Ur. 239. Rbonncmcnts-Redingungcn: Woiiücnicnls> PrciZ pränuincrando i Liertcljährl. ZßO Wtf., Mona». 1,10 Mk.. wöchentlich 2b Psg. frei>nS Ha»z. Einzelne Jlliimmer 5 Psg. Sonntags« Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Wonnemcnl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postadonnements nehmen an: Belgien, Täneiuarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 36. Jahrg. OWjeint tätlich außer(Rontaas. Vevlinev Vollisblcrtt. Blc Tnferfions-GcbiüfP Velrägt für die fechsgespaltene Holonrt» geile oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewerlschastlithe Vereins- und VersamtnInngS-Auzelgen 30 Psg. „l�lefne Tlnztigtn", das erste fielt- gedruSle) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Bort 10 Psg., jede? weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis»Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpeditton ist bis? Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Suialileinolirat Btrlio". Zentralorgan der rozlaldemokrati fchen parte» Deutfcblands. Rcdahtfom SM. 68» Ltndcnstrasoe 69. Ferusprechcr: Ruit IV, Nr. 1083. Gin„Volksaufbctzcr". Wenn man den ganzen Jammer des deutschen Libera- lismus erfahren will, so braucht man nur nach England zu blicken. Der Kontrast zwischen dem englischen und dem deutschen Liberalismus ist riesengroß. Nicht bloß in der äußerlichen Situation, wo er freilich gerade schneidend genug ist. Der englische Liberalismus stellt zurzeit die weitaus stärkste Partei des Landes vor und hat die Negierungsgelvalt in der Hand, während der deutsche Libcralisinns einen kleinen Bruchteil der deutschen Wählerschaft und des deutschen Reichs tags vorstellt und sehnsüchtig ans die Gelegenheit wartet, wo er von den Junkern und ihrer Regierung Wieder als 33c dienter in der Regierungsstnbe zugelassen wird. Aber iveit größer und schärfer noch als dieser Unterschied in der äußerlichen Lage ist jener in der inneren Verfassung. Ein Unterschied Wie zwischen einem unternehmungslustigen, seiner Kräfte sicheren und bewußten, mit Zuversicht und Tatendrang in die Welt blickenden Mann in den besten Jahren und einem resignierten, altersschwachen, des kräftigen Selbst- Vertrauens entbehrenden Greis. Der englische Liberalismus kämpft unr die Herrschaft im Staate, der deutsche schachert um ein wenig Einfluß. Besonders deutlich tritt dieser innere Unterschied in einer Situation hervor, die in beiden Ländern ungefähr die gleiche ist. Und diese Gleichheit der Situation ist— zwar nicht gleichzeitig, aber doch nur mit nur kleiner zeitlicher Trennung— vorhanden. In England wird jetzt ein Kampf um eine Reichs- sinanzreform ausgefochten, der dem Streit, der in Deutschland vor einiger Zeit geführt wurde, sehr ähnlich ist. Auch in England wehrt sich die Klasse der Großgrundbesitzer gegen eine direkte Steuer, die sie treffen soll. Und gleich den oft- elbischeu Junkern wehren sich die britischen Landlords Iveniger um der sehr Wenig drückenden Steuer selbst willen, die ihnen auferlegt werden soll, als um der Möglichkeit ivillcn, daß sie später erhöht»vird, und»veil mit ihrer Ein- sührung eine allgemeine Aufnahme ihres Vermögens not- lvendig»vird. Dieselben Gründe»varen ja auch für unsere Grundherren maßgebend, als sie die Erbschaftssteuer zu Fall brachten. Daß der englische Finanzreformplan im übrigen mit dem deutschen nicht auf eine Stufe zu stellen ist, daß er »ocit mehr direkte, die Besitzenden treffenden Steuern enthält als indirekte, die die BUuderbemittelten belasten, ist hier schon mehrfach dargelegt»vorden. Die deutsche Reichsfinanz- reform wollte von vornherein, selbst in ihrer relativ besten Gestalt, vier Fünftel der neuen Steuern den Minder- bemittelten auflegen und nur ein mageres Fünftel den Leuten vom Geldsack. Im englischen Budgetplan ist das Verhältnis der Steuern auf Besitz und Armut ungefähr umgekehrt. Der Plan stellt noch lange nicht eine Stcuerverteilung vor.»vie sie die Sozialdemokratie fordern muß, aber gegen den Steuerraubzug, den der Schnapsblock ain deutschen Volke verbrochen hat, nimmt er sich doch aus wie ein Ausbund von Gerechtigkeit. Der Widerstand der Landlords gegen die Grnndtaxe ist nicht minder erbittert als der unserer ostelbischen Ritter gegen die Erbschaftssteuer. Wenn sie auch im Unterhause,»vo die Liberalen die Mehrheit haben, nichts ausrichten können, so haben sie doch ihre feste Position iin Obcrhause, in der Kammer der geborenen Gesetzgeber. Und im Lande suchen sie sich die imperialistische Strömung und die aus dem Aerger und der Furcht vor der deutschen Konkurrenz geborene Schutzzoll- bewegung dienstbar zu machen. Sie drohen mit der Veriverfung des Budgets in» Obcrhanse, sie»vollen Wahlen crztvingcn, in denen sie die Schntzzollparole in die Massen»verfen wollen. Schon wird in» Lande ein Vorkampf ausgefochten. Meeting folgt auf Meeting. Die Landlords haben große Mittel und in den Herren der Hochfinanz, die natürlich auch sehr scheel auf dieses„revolutionäre" Budget schaut, starke und reiche Verbündete. Die konservative Partei— die Vertretung dieser beiden Schichten— ist sehr rührig. Aber die Liberalen nicht minder. Sie sind aus anderem Stoffe geinacht als die unserigen. Sie beschränken sich nicht auf die Verteidigung, sie sind entschlossen und auf der ganzen Linie zum Angriff auf den Feind übergegangen. Und wenn auf dem rechten Flügel auch eine gewisse Neigung zuin Vergleich mit den» Gegner ab und an bemerkbar»vird— der linke Flügel ist um so kampflustiger und rücksichtsloser. Er führt eine Agitation gegen die Lords in einer Sprache, die in Deutschland der Liberalismus höchstens noch gegen den„roten Umsturz" findet. Wenn ein deutscher Junter diese Reden liest, so»vird er bei seiner niangelnden Kenntnis dessen, was das eigentliche Wesen des Sozialismus ist, darauf schwören, daß sie von knallroten Sozialdeinokraten gehalten»vorden. So„hetzerisch" ist Ton und Inhalt dieser liberalen Reden, mit solcher Schärfe gehen sie den Landlords zu Leibe, und mit solcher Rücksichtslosigkeit decken sie den Kontrast zivischen der Lage der Armen und der Reichen auf, nüt solcher Respektlosigkeit be- handeln sie so„erhabene" Institutionell wie die der Lords und der Lordkammcr. Sie appellieren an die Volkslciden- schaften, sie nutzen in bewußtester Weise die sozialen Gegen- sätze zur Schürung des Volkszorns gegen die Lords, und dabei entfährt den Rednern»nanches Wort, das die Liberalen in anderer Situation zu sprechen sich sicherlich zehnmal überlegen würden. Denn diese Worte werden sich einst wider sie selbst kehren. wenn mehr auf dem Spiele stehen wird als ein Budgetplan und neue Stcilern oder auch die Frage, ob die Erlvählten des Volkes oder die Lords das Land regieren; wenn die Liberalen mit ihren jetzigen Feinden, den Konservativen, gegen die Arbeiterklasse kämpfen werden. Und dann»verden diese Worte im Munde der Sozialisten den Massen als Beweise erscheinen, daß selbst dieLiberalen die Schäden dieser Gesellschaft� ordnung nicht leugnen können, daß sie selbst sie zugegeben haben. So ist die Rede, die der Schatzkanzler, der Minister Lloyd George am Sonnabend in Nelvcastle hielt, eine solche, die an sogenannter„Volksverhetznng", d. h. an treffender Charakterisierung der jetzigen Zustände, der Privilegien der Besitzenden und des Loses der Alinut nichts zu wünschen übrig läßt. Jeder Sozialdemokrat wird diese Rede mit Nutzen lesen und aus ihr eine Reihe wichtiger Zugeständnisse an seine Beurteilung der heutigen Ordnung zusammenstellen können. Nach den Londoner„Daily News" hat der Minister etwa ausgeftihrt: Welches fei der Haupieitiwaiid, der gegen das Budget erhoben werde? Der. daß es einen Angriff auf die Industrie und das Eigen tum darstelle. Er glaube aber nachweisen zu können, datz weder das eine noch das andere der Fall sei. ES sei doch merk- würdig, daß. seitdem der Angriff im Uiiterhause begann, der Handel sich gehoben habe. Die Industrien, die noch im vorigen Jahre init Verlust arbeiteten, fingen an,»vieder mit Nutzen zu produzieren. Die Ausfuhr und Einfuhr seien in den letzten Monaten um Millionen in die Höhe gegangen. Die industriellen Geldanlagen seien»vieder nutzbringend geworden, selbst die Brauereiaktien seien gestiegen. Der einzige Artikel, in dem eine Baisse eintrat, seien die Herzöge. Jüngst habe ein besonder? kostspieliger Herzog eine Rede gehalten, und die Torypresse sagte: Ist dieser Herzog wert, datz wir an ihn jährlich fünf Millionen Mark bezahlen? Gerade so viel,»vie ein paar Dreadnoughts kosten. Dabei sind diese ein ebenso grotzer Schrecken und dauern länger. Solange die Herzöge damit zufrieden waren, Idole zu sein und das vornehme Still- »chw eigen bewahrten,»velches ihrem Slang und ihrer Jntelli- genz wohl austaud, ging alles gut. Aber dann kam da» Budget, und sie stiegen von ibren Sitzen hernieder, weil dieses von der Ver- goldung ihrer Staatskutsche etwas fortnähm. Zwei Klassen seien es, die gegen das Budget eingenommen seien, dje einen, die eine vollständige Aenderung in dem fiskalischen System des Landes ver- langten und die Nahrungsmittel besteuern wollten, die andere, die mächtigere Klasse, aber seien die Großgrundbesitzer.„Was haben Sie dagegen einzuwenden. Würde doch die Steuer in diesem Jahre nur 13 Millionen betragen haben. Woher denn also all der Aerger? Daher, datz dies« Steuern wachsen würden. Der Reichium würde besser verteilt werden und die Ar- be i t er würden bessere Heimstätten verlangen. Sie ver- langen keine Paläste, seien aber der Löcher überdrüssig. Wenn sich diese fruchtbringenden Ideen erfüllten, würde mehr Land erforderlich sein und mehr Steuern würden bezahlt werden. 20 Proz. mehr. Aber der Haupteinwand der Landherren sei der, datz das Budget Einschätzungsvorschläge enthalte. Die staatliche Einschätzung würde zum ersten Male eine u n p a r- t e i i s ch e Feststellung des Wertes des Landes zur Folge haben und diese könne»nan den Landherren entgegenhalten, wenn sie exorbitante Pachten und Preise für ihre Güter verlangten. Da- gegen bezahlten die Landherren nicht einen Pfennig zu den schweren w ach senden Steuern ihres Distriktes." Er frage jeden vernünftigen Menschen, ob es unter diesen Ver- Hältnissen eine Ungerechtigkeit sei, solche Leute zu besteuern. Wenn der Staat Geld brauche, Geld für die Verteidigung des Landes, für Pensionen, für a l t e L e u t e, die ihr ganzes Leben damit zugebracht haben, den Boden zu bearbeiten, Bergwerke anzulegen und ihr Leben nach allen Richtungen hin zu wagen! Plan werde diese Vorlage dem Obcrhause zugehen lassen. Alle Steuern oder keine l Und man werde sehen, was die Lords tun werden. (Großer Beifall.) Das Oberhaus möge eine Revolution dckre- tieren, aber das Volk werde sie leiten. Das sei eine Angelegenheit, die vielmehr das Oberhaus angehe als die Liberalen. Tie unvcr- antwortlichen und leichtherzigen Mitglieder des Oberhauses wünschten die Bill zu verwerfen.?lber diese Absicht hinge vom Wetter ab. Die Lords seien Schönwettermatrosen und aus Lord Lansdowne mit seinem alten krachenden Schiff und seiner meute- rischen Söesatziing sei kein Verlaß. Das Schicksal des Budgets lvürde in erster Linie vom Lande abhängen. Wenn etwas in der britischen Verfassung feststehe, so sei es das, daß das Haus der G e meinen die Kontrolle über die Finanzen habe. Was die Väter durch die Jahrhunderte im Kampfe und unter Blutvergießen erworben hätten, würde die Gegenwart nicht aufgeben. Wenn eine Revolution von den Lords hervorgerufen würde, so würde unter anderem die Frage entstehen, warum fünfhundert Männer, die zufällig und aus den Beschäftigungslosen gewählt seien, das wohlerwogene Urteil von Millionen Menschen aus dem Volke über den Haufen werfen dürfen, die arbeiten und die den Wohl st and des Landes begründen? Wer sei dafür verantwortlich,»venu ein Mann, der sein Lebenlang schwer gearbeitet und am Ende seiner Tage vom Staate 65 Pf. pro Tag fordere, diese nur durch eine Revolution erlangen könne, während ein anderer Mann, der sein Leben lang nichts getan, an einem Tage mehr erhalte als sein armer Nachbar »vährend des ganzen Jahres? Diese Fragen und Antivorten schlössen große Gefahren ein. Denn die finsteren Wege, die die Menge durch die Jahrhunderte mit geschlossenen Lippen getvandclt seien, öffneten sich jetzt gegen das Li ch t." So sprach der englische Fiuanzminister! Der„Volks- verhetzer", wie ihn unsere Junker nennen werden. Wenn zwei sich streiten, so hat der Dritte Grund, sich zu freuen. Ter Dritte ist in diesem Falle das Proletariat. Die Saat, die Lloyd George ausstreut, mag zunächst liberal« Frucht bringen, aber es ist kein Zweifel, daß sie schließlich die Ernte des Sozialismus reifen lassen muß. Denn die Konsequenzen der Ausführungen, die der Minister gemacht hat, müssen den Arbeitern aufstoßen und. wenn sie sich gefv.öhnt haben- die Sxpedirion: SM. 68, t-uidenstrasse 69. Ferufprecher: Amt IV, Nr. 1984. Dinge unter diesem Gesichtspunkte zu betrachten, so ist eS sicher, daß sie vor den Geldschränken der industriellen Unter» nehmer einst die Augen nicht niederschlagen werden. Zum Aahlkarn??. Der Einigungskandidat. Im Landtags Wahlbezirk Berlin VII hat der Berliner Stadtverordnete Goldschmidt, der endlich gefundene Freisinns« mann, mit dem man alle bürgerlichen Wähler zu befriedigen hofft, vor dem„Liberalen BezirkSverein Friedrichshain" das„Programm" entimckelt, das er als der Auserkorene der„vereinigten bürgerlichen Parteien" braucht. Der„Vorlvärts" habe, sagte er, den Witz ge- macht, datz dem für Berlin VII zu suchenden E i 11 i g u 11 g s« kandidaten wie einem mit ganz besonderen Eigenschaften aus« gestatteten polilischen Wundertier ciitgcgcugesehcii»verden müsse. Goldschniidt bemühte sich, den Nachweis zu erbringen, datz er in der Tat dieses„Wundertier" sei. Den Staiidpunkt, von dem anS er als durchfallöbereitcr Kandidat des„vereinigten Bürgertums" den Kampf führen will, präzisierte er kurz und bündig dahin:„Eine Eigenschaft haben»vir alle: wir»vollen keinen Sozial« demokraten, darin sind wir a l I e e i n i g". Ei geWitz, darin sind sie alle einig I Das deckt sich so ziemlich mit dem„Programnr" des ReichSverbandeS zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Die Einigkeit im Kampfe gegen die Sozialdemokratie lvar das einzige, worüber Herr Goldschmidt sich uiiztvcidcutig aussprach. Da- gegen war in seinen Ausführungen nicht« zu hören von einer klaren Stellungnahme zu den großen, für die Geschicke Preußen bedeutungS« vollen Fragen, über die im Landtage entschieden werden soll. DaS darf man aber auch nicht verlangen von einem Manne, der vor einen Wählermischmasch hintrcten Ivill. So ein„EinigimgSkaudidat" mutz das„Mädchen aus der Fremde" spielen, das„jedem eine Gabe" austeilt; mir darf dabei niemand merken, datz er keinem ctlvas Rechtes gibt. Eben darin bestehen ja die besonderen Eigen- schaften, die das„Wundertier" haben mutz. Datz Herr Goldschmidt sie hat, zeigte auch seine Stellungnahme zur Wahlrechtsfrnge. Der„Vorwärts" habe ihm und seiner Partei den Vorwurf ge- macht, datz in einem auch von ihm unterzeichneten Aufruf nicht in bestimmter Form das ReichStagswahlrccht für PrcntzenS Landtag gefordert worden sei. Wenn daS, Ivofür da der Freisinn„agitieren" wollte, nämlich die Vcscitigimg dcS Dreiklassen« systenis, der öffentlichen Abstimmung und der veralteten Wahlkreis- einteilung, erreicht»verden könnte, dann»verde, so tröstete der „Einigungskandidat", vom preußischen Lnndtagswahlrccht nicht mehr viel übrig bleiben. Doch auch jetzt fiel eS ihm nicht ein, ohne Um« schweife die Uebertragung des Reichstags»vahlrechtS auf Preußen zu fordern. Er machte den Vorbehalt, datz daS jetzt nicht Dtirchzusetzende für„später" anzustreben sei. Na, ja! Mit dieser weisen Bescheidung stößt man keinen vor den Kopf, nicht die Frennde einer ernstlichen Wahlrechtsreform inid auch nicht ihre Gegner, so denkt sich's»venigstenS der„Einiguiigskaiididat". In der Sprache des Freisinns heißt eS: nur das Erreichbare fordern. Herr Goldschmidt hat als Stadtverordneter für Berlin oft genug sich noch deutlicher für diese Politik des„Erreichbaren" ausgesprochen und sich auch praktisch in ihr betätigt. Hier hat er besonders gegen» über dem Ruf der Sozialdemokraten nach mehr Arbeiter« f ü r s 0 r g e das Verfahren befolgt, nicht Größeres zu verlangen, als die freisinnige Mehrheit„erreichen" lassen wollte. Dieser Schivärmcr für das„Erreichbare" will mir bezüglich seiner persön« lichen Wünsche sich nicht dieselbe Beschränkung auferlegen; er „fordert" das dem Freisinn Unerreichbare, den„Sieg" in Berlin VU. Seinen Zuhörern stellte er sich als eine Art Arbeiierkaudidat bor. Diesen Mut hatte er, oblvohl alle Welt weiß, datz er nur der zarten Rücksichtnahme deS Freisinns auf die Hausbesitzer seine Kandidatur verdankt. Landtagskandidaten des Berliner Freisinns haben zu allererst mit dem Hausagraricrtum zu rechnen, nicht mit der werktätigen Bebölkermig, den Arbeitern, den kleinen Gewerbe- und Handeltreibenden, den Beamten und Lehrern. Darüber, Ivas Herr Goldschmidt im Landtag,»venu er hineinkäme, für daS Haus- agrariertum tun möchte, machte er nur die kurze Bemerkung, auch die HaiiSbesitzerinteressen seien„abgewogen z u berücksichtigen". Sehr gut gesagt, dieses„abgewogen" I Dabei kömieu die Wähler jeder Bevölkermigsjchicht denken,»vaS jede einzelne sich»vüuscht. Wähler aus der Iverktätigcn Bevölkerung werden vielleicht der Hoffnung sich hingeben, datz dieser FreisiimSmairn dem HauS« agrariertmn nicht mehr werde zulvirgen»vollen, als sich mit den Interessen der Gesanitbevölkerung verträgt. Die Hausbesitzer aber dürfe» darauf vertrauen, datz der. Einiguiigskaiididat", den sie der Wählerschaft aufzwingen, bereit ist, ihnen die Schale zu füllen, bis ihre F 0 r d e r 11>1 g e 11 aufgewogen sind. Bor Wähler» aller BevölkermigSschichten trägt ein freisinniger„EinigmigSkandidat" solche HerzeuSiicigungen nicht gern zur Schau, lieber flüchtet er sich mit seiiieu Zärtlichkeitsbeweisen in das vcischwiegcne Kämmerlein eines GrundbesitzervereinSvorstandes.»Wenn»vir nachher alleine sind, dann wird sich alles finden.'' Zm Nshlbemgung in ßnOen. Die Koalition des Zentrums mit den Konservativen ist in Baden jetzt solveit gediehen, daß daS Zcntrnm in nicht »veniger denn 14 Kreisen die konservativen Kandidaten gleich im ersten Mahlgang unterstütze»»»vird, während das vor vier Jahren nur in einem einzigen Kreise der Fall»var. Aller» dings hat das Zentrum bei der Stich>vahl in vier Kreisen seine Kandidawren damals nicht niehr aufrecht erhalten, sondern ist für die KonferbakiveN iflid Vauernbündler ein- � getreten, denen es auf diese Weise vier Mandate zuzuschanzen vermochte. Nach dein badischcn Wahlgesetz kommt, wenn im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten hat. jeder, der mindestens 15 Proz. Stimmen auf sich vereinigte. in die Stichwahl. Das Zentrum befürchtet nun offen- bar, das; bei der herrschenden Stimmung die Kon- servativen wenig Aussicht haben, die vorgeschriebenen 15 Proz. zu erreichen und seine Stichwahlhilfe daher zu spät koinmen diirfte. Der Verzicht des Zentrums auf eigene Kandidaten in diesen Kreisen entspringt also der Sorge, die 5lonscrvatideu könnten für die Stichwahl ausfallen. Im Kreise W i e s l o ch- B r ,l ch s a l. wo bei der letzten Wahl der Zentrumskandidat Freiherr v. Menningen mit 78 Proz. der abgegebenen Stimmen siegte, propagieren unzufriedene Zentrnnis'anhänger mit geheimer und offener nationalliberaler Hilfe die Kandidatur des Bürger- nieistcrs H i l l e n b r a n d von Kronau, der ver- spricht, im Falle seiner Wahl sich keiner Fraktion anzuschließen. Nun, er wird sicherlich nicht in die Lage kommen, sich über seine Fraktionsstellung im Landtag ent- scheiden zu müssen. Dafür ist die Organisation des Zentrums zu fest gefügt, Ivie ein ähnlicher Vorgang vor vier Jahren gezeigt hat. Im Kreise Tauberbischofsheim wollte damals der bisherige Zentrumsvertreter. Professor Köhler, sich von dein Venefiziaten Dr. S ch i f e r nicht verdrängen lassen. Der offizielle ZentrumSkandidat aber wurde mit 89 Proz. aller abgegebenen Stimmen gewählt. Jetzt ist die Lage des Zentrums allerdings viel schlechter, und da im Wieslocher Kreise starke Tabakindustrie vorhanden ist, so wird die'schwarze Partei sicherlich einen erheblichen Stimmen- rückgang erleiden. Aber das dürfte viel mehr der Sozial- demokratie zugute koinmen als dem.wilden" Zentrums- kandidaten. In K a r l s r u h e hat das Zentrum gleichfalls auf die Aufstellung eigener Kandidaten verzichtet und unterstützt die von Mittelparteilern aufgestellten Kandidaten. In dem west- lichen Wahlkreis haben aber bereits drei Herren, die als Kandidaten aufgestellt wurden, abgelehnt, iveil sie gemerkt hatten, daß hinter der ganzen Mittelstandsbewcgung die Drahtzieher des Zenirnnis standen. Jetzt glauben sie in dem Bureauassistenten der Eisenbahner-Krankenkasse, V. Keller, einen geeigneten Durchfallskandidaten gefunden zu haben. Die Stadt Karlsruhe stellt vier Abgeordnete, die Sozialdemo- kratie hatte zwei Mandate, die Nationalliberalcn und die Freisinnigen hatten je ein Mandat inne. Die Mittelständler werden auch mit Zentrumshilfe keine Geschäfte machen. Die Zeiten sind vorbei._ Die kieriliale IRacheluiliz in Spanien. Die spanische Regierung