Nr. 335. BbonnementS'Bedingungcn: Sffionnemcntä- Preis pränumerando: Lierteljährl. SM Mf. monoll. 1,10 Ml. wöchentlich 28 Pfg, frei WS Haus. Einzelne Nummer K Pfg. Sonntags- pro Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Te-ichland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänten. Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. crift»» lW» außer lllsotsg». Vevlinev Volksbltttk. Sie Inlertlons« Gebühr Beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel- zctle oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwcrlschaslliche Vereins- und Vcrfammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Kleine Uli-eigen", das erste tsett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigen das erst- Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcöfsnet, Telegramm. Adresse: fcSezlaliUmolirat Rtriin'4. Zcntralorgan der rozialdcmokrati leben Partei Deutfcblande. Redaktion: SM. 63, Lindenotrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Streiki'echt. Die Verhandlungen des Vereins für Sozialpolitik in Wien waren nur allzu sehr geeignet, den Eindruck voll- kommener Ergebnislosigkeit der bürgerlichen National- Ökonomie zu verstärken. Abgesehen von dieser allgemeinen Feststellung besteht ihr größter Wert in einigen wenigen Rosinen, die in den schlechtgeratenen Teig hineinkamen. Damit meinen wir nicht einmal so sehr die Angriffe des linken Flügels auf den Verein für Sozialpolitik, den dort betonten Gegensatz gegen die Burcaukratie, als die Eingeständnisse der Geheimräte Wagner und Thiel über das vollständige Ungenügen der parlamentarischen Kontrolle des Paria- ments und der Stadtverordnetenversaniin- lungen in Preußen und die damit im Zusammenhang stehende Betonung der Wichtigkeit sozialistischer Kritik in diesen Versammlungen. Unsere preußischen Gc nossen werden es sicherlich nicht daran fehlen lassen, diese wichtigen Bemerkungen in der Agitation für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen entsprechend zu gebrauchen. Wiir möchten schon jetzt darauf aufnierksam machen, daß man damit rechnen muß, daß diese wichtigen Aenßerungen im stenographischen Protokolle über die General Versammlung des Vereins für Sozialpolitik nicht so zum Ausdruck gelangen, wie sie gesprochen wurden. Aber das erschiene nicht so gefährlich, weil ja doch in zahlreichen Zeitungen diese Bemerkungen, wenn auch leider nicht in stenographischer Treue, festgehalten sind. Eine andere Bemerkung des Geheimrats Thiel scheint aber in der Berichterstattung untergegangen oder wenig bc wertet, jedenfalls nicht genügend gewürdigt zu sein, auf die zurückzukommen jedoch im Interesse der gewerkschaftlichen Organisation und der Anwendung der gewerkschaftlichen Kampfmitel unerläßlich erscheint. In der Debatte über die Gemeindebetriebe, in der gleichen Rede, in der die Bemerkung über die notwendig gesteigerte Kontrolle in den Staats- und Stadtparlamenten fiel, in der Thiel den Kampf um ein besseres Wahlrecht als notwendig bezeichnete, brachte er sehr gefährliche Aeußerungen über das Streikrecht der Ar� b e i t e r. Wie das nun heute selbst bei Unternehmersekro tärcn üblich ist, sagte er, er habe gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter gar nichts einzuwenden und wünsche seine Minde rung durchaus nicht, doch halte er das Streikrecht für durchaus überlebt und unhaltbar. Das Streikrecht den Arbeitern zu nehmen, so führte er aus, sei überhaupt keine bedenkliche Sache für die Arbeiterschaft, weil die sich gewaltig entwickelten Unternehmerorganifationen die Aussichten des Streiks immer ungünstiger gestalten, die Kämpfe immer langwieriger und umfangreicher machen und so das Risiko des Streiks viel zu gewaltig ansteigen lassen. Vor allem sei es notwendig, das Streikrecht in den öffentlichen Betrieben einzuengen. Den allgemeinen Gegensatz gegen das Streikrecht suchte er theoretisch zu begründen. Er leitet das Strcikrecht ab aus der Theorie des Manche st ertums, aus der Lehre von dem freien Spiel der wirtschaftlichen Kräfte, das einen ständigen und unaufhörlichen Kampf nach dem Prinzip der freien Konkurrenz zur �olge haben müsse. Das Manchester- tum sei überwunden, diese Theorie sei vollständig aufgegeben, es könne also nicht das Streikrecht erhalten werden, weil,. wenn die Voraussetzungen fallen, auch die Folgerungen auf- gegeben werden müssen. Und da saßen vor dem Redner die Vertreter der Uni- versitätswissenschaft der Nationalökonomie, die Repräsen- tauten der sich so stolz blähenden historischen Schule in der Nationalökonomie, da waren die Ethiker in der National- Ökonomie, die Sozialpolitiker par exoellenee, und kein ein- ziger wußte etwas einzuwenden gegen diese merkwürdige Theorie, daß das Streikrecht und das Streiken nur aus den Manchesterlehren abgeleitet werden könne, daß mit dem Toten- schein, den irgend jemand den Lehren von Adam Smith, Ricardo, den beiden Mills und ihren Jüngern ausstellt, noch nicht ausgelöscht sei die Bedeutung dieser Theorien für den heutigen Staat und sein Recht, für die heutige Volkswirtschaft und die Kräfte, die in ihr wirken. Mit dieser schönen Theorie kann man natürlich das Recht der Freizügigkeit, das Recht auf die freie Berufswahl, das Recht auf die Selbständig- keit. alle Folgerungen aus der Gewerbefreiheit und aus der Aufhebung der Leibeigenschaft einfach zunichte machen. Herr Thiel war wahrlich lange genug im preußischen Landwirtschaftsministerium, um zu wissen, daß mehr als erratische Blöcke voni Feudalismus in Preußen erhalten sind, und daß die mächtigen Ostelbier alles daransetzen, nicht nur zu erhalten, was vom Feudalismus noch besteht, sondern auch möglichst viel zu zerstören, was die Nachfolger des Feudalis- mus durchgesetzt hatten. In einer Zeit, wo die preußischen Minister, selbst ein Miguel, für die Einengung der Frei- ziigigkeit eintraten, sollte man nicht so gefährliche Theorien über die Vernichtung des Manchestertums und über den wissenschaftlich nicht haltbaren Rechtszustand seiner Schöpfun- gen sprechen. Entweder war sich der sonst so ernst zu nehmende Herr Thiel der Verantwortlichkeit seiner Worte nicht bewußt oder er führte Böses im Schilde. Daß dabei seine theoretische Auseinandersetzung durchaus "Verfehlt war, wurde von all den Trögern der sich gegenseitig rühmenden wissenschaftlichen Namen nicht bemerkt. Wer nur eine Spur von Wirtschaftsgeschichte kennt, müßte wisfen, daß lange bevor die ersten Werke mit freihändlerischen Ideen er- schienen sind, Jahrhunderte vor der Prägung des berühmten Wortes laissez faire et laissez passer durch den Marquis d'Argenson,- die dann durch Quesnay und Turgot Welt- berühmt geworden sind, es Streiks gegeben hat. Die Streiks und die Manchesterschule haben nichts anderes miteinander gemein, als daß die Manchesterschule für die Streiks eine Theorie fand, für die Streiks, die es schon lange vorher ge- geben hat. Man braucht wahrlich nicht, um Herrn Thiel zu widerlegen, auf die Streiks im Altertum zu verWeifen, der Verfasser der Tucher- und Wcberzunft in Straßburg, die Mit- arbeiter an Monss Zeitschrift für die Geschichte des Ober- rheins, die zahlreichen Professoren, die da anwesend waren und ihre Schüler vom Studium der Gegenwart abhalten, und sie zu Problenien der Vergangenheit hintreiben, sie hätten wahrlich im Nanien der Wissenschaft, deren Vertretung sie ja doch gepachtet zu haben meinen, protestieren müssen gegen die Ableitung des Streiks aus der Manchestertheorie. Sie hätten betonen müssen, daß die Streiks im heiligen romi- schen Reiche deutscher Nation schon im 13. Jahrhundert nach- weisbar sind, daß in den Urkunden aller städtischen Räte, in den Akten zahlreicher Reichstage immer und immer wieder zum Streiken Stellung genommen wird. Keiner wies hin auf die Frankfurter Buchbinderordnung, die B ü ch e r heraus- gegeben hat, in denen so viel von den Streiks die Rede ist, keiner wies auf Ortloffs„corpus juris opificiarii" hin, in dem doch auch von dem Streiken die Rede ist. Wenn wir nicht irren, war es Rudolf Mayer, der einmal in der längst verschollenen„Berliner Revue" an einem Einzelfalle nach- wies, daß die Professoren vom Verein für Sozialpolitik un- vorbereitet über ökonomische Probleme nicht diskutieren können. In Wien haben sie das aufs gründlichste bestätigt. Herr Thiel hat bewiesen, daß nian eine große national- ökonomische Leuchte, einer der wichtigsten Beamten in der preußischen wirtschaftlichen Verwaltung, Herausgeber der landwirtschaftlichen Jahrbücher, eines der angesehensten Mit- glieder des Vereins für Sozialpolitik sein kann, ohne aber viel von Wirtschaftsgeschichte zu wissen. Und die Mitglieder des Vereins für Sozialpolitik haben auch den Beweis geliefert, daß man sie zwar mit politischen Unbequemlichkeiten, aber nicht mit wissenschaftlichen Unrichtigkeiten zum Widerspruch reizen kann. Die vorstehenden Feststellungen sind übrigens vielleicht auch in einer anderen Hinsicht erheblich, um näm- lich die bei den Arbeitern so häufig überschätzte Autorität der Universitätsnationalökononiie im richtigen Lichte er- scheinen zu lassen. Wichtig ist uns aber, daß der Ausspruch des Geheimrats Thiel nicht nur nicht energisch zurückgewiesen wurde, soweit er sich auf die Vergangenheit bezog, sondern auch nicht in Be- ziehung auf die Gegenwart und auf die Zukunft. Es ist nicht richtig, daß die Streiks heute für die Arbeiter keinen Wert haben, sie würden schon von ungeheurem Werte sein, wenn sie als Ausgleichcr der agrarischen Verteuerungs�olitik wirken würden: sie haben aber innerhalb der heutigen Volkswirt- schaff nicht nur diese Bedeutung und die verwandte, für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter zu kämpfen. Sie sind auch unbedingt notwendig, um gegen die ständige Jntensifizierung des Produktionsprozesses durch die Ver- kürzung der Arbeitszeit ein physiologisches Gegengewicht' zu schaffen, ganz abgesehen von der großen sozialpolitischen und — gerade die mordlisierenden Herren Prozessoren sollten es wissen— ethischen Bedeutung der Verkürzung der Ar beitszeit. Der Streik bringt die Widerstandskraft der Ar beiterklasse zum Ausdruck. Vielfach ist er das einzige Mittel gegen den Terrorismus und gegen den Despotismus, gegen die absolute Selbstherrlichkeit des Unternehmertums. Streiks unmöglich machen, heißt das ganze Niveau der Arbeiterklasse nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch geistig und moralisch herunterdrücken, d. h. den Arbeiter zum servilen Knecht degradieren, das heißt die Solidarität im Arbeiter zu ersticken. Fürwahr, die Ethiker in der Nationalökonomie sind den Historikern in der Nationalökonomie ebenbürtig: sie haben Herrn Thiel angehört, sie haben ihm nicht widersprochen, sie haben damit wieder aufgewiesen die gewaltige Kluft, die die bürgerliche Nationalökonomie und die Arbeiterklasse trennt. lhsiißmsnn and Bebel. Mit seinem„offenen Brief" an Genossen Bebel hat Conrad Haußmann, das„große Kind aus Schwaben", einen Erfolg erzielt, den er sich nicht hat träumen lassen. Schon wochenlang vorher hatte die volksparteiliche Presse die Welt aufmerksam gemacht auf das bevorstehende große Ereignis. Die Liberalen hielten den Atem an vor sehnsüchtiger Erwartung. Nach Meinung der demokratischen Presse. Nun ist das welterschütternde Ereignis eingetreten— und der Erfolg ist ähnlich dem, den der bekannte Kandidat Jobs er- zielte, nämlich ein allgemeines Schütteln des Kopfes. Auf die Gefahr hin, nochmals der UnHöflichkeit geziehen zu werden, müssen wir gestehen: Selten hat sich ein Politiker, der eine Rolle im öffentlichen Leben zu spielen beansprucht, so blamiert. Die sogenannte„unparteiische" Presse Württembergs macht zwar verzweifelte Anstrengungen, Herrn Haußmann zu retten; aber selbst die liberalen Blätter haben erkannt� daß das ein Versuch an einem untauglichen Objekt ist.............w,.>.*|. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. „Ich zieh auf dürrem Wege, Mein Rock ist arg bestaubt; Weiß nicht, wohin ich lege In dieser Nacht mein Haupt!" singt der«Schwäbische Merkur" den„seltsamen Führer" an, in dessen Brief das liberale Blatt„an keiner einzigen Stelle irgend- einen neuen Gedanken" entdecken kann,„man möge ihn drehen und wenden wie man will". Einzig die konservative„Deutsche Reichspost" erbarmt sich des Herrn Haußmann. Sie hält ihm nämlich, um ihn für die Zukunft von solchen blamablen Reinfällen abzuhalten, eine kleine Vorlesung über Sozialdemokratie und bürgerliche Demokratie. Obgleich allerlei Schiefes und Unrichtiges mit unterläuft, muß doch anerkannt werden, daß das Zentralorgan der Konservativen Süddeutschlands in der Erkenntnis dessen, was die Sozialdemokratie ist und will, dem„Demokraten" Haußmann weit überlegen ist. Für uns Sozialdemokraten ist das durch unver- söhnlichen Haß geschärfte Urteil des konservativen Blattes über die Sozialdemokratie auch in anderer Beziehung nicht uninteressant. Der Artikel„Haußmann und Bebel" in Nr. 831 der„Deutschen Neichspost" beginnt: „Der Reichstagsabgeordnete Conrad Haußmann hat im „März" einen„offenen Brief" an den sozialdemokratischen Führer Bebel gerichtet, in dem dieser ersucht wird, die sozialdemokra- tischen Prinzipien— materiell und taktisch— zu revidieren, damit die sozialdemokratische Partei innerhalb des bürgerlich-demo- kratischcn Agitationsrahmens zur Förderung bürgcrlich-dFnokra- tischer Zwecke verwandt werden kann. So wenigstens muß der „langen Rede kurzer Sinn" aufgefaßt werden. Es ist klar, daß Herr Bebel, wenn er überhaupt antwortet, das Haußmannsche Schreiben mit einer überlegenen Handbewcgung abtut— denn, offen gestanden, solch naive Forderungen, die auf einem so gänz- lichen Verkennen sozialdemokratischer Anschauungen basieren, sind selten von einem in der Ocffentlichkeit und in der Politik stehen» den Manne erhoben worden. Herr Haußmann hebt in seinem Brief eine ganze Reihe von „Widersprüchen" hervor,, in denen sich die Sozialdemokratie sicherlich bewegt. Einen der wesentlichsten Widersprüche sieht Herr Haußmann darin, daß die Sozialdemokratie die„Klassen" beseitigen will und doch Klassenkampf treibt! Herr Haußmann kann wirklich nicht verlangen, daß ihn die Sozialdemokratie ob dieses Hinweises ernst nimmt! Aber auch der bürgerliche Politiker muß sagen, daß dieser Vorhalt der Dunkel- kam m er der von der Intelligenz unkon- trollierten Gefühle entstammt. Auf einem ähnlichen kritischen Niveau bewegen sich die meisten Einwände Haußmanns gegen die sozialdemokratische Politik. Was Haußmann mit seiner langen Ansprache bezwecken will, ist ja ganz klar: die Sozialdemo- kratie soll das unfruchtbare Beharren auf dem utopistischen Marxismus aufgeben, unter der Führung der Revisionisten modern werden, d. h. sich auf den Boden des Privateigentums stellen, so daß die deutsche Arbeiterpartei für die demokratische Bour- geoisie bündnisfähig wird.„B i l d u n g" und„Freiheit" sollten verstärkt die Elemente werden, mit denen der Arbeitcrstand zur Höhcnentwickclung kommt. Die politisch«, soziale und parlamentarische Führung übernimmt bereitwilligst und mit Ersatz der Selbstkosten das demokratische Bürgertum.... Der Führer der Deutschen Volkspartei ist von seiner absolut Weltanschauung, die ihr Karl Marx gegeben hat. Und diese Weltanschauung ist an sich sittlich und idealistisch. Sie will Elend und Armut, körperliche, geistige und moralische Plage aus der Welt schaffen, sie will Neid, Haß, Mißgunst, jene allgemeine Erdenschwcre beseitigen, unter der die Menschheit seufzt.... Der Marxismus hat die Formel hierfür gefunden: Verwandlung des Besitzes an Grund und Boden in Gemeineizen- tum und Verstaatlichung der industrialistischen Produktionsmittel, was den Besitz eines allerpersönlichsten Privateigentums nicht ausschließt. Was bietet nun der Revisionismus und die Demokratie? Die Revisionisten sind— von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen— politische Heuchler. Sie haben kritisch erkannt, daß der MarxiS- mus gegen die Dcnkgesetze und gegen die Psychologie des sozialen und wirtschaftlichen Lebens verstößt, daß er eine Utopie ist. D i e Revisionisten wären sonach verpflichtet, aus der sozialdemokratischen Partei auszutreten und eine neue Arbeiterpartei zu gründen. Sie wissen aber ganz genau, daß ihnen die Arbeiterschaft keine Gc- folgschaft leistet, denn es ist ein psychisches Kriterium der Massen, daß sie demjenigen folgen, der die vollkommen. st e n Versprechungen macht. So bleiben die Revisionisten in der Partei und ersetzen ihr Manko an marxistischer Prinzipientreue durch ein verstärktes, rücksichts- loses Agitationstempo. Bewegung ist ihnen alles, das End, ziel nichts. Unter dieser bequemen Phmse verbergen die Revisio- nisten ihre Hetzerei, mit ihr lullen sie die marxistisch denkende Arbeitermasse ein. So sind die Revisionisten die Geschäfts. träger der extremen bürgerlichen Demokratie innerhalb des So- zialismus.... Aber Herr Haußmann irrt sich, wenn er glaubt, durch den Sirenengesang des politischen Radikalismus, der aber die ökonomische Ordnung der Dinge dieser Welt unangetastet läßt, die sozialistischen Arbeiter vor den Wagen der bürgerlichen Demokratie zu bekommen. Denn gerade um die ökonomische Ordnung handelt es sich beim So- zialismus, in ihr sieht er die Quelle des Leids..... Daß der Sozialismus bei der Realisierung seiner Ideen Bankerott maeftcn würde, ist zweifellos. Doch daran glaubt er nicht. Es ist dies aber auch der Grund, weshalb sich die Sozialisten nicht zu den politischen Bannerträgern der Herren Haußmann und Genossen hergeben werden, denn dieser moderne Demokratismus— der philosophisch und religiös im plattesten Eudämonismus wurzelt und Gott und Ewigkeit als Persönlichkeitsgründende Faktoren VUSscheidet— kann den ganzen Menschen nicht erfassen, ihm keine tröstende Weltanschauung verleihen, die ihn innerlich er- hebt, ihn die Quelle des Leids vergessen und ihn mit der Stirne in den Himmel ragen läht. Diesseitigkeit, bei der vielleicht der Multi-Millionar ein echisch-ästhetisch zugestutztes Dasein ver- bringen kann, das für die Masse aber im letzten Grunde nüchtern, schal, trostlos ist." So spiegelt sich in diesem konservativen Blatte das Bild der Sozialdemokratie und der bürgerlichen Demokratie. Daß das Bild teilweise verzerrt und falsch ist, haben wir bereits betont; aber gegenüber den Hauhmannschen Expektorationen zeugt es doch wenigstens von dem ernsthaften Versuch, in das Wesen der Sozial- demokratie einzudringen. Und für uns Sozialdemokraten ist das Urteil des denkenden Gegners über die Sozialdemokratie und ihre EntwtckelungSmöglichkciten immerhin interessanter als die naive Schwätzerei des demokratischen Parteiführers, für den das Gebiet der Wirtschafts,, und Sozialgcschichte ein unentdecktes Land ist. � � August Bebel an Haustmann. In dem gestern veröffentlichte« Brief des Genossen Bebel an den Abg. Haustmann sind aus Versehen eine Anzahl Worte aus- gefallen. So mutz im Absatz 4 Zeile 9 von unten hinter den Worten „den sie bei der Fortschrittspartei fanden", hinzugefügt werden: „Und doch waren die Führer der Partei, im Vergleich zu ihren Epigonen, Niesen." Ferner mutz es im 6. Absatz Zeile 5 von oben statt„unentwegt die Forderungen verteidigten", heißen:„unentwegt die Forderungen der Demokratie verteidigten". Zum AahIKarnps. Freisinn und Gemeindewahlrecht. Wie wenig ernst eS dem Freisinn mit seiner Programm- fordernng„Gleiches Recht für alle" ist, das beweist seine Haltung zum Gemeindewahlrecht. Bekanntlich haben wir in den, grötzten Teile des preußischen Staates zu den Gemeindevertretungen ein Dreiklas sen Wahlsystem, das zwar nicht ganz so schlecht ist wie das Dreillassenwahlsystem zum Landtag, aber doch immerhin auf derselben Grundlage aufgebaut ist und die Entrechtung des grötzten Teils der Wähler bedeutet. Das Dreiklasse»- Wahlrecht zu den Gemeindevertretungen ist eine Errungenschaft der Zeiten finsterster Reaktion, und alle Versuche, es zu beseitigen und durch daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zu ersetzen, sind bisher gescheitert. Nicht zum geringsten trägt daran die Schuld das Verhalten der Freisinnigen, deren Macht in den Gemeinden auf dem Dreiklassenwahlsystem begründet ist und die genau so wie die Junker im preußischen Abgeordneten- Hause alles tun, um die Herrschaft, die ihnen nicht gebührt, zu be- haupten. DaS Eifenacher Programm der Freisinnigen Bolkspartei begnügt sich mit der ganz allgemein gehaltenen Forderung der Reform des Wahlrechts in den Gemeinden nach den Bedürfnissen der Einzelstaaten, und als spezielle Forderungen fügt es hinzu: Keine Klassenwahlen, keine öffentliche Abstimmung Hiernach würde also selbst im Falle der Verwirklichung des frei- sinnigen Programms immer noch die Möglichkeit der Einführung eines plut akratischen Gemeindewahlrechts übrig bleiben, und tatsächlich geht das Streben der Freifinnige» denn auch dahin ein Gemeindewahlrecht zu schaffen, das zwar demokratisch aus». sieht, aber in Wahrheit genau so u n d e m o k r a t i s ch ist wie das heutige Dreiklassenwahlsystem. In den verschiedensten Stadtvertretungen haben sich die Frei- sinnigen wiederholt als Gegner eines wirklich freien Gemeindewahl- rechts bekannt, und auch im Landtage, wo sie, nebenbei be- merkt, bisher nichts getan haben, um wenigstens ihren bescheidenen Forderungen zum Siege zu verhelfen, haben sie noch in der letzten Session eine» sozialdemokratischen Antrag auf Ein- sührung des allgemeinen, gleichen, direkte» und geheimen Wahl- rechts zu den Gemeinden für alle über zlvanzig Jahre alten Ein- wohner ohne Unterschied des Geschlechts nicderstimmen Helsen. In der Sitzung vom 1. März dieses Jahres erklärte ihr Fraktionsredner F i s ch b e ck, daß der sozialdemokratische Antrag zwar manche Punkte enthalte, denen seine Freunde durchaus zustimmen könnten, daß er ihnen aber in anderer Beziehung doch weit über das Ziel hinaus- zugehen scheine. Ganz besonders wandte sich Herr Fischbeck gegen die Forderung des gleichen, allgemeinen, geheimen und direkten Wahl- rechts für alle Personen über 2V Jahre ohne Unterschied des Ge- schlechtS. Die Dinge in den Gemeinden, meinte er, liegen anders als in der politischen Organisation'des Staates. Die Gemeinde sei in der Hauptsache ein wirtschaftlicher Körper, und dem müsse bei der Bemessung der Rechte, die die einzelnen haben, Rechnung getragen, es müsse auf die wirtschaftliche Leistung Rücksicht genommen werden. Es lohnt nicht, auf diese schon oft widerlegte Behauptung, aus der nur allzu deutlich die Furcht vor einer Belastung des Besitzes spricht, näher einzugehen. Es ist ein grundlegender Irrtum, daß die Gemeinde heute noch in der Hauptsache eine wirtschaftliche Organisation ist und daß man deshalb dieses Verhältnis bei dem Gemeindewahlrecht berücksichtigen mutz. Die Gemeinde ist vielmehr eine soziale Gemeinschaft, deren Aufgabe in erster Linie die Sorge für die wirtschaftlich Schwachen ist, und wenn die Freisinnigen ver- langen, daß„gemäß dem wirtschaftlichen Charakter auch eine wirt- schaftliche Leistung" besteht, daß also das Wahlrecht von einer Steuerlei st ung abhängig gemacht wird, so bekennen sie sich damit in der Theorie offen als Gegner des allgemeinen Wahlrechts. Noch weit schlimmer aber als in der Theorie sieht es in der Praxis auS, wo die Freisinnigen ihr eigenes Programm mit Fühen treten und in der bru- talsten Weise die Arbeiter und den Mittel- st and selb st seiner winzigen Rechte berauben. Der Wahlrechtsraub in Rixdorf, der noch in frischer Erinnerung ist und der trotz allen Ableugnungsversuchen der Fisch- beck und Konsorten mit auf deS Konto des Freisinns zu setzen ist, ist durchaus keine vereinzelte Erscheinung. Nicht anders haben sie es in K i e l, in Halle, in Steglitz und in einer ganzen Reihe weiterer Gemeinden getrieben. Ueberall, wo der Frei- sinn sich in seiner Herrschaft bedroht sieht, versuchte er eS mit Gewaltmaßnahmen. Insofern ist der Frei- sinn noch weit verkommener als die preußischen Junker. Die preußischen Junker widersetzen sich jeder Erweiterung deS Wahlrechts, aber sie wollen den Arbeitern wenigstens den be- scheidenen Rest eines Wahlrechts lassen, den sie besitzen, die Frei- sinnigen dagegen scheuen sich nicht, wo es ihr Fraktionsinteresse erfordert, daS Recht zu beugen und mit Gewalt ihr Ziel zu er- reichen. Einer so schäbigen Gesellschaft kann kein denkender Arbeiter, kein Gewerbetreibender, ja auch kein Beamter oder Lehrer mehr Heeresfolge leisten, denn die Interessen aller dieser Schichten tritt der Freisinn niit Fützen, lediglich um das freisinnige Cliquenwesen w verewigen 1 Freisinniger Terror. Auf Misere erneute Festnagelung des freisinnigen Terrors, der bei der letzten Berliner Landtagswahl von dem frei- sinnigen Landtagskandidaten Schüler verübt wurde, und der deshalb doppelt belastend für den Freisinn ist, weil dieser freisinnige Terrorist Schüler auch diesmal wieder als Landtagskandidat fungiert, hat die„Freif. Ztg." ein paar Tage lang nichts zu antworten gewußt. Dafür bringt sie in ihrer letzten Nummer einen verzweifelten Neinwaschungsversuch in Gestalt einer spaltenlangen Erklärung des famosen Herrn Schüler selbst. Aber so lang diese Erklärung Schülers ist, so gequält ist sie, so völlig mißglückt als Gegenbeweis gegen unsere Fest- stellung, daß Schöler mit genauester Angabe des Berufs und der Adresse diejenigen Wahlmänner öffentlich an den Pranger gestellt hat, die sich nicht dazu hergeben wollten, den freisinnigen Kandidaten zu wählen. Herr Schöler sucht sich aus dieser für ihn verzweifelten, weil seinen Terrorismus unanfechtbar beweisenden Lage dadurch herauszu— winden, daß er des langen und breiten die Gründe darlegt, die ihn zu seiner Publikation bewogen hätten. Hätten, so sagt er, die vierzig öffentlich denunzierten Wahlmänner freisinnig gewählt, so wäre der freisinnige Kandidat Runze gewählt worden und der Sozialdemokrat Hoffmann durchgefallen. Die vierzig Wahlmänner hätten sich also eine gröbliche Pflichtverletzung zu schulden kommen lassen.„Oder wer hat den Mut", fragt Herr Schöler pathetisch,„mit Wahlmännern in einen Kampf zu ziehen, in einen Kampf, in dem es auf die hingebende Treue jedes einzelnen ankommt, wenn auf die Wahlmänner kein Verlaß ist, wenn sie schwanken und wanken wie Rohre im Winde!" Sehen wir einmal ganz davon ab. daß ja freisinnige und nationalliberale Wahlmänner mit solchem Wanken und Schwanken im Winde nur dasselbe Recht für sich in Anspruch nähmen, das erst recht die wackeren Abgeordneten dieser Parteien für sich beanspruchen. Geben wir zu. daß der Freisinnsmann Schöler ein Recht dazu hatte, entrüstet zu sein über den Mangel an Pflichteifer freisinniger Wahl- männer. Aber mit welchem Recht glaubte sich denn Herr Schöler, der FreisinnSmann, zum Vormund der k o n- servativen und nationalliberalen Wahlmänner austverfen zu können I? Und von den vierzig Wahl- männern, die Herr Schöler öffentlich denunzierte, gehörten nicht weniger als 31 diesen Parteien an l Im übrigen wollen wir Herrn Schöler und die„Freis. Ztg." doch auch daran erinnern, daß die freisinnigen Ab- geordneten im Landtags den Terror unter allen Um- ständen verwarfen und verdammten. Die Berufung der Sozialdemokratie auf das Recht der Notwehr gegenüber dem Terrorismus der Behörden und der anderen Parteien, sowie dem ganzen infamen Wahlrecht, das doch auf den Terror durch die Besitzenden be- rechnet und zugeschnitten sei, fand in den Augen der un- bestechlichen freisinnigen Tugcndwächter absolut keine G n a d e I Und da wagen sich jetzt Herr Schöler und die „Freis. Ztg." hinter die Ausrede zu verschanzen, die terroristische Denunziation der Wahlmänner durch Herrn Schöler sei notwendig gewesen, weil der„Geist der Pflichttreue" den„Schuldigen" habe„in ein- dringlich erWeite zuGemüte geführt werden" müssen?! Aber freilich. Herr Schöler besitzt schließlich gar die Stirn, das Terroristische seiner Tat überhaupt zu leugnen! Es sei ihm gar nicht eingefallen, die vierzig gebrandmarkten Wahlmänner dem Boykott oder sonstiger Benachteiligung empfehlen zu wollen. Habe doch von solcher Bohkottempfehlung in seinem Artikel gar nichts ge- st a n d e n I Ach nein, Herr Schöler wußte ganz genau, daß das nicht nötig war l Er malte das Verbrechen des der Oeffent- lichkeit Denunzierten mit den schwärzesten Farben— trotz sieben- und achtmaliger Aufforderung hätten die Treulosen ihr Wahlrecht nicht ausgeübt I— und fügte dann bedeutungsvoll hinzu:„Von weiterein glaube ich einst- weilen absehe» zu sollen." Herr Schöler war eben überzeugt, daß er deutlich genug geworden war, daß die Ab- sichten seiner terroristischen Tat gut genug verstanden wurden I Daß ein Akt ärgsten Terrors faktisch vorlag, mußte sogar die doch damals mit dem Freisinn verblockte„Deutsche Tagesztg." zugeben, die dem„Vorwärts" bestätigte, daß er„nicht ganz unrecht" habe,„wenn er eine solche Beröffentlichnng mit einer Boykottauffordernug in Parallele setzt". Es bleibt also beim freisinnigen Terror! Ummer wieder die„loyale" Hu$fül)rung des Kelchsvereinsgefetzes. Für den 29. August hatten unsere Genossen in Baak (Wahlkreis Bochum) eine Versammlung unter freiem Himmel angemeldet, in der der Millionensteuerraub behandelt werden sollte. Indes von der Amtspolizei kam prompt ein Schreiben, das die Genehmigung verweigert: Da bei der Art der geplanten Versammlung und bei der vorherrschenden gegenteiligen politischen An- schauung vieler hiesiger Bewohner die Abhaltung genannter Versammlung leicht zu Tumulten und Tätlich- leiten füh ren kö n n t e und somit eine e r h e b li ch e G e- fahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten steht. Gegen dieses Verbot wurde selbstverständlich Be- s ch w e r d e erhoben. Mit dem Erfolg, daß das Landrats- amt sich nicht nur dem Verbot anschloß, sondern noch eine merkwürdige Begründung fand. In dem landrätlichen Be- scheide heißt es: Die Bevölkerung von Winz und Baak ist zum großen Teile Ihren Bestrebungen abgeneigt. Es ist daher zumal mit Rückficht auf die Tagcsordnniig und denTag— einen Sonntag— zu befürchten, daß die Versammlung unter fteiem Himmel zu Reibungen und Ausschreitungen unter den einander gegenüberstehenden Parteien Anlaß gibt. Hieraus rechtfertigt sich die Versagung der Genehmigung. Diese Begründung wirkt nicht nur komisch, sondern sie zeigt auch, wie wenig man die politische Stimmung im Kreise aus dem Landratsamte kennt. Bei der letzten Reichstagswahl war nämlich im be- sagten Gebiet die Verteilung der Stimmen unter den Parteien die folgende. Es erhielten in: Soziald. Nationall. Zentrum Winz.... 73 125 34 Baak.... 275_ 119_ 24_ Zusammen., 3S3 244 S8 In den beiden Orten des Amtes Winz hat also die Sozialdemokratie allein mehr Stimmen als Nationalliberale und Zentrum zusammen- genommen. In Baak allein, wo die Versanimlung ab- gehalten werden sollte, chat sie doppelt soviel als die beiden anderen Parteien zusammen, und da bringt ein amtlicher Bescheid des Laudrats die Behauptung auf, daß die Bevölkerung unseren Bestrebungen„zun: großen Teile", das heißt doch in der Mehrheit abgeneigt sei! Bedenkt man noch, daß auch die Nationalliberalen gegen die beschlossene Reichsfinanzreform sind— und um eine Versammlung mit diesem Thema handelte es sich ja— so bleibt nur ein geringer Bruchteil der Bevölkerung übrig, der viel- leicht mit den beschlossenen Steuern einverstanden ist. Nicht einmal alle Zentrumsleute in diesen Gemeinden gehören zu den Befürwortern. Genosse Runge, der Parteisekretär des Bochumer Kreises, ging nun eine Instanz weiter. Er erhob Beschwerde beim Regierungspräsidenten in Arnsberg. In dem Schreiben wurde ausdrücklich auf das Ab- stimmungsverhältnis bei der Reichstags- wähl hingewiesen. Ebenso wurde die Vermutung, daß es zu Tumulten usw. kommen könnte, als gegenstandslos bezeichnet, da keinerlei Anhaltspunkte für eine solche Annahme vorliegen und bloße Vermutungen nicht genügten. Umsonst. Der Vertreter des Regierungspräsidenten zu Arnsberg hat den Beweis, den Genosse Runge für die politische Stellung der Einwohner von Vaake anführte, gar nicht geprüft, gar nicht beachtet. Ruhig, als ob das Schreiben und der schlagende Beweis des sozialdemokratischen Parteisekretärs, als ob die amtlichen Zahlen der Reichstagswahlstatistik für ihn Luft sind, wiederholt er die falschen Behauptungen des Amts- Vorstehers und des Landrats und fügt noch einige hinzu. Sein Bescheid lautete: Der Regierungspräsident. Arnsberg, 27. 