Nr. 340. Hbsnnemenk-keSlngungeni Womienieilts- Preis pränumerando i Vierteliährl. 3P0 Mü, monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post. Monnenicnt: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland mch Oesterreich- Ungarn 1 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonncnicnts nehmen an: Belgien, Dänen. ark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg.' vlftlnt Wich außer Montag». Nerlinev VulKsvlLttt« B!e TntoHonS'Gcbüfjf Beträgt für die scchsgcspalteue Kolonel« zcilc oder deren Raum M Psg., sür politische und gewcrkschastliche Vereins. und VersainnilungS-Anzeigen 30 Pfg. „Meine?n:eigcn", das erste lsett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» ftcllen-Anzeigcn das eiste Wort 10 Psg.» jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer niüsse» bis giUhrnachmittagSindcr Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramni- Adresse: „SozialiKmoBrat Berlin'*, Zentralorgan der rozialdernohratSfcben Partei Deutfehtands. Redahtiom 8 Cd. 68, Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition i SRI. 68, Lindenatraeae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» freiiilw und Volksschule. Von allen Gebieten staatlicher Gesetzgebung und Verlvalwng wird kaum eins von den Massen der Bevölkerung, insbesondere von der Arbeiterklasse mit so leidenschaftlicher Anteilnahme begleitet, tvie das grotze und weite Gebiet des Unterrichts und der Erziehung. In unserem heutigen Klassenstaat kommt freilich für die Massen aus diesem riesigen Gebiet, das in seinen Verzweigungen alle Arten menschlicher Betätigung umfaßt, nur ein kleiner Ausschnitt, das Elemeutarschulwesen in Betracht. Ungefähr 93 Proz. der schulpflichtigen Kinder haben die Bänke der Volksschule zu drücken. Das Volksschulwcsen ist also das Fundament, auf dem die ganze Bildung unseres Volkes sich erhebt, und für eine Kllltnr- nation ergäbe sich daraus die zwingende Verpflichtung, dieses Fundament gut und sicher und nach allen nur irgend möglichen Nichtungen auszubauen. Unermüdlich und niemals rastend hat in diesem Sinne aber nur die Sozialdemokratie zu wirken gesucht. In den Einzel- landtagen, denen die Gesetzgebung über das Schulwesen untersteht, in den Kommunen, denen es obliegt, diese Gesetzgebung durch- zuführen, haben die sozialdemokratischen Vertreter den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit auf die Hebung des Elementarschulwesens gelegt. Eine unbefangene Darstellung der Geschichte des Volksschulwesens würde zugeben müssen, daß alle Verbesserungen, zu denen man wohl oder übel in der neueren Zeit sich hat verstehen müssen, zurückzuführen sind auf die direkte Initiative der sozial- demokratischen Vertreter in all diesen Körperschaften. Solches Streben, solche Tätigkeit unserer Genossen flieh und flöht natur- gemäh auf den heftigsten Widerstand all derer, deren Weizen nur blüht, wenn es gelingt, das Volk auch weiterhin in llnwissenheit und damit in Stumpfsinn und Trägheit zu erhalten. Weit entfernt, den hohen Wert der Kulturtat anzuerkennen, welche die Sozial- demokratie allein dadurch vollbracht hat, dah es ihr gelungen ist, den Massen einen wahren Heißhunger nach Wissen und Bildung, ein leidenschaftliches Streben nach Weitcrentwickelung einzupflanzen, geht vielmehr das ganze Trachten der Reaktion bei uns dahin, die Schulen ihres Charakters als Bildungsstätten mehr und mehr zu berauben, sie auszugestalten zu Drillaustaltcn sür die Heranziehung von geschickten aber gefügigen Werkzeugen der herrschenden Klassen. Nirgends treten diese Bestrebungen unverhüllter und krasser zutage, als an der Stätte, wo alles, was volksfeindlich und rück- schrittlich ist, sich gleichsam in einem Brennpunkt sammelt. Die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses über das Volksschulwesen geben auf jeder Seite Beweise für die dort waltenden rückschrittlichen Tendenzen; sie zeigen, wie selbst auf diesem Gebiete die früheren Unterschiede zivischen der In- karnation jeglichen Rückschritts, dein Junkertum, und den Frei- sinnigen nahezu ausgelöscht sind. Die Religion, so wie sie unsere herrschenden Klassen lehren lassen, ist eines der ersten und wichtigsten Mittel zur Niederhaltuug des Volkes. Aus dieser Erkenntnis heraus hat die preußische Reaktion, der man eine gewisse Weitsichtigkeit nicht absprechen kann, von Beginn an die geistlichen mit den Unterrichtsangclcgen- heitcn aufs engste verknüpft und diese beiden durchaus getrennt zu behandelnden Gebiete in einem Ministerium vereinigt. Gemäß unserer Forderung völliger Trennung der Kirche von der Schule ver- langte bei der Beratung des Etats des Kultusministeriums unser Redner, Genosse Ad. Hoffmann, vor allem Trennung des Unter- richts- vom Kultusministerium, denn erst wenn das UnterrichtSlvesen voin Kultus getrennt sein würde, könnte der Etat ein wirklicher Kulturetat und das Ministerium ein Kulturministerium werden; erst dann würde auch unsere Forderung der Weltlichkeit der Schule wirk- sam durchzuführen sein. Wie nicht anders zu erwarten war, liehen Konservative und Zentrum durch ihre Redner in schroffster Weise zum Ausdruck bringen, dah sie unter keinen Umständen einwilligen würden, die Verwaltung der kirchlichen und geistlichen Angelegenheiten von der Verwaltung der Schulsachen zu trennen. Auf diese mit größter Bestimmtheit vorgebrachte Willensmcinung hatte der Sprecher der Freisinnigen Volkspartei, Herr Eickhoff, nur zu erklären, daß auch seine Freunde«ein reines Unterrichtsministerium verlangen. Aber Sine Mehrheit für diese Forderung ist heute weder in diesem, noch in dem anderen Hause vorhanden, und so müssen wir uns auf eine bessere Zukunft vertrösten". Auch wenn man die Herren Freisinnigen nicht hoch einschätzt, wäre eS eine Beleidigung anzunehmen, sie selber könnten glauben, ''urch solche Erklärungen irgend einen Einfluß auf die Junker zu üben! Nein, das sind eben nur NedefloSkeln, allenfalls für naive Wähler bestimmt, von denen die beiden Parteien selber aber genau wissen, wie sie gemeint sind! Noch ein paar Schritte weiter als Herr Eickhoff ging der zweite Redner der Freisinnigen Volkspartei, Herr Dr. Schepp, seines Zeichens selber Volksschullehrer: � «Diese Forderung der Unabhängigkeit der Schule von der Kirche schließt noch lange nicht in sich, dah nun auch der Religionsunterricht aus der Schule entfernt werde» muh. Wir stehen nach wie vor auf dem Stand» Punkt, daß der Rcligionsimterricht der Schule erhalte» bleibe» muh... Ich will noch einmal hervorheben, dah wir VolkSschnllehrcr den Standpunkt vertreten, daß die Volksschule auf den Religions- Unterricht nicht verzichten kann, weil die Religion ein wesentlicher, ja vielleicht einer der wesentlichsten Bestandteile des Seelenlebens ist. Nun ist die Sozialdemokratie dafür, dah der Religionsunter- richt aus der Schule entfernt wird. Das scheint aber nur der richtige Weg zu sein.) In Wirklichkeit bedeutet die Entfernung des Religionsunterrichtes aus der Schule weiter nichts, als eine Kapitulation des Staates vor der Kirche. Der Religionsunterricht wird dadurch nicht beseitigt, sondern er wird nur an eine andere Stelle verlegt. Der Staat schließt gewisser maßen mit der Kirche einen Vertrag, dah sie allein den Religion� Unterricht zu erteilen habe." So u n v e r st ä n d l i ch die Logik dcS Herrn Dr. Schepp auch ist, so parallel seine Ausführungen auch mit den Wünschen der Junker laufen; weit charakteristischer für die Freisinnige Volkspartei als das, was er sagt, ist, was Herr Dr. Schepp nicht gesagt hat. Im Laufe seiner Rede hatte Genosse Hoffmann auch scharfe Kritik geübt au dem Ausnahmegesetz, welches das Kultusministerium durch die Verfügung übt, daß Sozialdemokraten nicht Mit- glicdcr der Schiildcpntationen werden dürfen. In Ausführung dieser Verfügung hat man bekanntlich nicht nur allen neu gewählten Sozialdemokraten die Bestätigung versagt, sondern selbst bei sozial demokratischen Mitgliedern von Schulvorständen, die schon lange Jahre, ja Jahrzehnte dem Schulvorstande angehört und mit Eifer und Erfolg sich an den Arbeiten beteiligt hatten, die vor langer Zeit erfolgte Bestätigung nachträglich zurückgezogen. Von einer Volksvertretung, die diesen Namen verdient, wäre solches Vorgehen des Ministers sicherlich einmütig zurück� geiviesen worden und man hätte es nicht nur als das selbstverständliche Recht, sondern als Pflicht auch der sozial- demokratischen Eltern betrachtet, im Nahmen des Gesetzes mit zuwirken an der Ausgestaltung dcS Volksschulwesens. Anders natürlich im DreiklassenhanS. Mit der Erwiderung auf die Aus- führungen unseres Redners war der bekannte frcikonservative Schars macher v. Zedlitz betraut, und dieser entblödete sich nicht, wörtlich auszuführen: «Es ist das charakteristische Merkmal der preußischen Schulen, dah sie nicht ausschließlich, nicht einmal in erster Linie, berufen ist, den Kindern diejenigen Kenntnisse beizu- bringen, die sie für ihr Leben bedürfen. sondern, dah sie vor allem auch den Beruf hat, die Kinder ä u guten Menschen, zu guten Christen, z u g u t e n Patrioten zu erziehen... Meine Herren, wenn der Abgeordnete Hoffmann die Behauptung aufgestellt hat, dah mit dem Ansschliih der Sozialdemokraten eine Art von neuem Sozialistengesetz, eine Durchbrechung der bürgerlichen Gleichheit herbeigeführt würde, so steht das ungefähr aus derselben Linie, als wenn die Herren Einbrecher eine Verletzung der bürgerlichen Gleich- bcrcchtigiing darin erkennen, wenn man sie nicht zu Kassenbeamte» ernennt."