setzt unbekümmert um den Einspruch der Gebildeten aller Nationen ihren Rachefeldzug im Dienste des spanischen Klerus fort. Die Ueberführung FerrerS nach der bei Barcelona gelegenen Bergfestung Montjnich ist in der Montagimcht erfolgt. Der Gefängniswärter sagte ihm, der Richter wolle ihn sprechen. Ferrer warf sich schnell in seine Kleider, weil er glaubte. es handle sich um eine Vernehmung, und zog in der Eile nicht einmal Strümpfe an, da er erwartete, rasch wieder in seine Zelle zurückgebracht zu werden. Aber als er die Treppe zum ge- wohnlichen Verhörszimmer hinaufgehen wollte, hielt ihn der Wärter an und sagte ihm, heute ginge der Weg zum SitzungSsaale. Sie kamen an eine Gittertür, die zum Hofe führte. Auf diesem stand ein Wagen, der von Gendarmen umringt war. Ferrer begriff, daß «r fortgebracht werden solle,' er erbleichte und blieb stehen. Der Hauptmann deS WachtdienfteS näherte sich ihm und sagte be- Nlhigend:„Wir wollen Sie nur in ein anderes Gefängnis bringen." Ferrer faßte sich und erwiderte:„Mir ist alles gleich". Mit Handschellen gefesselt wurde er durch die Straßen eskortiert, auf denen Militärpatrouillen den Wachtdienst versahen. Montag vormittag sandte der Direktor das Ferrer gehörige Geld nach Montjuich. Es wird erzählt, daß Fcrrer Sonnabend früh um acht Uhr. nach anderen schon Mittwoch abend, erschossen werden soll. Nach der Mitteilung der„Daily News" bestand der Krieg?» gerichtshof, der Ferrer verurteilte, aus dem Präsidenten Obersten L a c a l e, sechs Kapitänen als Beisitzern und einem Beisitzer-Stell- Vertreter. Die öffentliche Anklage wurde von Kapitän RafaleS ver- treten. Zeugen wurden, wie das beim Kriegsgericht üblich ist, nicht vernommen. Doch die Regierung begnügt sich nicht, Ferrcr dem Rachedurst des spanischen Mönch'StumS zu opfern: sie hat nach russischem Rezept auch den Offizier, den Ferrer sich als Verteidiger vor dem Kriegs- gericht erwählt hatte und der seinen Klienten mit Geschick und Eifer verteidigt haben soll, verhaften lassen— allem Anschein nach, weil dieser Verteidiger, der Geniehauptmann Gal- eeran, sich öffentlich mißbilligend über das gegen Ferrer befolgte Gerichtsverfahren geäußert hat. Darin wird von der herrschenden klerikalen Clique eine Ueberschreitung der Ver- teidignngsrechte erblickt. In verschiedenen Städten Frankreichs und Italiens fanden vor- gestern und gestern DemonstrationSversammlungen gegen die Ver- urteilung Ferrers statt. In Paris hatte die sozialdemokratische Parteileitung der Seine zum Montagabend eine große Volks- Versammlung einberufen. Sembat und Jaurös referierten. JaureS sagte: „Wir wissen nicht, ob unser Einspruch noch etwas helfen kann. Der Mann, den wir retten wollen, ist vielleicht schon unter den Kugeln gefallen. Unsere Verwahrung wird indessen vielleicht dazu beitragen. neue Verbrechen zu verhüten, � die zu ! begehen man sich vorbereitet. Zwischen de» freiheitlich ge« filmten Franzosen und den Opfern von Barcelona be- steht eine Gemeinbürgschaft. Was die spanische Regierung in r Ferrer treffen will, das ist der Geist der Aufklärung, der von der anderen Seite der Pyrenäen in Spanien eindringt. Die franzö- fische Regierung ist eS, die, indem sie uns in das marokkanische Abenteuer stürzte, die Kolonialbegehrlichkeit Spaniens wachrief und den Brand von Barcelona entzündete." Rom, 12. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Heute nachmittag fand hier eine Versammlung statt, die Protest gegen die Verurteilung Ferrers einlegte. Die Ver- sammlung wies eine iniposatite Beteiligung auf. Zirka 30(XX) Personen nahmen an dieser Kundgebung teil. Es herrschte allgemeine Arbeitsruhe; selbst die Droschken und Straßenbahnen waren außer Betrieb. Außer sozialistischen und republikanischen Rednern sprach der Universitätsprofessor Cergt. Der„Avanti" veraltstaltete eine Extraausgabe für Fcrrer. Militär war in ungeheurer Menge aufgeboten. Die sp anisch e Ges an d ts ch aft stand unterKavallerie- bewachung. Ernste Zwischenfälle sind nicht vorgekommen, doch fanden zahlreiche Verhaftungen statt. ✓. Pens, 12. Oktober. Wie btt„Agence HabaS" über Cerbere gemeldet wird, soll Ferrer, falls nicht ein Gegenbefehl ergeht, am Mittwochabend erschossen werden. Paris, 12. Oltober. Zu der Tatsache, daß im Prozeß Ferrer die Zeugenaussagen und die Erklärungen FerrerS vor dem Antrage deS Staatsanwalts nach den Protokollen der Voruntersuchung einfach verlesen wurden, meldet die„Agence Havas" aus Madrid, daß dieses Verfahren gesetzmäßig ist und in allen dem Prozeß Ferrer gleichen Fällen beobachtet wird. Politifcde(leberficbt. Berlin, den 12. Oktober 1999. Zur Stichwahl in Kobnrg. Der Ausfall der Reichstagscrsatzivahl in Koburg hat in den liberalen wie konservativen Kmsen blasses Entsetzen hervorgerufen. Noch bis in die letzten Tage verkündete die nationalliberale Presse, daß die Chancen für ihren Kandidaten im Kobttrger Wahlkreise ausgezeichnet ständen— und nun dieses Resultat I Ist doch die Gesamtstimmenzahl des nationalliberalen und freisinnigen Kandidaten, die sich bei den Hottentottenwahlen des Jahres 1907 auf 8565 stellte, auf 6591, also um mehr als 2999 Stimmen, gefallen, während zugleich die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen von 4396 auf 6135, um fast 1999 stieg. Das ist ein Erfolg der Sozialdemokratie, den selbst die Pessimisten im liberalen Lager nicht erwartet hatten. Darüber, wodurch dieses für die bürgerlichen Parteien so ungünstige Resultat hervorgerufen ist, sind sich allerdings die liberalen Blätter nicht einig. Die konservative Presse schiebt der„maßlosen Hetze" der Liberalen gegen die Reichsfiiianzreform die Schuld zu. Wie bei der Ersatzwahl in Stollberg-Schueeberg schreibt auch jetzt wieder die„Deutsche TageSztg.": „Von dieser Verhetzung profitiert, wie wir schon oft gesagt haben und wie auch hier wieder bewiesen wird, lediglich die am weitesten linksstehende, die radikalste Partei. Wenn die Liberalen ihre verhetzende Tätigkeit auch jetzt noch weiter fortsetzen und da- gegen nichts getan wird, dann werden wir in Halle und in Landsberg dasselbe erleben, wie jetzt in Koburg und in Stollberg- Schneeberg." Die„Post" hält den Liberalen vor, daß ihre Hetze gegen die NeichSsinanzreform sie selbst am meisten schädigen müsse. Das Blatt fleht die Parteien an:„Es ist wahrhaftig hohe Zeit, daß die bürgerlichen Parteien sich auf sich selbst und ihre vaterländische Gesinnung wieder bestnuen und sich zur gemeinsamen Abwehr gegen die sozialdemokratische Hochflut vereinigen." Dagegen meint die„Voss. Ztg.": „Das Wahlergebnis vom Montog ist bedeutungsvoll für die Stimmung der Wähler im Lande: Die Haltung des Zentrums und der Konservativen bei der ReichSstenervermehrung hat den Sozialdemokraten wieder Scharen von Mitläufern zugeführt, die, ohne der sozialdemokratischen Partei sich zuzurechnen, durch Abgabe eines sozialdemokratischen Stimmzettels am kräftigsten ihrem Un- mut Ausdruck geben zu können glauben." In einem Punkt sind sich jedoch die Blätter aller im Koburgcr Wahlkreise in Betracht kommenden bürgerlichen Parteien einig: darin, daß nun der gesamte Ordnungsbrei bei der Stichwahl für den nationalliberalen Kandidaten ein- treten muß. Sie alle, von der„Krenz-Ztg." bis zur „Voss. Ztg.". fordern, daß jetzt der Hader zwischen den bürgerlichen Parteien schweigt, dainit bei der Stichwahl nicht das Koburgcr Mandat in unsere Hände fällt. Die „Voss. Ztg." erklärt:„Pflicht der bürgerlichen Wähler ist es, alles daran zu setzen. daß diese Hoffnung vernichtet wird. Von den freisinnigen Wählern besonders darf und muß erwartet werden, daß sie in der Stichwahl Mann für Mann für den nationalliberalen Kandidaten Dr. Ouarck stimmen." Und selbst die„P o st" meint pathetisch: „Es ist Ehrensache aller bürgerlichen Wähler, dafür zu sorgen, daß bei der Stichwahl dieser Vorsprung nicht verloren wird und damit auch dieser Wahlkreis an die Sozialdemokraten übergeht, insbesondere von den linksliberalen Wählern, deren Kandidat bei der Stichwahl ausfällt." Es ist sicher, daß die sogen. Ordnungsparteten nach diesem Rezept handeln und sich bei der Stichwahl zu gemeinsamem Kainpf gegen unsere Partei zusammenfinden werden. Um so energischer muß von uns die Gegcnagitatton betrieben werden. Es gilt die kurze Zeit bis zum Stichwahltermin möglichst auszunutzen. Der Wahlkreis Koburg muß erobert werden. Die Chancen sind günstig. Der Steuerraubzug hat den Massen die Augen über das Wesen der kapitalistischen Parteien geöfftret. Die Agitation fällt auf guten Boden. Zur Reichstagsersatzumhl in Halle. Der Termin für die ReichStagSersatzwahl in Halle ist nun endgültig festgesetzt worden und zwar auf den 26. November. Der eigentliche Wahlkampf wird also noch ungefähr sechs Wochen dauern. Die Gegner werden zweifellos alles auf- bieten, mn die Wähler zu ihren Gunsten zu bearbeiten, aber auch die sozialdemokratische Partei wird es an Agitatiotts- arbeit nicht fehlen lassen. Zu guterletzt hat nian nun auch noch eine zweite bürger- liche Kandidatur aufgestellt, nämlich eine Sonderkandidatur der Handwerker. In einer Versammlung, die am letzten Sonntag stattfand, wurde von den Handwerkern, die mit der Kandidatur Reimann nicht einverstanden sind, der Klempner- meister Karl Zweck in Halle zum Kandidaten nominiert. Man will offenbar auf eine Stichwahl hinwirken und in den Tagen zwischen Hauptivahl und engerer Wahl dem„nationalen" Kandidaten Reimann Zugeständnisse in Handlverkerfragen entreißen.— Der„Vorwärts" hatte unlängst gemeldet, baß sich ein Vertreter des Bundes der technischen Angestellteit für die Kandidatur Ret mann ausgesprochen habe. Hierzu wird uns von der Ortsgruppe Halle des Bundes der technisch- industriellen Beamten mitgeteilt, daß dieser Bund jener Mitteilung ans das entschiedenste widersprechen müsse. Der ge- nannte Verband schließe nach seinen Satzungen parteipolitische Bestrebungen vollständig aus, so daß das Eintreten eines Vertreters des Bundes für einen bestimmten Kandidaten mit den Statuten in Widerspruch gestanden haben wurde. Nattonalliberale Bescheideuhekt. Nachdem der Bülow-Block durch den Schnapsblock abgelöst Ivorden, schien es als selbstverständlich, daß aus der neuen Mehrheit auch das neue Rcichstagspräsidium gebildet werde. Mancher freute sich schon auf das Trifolium Stolberg-Spahn-Lattmanu. Inzwischen haben aber konservative Blätter durchblicken lassen, daß die konservative Fraktion die Nationalliberalen nicht gern vom Präsidium ausschließen möchte. In den Kreisen, in denen man auf politisches Ehr- gesühl hält, betrachtete man es als selbstverständlich, daß die Nationalliberalen den Sitz des dritten Vizepräsidenten zurückweisen würden; in nationalliberalen Kreisen jedoch ist man anderer Meinung. Dem„Hamburger Korrespondent" wird von national- liberaler Seite in bezug aus die Präsidentenfrage geschrieben: ES sei nicht gut einzusehen, warum die Nationalliberalen das An- sinnen, die dritte Präsidentenstelle einzunehmen, mit Entrüstmig von sich weisen müßten: „Der Opposition angehören und fich an der Leitung der ReichstagSgeschäfle beteiligen, ist durchaus kein Widerspruch. Wir haben eben nicht das parlamentarische Regime, das alle Plätze durch die Mehrheit besetzen läßt. Das englische Schema paßt nicht auf uns. Unser System ist weit kom- plizierter. Eine Präsidialstelle sichert der Partei, die sie inne hat, immerhin eine gewisse Einfluhsphäre. Und wenn man über- Haupt mitzuarbeiten gewillt ist, so sollte man sich keinen Vorteil entgehen lassen, der durchaus nicht zu einem Opfer der Heber- zcugnng verpflichtet. Die rein negative Opposition um der Oppo- siiiön willen, die sich freiwillig ihres Einflusses begibt, ist unpoli- tisch. Man darf sich durch Anwendung eines falschen Schemas nicht zu Konstruktionen drängen lassen, die geistreich und ver- führe ris ch scheinen mögen, aber sachlich unhaltbar sind." Die ehemaligen freisinnigen Blockgenosscn der Nationalliberalen sind also wieder in ihrer Wertschätzung der Nationalliberalen ent- täuscht worden. Die Herren Nationalliberalen werden nicht so«un- polilsch" sein, auch nicht geistreich genug, um das falsche oppositionelle Schema zur Anwendung zn bringen, wenn der Kampf um de» bisher freisinnig besetzten, dritten Vizepräsidentenposten entbrennt; sie werden ruhig nehmen, was ihnen von den Konservativen als Gnadenbrocken zugeschoben wird und vielleicht gar darin noch das Unterpfand für künstige neue Blockbündnisse mit den Junkern sehen. Vertrauensvotum für Oriola! Der nationalliberale Abgeordnete Graf Oriola, der seiner Haltung zur ErbschastSstener wegen aus der nationalliberalcn Reichs- tagSfraktion ausscheiden nuißte, hat an» Sonntag in seinem Kreise in einer Versammlung eine zweistündige Rede gehalten. Die Ver- sammlung sprach ihm einmütig ihr Vertrauen aus! Die Hehl zu Herrnsheim und Oriola dürften denen um Baffer- mann noch schwer zu schaffen machen. Nerijtöpfiege in Ostpreufzen. Wieder ist ein ostpreußischer Gutsbesitzer, der seinen Land- arbeiter erschlagen hat, von bürgerlichen Geschworenen, die zum Teil selbst Gutsbesitzer sind, freigesprochen worden. ES handelt sich um folgenden Borfall: Dcr Jnstmann Tonkcl, der beim Gutsbesitzer Stoll bei Heiden- bürg tätig war, hatte im Winter zu wenig Deputat erhalten. Sein 16 Jahre alter Sohn wollte seinen Vater hierfür schadlos halten, Indem cr dem Gutsbesitzer 4 Kilogramm Gerste wegnahm. Der Inspektor Gnaß forderte den jungen Menschen auf, die Gerste zurückzugeben. Dieser sagte aber zu dem Inspektor:„Wenn Sie betrügen, so kann ich stehlen." Darauf erhielt der junge Mann von Gnaß eine Ohrfeige. Das bemerkte sein Vater, dcr nun ans den Inspektor losgehen wollte, von diesem aber einige Stockhiebe erhielt. Dann holte der Inspektor den Gutsbesitzer Stoll. Beide bewaffneten sich mit dicken eichenen Stöcken und gingen zum Stall, wo ihnen der alte Tonkcl mit einer Forke entgegenkam. Stoll schltig dem Jnstmann die Forke aus der Hand und versetzte ihm mit dem eichenen Knüppel einige wuchtige Hiebe über den Kopf. Tonkel verließ blutend den Stall und starb nach drei Stunden. Trotzdem von Notwehr keine Rede sein kann»» der Staats- anwalt selbst ist nicht dieser Ansicht gewesen—, da er Anklage gegen den Gutsbesitzer nnd Inspektor erhoben hatte, wurde der Gutsbesitzer vom Schwurgericht in Allenstein freigesprochen und nur der Inspektor wurde zu sechs Monaten Gefängnis wegen gefährlicher Körper- Verletzung verurteilt. Von der Strafe wurden ihm drei Monate Nntersuchungshaft angerechnet. Der Gutsbesitzer wurde gar nicht verhastet._ Zentrumsinainer. Bei den reichSländischen Bezirkswahlen geriet in Berg- bieten im Kanton Wasselnheim ein Anhänger dcr Liberalen mit einem Anhänger des Zentrums in Wortwechsel. Der Liberale wurde von seinem Gegner zu Boden ge- worfen und starb an den Folgen dieses Sturzes l Der Täter ist verhaftet. Das Zentrum übt auf seine Leute einen sehr«erzieh- lichen" Einfluß aus._ Reichsbauk-Schneid. Vor einigen Tagen wurde in einer Verhandlung vor einem Disziplinargericht festgestellt, daß man bei der ReichSbank Wert darauf legt, daß die Beamten Reserveoffiziere sind. Jetzt wird ein neuer Streich des Neichsbankpräsidinms bekannt: Die Bankbeamten beabsichtigen einen Vertretertag abzuhalten, der in Dresden stattfinden und sich mit der in Aussicht steheudeu Ge- Haltsaufbesserung befassen sollte. Das Präsidium der ReichSbank hat nun an die Beamten der Reichsbanl eine Warnung ergehen lassen, sich an diesem Vertretcrtag zu beteiligen, weil dort Angriffe aus die Reichsbehörden ausgesprochen werden— könnten! Herr Havenstein, der neue Präsident der ReichSbank, scheint ein Meister des Terrorismus zu sein. Sie wollen ihren Schnaps trinken. Auf Erteilung der SchnapSkonzession klagte vor dem Bezirksausschuß in Arnsberg der Vorstand des E V a n» g e l i s ch e n Vereins hauseS in Schalke(Westfalen). Der Kläger führte in der Verhandlung u. a. aus: Aufgabe der evangelischen Vereinshnuser sei eö in erster Linie, ihren Besuchern heimische Räume zu schaffen, um die Leute den Gefahren der gewöhnlichen Wirtshäuser zu entziehen. Nun aber wollten die noch sehr rückständigen Arbeiter, die ans dem Osten kämen, kein Bier und auch kein Wasser trinken. Sie sagten stets, diese Getränke könnten sie nicht vertragen; immer verlangten sie Schnaps und ihre Frauen«inen süßen Likör. Erhalte man das Gewünschte nickt im Arbeiterverein, o gehe man, selbst in den Pausen der Vorträge, in die Nachbar- chaft, und so werde die Fürsorge der Vereinshäuser für diese Leute vereitelt. Nach den Versammrungen aber ströme erst recht alles in die Wirtschaften, in denen es Schnaps gebe, und dort hätten dann die Volksverführer nnd Agitatoren gewonnenes Spiel. Es liege also im vaterländischen Interesse, wenn den evangelischen VminShäuscrn dcr Ausschank von Schnaps und Likören gestattet werde. Die Klage hatte denn auch den gewünschten Erfolg. Dem Evangelischen Vereinshause wurde der Schnapsausschank gestattet. Dieses Verlangen des christlichen VereinShausoS ist sehr bemerkenswert in einer Zeit, da die Sozialdemokratie den Schnaps- b o y k o t t erklärt hat. Die Junker aber werden den Segen der christlichen Gesinnung preisen. die dafilr sorgt, dast ihr SchnapS getrunken und ihnen also die LiebcLgade erhalten wird, um die sie, wie die von uns erwähnte Versammlung der Branntweinbrenner vom 12. Februar im„Rtjemgold" zu Berlin beweist, schon vor dem Beschluß des Branntweinboykotts lebhafte Angst empfanden. Die Krise in der Tnbakindustrie. In Mannheim setzen nunmehr die durch die Tabaksteuer berursachten Arbeiterentlassungcn mit aller Macht ein. Am Freitag wurden im dortigen Bezirk nicht weniger als 1800 Mann entlasse».— Es ist eine unabweisbare Notwendigkeit, sofort nach Eröffnung des Reichstags von der Regierung ausreichende Mittel zur Linderung der Not zu verlangen._ Ein Reinfall. Die Dortmunder Zentrumsleitung, die für eine große Versamm- lung im.Freischütz' bei Schwerte schon wochenlang Reklame gemacht hat, erlebte ein niederschmetterndes Fiasko. Zwei Drittel der Zuhörer waren Sozialdemokraten. Die Versammlung begann mit einem Kampfe um die Redefreiheit und schließlich wurde zum grüßten Schmerz der VersammlnngSleitung erreicht, daß jeder Diskussions- redner eine halbe Stunde Redezeit erhielt. Der NcichstagSabgeordnetc Herold versuchte die bekannten Zentrumsheldentaten, die selbst die frommen Gemüter der katholischen Arbeiter zum Aufwallen gebracht haben, zu beschönigen. Unser Genosse Max König hielt aber schlagend Abrechnung mit den ZentrumSverrätern. Die Ausführungen König? lockten Lambert Leasing, den Verleger und Besitzer des bekannten Dortmunder Zentrumsblattes .Tremonia', ans dem Bau. In unerhört provokatorischer Weise zog er gegen unsere Partei los, und zum Schlüsse brachte er eine Resolution ein, die der Zentrumsfraktion das Vertrauen der Versammlung aus- sprach I Der biedere Leasing wollte sofort— ohne jede Debatte und mitten in der Diskussion— über die Resolution abstimnien lasten, und zwar sollten nur die Zentrumsleute stimmberechtigt seinl Trotz lebhaften Protestes wurde denn auch über die Re- solution abgestimmt, sie wurde aber abgelehnt. Von unserer Seite war inzwischen eine Gegenresolution eingebracht worden, in der das Vorgehen des Zentrums scharf verurteilt und eine gerechtere Verteilung der öffentlichen Lasten gefordert wird. Es war nicht möglich, eine Abstimmung über diese Resolution herbeizuführen. Ein ungeheurer, minutenlanger Lärm brach aus, in dessen Verlauf sich Lenstng die gemeinsten' Schimpfereien zu schulden kommen ließ. Mit heiserer Stimme schrie er: Vagabunden geben wir nicht das Wort, Schließlich verließen unsere Genosten mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemokratie und unter dem Gesänge der Arbeiter- Marseillaise das Versammlungslokal. Was die Steuerzahler alles tragen müssen. In der Marine sind in den letzten Wochen wieder bedeutsame Personalveränderungen vorgenommen worden. Von den Admirälen z. B. bliebe» nur der Staatssekretär v. T i r p i tz und der Chef der Ostseestation v. Prillwitz in ihren Stellungen. Alle anderen Admiräle haben jüngeren Nachfolge rn Platz inachen müssenl Wie verlautet, soll diese rapide Verjüngung des Offizier korpS der Marine noch nicht zum Abschluß gelangt sein. Auch hier sind wieder Männer in vollster Rüstigkeit auS- geschaltet worden. Die Kosten tragen ja die Steuerzahler. Fort- gesetzt fabuliert mau von„Sparsamkeit" und in einem Zuge wird der Pensionsetat um Hunderttausende in die Höhe geschraubt I Von einer wirklichen Sparsamkeit im Reiche wird solange keine Rede sein können, als man nicht bei der Armee und bei der Marine zu sparen ansängt._ Die Neutralität der christlichen Gewerkschaften. Das vom Abgeordneten Dr. Pieper, Generaldirektor des Volksvcreins für das katholische Deutschland, an die Zentruniövertrauensleute gerichtete Rundschreiben, von dem der„Vortvärts" in seiner Sonntagsnummer berichtet hat, enthält eine Stelle, die der nachträglichen Hervorhebung ivert ist. Es heißt da nämlich: „Sodann ist eine große VertrauenSmännerversammlung ein- zubernfen, zu der solche Arbeiter einzuladen sind, die auf dem Boden der ZentrnmSpartci stehen und in den Arbeitervereinen, den christlichen Gewerkschaften, im Volksverein und in der Zentrumspartei