Nr. 227. flbMinementS'ßcdlnsunsen: M«incinen!s- Preis pränumerando; Bicrteljährl. SM Mp, nwnatl. I.lv Mä, wöchentlich LS Pig. frei ms Haus. einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnemcili: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Iahrgi erfdidnt tland) außer Montag». yi*" ♦ Vevlinev Volksblatt. Die Infertions-- Gebühr kelrikgt für die scchSgcspaltene Kolonel- zeile oder deren Raum HO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versainmlmigs-Anzeigen SO Pfg, „Kleine Anreizen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slcllcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis»Uhr nachmittags in der Spedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abonds geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sazialtüraoßrat Berlia" Zentralorgan der fozialdemokrati feben parte» Oeutfchlands. Redaktion: 85CI. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den 39. September 1909. Expedition: 8M. 68, Lindcnstraese 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. freiiinnige Steuerpolitik. Immer größer tvird mit dem fortschreitenden Jnkraft- treten neuer Steuergesetze aus dem Steuerbukett des Schnaps- blocks der Unwille über die ungeheuerliche Belastung nicht nur in der Arbeiterklasse, sondern auch in den Kreisen des sogenannten Mittelstandes. Nur durch einen ungewollten (Miefzufall sind die Freisinnigen davor bewahrt geblieben, diese Belastung voll auf ihr Schuldkonto nehmen zu müssen. Hätten die Konservativen nur zugestimmt, daß ein winzig kleiner Bruchteil des neuen Raub- zuges durch eine wenn auch noch so verhunzte Erbschaftssteuer ausgebracht würde, die Freisinnigen hätten, um nur im Block bleiben zu dürfen, uni nur weiter die Regierungssonne auf sich scheinen zu sehen, mit Wonne den ganzen Rest der in- direkten Steuern geschluckt. In der Kommission hatten sie der neuen Belastung bereits zugestimnit; sie hatten gestimmt für die Biersteuer, für die Tabaksteuer und sie waren auch für die Branntweinsteuer zu haben,— nur wollten sie, daß die Liebesgabe im Laufe der Jahre immer mehr ermäßigt und schließlich beseitigt werden sollte. Der Termin für die Beseitigung der Liebesgabe war aber nach dem freisinnigen Antrage so weit hinausgeschoben, daß der Autrag als ernst gemeint kaum aufgefaßt werden konnte. Gleichzeitig mit diesen Steuergesetzen im Reich wurden nun auch im preußischen Abgeordnetenhause Steuergcsetze be- raten. Die Einbringung dieser neuen preußischen Steucrgesetze war notwendig geworden, weil Militarismus und Marinismus auch bereits verheerend auf die bis vor kurzem noch blühenden Staatsfinanzen Preußens zu wirken beginnen und der Finanzminister bei dem durch die Krisis ver- schuldeten Zurückgehen aller Ueberschüsse aus den staatlichen Betriebsverwaltungen für die neuen Beamten- besoldungsordnungen neuer Einnahmequellen bedurfte. �Unsere Genossen betonten in diesen Beratungen bei jeder Gelegen- heit, daß es durchaus falsch und verkehrt ist. die Stcuergesetze der Einzelstaaten losgelöst von der Besteuerung im Reich zu betrachten. Nur auf diese Weise ist es nämlich der Regierung und den bürgerlichen Parteien möglich, zu ziffermäßigen Er- gebnisscn zu kommen, aus denen angeblich hervorgehen soll, welch großen Anteil an den Staatslasten die besitzenden Klassen in der Form der direkten Stenern tragen. Zieht man hingegen die Steuerlasten im Reich und Preußen zu- sammen, wie das notwendigerweise geschehen muß, da ja ein und dieselbe Person Steuerträger im Reiche und in Preußen ist, so ergibt sich ein ganz anderes Bild, von dem die bürger- lichen Klassen nicht gern sprechen hören. Um die neuen Einnahmequellen nun zu beschaffen, sollte nach dem Vorschlage der Regierung u. a. das Einkommensteuer- gesetz derart geändert werden, daß von Einkommen über 7000 M. an der bestehende Tarif erhöht lvird und zwar zunächst durch geringe, dann durch sich allmählich steigernde Zuschläge, so daß bei Einkommen von 100 000 M. der Höchstsatz von 5 statt wie bisher 4 Proz. erreicht wird. Als Erleichterung für die kleinen Einkommen war eine Ausdehnung des so- genannten Kindcrprivilcgs vorgesehen. Steuerpflichtige, deren Einkommen den Betrag von 3000 M. nicht übersteigt, sollten beim Vorhandensein von zwei Kindern um eine Stufe, von drei bis vier Kindern um zwei Stufen, von fünf und mehr Kindern um drei Stufen ermäßigt werden. In der ersten Beratung am 31. Oktober 1908 erklärte nun der freisinnige Wortführer, Abg. Dr. Wiemer. folgendes: „Nun. meine Herren, ist aber meinen Freunden doch fraglich, ob die Grenze von 7000 M., von der an eine Erhöhung der prozentualen Besteuerung anfangen soll, richtig gegriffen ist. Gestern sind darüber auch von anderen Seiten Ausführungen gemacht werden. Der Herr Finanzminister hat die Wahl dieser Grenze von 7000 M. damit begründet, daß man Rücksichten auf die Angehörigen des Mittelstandes nehmen müsse. Herr v. P a p p e n h e i m hat auch warme Worte für den Mittel st and gehabt. Aber ich glaube, damit steht in Widerspruch, wenn er dann die Herab- s e tz u n g der prozentualen Besteuerung auf Einkommen bis zu 3000 Mark befürwortet hat; denn er wird nicht ver- kennen können, daß davon erst recht die Angehörigen des Mittel- paudes betroffen werden würden. Wir glauben, daß auch bei einer Grenze von 7000 M. solche Kreise des Mittelstandes in Betracht kommen, denen eine Steuererhöhung in diesem Augenblick außerordentlich schwer fallen würde, und für uns ist die Frage w 0 h l erwägenswert, ob man nicht die Grenze hcraufschen soll. Gegen die Herabsetzung würden wir uns entschieden aussprechen müssen. Meine Freunde sind auch mit den Borschlägen einverstanden, die in bezug auf das Kinderprivileg gemacht werden. Freilich scheint im einzelnen die Regelung noch nicht ausreichend zu sein. Es ist z. B. zweifellos eine Verschlechterung gegen den jetzigen Zustand, wenn die Herabsetzung auf die nächstliegende Steuerstufe erst bei zwei Kindern erfolgen soll. Heute ist ein Abzug von 50 M. für jedes Kind gestattet. Das gewährt die Möglichkeit, daß jemand, wenn die 50 M. in der Nähe der Grenze liegen, in die nächstliegende tiefere Stufe hinein- kommen kann, was heute bei einem Kinde ausgeschlossen sein würde. Der Herr Finanzminister hat allerdings in seiner Ein- leitungsrede davon gesprochen, daß bei 1 bis 2 Kindern eine ' Herabsetzung in eine niedrigere Stcnerstufe erfolgen soll, und ich hoffe, daß der Herr Finanzminister uns darin unterstützt, eine entsprechende Aendcrimg am Gesetz vorzunehmen. Auch ist wohl erwägenswert, ob man- nicht dieses Kinder- Privileg, statt es auf die Einkommen bis 3000 M. zu beschränken, auf die Einkommen bis zu 4000 M. ausdehnen sollte." Der Gesetzentwurf ging darauf an die Vudgetkoinmission und hier wurde aus Betreiben der Konservativen ein Beschluß gefaßt, nach dem Zuschläge bereits von allen Einkommen über 1300 M. erhoben werden sollten, und für diesen Beschluß stiiiliiiten«liscre Freisinnigen in der zweiten Lesung der Koin- Mission! Diese Haltung rief selbst in einem Teile der frei- sinnigen Presse lebhaften Unlvillen hervor und in der zweiten Plenarberatung brachten die Freisinnigen dann einen Antrag ein, der wenigstens die Zensiten von 1300 bis 3000 M. Ein- kommen von Zuschlägen freilassen wollte. Der Antrag wurde abgelehnt, so daß nunmehr auch die ganz kleinen Einkomnien über 1209 M. in Preußen mit Zuschlägen zur Einkounuensteuer bedacht sind. Der Versuch der freisinnigen Wortführer, den Zwie- spalt zwischen ihren Worten in der ersten Lesung und ihren späteren Taten dadurch zu recht- fertigen, daß ja das Kinderprivileg gegenüber der Rcgierungs- Vorlage noch erweitert sei, insofern nämlich, als nunmehr die Grenze nicht bei 3000, sondern bei 6500 M. gesetzt ist, und bis zu dieser Grenze beim Vorhandensein von je zwei Kindern eine Herabsetzung um je eine Stufe zu erfolgen hat, daß also auf diese Weise eine Entlastung der kleinen Einkommen be- wirkt sei, kann nur als kläglich bezeichnet werden. Aus dem nach dem Stenogramm angeführten Worten des Abg. Dr. Wiemer in der ersten Lesung geht mit aller Klar- heit hervor, daß den Freisinnigen die von der Regierung vorgeschlagene Ausdehnung des Kinderprivilegs selbst unter den Voraussetzungen der Regierungs- Vorlage, Zuschläge erst von Einkomnien über 7000 M. zu erheben, noch nicht weit genug ging und daß sie, selbst wenn alle Einkommen unter 7O00 M. frei blieben, noch eine Erweiterung des Kinder- Privilegs wünschten. Wie kann da,— ganz abgesehen davon, daß nicht alle Zensiten Kinder haben und in den Genuß des Kinderprivilegs kommen— eine nicht bedeutende Erweiterung dieses Privilegs im Ernst zur Rechtfertigung dafür dienen, daß nun mit Zustimmung der Freisinnigen auch die kleinen Einkommen in Preußen Zuschläge zur Einkommensteuer zu tragen haben?! Nein, die freisinnigen Fraktionsgrößen sind ganz bttvnßk nmgefallen, um die parken Blockgeuosscn von der Rechten nicht zn verstimmen. Dieses Ziel ivurde damals auch erreicht. In der Sitzung vom 19. Februar 1909 spendete der konservative Wortführer, Herr von Hennigs- Techlin, den Freisinnigen folgendes Lob: „Ich glaube sagen zu können, daß gerade dieser Winter ge- zeigt hat, wie gutes, fleißiges Zusammenarbeiten die Parteien näher bringt. Wir haben uns alle Mühe gegeben. Der Dank gebührt aber anderen Parteien mehr als uns, weil die Schwierigkeiten an anderer Stelle, wie ich offen anerkennen möchte, noch größer waren als bei uns. Also gerade der anderen Seite kann ich nur unseren Dank dafür sagen, daß sie so großes Entgegenkommen gezeigt hat." Was verschlägt gegen solches Lob eine neue Mehr- belastung der kleinen Einkommen in Preußen! !lw Sie amtliche Wahrheit. Ueber die N 0 v e m b e r e r e i g n i f s e liegen heute eine Reihe neuer Meldungen vor. Zunächst behauptet Herr Adolf Stein, daß die Artikel der„Mcckl. Warte", die zuerst die Diskussion über die Novemberereigniffe in Fluß gebracht hat, von einem Herrn v. Grlaefe-Goldebee Herstammen und nicht dementiert werden können, da dieser Herr ein naher Verwandter des Unterstaats- sekretärS im Auswärtigen Amte S t c m r i ch sei. Allerdings be- hauptet Herr Graefe, daß Herr Stemrich nicht seine Quelle sei. Sodann äußerte sich in der„Märk. Volksztg." wieder der Ge- währSmann, dessen erster Artikel die„Kreuz-Ztg." und„D. Tagesztg." zu ihrer Stellungnahme veranlaßten. Er sagt zunächst: „Einige Bülowfreunde, darunter die Neue„Gesell. Korresp.", suchen eine Darstellung der Vorkomnmisse zu geben, die von der unsrigen abweicht, welche aber total unrichtig ist und keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben kann. Da kehrt gar das alte Märchen mit der unleserlichenHandschrift wieder und aller Wahrheit zum Hohn wird behauptet, daß Unterstaatssekretär Stemrich das Interview nicht gelesen hat. Wir stellen fest, daß Unterstaatssekretär Stemrich uns persönlich mitge- teilt hat, daß erdas Manuskript las und daß er de�n Auftrag de? Reichskanzlers, eS auf seine histo- rische Richtigkeit zu prüfen, genau erfüllte. Die„Kreuz-Ztg." und die„Deutsche TageSztg." bestätigen denn auch die Richtigkeit unserer Darstellmig in allen Einzelheiten. Da kommt man also nicht mehr mit dem Schlagwort der„Eni- hüllung" durch, zumal die Bülowfreuude nur die frühere amtliche Erklärung mitteilen und selbst auf Zuverlässigkeit keinen Anspruch erheben können." Schließlich erklärt die„Märk. Volkszeitung" nochmals in dürren Worten: Die im„Daily Telegraph" erschienene Publikation ist vom Reichslanzler veranlaßt, das in mehreren Abzügen übersandte, mit Schreibmaschine deutlich gedruckte Manuskript ist im Auswärtigen Amt vom Unterstaatssekretär Stemrich und dem Geheimrat Kl eh met gelesen, und daraufhinl hat der Reichs- kanzler in Norderney die Veröffentlichung genehmigt." Vielleicht begreift jetzt die liberale Presse, daß es sich da doch um eine Angelegenheit handelt, die keine Vertuschung verträgt. Durch unsere gestrigen Bemerkungen hat sich ja das„Berliner Tageblatt" mit Recht getroffen gefühlt, und es revanchiert sich mit dem Vorwurf, daß der„Vorwärts" mit der Junker- presse gemeinsame Sache mache, wobei er gar nicht sähe, daß die ganze Kampagne nur begonnen worden sei, um die Situation der konservativen Partei wieder zu verbessern und die Ablehnung der Erbschaftssteuer, die zum Rücktritt des Fürsten Bülow führen mußte. als eine patriotische und notwendige Tat hinzustellen. Nach'den Proben politischen Verständnisses und politischer Loyalität, die das Blatt in letzter Zeit geliefert hat, haben wir diesen Vorwurf erwartet; aber gescheit ist er wirklich nicht. Wenn freilich die Liberalen dadurch Wahlgeschäfte zu machen hoffen, daß sie den Sturz eines Bülows als Verbrechen hinstellen, so können wir ihnen allerdings nicht helfen und sie leider auch darin nicht unterstützen. Uns handelt eS sich um die Frage, ob eine deutsche Regierung in einer Angelegen- heit von entscheidenster Bedeutung den Deutschen Reichstag und das deutsche Volk absichtlich getäuscht hat. Wäre dies der Fall. so wäre eine gründliche Auseinander« setznng mit dem System, das solche unbegrenzte Möglichkeiten der Bolkstäuschung einschließt, die wichtigste politische Aufgabe der nächsten Zeit. Eine Aufgabe von ganz anderem Juteresse als die lächerlichen Streitcreirn, ob die Konservativen de» Fürsten Bülow Wilhelm II. zuliebe oder zuleide gestürzt haben. Daß die Konservativen Bülow stürzen wollten, um die Steuerfreiheit der Junker zu retten und jede Wahlrechtsreform in Preußen zu ver- eitel», steht unwiderleglich fest. Daß sie wußten, die Abstimmung über die ErbschastSsteuerfrage müsse BülowS Sturz bedeuten, ist gleichfalls erwiesen uipd wird von ihnen auch gar nicht geleugnet. Wenn aber die freisinnigen Blätter jetzt dieselben Lobgesäuge auf Bülow anstimmen, wie dies früher nur die Nationalliberalen getan haben, so beweisen sie damit bloß ihre politische llnzuverlässigkeit. Uebrigens wird ihnen das nichts nützen. Stellt ja auch die offiziöse„Kölnische Zeitung" die Notlvendigkeit fest, daß eine amtliche Erklärung erfolgen müßte, die sie allerdings im vornherein dadurch diskreditiert, daß sie erklärt, sie könne nur dasselbe sagen, was Fürst Bülow damals in der„Nordd. Allg. Ztg." erklären ließ. Die„Germania" hat nicht Unrecht, daß eine neue Erklärung keinen allgemeinen Glauben finden würde, wenn sie nicht durch unantastbare Beweis st ücke gestützt würde. Nach unserer Meinung wäre eS ja allerdings die Auf» gäbe des Deutschen Reichstages, durch eine p a r l a» m entarische Untersuchung Licht in die Angelegenheit zu bringen._ Zum Aahlkampf. Die Selbstverwnltniig in Prcusien. Das„Berl. Tagebl." schildert einen unglaublichen Fall von Vergewaltigung der kommunalen Selbstverwaltung durch einen Landrat. In Stellingen- Langenfelde bei Hamburg, allwo Herr Hagenbeck seinen bekannten Tierpark eingerichtet hat, hatte sich der Gemeindevorsteher Olfe dadurch das Mißfallen der Minderheit der Gemeindeverlvalwng und des hinter dieser Minderheit stehenden Herrn Landrats zugezogen, daß er für die Ein- gemeindung Stellingen-Langenfeldes in Altona eintrat, während der Landrat und die vermutlich aus gewissen privaten Interessen mit ihm zusammengehende Minder- heit des Gemeinderats die Absicht verfolgte, Stellingen-Langen- felde mit Nachbarorten zu einer Stadt zu vereinigen, um cS in der Oberbot Mäßigkeit des Landrats zu er« halten. Als der Landrat und die Minorität der Geineindever« tretung, in der Herr Hagenbeck eine einflußreiche Rolle spielt, merkten, daß der Gemeindevorsteher für die Eingemeindung in Altona eintrat, zitierte ihn der Landrat nach dem Restaurant des Hagenbeckschen Tierparks, wo er ihn zu überreden versuchte, daß er einen längeren Urlaub antreten müsse. Herr Hagenbeck selbst soll dem Gemeinde- Vorsteher die Mittel zu einer Reise nach der Riviera angeboten haben. Als Herr Olfe sich nicht beeinflussen ließ, und der Ein- gcmeinduugsvertrag von der Mehrheit der Gemeindevertretung an- genommen wurde, erhoben die vier Herren der Minorität Protest gegen die Abstimmung bei dem Landrat. Dieser ließ, trotzdem nach der Landgemeindeordnung für SchleSwig-Holstein dem Kreis- tag nur ein Gutachten zusteht, während der Bezirks« a u S s ch u ß das Bestätigungsrecht hat. vom Kreisausschuß über den Vertragsentwurf un gesetzlicher>v eise ab» stimmen. Nach weiteren»ungesetzlichen Becinflussungsversuchen durch den Landrat erhebt eine Kommission der Gemeinde- Vertretung Beschwerde gegen den Landrat beim RegierungS« Präsidenten. Auf Grund dieser Beschwerde wird eine Unter« fuchung gegen den Landrat eingeleitet. Daraufhin, so be« richten die neun die Majorität de.r Gemeindevertretung von Stellingen-Langenfelde bildenden Gemeindevertreter in der Druckschrift, auf die sich das„Brl. Tgbl' bei seinen Darlegungen bezieht,„wütet d e r L a n d r a t"(eS handelt sich um den Geheimen RegicrungSrat Scheiff)„in geradezu toller Weise gegen den un- schuldigen Gemeindevorsteher Herrn Olfe." Auf Grund einer neuen Beschwerde der vier Gemeindevertreter der Minorität wird der Gemeindevorsteher vom Amt suspendiert und das Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. Die Verwaltung der Gemeinde aber wird dem Vertrauensmann des Landrates, dem stellvertretenden Gemeindevorsteher, über- tragen, der sich denn auch weigert, das auSzu- führen, was die Gemeindevertretung im Interesse der Wahrung der Rechte der Selb st- verlvaltung beschlossen hatl Inzwischen hat die Mehrheit des Gemeinderats eine Eingabe an den Regierungspräsidenten gerichtet, die abschriftlich auch dem Oberpräsidenten und auch dem Minister des Innern zugestellt worden ist und in der um Aushebung der Suspensativn ihres Gemeinde- Vorstehers gebeten wird. Wie die ganze Affäre enden wird, steht dahin. Einstweilen ist der Landrat Triumphator. Sein Eingreifen in die Selbstverlvaltnng der Gemeinde aber wird in der Beschwerdeschrift der nenn Gemeindevertreter mit den Worten charakterisiert: „So wird die Selb st Verwaltung zur Farce. Sie existiert nur so lange, als es dem Landrat und denen, die ihm blindlings gehorchen und auf allen Wegen folgen, w ohlgefällt." Der Freisinn aber hat cS, wie feine Stellung zum F all S ch ü ck i n g beweist, längst aufgegeben, die Rechte der kommunalen Selbstverwaltung nachdrücklich zu verteidigen I Wie sehr aber eine Verteidigung dieser Rechte am Platze ist, beweisen die Ansführungen des Heidelberger Profeffors Alfted Weber auf der zurzeit in Wien tagenden General- Versammlung des Vereins für Sozialpolitik. Professor Weber sagte dort: „Wenn wir den Fall Schücking erleben, wenn wir sehen, wie der Begriff der Selbstverwaltnng durch die Bureaukratie ersetzt wird durch den Begriff Autorität, müssen wir zu der Anschauung kommen, daß wir in die Hände dieser Bureaukratie keine weitere Macht legen dürfen.