(Große Heiterkeit.), Solche unglaublichen, höhnenden Worte und der Beifall, den sie im Hanse gefunden haben, müssen auch den g l e i ch g ü l t i g st e n Arbeiter aufrütteln, ihm zeigen, waö er für sich und für seine Kinder von solcher Volksvertretung zu erwarte» hat! Bei der Wahl müßten diese Worte � des Herrn v. Zedlitz, die den ganzen reaktionären Charakter des' Dreiklassenhauses wie ein Blitzstrahl aufzeigen, den noch indifferenten Massen wieder und immer wieder in Erinnerung gebracht werden. Wohl in keinem anderen Parlamente der Welt wären solche Ausführungen möglich. Würden sie aber geniacht, so mühte man schroffste Zurückweisung durch alle bürgerlichen Elemente erwarten, gleich viel welcher Pnrteirichiuug diese angehören, sofern sie nur an- ständiges Empfinden sich noch bewahrt haben. Allein das prcuhische DreillasscnhauS macht auch hierein eine unrühmliche Ausnahme. Jedes Wort, welches Genosse Hoffmann gegen die Volksschule geäußert hatte, wurde von dem freisinnigen VolkSmanne und Volks schul lehrer Dr. Schepp unter die kritische Lupe genommen, zergliedert und zu widerlegen versucht. Wiederholt glaubte er namens deSgescMiten Lehrerstaudes feierliche Verwahrung gegen sozialdemokratische Aeußerungen einlegen zu müssen. Gegen die Zedlitzschen Ausführungen aber, welche nicht nur die Sozialdemokratie schmähen sondern zu- gleich die schwerste Beleidigung und Herabwürdigung des Lehrer- staudeS in sich schließen, hatte Herr Dr. Schepp ebensowenig wie irgend ein anderer der freisinnigen Bollsvertreter auch, nur ein Wort der Zurückweisung übrig I Binnen kurzem finden in Berlin in vier Bezirken LandtagScrsatz- wählen statt. Kann nach dem Geschilderten ein Vater, der seine Kinder lieb hat und ihnen für den schweren Kampf ums Dasein eine bessere geistige Ausstattung geben möchte als er selbst besessen hat, wirklich noch für einen Freisinusmann die Stimme abgeben? Pflicht eines jeden Vaters, der seinen Kindern nur die Volksschule zu bieten vermag, ist es, bei diesen Wahlen rückhaltlos einzutreten für die sozialdemokratische Partei, die als einzige von alle» immer und allerorts mit aller Kraft, über die sie verfügt, für die Hebung des BolksschulweseitS gewirkt hat und weiter wirken wird! Zum Wahlkampf. Freisinn und allgemeines Wahlrecht. Zn wiederholten Malen ist nicht nur von uns, sondern auch von anderer Seite der Nachweis geführt, daß es den Freisinnigen mit ihrer Forderung des Ersatzes des Drei- klaffe nwahlsy st ems durch das a l l g e in e i n e. gleiche, direkte und geheime Wahlrecht im Grunde genommen nicht Ernst ist, daß es ihnen nur darauf an- kommt, ihre eigene parlamentarische Macht zu mehren, daß ihnen aber die Interessen und Wünsche der Allgemeinheit herzlich gleichgültig sind. Wie konservative Männer über den Wahlrech'tskampf des Freisinns denken, das beweist das Urteil Delbrücks in den„Preußischen Jahrbüchern" (Band 131 S. 376):„Die freisinnige Wählerschaft ist in ihrer großen Mehrzahl konservativ, man möchte beinahe sagen reaktionär geworden. Diese freisinnigen Wähler... wollen in Wirklichkeit gar nicht das demokratische Wahlrecht, das in dem Programm der Partei als Paradestück prangt." Wenn wir mit diesem Satz auch nicht ganz übereinstimmen, so müssen wir Delbrück doch darin beipflichten, daß das demokratische Wahl- recht in dem Programm der Freisinnigen Volkspartei nur ein Parade stück bildet. Irgend einen ernst haften Ver- such zur Erringnng des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts sür Preußen haben die Freisinnigen bisher noch niemals gemacht. Gewiß haben die Freisinnigen in gewissen Zivischen- räumen pflichtschuldigst ihren Wahlrechtsantrag ini Abgeordneten- Hause eingebracht, aber die Vertretung des Antrages war in den meisten Fällen so schwach, daß jeder denkende Politiker den Eindruck geivinnen mußte, � daß sich seine Bc- fürworter nur einer unangenehmen Pflicht unter- ziehen. Wirft doch der Charlottenburger Stadtrat Professor Dr. I a st r 0 w, ein Mann, den die Freisinnigen nicht gut von sich abstoßen können, bereits in seiner im Jahre 1891 er- schienenen Schrift„Die preußische Wahlreform vom Stand- Punkt sozialer Politik" den Freisinnigen vor, daß sie im Abgeordnetenhause die Wahlreform nicht mit großem Eifer behandelt haben.„So oft im preußischen Landtag die Wahl- frage erörtert wird, so oft erscheint der pflichtgemäße Antrag auf Einführung des Rcichswahlshstenis. Aber die Wärme, mit der er vertreten wird, sinkt immer näher an den Gefrier- Punkt." Wenn es seitdem scheinbar besser geworden ist, so ist das nicht auf eine Wandlung in den Anschauungen des Freisinns zurückzuführen, sondern einzig und allein ans die A g i t a t i 0 n d e r S 0 z i a l d e m 0 k r a t e n, die sich an die Massen, an die von einer Vertretung im Dreiklassenparlanzent Aus- geschlossenen wandten, die das Volk zum Sturm gegen das elendeste aller Wahlsysteme aufriefen und naturgemäß auch freisinnige Wählerscharcn aus ihrem Schlummer rüttelten. Jetzt konnten und durften die Führer, wenn anders sie nicht ihren letzten Anhang verlieren wollten, nicht mehr untätig die Hände in den Schoß legen, aus taktischen Gründen waren sie gezwungen, Farbe zu bekennen. Hatten sich die frei- sinnigen Abgeordneten des preußischen Landtages noch im Jahre 1991 mit den Nationalliberalen auf ein Kompromiß geeinigt, ans jene„saft- und kraftlose liberale Aktion", die noch nicht einmal die geheime Wahl forderte, obwohl hierfür auch das Zentrum zu haben geivesen iväre, sondern die sich mit dem Verlangen nach einer anderen WahlkreiSeinteilung und nach Erleichterungen zur Abwickelung des Wahlgeschäftes begnügte, aber am Wesen des Dreiklaffen- Wahlsystems nichts änderte, so zogen sie in den nächsten Jahren andere Saiten auf und beantragten die Einführung des Reichswahlrechtes in Preußen. Da aber die Freisinnigen ihre Zweifrontentheoric, die ihnen als der Gipfel der Staatskunst erscheint, nicht aufgeben wollen, und da sie sich vor allem ihren konservativen Freunden in empfehlende Erinnerung bringen zu müssen glauben, so klangen ihre Wahlrechtsreden stets in Angriffen gegen die böse» Sozialdemokraten auS, die den frei- sinnigen Wahlrechtskampf angeblich dadurch erschwerten, daß sie den Phrasen der Fischbcck, Kopsch, Wiemer den Willen zur Tat gegenüberstellten. Noch jede freisinnige Wahlrechtsrede hat die Konservativen in ihrer Ansicht, daß von jener Seite dem Dreiklassenwahlsystem keine Gefahr droht, bestärkt. Die Konservativen lachen einfach über die freisinnigen Maulhelden, die sie in langjähriger Gemeinschaft richtig einzuschätzen gelernt haben. Wissen sie doch, dqß die Freisinnigen sich im ent- scheidenden Moment immer und imnier auf die Seite der Reaktion schlagen I Bedurfte es noch eines Beweises dafür, daß der Kampf der Führer des Freisinns um das allgemeine Wahlrecht nur ein Scheingefecht ist, so hat die verflossene Landtags- session den Beweis erbracht. Von dem Moment an, wo die Wahl einiger Sozialdemokraten gesichert war, hat die frei- sinnige Parteileitung, anstatt die Bundesgenossen im Kampfe um das Wahlrecht z n b e g r ü ß e n, es als ihre vorne hm st e Aufgabe detrachtet, die uubcqnemcu Mahner aus dem Jnnkcrparläuient zn entfernen! Die Freisinnigen haben sich wie so oft so auch hier wieder als Handlanger der Reaktion erwiesen und die Arbeit verrichtet, die selbst den Konservativen zu schmutzig war. Ob sich die Freisinnshelden ihres„Sieges" freuen? Wir glauben es nicht. Wenn nicht alle Zeichen trügen, dann hat sich ihrer eine katzenjämmerliche Stimmung bemächtigt; sie sehen, daß ihre Machinationen, daß ihr niederträchtiger Wahlrechtsraub von jedem anständigen Menschen verurteilt wird, sie ahnen, daß ihre Hoffnung, auf diese Weise die kassierten Mandate für sich gewinnen zu können, zuschanden wird, und sie sehen mit Zittern und Bangen dem Tage der Abrechnung entgegen. Unsere Sache aber, Sache des klassenbewußten Proletariats ist es, dafür zu sorgen, daß die Abrechnung eine gründliche wird, daß den Freisinnigen die gebührende Antwort zu teil wird. Gestützt auf die reaktionäre Mehrheit des Junkerparlaments, gestützt auf die ärgsten Feinde des allgemeinen, gleichen, direkten und ge- Heimen Wahlrechts, hat der