in hervorragenden: Maße tätig find. Diese VertrauenSmännerversammlung hat die nach- folgende große Arbeiterversammlung iu allen Teilen gut vor- zubereiten" usw. Die christlichen Gewerkschaften tun bekanntlich sehr ent- rüstet, wenn man sie als Zentrnmsgewerkschaften bezeichnet. Wie zutreffend diese Bezeichnung ist, beweist das Rund- schreiben des Zentrumsabgeordneten Dr. Pieper, der die christlichen Gewerkschaftsführer als ganz selbstverständlich in den Dienst eines Unternehmens stellt, das weiter nichts ist als eine politische Aktion des Zentrums. Von der Mosel wird uns geschrieben: Bei der ReichStagsnachlvahl im Kreise A d e n a u- K o ch e m« Zell, die im vergangenen Frühjahr stattfand, fiel eine unerwartet hohe Zahl von Stimmen auf den Genossen Dr. David, der gar nicht einmal von unserer Partei, die von einer Wahlbeteiligung abzusehen beschlossen hatte, sondern von einer Anzahl Liberaler in de» vorwiegend evangelischen Orten Trabe n-Trarbach-Enkirch usw. aufgestelltivorden war. Die Unzufriedenheit mit manchen Bestimmungen des Weingesetzes, die damals»och drohende Gefahr der Weinsteuer hatte die Winzer jener Gegenden mobil gemacht und wenn auch die von ihnen aufgestellte Kandidatur David zimächst nur einer augenblick- lichen Verärgerung entsprang, so hatte sie doch das Gute, daß sie die Aufmerksamkeit der dortigen Bevölkerung mal auf die Sozialdemo» tratie lenkte und weiteren Kreisen auch die Scheu vor unserer Partei benahm, denn schließlich konnte eine Partei, aus deren Reihen em Kandidat den Winzern des Moseltales empfohlen wurde und zwar von Leuten von tadellos nationaler Gesinnung enipfohlen wurde, doch nicht das Schreckgespenst sein, als das man uns bisher immer hinzustellen liebte. Nach der Wahl gelang es dann dem AgilationSkomitee für die obere Rheinprovinz, in Trarbach ein Lokal für eine Versammlung— das erste Mak in den, weiten Ge- biete zivischen Trier und Koblenz � zu erhalten. in der die Genossen Hofrichter und Bartels sKöln) den zahl- reich anwesenden Moselbcwohnern mal etwas anderes über die Sozialdemokratie erzählten, als sie bisher durch das Kreis- blättchcn und den Herrn Pfarrer gehört hatten. Und am vorigen Sonntag gelang es, dort zum zweite» Male eine Versammlung abzuhalten, diesmal in einem der größten Säle der Stadt, die denn auch von mindestens 500 Personen besucht war. Diesmal war den beiden Zeitungen der guten Stadt Traben-Trarbach, dem liberalen wie der ultramontanen, die vorher die Versammlungsanzeige aufgenommen hatten, daS Herz bereits in die Hosen ge- fallen; sie verweigerten jetzt die Aufnahme der Versammlungs« anzeige; die würdigen Vertreter der öffentlichen Meinung fürchteten den Zorn des Herrn Landrats und des Herrn Pfarrers. Indessen ging es auch ohne die Traben- Trarbacher„Publizität", wie das halbe Tausend BerfammlungSbesticher bewies, unter denen sich solche befanden, die stundenweit von den Bergen der Mosel herbeigeeilt waren. Der Vortrag des Genossen Dr. Erdmann-Köln über die Sozialdemokratie und ihre Gegner und die sich daran schließenden anfeuernden Worte de» Genossen Hofrichter zum Anschluß an die Sozialdemokratie fanden ungeteilte Austnerksamkeit und reichen Beifall, und als die Versammlung auseinanderging, er- hielten die beiden Redner von manchen der Anwesenden die Auf- forderung, bald wieder zu kommen, es sei an der Zeit, daß auch an der Mosel etwas mehr Licht und Bewegung hinkomme. Der An- fang dazu ist gemacht und soweit es auf uns ankommt, werden wir dafür sorgen, daß es Tag wird auch iu dieser Gegend, wo bisher das Zentrum ungestört seine irreführende Tätigkeit ausüben durfte._ Aus einer kleinen Gemeinde. Aus Mülheim wird uns geschrieben: Die Gemeinde Holten im Kreise Mülheim(Ruhr) besitzt eine 443 Morgen große Weidefläche, an welcher 1b1 Bürgerstellen seit mehreren Menschenaltern hindurch ein Nutzungsrecht ausgeübt haben. Durch die Jndnstrialifiernng der Umgegend ist die Gemeinde« bevölkerung nicht nur erheblich gewachsen, sondern auch ihre Be- lastung, was die Gemeindevertretung veranlnßte, auf Ablösung des Weiderechts der 151„Festungsbürger" zu dringen, um den Grund- besitz, der als Bruchland unbewirtschaftet liegt, zu kapitalisieren. Nun beanspruchten aber die löl Bevorrechtigten das Eigentumsrecht au der Weide, indem sie geltend machten, daß ihren Vorfahren der Komplex von einem Grafen Soundso„ge- schenkt" sei. Dagegen wandte sich die Ecmeindcvertretnng und bot den Leuten als AbfiiidnngSsumme die Zinsen von 1000 M. ans die Dauer von LS Jahren. Hiermit waren aber die Festungsbürger nicht einverstanden. Sie klagten deshalb im Verwaltungsstreit- verfahren auf Anerkennung ihres Eigentumsrechts, wurden aber mit ihrer Klage abgewiesen. Bevor nun der Zivilklageweg beschritten wurde, hatte der Bürgermeister mit den Weideinteressenten ein Arrangement dahin getroffen, daß jeder der 151 den Betrag von 2000 Mark erhalten und dann notariell sich aller Rechte entsagen solle. Diese Abmachung wurde der Gemeinde- Vertretung unterbreitet und durch daS M i t st i in m e n von sechs Weideberechtigten zu deren Gunsten ent- schieden, obgleich von 20 Gemeinderatsmitgliedcrn neun einen Vertagungsantrag gestellt hatten. Beschwerde beim Landrat wurde kurzerhand zurückgewiesen! In der nächsten Sitzung wurde dann auch gleich der Verkauf von 300 Morgen zum Preise von 400 000 M. an die„Gutchoffnungshütte" beschlossen, ein Preis(rund 1330 M. pro Morgen), der in Anbetracht der In- dnstriealisierung der Umgebung viel zu niedrig ist. DaS der Tatbestand. Itnii besagt aber§ 63 der Rheinischen Landgcmeindeordnung: „Wer bei einer Angelegenheit ein von den Interessen der Gemeinde verschiedenes Interesse hat, darf an der Beratung keinen Teil nehmen. Kann wegen persönlicher Beteiligung der Mit- gliedcr eine beschlußfähige Versammlung nicht gehalten werden, so beschließt der Kreisausschuß an Stelle des Gemeindcrats. Diese Bestimmung findet insonderheit alsdann Anwendung, wenn Streit darüber entsteht, ob ein Gegenstand Eigentum der Gemeinde oder der einzelner Gcincindemitgliedcr ist." Daß diese Bestimmung der Rheinischen Landgemeindeordnnng auf vorstehenden Fall An- Wendung findet, bedarf wohl keiner besonderen Betonung. Und da es nun an einer ondcrcn Stelle der Landgemeindeordnnng heißt:„Geineindcratsbeschlüsse, an denen Gcmcinderatsl Mitglieder beschließend mitgewirkt haben, die ein von dem Interesse der Gemeinde verschiedenes eigenes Interesse an der An gelegenheit haben, sind ungültig", so hätte der Landrat der Be- schwerde ohne weiteres stattgeben müssen. Und dennoch wurde die Beschwerde zurückgewiesen! Wie war das möglich? Darüber ein Urteil zu fällen, wollen wir uns mit Rücksicht auf daS Strafgesetz buch versageil. Wie notwendig das Eindringen unserer Genossen in die Kommunalverwaltnngen ist, zeigt jedenfalls der Fall aufs deutlichste._ Ein AuSlveisungs- und Naturalisationskuriosum. Eii« seit langen Jahren in Preußen ansässiger Russe F. hatte beim NegieriingSprnsidcnten in Posen die Naturalisation beantragt und sie nach Zahlung von 50 M. auch erhalten. Nach einiger Zeit erhielt er jedoch zu seineln Erstaunen eine» AnSweisungsbesehl, die NaturalisalionSurknnde wurde ihm dabei abgenommen mit dem Be- nierken, sie sei ihm anS Versehen von einem niederen Polizei- beaniten ausgehändigt worden. F. erhob Klage beim Bezirks- ausschuß. der nun die AnSwcistmaSvcrfügring aufhob, da die Urkunde rechtskräftig sei. Trotzdem legte der Reglerungspräsident gegen die Aufhebung Berufung ein. Das Obcrverwaltnngsgericht bestätigte jedoch die Verjügung dcS VezirlsauSschusieS. Es erklärte die Urkunde für rechtskräftig und den Russen für naturalisiert. Ausweisung eines Cafvtiers. Kürzlich ging die Mitteilung durch die Presse, daß in Katto Witz in Oberschlesien ein Cafehausbesitzcr österreichischer Nationalität ausgewiesen worden sei, weil er die Gewerbeordnung dadurch übertreten habe, daß er einer Buffettdame den ihr zukom- Menden Ruhetag nicht gewährt habe. Wir konnten der Sache, soweit wenigstens, als die Gründe der Ausweisung in Betracht kommen, nicht recht Glauben schenken. Was? Der preußische Staat sollte einen Mann ausweisen, der nichts getan, als eine Angestellte um ihren Ruhetag gebracht? Nach unseren Erkundigungen, die wir in Kattowitz angestellt, scheinen in der Tat ganz andere Gründe vorgelegen zu haben. Der betreffend« Caf6tier hatte Wohl recht häufig auf dem Gcwerbegericht zu tun, letzthin, weil ihn ei» Buffettfräulein verklagt hatte. Dabei soll er nun mit dem amtierenden Richter einen starken Zusammen- stoß gehabt haben, loobei ihm dieser in schroffer Weise sein AuL- ländertum in Erinnerung gebracht haben soll. Genaueres konnte aber auch unser Gewährsmann nicht erfahren, soviel aber scheint sicher, daß der Cafetier bei den Kattowitzer Behörden nach und nach sich unliebsam gemacht hat, so daß er schließlich als„lästig" empfunden wurde. Wir haben wohl kaum nötig zu betonen, daß wir die Aus- Weisung eines ausländischen Unternehmers aus den: anfangs be- zeichneten Grunde durchaus nicht billigen würden. Der Staat hat genug weit weniger rigorose Mittel in der Hand, die Unternehmer zur Jnnehaltung der Arbeiterschutzbestimmungcn zu zwingen; die von ihm beliebten allerdings wirken im allgemeinen mehr wie ein Anreiz zur Gesetzumgehung. Militärische Erziehung. Vor dem Oberkriegsgericht in Köln standen fünf Soldaten vom Kürassierregiment Graf Geßler. Sie waren vom Kriegsgericht wegen fortgesetzter schwerer Mißhandlung und Nötigung von Re» krutcn zu Slrafen von 7, 6 und 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Angeklagten hatten gewohnheitsmäßig die Rekruten nachts aus den Betten»kommandiert" und sie mit allen erdenklichen Gegenständen schwer mißhandelt. Zu ihrer Entschuldigung führten die Soldaten an, es sei U s u S, daß der jüngere Jahrgang von dem älteren Hiebe bekomme I Ihnen sei es auch so ergangenl In einem Falle wurde fest- gestellt, daß der Unteroffizier Göhren schlvere Malträtierungen mitangehört hat, ohne einzuschreiten! Ein Unteroffizier verweigerte die Aussage aus die Frage, ob er den alten Leuten gesagt habe: Di« Luft in der Baracke 4 sei„rein", sie könnten dort„Stuben- dienst" tun(d. h. die Rekruten„erziehen"). DaS Oberkriegsgericht verwarf die Berufung. Die Hauptschuldigen aber, die anstiftenden Unteroffiziere, gehen frei auS...° � Schweiz. Die Agrarier und das Getreidemonopol. Aus Zürich wird uns geschrieben: Der Bauernsekretär Dr. Laur hat eine„Studie" über die Einführung eines schweizerischen Getreide- und Mehl» monoPols und die Landwirtschaft veröffentlicht, in der er zu dem Schlüsse kommt, daß die landwirtschaiftliche Bevölkerung der Neueinführung von Monopolen nicht günstig gesinnt sei und nur schlverwiegende Gründe sie zur Freundin eines Getreidemonopols niachen lönne. Solche Gründe erblickt der Bauernsekretär in der Bedeutung des Monopols für die Konsumenten(Sicherung der Brotversorgung), in der Besserstellung der Landwirtschaft durch das Monopol und in der Erhaltung der Müllerei. Natürlich ist für die Stellungnahme des Bauernsekretärs zugunsten des Mo- nopols nur der Nutzen desselben für die Landwirtschaft maß- gebend, denn die Konsumenten sind ihm wie dem erstbesten Kapi- talisten nur Mittel zum Zweck der Profitmacherei. Unter den Bedingungen für die Zustimmung zum Monopol figurieren folgende: der Anbau und Verkauf inländischen Getreides soll durch das Monopol nicht eingeschränkt werden; die Monopolverwaltung soll inländisches Getreide zu einem den inländischen Produktions- kosten entsprechenden Preise kaufen,, der natürlich einen befrie- digenden Profit sichert; der Ankauf bei den Bauern, die Reinigung und Lagerung des inländischen Getreides soll landwirtschaftlichen Getreidelagergenossenschaften auf dem Äonzessionswege übertragen und diese— der Bock als Gärtner— sollen durch Kredite, Bei- träge an die Gründungskosten und fachmännischen Rat unter» stützt werden; die Landwirtschaft ist durch gesetzliche Bestim- mungen bor Ueberzahlung der Futtermehle usw. zu schützen; die Einfuhr von Futtermehl und-Getreide soll durch das Monopol keine Einschränkung erfahren; der Landwirtschaft sind genügende Mühlen zur Verfügung zu stellen und das Mahlen inländischer Brotfrucht, die nicht von der Monopolverwaltung gekauft wird. ist vollständig freizugeben; die Entstehung landwirtschaftlicher Genossenschaftsmühlen ist durch Kredite, Subventionen und Bei- rat zu unterstützen. Da nur die größeren und großen Bauern Getreids bauen und über den eigenen Bedarf hinaus verkaufen können, so würde nach den Forderungen des Bauernsekretärs Dr. Laur das Ge- treibe- und Mehlmonopol nichts anderes sein, als eine neue Be- reicherungsquelle der Agrarier auf Kosten der Konsumenten. Was hier gefordert wird, geht noch über das seinerzeitige Monopol- Projekt des deutschen Grafen Kanitz hinaus und beweist, daß die schweizerischen Agrarier punkto Abgebrühtheit den deutschen Agrariern nicht nachstehen. Ein Monopol nach den Vorschlägerr des schweizerischen Bauernsekretärs würde nichts anderes bedeuten, als die staatliche Organisation des Brotwuchers und dafür be» danken sich die Konsumenten. 6ngland. Loh» und Arbeitszeit. London, 11. Oktober.(Eig. Ber.) Die Arbeitsabteilung de? Handelsministeriums veröffeittlichte gestern den Jahresbericht über die Aenderungen in Lohn und Arbeitszeit in der» letzten Jahren. Der Bericht umfaßt eine Arbeiterschaft von 10 Millionen Personen. In den 12 Jahren von 1806 bis 1007, für die ausführliche Angaben vorhanden sind, stellten sich die Lohnänderungen wie folgt pro Woche: Periode der steigenden Löhne Periode der fallenden Löhne (in Pfund Sterling) 1896 1897+ 81 507 1898 1899-- 26 319 80 713 90 314 1001— 76 587 1002— 72 695 1903— 88 327 1904— 89 230 1900+ 208 390 1503— 2 169 1906+ 57 897 1907+ 200 912 DaS Jahr 1608 zeigt wieder fallende Löhne. Die Lohnabnahme wird fürs ganze Jahr auf 873 800 Pfund Sterling geschätzt. Während des ersten Halbjahres 1909 sind die Löhne lveiter ge» fallen. Die Abnahme der Löhne pro Woche betrug 67 744 Pfund Sterling. Im Jahre 1903 wurden 26 500 Arbeiter von Aenderungen in der Arbeitszeit betroffen: 23 000 Arbeiter erhielten eine Herab- setzung der Arbeitsstunden. DaS ReinergebniS dieser Aenderungen war eine Herabsetzung der Arbeitszeit um 38 440 Stunden pro Woche. In den ersten 6 Monaten de? JahrcS 1909 erhielten 18 900 Arbeiter eine Herabsetzung der Arbeitszeit um 46 236 Stunden pro Woche, während 221 Arbeiter ihre Arbeitszeit um 332 Stunden pro Woche verlängern mußten. Orkel. Kämpfe in Albaniett. Saloniki, 12. Oktober. Auf dem Wege von Berane nach Jpe! wurde eine Kompagnie türkischer Soldaten von Albanescn aus der Ortschaft Rodowtze aus dem Hinterhalte. an g e g r i f fe n. Die Truppen hatten Mühe, sich der Angreifer zu erwehren; ein Offizier wurde verwundet. Daraufhin wurden Truppen mit Ge» schützen nach Rodowtze gesandt, die die Ortschaft bombardierte» und sieben befestigte Kulak» zerstörten und eine Anzahl Gefangene machten, die nach Jpek gebracht wurden. Serbien. Einberufung der Sknptschina. Man schreibt un? aus Belgrad: Die serbische Volks« Vertretung ist für den 14. Oktober einberufen. Sie hat eine Reihe wichtiger Gesetzesprojekte zu erledigen. Der charakteristische Zug der meisten dieser Gesetze ist das Streben, die Militärmacht des Landes über die Kräfte.dcS Volkes hinaus zu erhöhen. Die Arbeiterklasse ist zu einer entschlossenen Opposition bereit. Sie selbst hat das größte Interesse an der bevorstehenden Session, weil sich unter den neuen Gesetzen ein Projekt der G e» Werbeordnung nach Art des deutsche» Gesetzes befindet. Die Bestimmungen dieser Vorlage sind von der größten Bedeutung für die Interessen der Arbeiter, Kinder und Frauen. Mit ihm soll der Grundstein für die Arbeitergesetzgebung in Serbien gelegt werden. Dagegen interessiert die R e g i e r u n g am meisten eine neue Staatsanleihe, weil sie in der vorjährigen politischen Krise für Militnrlredite mehr ausgegeben hat, als Mittel vorhanden waren. Die Regierung verlangt von Pariser Banken 150 Millionen Frank unter denselben Bedingungen wie die früheren Anleihen, aber sie findet dafür kein günstiges Entgegenkommen. In den nächsten Tagen wird die Frage entschieden. Die Sozialdemokratie entfaltet in der Sknptschina und im Lande eine rührige Agitation gegen den mili« taristischen Wahnsinn und gegen die neue Verschuldung des Volkes. Marokko. Ein neuer Augriff. Melillir, 12. Oktober. Gestern nachmittag eröffnete der Feind ein Feuer gegen P e n o n d e l a G o m e r a. Die spanische Ar« tillene erwiderte das Feuer. Der Feind, der starke Verluste hatte, zog sich nach zweistündigem Kampfe wieder zurück. 6ewerftfcbaftUcbe*). Berlin und Umgegend« Maßregelung von BertrauenSleuten in der A. E.-G. Der Direktion der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft ist es äußerst unangenehm, daß sich die in ihren Betrieben beschäftigten Arbeiter gewerkschaftlich organisieren. Noch unangenehmer ist es ihr aber, daß auch die Hilfsarbeiter(Packer, Lager-, Hof- und Transportarbeiter) diese Notwendigkeit ebenfalls erkennen und sich bis auf wenige Ausnahmen ihrer Berufsorganisation angeschlossen haben. Um den festen Zusammenschluß der Arbeiter möglichst zu verhindern, hat die Direktion in letzter Zeit recht oft zu sonder- baren Mitteln ihre Zuflucht genommen. Wiederholt sind aber ge- schickt eingeleitete Manöver, mit denen die Direktion die Arbeiter- schast einsangen zu können glaubte, von letzterer ebenso geschickt abgeschlagen worden. Als eines solcher Mittel sollte auch sicher dienen, daß eine Reihe von Vorarbeiterstellen geschaffen, und ferner, daß eine ganze Anzahl von Stundenlohnarbeitern zu Wochenlöhnern umgewandelt wurden usw. Nachdem später die Direktion einsah, daß durch diese Neueinrichtung der Einigkeit der Arbeiter kein Abbruch getan werden konnte, wurden die Vor- arheiterstellen plötzlich wieder kassiert und ein Teil der Wochen- löhner wieder in Stundenlöhner zurückverwandelt. Da alle bisherigen Experimente nichts nützten, so hat die Direktion der A. E.-G., Brunnenstraße, jetzt eine neue Methode erfunden, von der sie erhofft, die Arbeiterorganisation ausrotten zu können, und zwar durch plötzliche Entlassungen von Vertrauens- leutcn. Da sie die Ausspionierung der Vertrauensleute nicht selbst betreiben kann, so bedient sie sich hierzu ihrer Beamtenschaft. Dem Wunsche der Direktion folgend, treten namentlich zwei Beamte äußerst rigoros auf. Diese beiden haben es fertig bekommen, im Laufe von drei Wochen drei Vertrauensleute zur Strecke zu bringen, und zwar Leute, die bereits auf eine 4-, 5- und 14jährige Arbeits- tätigkeit im Betriebe zurückblicken können. Bei einem der Ent- lasienen� wurde als Entlassungsgrund Arbeitsmangel angegeben, bei einem anderen, daß man nicht mehr mit ihm arbeiten will, und beim dritten, er hätte sich etwas zu schulden kommen lassen. Die Hilfsarbeiterschaft der A. E.-G., Vrunnenstraße, nahm letzthin in einer gutbesuchten Versammlung zu diesem Vorgehen Stellung und stimmte nach längerer Diskussion einer Resolution zu, in der die Arbeiter erklärten, sich auch durch den neu unter- nommenen Versuch in der Ausübung des Koalitionsrechtes nicht be- irren zu lassen. Man verurteilte das rigorose Vorgehen der betreffenden Herren auf das entschiedenste. Die Versammelten gaben der Erwartung Ausdruck, daß auch diese Herren bald ein- sehen lernen, daß ihr Beginnen ein Kampf gegen Windmühlen- flügel bedeutet. Achtung, Putzer! Der Bau Bismarck-, Schiller- und Weimarer Straße-Ecke, Charlottenburg, ist bis auf weiteres für Putzer gc- sperrt. Der hier in Frage kommenden Gesellschaft(Terrasit- Industrie) sind die Berliner Putzer nicht genehm. Sie hat 1b Putzer aus Prag kommen lassen. Da dieselben sich der Gesell- schaft nicht fügen, sind Differenzen ausgebrochen und haben säurt- tiche Putzer die Arbeit eingestellt. Es wird ersucht, den genannten Bau strengstens zu meiden. Der Sektionsvorstand. Die Lohnbewegung der Isolierer. Der Tarifvertrag der Isolierer Berlins und Umgegend läuft am 1. November ab. Der Verband hatte den Vertrag am 1. Oktober gekündigt und trat mit der Organisation der Unternehmer in Unterhandlungen, um Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen herbeizuführen. Im Vordergrunde steht die Lohnfrage; der Stun- denlohn, der jetzt als Mindestsatz 65 Pf. beträgt, soll um 5 Pf. er- höht werden. Da die Akkordarbeit vielfach eingeführt worden ist, so verlangen die Arbeiter jetzt, daß der Mindestlohn auch bei Akkoro- arbeiten garantiert werde. Damit waren die Unternehmer zuerst nicht einverstanden. In einer Versammlung der Isolierer, die am Montagabend bei Freiheit in der Dragoncrstraße stattfand, be- richtete H. Lange über die bisherigen Verhandlungen und verlas ein Schreiben der Unternehmer an den Verband.