Ur. 386. Bbonnements-Bedlngungcn: AkonnementZ> Preis pränumerando i »icrteljährl. SJO SM, tnonatl. 1,10 Mk., wöchenlllch 28 Pfg, frei ins HauS. Sinzeine Nummer 5 Pfg, Sonniaos. nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- Monncment: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Susland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, ' ien, Schweden und die Schweiz. vlchkiiit tSallch auBtr montags. Vevlinev VolksdlcM. 36. Jahrg. Die Insertion!-Ledllhk beträgt für die scchsgcspallene Kolonel» geile oder deren Raum 50 Pfg„ für politische und gcwcrlschasMchc Vereins- und Versammlungs-Anzcigcn 30 Psg. „Stein- Knieigen", das erste ssclt- gedruckte) Wort 20 Psg„ jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- Pcllen-Nnzcigen das erste Wort 10 Pfg„ jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 1° Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rümmer müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfinet Telegramm-Adresse: „SozlaldcmoHrat EcrliD"*, Zentmlorgan der fozlaldemokrati fehen Partei Deutfcblanda. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprechert Amt IV- Nr. 1S83. Sonnabend, den 9. Oktober Expedition: LÄl. 68, Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. das getrunken wird, bedeutet eine Unterfttttznng für die Jnnker und die reaktionäre Regierung. Arbeiter! Genossen! Verweigert Liebesgabe und Steuer! veutiche Molonlallultiz in üeU'Guinca. DaS„Deutsche Kolonialblatt" bringt in seiner ersten Oktobcrnummer au? den deutschen Besitzungen in Neu-Guinea Nachrichten, die der Beachtung durch die Oeffentlichleit zu empfehlen sind. Es handelt sich um den Bericht des Bezirksamtmauns von Hcrbertshöhe über eine Strafexpedition nach den Admiralitätsinselu, die er im April dieses Jahres unternommen hat. Nach Herbertshöhe war die Kunde gelangt, daß der Japaner Komini, eine Art Faktotum der auf den Admiralitätsinseln wie an anderen Punkten von Neu- Guinea hervorragend geschäftstätigen deutschen Handelssirma Hernsheim u. Co., von Eingeborenen der Insel Loniu überfallen und getötet worden sei. Auf diese Nachricht hin dampfte der Herr Bezirksamtmann schleunigst mit dem Polizeimeister und 32 Polizeisoldaten ab und langte am Abend des 29. April in Noru an. Hier hat die Firma Hernsheim eine Pflanzung, von deren Leiter genauere Auskunst über die Ermordung KominiS eingeholt werden sollte. Und nun löst sich das große Ereignis in Wohlgefallen auf. ES stellt sich nämlich heraus, daß die hohe Behörde in Herbertshöhe einer Tatarennachricht zum Opfer gefallen ist, die auf einen schlechten Scherz des HernSheimschen Stationsleiters auf Noru zurückging! Das Dementi war zwar abgesandt worden, das Fahr- zeug war aber unglücklicherweise an der Küste von Neu-Mecklenburg gestrandet. Herrn Komini nun hatten tatsächlich eines Tages Ein- ivohner deS Dorfes Ndrauo tätlich angefallen, weil sie sich in den Besitz einer Schutzwaffe setzen wollten. Er hatte sich aber der An- greiser vermöge seiner Fertigkeit im vaterländischen Dschiu-Dschitsu erwehrt und war völlig heiler Haut davongekommen, ohne weiteren Verlust als den einer Browningpistole und einer Patronentasche! Soweit hat die große Haupt- und Staatsaktion unleugbar einen komischen Anstrich. Aber nun bekommt die Sache doch eine ernst- h a f t e r e Seite. Der Herr BezirkLamtmann von Herbertshöhe spaßt nicht! Wenn auch keine Bluttat verübt ist, so bleibt doch der räuberische Uebcrfall, und die Browningpistole samt der Patronen- tasche muß zurückerobert werden I So setzt also der Herr Bezirks« amtmann seine Strafexpedition munter fort, und der von den Toten auferstandene Japaner Komini ist mit von der Partie. Nach einem beschwerlichen Nachtmarsch durch schwieriges Terrain nähert man sich morgens um 9 dem Ziele: der Ortschaft Ndrauo. In einer neu angelegten Taropflanzung sieht man zahlreiche Männer und Frauen an der Arbeit. Und jetzt hätte man bei der offenbaren Ahnungslosigkeit der Ueberrumpelten zusammen mit den Unschuldigen auch die Schuldigen erwischt, wenn nicht ein schwarzer Soldat aus übermäßigem Diensteifer sein Gewehr zu früh abgefeuert hätte. So alarmiert, flüchtet die ganze Gesellschaft mit solcher Behendigkeit, daß die Verfolgung sich als verlorene Liebesmüh herausstellt und weiter nichts ergibt als das eine oorpus äolioti: die Patronentasche, die von einer flüchtenden Frau weggeworfen worden war! Die Rächer der verletzten Rechts- ordnung ziehen in das verlassene Dorf Ndrauo. Nach den Rechts- begriffen gewöhnlicher Sterblicher verstände es sich von selbst, daß man versuchte, der S ch u l d i g e n habhaft zu werden, besonders des Hauptschuldigen, den man sehr wohl kannte, da man aus KominiS Angaben wußte, daß es sich um einen gewissen Jao handelte, einen früheren HernSheimschen Arbeiter, der zu Komini den Wunsch geäußert hatte, eine Feuerwaffe zu erwerben, und nach Ab- Weisung seiner Bitte daran gegangen war, sich des Gegenstandes seiner Wünsche mit Gewalt zu bemächtigen. Seiner also und seiner paar Helfershelfer hätte man allenfalls habhaft zu werden versuchen mögen. DaS entspricht aber offenbar nicht dem Rechtsempfinden des BczirksamtmannS von Herbertshöhe. Dieser koloniale Kulturträger verfährt vielmehr auf eine Art, die man bei uns zulande allenfalls mit den Gepflogenheiten deS Mittelalters vereinbar findet. Der Herr Bezirksanitmann macht nämlich sämtl icke Einwohner von Ndrauo, Weiber und Kinder eingeschlossen, für den Angriff auf Komini solidarisch haftbar und übt an dieser Gesamtheit Faustrecht I Er schreibt in seinem Bericht: „Im Dorf wurde niemand angetroffen. Wir mußten uns damit begnügen, daS aus fünfzehn Hütten bestehende Dorf abzubrennen, die wenigen Betel- und Kokospalmen abzuhauen und die Schweine, die in ziemlicher Zahl in der Nähe des Dorfes herumliefen, abzu- schießen. Diese Bestrafung erscheint mit Rücksicht darauf, daß der Angriff auf Komini kein Blutvergießen gekostet hatte, als genügend(!) und wohl durch die Naschheit des Eingreifens auch geeignet, eine nach- haltige Wirkung zu erzielen." Der Herr Bezirksamtmann hält eS also noch für nötig, sich wegen der Milde seines Vorgehens zu rechtfertigen l Von der Kolonialknlwr nicht beleckte Leser seines Berichts möchten aber lieber von ihm vernehmen, wie er dazu kommt, ohne Feststellung der Schuld sämtliche Einwohner von Ndrauo— Weiber und Kinder ein- geschlossen— mit Zerstörung ihres Obdachs und ihrer Haupt- uahrungsquellem heimzusuchen. Liebt der Herr BezirkLamtmann von Herbertshöhe gegenüber den Insulanern eine kräftige Justiz, so kann er aber auch anders. In einem Falle, wo es sich um Vertreter der.Zivilisation' und ihre Werkzeuge handelte, hat er— gleich nach dem Zerstörungswerk von Ndrauo— gezeigt, daß er auch eiiz nachsichtiger Nichter sein kann. In Betracht kommt dabei wieder der unvermeidliche Herr Komini von der Firnm Hörnsheim u. Co. und ein indischer An- gestellter Bal Sing. Herr Komini legte unter Assistenz von Bal Sing auf der östlichen Hälfte der Insel Ponam, die einige 29 Seemeilen von Noru entfernt liegt, für die Firma Hörnsheim eine Palm- Pflanzung an. Da hat nun Bal Sing, der Angestellte Kominis und der Firma Hernsheim, im November vorigen Jahres einen Ein- geborenen erschossen, den er mit einer Axt in Begleitung zweier Eingeborener abends in der Pflanzung traf.„Bal Sing be- hauptet,' wie der Herr Bczirksamtmann schreibt,„in Notwehr gehandelt zu haben, da die Leute auf seinen wiederholte Anruf nicht stehen blieben und er einen Angriff von ihnen befürchtet habe." Diese Behauptung des Herrn Bal Sing wird eincin Durchschnitts- verstände nicht ganz einwandfrei erscheinen; wohl aber erschien sie so dem Herrn Bezirksamtmann von Herbertshöhe, der in seinem Bericht fortfährt:„Eine Bestrafung Bal Siugs erschien mit Rück- ficht hierauf'— nämlich auf die Behauptung Bal Sings—«nicht angebracht.' Das einzige, was geschieht, um der Wiederholung ähnlicher Bluttaten vorzubeugen, ist eine Verwarnung der— Eingeborenen, die Pflanzung nicht ohne Grund, insbesondere nicht zur Nachtzeit zu betreten. Der nicht kolonial-juristisch geschulte Laie kommt nicht über die Tatsache hinweg, daß ein Unterschied ist zwischen der Ahndung der vermeintlichen Bluttat der Eingeborenen von Ndrauo und der wirklichen Bluttat deS HernSheimschen Plantagencerberus Bal Sing, und daß hier offenbar nicht mit demselben Maß gemeffen wird. Aber gewiß würden unsere kolonialen Handhaber der Ge- rechtigkeitspflege ebenso entrüstet sein, wenn man ihnen nachsagte, daß sie Rassenjustiz übten, wie unsere einheimischen, wenn von K l a s s e n j u st i z gesprochen wird. Zum Aahlkampf. Ein Blöckchen in Moabit? DaS„Berk. Tagebl.' schreibt: „Ein sogenanntes„Kompromiß' soll im zwölfte» Berliner Landtagswahlkrcise für die bevorstehende Nachwahl auf dem Marsche sein. In einer Versammlung, die gestern der konservative Wahl- ausschuß nach den„Hohenzollcrn-Sälen" einberufen hatte, wurde eine Einigung aller bürgerlichen Parteien dringend be- fürwortet. Bekanntlich kandidieren gegen den Sozial- demokraten H 0 f f m a n n Prediger R u n z e für die Frei- sinnige Volkspartei, Professor Leidig für die National- liberalen und Eisenbahnsekretär L i e b i g für die Konservativen. Wie erklärt wurde, haben die Nationalliberalen die geringsten Chancen, mit ihrem Kandidaten durchzudringen. Es besteht, so erklären die Führer der Konservativen in Moabit, Aussicht, daß sowohl bei den Konservativen wie bei den Nationalliberalen ihre Kandidaten zugunsten eines gemeinsamen Kandidaten, der auch der Freisinnigen Volkspartei genehm wäre, zurückgezogen werden. Dahingehende Ber- Handlungen seien jetzt zwischen den Parteien angeknüpft und man versprecht sich davon den„besten Erfolg' für den Ausfall der Wahlen.— Also weil die beiden reaktionären Kandidaten ihre FiaSko vor Augen sehen, deshalb sollen— oder wollen?— die Freisinnigen ihren bisherigen Kandidaten fallen lasten und den Reaktionären einen ihnen paffenden Kandidaten präfen- tieren?' Danach stände also die Neubildung eines konservativ- antisemitisch-freisinnigen Blocks oder Blockchens für Moabit in sicherer Aussicht! Zur Zeit des HottentottenblockS wäre solch schäbiger Kompromiß- Handel für den Freisinn zwar immer noch schäbig genug gewesen. er hätte aber wenigstens im Zuge der Zeit, im Einklang mit der ganzen politischen Konstellation gelegen. Nachdem aber der Block dadurch ein für den Freisinn so un- säglich blamables Ende gefunden hat, daß die Konservativen den Freisinn mit einem Tritt in die Reversseite aus dem Block heraus- beförderten und sich dafür das Zentrum als Ersatz hereinholten, wäre das Z u k r e u z e k r i ch e n des Freisinns vor den Konservativen in Moabit ein Akt p 0 l i t i s ch e r S e l b st- ent Würdigung, wie er jammervoller noch nicht dagewesen wäre! Man vergegenwärtige sich doch nur die Situation: Der aus allen Blockillusionen so brutal herausgerissene Freisinn er- erkannte nach der Wiedervereinigung von Konservativen und Ultra- montanen leider zu spät, daß der Konservatismus auch von den ininimalsten Zugeständnissen an das liberale Programm nichts wissen will, daß er der abgesagte Feind nicht nur jedes auch nur entfernt demokratischen Wahlrechts, sondern auch jeder gering- fügigsten Heranziehung des ländlichen Kapitals zu den Steuern ist. Und diesen erzreaktionären Elenientcn zuliebe will der Freisinn im 12. Berliner Wahlkreise auf seine Kandidatur verzichten, ihnen zuliebe will er einen politischen Zwitter aufstellen, der auch den Konservativen und Nationalliberalcn genehm ist! Wenn der Freisinn der Sozialdemokratie einen Gefallen tun will, mag er getrost sich auf das Kompromiß eiulaffen l » Freisinn und Lehrer. Die Lehrer haben es allmählich satt bekommen, einfach die allezeit gefügige Gefolgschaft des Freisinns zu bilden, da der Freisinn, der im L a n d t a g so scheinheilig in Lehrer- freundlichkeit macht, es in den Kommunen, wo er seine orderungen verwirklichen könnte, gar sehr an ehrerfreundlichkeit fehlen läßt! Aber der Freisinn ist auch im Landtag selbst nur ein höchst schwächlicher Vertreter der Rechte der Lehrer ge- wesen. Als im Mai d. I. die Maßregelungen der Lehrer Brandau und K i m p e l im preußischen Abgeordnetenhause zur Debatte standen und es darauf ankam, auch für die Lehrer das Recht der uncingeschränkten staatsbürgerlichen Gleichberechtigung zu vertreten, versagte der Freisinn wieder einmal völlig. Der sozialdemokratische Abgeordnete Ströbel geißelte das traurige Verhalten des Freisinns am 19. Mai folgendermaßen: „Ich brauche Sie nur daran zu erinnern, daß in den letzten Tagen die Fälle Brandau und K i m p e l verhandelt sind. Es sind Lehrer gemaßrcgelt worden, weil der eine in einer Ver- sammlung gesprochen hat, und an dieser Versammlung auch ein sozialdemokratischer Redner. Dr. Ouarck, sich beteiligt hat; und der andere Lehrer ist gemahrcgelt worden, weil er auf die Frage, waS bei einer Stichwahl zwischen einem Sozialdemokraten und Antisemiten zu tun sei. die Erklärung abgegeben hat, daß unter keinen Umständen ein Antisemit gewählt iverden dürfe. Deswegen wurden die Lehrer gemaßregelt. So üben Sie auch Terror gegen die Lehrer, so suchen Sie den Lehrern und alle» Beamten und Staatsarbeitern, vielen Hunderttausenden in Preußen, das freie, ihnen nach der Lcrfaffung zustehende Wahlrecht zu cSkamotieren.... Es war überaus traurig, daß bei der Erörterung deS Falles Kimpel sich keine Partei auf den prinzipielle» Standpunkt gestellt hat, daß der Terror gegen die Beamten unter allen Umständen jrn verurteilen fei, daß den Beamten unter allen Umständen das Recht zustehe, auch sozialdemokratisch zu wählen. Ich konstatiere, cS hat das keine einzige Partei erklärt, nicht einmal die freisinnige Partei, von der man es doch hätte erwarten solle», aber allerdings nach ihren Taten in den letzten Jahren nicht er- warten konnte.' Den Lehrern das Recht absprechen wollen, auch sozial- d e m 0 k r 0 t i s ch zu wählen, wenn das ihrer Ueberzeugnng entspricht, heißt das Recht ihrer ehrlichen Neberzeugung mit Füßen treten, heißt für sie das verfaffiittgsmüßige Recht außer Kraft setzen! Unser Freisinn aber dachte gar nicht daran, die vcrfassungS- mäßigen Rechte der Lehrer zu verteidigen! Sie llnISsbAre IWe. Aus Wien wird uns vom 5. Oktober geschrieben: Das Schicksal der ungarischen Krise wird sich bald erfüllt haben: sie wird als unlösbar erkannt werden und ungelöst bleiben. Immer deutlicher wird es. daß die Krise, die mit der ersten Demission der Koalitionsregierung im März be- gönnen hat, mit der Einsetzung eines außerparlamentarischen Kabinetts beendigt werden wird, womit sie freilich nicht zu Ende kommt, vielmehr erst recht anheben muß. Die Krise besteht darin, daß der Reichstag, wie er heute beschaffen ist, für seinen Willen nicht die Zustimmung der Krone findet, die Krone für ihre Absichten keine Mehrheit auf- zubringen vermag, und zwar weder in diesem Hause, noch in welchem immer, das aus Neuwahlen hervor- gehen kann. Deshalb wird der Konflikt den Charakter an- nehmen müssen, daß beide Teile die Probe darauf machen werden, wer es länger aushält, die Krone oder die Reichstagsinehrheit, die Unabhängigkeitspartei; wer so lange warten kann und zu warten entschlossen ist, bis der andere Teil verzichtet. Mit der Einsetzung eines als Provisorium gedachten farblosen Uebergangskabinetts niag die Sache be- ginnen, aber mit einer Neuauflage des Kampfministerünns Fejervary wird sie bald fortgesetzt werden. Ganz unwahr- scheinlich ist es, daß auch nur die bescheidenste wirkliche Lösung gelingen kann. Der Konflikt knüpft an bestimmte Differenzen an— wie man weiß: an die über die Bankgemcinschaft, die die Krone nicht aufgeben kann, die Unabhängigkeitspartei aber beseitigt sehen will— aber im Kerne bleibt es das alte Zertvürfnis: der Gegensatz zwischen den staatskonservativen Tendenzen der Dynastie auf der einen Seite, die in der dualistischen„Zer- reißung' den Endpunkt der ungarischen Selbständigkcits- bewegung erblickt und festgesetzt haben will und den Un- abhängigkeitsbcstrebungen der Ungarn, die den Dualisinus als Ausgangspunkt ansehen, der seinen Schlußpunkt erst in der Personalunion finden möge, die außer der Gemeinsamkeit des Herrschers der ungarischen Staatlichkeit keine Schranken setzt. Wohl ist von diesen allsgreifenden Zielen jetzt keine Rede, vielmehr hat die Unabhängigkeitspartei in den Wein ihres Programms schon genug Wasser der polt- tischen Opportunität geschüttet; aber die Krone zaudert doch In der Uebergabe der Regierungsg'ewalt an die Un- abhängigkeitspartei weiterzugehen, als sie mit der Koalitions- regierung gegangen ist. Einen Versuch, die gegenwärtige Machtverteilung aufrechtzuerhalten, hätte der Entwirrungs- Plan Weierles geboten, der der Krone alles beistellen wollte, was sie begehrt und sich als Entgelt mit mehr oder minder dekorativen Konzessionen begnügt hätte. Es hätte die Bank- gemeinschaft(die nur auf einem Vertrag beruht, der Ende deS nächsten JahreS abläuft) für die Dauer des Handels- Vertrages beider Staaten, der die Einheit deS Staats- und Zollgebietes begründet, verlängert werden sollen, wofür sich Oesterreich zu der sogenannten Aufnahme der Barzahlungen(die Verpflichtung der Zettelbank, die ausgegebenen Noten auf Ver- langen in Gold einzulösen, ist jetzt sisttert) zu verpflichten gehabt hätte. Weiter wollte nian der Krone die glatte Honorierung deS Annexionsabentcuers mit den dazu gehörigen Neuforderungen des Militarismus verbürgen und den Preis für die patriotische Tat, nämlich nationale militärische Kon- Zessionen, wodurch Magyarien ipr Gcfüge der Armee eine schärfere Ausprägung erhielte, recht billig stellen. Auch in Sachen der Wahlreform präsentierte Weckerle ein nach Auf- fassung des herrschenden Klüngels kulantes Angebot! nämlich allgemeines Wahlrecht, verfälscht„nur" durch eine Pluralität von zwei Stimmen(wogegen der Andrassysche Entwurf drei Infamien enthielt), also eine Wahlreform, die schein- bar dem Begehren der Krone Rechnung trägt, aber die Er- Haltung der gegenwärtigen Mehrheit des Abgeordnetenhauses ganz zweifellos garantiert. Der Eindruck ist nicht abzuweisen, daß der alte Kaiser der Lösung des Weckcrleschen Vorschlages keinen besonderen Widerstand entgegengesetzt hätte; aber die Politik der Krone wird heute in Oesterreich nicht wenig auch vom Thronfolger bestimmt, der jeder Schwächung des Ge- samtstaates entschieden widerspricht und sich auf Kompromisse, von denen man nicht weiß, wohin sie führen, nicht einlassen mag. Herr Weckerle ist also aus der Hofburg mit leeren Händen gekommen und so hat sich Kossuth, der zu ihm sicher gestoßen wäre, wenn irgendwelche Konzessionen in Sicht gewesen wären, auf die andere Seite geschlagen. WaS er von der Krone fordert, ist wenig oder viel: je nachdem man die Gegenwart oder die Zukunft in Anschlag bringt. Kossuth will nänilich auf alle Konzessionen verzichten und verlangt nichts als eben die Auslieferung der Macht an seine Partei: womit freilich in aller Zukunft das Spiel für die Krone endgültig verloren wäre. Die Krise stockt nun; da aber die Krone für ihr„Programm", wonach alles beim alten bleiben soll, keine Mehrheit im Reichs- tag findet, die Mehrheit des Reichstages für ihr Programm die Zustimmung der Krone nicht erlangt, so wird der Rest ein Ministerium ohne Reichstag und gegen den Reichstag fein. Die Unnatur des Gebildes, das sich Oesterreich-Ungarn nennt, wirb wieder einmal in voller Grellheit sichtbar. Doch hat die Krone die günstige Positton, die ihr Fejcrvary und Kristoffy verschafften, heute nimmer. Denn heute ist das, was sie von Ungarn verlangt, nicht mehr die Wahlreform, ist etwas anderes, ist der Verzicht auf die finanzielle Selbständigkeit und die Bewilligung der militari- schen Neuforderungen. Dieses„Königsprogramm" wird aber in Ungarn verflucht wenig Anziehungskraft üben. Der Grund- fehler der Politik, die sich imperialistisch nennen möchte, war eben, daß die Krone der dreijährigen Verschleppung der Wahl- reform gleichgültig zusah und sich ihrer erst erinnerte, als die Großmachtsintercssen in Frage kamen. Nun ist der Zweifel nicht mehr zu verscheuchen, daß es der Krone mit der Wahl- reforni nicht ernst ist und sie ihr nie mehr war, als ein Mittel zum Zweck: dazu, die Koalisionsherren für die Großmachts- interessen gefügig zu machen. Aber so ist der Widerstand der magyarischen Oligarchie nicht zu brechen. Das bayeriiche IBinitterium auf der flnhlagebanh. . l- Mlinchen, S. Oktober. .< In dir heutigen Sitzung des Landtags kam nach einer Jnter- pellation der Liberalen wegen der Verheerungen des EauerwurmS im pfälzischen Weinbaugebiet die sozialdemo- kratische Interpellation wegen der Nichtausführung der von der Kammer einstimmig gefaßten Beschlüsse zur Verbesserung der Verhältnisse der Staats» arbeiter zur Verhandlung. ES war ein langes Register von Unterlassungssünden, das unser Genosse Roßhau pter in vortrefflicher und wirkungs- voller Rede dem bayerischen Gesamtministerium vor Augen führte. Die Sozialpolitik hat sich im bayerischen Parlament eine Position erobert; das merkte man an der Ruhe und Aufmerksamkeit des HauseS. Es war nicht immer so. Die bürgerlichen Parteien mußten durch die Sozialdemokratie zur Beachtung der Verhältniffe der Staatsarbeiter erst erzogen werden. k»- In der vorigen Session hatte die Kammer der Abgeordneten nach Ablehnung der weitergehenden Anträge der sozialdemokratischen Fraktion sich einstimmig auf eine � Reihe von Forderungen zugunsten der Arbeiter geeinigt. Dieses Mindest-Sozialprogramm verlangt Minimallöhne, die nicht unter die ortsüblichen Tagelöhne heruntergehen dürften. TpS Programm enthielt weiter Bestimmungen über die Arbeitszeit, über Tarif. Verträge zwischen Arbeiter und Werkleitung in staatlichen Betrieben, über Beschränkung des Nachtdienstes, über Urlaubsbewilligung und anderes mehr. Von diesem ganzen Programm hat das Ministerium bis jetzt noch nicht ein Zehntel in die Praxis umgesetzt. Bei der Gehaltsregelung der Beamten ging alle? sehr fix. Hierbei den Arbeitern ließ man fast alles hängen. Bei der Forstverwaltung bestehen heute noch Grundlöhne von 2 M. und Arbeitszeiten von 12 und ckö Stunden. Der Ministerpräsident beantwortete die Interpellation: Man dürfe nicht vergessen, daß ein Gesamtbeschluß des Landtages nicht zustandegekommen wäre. Die„hohe Kammer der Reichsräte" habe die Anträge abgelehnt. ES lägen also nur Wünsche der Zweiten Kammer vor. Und die Regierung hätte einen Teil be- reitS erfüllt, der andere Teil sei„in die Wege geleitet". Also in die Wege geleitet. Da dauert es nach dem bayerischen Tempo in der Fürsorge für die Arbeiter wohl noch einige Jahre, bis die Beschlüsse der Abgeordneten voll zur Durchführung gelangt sind. Einzelheiten ließen sich im Rahmen der Interpellation nicht besprechen, meinte der Ministerpräsident und schlüpfte so über daS ganze unbequeme Tatsachenmaterial hinweg, das Roßhaupter vorgetragen hatte. München. 