Freisinn durch einen Gcwaltstreich die vier sozialdemokratischen Mandate kassiert, getragen von dem Vertrauen des Volkes, von dem Vertrauen aller wirk» lichen Wahlrcchtsfreunde, werden unsere Genossen wieder in den Landtag etnztchen und aufs neue den Kanchf ausnehme« gegen offcue und versteckte Reaktion! » Uever hohe Kirchenstcuerit wehklagt jetzt auch die freisinnige Presse. Sie schlägt die Hände darüber zusammen, datz beispielsweise in Berlin die Kirchensteuern von 806 M7 Mark im Jahre 1904 auf 2 209 420 Mark im Jahre 1909 angewachsen sind, wobei übrigens nur die Kirchcnlasten für die evangelische Kirche in Anrechnung gebracht wurden. Der Freisinn gibt sich dabei den Anschein, als ob diese Steigerung der Kirchensteuer nur etwas Zufälliges und Vorübergehendes sei. Wir wollen dem- gegenüber denn doch feststellen, daß die Erhöhung der Kirchensteuer keineswegs in der Willkür der Berliner Stndtsynode liegt, sondern datz die Erhöhung der kirchlichen Umlagen der Zu- stiminung des preußischen Abgeordnetenhauses bedarf. Dort aber ist im Juli des Jahres 1993 beschlossen worden, daß die kirchlichen Behörden eine derartige Erhöhung der Kirchensteuern vorzunehmen berechtigt seien, wie sie nunmehr vorliegt. Als in der letzten Landtagssession die Erhöhung de? staat- llichen Zuschusses zum Zwecke der GchaltSaufbeffcrung der Geist- lichen und der Vermehrung der geistlichen Stellen gefordert wurde, war es ganz allein die sozialdemokratische Partei, die gegen diese Forderung Protest erhob und bei der Abstinimung dagegen votierte. Auch der Freisinn stimmte für die tvtchrbcwilligung von 13'/4 Millionen Mark aus staatliche» Mitteln für die protestantische und katholische Geistlichkeit. Er, der die sozial- demokratischen Anträge auf Erhöhung der Gehälter der Unter- b e a m t e n ablehnte, gab seine Zustiinmung zu der Regierungs- forderung, aus st a a t l i ch e n Mitteln mehr als 13 Millionen Mark pro Jahr niehr zu bewilligen, damit die Gehälter der Geistlichen aufgebessert werden und die Zahl der Geistlichen erhöht werden könnten l Aber damit hatte der Freisinn den Staatsbürgern noch nicht genug Lasten für Kirche und Geistlichkeit auferlegt. Denn die 1874 Millionen bedeuteten nur den d ir e kt en st aatlich en Zuschuh für die Kirche. Borher aber war bereits im Juli 1903 die Ein- willigung des Abgeordnetenhauses dafür gefordert worden, datz die kirchlichen Behörden selbst die von ihnen erhobenen Kirchensteuern erhöhen dürften. Damals stimmte zwar der Freisinn gegen das betreffende Gesetz, aber er erklärte zugleich durch den Mund seines Redners, des Abgeordneten Wiemer, datz der Freisinn auch für die Erhöhung der Kirchensteuer zu haben gewesen wäre, wenn diese Forderung nicht schon im voraus, sondern erst im Zusammenhang mit der allgemeinen Beamtenbesoldungsreform erhoben worden wäre! Wenn also die freisinnigen Blätter heuchlerisch über die Er- höhung der Kirchensteuern llagen, sollten sie nicht vergessen, datz der Redner des Freisinns, der Abgeordnete Wiemer, gegen die Er- höhung der Kirchensteuer an sich absolut nichts einzuwenden hatte, sondern nur gegen den Termin, an dem eine solche Forderung 1 von der Regierung erhoben worden war. Der Freisinn ist also nicht nur mitverantwortlich für die 13 Millionen Mark, die in Gestalt von Staatszuschüssen für die Geistlichkeit mehr bewilligt worden sind, sondern auch für die v i e l e n M i l l i o n e n, die von den Kirche nbehörden f e l b st aus den Steuerzahlern herauögcpretzt lperdcn I Die Frefyeit der ftüfenfeftaft. Man schreibt uns: In Leipzig wurde soeben eine heitze Redeschlacht darüber ge- schlagen, ob die Zulassung zum Lehramt an den Universitäten von politischen oder religiösen Voraussetzungen abhängig gemacht werden dürfe. Bei der Debatte kamen sehr nette Dinge zum Vorschein, zum Beispiel das Angebot des Zentralverbandes deutscher Industrieller, den: sächsischen Kultusministerium 30 000 M. zu zahlen dafür, datz ein bestimmter Tendcnzprofessor an die Universität Leipzig berufen werde. Auch war es recht interessant, die diplomatische Art wieder einmal zu beobachten, mit der die„Männer der Wissenschaft" im Prinzip sich zu den liberalsten Anschauungen bekennen, zugleich aber selbst ängstlich darauf bedacht sind, datz diese Prinzipien ja nicht in die Praxis umgesetzt werden. Am interessantesten aber war an der ganzen Debatte, datz alle Teile in völliger Uebereinstimmung von vollständig strrigen Voraus- setzungen ausgingen. Auch von der Opposition wurde keineswegs bestritten, datz es erstens eine„voraussetzungslose" Wissen- fchaft gibt, und zweitens, datz es die Aufgabe der Universitäten sei, diese Wissenschaft zu verbreiten. Diese beiden Behauptungen sind nicht nur falsch, sondern zugleich auch gefährlich. Sie sollen deshalb nicht unwidersprochen bleiben. Zunächst mutz jede Wissenschaft gewisse Wahrheiten als gegeben voraussetzen, von denen erst sie ihren Ausgang nimmt, auf die sie weiter baut. So setzen die Naturwissenschaften heute eine durch- gängige Verknüpfung der Tatsachen nach kausalen Gesetzen voraus. Wer aber auf religiösem Standpunkt steht, wird diese erste Voraus- setzung schon nicht mehr akzeptieren. Denn für ihn haben die Eni- schlietzungen CotteS keine Ursache, unterliegen keinem Gesetz, be- einflussen aber das Geschehene. Ob auf dieser Grundlage Wissen- fchaft überhaupt noch möglich ist. wird wieder davon abhängen, was man unter diesem Ausdruck versteht. Auch hier gibt eS keine Be- Weise, sondern nur Uebereinkommen. Noch klarer tritt die Unmöglichkeit vorauSsetzungsloser Wissen- schaft auf dem Gebiete der Gesellschaftswissenschaften hervor. Das Ziel der Wissenschaft ist cS, das Unbekannte auf das Ge- kannte zurückzuführen. Aver mit gutem Recht sagt ein russisches Sprichwort:„Der Satte versteht nicht den Hungrigen". Was dem einen als selbstverständlich gilt, ist dem anderen ein Problem: was jener im Nu begreift, bleibt diesem ewig rätselhaft. Besonders klar sehen wir diese Unmöglichkeit der Verständigung an den endlosen Diskussionen über das Marxsche System. Von Jahr zu Jahr erscheinen nicht nur kleine Broschüren, sondern auch dicke Wälzer, die die Widersinnigkeit des Marxismus beweisen sollen. Manche von diesen Publikationen tragen allerdings den Stempel der absichtlichen Verdrehung schon an der Stirn; andere aber geben gewitz der ehrlichen Ueberzeugung ihrer Verfasser Ausdruck. Liest man diese Bücher, so steht man zu- nächst vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel: wie ist es möglich, datz Einwürfe, die schon hundertnial widerlegt sind, immer wieder im gleichen Ton tiefster Ueberzeugung vorgebracht werden? Wie ist es möglich, datz Ansichten, die wir schon längst als unsinnig aufgezeigt haben, noch immer dort volle Geltung haben? Geht man von dem Dogma der vorauSsctzungsloscn Wissenschaft auS, so erscheinen diese Fragen unlösbar. Sie finden aber ihre Erklärung, wenn man eben berücksichtigt, datz der Aus- gangspunkt bei uns mrd bei der bürgerlichen Wissenschaft voll- kommen verschieden ist, daß wir ganz verschiedene Sprachen sprechen. So setzt derbürgerlicheNationalökonom als selbstverständlich voraus, datz das Wertgesetz ihm den Bestand der kapitalistischen Wirtschaftsordnung erklärt. Deshalb versteht er die Marxsche Theorie nicht, die gerade die Widersprüche dieses Systems aufzeigt. Da er diese nicht sieht und nicht anerkennt, glaubt er, datz die Theorie selbst Widersprüche enthält, datz sie falsch ist. Da die Grenznntzentheorie diese inneren Widersprüche des Kapitalismus verschleiert, empfiehlt sie sich dem bürgerlichen Bewutztsein, auch wenn wir ihre Widersinnigkeit und Unzulänglichkeit noch so eingehend beweisen. So reden die Ver- tretcr der beiden Weltanschaungen stets an einander vorüber. Deshalb kann ich auch Prof. Weber nicht so ganz unrecht geben, wenn er behauptet, sozialdemokratische Dozenten würden sich bei dem Eolloquium, d. h. bei der Prüfung durch die Universitätsprofessoren, nur blamieren. Stellen wir uns vor, wir hätten über die akade- mische Lehrbefähigung etwa der Herren Boehni-Vawerk, Schumpcter, Wenckstcrn, Hamniachcr, Schulze-Gaevernitz usw. usw. zu entscheiden. Wir müßten nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, datz sie zwar viel gelernt und gearbeitet haben, datz sie aber dessen un- geachtet Konfusion in de» Gehirnen ihrer Hörer anrichten würden. ES ist nur natürlich, datz diese Herren ebenso über uns urteilen. Wissenschaftliche Ehrlichkeit und Gründlichkeit wird Herr Professor Weber wohl auch unserer Seite nicht abstreiten wollen. Nim sind aber die Vertreter der bürgerlichen Weltanschauung heute im Besitz der Universitäten, und es ist daher von ihrem Standpunkte aus ganz begreiflich, datz sie die Schulen vor dem Einfluß von Lehren zu bewahren suchen, die ihnen verfehlt und unsinnig erscheinen. Das rechtfertigt allerdings