(Zuruf: Haben Sie überhaupt eine Selbstverioaltung in Preusten?) Auf dem Papier, jawohl! Die Bureaukratie schafft Treuverhältnisse, in denen von der Verfassung mit keinem Wort die Rede ist.(Sehr richtig I) Diese Treuverhältnisse, die gegenüber einem Bürgermeister betätigt werden, werden von der öffentlichen Bureaukratie gegenüber jedem Menschen postuliert. (Sehr richtig I) Dazu kommt ein zweites, dast der öffentliche bureaukratische Apparat in Wirklichkeit nichts weiter ist, als eine Dependence der politischen Partei st römungen, der herrschenden Gruppen und der herrschenden Klassen.(Sehr richtig! und Unruhe.) ES ist ein fundamen- taler Jrrtuin, daß die Bureaukratie die Eigentümlichkeit habe, nirgendwo sozial fundamentiert zu sein. Ihre sozialen Fundamente findet die Bureaukratie in denjenigen Machtgruppen, die die gesellschaftliche Organisation in der Hand haben. Wir haben Beweise für die Verbindung von Bureaukratie und politischen Parteien gehört, daß jedes weitere Wort überflüssig ist." Wer für die Stärkung der Selbstverwaltung der Gemeinden gegenüber den Uebergriffen der agrarischen Bureaukratie ist, der darf bei den vier Berliner Landtagsersatzwahlelt nicht freisinnig wählen!— � Ei»„Ueberwiuder dex Sozialdemokratie" war eS, der am Montag im Gebiet des LandtagswahlkrciseS Berlin V vor einem freisinnigen Bezirksverein gegen uns donnerte, einer, der sich's wenigstens zutraut, die Sozialdemokratie überwinden zu können, wenn nicht schon heute und morgen, dann doch später mal. Der Schriftsteller Schüler, den im Landtagswahlkreis Berlin V die Freisinnigen für die bevorstehende Neuwahl den Wählern als Kandidaten anbieten, sprach das große Wort gelassen aus. doch ihm dankte für diese frohe Botschaft nicht mal Beifall, wohl deshalb nicht, weil seine Zuhörer selber ihm nicht zutrauen, was er versprach. Womit empfahl er den Freisinn den Wählern aus Berlin-Südost? Er pries Absichten der Freisinnigen des Reichstages, am Zustande- kommen der Reichsfinanzrcsorm mitzuarbeiten, einer„Finanzrcform", die aus de» Taschen des deutschen Volkes K00 Millionen Mark neue Steuern herausholen sollte. Daß es größtenteils die Arbeiterklasse ist, die diese KOO Millionen hergeben muß, das verschwieg er weislich. Es sei, sagte er, unvermeidlich gewesen, die 500 Millionen zum Teil durch indirekte Steuern aufzubringen. Der Sozial- demokratie passe das nicht, aber es erkläre sich das— sagte er wörtlich— aus ihrer„ehrlichen Feindschaft gegen das Kapital". Dabei sei doch das Kapital nicht ein Feind, sondern der beste Freund der Arbeiter, da es ihm Arbeit und Verdienst gebe. Kurzsichtige Politik sei es. den Lebens- interessen des Kapitals entgegenzutreten. Eine gerechte Verteilung der direkten und indirekten Steuern herbeizuführen, das sei wahr- Haft volksfreundliche Politik. Für die Finanzreform in Preußen versprach dieser„volksfrenndliche" Politiker den Arbeitern das Blaue vom Himmel herunter. Hinterher aber gab er ihnen einen Fußtritt mit der Beinerkung, es entspreche nicht dem Geiste bürgerlicher Freiheit,„de- und wehmütig wie ein Bettler alles von der Allmacht des Staates zu erwarten." Es ist richtig: Der„Geist bürgerlicher Freiheit" verlangt, daß der Arbeiter sich einverstanden erkläre mit der schrankenlosen AuSbeutungSfreiheit. wie die bürgerliche Klasse sie sich gegen das arbeitende Volk wünscht. Daß Herr Schüler die ab- gedroschene Redensart wiederholte, die Aussichten der Wahlrechts- r e f o r m in Preußen seien durch die Haltung der Sozialdemokratie nicht gebessert worden, das verstand sich von selber; auch das, daß er über Terrorismus bei Landtagswahlen und Bohkottierung anti- sozialdemokratischer Geschäftsleute zeterte. Aber warten tvir'ö ab, rief er, bis das ganze Gebäude, das nur auf TerrorismuS aufgebaut ist, zusammenbrechen wird! Die Sozialdemokratie gilt ihm als Reaktion von links, wobei er„unerörtert lassen will, welche Reaktion, ob die von rechts oder die von links, die gefährlichere ist". Angriffe von links in diesem Augenblick, Ivo B e t h m a n n H o l l w e g das Erve der Bülowschen Blockpolitik pflegen zu wollen scheine, seien ganz besonders gefährlich! Da will denn Herr Schüler die Front des Freisinns gegen links richten, und wehe dann der Sozial- demokratie I Nach diesem Tapferen sprach noch ein gleich ihm gut- freisinniger Dr. Domke. Die Sozialdemokratie habe„erst von der reaktionären Mehrheit des Abgeordnetenhauses einen Denkzettel be- kommen" und sich vier Berliner Mandate kassieren lassen müssen. Da tut er recht, daß er den Freisinn zur reaktionären Mehrheit des Junkerparlaments zählt. Er sprach auch einiges von den, Bestreben der rechtsstehenden Parteien,„die breite Masse des Volkes auszupowern". Auch das war nicht übel, nachdem Herr Schüler die Auspowerungspolitik des Freisinns gepriesen hatte. Areifiims-Terror. In den Landtagsberhandlungen. die sich mit der Kassierung der vier sozialdemokratischen Landtagsmandate beschäftigten, wurde ja so beweglich über den sozialdemokratischen Terror bei den LandtagSwahlen geklagt, und gerade freisinnige Abgeordnete waren es. die am lautesten in Entrüstung machten. Da ist es nun interessant, auch einmal etwas vom Freist nns°Terror zu hören. In der gestrigen Dienstags- nummer der„S t a a t s b ü r g e r- Z t g." finden wir eine Be- trachtung über die bevorstehenden Berliner Stadtverordneten- Wahlen. In dieser Betrachtung werden auch die Aussichten erörtert, die die Antisemiten und Konservativen diesmal haben. Es wird darauf hingewiesen, daß die sogenannte„Bürger- Partei" früher im Rathause vertreten gewesen sei durch Dr. Bachler. Pickenbach, Dr. Heutig, Rentier Ziethen, Fabrik- besitzer Prötzel und Rechtsanwalt Ulrich, heute aber über keinen einzigen Stadtverordneten verfüge. Als Grund für diese Tatsache wird der von den Freisinnigen geübte TerroriSmuS bezeichnet. Es heißt in dem Artikel wörtlich: „Man muß einmal die Stadlverordnetenwahlen in Berlin mitge- macht haben, um diesen FrcisinnStcrror zu verstehe». Da sitzen am Borstandstisch im Wahllokal der freisinnige Schiedsmann, der fteisinnige Armenvorsteher, der freisinnige BezirkSvorfteher, der liberale Pastor, ja womöglich existiert auch noch der freisinnige Polizeileutnant, wie wir es vor kurzem in Moabit erlebt haben. Der konfervativ-antifemifche Handwerksmeister. Gewerbetreibende, Beamte oder christliche Arbeiter kommt sich diesen Herren gegenüber buchstäblich vor wie daS Lamm im Liiwcnkäfig! Man hat es nicht einmal, Nein, hundertfach erlebt, daß sogar Mitglieder konservativer Bürgervereine bei den Berliner Stadtverordnetenwahlen aus Furcht um die Existenz ihrer Familie zähneknirschend liberal ge- stimmt haben.„Was sollen wir machen", ist dann gewöhnlich die Antivort des Schuhmachermeisters Schnitze, des Schneidermeisters Müller oder des Zigarrenhändlcrs Lehmann, wenn man sie des- halb zur Rede stellt.„Wir sind im Herzen alle Antisemiten und Lkonfervative. Wenn wir aber heute nicht freisinnig wählen, dann hetzen uns die Herren Liberalen morgen die Kundschaft aus dem Geschäft!" Und wie viele Angehörige des Mittelstandes, die innerlich völlig rechts stehen, bleiben äuS Furcht vor der unversöhnlichen Rache des Freisinns überhaupt zu Hause! Die Geschichte des Berliner Kommunalliberalismus ist geschrieben mit dem Jammer des geknechteten, geprellten und mundtot gemachten Mittelstandes, ist durchtönt von den Seufzern der niedergehaltenen Anhänger des christlich-nationalen Gedankens und durchzogen mit Hunderten von Beweisen traurigster Unfähigkeit, die unsere städtische Schuldenlast zu nie dagewesener Höhe emporgetrieben hat!" Der Mann, der das Obige geschrieben hat, scheint Be- scheid zu wissen. Man ersieht daraus, welcher Heuchelei der Freisinn fähig ist, der sich über angeblichen sozial- demokratischen Terrorismus entrüstet! Er hält es mit dem unverfrorenen Spitzbubenkniff, bei der Verfolgung aus Leibeskräften„haltet den Dieb" zu schreien! €1» siegreicher Kampf um den sieht- (tundentag in Aarichau. Die schon oft totgesagte Arbeiterbewegung in Russisch-Polen hat einen Sieg zu verzeichnen, der unter den obwaltenden Umständen von besonderer Bedeutung ist: die Maurer in Warschau haben eine Aussperrung, durch die man sie zwingen wollte, den Achtstundentag preiszugeben, abgeschlagen. Nach dem großen politischen Demonstrationsstreik des Jahres 1903 weigerten sich die Maurer konsequent, länger als acht Stunden täglich zu arbeiten. Im Juli 1906 kam dann eine Abmachung zu- stände, bei der die Bauunternehmer sich mit dem Achtstundentag einverstanden erklärten, wobei ein Stundenlohn(unter Abschaffung der früher üblichen Tage- und Akkordlöhne) von 25 bis 35 Kopeken (50 bis 70 Pfennig) vereinbart wurde. Nicht minder wichtig ist, daß die Arbeiter mit dem bisher bestehenden— früher ja auch in Deutschland üblichen— System brachen, bei dem die Poliere die unumschränkten Gebieter waren. In Warschau hatte dieses System die schlimmsten Blüten ge- zeitigt: die Poliere stellten nur Arbeiter ein, die sich„einkauften", machten willkürliche Lohnabzüge, fälschten die Lohnlisten, der Lohn wurde in Wirtshäusern ausgezahlt, deren Wirte den Polieren tributpflichtig waren, daS infamste Trucksystem war im Schwünge; das mörderische System der„Anpeitscher", die durch Prämien und Schnaps veranlaßt wurden, ein rasendes Tempo der Arbeit einzuhalten, um die übrigen Maurer zu zwingen, unter Aufgebot aller Kräfte die Arbeitsleistung zu steigern. DaS hörte auf. indem die Arbeiter verlangten, daß sie bei der Einstellung von Kollegen mitzubestimmen haben. Allerdings ging es nicht immer ganz zart zu, und mancher Polier,- der die«guten alten Zeiten" nicht vergessen konnte, wurde per Schubkarren vom Bau gefahren.— Die Bautätigkeit blieb allerdings minimal. eS wurden nur die dringendsten Bauten ausgeführt. Grund war aber wohl nur zum geringsten Teil der Achtstundentag, sondern die wirtschaftliche Krise einerseits und die Entvölkerung der Stadt andererseits; während der Jahre 1906 und 1907 ging die Bevölkerung stark zurück, denn erstens verließ die Bourgeoifie in Scharen die Stadt und flüchtete vor der Revolution ins Ausland, zweitens wanderten die Arbeiter ab, weil große Arbeitslosigkeit herrschte, drittens sind in dieser Zeit viele Tausende in die Gesang- nisse und in die Verbannung geschickt worden. Es standen also viel Wohnungen leer, die Lust zun: Bauen war gering, überdies fehlte eS aber auch an Kapital, denn der Kredit war während der Revolutionsjahre verschwunden. Im Jahre 1903 regte sich die Bau- tätigkeit ein wenig. Die Unternehmer hofften nun leicht Maurer zu finden, die zu ungünstigeren Bedingungen arbeiten würden, denn die Zahl der Arbeitslosen war groß und außerdem hatte die Polizei gründlich mit den Organisationen auf- geräumt: die Führer waren verhaftet, die geheimen Organisationen waren zerstört, die Kassen konfisziert. Aber das schier Unglaubliche geschah: trotz des furchtbaren Elends, trotz des Mangels an fest- gestigten Organisationen blieben die Maurer fest. Sie willigten schließlich in eine Reduktion des Lohnes auf 25 bis 80 Kopeken, aber sie weigerten sich standhaft, auch nur 8llt Stunden zu arbeiten. Im Sommer dieses Jahres begann eine planmäßige Kampagne der Unternehmer, eine Art Obstruktion: man stellte so wenig Maurer als möglich ein, um das Heer der Arbeitslosen noch künstlich zu vergrößern. Es half nichts: die Maurer wanderten zum Teil ab in die Provinzftädte(dort erklärten sie sich bereit, neun Stunden zu arbeiten, in Warschau nicht), zum Teil halfen sie sich damit, daß sie wechselweise arbeiteten: jeder war verpflichtet, einen oder zwei Tage in der Woche einem arbeitslosen Kollegen seine Arbeits- stelle abzutreten.— Am 16. August holten dann die Unter- nehmer zu einem großen Schlage aus: Die Maurer wurden ausgesperrt und es wurde ihnen erklärt, daß sie nur anfangen dürften, wenn sie neun Stunden arbeiten wollen. Und abermals geschah das schier Unglaubliche: die Arbeit ruhte und unter den vielen hundert hungriger und verelendeter Leute fanden sich nicht ein Dutzend, die die Solidarität gebrochen hätten! Ein kleiner legaler Verband war bestehen geblieben, ein sogenannter „nationaler", auf ihn setzten die Unternehmer ihre Hoffnung, aber— siehe da— auch er versagte und erklärte, unter keinen Umständen würden seine Mitglieder länger als acht Stunden arbeiten. Wie üblich, wurde der Vorstand des„legalen" Vereins verhaftet, trotzdem gar kein Streik vorlag und nicht der Schatten eines Grundes zur Verhaftung da war. Auch daö half nichts: ohne jegliche faßbare Organisation blieben die Maurer fest.— Ihre Argumentation ist einfach und klar: weil große Arbeitslosigkeit herrscht, halten wir am Achtstundentag fest, damit möglichst viele Maurer Arbeit finden; würden wir aber in diesem Punkte nach- geben, so wären alle schwer erkämpften Zugeständnisse der- loren; deshalb läßt sich über alles reden, über die Preis- gäbe des Achtstundentages— nicht.— Alle jene, die in den Revolutionsjahren unter tausenderlei Gefahren nicht müde waren, den polnischen Arbeitern die Grundsätze, sozial- demokratischer Taktik im wirtschaftlichen Kampfe einzuprägen, dürfen stolz sein und wenn die Kunde in die Gefängnisse und in die Ein- öden Sibiriens dringt, werden sie in gerechtem Stolz sich ihrer Schüler freuen. An dem Solidaritätsgefühl der Arveiter zerschellte der Uevermut der Unternehmer. Schon nach einer Woche gab ein Teil von ihnen nach, weil sie die Konventionalstrafen nicht verwirken wollten; die Arbeit wurde aufgenommen. Heute ist die Aussperrung auf der ganzen Linie gebrochen, der Sieg der Arbeiter ist voll- ständig. politifcbe Oeberflcbt. Berlin, den 28. September 1909. Besteuerung des Reichsfiskus durch die Kommunen. Die bisherige Steuerfreiheit des Fiskus für Besitzungen in den Gemeinden soll endlich beseitigt werden. Wie ver- lautet, wird ein Gesetzentwurf über die Besteuerung des Reichsfiskus ausgearbeitet. Der Entwurf soll dem Reichstage in der kommenden Session vorgelegt werden. Es handelt sich hier um einen der zahlreichen Gegenstände, deren allgemeine reichsrechtliche Regelung nach der Gründung des Reiches zweckmäßig gewesen wäre, der aber mit Rücksicht auf andere gesetzgeberische Aufgaben zurückgestellt wurde. Infolge dessen sind bei der Frage der Besteuerung des Reichsfiskus häufig wiederkehrend Ziveifcl in Theorie und Praxis aufgetaucht. wiederholt auch Petitionen eingereicht worden, ohne daß es jedoch zu einer endgültigen Regelung gekommen ist.— Tie Konservativen und ihr Parteisekretär. Bekanntlich hat Herr Ludwig Brehm, bisher Sekretär der Konservativen, seinen Austritt aus der Partei erklärt, weil er durch deren skandalöse Politik sein Gewissen beschwert fühlte. Die früheren Parteigenoffen Brehms, allen voran die brave „Kreuzzeitung", hatten nichts Eiligeres zu tun, als die Beweggründe des Mannes zu verdächtigen. Nunmehr verabreicht Brehm den Konservativen eine Abfertigung, aus der sich ergibt, daß jene Herr- schaften gm daran täten, recht oft und recht gründlich vor ihrer eigenen Tür zu kehren, statt mit pharisäischem Hochmut un- aufhörlich die Angelegenheiten der Sozialdemokratie oder anderer Parteien durchzuhecheln. Herr Brehm schreibt u. a.: „... So ungern ich jenen vorpommerschen Konservativen, die mit mir in Stralsund und Anklam für die Erbanfallsteuer eingetreten sind, Abbruch tun möchte: wenn nochmals ein so niederträchtiger und dummer Artikel gegen mich veröffentlicht wird wie jetzt in der„Kreuz- Zeitung", so werde ich ganze Arbeit machen, das heißt, ich iverde dann den Verlauf des Kampfes zwischen Anhängern und Gegner» der Erbanfallsteucr und insbesondere die eigentümliche Haltung der dabei in Betracht kommenden konservativen Abgeordneten Vorpommers in allen Einzelheiten dokumentarisch darstellen." Das wäre eine sehr verdienstliche Leistung, die allerdings nicht zustande kommen dürfte, da die Konservativen Brehms Enthüllungen offenbar dermaßen fürchten, daß sie sich alle Mühe geben, den Mann beileibe nicht zum äußersten zu reizen. Das Verbrechen des Schnapsblocks an den Tabak- arbeitern. Ueberaus heftig hat sich nach Eintritt der neuen Tabaksteuer die Reaktion am Arbeits markt im Tabakgewerbe vollzogen, meldet die„Arbeitsmarkt-Korrespondenz". Der Andrang Arbeit- suchender auf je 100 offene Stellen an den öffentlichen Arbeits- nachweisen im Tabakgewerbe schnellte von 100 im Juli unvermittelt auf 457 im August hinauf; er hat sich also im Monat des Eintritts der neuen Steuer in e h r als vervierfacht. Am empfind- lichsten äußerte sich die Reaktion in Hamburg, und zwar besonders bei den männlichen Tabakarbeitern; bei diesen erreichte der Andrang im August eine Höhe von 567. Auch Westfalen. daS Königreich Sachsen und Baden find hart betroffen worden. Die öffentlichen Arbeits- nachweise dürften dabei in diesem Falle den Andrang eher noch zu niedrig erscheinen lassen, da ein großer Teil der entlassenen Tabakarbeiter in der Annahme, gegenwärtig doch keine Arbeit im Tabakgewerbe zu finden, sich in anderen Berufen nach Beschäftigung umsieht, ein anderer Teil auf die staatliche Unterstützung wartet. Es kommt noch hinzu, daß die wichtige Tabakindusirie Braun- s ch w e i g s und Bremens von der amtlichen Statistik gar nicht erfaßt wird und in diesen Bezirken die Eni- lassungen mindestens so zahlreich waren wie in den anderen. Der Andrang am ArbeitSmarkt läßt nun wohl auf die umfangreichen Entlassungen schließen, die vorgekommen sind, nicht aber zeigt er an, um wieviel der Beschäftigungsgrad in der Tabak- industrie gesunken ist. Die meisten Fabriken haben nämlich ihre Arbeiter nicht entlassen, sondern sie reduzieren die Beschäftigung, so daß den Arbeitern ein empfindlicher Lohnverlust entsteht. Aus zahlreichen süddeutschen Orten wird über durchgreifende Betriebs- einschränkungen berichtet, die sich zum Teil sogar auf drei und vier Tage in der Woche erstrecken. Den Heimarbeitern wird vielfach nur die Hälfte des früheren Quantums aufgegeben, vereinzelt auch noch ivemger. Die BetriebSverkürzungcu dehnen sich über das ganze Reich aus: Hannover, Sachsen, Rhein- land-Westfalen, Baden. Braunschweig sind alle davon betroffen worden. Infolge der Verschiebungen durch die Steuer in der Lage des TabakgewerbeS hat auch die Streik- und Aus- sperrungsbewegung in der Tabnkindustrie zugenommen. Entweder es wurde aus Solidarität mit den entlassenen Arbeitern gestreikt oder gegen Lohnreduktionen Front gemacht. Einen besonders großen Umfang nahm der