Ar. 381. HbonnementS'Bedlngungcn; StBonnemenlS- Preis pränumerando i Bicrtcljährd 3,30 27!t., monatl. 1,10 Mk,. wöchentlich 23 PIg, frei ins Haus. Einzelne Numnier 5 Pfg, Sonntags- Nummer mit illu'trierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psa, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Postabonnemenls nehmen an: Belgien, Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. VWclirt Kg»» außlf montags. Verlinev VolksblcM. 36. Jahrg. vle TnlertlonS'Geböftr veirägt für die sechsgespaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum 50 Psg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- And Bcrsammlungs-Anzcigen 30 Pfg, „Ulelne ZZnreigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Auzeigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramni- Adresse: „SMialdcmohrat Btrlin", Zcntratovgan der fozi aldemokrati feben parte» Deutfcblands. Redaktion: SSI. 68, Lindenstrasse 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SSI. 68, Lindcnatraoee 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Arbeiter! Genossen! In einem Bericht des„Berliner Tageblattes" aus Dortmund stand dieser Tage zu lesen: Der Sebnapsfcoyfeott, deffen Birkungen febon fühlbar werden... Arbeiter Groß Kerlins! Sorgt dafür, daß von Berlin und Vororten dasselbe gesagt werden muß! Uermeigert die Schnapssteuer und die Liebesgabe! Der Kampf in Schweden. Wie wir bereits gemeldet haben, ist die Vergleichsaktion der von der Negierung eingesetzten Kommission gescheitert. Die Ur- fachen sind kurz folgende: Die Arbeitervertreter waren bereit, den größeren Teil der Vergleichsvorschläge der offiziellen Kommission zu akzeptieren. Nur drei Positionen mußten abgelehnt werden, weil sie ganz unerträgliche Lohnreduktionen enthielten. Darunter die Konfektions schn eiderei, wo die Lohnreduktion rund S Kronen pro Woche betragen sollte! Weiter lehnten die Arbeiter die Vorschläge zur Lohnregulierung an dem Eisenbahnbau Var- berg— Aetran und für die Zullulosefabrik in UtanSjö ab. Die übrigen Vorschläge der Vergleichsbeamten wurden akzeptiert. — Die Unternehmer dagegen verlangten größere Lohnreduk- tionen und lehnten daher fünf Punkte ab. So war denn in der Lohnfrage eine Einigung nicht zu er- zielen. Herr Dr. T ä n z l e r, der in der deutschen Unternehmer- presse bestritten hat, daß die schwedischen Unternehmer Lohnabzüge vornehmen wollen, sei auf dieses Ergebnis besonders aufmerksam gemacht! Er ist, wie so viele andere Berichterstatter der bürger- lichen Presse, ein Opfer der Mystifikationen der schwedischen Unter- nehmerzentrale geworden. War schon in der Lohnfrage keine Einigung zu erzielen, so war sie in einer anderen Frage ganz unmöglich. Ter schwedische Arbeitgeberverein nämlich schob die Regierung mit einer prin- zipiellen Frage von größter Bedeutung vor. Bisher war in dem äwnflikt keinerlei Rede gewesen von einer Verhandlungs- Ordnung für künftige Konflikte. Die Regierung hat nun plötzlich ihren Vergleichsbeamten den Auftrag gegeben, ein solches Reglement nach dem Muster des zivischen den Arbeiter- Organisationen und der Unternehmerzentrale der Metallindustrie abgeschlossenen Vertrages zu erzielen! Die Unternehmer sind in dieser Frage— wie gesagt— offenbar die Auftraggeber der Regie- rung gewesen; denn sie machten plötzlich die sofortige Ver- cinbarung eines solchen Reglements zur Bedingung eines Friedensschlusses! Die Gewerkschaften erklärten sich bereit, in Unterhand- l u n g e n über diese Frage zu treten. Jedoch war es ihnen selbst- verständlich nicht möglich, eine so weitgehende Vereinbarung vor dem Stattfinden des Gewerkschaftskongresses(in der ziveiten Hälfte des November) zu treffen; denn es handelt sich naturgemäß um Bestimmungen, die tief in die Selbständigkeit der einzelnen Gewcrkschaftsverbände eingreifen. Bisher aber führen die schwe- dischen Zentralverbände genau wie in Deutschland ihre Lohnbewe- gungen selbständig. Nur bei größeren'Ab w eh r k ä m p f en tritt die Gesamtheit für die einzelne Organisation ein. Eine zwischen den beiden Zentralinstanzen der Arbeiter- und der Arbeitgeber- Organisation vereinbarte Verhandlungsordnung für alle Lohn- und Arbeitsdifferenzen würde diese Selbständigkeit der einzelnen Ver- bände aufheben. Bei den Unternehmern dürfte das keine Schwierig- keiten bereiten, weil sie ja auch heute nicht die Demokratie, sondern die Autokratie, unterstützt durch die in Deutschland auf Grund der Gewerbeordnung untersagten Konvennonalstrafen, re- gieren lassen. In der Arbeiterbewegung dagegen ist die Demo» kratie unerläßliche Vorbedingung des Zusammenwirkens. Ohne einen Kongreßbeschlutz können also die Gewerkschaften eine solche Ordnung für künftige Differenzen unmöglich vereinbaren. Die Vorständekonferenz erklärte daher: vom 15. Dezember an sei das Landessekretariat legalisiert, in Unterhandlungen über diese Frage einzutreten. Bis dahin hat der Kongreß darüber entschieden, wie weit die Gewerkschaften in der Ausdehnung der Aufgaben ihrer Zentrale gehen können. Die Unternehmer lehnten das ab. Sie verlangten die so- f or t i g e Vereinbarung! Die schwedische Unternehmerzentrale kam mit bestimmten Forderungen für eine VerHand- lungsordnung, auf die einzugehen den Gewerkschaften absolut unmöglich ist. Hieße eS doch, die Selbständigkeit der Ar- beiterorganisation aufgeben, wollte man die Bedingungen der Unternehmer über Schadenersatzpflicht der Zentrale für die Maß- nahmen ihr angeschlossener Organisationen und deren Mitglieder akzeptieren. Nicht minder hahnebüchen ist die Bestimmung, daß Streiks und andere gewerkschaftliche Kämpfe nur mit mindestens ?t-Majorität der zur Beschlußfassung berechtigten Instanz be- schlössen werden dürften! Eine solche Bestimmung mag an sich nichts Ungeheuerliches darstellen. Aber das ist eine statutarische Frage der Organisation und keine Angelegenheit, in der man sich von den Unternehmern Vorschriften machen lassen kann. Tie Forderung zeugt von dem Machtdünkel und der Borniertheit der von uns wiederholt charakterisierten schwedischen Unternehmer, die den gegenwärtigen, die Wohlfahrt des Landes ruinierenden Kampf heraufbeschworen haben. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß in Deutschland selbst die schlimmsten Scharfmacher noch nie auf die wahnsinnige Idee kamen, den Arbeiterorganisationen ihre Statuten vorzuschreiben! Eine weitere Bestimmung fordert, daß Vorarbeiter und„besondere Vertrauensleute" der Arbeitgeber keiner Arbciterorgani- sation angehören dürfen! Also auch das Organisationsgebiet der Gewerkschaften soll durch die„Verhandlungsordnung" geregelt werden. Wenn es auch Blödsinn ist, so hat der Blödsinn doch Methode. Ein Rutscher beispielsweise, dem der Unternehmer die Fütterung der Pferde überträgt, wäre sofort ein„besonderer Ver- trauensmann" des Arbeitgebers und müßte aus der Organisation austreten..-. Alle diese Forderungen der Unternehmer bedeuten lediglich eine Provokation, eine Verhöhnung der Arbeiter. Daß die schwcdi- scheu Gewerkschaften diese„Bedingungen" einmütig ablehnten, ist selbstverständlich. Solche Verträge schließen sie zweifellos nie- mals ab. Dazu lassen sie sich auch nicht zwingen. Der Kampf geht also weiter, und. die Unternehmerzentrale wird sich auf eine ziemlich langwierige Kampfesführung einrichten müssen. Gegen einen Feind wie sie gibt es viele Möglichkeiten, besonders im Guerillakriege! Hätten die schwedischen Gewerkschaften jene Bedingungen akzeptiert, sie hätten sich wahrhaftig des Vertrauens der inter- nationalen Arbeiterschaft unwürdig gezeigt. Daß sie es nicht taten, zeugt am besten für ihr Verantwortlichkeitsgefühl. Aber es zeugt auch davon, daß sie nach monatelangem Kampfe ungebrochen dastehen, und daß sie sich ihrer Mitglieder sicher wissen. Der Kampf selbst schafft neue Kampfesmittcl und neue Kampfcsformen. Das schwedische Unternehmertum wird das früh genug erfahren. tzekk jHaußmanD als SozialtHeoretlher. In der gestrigen Nummer des„Vorwärts" veröffent- lichten wir eine uns aus Stuttgart zugegangene Mitteilung. daß der Stuttgarter„Beobachter" einen in der Oktober- nummer des„März" erscheinenden„Offenen Brief" des demokratischen Abgeordneten Konrad Haußmann an A u g u st Bebel abdruckt, in dem sich Herr Haußmann als Politiker von„verblüffender Naivität" erweist. Heute liegt der Brief im vollen Wortlaut vor, und wir möchten nicht versäumen, daraus zum Nutzen unserer Leser die wich- tigsten Stellen mitzuteilen— nicht weil wir diesem naiven Geschreibsel irgendwelche Bedeutung beimessen, sondern weil der Brief zeigt, wie wenig selbst die größten der Kapazitäten des heutigen sogenannten entschiedenen Liberalismus die soziale Entwickelung und die aus dieser herausgewachsene Gedankenwelt des Sozialismus begreifen, wie sie nichts sind als kindliche Illusionäre, von denen uns eine Welt voll grundverschiedener geschichtlicher und politischer Auffassungen trennt und init denen deshalb auch eine Verständigung absolut unmöglich ist. Daß nach der Leipziger Tagung, die nicht nur von liberalen Blättern, sondern auch von einzelnen ängst- lichen Parteigenossen als ein halber Sieg des Revisionismus und als Anfang einer Abschwenkung ins liberale Lager auf- gefaßt worden ist, Herr Haußmann aufs Neue so über- zeugend nachweist, daß mit dem Liberalismus, auch mit dem demokratisch' aufgeputzten, jede Versöhnung unmöglich ist, wenn wir nicht unsere gesamte Auffassung der gesellschaft- lichen EntWickelung aufgeben, dafür wissen wir ihm auf- richtig Dank, und gerne drucken wir deshalb die Haupt- stellen feiner, schönen Epistel zur Erbauung unserer Leser ab. In seiner köstlichen Naivität mag Herr Haußmann sich einreden, er habe durch seinen„Offenen Brief" dem Radi- kalismus einen Schlag versetzt. Wir können ihm jedoch ver- sichern, daß er uns gar keinen besseren Dienst zu leisten vermochte, als dadurch, daß er mit überzeugenden Gründen nachweist, wie wenig der deutsche Liberalismus seit den Tagen seiner Jugend gelernt hat und wie er noch immer in jenen kindlichen Vorstellungen befangen ist, die unser größter Theoretiker einst spöttisch als seichten Abspülicht des bürger- lichen Aufklärichts bezeichnete. Herr Haußmann schreibt an seinen«geehrten Kol- legen" August Bebel: „Die Kämpfe dieses Jahres zeigen, daß das politische Leben Deutschlands bei einem hohen Grad der Verwirrtheit ange- kommen ist. Viele Parteien sind daran mitschuldig, auch die linksliberalen; aber eine sehr große Mitschuld an dem politischen Stillstand der letzten zwanzig Jahre trägt die große Partei, deren Führer Sie sind, oder richtiger, die M e t h 0 d e der Sozialdemo- kratie. Wenn ich diesen Vorwurf ausspreche, muß ich versuchen ihn zu beweisen, und dies ist möglich, mit Gründen, die nicht dem Arsenal gegnerischer Feindschaft, sondern dem sozialdemokra- tischen Zeughaus selbst zu entnehmen sind. � 1 Die Zeit, in der die Sozialdemokratie groß und an Wähler- zahl wuchtig wurde, ist unbestrittcnermaßcn keine Periode des politischen Fortschritts gewesen. Dies hat einen inneren Zu- sammenhang. Die Sozialdemokratie, die anderen Parteien ihre Widersprüche aufzudecken liebt, leidet selbst an tiefen Wider- sprächen und richtet durch sie.innerhalb und außerhalb der Mauern ihrer Partei einen politischen Schaden an, der pro- portionell der Größe der Partei entspricht. Die Sozialdemokratie führt den politischen Kampf alS Klassenkampf und ändert damit den ganzen Charakter der politischen Kämpfe. Sie sammelt Wähler durch den Appell an das Klassenbewußtsein, sie schafft dadurch notwendig erst recht Klassen, sie verschärft die Klassen- gegensätze und zerreißt das Volk in Klasscnlager. Das ist un- bestreitbar. In ihrem Programm aber gelobt sie:„Die sozial- demokratische Partei Deutschlands kämpft für die Ab- s ch a f f u n g der Klassenherrschaft und der Klasse 11". Das ist ein flagranter Widerspruch, den jeder Sozialdemokrat und jeder Nichtsozialdemokrat fühlt. Ja, Sie selbst, geehrter Herr Kollege, werden nicht verkennen, daß der Sieg der heutigen Sozialdemokratie gleichbedeutend mit einer Klassenherrschaft sein würde und nach der Ansicht vieler leidenschaftlicher Anhänger auch sein muß. Also soll der Teufel durch Beelzebub, die eine Klassenherrschaft durch die andere ausgetrieben werden. Dieser Kampf rechtfertigt aber das, was er bekämpft: den politischen Widerstand„der oberen Klassen". Der sittliche Grund des An- griffs auf herrschende Klassen ist der Egoismus, der in jeder Klassenherrschaft liegt, und insoweit ist der Angriff sittlich; wenn er aber durch Formierung einer Klassenpartei, unter Appell an ihren Eogismus und zum Zweck der Einsetzung einer Klassen- herrsckmft geführt wird, ist er nicht sittlich. Denn man darf nicht das als unwürdig und verwerflich erklären, was mau selber tut, oder richtiger: man darf nicht selber tun, was man bei anderen als unwürdig und verwerflich erklärt. Das ist wieder ein Wider- spruch, ist nicht wahrhaftig, und verwechselt den Begriff des Gemeinwohls mit dem des Wohls einer großen Klasse." � Herr Konrad Haußmann beklagt dann die?. F n- t 0 l e r a n z" der Sozialdemokraten und ihre Bekämpfung des heutigen Privateigentums an den Produktionsmitteln. Ohne jede Kenntnis der Entwickelung des heutigen Eigen- tums schreibt er: Die Sozialdemokratie nimmt ihre beste Kraft aus ihrer kulturellen Richtung und ihrem Verlangen nach Bildung. Bildung ist die Fähigkeit zu vielseitiger Betrachtungsweise, zur Aneignung und Erneuerung der Gedanken ftcier und feiner Köpfe. Der Hunger nach der Bildung der heutigen oder früheren Gesellschaft ist wertvoll und gesund. Ein Bestandteil der Vor- stellung höchstgebildeter Menschen aller Zeiten und aller Länder aber ist das„Eigentum", ein sich durch Kraft, Glück und Unter- nehmungsgeist vergrößernder Sachenkreis, der dem freien Willen des Menschen überlassen ist und die Betätigung des menschlichen Geistes weckt, reizt und stärkt. Die Bildung von heute den Massen zuführen— und eine andere ist noch nicht erfunden— heißt Borstellungen in die Köpfe einführen, die sich, als auf einem Grundbegriff, auf der Existenz von Privateigentum auf. bauen. Es ist ein Widerspruch, in denselben Gehirnen das Pri» vateigentum verächtlich niachen und die Bildung der heutigen Gesellschaft auszubreiten, deren Kultur auf diesem Privateigen- tum beruht. Wenn das Privateigentum ein Irrtum ist, dann ist unsere ganze Bildung, dann sind unsere sittlichen Vor- stellinigen, unsere Rcchtsbegriffe und unsere Kulturvorbilder falsch und die genialsten Köpfe und Menschenkenner waren große Toren. Wohl besteht der Versuch, die Aufhebung des Privat- eigentums nur auf„Grund und Boden und auf Produktions- mittel" einzuschränken. Aber diese Scheidung ist willkürlich und papieren, und wenn das Privateigentum an den übrigen Sachen gut und zulässig und kein Diebstahl ist,— wie will man den schönen Wunsch jedes tüchtigen Mannes nach eigenem Grund und Boden verfehmcn und dieses Eigentum staatlich verbieten? Aber nicht nur die sozialdemokratische Theorie der ge- sellschaftlichen Entwickelung ist nach Herrn Haußmanns An- ficht grundfalsch, auch die Erziehung des Volkes, die die Sozialdemokratie betreibt, verwüstet das Volksgemüt:., Die Erziehung des Volkes,—„ein Ziel aufs innigste zu wünschen". Ich weiß, daß es Ihnen, geehrter Kollege, heilig ernst mit diesem Ziele, und daß es ein persönliches Ver- dienst von Ihnen ist. durch Weckung des Selbstbewußtseins und der Selbstachtung breiter Kreise die Bildungssehnsucht, diese wichtige Voraussetzung der Erziehung und Sclbstcrzickuing, mächtig gefördert zu haben. Aber ein allerwesentlichstes Element der Bildung ist doch die Herzensbildung, und ihr Acker darf nicht mit zu viel Mißtrauen bestellt werden. In Dresden hat der erste Führer der Sozialdemokratie ausgerufen:„Mehr Haß, mehr Gift und Galle!" Sie glauben nicht, wie weh mir und anderen dieses Wort getan hat. obwohl ich weih, dah in der leidenschaftlichen Rede daS Wort oft den Willen überschieht. Wir besitzen ein anderes Wort und Testament, das lautet:„Mehr Licht", und weil Sie selbst dieses Wort hoch- halten, darf ich sagen, dah sich diese beiden Programme überhaupt nicht gleichzeitig durchführen lassen. Das„Mehr Licht" wird verdunkelt durch„Mehr Haß, Gift und Galle", wie durch tiefe Schlagschatten. Vor allem wirkt dadurch die Sozialdemokratie schädlich, daß sie in der Arbeiterschaft das Mißtrauen gegen die oberen Schichten weckt, den Haß predigt und dadurch im Arbeiter „Lebensfreude, Frohsinn und Lachen" erstickt. Soll das besser werden, muß sich die Sozialdemo- kratieznm bürgerlichen Parlamentarismus bekehren: Auch in der Frage des parlamentarisch-lonsti- tutionellen ShstemS kreuzt und hemmt die sozialdemokratische Methode die gradlinige Entwicklung. Die Parteien rechts verwerfen grundsätzlich und aus Parteiinteresse das Mehrheitsprinzip als politisches Gesetz, bedienen sich seiner aber lustig, um einen ihnen nicht mehr ganz gefälligen Kanzler zu stürzen. Das Zentrum hat in der konstitutionellen Frage noch niemals Farbe bekannt und laviert auch hier. Das mühte doch nunckiir die äußerste Linke Grund und An- laß sein, klare Stellung für das konstitutionelle Mehrheitsprinzip zu nehmen und seine Anwendung zu ermöglichen. DaS tut die Sozialdemokratie nur mit Worten, aber nicht mit Taten. Sie isoliert sich durch ihre Klassenkampftaktik von der„Bourgeoismass e". d. h. von allen andern. Sie ist wie die Konservativen nur bereit, eine Regierung durch das Mehrheitsprinzip zu stürzen, nicht aber zu stützen." *»* Der Brief Haußmanns ist an Bebel gerichtet. Wir wollen diesem nicht vorgreifen und warten vorläufig ab, ob Bebel es trotz seines leidenden Zustandes für nötig hält, dem großen Kind aus Schwaben zu antworten«-• Zum AaWarnpf. Ein Fußtritt für den Kommunalliberalismus! Die Saat, die in Berlin vom Stadtfreisinn gesät wurde, be- ginnt aufzugehen— und vielleicht wird er schon bei den bevor- stehenden Berliner Landtagswahlen die Frucht reifen sehen können. Im L.andtagS Wahlkreis Berlin VII wird von seiner bisher getreuesten Schutztruppe, den Gemeindeschul- lehrern, ihm jetzt die Gefolgschaft verweigert. Der Freisinnskandidat, der hier den Wählern präsentiert wird, ist wieder der im Vorjahr durchgefallene Berliner Stadtrat Weigert, ein Komnumalliberaler reinsten Wassers. Der„Be- amtenwahlverein Groh-Berlin", der die Anteilnahme der Beamten- schaft am politischen Leben zu steigern und ihren Einfluß auf die Gesetzgebung zu stärken sucht, fordert, dah an Stelle dieses Herrn Weigert der Berliner Gemei�ndefchullehrer Rosin aufgestellt werde. Und ein anscheinend recht beträchtlicher Teil der Lehrerschaft unterstützt diese Forderung und zeigt sich entschlossen, nötigenfalls durch das Mittel einer Sonderkandidaiur Rosin, den Stadtfreisinn zu belehren, dah dieLehrer sich nicht länger von denen um Cassel und Konsorten nasführen lassen wollen. Ein Einfluß auf den Ausfall der Abgeord- netenwahl in Berlin VII ist zwar von diesem Streit nicht zu er- Ivarten. Wir hoffen, daß das Mandat, so oder so. nur wieder der Sozialdemokratie zufallen und unser Genosse Hirsch aufs neue in den Landtag einziehen wird. Aber der Fall Weigert wird immerhin aufklärend wirken, und im Interesse der politischen Ehrlichkeit kann das nur mit Befriedigung begrüßt werden. Am Freitag hatte der„Beamtenwahlverein Groh-Berlin" im LandtagSwahlkreis Berlin VII eine Versammlung für Be» amte einberufen, die zur Kandidatenfrage Stellung nehmen sollte. Sie war besucht von Beamten der Reichs-, der Staats- und der Stadtverwaltung, sowie von Privatbeamten. Wir sahen besonders stark die Lehrerschaft vertreten, und gerade aus ihren Reihen kam am stärksten der Beifall, wenn von einem der Redner der Berliner Freisinn gekennzeichnet wurde.«.- Gemeindeschullehrer Rosin referierte.' Ev, der selber Mitglied der freisinjnigen Volkspartei ist, erklärte es für notwendig, dah in den Landtag ein Vertreter entsandt werde, von dem die Beamtenschaft eine Förderung ihrer Interessen zu erwarten Habel Für die Beamten sei vor allem das Koalitionsrecht zu fordern. Den Arbeitern werde es gewährt, ja, man„könne sagen, daß sie da sogar etwaSpoussiert werden". Das trifft nun zwar nicht so ganz, wie Herr Rosin es zu wissen meint; aber richtig ist, daß die Beamten im Punkte des Koalitions- rechts noch lange nicht mal s o weit sind wie die Arbeiter. Schwer laste, so führte der Referent weiter aus, auf der Beamtenschaft daS Disziplinargesetz mit allen seinen Härten, von denen nicht nur die unteren und die mittleren Beamten, sondern gelegentlich auch mal die höheren getroffen würden. Die Anstellungsverhältnisse feien weit davon entfernt, den Beamten eine hinreichende Berück- sichtigung ihrer Forderungen zu gewähren. Viel schlimmer noch sei die Lage der Privatbeamten; hier könne man von einer voll- ständigen Recht- und Schutzlosigkeit reden, der durch die Gesetz- gebung ein Ende gemacht werden müsse. So werde man ein wenig auch die Fortschritte der Sozialdemokratie aufhalten, die bisher aus den Privatbeamten sich manchen Rekruten geholt habe. Die Frage, wie die Beamtenschaft ihre Forderungen zur Geltung bringen könne, hänge eng zusammen mit der Frage des Wahlrechts. In Preußen werde der Einfluß der unteren und der mitt- leren Beamten auf die Zusammensetzung des Landtags gering bleiben, solange das Dreiklaffenwahlsystem bestehe, daS leider vielen Beamten noch als das beste gelte. Die Diskussion wurde eröffnet mit der Verlesung des Briefes eines Professor»(der Name blieb ungenannt), der die Befürchtung aussprach, daß von der Beamtenagitation nur die Sozialdemokratie Vorteil haben werde. Bei nahezu allen Dis- kussionsrednern(mit einer einzigen Ausnahme) herrschte Ueber- cinstimmung darüber, daß der Landtagswahlkreis Berlin VII nicht einen Mann des Kommunalfreisinns zu seinem Vertreter machen dürfe. Gegenüber der Absicht einer 5iandidatur Rosin erklärte ein Angestellter der Stadt es für das Beste, daß auch die Beamten dazu beitrügen, wiederum der Sozialdemokratie zum Siege zu verhelfen. In der Tat wird der Kandidat der Sozialdemokratie die Interessen der Beamten mindestens ebenso entschieden wahr- zunehmen wissen, wie Herr Rosin es könnte. Die Beamten können die Wahl unseres Genossen Hirsch, soweit sie nicht ohne weiteres ihre Stimme für Wahlmänner der Sozialdemokratie abgehen dürfen, wenigstens dadurch fördern, daß sie sie nicht für unsere Gegner in die Wagschale werfen. In Berlin Vll eine überreich- kiche Mehrheit für die Sozialdemokratie, daS wäre der wirksamste Fußtritt für den KommunalliberalismuS! » Freisinniger Terror. — Die„Freisinnige Zeitung" ist natürlich sehr erbost dar- über, daß der„Vorwärts" eine Notiz der„Staatsbürger- zeitung" abdruckte, in d.er d.ex bei Stadtverordnetenwahlen geübte s r e i s i n>l i g e Terror gebrandmarkt wird. Das Wiemer-Blatt behauptet, es wäre unehrlich vom„Vorwärts", die Behauptungen der„Staatsbürgerzeitung" nachzudrucken, ohne Beweise für den angeblichen Terror beizubringen. Solange die Beweise fiir den freisinnigen Terror fehlten, mache sich der„Vorwärts" durch Uebernahme der anti- semitischen Behauptungen einer Verleumdung schuldig. Die„Freisinnige Zeitung" sollte etwas vorsichtig sein, denn sie müßte sich doch eigentlich noch des Terrorismus ent- sinnen, der vom Freisinn bei den Landtagswahlen im Jahre 19(18 in Berlin selbst geübt worden ist. Damals hatte, um mit der freisinnigen„ V o l k s z e i t n n g" zu sprechen, der Freisinn das„Rechtauf Denunziation" gegenüber den Beamten nicht nur praktisch für sich in Anspruch genommen, sondern auch„in das blockfreisinnige Aktionsprogramm aufgenommen". Gerade die„Freisinnige Zeitung" war es damals, die die Schutz- Mannschaft und die P o st b e a m t e n deshalb denun- zierte, weil sie nicht zahlreich genug zur Wahl gegangen waren, das heißt, sich nicht als Stimmvieh für den Freisinn gegen die Sozialdemokratie hatten gebrauchen lassen? In welch unglaublich schäbiger Weise der Freisinn bei der Wahl durch terroristische Einschüchterung speziell der Beamten vorzugehen sich nicht entblödete, bewies ein im 2. Berliner Landtagswahlkreis verbreitetes Flugblatt der freisinnigen Volkspartei, in dem die Beamten davor g e- warnt wurden, sozialdemokratisch zu wählen, da das mit dem D i e n st e i d, dem Treuverhältnis und den besonderen Pflichten der Beamten absolut unVerein- bar sei und mit Dienstentlassung bestraft werde! Die frei- sinnige„Volkszeitung" hatte für solch schamloses Verfahren kein gelinderes Urteil als ein„Pfui Teufel!" Wenn aber die„Freisinnige Zeitung" sich damit heraus- zuwiuden versuchen sollte, daß diese schamlose Einschüchterung der Beamten immerhin noch kein Terror gegenüber Ge- schäfts lenken sei, so wollen wir sie nur darauf hin- weisen, daß der freisinnige Gegenkandidat gegen Genossen Liebknecht vom Jahre 1993, der Schriftsteller Hermann S ch ö l e r, in dem„Moabiter Bezirksanzeiger" eine Liste aller Wahlmänner zum Zwecke des Boykotts veröffentlichte, die nicht freisinnig gewählt hatten. Alle die Wahlmänner, die n i ch t etwa für die Sozialdemokratie gestimmt, son- dern sich überhaupt nur der Stimme bei der Wahl enthalten hatten, darunter Bäcker m ei st er, Schlächtermeister, Kaufleute, Zigarren- Händler. Schuhmacher usw., wurden mit Vor- und Zunamen und ihrer genauen Adresse aufgeführt, um sie da- durch dem Boykott der Gesinnungsgenossen des Herrn Schöler ausznliefern! Die Redner der Freisinnigen im preußischen Landtag suchten allerdings diesen Herrn Schöler und sein Vorgehen von den Rockschößen abzuschütteln. Daß Herr Schöler für den Freisinn aber nicht der erstbeste ist, ergibt sich nicht nur daraus, daß er im Jahre 1998 freisinniger Landtagskandidat war, sondern auch daraus, daß er auch dies- mal wieder als Landtagskandidat aufgestellt worden ist! Der freisinnige Terror ist also keineswegs eine„Der- leumdung", sondern eine längst erwiesene und jeder- zeit von neuem festzustellende Tatsache! Und dieser Freisinn, der sich selbst des schamlosesten Terrors bediente, half die vier Sozialdemokraten aus dem Landtag herauswerfen, weil die S o z i a l d e m o k r a t i e Terror ge- übt habe! Nun, die Antwort auf die freche Heuchelei des Freisinns wird ja auch diesmal nicht ansblcibe»! See Aegmlier. Der mißlungene Hochverratsprozeß, über den wir gestern ausführlicher berichtet haben, ist das Musterbeispiel eines politischen Tendenzprozesses. Der Prozeß spielte vor dem höchsten Gericht des Reiches, der obersten Instanz, die berufen ist, alle RechtSirrtümer und Fehler der unteren zu korrigieren, die in diesem Falle zugleich erste und letzte Instanz war, gegen deren Urteil es weder Berufung noch Revision gibt. Und diese? höchste Gericht hat ein Verfahren zu- gelassen, das wir, wo eS uns bisher bei unteren Instanzen begegnete, stets auf das entschiedenste bekämpft haben, weil eS den ersten, ele- mentarsten Anspruch, den der Angeklagte an ein geordnetes Rechts- verfahren stellen muß, nicht erfüllt, nämlich den, nur nach seinen Taten beurteilt zu werden! Die beiden vereinigten Senate des Reichsgerichts, die über den unglücklichen Anarchisten Reetz zu Gericht gesessen haben, halten eS mit einem geordneten Rechtsverfahren für vereinbar, daß vor den Richtern nicht nur die Artikel verlesen werden, die der Angeklagte zu verantworten hat und derentwegen er angeklagt ist, sondern auch solche desselben Organs, für die er nicht die Verantwortung trägt, die vor der Zeit seines Eintritts in die Redaktion erschienen sind. Und sie geben selbst als Grund an und glauben damit die Verlesung zu rechtfertigen, daß durch diese Artikel die Tendenz des Anarchisten- blattes erwiesen werden solle I Wenn das die Auffassung des höchsten Gerichts von den Rechten des öffentlichen Anklägers und des Gerichts gegen den Angeklagten ist, was redet man dann noch von Rechtsgarantien, aus die er Anspruch hat. Er kann künftig ver- urteilt werden, nicht weil seine Tat an sich daS Gericht zu der Ueber- zeugung bringt, daß sie einen strafbaren Inhalt hat, sondern weil die Tat eines anderen, der nach Auffassung de» Gericht» zu ihm in irgend einer Beziehung steht, seine Tat in das Licht einer besonderen Tendenz taucht l Die Praxis, die das Reichsgericht im Prozeß Reetz übte, öffnet den unbegrenztesten Möglichkeiten Tür und Tor, ist eine wahre Einfallspforte des Tendenzprozesses. Was in dieser Beziehung möglich ist, daö hat ja der Reich»- anwalt Dr. Nagel ahnen lassen. Sr wußte sogar einen Artikel gegen den Angeklagten auszuschlachten, der erst nach dessen Ver- Haftung im„Freien Arbeiter" erschienen ist; er spielte eine angebliche historische Tatsache gegen den Angeklagten auS, die nicht Gegenstand der Beweisaufnahme gewesen war und die zudem nur in jener Geschichtsschreibung noch ein armseliges Dasein fristet, der die Tendenz über der Wahrheit steht! Der Herr Reichsanwalt sprach sehr ungeniert. Warum muß der Angeklagte zu Zuchthaus verurteilt werden und nicht zu Festungshaft? Ganz einfach, weil er Anarchist ist—„gegenüber solchen Tendenzen" ist Festungshaft nicht statthaft. Weil der An- geklagte das Unglück hat, eine Anschauung zu haben, die der Herr Reichsanwalt nicht mag, deshalb äst er ehrloser Gesinnung über- führt. Aber„in Deutschland wird niemand wegen seiner politischen Ansichten verfolgt"— sagt Herr Reichsanwalt Dr. Nagel. Er be- gründet die Anklage des Hochverrats nicht nur juristisch, er schildert auch die Zweckmäßigkeit der Verurteilung, indem er sagt: wenn man schon früher solche Artikel als Hochverrat verfolgt hätte, dann wäre der„Freie Arbeiter" längst bankerott und der Anarchis- mus verblutet.