9. 99. Nach den von mir angestellten Ermittelungen hat die Polizei- Verwaltung des Amtes Hattingen die für den 29. August d. I. nachgesuchte Genehmigung zur Abhaltung einer öffentlichen Ver- sammlung unter freiem Himmel versagt m Erwägung, daß 1. die Versammlung an einem Sonntagnachnnttag abgehalten werden sollte, an dem die Gemüter eines grotzen Teiles der dortigen Bevölkerung erfahrungs- gemäß infolge zuvorigen Alkoholgensses leicht erregbar sind, 2. daß das Thema der Reichsfinanzreform zur Erörterung stand, das in den letzten Wochen seitens der fozialdemo- k r a t i s ch e n Partei in der Presse und in Versammlungen i» verhetzender Weise zum Gegenstand von Erörterungen gemacht worden ist, um den Haß gegen die besitzenden Klassen zu schüren, und das unter den obwaltenden Umständen deswegen an sich schon geeignet war, eine erhitzte Diskussion herbeizuführen, 3.. daß der vorherrschende Teil der für den Besuch der Versammlung in Frage kommenden Ortschaften anderen Partoirichtungen wie der sozialdenr akratischen angehört, und deswegen eine Opposition gegen die Vor- tragenden der sozialdemokratischen Partei zu erwarten stand. AuS den angeführten Tatsachen hat die Polizeiverlvaltung daS Vorkommen von Ausschreitungen und damit eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit befürchtet. für deren etwa notwendig werdende Unterdrückung eine nicht ausreichende Zahl von Sicherheitsbeamten zur Verfügung stand. Bei dieser Sachlage ist die erfolgte Ver- sagung der Genehntigun� auö ß 7 des Reichsvereins- gesetzeS gerechtfertigt, und rch weise deshalb die gegen den Bescheid des Landrats von Hattingen vom 29. August d. I. er- hobene Beschwerde als unbegründet zurück. Dabei weise ich besonders darauf hin, daß Ihnen nach dem Berichte der Polizeiverwaltung auch genügend große Säle zur Abhaltung der geplanten Versammlung in einem geschlossenen Räume zur Verfügung st a n d e n. In Vertretung: GiseviuS. Dieser amtliche Bescheid liest sich ungefähr wie ein Flugblatt des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. Er ist auch nach der Methode dieses Verbandes abgefaßt. Sticht einmal der Versuch einer Widerlegung der Beschwerdeschrift wird gemacht. Aber zum Ersatz für die fehlenden gesetzlichen Gründe wird ein großer Teil der Einwohner von Winz-Baak als Menschen bezeichnet, die den Suff in so starkem Maße ergeben sind, daß man sie nicht mit Andersdenkenden zu- samnienkommen lassen darf, weil sie in ihrer Besoffenheit sich nicht beherrschen können, sondern Schlägereien beginnen. Die Agitation der Sozialdemokratie, zu der sie gesetzlich bc- rechtigt ist, bezeichnet der Vertreter der Behörde, ait dessen Unparteilichkeit niemand öffentlich zweifeln darf, der nicht eine Beleidigungsklage haben will, gemüts- ruhig als„Hetze" und über die Gesinnung der Ein- wohner von Baak und Winz gibt er ebenso ruhig die falschen Urteile der unteren Instanzen wieder, ohne sich die Mühe zu nehmen, sich selbst aus den Zahlen der für ihn leicht zu er- reichenden amtlichen Reichstagswahlstatistik zu informieren, auf die ihn die Beschwerde ausdrücklich hinwies. So werden in Preußen Beschwerden der Bürger„gründlich" erledigt! Ein tolles Stücklein ist auch, daß die Polizeiverwaltung nach Arnsberg berichtet hat, daß der Sozialdemokratie im Be- zirke genügend große Säle zur Abhaltung von Versammlungen zur Verfügung stehen. Das ist die direkte Unwahrheit: Bisher war es der Partei unmöglich, einen Saal für eine Ver- sammlung zu bekommen, deshalb gerade sollte die geplante Versammlung unter freiem Himmel stattfinden. Die Saal- inhaber haben bisher immer die Polizei als die treibende Kraft angegeben, wenn sie uns ihre Säle verweigerten! Natürlich gibt sich Genosse Runge mit diesem Bescheid nicht zufrieden. Die Sache wird weitergeführt und man darf gespannt darauf sein, ob es noch eine Instanz in Preußen gibt, die wenigstens die Wahrheit über die politische Stellung der Einwohner von Winz-Baak anzuerkennen vermag. Und die außerdem anerkennt, daß die hier beliebte Auslegung des Vereinsgesetzes weder die„loyale Ausführung" ist, die der jetzige Reichskanzler, damalige Staatssekretär des Innern v. Bethmann Hollweg seinerzeit im Reichstag versprochen hat, noch dem Sinne des Gesetzes und dem Willen der Gesetz- geber entspricht!_ poUtifcbc Ocberlicbt. Berlin, den 7. Oktober 1999. Der Hansabund und die Sozialpolitik. Das von dem Präsidium und Direktorium des Hansa» bundes ausgebrütete„vorläufige" Aktionsprogramm. dem seine Väter in ihrer Bescheidenheit die schöne Benennung „Richtlinien für die nach st e Tätigkeit des Bundes" beigelegt haben, findet, wie zu erwarten war, in der liberalen Presse, vornehmlich in jenem Teil, der gute Beziehungen zur Börse unterhält, entschiedene Zustimmung. Abfälliger urteilen die mittelständlerischen Blätter, die die Versicherung, daß der Hansabund für alle positiven Maß- nahmen eintreten wolle, die„bestimmt und geeignet" seien, den gewerblichen Mittelstand und das Kleingewerbe in ihrer Leistungsfähigkeit und Konkurrenzfähigkeit zu erhalten, für leere unverbindliche Redensarten erklären, wie sie bei den manchesterlichen Linksliberalen seit jeher üblich gewesen seien. Und noch wegwerfender urteilen die agrarischen Blätter vom Schlags der„Deutschen Tageszeitung" und der„Kreuzzeitung", die jede Betonung der Berechtigung des Agrarschutzes und der bisherigen Schutzzollpolitik vermissen und aus dem Satz des Programms, der von der Unter- bindung der„Exportpolitik" spricht, folgern, daß der Hansa- bund gegen die Viehsperren Sturm laufen wolle. Jedoch kommen diese Urteile für die Arbeiterschaft nur insofern in Betracht, als sie zeigen, daß man auch in jenen Kreisen den Hansabund als eine großkapitalistische Gründung auffaßt. Interessanter ist, wie die Freunde des Hansabundes, vor allem die von den Großindustriellen alimentierten und deren Anschauungen vertretenden Blätter, die Programmsätze des Bundes auslegen. Sie sind ganz besonders entzückt von dem Absatz über die Sozialpolitik! denn, meinen sie, aus der Her- Vorhebung der Ansicht, daß die Konkurrenzfähigkeit Deutsch- lands auf dem Weltmarkt nicht durch sozialpolitische Maß- nahmen gestört werden dürfe, ergebe sich deutlich eine Ver- Wahrung gegen jeden sozialpolitischen„U e b e r e i f e r." Auch daß die Leitung des Hansabundes ablehnt, die Sonder- forderungen der industriellen und kaufmännischen Ange- stellten zu berücksichtigen und diese auf ihre Verbände ver- weist, findet natürlich den Beifall jener Blätter. Nur der ehrsamen„P o st" genügt diese einseitige Wahrnehmung der sogenannten Interessen des Handels und der Industrie noch nicht; sie fordert, daß der Hansabund sich kurzweg gegen alle weiteren sozialpolitischen Maß- nahmen ausspricht, da bereits die Konkurrenzfähig- keit mancher deutschen Industriezweige auf dem Weltmarkt ernstlich gefährdet sei. Das Scharfmacherblatt schreibt: „Da der Hansabund sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer umfaßt, so ergab sich diese Stellungnahme eigentlich von selbst. Zugleich aber will der Hansabund die Gesamtinteressen des Handels und der Industrie vertreten, er hat deshalb der Kon- iurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmarkte in allererster Reihe Rechnung zu tragen. Da in Abschnitt II, 1 der„Richt- linien" noch ausgesprochen wird, daß die„nationalen Interessen allen einseitigen gewerblichen Interessen bedingungslos voran- zustellen sind", so muß dies natürlich auch in sozial. politischer Beziehung gelten. Und wenn auch die Bedeutung eines arbeitsfreudigen, sozialpolitisch mehr oder weniger gesicherten Arbeitnehmerstandes für die gewerblich« Leistungsfähigkeit der Nation keineswegs unterschätzt werde» darf, so muß doch unbedingt vorausgesetzt werden, daß die sozial- politisch vermittelnde Tätigkeit des Hansabundes in jedem Falle da eine Grenze finden muß, wn sozialpolitischer Ueber- eifer einen oder den anderen Industriezweig oder gar die gesamte Jndustrieleistung so be- lastet, daß ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarktebedrohtwird. In solchen Fällen mutz vom Hansabunde bestimmt erwartet werden, daß er aus seiner sozial- politischen Reserve heraustritt und Stellungnimmtgegen jeden sozialpolitischen Uebereifer. Daß wir die Grenzlinie, von der ab unsere Konkurrenz- fähigkeit auf dem Weltmarkte ernstlich bedroht wird, in e i n i- gen Industriezweigen bereits überschritten, in anderen uns ihr bedenklich genähert haben, ist in der„Post" schon wiederholt nachgewiesen worden. Soviel ist jedenfalls jetzt sicher, daß dies«„Richtlinien" des Hansabundes für die Arbeitgeber» verbände, deren Bedeutung für die vernünftige Entwickclung unserer Industrie immer klarer hervortritt, nur ein Sporn sein können für die weitere intensive Wahrnehmung ihrer Interessen. In dieser Beziehung redet ja auch der schwedische Generalstreik eine zu deutliche Sprache." Vielleicht wird man von liberaler Seite einwenden, die von der„Post" vertretenen Schichten der Großindustriellen wären mit dem Hansabund nicht identisch. Das ist zweifellos richtig: wohl aber spielen diese Schichten im Hansabund eine wichtige Rolle, und Handel und Finanz werden schwerlich auf die Gefahr hin, den Bund zu schwächen, diesen Schichten widerstehen, denn im Grunde genommen ist auch ihnen die Sozialpolitik längst lästig._ Der Bülowskandal. Weder die Konservativen noch die Zentrumspolitiker haben bisher ein Wort von der ungeheuerlichen Beschuldigung zurück- genommen, Fürst B ü l o w hätte die Oeffentlichkeit und den Reichstag über die Vorgänge, die zur Veröffentlichung des „Daily Telegraph".Jnterviews geführt haben, gröblich irre- geführt, in der Absicht, die auf ihm lastende Verantivortung abzuwälzen und von dem betrogenen Reichstag ein Ver- trauensvotum zu erhalten. Im Gegenteil, diese Beschuldi- gungen werden besonders in Zentrumsvcrsammlungen immer aufs neue wiederholt und es ist kein Zweifel, daß sie im wachsenden Maße Glauben finden. Blätter aller Parteirichtungen haben von der Regierung ge- fordert, daß sie zu diesen mit solcher Bestimmtheit erhobenen Beschuldigungen Stellung nehme. Vergebens! Die„Nordd. Allg. Ztg." schweigt hartnäckig, so daß der Ver- dacht immer mehr wächst, daß sie nicht dementieren kann. Nun berichten die„Kieler Neuesten Nachr.", im Reichs- kanzleramt schwebten zurzeit noch Erwägungen, ob eine erneute offiziöse Erklärung überhaupt erfolgen soll und ob eine solche Erklärung bei dem beschränkten Umfang des dem Reichskanzler zur Verfügung stehenden Materials die gewünschte Wirkung haben würde. Dem Vernehmen nach ist das Aktenmaterial in verschiedenen ReichSämtcrn verteilt und naturgemäß fehlen über einige Vorgänge von grundsätzlicher Wichtig- keit, so besonders über die zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Bülow vor der Englandreise des Monarchen gepflogene Unterredung, aktenmäßige Aufzeichnungen voll- kommen. Es scheint also danach, daß die Regierung sich doch endlich darüber klar zu werden beginnt, daß sie um eine Stellung- nähme nicht herumkommen wird. Es ist aber der Verdacht nicht abzuweisen, daß die Verufung auf den angeblichen Mangel von Aktenmaterial darauf vorbereiten soll, daß die Oeffentlichkeit mit einer nichtssagenden Erklärung abgespeist werden könnte. Aber darin würde sich die Regierung wohl täuschen._ Freisinnige Wahlrechtsfreundschaft. Wenn Wahlen vor der Türe stehen, werden die Freisinnigen jedesmal eminent wahlrechtsfreundlich. So hat auch jetzt wieder, im Hinblick auf die in Berlin bevor- stehenden Landtagsersatzwahlen, der„freisinnige Wahlrechtsausschuß" eine Sitzung abgehalten. Dieser famose Ausschuß hat seit mindestens Jahresfrist überhaupt nichts mehr von sich hören lassen! Jetzt hat er beschlossen, Flugblätter und Broschüren über die Wahlrechtsfrage verbreiten zu lassen- Außerdem sollen die freisinnigen Vereine zur Bekämpfung des Dreiklassenwahlrechts aufgefordert werden. Und um gleich volle Arbeit zu machen, sollen die Parteiführer im ganzen Lande zu einer Besprechung über die Wahlrechtsreform zusammen- berufen werden. Wen will denn diese schäbige Gesellschaft damit hinters Licht führen? Man wird wieder ein Flugblatt voll dröh- nender Phrasen herstellen lassen, und dann hat die ganze Sache wieder gute Weile. Im Grunde ist ja der Freisinn heil- froh, daß dieses Klassenwahlrecht besteht, das ihm immerhin einige Mandate sichert. Kein denkender Mensch wird glauben, daß es dem Freisinn mit dem Verlangen nach Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen ernst ist. Man könnte ruhig diesem freisinnigen Wahlrechtsausschuß die Aenderung des Wahlrechts übertragen: die anderen bürgerlichen Reaktiv- näre brauchten keine Angst zu haben, daß ihre Vorrechte in absehbarer Zeit eine ernstliche Schmälerung erleiden würden. Der freisinnige Wahlrechtsausschuß ist in Wirklichkeit ein Ans» schnß zur Verschleppung der Wahlrechtsreform. Der Wnhlkampf in Halle nimmt allmählich schärfere Formen an, obwohl der Wahltermin immer noch nicht ausgeschrieben ist. Seine Bekanntgabe dürfte aber nun endlich doch unmittelbar bevorstehen, da die Re- gierung in Merseburg auf telegraphische Anfrage mitgeteilt hat, daß die Wahl bestimmt in der zweiten Hälfte desNo- v e m b e r stattfinden werde. Später den Termin anzusetzen, wäre nicht wohl möglich, da sich die Regierung dann im Reichstage den schwersten Angrissen aussetzen würde. Sie hat ohnehin merklich lange gezögert, um die Erinnerung an den Steuerraub wenigstens etwas verblassen zu lassen. Daß sie sich in ihren Hoffnungen irrt, wird der Wahlkampf erweisen. Die Freisinnigen halte» bereits jetzt mit ihrem Sammelkandidaten R e i m a n n in Stadt und Land Versammlungen ab, die zum Teil weniger als mäßig besucht sind. Der Kandidat läßt sich dabei jedes- mal von einer liberalen Größe begleiten, da er offenbar seinen eigenen Fähigkeiten nicht recht traut. Bis jetzt versah diesen Ad- jutailtendienst der Reichstagsabgeordnete Sommer sZcitz-Weißen- fels), der in unverfälschter ReichsverbandSmanier die grobe Arbeit gegen die Sozialdemokratie verrichtet. Unsere Genossen traten den Herren bereits in mehreren Versammlungen mit gutem Erfolge ent- gegen.— Am Dienstagabend tagte in Halle eine große Versamm- lung der Demokratischen Vereinigung, in der Schriftsteller H. v. G e r- l a ch zur Reichstagsersatzwahl sprach. Der Redner verurteilte aufs schärfste, daß im gegenwärtigen Augenblick ein Freisinniger wie Herr Reimann sich von den ärgsten Reaktionären als Sozialiltentöter in den Reichstag wählen lassen wolle. In Halle scheine sich jetzt eine einzige große Filiale des ReichsverbandeS, jenes traurigsten politischen Gebildes der Gegenwart, etabliert zu haben. Verwerflich sei die Haltung deS HansabundeS, der angesichts der Totsache, daß K u n e r t ein konsequenter Gegner der Agrarier sei, mindestens hätte Gewehr bei Fuß stehen müssen. Aber der Bund entwickele sich mehr und mehr nach dem Reichsverband h i n ü b er uirt) mache, statt in Agrarier- in Sozialisten- b e k ä m p f u n g. Sein Schützling Reimann sei ein Berliner Stadtverordneter, den man nur einmal, im Jahre 1906 als Abschlachter eines arbeiterfreundlichen Antrages der Sozialdeniokraten keimen gelernt habe. Welcher Arbeiter nach diesem Stück Arbeiterfreundlichkeit Herrn Reimann seine Stiinme gebe, um dessen Arbeitergesinnung tue es ihm, Redner, leid I— Die Versammlung gestaltete sich im weiteren Ver- lauf zu einer schweren Niederlage der Bürgerlichen, die unter anderen der Professor Suchsland weidlich blamierte. Die Ausführungen unserer Redner wurden dagegen von Beifall der Ver- sammlmig begleitet. Der Beginn des Wahlkampfes in Halle gibt somit zu den besten Hoffnungen Anlaß. Volksvergifter. Der Breslauer„Volkswacht" ist das Protokoll der 57. Ge- neralversammlung des Verbandes deutscher Spiritusfabrikanten, abgehalten am 26. Februar 1969 im„Rheingold" zu Berlin, auf den Redaktionstisch geflogen. Unter den Teilnehmern befanden sich: 1 Exzellenz, 8 Grafen, 4 Freiherren, 31 einfache adelige und eine große Anzahl bürgerlicher Schnapsbrenner. Die Regierung hatte als Gäste entsandt: Ministerialdirektor Dr. Thiel, Geh. Oberfinanzrat Joeden, Geh. Reg.-Rat Boenisch, Geh. Reg.-Rat Hay, Geh. Reg.-Rat Frhr. v. Falken- Hausen, Geh. Ober-Reg.-Rat Professor Dr. v. Berchka und Reg.-Rat Dr. Appel. Geschäftsführer des Vereins ist der Geh. Regierungsrat Professor Dr. M. Delbrück. In seinem Bericht betonte er, daß der Verein angesichts der neuen Steuer bestrebt sein müsse, de» SchnapSkonsui» zu fördern. Der Abstinenz- bewegung müsse mit aller Schärfe entgegen- gewirkt werden, denn der Konsum an Trinkbranntwein sei erheblich gesunken. Die Schnapsbrenner wollen i n t e r- national(!) gegen die Abstinenzleute vorgehen durch Errich- tung einer ernährungsphysiologischen Abteilung unter Leitung des Privatdozentcn an der landlvirschaftlichen Hochschule, Herrn Dr. V o e l tz. In diesem Laboratorium, für das jährlich LOOOO Mark zur Verfügung stehen, sollen alle die Alkohol- frage betreffenden Untersuchungen ausgeführt werden können. Alles was in der Literatur, an Experimenten und Behauptungen auftritt, soll auf seine Richtigkeit unter- sucht werden. Herrn Dr. Voeltz wird noch ein Mediziner und ein Chemiker als Assistent zur Seite stehen. Der Vorstand und Ausschuß haben des- halb beschlossen, für die Herstellung von Trinkbrannt- wein und Likören eine besondere Abteilung einzurichten. In dieser Abteilung sollen auch die alkoholfreien Getränke be- obachtet werden. Die Abstinenz geht so vor, daß sie überall Alkoholfreiheit verlangt, aber das Trinkbedürfnis der Bevölke- rung wird durch die sogenannten alkoholfreien Getränke nicht befriedigt.„Ich weiß nicht", führte Professor Del- brück aus,„ob Sie geneigt sind, einmal eine Kost- probe auf diesem Gebiete vorzunehmen. Dann gehen Sie, bitte, in eine alkoholfreie Schenke und versuchen Sie dort einmal, Ihren Durst zu stillen.(Heiterkeit.) Ich habe mit einigen Kollegen eine solche Probe gemacht. Wir atten uns den Tag über auf einer Exkursion schon reich- ich mit den uns genehmen Getränken versorgt und waren der Meinung, des Abends müßten wir alkoholfrei leben.(Große Heiterkeit.) Nun, in einer halben Stunde hatten wir die ganze Karte durchgekostet und dann verließen wir mit Grausen das Lokal.(Große Heiterkeit.)" Nach ihm sprach der Rcichstagsabgeordnete Gans Edler Herr zuPutlitz.derdie Notlage der Schnaps- brenner schilderte. Rittergutsbesitzer Landrat v. P u t t- kamer-Dornow erblickte in der neuen Branntweinsteuer, die den Konsum verringern müsse, eine— Vermögens- konfiskation, die sich niemand gefallen läßt; selbst der Wurm krümmt sich, tvcnn er getreten wird.— Rittergutsbesitzer Foer st er- Kontopp klagte: „Je weniger getrunken wird, desto höher muß der Preis ge- schraubt werden, und je höher der Preis, desto weniger wird getrunken, und das Endergebnis wird sein, daß unser Gewerbe in Grund und Boden ruiniert wird."(EinZiel, aufs innigste zuwünschen I) So haben die Schnapsbrenner gejammert, che sie ahnen konnten, daß die Arbeiterschaft den Schnaps boykot- tieren werde. Wie verheerend der Schnapsboykott auf die Schnapsbrenner wirken wird, davon kann man sich nach diesen Klagen über den zu befürchtenden Konsumrückgang infolge der Steuererhöhung eine kleine Vorstellung machen. Die Losung der Arbeiterschaft muß sein: Nu» erst recht keinen Schnaps! Damit trifft man die Junker dort, wo sie am empfindlichsten sind, nämlich am Geldbeutel. Der sozialdemokratische Sieg in Meiningen. Der Sieg unserer Partei bei den Landtagswahlen im Herzogtum Meiningen ist noch glänzender, als es nach den ersten Meldungen erschien. Wir teilten mit. daß der Wahlkreis Gräfenthal- Lehesten mit über 300 Stimmen Mehrheit behauptet worden sei. Die genauere Zählung hat ergeben, daß der Vorsprung der Sozialdemokratie vor den Gegnern über 750 Stimmen beträgt. Ein lästiger Ausländer. Ein Arbeiter, der in Russisch-Polen geboren ist und seit 3b Jahren in Dortmund lebte, erhielt Mittwoch(6. Ok- tober) seine Ausweisung. Der Mann weiß sich nicht zu erinnern, daß er je in Rußland gelebt habe. Der Mann ist seit Jahren ein- geschriebener Bergmann und daher Mitglied der Kranken- und Pen- sionskasse des Allgemeinen KnappschafisvereinS. Er ist gewerk- schaftlich und politisch organisiert und ist offenbar das Opfer einer gemeinen Denunziation geworden. Spanien. Es bleibt beim Belagerungszustand. Madrid, 7. Oktober. Ministerpräsident Maura erklärte, er könne die konstitutionellen Garantien in Katalonien nicht wiederherstellen, da es seine" erste Pflicht sei, für die öffentliche Sicherheit zu sorgen. Der Ministerpräsident gab jedoch Auwel- sungen, bei der Wahlkampagne das Versammlungsrecht „liberal" zu handhaben._ Die Opposition. Paris, 7. Oktober. Wie aus Madrid berichtet wird, ist die demokratische Partei diejenige, welche dem Kabinett die stärkste Opposition ankündigt. 22 Senatoren und 8 Abgeordnete dieser Partei, darunter 9 frühere Minister, versammelten sich bei dem Führer der Partei, General Lopez Domiuguez, und beschlossen, für eine Einigung aller Liberalen, von der äußersten Rechten bis zu den Sozialisten, zu wirken, die Regierung ans das energischste zu bekämpfen, jedes Kompromiß mit ihr abzulehnen, in beiden Kammern eine große Debatte über den m a r o k k a n i- schen Feldzug und die Ereignisse in Barcelona herbei- zuführen, sowie die Finanzvorschläge, speziell das Budget, einer eingehenden Beratung zu unterziehen. Die Marokkogefahr. Paris, 7. Oktober. Der frühere Befehlshaber des französischen Okkupationskorps von Easablänca, General D'A m a d e. er- klärte einem Berichterstatter des„Matin", daß das spanische Unter- nehmen in Marokko für Frankreich eine überaus gefahr- volle Lage schaffe und nicht länger fortdauern dürfe. Der Einfluß Frankreichs in Algerien hinge davon ab. Wenn Frankreich sein Ansehen und seine Handelsintereffen nicht preis- geben wolle, dürfe es Taza nicht in die Hände der Spanier fallen lassen. Dies würde für Frankreich ein marokkanisches F a s ch o d a bedeuten. Selbst wenn die Spanier gegenwärtig nicht die Absicht hätten, Taza zu erreichen, würde sie die militärische und politische Notwendigkeit sowie der von so starken Truppen. massen ausgeübte natürliche Druck zu esner Besetzung Tazas führen. Die Spanier hätten nicht ein solches Truppenanfgebot wegen einer polizeilichen Mahnahme und bloß Melillas halber nach Marokko geschickt. Die ersten Erfolge hätten in Spanien ein Wiedererwachen der Militärpartei zur Folge ge- habt. Der König selbst habe aus dem Wunsche, in Marokko Er- satz für das verlorene Kolonialreich zu suchen, nie- mals ein Hehl gemacht. Spanien gehorche dabei übrigens auch dem Einfluß des Vatikans, da Marokko nach den An- schauungen der Propaganda ein spanisch-apostolisches Vikariat bilde. Frankreich müsse in kürzester Frist einschreiten, wenn eS seine wirtschaftlichen und politischen Interessen in Afrika retten wolle. Der K r i e g s in i n i st e r ersuchte den General d'Amade um Ausschluß über diese Erklärungen. Englanä. Die Etatsberatung. London, 7. Oktober. Unterhaus. Das Kommissions- stadium der Finanz bill wurde heute nacht um 2 Uhr unter lautem anhaltenden Beifall der Regierungs- Partei geschlossen. Die Beratung der einzelnen Abschnitte des Gesetz- entwurfes hat 42 Sitzungen in Anspruch genommen, die zum Teil weit über die gewöhnliche Dauer hinaus verlängert werden mußten. Der Schatzkanzler hatte vorher erklärt, daß nach der dritten Lesung des Landeskulturgcsctzcs, das am 6. September in zweiter Lesung angenommen wurde, das Haus bis zum 18. Oktober vertagt werden würde. Das Berichts- stadium der Finanzbill, das sodann beginnen würde, werde voraussichtlich mindestens eine Woche in Anspruch nehmen, und es sei wenig Aussicht vorhanden, die Session vor Mitte November schließen zu können. Wie das Reutersche Bureau meldet, wird der Besuch des Premierminister A S q n i t h in Balmoral in Zusammenhang gebracht mit der auf die Einzelheiten eingehenden Aus- arbeitung eines Vergleichs, der im Prinzip schon vor einigen Wochen geschlossen wurde. Dieses Uebercinkommen erklärt auch, wie man annimmt, die in vertrauten Gesprächen zum Ausdruck gekommene Zuversicht einiger Minister, daß das Oberhaus das Budget schließlich doch durchgehen lassen werde. Trotz alledem ist man allgemein der Ansicht, daß sich ein baldiger Appell att das Volk nicht mehr vermeiden lasse, mögen die Vorhand- lungen im Oberhaus einen Verlauf nehmen, welchen sie»vollen. Rußland. Ein Mord der„Echtrussen". Odessa, 7. Oktober.(B. H.) Eine zu gestern abend einberufene Wählerversammlung wurde gleich nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Balz von der Polizei geschlossen. Als dann Balz auf die Straße trat, wurde er und zwei Zeituugs- korrespondenten von Leuten der„Schlvarzen Hundert" über» fallenund ermordet. Hrncnka. Neue Liebesgaben. San FraneiSco, 7. Oktober. Präsident Taft hielt gestern abend eine Rede, in der er wieder die Subventionierung der Schiffahrt befürwortete, um den Unterschied der Bau-, Arbeits- und Jnstandhaltungskosten auszugleichen, der zwischen Amerika und dem Auslande bestehe,»vozu noch ber Betrag der von fremden Ländern ihren.Schiffahrtslinien gezahlten Subventionen hinzukoinme. 6ewcrbrcbaftUcbe& Streiljustiz. Während de'S Plattenlegerstreiks im Mai in Strasburg i. Eis. begaben sich einige Streikposten nachts zwischen 11 und 12 Uhr in den Hof des Neubaues der Artilleriekaserne in Neudorf- Neuhof bei Strafeburg, um mit den 6 im Mannschaftsgebäude untergebrachten Arbeitswilligen zu sprechen, die schon während des Tages zu erkennen gegeben hatten, dafe sie abreisen wollten, wenn ihnen die Geldmittel zur Verfügung gestellt würden. Die Streiken- den wählten die Nachtzeit, weil sie am Tage nicht an die Arbeits- willigen herankommen konnten, die von Schutzmannsposten behütet wurden. Die Streikenden gelangten durch zwei provisorische Holz- tore, die nicht verschlossen waren, in das Grundstück. Ihnen schlössen sich aus Neugierde noch einige Pflasterer an, die ebenfalls in der Kaserne Streikposten standen. Es gelang ihnen aber nicht, mit den Streikbrechern zu reden, da sie gar nicht wufeten, in welchem Zimmer sich diese befanden und sie auf Anrufe keine Antwort er- hielten. Sie zogen deshalb wieder ab. Polizei und Staatsanwalt- schaft machten aus der Bagatelle aber eine grofee Staatsaktion. Die Polizei berichtete: etwa 20 Streikende, mit Knüppeln bewaffnet— was die Arbeiter energisch bestreiten—, seien in die Kaserne ein- gedrungen und hätten die Arbeitswilligen mit Halsabschneiden be- droht. Selbst der Staatsanwaltschaft schien die Anzeige übertrieben. Sie leitete zunächst ein Verfahren wegen einfachen Hausfriedens- bruchs ein und fragte bei der Stadtverwaltung, der Besitzerin des Kasernengrundstückes an, ob sie Strafantrag stellen wollte. Die Stadtverwaltung lehnte das Ansinnen ab, sie hatte kein Interesse daran, dafe die Streikenden, die keinem Menschen etwas zuleide getan hatten und sich nicht bewufet waren, einen Hausfriedensbruch begangen zu haben, bestraft würden. Trotzdem konstruierte die Staatsanwaltschaft auf Grund der Polizeianzeige einen kompli- zierten Hausfriedensbruch im Sinne des§ 123 Absatz 3 des Straf- gesetzbuches, in welchem Fall ein Strafantrag nicht notwendig ist. 16 Angeklagte hatten sich nun am Dienstag vor dem Schöffengericht in Strafeburg zu verantworten. Die Angeklagten bestritten die ihnen zur Last gelegten Handlungen, sie hätten leine Verabredung zu gemeinschaftlichem Vorgehen getroffen und keine Waffen ge- tragen; das Grundstück sei offen gewesen. Das Gericht aber kam auf Grund der Aussagen des früheren Nachtwächters in der Kaserne, die nicht weniger als sicher waren, und eines Schutzmannes, der seine Kenntnisse erst wieder von dem Nachtwächter hatte, zu einer Verurteilung. 1ö Angeklagte erhielten eine Woche Gefängnis, ein Minderjähriger einen Verweis. Der Staatsanwalt hatte für einige Angeklagte zwei Wochen, für die anderen einen Monat Ge- fängnis beantragt._ Berlin und Umgegend. Die Brauereihandwerker und deren Hilfsarbeiter sowie die im Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter organisierten Ma- schinisten und Heizer kamen am Mittwochabend im„Gewerkschafts- haus" zusammen, um Stellung zur Lohnbewegung zu nehmen und eine Kommission ihrer Gruppe zu wählen. Träg er besprach in seinem Referat die Forderungen, die bei dem Abschlufe eines neuen Tarifes geltend zu machen seien und zeigte, wie eine Reihe von Berbefferungeü für das Maschinenpersonal und die Handwerker nebst Hilfsarbeiter notwendig eingeführt werden müßten. Für die beiden Letztgenannten würden einheitliche Löhne angestrebt. Das Maschinenpersonal sollte eine bessere Einteilung der Arbeitszeit er- halten und nicht sieben Schichten in der Woche für denselben Lohn arbeiten. Die Sonntagsarbeit sei zu bekämpfen. Neben den all- gemeinen Forderungen, wie sie in den Leitsätzen für einen neuen Tarif enthalten sind, wurden noch die besonderen Wünsche des Maschinenpersonals und der Handwerker zur Mafegabe für die Lohnkommission dieser Gruppe vom Referenten und in der Dis- kussion erörtert. Man wies darauf hin, dafe gerade das Maschinen- personal gegenüber den anderen Arbeitern in den Brauereien sehr schlecht gestellt sei; von ihm werde eine zwölfstündige Sonntags- arbeit für umsonst verlangt. Die Woche bestehe aus sieben Tagen. Feiertage in der Woche würden nicht bezahlt usw. Der Lohnkom- Mission wurde aufgegeben, dafür zu sorgen, dafe dergleichen Schäden und Nachteile ausgemerzt werden. Tröger erklärte noch, dafe der Zentralverband gemeinsam mit den anderen Organisationen die Lohnbewegung führen wolle, wodurch mehr Kräfte als bei früheren Bewegungen entfaltet werden könnten, dafe man aber die Schwierigkeiten des Kampfes nicht unter- schätzen dürfe. Zugleich betonte er, dafe durch den gemeinsam ge- führten Kampf der Standpunkt des Verbandes nicht erschüttert würde, der darauf gerichtet ist, dafe alle in den Brauereien ange- stellten Arbeiter Mitglieder des Zcntralverbandes deutscher Brauereiarbeiter sein sollten. Für die bevorstehende Bewegung sei es von grosser Wichtigkeit, unter den Unorganisierten lebhaft zu agitieren und sie für den Verband zu gewinnen. Achtung, Treibriemensattlerk In der Treibriemenfabrik „Union". Ritterstr. 7ö. haben sämtliche Kollegen die Arbeit ein- gestellt. Die Ursache liegt darin, dafe die Kollegen am letzten Sonn- abend wegen Abstellung verschiedener Mifestände mit der Firma verhandelten und dafe jetzt die Kollegen einzeln hinausgemaferegelt werden. Um diesem Schicksal zu entgehen, waren die Kollegen gezwungen, die Arbeit einzustellen. Der Betrieb ist für Sattler gesperrt. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Achtung, Post-Kartonbranche! Der mit den Prinzipalen abgeschlossene Tarif ist mit dem 4. Oktober in Kraft getreten und werden die Mitglieder aufgefor- dert, die neuen Tarifpreise in allen Betrieben in Anrechnung zu Etwaige Differenzen sind am Sonnabend, den 9. d. M.. von v Uhr ab der Tarifkommission im Lokal von Steinacker. Lands- berger Strafee 107, zu melden. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Buchbinderverbandes. Achtung, Wäsche- und Krawattenzuschneider: Bei der Wäsche- und Krawattenfabrik Otto Levy, Neue Fried- richstrafee 37. bestehen Differenzen bezüglich Verlängerung der Arbeitszeit. Ein Schreiben unsererseits zwecks Rücksprache um Beilegung der Differenzen ist mit der sofortigen Kündigung der Zuschneider beanttvortet worden. Deshalb nehme keiner dort bis auf weiteres Arbeit an.. i Die Ortsverwaltung(Neue Königstr. 