straße 13. Telephon Amt 6 4908.— Sprichst 8—9 Uhr vormittags, 4—5 Uhr nachmittags. Gelkgeuheltshanf. Der Mensch\ im Spiegel der Iktar.' Ein Volksbuch von B. A. BeLmänicr. Reu bearbeitet von rhomas Schlegel. 3 Bände in 1 Band gebunden. Mit 99 Tcxtillustratienen. Statt 6 Mark nur 2,50 Mark. Ein interessantes naturwisseiischast- liches Buch, dessen Anschaffung empjohlen werden kann. Pxpedificn des„Vcnilärfs", Berlin SW., Lindenstr. 69, Laden. �nappcfp 19 Lad8n m- Wohn. z. 1. 10. Üpul l ait. Id. Einen Monat mietefrei. Schöne 2 Zimm.-Wohn. preiswert.* «Jsciss Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Scblafstellcn- Anzeigen S Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Ptg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. ] Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69. bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Totalausberkauf. Restbestände Tuch- und Plüschportieren, Garnitur 2.05, 3.75, 4.85, 5,65, 6.75, 8.50, 9.50 nslv. E. WeihenbergS Portierenhaus, Große Frankjurterstraße 125. 2601K Tnlibettdecken, extra groß, 1.95, 2,25, 3.35, 4,25 usw. Erbstüllstores, entzückende AuS- führungen. 3.45, 3,85 4.50, 5,25, 6.00 usw. Gardinenhaus, Große Franl- surterstraße 125. gtiesenposten Gardinenreste und einzelne Fenster(2 Schal) mit 10 Prozent Rabalt, Fenster 1.25, 1.85, 2.25, 2.75, 3.50, 4.50 usw. Gar- dstlenhaus, Große Franlsurter- straße 123.__ Abfallteppiche 3.23, 3.85, 4.50, 5.80, 6.50 usw. 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