> Der Herr Reichsanwalt hat den Beschluß des Berliner Land- gexickM fcjj| feß NpgefchtzldigtM gls Hochverräter dem Reichs- gericht überwies, einen Wegweiser genannt. Und daS ist da» Be- deutsamste aus seinen Aeußerungen. Dieses Wort in Verbindung mit der Tatsache, daß schon ein neuer Hochverratsprozcß gegen den „Freien Arbeiter" schwebt, zeigt, wohin gesteuert wird. In der An- klage auf Hochverrat glaubt man ein neues Mittel gefunden zu haben, den Herrschenden unbequeme Tendenzen zu erdrosseln. In diesem Falle ist freilich die Hochverratsklage gescheitert, da dem Reichsgericht trotz aller Hinweise des Reichsanwalts auf die„Ten- denz" der juristische Boden nicht gegeben schien. Aber die Anklage« bchörde wird sich dadurch nicht beirren lassen und von neuem mit derselben Anklage kommen. Und schließlich, wenn sie es. wie in diesem Falle, erreicht, daß die Befürwortung, die E m p f e h- lung des Generalstreiks als Aufforderung zum kündigungslosen Streik und also als Aufforderung zum Vertragsbruch und also als Aufforderung zum U n g e h o r- sam gegen die Gesetze bestraft wird, so mag sie vielleicht glauben, daß sie schon etwas Erkleckliches zum Schutze der bürgcr- lichen Gesellschaft getan hat._ politifcbc ClebcrHcbt. Berlin, den 2. Oktober 1999. Eine Revision des Flottcngesetzes. Gewisse Kreise drängen gegenwärtig aus eine stärkere Vermehrung der Unterseeboote. Um ihre Propa- ganda dafür der Masse plausibler zu machen, geben sie sich dabei den Anschein, als ob nach ihrer Meinung diese Unter- seeboote tatsächlich einen gewissen Ersatz für die Schlachtschiffe darstellen könnten. Man beruft sich einerseits auf den Admiral Galster, den Befürworter der Unterseeboote, andererseits sogar auf den langjährigen Leiter der deutschen auswärtigen Politik, Herrn von Holstein, der in Privatbricfen(aus denen bekanntlich vor wenigen Tagen der nationalliberale Landtagsabgeordnete vom Rat einige Stichproben zum Besten gab) ganz unverblümt der Meinung Ausdruck gab, daß das aberwitzige deutsche F l o t t e n r ü st e n geradezu zur Katastrophe führen müsse. Daß der Vorstoß gegen die rapide Vermehrung der Schlachtschiffe in den einflußreichsten Kreisen wenig Gegen- liebe findet, beweist die Tatsache, daß gerade das Organ der Agrarier, aus deren Reihen ja seinerzeit der Stoßseufzer über die„gräßliche" Flotte kam, die„D e u t s ch c Tageszeitung" lange Artikel des FlottenbündlerS Grafen Reventlow veröffentlicht, in denen nicht nur die strategische Notwendigkeit einer großen Schlachtslotte behaup- tet, sondern sogar der Standpunkt vertreten wird, daß Deutsch- land schon in absehbarer Zeit in der Lage sein werde, es im Flotteurüsten selbst mit England, einiger» m a ß e n a u f n e h m e n z u k ö n n e n I � Es ist also sehr wenig Aussicht vorhanden. Maß und Tempo unserer Schlachtschiffvermehrung einzudämmen. Na- mentlich, da za der neue blauschwarze Block alles aufbieten wird, um durch Entgegenkommen in marinistischer Beziehung sich in der Gunst gewisser„allerhöchster" Kreise zu erhalten! Die Propaganda für die Unterseeboote dürste also schließlich nur d i e Wirkung haben, daß zwar die Z a h l d e r U n t e r- seeboote erheblich vermehrt, darum aber kein einziges Schlachtschiff und kein ein. ziger großerKreuzer weniger gebautwird, als das den Interessen unserer Panzerplattenpatrioten ent- spricht!_ Der Bülowskandal. Die„Nordd. Allg. Zeitung" hüllt sich noch immer in Schwelgen. Ihr sind die Erörterungen über die Novemberereignisse sichtlich un- angenehm. Aber sie wagt kein Wort der Abwehr gegen die konservativen Behauptungen. Nur eine leise Mahnung riskiert sie: „An Auseinandersetzungen auf dem innerpolittschen Gebiete ist in der Presse kein Mangel gewesen, und die Frage nach der Zweck- Mäßigkeit gewisser Erörterungen trat dabei sehr merk- lich hinter dem Eiser und der Freude an neuen oder nicht neuen Argumenten zurück." Wir glauben schon, daß e» der Regierung am liebsten wäre, wenn über die schlimme Geschichte nichts mehr geredet würde, aber mit diesem Wunsche wird das offiziöse Organ kein Glück haben und über die Novemberereignisse wird die Negierung schon nock Rede stehen müssen. UebrigenS scheinen die Zentrumspolitiker keine be- sondere Lust zu haben, über die Sache den Mantel der christlichen Nächstenliebe zu breiten. In einer Versammlung in Stuttgart. wo Herr Erzb erg er den Raubzug des Schnapsblocks angeblich zu rechtfertigen versuchte, kam er auch auf dieNovemberereignisse zu sprechen. Er machte sich die Darstellung der„Mark. BolkSzig." zu eigen «nd sagte: „Diese meine Darstellung weicht von der amtlichen er- heblich ab, aber ich habe fiir meine Darstellung GewährS- männer, von denen ich weiß, dah sie nur der Wahrheit dienen. Ich glaube, daß die kommenden Tage und Wochen volle Auf» k l ä r u n g darüber bringen müssen, was im November 1908 vor sich gegangen ist." Erzberger erzählte dann weiter, daß der Kaiser, als er nach England ging, mit Bülow vorher die Gespräche mit maßgebenden Personen genau festgesetzt, die dazu dienen sollten, eine Annäherung zwischen England und Deutschland zu fördern. Der Kaiser habe von England aus an Bülow berichtet, und auch vor der bekannten Veröffentlichung im„Daily Telegraph" habe Bülow selbst voll st es Einverständnis mit dem Inhalt belundet. AIS dann die Veröffentlichung erschien, sei der Kanzler auf die Seite gesprungen und wollte nichts davon gewußt haben. Man ficht, auch hier werden die schwersten Vorwürfe gegen den früheren Kanzler erhoben. Und da bildet sich die Regierung wirllich ein, dah diese ernste Sache bannt zu erledigen wäre, daß sie sich taub stellt?_ Ter Freisinn in Theorie und Praxis.' Der„Demokrat", das Organ der Demokratischen Vereinigung. beleuchtet in seiner letzten Rümmer einmal einen Prinzipienverstoh des Kommunalfreisinns in einer wichtigen Schulfrage. Es handelt sich um das programmwidrige Verhalten freisinniger Stadt- verordneter in Schöneberg. Dort besitzt die liberale Fraktion zusammen mit den Sozialdemokraten die Mehrheit im Rathause, so daß es möglich wäre, die in Schöneberg noch vorhandene Institution der Vorschulen zu beseitigen, wenn es nur den: Freisinn ernst damit wäre. Dah die Vorschulen Standes- und Klassenschulen der aller- schlimmsten Art sind und von allen denen beseitigt werden mühten, die, wie der Freisinn das von sich behauptet, für eine E i n h e i t S- schule eintreten, braucht nicht erst noch nachgewiesen zu werden. Auch die Lehrerschaft selbst fordert die Beseitigung der Vorschulen. In Schöneberg aber konserviert man nicht nur das Borschuleiiweseu, sondern man hat dort auch den Lehren» an der Vorschule trotz ihrer geringeren Arbeitszeit, überhaupt geringeren Leistungen, noch eine besondere Gehaltserhöhung zu teil werden lassen. Der„Demokrat" bemerkt zu diesem seltsamen Verhalten des Schöneberger Kommunal- steifinns: »Wer erklZrt diesen Widerspruch zwischen Programm und Praxis? Das Beispiel anderer Gemeinden nicht, denn in ihnen existiert ja kein so programmfester Freisinn unter Lehrer- führnng wie in Schöneberg I Weshalb bewilligt man denn jetzt überhaupt noch Vorschulen in Schöneberg, trotzdem Liberale Fraktion und Sozialdemokratie die Mehrheit im Rathaus baben? Weshalb war bei der letzte» Abstimmung über Vorschulklassen sin diesem Frühjahr) die liberale Fraktion nicht vollzählig vertreten? Weshalb zogen sich die Stadt- verordneten Justizrat Neinbacher, der jetzige freisinnige Landtags- abgeordnete, und Direktor Wetekamp, der frühere freisinnige Landtagsabgeordnete, während der Abstimmung in einen Neben- räum zurück? Sind fie Anhänger der Standesschule? Ist das Programm ihrer Fraktion nur ein A u S h ä n g e s ch i l d für die Wähler? Ja, ja, die Einheitsschule! Mit dem Kampf des Freisinns für sie steht es g e n a u wie mit dessen Wahlkampf. In der„Theorie" ist man dafür, hat aber eine scheußliche Angst davor, daß es einmal zur Praxis kommen könnte. Wie kann auch eine plutokratische Partei ehrliche demokratische Politik treiben?!" Der.Demokrat" hat recht, wenn er annimmt, daß eS dem Freisinn um die Schaffung einer wirklichen Einheitsschule und die Beseitigung der Klassenprivilegien auf dem Gebiete des Schulivesens ebenso wenig Ernst ist, wie mit dem Kampf um die Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts. Die„Prinzipien" des Frei- sinns existieren nur auf dem P a p i e r und im P h r a s e n sch w u l st freisinniger Parlamentarier und anderer frei- sinniger Demagogen. Wenn es gilt, die Redensarten in die Tat umzusetzen, versagt der Freisinn in der kläglichsten Weise!_ Graf v. Westarp vor seinen Wähler«. In seinem Wahlkreise Meseritz-Bomst versuchte am letzten Mitt- woch der, konservative Steuermacher v. Westarp seinen Wählern Rechenschaft abzulegen. Die Versammlung war von etwa 800 Personen. Arbeitern, kleinen Bauern, Landwirten und bürgerlichen Leuten besucht. Gleich zu Anfang seines Referats wurde der Graf durch lebhafte Zwischenrufe unterbrochen, die während des ganzen Vortrages anhielten und teilweise in einen Tumult ausarteten. In der Diskussion traten ihm ein Amtsrichter F e l g n e r, ein Land- richter Jena, ein Rektor H e n t s ch e l und ein Arbeiter ent- gegen. Es wurde ihm entgegengehalten, daß er das Vertranen seiner Wähler verloren habe, er würde gut tun, sich in seinem Wahlkreise nicht wieder aufstellen zu lassen, eine Mehrheit für ihn würde sich nicht mehr finden. Alle Diskussionsredner fanden lebhaften Beifall. Dem so mitgenommenen Abgeordneten blieb weiter nicht« übrig, als so schnell wie möglich die Versammlung mit einem Hoch auf das Deutschtum schlietzen zu lassen._ Wie die Zentrumspreffe ihre eigenen Leser verhöhnt. Die durch Bewilligung der neuen Verbrauchssteuern stark ins Gedränge gekommene Zentrumspartei versucht krampfhaft durch ihre Presse nachzuweisen, daß die Belastung keineswegs so hoch ist, wie behauptet werde. Besonders tut sich die „Augsburger Postzeitung" hervor. Nun ist es gerade dies bayerische Zentrumsblatt, das in einer seiner Bei- lagen„Ratgeber für Haus- und Feldwirtschaft". Nr. 16. seinen Lesern folgenden Rat erteilt: „Sparen, sparenl Das wird nunmehr infolge der außerordentlich hohen Steuer» die Losung in jedem Haus« halt sein. Noch niemals ist die Steuerschraube so angezogen worden wie jetzt. Die Preise für die Lebens- und Genutzmittel steigen derart ins Ungeheuerliche, daß den Haus- frauen die Augen übergehen. Da heißt es von nun an rechnen mit Heller und Pfennig. jeden Groschen zehnmal in der Hand umdrehen, ehe er ausgegeben wird..." Eine derartige offensichtliche Selbstverhöhnung kann sich nur das Zentrum leisten._ Vom bayerischen Landtag. München, 1. Oktober.(Elg. Ber.) In der zweiten Sitzung des Parlaments ging man nach der Wahl des Präsidiums zur Beratung von Petitionen über. Eine kurze Diskussion knüpfte sich an eine Petition, die Einführung des Frauen st immrechts betreffend. Genosse v. V o I l m a r beantragte die Hinübergabe derselben zur Würdigung und begründete in wenigen Sätzen diesen An- trag, der noch von dem Redner der liberalen Partei für einen Teil seiner Freunde unterstützt wurde. Bei der Abstimmung stimmte das Zentrum mit wenigen Ausnahmen gegen den Antrag Wollmar, der somit abgelehnt wurde. Auch die Arbeitersekretäre des Zentrums, Cadau ausgenommen, wollen der Frau das Wahlrecht nicht ge- währen. Hierauf Vertagung des Hauses bis nächsten DienStag, an dem die bedeutungsvollste parlamentarische Arbeit der Session in Angriff genommen wird, die Steuerreform. Cngwnck. Die Etatskrise. London, 36. September.(Eig. Ber.) In den letzten Tagen war das öffentliche Leben etwas ruhiger. Das Land ist in nachdenklicher Stimmung: es legt sich Rechnung ab von der Bedeutung der Krise, von den möglichen Folgen eines konstitutionellen Konflikts und bereitet sich auf die Wahlen vor. Auch die Kommissionsberatung des Etats rückt lang- samer vorwärts, so daß sie erst am 7. Oktober zu Ende sein wird. Die Entscheidung der Lords dürfte erst gegen Mitte November fallen. Ueber die Form der Entscheidung liegen nur Mut- maßungen vor. Es wird angenommen, daß das Oberhaus die zweite Lesung des Etats gründlich vornehmen und schließ- kich annehmen werde, um sich sodann auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Gleichzeitig werde es dem Unterhause mit- teilen, daß die Lords in die Kommissionsberatung des Etats nicht eintreten können, da sie dessen Grundsätze für revolu- tionär halten und erst die Ansicht des Volkes hören wollen, ob es dem Unterhause ein Mandat gegeben habe, eine Revo- lution zu unternehmen, solle die Nation entscheiden. Falle diese Entscheidung zugunsten der Liberalen aus, so werden sich die Lords dem Willen des Volkes unterwerfen und den Etat annehmen.— Diese Taktik der Lords wäre scheinbar demokratisch, aber nichtsdestoweniger gegen die Konstitution, die in Sachen des Etats dem Oberhause das Recht nimmt, eine kontrollierende und revidierende Kammer zu sein. Würden sich die Liberalen mit dieser Taktik der Lords zufrieden geben, so gäben sie dem Oberhause ein Recht, auf das es bisher keinen Anspruch machen konnte. Die gemäßigten Elemente der liberalen Partei üben gegenwärtig eine verderbliche Wirkung auf die Kampfeslust der Regierung aus. Sie bestürmen die Regierung, den Grundherren Konzessionen zu machen, um nur einem Kampf ausweichen zu können, dessen Ergebnisse der Demokratie zu- gute kommen würden. Der aste Madstone gab einmal fol- gende Definitionen des Liberalismus und des Torhismus: „Das alte Prinzip des Liberalismus ist Vertrauen zum Volke,— aber beschränkt durch Klugheit. Das Prinzip des Konservatismus ist Mißtrauen gegen das Volk,— aber beschränkt durch Furch t." Die Defini- tion des Konservatismus würde ganz gut üuch auf den rechten Flügel der liberalen Partei passen. John Vurns und der Etak. London, 30. September.(Eig. Ber.p Nur um der Pflicht eines Chroniqueurs Genüge zu leisten, soll an dieser Stelle ver- zeichnet werden, daß John Burns weder im Unterhause noch in Versammlungen etwas für den Etat getan hat. Burns ist gegen- wärtig voll stand ig vergessen. Die Arbeiterfraktion hält es nicht mehr für der Mühe wert, ihn anzugreifen oder sich mit ihm irgendwie zu beschäftigen. Das beste Mittel, einen politischen Schwadroneur unschädlich zu machen, besteht wohl darin, ihm eine verantwortungsvolle Stelle zu geben und von ihm Leistungen zu erwarten. flnnlancl. Die Militärsragen. Man schreibt uns aus Helsingfors: Stolhpin ist entschlossen, von Finnland jährlich 20 Millionen Mark als Unterhaltungskosten des russischen Militärs zu ver- langen. Bisher begnügte er sich mit 10 Millionen. Die Forde- rung stößt selbst bei den russenfreundlichen Suometarianern auf Widerstand, weil sie gegen die finnische Verfassung verstößt. Auch die Suometarianer betonen jetzt, Finnlands Wohl erheische eine verfassungsmäßige Regelung in der Weise, daß das Land wieder eigene Truppenteile, gebildet aus Finnen, wie es solche bis 1890 hatte, erhalte. Der Senat betont, auch die innere Ordnung erheische eigene Truppenteile. Generalgvuvernenr Bobrikow befürwortet eine Regelung auf Grund finnischer Ge- setze. Stolypin besteht auf seinem Vorhaben, ohne Rücksicht auf die finnische Verfassung seine Forderung durchzusetzen. Er verlangt vom Senate die Auszahlung von neun Millionen aus den ordent- lichen Einkünften des Staates und für die Aufbringung der elf Millionen soll die Volksvertretung neue Steuern erheben. Nur das Recht räumt Stolhpin der Volksvertretung ein, neue Steuern zu erfinden. Der Senat hat die De» Mission in Aussicht gestellt, wenn Stolypin bei seinem Plane verharrt. Für den Fall der Nichteinlenkung Finnlands hat Stolypin ernste Ereignisse vorausgesagt. Die Parla- mentsfraktionen der bürgerlichen Parteien— mit Ausnahme der Suometarianer— haben in einer gemeinsamen Beratung beschlossen, für die verfassungsmäßige Regelung einzu- treten. Die Suometarianer sind der Meinung, die Angelegenheit könne wie 1905 und 1907, d. h. auf«gütlichem Wege" beigelegt werden.> Die sozialdemokratische Fraktion nahm an der gemeinsamen Beratung nicht teil, weil ihre Stellung ohne Be- ratung klar ist und weil sie es für unangebracht hält, mit den bürgerlichen Parteien außerparlamentarische Beratungen zu pflegen. Daß die Sozialdemokratie wie ein Mann für die Verfassung steht, ist den Bürgerlichen hinlänglich bekannt. Der Senat hat die Sozialdemokraten auch gar nicht zu der Beratung aufgefordert, sondern nur die Bürgerlichen. Aber die bürgerlichen Fraktionen haben es für gut befunden, auch die sozialdemokratische Fraktion zu der Delegiertensitzung einzuladen. Sollte der suometarianische Senat wirklich zurücktreten, so ist der Konflikt perfekt. Dann bleibt Stolypin kein anderer Ausweg, als die russische Polizei mit ihren Spitzeln mit der exekutiven Gewalt von Finnland zu betrauen. Und damit sind dann die Tage vor'der Revolution in Finnland wiedergekehrt und die Anarchie wird wieder ihre Herrschaft antreten. Serbien. Die dynastische Krise. � Belgrad, 2. Oktober. Die Frage der Regelung der Thronfolge tritt immer mehr in den Vordergrund. In der serbischen Presse ist in dieser Frage bereits eine offene Spgl» tung eingetreten. Einige Blätter bekämpfen in schärfster Weise die Kandidatur des Prinzen Georg, während andere diese als wünschenswert bezeichnen. Hierbei fehlt es auf beiden Seiten nicht an Ausfällen gegen die serbische Königsfamilie und die Regierung. Letztere steht der Cnmpagne ziemlich machtlos gegen- über. In. Regierungskreisen greift man deshalb auf die Idee zu- rück, dieser Erscheinung durch Verschärfung des Preß- g e s c tz e S entgegenzutreten. ZVlaroKKo. Eine spanische Niederlage- Madrid, 2. Oktober. Ueber das gestrige verlustreiche Gefecht der Spamer auf dem Erkundungsmarsch von Seluan nach Suk cl Djennis werden folgende Einzelheiten gemeldet: Nach- dem die Brigade des Generals V i c a r i o ihren Erkundungsmarsch ausgeführt hatte, erhielt sie den Befehl, sich dem Gros wieder an- zuschließen. Die Kompagnien an der Spitze hatten bereit» trotz des überaus heftigen Feuers der Mauren begonnen, sich in vollkommener Ordnung zurückzuziehen, da fiel Generat Bicario, von einer Kugel in den Kopf getroffen. General Towar übernahm sofort die Führung der Brigade. Die Mauren, durch diesen Erfolg ermutigt, verschärften das Feuer noch weiter, bis sie durch das Feuer der spanischen Infanterie und durch Maschinengewehrfeuer dezimiert den spanischen Truppen den Kampfplatz überließen und sich endgültig zur Flucht wandten. Die Spanier kehrten darauf in ihre Stellung in Seluan zurück, da sie den Zweck des Marsches, die annähernde Stärke und die Stellungen der feindlichen Truppen zu erkunden, erreicht hatten. Im Verlauf des Kampfes hatten die Spanier 233 Tote und Verwundete. Trotz der schönfarberischen amtlichen Darstellung ist eS unverkennbar, daß die Spanier, die sich auf ihre frühere Stellung zu- rückziehen mußten, eine Schlappe erlitten haben. Der verbrecherische Krieg wird also doch nicht so bald beendet sein. Die Hinrichtung dcs Roghi. Französische Blätter veröffentlichen nach Konsularberichten Einzelheiten über die Hinrichtung des gefangenen Präten- denten Buhamera. Mulah Hafid ließ den an Händen und Füßen Gefesselten in den L ö w e n k ä f i g werfen. Die Bestien fielen über den Unglücklichen her, der sich in Verwünschungen gegen seine Peiniger erging, und zerrissen ihm Brust und Arme. Infolge des Blutverlustes wurde er bewußtlos. Die Tiere ließen darauf von ihm ab, nicht aber Mulah Hafid. Er ließ den Sterbenden aus dem Käfig ziehen, mit Petroleum begießen und anzünden. Be- friedigt schaute der Sultan dem qualvollen Ende seines Feindes zu. Und dieses Scheusal ist der Protege unserer Kolonialfexen und Marokkojchwärmer!________ Hiiö der Partei» Die Organisationen zum Parteitag. Die Breslauer Genossen nahmen am Dienstagabend den Bericht vom Parteitage entgegen. Der Delegierte, Genosse Lobe, ist mit dem Verlaufe des Parteitages zufrieden. Er halt die De- willigung der Erbschaftssteuer in allen drei Lesungen für nötig. Er sei aber gegen jegliche Ausgaben für Rüstungszwecke. Wenn aber die Ablehnung erfolglos sei und wenn es sich nur weiter um die Frage handele, wer die Kosten zu bezahlen habe, ob die Bemittelten oder die Unbemittelten, dann müsse ganz selbstverständlich die Steuer abgelehnt werden, die den Armen belastet. Jede Steuer, die den Reichen belastet, müsse dann angenommen werden. Nicht so zufrieden ist Löbe mit dem Beschlutz über die Maifeier, er ist vielmehr der Ansicht, daß in Abendversammlungen viel wirk- samer für unsere Maiforderungen demonstriert werden könne, als wie es durch die kaum nennenswerte Arbeitsruhe geschehe. Der Beschluß des S ch n a p s b o y k o t t s. der auf Breslaus Antrag er- folgte, habe in der gesamten Partei- und Gewerkschaftspresse Zu- stimmung gefunden. Die Gastwirte müssen sich auf andere Getränke einrichten. Jeder Genosse müsse den Beschluß ausführen helfen. �Lebhafter Beifall.) In der Diskussion bemängelt Genosse Schiller die Nüchtern- heit des Parteitages. Der Frage der Jugenderziehung müsse mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Bei der Frage der Erb- schaflssteucr haben sich prinzipielle Gegensätze gezeigt und gerade deshalb wäre eine ernste Disknsston sehr am Platze gewesen. Wenn man nur auf die Wahlen schaue, dann habe man mit der Annahme der Erbschaftssteuer das Richtige getroffen. Aber hinter jeder praktischen Arbeit müsse unter ollen Uiiytanden das Prinzip als Prüsstein stehen. Das sei keine Prinzipienreiierei, sondern ehrliche, ernste Auffassung. Im Programm stehe kein Wort über die Verwendung der Steuern. Stodthogens Vorsatz, sich der Stimme zu enthalten, falls die Froklion iu dritter Lesung zugestimmt hätte, finde seinen Beifall. Nicht um Recht« haberei handele eS sich dabei, sondern um klare Auffassung im Kampfe. Darüber müsse endlich einmal Klarheit geschaffen werden. (Beifall.)..... Genosse Darf ist ebenfalls erfreut über die Einmütigkeit des Parteitages und begrüßt es, daß die praktischen Aufgaben, die in Leipzig gelöst worden sind,' den Wünschen der Arbeiter mehr ent- sprechen als die theoretischen Silbenstechereien. Nichts wäre den Junkern willkommener gewesen als die Ablehnung der Erbschafts- stener. Die ganze Last der neuen Steuern müßte dann von den Schultern der Unbemittelten getragen werden. Genosse K o h n: Wir haben früher gegen die unzureichenden Arbeiterversicherungsgesetze gestimmt und die Arbeiter haben es ver- standen. Warum sollten wir diesmal nicht auch gegen die Erb- schnftssteuer stimmen. Solche Sachen müssen prinzipiell entschieden werden. An der weiteren Diskussion beteiligten sich noch eine ganze An- zahl Genossen mehr oder weniger im Sinne des Delegierten. Im S ch l n ß iv o r t betonte Löbe, daß beim Schnapsboykott die Belehrung einsetzen muß, jeder Zwang aber unterbleiben soll. Unverständlich sei ihm, daß einige Genossen sich so verrennen können, wie dies die Diskussion gezeigt habe. Ein Armutszeugnis für die Genossen vom sogenannten linken Flügel sei es, wenn sie annehmen, daß ein Teil des linken Flügels nur deshalb für die Erbschaftssteuer gestimmt habe, weil Bebel dafür gewesen sei. In vielen Orten sei man ein- fach infolge eigenen Nachdenkens zu dieser Ueberzeugung gekommen. Man mutz sich die Konsequenzen überlegen, um sich davon zu über- zeugen, wie haltlos eine Ablehnung der Erbschaftssteuer gewesen wäre. Ein unmöglicher Standpunkt sei es, die Erbschaftssteuer ab- zulehnen, weil ihr Ertrag für Militärzwecke bestimmt ist, und wenn die Agrarier dann beschlossen, diese Steuern auf die Schultern der Armen abzuwälzen. Eine von allen persönlichen Gegensätzen freie Diskussion müsse zeigen, daß die Mehrheit der Genossen im Lande den gleichen Standpunkt einnehme. Der ganze Klassenkampf sei einmal dazu da, die Reichen zugunsten der Armen zu belasten. (Beifall.) Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Ein Antrag, den S ch n a p S- auSschank im Gewerkschaftshause einzu st eklen, wurde den beteiligten Kommissionen überwiesen. Der„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" hat der bürger- lichen Presse wieder einmal einiges Material gegen die Sozialdemo- kratie und gegen die freie Jugendbewegung geliefert. ES wird ihm daher heute die Ehre zuteil, selbst von der offiziösen„ A o r d d. A l l g. Ztg." voller Wärme zitiert zu werden. Das Organ der Regierung gibt sehr befriedigt einen Auszug aus der Zuschrift eines I. K., die in der Nr. 112 deS„Korrespondent" veröffentlicht wird, worin der Beschlutz deS Leipziger Parteitages über die Maifeier als der Verzicht auf die ArbeitSruhe ausgelegt wird und der mit den Worten schließt:„Alles in allem kann man zufrieden sein mit der Entwickelung, die die Maifeier jetzt genommen. Wir weinen ihr keine Träne nach. Was sie uns brachte, waren Enttäuschungen." Die„Korrespondent"- Redaktion hat diesem Artikel folgende Nachschrift gegeben:„Wir geben dieser Stimme aus Mitglieder- kreisen Raum, weil wir es für uns als überflüssig betrachten, wegen der Maifeier noch ein Wort zu verlieren. Ho mortuis uil nisi bene!"