7. Oktober. Die Debatte nahm heute ihren Fortgang. Vom Zentrum gingen die Arbeitersekretäre ins Treffen. Man hörte es deutlich heraus: ES war den Herren recht unangenehm, daß die Sozial- bemokraten wieder einmal früher aufgestanden sind. Aber sie mußten bestätigen, was Genosse Roßhaupter konstatiert hatte. YM hiß hchden WMen Grendingep und Hübsch faOeg scharfe Worte gegen die Untätigkeit der Regierung. Mn sozialdemokratischer Seite griffen noch Timm und S e g i tz wirksam zur Abwehr der Zentrumsangriffe in die Debatte ein. Die Vor- würfe von allen Seiten des HaufeS lockten endlich auch die Minister- Exzellenzen hervor. Ihre Antworten auf die Fragen der Abge- ordneten waren etwas weniger diplomatisch als die des Minister- Präsidenten, aber gerade so unbefriedigend. Die Durchführung der Anträge koste viele Millionen, die nicht zur Verfügung ständen. Es würden Jahre vergehen, bis alle Wünsche erfüllt wären. Die Minister betrachten die Beschlüsse des Hauses als ein Zukunfts- Programm, dessen Punkte nur nach und nach verwirklicht werden könnten. Durch diese Erklärung ist festgestellt, daß die Regierung vollständig anderer Ansicht ist als das Haus der Abgeordneten, und daß tatsächlich das„papierne Wohlwollen" sehr groß, das Wohl- wollen der Tat sehr klein ist. Und so wird es für die nächste Zu- kunft in Bayern auch bleiben,, •,• Im Vordergrunde der heutigen Debatte stand die Matz- regelung eines Ingenieurs der Augsburger Maschinenfabrik. Der Hergang ist kurz folgender: Der Ingenieur B. ist organisiert im Tcchuikerverbande und agitierte Ende Juli bei den Vertreterwahlen zur Handelskammer für die Kandidatenliste des Verbandes. Die Leitung der Augsburger Maschinenfabrik, längst bekannt durch ihr brutaleS Vorgehen gegen die Organisationen der Arbeiter und Angestellten, entließ den Ingenieur ohne Kündigung, und zwar am Tage der Vertreter- wählen, als vorauszusehen war, daß die von der Fabrikleitung vor- geschlagene Liste in der Minderheit bleiben würde. Die Maschinen» fabrik Augsburg suchte nach außen den Anschein zu erwecken, als ob die Entlassung nicht wegen der Organisationszugehörigkeit, son- dcrn wegen ungehöriger Agitation in der Fabrik erfolgt wäre. Sie will um keinen Preis die Ansicht aufkommen lassen, als ob sie das Koalitionsrecht der Angestellten mißachtet hätte. Der Grund liegt nahe. Die Fabrik lebt zum großen Teil von den Aufträgen der bayerischen Staatsregierung. Diese aber hat der Kammer der Abgeordneten zugesagt, d a ß k e i n Privatbetrieb Staatsaufträge erhalte, der seinen Arbeitern nicht volle Koalitionsfreiheit gewähre. Also darum darf keine Maßregelung wegen der Ausübung deS Koalitionsrechts vorliegen. In der Diskussion herrschte volle Uebereinstimmung im Hause in der Verurteilung des Vorgehens der AugSburger Maschinen- fabrik. Genosse Rollwagen ging mit der Direktion der Augs- burger Maschinenfabrik scharf ins Gericht. Er wies nach, daß die Fabrikleitung schon seit Jahren das Koalitionsrecht der Arbeiter und Angestellten mit Füßen tritt, daß die Fabrik eine Brutstätte der gSlben Gewerkschaften ist und daß in ihr in schamloser Weise ein Denunziantentum widerwärtigster Art groß geworden ist. Da- für erbrachte ein Zentrumsredner später den aktenmäßigen Beweis. Die Staatsregierung, die Hüterin der Gesetze, gab wieder eine diplomatische Erklärung ab. Es stände noch nicht fest, ob die Fabriksdirektion wirklich das Koalitionsrecht der Angestellten miß- achtet habe. Ohne diese einwandsfreie Feststellung aber könne die Regierung nicht der Fabrik die Staatsaufträge entziehen. ES ist erstaunlich, wie naiv eine Staatsregierung sein kann, wenn es sich um die Wahrung der Interessen der Fabrikanten handelt. Die Staatsregierung glaubt doch wohl selbst nicht, daß eine Fabriks- dircktion, die Staatsaufträge zu verlieren hat, so polizeiwidrig dumm ist, eine Verletzung des Koalitionsrechtes offen zuzugeben. Würde die Staatsregierung der Stimmung des Hauses und der Oeffentlichkeit gebührend Rechnung tragen, dann dürfte dieser Fabrik keine Arbeit mehr zugewiesen werden. Das wird aber nicht geschehen. Die Fabriksleitung wird die Vcvhandlungen zur Notiz nehmen und daS nächstcmal noch vorsichtiger bei der Wahrung des Scheins sein. Maßregeln wird sie aber doch. politifcke GebcrHcbt. Berlin, den 8. Oktober 1909. Preußischer Fortbildungsschultag. In Danzig begann heute der Preußische Fortbildungsschultag. AlS erstes Thema stand auf der Tagesordnung die Besoldung der preußischen Fortbildungsschullehrer. Herr Mantel-Brcslau refe- rierte und stellte folgende Hauptforderungen auf: Alle Dienstbezüge der hauptamtlichen FortbildungSschullehrer müssen grundsätzlich denen der staatlichen Handelslchrer, sowie der technischen Lehrer an den Maschinenbauschulen und cm den Kunstgewerbe- und Handwerkerschulcn gleich sein. Die Alters- zulagen insbesondere müssen in den gleichen Zeitabschnitten gc- währt werden. Die Entschädigung für die an Fortbildungsschulen neben- amtlich beschäftigten Lehrpersonen muß überall die gleiche sein und in einer zährlichen Pauschalsumme gewährt werden, die für die Wochenstunde während der ersten fünf Jahre 120 M., während der folgenden fünf Jahre 140 M. und während der ferneren Dienstzeit IM M. beträgt. Der Vorsitzende, Direktor Hasse, widersprach im Namen des Vorstandes diesen Forderungen. Ebenso erklärte sich auch Ober- bürgermeister Cuno-Hagen dagegen. Schließlich verständigte man sich auf nachstehende Forderungen: 1. DaS Dienstcinkommen der hauptamtlichen Lehrer und Direktoren muß sich zusammensetzen aus Grundgehalt, Alters- zulagen und Wohnuiigsgeldzufchuß.(Letzterer ist nach der ent- sprechenden Ortsklasse zu bemessen.) 2. Alle Dienstbezüge der hauptamtlichen FortbildUngsschul- lehrer müssen grundsätzlich denen der staatlichen Handelslehrer sowie der technischen Lehrer an den Mvschinenbauschulen und an den Kunstgewerbe- und Handwerkerschulen gleich sein. Die Alterszulagen insbesondere müssen in den gleichen Zeitabschnitten gewährt werden. Es ist wünschenswert, daß bei der Anstellung von hauptamtlichen Lehrern, die aus der Praxis hervorgehen, diesen das gleiche Diensteinkommen gewährt wird, wie den Kol- legen aus dem Berufslehrerstande. 3. Den Direktoren der Fortbildungsschulen ist das gleiche Diensteinkommen wie den im Absatz 2 genannten zu gewähren. 4. Die Entschädigung für die an kaufmännischen, gewerb- lichen und landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen nebenamtlich beschäftigten Lshrpersonen muß mit einer jährlichen Pauschal- .summe von wenigstens 100 M. pro Stunde gewährt werden. b. Den nebenamtlichen Lehrern ist folgende Entschädigung zu gewähren: bis zu 100 Schüler 200 M., von 3 zu 3 Jahren steigend bis zu 300 M., von 101 bis 200 Schülern 400 bis 600 M., von 201 bis 300 Schülern 600 bis 900 M., von 301 bis 500 Schülern 800 bis 1200 M.. über 600 Schüler 1000 bis 1S00 M. Vom„Bund der Landwirte". Der Abgeordnete Dr. Böhme geht dem Bund der Landwirte, seinem einstigen.Arbeitgeber", scharf zu Leibe. Die vom.Deutschen Banenibund" herausgegebene Korrespondenz stellt Untersuchungen darüber an, wer denn eigentlich die Leitung deS Bundes der Landwirte in der Hand habe, da fortgesetzt behauptet werde, daß dem Bunde nur 2000 Großgrundbesitzer angehören, die gegenüber de» 314 000 anderen Mitgliedern gar nicht in Frage kommen könnten. An der Spitze der Provinzialorganisationen des Bundes der Land- Wirte stehen 21 Vorfitzende und 27 Stellvertreter. Unter diesen 43 Führern des Bundes der Landwirte sind 1 MajoratSherr, 1 Fidel» kommisherr, 25 Rittergutsbesitzer, 1 Major(End eil), 1 Rittmeister, 1 Graf(Oriola), 1 Freiherr, 2 Domänenpächter. 11 Gutsbesitzer, 2 Gutspächter, 1 Oberamtmann, 1 Amtsvorsteher. Daraus geht klar und deutlich die Nichtigkeit der von der .Deutschen Tageszeitung" stets bestrittenen Tatsache hervor, daß der Bund der Landwirte von den Großgrimdbesitzem geleitet wird. Die Mitglieder werden von den Führern des Bundes lediglich als Stimmvieh betrachtet._ Hansabund. In Berlin erscheint seit kurzem ein Blatt, das sich„Organ für die Interessen der gesamten deutschen Hansabetvegung" nennt. Als Redakteur zeichnet ein„zurzeit in Neustadt am Riibeuberge" wohnender Herr. Die Leitung des Hansabnndeö teilt mit, daß das betreffende Blatt mit dem Hansabund nicht den geringsten Zusammenhang hat._ Streikjustiz. Wie der Telegraph schon gemeldet hat, wurde am Dienstag vom Schwurgericht in Kiel der Arbeiter Ziegler wegen Landfriedens- bruchö und Gewalttätigkeiten gegen Arbeitswillige zu ein ein Jahr Zuchthaus verurteilt. Die Anklage gründete sich ans einen Zusammenstoß zwischen Streikenden und Arbeitswilligen beim Streik der städtischen Arbeiter. Ziegler wurde dabei von den Arbeitswilligen in die Brust geschossen. Er lag längere Zeit im Kraulenhause, wo die Kugel aus der Brust entfernt wurde. Die Staatsanwaltschaft konstruierte aus dem Vorfall eine Anklage wegen Landfriedensbruchs und Gewalttätigkeiten gegen Arbeits- willige wider die Arbeiter Jvers, Klein und Z i e g l e r. Diese drei sollen nach der Anklage mit insgesamt zirka 12 Mann, wovon die übrigen nicht erkannt worden sind, einen Ueberfall auf Arbeits- willige verabredet und ausgeführt haben. Die Bclveisaufuahine ergab, daß den Angeklagten Jvert und Klein eine Beteiligung nicht nachgewiesen werden konnte, während der Angeklagte Zieglor be- sonders durch die Aussagen von fünf Arbeitswilligen belastet wurde, die aussagten, daß Zicgler geschlagen habe, worauf der eine Arbeits- willige geschoffen habe. Selbst dem Staatsanwalt kam der Gedanke, daß mildernde Umstände vorlagen. Und sie waren vorhanden. Denn nur aus der ganzen Situation beim Streik und der Aussperrung der städtischen Arbeiter ist das Vorgehen des Angeklagten Ziegker zu verstehen. Schon beinahe 4Wochen hatte zurZeit de» Zusammenstoßes dcrStreik gedauert, alle Versuche, zu einer Einigung zu kommen, waren an dem Autoritäts- koller des Magistrats gescheitert. Hunderte von Arbeitswilligen waren herangezogen worden, die, mit gefährlichen Mordwcrkzeugen ausgerüstet, fast täglich bald hier bald dort die Streikenden und Ausgesperrten provozierten. Die bürgerlichen Geschworenen mußten für JverS und Klein auf Nichtschuldig erkennen, weil keinerlei Be- weis für ihre Schuld erbracht war, für Ziegler aber lautet ihr Urteil auf Schuldig unter Bernetnung der mildernden Umstände. In dem VorstellungSkreiS dieser dem Unternehmertum angehörenden und nahestehenden Personen hat der Begriff„mildernde Umstände" bei Streikvergehen, und gar erst bei einem Streik städtischer Arbeiter, keinen Platz. Durch den Spruch der Geschworenen war das Gericht ge- zwungen, auf Zuchthausstrafe zu erkennen, während bei Anerkennung von mildernden Umständen eine Mindest st rafe von sechs Monaten Gefängnis möglich gewesen wäre. Das Gericht erkannte auf ein Jahr Zuchthaus— die Mindeststrafe, weil. wie der Vorsitzende ausführte, der Angeklagte schon dadurch schwer gestraft worden sei, daß er einen Schuß in die Brust erhalten habe — rechnete ihm aber die drei Monate Untersuchungshaft nicht an. Einige Genossen haben in diesen Tagen eine eigentümliche Samm- lung zusammengestellt. Die Sammlung enthält die verschiedensten Hiev- und Schußwaffen, die während des Streiks und der Aussperrung Arbeits- willigen abgenommen worden sind: Gummischläuche der ver- schiedcnsten Konstruktion, darunter ein Instrument— und gerade diese sind in Massen in den städtischen Betrieben selbst hergestellt worden—, daS mit Kupferdraht umwickelt ist und am Ende in eine Schraubenmutter ausläuft. Ein Schlag mit diesem Instrument ge- nügt, jemanden den Schädel einzuschlagen, Revolver von ver- schiedenstem Kaliber, Dolchmesser und Patronen. Für den An- schauungsunterricht für die Geschwörenen hätte diese Sammlung im Gerichtssaal vielleicht gute Dienste geleistet. Im übrigen beweist das Urteil, daß eS auch ohne Zuchthaus- gesetz geht, wenn man nur schneidige Staatsanwälte und geeignete Geschworene hat!_ Zentrumshenchler. Die„Frankfurter Zeitung" nimmt Kenntnis von der Schilde- rung des„Vorwärts" über die Handhabung des Reichs- Vereinsgesetzes bei der Reichstagswahl in Koblenz-St. Goar. Mit solchen Entscheidungen, meint das Blatt, setze sich di« Behörde in schroffen Widerspruch zu den Ab- sichten der Gesetzgebung und dem Sinne deS Gesetzes, eine solche Handhabung sei der reine Hohn auf daS VereinSgcsetz. Die„Trierische LandeSzeitung" erwidert darauf: Dafür möge sich die„Frankfurter Zeitung" bei ihren liberalen Freunden bedanken.„Ihr habt es so gewollt, dieses Gesetz, auf das die Liberalen noch immer so stolz sind." DaS ist wieder mal eine der bekannten Heucheleien, an denen das Zentrum so reich. Wir wollen nicht untersuchen, wie das Reichsvcreinsgesetz ausgefallen wäre, wenn es der konservativ-ultramontane Block geschaffen hätte. DaS aber wissen wir: die Ultramontanen segnen offen oder im stillen jede Gewaltmahregel der Behörde, die dazu dient, den Sozialdemokraten in den frommen Gefilden des Zentrum? die VersammlungSgclegenheit zu beschränken. Und nicht nur das: Wenn das Zentrum die Maßnahmen der Behörden verurteilte, könnte eS derartige Eingriffe in die staatsbürgerlichen Rechte ja wieder gut machen, indem eS uns seine Lokale für Versammlungen freigäbe. Aber daran denkt das Zentrum nicht, es sorgt im Gegen- teil mit viel größerem Eifer als die Behörde dafür, daß uns die Möglichkeit, von dem Vercinsgesetz Gebrauch zu machen, versagt wird, indem eS uns, wie gerade die Vorgänge im Wahlkreise Koblenz-St. Goar gezeigt haben, mit allen Mitteln der Gewalt und der Tücke die Lokale abtreibt! Der schwarzen Polizei gebührt in dieser Beziehung weit der Vorrang vor der blauen. Eine schwere ütvsuhr. hat sich das Zentrum in Stuttgart geholt. Zur Verherrlichung der Finanzreform des Schnapsblockes hatte eS den mundgewaltigen Herrn Erzberger aus Bnttenhausen, Oberaint Münzingen» her» beigeholt. Einem etwas kräftigen Drucke der öffentlichen Meinung nachgebend, mußte die Leitung der Zentrumspartei auch Mitgliedein anderer Parteien Zutritt zu der Versammlung gewähren. Der Vorsitzende, der ultramontane Vizepräsident der württembergischeu 2. Kammer v. Kiene leitete die Verhandlungen mit der Bekannt» gäbe ein, daß er sich das Hausrecht für den Abend gesichert habe. Es sei das eine Zentrumsversammlung. Er mußte zu seinem großen Schmerze erfahren, daß die Versammlung trotz des„Haus- rechts" des Herrn Vizepräsidenten nicht gewillt war. die Expekto- rationen des Herrn Erzberger widerspruchslos über sich ergehen zu lassen. Nachdem Herr Erzberger in dreistündiger Rede die .Tgtsqchen auf den Kopf gestellt uild die Finanzreform des Schnaps- Blockes als„große nationale Tat" gefeiert hatte, kam zunächst ein Volksparteiler und dann unser Genosse Pflüg er zum Wort, der dem Zentrum manche bittere Nuß zu knacken gab. Als dritter Redner war ein Vertreter des Tabakarbciterverbandes in die Rednerliste eingetragen. Der Vorsitzende, dem die Situation ungemütlich wurde, wollte schnell Herrn Erzberger zu einer„Replik" einschieben. Ein Sturm der Entrüstung ob dieser Verhandlungs- leitung durchbrauste den Saal. Wohl eine Viertelstunde lang ver- harrte Herr Erzberger auf der Rednertribüne, ununterbrochen dauerte der Entrüstungssturm. Hilflos schaute der Herr Präsident mit dem„Hausrecht" auf die empörten Massen. Schließlich sprang Genosse Pflüger aufs Rednerpult. Ein paar Worte und die Ruhe war wieder hergestellt. Herr Erzberger mutzte abtreten, der Tabak- arbeiter bekam das Wort. In lautloser Ruhe lauschte die Ver- sammlung der wuchtigen Anklage des Arbeitervertreters gegen das Zentrum. Einige Male versuchten die Zentrumsanhänger den Redner zu unterbrechen, sie wurden aber gar bald zur Ruhe bekehrt. Im stürmischen Beifall der Menge ertrank der Widerspruch der Zentrumsleute. In seinem Schluß- wort suchte Herr Erzberger zu retten, was nicht mehr zu retten war. Unter dem Gesang der Marseillaise verließen unsere Genossen den Saal, das Zentrum antwortete mit dem Gesang: Deutschland, Deutschland über alles. Auf Dienstagabend hatte nun die sozialdemokratische Partei eine öffentliche Versammlung in einem größeren Lokal einberufen. Das Thema war:„Herr Erzberger, der Märchenerzähler, das Zen- trum und die Reichsfinanzreform." Mitglieder aller Parteien, ins- besondere Zentrumsanhänger, waren unter Zusicherung voller Redefreiheit geladen. Das Zentrumsblatt glaubte in seiner Herzensangst aber seine frommen Schäflein eindringlich vor dem Besuch dieser Versammlung warnen zu müssen. Geholfen hat die Warnung wenig. In Scharen kamen die Arbeiter angezogen. Zu einer wuchtigen Massendemonstration gegen die schwarze Volksver- ratspartei wurde die Veranstaltung. In etwa dreistündiger Rede kennzeichnete Genosse Hildenbrand die schmähliche Politik des Zentrums und die Unwahrhaftigkcit ihres Wanderredners Erz- bergcr. Hageldicht sausten die Hiebe auf die Partei der Erzberger und Erzschelme nieder. In der Diskussion wurden noch einige Aus- führungen Hildenbrands unterstrichen. Die in der Versammlung anwesenden Zentrumsmannen hielten Vorsicht für der Tapferkeit besseren Teil und schwiegen. Eine scharfe Resolution gegen das Zentrum wurde mit überwältigender Majorität angenommen. So endete Erzbergers Debüt in Stuttgart. Agrarischer Boykott. Daß die Agrarier einer ganzen Stadt den Bohkott androhen, hat entschieden den Reiz der Neuheit. Die Nationalliberalen des Wahlkreises Northeim haben sich eine eigene Zeitung geschaffen. die„für die Interessen von Stadt und Land in gleicher Weife ein- treten und den durch die Verhetzung der Führung des Bundes der Landwirte arg gestörten Frieden zwischen Stadt und Land nach Möglichkeit wieder herstellen soll." Zu dieser Kriegserklärung haben die Bündler prompt Stellung genommen und den folgenden Beschluß gefaßt: „Die heutige Bezirlsverfammlung des Bundes der Land- Wirte im Kreise Northeim spricht ihr ernstes Bedauern aus, daß ein Mitglied des Magistrats unserer Kreisstadt sich derart in einseitiger, fanatischer Weise in den Dienst einer politischen Partei stellt, daß diese Stellung eine wirtschaftliche Schädigung der Stadt Northeim unbedingt zur Folge haben muh." Danach scheinen die Herren Landwirte in der Umgebung Nort- heims zu beabsichtigen, keine Industriewaren mehr in Northeim zu kaufen, also die gewerbetreibende Bevölkerung der Stadt zu bog- kottieren. Das hindert natürlich die Herren nicht, sich über den Boykott zu entrüsten, wenn er von anderer Seite ausgeübt, selbst tvenn er um viel wichtigerer Ursachen willen geführt wird, als in diesem Falle, in dem es sich lediglich um den politischen Uebcrmut einer auf Kosten des Voltes ernährten Schicht handelt. Die Erledigung des Eharbiner Zwischenfalls. Die Petersburger Telegraphen-Agentur erfährt vom Ministerium des Aeußern: Der russische Generalkonsul in Charbin hat sich mit dem auS Mulden eingetroffenen deutschen Konsul verständigt und als Antwort auf den eingereichten Protest wegen der Handlungsiveise der deutschen Teilhaber der Bierbrauerei Charbin heute einen Brief vom deutschen Konsul in Charbin erhalten, in dem dieser erklärt, er erkenne nach Prüfung der Angelegenheit der Brauereigesellschaft keinen Anspruch auf deutschen Schutz zu, weshalb auf feinen Befehl die deutsche Flagge von dem Branereigcbäude entfernt worden sei. Gleichzeitig wurde die gegen die deutschen Untertanen anhängig gemachte Klage wegen Beleidigung russischer Amts- Personen während der Erfüllung ihrer Dienstpflichten dem deutschen Konsul in Mulden, als dessen Jurisdiktion unterliegend, überwiesen. Feudale Angeklagte. In der Nacht zum 27. Juli d. I. zwischen 3 und 4 Uhr drangen in Bonn Husareneinjährige und Angehörige dcö Studentenkorps „Borussia" s!> in die Wohnung des Einjährigen- U n t e r« offiziers Veith, niißhandelten diesen, beschädigten Möbel und andere Dinge, loarsen Sachen zum Fenster hinaus und zertrümmerten Scheiben. Die Einjährigen wurden in aller Stille mit drei Tagen Mittelarrest disziplinarisch bestraft, nicht— wie eS bei „gewöhnlichen" Soldaten geschieht— wegen tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten unter den erschwerenden Um- ständen des Komplotts vor das Kriegsgericht gestellt. Nach einigen Wochen kam durch ein radikales Wochenblatt, den Bouner „Volksmund", die Geschichte an die Oeffentltchkeit. Und nun erging von Berlin aus der Befehl, die Sache gründlich z» unter- suche n.— Infolge dessen standen dieser Tage als Angeklagte vor dem Standgericht des Bonner Husaren- rcgimenls Freiherr von Flügge. Baron de Cuvery und Freiherr von Zitzewitz. Das Gericht bestand ebenfalls auS nur adeligen Herren, darunter ein Graf und der Erbprinz Adolf zu Schaumburg- Lippe. Die Anklage lautete nur auf gemeinschaft- lichen Hausfriedensbruch. Der mißhandelte Unteroffizier schilderte den Borgang so, wie er durch daS genannte Blatt an die Oeffent- lichkcit gebracht worden ist. Der— ebenfalls adelige— Au- klagevertreter beantragte— acht Tage Mittelarrest. Das Gericht aber sprach die Angeklagten frei, weil sie sich der RechtSwidrigkeit ihres Tuns nicht bewußt geivesen feien und die strafbaren Handlnngen auch von den beteiligten Zivilisten sden vorussen) begangen sein könnten I Auch gegen die Borussen ist die Staatsanwaltschäft nicht vorgegangen, da ge» meinschaftlicher Hausfriedensbruch nicht(?!) vorliege und zudem ge- wöhnlichen Hausfriedensbruch der Strafantrag des Geschädigten fehle I Die„Borussia" ist bekanntlich daS feudalste aller Studenten- korps; ihin gehören u. a. Wilhelm II., der deutsche Kronprinz usw. als„alte Herren", sonstige junge Prinzen, Fürsten und dergleichen als aktive Mitglieder an._ Oeltermcb. Für die Freiheit der Wissenschast. Prag, 8. Oktober. In der heutigen Sitzung des Professoren» kollegiums der juristischen Fakultät der Prager Deutschen Uni- versität wurde in bezug auf den Fall Wahrmund eine Reso- lution angenommen, in der die Nichtgenehmigung der Vorlesung eines Professors durch daö Ministerium als unzulässig be- zeichnet und erklärt wird, falls Professor Wahrmund dem Unter- richtsministerium geheime Zusagen gemacht habe, sie aber jetzt nicht halte, müßte gegen das Verbleiben Wahrmunds im Pro- fessorenkollegium der Fakultät Verwahrung eingelegt werden.' Schweiz. Bedingte Verurteilung. Zürich, S. Oktober.(Eig. Ber.) Der Züricher KantonSrat hat in der Schlußabstimmung das Gesetz betreffend die bedingte Ver- urteilung mit 265 gegen 27 Stimmen angenommen. In der kommenden Volksabstiminung wird mit der Reaktion UM das fortschrittliche Gesetz gekämpft werden müssen.