ArbeNskampf in der Zigarettenfabrik Manoli an, der entstand, weil die Firma Arbeiter entließ, nachdem die Arbeitsgelegenheit infolge Produktionsrückgang abgenommen hat. Ein für die gegenwärtige Lage in der Tabakindustrie außerdem noch ungünstig wirkendes Moment ist eS, daß der Import von Zigarren und Zigaretten im laufenden Jahre äußerst stark forciert worden ist. Es wurden in den ersten acht Monaten dieses Jahres an Zigarren 488 400 Kilogramm eingeführt gegen 319 300 Kilogramm in der entsprechenden Zeit 1908. Die Einfuhr von Zigaretten stellte sich in den ersten acht Monaten auf 525 400 Kilo- gramm, während sie 1908 nur 391 300 Kilogramm betragen hatte. Die Einfuhr von Zigarren ist demnach um 53 Pcoz., die von Zigaretten um 34 Proz. größer gewesen als 1903. Besonders im Monat August ist sowohl die Zigarren- als die Zigaretteneinfuhr überaus stark gestiegen; es wurden im August d. I. 113 600 Kilo- gramm Zigarren importiert gegen nur 33 400 Kilogramm im Ver- gleichSmonat 1903. Die Zrgarettcneinfuhr stellte sich in diesem Jahre aus 101 800 Kilogramm, während sie im August deS Vor- jahreS 53 700 Kilogramm betragen hatte. Die Augnststeigerung belauft sich demnach bei Zigarren auf 255 Proz., bei Zigaretten auf 90 Proz. Es braucht keines besonderen Nachweises, daß auch�diese Steige- rrmg deS Imports auf daS Konto der Steuer- und Zollerhöhung und also auf das Schuldkonto des Schnapsblocks, der Junker und deS Zentrums zu setzen ist._ Der Evangelische Bund. Im Mannheimer„Städtischen Rosengarten", in denselben Räumlichkeiten, in denen vor drei Jahren unser Parteitag stattfand, hat von Freitag bis einschließlich Sonntag die 22. General- Versammlung des Evangelischen Bundes getagt. Die Teil- nehmcrliste wies gegen 700 Personen auf. darunter eine sehr erheb- liche Anzabl Frauen. DaS hängt damit zusammen, daß— genau wie bei den Katholikentagen— viele Leute ibre Sommerreise mit dem Besuch dieser Veranstaltung verbinden! Auf den Katholiken- tagen hat man sich ja infolge der immer zahlreicher in Begleitung ihrer Männer erscheinenden Frauen genötigt gesehen, für diese b e- sondere Tagungen, fast ausschließlich charitattver Art, ein- zurichten. So hat denn der Evangelische Bund, der in seinen Generalversammlungen die Kaibolikcntage äußerlich nach Möglichkeit zu kopieren pflegt, für seine Mannheimer Tagung zum erstenmal gleichfalls eine besondere Frauenbersamnllung cingericiitet, und ein Fräulein Schallmeier aus Halle a. S. hielt einen Vortrag über die Frage:„Wie die evangelische Ge- sinnung unter den erwerbenden Frauen und Mädchen zu stärken sei! Wir werden es nächstens erleben, daß unsere Fabrikarbeiter!, men von den froinmen evangelischen Damen mehr noch als bisher zum Kirchenbesuch und zum Eintritt in muckerische Vereine animiert werden... Was die diesjährige Generalversammlung besonders auszeichnet, ist die politische Seite der Verhandlungen. Durch die Reden klang die Sehnsucht nach dem alten, bei der Finanzrcform zu Grabe getragenen konservativ-liberalen Block sehr deutlich hindurch I Ja, der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Dr. E V e r l i n g, der geschäftssührende Direktor des Bundes, erörterte die Möglichkeit der Neubildung ves Blocks sehr eingehend und wies darauf hin, dast die politischen Parteien, die den alten Block gebildet haben, ja noch vorhanden seien und es daher zurzeit in der Hand hätten, dos Zentrum von neuem auszuschalten I Der Bundespräsident Generalleutnant Lesse! äußerte sich zu derselben Frage: „Die großen nationalen Parteien im Lande zerfleischen sich. Geht das so weiter, so blüht der Weizen der Ultramontanen und Sozialdemokraten, und die Knechtschaft vor drei Jahren ist wieder da. Der Vaterlandsfreund muß wünschen, daß der unselige Bruderzwist allmählich aufhört. Man mag das Optimismus nennen und über den Versuch spötteln, die parteipolitischen Gegen- sätze so kühn zu überspringen. Aber wer sein Vaterland zur Höhe führen will, der kann ohne eine gute Dosis Optimismus nicht auskommen. Wir müssen die Fäden, die gerissen sind, wieder zu knüpfen suchen und unS wieder um die nationale Fahne sammeln. Dann wird neues Leben aus den Ruinen erblühen." Es besteht also kein Zweifel, daß im evangelischen Bund, dem zahlreiche nationalliberale Abgeordnete— auch Dr. H i e b e r und selbst der Fraktionschef Boss ermann angehören— starke Kräfte tätig sind, um das alte Blockverhältnis wieder herzu- stellen und das Zentrum wieder auszuschalten. Ob diesen Be- strebungen ein Erfolg blüht, das läßt sich natürlich nicht voraus- sagen, denn es kommt hierbei ja nicht allein auf die National- liberalen und Konservativen an, sondern auch auf die Freisinnigen I Und die würden natürlich politischen Selbstmord begehen, wenn sie nach den Erfahrungen mit den Konservativen nochmals unter dem Deckmantel liberaler Blockpolitik die Konservativen von neuemunter- stützten._ Nationalliberale und Reichsfinanzreform. In Köln redete am Sonntag in einer nationalliberalen Vcr- sammlung der Reichstagsabgeordnete Dr. Stresemann aus Dresden über die Reichsfiuanzrcform. Er richtete scharfe Angriffe gegen das Zentrum, gab aber überflüssigerweise zu, daß auch die Nationalliberalen für neue indirekte Steuern gestimmt haben würden; als jedoch nach dem Willen des neuen Blocks der Besitz sozusagen leer ausgehen sollte, habe man auch nicht für neue Bier- und Tabaksteuern stimmen können. Die neuen Steuern würden die erwarteten 500 Millionen Mark nicht einbringen. Die V o l k S e m p ö r u n g sei bei den jüngsten Nachwahlen über die Nationalliberalcn hinweg zur Sozialdemokratie gegangen. Im Wer« laufe seiner Rede tat Herr Stresemann auch die melancholische Acußerung:„Wir sind die Besiegten der Gegenwart und wissen nicht, was uns die Zukunft bringt." Der etwas zuversichtliche Ausblick am Schluß des Vortrages wird vom Redner selber also wohl kaum ernst gemeint gewesen sein. Recht unsanft ging in der Diskussion ein linksliberaler Redner mit den Freunden vom rechten Flügel des„Gesamtliberalismus" um: Herr K a st i n g gab zwar dem Zentrum, dessen Politik eine einzige große Lüge sei, die Hauptschuld an der Finanznot und den neuen Steuern, er stellte aber fest, daß die National- liberalen bereit gelvesen seien, den Steucrvorlagcn der Re- gierung zuzustimmen, nach denen dem nichtbesitzenden Volke 400 Millionen Mark durch indirekte Steuern aufgeladen werden sollten, während für den Besitz nur 100 Millionen vorgesehen waren! Dieser unbequeme Gast wurde vielfach durch Schlußrufe unter- brachen._ Das Vereinsrecht in Schlesien. Bekanntlich sollte im August im Wahlkreise des Abg. v. Hehde- brand, in Militsch-Trachenberg, eine von sozialdemokrati- scher Seite einberufene öffentliche Volksversammlung unter freiem Himmel stattfinden, in welcher, unmittelbar vor den Toren der Schnapsbrenner und Volksausplünderer, über den Beutezug auf die Taschen des Volkes gesprochen werden sollte. Die Versammlung wurde verboten, weil angeblich eine Scharlachepidemie im Orte herrschte. Sofortige Erkundigungen konnten indes selbst in großem Umkreise nichts davon entdecken. Auf die B e- s ch w e r d e ist jetzt der Bescheid des Landrats eingegangen, in dem es heißt: Bezüglich des durch den Amtsvorsteher ergangenen Ver- b o t e s der Abhaltung dieser Versammlung wegen Scharlach- epidemie haben die Ermittelungen ergeben, daß allerdings in Bogislawitz vereinzelte Fälle von Scharlach aufgetreten waren, die aber nach dem Gutachten des königlichen Kreisarztes nicht den Umfang einer Epidemie angenommen hatten. Das ergangene Berbot des Amtsvorstehers ist daher nicht gerecht- fertigt. Dem Amtsvorsteher ist im vorstehenden Sinne das Erforder- liche eröffnet worden. Vier volle Wochen hat es gedauert, ehe der— gesetzeS- kundige Beamte einen sanften Wink von oben erhalten hat. Aber was Hilsts, die Versammlung wurde hintertrieben und der Wirt gibt sein Lokal nicht mehr her, aber nicht etwa deshalb, so beteuert er, weil er etwa beeinflußt worden wäre.— Nichtsdestoweniger werden aber die Wähler deS Herrn v. Heydebrand die wahren Ursachen der Steuerplünderung erfahren und dies trotz aller— Scharlachepidemien I_ Die„Staatsbürger-Zeitung" schweigt weiter. Auch die heutige Nummer des Antisemitenorgans enthält kein Wort über die angebliche Affäre Hengsbach. ES wird also weiter frech unterschlagen.„Teutsche" Wahrhaftigkeit I— Nach bekanntem Schema. Eine ungemein harte Strafe wegen einer Lappalie verhängte das Dresdener Kriegsgericht gegen den 30 Jahre alten Landwehr- mann Kunath. der sich wegen AchtnngSverletzung. Ungehorsams. Beharrens im Ungehorsam, ausdrücklicher GchorsamSverloeigerung und Beleidigung verantworten mußte. Im Juni d. I. wurde K. zu einer vierzehntägigen Landwehrübung beim 04. Artillerie-Rcgiment in Pirna eingezogen. Eines Abends fuhr er mit seinem Rade rechts der Straße durch die Stadt. Ihm entgegen kam ein Vizefeldwebel, der der Verkehrsordnung zuwider links fuhr. Als K. ziemlich nahe heran war, befohl ihm der Feldwebel auszuweichen I! K. tat dies auch, sagte aber:„Sie haben nicht links zu fahren und mir auch nichts zu befehlen!" Durch diese Aeußerung fühlte sich der Feldwebel beleidigt I Er stellte de» Land- wehrmann zur Rede. Dieser soll dabei eine„unmilitärische" Haltung eingenommen haben. Auf die Aufforderung, mit nach der Wache zu gehen, erwiderte K.:„Ich gehe nicht mit!" Der Feld- webel packte den Landwehrmann an der Brust an und wollte ihn arretieren, ließ aber schließlich davon ab. K. begab sich freiwillig nach der Wache, wo er sich achtungsverletzend benommen haben soll. Vor Gericht gab er an, daß er über das Auftreten des Feldwebels erregt gewesen sei. Er habe nur sein Recht behaupten wollen.— Das Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten zu der schweren Strafe von— 15 Tagen strengen Arrest zur Er- Haltung der Disziplin!— Eine eigenartige Kompagnismutter. Das Kriegsgericht der 20. Division verhandelte am Sonnabend in sicbensiündiger Sitzung unter dem Vorsitze des Majors v. Borcke in Celle gegen den Feldwebel Hermann Thiele von der 1. Kompagnie deS 2. Hannoverschen Infanterieregiments Nummer 77(Celle). Bei einer Untersuchung gegen den Sergeanten I a h n k e von derselben Kompagnie, der wegen 56(!) MißhandlnngS- und Bclcidigungsfällen untrr Anklage steht, stellte sich heraus, daß auch Feldwebel Thiele, der bereits 14 Dienst- jähre hinter sich hat, schon lange in ähnlicher Weise mit dem Militär- Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen war. Die zur Untersuchung gelangten Fälle reichen bis in das Jahr 1900 zurück, und trotz des sehr lückenhaften und mitunter unsicheren Beweismaterials vcr- dichtete sich dieses zu einer umfangreichen Anklage gegen den Feldwebel, welcher der fortgesetzten Beleidigung und Mißhandlung von Untergebenen, der vorschriftswidrigen Behandlung von Uirter- gebeuen und der Anmaßung von Befehlsbefugnissen beschuldigt wurde. Die Beweisaufnahme, bei der gegen 30 Zeugen zur Vernehmung gelangten, ergab zunächst, daß Thiele sehr„patri- archalisch", aber gleichzeitig vorschriftswidrig die Mannschaften im allgemeinen duzte, ferner als Anredeform mit Vor- liebe die Bezeichnungen„Schweinigel",.Schweinebengel", „Pollacke",„Wasserpollacke" gebrauchte. Ändere Benennungen, wie „Polnisches Schwein",„Polnisches Radieschen",„Polnische Edelsau", „Verbrecher",„Landstreicher",„Chausseegraben- Tapezierer" usw. konnten dem Angeklagten nicht ausreichend bewiesen werden und dürften mehr dem Sergeanten Jahnke zur Last fallen. Die Schreib- stube der 1. Kompagnie war der Schauplatz der seltsamsten Vor- gänge. Hier besonders war es, wo Thiele, oft aus den nichtigsten Ursachen, die Leute an der Brust, an der Gurgel faßte und nnt den Köpfen gegen die Wand schleuderte. Der Reservist Penski aus Ostpreußen, der vor dem Feldwebel wiederholt sein Strafregister.herunterbeten" mutzte, behauptete weiter, von dem Feldwebel ins Gesicht gespuckt worden zu fein. Be- züglich dieser Behauptung nahm das Gericht an, daß ein„Irrtum" nicht ganz ausgeschlossen erscheine. Weiter wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, eigenmächtig einen Kompagnie-Appell mit Kochgeschirren, ferner in zwel Fällen eigenmächtig Strafputz st unden angesetzt zu haben. Feld- webel Thiele bestritt fast die ganze Anklage und gab nur das Duzen und leichte Beleidigungen zu. Von den Vorgesetzten des Angeklagten bekundete» die Leutnants Stille und Busse: außer dem Duzen leichte Schimpfworte gehört zu haben. Oberleutnant Braun hat nichts gehört und Hauptmann Schmidt gab seinem Feldwebel ein glänzendes Zeugnis. Allerdings sei Thiele sehr heftig und leicht erregbar, etwaige Verstöße des Thiele seien ohne Weisel„nur auf dessen großes Dicnstinteresse" zurückzuführen! er Vertreter der Anklage, KriegSgerichtsrat Schön born, hielt mildernde Umstände für vorhanden und beantragte die Verurteilung des Angeklagten wegen Mißhandlung von Untergebenen in sechs Fällen, vorschriftswidriger Behandlung von Untergebenen in vier Fällen, Anmaßung von Befehlsbefugnissen in einem Falle (bezüglich des Kochgeschirre- Appells) und wegen fortgesetzter Beleidigung zu einer Gesamtstrafe von— drei Wochen gelinden Arrestes, während der Verteidiger für eine noch geringere Bestrafung eintrat! Das Kriegsgericht erkannte gegen den Angeklagten wegen fortgesetzter Beleidigung von Untergebenen bei Ausübung des Dienstes, Mißhandlung von Untergebenen in sechs und vorschrifts- widriger Behandlung von Untergebenen in vier Fällen auf 3 Wochen gelinden Arrest unter Freisprechung von den übrigen Punkten der Anklage! Da in der Verhandlung gegen Thiele von einigen Zeugen(Reservisten) noch weitere Beschuldigungen ernster Natur erhoben wurden, hat dieser noch eine Untersuchung zu gewärstgen.— Der Reservist Musketier E r n st P e n S k i, der diesen eigenartigen Feldwebel dadurch beleidigt haben soll, daß er in der Vorunter- suchung diesen— angeblich wider besseres Wissen— beschuldigte, anderen Leuten befohlen zu haben, ihm inS Gesicht zn spucken, wurde wegen einfacher Beleidigung zu zwei Wochen mittleren Arrestes verurteilt... OektemicK-angarn. Ein politischer Streik. Uever die Ursachen des Generalstreiks, der in Trient und Rovereto ausgebrochen ist, wird unS aus Wien geschrieben: Seit dem 10. d. ist Genosse Mussolini, Redakteur des „Popolo" und des„Avvenire del Lavoratore", in Trient in Haft. Er war angeklagt wegen eines Privatbriefes, den er im Laufe einer Preßpolemik an den Redakteur des„Alto Adige" geschrieben hat und worin Austeizungen gegen den Staatsanwalt erblickt wurden, während zugleich die Beilegung eines konfiszierten Exemplars des„Popolo" als Verbreitung einer verbotenen Druckschrift angesehen wurde. Zugleich wurde gegen Mussolini, der Reichsitaliener ist, die Ausweisung verfügt. Die Verhandlung fand Freitag statt und Mussolini wurde. wie vorauszusehen war. in allen Punkten freigesprochen. Schon stüher hatte das Gericht beschlossen, ihn auf freien Fuß zu stellen, der Beschluß war aber von Innsbruck aus aufgehoben worden, so daß Genosse Mussolini in Haft blieb. Nach Verkün- dung des Freispruches wurde vom Gerichtshofe neuerlich feine Frei- lassung verfügt, die jedoch unterblieb, da der Staatsanwalt Einspruch erhob, indem er sich die Nichtigkeitsbeschwerde vorbehielt. Die Blamage der von der Polizei inspirierten Staatsanwaltschaft, die diesen lächerlichen Prozeß provozierte, reizte aber, die Polizei dazu auf, die Ausweisung in Vollzug zu setzen. Die Erbitterung und Aufregung unter den Arbeitern, die in der ganzen Prozedur eine gegen sie gerichtete, gänzlich unbegründete Gewalttat sehen, ist eine ungeheure, und mehrere Arbeiterversamm- lungen in Rovereto und Trient haben beschlossen, in den Generalstreik zu treten, wenn man sie ihres Vertrauensmannes, dem man absolut kein Delikt vorwerfen kann, beraubt. Mit mehr Mutwillen und Frivolität sind österreichische Beamte noch selten vor- gegangen und niemals mehr zum Schaden einer jeden vernünftigen Ordnung und der sehr notwendigen Beruhigung der Bevölkerung. Die Durchführung der Ausweisung unmittelbar nach dem Freispruch ist eine doppelte Provokation und zeigt, daß es sich aus- schließlich um eine Polizeiiittrige handelt. Bisher ist der General- streik ruhig verlaufen._ Die ungarische Krise. Budapest, 23. September. Abgeordnetenhaus. Ministerpräsident Wekerle erklärte, die Regierung habe im Sinne ihrer Er- klärung vont 10. Juli gestern ihre Entlassung gegeben. Nachdem das Einverständnis der Parteien, auf das sich das Kabinett stützte, aufgehört habe, habe er dem Könige vorgeschlagen, den Führer der Mehrheit, Franz Kossuth(lebhafter Beifall links) zu sich zu berufen, was der König genehmigte. Wahlrechtsdemonstratio». Budapest, 27. September. Nach einer sozialdemo- kratischen Wahlrechtsversammlung veranstal- teten in den Abendstunden viele Versanimlungsteilnchmer in der Nahe des Klubs der Unabhängigkeitspartei aus Anlaß der morgigen Parlamentseröffnung eine Straßenkund- gebung. Nach wiederholten Attacken zerstreute die Polizei die Menge, wobei von der Waffe Gebrauch gemacht wurde. Mehrere Personen wurden verwundet, dar- unter vier schwer. Nach 9 Uhr abends war die Ruhe wieder hergestellt. Fär die Schulvcrpfaffung. Paris, 28. September. Sämtliche Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe Frankreichs haben einen Hirtenbrief erlassen, in dem sie alle katholischen Eltern dringend auffordern, ihre Kinder nicht in die neutralen öffentlichen Schulen zu schicken, sondern nur in ch r i st l i ch e Schulen. Die Eltern seien verpflichtet, für eine religiöse Erziehung ihrer Kinder Sorge zu tragen. Der Papst'gebiete bei strenger Strafe, die Kinder nur dann. wenn ernste Gründe vorlägen, in neutrale Schulen zu schicken, wobei stets die Bedingung gelte, daß das Gewissen der Kinder nicht gekränkt werde und daß Eltern oder Priester außerhalb der Schule für eine religiöse Erziehung Sorge tragen. Die Eltern hätten das Recht und die Pflicht, die Schulen und die Lehrer zu überwachen. Gründungen von besonderen Vereinigungen zu diesem Zwecke seien dringend zu empfehlen. Der Hirtenbrief verbietet sodann eine Anzahl der in öffentlichen Schulen eingeführten Lehrbücher und erklärt, die Unterzeichneten seien bereit, alles zu erdulden, um die Kinder gegen die Gefahr der neutralen Schule zu verteidigen. Belgien. Eine saftige Abfuhr. Man schreibt uus aus Brüssel: Zu den bevorstehenden Wahlen rüsten die Klerikalen bereits, indem sie in eigens dazu ge- gründeten Blättern einen auf die alte Verleumdungsmethode ge« stützten Feldzug gegen die Sozialdemokratie führen. Diese Ver« leumdungSmethode war auch in Belgien stets dieselbe wie ander- wärts: die Verdächtigung der führenden Genossen, die man den Massen als Millionäre(wie Vandervelde und De Broucköre usw.) oder als schwere Geldverdiener(wie Anseele, Bertrand usw.) denunzierte, bei welcher Gelegenheit dann auch noch die geschäft- liche Redlichkeit und die moralische Qualifikation der Führer in mehr oder weniger faßbarer Weise angezweifelt wurde. Obwohl auch unsere belgischen Genössen gescheiteres zu tun haben, als sich mit jedem Wahlwisch aus klertkalem Lager zu befassen, halten sie es doch von Zeit zu Zeit für angebracht, den Verleumdern auf die Finger zu klopfen, wenn sie ihr Handwerk allzu unverschämt betreiben. So hat kürzlich der sozialistische Abgeordnete Bertrand, der in einer Reihe der von der„Action catholique" herausgegebenen Blätter in gemeiner Weise verdächtigt worden war, den betreffenden Redaktionen eine saftige Berichtigmig zugeschickt, die nicht nur die Lüge von den sozialistischen Geschäftspolitikern abtut, sondern auch hinweist, wo die wirklichen Geschäftspolitiker zu suchen sind. Vorerst weist Bertrand nach, daß er nicht, wie ihm borgehalten wird, 2öOOOFr. als Mandatar dorjPartei beziehe, sondern 7300 Fr.: 4000 Fr. als Deputierter und 3300 Fr. als Stadtverordneter. Wenn Sie wollen, sagt Bcrtrand in dem öffentlichen Brief, s o nenne ich Ihnen katholische Politiker, die sich für einen einzigen P r o z e ß� 100 000 F r. zahlen lassen, andere, die dieselbe Summe für ihre Stellung bei Finatizges ellschaften beziehen, andere, die 3000 Fr. jährlich einheimsen dafür, daß sie einmal wöchentlich auf eine Stunde in die Sparkasse gehen.... Abgesehen davon, daß die große Anzahl der katholischen Deputierten als Advokaten, Industrielle, Finanziers usw., das Sechsfache ungefähr«verdienen" als er, Bertrand, der Schlemmer und Acmterkumulierer.... Auch wisse die Redaktion, fährt der Genosse fort, daß er von seinem von ihr um 200 Proz. hiuaufgelogenen Ein- kommen 730 Fr. der Arbeiterpartei als Steuer abliefere! Was die gegen seine Rechtlichkeit erhobenen Anklagen betrifft, so verweist Bertrand die frommen Ehrabschneider auf die Tatsache, daß er erst neulich ein klerikales Blatt verklagt, das dann zu 1000 Frank Geldstrafe wegen Verleumdung verurteilt wurde. Bertrand schließt seine kräftige Epistel, indem er die Blätter vor weiteren Verleumdungen warnt.