Dr.»37. Bbonnements-Bedlngunsen; TbonnemcntA» Preis pränumerando» Bierteljährl. 330 üRt., monatl. 1,10 Mk„ wöchentlich 28 Pfg. frei in« Haus. Einzelne Nummer K Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags» Beilag-.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Porwgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. »6. Jahrg. CtlAtiit agN» außer montut. Vevlinev VolKsbl�lk Die TnIert1on$'GeI)flf)r vetrügt für die sechsgespaltene KolonK- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaslliche Vereins- und Lersammlungs-Anzeigen M Pfg. „Kleine Hmeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen fcis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramm-Adresse: „SMlaltiiuislikat NtkUa-. Zentralorgan der roztaldcmokratifcben Partei Deutfcblande. Rcdahtions 8Al. 68, Linden Strasse 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983« Quittung. Im Monat September gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Grob-Berlin a konto seiner acht Wahlkreise 12 Ovo,—(darunter: Gesammelt in der Fabrik Loeb u. Comp, auf Landtagswahl-Sammel liste 1885 14,20, in der Fabrik Mix u. Genest durch Fuhrmann Liste 2067 16,20, Fabrik Lieben u. Buse 5,—, Ueberschust don der Landpartie der Kollegen der Firma C. Millarg, Gostlerstr. 20, 4,—, Schütz 6,—, Ueberschub einer Kranzspende der Kollegen von Jaemcke 16,60, A. B. Mister 1,—, durch Liepmann 1,30, Monatsbeitrag Raschle 10,—, Monatsbeitrag Batzkarl 8,—, zur Landtagswahl. durch H. Sachse 1,10, von den Genossen des 680. Bezirkes zur Landtagswahl 5,65, P. P. St. 50,—, Mitgliederversammlung am 24. Juli für Landtagswahl 20,—.) Berlin, diverse Beiträge: Dr. K. R. 26,—. Dr. L. A. 100,—. Die Kontobucharbeiter vom Wedding 5,—. Moabit, A. 100,—.„Weil's recht war" v. A. G. 50,—. Gutenverg 40,30. Machetes 5,—. Uebersch v. Sommer- Vergnügen der Allg. Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter, F. 6 20,—. F. S. T. 6,—. 30. Thüringer 2.20. Bon den Falzerei-Arbeitern d. „Lokal-Anzeiger" 36,25. M. W. 2,—. Bern, August u. September 100,—. Bremen, sozialdemokr. Berein, Beitrogsrest für 1903/0S 1534,00. Chenmitz, Brutus 1,—. Falkenberg(Oberschl.) 3,—. Hamburg. 3. Wahlkreis 14 000,—. Köln a. Rh.. Reg. W. 20.—. Lübeck. sozialdemokratischer Verein, 2. Ouart. 00 760,—. Nürnberg, Beitrag des Gaues Nordbahern für 2. Ouart. 0g. Wahlkreise: Regensburg 51,84; Amberg 0,27; Neumarkt 2,46 s Neustadt a. W.-N. 12,66; Hof 125,55! Bayreuth 120,30; Forchheim- Kulmbach 27,06; Kronach Lichtenfels 34,03; Bamberg 50,07; Nürnberg 1207,02; Erlangen-Fürth 446,34; Ansbach-Schwabach 105,60; Eichstätt 11,25; Dinkelsbühl 18,18; Rothenburg 6,63; Aschasfenburg 41,63; Kitzingen 10,29; Lohr 7,53; Neustadt a. S. 8,28; Schweinfurt 66,73; Würz- bürg 08.07; Sa. 2471,73. Nordische Wasserkante 70 000,—. Stettin, Beiträge der Provinz Pommern für 2. Ouart. 09. Wahb kreise: Stettin 209,70; Nandoiv-Greifenhagen 358,32; Uecker münde-Wollin 61,64; Greifswald-Grimmen 62,16; Stralsund- Singen 38,36(darunter 2,86 Frauenbeiträge); Anklam-Demmin 25,06(darunter Beitrag für 1. Quartal 09 12,—, Frauen beitrage—,74); Stolp-Lauenburg 5,66(darunter Frauen- beitrage—.02); Naugard-Regenwalde 6,88; Pyritz-Saatzig 6,12; Greifenberg-Kammin 0,60(darunter Frauenbeiträge— ,20); Neustettin 6,—; Dramburg-Schivelbein 2,80; Bütow-Rummelsburg 3,20; Sa. 846,—. Saarbrücken, sozialdemokr. Kreisverein, 2. Ouart. 53,05. 3. Ouart. 42.75, Sa. 06,70. Berlin, den 0. Oktober 1909. Für den Parteivorstaud: A. G e r i s ch, Liudenstr. 60. Bkbettsloleoverllcheruvg in Valien Das badische Ministerium des Innern hat im Mai d. I. nach dem Vorbilde des Reichsstatistischen Amtes vom Jahre 1906 eine Denkschrift über die Arbeitslosenversicherung aus- gearbeitet, in welcher die in der Frage in verschiedenen Städten unternommenen Versuche zusammengestellt und kritisch gewürdigt waren. Das Ministerium ging nun in der Denkschrift von der Ansicht aus, daß nur eine Versicherung gegen unverschuldete Arbeitslosi gleit in Frage kommen könne, und die Versiche- rung dann in Wirksamkeit trete, wenn ein arbeitswilliger und arbeitsfähiger Arbeitnehmer seine Beschäftigung verloren und eine andere angemessene Beschäftigung nicht gefunden hat und ihm eine solche auch nicht nachgewiesen werden kann. Die Denk- schrift lehnt das bekannte GenterSystem, das die Unterstützung an die Gewerkschaften angliedert, nicht ab, steht ihm vielmehr shm- pathisch gegenüber, wünscht jedoch seinen Ausbau durch eine Zwangsversicherung der Nitchorganisierten. DaS Ministerium stellte den Stadtverwaltungen anHeim, die Frage zu erwägen und erklärte sich gegebenenfalls bereit, die zur Durchführung einer Zwangsver- sicherung gegen Arbeitslosigkeit erforderlichen gesetzgeberischen Mast- nahmen in die Wege zu leiten. Eine Konferenz der badischen größeren Städte hat sich in- zwischen mit der Frage beschäftigt und hat, wie auch schon bei einer früheren Gelegenheit, sich ablehnend ausgesprochen. Die Konferenz vertrat den Standpunkt,-daß eine Regelung nur im größeren Rahmen durch das Reich oder die Bundesstaaten möglich sei. Wollten die einzelnen Städte die Durchführung versuchen, so würde ihre wirtschaftliche Lage auf das schwerste geschädigt werden. Auch erscheine der Städtekonferenz keines der bisher in der Theorie vorgeschlagenen oder in der Praxis versuchten Systeme geeignet, eine brauchbare Unterlage für eine Ar- beitslosenversicherung von Gemeinde wegen zu bilden. Auch die Handelskammere Konstanz hat jüngst ihr Urteil in der Frage abgegeben und hat dasselbe in einer Gegenschrift ausführlich be- gründet. Wie sie das tut, ist bezeichnend für den manchesterlichen Standpunkt, der in dem Arbeiter nur ein AuSbeutungSobjekt sieht, demgegenüber die Gesellschaft keine sozialen Pflichten hat. DaS sagt die Handelskammer natürlich nicht mit nackten Worten, sondern sie türmt Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten, um zu dem von vornherein gewünschten ablehnenden Standpunkt zu gelangen. Die Handelskammer Konstanz hält das Problem der Arbeits- losenversicherung zunächst überhaupt für unlösbar, weil der Begriff der unverschuldeten Arbeitslosigkeit nicht genügend geklärt sei, denn die begriffliche Trennung zwischen verschuldeter und unverschuldeter Arbeitslosigkeit biete nahezu unüberwindliche Schwierigkeiten. Die Arbeitsscheuen und Arbeitsunfähigen würden eine gewisse Gefahr für die Versicherung bilden, da kein äußerlich erkennbares Merkmal sie von den Arbeitswilligen und Arbeitsfähigen unterscheidet. Dieses Moment der Fluktuation mache das ganze Problem der Arbeits- losenversicherung technisch fast unlösbar, Kußerdem sei die Zu- fälligkeit des zu versichernden Ereignisses Voraussetzung jeder Ver- sicherung. Hie sei aber für den Eintritt der Arbeitslosigkeit der Willkür Tür und Tor geöffnet und somit könne von einer Ver- sicherung schlechterdings keine Rede mehr sein. Endlich würden auch die bei der Krankenversicherung getriebenen Mißbräuche zu den größten Bedenken gegen eine Arbeitslosenversicherung Anlaß geben. Eine weitere Schwierigkeit ergebe sich durch die Frage, welche Arbeit der Arbeitslose anzunehmen verpflichtet sei; nach der Denkschrift des Ministeriums soll der Arbeitslose so lange die Begünstigungen der Versicherung erhalten, bis er eine angemessene Beschäftigung gefunden habe. Der Begriff„angemessene Beschäfti gung" sei aber sehr dehnbar, und es werde ein Arbeitsloser nur zu häufig die ihm angetragene Arbeit nicht als angemessene Be- schäftigung betrachten. Im Gegensatz zum Ministerium des Innern betrachtet die Handelskammer Konstanz die in der Schweiz mit der Arbeitslosenversicherung gemachten Erfahrungen nicht als günstig, wie sich auch das Genter und Kölner System bisher nicht in wünschenswertem Maße bewährt habe. Während die Denkschrift den Befürchtungen, daß durch das Genter System den sozialdemo kvatischen Gewerkschaften zahlreiche Mitglieder zugeführt und diese somit gestärkt werden, gar keinen besonderen Wert beimißt, legt die Handelskammer Konstanz darauf besonderes Gewicht. Aber selbst wenn die Arbeitslosenversicherung durchführbar wäre, so würde die Kammer ihren Widerstand nicht aufgeben, denn die wirtschaftlichen und sozialen Folgen würden nach ihrer Meinung fürchterliche sein. Das großstädtische Massenelend erklärt die Handelskammer mit strenger Miene für vom Proletariat selbst verschuldet, denn es sei lediglich eine Folge der„maßlosen Landflucht", die durch eine übertriebene öffent- liche Fürsorge der städtischen Arbeiterbevölke- rung noch gesteigert werde, so daß der Zuzug nach der Großstadt, der heute schon sehr bedenklich sei, ungeahnte Dimen sionen annehmen werde. Die dadurch vermehrte Landflucht und die einseitige Bevorzugung der Städte mit Arbeitslosenversicherung würde auch schwere volkswirtschaftliche Schäden auf dem Arbeits- markte hervorrufen und auf die Arbeiter selbst infolge der über triebenen öffentlichen Fürsorge einen demoralisierenden Einfluß ausüben. Die Handelskammer K 0 n st a n z bezieht sich für ihre Stellung- nähme auch auf das Buch des sattsam bekannten Rostocker Professors Ohrenberg:„Das großstädtische Massenelend", worin auch die Bedenken erhoben werden, daß die Arbeitslosenversicherung nach dem Genter System den sozialdemokratischen Gewerkschaften mit Hilfe des Staates, den sie bekämpfen, neue Mitglieder zuführen würde. Schrecklich! Und damit dieses Schreckliche nicht geschieht, mögen die Arbeitslosen lieber zugrunde gehen, wenn sie sich nicht selber helfen können. Ueberhaupt ist die Selbsthilfe das Alpha und Omega der im Rohr sitzenden Konstanzer Handelsherren. Die Selbsthilfe der Arbeiter, so heißt es in der Denkschrift, ist noch wenig aus- gebaut und läßt überhaupt viel zu wünschen übrig. Ein regel- mäßiges Sparen und das Zurücklegen eines Notpfennigs sehen nur zu viel als überflüssig an, da sie d u r ch die fortgesetzte Ha st, gesetzliche Arbeiterwohlfahrtseinrichtun- gen zu schaffen, vielfach in dem Wahn bestärkt werden, daß(nach sozialistischer Theorie) der heutige Staat, die kapiatlistische Wirtschafts- ordnung, ihre Lage verschuldet und daher die All- gemeinheit unter allen Umständen für sie zu sorgen habe. Das ist es! Die fortgesetzte Hast, neue Wohlfahrtseinrichtungen für die Arbeiter zu schaffen, hat den Spartrieb ertötet und hat den Wa h n erzeugt, daß die Allgemeinheit für den einzelnen einzustehen habe. Daß es dem Arbeiter durch die künstliche Verteuerung aller Nahrungs- und Genußmittel im allgemeinen absolut unmöglich ist, sich einen nennenswerten Notgroschen für die Zeit der Arbeits- losigkeit zurückzulegen, verdient, wie so mancher andere Einwand, der gegen die Stellungnahme der genannten Konstanzer Unter- nehmerkammer erhoben werden könnte, nach ihrer eigenen„maß- geblichen" Meinung keine Beachtung. Ueberhaupt, was wollen denn die Arbeiter? Streng genommen ist eigentlich alles aufs beste eingerichtet. Denn so sagt die Kammer: „Von den Prävcntivmaßrcgeln gegen die Arbeitslosigkeit wird schon heute in der Industrie, soweit angängig, Gebrauch gemacht, in dem in Zeiten abflauender Konjunktur seltener Arbeiterentlassungen stattfinden als vielmehr Reduktionen der Arbeitszeit, und wenn es sich durchführen läßt, auch Arbeiten auf Lager. Seitens vieler Städte werden im Winter in großem Umfange Not- standsarbeiten vorgenommen, durch die ebenfalls eine große Zahl sonst Beschäftigungsloser Arbeit findet. Die Handelskammer glaubt deshalb, daß die Mittel für eine Arbeitslosenversicherung zweckentsprechender- zum Ausbau der Arbeitsämter angewendet werden könnten." Also es kann alles beim alten bleiben, nur die Arbeitsämter sollen ausgebaut werden, damit die Arbeiter immer dorthin diri- giert werden können, wo sie gebraucht werden; daß diese selber so klug sind und ihre eigenen Arbeitsnachweise längst eingerichtet und mit den von ihr gezahlten Arbeitslosenunterstützungsein- richtungen verbunden haben, braucht die Handelskammer ja nicht zu wissen. Der einzige Zweck der ganzen Gegenschrift ist, d i e Regierung von der geplanten Einführung einer, wenn auch noch so bescheidenen, Arbeitslosen- unter skützung abzuhalten. Wird dieser Zweck erreicht werden? Wird der badische Minister v. B od mann, wird, weil er sieht, welcher Widerstand ihm im Unternehmertum entsteht. sich beeilen, seine sozialpolitischen Anwandlungen zu unterdrücken? Wird die Erinnerung an die erfolgreiche Hetze gegen v. Berlepsch und Posadowsky abschreckend wirken? Expedition» S«i. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Zum AaWampf. Freisinnige Heuchelei. „Heuchler nennt man Leute, die anders reden, als sie denken. Ein Heuchler ist, der von anderen als Ehrenpflicht fordert, was er selbst zu tun unterläßt." Mit diesen schwülstigen Phrasen beginnt ein anläßlich der letzten ReichstagSwahlen von der Leitung der Frei- sinnigen Volkspartei herausgegebenes Flugblatt, das sich ausschließ- lich gegen die Sozialdemokratie richtet und nach Art des Reichs- verbnndes allerhand törichtes, tausendmal widerlegtes Geschimpfe wiederkaut. Wir hätten keinen Anlaß, dies Mach'.verk zu erwähnen, wenn nicht dieselbe Leitung der Freisinnigen Volkspartei, gleichsam um Fingerzeige dafür zu geben, wie man die politische Heuchelei engros betreiben kann, zu derselben Zeit noch ein anderes Flug- blatt veröffentlicht hätte, das sich an die Gastwirte wendet und in Kriechereien und Buhlereien um die Stimmen der Angehörigen dieses Berufes, zugleich aber auch in Verlogenheit das denkbar möglichste leistet. Einleitend wird das Gastwirtsgewerbe als das Stiefkind der Gesetzgebung im Deutschen Reiche bezeichnet, es werden die Lasten aufgezählt, die in den letzten Jahren dem Gastwirtsgewerbe auferlegt sind, und ganz besonders wird ans die Steuerreform des Jahres 1006 hingewiesen,„die in Wahrheit nur eine Steuervermehrung war" und den Gastwirten neue, drückende Sondcrlasten auferlegt hat. Die Freisinnigen, insbesondere Herr Kopsch, werden als die Männer gerühmt, die die„fast unerträgliche" Erhöhung der norddeutschen Brausteuer,„diese ungerechte Sonder- belastung" bekämpft haben, und denen es auch mit Mühe gelungen ist, die von der Regierung vorgeschlagene Tabaksteuer für diesmal abzuwenden. Nicht mit Unrecht heißt es in dem Flugblatt:„Die Folgen der Bierverteuerung sind heute noch nicht zu übersehen, doch so viel steht bereits fest, daß die Gastwirte dadurch aufs schwerste geschädigt sind. Aus sie haben die Brauereien fast überall die Hauptlast abgewälzt; fast nirgends waren aber die Gastwirte imstande, ihre Ausschankpreise zu erhöhen, und wo eS geschehen ist, sind sie von ihren Gästen boykottiert und verlassen worden. Zwischen Brauern und Gastwirten, zlvischcn Gastwirten und Publikum tobt dank der Brausteuererhöhung ein Bierkrieg, in dem es nur Besiegte, keine Sieger gibt." Das schönste an dem Flugblatt ist aber der HinslveiS auf die neu bevorstehenden Steuern.„Die Agrarier," so heißt eS in dem Aufruf,„haben vor der ReichStagSauflösung wiederholt ausgesprochen, daß sie in diesem Falle(d. h. im Falle neuer Steuergesetze) di weitere Erhöhung der Biersteuer und die Einführung der Tabaksteuer verlangen wollen. Natürlich werden sie in: Wahlkampfe, um die Stimmen der Gastwirte zu gewinnen, diese Absicht leugnen. Aber hoffentlich werden die deutschen Gastwirte durch die Erfahrung gewitzigt sein und die Parteien nicht nach ihren Versprechungen vor der Wahl, sondern nach ihren Taten im Parlament beurteilen." Nun, auch wir hoffen, baß die Gastwirte, durch die Erfahrungen gewitzigt, die Parteien nicht nach ihren Versprechungen bor der Wahl, sondern nach ihren Taten im Parlament beurteilen werden. Tun sie das, dann wird es dem Freisinn schlecht gehen, denn zwischen seinen Versprechungen vor der Wahl und seinen Taten im Parlament ist ein Widerspruch, wie er krasser gar nicht gedacht werden kann. Der mit freisinniger Hilfe gewühlte Block- reichstag hat bekanntlich die Brausteuer noch weit über das Maß der Steuer vom Jahre 1006 hinaus erhöht, und die Freisinnigen, die vor der Wahl gar nicht genug gegen die den Gastwirten drohende Belastung wettern konnten, waren eS, die den Konservativen hilf« reiche Hand leisteten, die Existenz der Gastwirte zu erschweren. Stimmten doch die Freisinnigen in der Kommissionssitzung vom 1. Mai d. I. mit den übrigen bürgerlichen Parteien gegen den sozialdemokratischen Antrag, alle indirekten Steuern, auch die Steuern auf Tabak, Branntwein und Bier, durch direkte Steuer» zu ersetzen, und waren sie doch fest e n t- ch l 0 s s e n, auch im Plenum die Brau st euer zu be« willigen, wenn ihnen nicht die Konservativen den Stuhl vor die Tür gesetzt hätten! Genau das gleiche Verhalten haben die Freisinnigen der Tabak st euer gegenüber an den Tag gelegt. Vor der Wahl versprachen sie feierlichst, dagegen zu stimmen, und nachdem sie das Volk eingelullt und sich einige Mandate ergattert haben, kommen sie auf einmal zu der Einsicht, daß der Tabak unbedingt bluten muß. Ihr anerkannter Führer Dr. W i e ni e r, der Vertreter von Nordhausen, der noch vor wenigen Jahren ver- prochen hatte, er würde jede volkswirtschaftlich schädigende Vorlage bekämpfen und keinen Augenblick zögern, auch in die Versammlungen der Tabakarbeiter zu gehen und dies zu erklären, hielt es, al� die Tabakarbeiter NordhausenS angesichts der drohenden Steuer sich an ihn wandten, nicht einmal für nötig, zu antworten, wie er sich zu der Steuer stellt. Vielleicht hat ihn ein letzter Rest von Schamgefühl davon abgehalten. Im Reichstage hat er jeden« falls genau so wenig wie seine Freunde einen ernsthaften Versuch zur Bekämpfung der Tabaksteuer unternommen. Aehnlich wie Wiemer trieben es die anderen freisinnigen Abgeordneten, an die sich die Tabakarbeiter in ihrer Not wandten; sie gingen einer klaren, unzweideutigen Ant« wort aus dem Wege. So schrieb zum Beispiel Abg. Dr. Mugdan einen Wählern am 24. Oktober 1908:„Auf Ihre Frage nach meiner Stellung zu der von der Regierung geplanten Tabaksteuer erwidere ich Ihnen, daß ich eS mir zum Grundsatz gemacht habe, über meine definitive Stellung zu den schwebenden Steuerfrngen so lange zu chweigen, bis die Reichstagsfraktion der Freisinnigen Volkspartoi Gelegenheit gehabt hat, darüber Beschlüsse zu fassen." Kann jemand, der auf dem Boden deS erwähnten Flugblattes siebt, so antworten? AehnNch Herr Pfundtner, Vertreter von BreSlau-Dest und Mt- glied der Freisinnigen Vollspartei, sowie eine Reihe anderer Frei» sinniger. Man vergleiche die Taten des Freisinns mit seinen Ver- sprechungen vor der Wahl, und man wird die Berechiigung des ftei» sinnigen Spruchs anerkennen:« .y»Heuchler nennt man Leute, die ander» rede» alssiedenken. Ein Heuchler ist, der von anderen al» Ehren» Pflicht fordert, WaS et selbst zu tun unterläßt." Diesen freisinnige» Heuchlern werden die von ihnen Betrogenen bei den bevorstehende» Landtagswahlen hoffentlich die gebührende Antwort erteilen. >» Kein Wahlkompromist im 12. Wahlkreise. Das erstrebte Wahlkompromiß in Moabit ist nicht zustande gekoinmen. Vermutlich nur deshalb, weil die Nationalliberalen auf ihre Sonderkandidatur Leidig nicht verzichten wollten. — Die Verhältnisse für die Konservativen sollen sich im Wahlkreise derartig verschoben baben, daß es ihnen bis jetzt nicht einmal gelungen sei, die nötige Zahl von Wahlmännern zusammenzubringen. Viele Beamte und Handwerker, die bei t der Hauptwahl dieses Amt angenommen hatten, sollen sich geweigert haben, es bei der bevorstehenden Nachwahl aber- mals zu tun._ Zentiumsagifation. Eln freundlicher Zufall hat dem Sozialdemokratischen Pressebureau Kenntnis verschafft von einem Zirkular, durch das die Zentrumspartei eine um fassende Gegenagi- tation wider die„Hetze der Sozialdemokratie gegen die neuen Reichssteuern" in die Wege leiten will. Das Zirkular ist datiert aus München-Gladbach vom 6. Oktober dieses Jahres, unterzeichnet von Dr. A. Pieper(Mitglied des Reichstages und Generaldirektor des Volksvereins für das katholische Deutschland) und wendet sich an sämtliche Zen- trumsvertrauensleute Deutschlands. In der Einleitung wird darauf hingewiesen, daß die «Hetze der Sozialdemokratie gegen die neuen Reichssteuern" hauptsächlich zu dem Zwecke betrieben werde, um die christlich- nationale Arbeiterbewegung niederzuwerfen oder wenigstens ihre weitere Ausbreitung zu verhindern! Da nun der Liberalismus gleichfalls gegen die Parteien hetze, die für die . neuen Steuern gestimmt haben, so mache sich eine Aufklärung dringend notwendig. Wörtlich heißt es dann weiter: «Diese Aufklarung zu bieten, ist in besonderem Maße Aufgabe der Arbeiterwähler der Zentrumspartei. Der Unterzeichnete schlägt deshalb im Einvernehmen mit maß- gebenden Personen aus diesen Kreisen folgenden Aktions- plan vor, um dessen Durchführung auch Sie hierdurch gebeten werden. 1. In Kürze wird der Volksverein ein zweites Steuer- f l u g b l a t t herausgeben, das sich kräftig gegen die sozialdemo- kratische Steuerhetze richtet. Dieses Flugblatt muß, wie auch daß erste, gemeinsam von den Geschäftsführern des Volksvereins urtd den Arbeitersekretariaten systematisch in allen Bezirken verbreitet werden. Fn 14 Tagen wird eine A g i t a t i o n s- nummer der„Westdeutschen Arbeiter-Zeitung" erscheinen, welche sich ausschließlich mit der Steuerhetze befaßt. Das darin gebotene Material muh dann in Versammlungen, Diskussionen, Bereinsvorträgen und Unterrichtskursen nutzbar gemacht werden. 2. Wichtiger jedoch als Flugblatt und sonstige Schriften- Verteilung sind aufklärende Versammlungen, in welchen eine gut vorbereitete Diskusston stattfindet." Die Versammlungen, die möglichst reine Arbeiter- öersammtungen sein und in denen Zentrumsabgeord- nete sprechen werden, sollen die Zcntrumslertungen am Orte oder im Bezirk oder der Volksverein einberufen. Die Vor- bereitung soll wie folgt vor sich gehen: „Zunächst nehmen die Empfänger dieses Rundschreibens in den einzelnen Bezirken Rücksprache mit dem Vorsitzenden der Zentrumspartei des Kreises und mit dem Kreis- bezw. Bezirks- f>eschäftSsührer des VolkSvereinS, damit diese Herren informiert ind und keine Kollision zwischen den Arbeiterversammlungen einerseits und den Versammlungen der Zentrumspartei und des Volksvereins andererseits stattfindet. Diesen Herren muß die besondere Bedeutung und Unentbehrlich- keit von A rb e i t« r v e r s a m m I u n g e n im gegen- wältigen Augenblick klargelegt werden. Sodann ist alsbald eine große Vertrauensmännerversammlung ein- zuberufen, zu der solche Arbeiter einzuladen sind, die auf dem Boden der Zentrumspartei stehen und in den Arbeitervereinen. in den christlichen Gewerkschaften, im Volksverein und in der Zentrumspartei in hervorragendem Maße tätig sind. Diese Vertrauensmännervcrsammlung hat die nachfolgende große Ar- beiterversammlung in allen Teilen gut vorzu- bereiten. Vorbedingung des Gelingens der Versammlung ist z a h l r e i ch e r Besuch; für diesen Besuch muß per- sönlich nachdrücklichst geworben werden. Dazu dienen Handzettel. Hier und da hat eS sich auch bewährt, Eintrittskarten zu 10 Pf. während einer Woche vor der Ver- sammlung eifrig verkaufen zu lassen, da erfahrungsgemäß die Käufer dann auch zur Versammlung kommen. Ferner muh die Diskussion gut vorbereitet werden. Geeignete Dis- kussionsredner sind vorher zu gewinnen, ebenso ist festzusetzen, welche Punkte in der Diskussion hervorgehoben werden sollen, g. B. der Zweck, den die Sozialdemokratie im Bezirke mit ihrer Steuerhetze verfolgt, die unehrlichen Mittel. deren sie sich bedient; diejenigen Einzelheiten der Finanzreform, welche im Orte besonder» er- örtert werden, sind in der Diskussion besonders zu be- leuchten. Melden sich Sozialdemokraten zum Worte, f- soll man dieselben sprechen lasten. Man stelle der Sozialdemokratie frei, einen Diskussionsredner längere Zeit nach dem Re- ferenten sprechen zu lassen, ebenso später auch andere Partei- genossen, wenn auch in kurzen Zeitsristen, an der Diskussion abwechselnd beteiligen zu lassen. Jedenfalls würde es unan- gebracht sein, Gesuche der Sozialdemokratie um Beteiligung an der Diskussion einfach abzulehnen. Selbswerständlich wird man nirgendwo speziell die Sozialdemokraten zur Beteiligung an der Versammlung und Diskussion förmlich einladen." Dem Zentrum, das mit dieser Agitation noch im Oktober beginnen will, scheint zu bangen vor den Folgen seiner Hal- lung bei ber Reichsfinanzreform. Und mit Recht: denn wenn es den Sozialdemokraten wirklich Redefreiheit gewähren sollte, dann wird die Musterung, die unsere Genossen ohnedies in der letzten Zeit schon mit allem Nachdruck abgehalten haben. noch fürchterlicher für die Zentrumspartei werden. Iloch eine geitürrte antisemitische Säuie. Der Prozeß Dahsel ist am Sonnabend noch nicht zu Ende gegangen. Aber eine Verurteilung ist bereits erfolgt. Den Dritten hat sie getrosten, der nicht mit auf der Anklage- dank saß. der aber in diesem Prozeß— wenn auch nicht . wegen derselben Fälle wie die Dahsel und Schuwardt- von der öffentlichen Meinung mit angeklagt wird—, den antl- semitischen Reichstagsabgeordneten für Friedeberg-Arnswalde und Verleger der„Wahrheit", den Herrn Wilhelm Bruhn. Gestern saß er noch auf stolzem Roß. Die neueste Nummer der„Wahrheit" brachte einen kleinen Ausschnitt aus den Verhandlungen des Dahsel-Prozesses, die Erklärung des Vorsitzenden, daß sich in den Ätten nichts finde, was darauf hindeute, daß Bruhn der Teilnahme an den Erpressungs- versuchen der Dahse und Schuivardt verdächtig sei. Mit diesem— lediglich negativem— Zeugnis des Gerichts an der Hand glaubte sich Herr Bruhn mächtig in die Brust werfen zu dürfen. Mit aufgeblasenen Backen gab er zu ver- stehen, daß die brave„Wahrheit" von gewissenlosen Ver- leumdern schändlich ungerechterwcise verdächtigt worden sei, daß kein Ständchen auf seiner Ehre sitze und daß die Ver- teidiger der Angeklagten, die eine andere Ansicht über diesen Punkt laut werden ließen, niederträchtige und gewissenlose Gesellen seien. Herr Bruhn verschob mit dieser Ausschlachtung der Worte des Strafkammervorsitzenden das Gefechtsfeld. Die öffentliche Meinung, die ihn und sein Blatt anklagt, kapriziert sich nicht gerade darauf, ihm Beteiligung au den Dahselschen Taten nachzuweisen. Aber sie klagt die„Wahrheit" an. ein Revolverblatt zu sein, das das Treiben Dahsels erst möglich machte und dessen ganze Praxis von der des Dahsel nur in Nuancen, nicht im Wesen abweicht. Und diese Anklage hat nun am Sonnabend das Gericht als gerechtfertigt anerkannt. Auf einen Vorstoß der Verteidigung, die eine ganze Reihe detaillierter Beweis- antrüge stellte, um die Erpressungspraxis der„Wahrheit" festzustellen, erklärte das Gericht diese Beweiserhebung für unnötig, weil es das als wahr unter st elle. was die Verteidigung aus dem vou ihr vorgebrachten Material folgern wollte. Vorher hatte der Staatsanwalt erklärt, daß es Sach- verständiger über den Charakter der„Wahrheit" nicht be- dürfe, dieser Charakter sei gerichtsnotorisch. Damit hat eine Säule des Antiseniitismus. eine Stütze von Thron und Altar— denn Herr Bruhn ist gerade so patriotisch und monarchisch gesinnt wie sein langjähriger Mit- arbeiter Dahsel— eine Charakterisierung durch preußische Richter erfahren, die ihn für die Oeffentlichkeit zum toten Mann machen muß!