(Von den Toten nichts als Gutes.) Besondere Wertschätzung hat ferner in der bürgerlichen Presse ein an der Spitze der Nummer stehender heftiger Ausfall gegen die freie Jugendbewegung gefunden. Er nimmt die Tatsache, daß unser Brandenburger Parteiblatt, die„Brandenburger Zeitung", zur Jugendbewegungsdebatte deS Parteitages bemerkte:„Die prole- tarische Jugend mutz durchglüht werden vom Klassenbewußtsein und Haß gegen ihre Unterdrücker; die proletarische Jugend der Sozial- demolratie zuzuführen, muß das ernste Bestreben jedes Genossen, jeder Genossin sein", zum Anlaß, folgendes zu schreiben: „Laut Abmachungen zwischen dem Vorstande der fozialdemo- kratischen Partei und der Generalkommission der Gewerkschaften ist die proletarische Jugenderziehung eine gemeinsame Aufgabe beider Teile. Es haben daher namens der Neutralität und Im« abhängigkeit der deutschen Gewerkschaften diese die Jugend der Sozialdemokratie zuzuführen l Einer Jugend, für die als hervor- ragendsteS Erziehungsprinzip der Haß und die parteipolilische Phrase in Frage konimt, soll die Zukunft deS deutschen Volkes ge- hören?! Und ein solches Programm sollen die Gewerkschaften mit propagieren? Welcher denkende und verantwortlich gesinnte Vater aus unseren Kreisen möchte sein Kind derart inS Leben ein- geführt und„erzogen" wissen?" Endlich enthält die fruchtbare Nummer 112 deS„Korrespondent" noch einen langen Bericht über eine Gaumitgliederversammlung in Dresden, in der der„Korrespondent"-Nedakteur K r a h l einen Bor- trag hielt, in dem u. a. die folgende Stelle vorkommt: „Die freien Gewerkschaften sähen jetzt bei den christlichen die traurigen Folgen einer von deren Führern sklavisch befolgten Parteipolitlk.. An einer anderen Stelle seines Vortrages behauptete Herr Krahl, daß es notwendig sei, die Koalitionsfreiheit der Buchdrucker in sozialdemokratischen Druckereien zu schützen. Er bestand gegenüber dem Protest eines Debattcredners darauf, daß die bekannten Reso- lutionen zweier Berliner Partciversammlungen, die sich mit der Tatsache befassen, daß im Berliner Parteigeschäft politisch nicht or- ganistcrte Buchdrucker beschäftigt seien, eine Aufforderung zur Maß- regcluiig dieser Leute seien, daß sie die Proklamierung des Grund- satzes bedeuteten:„Wetz Brot ich esse, des Lied ich singe". Mit diesen Ausführnngen hat Herr Krahl bewiesen, daß er ein würdiger Schüler jenes Rexhäuscrs ist, dessen Qualitäten der klaffen- bewußten Arbeiterschaft genügend bekannt sind und mit dem man deshalb nicht diskutiert. Vom Fortschritt der Presse. Unserem Partciblatt in Bayreuth. der„Fränkischen Volkstribüne", brachte der Quartals- Wechsel über 400 neue Abonnenten. Seit zwei Monaten hat das Blatt durch rege Agitation nahezu 700 Abonnenten gelvonnen. GewerhfcbaftUcbeg. Solidarität. Neber eine Million Mark hat die deutsche Arbeiterschaft bisher schon den schwedischen Kämpfern über- Mitteln können. Bis zum 25. September waren laut Quittung des Kassierers der Generalkommission bei dieser 1 027 751,16 M. eingegangen. Da jetzt in Schweden auch die wieder in Arbeit getretenen Kämpfer erhebliche Beträge für die noch im Streik stehenden abgeben, die deutsche und die skandinavische Arbeiter- schaft auch sonst nach wie vor ihre Pflicht tut, so sind die kämpfenden Arbeiter, trotz der langen Dauer des Kampfes, der Not nicht in dem Maße ausgesetzt, wie es die schwedischen Kapitalisten und mit ihnen die schwedische Regierung den Streikenden wohl wünschten.— Hoch die Solidarität der Arbeiterschaft aller Länderl_ Berlin und Umgegend. Die Staker haben sich darüber zu beklagen, daß ihre Unter« nehmer versuchen, den geltenden Tarif zu durchbrechen. Das wurde in der letzten außerordentlichen Mitgliederversammlung ihrer Sektion des Verbandes der baugewerblichen Hilfsarbeiter erörtert. D u p k e referierte darüber. Namentlich die Abmachungen, die neben dem Minimal stundenlohn von SL Pf. vereinbart sind, haben es den Unternehmern an- getan. Besonders daS Fahr- und Geschirrgeld. Früher überließ man die Abschnitte ohne weiteres den Stakern. Jetzt will man es vielfach mir tun. wenn die Staker auf Fahrgeld und Geschirrgeld verzichten. Auch sucht man sie zu einem solchen Verzicht zu bewegen, indem man 70 Pf. statt VS Pf. für die Stunde anbietet. Der Referent und die Persammlung stellten sich auf den Standpunkt, daß beides gleich energisch zurückzuweisen ist. Gegen einen höheren Stunden- lohn habe man natürlich nichts. Jeder Tarifbruch, auch in den Nebenpunkten, soll aber zurückgewiesen werden. Weiter wurde noch die Stärkung der Organisation angeraten.— OeutTcbes Reich. Dem Verband der Bäcker traten im Juli und August 1767 De« rufsgenossen und-Genossinnen bei; davon wurden durch Hausagi- tation 600 Mitglieder gewonnen. Erfolgreiche Lohnbewegung der Liegnitzer Zivilberufsmusiker. Nach fünfzehnwöchigem Streik haben die Zivilberufsmusiker einen vollen Erfolg errungen und einen Tarif abgeschlossen. Der vom Gewerkschaftskartell über die in Frage kommenden Lotale verhängte Boykott, der wirksam durchgeführt wurde, ist aufgehoben worden. Und dies trotz der Arbeitswilligentätigkeit königlich- preußischer Militärkapellen.. Der Abwehrstreik der Töpfer in Königsberg i. Pr. ist nunmehr nach neunmonatiger Dauer beendet. Bekanntlich handelte es sich in diesem Kampfe für die Gehilfen darum, einen mit den Hirschen vereinbarten und reduzierten Meistertarif abzuwehren. Dies ist nun endlich insoweit gelungen, als die Meister das Zugeständnis gemacht haben, den alten Lohntarif der Töpfer wieder anzuerkennen, bis gegenseitige neue Vereinbarungen getroffen worden sind. Zu diesem Zwecke hat man nun auch den Hirschen den Lohntarif gekündigt, um einen einheitlichen Tarif zu erzielen. Weiter verpflichteten sich die Meister, die in letzter Zeit mit Hilfe der Organisation aus Berlin importierten gelben Hirsch-Dunckerschen Streikbrecher wieder zu entlassen. Es soll ihnen drei Wochen Zeit gelassen werden, bis sie sich daS Reisegeld zur Rückfahrt nach Berlin er- arbeitet haben. Als Streikbruchgarde hat man sie freudig will- kommen geheißen; jetzt erhalten sie den— allerdings wohl- verdienten— Fußtritt. Eine Warnung für alle, die geneigt sind, ihre Arbeiterehre aus die gleiche leichtfertige Weise aufs Spiel zu setze» I Anscheinend versagt hier aber auch die Hirsch-Dunckersche Verbandsleitung. Zur Abschiebung ihrer Arbeitswilligen zum Streikbruch hatte sie für ihre Mitglieder das nötige Reisegeld übrig, jetzt aber überläßt sie die Leute ihrem Schicksall Die Tabakarbeiter können mehrere erfolgreiche Streiks registrieren. Der Streik bei der Firma R e n s ch u. Cie., Zigarrenfabrik in W e r t h e r i. W. ist mit vollem Erfolg beendet. Die Firma hat einen von ihr angekündigten Lohnabzug zurück- genommen und sämtliche Arbeiter wieder eingestellt. Die Ver- teilnng der Sorten ist in der humansten Weise vor sich gegangen. Dieser Streik begann am 16. August. Die Zigarrenarbeiter von Werther i. W. haben diesen schönen Sieg durch ihr festes Zu- sammenhalten errungen. Die Firma W. Koch, Zigarrenfabrik zu Herford i. W., deren Zigarrenarbeiter seit März wegen Lohnabzug streikten, hat den Abzug ebenfalls zurückgenommen und können die Arbeiter alle Ivieder bei der Firma in Arbeit treten. Der Streik sowie der Boykott Kochscher Zigarren ist damit aufgehoben. In der Filiale Vlotho der bekannte» Zigarrenfirma Jürgensen '(Sitz Hamburg) ist es wegen Lohnreduktionen und Maßregelungen zu Differenzen gekommen, welche zum Streik führen werden. Zu- zug ist fernzuhalten. Eruste Differenzen sind in der Eisengießerei„Remscheider Eisenhütte" wegen fortwährender Lohnabzüge ausgebrochen. Auf Vorstelligwerden wurde der Vertrauensmann der Metallarbeiter und ein anderer Kollege sofort entlassen. Jeglicher Zuzug ist streng fernzuhalten. Porzellanarbeiter, Vorsicht! Die Porzellanindustriegesellschaft Berghaus zu Auma in Thüringen, über welche die Sperre ver- hängt ist, sucht jetzt durch die Zeitungen Dreher und Arbeiterinnen, wobei sie für die letzteren auch Mindestlöhne garantiert. Auf Ver- sprechungen dieser Firma ist aber nichts zu geben. Sie sicherte Stanzern schon einen wöchentlichen Verdienst von 23 bis 30 M. zu; aber gehalten hat sie ihre Versprechungen nicht. Die Be- treffenden, die auf diese Lockungen eingingen, haben bitter ent- täuscht schon nach wenigen Tagen diesen„Musterbetrieb wieder verlassen. Berghaus wandte sich auch schon an den städtischen Arbeitsnachweis in Jena, um von da 50 erwachsene männliche Ar- beiter und 50 Burschen und Mädchen zu erlangen, worauf sich auch einige einfanden. Als sie aber die in Aussicht gestellten Löhne in der Nähe besahen, nahmen sie zum Teil die Arbeit gar nicht auf, während der andere Teil sie schon nach wenigen Tagen wieder einstellte. Einen auswärtigen Arbeiter suchte Berahaus damit zu halten, daß er ihm für die erste Woche zulegte, konnte es aber als„echter Unternehmer" nicht anders, als den zugelegten Be- trag die folgende Woche wieder abzuziehen. Die Wohnungsmieten in Auma hat B e r g h a u s in den letzten Monaten um zirka das Doppelte gesteigert, indem er die Hausbesitzer auf die hohen Mieten in den Großstädten hinw-ieS. Aber dementsprechende bezw. nur halbwegs anständige Löhne zu zahlen, dazu will er sich anscheinend noch nicht bequemen. Nach seinem Ausspruche will er innerhalb eines halben Jahres die in der Triptiser Fabrik Beschäftigten in seinen Betrieb gezogen haben. Bei alledem wundert er sich noch, daß der Wechsel in seiner kaum in Betrieb gesetzten Fabrik ein so großer ist. Da Kündigung in diesem Betrieb nicht besteht, B e r g h a u s sich aber bemüht, beim Engagement der Verheirateten gleich die Familie mit nach Auma zu ziehen, und außerdem Defekt und alle möglichen Schadenersatzabzüge sich in einer an rigorosen Bestimmungen reichen Arbeitsordnung gesichert hat, empfiehlt es sich, die Sperre streng zu beachten und jeden Zuzug zu meiden. Die Arbeiter der Getreidemühle deS KommerzienratZ Voigt zu Kassel verlangen Abschaffung der in diesem Betriebe immer noch üblichen Sonntagsarbeit, ferner ein heizbares Zimmer, damit zur Winterszeit die Speisen nicht in gefrorenem Znstande genossen werden müssen, außerdem Waschgelegenheit und einige andere lanitäre VerantwVRedakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.: Einrichtungen. Herr Kommerzienrat Voigt hat hierauf keine Antwort erteilt, sucht aber durch Inserate Walzenführer und Arbeiter. Da Mangel an Arbeitern nicht vorhanden ist, ist anzunehmen, daß Maß- regelungen vorgenommen werden sollen.— Zuzug von Mühlen- arbeitern nach Kassel ist deshalb fernzuhalten I Die Nürnberger Polizei gegen Streikenfse. Die freisinnigen Rathausmänner Nürnbergs haben wieder ein- mal ein Streikpostenverbot angekündigt. Den Anlaß dazu muß ihnen ihre eigene Polizei herbeischaffen. Die Arbeiter der Zelluloid- Warenfabrik von Gebr. Wolfs befinden sich seit Wochen im Streik, um eine frivole Lohnverkürzung abzuwehren. Die Nürnberger Polizei legte sich bei diesem Kampf in der bekannten Weise für die Unternehmer ins Zeug. Am Freitag befaßte sich auch der Magistrat mit der Sache, nachdem eine Anfrage eingelaufen war, was der Magistrat zu tun gedenke, um weitere„Ausschreitungen" zu verhüten. Die noch in der Mehrheit befindlichen freisinnigen Agitatoren, die sich zu Wahlzeiten so sehr als Freunde der Ar- beiter und ihrer Bestrebungen nach wirtschaftlicher Besserstellung aufspielen, enthüllten dabei ihre Unternehmergesinnung wieder bis zur totalen Nacktheit. Sie erklärten, der Magistrat habe die Pflicht, die Arbeitswilligen zu„schützen". Der Polizeireferent suchte durch Verlesung der täglichen Polizeiberichte, die immer von einer ganzen Anzahl„Streikausschreitungen" zu berichten wissen, das Vorgehen der Polizei zu rechtfertigen. Nun sind aber die Streikbrecher nie bedroht gewesen; auch haben die Streikenden niemals Ansamm- lungen hervorgerufen, denn es waren nur immer die nötigen Streikposten am Platze. Trotzalledem hat die Polizei vom ersten Streiktage an sich der Streikbrecher liebevoll angenommen, indem tagtäglich nach Arbeitsschluß ein kolossales Schutzmannsaufgebot erscheint, die Streikbrecher am Faibriktor in Empfang nimmt, zur nächsten Straßenbahnhaltestelle eskortiert und dort in einen eigens bereit gestellten Sonderwagen verladen läßt. Dieses auffällige und durch nichts gerechtfertigte Vorgehen erregte natürlich die Aufmerksamkeit des Publikums, das sich zu Hunderten ansammelte, um das erhebende Schauspiel zu genießen; dadurch bekam die Polizei neuerdings Arbeit: sie mußte den„Auflauf zerstreuen", was sie mit dem ihr eigenen Zartgefühl ausführte. Säbel wurden geschwungen, Stöße ausgeteilt, Frauen und Kinder von Schutzleuten überritten, eine schwangere Arbeiterin wurde ge- packt und zu Boden geworfen, andere Arbeiterinnen mit Schimpf- Worte bedacht usw. Am nächsten Tage berichtet dann der Polizei- bericht von de» üblichen„Streikausschreitungen". Da ist davon die Rede, daß sich 800 Personen angesammelt hätten, darunter 200 Streikende, die die Arbeitswilligen verhöhnt und bedroht hätten. Darauf hätte die Polizei sie geschützt und die Ansammlung zer. streut. Die Nürnberger Polizei ist s o genial, daß sie aus einer Ansammlung von 800 Personen 200 Streikende herauszufinden weiß! Alle möglichen Vorgänge werden mit dem Streik in Ver- bindung gebracht. Wenn irgendwo was passiert, und sei eS auch an einem weitentfernten Orte, so waren„vermutlich" Streikende im Spiele. Die ganze Polizeiberichterstattung hat offensichtlich nur den Zweck, die öffentliche Meinung gegen die Streikenden aufzu- regen, um dann einen Grund zu haben, mit schärferen Maßnahmen zugunsten der Unternehmer einzugreifen. Das hat der Polizei- referent auch ausgeplaudert, indem er erklärte, wenn die Ansamm- lungen nicht aufhörten, werde man den Erlaß einer vorüber- gehenden ortspolizeilichen Vorschrift erwägen müssen. Damit meinte er das Verbot des Streikpostenstehens, womit man schon 1306 einmal die Lohnkämpfe der Bauarbeiter und Metallarbeiter abgewürgt hat. Unsere Genossen, die Magistratsräte Treu und Merkel, konnten aus eigener Anschauung bestätigen, daß lediglich das starke Polizeiaufgebot und das rücksichtslose Vorgehen der Polizei die Ansammlungen verschuldet hat; diese würden von selbst aufhören, wenn die Polizei sich zurückhalte. Das wollen aber die freisinnigen Rathausgewaltigen nicht; sie wollen vielmehr noch mehr Polizei und dann das Streikpostenverbot. Ehristlicher Schwindel. Die christliche Presse verbreitet eine der„Amb. Volksztg.� ent- nommene Notiz über die Kosten des großen und langwierigen Streiks der bayerischen Glasarbeiter, um zu beweisen, daß die rote Presse auf die Dummheit und Urteilslosigkeit der Massen spekuliert, wenn sie den sozialdemokratischen Glasarbeiterverband als Retter in der Not anpreist und den christlichen Keramarbeiterver- band beschuldigt, seine Pflicht getan zu haben, wird da keck und kühn behauptet, der christliche Verband habe beim Streik pro Mann und Woche 12,85 M ausbezahlt, während der„sozialdemo- kratische" Verband seinen Mitgliedern nur 5,71 M. bieten konnte. Das ist frech gelogen und ins gerade Gegenteil verkehrt. Der „sozialdemokratische" Verband zahlte pro Mitglied und Woche 11,00 M. Unterstützung, der christliche Verband aber nur 4,96 M. Mit solchen Lügenstücken glaubt der christliche Verband, dem die Mitglieder wegen seiner kläglichen Haltung bei diesem Streik massenhaft davonlaufen, um zu den„Noten" überzugehen, auf Dumme und Urteilslose Eindruck machen zu können. Aber mit der Zeit wird es auch in den schwärzesten Köpfen hell. Husland. Gemeindezuschiisse zur Arbeitslosemmterstützimg der Gewerkschaften Hollands sind zwar in einer Reihe von Städten eingeführt, jedoch unter Be- dingungen, die eigentlich nur auf lokale Fachvereine zugeschnitten sind und es den Zentralverbänden schier unmöglich machen, für ihre Mitglieder Nutzen daraus zu ziehen. An die Gewährung der Zu- schüsse wird nämlich in den meisten Gemeinden die Bedingung ge- knüpft, daß die Arbeitslosenkasse nicht nur von dem übrigen Kassen- wesen der Gewerkschaft getrennt verwaltet wird— was ja leicht zu erfüllen ist— sondern auch die, daß sie die lokalen Kasse eines Fachvereines, also nicht über das Land zentralisiert sein soll, aber gleichwohl eine bestimmte Minimalzahl von Mitgliedern haben muß. Da die meisten und die leistungs- fähigen Gewerkschaften Hollands zentralisiert sind und die Tragkraft ihrer Arbeitslosenkaffen von der Zentralisation abhängig ist. haben sie natürlich keine Neigung, ihre Arbeitslosenversicherung lokal zu organisieren, zumal sie damit auch keine Gewähr dafür haben, daß ihren Mitgliedern wirklich die Gemeindezuschüsse überall, wo sie ein- geführt find, zuteil werden. So wie die Dinge jetzt liegen, führt gerade die Zunahme der Arbeitslosigkeit in einer Gemeinde dazu, daß einer Organisation die in besseren Zeiten zur Verfügung gestellten Zuschüsse entzogen werden, weil am Orte nicht mehr die nötige Mitgliederzahl vorhanden ist. In der Stadt AmerSfoort, wo das Mitgliederminimum für die Gewährung des Zuschusses 15 ist, hatte z. B. die Bauarbeiterorganisation im vorigen Jahre eine Zeit- lang 22 Mitglieder. Nun ist die Mitgliederzahl infolge Rückganges der Bautätigkeit auf 14 gesunken und sie haben großenteils noch unter langer Arbeitslosigkeit zu leiden, aber die Zuschüsse der Ge- meinde gibt es nicht mehr. Der Verband der Genossenschaften Niederlands hat nun an alle Gemeinden, die dergleichen unpraktische Bestimmungen in ihren Statuten zu den Arbeitslosenzuschußfonds haben, ein eingehend begründetes Gesuch um zweckmäßige Abänderung des Statuts gerichtet, und zwar an die Gemeinderäte von Amsterdam. AmerSfoort, Lüssum, Delft, Groningen, Hilversum, Leeuwarden, Haag, Zaandem, Zeist, Deventer, Dorvrecht, Leiden, Utrecht. Middelburg und Nijmegen. Im Prinzip wird auf die Notwendigkeit der Gründung eines ReichS-Arbeitslosenfonds hin- gewiesen; so lange das jedoch nicht erreicht ist. sollen die Gemeinden sich nach dem Vorbild der Stadt Arnhem richten, die den Orts- LH, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt abteilungen der gentralvervände die Zuschüsse ebenso znr Verfügung stellt, wie lokalen Gewerkschaften und in der Vorlegung der Kassen- bücher und Belege über die Arbeitslosenunterstützung hinreichende Garantie für die rechtmäßige Verwendung der Zuschüsse findet. Die Dockarbeiter von Havre streike». Am Freitag durchzogen sie die Quais und versuchten, die noch Arbeitswilligen zu veranlassen, die Arbeit einzustellen. Ein Teil der Arbeiter kam dieser Forderung nach. Für den von einer Auslandsreise zurückkehrenden trans- atlantischen Danipfer„Jean" fanden sich keine Arbeiter zur Reinigung des Schiffes von Muscheln usw. Der Dampfer mußte infolgedessen einen anderen Hafen aufsuchen. Ein Streikender wurde wegen Be« leidigung der Gendarmerie verhaftet. Truppen und Gendarmen be- wachten die Quais. Zwei Verhaftungen wurden gestern abend an der Landungsstelle der Dampfer aus Southampton vorgenommen. Die Streikenden versuchten über die Gelände der Docks zu klettern. In einer Versammlung der Streikenden wurde beschlossen, den AuS« stand bis aufs äußerste fortzusetzen. Versammlungen. Tie Anwendung der Konkurrenzklausel auf die gewerbliche» Arbeiter der Kauf- und Warenhäuser behandelte eine vom Deutschen Transportarbeiterverband einbe« rufene öffentliche Versammlung der in den Kauf- und Waren- Häusern tätigen Hausdiener. Genosse Dr. Kurt Rosenfeld hatte das Referat übernommen. In leichtverständlicher Waise beleuchtete der Referent die juristische Seite der Frage. Alle Prozesse, die seitens der von den Folgen der Klausel Betroffenen angestrengt wurden, nahmen einen für sie ungünstigen Ausgang. In den aller- seltensten Fällen ist es möglich, daß der gelehrte Richter sich von dem sein Denken und Fühlen beeinflussenden Milieu freimachen und verstehen kann, warum der Angestellte nötgedrungen gezwungen ist, einen Vertrag zu unterschreiben, der eine derartige Klausel enthält. Daß Prinzipale erklären, eine derartige Klausel nötig zu haben, ist an sich schon ein Armutszeugnis für sie. Ganz un- verständlich aber ist, daß man glaubt, auch die Handelshilfs- arbeiter damit beglücken zu müssen, die doch gewiß nicht in die Lage kommen, der Konkurrenz Geschäfts- und andere Geheimnisse zu verraten. Dem Warenhause Ä. Wertheim gebührt das Ver- dienst, in dieser Beziehung den Vogel abgeschossen zu haben. Den dort tätigen Packern, Hausdienern usw. wurde folgender UkaS zur Unterschrift vorgelegt: Ich verpflichte mich, binnen einem Jahre vom Tage der Be- endigung meines Engagementsverhältnisses bei der Firma A. Wertheim G. m. b. H. ab keine Stellung mit oder ohne irgend ein Entgelt bei den Firmen Warenhaus W. Wertheim G. m. bi H. und Internationale Warenhausgesellschaft m. b. H. anzuneh- men oder für dieselben eine geschäftliche Tätigkeit auszuüben. Dieses Abkommen findet keine Anwendung, wenn die Firma A. Wertheim G. m. b. H. mir meine Stellung kündigt, ohne daß ein erheblicher, von mir verschuldeter Anlaß zur Kündigung gegeben ist, oder daß mir die Firma A. Wertheim G. m. b. H. durch vertragswidriges Verhalten Grund zur Aufhebung des Dienstverhältnisses ohne Kündigung gibt. Selbst gelesen, genehmigt und unterschrieben. B e r l i n, den.... 100 � Unterschrist. Vor- und Zuname Die Firma A. Wertheim war es auch, welche weibliche Ange- stellte auf Grund der im Gesetz vorhandenen Lücke vor Gericht schleppte und verlangte, dieselben sollten verurteilt werden, die Tätigkeit in mehreren in der Konkurrenzklausel bezeichneten Ge- schäften zu unterlassen, widrigenfalls eine Hafistrafe für jeden Fall der Uebertretung festzusetzen sei. Gerade die Warenhaus- besitzer, die für den freien Wettbewerb auf dem Gebiete deS Handels eintreten, schreien Zeter und Mordw, wenn die Ange- stellten das Gleiche verlangen. Es wird dem Arbeitswilligen durch die Konkurrenzklausel unmöglich gemacht, eine seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechende Stellung, die seitens der Kon- kurrenz besser dotiert wird, anzunehmen. Und derselbe Staat, der sonst bei anderen Gelegenheiten, bei Streiks usw. die Arbeits- willigen glaubt schützen zu müssen, sieht ruhig zu, wie man den Handelshilfsarbeitern die Möglichkeit des Fortkommens vollständig nimmt. Es ist vollkommen ausgeschlossen, daß man die Handels- Hilfsarbeiter deswegen zum Unterschreiben einer derartigen Klausel zwingt, weil man befürchtet, dieselben könnten„Geheim- nisse" verraten. Man wendet hier die Klausel an. um sich ge- fügige und willenlose Elemente zu schaffen, die nicht zu mucksen wagen. Es wird kaum Aussicht vorhanden sein, bei den ordent- lichen Gerichten sein Recht zu bekommen. Es muß vielmehr zu- Selbsthilfe gegriffen werden. Der Einzelne wird allerdings macht- los sein. Nur durch Organisation der in Betracht kommende» Hausdiener, Packer usw. im Deutschen Transportarbeiterverband. als derjenigen Organisation, die ollein nur in der Lage ist, ihre Mitglieder in wirksamer Weise zu schützen, kann dem Unternehmen- tum im Hcmdcls�ewerbe ein Pnroli geboten werben. Der starke Beifall, der dem Vortrag folgte, bewies, daß die Versammelten ge- willt sind, die an sie gerichteten flammenden Worte in die Tat umzusetzen. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die stark besuchte öffentliche Versammlung der in Kauf- und Warenhäusern Berlins beschäftigten Handelshilfsarbciter hat mit Entlüftung Kenntnis genommen von dem Vorgehen der Kauf- und Warenhausbesitzer, die Konkurrenzklausel. durch die es heute schon den Handlungsgehilfen immer schwerer wird, ihren Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechende Stellungen zu finden, auch auf die Handelshilfsarbeiter auszudehnen. Die Versammelten sehen in diesem Vorgehen der Unternehmer eine schwere Schädigung ihrer Berufsinteressen und verpflichten sich mit allen Mitteln gegen diese gegen die guten Sitten verstoßende Maßnahme zu kämpfen. Als eines der wichtigsten Mittel in diesem Kampfe erachten die Versammelten die Organisierung aller Kollegen in einer auf zentraler Grundlage aufgebauten modernen Organisation. Die Versammelten verpflichten sich. alles zu tun. um endlich dieses Ziel zu erreichen. Darüber hinaus erkennen die Versammelten an, daß es notwendig ist, im Interesse der gesamten Kollegenschaft die Gesetzgebung zu be- einflussen und beaustragen den Verbandsvorstand. Schritte in dieser Richtung baldmöglichst zu unternehmen, um dieses Vor- gehen der Unternehmer im Kauf- und Warcnhausgewerbc im Keime zu ersticken."..... ,, Der Ertrag der Tellersammlung wurde ungekürzt den schwe- dischen Arbeitern überwiesen. Letzte JVacbricbten und vepelcben. Preistreiberei. Benthe»(O.-SchU 2. Oktober.(SB. T. 0.) Das Oberschlesische Roheisenshndikat ist in der heutigen Generalversammlung cmf ein weiteres Jahr, bis 1910 verlängert worden. Die Geschäftsstelle teilte mit. daß die Verkaufstätigkeit lebhaft sei und daß die Spezi- fikationen der Kundschaft bedeutend an Umfang zugenommen hätten. Der päpstliche Maulkorb. Prag, 2. Oktober.(W. T. B.) Die„Bohemia" meldet. dast die Vorlesung des ehemaligen Jnnsbrucker, jetzigen Prager Kirchcnrcchtsprofessors Wahrmund über das System des Kirchenrechts inhibiert worden ist.____ [5aul Singer& Co.. Berlin SW, Hierzu 5 Beilagen. 1.231. a«. i*» l. Ktilllge des IMillts" Kerlim WlksdlÄ. vom Kierkrieg. Bochum. Die Bierpreiserhöhungen haben in Bochum dazu geführt, dafz diejenigen Wirte, die die alten Matze noch ausschenken, eine V e r- einigung zwecks gemeinschaftlichen Einkaufs von allen m Frage kommenden Bedürfnissen gebildet haben. Eine Reihe von Wirten anderer westfälischer Städte haben ihren Beitritt erklärt. Die Vereinigung hat mit einer ringfreien Brauerei in Barmen einen Bierlieferungsvertrag abgeschlossen. Bemerkt sei noch, dah die Lokale derjenigen Wirte, die die alten Matze ausschenken, überfüllt sind, während alle übrigen ausnahmslos an Verödung leiden. GericKts-Leitung. � Engagements-Schwindel.'»■ Ein äutzerst raffinierter Schwindel, der durch seine etwas tragikomischen Begleitumstände seinerzeit grotzes Aufsehen erregt hatte, beschäftigte gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Reichhelm die 4. Strafkammer des Landgerichts III. Wegen ge- meinschaftlichen Betruges waren der 26jährige Kaufmann Eugen Schneider und der 23jährige Kaufmann Robert Junge angeklagt.— Das in Charlottenburg, Windscheidstratze 20, gelegene Adresseuaus� kunfts- und Jnkassabureau„Existenz", dessen Inhaber der Kauf mann Sondermann ist, erhielt im April d. I. aus Holland einen Brief, dessen Absender eine Firma„Kooker u. Co." in Rotterdam und Amsterdam war. Die Firma bezeichnete sich laut Aufdruck auf dem Briefbogen als„Bureau exchauge, lizensierter Rciseagcnt und Auskunftei". Der Brief enthielt die Aufforderung, in Deutsch- land 300 männliche und weibliche Angcstcllte�zu engagieren, die in den Nordseebädern und ferner in Ostende, Scheveningen, Zand voort usw. gute bezahlte Stellungen einnehmen sollten. Der Im haber des Bureaus„Existenz" erklärte sich zur Annahme dieses Auftrages bereit, nachdem ihm von der Firma Kooker u. Co. ein Schreiben der Eisenbahndirektion Berlin übersandt worden war, in welchem diese der holländischen Firma die Kosten eines Extra- zuges von der Station Charlottenburg nach der holländischen Grenz- station Emmerich mitteilte. Mit diesem Extrazug sollten nämlich die von Sondernrann engagierten Personen vom Bahnhof Char- lottenburg aus zu dem billigen Fahrpreis von 18 M. pro Person nach Holland befördert werden. Der Fahrpreis sollte vorher von den sich Meldenden bei dem Bureau„Existenz" eingezahlt werden Nachdem diese Vorverhandlungen beendet waren, erließ Sonder- mann mehrere Inserate, in denen er Personen, die in Holland gut bezahlte Stellungen anzunehmen gewillt wären, sich melden sollten Es meldeten sich auch eine große Anzahl von Personen, die bereit- loilligst die 13 M. Fahrgeld im voraus erlegten und engagiert wurden. Mitte Mai erschien dann auch in dem Bureau des Herrn Sondermann ein junger Mann, der sich als Vertreter der Firma Kooker u. Co. aus Amsterdam legitimierte und die von S. einge- zogenen 864 M. Fahrgeld in Empfang nahm und in Gegenwart des Schwiegersohnes des S. auf dem Postamt S in Charlottenburg an die Firma Kooker u. Co. per Postanweisung einsandte. Am 13. Mai dieses Jahres kam es dann auf dem Bahnhof Charlottenburg zu einer recht eigenartigen Szene. Mit Kisten und Kasten, mit Koffern und Reisekörben rückten etwa 200 Personen an. die samt- lich von der Firma Kooker u. Co. engagiert waren und die Reise nach Holland antreten wollten. Man wartete und wartete, der Extrazug kam aber nicht. Schließlich wurde man stutzig. Eine Anfrage bei der Eisenbahndirektion ergab, daß überhaupt kein Extrazug bestellt war. Es entstand ein großes Halloh und in wildem Laufe stürzten die Leute in das Bureau des Herrn Sondermann und machten einen Mordsskandal. Sondcrmann erkannte schließ- lich, daß er selbst raffinierten Schwindlern zum Opfer gefallen war. Da er fürchtete, daß die bis aufs höchste erregten Leute sein ganzes Bureau demolieren würden, mußte er schweren Herzens in seine eigene Tasche greifen und den Leuten je 18 M. zurück- zahlen. An demselben Tage noch fuhr der Schwiegersohn des S., ein Herr Preuße, nach Amsterdam, wo er eine richtige Sherlock- Holmesrolle spielte. Er erfuhr in Amsterdam in der Sintjans- straat 22, wo sich das Bureau der Firma Kooker u. Co. befinden sollte, daß dort zwei Leute sich ein möbliertes Zimmer gemietet batten. Mit Hilfe eines falschen Bartes und recht gewagter Kunst- stückchen, gelang es dem jungen Manne ein Rendezvous in einem kleines Feuilleton. Nordpol und Nilquellen. Der Streit zwischen Peary und Cook um die Priorität der Entdeckung des Pols, der seit Wochen die ganze Welt in Spannung hält, ist durch mancherlei Begleit- umstände zu einem recht unerfreulichen Sensationsstück geworden. Er steht aber in seinem bisherigen Verlauf in der Geschichte der geographischen Entdeckungen nicht einzig da. Einen ganz ähnlichen Fall bot die Entdeckung der Nilquellen durch die Expedition von Burton und Speke. Speke hatte den Abfluß des Nils aus dem Bictoria-See im Laufe seiner die Jahre 1857 bis 1859 umfassenden Reise festgestellt. Er war damals allein zu den Ufern des Sees vorgedrungen, während Burton krank zurückgeblieben war. Auch Speke fand keinen Glauben mit seinem Bericht, und der erste, der Zweifel äußerte, war gerade Burton. Die beiden sollten sich in einer öffentlichen Disputation, die von der Britischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft in Bath im Jahre 1864 veranstaltet wurde, auseinandersetzen. Am Morgen des Tages, an dem dies wissenschaftliche Duell ausgefochten werden sollte, fand man Speke tot in einem Straßengraben. Eine Schußwaffe lag neben ihm. Man hat niemals erfahren, ob er einem Unglücksfall zum Opfer siel oder selbst Hand an sich legte. Daß sein Reisebericht auf Wahr- heit beruhte, gilt heute als unzweifelhaft. Aber es ist sehr wohl möglich, daß die Angst vor Burton, der ihn um seine Wissenschaft- liche Glaubwürdigkeit bringen wollte, ihm die Waffe in die Hand drückte. Theater. Hevvel- Theater:„Das Wunder", Drama in vier Aufzügen von Leonid Andrcjew. Die Handlung des DromaS— d. h. soweit in diesem Dialog- und Milieustück von einer Handlung die Rede sein kann � spielt in einer russischen Klostersiedlung, die durch ein wundertätiges Heiligenbild berühmt ist. Ein junger Terrorist, der Attentate gegen die lebendigen Träger der bestehenden Ordnung aus praktischen Gründen verwirst, macht den Versuch, das Heiligenbild, das die Geister verwirrt und verdummt, mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Die Pfaffen erfahren von dem Plan und bringen das bedrohte Heiligtum vor der Explosion in Sicherheit, um es nachher unversehrt wieder an seinen Platz zu stellen. Die Gläubigen staunen diesen sehr natür- lichen Vorgang als ein neues Wunder an und erschlagen den Attentäter.