-- Spanien. Der weisse Schrecken. Kein Tag ohne Schreckensnachrichten aus Barcelona. Die Kriegsgerichtsbanditen haben heute wieder fünf Todes- urteile gefällt und unter den Verurteilten befinden sich zwei r a u e n. Außerdem wurden zwei Frauen zu längeren uchthausstrafeu verurteilt. Die Todesurteile sollen bereits in den näch st en Tagen vollzogen werden. Gegen diese Jufamicn derRache, welche von der fr ö mmstenRegierung der Welt vollzogen werden, die keinen Schritt wagt, obne sich vom Vatikan deratc» zu lassen, wächst immer mehr die Em- pörung in ganz Europa. Jnsbesonderr in dem Spanien be- nachbartcn Frankreich, wo Tausende vor den Verfolgungen der spanischen Regierungsschcrgen Zuflucht gefunden haben, ver- langt die öffentliche Meinung iinmer schärfer eine Intervention der europäifchen Regierungen. Die„Humanits" veröffentlicht einen Aufruf unserer französischen Bruderpartci, der in schärfster Weise gegen die spanischen Greuel Protest erhebt und ankündigt, daß unsere französischen Genossen in der Kammer die Infamien des spanischen Königs und seiner Re- gicrung zur Sprache bringen und sie vor Europa d e S Meuchelmordes anklagen werden. Vorläufig wagt es die spanische Regierung noch, der öffentlichen Meinung Trotz zu bieten. Die Aktion für Francesco Ferrer hat den Staatsanwalt nicht abgehalten, gegen ihn die Todesstrafe zu beantragen. Ferrers Unschuld unterliegt keinem Zweifel. Aber die fromme Re- gicrung richtet ja nicht, sondern sie morde t. Und der Vatikan, der bloß ein Wort zu sprechen brauchte, um diesem Morden Einhalt zu tun, schweigt. Er denkt daran, daß die unglücklichen Soldaten des König Alfons eben daran sind, nach Hinmordung taufender Mauren der römischen MissionStätigkeit eine neue Provinz zu erobern.... Amerika. Taft und die Arbeiter. Man schreibt uns auS New Jork: Der amerikanische Landesvater hat im Interesse seiner Person und seiner Partei eine Beschwichtiguugsreise nach dem Westen angetreten, wo sich seine Parteigänger und Wähler über den Bruch des Versprechens auf Zollerleichterung ver- stimmt gezeigt hatten. Daneben wurde noch die soziale Frage gelöst. Es erinnert an ein berühmtes beut- sches Muster, wenn Taft von den amerikanischen Arbeitern erzählt:„Ihr Recht auf Arbeit zu solchen Löhnen, die ihnen(!) passend erscheinen, ist heilig und eine ungesetzliche Invasion in ihre Rechte kann nicht scharf genug verurteilt werden. Alle Vorteile der Gewerkschaften, so groß sie auch sein mögen, können in der Wagschale nicht so viel wie eine Feder wiegen gegen das Recht irgend eines Mannes, in gesetzlicher Weise Beschäftigung zu suchen, zu arbeiten, für wen er will und zu irgend einem ihm(!) passenden Lohn." Und nach dem Muster„Schwerste Strafe demjenigen" usw. will Taft dem Boykott»und anderen Zwangsmaßnahmen und Gesetzwidrigkeiten"(I) mit Einhaltsbefehlen, denen im Falle der Nicht- beachtung Gefängnisstrafen folgen, beikoinmen. Eine Auwen- dung deS Shermaiischen AntitrustgesetzeS auf die Gewerk- schaften hält der Präsident dagegen für unzulässig. Was die von ihm bevorzugten Einhaltsbefehle betrifft, so gehörte Taft als Bundesrichter bekanntlich zu deren Erfindern, und er trägt daher auch den Spitznamen„Jnjnnction Bill,,. Während er aber den Gewerkschaften ihre Waffen entreißen will, lobt er die„konservativen und einflußreichen Führer der Fede- ration of Labor"(G o m p e r s und Co.), denen„alle, die unsere gegenwärtigen Einrichtungen erhalten s e h e n w o l l e n, A n e r k e n n u n g zeigen sollten!" Notabene liest man auch in einem vom 22. September datierten Bericht der katholisch redigierten„N. I. Staatsztg." vom Katholikentag in Jndianopolis, daß dort„die treue Mit- Wirkung mit der konservativ geleiteten Federation of Labor enipfohlen" wurde. Vor einigen Jahren gründeten diese Leute in Städten wie Vuffalo auch katholische Sonder- gewerkschaften, die freilich bald entschlummerte». Protest gegen daS chinesisch-japanische Abkommen. London, L. Oktober.„Morning Post" meldet aus Washington: Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß die Zurückberufung des amerikanischen Gesandten in Peking, Crane, nach Washington zur Entgegennahme neuer Instruktionen auf das japanisch-chinesische Mandschurei. Abkommen zurückzu- führen ist, das am 4. September in Peking unterzeichnet wurde. In Kreisen des Staatsdepartements wird erklärt, daß gegen die Artikel 3 und 4 des Abkommens Widerspruch erhoben werde, nach denen alle Bergwerke längs der Antung— Mukden-Eisenbahn und dem Hauptstrang der südmandschurischen Bahn mit Ausnahme der Kohlengruben von Fushun und Fuentai als gemeinsame Unternehmungen japanischer und chinesischer Untertanen betrieben, die Gruben von Fushun und Uuentai hingegen durch die japanische Regierung unter Einrichtung von Abgaben an die chinesische Regierung ausgebeutet werden sollen. Das amerika. nische Staatsdepartement sehe diese Konzessionen an Japan als eine direkte Verletzung desVers prechensderoffenenTür an, da Japan Bergwerksprivilegien erteilt worden seien, die keiner anderen Nation bewilligt wurden. Kanacla. Flottenba«. Ottawa, 7. Oktober. Wie die hiesige„Free Preß" mitteilt, ist sie von der Regierung zu der Erklärung ermächtigt worden, daß dem Parlament in der nächsten Session eine Gesetzcsvorlage auf Bewilligung von zwanzig Millionen Dollars zur Schaffung einer k a n a d i f ch e n Flotte und weiterer drei Millionen jährlich zu ihrer Weiterentwickelung und Erhaltung vor- gelegt werden würde.__ Hus der parte!» i Die Organisationen zum Parteitag. Die Mannheimer Parteigenossen beschästigten sich in einer Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Vereins mit den Verhandlungen des Leipziger Parteitages. Genosse Geiß bezeichnete die Streitfrage über die Erbschaftssteuer als einen Streit um deS Kaisers Bart, denn die Reichstagsfraktion habe sich für die dritte Lesung im Reichstage noch nicht festgelegt gehabt. In der Diskussion meinte Genosse Dr. Frank, der friedliche Verlauf deS Leipziger Parteitages sei deshalb möglich gewesen« weil die süd- deutschen Delegierten den norddeutschen Genossen im vorigen Jahre in Nürnberg gezeigt hätten, daß sie über manche Frage der süddeutschen Parteibewegung ein falsches Bild haben. Nach weiterer Debatte wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die am 36. September im GewerkichaftshanS tagende Partei- Versammlung spricht ihre Genugtuung über den guten Verlauf des Parteitages in Leipzig aus. Sie akzeptiert und begrüßt ins- besondere den Beschluß des Boykott» über den Branntwein- g e» u ß und verspricht, mit allen z» Gebote stehenden Mitteln für eine strikte Durchführung desselben einzutreten. Auch die Haltung des Parteitages zur Frage der Erbschaflssteuer und zu derjenigen der Maifeier billigt die Versammlung, wie sie auch die Haltung der Delegierten der Organisation von unserem 11. badischeu Reichstags- Wahlkreis gutheißt."_ Parteiliteratur. Soeben erschien: Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der sozial- demokratischen Partei Deutschlands. Abgehalten zu Leipzig vom 12.— 13. Septeinber 1969. Aus den Verhandlungen erwähnen wir besonders: Schnaps- bohkott— Erbschaftssteuer— Maifeier— Jnter- nationaler Kongreß— ReichsversicherungSord- n u n g. Preis brosch. 1,25 M.. geb. 1.7S M. Auf gutem holzfreien Papier brosch, 2,56 M,, geb. 3,56 M. Zu beziehen durch alle Partei- speditionen und Buchhandlungen sowie direlt vom Verlag der Buch- Handlung Vorwärts, Verlin. Biblische Geschichten. Unter diesem Gesamttitel beginnt im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 68, soeben eine Broschürenserie zu erscheinen, die zum geschichtlichen Verständnis der Religion beitragen soll. Verfasser ist der Genosse Max Mauren- brecher, der über daS Werl in seinem Geleitwort u. a. schreibt: „Die Religionsgeschichte zeigt, wie alle andere menschliche Ge- schichte auch, ein Ineinander und Beieinander von edlen, erhebenden und großen Gefühlen und von kleinlicher Selbstsucht, Herrschsucht und Neid. Die Religion ist nicht nur eine plumpe Täuschung der Massen durch habgierige Priester, und sie ist nicht nur ein Recken und Strecken der Menschen nach edlerem, höherem Leben. Sie ist beides zugleich! Es wird ein besonderes Ziel der Darstellung sein, an gegebener Stelle dies Ineinander edler und unedler Kräfte zu zeigen. WaS groß und erhebend ist. soll auch so genannt werden, gleichviel ob wir heute noch die Gedanken oder Gefühle teilen können, die damals die Menschen bewegt haben; und wo Priestertäuschung und Priesterselbstsucht die Entwickelung der Religion entscheidend beeinflußt haben, soll ungeschminkt auch von Trug und Eigennutz gesprochen werden, gleichviel ob Nachfolger solcher Priester sich heute dadurch beleidigt fühlen könnten oder nicht. ES sollen die beiden Seiten der Sache zur Darstellung kommen, die nun einmal in der Religion Wirklichkeit sind." Heft 1. Schöpfungsgeschichten, gelangte soeben zur Ausgabe. Dasselbe enthält folgende Kapitel: Die verschiedenen Schöpfungsgeschichten der Bibel.— Die Geschichte von Mann und Weib.— Die Geschichte vom verlorenen Paradies.— Die Geschichte von der Schöpfungswoche. Jedes Heft kostet 1 M., Volksausgabe 6,46 M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Zeituiigs- speditionen und Kolporteure. Prospekte auf Wunsch gratis und franko vom Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Vom Fortschritt der Presse. Durch Hausagitation für die Dortmunder„Arbeiter-Zeitung" gewannen einzelne fleißige Genossen in einigen Tagen in Castrop, Sodingen, Holt- hausen 46, in Lünen-Nord 26, in Hostmar 35, in Heeren 46, in Dortmund 76, in Neheim 7, in Attendorn 36 neue Abonnenten. — Die Essener„Arbeiter-Zeitung" schreibt: Rund 660 neue Abonnenten der„Arbeiter-Zeitung" haben eine Anzahl Partei- genossen in mehreren Stadt- und Landbezirken durch HauSagitatiou am vorigen Sonntag gewonnen.— Das sind wieder Beweise, daß es nur organisierter und planmäßiger Agitation bedarf, um die Arbeiter zum Bezüge ihrer Presse zu gewinnen. Es ist jetzt eine außerordentlich günstige Zeit für das Werben von neuen Abonnenten. Möge sie jeder Genosse nutzen. Nicht destätigt. Vom Gemeinderat in Sprendlingen(Kreis Offenbach) war der Genosse Joh. Phil. Stroh zum Gemeindercchner gewählt worden. Wie nun jetzt gemeldet wird, hat das KreiSamt Offcnbach ihm die Bestätigung versagt. Man bleibt also in Hessen bei der Behandlung der Sozialdemokraten als Bürger minderen Rechts. Unsere Toten. Man meldet uns aus Brüssel: Mit Pierre Fluche, der gestern in VervierS gestorben ist, verliert die belgische Partei, UlSbesondcre aber die Arbeiterschaft des großen Jndustriebezirkes VervierS, wieder einen jener Kämpfer von Schrot und Korn, die noch der alten Internationale angehört haben. Fluche war ursprünglich Weber und hat alle schweren Zeiten der Partei niit- gemacht, für die er in VervierS als beredter Agitator, Journalist und Mandatar in verschiedenen Körperschaften wirkte. Die sozia- listische Bewegung dieser wallonischrn Region ist von seinem Namen getragen, mit seiner Lebensarbeit gedüngt. Fluche ist nach schmerzenS- vollem Krankenlager im 68. Lebensjahre gestorben. poll-elttckes, SericblUcbes uftv. Die Presse vor der RcvisionSinstanz. Systematische Bespitzelung der Lehrer hatte der Genosse Wilhelm Apel von der„N o r d h a u ser V o lk szeituna" in zwei Artikeln einem Rektor L. vorgeworfen. Das Landgericht Nordhausen hat den Wahrheitsbericht als nicht erbracht angesehen und am 7. April Genosse» Apel zu einem Monat Gefängnis verurteilt.— Seine Revision wurde am 7. Oltober vom Reichs- gerichte als unbegründet verworfen. Soziales. Verstoß gegen Sonntagsruhevorschriften. Die sächsischen Tafelglasfabrikanten verstoßen, wie wir wieder» holt hervorhoben, fortgesetzt gegen die Sonntagsruhebestimmungen. Sie verlangen vom Gericht, es solle dem K lööe der Gewerbeordnung, der die Vornahme von Arbeiten, welche zur Verhütung deS Verderbens oder des Mißlingens von Arbeitserzeugnissen erforder- lich sind, auch an Sonn» und Feiertagen gestattet, auch auf die Vornahme von sogenannten Streckarbeiten in Schmelzöfen an- wenden, und daö, wiewohl wiederholt das sächsische Oberlandes- gericht entschieden hat, daß derartige Ausnahmen nach den gesetz- lichen Bestimmungen auf Strecken von Glas in Glasfabriken nicht ausgedehnt werden können. Neuerdings erschienen nun in einem Dresdener Blatte konservativer Richtung Artikel und Angriffe, die sich mit der Rechtsprechung des sächsischen Oberlandesgerichts be- schäftigtcn, und die Auffassung des letzteren hinsichtlich der Sonn- tagsarbeit in Glasfabriken bemängelten. Die Angriffe auf die Rechtsprechung des Oberlandesgerichts erfolgten anonym, aber man geht wohl nicht fehl, die Verfasser unter den Mitgliedern der GlaS- industric zu suchen. DaS Obcrlandesgcricht nahm in seiner letzten Sitzung, in welcher gegen den Glasfabrikbesitzer Hirsch in Radeberg und Genossen wegen Uebertrctung der Sonntagsruhe verhandelt wurde, Stellung zu den anonymen Preßangriffen. Die genannten Fabrikanten hatten am Reformationstage 1968 ebenfalls Streck- arbeiten in Schmelzöfen ausführen lassen, und waren hierfür be- straft. Das OberlandcSgcricht verwarf die Revision. Es führte begründend aus, auch die anonyme» Preßangriffe eincS Dresdener Blattes werde das Oberlandcsgcricht nicht abhalten können, nach seinem besten Wissen und Gewissen, nach seiner vollsten Ueber- zcugung Recht zu spreche»,, GcwcrhrcbaftUcbc�. Amtliche Streikbrecher-Lermittelung nach Schweden. Der in Vlotho(Westfalen) mit der Auszahlung der Unterstützungen aus dem Viermillionen-Fonds an die Tabak- arbeiter beauftragte Zollamtsvorsteher glaubt— ob auf eine höhere Anweisung wissen wir nicht— Arbeitswillige nach Schweden vermitteln zu müssen I Er erzählt den Tabak- arbeitern bei der Auszahlung, daß in Schweden schönes Geld zu verdienen sei. Die Erregung unter den Tabakarbeitern ist groß, denn das gleiche Vor kommnis beim Amte Ennigloh ist noch nicht vergessen. Das Schauspiel, den Arbeitern in Schweden in den Rücken zu fallen, um den Viermillionen-Fonds zu schonen, werden die Tabakarbeiter der Welt nicht bereiten. Immerhin tut Aufklärung not, ob der Beamte aus eigener Initiative oder im Auftrage seiner Behörde handelt. Berlin und Umgegend. - Die Flaschenkellerarbeiter» Diversen und Weißbierbrauerei- ärbeiter dersmnmelten sich am Donnerstagabend im großen Saale des Gewerkschaftshauses, um ebenso wie das Fahrpersonal und die Maschinisten und Handwerker Stellung zur Lohnbewegung zu nehmen und eine Lohnkommission zu wählen. S ch u l d t vom Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter referierte. Er beleuchtete besonders die Verhältnisse in den Flaschenkellereien, wo durch technische Neueinrichtungen manche einschneidende Aenderung in den Arbeitsverhältnissen vorgenommen worden ist. Die Angestellten hätten die Nachteile der Neuerungen zu tragen; die Ersparnis an Arbeitskräften brächte ihnen viel Arbeitslosigkeit. Die Ansprüche an die Arbeitsleistungen würden immer größer. Man müsse auf Verkürzung der Arbeitszeit der Tag. und Nachtschicht dringen, ebenso auf Erhöhung der Löhne. Wichtig sei auch, daß die Brauerei- Niederlagen in der Umgegend von Berlin in das Tarifverhältnis einbezogen werden. Für die als„Diverse" bezeichnete Kategorie der Apparatreiniger, Wächter, Portiers usw. gelte es ebenfalls, manche Verbesserung zu gewinnen.— In der Diskussion wurden die Ausführungen des Redners vielfach ergänzt und mit Nachdruck auf das Uebel der Ueberstunden hingewiesen; es sei notwendig, fest- zulegen, was als„dringende Fälle" gelten dürfe, wenn Ueber- stunden verlangt werden, weil damit viel Mißbrauch getrieben würde. Man kritisierte auch scharf daS„Vizeunwesen" und die „Treiberlöhne" in den Kellereien. Die Kommission, die gewählt wurde, soll den geäußerten Wünschen Rechnung tragen und dem- entsprechend die Forderungen dieser Gruppe aufstellen.— Bemerkt wurde am Schluß der Diskussion noch, daß die Brauerei von Bötzow, als einzige unter den Berliner Brauereien, Arbeiter zeitweise entlassen hat unter der Begründung, daß der Bierkonsum in der letzten Zeit zurückgegangen sei. Ueber die Lohnbewegung der Handschuhmacher wurde am Donnerstag in einer Versammlung des Zentralverbandes der Lederarbeiter, dem auch die Handschuhmacher angeschlossen sind, Bericht erstattet. Demselben ist zu entnehmen, daß die Handschuy- macher bei den einzelnen Fabrikanten vorgegangen sind, um eine Aufbesserung der Löhne zu erzielen. Es kommen fünf Fabrikanten in Betracht. Bei einem ist eine wesentliche Lohnerhöhung erreicht und ein Tarif auf zwei Jahre abgeschlossen worden. Bei einem anderen Fabrikanten sind ebenfalls Lohnzulagen erlangt worden. auch wünscht der Fabrikant, daß ein Tarif abgeschlossen werde. Bei einem dritten Fabrikanten haben die Arbeiter gekündigt, um ihre Forderungen erforderlichenfalls durch eineArbcitsniederlegung durch- zusetzen. In den beiden anderen Fabriken ist von einem Vorgehen der Arbeiter noch nichts bekannt geworden. Die Lohnkommission ist mit dem Stande der Bewegung, die noch nicht abgeschlossen ist, zufrieden. Eine Erhebung, welche der Verband kürzlich bornahm, er- mittelte 121 Handschuhinacher, von denen 72 in Fabriken Und 49 als Heimarbeiter beschäftigt sind. Zu den letzteren kommen noch 5 weibliche Arbeitskräfte. Von den 121 Handschuhmachern sind 97 organisiert, und zwar 92 im Verband der Lederarbeiter, S in anderen Organisationen. 24 sind nicht organisiert. Deutfesies Reich. Weitere Bereinvarungen zur Vermeidung von Arveiterentlassungen in der Braninduftrie. Die acht Tarifbrauereien in Frankfurt a. M, verpflichteten Nch in einer Unterhandlung mit der Boykotlkommission, dem Ge- Werkschaftskartell und dem Brauereiarbeiterverbande. bis zum 1. April 1910 Entlassungen von Arbeiter» wegen Konsumrückganges überhaupt nicht vorzunehmen, wenn der Boykott baldigst aufgehoben und bis 1. April 1910 kein neuer erklärt wird. Den Tarifbrauercien soll es gestattet sein, daß in der Zwischenzeit ein Austausch von Arbeitern ohne Inanspruchnahme des Arbeitsnachweises erfolgen darf. Gleichzeitig wurde über die Bicrpreise ein Einverständnis erzielt. Der Boykott wurde am selben Tage von der organisierten Arbeiterschafl aufgehoben, so daß damii auch die Vereinbarungen in Kraft treten. Die Arbeiter der ReichSwcrft in Kiel hielten am Donnerstagabend eine außerordentlich stark besuchte Ver sammlung ab. Die schon früher gewühlte, auS Arbeitern der ver- schiedenen RessortS bestehende Lohnkonimission erstattete Bericht. Sie schlug eine Eingabe an den Oberwerftdireklor vor, die folgende Wünsche der Arbeiter enthält: Einstellungslohn für alle Arbeiter ohne Ausnahme von 4S Pf. die Stunde, für gelernte Arbeiter nach vier Wochen Probe SO Pf., nach halbjähriger Tätigkeit SS Pf., nach zweijähriger Täugkeit 60 Pf. Für ungelernte Arbeiter nach einjähriger Tätig- keit 43, nach zweijähriger Tätigkeit S3 Pf., wöchentliche Lohn- zahlung, Einbeziehung der Frühstückspause von V* Stunde in die jetzige neunstündige Arbeitszeit. Einführung der dreiteiligen Arbeits- schicht für Kesselwärter, Maschinenwärter, Schaltbrettwärter und Heizer, die jetzt abwechselnd Tag und Nacht arbeiten und oft eine tägliche Arbeitszeit von 13 Stunden haben. Erweiterung der be- stehenden Ferien aus 6 Tage nach 2jSHriger und 12 Tage nach lOjähriger Beschäftigung. Auszahlung nicht nur des Lohnes, sondern auch des durchschnittlich erlangten AkkordverdienstcS während der Ferien. Ein- stellung sämtlicher Arbeiter nur durch das Arbeitsamt der Werft. Erweiterung der Rechte des ArbeiterauSschusseS. Die Forderungen sind begründet mit der auch von der Reichs- regicrung durch die Erhöhung der Beamtengehälter anerkannten Ver- tenerung der Lebensmittel und der Tatsache, daß in allen Kieler Privatbetrieben einschließlich der Privatwerften die Lohn- und Arbeitsbedingungen günstigere sind als auf der Reichswerft. Die Versammlung beauftragte den Arbeiterausschuß, die von der Lohnkommission gestellten Anträge dem Oberwerftdirektor zu überreichen mit dem Ersuchen, daß er fie anS Reichsmarineamt weitergebe. Der ArbeiterauSschuß soll über das Resultat einer späteren Versammlung Bericht erstatten. Wie verlautet, sollen die Arbeiter der Reichswersten in Wilhelmshaven und Danzig in ähn- licher Weise vorgehen. Lohndiffcrenzen im Elberfelder Textilgewcrbe. Der Verein der Seidenbandfabrikanten hat den Arbeitern einen einen um 8—9 Prozent niedrigeren Lohntarif vorgelegt, den die Arbeiter natürlich nicht anerkennen wollen. Es handelt sich hier um eigentliche Zwischenmeister, die mit den Grossisten schon Ver- einbarungen getroffen haben, die niedrigere Bezahlung der Fabrikate zuließen. Diese Preisdifferenzen wollen nun die Fabrikanten auf die Löhne der Arbeiter abwälzen. Die Arbeiter haben ihre Kündigung eingereicht. Der Verband de? bergischen Jndustriebezirks erklärt nun, daß er genötigt sein würde, alle seine� Betriebe still- zulegen, wenn die Arbeiter ihre Kündigung nicht zurückziehen. Der Holzarieiterstreik in Eulenburg dauert unverändert � fort. Die Unternehmer wollen von Verhandlungen nichts wissen. Trotzdem arbeiten 40 Mann in 10 Betrieben zu den neuen Be« dingungen; 60 Mann sind noch ausständig. Streikbrecher sind so gut wie nicht vorhanden, obwohl besonders der Fabrikant Schulze eifrig bemüht ist, welche heranzuziehen. Zuzug ist streng zu vermeiden.__ Drei christliche Heldenstücke. Bei der Firma A. Rebstein in Pforzheim kam es kürz- lich zu Differenzen, weil die Firma das schriftlich gegebene Ver- sprechen, so lange keine neuen Arbeitskräfte einzustellen, bis die vorhandenen voll beschäftigt werden können, gebrochen hatte. Durch Vorstelligwerden von zwei hierzu beauftragten Arbeitern wurde zwar die Sache wieder geregelt, die beiden wurden aber zwei Tage später entlassen. Die übrigen Arbeiter, die sämtlich Mitglieder des„Zentralverbandes der Schuhmacher Deutschlands" sind, er- klärten sich mit den Gemaßregelten solidarisch und verlangten die Zurücknahme der Entlassungen. Herr Rebstein erklärte jedoch, daß ihm das hiesige„christliche" Gewerkschaftskartcll so viel Schuh- macher zur Verfügung stelle, wie er brauche. Als hierauf die Ar- beiter in den Ausstand traten, standen schon zwei christlich organi- sierte Arbeiter unter Bedeckung eines Schutzmannes vis-ä-vis des Hauses und besetzten die Plätze der Ausständigen. Auch dem Gau- leiter gegenüber erklärte Herr Rebstein, daß ihm der Kassierer des „christlichen" Gcwerkschaftskartellcs in Pforzheim Arbeitskräfte be- sorgen werde. Als der Vorsitzende des christlichen Lederarbeiter- Verbandes wegen dieser Sache zu einer Versammlung eingeladen wurde, erklärte er, er komme nicht, er habe noch mehr Kollegen, die er zu Rebstein schicken werde, Also ein nach allen Regeln der Kunst organisierter christlicher Streikbruch. Dabei ist noch zu erwähnen, daß diese christlichen Streikbrecher nicht etwa vorher ohne Beschäfti- gung waren, sondern sie befanden sich vielmehr in Arbeit; sie haben sie verlassen, um bei Rebstein Streikbrecher zu spielen. Bei der Lohnbewegung der Schuhmacher in Konstanz, die im vergangenen Frühjahr stattfand, wurde vom„Zenträlverband" und vom„Christlichen Verband" ein gemeinsamer Tarif aufgestellt. Nachher reichten aber die Christlichen einen wesentlich niedrigeren Tarif an die Meister ein, der jedoch von den Meistern ebenfalls abgelehnt wurde. Bei dem Versuche, Unterhandlungen anzubahnen, erklärten die zwei„Vertreter" des„christlichen" Verbandes einem Meister, daß man eigentlich mit dem alten Tarif zufrieden sein könne.