durchaus nicht, datz die Regierung dem Privatleben und den privaten Anschauungen der Dozenten nach- schnüffelt und z. B. einen glänzenden Physiker deshalb vom Lehrstuhl verjagt, weil er Sozialdemokrat ist. Wundern wird sich aber dar- über nur der können, der in der Illusion befangen ist, datz unser Staatswesen zur Förderung der Kultur da ist und nicht zum Schutz des Geldsacks._ Die Kompiizen! Notgedrungen hat sich die reaktionäre Presse zum Fall Bruhn äußern müssen. Ungern und zögernd, denn Bruhn ist ein gutgesinnter Mann und die„Wahrheit" ist ein nationales Blatt, an der das preußische Eisenbahnministerium. allwo man höchst sittlichen Abscheu vor jedem sozialdemo- kratischen Blatt empfindet, keinen. Fehl entdecken kann. Meist stellt sich die ehrenwerte Presse der Rechten, die jede Lüge über Sozialdemokraten unbesehen aufnimmt, als sei es ihre Pflicht, in Sachen Bruhn noch kein Urteil abzugeben, so lange das Gericht noch nicht gesprochen habe. Wenn das Gericht den Herrn Bruhn der Erpressung schuldig findet, dann will die„Deutsche Tageszeitung" natürlich auch fordern, daß er sein Mandat niederlege. Das Blatt Oertels, das zuzeiten beinahe ebenso rührende BußtagSartikel zu schreiben weiß wie der verflossene Freiherr v. Hammerstein, stellt sich da wieder einmal dümmer, als es ist. Aus wohlerwogener Absicht natürlich. Es will seinen Lesern suggerieren, daß vor dem Bekanntwerden seiner Erpressungsgeschichten nichts an Herrn Bruhn zu tadeln gewesen sei und daß außer den Beschuldigungen auf Erpressung nichts gegen diese Stütze von Thron und Altar vorliege. So wird die Erkenntnis zu verhindern gesucht, daß die Anti- semiten im besonderen und die Parteien der Rechten im allgemeinen ebenso wie die preußische und die Reichsregierung die Mitschuldigen daran sind, daß der Herausgeber eines ausgesprochenen Skandalblattes, daß ein Ausbeuter fremden Un- glücks und fremder Schande, daß ein Spekulant in„Enthüllungen", der ein Geschäft daraus machte, Familien- und Privataffären, die die Oeffentlichkeit nichts an- gehen, auf den Markt zu zerren, daß ein solcher Mann deutscher Gesetzgeber bleiben, daß er auf den Bänken der Rechten sitzen, daß er als„staatserhaltendes Element" sich vor der Oeffentlichkeit geberden konnte. Wenn es den Herren Antisemiten mit dem, was sie ihre sittlichen Grundsätze nennen, ernst wäre, so hätten sie schon seit Jahren von Herrn Bruhn ganz entschieden abrücken müssen. Denn sie stellen sich doch stets als die Hüter des Familienlebens vor den An- griffen einer verderbten Presse hin, so gerieren sie sich doch als die strengen Gegner der Skandalpresse. Auf ihr Be- treiben sind doch in die Strafgesetzbuch-Novelle die Knebel- bestimmungen gelangt, die der Presse ohne Unterschied zu- gedacht sind, auf ihr Betreiben doch die famose Bestimmung, daß der Wahrheitsbeweis in Beleidigungsprozessen aus- geschlossen sein soll, wenn der Gegenstand der Be- leidigung eine Privatangelegenheit sei, die die Oeffent- lichkeit nicht interessiere. Und sowohl Antisemiten wie Kon- servative haben diese Bestimmungen— die bösartige Kaut- schukdinger sind, viel gefährlicher für die anständige oppo- sitionelle Presse als für die„monarchische" Erpresserpresse— im Reichstag verteidigt und begrüßt. Herr Werner von der- selben antisemitischen Fraktion, der Herr Bruhn als Hospitant angehört, rechtfertigte in seiner Rede ganz besonders diese Paragraphen, weil der Skandalpresse entgegengetreten werden müsse. Er sagte das, ohne zu erröten beim Hinblick auf seinen Banknachbarn, er sagte das, obgleich ihm von links zugerufen wurde: Die„Wahrheit", die„Wahrheit 1" Keiner der Abgeordneten der Rechten hatte das Reinlichkeits- bedürfuis. den Herausgeber der„Wahrheit" abzuschütteln. Keiner! Herr Bruhn gibt sein Schandblatt seit Jahren heraus. Wer das Blatt nur einmal in der Hand gehabt hat, weiß, was für ein ekles Ding es ist. Die Konservativen, diese Sankt George, die die schlechte Presse, die Skandalpresse er- legen wollen, um das Familienleben zu schützen, hat das nicht gehindert, den Herrn Bruhn im Jahre 190 i als nationalen Mann wieder in den Reichstag zu helfen. Und der Herr be- hielt seinen Einfluß an amtlicher Stelle. Zwei Redakteure der„Wahrheit" werden auf seine Verwendung hin begnadigt. Es gibt Mitschuldige im Falle Bnihn. Es sind die Leute und Parteien und amtlichen Stellen, die im Gegensatz zu ihren sonstigen strengen Anschauungen über die Skandalpresse den Herausgeber"der„Wahrheit" geduldet und gedeckt haben! Diese Mitschuldigen sind die Reformer genannten Antisemiten, bezw. ihre Reichstagsfraktion in erster Linie, die Parteien der Rechten und die preußisch-deutsche Regierung und ihre Be- Hörden in kaum minderstarkem Maße I Diese Stellen sollen uns lieber sagen, weshalb sie den Bruhn und die„Wahrheit" toleriert haben! Was der Deutsche Antisemitenbund getan hat, das interessiert die Oeffentlichkeit wenig, alldieweil dieser Bund der Oeffentlichkeit so gut wie unbekannt ist und es ziemlich gleichgültig ist, was seine einige Bäckerdntzend Mitglieder beschließen. Immerhin, wenn dieser Bund in der„Deutschen Tageszeitung" erklärt, daß er bereits seit Jahren wegen der überaus. verwerflichen Tendenz der „Wahrheit" jegliche Beziehungen zu Bruhn gelöst habe, daß er Herrn Bruhn nach vergeblichen ernsten Vorhaltungen aus seinen Listen gestrichen habe, so läßt diese Tatsache das mangelnde Reinlichkeitsgefühl derer, die bis jetzt mit Herrn Bruhn Beziehungen unterhielten, um so mangelhafter er- scheinen i _ Und deshalb ist der Fall Bruhn eine Bloßstellung nicht bloß des Herausgebers der„Wahrheit", sondern auch des Antisemitismus und der ganzen Reaktion und ihrer Regierung, die solchen anrüchigen Spießgesellen in ihrem Lager duldeten. weil er unter Umständen als Bravo gegen den Umsturz zu gebrauchen war, weil er„monarchisch" und„patriotisch" ist! Fenrn Crlcfflcßiing. DaS spanische Mönchstum hat seinen Willen durchgesetzt: Ferrer ist gestern(Mittwoch) morgen um 9 Uhr in den Gräben der Bergfestnng Montjuich bei Barcelona erschossen worden. Der Telegraph meldet darüber: Barcelona, 13. Oktober. Ferrer, der heute vormittag 9 Uhr erschossen worden ist, wurde gestern abend in die Kapelle der Burg gebracht. Er verlaugte nach seinem Verteidiger, der mehrere Stunden bei ihm verbrachte. Ferrer bewahrte vollkommene Ruhe; nur einmal, als er nüt seinem Verteidiger sprach, wurde er von Erregung ergriffen. Es waren Sicherheirs- matzregeln getroffen. In der Umgebung der Burg und auf den Abhängen hatten sich jedoch nur 40 bis'50 Personen eingefunden. Kundgebungen ereigneten sich nicht. Mit der Urteilsvollstreckung war eine Abteilung Infanterie beauftragt. Nur zwei Mönche standen Ferrer bei; die Sakramente wies er zurück. Barcelona, 13. Oktober. Das Kommaudo bei der Erschietzung Ferrers führte der Geniegeneral Escrin; die Soldaten waren aus der Garnison der Festung Montjuich durch das LoS bestimmt worden. Ferrer stand im Augenblick der Urteilsvollstreckung auf- recht mit verbundenen Augen. Er hat in Gegenwart eines Notars fein Testament gemacht, dessen Inhalt aber noch nicht be- kannt ist. Der Justizmord ist vollbracht. Das feige Ministerium unter des ehemaligen Liberalen Maura gewissenloser Führung hat sich dem Racheverlangen des spanischen KleruS gefügt und die geist- und willenlose Marionette auf dem spanischen Thron hat das Urteil des Kriegsgerichts sanktioniert. Alle Protestkundgebungen in den großen Städten West- europaS haben den spanischen Ministerrat völlig kalt gelassen. Wichtiger als die Verachtung des Auslandes dünkte den spanischen Machthabern die Unterstützung des einheimischen Klerus. Seelenruhig hat am Dienstagabend das Ministerkollcgium das Barcelonaer Kriegsgerichtsurteil in einer Sitzung geprüft und entschieden, datz leine genügenden Gründe vorlägen, die eine Begnadigung Ferrers durch den König rechtfertigten. Sofort wurde dieser Beschlutz nach Barcelona gemeldet und darauf nach Anbruch des Tages das Urteil vollzogen. Welche Opfer werden folgen? Der Blutdurst deS durch den Klostersturm in Barcelona erschreckten Klerus verlangt nach weiteren Hinrichtungen. Er hält nach dem alten Rezept des Herzogs Alba die Ruhe des Kirchhofes für die dem spanischen Volke allein zuträg- liche Verfassung und glaubt durch den blutigen Schrecken die Geister vom Ansturm gegen seine Herrschaft zurückhalten zu können. Noch schmachten an 1200 Gefangene, die man während und nach den Unruhen in Barcelona aufgegriffen hat, in den Gefängnissen, und mancher von ihnen wird noch voraussichtlich zur Ehre der heiligen Kirche und des KleruS in den Festungsgräben von Montjuich fein Ende finden, mancher, der noch weniger schuldig' ist als Ferrer. m W» Turin, 13. Oktober. Als Protest gegen die Verurteilung Ferrers wurde gestern der Generalstreik für heute beschlossen, an dem sich zirka 60000 Personen beteiligen dürften. Bor dem spanischen Konsulat fanden Kundgebungen statt. Die Polizei mutzte wiederholt einschreiten. Rom, 13. Oktober. In ganz Italien finden grotze Kundgebungen für Ferrer statt. In Turin, Mailand, Eortona und Verona wurden gestern Volksversammlungen für Ferrer abgehalten. Aehnliche Demonstrationen werden in Bologna, Genua, Perugia und Florenz veranstaltet. Der Deputierte Barzilai hat in der Kammer eine Interpellation eingebracht, in welcher gefragt wird, ob Italien, den obersten Gesetzen der Humanität gehorchend, sein Wort eingelegt habe für die Rettung eines llufchuldigen. Rom» 13. Oktober.