(Allerdings müssen wir gestehen, daß uns die Art, wie der Gerichtshof seine Fest- stellung getroffen hat, nicht gefällt. Für die Rechtspflege ist diese Uebung etwas als wahr zu unterstellen, gefährlich. Entweder hat das Gericht die Beweisanträge als unerheblich oder nicht zur Sache gehörig abzulehnen, oder es muß die Beweise erheben! Sonst ist der Willkür Tür und Tor geöffnet und die seltsamsten Anschauungen der Richter können als objektive Wahrheit präsentiert werden. Freilich, im vorliegenden Falle ist davon keine Rede— diesmal haben die Richter in der Tat lediglich das allgemeine Urteil der Oeffentlichkeit ratifiziert!) Der Antisemitismus hat Pech mit seinen Helden. Nach S ch a ck bricht Bruhn zusammen. Auch ein RcichZtagsabge- ordneter, der künftig im Reichstag unmöglich ist! Und im Hintergrunde erscheint die Figur des einstigen Heros aller Judenfresser— der Retter aller Deutschen, A h l w a r d t, dessen„Freiheit", wie die Sonabendverhandlung enthüllte, eine Vorläuferin der„Wahrheit" war. Aber nicht nur der Antisemitismus ist es. der bei diesem Prozeß der Leidtragende ist. Neben ihm hat die deutsche Reaktion mit dem Trauerflor an Aermel und Zylinder zu erscheinen. Die Bruhn und Dahsel gehörten zu ihren„wert- vollsten Elementen", sie leisteten den Junkern und der Re- aierung Arbeitswilligendienste. In den Ministerbureaus findet man ihre Spuren. Sie waren wohlgelitten bei Junkern und Bureaukraten. denn sie haben allezeit das schmutzige Geschäft der Sozialistenverleumdung mit einer Ge- wissenlosigkeit und Skrupcllosigkeit besorgt, die der des Reichsverbandes nicht nachsteht. Auf den vom preußischen Eisenbahnminister behüteten sittsamen Auslagen der Bahn- Hofsbuchhändler, allwo kein sozialdemokratisches Blatt und kein„SimplicissimuS" stecken darf, prangt die„W a h r h e i t" de» Herrn Bruhn! DaS Blatt, dessen Revolvercharakter nach Herrn Staatsanwalt Leisering gerichtsnotorisch ist! Aber freilich— es ist auch ein patriotisches, ein monarchisches Blatt! Und das ist ausschlaggebend im sittsamen Lande Preußen!. polftilcbe Gcberlicbt. Berlin, den 9. Oktober 1909. Antisozialpolitische Strömungen im Hansabnnd. Das vor kurzem veröffentlichte Aktionsprogramm des Hansabundes findet in den liberalen Handels- und Börsen- blättern, je mehr diese erkennen, daß die leere Phraseologie des schönen Programms die Bundesleitung zu nichts ver- pflichtet, sondern ihr für die Vertretung der großkapitalisti- sehen Interessen völlig freie Hand läßt, desto reichlicheren Beifall. Alle„Richtlinien" werden als Ausgeburten höchster politischer Weisheit gepriesen— nur der Absatz über die Sozialpolitik wird mehrfach als minderwertig, unbestimmt und unrichtig befunden. Warum? Der schönen Phrasen ent- kleidet, besagt dieser Teil des Programms lediglich, daß die Leitung des Hansabundes sich auf die Verfechtung der wirt- schaftlichen Interessen der Unternehmerschaft zu beschränken und die sozialpolitischen Forderungen der in Industrie- und Handelsbetrieben Angestellten als eine Angelegenheit zu be- trachten gedenkt, die den Bund nichts angeht und die daher von den Sondervereinen der Angestellten betrieben werden möge. Doch diese Ablehnung aller sozialpolitischen Wünsche der durch teilweise recht zweifelhafte Mittel zum Eintritt in den Hansabund bewogenen kaufmännischen und industriellen Angestellten genügt jenen Blättern und den hinter ihnen stehenden Unternehmerschichten noch nicht. Die Bundes- leitung muß nach ihrer Ansicht offen erklären, daß sie jeden weiteren Ausbau der Sozialpolitik verwirft und allen darauf gerichteten Bestrebungen energisch entgegentreten will. Als Beispiel für dieses Verlangen haben wir bereits in der letzten Freitagsnummer eine Stimme aus dem Lager der Großindustriellen, der Kronsbeinschen„Post", zitiert. Aber nicht nur die Presse der scharfmacherischen Jndustriebarone, auch die Herren Exporteure und SchisfSreeder verlangen, daß der Hansabund gegen die sozialpolitischen Bestrebungen offen Front macht. So heißt eS beispielsweise in einem„Die Richtlinien des Hansabundes" überschrichenen Artikel der„Hamb. Nachrichten": „In den Richtlinien sagt der Hansabund, er werde Fühlung mit allen Parteien unterhalten, die sich zu seinen Grundgedanken und Zielen bekennen, und werde auch bei den Wahlen die poli. tischen Parteien bei Ausstellung und Durchsetzung solcher Kandi» dgtev Ulltexstützern, die bis Gewähr dgfür bieten, dgß sie ist ihrer parlamentarischen Tätigkeit öon den Grundgedanken des Bundes nicht abweichen werden. Zu den Parteien, mit denen der Hansa- bund Fühlung unterhalten, die er unterstützen kann, gehört die Sozialdemokratie nicht. Das Verhältnis des Hansabundes zu ihr kann immer nur daSderunbe dingten Gegnerschaft sein. Das hätte in den Richtlinien direkt, offen und deutlich ausgesprochen werden sollen. Der Hansabund will eine wirtschaftliche Vereinigung sein. Daher muß das Schwergewicht seines Wirkens auf Wirtschaft- lichem Gebiete liegen. Die Richtlinien, die er soeben formuliert hat, sollen die„nächste Tätigkeit" bestimmen. Als nächste Tätigkeit wirtschaftlicher Natur kommt hauptsächlich die Sozialpolitik in Betracht. Denn diese wird im Reichstage im Mittelpunkt der Beratungen und Entschließungen stehen. Als Hauptfrage drängt sich daher auf, wie die sozialpolitische Tätigkeit des Hansabundes beschaffen sein wird. Hier ergeben sich aber sofort die bereits angedeuteten Schwierigkeiten aus der Verschiedenartigkeit der Interessen>der im Hansabund vereinigten Erwerbsklassen. Sie sind so groß, daß sie zunächst in den Richtlinien einen Ausgleich nicht gefunden haben. Also nicht einmal auf dem Papier. Wie soll es dann aber in der Praxis werden? Den Grundsatz der strikten Neutralität für die Sozialpolitik zu proklamieren widerspricht nach unserer Auf- fassungdemindenRichtlinien ausgesprocheneu Grundgedanken, daßderHansabunddiege mein- samen Interessen von Gewerbe, Handel und In- dustrie zu vertreten, zu fördern und vor Schädi- gung und Angriffen zu schützen hat... Aber die herrschende Sozialpolitik der Regierungen und des Reichstages, w eil sie nach wie vor ausschließlich auf die Be- friedigung der Sonderbedürfnisse und der un- gemessenen politischen Machtansprüche der Arbeitnehmer auf Kosten der Unternehmerschaft gerichtet ist, verstößt gegen die voltswirtschaftlichen Gesamtintcressen; sie hemmt und lähmt das Wirtschaftsleben, indem sie die Produk» tionskosten verteuert, unsere Erwerbsstände mit sozialpolitischen Leistungen überlastet und so schließlich unsere wirtschaftliche Machtstellung schwächen muß. Beinahe das gesamte Unternehmer- tum, vom größten bis zum kleinsten herab, hat gegen den Entwurf der Reichsversicherungsordnung, der die gefährliche Einseitigkeit des sozialpolitischen Kurses aufs neue bekundet, entschiedene Ver- Wahrung eingelegt. Hieraus, meinen wir, müßte sich gerade für den Hansabund als die erste, weitaus wichtig sie Auf- gabeergeben, dieherrschendeSozialpolitikmit dem Aufgebot aller Kräfte zu bekämpfen und danach zu streben, für diesen Kampf die natio- nalen Parteien zu interessiexen. zu mobil i- siexen, zuengagiexen..." Naffenpolitik. Lange haben die Finanziers und die Exporteure gefordert, daß die deutschen Kolonien nach kaufmännischen Grundsätzen verwaltet werden. Jetzt steht an der Spitze des Kolonialamtes ein aus der Bankfinanz hervorgegangener Geschäftsmann; doch jene Herren sind ebenso wenig zufrieden wie stüher; denn im Grunde genommen läuft ihre Forderung darauf hinaus, daß ihnen die Kolonien und deren Eingeborene zu schrankenloser Ausbeutung ausgeliefert werden, und die Kolonialverwaltung sich lediglich darauf beschränkt, die Auflehnung der Eingeborenen niederzuhalten. Zu solcher Art der Kolonial- Verwaltung vermag sich aber die Regierung, so sehr sie auch bereit ist, dem Profitverlangen der deutschen Kolonialinteressenten entgegen- zukommen und die Eingeborenen durch strenge Polizeimaßregeln und Strafexpeditionen zur Gefügigkeit zu zwingen, aus Rücksicht auf die öffentliche Kritik und den Reichstag nicht zu verstehen. So bleibt denn auch das Nörgelir der sogen..Kolonialsteunde' über die allzu humane. von falschen Gerechtigkeitsbegriffen diktierte Kolonialpolitik des Kolonial- amtes nicht aus. Jede Gelegenheit wird benutzt, um dem Staats- sekretär zu Gemüte zu führen, daß, wenn er sich den Dank der im- und exportierenden Großhändler und der Plantagenbesitzer erwerben wolle, er seine Auffassung, daß auch der Neger, Melanester und Polynefier sozusagen ein Mensch sei, aufgeben und sich zur konsc- quenten„Rassenpolitik" bekehren müsse. So schreibt zum Beispiel die«Deutsche Ztg." unter dem Titel„Raffenvewußtsein und Rassenpolitik". „Staatssekretär Dernburg ist augenblicklich in den Vereinigten Staaten Nordamerikas eingetroffen, um die Baumwollstage im Staate Louisiana zu studieren. Wir würden dem Hern, Staats» sekretär empfehlen, sich drüben au Ort und Stelle neben der Baumwolle auch noch einmal die Negerfrage genauer an- zusehen. Um die Befreiung der Neger von der Sklaverei führten die Nordamcrikaner vor rund 4ö Jahren ihren Bürgerkrieg. Die Reger erhielten alsbald auch das Wahlrecht. Und doch sehen wir es bis auf den heutigen Tag: Je drohender die zahlenmäßige Ueber- legenheit in den Südstaaten wurde, um so schroffer trieben die Weißen R ä s s e n u n t e r s ch i e d S p o l i t i k Ii, Südkarolina und Mississippi gab eS nach der letzten Volkszählung b8 Proz. Farbige, in Louisiana und Georgia 47 Proz., in Nordkarolina 33. in Arkansas 28. in Tenesiee 24, in Texas und Maryland 20, in Delaware 17 und in Kentucky immerhin»och 13 Proz. Nun wohl— nicht nur Mischehen sind hier überall gesetzlich verboten, sondern auchinKircheund Schule sind die Farben streng geschieden. Ja— in Mississippi, Südkarolina, Louisiana, Nordkarolina, Virginia und Alabama hat man neuerdings das Wahlrecht so eingeengt durch Bedingungen, die an Bildung. Besitz und Steuern geknüpft sind, daß ein großer Teil der Negerwähler seitdem ausscheidet. Bei den Borbereitungen der«südasrikanischen Union" sehen wir etwas Aehnlichcs. Trotz der kapländischen Bcr- gangenheit und trotz Natals Teilnehnierschaft am Bunde— ein Negerwahlrecht wird der Bund nicht haben. Diese aus Erfahrungen erwachsenen Maßnahmen studiert auf ihre Gründe hin hoffentlich mal recht eifrig auch unsere Kolonialvcrwaltung, die nicht nur auf einzelnen Bureausesseln der Zentrale. sondern auch imGouvernementSbereich der Herren Frhr. v. Rechenberg und Dr. Seitz falschen Senti» Mentalitäten mit christlicher oder humanitärer Ver- brämung innerlich hingegeben zu sein scheint. Wir wünschen, daß Staatssekretär Dernburg. der auf seiner süd- astikanischen Reise durch eine britisch-koloniale Gerichtsverhandlung in Port Elisabeth einst zu dem plötzlichen Wunsch auf Einführuug des Negereides gelommen fein soll, in Louisiana die ewigen Gesetze des Rasseideals mit seiner außerordentlichen Auf- fassungsgabe zu studieren Zeit und Lust findet." Ein Teil der Handelsblätter druckt diese Ausführungen mit Wohlgefallen ab._ Staatsbürgerliche Rechte«nd wirtschaftlicher Zwang. Daß auch die technisch-industriellen Beamten durch die bitteren Erfahrungen darüber belehrt werden, daß in de», großen sozialen Kampfe unserer Zeit nur ein Hüben, ein Drüben gilt, bewies die Aufnahme eines Vortrages. den Dr. B r e» t s ch e i d über das Thema„Staatsbürgerliche Rechte und wirtschaftlicher Zwang" in einer öffentlichen Versammlung des Bundes technisch-industrieller Beamter in Berlin hielt. Breitscheid legte in einer historisch- ökonomischen Betrachtung dar, daß die Zeit endgültig vorüber sei, wo die technischen Angestellten sich einbilden konnten. daß ihre kümmerliche Stellung als Angestellter nur das U e b e r g a n g s st a d i u m zur Selbständigkeit und eigener Unter- »ehmerherrlichkeit darstelle. Der Redner räumte mit diesen wirt- schaftlichen Wahnvorstellungen ebenso gründlich auf. wie mit dem unmotivierten Bildungsdünkel. daß ein Ingenieur oder Techniker etwas so Besonderes fei. daß er nicht genau so wie der Handarbeiter entschiedenste GewerkschaftSpolM treiben und mit dem Proletariats m den wirtschaftlichen und politischen Kämpfen zusammengehen müsse. Denn mit dem gewerkschaftlichen Kampf allein sei es nicht getan, vielmehr mühten auch die technisch-industriellen Beamten eine entschieden demokratische Politik mit aller Energie zu unterstützen suchen. Der Vortrag des demokratischen Redners fand die stürmische Zustinimung der imposanten Versammlung. Auch die Diskussions redner, die zum Teil Breitscheids Ausführungen unterstrichen, fanden lebhaften Beifall. Nachdem zwei Redner zwei Resolutionen begründet hatten, die auf die Gewerbeordnung bezügliche Forderungen der technisch-industriellen Beamten formulierten(die später einstimmig angenommen wurden), erbrachten die Redner aus den jüngsten Maßregelungs- und Bespitzelungsaffären in Augsburg den drastischen Nachweis dafür, daß das Recht der persönlichen Freiheit bei den technischen Angestellten ebenso übel mit Füßen getreten wird, wie bei den Arbeitern. Die Empörung über daS Herren� Menschentum der Unternehmer, die Bütteldienste ihrer Exekutivorgane und das feige Denunziantentum gewisser Auchkollegen fand herz erfrischend kräftigen Ausdruck. In der Diskussion ergriff auch der gematzregelte Leiter des Telegraphenarbeiterverbandes Volle nthin das Wort, um die Privatbeamten zu energischer gemeinschaftlicher Erkämpfung gewerb fchaftlicher und staatsbürgerlicher Rechte aufzurufen. Leider der- schuldeten die an Mitgliederzahl so starken Organisationen der Staats- und Reichsarbeiter selbst durch ihr schlappes Verhalten der- fassungswidrige Willkürakte, wie den, dem er selbst zum Opfer gefallen sei. Auch dieser Redner betonte die Notwendigkeit eines energischen Klassenkampfes.— An der Diskussion beteiligte sich auch der Land- tagsabgeordnete Ströbel, der die Notwendigkeit und das Wesen des Klassenkampfes darlegte, an der Hand der letzten Verhandlungen des preußischen Landtages die Unzuverlässigkeit sämtlicher bürger lichen Parteien nachwies und unter starkem Beifall der Zuversicht Ausdruck gab, daß bei den bevorstehenden Berliner Landtagsersatz wählen die technisch-industriellen Beamten beweisen würden, daß die Beteuerungen von der Zusammengehörigkeit der Kopf- und Hand- Proletarier mehr seien als schone Phrasen. Eine unbeachtete Einnahmequelle für Preußen. In der preußischen Jorstverwaltung besteht heute noch der unglaubliche Zustand, daß den Oberförstern nicht nur das Abschuß- recht zusteht, sondern daß sie das erlegte Wild auch zugunsten ihrer eigenen Tasche verkaufen dürfen. Sie haben für das höchst «inträglicbe Privilegium der Jagd lediglich an die unteren Beamten ein Schußgeld und an den Staat«ine bescheidene Taxe für jedes erlegte Stück Wild abzuführen. WaS der Oberförster beim Ver- kauf mehr erzielt, ist sein Profit, der sein Gehalt oft bei weitem übersteigt. So wird dem„Berliner Tageblatt" berichtet: „In der Oberförsterei Letzlingen kommen jährlich rund 1000 Stück Damwild und 100 Stück Schwarzwild zum Abschuß, welche bei einer Durchschnittstaxe dem Staat rund 22 000 bringen. Beim Verkauf stellt sich das Stück jedoch(mäßig gerechnet) auf mindestens 46 M. Die Oberförsterei hat demnach an den 1100 Stück Wild im Jahre(abzüglich 6000 M. Unkosten) rund 22 600 Mark Gewinn. Nach dem Etat konimen in Preußen 34 Ober- forstmeistereien und 761 Oberförstereien in Frage. Zugegeben, daß nicht in jedem Bezirk der Wildabschntz so reichlich ist, so läßt sich dennoch bald nachrechnen, daß bei dem Wildverkauf dem Staate mindestens gegen 16 Millionen Mark verloren gehen. Interessant ist dabei noch, daß jetzt diese 16 Millionen Rtark nicht einmal versteuert zu werden brauchen." Diese Ungeheuerlichkeit ist bei der Beratung des Forstetats im preußischen Landtage namentlich von sozialdemokratischer Seit« erörtert worden, freilich ohne Erfolg. Von bürgerlicher Seite, speziell von dem famosen Herrn Fischbeck, wurde ein- fach betont, daß man den Oberförstern die Freud« am Beruf nehmen würde, wenn man ihnen die Jagd entziehen wollte. Wenn der preußische Staat die Jagd in seinen Forsten verpachten würde. so toäre damit eine jährlich nach vielen Millionen zählende Einnahme für den Staat geschaffen. Die Oberförster rekrutieren sich aber zum Teil aus den Junkern, den Herrschern in Preußen, und so ist man eher bereit, die kleinen Einkommen schärfer zur Steuer heranzuziehen, bevor man sich dazu verstehen kann, den Oberförstern zum Teil enorme Gewinne zu nehmen, um dergestalt der Staatskasse eine erhebliche Einnahme zuzuführen. Endlich:? in Halle a. S. soll, wie jetzt be- der zweiten Hälfte des November, 6. November stattfinden. Eine Montag Die Reichstagswahl richtet wird, nicht in sondern„bereits" am amtliche Meldung liegt noch nicht vor, sie soll für zu erwarten sein....—_ Sind O.nitt»nae« über die Rückzahlung von Spar- etnlagcn stempelpflichtig? Wie die„Freis. Ztg." mitteilt, hat sich d«r ReichStagsabgeord- nete Müller-Meiningen an das Reichsschatzamt gewendet, um fest- zustellen, ob die den Sparkassen über Rückzahlung von Sparein- lagen zu unterschreibenden Bescheinigungen stempelpflichtig sind. Er hat jetzt die Antwort erhalten, daß die Verpflichtung zur Be- ftempclung der Quittungen über Rückzahlungen nach Nr. 10 des Reichsstciupeltarifs für Sparkassen nur insoweit bestehe, als die Sparkassen zu den in§ 2 des Schcckgesetzes vom 11. März 1908 bezeichneten Anstalten gehören, d. h. die Fähigkeit besitzen, mit Schecks bezogen, werden zu können. Einer unter amtlicher Aufsicht stehenden Sparkasse kommt diese sogenannte passive Scheckfähigkeit aber nur zu, wenn sie die nach Landrecht für sie geltenden Be- stimmungcn erfüllt. Darüber läßt sich also nur von Fall zu Fall entscheiden, ob den Sparkassen passive Scheckfähigkeit zukommt. Sei letzteres der Fall, so sei der Sparkasscnkontoinhaber bei Rück- Zahlungen aus dem Sparkassenguthaben stempelpflichtig, gleichviel ob die Quittung durch einen dritten oder durch den Sparer selbst bei der Kasse vorgelegt wird. Werden Guthaben abgehoben, ohne daß der Inhaber eine Be- scheinigung ausstellt, so besteht natürlich keine Stempclpflicht. Absage der Mittelständler an die Konservativen. Im Reichstagswahlkreise Schweidnitz-Striegau, wo der Junker v. Richthofen mit freisinniger Hilfe in der Stichwahl gegen den Sozialdemokraten gewählt wurde, geht jetzt auch den Mitt eist änd lern, die hier über einen verhältnismäßig großen Anhang verfügen, durch die neue Steuerbelastung ein Licht auf. Alach und nach kommt ihnen zum Bewußtsein. daß„ihr* Abgeordneter, für den sie bei der letzten Wahl sich eifrig ins Zeug legten, sie mit seinen Versprechungen recht kräftig hinterS Lichj geführt hat. Das kam in einer Versammlung der Mittelständler in Schweidnitz sehr deutlich zum Ausdruck. So sagte u. a. ihr Führer, ein Schneidermeister M a i e r, der bei den letzten Wahlen sich noch eifrig für NichtHofen mS Zeug legte:»W i r haben ein dickes Brett vor dem Kopf gehäbt und uns von den Junkern als Stimmvieh bei den letzten Wahlen gebrauchen lassen". Ein anderer Führer der Mittelständler. ein Herr P e s ch e, warf den Konservativen vor, daß ihr ganzes Tun und Treiben daraus hinauslaufe, den Mittelstand an den Ruin zu bringen. Der Sozial- demokratie, die einzige Partei, die den Junkern Respekt abnötige. wünsche er guten Erfolg beim Schnapsboykott. Dann sagte er mit deutlicher Anspielung auf den Reichstags- abgeordneten v. Richthofen, der eine Versammlung, in der er über Finanzborlage Bericht erstaitete. auf 11 Uhr bormiitagS ansetzte, zu einer Zeit, wo kein städtischer Wähler kommen konnte: Alle Verbrecher, auch die politischen, haben eine Scheu vor der breiten Oeffentlichkeit, weil sie kein reines Gewissen haben. Ein Ab- geordneter, der seinen Wählern ReHenschaft abzulegen habe, müsse den Zeitpunkt so wählen, daß die Masse der Wähler an der Ver- sammlung teilnehmen könne. Dem Genossen F e l d m a n n, der in dieser Versammlung den Standpunkt der Sozialdemokratie wirksam vertrat, wurde vielfach recht lebhaft zugestimmt, einem freisinnigen Redner dagegen eine recht deutliche Absage erteilt. Der Zusammenbruch der konservativ- mittelständlerischen Wahl- freundschaft im Wahlkreise Schweidnitz- Striegau scheint somit kom- plett zu sein, wenn es den Junkern nicht gelingt, die revoltierenden Mittelständler bis zu den nächsten Wahlen wieder einzuseifen. Im übrigen aber treffen die Worte des Mittelständlers Pesche von den politischen Verbrechern auch noch für viele andere Abgeordnete voll- kommen zu, die sich vor der Berichterstattung drücken. Saure Trauben. Der Antisemitismus ist im Königreich Sachsen im stetigen Rück- gange begriffen. Die Deutsch-soziale' Partei fühlt sich denn auch so schwach, daß sie sich bei den sächsischen LaudtagSwahlen mit eigenen Kandidaten nicht beteiligen will. Sie hat folgenden Beschluß gefaßt: „Angesichts der politischen Verhältnisse im Königreich Sachsen haben wir davon abgesehen, bei den diesjährigen Landtagswahlen eigene Kandidaten aufzustellen. Keine», Gesinnungsgeilossen können wir, besonders mit Rücksicht auf die Haltung der liberalen Presse zumuten, für eine» linlsstehenden Kandidaten seine Stimme ab- zugeben. Dagegen fordern wir unsere Freunde in Stadt und Land soivie die Angehörige» des Mittelstandes und der nationalen Arbeiter- und Gehilfenschaft auf, die Kandidaten der rechtsstehenden Parteien tatkräftig zu unterstützen."_ Auch ein Nachspiel zur Radbod-Katastrophe. Vor der Strafkammer zn Münster stand am Freitag die Witwe D o r a, die Frau eines der bei der Radbod-Katastrophe ver- unglückten Bergleute. Sie ist Mutter von sieben Kindern, eine dauernde St ente aus der Knappschaftskasse wurde ihr aber versagt, weil sie mit dem Vater der Kinder nicht staudesanitlich verbunden war. Da sie sozialdemokratische Gesinnung verriet und in Gemeinschaft mit anderen Witwen auf sofortige Aus- Zahlung der gesammelten Unterstützungsgelder zu klagen wagte, so war sie bei Behörden und bei der Zechenverwaltung bald schlecht angeschrieben. Sie geriet bald in bitlere Not und wlirde von den Gläubigern zum Offenbarungseid geladen. Sie hat ihn dann eines Tages vor dem Amtsgericht zu Werne geleistet, nachdem sie eben eine veranltvortliche Vernehmung wegen der Beschuldlgimg der Brandstiftung hinter sich hatte. Ein Verzeichnis ihrer Reichtümer hatte sie nicht bei sich, sie mußte sie aus dem Gedächtnis aufzählen. Bald darauf wurde die Frau durch die Radbod aus der Wohnung in der Zechenkolouie hinausgesetzt und ihre Möbel auf die Straße gestellt. Man entdeckte, daz die Frau beim Offenbanmgsetd eine Waschmaschine, ein nlteS Fahrrad, einen kleinen Ofen und einen Spiegel anzugeben vergessen hatte. DaS heischte im RechtSstaate Preußen Sühne. Die Frau wurde i«fort verhaftet und ein hochnotpeinliches Verfahren wegen Mein- e i d e s eingeleitet. In der Voruntersuchung schrumpfte es dann freilich auf ein Verfahren wegen fahrlässigen Falscheides zusammen. Der Gcrichtsvorsitzende mußte die Art. wie der Frau der Offen baruugSeid abgenommen worden war, selbst als bedenklich bezeichnen — der Staatsanwalt beantragte trotzdem eine Gefängnis- st r a s e von neun Monate». Die Angeklagte siel darob in Ohnmacht, aus der sie sich nur schwer er- holte.— Der Verteidiger beantragte Freisprechung. DaS Gericht trat der Verteidigung insofern bei, daß die An geklagte nicht alle Habseligkeiten im Kopf haben konnte. In der V e r s ch!v ei gun g der Waschmaschine allein erblickte daS Gericht eine Fahrlässigkeit; das Urteil lautete dieserhalb auf eine Gefängnisstrafe von 10 Wochen, die durch die Untersuchungshaft für verbüßt gelten. Der Gerechtigkeit ist damit Genüge geschehen. Die bürgerliche Presse hatte nach der Verhaftung der Unglück lichen gemeldet, daß sie beim OffenbaruilgSeid eine größere Partie besserer Möbel st ücke und einen Geldbetrag von 400 Mark nicht angegeben habe. Rührend ist die Schnelligkeit der Justiz in diesem Falle. Ob wohl noch einmal einer der Schuldigen an der Radbod-Katastrophe angeklagt wird?_ Abermals ein vertagter Radbod-Prozest Vor der Dortmunder Strafkammer sollte Sonnabend der Radbod-Prozeß gegen den Genossen Nottebohm von der.Ar beiter-geitung" verhandelt werden. Der Hauptzeuge, ein Bergmann aus Böhmen, hat nicht ermittelt werden können Ein anderer Zeuge, der bei dem Radbod-Unglück gerettete Bergmann Thomas, der vom Berliner Bergarbeiter-Kongreß her bekannt ist, ist an, Freitag tödlich verunglückt. Nach längerer Verhandlung faßte das Gericht gegen den Antrag des Staatsanwalts den Beschluß, die Verhandlung zu vertagen. Der neue Termin soll nach dem 18. Oltober au- gesetzt werden, an welchem Tage der gleiche Prozeß gegen den Re- dakteur der„Bergarbeiter-ZeiMng" in Bochum verhanvelt wird. „Streikbrecher"— ein Lob! Folgender Bescheid eines Hamburger Gerichts wird vom„Ham- burger Echo' veröffentlicht: Amtsgericht Hamburg. In Privatklagesachen.... Privatklägers, gegen.... Beschuldigten, beschließt das Amtsgericht durch den Amtsrichter....: „Der Antrag auf Eröffnung des HauptverfnhrenS wird abgelehnt; der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens. Gründe: Das Wort Streikbrecher ist keine Beleidigung. Es be- belltet einen ArbeitSivilligen, etilen Menschen, der arbeitet statt zu streiken, das ist kein Vorwurf, sondern ein L o b.' H a m b u r g, den.,.. g-z......... beglaubigt..... « Wir teilen zlvar nicht den Standpunkt des Hamburger Gerichts, daß die Bezeichnung Streikbrecher ein Lob enthält, eine Ansicht, die auS den Anschauungen der Unternehmer geboren ist. Aber wir stimmen darin allerdings dem Hamburger Gericht zu, daß„Streik- brecher' keine Beleidigung ist. Denn es konstatiert lediglich die Wahrheit. Wenn diese Wahrheit den.wettvollsten Elementen' nicht paßt, so geht daS die Justiz nichts an. Das wettere Verfahren gegen Eulenburg. Die Berliner Universalkorrespondenz meldet: „Wie wir aus einer der Staatsanwaltschaft nahestehenden Quelle erfahren, will man den Fürsten Eulenburg wenigstens auf absehbare Zeit mit gerichtsärztlichen Untersuchungen verschonen, nachdem die aus Liebenberg vorliegenden Nachrichten über Eulen- burgS Gesundheitszustand sehr ungünstig lauten. Eine gerichtS-- ärztliche Untersuchung, die übrigens für den Staat jcdesiilal mit erheblichen Kosten verbunden ist, erscheint nach Ansicht der Staats- anwaltschaft für den Augenblick zwecklos, nachdem während der im Sommer d. I. gegen den Fürsten begonnenen Schwurgerichts- Verhandlung ztkifersfrei festgestellt wurde, daß der Fürst nicht simuliert. Im günstigsten Falle kann im Frühjahre des nächsten Jahres an eine Fortsetzung des Prozesses gedacht werden. Eine Verhandlung im Sommer soll unter allen Umständen vermieden werden, da der Fürst, der schwer herzleidend ist, Wärme nicht f�ine parlamentarische Tätigkeit und seine Haltung bei Beratung der I vettqagen kann, Bevor die Staatsanwaltschaft neuerlich an bis Straflammer zut UnberaumitNg clüeS Termins gegen den Fürsten Eulenburg herantreten wird, muh sie die weitgehendeste Sicherheit besitzen, daß der Prozeß ohne Störung zur Beendigung gelangen würde. Es liegt auch kein Anlaß vor, mit der Fortsetzung des Prozesses nicht bis zur völligen Wiederherstellung des Fürsten zu warten, da Jlucht- und Kollisionsgefahr als nicht mehr vorliegend angesehen werden und eine Verjährung in Anbetracht der für Meineide geltenden zehnjährigen Verjährungsfrist ausgeschlossen erscheint." Wir haben nichts gegen dies schonende Verfahren. Zu fordern bleibt aber, daß es auch gegen Proletatter zur Anwendung gelangt. Wie sehr es damit noch hapert, das brauchen wir nicht auseinander- zusetzen. Fürst Eulenburg hat übrigens seine Berliner Wohnung, von der aus er zu den Verhandlungen fuhr und wo ihn die Polizei so fürsorglich bewachte, aufgegeben. Er rechnet offenbar damit, daß es zu einer neuerlichen Verhandlung überhaupt nicht mehr kommt!_ Militärisches Schreikensurtett. Vom Kriegsgericht der 10. Division wurde der aus Berlin stammende und seiner Militärpflicht beim 60. Infanterieregiment in Rawitsch nachkommende Musketier Wennhaus zu 4 Jahren Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heere verurteilt. Wem, haus war in die Kantine de« 1. Bataillons eingebrochen und hatte auS dieser Geldmarken und Kleidungsstücke entwendet.»» frankreick. Der Kongreß der Regierungspartei. Paris, 9. Oktober. Der Kongreß der radikalen und radikal- sozialistischen Partei in Nantes, nahm gestern eine Sympathie- adresse zugunsten der spanischen Republikaner, speziell F e r r e r s an. Dem Ausschuß, der sich mit der Frage der Wahltaktik beschäftigt, wird dem Kongreß vor- schlagen, zu beschließen, daß die Kandidaten der Partei bei Stichwahlen sich zugunsten der s o z i a l i st i s ch e n K a n d i- baten, welche mehr Stimmen erhalten, zurückziehen, in dem Fall, wo die betreffenden sozialistischen Kandidaten sich verpflichten, den AntipatriotisniuS und den Aufruhr abzulehnen. Der Ausschuß wird ebenfalls dem Kongreß vorschlagen, in jedem Wahlbezirk nur einen einzigen Kandidaten aufzustellen. Maßrcgrlung d'AmadeS. Die scharfen Aeutzerungen deS Generals dÄmadeS gegen die spanische Marokkopolitik haben die französische Regierung, die die Einmischung aktiver Offiziere in die Politik nicht dulden will, veranlaßt, den General, der bekanntlich die letzten Kämpfe der Franzosen in Marokko geleitet hat, zur Disposition zu stellen. Spanien. Der Begimi des Justizmordes. varceloun, 9. Oktober. Heute morgen 8 Uhr begann im Gefängnis von Modale der Prozeß Ferrer. Den Vorsitz des Kriegsgettchts führt Oberstleutnant Lacalla. Ein zahl- reiches Publikum wohnt den Verhandlungen bei. Der Unter- suchungsrichter verliest die Anklageschrift und berichtet über die bei Ferrer beschlagnahmten Dokumente. Unter letzteren befinden sich unter anderem ein Plan für eine spanische Republik, politische und revolutionäre Schriften und Briefe, ein Dokument, betreffend Gründung einer über die ganze Welt sich erstreckenden proletarischen Gesellschaft und ein Brief Jglesias über die Morales-Affäre. Der Unter- suchungsrichter führt aus. aus all diesen Schriftstücken gehe hervor, daß Ferrer in ständigen Beziehungen zu revolutionären Elementen gestanden habe. Unter den beschlagnahmten Briefen befinden sich solche von Politikern, deren revo- lutionäre Gesinnung bekannt sei. Es wird alsdann in die Zeugenvernehmung eingetreten. Der Polizeidirektor erklärt Ferrer für einen Anarchisten und Begründer anarchistischer Schulen(I) Der Zeuge berichtet über die Beziehungen, die Ferrer zu dem Blatt„Progrese" gehabt und erzählt, daß am Vorabend der ersten Truppeneinschiffung nach Melilla in diesem Blatt eine Warnung Jglesias' an die Regierung gestanden habe, worin mit einer Revolution gedroht wird, ivenn die Truppen wirklich eingeschifft würden. Ein anderer Zeuge namens D o m o n e ch versichert, Ferrer habe einmal erklärt: Wir werden, wenn notwendig, dem Beispiel der Russen folgen. Cnglanä. In die Schranken gewiesen. London, 8. Oktober. Handelsininistcr Churchill hielt heute hier eine R e d e. in der er ausführte, es fei n i ch t an» zunehmen, daß das Oberhaus das Budget verwerfen werde. Eine Ablehnung des Budgets von feiten des Ober- Hauses würde ein GewaltaktgegendicVerfassung sein und auf den Anspruch hinauslaufen, daß das Oberhaus Regierungen einsetzen und absetzen könne. Die Regierung werde keiner von dem Oberhause an dem Budget Vorgenom- menen Abänderung nähertreten und sich auf kein Kom- pro miß einlassen. X Rußland. Nach der Dumawahl. Trotzdem es der Sozialdemokratie nicht gelungen ist, das Mandat bei der jüngsten Ersatzwahl in Petersburg zu er- obern, bedeutet die Wahl doch für sie einen bedeutenden Er- folg. Das muß selbst das Kadettenorgan„Rjetsch" eingestehen. Es schreibt:„Die sozialdemokratische Kandidatur folgt jetzt, obgleich sie bloß 19 Proz. der Wähler auf sich konzentriert hat, unmittelbar auf die kadettische, nachdem sie die okto» bristische Kandidatur, die früher die zweite Stelle einnahm, auf die dritte Stelle hcrabgedriickt hat. Man hat sogar vielen Grund zur Annahme, daß sich die Zahl der Anhänger der linken Kandidatur bedeutend vermehrt hätte, wenn die Wahl- listen erneuert worden wären oder wenn selbst bei diesen Wahllisten die Wahlen an einem Feiertage stattgefunden hätten." In Wirklichkeit bieten die Petersburger Wahlen ein für die Sozialdemokratie noch weit günstigeres Bild. Obgleich die Arbeiter von den Wahlen fast völlig ausgeschlossen waren, obgleich eine umfassende Wahlagitation dank dem Mangel einer legalen Organisation, dem Fehlen einer Partei» presse und der Polizeizensur in den Wählerversammlungen den Sozialdemokraten unmöglich gemacht wurde, brachte es der sozialdemokratische Kandidat auf 4(571 Stimmen oder fast ebensoviel wie bei den Hauptwahlen im Jahre 1907. während der Kandidat der Kadetten 12 467 Stimmen erhielt gegen 22 714, die bei den Hauptwahlen für den mit der größten Stimmenzahl gewählten Kandidaten der Kadetten abgegeben wurden. Die Sozialdemokratie hat aber nicht bloß alle Ursache, mit dem zahlenmäßigen Ausgange der Wahlen zufrieden zn sein, die Wahlkampagne bot ihr außerdem nach langer Zeit Ge- legenheit, die Anziehungskraft ihrer Losung, ihre Popularität ftSJjl 5!oB trt 5en Kreisen 5er Arbeiter, 5aS VaHsenöe Ver- trauen zu ihrer parlamentarischen Vertretung zu erproben. Schon die Tatsache, daß die Volkssozialisten und die Arbeits- gruppe sich rückhaltlos für die sozialdemokratische Kandidatur aussprachen, ohne ihre Zustimmung an irgendwelche politische Verpflichtung zu knüpfen, weist darauf hin, daß die Hegemonie der Sozialdemokratie in den Kreisen der radikalen Intelligenz und der vorgeschrittenen Elemente des Kleinbürgertums anerkannt wird. Aber das wichtigste Ergebnis der Wahlkam- pagne war die Aufdeckung der wahren Natur des Kadettis- mus, der Kampf gegen die betrügerische Politik der Bankrott- teure des Liberalismus. Die Kadetten waren höchst unan- genehm überrascht, als die Sozialdemokraten ihre Kandida- tur aufstellten. Sie versuchten— und darin tat sich be- sonders Prof. M i l j u k o f f hervor— den Sozialdemokraten ihre revolutionären„Sünden" vorzuhalten und die Wähler dadurch graulich zu machen, daß die Sozialdemokraten den „bewaffneten Aufstand" und die„Diktatur des Proletariats" gepredigt hatten. Sie wiesen auf die angebliche Jnkonse- quenz der sozialdemokratischen Partei hin und zitierten folgende Stelle aus dem bolschewistischen„Proletarij":„Wir haben während der Revolution gelernt, französisch zu s p r e ch e ii. d. h. das Maximum der vorwärtsstoßenden Losungen in die Bewegung hineinzutragen, die Energie und den Schwung des unmittelbaren Massenkampfes zu heben. Wir müssen jetzt, in der Zeit der Stagnation, der Reaktion, der Auflösung lernen, deutsch zu sprechen, d. h. lang- sam, systematisch, hartnäckig zu arbeiten, Schritt um Schritt vorrückend und jeden Zoll breit erobernd, denn anders geht es nicht, ehe ein neuer Aufschwung eintritt." Die kadettischen Professoren höhnten, daß dies eine Preisgabe der früheren Taktik bedeute. Der revolutionäre Inhalt dieser Worte, die Dialektik der sozialdemokratischen Kampfestaktik blieb für alle diese gelahrten Herren ein Buch mit sieben Siegeln. Und doch könnte ihnen gerade die jetzige Wahlkampagne zeigen, wie lebendig, wie siegessicher diese Taktik ist. Die„Toten" von 1905 haben nie daran gedacht, den Kampfplatz zu ve* lassen. Sie haben den Geißeln und Skorpionen der Konter revolution standgehalten, sie haben, soweit möglich, jede legale Möglichkeit benutzt, um ihre Position zu festigen. Sie sammeln sich wieder im„unterirdischen" Kampfgebiete, während ihre legalen Vorposten, wie das der Petersburger Kanipf zur Evidenz bewiesen hat, den Boden vorbereiten für einen neuen niächtigen Aufschwung der sozialdemokratischen Partei...._ Deutschland in der Welt voran! Wie dem Oktobnstenblatt„Golos MoSkwy" aus Berlin gemeldet wird, haben die Negiennigen Englands, Frankreichs, Belgiens, Italiens und der Schweiz der russischen Regierung erklärt, datz sie in ihren Ländern keine geheime Polizeiorganisation anderer Staaten dulden würden. Trotz der beständigen polizeioffiziösen Reinwaschungsversuche in Deutschland wird von einer ähnliche» Erklärung der deutschen Regierung nichts niitgeteilt. Offenbar soll Preutzen-Deutschland die Rolle einer russischen Spitzelprovinz beibehalten. flnnlanck. Die Krise. HelsingforS, 5. Oktober.