„Der Grund- stein", Nr. 41, hatte eine Notiz gebracht, nach welcher der Arbeit- geberverband für das Jsoliergewerbe in Berlin mitgeteilt habe, daß er zu den vom Verband angebotenen Verhandlungen nur dann bereit sei, wenn die Forderung auf einen gerantierten Mindestlohn fallen gelassen werde. Darauf schrieb der Arbeitgeberverband am 9. Oktober an den Verband der Fsolierer das Folgende:„Wir lesen soeben im„Grundstein" die Behauptung, daß unsererseits ein garantierter Minimallohn abgelehnt worden sei. Dazu teilen wir Ihnen zur Richtigstellung mit, daß wir nur ablehnen, bei Akkord- arbeit den bisherigen Stundenlohn zu garantieren. Ueber einen wirklichen M i n d e st l o h n zu verhandeln, sind wir dagegen nicht abgeneigt. Hochachtungsvoll Arbeitgeberverband usw. E. Brandt." Dies Schreiben war den Versammelten nicht klar genug, denn der verlangte Mindestlohn beträgt 79 Pf. pro Stunde und der b i s- h e r i g e Stundenlohn war 65 Pf. Man könnte aus der Bericht!- gung entnehmen, daß die Unternehmer über 70 Pf. als Mindcstlohn verhandeln wollen, falls nicht irgend ein Schachzug gegen die Ar- beiter beabsichtigt ist. Es wurde der Verdacht laut, daß es den Unternehmern darauf ankomme, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen. Jedenfalls wollten die Versammelten keinen Zweifel darüber lassen, wie sie die Angelegenheit betrachteten und nahmen eine Resolution an, nach� welcher sie ihre Kommission zu weiteren Verhandlungen ermächtigen auf der Grundlage, daß 70 Pf. als Mindestlohn gelten; zugleich erwarten sie eine Antwort der Unter- nehmer binnen einer Woche. In der Diskussion wurde hervor- gehoben, daß die Situation für die Arbeiter nicht ungünstig sei und daß viel darauf ankomme, ob sie die genügende Festigkeit in ihren Entschlüssen zeigen._ Kontrollkarte. Einkassiercr und Kassenboten! Die Vranchenleitung der Einkassicrer und Kassenboten sah sich im vorigen Monat genötigt, eine neue grüne Kontrollkarte her- auszugeben. Man hatte in Erfahrung gebracht, daß auf Grund verschiedener Manipulationen einige unsaubere Elemente in den Besitz der alten braunen Karte gelangt waren. Nachdem nun unsere neue grüne Karte im Umlauf ist, stellt die Versicherungs- gesellschaft„Viktoria" den im Betriebe befindlichen.Gelben" auch eine grüne Legitimationskarte aus. Wir Machen darauf aufmerksam, daß die vom„Deutschen Transportarbeiterverband" herausgegebene Karte eine„dunkel- grüne" Farbe hat und monatlich abgestempelt sein muß mit dem Vermerk: „Kontrolliert. Die Sektionsleitung." Man lasse sich nicht täuschen! Des weiteren teilen wir in bezug auf die vielen an uns gerich- teten Anfragen mit, daß die Einnehmer der„Friedrich-Wilhelm", „Jduna",„Wilhclma" usw. zum größten Teil nicht organisiert sind. Auch die Kassierer der Nähmaschinenfirmen„Singer Co.", „Lemke",„Büttner",„Krieg" usw. stehen der Organisation noch fern. Die Kreditgeschäfte„Damitt",„Pindo",„Wachsmann u. Co.". „Glogau",„Alle Tage anders" usw. dulden auch keine Organisation. Die Branchenleitung der Einkassiercr und Kassenboten. I. A.: Friedr. Luckow. N. 37, Fehrbelliner Str. 3. Das Tarifvcrtragsverhältiiis in der Parkettbodenbranche, das durch die wirtschaftliche Krise eine keineswegs ordnungsmäßige Losuüg gefunden hak, soll jetzt wieder hergestellt«erden. Qbwohl dasselbe nur von einer Firma gekündigt worden ist, der Tarif also für die anderen Arbeitgeber von rechtsivcgen heute noch Geltung hat, hält sich fast keine der Firmen mehr an den Tarif. Das Bestreben der Arbeitgeber, die Arbeiten geringer als zu Tarifsätzen zu entlohnen, ist durch die Arbeiter bedauerlicherweise dadurch sehr begünstigt worden, daß diese während des wirtschaftlich ungünstigen Geschäfts- ganges nicht fest zur Organisation gehalten haben. Inzwischen haben sich aber die Parkettbodenlcger fast vollzählig wieder der Organisation angeschlossen. Auch die Unternehmer haben eine Kon» vention geschlossen, der aber noch ein erheblicher Teil der Arbeit- geber fernsteht. Der gegenwärtige Zustand im Gewerbe hat sich zweifellos für beide Teile, für Arbeitgeber und Arbeiter, als sehr nachteilig erwiesen. Hinzu kommt noch, daß die Arbeitgeber ein Vorgehen der inzwischen erstarkten Arbeiterorganisation befürchten müssen. So kam denn auch bei ihnen das Bestreben, den Frieden zu sickern und bessere Verhältnisse im Gewerbe wieder herbeizu- rühren, zur Geltung. Auf ihren Wunsch fanden am 5. d. M. Unter- Handlungen zwischen den Vertretern der beiden Organisationen statt, über die Kley in einer am Montag in Bökers Festsälen tagenden außerordentlichen Mitgliederversammlung der Parkett- bodenleger berichtete. Von den Arbeitern ist die sofortige Wieder- Herstellung des alten Tarifverhältnisses gefordert worden. Die Unternehmer wollen erst vom 1. April 1910 ab die alten Tarifsätze zahlen. Bis dahin sollen folgende Löhne gezahlt werden: Bis 20 Stäbe auf den Quadratmeter 70 Pf., 21 bis 40 Stäbe 80 Pf., 41 bis 55 Stäbe 90 Pf. und 56 und mehr Stäbe 1,05 M. Die alten Tarifsätze betragen 0,90 M.. 1.— M.. 1,10 M., und 1.25 M. Nach zweistündigen Unterhandlungen waren die Arbeitgeber bereit, den Grundpreis von 70 auf 75 Pf. festzusetzen. Da die Arbeiterver- treter nach dem letzten Versammlungsbeschluß am alten Tarif fest. zuhalten hatten, die Arbeitgeber aber weitere Zugeständnisse nicht machten, hatte die Arbeiterschaft selbst zu entscheiden, was nun zu geschehen habe. Nach langer Debatte nahm man folgende Reso- lution an: Die heutige Versammlung der Parkettbodenleger Berlins nimmt Kenntnis von den Verhandlungen der Kommission mit den Unternehmern. Sie hält das Angebot der Unternehmer für zu gering und ersucht die Kommission dahin zu wirken, daß eine höhere Grundtaxe festgelegt wird und die Uebergangsfrist bis zum 1. Januar 1910 genügt, um den alten Tarif wieder einzuführen. Der Wochenschluß ist im Tarif für Freitag festzulegen; sämtliche bis dahin fertiggestellten Arbeiten sind am Sonnabend zu bezahlen. Die Kommission soll beauftragt sein, in diesem Sinne noch lveiter mit den Unternehmern zu verhandeln. Oeutlcbes Reich. Die Differenzen in der Bautischlerci von Ernst Mühe in Solingen sind zugunsten der Arbeiter beigelegt. Die Firma hat sich bereit erklärt, bei auswärtigen Arbeiten die üblichen Montagegelder und die Aufschläge für Ueberstunden und Sonntags- arbeiten zu zahlen. 4(X) städtische Arbeiter in Mainz protestierten entrüstet gegen die Verschleppung ihrer Eingabe wegen Lohnerhöhung durch die Bürger- meisteret. Eine Neiolution fordert unverzüglich Regelung der seit zwei Jahren unerledigten berechtigten Forderungen der städtischen Arbeiter. Friede in Hanau? Die unter Leitung des Oberbürgermeisters Gebeschus unter Vertretern der Zentral- und Bezirksleitung des deutschen Metall- arbeitervcrbandcs und Vertretern der Vereinigung der deutschen Edelmetallindustiellen und des Arbeitsvcrbandes Hanau dieser Vereinigung über die Arbeiterbewegung in der Hanauer Gold- und Silberwarcnindustrie begonnenen Verhandlungen wurden nach der„Frankfurter Ztg." am Montag beendet, und zwar kam eS zu einer Einigung. Zur Arbeitseinstellung wird es danach nicht kommen. In der Sächsischen Stein- und Schamottefabrik zu Lausigk bei Leipzig ist wegen Lohnreduzierung ein Streik ausgebrochen. Die Firma behauptet, diese Lohnreduzierung sei„notwendig" gewesen, um die Arbeiter zu zwingen, in den Abendstunden(hauptsächlich von 6—7 Uhr) intensiver zu arbeiten! Verhandlungen lehnt die Firma ab, weil sie angeblich schon auswärts andere Arbeiter für sich gewonnen hätte. Da die Lohn- und Arbeitsbedingungen so- wieso nicht gerade rosige sind, sondern viel zu wünschen übrig lassen, so ersuchen wir alle arbeiterfrcundlichen Blätter um so- fortigen Nachdruck dieser Notiz. Zuzug ist streng fernzuhalten. Fabrikarbeiterverband. Gau 2 Dresden. � Husland. Streik französischer Textilarbeiter. Aus Lille wird berichtet: Die verschiedenen Verbände der Textilarbeiter haben gestern in einer neuen Versammlung den Gcneralausstand beschlossen. Dieser wurde gestern bereits teil- weise durchgeführt. Nur in wenigen Fabriken wird noch gearbeitet. Es kam zu keinem Zwischenfall. Ein Streikkomitee ist gebildet worden. Die gesamte Garnison von Lille ist überflüssigerweise zu- sammengezogen worden. 200 Gendarmen sind aus dem Departe- ment Pas de Calais eingetroffen. Der Arbeiterführer Broutchoux ist wegen angeblich aufreizender Reden in Haft genommen worden. Versammlungen. Die Arbeiter der Englischen Gasanstalten erhoben in einer am Montag abgehaltenen Versammlung Protest gegen eine Reihe von Mißständen, die in letzter Zeit in den Betrieben der Englischen Gaswerke(I. C. G. A.) eingerissen sind. Besonders wurde geklagt über die Beeinträchtigung der Rechte der Arbeiterausschüsse. Wie der Referent Polenske ausführte, hat die Verwaltung den Ar- beitern im Jahre 1903 gewisse Garantien gegeben in betreff der Sicherung des Koalitionsrechts und der Wahrung der Interessen der Arbeiter. Diese Garantien würden neuerdings fast gar nicht mehr beachtet. Die Zeit der wirtschaftlichen Krise sei von der Ver- waltung benutzt worden, um die Vertretung der Rechte der Arbeiter im Ausschuß einzuschränken. Nach einer Verfügung des Direktors R e h k o p f dürften Beschwerden nur dann im Arbeitcrausschuß verhandelt werden, wenn die Direktion die Beschwerden als zur Verhandlung geeignet erklärt habe. Auch die Arbeitsverhältnisse seien in mancher Hinsicht verschlechtert worden. Während früher Ersatzmänner eingestellt wurden für die Laternenwärter, welche Urlaub hatten oder ihre freien Tage genossen, deren sie zwei bis drei im Monat zu beanspruchen haben. Neuerdings würden keine Ersatzmänner eingestellt. Die Arbeiten der Beurlaubten müßten von den anderen Arbeitern mitgemacht werden. Uebrigens habe die Verwaltung mit dem System der Ersatzmänner noch ein Geschäft gemacht, denn die Laternenwärter erhielten einen Tagelohn von 2,65 M. Beim Urlaub seien ihnen 2,75 M. pro Tag abgezogen Ivorden und der für den Beurlaubten eingestellte Ersatzmann habe 2,45 M. pro Tag erhalten. Als in der Mariendorfer Anstalt der Achtstundentag für die Ofenarbeiter eingeführt wurde, mußten sie statt 5 Ocfen, die sie früher zu bedienen hatten, deren 7 bedienen. Auch das Fahrgeld werde den Arbeitern in Mariendorf nicht mehr bezahlt. Alle diese und andere Beeinträchtigungen der Arbeiter- interessen seien zum Teil dadurch möglich geworden, daß die Ar- beiter der I. C. G. A. in letzter Zeit lau geworden seien in der Vertretung ihrer Rechte. Es werde besser werden, wenn die Ar- beiter ihre Rechte und Interessen energisch vertcten. In der Diskussion wurden eine Reihe von Einzelfällen ange- führt, welche die Ausführungen des Referenten treffend illustrierten. Ein Redner verwies darauf, daß die Arbeiter, welche im Arbeiterausschuß ihre Rechte vertreten, als„Großschnauzen" bezeichnet würden. Der Vertreter der Direktion lasse sie gar nicht aussprechen, so daß sie nicht in der Lage wären, die ihnen auf- I getragenen Beschwerden zll vertreten. Ein Arbeiterausschuß, wie ihn die Direktion wünsche, habe 1% Jahre lang in Mariendorf be- l standen. Diesem Ausschuß gehörten an: ein Mann, der so stark stotterte, dasi er kein Wort heraus- bringen konnte, wenn ihn jemand ansah(!), ein Pole, der kein Deutsch verstand(!!) und ein— Taubstummer!!! Dieser Arbeiterausschuß habe zur vollsten Zufriedenheit der Direktion gearbeitet. Andere Klagen, welche außerdem in der Versammlung bor- gebracht wurden, sind in der nachstehenden Resolution zum Aus- druck gebracht, die einstimmig angenommen wurde: Die am 11. Oktober 1909 versammelten Handwerker und Ar- beiter der Englischen Gasanstalten protestieren auf das schärfste gegen die Uebergriffe und Willkürakte der Beamten in einzelnen Betrieben sowie gegen die Behandlung der Arbeitcrausschußmit- glieder im Außcnbetrieb. Ganz besonders wenden sich die Versammelten gegen da? willkürliche Strafsystem im Außenbetrieb. Sie erblicken darin die vollständige Aufhebung der im Jahre 1903 von der Verwal- tung gegebenen Garantien. Ferner protestieren die Versammelten gegen die ungleiche Behandlung der Arbeiter im Betriebe Gitschiner Straße durch den Meister Bürger, die einen Bruch des von der Verwaltung wiederholt gegebenen Versprechens, das Koalitionsrecht zu achten, bedeutet. Desgleichen protestieren die Versammelten gegen die Ver- schlcppung der Arbeiterausschußwahlen im Gaswerk Oberspree. Demgegenüber erblicken die Versammelten in einer ge- schlossenen Organisation das einzige Mittel zur Wahrung ihrer Rechte und verpflichten sich deshalb, mit allen Kräften am Aus- bau ihrer Organisation zu wirken. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zur Lohnbewe» gung. Die Forderungen, welche im vorigen Jahre gestellt, aber abgelehnt worden sind, sollen aufs neue eingereicht werden. Die jetzt gezahlten Löhne werden als ungenügend bezeichnet, namentlich im Hinblick auf die erhebliche Verteuerung der Lebenshaltung in- folge der neuen Steuergesetzgebung. Eine Aufbesserung der Löhne wird auch mit Rücksicht darauf als berechtigt bezeichnet, daß die gleichartigen Arbeiter in den städtischen Gaswerken, besonders aber in den Vororten, besser bezahlt werden wie in der I. C. G. ST. Die aufgestellten Forderungen sind in der Hauptsache: Einführung von Wochenlöhnen unter Zugrundelegung einer wöchentlichen Arbeits» zeit von 6 Tagen zu 9 Stunden bczw. 6 Schichten zu 8 Stunden. Die in die Woche fallenden Feiertage sind voll zu bezahlen. Ueber- stunden werden mit 50 Proz., Sonntags- und Nachtarbeit mit 100 Proz. Zuschlag bezahlt. Für Schichtarbeiter gilt die 7. Schicht innerhalb einer Woche als Sonntagsarbeit. Auf Antrag von drei Arbeiterausschüssen soll eine Plenarsitzung aller Arbeiterausschüsse stattfinden. Die Anfangslöhne sollen betragen im Jnncnbetriebe für Handwerker 30 M., Maschinisten und Heizer 35 M.. jährlich um 1,50 M. steigend bis 37,50 M. für die erste, 42,50 5N. für die zweite Kategorie. Maurer 39 M., Betriebsarbeiter 36 M.. Kohlenarbeiter 45 M., Hilfsarbeiter 33 M., Hosarbeiter 27 M., für die letzteren eine jährliche Steigerung von i M. bis zur Höhe von 32 M. Im Außenbetrieb: Rohrleger 30 M., steigend jährlich um 1,50 M. bis 37,50 M., Verstrickcr und Magazinarbeitcr 30 M., steigend jährlich um 1 M. bis 35 M., Helfer, Glühlichtarbeiter, Wasseraufgießer 27 M., steigend um jährlich 1 M. bis 32 M., Laternenwärter monatlich 90 M., steigend jährlich um 5 M. bis 105 M., Handwerker 30 M., steigend jährlich um 1,50 M. bis 37,50. M., Maschinisten und Heizer 35 M., steigend um 1,50 M. jährlich bis 42 M.. Vorarbeiter und Steuerleute 30 M., steigend um 1 M. jährlich bis 35 M., Hof« arbeiter 27 M., steigend um 1 M. jährlich bis 32 M. Bei Zu- leitungen und Steigesträngen ist den Rohrlegern und Helfern eine Zulage von 25 Pf. pro Tag zu gewähren. Die ersten Wasser- aufgießer sollen wöchentlich 1,50 M. mehr erhalten als die sonstigen Aufgießer._ Der Deutsch« Mctullarbeiter-Bervand hatte für Sonntagmorgen eine Versammlung aller in der S ch r a u b e n b r a n ck e beschäftigten Einrichter an Schraubenautoinaten und Einzelbänken nach den „Arminhallen" einberufen. Zur Besprechung stand das Thema: Was gedenken die Einrichter bei einsetzender guter Konjunktur zu unternehmen? In einem kurzen Referat legte Paulisch von der Agitationskommisfio» der Schranbenbranche dar. daß die Alitomateneinrichter alle Ursache haben, sich einer Ver- schlechternng ihrer Arbeitsverhältnisse zu erwehren. Die An- spräche an die Leistuugen der Einrichter werden immer mehr gesteigert, die Akkordarbeit bringe allerlei Nachteile, wenn nicht die ständige Ailfmertsamkeit darauf gerichtet bleibe, die Preise hoch zu halten. Eine Hebung der Konjunktur sei gegenwärtig wahrznuehmen und es gelte, diese auch ausznnutzcu. Gegenüber den Schrauben- drehern sollten die Einrichter mehr Solidarität üben. Für die Schraubendreher hätten sich die Verhältnisse sehr verschlechtert und die Einrichter, die zum Teil noch besser gestellt seien, hätten dasselbe zu befürchten, wenn sie sich nicht mit Energie dagegen wenden, daß ihre Arbeitsbedingungen herabgedrückt werden.— In der Diskussion, die dem Referat folgte, wurden die Verhältnisse im Berufe näher beleuchtet und man kam übercin, keinerlei Verschlechternngen zu dulden und die Organisation sofort in Kenntnis zu setzen, Ivo schädigende Angebote gemacht werden. Andere bestimmte Beschlüsse wurden in dieser Versammlung nicht gefaßt._ Letzte bfacbncbteii und Dcpcfcbcn. Schwerer Eisenbnhnnnfnll. Drei Tote, drei Schwerverlebte. Auf der Nebenbahn Reinickendorf— Groß-Schönebeck hat sich gestern abend ein schwerer Unfall zugetragen. Der um 6,35 Uhr von Reinickendorf abgehende Zug überfuhr auf dem Wittenauer Bahnübergang ein mit sieben Personen besetztes Fuhrwerk, wobei drei Personen ihren Tod fanden. Den Bahnzug leitete der Loko- motivführer Petersen aus Wilhelmsruh. Vor Erreichung des be- zeichneten Bahnüberganges gab cr, wie durch Zeugen festgestellt ist, wiederholt das vorgeschriebene Klingelzeichen. Bei der schon ein- getretenen Dunkelheit war auf größere Entfernung nicht zu sehen, daß sich ein Fuhrwerk dem Uebergange nahe. Plötzlich gab eL einen heftigen Krach, dem laute Hilferufe folgten. Es stellte sich heraus, daß ein Privatfuhrwerk überfahren worden war. Passa- giere und Zugpersonal machten sich sofort an die Bergung der Ver- unglückten und benachrichtigten die nächsten Bahnstationen. Un- verzüglich wurde von Reinickendorf eine Lokomotive mit einem Per- sonenwagen nach der Unfallstelle abgelassen und gleichzeitig ein Arzt und der Verband für erste Hilfe in Berlin benachrichtigt. In wenigen Minuten war der Arzt Beulshausen aus Wilhelms- ruh auf seinem Fahrrade angelangt, der sich sofort der Verun- glückten annahm. Drei von ihnen hatten bei dem Zusammenstoß ihr Leben eingebüßt, nämlich ein 18jähriger Knecht, eine gleich- altrige Magd und das dreijährige Töchtcrchcn des Schlächter- meistcrs Mehwald aus der Waldstraße 53 in Reinickendorf, dem auch das überfahrene Geschirr gehörte. Schwer verletzt waren außerdem noch drei Personen, die auf Krankenwagen des Vereins für erste Hilfe nach Berlin ins Krankenhaus geschafft wurden, Für Ferrer. Rom, 12. Oktober.(W. T. B.) Heute abmb wurde hier auf freiem Felde eine große Protestkundgebung gegen die Verurteilung Ferrers ver-. Utet. Viele Arbeiter feierten, die Straßenbahnen...j. öffentlichen Fuhrwerke hatten den Verkehr eingestellt._ Dgul Singer L: Co., Berlin L W. Hierzu 3 Beilagen n.vnterholtuvgStl, Berantw. Redakt.: Emil Unger, Gruncwgld. Jnferchenleil verantw.: LH. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdr.u.PerlagsanstÄt 8t. 289. 26. Jahrgang. 1. Sciltzk te.Amiick" Inliii« ilolblilntt. Wmih,(3.©Höht 1909. 9er Seutiche tzochichullehrertag und die cehrkreiheit. Auf dem dritten deutschen Hochschullehrertag, der am Dienstag in Leipzig seine Verhandlungen begann, wurde in ver Vormittagssitzung des ersten Tages die Frage der akademischen Lehrfreiheit eingehend behandelt. Die Debatte über diesen Gegenstand, der ja namentlich sür Deutschland höchst aktuell ist, bildete die Fortsetzung einer Aussprache auf dem vorjährigen Hochschullehrertag. Damals hatte Professor v. A m i r a- München dem Hoch- schullehrertag eine Reihe von Thesen unterbreitet,' in denen es hieß, daß die wissenschaftliche Forschung unabhängig sein müsse von jeder Rücksicht, insbesondere von Traditionen und Vorurteilen der Masse, von Autoritäten und g e s e l l s ch a f t l i ch e n G r u p Pen und von Interessenten, und daß aus einer a m t- lichen Stellung eines Forschers oder Lehrers keine Beschränkung seiner Forschung oder Lehr- freiheit abgelenkt werden dürfe. Professor Alfred W e b e r- Heidelberg hatte beantragt, diese Thesen dahin zu erweitern, daß auch die Weltanschauung und die politische Stellung eines Lehrers niemals einen Grund zur Nichtzulassung zum akademischen Lehramt bilden dürfe. Dieser Antrag war jedoch gegen eine kleine Minderheit abgelehnt, dagegen ein anderer Antrag angenoinmen worden, wonach auf dem nächsten Hochschullehrertag das Thema einer weiteren gründlichen Behandlung zu unterziehen sei. Die bisherige Debatte wurde durch zwei Referate von Professor Wach-Leipzig und Privatdozent Hart mann- Wien eingeleitet. Professor Wach legte seinem Referat folgende Thesen zu Grunde: 1. Es muß von den entscbeideuden Instanzen gefordert werden, daß sie sich bei Erteilung der venia loAsncü nicht durch Umstände bestimmen lassen, die, von formalen Boraussetzungen abgesehen, weder die wissenschaftliche Qualifikation, noch die Lehrfähig- keit oder persönliche Würdigkeit des Bewerbers bc- treffen, insbesondere nicht durch seine religiöse oder politische Ueberzeugung. 2. Es empfiehlt sich, die Entscheidung über die Applikation den Fakultäten zu überlassen und der Kontrolle der Regierung nur insoweit, als abgesehen von Formalien Tatsachen vorliegen, die den disziplinaren Ausschluß vom Lehrberus zu begründen geeignet wären. 3. Als Kautclen gegen den Mißbrauch innerhalb dxr Fakultät sind erwägcnslvcrt angemessene Berichterstattung. motivierte A b st i m m u n g und begründeter Be- scheid an die Bewerber. Diese Thesen sehen ganz akzeptabel aus, jedoch zeigte sich bei dem Referat des Professors Wach, daß die durch Annahme der Thesen geschaffenen Garantien für eine wirk- l i ch e Sehrfreiheit immer noch sehr zweifelhaft wären! Professor Wach gibt sich in der Theorie durchaus vorurteilsfrei. Er verwarf prinzipiell jede Abhängigmachung der Lehrsreiheit von irgend einer politischen oder religiösen Ueberzeugung, aber er war zugleich ehrlich genug, zu er- klären, daß es sich hier nicht um einen abstraktenGrund- s a tz handele, sondern um eine Personenfrage, daß man es zu tun habe mit lebendigen Menschen. Bei lebendigen Menschen kämen aber die religiösen und politischen Auf- fassungen zum Ausdruck, m ü ß t e n sie zum Ausdruck kommen. So sei es selbstverständlich, daß beispielsweise ein Staatsrechtslehrer seine Gruiidanschatmng durchblicken lasse. Die akademische Lehrtätigkeit sei ja wesentlich davon abhängig, daß der Lehrer sich in der Lehrtätigkeit als Persönlichkeit, als Menschen gebe.