8). Achtung, Friseurgehilfen! Beigelegt sind die Differenzen bei Lodin. Swinemünder Str. 84; Kaiser, Hufelandstr. 49; Stasinski, Nixdorf. Niemetzstr. 18. Für Mitglieder gesperrt: Steinbock. Beusselstr. 47. Verband der Friseurgehilfen. Oeutfebes Reich, Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband sendet uns die folgende Berichtigung: Der„Vorwärts" enthält in seiner Ausgabe vom 5. Oktober einen Bericht über die Tagung des Gaues Brandenburg im Deutsch- nationalen Handlungsgehilfen-Verband, in dem behauptet wird: I. Der Vorstand habe schweren Herzens einen Verlust von 274 Mitgliedern im Bezirk Berlin feststellen müssen, 2. der Gau Verlin- West habe einen DringkichkeitSantrag gestellt, der die Vetternwirt. schaft beseitigen sollte, 3. es habe sich gegen den Vorschlag deS Gauvorstandes, in den Aufsichtsrat nur in Berlin tätige Mitglieder zu entsenden, heftige Opposition ergeben, 4. die Opposition habe bei der Abstimmung gesiegt, S. für Reisen und Unkosten des Gau- Vorstandes und der Bezirksvorsteher, für einen Posten„Verpflich- tung 1908/1909" sowie für„Verschiedenes" seien 2570 M?. liquidiert worden. Für das Bildungswesen wären nur 100 Mk. auf- gewendet. Diese Behauptungen sind unwahr! Wahr ist: 1. Dafe es einen Bezirk Berlin gar nicht gibt, dafe die Ortsgruppe Berlin durch Verzug nach anderen Orten 274 Mitglieder an andere Orts- gruppen abgegeben hat, 2. dafe es einen Gau Berlin-West gar nicht gibt, dieser also auch keinen Antrag zur Beseitigung der Vettern- Wirtschaft stellen konnte, 3. dafe sich gegen den Vorschlag des Vor- standes zur Besetzung des Aufsichtsrates von keiner Seite„heftige Opposition" ergeben hat und der Vorschlag des Gauvorstandes mit übergrofeer Mehrheit angenommen wurde, 5. dafe Gau- und Be- zirksvorstand 440,14 Mk.„liquidierte", dafe sich ein Posten„Ver- pflichtung 1908/1909" überhaupt nicht in der Abrechnung findet, dafe ebenso nur ein nicht detaillierter Posten„Verschiedenes" in Höhe von 54,90 Mk. in der Abrechnung vorhanden ist. Für Bil- dungswesen sind Aufwendungen überhaupt noch nicht gemacht worden, da es Aufgabe der Ortsgruppen ist, sich des Bildungs- Wesens anzunehmen. Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband. Sitz Hamburg. Gau Brandenburg. Der Gauvorsteher: Thomas. Wir haben den fraglichen Artikel von einer Zeitungskorrespon- denz erhalten, an deren Zuverlässigkeit zu zweifeln fiir uns keine Veranlassung vorlag. Zum Streik im Mansfelder Bergbau meldet das„Leipz. Tage- blatt", dafe der Oberbürgermeister von Leipzig, Dr. D i t t r i ch, in E i s l e b e n eingetroffen ist. Dr. Dittrich ist, da Leipzig rund 7000 Mansfelder Kuxe hesitzt, Vorsitzender des Aufsichtsrats der llllansfelder Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft. Die Verwal- tung soll bereit sein, am Donnerstag mit dem legalen Arbeiter- ausschufe zu verhandeln. Wie das„Leipziger Tageblatt" von „authentischer" Seite hört, soll die Zahl der Streikenden 800 be- tragen. Die Wirkung des Streiks erhellt aus der Tatsache, dafe jetzt täglich nur 28 Wagen befördert werden konnten, gegen 1200 Wagen vordem._ Erfolgreicher Streik. Die Arbeiter der Maschinenfabrik und Eisengießerei Rudolf Sonntag in Gera waren in den Streik getreten, um die Eni- lassung des Obermeisters Roth zu erzwingen. DieserObermeister war als unliebsamer Vorgesetzter bekannt. Vielfach hatte er eigenhändig Lehrlinge verprügelt. Mit den Arbeitern war er oft in Konflikt geraten. Als der Obermeister am 20. Sevtember einen früheren Arbeiter der Sonntagschen Fabrik ohne jede Veranlassung mit einem Gummischlauch derartig mißhandelte, dafe der Arbeiter außer anderen Verletzungen eine Kopfwunde davontrug, schlug das dem Faß den Boden aus. Die Arbeiter forderten die Entlassung des Obermeisters und legten, da die Firma diesen Herrn unter ihren Schutz stellte und die Entlassung verweigerte, die Arbeit nieder. Nunmehr erklärte sich die Firma bereit, dem Obermeister zu kündigen, so dafe die Arbeit am 5. Oktober wieder aufgenommen werden konnte._ Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer, Filiale Leipzig, erzielte für das Maschinen-, Kessel- und Beleuchtungs- personal der Kammgarnspinnerei von S t ö h r u. Co. in Leipzig- P l a g w i tz eine Lohnausbesserung von 3 Proz. sofort und weiteren 5 Proz. am 1. Januar 1910, zusammen also 8 Proz. In Betracht kommen 62 Mann. Die Gründung des„Nationalen"(gelben) Arbeiterverein? der Firma Krupp in Essen. lieber die Gründung und Förderung dieser gelben Organisation durch die Firma Krupp in Essen, die von interessierter Seite aus leicht erklärlichen Gründen bestritten wurde, werden jetzt folgende Tatsachen bekannt: Der offizielle Name des Vereins wurde mit Vertretern der Firma festgesetzt, nachdem schon vorher drei Namensänderungen vorgenommen waren. Am Dienstag, den 25. Mai 1909, wurde in sämtlichen Werkstellen und an allen Aus- gängen eine in der Kruppschen Buchdruckcrei hergestellte Aufforde- rung zum Beitritt in den„Nationalen Arbeiterverein, Werk Krupp" ausgehängt. Diese Aufforderung enthielt ein Schreiben der Firma Krupp an den gelben Verein, welches besagt, die Firma wolle„die Bestrebungen des Vereins gern unterstützen". Alle weiteren Bekanntmachungen des Vereins wurden bis heute von der Firma Krupp in den Fabrikräumen angeschlagen. Die Druckkosten für alle angefertigten Drucksachen des Vereins trägt die Firma Krupp. Dafe die Firma dem Verein weitere finan- zielle Mittel zur Verfügung stellt, kann auch nicht be- stritten werden. Dies gab selbst der zeitige Vorsitzende des Vereins in einer großen Versammlung am Montag, den 21. Juni, zu, wo er aus Vorhaltungen erklärte:„Keine Bewegung kommt voran, wenn nicht Leute dahinter stehen, die was„in die Fingers" haben." Dann hat die Firma Krupp die mit dem gelben Verein verbundene Krankenkasse durch finanzielle Beihilfe mit ins Leben rufen helfen. Die Unterstützung dieser Kasse geschieht auch fernerhin, wie die Vorstandsmitglieder des Vereins selbst bei ihrer Agitation unter den Kruppschen Arbeitern wiederholt erklärten. Ein Be- amter der Firma Krupp, Dr. H a l b a ch. ist in allen Sachen der Beirat des Vereins, demselben müssen sämtliche Publikationen vor- gelegt werden. Derselbe arbeitet auch die verschiedenen Reden der Vorstandsmitglieder durch. Derselbe Herr hat auch noch am Sonn- abend, den 2. Oktober, in einer Versammlung des Werkmeisterver- eins in Essen für die„Werkvereinsbcwegung" in einem Vortrage plädiert. Weiter ist allen Meistern der Firma Krupp eine als Agitationsschrift gedruckte Rede des Landtagsabgeordneten Röchling- Saarbrücken innerhalb der Fabrik durch die Boten der Firma zugestellt worden. Die Firma hat in einem ihrer Häuser aus ihren Mitteln dem Verein ein Bureau einrichten lassen, in dem ein mit vollem Lohn beurlaubter Arbeiter die Geschäfte versieht. Auch werden dem Verein zwecks Abhaltung der Versammlungen die Speisesäle der Firma zur Verfügung gestellt. Endlich hat sich noch die Abteilung„Arbeiberannahme" der Firma Krupp in den Dienst der„Gelben" gestellt. Von hier aus werden dem Verein die Namen aller neuanfangenden Arbeiter und die genaue Arbeitsstelle derselben übermittelt. Von den Bureaudienern der Firma wird dann jedem Arbeiter, der neu anfängt, auf seiner Arbeitsstelle eine Aufforderung zum Beitritt in den Verein mit Aufnahmeschein zugestellt. Weiter wurde in der letzten Ge- neralversammlung am Sonntag, den 3. Oktober, noch vom Vorstand des Vereins offiziell bekanntgegeben, dafe mit Genehmigung der Firma eine anderweitige Krankenunterstützung platzgreife und jetzt die Beiträge für den Verein und die Krankcnhilfskasse vom Lohne direkt cinbehalten würden. Wie angesichts dieser Tatsachen noch eine Förderung und Unterstützung der„Gelben" durch die Firma Krupp abge- leugnet werden kann, ist ganz unbegreiflich! Der Verein soll angeblich bereits 1700 Mitglieder zählen. Kuoland. Achtung. Holzarbeiter! Von der englischen Gewerkschaftszentrale wird mitgeteilt, dafe in London ein Tischler st reik ausgebrochen ist und Zuzug von Deutschland erwartet wird, der natürlich zurückgehalten werden mufe�_,_ Hus der Frauenbewegung. Bericht vom Parteitage erstatteten die Genossinnen Baader und Lungwitz am Mitt- woch in einer Versammlung der weiblichen Mitglieder der sechs Berliner Wahlvereine.— Die Genossin Baader wies unter anderem darauf hin, daß der Parteivorstand eine durch den Bei- tritt der weiblichen Mitglieder verursachte erfreuliche Zunahme der politischen Organisation konstatieren konnte.— Zur Frage der Erb» schaftssteuer sagte die Rednerin: Wenn auch diese Steuer eine Forderung unseres Programms sei, so hätten doch mit Rücksicht auf ihren Verwendungszweck im vorliegenden Falle Meinungsver- schiedcnhciten über unsere Stellung zur Erbschaftssteuer entstehen können. Der nächste Parteitag werde voraussichtlich Klarheit in dieser Streitfrage schaffen.— Der Parteitag habe gezeigt, dafe die Genossen ein reges Interesse für die proletarische Jugendbewegung haben. Das sei erfreulich und lasse für die Zukunft das beste hoffen. Für die Stärkung unserer Partei sei es durchaus notwendig, dafe wir die Jugend aus dem Banne der bürgerlichen Weltanschauung befreien, sie mit unserem Geiste erfüllen und zu Klassenkämpfern erziehen. Die Aufklärung der Jugend sei um so bedeutungsvoller. weil wir dadurch auch dem Militarismus das Grab bereiten.— Nicht minder wichtig sei die Tätigkeit der Kinderschutzkommissionen. Auf diesem Gebiete könnten besonders die Frauen eine erfolgreiche Arbeit leisten. Sehr beachtenswert sei der Vorschlag des Genossen Katzenstein, wonach die Mitarbeit der Kontrolleure und Kontrol- leurinnen der Krankenkassen bei den Aufgaben der Kinderschutz- kommissionen gewünscht wird.— Selten sei ein Beschluß des Partei- tages so freudig begrüßt worden wie der, welcher den Schnaps- bohkott ausspricht. Wenn auch der Boykott in erster Linie bestimmt sei, den Junkern die Liebesgabe zu entziehen, welche ihnen durch die Steuergesetzgebung zugewandt wurde, so könnten doch die Frauen noch aus anderen Gründen den Schnapsboykott mit Freuden begrüfeen. Selbst da, wo der Mann nicht gerade ein Trinker, son- dern nur ein mäßiger Schnapskonsument sei, werde der Familie durch den Schnapsgenufe ein Teil des Einkommens entzogen. Nicht nur der völlige Rausch, sondern auch der kleine Schwips, den sich der Mann antrinkt, sei für die Familie, besonders aber für die Frau von den unangenehmsten Folgen begleitet. Während der Be- trunkene sinnlos hinsinkt, mache der Beschwipste durch Zank und Streit seiner Umgebung das Leben schwer. Die Frauen müßten daraus halten, dafe in unseren Kreisen auch nicht das kleinste Schnäpschen getrunken Werse. Wenn die organisierten Genossen und Genossinnen dahin wirken, dafe der Schnapsboykott auch außer- halb unserer Reihen durchgeführt werde, dann würden wir auch Einfluß gewinnen auf die Arbeiter, die infolge der Einwirkung des Fusels für uns nicht zu haben sind.— Anerkennend sprach sich die Nednerin darüber aus, daß die württembergischen Genossen durch ihre Erklärung bekundeten, sie seien zu besserer Einsicht ge- kommen und dafe dadurch heftige Debatten über die Hofgängerei vermieden wurden.— Als einen großen Fortschritt bezeichnete eS die Rednerin, dafe in dem neuen Organisationsstatut die volle Gleichberechtigung der Frauen ausgesprochen wird. Die Frauen, welche in die Vorstände der Organisationen gewählt werden, dürften sich nun nicht damit begnügen, dafe sie im Borstande sitzen, sondern sie müfetcn, wie es ihre Pflicht sei, im Einverständnis mit den Männern die Agitation unter dem weiblichen Proletariat betreiben. Dadurch, daß Männer und Frauen in unseren Organisationen zusammenarbeiten, würden Gegensätze und Mißverständnisse, die bei getrenntem Arbeiten entständen, beseitigt werden, man werde sich kennen und verstehen lernen und so gemeinsam die Interessen der Partei fördern. Dafe für den im Organisationsstatut fest- gesetzten Mindestbeitrag von 15 Pf. für weibliche Mitglieder die „Gleichheit" nicht unentgeltlich geliefert werden könne, sei selbst- verständlich. Die Frauen müfeten so erzogen werden, dafe sie die Kosten für ihr Blatt selbst aufbringen könnten. Dann habe das Blatt für sie auch mehr Interesse, als wenn eS unentgeltlich geliefert werde. Die zweite Berichterstatterin, Genossin L u n g w i tz, bezeichnete es als erfreulich, dafe nach dem Beschluß des Parteitages die Mai- feier in ihrer bisherigen Form bestehen bleibt. Hoffentlich werde auch in der Zukunft die Maifeier keine Beeinträchtigung erfahren. Weiter besprach die Rednerin die Verhandlungen über die R�.chs- vcrsicherungsordnung sowie die sonstigen Anträge und erklärte, dafe wir mit den Beschlüssen des Parteitages zufrieden fein können. Genossin B i e n, die in der Diskussion das Wort nahm, sagte. viele Genossen und Genossinnen seien mit dem Maifeierbeschlufe des Parteitages nicht einverstanden. Wir hätten uns hinsichtlich der Maifeier in die Defensive drängen lassen. Wären wir von Anfang an in der Offensive geblieben und hätten für die Arbeits- ruhe mehr agitiert, dann stände es besser um die Maifeier. Zur Frage der Erbschaftssteuer sagte die Rednerin: Wenn auch Genosse Bebel erklärt habe, er würde in dritter Lesung für die Erbschafts- steuer gestimmt haben, so sei sie der Meinung, wir müfeten vom prinzipiellen Standpunkt gegen diese wie gegen jede Steuer stimmen, die für militärische und sonsttge kulturwtdrige Zwecke verwendet werben solle. Genosse E r n st, der den Vorsitz führte, schlafe die Versamm- lung mit dem Hinweis darauf, dafe dieselbe im grofeen und ganzen ihr Einverständnis mit den Verhandlungen und Beschlüssen des Parteitages bekundet habe. Zur Frage des Kinderschutzcs hätten die Berliner Genossen Stellung genommen und Genossinnen in die Kinderschutzkommission gewählt. Er bitte die Frauen, die Arbeiten der Kommission, die nicht leicht seien, nach Kräften zu unter- stützen durch Mitteilung von Material. Ferner wandte sich der Redner an die Genossinnen mit dem Ersuchen, für die Organi- sation unter den Frauen zu agitieren und sich zu beteiligen an den Arbeiten zur Landtagswahl in den vier Berliner Wahlkreisen. Wenn die Frauen zeigen, daß sie zusammen mit den Männern am politischen Kampf teilnehmen, dann wird die Zeit kommen, wo auch den Krauen die Rechte gewährt werden müssen, welche die bürgerliche Gesellschaft den Männern notgedrungen gewährt hat. l�er2re INfacbnchten und Depefcben. Nette Stellvertreter Gottes. Saarbrücken, 7. Oktober.(B. H.) Wegen Vergehens gegen § 176 Abs. 3 Str.-G.-B. hatten sich gestern und heute vor dem Kriegsgericht der 16. Division vier Unteroffiziere und Feld- webel zu verantworten. Die Verhandlung fand bei geschlossenen Türen statt. Das Urteil lautete gegen den Bizefeldwebel Hardtnack zu 6 Monaten 1 Woche, gegen den Sergeanten Hummel auf 7 Monate, gegen den Sergeanten Leim auf 6 Monate und gegen den Unteroffizier Bachhoff auf 2 Monate Gefängnis. Strafmildernd wurde die sittliche Verdorbenheit der in Betracht kommenden Mädchen in Ertvägung gezogen. Saarbrücken. 7. Oktober. Der verheiratete Bizefeldwebel Wolter, welcher angeklagt war, sich an einem 4�jährigen Mädchen vergangen zu haben, wurde vom Kriegsgericht zu 8 Monate» Ge-' fängnis und Degradation verurteilt. Gegen die bayerischen Scharfmacher. München. 7. Oktober.(B. H.) In der heutigen Landtags- sitzung wiederholten bei Fortsetzung der Beratung der liberalen und sozialdemokratischen Interpellationen die Redner sämtlicher Par- tcicn ihre Klagen gegen die koalitionsfeindliche Augsburger Ma- schinenfabrik und forderten die Regierung auf, derselben eventuell die Staatsaufträge zu entziehen. Auf die Klagen sämtlicher Redner wegen Nichtdurchführung der Aufbesserung für staatliche Arbeiter antwortete der Verkehrsminister, diese Beschlüsse beanspruchten so viele Dutzend Millionen, dafe an eine sofortige Ausführung nicht zu denken sei._ Immer noch die Cholera. Amsterdam, 7. Oktober. In Zwhndrecht bei Dordrecht ist eine choleraverdächtige Erkrankung vorgekommen. Berantw. Redakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.: LH. Glocke, Berlin. Druck u.VerIag:VorwärtsBuchdr.u.VerlagSanstall Uaul Singer Sc Co„ Berlin S W, Hierzu 3 Beilagen».Unterhaltung»»!, ir.2B5. 26. Jahrgang. 1. Knlmt des Jurmirlö" Knlim WllsM Freitag, 8. Oktober lW9. Zw Hinderung der Unfall' verWtlingS'vorlchrlften. Wie bereits kurz berichtet worden, hat daS Reichs- Versicherungsamt die Anregung gegeben, daß die Unfall- Vcrhüwngs-Vorschriften der Berufsgenossenschaften vereinfacht werden. Dies ist ein Zugeständnis an die aufgeklärten Arbeiter, die sich seit Jahren durch ihre Vertreter in der Presse, in dem Reichstage und in den Landtagen gegen die Komödie der Berufsgenossenschafteu, die mit Unfallverhütungs- Vorschriften getrieben wird, gewendet haben. Schon die Gewerbeordnung für den Norddeutschen Bund vom Jahre 1869 verpflichtete— nach badischem Muster— ansdrüÄich jeden Gcwerbeunternehmer, auf seine Kosten alle diejenigen Einrichtungen zu treffen, die mit Rücksicht auf die besondere Beschaffenheit des Gewerbebetriebes und der Be- tricbsstätte zur Sicherung der Arbeiter gegen Gefahr für Leben und Gesundheit notwendig sind. Diese aus den allgemeinen Vertragspflichten des Arbeitgebers ohne weiteres abzuleitende Pflicht ging später in die'Reichsgewerbeordnung über. Als dann im Jahre 1884 die Unfallversicherung geschaffen wurde, sind infolge einer Anregung der Sozialdemokraten auch die Berufsgenossenschaften mit der Fürsorge für den Schutz der Arbeiter vor Unfällen betraut worden. Diese haben denn auch Unfallverhütungs-Vorschriften erlassen. Trotzdem ist im Laufe der Jahre die Zahl der Unfälle imnier größer geworden. Viele dieser Unfälle hätten fraglos durch eine bessere Unfallverhütung vermieden werden können. Woran liegt es, daß die Unfallverhütung noch immer ungenügend ist? Die Arbeiter weisen darauf hin, daß die Betriebsleiter es trotz der vielen Unfallverhütuugs-Vorschriftcn nur zu oft au den notwendigen Unfallverhütungs maßnahmen fehlen lassen. Die Betriebsleiter dagegen berufen sich auf solche Fälle, in denen Arbeiter selbst Unfälle verschuldet haben. Hieraus ergibt sich, daß sowohl Betriebsleiter als auch Arbeiter gegen die Uilfallverhütnngs-Vorschriften verstoßen. Die Arbeiter haben, um diese Tatsache wenigstens zu einem Teile zu erklären, darauf hingewiesen, daß viele Ar- bcitcr nicht einmal den Wortlaut, geschweige denn die Be- dcutnng der einzelnen Vestimmnngcn der Unfallverhütungs- Vorschriften kcunen, daher— zumal bei der ineistenS üblichen Antreibcrci— unmöglich imstande find, mit der vorgeschriebenen Vorsicht zu arbeiten. Das ReichSversichernngsamt hat diese Beschwerde jetzt endlich als berechtigt anerkannt. Es will den Mißstand durch eine„Vereinfachung" der Unfallverhütungs- Vorschriften be- seitigen. Auf diese Weise soll den Arbeitern die Kenntnis und die Durchfiihrnng der Vorschriften erleichtert werden. selbstverständlich wünschen auch wir, daß alles Un- nötige aus den Unfallvcrhütungs-Vorschriften beseitigt wird. Aber den Erfolg, den das ReichsversicherungSamt erzielen will, kann der Versuch nicht haben. Die Arbeit in der Fabrik wird infolge der Fortschritte der Technik immer komplizierter. Demgemäß müssen die Betriebs- leiter eine immer größere Getvandtheit und Geistesgegenwart von den Arbeitern verlangen; in demselben Maße müssen auch die Unfallvcrhütungs-Vorschriften ausgebaut werden. Sie werden daher bei aller„Vereinfachung" nach wie vor so weitgehende Anforderungen an die Arbeiter stellen, daß es noch weiterer Maßnahmen bedarf, um die Arbeiter nicht nur mit dem Wortlaut, sondern auch mit dem Sinn und der kleines Feuilleton. Ein blutiges Jubiläum. Wenn die Weltgeschichte ein Weltgericht lväre, so könnte man die Niederlagen und Berluste, die Spanien jetzt im Kampfe mit der Maurenbevölkerung NordlvestafrikaS er- leidet, als gerechte, wenn auch Oefcheidene Vergeltung für die un- geheuere Vergewaltigung ansehen, die jetzt gerade vor dreihundert Jahren— im Herbst 1609— die spanischen Mauren erleiden mußten. Eines der blutigsten Blätter der spanischen Geschichte wird damit in die Erinnerung zurückgerufen. Trotzdem seinerzeit den unterworfenen Mauren Glaubensfreiheit zugesagt worden war, wurden sie das ganze 16. Jahrhundert hindurch auf das härteste drangsaliert und mit den unerhörtesten Gewalt- Mitteln der Inquisition zur Taufe oder Auswanderung mit Preisgabe ihres Vermögens gezwungen. Als die verzweifelten Opfer solcher UnterdrückungSwillkür schließlich mit Spaniens aus- wärtigen Feinden in heimliche Unterhandlungen traten, wurde im April 1669 die Austreibung sämtlicher Morisken vom Staats- rat beschlossen und ein halbes Jahr später zunächst in Valencia das königliche Edikt erlassen, worin ihnen bei Todesstrafe an- befohlen wurde, binnen drei Tagen das Reich zu verlassen und sich nach Nordasrika einzuschiffen. Aehnliche Edikte ergingen bald darauf für Aragonien und Katalonien, deren maurische Bewohner nach Frankreich ausgetrieben wurden, weiter für Andalusien, Granada und Murcia. Zahllose der Unglücklichen gingen dabei trnrch Waffengewalt, Entbehrungen, Krankheiten zugrunde, wurden auf der Flucht von den Schiffern ausgeplündert und ermordet oder ver- rchwanden auf den Galeeren und in den Schwefelgruben. Am schlimmsten erging eS denen, die nach der Berberei verschifft ivorden waren: nach zeitgenössischen Berichten sollen ihrer mehr als zwei Drittel verhungert oder von den raubgierigen Arabern erschlagen worden sein. Die Gesamtzahl der Opfer, die die Aus« treibung gefordert hat. wird ans mindestens 666 666 geschätzt. Hunderttausende von Dukaten flössen als Beute in die Taschen des Hofes und der Granden; die Regierung Philipps III. aber hat sich durch diesen grausamen Akt des religiösen Fanatismus aus ewig ,nit Schande bedeckt. Der Fluch blieb nicht auS, denn dem Lande war damit seine eigentliche Arbeiterbevölkerung größtenteils ver- loren, und Spaniens wirtschaftlicher Niedergang von der einstigen stolzen Großmachtstellung zu einem Lande, daS zur Hälfte auS Bettlern und Analphabeten besteht, kann als eine Folge dieser Greuel angesehen werden. Das Aussterben des Elephanten. Es hat den Anschein, als ob der Mensch im Laufe der Jahrhunderte tierfreundlicher gc° worden ist. Während früher jedes Tier, dessen Körper ihm irgend einen besonderen nutzbaren Stoff bot, rücksichtslos verfolgt und ausgerottet wurde, zeigen sich doch jetzt hier ußd ds Versuche, ettväß Bedeutung der Unfallverhütungs-Vorschriften so bekannt zu machen, wie es notwendig ist. Auch hierfür haben die aufgeklärten Arbeiter schon längst zweckmäßige Anregungen gemacht. Sie haben vorgeschlagen, daß außer einer besseren Kontrolle der Betriebe durch Auf- sichtsbeamte die Betriebsleiter verpflichtet werden, auf ihre Kosten und während der üblichen Arbeitszeit die Arbeiter planmäßig über die Gefahren der Arbeit und über die Maßnahmen zur Verhütung der Gefahren unter Vorführung der vorgeschriebenen Unfallverhütungs- Vor- richtungen unterrichten zu lassen. Diese Unterweisung ist in angenlessenen Zwischenräumen zu wiederholen. Auch dürfen die Betriebsleiter keinen Arbeiter zu einer Arbeit heranziehen, bevor er nicht in dieser Weise unterrichtet worden ist. Und an eine besonders gefährliche Arbeit darf der Be- triebslciter einen Arbeiter erst dann stellen, wenn er sich davon überzeugt hat, daß der Arbeiter nnt den Unfallverhütungs- Vorschriften genau Bescheid weiß. Nur auf diese Weise ist es möglich, die Arbeiter mit den Unfallverhütungsvorschristen und mit den Verbesserungen derselben wirklich bekannt zu machen. Auf diese Weise werden aber auch die Arbeiter zur Mitarbeit an der Unfallverhütung, zu Vorschlägen für Verbesserungen der Unfallverhütungsmaßnahmen angeregt. So wichtig dies ist, und so günstige Erfolge überall der- artige Versuche gehabt haben, sind es bis jetzt doch erst ganz wenige Betriebsleiter, die im Interesse der Unfallverhütung die nötige Zeit und Mühe auf die Unterweisung der Arbeiter verwenden. Die meisten Unternehmer denken in der kurz- sichtigsten Weise nur an ihren Profit und betrachten jede Mi- nute und jede Ausgabe, die„nur" der Unfallverhütung dient, als einen Verlust. Außerdem müßte die von uns geforderte Unterweisung der Arbeiter zur Folge haben, daß es sich herausstellt, in welcher Weise der Betrieb zweckmäßiger zu gestalten sei und die Schutzmaßnahmen verbessert Iverden könnten. Auch daraus würden den Unter- nehmern Ausgaben erwachsen, die viele von ihnen durchaus nicht auf sich nehmen wollen. So manchem von ihnen genügt es, wenn sie die Uufallverhütnngsvorschriften auf dem Papier haben und sie sich bei einem Unfall darauf berufen können, um die verunglückten Arbeiter für das Unglück verantwortlich zu machen. Endlich sträuben sich die Unternehmer instinktiv gegen alle Maßnahmen, die den Arbeitern einen größeren Einfluß auf die Regelung der Arbeit einräumen. Daher bedarf es einer gesetzlichen Vorschrift, die die Betriebsleiter zu einer plan- mäßigen Unterweisung der Arbeiter in der angegebenen Weise zwingt. Bisher wollten unsere Gegner von einem solchen Ein- greifen der Gesetzgebung nichts wissen. Es zeigt sich aber auch hier, daß die wirtschaftliche Entivtckelung die herrschende Klasse gegen ihren Willen zu einem Entgegenkommen auf die Forderungen der. Arbeiter drängt. Je mehr Unfälle sich ereignen, je größer der dadurch verursachte Schaden nicht nur an Leben und Gesundheit der Arbeiter, sondern auch an dem Profit der Unternehmer wird, desto klarer wird auch der herrschenden Klasse die Not- wendigkeit, daß etwas für eine bessere Durchfühnnig der Uilfallverhütnngs-Vorschriften geschieht. Das ist der Grund, weshalb jetzt das Reichsversicherungsamt an der „Vereinfachung" der Unfallverhütungs-Vorschriften herum- doktert. Unsere Aufgabe wird es sein, die ungenügenden Erfolge dieser Versuche nachzuweisen und unsere Gegner immer weiter vorwärts auf die Bahn zu drängen, auf der tvir in der Tat eine bessere Unfallverhütung erreichen können. Am schnellsten würde eine Unterweisung erreicht, wenn endlich die Arbeiter zur Kontrolle der Unfallverhütungs-Vor- schriften herangezogen würden. zur Erhaltung auch der sogenannten wilden Tiere zu tun. Man wird über diesen Fortschritt keine besondere Rührung zu emp- finden brauchen, denn auch in einem solchen Beschluß kommt schließ- lich doch nur die Selbstsucht des Menschen zum Ausdruck. Immer- hin darf man sich nicht einen Augenblick bedenken, diese Be- strebungen anzuerkennen und zu unterstützen. Es ist nicht nötig, zu fragen, ob der Mensch eine Art von Naturrccht, mit den Tieren frei zu schalten, für sich in Anspruch nehmen darf. Wenn es beispielsweise möglich wäre, alle Fliegen und Mücken zu ver- tilgen und damit unzählige Erkrankungen zu verhüten, die durch diese Insekten auf Menschen und Nutztiere übertragen werden, so würde sicher niemand etwas dagegen haben, obgleich es auch noch zweifelhaft wäre, ob dadurch nicht die Lebensfähigkeit anderer Tiere, namentlich vieler Vögel, die fast ausschließlich von Insekten leben, in Frage gestellt würde. Gegen die großen Säugetiere aber wie Löwen. Tiger und Elephanten, die den Menschen früher vielleicht fürchterlich waren, aber längst zusammengeschmolzen und gegen seine Feuerwaffen ohnmächtig geworden sind, sollte wirklich Schonung geübt werden, damit nicht so prächtige Verkörperungen von Schönheit und Kraft vom Erdboden verschwinden. Namentlich in Afrika sind darauf gerichtete Bestrebungen notwendig, und in den deutschen Schutzgebieten auch bereits zum Ausdruck ge- kommen. Frankreich scheint aber für seine Kolonien Beschrän- kungen der Jagd auf die großen Säuger gar nicht in Aussicht nehmen zu wollen, und der französische Gelehrte Dr. Trouesfart mahnt daran in der„Revue Scientifique" mit den Worten:„Nach einem halben Jahrhundert wird vielleicht von diesem Hochwild nichts mehr als die Erinnerung übrig geblieben sein, bedeutet doch die Zahl des jährlich nach Antwerpen eingelieferten Elfen- beins den Mord von ungefähr 18 666 Elephanten. Humor und Satire. Die Spione. Die Armeelieferanten: Wenn die Spionage nicht existierte, müßte man sie erfinden... sie treibt die Mächte zu fort- gesetzter Erneuerung ihres Kriegsmaterials. Die Pflege guter Beziehungen. Der deutsche Spion zum französischen: Da, Brüderchen, hast Du ein paar nette deutsche Geheimvapiere; gib mir französische dafür... Solange es Leute gibt, die solchen Blödsinn drucken lasten, wird eS auch nicht an Schlauköpfen fehlen, um Profit daraus zu schlagen. Wenn schon. Die Freundin:„Ihr Diener hat aber einen ausgesprochen elsässischen Akzent.... Die Generalin:„Bah, viel- leicht ist er ein Spion... aber dafür bezahlen wir ihn auch schlecht." Auch ein Spion: Der Leutnant zu seiner Freundin:„Paß auf. Dein Mann spioniert hinter uns her."--» Sie:«Laß ihn doch als Spion verhaften." fiir den schwedische» GeneraKtrcili. Bei der Berliner GcwerkschaftSkomnüssion gingen ferner für die ausgesperrten und iin Generalstreik stehenden schwedischen Ar- bester ein: 1088.? Wagensabrik v. Dittmann 25ßö. P. Kloß 1,—. Verband der Bildhauer, Verwaltung Berlin, aus solgende Listen: 5314 15,10. 5316 10.20. 5354 7,80. 5357 5,30. 5358 Werkstatt Kimbel u. Friedrichen 33,75. 5367 12,25. 5359 13,85.(In Summa: 98,25.) 12020 Goldleist-nsablik Kubitz u. Imberg 6,60. Sparvcrcin Fichte d. O. Bcusc 4,—. Spiel- u. Untcrh.-Bercin Geselligkeit 5,—. 10712 durch Klink 8,50. 11430 Organisierte Schneider Barr Sohn 6.70. R. F. 2,—. 11294 Lindström, Maschmensaal. 5. Rate 44,15. GewerkschastSkartell Weistensce auf folgende Listen: 7766 Bon den Kollegen der Firma Beka-Rekord 13,25. 10618 Von den Kollege» Int. Falking Maschine und Kollegen von Abteilung Matratzenbau 11,20, 10619 Mctallschlauchsabrik 5,10, 10621 Int. Falking Maschine u. Co,, Apparatebau, 7. Rate 22,30. 10623 Firma Haase, 2. Rate 4,50. 7756 Golde u. Raebcl 6,80, 6920 2,05, 7768 Tischlerei Herzig u. Bauemann, 3. Rate 19,50, 6933 8,40. 6934 Tischlerei Behrendt 4,80, 10616 5,50 (in Summa 103,40). Hilfsarbeiter.Vorwärts' Werkabteilung, 7. Rate 12,75, 11857 Druckerei Trowitsch u, Sohn, 2. Rate 6,10. 11241 Kollegen von C. Röhlich 14,75, 10888 Perlmuttarbeitcr 4,25, Handtuchverleihgeschäs von Tigncr 15,—. 11873 bis 11877.Lokal-Anzeiger" Gewitzgeld, 6. Rat 56,90, 11878„Lokal-Anzeiger" Zeitung, 5. Rate 8,95. 12083 Buch- binderet Anllinfabrik, 7, Rate 4,—, Kollegen I. Pintsch A.-G., Nachtrag zur 4, Rate aus solgende Listen: 9693 21,50, 11261 8,95. 11262 10,60. 11267 18,25. 11273 9,35(in Summa 68,65). 11156 Gießerei Butzke, 4, Rate 18,95. Siemens u. Halske 6,50. Unter- kommission Charlotteuburg auf folgende Listen: Kollegen und Kolleginnen der Firma Zwitusch 7929 9,40, 7930 1,20. 9554 2.05. 9562 Hölzner 10,05. 9563 Buchdruckern Rich. Münch 6,80. 9564 Hölzner 14,15(in Summa i 43,65 M.), Handtuchsahrer v. Rosenthal, 3. Rate 5,—, 12139 Schlosser o. Moldeiihnuer u. Mctzdors, 6. Rate 11,95. Stammgäste v. Kam 2,—. 11395 Schlosser Brauerei Happoldt 11,20, 12176 Kronleuchlcrfabr. Calm». Bender, 7. Rale 14,60. Bezirkssiihrer der sreien Jugendorganisation, Abt. Lichten- berg-Friedrichsselde 3,—, OutiS 10,—. Von den Kollegen v. Arnheim, Abt. SaascSbau und Schleiserei, 2. Rate 24,15. Metallgießerei A. Borsig, Tegel 14,15 Karl Günther 2,05. Hutniacher- Gesangverein Einigkeit 11,35. Tischlerei Fclzer u. Köster, 7. Rate 10,60. 10646 Werkstätten Görlich u. Riesel u, Kämmcr 16,05. Kranzübcrschuß v. A. Köppke 6,90. 11371 Holzarbeiter von Langhammer 42,25. Deutscher Transportarbeiter« verband(Bezirk Groß- Berlin), 8. Rate, aus solgende Listen: Tellersammlung vom 30. September 09 27,—. 1864 1,20. 1960 3,30. 1991 6,60. 4806 3,85. 4807 2,75. 4809 4,30. 5272 6,40. Hilssardciter 51. E.