(Eig. Ber.) Der suometorianische Senat ist entschlossen, von dem Amte zurückzutreten. Der Grund des Rücktritts ist die verfassungswidrige Stellung der russischen Regierung in Sachen der finnischen Militärfragen. Die anitsniüden Senatoren sollen nur bis zum IS. d. M. ihren Geschäften obliegen. Auch der Generalgouverneur v. B ö ck m a n n sei entschlossen, seine Stellung in Finnland aufzugeben. Auch ihm sei Stolypin zu schneidig. Die endgültige Lösung der finnischen Militärfragen soll vor- läufig bis zur Zusammenkunft der gemischten Konferenz vertagt worden sein.—_ Hu9 der Partei. Vom Fortschritt der Presse. Unser Brandenburger Bruderorgan, die„ B r a il d e n b u r g e r Zeitung", gewann bei einer Haus- agitation zum 1. Oktober rund 1500 neue Abonnenten. Die Erfurter.Tribüne" hat seit Ende August 600 neue Abonnenten gewonnen. Eine starke Zunahme von Abonnenten hatte in den letzten Wochen auch der K a r l s r u b e r„V o l k s f r e u n d" zu verzeichnen. Tag für Tag werden neue Abonnenten angemeldet, und dies nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Lande. In einer ganzen Anzahl Orte wurden neue Filialen gegründet. Besonders stark ist der Abonnentenzuwachs in Karlsruhe selbst, wo Woche für Woche 60, 70 und mehr neue Abonnenten sich melden. Dabei sind es fast durchweg Abonnenten, die aus eigenem Antrieb das Blatt bestellen._ Ei» Borstoß der reformistischen Gewerkschaften. Paris, 7. Oktober.(Eig. Ber.) Die iin„Komitee der gewerkschaftlichen Einigkeit" vereinigten reformistischen Gewerk- schaftler— unter dem„Reformismus" sind bekanntlich alle Richtungen inbegriffen, die deir revolutionären Syndikalismus ablehnen, also sowohl sozialistische Gewerkschaftler wie reine Nentralisten— haben soeben die erste Nummer ihres Kampf- blattes„Action Ouvriöre" herausgegeben. Die„Action Ouvriöre" will ein Organ des„unpolitischen Syndi- kalismus" sein, d. h. einer Gewerkschaftspolitik, die zum Kampf für wirtschaftliche Interessen alle Arbeiter ohne Wcksicht auf ihre politische Parteigesinnnng sammeln will, daher auch Gegenstände wie den AntiPatriotismus und den AntiParlamentarismus als außerhalb der Gewerkschafts- aufgaben liegend ablehnt. Die politische Neutralität soll aber das Blatt nicht abhalten, für eine Benutzung des Gesetz- gebungsapparats im Arbeiterinteresse zu wirken, ebensowenig wie die von ihm vertretenen Methoden die Anwendung der Gewalt im geeigneten Augenblick ausschließen sollen. Hoffentlich wird die„Action Ouvriöre" das notwendige Werk der Sanierung der französischen Gewerkschaftsbewegung vorwärtsbringen. Die unausbleiblichen Erfahrungen der Ge- werkschaftler mit den bürgerlichen Parlamentariern werden ihnen aber wohl auch noch den Wert einer parlamentarischen Arbeiterpartei begreiflich machen. Personalien. Genosse Eugen Kirchpfentng tritt am 1. November auS der Redaktion der.Bergischen Arbeiterstimme" in Solingen, der er über zwei Jahre angehört hat, aus, um auf Ber- anlasiung des bayerischen Landesvorstandes unserer Partei in München die Landtagsberichtcrstattung für die bayrische Parteipresse mit zu übernehmen. pollrelUrdes, Serkcbtllcbes uft». Wieder eine Reichsverbändler-Klage. Genosse Adelung von der.Mainzer Volks- z e i t u n g" hatte sich heute wegen Beleidigung des zweiten Geschäftsführers des RcichsverbandeS Dr. Ludwig vor dem Schöffengericht zu Mainz zu verantworten. Das Urteil lautete auf 2S Mark Geldstrafe. Gewerfcrcbaftllcbee. Berlin und Qmgegend. Fensterstreik der Töpfer. Wie alljährlich im Oktober, so nahmen auch jetzt, in einer am Freitag abgehaltenen Versammlung, die Mitglieder des TöpferverbandeS Stellung zur Fensterfrage. Nach den Bestimmungen des Tarifs müssen vom 15. Oktober ab die Räume, in denen Töpferarbeiten verrichtet werden, verglaste Fenster haben. Die allgemeine Durchführung dieser Bestimmung soll auch in diesem Jahre, wo es erforderlich ist, mittels Streik er- zielt werden. Hierzu wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammelten verpflichten sich, vom Montag, den 18. Ok- tober ab nur auf solchen Bauten zu arbeiten, wo alle beschäftigten Töpfer vor Zugluft durch genügend verglaste Fenster geschützt, ar- beiten können. Das heißt, es muß unbedingt das Zimmer dicht sein, in dem der Töpfer arbeitet, und auch die Nebenräume, wenn er dadurch vom Zug belästigt wird. Provisorische Verglasung und Verschalung von Balkontüren usw. ist nur soweit zulässig, als die übliche Arbeitszeit bei genügendem Licht ausgenutzt werden kann. Diejenigen Kollegen, die durch die Fensterfrage arbeitslos werden, sowie die, welche aus anderen Gründen arbeitslos sind oder zurzeit arbeitslos werden, sollen, sofern ihnen nicht andere Arbeit nach- gewiesen werden kann, vom vierten Tage an unterstützt werden, falls sie dem Verbände mindestens ein Vierteljahr angehören und zu einem Lokalfonds gezahlt haben. Desgleichen auch die Kollegen, die vor ihrem Eintritt einer anderen Organisation angehörten oder nach beendeter Lehrzeit sofort dem Verbände beigetreten sind.— Die Streikenden und Arbeitslosen haben sich sofort in die Streik- listen unter Vorlegung des Verbandsbuches einzeichnen zu lassen und sich alle Tage einmal zur Kontrolle im Streitbureau im Ge- werkschaftshause zu melden. Die direkt Streikenden von den Bauten können sich durch den Bauvertrauensmann in die Streik- listen eintragen lassen und sich auch zur Kontrolle auf dem Bau beim Vertrauensmann melden. Der Vertrauensmann ist ver- pflichtet, die Kollegen, welche sich bei ihm gemeldet haben, täglich dem Streikbureau anzugeben.— Für die Vororte Oranienburg, Bernau, Spandau, Kölligswusterhausen, Köpenick und Friedrichs- Hägen sind Kontrollstellen in den dortigen Verbandszählstellen zu errichten, wo sich die dort wohnenden Kollegen täglich zu melden haben."' ventkckes keick. Aus dem ManSfelder Strcikrevier. Die Situation verschärft sich. Die Direktion der ManSfelder Gewerkschaft lehnt jedes Entgegenkommen und Verhandeln in der schroffsten Form ab. Die Riesenversainmlnng, die am 6. d. M. in Hettst e dt tagte, hatte beschlossen. daS Oberbergamt Halle als Einigungsamt an- zurufen. Am selben Tage sprach die VerhandlungSkominisfion auf dem Oberbergamt in Halle vor. Der Berghanptmann war nicht anwesend. Ein anderer Bergrat versprach schließlich nach längerem Unterhandeln bei der Generaldirektion telephonisch anzufragen und der Streik- leitung das Resultat dann telephonisch mitzuteilen. Herr Dr. Vogel sang, Generaldirektor der Mansfelder Gewerkschaft, lehnte indessen das Oberbergamt als Einigungsamt ab. Er ver- handele mit niemand, so meinte der Herr, möge es sein wer es wolle: nur mit dein gesetzlich von den Arbeitern gewählten Arbeiteransschiiß verhandele er. Der Arbeiterausschuß hat aber bereits am 5. d. M., also zwei Tage zuvor, von Herrn Bogelsang die Antwort erhalten, daß er sich auf nichts einlasse. Die Gekündigten würden nicht wieder angelegt. Das würde ja ein Jubel in Hettstedt werden, wenn er die Gekündigten wieder anstelle. Die Gewerkschaft würde nicht die geringsten Zugeständnisse machen. Der Ausschuß solle die Streikenden nicht verführen. Wenn er, der Arbeiteransschnß. die Arbeit wieder aufnähme, dann würden Hunderte von Kameraden folgen. Dieses Ansinnen lehnten die Ausschußmitglieder selbstverständlich ab. Somit scheiterten alle Versuche, die Differenzen auf dem Wege der Verhandlungen beizulegen, an der Starrköpfigkeit der General- direktion. Um Stellung zu nehmen, was nun weiter geschehen soll, war für den Nachmittag des 7. Oktober eine Versammlung der Streikenden anberaumt worden. Nach einstündiger Verhandlung be- schloß die Versammlung, daß der Streik nunmehr auf weitere Be- triebe der Mansfelder Gewerkschaft ausgedehnt werden soll und zwar auf den Eduard-Schacht mit einer zirka 600 Mann starken Belegschaft und auf die Freiesleben-Schächte mit einer 1000 bis 1200 Mann starken Belegschast. Damit würde die ganze Inspektion der ManS- felder Gewerkschaft vom Ausstand ergriffen. Interessant ist es, die Taktik der bürgerlichen Presse zu be- obachten. Zunächst versuchte sie, den Streik totzuschweigen. Als das nicht mehr anging, brachte sie Berichte, in denen die Zahl der Arbeits- willigen ungeheuer hoch angegeben wurde. Der Zweck dieser Uebung war zu durchsichtig: es sollte Verwirrung in den Reihen der Streikenden angerichtet werden. Hierzu kommt noch, daß der Herr Landrat den Druck von Handzetteln in Mansfeld verboten haben soll.— Am 7. Oktober fand in Molmek bei Hettstedt eine von weit über 1000 Frauen be- suchte Versammlung statt. Hunderte von Frauen mußten umkehren, weil das Lokal die Erschienenen nicht zu fassen vermochte. Vom Referenten, Verbandsvorsitzenden Sachse, sowie von den Kameraden Waldhecker und Graf wurde da? Gebaren der am Orte erscheinenden bürgerlichen Zeitungen gegeißelt und die Ursachen des AuSstandes besprochen. Die Ausführungen der Redner wurden von den Frauen mit lebhaften Beifalls- kundgebungen begleitet. Die Versanimlung bewies, daß nicht nur die Mansfelder Bergarbeiter, sondern auch die Frauen sich in ihren Ansichten geändert haben. Ist es doch früher, als der Bergarbeiter- Verband versuchte, im Mansfelder Gebiete festen Fuß zu fassen, vorgekommen, daß die Frauen ihre Männer bei den rubenbeamten wegen ihrer Verbandszugehörig- keit denunziert habenl Die Ruhe und Ordnung ist bisher in keiner Weise gestört worden. Trotzdem ist natürlich ein Gendarmeriekommando in Stärke von etwa 40 Mann von auswärts eingetroffen. Die Wartehalle der Station Siersleben ist zu einem Wachtlokal für die Sicherheits- beamten eingerichtet. Die Streikleitung wird sich alle Mühe geben, damit die bewaffnete Machr nicht in Aktion zu treten braucht, um die Zwecklosigkeit dieser Vorsicht zu beweisen. So einstimmig, wie der Beschluß am 7. Oktober gefaßt wurde, die Arbeit auf dem Eduard- und den Freiesleben-Schächten niederzu- legen, ebenso einstimmig und prompt wurde dieser Beschluß am S. durchgeführt. Beide Betriebe liegen still. An der Direktion liegt es jetzt, ein weitere? Umsichgreifen des Streiks zu verhindern. Nimmt sie die Kündigungen zurück, ist der Streik beendet. Eigenartige Kampfmittel gegen Streikende. In Landeshut(Schles.) streiken seit etwa drei Monaten die freiorganisierten Maurer, ohne daß es bisher den Unternehmern und der ihnen ergebenen bürgerlichen Presse, die die tollsten Tataren- Nachrichten über die Streikenden verbreitet, gelungen wäre, die Streikenden mürbe zu machen. Selbst Gefängnisstrasin wegen angeblicher Beleidigung arbeitswilliger christlich organisierter Maurer, selbst der Abschluß eine? sogenannten„Tarifvertrages" mit einer Hand voll Christen, die sich anfangs am Streik beteiligten, konnten die Streikenden bisher nicht wankend machen. Jetzt wird versucht, durch Lügennachrichten diesen Zweck zu erreichen. Dieser Tage verbreitete Wolfis Telegraphenbureau eine 1 Nachricht, wonach streikende Maurer nächtlicher WeA» in«wen Neubau eingedrungen wären, aber ehe sie noch etwas beginnen konnten, vom Nachtwächter überrascht und festgenommen wurden. Erkundigungen bei der Bezirksleitung ergaben, datz an der Sache keinwahresWortist. Am DicnStagvormittag— in der Nacht vorher sollte daS Gemeldete passiert sein,— kamen zwei Polizisten in Begleitung eines Polizeihundes in das Streiklokal und verhafteten zwei Streikende wegen Verdachts der Sach- beschädigung. Einer von den beiden wurde sogar gefesselt nach der Wache geführt. Nach einer hochnotpeinlichen Vernehmung mutzten beide wieder entlassen werden, weil die Polizei selbst nicht einmal den Schein eines Verdachts gegen die Streikenden wegen angeblicher Sachbeschädigung erbringen konnte. Erfolg wird auch diese Verleumdung nicht haben. Seltene llnternehmereinficht. Die Firma Weber u. Ott(Mechanische Luntweberei) in Wunsiedel(Bayenr) hat durch Anschlag bekannt gegeben, datz am 1. Januar 1S10 auf Grund der geänderten Gewerbeordnung die zehnstündige Arbeitszeit für alle Arbeiter und Arbeiterinnen in ihrem Betriebe eingeführt wird und daß zum Ausgleich für die verkürzte Arbeitszeit eine 8prozentige Lohnerhöhung in Kraft tritt. Die Trierer Eisenbahner„erwachen"! Daß es unter den Mitgliedern des Trierer Eisenbahnarbeiter« Verbandes g ä h r t und zu tagen beginnt, daß sie erheblich unzufrieden sind mit dem ganzen Gebaren innerhalb des Verbandes, geht aus einem Beschluß hervor, den der„OrtSvcrein Hannover" zu der Delegiertenversammlung, die in Berlin statt- fand, gefaßt hat. Es wurde darin unter anderem ausgeführt: „Warum nur einen Tag? Könnten da nicht gleichzeitig sämt- liche Anträge und Wünsche mitberaten werden? Vor allen Dingen müßte den Ortsvereinen vorher mitgeteilt werden, was auf der Delegiertenversammlung beraten werden soll. Wenn es sich nur um die Ergänzungswahl des Zentralvorstandes handelt, dann brauchte unseres Erachtens wohl keine Delegiertenversammlung ab- gehalten werden, da die zu wählenden Kollegen doch vom Zentral- vorstand vorgeschlagen werden müssen und den Delegierten meistens unbekannt sind. Tausende von Mark kann man doch nicht bloß dafür ausgeben, daß die Delegierten mal nach Berlin fahren und sich gegenseitig die Hand geben und Guten Tag sagen! Da könnten wir unsere sauer verdienten Groschen doch wohl zu nützlicheren Zwecken verwenden. Oder beabsichtigen die Herren vom Zentralvorstand noch andere Sachen eigenmächtig zu verhandeln, vielleicht die Pension unseres früheren Verbandsvorsitzenden usw.? In solchen Sachen haben vor allem die Mitglieder zu entscheiden.... Außerdem verlangen wir, daß in Zukunft der Zentralvorstand so zusammengesetzt wird, daß die Hälfte der Mitglieder aus der Werkstatt und die andere Hälfte aus dem Betriebe genommen werden. Ehe wir das nicht erreicht haben, nützen uns unsere Zentralvorstandssitzungen nichts, weil die Mitglieder des Zentral- Vorstandes sich über die eingebrachten Anträge und Wünsche der Mitglieder kein klares Bild machen können; folglicher Weise können dieselben auch kein Urteil über ihre Verhältnisse fällen. Weiter muß dahin gestrebt werden, daß ein jeder DirektionS- bezirk ein Zentralvorftandsmitglicd stellt, und daß nicht, wie bisher, vier bis fünf in einem Bezirk sind und in anderen Bezirken keiner. Auch muß dafür gesorgt werden, daß vor jeder Delegierten- Versammlung in jedem Bezirk eine Bezirksversammlung stattfindet, damit die Mitglieder über allesS genau informiert werden und ihre Zustimmung dazu geben können, was sie für gut befinden. Ferner ist es uns auS den Satzungen bekannt, datz der Ver- bandskaffierer besoldet wird. Werden nun noch mehrere Mitglieder an der Zentralstelle besoldet? Wir möchten doch dringend bitten, datz die Mitglieder ganz genau davon in Kenntnis gesetzt werden, wieviel Personen be- soldet werden und was jeder für ein Gehalt be». zieht. Außerdem mutz bei allen Abrechnungen jeder einzelne Punkt so klargestellt werden, daß sich jedes Mitglied genau überzeugen kann, wofür dieses oder jenes Geld ausgegeben ist und wer das- selbe bekommen hat, und datz nicht, wie bisher, einfach„soviel tausend Mark für Agitation und soviel für außergewöhnliche Aus- gaben" geschrieben wird. Wie jeder Ortsverein seine Geschäfts- berichte einsendet und nachweisen muß, wofür jeder Groschen. ausgegeben ist, und zwar dies laut Satzungen, so verlangen wir dasselbe auch von der Zentralstelle. Und wir glauben, nicht zu viel verlangt zu haben und möchten auch andere Orts- vereine bitten, sich über unsere Darlegung in ihrem Sinne zu äußern." Dieser Beschlutz des OrtsvereinS Hannover zeigt an, datz die Mitglieder des Trierer Verbandes aufwachen. Sie wollen eine wirkliche Organisation haben und keine Spieleret. Das wird freilich der Trierer Verband nicht schaffen können, denn er wurde ja nur auf den Schein aufgebaut! lUt2te jVacbricbten und Depetcben. Ein Schlag inS Wasser. Frankfurt a. M., 9. Oktober.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Die angedrohte HolzarbeiterauSspcrrung durch JnnungSmeister er« weist sich als ein Schlag ins Wasser. Von 380 Jnnungsmeistern haben nur sieben 22 Mann ausgesperrt und zwei K Arbeitern gekündigt!_ Gegen Ferrer die Todesstrafe beantragt. Barcelona, 9. Oktober.(W. T. B.) Nach Beendigung des Zeugenverhörs beantragte der Staatsanwalt gegen Ferrer die Todesstrafe, dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Einziehung des Vermögens deS Angeklagten zur Schadloshaltung von Opfern der Revolution._, Typhus-Epidemie. Reutlingen, 9. Oktober.(B. H.) Laut„General-Anzeiger" sind bisher 66 Erkrankungen an Typhus zu verzeichnen. Militärischer Streik in Norwegen. Christiania, 9. Oktober.(B. H.) Infolge ihrer materiellen Benachteiligung durch die neue Hecresordnung bereitet sich ein Streik der Unteroffiziere vor, deren jüngere Altersklassen in den letzten Tagen massenhaft und an manchen Orten korporativ ihr Abschiedsgesuch einreichten. Die Bewegung griff gestern auch auf .die Mannschaften der Garde über. Der Kampf ums englische Budget. London, 9. Oktober.(W. T. B.) Der Schatzkanzler Lloyd Georg« sagte in einer Rede in Newcastle: das Budget sei weder ein Angriff auf die Industrie noch auf das Eigentum, es müsse hervorgehoben werden, datz der Handel sich günstig entwickelt habe. Die Grundsteuern würden wohl wachsen, und dies erkläre die Gegnerschaft der Grundbesitzer gegen die neuen Steuern, gegen die Reichsverteidigung und das Alterspensionsgesctz. Der Minister erklärte weiter, die Regierung wolle alle im Budget vorgeschlagenen Steuern haben oder keine. Datz dem Unterhause allein die Kontrolle der Finanzen obliege, sei ein Grundsatz der Verfassung. Die Lords könnten sich für die Revolution entscheiden, aber wenn diese einmal begönne, werde das Volk sie leiten. Während der Rede des Ministers lärmten einige Zuhörer. Auch mehrere An- hängcrinnen des Frauenstimmrechts wurden aus der Versammlung verwiesen._ Lerantw. Redakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.:»h. Glocke. Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. LerlagSanftatt Paul Singer& Co., Berlin SWi, Hierzu 5 Leilagra, M.237. 26. Iahtgavg. l. KcilW hi ,|otiüitte" Knlim Polliolilatl. Smittfitg, 10. CHobtt 1909. Prozeß Sahiel. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung durch den Landgerichts- direktor Jänisch beantragt Rechtsanwalt Dr. Jaffe, den Kriminalkommissar v. TreSckow noch einmal zu vernehmen und ihn zu veranlassen, datz er den von Ober- leutnant Hecht erhaltenen Brief vorlegt, außerdem beantragt er. den Oberleutnant Hecht zu laden. Die Verteidigung habe ein großes! Interesse daran, die! �> Unglaubwürdigkeit des Zeugen Bruhn nachzuweisen. Dr. Jaffe beantragt serner die Ladung des Fürsten Hohenlohe-Oehringen, der bekunden werde, daß Dahsel gegen ihn keinen Erpressungsversuch gemacht. Rechtsanwalt Dr. Puppe unterstützt lebhaft diesen Antrag. Fürst Hohenlohe-Oehringen ist in der ganzen Voruntersuchung noch nicht vernommen worden. Er werde bekunden, daß Oberleutnant a. D. Beckh auf Veranlassung des Justizrats Lobe ihm geschrieben habe, er solle für Unterdrückung weiterer Artikel 6000 M. bezahlen. Staatsanwalt L e i s e r i n g beantragt die Ablehnung dieser Anträge. Die Sache Hecht stehe in keinerlei Zusammenhang mit der Affäre Frankenberg. Außerdem stehe schon aktenmäßig fest, daß Fürst Hohenlohe mit Tahsel persönlich nicht verhandelt hat. Rechtsanwalt Dr. Werthauer tritt gleichfalls dem Antrage bei und stellt seiner- scits eine lange Reihe von Aeweisanträgen, die{ich gegen die Glaubwürdigkeit des Zeugen Bruhn nchten und dartun sollen, daß Dahsel erst durch das Milieu, in das cr durch seine Tätigkeit bei der„Wahrheit" hineingeraten war, auf die schiefe Ebene gelangt ist. Es wird beantragt, als Zeugen zu laden: 1. Den Cafetier Dreiwurst, Lindenkasino, 2. den Kaufmann Julius Herrmann, Salamanderhaus, 3. den Kaufmann Alfred Merker, 4. den Kaufmann Schapira, 5. den Direktor Martin Oppenheimer, 6. den Baron v. Fröhlich zu Velda, 7. den Inseraten- ches Nowarra im Hause N. Israel, 8. den Universalprofider Jacksost, Monopol-Hotel, 9. den Kaufmann Dietrich und 10. den Kaufmann Paul Busse, Vorstand des Mittelstandsbundes. Diese Zeugen sollen -um Nachweis der völligen Unglaubwürdigkeit des Zeugen Bruhn mid ferner der Tatsache vernommen werden, daß dieser seine Zeitung, die„Wahrheit", zum Zwecke der Jnseratenerpressung be- nutzt und Artikel je nach der Erteilung oder Verweigerung von Inseraten der angegriffenen Personen bringt oder wegläßt, und daß in dem in Betracht kommenden Teil des Berliner Publikums die Existenz des von dem Zeugen Bruhn gehaltenen Zeitungsorgans. in der Art, wie er es hält, als dauernde Bedrohung erachtet wird und wirkt.— Insbesondere sollen folgende Erprefsungeu durch den Reichstagsabgeordneten Bruhn festgestellt werden: 1. Die Zeitung„Wahrheit" brachte vor zwei bis drei Jahren fortgesetzt Schmähungpn gegen den Klub ..Berolina". Der Vorsitzende des Klubs wandte sich auf An- raten der Mitglieder an den Cafetier Dreiwurst, welcher mit Bruhn befreundet ist. Zwischen Bruhn und Dreiwurst wurde nun ein Abkommen getroffen, daß Dreiwurst von dem Klub eine Zahlung von insgesamt 1000 M. erhalten sollte, welchen Betrag der Klub in vier QuartalSraten ä 250 M. zu bezahlen hatte. Der .filub zahlte und von dem Moment an unterblieben als Gegen- histung die Angriffsartikel. Demnächst weigerte sich der Klub, eine der QuartalSraten weiterzuzahlen. Der Vorstand(die Zeugen Herrmann und Merker) verhandelte daraus durch Dreiwurst mit der„Wahrheit". Nachdem die Zahlungen wieder aufgenommen waren,' entschuldigte sich die„Wahrheit", daß inzwischen wieder ein Artikel erschienen sei, damit, daß ja die Zahlung nicht erfolgt sei. Die Quittungen der„Wahrheit" befinden sich in den Mten des„Klubs von 1908". Der Zeuge Dietrich hat in dem Brief- lasten einer anderen Zeitung dem Zeugen Bruhn mit Enthüllungen über diese Sache gedroht. 2. Als einer der Inhaber der Firma N. Israel in eine unangenehme Angelegenheit verwickelt war, fürchtete die Firma Israel, daß Bruhn in seiner Zeitung, mcht wie andere Zeitungen, eine kurze Notiz brächte, sondern die Sache zu Angriffen ausschlachten würde. Infolgedessen traf der Jnse- ratenchef Nowarra der Firma Israel mit dem Reichstagsabgrord- neten Bruhn ein Abkommen, um demselben Geld zuzuwenden, da- mit die Artikel unterbleiben. Damit aber die Oeffentlichkeit nichts von den Inseraten erfahre, damit diese selbst nicht sofort den wirk- kleines Feuilleton. Die Frage transatlantischer Luftschifflinien. Trotz aller schuldigen Bewunderung für den großartigen Aufschwung der Luft- schiffahrt während der letzten Jahre wird es doch erlaubt sein, einige Zweifel darein zu setzen, daß schon innerhalb kurzer Zeit auch der Atlantische Ozean in seiner ganzen Breite von einem Luftschiff überflogen werden könnte. Aber selbst wenn dies Wagnis bald ge- lingen sollte, wäre damit noch nicht der Beweis geliefert, daß ein praktischer Nutzen daraus gezogen werden könnte. Dennoch ist es jedenfalls nicht uninteressant, wenn die Möglichkeit einer zukünf- tigen Einrichtung eines transatlantischen Luftschiffverkchrs nach Maßgabe der gegenwärtigen Verhältnisse geprüft wird, wie es sNüller-Berncck in der„Marine-Rundschau" unternimmt. Wenn es sich darum handelt, das Luftschiff nicht als ein Beförderungs- mittel für Sportsleute und Liebhaber, sondern als eigentliches Ver- kehrsmittel zu betrachten, so muß feine Fähigkeit, mit anderen Verkehrsmitteln in Wettbewerb zu treten, ohne Voreingenommen- heit ins Auge gefaßt werden. Einen Sieg auf dieser Bahn wird das Luftschiff nur erkämpfen, wenn es neben völliger Betriebs- sicherheit und Bequemlichkeit eine erheblich größere und sichere Ver- mehrung der Geschwindigkeit gewährleistet. Wahrscheinlich wird diese Bedingung nur in solchen Erdgegenden erfüllt werden, wo stetige Winde zugunsten der Luftschiffahrt benutzt werden können, und in dieser Beziehung ist das Gebiet des Nordostpassats, der mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 6 bis 8 Metern in der Sekunde von Südeuropa und Nordafrika über den Atlantischen Ozean hinüber streicht, zunächst am meisten zu beachten. Müller rechnet aus, daß bei einer Eigengeschwindigkeit eines Luftschiffs von 14 Metern ein solches Fahrzeug von Madeira nach dem Pa- i ama-Kanal in 114 Stunden gelangen könnte, während ein Schnell- dampfer 164 Stunden gebraucht, also eine Ersparnis von mehr als zwei Tagen. Wie die Luftschiffe den Rückweg bewirken sollten, kann freilich vorläufig nicht gesagt werden. Gas ohne Gasanstalt. Dank einer neuen Erfindung von Her- mann Blau, so schreiben die„Dokumente des Fortschritts"(Berlin, Georg Reimer), wird es nunmehr möglich, auch solche ländliche Wohnstätten, die keine Gasometer besitzen, niit Gasbeleuchtung zu versorgen. Dieses Gas wird durch Destillation von Oelen bei tieferen Temperaturen als die sonst für die Gewinnung von Gas aus Steinkohlen üblichen, gewonnen. Das Gas wird dann zu- ji!»im engepreßt und in Zylinder verschlossen, die in den betreffenden Häusern abgegeben werden. DaS Licht, das dieses Gas liefert, ist sehr strahlend und rein und birgt auch hygienisch keine Nach- teile. Die Zylinder selbst sind von verschiedener Größe; es gibt solche, die nur ein halbes Kilogramm Gas ent- halten, was für eine kurze Ueberfahrt im Boote oder ei» Zeltlager genügen mag; andere sind so groß, daß sie für ein ganzes Haus ausreichen. Der gewöhnliche Inhalt reicht für kleine Häuschen hin und kann Licht für acht Wochen liefern. Die einzige Vorsicht, die zu gebrauchen ist, besteht darin, den Zylinder außerhalb des Hauses aufzustellen und von dort aus an die Röhren anzulegen. Die Nach- lichen Zusammenhang des plötzlichen Erscheinens der Jsraelschen Inserate in der Zeitung des Bruhn bemerke, wurde das Ab- kommen getroffen, daß Annoncen, betreffend angebliche Personal- gesuche und eine Veröffentlichung des Winterkatalogs, in chiffrier- ter Weise erscheinen sollten. Die Inserate wurden weit über die mittelmäßige Gebühr honoriert, weil sie nur der Deckmantel für das dem Bruhn gezahlte Schweigegeld waren. Nachdem jedoch Israel sich selbst getötet hatte, wurden weitere Ansprüche des Bruhn abgelehnt, sobald dieser solche erhob. Darauf setzte der Zeuge Bruhn sofort mit Artikeln des empörend- sten Inhaltes gegen den Verstorbenen ein. Die Originalquittnngen des Bruhn über die ihm gegebenen Schweigegelder befinden sich in den Händen des Zeugen Nowarra. 3. Der Zeuge Busse soll ins- besondere bekunden, daß Bruhn den Dietrich angestellt hat, die In- haber von Nachtlokale», die in der„Staatsbürger Zeitung" inse- rierten, anzugreifen. Als diese Inhaber Annoncen in der„Wahr- heit" aufgaben, wurden jene Angriffe sofort eingestellt. Charakteristik der„Wahrheit". Staatsanwalt Leisering tritt diesen Anträgen als zur Sache unerheblich entgegen. Hier komme es nicht darauf an, ein Verfahren gegen Herrn Bruhn einzuleiten; das würde Sache der Staatsanwaltschaft sein, wenn Tatsachen vorliegen würden, die ein solches Verfahren rechtfertigen. Was Herr Bruhn eventuell getan haben soll, könne aber nicht für die eigenen Vergehen des Angeklagten Dahsel verwertet werden. Es sei nicht zu verstehen, wie Dahselmmmer behaupte, daß er erst durch den Eintritt in die „Wahrheit" auf schlechte Wege gedrängt worden sei. Er habe doch nachgewiesenermaßen schon vor dieser Zeit zwei Artikel geschrieben, die hier unter Anklage stehen. Eine Charakteristik der„Wahrheit" sei nach seiner Meinung nicht nötig. Auch er halte das Blatt für sehr verwerflich und die Tendenzen, die es verfolgt, für heillos. Rechtsanwalt Dr. Werthauer: Die Anträge sind zunächst erheblich, weil, wenn Dahsel schuldig ist in dem einen oder anderen Fall, die Bewertung des Strafmaßes von dem Milieu abhängig ist, aus dem die Staftat erwächst. Wenn in einem Ge- schüft der Portokassenlehrling stiehlt, so ist es anders zu beurteilen, wenn von oben her der Chef untreu handelt und der Lehrling dies sieht. Viel wichtiger aber ist noch der rechtlicheZusammen- hang. Wie in Paris zuzeiten die Guillotine auf dem Place Äastille gestanden, so ist seit Jahren in einer Straße eine Vor- richtung aufgerichtet, welche die Schande der anderen lOpfennigweife geschäftlich ftuktifiziert und zu Jnsvratenerpressungen benutzt. Jeder kann, aus niedrigen Motiven veranlaßt, gegen geringe Mühe diese Einrichtung benutzen. Ganz Berlin und Deutschland kenne seit Jahren die Aufrichtung und Unterhaltung dieses verwerflichen Instruments, wie es der Staatsanwalt als verwerflich gerichts- notorisch auch anerkannt habe. Jeder anständige Mensch sei dauernd von dieser rechtswidrigen Einrichtung bodroht. Die gerichtlichen Sachverständigen Vollrath und Schweitzer werden bestätigen, daß die„Wahrheit" kein Preßorgan. sondern eine Privatveranstaltung zur Ausbeutung des Unglücks und der Schande Groß-Berlins, zum Umsatz in Zehnpfennigstücke und Inserate ist. Wenn sich jemand einem anderen naht und sagt:„Geben Sie 100 M. oder sonst......", so brauchte er nichts hinzuzusetzen. Jeder aus den beteiligten Kreisen weiß, sonst kommt ein Arikcl in die „Wahrheit". Diese vom Verlage der„Wahrheit" als dauernde Be- drohung Berlins errichtete Anstalt wirkt deshalb auch ursächlich auf die Handlungen, die jeder vornimmt, dem sich jener naht. In allen Fällen sagt die Anklage. Dahsel habe sich nie bestimmt ausgedrückt, nur angedeutet, indirekt habe er aber mit dem Erscheinen von Artikeln gedroht. Das ist, wenn es richtig ist, klar darauf hin- weisend, daß der ursächliche Zusammenhang zwischen Wille und Handlung des Bedrohten ausgelöst sei durch die in Berlin ständig drohende von Bruhn unterhaltene Veranstaltung. Es liegt mir fern, Herrn Bruhn anzugreifen. Im Gegenteil, ich weiß gutes aus der Anfangslaufbahn desselben, aber ich habe als Verteidiger nichts Gutes für, nichts Schlechtes gegen Herrn Bruhn zu sagen. Hier muß nur über, nicht gegen Herrn Bruhns Organ die volle Wahrheit verbreitet werden, um den Angeklagten und sein Handeln, um die Zeitung und ihr Empfinden klar übersehen zu können. Ich als Verteidiger erachte mich nicht legitimiert, Denunziationen zu er- statten, bin auch überzeugt, daß dies wegen des Legitimitätsprinzips (Anklagezwang der Staatsanwaltschaft) nicht nötig ist. Die Anzeige ist ja überreicht, wir wollen auch nicht gegen Herrn Bruhn ver- handeln, sondern Aufklärung der ganzen Bevölkerung verschaffen, füllung bereitet keine Schwierigkeiten und eine Explosionsgefahr be- steht nicht. Die neue Einrichtung ermöglicht es ganzen Dörfern, die keine Gasanstalten und-Verbindungen besitzen, die Vorteile dieses modemen und billigen Beleuchtungsmittels mitzugenießen. Theater. Kammerspiele:„Die Zuflucht". Schauspiel in drei Akten von Dario Nicodemi. Der italienische Verfasser lebt in Paris und auch sein Stück zeigt in jedem Zug französische Schule. Die Herrschaften, für deren Streiche uns ein Interesse, für deren Leiden uns ein Mitleid zugemutet wird, gehören da nach alterprobtcr Regel jener exquisiten Menschensorte an, die im Be- sitz von Millionen sich des Vorzugs erfreut, ausschließlich ihren &nmen und Liebschaften zu leben und sich obendrein mit wunder- lichem Parasitenstolz noch„die Gesellschaft" nennt. Einander in der Ehe wechselweis zu betrügen, ist ihre beliebteste Sensation, die dem Pariser Drama als das Vehikel eines theatralisch-spannen- den, mit ausgetüftelten