— Der Verfasser des Stückes hat als Novellist seine unbestreitbaren Verdienste, zum Dramatiker aber fehlt ihm so Ziemlich alles. Das stockrussische Milieu und die Vorgänge, die unserm Verständnis von vornherein sehr fern liegen, werden uns durch seine Kunst in keiner Weise näher geführt. Wir blicken teilnahmslos in eine wildfremde Welt, deren Leiden und Freuden, deren Aengste und Sehnsüchte uns nicht berühren. Denn die Bühnengestalten, die vier Akte hindurch vor uns seufzen, klagen, weinen, fluchen, philosophieren, debattieren und delirieren, sind keine lebendigen Menschen von Fleisch und Blut, sondern einseitig konstruierte Typen, deren jede ihr charakteristisches Leibsprüchlein Automatenrestaurant in Antwerpen herbeizuführen, von wo auS die Schwindler nach Kanada flüchten wollten. Vorher hatte er auf telegraphischem Wege einen Haftbefehl von der hiesigen Staats- anwaltfchast erwirkt. Die beiden Gauner gingen auch in die Falle und konnten verhaftet werden. Sie entpuppten sich als die aus Berlin stammenden jetzigen Angeklagten Schneider und Junge. Vor Gericht wollten die Angeklagten Glauben machen, daß sie nur im Auftrage einer tatsächlich existierenden Firma Kooker u. Co. ge- handelt hätten. Justizrat Hermanowski machte für Junge geltend, daß dieser der anscheinend von Schneider Verführte sei und des- halb eine erheblich mildere Strafe als dieser verdiene. Das Gericht erkannte gegen Schneider auf 1 Jahr und gegen Junge auf 4 Monate Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat der er- littenen Untersuchungshaft._ Mißglückter Feldzug gegen das Bereinsrccht., Am 17. Juli sollte in Fichtenau eine öffentliche Volks- Versammlung stattfinden, mit dem Referat des Genossen Bühler über die Ausbeutung des deutschen Volkes durch die neuen Steuern. Die Versammlung wurde verboten, weil die Anmeldung zirka 24 Stunden gebrauchte, um von dem Briefkasten in Schön- eiche nach dem Gemeindeamt ebendaselbst zu gelangen; die An- Meldefrist war verstrichen. Die Parteigenossen arrangierten nun- mehr eine Wahlvereinsversammlung; die im Saale Anwesenden wurden 26 Minuten vor Beginn derselben aufmerksam gemacht, daß die öffentliche Versammlung nicht stattfindet und zur Teil- nähme an der Bereinsversammlung eingeladen. Diese fand pro- grammgemäß statt. Darauf erhielt aber Genosse Rllhl als Leiter ein Strafmandat von 30 M. wegen Vergehens gegen§ 8 des Ver- cinsgesetzes. Gegen dieses hatte Rühl gerichtliche Entscheidung beantragt. Am S. September fand der erste Verhandlungstermin statt. In diesem behauptete der Polizeidiener Albrecht, die Ver- sammlung sei eine öffentliche, zu der jedermann Zutritt hatte, gewesen. Als Beweis dafür, daß einzelne Teilnehmer nicht ge- wüßt hätten, daß die Versammlung eine geschlossene des sozial demokratischen Wahlvereins war, benannte er drei Zeugen. Rühl beantragte die Vernehmung des Parteisekretärs Bühler. die er- geben werde, daß die Aussage Albrechts nicht den Tatsachen ent- spreche. In der jetzt erfolgten neuen Verhandlung fand die Ver nehmung dieser Zeugen statt. Mit Schmerzen wird Herr Albrecht vernommen haben, wie sämtliche von ihm vorgeschlagenen Zeugen erklären mußten, daß ihnen bekannt war, daß eine Mitglieder- Versammlung stattfinden sollte, sie seien teilweise persönlich zur Teilnahme eingeladen worden. Die Versammlung habe auch den Eindruck einer solchen gemacht. Parteisekretär Bühler gab ein Bild von dem Verlauf derselben. Eine Tellersammlung fand nicht statt; den Anwesenden war mitgeteilt worden, daß um Uhr eine Wahlvereinsversammlung stattfindet. Eingangs derselben sei das Protokoll verlesen worden. Er habe über ein anderes Thema referiert; am Schlüsse habe eine Delegiertenwahl stattgefunden. Genosse Siühl, der sich in geschickter Weise selbst ver teidigte, hielt das Ergebnis der Beweisaufnahme den Aussagen des Polizeidieners Albrecht entgegen. In allen Punkten sei diese widerlegt. Unbegreiflich sei, wie dieser aussagen konnte. eS habe keine Protokollverlesung stattgefunden. Die Zeugen haben das Gegenteil bekundet und überdies hat Albrecht mit dem Schrift führer zusammen an einem Tische gesessen-; ihre Unterhaltung haben beide abgebrochen— weil der Schriftführer das Protokoll verlesen mußte. Bezeichnend für die Mittel, mit denen Albrechk arbeitet, sei auch die Aussage des Zeugen Roller, den dieser zum Besuch der Versammlung aufgefordert habe, mit der Bitte, ihm von den Ausführungen Rühls Mitteilung zu machen. Dem An trage Rühls gemäß erkannte das Schöffengericht Kalkberge auf Freisprechung. Der Nachweis der Oeffentlichkeit oder Umgehung dcS Vereinsgesetzcs sei nicht erbracht. Die Kosten trägt die Staatskasse. War die Anklage wirklich erforderlich oder hätte eine bessere Information des Polizeidieners und eine eingehendere Unter- suchung vor Erlaß des Strafmandates sie nicht hindern können? herbetet, immer wieder und wieder ohne bemerkenswerte Varia- tionen. Die bornierte Dummheit der einen erscheint uns ebenso gleichgültig und unwahrscheinlich, wie die wilde Zerstörungswut der anderen. Ein Gemisch von Fuseldunst und Weihrauch erfüllt die Szene, in das platte Geschwätz frömmelnder Weiber und hyste- rischer Mannsbilder tönt das Lallen des Blödsinns, Deliranten und halbverrückte Heilige phantasieren; auf endlose Dialog- und Stimmungsszenen, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben, folgen plötzlich einige theatralische Knalleffekte— aber der ganze wüste Hexensabbat wirbelt cindruckslos an uns vorüber. Wegen seines nach polizeilichen Begriffen anstößigen Inhalts ist das Drama in Rußland verboten worden; seine künstlerische Minderwertigkeit macht es auf deutschen Bühnen unmöglich. I. S. Neues Schauspielhaus. Am Nollendorf-Platz ist Hansi Niese jmit ihrem Ensemble eingezogen. Ueber das Geschenk, das die Niese vom Strand der blauen Donau mitgebracht hat, nämlich die für verlin funkelnagelneue Operette:„Das Wäscher- mädel" von Bernhard Buchbinder, dem Librettisten, und Rudolf R a i m a n n. dem Kompositeur, wird man gut tun. so wenig als möglich zu reden; denn es ist der schockmal abgedroschene Kram. Auch das Ensemble bringt keine spezielle Note mit. Aber Hanfi Niese— ja das ist süperbe Kost. Das Wiener «Wäschermädel' ward ihr auf den Leib geschrieben; und dies Natur- Produkt, obwohl ziemlich korpulent, wird nun allabendlich be- weisen, daß wienerischer Charme doch kein Märchen ist— und alles weibliche HanSwuristiadentum dazu. Soll noch extra gesagt werden, daß Hansi Niese in ihrer„Hosenrolle" als Leuwant Kugelrund den Gipfel ihrer groteskkomischen Leistung bietet? Dieser«Sensation" aber fügt sie rasch eine andere hinzu. Wenn nämlich im Hofe der Huberiu" ihr Korporal mit seiner putzigen Jugendwchr zur Gratulationscour aufmarschiert, übertrumpft sie ihn mit einer Schar allerliebster Wäscherinnen ou müiiaturo, jedes Mädelchen die Butt'n am Buckel— und jetzt braust der Jubel hoch, auf der Bühne, wie im Zuschauerräume. Und so wird's nun wohl alle Abend sein. Derweil mag die Stuart grollend am Pfosten stehen.. Autz i m u ß i l" o. K. Humor und Satire. Russisches Reiterlied. Aus einer Petersburger Artillerlekaserne wurde von einem Unteroffizier und mehreren Soldaten ein schweres Geschütz gestohlen und a» einen Altwarenhändler verlaust. Frisch auf. Kameraden, aufs Pferd, auf Pferd Und damit zum— Schlächter gezogen I Geschlachtet ist der Gaul noch was wert: Da komnien die Rubel geflogen l Versaufen wir die Märe nicht jetzt. So wird sie vom Obersten selber versetzt I Frisch auf, Kameraden, die Rappen gezäumt, Und schleppt die Geschütze in's— PfandhanS. Wir brauchen Moneten ungesäumt: Bcleidignngsprozeß Dr. Mugban und Dr. Kopsch gege» Dr. Mehring. Die Beleidigungsklage der freisinnigen Abgeordneten Dr. Mugdan und Kopsch gegen unseren Genossen Dr. Mehring wurde gestern in der Berufungsinstanz vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt. Bekanntlich war in erster Instanz Dr. Mehring zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt und seine Wider- klage abgewiesen. Gegen das Urteil hatten beide Parteien Bc- rufung eingelegt. Der Sachverhalt ist noch im Gedächtnis unserer Leser. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Neuenfeld, bemühte sich, auf Grund seiner genauen Kenntnis der Akten einen Vergleich auf der Grundlage zustande zu bringen, daß der Abgeordnete Kopsch die von ihm in der Reichstagssitzung vom 23. Februar 1998 aufgestellte Behauptung als unrichtig und daß auch Dr. Mehring die Behauptungen, die zur Erhebung der Beleidigungsklage ge- führt haben und demgemäß auch die an die irrigen Voraussetzungen geknüpften Schlußfolgerungen unter Uebernahme der Kosten zurück» nehme. Nach längeren Verhandlungen kam ein Vergleich in diesem Sinne zustande und wurde darauf unter Aufhebung des angefoch- tcnen Urteils das Verfahren eingestellt. Verbot von Hornsignalen für Radfahrer. Das Kammergericht hat dieser Tage eine für Radfahrer wich- tige Entscheidung gefällt. In vielen Radfahrervereinen ist eS üblich und durch eine Fahrordnung vorgeschrieben, daß bei Aus» flügen der Radfahrwart auf einem Horn Signale gibt, wenn auf- oder abgestiegen werden soll oder wenn sich Hindernisse zeigen. Andererseits bestehen fast in allen Provinzen Polizeiverordnungen. wonach es Radfahrern verboten ist, solche Signale abzugeben. Mit» gliedcr eines Arbciterradfahrbundes waren auf Grund einer Polizeiverordnnng angeklagt und vom Landgericht verurteilt worden, weil sie auf der Rückkehr von einem Ausfluge Signale auf einem Horn abgegeben hatten. Gegen ihre Verurteilung legten die Angeklagten nunmehr Revision beim Kammergericht ein und suchten nachzuweisen, daß sie nicht unbefugt, sondern zweckmäßig und verständig gehandelt hatten, als sie die betreffenden Signale ab- gaben. Das Kammergericht wies jedoch die Revision der Ange- klagten als unbegründet zurück, da die Vorentscheidung ohne Rechtsirrtum ergangen sei. Die Grundlage einer solchen Polizei- Verordnung sei in§ 6b des Polizciverwaltungsgcsetzes zu suchen. wonach die Polizei für die Ordnung und Sicherheit des öffentlichen Verkehrs auf der Straße Sorge zu tragen habe. Mögen die Rad» fahrer durch ihre Hornsignale auch bestimmte Zwecke verfolgen. so sei hieraus noch nicht der Schluß zu ziehen, daß sie befugt handeln.«........ Die Entscheidung dürfte den Verkchrszwccken wenig dienlich sein. Hus der frauenbenegung. Müssen Damenschneiderinnen der Zwangsinnung angehören? Ueber diese Frage hat der Liegnitzer Regierungspräsident als obere Verwaltungsbehörde eine wichtige Entscheidung getroffen. Die Liegnitzer Schneiderzwangsinnuna forderte die Damen» schneiderinnen unter Androhung von Strafe auf, der Zwang» innung beizutreten. Eine Anzahl Schneiderinnen erhoben hiergegen Beschwerde beim Magistrat. Dieser entschied, daß der Beitritts- zwang nicht berechtigt sei. Auch vom.Regierungpräsidenten wurde diese Entscheidung bestätigt und die Innung angewiesen, etwa er- hobcne Beiträge an die Schneiderinnen zurückzuzahlen. Der Tenor der Entscheidung lautet: „Wenn auch die Tamcnschneiderci an sich einen Zweig deS Schneiderhandwerks unzweifelhaft darstellt, insoweit sie nichr, wie bei größeren Konfektionsgeschäften, fabrikmäßig betrieben wird, so ist es doch erforderlich, ihre Einbeziehung in dem Statut der Schneiderzwangsinnung ausdrücklich hervorzuheben. Dies ist aber bei der Bildung der hiesigen Schneiderzwangsinnung nicht geschehen. Auch sind die Damenschneiderinnen bei dem Abstimmungsverfahren weder gehört, noch überhaupt irgendwie benachrichtigt und zur Abstimmung aufgefordert worden. Die ortsübliche Bekanntmachung der Absicht, eine Ztvangsinnung für das Schneiderhandtoerk hiesiger Stadt zu bilden, genügt allein nicht, um auch die Damenschneiderinnen dem Zwange zu unterwerfen, da der Erlaß des Herrn HandclsministerS vom ES ging ja der Wotka-Beftand aus l Verschnapsen wir das Geschütz nicht zuvor, So tut es morgen gewiß der Major! Ordnung muß fein. Ein Reifender war in Wien in ein Rauchkupee des Wien-Berlincr Zuges gestiegen und rauchte. In Oderberg befestigte ein Schaffner a» der Außenseite des KupeeS das Plakat„Nichtraucher" und untersagte das Rauchen. Da der Reisende trotzdem weiter rauchte, wurde er von der Liegnitzer Eisenbahn» behörde in eine Polizeistrafe von drei Mark genommen, die nach dem Widerspruch des hartnäckige» Verbrechers vom Schöffengericht in Licgnitz auf fünfzehn Mark erhöht wurde. Der Reisende hätte dein Schaffner, als einem Bahnpolizeibeamten, zunächst Gehorsam leisten müssen; nachdem hätte er sich ja beschweren können. Gott sei Dank, in Preußen herrscht Ordnung I— Als die Polizei einnial zwei Befehle verwechselte und einem zwanzigjährigen HeereS» Pflichtigen eine Jmpforder, einein zweijährigen Kindlein dagegen die Gestellungsorder sandte, mußte das Kind zunächst als Rekrut bei der Fußartillerie eintreten; fein Vater erhob ordnungsgemäß Be- fchwerde, und erst als diese geprüft und für begründet erad&tet worden tvar, wurde das Kindleiu entlassen und der Heerespflichtige, der inzwischen geimpft worden war, eingezogen.(„Jugend.") Notizen. Gerhart Hauptmann wird diesen Winter Wander» Vorlesungen aus eigenen Werken halten und dabei auch Bruchstücke aus neuen Dichtungen vortragen. Als solche werden genannt die Dramen:.Die Wiedertäufer" und.Telemach' sowie der Roman„Emanuel Quint". — Thoma- Feier. Anläßlich de? 70. Geburtstages von Hans Thoma veranstaltet die„Freie Lchrervereinigung für Kunst- pflege" am S. November im Mozart-Saale eine Thomafeier. Die Festrede hält Profeffor Henry Thode aus Heidelberg. — Neues von Shakespeare. Einem eifrigen Archiv« schnüffler, dem Professor Ch. W. Wallace von der Universität Nebraska, ist es gelungen, einige bisher unbekannte Prozeßakten auf« zufinden, die Shakespeares Einkommensverhältnisie sowie die Ab- fassungszeit gewisser Stücke und die Lage des Globetheaters be« leuchten. Die Philologen sind ob dieser Ankündigung— die ein» gehende Veröffentlichung durch die„Times" steht noch aus— in weiblicher Unruhe. — Das B r ü s s e l r VolkShauS(maison du peuple) wirb auf der Weltausstellung i n B r ü s s e l, die 1010 eröffnet wird, mit einem eigenen großen Pavillon vertreten sein. ES wird seinen Platz in sehr günstiger Lage, in der Hauptavenue haben. Ein Teil der Herstellungsarbeiten wird von Arbeitern der sozialistischen Coopcrative besorgt. Der Pavillon der Arbeitergenossenschaft wird drei Abteilungen umfassen: die Bäckerei, die damit aus der AuS» stellung ein Stück moderne Sozialpolitik vorführen und dem all« gemeinen Publikum Einblick in seinen modernen technischen Betrieb bieten wird; ferner ein Cafö-Restaurant und eine Abteilung, wo die zum Verkauf gebotenen Bäckereien vor den Allgen dcS Publikums hergestellt werden. f. März 1898 Ziffer 6 sM. 55. 0. 45) ausdrücklich bestimmt, daß neben der ortsüblichen Bekanntmachung noch eine Aufforderung zur Teilnahme an der Abstimmung durch besonderes Schreiben cm alle beteiligten Handwerker zu richten sei." Versammlungen— Veranstaltungen. Berband der Hausangestellten. Sonntag, den 3. Oktober, abends i 6 Uhr: Erstes Wintervergenügen in den„Jndustrie-Festsälen". Beuthstraße 20 1. Theateraufführung, Ueberraschungen, Tanz.' Eintritt: Damen 15 Pf.. Herren 3Q Pf.@äfte£ DaMN und Herren, herzlich willkommen. eingegangene Druchlcdriften. DaS Wissen für Alle. Nr. 25. 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Ich habe mein Bureau von Luisenstraße nach 8W. 68, Charlottenstr. 8 kvIS-a-viS dem Berliner Theater) verlegt. Mein Fernlprcchaiischliltz ist seht Amt IV Nr. 10 466. l>r.«Bosef Herzfeld, Rechtsanwalt. I Ziehung: Nächste Voche. Wohlfahrt s« f Ä Ziehung 13. und 14. Oktober 1909. JwOllClTlC fiflsamtbefreg der Gewinne I. W. v. Mark 85000 Franck Tel.: Aint Hl 4352. BrannenstraBc 185. 8—7 Uhr geöffnet. St. Felix-Brasil horrend billig! No. 1524. Leichte, feine, gedockte Einlage 1.25 „ 1369. Sehr feine, blattige Einlage 1.40 „ 1489. Blattiger Aufarheiter, sauer 1.45 Sämtliche Preise cinsohlleBltch Gowiofcts- im ff Wertzoll. Zusendung in Berlin kostenfrei und schnellstens. | Besichtigen Sie bitte im eigenen Interesse f meine anerkannt große Auswahl Terlclh-Institut: Friedrichet.llS/l, a.Orabg. 'Tor. Eleg. Frack, Gcbrock l�oHosel.vo. Weste SOPs. 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Iahrgavg. 2. KeilU te Jowirtf Ifrlinft WsblM ZoNlag, 3. Nktsbtt 1909. Karl Kautsftv und die amerllialiliche Statistik. Eine Entgegnung von Ludwig OucsscI. Jeder Nationalökonom, der jemals versucht hat, theoretische Betrachtungen über die Preisgestaltung bei Jndustricerzeugnifsen durch statistische Angaben zu stützen, wird auch die Erfahrung ge- macht haben, datz es schlechterdings unmöglich ist, für länger aus- einanderliegende Zeitpunkte Zahlen zu gewinnen, die eine ein- wandfreie Vergleichung zulassen. Denn nicht nur Mode und Gc- schmack bewirken bei vielen Jndustricerzcugnissen im Verlauf weniger Jahre erhebliche Umgestaltung, sondern auch der ständige Wechsel deS technischen Verfahrens ruft tiefgreifende Veränderungen hervor, die Preisverglcichungen. erschweren und häufig unmöglich machen. Ganz besonders gilt letzteres aber für die Industrien, die Ar- tikel für den Massenkonsmn herstellen. Von der Erfahrung aus- gehend, datz die unteren Käuferklassen nicht viel danach fragen, aus welchem Nohstoff ein Gegenstand hergestellt ist, wenn er sich sonst nur zweckmätzig zeigt und dabei billig ist, zielt das Bestreben der Industriellen ständig dahin, immer billigere Rohstoffe zur Her- stellung ihrer Erzeugnisse zu verwenden. Im weitesten Matze werden dabei tierische und pflanzliche Rohstoffe durch solche ersetzt, die auf chemischem Wege oder durch den Bergbau gewonnen werden. Welch weiten Spielraum die moderne Technik dabei dem Unter- nehmer geschaffen hat, können wir leicht ersehen, wenn wir uns zum Beispiel daran erinnern, datz Bilderrahmen heutzutage nicht blotz aus Holz, sondern auch aus Stroh, Leder, Schlangenhaut, Pa- pier, Glas, Eisen, Messing. Kupfer, Bronze, Blech, Aluminium, Seide und Plüsch gefertigt werden. Im weiteren oder geringeren Grade ist so z. B. das eiserne und irdene Geschirr durch Emaille- gefätze, das Hanfseil durch das Drahtseil, der Holzzaun durch das Drahtgitter ersetzt worden. Etwas verschieden von diesem Ver- fahren ist ein anderes, bei welchem aus künstlich gewonnenen Roh- stoffen Gegenstände hergestellt werden, die sich von anderen aus echtem Material gefertigten Fabrikaten im Aussehen nur wenig unterscheiden. Ich erinnere daran, datz in den letzten Jahren Kämme verschiedener.Art nicht mehr aus Horn, sondern aus Zelluloid und Kautschuk gefertigt werden; in der Lcdergalanterie- industrie verwendet man an Stelle des echten Lcders das söge- nannte Kunstleder, Pappe und Kaliko, bei der Herstellung billiger Polsterwaren kommt Seegras statt Rotzhaar zur Verwendung und bei der Möbelfabrikation braucht man poliertes Kien-(Fähren-) Holz an Stelle edler Hölzer usw. Diese Beispiele ließen sich mühe- loS auf vielen Spalten fortsetzen, denn jede Industrie, jeder Hand- werkszweig weist technische Aenderungen dieser Art auf. Die Folge dieser Aenderungen der Produktwnstechnik ist eine Revolution der Preise, die ununterbrochen fortschreitet. Die Verbilligung zahlreicher Gebrauchsgegenstände, die in den letzten Jahrzehnten auf diesem Wege erreicht wurde, ist e n o r m. Preisstatistisch läßt sich das freilich schwer oder gar nicht nach- weisen, denn man kann z. B. den Preis eines Hornkammes nicht ohne weiteres mit dem Preis eines Kautschuk- oder Zelluloid- kammeS vergleichen. Wer sich heute darauf kapriziert, einen Horn- kämm»u erwerben, wird denselben wahrscheinlich eben so teuer bezahlen müssen wie bor 20 Jahren, begnügt er sich aber mit einem Zelluloidkamm, so kann er sein Bedürfnis um mindestens hundert Prozent billiger wie früher befriedigen. Um die Wahrheit des Gesagten einzusehen, bedarf eS auch keiner gelehrten Untersuchung, vielmehr reichen dazu die persönlichen Erfahrungen völlig aus. Jede ältere Hausfrau wird es Kautsky bestätigen, datz man für 50 Haarnadeln, die man jetzt in jedem Warcnhause für 2— 3 Pf. kaufen kann, von 20 Jahren 10 Pf. und mehr bezahlen mutzte. Dasselbe gilt fast ausnahmslos für alle Nähutensilien einfacher Qualität. Ebenso unbestreitbar ist es, datz heute Glas, Porzellan und Küchengeräte mindestens halb so billig sind wie vor zwanzig bezw. dreißig Jahren. Natürlich gilt dies nur für die geringen Qualitäten, die in den Konsum der Arbeiterfamilien eingehen. Auch KautSky wird kaum leugnen wollen, daß vor 20 Jahren Por- zellan-Ober- und-Untertassen für 25 Pf.. Porzellan-Butterdosen für 20 Pf., eine ISteilige Küchengarnitur für 4 bezw. 5 M., ein Porzellanleuchter für 15 Pf., ein weißer Nachttopf für 25 Pf. usw. nicht zu haben waren. Ich erinnere mich noch sehr gut, datz meine Mutter das Doppelte und Dreifache der hier angegebenen Summen für derartige Gegenstände hat zahlen müssen. Was hier von den Haus- und Küchengeräten gesagt wurde, gilt freilich nicht in demselben Matze für die Kleidung. Wesentlich billiger gegen früher stellt sich nur die Wäsche, da hier die billigere Baumwolle die teureren Leinen- und teilweise auch die Wollgewebe verdrängt hat. Im übrigen dürfen die Kosten der Kleidung in den letzten Jahrzehnten auf derselben Höhe geblieben sein. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, datz ich vor ctioa 20 Jahren als Hand- werksgesclle für einen nach Matz gefertigten Anzug 50— 60 M. gezahlt habe; die Anzüge, die ich mir heute anfertigen lasse, sind nicht teurer und trotzdem in ihrer Qualität eher besser als schlechter. Nach alledem habe ich keinerlei Ursache, von meiner Ansicht, datz die industriellen Produkte, die in den Konsum einer Arbeiter- familie eingehen, infolge der technischen Fortschritte im Produk- tionsprozctz im allgemeinen eine Verbilligung erfahren haben, irgendwie abzugehen. Nun wäre eZ freilich sehr berkehrt, ctioa nach der Art einer — heute glücklicherweise ausgestorbenen— Spezies von Bourgeois- ökonomen, darüber zu jubeln, wie herrlich weit wir es doch gebracht haben. Bei der zumeist jammervoll niedrigen Entlohnung der deutschen Arbeiicr müssen reichlich 00 Prozent des Einkommens für Nahrung, Wohnung, Heizung und Licht verausgabt werden, so datz für Kleidung, Wäsche und Hausgeräte noch keine 10 Prozent deS Einkommens übrig bleiben. Die Verbilligung vieler indu- striellcn Erzeugnisse kann daher nur die Wirkung haben, datz manche Gebrauchsgegenstände wie Teppiche, Vorhänge, AlbumS usw., die früher wegen ihres hohen Preises für eine Arbeiterfamilie uner- reichbar waren, heute in den Konsum derselben eingehen, ohne aber deshalb deren Lebenshaltung im ganzen günstiger zu gestalten. ES ist mir wahrlich auch nicht eingefallen, zu behaupten, datz die Verbilligung vieler industrieller Erzeugnisse die Lebensmittel- teuerung ausgleichen könne. Dies wäre in Anbetracht der Tatsache, datz der deutsche Arbeiter für Lebensmittel 60— 70 Prozent seines Einkommens ausgibt, für industrielle Produkte dagegen höchstens 10—15 Prozent, heller Unsinn. Wenn Kautsky sagt, ich hätte „bestimmt" behauptet,„die Preis« der Jndustrieprodukte seien gc- fallen und hätten das Steigen der Nahrungsmittel weit gemach t", so weise ich letzteres als eine u n b e- gründete Unterstellung ganz entschieden zurück. Ich habe in meinem Artikel in den„Sozialistischen Monatsheften" nur gc- zeigt, datz, wenn einem amerikanischen Arbeiter mit 3000 M. Jahreseinkommen der Lohn auf 3750 M.(25 Prozent) erhöht wird und er darauf die Nahrungsmittel, für die er früher 1500 M. bc- zahlte, mit einem Aufschlag von 25 Prozent, also mit 1875 M. er- tverben mutz, ihm für seine anderen Bedürfnisse noch 1875 M., also 375 Mark mehr a l S früher übrig bleiben, was eine wesent- liche Erhöhung seiner Lebenslage bedeutet. Hätte ich das gemeint, was Kautsky mir unterstellt, so müßten bei meiner Rechnung nicht 3io, sondern 750 M. zur Erhöhung der Lebenshaltung übrig bleiben. Ich habe aber die Verbilligung vieler Jndustrieprodukte gar nicht in Rechnung gestellt, vielmehr angenommen, datz sie im Preise sich gleich geblieben sind. Nun versucht KautSky freilich auch diese Annahme als falsch hinzustellen, indem er aus einem statistischen Werk, das ich mir leider nicht habe beschaffen können, mitteilt, datz in Amerika in den letzten ztvanzig Jahren die Kleider um 39 Prozent, Heiz- und Lcuchtmaterialien um 40 Prozent, Möbel, und sonstige HauSein- richtungen um 32 Prozent, Baumaterialien um 62 Prozent teurer geworden feien. Die Zuverlässigkeit dieser statistischen Angaben, die aus den vorher angegebenen Gründen mehr als fragwürdig erscheint, will ich hier nicht näher erörtern, sondern nur betonen, datz sie daS nicht beweisen können, was Kautsky damit beweisen will. Schon Marx hat es gegeißelt, datz die sogenannten Lohnfonds- theorctiker, die die Aussichtslosigkeit der gewerkschaftlichen Aktion beweisen wollten, immer mit der Annahme operierten, datz alle für den persönlichen Gebrauch hergestellten Güter auch in den Konsum der Arbeiterfamilien eingehen, während in Wirklichkeit nur die wenig Arbeit erfordernden Produkte der Massen- fabrikation von den Arbeitern erworben werden können. Bei der enormen Verfeinerung des Bedarfs, die alle Bc- obachter deS amerikanischen Lebens konstatiert haben, wäre eine Preissteigerung der Kleider, Möbel und sonstigen Hausgeräte um etwa 40 Prozent an sich durchaus verständlich, nur ist, weil es sich hier um eine Durchschnittszahl für Waren aller Qualitäten handelt, damit nicht gesagt, datz diese Preissteigerung auch für die Artikel gilt, die in den Konsum der Arbeiterfamilien eingehen. Was die Möbel anbetrifft, so hat Professor Eombart auf Grund einer genauen Enquete festgestellt, datz sich dieselben für eine Arbeiter- familie in Amerika wesentlich billiger stellen wie in Deutschland. „Von allen deutschen Möbcllieferantcn", sagt Sonibart,„mit denen ich mich ins Einvernehmen gesetzt habe, ist mir übereinstimmend angegeben worden, datz es ganz undankbar sei, z. B. eine Polster- möbelgaruitur von fünf Stück für 100 oder auch nur 160 M. zu liefern, wie es die amerikanischen Magazine tun." Wenn man von Sombart ferne- hört, daß amerikanische Abzahlungsgeschäfte, die doch mit erheblichen Preisaufschlägen arbeiten müssen, Stühle für 2,73 M., Küchentische für 4,62 M., Salonlampen für 10,45 M., Teppiche(per Uard) für 2,30 M. geliefert werden, so spricht das. wie wohl auch KautLky zugeben wird, nicht gerade dafür, d«tz auch die von Arbeiterfamilien benutzten Möbel und sonstige Hauscin- richtung um 32 Prozent gegen früher im Preise gestiegen seien, denn das würde voraussetzen, datz alle die hier angeführten Gegen» stände vor zwanzig Jahren geradezu fabelhaft billig waren. Aehnliches läßt sich auch von der Kleidung sage». Nach einer im Auftrage von Professor Sombart vorgenommenen Enquete, die sich auf ungefähr 200 amerikanische Arbeiterfamilien erstreckt, zahlt der amerikanische Arbeiter für Anzüge 31,50, 37,80, 50,40 M., für Schuhe 5,25—21,— M., für Ucberzieher 46,20— 54,60 M. Auch hier handelt es sich um Preise, die nicht über die in Deutschland üblichen hinausgehen und es wenig wahrscheinlich erscheinen lassen, datz diese Kleidungsstücke vor zwanzig Jahren bei niedrigerer Technik noch fast 40 Prozent billiger gewesen seien. Wenig wahrscheinlich ist es auch, daß der amerikanischen Ar- beitcrfamilie die Heiz- und Lcuchtmatcrialicn um 40 Prozent ver- tcucrt sein sollen.