„So oft Sie sich mit mir in einer mir mißfälligen Weise beschäftigen, werde ich Sie zwingen, meine Antwort zu veröffentlichen. Lassen Sie sich das gesagt sein." Zweifellos, wenn unsere Genossen allerorts in diesem Tone den Massenverleuindungen entgegenträten, würden manche Blätter etwas weniger dreist drauf los lügen und verleumden.— Auch Anseele, dem man gleichfalls kürzlich in einem vlämischen Katholikenblatte eine niederträchtige Geschichte nachgesagt hatte, hat in gleicher Weise reagiert.— Spanien. Gegen den weißen Schrecken. Das Pariser Komitee der sozialen Verteidigung veröffentlicht einen Aufruf gegen die spanische Regierung, in dem es unter Zu- rückwcisung der amtlichen Lügen heißt:„Greise, Frauen, Kinder, eingekerkert und mißhandelt, wenden sich an die Oeffentlichleit. Gegen Francisco F e r r e r, den Erneuerer dcL weltlichen Unter- richts in Spanien, bereitet man den ungerechtesten Prozeß mit den gehässigsten Machenschaften vor. Polizei und Mönche haben ihm offen den Untergang geschworen. Tausende wackerer Leute, un» schuldig wie er oder nur schuldig der Auflehnung gegen einen in- famen Krieg, bevölkern die Gefängnisse von Barcelona. Man schafft Männer und Frauen, gegen die nicht einmal eine Beschuldi- gung vorliegt, nach den entlegensten Orten und verlangt, daß sie selbst für ihren Unterhalt aufkommen, läßt sie aber nicht aus dem Hause gehen, um Arbeit zu suchen. Selbst der russische Zarismus geht nicht so weit. Arbeiter sitzen im Kerker, weil sie Vertreter zu gewerkschaftlichen Konferenzen, mehrere Wochen vor dem Atzsbruch der Unruhen, geschickt haben. Mehr als fünf- zehntausend Opfer hingerichtet, gefangen, verschickt oder vertrieben: das ist zur Stunde die Bilanz der Unterdrückung der Regierung des Königs Alfons." Der Aufruf weist den Einwand zurück, daß diese Dinge das Ausland nichts angingen. Die ganze Menschheit ist betroffen und verantwortlich. Es handelt sich nicht allein um die Tausende Opfer, die in den Kerkern von Barcelona den Tod oder die Verbannung nach einer Justtzkomödie erwarten. Es ist ein ganzes Volk, das unter dem Regime der Unfähigkeit und Korruption im Todes- kämpf röchelt!— Europa aber, das humane und christliche, steht ebenso tatlos neben diesen Schandtaten wie neben den Greueln in Rußland. Der Kampf in Marokko. Madrid, 27. September. Die spanischen Truppen haben die KaSbah von Seluan eingenommen. Die Kolonnen des Generals Orozco marschierten dann ohne Zwischenfall durch Seltckm durch. Auch auf dem Guruguberg, den die Truppen überstiegen, haben sie keinen Wider st and gefFtiden. Die den Truppen folgenden Trains marschierten ohne Bedeckung. Es hat den An- schein, als ob der F e i n d alle seine Stellungen verlassen hat und gänzlich geflohen ist. Melilla, 27. September. Seit 11 Uhr vormittags stehen die Häuser der Führer der Eingeborenen«n dem Gurugu» berge, darunter das von Chaldh, in Flammen. Das Feuer wurde angelegt durch die den Spaniern ergebenen Marokkaner, die auf feiten der Spanier mitkämpften, um sich auf diese Weise für die Zerstörung ihrer Häuser durch die Harka zu rächen. Diese militärischen Erfolge ermutigen die spanische Regierung, die Cortcs auf den 13. Oktober einzuberufen und das Dekret, durch welches die konstitutionellen Garantien aufgehoben wurden, für alle Provinzen, außer für Barcelona und Gcrova, zu widerrufen« 6ewcH?rchaftl!chce. Solidarität. Der Internationale Metällarbeiter-Bund veröffentlicht in der neuesten Nummer der„ Meta llarbeiter-Zeitung" einen Auf- ruf zur Unterstützung der Ausständigen in Schweden. Außer den 13 Vertretern der Metallarbeiter-Verbände aus allen Ländern haben den Aufruf auch die Verbände der Schmiede, der Kupferschmiede und der Maschinisten und Heizer Deutschlands mitunterzeichnet. In einer Bekanntmachung des Vorstandes des Deutschen Metallarbeiterverbandes werden die Ortsverwaltungen des Verbandes ersucht, Versammlungen einzuberufen mit dem Thema:„Der Riesenkampf in Schweden", und die Mitglieder anzuspornen, nicht zu erlahmen in der Unter- stützung der heldenmütigen Kämpfer im Norden Europas!_ Berlin und Umgegend. Mißstände im Berliner Baugewerbe. Trotz der verhältnismähig guten Konjunktur, die den Sommer über im Baugewerbe Berlins und seiner Vororte vorhanden war, sind doch seit dem Abschluß des letzten Tarifvertrages recht be- deutende Mißstände aus den meisten Berliner Bauten eingerissen. Die Rechte der Bauarbeiter werden von dem Unternehmer bezw. seinem Polier auf jede nur mögliche Art und Weise beschnitten. Selbst von der brutalen Zunichtemachung der tariflich festgelegten Normen schrecken die Oberwasser fühlenden Unternehmer nicht zu- rück. Die Beschaffenheit der Baubuden, Aborte usw.. die in Verlin einst mustergültig waren, sind heute vielfach in einem ver- wahrlosten Zustande und spotten der auf dem Papier stehenden Vorschriften in vielfacher Hinsicht. Am schlimmsten ist das Ueber- stundenwesen eingerissen. Obgleich Ueberstunden nur im äußersten Notfälle gemacht werden sollen, und dann nur mit dem verein- barten Zuschlag, ist man von dieser Regel bei einer ganzen Reihe von Firmen abgekommen. Ein paar Beispiele mögen dieses be- weisen. In der Rigaer Straße führte die Firma Rohrmoser einen Kirchenbau aus, bei welchem wochenlang ein Teil der Maurer und Hilfsarbeiter Ueberstunden machen mußte, ohne daß der übliche Zuschlag von fünfzehn Pfennig bezahlt wurde. Auf einem anderen Bau derselben Firma war eine Zeitlang sogar die zehnstündige Arbeitszeit gang und gäbe, selbstverständlich ohne den Zuschlag. Aber die Firma ist nicht die einzige in Berlin, die an der- artigen Praktiken Gefallen findet, es gibt ihrer eine ganze Reihe. Sogar die größte Firma am Orte, die Aktien-Gesellschaft Held und Franke, eins der eifrigsten Mitglieder des Verbandes der Baugcfchäfte, erhöht auf diese Weise ihre Dividende, die regelmäßig eine recht hohe ist. Beim Brückenbau am Schöneberger Ufer ar- bettet sie mit Tag- und Nachtschichten und zahlte für die Nacht- stunden denselben Stundenlohn als für die Tagesarbeit. Erst, nachdem ein paar Arbeiter das Gewerbegericht mobil gemacht hatten'und die Firma die Beträge nachzahlen mußte, bequemte sie sich zur Zahlung des Ueberstundenzuschlages. Die Handlungs- weise solcher Firmen ist eine recht verwerfliche, noch dazu, wenn man bedenkt, daß die beiden Firmen im Verband der Baugeschäfte organisiert sind, also eigenhändig die geltenden Lohnsätze gebilligt und unterschrieben haben. Einen Teil der Schuld, daß solche Zu- stände in Verlin einreißen konnten, trägt aber auch die Arbeiterschaft des Baugewerbes, indem. sie nach dem Streik allzusehr erschlaffte. Sie wird sich kräftig recken müssen, um zum nächsten Frühjahr schlagfertig dazustehen und um den Unternehmern den Herren- dünkel wieder auszutreiben._ Konflikte im Gtukkateurberuf. Die Filiale Berlin des Stukkateurverbandes hatte zum Montag eine öffentliche Stukkateurversammlung einberufen. Zweck der Veranstaltung war, Stellung zu nehmen zur Aufhebung des Tarifvertrages und zu den neuesten Praktiken der Unter- nrhmcr. Die freie Vereinigung der Inhaber von Stuckgeschäften hatte in einem Schreiben die Absicht mitgeteilt, den bestehenden Vertrag aufzuheben, falls nicht Garantien geschaffen würden, daß die Vertragsbestimmungen seitens der Arbeiter eingehalten werden. Wengels referierte über diesen Punkt, indem er einen Rückblick gab über Entstehung und Handhabung des Vertrages. Daß gerade umgekehrt, von den Unternehmern nicht nur der alte, sondern auch der neue Tarif nicht eingehalten wurde, schilderte der Redner sehr anschaulich. Es zeigte sich hier wieder die allbekannte Taktik der Unternehmer, bestehende Verträge höchstens in der Hoch- konjunktur leidlich einzuhalten, bei absteigendem Geschäftsgang aber systematisch auf die Umgehung der festgelegten Bestimmungen binzustreben. Mehrere besonders krasse Fälle griff Wengels heraus. Charakteristisch ist die Tatsache, daß unter den Vertrags- brüchigen Unternehmern sich selbst solche aus der Schlichtung s- kom Mission befanden. Daß in der Krise die Lohn- und Ar- beitsverhältnisse sich ganz besonders ungünstig gestalteten, läßt sich aus den Mitteilungen des Redners treffend feststellen. Es sind Fälle zu verzeichnen, wo für 20 bis 25 M. Arbeit hergestellt, aber nur 10 M. dafür gezahlt wurden. Wir müssen, so führte der Redner weiter auS, den Tarif bis zum tz durchzudrücken suchen. Mit dem Raubbau in der Lohnarbeit muß gebrochen werden. In einigen verrufenen Firmen war eS durch die konsequente Haltung schon gelungen, den vertraglichen Bestimmungen Geltung zu ver- schaffen. Wird die Einigkeit der Arbeiter auf den Bauten mehr wie bisher gepflegt, fo werden die Erfolge nicht ausbleiben. Auch sollten sich die organisierten Kollegen besser informieren, mit wem sie auf dem Bau zusammen arbeiten. Wir haben deshalb vorzuschlagen: Wenn am l. Oktober die Zwangsinnung in Kraft tritt, werden wir auf dem Posten sein. Eine vertragSlose Zeit gibt es für uns nicht, dafür steht die Organisation. Die Drohung, den Vertrag aufzuheben, imponiere der Organisation durchaus nicht. Nachdem der Vorsitzende Dietrich noch einmal das Schreiben der freien Unternehmervereinigung verlesen und kritisiert hatte, setzte eine sehr rege Diskussion ein, die das Referat noch in vielen Punkten ergänzte. In seinem Schlußwort ging Wengels auf verschiedene in der Diskussion aufgetauchten Einwände ein und gab in klarster Weise die Richtschnur für das weitere Gedeihen der Organisation an. Folgende Resolution wurde einstimmig ange- nommen: Die Versammlung nimmt Kenntnis von der beabsichtigten Aufhebung des Tarifvertrages durch die Arbeitgeber. Sie nimmt weiter Kenntnis von Tarifdurchbrechungen verschiedener Unternehmer, unter denen leider auch Arbeitgebermitglieder der Schlichtzingskommission sich befinden. Um nun eine Einhaltung des bestehenden Tarifvertrages zu erlangen, erklären die Ver- sammelten: � „Die am 1. Oktober in Kraft tretende Zwangsinnung hat den bestehenden Tarifvertrag zu unterzeichnen. Ferner muß zur Verhütung von Tarisdurchbrüchen durch die Unternehmer sich jeder Stukkateur seiner Organisation an- schließen, weil nur dadurch dem Treiben der Arbeitgeber Einhalt geboten werden kann." Die Versammelten verpflichten sich, in eine rege Agitation zu diesem Zwecke einzutreten, damit auch der letzte Mann der Organisation zugeführt wird. Weiter hält die Versammlung es für notwendig, daß die Organisation die nötigen Schritte tut, um die Anerkennung des Tarifvertrages durch die Zwangs- innung zu rhalten._ Der Streik in der Zigarettenfabrik Manoli ist in einer erneuten Verhandlung durch einen Vergleich beendet worden. OeutCchcs Reich. Christlich-Nationales. � In Erfurt haben die christlichen und nationalen Arbeiter- bereine unter Führung des christlichen Generalsekretärs Bal- t r u s ch für die Gewerbegerichtswahlen das Proportionalwahl- system verlangt. Der den Arbeiterwünschen gegenüber sonst sehr zugeknöpfte Magistrat war in diesem Falle außergewöhnlich ent- gegenkommend, und das sozialistenreine Stadtparlament stimmte freudig dem Antrage des Magistrats auf Einführung des Pro- portionalwahlrechtes zu. In diesem Jahre soll nun zum ersten Male nach dem Proportionalwahlshstem gewählt werden. Die Wählerlisten wurden fertig gestellt und ausgelegt, und dabei stellte es sich heraus, daß es sich die Christlichen und Nationalen recht leicht gemacht hatten. Als Ausweis für die Wahlberechtigung ist ein Nachweis über das Arbeitsverhältnis für jeden einzelnen oder der Wohuungs- oder Steuerausweis für momentan Arbeitslose nötig. Jedenfalls hat das ungewohnte Entgegenkommen der Stadt- behörden die Nationalen aller Richtungen sicher gemacht, denn sie machten es sich bequem; sie schrieben einfach ihre Mitgliederlisten ab und gaben deren Verzeichnis als ihre Wählerliste beim Magi- strat ab. In entgegenkommender Weise nahmen die Beamten diese Listen in Empfang. Bei der öffentlichen Auslegung der Listen kamen nun unsere Genossen dahinter, in welcher Art die Namen der Wahlberechtigten eingetragen worden sind. Sie machten eine Eingabe an den Magistrat, die die Streichung der zu Unrecht in die Liste aufgenommenen Christlichen und Nationalen verlangte. Die Geschichte war zwar sehr fatal, der Magistrat konnte aber nicht um- hin, dem Antrage stattzugeben, und so mußten etwa 200 Namen gestrichen werden.— Die Wahl für das Gewerbegericht in E r f u r t findet vom 7. bis 9. Oktober statt. Die Lohnbewegung der Glasschleifer in Hamburg ist beendet. Die Schleifereibesitzer haben sämtliche projektierten Verschlechterungen zurückgezogen und einen neuen Tarif bis zum 1. Oktober 1911 ab- geschlossen. Der neue Tarif bringt eine Reihe von Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, und ab 1. Oktober 1910 steigt der Minimal- lohn um zwei Pfennig pro Stunde. Der Angriff der Unternehmer konnte nur abgewehrt werden, weil die Arbeiter vollzählig organisiert waren und in seltener Geschlossenheit den Unternehmern entgegentraten._ Achtung, Elcktromonteure! In Dresden sind die Kollegen in den� Ausstand getreten. Dresden ist deshalb für Elektromontcure streng zu meiden. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Husland. väckerboykott in Paris. Das Syndikat der Bäckergesellen des Seine- Departements hat einen Aufruf an das Publikum erlassen, alle Bäckereien, in denen die Sonntagsrrche nicht eingeführt ist, zu boykottieren. Zahlreiche Syndikate des Arbeiterverbandes haben sich bereit erklärt, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Die Boykottbewegung soll in den ersten Tagen des Oktober erfolgen. sein. Es sei sowohl in bezug auf die Beschäftigung als auch auf die Vreise in den allerletzten Tagen eine leichte Besserung zu spüren, von der zu hoffen sei, daß sie anhalten.möge. Die B e- schäftigung der sämtlichen Werke der Gesellschaft sei zurzeit gut und stehe mit einem Gesamtauftragsbestande im Werte von ill'/z Millionen Mark dem des Vorjahres nicht wesentlich nach. Versammlungen. Hus Inäustrie und Kandel. Die Bilanz der Laurahütte. Seit Wochen erwartet die Börse mit banger Spannung den Abschluß der Vereinigten Königs- und Lanrahütte, des größten Montanunternehniens Oberschlesiens. Und diese Bangigkeit war nicht ungerechtfertigt. Muß doch dieDividende- auf 4 Proz. herabgesetzt werden, während das Vorjahr 10 Proz. ergab. Offiziell wird dazu aus der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrates gemeldet: Der Bruttogewinn der Gesellschaft beträgt nach Deckung der Geschäftsunkosten und ObligationSzinsen 6 307 01b ji. V. 8 691 546) M., so daß nach Absetzung der ordent- lichen und außerordentlichen Abschreibungen von den Anlage- werten in Höhe von 4 500 126(4 700 000) M. ein Reingewinn von 1 806 889(3 137 935) M. verbleibt. Der Aufsichtsrat beschloß, die Auszahlung einer Dividende von 4 Proz. gegen 10 Proz. im Vor- jähre für das 36 Millionen Mark(im Vorjahre 27 Millionen Mark) betragende Aktienkapital vorzuschlagen. Zu dem Abschluß bemerkt die Verwaltung:„Der Mindergewinn des Geschäftsjahres 1908/09 ist ledig- lich eine Folge des P r e i s st u r z e s aus dem Eisenmarkt und der infolgedessen erheblich verschlechterten Ergebnisse der schlesischen Eisen- Hütten. Die Kohlengruben der Gesellschaft haben im ab- gelaufenen Jahre höhere Ueber schösse gebracht als im Vor- jähre. Die Lage des oberschlesischen Kohlenmarktes war trotz der eingetretenen Abschwächung, die sich im wesentlichen durch die ver- minderten Bezüge der Eisenbahnen und vor allem der Industrie bemerkbar machten, im abgelaufenen Geschäftsjahr eine immerhin befriedigende. Die Kohlenförderung der Gesellschaft hat zum ersten Male die Höhe von 3 Millionen Tonnen erreicht und mit 3 096 546 die Förderung deS Vorjahres um 272 144 Tonnen übertroffen. Im Gegensatz hierzu war die Lage der E i s e n i n d u st r i e eine so schlechte, wie sie Deutschland im allgemeinen und Ober- schlesien im besonderen seit Jahrzehnten nicht gekannt hat, wenn man berücksichtigt, daß inzwischen die Selbstkosten in diesem Zeiträume allgemein und überall eine außerordent- liche Sreigerung erfahren haben. Wenn auch der an- haltende Niedergang des Eisengeschäftes sich für die Werke der Gesellschaft und zwar sowohl beim direkten Walz- eisenverkauf als auch bei den Erzeugnissen der Verfeinerungs- industrie