Erschütterungscffekten geschickt hantieren- den Vexirspiels dient. Henri Bernstein hat es in dieser Kunst unter den Lebenden am weitesten gebracht, und Nicodemi eifert ihm mit fleißiger Bemühung nach. Wie bei Bernstein, so ist auch hier das ganze Stück auf eine große, nach allen Rezepten der dramatischen Steigerung sorgsam aufgebauten Szene eingestellt und kalkuliert. Sie zeigt bemerkenswertes psychologisches Fein- gefühl, nicht durch Charakteristik der Personen, wohl aber durch die Art, wie hier der Autor sein Publikum recht con amore in der Spannung festzuhalten und dann mit einem klug zum Schluß aufgesparten Knalleffekte zu entlassen weiß. Nicodemis Held soll uns durch seinen Reichtum an Gemüt, der seinem sonstigen Reichtum nichts nachgibt, in Bewunderung setzen! Seine Seelentiefen sind unberechenbarer Natur. Als er zum Beispiel erfuhr, seine Frau betrüge ihn mit seinem Freunde, fordert er trotz glühender Rachsucht den Nebenbuhler nicht, strengte auch keine Scheidungsklage an. Er begnügte sich mit einem schweigend durchgeführten Boykott. Alles, um seiner Mutter den Kummer eines Skandals zu ersparen! Aber dieser zarte Seelen- mensch empfand es später als Genugtuung, daß die gleichfalls seelenadlige Braut des Ehebrechers sich in ihn verliebte und er dem Feinde Gleiches mit Gleichem vergelten konnte. Doch ange- borene Größe kann sich nicht verleugnen. Aus dieser Verführung erblüht ihm eine nur vollkommenere Läuterung seines Wesens durch die— Liebe. In der Aussprache, zu der ihn seine Frau bringt, verkündet er voll Enthusiasmus.das neue Heil. Zum Schluß Um- armung und Verschwinden der'heimlich Liebenden. So sind die Trümpfe vorbereitet für den zweiten Akt. Dora verspätet sich bei ihrem Verehrer, man sucht sie überall, der Bräuti- gam, ein mit allen Hunden gehetzter Lebemann, der sich mit der erhofften Mitgift wieder flott machen will, erscheint bei Vol- mieres und sagt ihm auf dem Kops zu, er halte die Vermißte nebenan versteckt. Wie Stoß und Gegenstoß in dem leidenschaft- erfüllten, doch mit der Miene größter Ruhe geführten Wortgefecht der zwiefachen Rivalen aneinander klirren, der Kontrast von Volmieres verzückter Schwärmerei und dem schamlos massiven CyrnMus WMrijterst tu(ich an seine Bxgts ksMWpt. ist weil dies im engsten Rahmen der Verteidigung liegt und meinem Klienten dient. Man macht oft der Rechtspflege den Vorwurf, zu eng am Buchstaben zu kleben, hier ist aber Gelegenheit gegeben, in freier Beweiswürdigung volle Aufklärung zu schaffen. �Dies ist auch nicht sehr auffallend, zwei klarliegende Crpressungsfälle vorläufig aus der Reihe kurz zusammengestellter Fälle herauszugreifen, ferner zwei Sachverständige über die ganze Art der Zeitung zu vernehmen, und das Thema ist bewiesen und vielleicht Berlin befreit, ohne daß es auf Herrn Bruhn selbst ankommt. Rechtsanwalt Dr. Puppe: Ich schließe mich den Anträgen des Dr. Werthauer durchaus an. Der Fall Koeppen ist ein charakteristi» scher Beweis dafür, welche unheilvolle Wirkung schon die bloße Existenz eines solchen Erpresserorgans ausübt. In der gestrigen „Wahrheit" werde ich in einem heftigen Artikel u. a. deshalb an- gegriffen, weil ich beantragt habe, die Akten zu verlesen. Herr Bruhn hat diesen Antrag offenbar gar nicht verstanden. Es liegt mir ganz fern, gegen ihn vorzugehen; ich wollte lediglich prozessual etwas gut machen, was prozessual verfehlt war. Darüber, ob Herr Bruhn den Antrag richtig verstanden und über seine Schlußfolge- rungen will ich die Richter hier nicht weiter langweilen, ich werde mich mit Herrn Bruhn vielleicht an anderer Stelle darüber zu unterhalten haben. Rechtsanwalt Dr. Jaffe: Auch ich trete den Anträgen durch- aus bei. Es wird doch zweifellos ins Gewicht fallen, ob der An- geklagte unter der Macht eines Systems gehandelt oder ob er aus eigener Initiative eine Privattätigkeit entwickelt hat. Herr Bruhn ist doch nun einmal als Zeuge geladen, und es muß seine Glaub- Würdigkeit geprüft werden. Die Verteidigung steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß hier ein Falscher auf die Anklagebank gebracht ist, und es herrscht doch wohl ein allgemeines Einverständnis darüber, daß mit diesem Verfahren ein System im ganzen getroffen werden soll und nicht die Verfehlung eines einzelnen. Staatsanwalt Leisering widerspricht noch einmal der Be- hauptung, daß hier ein Falscher auf der Anklagebank sitze. Im übrigen brauche man über den Charakter der„Wahrheit" keinen Sachverständigen; dieser Charakter sei gerichtsnotorisch. Nach längerer Beratung verkündet Landgerichtsdirektor Jänisch den Beschluß des Gerichts dahin: Die Beweisanträge des Rechtsanwalts Werthauer werden abgelehnt, weil als wahr unterstellt wird, daß Angriffe seitens der„Wahrheit" auf bestimmte Personen unterbleiben, wenn seitens der Betreffenden Jnseratenaufträge an die Zeitung erteilt werden, weil ferner als wahr unterstellt wird, daß so wie die „Wahrheit" geführt wird, sie in weiten Kreisen des Publikums als Bedrohung erachtet wird. Was die Ladung des Fürsten Hohenlohe-Oehringen betrifft, so modifiziert Dr. Jaffe seinen Antrag dahin, an Stelle des in Steiermark weilenden Fürsten Hohenlohe eventuell dessen Bruder, den Grafen v. Hermersberg, zu laden. Der Gerichtshof beschließt, den Grafen Hermersberg zu laden. Fall Hohenlohe. Es folgt hierauf die Verhandlung über den letzten Punkt der Anklage, in welchem beide Angeklagte der Erpressung be- schuldigt werden. Im Frühjahr 1907 wurde von Ahlwardt die Wochenschrift„Freiheit" begründet, die nur ein kurzes Leben fristete. Als Eigentümerinnen figurierten Frau Ahlwardt und.die Frau eines ehemaligen österreichischen Oberleutnants Erwin Beckh, von denen die erstere 20 000 M., Frau Beckh 5000 M. Einlage geleistet haben soll. Die Einlage der Frau Ahl- Wardt wurde in Gestalt von Manuskripten ihres Ehemannes ge- leistet, während Frau Beckh 5000 M. bar einzahlte. Als Redakteur wurde Dahsel engagiert. Im Feuilleton dieses Blattes wurde ein Roman des Ahlwardt:„Der fürstliche Kaufmann Christian Kraftzu Hohenlohe-Oehringen Herzog von Ujest" veröffentlicht, der sich in tendenziöser Weise namcnt- lich mit den finanziellen Gründungen des Fürsten beschäftigte und gegen dessen Person gerichtet war. Gegen den Fürsten schwebte damals in Wien ein von Frau Beckh angestrengter Prozeß, bei welchem es sich um die Herausgabe eines aus bestimmter Veran- lassung von Frau Beckh deponierten Sparkassenbuches handelte. Eines Tages erschien Dahsel bei dem Sachwalter des Fürsten Hohenlohe, I u st i z r a t Lobe, und bat diesen um Informationen, da er beabsichtige, den Prozeß Beckh kontra Fürst Hohenlohe publi- zistisch zu behandeln. Justizrat Lobe soll sich zunächst sehr ge- wundert haben, wieso dieser Prozeß die Oeffentlichkeit interessieren eindrucksvoll mit Verve pointiert. Von Dora zurückgewiesen, ruft ihr der Ehrenmann, schon zum Gehen gewendet, die vergifteten Abschiedsworte zu, ihre Liebe habe dem vergötterten Volmieres nur als Werkzeug der Rache gegen den Verführer seiner Frau gedient. Eine Wendung, die das zur Füllung des dritten Aktes notwendige retardierende Moment ergibt. Schließlich ist es Frau von Volmiöres selbst, die resignierend die im Innersten verletzte Dora mit ihrem Gatten zum Lebensbund zusammenführt. Die Rollen des Mitgiftjägers und der beiden Volmieres waren glänzend durch Wegner, Bassermgnn und Tills Durieux vertreten. Dennoch blieb der Beifall matt.' Lt. Notizen. — Theaterchronik. Im Friedrich-Wilhelm» städtischen Schauspielhause wurde am Freitag ein älteres LustspielSchönthans und Koppel-Ell feldS:„Diegoldene Eva" aufgeführt. Das Theater hat bekanntlich seinen Direktor wechseln müssen, da gegen ihn ein Verfahren auf KonzessionS- entziehung eingeleitet ist. Die Bühne, die künstlerisch gute Anläufe genommen hatte, steht jetzt unter Leitung von W. Söndermann, der früher als Dramaturg in Leipzig und dann als Direktor des Elbinger Stadttheaters tätig war. — Gerhart Hauptmann wird feine Vorlesung vom 17. Oktober am 13. wiederholen. Karten bei Bote u. Bock und Wertheim. — Die Berliner Nationalaalerie wurde durch eine Stiftung bereichert, die ihr besonders Landschaften von Eduard Hildebrandt zuführte(darunter zahlreiche Aquarelle und Studien). Auch ein Porträt von dem neuerdings wieder sehr geschätzten Ber- liner Maler Franz Krüger ist dabei. Es stellt su Schadow dar. — Heinrich von Treitschke, der leidenschaftliche Partei- gänger der Hohenzollern, der Fanatiker des Preußentums, hat auf- fällig spät— 13 Jahre nach seinem Tode— sein Denkmal bekommen. Es steht im Vorgarten der Berliner Universität und stellt den Historiker, der ein ganzer Mann und feuriger Redner war, so lang- Iveilig wie möglich im Professorenkittcl dar. Der Schöpfer des Denkmals, der inzwischen gestorbene Bildhauer Rudolf Siemering, hat ans dieser ausdrucksvollen Kraftnatur eine Puppe mit den Gesten eines Schönredners gemacht. Das Ganze sieht aus wie ein Dank vom Hause Hohenzollern. — Ein altgerinanisches HauS wurde neuerdings von Professor Schuchardt bei seinen Ausgrabungen auf der sogen. Römerschanze bei Nedlitz in seinen Grundrissen aufgedeckt. Die früheren Funde, über die wir eingehend berichteten, hatten bereits dargetan, daß es sich unr eine befestigte Ansiedelung von Gennane» handelt, die später von Slawen in Besitz genommen wurde. In der Südwestecke des Walles fand man jetzt die Pfahllöcher eines neun Meter langen und sechs Meter breiten Hauses. Im Feuerloch des gut erhaltenen Steinherdes lagen noch Knochenreste vom Wildschwein, aber auch vom Rind und Schaf und von Fischen. Das Haus wird in der Zeit 300—200 v. Chr. angesetzt. Wenn die Datierung halt- bar ist, würde sie die deutsche Vorgeschichte um ein wichtiges Er- gebnis bereichern und eine Verwandtschaft des altgermanischen mit dem griechischen Hause erweisen. Lollke; tttn öBft eine falsche Darstellung zu Krtneliien, gab et dem Dahsel eine kurze Prozebgeschichte. Am 6. Juni ISO? schrieb Dahsel an Justizrat Lobe, daß nach seiner Meinung Beckh in dem Streite um das Sparkassenbuch doch wohl recht habe, obgleich er in erster Instanz vom Gericht abgewiesen worden war. Er glaube, daß Beckh in zweiter Instanz gewinnen werde, so dass es doch sachlich und vornehm sein würde, wenn die beklagte Partei nicht erst durch die Berufungsinstanz zur Herausgabe des Depots ge- zwungen würde. Am �7. Jun, soll dann im Auftrage DahselS Frau Schuwarbt bei Lobe erschienen sein und erzählt haben, daß Ahlwardt in der„Freiheit" Dinge aus dem Privatleben des Fürsten zu veröffentlichen ge- denke und dieses doch im Interesse des Fürsten verhindert werden mühte. Justizrat Lobe faßte sofort Verdacht nach der Richtung der Erpressung und lehnte jede Intervention ab, erhielt aber am folgenden Tage einen Brief von Frau Schuwardt, in welchem sie schrieb: Sie wolle nur eine Blohstellung des Fürsten verhindern, Dessen Vater ihren Eltern einmal Gefälligkeiten er- wiesen habe. Der Fürst scheine die Tragweite des Falles völlig zu unterschätzen, und sie werde sich an den Fürsten persönlich wenden müssen. Justizrat Lobe verbat sich jede weitere Belästigung, erhielt aber am 14. Juni wieder einen Brief und bei einem neuen Besuch soll Frau Sch. aufs neue erklärt haben, Ahlwardt wolle Material gegen den Fürsten ver- öffentlichen und sie könne dies verhindern. Sie erhielt wieder eine Antwort, daß jede weitere Belästigung verbeten werde, denn es handle sich doch offenbar nur um ganz gemeine Er- Pressung, und bei nochmaliger Belästigung würde unweigerlich der Staatsanwalt in Aktion treten. Am 20. Juni schrieb dann Dahsel an Justizrat Lobe einen Brief, in welchem es u. a. hietz: „Was mich bestimmt, jetzt von einer aktiven Beteiligung an dieser Sache Abstand zu nehmen, ist die Wahrnehmung, daß die Hinter- männer der„Freiheit", Ahlwardt und Genossen, die mich als Redakteur für daö Blatt gewonnen, das Blatt jetzt in eine Bahn drängen, die ich als Journalist, der auf seinen Ruf hält, nicht mib- machen kann." Als im Juli Justizrat Lobe verreist war, benutzt« Beckh im Einverständnis mit Dahsel, bei dem er wohnte, die Gelegenheit, an den Fürsten und seinen jüngeren Bruder. Grafen HermeSberg, heranzutreten.„Dem Ahlwardt sei der Beweis erbracht worden, daß die Angriffe gegen den Fürsten ganz unbegründet seien. Ählwardt habe oeshalb gelobt, nichts weiter gegen den Fürsten zu unternehmen. Die Wochenschrift „Freiheit" solle ihr Erscheinen einstellen." Als Gegenwert wurde von Beckh verlangt für Ahlwardt 7000 M„ für Dahsel 5000 M. und für sich selb st zum Ausgleich der Sparkassenbuchangelegenheit eine größere Summe. Graf HermeSberg teilte am 4. August 1907 dem Justiz. rat Lobe mit, daß ihm infolge von Verhandlungen mit Beckh das gesamte Ahlwardtsche Material über den Fürsten ausgehändigt sei und machte den Vorschlag, dem Beckh„im Gnadenwege" die Pro- zehforderung seiner Ehefrau zuzubilligen und sofort einen Vor- schuh von 1500 M. zu zahlen. Von der ihm zugebilligten Summe sollte er Ahlwardt und Dahsel selbst abfinden. Justizrat Lobe war damit gar nicht einverstanden, nach längeren Verhandlungen lieh er sich aber herbei, dem Beckh 1000 M. zu zahlen. Dieser Summe folgten im Oktober 1907 weitere 6000 M., was Justizrat Lobe dem Fürsten mit den Worten mitteilte:„Er habe den Erpressern noch 6000 M. bewilligt und die Teilung dies Raubes untereinander den Erpressern überlassen." Beckh und Dahsel quittierten über den Empfang. Plötzlich schrieb Dahsel am 9. November 1907 noch einmal an Justizrat Lobe und bat noch um 1000 M., da er die 6000 M. an Ahlwardt und Beckh abgeführt habe, für seine Person aber leer ausgegangen sei. Diese Bitte wiederholte er anfangs Dezember, nachdem das erste Gesuch abgelehnt worden war. Angekl. Dahsel gibt eine ausführliche Darstellung, seiner Beziehungen zur Ahltvardtschen»Freiheit, zu Beckh und zu Hohen- lohe. Er bestreitet, tv-h er in der ganzen Affäre irgendwelche erpresserische Tätigkeit ausgeübt habe. Ahlwardt habe seinerzeit den Verkauf des Rudelstädtec Bergwerks betrieben, er habe dabei etwa die Rolle eine» Unteragenten gehabt und das Bergwerk sollte dem Fürsten für 4— 0 Millionen Mark aufgehalst werden. Fürst Hohenlohe habe seinerzeit für seine. Unternehmungen in Wien eine Zentrale errichtet und sei dort betrogen worden. Beckh habe die Betrügereien zur Anzeige gebracht; da aber nach Ansicht des Fürsten Herr Beckh selbst dabei beteiligt sein sollte, habe sich die' Not» wcndigkeit ergeben, ein Sparkassenbuch der Frau Beckh nicht' heraus- zugaben und darüber sei e» zum Prozeh Beckh kontra Fürst Hohen lohe gekommen. Als nun die Verhandlungen wegen des Rudol jtädter Bergwerks sich zerschlagen hatten, grundeteAhlwardt die„Freiheit" und nahm Beckh mit hinein, um die fürstliche Partei zu bestimmen, das Berg- werk doch zu kaufen. Ahlwardts Frau habe als Einlage eine Arbeit MilwiardtS:„Mephistos Kinder bei der Arbeit" und den noch zu erscheinenden Roman eingebracht. Er habe bald ein- gesehen, dfth der wahre Zweck der„Freiheit" gewesen sei, ein -Kesseltreiben auf denFürsten zu veranstalten, um ihn zu veranlassen, daS Bergwerk, für welches Ahlwardt bei seinen Freunden Kuxe unterbringen sollte, zu erwerben oder aber der„Freiheit" Gelder zuzuwenden. Das Beckhsche Geld sei nach kurzer Zeit schon verbraucht gewesen, die Redakteure bekamen kein Gehalt mehr, sie sahen auf dem Trockenen, er selbst habe bare Gelder hergegeben, nm den Drucker zu beruhigen; er habe sich bemüht, Gelder auf Grund von Wechseln aufzubringen usw. Schlishlich habe er sich bemüht, für die„Freiheit" einen anderen .Drucker und Verlsger zu finden; die Vorbedingung dafür fei ge- Wesen, daß der Charakter der„Freiheit" sich gänzlich ändere und insbesondere die Angriffe auf den Fürsten aufhören. Die Mah- nahmen, um Ahlwardt aus der Zeitung zu bringen, feien durchaus in Einverständnis mit den Berechiigten— auch mit Frau Ahlwardt —«fchehen und es sei nicht wahr, daher hinter dem Rücken de» Ahl Wardt ein Doppclspiel getrieben. Ahlwardt habe dies aber behauptet und während er ihn früher als»Judenfreund" be- zeichnet, habe er ihn nach dieser Affäre als„Jesuitenagent" der- schrien. Seine Verbindung mit Justizrat Lobe beruhe wirklich nur darauf, dah er de» Glaubens war, Frau Beckh fei in ihrem Prozesse mit den, Fürsten im Recht und da sei es ihm Pflicht gewesen, an zuständiger Stelle Informationen einzuziehen, ehe er sich publizistisch zu dem Prozeß äußerte. Bei seinen weiteren Bemühungen rn finanzieller Beziehung, die durch die VerHand» lungen BeckhS mit dem Grafen Hermersberg eingeleitet worden waren, fei fein Motiv gewesen, den Justizrat Lobe für die«Frei» heit" zu interessieren ,n dem Sinne, dah er helfen sollte, den Ählwiardt zu beseitigen, tvaö nur durch Aufbringung von Mitteln zur Abfindung Ahlwardts und Loslösung von den dringendsten Schulden geschehen konnte. Wenn Ahlwardt beseitigt worden wäre, würden auch die Augriffe auf den Fürsten ganz von selbst aufgehört haben. Von der selbständigen Aktion der Frau Schuwardt bei dem Justtzrat Lobe habe er nichts gewußt und stehe auch den Griefen der Frau Schuwardt fern. Krau Schuwardt bestreitet gleichfalls, erpresserische Mb- sichten verfolgt zu haben. Im Gegensatz zu Dahsel glaubt sie, dah «sie zu ihrem ersten Besuch bei Justizrat Lobe durch Dahsel angeregt worden sei, ebenso ist sie der Ansicht, dah sie den an Justizrat Lobe gerichteten Brief nicht nach dem Diktat Bcckhs, wie Dahsel behauptet, sondern nach dem Diktat des letzteren geschrieben habe. Sie sei von den besten Motiven geleitet worden, um dahin mitzuwirken, dah der Fürst von weiteren Angriffen der„Freiheit" verschont werde. Sie sei dazu aus einem gewissen DanrbarkcitSgefühl getrieben worden, denn ihr Großvater fei Rentmeister auf den Bironschen Gütern gewesen, daher datiere wohl die Bekanntschaft des PaterS des Fürsten mit ihrem Großvater� der Vater dcS Fürsten habe Sorge dafür gc» tragen, dah sie eine bessere Erziehung genießen konnte. Der als Zeuge vernommene Justizrat Lobe bekundet in seiner Aussage u. a.: Dahsel hat sich als Herausgeber der Berliner politischen Korrespondenz bei ihm ein- geführt, um angeblich Informationen über den Fall Beckh-Hohen« i kohe zu erhalten. Hätte er gewußt, daß Dahsel Redakteur der „Freiheit" war, hätte er ihn nicht empfangen. Aufgefallen sei ihm, daß Dahsel auffallend Partei ftir Beckh nahm. Schließlich eröffnete ihm Dahsel, dah Ahlwardt beabsichtige, den in der„Freiheit" be- gönnen Roman„Ein fürstlicher Kaufmann" fortzusetzen. Nicht lange nach Dahsels Besuch sei Frau Schuwardt bei ihm erschienen und habe gleichfalls davon gesprochen, daß Artilel gegen den Fürsten erscheinen würden, die doch unter allen Umständen vermieden werden mühten. Sie sprach dann davon, daß sie dem Fürsten zur Dankbarkeit verpflichtet sei, da der Vater desselben ihren Eltern Gutes erwiesen habe, und sie könnte das Erscheinen der Artikxl verhindern. Er habe ihr sehr deutlich zu verstehen gegeben, dah er sich auf nichts einlasse, er habe ein zweites Mal dies in noch viel deut- licherer Weise erklärt und hinzugefügt, dah er sie für eine ganz gemeine Erpresserin halte und sie unweigerlich dem Staatsanwalt überweisen werde. Zu seiner Verwunderung habe Frau Schuwardt sich trotzdem nicht abhalten lassen, ihn weiter mit brieflichen Vorstellungen zu belästigen. Sein Verdacht, dah zwischen Dahsel und Beckh ein Zusammenhang bestehen müsse, sei durch die Vorgänge bestärkt worden. Er habe die feste Ueberzeugung ge- Wonnen, dah Frau Schuwardt nicht aus lauteren Motiven ver- anlaßt worden sei, zu ihm zu kommen, sondern dah sie im Bunde mit Ahlwardt und den anderen auf Erpressung ausging. Er habe, um zu sehen, was mit ihr los sei, ihr gesagt, sie solle ihm doch einmal das Material, über das sie verfüge, sehen lassen, sie habe aber solches nicht gegeben, sondern gesagt: weiteres Material könne ihr Herr Dahsel geben. Nun sei es ihm ganz zweifellos gewesen, dah der Besuch des Dahsel einen eigennützigen Hintergrund hatte, daß es sich um eine Aktion handelte, die man menschlich als Erpressung ansehe. Diese Ueberzeugung sei auch dadurch bestärkt worden, daß er eines Tages den Besuch einer Dame erhielt, die sich als die Tochter AhlwardtU vorstellte und sagte: ihr Vater sei der schlechteste Mensch, der je gelebt und er wolle Artikel gegen den Fürsten veröffentlichen.— Auf eine Frage des Rechtsanwalts Dr. I a f f e bestätigt der Zeu�e, dah Frau Schuwardt ein Geldverlangen nicht gestellt und auch eine Drohung nicht ausgesprochen habe. Er habe aber den Eindruck gehabt: wenn er gefragt hätte, was die Sache koste, so wäre ihm eine bestimmte Summe genannt worden.— In ausführlicher Weise läßt sich Justizrat Lobe über die Verhandlungen aus, die Beckh mit dem Grafen Hermersberg angeknüpft hatte mit dem Ziel, die nötigen Gelder zu spenden, damit die für die„Freiheit" schwebenden finanziellen Verpflichtungen gelöst werden könnten und damit er- reicht würde, dah das Blatt umgewandelt werde und die Angriffe gegen den Fürsten aufhören. Es ist, wie sich aus den Bekundungen des Zeugen weiter ergibt, zwischen Beckh und dem Grafen Hermersberg zu einer Art Abkommen gekommen auf der Basis, daß gegen eine Quittung Ahlwardts diesem 7000 M. gezahlt werden sollten, wogegen Ahlwardt erklärte, dah er sich von der vollständigen Haltlosigkeit der gegen den Fürsten erhobenen Be- schuldigungen überzeugt habe und sich verpflichtete, alle weiteren Angriffe gegen den Fürsten zu unterlassen. Dahsel erklärte, dah er sich überzeugt habe, dah der Roman unanständigen Motiven entsprungen sei und er sich verpflichte, den Roman dem Grafen Hermersberg auszuliefern. Diese Erklärungen liegen in for- mulierter Fassung vor, ebenso eine Quittung AhlwardtS über 7000 Mark, die noch gar nicht bezahlt waren. Diese Abmachungen waren während Lobes Abwesenheit von Berlin getroffen und als sie Graf Hermersberg dem Justizrat Lobe mitteilte, war dieser sehr er- staunt und sehr unangenehm berührt davon, da er selbst gar nicht dafür war. daß irgend etwas bezahlt würde, denn den Roman hatte, wie Zeuge ausführt, der Fürst gar nicht zu befürchten, da dieselben unwahren Dinge, die darin behandelt, schon in einer Broschüre„Mephistos Kinder bei der Arbeit" veröffentlicht worden waren. Der Roman hätte ruhig. weiter erscheinen können, denn er sei so öd«, dah ihn schwerlich jemand gelesen haben würde. In diesen Verhandlungen mit dem Beckh und mit dem Dahsel ist eine umfangreiche Korrespondenz ent- standen, die zur Verlesung gelangt. In einem dieser Briefe hat Beckh den Vorschlag gemacht, dah 7000 M. für Ahl- Wardt, 5000 M. für Dahsel und für Beckh 50000 M. gezahlt werden sollten. Beckh trat immer wieder an den Grafen Hermersberg heran unter dem Vorgeben, dah die Sache bald er- ledigt werden müsse, da Ahlwardt autzerordentlich dränge. Graf Hermersberg hat sich bei diesen Verhandlungen von dem Motiv leiten lassen, seinem Bruder Aerger und Unbequemlichkeiten zu er- sparen. Der Zeuge hat zum Schluß dem Beckh einen Vor- schuh von 1000 M. und bann noch gegen eine Quittung von Dahsel 6000 M. gezahlt. Dahsel hat nach her noch dem Justizrat Lob« geschrieben, dah bei der Erledigung der Angelegenheit er weder eine Entschädigung für seine Mühewaltung noch einen Ersatz für sein verlorenes Gehalt bekommen habe. Er bitte den Grafen, doch bei seinem Austraggeber dahin zu wirken, dah ihm noch 1000 Di. ausgezahlt würden. Justizrat Lob« lehnte dies ab, dann schrieb Dahsel nochmals, dah er seine Bitte wieder- hole, denn er nehme nicht an, daß der Fürst und der Juftizrat Dienste von ihm in Anspruch nehmen und sie nicht honorieren wollen. Auf viele Fragen vom Richter- und vom Verteidigertische erklärt der Zeuge: Er habe die„Freiheit" für ein auSge- sprach enes Revolverblatt gehalten, begründet zu dem Zweck, dem Fürsten Unannehmlichkeiten zu bereiten. Wenn es sich darum gehandelt hätte, den Fürsten zum Anlauf des�Rudolstädter Bergwerks mit Hilfe der„Freiheit" zu bewegen, so wäre dies erst recht eine Erpressung, denn das Bergwerk sei ganz wert- loS. Er nehme an. dah die Herren, die er für Erpresser ansehe, als sie sich an Herrn Grafen Hermersberg wandten, schon wuhten, daß die„Freiheit" auf dem letzten Loche pfiff und trotzdem so taten, alS ob sie bereit wären, dahin zu wirken, daß die„Freiheit" ihr Er- scheinen einstelle und der Roman und alle Weiteven Angriffe auf- hörten. Dahsel: Der Schwerpunkt habe darin gelegen, dem Ahlwardt das Material aus der Hand zu winden. Der Zeuge '"he sich in seiner ungünstigen Ausfassung der ganzen Sache doch wohl nur auf Klatschereien, die ihm ex post Ahlwardt zugetragen. Zeuge Lobe erklärt, dah schlichlich von den Herren niemand an dem anderen ein gutes Haar gelassen habe. Nach seiner Auffassung haben Dahsel und Beckh mehr zusammengehalten, wenn sie sich auch manchmal mit Sottisen bedachten und einer zum anderen sagte: ..Sie sind ja beinahe so schlimm wie Ahlwardt/ Die ursprüngliche Aeuherung Dahsels. dah er den ganzen Fall publizistisch bearbeiten wolle, hat Zeuge, wie er auf verschiedene Fragen der Verteidiger giert gehabt hätte.' Danach lag für ihn doch auch eine ge- wisse Anstandspflicht vor, die Dinge im Sinne des Grafen HermcrS- berg zu erledigen. Der Fürst habe ihm ganz überlassen, ob und wieviel er den in Frage kommenden Personen geben wolle. Der Fürst selbst habe seinerseits von den Angriffen gar nichts zu Ürchten gehabt, denn sie beruhten auf Unwahrheiten. Die Bekundungen des sodann vernommenen Zeugen Grafen ermerSberg über seine Gespräche mit Beckh bringen nichts eucS. Beckh habe ihm nahe gelegt, die Sache durch den Ankauf der Zeitung aus der Welt zu schaffen und fügte hinzu: Ahlwardt lege es daraus an, aus diesem Roman möglichst diel Geld heraus- Zuschlagen. Er habe den Beckh nach den geschilderten ersten Ver- Wandlungen an den Justizrat Lobe gewiesen. Er habe ein oder zwei Kapitel des RomanS sich angeschen und daraus erkannt, dah es offenbar der Zweck des Romans war, seinem Bruder, dem ürsten, Unannehmlichkeiten zu bereiten. Er habe nur auS dem lefühl heraus gehandelt, seinem Bruder Aerger und Unannehm- lichkeiten zu ersparen, wenngleich die Behauptungen im Roman älsch waren. Er habe sich gesagt, dah, wenn sich die Vcrhand- lungen zerschlagen würden, der Roman weiter erscheinen dürste. Sein Bruder, der Fürst, habe von der Verhandlung mit Beckh erst nachher Kenntnis erhalten. Der Zeuge Beckh sagt aus, dah er seinerzeit als er stellenlos geworden, den Rektor Ahlwardt in Wien kennen gelernt habe. I Ahlwardt habe ihm gesagt: er habe in Deutschland einen großen ' Namen und schlage ihm vor, mit ihm nach Berlin zu gehen und dort eine Zeitung zu gründen zur Aufilärung über Jesuiten und Freimaurer. Um diese interessant zu machen, sollte die Broschüre „Mephistos Kinder bei der Arbeit" im Feuilleton abgedruckt tverdcn. Wenn diese auf der Straße ausgerufen würde, so würde dies großes Aufsehen erregen. Nebenbei spielte auch der Verkauf des Rudolstädtcr Bergwerls eine Rolle. Aus den weiteren Bekun- düngen des Zeugen ist noch mitzuteilen, dah Frau Schuwardt von dem Zeugen und nicht von Herrn Dahsel zu Lobe geschickt worden ist und dah er ohne Wissen Dahsels zu dem Grafen Hermersberg gegangen sei. Sein Zweck sei eS gewesen, die Sache zu Ende zu führen und von Nhlwardt wieder loszukommen. Im übrigen habe er geglaubt, einen Rechtsanspruch an den Fürsten zu haben, es sei auch richtig, dah sein Wiener Rechtsanwalt einen Gewinn des Prozesses in zweiter Instanz in Aussicht gestellt hatte und deshalb habe er, Zeuge, sich an Dahsel gewandt. Ahlwardt habe immer gedrängt, daß noch möglich viel Kapitel dcS Romans erscheinen, Dahsel wollte aber nicht die pikantesten Stellen zulassen. Frau Ahlwardt bestätigt als Zeugin, daß die Bemü- Hungen Dahsels, die„Freiheit" in andere Hände zu bringen, durch den drohenden Konkurs nötig waren und keine Hinterhältigkeit Dahsels darstellten, wie ihr Mann behauptet habe. Schließlich erklärt Redakteur Paul Werner als ehe» maliger verantwortlicher Redakteur der.Freiheit", dah Dahsel mehrfach auS dem Roman anrüchige Stellen ausgemerzt habe und sich dafür den Zorn Nhlwardts zugezogen habe. Letzterer habe dein D. sogar dafür mit Entlassung bedroht. Auf sämtliche übrigen Zeugen wird allseitig verzichtet. Es bleibt nur noch die Vernehmung de? Sachverständigen Dr. Paul Lima» übrig, die am Montag um 9 Uhr beginnen oll, Hus Induftrie und Handel Staat und Kommune als Arbeitgeber. Bei der Stadt Thorn an der Weichsel wurde am 5. Oktober diese? Jahres ein Holzhafen eingeweiht. Erbauerin dieses über S Millionen Marl Kosten verursachenden Baues ist eine Aktiengesellschaft. Die Aktionäre find: Der Staat jPreuhen). die Stadt Thorn, ein Bankdirektor, ein Fabrikbesitzer und ein Kommerzienrat. Interessant sind einige Lugaben über Arbeits- und Lohnverhältnisse, die wir einem Bericht der»Thorncr Zeitung" entnehmen. ES heiß» da:»Außer einer Schar von durchschnittlich 500, zeitweise bis zu 800 Erdarbeitern wurden noch beschäftigt: 50 Handwerker, 2 Burcaubeamte, 6 Auf- scher und 86 Mann Maschinenpersonal. Di« Hälft« der Arbeiter bestand durchschnittlich aus Russen. Die Arbeitszeit war verschieden. 1907 gab eS nur Tagarbeit a 12 Stunden. Vom April 1908 bis zum November desselben Jahres, ebenso im Jahre 1909, wurden Tag- und Nachtschichten ge- macht. Verschiedentlich haben es Arbeiter bi» auf einen Arbeitstag von 16 Stunden gebracht. Pausiert wurde nur von Sonntag früh 6 Uhr bis Montag früh 6 Uhr. Dieser erhöhten Arbeitsleistung ist eS zu danken, dah die Bau- arbeiten tn der verlangten Zeit zu End« geführt werden konnten. Der Stundenlohn betrug je nach der Art der Arbeit 27 bis 32 Pf." Also 2 7 P f. Stundenlohn bei sechzehn st ündiger Arbeitszeit erhielten in dem Teuerungsjahre 1909 die Arbeiter bei der Ausführung eines öffentlichen Bauwerks. Die Oberleitung während der ganzen Bauzeit hatten verträglich höhere Staats- beamte inne. Aus der Unfallstatistik des KanalvaueS erwähnen wir folgendes: Ein Arbeiter büßte das Leben ein, zwei verloren je einen Arm, zwei je ein Bein; ferner ertrank ein Arbeiter, angeblich beim Baden. Bei diesen Verhältnissen war eS kein Wunder, daß selbst die anspruchslosen Ruffen im Anfang deS Jahres 1903 einen höheren Lohn beanspruchten und die Arbeit einstellten. Mangels jeglicher Organisation wurde jedoch nach eintägigem Streik die Arbeit wieder aufgenommen, ohne dah die Arbeiter etwa? erreicht hatten. So gehen Behörden als Arbeitgeber mit»gutem Beispiel" voran. Der Internationalismus des Kapital». In einem längeren Auffatz über die Entwickelung der fran- zöfischen Volkswirtschaft im neuesten(September-) Heft des Archivs für Gozialwisienschast teilt Eugen Kaufmann eine bisher un- veröffentlichte Statistit über die im Ausland angelegten fran- ösischen Kapitalien mit, die ibm der franzosische Statistiker ' h 5 r y zur Verfügung stellte. Danach waren zu Anfang 1009 im ganzen 38480 Millionen Frank französischen Kapitals in, Auslande angelegt, d. h. in englischen KonsolS und Eisenbahnwerten. südafrikanischen Minenaktien. nordamerikanischen Verkehrs- und Jndustriewerten, deutschen Staat«-. Städte» und Industrie- papieren usw. Aus die einzelnen Länder verteilen sich die fran- zöstschcn KapitalSanlagen wie folgt. ES sind angelegt in: England... Deutschland.. Argentinien.. Oesterr.-Ungam. Belgien.... Brasilien... Balkanländer.. China.... Dänemark... Aegypten... Ver. Staaten.. 800 MIll. Fr. 1460.. 1400,» 660,» 460,» 1860», 10900»» 500»» 1450,» 2500»» 2000.. In Wirklichkeit sollen die ausländischen KapitalSanlagen Frank- retchS aber noch größer sein. Nur England ist ihm in dieser Be- ziehung überlegen. Nach einer Enquete der stanzvsischen Regierung wurden im Jahre 1900 die im Auslände angelegten fmnzösischen Kapitalien auf 29 855 Millionen Frank geschätzt. Di« Vermehrung beträgt also 9 Milliarden. 