-G., Huttenstrahe 8796 4,20. 8800 18,10. 8805 15,20. 9644 Fabr. personal Bockbrauerei 10,20. 9650 Kcllerarbcitcr der Brauerei Engelhardt, 2. Rate 30,40. 9657 2,70. 9665 Kohlenarbeiter der Firma Flanie 15,10. 11318 Kutscher und Arbeiter der Firma Montag,„ArveitLsuhrwerl" 7,80. 11334 Slngestcllte aus dem Zentral- und Verwaltungsburcau, 8. Rate 45,—. 11317 3,50(in Summa 207,60), 5lllgrm, Kr,- und St,-K, der Metall- arbeiter, Ucbcrschuß vom Sommcrsest, Fil. Schöneberg 20,—, Expedition und Buchhandlung Vorwärts, 8. Rate 35,—. 11880 bis 11883 Personal der Norddeutschen Buchdruckerei 69,65, 101 2,—. Vergolder und Polierer von Raschig, 7. Rate 8,50. SUberwarensabrik von O. Schneider 13,05. 11884 Maschinenmeister der„Woche", Flachdruck, 8. Rate 16,50, Metall- arbeiter von Globeck 8,80. 11909 Verw. d. Vereins Verl. Buchdrucker und Schristgießer, 8. Rate 9,50. 9923 Buchdruckerei L. Schumacher, 8. Rale 16,95. 12054 Ärbeiler von Gebr. Huß, 8, Rate 14,25. 12257 slocksabrik B, Noa, 7. Rate 30,—, 12255 Metallarbeiter Ksionscck, 9. Rate 17,40. Pianosabril von Link u. Godenjchweger, 4. Rate 8,65. Müller 2,15. 12633 Buchdruckerei W. Hartmann, 3. Rale 8,25. Buchdruckerei A. Unger, 3. Rate 18.—. 1226? Tischlerei R. O. Dischleit, 4. Rate 8,95, Metallarbeiter von Henschke u. Buchholz, 5. Rate 37,45. Kranzüberschuß Freie Turner, Rixdors- Britz 10,45. Tischlerei Lücke 3,60. Von den Kabanern 3,75. 12259 Buchdruckerei M. Kettembcil, 8. Rate 25,65. Hartmann 1,50. 12782 Metallarbeiter von Hennigcr u. Co., 4, Rate 22,85. 12289 Metallarbeiter von R. Schultz 3,75. Ledermöbellabrik Lawrenz, 5, Rate 10,60, 11879 Buchdruckern Anilinfabrik, 7. Rate 4,20. Gravieraustalt E. u. H. Schüßler, 5, Rate 11,50. 10865 Pianosabrik W. Hilfe Rachf., 7. Rate 12,40. Tischlerei RöSIer u. Schmidt, 7. Rate 18,30. Drucker H. S. Hermann, 6. Rate 188,60. 12296 Klempner vom Zentralmagazin, 8. Rate 23,85. Gießerei Amelung 7.—. 11794 Kammsabiit R. Streich 6,45. Arbeiter der Rotor 3,—, Tischlerei von Flatow u. Priemer, 4.. Rate 19,30. 12263 Tischlerei Abb u. Daum, 8, Raie 20,10, Tischlerei Masterer 10,—, W. S. 1,50 5366 Bildhauer A. G. Kladenbeck 12,90, 11248 Töpfer Bau Thiele, Danziger Straße 5,—. 11733 Tischlerei Olm, 7, Rate 15,45, 9405 Tischlerei Krugcl. 3. Rate 6,20, Tischerci Kaselow, 5. Rate?,—. 11872 Buchdruckerei Reinke u. Gronwald, 3. Rate 6,45. Polierer v. G. Klug 7,—. Buchbinderei Ull- stein u. Co., 7. Rate 9.30. Kistensabrik Hinz, 7. Rate 9,—, 9466 Buch» binderel Schönjelder 8,35, 10860 Beizer von Krause, Corilla«. Co. 15,80. 12719 Metallarbeiter v. Elster, 3. Rate 34,95. Krolls Buchdruckerei, 7. Rate 9,40. Kollegen Dittmeher, 8. Rate 9,75. Möbelfabrik Stern 8,90. Möbel- sabrik Gerson, 4. Rate 20,—. Möbelfabrik G. Wronkc Nachs., 3. Rate 5,—. Kardinciistangenfabrik Aug. König, 7. Rate 8,80. Kiftenniacher Pflugrath, 8. Rate 15,60. Buchdruckerei Stankicwicz, 8. Rate 10,50. S. E., 3. Rate 8,60. Setzer Zentralbureau Deutsche Presse, 3. Rate 4,80. Tischlerei Schild 9.—. 12072 Buchbinderei Stegcmann 6,10. 11754 Druckerei Stuttgarter Union 12,55. Darmarbeiter Firma F.». L,, 6. Rate 3,-—. 9474 Zentratvorsteher d. Buchbinder 13,—. 9899 u. 9900 Rotationsmaschinenmeister Ullstein, 2. Rate 17,50, Metallwarenfabrik Chzauer 11,55. Klempner v. Beuger u. Co, 6,—. 12307 Buchdruckerei Gebr. Emst, 8. Rate 13,55. 9931 Buchdruckerei Gehüpft wie gesprungen. Im französischen Spionage- bureau zu Paris:„Wir fertige» Dokumente a», die keinerlei Be- deutung haben, damit die Spione ivas zum Eintauschen bekommen." — Im deutschen Spionageburcau in Berlin:„Wir ebenfalls." Wie man sich hilft. Der bestochene Wächter zum Spion: „Schließlich läufst Du mehr Gefahr als ich..." Der Spion: „Bewahre I Ich betreibe in jedem Lande abwechselnd Spionage und Gegenspionage und so ziehe ich mich leicht aus der Affäre." („I-'�ssiotto au beurro.".) Notizen. � Theaterchronik. Haust Niese will von Dienstag an im Neuen Schauspielhause in den drei Einaktern„Schöne Seelen" von Felix Salten,»Zuflucht" und„Mutter" von Klara Viebig der Kunst dienen. ES war ihr mit Recht vorgehalten worden, daß man den Schmarrn auf die Dauer satt kriegt, auch wenn er von der Niese dargeboten wird. — Das Friedrich-Wilhelm städtische Schauspiel« Haus wird seinen Direktor wechseln, da er in Zahlungöschwierig- leiten geraten ist.(Es wackeln noch verschiedene Berliner Theater.) — L i l h Braun hat einen Roman unter dem Titel „Memoiren einer Sozialistin" beendet, der noch in der ersten Hälfte des Oktober im Verlage von Albert Langen in München erscheint. — Neu gegründeter Lehr st u hl für Geschichte der Technik. � Zum Dozenten für die Geschichte der Technik an der Berliner Hochschule ist der Ingenieur C. Matschoß in Charlotten- bürg ernannt worden. Matschoß ist der Verfasser des umfassenden Werkes„Entivickelung der Dampfmaschine", das er im Auftrag des Vereins deutscher Ingenieure veröffentlichte, ferner ist er Heraus« geber der„Beiträge zur Geschichte der Technik". --Ein neuer Leonardo da Vinci? Der General- direktor der Berliner Museen Bode hat nach dem„Berk. Tagebl." aus Londoner Privatbesitz die lebensgroße WachLbüste einer Frau erstanden, die er für ein Werk Leonardos hält. Da die Werke dieses Künstlergenies selten sind und fast«ie in den Handel kommen, so wäre der Glückszufall, falls die Vermutung sich bestätigt, ein außer» ordentlicher. Das Werk soll bald im Kaiser-Friedrich-Museum aus» gestellt werde». — Der AuSzug der Kunstwerke nach Amerika nimmt seinen Fortgang. Vor kurzem erwarben Londoner Kunst- Händler von dem Pariser Sammler Maurice Kann 11 hervor» ragende Bilder für 20 Millionen Mark. Die wichiigsten unter diesen, drei R e in b r a n d t S.„Der Man» mit der Lupe",'„Die Frau mit der Nelke" und das Porträt von„Oskar Harring", ferner ein auS- gezeichneter RuhSdael,„Das Kornfeld", sind für 4 Millionen Mark in den Besitz von Benjamin Altmann übergegangen und befinden sich bereits in den Vereinigten Staaten, wo sie zusammen mit einer Anzahl holländischer Meisterwerke im Metropolitan Museum of Art in New Vor! ausgestellt werden sollen. D. Fellchenfeld. 8. Rate 10,80. 12832 Tischlerei DWelt u. Rothe, i. Rate 14,50. 12258 Pianofabrik W. Hosftnann 6,»5. 12788 Tischlerei Zl. Zahn, 7. Rate 24.75. 1158» Metallarbeiter von Puppel 8M 12274 Metallarbeiter von Emmerich u. Schöning, Saal I 9,10. Sparverein„Glückmis", Doppel- ochse 5,—. 12275 liniversltätsbuchdruckerei, 7. u. 8. Rate 15,70. 11999 Dreher und Gürtler von H. Hartmann 10,20. Verein der Former 20,—. 10600 Schlohsabrit von Lindner, 5. Rate 12,90. Bautischlerei H. Kühn, 3. Rate 8,75. Metallarbeiter von Deyle, 4. Rate 6,95. Anschläger von Eggert-Friedenau 7,—. JllustrationS-Rotation, 4. Rate 14,50. 9155 Verband der Glaser Berlins 20,10. Arbeiter von Domscheit u. Papisch 3,50. Unterkommission Rixdors aus solgend» Asten: 2426 6,10. 2429 4,70. 2442 1,35. 2491 Klempnerei Stolzenburg 14,—. 2493 2,—. 2523 Pianosabrik SIebcrt 11,50. 8701 6,58. 8703 Tischlerei Kaiser. 4. Rate 11,35. 8735 Tischlerei Weiß 6,35. 8704 1,15(in Summa 65,080— 4608 Verband der Mühlenarbeiter, Zahlstelle Berlin 27,—. Schneider v. Levh 13,—. 12778 Letstensabr. Kensichen, 4. Rate 9,05. Kollegen von Horn u. Hummel, Dachdcckungsgeschäst, 2. Rate 12,—. Sozialdemokraten Württembergs, 6. Rate 200,—. Metallarbeiter der Kontinentalen Bremscngesellschast Lankwitz, 6. Rate 14,35. Von den Kol. der Rktallwarensabrik Ebel u. Lohmann, 3. Rate 18,55. Bau Nedlitz bei Potsdam 30,10. Setzer und Drucker von S. Schalem. Schöneberg 14,45. A. Bauschke, Rummelsburg 2,—. Personal von Edelstein u. Co. 4,—. Lottericverein tzuseisen 6,—. Schleiser von Gebr. Krüger, Köpenick 5,—. Vaterlandsloser Geselle, 3. Rate 3,—. Werkstelle Gebr. Geigler, Brunnen- slrasje 6,70. Kollegen der Firma Paul Tothe, Große Franksurter Str. 83 5,50. Kreiswahlverein Niedcr-Barnim, Bezirk Tegel 50,—. Bizkunz 1.—. Angestellte der Heilstätte Müllrose, 6. und 7. Rate 7,20. Von den Arbeitern der Möbclsabrik I. Groschkus, 3. Rat« 50,—. — Metallarbeiterverband Verwaltung NowaweS auf folgende Listen: 8050 6,10. 8052 10,50. 8053 17,15. 8054 9,90. 8055 10,70. 8056 23,—. 8059 17,85. 8060 5,30. 8061 14.—. 8062 7,85. 8065 10»—. 8067 30,—. 8068 3,75. 8069 8,90(in Summa: 175,—.) Tischlerei Felzer u. Köster, 8. Rate 9,50. 8811 Anmacher von Grund u. Co. 5,—. Sindermann 1,—. 12049 Kollegen der Drathlosen 14,—. Kollegen von W. Wöllmer, 3. Rate 7,60. Buchdruckerci des.Vorwärts', ZeitungSabt.(inkl. 1,— Ungenannt), 8. Rate 51,—. Bautischlerei von Mausolf, 6. Rate 12,30. 10989 Telcgraphenbau F. Schuchardt 41,45. Schlosserei Krüger 22,40. Gesangverein.Morgen- lpmuen', 6. Rate 40,—. Pianofabrik G. Hostmann 6,—. Tischlerei O. Weise 7,55. 11153 Tischlerei Schönwetter, 2. Rate 8,25. Bautischlerci Rösner 5,40. 11773 Vergolder von Adolf Werkmeister, 5. Rate 14,35. 9932 Buch- druckeret H. Theinhardt 4,75. 12281 Dreherei PincuS, 7. Rate 13,70. 11837 Mechaniker v. Thiele u. Co., 7. Rate 23,75. I. C. Psajf, Saal 4, 3. Rate 5,95. 12273 und 79 Kollegen von Gebr. Israel, 5. Rate 44,20. Tischlerei Hecht, 4. Rate 11,20. 12732 V-rgolderei I. Müller, 4. Rate 6,35. 12282 Tischlerei Hanke u. Kaeber, 7. Rate 13,80. Möbelsabrik Phönix, 8. Rate 11,35. Buchbindcreiabt. Greve, 4. Rate 6,—. Kronlcuchtersabrck P. Rietze! 7,0ii. 12787 Lustschiftbau K. Huber, 4. Rate 26,60. Metallarbeiter v. H. Krüger u. Co. 11,50. 12284 bis 12287 Metallarbester von Dewitt u. Herz, 8. Rate 55,85. 12080, 81 und 82 Buchbinderei F. Ashclm, 8. Rate 44,45. 12086 Etuisabrik K. Weber, 7. Rate 4.45. Hihsarbeitcr.Berliner Lokalanzeiger',.Woche", 4. Rate 15,—. Möbelfabrik H. Lidtke, 4. Rate 16,70. 12319 Möbclsabrik H. Glindelach, 8. Rate 13,60. Zentralverband der Hutmachcr, Ortsverwaltung B Berlin, 8. Rate aus solgende Listen: 7228 Werner 1,—. 9192 Möckel 2,60. 9216 Baumberg 2.—. 9221 Lenz 1,25. 8233 Kochaneck 2,—. 10942 Pappenheim 4,—. 10960 Silbermann u. Co. 11,40. 10962 Huth 7,10. 10973 Pniower 3,75. 10978 Kochaneck 2,60. Engel u. Co. 5,80. Dispositionssond 6,50(in Summa 50,— M.)— 12320 Tischlerei Blankenburg u. v. Schnabel, 8. Rate 12,40. Töpfer Bau Gcnzow 17,35. 12783 Kollegen v. L. Kausmann, 5. Rate 19,40. Kollegen A. E.-G. Ackerstrage, Saal 15 27.—. 12633 Tischlerei Fürst u. Kuhnert. 8. Rate 5,75. 12310 Tischlerei G. Kuhnert, 5. Rate 26,25. Metallarbeiter W. Ricwe, 3. Rate 13,—. Klempuor, Mariendors 7,—. Bautischlerei von Mayer, 4. Rate 9,—. Hilssper-fonal v. I. Sittenseld 23,45. Kronleuchter- sabrik v. W. Fritze, 6. Rate 9,—. 12718 Metallarbeiter 0. W. Zcmlin, 0. Rate 8,40. 12273 Buchdruckerci Lange 5,—. Tischlerei Gessert Rachf., 5. Rate 13,10. 11803 Bau Schloßpark Steglitz, 3. Rate 7,85. Posamenten- sabrik O. Röhr 3.50. Küchenmöbelmalcr v. Kutsch, 8. Rate 4.—. Küchen« möbelmaler v. Reimann u. Co., 3. Rate 4,—. 12300 Tischlerei Alschncr 10,65. Metallarbeiter v. Haidenhcin 11,10. 6192 Bau Schöneberger Krankenhaus S,15. 12791 Tischlerei P. Peukerl 10,50. 12073 Buch. binder von Ri»fenstahl, 5. Rate 14,35. T. Fr. 8.—. Arbeiter der Edison- Akkumulatoren- Koinpagnie, 3. Rate 27.70. Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbester Deutschlands, Filiale Berlin I) aus solg«nde Listen: 6006 durch Schwambach 5,60. 6026 durch Höpsner 4,95. 6067 Schneider von Wendt u. Redlich, 5. Rate 37,50. 6071 Schneider von Koppel, 3. Rate»2,50. 6073 Schneider von Förder, 3. Rate 15,—. 6080 Schneider von Jung 7,75. 6083 und 6084 MstitSr- schncidcrversammlung 38,10. 6086 Schneider von Kötz 6,90. 6087 Schneider von Pabst u. Kunze 7,—. Schneider von Pähl 14,—. Schneider von Rückert 6,—. Schneider von Stock u. Co. 26.—. Schneider von Bothmer ll. Dinzer 2.—(in Summa 196,30). Tischlerei A. Bellst, 5.—. Möbelsabrik Nickel, Kernicke u. Lehmann, 8. Rate 21,65. 9929 Buch- »ruckerei Nagel 11,15. Leutnant Schmidt 50,—. Baß-Karl 3—. Organisierte Hausdiener b. Werthetm, Oranienstraße 10,—. 12256 Schmarl u. Co., 4 Rate 7,—. Arbeiter der Stempelfabr. Cooke u. Wcylandt 4,50. Bez. Kricdemann 1,65. 12781 Maschinensabr. Skztwann u. Co. 7,—. 10983 Kollegen bei Lexvw, 3. Rate 20,—. Metallarbeiter der Vulkanwerkc, 3. Rate 18,—. 12230 Gebr. Roll, Schraubensabr., 8. Rate 15,80. 9920 Buchdruckerci Denier u. Nicolas 10,25. Tischlerei Mai u. Co. 7,90. 10906 Tischlerei Volmar u. Haut, Frankfurter Allee, 4. Rate 17,35. Buchdruckerci Maurer u. Dimmick, 8. Rate 6,80. 12793 Kollegen bei Ehestädt u. Robert, 4. Rate 14.30. 12722 Kollegen bei Butzke, Ärandenburgstrasie, 3. Rate 23,50. 12721 Kollegen und Kolleginnen bei Butzke, 3. Rate 13,55. Maschinenmeister b. Sittenseld, 8. Rate 24,75. Kollegen b. Frisier u. Roß- mann, Schreibmaschinen 7,25. Möbclsabr. Schwarz u. Fröhlich. 4. Rate 19,60. 12777 Tischlerei Neumann u. Bunar, 6. Rate 19.10 12254 Personal bei Bellers Registr.-Compagnie, 6. Rate 5,75. 11780 Buchdruckerci 81. Schalem, 6. Rate 15,05. Tischlerei Naumann u. Sohn 3,75. 11902 Tischler bei Barth 11,40. Kollegen bei Einhorn u. Damke 3,—. Schristgießerei Gursch 70,85. 12076 5,50. 12634 BerbandSmitgliedcr des .Rcichsboten", 7. Rate 14,70. 11245 Lanzky, Einsetzer 12,25. 3 Hausdiener bei D-wilt u. Herz 1,50. 11743 Buchbinder u. Schriftsetzer, 8. Rate 9,30. Korbmacher bei Heinemann, 6. Rate 5,85. Tischlerei Appel 6,—. 12308 Kollegen bei E. Grimm, Kronleuchterfabrit 18,10. 11745 Kistcnsab. Thurow 10,—. 12200 Töpfer Bau Becker, Nixdorf 11,45. 12268, 69, 70 u. 72 All- gemeine Mctallwerke f. Beleuchtung, 9. Rate 40,60, Tischlerei Netzband u. Rambow 10.30. Kollegen von Pardemann 15,50. Druckerei Koebke, 8. Rate 20,85. 11282 Ledersab. Salomon, Treptow 20Z40. 12304 Tischlerei Kaiser, 8. Rate 8,05. 12797 Pianofabrik Rieb er u. Co. 9,20. 9185 13,20. Ungenannt, 3. Rate 10,20. 12078 Buchbinderei Sperling, 4. Rate 58,20. Schckltze t,—. 12311 Tischlerei Jkcs u Co., 8. Rate 15.30. Wöllmers Schriftgießerei, 2. Rate 83,20. 12795 Klaviaturfabr. Bahn u. Co., 5. Rate 15,20. 12309 Tischlerei Kululenz, 8. Rat» 8,35. 9186 4,50. In Summa: 4899,78 M. Bisher sind veröffentlicht 208 030,19 M; dazu kommen 4 899,78 M. Summa 213 829,97 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engeluferlöl zusenden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau, Engelufer lö I, Zimmer 23, vor- mittags zwischen 9— IL'/z Uhr und nachmittags zwischen 4—7»/, Uhr abzuliefern. Die Listen 3695. 8678, 3687. 9390, 3248, 1860, 2514. 1402. 7136, 7908, 926, 922. 941. 8342, 10335 1403 und 8704 sind Verloren gegangen und sind beim Vorzeigen anzuhalten. Berichtigung. In Nr. 222 des„Vorwärts" unter Unter» kommisston Eharlottenburg auf Listen 7906—7915 außer 7908 muß es beißen: Gesammelt von den Kollegen und Kolleginnen der Firma Zwietusch u. Daniel. Der Ausschuß der Berliue» Getverkschaftskommtssion. Eue der parte!« Die Organisationen zum Parteitag. Der Sozialden» akratische Berein in Gera (R e u ß j. L.) nahm am 5. Oktober den Bericht seiner Delegierten, der Genossen Kahnt und Link, iiber den Parteitag entgegen. Genosse Kahnt führte u. a. aus: Das Frohlocken unserer Gegner über den angeblichen Sieg des Revisionismus werde bald der Er- kenntniS weichen, daß der Revisionismus in der Arbeiterklasse keinen Boden findet und in der Partei ganz bedeutungslos ist. Fragen müsse man, ob das Geld für Parteisekretäre in Agitationsbezirken, die 40 bis 20 Wahlkreise umfassen, nicht weggeworfen sei. da man unmöglich erivarten könne, daß ein Mann aucki nur einen Wahl- kreis eines sollheu Agiiationsbezirkes so bearbeiten kann, wie es nötig ist. Der Parteivorstaud möge die großen AgitationS- bezirke bedeutend verkleinern. Der Beschluß zur Jugend- organisation werde, wenn jeder seine Pflicht tue, die Organisation Jugendlichen und ihre Durchtränkung mit sozialistischem Geiste fördern. Tiefbeklagenswertund energisch zu der- urteilen sei das Verhalten des„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker", der wieder der gemeinsamen Arbeit von Partei undGewerkschaft Steine in den Weg werfe.(Allgemeine Zustimmung.)— Der Branntwemboykoit müsse von jedem Genossen streng durch geführt werden. Der Redner verbreitete sich schließlich eingehend über den parlamentarischen Bericht und meinte, daß die Fraktion die Erbschaftssteuer in dritter Lesung unbedingt hätte ab lehnen müssen. Wir hätten der Regierung des KlassenstaateS grundsätzlich keine Mittel— sei es durch indirekte oder durch direkle Steuern— zu bewilligen, außerdem sei die ErbschafiSsteuer ein ganz verhunztes Machwerk. Auf Antrag wurde dann beschlossen, über die Erbschaftssteuer� angelegenheit nicht zu diskutieren, sondern diese Frage in Vcrbiw dung mit dor Frage der direkten Steuern überhaupt und der Reichs- finanzfrage als besonderen Punkt auf die Tagesordnung einer später stattfindenden Versammlung zu setzen. Aus der GeschäftSordnungs debalte ging aber hervor, daß die Meinungen geteilt waren. Der Geschäftsführer des T e x t i l a r b e it e r- V e r b a n d e s. Genosse Krause, erklärte sich für Annahme, der Arbeiter- s e k r e t ä r Genoss» Fraenkel gegen die Annahme der Erbschaftssteuer. Dieser Redner kritisierte ebenfall-? scharf das Verhalten des Buchdrucker-„Korrespondent" zur Organi sation der Jugendlichen imd fragte, wie lange sich die sozial demokratischen Buchdrucker das arbeiterfeindliche Treiben RexhäuserS noch gefallen lassen werden. Es wurde dann einstimmig eine Resolution angenommen, in der sich die Versammlung mit den Be- schlüsien deS Parteitages einverstanden erklärt, ihre Freude über den sachlichen Verlauf ausdrückt und verspricht, mit allen Kräften für die Durchführung der Beschlüsse, besonders auch des Bräunt- weinboykotts einzutreten. Vor den Hanauer Genossen gab Genosse Lamm den Bericht. Zu begrüßen sei u. a. der Beschluß der Maifeier, der endlich ein einheitliches Handel» in Zukunft ermögliche. Die Aussprache über die Erbschaftssteuer sei notwendig gewesen. Die Delegierten des Hanauer Kreises wäxen der Ansicht gewesen, daß die Erbschaftssteuer bei der endgültigen Abstimmung abgelehnt werden mußte. An der eingehenden Diskussion beteiligten sich die Genossen Hoch, Heidolf, Schnudt, Dr. Wagner und Dißinann.— Mit Ausnahme des Genossen Schmidt, der Bedenken gegen di« Ablehnung der Erbschaftssteuer äußerte, stellten sich alle Redner auf den Standpunkt, daß eine Ablehnung der Erbschaftssteuer bei einer etwaigen dritten Lesung unbedingt geboten war. Daß eine Aussprache über diese Frage unbedingt notwendig gewesen sei. habe am besten die Debatte aus dem Parteitage bewiesen. Es müsse Klarheit darüber geschaffen werden, daher sei es zu begrüßen, wenn sich der nächste Parteitag eingehend mit der Stcuerstage be- schäftige.— Unter einmütiger Zustimmung der Versammlung wurde betont, daß eS nicht nur das Recht, sondern die Pflicht deS Genossen Hoch gewesen sei, den Parteigenossen des Kreises im Rahmen der Parteiorganisation— wie eS geschehen— Mitteilungen über die sachlichen Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Erbschaftssteuer zu machen und dazu seine Stellung zu präzisieren tur Maifeier wurde erllärt, daß sie nunmehr auf der Basis der eipziger Beschlüsse mit allem Nachdruck propagiert werden müsse; für die zu schaffenden VeznlsfondS müßten Extrabeiträge durchgeführt werden._ RnchStagskanditzatur. Die Vcrsaminlung des sozialdemolratischen Vereins für Metz stellte einstimmig den Genossen Dr. Georges W e i l l auS Straß- bürg, Redakteur an der„Fränkischen Tagespost" in Nürnberg, als NeichStagSkandidaten für den ReichStagSwahlkreiS Metz auf. vom Fortschritt der Presse. Hundert neue Abonnenten hat das Offenburger„Volksblatt" zum 1. Oktober gewonnen.— Unser Hoser Parteiblatt, die„Oberfränkische Volks- z e i t u u g hat zum 1. Oktober fünfhundert neue Abonnenten ge- Wonnen. Personalien. Zum Parteisekretär des Wahlkreises Mainz-Oppen- heim wurde in einer außerordentlichen Wahlkreislonserenz am Sonntag Gauleiter S e e l in Mainz gewählt. poUreiiickes, öcrlcbtlicbes uftv. Der„Vorwärts" vor der Revisionsinstanz. Eine unmögliche Strafe hat das Landgericht I in Berlin gegen den Genossen Georg Davidsohn vom„Vorwärts" erkannt, indem es ihn wegen Beleidigung der preußischen Offiziere und Unteroffiziere nach§ 185 St.-G.-B. zu einer Geldstrafe von 900 M. verurteilte. Auf die Revision des Angeklagten hob das Reichsgericht seinerzeit das Urteil auf. weil§ 135 nur Geldstrafen bis zu 609 M- zuläßt. In der neuen Verhandlung vom 22. Juli d. I. hat nun das Landgericht den Angeklagten nur zu 500 M. Geldstrafe ver« urteilt.— Die Revision des Angeklagten gegen das neue Urteil wurde vom Reichsgericht verworfen. Strafkonto der Presse. Genosse Richard Schmidt von der „Meißener Volkszeitung" erhielt wegen Veröffentlichung einer Lokalliste oin Strafmandat von 80 M. zudiktiert. Er beantragte richterliche Eutscheidung. Das Schöffengericht Meißen verurteilte ihn. obgleich in der Lokalliste nur diejeuigen Wirte aufgeführt sind, die ihre Lokale frei gegeben haben. Gegen dt»seS sonder- bar« Urteil wird Berufung eingelegt werden. Jugeiiclbewegiiiig. „Arbeiter-Äugend". Die soeben erschienene Nummer 19 hat u. a. folgenden Inhalt: Die politischen Parteien.— Eine Jugendorganisation vor eniem halben Me, ischenalter.— Der Herr der Welt. Von G. Eckstein.— Im Zeitalter der Elektrizität. Von Rich. Woldt.— Die Leipziger Jugendschriften-Ausstellung.— DaS Kesseltreiben gegen die Arbester- Turnvereine.— Ein neuer Anschlag gegen die Jugendvereine.— AuS der deutschen Jugendbewegung.— Vom Kriegsschauplatz usw. Beilage: Hans Jörg. Gedicht von Ernst Preczang.— Die Spitzin. Erzikhlnng von Marie v. Ebnsr-Eschenbach.— Von der Kunst deS ZuHörens. Von Hulda Maurenbrecher.— Mein Onkel Sönke. Von Keiften Blunk.— Die beiden Geizhälse. Gedicht von Heinrich Seidel._ Versammlungen. Tic Berliner Kommnnnlwahlbelvegung hat ihren Anfang genommen durch 11 Versammlungen, di« am Dienstag und Mittwoch in den verschiedenen Bezirken stattfanden, wo Neuwahlen von Stadtverordneten erforderlich sind. Das Interesse für die Bewegung schien leider noch nicht genügend geweckt und die Versammlungen wiesen nicht durchweg den Besuch auf, den unsere in dieser Bezichu«g verwöhnten Parteigenossen bei Wählcrversammlungen als selbstverständlich voraussetzen. Immerhin merkte man de» Er- schienenen die Kampfesfreudigkeit an, mit der sie der Abrechnung mit dem Kommunal-Freisinn entgegen sehen. Als Redner traten eine Reihe von Vertretern dar Partei in der Stadtverordneten« Versammlung auf sowie die Kandidaten, die sich den Erschienenen vorstellten. Wie die Berliner kommunale Wirtschaft. die ja auch ein Miclczyn er- möglichte, auf den Unbefangenen wirkt, zeigte ein Redner. der in der Versamnilung für be» 17. und 13. Kommunal- Wahlbezirk in die Diskussion eingriff. Er wies auf Mißstände im Virchow-Krankenhaufe hin, bon denen er Proben am eigenen Leibe dnrchmachte. Aus einem Gegner sei er nach solchen Erfahrungen zu einein Anhänger der Sozialdemokratie geworden, der einzigen Partei, die ernstlich auf Abstellung derartiger Uebelstände hinwirke und ihre Vertuschung unmöglich mache. Mit dem gegenseitigen Versprechen. nun die Wahlarbeit ernstlich in die Hände zu nehmen, trennten sich die erschienenen Wähler._ Eine Landtazswähler-Bersammlung hatten zu Mittwochabend die Wahllciter von 17 Ur Wahlbezirken des 5. Landtagswahlkreises nach dem„Märkischen Hof" einberufen. Rcichstagsabgeordneter Stücklen sprach unter großem Beifall über die bevorstcheuden Landtagswahlen. Eine Disknssion wurde nicht beliebt. Die Versammlung genehmigte darauf die von den Genossen in den Bezirken vorgeschlagene» 85 Wahlmännerlandidaten. Vermischtes. Znm Grubenunglück auf Schacht Löhberg Sek Dinbknkcu am Niederrhein, wo, wie wir bereits berichteten, am Sonntag die Schwebebühne in den Schacht hinabstürzte und dabei neun Personen verunglückten, wird unS noch geschrieben: Während ein Mann direkt getötet wurde, liegen die übrigen acht mit zerbrochenen Gliedern schwer verletzt im Krankcnhause zu Dinslaken danieder. Auch dies Grubenunglück ist wieder wie so viele auf Verstöße gegen die berg- polizeilichen Vorschriften zurückzuführen. Die Antreiberei durch die unteren Beamten ist auf diesem Schacht stark vertreten. Der jetzt im Krankenhause liegende Drittelführer machte am Sonntag- morgen die dritte Schicht hintereinander i Der Mann wollte auch noch eine Anzahl Arbeiter zu der- dritten Schicht bewegen, doch lehnten das die Arbeiter ab. Die direkte Ursache des Unglücks be- steht darin, daß in demselben Augenblick, als das Signal zum Auf» ziehen der Schwebebühne gegeben wurde, auch das Signal zum Auf» ziehen des Kübels ertönte. Die Schwebebühne bewegte sich im Kreise, der Kübel konnte deshalb durch das enge Loch der Schwebe- bllhne nicht durch, faßte vielmehr die Schwebebühne an der einen Seite und kippte sie um. so daß sämtliche aus der Schwebebühne befind- lichen Leute abstürzicn, bis auf einen Mann, der sich im Fallen am Gestänge festgehalten hatte. Dieser fuhr dann zu Tage, um die Trauerbotschaft zu verkünden. Sofort fuhren die anwesenden Kameraden der. Ver- unglückten in die Tiefe und beförderten die Jammernden nach oben. Leider dauerte eS dann auch erst wieder eine ganze Weile, bis die Schwerverletzten zum Krankenhause befördert werden konnten, da eS an Krankenwagen mangelte. Die zuständige Bezirksleitung des Berg- arbeiterverbandes hat sich jetzt in der in Duisburg erscheinenden „Niederrheinischen Arbeiter-Zeitung" mit einer»offenen An- frage" an die Bergbehörde gewandt. Ob man jetzt endlich ein- schreiten wird? RonzierS Höhenflüge in Frankfurt a. M. Nach einer Meldung aus Frankfurt a. M. startete am gestrigen Flugtage Rougier um 4 Uhr 15 Minuten und erreichte sofort eine Höhe von 00 bi» 80 Meter. Nachdem er zwei Runden zurückgelegt hatte, landete er um 4 Uhr 20 Minuten. Um 5 Uhr unternahm er einen zweiten Flug und legte in einer Höhe von 160 bis 200 Meter 3'/, Runden in 7 Minuten zurück. Bei einem dritten Fluge von genau der« selben Länge und Zeitdauer erreichte Rougier eine Höhe von 300 Meter._ Ein« imposante Fernfahrt deS ParsevaliallouS. Das Parseval-Luftschiff, baS gestern früh in Frankfurt a. M. kurz nach 7 Uhr zu einer Fernfahrt nach Koblenz aufgestiegen war. fuhr mit 70Kilomcter-Geschwindigkeit in 200 Meter Höhe den Rhein entlang und traf in Koblenz vollständig unerwartet schon um 9 Uhr 40 Minuten ein. Da die Landung nicht vor 12 Uhr mittags vor- gesehen war. kreuzte der Ballon zweimal über der Stadt, fuhr dann die Bahn entlang nach Bad EmS und kehrte kurz nach 11 Uhr nach Koblenz zurück, wo die Landung glatt erfolgte. In dem Ballon be- fanden sich sieben Personen, unter ihnen der kommandiereudc General von Ploetz. Eine spätere Meldung aus Frankfurt a. M. besagt, daß das Luftschiff„IParseval" um 12 Uhr 30 Minuten die Rückfahrt von Koblenz angetreten hat und um hier auf dem Gelände der..Jla" Uhr 45 Minuten nachmittags glatt gelandet ist, Zum Ekbinger Bmiunglück wird noch vom gestrigen Tage aus Elbing berichtet: Von den bei dem Vauunglück verschütteten Arbeitern wurde heute früh um 3 Uhr der letzte als Leiche geborgen. Ins- gesamt sind somit bei dem Unfall fünf Tote, fünf Schwerverletzte und ein Leichtverletzter zu verzeichnen. Ncder einen folgenschweren Zusammenstoß zweier Güterzüge wird vom gestrigen Tage auS Würzburg gemeldet: Heute früh um S Uhr stießen in der Station Karlstadt infolge falscher Weichen- stellung zwei Güterzüge zusammen. Die Lokomotive und zwölf Wagen dcL einen Zuges sind entgleist. Mehrere Wagen wurden zertrümmert. Der Zugführer GsbhRd-Würzburg und der Wagen- Wärtergehilfe Biber-Afchaffenburg wurden schwer, der Wagenwärter- gehilfe Sitzmann leichter verletzt. Pnlverexplosion. In der militärischen Pnlvermühle Bauchet bei Corbeil wurde, wie eine Meldung aus Paris besagt, durch eine Explosion rauchlosen Pulvers ein Arbeiter getötet; fünf Arbeiter Wurden verwundet, darunter zwei lebensgefährlich. Schissiruch eines FifchdamPferS. Wie auS Lissabon gemeldet wird, hat ein Fischdampfer in der Nähe von Aveiro Schiffbruch er- litten. Von der 45 Mann starken Besatzung werden sieben vermißt, viele sind verwundet, darunter mehrere schwer. WafferstanvS-Nachrtchte» der LandeSauftalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Birliner Wetlerbureau. vasserftand M e m e I. Tilft« Bregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn O d« r, Ratibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leltmeritz , Dresden , Larby , Magdeburg vasierstand Saale, Grochlitz Havel, Svandau'l » Rathenows Spree, Spremberg') , LeeSkow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximiitanSan , Kaub Köln Neckar, yeilbronn Main, Wcrthcim W o s e l. Trier am 6. 10. i°!8 50 44 70 66 -72 84 468 209 202 70 117 231 seit 5. 10. ein 0 +5 0 0 —2 +4 +U +12 +29 +39 +11 +3 +43 «)+ bedeutet Wuchs.— Falk.—•) Unlerpeget. Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktlon über den Großhandel in den Zcntral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusubr stark, Geschäft rege, Preise wenig verändert. Wild: Zufubr gc- »ügcnd, Geschäft rege, Preise wenig verändert. Geslügel: Zusubr genügend, in Gänsen sehr reichlich, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise nachgebend. Fische: Zusuhr niäbia, Geschäft lebhaft, Preise besriediaend. B u l t c r und Käse: Geschäft still, Preise höher. Gemüse. Obst und Südsrüchte: Zufuhr genügend, Geschift schleppend. Preist wenig verändert. ßrkfliaftcn der Redafttfoiu v. treten. ®. E. 5. Sa. 1. Sic tonnen sofort an den auswärtigen Staat heran- W. K. 09. Machen kinderlose Eheleute kein Wechsel- seitiges Testament, so erben die Vcnvandten des Verstorbenen mit.— Nix- dorf, K. 200. Liegt auch keine mündliche Vereinbarung über Ausschluß der Kündignngssrist vor, so besteht eine IStägige Kündigung. Demnach würde die Frage zu 1 und 3 zu bejahen und zu 2 zu verneinen sein. 4. Die Kündigung kann von beiden Teilen an jedem Tage ausgesprochen werden.— R. S. 3. Ist in dem Schuldschein kein Rückzahiungstag vereinbart, so müssen Sie mit vierwöchentlicher Frist daS Kapital tündigen. Die Klage oder der ZahlungSbejehl ist an das Gericht zu richten, in dessen Bezirk der Beklagte sich befindet.— S. 8. Sie brauchen nicht zu tündigen. — A. 82. Der Wirt hätte einen Anspruch aus Schadenersatz. Es würde aber Abweisung ersolgen, wenn, wie wahrscheinlich, das Gericht annehmen würde, dag der Schaden durch den so lange Zeit vorher ersolgtcn Rücktritt abgewendet ist, weil der Wirt anderweit über die Räume hätte versllgen können, dleS zu tun aber Unterlasten hat.— Musikalisch 17. Nein. — I. S. 70. Ein Anspruch aus Zurückerstattung der Jnvalideumarken steht dem Ausländer nicht zu.— F. M. 1072a. Nach dem Gesetz sind die Kinder den bedürstigen Eltern gegenüber nur soweit unterhaltspslichtig, als dies ohne Beeinträchtigung des standesgemäßen Unterhalts der Familie dcS Kindes möglich ist. Die Eltern können aus Gewährung der Unter- stützung klagen. Den Beweis, dag die Unmöglichkeit der Unterstützung vor- liegt, hat das Kind zu sühren.— Oswald M. Nach§ 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches und den entsprechenden Vorschristen des Handelsgesetz- bucheS und der Gelverbeordnung ist die Firma zur Gewährung von Räumen verpflichtet, die die Gesundheit nicht gcsährdcn. Eventuell ist die Firma schadenersatzpflichtig. Auch die Firma hat dem Wirt gegenüber das Recht, zu verlangen, dag die Gesundheit nicht gefährdende Räume sür das Geschäft ihr zur Verfügung gestellt werden und kann, falls dem nicht stattgegeben wird, vom Bertrage zurücktreten und Schadenersatz verlangen. «ttterunaSülierNckst vom 7. Oktober lOoy. morgens 8»Hr. 5 13 13 11 7 Wetterprognose für Freitag, den 8. Oktober 1900. Etwas wärmer, veränderlich, vielfach wolkig mit leichten Regenfällen und ziemlich lebhasten südwestlichen Winden. ** e-"- t- Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Vubliknm gegenüber Verantwortung. Ezsmmammmm keinerlei €bcatcr. Freitag, den 8. Oktober. Anfang 71/. Uhr. CSnigl. Opernhaus. Lohengrin. (Anfang 7 Uhr.) Kgl. Schauspielhaus. Die Lieder des EuripideS. Deutsches. Faust. K a m m e r s p i e l e. Die Zuflucht, Ansang 8 Uhr Komische Oper. Der Wildschütz. Neues königl. Opern-Tdeater. Der Geigenmacher von Mitien» Wald. Berliner. Einer von unsere Leut. Neues Schauspielhaus. Wäscher- mädel. Neues. Da? Urblld des Tariüffe. Hebbel. Hanna Jagert. Westen. Die acschiedene Frau. Lesiing. Der!