„Das HauptbelcuchtungSmittcl— Petroleum — ist natürlich im Lande der Petroleumqucllen erheblich billiger wie bei uns. Der Exportpreis in Newhork ist etwa halb so hoch als der Preis in Mannheim oder Breslau. Steinkohle kostet hüben wie drüben beiläufig g l e i ch v i e l."(Som- bart.) Bleibt also nur noch die Steigerung der Wohnungsmieten, die Kautsky durch die Preiserhöhung der Baumaterialien glaub- Haft machen will. Gewiß bringt es der Uebcrgang vom Holz- zum Steinbau, der sich jetzt überall in Amerika vollzieht, mit sich, datz die zur Errichtung eines Hauses erforderlichen Baumaterialien sich im Preise bedeutend höher stellen wie früher, was aber noch lange nicht unbedingt zu höheren Mieten führen mutz, da Stein- bauten von längerer Dauer zu sein pflegen und weniger Aus- bcsserungen erfordern. Ucbrigens zeigt die Statistik der ameri- konischen Mietpreise, datz„die Deckung eines gleich großen Woh- nungsbedarfs in den Städten dem amerikanischen Arbeiter in Geld ausgedrückt, jedenfalls nicht mehr als dem deutschen kostet." Diese Tatsache spricht nicht gerade dafür, daß die amerikanischen Mieten sehr bedeutend in den letzten zwanzig Jahren gestiegen seien, da schon früher Klagen über hohe Preise für Mieten ge- äußert worden sind. Erwägt man nun, datz auch die Nahrungsmittel, die in den Konsum einer Arbeiterfamilie eingehen, zurzeit in Amerika nicht teurer wie in Deutschland sind, und hält man dem gegenüber, datz dort die Arbeitslöhne 100 bis 200 Prozent höher stehen als in Deutschland, so wird der objektive Leser mir zugeben, datz die amerikanische Statistik nicht gerade dafür spricht, daß die ameri- kanischcn Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten Sisyphusarbeit geleistet hätten. Damit soll freilich nicht gesagt werden, datz nun dort für das Proletariat alles aufs Herrlichste bestellt sei und für die Arbeiter eigentlich kein Grund vorliege, nach einer sozialistischen Ordnung der Produktion zu streben. Auch in Amerika wirft der Kapitalismus seinen dunklen Schatten auf das Leben des Ar- beiters, auch jenseits des Ozeans gibt es Krisen und Arbeitslosig- keit mit ihrem Gefolge von Not und Elend, auch dort sind noch breite Schichten vorhanden, die selbst bei voller Beschäftigung nur von der Hand in den Mund leben können und trotz der relativ hohen Arbeitslöhne gibt es vielleicht kein Land in der Welt, wo die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft größer, wo der ALbeiter „in den Sielen des Kapitalismus sich so blutig reibt, sich so rasch zu Tode rackert wie dort." »°>>«ui,gi Bewillixte Bäckerei! Meiner werten Nachbarschaft zur qefl. KcnntniSnabme, datz ich die Bäckerei des Herrn Heindarilt über- nommen habe. SS wird mein Be- streben sei», mir durch gute Bc- dienung und schmackhafte Ware die Eunst des Publikums zu erwerben. Die Forderungen der Bäcker und Konditoren habe ich bewilligt und tariflich anerkannt. 272öL «Ar! keiLed.�A i« Teure Zdt lehrt Sparfamheft. Alles ist teurer geworden. 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Hebbel-Theater: RevolntionShochzeit. Schiller-Theater O.: Macbeth. Schiller-Theater Charlotlenburg: Die Welt, in der man sich langweilt. Berliner Theater: Herodes und Mariamne. Neuen Operetten- Theater: Der Zigeunerbaron. Wetrovol- Theater: Lumpacivaga bundus. Nachm. 2-/- Uhr: Deutschen Theater: Revolution in Krähwinlcl. KammerspielhauZ: Der Graf von Gleichen. Abends 8 Uhr: Kgl. Hochschule für Musik: 1. Kammermusikabend. 8 Uhr: Des Pfarrers Tochter Von Strelndorf. Montag, 8 Uhr: Die versunkene Glocke. öerUner Tlieater. Nachm. 3 Uhr: Merodes u. Mariamne. Heute 8 Uhr: Der Bcfelil des FUrstcn. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Das Urbild des Tarlüfie. Montag: Das Urbild des Tartttffe. Dienstag'1,8 Uhr: EinköniglieherSpaO. Tolks-Oper. SW., B-llc-Alliance-Strahe Nr. 7/8. Nachm. S'/j Uhr bei bedeutend er- mäßigten Preisen: Der Troubadour. AbcndS 8 Uhr: Ein Maskenball. Thealer des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Die geschiedene Frnn. Sonntag nachm. 3>/.Uhr, halbe Preise: _ Ein Walzertraam._ Ncnett Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Nachm. 3 Uhr: Der ligeunerbaren. Abends 8 Uhr: Die PellarprinzeBsin. Residenz Tiieater Direktion: Richard Sllexander. AbcndS 8 Uhr: ErotcZIe in 3 Zilie» von Davis und Lipschütz. Morgen und solgendc Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, 3. Oktober, nachm. 3 Uhr: Ailmmcre Dich um Amclie. Nachm. 3 Uhr zu kleinen Preisen: Der Mann mit der eisernen Maske. Schauspiel in 5 Akten. Abends 8 Uhr: Onkel Bräsfe. Lebensbild in 6 Bildern. Montag; Inspektor Bräsig._ Friedricti-Wiltielmstädiisciies Schauspielliaus. Sonntag, 3. Oktober, nachm. 3 Uhr: Othello. Abend? 8 Uhr: Der liderspenstip Zähmung. Montag: Hinrich Lornscn. Dienstag: DaS Herz aus d. Hand. Z-usispssIksuSo Nachm. 3 Uhr: Die blaue ManS. Abends 8 Uhr: Man soll keine Briefe schreihen. Weinbergsweg 18-20. RoseethalerTor. 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Montag, abends 8 Ubr: Dl« von Ilocksttttel. Dienstag, abends 8 Uhr: Doktor Klans. Schiller-Theater Charloltenburg. Sonntag, nachm. 3 Ubr: Die Welt, in der man sieb langweilt. Lustspiel in 3 Aufzügen von Edouard Pailleron. Bar Ende 5'/, Uhr.-®a Sonntag, abends 8 Ubr: Das KUthchcn v. Hcilhronn G rohes historisches Ritterschauspiel in 5 Alten von Heinrich v. Kleist. Wx- Ende 11 Uhr."TpQ Montag, abends 8 Uhr: dangkor Obrigkeit. Dienstag, abends 8 Ubr: Das Käthchcn v. Hellbronn Passage-Panoplüfli. Täglich zu sehen: Die Traum-Malerin Wilhelmine Assmann Bilder ans d. Jenseits! OHaJsitziingen im Tranee finden tägl. v. 11— 1 U. u. von 3—'/,8 U. statt. Zutritt jederzeit. Ohne Extra-Entrec. Emir. SO Pf. Kind., Soldaten 25 Pf. 1 Passage-Thealer. des großen Variätb- Teils bei kleinen Preisen I Abend 8— 11 Uhr: Gastspiel Henry Bender. Die tolle Burleske Der süße Doktor 'mit Henry Bender, Lucio König. Else Bernd, Ella Rauch, Hermann Bartels, Lene Lehmann. 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Für den Lnjeratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrci u. Verlagsanjtalt Paul Singer& ioH Berttn SW. Nr. 231. 26. Iahrgaag. z. Stilme des LmSrls" KM» KIksdlM Zountag.'Z. Oktober IW. Kus Inclustvie unci ftandeL Terrorismus in der Uhrenindustrie. Die«Deutsche Uhrmacherzeitung", das Organ des Untenrehmer- bervandcs«Deutscher Uhrmacherbund", veröffentlichte kürzlich einen Vertrag von drei Uhrmacher-Fachverbänden sZentralverband deutscher Uhrmacher, Deutscher Uhrmacherbund, Deutsche Uhrmachervereinigung zu Leipzig) mit dem Verbände deutscher Uhrengrossisten, worin in so unverhüllter Weise der frech st e Terrorismus prollamiert wird, daß es sich schon verlohnt, diesen Vertrag etwas näher zu be- trachten. Er zerfällt in zwei Teile: in eine Vereinbarung mit der Fachabteilung„Taschenuhren" und in eine zweite Vereinbarung nüt der Fachabteilung„Großuhren' des Deutschen Uhrengrossisten- Verbandes. Die Taschuiuhrengrossistcn verpflichten sich darin, keine Taschenuhren an Warenhäuser, Pfandleihgeschäfte, Abzahlungs- geschäfte und Versandhäuser zu liefern, und den Groß- u h r e n g r o s s i st e n ist verboten der Verkauf ihrer Erzeugnisse an Warenhäuser. Pfandleiher, Auktionare und«solche Firmen, welche sich der Uhren als Gratisbeigaben bei Lieferung ihrer Produkte bedienen". Versand- und Abzahlungsgeschäfte sollen Großuhren nur unter der Bedingung erhalten, daß sie aus den Einkaufspreis, den der Uhrmacher zahlt, für sich einen Nutzen von 60 Prozent aufschlagen müffen I l' Den Großuhren-Grossisten ist eS gestattet, die Möbelfabrikanten direkt(also unter Ausschaltung der Uhrmacher) zu bedienen, sofern eS sich um Lieferungen von wenigstens 60 Stück Hausuhrwerken handelt, die innerhalb 6 Monaten von einem Besteller gelaust und abgenommen werden müssen. Bei Lieferung von unter bv Stück soll der Grossist verpflichtet sein, die Möbelfabrikanten respektive Tischler an die Uhrmacher zu verweisen oder aber bei direkten Bedienungen„einen mit den betreffenden Uhrmachern vereinbarten Nutzen auf den Kaufpreis aufzuschlagen und diesen Nutzen dem be- treffenden Uhrmacher zuzuwenden". Den Taschenuhren-Grossisten soll„behufS Abstoßung ihrer Läger" erlaubt fein, noch bis zum 1. September 1910„Minder- qualitäten bis zum Einkaufswert von 6 Mark netto" an die verbotenen Geschäfte zu liefern, mit Ausnahme von Marken- und Oualitätsuhren, die auch jetzt schon nicht mehr geliefert werden dürfen. Sofern bereits vorher abgeschlossene Verträge vor- liegen, soll dem Vorstande des Verbandes deutscher Uhrengrossisten darüber vertraulich Mitteilung gemacht werden. Für die Großuhren-Grossisten ist eine derartige UebergangS- frist nicht vereinbart. Zur Begründung des Vertrages wird gesagt: der Grossisten- verband sei sich„an sich" mit den Uhrmachern darin vollständig einig, daß der Uhren-Detailhandel dein„reellen deutschen Urmacher(Uhr- macher und Goldarbeiter)" ausschließlich gebühre und von den Warenhäusern und ähnlichen Geschäften fernzuhalten sei. Man sieht also: der Zweck dieses Vertrages ist: Schröpßung der Konsumenten! Die sogenannten«reellen deutschen Uhr- macher"— die heute fast durchweg keine Uhren mehr machen, sondern hauptsächlich von Reparaturen und in zweiter Linie vom Uhren- verkauf leben— haben ein Haar in der Suppe der„freien Kon- kurrenz" gefunden; sie sind durch die gewaltige Kapitals- konzentration im Handelsgewerbe, durch das Aufkommen der Warenhäuser und Abzahlungsgeschäfte in ihrer sozialen Lage sehr herabgedrückt worden und führen zum großen Teil ein kümmerliches Dasein. Nun versuchen diese kleinen Meister in ohnmächtiger Wut die ökonomische Entwickeluug aufzuhalten oder womöglich zurückzuschrauben! Man will den großen Kaufhäusern den Uhrenhandel nehmen, weil diese in der Lage sind, ihre Waren billiger abzugeben und dadurch den Uhrmachern eine gefährliche Konkurrenz bereiten. Den Versand- und Abzahlungs- geschäften will man gnädigst Großuhren(Taschenuhren überhaupt nicht!) liefern, aber nur unter der Bedingung, daß sie auf den Unternehmerpreis 60 Prozent aufschlagen! Also eine für 100 M. eingekaufte Wanduhr dürfen sie nicht unter 160 M. verkaufen 1 1 Man kann sich danach ein Bild davon machen, was überhaupt an Uhren verdient wird.*) Natürlich haben sich die Uhrcngrossisten auf diese Geschäfts- einschränkung nicht ohne Gegenleistung eingelassen: die Uhrmacher« *) Damit die Konsumenten nicht erfahren, wie sehr sie übers Ohr gehauen werden, ist schon seit längerer Zeit den Mitgliedern der deutschen Uhrmacherverbände von ihren Organisationen das Taxieren von Uhren und anderen Wertsachen verboten 1 1 verbände übernehmen dafür die Verpflichtung, ihre Mitglieder zu veranlassen,«tunlichst" nur bei Mitgliedern des GrossisienverbandeS einzukaufen. Also Boykott der nicht organisierten U h r e n g r o s s i st e n in bester Form 1 1 Doch damit nicht genug! TerroriSmnS soll nicht nur gegen die Grossisten-Außcnseiter ausgeübt werden, sondern auch gegen unbotmäßige Uhrenfabrikanten will man rücksichtslos vorgehen. Es heißt in der Taschenuhren-Vereinbarung sub II:„Der Verband Deutscher Uhrengrossisten wird mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bei den Fabrikanten dahin wirken, daß diese ihre Fabrikate nur an Verbands Mitglieder liefern I" DaS heißt: die Fabrikanten, die an nicht organisierte Uhrengrossisten oder direkt an Detailgeschäfte liefern, werden von den organisierten Uhrengrossisten boykottiert I Schließlich droht man auch unbotmäßigen Mitgliedern der Uhrmacherfachverbände oder des Uhrengrossistenverbandes terrori« stische Maßregeln an: wer gegen die besprochenen Vereinbarungen verstößt— also der Grossist, der an die auf den Index ge- setzten Geschäfte liefert oder an Versand- und Abzahlungsgeschäfte, ohne ihnen einen„Nutzen von 00 Proz." vorzuschreiben, oder der Uhrmacher, der von nicht organisierten Grossisten oder direkt von Fabrikanten kauft— wird von einem„Ehrenrat" verwarnt und in schwereren Fällen zeitweise oder dauernd aus der Or- ganisation ausgeschlossen,„letzteres zu dem Zwecke, um dem Aus» geschlossenen den Bezug von Ware zu unterbinden." Also Terrorismus in schön st er Form: erstens gegeK die verfemten Detailgeschäfte, zweitens gegen nicht organisierte Grossisten, drittens gegen ungehorsame Fabrikanten, viertens gegen vertragswidrig handelnde organisierte Grossisten und Uhrmacherl Es ist ja klar, daß die ehrenwerten Herren ihren Trick nicht erreichen werden: die Warenhäuser und die anderen mit dem Bann belegten Geschäfte werden sicherlich Fabrikanten und Grossisten finden, die ihnen trotz des Verbotes Uhren liefern; die Prosttsucht des Kapitals hat sich bisher immer als mächtiger er- wiesen denn sein Solidaritätsgefühl. Aber trotzdem ist dieser Vor- trag von Interesse für die kämpfende Arbeiterschaft als ein Doku. ment der pharisäerhaften Heuchelei, der Unehrlichkeit, die in den bürgerlichen Kreisen herrschen: diese Terroristen mar- kieren sittliches Entrüsten über den Terrorismus der— Arbeiter. /VlanukaKtunvsren-Lortiments-GescKatt R.& 8. 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StiiBMliiiAi Wn AN Dienstag, den S. Oktober 19VS, abends 8'/, Uhr: 6er suker- ordentlichen t» Hoppes Festsiilen, Hermannstr. 49. TageS-Ordnung; 1. Fortsetzung der Diskussion über den Leipziger Parteitag. 2. Wahl eines Parteispediteurs(Stichwahl). 3. Anträge. 4. BercwSangelegenhetten. 4. Verschiedenes. 23611 BtT Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Borstand. ! litis OrtsverwaUnng Berlin. Geschäftsstelle Berlin 0. 54, Mulackstr. 10, I.— Fernsprecher SImt in, 4518. Brauereiarbeiter- Gruppen-Tersammlungen. DienStag, den 5, Oktober, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engeluser 15, Saal 1, für Bicrfalsrcr, IBi(fa|)rer, Rdcmfalsrcr, Hutomobilfiilsrer, Stalleute Ihofarbeiter Mittwoch, de» 6. Oktober, abends 8 Uhr, im GewerkschastShauS, Engeluser 1», Saal 3, für lliaichlnliten, Heieer, Hanclwerlter«»4 seien Hilfsarbeiter. Donnerstag, den 7. Oktbr., abends 3 Uhr, im Gewerkschaftshans, Engcluser 15, Saal 4, für slaichenkellerarbeiter. viverie und Sleißbier-IBrauerelarbeiter. Sonnabend, den 9. Oktbr., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshans, Engelufer 15, Saal 1, sllr Krauer und Krauereihilfsarbelter. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. SteUlingnahme zur Lohnbewegung und Wahl der LohnkotNUlissionen. 2. Vereinsangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Agitiert lrästig slir einen zahlreichen Besuch dieser Grubpen- sin II PN an s Versammlungen. Kein Kollege, soweit er nicht dringend am � 0. Erscheinen verhindert ist, darf in diesen Versammlungen fehlen. Kollegen, bringt die Unorganisierten mit! ig/ii Die OrtsvsfwaHuiix. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Artung: Karton- Branche I Sonntag. 3. Oktober, vorm. 10 Uhr, in„Manns Fortuna-Sälen«, Strans berger Str. 3: Branchen-Vcrfanimlutig aller in der Post- Kartonbranche beschäftigten Nieter, Zuschneider und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: 1. Der in gemeinsamer Beratung zwischen Arbeitgeber» und Arbeitnehmer» aufgestellte Tarifvertrag. 2. DtSkussion. Zahlreichen Besuch erwartet 21/12* Die Branchenleitung und Ortsverwaltung. Achtung! Menieger! Montag, den 4. Oktober, abends 8 Uhr; Cetneinsame Sitzung aller Jliesenleger in folgenden Bezirken: 1. Bezirk: Schöneberg, Kyffhäuserstr. 26. 2. Bezirk: Norden, Böttcherstr. 2. 3. Bezirk: Osten, TilsiterStr., Ecke Weibenweg, Kempin. 4. Bezirk: Moabit, Salzwedeler Str. 16 bei B a ch st e i n. S. Bezirk: Rixdorf, Herniannstr. 75 bei K ö p k e. Die Tagesordnung in allen diesen Sitzungen lautet: 1. Die Vorgänge bei der Firma Lcdaobisilc& Mellin. 2. Die Neuregelung des, Arbeitsnachweises der Fliesenleger u. HilsSardeiter. Berichterstatter: 1. P. Schneider. 2. H. Waldhelm. 3. Fr. Bomke. 1. Fr. Schwärs. 5. H. Oommcrt. Die Mitglieder der Sektion wie der Vereinigung der Fliesenleger sind verpsltchtei, in diesen Sitzungen zu erscheinen und die regste Agitation für den Besuch zu entfalten. 139/10* Oeschaftsstelle der Fliesenleger. KgmmMMhler-NechMmluugti! Dienstag, den F. Oktober, abends 8'/, Uhr: 3. Kommunat-Wahlbezirk. BIfsrkgraf en• Kasino, Markgrafenstrasze 83. Referent: Stadtverordneter Theodor Glocke. F. Kommunal- Wahlbezirk. Btthlkes Feststtle, Dennewthstr. 13. Referent: Der Kandidat des Bezirks Max Grttnwald. 8. Kommunal-W ahlbezirk. Habels Branorel-�.nssebank, Bergmaunstr. S/7. Referent: Der bisherige Stadtverordnete Paul Dupoot. 17./18. Kommunal-Wahlbezirk. Armin• Hallen(großer Saal), kommandanteustr. S8/S9. Referent: Stadtverordneter Dr. Wehl. 38. Kommunal-Wahlbezirk. Hesldcn«» Fesisttie, Landsberger Str. 3L Referent: Stadtverordneter Karl Leid. 39. Kommunal-Wahlbezirk. Sotamidts Feststtle, Gartenstr. 6. Referent: Stadtverordneter Theodor Fischer. 43. Kommunal- Wahlbezirk. Brnnerel Patxenhofer, Turmstr. 83/23« Referent: Stadtverordneter Paul Singer. Ansprache des Kandidaten Dr. Oskar Cohn. 43. Kommunal- Wahlbezirk. Kronen-Brnnerel, Alt-Moabit 47/38. Referent: Stadtverordneter Ferdinand Ewald. 47. Kommunal-Wahlbezirk. Pbams-Sttle, Müllerstr. 149. Referent: Stadtverordneter Dr. Alfred Bernstein. spräche des Kandidaten Heinrich Metzle. An- Mittwoch, den 6. Oktober, abends 87» Uhr: 37. Kommunal- Wahlbezirk. Wllkes Feststtle, Brunuenstr, 188. Referent: Stadtverordneter Hermann BorgWgnv. 31. Kommunal- Wahlbezirk. Oblglos Feststtle, Schwedter Str. 23/24* Referent: Der Kandidat Dr. Knrt Rosenfeld. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: l Die bevorstehenden Stndtverordnetenwahlen. 2. Freie Disknssion. Zahlreicher Besuch wird erwartet! _ Die Wahlkomitees. 203/17* l» iii Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburea«- Hos I. Amt 3, 1239. CharitistraBe 3. Hos HI. Amt 3, 1987. Montag, den 4. Oktober, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engeluser 15, Saal 7: Wl» TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit den Arbestgebern und unsere weitere Stellungnahme. 2. Diskussion. Kollegen I Da in dieser Versammlung wichtige Angelegenheiten de- sprachen werden, welche die Anwesenheit eines jeden von Ihnen erfordern, so ist es Pflicht aller in Hartgummibranchen beschäftigten Arbeiter, in dieser Versammlung zu erscheinen. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dast Protokolle von der Generalversammlung in Hamburg a 40 Pf. im Bureau und bei den Bezirkskassieren» zu habe» sind. 123/13 Ble Ortsvcrwaltang. Verband der Sattler und Poitefeuiller. ■- Zahlstelle Berlin.- Kranchen- Versammlungen lWwdmchr««"'■'» Uorttfrmller- und Relseartikttbrnnche: Mittwoch, de» 0. Oktober, abends 8'/z Uhr, bei Graumann, Nanuy»strafte 27. Zahlreichen Besuch erwarten� 158/3 Die Branchenleitnngrn. Die Zahlstelle.Norden* befindet sich nicht mehr bei Hilgenfeld, Bergstr.«0, sondern beim Kollegen Pa»tl Gräulich, Gartenstr. 48. Beiträge werden zu jeder Zeit entgegengenommen. Bio Ortsvcrwaltang. Sonnabend, den 30. Oktober, in L. Kellers Feftsälen, (Jnh. Freyer), Koppenstr. 20: Feier des 20. Stiflungs-Festes. Glistspikl der Hoffmonus Norddeutschen Säuger. Konzert. Festrede. Reigenfahren von Mitgliedern des A.-R.-B.„Solidarität". Ball. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Ps. nach. Ansang«-/-Uhr. Billett 30 Ps. Billetts sind bei den Vertrauensleuten sowie aus dem Bureau zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. MD der Bentscblands. Zweigverein Berlin n. Umgegend. (Sektion der Töpferträg/er.) Achtung: Töpferträger. Achwng: Dienstag, de« S. Oktober, abends 8 Uhr, im Oewerkschatta- hause, Engelnfer 15, Saal 8: lUitglieder-Vevsamtnlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Lohnkommisstou über die Verhandlungen mit de» Arbeitgeber«. 2. DiSlusston. 30/15 LollzähligeS Erscheine» der Kollegen erwartet Ble Lohnkommlsslon, Jugkudliussihuß fit Groß-Ktltiu. Sonntag, den 3. Oktober, abends 7 Uhr, <« den Bornssla-Sttlen, Ackerstrafte 6t Ifugcnd-Verfammlungs Bortrag des Herrn I�ietlHrd Leipzig über: Deutschlands Städte und Gaue. (Lichtbilder-Vortrag.) Nach dem Vortrage: Geselliger Familien-Zlbend. DM- Zu dieser Versammlung'sind alle Lehrlwge, jugendlichen Arbeiter und Arveitermnen sreundlichst eingeladen. 289/2* IM- Verwaltung Berlin. Mitglieder-Versammlungen TiscMer Keml; Rofenth.uler und Schünhuuser Notstadt. am Bontag, den 4. Oktober, nbeuds O Ubr, (gleich nach Feierabend) bei Oblgio, Schwedter Strafte 23—24. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. VerbandSangelegenheiten. ZZniitiseMer Bezirk Weddiug und Moabit, am Montag, den 4. Oktober. abeudS 6 Uhr, (gleich nach Feierabend) bei Buabe, Kolberger Strafte Nr. 23. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Wahl der Kommisston. 3. Verbandsangelegenheiten. �_ KfiebetwtSbelttsebler am Donnerstag, den 7. Oktober, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 o. 01s Kollegen der Vororte aind hierzu besonders eingeladen.*W8 Mittwoch, den 6. Oktober: Bertrauensmämier- Versammlungen der Branchen und Bezirke. f Werhstattvertranensleute; Die Zahlstelle 31 ♦ ist von Gubener Str. 6 nach Romintener Sw. 2 bei Grewe, die Zahlstelle Zorndorser Str. 3 nach Weidenweg 85 bei Bralner verlegt worden. 90/7 Ble Oetsverwaltnng. Allen Freunden und Bekannten die ergebenste Mitteilung, daß ich Christbnrgerstr. 1 ein Bierlokal eröffnet habe. Zu regem Be- suche ladet höflichst ein 17766 Josef Leutenmayer (rflher Bad- und GrünlhalerstraBen-Ecke, nachher Weinbergsweg 8. Zur Eröffnung der 2727L Kerbst-«ns Winter-Saison empfiehlt das SpezialHaus 8. Zlsffmsm. Clisrlottsnliurg. . noch billiger wie bisher Herren- und lünaben-lZelileidung fertig und nach Maß. Stukkateure! Stukkateure! Montag, de» 4. Oktober, abends 8 Uhr, im„Getverkschaftshause". Engelnfer IS, Saal 1: IW General» Versammlung. TageS-Ordnung: I. Mrechmmg vom dritten Quartal. 2. Die Unternehmerorgauisation und der Xar»fvertraa. 3. Gewer kschaitliches. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist vollzähliges Erscheine» notwendig. _________ Pie Ortaverwaltangr. Kranken- Diesrähniskassß Oereins ii dsulsch. Kutscliep u.verw.Beriiisg. E. H. No. 83, Berlin. ?1iontag. den 8. November. abends S Uhr. Gr. Arankfnrter Strafte 47 I: Oraoutlte!»« lZeoersI-VerLsmmImig. Tagesordnung: l. Entlastung des Vorstandes auf Bericht des Ausschusses. 2. Erledigung von Beschwerden über den Vorstand. 3. Festsich�ng der Entschädigung sür den Vorstand. 4. Wahl des gesamten Vorstandes und des Ausschusses. 5. Abänderung deS Statuts, v. Ge» schästlichcS. 289/3 Pen Torutand. | Billigste Bezugsquelle j lleg-Tranerganierolie IWestmanns! Trauer-Magazin 1 Berlin W., Mohrenstr. 37a 1 NO., Gr. Frankf. Str. 115. I Genaue Beachtung I | meiner Firma u. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Bcerdigillig unserer lieben Tochter und Braut sagen wir allen aus diesem Wege unseren innigsten Dank. zramili« Tonnenberg. 1788b Alfred Lchinaun. Dp, Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Ä,*., 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Die Harnleiden Ibre Oefobren, Verdatung onb Beseitigung von Dr. med. Schnper, BERLIN- Preis 1 Mark. ■ lies tausend» >»!>» Hit Richter Sranhturt(Oder) * �' Busc Ii inGill.«Cliauss». vertfngen vorder Paten t/Jn-\ m ef dt/ nff prstfrs u fronko d/e-2 crcschure yuM ran Jpg. CartFr. Ke/ffteff Bvrtui. F. Friednchsrr«.if. Allen werten Kollegen, Freunden und Genossen teile hierdurch mit, dass ich mein Geschäft von Müller- slraße 82 a nach 272SL Mitllcrstr. 38»/d Eingang Amsterdamer Straße verlegt habe. Achtungsvoll l Ä. Doye, Rkklmratrnr. Arbeiter-Radfatirerverein �Vorwärts", Ait- Glienicke. M. d. A..R.°B.„Solidarität. Am Sonnabend verstarb unser s langjähriges Mitglied »ermsoll Mdkuui. Wir verliere» in ihm einen braven niid treuen Genossen und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Dienstag, 5. Oktober, nachmittags. 5 Uhr, vom Trauerhause Köpc. nickerstrasse S auS statt. Um rege Beteiligung bittet 1801b Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zeigen wir hiermit an, datz der Tischler 178lb Friedrieb Matsebke am 30. September verstorben ist, Beerdigung: Montag vormittag tl Uhr vom Urban-Krantenhaus nach dem HeUig Krcuz-Kirchhos (Martendorf). Die Hinterbliebenen. I'odes-An�eitx«. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht. daß meine liebe Frau 17g3b Emma Wolf geb. Spielhagen am 1. d. M. nach langem, schwerem Leiden sanst entschlasen ist. Um stilles Beileid bitten Die Hinterbliebenen. Die Becrdigilng findet morgen Montagnachmittag 3 Ubr von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes in Wclsseiisec, Falken- berger Chaussee, aus statt. Konsumgenoff enschaft von Königs-Wusterhausen tu Umg. (®.<8. m. b. H.) Bilanz am 30. Juni ISOS. TK) 60,— 600,— 373,57 An Wechselkassenkonto „ Einrichtungskonto , Kassakonto... Waren zum Einkausswerte 4697,81 , Jnventarkonto... 2133,51 „ Guthabcnkonto.... 15,— Per GeschästSanteilkonto.. 379l,26 , Rclervesondskonto.,, 119,58 , Lleteranleiikonto.,. 2151,31 , Rückvergütungskonto.. 19,08 , KauttonSkonto..». 800,— » Newgewinn..... 1285,67 Summa. 7669,8 Mitgliederbewegung. Mitgliederbestand am 1. Jult 1908....« 1908/09 beigetreten..........» Summa. 7069,89 t. 245 47 "335 29 263 1908/09 ausgeschieden..! l. i., 4.,»--- Mitgliederbestand am t. Juli 1909........... GeschästSguthaben. DaS GeschästSguthaben betrug am 1. Juli 1903...... 3492,50 M. und am 1. Jull 1909.............• dj91-25- Zunahme.. 298,75 M. Haftsumme. D le Hastsumme betrug am 1. Juli 1908........ 4900,— M. und am 1- Juli 1909.........,.... 5260,„ Die Haftsumme hat sich vermehrt um 360,— M. König». Wusterhausen, den S. September 1909. Der Borstand. Wilhelm Plelklet. Otto Friedland. Heinrich Nerge. Nur de» Aufstchtsrat: Xsrl Klose. 10813 Spezialarzt fUF Haut- nnd Harnleiden rsata ohne Quecksilber-■■■ Einspritzung nach modern. Heilverfahren, mögt. ohne Berufsstör., mit nachweisbar bestem Erfolg.* Dr. Guttmann, C., Königst?. 84-36 a. Alcxanderph(9-1, 5-8, Sonnt. 