1 Milliarde pro Jahr. In England sind die»Einkünfte aus ausländischen Anlagen' von 44'/« Millionen Pfund Sterling im Jahre 1386/87 auf 79'/, Millionen Pfund im Jahre 1906/07 gestiegen, fast auf da? Doppelte in 20 Jahren I Wieviel deutsches Kapital im Auslände angelegt ist, weih man nicht, man schätzt es vielfach auf 10 Milliarden Wert. Alle Kriegsgefahren der letzten Zeit waren aus Anlah dieses internationalen Wetilaiifs des Kapitals entstanden. Nur wenn man diese» internationale„Arbeiten" des Kapitals kennt und berücksichtigt, kam, man die Ursachen der iutcriiationalen Konflikte und auch Ver- eiiibarungen der Staaten verstehen. AuS diesem JilteriiatiolialiSmuS des Kapitals ergibt sich mit Notwendigkeit aber auch die inter- nationale Vereinigung der Arbeiterl WittcrunaSiiberstcht vom g. Oktober IVO», moraeu« 8 Udr. et-twnen "I Ii SK W-Ner sromtmbt. 758®$® . 760® SR® levth, 759$© skranks.a M. 764$® München!'67® tea 1763® I I I Dunst 1 bedeckt 1 Stiegen 7 bedeckt SwoMg BSecterprognosr für Sonntag, den 10 Zunächst ausklarend, nacht» etwa» kühler, am mäßigen südlichen Winden; später neue Zunahm« Redliche Niederschläge. Berliner WK «ä* #"• i? Mi «tattonen Copnvanfin Petersburg Scilla Werdren Part» 752 S® 768 SO 767 S 763 SSW 770 G® Bettet 6'b-d-ckt , bedeckt äwolklg l'wottenl iwolkenl ** K» Mi 8 4 13 8 7 Oktober 1909. Tage wieder wärmer bei der Bewölkung ohne er» vetterburean. Rote Radler! Beste 5.?1- ni 10 PIcij-iam. Alfred Dieck, H AU TU ABi JEaAB mtwi BERLIN C. 25 Alexanderplatz Kleiderstoff- und SeidenstoffWoche von Montag, den 11. Oktober bis Montag, den 18. Oktober. Moderne Damenkleiderstoffe und Seidenstoffe Während dieser Zelt werden grosse Posten zn ausserordent. lieh billigen Preisen verkauft. 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Für den gnseratenteil verantw; TH. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag:Vorwärt« Buchdruckerei u. BerlagSanftalt Paul Einger 81 So.. Berlin SW, Nr. 237. 26. Jahrgang. 2. Seitat des Jotmitls" Knlim lolbM. Sonntag, 16. Oktober 1909. VIMHzftllcher Wochenbericht. Berlin, 9. Oktober 190S. Konjunkturfragen— Verschiebung in den wirtschaftlichen Verhält- nissen— Zoll- und Steuerpolitik als Hemmung des Busstieges. Lebendigkeit an der Börse, Steigerung der Kurse, daZ ist die Situation am Aktienmarkt. Allerdings, es liegen auch noch andere Anzeichen vor, die auf eine wirtschaftliche Belebung schließen lassen können. Es wird über anziehende Nachfrage berichtet; besonders in der Eisenindustrie will man steigenden Begehr konstatieren können. Und die Preise werden etwas hinaufgesetzt. Da wird es auch Zeit für die Arbeiter zu rüsten, damit sie von der besseren Konjunktur ebenfalls profitieren. An der schlechten war ihr An» teil ja übergroß. Jedoch, großen Erwartungen auf starken Um- schwung am Arbeitsmarkt darf man sich noch nicht hingeben. Daß jetzt etwas stärkere Kauflust sich zeigt und die Verbraucher aus der Zurückhaltung heraustreten, das ist erklärlich, aber das bietet noch keine Gewähr für energische Aufwärtsbewegung. Gerade am Eisen- markt hatten die Preise einen Punkt erreicht, der nicht mehr unter» schritten werden konnte. Wie tief die Eisenpreise gefallen sind, darüber ein paar An- gaben, die zwingend sind für die Ansicht, daß eine weitere Ent- Wickelung nach oben nicht mehr lange auf sich warten lassen kann. ES notierten an der Düsseldorfer Börse pro Tonne Mark: Luxemburger Kietzereieisen Nr. 3 72-74 64 40-48 Spiegel» eisen Mitte 1907.. 92-93 Mitte 1908.. 80—82 September 1909 80—63 Deutsches «»w-x»- Ä, 81' 140—143 69 100—103 54—56 96—102 Die letzten Notierungen ergeben sich nach den Preiserhöhungen, die als Zeichen des Konjunkturumschwunges angesprochen werden. Nachdem die Werke zu den niedrigsten Preisen eine Summe von Aufträgen erlangt hatten, die ihnen für einige Zeit Arbeit sicherte, ließen sie minimale Preiserhöhung eintreten. Das lockt die Spe- kulation heraus, die mit weiteren Steigerungen rechnet und nun für den später zu erwartenden Bedarf Einbeckungen vornimmt. So fügt es sich ineinander, daß der Anschein eines kräftig einsetzenden Begehrs erweckt wird. Wie wenig hoffnungsfreudig das Rheinisch- Westfälische Kohlenshndikat die Gesamtlage bewertet, beweist ge- nügend sein Beschluß, die bisherige Einschränkung von 40 Proz. bei Koks und 20 Proz. bei Kohlen und Briketts in Wirksamkeit zu belassen. Wohl kann man berichten, für die Befriedigung des Haus- brandbcdarfs seien umfangreiche Aufträge zu buchen, aber am Eisenmarkt lasse die schon lange erhoffte Bedarfssteigerung immer noch auf sich warten. Bei der Beurteilung der Wirtschaftslage und der Möglichkeit neuen industriellen AuflebenS darf man die Veränderung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse nicht übersehen. Gewiß, der kapita« listische Ausdehnungsdrang stürmt schließlich über Hindernisse hin- weg, trotz neuer Hemmungen kommt er zur Geltung; epochale Er- findungcn und gewaltige Umwälzungen in der ProduktionStcchnik verheißen für Anlage suchendes Kapital sicheren Gewinn und locken zu Betätigungen, aber die Verteuerung der Produktion, als Folge der agrarlsch-zentrümlichen Zoll- und Steuerpolitik, erschwert den Aufstieg, wie sie auch den wirtschaftlichen Rückgang verschärfte. In verschiedenen, jüngst erschienenen Handelskammcrberichten kommt eine geradezu a-b-c-schützenhafte Auffassung über die jüngste Krise zum Ausdruck. Es wird da behauptet, der wirtschaftliche Rückgang sei stark abgeschwächt worden durch die größere Kaufkraft der Landwirtschaft, die wir den neuen Handelsverträgen ver- dankten. Genau das Gegenteil ist richtig. Das deutsche Volk muß für seine Ernährung viele hunderte Millionen Mark mehr aus- geben. Aber an der Mehreinnahme hieraus ist nicht die gesamte deutsche Landwirtschaft in gleicher Weise beteiligt; zum überwiegend großen Teile kommt sie einer verhältnismäßig kleinen Gruppe von Großgrundbesitzern zugute. Der dabei in Betracht kommende Per- fonenkreis kann aber nicht die verminderte Kaufkraft der Millionen Arbeiter ausgleichen, die infolge der erhöhten Lebensmittelpreise ibren Konsum an Gebrauchsartikeln«inschränken mußten. Ver» teilten sich die den Konsumenten abgenommenen Millionen auf die Gesamtheit der zur Landwirtschaft gehörende Bevölkerung und würden sie von dieser für industrielle und gewerbliche Erzeugnisse ausgegeben, so wäre lediglich eine Verschiebung in bezug auf die Konsumentenschaft eingetreten. Der Besdminkung, die sich die übrigen Volksgenossen auferlegen müssen, stände ein vermehrter Verbrauch der Landbevölkerung gegenüber und man könnte von einer Steigcrrmg der Kaufkraft der Landwirtschaft reden. So liegen die Dinge aber nicht. An die Stelle der Konsumschwächung des großen Volksteiles, der nicht an der Einnabmesteigerung aus der Lebensmittelverteuerung beteiligt ist, tritt wohl auf der anderen Seite eine enorme Einkommensteigerung, diese kommt aber nur in beschränktem Umfange der Industrie zugute. Teilweise setzt sie in vermehrtem Luxus sich um. Damit wird jedoch kein Ersatz für den Ausfall an einfachen Gebrauchsartikeln der breiten Masse geschaffen, und daher mich nicht für die hiermit in Verbindung stehende Ver- Minderung der Arbeitsgelegenheit. Da die Teuerung der LebenS- mittel anhält, bleibt auch eine gewisse Konsumeinschränkung kon- stant. Das ist für die Wirtschaftslage von großer Bedeutung. Die Veränderung in den Produktionsbedingungen und in der Güter- Verteilung erschwert den industriellen Ausstieg, hemmt sein Tempo. begrenzt sein Ausmatz. Ein ungefähres Urteil über die eingetretene Veränderung ge- stattet die nachfolgende vergleichende Zusammenstellung der Preise wichtiger Lebensmittel und Jndustrieerzeugnisse. Es kosteten nach den Angaben des Statistischen Jahrbuches für das Deutsche Reich: Roggen sBerlin)... Tonne Weizen sBerlin)...„ Hafer sBreslau)...„ Braugerste sBreslau)..„ Speisekartoffeln sBerlin).„ Ochsenfleisch II sBerlin) Doppelzentner Schweinefleisch sBerlin)„ Kalbfleisch(Berlin)..„ Hammelfleisch(Berlin). Roggenmehl(Berlin). Weizenmehl(Berlin).. KartoffelspirituS(Hamburg) 100 Liter Riiböl(Danzig)...» Wolle(Berlin). Doppelzentner Baumwolle(Bremen).„ Niederschl. GaSkohle.. Tonne Puddelkohle(Dortmund)., i Wie die Aufstellung klar erkennen läßt, sind die Preise für Lebensmittel und für Rohmaterialien ganz enorm gestiegen. Das bedeutet selbstverständlich eine Verteuerung der gewerblichen Pro- duktion. Nicht nur die Rohmaterialien bedingen eine vermehrte Ausgabe, wohl oder übel muh das Unternehmertum die Löhne den gesteigerten Lebensmittelpreisen einigermaßen anpassen. Demnach müßte jetzt auch das Preisniveau für industrielle Erzeugnisse höher liegen, wenigstens insoweit, als nicht durch technische Verbesserung eine Produktionsfteigerung eingetreten isft wenn das Gleichgewicht zwischen sachlichen Kosten und Erlös unverändert bleiben sollte. Daß das für die Eisenindustrie nicht der Fall ist, beweist die folgende Ta- belle, in der nach den Notierungen der Zeitschrift„Stahl und Eisen" der Jahresdurchschnittspreis pro 1900 in Vergleich gestellt ist mit dem Preise für daö letzte Quartal 1903. Es kostete pro Tonne Mark: Deutsches Gietzereieisen Bcssemereisen... Fliißstabeisen.. Kesselblech... Feinblech... IWW Die Senkung der Preise bei den vorstehenden Erzeugnissen ist noch größer als die Steigerung bei den Lebensmitteln und den Rohmaterialien. Sonach ergibt sich eine ganz bedeutende Ver- schlechterung per Produktionsbedingungen. Man könnte vielleicht zu der Ansicht neigen, jede Vergleichung, in der nicht die Preise eines Hochkonjimkturjahres mit denen aus einem Krisenjahr neben- einander stehen, würde ein günstigeres Verhältnis sirr die in- dustrielle Gütererzeugung liefern. Das ist nicht der Fall. Bringt man z. B. die Preise des Jahres 1903 mit den Notierungen Mitte des Jahres 1909 in Parallele, gewinnt man folgendes Resultat. Die Preise von 1903 gleich 100 gesetzt, ergeben für Mitte 1909 folgcside Zahlen: Roggen........-. 147,7 Weizen.......... 166,3 Deutsches Gietzereieisen Rr. 3.. 78,0 Dem gewaltigen Hinaufschnellen derPreise für Lebensmittel steht ein starker Preisfall für Eisen gegenüber. Mag nun auch wieder eine Erholung der Preise für Eisen eintreten: das frühere Ver- hältniZ wird nicht wieder herbeigeführt, weil die Lebensmittelpreise dauernd einen Hochstand behalten, dem die Preise der Industrie- Produkte nicht werden folgen können. Darum bleibt auch eine ge- wisse Hemmung in dem wirtschaftlichen Wiederaufteben als Folge der neudeutschen Zollpolitik zurück. Und die Steuerpolitik der Feudalen im Bunde mit den schwarzen Klerikalen hat die un- günstige Situation am Arbeitsmarkt noch weiter verschlechtert. Das sollte kein Arbeiter vergeflen, wenn er die Folgen der Krise schmerz- hast empfindet. Als Produzenten und Konsumenten sind die Ar- briter von den Schnapsblockbrüdern geschädigt worden., O. Eingegangene Druckrdmftcn. Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Hest 1. kl. Hartlebens Verlag in Wien, jährlich 12 Hcjte zu 1,15 M. Die Arbeiterwohlfahrtsbestrebunge» in Deutschland seit Gründung des Reichs. Bon Dr. Erdmann. Drcsden-N. GlaciSstr. 18. DätigkeitSbrricht des Sozialdemotratische» Vereins kür den Wahlkreis Frankfurt a. M. 1908—1901), Selbstverlag des Partei» sekretariatS. DER WÜTTE KATALOG no 58 ist soeben erschienen und wird auf Wunsch kostenlos zugesandt Ulster u Paletots Geschmackvolle, neuzeitige Moden Tausende Exemplare eigen. Erzeugnisse Vorzügliche Paßformen Schöne Ausmusterungen Bewährte Fabrikate 70.- 65.— 60.- 55.— 50.- 48.— 45— 42.— 40.— 36- 33.- 30- 27.— 25.- 24.- 21.- 18.- 15.- □ □ Feine Maß- Arbeit zu niedrigen Preisen aus neuzeitigen Stoffen Tadelloser Sitz BAER SOHN :: Spezial-Haus größten Maßstabes:: für gute Herren- und Knaben-Kleidung ChausseestraDe 29-50 Gr. Frankfurterstraße 20 □ 0 11 Bruckenstraße 11 Schöneberg, Hauptstraße 10 i Aiason r\ Kiimrinz O 6* l&IVKIos No.l" Naxos AD11 SeKklm O Pfd. T ■Verlelh-IiiBtitut: firterfrlohst. 1 1 l/l,«.Dvabg. ■Sur. Eteg. Frack. Gehrock 1.30.Hoie 1.00. Weste 50Pi. Türk. Tabak- ACIgaretten-Fabrik„Klos" 0 E. Robert B6hme, Dresden. 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Lustspiel in 3 Akten von Leo Walther Stein und Ludwig Heller. SSSF- Ende 11 Uhr.-B-g Montag, abends 8 Uhr: Doktor Klans. Dienstag, abends 8 Uhr: Die erete Gciare. Berliner Yolks-Chor Dirigent: Dr. E. Zander. Montag, den 11. Oktober, abends U/, Uhr, im Konzertsaal Frieilrielisliala (am Friedrichshain 16—23): PROGRAMM: Beelhoven: 1. Die Ruinen von Aiben. 2. VioMonzert Mendelssobn: Die erste Walpurgisnaebt Mitwirkende: 289/5 Frl. H. Schmidt(Alt), Herr Franz Gran(Tenor), Hr. Karl Klingler(Violine), Hr. v. Raatz(Bariton). Das Blütliner-Orchester.« Der Berliner Volks-Chor. Einlaßkarten a 75 Ff. und Programm-Bücher a 10 Pf. sind in den Zahlstellen der Volksbühnen sowie in allen mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Abendkasse 1 AI. Kassenöffnung 7Va Uhr. Gastspiel-Tlieater Köpenicker Straße 67/68. Täglich abends 8'/« Uhr: Ungerade Tage. Der Deserteur. Die kensehe Toinette. Cousin Pamponlette. Kommandantenstr. 57. T. A. 4, 5083. V Die erfolgreichsten Lach-Komödieu. Meine- Deine- Tochter Frau Elkams Friseur mit Anton und Donat Herrnfeld. Vorverkaus 11—2 Uhr. Anfang 3 Uhr. ReieliLbaHen'Tlieale!'. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Brunnen»Theater Badstraße 58. Direktion: Willi Voigt Sonntag, 10. Oktober, nachm. 3 Uhr: Unsere Neichspost. Volksstück mit Gesang in 5 Bildern von R. KneiseL Abends 7 Uhr: Donna Diana. Lustspiel in 3 Auszügen von Moreto. Nach der Borstellung: Gr. Hall. Weinbergsweg 18-20. RosoethalerTor. Heute 2 Vorstellungen. Nachmittags S'l, Uhr(jeder Er- wachsene ein Kind frei l) und Abends 8 Uhr. In beiden Borstellungen die vollständigen Sensatious- Spezialit. Th o aterkasH-.- ununterbrochen gcössliet, Blüthner-Orcliester. Sonntag, den 10. Oktober, T'/i Uhr; Populäres Konzert. Dirig.: Ferdinand Neisser. Solist: S. Alschausky, Posaune. Karten a 1.50, 1.—, 0.75 bei Bote u. Bock, Wertheim usw., Orchesterbureau Lützowstr.76, Tages- und Abendkasse am Konzerttage._ Donnerstag, d. 14. Oktober, 8 Uhr: �11. Symphonlekonzcr� Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. Folies Caprice.| Mobilisierung. Banter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11—2. Anfang 8'/. Uhr. Stadt-Theater Moabit. AU-Hoablt 47/48. Donnerstag, den 14. Oktober 1909: Ber Dornenweg. Schauspiel in 3 Akten v. F. Philippi. Kassenöffnung 7 Uhr. Vorstellung 8 Uhr. Vorverkaus täglich von 10—1 Uhr im Theater-Restaurant. 1. Thcatersaal: D. Kanononschlager Meyer mit'n Hängeboden mit Paul Bendix in der Titelrolle und das glänzende SpczialitUten- Programm. Im Konzertsaal täglich: Große« JHIitiir-Konzert. Frankfurter ChnnsMcc 5 Leitung: O. Bürger. Lichtenberg | Ferniprecher Nr. 8. G?»utag- Großei* Ball. Jede» Mittwoch: Cuftlger flttnd der fldelco Spatzen Vornehmste Herrengesellschaft(nein: Herren) Vorstellung: kSiMSZlS»-- Aff'KIkiaOKLN. Gedr. Arnhold. Arböiisr-kildlingssGblllö ßsrlin. Rente Sonntng, den 10. Oktober IVOS, In den Armlnhallcn, Kommandantcnstr. 58/59: Vortrag des Genossen haus Llock: vis LRtstöduRA clep religiösen Vorstellungen. Nach dem Vortrage: (Zemütliches Leisammensein unci Tanz. Eintritt 20 Pf.— Garderobe frei. 6/16* iiSisii Heute Sonntag, 10. Oktober, Nachm. 3J, Uhr u. abends 7ff,Uhr. große-�08« Extra-Vorstellnug.& Nachmittags hat jeder Erwachsene 1 irtnit unter 10 Jahren fpB| t Itlllu auf allen Sidvläven HCl. auf allen Sitzplätzen I» beide» Vorstellungen gleich großes Programm. 8 Damen Proveanies 15 schottische Hochländer Der Schimpanse als Nadfahrkünstler. 4 Poncherrys 4 Sämtliche neue Elowns. Ovare Bros.+Jim u. Jam�. sowie die groß. Kunstkapazitäten. im Zirkus Schumann-Gebäude, Karlstraste. Mieder- Eröffaling. Jeden Sonnabend: ftfl. ICönigatadt-KaHino. Holzmarktstraßc 72. Täglich: Franz Sobanskl. Hedy Brumien, Willy Gramsch, Vallis u. Jsannette, F. W. Hardt, MiB Ciaire, The tree Eriks. Ein verzweifeltes Mittel. Schwank in einem Att. Pslsst-Itiestör. 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Auffallend hierbei ist, daß das Wachstum beim Heere weitaus größer ist als bei der Marine, ein Umstand, der allerdings begreiflich wird, wenn man in Betracht seht, um wieviel größer auf dem Lande die Möglichkeit ist, eine riminelle Handlung au begehen, als auf einem Schiffe, das ge- wissermaßen— zummdest zeitweise— von der Außenwelt ab- geschlossen bleibt. Eine kriminelle Handlung nämlich, die in militärischem Sinne ein Delikt darstellt. Eine Uebersicht dieser Delikte zeigt, daß ihre Mehrzahl in„Vergehungen" besteht, die im zivilen Leben einfach nicht möglich sind, also auch einer Ahndung nicht unterliegen können. Der an und für sich geringere Prozentsatz straf- fälliger Handlungen bei der Marine mag übrigens auch darauf zurück- zuführen sein, daß zur See einerseits zwischen Untergebenen und Borgesetzten ein innigerer Kontakt, zugleich aber auch andererseits eine' viel unumschränktere Disziplinargewalt herrscht als zu Lande. Außerdem darf nicht übersehen werden, daß der Mann in der Kaserne, wenn ihm Unrecht zugefügt wird, sich doch eher entschließt, den dienstlichen Beschwerdeweg zu ergreifen(wenn dieser Weg auch vorläufig noch mit Dornen reichlich gepflastert ist) als der Matrose, der allen Schikanen seines Vorgefetzten wehrlos preisgegeben ist und, da er wohl weiß, welches Höllenleben ihm bevorsteht, wenn er es wagt, seine Menschenrechte zu verteidigen, sich zehnmal eher duckt, schweigt und duldet! Sicherlich gelangen Matrosenmißhand- lungen noch viel seltener ans Tageslicht als Soldatenschindereien, obgleich auch von diesen die Oeffentlichkeit wenig genug erfährt. Immerhin ist die Zahl der bekannt werdenden Fälle noch von er- schreckender Größe. Die trockenen Ziffern der Statistik sprechen von 372 Miß- Handlungen von Untergebenen und 1ö2 F ä I l e n, die als„Beleidigung und vorschriftswidrige BeHand- lung Untergebener durch Vorgesetzte" bezeichnet sind. Diese Fälle sind insgesamt nur durch Beschwerden bekannt ge- worden. Selbstverständlich wird die Zahl der für das Jahr 1908 bekannt gewordenen 372 Mißhandlungen im deutschen Heere durch die Zahl der unbekannt gebliebenen weitaus über« troffen. Um so schlimmer, daß, wenn man auch nur auf der Basis des statistischen Materials stehen bleibt, kein Tag vergeht, daß in der deutschen Armee keine Mißhandlung vorfällt! Uebersichtlich stellt sich das Wachstum der Krimi« n a l i t ä t folgendermaßen dar: In Preußen rund um 6Vz Proz., in Bayern um 4'/z Proz., in Württemberg um lO'/j Proz., in Sachsen dagegen zeigt sich eineAbnahme um 8Proz. Die Kriminalität bei der M a r i n e zeigt eine Steigerung um 8/4 Proz. Auf 18 preußische Armeekorps fallen im ganzen 10 723 strafbare Handlungen. 9163 von ihnen endigten mit Verurteilungen(also die überwiegende Mehrzahl). In 1195 Fällen ging man mit Freispruch vor, bei 70 Fällen wurde das Verfahren eingestellt. Auf die drei bayerischen Korps kommen 2062 Delikte, 1881 Ver- urteilungen, 159 Freisprüche und 22 mal wurde das Verfahren ein- gestellt. Für die zwei sächsischen Korps stellt sich die Kriminal- statistik für 1903 folgendermaßen dar: 695 Delikte, 612 Ver- urteilungen, 76 Frcifprüche, 7 eingestellte Verfahren. Für Württemberg<1 Korps): 460 Delikte, 413 Verurteilungen. 44 Freisprüche, 3 eingestellte Verfahren. Bei der Marine 1513 Delikte, 1358 Verurteilungen, 149 Freisprüche, 6 eingestellte Verfahren. In all diesen Prozessen waren angeklagt in Preußen 11 657 Personen, verurteilt wurden 10116 Personen, frei- gesprochen 1461. In Bayern 2243 Angeklagte, 2037 Verurteilte, 172 Freigesprochene. In Sachsen 745 Angeklagte, 654 Ver- urteilte, 84 Freigesprochene. In Württemberg 503 Angeklagte, 449 Verurteilte, 50 Freigesprochene. Bei der M a r i n e 1619 An- geklagte, 1425 Verurteilte, 132 Freigesprochene. Die Art der Strafen stellen folgende Zahlen dar: Preußen: Fünf Jahre Zuchthaus und darüber 15 Fälle, zwei bis fünf Jahre Zuchthaus 18 Fälle, unter zwei Jahren Zuchthaus 21. Gefängnis von zwei Jahren und darüber 94 Fälle, ein bis zwei Jahre 278, drei bis zwölf Monate 1468, ein bis drei Monate 1061, acht bis dreißig Tage 706, unter acht Tagen 718 Fälle. Festungshaft 6tmal, Haft 106 mal, strengen Arrest 2263, mittleren Arrest 1528, gelinden Arrest 260 mal. Verlust der Ehrenrechte 85, Entfernung aus den: Heere 60, Dienstentlassung 9, Degradation 219 mal. Bayern: Zwei bis fünf Jahre Zuchthaus 2, unter zwei Jahren 3, Gefängnis von zwei Jahren und darüber 3, ein bis zwei Jahre 33, drei bis zwölf Monate 202, ein bis drei Monate 194, acht bis dreißig Tage 159, unter acht Tagen 119, Festungshaft 3, Haft 55, strengen Arrest 240, mittleren Arrest 394, gelinden Arrest 38, Verlust der Ehrenrechte 11, Entfernung aus dem Heere 11, Degradation 27 mal. Sachsen: Zuchthaus unier zwei Jahren 4, ein bis zwei Jahre Gefängnis 15, drei bis zwölf Monate 74, ein bis drei Monate 51, acht bis 30 Tage 34, unter acht Tagen 44, Festungshaft 10, Haft 16, strengen Arrest 105, mittleren Arrest 188, gelinden Arrest 14, Verlust der Ehrenrechte 13, Entfernung aus dem Heere 6, Degradation 23 mal. Württemberg: Zuchthaus unter zwei Jahren 3, Gefängnis von zwei und mehr Jahren 6, ein bis unter zwei Jahren 10, drei bis zwölf Monate 62, ein bis drei Monate 57, acht bis dreißig Tage 43, unter acht Tagen 23, Festungshaft 3. Haft 9, strengen Arrest 49, mittleren Arrest 65, gelinden Arrest 10, Verlust der Ehrenrechte 5, Entfernung aus dem Heere 5, Dienstentlassung 1, Degradation 9 mal. Marine: Fünf und mehr Jahre Zuchthaus 3, von zwei bis fünf Jahren 6, zwei und mehr Jahre Gefängnis 21, ein bis unter zwei Jahre 47, drei bis zwölf Monate 244, ein bis drei Monate 146, acht bis dreißig Tage 101, unter acht Tagen 61, Festungshaft 3, Haft 9, strengen Arrest 371, mittleren Arrest 170, gelinden Arrest 23, Verlust der Ehrenrechte 7, Entfernung aus der Marine 11, Dienst- entlassung 2, Degradation 23 mal. Insgesamt(in Heer und Marine) 15 468 Delikte und 13 727 Ver- urteilungen. Was die Art der Delikte betrifft, so sind es hauptsächlich (in Armee und Marine): Unerlaubte Entfernung 1482 Fälle, Fahnenflucht 735, Selbstbeschädigung 36, Achtungsverweigerung 874, Beleidigung Vorgesetzter durch Untergebene 203, Ungehorsam 1929, Beleidigimg und vorschriftswidrige Bchaiidlung von Unter- gcbenen durch Vorgesetzte 190, Mißhandlungen 393, Diebstahl 1346, Unterschlagung 432, Bestechungen 9(?), Mord und Totschlag 3, fahrlässige Tötung 6, gefährliche und tödliche Verletzungen 1101, Verbrechen und Vergehen wider die Sittlichkeit 22 usw.(Bei den in diesem Abschnitt berücksichtigten Delikten sind sowohl die kriegs- gerichtlich wie die standgerichtlich abgeurteilten Straftaten berück- sichtigt.)> Die Ziffern dieses Artikels sind entnommen dem dritten Heft (1909) der„Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches", herausgegeben vom Kaiserl. Statistischen Amte. Die Zahlen sind also„unverdächtig"; sie sprechen eine sehr beredte Sprache, würden aber noch viel, viel lauter und eindringlicher zu uns reden, wenn es möglich wäre, alle Tat- und Wortvergehen Vorgesetzter gegen Unter« gebene zu erfassen und die Täter zu— fassen. Gerickrs-Geltung. Schokolade mit Kokosbutter. Vom Landegerichte I in Berlin ist am 17. April der Kauf« mann Otto Thürmann wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittel- gesetz zu einer Geldstrafe von 600 M. verurteilt worden. Er be« treibt seit 5 Jahren eine Spezial-Schokoladen-Konfitürenfabrik. Der Verband deutscher Schokoladenfabrikanten in Dresden hat bereits 1905 für die Herstellung von Schokolade und Kakao Verkehrs- Vorschriften aufgestellt. Für die Konfitüren, die aus reiner Kakao- maffe mit Zucker hergestellt werden, sollen dieselben Vorschriftengelten wie für Schokolade und Kakao, nur daß sie noch Nüsse und Milch bis zu 5 Proz. enthalten dürfen. Der Angeklagte verkaufte die Konfitüren um 10 M. billiger als die Konkurrenz. Diese ließ Proben untersuchen, und zwei Sachverständige stellten fest, daß Kakaoschale und Kokosbutter zugesetzt waren. Kokosbutter ist kein Ersatz für Kakaobutter, da ihr der Geschmack der letzteren fehlt. Auch als Ersatz ist Kokosbutter nicht anzusehen. Durch beide Zusätze hat, heißt es im Urteil, der Angeklagte die Masse verschlechtert,— Das Reichsgericht erkannte am Freitag auf Verwerfung der Revision. Mord aus Eifersucht. Das Güstrower Schwurgericht verurteilte die Modistin Auguste Zobel aus Berlin, die bekanntlich die Opernsängerin Barthold in Güstrow erschossen hatte» wegen Mordes zum Tode. Die Auge» klagte hatte seit Jahren ein Verhältnis mit dem Kaufmann Waldemar Koch. Dieser hatte ihr auch die Ehe versprochen. Die Bitten der Angeklagten, sie zu heiraten und das Verlöbnis mit der Barthold aufzuheben, beantwortete Koch ausweichend. Die An- geklagte besuchte Fräulein Barthold in Güstrow und erschoß sie bei diesem Besuch. Die Schädeldccke der Ermordeten wies fünf Revolverkugeln auf. Die Angeklagte wendete zu ihrer Verteidigung ein, sie habe die Getötete nur der Stimme berauben wollen. Sie hätte gehofft, dann werde Koch das Verlöbnis aufheben und sie selbst endlich heiraten. Eine Zeugin bekundete, daß die Angeklagte ihr mitgeteilt hatte, sie habe den Revolver im Muff verborgen gehalten und dann ohne vorhergegangenen Wortwechsel die ahnungslose Sängerin erschossen. Die Spielautomaten beschäftigen noch immer die Gerichte. So ist am 3. Mai vom Landgerichte Tilsit der Kaufmann Rosenfeld wegen gewerbsmäßigen Glücksspieles verurteilt worden, weil er bei dem Mitangeklagten Gastwirt Damasch einen Spielautomaten aufgestellt hatte. Selbst der geschickteste Spieler, so heißt es im Urteile, kann es nicht erreichen, daß er mit Sicherheit einen Gewinn mit seinem ein- geworfenen Geldstücke erzielt. Nur bei besonderer Feinfühligkeit und langer Uebung konnte die zum Gewinnen erforderliche Fähig- keit erlangt werden. Die große Masse der Spieler erlangt diese Fähigkeit nie.— Die Revision des Angeklagten wurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen. Unser Geschäftsprinzip nur wirklich vorzügliche Stoffe und Zutaten bei erflkldjfiger Verarbeitung zu verwenden, erweitert unfern Kundenkreis(händig Unerreichte Auswahl in Herbf?-Ko(?ümen Ko[?üm~Röcken Gefellfchafts-Kleidern Prinzeß-Röcken Farbigen Paletots Plüfch-Mänteln Eskimo- Theater- acken Vlänteln Frauen-Mänteln Wollenen Blufen Seidenen Blufen ]upon-Morgenröcken Mädchen- Bekleidung Pelz- Konfektion in allen modernen Pelzarten Knaben- Bekleidung BERLIN S m R. M. MAASSEN o ramen Platz G. n. b. H. Deutfchlandsgröftes Spezial-Haus für Damen-, Kinder-, Sport- u. Pelz-Konfelction m Sechster Wahlkreis. Dienstag, den 18, Oktober, abends 8l/s Uhr, in Fraukes Festsälen, Badftraste lg» Orffentliche politische Nersommlimg. Was wir wollen? 231/9*»vr DliiI,«»-»!«»-: la sssuetmann, Bellermannstr. 94. Ivgknlttlllsslhuß siir Groß-Kerlin. Sonntag, den 10. Oktober, abends« Uhr, in den„ o Ii t n U1 iiS ielefftraste 84: Jugend'Tersammlung. Bortrag der Fra« LlULL Zietz über: Des Arbeiterkindes Eintritt ins Leben. ssg/g* Nach dem Vortrag«: Ge�ekiiger Anmitien-Abend. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen find zu dieser Bcraustaltung freundlichst eingelade«._ Verband der Sattler und Portefeuiller, .. Ortsverwaltung Berlin...: Die nächsten Branchenversammlungen finden an nachfolgenden Tagen statt: Mler-VmiiiMlmiim Dienstag, den 13. Oktober, abends 8 Uhr: V. Landtagswahlbezirk ElysiNM. KiudsbergerAllttin-U PrachtsMe des Ostens Frankfurter Allee 1S0/1S1, F. Landtagswahlbezirk Urania, Wrangtlßr. 9 th. Referent: Stadtverordneter runK Hirsoli. 6. Landtagswahlbezirk Kelter KN. KoDtiißr. 29 Mittwoch, den 20. Oktober, im Vuglischen Hof, Neue Noßslr. Z. Treibritmen-Kranche: Donnerstag, de» w. Dtiob«, im Rosenthaler Vereinshaus, Rosenthaler Str. S7. Fmolkumlkger u. Ttppichlläher: Donnerstag, den u. Oktober. im Lokal Kommandantenstr. Sö. Magen-Kranche: Donnerstag, den 14. Oktober. im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/1V. EjstNMöbtl-U.Ftdtrßuhip0lsttM: Donnerstag, de» 14. Oktober. bei?aBl Walter, Adalbertstr. 62. Sektion Charlotteuburg: Montag, d-n u. Onob«. im Bolkshause, Rofinenstr. S. Zahlreichen Besuch dieser Branchenversammlungen erwartet 158/6 Eonnabend,»0. Oktober 1909, in Xioalü Kellers Feststtlen (Jnh. Frcyer), Koppenstr. 29: feisr des 29. Stlttlingstsetsz Gastspiel von HoffmanuS Norddeutschen Sängern. Konzert, Festrede, Reigenfahren von Mitgliedern des A.-R.-B„Solidarität". Die Ortsverzvaltuiis. Vorllellung: G I*" Balls Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Ps. nach. Ansmrg W, Uhr. Billett 30 Ps. Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Billetts sind tm Bureau sowie bei den Werlstattverlrauensleuten zu haben. Referent: Stadtverordneter Hoffmaim. Referenten: Stadtv. Hugo Helmann, Landtagsabg. Helm*. Sttröbel# kS. Landtagswahlbezirk Artushof, Pkrltdergelstr. 26 Referent: Stadtv. Heem. Hm'Kaiana. Tagesordnung: 1. Preußenpolitik und Laudtagswahle«. 2. Freie Diskussion. Mff" Alle Wähler sind eingeladen!'MD Für regen Besuch bitten zu agitieren Die Wahlkomitees. k DeiiU Abt. I. Isolierer Berlins u. Umgegend. Montag, den 11. Oktober, abends 8'/, Uhr, bei Freiheit, Dragonerftr. 15: Tersammlung. TageS-Ordnung: Die augenblickliche Situation unserer Lohnbewegung! vir Was gedenken wir weiter zu tun? OW Pflicht eines jeden Kollegen ist es, unbedingt in dieser Ver< sammiung zu erscheinen._ Per Vorstand. Glasbläsern. Bläserinnen. Dienstag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr:. Sekkentlicbe Versammlung tm Fnellsehen Oarten, Alexnnderstr. 87c. Tages-Ordnung: 1. Die Schäden der Heimindustrie und die Lage der Glasbläser und-Bläserinnen. Refer.: Redakteur Karl Sehnls. 2. Diskussion. UST" Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen ist notwendig.-MG 73/11_ Per Elabernfer. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend. Sonntag, den 17. Oktober 1909, vormittags II Uhr, im Saale der Brauerei Frledrlchsbain: Uebungs» Stunde. Geübt werden folgende Lieder: und Orablied von Bombelke. Sehnsucht, Herbstfeier 17/12 Ausschuß-Sitzung. Tages-Ordnung: 1. Aufnahme von Vereinen.* 2. Bundesangelegenheiten. Vereine, welche beabsichtigen, sich gesanglich an dem i Stiftungsfest des Bundes zu beteiligen, haben dieses bis spätestens den 17. Oktoaer mit Angabe der Lieder dem Vorstande mitzuteilen. NB. Die Vereine werden aufgefordert, spätestens am I 1 17. Oktober die Billetts vom Sängerfest abzurechnen, widrigenfalls die Säumigen in der Ausschuß-Sitzung bekannt gegeben| ! werden. Per Vorstand. Achtung, Hausfrauen! Tille meiner werten Nachbarschaft mit, daß ich �i)l8I8bUigCl 8h, 32 eine BHckerel nad Konditoret eröffnet habe. Es soll mein Be- streben lein, durch Liejerung schmackhaster Ware, mit den besten Zutaten hergestellt, das Vertrauen meiner werten Nachbarschast zu erwerben. Er- kenne gleichzeitig die Gesellensorderungen an. Hochachtend„. Felix Becker. l» Iii ArdeitsuachweiS: Hos L'Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle verlin. Hauptbureau: Charittstrat« 3. Hos Öl. Amt 3, 1987. Montag, den 11. Oktober, abends pünktlich 8 Uhr, in den.ihrinla- hallcn, Kommandantenstr. 58/59: Versammlung jM- aller"VS in den Schleifereien u. galvanischen Anstalten beschäftigten Kollegen und Kolleginnen. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Delegierten über die Berusskonferenz der Gewmetall. Industrie in Franksurt a. M. S. Diskussion. 