>tömg. Bolksopcr. Die Jildta. Thalia. Prinz Bussi. Residenz. Gretchen. Trianon. Pariser Witwen. Lustspielhaus. Man soll keine Briese schreiben. Kleines. Moral. Stencd Operette«. Die Dollar- Prinzessin. Schiller«».(Wallner- Theater.) Ein Erfolg. Sch>ile> Charlottenbnrg. Die von Hochsattel. Friedrich- Wilhelmstüdt. Schau- spielhanS. Die goldene Eva. Luisen. Onkel vräsig. Mose. Des Meeres und der Lieb« Wellen. Metrovol. Halloh II— Dle große Rcone. FolieS Caprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. L'j« Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theater. Frau Elkams Friseur. Meine- Deine Tochter. Reichslmllen. Steltiner Sänger. Karl Haverland- Theater. Epe- zlalftäien. Cnsino. Onlel Cohn. Bolksgarten. Spezialitäten. Walhalla. Svezmlltären. Gastspiel. Ungerade Tage. Der Deserteur. Die keusche Toirieite. Eou si» Pampoulette. Ans. 8'/. Uhr. Palast. Großstadtzauber. Speziali- täten. Noasts Theater. Mutterscgen oder Die Perle von Savoyen. ivaiiage. Spezialitäten. Urania. Tondeiiitrahe 48149. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Sternn>ar»c, Siivalideriitr. Cn/Oü K-cssIng-Xhcitter. 8 Uhr zum 76. Male: Der König. Sonnabend, 7'/, Uhr: Die Frau Vom Meere. Sonntag, 8 Uhr: Des Pfarrers Tochter von Streladorf._ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: .Einer von unsere I-ent'. Morgen: Der Bcschl des Fürsten. Heues Theater. Abends C Uhr: Das Iii is Tan. Morgen bis Montag: Das Urbild des TarüKTe. Theater des Vestens. Allabendlich 8 Uhr: Die eeschletlene Frau. Sonntag nachm. 3'/«Uhr, halbe Preise: _ Die luftige Witwe._ Nene« Oporcttcn-Tbeater, Schifsbauerdamm 26, a. d. Luisenstr. Hciste 8 Uhr zum 300. Male: Die jMm-pmzesjto. Friedrlcti-Wilheiinstädtisciies Schauspielhaus. Freitag, den 8. Oktober, Ans. 8 Uhr: Zum erstenmal; Die goldne Eva. Lustspiel in 3 Akten v. Fr. v. Schön- than und Koppel-Ellseld. Sonnabend: Manöverregen._ Volks-Oper. SW, Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Ansang 8 Uhr. Die Jüdin. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. j Des Meereö und der Liebe Wellen. Trauerspiel in 6 Akten von Grillparzer. Morgen: Die Iö'germeifterln. 1 Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Ein Erfolg. Luftspiel in 4 Alten v. Paul Lindau. Ende 10'/, Uhr. �0(3 Sonnabend. abtndS 3 Uhr: Zum erstenmal: Die erste«elge. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Älsebetii. Sonnlag, abends 8 Uhr: Die erste«Zeige._ Theater. Schiller-Theater Chariottenburg. Freiing, a b e» d s 8 Uhr: Die von Hochsattel. Lustspiel in 3 Akten von Leo Walther Stein und Ludwig Heller. Ende 10-/. Uhr. Sannabc ud, abends 8 Uhr: Das KUthcben v. Hellkronn Sonnrag, nachm. 3 Uhr: Die Welt, in der mau sieb langweilt. Sonntag, oben CS» Übt: Die von Hochsattel. Urania. WissenBohaftiiches Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Lusispielhaus. Abend« 8 Uhr: Man soll keine Briefe sehreiheD. Abends 8 Uhr: Onkel Bräsig. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Große Kindervorstellling: Dornröschen. Abends 8 Uhr: Die Herren Söhne. Sonntag nachm.: Der Mann mit der eisernen Maske. 8 Uhr: Onlel Brösig._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. WendS 8 Uhr: CÄK'ctchcn. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen und solgende Tage: Tteselbe Borstellung. Sonntag, 10. Oktober, nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich»m Amelte. Gastspiel-Tlieater Kopeiücker Straße 67/68. Täglich abends 8'/« Uhr: Engerado Tage. Der Deserteur. Die kcnsche Tofnette. Cousin Pampoulette. Zum 21. Male: Halloh 1! Die pBe Revue!! Humorist.-satir. Jahresrevuo in 7 Bildern von Jnl. Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Willy Bishop. Madie Lessing. Fritzi Hassary. Jos. Glampleiro. Guido TliielscliEr. K. Plann. M. Kellner. Ida Peiry. W. Bishop«w. Anlang 8(Ihr. Rauchen gestattet. Anfang 8 Uhr: Tohuwabohu und Spezialitäten. Passaga-Theater. Gastspiel Henry Bender. Die tolle Burleske Der süße Doktor mit Henry Bender, Lucie König. Else Bernd, Ella Rauch, Hermann Bartels, Lene Lehmann. Ferner: Claire Waldofl und die große Variiti- Attraktion. -wyywwvpwy Karl Haverland Theater 77/79 Kommandantcnstraße 77/79. Ansang präzise 8 Uhr. Schlager nur Schlager bringt da» Oktober-Programm. JME" Neues Programm. tztZtzil Sehora Maria Galvany Primadonna v.d. kgl Oper i. Madrid. Miß Orforde, Elefanten-Dressurakt. Les Rltchie, komische Radfahrer. Sandwina, das Wunder weibl. Kraft. Tonka-Truppe, japanische Zauberer. Artois Bros, komisehe Reckturner. A. Loyal mit seinem Hund Toqud. Miß Amcia, amerik. Spiegelreflextänzerin. Mahello Fonda• Truppe, Keulen- Jongleure. Rigoletto Bres, Equilibristen an schwebender Leiter. Leben und Treiben im Freien, Tanz- Divertissement. Biograph neueste Aufnahmen. eatsr Kommandamenstr. 57. T. A. 4, 5083. DO Die erfolgreichsten-DW Lach-Komödie». Meine- Deine-Tochter- Frau Elkams Friseur mit Anton und Donat Herrnfold. Vorverkaus 11—2 Uhr. Ansang 8 Uhr. pslRZt-fllefltsr. Direktion: Robert Dill& Karl Pirnau. Burgstraße 24, am Bahnhof Börse. Bis Freitag, 8 Oktober 1909: Gastspiel der japanischen Schauspieler II. ehem. Mitgl. d. Sadayakko- Truppe: Mr. Merino, das anaiom. Weltwunder. Lkskttscktzsuder mit Direktor Rod. Dill. Borzugskarten überall zu haben. Pssssgs-Psnoiiiiilii. Die Träummalerin d. schwebende Jungfrau. Der Hotoboy d. künstl.zerl. Mensch Tamlmrltza-Brigant, Alles Ifltasoop-Tlieater Dauervorstellung von 4—7 Uhr. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: gWankel 'S!"kel ohn �ohn 4«a»kel Kinkel IVolm ��nkel Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkert. Holzmarkistraße 72. Täglich: Erans biohanskl. Hedy Brumion, Willy Gramsch, Vallls u. Jeannette, F. W. Hardt, MIß Ciaire, The iree Eriks. Ein vtlDtiftltts Mittel. Schwank in einem Akt. Wl-Iliöglös laagbis. Alt-Hoahlt 47/48. Sonntag, den 10. Oktober 1909» GesangSposse w 4 Akt. v. Maunstädt. Kassenöffnung 6 Uhr. Vorstellung 7 Uhr. Borverkaus Sonntag v. 18—1 Uhr im Theatcr-Rcstaurant._ w I Weinberg alhalla T ter IWoinoergsweg 19-20, Rosenth.Tor. I Ans. 8 Uhr. Die großartigen> Oktober-Spezialitäten. Im Tunnel: Regimentstapelle. Theatsrbesucher freier Eintritt. Heute Freitag, den 8. Oktober, abends 7t/z Uhr: Sport-Vorstellnng. Casa Bianca. Spovtakt der«ehe. Hoackc. Amerikanischer Sportakt von Miß Louise und Rod. Cotrell. gHBT Wagensport"MD v. Mrs. Boßmann u. Aohile CioUI. 6 Damen Provcanies hervorragende Sportleiswng. Pker6 u. Ballerina Schulakt des Hlttei? v. Iteni-okT. Sonntag: 2 gr. Vorstellungen. 3'/, Uhr und Uhr: Nachm. bat jeder Erwachsene ein Kind frei, weitere Kinder zahI.halbe lPreisc. J.beid. Vorst.: Gr. Programm. >V.$toscltL7ksstsr Vriumenfir. 16, am Rosenthaler Tor. Zum letzten Male: Muttersegen oder: Die Perle von Javosten. Anfang'/2S Uhr:-Mg Sonnabend: D. Warenhausfräuloin. Sonntag 3 Uhr: Das Käthchen von Heilbrsnn. Brunnen�Theater Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt Freitag, den 8. Oktober: Donna Diana. Lustspiel in 3 Auszügen von Moreto. Kasscncröfsnung 7 Uhr. Ans. 6 Uhr. kolies tspriee. Mobilisierung. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11—2. Anfang 8'/, Uhr. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. Reiehshalleu-Thealei'. ir Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. ja. #m Moriholst' -Anf. 8 Uhr I. Thoatersaal; D. Kanononschlager Meyer mit'n Hängeboden mit Paul Bendlx in der Titel» roUs und das glanzende Spezialitäten- Programm. Im Konzertsaal täglich: OroBes Miiltttr-Konaert. /s. FRAUEN � IS»Wollen Sie gesunn bleiben, so verlÄng-en I Sie sofort Prospekt über unsere nouesta 1 ►p Hygienische.rp Erfindung, die an Elnfachneit Alles —— in den Schatten stellt.-— Patentiri in fast allen Kultur gtaaten. " ih Bei vielen Unlvörsitatapro/easoren und «Frauenaerzten im elrnen Qebraxicho. "' m- f iHr, uluisvl»" Witiüwlie 22$. 1 1 Si Zirkus Busch.| Heute Freitag; den S.Oktober 1909, l| abends T'/�Uhr präzise: H Gr. Gala- Vorstellnng. I Mdm. Smaragda m. ihr. Sensation. Katzondress. Herr Willy Manns Wunderelefanten! Herr E. Schumann Meisterdressuron. Die 4 Gebr. Karolis. Sämtl. Clowns mit neuen Witzen. Um 9.80 Uhr: kMMßll! Besonders hervorzuheben; Oer Ucberf. a. d. brennend. Blockhaus. Sanntag, den 10. Oklob., wird um 4 Uhr Farmcrleben der 3. Akt aus der sensationeilen Pantomime gegeben. Sanssouci, UZTl Direktion Wilhelm Reimer. Sonnlag, Montag und Donnerstag: Neues Programm. Elite-Sora«Ä« von MmannsIM. Sängern Stets neues hochaktuelles Progr. Beginn Sonnl. 5, wachem. 8 Uhr. Soeben erschien: Babeuf und die Utrschwörung für die Gleichheit mit dem durch sie veranlaßten Prozeß und den Belegstücken* von Ph. Bnonarroti. llcbersetzt und eingeleitet von Atima und Wilhelm Bios. Preis brosch. 2, geb. 2,50 M. Oxpedition des Vorwärts, Berlin 18 W. 68, Lindenstr. 69, Laden. !ZirIi»«ßtt.«.1s.Gkthr.! Lustschiffahrts MilZ«.5K !>>> extra 3317 Mewwne t. W. zus. Ml. 12001)0 Hauptgewinne: Mark 50000 25000 u.f. w. Lose zu beziehen von Kid. Mlltt& Co. Berlin C., Breiteste. 5. — ITelear-Adr.: wlllckSmüller.> Enorm billiger Verkauf eleganter MonatS> Garderobe», früher 9»— 40 Mark. jetzt 12-28„ �Internationale Berkaufshallen, Große Frankfurter Straße 89. Nur 1. Etage. Kein Laden. 113/1 Dr.Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. 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Oktober 1909, vormittags 10 Uhr: Bezirks- Uerjammllmgen. n Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburcau: Hos l. Amt 3, 1239. DiieritSstraBe 3. Hos HL Amt 3. 1987. Sonntag, den 10, Oktober 1909, vormittags 10 Uhr: Große Uersammlimg aller in der Schraubenbranche beschäftigten Einrichter an Schraubenautomaten und Einzelbäiiken in den Armtnhallen, Kommandantenstr. 58/59. TageS-Ordnung- 1. WaS gedenken die Einrichter bei einsetzender guter Konjunktur zu unternehmen? 2. Diskussion. DM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-M> Zahlreicher Besuch wird erwartet. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß Protokolle von der Generalversammlung in Hamburg a 40 Pf. im Bezirkskasfierern zu habe« find. Bureau und bei den 123/ l6 Die Ortsverwaltunjc- Potz Blitz beste Schuh Putz üeberall zu haben in Dosen a 10 und 20 Pf. Fabritanten; linbnzyn.kl Sc, Co., Berlin HO,_ SassenliälH'feÄÄ?"» Tifchlerverei» we«9 Sonnabend, den 9. Ottober, abends S'/i Uhr. Melchiorstr. 16: Generai-Versarnmiung. Tagesordnung: Bericht vom 3. Quartal 1309. An- trag des Vorstandes: Herabsetzung der Beiträge.— Billeitausgabe zum Stistungssest am 16. Oktober in Sanssouci. Soiree der Norddeutschen Sänger und Ball. 199/9 Der Vorstand. Kmlken-WtkrMmlgg- u. KtgriAnshosst der Feder- zurichtcr Serlius (E. H. Nr. 50). Sonntag, den 17. Oktober er., vor- mittags 10 Uhr, im Geiverkschafts- hauS, Engelufer lö(Saal 10): Generai-Versammiung. Tagesordnung: 1. Rechnungslegung vom 3. Quartal 1909. 2. Geschäftliches. 18466 Der B 0 r st a n d. I. A.: Sinstav Rnsse. Reinickendorf,»» KU. Ii»»eile» MM. in nächster Nähe des Schillerparks und des SchäfcrseeZ vorzüglich gelegene, billige 3-, 2- und 1-Zimmerwohnungcn im Vorder« oder Gartcnhause, mit auch ohne Bad, Balkon pp. sofort vermietbar in den Neubauten der Schiller- Promenade, Bricnzer Straße, Rütli-Straße, Holländer- und Thuncr Straße. .Arbeiter- Bekleidung- Berufskleidung. Größtes Spezialgeschäft. lohnen& Jöring, S'; Alexanderstr. 12. 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O., Madaistraßo, Bogen 8—9, Fruchtstraße gegenüber. S- Prinzens tr. 94. W., Potsdamer Str. 112a. Charlottcnburg: Wilmersdorfer Str. III. Spandau: Breitestr. 54. Eigene Eisenbahn- Kühlwaggons I Tliftlbutlcr 10 Psuiib Kolli M. 8,59. Z. Probe 1 Kolli'/. Butter,'/, j. Honig M. 7,90. 8pf toter, Tlusto F. 6, via Schlesien. 257/4* �-»ox! Zigarrenhändler! Ach"""?! Die bestsortierte und billigste Einkaufs quelle in Zigaretten, Zigarren und Tabaken sämtlicher eingeführter Fabrikate ist Telephon: Amt VII, 3047. Verbessertes im Gebrauch billigstes Seifenpulver» Erleichtert bedeutend das Waschet) und ist ohne ZusaU von Seife und Soda na gebrauchen. Ueberau erhältlich. Paket 25 Pfg. Alleinige Fabrikanten) RcnKel»> Co., Düsseldorf. In allen Drogen-, Kolonialwaren- und Seifengeschäften erhältlich, Fabrik-Niederlage für Berlin und Vororte: Joh, Schmalor� Berlin N., Tieckstraße 11. Eröffnungs-Anzeige! Am(Sonnabend, den O. Oktober d. 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Wissenschaftliche Wochenschrift. „Die Neue Zeit", Wochenschrist der deutschen Sozial- demokratie. Stuttgart. Furthbachstr. 12. Redattion: Berlin-Friedenau, Riedstr. 14. Kommunalpolitische Wochenschrift. „Kommunale Praxis". Wochenschrist für Kommunal- polittl und Kemeindesozialismus. Berlin SW. 68, Lindenstrasje 69. Redaktion: Berlin W. 10, Kaiserin- Augustasttaße 53. Täglich erscheinende Zeitungen. Alteuburg„Altenburgcr Volkszeitung" Frauenselsstr. 4 Augsburg„Schwäbische Volkszeitung" Mariniiliain strage B 31. Bant„Ziorddeutsches Volksblatt" Peterstraße 20/22. Bayreuth„Fränkische Volkstribüne" Richard- Wagner Straße 23. Bielefeld„Volkswacht" Schulstr. 20. Bochum„Volksblatt" Südbellweg 1. Brandenburg„Brandenburger Zeitung, Märkisches Volksblatt" Kurstr. 73. Brannschweig„Braunschweiger Volkssreund" Schloß straße 2, Ecke Oehlschlägern. Bremen„Bremer Bürger-Zeitung" Hankenftr. 21—22. Bremerhaven„Norddeutsche Volisstimme" Am Hasen 49. Breslau„Volkswacht" Neue Graupenstt. 6. Cassel„Volksblatt für Hessen und Waldeck" Wolshagerstt. 7. Chemnitz„Vollsstimme" Userstr. 14. Cottbus„Märkische Volksslimme" Am AmtSteich 18. Crefeld„Niederrheinische Bollslribüne" Breitestr. 62. Darmstadt„Hessischer Volkssreund" BiSmarckstr. 19. Dessau„Volksblatt sür Anhalt" Askanischestr. 107. Dortmund„Arbeiter-Zeitung" Kielstv. 5. Dresden„Dresdener Lolks--Zeitung" Zwingerstt. 21. „Volkszeikung" sür Freiberg, Hainichen und Lederan, Zwtngerstr. 22. „VoltSzeilung" sür den Vlll. Reichstagswahl- treis, Zwingerstr. 22. Düsseldorf„Votis-Zeitung" Benratherstr. 6. Duisburg„Niederrheinische Arbeiter-Zeitung" Friedrich- Wiihelmstr. 76. Elberfrtd-Barmcn„Freie Presse" Robertstt. 8 a. Crfurt„Tribüne" Kteine Arche 1. „Thüringen" Kleine Arche 1. Essen(Ruhr)„Arbeiter-Zeitung" Grabenstr. 67. Nrautsurt a. rOf.„Voltsstimme" Großer Hirschgraben 17. Gera(Reuß)„Renßische Tribüne" Alle Schloßgasse 11. Gießen„Oberhessische Voltszeitung" Schanzenslr. 18. Görlitz„Görlitzer VoltSzeilung" Luisenstr. 6. Greiz„Renßische VoltSzeilung" Untere Silberstr. 2. Gotha„BoltSolatt für die Herzogtümer Coburg und Gotha" Mohrenberg 7. Halle a. 3.„Volksblatt für Halle" Harz 42/43. Haniburg„Hamburger Echo", Hamburg I, Fehlandstr. 11. Harburg„Voltsblatt" Großer Schlphsee 4, pari. Hannover„Votlswille" Münzstr. ö. Heilbrvn»„Neckär-Echo" Karlstr. 38 A. Hof„Obcrsränkijche Volkszeitung" Karolincnstr. 39. Jena„Weimarische Volkszeitung" Schloßgasse 19. Iserlohn„Volkszeitung" Mühlengang 15. Karlsruhe„Volkssreund" Luisenstr. 24. Kiel„Schleswig-Hoisteinische Aolls-Zeikung" Bergstr. 11 Köln„Rheinische Zeitung" Ursulaplatz 6. Königsberg i.Pr.„KöiiigsbergerVolks-Zeitring" Vorder Roßgarten 50. Leipzig„Leipziger VollSzeitung" Tauchaerftt. 19— 2l. „Volkszeitung für das Muldenthal" Tauchaer- straße 19—21. Lüdenscheid„Bolkssttmme" Luisenstr. 19. Ludwigshafen a. Rh.„Pfälzische Post" Maxstr. 65. Lübeck„Lübecker Volksbote" Johannisstt. 46. Lüneburg„Lüneburger Volksblatt" Ritlerstr. 46. Magdeburg„Volksstimme" Große Münzstr. 3. Mainz„Bollszeitung" Zanggasse 13. Mannheim„Volksstimme" K 3, 14. Meisten„Vollszeitung" Poststraße. Mülhausen i. E.„Mülhauser Volkszeiwng" Drei- königsstr. 37. Mühlhausen i. Th.„Volks-BIatt" Jüdenstraße 3. München„Münchener Post" Altheimereck 19. Nordhausen„Nordhäuser Volkszeitung" Wolsstr. 14. Nürnberg„Fränkische Tagespost" Breitegasse 25—27. Osfenbach a. M.„Offenbacher Abendblatt" Große Marktstr. 25. Pforzheim„Psorzheimer Freie Presse" Oestliche Karl- Friedrichstr. 37 I. Remscheid„Remscheider Arbeiterzeitung" Neusttaße 2. Rostock„Mecklenburgische Volkszeitung" Doberanerstt. 6. Saalfeld a. d. Saale„Volksblatt" Rosmaringassc 15. Solingen„Bergijche Arbeiterstimme" Hohegasje 7. Sonneberg(S.-M.)„Thüringer Volkssreund" Coburger Allee 7«. Stettin„Volks-Bote" Schillerstr. 10. Strastburg i. E.„Freie Presse für Elsaß-Loihrwgem Finkmattstaden 2. Swttgart„Schwäbische Tagwacht" Furthbachstr. 12. Würzburg„Fränkischer Volkssreund" Semmelstr. 41. Zittau„Volks-Zeitung" Töpserbera 8. Zwickau i. S.„Sächsisches Volksblatt" Bosenstr. 16. Wöchentlich dreimal erscheinend. Kattowitz„Gazeiia Robotnicza"(Polnisch) Rath aus str. 12 Offenburg(Baden)„Vollsbiatt" Gerberstt. 3. Wöchentlich zweimal erscheinende Blätter. Langcnbiclau„Der Proletarier aus dem Eulengebirge' und„Grünberger Volksstimme", Ober-Langenbielan, 2. Bezirk. Lörrach(Baden)„Volkszeiiung" Rainsttaße. Wöchentlich einmal erscheinende Blätter. München„Bayrisches Wochenblatt" Kaufinger Str. 15 I. Redaktion: Altheimereck 19 II. Cassel„Der Wegweiser" Wolshagerstr. 7. Köln„Rheinische Zeitung"(WochenauSgabe) Ursulaplatz 6. Alle 14 Tage erscheinend. Berlin„Arbeiter-Jngend" SW. 68, Lindenstr. 69, Stuttgart„Die Gleichheit" Zeitschrijt sür die Interessen der Arbeiterinnen, Furthbachstr. 12. Monatlich einmal erscheinend. Altona„Schleswig- Holsteinische Landpost" Viktoria- straße 82, II. Berlin„Die Fackel", LW.JiZ, Lindenstr. 69. Brannschweig„Empor" C-chloßstr. 2. Bremen.„Der Sozialdemokrat" Faulenstr. 58/60. Breslau„Landbote sür Schlesien" Neue Granpenstr. 6. Dessau„Votlsparole sür Anhalt" Aslanischestr. 107. Dortmund„Die Wahrheit" Ardeystr. 95. Elberfeld«Das Morgenrot" Robertstr. 8 a. Hamburg„Hamburger Landbote" Gr. Theaterstr. 44. Königsberg"„Der Landbote" Münzstr. 24, Hos II. Magdeburg„Landpost" Große Münzstr. 3. Stettin„Der Pommer" Gutenbergstr. 11. Wiesbaden„Wiesbadener Voltsboke" Mühlgaffe 15. Witzblätter(Erscheinen aller 14 Tage). München„Süddeutscher Posttllon" Seneselderstr. 4. Stuttgart„Der wahre Jacob" Furthbachstr. 12. Illustrierte Untcrhaltungsblätter. Berlin„In freien Stunden" SW. 68, Lindenstr. 69. Erscheint in Wochenhesten. Hamburg„Die Neue Welt" Hamburg I, Fehlandstr. 11. Erscheint wöchentlich einmal. Redaktion: Berlin SW.68, Lindenstr. 69. Gmerkslhastspresse DeuWaiids. IV. Quartal 1909. Zentral-Organ: „Correfpondcnzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands". Berlin L0. 16, ■ Engel-User 15. A. Presse der Zentralorganisationen: Afphalteure.„Der Asphaltarbeiter". Berlin SO. 16 Engel-Ufer 15 I. Bücker und Konditoren.„Deutsche Bäcker- und Kon ditoren- Zeitung". Hamburg I, Besenbinderhos 57/66. Für Bäckereiarbeiter Berlins„Der Weckruf". Berlin 0.54, Augnststr. 36. Barbiere und Friseure.„Friseurgehüifen-Zeitung". Berlin N. 58, Stolpischeslraße 56, II. r. Bauhülfsarbeiter.„Der Banhäissarbeiter". Hamburg I, Klostertor 8 I. Bergarbeiter.„Bergarbeiter- Zeitung". Bochum, Wiemelhauserstr. 38/40. Bildhauer.„Bildhauer-Zeitung". Berlin L. 53, Berg- mannstr. 68. Blumenarbeiter.„Der Blumen-Arbeiter". Nieder- Schönhausen-Berlin, Marthastr. 10. Böttcher.„Deutsche Böttcher- Zeitung". Bremen, Faulenstr. 58/60. Brancrciarbeiter.„Brauereiarbeiter-Ztg.". Berlin 0. 27, Schicklerstr. 6. Buchbinder.„Buchbinder-Zeitung". Berlin S. 69, Kott- b userdamm 23 I. Buchdrucker.„Korrespondent". Leipzig, Salomonstr. 8. Buchdruckerei-Hülfsarbeitcr.„Solidarität". Berlin 8. 59, Wißmannstr. 20. Bureauangestellte.„Der Bureau-Angestellte". Berlin NO. 43, Linienslr. 8, II. Dachdecker.„Dachdecker-Zeitung". Redaktion Hanau, Rhönstr. 6. Expedition Frankfurt a. M., Allerheiligen- sttaße 51. Eisenbahner.„Weckruf". Berlin 80. 16, Engelufer 15. Fabrikarbeiter.„Der Proletarier". Hannover, Münz straße 5 III. Fleischer.„Der Fleischer". Berlin 80. 16, Wuster hausenerstt. 18/19, part. Gärtner.„Allgemeine deutsche Gärwer-Zeitung". Berlin, 37, Metzerstr. 3. Gastwirtsgchülfcn.«Der Gastwirtsgehilse". Berlin 170. 13, Etbingerstr. 21. Gcmeindearbeiter.„Die Gewerkschaft" und„Die Sanitätswarte". Berlin W. 30, Winters eldtstr. 24. Glasarbeiter.«Der Fachgenosse". Berlin 0. 17, Goßler- straße 29. Glaser.„Glaser-Zeitung". Karlsruhe i. B., Wilhelm- straße 47. Hafenarbeiter.„Der Hafenarbeiter". Hamburg 1, Besen- binderhos 57—66. Handlungsgehilfen.„Handlungsgehilsen« Zeitung". Hanrburg 1, Besenbinderhos 57—66. Hausangestellte.„Zentralorgan des Verbandes der Hausauaestellteu". Berlin 80. 16, Michael-Kirchplatz 1 II. Holzarbeiter.„Holzarbeiter-Zeitung". Berlin 0. 2, Neue Friedrichstr. 2 IV. Hoteldiener.„Der Hoteldiener". Berlin UV. 7, Am Weiden dämm tu. Hutmacher.„Korrespondent". Altenburg, S.-A., Nord straße 57. Kürschner.„Der Kürschner". Hamburg 22, Holst. Kamp 39a I. Kupferschmiede._„Der Kupferschmied". Berlin dl. 4, Gartenslr. 101, Seitensl. L Lagerhalter.„Lagerhalter-Zeitung". Leipzig, Zeitzer- straße 32 II. Landarbeiter.„Der Landarbeiter". Berlin 80. 16 Michael-Kirchplatz 1 II.' Lederarbeiter.„Lederarbeiter-Zeitung". Berlin 30.33 Muslauerstr. 30 II. Lithographen und Steindrucker.„Graphische Presse" Redaktion: Friedrichshagen, Viktoriastr. 8. Maler.„VereinS-Anzeiger". Hamburg 22, Schmalen- beckeritr. 17 I. Maschinisten und Heizer.„Deutscher Maschinist und Heizer". Berlin 80. 33, Pücklerstr. 45. Maurer.„Der Grundstein". Hamburg 1, Besenbinder hos 56. Metallarbeiter.„Metallarbeiter-Zeitung". Stuttgart, Röteslr. 16a. Mühlenarbeiter.„Mühlenarbeiter- Zeitung". Alten- bürg S.-A., Zwickauerftt. 12. Notenstechcr.„Der Notenstecher". Leipzig, Talstr. 27 1. Porzellanarbeiter.„Die Ameise". Charlottenburg, Röntgenstr. 14. Sattler und Portcfeuillcr.„Sattler- und„Porteseuiller- Berlin 80. 16, Brückenstraße 10b. Schiffszimmerer.„Der Schissszimmerer". Hamburg?, Banksstt. 144. Schirmmacher.„Correspondenzblatt". Hamburg 6, Kampstraße 6. Schmiede.„Schmiede-Zeitung". Hamburg 1, Besenbinderhos 57—66. Schneider.„Fachzeitung sür Schneider". Berlin 80. 16, KöPenickerstt. 126. Schuhmacher.„Schuhmachcr-Fachblatt". Gotha. W. Bock. Seeleute»„Der Seemann". Hamburg 1, Besenbinder» hos 57—66. Steinarbeiter.„Der Stemarbeiter". Leipzig, Zeitzer- straße 32. Steinsetzer.„Allgemeine Steinsetzer- Zeiwng". Berlin XV. 2 t, Wictesstr. 17 II. Stukkateure.„Der Stukkateur". Hamburg 22, Fehler- straße 9 II. Tabakarbeiter.„Der Tabakarbeiter". Leipzig, Tauchaer- sttaße 19/21. Tapezierer.„Correspondenzblatt sür Tapezierer". Berlin 80. 16, Köpenickerslr. 49, Hos I. Textilarbeiter.„Der Textilarbeiter". Berlin 0. 27, Andreasslr. 61. Töpfer.„Der Töpfer". Berlin 80. 36, Wienerstr. 7 III. Transportarbeiter.„Der Courier", Berlin 80. 16, Engel-User 21.„Der Straßenbahner", Berlin 80. 16, Engel-User 21. Xylographeu.„Zeitschrift für Xylographen". Leipzig, Kronprinzslr. 35 I. Zigarrensortierer.„Der Organisator". Hamburg 1, Besenbinderhos 57—66. Zimmerer.„Der Zimmerer". Hamburg 1, Besenbinder- hos 57-66. Zivilmusiker.„Fachzeitung sür Zivilmusiker". Berlin X. 31, Stralsunderslr. 36, Hos Part. Für die in Zenttalverbänden Organisierten erscheinen serner in italienischer Sprache„.L'Oxsraio Italiano", Hamburg I, Besenbinderhos 56, und in polnischer Sprache „Oswiata", Posen, Fischerei 20. B. Blatter anderer Gewerkschaften«nd sonstiger Organisationen. Berlin.„Der abstinente Arbeiter", Organ des deutschen Arbetter-Abstinenienbundes, O. 17, Langestr. 11. Rebaktion: XO. 55, Pasteurstr. 13. „Arbeiter-Tchwimmer-Zeitung", Rixdors, Hermann- sttaße 178. „Der Bühnenarbeiter", Organ des Verbandes des tech- Nischen Bühnenpersonals. O. 34, Warschauerstt. 68. „Der freie Gastwirt". 0. 17, Markgrasendamm 30. „Deutscher Zeichner. XO. 55, Braunsbergerftr. 12 III. „Volkstümliche Zeitschrist sür prakttsche Arbeiterversiche- rung", Organ des Verbandes der Verwaltungs- beamten der Krankenkassen, Berussgenossenschasten usw. X. 58, Schönhauser'Allee 27. Redaltton: Magdeburg, Wittenbergerstr. 80. Leipzig.„Der Bibliothekar", MonatSschrist sür Arbeiter- Bibliotheken, Leutzscherpr. 69 III. „Arbeiter-Turner-Zeitung", Langestr. 84. „Sie jreie Turnerin", Langestr. 34. Elberfeld.„Zeitschrist sür Graveure der Stofldruck« Industrie", Neue Gerstenstr. 20. Frankfurt a.M.„Arbeiter-Stenograph", System ArcndS Graubengasse 35. Magdeburg.„Die Athletik", Organ des Arbeiter-Athleten» bundes, Groß-Oltersleben, Magdeburgerstr. 5. Nürnberg.„Süddeutsche Eisenbahner-Zeitung", Au- sttaße 3 II. Offenbach a. M.„Der Arbeiter-Radsahrer", Organ des Arbeiter-Radsahrerbundes Solidarität, Herrn str. 14. Obige Zusammenstellung veröffentlichen wir zu Be- ginn jedes Quartals. In der Zwischenzeit sich ergebende Adreß- oder sonstige Veränderungen bitten wir uns zur Vormerkung mitteilen zu wollen. Berlin, den 2. Oktober 1909. Der Parteivorstand. ifwAk Kahle!. i Dritter Tag. Zu Beginn der gestrigen Sitzung erklärte Rechtsanwalt Dr. Jaffs zum Fall F r a n k e n b e r g im Auskrage der Angekl. Schuwardt: diese sei im Besitz eines �Bildes, welches der Vater des Grafen Frankenberg der Familie Schuwardt geschenkt habe. Sie mache also auch Pietät und Anhänglichkeit an die Familie des Grafen Franken- berg als Grund für ihren Besuch bei dem Grafen geltend.— Zeuge Graf F r a n k e n b e r g weiß von diesem Bilde nichts und ist sehr überrascht. Jedenfalls habe sie bei ihrem Besuche nichts von diesem Bilde gesagt. Der Gerichtshof unterstellt die Be- hauptung betreffend den Besitz eines solchen Bildes als wahr. Die„Wahrheit" ein Revolverblatt? Rechtsanwalt Dr. Werlhaucr beantragt die Ladung mehrerer eugen. Diese sollen erstens die Unglaubwürdigkcit des Zeugen ieichstagSabgeordnctcu Bruhn bekunden und zweitens beweisen, daß die dem Bruhn gehörige„Wahrheit" zu den: Zweck begründet sei, um aus dem Unglück in dem Leben der Mitmenschen Kapital zu schlagen und Inserate im Wege der Erpressung zu erlangen. Staatsanwalt Leisering und die anderen Verteidiger unterstützen diese Beweisanträge. Der Gerichtshof be- schließt aber, nur noch den Redakteur Kurt Sommer als Zeugen zu laden. Fall Krojanker. In dem alsdann verhandelten Fall des Fabrikbesitzers Krojanker in Berlin Handell es sich um einen dem Angeklagten Dahsel zur Last gelegten Betrug. In der„Wahrheil" waren 1S07 gegen den Herrn Kr. gerichtete Artikel erschienen, in welchen darüber ge- spöttelt wurde, daß dieser sich mit allen möglichen Mitteln um den Kommerzienratstitel bewerbe. Tatsächlich halte Herr Kr. einem dem Fräulein v. Ravenstein nahestehenden Säuglingsheim eine nam- haste Summe zuwenden wollen, falls er den Kommerzienratstitel erhielte. Herr Kr. bemühte sich nun, den Verfasser der Artikel zu ermitteln und ihm wurde von seinem Vetter der diesem bekannte Dahsel als geeignete Person zur Ermittelung zugeführt, da dieser Beziehungen zur„Wahrheit" habe. Dahsel soll Herrn Kr. garantiert haben, daß er ihm den wahren Verfasser angeben könne, falls er ihm Diskretion zusichere. Aus die Frage, was für die Nennung des Namens zu zahlen sein würde, soll Dahsel 3lXX> Mark ge- fordert haben, Kr. bot 1000 Mark, Dahsel soll erst auf 1500 Mark heruntergegangen, dann aber mit 1000 Mark zufrieden ge- Wesen sein. Nun soll er Herrn K. eine Karte, die links oben das Wort„Reichstag" und daneben die Worte„Berlin XIV." enthält, überreicht haben und auf dieser Karte stand als Name des Verfassers„ Fr äul ein v o n N av en stein". Dahsel soll auch noch gesagt haben, daß der Name von dem Redakteur der „Wahrheit, d e m R e i ch s ta g s a b g e o r d n e t en Wilhelm Bruhn geschrieben worden sei. Herr Kr. war sehr erstaunt, daß gerade diese Dame die Verfasserin des Artikels gegen ihn sein sollte, und sagte Dahsel: Er würde nicht 50 Pf. für die Nennung des Namens gegeben haben, wenn er gewußt hätte, daß diese Dame die Verfasserin sei. Da er aber die 1000 M. einmal versprochen habe, ließ er diese Summe auch an Dahsel zahlen. Tatsächlich soll nun Fräulein v. Ravenstein diesem Artikel völlig fernstehen und die Anklagebehörde hält daher einen Betrug für vor- liegend, da Dahsel durch seine falsche Angabe Herrn Kr. zur Hergabe des Geldes bewogen habe. Angekl. Dahsel bestreitet, sich eines Betruges schuldig gemacht zu haben. Tatsächlich habe er die feste Ueberzeugung gehabt, daß Frl. v. R. die Verfasserin des Artikels sei. Diese Dame sollte von W. Kr. für die Besorgung des KommcrzicnratstitclS 50 000 M. für ihr Asyl erhalten. Er habe annehmen zu müssen geglaubt, daß Frl. v. R., nachdem Kr. seine Beziehungen zu Frl. v. R. abgebrochen hatte, die Artikel gegen Kr. lanziert habe, um zu verhindern, daß vielleicht ein anderer sich als Vermittler in diese Titelangelegenheit mischen könnte. Er habe keineswegs 3000 M. gefordert, vielmehr habe ihm der Vetter des Kr. diese Summe für Ermittelung des Verfassers an« geboten und bei einer späteren Unterredung habe Wilhelm Kr. sich bereit erklärt, 1000 M. zu zahlen. Da habe er dann lediglich lächelnd ge- sagt: Ihr Vetter hatte zuerst von 2000 M. gesprochen. Tatsächlich sei es falsch, wenn behauptet werde, er habe gar keine Bemühungen aufgewendet; er habe wirklich vielfach Nachfragen gehalten. Der Angeklagte will aber trotz wiederholter Aufforderung durch den Vor- sitzenden den Namen seines Gewährsmannes nicht nennen. Im Laufe seiner Ausführungen behauptet der Angeklagte u. a. auch, daß gleich nach dem Erscheinen des Artikels in der „Wahrheit" der Bruder des Herrn Wilh. Bruhn bei Kr. erschienen sei, um einen Inseraten- auftrag zu erlangen. Er behauptet ferner, daß er gar nicht etwa dafür garantiert habe, daß der Artikel von Frl. v. R. herrühre, vielmehr habe er nur gesagt: Nach dem, was er erfahren und nach den Schlußfolgerungen aus verschiedenen Tatsachen könne es nur ?srl. v. R. sein. Er habe noch hinzugesetzt:„Sollte ich mich irren, o ist dort der Schlüssel, und ich mache mich anheischig, das Rätsel zu lösen." D i e 1000 M. h at D a h s e l e r h a l t e n. Der Bor- sitzende bemerkt hierzu: Es ist doch merkwürdig, daß ein„an- ständiger" Journalist, als welcher Dahsel sich hinstelle, für die Erkundung eines Namens, die ihm keine wesentliche Müue gemacht, sich 1000 M. zahlen lasse. Als Zeuge bestätigt Fabrikbesitzer Krojanker die Dar- stellung, wie sie' die Anklage von dem Borgange gegeben. Dahsel habe gleich bei der ersten Unterredung 8000 M. gefordert und sich alsdann mit 1000 M. zufrieden gegeben. Der Zeuge hat dem An- geklagten diese Summe erst zugesagt, nachdem Dahsel es so hingestellt, als ob er genau wisse, wer der Verfasser des Artikels sei.