— Nachher reduzierten die„Christlichen" ihren eingereichten Tarif nochmals und— wie die Meister selbst mitteilten— wurde ihnen dieser zweimal reduzierte christliche Tarif zur Anerkennung mit dem Bemerken vorgelegt, sie möchten nur unterzeichnen, mit der Bezahlung brauchten sie es ja nicht so genau zu nehmen. Um die Beseitigung einiger Mißstände im Betriebe herbcizu- führen, sah sich die Zahlstelle H e ch i n g e n(Hohenzollern) des „Zentralverbandcs der Schuhmacher Deutschlands" veranlaßt. H e ch i n g e n und Stetten für Zuschneider zu sperren. Die Christlichen versprachen, sich dieser Maßnahme anzuschließen und warnten in ihrem Organ auch tatsächlich vor Zuzug. Jetzt ist fest- gestellt, daß die Christlichen sich bemühten, Zuschneider nach Hechin- gen und Stetten zu bringen. Sie versprachen den Zuschneidern eine Arbeitsstelle unter der Bedingung, daß sie dem„Christlichen Schuh- und Lederarbeitervcrband" beitreten. Kusland. Die amerikanischen Brauereiarbeitcr haben durch ihre Organi- sation innerhalb des letzten Jahres manchen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Die Beamten des Verbandes unterbreiteten den Äiit- gliedern kürzlich den Bericht über das letzte Geschäftsjahr, das die Zeit vom 1. September 1908 bis 1. September 1909 umfaßt. Die Zahl der Mitglieder, die sich gegenwärtig auf 366 Lokalverbände verteilen, ist von 42 S70 auf 45 233 gestiegen. In Amerika haben die Brauereiarbeiter noch mit einem besonders starken Gegner zu rechnen, nämlich der Prohibitionspartei(Abstinenzler), die in vielen Gegenden einen maßgebenden Einfluß besitzt. Eine Reihe großer Streiks fand statt, die meist erfolgreich endeten und etwa 80 000 Mark Unterstützung erforderten. Vielfach wurden bei dem Ab- schluß neuer Tarifverträge Lohnerhöhungen und eine Verkürzung der Arbeitszeit(auf acht Stunden) erzielt. Arbeitslose wurden im Februar dieses Jahres 2506 als höchste Zahl ermittelt, im Juni betrug die Zahl noch 1972. An Mitgliedern, die Eintritts- geld zu entrichten hatten, wurden 4954 aufgenommen, während ohne Eintrittsgeld 50 von europäischen Verbänden und 3 von in- ländischen Organisationen aufgenommen wurden. Der Verband besteht aus 14 160 Brauern, 478 Lehrlingen, 2070 Mälzern, 266 Küfern, 14 126 Bierfahrern, 9759 Flaschenfüllern, 1573 Maschinisten. 1512 Heizern, 1087 Hilfsarbeitern und einigen Hunderten anderer Arbeiter. Hua Induftm und Dandel» Spekulation und Geldmarkt. Wenn auch anscheinend in der Industrie jetzt ein etwas leb- hafteres Tempo im Eingang von Aufträgen sich bemerkbar macht, so kann doch von einem Ueberwundensein der Krise noch nicht ge- sprachen werden. Am Arbeitsmarkt war bisher von einer Wendung zum Bessern wenig zu spüren. Dagegen bietet der Geldmarkt daS Bild hochkonjunkturlicher Verhältnisse; man redet schon von einer Versteifung. DaS ist eine Folge der Hausscstimmung, die am Jndustrieaktienmarkt, ganz besonders aber als Kolonialfieber in die Erscheinung tritt. Die ausschweifende Spekulation nimmt den Geld- markt ganz außerordentlich stark in Anspruch; die Banken haben deshalb wirkliche Hochjunktur. Naturgemäß wird dadurch auch die Rcichsbank sehr in Anspruch genommen, so daß man schon seit einigen Tagen mit einer Diskonterhöhung rechnet. Die Bank von England hat am Donnerstag ihren Diskont von 2'/z auf 3 Proz. erhöht. Dadurch mußten sich die Verhältnisse stir die Reichsbank noch ungünstiger gestalten, denn der niedrige Diskont der Bank von Eng- land, ließ den Londoner Geldmarkt von feiten deS Auslandes und sehr stark auch von Deutschland in Anspruch nehmen. Die Bank- ratenerhöhung wird darin einen Wandel schaffen, der sich auch in noch stärkerer Inanspruchnahme der Rcichsbank geltend mache» dürfte. Eine Diskonterhöhung wird daher wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Aussichten für den industriellen Aufschwung werden dadurch nicht verbessert. Ungleiche Entwickelung. Eine Betrachtung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland führt zu dem Resultat, daß die Junker die Hauptnutznießer der Arbeit deS deutschen Volkes sind. Und die von den Agrariern auS« geübte politische Macht garantiert ihnen auch solange die Wirtschaft- liche Herrschast, als das Volk es nicht versteht, dem Junkertum die RegicrungSgewalt zu entreißen. Wie wenig die Herrschaft der Bündler berechtigt ist. selbst wenn man die Großgrundbesitzer als die Vertretung der gesamten Landwirtschaft gelten lassen will— waS sie bekanntlich gar nicht sind— das beweist ziffernmäßig die letzte Berufszählung. Ist doch von 189S bis 1907 die Zahl der Erwerbstätigen im Hauptberuf in der Land- und Forstwirtschast von 8 292 692 auf nur 9 883 257 gestiegen, während die Berufs- zugehörigen sogar eine Verminderung von 18 601 307 auf 17 631 176 erfuhren, gleichzeitig die Industrie einschließlich Handel und Verkehr eine Zunahme der im Hauptberuf Erwerbstätigen von 10 619 731 auf 14 733 830 verzeichnet und die Zahl der Berufszugehörigen hier von 26 220 087 auf 34 664 776 hinaufschnellte. Um in absoluten Zahlen ein Bild von der Verschiebung zwischen den einzelnen Gruppen und innerhalb dieser zu geben, machen wir die folgende Aufstellung. Es wurden gezählt Erwerbstätige im Hanptbenlf: .S-S m»;+ Selbständige Land- und Forstwirtschaft 2 563 725 2 500 974— 67 751 Industrie...... 2 061 764 1 977 122— 84 642 Handel und Verkehr«. 843 557 1 012 192+ 168 635 Angestellte Land- und Forstwirtschaft 96 173 98 312 4- 2 639 Industrie...... 263 746 686 007+ 422 262 Handel und Verkehr.. 261 907 505 909+ 244 002 Arbeiter Land- und Forstwirtschaft 5 627 794 7 233 471 4- 1 655 677 Industrie...... 5 955 711 8 593 125 4- 2 637 414 Handel und Verkehr.. 1 233 047 1 959 525+ 726 478 Die Zunähme der Lohnarbeiterschaft in der Land- und Forst- Wirtschaft macht 29,2 Proz. aus, die Industrie verzeichnet ein Wachs- tum um 44,2 Proz. und im Handel und Verkehr beträgt die Stei- gerung 58,9 Proz. Eine sehr interessante Vergleichung über die in den in Betracht kommenden zwölf Jahren eingetretenen sozialen Verschiebungen bietet uns die folgende Zusammenstellung nach dem.Reichsarbeitsblatt", in der, wie in den vorstehenden Angaben, die drei Gruppen: Land- Wirtschaft, Industrie, Handel und Verkehr, berücksichtigt worden sind. Es entfielen auf je 100 der bezeichneten Erwerbstätigen: 1895 1907 Selbständige ohne Hausgewerbetreibende 27,43 21,29 in Land- und Forstwirtschast...... 30,98 25,30 in der Industrie.......... 21,43 15,37 in Handel und Verkehr....... 36,07 29,10 Mithelfende Familienangehörige. 10,94 17,42 in Land- und Forstwirtschaft..... 22,95 39,41 in der Industrie.......... 0,68 1,18 in Handel und Berkehr....... 4,70 7,49 Angestellte............ 3,29 5,24 in Land- und Forstwirtschaft..... 1,16 1,00 in der Industrie.......... 3,18 6,09 in Handel und Verkehr....... 11,20 14,55 Arbeiter.............. 56,82 65,04 in Land- und Forstwirtschaft..... 44,91 84,29 in der Industrie.......... 71,24 75,16 in Handel und Verkehr....... 48,03 48,86 Ergeben die obigen absoluten Zahlen eine erhebliche relative Verminderung der in der Land- und Forstwirtschast hauptberuflich Erwerbstätigen, so zeigt sich hier dazu ein Rückgang des Anteils der Selbständigen wie auch der Arbeiter. Eine starke Zunahme weisen dagegen die mithelfenden Familienangehörigen auf. Die wachsende Konzentration verminderte auch in der Industrie sowie in Handel und Verkehr den Anteil der Selbständigen; der Hunger nach Arbeits- kräftcn und wirtschaftliche Not drängte hier wie dort in verstärktem Maße Familienangehörige zur Erwerbsarbeit, jedoch auch der Anteil der eigentlichen Arbeiter ist gewachsen. In allen Resultaten kommt der enornre industtielle Bormarsch in Deutschland zur Geltung. In schreiendem Widerspruch damit steht die wirtschaftliche Entwickelung, denn diese verzeichnet aus derselben Zeit die bedeutendsten Erfolge des in der Verfolgung seiner kraß egoistischen Ziele sehr konsequenten und rücksichtslosen Lgrariertums. Soziales. Arbeitsvertrag oder Diktatur des Unternehmer?. Vor dem Gcwerbegericht klagte gestern der Arbeiter L. gegen die Deutsche Hausbaugesellschaft. Er ist am 27. August zur Arbeit angenommen und auch beschäftigt worden. Am 1. September wurde ihm ein Revers, der Kündigungsausschluß vorsah, zur Unterschrist vorgelegt. Kläger verweigerte dieselbe mit dem Hinweis, daß er. weil darüber nichts vereinbart worden ist, Anspruch auf 14tagige Kündigungsfrist habe. Am 19. September ist er dennoch ohne vor- herige Kündigung entlassen worden. Er verlangte deshalb eine Lohnentschädigung von 43,20 M. Die Beklagte gab zu, daß Kläger seine Unterschrift verweigert hat, wendete aber ein, daß der Polier die Arbeiter tagsdarauf zusammengerufen und ihnen gesagt hat, daß niemand Anspruch auf Kündigungsfrist habe und für alle Kündigungsausschluß bestehe; wem dies nicht paßt, könne sofort auf- hören. Hiergegen habe der Kläger nicht opponiert, so daß sein Ein- Verständnis angenommen werden mußte. Das Gericht legte mit Recht dar, daß für die Vertragsbestimmung die Zustimmung des Arbeiters zu den Vorschlägen der Firma oder ihres Vertreters er- forderlich ist. Zu einer einseitigen Festsetzung der Arbeitsbedin- gungen habe der Arbeitgeber kein Recht. Ein Vergleich wurde als angebracht gehalten. Dieser kam auch zustande. Dem Kläger sollen 25 M. gezahlt werden. Letzte Nachrichten und Dcpefchcn. Die ungarische Krise. Wien, 8. Oktober.(W. T. B.) In der heutigen Audienz be- gründete der ungarische Ministerpräsident Dr. Wekerle erneut die Bitte des Kabinetts um Enthebung, da dessen Stellung im Abge- ordnetenhause unhaltbar sei. Kaiser Franz Josef erklärte hierauf, er werde schon in den nächsten Tagen die Entscheidung treffen. Ministerpräsident Dr. Wekerle ist nach Budapest zurückgereist. Kampf mit Seeräubern. Saigon, 8. Oktober.(W. T. B.) Eine französische Abteilung zwang den Seeräuber Detham, der sich mit 350 Anhängern in dichtem Busch- werk verschanzt hatte, nach hartem Kampfe zur Flucht. Die Piraten ließen acht Tote am Platz; die Franzosen hatten sieben weiße, elf eingeborene Soldaten tot, sünsiinddreißig verwundet. Die englische Finanzreform. London, 8. Oktober.(W. T. B.) Im Unterhaus wurde die dritte Lesung des Landeskulturgesctzcs, eines Ergänzungsgesetzcs zur Finanzbill, angenommen. Der Patriarch bleibt standhaft. Konstantinopel, 8. Oktober.(W. T. B.) Nach langen Be- ratungen über die Antwort der Pforte, welch« die Zurückziehung der Demission des armenischen Patriarchen verlangt, beschloß die armenische Nationalversammlung, daß der Patriarch auf seiner Demission beharren solle. In einer Unterredung erklärte der armenische Patriarch, die Armenier würden daS Privilegium des Patriarchats bis aufs äußerste verteidigen. Ausstellung der schönen Künste. Santiago di Chile, 8. Oktober.(W. T. B.) DaS Komitee für die Ausstellung der schönen Künste beschloß, solche europäischen und amerikanischen Künstler, die schon einmal in einem Weit- bewerb preisgekrönt worden sind, zur Beteiligung an der im September 1910 pattfindenden Ausstellung aufzufordern. Verantw. Redakt.: EmilUngcr, Grunewald. Inseratenteil verantw.: LH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall Maul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen u.Unterbaltungsbl. it. 256, 26. Ichgavg. . t. KeilW Ks Lmiick" Kalim WIIlsdN Zonttabend, 9. Oktober tW. VIe Seutichen yschschuleli! und die Freiheit der Niiienichsst. Von Eduard Bernstein. llnS wird von einer Parteilorrespondenz folgender Artikel zur Verfügung gestellt: Am 12. Oktober tritt in Leipzig der dritte deutsche Hoch- schullehrertag zusammen. Er soll unter anderem Beschlutz über die auch nur in Deutschland mögliche.Frage' fassen, ob die Zulassung zum Lehramt an den Hochschulen von politischen oder religiösen VorauZsetzungen soll abhängig gemacht werden dürfen. Die merkwürdige„Frage' hatte schon den borjährigen, in Jena ab- gehaltenen Hochschullehrertag beschäftigt, kam aber dort nicht zur Entscheidung. Es stand hinsichtlich ihrer ein Leitsatz des Professors v. Amira-Munchen zur Debatte, wonach die wissenschaftliche Forschung und ihre Mitteilung„unabhängig sein soll von Interessenten, von Autoritäten und gesellschaftlichen Gruppen, von Traditionen und Vorurteilen der Masse, kurz unabhängig von jeder Rück- ficht, die nicht in d er w is s ensch aftli ch en Meth o d e selbst liegt'. Hierzu beantragten die Professoren Alfred und Max Weber den Zusatz, datz„auch die Weltanschauung und die politische Stellung des Lehrers niemals Grund zur Nichtzulassung zum Lehramt oder zum Ausschlutz von seinem Lehr- amt sein dürfte. Es liegt auf der Hand, datz erst dieser Zusatz und seine Be- folgung die Freiheit der Wissenschaft auf den Hochschulen verbürgen würde. Der Amirasche Leitsatz liest sich sehr schön und mag auch ehrlich gemeint sein. Aber er kann mit einiger dialektischer Kunst so gedeutet und gedreht werden, datz er zum Gegenteil von Frei- heit der Wissenschaft die Handhabe bietet. Wie sehr die Brüder Weber im Recht waren, als sie in Jena darauf bestanden, datz der von ihnen beantragte Zusatz mit zur Abstimmung gestellt werde, zeigt ein„Rote Dozenten' überschricbeuer Artikel der Berliner „Täglichen Rundschau" vom 6. Oktober, der für seine Verwerfung Slimnmng zu mache» sucht. Das zumeist in der Welt der höheren Militärs und Beamten gelesene Blatt nimmt die kraftvolle Rede, die Alfred Weber soeben auf dem Wiener Kongretz der Sozialpolitiker über die Gefahren der Beamtenzucht gehalten hat, zum Anlatz, zu- nächst Gesinnung und Charakter des Brüderpaares Weber zu verdächtigen, daran anschlietzend aber auch gleich darzutun, datz den Sozialdemokraten die Lehrstühle der deutschen Hochschulen verschlossen bleiben müsien natürlich im Interesse der„Wissenschaft". Die Art, wie da? Letztere bewiesen wird, ist in ihrer Simplizität geradezu unüber ireffbar. Sie wäre daher nur komisch, wenn die ihr entsprechende Praxis nicht in deutschen Landen sehr antreffbar wäre. Man höre daher: Erstens: Der Sozialdemokrat ist Marxist, und wer heute noch Marxist ist, hat den Anspruch verwirkt, wissenschaftlich ernst ge- nommen zu werden. Denn der Marxismus ist nicht voraussetzungs- lose, nicht unabhängige, sondern gefälschte Wissenschaft. Punktum. So einfach, wie es hier steht, steht's auch im Artikel. Aber es kommt noch besser. Denn— Zweitens: Der Sozialdemokrat bietet als Dozent„keine Ge» währ in bezug auf den Charakter". Warum? Nun, noch einfacher: „Weil er mit der Zulasiung zum Lehramt die moralische Pflicht zur Stützung der Autorität des Staates übernommen hat, die er als Sozialdemokrat gleichzeitig zu untergraben und zu zerstören gewillt oder verpflichtet ist.' Und darum ist die Lex Arons der Weisheit höchster Schluh, darum darf der Sozialdemokrat auch nicht einmal Physik dozieren. Es wird einem schwer, über solches Zeug noch ein Wort zu verlieren. Aber da der Artikel nur offen ausspricht, was bei den inaßgebenden Instanzen in Preußen bisher Richtschnur des Handelns war. soll es doch geschehen. Zunächst ist es ein geradezu toller Gedanke, datz die Uebernahme eines akademischen Lehramts zur„Stützung der Autorität des Staates" verpflichtet. Wer so etwas schreibt, zeigt, datz er die Hochschulen mit JnstruktionS- schulen für Polizisten verwechselt. ES ist durchaus keine Besonderheit deS Sozialdemokraten, zum gegebenen Staat in Opposition zu stehen. Jeder, der eine politische Uebcrzeugung hat, welcher Art sie auch kleines Feuilleton. Ein politischer Disziplinarprozeß vor hundert Jahren. Ein interessantes Gegenstück zu dem Prozeß gegen den früheren Bürgermeister Dr. Lothar Schücking bildet das Gerichtsverfahren, daS im Jahre 1801 gegen den preußischen Zollrat HanS von Held inszeniert lourde. Der Sache, die manche Aehnlichkeit mit dem Fall Schickcdanz hat, lag folgender Sachverhalt zugrunde: In dem genannten Jahr war ein anonymes Buch erschienen, da? schwarz gebunden und mit schwarzem Schnitt versehen war, und de» charakteristischen Titel trug:„Die wahren Jakobiner im preußischen Staat, oder aktenmätzige Darstellung der bösen Ränke und betrügerischen Dienstführung zweier preußischer Staatsminister. 1801. Ueberall und nirgends." Das 223 Seiten starke Buch, von dem sich ein Exemplar augenblicklich noch in der Berliner Stadtbibliothek befindet, enthielt die heftigsten Anklagen gegen die beiden Minister von Hoym und Goldbeck, die beschuldigt wurden. bei den südpreutzischen Güter- Verkäufen, die die preußische Regierung an den Besitzungen der aufständischen Polen hatte vornehmen lassen, sehr zu ihrem und ihrer Verwandten Vorteil gewirtschaftet zu haben. Insbesondere richteten sich die Angriffe gegen den Minister v. Hoym, dem bor- geworfen wurde, von den 1733 eingezogenen 2000 Gütern polnischer Adliger einen großen Teil an Günstlinge und Schmeichler verschenkt zir haben. Dem Buch war noch ein Register beigegeben, das die Berschenkungen der Reihe nach nachwies. Ein Exemplar war direkt an den König Friedrich Wilhelm III. geschickt worden. Das Buch wurde später allgemein unter dem Titel:„Das schwarze Buch' bekannt. Die Anklageschrift war unter Umgehung der Zensur und anonym erschienen. Doch dauerte es nicht lange, so wurde der Verfasser in der Person des HanS v. Held gefunden. Er wurde sofort verhaftet und auf die HauSvogtei gebracht, wo ihm der Prozeß angekündigt wurde. Hier schrieb er eine Rechtfertigungsschrift, in der er zahlreiche Beweise für seine Behauptungen erbrachte. Auch von außenstehenden Freunden wurde ihm während der Untersuchungshaft noch viel Material zugetragen, so daß es ihm leicht lvurde, eine vollständige Tabelle der verschenkten Güter aufzustellen. Doch das half ihm alles nicht. Durch die erweislichen Anschuldigungen und die kräftige Sprache, die er in seinem Buche angeschlagen hatte, war der all- mächtige Minister mir allzusehr verwundet, und selbst Friedrich Wilhelm III. geriet gegen Held in erbitterten Zorn. Obwohl Held, in seinem Kampfe gegen Hoym von den � beiden Ministern Buchholz und Struensee, die Feind eHoymS waren, unterstützt wurde, mußte er doch anderthalb Jahre Festung verbüßen. Die Affäre hatte damals großen Staub aufgewirbelt, und in der Tat war es auch ein seltsames Vorkommnis, daß ein adliger Beamter eine solch schwere Anklageschrift erscheinen ließ. sei, sucht,„je nach der Natur dieser Ueberzeugung einen bestimmten Staat zu untergraben' oder„zu zerstören": der Konservative den liberalen, der Liberale den Polizei- absolutistischen, der Demokrat den auf Klassenvorrechte gegründeten Staat usw. Aus der Stellung zu einem gegebenenjStaat einen Maßstab für das Recht auf einen Lehrstuhl herleiten, heißt einfach die Hochschule zur Dienerin herrschender Gewalten degradieren und die Wissenschaften von„Vorurteilen" abhängig machen,„die durchaus nicht mehr«in der wissenschaftlichen Methode selbst" liegen wie etwaige„Vorurteile der Massen". Was aber den Marxismus anbetrifft, so würde er selbst dann noch das Recht haben, auf den Hochschulen vertreten zu sein, wenn er wirklich so anfechtbar wäre, wie eS der Leitartikler der„Täglichen Rundschau' mit der wenig beneidenswerten Keckheit der Halbwissenden behauptet. Wie er kann nur schreiben, wer keine Ahnung vom Wesen deS Marxismus als wissenschaftliche Lehre hat. Datz der Marxismus Anspruch auf den Namen einer solchen hat, steht in der wissenschaftlichen Welt außer Frage. Ihre Richtigkeit ist ganz etwas anderes, lieber die Richtigkeit von wissenschaftlichen Theorien hat keine Instanz als Konzil zu erkennen, sie iniissen sich vor der freien Kritik bewähren und darum auch die Freiheit des Hörsaals genießen. Im übrigen sind„voraussetzungslose Wissenschaft" und voraussetzungslose Wissenschaftler zwei ganz verschiedene Dinge- Nach der ersten sollen wir streben, sie ist als Programm unseres Forschens Bedingung wissenschaftlichen Arbcitens. BorauSsetznngSlos zu sein, ist aber keinem gegeben. In den Wissenschaften, zu denen der Marxismus gehört, leine Meinung, keine Gesinnung haben zu dürfen, würde den Dozenten der Hochschule zur Rolle eines Registrierapparates herabdrückcn. Darf er aber konservativen, liberalen oder ultramontanen Ansichten huldigen, so mutz er auch das Recht haben, sozialdemokratischen oder selbst anarchistischen Ideen anzuhängen. So viel Urteil muß man den Studierenden zutrauen, datz sie zu unterscheiden wissen, gerade darum wird ihnen die Auswahl aus mehreren Lehrern freigestellt, damit sie selbst beurteilen, wieweit den Vor- trägen der Dozenten, die sie hören, subjektive Theorien und objektive Tatsachen zugrunde liegen. Es heißt die Hochschulen in Kloster- konvikte verwandeln, wenn man ihnen irgendetwas fernhält, was draußen das Leben des Volkes erfüllt. Sehr schön, als hätte er seine„Tägliche Rundschau' borgeahnt, sagt Max Weber im neuesten Heft des„Archiv für Sozial- Wissenschaften": „Ich nehme mein staatsbürgerliches Recht, bei öffentlichen Auseinandersetzungen über Tagessragen„Kathedersozialist" zu sein, genau ebenso entschieden in Anspruch, wie ich mir etwas darauf zugute tue, daß meine früheren Schüler alle denkbaren Wirtschafts- und sozialpolitischen„Standpunkte" einnehmen." Und ebendaselbst an einer anderen Stelle: „In dem Versuch, Werturteile als„wissenschaftliche Er. kenntnis" hinzustellen und in der Gepflogenheit, geschützt vor der Oeffentlichkcit, vom Katheder den Schülern einen BewertungS- standpunkt aufzudrängen,— aber natürlich: ebenso einen„gemäßigten" wie einen„extremen"— sehe selbstredend auch ich das entscheidende Unrecht." DaS ist in der Tat daS Entscheidende. Der Dozent braucht nicht„vorauSsetzungslos" zu sein. ES ist von ihm nur die Ehrlich- keit zu verlangen, datz er seine Hörer nicht in Unklarheit darüber läßt, wenn er ihnen nicht reine Tatsachenerkenntnisse, sondern in seiner Eigenschaft als Vertreter einer bestimmten Anschauung ihneir Wert- urteile vorträgt. Im gleichen Sinne schrieb kein anderer als Karl Marx: „Einen Menschen aber, der die Wissenschaft einem nicht aus ihr selbst, wie irrtümlich sie immer sein mag, sondern von außen, ihr fremden, äußerlichen Interessen entlehnten Standpunkt zu akkommodiercn sucht, nenne ich gemein."