3. Verbandsangelcgenheiten. Kollegen und Kolleginnen! In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Tages- ordnung erwarten wir zahlreichen Besuch. Mitglirdsbnch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Montag, de» 11. Oktober er., abends 8 Uhr, in den Bomssla» Stilen, Aderftr. 6/7 t US" Versammlang"NK aller in den Eisengießereien beschästigten Former nnd Bernssgenossen. Tages-Ordnung: 1. Unsere Lohn- und ArbedSverhälwisse. 2. Verschiedenes. >» Mitgliedsbuch legitimiert. Montag, tts Mm Terwaltane Berlin. den 11. Oktober er.. abendS 6 Uhr, im Grwerkschafts- Hause, Engelufer 15, Saal 4: Allgemeine Gürtler-Versammlung. TageS-Ordnung: a g des Kollegen K. Wücke. 8. Bericht der Branchen« Neuwahl der Branchenkommisfivn. 4. VerbandSaugelegen- TageS-Ordnung: 1. Vortra---------- kommission. 3. Helten und Verschiedene».' 127/19 Kollegen I Wir erwarten, daß in dieser Versammlung alle Gürtler Berlins erscheinen. Sorge j e d e r sür guten Besuch. Achtung! 8ananschlägerl Montag, den 11. Oktober, abends 8'/, Uhr. tm GewerkschaftS- Hanse, Enqelufer 15, Saal 1: stfonats-VerkammUmgo TageS-Ordnung: 1. Vortrag de« Kollegen dos. Hartmann über:*£ er gewerkschaftliche Kampf und seine Bedeutung für die Arbeiterklasse'" 9. Diskussion. 3. Verbands- u. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Aelitnne! Statutengemöst teilen wir hierdurch mit, dafi die nächste ordentl. ISeneralversammlung am 84. Oktober stattfindet. Anträge hierzu müssen spätesten» bis zum 81. November beider Ortsverwaltung eingelonfen sei»._ Die Ortsverwaltung. Achtung! CapCZlCfCr. Alling! Montag, den 11. Oktober er., aberds 8 Uhr. in den Sopdlen- Süien, Sophienstr. 17/18: Oeffentl. Versammlung>>«: Tapezierer Berlins. Tag eiordnung: 1. Vortrag des Kollegen F. Aez»- Hamburg über:»Wer schüht die Interessen der Tapezierer?" 2. Diskussion. Alle Kollegen und Kolleginnen find zu dieser Versammlung eingeladen. 177/12 Der Einbernfer: A. Zltxewita. PT Einsetzer."TU Sonntag, de» 19. d. Mts., vormittags 19 Uhr: Witglieder-Uerlammtuugen t» den Bezirken.___ Bodenleser. Montag, den 11. Oktober, nachmittags 5'/, Uhr, bei Boeke», Weberfir. 17: Aiißnurdtutl. Mitglikder-Ncrsuiuutluug. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit den Unternehmern. 2. Wahl der Branchcnkommisfion. 3. Abrechnung vom Reservefonds. 4. Branchen« angelegenheiten. Mitglirdsbnch legitimiert. Bautischler, Bezirk III. Montag, den 11. Oktober, abends 6 Uhr, gleich nach Feierabend» Mitglieder-Uersammlung bei€Jlle«el»e, Kopenhagener Str. 77. Tages-Ordnung: 1. Bericht von der Eeneralversammiung. 2. Verbandsangelegenheiten. Tischler, Bezirk östliclie Vororte. Montag, den 11, Oktober, abends 51/. Uhr, gleich nach Feierabend, bei Arnold, Frankfurter Chaussee 6: Mitglieder- Vers ammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Birus über: Finauzresorm und Gewirk» schasten. 2. Bericht von der Geralversammlung. 3. Verbandsangelegenheiten, Vergolder. Montag, de» 11. Oktober. abendS 8 Uhr. bei aierkowskl, Andrcasftr. 86: PSF" Versammlung aller in Grundieranstakteu beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen. TageS«Ordnung: Wie verbessern wir unsere Lohn« und Arbeitsbedingungen? 90/ 10 me Ansstellimg bürgerlicher Wohnnugselnrlchtnngeu der Möbelfabrik M. Hirschowitz Berlin SO., Skalitzerstr. 25, ist Brautleuten zur Besichtigung besonders zu empfehlen. Kein Kaufzwang. Verkauf an Private im Fabrikgebäud«. Verlangen Sie illnstrlerten Katalog frei! f G ßl Unserem Genossen Büiloll 111er nehsiGemli 1 ®(Stbalfiertftr, 99) W •J die herzlichsten Glückwünsche Z »<»»- silk)?»'»?«'» zur silbernen Hochzeit. vis Lenosson lies ISS. Uve. c ZHtzHGHZ»«»»KAZ �J'oSr&.. Unserem Klub genossen H lossf Eisner und Frau zur silberne» Hochzeit herzlichsten Glückwünsche. 28198 Skatklab Tretl. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, datz am Donnerstag, nach- mittags, mein inniggeliebter Gatte und unser guter Vater 1892b tlermsnn LdieHe nach langem schwerem Leiden im Alter von 43 Jahren verschieden ist. DieS zeigt tiefbetrübt an Marie Schelle nebst Kindern. Die Beerdigung findet morgen Montag, nachmittags 3 Uhr, von derstetchenhalle des slädtischenFried- Hajes in FriednchSjelde aus statt. SozlaldernokratiseberWaiiiiierelD für den l Berliner Reichstags-l (Bezirk 228.) Wahlkreis. Am 7. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Rrankenkassenbeamte Hermann Schelle Aleichenberger Str. 177. «hre seinem atiibeufen! Die Beerdigung findet am Montag, den 11, d. MlS., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichs- jeld« auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 911/10 Dei* Voi-Mtand. Orts-Krankenkasse der Mechaniker, Optiker und verwandten Gewerbe zu Berlin. Am 7. d. Mts. verstarb nach I langem Leiden der Kajsenbeamte | Herr Hermann Schelle. Wir betrauern in dem Dahin- ! geschiedenen einen pflichttreue» Beamte», dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. j Berlin, den 9. Ottober IVOS. ! 278/12 Ter Borstand. CM Verband d. Bureauangestellten und der VerwaltunESbeamten der Krankenkassen und Bcrufsgenossenscbaften Deutscblands. Ortsgruppe ÜrüD Beriin. Tod ob- Amc Ige. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Kollege Hermann LcHelle von der OrtS-Lrankenkasse der Mechaniker verstorben ist. Ehre seinem Zliideiikeu l Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des ZenIral-FriedhoseS in griedrichsselde aus statt/ Um zahlreiche Beteiligung er- sucht 283/11 via Ortsverwaltung Am 7. d. MlS. verstarb nach längerem Leiden unser Kollege, I der Kassenbeamte Hermann Schelle. Wir verlieren in ihm einen I selten treuen und lieben Kollegen. Die Kollegen der Ortskraeken- | Kasse der Mechaniker, Optiker und verwandten Gewerbe. Die Beerdigung findet am Montag, nachm. 3 Uhr, von der I Leichenhalle des städtischen Fried- s Hosts in griedrichsselde aus statt. Todes-Anzeige. Am 9. d. Mts. verstarb nach längerem Leiden unser Mitarbester, der Stereothpeur Herr ftnil Mundin im Alter von 38 Jahren. Wir betrauern in dem Ver- blich enen einen lieben Freund und Kollegen und werden sein An- denken in Ehren halten. 1904b Tie Kollegen d. Buchdruckerei Aug. Kreb», Eharlottenburg. Danksnaung. Für die vielen Bew-ise herzlicher Tellnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines inniggeliebten uuvergeßiichcn Mannes. des Schlossers Wilhelm Rösler tage ich allen lieben Freunden, dem Metallarbeiter-Verband, den Kollegen der Finna Schubert u. Werth, ins»' besonoer« Herrn Robert Krüger sür die herzt. Ansprach« meinen innigsten Dank. 1893b Lid tieftrauernde Gattin Hsnriette Uiler. Todes» Anzeige. Am Mittwoch, den 6. d M., entschlief nach schweren Leiden mein lieber Mann, unser Schwager und Onkel, der Restaurateur Hermann Hülsmann im 00. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen DI« ttrunvcnd«'Witw«. Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 10. Okober, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des alten Domkirchhoses, Ltejenstr. v, auS statt. SoziiüdeniokratiseiierWatilyereiD kür den iierlinerlleiciistägswaliikreis Köpcnickop Viertel Bezirk Nr. 197. . Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Lermsvii HOlsmaim Wrangelstr. 108 gestorben ist/ Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. Oktober, nach- mittaas 3 Uhr, von der Leichen« hay« des Dom-KirchhofeS, Liesen- sttatze ö, aus statt. Der Borstand. SnziaMeiiilikralßcte!' Wahlvereiti tür den Serl. Heiciistags-Walireis. Stralauer Biertel. Bezn k Nr. 328. Teil II. Nachruf. Dm Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Plätterei- besitzer 220/b Max Kunze (Markgrasendamm 30) am 3. Oltober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Der Voratnnck. Oeutschfir Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tortes- Anseelgen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bohrer erdmaim 8s!omo am 8. d. M!S. an Magenkrebs gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Montag, den Ii. Oktober, nach- inillagS 4 Ubr, von der Leichen- halse des Philippus-Apostcl-Kirch- hoies, Müllerstr. 44/4S, aus statt. De» Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser Lermsvu Sedelle am 7, d. Mts. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral- FriedhoseS in Friedrichsseide aus statt. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Arbeiter Paul Hansel am 8. d. MtS. an Herzleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Oktober, nach- miltags S»/, Uhr, von der Leiche»- halle des Genicinde-Kirchhoses in Weißcnsce, Nölckestraß«, au» statt. Ehr« ihrem Andenken! Rege Belciligung»rwartet 129/19 01» Orlsverwaltunp. Die Beerdigung des Genossen prnst poelske findet Sonntag 1 Uhr aus dem THAstu«- Kirchhose, Lichtenrader Chaussee, Mariendorf, statt. 1854b Dior» Voeske. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die mir bei der Beerdigung meine» lieben Mannes bewiesen wurden, sage ich allen Verwandten. t'eunden, seinen Kollegen sowie dem esangverei».Freie Sanger- meinen innigsten Dank. 1877b Wwe. Krltgor, FrcderSdors. Danksagung. Jür die unS so herzlich bewiesene nähme bei der Beerdigung metner lieben Frau und unserer guten Mutter Helene Reimann und für die reichen Kranzspenden sagen wir allen unseren tiesgcsühltcn Dank. 1903b Der trauernde Gatte. Riebard Reimann und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Manne», des MaurcrS Hermann Lehmann sag« ich allen Freundem Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Arbester-Radsahrerverein.Vorwärts- und dem Verband« der Maurer, meinen herzlichsten Dank. _ Ann» liehmann. SozIaideniokratlsetiefWaliivereln für den I. Berliner Ileielistagswalilkras Görliher Viertel. Bezirk Nr. 17S II. Den Mitgliedern zur Na!. daß unser Genosse, der Tbpfer Hermana �ü�vske Rcichenberger Str. IM. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 11. d. Mts.,»ach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des Thomas-Kirchhojes in Rixdorj(Hermannstr.) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht- 220/6 Der Borstand. Zentrai-Verband der Töpfer| Deutschlands. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 7. Oktober, verstarb nach langen Leiden der Hermana 2Hhvske im Alter von 42 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Oktober, nach- mittag 4'/« Uhr, von der Leichen- halle des alten Thomas-KirchhoseS in Rixdors(Hermannstraße) aus statt. 193/12 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS, des Arbeiters lv86b Tiuxo Inders sage ich allen, insbesondere den ChefS und dein gesamten Personal der Firma Sonlon u. Co. sowie dem Verband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter meinen iichsten Dank. Witwe Anbei Orts- Krankenkasse der if und verwandten Gewerbe zu Berlin. Am Donnerstag, den 14. Oktober, abends 8'/, Uhr: 278/11 Geiml-Vei'Gainniluug der Delegierten in den..Armiuhailen-. Komuian« dantcnstraße 53/59. Tagesordnung: t. Kassenbericht. 2. Wahl von 4 VorstaNdSinIIgktedern (1 Arbeitgeber, 3 Arbeitnehmer). 3. Wahl von 3 Mitgliedern zur Prüfung der Jahresrcchnung. 4. Statutenänderung der ßß 12 und 13. Sibsatz II. und§ 37. h. Verschiedenes. Karte odcrMItgttedSbuch legitimiert. Um pünktl. Erscheinen wird gebeten. Der Vortttanrt: I. Stich. Schädel. Vorsitzender. MenutitersiziiDgs* und Begräbnis-Ifereio perblicber Arbeiter zu Berlin. Sonnabend, den 10. Oktober 1009, abends 8'/, ilhr, in den Jndiiftrie-Festfäle», Bcnthstr. SO: Generai-Versammlung. Tagesordnung: 1.■ Vortrag des Genossen Emil K l o t h über Fritz Reuter. 2. Kassenbericht pro 8. Quartal 1909. 8. Verschiedenes. 289/11 Zahlreichen Besuch, auch Gäste, erwartet Der Vorstand. I.A.: firlir fireudonrsieb, Vors., 8. 59, Wißmannstr. 30 II. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, 10—2, S— 7. Sonntags 10—12, 2— 4. Dr. Schünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrictistr. 203, Ecke Schützenstr Wochentags 10-«. 6—7. Lins Mark wBobenUlobe Xellsahlung Uefere Spreebmasehinen undSohallpletien, nur pa. Fabrikate. NatDrüchsto Wiedergabe! Umsonst in JedemApparat 12 neueste Stockei J. Kurzbepg BosentHslcrstr. 40-4 1,1. Etags direkt am Haekesehen Harkt. WM» Kein Ladeai-M> Diese Woche; Kostüme° Abendmäntel Plüsch-Konfektion aussergewöhnliche Vorteile! Persönliclie Ueberzeuiung erbeten! In den Vormittagsstunden > W»«5 an jeden Käufer Stoff zu einem BordQrenrock Westmann' Spezial- Konfektionshaus kein Eckhaus, 2. Haus ven dsr isrusalsmsrstr. Ueidiält Berlin\V.,Nobrenstr. 37a IM. BßrlinHO..Gr.FranH[urterstr.l 1 5 Jää Mftbel und Wohnungs- 11 Einrichtungen auf Kredit an Jedermann! Slubeu. Küchel Wochenrate"•OOM. Herren-inzilge für Herbst u. Winter, Damen- Konfektion nur elegante Neuheiten Wochenratevonl.OOM.an. r Charlottcnlmrg 31 Wilmersdorfer Straße 31 I. und II. 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Oktober 19W die Abteilnngslisten aufgestellt. Diese werden gemäß Z 9 a. a. O. und zwar am Sonntag(heute), den 1v. Oktober d. Js.» Von vormittags 10 bis nachmittags 1 Uhr, Montag, den 1k. Oktober, und Dienstag, den IS. Oktober d. Js, von nachmittags 5 bis abends 8 Uhr, in den nachstehend aufgeführten, für jeden der vier Wahlbezirke besonders vorgesehenen Räunien zur Einsicht öffentlich aus- liegen und zwar für den S. Wahlbezirk— umfassend die Stadtbezirke 79 bis 81. 86—96 und 102-1 13 L und die Urwahl- bezirke 270-278, 293-319 und 337-401- in der Turnhalle der 20. Gemeindeschnle, Waldemarstr. 77; für den S. Wahlbezirk— umfassend die Stadtbezirke 147 bis 156. 159, 161— 179A und die Urwahlbczirke 490 bis 626. 533—536 und 542-639— in der Turnhalle der 87./98. Gemeindeschnle, Bromberaer Straße 13/14; für den 7. Wahlbezirk— umfassend die Stadtbezirke 157, 158, 160, 179B— 181J, 189A— 192 und 193B— 193H und die UrWahlbezirke 527—532, 537—541, 640 bis 6850. 710-761 und 767-781B- in der Turnhalle der 104./15S. Gemeindeschnle, Olivaer Straße 19; für den IS. Wahlbezirk— umfassend die Stadtbezirke 235 bis 304 und 309 und die UrWahlbezirke 1176—1302 und 1332—1333— in der Turnhalle der 31. Gemeindeschule, Alt-Moabit 23. Etwaige Einsprüche gegen die Richtigkeit der Abteilungs- listen können nur an den genannten drei Tagen in unserem Wahlbureau, Possstraße 16 II, schriftlich oder in den obigen Auslegestellen bei unseren dort anwesenden Beamten zu Protokoll angebracht werden. Einsprüche, die sich gegen den Inhalt der festgestellten UrWählerliste richten, sind insoweit gegenüber der Ableilungs- liste nicht mehr zulässig.(§ 9, Abs. 2 des Reglements.) Gemäß§ 4 des Gesetzes vom 29. Juni 1893, betreffend Aenderung des Wahlverfahrens, ist für jeden Urwahl» bezirk eine besondere Abteilungsliste ge- bildet. Um eine schnellere Abfertigung der die Listen einsehenden Urwähler zu bewirken, ist es erforderlich, daß die Quittungen über Staats» und Gemeindesteuern für das Vierteljahr Juli bis September 1909 vorgelegt werden. Partei-?Znge!egenKeiten. Zur Lokalliste. Der.Guttempler-Orden', Sektion Tempelhof, veranstaltet am 16. Oktober im Lokale von Fischer, Tempelhof, Dorf» und Berliner Straße» Ecke, ein Ver» gnüflen, zu dem man lebhaft bemüht ist, Billetts unter der Arbeiter» schast zu vertreiben. Wir weisen darauf hin, daß genanntes Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht. Der Inhaber des Etablissements Lücke Nachfl., Winkel» mann, Tempclhof, Berliner Str. 128, hatte sich durch Vettrag schriftlich verpflichtet, seine Räume der Arbeiterschaft zur Verfügung zu stellen, diesen Vertrag jedoch sofort wieder gebrochen und uns sein Lokal ohne Angabe irgendwelcher Gründe entzogen. Ebenso weigert sich der Inhaber des Lokals Berliner Str. 133, A u ß m a n n, hartnäckig, der Arbeiterschaft sein Lokal zur Verfügung zu stellen. Wir ersuchen, dies besonders zu beachten. In Johannisthal steht uns das Lokal„Neues Gesellschafts» Haus", J ich. Fritz Bichler, Friedrichstraße, zu den bekannten Be- dingungen zur Verfügung. Die Lokalkonmnssion. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 17. Oktober, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 16: Kunstabend zur Feier des 20. Sliflnngsfestes mit anschließendem Ball. Billetts' a 40 Pf. sind bei den Bezirlsführern und beim Kassierer B ittn e r, Feilnerstr. 11. zu haben. Dritter Wahlkreis. Den Frauen hiermit zur Nachricht, daß der Extra-Leseabend nicht am Montag, den 11. Oktober, sondern erst am 18. Oktober stattfindet. Der Vorstand. Achtung! Bietter Wahlkreis! Heute Sonntag, den 10. Oktober, findet in Kellers Festsälen, Koppenstt. 2S, ein Sinfoniekonzert, verbunden mit Gesang, unter Mitwirkung des Gesangvereins„Liedes- freiheit-Ost' statt. Billetts a 60 Pf. mkl. Garderobe sind noch bei den Bezirksführern zu haben. Charlottenburg. Wir machen die Genossen auf die heutige Flugblattverbreitung aufmerksam, die von den bekannten Lokalen aus stattfindet. Die erste und die vierte Gruppe wird am Mittwoch einen Gruppen-Zahlabend abhalten und zwar die erste Gruppe in der „Roßtrappe", Spandauer Chaussee, die vierte Gruppe bei Leitner, Windscheidstr. 24/25. Der Vorstand. Nicder-Schöncweide. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 12. d. M.. abends 8>/g Uhr, im Lokale des Genossen Fichtner, Hasselwerder Straße 12, statt. Tagesordnung: 1. Berichte des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Wahl des ersten Vorsitzenden, des Schriftführers und des Spediteurs. 3. Vereins- ongelegenheiten und Verschiedenes. Der Zahlabend fällt am Mittlooch, den 13. Oktober, aus. Die Bezirksführer nehmen in der Versammlung Beiträge entgegen. Der Vorstand. Borsigwalde-Wittenau. Am Dienstag, den 12. d. M., findet in den„Borsigwalder Festsälen" eine Volksversammlung statt. Tages- ordnung: Vortrag des Gewerkschaftssekretärs Adolf Ritter. Montagabend Handzettelverbreitung zu dieser Versammlung. . Oktober: Zahlabend N-wawcS. Mittwoch, den 13. Oktober, abends 8>/z Uhr. findet im Lokal des Herrn Ernst Schmidt, Wilhelmstr. 41—43, die Ver- sammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Der Schnaps- boykottbeschluß des Parteitages in Leipzig. Referent: Genosse Davidsohn. 2. Geschäftliches. 8. Abrechnung vom 3. Quartal. 4. Verschiedene?. Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen._ Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Das„Diebespaket". In einem großen gewerblichen Betriebe mit viel weib- lichem Personal spielt sich jeden Mittag und jeden Abend kurz nach Dienstschluß eine für den Uneingeweihten höchst seltsame Szene ab. Eine ganze Schar junger und älterer Damen trottet mit Hut und Mantel, fix und fertig zum Fortgehen ge- rüstet, ins Betriebskontor und hält hier ihre Handtasche oder ein sonstiges mitzunehmendes Paket einem besonderen An- gestellten, mitunter auch dem Chef oder der Chefin selbst, ge- öffnet zur Durchsicht vor. Die einen lässig und gleichmütig, als ob sie in der Tretmühle untergeordneter Arbeit sich auch an diese Schmach gewöhnt haben, andere mit sichtbarem Hohn in den Mienen oder auch mit verbissenem Ingrimm. Jetzt ist der Hausdiener an der Reihe. Mit urkomischer Bewegung zeigt er dem hohen Vorgesetzten die beiden leer herausge- zogenen Taschenböden, empfiehlt sich ironisch und pfeift draußen, frei nach Götz von Berlichingen, die schöne Melodie: „Du kannst mir mal fürn Sechser, weil wir uns beide kennen..." Eines Abends ist ein Geschäftsfreund aus dem freien England da. Zufällig wird er Zeuge der eigenartigen Prozedur und fragt erstaunt, was denn das zu bedeuten habe. Wichtig wirft sich der deutsche Leuteschinder in die Brust und erklärt:„So fühle ich meinen Angestellten auf den Zahn, ob sie die Begrife von Mein und Dein verwechseln I" Der Ge- schäftsfreund antwortete nur:„Damned, das dürftet Ihr bei uns nicht riskieren. Da ist der niedrigste Angestellte so selb- ständig, daß er die Vergewaltigung seiner Ehre nicht duldet. Mich wunderts, daß die Deutschen, die doch immer ihre Frei- heitsideale so sehr rühmen, derart mit sich umspringen lassen." Aber auch diesen leisen Vorwurf parierte der Berliner Tret- mühlenbesitzer:„Was wollen Sie? Meine Leute müssen tun, was ich anordne. Paßt's ihnen nicht, so können sie vor die Tür fliegen!" Was wir hier drastisch schildern, ist leider eine Tatsache, eine niederträchtige, aus der Gewalt geborene Selbstherrlich- keit nicht weniger Arbeitgeber. Sie trauen jedem niederen Angestellten, wer es auch sei, eine Unehrlichkeit zu und ent- blöden sich nicht, diejenigen Menschen, welche mit ihren Knochen ihnen ihr eigenes Brot erst verdienen helfen, jeden Tag als vermutete Spitzbuben zu brandmarken. Vielleicht keine zweite schamlose Handlungsweise ist bezeichnender für die bürgerliche Gesellschaft, die selbst so gern betrügt, aber die kleinen Diebe hängen möchte und die großen aus dem eigenen Lager laufen läßt. Und wenn die entwürdigende Kontrolle der Pakete noch einen vernünftigen Sinn hätte! Niemand, erst recht nicht der gewohnheitsmäßige Geschäftsdieb, wird doch so töricht sein, daß er sich selbst ans Messer liefert. Wer unehrlich sein will, der bringt das gestohlene Gut auf anderem Schmuggel- Wege in Sicherheit und legt es nicht seinem Besitzer vor die Nase hin. Aber der Arbeitgeber sonnt sich in dem Bewußt- sein seiner Macht. Ihm ist es ein Hochgenuß, den Unter- gebenen zu zeigen, wie er sie„zwiebeln" kann und wie sie für ihn nur die Bedeutung einer Arbeitsmaschine haben. Was die Angestellten, wenigstens die weitaus meisten, die noch nicht abgestumpft sind, bei solcher schnöden Behandlung im Innersten fühlen, das geht in sein verknöchertes Herz nicht hinein. Dafür hat er vielleicht nicht mal Verständnis. Oder sollte nicht auf so manchen dieser Arbeitgeber, der von nichts etwas ge- worden ist, das alte wahre Wort passen, daß man niemanden hinter der Tür suchen soll, hinter der man nicht selbst steht? Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie es gemacht wird. Darum halten sie jeden anderen Mitmenschen derselben Schuftigkeit für fähig. Aber wenn auch die Finger eines solchen Brotherren noch rein sind, kann er nimmermehr, wie es geschieht, die Paketkontrolle mit Rücksichten der Ordnung oder der Disziplin verteidigen. Wer täglich mit Leuten um- geht, die er täglich und stündlich als Diebe anspricht, dessen eigene Moral befindet sich auf einem bedenklichen Tiefstande. Statistik des Arieitsmarktes. Die Gemeindebehörden haben für die Statistik, des Arbeits- Marktes im vorigen Jahre 20 000 M. bewilligt. Hiervon sind für die Arbeitslosenzählungen vom 17. November und 16. Februar zirka 16 000 M. verausgabt worden. Gleichzeitig aber wollten die Gemeinde- behörden eine Statistik der in den größeren Betrieben von Berlin und Vororten beschäftigten versicherungspflichtigen Personen beider Geschlechter einrichten. Hierzu reichen die von der eingangs erwähnten Summe noch übrigbleibenden Mittel nicht aus. Da der Magistrat auf die Statistik über die Verfolgung deS Be- schäftigungSgradeS in den verschiedensten Zweigen der Industrie, deS Handels und deS Verkehrs besonderes Gewicht legt, beantragt er jetzt zu ihrer Fortführung die Bewilligung weiterer 8000 M. bei der Stadtverordnetenversammlung. Mit der regelmäßigen Ver- öffentlichung dieser statistischen Ergebnisse zugleich mit einer Ueber- ficht zu einer Statistik von Groß-Berlin soll demnächst begonnen werden._ Straßenbahnvcrbindnng nach dem Johannisthaler Flugplatz. Der starke Verkehr nach dem Flugplatz während der Aviatiker-Woche hat das ftüher bestandene und später aufgegebene Projekt der Her- stellung einer Straßenbahnverbindung von Adlershof nach Rudow von neuem entstehen lassen. Man rechnet jetzt um so mehr mit einer Rentabilität dieser Linie, als ja weitere größere Veranstaltungen auf dem Flugplatzgelände geplant sind und diese einen starken Ver- kehr von Nieder-Schöneweide, Köpenick usw. nach Adlershof und Rudow herbeiführen dürften. Aus diesem Grunde wird geplant, die neue Straßenbahnlinie an die Strecke Adlershof-Glienicke anzu- schließen und sie nach Köpenick weiterzuführen, um so mehr, als ein Teil der Berliner Flugplatzbesncher besonders an den Sonntagen voraussichtlich die Vorortbahnstrecke nach resp. von Köpenick be- nutzen wird._ Die Tragödie des Gräfin Strachwitz. Die gestern gemeldete Bluttat des Kaufmanns Friedländer an der Gräfin Strachwitz wirst ein grelles Schlaglicht auf Sitte und Moral gewisser Gesellschaftskreise. Wie ein Kapitel aus dem nieder- in(frofMMn. gehenden alten Rom lesen sich die Mitteilungen über die bei der Strachwitz gefundenen, zu Lustzwecken verwendeten Gegenstände. Und dabei soll Berlin über eine ganze Reihe solcher Lustquartiere verfügen, in denen die tollsten Orgien getrieben werden. In Be- tracht kommen jene Kreise, die alle Schulen des Lebens durch- gekostet haben und davon übersättigt nach neuem Nerven- und Sinnessitzel verlangen. Von einem bekannten Spezialarzt geht dem„Verl. Tageblatt" zu der Ermordung der Gräfin Auguste Strachwitz in der Friedrich- straße 30 folgender Brief zu, der geeignet ist, über das Motiv Aufklärung zu schaffen, das den Kaufmann Alfred Friedländer zu der Tat veranlaßt hat:„Ich hatte am Freitag, dem 1. Oktober, eine telephonische Unterredung mit der Verstorbenen, im Anschluß an einen Brief, den ich an sie gerichtet hatte. Ich hatte dem Staatsanwalt Dr. Wulffen in Dresden für sein Ende dieses JahreS bei Langenscheidt erscheinendes Werk„Sexual- Verbrecher" ein Bild der Gräfin zur Verfügung gestellt, das diese in dekolletierter Robe mit einer Hundepeitsche in der Hand darstellt. Ich hatte versucht, mich durch briefliche Anfrage ihrer Zustimmung zur Veröffentlichung deS BildeS zu versichern, aber eine Autwort nicht erhallen. Deshalb rief ich sie an und sie gab mir die Ein« willigung mit den Worten:„Ueber mich ist ja so viel geschrieben worden, daß die Veröffentlichung meines Bildes in einem teuren wissenschaftlichen Werke ohne Bedeutung ist." Die Gräfin teilte mir dabei mit, daß sie mit ihrem langjährigen Freunde zu Beginn der kommenden Woche nach Venedig und von dort nach St. Moritz gehe, woraus ich entnahm, daß diese langjährigen, mir bekannten Beziehungen noch bestanden. Ihre Kundschaft erstreckte sich auf die Träger bester Namen und i« die hohen und höchsten Gesellschaftskreise, und man muß ihr das Kompliment machen, daß sie den Ruf dieser exponierten Persönlichkeiten durch strengste Diskretion in jeder Hin- ficht, auch gelegentlich ihrer gerichtlichen Konflikte, zu wahren wußte. Wie weit die mehrwöchige in Aussicht genommene Reise mit dem alten Freunde die Eifersucht Friedländers erregt haben kann, entzieht sich vorläufig meiner Beurteilung. Ein kleiner Revolver befand sich, soweit ich mich erinnere, im Besitz der Toten." Von anderer Seite wird gemeldet, daß die ermordete Gräfin sich nach ihren eigenen Angaben durch ihre Tätigkeit ein Vermöge» von 60 000 Mark erworben hatte.— Ueber die Beisetzung der beiden Toten ist noch keine Bestimmung gettoffen worden. Die Leiche der Gräfin Strachwitz wurde im Laufe deS gestrigen TageS vom Kranken- hause Am Urban nach dem Schauhause geschafft. Die Leiche Alfred Friedländers befindet sich noch im Krankenhause. Ueber die Behandlung der Uebungsmannschafte» beim 3. branden- burgischen Trainbataillon Nr. 3 in Spandau während der Zeit vom 22. September bis 6. Oktober d. I. erhalten wir folgende Zuschrift: „Nachdem wir, gemäß der Gestellungsorder, am 22. September. vormittags 9 Uhr pünktlich am Gestellungsort in Schöneberg er- schienen und bei der ärztlichen Untersuchung für diensttauglich be- funden waren, wurden wir sosott in zwei Kompagnien gesondert und die Ueberftihrung nach Spandau konnte von statten gehen. Wer jedoch annahm, daß diese Ueberführung auf Staatskosten geschehen sollte, hatte sich geirrt. Die in Begleitung des uns überführenden Offiziers befindlichen Unteroffizier gaben be- kannt, daß jeder, der mit seinem Gepäck nicht laufen wollte, die Fahrt bis Lehrter Bahnhof selbst zahlen müsse. Da be- greiflicherwessc hiergegen kein Widerspruch erfolgte, ließen sich die Unteroffiziere sofott herbei, doS Fahrgeld(10 Pf.) einzukassieren. Nachdem unS nun noch eine Tasse Kaffee zum Preise von 10 Pf. verabreicht war, traten wir die Fahtt nach Spandau an. Dort au- gekommen, teilten uns die Unteroffiziere zuerst mit, daß die 10 Pf. für Fahrgeld nicht gereicht hätten und wir nochmals 10 Pf. nach- zahlen sollten. Auch dieser Nickel wurde mit wenigen Ausnahmen gezahlt. Ohne irgend welche Mittagspause ging es nun sofort an das Verpassen der Garderobe und am späten Abend endlich, nach Beendigung des Stalldienstes konnte jeder für eigenes Geld seinen Hunaer stillen. Hierfür, also für die Verpflegung deS ganzen Tages be- kamen wir statt 27 Pf. Löhnung 83 Pf. Verpflegungsgeld, also ganze 11 Pf.— In den nächsten Tagen nun sollte uns die militärische Zucht und Ordnung wieder beigebracht werden, aller-. dingS durch.Mittel, die die meisten von unS während ihrer aktiven Dienstzeit wohl nicht kennen gelernt haben. So erlaubte sich ein junger Reserveleutnant, die ganze Kompagnie, meistens verheiratete Männer, mit Titulaturen aus dem Tierreich zu bezeichnen. Auch über die militärische Sauberkeit läßt sich manches berichten. So wurde uns für die vierzehntägige Uebung ein einziges Handtuch zur Verfügung gestellt. Nach Verlaus von acht Tagen wurden allerdings die Handtücher von den Bcrittführern eingefordert, so daß wir glaubten, reine zu erhalten. Aber weit gefehlt. Es sollte nur festgestellt werden, ob keine? fehlte. Sodann wurden die Tücher wieder verteilt, und manch einer hatte nun das Vergnügen, sein Gesicht mit demselben unsauberen Handtuch zu trocknen, mit dem vorher vielleicht jemand seine Schwcißfüße getrocknet hatte. Da uns Spinden oder sonst verschließ- bare Gegenstände nicht zur Verfügung standen, so mußten wir morgens sowohl wie abends stets die traurige Feststellung machen, daß die zahlreich vorhandenen Mäuse in dem freiliegenden Brote faustgroße Löcher genagt hatten. So wie die ganze Uebung, so war selbst noch die Entlassung lehrreich. Wenn bei der Einziehung wenigstens noch die Fahrt vom Lehrter Bahnhof bis Spandau auf Staatskosten geschah, so mußten die Berliner Uebungsmannschaften, nachdem sie bis zum Spandauer Bahnhof geführt waren, die Entdeckung machen, daß sie die Rück- fahrt selbst zu zahlen hatten. Selbst die Militärfahrkarte wurde unS noch vom Schalterbeamtcn verweigett, obwohl wir doch rechtmäßig noch Soldat waren." Das sind recht nette Zustände! Weiß die Militärverwaltung davon und wenn, billigt sie dieselbe? Wegen Unterschlagung von Kirchengelder» verhaftet. Fest- genommen wurde gestern der Rechnuugsrat Eberhard Boß. der frühere Kirchenkassenrendant der Nazarethgemeinde, der, wie wir seinerzeit mitteilten, im vergangenen Sommer nach bedeutenden Unterschlagungen flüchtig geworden war. Boß. ein Mann von neun- undvierzig Jahre», war Rechmingsrat im Finanzministerium und verwaltete vierzehn Jahre lang die Kirchen- und'die Friedhofs- lasse der Nazarethgemeinde. Zur Aufbewahrung der Gelder stand ihm in seiner Wohnung in der Secstr. 