(Privatdcpcfche des„Vor- w ä r t s".) Die durch Extrablätter verbreitete Nachricht über Ferrers Erschietzung wurde zunächst mit Unglauben, dann mit ungeheuerer Entrüstung aufgenommen. Die Stadtfahne auf dem Kapitol weht halbmast. Heute abend findet eine große Protest-Dcmonstration statt. Der Genueser Hafen boykottiert spanische Schiffe. Die spanischen Gesandtschaften werden militärisch bewacht. Der Abscheu äußert sich allgemein außer in der klerikalen Presse. Rom, 13. Oktober. Anläßlich der Hinrichtung FerrerS wurden auf den Gebäuden der sozialistischen Vereine und Zeitungen Trauerfahnen gehitzt. Mehrere Blätter sprechen sich in heftiger Weise über die Hinrichtung aus. In Bologna wurde heute nach- miltog eine Versammlung abgehalten, in der mehrere Redner gegen die Hinrichtung Ferrers protestierten. Nach der Versammlung versuchten die Teilnehmer vor das spanische Konsulat zu ziehen, wurden aber von der Polizei auseinandergetrieben. Einige Personen wurden verhaftet.— In Turin wurde von einer Versammlung eine TageS« ordnung angenommen, die gegen die Hinrichtung Ferrers protestiert. Nach der Versammlung zogen mehrere tausend Personen nach dem Stadthause, um dem Bürgermeister die Tagesordnung zu übergeben. und darauf nach dem Garibaldi-Denkmal, Ivo mehrere Redner sprachen.— In Genua versuchte eine Volksmenge vor dem spanischen Konsulat zu protestieren, wurde aber auseinander getrieben.» Die Hafenarbeiter in Genua haben die Arbeit eingestellt. Die Rechtsanwälte in Genua haben ebenfalls eine Tagesordnung angenommen, in der gegen die Hinrichtung FerrerS protestiert wird. In mehreren Städten der Provinz Genua haben die Arbeiter die Arbeit eingestellt.-- poUtifcbe Oeberficbt. Berlin, den 13. Oktober 1909. Tie nationalliberal-freisinnig-agrarische Koalition in Kobnrg. Es ist entschieden: der Freisinn tritt in Koburg für den nationalliberalen Kandidaten ein. Die Koburger„Freisinnige Presse" gibt die Parole aus, datz alle freisinnigen Wähler, die im ersten Wahlgange den Fabri- kanten Arnold gewählt hätten, bei der Stichwahl ihre Stimme für Ouarck abgeben müßten. Und die freisinnige Parteileitung in Berlin ist mit dieser Parole, wie nicht anders erwartet werden durste, völlig einverstanden. Die„Freisinnige Zeitung" verlangt dringend die Unter st ü tz u n g des nationalliberalen Kandidaten, der gleichzeitig der Kandidat des VundsS der Landwirte ist. Das freisinnige Organ schreibt: „Der„Vorwärts" bezeichnet die Aussichten für die sozial- demolratische Partei als die allergünstigsten und gibt die Parole aus, dah der Koburger Wahlkreis in der Stichwahl erobert! werden muh. Wie weit die sozialdemokratischen Hoffnungen erfüllt werden, wird man abwarten müssen, nach Lage der Sache und nach unserer Kenntnis von der Stimmung der Wühler, ist m i t Bestimmtheit zu erwarten, dah der national- liberale Kandidat in der Stichwahl durch die Frei- sinnigen kräftig unter stützt>v erden wird. Auster- dem ist darauf hinzuweisen, dast ungefähr 3000 Wähler ihr Wahl- recht nicht ausgeübt haben, da die Sozialdemokraten ihre sämt- lichen Anhänger gleich zu der ersten Wahl herausgeholt haben und nennenswerte Reserven nicht mehr besitzen, so must es bei energischer Kleinarbeit gelingen, noch für den bürgerlichen Kandidaten eine stattliche Anzahl von Wählern mobil zu machen." Wir werden also in Koburg die Nationalliberalen mit dem Freisinn und dem Bund der Landwirte geschlossen gegen uns finden. Um so mehr gilt es. alle Kräfte einzusetzen. Koburg ist zu gewinnen— und es muh gewonnen werden. Wahlrechtsdruckeverger. Zentrum und Freisinn sind sich wegen der preustischen Wahlreform in die Haare geraten. Beide möchten sich den Anschein geben, als ob sie nichts Sehnlicheres wünschten, als eine Demokrati- fierung des preustischen Wahlrechts. Und beide suchen um die Wette nach Borwändcn, um nur ja nicht ernstlich für die Demokratisierung des Wahlrechts eintreten zu müssen. Die„Kölnische Volkszeitung", neben der„Germania" daS führende Organ des Zentrums, versucht dem Freisinn die Demokratisierung des preustischen Wahlrechts, von der ja das Zentrum in Wirklichkeit gar nichts wissen mag. dadurch zu verekeln. dast sie die Umgestaltung des Landtagswahlrechts gleichzeitig mit einer Demokratisierung des kommunalen Wahlrechts verbunden wissen will. Die„Kölnische Volkszeitung" verlangt, dast„ganze Arbeit" gemacht werde, dast zum mindesten in den Städten zugleich mit dem Landtagswahlrecht auch das Kommunalwahlrecht geändert werde. Der Freisinn hat natürlich ganz recht, wenn er dies ultra- montane Dräugen auf ganze Arbeit nur für einen arglistigen Trick erklärt, um die preußische Wahlreform zu verschleppen und zu vereiteln. Denn dast das Zentrum in Wirklichkeit von einer demokratischen Umgestaltung des preustischen Wahlrechts nichts wissen will, hat es ja am deutlichsten dadurch bewiesen, dast es seinerzeit gegen die Ncueinteilung der Wahlkreise gestimmt hat! Gerade der sozialdemo kcatische Redner hat ja im Landtage diese perfide Haltung des Zentrums besonders festgenagelt. Auf der anderen Seite freilich soll sich der Freisinn aber auch nicht darüber wundern, dast daS Zentrum zur Beschönigung und Verschleierung seiner Feind- schaft gegen eine wirkliche Wahlreform den Freisinn zu seinem Mitschuldigen zu machen sucht. indem eS die Bedingung stellt: Keine staatliche Wahlreform ohne k o m in u i: a I e Wahlreform! Jedenfalls hat der Freisinn keine Ursache, sich über die wahlrechtsfeindliche Haltung deS Zentrums zu entrüsten, so lange er selbst auf dem Gebiete des kommunalen Wahlrechts eine ebenso reaktionäre Haltung vertritt, wie er sie dem Zentrum in Bezug auf daS LandtagSwahlrecht nachsagt I Wenn Freisinn und Zentrum sich gegenseitig wegen ihrer Heuchelei in der Frage des Wahlrechts beschuldigen, so haben sie beide recht! Der Freisinn hat darin recht, dast das Zentrum von der demokratische» Umgestaltung deS preustischen Wahlrechts im Ernste nichts wissen will, weil eS ja schon auch bei dem heutigen skandalösen Wnhlunrecht seine Fraktionsinteressen durchaus gewahrt sieht. Umgekehrt aber hat auch das Zentrum durchaus recht, wenn eS dem ein demokratisches staatliches Wahlrecht heischenden Freisinn vorwirft, dast er selbst gar nicht daran denke, seine Herrschaft in den Kommunen dadurch preisgeben zu wollen, dast er auch für ein demokratisches Wahlrecht in den Gemeinden eintrete I Zentrum und Freisinn sind eben einander ebenbürtig an politischer' Heuchelei! Sie wollen beide von einer wirklichen Durchführung der Demokratie nichts wissen!_ Neue ttcberschreitiingen des Flottenetats. Im„Berliner Tageblatt" wird darauf hin- gewiesen, dast sich die Kosten für unsere Linienschiffe ständig verteuern. Die Schiffe, die im Jahre 1900 bei der Bewilligung des Flottengesctzes erst mit einigen 30 Millionen in Anschlag gebracht worden waren, wurden im Jahre 1906 infolge des internationalen Wettbewerbes in bezug auf De- placement und Armierung bereits auf 36,6 Millionen Mark be- rechnet. Jetzt aber sollen bereits nach Mitteilungen aus zu- verlässiger Quelle die Kosten jedes Schiffes ans 42 Millionen gestiegen sein. Und das, trotzdem unsere Linienschiffe eine geringere Maschine n k r a f t besitzen und mit schwächeren Kanonen ausgestattet sind, als die englischen Linien- schiffe, die etwa 6 Millionen billiger sind. Das„Berl. Tagebl." behauptet, dast namentlich im Preise der Kanonen ein Grund der gröstcren Kostspieligkeit unserer Linienschiffe liegen soll. Jedenfalls werde der Effekt der sein, dast sich die Aus- gaben für unsere Marine um 32 Millionen Mark pro Jahr erhöhen! Nach dem Flottengeseh vom Jahre 1900, das angeblich die Ausgaben für unsere Flottcnrüstungcn bis zuni Jahre 1917 hinaus festlegen sollte, sollten im Jahre 1910 die Ge- famtausgaben für die Marine 265 wiillioneu betragen. Nach dem Voranschlag im Etat für 1908 sollten sie 441 Millionen betragen, also nur(!) 176 Millionen mehr! Rechnen wir dazu»och das vom„Berliner Tageblatt" er- nuttelte Plus von 22 Millionen, so ergibt sich die Mehr- ausgäbe für ein einziges Jahr von nicht weniger als 200 Millionen Mark!