„Wir sind keine Schenien und deshalb wird unsere politische und religiöse Kleines feuilleton. Am Nordpol. Während der Streit zwischen den beiden Nordpol- cntdeckern Cook und Peary immer noch nicht entschieden ist und auch niemand bisher feststellen konnte, ob überhaupt einer von beiden am Nordpol gewesen ist. fahren beide fort, ihre Erlebnisse in breiten Feuilletons zu schildern. Man kennt die Monotonie dieser polaren Reisebeschrcibungen zur Genüge, und auch am Nordpol selber, bis zu dem Cook jetzt in seinen Berichten ge langt ist, sieht'S nicht anders aus, als irgendwo sonst im hohen Norden. Cook gibt folgende Schilderung bon dem Tage der Nordpolentdeckimg: Die Sonne zeigt Mittag für den Ort. aber die Zeit existiert hier nicht, denn alle Meridiane treffen hier zusammen. Mit einem Schritt war es hier möglich, von einer Seite der Welt in die entgegengesetzte zu gehen, aus der Mitternacht in den Mittag zu treten. Hier hat das Jahr nur einen Tag und nur eine Nacht. Die Breite war 00. die Temperatur— 38,7 Grad Fahren- heit, der Barometerstand 29,83. Norden, Osten und Westen waren verschwunden, nur Süden lag in allen Richtungen der Windrose. Aber der Kompaß, der nach dem Magnetpol wies, war hier so nützlich wie überall. Obgleich der Erfolg der Eroberung mich über und über mit Freude erfüllte, so änderte sich meine Stimmung doch am nächsten Tage, nachdem alle Beobachtungen gemacht und die lokalen Erscheinungen studiert worden waren. Ein Gefühl grenzenloser Verlassenheit kam über mich. Wie freudlos war die Stelle, nach welcher der Ehrgeiz so vieler Generationen gestrebt hatte. Endlose Gefilde purpurnen Schnees. Kein Leben, kein Land, kein Ort, der von der Einförmigkeit de§ Frostes erlöst. Wir waren die einzigen atmenden Wesen in einer Welt von Eis. Musik. Berliner VolkZ-Ehor: Beethoven- un dMen de ls« söhn«Abend. Vor einer Zuhörerschaft von weit über 3000 Per- sonen gab der Volks-Chor am Montag im Musiksaal„Friedrichs- Hain* sein erstes diesjähriges Konzert und zwar unter Mitwirkung des V l ü t h ii e r- O r ch e st e r§. Den ersten Teil des Programms bestritten zwei seltener gehörte Werke Ludwig van Beetho venS. Bei den„Ruinen von Athen", einem Festspiel, daS der Meister gleich dem„König Stephan" auftragSmäßig schuf, noch dazu in einer Zeitv i r d." Nachdem noch die Erklärung abgegeben worden war, daß die Mehrheit des Hochschullehrertages sich im wesentlichen auf den Standpunkt des Professors Wach stelle, wurde die Debatte geschlossen. Der Verlauf der Debatte bctveist zwar, daß auch in Hoch- schullchrerkreisen sich Opposition gegen die brutale Ver- gcwaltigung der akademischen Lehrfreiheit zu regen be- ginnt, aber er beweist nicht minder, daß es in den Hochschullehrerkreisen noch gar sehr qn dem Ver- ständnis dafür fehlt, daß es in allen mit dem st a a t l i ch e n Leben und der sozialen E n t>v i ck e l n n g zusammen- hängenden Fragen keine„reine" Wissenschaft geben kann, sondern daß die Wissenschaft lediglich die nnabweisbare Pflicht hat, den Vertretern siiintlicher miteinander kiimpfeildcn Weltanschauungen das Recht auf akade»nische Lehrfrciheit zu sichern! vom Rierlirieg. Der Nuckgang des BierabsatzeS soll für verschiedene Brauereien im rheinisch- westfälischen Industriegebiet bis zu 30 Prozent betragen. Schon bei den Jahresabschlüssen pro Juli haben die Brauereien Veranlassung genommen, wegen starken Konsumrückgangs die Di- bidendenans'ichnttungen zn reduzieren. Treiben die Wirte in Berlin es zu einem offenen Kampf, dann dürfte hier der Konsumrückgang wohl noch viel empfindlicher sein als im Industriegebiet. » I n E s s e n a. R. fanden zwischen Vertretern der Partei und der freien und christlichen Gewerkschaften Verhandlungen mit Wirten und Brauereien statt, die zn einer Vereinbarung führten, die dem Bierkriege jedenfalls ein Ende bereitet. ES soll überall da, wo bisher ff« Liter für 10 Pf. verlauft wurde, dieses Maß bestehen bleiben, während für IS Pf. statt bisher 4/10 in Zukunft 7/ao Liter ausgeschenkt werden. Die Brauereien übernehmen gleichzeitig die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß Arbeiterentlassungen wegen Konsumrückganges nicht eintreten; ferner sollen alle Lokale im Kreise den Geiverlschaften und der Partei zur Verfügung gestellt werden. » Aus Kiel wird berichtet, verschiedene Brauereien hätten den Marine-Boutailliers das Bier wieder zuden alten Preisen angeboten. Die Brauereien wollen anscheinend dadurch auf der einen Seite ihren Absatz, der durch den Boykott sehr begrenzt ist, wieder er- höhen, um dann den Kampf gegen die Arbeiter um so länger aus- halten zu können. Diese werden sich natürlich erst recht dafür be- danken, das Vier teurer zn bezahlen, damit die Marine es für den alten Preis erhält. Die okngen Brauereien beweisen durch obiges Angebot, daß die Brauereien das Bier zu den alten Preisen liefern können._ Keilt AeMreiil in Frankfurt a. M. Der uene Arztvertrag. Durch die bürgerliche Presse machte neulich eine Notiz die Nunde, daß in Frankfurt a. M. die seit 13 Jahren bestehende freie Arztwahl beseitigt werden, ein Aerztekrieg eintreten würde, wie ihn selten deutsche Aerzte geführt hätten. Nach langen Verhandlungen der Krankenkassen mit dem Aerzte- verband ist nun der Friede geschlossen worden und die freie Arzt- wähl für Frankfurt gesichert. Diesmal waren es die Krankenkassen, welche eine Reihe von Forderungen an die Aerzteorganisation stellten, die von den Aerzten mit Gegenforderungen schnell beant- wortet worden sind. Die Hauptforderung der Krankenkassen, welche bei den Aerzten auf heftigsten Widerstand stieß, war„Abschluß eines Einzel- vcrtrageS". Seither existierte kein Einzelvertrag mit den Aerzten, fondern es war ein Kollektivvertrag zwischen Aerzteverband und Krankenkassen abgeschlossen. Die Aerzte sind nun in einem Ver» band organisiert, der nicht juristische Person ist. Daher konnte keine Krankenkasse klagbar vorgehen. Dazu kam, daß bei dem letzten Aerztekrieg in Köln von dem Aerzteverein den Aerzten Reverse zur Unterschrift vorgelegt wurden, nach welchen diese sich auf Mus verpflichteten, sofort aus dem Aerzteverband auszutreten. Da nun auch in Köln kein Einzelvertrag mit den Aerzten bestand, so hätten die Krankenkassen das Nachsehen gehabt, wenn die Aerzte dem Rufe ihrer Führer gefolgt und aus dem Verein ausgetreten wären. Die Krankenkassen hätten keine Aerzte gehabt. Dies wollte man nun in Frankfurt vermeiden. Daher die Forderung auf Einzelvertrag. Nach langen Verhandlungen gaben in diesem Punkte die Aerzte nach und erklärten sich bereit, wenn ein Kcllektiv- Vertrag abgeschlossen würde, jedes Mitglied ihres Verbandes durch einen besonderen Revers zu verpflichten, seine Tätigkeit als Kassen- arzt den Bestimmungen des Kollektivvertrages entsprechend auszu« üben und vor allem die Vertraasdauer auszuhalten. j Die»veiters Forderung der Kraickenkassen, ihnen auch zu gc- statten, außerhalb des AerzteverbandeS stehende Aerzte zuziehen zu dürfen, war in der Hauptsache gegenstandslos geworden, nachdem ihnen von dem Aerzteverband das Recht zugestanden wurde, auch künftig in unbeschränkter Zahl Naturärzte, Homöopathen usw. an- zustellen. Gefordert wurde weiter, die Vertrauensärzte selbst an- stellen zu können, da die von den Aerzten seither präsentierten Ver- bandsärzte nicht immer den Krankenkassen zusagten. Eine Eint- gung wurde nun dahingehend getroffen, daß die Vertrauensärzte in Zukunft von den Krankenkassen selbst aus den Reihen der Mit- gliedcr des AerzteverbandeS gewählt werden. Die Krankenkassen haben also freie Hand bekommen. Sehr lvichtig war eine weitere Forderung der Krankenkassen, daß die Kassenärzte verpflichtet sein sollen, auf Wunsch den tln- fallvcrletzten ein Gutachten abzugeben, damit diese auch in der Lage sind, den Kampf um die Unfallrente wirksamer zu führen. Wie in allen Städten, weigerten sich seither auch die Frankfurter Aerzte, ihren Unfallpatienten später ein Gutachten auszustellen, hatten allerlei Ausreden, wie„der Vertrauensarzt der Berufsgenossen- schaft sei doch maßgebend, sie seien als Kassenarzt doch gar nicht ver- pflichtet, ein Gutachten auszustellen" usw. Zudem haben die Aerzte auf ihrem letzten Vcrbandstag in Lübeck ausdrücklich ihre Kollegen verpflichtet, den Kassenpatienten kein Gutachten auszustellen. Da aber die Frankfurter Kassenvorstände gerade deshalb auf diese For- derung den größten Wert legten und den Abschluß eines neuen Vertrages von der Bewilligung derselben abhängig machten, gaben die Aerzte nach und halten sich künftig verpflichtet, den Unfall- verletzten zu helfen. In Frankfurt a. M. besteht die fakultative Familienversichc- rung, die seither in ihren Statuten den Passus enthielt, daß Mit- glieder mit einem Einkommen über L000 M. aus dieser Versiche- rung auszuscheiden haben. Die Kassenvorstände verlangten, daß den Aerzten überhaupt kein Recht gegeben werden sollte, die Ein- kommcnsgrenze zu bestimmen und wollten alle Mitglieder behalten. Schließlich einigte man sich dahin, daß nur dann Familien auszu- scheiden haben, wenn deren Einkommen über 4000 M. beträgt. Für Arbeiterfamilien wird dies also wohl kaum in Frage kommen. Soweit die Hauptforderungen der Krankenkassen. Die Aerzte verlangten ursprünglich nicht allein die ausschließ- liche Behandlung aller Kassenmitglieder, sie wollten auch für aus- »värts wohnende Mitglieder nur eine Konsultation im Notfalle aus- führen und dann bezahlt sein. Seither konnten auch auswärts wohnende Kassenmitglieder alle Frankfurter Aerzte in Anspruch nehmen und war dieser Zustand geradezu ideal zu nennen; zumal aus den meisten Ortschaften keine Spczialärzte vorhanden sind, er- werbsfähige Kranke den Kassenarzt ihres Heimatsortes gar nicht an Wochentagen in Anspruch nehmen konnten. Die Kassenvorständc durchkreuzten jedoch diese Forderung der Aerzte, die ihnen eine neue und ungeahnte Einnahmequelle verschafft haben würde und lehnten jede Extrazahlung entschieden ab. An Honorar hatten die Aerzte„nur" eine Erhöhung von zirka einer halben Million Mark für die Vortragsdauer gefordert und begründeten dies mit der seit- herigen ungenügenden Bezahlung. Die Kassenverwaltungen er- liehen an alle Vcrbandsärzte ein aufklärendes Schreiben, worin die seit dem Jahre 1896 eingetretenen Honorarerhöhungcn dargelegt tvurden. Es stellte sich bei dieser Berechnung heraus, daß unter der Leitung der früher nicht organisierten Arbeiter und Unternehmer nur 2 M. pro Kopf Pauschalhonorar an den Arzt gezahlt wurde und für jede versicherte Familie nur 6 M. Heute beträgt aber das Honorar pro Kopf schon 4,20 M. und pro Familie gar 9,Sr. Kcir Hardie, der bekannte Führer der Independent Labour Party(Unabhängige Arbeiterpartei): Will der ehrenwerte Herr sagen, ob die Nahrung durch die Nasenlöcher eingepumpt wird oder durch eine in den Schlund eingeführte Röhre?— Mr. Mastermann: Ich glaube, das zweite Verfahren wird ausschließlich angewendet.— Keir Hardie: Das ist eine entsetzliche Schmach I(Gelächter.)— Mr. Mastermann: Diese Behandlung unterscheidet sich in nichts von der der anderen Gefangenen.(Zustimmung und Heiterkeit.)— Keir Hardie rief darauf den lachenden Rohlingen, die� sich mit Stolz englische Gentlcmcn nennen, zu, daß erst kürzlich ein Mann infolge derartig roher Behandlung verstarb.— Ueberhaupt muß man sagen, daß eine Brutalität dadurch nicht kleiner, sondern viel- mehr verdoppelt wird, daß sie beiden Geschlechtern zu�fügt wird._ Gerichts-Zeitung* Ziglirettenmarkenfälschungen. Einen äußerst schwierigen Kampf gegen unberechtigte Führung von Zigarettenmarken führt seit langer Zeit schon die Zigaretten- industrie, in welcher alle Augenblicke neue Fälschungen bekannter Marke» in dem Handel erscheinen. Daß diese Fälschungen ganz gewerbsmäßig betrieben werden und sich schon zu einer recht blühenden Industrie entwickelt haben, zeigte eine Verhandlung gegen den Zigaretteilfabrikantcu Franz Lehmann und dessen Ehe- frau Henriette L., sowie mehrere Gastwirte und Zigarrenhändler» welche sich hier wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Warenbezeichnung vor dem Strasrichter zu verantworten hatten. Der Angeklagte Lehmann ist wegen Fälsckinngen der Marke„Gar- bäty" schon zu 9 Monaten Gefängnis und 3600 M. Geldbuße und ferner zu 1 Jahr und 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Trotzdem betreibt er dieses Handwerk unentwegt weiter, so daß ins- besondere die Firma I. Garbäth-Rosenthal in Pankow ein ganzes Heer von Angestellten zu halten genötigt ist, die weiter nichts zu tun haben, als ständig den Fälschern und ihren Abnehmern auf der Spur zu bleiben. Im November vorigen Jahres tauchten bei zahlreichen Gast- Wirten in Berlin und Umgegend gefälschte Gärdatv-Zigaretten „Königin von Saba" auf, die sämtlich von den Lehmannschen Ehe- leuten herrührten. Die Folge einer Haussuckiung war die jetzige Anklage, welche auch auf die Abnehmer der Falsifikate ausgedehnt wurde, da diese bei Ankauf der gefälschten Zigaretten fahrlässig gehandelt hatten. Der Prokurist der Firma Garbäty, Bieber, be- kündete vor Gericht, daß der von den Fälschern der Zigaretten» industrie zugefügte Schaden in die Hunderttausende gehe.— Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf den immensen Schaden, der einer Industrie durch derartige gewerbsmäßige Fälscher zu- gefügt werde, gegen die Eheleute Lehmann 6 bezw. 2 Monate Gefängnis, während Rechtsanwalt Dr. Jaffe die Notlage der An- geklagten als mildernden Gesichtspunkt hervorhob. Das Gericht erkannte gegen den Ehemann Lehmann auf 3 Monate Gefängnis und 200 M. Geldstrafe und gegen die Ehefrau L. auf 3 Wochen Gefängnis und 100 M. Geldstrafe. Außerdem wurde der geschädig» ten Firma Garbäty eine Buhe von je 100 M. zugesprochen. Die Abnehmer der gefälschten Zigaretten wurden zu kleinen GefängniZ- bezw. Geldstrafen verurteilt. Tahsel aus der Haft entlassen. Für Tahsel sind 20 000 M. Kaution gezahlt. Er ist daraufhin aus der Haft entlassen. Die Einzahlung ist nicht vom Verleger Bruhn erfolgt. Zum Gllstrower Todesurteil. Gegen das vom Schwurgerickst in Güstrow gegen die Modistin Auguste Zobel ergangene Todesurteil hat der Verteidiger die Re- Vision angemeldet. Insbesondere soll die Revision darauf gestützt werden, daß die Briefe, die die Angeklagte an verschiedene Personen gerichtet hat, von der Staatsanwaltschaft ohne richterliche Beschlag» nähme einfach zurückbehalten sind. Wie behauptet wird, hatte man hiervon der Angeklagten keine Kenntnis gegeben, so daß diese immer wieder Briefe schrieb, welcye stets von neuem als Beweis- mittel zurückbehalten worden sein sollen. Nach Ansicht des Per- teidigers sind gerade diese Briefe geeignet, das Verlangen nach neuer Untersuchung des Geisteszustandes der Angeklagten zu recht- fertigen, da ihr krauser Inhalt auf eine Geistesstörung hindeute. Dafür spreche auch das Verhalten der Angeklagten während der Verhandlung und nach der Urteilsverkündung. Sie hatte am nach- folgenden Tage ihre Fassung vollständig wiedererhalten und hat sogar wiederholt gelacht. Am Tage der Urteilsverkündung war sie lediglich deshalb in Aufregung geraten, weil sie ihre Schwester, an der sie sehr hängt, auf dem Korridor Verzweislungsschreie aus- stoßen hörte.— Vermutlich wird sich gegen eine über das Geständ- nis der Angeklagten vernommene Zeugin ein Verfahren wegen Meineids entwickeln. Diese hatte behauptet, daß sie die Nachrichten über die Tat nur von der Angeklagten hätte, während eine darauf vernommene Zeugin erklärte, daß sie der Vorzeugin derartige Mitteilungen gemacht habe und daß diese Mitteilungen aus dem „Nostocker Anzeiger" stammten. Dies hatte die Angeklagte bs» hauptet; die betreffende Belastungszeugin hatte es aber aus Be» fragen des Verteidigers bestritten. Letzterer will beantragen, ev. die Sache vor ein anderes Schwurgericht, womöglich nach Berlin, zu verweisen. Streikbrecher. Von welcher Qualität die„nützlichen Elemente" sind, erfuhr man wieder in einer Verhandlung des Landgerichts Nürnberg. Gegen einen oft vorbestraften Dieb namens Rauh sollte wegen eines neuerlichen Diebstahls verhandelt werden. Als die Sache auf- gerufen wurde, war der Angeklagte nicht da. Als man sich aber erkundigte, erfuhr man, daß er in der Zelluloidwarenfabrik von Gebr. Wolfs, wo die Arbeiter seit Wochen in einem heißen Abwehr» kämpf stehen, Streikbrecherdienste leistet. Anscheinend glaubte er. als Rausreißer könne ihn auch die Justiz nicht weiter behelligen. Das Gericht lieh ihn jedoch vorführen und verurteilte ihn zu 5 Monaten Gefängnis. Die Vorstrafen dieses Streikbrechcr-Muster- knaben waren recht erheblicher Art. Sind es die Vorstrafen, die eS veranlassen, daß diese Gesellschaft durch die Polizei so sorgsam eigenen Etratzenbahn-Sonderwagen befördert mit ehrlichen Arbeitern nicht in Berührung „geschützt" und in werden, damit sie kommen? Opfer der Arbeit. Vom Landgericht Halle a. S. ist am 26. Mai der Obersteiger Ottomar Seifert wegen Uebertretung deS Berggesetzes zu 80 M. Geldstrafe und wegen fahrlässiger Tötung zu 4 Monaten Gesang- niS verurteilt worden. Er ist auf der Grube„Friedrich III. bei Bitterfcld angestellt und hatte einen Stollen ftir den Tagbau her» stellen lassen. Weil die droi letzten Felder desselben nicht genügend verzimmert waren, stürzten sie ein und töteten den dort tätigen Häucr H. Der Angeklagte hatte angeordnet, Hilfshölzer zu holen oder die Arbeit einzustellen. Hilsshölzer waren aber nicht zu be- schaffen gewesen und H. hatte doch weitergearbeitet. In seiner Revision berief sich der Angeklagte darauf, daß er doch für den erwähnten Fall sie Einstellung der Arbeit angeordnet habe. Das Reichsgericht verwarf am Montag jedoch die Revision, da der An- geklagte einen ganz bestimmten Befehl hätte erteilen müssen und es nicht dem Ermessen der Arbeiter hätte überlassen müssen, od sie weiterarbeiten sollten oder nicht. Grober Unfug dnrch die Presse? Der Setzer Paul Zielke in Konstantinopel hatte beim Sehen eines Artikels für den OSmanischen Lloyd den Namen eines Schrift- stellers absichtlich entstellt gesetzt, so daß ein unästhetisches Wort entstand. Bei der Korrektur wurde dieser Setzerstrcich übersehen. Die nichtdeutschen Blatter machten über den angeblichen Namen höhnische Bemerkungen. Das deutsche 5fdnsulargericht in Kon» stantinopcl verurteilte Zielke am 11. Juni dieses Jahres wegen groben UufuaS zu einer Woche Haft, da der Angeklagte wußte, daß die Veröffentlichung das Publikum belästigte und beunruhigte. — Auf die Berufung deS Angeklagten hob am Montag das Reichs» gericht das Urteil auf und stellte daS Verfahren ein. Nach der neueren Rechtsprechung kann, hieß es in den Gründen, der Unfug» Paragraph nur angewendet werden, wenn der äusjere Bestand der Ordnung gestört oder verletzt ist. Dis Bloßstellung einer deutschen Zeitung ist aber noch keine Störung der Ordnung. Auf Einstellung, nicht auf Freisprechung mußte erkannt werden, weil die Tat des Angeklagten eine Beleidigung des deutschen Schriftstellers darstellt, die zur Verurteilung hätte führen können, wenn ein Strafantrag vorläge,__> Verantwortlicher Matteurl Emil Hoger, Grunewald. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& So., Berlin SWs Ks GjJalGjfS W. WERTHEIM G.m. b.H. 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Oktober: Zablabend In den Bezirken GroS-- Berlins. Partei- Hnöfeköfenbeitcn. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. ?lm Freitag, den 15. Oktober, 8 Uhr abends, wird Ge- nasse Viktor Bcrgcr, Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft Wisconsins(Amerika) im Berliner Gewerkschaftshause(großer Saal) einen Vortrag über die Arbeiterbewegung in Amerika halten, worauf wir am Zahlabend aufmerksam zu machen bitten. Genosse Bcrgcr referiert in deutscher Sprache. Zahlreicher Besuch der Genossen und Genossinnen ist erwünscht. Mit Rücksicht auf die Landtagslvahlen wird der dies- monatliche Lcseabcnd der Frauen für ganz Graft- Berlin auf Montag, de» 18. Oktober, verlegt. Als Vortragslhema gilt überall:„Die Bedeutung der preußische» Landtagslvahlen". Die ständigen Referenten sollen an diesem Abend die Bedeutung der Landtagswahlcn bc- handeln. Nnf den Leseabcnden gelangt ein Flugblatt an die Frauen zur Ausgabe. Die Genofsinneu sollen dieses Flugblatt in einer größeren Zahl von Exemplaren ui i t n e h in e u nud an alle Frauen, auf welche sie einwirken können, zur Verteilung bringen. Durch diese Verbreitung von Frau zu Frau hoffen wir ebenfalls eine Wirkung auf das Wahlrcsultat hervor- zurufen. Zweifellos haben auch die Genossinnen der Kreise, in welchen diesmal nicht gewählt wird, geschäftliche, freundschaft liche oder familiäre Beziehungen zu den Frauen der vier zur Wahl stehenden Bezirke und sind so in der Lage, auch ihrer- scits für sozialdemokratische Wahlen, wenigstens indirekt, zu wirken. Nicht der kleinste Umstand, der das Wahlresultat zu unseren Gunsten beeinflussen kann, darf bei dieser Wahl außer acht gelassen werden. Die ParteitagSprotokolle, welche in diesem Jahre für die Mitglieder der Organisation zum Preise von 80 Pfennigen (Verkaufspreis sonst 1,25 Mark) abgegeben werden, bitten wir, wo dies noch nicht geschehen, heute am Zahlabende bestellen zu»vollen, damit die Kreise baldigst die Anzahl der gewünschten Exemplare angeben können. Der Zentralvorstand. An die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg! In diesem Monat erscheint wiederum eine neue Lokalliste. Wir ersuchen daher, alle Acndernngen bczw. Neuaufnahmen vis spätestens Sonntag, den 17. Oktober, an die nachverzeichneten Kom- missionsmitglieder gelangen zu lassen: Für den l. Wahlkreis an den Genoffen Paul Bartsch. NW. 29, Lessingstratze 32. Für den iL Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder, S. 53, Bcromannstraße 05, II. Für den III. Wahlkreis an den Ecnoffcn Karl König, 8. 