„Er habe die Beweise bei sich." Der Zeuge ist im höchsten Grade er- staunt gewesen, als Dahsel ihm den Namen des Frl. v. R. nannte, die seinerzeit ihm zugesagt hatte, sich für ihn zu interessieren. Der Zeuge erklärte ferner auf Befragen, daß er nicht die volle Ueber- zeugung erlangt habe, daß Frl. v. R. an dem Artikel un- schuldig sei, doch könne er sich auch irren. Auf weiteres Be- fragen erklärt Zeuge: er habe semerzeit die Ueberzeugung gehabt, daß er nach bestem Wissen und Gewissen den Namen nannte. Er würde ihm die 1000 M. auch gegeben haben, wenn er weiter keine Bemühungen zur Ermittelung des Namens gehabt hätte— wenn nur der Name richtig war. Und er habe noch nicht die volle Ueberzeugung, daß dieier Name unrichtig ist. Frl. v. R. habe ihm gelegentlich gesagt, daß sie mit dem Verleger Bruhn bekannt sei. Weiter bekundet der Zeuge auf Befragen, daß im Jahre 1907 und 1908 je ein Artikel gegen ihn erschienen sei. Nach dem ersten Artikel sei auf Veranlassung eines Verwandten des Zeugen ein Jnseratenagent zu ihm gekommen, um Inserate für die„Wahrheit" zu erhalten, er habe dies aber kurz abgelehnt. Richtig sei es, daß Dahsel ihm auch gewisse gute Ratschläge gegeben, indem er ihm sagte, er solle es entweder so wie Wertheim machen und eine einstweilige Verfügung zu extrahieren. oder aber, wie Jandorf, zu Bruhn gehen und ihm den Mund durch Juseratc zu stopfen. Der Angeklagte Dahsel läßt sich durch den Zeugen noch be» stätigen, daß er(D.) dem Zeugen gegenüber sich bereit erklärt habe, ihm iveiter zu Diensten zu sein. Ferner sei es richtig, daß Zeuge zu Dahsel bei der Unterredung gesagt habe, man wolle ihn mit Gewalt zum Kommerzienrat machen, er pfeife auf diesen Titel, Interesse daran haben nur diejenigen, die dabei verdienen wollten. Zeuge Wilhelm Bruhn erklärt auf Befragen: Fräulein v. Ravenstein sei weder die Verfasserin, noch die indirekte Uc- heberin des betreffenden Artikels, sie stehe in gar keiner Beziehung zu dem Artikel. Die„Wahrheit" habe schon einmal einen Artikel gegen Herrn Kr. und seine Bemühungen zur Erlangung des Kommerzienratstitels gebracht, weil Zeuge dem Bewerber nicht für eine geeignete Persönlichkeit hielt und weil er dem Titel„schacher" entgegentreten wollte. Eines Tages sei nun Fräulein v. Ravenstein zu ihm gekommen und habe um Auskunft über den Inhalt des ersten Artikels bezüglich der Persönlichkeit des Herrn Kr. gebeten. Sie habe dabei erzählt, daß es sich um die Erlangung des Kam- merzienratstitcl handele. Nach Erledigung dieser Unterredung habe er sich auf einen Zettel den Namen des Frl. b. R. notiert, um, wenn es sich einmal wieder um Herrn Kr. handeln sollre, auf Frl. v. R. sich beziehen zu können. Wenn Dahsel Herrn Kr. diesen Zettel übermittelt hat, so habe er diesen Zettel, der in einem Korbe bewahrt wurde, entwendet und zugleich einen groben Vertrauens- bruch begangen. Der erste Artikel sei ihm von jemand zu- gesandt gewesen, der sich Max MentelcS nannte und mit dem er auf dessen Wunsch postlagernd Postamtb korrespondiert habe. Der Zeuge verwahrt sich noch nachdrücklich gegen die frühere Bemerkung des RechtSanw. Dr. Werthauer: „ES sei ein Falscher angeklagt" und bringt noch einige Fälle zur Sprache, in denen Dahsel ebenso gehandelt haben soll, wie in den jetzigen Anllagefällen. Rechts» anwalt Dr. Werthauer: Woher bezieht denn der Zeuge meine Bemerkung auf sich? Zeuge: Ich bin doch nicht aus Dumms- dorf und weiß, was gememt ist. Vors.: Ich bestätige dem Zeugen, daß nach Ausweis der Alten auch nicht eine Spur von Ailhalt vorhanden ist, daß der Zeuge irgendwie beteiligt ist an den Erpressungen, die dem Angeklagten Dahsel vor- geworfen werden. Zeuge: Ich danke. Rechtsanw. Dr. Werth au er stellt an den Zeugen Bruhn eine Reihe von Fragen, die dahin gingen, inwieweit Bruhn einen Einfluß aus die Kolportage der„Wahrheit" habe und ob er Direktiven an die Straßcnhiiudler gelangen lasse, daß die Artikel auf der dritten Seite mit der sensationellen Ncverschrist besonders ausgerufen werden sollten. Bruhn erklärt darauf, daß er allerdings im allgemeinen Anweisung gegeben habe, die Zeitung und auch hier und da einmal einen Artikel auszurufen, daß er dagegen keine Macht besitze, gerade die Artikel auf der dritten Spalte besonders ausrufen zu lassen. Weitere Fragen des Rechtsanwalts Dr. Werthauer, ob Bruhn nicht den Slraßenhäudlern zwei bis drei Mark gegeben habe, damit sie die Artikel gegen Wertheim besonders laut ausrufen, und ferner, ob Bruhn nicht mit seinem Bruder die Friedrichstratze entlang gegangen sei, um zu kon t r o l l i e r e n, ob die Straßenhändler auch laut genug jene Artikel ausrufen, wurden vo in Gericht abgelehnt. Rechtsanwalt Dr. Puppe: Der Herr Vorsitzende hat hier vorhin dem Zeugen Bruhn eine Ehrenerklärung in der Art gegeben, daß er in negativer Weise feststellte, in den Akten sei nichts enthalten, daß der Zeuge Bruhn an der Handlungsweise Dahscls beteiligt sei. Ich halte diese Erklärung für unzulässig und muß, um festzustellen, was in den Akten über Herrn Bruhn steht, beantragen, die Akten zu verlesen. Vors.: Meine Bemerkung sollte sich nur auf die indirekt gegen den Zeugen Bruhn erhobenen Vorwürfe, als ob er a n d e n h i e r i n F r a g e stehenden Delikten Dahsels beteiligt sei, beziehen. Ich habe nur sestgestellt, daß sich a u S den Akten nichts ergeben habe, sonst hätte der Zeuge nicht vereidigt werden dürfen. Nach kurzer Be- ratung des Gerichts stellt der Vorsitzende nochmals fest, daß er lediglich betonen wollte, aus den Akten ergebe sich nichts, was für eine Beteiligung des Zeugen Bruhn an den hier de in An- geklagten Dahsel zur Last gelegten Vergehen spreche. Der Antrag des Verteidigers wird hierauf zurückgezogen. Damit war dieser Zwischenfall erledigt. Zum Fall Krojanker bekundet noch Fräul. v. Raven st ein, daß sie den Artikel in der„Wahrheit" gegen den Fabrikbesitzer Kr. weder geschrieben noch in irgendeiner Weise mit ihm in Beziehung zu bringen sei. Der Zeuge Redakteur Rolf Sommer ist seinerzeit bei der„Staat sbürger-Zeitung" tätig gewesen und damals von Dahsel einigemal mit Recherchen betraut worden. Er weiß, daß Dahsel ihm und anderen jüngeren Journalisten immer an das Herz gelegt habe, außerordentlich gewissenhaft und genau zu sein. Der Zeuge war sehr verwundert, zu hören, was dem Angeklagten jetzt zur Last gelegt werde. Fall Kocppcn. Die Verhandlung wendet sich hierauf dem Fall Koeppen zu. Am ö. August 1308 erschien in der„Wahrheit" ein Artikel„Die Liebestragödie vom Lützowplatz". In diesem, von Dahsel verfaßten Artikel wurde der Selbstmord eines Leutnants v. H. berührt und der Beziehungen gedacht, die dieser zu einer „Dame" unterhalten, für welche sich wiederum ein bejahrter Land« Wirt und Brennereibesitzer aus der Provinz sehr interessiere. Die Zeitung der„Altmärker" druckte den Artikel aus der „Wahrheit" ab und nannte den Namen des Brenuereibesitzers. Bald darauf teilte dem letzteren der Angeklagte Dahsel mit, daß er in jener Affäre fortwährend mit Material bedacht werde, welches zweifellos von einer Herrn K. feindlichen Seite ausgehe und viele Uebertreibungen zu enthalten scheine. Dahsel bot sich zu einer baldigen Rücksprache an. K. ver- mutete, daß es sich um eine beabsichtigte Erpressung handele und beauftragte zunächst ein Auskunftsbureau, über den Briesschreiber Erkundigungen einzuziehen. Diesem verweigerte Dahsel die Vor- legung seines Materials und richtete dann einen Brief an K., in welchem er erklärte, daß er sich mit einem Detektivbureau nicht einlasse, daß es ihm nur um die Aufklärung des Falles zu tun sei und anheimstelle, eine Rücksprache mit ihin zuhalten. Das Auskunft sbureau hatte inzwischen HerrnK. geschrieben, daß eS sich wahrscheinlich um eine Erpressung handle. K. verabredete darauf niit Dahsel eine Unterredung im Restaurant„Rttdesheimer". Hier soll — so wird behauptet— Dahsel angedeutet haben, daß der Reporter in der K'fchen Sache sich mit der Sammlung des Materials sehr große Mühe gegeben habe und Entschädigung beanspruche. Koppen offerierte Ivo bis 200 M., die er jedoch erst Ende des Jahres zahle» wollte, wenn bis dahin keine Artikel über ihn tn der„Wahrheit" gebracht würden. Wenige Tage darauf schrieb Dahsel an K.. daß eine nochmalige Besprechung not- wendig sei und erklärte sich bereit, gegen Erstattung der Reise- Unkosten nach S. zu kommen. Der dort stattgefundenen Unterredung wohnte in einem Nebenzimmer ein alter Freund des Herrn K.. AmtsgerichtSrat Blume, bei. Dahsel soll nun eine Notiz aus der„Wahrheit" vom 29. August 1308 mit der Ueber- schrift„Die Liebestragödio vom Lützowplatz" mit- gebracht haben, worin gesagt wurde, daß der in der vorigen Notiz erwähnte Herr aus Stendal sich in der ganzen Affäre vornehm, korrekt und einwandsfrei benommen habe. Bei dieser Gelegenheit soll Dahsel wieder von den Mühen des Reporters gesprochen und gesagt habe», er wolle auf diesen einwirken, nichts mehr zu bringen, wenn der Reporter seine Auslagen ersetzt bekäme. Herr K. versprach darauf, 200 M. nach Neujahr zu zahlen, wenn bis dahin nichts wieder gegen ihn erschienen sei,— Am 4. Oktober teilte dann Dahsel dem K. mit, daß der Reporter sich mit„Zukunfts- musik" nicht habe vertrösten lassen, er habe diesem die ge- leisteten Arbeiten mit 7ö M. abgekauft. Er stellte K. anHeim, ihm diese Summe zu ersetzen; für seine eigenen Bemühungen verlange er nichts. Am 24. Dezember erhielt Dahsel alsdann von Herrn K, 200 M. eingesandt. Die Anklage behauptet ferner, daß der Schrift- steller Plack für das von ihm gesammelte Material, das er in einem Artikel niedergelegt hatte, 20 oder 2ö M. erhalten habe und daß es eine leere Liedensart sei, wenn Dahsel behaupte, er habe die ge- sandten 200 M. abzüglich 75 M. wieder zurückschicken wollen und sei bloß wegen der Weihnachiöfeiertage und geschäftlicher Abhaltungen nicht dazu gekommen. Auch in diesem Falle gibt Angekl. Dahsel eine von der An- klage vielfach abweichende Darstellung von den Vorgängen. Nach seiner Behauptnng hat er den Artikel„Die Liebestragödie" aus Grund seiner eigenen Informationen geschrieben. Er habe auf Grund dieses Artikels einige Verdrießlichkeiten gehabt, es kamen Karten mit dem Vorwurf, daß die Angaben des Artikels nicht stimmten und so hielt er es für notwendig, sich init dem im „Altmärker" genannten Herrn K. persönlich in Verbindung zu setzen. Die Sache schien mit der ini Rüdesheimer verabredeten Ehren- erklärung und seinem Verspreche», nichl» mehr über die Sache zu bringen, beendet, da sei eine andere Komplikation dazwischen ge- kommen, denn nun habe sich sein Mitarbeiter, der Schrift- steller Plack, mit Honorarforderungen gemeldet. Herr Plack hatte nämlick inzwischen angeregt gehabt, daß er das in dem Ar- tikel„Liebestragödie" berührte Milieu und das Treiben einzelner Vertreter der akademischen Jugend journalistisch verarbeiten wolle, und als ihm Dahsel nun sagte, die Sache sei erledigt und abgetan und es solle nicht mehr aus die Affäre zurückgekommen werden, da habe Plack gesagt: das ginge ihn gar nichts au und er müsse sein Honorar für die Arbeit verlangen. Er habe diesem dann nach und nach etwa 75 M. gezahlt. Da er nun nicht selbst Verlust für seine Herrn K. gewährte Gefälligkeit erleiden wollte, habe er Herrn K. geschrieben, daß er ibu noch einmal aufsuchen müsse. Bei dieser Unterredung habe er ihm dann gesagt, daß nun doch„das dicke Ende nachkomnie", daß sein Mitarbeiter mit Forderungen auf- trete und er ihm diese Forderungen ersetzen müsse. Während der Unterhaltung hierüber fei dann der dritte Manu auf der Bildfläche erschienen und habe wiederholt durchblicken lassen, daß man gern ein paar hundert Mark zahlen würde, wenn man die Garantie hätte, daß überhaupt nichts mehr über die Affäre ge- schrieben wird. Er habe wiederholt versucht, den Herren klar zu machen, daß es sich absolut nicht um Schweigegeld handle und um einen Betrag von noch nicht 100 M., aber da immer wieder Andeutungen nach jener Richtung gemacht wurden, habe er gesagt, er halte die Sache ftir erledigt und gebe Herrn K. anHeim, etwa nach Berlin zu kommen und vor irgend einem RechtsaiUvalt diese Geldfrage zu erledigen. Er beanspruche für seine Be- mühungen nichts. Zu Weihnachten sei dann eine Geldsendung von 200 M. an ihn eingegangen. Die Absicht, die Summe nach Abzug der 75 M, zurück zu schicken, sei durch die WeihnachlSfeiertage verzögert worden, schließlich habe er sich auch sagen können, daß ihm Herr K. für seine Bemühungen in seinem Juteresse bielleicht eine Weihnachtsfreude bereiten wollte. Er gebe zu, daß. Ivenn man die Sache jetzt liest, der Fall verdächtig aussieht, aber zu damaliger Zeit sei es gar nicht verdächtig gewesen. Der Z e u g e F a b r i k b e s i tz e r K ö p p e n hat, wie er be- kündet, im Rüdesheimer den Eindruck gehabt, daß es sich um Geld handle und der Gedanke, daß dies wirk lich der Fall sei, sei ihm auch durch das Auskunftsbureau von Wiß Müller u. Co. nahe gelegt worden. Er habe aber auch von Anfang an die Ueberzeugung gehabt, daß Dahsel gar kein Material gegen ihn habe. Richtig sei es, daß Dahsel ihm am 4. Oktober ge- schrieben habe: es sei ihm jetzt endlich gelungen, sich mit dem Re- porter durch Zahlung von 75 M, auseinanderzusetzen und die Summe erbitte er sich von Herrn K. aus, Zeuge hat darauf gar nichts ge- antwortet und dem Dahsel zu Weihnachten 200 M. geschickt, da ihm klar gewesen, daß der Angeklagte zwar pro iorma. sagte: er verlange nichts, aber doch zweifellos s e l b st den H a u p t ant e i l für sich beanspruche. Er habe ihm doch auch die 200 M. nun einmal versprochen gehabt. Zeuge Amtsgerichtsrat Blume, der Zeuge der Unter- redung u, Stendal, bekundet, daß nicht beabsichtigt war, den Angeklagten Dahsel auf eine Erpressung festzulegen, sondern nur die Sache aus der Welt zu schaffen. Der Zeuge hat bei der Erörterung der Geldfrage dem Dahsel geglaubt, daß er dem Reporter Geld zahlen müsse. Als Dahsel weg war, hat Zeuge aber doch dem Zeugen K. gesagt: Entweder handelt es sich um Betrug, oder um eine ganz gewöhnliche Erpressung.— Die ganze Unterhaltung sei nicht in schroffem Tone geführt worden, allerdings habe er, Zeuge, wohl einmal ge- sagt:„aber das grenzt ja an Erpressung I" Als Dahsel entgegnete. ob er denn wie ein schlechter Mensch aussehe, habe K. ihm noch erwidert:„Nein, Sie haben ja ein ganz anständiges Gesicht I" Nichtig ist es, daß Dahsel auf die Frage,„würden denn 150 Mark genügen?" geantwortet habe:„oh, reichlich!" Herr K. habe aber gesagt:„Na, ich werde 200 M. zahlen; hat die Sache schon so viel gekostet, so kommt es schließlich auch hierauf nicht an". Schriftsteller Rudolf Plack hat auf Ersuchen Dahsel? in der Angelegenheit der„Liebestragödie" Recherchen angestellt, um bei dem Vorliegen widersprechender Darstellungen über diese Affäre die zweifelsfreie objektive Wahrheit festzustellen. Als er den von ihm verfaßten Artikel, der sich mit der Person des Herrn K. überhaupt nicht beschäftigte, überbrachte, habe ihm Dahsel erklärt, daß die Sache nun veraltet und der Artikel verspätet sei, da habe er sein Honorar und die Wiedererstattung seiner Auslagen gefordert, Zeuge weiß nicht genau, was er von Dahsel im ganzen erhalten habe. Er glaubt etwa 45 bis 50 Mark, gibt aber die Möglichkeit zu, daß Dahsel noch anderweitiges abgerechnet habe, so daß schließlich die Summe von 75 Marl herauskommen könnte. Die Verhandlung wird hierauf auf Sonnabend 3 Uhr ver- tagt. Heute findet keine Verhandlung statt. Soziales. Der JahreSarbeitsvcrdienst landwirtschaftlicher Arbeiter. Die in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten Personen nehmen in der Unfallversicherung deshalb eine Ausnahmestellung ein, weil ihre Rentenansprüche nicht, wie bei den gewerblichen Arbeitern, nach dem wirklichen, sondern nach einem abgeschätzten durchschnittlichen Jahresarbeitsberdienst berechnet werden. Das Unfallversicherungsgesetz für Land- und Forstwirtschaft bestimmt: „Bei Berechnung der Rente gilt als Jahresarbeitsverdienst der- jenige Verdienst, welchen land- oder forstwirtschaftliche Arbeiter am Orte der Beschäftigung durchschnittlich erzielen. Der Betray dieses durchschnittlichen JahreSarbcitsverdienstcs wird durch die höhere Verwaltungsbehörde, je besonders für männliche und weib- liche, für jugendliche und erwachsene Arbeiter festgesetzt." Dieses Ausnahmerecht bedeutet nun für die in Frage stehenden Arbeiter deshalb eine schwere materielle Benachteiligung, weil die Durch- schnittssätze von den Behörden außergewöhnlich niedrig festgesetzt sind. Sind schon die bekannten„ortsüblichen Tagelöhne gewöhn- licher Tagearbeiter" sehr niedrig festgesetzt, so gehen die durch- schnittlichen Jahresarbeitsverdienste der, Landarbeiter meist noch weit darunter., Es betragen die behördlich normierten Jahres- einkommen für erwachsene männliche Arbeiter z. B. für land- u, sorstwirlsch. für gewerbliche in Arbeiter nach dem lest- Arbeiter nach dem gesetzten Durchschnitt ortsübl, Tagelobn Breslau(Stadt).. 550 Mark 720 Mark (Land).. 380„ 433„ Erfurt sStadt)... 075„ 750„ (Land)... 480„ 000. Meißen(Stadt).. 050„ 090„ (Land).. 600„ 600„ Hannover(Stadt).. 800„ 810„ (Land).. 600.«75„ Düsseldorf(Stadt). 870. 300. (Land).. 700. 780. Wiesbaden(Stadt). 750„ 340. (Land).. 600„ 720. Bautzen(Stadt).. 600„ 600« (Land).., 530„ 435. Geht man gar in rein landwirtschaftliche Gegenden, so findet man„Jahrekarbeitsverdienste" für erwachsene männliche Arbeiter von 30» M. in großer Zahl. Vereinzelt gehen sie sogar bis auf 320 M. herunter(Regierungsbezirk Breslau und Oppeln). Für erwachsene weibliche Arbeiter sind die Jahresarbeitsverdienste viel- fach auf 240 M„ vereinzelt auch auf 200 M. festgesetzt. Für die jugendlichen Arbeiter trifft man Sätze von 180 und 1b0 M. sehr häufig. Diese Löhne werden nach Anhörung der beteiligten Arbeit- geber und Arbeiter von der höheren Verwaltungsbehörde fest. gesetzt. Eingerechnet tn die Löhne werden die Naturalbezüge. Da die Lohnfestsetzung amtlich erfolgt ist, wird man sie als zutreffend erachten müssen. Sind die Löhne aber zu niedrig angesetzt, so bedeutet das eine schwere Schädigung der von einem Unfall be- troffenen Landarbeiter. In jedem Fall enthalten diese Hunger- löhne eine schwere Anklage gegen die Junker. Die geringfügigen Sätze haben die Wirkung, die Berufs- genoffenfchaften und damit wieder die Unternehmer zu entlasten. Die„Renten", die bei solchen„JährcsarbeitSverdiensten" heraus, gerechnet werden, sind kaum der Rede wert. Nehmen wir an, ein jugendlicher Arbeiter, für den das Jahreseinkommen auf 150 M. festgesetzt ist, wird vollkommen dauernd durch Betriebsunfall er» werbSunfähig. Die„Vollrcnte", die er erhält, beträgt nur 100 (einhundert) Mark pro Jahr! Die Arbeiter müßten buchstäblich verhungern, wenn sie auf solche„Renten" angewiesen wären. Verliert der Arbeiter„nur" ein Auge,„für das höchstens 33� Prozent der Vollrente gewährt wird", so erhält der junge Mann 33 M. pro Jahrl Für landwirtschaftliche Betriebsbeamte und solche in der Landwirtschaft tätigen Arbeiter, die eine besondere technische Fertigkeit erfordernde Stellung einnehmen, soll aller- dingS die Rentenberechnung nach dem Jndividuallohn vorgenommen werden. Die land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschasten haben es aber auch hier verstanden, die Absichten des Gesetzgebers zufchanden zu machen, und auch diese Personen meist nur mit den niedrigen Renten zu bedenken.> Leider bringt der Entwurf der Reichsversicherungsordnung keine Aenderung dieser unerhörten Zustände. Die Ausnahme- stellung, die ja die Landarbeiter im Arbeiterrecht überhaupt haben, soll bestehen bleiben. Dagegen ist mit aller Energie anzukämpfen. Tarifvertrag und Privatabrede. Der Maler I. klagte bor dem JnnungsschiedSgericht gegen die Finna Axeyehn, u. Müller, Dekorations- malerei. Er war bis zum 11. September beschäftigt, zunächst zu einem Stundenlohn von 70 Pf., später im Akkordlohn. Er hat auf- gehört, weil ihm die wöchentliche Lohnrate nicht mehr in der Höhe des bisherigen Zeitlohnverdienstes ausgezahlt wurde. Die Beklagte gab dies zu, behauptete aber, Kläger habe nicht mehr verdient als ihm gezahlt worden ist. Das Schiedsgericht wies die Beklagte darauf hin, daß nach den Bestimmungen des Tarifvertrages der dem Kläger zngesi-berte Zeitlohn auch bei Akkordarbeit garantiert ist. Dem gegenüber machte die Beklagte geltend, daß der Kläger einen Revers unterschrieben habe, in dem er auf diesen Lohnzuschuß verzickitete. Dieser Revers wurde vom Schiedsgericht als rechtlich ungültig erklärt, weil der Tarifvertrag ansdrücklicki vorschreibt: andere Ab- machungen sind ungültig. Dem entsprechend wurde die Beklagte verurteilt, an den Kläger die geforderten 18,34 M. zu zahlen. Zur Kinderarbeit. Die Berichte der Gewerberäte und Gcwerbeinspektoren der Einzelstaaten Deutschlands, schreibt die„Korrespondenz des Deut- schen Lehrervereins", lassen erkennen, daß das Gesetz, betreffend Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben, seine Wirkungen dort am wenigsten verfehlt, wo die Schule und die Gewerbeinspektionen Hand in Hand arbeiten. Das ist besonders im Großherzogtum Hessen und in den Regierungsbezirken Oppeln und Düsseldorf der Fall. Man braucht dabei nicht gleich an harte Bestrafung der armen und allerärmsten Kinder und Eltern zu denken. Die Wir- kung muß sich keineswegs immer in einer Bestrafung äußern. Hauptsache ist vielmehr, daß die Verstöße gegen die Schutzbestim- mungen nachließen, und daß die Gcwerbeinspektion die Lehrerschaft in solchen Fällen, wo es sich um brutalste Ausnutzung der lind- liehen Arbeitskraft durch fremde Arbeitgeber handelte, sofort durch Entziehung der Arbeitskarte auf Grund§ 20 des Gesetzes unterstützten. Es scheint in der Oeffentlichkeit nicht bekannt zu sein, daß in einer Reihe von preußischen Regierungsbezirken die Kinder» arbeitlisten ebenso wie Schulversäumnislisten vom Lehrer aufgestellt werden müssen. Es hat sich dabei herausgestellt, daß die Eltern einzusehen beginnen, wie töricht es ist, ihre Kinder über das Maß des Gesetzes hinaus zu beschäftigen. Die guten Beziehungen, die zwischen Elternhaus und Lehrer bestehen müssen, wenn erfolgreich an den Kindern gearbeitet werden soll, sind nirgendwo dort gestört worden, wo die Gewerbeinspektion und nicht die Polizei auf Grund der Listen einschritt. Das Vorgehen der Düsseldorfer Regierung verdient darin weitgehendste Beachtung. Es befreit die Lehrerschaft von der Vorstellung, Denunziantendienste geleistet zu haben. Von solchen könnte sie sich zwar, wenn sie im Interesse des Kindes arbeitet, überhaupt freisprechen, aber es erscheint zweckmäßig, wenn man ihr auch das Odium abnimmt. Die Kinderschutzbestimmungen bleiben leider auch deshalb viel- fach wirkungslos, weil die Kinder vor der schamlosesten Ausbeutung durch Großgrundbesitzer nicht geschützt sind. Ja, der gewerbliche Kinderschutz erhöht die Gefahr der Ausbeutung der Kinder durch Junker. Das zeigt ein Bericht aus Oppeln. Als im Jahre 1908 im Herbst die Zahl der gewerblich beschäf- tigten Kinder infolge der verschlechterten Lage des ArbeitsmarkteS und des damit verringerten Arbeitsverdienstes der Eltern stieg, hat man danach auf den Schutz des Kindes im Regierungsbezirk Oppeln um so sorgfältiger geachtet. Das war gut und recht. Wie die Berichte der Gewerberäte und Aufsichtsbeamten nachweisen, lies« aber die Kinderbcschäftigung./angesichts der trostlosen Lage" in der Weberei sehr nach; es traten aber zahlreiche Webcrkinder in die landwirtschaftliche Kinderarbeit ein. Bei der Vorsicht, die den amtlichen Berichten eigen ist, läßt es tief blicken, wenn es dort heißt:„Leider wurde bei der landwirtschaftlichen, an sich gesunden Beschäftigung bisweilen die jugendliche Arbeitskraft in kaum ver- antwortlichem Maße ausgenutzt." Das ist eine Zensur, deren sich die, die es angeht, schämen müssen. Im Jahre 1902 wurde zwar der Antrag der Sozialdemokraten, das Kinderschutzgesetz auf die landwirtschaftliche Beschäftigung aus- zudehnen, abgelehnt. ES gelang aber, eine Resolution des Reichs- tage» durchzusetzen, die eine genaue Untersuchung über die Beschäf- tigung der Kinder mit landwirtschaftlichen Arbeiten verhieß. Wes- halb hält die Regierung mit einer solchen Enquete zurück? Fürchtet sie, daß der Kindermord, den Junker durch Ausnutzung von Kinder» kräften begehen, gar zu klar amtlich bestätigt werden würde? Von der Autonomie der Gemeinden. Vor einigen Monaten berichteten wir über einen kaum glaub- lichen Eingriff der Regierung zu Schleswig in interne Angelegen- heilen der Stadt Wandsbeck. Ohne die Stadtverwaltung gesrag't zu haben, versetzte die Regierung im„Interesse de» Dienstes" einen Lehrer von der dänischen Grenze nach Wandsbeck, wo sämtliche Lehr- stellen besetzt waren, infolgedessen der Magistrat die Beschäftigung des Lehrers ablehnte. Die Regierung bestand aber auf ihrem Willen und die Instanzen stimmten ihr zu. Für daS Spazierengehen des strafversetzten Lehrer« mußte die Stadtverwaltung sich vom Stadtverordnetenkollegiun, eine Summe von 450 M. nachbewilligen lasien. So sieht daS Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden hundert Jahre nach Einführung der preußischen Städteordnung aus I GrhaltSsurrogate. DaS„Deutsche Kolonialhaus" von Bruno Antelmann erzellierte gestern vor dem Kaufmamiögericht durch die eigenartige Ausfassung, der Stodtreisende sei verpflichtet, statt des ihm zukonimenden baren Gehalt« eine Anweisung auf eine Forderung anzurechnen, die der Chef gegen einen Kunde» hat. Das KaufmannSgericht verwarf selbstverständlich diesen Versuch, das Trucksystem auf Handels- angestellte anzuwenden und verurteilte die Firma zur Barzahlung des eingeklagten Gehalts._ Fortschritte des freien SonnaöeudnachwittagS in der Schweiz. Die Banken in Zürich hatten versuchsweise den freien Sonn- abendnachmittag eingeführt. Er hat sich nun während des Sommer- Halbjahres so gut bewährt, daß er jetzt als dauernde Einrichtung beibehalten wird. Die Pioniere und Vorkämpfer dieses sozialen Fortschrittes waren und sind die organisierten Arbeiter. Steinbrucharbeiter. „Während in den letzten Jahren stets eine Zunahme an Löhnen gegenüber dem Vorjahre verzeichnet werden konnte, weist das Jahr 1908 einen R ü ck g a n g von fast 0 Millionen Mark auf." bemerkt der soeben erschienene Bericht der SteinbruchS-BerufS- Genossenschaft. Ursache sei„die ungünstige wirtschaftliche Lage in den meisten der zur SteinbruchS-BerufSgenossenschast gehörigen Betrieben während oes Jahres 1908, die in der Verminderung der Lohnsumme zum Ausdruck kommt", und habe diese auch„auf die Lohnaufwendungen für den einzelnen Arbeiter nachteilig gewirkt. Der Durchschnittslohn eines Arbeiters betrug im Jahre 1907; 1053 M. und ist in: Jahre 1908 auf 1048 M. zurückgegangen". An der Verminderung der Lohnsummen nehmen von den 10 Sektionen der Genossenschaft allein ö teil. Der Bericht bemerkt selbst, daß„am stärksten Sektion IV(Rheinlande) davon be- troffen lvurde". Hier ist der Lohnausfall über 3 Willionen Mark. Es folgen dann die Sektionen V(Westfalen-Hessen-Nassau). mit 2 Millionen usw. Eine größere Lohnsteigerung ist dagegen in Sektion I(Bayern) eingetreten. Doch kann diese Steigerung gar nicht weiter in Frage kommen, zumal dort die Durchschnitts- lShne auch vorher sehr niedrig Karen, wie wir dus nachstehender Aufstellung ersehen: S e» t i»» Bayern........ I Baden, Württemberg.... II Elsaß-Lothringen und Hessen. HI Nheinprovinz...... IV Westfalen u. Hessen-Nassau. V Provinz Sachsen..... VI Königreich Sachsen«... VH Schlesien........ VIII Hannover, Hansastädte... IX Ost- u. Westpreußen, Berlin. X Es entfallen aus den Vollarbeiter zu AX1 Arbeitstagen 1907 M. 897 1065 1059 1192 1153 1013 1026 872 1077 1084 1908 M, 923 1065 1 107 1140 1 135 1015 1030 893 1095 1068 Durchschn. TageS- arbeits- verdienst 1908 M 3,08 3,55 3,69 3,80 3.73 3,38 3,43 2,98 3.65 3.56 Summe 1 053 1 048 3,49 Die Unternehmer haben aber für den Lohnrückgang in diesen teuren Zeiten für ihre Arbeiter auch einen„Trost". Es wird im Bericht angeführt, daß erstens die Löhne seit Bestehen der Ge- nossenschaft um fast 60 Proz. gestiegen seien, und zweitens:„kann aber ein gleich starkes Wachstum der Löhne, wie es in den früheren Jahren zu verzeichnen war, auf die Dauer unmöglich anhalten. Den Zeiten der starken wirtschaftlichen EntWickelung, die wir ins- besondere im ersten Jahrfünft des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen hatten, müssen Zeiten ruhiger, gleichmäßiger EntWickelung folgen, auch in den Löhnen".... Den armen Steinarbeitern wirft man nun auch noch vor. daß ihre Löhne zu hoch gestiegen sind. Ein Durchschnittslohn von nur 3,49 M. pro Tag ist zu hoch.... Die Krisis machte sich nicht allein in dem Rückgang der Löhne, sondern auch in der Zahl der Betriebe und Arbeiter geltend. Ver- sichert waren im Jahre 1907: 12 779 Betriebe mit 174 446 Arbeitern, 1908: 12 423 Betriebe mit 169 566 Arbeitern. Es sind dies Voll- Arbeiter mit 300 Arteitstagen gerechnet. Wie stark nun der Ar- beiterwechsel im Steinbruchgewerbe ist, zeigt uns auch der Um- stand, daß die Zahl der Effektivarbeiter im Jahre 1907 mit 476 691 und im Jahre 1908 mit 439 719 angegeben ist. Zur Anmeldung gelangten im Berichtsjahre 11 651 Unfälle gegen 12 001 im Jahre 1907. Da aber im Berichtsjahre mehr als 36 090 Arbeiter weniger beschäftigt waren, so ist die Abnahme der Unfälle nicht verwunderlich. Entschädigt wurden hiervon nur 2657 Fälle, und bemerkt der Bericht selbst, daß auf 1000 versicherte Personen im Berichtsjahre 6,04 oder 15,63 auf 1000 Vollarbeiter entschädigte Unfälle kommen, während für das Jahr 1907 nur 5,58 und 15,34 gezählt wurden.„Die Unfallhäufigkeit hat demnach hinsichtlich der entschädigten Unfälle weiter zugenommen."— Die Zahl der Unfälle mit tödlichem Ausgange betrug wie im Vor- jähre wieder 255. Unfälle mit dauernder völliger Erwerbsunfähigkeit wurden nur 84 entschädigt, sowie 943 mit teilweiser und 1425 Fälle mit vorübergehender Erwerbsunfähigkeit. Die meisten Unfälle er- eigneten sich wiederum durch Zusammenbruch, Einsturz von Stein- und Erdmasfen usw.: 493. Bemerkt wird, daß bei Unterhöhlungs- arbeiten nicht vorsichtig genug gearbeitet werden kann. Die armen Steinbrucharbeiter, denen künftig mehr Zurückhaltung in Lohn- forderungen von den Unternehmern ja geraten wird, heute durch- schnittlich kaum 3,50 M. Tagelohn verdienen, sind ständigen Ge- fahren ausgesetzt. Der Bericht hat auch versucht, die Ursachen der entschädigten Unfälle des Berichtsjahres nach der vom Reichs- versicherungsamte vorgeschlagenen Gruppierung festzustellen und kommt zu folgendem Resultat: 1. Mangelhafte Betriebseinrichtungen usw..... 116 Fälle 2. Keine oder ungenügende Anweisung...... 5, 3. Fehlen von Schutzvorrichtungen....... 55, 4. Nichtbenutzung oder Beseitigung vorhandener Schutz- Vorrichtungen............ 45„ 5. Handeln wider bestehende Vorschriften oder erhaltene Anweisungen............ 217„ 6. Leichtsinn(Balgerei, Neckerei. Trunkenheit usw.). 13„ 7. Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit usw..... 460« 8. Ungeeignete Kleidung(flatternde Halstücher, Schürzen usw.)............ 11» 0. Fehlen von Schutzvorrichtungen usw. und Unacht- samkeit usw. der Arbeiter zugleich..... 42„ 10. Schuld von Mitarbeitern oder dritten Personen. 140„ 11. Sonstige angegebene, insbesondere in der Gefähr- lichkeit des Betriebes beruhende Ursachen... 1536, 12. Nicht zu ermittelnde Ursachen........ 17„ Zusammen.. 