_ Ausgehaltene Wissenschaft. Auf dem Leipziger Hochschullehrertag ist gestern eine für den Einflust der Großindustrie recht charakteristische interessante Geschichte erzählt worden. Wie der Heidelberger Professor Max Weber ausplauderte, hat der Zentralverband deutscher Industrieller versucht, durch ein Geldangebot den sächsischen Kultusmininister zu bestimmen, eine von den Groß- industriellen begünstigte Persönlichkeit, allem Anschein nach einen Nationalökonomen, an der Leipziger Universität als Honorarprofessor unterzubringen. Dieses Streben, auf die Katheder der„voraussctzungslosen" Wissenschaften Leute zu befördern, die wissenschaftlich die volle Berechtigung eines möglichst hohen agrarischen oder industriellen Profits nachweisen, ist nicht neu; bekanntlich haben auch, wie der Prozeß Ruhland gegen Biermer enthüllt hat, die der- mögenden Agrarier einst versucht, ihrem großen Wissenschaft- lichen Talglicht, dem Professor Ruhland, einen Universitäts- sessel zu verschaffen. Neu ist nur, daß das sächsische Kultus- Ministerium dieses unverschämte. durch Geldzusicherungen unterstützte Ansinnen nicht kurzweg von der Hand gewiesen hat. sondern diese Zumutung tatsächlich an den Senat der Leipziger Univeissität weitergegeben hat. Erst nachdem der Senat sich gegen die Aufdrängung des industriellen Tendenzprofessors verwahrte, wurde der Zentralverband deutscher Industrieller mit seinem Angebot abgewiesen. Der Leipziger Strafrcchtslehrcr Pros. Bindung berichtete darüber gestern: „Der Vorredner hat den Versuch erwähnt, uns in Leipzig einen Tendenzprofessor aufzuhängen. Es iDar_ eine bestimmte Interessengruppe an das Kultusministerium herangetreten und hatte ihm SO 000 Mark zur Verfügung gestellt, wenn eS einen Teudenzprofessor hierher nach Leipzig genehmigen würde. Das wäre auch eine Habilitation. Sie wurde vom Kultusministerium au den Senat gebracht und der Senat hat einstimmig mit Entrüstung eine solche Zumutung zurück- gewiesen. Das mutz so sein, wir können keinen Tendenzprofessor brauchen, auch wenn die Leute sonst sehr anständig sind." Der Borfall liefert eine hübsche Illustration zu dem Gerede vow der„voraussetzungslosen" Wissenschaft an den Universitäten._ Unterstützung arbeitsloser Tabakarbeiter. Im Auftrage ihrer Verbände suchten die beiden Vorsitzenden der Tabakarbeiterverbände, Karl Deich mann für den Deutschen Tabakarbeiter-Verbaud und A. von Elm für den Verband der Zigarrensortierer und Kistenbekleber Deutschlands, um eine Audienz bei dem Reichsschatzsekretär nach. Der Reichsschatzsekretär empfing die Genannten am Dienstag, den 12. Oktober. Die Audienz währte eine Stunde. Die Gewerkschaftsvertreter ersuchten zunächst um beschleunigte Erledigung der eingereichten Unterstützungsgesuche der durch die Tabaksteuer geschädigten Tabakarbeiter. Der ReichSfchafy sekretär erklärte. den einzelnen Zollamtsbezirken, in denen bisher die Unterstützungsgesuche sehr laugsam erledigt wurden, eine schnelle Erledigung anempfehlen zu wollen. Bezüglich der Erörterung einzelner Beschwerden über Handhabung der provisorischen Aus fühnmgSbestimmungen verwies der Reichsschatzsekretär die Gewerk- schastsvertreter an den Geheimrat Meuschel, der sich dann in einer zweistündigen Unterredung eingehend über die jetzige Handhabung der AuSfiihrungsbestimmuiigen Bericht erstatten liest und eine Wohl wollende Prüfung der vorgetrageneu Wünsche zusagte. Zur weiteren Erörterung der Unterstützungsfrage wurde vom Reichsschatzsekretär eine Konferenz angesetzt. Die Gewerkschafts- Vertreter erklärten sich bereit, an der Konferenz teilzunehmen und hielten es für wünschenswert, wenn auch Vertreter des christlichen und des Hirsch-Dnnckerschen Tabakarbeiterverbandes hierzu eingeladen würden. Die Konferenz soll in nächster Woche stattfinden. Wie weit die Arbeitslosigkeit im Tabakgewerbe um sich greift, zeigt die Tatsache, daß bisher bei dem Bezirksamte des kleinen badischen Städtchens Wiesloch, wie von dort gemeldet wird, nahezu 1200 Unterstützungsgesuche arbeitsloser Tabakarbeiter und Arbeiteriuneu eingegangen sind._ Rebellion im Zentruiuslager. Aus Köln wird uns geschrieben: In Köln-Sülz fand vorgestern eine vom Volksverein für das katholische Deutschland einberufene Versammlung statt, die sich mit der Finanzreform und den neuen Steuern befassen sollte. Von den 400 Mitgliedern des dortigen Vereins waren nach einstündiger Ver- spätuug nur 80 erschienen. Der Hauptredner war einer der lebenden Phonograpben aus der München-Gladbacher Schule. Kein neuer, lein eigener Gedanke! Der Redner schämte sich sogar nicht, das Sprüchlein von den„schon übermäßig belasteten Neichen" her- zusagen, die bei weiteren direkten Steuern das Vaterland verlassen würden. Diese Ausführungen waren selbst den Arbeitcranhängern des Zentrums offensichtlich zu albern. Einer von ihnen fragte, ob über die Steuern diskutiert werden dürfe. Der Vorsitzende antwortete mit einem glatten Nein. Einem anderen katholischen Arbeiter wurde das Reden dennoch gestattet. Er führte aus: Die Unzufriedenheit der Arbeiter in den Orten am benachbarten Vorgebirge sei ungeheuer; demonstrativ wendeten sie sich vom Zentrum ab. Ihm persönlich hätten niiiidcstens zwanzig gute Katholiken gesagt, dast sie bei der nächsten Reichstagswahl sozial demokratisch stimmen wollten. ES sei unbedingt nötig, in allen Orten die Leute durch Versammlungen„zur Ruhe zu bringen"! Die von dem Redner erwähnten Orte am sogenannten Vor- gebirge sind durchweg Dörfer, in denen die Sozialdemokratie ohne jeden Rückhalt ist. DaS Zentrum herrscht dort unbeschränkt. Im Gegensatze zu der Antizollbewegung vom Jahre 1901 und 1902, bei der sich eine mächtige Opposition gegen den Brotwucher des Zentrums in dessen eigenen Reihen bemerkbar machte, äußert sich diesmal die Unzufriedenheit der katholischen Arbeiter mehr durch Passivität. Sie bleiben den Versammlungen und den etwaigen Wahlen lsiehe die ReichstagSnachwahl in Koblenz-St. Goar) fern. Das rührt daher, dast das Zentrum seit den schlimmen Er- fahrnngen mit der Antizollbewegung in den eigenen Reihen shstematisch dazu übergegangen ist, alle Leute innerhalb der klerikalen Arbeiterbewegung, die ihm durch ihre Intelligenz oder ihre Oppo- sitionslust unbequem werden könnten, kalt zu stellen, indem e S sie— warm setzte, das heißt, ihnen Pöstchen und Mandätchen verschaffte. Dix Mehrzahl der Opponenten von vor sieben Jahren sitzt heute in Stadtverordnetenscsseln, Sekretär- und sonstigen Stellen beim Zentrum, den ZcntrumSgewerkschaftcn usw. So kommt eS, dast den unzufriedenen Zentrumsarbeitern heute die Neduer und Führer fehlen._ Triolen-Trio. Heitere, froh sinnige gebildete junge Dame, Anhängerin der Bestrebungen dieser Zeitschrift, als Gesellschafterin in vornehmem Hause gesucht. Offerten mit Bild usw. unter „Triole" postlagernd Hamburg 30. — also war's, tvie jetzt noch nachträglich bekannt wird, zu lesen in der Juli-Nummer von„Kraft und Schönheit": der Monatsschrift des Vereins für Körperkultur. Eine ähnliche Anzeige wurde neulich aus der„Jugend" aus- gegraben und die Dame, bei der Schock schliestlich an die Unrechte kam, sollte ja auch unter„Triole" postlngcrnd Hamburg 36 von sich hören lassen I Damit haben wir ein T r i o von„Triole"-Chiffren, gegen daS„der edle, kraftvolle Hengst" mit tausend Schwüren nicht ankommen wird. Oesterreick). Sprachengesetze. Wie«, 13. Oktober. In den Landtagen von Nieder- Oe st erreich. Ober- Oesterreich. Salzburg und Voralberg wurde gestern der angekündigte Sprachen- gesetzentwurf eingebracht. Die tschechische Partei des Mährischen Landtages beschlost, gegen diesen Gesetzentwurf Stellung zu nehmen. Snglanck. Konstitutionelle Beschwerde»! Das Verhandeln des Königs mit den Führern der rebellierenden durch Audienzen der Minister öfter unterbrochen wird, hat auf zwei Seiten Bedenken hervorgerufen, auf der rechten und der linken. Der rechte Flügel der Liberalen zieht zu diesen Bestrebungen Eduards, einen Vergleich zwischen den Lords und den Liberalen zustande zu bringen, gar nicht sauer, denn den Leuten dieses Flügels ist solcher Vergleich, und wenn er den Budgetplan auch ein gut Stück rückwärts revidieren würde, weit lieber als ein Kampf gegen das Oberhaus, der zu einer von ihnen durchaus nicht gewünschten Demokratisierung der englischen Verfassung führen müßte. Anders aber die Konservativen, die da fürchten, dast ihre Führer sich breit schlagen lassen könnten. Die„Daily Mail" schreibt wütend, daß der Plan dieser Audienzen offenbar vom Minister Asquith ausgehe, der so die Pläne der Konservativen zu erfahren hoffe. Die übrige konservative Presse äußert sich ähnlich. Gleichzeitig führte das Mitglied der Arbciterfraktion, der Abgeordnete Philipp S n 0 w d e n, in einer Rede in Blackburne folgendes aus: „Die Nachrichr, dast der König Balfour und Landsdowne empfangen hat. hat mich austerordentlich betrübt. Der König ist populär, allein populäre Könige bedeuten eine größere Gefahr für die Demokratie, als Despoten. Die Krone hat sich Rechte