59. Urb rmst raste 03._ � Für den IV. Wahlkreis an den Genoffen Karl Rott, 0. 34, Strastmannsiraste 29. Für den V. Wahlkreis an den Genoffen Albert Hahnisch, 0. 54. Nuguslstraste ol, Oucrgcb. IV. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, N. 68, Ucckcrinünder Straße 17, II. Für Rieder-Barnini an den Genoffen Hermann Elias, 0. 112, Blumenthalstraste 24. Für Teltow-BceSkow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, Eelchower Straße 15— lö, IV. Für Potsdam- Osthavellaild an den Genossen August Paris, Velten. Bahnsiraste 8. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Vorsihenden der Kreise an den unterzeichneten Ob- «rann der Kommission z» richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungcn in Lolalangelcgenheitcn für Grost-Berlin dem zu- ständigen Kommissionsmitgliede, für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonfcrenzen der Lokallreise so oft gefaßten Beschlust hin, wonach die örtlichen K o m m i s s i o n s m i t g l i e d e r unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehe»den unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. Alle nach dem 17. Oktober einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenhcitcn nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt«Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Ter Obmann der Lokalkommission: RichardHcnschel, Berlin N. 58, Ucckermünder Straße 17, II. Zur Lokalliste. In Nr. 237 vom 10. b. Mts. sind die Lokale Lücke Nach f. Winkel mann, Berliner Str. 128. und A u ß- mann, Berliner Str. 133, irrtümlich als in Tcmpclhof liegend aufgeführt. Beide Lokale gehören zu Groß- Lichtcrfcldc. Da uns dieselben hartnäckig verweigert werden, ersuchen wir nochmals, allen dortigen Veranstaltungen fernzubleiben. Ans wiederholt« Anfragen teilen wir mit, daß in Lankwitz das Lokal„Grüne L i it d e Hauptstraste, der Arbeiterschaft nicht z u r V e r f ü g u n g st e h t. Der betreffende Wirt hat sich kontrakt- lich verpflichtet, seine Räume der Sozialdemokratie nicht zu geben. Wir ersuchen ganz besonders die Arbeiter der dortigen„Daimler- Werke", dies beachten zu wollen. Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 17. Oktober, abends 6 Uhr, im Geivcrkschaftshause, Engelufer 15: Kunstabend zur Feier des 20. Sliftuiigsfcstes mit anschliestendem Ball. Billetts a 40 Pf. sind bei den Bczirksführern und beim Kassierer B i t t II e r, Feilnerstr. 11. zu haben. WilmerSdorf-Halciisce. Heute Mittwoch: Zahlabcnd deS Wahl- Vereins. Durch die Neueinteilung der Bezirke ist eine Verschiebung dsr Zahlabendlokale notlvendig geivorden. Wir bitten die Genoffen, in dem von ihrem Bezirksführer bezeichneten Lokal pünktlich zu er- scheinen, da eine Neuwohl der Bezirksführer stattfindet. Zchlendorf(Tcltow-Becskow). Der heutige Zahlabend findet für den 4. Bezirk bei Herrn Oito Schöne, Potsdamer Chaussee, Ecke Dcrffliiigerstraste, statt. Die Genossen aller Bezirke werden darauf aufmerksam gemacht, daß über die Beteiligung an den Zahlabeuden von jetzt ab eine Statistik aufgenommen wird. Es ist daher not- lvendig, daß alle Genossen zur Stelle sind. Der Vorstand. Lichtenberg. Sonnabend, den 16. Oktober, findet im„Schwarzen Adler", Inhaber Gebrüder Arnhold, Frankfurter Chaussee 5/3, das Herbslsesl de» Wahlverein�tatt. Dasselbe besteht aus einem grasten Künstlerkonzert lKainmcriMisik und solistische Vorträge) des Neuen Toiitüiistler-Orchesters, Dirigent Franz Hollfelder, unter Mitwirkung des Baritonisten Herrn Emil Scbcrin. Nach dem Konzert: Großer Ball. Billetts sind bei sämtlichen Bezirks- und Gruppenführern zu haben. In Anbetracht der austcrordcntlichen Darbietungen wird auf ein zahlreiches Erscheinen der Mitglieder gerechnet. Erkner. Heute Mittwoch, abends 8'/z Uhr, Mitglicderversamrn lung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Be> richt von der Rreisgeneralversammlung. Diskussion. Vereins angelegenheitcn.# Der Vorstand. Trebbin. Am Sonnabend, den 13. Oktober, abends 8'/z Uhr Wahlvcrciiisversamnilimg. TageSoidinmg: 1. Kasse, Anfnahnie neuer Mitglieder und Abrechnung vom III. Quartal. 2. Stadtverordneten- wähl. 3. Bericht vom Parteitag. Referentin: Frau Zeetze, Rixdorf. Nieder-Schönhausen— Nordend. Am Sonnabend, den 16. Oktober, findet im Restaurant Liedemit san der Kirche) ein Lichtbildervortrag statt. Thema: Unsere heutige Kenntnis vom Ursprung deS Menschengeschlechts. Vortragender Herr M. H. Baege. Anfang pünktlich 9 Uhr abends. Eintritt 25 Pf. Nach dem Vortrag findet geniüt- liches Beisammensein mit Tanz statt. Wir ersuchen die Genossen und Genossinnen für einen guten Besuch Sorge zu tragen. __ Die Bezirksleitung. Berliner J�achrlchtem Knstanien. Der Zug noch oben, der die Säfte in die Bäume trieb und Blätter und Blüten hervorschießen ließ, hat sich in den Zug nach untm gelvandclti die Früchte streben zur Mutter zurück. Die Kastanien, die vor einem knappen halben Jahre das Auge durch ihr weißes Blütenkleid erfreuten und den Frühling recht eigentlich einleiteten, sie sind es auch, die der Herrlichkeit auf ihre Weise ein Ziel setzen. Aus unscheinbaren Fruchtknoten sind gcivichtige stachelige Gehäuse herangewachsen. Ganz lose hängen sie an ihren Stielen und von Zeit zu Zeit prasseln sie in das dürre Laub herab, das schon die Wege der Parks und die Kastanieualleen säumt. Dabei platzt die Hülle und die blanken braunen Nüsse rollen dahin. Man muß sich aber ein wenig bemühen, um sie zu bekommen, denn die Kinder sind eifrig hinterher. Die glatten harten Samen sind bei ihnen sehr beliebt, und wenn man von ihrer Verwendung zu Fütteruugszwecken absieht, so haben die Früchte der Roß- kustanie auf diese Weise eine von der Natur schwerlich beab- sichtigte Wandlung durckigemacht: die Sanicn sind ein Kinder- spielzeug geworden, nachdem sie bei uns, wo sie keine Wälder bilden können, ihren Beruf verfehlt haben. Der Mensch sucht ein paar davon aus und pflanzt seine Alleen. Die übrigen ungezählten Hunderttausende von Früchten, die der Baum alljährlich bei uns produziert, sind verloren für die Zwecke der Fortpflanzung des Baumes, der seine Heimat in den griechischen Gebirgen hat. Aber so ist es nun einmal bei der Produktion der Natur: damit von zahlreichen Keimen auch nur einer einmal auf guten Boden gerate, läßt sie sie zu Tausenden auf das unfruchtbare Steinpflaster fallen. Die halb entblätterten Kronen der Kastanien und der anderen Bäume sind immer lichtdurchlässiger geworden und die immer herbstlicher schimmernde Sonne sucht die nach- lassende Wärme ihrer Strahlen durch die größere Fülle des Lichtes zu verdecken, das sie jetzt durch die kahlwcrdcnden Kronen über die Straßen und Wege fluten läßt, solange die Wolken es ihr erlauben. Aber mit der zunehmenden Eni- blätterung wächst auch die Kahlheit der Erdoberfläche und die Stärke ihrer durch die Vcgetationsdecke nur noch uuvoll- kommen gehinderten Wärmeausstrahlung gegen den Himmel. Es wird kühler und kühler und langsam bilden sich die Nebel, die sich kalt auf die Fluren senken werden. Zur Erleichterung für das reisende Publikum ist auf dem Stettiner Bahnhof bersuchstveise ein Fahrplanautomat aufgestellt worden, welcher eine austerordentlich schnell« Orientierung bei der Feststellung der Fahrzeiten ermöglicht. Ter neue Fahrplanhaltcr besteht in einem drei Meter hohen und zwei Achter breiten Holz- rahmen, in welchem auf zwanzig Tafeln die sämtlichen Fahrpläne der Eisenbahndirektioncn des Norden, Osten und Südwesten Preußens enthalten sind. Zu den beiden Breitseiten des Apparates sind nach Direktionsbezirken und alphabetisch geordnet Stations- Verzeichnisse angebracht und neben den BahnhofSnamen ist die Taselnummer in roten und die Streckennummer in schtvarzen Ziffern eingezeichnet. Will man die Ankunfts- resp. Abfahrtszeit bei einer bestimmten Ortschaft feststellen, so sucht man auf dem Stationsverzeichnis zunächst die Taselnummer, zieht dann die mit einem Handgriff und roter Nummerbezeichnung versehene Tafel herunter und kann dann mit Hilfe der Streckenbezeichnung in wenigen Sekunden die gewünschten Fahrzeiten feststellen. Wird die Tafel nicht mehr gebraucht, so setzt man den Fuß auf eine an den Seiten angebrachte Pedale und der Fahrplan schnellt angen- blicklich empor. In dieser Weise ist es auch möglich, die Anschluß- zciten auf Unisteigcstationen in wenigen Augenblicken zu ermitteln. Allerdings können gleichzeitig nur zwei Personen den Apparat benutzen, so daß bei starkem Andrang der Aushang der Verkehrs- Pläne in der bisherigen Weise nicht zu entbehren ist. Bei de» Kanalisationsnrbeitcn in Königs-Wustcrhauscn sind in der Nähe des Schulhauses eine Menge Skelette aufgefunden worden, die sämtlich von Männern herrühren. Die Knochenreste sind mindestens 800 Jahre alt und stammen vermutlich aus der Zeit der Wendenkämpfe. An der Fundstelle soll nach alten Ueber- liefcrungen eine Wendenburg gestanden haben. Jedenfalls bilden die Knochen die Ileberreste gefallener wendischer Krieger, welche an jener Stelle in Massengräbern beigesetzt sind. Diejenigen Gewerbetreibenden, welche in Berlin eine gewerb- liche Niederlassung besitzen und im Jahre 1910 persönlich oder durch in ihren Diensten stehende Reisende für die Zwecke ihres Gewerbe- betriebeS Waren aufkaufen oder Bestellungen auf Waren suchen wollen, werden in ihrem eigenen Interesse aufgefordert, die hierzu gemäß 8 14, 44-i der Rcichsgetverbeordnung erforderlichen Legiti- mationskarten für das Jahr 1910 baldigst zu beantragen, und zwar ausschließlich bei dem Polizeirevier, in dessen Bezirk ihre gewerbliche Niederlassung liegt. Anderenfalls würde bei der großeir Anzahl der eingehenden Anträge die rechtzeitige Ausstellung nicht gesichert sein. Der Polizeipräsident macht noch besonders darauf aufmerksam, daß die für die Anträge zu benutzenden Formulare, welche die zur Information der Gcwerbetroibenden erforderlichen Bemerkungen enthalten, von den Gewerbetreibenden selbst zu beschaffen sind; sie können u. a. vom Formularverlag von Karl Kühn u. Söhne, Berlin C., Breitcstr. 25, bezogen werden/ Um Carnso. Caruso gibt wieder einmal im Opcrnhaufe ein Gastspiel. Ihn zu hören, ist nur Leuten mit großem Porteinonnaie möglich und auch denen nur unter erschwerenden Umständen. Ueber den Kampf um Billetts zu den Caruso-Vorftellnngcn wird dem„Berliner Tageblatt" geschrieben:„Unglaubliche Vorgänge haben sich gestern bei dem Vorverkauf der Billetts für die diesjährigen Caruso-Gast« spiele zugetragen. Seit zehn Uhr des vorhergehenden Abends be« gann das Publikum sich anzusammeln. Viele hatten sich, auf ein langes Warten borbereitet und förmlich mit Furngekisten versehen, in denen Bierflaschen nicht fehlten. Durch eine unvorher« gesehene Taktik der Polizei wurden jedoch die meisten um den Lohn ihres anstrengenden Wartens gebracht. Daö Aufstellen und Stehenbleiben am Opernhause, wie es sonst üblich war, wurde nämlich nach Mitlernacht verboten. Die Menge innßte sich ständig in Vcwegung halten. Erst um 8 Uhr morgens, als die Zahl der Harrenden gegen 1000 betrug, wurde das Pöstofassen geduldet, und nun entspann sich ein erbitterter Kampf um die ersten Plätze, an dem sich die Damen mit besonderer Heftigkeit beteiligten. Es gab zertretene Hüte, zerbrochene Schirme, zerrissene Schleier, demolierte Fahrräder und viele blutige Köpfe. Es dauerte lauge, bis Ord- innig eintrat und eine Reihe sich gebildet hatte. Eine Dame hatte einen hysterischen Anfall, in dem sie sich in Beschiiiipsungen der sie zurückweisenden Schutzleute erging. Schließlich suchte sie bei dem diensttuenden Polizeileiitiiaiit Schutz, indem sie ihn unterfaßte und nicht wieder loslassen wollte. Von denen, die glücklich einen der ersten Plätze erwischt hotten, wurde mancher arg enttäuscht. Viele waren nämlich auf den Gedanken ge« kommen, sich einen anderen zum Stehen zu mieten, um diesen vor der Kasseneröffiiung abzulösen. Dies wurde jcdocb von den Schutz« leuten auf besondere Anweisung verhindert. Die Wartenden durften nicht eimal mit Geld zum Aiikauf der Billetts versehen werden. Ueber eine große Zahl der Billetts war schon verfügt, und unter den ersten befanden sich größtenteils Helfer der Villetthändler, die so viel Billetts wie möglich an sich brachten. Um 2 Uhr mittags blühte auch schon der Weizen der Händler. Für einen Stehplatz im vierten Rang wurden 15 M. verlangt und gezahlt." Gasexplosion im Postamt W. 50. Eine schwere Gasexplosion, bei der vier Personen, darunter eine schwer verletzt wurden, er- eignete sich gestern nachmittag gegen 2 Uhr in den Räumen deS Postamtes W. 50 in der Marburger Straße 12. Durch die Un« dichtigkeit eines alten Gasrohrs im Kellergeschoß de« Hauses Mar« burger Straße 12, in dessen Parterreräumlichleiteii das Postamt W. 50 untergebracht ist. entstand gegen 2 Uhr im Briefsortierraum der dortigen Rohrpost eine heftige Gasexplosion. Der 35 Jahre alte Postassisteiit Albert Scehauseii, der mit dem Sortieren von Briefen be« schäfrigt war lind gerade über der ExplosionSstellc an einem Pult stand, wurde durch den Luftdruck gegen die Decke des Rmimes und dann mit solcher Wucht zu Boden geschleudert, daß er eine schivere Gehirnerschütterung davontrug und im Krankenwagen nach der Unfallstation Zoologischer Garten und von dort in das Krankenhait» Westend gebracht werden mußte. Auch der 40 Jahre alte Briefbote Hermann Marquardt, der neben ihm arbeitete, erlitt schwere Ouetschn iigcn. Durch herabfallende Manerteile wurden zwei Per- sonen leichter verletzt. Seinen Verletzungen erlegen ist der 32 Jahre alte Hermann Barsch aus der Nicderbarnim Straße 24 zu Lichtenberg, der kürzlich auf einem Bau in der Dresdener Straße 50 abstürzte. Er starb im Krankenhause Bethanien. Wer ist die Tote? Die Leiche einer unbekannten Frau wurde gestern aufgefunden und nach dem Schauhause gebracht. Tie Tote ist etwa 23 bis 25 Jahre alt und 1,70 Meter groß. Sie hat eine kräftige Gestalt, dunkelblondes Haar und vollständige Zähne, und trug ein schwarzes Jakett, eine weiß karrierte Bluse mit weißem Einsatz lind einen schwarzen Nock. Ihr Trauring ist W. B. 1. 7. 03, ihre Wäsche E. gezeichnet.> Acht halbe Schweine gestohlen. Bei einem dreisten Wiagendieb- stahl erbeuteten die Täter acht halbe Schweine und größere Quanti» täten Fleischwaren. Vor dem Hause Rochstr. 3 hatte ein Schlächter- fuhrwerk der Firma Hermann Hosfmann-Schönwalde gcbalten. Kaum hatte der Kutscher dem Gefährt für einen kurzen Augen- blick den Rücken gekehrt, so sprang ein fremder Mensch auf den Bock, hieb auf die Pferde ein und raste mit dem Wagen davon. Zwei andere Burschen, die sich in verdächtiger Weise am Tatort zu schaffen gemacht hatten, waren jedenfalls Komplizen des TäterS. Die bestohlene Firma ist durch den Verlust des Wagens, der mit acht halben Schweinen und anderen Fleischwaren hoch beladen tvar, um mehr als 2000 M. geschädigt worden., Warnung vor Anwerber» nach Brasilien. Von der Madeira- Mamore-Raillvay-Company wird im oberen Ainazonasgebicte eine Elsenbahii gebaut, für die der Vertreter der Gesellschaft, W. JnergenS, in Deutschland eine größere Anzahl Arbeiter angeworben hat. Mit einem Transport von etwa 300 Leuten befindet er selbst sich bereits auf der Reife nach Brasilien. Ein zweiter Transport von ongeblich 350?lrbeiterii sollte om 7. d. M. von Hamburg abgehen. Weitere Werbungen sind in Aussicht genominen. Der Vertreter des Ge- naniitcn in Deutschland ist der Jngenienr H. Goctze in Soest in Wests., Wallburgerstraße 35. Wie iiinn erfahren hat, sollen in dem Bahiibaugcbiet Malarioerkrankungen mit tödlichem Werlaus zahlreich vorkomiiien, auch sollen die Vcrpflegiingsvelhältiiisse sehr mongelhaft sein. Mit Rücksicht auf die klimaiischcn Verhältnisse deS in Frage kommenden Gebietes und die mehrfach in die deutsch-brasilianische Presse gelangten Klagen über die Vchandliing und Verpflegung europäischer Arbeiter bei Bahnboutcn in Brasilien ist von einer Ucbersiedlnng dorthin zu dein gedachten Zweck dringend abzuraten. Die Keffelstrasie von der Scharnhorststraße bis zur Pankcbrücke wird behufs ttuipflasterung sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt._ Vorort- j�ach richten* Tchöneberg. Etadtverordiictenversamuilung. In der letzten Sitzung widmete der Vorsteher zunächst dem Att- storbcnen früheren Stadtverordneten Dr. Voßberg(lib. Frakt) einen ehrenden Nachruf. Der Verstorbene hatte nur ein Alter von 29 Jahren erreicht. Sodann gab eS eine lange Debatte über den Bau von S ch n e e- E i n w u r f s ch ä ch t e n. Einige Herren konnten sich mit dem Beschluß der vorigen Sitzung nicht zufrieden geben, sondern verlangten, daß auch vor der Tür ihres Hauses ein solcher Schnee-EiNlvurfschacht gebaut»verde» müsse. Die langen Aus- ewandersetzungcn endeten scbließlich mit der Zurückziehung deZ Antrages. Die Schnee-Einwurfsckächte werden also nur in dem in der borigen Sitzung beschlossenen Umfange errichtet. Zur Beschaffung neuer Räume für die Stadthaupt» lasse wurde eine gemischte Deputation eingesetzt. Ein Antrag der liberalen Fraktion nerlangt die Einstellung Von Mitteln in den Etat für 1910 zur Schaffung und Unterhaltung bon S a n d k ä st e n und größeren Sandplätzen zum Spielen für kleinere Kinder. Stadtv. Wetekamp slib. Frakt.) trat in längeren Ausführungen für die Annahme des Antrages ein. Der Oberbürgermeister wies darauf hin, dag der Auf- stcllung derartiger Sandkästen Widerstand seitens der Hausbesitzer entgegengesetzt werde, man solle sich mit dem bisher Geschaffenen begnügen. Stadtv. K n t e r(Soz.) bedauerte, daß der Antrag die Ein- richtungen erst für den Etat des Jahres 1910 fordert und nicht schon jetzt damit der Anfang gemacht wird. Der Magistrat hätte bei Zeiten schon von selbst Borsorge treffen sollen. Notwendig sei es, diese Plätze und Kästen mif die ganze Stadt zu verteilen und nicht nur einzelne Gegenden damit zu versehen. Stadtv. H o f f m a n n(Soz.) hielt das in dem Antrag Geforderte für viel zu wenig. Das Hauptgewicht sei auf die Errichtung von Kinderspielplätzen zu legen. Für die Errichtung von Spielplätzen und Ladeanslalten sei aber bisher sehr wenig geschehen. Es habe den Anschein, als ob die liberale Fraktion die Forderung von Kinder- spielplätzen nicht mehr so in den Vordergrund stelle. Auch scheine es, dast die bevorstehenden Wahlen nur die Triebfeder für den An- trag geiveicn seien. Diese letzten Ausführungen Hoffnranns geben nun Veranlassung zil scharfen Auseinandersetzungen zwischen den Rednern der liberalen Fraktion und den Sozialdemokraten. Die Herren der liberalen Fraktion brachten diese Angelegenheit sogar nnt dem ZukunftSstaate in Verbindung und erklärten, dost sie nicht auf den Zukunftsstaat warten können, sondcrnn lieber jetzt etlvas zu essen haben wollen. Bon unseren Genossen wurden diese Angriffe gebührend zurück- gewiesen, sie betonten, dasz die soziale Kluft nicht durch die Errichtung von Sandkästen und Plätzen beseitigt werden kann. Der Antrag wurde darauf angenommen. Für die Beteiligung einer höheren Mädchen- schule Schönebergs an der Brüsseler Welt- a u S st e l l u n g im Jahre 1910 wurden die nötigen Mittel in der Höhe von 600 M. bewilligt. Ein Antrag des Magistrats fordert die Erhöhung der dem .Gchö neberger Tageblatt" zu gewährenden Entschädigung für Veröffentlichung der von den städtischen Behörden zu erlassenden Bekanntmachungen von 800 M. jährlich auf 2500 M. Stadtv. Wollermann(Soz.) betont, er könne der borge- schlagenen Erhöhung nicht zustimnien, sondern halte die Prüfung der Angelegenheit durch einen Ausschuß für notwendig. Die lokalen Blätter verdankten ihre Existenz vielfach dem Umstände, daß sie Publikationsorgane der städtischen Behörden seien. Dieser Umstand müsse bei der Berechnung der für die Aufnahme der Bekannt- machnngen zu geivährenden Summe in Betracht gezogen werden. Der Antrag wurde darauf einem Ausschuh überwiesen. Eine weitere Vorlage des Magistrats betrifft die Einrichtung einer Schulzahnklinik. Der eingesetzte Ausschuß hat sich mit der Vorlage einverstanden erklärt, nur hat er die Entschädigung der Schwester von 1500 auf 1000 M. und die der Reinmachefrau von 500 auf 300 M. jährlich herabgesetzt. Stadtv. Kü ter sSoz.) beantragte, die Magistratsvorlage in der ursprünglichen Form wiederherzustellen. Die für die Erniedrigung der beiden Posten angegebenen Gründe, daß die Schulzahnklinik