62 ein Geldschrank zur Ver- fügung. Anfang Juni d. I. sollte seine Kassenführung geprüft werden. Voß aber hatte niemals Zeit und entschuldigte sich immer damit, daß er im Ministerium mit Arbeiten überhäuft sei. In Wirklichkeit brachte er alle freie Zeit auf der Rennbahn zu. In seiner Kasse fehlte ein großer Betrag und er hoffte immer noch, durch glückliche Wetten und Spiel in den Besitz von Mitteln zu kommen. Als am 16. Juni die Abrechnung und Kaffenprüfung endlich stattfinden sollte, war der Rendant wieder nicht da. Man glaubte, daß er im Finanzministerium sei, als man aber dort anfragte, erfuhr man, daß er den ganzen Tag nicht dagewesen war. Unterdessen ging Boß zum Kirchhofsverwalter, ließ sich von dem noch 1100 M. Einnahmen auszahle» und verschwand damit. Als man nun endlich den Geldschrank öffnete, fand man darin statt 14 000 M.. die er hätte enthalten müssen, nur knapp 200 M. Die Lkriminalpolizei, der jetzt Anzeige gemacht wurde, nahm sofort die Verfolgung auf. E« ergab sich, dah Voß zuletzt noch mit seiner Frau auf der Rennbahn in Karlshorst gewesen war. Nach dem Rennen hatte das Paar bei einer befreundeten Familie zu Abend gegessen, dann war die Frau nach Hause gekommen, der Mann aber verschwunden. Während die Ermittelungen der Kriminalpolizei viele Unter- 'chlagungen und Schiebungen aller Art aufdeckten, war Votz, ein Lebemann, der viel in Wemlokalen verkehrte, nach Paris gefahren. Hier verbrachte er den größten Teil des Geldes, das er von Berlin noch mitgenommen hatte. Von Paris fuhr er dann nach Köln. Hierauf hielt er sich eine Zeitlang in Magdeburg auf. Fast mittellos lehrte er endlich vor einigen Tagen nach Berlin zurück und wohnte hier unter dem Namen Fischer in einem Hotel in der Nähe des Anhalter Bahnhofs. Gestern nachmittag erschien er in einem Aschinger Aus- schank am Nollendorfplatz, um fich zu stärken. Hier erkannte ihn nach der Beschreibung, die die Kriminalpolizei von ihm verbreitet hatte, ein anderer Gast. Dieser holte einen Schutzmann und ließ ihn festnehmen. Der Verhastete besaß nur noch 8,90 M. Bor der Kriminalpolizei gestand er heute, sechs bis acht Jahre lang Unter- schlagungen und Bücherfälschungen verübt zu haben, Wie hoch der veruntreute Betrag im ganzen sei, wisse er nicht. Seinen neunzigste» Geburtstag vollendet heute der w weiten Kreisen der Berliner Bürgerschaft wohlbekannte Herr Gustav Thölde, der Begründer des Asylvereins für Obdachlose. Ein Menschenalter hindurch hat Herr Thölde sein Leben und Sweben den Aermsten der Armen, den Obdachlosen geweiht. Er hat im Verein mit anderen Wienschenfreunden den Asylverein während 41 Jahren durch schwere Gefahren hindurch geführt und in der uneigennützigsten Weise Taten der reinsten Menschenliebe vollbracht, daß auch wir uns den Wünschen der Berliner Bürgerschaft aus ferneres Wohlergehen des Jubilars von Herzen anschließen._ Der Dank des Baterlandes. Treu und eifrig hatte er dem Vaterlande gedient, der Zimmerer Wilhelm Hinz in der Mirbachstraße. 18öS kämpfte er gegen Oester- reich, und 1870/71 gegen Frankreich, wo er die Belagerung von Pari? mitmachte. Als Anerkennung für seine Dienste erhielt er im Jahre 13öS die Kriegsdenkmünze und im Jahre 1870/71 daS Eiserne Kreuz, außerdem wurde er im Juli 1870 zum Unteroffizier be- fördert. Als Hinz aber älter wurde und die alten Knochen den Dienst versagten, erinnerte sich der Kriegsveteran daran, daß das Vaterland angeblich für die alten Kämpfer sorgt. Als Fünfundsechzig- jähriger konnte er von den Ehrenzeichen nicht leben und so wandte er sich im Vorjahre mit einem Antrage auf Gewährung einer Geld- beihilfe auf Grund des Rcichsgesetzes vom 22. Mai 1395 an den Polizeipräsidenten. Sein Antrag wurde abgelehnt, weil H. zur Teilnahme an der Wohltat des Gesetzes nicht als würdig anzusehen sei. Em Gesuch an den Minister hatte daS gleiche Schicksal. Auch ein späterer nochmaliger Antrag an den Polizeipräsidenten verfiel gleich- falls der Ablehnung. Schließlich packte den, alten Veteranen die Verzweiflung, er ging hin und machte dieser Tage seinem Leben freiwillig ein Ende. Auf einem zurückgelassenen Zettel, dessen Ab- schrift uns zur Verfügung gestellt wird, befinden sich die folgenden Worte: .Ich scheide hiermit freiwillig auS dem Leben. Meine Personalien sind: Wilhelm Hinz, geboren am 18. Februar 1848 zu Zirke, KreiS Birnbaum. Weil mir von feiten des Polizeipräsidenten die Veteranenunterstützung ohne genügenden Grund verweigert worden ist. Berlin, den 23. September 1909. W. Hinz.' Ein tragisches Ende eine? Kriegsveteranen, manchen anderen gehtS nicht besser. Ja, das Vaterland sorgt für seine Söhne, die auf den Schlachtfeldem für Ruhm und Ehre Deutschlands gekämpft haben. Der Verstorbene wußte zwar, was er von seinem Vaterlande zu halten hatte, seine Mitgliedschaft zur sozialdemokratischen Partei- organisation des vierten Wahlkreises bewies das. Sind etwa politische Gründe für Ablehnung des Gesuches maßgebend gewesen? Kirchliche Toleranz. ES geht nirgends putziger zu als in diesem irdischen Jammertale, am putzigsten muten aber in letzter Zeit einen die Erlasse von Kirchenverwaltungen an. welche dazu dienen sollen, gläubige Seelen vor Schaden zu bewahren. Als im Dezember vorigen Jahres der Kirchenrat von Comptendorf jenen famosen.Sittlichkeits- ufas" erließ, noch welchem.Brauipaare, welche da? sechste Gebot übertreten haben, ohne die Prädikate Junggeselle bezw. Jungfrau aufgeboten" werden sollten, bei denjenigen aber, welche sich.die Ehrentitel widerrechtlich angeeignet, die Widerrufung vor der Gemeinde von der Kanzel zwar ohne Namensnennung, aber mitNennung des OrteS, „wo der Fehltritt geschehen ist", erfolgen sollte, und in dem eS schließlich noch hieß:„Unverehelichte Mütter haben S0 Pf. Straf- geld an die kirchliche Armenkasse zu entrichten", lachte man aus Herzensgrunde über den unfreiwilligen Humor und den Köhler- glauben, das die 80 Pf. Strafe die.Sittlichkeit" in Comptendorf heben würden. Man sagte sich, so etwas ist auch nur in Comptendorf bei Frankfurt an der Oder möglich. Was soll man denn aber dazu sagen, wenn die Kirchenverwaltung für den EmmauS- Kirchhof sin Britz) nach Aussage des dortigen Inspektors vor kurzem ein Verbot erlassen hat, nach welchem.Kränze mit roter Schleife nicht mehr auf den Kirchhof getragen werden dürfen. sondern vor dem Eintritt in den Kirchhof von dem Kranze zu entfernen sind". Und nun kommt das schönste: „Nur wenn ein Pfarrer bei der Beerdigung ist. kann die Schleife eventuell dran bleiben." Und dann„auch nur unter der Be- dingung. daß der Kranzträger vom Leichenbegängnis in gewisser Entfernung bleibt."— Vorsicht l Nicht so dichte ran I Hat man Angst, daß die Schleife an den Pfarrer abfärbt, oder glaubt man. daß die eventuell zu gewährende Erlaubnis. den Kranz per Distanz hinterher tragen zu dürfen, dem Pfarrer mehr Beschäftigung als Leichenredner bringen wird? Fast scheint es so; denn auch den Gesangvereinen soll das Singen auf dem Kirchhofs auch nur gestattet sein, wenn ein Pfarrer bei der Beerdigung hinzugezogen ist. Als am Sonntag ein Genosse dem Inspektor die Frage vorlegte, ob das die vielgerühmte Toleranz wäre, erhielt er zur Antwort, er möchte den Pfarrer lieber selber fragen. Mit solchem Vorgehen werden die löblichen Kirchenbehörden noch den letzten denkenden Arbeiter aus der Kirchengemeinschaft treiben. Auf der Treppe tot aufgefunden wurde der 48 jährige Maler Oskar Grabowski, Kleine Andreasstraße 2. Ein Hausbewohner stieß beim En, porsteigen der Treppe auf den Leichnam des G. Vermutlich ist der letztere von der Treppe herabgestürzt und hat sich schwere innere Verletzungen zugezogen, die den Tod herbeiführen sollten. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht._ Für Jugendschuk und Jugendanfklärnng. Anläßlich der Schulentlassung veranstaltet, die„Freie Jugendorganisation" a», heuttgen Sonntag 2 Uhr nach- mittags in der„B o ck b r a u e r e i", C h a u s s e e st r a ß e 64, und in den.Armin-Hallen", Kom Mandanten st raße 158/öü zwei öffentliche Versammlungen. Tages- Ordnung: Für Jugendschny und Jngendaufklärung. Referenten: Genossen Karl Lüpnitz und Fritz Maschke. Zu diesen Versammlungen sind alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen herzlich willkommen. Ein« halbstündige BetrievSstönmg auf der Untergrundbahnstrecke Bismarckstraße— Wilhelmplatz. Eharlottenburg, entstand gestern nach- mittag kurz nach 2 llhr dadurch, daß ein Zug auf der Endhaltestelle 'Wilhelmplatz den Prellbock überfuhr. Zwei Damen erlitten bei dem Anprall leichte, ungefährliche Kontusionen, von den übrigen Fahr- gäsien wurde niemand verletzt. Der Materialschaden ist un- bedeutend. Wanbergewerbescheine für öffentliche Schaustellungen usw. Der Polizeipräsident gibt bekannt: Diejenigen Gewerbetreibenden des Landespolizeibezirks Berlin, welche beabsichtigen auf Grund eines nach§ 55 Nr. 4 der Neichsgewerbeordnung ausgestellten Wander- gewerbescheins öffentliche Schaustellungen, Musikausführungen, theatralische Borstellungen und sonstige Lustbarkeiten im Jahre 1910 außerhalb und innerhalb des Landespolizeibezirks Berlin darzubieten oder zu veranstalten, werden gut tun, entweder zeitlich getrennte Scheine je für den auswärtigen Bezirk, in dem sie das Gewerbe betreiben wollen, und sür den Landespolizeibezirk Berlin zu lösen, oder einen Jahresschein nur für den Landespolizei- bezirk zu beantragen und seinerzeit dessen Ausdehnung auf den aus- wärtigen Bezirk nachzusuchen, da eine Ausdehnung auswärts erteilter Scheine dieler Art auf den Landespolizeibezirk Berlin nicht statt- findet. Bei Beantragung zeitlich getrennter Scheine wird der Zeit- räum, auf welchen der Schein für den betreffenden Bezirk gebraucht wird, genau bezeichnet und zur Vermeidung voller Besteuerung her- vorgehoben werden müssen, daß und für welchen Teil des Jahres anderwärts ein Schein beantragt ist. Zeugen gesucht. Diejenigen Personen, welche gesehen haben. wie in der Nacht vom 1ö. zum 17. September d. I. auf dem Lützow- platz ein Fahrgast vom Straßenbahnwagen der Linie 5(Gerichts- ring) heruntergefallen ist und besinnungslos fortgeschafft wurde. werden dringend gebeten, ihre Adresse resp. nähere Mitteilungen an Ernst Nakowsky, Koloniestraße 40, Seitenflügel I, gelangen zu lassen. Feuerwchrbericht. In der Nacht zum Sonnabend wurde die Feuerwehr nach der Lützowstraße 27 alanniert, wo ein Automobil in Flammen stand. Betten und Gardinen wurden in der Tresckow- stratze 46 ein Raub der Flammen. Wegen eines Schornsteinbrandes wurde der 12. Zug nach der Steglitzer Straße 63 gerufen und wegen eine? Schwerkranken nach der Prinzenstraße 71. Die Be- mühungen der Samariter, den Kranken mit Sauerstoff zu helfen. waren vergeblich. Arbriter-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr: 1. Ab- teilung im„Dresdener Garten", Dresdener Straße 45. Vortrag über Physiologie, 2. Teil. Neue Mitglieder können noch eintreten. Vorort- JVadmcbten. Rixdors. Der Magistrat erklärte sich in seiner letzten Sitzung damit ein» verstanden, daß die Reinigung der Schule in der Rütlistraße, der Schule am Hertzbergplatz und des Anbaues der höheren Töchterschule versuchsweise dem Reinigungsinstitut„Süd-Ost" übertragen wird; der Unternehmer soll kontraktlich verpflichtet werden, zum Reinigen nur Rixdorfer Frauen heranzuziehen. Die während der Schulzeit erforderlich werdenden Reinigungsarbeiten sollen vom Schuldiener selbst ausgeführt werden. Dem Zenttalverband zur Bekämpfung des Alkoholismus wird zu den Kosten des von ihm veranstalteten wissen- schaftlichen Kursus ein einmaliger Beittag bewilligt. Gegen die Be- nennung des im Amtsbezirk Treptow gelegenen Teiles der Kanner Chaussee von dem Platz II bis zur Rixdorser Grenze am Heidekamp- graben und des Straßenzuges, der als Ersatz der Forsthaus- allee und als Grenzstraße ,m Umgemeindungsvertrag festgesetzt ist, als„Forsthausallee" werden Einwendungen nicht erhoben.— Der Lehrer Schmeier wurde zum Fortbildungsschullehrer im Nebenamt gewählt.— Mit dem Betrieb der OmnibuSlinie vom Buschkrug M Britz biS zum städtischen Krankenhause in Buckow erklärte sich der Magistrat nach dem aufgestellten Plane einverstanden.— Die sofortige Beschaffung eines Rauchschutz- apparates System Draeger für die Feuerwehr wurde ae- nehmigt. Der Magistrat genehmigte das abgeänderte Projekt für das Hundeasyl auf dem Müllabladeplatze und erklärte sich damit ein- verstanden, daß ein Teil des abzubrechenden Wirtschaftsgebäudes des alten KrankenhauSgrundstückeS für das Hundeasyl verwendet wird, während der andere Teil auf dem Sttaubschen Grundstücke als Stallgebäude für die Straßenreinigungsanstalt verwendet wird. Tchöneberg. In den am Donnerstag vom Jugendausschuß im„Vorwärts" bekanntgegebenen Veranstaltungen ist insofern ein kleiner Fehler enthalten, als die FreitagSvorträge nicht, wie angegeben, bei Buschmann, sondern bei Poschmann, Vorberg- Ecke Gleditsch- straße, stattfinden. Heute nachmittag spricht Genoffe Dr. Alfred Bernstein bei Grosser, Martin-Lutherstraße 61, über:„Soziale Erziehung." Charlottenburg. Dem hiesigen Arbeiter-Schwimmvertin»Freie Schwimmer" ist auch in diesem Jahre die städtische Schwimmhalle an den Donners- tagabenden bog 8� Uhr ab zur alleinigen Benutzung überlassen worden. Der Verein unterhält je eine Jugend-, Schüler- und Damenabteilung. Die Damenabteilung badet ebenfalls am Donnerstag von 7 Uhr ab. In allen Abteilungen wird das Schwimmen unentgeltlich gelehrt. Da eS vielen Arbeitern nicht möglich war, schon um 7 Uhr in der Badeanstalt zu sein, so ist durch die Einrichtung des besonderen Badeabends einem Bedürfnis ab» geholfen. Denjenigen, die an der Einrichtung teilnehmen wollen, erteilt gern Auskunft: Franz Schmidt. Zigarrengeschäft, Wilmersdorfer Straße 130. Die Anmeldung kann auch an dem Badeabend erfolgen. Der Bolkshaus-AuSschuß veranstaltet am Freitag, den 16. Ok- tober er., abends 8 Uhr. im Volkshause einen„Lustigen Abend". Vortragende sind: Herr Schauspieler Richard vom Deutschen Theater und Frau Fr. Richard vom Hebbel-Theater. Da der Ueberschutz für den Volkshausfonds bestimmt ist, werden die Ge- noffen ersucht, für ein volles HagS zu sorgen. BillettS ä 60 Pf. im VottShauS bei Müller, Köpenick. Der Storch in der Stadtbahn. Unerwarteten Zuwachs erhielten gestern die Passagiere eines nach Köpenick fahrenden Zuges. Die Ehefrau des Kaufmanns B. von hier wurde während der Fahrt un- verhofft von einem kräftigen Weltenbürger entbunden. Die anderen Fahrgäste nahmen fich der jungen Mutter hilfreich an und sorgten dafür, daß sie mit samt ihrem Kinde nach einem Krankenhause ge- bracht wurde. Groft-Lichterfelde. Der Bahnhofsbrand, bei dem, wie schon am Sonntag berichtet worden ist, 6000 M. Papiergeld verbrannt sein sollen, ist auch heute noch nicht ganz aufgeklärt. Die Untersuchung ist noch nicht ab- geschlossen. Eine vorgenommene Haussuchung in der im Bahnhofs- gebäude belegenen Wohnung des Bahnhofsvorstehers Schmidt hat auch keinen Anhalt über den Verbleib des Geldes gegeben. Schmidt liegt noch krank danieder. Steglitz. Vollständig zerstört wurde die Automobildroschke Nr. 9845 auf einer Fahrt durch Steglitz. An der Ecke der Albrecht- und Brücken- straße entstand im Benzinbehälter plötzlich eine Explosion und in wenigen Sekunden stand das ganze Fahrzeug in hellen Flammen. Der Chauffeur vermochte sich nur durch einen geschickten Sprung in Sicherheit zu bringen. Das Auto verbrannte vollständig. Am Sonntag, den 17. Oktober, nachmittags 5 Uhr, findet ein Besuch der Trcptow-Sternivarte statt. Die Genossen wollen sich möglichst vorher mit Eintrittskarten, die zum Preise von 30 Pf. beim Genossen Georg Winkelmann, Schloßstr. 104, zu haben sind. versehen. Rege Beteiligung«Mrtxt Dxr Biibuitgsauöschuß. Tempelhof. Merkwürdige Praktiken scheinen Hierselbst in bezug der Dressur der Polizeihunde zu herrschen. Ging da dieser Tage abends in der achten Stunde(also zu einer Zeit, wo ein lebhafter Verkehr herrscht) ein Ehepaar durch die Berliner Straße. Der Ehemann sah beim Gehen einen Gegenstand liegen, hob ihn auf und erkannte eine Hundeleine. Wenige Schritte weiter gegangen, begegnete er einem Polizisten der Hundedressur betrieb. Der Polizist nahm dem Herrn die Leine ab und teilte dem Ahnungslosen mit. daß der Polizeihund denselben hätte fassen können. Wenige Minuten später wurde die Leine wieder fortgeworfen, um den Hund zum Apportieren abzu» richten. Bisher waren wir der Meinung, daß die Polizei ans der Straße dazu da ist, Unheil zu verhüten, nicht aber, um solches anzurichten. Das Abrichten von Polizeihunden kann sicher wo anders als im leb- haften Straßenverkehr geschehen. Ober-Schöneweide. Jugcildausschuß. Am heutigen Sonntag, nachmittag? 5 Uhr, findet im Jugendheim, Wilhelminenhofstraße 43, ein Reuter-Abend statt, bestehend in Vortrag und Rezitation. Vortragender: Genosse Otto Passier. Recht zahlreiche Beteiligung der Jugend von Ober- und Nieder-Schöneweide wird erwartet. Die Veranstaltungen des JugendausschuffeS sind vollständig kostenlos. Tegel. Eine slawische Gradstätte ist bei Ausschachtungsarbeiten auf einem Grundstück in der Hauptstraße entdeckt worden. Dort wurde eine Urne freigelegt, in welcher sich Knochenüberreste befanden. Schon früher wurden in derselben Gegend mehrfach Urnen auf« gefunden, die siavischen Ursprungs sind und etwa aus den Jahren 1000—500 vor unserer Zeitrechnung stammen dürften. Bei den weiteren Ausschachtungsarbeiten wird mit besonderer Vorsicht vorgegangen, um bei etwaigen weiteren Unienfunden die Gesäße möglichst un- beschädigt freizulegen. Die bisherigen Funde sind dem Märkischen Museum übergeben worden. Zehlendorf(Niederbarnim). Was wollen die Sozialdemokraten, lautete das Thema eines Vortrages, den Genosse Schütte-Berlin in einer im Lokal von Osten stattgehabten Volksversammlung hielt. Redner kritisierte den feigen Rückzug der Regierung vor dem Schnapsblock. Hierauf besprach er die EntWickelung Deutschlands vom Agrar- zum Industriestaat und die dadurch entstandene Verarmung der Kleinbauern. Nachdem der Referent in leichtverständlicher Weise unser Programm erläutert hatte, schloß er seine Rede mit der Aufforderung an die Swwesenden, die Partei und deren Presse zu stärken, damit dieselbe den nächsten Wahlkampf mit aller Kraft führen könne. Die gut besuchte Ver- sammlung wurde hierauf, da eine Diskussion nicht stattfand, vom Genossen Koffert unter Hochrufen auf die Partei geschloffen. Trebbin(Kreis Teltow). Die leiste Stadtverordnetenversammlung wählte zunächst als stell- vertretendes Mitglied in die VoreinschätzungSkommission für Herrn Haase den Stadtv. Grunert. Zur Verbreiterung der Berliner Straße am alten Kirchhofe war der Magistrat mit den Grundbesitzern zwecks Ueberlassnng ihrer Vorgärten an die Stadt in Verhandlungen ge« treten. Frau Röseler ist bereit, ihren Vorgarten der Stadt uncnt» geltlich abzutreten. Sämtliche Kosten für Vermessung, Auflassung usw. trägt die Stadt. Die Bedingungen hat der Magistrat vorbehaltlich der Genehmigung der Stadtverordnetenversammlung angenommen. Die Versammlung stimmt dem zu. Auch an Fräulein Elise Götze war der Magistrat mit dem gleichen Ansuchen herangetreten. Diese ist zwar auch bereit, ihren Vorgatten der Stadt unentgeltlich abzu« treten, hat aber eine Reihe für die Stadt unannehmbarer Be« dingungen gestellt. U. a. verlangt die Millionärin: Versetzung der drei bestehenden Pfeiler event. Erhöhung derselben und der daran» stoßenden Mauer in die neue Straßenftont. Ausführung eine» vierten Pfeilers für die Gartenpforte aus demselben Material wie die übrigen Pfeiler. Herstellung einer Untermaner für ein eisernes Gitter zwischen den Pfeilern, 9—12 Zoll über dem Trottoir. Sichtbare Teile aus gelben Berblendern und Herstellung eines eisernen Gitters von 1,50— 1,75 Meter Höhe nach ihrem Wunsch und der dazu gehörigen Pforte zwischen den Pfeilern. Her- ftellung eines Schutzgitters für ihre vor dem Haufe stehenden Rosenstöcke und der Kellerfenster nach Wunsch, falls Trottoir zu hoch zu liegen kommt, eventuell auch Vermauerung eines Lichtschachtes. Sämtliche Umarbeiten und Neuanlaaen sollen auf Veranlassung und Anweisung der Verkäuferin ausgefühtt werden, wofür die Stadt nur die entstehenden Kosten zu zahlen hat. Dieser Wust von Forderungen löste bei den Stadtverordneten gerade nicht schmeichelhafte Worte aus. Stadtv. Samuel betonte. diese ungeheuerlichen Forderungew der Millionärin Frl. Götze müßten im Gegensatz zu denen der armen Frau Röseler mit aller Entrüstung zurückgewiesen werden. Dem Magistrat wurde anheimgegeben, das Enteignungsverfahren anzustrengen, falls der Vorgarten unbedingt gebraucht würde. Herr Stadtv. Ribbek stellte noch fest, daß frl. Götze sogar versucht habe, die Frau Röseler von ihren gestellten Bedingungen abzubringen, indem sie ihr ihre Forderungen vorgelesen habe. Nach kurzer Beratung wurde das Angebot mit Entrüstung zurückgewiesen und zwar emstimmig bei einer Stimmenthaltung Herr Götze). Demnächst soll die Dauer der Viehmärkte Versuchs- weise bis nachmittags 3 Uhr verlängert werden. Spandau. Der Bildungsausschuß veranstaltet am 24. Oktober eine Be« ichtigung der Arbeiter-WohlfabrtSauSstellung in Charlottenburg, fraunhoserstr. 11/12. Die Genossen werden ersucht, sich zur Abfahrt� -ie mittags 12 Uhr erfolgt, am Bahnhof einzufinden. Potsdam. Ein braver Parteigenosse, der I. Vorsitzende des Wahlvereins. Genosse Paul Ziemann. ist durch den Tod aus unseren Reihen geschieden. Seit langer Zeit stand er in der Bewegung, und trotz seiner schweren Krankheit hat er bis zum letzten Augenblick eifrig für die Sache �deS Proletariats gearbeitet. Z. war auch lange Zeit Vorsitzender der örtlichen Zahlstelle des Verbandes der Schneider. Am Freitagnachmittag fand unter zahlreicher Bcteili» gung der Genoffen die Beerdigung statt. Der Kreisvorsitzende. Genosse Paris-Velten, und Genoffe Staab-PotSdam hielten am Sarge des Verstorbenen Ansprachen. Die Patteigenossen werden dem treuen Genossen ein ehrendes Andenken bewahren. Die Wahlen zur Stadwerordnetenversammlnng sind jetzt fest« gesetzt; dieselben finden statt für die dritte Abteilung am Mon» tag, den 22. und Dienstag, den 23. November. Als Beisitzer sind bestimmt für den ersten Wahlbezirk die Stadtverordneten Werder» mann und Krause und für den zweiten Wahlbezirk die Stadtver- ordneten Baumann und Bergemann. Die zweite Abteilung wählt am 25. und 26. November und die erste am 27. November. Wie schnell den Kapitalisten geholfen wird. Auf dem Rathause hat bereits eine Zusammenkunft Rohdescher Gläubiger stattgefunden und sich geeinigt, wie sie wieder zu ihrem Geld kommen. Die Stadtgemernde und die Potsdamer Kreditbank beleihen die Hypotheken; erstere mit 100 000 M.. letztere mit 50 000 M. Bon diesem Gelde werden 25 Proz. Abschlag gezahlt; den Rest hofft man in einer Reihe von Jahren aus Mietsüberschüssen zu decken.—> Wie ganz anders werden Arbeiter behandelt, wenn sie die Ver» Mittelung der Stadtverwaltung anrufen! ES sei nur an da» Vorstelligwerden der Arbeitslosendeputation im letzten Winter erinnert. Vertröstungen waren alles, was man ihnen bot. Man kann es ja der Arbeiterfckzaft bieten, da sie selbst nicht im Rathause vertreten ist. Für die bevorstehende Stadtverordneten« wähl sind diese Vorgänge die beste Agitation.« In der Mitgliederversammlung de? Wahlvereins widmete der SÖ&fte VsrfitzMde zunächst dem verstoMmü MrsttzeÄW GeMeg ZiemüMN ctffen e�renbeft Nachruf. Genosse Schubert-SMdäü?t- stattete hierauf einen ausführlichen Bericht über den Parteitag. Redner erkennt an, dah der Parteitag in erfreulicher Weise ge- arbeitet habe. Durch die Diskussion über die Stellungnahme zur Erfsschaftssteuer werde hoffentlich bis zum nächsten Parteitag die Meinung in dem Sinne geklärt sein, daß man auch den herrschenden Klassen diese Steuer lediglich zur Fortführung des reaktionär-mili- taristischen Systems nicht zu bewilligen habe. Daß die Stellung der Fraktion in der Oeffentlichkeit bekannt geworden sei, halte er für sehr richtig, ja sogar notwendig. Wenn in so fundamentalen Fragen innerhalb der Fraktion ein derartiger Gegensatz bestehe, dann müsse auch die Meinung der Parteigenossen gehört werden. Mit der Aufforderung zur Durchführung des Schnapsboykotts schloß Redner unter allseitigem Beifall seine Ausführungen. Eine Diskussion wurde nicht gewünscht, so daß der Vorsitzende, Genosse Stoof, konstatieren konnte, daß die Versammlung einstimmig mit dem Bericht vnd der Haltung ihrer Delegierten einverstanden sei. SemKts- Leitung. Reichstagsabgeordneter Schack als Kläger. Vor dem Königsberger Schöffengericht standen am Donners- tag zwei Beleidigungsklagen zur Verhandlung, die der Abgeordnete Schack als Vorsteher des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes gegen die Herren Groth und Schneider angestrengt hatte. Er fühlte sich durch zwei Flugblätter, die bei der Kaufmanns- gerichtswahl in Königsberg verbreitet worden waren, beleidigt. Das Gericht setzte auf Antrag des Verteidigers das Verfahren aus, da durch die bekannte Affäre Zweifel an der geistigen Zurechnungs- fähigkeit des Klägers entstanden seien. Das Verfahren soll erst fortgesetzt werden, wenn über den Geisteszustand des Abgeordneten Schack ärztliche Feststellungen vorliegen oder ein Pfleger für ihn bestellt worden ist, da nach Anficht des Gerichts, wenn Schack nor- mal ist, seine in der Affäre zutage getretenen Charaktereigcn- schaften für das Strafmaß erheblich ins Gewicht fallen. Jiiis der frauenbewecjung. Die Hansfrauen und die„Finanzreform". Mit dem 1. Oktober sind nun auch die letzten der neuen Steuern in Kraft getreten, die uns durch die„Finanzreform" des schwarz-blauen Schnapsblocks auferlegt worden sind. Die überaus starke Empörung, die sich in den weitesten Kreisen des Volkes, vor allem auch in seinem weiblichen Teile zeigte, als die Art und die Höhe der neuen schwerdrückenden Steuern bekannt wurde, wird nun aufs neue angefacht, wo jedem einzelnen die Wirkung, der Druck der Steuern sich direkt fühlbar macht. Und das istdaseinzigGutean dieser„Finanzreform"— bei der man sonst im Zweifel ist, was schärfer die Kritik herausfordert, die Art der Steuern und die durch ihre Schaffung und Erhebung begangene Ungerechtigkeit und Ausraubung am Volke, oder die saloppe, will- kürliche Art ihrer Festsetzung—. daß sie durch die Empörung, die sie verursachte, weite Kreise, namentlich weite Frauenkreise, zum politischen Leben, zur politischen Erkennt» n i s erweckte. Recht viele der proletarischen Frauen, und bor allem der prole- tarischen Hausfrauen, haben sich bisher noch immer recht indiffe- rent gegenüber der Politik gezeigt. ES mangelt ihnen an Interesse und da sie sich deshalb nicht um die politischen Vorkommnisse kümmerten, auch an Verständnis. So viele von ihnen vermeinten: Was geht das mich an, was Reichstag und Bundesrat beschließen und was die Regierung ausführt, ich habe genug mit meiner Haus- Wirtschaft zu tun und mit meinen Kindern I— Ja, manche von ihnen gingen noch weiter. Wenn unsere Genossinnen im Privat- gespräch, bei der Hausagitation, in Versammlungen oder bei unseren Festen an solche Frauen herantraten, sie für die politische Organisation oder als Abonnentinnen der örtlichen Parteizeitung oder der„Gleichheit" zu gewinnen suchten, haben manche sich nicht nur ablehnend verhalten, sondern sich wohl gar belästigt gefühlt und ihrem Aerger über diese„Belästigung" in drastischen Worten Ausdruck gegeben. Ja, noch mehr können wir feststellen: Gar manche Arbeiterfrau hat im täglichen Kampf mit ihrem Mann gestanden, um ihn von der Arbeiterbewegung abzubringen. Gewiß geschah dies alles nicht auS Böswilligkeit, sondern aus UiUvissenheit. Hohe weibliche Tugenden starke Mutterliebe und ein ausgeprägter Familiensinn waren die Triebfedern ihres Handelns. Aber ein falsch geleiteter Familiensinn war es, der zum krassen Egoismus ward, wo eS der Solidarität, der Betätigung des Gemeinsamkeitsgedankens der ge- samten Arbeiterschaft dringend bedurfte. Der sparsamen, fleißigen, umsichtigen und liebevollen Mutter und Hausfrau, die die Politik bisher weit von sich wies, ist es nun aber mit einem Schlage klar geworden, daß daS Schicksal ihrer Familie nicht allein und nicht in erster Linie von der mehr oder minder guten Erfüllung ihrer Hausfrauen, und Mutterpflichten abhängt, sondern daß neben den wirtschaftlichen Verhältnissen auch die politischen Vorkommnisse und Einrichtungen recht hart zind störend in ihr Familienleben eingreifen. Die Verteuerung des Kaffees, des TceS, der Zündhölzer und der Beleuchtungsartikel spürt sie direkt nur allzu sehr. Die Vcr- teuerung des Bieres, des Tabaks, der Zigarren trifft zunächst den Mann, aber in den meisten Fällen, sofern der Mann seinen Konsum dieser Gcnußmittel, die oft genug seine einzigen sind, nicht ein- schränkt, trifft auch diese Mehrausgabe die Frau, die in der Folge ein kargeres HauöstandSgeld bekommt und nun sehen muß, wie sie als„Finanzminister der Familie" ihr HauShaltungSbudget mit ver- ringerten Einnahmen und vergrößerten Ausgaben in Ordnung bringt. Unsere unpolitische, gute, sorgsame Hausfrau wird alsbald inne, daß Einnahmen und Ausgaben nur dadurch in Einklang zu bringen sind, indem sie ihre Ausgaben verringert, notwendige Be- dürfnisse einschränkt, der Familie Entbehrungen auferlegt, den 5t indern manchen wahlberechtigten Wunsch abschlägt, ihnen manche kleine Freude raubt. Sie wird weiter inne. falls sie den Ursachen nachgeht, daß ihre Familie, ihr Haushalt keine abgeschlossene, wirtschaftliche Einheit ist, sondern daß recht viele Fäden aus der großen menschlichen Gesellschaft, in der sie lebt, zu ihr und den Ihren hinüberführen, daß jede Erschütterung des GeschäftölebenS, jede politische Maß. nahm«, jedes neue Gesetz, jede neue Steuer, jeder neue Zoll un- weigerlich auch sie trifft, mag sie sich noch so sehr innerhalb ihrer vier Wände vergraben und Auge und Ohr vor der Politik ver- schließen. Ist aber diese Einsicht erst vorhanden bei unseren Hausfrauen. dann dauert es in der Regel auch nicht lange, bis sie zu der weiteren Erkenntnis kommen, daß die politische Abstinenz der Hausfrauen eine schwere Schädigung für die Arbeiterschaft be- deutet, weil sie uns Hunderttausende von weiblichen Kämpfern fern- hält, unseren Einfluß auf die Gestaltung dcS politischen Lebens verringert, unsere Macht schmälert. Der praktische Sinn unserer Hausfrauen wird sie deshalb alsbald in die Reihen der organi- sicrten, kämpfenden Arbeiterschaft führen, sofern sie nur erst die Zusammenhänge des politischen Lebens und dessen Einfluß auf die Arbeiterschaft und die einzelnen Familien erkannt hat. Ist das richtig, so folgert daraus für unsere Genossen und Ge- nossinnen allerorts die heilige, unabweisbare Pflicht, die jetzige, günstige Zeit zu nutzen zur Agitation unter den uns fernstehenden Frauen, vor allem auch unter den Hausfrauen. Wo die Empörung ob der VolkSausraubung durch die„Finanzreform" die Frauen erfaßt hat. gilt es, sie nun zum politischen Lebeo zu erwecken Uld zur politischen Aktivität aufzurufen. i Freitag: Der eingebildete Kranke. Der eingebildete Kranke. Montag': Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Mocken-Lpielplan cker ßet'Uncf Chcater, Königl. OPeruhauS. Sonntag: Dalibor. Montag: Der Ring des Nibelungen. Das Nheingold. Dienstag: Der Ring des Nibelungen. Die Walküre. Mittwoch: Elettra. Donnerstag: Dalibor. Freitag: Der Ring des Nibelungen. Siegfried. Sonnabend: Dalibor. Sonntag: Der Ring des Nibelungen. Götterdämmerung.(Ans.«'/, Uhr.) Montag: Sinfonie- Konzert.(Anfang 7>/z Uhr.) m„ r. m,. � König!. Tchlnispiethans. Sonntag: Die Makkabaer. Montag: Der eingebildete Kranke. Dienstag: Die Rabensteinerin. Mittwoch: Die Makkabaer. Donnerstag: Julius Cäfar. Sonnabend: Die Makkabaer. Sonntag: Geschloffen.(Ansang 7stz Uhr.) Neues königl. Opern-Xheater. verkehrte Hof. Abends: Der Geigenmacher von Miltenwald. Montag: Der Amerikasepp'l. Dienstag: Almenrausch und Edelweiß. Mittwoch: Der Gcigcnmacher von Mittenwald. Donnerstag: Der Paragraphenschuster. Freitag: Der Herrgottsschnider von Ammergau. Sonnabend: Der Geigen- machcr von Mittenwald. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Der Meineid- bauer. AbeudS: In der Sommerfrische. Montag: Gefchlofsen.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Faust. Montag Revolution in Krähwüikel. Dienstag: Faust. Mittwoch: Minna von Barnhclm. Donners- tag: Faust. Freitag: Ein Sommernachtstraum. Sonnabend. Sonntag und Montag: Hamlet.