iveniger in einem Mangel an Arbeit als an einem unaufhaltsamen Zurückgehen der Preise äußerte, die heute auf einem Stande angekommen sind, wie sie so schlecht seit 16 Jahren nicht mehr zu verzeichnen waren, so hat doch eine Ver- Minderung der Erzeugung stattgefunden, da bei den gesunkenen Preisen, die beispielsweise bei Walzeiscn gegen den Hochstand im zweiten Viertel des vorigen Geschäftsjahres um rund 45 M. zurückgegangen sind, kein Interesse an besonders hohen Produktionszahlen vorlag. Die Roheisenerzeugung ist mit 234 142 Tonnen gegen das Vor- jähr um 9419 Tonnen zurückgegangen, die Walzeisenproduktion mit 217 742 Tonnen gegen die vorjährige um 16 383 Tonnen. Der Verkauf an Fremde um 5877 Tonnen gegen das Vorjahr zurück- eblieben. Der Minderabsatz betrifft hauptsächlich die schweren Erzeugnisse Eisenbahnmaterial und F o r m e i s e n, was im wesentlichen eine Folge des Rückganges der industriellen und privaten Bautätigkeit sowie der ge- ringeren Anforderungen der Eisenbahnen ist. Da die Preise der Rohmaterialien und namentlich auch die Arbeits- löhne sich nicht wesentlich verändert haben, so konnte der Preissturz auf dem Eisenmarkt trotz Verbilligung der Selbstkosten, die aus Betriebsverbesserungen hervorgehen, bei weitem nicht ausgeglichen werden. Auf den russischen Hütten der Gesellschaft hat sich gegen das Vorjahr eine leichte Besserung bemerkbar gemacht. Pro- duktion und Verlauf hielten sich auf der vorjährigen Höhe, die Er- trägnisse des letzten Vierteljahres wurden durch eine wenn auch bisher nur geringe Preiserhöhung verbessert." Ueber die gegenwärtige Geschäftslage berichtet der Generaldirektor, daß die Lage des oberschlesischen Kohlen Marktes zurzeit befriedigend genannt werden könne, und daß die Aussichten der nächsten Zeit ebenso anzusehen seien. Wenn auch der Bedarf der Industrie noch nicht zugenommen habe, so werden doch die Be- stellungen der landwirtschaftlichen Betriebe, namentlich der. Zuckerfabriken, die infolge verspäteter Ernte- arbeiten bisher noch fehlten. demnächst eingehen. und es stehe zu erwarten, daß der gesunkene Wasserstand der Oder, der dem Kohlcnabsatz, besonders den GaSkohlen bisher sehr hinderlich war, sich bald bessern werde. Auf dem Eisenmarkt scheine der Tiefstand überwunden zu Der moralische Zusammenbruch des Dcntschnationalcn Hand- liingsgehilscnverbandes lautete das Thema einer Versammlung. die der Zcntralverband der Handlungsgehilfen am Montag nach der„Neuen Philharmonie" einberufen hatte. Die Versammlung war sehr stark.besucht. Die Deutschnationalcn Radaumacher waren diesmal fern geblieben. Sie hatten auch ihre Anhänger durch ein Flugblatt vom Besuch der Versammlung zurückgehalten. Das ist begreiflich, denn die Führer des Deutschnationalen Handlungs- gehilfenverbandes haben sich durch ihr Eintreten für die Ehre deS Triolenmannes so stark kompromittiert, daß selbst die Unver- frorenheit deutschnationaler Maulhelden nicht mehr ausreicht, um sich in gegnerischen Versammlungen sehen zu lassen. Doch die Leute aus dem deutschnationalen Lager müßten ja ihren Charakter verleugnen, wenn sie den wahren Grund ihres Fernbleibens von der Versammlung angeben würden. Also kommen die Herren, ge-- treu ihrem ureigensten Wesen, mit einer unwahren Begründung. Sie sagen in ihrem Flugblatt:„Wir Deutschnationale besuchen die Versammlung nicht. Wir lehnen es ab, dem Zentralverband die Kassen zu füllen und uns obendrein mit Totschlägern und Gummiknüppeln bedrohen zu lassen." Mit Bezug auf diese Anspielung auf die Radauszenen in der vorigen Versammlung, sagte der Vorsitzende Urban, nachdem er die gegenwärtige Versammlung eröffnet hatte: Es ist unwahr, daß von unserer Seite gegen die Deutschnationalen tätlich vorge- gangen worden ist. Ein Mitglied des Deutschnationalen Verbandes schlug mit einem Gummiknüppel. Dieser wurde ihm von einem unserer Mitglieder abgenommen und nun sagte der Deutsch- nationale, unser Mitglied habe den Gummiknüppel gebraucht, was natürlich nicht wahr ist. Eines unserer Mitglieder ist durch einen Schlag mit einem Bicrglase verletzt worden. Also haben auch die Dcutschnationalen mit Biergläsern geschlagen. Diese Tatsachen können erforderlichenfalls vor Gericht erwiesen werden. Da diesmal von den Radaumachern aus dem antisemitischen Lager keiner anwesend war, so nahm die Versammlung einen durch nichts gestörten Verlauf. Der Referent Martin Meier zeigte an der Hand der politischen Tätigkeit Schacks, daß dieser niemals die Interessen der Handlungsgehilfen vertreten konnte. Weiter führte der Redner aus: Weil sich die Führer des Deutschnatiqnalen Verbandes nach der Triolenaffäre mit Schack solidarisch erklärten und diese Leute trotzdem an der Spitze des.Verbandes bleiben konnten, deshalb ist die Schackaffäre zu einem moralischen Zu» sammenbruch des Deutschnationalen Verbandes geworden. Der Zentralverband wird dessen Erbschaft antreten. Tie Sektion der Puber vom Zentralverband der Maurer hielt am Mittwoch in den„Arminhallen" eine außerordentliche Mit- gliederversammlung ab. Zunächst wurde an Stelle des von seinem Posten zurückgetretenen Kassierers August Lehmann der Putzer Max Friedrich gewählt. In der Diskussion über die Frage der Hauskassierung und Ver- schmelzung der Lokalkasse mit der Zweigvereinskasse sprachen sich einige Redner für die Einführung derselben aus, die sie ohne Ver- schmelzung der Sektions- mit der Zweigvereinskasse für möglich halten. Das gegenwärtige Listensystcm weise große Mängel auf. Die meisten Diskussionsredner sprachen sich jedoch gegen die Haus- kassierüng und Verschmelzung aus. Mit dem Hinauswurf aus dem Verbände ließen sich die Putzer nicht graulich machen. Es liege dem Zweigvereinsvorstand nur an dem Lokalvermögen der Putzer. Die Sektionskasse müsse aber bestehen bleiben, weil die älteren Kollegen auf die Unterstützungen, die im Winter aus derselben gezahlt werden, rechnen. Die Zweigvcreinskasse zahlt solche Unterstützungen nicht. Da etwa 1700 Kollegen auf dem Bau an die Deputierten zahlen und nur etwa 100 Einzelzahler sind, sei die Einführung der Hauskassierung nicht erforderlich. Ein Antrag des Bezirks Schöneberg, diese Fragen an die Be- zirke zur Beratung zurückzuverweisen und dann durch Urabstim- mung zu erledigen, wurde von der Versammlung abgelehnt. In getrennter Abstimmung wurden beide Fragen gegen vier Stimmen abgelehnt. Den Streikenden in Schweden sollen, obwohl ihnen bereits 6000 M. bewilligt worden sind, weitere 1000 M. überwiesen werden. Letzte IVacbncbtcn und Depefcben. Gasexplosion in Schöneberg. Eine heftige Gasexplosion, bei der zwei Personen schwer verletzt wurden, erfolgte gestern abend in der neunten Stunde in der Vorbergstraße 5 zu Schöneberg. Dort war gestern früh der Rcchnungsrat Hallschild mit seiner Familie neu ein- gezogen. Da sich im Laufe des Tages in einem Zimmer starker Gasgeruch bemerkbar machte, suchte der neue Mieter nach der Ur- fache. Er leuchtete mit einet Kerze, auf einer Leiter stehend, die Gasleitung an der Decke ab. Hierbei entzündete sich ausgeströmtes Gas und explodierte unter starker Detonation. Rcchnungsrat Hau» schild wurde von der Leiter herabgeschleudert und durch Stich- flammen am ganzen Oberkörper so schwer verletzt, daß er nach dem Schöneberger Krankenhause geschafft werden mußte. Etwas besser kam seine Frau davon, wenn sie auch im Gesicht und an den Händen erhebliche Brandwunden erlitt. Nach Anlegung von Notverbänden konnte sie in der Wohnung verbleiben. Die Wirkung der Explosion war auch sonst eine zerstörende. Zwei Wände wurden durch den Luftdruck eingedrückt und fast sämtliche Fensterscheiben im Hause zertrümmert. Die Schöneberger Feuerwehr war mit der Haupt- wache zur Stelle und verrichtete die Auftäumungsarbeiten, da Feuer weiter nicht entstanden war. Die schwedischen Einignngsverhandlnngen. Stockholm, 23. September.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Die Versuche, die Verhandlungen fortzuführen, werden immer noch fortgesetzt. Die Aussichten, jetzt zu einem Vergleich zu kommen, sind trotzdem sehr niinimal, da die Differenzen noch sehr groß sind. Das erwünschte Attentat. I Madrid, 28. September.(W. T. B.) Gestern ist in Barcelona eine Bombe explodiert. Mehrere Personen wurden verletzt. Die Zensur hat die Mitteilung dieser Nachricht angehalten. Der neue Minister des Innern macht darauf aufmerksam, daß diese häufigen Gewaltakte die Aufrechterhaltung der Suspension der konstitutio- nellen Garantien in Katalonien rechtfertigen. Erfolge der türkischen Truppen. Konstantinopel, 28. September.(W. T. B.) Wie aus Jemen berichtet wird, zog Mehmet) Jdris, der bis zur Küste vorgedrungen war, beim Erscheinen des türkischen Kreuzers„Mcdschidich" sich in den Distrikt von Sabia zurück, wo er gegenwärtig neue Streit- kräfte sammelt. In Hoheidah wurden die Anhänger des JdriS von den türkischen Truppen geschlagen, worauf mehrere Scheichs sich der Regierung unterwarfen. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berkin, Inseratenteil verantw..' Uh,Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u,VerlagSanftgtt Paul Singer Lr Co., Berlin L W, Hierzu2 Beilagen u.UnterhaltungSbl. Ar. 227. 26. Jahrgang. 1. KeilM te Jutmötts" Klllim MMM. Mittmch, ZS. Zexleoidn IM. für Äen ichwtliichen Gtneralftrelh. Bei der Berliner Gewerlschaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: 8275 17,tS. 5442 u. 5430 Dachbecker 14.—. 8535 Pianinosabrik Iani. sckewski 8,30. Kollegm d. A.-G. Jul. Pintsch, 4. Rate aus solgende Listen: 11253 16,75. 11254 13,15. 11265 13,90. 11266 6,45. 11268 18,50. 11269 7,45. 11270 14,15. 11271 9,25. 11272 3.60(in Sa. 103,20).— Tischlerei 5t. Bünger, 4. Rate 20,—. B. G. 2,50. Unterkommission Rixdorj aus solaende Listen- 2237 11,50. 2238 17,25. 2242 6,75. 2267 6,80. 2270 5.25. 2284 5.75. 2292 5,15. 2233 6,75. 2294 10,80. 2306 5,85. 2324 11,80. 2348 2,10. 2349 6,90. 2368 8,10. 2376 4,75. 2380 1.30. 2381 5,10. 2335 4,90. 2396 5,—. 2411 15,35. 2415 7.—. 2494 9,40. 2499 4,80. 2286 Arbeiter von Hirschhorn 30,35. 2280 Buchdr. S. u. W. Löwenthal, 2. Rate 14,—. 8707 Holzbearbeitungsfabr. Räder u, Brokops 13,80. Bautischlerei Haase, 2. Rate 10,50. Durch Schulz 1,—. Sechserkasse 8b Rixdors 4,—. Arbeit. Paul Neye, Eisenmöbel, 3. Rate 15,90. 2247 Lintz-Eckardt, 2. Rate 18,10. 2406 Firma Wilhelm König 15,85. 2408 darunter Maschinensabrik Büchner 42,—. 2414 Arbeiter der Firma GörS u. Kallmann 16,30(in Summa: 350,15 Mary. Verband der Bureauangestellten, 3. Rate aus solgende Listen: 1028 von den 5lugestellten der Zlllgemewen Ortslrankenkasse, Verlin 23,90. 1052 von den Angestellten der Ortslrankenkasse der Maschinenbauer 14,—. 1056 von den Angestellten der Allgemeinen Ortskrankenkasse, Rixdors, 4. Rate 2?,—. 1000 1,50. 1012 1,70. 1846 1,90. 1848 1,25. 1055 1,60,(in Summa 72,85 M.) — Verband der Bureauangestellten, 3. Rate, aus solgende Listen: 1027 Ortskrankenkasse d. Gastwirte 9,50. 10048 Allgemeine Ortskrankenkasse 23,—. Ortskrankenkassen: 10049 Bureauangestellte 5,50. 10050 Bäcker 3,—. 10051 Bildhauer 4,—. 10052 Buchbinder 3,—. 10055 Kondiwren 2,50. 10056 Drechsler 3,50. 10057 Gastwirte 20,50. 10058 Gürtler 8,—. 10059 Goldschmiede und Ziaarrenmachec 5,—. 10060 Graveure 5,—. 10061 Hut- macher 6,10. 10062 Klempner 3,50. 10064 Maler 7,—. 10065 Mechaniker 18,—. 10067 Maschinenbauer 10,50. 10068 Sattler 4,—. 10069 3 Beamte d. O.-K.-K. d. Schuhin. 6,—. 10070 u. 1054 O.-K.-K. d. Schneid., 4. Rate 47,50. Ortskrankenkassen: 10072 Stcindrucker 24,—. 10073 Tapezierer 7,50. 10080 Friedenau 3,—. 10081 Grotz-Lichterselde 6,—. 10082 Lichtenberg, 3. Rate 9.—. 10084 Pankow 3.—. 10085 Schlächter 4,—. 10086 Photographen u. Rummelsburg 6,—. 10087 Reinickcndors 1,70. 10089 Wittenau 1,—. 10091 Weißensee 10,50. 10096 Jnnungskrankenkasse d. Drechsler 11,—. Orts. Iranlenkasse: 10074 Tischler 8,50, 1024 Kaufleute 36,50. 10094 Berufs. genossenschast 3,40. 1053 Angestellte u. Vorstandsmitglieder d. Ortskranken. lasse von Vlariendorf 18,—(in Sa. 344,20 M.). Trinkgeld, Konsirmations. seiet von Damm 1,50. Allg. Deutsch. Gärtnerocrein, Ortsoerw. Groß-Berlin aus solg. Listen: 4533 Wannsee 11,80. 4534, 4535 u. 4537 Berlin-Osten 26,10. 4543 Grunwald 7,50. 4518, 4524 Pankow 20,55. 4530 Tcmpclhof 6,80. 4513 Spandau 7,10. 4523 Charlottenburg 8,35(in Summa 88,20). Kartell Köpenick aus solgende Listen: 2818 10,30. 2842 2,80. 2341 4,50. 2813 3.70. 2807 4,90. 2806 8,90. 2805 10,80. 2733 13,25. 2826 5,90(in Summa 65,05). Zentralverband der Schneider, Zahlstelle Köpenick 10,—. Vuchbwdereiabteilung Siemens u. Haiske, Wernerwerl 3,50. Ungenannt, Filiale Berlin 5 1,50. Stolze 5,—. Zahnarzt Schendcl 20,05. Verband der Stukkateure, OrtSv. Berlin, aus folg. Listen: 5445 4,80. 5446 5,30. 5447 11,65. 5448 24.20. 5449 21,60. 5450 9,65. 5451 2.—. 5452 12,75. S453 6,40. 5454 1,50. 5455 16,25. 5456 11.70. 5457 6,05. 6401 30,60. 6402 13,30. 6403 3,50. 6404 11,—. 6407 11,75. 6408 7,50. 6409 20,50. 6410 22,40. 6413 1,90. 6414 3.—. 6415 20,—(in 1 5458 4,25. 5459 8,50. 6405 6,—. 6406 11,30. 6411 6,75. 6412 15,70. 332,40), Summa 10841 Schlosserei Moldenhauer u. Metzdors, 5. Rate 12,60. 9164 Berein Beiliner Zigarcttenmaschinensührer 28,60. Zentralverband der Schneider, Ortsverwaltung Berlin: 2711 5,20. 2726 6,20. 2733 2,35. 2747 3.40. Schwarykopff. Wildau 2752 7,20. 2774 17,50. 2775 15,30. 2776 2,—. 2762 6,—. 2753 10,50. 2781 Wagensabrik Franke, Inselstraße 18,35. Schwartzkopst, Scheringstraße 2782 26,60. 2783 6,80. 2789 21,65. 2730 18,—. 2791 45,15. 2786 27,70. 2787 Autosabrik Sasse, Charlottcnburg 16,—. 2788 Personal der Wöllmerschen Schriftgießerei 31,—. 10627 Schwarbkopff, Sch-ringstraßc 22,—. 10628 Knorrbremse, Rummels bürg 46,—. 10632 7,50. 10633 13,35(in Summa 361,75).- 1105, 1106, 1119, 1115, 1113, 1117 und 1131 Verband der Isolierer und Steinholzleger, darunter Korksteinsabrik Häuser 45,80. Personal Feistersche Buchdruckerei 5,—. 12000 Arbeiter Wcißbicrvrauerei Gerke 5,60. Verband der Bauarbeiter, Berlin 23,55. Rahmensabrik I. Lazarus 7,50. Silben warensabrik Abraham 4,50. 9336 Maschinenmeister der.Woche', Flachdr., 7. Rate 15,50. Firma H. Psast 3,20. 11849, 11850, 11851 und 11852 Personal Norddeutsche Buchdruckerei 70.40. 11428 Buchbinderei v. Schom- bürg, 6. Rate 13,50. Tischlerei Salzmann u. Sohn, Sechserkasse 4,25. Hausdiener der Wäscheindustrie 4,50. Siemens u. Haiske 8,50. 8345 Klaviatur- sabrik v. Buchholz 18,15. Ueberschuß Schwimmverein Welle, Abbaden 5,—. Schloffer und Maschinenpersonal des Böhmischen Brauhauses 10.—. 12066 Buchbinder der Amlinsabrik, 6. Rate 4,40. 11336 Kronleuchtersabrik v. Calm u. Bender, 6. Rate 17,—. Transportarbeiterverband, Verwaltung I. Funktionärsihung 23. September 09 20,—. Transportarbeiterverband, Vor- jlandssitzung 24. September 09 11,—. 12055 Bronzewarensabrii v. L. Kaus- mann, 4. Rate 17,60, 6602 Buchdruckerei P. Speier 8,50. 7853, 7859 und 7860 Verband der Steinsetzer, Berlin 18,70. Sparverein Frohe Hoffnung 5,—. Treppengeländersbk. Schmidt u. Co., 3. Rate 13,50. Kolonistenver. Wiesenpalme 8,35. 9293 8,— Bergold. v. Bromme 4,—- Ches u. Fahrer o. C. Hartseil 11,—. Personal der Konsumgenoffenschast Berlin und Umgegend, 8. Rate 29,30. Kleines Feuilleton. Statistisches von der Berliner königlichen Bibliothek. Der kürzlich erschienene Jahresbericht der königlichen Bibliothek zu Berlin für das Jahr 1908/9 enthält über die Benutzung der Anstalt und über die Vermehrung des Bücher- und Handschriftenbestandes eine Reihe inter- cssanter Angaben. Die Zahl der ausgegebenen Leihkarten hat sich im letzten Jahrevon 14497 auf 14871 gehoben, während den 3195 Lesesaalkarten vom Jahre 1907/8 nur 2973 gegenüberstanden. Im Leihverkehr wurden 512 550 Bestellscheine abgegeben; die Schließung der Bibliothek auf einige Wochen wegen des Umzuges hat hier ihre Wirkung mit einer Verminderung der Bestellscheine um 21 792 gegen das Vorjahr geübt. Die Zahl der Berliner Entleiher, die im Berichtsjahr die Bibliothek benutzt haben, betrug 11 473; die Zunahme gegen das Vorjahr be- lies sich auf 274. Von ihnen waren 421 Hochschullehrer, 4705 Studierende und Kandidaten, 121 Geistliche, 1117 Juristen und höhere Vcrwaltungsbeamte, 619 Aerzte, 229 Beamte Wissenschaft- licher Institute, 425 Lehrer an höheren und 544 an niederen Schulen, 490 Subaltern- und sonstige Beamte, 387 Schriftsteller und Künstler, 616 Techniker, Landwirte, Kanfleute und Fabrikanten, 261 Militär- versonen, 600 männliche Personen ohne Beruf und 862 Frauen. Dazu kommen noch 76 Behörden und Institute. Außerhalb Berlins und seiner Vororte wohnen 1290 Entleiher, unter denen 300 Be- Hörden und Institute waren; versandt wurden 31 858 Bände. Die Druckschristenabteilung der Bibliothek vermehrte sich im Jahre 1908/9 durch Kauf. Geschenke. Pflichtlieferungen und amtliche Druck- fachen um 46213 Bände. Die für den Kauf aufgewandte Summe betrug im Ordinarium 106 825 M., von denen 38 250 auf neue Werke, rund 13 000 auf Fortsetzungen, rund 44 250 auf Zeitschriften und rund 12 000 aus antiquarische Werke fielen. Die Kosten des „Buchbindergeschäfts' beliefen sich auf 48 760 M. und wiesen eine Erhöhung von 3590 M. gegen das Vorjahr auf. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß sich das Gesamtpersonal der königlichen Bibliothek auf 191, 153 Männer und 33 Frauen beläuft. Das Treiben der Johanniter. In einer der abgelegensten Straßen Petersburgs, an der Nowassiwkowskaja im Peterhofer Be- zirk befindet sich ein Hauptquartier der Johanniter, die nach dem Tode des bekannten Priesters Johann von Kronstadt, nach dem sie heißen, in demselben Sinne weiterwirken. In ihr Treiben kann man durch einen Besuch in ihren Asylen einen Einblick gewinnen. Vorsteher der Asyle ist ein gewisser Ulkin. Utkin führt den Besucher (einen Korrespondenten eines Petersburger Blattes) durch alle Räume. Erst durch das Knabcnashl: drei kleine, einfenstrige Zimmer. Im ersten Zimmer wohnt auch der Vorsteher Utkin. Monotoner Gesang tönt einem entgegen. Im zweiten Zimmer sitzen auf langen Bänken, die sich an den Wänden hinziehen. etwa zwanzig Knaben von 3—14 Jahren. Mit stumpfem Gesichts- auSdruck, mit gläsernen Augen fitzen sie da und singen ein Gebet her: eintönig, mechanisch. Man kann die Worte des Gebets nicht Kollegen von Christa» 4,—. 11777 Metallarbeiterverband v. Ahrendt u. Co. 11,70. 9935 Verw. Verein Berliner Buchdrucker und Schristgießer, 7. Rate 13,—. Charlottenb. Liedertafel, M. d. Zl.-S.-B. 20,—. Peters Bäckerei 5,50. 10902 Sicckmann 7,50. 10802 BcllerS Registrator Compagnie, 5. Rate 7,55. Tischlerei Schirner 6,—. Hartmann 1,80. 11732 Metallarbeiter v. Ksionseck, 8. Rate 16,25. Spiegelsabrik von S. Büchenbacher 3,—. 