im ersten Jahre nicht voll in Anspruch genommen würde, trifft keineswegs zu. Die Borlage wurde darauf mit den von der sozialdemokratischen Fraktion beantragten erhöhten Sätzen angenommen. Die Schul- zahnklinik wird also zun, 1. April 1910 errichtet. Der anzustellende Zahnarzt darf keine PrivatprnxiS treiben. Der Beseitigung der Vorgärten in der Motzstraße wurde zugestimmt, ebenso der geplanten Abänderung des Entwurfs der Untergrundbahn. Sodann gibt der Magistrat davon Kenntnis, daß er dem Be- fchluß der Stadtverordnetenversammlung betr. Festsetzung der Wahlzeit der dritten Abteilung auf einen Sonn- tag nicht beigetreten sei. In seiner Begründung hierfür gibt er an, daß nach einer alten KabinsttSordcr die Polizeibehörde efuat ist, die Wahlen des SvnntagS wegen Störung des GotteS- dicnsteS zu verbieten. Jedenfalls konnten die Wahle» de? Sonn- tags äußerst erschlvert werden, da eine Polizeiverordnung alle öffentlich bemerkbaren Arbeiten verbietet. Nach der Judikatur des Kammergerichts gehöre zu diesen Arbeiten auch das Berteilen von Stinnnzetteln und Druckschriften zu Wahlzloecken. Ohne Ver teilen von Stimmzetteln und Druckschriften sei aber eine Wahl prob tisch nicht durchführbar. Das Zettelvcrteilen an Sonntagen führe auch erfahrungsgemäß häufig zu Konflikten mit der Polizei auf Grund der Gewerbeordnung. Deshalb sei ein Sonntag als Wahltag ungeeignet. Stadtv. Wollermann(Soz.) bedauerte zunächst, daß der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung seineir ablehnenden Standpunkt erst in letzter Minute mitteilt, während in den Zeitungen schon früher darüber berichtet werden konnte. Die vom Magistrat angeführten Gründe für die Ablehnung des Antrages halte er Redner in keinem Fall für stichhaltig. Die angebliche Störung des Gottesdienstes kann dadurch vermieden werden, daß die Wahlzeit in die Nachmittags- und Abendstunden verlegt würden. Die Wahlflngblätter würden heute schon des.Sonntags verteilt und was die Verteilung der Stimmzettel am Wahltage an- betrifft, so ließe sich immer noch ein Ausweg dafür finden, daß die Verteilung gar nicht einmal auf der Straße bor sich zu gehen braucht. Die Bürgerschaft hat sich ebenfalls für die Verlegung der Wahlzeit auf einen Sonntag ausgesprochen. Wenn der Magistrat «ine Abstimmung unter den Wählern der dritten Abteilung vor- nehmen wollte, so würde er finden, daß die übergroße Mehrheit dieser Wähler trotz der angeführten Bedenken des Magistrats, für die Bcrlcgnng auf einen Sonntag stimmen würde. Der Magistrat scheine aber den Interessen der Bürgerschaft nicht Rechnung wagen zu wollen. Redner unterbreitete namens der sozialdemokratische» Fraktion den folgenden Antrag: „Die Stadtverordnetenversammlung spricht ihr lebhaftes Be- danern darüber aus, daß der Magistrat dem Antrage, die Wahl- zeit bei den Stadtverordnetenwahlen für die dritte Abteilung auf einen Sonntag festzusetzen, die Zustimmung versagt hat. Gemäß {36 der Städteordnnng richtet die Stadtverordnetenversammlung as Ersuchen an den Magistrat, mit ihr in gemeinfchaftlicher Kommission nochmals in die Beratung des Antrages einzutreten." Oberbürgermeister Wilde suchte den ablehnenden Standpunkt des Magistrats nochmals zu begründen. cS müsse doch auch der Nachmittags-Gottesdicnst berücksichtigt werden. Der§ 36 der Städte- ordnung komme für diesen Fall nicht in Betracht, da der Magistrat über die Festsetzung der Wahlzeit allein zu bestimmen habe und ein Antrag der Stadtvcrordnetenversanimlung könne in diesem Falle nur der Petition irgend eines Vereins gleich geachtet werden. Nachdem Stadtv. Wollermann(Soz) die Bedenken des Oberbürgermeisters zurückgewiesen hatte, wurde der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion angenommen. Redner anderer Fraktionen nahmen zu der Angelegenheit nicht das Wort. Der Vorsteher gibt sodann noch Kenntnis von dem Eingang des folgenden Antrages: „Der Magistrat wird ersticht, beim Minister der öffentlichen Arbeiten oder bei dem Staatsministerimn gegen jede etwaige Ausschaltung des NollendorfplatzeZ seitens der Hochbahngesellschnft vom direkten Durchgangsverkehr nach dein Osten Berlins, das heißt zur Warschauer Straße, energisch Protest zu erheben." Die Beratung des Antrages wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. i t Ein eigenartige« Unglücksfall hat sich vorgestern abend gegen 9 Uhr am Bayerischen Platz ereignet. Die bei ihren Eltern in der Martin-Luther-Straße wohnende 19jährige Martha Manske war mit ihrem Bräutigam, dem Kaufmann Schneider, bei Bekannten gewesen und wollte zu der genannten Zeit mit einem Wagen der Straßen- bahnlinie IZ nach Hanse fahren. Sie sprang in der Kurve am Bayerischen Platz auf den in langsamer Fahrt befindlichen Waggon, wurde jedoch von Schneider, der niit seiner Braut noch sprechen wollte, unwillkürlich wieder vom Trittbrett herabgezogen. Hierbei kamen beide zu Fall, und zwar so unglücklich, daß sie unter den An- hängewngen gerieten und ein Rad desselben über das rechte Bein des Mädchens hinwegging. Der M. wurden die Knochen zermalmt, so daß sie nach dem Schöneberger Krankenhause übergeführt werden mußte, wo eine sofortige Amputation des Beines erforderlich wurde. Sch. hatte nur leichte Hautabschürfungen davongetragen. Nixdorf. Einen Strauß»Abend(Herbstfest) veranstaltet am Sonnabend, den 16. Oktober, abends präzise Sl/2 Uhr, der hiesige BildungS- cmSschuß im großen Saale des Etablissements„Nene Welt", Hafen- Heide 103—114. Zur Aufführung gelangen nur Komposilioiie» von Strauß, ausgeführt von dem Berliner Sinfonieorchester unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Maximilian Fiicher. An dem gesanglichen Teil des Abends werden Herr Hans Knwly vom Wilhelm-Theater in Magdeburg, Olga Orsella vom Stadt-Theater in Königsberg und Käthe Wille-Bach mitwirken. Da dieser Abend ein genußreicher zu iverdeu verspricht, auch dem verwöhntesten Kunstkenner in jeder Hinsicht Rechnung getragen ist, wird ersucht, denselben recht zahlreich zu besuchen. Eintrittskarten a 30 Pf. wolle man auf dem morgen statlfiudeuden Zahlabeud entnehmen, ebenso sind solche in der Partei- spedition, Neckarstr. 2 erhältlich. Der BildungsanSschuß. Auf der Polizeiwache gestorben ist vorgestern der 47 Jahre alte Lumpensanunler August Wirbelei, der schwer betrunken auf der Straße aufgefunden und von der Revierpolizei in Gewahrsam gc- »ominen wurde. Er erlag einer Alkoholvergiftung. Der Jugcndausschuß der Arbeiterschaft Rixdorfs veranstaltet am Sonntag, den 17. Oktober, eine Besichtigung der Mosaik- K u ii st w e r k st ä t t e n von Puhl n. Wagner in der Kiefholz- straße. Alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind dazu ein- geladen. Die Beteiligung ist kostenfrei, nur ist aus organisatorischen Gründen die vorherige Entuahnie von Teilnehmerkarten notwendig. Dieselben können an folgenden Stellen bis spätestens Freitagabend in Empfang geuomnieii werden: Niemetzstr. 17 III links bei Schulte; Weichselstr. 33 bei S ch u ch; Hermannstr. SS, Ouerg. II rechts bei Schulze. Steglitz. Zu dem Bestich der Treptow-Sternwarte am Sonntag, den 17. Oktober, ist Treffpunkt nachmittags 3 Uhr bei der Kaisereiche (Fncdeuau). Fahrt mit der Straßenbahn(Linie 88). Kinder, welche keine Störung verursachen, können anDdem Besuch teilnehmen; für diese sind Eintrittskarten für den Bortrag zum Preise von 25 Pf., für die Beobachtung 50 Pf. an der Kasse zu haben. Der Bildungsausschuß. Britz-Buckow. In der leider nur schwach besuchten Versammlung des Wahl- Vereins gab der ReichstagSabgeordnete Genosse Fritz Z u b e i l einen eingehenden Bericht vom Parteitag in Leipzig. Der Beifall am Schluß des Berichtes zeigte das Einverständnis der Bersamm- lung mit den Ausführungen des Redners. In der Diskussion ver- trat im Gegensatz zu Zubeil Genosse Raatz die Ansicht, daß die Fraktion auch in der dritten Lesung hätte für die Erbschaftssteuer stimmen müssen. Aus dem hieraus erstatteten Vorstandsbericht ist zu entnehmen, daß der Mitgliederstand von 293 auf 289 gesunken ist. Ter Bericht des Kassierers weist eine Einnahme von 248,73 M. auf. Davon sind an den Kreis 165,82 M. abgeliefert; die Ausgabe am Ort beträgt 76,20 M., so daß am Ort ein Bestand von 6,71 M. verbleibt. Genosse Raatz gab die Abrechnung von der Urania-Vor- stellung, die ein Plus von 21,67 M. ergeben hat. Als dritter Revisor wurde Genosse A. Friedrich für das laufende Jahr gewählt. Der Vorsitzende forderte noch auf, für regen Besuch des am 23. Oktober stattfindenden Stiftungsfestes zu sorgen. Die Parteitagsprotokolle können die Mitglieder bei ihren Bezirksführern bestellen. Köpenick. Der BilbungSauSschuß veranstaltet morgen. Donnerstag, seinen ersten diesjährigen Theaterabend im Stadttheater, in welchem „Nora oder ein Puppeuheim" von Henrik Ibsen zur Aufführung gelangt. Die Regie führt Herr Martin Hartwig vom Schiller- theater in Berlin. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pf. Karten sind bei den Genossen F. Weber, Bahnhofstr. 15, E. Becher, Grünauer Straße 1, E. Wißler, Kietzcr Straße 6, und K. Lefevre, Grün- straße 16, zu haben. Parteigenossen, der Ausschuß im Verein mit den leitenden Körperschaften gibt sich der Hoffnung hin, daß die Genossen diesen Veranstaltungen ein größeres Interesse entgegen» bringen, wie der letzten Jugendfeier. Zossen. Zur bevorstehenden Stadiverordnctenwahl wird am Sonnabend abend 8 Uhr eine nach dem Lokal des Genoffen P. Knrzner einberufene Wählerversammlniig Stellung nehmen. Genosse Dr. Bruno Borchardt- Charlottenburg spricht über das Thema:„Warum müssen ivir Sozialdemokraten in die Stadl verordneten-Versammluiig wählen?" Bisher ist die Sozialdemokratie in der Stadtverordneten� Versammlung noch nicht vertreten. Daß dem so ist, hat seine Ursache darin, baß sich ein großer Teil hier ansässiger Arbeiter bisher noch von„berufener" Seite an die Wahlurne dirigieren ließ und dort die Stimme den bürgerlichen Kandidaten gab. So be fanden sich bei der letzten Wahl unter 187 gegnerischen Stimmen allein über 100 Arbeiterstimmen. Dieser Zustand darf nicht länger dauern; jeder einzelne muß nun bestrebt sein, die Indifferenten aufzurütteln, damit es gelingt, der Sozialdemokratie im Rathause Eingang zu verschaffen. Am Donnerstagabend 7 Uhr findet vom Lokale de? Genossen Kurzner ans eine Flugblattverbreitung mit Kuvert an die Stadt- verordnctenwähler der dritten Abteilung statt. ES wird erwartet, daß sich jeder Genosse an dieser wichtigen Arbeit beteiligt. Schöntualde(Bezirk Pankow). In einer gut besuchten Bolksvcrsamiulung referierte am Sonntag Genosse Reichstagsabgeordneter Stadthagen über:„Die Taschen zu l Der Steuerteufel geht um." Die Bersaiiimlung quittierte die trefflichen Ausführungen mit stürmischem Beifall und brausenden Hochs auf die Sozialdemokratie. Für unsere Organisation wurden neun Neuaufnahmen erzielt. Fricdrichsfelde. In der letzten Mitgliederversaniinlimg des Wahlvereins erstattete Genosse Brühl- Lichtenberg Bericht vom Parteitag. In sehr ans- sührlicher Weise schilderte Redner die Verhandlungen und hob ganz besonders den Branntweinboykott hervor. Dieser Beschluß sei von hoher kultureller Bedeutung. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Kohl, Lehmann und Schlvenk. Ersterer befürwortete die Hofgängerei und vertrat die Ansicht, daß die Sozialdemokratie mit den bürgerlichen Parteien(Freisinn) gemeinsame Politik treiben könne. Dieser Auffassung traten die Genossen Lehmann und Brühl ganz entschieden entgegen, sei doch die Sozialdemokratie bei allen wichtigen Angelegenheiten stets aus sich selbst angewiesen. Unter Vereinsaiigelegeuheiten teilte Genosse Schwenk mit. daß doS diesjährige Stistuiigsfest des Wahlvereins am Sonntag, den 10. Oktober, bei Bube, unter Mitwirkung des Berliner Ulk-Trio stattfindet, er ersucht für zahlreichen Besuch Sorge zu tragen. Am 26. Oktober findet eine öffentliche Versammlung statt; für diese soll schon jetzt agitiert werden. Auch wurden die Genossen aufgefordert, sich an den Vorträgen der Arbeiterbildungsschule zu beteiligen. Die Ver« kauföstelle der Konsumgenossenschaft wird Mitte Oktober in der Eaprivi-Allee eröffnet. Spandau. Ein Drama hat sich bor kurzem hier abgespielt. Am 30. Sep, tcmber waren zwei junge Mädchen, das 19jährige Dienstmädchen Gertrud Markgraf und die ISjährige Verkäuferin Frida Schorodt, spurlos verschwunden. Einige Tage später wurden beide Mädchen in halbnacktem Zustande als Leichen aus der Havel gefischt. Die angestellten Ermittelungen haben bisher Folgendes ergeben:� Am 80. September hatte das Dienstmädchen Markgraf, welches in der Grunewaldstraße 5 bei dem Unterzahlmeister Bert» hold im Dienst stand, die Erlaubnis erhalten, bis abends 11 Uhr ausgehen zu dürfen. Sie begab sich zunächst nach dem Bahnhof» um anscheinend dort jemand zu erwarten. Wahrscheinlich war ihr Warten aber vergeblich, denn sie entfernte sich bald wieder vom Bahnhof. In der Brückenstraße traf sie ihre Freundin Fritm Schorodt, die im Zigarrengcschäft von Rehe in der Grunewald« straße 12 als Verkäuferin tätig ist. Um 1�2 Uhr nachts tauchten beide Mädckmn in sehr angeheitertem Zustand in der Konditorei von Witwe Apitsch, Stresowplatz 1, auf. Wo die Mädchen in der Zwischenzeit waren, ist noch nickt genau festgestellt. Es wird er- zählt, daß sie in einem von Einjährigen sehr besuchten Lokal in der Neustadt gewesen sind, wo sie auch betrunken gcniacht worden seien. In der Apitjchschen Konditorei befanden sie sich in Gesell» schaft eines Militärmusikers und eines Feuerwerkers.' Kurz vor 2 Uhr entfernte sich der Militärniusiter, da er nicht länger Urlaub hatte, und die Mädchen blieben allein mit dem Feuerwerker. Dieser hat beide nach seiner am Schiffbaucrdamm belegenen Wohnung mitgenommen. Was dort nun vorgekommen und wann die Mäd- che» fortgegangen, will der vernommene Feuerwerker nicht mehr wissen, da er angibt, total betrunken gewesen zu sein. Die seh- lenden Sachen der Mädchen wurden bei ihm vorgefunden. Der betreffende Feuerwerker hat zunächst 5 Tage Arrest wegen Urlaubs» Überschreitung abbüßen müssen. Ob nun die Mädchen selbst den Tod gesucht haben oder ob sie gar gewaltsam in die Havel gestoßen sind, darüber verlautet bis jetzt nichts Bestimmtes. Die hiesigen bürgerlichen Blätter berichten, daß angenommen wird, die beiden Mädchen hätten sich selbst ertränkt. Sei dem nun wie ihm wolle» erwünscht wäre cS jedenfalls, wenn auch die Buben ausfindig ge» macht werden, die die Mädchen betrunken gemacht und obendrein die Betrunkenheit der Mädchen benutzten, um ihre Wollust zu bv» friedigen. Vermilcbtes. Einsturz eines Ncubmics in Ttraßburg. Gestern vormittag gegen*14 11 Uhr stürzte, wie eine Meldung aus Straßburg i. E. besagt, in der Ludwigshafcner Straße ein Neubau ein. wodurch eine größere Anzahl von Arbeitern verschüttet wurde. Durch die Feuerwehr wurden bisher zwei Tote, acht Schwerverwundete und vier Leichtverwundete geborgen. Es konnte jedoch noch nicht festgestellt werden, ob fich weitere Verunglückte unter den Trümmern befinden. Einer späteren Meldung zufolge sind zwei von den Schwer» verletzten im Krankenhause gestorben. Zu»» Elbinger Raubmord. Die Erniiitelmigen in der Mordaffäre im Vogelsanger Stadt» Ivald haben zu einer überraschenden Entdeckung geführt. In starkem Verdacht, den praktischen Arzt Dr. Krause ermordet zu haben, steht ein früherer Lehrer Stolze aus Kamin, der sich in der Gegend um Osterode aufgehalten hat. Von ihm»vird auch behauptet, daß er die Erpressungen an.dem Clbinger Oberbürgermeister Elditt, die diesen in den Tod trieben, verübt habe. Aufgefallen ist in letzter Zeit, daß Stolze, obwohl er keinerlei Einnahmen hatte, fortgesetzt über größere Geldbeträge verfügte. Die Unterstichimg soll auch ergeben haben, daß St. gegen andere Personen Mordversuche ge» plant hat._ Eine Fernfahrt de? ParsevalballonS. Wie aus Frankfurt a. M. gemeldet wird, hat gestern früh um 5'/z Uhr der Parsevalballon eine Fernfahrt nach Nürnberg an» geweten. Um lli2 Uhr nachmittags erschien der Ballon über Würz» bürg; dort wurde er mit großem Jubel begrüßt. Nürnberg. Der Parseval HI erschien gestern kurz vor 5 Uhr über der Stadt, die er ganz in der Richtung auf die Burg über» flog. Er umkreiste die Burg und wurde bald nach 5 Uhr auf dem Zeppelinfelde beim Dutzcndtcich gesichtet. Die Landung geschah um 5 Uhr 20 Minuten inmitten einer nach vielen Tausenden zählenden Volksmenge, die kurz vor der Ankunft des Luftschiffes die Schranken bereits durchbrochen hatte und bei der Landung i« brausende Jubelrufe ausbrach. Oberleutnant Stelling beabsichtigt, mit dem Luftschiff die Nacht über in Nürnberg zu verbleiben und morgen früh nach Augsburg weiter zu fahren. Gesunkener Dampfer. AuS Haniburg wird gemeldet: Der der Reederei Nob. M. Sloinan jun. gehörende Dampfer Messina ist nach einem der Reederei zugegangenen Telegramm an der spanischen Küste mit einem unbekminten Dampfer zusammengestoßen und ge« funken. Die Mannschaft ist gerettet. Dresden. Der mutmaßliche Mörder des FleischerlehrlingZ Hoch. der 19jährige Dienstknecht Witke wurde vorgestern an die Leiche des Ermordeten geführt, blieb aber dabei völlig ruhig und leugnete die Tat beharrlich. Dagegen fing Witke vorgestern nachmittag rn seiner Isolierzelle plötzlich zu toben an, zertrümMerte die Fensterscheiben und alleö in der Zelle befindliche Gerät. Als er gefesselt werden sollt», leistete er heftigen Widerstand. Schließlich wurde er doch überlvältigt. Seitdem spielt er sortgesetzt den wilden Mann. Ein Orkan in Wcstindicn. New Dork, 12. Oktober. Wie auf Kuba hat auch auf der Halbinsel Florida insbesondere in Key-West ein Orkan großen Schaden angerichtet. Viele Häuser und Zigarren» fabrilen wurden zerstört; Telegraphendrähte wurden zerrissen und viele Bezirke der Halbinsel vom Verkehr abgeschnitten. Eine spätere Meldung auS Key- West lautet: Infolge des gestrigen Orkans liegt ein großer Teil der Stadt in Trümmern. Den Schaden an Eigentum schätzt man ans zwei Millionen Dollars. Hunderte von Wohnhäusern und neun Zigarrenfabriken sind ganz oder zum Teil zerstört. Als der Sturm sich legte, begannen Plünderer ihr Werk, worauf das Standrecht verkündet wurde. Der Sturm erreichte eine Stundengeschwindigkeit von hundert Meile». AuS Havanna wird berichtet: Der gestrige Orkan hat besonders im ganzen westlichen Teil von Kuba große Verwüstungen an» gerichtet. Fünf Personen sind dort umS Leben gekommen und 26 sind verletzt. 40 Leichterschiffe sind im Hafen gestinken. Der in Havanna entstandene Schaden wird auf eine Million Dollar geschätzt. Das neue Spital für Tuberkulosekranke in Arroyo Naranjo ist ein» gestürzt. Viele Patienten erlitten dabei Verletzungen. Nachträglich berichtet noch das W. T. B. aus New Dork: Die Zahl der bei dem Orkan an der Küste Floridas ums Leben Ge» kommenen wird von hiesigen Blättern auf siebenhundert angegeben. In Key-West ist fast jedes Hau» beschädigt. Berliner Arbelter-Zichachklnb. Abt. W« d d i n g bei Schulz, Max- straße 13b. Abt. Lichtenberg bei Ertclt, Psarrstr. 74.'/,? Uhr jeden Dienstag Spiclabend. Abt. Moabit bei Pieleke, Zminglistraxe lSo. Abt. Schönhauser Allee bei Kelsch, Schönhauser Allee tS4a. Jeden Montag'/, 9 Uhr Evielabend. Abt. N or d- W e st bei Lamprecht. Putlitz« straße 10. Jeden Freitag>/,g Uhr Spielabend. In allen Abteilungen Sonnabends steter Schachverkehr. Brfefltaften der Redahtfon. ®le suristilchi EPrcchNunde findet Ltndenstraße Z, iwelter.?of, dritter Eingang, vier Treppen, zWT" Fahrstnyl"TftQ wochentSglich adcnds von~Vj bis 9V, Ubr statt, GeSsfuct 7 Mr. Tonnadeiids beginnt die epreibstuvd« um S Mr. Jeder Anfrage ist ein Snchstabe«nd eine Zahl als Merlitichen beiznsiigcn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. BIS zne Beantwortung in Briefkasten könne» 11 Tage vergehen. Eilige Fragen trage man tu»er Sprechstunde vor. — 4«. Reinickendorfer IIS. Nein: nach dem Gesetz Ist leider der Mann unbeschränkter Eigentümer des Guthabens geworden.— 3. 133. Sie hasten nur soweit, als Sie sich schrisllich verpflichtet haben. Ist keine Summe genannt, so können Sie böchstens in Höbe der geringeren bastbar gemacht werden, wenn Sie beweisen, dag Sie sich bei der Büraschaslsübcrnahnie im Irrtum über die Höhe besanden. Das Eigentum Ihrer Frau hastet nicht sür Ihre Schulden.— Z. 3. 1. Anzeige an den Magistrat und an die Verwaltung der direkten Steuern ist ersorderlich. 2. und 3. Die Ein- imgung erfolgt beim Amtsgericht. Sie müssen nachweisen, datz eine büiidelSgerichtlich eintragbare Firma vorliegt. In der Regel verlangt in Berlin das Gericht den Nachweis von 20 000 M. Betriebskapital. — S. 41. Nein.—(S.*t. Grünau. Ja: Der Mann hat nach dem Gesetz den Wohnsitz zu bestimmen. Weigert sich die Frau, diesen zu teilen, so kann der Mann aus Herstellung der ehelichen Gcmcinschast durch einen Anwalt beim Landgericht Klage erheben.— R. H. Kl». Nein, Sie können nur Herausgabe der Ouittungslarte verlangen und eventuell aus Grund des K 139 des Jnvalidenversicherungsgesetzes die Rückgabe der Karte durch die Polizei erwirken.— F. E. 7. Rixdorf. Rein. Klagen Sie aus Ausstellung eines dem Gesetz entsvrcchcudcu Zeugnisses und aus Schaden- ersatz. Zuständig ist das Nmtsgrricht.— G. M. Äcrteuiunde. Deslrasung ist möglich, Einziehung nicht.— P. R. 300. Eine Klage hätte Aussicht auf Erfolg. Zuständig ist das ZlmtSgericht.