2657 Fälle Mehr als andere Genossenschaften hat die Steinbruibs-BerufS- genosienschaft für das Heilverfahren innerhalb der ersten 13 Unfallwochen übrig. Es wurden 766 Verletzte vor Ablauf der 13. Unfallwoche in Behandlung genommen und hiervon 233 vor Beginn der 14. Unfallwoche als geheilt entlassen. Die Gesamt- losten der Genossenschaft für dieses Heilverfahren betrugen 626 210 M. Die Schiedsgerichte haben 1674 Berufungen zugunsten der Genossenschaft und nur 331 zugunsten der Unfallverletzten ent- schieden. Das günstigste Ergebnis hatte, wie der Bericht besonders Iieroorhebt. Sektion VIII(Schlesien) zu verzeichnen, da hier 01,3 Proz. der Fälle zugunsten der Genossenschaft erledigt wurden. Das ReichSversicherungsamt wäre beinahe an diesen„Rekord" herangekommen, da eS 400 Rekurse zugunsten der Genossenschaft und 38 zugunsten der Verletzten entschieden hat. Die günstigsten Ergebnisse hatte wieder der Bezirk Schlesien mit 88,5 Proz. der Fälle, die zugunsten der Genossenschaft entschieden wurden. Im Berichtsjahre waren 12 830 Unfallverletzte zu ent- schädigen. Die Durchschnittsrente beträgt 30 Proz. Gegen Arbeiter sind laut Bericht im Jahre 1908 wegen Zuwiderhandelns gegen die Unfallversicherungsvorschristen in 256 Fällen Geldstrafen bei den Betriebskrankenkassen bezw. bei den Ortspolizeibehörden be- antragt worden._ Eue Induftrie und Handel BetriebSeilischriinkmtg. Der internationale Verband der Baumwollspinner und-Weber, der zurzeit in Franksnrt seine Jahresversammlung abhält, hat an die Presse über seine Verhandlungen einen Bericht gelangen lassen, in dem eS u. a. heißt: Aus sämtlichen vorliegenden Berichten ergibt sich. daß trotz der ziemlich allgemein durchgeführten BetriebSeinschränkting der Geslbäftsgang in sämtlichen zur Vereinigung gehörenden Ländern und in Amerika ein unbefriedigender ist. Die soeben veröffentlichte Lager- und Verbrauchsstatistik, an der sich die Besitzer von 05 Proz. der amerikanische Baumwolle verarbeitenden Spindeln beteiligt haben, zeigt, daß aus der abgelaufenen Saison derartige sichtbare und un- sichtbare Baumwollvorräte erübrigen, daß unter Berücksichtigung der günstigsten Aussichten für die ostindische und ägyptische Boumwoll- ernte die Gesamtversorgung für den Bedarf der Spinnereien nicht genügen wird, wenn die amerikanische Ernte nur einen mäßigen Ertrag liefert. In Ansehung der enormen Preis- steigerung ist das Komitee jedoch einstimmig zu der An- ficht gelangt, baß eS dem Interesse nicht nur der Baum- Wollindustrie, sondern auch der großen Konsumentenkreise direkt zuwiderlausen würde. wenn von der jetzt fast allgemein durchgeiührten Betriebseinschränkung Abstand ge- nommen werden sollte. Da« Ausmatz der sich für die Industrie und den Konsum durch die Preissteigerung ergebenden Mehrbelastung läßt sich ermessen, wenn man bedenkt, daß die seit sechs Monaten eingetretene Erhöhung der Baumwollpreise auf den Ernteertrag umgerechnet eine Summe von mehr als 1000 Millionen ergibt, wovon ungefähr 60 Proz. oder 600 Millionen die europäische Industrie und deren Konsumenten belasten. während der Rest von den amerikanischen Industriellen und dem dortigen Konsum zu tragen ist. Hierbei ist noch nicht in Berücksichtigung gezogen, daß auch die Preise aller übrigen Baumwollsorten der Preissteigerung der amerikanischen Baumwolle folgen und es vollständig in der Macht der Baumwollindustriellen liegt, durch einheitliches Vorgehen nicht nur diese Belastung zu ver- meiden, sondern die eigenen Geschäftsverhältnisse zu verbessern. So richtet das Komitee die dringende Aufforderung an die Industriellen der dem internationalen Verbände angeschlossenen Länder, die bisher durchgeführten Betriebseinschränkungeu zum mindesten fortzusetzen, wenn irgend möglich aber zu verstärken. Dortmunder Union. Auf Kosten vorgenommener Lohnkürzungen ist die Verwaltung der„Union" in der Lage, die Aktionäre mit einem verhältnismäßig günstigen Abschluß angenehm zu über- raschen. Das vergangene Geschäftsjahr hat einen Betriebsgewinn von 6 275 660,82 M. igegen 6 669 815,25 M. im Vorjahre) und einen Gesamtgewinn von 6 784 991,66 M.(im Vorjahre 7 182 394,76 M.) erbracht. Hiervon sind zunächst an allgemeinen Unkosten 496 405.61 Mark(im Vorjahre 469 108,18 M.) sowie an Zinsen und Pro- Visionen 1383 956,46 M.(im Vorjahre 1612 469.52 M.) abzusetzen. so daß 4 899 629,59 M.(im Vorjahre 5 100 326,06 M.) zu Ab- schreibungen und Reserbestellungen sowie zur Gewinnverteilung ver- siigbar bleiben. Für Abschreibungen sollen 3 055 015 M.(2 850 456 Mark) verwendet werden, die Dividende ist wiederum mit 5 Proz. resp. 2 Proz. in Aussicht genommen. Deutschlands Roheisenerzeugung. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisen- erzeugung in Deutschland und Luxemburg während des Monats September 1909 insgesamt 1 068 345 Tonnen gegen 1 100 671 Tonnen im August 1909 und 928 729 Tonnen im September 1908. Die Erzeugung während der Monate Januar bis September 1909 stellte sich auf 9 509 037 Tonnen gegen 8 924 665 Tonnen in dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres. Die schweizerische Uhrenindustrie hat in den letzten Jahren eine Einbuße im Auslandsgeschäft zu verzeichnen. Besonders Deutschland wird in weit geringeren Mengen als in früheren Jahren mit schweizerischen Uhren versorgt. In den letzten sieben Jahren stellte sich der Wert der Einfuhr schweizerischer Uhren nach Deutschland in Millionen Mark wie folgt: 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 19,5 18.3 21,0 21.1 23,5 25,1 20,8 Auch im laufenden Jahre hat die rückläufige Bewegung des Exportes von Taschenuhren in Gold- und Silbergehäusen wie auch in Stahl-, Nickel- usw. Gehäusen angehalten. Es wurden nämlich in dem angegebenen Zeitraum dieses Jahres nur 731063 gegen 817 421 Stück Taschenuhren im Jahre 1908 eingeführt, von anderen Uhren und Teilen 164,12 gegen 156,30 Doppelzentner. Gerichts-Leitung. Der Flaschcnbierverkauf der Konsumgenossenschaft m. v. H. Der Potsdamer Bezirksansschuß entschied gestern über ein Schankkonzessionsgesuch, das die Konsumgenossenschaft m. b. H. in Velten eingebracht hatte. Die Klägerin betreibt in Velten drei Filialgcschäfte und will ein viertes Geschäft in Heiiningsdorf er» richten. In diesem neuen Geschäft sollen nun auch Bier, Likör und Spirituosen in Flaschen verkauft werde». Zur Begründung des Gesuches wurde angegeben, daß der Berkauf nur an Mitglieder stattfinde, deren Zahl ständig im Steigen begriffen sei. Der Amts- Vorsteher und der KreiSausschuß verneinten die Bedürfnisfrage. Der Bezirk Sausschutz folgte der Vorinstanz im Urteil und führte aus. es könne nicht kontrolliert werden, ob nur an Mitglieder verkauft würde. Freisprechung nach Berbiißung der Strafe. Das Dortmunder Schwurgericht sprach am Mittwoch den Kansi mann Karl Rosenkranz auS Bochum, früher in Dortmund, im Wiederaufnahmeverfahren von der Anklage der versuchten Notzucht kostenlos frei. Rosenkranz war im Jahre 1903 zu vier Jahren tu ch t h a u S und zehnjährigem Ehrverlust verurteilt worden. Die träfe hatte er bereits verbügt. Mute gelehrten Richtern keine RcchtSkenntniL zu! Das ist die Quintessenz eines salomonischen Urteils, das die Duisburger Strafkammer letzthin fällte. Das Mitglied des Bergarbeiterverbandes S. zu Haartzopf war vom Miilheimer Schöffengericht wegen Uebertretung des Preß- aesetzes vom 12. Mai 1851—§Z 10—41(Verbreiten von Druck» Ichriften)— zu drei Mark Geldstrafe bezw. einem Tage Haft ver- urteilt. Gegen dieses Urteil legte S. Berufung ein. Die Duisburger Strafkammer erkannte auf Grund der vom Verteidiger angezogenen bekannten Entscheidungen des Kammergerichts, wonach das Verteilen von Druckschriften straffrei bleibt, wenn die Verteilung gegen Entgelt erfolgt, auf Freisprechung. Aber dem Frei- gesprochenen seine Auslagen zu ersetzen, lehnte das Gericht ab unter folgender salomonischer Begründung: Erstens könne man Nichtwissen, ob die Bezahlung fltr das Verteilen von Flugblättern nicht doch nur eine Scheinver- g ü t u n g(!) sei(dabei hatte der Verteidiger Zeugenbeweis an- getreten I> und zweitens sei doch sicher die Entscheidung des Kammergerichts, gemäß der Freisprechung zu erfolgen habe, auch dem Bergarbeiterverbande bekannt gewesen, so daß der Angeklagte die Gründe schon in der erstenJnstanz hätte geltend machen müssen! ES mag für den Bergarbeiterverband schmeichelhaft klingen, daß seineRechtskenntniS und die seiner Mitglieder höher eingeschätzt ivird, als die der Polizeibehörde. derAmtsanwallichaft.derStaatsanwallschaftund des Mülheimer Schöffengerichts. In dieser liebenswürdigen An- erkennung der Rechtskenntnis von Laien und der Hervorhebung einer— tatsächlich nicht bestehenden— Pflicht, die Leute, die von AmtSwegen die Gesetze kennen und anwenoen sollen, über den Gesetzesinhalt aufzuklären. ist gleichzeitig eine Tieschätzung der Polizei. Staatsanwaltschaft und der gelehrten Richter enthalten. DaS von gelehrten Richtern gefällte Urteil bricht, wenn auch unbewußt, den Stab über die sonst dreimal heilig gehaltene Institution des gelehrten RichtertumS; eS weist unwirsch den Anspruch auf Ersatz der Auslagen ab, weil der vermeintliche Sünder de» zur Urtcilssällung Berufenen nicht rechtzeitig genug ein Kolleg über daS juristische Handwerkszeug und seine richtige Anwendung gehalten hat. Ein prächtiges Motiv für ein Lustspiel: ein Schuster, der von seinem Kunden verlangt, ihm zu zeigen, wie er richtig zu schustern hat. Nach ß 499 der Strafprozeßordnung können die dem An- geschuldigten entstandenen notivendigen Auslagen der Staatskasse auferlegt werden. Wiederholt ist im Reichstage beantragt, dies Be- lieben des Richters in eine Pflicht zum mindesten für alle die Fälle umzugestalten, in denen die Schuldlosigkeit des Angeschuldigten so klar wie im vorliegenden Fall erwiesen ist. Schulversäumnis aus Armut. Ein Arveiter L., welcher zwei Kinder besitzt, war auf Grund einer Verordnung in Strafe genommen worden, weil er seine Töchter unbefugt vom Schulbesuch ferngehalten habe. L., welcher durch Unfälle Invalide geworden war, bezog 60 M. Rente und Armenunterstützung. L. behauptete, er könne die Mädchen aus dem Grunde nicht zur Schule senden, weil er keine Mittel besaß, um seinen Töchtern die erforderlichen Kleider zu beschaffen. Sowohl das Schöffengericht al» auch die Strafkammer Berlin sprachen L- frei, weil daS ihm zur Verfügung gestellte Geld wohl für Nahrungsmittel, nicht aber für Kleider der Kinoer ausgereicht habe. Diese Entscheidung focht die Staatsanwaltschaft durch Revision beim Kammergericht an und betonte, L. hätte seine Kinder in die Schule senden und abwarten müssen, ob die Kinder wegen ihrer mangelhaften Kleider auS der Schule fortgeschickt wären! DaS Kammergericht wies dieser Tage die Ilevision der Staatsonwalrschast als unbegründet zurück. Es führte u. a. auS, nach 8 43 II. 12 A. L.-R. können nur solche Eltern bestrast werden, welche durch Nachlässigkeit die Schulversäum« niS ihrer Kinder herbeiführen. Vorliegend sei aber ohne Rechtsirrtum tatsächlich festgestellt, daß die Schulversäumnis nicht auf Fahrlässigkeit des Augeklagten beruhe. War es in der Tat erforderlich, bei diesem klaren Sachverhalt Anklage zu erheben und drei Instanzen in Bewegung zu setzen? Wäre es nicht zweckdienlicher gewesen, die durch dieies hochnotpein- liche Verfahren erwachsenden Kosten zur Beschaffung von Kleidern für die notleidenden Kinder zu verwenden? Für die Arbeit des Dutzend Beamter, die mit dieser Sache befaßt wurden und die frei- sich auf Zeitlohn arbeiten, ist sicher eine erkleckliche Summe ver» geudet.________ Huq der frauenbewegung. Zur Relchsfinanzreform. In Anschluß an die Tagungen des Verbandes Fortschrittlicher Erauenvereine wurde nachfolgende Resolution nach langatmiger ibbelei darüber, ob diese Resolution in Anschluß an die statt- gehabten Verhandlungen angebracht sei, einstimmig angenommen: „Die bei der Tagung des Fortschrittlichen Verbandes am 6. Oktober im ArchitektenhauS in Berlin versammelten Männer und Frauen protestieren gegen die Ungerechte Vierteilung der Steuerlast durch die letzte Reichsfinanzreform, welche die Frauen- arbeit ausS schwerste belastet, und sehen das einzige Mittel zur Be- kämpfung volksschädlichcr Gesetze in der Ausübung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Männer und Frauen und verlangen das volle Staatsbürgerrccht für die Frauen, damit diese in der Lage sind, einen Einfluß auf die Gesetzgebung auszuüben."_ Versammlungen. Die Mißstände im Betriebe der Deutschen GaSglühlichtgesellschaft (Auergesellschaft), Rotherstr. 20— 23, sind wieder einmal Gegenstand lebhafter Klagen, denen daS Personal der Gesellschaft in einer am- Dienstag tagenden Betriebsversammlung Ausdruck gab. Eine neue Plage, die dem Personal erst kürzlich beschert wurde, ist die Kon- kurrenzklausel. Die Arbeiter und Arbeiterinnen müssen jetzt einen Revers unterschreiben, wonach ihnen bei Strafe der sofortigen Ent- lassung verboten ist, Dritten gegenüber irgendwelche Mitteilungen über die Produktion im Betriebe oder sonstige geschäftliche Ange- lcgenheiten zu machen. Die Furcht der Gesellschaft vor der Kon- kurrenz hat auch wirklich schon einige absonderliche Blüten gezeitigt. Ein Arbeiter, der in der Brennstation beschäftigt war, hatte das Unglück, verheiratet zu sein, und da er mit dem, was er bei der Gesellschaft verdiente, den Lebensunterhalt seiner Familie nicht zu bestreiten vermochte, war seine Frau genötigt, ebenfalls zu arbeiten. Das Unglück wollte es, daß auch sie in oer GaSglühlichtbranche. und zwar bei einer Konkurrenzfirma der Gesellschaft, arbeitete. Die Gesellschaft, die hiervon erfahren hatte, verlangte nun von dem Arbeiter, daß seine Frau ihre Stellung dort aufgeben sollte; da er dies ablehnte, wurde er kurzerhand entlassen. Durch ein solches Verfahren wird ein gewisses Hörigkeitsveryältuis zwischen den Ar» beitern und der Gesellschaft geschaffen. Die Arbeiter werden gerade- zu durch den unsanften Druck auf den Magen gezwungen, ihre Familienangehörigen der Gesellschaft zuzuführen, was letztere in die angenehme Lage bringt, etwaig« Wünsche ihrer Arbeiter auf Lohn- erhöhung mit dem Hinweis auf das starke Angebot von Arbeits- kräften abzuwehren. Ueber die sanitäre» Einrichtungen lvird be- ständig geklagt. So über die mangelhafte Ventilation der Betriebs- stätten, die, obwohl speziell die Arbeiterinnen sehr infolge derselben an Blutarmut und Nervenkrankheiten zu leiden haben, trotz wieder- Holter Beschwerden nicht gebessert worden ist. Trotzdem wird die Arbeitszeit durch Ueberstunden noch verlängert. Obwohl die nenn» stündige Arbeitszeit die reguläre sein soll, so ist dock) die zehnstündige Arbeitszeit in allen Betrieben die übliche geworden. In der Pumpenstation wird sogar bei einer Hitze von 40 bis 45 Grad bis 10 Uhr abends und darüber gearbeitet. Einige Arbeiter haben mehr als 100 Arbeitsstunden die Woche geleistet. Allerdings läßt sich die Gesellschaft bei Bezahlung dieser Ueberstunden nicht lumpen. Prahlerisch wird den Leuten gejagt:„Sie können verlangen, waS Sie wollen." Und so werden auch tatsächlich 100 Proz. Aufschlag. in solchen Fällen gezahlt. Auch die Heiligkeit des Sonntags wird nicht respektiert, wenn es der Profit des Unternehmens verlängt. Wird doch sehr häufig auch des Sonntags bis in die Mitternacht hinein gearbeitet. Doch sind die Ueberstunden nicht immer un- umgänglich. Häufig genug ist der Mangel an Dispositionsfähigkeit der Abteilungsleiter die Schuld daran. Hier tun sich die Herren Wesenberg, Handrick und Sprung, denen die Leitung in der mechanischen Werkstatt obliegt, besonders in den Arbeitern unangenehmer Weise hervor. Während Arbeiter, die jahrelang im Unternehmen beschäftigt sind, tagelang wegen Arbeitsmangel aus-. setzen müssen, werden Neueinstcllungen vorgenommen. Eine wirklich gelungene Wohlfahrtseinrichtnng haben die Ar- beiter der Gesellschaft in der Betnebskrankenkasse. In der letzten Generalversammlung verlangten die Delegierten nach einer außer» ordentlichen Generalversammlung, um ihnen gemeldete Beschwerden mit dem Vorstande einmal gründlich zu erörtern; sie ist ihnen für die nächsten 14 Tage zugesagt worden. Bier Monate sind seitdem ins Land gegangen, ohne daß diese Generalversammlung stattge»� funden hätte. Der Grund hierfür liegt im ersten Vorsitzenden der Kasse, dem Herrn Direktor Nathan, der gegenwärtig in Süd- Westafrika weilt. Da der zweite Vorsitzende, der Herr Direktor Kall mann, damit nichts zu tun haben will und der Vorstand ohne diese Herren nichts zu sagen hat, werden eben die Delegierten warten müssen, bis der Herr Direktor Nathan wohlbehalten zurückgekehrt ist. Die Leistungen der Kasse wurden als sehr frag» würdige geschildert. Ist eS doch vorgekommen, daß bettlägerige Ar, beiterinnen schon nach den ersten KrankhcitStagcn ausgefördert wurden, sich zum Vertrauensarzt zur Nochuntersuchung zu begeben. Im Weigerungsfalle wird KrankenhauSbehandlung augeordnet. Ueber den Vertrauensarzt, SanitätSrat Dr. Rohde, wurden die verschiedensten Klagen laut. Die Beseitigung des Herrn Sanitäts- ra!S ist schon vom Kassenvorstande angestrebt worden. Da machte aber die Gesellschaft nicht mit. Sie erklärte den Arbeitervertretern kurz und bündig, daß sie darüber nicht zu befinden hätten. Der Herr SanitätSrat sei nicht Kassenarzt, sondern Betriebsarzt, erhält also sein Gehalt von der Gesellschaft, nicht von der Kasse. Auch die übrigen WohlfahrtSeinrichtungen geben fortwährend zu Beschwerden Anlaß. So auch die Küche, wo der Arbeiterschaft genießbare, schmackhafte und kräftige Speisen verabfolgt werden sollten, um die durch die überlange Arbeitszeit geschwächten Körper wieder etwas zu kräftigen. Die Speisen und Getränke entbehren jeden Geschmacks. Die Fleisch- und Wurstwaren seien auch nicht die besten. Trotz aller Beschwerden tritt keine Besserung ein. Auch die Bierpreiserhöhung wird von der Gesellschaft mitgemacht. Bis- her war die Flasche Bier für 8 Pf. den Arbeitern abgegeben worden. jetzt nimmt die Gesellschaft zehn Pfennig. Das Mitbestimmungs« recht der Arbeiter ist von keinerlei praktischer Bedeutung. Die Ar» beiter werden allenfalls, wenn die Direktion einmal Zeit dazu hat. angehört; aber gebessert wird nichts. So ist auch bem Verlangen der Arbeiter. Aufschluß über die Verwendung der ungeheuren Strafgelder zu erhalten, keinerlei Rechnung getragen worden. Wohl werden die Einnahmen bekanntgemacht, aber wie und wofür sie ausgegeben werden, erfährt niemand. Di« Arbeiterschaft kann von der Gesellschaft eine Abhilfe schwerlich erwarten. Die kann ihnen, wie der Bezirisleiter Groß» köpf vom Metallarbeitervcrband ganz richtig sagte, nur die Or» ganisation bringeu. DieS sollten auch die Arbeiter und Arbeite» rinnen der Auergesellschaft erkennen und sich ihrer Organisation cm, schließen. Jnwelenhans Zimmermann& CiL Berlin SO.::©miliigUglts'Sß© Nähe Hochbahnhof Empfehlen zu streng reellen, anerkannt billigen Preisen ihr großes Lager Juwelen, Uhren«nd Goldwaren, 0raniens'r- 206 Wand- und Stand-Uhren, 0ranie,|s'r- 204 Silber- und Alfenidewaren, 0ranienstr- 207 in Eigene Werkstatt für Neuarbeit und Reparatur im Hause. ■ � i Tv-'-•->;'--A-■•>.-3' —MB Verkauf nur im Fabrikgcbiiudc! BBH�g Inn Sie sparen Geld! tr| iWI Bl A I � Engrospreisen? | 18 W B RJ d in der Möbelfabrik; i H. Walter M:WilliMaaO,» 35 1 ■»»»,»„» um..»■■■■■ Tel. A � 5157„ j) kaufen. 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Wageufabrik Erdmau»«. Rosst, Linicnstraße 139/140. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz» industrie das VermittclungSbnrcau des gelben»Handwerkerschug. Verbandes* ltteng zu meiden. Tie Qrtövrrwaltung. Verantwortlicher Nedgtteur: Emil Unger, Grunewald. Für den gnseratenteil verantw: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag tBorwärtj«uchdruckerej u. BerlagSanftast Paul Singer Lt 6o,«erli» sw, Nr. 235. 26. Iahlgang. 3. WIM des, Ärmels" Wim IsMiitt. Freitag. 8, Oktober 1906. Berliner J�acbricbtem In der Markthalle. Es ist vier Uhr morgens. Ein feiner Regen rieselt her- nieder. Die fahlen Lichter der Straßenlaternen spiegeln sich in den Wasserpfützen. Hier und dort zieht ein Bäcker schon seine Rolläden hoch. Einige Menschen eilen mit hoch- geschlagenem Rockkragen dahin. Schon beginnt sich das Leben in der Großstadt für den heranbrechenden Tag zu regen. Wagen mit hochanfgetürmten Gemüsekörben bewegen sich den Markthallen zu. Hier herrscht ein reges Treiben. Auf der Straße drängt sich Wagen an Wagen, die zu entladen einige„Abträger" keuchend bemüht sind. Wir treten in die erleuchteten Räume der Halle ein. Welch ein Lärmen und Hasten I— Lange, hochbeladene zweirädrige Wagen vor sich herschiebend oder im Eilschritt mächtige Körbe auf den Schultern tragend, bahnen sich die Arbeiter unter fortwährenden Warnungsrufen ihren Weg durch die feilschende Menge. Dazwischen drängen sich Schlächter mit blutigen Fleischstücken, Fischer, aus deren dicht gefüllten Netzen, die sie auf dem Rücken heranschleppen, noch reichlich Wasser herausquillt. „Platz da I"„Vorsehen!" ertönt's von allen Seiten. Dort wird ein Korb mit Obst umgestoßen, und man muß vorsichtig gehen, um auf den von allen möglichen Abfällen bedeckten Fliesen nicht auszugleiten. Die vorhandenen Käufer sind in der Mehrzahl kleinere Grünkramhändler. Straßenhändler und dann zuletzt jene Aermsten, die mit dem Handclskorb am Arm den ganzen Tag bis tief in die Nacht hinein in Fabriken, Werkstellen und Wirtshäusern Rettiche, Radieschen und anderes feilbieten. Alle halten zuerst Umschau, wieviel von den Waren, die sie suchen, vorhanden ist. Danach richtet sich auch hier der Preis. Und so mancher der genau rechnen muß, eilt im Sturmschritt von einer Halle zur anderen, um nur möglichst billig einzu- kaufen. Nachdem man einige Male die Ware musternd vor- überging wird der Verkäufer so obenhin nach dem Preis ge° fragt. Der schlägt natürlich auf. Und nun beginnt ein raffi- wertes Feilschen. Wie wird nicht die Ware herausgeputzt. In den Obstkörben prangen oben die besten Stücke, um Käufer heranzulocken. Eine wahre Wut befällt den Verkäufer, wenn der Käufer die Ware umschütten will, um zu sehen, wie sie in der Mitte und unten ist. Mit den Sprotten und Bück- lingskisten ist es nicht anders; die oberen und unteren Lagen sind gut und in der Mitte ist öfters minderwertigere Ware hineingeschmuggelt. Endlich ist man handelseinig. Alles vor- handcne Geld wird zusamniengesucht, noch beim Zahlen wird versucht, einen oder mehrere Groschen abzuhandeln. Auf mit- gebrachte Wagen jeder Art, bis zum Kinderwagen hinunter, fahren sie nun die Waren nach Hause. Wird man sie schnell genug los werden? Ist sie zu teuer eingekauft? Bange Fragen.— Eine alte Hausiererin, die einem behäbigen Bauern Verwürfe macht, daß er ihr holzige und madige Rettige verkauft hat. lacht man aus. �.Na da haben Sie ja bessere Rettige, warum verkoofen Sie mir denn die nich?"„Nee. lassen Sie man, die sind schon bestellt; die kommen nach'n Westen. Ihre Arbeeter haben gute Zähne und sie klagen ja immer über Fleeschmangel. Wat woll'n se denn noch?" Die Uhr zeigt schon stark auf sieben. Nach sieben Uhr beginnt der Detailhandel, bis dahin müssen auch die Stände geräumt werden. Jetzt treten die Straßenhändler in Aktion. Hat ein Verkäufer noch viel Ware auf dem Halse, so ver- einigen sich mehrere Händler, um ihm seinen ganzen Vorrat, natürlich zu bedeutend ermäßigtem Preis abzukaufen; zum größten Aerger der Gemüsehändler, deren kleinlicher Konkurrenz- «cid ein geschlossenes Vorgehen unterbindet. Bei den Blumenständen ist ein altes verhutzeltes Mämi- lein beschäftigt, den Inhalt seines großen Tragkorbes aus- zubreiten: Farrenwedel. Da diese in der Blumen- und Kranz- binderet gern verwendet werden, finden sich dafür auch immer Abnehmer. Zur Abwickelung seines Handels brauchts nicht vieler Worte. Den Alten hat die Einsamkeit„seiner" Wälder. auS denen er sich schon seit Jahrzehnten sein Material holt, wortkarg gemacht. Früher fand er's näher, doch jetzt muß er weitere Strecken mit der Bahn fahren; oft bis nach Oder- bera. Die Abholzung und Lichtung der Wälder, besonders in der nächsten Umgebung Berlins, tragen Schuld daran. In den Wäldern von Chorin bis nach Oderberg bedeckt das Farren- kraut in Massen den feuchten Waldboden, durch seine graziösen, palmenartigen Wedel eine märchenhafte, intime Stimmung verbreitend. Es ist nach sieben Uhr. Die Markthalle wird gereinigt und dem Publikum geöffnet. Die Engroshändler rüsten zur Heimfahrt. Vorher wird noch ein gutes Frühstück ein- genommen. Die Gastwirte kennen ihr Publikum und sorgen für einen guten Happen. Draußen zwischen den Wagen bewegen sich einige von jenen Unglücklichen, die außer den dürftigen Lumpen, die sie auf dem Leibe tragen, nichts ihr eigen nennen. Mit gieriger Hand revidieren sie die fortgeworfenen, verfaulten Obstrcste aus dem Straßenschmutz, um sie zu verzehren.„Daß mir die Bande bloß nicht noch bei die Pflaumen geht, eifert ein dicker Bauer, ich habe ein paar Kiepen übrig behalten; ehe ich sie unter dem Preis verkaufe, nehme ich sie lieber mit nach Hause und futter die Schweine mit!" Vom Geist der Volksschule. Eine Dienstanweisung für d i e Lehrer und Lehrerinnen der Gemeindeschulen Berlins ist in neuer Fassung von der Schuldeputation aufgestellt worden und hat die Genehmigung des Provinzialschulkollegiums gefunden. Die Schuldepuiation hat sie jetzt durch das„Gemeindeblatt" ver- öffentlicht, das Opus ist daher auch dem profanen Auge des Laien zugänglich geworden. Vom Geist der Volksschule ver- spürt man einen Hauch, wenn man diese Paragraphen durchliest. Sogleich aus dem§ l weht er uns kraftvoll entgegen. Es heißt da: „Die Eemeindcschulen sollen lebendige Gottesfurcht und Vaterlandsliebe in die Herzen der Kinder pflanzen, den Sinn für das Gute, Edle und Wohlanständige in ihnen wecken, ihre geistigen und leiblichen Kräfte entwickeln und ihnen die Kennt- nisse und Fähigkeiten mitteilen, die jedem gesunden Gliede unseres Volkes unentbehrlich sind. Die Erreichung dieses Zweckes sollen alle Lehrer durch ihr eigenes vorbildliches Ver- halten und durch gewissenhafte, treue Erfüllung ihrer Obliegen- Mteu Wich hfym Wissen UÄ> KölWN zu tördern bMüht sein." Gottesfurcht ist das Erste und Vaterlandsliebe das Zweite, was die Volksschule in die Herzen der Kinder pflanzen soll. Das Letzte aber ist die Entwickelung der geistigen und leib- lichen Kräfte samt den Kenntnissen und Fertigkeiten, die man fürs Leben braucht. So ist's richtig? Richtig ist's auch, daß alle Lehrer(die Dienstanweisung versteht unter„Lehrern" stets alle Lehrenden männlichen oder weiblichen Geschlechts) durch ihr eigenes Vorbild die Erreichung der Volksschulzwecke zu fördern suchen, also zu allererst selber Gottesfurcht und Vaterlandsliebe bekunden. Die Sonderstellung, die dem Volksschullehrer in seinen Beziehungen zu den vorgesetzten Behörden wie zum ganzen Staats- Wesen angewiesen wird, erklärt sich aus der Sonderaufgabe, die der Volksschule, der Schule für die Kinder der besitzlosen Klasse, in der bürgerlichen Gesellschaft gestellt ist. Und auch die Gering- schätzuirg, mit der der Volksschullehrer sich allenthalben behandelt sieht, wurzelt darin, daß der Gegenstand seiner Berufstätigkeit. der proletarische Nachwuchs, der besitzenden Klasse ein Gegenstand der Verachtung ist. Ueber den Schulbetrieb finden sich sodann in der Dienst- anweisung eine Reihe Bestimmungen, die für weitere Kreise wenig Interesse bieten. Der Lehrerschaft werden sie ihre Ge- bundenheit und Demutspflicht aufs neue zum Bewußtsein bringen. Den Eltern wollen wir zu besonderer Beachtung denjenigen Paragraphen empfehlen, der sich auf die Schulzucht gegen- über den Kindern bezieht.§ 9 sagt: „Der Lehrer ist verpflichtet, dahin zu wirken, daß in seiner Klasse Zucht und Ordnung herrscht. Er möge im Verkehr mit seinen Schülern Ernst und Liebe walten lassen und, soviel an ihm ist, dahin wirken, daß die Kinder gern zur Schule kommen und die Schule eine Stätte freudiger Arbeit ist. Durch an- regenden Unterricht soll er das Interesse seiner Schüler zu wecken und wachzuhalten bemüht sein. Wegen der körperlichen Züchtigungen wird auf die Ministerialerlasse vom 3. April 1888, vom 22. Oktober 1888 und vom 19. Januar 1999 ver- wiesen. Die Strafe des Nachbleibens darf nur verhängt werden, wenn ausreichende Aufsicht über die Nachbleibenden gewähr- leistet ist und nachdem die Eltern benachrichtigt sind. Boten- gänge dürfen den Kindern niemals übertragen werden. Auch auf das Verhalten seiner Schulkinder außerhalb der Schule soll der Lehrer nach Möglichkeit einwirken, vor allem sie anhalten, daß sie ruhig nach Hause gehen, auf der Straße keinen Unfug treiben und sich an Bescheidenheit und Höflichkeit gegen jeder- mann gewöhnen." Der Ministerialerlaß vom 3. April 1888 hob alle Regierungs- Verfügungen auf, die dem Züchtigungsrecht der Lehrer bezüglich Maß oder Art der Ausführung engere Grenzen zogen, als die Gesetze es tun, mahnte aber, von der gewährten Freiheit den rechten Gebrauch zu machen, und bedrohte Mißgriffe mit bis ziplinarischer Ahndung. Der Ministerialerlaß vom 19. Januar 1999 brachte in Erinnerung, daß Ueberschreitungen oder un- angemessene Anwendung des Züchtigungsrechtes auf milde Be urteilung nicht zu rechnen haben, daß Schulaufsicht und Schul leitung auf maßvolle Handhabung des„nur für Ausnahmefälle bestimmten" Züchtigungsrechtes achten sollen, und daß jede Züchtigung mit Begründung in ein Strafverzeichnis einzutragen ist. Doch in der„Praxis" des Prügelns geht's anders zu. Ueber da? Verhältnis zwischen Schule und Haus sagt§ 11: „In seiner Erziehungsarbeit wird der Lehrer erst dann rechten Erfolg haben, wenn er die häuslichen Verhältnisse seiner Schulkinder kennt und erreicht, daß im Hause der Kinder seine erzieherischen Bestrebungen Unterstützung finden. Der Lehrer möge deshalb jede Gelegenheit benutzen, um mit den Eltern seiner Schüler Fühlung zu gewinnen. Die von den Eltern ge- wünschten Auskünfte über das Verhalten und die Fortschritte ihrer Kinder sind außerhalb der Schulstunden bereitwilligst zu erteilen und jede gewünschte Rücksprache ist, sobald ein be- zügliches Gesuch in angemessener Form vorgetragen wird, zu getvähren. Andererseits werden die städtische Schuldeputation sowie die anderen Schulaufsichtsbehörden jederzeit bereit sein, den Lehrer gegen etwaige Beleidigungen der Eltern zu schützen." Lehrer gegen Beleidigungen zu schützen, würde unseres Er- achtens sehr viel seltener nötig sein, wenn das leidige Prügel- recht der Schule, das nur zu oft die Beziehungen zwischen Schule und HauS trübt, völlig beseitigt würde. Aber daS Prügelrecht gehört freilich zu den Grundpfeilern, auf denen die Volksschule ruht. Gottesfurcht und Stockhiebe sind zwei Haupt- mittel, mit denen der Nachwuchs des arbeitenden Volkes zur demutvollen Gefügigkeit erzogen werden soll. „Bettlerfrechheit." Unter dieser Spitzmarke schreibt Herr Hugo Baumbach, Vorstandsmitglied der Ortsgruppe B c r l i n des Riesen- gebirgsvereins, an die„Vossifche Zeitung" folgendes: „Seit langen Jahren bin ich bemüht, Belästigungen den Be« suchern unseres so schönen heimischen Gebirges fernzuhalten und jedem den Aufenthalt dort so angenehm wie möglich zu ge- stalten.... Im Ricsengebirge treiben sich zahlreiche Bettler, Leiermänner, Blinde, Lahme, ja sogar arbeits- fcheue Kinder, Knaben wie Mädchen(Karten- und Veilchenstein- Verkäufer) h e r u m; 28 derartige Wegelagerer haben sich in diesem Jahre den Touristen dort lästig gemacht. Besserung dieser Zustände kann nur das Publikum selbst schaffen. Jeder Tourist mutz sich zum Gesetz machen, dem Gesindel nichts zu geben." Wir glauben es sehr gern, daß es jenen mit Glücksgütern ge- segneten Menschen, die im Vollen sitzen Und im Riesengebirge die Langeweile vertroiben, nicht immer angenehm ist, durch den Anblick ärmster Leute an den Kontrast zwischen deren Not und ihrem eigenen Ueberfluh erinnert zu werden. Wenn Herr Hugo Baum- dach, der offenbar mit dem Inhaber des in der Warteirburgstr. 