(Theorien über den Mehrwert, U 312.) DaS macht dem Gerede des Rundschauers von der Gegnerschaft deS Marxismus gegen die Bedingungen der Wissenschafilichkeit ein Ende. Gewiß, die Hochschulen wollen parteilos sein. Diese Forderung kann aber nicht dadurch erfüllt werden, datz man Anhänger bestimmter Parteien von ihnen ausschließt, denn das heißt gerade, sie im Gegen- teil zu Parteiinstituten nrachen, sondern nur dadurch, datz man die Niederlassung als Dozenten an ihnen lediglich von einem bestimmten Matze des Wissens und Könnens abhängig macht. So wird es an den öffentlichen Hochschulen Englands, Frankreichs, Nachdem Held seine Strafe verbüßt hatte, wurde er zunächst auf Wartegeld gesetzt, aber später auf Wunsch des Königs wieder in eine ähnliche Stellung eingesetzt. Dieses Entgegenkommen wurde Haupt- sächlich deshalb geübt, um ihn zu beruhigen, da Held auch nach Verbützung der Strafe weiter bemüht lvar, den König über seinen Günstling Hoym aufzuklären. Man sieht, der Prozeß, der vor über hundert Jahren den preußischen Behörden einiges zu schaffen machte, bietet allerlei Berührungspunkte zu dem jüngsten Prozeß der Bureaukratie gegen den ehemaligen Husumer Bürgermeister. Hat sich das Wetter gegen früher geändert? Man hört häufig in der Gegenwart die Befürchtung aussprechen, daß das Klima sich gegen früher geändert habe, zumal dann werden solche Stimmen laut, wenn besonders regelwidrige Witterungsverhältnisse auftreten, wie warme Winter, kalte Frühlinge, nasse Sommer und schwüle Herbste. Solche Erscheinungen machen auf den Durchschnitts- beobachter den Eindruck von meteorologischen Abweichungen, aber daS Gedächtnis des Durchschnittsbeobachters ist kurz, deshalb wendet man sich am besten an den Beobachter der Durchschnitte, um Antwort auf die vorliegende Frage zu er- halten. Kürzlich veröffentlichte einer dieser, Sir John Moore, in einer englischen medizinischen Zeitschrift eine Arbeit, in der auf Gnmd sorgfältig zusammengestellter Wetterberichte alle ängstlichen Sorgen über drohende klimatische Katastrophen in der nächsten Zu- kunft niedergeschlagen werden. Mit einem Wort, unser Klima ändert sich nicht. Es besteht gegenwärtig dieselbe Dnrchschnittswetterlage wie in den letzten 303 Jahren und nichts berechtigt dazu, eine Aenderung hierin für die nächste Zeit zu prophezeien. Ge- stützt auf Angaben in Evelyns Tagebuch, welches den größten Teil des 17. Jahrhunderts betrifft, kann man sagen, datz das Wetter damals ebenso veränderlich war wie heute. Moore zeigt in seiner Abhandlung, datz die extravaganten Schrullen des einen Jahres kompensiert werden durch außergewöhnliche Gleich- mätzigkeit im anderen, und datz die Durchschnitte von fünf Jahren nur ganz geringe Abweichungen von denen eines anderen Jahrfünfts zeigen. Was Temperatur, Barometerdruck, Regenmenge oder Sonnen- schein anlangt, so scheinen die überreichlichen Zumessungen die Mängel vom anderen Jahr selbst auszugleichen. Die Durchschnitte für längere Perioden als in fünf Jahren zeigten ganz ähnliche Werte, so datz man annehmen kann, daß das Klima nach wie vor dasselbe bleiben wird. Hnmor und Satire. Geehrter Herr! Geehrter Herr! Sie sind durchschaut! Sie haben neben Ihrer Frau eine„Braut"! Sie drehen Dinger, Sie kleiner Nickel! Morgen erscheint darüber ein Artikel Italiens, der Schtveiz gehalten, ohne datz darum„der Staat" in diesen Ländern zusammenbricht, und man hat ein Recht zu verlangen, daß eS auch überall in Deutschland so geschieht. Das Gemeinwesen, Staat genannt, ist nicht das Privateigentum der Klaffen, die es heute regieren. Es ist auch nicht so schwach geartet, daß eS ohne diese Herrschaft und die ihr entsprechende Staatssorm nicht existieren könnte. Eine schöne„voraussetzungslose" Wiffenschaft, für die der Staat außerhalb der Gesetze der Entwickelung steht! Es würde dem deutschen Namen zur höchsten Unehre gereichen, wenn der Hoch« schullehrertag sich in ihrem Namen bewegen Uetze, den Weberschen Antrag abzulehnen. Die Sozialdemokratie hat kein besonderes Parteiintereffe an seinem Schicksal. Sie hat bewiesen, datz sie auch ohne rote Dozenten zu leben, zu wachsen und zu blühen vermag. Aber wie Laffalle einst, wegen seines unvergänglichen Arbeiter- Programms angeklagt, preußischen Richtern zurief, fo kann auch die Sozialdemokratie den deutschen Hochschullehrern zurufen:„Um der Nation und ihrer Ehre willen, um der Wissenschaft und ihrer Würde, um des Angedenkens willen, das die Geschichte ihren eigenen Namen bewahren wird, meine Herren— fordern Sie wenigstens fürdie Hochschulen die uneingeschränkteFreiheit der Wiss'enfchaft." für den schwedischen generniitreiß. Bei der Berliner Gewerkschaftskommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: KI 29 Maurer Bau Blücherstraße 8,65. 6200 Bau Kühlhallcn 10,—. 11848 Borussia. 4. Rate 8,70. 6510 und 9770 Bauhilssarbeitcr Berlins 5,35. „Vorwärts", Werkabteilung, 5. Rate>75,—. Freund Mittlers,—. 8190 Kollegen der Möbelsabrik E. Barth 10,35. Zcntralverband der Töpser, Filiale Berlin, aus Listen 175,15. Ofensetzer der Firma Kozowreck, ver- zichtcte Streikunterstützung 42,50. 12137 Tischlerei O. Erdmann jr., 2. Rate 7,60. Sektion der Gips« und Zemcntbranche auf folgende Listen: 5133 5,45. 5140 7,05. 9310 4,05. 9319 Zementicrcr. Einschalcr und Hilfsarbeiter und 9320 Eiscnbetonbau Nonncndamm 16,60. 9325 Rabitzer der Firma Stehle, Charlottenburg, Bau Fritschestraße 12,—. 9326 Zementierer, Einschalcr und HilsSarbcitcr, Bau Blücherstraße 18,70. 9327 Rabitcr Firma LI. Kranß, Bau Potsdamerstraße 8,—(in Summa: 72,45 M). 12314 Tischlerei Prüchtel, 4, Rate 17,55. S. P. 1,—. 7278, 7280 und 7281 Sektion der Putzer Berlins 22,75. 9925 Buchdruckern Roscnthal u. Co.. 7. Rate 16,30. 12784 Metallarbeiter Furch u. Sickermann 11,85. Stocksabrik Rosenberg 4,20. Schristgießerei O. Tech 9,65. 12643 Buchdrucker« G. Bernstein, 8. Rate 13,75. Buchdruckerei H. Bcrgemann, 4. Rate 5,40. 10853 Metallarbeiter Kordes u. Co. 7,25. 11293 Metall- arbelicr v. Lindström, 6. Rate 39,10. Skalllub Kreuz Neune, 2. Rate 5,—. 9930 Berbandsmitglieder und Hilssarbeiter von Liebheit u. Thießen 8,60. 12317 Kronleuchterjabr. Hauschild u. Co.. 4. Rate 16,90. Bautischlerei E. Mittag, 5. Rate 12,50. 11297 Buchdruckerei Gebhardt, Jahn u. Land, 8. Rate 13,90. Stockarbcitcr von H. Goldbach, 3. Rate 10,—. 9552 Metallarbeiter F. Kuppel, 4. Rate 13,20. 12621 u. 22 Lindeudruckcrei sNat.-Ztg.), 8. Rate 55,45. Druckerei H. S. Hermann, Nachtr. zur 6. Rate 23,05. 11864 Druckerei Simion Nachf., 7. Rate 9,15. llnterkommissioil Nciuickendors auf solgendc Listen: 2907 16,60. 2903 6,40. 2909 3,15. 2911 Laun u. C. Walzwerk, 4. Rate 20,85(in Summa: 47,—).— 12627 Verbandsmitglieder„Deutsche Tageszeitung", 7. Rate 29,35. Plüschweber EIS- bnch, 9. Rate 14,—. 12639 Metallarbeiter von Förster u. Runge, 3. Ryte 17,15. 12298 Metallarbeiter von Kiekow, 6. Rate 9,—. Falzerei„Berliner Tageblatt", 8. Rate 31,—. Buchdruckerei A. W. Schade 21,60. 11890 Buchdrucker« W. Kohn, 6. Rate 5,75. 9469 Mechanische Kartonfabrit 3,30. L. Goldbach 2,—. 12661 Transportarbeiter und C.-Abt. I. Pintsch, 7. Rate 16,65. Tischlerei Dobbert, 7. Rate 4,—. Buchdrucker« Gebr. Unger, 7. Rate 26,05. Il301 Kollegen bei Reimann, 5. Rate 5,50. Mechanische Werkstatt H. Koetzkc, 7. Rate 6,75. 12726 Modelltischler v. Moldcnhauer, 3. Rate 19,50. 12664 Metallarbeiter v. Bischoff. 8. Rate 16,—. 12629 u. 12630 Metallarb. v. F. W. Müller 21,30. Handluchsahrer v. R. Bach, 6. Rate 12.—. Hilss. arbciler der Reichsdruckerei, 4. Ztate 52,65. 12174 Klaviaturfabr. Buchholz, 4. Rate 16,60. Tischlerei M. Schultz, 2. Rate 7,20. 11839 Buchdruck. Lenz u. Co. 14,10. 11885 Buchdruck. O. v. Holten, 8. Rate 23,15. Koll. v. Reiß 6,35. 6199 Schulbau Witmersdors, 7. Rate 7,15. 10366 U. H. 3.—. 6138 2,80. 12734 Pianosabrik Hillgärtner, 4. Rate 13,—. Lange 1,—. Setzmaschinenabteilung Denier u. Nicolas, 7. Rate 4,—. Fünf SangeSbrüder Männerchor Köpenick 6,—. Eisenmöbelfabr. Ruhnau, 3. Rate 5,—. Töpser von Kunde u. Karl N. 17,05. Droschkenautomobilbew. R. Sagert 15,—. Familie E. 3,—. Handwerker v. A. Werlheim, 2. Rate 13,45. W. Schulze 2,—. 9867 und 68 Buchdruckerei„Bosfische Zeitung", 7. Rate 40,—. Fahrpcrsonal Automobilgcs. Femtstr. 18,—. 11155 B. K. 6,35. Verband der Tapezierer, Filiale Berlin, aus folgende Listen: 2120 Werkstatt Dupke 5,50. 2191 C. Müller«. Co. 16,20. 9263 Ambüren u. Kampka 44,—. 10876 Flatow U. Priemer 18,—. 11761 Kunst im Handwerk 12,50. 11764 Hohenzollern 6,80. 11765 Dunsli 14,45. 11767 N. Israel 13,80. 11768 Dittmar 19,—. 12180 Kunst im Eandwerk 14,50.(In Summa 164,75.)— Zentralverband der Fleischer, rtSverwaltung Berlin, aus folgende Listen: 7850 16,75. 4549 7,80. 7848 7,40. 4555 8,—. 4548 2,80. 4551 2,50. 4553 5,—. 4568 2,25. 4567 4,80. 4556 4,—. 7843 4,50.(In Summa 65,80.)— Mich schmerzt dieser traurige Umstand tief. Ich bin monarchisch und konservativ, Ich habe nur deshalb hier vorgesprochen, Man ist halt national bis auf die Knochen. Die Sache läßt sich vielleicht unterdrücken— Doch muß man den Autor schmieren und spicken. Es kostet Zaster, das merken Sie sich gleich, Hoch Kaiser und Reich l Wollen Sie etwa nicht? Ich sage Ihnen bloß: Morgen geht die Katzenmusike los II Fünfhundert Mark her— sonst schliddern Sie rein! Ich bin ein Preuße, will ein Preutze sein! _{Gottlieb im„Tag".) Notizen. --- Gründet Festspiele. Neben der Denknialpest beginnt im heiligen Deutschen Reich eine neue Landplage sich verheerend auszubreiten: die Festspielmanie. In diesem„historischen" Lande gibt eS ja kaum einen Ort, der nicht eine Welt- oder winkelhistorische Erinnerung meist anekdotischer Art hat, die sich zu einen: Festspiele verarbeiten ließe. Ob die Geschichte dabei gefälscht und wirklicher historischer Rahmen durch modernen Flittertand entweiht wird, spielt keine Rolle. Wenn nur findige Köpfe gründen, lokale Rcimlinge dichten, die heranwachsenden Mädchen festspielen können und vor allem die Fremden angelockt werden, dann ist alles in Ordnung. Und so verzapft man denn in dem lieblichen Rothen- bürg, in Altdorf bei Nürnberg{Wallenstein im Karzer I) und sonstwo fürchterliches Zeug. Und das schlimmste ist: daS Geschäft geht. Der pokulierende Festdeutsche findet Gefallen an der Sache. Die Ge- schichte bietet sich ihm hier in der einzig ihm zusagenden Form des Festrumnrels. Nächstens Ivird keine Burgruine, kein historisches Schlachtfeld, kein obskures Nest mehr des erhebenden und seine nationale Vedentuug würdig feiernden Festspieles entbehren. Viel- leicht ist schon eine G. m. b. H. dabei, den Teutoburger Wald in einen nationalen Rummelplatz umzuwandeln. ES wird höchste Zeit, daß ein Trust sich bildet, um das Geschäft zu zentralisieren. Wenn sich kein Festspiel lohnt, kann man wenigstens eine Gedächtnis- halle womöglich mit lebenden Bildern und Kinematographen gründen {Entree 1 M.). Fürwahr herrliche Perspektiven biete» sich einem Volke, daS so reich ist au historischen Erinnerungen. — Wagner— flämisch. Die von der Gemeinde unter» stützte flämische Oper in Antwerpen gedenkt WagnerS Ring der Nibelungen in flämischer Sprache aufzuführen. Holzarbeiter von Wagner u. DünneSeil, 3. Rate 6,10. 0987—6912 Bnch- oruckerei ffi.<5. Mittler u. Sohn, 7. Rate 61,05. Zentralverband Deutscher Braucreiarbeiter, Zahlstelle Berlin aus solgend« Listen: Brauerei Friedrichs- Hain 815. 11201, 11212 21,50. Patzenhoser I 700, 11208 Brauer 28.50. 834 gesammelt durch Werner 21,80, 702, 793 Flaschenkcllerarbeiter 23,05. Pahenhoser II 741 Brauer und HilsSarbeiter 16,65, 821 Flaschenkellerarbciter 28,05. Schlohbrauerei Schöncberg 11218 und ohne Nummer Brauer 14,40, 763 Fahrpcrsoual 4,50, 830 Flaschcnkellerarbelter 24,10. 780 Bergschloh, Brauer 5,50. 765 Bock X, Brauer 6,15. 730 ilronenbrauerei, Uaschentellcrarveiter 8,45. 742 Unionsbrauerei, Brauer 3,90, Böhm. Brauhaus 833 Flaschenk.-Arbeiter 11,15, 761 Brauer 6,70, 601 Hos- u. Hilssarb. 11,20. 800 Osw. Berliner 6,60. 855 Löwenbrauerei 5,40. . 11333, 11204 Schulthcib 4 80,65. Germania 803 Flaschenk.-Arbeiter 3,95, ■ 801 Brauer 3,70. 791 Happoldt Brauer. Handwerker, HilsSarbeiler 9,20. 816 Königstadt Flaschenl.-Arbciter 4,15. 785 Schwitzergarten Brauer und HilsSarb. 2,15. Viltoria 818 Flaschenl.-Arb. u. Stallpers. 6,40, 804, 11194 Brauer 7,50. 762 Wanninger Brauer 8,20. 787 Muuchener Brauhaus Brauer 13,45. 11196 Bock II Flaschenl.Arbetter 12,90. 788,861 Spandauer Berg Brauer 19,35. VereinSbrauerei 845 HilsSarb. 11,55, 646 Brauer 9,85. Schultheiß I 836. 856 Flasch-iil. u. Hosarb. 49,85, 847, 11198 Brauer 22.20. II 810, 852, 11193 Brauer 50,75, 844, 11191, 11224 Flaschen!, u. Hosarb. 98,15; 11192, 11223 Fahr- u. Stallpers. 25,30. 826 Hilscbei» II. Brauer u. Hilssarb. 10,25. Deulsche Blerbr. PlchelSdovs 666 HilsSarbeiter 16,90, 807, 865 Brauer 57.—, 838 Ndlge., Fahrpersonal 15,20. 827, 862, 11213, 11231 Roland, Bierndlge.ß Flaschenk.-Arb. u. Fahrpers. 61,15. Bötzow 839, 840 Flaschenk. u. Hosarb. 14,20, 760 Brauer 4.20. 324 Stadtbrauerei, Brauer u. Fahrpers. 12,40. 811, 11206 Genossensch.-Brauerei FriedrichSh. 11,30. Nordstern 846, 11220 Fahrpersonal 17,50, 825, 853, 11210 Brauer 25,25. 829 Pilscner Brauh., K.-Wufterh., Brauer 2,70. 850 Hilsebein I, HilsSarbeiter 8,35. 8M, 823 EnderS, Brauer u. Flaschenk.-rlrb. 8,80 841 Gabriel u. Nichter, Brauer 1,80. 799 BersuchS« u. Lechrbr., Flascht.-Arb. u. Fahrpers. 5,45. 854 Angestellte d. Hauptverwaltung d. Ärauereiarb.-Berb. 11,—. 849 Angestellte d.Ortsverwaltuna d. Brauereiarb.-Verb. 12,—. 920,20 M. 7487 Holzarbeiter 22,—. 11871 Buchdruckeret C. Marschner, 8. Rate 21,65. 12733 Tischleret M. u. F. Behrendt 22,75. B. A. R. V. 2. Abt. 1,10. 12851 Silberwarensabr. MoSgan 13,70. Kollegen von Kraaß, 5. Rate 5,—. 11911 Personal Buchdruckerei Paß u. Garleb, 9. Rate 40,—. 12315 Buchdr. Berg u. Schach 7,05. 9928 Buchdruckerei C. Kühn u. Sohn«, 8. Rate 28,45. 9377 Tischlerei W. Hhan, 3. Rate 9,85. 12058 Montiersaal Lindström, 6. Rate 48,30. 12727 Bronzcwarcnsabr. Spinn u. Sohn, 8. Rate 13,25. 11836 Etniarbeiter A. Kann, 8. Rate 28,75. 11866 Buchdr. T-chnit, 4. Rate 9,75. Klempnerei von Schicgnitz, 7. Rate 14,—. 12653 Tischlerei Metzer, 8. Rat« 16,30. 12318 Xtronleuchterfabrit von Gansercit u. Co., 8. Rate 11,70. Buchdruckerei I. Siltenseld, Setzer, 7. Rate 6l,70. 11865 Druckerei Hausmann 8,85. 12077 Albumsabril A. Dittinar, 4. Rate 15,75. Pers. Gawanoplastik, 8. Rat- 15,—. 8303 7,—. 11888 Rotations. malchinemnelster»Woche»,„Tag», 6. Rate 7,—. Möbelfabrik John, Bester u. Co. 10.—. 11887 Buchdr. Bollsraß u. Apel, 8. Rate 10.20. 12262 Buch. druckercl W. Simon, 7. Rat« 7,85, Bautischlerci Scheller u. Co. 6,05. 12658 bis 12660 Verbandsmitglleder Druckerei vllxeustein 61,40. Zuckersack 3.—. 12626 Tischleret Wolshardt u. Goldschmidt. 8. Rate 14,75. 12022 Ptanosabrtk Röste u. Co., B. Rate 15,15. 12265 Berliner Druckerei, 8. Rate 6,10. 12780 und 12731 Pianosadril Bell u. Co. 28,—. Untertonimijsion , Schöneberg aus folgende Ästen: 1147 2,50. 1149 1,70. 1173 Bezirk 8a, Schöneberg 4,20. 1183 Durch Schellhase 11,30. 4482 1 Bautischlerel Schorn u. Ziep, 4. Rate 10,—. 4437 Taxameter, 4. Rate ' 36,15. 4443 Bcdag, Dep. 2, 8. Rate 19,—. Fliesenleger u. Talgschmclzer, Lichtenberg. 6. Rate 32,83. 4452 Hilscher u. Conradlsen, 3. Rate 16,16. 7457 bis 7459 Tischlerei Wegner, Schöneberg 26,25. Vertäust« Tarife Firma Reddemann 6,—.(In Summa 168,13.)— Bauanschläger von E. Frank- 13,—. 12635 bis 12637 Pianomechaniksabril O. Köhler 81,—. . Angestellte der OrtSkasse der Maurer, 3. Rate 15,—. E. Jödtcke 1,—. i Schlciser von S. A. Löwi 7,20. Jngendorgantsation Reinickendors-Ost 2,65. Verband der Steinsetzer, Bez. Rixdors 4,—. Brandenburgtscher Maschinen- setzer-Verein, Sitz Berlin 50,—. Gesellenseier der Elektromotorenwerke L,—. Kernmacher von H. Härtung, 5. Rate 10,50. 6980 Tischlerei Schneider 9,60. Pntzertolonne LiefelM 15,80. 2708 Arbeiter v. Leonhardt u. Co. 19,40. 2338 5.05. HilsSarbeiter der»Deutschen TageSztg.», 8. Rate 7,50. Maschinensabr. PromclhcuS, 2. Rate 11,10. Kraftverein Jugendkrast, 3. Rate 10,—.„Volts- bote»-Stetttn 800,—. Bauiischleret G Möller, 7. Rate 21,40. Bautischlerel \ Ractz 3,90. Transportarbeiter v. E. Möller 5,—. 12638 Expedition Sitten- ! seid-2,70. Zentralvcrband der Textilarbeiter(Fil. Berlin) aus folgende Listen i 7556 durch Martha Hoppe 25,50. 5388 Teppichsabr. Schwendy 16.30. Teppichsabr. Benjamin 11397 3.—. 11398 19,25. 11399 17,90. 7568 d. Wilhelm Hanisch 3.20. 6802 Posamentiere 4.20. 7569 Stickerei Kerb l l. 30. 11407 Teppichs. Schtvendh 13,55. 11406 Teppichsabr« Feibisch 19,05. 11403 Strickerei Kerb 11,25(in Summa 144.55).— 12299 Silberwarensabr« H. Mehen u. Co., 5. Rate 39,45. R. HenckelS,—. 12316 Planomechanttsabrtt WieSner, B.Rate 12,85. 10635 Parteischule 32,—. 12034 Kontoböchersabrit 21, Schuchar 7.80. 12720 Tischleret von Siebert u. Schweflnger, 9. Rat« 10,55. Bezirk 711, 6. Kr. 9.65. Nole 2,—. 10855 Tischlerei C. Schüler 7,40. lS72o Setzer und Drucker von Sehdet u. Co., 7. Rat« 25,65. Metall- arbeiier von R. Weber u. Co. 85,90. 9470 Prägerei von Albrecht u. Meister 18,25. P. Otto 3,85. 12723 Mechaniker von Galle 5,—. HilsSarbeiter d. 2lkzidenz- und RotattonSabt.»Berl. Tagebl.», 9. Rate 41.—. Mel.'2Irb. v. Rosenstock, 7. Rate 6,—. 11188 Arbeiter der Karbon« Lichte- gcs., 3. Rat« 24,90. 12306 Möbclsabr. Heinz, Lauter u. Co., 7. Rate 22,45. «181 Firma HerrnZ 1,60. Feldbiner 8,—. Klanz 1,50, Verband der Fabr.- "Ii-b., iörtsverw. Berlin, aus solgende Listen: 141 11,55. 7943 5,45. 184 HilsSarbeiter v. König u. Küken 4,80. 185 Stanzeret Beraemann, 3. Rate 10,80. 186 Jsolatorenwerke 14,60. 198 Gummifaor. Herz 23,15. 203 Lack- sabr. Hehde 2,55. 7961 Nigrolilwerle 8,70. 7972 Lindner u. Paaizow 6.60. 7975 Arbeiter der Firma Sl, Blumann, Halensee 14,70, 7976 Arbeiter der Knopssabrik Röhl, Thaerstraße, durch> Wagner 14,60. Arbelter der Firma Scherlng, Müllerstraße, 3. Rate 12030 12.50. 12031 20Z5. 12032 Nlgrolitwerke Weiß-nse- 7,15. 7969 Bezirk Spandau 5,15. 7964 Chemische Fabrik Griesheim, Spandau , 17,65. Zemeniarbeiter von EiSwerder, Spandau 7,55(in summa: 137,251. — 6539 und 6599 Verband der Bauarbeiter, Zahlstelle Berlin 18,10. Deutscher Metallarbeiter-Verband, OrtSverwaltung Berlin, aus solgende Listen: 3495 R. Schulz, 2. Rate 7,80. 3512 Falbe 13,30. 3513 Nutzte, Gürtler und Schleiser 18,20. 8561 Deutsche» Kabelwerk 9,80. L. Loewe u. Co.: 5707 12,20. 10377 12.75. 10378 27.60. 10379 10,20. 10380 17,30. 10331 14,15. 10382 31,80. 10383 24.35. 10334 8.80. 10335 8,70. 10386 8,40. 10887 23,75. 10388 31,20. 10389 5,70. 10390 8.40. A. E.-G., Schlegelstraße. 3. Rat« 10429 49,50. 10430 53,50. 10431 37,-. 10432 38,40. 10433 25,50. 10434 14, ZO. 10435 19,50. 10488 10,-. 10437 45,75. 10438 16,05, 10,439 22,90. 10440 45,—. 10441 37.25. 10442 4,—. 10443 Roller. 4. Rate 17,—. H. Aron 10457 20,95. 10458 20,55, 11575 14,50. 10562 Spitz u. Co. 30,60. Weichbrodt U. Friedrich 10569 22,-. 10570 7,—. 11455 Körber 7.15. 11463 Raschiz 8,—. 11565 Schmidt u. Co. 5,85. 11580 Sackhos u. Sohn 9,50. 11728 Danneberg u. Co., Kranz- überschu» 1,85. 11729 Kilian, 7. Rat« 37,—. 10553 Borsig durch Siebe»- haar 30,70. 8663 B. Schröter u. Co., Gießerei 12,—. Tellersammlung der Dreher o. 26. 9. 38.95. 10200 Friedrich 16,90. 3824 d. Hansen 20,—. 8317 Progreß, 2. Rate 22,75. 8571 Borsig. 2. Rate 57,75. 10288J.Schwar,u.Co.. 3. Rate 14,20. 10529 Heubach Abt. Leed«, 5. Rate 13,30. Typograph, 7. Rate 10531 32,30. 10532 30.50. 10533 48,—. 10534 23,60. 10535 9,—. 10536 28,75. Drochmann u. Schweizer, 7. Rate 10296 16,50. 11554 17,80. 11470 Flügel, 2. Rate 8.—. 11583 Gebr. Braut u. Co.. 5. Rate 14,20. 11535 H. Bernert 7. Rate 57,—. 11587 Münchmeier u. Co. 18,65. F. R. Werner 12362 22,90. 12363 14,20. 12364 14,80. 12365 16,45. 12366 28.55. 12324 Löwenstein. 3. Rate 37,40. 10415 C. Flohr, Nachtrag 3.20. Von den organisterlen Arbeltern der Allgem. EletlrizitälS- Gesellschast «ckerstr., Abt. I 141,80, II 128,93, III 270,55, IV 173,80, V 105,40, VI 140,90, VU 188,65, VIII 54,—, Lager 75,15, Von den organisierten Arbeitern der A. E.-G., Voltaftr.: 5506 11.50. 5507 8,70, 6516 18,15, 5525 15,85, 5531 14,50, 5539 27,10, 8332 29,—, 8333 92,60, 8334 11,25, 8336 24,65, 8397 15,30, 8338 21,40, 8339 8,50, 8340 23,20, 8341 41,80, 8345 36,45, 8346 24,70, 8347 10,95, 8348 40,85, 8349 13,75, 8350 22,80, 8352 15.—. 8353 23,60, 8358 47,65, 8359 19,65, 8360 17,—, 8862 9,30, 8364 32,60, 8366 15,40, 8368 13,60, 8369 35,50, 8370 14.15, 8336 22,50, 8361 5,65. 1727 Nachtrag 2,80. A. E.-G. Turbine. 7. Rate 28,50, 11486 10,75. 1148? 7.20. 11502 20.-. 12325 37.—. 12326 27,50. 12323 9.-. 12329 11,95. 12330 20.—. 12331 12,05. 12332 13,—. 12333 22.—. 12335 19.—. 12336 47,90. 12337 28,85. 12333 22,80. 12340 23,90. 12341 10.—. 12342 20,50. 12443 18,80. 12.345 28.-. 12347 45,50. 12348 26.—. 12351 8,75. 12352 16,15. 12353 18,25. 12354 34,—. 3735 Sturmhebel«. Reckhos 8,10, 5640 durch Ziegler 16,70. 8696 durch Ziegler 8,50. Deutsche Waffen» und Munitionssabril, 4.»nd 5. Rate 65,30. 12469 17.50. 10263 45,45. 10224 N. Enzinaer, 6. Rate 11,25. 12226 Grünbaum u. Scheuer 3,60. 10422 durch Rosenseld 7,—. 10455 Kochinke u. Co. 9,70. 10528 Schäfer u. Hauschild, 8. Rate 14,15. 10581 Kremmener Schlosser und Former, 3. Rate £t,65. 10584 Köppe u. Schulz, 7. Rate 22,—. 11441 BloSkopge 6,50. 11453 durch O. Nagel 5,85. 11465 Grauert, Eisengießerel, 6. Rate 29,70. 11466 Hauschild. 3. Rate 14,40. 11549 Dietrich, 4. Rate 10.66. 11559 Bergas, 6. Rate 11,05. 11570 Klemme. Anschläger 31,50. 11582 Scherbe! 1«.—. 11584 Eckner, 8. Rate 7,30. 11586 Weinbaum 10,—. 11594 Eckel u. Glinicke, 3. Rate 22,85. 11595 O. R. Ritsch. 8. Rate 10.—. 11597 Speck. 8. Rate 15,55. 11615 Asch u. Sons, 5. Rate 16,90. 11699 Emmerich u. Schöning, Schleiser und Galvanik, 8. Rate 16.40. 11701 GowertS 5,—. 11702 Frost u. Söhne, 7. Rate 41,35. 11705 Hasse und Wrede 32,95. 11711 Schönhetmcr, 8. Rate 12,15. 11712 R. Stock u. Co.. 6. Rate 9,60. 91. Stock u Co. 11713, 6. Rate 10,55. do. 11714 23,65. 11717 KuerS, Tegel. 2. Rate 11,80. 11730 Winde u. Lahur 10,—. 12357 Hartman», Eisengießerei, 6. Rate 34,85. 12367 Reinhold 21,70. 12369 Heimschutz 22,—, 12970 Emmerich u. Schöning, ö. Rate 21,10. 12901 Bergschlosserei 8,—. 12467 Muth u. Schmidt 10,85. 12531 C. Möhring, 6. Rate 8.50. 11696 Kray, 8. Rate 34.60. 12457 Schmidt u. Co., Abt. Hauser 8ß0. 10156 und 10157 d. Wangerin 14,05. 10424 Schmidt 12,75. 11562 Cyklop, Eisengießerei 18,25. 11571 H. Härtung, 4. Rate 16,80. A. E.-G. 11577NeriisIlamPc 13,75. 11579 Sigiialbau 24.60. 11596 Medtz. Warenh., B.Rate 32.—. Il697 Zichlke8,30. 16981 Paiinke, 8. Rate 8,—. 11704 Gasmotoren Deutz 22,30. 11715 E. Lentz, 6. Rate 18,05. 12361 Q. Hauptner, 8. Rate 38,40. 12395 Magnet, 8. Rare 28,50. 12458 Guttmann 38,50. 12620 d. Weinberg 34,—. F. Gackert, 8. Rate: 11589 8,90. 11590 16,60. 11591 14,50. 11592 16,55. 11719 Schlei» u. Slephani 6.—(in Summa 5487,91 M.).— 12667 Berliner Genossenschastsbäckerei, 3. Rate 20,—. 