— W. SP. 100. Rein. — B.<50. Wird ein Los von mehreren gespielt und nicht ausdrücklich mündlich oder schristlich vereinbart, dag derjenige, der eine Klasse nicht zahlt, an dem etwaigen Gewinn keinen Teil haben soll, so hat auch der mit den Zahlungen rm Verzuge Befindliche Anteil am Gewinn.— Dorf 4» Die Ucbcrfüllung liegt vor.— st. G. 1000. 1. Verjährung liegt nicht vor; indessen geht die herrschende Ansicht dahin, dag derartige Vergistungen im Beruse nicht als Unfall, sondern als Berusskrankheitcn aujzusassen sind. 2. Ihre Frau sollte bei der Direktion ausragen, ob Ihr Anspruch anerkannt wird und wiederholt die Anerkennung des Anspruches beantragen. — M. D. 100. Die Klage wäre beim Landgericht durch einen An» walt zu erheben. Erwirken Sie zu diesem BeHufe das Armenrccht. — St. Z. 450. Die Mielssteuer wird sür die Zeit vom 1. Januar bis zum 1. Januar oder für einen Teil dieser Zeit entrichtet. Wohnt jemand vom 1. Oktober bis 1. Oktober in einer Wohnung, so ist einmal sür die Zeit vom 1. Oktober bis 1. Januar, sodanu für die Zeit vom 1. Januar bis 1. Oktober Stempel zu zahlen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen.Dtrektion übe« den Groghandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Kelchäsl schleppend, Preise unverändert. Wild: Zusuhr nicht genügend, Gcichäit lebhast, Preise gut. Geflügel: Zusubr ge« nügend, Geichäst still, Preise nachgebend. Fische: Zusuhr mägig. Geschäjt ruhig, Breite wenig verändert. Suiter und Käse: Gejchäst ruhig, Preise sür Butter la anziehend. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusnhr reichlich, Geschäft lebhajt, Preise wenig verändert. ffür den Inhalt der Inserate übernimmt dir Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Zterantwortnng. Zbczxcr. Mittwoch, den 13. Oktober. Ansang 7'/, Uhr. Kgl. Schauspielhaus. Die Makka- bäer. Deutsches. Minna von Barnhelm. Kammerspiele. Gyges und sein Ring.(Ansang 8 Uhr.) Lessing. Rosmersholm. Anfang 8 Uhr. Königl. OpernhanS. Elekta. Stcnes königl. Opern-Xheater. Geigenmacher von Mittenwald. Komische Oper. Tiefland. Slcrliner. Einer von unsere Leut'. Nachmittags 3 Uhr: Der Traum »in Leben. SkeneS Schauspielhaus. Schone Seelen. Zuflucht. Mutter. Stenes. Das Urbild deS Tartüsse. .Hebbel. Hanna Jagert. Sitesten. Die geschieden« Frau. Sloltsoper. Undine. Ans. 8'/, Uhr. Thalia. Prinz Bussi. »testdenz. Gretchen. Triaumi. Pariser Witwen. LustsPielhanS. Man soll keine Briese schreiben. kleines. PeerBunkes Vorgeschichten. SteucS Overetteu. Die Dollar. Prinzessin. Schiller«». lDallner- Theater.) Die erste Geige. Schüter Eharlottenbnrg. Das Kätchen von Heilbronn. Friedrich- ZOilHelmftäbt. Schau- sptelhaiiS. Die goldene Eva. Luise». Di- rote Robe. »toi«. Die Jägermeisterin. Metrovoi. Halloh II— Die große Revue. FolicS Capricc. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8'/« Uhr. Apollo. Spezialitäten. üPintergarle». Svezialitätm. Gebr. Herrufeld-Thcater. Frau Ellours Friseur. Meine- Deine Tochter. McichSnalien. Stcttiner Sänger. Start Havcrland- Theater. Epe- zialitäten. Kasino. Onkel Cohn. Lolksgorte». Spezialitäten. '.'.Polballa. Sveziaiuäten. Gastspiel. Ungerade Tage. Der Deserteur. Di« kcusche Toinette. Cousin Pampoulette. Ans. 8'/, Uhr. Pakalt. Grotzstadtzauber. Sp-zia«. täten. � S-oacks Theater. DaS Warenhaus- Fräulein. Paiiagr. Spezialitäten. Urania. Ta»ve»tir»sie 48/49. Abend« 8 Uhr: In den Dolomiten. Stcriiioarte, JnoalidenM Vl/öü. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Rathqen: Einsübrung in fdie anorganische Experimentalchcmie. E-cusiniv-Theater. 7«/. Uhr: RoSmersholm. Donnerstag, 8 Uhr: Die Ge- führtin. Hinauf: Hanneles Htm- uielfahrt. LerUner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere l-ent. Nach»!, 3 Uhr, Der Traum ein Lebe». Neues Theater. AbendS 8 Uhr: las iriii las Mi. Morgen und folgende Tage: gss vrbilä övsIsrMe. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Die genchledene Fran. Sonntag nachm. 3fl«Uhr, halbe Preis«: Fi n Walzerlrnum. Nene« Operetten-Theater, Echisjbauerdamm 25, a. d. Luifenstr. SlbendS 8 Uhr: Ilie Dollurprlnuessln, Operette in 3 Akten von Leo Fall. Ulrsnl». V�isssusctruftlickes Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Rathgen; Einführung in die anorganische Exporimenlalchewie. FriedriGh-Wühelmstädtiscties Schauspielhaus. Mittwoch, 13. Oktober, Ansang 8 Uhr: Oer Lustspiel von William Shakespeare. Donnerstag: Die goldne Eva. Freitag: Die goldne Eva. I-usispivIksus. Abends 8 Uhr: Mao soll keine ürieie sebreibeo. Volks-Oper. SW, Vellc-Alliance-Slratze Nr. 7/8. Ansang 8 Uhr. Undine. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: CÜTQtvlRVII. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Diesen». nächst. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Ameiie. Premiere: Die rote Robe. (ha rode rouge.) Schauspiel in 4 Akten v. E. Brieux. Ansang 3 Uhr. Donnerstag: Die Herren Söhne. luse-Tiie/vre Grotze Frankfurter Str. 132, Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. JJ Dia Jägermeisterin. Bolksstück nach dem Dänischen in vier Alten vpn Charlotte EilerSgaard. Morgen: Michael KohlhaaS. I Passage-Tlieater. Der grSüte Erfolg der Thoatersaison I Henry Bender in der tollen Borleslo Der süße Doktor. Forner: Ciaire WaldolT und der groOe Varihtö-Teil. g Sialt-Thealer Moabit. Alt-SIoabit 47/48. DonnerSlag, den 14. Oktober 1909: Der Doruenweg. Schauspiel in 3 Akten v. F. Philipp!. Kaffenöffnung 7 Uhr. Vorstellung 3 Uhr. Varverknuj täglich von 10—1 Uhr im Theater-Restaurant._ Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. KvMU«,'- Schiller-Thealer 0.(Wnlluer.Tbeater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: vi««r«t« tZeix«. Lustspiel in 4 Akten v. Gustav Wied und Jens Peterjen. SMF~ Ende IG/, Uhr. Donnerstag. abendS8 Uhr: JDlo«reite Geige. Freitag, abends 8 Ubr: VI« von I(och»attcI. Tlieater. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Kiithohcnv. Heilbronn Großes historisches Rilterschauspiel in 5 Akten von Heinrich v. Kleist. AW- Ende 11 Uhr."VQ Donnerstag, abends8Ubr: Das Kötlicben v. Heilbronn Freitag, abends 8 Uhr: _ Die erste Geige, ILSffliO Sonnabend, den 16. Oktober 7. Stiftungsfest| bestehend aus Konzert und Ball in Kliems großem Festsaal Hasenheide 14— 15. Lichtenberg Fernsprecher Nr. 8. Jeden Mittwoch: Lllttiger Hbend der fidelen Spatzen Vornehmste Herrengesellschast(neun Herren). Vmfwllnng: kanulisn-Kränzchen. Ä: mir Großer Ball. Heute Mittwoch, 13. Oktober, abends?>/, Nhr: Gr. Parforce-Vorstellung. Wen! Ken] 6 Dame» ProvcanieS 6 großartige Leistung. Jagd-Sportakt der Les SoBmann und Ciotti. BUB I.oulso mit ihrem Pferd und Pony. Der Lchimpanse als vorzügl. RadfaHrkünstlcr. Urne, du käliivlllg 15 schottische Hochländer 15 Pferd u. Ballerina des Ritter t. RenrolT. Der 4 Poncherrys. vis enbhusiaetisvlt xekeieri» Xoloratur- Sünxerin drnNreten-4nktreten »'/. Ol, ßesfbewährte nisunda • und magan- dermKranice Nahrung für: sowie schwächliche, in der EnkwIcKluig SurückgeblleheoB Kinder. Drei Tropfen machen das schmutzigste Metali spiegelblank. In Plaachen ron 10—50 Pfg. übenU su haben. Zum 26. Male: Halloh!! Die gnBs Revue!! Humorist.- satir. Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincko. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Tänze von Willy Bishop. Baflge Lessing. Fritzi Kassary. Jos. Giamplelro. Guido Tliielscher. K. Plann. M. Kellner. Ida Perry. W. Bishop***■ Anfang 8 Uhr. Rauchen geetattet. Sonnlag, 17. Oktober, nachm. 3 Uhr; LuunipaciTngabandn.. fflWld Kommandantenstr.£7. T. A. 4, 6083. MP Die erfolgreichsten-DGi Lach-Komödten zum 100. Male» Meine- Deine- Tochter. Zum 75. Male: Frau Elkams Friseur mit Anton und Donat Hcrrufcld. Vorverkauf 11—2 Uhr. Ansang 8 Uhr. vssäno-l'kvsKor Lothringer Straß« 37. Täglich 3 Uhr: Cnkel jf�o-oh» SKI nkel ��ohn Cnkel nkel»H.obn nkel �-�ohn Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkcrt. Mi Galvany Primadonna an der kgh Oper in Madrid und das überreiohe m- neue-w Programm. Ich erwarte Dich heut abend bestimmt im U.T. »■ Alexand- PlaU Grand-Hotel Alexanderplatz. Du mußt d» neue Neue KInigttr. Qnbedingt gesehen haben Zirkus Busch.| Heute Mittwach, 13. Oktober 1909, abends?>/, Uhr präzise; Großer Gnla-Abcnd. Neu! Die Cleveianda! Herr Willy Manns Wundorelofant. Weltrekord; Sprung einer Katze aus 15 Meter Höhe. Dressiert von Mdm. Smaragds.— Ferner Herr Burkhardt- Fooltit, Schulreiter. Zwergclown Francois als Kunstreiter. Herr Ernst Schumann, Neudressuren. Hm 9.30 Uhr: fSflMlckll! Besond. hervorzuheben: lack Joyce, der tollkUhne u. verwegene Cowboy mit seinen wild. Pferden Gastspiel-Tlieater Köpeiiicker Straße 67/68. Täglich abends 8'/« Uhr: Ungerade Tage. Der Deacrtcar, Die kcDnche Toinette. Pamponlctte. Passage-Panoptikum. Die Trainaleriii Äff 9'■ schwebende »yt* Jungfrau. Der Motoboy d. kQnstl.zerl. Mensch Panoption-Yorti'äge Vitaskop-Theater Dauervorstellung von 4—7 Uhr. AbendS 0 Uhr: Tohuwabohu. Burleske m. Gesang u. Tanz in 8 Bild. v. Heinz Gordon. Gesanassexte v.Rud. Schanzer, Musil v. Jul. EinödShoser, Im 2. Bild: Ballett-Einlagcn, getanzt von Tbe Irish Indien Meide. Vorher ab 8 Uhr: Di« vollständig neuen Spezialitäten m. Mabel Berra, The Automatus, 5 Schwestern War- Wiek, 4 Black Oiamonds. Karl Haverland Theater 77/79 Koinmandallteilstraße 77/79. Ansang präzise 8 Uhr. Schlager ans Schlager bringt das Obtober- I*rog ramm. Portieren Fllztncb, per Oorn. 7,75, 5,23, 2,00 _ Pili. oh, por Gom. 12,50, 8,75, 0,5« 4�1* KrbntOll mit Volant. 8,50, 6,25, 4,50 Engi. TÜU...... 4,75, 8,50, 1,00 «iwü Iis fk.a weiß u. crßme, Fonstor--- zwei «MitAUlliejt j-iügei...... 7,75, 4,25,«,10 ;: Ferner kommen die:: Restbestände Teppichfabrik welche die Fabrikation oingestollt hat, zum Teil fast für die llillfte des regulären Wertes zum schleunigen AnttTcrkaat) Pa. 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Bvrzugskartcn, zu halbe« Kassen- preisen gültig, überall zu haben. kolies Capiiee.] Mobilisierung. Bnntcr Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11— 2. Anfang S1/. n ..................■■__ W.Koacks Theater vrunnenitr. I«, am Roscnthaler Tor. Das Martuhnnsfrällltj». Volksstück in ö Akt. v. R. O. Popper, Uessingputrsr i. Tlsleavbsn Vlaronbaua ZW?- Anfang'/g» Ubr."Mg Donnerstag: Prauenkampf. Sonnabend: Durch Nacht z. Licht. Reiclishallen-Theater. !»« Siwr Anfang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. I. Theateisaal; D. Kanonenschlager Meyer mit'n Hängeboden mit Panl Bcndlx in der Titelrollo und das glänzende Spezialitäten-Programm. Im Konzertsaal: Täglich: Gr. Konzert der ersten Kapellen der Berliner Garde-Regimenter. Königstadt-Kastino. Hotzmarktstrahe 72. Täglich: Franz Sobanskl. Hedy Brumien, Willy Gramsch, Vallis u. Jeannetta, F. W. Hardt, Miß Claire, The tres Eriks. Ein verMifeltes Mittel. Schwank in einem Akt. Orts- Krankenkasse Weißensee. Bekauiitmachung. Durch die am 1. Oktober 1909 ab- gelaufene Wahlzeit ist eine Neuwahl sämtlicher Vertreter erforderlich. Es sind zu wählen: 157 Arbcitnehmer-Vertreter 52 Ersatzmänner 73 Zlrbeitgeber- Vertreter 24 Ersatzmänner. 278/13 Die Wahlen finden statt om Montag, den 2ö, Oktober ct.» von 5 bis»'/, Uhr abendS, im Restanrant„Prälaten" Hierselbst, Lehderstr. 122, und zwar wählen die Arbeitnehmer von 5 bis 7'/, Uhr, die Arbeitgeber von 8'l, bis 9'/, Uhr. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen Kassenmitglieder und Arbeitgeber, welche grosjjäbrig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Die Arbeitnehmer haben■ daS Ouittungsbuch bei der Wahl vorzu- legen. Die Arbeitgeber wolleg sich zum Zwecke ihrer Legitimation mit einem Ausweis versehen. Weitzensce, den 9. Oktober 1909. Der Vorstand der Orts- Krankenkasse für de« Gemeindebezirk Weistensee. Fuhrma nn, Vorsitzender. t-iaben Sie Stoff? Ich fertige davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Labend, Neue PromrnadeS.ll.( Stdtb. Börse). Oeffentlielie Versammlung am Freitag, den 13. GUtoder, 8 Uhr abends im Gewerbschaftshause» Gngelnfer 13, Sni. Tages-Ordnung: .. Die Arbeiterbewegung in Amerika. Referent: Vlelor BcrgCP(Wisconsin). 2. Diskussion. 20S/1' Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Eittberuser: Eugen Ernst, Wöhlertstr. 9. XonsWUiimöiiuliss! Berlin u. ümg, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Mittwoch, den 20. Oktober, abends 8 Uhr, im großen Saale(Saal 1?) des Gewerkschaftshauses, Engeluser 15: Ordentl Generat-VersammUmg. TageS-Ordnung: 1. a) Geschäftsbericht, b) Vorlegung des RevisionSberichteS. 2. Entlastung des Vorstandes. 3. Veschlussfassung über die Verteilung des Reingewinn?. 4. a) Wahl von fünf AufsichtSratsnntgliedern. d) Wahl von fünf Ersatzpersonen für den Aufsichtsrat. 108/7 3. Anträge. Als Legitimation ist das Mitgliedsbuch mitzubringen. Für den Aufsichtsrat Fr. Schulze. Für den Vorstand R. I u n g e r. C. M ü ck e. SSHSSOUOI, Straße' EL Direktion Wilhelm Reimer. Heute Mittwoch: Theater-Abend. Zum erfterimnl: Jim Ijoljfn Preis. Schauspiel in 4 Auszügen. Morgen Donnerstag: ßonnianns Hordil. Sänger und Donzkriinzchen. Beginn Sonnt. 5, wochent. 8 Uhr. Freitag, den 15. Oktober: Extra- Theater-Vorstellung: Griseldn. /lMök-killiungssebuIg ßeriin. Donnerstag, den 14. Oktober, abends 8'/, Uhr, im S c h u 1 1 o ka I, Orenadierstr. 37: gjl Creneral- Versaminlimg. � Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Revisoren. 9. Anträge. 3. Schnlangelegenheiten. 4. Neuwahl des Vorstandes, der Unterrichtsvertreter, zweier Revisoren und der Ordner-Kommission. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. Ein glänzendes Zeugnis für Westmann' Spexial- Konfektionshaus UM!! Berlin W., Molirenstr. 37nv�nder0ÄeLH4S im. Berlin H0.>Gr.Frank{ur{8rstr.1 1 5 ist der stetig wachsende Zuspruch! 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Für die mis so herzlich'bewiesene Tcilnabin.e und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner unocrgetzlichcn Frau, unsere Muster und Grotzmuster Friederike Eulmow sagen wir allen Freunden, Vcr- wandten und Bekannten, insbesondere dem Gesangverein der Putzer für den Gesang am Grabe unseren herz- lichsten Tank. Friedrich Kuhnow nebst Kindern. I Billigste Bezugsquelle I gBdieg.TraüErgsrüfirflho IWeslmannsj Trauer-Magazin I Berlin W.. Mohrenstr. 37a 1 | NO., Gr. Frankf. Str. IIS. 1 Genaue Beachtung| | meiner Firma u. Haus- 1 nummer geboten! Wir empsehlcn unseren Lesen, solgende Nenerschemnngen: Tie Rechtsprechung in Nnfallrenten-Ztrcitsachen von Bormana Müller. Preis geb. 3 M. Die Brandschatzinig des Volkes durch indirekte Steuern in Deutschland von J. Korski. Preis 50 Pf. Das arbeitende Volk und die Stenern von Dr. Karl Renner. Preis 50 Ps. Der dumme Teufel Die Katastrophe der ZentnimSpolitik. Preis 20 Pf. Führer durch das preußische Einkommenstencr-Gesets. Preis 30 Pf. Kirche, Religion und Sozial- dcmokratie Vortrag von Pastor prim. £inii Felden. Preis 30 Ps. Die Waffen nieder EineAbrechnnng mit dem Militarismus von X. II iiglnml. Preis 15 Ps. Biblische Geschichten Beiträge zum gesdiichtlichen Ver- ständnis der Religion von Aiax Haureubireclier. Band I: Schöpfnugsgrschichten. Preis I M., Volfsnusgabe 40 Ps. Die taktischen Differenzen in der Arbeiterbewegung von Ant. Pannekoek. Preis SO Ps. Bavens nnd die Ver- schwörnng für die Gleichheit von Pb. Bnonarroti. Uebersctzt von Anna u. Wilhelm Bios. Preis drosch. 2 M., geb. S.50 M. Sxpciiition des Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr.<50, Laden. Raraentncbe, ichivarz und farbig, CoBtumcs-Stoflc, neueste Mustor. Tricot-StoUe. Seidon- Plii geh, Bnnxmete, Seide etc. Co« fccüoe ralctot8w Jaokctfs, Staab- näntel, Costamcs nnd Costum- rßcke in grosser Auswahl. 1 C.Pelz, 5. Klobelfabrih Bichard Sarasch Engl. Bettstelle. M. 25.- VerlikO(nußbaum) ,, 58.— Ausziehtisch..„ 25.- SOte(beste Äusführ.)„ 55.— Berlin SO. 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Ten Mitgliedern zur Nachricht, s I datz die Frau unseres Kollegen \ Merie Lehnigk geb. Lehmann| Mcmelcr Straße 16a, Bezirk 4 j verstorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am! ! Donnerstag, den 14. d. Mts., ! nachnültags 5 Uhr, von der! 1 Leichenhalle des städtischen Fried- f hoses in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. GvmIiiMgki'Mb.VMvMU! liixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Schlosser Berutisrd Hßffmann (20. Bezirk). | verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, I Mitlwoch, nachmiUags 2 Uhr, von der Halle des städtischen Fried- I hoscs in Friedrichssclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht j 236/4 Der Torstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner ICaz*B Ludwig am 10. d. Mts. an Herzleiden j gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule I Mittwoch, den 13. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Zcnwal-Friedhojes in! FricdrichSselde aus statt. Xachrnf. Den Kollegen zur Nachricht, I daß unser Mitglied, der Klempner! M!ke!mVA88ermAWs am 10. September ertrunken ist, j Ehre seinem Andeuke»! 123/20 Hie Ortsverwaltung. tkütoliei' Transportarbeitep-feitei Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriger Kollege, der Straßenbahner August Jacob am 9. Oktober gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 3 Uhr vom Trauerhanje, OSnabrücker Str. 30, aus nach dem neuen Luisen. Kirchhoj, Fürstenbrunncr Weg, statt. 70/9 l»e Bezirksverwaltune. aen . Am 11. d. SU., nachmittags 6 Uhr, verstarb nach langem; Leiten mein lieber, guter Mann, unser Vater, Schwager und| Schwiegersohn, der Werksührer Emil Kadach im 46. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrübt an und! um stille Teilnahme bittend Anna Kadach geh. Behnisch. Die Beerdigung findet am I Freitag, den 15. d. M., nachm.! 4 Uhr, von der Leichenhalle des t alten Luiicn-Kirlbhojes in der! Bergmannstraße aus statt. 1928d s Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Telmahme soivie die überaus zahl» reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes und unseres lieben VaterS sagen wir unseren innigsten Dank. 1926b Frau biaris Schelle nehst Kindern. n,. 239. 26. 3. Keilllge des„Nomalls" Kerliner Nlllksbllllt. T NW-.M. Sericdts-Geltung. LeffentlicheS chemisches Laboratorium. - D'aS Oberverwaltungsgericht fällte dieser Tage eine für die Besitzer von Laboratorien wichtige Entscheidung. Dr. M., welcher an seinem Hause ein Schild mit der Aufschrift:„Leffentliches chemisches Laboratorium Dr. M." angebracht hatte, erhielt vor einiger Zeit eine polizeiliche Verfügung, in welcher ihm aufgegeben wurde, diese Aufschrift zu beseitigen und sich auf Geschäftspapieren nicht mehr als Inhaber eines öffentlichen chemischen Laboratoriums u bezeichnen, da eine solche Bezeichnung geeignet erscheine, in em Publikum die irrige Ansicht hervorzurufen, als ob es sich um ein amtliches Laboratorium der Stadt oder des Staates handle. Dr. M. erhob Klage und betonte, unter einem öffentlichen Labora- torium verstehe man ein solches, welches jeder aus dem Publikum benutzen könne. Ter Bezirksausschust wies die Klage ab, da die erwähnte Bezeichnung in dem Publikum die unrichtige Auffassung erregen könne, es handle sich um eine Anstalt mit öffentlich recht- lichen Befugnissen. Auf die Berufung des Tr. M. hob, dem Gesetz entsprechend, das Dberverwaltungsgcricht die Vorentscheidung nebst der polizeilichen Verfügung auf. Es führte u. a. aus, was die Geschäftspapiere anlange, so sei die Polizei nach dem Pretzgesetz nicht befugt, in Prcßsachen zu Präventivmaßregeln zu greifen. Was das Schild am Hause anlange, so habe die Bezeichnung „Oeffentliches chemisches Laboratorium" nicht die Wirkung, daß das Publikum zur Annahme gelangen müsse, es handle sich uin eine öffentliche Anstalt im Sinne des Z 17 des Nahrungsmittel- gesetzes vom 14. Mai 1879. SStttcrungSübersicht vom 12. Oktober 1909, morgens 8 lllir. Wetterprognose für Mittwoch, den 13. Oktober 1909. Zeitweise nebelig, vielfach heiter und am Tage mild bei ziemlich lebhaften südlichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterb Urea«. Erscheint 2 mal wöchentlich. iezngsqnellen-Verzeiclmis. Den Lesern bei Einkäufen zur Beachtung empfohlen. 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Auch ich habe ihn sehr gut vertragen und ziehe ihn nunmehr seines Aromas und Geschmackes wegen allem anderen vor. Krefeld. Professor K.___ 115/1 Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. II. llnjier.— Gegen 30 Pfennig auf 10 Pf. Anweisung frei. Ohne Zweifel die beqncinstc u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in ö W in. fort DaS Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicyisäure u. indischen tzanscxtrakt.) Dr. Ii. Unger in Würzburg. In Berlin(20 Pf.): Salomon-Apothoke, Tharlottenstrasie 54. Greif- Apotheke, Barnimstratze 33.— München t Schützen-Apotheke.— Stuttgart: Hinch-Apotheke.— Breslau: Victoria-Apotheke. 113/8* MI- Eheleute-WW verlangen illustrierte Prospekte vom Versandhaus„Komet* Rixdorf. Hikebsin Mdl»Mlsi Aktiengesellschaft BERLINO.ll Koppenstf. GS|G3 Fernspr. VII 2821 empfiehlt ihr anerkannt vorzügliches, ans bestem Malz und Hopfen hergestelltes Prima Berliner Tafel-Weißbier a 10 Pf. p. Liter Hilsebeins Null- Weißbier a 13 Pf. p. 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