23 zu Berlin betriebenen Agentur- und Kommissionsgeschäfts identisch ist. es sich mit zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Almosen heischende oder Reiseangedenken verkaufende Armut aus den be- suchtesten Teilen des Riesengebirges zu vertreiben, so beneiden wir ihn nicht um diesen sozialen Trieb. Als Großstädter sollte der Herr von der Not des Lebens, die ihm selbst höchstwahrscheinlich stets ferngeblieben ist, doch etwas mehr Ahnung haben. Und als Mitglied des Niesengebirgsvcreins müßte ihm eigentlich bekannt sein, daß gerade unter der Dorfbevölkerung des Riesengebirges mit ihrer bis auf die letzte Kraft für Hungerlöhne ausgesogenen Heim- arbeit jahraus jahrein schwere Not herrscht. Ist es da so ver- wunderlich, daß manche Gebirgsbewohner, deren mit 28 angegebene Zahl im Verhältnis zur Sach« doch sehr niedrig ist. sich auf den Stratzenbettel und den Straßenhandel legen? Es mag sein, daß ganz vereinzelt einer dieser Aermsten sich ungehörig benommen hat. Die äußerste Not ist nicht imnier demütig. Aber es geht zu weit, deshalb auch die Gebirgsstraßenhändler einfach als„Wege- lagerer" und„Gesindel" und die sich am Handel aus Familiennot beteiligenden Kinder als„arbeitsscheu" zu bezeichnen. Herr Baum- dach scheint freilich der Meinung zu sein, daß auf diese Weise die Kinder, die zur gewerbsmäßigen Mitarbeit überhaupt nicht da sein sollen, der Heimarbeit entzogen werden und daß dadurch der Ver- dienst des ausbeutenden Arbeitgebers geschmälert wird. Der tvgsch- echte UnternchmerMndPuMl" Wie Berliner Bürger um ihr Wahlrecht rommeu. Verschiedeinn Personen, die gegen die Rickitigkeit der Landtags- Wählerliste Einspruch erhoben haben, ist die Mitteilung zugegangen, daß sie deshalb nicht in der Liste verzeichnet sind, weil sie nicht sechs Monate in Berlin wohnten. Uns sind verschiedene Fälle bekannt, in denen diese Behauptung nicht stimmte. Unter diesen Leuten befand sich auch ein Ingenieur P., der seit dem 31. März hier Wohnt. P. besorgte sich auf dem Polizeirevier eine abgestempelte Meldung und reichte sie dem Wahlburean ein mit dem nochmaligen Antrage auf Aufnahme in die Wählerliste. Daraufhin erhielt P. folgende vom 1. Oktober datierte Antwort: „Nach der eingesandten, auf dem 45. Polizeirevier vom 28. September abgestempelten Meldung wohnen Sie seit dem 31. März 1999 in Berlin, während Sie nach dem Aktenmaterial erst seit 31. Mai er. hier gemeldet sind. Eine Nachtragung in die Liste ist jedoch nicht mehr angängig, da die Listen bereits ab- geschlossen sind. Der ablehnende Bescheid ist Ihnen am 18. d. M. zugestellt, es war somit Gelegenheit gegeben, rechtzeitig den Nach- weis zu erbringen." Nach diesem Bescheid muß das Aktenmaterial des WahlbureauZ in einem sonderbaren Zustande sein. Polizeilich gemeldet ist T. am 31. März, in den Akten des Magistrats steht als Meldung der 31. Mai. Deshalb legt man dem P. die Pflicht des Nachweises auf und weil der Protesterhcber nicht gleich am anderen Tage diesen Nachweis beschafft, kommt er um sein Wahlrecht. Das Achtklassensystem der Berliner Gemeindeschule soll, so wird jetzt gemeldet, noch nicht am 1. Oktober 1919 auf ein S i e b e n k l a s se n s h st e m zurückgeschraubt werden. Noch nicht! Daß die Angabe dieses überraschend frühen Zeitpunktes mit einigem Zweifel aufzunehmen sei, hatten wir von vornherein gemeint. Aber die Absicht, das Achtklasscnsystcm möglichst bald wieder zu be- seitigen, besteht nach wie vor. Und dem Berliner Stadtsreisinn darf man es leider nur zu sehr zutrauen, daß er sie ausführen wird, noch ehe die Frage der Bewährung des Achtklassenflistems sicher entschieden werden kann. Das Kultusministerium soll bisher noch keine Stellung zu dem Plan genomnien haben und das auch in diesem Augenblick noch nicht für ratsam halten. Das sieht fast so aus, wie wenn das Kultusministerium dem übereifrigen Stadtfrcisinn habe abwinken und ihn auf später vertrösten müssen. Auch die Schuldeputation soll offiziell noch nicht Stellung genommen haben— was aber diese Körperschaft nicht hindern wird, das sofort zu tun und dem Plan zuzustimmen, wenn sie die Zeit für günstiger erachten wird. Schließlich wird noch aus Rathaus- kreisen gemeldet, Stadtschulrat Fischer sei„unter kein&i Umständen dafür zu haben, daß in Berlin die Schullinder, die sieben Klaffen durchgemacht haben und noch ein achtes Jahr auf der Schule bleiben müssen oder können, in diesem letzten Jahr der Möglichkeit, sich weiterzubilden, beraubt werden". Es scheint jetzt den Herrn Stadtschulrat doch einigermaßen zu genieren, daß e r es war, der mit seinen abfälligen Aeußerungcn über das Achtklassen- siistem denen um Cassel den Weg ebnete, auf dem sie wieder zum Siebenklassenshstem gelangen zu können meinten. Flugblattverbreitung durch Schulkinder. So oft Wahlen zum Reichstag, zum Landtag, zur Stadtbek- ordnetenversammlung, zu den kirchlichen Körperschaften bevorstehen, muß man sich immer wieder darauf gefaßt machen, daß d i e bürgerlichen Parteien die Kinderarbeit in den Dienst ihrer Sache stellen. Immer wieder erfahren wir. daß sie Kinder dazu mißbrauchen, sie Zirkulare abschreiben zu lassen, Flugblätter austragen zu lassen usw. Geradezu unbegreiflich ist es uns, daß sogar die Schule sich nicht scheut, diesen Leuten die Hilfskräfte noch schulpflichtigen Alter? zu besorgen, die ihnen die Agitation erleichtern und verbilligen. Wiederholt hat im „Vorwärts" der Unfug gerügt werden müssen, daß ein Lehrer oder ein Rektor den ihm anvertrauten Kindern derartige Arbeiten über- tragen hatte. Und auch jetzt wieder gelangt an uns eine Be- schwerde über einen Gemcindeschullehrer, der im Dienste de? Kirchcnliberalismus die Agitation zu den Kirchen» Wahlen mit Hilfe eines Schulkindes betricl'en habe. Dieser neueste Fall wird uns gemeldet aus der Schön- hauser Vorstadt, wo ja die Liberalen der Kirche diesmal einen ganz besonderen Eifer entfalten und auch die Arbeiterbevölke- rung für ihre Sache zu interessieren suchen. In der Sonnenburger Straße erschien bei einem Gastwirt R. ein noch s ch u l p f l i ch> tiges Mädchen und überreichte ihm in seinem Lokal ein auf die Kirchenwahlen bezügliches Flugblatt, mit dem sich die Liberalen speziell an die Gastwirte wenden. Herrn R. fiel auf, daß das Kind ein ganzes Paket solcher Blätter bei sich hatte. Da er mit Flugblattverbreitung Bescheid weiß, so konnte er die Zahl auf 399 bis 499 schätzen. Weil er nun meinte, daß eine solche Be- schäftigung doch wohl für ein Schulmädchen nicht recht geeignet sei, so fragte er nach dem Auftraggeber und manchem, was ihm sonst noch wissenswert schien. Die Kleine nannte ihren Namen, gab ihr Alter auf noch nicht 13 Jahre an und erzählte, sie sei mit dieser Arbeit betraut worden von ihrem Lehrer Bauer, der an der 25 9. Mädchen-Gemeindeschule(Wattstraße) eine Klasse II leitet. In ihrer Begleitung war ein anderes, noch jünger aussehendes Mädchen, das aber wohl nur zum Zeitvertreib mitging. Wie lange mag das Kind, durch das der Herr Bauer Flugblätter verteilen ließ, umhergelaufen sein, bis die Verteilung beendet war? R. hat leider nicht festzustellen versucht, wie lange die Kleine schon umherlief, als sie zu ihm selber kam. Anscheinend verteilte sie nicht nach einem Adressenverzeichnis, sondern mußte überall in den Straßen nach Gastwirtschaften ousschauen und in jedem Lokal ein Blatt abgeben. Sie teilte Herrn R. auch mit, daß sie von Herrn Bauer bezahlt werde. R. unterließ leider zu fragen, wie hoch der Lohn war. Es kennzeichnet die zur Kirche haltenden Gesellschaftskreise, daß gerade sie eö sich ersparen, erwachsene Arbeiter zu beschäftigen, von denen doch wahrlich genug auf der Straße liegen und Beschäftigung suchen. Gerade sie halten es für unbedenklich, in den Dienst ihrer Agitation die Kinderarbeit zu stellen, die ihnen die Agitationskosten verringert. Was hätten übrigens dieser Lehrer und dieses Kind, obwohl beide zur Schule in der Wattstraße gehören, mit der Schön- hauser Vorstadt zu tun? Herr Bauer wohnt in der Schönhauser Vorstadt und spielt dort bei den Liberalen der Kirche eine Rolle. er nahm aber das Laufmädchen aus den Kindern, die ihm in seinem Amt erreichbar sind, aus den Mädchen der weit abliegenden Schule in der Wattstraße. Er selber war keineswegs der Meinung, daß das nicht eine Arbeit für Schulkinder sei. Als das Kind ihm über die Unterredung mit dem Gastwirt berichtete, hatte er sogar den Mut, persönlich in das Lokal zu gehen und R. wegen der Befragung des Kindes zur Rede zu stellen. Er tat das in einer Form, die R. als durchaus ungehörig empfand. Der Herr Lehrer soll ihm angc- kündigt haben, daß R., wenn er sich so etwas noch mal erlaube, sehen werde, was ihm passiere. Fehlt nur noch, daß B. seine Be« Hörde um„Schutz" bittet. Herrn Lehrer Bauer kann selbstverständlich nichts passieren. Wir müssen annehmen, daß die Lehrer, die ihre Schulkinder in den Dienst der Wahlagitation stellen, überzeugt sind, für ihr Tun die Zustimmung der Schulverwaltung zu haben. ES drängt sich hier uns die Frage auf, ob die Scknilverwaltung im Hin- blick ans die schon früher durch den„Vorwärts" veröffentlichten Fälle, die zweifellos so zu ihrer Kenntnis gelangt sind, amtlich etwas„veranlaßt" hat. Die Wiederholung des Unfugs, Schulkinder mit Arbeiten zur Förderung der Wahlagitation zu lieschäftigen. mutz den Verdacht wecken, daß die Schulverwaltung hat verlauten lgsscn. sie finde darin nichtK TadelnSwerleH, Tie„bewährten" Rathausliberale«. Tab„liberale Bürgertum" Berlins ist jetzt dabei, für die Stadtverordnetenwahlen die Freisinnslandidatcn auh zustellen. Unter dem„liberalen Bürgertum" sind hier zu der stehen die kleinen, aber einflußreichen Cliquen, die in solchen Fragen entscheiden. Das Dreiklassensystem des Gerireindewahlrcchts das den Besitzenden zwei Drittel der Stadtverordnctenmandate sichert, begünstigt noch diese Cliquenwirtschaft, die besonders schlimm in der ersten Klasse mit ihrer ganz winzigen Wählerzahl, aber schlimm genug auch noch in der mäßig besetzten zweiten Klasse ihr Wesen treiben darf. Aufgestellt werden da n u r„bewahrte M ä n n e r", erfahren in allen Künsten des RathausliberalismuS, geschätzt von den Hausagrariern, die im Stadtparlament obenauf stnd, gut gelitten auch bei den Großunternehmern, die in der Gc- meindeverwaltung ihre Interessen gewahrt zu sehen wünschen. Für die dritte Klasse, in die das Heer der minder bemittelten Wähler hineingepfercht ist, sollte man von der Geriebew hcit des Stadtfreisinns ein anderes Verfahren erwarten. Viel ist ja in dieser Klasse, über deren Wahlergebnis die werktätige Be v ö l k e r u n g entscheidet, dem Freisinn nicht mehr geblieben, auf Gewinn rechnet er hier wohl selber nicht mehr, und weiteren Ver lusten steht er mit Sorge entgegen. Aber selbst hier, wo kein Großunternehmer seine Stimme in die Wagschale werfen kann und auch ein Hausbesitzer wohl kaum unter den Wählern zu finden ist, will der Freisinn den Wählern immer wieder nur einen Aus� erkorenen dieser Interessentenkreise präsentieren. So wird jetzt in dem Moabiter 4 2. Bezirk dritter Abteilung den Wählern wieder zugemutet, einen der„bewährtesten" Rathausfreisinnigeu aufs neue als ihren Vertreter in das Stadtparlament zu entsenden, den bisherigen Stadlverordneten Gericke. Dieser Herr Gericke heißt bei seinen Freunden„König von Moabit", weil er es ver standen habe,„Moabit groß zu machen". Die Moabiter Haus besitzer, die dabei reich geworden sind, danken es ihm und wollen ihn im Rathaus nicht missen. Die Mieter aber, denen von den Hausagrariern die Wohnungen immer mehr verteuert worden sind, haben über das„groß gemachte Moabit" ihre eigenen Gedanken. Was kann ihnen im Rathaus ein Mann nützen, auf den die Hausagrarier ihr Vertrauen setzen? Die Clique, sie Herrn Gericke wieder hineindirigieren will, gibt sich der Hoffnung hin, daß er auch bei den Beamten, die sonst dem Freisinn nicht gc- wogen sind, Unterstützring finden werde. Um das zu erreichen, soll er der Wählerschaft empfohlen werden als der Kandidat der ver einigten bürgerlichen Parteien, der Kandidat aller Gutgesinnten, der Kandidat aller Gegner der Sozialdemokratie. Ob das ziehen wird? Mit starken Mitteln wird da allerdings gearbeitet werden müssen, wenn der Widerwille der Beamten gegen das Hausagrariertum, das ja auch ihnen die Wohnungen ver tcuert, überwunden werden soll. Doch möglich ists schon, daß den Beamten gewinkt wird, dem Mann der Hausagrarier und des Stadtfreisilms ihre Stimme zu geben. Was tat doch der freisinnige Stadtverordnete Rosenow, als er wiedergewählt werden wollte unv um die in seinem Bezirk zahlreich wohnenden Postillione warb? Er belehrte sie in einem stark nach„Terrorismus" schmeckenden Flugblatt, daß sie mit Rücksicht auf„des Kaisers Rock", den sie trügen, nicht einen Sozialdemokraten zum Siege gelangen lassen dürften. Nein, dahin darf ein Beamter es in der Tat nicht kommen lassen, daß an Stelle eines freisinnigen Vertrauensmannes der Hausagrarier in das Rathaus ein Sozialdemokrat einzieht, dereinevernünftigeGemeindepolitiktreiben will. Mit der Zurückziehung der FürsorgezSglinge aus dem Miclczyner Prügelstift beschäftigte sich der von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzte Ausschuß am Mittwochabend in seiner zweiten Sitzung. die aber schließlich vertagt wurde, um erst das Ergebnis der von» Magistrat in Ausficht genommenen mündlichen Verhandlungen mit dem Aufsichtsrat der Mielezyner Prügelanstalt abzuwarten. El kann aber heute schon gesagt werden, daß die Stimmung im Aus schnsse dahin geht, es sei das beste, das Verhältnis der Stadt Berlin mit Mielczyn zu lösen. Das Vertrauen zu den maßgebenden Per sonen in Mielczyn sei geschwunden. Der Rechtsboden für die Stadt ist der denkbar günstigste. Genosse Singer stellte bei den Beratungen fest, entgegen der-Darstellung des Herrn Bürgermeisters Reicks im Plenum der Verfaininlrrng, daß in der letzten Sitzung derWaisendeputation von einem Magistratsvertrcter die von ihm in der Versammlung und auch i>n„Vorwärts" aufgestellte Behauptung von der Fufp bastonade ihre Bestätigung gefunden habe. Von Interesse ist die Mitteilung/ daß in der Anstalt Mielczyn sich nur noch 17 Zöglinge befinden, während acht Tage früher der Magistratsvertreter noch von 35 Zöglingen zu berichten wußte. Wäre also richtig, daß eS den in der Anstalt verbliebenen Zöglingen wirklich so gut gefiele, wie von einigen Seiten behauptet wurde, so wären diese massenhaften Entweichungen unverständlich. Zu den im Ausschuß geführten Verhandlungen steht im krassen Gegensatz die uns gewordene Mitteilung, daß in der Lichtenberger Anstalt einer Anzahl Zöglinge angekündigt worden sein soll, in den nächsten Tagen nach Mielczyn transportiert zu werden. Die Folge dieser Ankündigung werden nur weitere Entweichungen sein müssen, da schon mancher Zögling erklärt hat, lieber ins Wasser zu gehen als nach Mielczyi». Ist diese Mitteilung richtig, so muß die Maß« nähme der Lichtenbergec Anstalt für ungehörig erklärt werden in einem Augenblick, da die Stadtverordneten ernsthaft über die gänz- liche Zurückziehung der Zöglinge aus Mielczyn beraten. Die„Freisinnige Zeitung" führt ihren Reinfall, den sie infolge einer Verwechselung der Parteischule mit der Arbeiter-BildungSschule erlitten hat, auf eine Reportermeldung zurück, deren Opfer sie ge- worden. Das hindert sie»»atürlich nicht, daS systematische Begeifern unserer Partei munter fortzusetzen. In derselben Nummer, in der sie ihren Neinfall bestätigen mutz, bringt sie folgende Notiz: „Abg. Singer ist an Bronchialkatarrh erkrankt und mutz das Zinimer hüten. Trotzdem wird, wie ein Berichterstatter behauptet, Herr Singer oft als Referent in den jetzigen Berliner Wahl- versainnilungen angeführt, um die Massen herbeizulocken." Es ist immer dasselbe Rezept, nach dem die„Freisinnige Zeitung" arbeilet. Dieser Notiz liegt lediglich die Tatsache zugrunde, daß Genosse Singer in einer zu Dienstag einberufenen Kommruial- Wählerversammlung krankheitshalber nicht reden konnte. Das kann jede», Redner passieren. An diese Tatsache aber die Behauptung zu knüpfen, daß Genosse Singer oft als Referent in den jetzigen Berliner Wählerversammlungen angeführt werde, um die Massen herbeizulocken, ist eine neue freisinnige Unverschämtheit. Will uns das Blatt außer diesem einen Fall auch nur einen zweiten nennen? Eine schwarze Bande ist von der Kriminalpolizei hinter Schlotz und Riegel gebracht worden, eine Gesellschaft von 6 Männern, die unter der hochklinaenden Firma„Internationale Hoch-, Tief-, Brücken-»ind Beloubaugesellschaft" in der Kleinen Präsidentenstr. 1 ein Bureau eingerichtet hatte und von dort auS seit einen» halben Jahr ihr Unwesen trieb. Der äutzercu Einrichtung nach»nutzte man an- iiehmei», daß man es mit eiueiu bedeutenden Geschäfte zu tun habe. Es bestand ein Privatbureau, ein technisches Bureau, ein Aufnahnle- bureau uslv., in denen Maschinenschreiberinnen und andere An- gestellte tätig ivaren. Diese ganze Einrichtung lvar nur darauf be- rechnet, dem Publikum Sand in die Augen zu streuen. In Wirklich- kcit hatte das Geschäft nur den Ziveck, andere Geschäfts- leute großzügig auszube»ltcn nach Art der Treuhand- gesellschaft von Echtermeyer u. Co. Ebenso wie bei dieser Firnia gab auch bei der Gesellschaft mit dem hoH- irabende» Namen ein Schwindler iimner über den anderen Auskunft, stets nur die beste. Die Gesellschaft erhielt deshalb geliefert, was sie nur haben wollte, Eisenbahnwagen. Balken, Bohlci» usw. Alles wurde sofort lombardiert und zu Geld gemacht, die Lieferanten hatten das Nachsehen. Durch einen Zufall karn die Kriminalpolizei ' Verantwortlicher Redakteur: Emil Nnger, Grunewald. Für den hinter dieses Treiben und griff nun unverziiglich ein. Mehrere Verhaftungen wurden bereits vorgenommen, sie sind aber noch nicht abgeschlossen. Eine schlucre Erkrankung an Fleischvergiftung wird un« vom Mittwochabend gemeldet. Die in der Dorkstratze 84 wohnhafte Frau Dietrich»vurde uiiter dem Verdacht der Erkrankung an Fleisch- Vergiftung nach dem städtischen Krankenhause in der Gitschiner Straße gebracht. Frau D. hatte sich in dem Schlächterladen in der Vork> stratze 53 Schabefleisch gekauft und dieses zum Abendbrot verzehrt. Bald darauf erkrankte sie unter Vergiftungssyinptomen. ES mutz abgewartet werde», ob hier tatsächlich Fleischvergiftung vorliegt. Zu der obigen Meldung berichtet die„Allg. Fleischer-Ztg folgende Einzelheiten: Das Fleisch, das ordnungsmäßig unler- sucht und als vollwertig abgestempelt war, ist»n der Fleisch engroShalle Montag früh von den» Engrosschlächter Hebel auS Reinickendorf verkauft Ivorden. Die beiden Vorderviertel kaufte Meister Zink, der seit anderthalb Jahren in der Dorkstr. 53 eine gutgehende Fleischerei betreibt, ein Hinierviertel kaufte Meister Schilde, Kopernikusstratze IL, und ein Hinterviertel ist nach dem Wedding geliefert ivorden, ohne daß der Käufer zu ermitteln war. Meister Zink verarbeitete einen Teil zu Schabefleisch, von den, auch er selbst und sein Geselle atzen und erkranklen. Dienstag früh kamen die ersten Nachrichten, daß der Genuß des Fleisches Erkrankungen zur Folge gehabthabe, und iinLaufe des Tages erfolgten weitere Meldungen. Den» Meister Schilde fiel, als er das gekaufte Hinierviertel zu Hause auf- haute, die dunkle Farbe des Fleisches auf; er schickte deshalb seine Tochter mit einem abgeschnitlenen Stück in die städtische Untere suchliiigsstatioi», wo das Fleisch als von einen» überhitzten Tiere herrührend erkaimt und der Rat erteilt wurde, das Fleisch zurückzugeben. Das ist auch geschehen; Meister Schilde hat gar nichts von dem Fleische verkauft. Teile des Fleisches sind der Polizei zur Ermittelung der Krankheitsursache übergeben worden. Das Fleisch macht den Eindruck, als ob es stickig sei; dann ivürde es nicht als gesrindheitsschädlich, sondern als ungenietzbar anzusehen sein. Andererseits sollen Erkrankungen nach 24 Stunden eingetreten sein, was die Annahme zuließe, daß Paratyphus vorliegt. Sichere Feststellungen werden erst durch die Untersuchungen des Instituts für Infektionskrankheiten zu gewinnen sein, dem das Fleisch zu diesem Zwecke überwiesen worden ist. Die Adalbertstraße von ber Oranienstraße bis zur Dresdener Siratze wird wegen AsphaltierungSarbciten voin 7. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorort- Ffodmebten. Charlottenburg. In der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung vom Mittwoch beantwortete der Magistrat die bereits am 23. Jnni ein- gereichte sozialdeinokratische Interpellation über die Erplosioi» auf der Gasanstalt I, die, wie erinnerlich, durch ein unterirdisches Rohr herbeigeführt war. von dem die Betriebsverwaltring nichts wußte. Die Anfrage der Svzialdeinokraten xsing einmal dahin, welche chritte getan sind, um festzustellen,»vie es»nöglich war, daß ei» solches Rohr existierte, und zioeitenS dahin, ob die Verivaltung sich vergeioissert Hai, daß nicht noch andere ähnliche Rohrleitungen vor Händen sind. Wie Genosse Gebert in der Begründung auS- führte, kam eS den Interpellanten lediglich darauf an, Beruhigring in die Bevölkerung hineinzutragen. Der Dezernent der Ga anstalten, Stadtrat C a s s i r e r, beschränkte sich auf die kurze Mitteilung, daß man die Ursachen dar Explosion nicht»nit Sicherheit habe feststelle»» können und daß aus beiden Gasanstalten säintliche Rohrleitungen nachgeprüft seien, daß man aber trotz der sorgfältigsten Untersuchungen keine »veiteren Rohre habe auffinden können. Nach der Ueberzeugung der Verwaltung sei niemand für das Unglück verantwortlich zu machen. Da der Stadtrat auch einen Artikel der„Gewerlschaft" erwähnte, worin die Behauptung aufgestellt war, daß Arbeiter schon wiedeo holt, allerdings ohne Erfolg, auf das gefährliche Rohr aufmerksam gemacht hatten, ergriff Genosse Gebert nochmals das Wort, um Zweifel darüber zu äußern, ob tatsächlich, wie es der Vertreter des Magistrats behauptet hatte, alle Arbeiter vernommen seien und die Angaben der„Gewerkschaft" als falsch bezeichnet hättem Dieser Punkt bedarf jedenfalls noch der Klärung. Iii» übrigen beschäftigte sich die Versammlung nur»nit un- bedeutende» Vorlagen, die des allgemeinen Interesses entbehren. Die Sitzung der Charlottenburger G«werkschaftskommisston vom 4. Oktober nahm zunächst den Kassenbericht voin 3. Quartal entgegen. Hierauf hielt Herr Kohn einen Vortrag über die Be- deutung der freien Fortbildungskurse für Arbeiter, die am Mo» tag, den 1. November, abends 8 Uhr, in der Gemeindeschule 3 zu Charlottenburg, Schlotzstratze 2, wieder beginnen. Es wurde vom Referenten wie von den nachfolgenden Diskussionsredner betont, daß der Rückgang des vorigen Winter« wie auch SommersemcsterS, der auf die wirtschaftliche Krisis zurückzuführen sei. jetzt wieder weit gemacht werden müsse; in den Gewerkschaften müsse mit aller Verve für die nützlichen Kurse agitiert werden. Genosse Flemming behandelte hierauf die im November cr. stattfindenden Delegierten- wählen zur Allgemeinen Ortskrankenkasse für die vereinigten Ge- Werbebetriebe Charlottenburgs. Es wurde vom Redner betont, daß auch hier die Gewerkschaften alle Kraft einzusetzen haben, um die Wahlen zu einem befriedigenden Ergebnis zu gestalten. Ueber die zu entfaltende Agitation für die Jugendbewegung prach der Genosse Gerlach. Genosse Storch besprach den Bier- boykott und ersuchte, die Abmachungen des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftskommission mit dem Aktionsausschuh der Partei strikte zu befolgen. Zum Schluß gab noch der Genosse Graudenz einen Revisionsbericht über die gentralbibliothek. Ohne sich ent- chuldigt zu haben fehlten die Bäcker, Brauereiarbeiter, Gips- und Zementarbeiter und Schmiede. Rixdorf. Mit dem Bau einer Badeanstalt scheint eS der Magistrat noch nicht eilig zu habe»:. Wie aus dem Bericht über die letzte Magistrats- iitzung hervorgeht, erklärte sich der Magistrat damit einver» landen, daß das Schwimmanstaltsgrund stück für den Winter(bis zum I.März 1910) für 400 M. zu Eisbahnzwecken verpachtet wird. AuS dieser Nachricht geht also hervor, datz der Magistrat bis zu dem angegebenen Zeit- pnnkt immer noch nicht gewillt ist, mit dem Bau einer Badeanstalt zu beginnen. Die Rixdorfer Bevölkerung aber hat seit Jahren durch ihre Vertreter dem Verlangen nach einer Badeanstalt energisch Ausdruck gegebem Nach langen Verhandlungen wurde bereits vor zwei Jahren ein Grundstück für diesen Bau ausersehen und im Juni 1908 auch schon 12000 M. für Bohrversuche bewilligt. Diese sollen zwar nach dem Bericht deS Stadtbanrats Kiehl nicht sthr günstige Resultate ergeben haben, aber man war bereit, den Bedarf an Wasser von den Wasserwerken auf grund eines Ab- tommcns zu erniätzigten Preisen zu entnehmen. Nach alledein konnte man annehmen, datz doch min auch endlich mit dem Bau begonnen werde, statt dessen erfährt die Bevölkerung jetzt, datz bis zum März nächsten Jahres gar nicht an die Jnangriffuahine der so notwendigen Badeanstalt zu denken ist. Die einzigste Schwimmanstalt die vor- Händen, entspricht nicht im entferntesten den Ansprüchen, die man gerechterweise an eine Badeanstalt stellen mutz, trotzdem scheint der Magristrat sich bei der Beseitigung dieser Misere noch recht viel Zeit lassen zu wollen. Mit der Zustimmung zum Wahlrechtsraub war er chuellec bei der Hand. Schöneberg. Mit der Aufstellung von Zeitungskiosken wird nunmehr, nach- dem vor einiger Zeit mit Eimvilligung der Stadtverordncten- vecsamiillmig der Vertrag zwischen der Stadt Schöneberg und� der Vereinigten Deutschen Kiosk- und Berliner Trinkhallen-Gesellschaft abgeschlossen worden ist, an verschiedenen Punkten begonnen. Die- selben sollen an folgenden Stellen in Betrieb genominen werden: Nollendorfplatz, Winterfeldtplatz und Hohenstaufen- Ecke Martin- Lntherstratze. Diesen soll dann Ende dieses Monats die Jnbetrieb- nahine des Kioskes auf dein Kaiser-Wilhelinplatz folgen, während derjenige aus dem Viktoria-Luiseplay und»veitere erst später in Aus- ficht genommen sind. Die Kioske sind nach Entwürfen des Herrn Prof. Alfred Grenander voin Kunstgemerbe-Museum, aus Eisen mit gc- schmachvollem Kupferdach und Kachelverzierung hergestellt und werden außer dem Verkauf von Zeitungen, Wochenschristen usw. auch Telephonzellen mit Fernsprech-Antomat enthalten. Der Austritt aus der Landeskirche, der iu letzter Zeit wiederum erheblich zugenommen hat und ganz besonders von den Frauen er- klärt»vurde, macht den frommen Kirchenvätern viel Sorge und Verdruß. Bekanntlich erscheint, sobald ein dahingehender Antrag gestellt ist, irgend ein Abgesandter der Kirche, der seine ganze Redekunst aufbietet, um das angeblich verirrte Schäflein zur alleinseligmachenden Kirche wieder zurückzuführen. Jetzt scheint auch das nicht mehr zu ziehen, man versucht es daher ans anderem Wege, und zwar mit dein Schutzmann. Die verineintliche Angst vor der hochwohllöblichen Polizei soll es also jetzt machen. Wie uns berichtet wird, mühte sich dieser Tage ein Schntzinam» bei Leuten, die AuStnttsanträge gestellt hatten, ab. um sie eventuell zur Umkehr zu bringen, aber auch diese Liebesinühe mar vergeblich. Betrübt mutzte der Hüter des Gesetzes weiterziehen. Es fei darauf Hingelviesen, datz niemand verpflichtet ist, dem Ordnungshüter aus solche Fragen Auskunft zu geben. Im übrigen ist durch das Heranziehen und Mitarbeiten der Polizei zu Arbeiten, die nicht zu ihrer Aufgabe gehören, die so oft aufgestellte Behauptung, datz zu wenig Schutzleute am Orte vor- handen sind, völlig widerlegt. Tegel. In einer gutbesuchtcn BolkSversammlnug referierte Genosse Artur Stadthagen über die neuen Steuern und ihre Wirkungen. Mit scharfen Worten geißelte Redner die Schuldenwirtschaft des Reiches. Kervorgernfen durch das wahnsinnige Wettrüsten zu Wasser und zu Lande. Leider sei auch bei der letzten Finanzreform die grotze Masse der Leidtragende dieser Mißwirtschaft. Mir einen» kräftigen Appell an die Anwesenden zu unermüdlicher Ausklärungsarbeit schlotz Redner unter stürmischem Beifall seine Ausführungen. In der sich an- schließenden Diskussion wurde für Eintritt in den Wahlvercin und zun» Abonnement für den„Vorlvärts" besonders aufgefordert. Genosse Mafia wies ain Schlüsse der Versammlung noch besonders auf die strikte Durchsührung des Schnapsboykotts hin. Tie schulentlassene Jugend ivird darauf aufmerksam gemacht, datz am Sonntag, den 10. Oktober, nachmittags L'/z Uhr. in W. Trapps Festsälen, Bahnhofstr. 1, eine Jugeiidbersamu/lung statt- findet. Puukow. In der ordentlichen Bezirks-Generalversammlung am letzten Dienstag erstattete zunächst Genosse M a s s a- Tegel den Bericht vom Leipziger Parteitag. Im Anschluß hieran legte Genosse Schmidt die Gründe dar, welche die Pankower Funktionär- tonserenz zur Einbringung der bekaniiten von der letzten Niederbarnimer Kreis-Generalversammlung angenommenen Reso- lution veranlaßt hatten. ES sei das einzige Mittel gewesen, uin die für die Parteibeivegnng am Orte verhängnisvollen Folgen der Zurückziehung des von Pankow an den Parteitages ge« stellten Antrages 9 zu paralysieren. Durch die Annahme dcr Rcso» lntion auf der Kreisgeneralversammlung sei den Paiikower Genossen Genugtuung gegeben und damit ein schweres Hindernis für die Wiedergesundung der Partciverhältnisse in Pankow aus dem Wege gerällmt. Erfreulicherweise könne schon jetzt eine günstige Wirkung in dieser Richtung konstatiert werden. In der sich hieran knüpfenden Diskussion wurde mit einer einzigen Ausnahme allseitig der Standpunkt vertreten, datz init dem Beschlutz der Kreisgeneralversammlung der Pankower Konflikt als endgültig begraben zu betrachten und nunmehr wieder mit ganzer Kraft der Kampf gegen den gemeinsamen Gegner aufznnehinen sei. In der weiteren ausgedehnten Debatte über die Parteitagsverhandlungen erklärten sich die meisten Redner mit den» Verlauf desselben bis auf einzelne Ausstellungen zu den Punlten Maifeier und Erbschafts- steuer in, allgemeinen einverstanden. Einige Genossen hätten gcivüuscht, datz die Debatten nicht allzu sehr auf den Ton:„Leise. leise, kein Geräusch gemacht!" gestimmt gewesen wären.— Nach der Erstattiing eines kurzen Situations- und des Kassenberichts encilte sodann die Versammlung den durch das neue Niederbarnimer Kreisstatut notwendig gewordenen Aenderungen in der Organisation des Bezirkes Pankow ihre Zustimmung. Die hierauf vorgenonnnenen Neuwahlen der Funktionäre hatten folgendes Resultat: Bezirksleitung: Otto Schmidt, 1. Bezirks- leiter; Hermann Lesser, 2. Bezirksleiter: Emil Fengler, Schriflführer; Paul Larsen, Kassierer; Richard Beinroth. Abteilungsführer für Nord; Fritz Sasse, Abteilunasführer für Süd und Frau Geschwind, Beisitzerin. Reviforen: Wilh. Brall, Otto Ritzinnnn und Tr. Kirschner; Agitations« kommission: Otto Gütig, Karl Bölter und Artur Neumann; Lokalkoinmission: K. Schirschke, Joh. Rupprecht und Rich. Blank; Zeitungskominission: Aug. Laatz und Emil Hasseier; B i b l i o t h e k k o m m i s s i o n: F. Meitzner. Karl Geschwind und I. Peter; Bibliothekar: Otto Nitzmann. Eingegangene Oruchrebriften. Von der„Neuen Zeit-(Swttgart, Paul Singer) ist foeben da» 2. Hest de» 28. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhal! t Ueber die Bureaukrati«.— Volk- ernährungss ragen. Von A. Lipsins.— Jesus der Rebell, Von Karl KautSky. fSchluß.)— Die Lage dcr Klein- dauern in Schlcswig-Holstein. Von L. Radlos,— Literarische Rundschau: Georg Beyer, Die Kartelle und die Arbeiterschaft. Von dl, dl. Dr. Alessaiidro Per», Dati statistioi o considerazioni su 4014 inf ortuni snl lavoro awenuti dal 19 Marzo al 31 Dioembre 1903 nello Äociaierie e Fernere della Societi Ligure Metnllurgica di Sostri Ponente. Von Oda Olberg. Dr. Hans Plchn, Weltpolitik. Von Karl Radck,— Notizen: Die Berliner Metallgießereien. Von Fr. Kr.— Zeit. schrisienschau.— Bibliographie des Sozialismus. Die.Neue Zeit- erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstallen nnd Kolporleure zun» Preise von 8.25 M, pro Duartol zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet SS Pj. Probenummern stehen jederzeit zur Versüauug, -J» Freie» Ttnuden." Wochenschrist für Arbeiterfamilien, Preis 10 Ps, Verlag Buchhandlung Vorwärts. Berlin. Die Hefte 39 und 40 sind erschienen. „ztommunale Praxis-, Wochenschrist für KomiMinalp olistk und Gemeindesozialismus, Die Hefte 40 und 41 sind erschienen. Abonnement vierteljährlich 3 M, Probenummer» umsonst vom Verlag Buchhand» lung Vorwärts. Berlin.' Dokumente des Fortschritts. 9. Hest. Internationale Revue. Jährlich 11 Hefte 10 M. G, Reimer, Berlin\V. 35. Die Liebe ist so komisch. Eine Berliner Geschichte von Wilhelm Crcmcr, 1. u. 2, Auflage, 187 Seiten. Dr. F. Ledcrmann, Berlin. Enztikiopädlsches Handbuch der Heilpädagogit. Lieferung 1. Von Pros. Dr. Dannemann.(10 Liefer. a 3 M)— SLas soll»nun bei Einrichning einer Zentralhetzuug beachte»? Von M. Knorr. 50 Pf. C. Marhold, Halle a. S. Wie treibt man fortschrittliche Mittelstandspolitik? Von Rechts- anwalt Stockh. Drittes Heft der.Gewerblichen MitteistandSbibliothel-. 15 Pf.— Die Vergebung öffentlicher Arbeiten an Handwerker. Genossenschaften. Vortrag des RcichStagSabgeordnetcn Irl. Düsseldorf, Verlag der MiltelstandSvereinigting sür Handel und Gewerbe. Preis 15 Ps. Die Schönheit. Hest 5, Herausgeber K. Vansclow. Berlin SW. 11. Illustrierte HauSbtbliotyek. Band 1. Modell Z. III. 25 Ps. H. Schneider Nachs, Pößneck». Th. R.-G.-G.-Zeitung Nr. 4. Erscheint monatlich. 6 M. jäbrl. Selbstverlag. Berlin NW. 40. Die Musik. 4. Jahrgang Hest 1. Beethovenhest. 1 M. Schuster a Loefslcr. Berlin W. 57._ Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlaySnnstalf Paul Singer S- Co.. Berlin SW.