(Ansang 7st, Uhr.) Deutsches Theater.( K a m m e r s p i e I e). Sonntag: Die Zuflucht. Montag: Der Arzt am Scheidewege. Dienstag: Die Zuflucht. Mittwoch: Gygcs und sein Ring. Donnerstag: Die Zuflucht. Freitag: Der Arzt am Scheidewege. Sonnabend, Sonntag und Montag: Die Zuflucht. (Anfang 8 Uhr.) Lessiiig-Theatcr. Sonntag: DeS Pfarrers Tochter von Streladors. Montag: Roscnmontag. Dienstag: DcZ PsarrcrS Tochter von Streladors. Mittwoch: Rosmcrsholm. Donnerstag: Die Gesährtin. Hanneles Himmel- jährt. Freitag: Des Pfarrers Tochter von Streladors. Sonnabend: Hedda Gabler. Sonntag: nachmittags 3 Uhr: Der Raub der Sabiuerinncn. Abends: Der König. Montags: Des PsarrerS Tochter von Streladors. (Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachm. 3 Uhr: HerodcS und Mariamne. Abends: Der Beseht des Fürsten. Montag: Einer von unsere Leut'. Dienstag: Der Besehl dcS Fürsten. Mittwoch: Nachmittaas: Der Traum ein Leben. Abends: Einer von unsere! Leut'. Donnerstag und Freitag: Der Besehl des Fürsten. Sonnabend: Nachmittags: Der Traum ein Leben. Slbends: Einer von unsere Lent'. Sonntag: Nachmittags: Hcrodes und Mariamne. Abends: Der Bcjehl des Fürsten. Montag: Einer von unsre Leut'.(Ansang 8 Uhr.), Neues Theater. Allabendlich: DaS Urbild deS Tartüffe.(Ansang 8 Uhr.) Hcbbel-Theater. Sonntag. Montag. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Hanna Jagert. Sonnabend, Sonntag und Montag: Der Skandal. iAnsäng 3 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sonntag: DaZ Waschermadel. Montag: Der Dummkopf. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Schöne Seelen. Eine Zuflucht. Mutter. Sonnabend und Sonntag: DaS Ex-mpel. Montag: Der Dummkops.(Ansang 3 Uhr.)- Komische Oper. Sonntag: Nachm. 3 Uhr: Tiefland. AbendS: Aus- erstehung. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Allserstehung. Mittwoch: Tiefland. Donnerstag: Auferstehung. Freitag: Hoffmanns Erzählungen. Sonnkibeiid: Auscrftehung. Sonntagnachniittag 3 Uhr: SossniannS Erzählungen. Abends: Der Wildschütz. Montag: HossmannnS rzählungen.(Ansang 3 Uhr.) Neues Operetten-Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: DerZigenner- baron. Bis aus weiteres täglich: Die Dollarprinzejsin.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nachmittag: Der Zigeunerbaron. Lustspielhauö. Sonntag nachm. 3 Uhr: Im Klubsessel. Allabend- lich: Man soll keine Briese schreiben. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Im ktubsessel.(Ansang 8 UHfc), Theater des Westens. Sonntag nachm. ß1/. Uhr: Die lustige Witwe. BIS aus weiteres täglich: Die geschiedene Frau.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nachmitttag 3'/< Uhr: Ein Walzertraum. Residenz-Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. Allabendlich:«retchen.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nach- Mittag: Kümmere Dich um Amelie._ �_..... Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: L X 2— 8. tzlbendS: Peer Buntes Vorgeschichten. Montag und Freitag: Moral. Dienstag, Mittwoch. Donnerstag, Sonnabend. Sonntag Montag: Peer BnnkeS Vor- geschichtet,.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nachmittag: 2X2= 6. Schiller-Theater O, Sonnrag nachm. 3 Uhr: Macbeth. Abends: Die erste Geige. Montag und Dienstag: Di- von Hochsattel. Mittwoch und Donnerstag: Die erste Geige. Freitag: Die von Hochsattel. Sonnabend: Macbeth. Sonntag nachm. 3 Uhr: Macbeth. Abends: Die Zwillings- schwester. Montag: Ein Erfolg.(Ansang 3 Uhr.) Schiller< Theater Charlottenburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweill. Abends: Di« von Hochsattel. Montag: Doktor Klaus. Dienstag: Die erste Geige. Mittwoch und Donnerstag: Das Käthchen von Heiwronn. Freitag und Sonnabend Die erste Geige. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. AbendS: Don Carlos. Montag: DaS Käthchen von Heilbronn. (Ansang 8 Uhr.) Frtedricti-WilbelmstSdtischeS Schauspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Othello. Abends: Die goldne Eva. Montag und Dienstag: Die gotdne Eva. Mittwoch: Der Widerspenstigen Zähmung. Donnerstag, Freitag, Sonnabend und Sonntag: Die goldne Eva. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Othello. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Luisen. Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Mann mit der eisernen MaSke. Abend»: Inspektor Brästg. Montag und Dienstag: tiispcktor Bräsig. Mittwoch: Die rote Robe. Donnerstag: Die Herren öhne. Freitag: Die lusttgen Weiber von Windsor. Sonnabend: Inspektor Bräsig. Sonntag und Montag: Die rote Robe.(Ansang S Uhr.) BolkSoper. Sonntag nachmittag 8'/, Uhr: Zar und Zimmermann. Abends: Die Hugenotten. Montag: Ein Maskenball. Dienstag: La Traviata. Mittwoch: Undlne. Donnerstag: Di» Hugenotten. Freitag: Der Waffenschmied. Sonnabend: Die Jüdin. Sonntag nachmittag 8'/, Uhri Der Troubadour. Abends: Die Hugenotten. Montag: Der Troubadour. (Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Bis aus weiteres täglich: Prinz Busst.(Ans. S Uhr.) Nächsten Sonntag nachmittag- Die Badepuppe.. Rofe-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Mann mit der eisernen Maske. Abends: Der Hüttenbesttzer. Montag: Dle Jägermelsterkn. Dienstag: Michael Kohlhaas. Mittwoch: Dt- Jägermeisterin. Donnerstag: Michael KohlhaaS. Freitag: Der Hüttenbesttzer. Sonnabend und Sonntag: Michael Kohlhaas. Montag: Des Meeres und der Liede Willen.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonntag nachmittag 8 Uhr: Coralle«. Co. Abends und bis aus weiteres täglich: Pariser Witwen.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nachmittag: Coralie u. Co._ Gebr. Herrnfeld. Tlicater. Bis aus weiteres täglich: Frau EllamZ Friseur. Meine-Deine Tochter.(Aiisang8 Uhr.)..... Foltes Eaprice. Allabendlich: Mobilisieruug. Der gewisse Augen- blick.(Ansang 8'/. Uhr.) Metropol- Theater. Allabendlich t (Ansang 3 Uhr.) "'' zhalle Halloh I Die große Revue l Allabendlich! Stettiner Sänger.(Ansang Uhr Reichshallen> Theater 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) �... Kafino-Theater. Sonntag, den 10. VNober, nachmittags 8 Familie Kitnkert. Allabendlich- Onkel Cohn.(Ansang 8 Uhr.) Rpollo-Theater. Allabendlich: Spiztalitäten.(Ansang 3 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: SpezlalilSten.(Ansang 8 Uhr.) Passage-Tbeater. Sonnlag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich! Spezialitäten.(Slnsang 8 Uhr.) Walhalla-Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Palast-Theoter. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Karl Haberland-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. ttraiiia-Theatcr. Taubcnstraße 48/4S. Allabendlich 8 Uhr: In den Dolomiten. Montag abend 8 Uhr im Hörsaal: DaS Wetter und seine Vorausbestimmung. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—62. Vermischtes. in den Kopf gedrungen ist. Hierauf muß der Schwer» verletzte mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen, und als er dann noch Lebenszeichen von sich gab, durch einen Stich ins Genick. der das verlängerte Rückenmark traf, getötet worden sein. Die Leiche wurde etwa eine Viertel- stunde nach Begehung der Tat aufgefunden, sie war noch ganz warm. Geraubt waren die Uhr und das Portemonnaie des Er- mordeten. Die Staatsanwaltschaft hat sofort einen ungewöhnlich großen Apparat aufgeboten, um die Suche nach dem Mörder auf- zunehmen. Polizeihunde sind sofort an den Ort der Tat gebracht worden. Allch ist die Sendung der belannten Graudenzer Polizei- Hunde telegraphisch erbeten worden. Hochwasser ist, wie uns auS Klage nfurt gemeldet wird, in- folge andauernden Regenwetters in vielen Gegenden KärnthenS eingetreten. Zahlreiche Brücken wurden von den reißenden Fluten weggeschwemmt. In Arnold st ein ertranken zwei Kinder.— Eine Meldung aus Benedig besagt: In der Provinz Udine herrscht Unwetter. Alle Wässerläufe sind aus den Ufern getreten. Infolge des Hochwassers ist der Eisenbahnverkehr vielfach unterbrochen. Mehrere Ortschaften stehen unter Wasser und sind vom Verlehr vollständig abgeschnitten. Allgemeine Familien-Sterbekasse. tag voll 3—6 Uhr._ Ackerstr. 123 bei Wernlcke Zahl» ßnefhaftcn der Redahtfcn. Die kueistische Sprechstunde findet L i» d e« st r a st e 3, zweiter Hof, dritter Eingang,«Irr Trcpprn, ZM- Fahrstuhl wochentäglich abend» von IM bis 9)4 Uhr statt. Öcüffntt 7 Uhr. Eonnabcnds bratnnt die Svrechftnnde um 9 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mrelzeichen hrlznstigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Als znr Beantwortung im Briestafttn könnt» U Tage vergehen. Eilige Fragen tragt man in der Sprechstunde vor. F. F. SS. Teilen Sie dem Wirt mit, daß Sie das Augebot zu ziehen und die Miete annehmen, und ziehen Sie. Den Beweis, daß da? An- erbieten erfolgt ist, hätten im Klagcsall Sie zu führen.— Ideal IG. 1. u. 2. Nein. Die Mutter täte gut, unier Darlegung ihrer Verhältnisse ein« Ermäßigung des Beitrages bei der Waisendcputation zu beantragen. — F. L. 20. DaS Ausgebot kann hier in Berlin crsolgen, es ist aber zum Ausgebot eine behördliche Bescheinigung ersorderlich, daß nach öfter- reichischem Gesetz der Heirat Schwierigkeiten nicht im Wege stehen.— Blninhagen. Sie sind im Recht.— H. Z. 18. 1. War der Tod vor 1900 eingetreten, so ist da» märkische Recht maßgebend; hat er sich nach 1900 ereignet, so hat die Frau einen Anspruch aus die Hälfte des Nachlasses und kann außerdem die HaushaltungSgegcnstnnde und die HochzeUsgeschenke als Voraus verlangen. 2. Das Legat geht, falls der Wortlaut des Testaments dem nicht enigegensteht, von dem Erbe der Geschwisterkinder ab. 3. Mangels einer Vereinbarung ist eine angeniessene Summe zu zahlen. Was angemessen ist, ist unter Berücksichtigung aller Umstände vom Richter tm Streitfall zu entscheiden.— A. Z. lO. 1. und 2. Nein. — H. B. 77. DaS Dienstmädchen soll bei der Polizei den Antrag stellen, die Hcrrschast zur Ausstellung eineS wahrheitsgemäßen Zeugnisses zu ver- anlasten und ein neues Mietsbuch, welches die unwahre Behauptung deS alten Zeugnisses nicht enthält, ühr zu geben. Verlausen die Bemühungen bei der Polizei sruchllot, dann könnte daS Mädchen mit Aussicht auf Erfolg aus Schadenersatz gegen die Herrschaft klagen.— M. S. 227. Die Mit- nähme ohne Fahrkarte wäre unzulässig.— M. W. 22. Keineswegs.— Fi. F. 4. Nein.— E. P. 6. Wenden Sie sich an die Lloydgesellschast und an die brasilianische Regierung. 2. Ihre Schwester müßte hier alZ Sebamme erst das Erarnen machen. Sie kann nicht zugelassen werden als ebammc, wenn sie bereits 30 Jahre ist. Zwecks Zulassung muß sie sich an daS Polizeipräsidium wenden.— W. M. 1000. Sie habe» unrecht. — iL. 18. Eine Frist ist nicht vorgeschrieben, indessen dürfen bis zur An- stellung der Klage nicht sechs Monate seit Borliegen deS EbescheidungS- grundeS verstreichen, weil sonst das Gericht Verzeihung des EhescheidungS- grundeS annehmen und aus Abweisung erkennen darf.— A. Ranbmord an einem Arzt. Gestern vormittag wurde, wie aus Elbing gemeldet wird, im Vogelfänger Walde der praktische Arzt Dr. Ernst Krause ermordet und seiner Barschaft beraubt aufgefunden. Der Täter ist unbekannt. Wie die angestellten Ermittelungen ergaben, handelt eS sich um einen Raubmord, über den folgende Einzelheiten vorliegen: Gestern vormittag begab sich, wie an jedem Morgen, der öS Jahre alte Dr. med. Ernst Krause nach dem Stadtwald Vogelsang. Um l/gll Uhr hatte er in dem dortigen Kaffcehause Kaffee getrunken und war nach seinem Aufbruche von dort über den sogen.„Abcrt- fieg" gegangen, um auf diesem Wege wieder zur Stadt zurück- zukehren. An einer etwas einsamen Stelle feuerte plötzlich jemand aus dem Hinterhalt einen Schuß auf den Arzt ab. dem die Kugel teppdecke« kauf» man nur am besten unn biMftstrn dttekl in der �adrtt Borobard»Uohmandol, 7» Wallstr. 7S. kft 3oftAlin9tbalcrCSie£&'26, �teppOcctcrf rocrbcn-aufqeardeU»� fUIustt troMtatoJoa oraiid. GrmBetten12li. (Oberbett. Unterbett, 8 Rissen)* mit doppcllocrcinigten neuen Bett- s-d-r». deiker- Bette» IS. IS. Si Mk.; l'/ifcht Betten 15, SO, 23, 2», LS Ml. usw. SBevsanb geg. Nachnahme. Breis- liste, Proben. Bcrpackung foftensrei.| Gustav Lustig, SDfc"ui V Srvht. Sveiial-SeschSst Deutschl. Berliner BlIHrlp. Felix Scheuer U Stralsuaderstr.l. Berlin, AlteJakobstr.>24.' Elektro- Technikum| aegr. 1874. Elg. Fabril. Elektro-! Maschinen-, Bau-, Ingenieur-,! Techniker-, Werkmeister., Mon« teur-Ausbild., sUnil. Inspiziert Neuer Abendkursus. Pi-aspckt kostenfrei. Ich habe Schönhanfer Slllce SS. Part., eine poiildünik filr Frauenleiden 257/6*(Gvrechstuube 3— 1) eröffnet. Frauen-Nft r«<>nVllNhtoin btsb. leit. Arzt d. Pros. Viibrsssnsvbon Poliklinik, arzt UI.N MvIMtzlll.Dircksenstr. 23, q, Bhs. Alexandcrptatz. Epr. 12.1, 5-6. Geschäftsverlegung. Meiner werten Kundschaft zur gest. Kenntnis, daß ich mein Schuh» warengeschäst von Wrangelstraße 77 nach 28012* FalckennteiustraBo 37, an der Wrangelstraße, verlegt habe._ Karl Xcnmann, Schuhmachcrmclster. A n——*>_ J 34, AnklameratP. 84, Arkona»Daa'Ä': sasrassf : Elektrisch. Lichtbad:«.SÄliÄr™. Phonosraphen-Katz ALEXANDERPLATZ Anta-Striine Ecke der Blumen-Strasse RöSEDtllDlEr StfOSSE 24 Ecke der Slps- Strasse Berolina NO* 1 Braun poliertes Gehäuse mit Konzert-Schalldose, farbiger Blumen-Schalltrichter, 35 cm Schallöffnung, die grösste Platte tadellos spielend, mit IkM»B E 10 Stück Columbia-Graphophone-Platten, 25 cm gross.. Jetzt komplett Jede Platte wird, wenn abgespielt, wieder mit 50 Pf. 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Nur die OerriDue Uber 193 Merk eind den betreffenden Mummern in Klammern beigefügt,; !(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.)■ > 63 81 331 Sit 103t 193 609 179 94 811 939 2494 »79 3041 tu 4019[400] 03 8t 66t 633 7t 863 930 79 ■500t 31 1)01 393 312 439 550 98? 6005 69 18t 630 »29 7019 108 281 597 882 8353 635 51 693 77» 811 816» 327 480 501 31 861 62*'' V f- 1O040 70 76«t 149 86 593 649 99 765[400]»79 11086[400] 470 79 533 827 89 12073 133 253 813 523 149 767 807 016[tOO] 85 1 3100 283 815 1 414t 480 728 865(10001- 15460 628 734[400] 96 909 1 6231 9 1 423 «20 1 7030 224 828 46 448 908 1 8007 43 367 418 600 58»55 63 1 9088 93[500] 304 35 344 53.73 512 627 JMO] SS 3*1»,;i.-c. 4s■; p" 20 129 534 613 741 99 909 41 956 2 1 097 313 97 447 SS 600 9 78 750 2 2209 94 806 061 93 2 3293 409 83 «10 613 899 2 4018 103 95 238 886 403 658 2 5148 43 63[500] 474 677 910[400] 2 6433 714 030 44 65 2 71»» 431 667 70 793. 910 2 8197 314 553 903 290C1 76 14S 392 427 763 67 901>-. rf)-'%■, t- 30m 99 551 631 704 3114S 330 97 636 83 785 »7 937 63 32099 100[400] 575 773 859 3 3345 425 35 41 593 650 64 855 994[ 400] 34007 76 99[500] III 886 415 75 677 739 84 3 5560 635 748 61 839 6 3 3 6020 >80 418 627 610 33 3 7100 18[400] 62[3000] 80 369 406 633 53 878 3 8216 59 309 85 458[400] 570 709 943 39037 39 223 827 697• 40155 76 389 427 649 41054 184 300 440 13»5 611 60» 707 4 3 897 4 2224[4O01 838 421 731 4 3044[400] 313 511 664 93 764 803 963 4 4080 303 544 667 90 778 893 935 43 4 5015 118 80 360 660 769 88 927 4 6343 60 74» 663 47003 SO 811 716 819 4 8373(8000] 638 731 49344 488[9000] 78[5000]»14 37 918 ' 59340 454 697(400] 649 61275 41»'«IT«77 5 2766 953 81 5 3073 163 99 235 860 834 937 5 4264 328 466 5 5124 236 373 450 613 711[400] 851 66226 805 5 7116 83 481 833 5 8448 812 33 58 5 9895 439 >4» 76 503 8 67 755[l000] 893 95 920 r' 60 211 885 544 663 794 6 1 064 113 96 208 10 337 480 707 617 6 2138 414 515 69 971 93 6 3306 88i[1000] 39 946 64 66 6 4153 226 344 610 83 888 990 6 5259 431 968 6 6122 81 79[400] 541 035 933 67393 419 87 623 .49 90 745 6 8452 874 923 35 69110 66 330 785 ftjl. 70433[300] 636[1000] 71253 69[400] 654 947 SS 72355[400] 615 882 95 009 68 7 3 206 05 370 426 »13 23 643 709 82 83 7 4044 60 80 172 203 38 83 485 60 731 7 5034 62 129 239 48 57»57 97[400] 671 601 78 84 893 913 81 50 64 76037[400] 48 195 309 434 687 879 933 77192 256 816 600 729 65 821 87 78145 203 S9 365 519[600] 753 860 7 9027 326 423[400] 527 808 87 ►■ 8OO60 141 67 70 613 801 8 1 033 821 35 448 646 BIS 53 8 2303 59 443[400] 750 83172 289 420 016 99 64069 93 187 606 802 932 90[3000] 85007 219[1000] 83 44 447 618 763 928 8 6004 86 370 423 23 653 8 7 239 43 64 609 93 015 88412 93 676 789 8 9050 375 402 600 43 789 801 89 975 V-> H"1* 90117 61»04 90 605[1000] 723 42 938 9110»»SO 788[9000] 932 9 2164 656 623 83 921(400) 80[1000] 93020 233»58 622 759 974 9 4296 428 86 523 673[400]) 773«77 9 5076 378 466 72 760 810 9 6140 67 304 815 40» 811 97001 20 418 54 585 697 896 9 8102 319 97 487 ,714 861 937 84 90 9 9045 205[400] 821 570'' I Ä 100128 83 803 766 883[400] 907[500] 85 1O1061 170 83 200 19 41 325 447 639 742 801 49 87 1 02059 253[400] 822[500] 437 63 002 606 85 817[400] 44 47 93 1 03 416 667 749 1 04026 57 818 465 611 723 8» 800 88 903[500] 61 65 1 0 5099 267[490] 826 89 787 872 83 978 1 06143 59 345 676 733 44 848 53 1O7004 74 465 554 675 761 853»95 1O8043 121 334 885 644 778 950 1 09148 806[400] 63 i Ü 110186[400] 516[500] 56 819 931 111125 7» 741 955 112028 207 593 472 554 818 16 989 113111 »00 73» 08 114125 344 423 41 90 554 625[400] 870 83 1 1 5 057[400] 175 330 768 75 80 887 973 116218 455 677 713 818 26 117259 620 733 75 94 118137 27» 415 90 560 007 119310 62 403 611 639 947 12O070 445 503 660 773 96? 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Ml)*, dl« Gewinne Uber 192 Mark sind den betreffenden Nummern In Klammern beigefügt. \(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) , 167 221 63.881 41« 501«03 80 777 938 1 044 62 107 [»IT 653 729 840 2 250 99 737[3000] 820 911 36 3 071 163 •232 69[500] 622 4358 5»l 94 678 0155 330 38 98 439 634 [6011 260 313 806 7428 93 811 933 8033 137 47 275 303 147 761 838 906 9171 300 739 } 10005 36[400] 101 99 392 4 Sd 82«06»5 824 48 911 ttlm 307 27 12928 560 643 856 97 1 3134 269[500] 343 1/14089 547 600 68[400] 709 63 894 96 1 5151 H 248 402 |58 684 754 867 1 6137 275 810 75 407 543 826 1 7046 318 450 1 8155 75«21 75» 821 911 28 19102 14 213 438 Hl SSI 900 I 20111 218 89»1««03 2100« 207 82 328 585«11[400] «0 946 2 2065 216 339 432«1 600 994 2 316« 96 219 346 422 35 84 633 42 782 974 2 4350 478 855 69 2 5029 295 609 2 6431 788 2 7022 190[ 400] 300 503 937 63 2 8190 523 79 881 29269 68 477 515 59 611 749 816 ! 30394 475 501 743 851 75 927 10 3 1 032 445 599«47 67 646 3 2053 251 67 75 830 631 33 247 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53 453[ 400] 634 84 708 826 902 2 9 4009 414 554 735 2 9 5 087 229 61 9» 308 29 6244 551 719«10 24 971 29 7205 327 60 542 693 984 298014 239 341 62 443 89 654 971 81 299018 173 31« 570 719 300107 351 98 3O10T1 135 412 512 37 60« 875 910 302er, 6 201 401 64 551 650 839[400] 903 303011 131 535 855 80 20 Die Ziehung der 5. Klasse 221. Königl. Preus«. Klassco-Lotlcrio Ludet statt.vom 6. Movcmlcc Li« 7. Dciembcr,-■' Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für den Jnseratenteilvcrantw.: TH. Glocke, Berlin, Druck u. Berlag: VorwärtsBuchdruckcrei u, Verlagsanstalt Paul Einger& Co., Berlin SW. Ar. 237. 26. Jahrgang. 5. Keilm des Jotiö#' Inlinet Bollislilatt, Sonntag, 10. Oktober 1909. Soziales� Abgenötigte Ausgleichsquittung. In der letzten Sitzung der 4. Kammer des Berliner Kauf- mannsgerichts klagte die jugendliche Kontoristin.F. auf Zahlung ihres Gehalts. F. hatte nach vorausgegangenem Konflikt mit ihrem Ar- bcit�eber, dem Spediteur K., ihre Stellung verlassen, ohne ihr volles rückständiges Gehalt erhalten zu haben. Es wurde ihr beim Weg- gange nur ein Teil desselben zur Verfügung gestellt, und als sie einwandte, sie hätte doch mehr zu bekommen und sich weigerte, die einen Ausgleichsverinerk tragende Quittung zu unterschreiben, wurde ihr vom Buchhalter die Alternative gestellt:„Entweder Sie unterschreiben das, oder Sie bekommen gar nichts." Das junge Mädchen erklärte, daß sie durch den plötzlichen Bruch des Dienst- Verhältnisses in die grögte Verlegenheit geriet. Sie wäre aber ge- radezu in der drückendsten Notlage gewesen, wenn sie nicht wenig- stens das verdiente Geld in Händen gehabt hätte. Unter diesen Umständen blieb ihr nichts weiter übrig, als die Quittung not- gedrungen zu unterschreiben, um wenigstens nicht ganz von Geld- Mitteln" entblößt dazustehen.— Das Kaufmannsgcricht erblickte in den Umständen, unter denen die Quittung zustande kam,«inen unzulässigen Druck und erachtete den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches entsprechend den Ansgleichsvermerk für nichtig. Gesetzliche Regelung des Stellenvermittelungswesens. Im Ncichsamt des Innern ist ein Gesetzentwurf in Vor- bereitung, der die Vcrmittelung von Stellen einer gesetzlichen Rege- lung unterwerfen will. Zunächst sollen die Herausgeber von Vakanzenlistcn den Vorschriften für Stellenvermittler unterworfen werden. Die Höhe der Gebühren soll von einer Genehmigung der Behörden abhängig gemacht werden. Gleichzeitig ist eine Ver- schärfung der Strafbcstimmungen in Aussicht genommen. Ein auf solcher Grundlage aufgebautes Gesetz wäre ein völlig nutzloser Versuch. Das Stellenvermittclungswesen zu ändern, ist ein dringendes Bedürfnis. Gewissenlose Menschen, die aus der Not ihres Nächsten Vorteil ziehen wollen, schneiden aus einer An- zahl Zeitungen die Anzeigen über offene Stellen heraus, vereinigen diese Anzeigen zu einer sogenannten Vakanzenliste, die sie dann den durch marktschreierische Inserate angelockten Stellungsuchenden für teures Geld aufhängen. Wenn diesen Jndustrierittern daS Handwerk gelegt wird, dann ist das gewiß nur mit Freuden zu begrüßen. Aber der in Aussicht genommene Weg polizeilicher Reglementierung kann dies Ziel nichts erreichen. Im Gegenteil. Wiederholt haben wir darauf hinweisen müssen, daß die Polizei- bcfugnis auf dem Gebiete des Stellenvcrmittelungswesens nutzlos ist, ja die AusbeutNngsmöglichkeit erhöht. Nur durch gewerkschaft- liche Arbeitsnachweisinstitute oder durch unentgeltlich wirkende kommunale Arbeitsnachweisstellen können gedeihliche Verhältnisse herbeigeführt, dem Betrug und gröblicher Ausbeutung des Elends die Tore verriegelt werden. Der Entwurf soll die behördliche Aufsicht auch auf nicht ge- werblich betriebene Arbeitsnachweise ausdehnen wollen. Ist das der Fall, so ergibt sich als klarer Zweck des Entwurfs: nicht Be- scitigung von Schäden im Stellenvermittelungswesen, sondern Hemmung guter Arbeitsnachweise, insbesondere der Gewerkschaften. Ter Entwurf würde demnach ein ungeheuerlicher Angriff auf die Gewerkschaften sein. Da der den Seharfmachern so genehme Staatssekretär Delbrück das Reichsamt des Innern leitet, wäre solcher Versuch glaubhaft. Baldige Veröffentlichung deS Entwurfs ist dringend erwünscht, damit klar wird, ob in der Tat der ge- meldete Angriff gegen die Gewerkschaften geplant wird. Schadenersatzprozrsi eines BarbicrlehrlingS. Der Barbier Klingner war von seinem Lehrling Siewert aus Zahlung einer jährlichen Rente von Mg M. verklagt worden, weil er die Pflicht und Sorgfalt als Lehrherr dem Lehrling gegenüber in erheblicher Weise verletzt habe. Der Meister hatte den Gehilfen Plintus beauftragt, dem Lehrling Anleitung zu geben. Einmal hat der Lehrling dem Gehilfen nicht schnell genug gearbeitet, weshalb letzterer, obwohl er das Rasiermesser in der Hand hatte, zum Schlagen ausholte. Der Lehrling, der erst vier Monate in der Lehre war, aber von diesem Gehilfen schon häufig Prügel be- kommen hatte, wollte sich vor den Schlägen dadurch schützen, daß er die Hände nach dem Kopfe zu hoch hob. Hierbei ist dem Jungen nun das linke Ellenbogcngelenk mit dem Messer stark verletzt worden, es sind ihm die Sehnen zerschnitten. Dadurch wurde er arbeitsunfähig. Das Landgericht verurteilte den Meister dem Klageantrage entsprechend. Siegen dies Urteil legte der Meister Berufung ein. Das Ober- lnndesgericht wies unter Aufhebung des landgerichtlichen Urteils die Klage ab. Es sei der Lehrvertrag nicht verletzt, im Barbier- gewerbe wäre es üblich, daß bei Abwesenheit des Meisters der älteste Gehilfe die Vertretung übernehme. Durch einen Zeugen Koch, bei dem Pl. früher in Stellung war, wurde beeidet, daß der Gehilfe in vollem Maße zuverlässig, nicht leicht erregbar usw. sei. Demgegenüber hatte der Lehrmeister selbst erklärt, auch zu der Mutter des Lehrlings, daß Pl. rasch aufgeregt werde und schlag- fertig gegen den Lehrling handele. Gegen dies Urteil legte der Lehrling Revision ein. Diese wurde am Freitag vor dem Reichsgericht verhandelt. Zur Be- gründung wurde geltend gemacht, daß der Meister nach der Ge- werbeordnung und dem Bürgerlichen Gesetzbuch für den durch den Gehilfen herbeigeführten Unfall durchaus verantwortlich sei. Dem Lchrherrn liege die Aufsicht über die Person des Lehrlings ob. Hatte der Gehilfe dieselbe Pflicht wie der Lehrherr, so hatte er auch die- selbe Sorgfalt anzuwenden. Der Gebilfe Pl. sei übrigens kein geeigneter und zuverlässiger Vertreter des Meisters gewesen, denn er hatte den Lehrling wiederholt geschlagen, ihm hätte schon aus diesem Grunde die Anlernung entzogen werden müssen. Die Reichs- gerichtsentscheidung fiel zugunsten des Lehrlings aus. Das Urteil des Oberlandesgerickits wurde aufgehoben und das den Meister ver- urteilende erstinstanzliche Urteil wiederhergestellt. Die Konkurrenzklansel im Anstellnngsvertrag. Der Betriebs- leiter Ingenieur P. K. hatte mit der Sckiamotlefabtik in Firma Gebr. Lange einen Vertrag auf 5 Jahre geschlossen. Als der Ver- trag im dritten Jahre in Geltung war, vereinigte sich die Firma mit einer anderen, wodurch sich K. in seiner Stellung nach und nach erheblich beeinträchtigt sah. Wohl wurde ihm eine Filiale ver- sprachen, doch blieb es bei dem Versprechen. Schließlich löste K. das Dienstverhältnis, nachdem er sich andere Einkommensquellen gesichert. Die Firma, die sich nun seit 1904, Ivo der Vertrag aus- gestellt worden war, in eine neue Firma umgewandelt hatte, erhob Klage und forderte 3Ö(K) M., da K. in der gleichen Branche tätig geworden, Nachdem er im Oktober Ivsiki aus der Stellung schied. Der Beklagte inachte geltend, zum Austritt sei er be- rechtigt gewesen, da er nicht mehr als technischer Be- tricbsleitek, sondern alS Wcrkführer oder Vorarbeiter be- schäftigt gewesen sei. Das OberlandeSgcricht Breslau gab dem Angestellten recht. Die Revision der Schamottefabriken wurde am Freitag vom 3. Zivilsenat des Reichsgerichts verworfen. Eingriff in die Selbstverwaltung der Krankenkassen. Der Vorstand der Krankenkasse der Malerinnung in Essen wählte zum Rendanten einen bisherigen Arbeiter, gegen dessen Person und Fähigkeit absolut nichts einzuwenden war. Auf eine Beschwerde eines Unternehmers hat die Aufsichtsbehörde die Wahl beanstandet und dre Uebergabe der Kassengeschäfte, für die bereits ein Termin bestimmt war, aufgehoben. Zur weiteren Prüfung hat die Behörde die Bewerbungsschreiben eingefordert. Dies Vorgehen der Aufsichtsbehörde findet in dem Gesetz keine Stütze, verletzt vielmehr das Gesetz. Nur wenn etwa Tatsachen vorliegen, die eine Unzuvcrlässigkeit des Rendanten in bezug auf die Kassenführung darzutun geeignet sind, kann nach dem Gesetz die Aufsichtsbehörde in die Selbstverwaltung eingreifen. Hoffentlich wird gegen die Gesctzesvecletzung, der sich wieder einmal eine Be- Hörde in Krankenkassenangelcgenheiten schuldig macht, das Ver- waltungsstreitverfahren auf Grund deS§ 45 Kr.-B.-G. eingeleitet werden._ Merkblatt für SauglingSfürsorge. Im April dieses Jahres erließ der Verein für SüuglingSfür» sorge im Regierungsbezirk Düsseldorf ein Preisausschreiben für ein kurzgefaßtes, im volkstümlichen Ton gehaltenes Merkblatt. Vis zum festgesetzten Termin vom 1. Juli liefen insgesamt 215 Be» Werbungen ein, deren Prüfung durch die Preisrichter erhebliche Zeit in Anspruch nahm. Die Preisverteilung ist jetzt vor sich ge» gangen. ES erhalten einen Preis in Höhe von 150 M. die Ver- fasser des unter dem Kennwort:„Dem Säugling ist das Beste gerade gut genug" eingereichten Entwurfes, die Herren Dr. med. Vaur und Lehrer Dinscr, beide in Schw.-Gmünd, Württemberg. 3 Preise zu je 1Ü0 M. die Einsender der Entwürfe„Bairniino', Frau Susanne Risel, Leipzig;„verba ckocent exempla trahunt", Frl. Dr. Elsbcth Georgi-Zürtch:„Die 10 Gebote der Säuglings- pflege", Dr. med. Fritz Reuter, Kalk b. Köln. Ein erster Preis in Höhe von 300 Mk., wie er ursprünglich vorgesehen war, konnte nicht vergeben werden, da keiner der Entwürfe den an daS Preis- ausschreiben geknüpften Erwartungen entsprach. Der Rest der zur PreiSvcrtetlung bereitgestellten Summe im Betrage von 50 M. wird zum Ankauf einzelner änderet Entwürfe verwendet, die in den Veröffentlichungen des Vereins für Säuglingssürsorgc je nach Bedarf zum Abdruck gelangen sollen. Die Errichtung einer Schulzahnklinik wurde vom Stadtmagistrat Nürnberg im Prinzip beschlossen. DI« Zahnärzte, die von einer allgemeinen Schul-Zahngesundyeitspflege eine Beeinträchtigung ihrer Einkünfte besorgten, hatten verlangt, daß der unentgeltlichen Untersuchung und Behandlung nur die Kinder der mittellosen Eltern unterzogen werden sollte». Dadurch wäre der ganzen Sache der Stempel der Armcnunterstützung auf» gedrückt worden, wogegen sich die Sozialdemokraten energisch wenden mußten. Nun wühlte man den Mittelweg, indem mau bestimmte, daß die Untersuchung und Behandlung auf alle Kinder sich er- strecken soll, deren Eltern CS„wünschen, Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballeii'Direkiion über den Grotzdandel in den Zenwal-Marttballen. Marktlage i F l e! i di: Zufuhr schwach, Geswös! ruhig, Prelle unverändert. W t I d: Zufuhr nicht genügend, die ich ütt lebhast, Presse gut. A e s I ü g c l i Zusuhr reichlich, Gcichäst nichl tebhast genug, Preise wenig verändert. Fische: Zusuhr mähig. Geschäft reg«, Preise wenig verändert Butter und Käse: Geschäft ruhig, Presse unverändert. Gemüse, Obst und Süd« s r ü ch l-! Zusuhr reichlich, Geschäft rege, Preise wenig verändert. 0000<>cxxrx>0000cxx00<00cr*>0000cxxlxxixxrx}0000cx;00cx>000000000000c>000c�� SW Jerusalemer Straße 38-39 W Friedrichstraße 75 W Potsdamer Straße 2 W Tauentzienstraße 19 a JlSL C Konigfstraße 25-26 Zentrale Und Veraand: SW Jerusalemer Straße 38-39 Zentrale fflr Herstelluug von individuellem Mass-Schuhwerk und individuellen Plattfuss- Einlagen unter speriaUrzt- licher Ueberwachung des Hrn. Dr. Karl Lengfellner. Herr Dr. med. Lengfellner(früherer Assistent von Prot Hoffa) ist wochentags von 5—7 Uhr in den Geschäftsräumen Jeruss- lemer Strasse, 38-39 zur ärztlichen Beratung anwesend. Man verlange Broschüre über den„Senkfuß". Preiswerte Herbst- Schuhwaren Nur bewährte Fabrikate a Konkurrenzlose Preiswürdigkeit. 8i0 DAMEN: Schnürstiefel, Boxcalfod. 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Da es nicht ausgeschlossen ist, daß Uneingeweihte diesen Behauptungen einen Schein von Berechtigung beilegen, sehen wir uns veranlaßt Zur Aufklärung Nachstehendes bekannt zu geben: Wir haben einen Apparat der Denunziantin zum Preise von 100 Mark kaufen lassen und in unsern Geschäftsräumen zu jedermanns Begutachtung aufgestellt. Ein Vergleich dieses Apparats mit einer Mull-Opera zum Preise von nur 90 Mark ergibt, daß letztere in Größe und Ausstattung dem teureren Apparate der Konkurrentin mindestens gleichwertig ist. Bei Beurteilung des Preisunterschiedes ist noch weiter zu beachten, daß der Käufer unseres Apparates fünf Schallplatten a 3 Mark gratis erhält und bei Ratenzahlung kein Preis aufs chlag eintritt, wohingegen die Konkurrentin in diesem Falle noch einen Aufschlag von 10°/, berechnet. Wir können die Beurteilung des Falles hiernach wohl ruhig dem Publikum überlassen. 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