9-1). OQOC�XXXX�COOCXlOOOCXXOCXOOOOOOOi Damen, fliegt-um Modellelnkauff bot Westmann I Diese Woche zu lächerlich billigen Preisen: HlleioMUclDDiostitii! isMogfektloiiI Pelz-KiiDitloal uÄtSu BV Montag nnd Dienstag; Jedem KHufar eine Zugabe! Mg Westmanns Spezlal-Konfektionshaus I. Geschäft: Berlin W., Mohronstrasie 37 a, kein Eokhiu«, 2. Usus von der Jerusalemcrstrsese IL Geschäft: Berlin NO., Breese Franktnrteralr. HB, ktlb Eokhtts, 2. Baus von der Andreasatr. QDQOCOOQCKXXOOCXXDOOOCXIOOOOCIOC | j«SSSSSSSH Unserem Genossen HerEGIauMtznelisiGeinalillii die herzlichsten Glückwünsche zur Cilberhechzelt I Die Genossen dos 341. llezlrli» Ii«lilcngcacl>»tt. sofort, weil zu Ichwer, verlaustich. Rechne nur Waren- bestand. 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Ä» «/ w vi/ v» vi/ v)> vi> F W Unserem Genossen - GiiÄsv kskiLv nebst Geniablln| ® die herzlichsten Glückwünsche& ihrer am 4. Oktober stall- R findeiiden Silberhochzeit. « vis Lonossen äes 171. Bezirks * Teil II. Unserem Genossen Karl Schick« und Frau Marie Schicks die herzlichsten Glückwünsche zur silbernen Hochzeit. Die Genossen deS 3h Bezirks ttixdort. Müller Ä Unserem Kollegen flermaiin Wiefenstrasse 10 die herzlichsten Glückwünsche zur silbernen Hochzeit! Die Maschincnarbeiter-Kollegen Abt. S. 1728b Rixdorf. Am Donnerstag verstarb unser Mitglied, der Lackierer krtedrich Radth (3. Bezlik). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 3. Oktober, nach- mittags 3>/,Uhr, von der Leichen- Halle des ThomaS-Kirchhofes in der Hcrmannstratze aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 236/2 vor Vorstantl. Todes-Anzeige. Am 1. Oktober, vormittags[ 8 Uhr, entschlief nach kurzem, schwerem Leiden unser guter � Vater, Schwiegervater, Gross. vater, Onkel und Bruder, der! Putzer 2724L} August Hoppe im Alter von 68'/, Jahren an Lungenentzündung. DteS zeigt ttcsbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen: Slchard Hoppe als Sohn, Rügener Sir. 18. Die Beerdigung findet am Montag, den 4. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen. halle des St. Philippus-Apoftel- Kirchhofes, Müllcrstr. 44/45, nach dem Städtischen Friedhofe, Müller- strasse.-statt. Ual-VürW der Maurer Deutselilands. Zweigverein Berlin. Sektion der Pufter. Unseren sowie den Mitgliedern! des Gesangvereins zur Nachricht, j daß unser Milglicd August Hoppe im Alter von 68 Jahre» ant 1. Oktober an Lungenentzündmig verstorben ist. Ehre feinem Andenke» 1 Die Beerdigung findet am Montag, den 4. Oltober, nachm. 8'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes ia" der Müllerstr. 44/45 aus statt. Um rege Betciltgung ersucht 135/1 Der Vorstand. IttÄllllerckor „Fichte- Qeorginia 1879". Donnerstag nacht, nach Veendi» guna der Uebungsstunde, verstarb plötzlich inmitten der Sanges- brüder unser Sangesbruder, der Archikett Oskar Riska am Herzschlag. Wir verlieren In ihm einen s elten tüchtiaen und treuen Sanges- bruder, einen guten Menschen, einen lieben Freund. Ehre seinem Audcnken! Die Beerdigung findet am Montag, den 4. Oktober, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Halle deS neuen Jakobi- Kirchhoses, Hermaunstrassc, aus statt. 1775b Der Vorstand. Invaliden-DnlerMimMse d.8te!ndrncliern.h!tl!SMlien. Die Beerdigung des am 30. September verstorbenen Licht- druck«» Pau! Schäler findet statt am Somitag, den i 3. Oltober, nachmittags 3 Uhr, t von der Leichenhalle des neuen! Luisen. Kirchhofes, Rixdorf, Her-I mann strasse, aus. ITiXZb| Das Komitee. fiegröndet 1825 Hahn . 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In einer Anzahl Vororte nahmen die Wahlvereine zu den auf dem Leipziger Parteitag gefaßten Beschlüssen Stellung. Wir geben die uns zugesandten Berichte im wesentlichen hier wieder: Schöneberg. Den Parteitagsbericht und den Bericht der Stadtverordneten fraktion nahm die Wahlvereinsversammlung am 28. September entgegen. Der Delegiert« Genosse H. Fischer veranschaulichte refe. rierend die Debatten und Beschlüsse des Parteitages, dem er im allgemeinen ruhige Verhandlungen nachrühmte. Nach einer ein- gehenden Besprechung des geschäftlichen Teils der Tagesordnung verbreitete sich der Redner des längeren über den parlamentarischen Bericht. Die bei der Finanzreform geforderte Obstruktion unserer Vertreter hätte nicht den gewünschten Erfolg bringen können. Die Diskussionen über die Erbschaftssteuer hätten gezeigt, daß eine Mehrheit für dieselbe vorhanden war. Von den übrigen Tages- ordnungspunkten hob der Berichterstatter noch die Dtaifeier und das zwischen Generalkommission und Parteivorstand getroffene Abkommen hervor. In der Diskussion wies Genosse E. Bernstein die Zwecklosigkeit einer Obstruktion infolge der seit 1302 geänderten Geschäftsordnung nach. Er sprach sich für die Erbschaftssteuer aus. Genosse Molkenbuhr erklärte, daß man die Finanzreform nicht als abgeschlossene Tatsache behandeln dürfe. Der Kampf gegen die Ausplünderungspolitik der Junker müsse mit zunehmender Schärfe fortgesetzt werden. Genosse Schäfer hält eine Obstruktion(nach Aus- Nutzung aller Möglichkeiten der Geschäftsordnung und schließlichem Appell an die Massen) wohl für zweckmäßig. Diesen Ausführungen trat Genosse Molkenbuhr entgegen. Man solle nicht immer nur mit dem Worte Obstruktion kommen, sondern Anregungen geben, wie es hätte besser gemacht werden können. Die Agitation gegen die Steuergesetze und der Appell an die Massen habe rechtzeitig und in unzähligen Versammlungen eingesetzt. Das von anderer Seite vorgebrachte Einbringen von Abänderungsanträgen zwecks Obstruk- tion sei bei indirekten Steuern nicht angängig, weil die Abänderung des Steuersatzes eine Zustimmung zum Grundgedanken des Ge setzes einschließt. Dauerreden, wie die des Genossen Antrick, waren wohl bei den Generaldebatten des Zolltarifs mit seinen annähernd Tausend Positionen möglich, nicht aber bei einzelnen Paragraphen eines Steuergesetzes. Er gab dann noch seiner persönlichen Mei nung Ausdruck, daß die in die Oeffentlichkeit gebrachten Vorkomm, nisse in der Erbschaftssteuerfrage die Aktionskrast der Fraktion lähmen müßten. Der Vorsitzende konnte dann das Einverständnis der Versammlung mit den Beschlüssen des Parteitages konstatieren. Bei seinem Hinweis auf den Schnapsboykott erwähnte er, daß der schiedene bürgerliche Gastwirte(wohl infolge des Boykotts) den „Vorwärts" abbestellt haben.— Hierauf nahm die Versammlung dyn Bericht der Stadtverordnetenfraktion entgegen. Genosse Woller- mann gab eine Uebersicht der Stärkcverhältnisse der vier im Stadt verordnetenparlament vorhandenen Parteien, von denen keine die Mehrheit habe. Es sei uns, die wir das Zünglein an der Wage bilden, daher häufig inöglich gewesen, unseren Anregungen Gel- ttmg zu verschaffen. Der Redner besprach dann unsere Anträge, die in der Berichtszeit verhandelt und akzeptiert worden sind. Genosse Jakubasch kritisierte in der Diskussion unter anderem das Fehlen einiger unserer Vertreter bei wichtigen Abstimmungen, wie es z. B. in der letzten Sitzung bei den Einsprüchen zur Wähler liste der Fall war.— Weiter wurde vom Genossen Szymanski br mangelt, daß bei Erhöhung der Pflcgesätze der Krankenhäuser nicht auch auf die Hilfskassen gebührende Rücksicht genommen worden wäre. Es konnte jedoch richtiggestellt werden, daß von unseren Genossen nichts verabsäumt worden ist. Da mit den Hausbesitzer- kandidaten noch Verhandlungen schweben, konnten nur die Mieter- kandidatcn normiert werden. Folgende Genossen wurden aufgc- stellt: 2. Bezirk Petersohn, 4. Bezirk E. Bernstein, 9. Be- zirk Hoffmann und Wollermann.— Da vom Magistrat die Hergabe eines Platzes für die beabsichtigte Volksversammlung verweigert worden ist, wurde von einer solchen zurzeit Abstand ge- nommen. Der Vorsitzende wies dann nock auf den am 9. Oktober stattfindenden außerordentlichen Zahlabend hin. ' Steglitz. - Hier erstattete in der am 28. September stattgefundenen Ver- sammlung des Wahlvereins Genosse BöSke Bericht über den Parteitag. Einleitend bemerkte Redner, daß der Leipziger Partei- tag den Gegnern die Rechnung verdorben habe, indem er die vor- handenen Meinungsverschiedenheiten in sachlicher ruhiger Weise behandelte. Das neue Organisationsstatut sowie die Maifeierreso- lution stellten zwar nichts Vollkommenes dar, doch dürfte bei uner- müdlichem Eifer Ersprießliches zu leisten sein. In der Frage des Branntweinboykotts ist Redner der Ansicht, daß die strikte Durch- führung große Schwierigkeiten bereiten wird, es sollte aber jeder bemüht sein, den Schnaps nach Möglichkeit zu meiden. In der Diskussion ergänzte Genosse Heinrich Schulz den Bc- rtcht, indem er auf den Beschluß hinweist, der die Parteigenossen verpflichtet, mehr noch wie bisher die Jugendorganisationen zu unterstützen. Die Meinungen über die Erbschaftssteuer seien vor- her zu wenig geklärt gewesen. Die Fraktion müßte in derartigen prinzipiellen Fragen Fühlung mit den Organisationen nehmen. Die Referate über die Reichsversicherung zeugten von großer Sach- kenntnis der Referenten, doch dürfte sich nach Ansicht des Genossen Schulz empfehlen, die Referate vorher im Druck erscheinen zu lassen, damit die Delegierten Einsicht in die Materie nehmen können. Gegen die vom Genossen Böske gegebene Auslegung der Branntweinboykottresolution wandte sich Schulz, indem er es jedem Parteigenossen zur Pflicht macht, sich jeden Tropfen Schnaps zu enthalten. Das neue Organisationsstatut biete im Falle beharr- licher Weigerung eine Handhabe gegen Genossen, die dem Beschluß zuwider handeln, vorzugehen. Genosse Behlke hätte vom Parteitag erlvartet, daß er in agita- forischer Hinsicht mehr geleistet hätte. Genosse Block stellt demgegenüber fest, daß unsere Parteitage den Zweck haben, die Meinungen zu klären und nicht nach Art der Katholikentage ein Brillantfeuerwerk zu liefern. Die Erbschofts- steuer hätte, wenn es zur dritten Lesung gekommen wäre, abge- lehnt werden müssen. Wir dürften diesem System keine Mittel bewilligen, die wahnsinnige Rüstungspolitik fortzusetzen, die in immer stärkerem Maße den Frieden bedrohe. Den Branntwein- boykott strikte durchzuführen, sei Pflicht jedes organisierten Partei- genossen. Nachdem noch die Genossen Aßmann, Schmidt. Herrmann, Seliger und Hoppe ihre Zustimmung zu den Beschlüssen des Partei- tages gegeben, erfolgte Schluß der Versammlung. Groß-Lichterfelde. Der Wahlverein beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit dem Ergebnisse des Leipziger Parteitages. Dem einleitenden Re- ferat des Vorsitzenden folgte eine rege Diskussion. Genosse Kaliski gab seiner Befriedigung über den guten Ver- lauf des Parteitages Ausdruck, er erwarte auch für die Zukunft Geschlossenheit und Einheit der Partei. Es sei falsch, wenn bürger- liche Blätter behaupteten, der„Revisionismus" hätte gesiegt; man könne weder von einem Sieg des„Revisionismus" noch des„Radi- kaliLmus" reden; der Parteitag habe über beide Richtungen gesiegt. Am schwerwiegendsten sei der Beschluß bezüglich der Bekämpfung der Schnapspest vom hygienischen wie vom politischen Standpunkt aus. Dieser Kampf sei so hoch und heilig, daß er nicht anstehe, die Verletzung dieses Parteitagsbeschlusses einem Streikbruch gleich zu achten. In der Frage der Erbschaftssteuer habe die Fraktion korrekt gehandelt. Auch von der Diskussion der Genossenschafts- frage auf dem nächsten Parteitage verspricht sich Redner gute Er- folge für die Arbeiterklaffe.— Genosse Müller steht auf dem Standpunkt, daß die Fraktion die Erbschaftssteuer aus prinzipiellen Gründen hätte ablehnen müssen. Ferner bedauerte er die Ab- lehnung der Resolution des 1. Berliner Wahlkreises und die Nicht- anwendung der Obstruktion seitens der Fraktion bei den Steuer- vorlagen.— Genosse Ziege wies darauf hin, daß man lebhafte Aus- einandcrsetzungen und persönliche Debatten speziell mit den süd- deutschen Delegierten befürchtet hätte. Es sei erfreulich, daß in- folge der bekannten Erklärung der württembergischcn Genossen diesen Befürchtungen der Boden entzogen worden sei. Im übrigen erklärt sich Redner von den Ergebnissen des Parteitages befriedigt und gibt nur seiner pessimistischen Auffassung über die Maifeier Ausdruck.— Genosse Wenzel warnte vor einer allzu optimistischen Beurteilung des Schnapsboykotts, der selbstverständlich mit aller Energie durchgeführt werden müsse. Aber eine merkliche Einbuße an Macht werde das Junkertum durch den Boykott nicht erleiden. Es könne durch ihn wohl finanzielle Nachteile erleiden, aber seine übermächtige politische Stellung werde er kaum erschüttern. Die Macht der Junker liege nicht bloß im„Destillierhelm", wie in der Diskussion behauptet worden; sie sei historisch und traditionell und werde gestützt durch eine starke parlamentarische Vertretung im Landtag und Reichstag. Alle einflußreichen Stellungen in Ver- waltung und im Heere seien von Junkern besetzt, ein Umstand, der naturgemäß eine erhebliche Verschiebung der Machtverhältnisse zu ihren Gunsten bedeute. So lange in Preußen das Drciklassenwahl- recht nicht beseitigt sei, könne an eine tatsächliche Vernichtung der Macht des Agrariertums nicht gedacht werden. Was die Obstruk- tion der Fraktion bei den Steuerfragen anlange, so hätte sie vielleicht doch versucht werden müssen. Wenn gesagt werde, das Volk hätte noch nicht den nötigen Grad der Erhitzung gehabt, so sei dies zwar weniger ein Grund gegen die Obstruktion, als ein Entschuldigungsgrund für die Fraktion. Sicherlich hätte sich die Erregung der Massen infolge der Obstruktion eingestellt. Häufig richte sich das Verhalten der Massen nach der Initiative ihrer Führer. Er verweise bloß auf Lassalle, der während der politischen Kirchhofsruhe nach dem Rebolutionsjahr 1843 die Arbeiterbewe gung förmlich aus dem Boden stampfte.— Nach Schluß der Dis kussion erklärte sich die Versammlung mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden. In die Bildungskommission wurden gewählt die Genossen: Kaliski, Carl Pinks, Krawatsch, Balkow und Schönwetter. Eine längere Debatte zeitigte die Interpellation des Vorstandes über die verspätete Lieferung oder besser gesagt Nicht- lieferung des„Vorwärts" an die Abonnenten. Genosse Wenzel gab die Erklärung ab, daß bekanntlich eine Parteispedition am Ort nicht existiere und der Vorstand auf Privatspediteure so wenig Ein- fluß habe, wie die Expedition selbst. Die Verhältnisse müßten in dieser Beziehung von Grund aus geändert werden und zwar in erster Linie vom„Vorwärts" selbst. So wie bisher könne es unmöglich weitergehen. Wer die Entwicklung in den Vororten ver- folge und sehe, wie die Berliner bürgerlichen Blätter sich nach und nach festnisten zum Schaden unserer Bewegung und unseres Blattes, der müsse zu der Ileberzeugung kommen, daß eine andere geschäftliche Basis für den Vertrieb des„Vorwärts" notwendig sei. Der Vorstand des Wahlvereins lehne jede Verantwortung für die zutage getretenen Mißstände in der Zustellung des Blattes, die er, soweit nur möglich, zu beseitigen suchte, ab. Aber es sei zu hoffen, daß die zuständigen Berliner Instanzen sich ebenfalls der Auf fassung von der Notwendigkeit einer baldigen Aenderung der Spedi tionsverhältnisse anschließen werden.— Das Sommerfest ergab nach dem Bericht des Kassierers einen namhaften Ueberschuß. Bozhagcn-Rummelsbnrg. Eine rege Diskussion rief in der letzten Mitgliedcrbersamm- lung des Wahlvereins bei Weigel der Bericht über den Parteitag hervor. Der Berichterstatter Genosse Wessel ging eingehend auf den Bericht des Vorstandes sowie die gefaßten Beschlüsse ein und betonte, daß die Partei dadurch ein gutes Stück Weg vorwärts ge- kommen ist. Was die Erbschaftssteuer anbetrifft, sei Redner der Meinung, daß man sich hier nicht festlegen solle, sondern der Frak- tion überlassen soll, was diese im gegebenen Moment für richtig halte. Betreffs Maifeier habe der Parteitag als würdigste Form die Arlbeitsruhe bezeichnet, es sei durch die hierzu gefaßten Be- schlüsse möglich, diese durchzuführen/ Erforderlich sei jedoch, daß die Gewerkschaften ihre Stellung nunmehr zur Maifeier ändern, wenn anders es nicht beim alten Zustand bleiben soll.— In der Diskussion erklärte Genosse Witzle sich mit den Ausführungen Wessels in der Frage der Erbschaftssteuer nicht einverstanden. Die Fraktion hätte auch in der dritten Lesung gegen diese Steuer stimmen müssen. Der gegenwärtigen Regierung dürften überhaupt keine Mittel bewilligt werden, da diese zum größten Teil für Heer und Marine verbraucht würden. S e i d l i tz ist mit der Regelung der Jugendfrage nicht«inverstanden. Es hätte eine feste Organisationsform geschaffen lverden müssen, da die Bewegung gegenwärtig mehr in der Luft schwebe und ein Zusammenhalt nicht vorhanden sei. Die Vereinbarung zwischen Gencralkommission und Parteivorstand sei nicht dazu angetan, die Maifeier zu fördern. John hält die Erbschaftssteuerfrage mehr für eine taktische, wie eine Prinzipienfrage. Die Fraktion hätte in dritter Lesung für diese stimmen müssen; denn wäre dann eine Reichstagsauflösung erfolgt, hätte die Partei den größten Vorteil davon gehabt. Mit den Beschlüssen betreffs Jugendorganisation sei er, Redner, zu- frieden. Eine feste Organisation wie Seidlitz sie wünscht, sei wegen des Vereinsgesetzes nicht möglich. Die Lösung der Maifeierfrage ist die einzig richtige. B r ü s ch k e erklärte sich gleichfalls mit den gefaßten Beschlüsse einverstanden. Jünemann erklärte sich mit der Stellungnahme der Delegierten zum Niederbarnimer An- trag nicht einverstanden. Die Delegierten mußten unter allen Um- tänden versuchen, den Antrag zur Abstimmung zu bringen und nicht, wie getan, zurückziehen. Oehse vertrat die Meinung, daß man nicht der Fraktion die endgültige Stellungnahme in der Erb- chaftssteuer, sondern der Gesamtpartei überlassen soll. Ein An- rag des Genossen Wächter: auf eine der nächsten Mitgliederver- ämmlungen das Thema„Partei und Gewerkschaften" zu setzen, wurde dem Vorstand überwiesen. Unter„Verschiedenes" teilte Ge- nosse John mit, daß am 23. Oktober das 13. Stiftungsfest im „Cafe Bellevue" stattfindet, und er ersuchte um rege Beteiligung. Ferner machte Redner bekannt, daß in den nächsten Tagen eine Versammlung für die Jugendlichen stattfindet. Auch hierzu for- derte er die Anwesenden auf, für regen Besuch der Jugendlichen öwie der Eltern zu sorgen. Genosse W. Schulze machte bekannt, daß am 21. Oktober der Kursus der Arbeiterbildungsschule im Saale von Gursch in Lichtenberg seinen Anfang nimmt. Am Schlüsse verwies der Vorsitzende noch darauf, daß am 25. Oktober drei Versammlungen zur Agitation unter den Frauen stattfinden, er ersuchte hierfür eine rege Agitation, zu entfalten. Königs-Wusterhauscn. Ucber den Leipziger Parteitag referierte in der letzten Mit- gliederversammlung des Wahlvereins Genosse Böske. In ausführ- licher Weise ging der Redner auf die Verhandlungen des Partei- tages ein. Insbesondere betonte er, daß die Fraktion auch in dritter Lesung in Rücksicht auf das Programm hätte für die Erbschafts- steuer stimmen müssen. Daß die Resolution des 1. Berliner Kreises in der zweiten Abstimmung nicht zur Annahme gelangt sei, liege daran, daß der Parteitag sich aus taktischen Gründen nicht auf Jahre hinaus habe binden wollen. In der sich an das Referat an- i schließenden lebhaften Diskussion vertrat die Mehrzahl der Redner Genossen neu gemeldet. Nachdem noch einige Parteiangelegenheiten die Ansicht, daß die Fraktion in der dritten Lesung die Erbschaftö- j besprochen worden waren, schloß Genosse Ligner mit einem Appell steuer hätte ablehnen müssen. Das Vorgehen der Genossen Emmel, Hoch, Ledebour und Stadthagen sei nur zu begrüßen, wenn sie den Genossen Gelegenheit gegeben hätten, sich über die Stellungnahme der Fraktion zu dieser Frage zu unterrichten. Zur Maifeierfrage wurde allgemein bedauert, daß die Genossen als Gewerkschaftler es jahrelang ruhig mitangesehen hätten, wie von einzelnen Ge- Werkschaftsführern ununterbrochen der Aröeitsruhe am 1. Mar Hindernisse bereitet worden seien. Durch die jahrelange Brems- taktik stehe nunmehr die Maifeier am Rande des Lebens. Nicht ver» stehen konnte man auch die laxe Haltung der Berliner Delegierten bei der Abstimmung über den Antrag Berlin l. Es müsse Ver- wunderung hervorrufen, daß sich auch nicht ein Delegierter gefunden habe, um durch eine eventuelle redaktionelle Aenderung der Reso- lution zur Annahme zu verhelfen. Dadurch wäre nicht nur der bürgerlichen Presse ihr Geheul über den sogenannten Sieg des Re- visionismus erspart geblieben, sondern es wäre auch der Antrag Dittmann nicht notwendig geworden. Allgemeines Einverständnis herrschte unter den Versammelten bezüglich des Beschlusses betr. den Schnapsboykott sowie mit den Referaten über die Reichsversiche- rungsordnung. Die Versammlung beschloß zum Schluß noch, sich in der Bier- frage die vom Aktionsausschuß angenommene Resolution zu eigen zu machen. KarlShorst. Am Dienstag erstattete Genosse Grauer in gut besuchter Versammlung Bericht vom Parteitag. Dem Bericht folgte eine lebhafte Diskussion. Genosse U m b r e i t war erfreut über den eingehenden und streng sachlichen Bericht Grauers, wenn er auch nicht allen feinen Ansichten beipflichten könne. Man sage, die uns augenblicklich günstige Situation habe zur ruhigen Erledigung der ParteitagSdebattcn beigetragen, aber man möge bedenken, daß in ungünstiger Situation Ruhe und Sachlichkeit doppelt not- wendig sei. In der Frage der Erbschaftssteuer könne er die Mei- nung des Berichterstatters nicht teilen; in der gegebenen Situation hätte nur die Annahme der Steuer erfolgen dürfen. Durch die paritätische Vorberatung wichtiger Fragen zwischen Parteivorstand und Generalkommission sei eine ruhigere Entwickclung der Arbeiter- bcwegung erreicht. So in der Jugendbewegung, der Landarbeiter» organisation und auch in der Maifeierfrage. Besonders das Ein- Verständnis in letzterer Frage sei zu begrüßen. Besser wäre eS allerdings gewesen, wenn die Vorschläge schon in Nürnberg ange- nommen wären, da dann die Metallarbeiter nicht zu der einseitigen Stellung zur Maifeier gekommen wären. Umbreit kritisierte dann scharf Kautskyü Vorschlag zur Maifeier. Er wendete sich entschte- den dagegen, daß die Generalversammlung des Kreises Nieder- barnim den Delegierten wegen der Behandlung des Antrages Pan- kow eine Rüge erteilt habe. Genosse F. Küter gab seiner Unzufriedenheit darüber AnS- druck, daß der Parteitag nicht eine entschiedene Stellung zu den bürgerlichen Parteien eingenommen habe. Die Behandlung des Berliner Antrages gleiche einem Eiertanz. Genosse Zimmer- mann bedauerte gleichfalls, daß der Parteitag nicht, wie es die Berliner Arbeiter gewünscht, reinen Tisch gemacht hat. Die in der Partei bestehenden Differenzen müßten doch einmal ausgefochten werden, denn die fortbestehenden Gegensätze würden durch keine Diplomatie überbrückt. Die Erbschaftssteuerfrage�dürfe nicht durch agitatorische Rücksichten entschieden werden, diesem Staat dürfe kein Pfennig bewilligt tverden. Genosse Becker wünschte, daß die ruhige Erledigung unserer Streitfragen sich nicht nur auf den Parteitag erstrecken, sondern überhaupt mehr unser Partrilebcn durchdringen möge. Becker mißbilligte auch die Rüge der Nieder- barnimer Delegierten durch die Generalversammlung. S ch u l z k i wandte sich gegen Zimmermann, der ein zweites Dresden wolle. Wenn Zimmermann eine reinliche Scheidung von den Revisionisten propagiere, so sei nur zu befürchten, daß ein arg kleines Fähnlein nachbliebe. S p l i e d t wandte sich eingehend dagegen, daß Um- breit Kautsky Quertreiberei in der Maifeierfrage vorwirft. Um» breit polemisiert hierauf noch gegen Zimmermanns Anschau- nngen. Die pinzipielle Veriveigerung jeder Steuer führe zum AntiParlamentarismus. Nachdem noch Lenzner. R. Küter und Zimmermann geantwortet, wurde eine Resolution angenommen, die sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden erklärt und strikte Durchführung des Schnapsboykotts verlangt. Nieder-Schönhausen. Nachdem in der letzten Mitgliederversammlung deS Wahl- vereinö die Genossen Hellrich und Schelle Bericht von der Kreis» gencralvcrsammlung erstattet hatten, entspann sich eine rege Drs- kussion über den Parteitag. Genosse Vieth wandte sich gegen das provokatorische Auftreten des Genossen Fischer auf dem Parteitage. Die Abstimmung über die Erbschaftssteuer sei eine taktische Frage. Die jetzige Regelung der Maifeierfrage halte er für verfehlt In der Angelegenheit der„sieben Schwaben" wäre ihm eine Erklärung im Sinne des Gegossen Pernerstorfer auf dem Parteitage� der deutsch-österreichischen Sozialdemokratie lieber gewesen. Die Fort- schritte in der Jugendbewegung seien begrüßenswert. Der Schnaps- boykott sei ein Beschluß von politischer Tragweite. Unter Vereinsangelegenheiten gab Genosse Hellrich die Neu- aufnahmen bekannt und macht dann auf die am Mittwoch, den 8. Oktober, im Lokal von Ulitz, Blankenburger Straße 4, statt- findende öffentliche Versammlung, Referent Genosse Adolf Hoff- mann, aufmerksam. Ferner findet am Sonnabend, den 18. Oktober, im Lokal von Liedemit, Kirchplatz, ein Lichtbildervortrag über:„Der Ursprung des heutigen Menschengeschlechts" statt. Referent Privat- dozent Baege. Die Anträge der Preßkommission, Angliederung der „Vorwärts"-Speditionen an die Hauptexpedition des„Vorwärts", die Aufhebung der Freilieferung der„Neuen Zeit" an die Funktio- näre sowie die Lieferung des„Vorwärts" an die Genossen bei Krankheit und Arbeitslosigkeit durch die Wahlvereine wurde lebhaft diskutiert. Dem ersten Antrag stimmte die Versammlung zu, dem zweiten und dritten gegenüber verhielt sie sich ablehnend. Dann machte Genosse Hellrich noch auf das eigenartige Verhalten des Mitgliedes Hermann Meißner bei einem Streik in den Autogenwerken, wo derselbe als Werkführer beschäftigt ist, aufmerk- sam. Ein Antrag auf Ausschluß aus der Partei, der den zuständi- gen Instanzen überwiesen werden soll, fand einstimmige Annahme. «dlcrshof. Den Bericht vom Parteitag erstattet Genosse Ulm. Er stellte mit Befriedigung fest, daß durch die Parteitagsverhandlung denen, die heftige Auseinandersetzungen erwartet hatten, eine Enttäu- schung bereitet worden sei. Von den einzelnen Ergebnissen hob er zunächst den Beschluß über den Schnapsboykott hervor. Der Verzicht nur um ein Viertel des heutigen Verbrauchs werde die Regierung am Steuerertrag und vor allem das Junkertum an der Liebesgabe schädigen. Doch müsse die Einschränkung des Schnaps- genusses eine dauernde sein, wenn die Wirkung fühlbar werden soll. Der parlamentarische Bericht Lcdebours habe gegen die von einer Gruppe in der Partei immer wieder empfohlene Mäßigungs- Politik, die schließlich nur auf eine Politik der Selbstentmannung hinauslaufe, sich mit aller Schärfe gewendet. Bedauerlich sei, daß in der Fraktion Unklarheit und Uneinigkeit bezüglich der Stellung zur Erbschaftssteuerfrage geherrscht habe. In solcher Lage sei eS, agte Redner, durchaus angemessen, sich an die Organisationen zu wenden und sie über ihre Meinungen zu befragen. Nunmehr werde auf einem der nächsten Parteitage eine Klärung herbei- geführt werden. Man könne fragen, ob einem Staat neue Mittel, die er doch nur zur Weiterführnng seiner Weltmachtspolitik ver- »wenden wolle, überhaupt zu bewilligen seien. An der Diskussion beteiligten sich mehrere Genossen. Zur Aufnahme hatten sich zehn öft 5!e Genossen, öticf) In Zukunft laikräftig für die Parkei zu»FI. tieren. die Versammlung. Weißensee. Die Mitgliederversammlung des hiesigen Bezirks des sozial- demokratischen Wahlvereins nahm am Mittwoch den Bericht des Genossen Brühl-Lichtenberg vom Leipziger Parteitag entgegen. Redner gab ein getreuliches Bild der Verhandlungen; besonders ging er auf den Schnapsboykott, die Maiseier und die Pankower Angelegenheit, welch letztere schon wieder die Kreisgeneralversamm- lung und hoffentlich nun endgültig beschäftigt hat, ein. Ohne Tis- kussion erklärte sich die Versammlung mit den Parteitagsbeschlüssen einverstanden. Ebenso auch mit den Beschlüssen der Provinzial- konferenz, worüber Genosse Teuber Bericht erstattete. Auf Antrag des Genossen Oleh wurde beschlossen, im Oktober eine mit den neuen Steuern sich beschäftigende Volksversammlung abzuhalten. Ein Antrag des Genossen Walterskötter,„die Bibliothekausgabe wieder aus g— 10 Uhr abends festzusetzen", wurde zur Prüfung der Zweckmässigkeit der Bezirksleitung überwiesen, um in der nächsten Versammlung hierüber Beschluß fassen zu können. Der vorgeschrittenen Zeit wegen wurde eine Beschwerde der Genossin Kahle ebenfalls bis zur nächsten Versammlung vertagt. Zum Schluß machte der Bezirksleiter Genosse Kohl noch auf die Flugblattver- breitungen sowie auf daS am 13. November in der Gemeindeturn- Halle stattfindende Stiftungsfest aufmerksam; zugleich forderte er zu regem Besuch der Zahlabende auf. Reinickendorf-West. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins gab Genosse Massa in sehr ausführlicher Weise den Bericht vom Parteitag. Hauptsächlich hob derselbe den Schnapsboykott, die Maifeier und die Hofgängeraffäre hervor. Die Versammlung gab in allen Punkten ihre Zustimmung. Nur die Regelung der Maifeierfrage sieht sie als keine sehr günstige Lösung an. Verschiedene Dis- kussionsredner geben der Ansicht Ausdruck, daß sich einer der nächsten Parteitage mit dieser Frage nochmals werde befassen müssen. In seinem Schlusswort ermahnte der Referent die Genossen, für eine wirksame Durchführung des Schnapsboykotts Sorge zu tragen. Den Bericht von der Kreisgeneralversammlung gab der Genosse Bahr, mit welchem die Genossen einverstanden waren. Der Vorsitzende ermahnte, noch recht rege für den Austritt aus der Landeskirche zu agitieren, er teilte mit, daß bis jetzt 115 Austrittserklärungen eingelaufen sind. Zur Neuaufnahme hatten sich 2 Genossinnen und 6 Genossen gemeldet. Nowawes. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Wahl» Vereins erstattete die Genossin Zeetze Bericht vom Parteitag. Die Neferentin erklärte sich im allgemeinen mit den auf dem Parteitag gefaßten Beschlüssen einverstanden; nur in der Regelung der Bei- träge wünschte sie die Einführung von Staffelbeiträgen. Genosse Gruhl glaubt, daß der Beschluß über die Maifeier nicht klar genug zum Ausdruck bringe, wie sich die Genossen zu verhalten haben. Dieser Auffassung trat auch Genosse Lange bei. Zur Frage der Erbschaftssteuer vertrat Genosse Neumann die Auffassung, daß dem heutigen Staat kein Mann und kein Groschen bewilligt werden dürfe; alles übrige sei nichts anderes als Blendwerk. Genosse Krähnberg bekämpft den Unterstützungsbeschluß bei der Maifeier. Er betonte, wenn die Vorstände der Gewerkschaften nicht so gebremst hätten, wäre die Beteiligung an der Feier bisher eine bessere ge» Wesen. In ihrem Schlußwort forderte die Neferentin zu weitere» unablässiger Aufklärungsarbeit, besonders unter den Frauen auf. Die Versammlung erklärte sich hierauf mit den Beschlüsseg des PLpteitages einverstgnden. Partei- Angelegenheiten. Zu den Kommunalwahlen in Berlin. Bekanntlich finden am 3. November in Berlin die Ersaß Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt. Für Diens- tag bezw. Mittwoch sind Kommunalwählerversammlungen einberufen, in denen über kommunalpolitische Fragen refe- riert werden wird.' Die Kommunalwähler werden auf- gefordert zu zahlreichem Erscheinen und kräftiger Agitation zu diesen Versammlungen. Es finden folgende Versamm- lungen statt: Dienstag, den 5. Oktober: 2. Kommunalwahlbezirk im„Markgrafen-Kasino", Markgrafen- stratze 83. Referent: Stadtverordneter Theodor Glocke. K. Kommunalwahlbezirk in„Zühlkes Festsälen" sJnh. Nietzler), Dennewitzstr. 13. Referent: Der Kandidat Max Grun- Wald. 8. Kouiinunalwahlbrzirk in Habels Braucrei-AuSschank, Bergmann- strahe S— 7. Referent: Stadtverordneter Paul Dupont. 17./18. Kommunalwahlbezirk in den„Arminhallcn"(großer Saal), Kommandantenstr. 58/59. Referent: Stadtverordneter Dr. Wehl. 28. Kommunalwahlbezirk in den„Residcnz-Festsälen", Lands- bcrger Straße 31. Referent: Stadtverordneter Karl Leid. 39. Kommunalwahlbezirk in Schmidts Festsälen, Gartcnstr. ö. Re> ferent: Stadtverordneter A. Ritter. 42. Kommunalwahlbezirk in der Brauerei Patzenhofer, Thurm- straße 25/26. Referent: Stadtverordneter Paul Singer. Ansprache des Kandidaten ReckstSanwalt Dr. Cohn. 43. Kommunalwahlbezirk in der Kronen-Brauerei, Alt-Moabit Nr. 47/48. Referent: Stadtverordneter Ferd. Ewald. 47. Kommunalwahlbezirk in den„Pharus-Sälen", Müllerstr. 149. Referent: Stadtverordneter Dr. Alfted Bernstein. An- spräche des Kandidaten Heinrich Metzle. Mittwoch, den K. Oktober: 31. Kommunalwahlbezirk in Obiglos Festsälen, Schwedterstr. 23/24. Referent: Dr. Rosenfeld. Z7, Kommunalwahlbezirk in Wilkes Festsälen, Brunnenstr. 133. Referent: Stadtverordneter Hermann Borgmann. Zur Lokalliste. Folgende Lokale stehen uns zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung: In Groß-Lichterfelde: Link. Nachfl. Winkelmann, Berliner Stratze; in Ketschendorf das grösste und schönste Lokal am Orte: die„Fest halle" von Hermann N i ch t e r.— Auf Wunsch der Parteigenossen Maricndorfs ersuchen wir nochmals und speziell die Besucher der dortigen Frieohöfe, das Lokal»Zum GesellschaftShauS", Jnh. Johann Graßl, Chausscestr. 305, unter allen Umständen zu meiden, da uns dasselbe hartnäckig verweigert wird. Die Lokalkommisfion. Charlottcnvurg. Den Parteigenossen zur Kenntnis, dass die gemeinsame Bibliothek des Wahlvereins und der Gewerlschafts- kommisston wieder eröffnet ist. Wir ersuchen um recht rege Be- Nutzung derselben. Die Bibliothek befindet sich in der Partei- spedition, Sesenhelmer Str. 1. Ein vollständiges Bücherverzeichnis geht den Gewerkschaftsvorständen und fZahlabendleitern in den nächsten Tagen zu, so dass die Genoffen Gelegenheit haben, sich über die vorhandenen Bücher zn informieren. Der Bibliothekar. Groß-Lichterfelde. Die zu heute mittag 2 Uhr im Etablissement A. Lücke, Berliner Strasse 129, einberufene Volksversammlung findet nicht stait, da der Inhaber des Lokals. Herr Winkelmaim, in letzter Stunde sein Lokal verweigert hat. Die Arbeiterschaft hat die Konsequenzen aus dem Verhalten des Wirtes zu ziehen und seinen gastlichen Räumen fernzubleiben. I. A.: K. Wenzel. Britz— Buckow. Mittwoch, 6. Oktober, abends Va9 Uhr. findet im Lokal des Herrn Schöneberg, Rudowerstr. 66' die Vereins« Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Leip- ziger Parteitag. Referent: Reichstagsabgeordneter Gen. Fritz Zubeil. 2. Diskussion. 3. Bericht des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Das Erscheinen der Buckower Genossen ist besonders erwünscht. Der Vorstand. l Friedrichsfelde. Mittwoch, den 8. d. MtS., findet die Mitglieder- Versammlung bei Schulz,„Lindenpark", statt. Genosse Brühl wird den Bericht vom Parteitag geben. Die Genossen wollen pünktlich 8Va Uhr anwesend sein. Der Vorstand. Pankow. Am kommenden Dienstag, den 5. d. MtS., abends S'/a Uhr, findet bei Grosskurt, Berliner Strasse 27, die ordentlicheGeneral Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Parteitag durch Genossen Massa- Tegel. 2. Situations- und Kassenbericht. 3. Die Reorganisation des Bezirks Pankow. 4. Neuwahl der Funktionäre. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Die Bezirksleitung. Tegel. Morgen, Montag, den 4. Oktober, abends S1/, Uhr, findet in W. Trapps Festsälen(Jnh. M. Gamm), Bahnhofstrasse 1) eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: Die 500 Millionen neue Steuern und ihre.Wirkungen. Referent: Reichstagsabgeordneter Ge- nosse Arthur Stadthagen. Genossen und Genossinnen! Agitiert für Massenbesuch! Die Bezirlsleitung. Wilhelmsruh— Rosenthal—Nieder-SchSnhausen-West. Die Mit- gliederversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 5. Oktober, abends 3'/a Uhr, im Lokale von Kollmann statt. TageS- ordnung: 1. Bericht vom Parteitag durch die Genossin Frau Kienast. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 3. VereinSangelegen- heiten und Verschiedenes. Es wird auf die heute in Zchlendorf stattfindende Volksversammlung aufmerksam gemacht. Die Genossen treffen sich um 12'/z Uhr im Lokale von A. Feind. Die Bezirksleitung. Johannisthal. DienStag, 5. Oktober, abends 3 Uhr. findet bei Bieler, Friedrichstr. 6, eine ausserordentliche Mitgliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Der Parteitag in Leipzig. 2. DiSkusstoli. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind sämtliche„Vorlvärtö"-Abonnenten und Gewerkschaftsmitglieder eingeladen. Parteigenossen, die ihre Woh- nung gewechselt, haben dies dem Borstand in der Versammlung zu melden._ Der Vorstand. ßerlnwr JVacbrlcbtcn* Hausbesitzer-Frechheit. Den Berliner Hausbesitzern kann man beim besten Willen nicht den Vorwurf der Bescheidenheit machen. Sie verstehen es meisterhaft, ihre Interessen zu wahren, wobei sie oft in recht dreister und unverfrorener Weise zu Werke gehen. In der Kommune, wo sie Kraft des Hausbesttzerprivilegs die Herrschaft besitzen, machen sie auch von ihrem Einfluß in der ungeniertesten Weise Gebrauch. Alle Vorlagen, die zur Ver- Handlung gelangen, werden von den Hausagrariern daraufhin geprüst, inwieweit sie ihnen Vorteil bringen. Seit Jahren fordern die Herren vom Magistrat, daß er das Auswärts wohnen der städtischen Beamten verbieten soll, damit die Berliner Hausbesitzer ihre Wohnungen vermieten. In der Hauptsache ist dieser Forderung schon Rechnung getragen, obwohl dieselbe eine Beschränkung der Freizügigkeit bedeutet. Kürzlich ist der Haus- und Grundbesitzerverein Stralauer Torbezirk bei der Eisenbahndirektion dahin vorstellig geworden, den Bahnarbeitern die Freifahrtkarten zu entziehe«, da im Vereinsbezirk hunderte von kleinen 1 bis 2 Zimmerwohnungen leer ständen, so daß die Arbeiter nicht nötig hätten, fehlender Wohnungsgelegenheit wegen Freifahrtkarten zwischen Wohnort und Beschäftigungsstelle zu beanspruchen. Dieses Verlangen der Nimmersatten Hausbesitzer grenzt an Unverschämtheit und ist selbst der Eisenbahndirektion zu stark. Sie lehnte das Ansinnen ab, indem sie sich auf die Ausführungen der Vorstände der Werkstätteninspektion I am Markgrafendamm stützt. Die Antwort lautet: „Nach den hier beigefügten polizeilichen Ermittelungen sind in der Nähe der Werkstatt nur 217 Wohnungen zum Preise von 250 bis 360 M. vorhanden. Diese Mietspreise sind noch dieselben wie im Februar 1907 und können, wie seinerzeit berichtet, von einem grossen Teil der Arbeiter nicht gezahlt(I) werden und jetzt um so weniger, als inzwischen ein Lohnriickgang und eine weitere Lebensmittelverteuerung sich bemerkbar machen. Dte Arbeiterzahl ist gegen 1907 um 92 Arbeiter— 1252 auf 1334— gestiegen und die Freikarteninhaber von 313 auf 427. Die 217 leeren Wohnungen sind mithin gar nicht imstande, die Freikarteninhaber aufzunehmen, auch wenn diesen die fteie Fahrt entzogen wird. Dass die Wohnungen noch viel zu teuer sind, geht daraus hervor, dass in einem fast ausschliesslich von Ar» beitern bewohnten Viertel und in dem bezw. in dessen Nähe grosse Privatetablissements mit taufenden von Arbeitern liegen, noch ein Wohnungsüberschuh vorhanden ist. obgleich die Arbeiter der Privatz industrie besser gelöhnt werden als die diesseitigen Arbeiter. Die Entziehung der Freikarten würde nur den Erfolg haben, die Grundbesitzer in ihren Bestrebungen der Verteuerung der Miets- preise zu unterstützen. Dass diese Bestrebungen auch von der könig. lichen Staatsregierung erkannt sind, davon zeugt daS Wohnungsfürsorgegesetz und die Gewährung von Baudarlehen an Beamten- Baugenossenichaften." Die Antwort der Eisenbahndirektion ist nach den ver- schiedensten Seiten von Interesse. Einmal lvird darin aus- drücklich anerkannt, daß der Staat seine Arbeiter schlechter lohnt als die Privatindustrie, dann aber wird festgestellt, daß einem Lohnrückgang eine Verteuerung der Lebensmittel gegen- übersteht. Die Etsenbahnverwaltung sollte da einen Ausgleich durch Erhöhung der Löhne herbeiführen und nicht Arbeiter maßregeln, die für die Erhöhung der Löhne bemüht sind. Im übrigen aber ist die Abweisung, die die Eisenbahn- behörde den Hausbesitzern zuteil werden läßt, eine recht ver- ständige und verdiente. Wir meinen auch, daß der Staat sich nicht in den Dienst der Haus- und Grundbesitzer stellen und zur Verteuerung der Mietspreise beitragen darf. ES ist unerhört, den ohnehin miserabel entlohnten Eisenbahnarbeitern die Möglich- keit, billiger wohnen zu können, durch Entziehung der Freifahrt- karte erschlveren zu wollen. Natürlich sind die Hausbesitzer ob dieser Antwort sehr schlecht auf die Eisenbahndirektion zu sprechen. Sie haben sich erneut an die Direktion gewandt und wieder- olen ihren Antrag, indem sie in recht scharfer Weise den Herren, die vorstehende Antwort erteilt haben, jedes Ver- ständnis absprechen. In der erneuten Eingabe sprechen die Hausbesitzer im Hinblick auf die ihnen erteilte Antwort von „Dreistigkeit",„Voreingenommenheit und Animosität gegen die Hausbesitzer" und verlangen schließlich von der Eisenbahn- direktion, den Gutachter zu veranlassen die in der Antwort erwähnten Behauptungen zu beweisen oder sie in dte HauS- besitzer befriedigenden Weise zurückzunehmen. Es geht doch nichts über Hausbesitzerftechheit! ErgänzimgSantrag der Schwcb'cSaljn- Gesellschaft. Die Schwebe- bnhii-Gesellschaft hat bei den Staatsbehörden den Antrag ge« stellt, die Zustimmung der Stadt Berlin zur Benutzung der öffentlichen Strassen nach dem Kleinbahn gesetz zu ergänzen. Der Entschluss der Gesellschaft ist darauf zurück- zuführen, dass durch einzelne Forderungen des Verkehrsausschusses, nach Ansicht der Continentalen Gesellschaft, die künftigen Fahrpreise derart in die Höhe geschraubt werden mühten, dass es unmöglich sein würde, einen Tarif durchzuführen, der allen Schichten der Bevölkerung die regelmässige Benutzung der Schnellbahn gestattete. In Rixdorf hat die Schwebebahn- Gesellschaft die Benutzung der öffentlichrn Straßen nur bis zum Hermannplatz beantragt und den Rixdorfer Magistrat um Mitteilung ersucht, ob die Stadt mit der Wciterführung der Schnellbahn vom Hermannplatz durch die Berliner und Bergstrasse bis zur BritzerGrenze einverstanden sein würde, oder ob sie mit Bezug aus die Linienführung anders Wünsche habe._ Der widererstandene Tote. Der Arbeiter Stüwer, über dessen seltsames Schicksal wir gestern berichteten, ist nun doch gestorben. Seine Leiche befindet sich jetzt im Schauhause. Die Aerzte glauben, dass er schon bei der Ein- liefcrung in das Lazarus-Krankenhaus tot gewesen sei. Die Be« wegungen, die Stüwer im Schauhause noch gemacht hatte, seien rein automatische Zuckungen, wie sie sich nach Eintritt des Todes noch häufig zeigen._ In der Sitzung der Deputation für die städtische» Kranken« anstaltcn und die öffentliche Gesundheitspflege vom 2. Ottober, unter Vorsitz des Stadtrats Dr. Weigert, wurden die Entwürfe zu einer Dienst« und Hausordnung für das Dienstpersonal, einer Dienstanweisung für das Pflegepersonal und einer Hausordnung für die städtischen Schwestern und Schülerinnen eingehend beraten und einer besonderen Kommission überwiesen. Dem Magistrat soll die An» pellung einer Aerztin sür die Stelle eines Assistenten am Urbankrankenhaus empfohlen werden. Schliesslich wurde der Bericht der Kommission über die Prüfung der Vorschläge zur Abänderung der Beköstigungsordnung vom 28. September 1903(vergl. die Vorgänge im Rudolf-Virchoio» Krankenhause) durchberaten und genehmigt. Danach wird dem all- gemeinen Wunsche, dass Vegetabilien bei der Krankenkost mehr als bisher berücksichtigt werden müssen und dem Arzte die Möglich» keit bleiben müsse, dem individuellen NahrungSbedürfuisse der Kranken mehr als bisher Rechnung zu tragen, dadurch in Zukunft entsprochen werden. dass eine vermehrte Verwendung leichter Gemüse, mageren und gebratenen Fleisches sowie von Milch und Eiern im Rahmen der zweiten Diätsorm anzustreben ist. Um den Klagen über die Unzulänglichkeit deS Abendessens abzuhelfen, wurde beschlossen, dem Personal und den Kranken in der ersten Diätsorm ausser Fleischspeisen oder Hering mit Kartoffeln, Käse, Aufschnitt, warmer Wurst usw. noch dreiviertel Liter Suppe oder Getränk und den Kranken in der zweiten Diätform ausser dreiviertel Liter Suppe auch feste Speise(Belag usw.) zu reichen. Die Schwestern sollen einzelnen Kranken nach Bedarf auch mehr als ein halbes Pfund Brot für den Tag zuteilen. In der Kost« ordnung soll vegetabilischer Kost, namentlich leichteren Gemüsen und Salaten, ein grösserer Spielraum gegeben werden, insbesondere an Stelle der grossen Portionen von Kartoffeln öfters Reis-, Griesspeisen, Nudeln, Makkaroni und dergl. gereicht werden. An Stelle von Früh« und Nachmittagskaffee können auch Kakao. Mehlsuppen und alle sonst ärztlich verordneten Getränke geliefert werden. Der Ernährung von Zucker- und Nierenkranle» soll eine erhöhte Aufmerksamkeit als bis» her zugewandt werden. Der Rückgang deS Verkehrs in den Markthallen hat den Magistrat bekanntlich zu dem Antrage an die Stadtverordnetenversammlung geführt, die Schliessung von 3 Markthallen in Aussicht zu nehmen. Während der Zeitpunkt sür die Schliessung der Hallen in der Dorolheenstrasse und der Wörther Strasse noch nicht bestimmt ist, soll die Halle in der Zimmerstrahe am 1. April 1910 ihre Pforten schließen. Hiergegen wendet sich eine Petition von Standinhabern und Nachbarn der Halle in der Zimmerstrahe. Der Magistrat beriet gestern über diese Petition, beschloß jedoch an seinem früheren Beschlüsse festzuhalten, da die Stadtgemeinde an jedem Standinhaber dieser Markthalle nicht weniger als rund 1225 M. im Jahre zulegt. Für die Abgeordneten-Ersatzwahlen im 5.. 6., 7, und 12. Berliner Landtagswahlkreise hat der Ober-Präsident die folgenden Wahl« kommissaxe(bezw. Stellvertreter) ernannt: 5. Wablbezirk: Stadtrat I a c o b y(Mag.-Ass. Dr. Prerauer), 6. Wahlbez. Magistratsrat Dr. B u l S(Magistratsrat Tollatz), 7. Wahlbez. Stadtrat Mir lenz(MagistratZrat Dr. Franz), 12. Wahlbezirk Magistratsrat Dietert(Mag.-Assesior Dr. Schönberner) und als weiteren Stellvertreter für alle vier Wahlbezirke den Stadtrat Böhm. Ein schwerer Automobilunfall hat sich gestern im Grunewald et» eignet. An einer von Automobilisten gesürchteten Stelle einer scharfen Chausseekurve, wo sich im letzten Jahre schon zahlreiche Automobilunfälle mit tödlichem Ausgange ereignet haben, ver» unglückte gestern der nach Berlin gekommene holländische Vertreter der Siemens-Schuckert« Werke, de Brun, mit dem Chauffeur Birkenfeld. Die beiden Jnsaffen wurden durch den heftigen Anprall in weitem Bogen zu Boden geschleudert, während der Kraftwagen zer» trllminert wurde. Das laute Krachen des berstenden Wagens lockte mehrere Passanten nach der Unfallstelle, die rasch die Polizei von dem Unglück in Kenntnis setzten. Wenige Minuten später war auch der Krankenwagen bereit? nach der Unfallstelle unterwegs, während auf Motorrädern die Polizeibeamten gleichfalls dem UnglückSort zustrebten. Bei Eintreffen deS Arztes und der Beamten war de Brun bereits seinen Verletzungen erlegen, der Chauffeur Birken» feld gab noch schwache Lebenszeichen von sich. Er wurde verbunden und in dem inzwischen eingetroffenen Krankenwagen nach dem Krankenhaus Westend transportiert, Sein Zustand ist hoffnungslos. Büttels Leuchtgas hat sich eine Frau in der Forster Strasse 86, Ecke Kottbuser Ufer, vergiftet. Die Einwohner des mächtigen Eck» Hauses, das von vielen Parteien bewohnt wird, wurden durch«inen starken Gasgeruch beunruhigt und benachrichtigten den Hausverwalter, Dieser und ein Schutzmann fanden die Frau schon bewusstles bor. Man benachrichtigte die Feuerwehr, die Samariter entsandte. Alle Wiederbelebungsversuche waren vergeblich: ein herbeigerufener Arzt stellte den Tod fest. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Der Friedhofsinspcktor der AuferstehungSgemeinde in der Lichten» berger Strasse ist den Berliner Genoffen bekannt durch sein be« sonderes Auftreten, wenn es gilt, rote Kranzschleifen dem Auge zu entziehen. Als Entweihung der Grabstätte betrachtet er die Farbe der Liebe. Aber noch andere Todfeinde Hot der Herr Friedhofs» inspektor und das sind die ftemden Gärtner. Trotz Gerichts- erkenntnis, wonach den Gärtnern die Berufsausübung auf den Friedhöfen aus Bestellung hin gestattet werden muss, ver» ietet der Inspektor ftemden Gärtnern die Ausübung ihres Gewerbes. Am vergangenen Freitag wollte der Gärtner T. den Auftrag eiueS Kunden ausführen, eine Grabstätte auszuschmücken und die Frau des Gärtners hatte vorschriflSmässig vorher die Gebühren von 1 M. hinterlegt. Bei der besten Arbeit jedoch erschien der Inspektor und verwieg den Gärtner den Friedhos mit dem Bemerken, dass nur seine Leute daS Recht hätten, gärtnerische Arbeiten auszuführen. Wenn er nicht nach dreimaliger Aufforderung den Fried» hof Verlaffe, würde er ihn durch seine Leute über den Zaun werfen laffen. Der Gärtner gebrauchte als Antwort natürlich auch keine Schmeichclworte. Nun suchte der Gärtner T. beim zuständigen Pfarrer Baethge Schutz, aber hier fand er denselben nicht. Eine Beschwerde an das Kuratorium harrt noch ihrer Er» ledigung. Für die Beurteilung deS Verhaltens des Inspektor» wollen böse Zungen die Tatsache hinstellen, dass die Wirtschafterin des Inspektors neben dem Gärtner T. gleichfalls ein Blumengeschäft betreibt. DaS ist doch aber kaum möglich I_ Die Aviatiker-Woche.'•# Am gestrigen 7. Flugtage entwickelte sich nur allmählich das Leben auf der Flugbahn. Als erster stieg Baron de CaterS um 3 Uhr 17 Minuten zur Konkurrenz um den Höhenpreis auf, ging jedoch schon nach einem Fluge von kaum hundert Metern wieder nieder. Er startete dann zum zweiten Male, landete aber wegen eines Fehlers in der Höhensteuerung nach der zweiten Runde. Um 3 Uhr 25 Minuten startete Farman um den Ent» fernungS- und Dauerpreis und den Pokal der Stadt Berlin.' Der Franzose hielt sich wie gewöhnlich in einer Höhe von 2 bi» 3 Metern über dem Erdboden, doch wurde seine außerordentlich geschickte Umfahriittg der Pylone und die kurzen Kurven, die er nahm, bewundert. Leider wurde der schöne Flug Farmans um 4 Uhr LS Minuten durch einen kleinen Unfall unterbrochen. Es ist jedoch zu hoffen, daß Farman am heutigen Tage bereits wieder an der Konkurrenz teilnehmen wird. Molon stieg um 4 Uhr 46 Minuten mit seinem eleganten Eindecker auf, nachdem die ziemlich umfangreichen Reparaturarbeiten an seinem Aeroplan nach dem Unfall am Dienstag beendet waren. Der Aviatiker landete aber bereits nach der ersten Runde, wie eS schien, un- freiwillig, am Startplatz. Um 5 Uhr 63 Minuten startete Molon zum zweiten Male, konnte aber auch diesmal nur zwei Runden vollenden und mußte dann nach dem Startplatz zurückgebracht werden. Um 5 Uhr 2ö Minuten stieg Ro u g i e r mit seineni Zweidecker von 60 Pferdekräften zu einem Versuchsfluge auf, landete aber schon nach einer Runde, um sich dann um den Belastungspreis zu bewerben. Er startete um 5 Uhr 33 Minuten mit einem Passagier, einem seiner Mechaniker. Der Aufstieg vollzog sich glatt und Rougier erreichte bald die von ihm mit Vorliebe aufgesuchte Höhe von 40 bis 60 Metern. In elegantem Fluge umkreiste er fünß mal die Pylone und legte somit eine Strecke von 12� Kilometer in einem Zeitraum von 17 Minuten zurück. Rougier startete dann nochmals zu einer Versuchsfahrt mit einem Passagier, mit dem er eine Runde durchfuhr. Am heutigen Sonntag dürften sämtliche Aviatiker aufsteigen. Zwischen 8 und 10 Uhr am Sonntagvormittag wird L a t h a m einen Flugversuch unternehmen, bei welchem er beabsichtigt, eine Höhe bis zu 300 Metern zu erreichen. Gegenwärtiger Stand der Konkurrenzen. A. Geschwindigkeitspreis(20 Kilometer 10000 M und Ehrenpreis im Werte von 5000 M.) 1. Hubert Latham mit 18 Min. 46 Sek. 2. Henry Farman mit 20 Min. 9,4 Sek. 3. Henry Rougier mit 23 Min. 31 Sek. B. Höhenpreis(15 000 M. und Ehrenpreis des kaiser� lichen Aeroklubs): 1. Henry Rougier mit 94 Metern. C Entfernungs- und Dauerpreispokal von Berlin(60 000 M. bezw. Extrapreis von 10 000 M.): 1. Henry Rougier mit 132 Kilometern in 2 Stunden 41 Min. 50 Sek. 2. Hubert Latham mit 82�3 KilometeVti in 1 Stunde 22 Min. 3. Henry Farman mit 82� Kilometern in 1 Stunde 31 Min. D. Michelinpreis(Wanderpokal und 20 000 Fr. jähr lich): 1. Henry Rougier mit 132 Kilometern. B. Belastungspreis(15 000 M. und Ehrenpreis des kaiserlichen Automobilklubs): I. Henry Rougier mit 1 Passagier 12Vj Kilometer in 17 Minuten. Im Luisentheater brachte an, Freitag eine Neueinstudiernng von Th. Gaß mannS»Inspektor Brösig". Die unverwüst lichen Bühnenbilder, zu denen bekanntlich RenterS»Stromtid" als Quelle benutzt wurde, zündeten auch diesmal. Das Publikum ließ sich gern in den Bann der Vorgänge auf der Bühne ziehen und er- freute sich an den hübschen Gruppenbildern, die die Regie mit viel Geschmack zusammengestellt hatte. Auch die Darstellung hatte ihren reichlichen Anteil an der erfolgreichen Aufnahme des Stückes. Albert Blumenreich traf in Ton und Maske den allen Bräsig, wie ihn sich Reuter kaum anders gedacht haben konnte. Auch der Havermann fand in H a n S Fink emen prächtigen Dar- steller. Ebenso verdient Anna Kahlenberg als Frida v. Rambow Erwähnung, die daS Sentimentale und doch Nicht verzagende dieser Nolle trefflich zum Ausdruck brachte. Die übrigen Darsteller taten gleichfalls ihr Bestes; nur mit dem„mecklenborg- scheu Platdütsch* haperte es manchmal ein wenig. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr: 2. Abteilung, Brunnenstr. 154. Fortsetzung des Vortrages über Physiologie. Neue Mitglieder können noch eintreten.— Die nächste Kursusstunde der 5. Abteilung findet am Mittwoch, der 3. und 4. Abteilung am Donnerstag statt. Bau einem Mörtelwagen totgefahren. Ein schwerer Straßen. Unfall ereignete sich gestern abend gegen 8 Uhr an der Ecke der Fröbelstraße und der Prenzlauer Allee. Als dort der wohnnngS- lose Arbeiter Hufnagel auf dem Wege zum städtischen Obdach die Straße überschreiten wollte, wurde er von einem Mörtelwagen erfaßt und zu Boden geschleudert. Die Räder des sckstveren Wagens gingen dem Unglücklichen über den Körper, so daß er aus der Stelle getötet wurde. Feuerwrhrbcricht. Auf vorsätzliche Brandstiftung ist ein Feuer zurückzuführen, das am Frcitagnachmittag Potsdanier Str. 39, nahe der Steglitzer Straße, zu», Ausbruch kam und den 12. Zug längere Zeit beschäftigte. Wie der Befund nämlich ergab, war der Brand gleichzeitig an zwei verschiedenen Stelle» auf dem aus« gedehnten Voden des Hauses ausgekommen, so daß offenbar nicht Unvorsichtigkeit, sondern Brandstiftung vorliegt. Am Sonnabend früh um 5 Uhr brannten in der Bülowstr. 83 Kasten mit Holz» wolle». a. Der 12. Zug beseitigte die Gefahr und löschte gleich daraus einen Kiichenbrand in der Winterfeldtstr. 80 B. Ein größerer Tischlereibrand wurde an« der Somienburger Str. 10 gemeldet. Hobelspäne u. a. brannten dort, so daß kräftig Waffer gegeben lverden mußte. Fast gleichzeitig brannten Fußböden und Balken in der Neanderstr. 10. Durch die Explosion einer Petroleumlampe kam in der Bötzowstr. 23 Feuer aus. Zweimal hatte der 3. Zug auf dem Nordbahnhof zu tun, wo Eisenbahnwagen mit Preßkohlen brannten. Zu einer kranken Frau in der Oderberger Str. 37 wurden Samariter entsandt._ Vorort- JVacbricbtem Chnrlottenburg. Heber das Thema: Zur Geschichte deS Bürgertums und der Arbeiterklasse in Deutschland spricht heute nachmittag 3 Uhr im VolkShause, Rosincnstr. 3. in einer Versammlung der Freien Jugendorganisation ReichstagSabgeordneter Emil E i ch> vorn. Um eine allgemeine freie Jugendbewegung für Charlotten> bürg zu schaffen, nehmen auch die jugendlichen Mitglieder der »Freien Turnerschaft' und»Freien Schwimmer' an der Versammlung tril. Wie notwendig die Zusammenarbeit ist. beweist die Tatsache, daß den 300 freien Jugendlichen zirka 1000 junge Leute in den christlichen Jünglings- und bürgerlichen Sportsvereinen gegenüber- stehen. Es sollten deshalb die Parteigenossen ihre jungen An- gehörigen auf diese Versammlung aufmerksam machen. öiixdorf. Auf dem IPoIiztirtvicr vom Tode ereilt. Der 69 Jahre alte Invalide Gustav Klaus aus der Prinz Handjerhstr. 72 hatte sich auf dem Bureau des dritten Polizeireviers in der Bergstraße ein- gefunden, um seine Rentenquittung in Empfang zu nehmen. Kaum hatte er daS Zimmer betreten, so brach er lebloS zusammen. Man holte schleunigst einen Arzt, der aber nur noch den infolge eine« Herzschlags eingetretenen Tod konstatieren konnte. Die Leiche wurde »ach dem Schauhause gebracht. Steglitz. Der BildungSausschuß teilt mit: Auf den am 4., 11., IS. und 23. Oktober, abends S'/a Uhr bei Schellhase, Ahornstr. 