5353 Aktiengesellschaft Gladenbeck u. Sohn 17,30. Metallarbeiter v. Meden u. Co. 6,05. 9489 Buchbinderei Preuß 4,50. 10235 Metallarbeiter v. Burghardt Aachs. 18,45. 9481 Firma P. F. Geißler 13,70. W. S. 1,—. 12187 Bauttschlerei Wille u. Klausnitzer 20,—. 8913 Buchdruckerei F. Weber, 3. Rate 5,45, 6431, 6433 und 6435 Verband der Aspbalteure, Berlin 27,05. 11735 Bnchdruckerei M. Kettembeil, 7. Rate 23,30. 11797 Töpser vom Bau Oberlandstraße 7,50. 5100 Metallarbciterverband, von Jachmann 10,85. 11741 Kartonsabrik Baum u. Scholz, 6. Rate 4,75. 11746 Buchbinderei Liebheit u. Thießen 5,40. Kartonsabrik Katz u. Co. 6,25. Graphische Anstalt von Himmel, 3. Rate 10 50. 9119 F. Ehmer 3,50. 11747 Buchbinder und Schriftsetzer von Joachim, 7. Rate 7.05. 11805 Druckerei W. Köpke, 7. Rate 22.—. 8923 Tischlerei I. C. Psaff Saal 3, 4. Rate 15,10. Tischlerei A. Schefflet, 3. Rate 10,40. 9933 Buchdruckerei A. Weichert, 2. Rate 12,50. Kistcnsabrik Hinz, 6. Rate 9,—. 7586 5,25. 12172 Tischlerei Zt. Zahn, 6. Rate 26,25. 9464 Luxuspapiersabrik H. Roß, 2. Rate 5,25. Tischlerei Zl. Sicroka. 4. Rate 8,15. 11810 Pianosabrik von Otto. 4. Rate 21,85. 11774 Tischlerei Dischleit, 3. Rate 9,35. 11758, 11759 und 11757 Zillgemeine Metallwerke für Beleuchtung, 8. Rate 38,15. 10836 Buchdr. Beyer u. Böhme, 4. Rate 2l,05. 12169 Drechsler und Schleifer von C. Müller. 4. Rate 17,25. Kistenmacher von Pflugrath 17,65. 12138 Buch» druckerei Janiszewsti, 6. Rate 24,90. Metallgießerei Borsig, Tegel, 5. Rate 19,05. Zeutralverband der Zimmerer, Zahlstelle Friedrichshagen, 2. Rate 40,—. Radsahrerverein Costebräu 13,60. Apothekerhausdiener Millhahn 3,—. Verlag und Expedition.Volksbote', Stettin 480,—. Gewerkschasts- kartell Fürstenwalde 212,60. Geburtstagsfeier bei Schrap, Charlottenburg 5,85. Obst 6,10. Verlag u. Expedition.Bolksbote', Stettin 320,—. Metallarbeiter der Kontinentalen Bremsengesellschast, Lankwitz, 5. Rate 22,—. Vereinigung der Kunstsreunde ohne Tute 8,—. Kranzüberschuß Frau Fränzel, Charlottenburg 6,60. Werkstatt Schmidt, Potsdamersiv. 105, 4. Rate 4,—. Arbeiter-Gesangverein„Freie Sänger', Neuenhagen 10,05. Glas- schleifet der Firma Herltel u. Lindau, Rixdors 3,—. Werkstatt Gaebler, Rigaerstr. 46 3.—. Personal der Uniondruckerei. 7. Rate 5,70. Fr. Schade, G. Schläger, Gartenstr. 60 3,—. Färberei Gebr. Altenberg 6,10. Bau- tischlerei'<$. Seyffert, Wilmersdorf, 2. Rate 6,05. Töpser Bau Pötsch, Dahlmannsttaße 5,—. Arbeiter der deutschen Ton- und Stein» zeugwerke 5,60. Verlag„Offenbacher Slbendblatt'. G. m. b. H. 126,75. Kollegen der Metallwarenfabrik Ebel u. Lohmann 15,75. Buchdruckerei d.„Vorwärts', Zeitunsabt., 7. Rate 50,—. Zentralverband der Töpfer, Filiale Berlin aus Listen 232,60. 6501 und 6533 Verband der Bauarbeiter, Zahlstelle Berlin 19.—. Tischlerei Scisarth u. Fölisch, 2. Rate 25,—. 11154 Tischlerei Brandes u. Co. 8,—. A. Becher 3,—. Deutscher Transportarbeiterverband, Bezirk Groß-Berlin aus folgende Liften: Roter Stammtisch, Volks-Cajs Scharrenstraße 10,40. Ueberschuß der Glückwunsch- annonce von der roten Silberhochzeit„Kindermann' durch Genossen des 525. Bezirks, 6. Kreis Max Lux 6,95. Tellersamml. d. Arbcitskutschcr Rixd. bei Gellcrt 19. Sept. 09 3,62. Tellersammlung der Möbellransportarbciter vom 19. September 1909 6,35. 377 2. Rate der Kohlenarbeiter Wedding 11,25. 442 8,35. 464 5,60. 1356 2,20. 1861 13,65. 1901 10,50. 1954 7,50. 1962 2,05. 1990 3,15. 1998 Betrieb Wilhelm König, Rixdors 11,50. 2525 3,50. 2557 3,90. 5210 Hausdiener von SchuhhauS.Mercedes' 3,—. 5226 Hausdiener vom Betrieb Eisner 8,40. 5228 Hausdiener von Julius Martin Friedländer 3,60. 5253 17,95. 5254 18,95. 5255 16,50. 5256 6,80. 5260 12,15. 5263 11,85. 5284 Deutsche Moior-Droschkcn-Gesellschast < außer den Wagenwaschsrauen), 3. Rate 19,95. 5289 12.85. 5293 6,35. 7821 10,60. 7822 8,15. 8804 Sektion der Schilderanmachcr 5,45. 8807 Betrieb Gieshoit 20,30. 8810 Organisierte der Schmalzsiedereien 5,—. 8819 Hausdiener v. Rotophot 7,50. 9631 Ambrosius 2,—. 9641 Hausdiener bei Raddatz u. Co. 4,95. 9643 Schultheiß-Brauerei, 2. Rate der Hosarbeiter 7,20. 9648 Kochan, Rixdors, 11,55. 9655 Flaschen. fahrpersonal des Böhmischen Brauhauses 6,—. 9669 Fkaschensahr. personal der Schultbciß-Braucrei, Abteilung II, zweite Rate 12,—. 9674 8,75. 9675 Chauffeure v. Kaufmann 24,50. 9578 19,45. 11321 Arn heim u. Co., Fensterputzer 5,90. 11326 Angestellte aus den Zentral- und Verwaltungsbureaus, 7. Rate 44,—. 11327 Louisenbrauerei, Weißensee, Fahrpersonal 11,—. 11328 Sitzungsentschädigung der erweiterten Bezirks. keilung vom 23. September 09 70,—. 11330 Betrieb Frankel, Tempelhos, 55 Ps. und Geichäjtskutjcher v. Rittergut Lichtenberg 4 M., in Summa: 4," )+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Nnterpeaet. Für den Inhalt der Inserate tibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber tetuerlei Verantwortung. Ukearer. Mittwoch, LS. September. Ansang Uhr. Kgl. Operuhans. Mignon. tigl. Schauspielhaus. Dt» Raben- fteinerin. Deutsches. Ein Sommernachts- träum. Kammerspiele. Der Arzt am Echetdewege.(Anfang S Uhr.) Ansang S Uhr. Neue» königl. OPeru-Theater Im AuStragstüberl. rtt» «erliner. Einer von unser, Leut ReueS. DaS Urbild de» Tartüffe. Steues Schauspielhaus. Miß Dudessack. Lesftug. Die«esährttn. Hannele. Volksoper. Ein Maskenball. Thalia. Prinz vusfi. Komische Oper. HossmannS Er- Rastdenz. Gretchm. tebbel. Hanna Jagert. rianon. Pariser Witwen. LuftsptelhauS. Man soll keine vrlese Kleines. Moral. Reue» Operette». Die Dollar- Prinzessin. Westen. Der fidele Bauer. Schiller O.«wallner. Theater.) Die von Hochsattel. Schmer Charlottenburg. Doktor Klaus. Friedrich> Wtkhelmftädt. Schau. spielhaus. Der Widerspenstigen Zähmung. Luisen. Von fiebcn die Hähllchste. Bernhard Rose. Im Easö Roblcste. Metropol. Hollah II-- Die große Revue. Folies Capriee. Mobiltfierung. Der gewisse Augenblick. Ans. L',. Uhr. «Poll«. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gedr. Herrnfeld-Theater. Frau Akam» Friseur. Meine» Deine Tochter. •or----- .. Uhr Palast. Grohstadtzaubcr. Speziall- täten. RoaekS Theater. Ein Sohn des Volkes. Paiiage. 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Theater des Westens. «llabendk. 8 Uhr: Der fidele Bauer. Sonntag nachm. 3'/«Uhr, halbe Preise: Ein Walssertraam. Weae* Operetten-Theater, Schtssbauerdamm 25, a. b. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprlnaeaaln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. hislltlelt-�llkslisszfzlülsviigL Schauspisltiaus. Mittwoch, 29. September, Auf. 8 Uhr: Der ViiierspenstigeH Zähmung. Lustspiel von William Shakespeare. Donnerstag: Hinrich Lornsen. Freitag: Die Stützen der Gesell» schast._ Voiks-Oper. 3� Velle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Ansang 8 Uhr. kiii Maskenball. Theater. Schiller-Theater Charlatlenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Hohtor Klaas. Lustspiel in 6 Akten v. Ad. L'Arronge. DonnerSta g, a bendS8Uhr: Hie von Hochsattel. Freitag, abend« 8 Uhr: Ha» Kttth chen v. Hellbronn Urania. WisBenschaftlichea Theater. Nachmittage 4 Uhr: Rom and die Campapa. Abende 8 Uhr: Or. Ellas; DieFIugwociie in Berlin. ZIJULiiCISiHEe GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert. Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf. 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Pa»kow-Mleder»ehö»bauseu: Otto Riß mann, Mühlen straße 30. «einlekeudorr- Ost, WNheliusruh und Schönholz: P.® u v( ch, Kamekestr. 12, I. Rix dort': M. Heinrich, Neckar straße 2, im Laden. Ruuiiuelsburg, Roxbagcu: A. N 0 I e n i r a n z, Alt-Bozhagen 66. Scbiuargeudorr: Gustav K a m i n S k h, Cunostraße 2. Seböueberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherslr. 61, tm Ladm. Spandau: Koppen, Jagvlvstr. 9. Tegel, Rorsigwalde, Wittenau, Waidmannzluzt, Hcrmsdorl' und Reinickendorf-West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Teiupelbof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmstr. 20. Treptow: Rod. Gramenz, Kiesholzstrahe 412, Laden. Wilniersdorf-llalensee: Wittnebel, Landhaus str. 87 Sämtllche Parteiliteratur sowie alle wissenschastlichen Werke werden gelieseri. Annahme von Inseraten für den Bitte ausschneiden, m 245/1* Gemeinsame Ortskrankenkasse für Nowawes u. Umgegend. Zmölster Nachtrag zum revidierten Statut der Gemein- sauren OrtSkrankenkasse sllr Nowawes und Umgegend. Beschlossen am 19. April 1909. S 1 Absatz 2h soll lauten: Für die in Kommunalbetrieben und im Kommunaldienst der Gemeinde Nowawes und Klein- Glienicke de- schästigten Personen. S 30 Absatz 3 erhält folgende Fassung: Für diejenigen, welche lm Lause einer Woche Mitglieder der Kasse werden oder ausscheiden, ist für diese Woche der volle Wochenbeilrag zu entrichten. Ber Vorstand. gez. Otto Hossmann. Genehmigt Potsdam, den 3t. August 1909 Namens deS Bezirksausschusses I-.S. Der Borsitzeude. In Nertreiung: gez. I o a ch i m i. Dieser Statutennachtrag tritt mit dem 1. Oktober in Krast._ 278/4 Theater des Südens. Dresdener Str. 87 a. d. Prinzenstraße. Künstlerpech oder: Meine Nichte— Ihre Nichte- Posse von Max Leuther, Musik von F. Gerlach. Ans. Sonnt. 8 Uhr, wochent. 8>/, Uhr. Loge 3.—. Parketts. 2.—. 1. Park. 1.50. Entree 0,50. 15046* Sanssouci, IST Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: He ic- Soiree von HoftansHordd, Sängern Tanzkränzche». Neues hochakt. Programm. Sonnt. 5, wochent. 8 Uhr. 6. Okt.: Theaterabend. Soeben erschienen: DieKrandschatzung des Kolkes durch indirekte Steuern in Deutschland von J. Karskl. AuS dem Inhalt heben wir hervor: I. Das Wesvh der Indirekten Steuern. II. Die Finanzwirtschaft Oeulsoh- iendt. III. Die Indirekten Steuern tm Flnanzsystem Deutschlands. IV. Ergebnisse. V, Oer Steuerreubzng dea Jahres 1909. PreiS S» Pf. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW. lilndonstr. 09(Gaden). 1909" Gänse, Enten I liefert sreo. garant. leb. Ankunst, 10 weiße, ganz ausgewachsene Gänse 38 Mk., 12 ganz ausgewachsene Enten 80 M». 257/2 Schneier, Myslowltz, 0/8. Nr. 2. mmmmmmmmmmmmmmmmmmm** ; neue OkuMsIIe» 1 Kommandantenstr. 58/69. , Sonnabend, den 8. f i , und 83. Oftohee frei. t i Keine Bierpreiserhöhung I Keine Kafseepreiserhöhung I < 17256* Amt IV. 10155. 1"»Wwwwwywywwtjowwwy-J Ohne Anzahlung Gardinen, Portieren, Stores, Stepp- >i. Tischdecken, Bilder, Teppiche, Uhren aul Teilzahlung, Ii. Watzner, AuguststP. 50. Nur Karte erbeten. Verbessertes, Hn Gebrauch billigstes, unemtchlu Seifenpulver, Caranlux: unichidlich. Kein Zuaala von Seif» und Soda-rforderNchl Etleichttrt bedeutend daa Watchen, da cur(eichtet Nachniben mit Haod oder Maichine nvrlz. Die Wlldh« wird sebneewei» und«tktll den(: liehen Geruch des Raienbleleht. Pake« 25 Plg. In allen Drogen-, Kolonialwaren- und Seifengeseliäfteu erhältlich. Fabrik-Niederlage für Berlin und Vororte: Johw SdlllllllOPy Berlin N., �ieolcstraLv�IU Ohbtauiu» und vollkommenst* nelbstt&tld* Waschmittel «OW tfflht» UTUTT.Ich««. geradezu wunderbarer Wssen» tmd Bldchkrafi. Wäscht die Wäsche von selbst In einvier tel bis•InhalbitOndlcein Kothen, macht sie rein«od blendend weiss, frisch und duftig wie von der Sonne gebleicht I Reiben. Borsten, Waschbrett, selbst Seite uod Soda sind entbehrlich, daher gam enorme Crspernis en Zeil, Arbelk und Geld, Garantien unachtdUch bei jeglicher Anwendung. Pakete k 15 und 65 Pfg. In Vrrbiaflaag all 8dl», gani bervorragettOea WasebmlU.l, Vesta Cmta für Soda, vorrb glich»u(n Einictten oder Elowelcheo de« WSsekt.«nm Sfhdceo vgn cctunvUlgtin KQchengestbitf«mä UoUcuRtP«l» Oben genannte 3 ArtiHel in allen ein* jchläglgen(Geschäften zu erhalten. Wer MHieMeM. DeutkbcrCransportarbciter-ücrband Arbeitsnachweis: S-I I. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hanptbnrean: LliariiSetraSa Z. Hos öl. Amt 3, 1937. Donnerstag» 30. September, abends 8l/z Uhr, im Gewerkschaftshause (Saal 7), Engelufer IS: Sk-aneKen» Versammlung d« Elektromonteure«. Helfer �ümgeg-nd� Tages-Ordnung: 1. Vortrag de» Ingenieur W o l d t:.Die Sicherheitsvorschriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker und ihre Bedeutung für die eleltro- technische Praxis'. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Ver- schiedeneS. Donnerstag, den 30. Sept., abends 8>/z Uhr, in den Andreas-FestsSlen, Andreasstr. Sl: Kllgsm. Klempner-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen H a h über:.Ein Stück aus der Geschichte beS sozialen KlassenkampseS.' 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchen- angelegenheiten. Sfef Kollegen I Die gegenwärtige Situation erfordert das Erscheinen ew«S jeden Klempners in der Versammlung. . Die Kollegen der Firma Frank«, Veteranenstrahe und O u a n d t 1>| t), N a ch f., Stralauerstraße werden zu dieser Versammlung ganz besonders eingeladen. Donnerstag, den 30. September, abends S Uhr, im GewerkschaftShausr (Saal 4), Engelufer 15: Versammlangf Hilft in Metnligießettiell beschäftigten Former ultu0m?' Tages-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung von der Konserenz in der Gelbmetallmdustrie. 4. Diskussion. 6. Verschiedenes. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dah Protokolle von der Generalversammlung in Hamburg a 40 Pf. im Bureau und bei den Bezirkskassterern zu haben sind. 123/10 Die Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 39. September, abend» 8 Uhr: SZ'aneken» Versammlung d-r Nieter, Zuschneider«nd Arbeiterinnen in der Postkarton- Branche in de»„Itartuna-iSitlen"(Jnh. Manu), Strausberger Straft« 3. Tagesordnung: I. Vorlegung des aus den Verhandlungen mtt den Prinzipalen hervorgegangenen Tarifs. 2. Diskussion. Mittwoch, den 39. September, abend» 8 Uhr: Sn-ancken-Versammlung aller in den Serliner Albnm-, Mappen- und Gaianteriewarenfabriben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in Granmanns Fcstsälcn, Naunynstraße 27. Tagesordnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung, die Verhandlungen mtt der PrlnzipalSvereinigung und Stellungnahme zu dem Tarisvorschlag«. 2. Dis. kusston. 24/11« Zahlreichen Besuch erwarten Die Ortsverwaltung«nd Branchenlettungen. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Charlottenbnrg. Donnerstag, den 30. September, abends 8'/, Uhr, im VolkShanfe, Roftnenftrasie Nr. 3: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht von der Bautijchler-Tariskommisston. 3. Ge- werkschastlicheS und Verschiedenes. 90/3 Die Ortsverrraltang/. Konsum-Verein für Teoel und Kmnepd eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftpflicht. »Mira. Eingettagene Bilanz am 39. Juni 1999. paraiva. M. 5356,55 1869,67 Sin Kassa-Konto..... , Bank-Konto I.. (Einlage b. d. Deutsch.Bank) „ Banl-Konto II.... 1329,46 (Einlage b.d.Großeink.-Ges.) , Darlehns-Konto... 32173,35 (Guthab. b. d. Grobelnk-Ges.) „ Stammanteil-Konto.. 1171,49 (Gesch.-Ant.b.d.Grobeink.-Ges.) „ Waren-Konto.... 26443,83 „ Inventar-Konto.>. 9467,65 „ Debitoren-Konto... 199,52 „ GadanstaltSkaut.-Konto. 119,— „ Konto Baugenossenschast .Freie Scholle'... 119,— . 78212,37 M. Per GeschästSanteil-Konto. 19999,82 , ReseroesondS-Konto.. 5938,— , Produkt.-Fonds-Konto. 2499,— , DiSpositionssonds-Konto 162,25 , SparsondS-Konto I.. 26719,46 ll.. 4379,83 , Sparmarken-Konto.. 279,25 , HauSanteil-Konto... 17999,— , Kreditoren-Konw... 3659,76 , Gewinn-».Verlustkonto 6719,— (Ueberschuß) Summa Der Borstand. .78212,37 Hugo Köhler. Friedrich Hüll«. Uebereinsttmmung Tegel, den 11. August 1998. Max Lichtenberg. Die Richtigkeit der vorstehenden Bilanz und deren Mit den ordnungsmäßig geführten Büchern bestätigt. Der Aufsichtsrat. Hermann Bamdt. Otto Herold. Artur Linck. W. Ouade. Gustav Bmnzlow. Mitgliederbewegnng. Mitgliederbestand am 1. Oktober 1998-.... 1165 Eingetreten.............•■ 279 1444 Mitglieder Ausges ieden durch Verzug, Sluskündigung usw lassen nach z 39. Abs. 2 Mithin Bestand am 39. Juni 1999.... 1238 Mitglieder Die eingezahlten Guthaben der Mitglieder betrugen am 1. Oktober 1998............... 19 904,22 M. SIngezahlt wurden im Laufe des Jahres...... 2 746,34„ Ausgezahlt an Ausgeschiedene.......... Bleibt Bestand am 39. Juni 1999 Di« Haftsumme der Mitglieder betrug am 1. Ott. 1999 Zuwachs im Jahre 1998/99........■•■ 108/2__ Mithin am 39. Juni 1999 12 759,56 M. 1 759.74 M. 19 999,82 M. 23 399,—, 13 849—„ 37 149,— M. Achtung! Sezirk Groß-Sevlin. Achtung: Mitglieder der Demaitnngen I, II, III, IV sowie der v°n Köpenick! Donnerstag, den 39. September, abends S1/, Uhr, in der Brauerei Friedrichshai»(am KöntgStor), Am Friedrichshatu Nr. 19—83: Außerordentliche General- Uersammlung. TageS-Ordnung: 1. Auf welcher Grundlage erfolgt die Zusammenlegung der obengenannte« Berwaltungs- stelle»? 2. Wahl der BezirkSverwaltung. 3. Geschäftliches. Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen und am Eingang deS SaaleS vorzuzeigen. Wer mit seinen Beiträge» länger als 1V Wochen im Rückstände ist, hat keine« Zutritt.— Bei der besonderen Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen. 79/4 Die Be�lrhsleltnns Groß-Berlin. 1 Billigste Bezugsquelle I gedieg-Trauergaruerobe IVestmannsl Trauer-Magazin 1 Berlin W., Mohrenstr. 37a| NO., Gr. Frankf. Str. 115.[ 1 Genaue Beachtung I | meiner Finna u. Haus- 1 nummer geboten! Haben Sie Stoff? Ich ferti�eiimon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, vonSOMarkan. Moritz Labend, Neue PromenqdeSJI.(Stdtb. Börse). Drei Tropfen 444 machen das schmutzigste Metall spiegelblank. In Fltschen Ton 10—50 Pfg. überall zu haben. I�ur unter diesem der auf allen Packcla\,Oo?a\ festem angebrachl xsl. Kaufe man aziiycnm d&r Cocotnieiferett B�UrikKUL zum ßratcr\ Backen Hodv Generalvertreter für Groß-Berlin: Brich Strokorb, Berlin SW., Kreuzbergstr. 30..Tel. A. 6, 3718. STageMoilellurliaul Mäntel! Kostüme! Paletots! 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Todes- Anaseigen. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Gürtler kriur Seddig am 18. d. MS. ertrunken ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 39. September, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Nixdorser Kirch- hoses, Mariendorser Weg, aus statt. Den Kollegen zur Nachricht, iasi unser Mitglied, der Schlosser Wenzel Holig am 27. d. Mts. an Herzschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 39. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Pius-KirchhofeS in Wilhelmsberg aus statt. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Wildelm Lcdolz gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 29. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- hall« des Heilands-Kirchhoses in Plötzensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 123/11 0le Ortsverwaltnng. Zentral-Kranken- n. Sterbekasse der deutseben Wagenbauer. Berlin III. Am 27. September verstarb nach kurzen Leiden unser lang- jähriges Mitglied Lodert Knnimow. Ehre feine« Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Elisabethttrch- stratze 16, aus statt. 253/7 Zahlreiche Betelligung erwartet Die Ortsverwaltnng. Statt besonderer Meldung. Freunden und Bekannten, Partei- genossen und sämtlichen Kollegen die schmerzliche MMeiluna. mein lieber Mann, unser gi Vater, Sohn, Schwiegersi aß uter Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Bevollmächtigte deS ZwcigvercinS Straßburg(Elsaß) des Verbandes der baugewerblichen HilsSarbeiter Fritz Krüger (früher in Berlin) am 25. Sep- tembcr nach kurzem, schwerem Leiden im Atter von 32 Jahren gestorben ist. Die tieftrauernde Witwe nebst Kiudern. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 29. September, in Alschwyl (Schweiz) statt. 39/14 Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme, die mir am Grabe meines lieben Mannes erwiesen worden find, sage ich allen Fremiden und Be« kannten, sowie den Kollegen der Spandauerberg- Brauerei und dem Zentralverband deutscher Braueret» arbeiter meinen innigsten Dank. Witwe Btirtel nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Wilhelm Hocne sage ich allen meinen tiesgcsühlten Dank. 1726b Frau Anna Hoene. Danksagung. Sage allen Bekannten, Freunden und Kollegen sowie dem Gesang- verein der Putzer sür die Teilnahme bei dem Begräbnis meiner liebe» Frau meinen herzlichen Dank. Karl pesckeck. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden beim Heimgange unserer geliebten Tochter £!k«e glückselig sprechen wir hiermit allen Freunden, Bekannten und Verwandten unseren herzlichen Dank aus. Dt« trauernden Elter»«nd Geschwister Familie iSehnliE, Weisestr. 62. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Veriagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW« Nr. 227, 26. Jührgavg. 2. Icilnp des MMoch, 29. September 1909. Partei- Hngclegenbcitcn. Achtung! Am Sonntag, den 3. Oktober, von 8 Uhr früh an, findet in den 16 zur Wahl stehenden Kommunal- bezirken Berlins eine Flugblattverbreitung statt.— Wir bitten die Genossen, hiervon Notiz zu nehmen und pünktlich in den Bezirkslokalen zur Stelle zu sein. Der Zentralvorstand. Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, den 3. Oktober, abends O1/, Uhr, findet in den Arminhallen, Kommandantenstr. 68/59, eine öffentliche Versammlung statt. Genosse I. Hildebrand spricht über: Der Steuerraubzug und die Frauen. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Entree inkl. Garderobe 20 Pfennig. Tanz frei. Friedenau. Heute Mittwochabend 8'/z Uhr Mitgliedcrver- sammlnng bei Schellhase, Steglitz, Ahornstrafie 15a. Anfnahme neuer Mitglieder. Bericht vom Parteitag. Referent Genosse Ulm-Schlachtensee. Berichte, Anträge und Verschiedenes. Regen Besuch, auch der Frauen, erwartet Der Vorstand. Rnmmelsburg. Heute, Mittwochabend 8 Uhr, Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins bei Witwe Weigelt, Tiirrschmidtstr. 40. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Partei- tag in Leipzig. Referent: Genosse Wessel. 2. Diskussion. 3. Ver- cinsangclcgenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. Tegel. Morgen, Donnerstag, den 30. September, abends S1/, Uhr findet im Lokal von G. Klippenstein, Spandauer Straße 4, die Mit- gliederversammlung statt. Tagesordnung: Bericht voni Parteitag in Leipzig sowie Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. KönigS-Wustcrhaiisen und Umgegend. Heute abend 8 Uhr findet im Lokale des Herrn Wedhorn die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins statt. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Boeske; Bericht von Größ-Berlin; Beschlußfassung über die Bierpreisregelnng in unserem Bezirk. Der Vorjtaud. etwas erhöhen. Andere waren weggelassen worden wegen irrtüm- licher Annahme, daß sie in Konkurs seien, daß ihnen die Ehrenrechte fehlten usw. Als Knriosum sei erwähnt, daß sogar ein Totgeglaubter im Ausschuß wieder lebendig ge- worden ist. Diese 627 Personen hätten sämtlich ihr Wahlrecht eingebüßt, wenn sie nicht die Liste geprüft hätten und wären am Wahltage zurückgewiesen worden. Wir sind überzeugt, daß, wenn alle Wähler es für ihre Pflicht hielten, die Wählerliste zu kontrollieren, noch sehr viel mehr Einsprüche erhoben werden müßten. Und wenn den Reklamanten sofort gesagt werden könnte, warum sie nicht aufgenommen worden sind, so würden wahrscheinlich noch sehr viel mehr Wähler durch rechtzeitige Beschaffung des Beweismaterials, die ihnen dann möglich wäre, nachträg- liche Aufnahmen einreichen und sich ihr Wahlrecht sichern. berliner j�acbricbten. Die Unzuvcrlässigkeit der Genieindewählrrliste ist in diesem Jahre wieder in sehr überzeugender Weise festgestellt worden. Die diesjährige Liste, die für die im November bevor- stehenden Stadtverordnetenwahlen zugrunde gelegt werden mnß, war im Juli von 75 247 Personen kontrolliert worden. 3633 dieser Vorsichtigen sahen sich veranlaßt, Berichtigung der Liste zu fordern, weil sie entweder überhaupt in ihr fehlten oder mit irrtümlichen Angaben ihres Namens oder Berufes darin standen oder nicht mit der ihnen zukommenden Wohnung ein- getragen waren. Die Berichttgung der Namen- und Berufs- angaben wurde sogleich vom Magistrat erledigt, weil sich ohne weiteres ergab, daß diese Anträge begründet waren. Hierdurch wurde für 311 Personen die Wähler- liste korrigiert, so daß diese der Gefahr entgingen, am Wahl- tage wegen Unregelmäßigkeit der Angaben und daraus entstehender Zweifel bezüglich ihrer Person von der Wahl zurückgewiesen zu werden. Inzwischen hat nun der Stadtverordnetenausschuß, dem die übrigen Einsprüche und Berichtigungsanträge zur Prüfung über- wiesen worden waren, noch bei nicht weniger als 627 Personen dir Ekiisprüche als berechtigt anerkannt und die nachträgliche Auf- nähme für notwendig erklärt. Die Stadtverordnetenversammlung, die am Donnerstag hierüber entscheidend zu beschließen hat, wird nicht nur diesen 627 Aufnahmeanträgen wohl ausnahmslos zustimmen, sondern vielleicht auch noch manche derjenigen Personen aufnehmen müssen, denen der Ausschuß das verweigern zu sollen geglaubt hat. Man sieht immer wieder, daß die Kontrolle der Wählerliste keineswegs überflüssig ist. Immer wieder sollte die Wählerschaft hieraus für spätere Wahlen die Lehre ziehen, daß jeder Wähler es als eine selbstverständliche Pflicht ansehen muß, sich bei- zelten um die Liste zu kümmern und sie auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Auch die Umtragung nach der dem Wähler zukommenden Wohnung ist nicht bedeutungslos. Diesmal waren 92 Um- trag ün gen gefordert worden; sie dürften wohl sämtlich vom Ausschuß gebilligt worden sein, doch finden wir nichts hierüber im Ausschußprotokoll. Es ist nicht ohne Interesse, zu sehen, aus welchen Gründen die 627 Personen, die jetzt zu nachträglicher Aufnahme empfohlen werden, nicht aufgenommen worden waren. Bei 91 von ihnen ließ sich überhaupt kein Grund entdecken, der für ihre Nicht- aufnähme anzuführen gewesen wäre. Bei den übrigen hatte das Wahlburcau zwar Gründe gehabt, aber sie wurden vom Ausschuß als von vonrherein nicht stichhaltig(zum Teil auch als inzwischen hinfällig geworden) erkannt. Da ist zunächst unter den vielen, ach I so vielen Wählern, die in dieser Zeit der Arbeitslosigkeit und des Notstandes wegen unbezahlter Steuerre sie aus den Listen weggelassen worden waren, wenigstens ein kleines Häuflein, das nachträglich aufgenommen werden soll: 30, weil sie die Reste noch bezahlt haben, und 11. weil ihnen nicht nachgewiesen werden kann, daß Aufforderung zu zahlen an sie ergangen ist. Da sind ferner unter der leider nicht geringen Zahl von Wählern, die wegen .Unter st ützung aus öffentlichen Mitteln-— oft nur wegen Krankenhauspflege für Angehörige oder auch für sie selber— nicht in die Liste aufgenommen worden waren, doch 59 dem Ausschuß würdig erschienen, nachträglich aufgenommen zu werden, weil sich ergab, daß sie die„Unterstützungen-(gemeint sind hier wohl nur Krankenhauskosten) noch rechtzeitig bezahlt hatten oder daß die Rechnungen ihnen noch gar nicht präsentiert worden waren. Weiter ist Anspruch auf, nachträgliche Aufnahme anerkannt worden für 81 Personen, die dem Wahlbureau irrtümlich als .NichtPreußen- gegolten hatten, und für 12, von denen irr- tünflich angenommen worden war. daß sie noch nicht ein ganzes Jahr in Berlin wohnten. Am größten aber ist unter den im AuSschnßprotokoll zusammengestellten Gruppen die der vermeint- lichen„Schlafburschen", die als solche nicht Aufnahme in die Wählerliste gefunden hatten, aber hinterher nachweisen konnten, daß sie wegen des ihnen zustehenden Rechtes selbständiger Verfügung über die von ihnen gemieteten Räume tatsächlich als„Chambre- garnisten" zu betrachten waren und daher Aufnahme fordern durften. 238 dieser zu Unrecht als„Schlafburschen- taxierten Wähler werden vom Ausschuß zu nachträglicher Aufnahme empfohlen. Im Ausschußprotokoll finden wir dann auch eine Sammclgruppe von etwa 100 Wählern, die gleichfalls noch aufgenommen werden sollen. Aus der Liste waren diese ans verschiedenen Gründen weg- gelassen worden, einzelne noch aus Gründen, die schon oben an- geführt wurden, so daß die dort wiedergegebenen Zahle» sich noch Titelschacher. Der„Frankfurter Zeitung" wird folgender Brief eines Ver- Mittlers mitgeteilt, aus dem sich ergibt, wie gewisse Leute aus der Sucht, Titel zu erlangen, Kapital zu schlagen wissen: Berlin, den 5. August 09. Euer Hochwohlgeboren I Mit Gegenwärtigem gestatte ich mir ganz ergebenst Ew. Hoch- wohlgeboren folgende Zeilen zu unterbreiten, erlaube mir aber gleich- zeitig um äußerst diskrete Behandlung dieser Zeilen zu bitten, Ew. Hoch- wohlgeboren werden vielleicht erstaunt sein, mich gerade an Ihre werte Adresse gewandt za haben, vielleicht zerstreuen sich alle Zweifel, wenn ich mir zu erklären gestatte, Ihren geschätzten Namen von einem guten Geschäftsfreunde erhalten zu haben und daß Sie vielleicht bereit wären, diesein Schreiben ein geneigtes Ohr zu leihen. Es handelt sich um die Beschaffung des Titels eines Königlich Preußischen Kommcrzienrats. Mir ist Gelegenheit geboten, an höchster Stelle die Angelegenheit zu Ihren Gunsten zu erledigen. Ich will beiläufig erklären, daß irgeitdwelche Vorschußzahlung nicht geleistet tvcrden braucht, dagegen müßte sich der Reflektant vorher verpflichten, zu einem noch näher zu bezeichnenden wohl- tätigen Zweck die Summe von etwa 80000 Mark zu zahlen. Sollte sich Ew. Hochwohlgeboren für diese grnndreelle Sache interessieren oder auch einen Bekannten haben, der eventuell die Er- nennung zum Kommerzienrat nicht ungern sehen würde und in der Lage ist, obigen Betrag zu zahlen, so bitte ich bciderfalls um um- gehende gütige Benachrichtigung, Mit ausgezeichneter Hochachtung ehrerbietigst Artnr Schlitterman, Charlotteitstraße 22a, III. ES wäre interessant zu erfahren, wer alles schon auf die Leim- rute des Herrn Schlitterman gegangen ist. Die Berliner Elektrizitätswerke teilen mit: Die gestern abend gegen 7 Uhr plötzlich im Gebiete der Zentrale Markgrafenstraße der Berliner Elektrizitätswerke eingetretene Störung war durch einen Defekt in den Kabelleitungen herbeigeführt. Da die von der Jen- trale ausgehenden zahlreichen Speiseleitungen mit Rücksicht auf den Tunnel der Untergrundbahn besonders eng nebeneinander geführt werden müssen, griff die Wirkung des Defektes rasch auf andere am Gensdarmenmarkt in nördlicher Richtung verlaufende Kabel über, so daß sich der Betrieb nicht aufrecht erhalten ließ. Nach Abschaltung der defekten Strecke wurde das Leitungsnetz nach und nach dem Be- triebe wieder übergeben, so daß gegen Mitternacht die gesamte Stromlieferung im gesamten Netze im wesentlichen wieder auf- genommen werden konnte. Verlegung von Straßcilbahnlinic». Die Straßenbahn ist genötigt, wegen Gleis- und Asphaltiernngsarbeiten den Platz am Kottbuser Tor, an der Ecke der Dresdener und Adalbertstraße, in den Nächten vom 29, zum 30. September und zum 1. Oktober von 12.30 an betriebslos zu machen. Die Wagen der Linie 3 und 5 werden von der Gneisenau-, Ecke Bärwaldstraße, anstatt durch die Gneisenau- straße über den Kaiser-Friedrichplatz, die Hasenheide, die Fichte-, Grimm-, Admiral- und Adalbertstraße durch die Bärwald-, Prinzen- und Köpenicker Straße und umgekehrt fahren. Der Verkehr auf der Strecke von der Bärwaldstraße bis zum Kottbuser Tor wird durch Pendclwagen anstecht, erhalten. Ferner werden die Linien 28, 29, 47, 48 und 65 von der Kottbuser Straße durch die Reichenberger-, Manteuffel- und Oranienstraße und umgekehrt abgelenkt. Die Linie 95 wird vom Oranienplatz durch die Oranien-,' Manteuffel-, Reichenberger und Kottbuser Straße über den Kottbuser Damm, die Hascnhcide nach der Fichtestraße sowie umgekehrt geführt werden. JugendgerichtShilfe. Vorträge über aktuelle Fragen der Jugend- fürsorge veranstaltet die Deutsche Zentrale für Jugend- fürsorge während der ersten beiden Oktoberwochen in Berlin am Schinkelplatz 6. Sie sind als Unterweisnngskurs für Helfer von Jugendgerichten gedacht und behandeln folgende Gegenstände: Vormundschaftsgerichtliche Fürsorge und Fürsorgeerziehung(Amts- gerichtsrat Dr. Köhne-Berlin), Strafrechtspflege gegenüber Jugend- lichen(Landgerichtsdirektor Warnatsch-Berlin), Polizeiliche Maß- nahmen, Schutzhaft, Polizeigewahrsam, Ausweisung usw.(Vor- tragender noch unbestimmt), die einschlägigen armenrechtlichen Bestimmungen und die kommunale Fürsorge der Stadt Berlin (Magistratsassessor Dr, Niese- Berlin), die Jugendfürsorge in der deutschen Arbeiterversicherung und im Gewcrbegericht(kgl. Gewerbe- inspektor Dr. Bender-Westend), private Fürsorgestellen und-ein- richtungen von Grotz-Berlin und ihre Benutzung(Dr. Phil. Albert Levy-Berlin). Die Vorträge finden am 5,, 7,, 9,, 13., 14, und 16. Oktober abends von 9 bis 10 Uhr statt. Der B e- such des Unter Weisungskursus ist für Helfer der Berliner Jugendgerichtshilfe unentgeltlich, die Helfer werden aber dringend gebeten, sich rechtzeitig wegen Erlangung einer Einlaßkarte bei dem Vertreter ihres Vereins in der Berliner JugendgerichtShilfe oder der Berliner GewcrkschaftS- kommission Zimmer 12 anzumelden. Für sonstige Personen kostet die Teilnehmerkarte für den ganzen Kurs 2 M.; sie ist unmittelbar von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge. Berlin 0., Wallstraße 89, oder durch einen der in der Jugendgerichtshilfe mit- wirkenden Vereine oder, soweit noch Plätze vorhanden sind, vor Bc- ginn des ersten Vortrages an der Abendkasse zu beziehen. Teilnehmer an einzelnen Vorträgen haben 50 Pf. bei der Abendkasse zu ent- richten. Ein furchtbares Unglück hat sich gestern im Hause Petersburger Straße 16 ereignet. Eine Frau Anders hatte sich auf den Weg ge- macht, um Arbeit abzuliefern, und mußte ein fünfjähriges Mädchen und einen IVz Jahre alten Knaben zu Hause lassen. In der Ab- Wesenheit der Mutter muß sich nun das Mädchen an der Koch- Maschine zu schaffen gemacht haben, denn es ertönte bald aus der Wohnung lautes Schreien. Ein beherzter Hausbewohner schlug die Türfüllung ein. Beim Eintreten in die Wohnung bot sich ihm ein entsetzlicher Anblick dar. Das fünfjährige Mädchen war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, während der l'/s jährige Knabe unerhebliche Brand wmibkn erlitten hatte. Die gerufene Feuerwehr fand nichts mehr zu tun. Dieses Kind ist auch ein Opfer unserer herrlichen Wirtschafis- ordnnng, die Vater und Mutter in ihren Dienst zwingt. Die Mutter, die mitarbeiten mnß. um daS zu in Leben Notwendigste mit heranznschaffcn, kann sich keine Gouvernante zur Beaufsichtigimg der Kinder halten, wie die Besitzenden eS können. In aller Hast muß sie zur Arbeit rennen und ist gezwungen, vielfach die Kinder sich selbst zu überlassen oder der Anfsicht Erwachsener. So war eS auch im vorliegenden Falle. Die älteren Geschwister waren in der Schule, die beiden jüngsten mußten allein zurückbleiben und schnell war das Unglück geschehen. Vom Rotkollcr befallen wurde am Sonntag ein Gendarm in der Gegend von Friedrichsfelde. Dort ließen zwei Arbeiter auf freiem Felde einen amerikanischen Drachen steigen, der zwei Meter hoch und von roter Farbe war. Die Freude war eine kurze. Bald tauchte ein Gendarm auf und forderte die Arbeiter auf, den Drachen herunter zu holen. Dieser Aufforderung wurde zwar Folge ge- leistet, aber ihren Vers über diese staatsretterische Tat haben sich die Arbeiter selbst gemacht. Ganz abgesehen von der Frage, ob der Gendarm ein Recht zu seiner Aufforderung hatte, beweist der Vor- gang, um welche Angelegenheiten sich die Polizei kümmert. Sollte es nichts Nützlicheres für die Beamten zu tun geben? Große Aufregung verursachte gestern die Verhaftung zweier Burschen in der Hasenheide, eines wohnungslosen Schornsteinfegers Fritz Kleinert und eines Drechslerlehrlings Wilhelm Wurke. Ein Reisender, der über das Tempelhofer Feld ging, sah die Burschen mit zwei kleinen Mädchen, noch Kindern, in das dichte Gehölz hinein- gehen. Dort vergingen sie sich an ihnen. Der Reisende beuach- richtigte die Polizei, und ein berittener Schutzmann sprengte in daS Gehölz hinein, nahm die Uebeltäter fest und brachte sie nach der Revierwache, Dieser Vorfall verursachte einen großen Menschen- auflauf und allerhand Gerüchte. Die Verhafteten sollten die Kinder von Berlin aus nach der Heide geschleppt und gar die Absicht gehabt haben, sie dort umzubringen. So schlimm war es nun aber nicht. Die Kinder hatten am Rande des Gehölzes gespielt. Die Burschen hatten sie durch Versprechungen weiter hineiugelockt und unsittlich berührt. Wurke wurde von der Wache wieder entlassen, Kleinert da- gegen von der Kriminalpolizei dem Untersuchungsrichter vorgeführt, weil er keine Wohnung hat. Die städtische GaSdeputation hat gestern u. a. beschlossen, zur besseren und schnelleren Orientierung für das Publikum an den Laternenpfählen, unterhalb der Laternen rote Schilder anbringen zu lassen mit Hinweisen auf die nächste Fenermeldestelle. Die Aviatiker-Woche. Bei den gestrigen Wettflügen wurde zunächst der E n t- fernungspreis und der Preis der Stadt Berlin aus- gefahren, Es starteten hierzu: I, Rongier(Voisin-Doppeldecker) lim 4 Uhr 7 Min. Seine einzelnen Resultate sind folgende: 1. Runde: 2 Min. 162/5 Sek. (Pfosten falsch gerundet), 2. Runde: 4 Min. 35% Sek., 3. Runde: 2 Min, 25% Sek.