angemaßt, die seit Georg III. nicht ausgeübt worden sind. Nach der Verfassung hat der König von den Ministern Rat anzunehmen, nicht aber ihnen Rat zu erteilen. Das Haus derLords ist in unserer modernen Zeit ein verächtlicher, beleidigender Anachronismus. Die Gewalt des erblichen Königs kann aber unter Umständen so au- gewendet werden, dast das Königtum für unsere EntWickelung eine noch viel schlimmere Gefahr bedeutet als die Peers« lammer." Uebrigcns beteuern die konservativen Blätter, dast die Lords nicht nachgeben und die Liberalen revanchieren sich mit der Erklärung, auf liberaler Seite habe man ein Kompromist befürchtet, aber Asquith sei keinen Zoll breit zurückgewichen und habe die Krise zermalmt. Spanien. Neue Kämpfe im marokkanischen Rifgebiet. Mclilla, 13. Oktober. Die Marokkaner überraschten zwölf spanische Soldaten, die von Ohmedelhach ausgezogen waren, um Wasser zu holen. Acht Spanier wurden getötet. finnlancl. Russen als finnische Senatoren! Aus Petersburg wird der„Voss. Ztg." gemeldet: Infolge der Unmöglichkeit, einen neuen finnischen Senat nach dem Willen der russischen Regierung zu bilden, unterhandelt jetzt der finnische Generalgouverneur mit mehrere» russischen Staatsbeamten über ihre Ernennung zu finnischen Senatoren. Als Vizepräsident des Senats ist anscheinend Ghmnasialdirektor Semenow in Aussicht genommen. Eue der Partei. Aus den Organisationen. Die Anstellung eines Partei« sekretärs sowie die Einführung eines ExtrabeitragS von zehn Pfennigen pro Bierteljahr ist im 17. hannoverschen Wahlkreise(Harburg) durch Urabstimmung beschlossen worden. BildnngSbcstrciungcn in Gera. Der BildungSauSschust für Gera(Reust j. L.) und Umgegend hat im vorigen Jahre eine ständige Bildungsichule errichtet, die am 19. Oktober dieses Jahres ihren zweiten HalbjahreskursuS eröffnen wird. Lehrer sind die Genossen Redakteur Leven(Geschichte des Sozialismus), Redakteur Drechsler(Naturwissenschaft), Arbeiter- sekretär Fraenkel(soziale Gesetzgebung). Jeder Teilnehmer zahlt 1 M. und darf nur einen Kursus besuchen. Insgesamt haben sich 80 Teilnehmer gemeldet._ Das GcwcrkschaftSkartell für Gera(Reust) und Umgegend hat zum Bra nutweinboykott Stellung genommen und alle Arbeiterorganisationen aufgefordert, energisch für die strikte Durch« führung des Parteitagsbeschlusses zu sorgen und besonders in den Versammlungen dafür Propaganda zu machen. Soziales. HsuSarzt und Vertrauensarzt. Eine Illustration zu der Berechtigung des weit verbreiteten Misttrauens der Angestellten gegen die Vertrauensärzte größerer Gcschäftsmiternchmungen bot eine Verhandlung in der letzten Sitzung der 1. Kammer des Berliner KaufinannögerichtS. In dieser kam es zu einem scharfen Konflikt zwischen dem Hansarzt des Hand- lungsgehilfen und dem Vertrauensarzt der beklagten Firma. Der bei der„Deutschen Gasglühlicht-Gesellschaft" beschäftigte Kläger «Alfred 255. erkrankte. Der ihn behandelnde Arzt Dr. Hirsch stellte ans Grund des objektiven Befundes einen Lungenkatarrh fest und attestierte ihm seine Arbeitsunfähigkeit. Ter auf Veranlassung der Firma in die Wohnung des Klägers gesandte Vertrauensarzt der Gesellschaft. Sanitätsrat Dr. Rode, bemühte sich, nach dem Besuch sich mit Dr. H. telephomsch ins Einvernehmen zu setzen, dieser lehnte aber eine Aueeinandersetzung über den Fall per Telephon ab. In der Verhandlung kam es nun zwischen den beiden als Gut» achter geladenen Acrzten zu lebhaften Kontroversen. Der Ver« trauensarzt kritisierte den von seinem Kollegen angewandten Aus- druck Lungenkatiarrh. Er meinte, es gäbe keinen Lungenkatarrh, denn die Lunge habe keine Schleimhäute. Er verstehe nicht, wie Dr. H. einen so unwissenschaftlichen Ausdruck gebrauchen könne. Von all den Sachen, die Dr. H. attestiert hat, habe er nichts gc- funden. Träfe aber der Befund zu, dann hätte Dr. H. Lungen- Tuberkulose bescheinigen müssen. Diesem Gutachten des Ver- trauensacztes trat der Hausarzt des Klägers Dr. Hirsch mit Eni- schicdcnheit entgegen. Diese Art Atteste sei nicht für-den Fach- mann, sondern für den Laien bestimmt und es wäre austerordent- lich inhuma», den Patienten durch die Bescheinigung von„Tuber- kulose" in'Angst und Schrecken zu versetzen. Es sei in der Kassen- Praxis z. B. allgemein üblich und geschähe täglich hunderte Male, dast das vermeintlich„unwissenschaft'liche" Wort„Lungenkatarrh" angewandt werde. Andererseits müsse aber er, Dr. H., es als un» wissenschaftlich bezeichnen, dast ein Arzt schon nach einmaliger Untersuchung die Diagnose stelle. Er,-der die Krankheit des Klägers schon länger kenne, müsse seinen Befund voll aufrecht erhalten. SauitätSrat Dr. Rode mußte schließlich zugeben, dah er bei Kassen- Patienten auch den Ausdruck„Lungenkatarrh" anwende! Da die Beklagte nachweisen konnte, dast der Kläger schon bei Antritt krank war. wurde er mit seinem Anspruch auf restliches Gehalt abgewiesen._ Städtisches Oktroi. Die Stadt Dresden war neben Bautzen die einzige sächsische Stadt, die noch eine städtische Verbrauchsabgabe auf eingeführte Lebensmittel erhob. Vom 1. Januar 1910 ab ist das nicht mehr angängig. Der Rat hatte als Ersatzmittel eine Erhöhung der städtischen Bierstcuer und eine Wcrtzuwachssteuer sowie eine Er- höhung der städtischen Besitzwechselabggbc vorgesehen. Durch die Annahme der Reichsfinanzreform ist diese städtische Fiuanzrcform unmöglich geworden. Der Rat will nun eine Lücke im Gesetz be- nutzen, die EingangSabgaben auf Fische, Wild und Geflügel bei- behalten und außerdem eine Erhöhung der städtischen Eiulomtnezh» L a n d l o r d s, das i stener um 13 Prsz. vorMmen. GewerftfcbaftUcbee. Europäische Gewerkschaftsführer gegen Mr. GomperS. New Aork. 3. Oktober.(Eig. Ber.) Während Samuel G o m» pers seine Studienreise durch Europa machte, weilten— wie der„Vorwärts" schon mitteilte— die Genossen Hermann Müller, Mitglied der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, der Vorsitzende Otto Sillier des Deutschen Lithographen- und Steindruckerverbandcs und der Verbands- Vorsitzende Karl Mühlberger der Oesterreichischcn Litho graphcn- Und Steindruckergewerkschaften in den Vereinigten Staaten, um sich über die hiesigen Gewerkschaftsverhältnisse zu orientieren und.die amerikanischen Arbeiterverhältnisse kenneu zu lernen. Ueber ihre hier gesammelten Erfahrungen und über die Gewerkschaftsbewegung hüben und drüben sprachen die drei Genossen in einer öffentlichen Versammlung, die vorgestern in New Fork stattfand. Da ihre Aeutzerungen so grundverschieden sind von dem, was Gompers in Europa erzählte, und sich so ganz und gar nicht mit den Ansichten decken, die vereinzelte„fach- verständige" Parteigenossen über die Stellung Gompers und der Föderation of Labor zur sozialistischen Partei und umgekehrt zum besten zu geben sich berufen fühlten, verdienen sie hier eine aus- zugsweise Wiedergabe. Genosse Müller sagte unter anderem über die deutsche und österreichische Gewerkschaftsbewegung:„Was hier vielleicht richtig ist, kann draußen falsch sein. Aber sicher ist, wenn die jetzige Taktik der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung fort- geführt wird, wird dadurch die amerikanische Arbeiterbewegung geschädigt. Unsere Gewerkschaften sind nicht so alt wie die hiesigen, aber sie sind fortschrittlicher. Sie faßten festen Fuß, nachdem die sozialdemokratische Partei bereits bestand. Die deutsche GeWerk- schaftsbewegung ging eine ganz andere Bahn wie die ameri- kanische, sie ging die Bahn, welche ihr die Partei gezeigt hatte. Bei uns war der Sozialismus von vornherein der Wegweiser. Eine Gewerkschaft ohne Sozialismus wird sich immer in Sackgassen verrennen und wird unter Umständen reaktionär werden. Eine Gewerkschaft, die von sozia- listischem Geiste beseelt ist, wird das hohe Ziel der Befreiung der Arbeiterklasse nie kleinlichen Berufsinteressen unterordnen, sondern jenes Ziel stets im Auge haben. Hier in Amerika ist der Sozia- lismus nicht neu; aber er hat leider bei weitem nicht den Ein- fluß, den er in Deutschland hat. Es fehlt den ameri- kanischen Gewerkschaften der sozialistische Geist und deshalb der weite Blick der deutschen Ge- werkschaften." Auf die Vorteile der deutschen Jndustrieverbände übergehend und die Nachteile der amerikanischen Fachverbände hervorhebend, führte Genosse Müller weiter aus:„Der ungelernte Arbeiter gilt dort(in Deutschland) so viel wie der höchst qualifizierte. Dies ist so selbstverständlich, daß wir uns wunderten, als wir hier er- fuhren, wie der ungelernte Arbeiter hier behau- delt wird und daß er in die Gewerkschaft nicht aufgenommen wird. Eine derartige Taktik kann nur zur schweren Schädigung der Arbeitersache führen. Es hat sich ja in Pittsburg(Mac Kees Rocks) gezeigt, wohin die falsche Taktik des Ausschlusses der ungelernten Arbeiter führt. Woher kamen die Streikbrecher? Dort sprach ja auch ein Ar- beiterführer das Wort aus:„Mögen die Ausländer ver- recken." Gompers Angaben in Berlin bezüglich der Auf- nähme in amerikanische Gewerkschaften waren nicht ganz richtig. Er sagte, wenn jemand mit einem Gewerkschaftsbuch ankommt und zeigt, daß er drüben seine Beiträge bezahlt hat, so wird er ohne weiteres in die Union aufgenommen. Ich habe gefunden, daß hier ein Eintrittsgeld von 25 bis 50(1 Dollar erhoben wird, um die Ausländer aus der Organisation fernzuhalten.