3 Maler 2,—. Verband d. Gemeinde- und StaatSarbeiter, Ortsverwallung Berlin, auf solgende Listen: 4267 Gasanstalt Müllerstraße 9,10. 4268 13,70. 4299 Gitschinerstraße 8,45. 2630 Danziger Straße 6,50. 4116 8.20. 4234 6,40. 4221 Schmargendorj 8,35. 4222 10,10. 4265 Zcntralmagazin 8,90. 4266 11,05. 4295 10.60. 4296 9,80. 4254 Röhrensystem 4,25. 4260 7,45. 4250 Gasanstalt Marien- darf 6,50. 4286 13,15. 4183 Ricselselder 3,15. 4189 1,10. 4270 Wasserwerk Berlin 12,65. 4124 SIratzenreinigung 1,80. 2619 Schlacht- und Viehhos 4.85. 4193 Städtisches Obdach 21,60. 4202 Irrenanstalt Buch 5,85. 4010 Partverwaltung 1,90. 4176 Chansseearbeiter 1,10. 4206 Adlershos 3,25. 4253 GaSwerl Köpenick 9,05. 4263 7,25. 4381 Lichtenberg 1,60. 4291 4,65. 4287 Rixdors 22.70(in Summa 245 M.) Bez. 39413, 2. Teil, 4. Kr. 4,10. Personal Steglitzer Buch- und Kunstdrucke«:, 6. Rate 13,—. Pianosabr. Ad. Lebmann u. Co., 3. Rate 16, l5. Summa 10807,59 M. Bisher find veröffentlicht 213 829,37 M., dazu kommen 10 307,59 M. Summa 224 636,96 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 16 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau, Engelufer 16 1, Zimmer 23. vor- mittags zwischen st.— 12'/, Uhr und nachmittags zwischen 1—7'/, Uhr abzuliefern. Die Listen 3398, 8878, 3837. 9390. 8248, 1860, 2514, 1402, 7186, 7908, 920, 922, 941, 8342, 10335 1403, 8704 4194 und 7846 sind verloren gegangen und sind beim Borzeigen an- zuhalten. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Sericbts- Leitung. Ein Kampf um die Wieberherstellung seiner Ehr« wirb von dem früheren Bildhauer Wilh. Werber seit anderthalb Jahrzehnten geführt. W. wurde im Jahre 1893 des Meineids angeklagt und zu zwei Jahren Zuchthaus nebst fünfjährigem Ehr- Verlust verurteilt. Er beteuert noch heute, unschuldig verurteilt worden zu sein. Die Anzeige war besorgt worden von dem damaligen Kriminal- Kommissar Oskar Krause in Charlottenburg, der jetzt Kriminal. inspektor ist, und auf seine Aussage stützte sich auch das Urteil, das über W. eine so schwere Strafe verhängte. Den Meineid sollte W. geleistet haben in einer Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Charlottenburg, in der neben ihm auch Kr. als Zeuge vernommen worden war. Es wurde damals eine Beleidigungsklage einer Frau Gaedke gegen eine Frau Stahl verhandelt. Während Frau G. für ihre Klage sich auf die Aussage des ihr befreundeten Werber stützte. bediente Frau St. zu ihrer Verteidigung sich erfolgreich der Aus- sagen des ihr befreundeten Krause. Beziehungen, die keineswegs freundschaftlich waren, hatten schon seit längerer Zeit zwischen Kr. und W. bestanden. W. war oer Meinung, datz er von Kr. auS persönlicher Gehässigkeit verfolgt werde. Auch die Meineidsanzeige, die zu seiner Verurteilung führte, wurde von W. aus diesem Motiv erklärt. Er behauptete, bei Gelegenheit der Klage Gaedke wider Stahl sei Unrichtiges nicht von ihm, sondern von Krause ausgesagt und beschworen worden. Ws. Versuche, für sich eine Wiederaufnahme des Verfahrens bezw. ein Vorgehen gegen Krause zu erwirken, brachten ihm wieder» holt Anklagen wegen Beleidigung Krauses ein, die mit Verurteilung endeten. Schwer entschloh er sich, den Kampf als aussichtslos auf- zugeben; den letzten Antrag auf Wiederaufnahme machte er erfolg- los im Jahre 1900. Dann trug er es still acht weitere Jahre, b,s im Jahre 1908 die Wunde von neuem ausgerissen wurde. Er war nicht in die Wählerliste für die Landtagswahlvn aufgenommen worden, und als er Einspruch erhob, kam der Bescheid, wegen Ehrverlustes ruhe sein Wahlrecht. Die fünf Jahre des Ehrverlustes waren zwar längst abgelaufen; aber man weist ja, daß bei der Auf» stellung jener Wählerliste skandalöseste Fehler gemacht worden waren. Den jetzt widerrechtlich aufS neue Entehrten übermannte auf neue der Grimm, und aufS neue griff er in Eingaben an das Ministerium des Innern und an die Staatsanwaltschaft den Kriminalinspektor Krause mit den stärksten Ausdrücken an, indem er forderte, daß entweder gegen Kr. oder wieder gegen ihn selber eingeschritten werde. Er erreichte nur, dah wieder von der Staats- anwaltschaft gegen ihn Anklage wegen Beleidigung des Kriminal- inspettors Krause erhoben wurde. Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte wurde im Juli d. I. nach einem ersten Termin vertagt, weil Frau Gädke geladen werden sollte, um dem Angeklagten den von ihm an- gebotenen Wahrheitsbeweis zu ermöglichen. Gestern stand wieder vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(I6l>. Abteilung> Termin an, zu dem neben dem Herrn Kriminalinspektor und einigen anderen Zeugen diesmal auch Frau G. erschienen war. Aber jetzt wurde eS als wünschenswert erachtet, die Akten der Klage Gädke wider Stahl einzusehen. Der Bersuch, sie zu beschaffen, war bisher leider erfolglos geblieben. Jene Klage liegt schon 17 Jahre zurück, und in Charlottenburg konnte man weder Akten noch Urteil auffinden. Gegen den Borschlag des Vorsitzenden, nochmals zu vertagen, wehrte sich der Angeklagte. Der im 53. Lebensjahre stehende Mann, der den Eindruck eines Schwerkranken macht, erklärte im Ton der Ver- zweiflung, er wisse, dast ihm, den zu seinem alten Lungenlciden und seinen Asthmabeschwerden noch ein Herzleiden befallen habe, die Tage gezählt seien. Aber eben deshalb könne er nicht länger warten; denn seiner Familie wolle er wenigstens das hinterlassen, daß er kein ehrloser Mensch sei. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Karl Liebknecht, hob hervor, dah er selber seit einem Jahrzehnt Gelegenheit gehabt habe, zu beobachten, wie LL. nur diesem einen Gedanken lebe. ES wurde nun zunächst in die Berhandlung eingetreten, und W. erhielt Gelegenheit, in ausführlichster Darstellung die Geschichte seines Unglücks vorzutragen. Schon vor WS. Schwur habe Kr. geäutzert, er wolle„die MeineidSgesellschast unschädlich machen". Verlesen wurde auch Kr. Meineidsanzeige. Sie lieh den ganz un» gewöhnlichen Eifer erkennen, mit dem er die Verfolgung Ws. be» trieben haben muh. AufS neue entstand die Frage, ob nicht auS den Akten Gädke wider Stahl zu ersehen sein würde, waS eigentlich W. beschworen habe. Schließlich gab der Verteidiger nach langer Beratung mit dem Angeklagten die Erklärung ab. er bitte um B«r- tagung, damit weiter nach den Akten gesucht werden könne. Er selber habe sie früher durchgesehen und ihren Inhalt in dem letzten Wiederaufnahmeantrag Ws. niedergelegt, da das aber keine Urkunde fei, so beantrage er, eventuell ihn— den Verteidiger— als Zeugen zu hören. Das Gericht beschloh die Vertagung. Auch wurde dem Antrage stattgegeben, den Gerichtsvorsitzenden zu laden, vor dem im Juli der Termin verhandelt wurde. Er soll bekunden, dah der Herr Kriminalinspektor damals, weil er auf dem Flur mit Zeugen über die Sache gesprochen hatte, auf Wunsch des Verteidigers vom Vorsitzenden ermahnt werden muhte, da» fortan zu unterlassen. Herr Krause habe inzwischen, so begründete gestern der Verteidiger seinen Antrag, diese Mahnung nicht befolgt.- Tolle Schweinereien in einem Sommerlokal. Jene skandalösen Vorgänge in dem von der klassenbewußten Arbeiterschaft boykottierten Lokal des Gastwirts Ernst Zirkow in Heiligensee— nicht zu verwechseln mit dem boykottfreien Wilhelm Ziekowschen Restaurant,„Heiligcnseer Schweiz" in Heiligensee(Sandhausen), dessen Oekonom W. Blessin ist— beschäftigten gestern in der Berufungsinstanz die 5. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des LandgerichtSratS Jaschkowih. Angeklagt wegen wissentlichen Vergehens gegen das Gesetz betr. den Verkehr mit Nahrungs. und Genuhmitteln vom 14. Mai 1879 waren t>et Mstwirt Ernst Zirkow und dessen Ehefrau Wulme, geb. Klein. Wie seinerzeit mitgeteilt, erbrachte die erste VerHand- lung vor dem Schöffengericht Bcrlin-Wedding, die am 25. Mai stattfand, ein kaum glaubliches Bild von Schmutzerei und der ekel- haftesten Unsauberkeit, die in dem Lokal der Angeklagten auf der Tagesordnung stand. Das Schöffengericht verurteilte seinerzeit die Ehefrau Zirkow, welche als die Haupturheberin dieser Schmutzereien angesehen wurde, zu 3 Monaten Gefängnis und 500 M. Geld- strafe, gegen den Ehemann Ziekow wurde auf 1 Monat Gefängnis und ebenfalls 500 M. Geldstrafe erkannt. Ferner wurde seinerzeit die Publikation des Urteils in verschiedenen Berliner und aus- wältigen Zeitungen angeordnet. Gegen dieses Urteil legten sowohl die Angeklagten unter Bei- stand ihrer Verteidiger Sello und Tr. Werthauer wie auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein, so daß sich nunmehr die Straf» kammer in zweiter Instanz mit dieser Sache zu beschäftigen hatte. Die Feststellungen aus der ersten Instanz gingen dahin: Sämtliche Speisen und Getränke in dem Ziekowschen Lokal sind mit dem schmutzigen Havrlwasscr angerichtet worden, welches mit Eimern direkt aus dem Flusse geschöpft wurde. Gröhere Unreinlichkeiten, wie Reste toter Fische und Wasserpflanzen sollen mit der Hand vorher entfernt worden sein. Die Eimer, welche zum Wasserschöpfen dienten, sollten nebenbei noch anderen Zwecken gedient haben. ES wurde mit Hilfe der Eimer der Tanzboden aufgewischt, auch fanden diese Verwendung bei der Klosettreinigung. Schliehlich wurden auch in diese Eimer des Morgen? die Nachtgeschirre aus der Wohnung der Ziekowschen Eheleute entleert. Dies bildete jedoch keinen Hin- dcrungsgruno dafür, bald darauf mit den Eimern das Kaffeewasser aus der Havel zu holen. In einem Kessel in der Küche, in welchem für die Gäste Kaffee gekocht wurde, hat Frau Ziekow wiederholt ihre besonders stark verunreinigte Leibwäsche eingeweicht. Noch schlimmer ist in dem Lokal der Angeklagten mit der Backware um- gegangen worden. Die Britchen, welche später den Gästen vor- gesetzt wurden, wurden in eine:» schmutzigen Holzfast aufbewahrt, in welchem sich Mäuse mit ihrer Nachkommenschaft tummelten. Um diesem„Uebel" abzuhelfen, hat der Angeklagte Ziekow das sehr probate Mittel angewendet, noch einen Hund dazu zu setzen, der mit seiner Schnauze zwischen den Brötchen herumwirtschaftete und die Mäuse totbih. Nicht viel besser ist mit der Milch umgegangen worden, aus welcher erst die Mäuseleichen herausgefischt wurden, ehe sie den Gästen vorgesetzt wurde. In der gestrigen Verhandlung gaben die Angeklagten zu. daß tatsächlich eine derartige Unsauberkeit in ihrem Restaurant be- standen habe. Die Ehefrau Ziekow behauptete in ihrer Vernehmung. daß es auf dem Lande gar nichts Ungewöhnliches sei, wenn zum Anrichten oer Speisen und Getränke das gewöhnliche Fluß- bezw. Havelwasser verwendet werde. Auf eine Frage des Landgerichts- rats Jaschkowitz, ob sie sich denn aar nichts dabei gedacht habe, daß sie denselben Kessel, in welchem sie erst ihre in gewisser Weise be- schmutzte Wäsche eingeweicht habe, zum Kaffee- und Suppekochen benutzte, erwiderte die Angeklagte Ziekow mit dem harmlosesten Ge- ficht:„Das ist eben auch einmal vorgekommen!" In der Bcweisausnahme wurden zunächst die Aussagen einiger komm issarisch vernommener Zeugen verlesen. Eine Zeugin Brasch bekundete eidlich, daß vier alte Emaillecimer, die zum Aufwischen des Tanzsaales, zum Reinigen des Klosetts dienten und in die auch die Nachtgeschirre au» den Schlafzimmern entleert wurden, dann nur mit Havelwasser ausgespült und zum Wasserholen aus der Havel benutzt wurden, welche? dann zum Kaffeekochen diente. In dem Kessel, in welchem dann Kaffee und die Suppe für die Gäste gekocht wurde, weichte die Frau Ziekow stets ihre Wäsche ein, ohne daß der Kessel vorher ausgespült wurde. In der Milch schwammen häufig Mäuscleichen, mitunter sei es auch vorgekommen, daß aus dem Boden der Gefäße, in welchen die Milch aufbewahrt wurde» mehrere tote und schon halb verweste Mäuselcichen gefunden wurden. Die Milch wurde aber trotzdem an die Gäste verkauft. Der ebenfalls kommissarisch vernommene Zeuge Hohmann be- stätigt die Angaben der Vorzeugin. Er bekundete unter anderem. daß die für die Gäste bestimmtmen Brötchen in einem schmutzigen Holzfaß aufbewahrt wurden, in welchem die Mäuse hausten. Hin und wieder sei auch noch der Hund hinzugesetzt worden, der dann mit der Schnauze zwischen den Brötchen herumgewirtschaftet sei und den Mäusen den GarauS machte. Die Brötchen wären häufig mit Mäusekot beschmutzt gewesen. Sie wären aber trotzdem häufig zu Fleischbouletten und zum Pannieren benutzt worden. Die Zeugin Seidel, welche einige Zeit bei den Ziekowschen Ehe- leuten in Stellung war, bekundet folgenden Borfall: Die Frau Ziekow habe eines Tages aus der Milch mehrere tote Mäuse heraus- gefischt und ihr dann von dieser Milch zum Trinken angeboten. Sie, Zeugin, babe sich geekelt und die Milch stehen lassen. Dieselbe Milch sei bald darauf zwei Gästen vorgesetzt worden.— Die Toilettenfrau Birkhahn und ein bei den Angeklagten angestellter Koch bekunden dagegen, daß die sämtlichen Kessel und Eimer stets vor dem Ge- brauch mit Seife und Soda gereinigt worden waren. Irgendwelche Schmutzereien haben sie nicht bemerkt, in der Küche habe die größte Sauberkeit geherrscht.— Eine von der Verteidigung geladene Dame, die drei Jahre bei den Ziekowschen Eheleuten in Sommerwohnung gewohnt hat, bekundet, daß überall in der Küche die größte Sauber- keit bestanden habe. Der Vorsitzende des Vereins der Gastwirte von Tegel und Umgegend, der Gastwirt Kittke, bekündete, daß ihm nur bekannt sei. daß in dem Ziekowschen Lokal die größte und peinlichste Sauberkeit herrsche. Verschiedene andere Entlastungszeugen äußerten sich ebenfalls in einer den Angeklagten sehr günstigen Weise. Prof. Dr. Juckenack erklärte in einem längeren Gutachten unter anderem folgendes: ES sei zweifellos, daß Backware, die mit Mäuse» kot verunreinigt sei, als verdorben im Sinne des Nahrungsmittel» gesetzes anzusehen und für die menschliche Nahrung ungeeignet sei. Die Milch, in welcher Mäuseleichen schwimmen, sei ebenfalls als ver» dorben au bezeichnen. Vom gesundheitlichen Standpunkt aus sei die Verwendung von Havelwasser selbst in abgekochtem Zustande zwar nicht als direkt gesundheitsschädlich zu bezeichnen, wohl aber als ekel- erregend und unter Umständen gefahrbringend. Speisen, die mit Gefäßen, die zu den geschilderten Nebenzwecken verwendet werden. in Berührung kommen, sind ohne weiteres ekelerregend, auch wenn in den Gefäße» das zur Bereitung der Speisen erforderliche Wasser geholt wird. Staatsanwalt Olthaufen beantragte, das erste Urteil zu be« stätigen und die Berufung kostenpflichtig zurückzuweisen. Die Rechtsanwälte Justizrat Sello und Dr. Werthauer hielten eine erheblich mildere Strafe gegenüber den bisher völlig unbe- scholtenen Angeklagten für ausreichend, die mehr in der Unerfahren- heit und Nachlässigkeit al» mit böker Absicht gehandelt hätten. Das Gericht kam nach längerer Beratung zu folgendem Urteil, dem der Vorsitzende Lanogerichtsrat Jaschkowih eine längere Be- gründung voranschickte: DaS Gericht nahm an, daß der Ehemann Ziekow sich als Mann wohl weniger um die Zustände in der Zlüche bekümmert habe, immerhin treffe ihn in verschiedenen Punkten der Anklage der Vorwurf, daß er diese Schmutzereien, insbesondere die Verwendung jener verunreinigten Gefäß« zu Kachzwecken, ge- duldet habe. DaS Gericht habe ihn jedoch als weniger strafwürdig angesehen und gegen ihn nur auf 1 Woche Gefängnis und 500 M. Geldstrafe erkannt. Dagegen sei das Verhalten der Ehefrau Ziekow viel schärfer zu verurteilen, da sie die Urheberin der zur Sprache gekommenen ganz unglaublichen und starken ekelerregenden Schmutzcreien sei. Unter Aufhebung des ersten Urteils lautete das Urteil gegen sie auf 5 Monate Gefängnis und 500 M. Geldstrafe. Ein Trost ist es, daß das durch Mäuse-, Katzen-, Hunde- und sonstigen Dreck ausgezeichnete Ernst Ziekowsche Lokal nNr von solchen Gästen frequentiert wurde, die sich um die Lokalliste nicht kümmern. Baulicher wtarktdericht der städtischen Martthallcn-Dtrettwn über den Großbandel in den Zentrai-Martthallen. ivkarktlage: Fleisch: Zufuhr genügend. Geichäst schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft rege, Preise besnedigcnd. W e s l ü g e l: Zufuhr sehr reichlich, Geschält Icbhast, Preise ziemlich besriedigend. Fische: Zujuhr mäßig, Ge» Ich äjt lebhast, Preise befriedigend. Butter und K ä s e: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchtei Zusuhr genügend, Geschäft ruhig, Presse wenig verändert. BHefkaften der Redahtfon. ®!e s-rlstllcht«»rechstunde ftndet Lindenstraste S.»«M» �os, dritter Eingang, vier Tre»»en, WU- Fahrst»»»-Mg«-chentnglich adeuds von 7�,»tS 0\i Uhr statt.(SeBffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die «»rechstunde um s Uhr. Jeder Anfrag» ist«in Buchstabe und«ine Sah» als Werlzeiche» beizufiigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zu, Beantwortung t« Brieflafte» kounm 1t Tage vergehen. Stlige Fragen trage man tu de««prechiwnde»er. G. M.». Wenden Sie sich an den Magistrat mit dem Antrag, die Kosten niederzuschlagen, West es sich nm eine ansteckende Krankheit handelt und Ihr Einkommen gering ist. Sollte der Magistrat das Gesuch ab« lehnen, so wenden Sie sich an die Stadtverordnetenversammlung und fetzen vorher einen unserer Genossen davon in Kenntnis.— W.®., Avalbcrtstraftc. Ja. falls Sie nicht beweisen können, daß innerhalb der kritischen Zeit auch mit einem anderen Umgang gepflogen ist.— R. R. 2». 1. Es geniigt die Anzeige an die Staatsanwaltschaft in Berlin. L. Sie können sosort die Klage einleiien, ohne vorher einen Zahlungsbesehl oder eine nochmalige Aussorderung ergehen zu lassen.— M. K. 7!t. Der Psandleiher ist verpflichtet, die Ihnen gestohlenen Sachen an Sie unentgeltlich herauszugeben. — P. Nenner. Nein, melden Sie aber das Ausgebot bald an, denn es muß auch an dem Wohnorte ausgehängt werden, an dem Ihre Braut innerhalb der letzten sechs Monate befand.— 18SK. Die itrau mä� beweisen, daß das gepfändete Sofa ihr gehört. Auch wenn eS in der Ehe angeschafft ist, könnte es ihr Eigentum sein.— Lottchen ISVZ. Rein, soweit ersichtlich, ist die Mutter unumschränkte Etaentümerin und ist daher keineswegs verpflichtet, zu ihren Lebzeiten den Kindern oder einem der Kinder einen Teil des Eigentums zu übertragen.— R. St. 72. Darüber bestehen gesetzliche Vorschriften nicht. Der Richter hat von Fall zu Fall zu entscheiden, ob eine unangemessene Beschäftigung vorliegt. In dem von Ihnen geschilderten Falle würde er diese Frage voraussichtlich verneinen. - R. R. 37. Nein. «SttterungStidersteht vom§. Oktober 1900, morgen« 8»Hr. «tattonen Zwtnemde Berlin Aranks.« München Wien Stationen inparanda 753 W L wolkig getersburg 767 WSW 1 Nebel Sctlly Äberdeeu Baris »euer Lwolkig 761 WSW 4 Regen 769 SSW i 4 bedeckt e-"- Ii 4 7 13 13 iWeererprognoie Tut-sonnaocno, oe» u. urroui-r uurj. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit Rcgensällen und ziemlich starken südwestlichen Winden; später langsam aufklarend und neu« Abkühlung. deu Inhalt der Inserate Abernimmt die R' �" Sür Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Cbeatcr. Sonnabend. den S.Oktober. Anfang 7'/, Uhr. KSnigl. Opernhaus. Don Juan. Kgl. Schauspielhaus. Der ein- gebildet« Kranke. Lefstng. Die Frau vom Meere. Deutsches. Ein SommeruachtS« träum. Kammerfdiele. Die Zuflucht. (Anfang ö Uhr.) Anfang 8 Uhr. Komische Oper. Auferstehung. NeneS königl. Opern-Tdeater. B-r! Nachmittags S Uhr ei» Leben. Neues SchaaspielhanS. Wäscher« mädcl. Neues. DaS Urbild deS Tartüffe. Hebbel. Hanna Jagert. Westen. Die geschiedene Frau. Volksoper, llndine. Thalia. Prinz Busfi. Residenz. Gretchcn. Trianon. Pariser Witwen. Lustspielhaus. Man soll keine Briefe schreiben. Kleines. Borgefchichten. Neues Operetten. Die Dollar» Prinzessin. Schiller«.»«allner» Theater.) Die erst« Geige. SchiUer Charlottenburg. DaS Kätchen von Heiwronn. Friedrich< Wildelmsttidt. Schau- spielhaus. Die goldene Eva. Luisen. Die Herren Söhne. »tose. Die Jagermeisterio. Metrovol. Halloh ll— Die große Revue. Foltes Caprice. Mobllisterung. Der gewisse Augenblick. Auf. 8'/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Hcrrnseld-Theater. Frau ElkamS Friseur. Meine- Deine Tochter. Reichsballen. Stetüner Sänger. Karl Haverland« Theater. SP«- zialitäten. Casino. Onkel Eohn. Bolksgarteu. SpcziaNtSten. Walhalla. Sveztaltläten. Gastspiel. Ungerade Tage. Der Deserteur. Die keusche Toinette. Cousin Pampoulette. Ans. 8'/, Uhr. Palast. Großstadtzauber. Speziali- täten. Nonrtö Theater. DaS Warenhaus Fräulein. siage. Spezwlitäten. ania. 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Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. B. Donath: Di# b/elleii» strahlen als Träger der Encrpio. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: M soll keine Briefe sebrelben. Friedricb-WilhelmstOdtisches Schauspielhaus. Sonnabend, 9. Oktober, Ans. 8 Uhr: Die goldne Eva. Lustspiel in 3 Atten v. Fr. v. Schön» than und Koppel-Ellseld. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Manöverregen. IZS8tSMl-IIlöSl0s Köpenick«: Straße 67/68. Täglich abends 8'/. Uhr: Cngerade Tage. Der Deserteur. Die keusche Toinette. Pamponlcttc. I tBnoouoio-muiK a\ (jsi-ee.T.mrBUSto-T«*) I Nachmittags 3 Uhr: Grosse Ktnder-Borstellung l Dornröschen. Zaubermärchen in 5 Bildern. Große Balletteinlagen. Abends 8 Uhr: Die Herren Söhne. BollSstück in 3 Akten von Walther und L. Stein. Sonntag nachm.: Der Mann mit der eisernen Masle. 8 Uhr: Onlel Bräfig._ OSE=THEATE Große Frantjurtcr Str.>32. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. vis Jägermeisterln. 1 Volks-Oper. SW., Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Ansang 8 Uhr. C n d I n e. Sonntag zum erstenmal t vis lluxenottea. Anfang 8 Uhr. Volksstück aus dem Dänischen in vier Atten von Charloite Eilersgaard. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Mann mit der eisernen Maske. Abends: Der Hüttenbesitzer. Zum 22. Haie; Hallohit Dig grolle Revoel! Humorist.-aatir. Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Mneik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Tänze von Willy Bishop. Maiige Lessing. Fritzi Hassary. Jos. Gianipielro. ßaiilo Thielscher. I Plann. M. Kettner. Ida Perry. W. Bishop usw. Anfang 8 Uhr. Rauohen gsstnttet. Sonntag, 10. Oktober, nachm. 3 Uhr: l-iii in p ucl vagabu n duB. »•Saa6S3nS*M«ME5Ä55 Passage-Theater. Qaotspiel Henry Bender. Die tolle Burleake Der süße Doktor mit Henry Bender, Lude König, j Else Bernd, Ella Rauch, Hermann I Bartels, Lene Lehmann. Ferner; Clalre Waldofl und die grolle Varlltö- Attraktion.| Vwv Lothringer Straße 37. OZ C Casino-Theater Täglich 8 Uhr: 0b» 'nfcl ��ohn nkrl F7�-oI,n ��nkel ��ohu Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkert. V.MoseksNlsstsr Smimenlir.>6, am Roscnthaler Tor. Große Extra-Vorstellnng t Volksstüück In S AN. v. R. O. Popper. >Io»»Ingputzar i. Dolzechen b/arenh. Ansang ViB Uhr. Tanz. Sonntag 3 Uhr: Das(OHhshen von Hollbreoo. Schiller- Schlller-Theatcr 0.