(nicht beendet). II. Baron de Caters(Voisin-Doppeldecker), der nach der zweiten Runde aus einer Höhe von 5 Metern abstürzte. Der Apparat erlitt einen Flügelbruch, der Führer blieb unverletzt. Um den Geschwindigkeitspreis bewarben sich: 1. Mo Ion(Blöriot-Eindecker), der um 4 Uhr 15 Min. startete. Er flog kurz hinter dem Ziel ab und landete bereits nach der ersten Runde. 2. L a t h a m, der um 4 Uhr 26 Min. dicht hinter dem ersten Pfosten abflog. 1. Runde: 2 Min. 25% Sek, 2. Runde: 2 Min. 26% Sek. 3. Runde: 2 Min. 30% Sek.(nicht ganz beendet). 3, V l ö r i o t, der um 4 Uhr 32 Min. startete. 1. Runde: 2 Min. 30% Sek,(beim Pfosten III gelandet). Beim nochmaligen Start um 4 Uhr 50 Min, erzielte Blöriot folgende Resultate: 1. Runde: 2 Min. 35% Sek., 2. Runde: 2 Min. 35% Sek., 3. Runde: 2 Min. 34% Sek.. 4. Runde: 2 Min, 87% Sek.. 5, Runde: 2 Min. 37 Sek., 6. Runde: 2 Min. 55 Sek., 7. Runde: 2 Min, 48 Sek., 8. Runde: 2 Min. 19 Sek. Er legte also die 20 Kilometer betragende Strecke in 21 Min. 1% Sek. zurück. Dann flog Rougier um den Geschwindigkeitspreis, Entfernungspreis und Preis der Stadt Berlin sowie um den Höhenpreis. Er startete 5 Uhr 2 Min. und erzielte folgende Resultate: 1, Runde: 2 Min. 55 Sek., 2. Runde: 2 Min. 52 Sek.(ersten Pfosten gestreift), 3. Runde: 3 Min>/. Sek.. 4. Runde: 3 Min 2 Sek., 5. Runde: 7. Runde: 3 Min., 3. Runde: 3 Min.% Sek., 4. Runde: 3 Min, 2 Min. 52% Sek.. 6. Runde: 3 Min. 3% Sek., 57% 57% 57% 50% 51% Sek., Sek., Sek.. Sek.. Sek., 8. Runde: 2 Min. 54% Sek., 9. Runde: 2 Min. 10. Runde: 2 Min. 57% Sek., 11. Runde: 2 Min. 12. Runde: 3 Min. 14% Sek., 13. Runde: 2 Min. 14. Runde: 2 Min. 57 Sek., 15. Runde: 2 Min. 16. Runde: 2 Min. 50% Sek.. 17. Runde: 2 Mm. 18. Runde: 1 Min. 54% Sek.(nicht beendet). DaS Gesamtresultat Rougiers ist also fol- g e n d e S: 20 Kilometer in 23 Min. 39'/» Sek.(8 Runden) 44% Kilometer in 52 Min. 5% Sek.(18 Runden). Im Höhenpreis er- zielte Rougier eine Höhe von 94 Meter. Die offizielle Landungszeit dieses Aviatikers war 5 Uhr 53 Min., er ist somit im Ganzen uminterbrocheu 51 Minuten in der Luft ge- blieben. Um 5 Uhr 44 Min. nachmittags startete dann Lathain nochmals um den Geschwindigkeitspreis. Er erzielte folgende Resultate: I.Runde: 2 Min. 22% Sek.. 2. Runde: 2 Min. 222/� Sek.. 3. Runde: 2 Min. 20% Sek.. 4. Runde: 2 Min. 21 Sek.. 5. Runde: 2 Min. 20% Sek., 6. Runde: 2 Min. 20% Sek.. 7. Runde: 2 Min. 19% Sek.. 8, Runde: 2 Min. 19% Sek., 9. Runde: 2 Min. 24 Sek., 10. Runde: 1 Min.(nicht beendet). Gesamtresultat: 23% Kilometer in 22 Min. 9% Sek.(10 Runden). Den Geschwindigkeitspreis von 20 Kilometern(3 Runden) fuhr er in 18 Min. 45% Sek. Im GeschwindigkeitSpreis startete schließlich Emilio Edwards auf seinem Biosin-Zweidecker. Nachdem er vier vergebliche Anfluge gemacht, gelang es ihm endlich um 6 Uhr abends mit seinem Apparat zu einer Versuchsfahrt hochzukommen. Di- erste Runde ging glatt von statten, er legte sie in zwei Minuten 352/, Seku„ve» zurück. Die 2. Runde durchflog er in zwei Minuten 34 Sekunden. Beim Beginn der 3. Rnnde stürzte Edwards mit seinem Flieger in einer Höhe von 5 Meter ab. Der Flieger blieb glücklicherweise im- verletzt, während an dem Apparat daS Rädergestell zerbrochen wurde. Damit schloffen die Wettflüge am gestrigen Dienstag. Feucrwehruachrichten. In der Nacht zum Dienstag kam durch die Explosion einer Petroleumlampe in einer Wohnung in der Friedcnstr. 22 Fever aus, wobei eine Person leichte Verletzungen er- litt. In der Oranienstr. 22 brannte der Inhalt eines Zimmers im Erdgeschoß, ivobci eine Menge Modewaren verbrannten. Der achte Zug löschte die Flammen mit einer Schlauchleitung. Bor dem Hanse Schiitzcnstr. 22/23 stand ein Automobil in Flammen, diese ivnrden von der Feuerwehr gelöscht. Das Auto mußte fortgeschafft werden; es war nicht mehr betriebsfähig. Am Dienstag früh um 5% Uhr brannten Teile eines Gerüstes auf dem Neubau Münz- straße 24 und etwas später Templiner Straße 5 Boden- verschläge mit Inhalt. Wegen einer Gasvergiftung wurde der achte Zug nach dem Kottbuser Ufer 7 alarmiert. Dort hatte sich ein Mädchen mit Leuchtgas zu vergiften versucht. Durch Einflößen von Sauerstoff wurde das Mädchen mit Hilfe des Dr. F. gerettet. Ferner hatte die Feuerwehr in der Fruchtstr. 75, Alexanderstr. 2, Mantenffelstr. 50 u. a. Stellen zu tun. Die Rnminelsburger Feuerwehr hatte einen größeren Dachstuhl- brand in der Kantstr. 24 zu löschen. Unterstützt von anderen Wehren gelang es den Brand auf diesen Dachstuhl zu beschränken. Der an- grenzende Nr. 23 hat nur unbedeutend gelitten. Die EntstehungS« Ursache ist noch nicht ermittelt. Vorort- ftodmcbtem Schöneverg. Dtadtverorbnetenversammlimg. Der Anstellung eines ztveiten Schuldiencrs für die städtische Fortbildungsschule wird nach dem Reftrat des Stadtv. Magnan(Soz.) zugestimmt. Die Vorlage betr. Herstellung einer elektrischen Kraft- und Beleuchtungsanlage auf dem Nieselgute wird zunächst einem Ausschuß überwiesen. Eine weitere Vorlage des Magistrats fordert die Aenderung der Baufluchtlinien auf dem Gustav-Müller-Platz, auf welchem eine Kirche errichtet werden soll. Stadtv. Küter(Soz.) spricht sein Bedauern darüber aus, daß der einzige Platz in der dortigen Gegend mit einem Bauwerk bedacht worden ist. Mau soll die Plätze, die doch die Lungen der Großstädte sind, möglichst er- halten. Redner bezweifelt auch, daß überhaupt ein Bedürfnis für den Bau einer Kirche in der dortigen Gegend vorhanden ist. Die Vorlage wird darauf gegen eine große Minorität angenommen. Sodann teilt der Magistrat mit, daß er dem in der vorigen Sitzung angenommenen Antrage der sozialdemokratischen Fraktion (die Frage der Verbesserung des Wahlrechts auf dem Städtetage) seine Zustimmung erteilt hat. Kämmerer M e ch o w i c z erklärt, daß auf dem Brandenburgischen Städtetage die offizielle Mit- teilung gemacht worden ist, die Frage der Verbesserung des kom- munalen Wahlrechts auf die Tagesodnung des nächsten Städte- tages zu setzen. Sodann folgt die Beratung des sozialdemokratischen Antrages: „Die Stadtverordnetenversammlung richtet das Ersuchen an den Magistrat, bei den bevorstehenden Stadt ver- ord n e t e nwahl e n die Wahlzeit für die dritte Abteilung auf einen Sonntag festzusetzen. Gleichzeitig wird der Magistrat ersucht, für den ö. Wahlbezirk der dritten Abteilung zwei Wahllokale vorzusehen." Stadtv. Wollermann(Soz.) führt in der Begründung des Antrages folgendes cms: Die Stadtverordnetenversammlung hat sich wiederholt mit Anträgen auf Verbesserung des kommunalen Wahlrechts beschäftigt. Sie hat gefordert: Die Abschaffung des Hausbesitzerprivilcgs, die Beseitigung der Dreiklassenwahl, die Einführung der geheimen Wahl usw. Alles Forderungen, über die endgültig die Entscheidung im preußischen Landtag zu fällen ist. Hier handelt es sich aber um eine Verbesserung des Wahlrechts, die von- den städtischen Körperschaften selbst vorgenommen werden kann. Im November 1907 ist bereits derselbe Antrag von der Stadtverordnetenversammlung angenommen worden. Der Magi- strat hat aber seine Zustimmung verweigert, mit dem Hinweis, daß sich die Anberaumung eines Wahltermins auf einen Sonntag nicht empfiehlt, weil nach mehreren Erkenntnissen des Kammergerichts au solchen Tagen die Polizei in der Lage wäre, gegen die Ver- teilung von Wahlflugblättern und Stimmzetteln einzuschreiten. Dieser Grund zur Ablehnung ist aber ganz hinfällig. Bisher haben wir nichts davon bemerkt, daß die Polizei bei Wahlen, die Loch' heute schon des Sonntags stattfinden, eingeschritten wäre. In Schöneberg finden die Kaufmannsgerichtswahlen und die Kirchen- Wahlen des Sonntags statt. In Berlin werden auch die Gewerbe- gerichtswahlen des Sonntags vorgenommen. Warum sollten dann nicht auch die Stadtverordnetenwahlen in der gleichen Weise bor- genommen werden können. Man soll den Wählern bei Ausübung ihres Wahlrechts möglichst entgegenkommen. Es gibt immer noch eine Reihe von Wählern, die sich in abhängiger Stellung befinden oder weit entfernt von Schöneberg arbeiten. Für letztere ist die Ausübung des Wahlrechts fast regelmäßig mit einer Einbuße am Arbeitslohn verbunden. In der jetzt noch herrschenden Wirtschäfts- krise sollte man das zu verhindern suchen dadurch, daß die Wahl- zeit auf einen Sonntag verlegt wird. Redner bittet um Annahme des Antrages auch in seinem zweiten Teile. Die sonderbare Be- zirkSeinteilung des Magistrats macht die Teilung deS neunten Bezirkes notwendig. Stadtv. Schneider(Unabh. Vereinig.) erklärt, daß feine Fraktion nur für den zweiten Teil des Antrages stimmen werde. Seine Fräktionskollegen sind dagegen, daß die Stadtverordneten- wählen d«S Sonntags vorgenommen werden. Der Sonntag gehört der Ruhe. Durch die Vornahme der Wahlen an einem Sonntag wird derselbe entheiligt. Die Kirchzeit müßte ja sowieso schon aus- geschieden werden. Redner hält die Verlegung auf einen Sonntag für keine Verbesserung, da sich dann die Wähler nicht ihrer Fa- milie widmen können. Stadtv. Küter(Soz.) meint, wenn es dem Stadtverordneten Schneider nur darauf angekommen ist zu reden, so hat er ja seinen Zweck erfüllt; was er geredet hat, ist allerdings ganz un- zutreffend. Der Wahltag müßte als ein Feiertag betrachtet werden. Wenn in anderen Staaten die Wahlen durchweg des Sonntags vorgenommen werden, so müßte das auch hier möglich sein. Stadtv. Starke(lib. Frakt.) gibt die kurze Erklärung ab, daß seine Fraktion den sozialdemokratischen Antrag für eine Ver- bcsscrung des Wahlrechts hält und deshalb für den Antrag stimmen wird. Stadtv. Wollermann(Soz.) wendet sich noch gegen die Ausführungen des Stadtverordneten Schneider. Die von ihm vor- gebrachten. Gründe widersprechen sich von selbst. Richtiger wäre es gewesen, wenn er mit den wahren Gründen hervorzutreten ge- wagt hätte. Die Fraktion des Herrn Schneider ist aber dafür, daß den Arbeitern die Ausübung des Wahlrechts möglichst erschwert wird. Der Beweis dafür ist von dem Herrn Schneider im Jahre 1905 gebracht worden, als der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion: die Wahlzeit für die dritte Abteilung bis 8 Uhr abends auszudehnen, zur Beratung stand. Der Antrag wird darauf angenommen. Der Magistratsvorlage betr. Errichtung von Schnee-Ein- Wurfschächten wird nach kurzer Debatte zugestimmt. Die Versammlung beschäftigte sich darauf mit den Ein- sprächen gegen die Wählerlifte. Es lagen 74 Ein- spräche vor. Der Ausschuß empfahl 45 von diesen für berechtigt anzuerkennen. Stadtv. Wollermann(Soz.) empfiehlt, auch in den Fällen, wo es sich um Steuerrückstände des vergangenen Jahres handelt, die Einsprüche für berechtigt anzuerkennen und nur die Rückstände des laufenden Steuerjahres bei der Nichtaufnahme in Betracht zu ziehen. Stadtv. Starke(lib. Frakt.) schließt sich diesem Antrage an, während Stadtv. L i n i c u s(Unabh. Vereinig.) den Antrag für gesetzwidrig hält. Die Mehrheit der Versammlung stimmte dem Antrage Wollermann zu und erklärte demgemäß 8 weitere Einsprüche ebenfalls für berechtigt. Insgesamt soll 54 Einsprüchen stattge- geben werden. Für die UmPflasterung des südlichen Fahrdammes des Sachsen- dammes werden die nötigen Mittel nachträglich bewilligt. Rixdorf. Bo» der Arbeit deS Stockes. Der Lehrer Harnack von der 15. K n a b e n- G e m e i n d e s ch u l e, den wir tn Nr. 225 unseren Lesern als Erzieher mit dem Stock vorgestellt hatten, beklagt sich, daß ihm Unrecht geschehen sei. Er hat uns besucht und uns eine schriftliche Entgegnung überreicht, in der er angibt, der von ihm ge- prügelte Schüler L. habe seine zu Hause nicht angefertigte Rechen- arbeit auch in der Schule nicht selber angefertigt, sondern nur aus einem anderen Heft abgeschriehen, und habe zunächst alles bestritten. Hier übersieht Herr Harnack die Bedeutung des von ihm selber er- wähnten UmstandeS. daß von ihm die Feststellung, L. habe ab- geschrieben, erst jetzt— einige Tage nach jener Prügclexekution und nach Veröffentlichung unserer Notiz— gemacht worden ist. Auf die Bemessung der Menge und Stärke jener Prügel kann das doch keinen Einfluß gehabt haben I Herr H. versichert so- dann, L. habe, laut schreiend, sich von vornherein nicht bücken wollen und— so schreibt er— da„trafen die e r st e n Schläge nicht gut, und er erhielt einige mehr, als ihm zugedacht waren." So erkläre sich auch, daß Herr H. ihm gesagt habe:«Wärst Du manierlich gewesen, so hättest Du nur die Hälfte bekommen.' Uns genügt eS, daß der Arzt„5—6 dicke, große, schwer blutunter- laufene Stellen" auf dem Gesäß festgestellt hat, abgesehen von einer„längeren blutunterlaufenen Strieme" am Daumenballen und einer„Hautwunde" am Finger. Daraus dürfen wir wohl schließen, daß wenigstens die folgenden Hiebe — wir müssen annehmen: noch fünf bis sechs—„gut getroffen" haben, wiewohl L. sie durch die vor- gehaltenen Hände abzuwehren suchte. Freilich will Herr H, das Urteil des Arztes nicht gelten lassen; er behauptet, L. sei nicht so schwächlich, daß er nicht Prügel, wie die empfangenen, hätte ertragen können. Hier wollen wir uns denn doch lieber auf die An- gaben des sachverständigen Arztes verlasse», der in seinem Attest er- klärt, daß„diese Schläge mit einer Heftigkeit geführt sein müssen. die bei dem elenden Geiundheitszustand des KindeS wohl geeignet sind, die Gesundheit erirstlich zu gefährde n". Aus unsere Angabe, daß Herr H. die Tracht Prügel dem Jungen nur als„Klaps auf die Hosen" bezeichnet habe, ist Herr H. in seiner schriftlichen Entgegnung mit keinem Worte eingegangen. Mündlich hat er aber auf Befragen uns versichert, er habe das nicht gesagt. Kann uns jemand sagen, woher der Junge den von ihm seinen Eltern berichteten Ausdruck „Klaps auf die Hosen" haben mag, der noch nicht recht in den Sprachschatz eines Elfjährigen hineinpaßt? Herr H. gibt weiter an, L. habe, wiewohl er sonst ein besserer Schüler sei, ihm gerade im Rechnen manche Mühe gemacht. Ueberflüssig ist seine Bitte, daß wir ihm attestieren möchten, er habe den guten Willen gehabt, den Jungen zu fördern. Das war gar nicht angezweifelt worden, und er tut hiermit auch nur feine Pflicht und Schuldigkeit. Wir wünschten nur, daß er sie ohne so nachdrücklichen Gebrauch des Stockes getan hätte. Taschendiebe treiben seit einiger Zeit auf den Märkten und Rummelplätzen ihr Unwesen. Gestern ist wieder einer Frau D. aus der Kaiser-Friedrich-Straße auf dem Runimelplatz in der Urbanstraße aus der Manteltasche eine Börse mit Geld und einem Pfandschein über einen Ring auf den Namen Otto D. lautend, entwendet worden. Britz. Eine Gasexplosion fand in der Schraubenfabrik von Rogge in der Jahnstr. 42 statt. R. befindet sich gegenwärtig auf den: Umzüge. Beim Abschrauben der Gasleitungen wurden versehentlich einige Spundlöcher nicht gut verschlossen, infolgedessen drangen die Gas- mengen aus den Oeffnungen heraus. Nachts, als R. mit seinen beiden erwachsenen Söhnen heimkehrte, bemerkte er einen starken GaSjjeruch; um nun die Ursache festzustellen, begab er sich nach dem Fabrikraume und kontrollierte die Gasleitung. Dabei zündete einer der Söhne unvorfichttgerweise ein Streichholz an, im nächsten Augenblick erfolgte eine heftige Detonation. Einer der Söhne des R. wurde durch die Stichflamme getroffen und stand bald in hellen Flammen- Er zog sich schwere Brandwunden im Gesicht, am Kopse und an der Brust zu und mußte nach dem Krankenhause gebracht werden. Die beiden anderen im Zimmer anwesenden Männer kamen mit unerheblichen Wunden davon. Mariendorf. Bei der gestern stattgefundenen Gemeindevertreterwahl erhielt unser Kandidat Genosse Günther 602 Stimmen, während auf den bürgerlichen Kandidaten nur 31 Stimmen entfielen. Am 29. findet die Fortsetzung der Wahl für den Ortsteil Südende statt, die jedoch an dem Gesamtresultat nicht viel ändern wird. Lichtenberg. Arbeiter, Parteigenossen! Die Wählerliste liegt nur noch morgen von 9—3 Uhr nachmittags im Rathause aus. Wer bisher noch nicht Einsicht in die Liste genommen hat, der komme dem schleunigst nach, da er sonst bei den diesjährigen Ersatzwahlen oder sonst«nt- stehenden Nachwahlen nicht wählen kann. Benutze jeder die Ge- legenheit, sich sein Wahlrecht zu sichern. Wer selbst nicht einsehen kann, beauftrage eine der im ganzen Ort durch Plakataushang kenntlich gemachten Stellen mit der Einsichtnahme. Wer nicht Armenunterstützung bezieht und die Steuern bis zum vierten Quartal 1903 bezahlt hat, Muß in die Wählerliste aufgenommen werden. Köpenick. In der letzten Wahlvcreinsversammlung erstattete Genosse Fischer einen eingehenden Bericht vom Parteitage; demselben folgte eine rege Diskussiou. Zur Ausiiahme in den Wahlverein lagen 29 Mel- düngen vor. Der Ueberschuß vom Stiftungsfest weist 56 M. auf. Der Bildungsausschnß hat für diesen Winter vorläufig folgendes Programm festgelegt: am 2. Oktober Jugendfeier; am 14. Oktober Theateraufführung,„Nora" von Henrick Ibsen; 10. November Schillerfeier; 9. Dezember wissenschaftlicher Vortrag; 15. Dezember Märchenabend für Kinder; 2., 9. und 16. Januar Bortragölursus über„den historischen Materialismus"; 1., 8., 16., 22. Februar BortragskursuS über: Theorien und Programm der bürger- lichen Parteien. Sämtliche Veranstaltungen finden im Stadt- theater statt. Für die Besichtigung der Sternwarte können Karten a 80 Pf. beim Obmann, Genossen Lefövre, Grünstt. 16, in Empfang genommen werden. Pflicht der organisierten Arbeiterschaft ist eS, für diesen Winter eine lebhaftere Tätigkeit zu entfalten. Die Jugendfeier am Sonnabend, den 2. Oktober, beginnt um 3 Uhr; der Einttitt ist frei. Das Programm ist im Nahmen der Kunst- abende gehalten. Schönow, Schönbrück(Bez. Bernau). Boin 1. Oktober ab wird der„Vorwärts" den in Schönow, Schönbrück und Zepernick wohnenden.VorwärtS"-Abonnenten im Laufe des Vormittags durch die Zeitungsfrau zugestellt werden. Die in Berlin arbeitenden Leser, welche die Züge ö iw Suppen Man verlange ausdrücklich j�LAClClI� Stippetl mit dem„Kreuzstern", kcisiia schmeckend und gehaltreich wl, die Schutzmarke talem Cigarren-Handlern bequrniiten Einkauf zu billigsten Preisen bietet daZ grSstte und reichhaltigst ausgestattete Eigllretttll-Etlgroslllger Carl Röcker, Kerlin, Grüner Weg IIS(Fernspr. VII, Z861). Offeriere solg< Marken z. Original-Fabrikpreis von 100®t. an einer Sorte: Berliner Marken: Garbati, Josetti, Manoli, Problem, Phänomen, Kapitän, Herbstoli, Carmen Sylva, Gras von Königsmark. Dresdener Marken: Salem Aleikum, Tuma, Bolero« Zenith, Reunion, Laserme. Ferner: Eghptian Comp., österreichische und ungarische Regie-Tabake usw. Generalvertrieb siir Denischlaud der dänischen Kapitän-Kautabake, Rauch- und Schnupstabake; Haupwiederlage der Kautabak-Fabriken G. A. Hanewacker und Grimm& Triepel in Nordhausen; Vrödr. Braun in Kopenhagen sowie I. Goldfarbs Schnupf- tabake, Pr. Stargard. 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