15 a, statt- sindenden Vortragskursus über»Das Zeitalter der Reformation', fei hiermit nochmals hingewiesen. ES darf wohl erwartet werden, daß die Arbeiterschaft dieser Veranstaltung durch recht zahlreiche Beteiligung ihr Jntereffe bezeugt. Teilnehmerkarten sind bei den Bezirksführern sowie bei Genossen G. Winkelmann, Schloßstr. 104, und am 4. Oktober abends vor Beginn des Vortrages im Lokal von Schellhase zum Preise von 30 Pf. für den ganzen Kursus zu haben. Für die Jugendlichen ist die Teilnahme frei, es wird daher deren zahlreiche Beteiligung erwartet. Lankwitz. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am Freitagvormittag in der Marienstraße. Dort war ein Knabe in, Begriff den Fahr- dämm zu überschreiten, als plötzlich ein Patzenhofer Automobil daher kam und den Knaben überfuhr. Der Verunglückte war sofort tot, Treptow-Bauulschulenweg. Von einem Hunde zerfleischt wurde am Freitag nachmittag 4 Uhr in der Gärtnerei Drahcim, Köpenickerlandstraße, vis-a-vis der Parkstraße, ein neunjähriges Mädchen. Eine daselbst beschäftigte Arbeiterin hatte ihr Kind, welches sie nicht während der Schulferien ohne Aussicht zu Hanse lassen wollte, mit nach der Arbeitsstätte ge nommen. Der an der Kette befindliche Hund riß sich los, fiel über daS spielende Kind her und zerfleischte es am ganzen Körper. Die in der Gärtnerei beschäftigten Frauen wagten sich nicht an das wütende Tier. Durch ihr Schreien wurden aber die auf dem Depot der Siemens-Bahn beschäftigten Arbeiter aufmerlsan, gemacht, sie kamen mit Stangen belvaffnet und befreiten das Kind von dem wütenden Tier. Auf dem Depot wurde es in einen Wagen der Elektrischen gepackt und nach der Unfallstelle am Görlitzer Bahnhof gefahren. Weihensee. Der letzte große Brand der Jädeschen Tischlerei in der Goethe straße, wobei das dreistöckige Fabrikgebäude ein Raub der Flammen wurde, gab Veranlassung in der letzten Gemeindcvcrtretersiyung die Einrichtungen der hiesigen freiwilligen Feuerwehr einer Kritik zu »nterzieheu. Genwii, deVertreter Fechner als Nachbar des Grundstücks will die Wahrnehmung gemacht haben, daß einmal die Wehr sehr spät zur Brandstelle erschiene» ist, daß ferner der Oberführer, Schäfte Rathmann, die Gefahr nicht überschauend, sogleich die Berliner Wehr zur Hilfeleistung gerufen habe, trotzdem ein Vertrag zur Hilfeleistung erst vor kurzer Zeit geschloffen sei. Er wünschte die Materialien der hiesigen Wehr zu modernisieren. Der Ober- führer versichert, alles getan zu haben, was notwendig war, auch habe er nach seinem Erscheinen ans der Brandstelle sofort die Berliner und Pankower Wehr tclephonisch herbeigerufen. Daß die Berliner Wehr eine halbe Stunde nach Anruf erschien, sei nicht seine Schuld. Genosse Frenz ersucht, dem schon oftmals gestellten An- trage auf Gründung einer Berufswehr endlich zuzustimmen, für einen Fabrikort gezieme es sich nicht, sich auf freiwillige Hilfe zu verlassen. Mehrere bürgerliche Vertreter, auch der Vorsteher, nahmen die freiwillige Wehr und deren Einrichtungen in Schutz; nian nähere sich doch immer mehr dem System der Berusswehr. Im übrigen soll sowohl ein Feuerwehrdepot erbaut werden wie auch eine ständige Brandwache eingerichtet werden. Mit diesen Vertröstungen gab sich aber Gcnoffe Taubmann nicht zufrieden. Er berief sich darauf, daß vor fünf Jahren bereits eine Feuerlösch- kommission gewählt wurde, die sich mit der Organisation des Feuerlöschwesens beschäftigen sollte. In fünf Jahren habe im ganzen eine Sitzung stattgefunden, in der die Errichtung der jetzt bestehenden Alarmvorrichtung besprochen worden sei. Wolle man für die Feuersicherheit des Ortes etwas tun, so müssen die Einrichtungen zeitgemäß beschaffen sein und von geschulten Leuten bedient werden, Alle Argumente schlugen bei den bürgerlichen Herren fehl. DaS Resultat der ganzen Verhandlung fand in der Aufforderung an den Oberführer seinen Abschluß, in Zukunft anstatt zu wenig lieber öfter die Verliner Wehr zu rufen, damit das Publikum schon in dem An- blick der Berliner Wehr beruhigt wird; es soll aber auch die Zeit vom Anruf bis zum Erscheinen derselben genau registriert werden. Pankow. Der Förderung der Freien Jugendorganisation dient eine Ver- sammlnna, die heute nachmittags 4 Uhr im Lokal von Gützmann, Florastr. 7 stattfindet. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag deS Genoffen Zimmermann über:„Aus den Anfängen mensch- licher Kultur'. Nach der Versammlung: Gemütliches Bei- 'ammensein. Ferner sei darauf aufmerksam gemacht, daß jeden Sonntag von nachmittags 4 Uhr ab im gleichen Lokal die Spiel- abende der Jugendlichen stattfinden. Die Eltern beider Orte werden ersucht, ihre schulentkvssenen Söhne und Töchter auf diese Versamm- lung ausmerlsam zu machen und selbst zu, erscheinen. Die Bersammlungöbesucher von Nieder-Schönhausen treffen sich nachmittags 8 Uhr an der Kirche zum gemeinsamen Abmarsch._ Vermischtes. Der Dopprlraubmord auf Rügen. Nach einer Meldung aus Sahnitz fand gestern morgen die Obduktion der Leichen des ermordeten Pastors Vermehren und seiner Frau statt. Die eingehende Untersuchung hat in unzweideutiger Weise ergeben, daß nicht ein Selbstmord vorliegt, sondern daß beide ermordet worden sind. Die Schußkanäle verlaufen in solchen Richtungen, daß es unmöglich ist, daß sich der Pastor und seine Frau die Schüsse selbst beigebracht haben könnten. Von den Tätern ehlt noch immer jede Spur. Es sollen die benachbarten Wälder mit Hilfe von Polizeihunden abgesucht werden. M Einer weiteren Meldung aus S a tz n i tz zufolge wurde gestern nachmittag unweit Saßnitz bei einer Strohmiete ein Mann mit einer Schußwunde aufgefunden, der bald darauf verstarb. Die Persönlichkeit ist noch nicht festgestellt. Es wurde ermittelt, daß der Mann am Tage vorher in Sagard versucht hatte, eine Uhr zu ver- kaufen. Es hat nicht den Anschein, als ob diese Angelegenheit niit der Ermordung des Vermehrenschcn Ehepaares zusammenhängt. Vom Güterzuge getötet wurde gestern der auf der Görlitzer Bahn angestellte Bremser Wilhelm Karras. In der Nähe des Bahn- Hofes Brand vor Lübben fiel K. unter die Räder und wurde hierbei zermalmt. Zugzusammenstöße. Amtlich wird aus Krefeld gemeldet: Am 2, Oktober vormittags 8 Uhr erfolgte in Gräfrath bei Krefeld ein Zusammenstoß der beiden dort kreuzenden Züge 335 und 832, da infolge eines Irrtums des Fahrdienstleiters beide Züge in dasselbe Gleis gelenkt wurden. Sieben Personen haben leichte Verletzungen erlitten, konnten jedoch die Reise fortsetzen. Eine Betriebsstörung ist nicht entstanden. Einer Meldung aus BreScia zufolge ist gestern nacht ein von Verona kommender Personenzug auf' dem Bahnhof Rezzato auf einen dort haltenden Güterzug aufgefahren, wobei ein Wagen zer- trümmert nnd mehrere Personen leicht verletzt wurden. Skelcttfimd ciucs vorgeschichtlichen Menschen. Aus Pörigueux, Departement Dordogne, wird gemeldet, daß ein Lehrer in der Nähe von Le Dugne unter Felsen, mit einer Aluvialschicht bedeckt, das gut erhaltene Skelett eines vorgeschichtliche» Menschen aufgefunden habe. Bei dem Skelett, besten Alter auf mehr als 20000 Jahre geschätzt wird, lagen Rcnntierknochen und zahlreiche bearbeitete Feuersteine.______ Mocken- Spielplan der Berliner Cbeater. Köuigl. OpernhnnS. Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: Madama Bulterfly. Dienstag: Swsonie-Mattnee. 1. Sinsonie-Konzevt, Mittwoch: Tristan und Isolde,(Ansang 7 Uhr.) Donnerstag: Die Instigen Wcibcr von Windior. Freitag: Lohengri�,(Ansang 7 Uhr,) Sonnabend: Don Juan. Sonntag: Dalibor. Montag: DaS Rheingold. (Ansang 7-,. Uhr.) Köniql. Schauspielhaus. Sonntag: Der etngcblldete Kranke, Montag: Die Wclr, in der man sich langweilt, Dienstag: Die Journalisten, Mitiwoch: Nachmittags: Die Jungsrau von Orleans, Abends: Derein- gebildete Kranke. Donnerstag: Die Makkabäer. Freitag: Die Lieder des EuriPtdeS. Sonnabend: Der eingebildete Kranke. Sonntag: Die Makkabäer. Montag: Der eingebildete Kranke.(Ansang T/, Uhr,) SteucS königl. Opern-Thcater. Sonntag: Nachmittags S Uhr: Jägerblut. Abends: Der Amerikasepp'l Montag: Der Herrgottslchnitzer von Ammergau. Dienstag: Der Paragraphenschuster. Mittwoch: Der Meineidsbauer, Donnerstag: Der Amerikasepp'l, Freitag: Der Geigen. machcr von Mittcnwald. Sonnabend: Der HcrrgottSschnitzer von Ammer. gau. Sonntaanachmittag 3 Uhr: Der verkehrte Hos. Abends: Der Geigen« machcr von Mittenwald. Montag: Der Prozcßhaus'l(Llnlang ö Uhr.) Tentsches Theater. Sonntag: Revolution in Krahwinkel, Montag: Faust. DienStag: Kabale und Liebe. Mittwoch: Fault. Donnerstag: Minna von Bamhelm. Freitag: Faust, Sonnabend: Ein SommernachtS- träum. Sonntag: Faust. Montag: Revolution in Krähwinkel.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater.(Kamm erspiele). Sonntag: Der Arzt am Scheidewege, Montag: Frühlings Erwachen. Dienstag: Ltzfisttata. Mittwoch: Der Gras von Gleichen, Donnerstag: Der Arzt am Scheide- wege, Freitag, Sonnabend, Sonnlag: Die Zuflucht. Montag: Der Arzt am Scheidewege.(Ansang 8 Uhr.) Lessiua-Theater. Sonntag: DeS Psarrers Tochter von Streladorf. Montag: Die versunkene Glocke, DienStag: Des Psarrers Tochter von Streladors, Mittwoch: Die Gcsährtin, HanncleS Himmelsahrt. Donners« tag: DeS Psarrers Tochter von Streladorf, Freitag: Der König. Sonn- abend: Die Frau vom Meere, Sonntag: Des Psarrers Tochter von Streladors. Mmttag: Rosenmontag,(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachm, 3 Uhr: Herodcs und Mariamn». Abends: Der Belehl d?s Fürsten. Montag: Herodes und Mariamne. Dienstag: Der Bcsehl des Fürsten, Mittwoch: Einer von unsere Leutt. Donnerstag: Der B-sehl des Fürsten. Freilag: Einer von unsere Leup. Sonnabend: Nachmittags: Der Traum ein Leben, Abends: Der Befehl des Fürsten, Sonntag: Nachmittags: HerodcZ und Mariamne. Abends: Der Bcsehl des Fürsten. Montag: Einer von unsere Leut'.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Sonntag und Montag: DaS Urbild des Tartüffe. DienStag: Zum 1. Male: Ein königlicher Spaß.(Ansang 7'/, Uhr.) Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend, Sonntag und Montag: Ein königlicher Spaß,(Ansang 8 Uhr.) Hcbbel-Theater. Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Sonn« abend, nächsten Sonntag und Montag: DaS Wunder, Montag, Freitag: Hanna Jagert.(Ansang 3 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sonntag: Das Wäschermädel. � Montag: Der Dummkops, Dienstag bis nächsten Sonntag: DaS Wäschermädcl. Montag: Der Dummkopf.(Ansang 3 Uhr.) Kölnische Oper. Sonnlag: Nachm. 3 Uhr: HoffmannS Erzählungen. Abends: Der Wildschütz. Montag: Tiefland, Dienstag: Auserstehuna. (Anfang 7>/, Uhr.) Mittwoch: HoffmannS Erzählungen. Donnerstag: Auf. erstehung. Freitag: Der Wildschütz, Sonnabend: Auserstehung. Sonntag nachm. 3 Uhr: Tiefland, AbendS: Aujerflehung. Montag: Tiefland. (Ansang 3 Uhr.) Neues Operetten-Thcater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Zigeuner- baron. Bis aus weiteres täglich: Die Dollarprinzessin.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nachmittag: Der Zigennerbaron. Lnstspielhaus. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die blaue Maus. Abends und folgende Tage: Man soll keine Briefe schreiben. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Im Klubsessel. Abends und Montag: Man soll leine Briese schreiben.(Anfang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag nachm. 3V. Uhr: Ein Walzertraum. Bis aus weiteres täglich: Die geschiedene Frau,(Ansang 3 Uhr.) Nächsten Sonntag nachinitttag 3'/, Uhr: Die lustige Witwe. Residenz-Theatcr. Allabendlich: Gretchen.(Anfang 8 Uhr.) Sonntag nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie, Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: 2X2— 5. Abends und Montag, DienStag, Mittwoch: Moral. Donneistag, Freitag, Sonn« abend, Sonntag: Peer Bunkes Vorgeschichten. Nächsten Sonntag nach» mittag: 2 X 2=- 5. Montag; Moral.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Theater O. Sonntag nachm. 3 Uhr: Macbeth. Abends: Dr. Klaus. Montag: Die von Hvchsattel. Dienstag: Dr. Klaus. Mitt- woch: Macbeth. Donnerstag: Dr. Klaus. Freitag: Ein Erfolg. Sonn- abend: Zum 1. Male: Die erste Geige. Sonntag nachm. 3 Uhr: Macbeth. Abends: Dle erst« Geige. Montag: Die von Hochsattcl.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die sWclt, in der man sich langweilt. Abends: Das Käthchen von cilbronn. Montag: Jungfer Obrigkeit. Dienstag: DaS Käthchen von eilbronn. Mittwoch: Die Ehre. Donnerstag: DaS Käthchen von Heil- broim. Freitag: Die von Hochsattel. Sonnabend: DaS Käthchen von Heilbronn. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Welt, in der man sich lang« weilt. AbendS: Die von Hochsattel. Montag: Doktor Klau«.(Ansang 3 Uhr.) Nricdrlch-WtlhelmstädtischeS Schaufpielhans. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Othello. AbendS: Der Widerspenstigen Zähmung. Montag: Hwrich Lornsen. DienStag: DaS Herz aus der Hand. Mittwoch: Zun, 1. Male: Die goldn« Eva. Donnerstag, Freitag: Die goldne Eva. Sonn- abend: Manövcrrcgen. Sonntag„achmittag 8 Uhr: Othello. Abend«: Manöverregen. Montag: Die goldne Eva.(Ansang 3 Uhr.) Luise»< Theater. Soimtag nachmittag 3 Uhr: Der Man» mit der eisernen Maske. AbendS: Mspektor Bräsig. Montag: Inspektor Bräsig. DienStag: Die weiße Dame. Mittwoch: Der Mann mit der eisernen Maske. Donnerstag, Freitag: Inspektor Bräsig. Sonnabend: Die Herren Söhne. Sonntag: Von sieben die Häßlichste. Montag: Unbestimmt. (Ansang 8 Uhr.) Bolksoper. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Der Troubadour. SlbendS: Ein Masteuball. Montag: Undine. Dienstag! La Travtata. Mittwoch: Der Troubadour. Donnerstag: Ein Maskenball. Freitag: Die Jüdin. Sonnabend: Zum 1. Male: Die Hugenotten. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Zar und Zimmermann. Wends: Die Hugenotten. Montag: Undine. (Ansang 3 Uhr.) Thatia-Theater. Bis ans weiteres täglich: Prinz Busfl.(Ans. 8 Ahr.) Bernhard Rose-Theater. Sonntag nachmittag 8 Uhr: Im Cafü Noblesse. Abends und Montag: Die Jägermeisterin. Dienstag: Im Casö Noblesse. Mittwoch, Donnerstag: Die Jägermeisterw. Freitag: �De» Meeres und der Liebe Wellen. Sonnabend, Sonntag, Montag: Die Jäger- Meisterin.(Ansang 8 Uhr.) Trtanon-Theatcr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: LtebeSgewitter, Abends und bis aus weiseres täglich: Pariser Witwen.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Soimtag nachmittag: Coralie u. Co. Gebr. Herrnfeld-Thcater. Bis aus weiteres täglich: Frau ElkamS Friseur, Meme-Deine Tochter.(Ansang 8 Uhr.) Folies Caprice. Allabendlich: Mobilisierung. Der gewisse Augen« blick.(Ansang S'/, Uhr.) Metropol< Theater. Allabendlich: Hallohl Die große Revue! (Ansang 8 Uhr.) Reichshallen< Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 3 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Kafino-Theater. Sonntag, den 8. Ottober, nachmittags 3 Uhr: Familie Klinkert. Allabendlich: Onkel Cohn.(Ansang 8 Uhr.) Apollo-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 3 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Passage-Tbeater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allavendllch: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Wallmlla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Palast-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Karl Haberland-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ilrantn-Theater. Taubenstraße 48/49. Allabendlich 8 Uhr: In den Dolomiten. Montag, DienSkag, Mittwoch, Sonnabend nachmittag: Rom und die Eampagna. Sternwarte, Jnvalidmstr. 57— S2. UvttterungSüberNckit vom 8. Oktober 1909, morgen« 8 Nhr. «stimm II Swtnemde. Hamburg Berlin Frankf.aM. Münch«» Wie» 7ö8 Still 7S8O 758 Still 768 NO 757 SW 758 SSW Vetter Nebel 1 Nebel Wolken! 8 wolkig 1 Regen 2 wolkig biß et» «II £* mS> «tationen Haparanda Petersburg Sctlly Uberdee» Part» eil 1? 755 SB 756 SM» 755 W 751 SSW 757 WSW Vetter c* 1- «halb bd.-2 2 bedeckt Lwolklg l-wolkig 2 bedeckt 4 13 11 14 Wetterprognose für Sonntag, den 3. Oktober 1909. Mild und vielfach heiter, zeitweise etwas nebelig bei langsam nehmenden südlichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburea» WafferstandS-Nachrichte» tz« LlMdeSanstalt für Gewässerkunde. mUgeletll vom verliner Wetterbureau. zu- vafferftand Memel, Ttlfit P r e g e l, Jnsterbiwg Weichsel, Thoru Oder, Rattbor , krossen , Franks urt Warthe,«chrinn» , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Larby , Magdeburg 9+ bedeutet Such».— Fall, w') Unterpegel. Hobel'Tabrik 5 Relchenberger Straße 5 liefert Elnplchttinsen von 20 O, S0«, 400, S00, 600, 800 bis 10 OOO Hark. 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Für denJnseratenteil verantw,: Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:Vorwärtch Buchdrucker« u. Verlags«»jtalt Pant Singer fk Ca, Berlin SW, auf Teilzahlung �ringe Anzahlnng) grgß(e ��81�! M. Goldstaub a bei ZoSSOnerStr.SSEldLÜ!: Arbeitslosigkeit Ecke Gneisenaustraße.„"ff.. Krankheit. Kein Abzahlungsgeschäft! Pilsener Brauhaus« . m. d. H.j Ksng-kreis Lrsusrse Amt IV. 156?!8Ä Amt IV. 456? empkiektl ihr« erstklassigen Ufere zu billigen Preisen. ERÖFFNUNG Berhst- und(dinier- Sülsen Herren- Ä. Herren- _____________ Paletots 11 Ulsters au» Eaklme und modern gemusterten Cheviots In un- Dbortroffcnar Auswahl u. unurrelcht bllllgan Prutaun fertig am Lagur. Moderne Qlocken- form aus den neuesten Diagonal-Geweben in allen modern. FarbentOiten. In allen Preislagen fertig am Lager. Zlr. 281. 26. IahtMg. 5. leite Ks Jowiits" letlinet AlksdlM. Söttutog, 8. Oktober 1909. Soziales« Das RcichSversichcrungSamt zur Reform der Reichs- versicherungsordmmg. Das Reichsverficherungsamt ist bekanntlich vom ReichSamt des Innern zur Begutachtung deS Entwurfs der ReichSverficherungs- ordnung nicht herangezogen worden. Uni so dankenswerter ist eS, dag das Neichsversicherungsamt in dem soeben erschienenen Heft des „Reichsarbeitsblattes' über.die Jnvalidenhauspflege bei den Ver sicherungsträgern der Invalidenversicherung in den Jahren 1S07 und 1S08' einen Bericht veröffentlicht hat. dem wir den Hinweis auf zwei wichtige Mängel des jetzigen Jnvalidenversicherungsgesetzes entnehmen. Durch die Reform der Invalidenversicherung im Jahre 189S ist dem Vorstande der Versicherungsanstalten daS Recht erteilt worden, einem Rentenempfänger auf seinen Antrag an Stelle der Rente Ausi nähme in ein Jnvalidenhaus oder in ähnliche von Dritten untcr> haltcne Anstalten auf Kosten der Versicherungsanstalt zu gewähren. Der Aufgenommene ist ans ein Vierteljahr und, wenn er die Er- klärung nicht einen Monat vor Ablauf dieses Zeitraumes zurück nimmt, jedesmal auf ein weiteres Vierteljahr an den Verzicht auf die Rente gebunden. Durch diese Jnvalidenhauspflege sollte, wie die Reichsverwaltung in der Begründung ihres Vorschlages ausführte, der hilflosen Lage Rechnung getragen werden, in der sich.manche allen und kränklichen, insbesondere alleinstehende Rentenempfänger trotz der ihnen zu- gebilligten Rente befinden". In der Tat kann ein solcher invalider Arbeiter in einem Jnvalidenhause viel besser aufgehoben sein, als wenn er selbst für sich mit seiner geringen Rente sorgen muß. Je- doch kommt dabei in Betracht, ob die Versicherungsanstalten für eine richtige Behandlung der Invaliden in den Jnvalidenhäusern sorgen; denn nur dann fühlen sich die Invaliden in den Invaliden- Häusern wohl, bleiben dort und veranlassen auch andere Invaliden, ihre Aufnahme in ein Jnvalidenhaus zu beantragen. Außerdem fragt es sich, wie viele Versicherungsanstalten von jenem Rechte, das ihnen das Gesetz verliehen hat, wirklich Gebrauch machen. Der Bericht des ReichsvcrsicherungSamteS über die Invaliden- hauspflege hebt nun hervor, daß die Träger der Jnvalidenversiche- rung in neuerer Zeit von jenem Rechte in beständig wachsendem Maße Gebrauch gemacht haben. Die Träger der Jnvalidenversiche- rung hatten im Betrieb: im Jahre 1004 im ganzen 4, 1907 10, 1908 15 Jnvalidenhänser. Schon diese Tatsache, heißt eS in dem Bericht, lasse erkennen, wie die Versicherungsanstalten in den letzten fünf Jahren mehr und mehr auch diesem Zweige der sozialen Für- sorge ihre Aufmerksamkeit zugewendet haben. Trotzdem war in Wahrheit auch noch im Jahre 1903 die Zahl der Versicherungsanstalten, die von jenem Rechte Gebrauch gemacht haben, sehr gering. Die Träger der Invalidenversicherung waren im Jahre 1908 im ganzen 31 Versicherungsanstalten und 10 Kassen- einrichtungen, zusammen also 41 Anstalten. Davon hatten nur 10 An- stalten eigene Jnvalidenhänser, und zwar S Anstalten je 1 In- validenhanS. S Anstalten je 2 Jnvalidenhänser und 1 Anstalt 3 Jnvalidenhäuser. Außerdem hatte 1 Anstalt 1 Jnvalidenhaus gemietet und 12 Anstalten hatten ihre Invalide» in fremden Inda- lidenhänsern untergebracht. Von den Anstalten, die eigene Invaliden- Häuser benutzten, haben einige auch noch Invalide an fremde An- stalten überwiesen. Zusammen sind es also nur 23 Anstalten, die von jenem Rechte bisher Gebrauch gemacht haben. Mithin haben nicht weniger als 41—23= 18 Anstalten bis jetzt noch keinen Ge- brauch von jenem wichtigen Rechts gemacht, 13 Anstalten, fast die Hälfte aller Anstalten, haben, um mit den Worten des Bericht erstatters zu reden, diesem wichtigen Zweige der sozialen Fürsorge ihre Aufmerksamkeit noch nicht zugewendet. Roch bezeichnender ist die Zahl der Invaliden, die in Invaliden Häusern verpflegt werden. Sie ist gestiegen von 2155 im Jahre 1907 auf 2341 im Jahre 1903. Leider sind in dem Berichte des ReichSversichernngSamteS nicht die Zahlen der Personen hinzugefügt worden, die eine Rente auf Grund deS Jnvalidenversicherungsgesetzes beziehen. Wir wollen diese Lücke ausfüllen. Am 1. Januar d. I. erhielten im ganzen 995 810 Personen derartige Renten. Mithin kommt nur einem fast ver- schwindend kleinen Bruchteil sämtlicher Invaliden die Jnvalidenhaus- pflege zugute. Das ist zu einem guten Teile durch die bureaukratische Leitung der Versicherungsanstalten verschuldet. Demnach ist die ungenügende Durchführung der Jnvalidenhauspflege ein neues Zeugnis dafür, daß gemäß den Forderungen unseres Parteitages in Leipzig die Arbeiter selbst den entscheidenden Einfluß auf die Geschäftsführung der Versicherungsanstalten haben müssen, wenn die Invaliden- Versicherung auch in dieser Beziehung den Bedürfnissen der Arbeiter gerecht werden soll. DeS weiteren ist aus dem Bericht deS ReichsberstcherungSamteS über die Jnvalidenhauspflege zu entnehmen, wie hoch die Kosten für die*Jnvaliden sind, die in Jnvalidenhäusern verpflegt werden. Die Kosten betrugen im Jahre 1903 für jeden Invaliden: in eigenen Häusern 0,75—9,59 M. pro Tag, in gemieteten Häusern 1,85 M. pro Tag, in fremden Häusem 0,60—2,43 M. pro Tag. In den fremden Jnvalidenhäusern, in denen die meisten In- validen— 1922— untergebracht waren, stufen sich die Kosten in folgender Weise ab: 0,60— 0,68— 0,70— 0,82— 0,01— 0,93— 0,99— 1,00— 1,15— 1,20— 1,22— 1,25— 1,28— 1,47— 1,56— 1,57— 1,60— 1,84— 2,43 M. Aber auch hier fehlt in dem Bericht des Reichsversicherungsamts eine notwendige Ergänzung dieser Zahlen, nämlich die Summe, die den Invaliden als Rente ausgezahlt werden. Fügen wir diese Zahlen hinzu: Die Durchschnitts- höhe der Renten betrug im Jahre 1907: bei den Invalidenrenten 166,04 M., bei den Krankeurenten 166,24 M., bei den Altersrenten 161,64 M. pro Jahr. Nehmen wir die höchsten Renten, die Krankenrenten, dann er- halten wir einen Betrag pro Tag von noch nicht ganz 47 Pf. Das ist bedeutend weniger als selbst der niedrigste Satz der Kosten für die Verpflegung eine« Invaliden in einem Jnvalidenhause. In den meisten Fällen ist sogar der Betrag dieser Kosten doppelt und dreifach so groß als der Durchschnittsbetrag der Invalidenrente. Dabei kaufen die Jnvalidenhäuser im großen ein und sind in der Lage, die günstigsten Bezugsquellen aufzusuchen. Dadurch bekommen sie fast alle Waren billiger und besser als die Invaliden, die mit ihrer Rente einen eigenen Haushalt führen. Endlich muß mancher Jnvalide mit den 47 Pf. Rente pro Tag den Lebensunter- halt nicht nur für sich allein, sondern auch noch für seine Frau bestreiten. Demnach bestätigt der Vergleich deS DnrchschnittSbctragcS der Invalidenrenten mit der Höhe der Verpflegungskosten in den Jnvalidenhäusern, zu dem der Bericht deS RcichsversichernngsamteS über die Jnvalidenhauspflege unS angeregt hat, von neuem, daß die Erhöhung der Invalidenrente, die unser Parteitag in Leipzig ebenfalls gefordert hat, in der Tat dringend notwendig ist. Denn es ist ein unerhörter Skandal, daß die so viel gerühmte Invalidenrente, die Versorgung aufgeriebener, abgearbeiteter Arbeiter, zux Bestreitung deS Lebensunterhalts ganz und gar ungenügend ist. Dieser Skandal muß bei der bevorstehenden Reform der Arbeiter- Versicherung unbedingt beseitigt werden. Aus dem sächsischen Erzgebirge. Ein Zurückgehen der Heimarbeit in verschiedenen Bernsen ist seit einigen Jahren im ganzen Erzgebirge zu beobachten. Besonders ist es die Weberei, die seit Jahren auf dem Aussterbeetat steht, diese Hungeriudustrie, die in wenigen Jahren so manchen Unter- nehmer zum reichen Manne machte. Handweberstädte von Weltruf waren zuin Beispiel Hohenstein-Ernstthal und Lichtcnstein-Callnberg. Seit aber der mechanische Webstuhl dort Einzug gehalten hat, flüchten die Handweber in die Fabrik. Trotzdem in der Decken- webindustrie der Lohn ein niedriger ist. werden doch die Fabrik- Weber noch besser bezahlt als die Handweber. Löhne von 7—12 M. pro Woche für die Handweber waren in den Angen eine? erz- gcbirgischen Fabrikanten noch gute Löhne, trotzdem oft die ganze Familie eines Webers mit daran arbeitete. Aber die Jugend hat schon begriffen, denn jetzt lernt niemand mehr die Haudtveberei und wo jetzt noch der Haudlvebstnhl klappert, wird er auch bald schweigen. Seit zwei Jahren hat man den armen Handwebern eine Lohn- erhöhung von zirka 8 Prozent zuteil werden lassen, dafür haben aber die Fabrikanten ihre Verkaufspreise um 25—30 Prozent gesteigert.______ Gerichts-Zeitung« Ein Biehhiindler-Witz. Von der Anklage der Freiheitsberaubung und der fahrlässigen Körperverletzung sind am 6. März vom Landgericht Stolp i. P. die Viehhändler K e t e l h u t und Block, sowie der Mitangeklagte Rudolf freigesprochen worden. Der Nebenkläger II. hatte unterwegs soviel gezecht, daß er in einer Wirtschaft einschlief und den Zug nach Schlalve versäumte. Infolge seiner schweren Trunken- heit konnte er nicht»ach Hause gelangen. Die Angeklagten beschlossen deshalb, ihn in einen Gänsewagen zu packen und so als„Frachtgut" nach Hause zu dirigieren. U. selbst soll damit einverstanden gewesen sein. Vor der Wohnung U.'S fuhren aber die Angeklagten vorüber und mit dem Wagen auf daS M.'sche Gehöft, wohin er gehörte. Ketelhut und Rudolf ließen nun den U. noch dreiviertel Stunden im Gänscwagen liegen und bewirkten, Wohl nicht unabsichtlich, daß eine Anzahl Nachbarn den betrunkenen Mann in der ungewöhnlichen Lage anstaunen konnten. Eine FrciheitS- beranbung hat das Gericht in der Verzögerung der Aus- ladung des U. nicht erblickt, sondern nur einen derben Scherz in der Handlungsweise der Angeklagten.— Die Revision deS Staatsanwalts und de? Nebenklägers U. wurde am Donnerstag vom Reichsgericht verworfen, da der Mangel des Bewußtseins der Nechtslvidrigkeit ausreichend festgestellt sei. >0* Eröffnung..i.»5.GeschsHs:AmAlexanderplatz meines Sie sind höflichst rur Besichtigung eingeladen. Jeder Käufer erhält am Eröffnungstage ein GeschenH. Oktober Montag neben Aschingers Bierquelle. Während der ganzen Woche erhält jeder Käufer in meinen 5 Oeichäflen 15pCt. Rabatt Mark 7.00 Mark 6.50 Heine Optnl-Gliser schonen die Augen und stärken die Sehkraft. Diese Tafsache wird täglich mehr bekannt, und deshalb wird die Nach rage nach Optal- Gläsern stets grösser; daher sah Ich mich genötigt, innerhalb eines Jahres ein 3. Geschält neu zu erötlnen. 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