(Wallner-Theater.j Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: h Ü 1 0*0 Lustspiel in 4 Akten v. Gustav Wied und Jens Petersen. VM- Ende 10' I, Uhr. THI Sonntag, nachm. 3 Uhr: Macbeth. Sonntag, abends 8 Uhr: Die erste Geige. Montag, abends« Uhr: Dl« von Hochsattel. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das KiUhchen v. Hcllbronn Großes historisches Ritterschauspiel in 6 Akten von Heinrich v. Kleist. DM- Ende 11 Uhr.-MG Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Weit, in der man sieb langweilt. Sonntag, abend» 8 Uhr: Die von Hochsattel. Montag, abends 8 Uhr: Doktor Hlans. Neues tonkünstler-Orchester. Dirigent Franz Hollfeldsr. 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Uhr präzise: ��oooo<�ooo<>/, Uhr, von der Leichenhalle des Georgen-Kirch- HoseS, Landsberger Allee, aus statt. > Allen Freunden und Bekminten die Nachricht, daff mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwic- gcr- und Groffvater, der Schuh- machermeister 1849b shw imbroszkieviez am 6. Ottober verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 10., um 2'/, Uhr von der Lelchenballe des St. Hedwigs- Kirchhofs, Reinickendors« West, Berlinerstraffe, aus statt. tuise Ambroszkiewlcz. Arbeiter- Vandervereiu 99 Berlin". Der Flugblattverbreitung wegen fällt morgen die Dour Diesenscc. Strausberg aus. Dasür Nach- mittagstour: Hoppegarten— Schöneiche-Rahusdorfer Mühle. Absahrt- Schles. Bahnh. 12«. ISböb Soeben erschienen t pFotokoH über die Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Abgeholten zu Leipzig vom IL. bis 18. September IVOS. (530 Seiten umfassend.) Preis brosch. 1.Ä5 M. gcbd. 1.75 M. Aptditlon des Konuiirts BERLIN SW. Lindenstr. 69, Laden. 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Ziehung 4. KI. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 8. Oktober nachmitlagi. für die Gewinne Uber 193 Mark sind den belrekfenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 21 266 457 683 661 701 941 1061 418 4» 697 746 982 [MO] 2088 126 260 399 669 749 3180 804 19 4140 S24 492 61»[400] 727 64 94» 5066 49 III 4[600] 268 75 82 839 476 625 807 12 6221 81[400] 56 482 7078 82 83 280 53« 638 79 967 95 8222 87«[600] 441 70 522 60 085 785[600] 645 908 0222 391 780[1000] 05 933 10180 92[1000] 619 739 953 11018 437 61«»7«M »Ol 61 98.12400 624 82 1 3299 428[600] 909 14003 809 67 869 1 5108 377 464 606 10114 82 6«[400] 864 40« 1709« llOOO] 188 53 589 657 746 1 8061 80 95 319 610«24 71 75« 897 939 1 0050 135 437 76 690 769«84 2O0Ö1 2 57 61 163 263 633 725 2 1 045(400] 156 SOS TM 861 22135[400] 852 616 2 3232 77 709 2 4180[400] 203 63 863 86 2 5139 827[600] 403 586 769 979 2 0173 •4 772 86 2 733« 66 493 603 734 52«20»64 71 98 2 8075 III 790 979 2 0067 ISO M 524«74 923 77 30117 88 271 527 7» 64» 723 48 31147 80 844 509 «38 823[500] 971[400] 32168 674 682 793 862 953 59 89 33169 245 52« 85 858 34159 566 726 3 5181 244 854 432 665 694 919 28 89[400] 3 0080 667 706 10 869 3 7008 61 81 203 69 475 892 902 38115 472[8000] 524 796 3 0009 913 4010« 83 289[400] 618 2« 4 1 341 42 424 6 5 507 69 76s 873 4 2032 167 216 307 62 633 812 4 3087 117 96 490 (500] 991 44146 270 638 784 810 4 5010 294 830 79 780 61 83 895 966 91 40022 100 239 407 69 850 947 47«42 783 831 924 48336 51««26[400] 927 40121 22 68 257 491 tiOO] 591 684 871 5 0012 82 174 288 394 474 750«4 899 937 51158 412 48 689 613 1500] 719[400] 52154[500] 260 888 97 707 914 28 5 3037 244 304 450 89 535 51 815 73 91 54111 322 66 67 6 9 481 633 710 67 951 55036 323 623 720 Ol 56218 01 73 62 320 471 703 632 961[100] 57155 475 613 854 58127 160 90 614 707 CO 94 918 69 5 0029 96 161 321 60293 532 627 808 6 1 228 6 6 363 707 6 2097 119 71 278 377[100] 416 5s[600] 81 68 587 620 6 3 03« 169 209 605 82 798 968 64188 261 531 90 683 751 65l93 356 536 691 66133 19[100] 815»28 67167 218 62 421 653 71» 871 68007 70 212 31 63 93 376 058 708 6 0 432 79 831 70201 42 80 302«47«07 72 83 7 1 034 69 118 308 61 »8 482 637 752 810 12 7 2212 380 495 589 853 7 3211 404 [400] 718 86 608 17 60[100] 74037 15« 91 329 193 631 «98 758[ 400] 611 65 911 75127 216 128 66» 74 622 37 76006 202 45 77 442 56 613 855 77153 509 71 607«4 78043[100] 191[100] 309[3000] 402 44 74 642«71 9!« 70081 115 92 358 480«76»02 80192 231 385 611 73« 6« 70»8[400] 883«4 81086 136[400] 13 292 122 3 2119 206«1 91 311 637 713 2««81 »2» 83067 741«19 33 8 4232 31» 2«[600] 90[400] 487 «1[600] 734 801 3»»0 8 5189 612 67 646 836 976 36066 88 107 67 434 627 63 TS 96 769 70 8 7 206 63 325 26 70 661 74 621 89 780[600] 8»7 88060 99 165 206 44 72 340[400] 473 664 743 46 47 803 8 0 499 842 927«1 00153 83»1 737 70 8X1 73 958 95 9 1 211[100] 871 400 62 684 823 902 67[400] 0 2259 96 436 720 883 0 3091 133 495 777[600] 910 4 5 9 4057[400] 861 80 542 919 68 69 0 5218[100] 392 419 66 678 893[600] 0 6324 30 410 631 850 61 823 921 97023 86 493 71» 897 9823««9 Sil 78« 889 90068 29' 361 79«54 828 100416 64 68 663 774 951 10 1071 278 60»«1«0« 897 009 53 1 02048 199 231 617 906 1 03194[500] 465 843 1 04028 137 279 545 91«91 743 804 39 1 0 5245 74 392 604 83 895 985 1 06242 380 94«42 1 07158»87 432 575 704 868 1 08144 278 409 600 88 871 82 972 1 00185 286[6000] 693 884 110134 399 437 54 923 79 111055 78 285 720 58 876 112S08 494 535 853 90 113055 284 392 417 573 9« 709 65 950 53 77 114006 12? 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Für den Inseratenteil veranttv.: Tb. Glocke, Berlin. Drucku. Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW," |r.236. 26 1.5.» 3. KeillM des DlMIg" Ktllilttt WUlSllllllt. S«k-d S MMIW. Morgen, Sonntag, den K0. Oktober, r* in dm vier Landtagswahlbezirken von 8 Uhr ftüh beginnend: v** von den bekannten Stellen aus. Partei-MgelegenKeiten. An die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg! In diesem Monat erscheint wiederum eine neue LokaMste. Wir ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, den 17. Oktober, an die nachverzeichneten Kom- missionsmitglieder gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an den Genossen Paul Bartsch, MV. 29, Lessingstrahe 32. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder. S. 53, Bergmannstraße 93, II. Für den JH. Wahlkreis an den Genossen Karl König,£3. 59, Urbanstraße 93. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, 0. 34, Straßmannstraße 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Sllbert Hahnisch, 0. 54, Auguststraße öl, Ouergeb. IV. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, N. 58, Ueckcrmllnder Straße 17, IL Für Nicder-Barnim an den Genossen Hermann Elias. 0. 112, Blumenthaistraße 24. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Selchotver Straße 15�16, IV. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen August Paris, Velten. Bahnstraße 8. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Vorsivenden der Kreise an den unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungen in Lokalangelegcnheitcn für Grotz-Berlin dem zu- ständigen Kommissionsmitgliede, für die ü b r i g e n Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonferenzen der Lokalkreise so oft gefaßten Beschluß hin, wonach die örtlichen Kommissionsmitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. Alle nach dem 17. Oktober einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kominissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärt 8". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt sVergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: RichardHenschel, Berlin dl. 58, Ucckermünder Straße 17. II. Charlotteniurg. Ach tun gl Am Sonntag soll ein Flugblatt zur Verbreitung gelangen, welches sich mit den kommenden Stadt- verordnetcnwahlen befaßt und unsere Kandidaten bekannt gibt. Jeder Genosse hat bei der Verbreitung mitzuwirken. Der Vorstand. Zehlcndorf(Kreis Teltow). Der Zahlabend am kommenden Mittwoch, den 13. d. M-, findet für die Mitglieder des 4. Bezirkes sowie für die Mitglieder von Schlachtensee und Nikolassee bei dem Restaurateur Otto Schöne, Potsdamer Chaussee, Ecke Derflinger- straße, statt. Ferner wollen sich die Genossen, welche die Arbeiter- Bildungsschule in Berlin besuchen wollen, am Sonntag, den 10. d. M., nachmittags 4 Uhr, bei Mieck, Karlstr. 12. behufs einer wichtigen Besprechung einfinden, auch NichtMitglieder des Wahlvereins, welche die Schule besuchen wollen, können sich melden. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Morgen Sonntag früh 8 Uhr treffen sich die Genossen des OrtsteilS Treptow in ihren Bezirlslokalen (der 3. Bezirk bei Schnorre) zur Erledigung wichtiger Parteiarbeit. Der Vorstand. Stralau. Sonntag, den 10. d. MtS., vormittags 10 Uhr: Mit- gliederversammlung im„Storchnest", Alt-Stralau 16. TageS- ordnung: 1. Bericht vom Parteitag. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Kreisgeneralversammlnng. 4. BereinSangelegenheiten.— Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Die Bezirksleitung. Grünau. Morgen Sonntag früh 8V, Uhr Handzettelverbreitung zu der am Mittwoch, den 13., stattfindenden Volksversammlung. Treffpunkt im Lokal„Zur grünen Ecke". Tegel. Morgen, Sonntag, nachmittag« 4 Uhr, findet in Heiligen- see im Lokal„Heiligenscer Schweiz", eine Volksversammlung statt. Die Mitglieder werden ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen. Abmarsch vom Genossen Krause, Berliner Str. 11 um 2>/z Uhr. Die Bezirksleitung. Spandau. Am Dienstag, den 12. Oktober, abends 8l/2 Uhr. findet im Lokale von Gottwald, Schönwalder Str. 80, eine öffent- liche Kommunalwählerversammlung statt. Tagesordnung: 1. Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Referent: Stadtverordneter Genosse W u tz k y- Rixdorf. 2. Freie Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl.— Alle Kommunalwähler werden ersucht, zu erscheinen. Am morgigen Sonntag, früh 7% Uhr, findet zu den Stadt- verordnetcnwahlen im 1., 5., 6. und 8. Bezirk eine Flugblatt- Verbreitung statt. Die Genossen aus dem 3. Bezirk sind dein 1. Bezirk zugeteilt, die des 4. dem 5. Bezirk, die Genossen des 7. dem 8. Bezirk. Die Genossen treffen sich in folgenden Bezirkslokalen: 1. Bezirk bei Huth, Lindenufer 17; 5. Bezirk bei Gottwald, Schönwalder Straße 80; 6. Bezirk bei Feuerherd, Kurzestr. 21: 8. Bezirk bei Götze, Seeburger Str. 83, und bei Rüstow, Seegefelder Str. 65. Der Vorstand. Bernau. Morgen Sonntag, vormittags 9 Uhr, findet im Lokal von Franz Salz mann die außerordentliche Wahlvereins- Versammlung statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Bericht vom Parteitag; Berichterstatter Genosse Massa- Tegel. 2. Diskussion. S. Verschiedenes._ Die Bezirksleitung. Berliner JMacbricbtens ---- Frühstück für bedürftige Gemeindeschulkinder. * Der Verlagsbuchhändler Emil Masse hat dem Stadtschulrat für das Volksschulwesen wieder für das Winterhalbjahr, zunächst bis zu den Weihnachtsferien 1909, Mittel zur Verfügung gestellt. um bedürftigen Kindern unserer Gemeindeschulen ein erstes Frühstück in bisherigem Umfange Milch oder Mglzkgffe.e Mit reichlicher Milchzugabe und eine Schrippe, die bor Beginn des Unterrichtes zu verabreichen sind) zu gewähren. Ferner soll auch aus den der Schuldeputation zu Gebote stehenden und den vom Verein zur Speisung armer Kinder und Notleidender in Aussicht gestellten Mitteln im Winterhalbjahr armen Schulkindern während des Schulbesuches ein zweites Frühstück gewährt werden. Bei diesem soll Milch nur ausnahmsweise, d. h. an besonders schwächliche Kinder, die für das erste Frühstück in der Schule nicht in Betracht kommen, verabreicht werden. Die Rektoren sind jetzt gebeten worden, innerhalb 3 Tage anzuzeigen: 1. wieviel bedürftige Kinder für die Veräbreichung des ersten Frühstücks in Betracht kommen, und welche Summe hierfür, zunächst bis zu den Weihnachtsferien, erforderlich ist; 2. wieviel bedürftigen Kindern für das Winterhalbjahr 1909/1910 ein zw e i t e s Frühstück zu gewähren wäre, und auf wie hoch die Aufwendungen hierfür geschätzt werden. Mit der Verteilung des e r st e n Frühstücks soll sofort begonnen werden. Eine Bluttat in der Lebcwclt verursachte in der vergangenen Nacht in der Friedrichstraße große Aufregung. In dem Hause Nr. 30 erschoß gegen Mitternacht der 24 Jahre alte Kaufmann Alfred Friedländer die 37 Jahre alte als Schriftstellerin gemeldete Gräfin Auguste Strachwitz und verletzte sich dann selbst ebenfalls durch Revolverschüsse sehr schwer. Die Gräfin Strachwitz eine geb. Auguste Lnkoszus, ist in der Lebewelt Berlins und des Auslandes sehr bekannt. Lange Zeit war sie als masochistische Masseurin hier tätig. Unter dem Namen Wanda Schilten besaß sie in der Charlottenstraße 2 eine luxuriös ausgestattete Wohnung, in der sie die Lebemänner Berlins und die Ausländer, die sich hier aufhielten und denselben Neigungen huldigten, empfing und behandelte. Ihre Bekanntschaften machte sie überall, wo etwas los war, besonders auch auf den Rennbahnen. Wanda Schilten war schließlich in der ganzen Masochistenwelt bekannt. Die Vor- gänge in ihrem Salon veranlassten endlich die Kriminalpolizei einzuschreiten. Kommissar v. TreSckow erschien eines Tages mit seinem Beamten und beschlagnahmte alles, was er fand: Hängegerüste, Ruten, Peitschen, Knuten, Trensen, Kandaren, Stiefel, niit Sporen, Huudeketten, Stachelhalsbänder und dergleichen mehr, auch den Thron, auf dem die Masseuse in durchsichtigen Gewändern vor ihren Besucher zu sitzen pflegte. Wanda Schilten war in diesen Lebckreisen sehr beliebt. Denn sie wollte zwar auch leben, galt aber doch im Vergleich zu anderen ihrer Art für sehr bescheiden. Nach der Aufhebung ihres Salons in der Charlottenstraße hörte man nicht viel mehr von ihr, bis sie im Frühjahr dieses Jahres wieder einmal von sich reden machte. Auguste Lukoszus hatte früher einen Schneidermeister Paustian geheiratet. Aus der Ehe, die nach einigen Jahren geschieden wurde, ging eine Tochter hervor. Diese wurde dem Ehemanne zugesprochen und er zog mit ihr nach Hamburg. Vor acht Jahren nun heiratete die schöne Sadistin den Grafen Strachwitz, einen kleinen verwachsenen Mann, der als Schreiber bei einem hiesigen Rechtsanwalt tätig war. Ihr kam cö nur darauf an, einen klangvollen Namen zu erhalten. Irgend einen Verkehr mit ihrem neuen Ehemann ging sie nicht ein. Das ganze Gemeinschaftsleben beschränkte sich auf die standesamtliche Trauung und ein Frühstück, das sich an diese anschloß. Für die Trauung hatte die hübsche Frau dem Grafen Strachwitz einen neuen Anzug gestiftet, außerdem gab sie ihm noch nach einer Darstellung 75, nach einer anderen 125 M. Damit hörten die Beziehungen auf. Seit dem großen Masseusen- Prozeß im Mai des Jahres 1903 lebte die Gräfin Strachwitz sehr zurückgezogen. Eine Zeitlaug wohnte sie in der Schöueberger Straße 24. Von dort zog sie am 17. Januar 1907 nach der Friedrichstraße 30, wo sie die Hälfte des ersten Stockwerks be- wohnte. Hier peitschte sie u. a. gegen Entgelt masochistisch Ver- anlagtcn ,Zukunfts"ideen öin. Zu den Kunden der Gräfin gehörte auch der Kaufmann Alfred Friedländer, der bei seinen Eltern in der Nettelbeckstraße 21 zu Charlottenburg wohnte und bei seinem Vater in einem Agenturgeschäft tätig war. schon seit Jahresfrist. Gestern nachmittag kam er vier mal umsonst, weil die Gräfin ausgegangen war. Erst abends um 11 Uhr kamen beide zusammen nach Hause. Kurz vor Mitternacht hörten Gäste der Schankwirtschast von Lau die unter der Strachwitzschen Wohnung liegt, in dieser mehrere Schüsse fallen. Einige Gäste und ein Arbeiter von der Straße eilten hinauf und fanden die Gräfin, die nur mit Hemd und Strümpfen bekleidet war, blutüberströmt auf dem Treppenabsatz liegen. Wie die Polizei, die bald erschien, feststellte, hatte sie einen Stich in der linken Schulter, in der Herzgegend, eine Schußwunde an der linken Halsseite und eine erhebliche Verletznng am linken Auge. Die Schwerverletzte wurde mit einer Droschke nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer und dann nach dein Krankenhause am Urban ge- bracht. Dort starb sie bald nach der Aufnahme. Die Wohnung der Gräfin fand man geschlossen. Die Polizei mußte sie aufbrechen und fand dann den jungen Friedländer schwer röchelnd angekleidet auf dem Fußboden liegen. Auf dem einen Bett im Zimmer, das auf- geschlagen und zerwühlt war, während das andere geordnet dastand, lagen die blutbesudelten Kleider der Gräfin, auf dem Nachttische ein Schlangendolch, der ebenso wie das Futteral blutbefleckt war. Am Fußboden neben Friedländer lag ein zierlicher Revolver. Ein drittes Mordwerkzeug lag im Bett, eine Scheiben- oder Zimmerpistole mit zertrümmertem Griff. Wahrscheinlich hat mit diesem Griff die Gräfin einen Schlag auf das Auge bekommen. Auch nach anderen Zeichen muß zwischen ihr und dem eifersüchtigen Liebhaber ein harter Kampf stattgefunden haben. Friedländer wurde ebenfalls nach dem Urban gebracht und starb dort um 3 Uhr. Zur Elektrisierung der Berliner Stadt- und Ringbahn. Eine Vorlage über die Elektrisierung der Berliner Stadtbahn wird dem Landtage in der nächsten Session wahrscheinlich auch noch nicht vor- gelegt'werden können. Die Vorarbeiten für eine solche Vorlage sind in den Hauptzügen wohl beendet, doch hängt das Projekt eng mit dem Ausbau des Bahnhofs Friedrichstraße zusammen, der be- kanntlich nach der Verlegung der Kaiser-Wilhelm-Akademie nach der Jnvalidenstraße zu einem Zentralbabnhof ausgebaut werden soll. Der elektrische Betrieb könnte mithin erst nach der Fertigstellung dieses Bahnhofs erfolgen, dessen Umbau jahrelang dauern wird, da der Betrieb nicht gestört werden darf. Auch mit Rücksicht auf die finanzielle Lage wird man das Elektrisierungsprojekt noch zurück- stellen. In Betracht kommt auch noch, daß man zunächst noch die Erfahrungen abwarten will, die man beim elektrischen Ausbau der Strecke Bittcrfeld-Dessau sammeln wird. Eine Elektrisierung von Bahnen soll nur dann erfolgen, wenn sie mit finanzielleu Vorteilen für die Verwaltung verbunden ist. Flugblattverbreituug durch Schulkinder. Zu den gestrigen Aus- führungen hierüber schxeibt Mag Ws4 In dxx nKrdlWo KMk- hauser Vorstadt sind für Zwecke der bevorstehenden Kirchenwahlen kirchliche Flugblätter nicht bloß auf Veranlassung des Gemeinde- schulllehrers Bauer durch Schulkinder verteilt worden. Vielmehr haben auch andere Lehrer dieser Gegend die ihrem Unterricht anver- trauten Kinder unzulässig in den Privatdienst der Kirchenpolitik gestellt. Am Sonntag, den 26. September, vormittags zwischen 10 und 11 Uhr, erschien bei mir sowie auch bei allen anderen Be- wohnern unseres Vorderhauses in der zur Gethsemanegemeinde gehörigen Gleimstraße ein 13 bis 14 Jahre altes Mädchen mit den Worten:„Eine Empfehlung von Herrn Flieth... Sie möchten das doch lesen!" Mit schnellem Blick sah ich, daß die aus einem blauen Aktendeckel überreichte Drucksache ein kirchliches Flugblatt war, und lehnte, da ich aus der Kirche ausgeschieden bin, die Annahme in der einem Kinde gegenüber gebotenen ruhigen Form ab. Sodann nahm ich mir das Adreßbuch vor und fand, daß ganz in meiner Nähe, C a n t i a n st r. 21, der Lehrer Adolf Flieth wohnt. Der Herr hatte mit der namentlichen Empfehlung offenbar gemeint, daß ich von seiner Existenz in unserer Nachbarschaft unbedingt etwas wissen müsse. Tatsächlich war mir und anderen Belästigten bis dahin Herr Flieth als Gemeindeschullehrer und als Kirchenstütze eine unbekannte Größe. Gleich darauf sah ich auf der Straße noch zwei gleichaltrige Mädchen stehen, die ihren blauen Aktendeckel bereits leer, also ihre Zwangsmission erfüllt hatten. Es waren offensichtlich Konfirmandinnen, die also den Gottesdienst schwänzen durften, weil sie ja anderweit für die Kirche tätig waren. Man kann Wohl annehmen, daß auch diese Schulmädchen ihre kirchliche Sonntagsarbeit nicht ganz umsonst verrichtet haben. Eine Assistenzärztin im städtischen Krankenhaus. Nach dem Vorschlage der Krankenhausdeputation soll, ebenso wie es in der Jrrenpflege bereits versuchsweise geschehen ist, auch im Kranken- der männlichen Assistenzärzte angestellt werden. Die Krankenhaus- der männlichen Assißenzärzte angestellt werden. Die Krankenhaus» deputation soll nach Ablauf eines halben Jahres berichten, ob sich daraus etwa Schwierigkeiten ergeben haben. Diebstähle in Herzberge. Nach einem Bericht der„Berliner Morgenpost" sind in der städtischen Irrenanstalt Herzberge seit langem fortgesetzt Diebereien verübt worden, die man entlassenen Geisteskranken zur Last legt, da diese über die günstige Gelegen- heit zu Diebstählen sich am besten informieren können. In dem einen Falle ist nach demselben Blatte vom Anstaltspersonal auf die Diebe mit dem Revolver geschossen, jedoch niemand getroffen worden. Auch in der Anstalt Herzberge ist man davon überzeugt, daß nur ehemalige Anstaltsinsassen die Diebe sein können. Wenn man daS aber dort so fest glaubt, dann bleibt es unverständlich, weshalb auf Geisteskranke mit Revolvern geschossen wird. Die Ausrede,, daß es ja entlassene Patienten sind, rann nicht gelten, da niemand als geheilt, jeder nur als gebessert entlassen wird. Sind es aber sogenannte„geisteskranke Verbrecher", richtiger ver- brecherisch veranlagte Geisteskranke, so steht man wieder vor der Frage, weshalb denn so gemeingefährliche Elemente überhaupt ent- lassen worden sind? Die gemeldeten Diebstähle sind übrigens seit Jahren nichts Neues. Man hat von Hcrzberger Neubauten schwere Eichenbohlen und Metallteile, vom Gutshof allerlei Geflügel, aus dem Teich die fettesten Karpfen gestohlen. Die stets in Anspruch genommene Lichtcnberger Polizei hat niemals etwas Sicheres herausbekommen. Nur soviel steht fest, daß auch andere Personen als ehemalige Anstaltsinsassen an den Diebstählen stark beteiligt sein müssen. Wenn man die Entlassenen angemessen unterstützt, werden sie wohl kaum auf die Idee kommen, die Anstalt obendrein noch zu bestehlen. „Die Autonomie", anarchistisch-kommunistische Zeitung, erschien vom 6. November 1336 bis 22. April 1893 in London. Diese acht Jahrgänge, im ganzen 211 Nummern wurden bei einer Bücher- Versteigerung in der Buchhandlung von Max Perl ausgeboten, und erzielten den ansehnlichen Preis von 300 M. Es ist ein in seiuer Art einzig dastehendes Exemplar, da es außer seiner absoluten Vollständigkeit sich dadurch auszeichnet, daß es nicht nur die samt« lichen, zum größten Teil konfiszierte Nummern enthält, sondern auch Doppeldrucke aufweist, die zum Versand unter Briefumschlag auf ganz dünnem Papier gedruckt wurden.— Viele Kostbarkeiten be- fanden sich unter den Büchern. Den höchsten Preis brachte ein französisches Werk aus dem Jahre 1773: Laboräo: Choix de chansons mit 100 kleinen, entzückend ausgeführten Kupferstichen; diese vier Bändchen wurden mit 2000 Mark bezahlt. Früher war es der Stolz der Bibliothek des Dramatikers Victor Sardou in Paris, der seinerzeit 5000 Fr. dafür gezahlt. In den Autographen befand sich ein interessantes Gedicht des Freiheitskämpfers Georg Herwegh(1817-1875), betitelt:„Absolut". Die erste Strophe lautet: Ordonnanzen I Ordonnanzen I Meine Völker möchten tanzen, Wie ich ihnen aufgespielt. Eins— Zwei— Drei — und Runde! Runde! Tanzet ihr getreuen Hunde, Wenn der König Euch's befiehlt. Langjährige Krankheit hat bor einigen Tagen den 54 Jahre alten Tischler Ernst Fölske, Dorkstr. 74 wohnhaft, in den Tod ge- trieben. F. war bererts seit 19 Jahren gelähmt, jedoch hat er daS Wachsen nnserer Bewegung, wenn er sich auch nicht mehr aktiv am Kampf beteiligen konnte, mit regem Interesse verfolgt. Als am Mittwochabend'/zf? Uhr seine Frau von der Arbeit heimkehrte und Licht anzündete, erfolgte plötzlich eine heftige Explosion. Auf daS Geschrei der Frau eilten Leute herbei, die noch vor Erscheinen der Feuerwehr die Flammen erstickten. Es stellte sich nunmehr heraus, daß sich der kranke Mann nach der Küche geschleppt, dort den Gas- hahn geöffnet und vergiftet hatte. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hatte im Sep- tember einen Umsatz von 261 683,11 M. gegen 171 448,36 M. im September des Vorjahres. Der Umsatz des 1. OuartalS, Juli bis September, betrug 754 699,02 M. gegen 486 096,69 M. im gleichen Zeitraum des Vorjahres; das sind 268 605,33 M. mehr. Au Haus- anteilen sind jetzt 160 000 M. eingezahlt und wird der Bau im März nächsten Jahres begonnen werden können. Das Jahr 1903/9 schloß mit einem Gesamlumsatz von 3 076 341,50 M. und einem Reingewinn von 157 275,41 M., so daß die Verwaltung in der Lage ist, eme Verteilung von 5 Proz. Rückvergütung der Geueralversamm- lung vorschlagen zu können. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit etwa 23 000. Auf das Mitglied(gemeint sind diejenigen, welche Marken abgeliefert haben) gerechnet, entfällt ein Umsatz von 250,25 Mark, auf die Gesamtmitgliedschaft am 1. Juli von 19172 ein solcher von nur 160 M. Es liegt dies wohl daran, daß ein Teil von Mitgliedern noch nicht Gelegenheit hat, so bequem nach der nächsten Verkaufsstelle zu gelangen wie nach dem nächsten Krämer, weiter daran, daß Mitglieder, welche in eine andere Gegend Berlins verziehen, glauben, daß sie wieder neu beitreten müssen und daß ferner Mitglieder, die aus irgendwelchem Grunde vielleicht jahrelang nicht gekauft haben, sich genieren, wieder weiter zu kaufen, was aber durchaus falsch ist. Die 46. Verkaufsstelle ist Alte Jakobstr. 57/50 am 21. September eröffnet; die 47. wird am 15. Oktober Caprivi-Allee 44 und die 43. an demselben Tage in Reinickendorf- Ost, Hoppestr. 16, aufgemacht werden, Ivährend die 49. Mirbachstr. 26 und die 50. Soldiner Str. 103 anfangs November dem Verkehr übergeben werden sollen, so daß schon wieder einem Teile unserer Mitglieder der Einkauf bequemer gestaltet werden kann. „Nur um einen leichten DisziplinnrfaN" soll eS sich nach der Darstellung der„Freisinnigen Zeitung" in dem Falle des Rektors Kopsch handeln. Bekanntlich hatten auch wir in unserer Dienstag- nummer nach der„Welt am Montag" von der Heldentat des Rektors Kopsch Notiz genommen, nach der der Gestrenge einen Knaben mit den Fäusten in einer über seine Befugnisse weit hinausgehenden Weise bearbeitet hat. Die Mutter des Knaben soll angeblich Herrn Kopsch noch ihr Bedauern ausgesprochen haben, daß die Mitteilungen veröffentlicht worden sind. Damit ist gar nichts bewiesen. Der ärztliche Befund des von Herrn Kopsch geprügelten Knaben lägt in keiner Weise auf einen leichten Disziplinarfall schließen, und wir meinen, daß die Schuldeputation die Pflicht hat, ohne Unter- sch ied der Person die Sachlage zu prüfen. Tödlicher Absturz eines Tclcgraphenarbeiters. Von einem be- klagenswerten Geschick ist gestern nachmittag ein Telegraphenarbeiter am Anhalter Bahnhof betroffen worden. Bei der Arbeit stürzte er von beträchtlicher Höhe rücklings ab und erlitt einen so schweren Schädelbruch, daß er auf dem Transport nach dem Krankenhaus am Urban starb. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach' dem Schauhaus gebracht._ Barictsprogramme. Eine ins Oktoberprogrannn des Apollo-Theaters aufgenommene Novität ist die an komischen Situationen und Verwechselungen reiche. mit einigen Schlagern ausgestattete Burleske mit Gesang und Tanz in drei Bildern:„Tohuwabohu". In den Herren Braun und Walter Meitz-Liidemann besitzt die Direktion zwei gute Tenöre. Von den mitwirkenden Damen ist vor allem Anna Müller-Linke zu nennen, die die liebcstolle Negerin ganz vorzüglich darstellte. Im zweiten und dritten Bilde ist ein BnllettdiverHssenient eingestreut, das von englischen Tänzerinnen bestritten wird. Auch der übrige Spezialitäten- teil ist ein recht abwechselungsreicher. Im Passagc-Thcater ist Henry Bender eingezogen, der früher am Metropol-Theater lange Zeit gewirkt hat. Bender, ein Vertreter des echten Berliner Huniors, hat in der Burleske„Der süße Doktor" vollauf Gelegenheit, sich auszuleben. Das gewählte Stück ist eine tolle Farce aus der Feder von Robert Breitenbach und Leopold Ely init Benutzung einer älteren französischen Idee. Die Musik sianmit von Walter Kollo, einem Komponisten verschiedener leichter Musikslücke und Kabarett-Chansons. Es ist ergötzlich, wie Henry Bender sich ans den fatalen und schiefen Lagen heraus- wickelt, in die er kommt, als er in einem Mädchenpensionat un- freiwillig einen Chauffeur markieren muß, obwohl er Masseur ist und„seine Kraft in den Daumen liegt". Wir haben lange nicht so tolle Lachsalven iin Passage-Theater gehört als anläßlich Benders Auftreten im„Süßen Doktor". Zum vollen Erfolg des Abends trug vor allem auch die lebensfrische Vortragsart der Chansonette Lucie König, der Partnerin Benders, bei. Im Wintergarten gastiert die Primadonna von der könig- lichen Hofoper in Madrid, Senora Maria G a l v a n y, eine Danie mit wundervoller Stimme, die mit ihren hohen Tönen von wunder- barer Reinheit das Publikum bezaubert. Als Wunder weiblicher Kraft tritt S a n d w i n a auf, die das Gerede vom schwachen Ge- schlecht zuschanden macht. Ein englisches Tanzdiverlisiement ver- anschmilicht ein luftiges Leben und Treiben im Freien und bietet durch die glänzenden Kostüme der noib sehr jungen Damen eine Augenweide. Miß Oxfords dressierte Elefanten sind noch genau so drollig wie im Vorjahre, wo die Dame im Wintergarten auftrat. Feucrwchricricht.„Menschenleben in Gefahr I" Dieser Ruf alarmierte gestern die Feuerwehr nach der Elsasser Str. 27. Dort war ein Mann unter Brettern begraben, die von einem hoch- beladenen Wagen herabgestürzt waren. Der Mann konnte schnell befreit werden. Grober'Uiifug lag einer Feuermeldung zugrunde. die den IL. Zug nach der Togostr. 1 rief. Der Täter ist nicht er- inittelt. Der ö. Zug hatte in der Melchiorstr. 22 zu tun, wo in einer Wohnung Feuer ausgekommen war. In der Kurfürstenstr. 48 brannten Papier u. a. aus dem Hofe. Außerdem liefen noch Feuer- meldungeir aus der Brunnenstr. 130 und anderen Stellen ein. Vorort- l�aclmdrten. �.h-enberg. Zn den im nächsten Monat stattfindenden Ersatzwahlen für die Iltadtverorductenversammlung rüsten sich auch die Katholiken. In '.'es„Märkischen Volkszeitung", dem Zentralorgan der katholischen Vereine von. Berlin und Umgegend, werden die Katholiken am Ort — die nach dem Zcntrumsblatt allein IL Proz. der Gesamtbevölkerung ausmachen sollen— bereits für die Wahl mobil gemacht. Es wird betont, daß die katholische Bevölkerung auch nicht einen ein- zigen Vertreter im Stadtparlament habe. Auf diese Weise würden die Interessen der Katholiken gänzlich außer acht gelassen. Erinnert wird daran, daß, als der Erzpriester Kuborn seinerzeit um eine Beihilfe von bLLL M'. für den Erweiterungsbau der katholischen Kirchs die Stadtverordnetenversammlung gebeten habe, das Gesuch abgelehnt worden sei. Dagegen sei für die Ausschmückung der neuen evangelischen Kirche sofort ein vielfach höherer Betrag zur Verfügung gestellt wurde. Aus diesen und ähnlichen Gründen will der Zentrumsberein des Ortes bei den diesjährigen Wahlen für die katholische Minder- heit eintreten. Doch der genannte Verein ist sich noch nicht einig darüber, ob die Aufstellung eines besonderen Kandidaten zurzeit zweckmäßig sein wird; er hat daher mit einer Gruppe von bürgerlichen Stadtverordneten„Fühlung" ge- nommen, die im Falle einer Unterstützung ihrer Kandidaten für die Katholiken einzutreten sich verpflichten wollen. Aus Vorstehendem ersehen unsere Genossen bereits, daß die katholischen Wähler an die bürgerlichen Kandidaten verschachert werden. Es wird der Sozialdemokratie bei der bevorstehenden Stadtverordnetenwahl also eine geschlossene bürgerliche Linie gegen- überstehen. Das muß jeden einzelnen in unseren Reihen veran- lassen, sich mit ganzer Kraft in diesem Kampfe zur Verfügung zu stellen. Rixdorf. Der unter eigentümlichen Umständen erfolgte Tob eines Kindes beschäftigt zurzeit die Polizeibehörde. Es wird uns hierüber vom gestrigen Tage berichtet: Gestern nachmittag wurde der Polizei von der Ehefrau des Schlossers Teetz in der Lenauftr. 27 gemeldet, daß sie ihr% Jahre altes Kind Johanna tot im Ausgußbecken der Wasserleitung in der Küche ihrer Wohnung aufgefunden habe, worauf sie über die näheren Umstände folgende Bekundungen machte: Frau Teetz hat etwa 21b Stunden, bevor sie die Kleine tot auffand, diese gestillt und schlafen gelegt, woraus sie in dem- selben Hause, dessen Verwaltung sie versieht, eine Wohnung tape- ziert hat. Als sie dann in ihre Wohnung zurückkehrte, fand sie das Kind ertrunken im Ausgußbecken der Wasserleitung auf; der Wasserleitungshahn war aufgedreht, und das Wasser strömte un- unterbrochen über den Leichnam. Zu dem Erstaunen der Frau T. fand sie noch ihren fünf Jahre alten schivachsinnigen Sohn Karl im Zimmer vor, obwohl sie ihn beim Verlassen der Wohnung auf den Hof zum Spielen geschickt hatte. Frau T. nimmt an, daß der Knabe die Kleine, um ihr vielleicht zum Trinken zu geben, unter die Wasserleitung getragen und dann den Hahn aufgedreht hat, woraus das Kind ertrunken sei. Ob der Tod der Kleinen wirklich in dieser Weife erfolgt ist, dürfte vielleicht durch die eingeleitete Untersuchung aufgeklärt werden. Lankwitz. In der letzten Gemeindcvertretersitzung wurden unsere Genoffen T e u r i g und R a d i k e eingeführt. Es ist dies 13 Monate später geschehen, weil die bürgerlichen Vertreter die Wahl unserer Genossen damals für ungültig erklärt haben. Die Beiträge von der Kanali- sation haben insgesamt 378 000 M. ergeben; hiervon sind bisher 285 000 M. vereinnahmt. Die gesamte Summe soll dem Grund- erwerbsfonds zugesührt werden, damit der Betrag der Gemeinde- Verwaltung zur Verfügung steht und hauptsächlich zu Straßen- bauten verwendet werden kann. Eine lebbafte Debatte e»t- spann sich beim Punkt: Bewilligung einer Beihilfe an den„Verein für Kinderfürsorge und Krankenpflege". Einige Gemeindevertreter erblicken in der Gründung des Vereins ein Konkurrenzunternehmen des Vaterländischen Frauenvereins und waren deshalb gegen die Beihilfe. Sie meinten, in erster Linie wäre die Kirche dazu berufen, derarsige Wohlfahnseinrichlungen zu schaffen. Genosse Teurig wies darauf bin, daß es Pflicht der Gemeinde selbst sei eine Kinder- und Krankeupflegestätte zu schaffen. Der Vor- sleher bezeichnete eine Lösung der Frage im Sinne unseres Genossen für Lankwitz als undurchführbar. Dem Verein wurde eine jährliche Beihilfe von 500 M. bewilligt. Zur Bekünipfung der Mückenplage wurden zur Ausräucherung der Keller 700 M., desgleichen 300 M. für Vertretungen in der Gemeindeschule bewilligt. Ober-Schöneweide. Arbeitcrwohlfnhrtseinrichtungen. Von recht fragwürdigem Werte für die Arbeiter ist es oft, wenn ihnen von ihren Arbeitgebern Unterstütznngskassen wie Alters- und Jnvalidenpensionskassen und dergleichen aufoktroyiert werden. Solche Einrichtungen sollen an- geblich die Arbeiter vor Entbehrungen schützen, in Wirklichkeit aber dienen sie dazu, dieselben an den Betrieb zu fesseln, sie gefügig zu machen, und nebenher eine wirksame Reklame für das Unternehmen abzugeben. Eine ähnliche Einrichtung, welche in der Gewerbe- ordnung ihren Stützpunkt findet, ist die Einführung von Strafgeldern für Zuspätkommen usw. Nach der Gewerbeordnung müssen diese Gelder, welche gesondert zu verwalten sind, lediglich im Interesse der Arbeiter des Betriebes verwandt werden; über die ordnungs- gemäße Verwaltung hat die Polizeibehörde die Kontrolle zu führen. Wie nun die Polizei dieser Pflicht nachkommt und wie der Arbeiter selbst um diese Pfennige geprellt wird, zeigt ein Fall, der, wenn als Anlaß zur Kontrolle genommen, jedenfalls noch viel Aehnliches zutage fördern dürfte. Mehrere erkrankte Arbeiter der in Konkurs geratenen Norddeutschen Eisen- Stahlwerke G. m. b. H. haben bei dem Gericht eine Forderung geltend gemacht, welche in einer Krankennnterstützung ans der Strafgeld- und Bier« lasse der Fabrik besteht. Von der Konknrsverwalrung wird das Vorhandensein einer solchen bestritten. Ganz absonderlich erscheint es nun, daß auf wiederholte Beschwerden und nähere Angaben der Beteiligten keine Klarstellung der Sache durch das Gericht erfolgen konnte. Die Arbeiter sind nun nach einer erneuten Beschwerde an das Landgericht dahin beschieden worden, daß eine Klarstellung nicht erfolgen konnte und jetzt nur der Weg der Klage gegen den Konkurs- Verwalter übrig bleibe.— Höchst sonderbar,— als ob es nicht Per- sonen gäbe, welche klipp und klar unter Eid bekunden müßten, ob die Angaben der Arbeiter zutreffen. Wie findig doch die Polizei und Gerichte oft sind, wenn es gilt Verfehlungen der s rbeiter gegen die Bestimmungen der Gewerbeordnung zu konstrmeren. Für die Arbeiter sollte dies als Mahnung gellen, treu zu ihren Organisationen zu halten, deren Aufgabe es ist, in solchen Fällen einzugreifen. Köpenick. Der Jugendausschuß teilt mit: Auf den heute abend 8 Uhr im „Jugendheim", Berliner Straße 27, beginnenden Vortrags- zyklus sei hiermit hingewiesen. Es wird erwartet, daß die fugend- lichen Arbeiter und Arbelterinnen zahlreich und pünktlich erscheinen. Für die sonntäglichen Zusammenkünfte sind Gesellschaftsspiele vorhanden, auch liegen die Fachorgane sämtlicher Gewcrk- schaften aus. Wilhelmsruh. Den Bericht vom Leipziger Parteitag nahm die Mitgliederver- sammlung des Wahlvereins am Dienstag entgegen. Die Reserentin, Genossin Kinast, behandelte die einzelnen Änträge, die an den Parteitag gelangt waren, in der eingehendsten Weise. In der Dis- kussion betönte Genosse Kretke, daß der vom Parteitag ausgesprochene Schnapsboykott von der Arbeiterschaft mit Freuden begrüßt worden sei; dieser Boykott sei eine neue Waffe im Kampfe gegen unsere Feinde. Ueber die Stellungnahme der Fraktion zur Erbanfallsteuer hätte man auf dem Parteitag nicht so viele Worte verlieren sollen, da bei einer eventuellen dritten Lesung sicher auch in der Fraktion eine Einigung erzielt worden wäre. Bei der Agitation zum Aus- tritt aus der Landeskirche müsse noch intensiver gearbeitet werden. In bezug auf die Maifeier sei zu wünschen, daß dieselbe das wird, was sie ursprünglich sein sollte: eine kraftvolle Demonstration für den Sozialismus zur Erringung freier Menschenrechte. Genosse Meier meinte, durch die Opfer, die der 1. Mai schon gekostet habe, seien wir noch keinen Schritt vorwärts gekommen. Auch Genoffe Kosrat wünscht, daß die Maifeier noch kraftvoller aus den Beratungen des nächsten internationalen Kongresses hervorgehen möge. Genosse Hecht äußerte: Die Parteigenoffen sollten nicht so leicht über den Streit der Fraktion zur Erbschaftssteuer hinweggehen. Unter allen Um- ständen müßte verhindert werden. Steuern zu bewilligen, auch wenn es keine direkten Steuern seien, die dem Staat zur Anschaffnng von Mordwerkzeugen dienten, um gcgebcnenfalles die Arbeiter nieder- zuknallen. In ihrem Schlußworte ersuchte die Genossin Kinast die Versammelten, noch eine regere Agitation unter den Frauen zu ent« falten. Genosse Kahls gab hierauf den Bericht von der Kreis- generalversammlung. Nach einer lebhaften Diskussion über diesen Punkt und nachdem noch Vereinsangelegenheiten geregelt worden, schloß der Vorsitzende die von einem regen Geiste beseelte Ver- sammlung. Tegel. Ueber die Bildungsbestrcbungen der Arbeiterjugend wird morgen, Sountagnackinlittag L'/z Uhr. in einer nach Trapps Festsälen ein- berufenen öffentlichen Versammlung Redakteur Genosse David» söhn referieren. Die Eltern werden gebeten, ihre schulentlassenen Söhne und Töchter auf diese für sie wichtige Versammlung auf» merksam zu machen, und wenn möglich selbst zu erscheinen. Spandau. Ein Opfer seines Berufs wurde vorgestern abend zwischen v und 6 Uhr aus dem hiesigen Güterbahnhof einer der dort beschäftigten Rangierer. Derselbe geriet beim Rangieren zwischen die Puffer zweier Wagen, wobei ihm der Brustkasten eingedrückt wurde. Der Tod trat bald darauf ein. Der Verunglückte, der in der Jagow- straße wohnhaft ist, hinterläßt eine Frau und zwei kleine Kinder. Gerickrs-Geltung. Ein Kriminalschutzmann in der Falle. Die Zljährige Wirtschafterin Elisabeth Vahrs, Tochter eineS kleinen Landwirtes bei Eutin, war eine Zeitlang Dienstmädchen und Köchin. Einträglicher erschien ihr dann das Einfangen von Leichtgläubigen: sie betrieb mit großem Erfolg das Gewerbe einer Heiratsschwindlerin. Zwei Heiratsschwindeleien kamen gestern zur Aburteilung vor der Strafkammer des Landgerichts I. Das ein- fache Mädchen vom Lande hat einem Kriminalschjitzmann und einem Doktor Vorgespiegelt, sie sei aus sehr reicher Familie, verkehre beim Oberstaatsanwalt Jsenbiel usw., und die durch Heiratsversprechen mit ihr blind Gemachten arg geneppt. Dem Kriminalschutzmann nahm sie seine gesamten Ersparnisse in Höhe von 3700 M. ab, den Doktor prellte sie nur um 500 M. Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr, das Gericht erkannte auf 6 Monate Gefängnis. Sind Zuckersta-ngen und Honigkuchen frische Lebensmittel? Nach§ 63 der Gewerbeordnung gehören zu den Gegenständen des Wochenmarktes frische Lebensmittel aller Art. Ein Konditor D. aus Gelsenkirchen, welcher den Wochenmarkt in Recklinghausen zu besuchen pflegte, wo er Zuckerstangen und Honigkuchen verkaufte, war auf Grund einer Marktordnung in Strafe genommen worden, weil die Zuckerstangen und Honigkuchen nicht zu frischen Lebens- Mitteln zu rechnen seien. Während das Schöffengericht D. frei- sprach, verurteilte ihn die Strafkammer zu einer Geldstrafe, da Zuckerstangen und Honigkuchen nicht zu den frischen Lebensmitteln gerechnet werden könnten; Zuckerstangen und Honigkuchen dienen nur dazu, um den Gaumen zu kitzeln, als Lebensmittel könnten sie nicht angesehen werden. In seiner Revision betonte D., daß er seit vielen Jahren die Wochenmärkte mit Zuckerstangen und Honig» kuchen besuche, niemals habe man früher dagegen Einwendungen erhoben. Das Kammcrgericht wies jedoch die Revision als un- begründet zurück, da die Vorentscheidung ohne Rechtsirrtum er- gangen sei; zu den Lebensmitteln können nur solche Nahrungs- mittel gerechnet werden, welche regelmäßig zur Erhaltung bei menschlichen Körpers Verwendung finden. Vermischtes. Erbbeben. Einer Meldung aus Agram zufolge, wurde dort gestern vormittag 10 Uhr 59 Minuten ein mittelstarkes Erdbeben verspürt, das ,n einem Umkreis von 200 Kilometer bemerkbar war. Auch aus Slavonien wird ein Erdbeben gemeldet, ebenso aus den an Kroatien grenzenden ungarischen Ortschaften. Nirgends ist be- deutender Schaden angerichtet. Ein Schnellzug entgleist. Der Schnellzug der Prag-Eger-Busch- tiehrader Bahn ist, wie aus Prag gemeldet wird, vorgestern abend infolge beschädigter Weichen auf der Station Neudau entgleist und auf einen auf der Station stehenden Güterzug aufgefahren. Ein Reisender und ein Bahnbediensteter wurden schwer und 16 Passa- giere leicht verletzt. eingegangene Druchrchnften. DaS Landhaus. Heft 4. Monatsschrift für deutsche WohmmgSkuItur. Von E. Abigt. Jährlich 12 Hefte SM.— Eigener Herd Goldes wert! Bon M. Spmdler. SK Seiten. Westdeutsche VerlagSgescllschast, Wiesbaden. Kunst und Künstler. S. Jahrgang Heft 1. Einzelheit 2,50 M. 8. Casflrer, Berlin, Derfflingerstr. IS. «SasserftandS-Nachrichte« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M« m e l. Tllftt B r e g e l. Jnsterbmg Weichsel. Thon» Oder, Ratibor . Zdrossen , Frankfurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elb«, Leitmeritz Dresden , Barbh , Magdeburg tz+ bedeutet Wuchs.— Fall.—■) Unterpegel. SunlichC Seife ist für feinste Spifzen und die zartesten Gewebe wie keine andere geeiond Man kann dieselben ohne Sorge mil* diesem slefs gleichbleibendem Pabrikaf waschen, der Erfolg isfr vorzüglich und verschafffdcrein« slchl'svßllen Hausfrau Freude! Man verwende aber nur SunlichrScifc? OSSmi Erscheint S mal wftchentlichi BezngsqneUen-Verzeiclmis. Den Lesern bei Einkaufen zur Beachtung empfohlen. lW5W mk c Abzahlungsgeschäfte Gredit-Haus Moabit TurmstraBe 55, Ecke Waldstraßc gewähr* jedem he! spielend leichter An- und Abzahlung mehrjährigen Kredit auf Waren und NIObel. Lubasc!ier,S,| __ Credithaus"WE Gebr. Weber, Neue Königstr. 58. SpandaUjPota- t damerstr. 331. koulsntentee s. PI. Schöneberg.Colonn- He, str. 9 am Ringbahoh. Weber, Herrn., Danzigerstr. 781. 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Oktober an die Fränkische Berlagsaustalt und Buchdruckerei, G. m. b. H. Nürnberg erbeten._ i Breslau psocll. Reflektiert wird nur aus tüchtige, erfahrene Kraft. Bewerbungen mit Angabe der bisherigen Tätigkeit und Gehaltsausprüche bis 1. November an den Kartellvorsitzenden Wilh. Grunusv, Friedrich-Wilhelm-Strage W erbeten. Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik und Differenzen find gesperrt: Möbeltischlerei Liebenow.PeterS- bnrger Straße 3. Sämtliche Betriebe in den Orten Luckenwalde, Rathenow, Mus- kau, Scgeberg(Holstein) und Magdeburg. Mannheim, Frankfurt a. M. Modelltischlerei Bormann u. Kärting, Gcrichistraste. Berliner Motorwageufabrik in Reinickendorf. Wagenfabrik Erdman» n. Rossi, Linienstraste 139/140. Gleichzeitig ersilchen wir die Kollegen aller Branchen der Hol-- industrie das Vermittelungsbnrean des gelben»Handioerlerschutz- Verbandes" streng zu meiden. Die Ortsverwaltung. Chauffemslhüler! Achtung! Warnung: Allen denjemge« Personen, welche beabsichtigen, den Chauffeurberus zu erlernen, sei es in einer Fahrschule, einem Sluiotechniknm oder Automobü- betrieb, raten wir dringend, vorher in unserem Verbandsbureau, Engeluser 15 II, Zimmer 43/44, Erkundigungen einzuholen. Die Sektionsleitung der Kraftwagcn- iührer des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes. Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger» Grunewald. Für den gnferatenteil verantw.-i Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Borwärt« Buchdruckerei u. Berlagsaustalt Paul Singer k So, Berlin SW,