(Damit hat Ge- nosse Müller bestätigt, was ich im„Vorwärts" am 2. Sep- tember in einer Korrespondenz über die Wahrheitsliebe des Mr. Gompers geschrieben. Der Korrespondent.) Das können wir nicht verstehen. Wir sind der Ansicht, daß dies reaktionär im schärfsten Sinne des Wortes ist. Dadurch werden die Streik- brecher geschaffen. Ich kann es den Leuten, die gerne Mitglieder der Gewerkschaft werden möchten, aber zurückgewiesen lverden, gar nicht verdenken, wenn sie schließlich sagen:„Haust du meinen Juden, hau ich deinen Juden." Vollständig falsch ist das von den amerikanischen Gewerkschaften an- gewandte System, die Mitgliederlisten zu schliefen. Wir wirken anders in Teutschland. Wir zahlen den Arbeitslosen Unterstützung, um sie über Wasser zu halten, auf daß sie nicht ge- zwangen sind, sich zu irgendeinem Preise anzubieten." Mit Bitterkeit bemerkte Genosse Sillier, daß es ihm, da die amerikanischen Lithographen nicht zum Internationalen Litho- graphenverband gehören, unmöglich war, von der hie- sigen Organisation die von ihm gewünschte Auskunft über die gesamten Verhältnisse innerhalb diese? Zweiges zu erhalten. Im übrigen sprach er im gleichen Sinne wie Genosse Müller. Interessant waren die Ausführungen des Genossen Mühl- berger, der unter anderem sich also ausließ:„Wir in Oester- reich verlangen kein Glaubensbekenntnis, wenn jemand in die Ge- wcrkschaft eintritt; aber der Gewerkschaftler wird zum Sozialisten erzogen. Hier in Amerika gibt es eigentlich keine soziale Gesetzgebung. Sie haben keine Zwangsversiche- rung und keine Unfallversicherung. Dieweil haben die Arbeiter hier das Wahlrecht. Wir in Oesterreich mußten es uns erkämpfen; Sie hier haben es, verstehen es aber nicht, es zu benutzen." In der sich anschließenden Debatte fiel manches Wort gegen Legten, dessen Stellungnahme hier allgemein befremdet hat; dagegen wurde das energische Auftreten des Oesterreichers H ueber, der Gompers durchschaut und ihn demgemäß be- handelt hat, belobt. Und schließlich wurde die Haltung der „New Aorker Volkszeitung" gegenüber der faulen Gompers- schen Taktik in einer einstimmig angenommenen Resolution aus- drücklich gebilligt. Und die Genossen, die der Versammlung bei- wohnten, waren zünveist Gewerkschaftsmitglieder, kennen also Gompers ganz aus der Nähe. Und in der Nähe verblaßt der Glorienschein, den man vielleicht von weitem um sein Haupt leuchten sieht. Serlin und illmgegend. Achtung, Puber! Die Differenzen auf dem Bau„Bismarck", Weimarer und Schillerstraßenecke, Charlottenburg, zwischen den Putzern und der Terrasitgesellschaft sind beigelegt. Die Terrasit- gcsellschaft hat sich verpflichtet, die Putzer bei 9 Mi. Lohn und achtstündiger Arbeitszeit wiedereinzustellen, ohne daß eine Maß- regelung stattfinden darf. Ferner haben die Vertreter der ge- nannten Firma sich verpflichtet, den Lohnausfall für Montag, Dienstag und Mittwoch voll zu zahlen und in Zukunft zur Er- langung von Arbeitskräften sich an den Arbeitsnachweis der Sektion der Putzer(Gewerkschaftshaus) zu wenden. Wir ersuchen die organisierten Kollegen, auf die letzte Be- stimmung betreffs Arbeitsvermittelung ein wachsames Auge zu haben. Mit Vorliebe nimmt auch die Firma Schwenn(Ver- treter der Terranowaindustrie) ausländische Arbeitskräfte und bezahlt dann ungleiche Löhne. Wir ersuchen die Kollegen, uns von derartigen Vorkommnissen sofort Mitteilung zu machen. _ Der Sektionsvorstand. Die Mißstünde in der Glashütte Stralau wurden dieser Tage in einer von der Zahlstelle Berlin des Fabrik- arbciterverbandcs einberufenen Betriebsversammlung erörtert. Die Versammlung war gut besucht, obgleich der Betriebsleiter Wolf den ungelernten Arbeitern persönlich verboten hatte, in die Ver- sammlung zu gehen. Zwei Betriebsangestellte waren erschienen, nicht um ihr Wissen zu erweitern, sondern zu kontrollieren, wer in der Versammlung anwesend sei. Ter Referent Bentin erläu- terte in einem einstündigen Vortrage, von stürmischen Zustim- mungsbezeugungen unterbrochen, die Mißstände in dem Betriebe. Schon einmal sei der Versuch bei den Glasmachern gemacht worden, deren Organisation zu zerstören; dies sei mißlungen. Trotzdem habe der Betriebsleiter Wolf dem Vertrauensmann gekündigt, weil er die Handzettel zur Versammlung verteilt hat. Die ungelernten Arbeiter hätten am ersten Grund, sich zu organisieren, um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erlangen. Der Lohn der Ar- beiter beträgt 25— 35 Pf. pro Stunde, während eine Dividende von 10— 12 Proz. an die Herren Aktionäre gezahlt werden kann. Um einigermaßen leben zu können, muß die Frau des Arbeiters mit- verdienen helfen und auf der Glashütte werden Frauen und Mädchen beschäftigt zu einem Stundenlohn von 18— 20 Pf. Eine Arbeitszeit von 12 Stunden ist keine Seltenheit. Die Arbeit, welche die Arbeiterinnen verrichten, ist eine der schwersten im Be- triebe. Schwere Kästen mit Flaschen müssen sie weiter schaffen, auf Wagen und in Kähnen verladen. Selbst Schwangere werden zu dieser schweren Arbeit benutzt. Ein Korb wiegt 1— l'A Zentner. Die sogenannten Wascheinrichtungcn spotten aller Beschreibung So dient als solche eine abgeschnittene Heringstonne unter der Wasserleitung unter fteiem Himmel. Einzelne Leute haben zum Waschen Rollmopsgcfäße mitgebracht. Garderoben kennt man in diesem Betriebe nicht. Jedoch besteht für 400 Arbeiter eine Bade- cinrichtung und sind zu diesem Zweck drei Brausen vorhanden. Das Baden ist jedoch nur nach Feierabend erlaubt. Zu bewundern ist nur, daß Polizei und Fabrikinspektion nichts von diesen Zuständen gemerkt haben. Oder gibt es für die Glashütte keine amtliche Kon- trolle? Lehrlinge unter 10 Jahren werden Sonntags beschäftigt. Es ist vorgekommen, daß die Lehrlings sieben bis acht Stunden des Sonntags gearbeitet haben. Eine Flaschcnmaschine ist Tag und Nacht im Betrieb, und zwar in zweimaligem Schichtwechsel von 12 Stunden. An dieser werden jugendliche Arbeiter bei zwölfstündigcr Arbeitszeit und bei einer Temperatur von 50— 60 Grad beschäftigt. Mit der Aufforderung zur Organisation schloß der Referent. Reicher Beifall lohnte den Redner. In der Diskussion wurde das Verhalten des Betriebs- leiters noch einmal beleuchtet. Des weiteren wurden die Löhne der Metallarbeiter, welche im Betriebe tätig sind, besprochen. Dreher erhalten 50 Pf., Schlosser 45 Pf. die Stunde. Bei den Korbmachern sind die Löhne noch schlechter. In dieser Abteilung werden Löhne von 30— 40 Pf. bezahlt. Tischler erhalten 44 Pf., der Meister 47 Pf. Auch in dieser Abteilung werden 12—13 Stun- den täglich, Sonntags 7— 8 Stunden gearbeitet. Vom Vorsitzenden wurden die Herren von der Betriebsleitung aufgefordert, sie möchten das Wort ergreifen und das Gegenteil von dem beweisen, was hier vorgebracht worden sei. Sie zogen es vor, zu schweigen. Deutsches Reich. Achtung, Tischler, Polierer und Klavierarbeiter! In Luckenwalde befinden sich die Tischler und Polierer der Möbelfabriken im Streik. In der„Berliner Volkszeitung" suchen die Pianofortefabrikanten Gebr. Niendorf und P a b st u. Schneider Tischler und Polierer nach Luckenwalde. Wir ver- weisen darauf, daß am Ort genügend Arbeitskräfte vorhanden, und daß der Zuzug für sämtliche Branchen nach dort gesperrt ist. _ Der Gauvorstand. Eine Scharfmachcrsitzung der ManSfelder Bergbangewaltigen. Gewalt geht vor Recht, das ist der Grundsatz der Gewalt- menschen, die an dieser Sitzung teilgenommen haben, in welcher unter anderem der L a n d r a t v. Hassel! sowie die A b g e- ordneten Dr. Arckndt und Amtmann R e i n c ck e zu- gegen waren. Der bekannte„Bergrat Vogelsang", den selbst Arbeiter bisher für einen arbeiterfreundlichen Mann hielten, hat in der unver- hülltesten Weise den Arbeitern den Kampf bis aufs Messer erklärt. Er führte aus:„Wenn die jetzt im Mans- feldschcn vorhandenen Organisationsbestrebungen, eingeleitet in Zeitungsartikeln, weiter fortgesetzt durch Flugschriften, in denen zum Beispiel behauptet wäre, daß das neue Automobil der Ge- wcrkschaft zum Totsahren der Bergarbeiter diene, ferner durch öffentliche und geheime Sitzungen in Anwesenheit von Volks- rednern, von feiten der Gewerkschaft schließlich mit Kündigung, nicht sofortiger Entlassung der Hauptagitatorcn beantwortet worden sei, so habe er selbst die Ueberzeugung, daß dieses Verfahren die Zu- stimmung der Mehrheit(?) fände. Auf den Einwand der Gekündigten, daß sie nicht gewarnt worden wären, sei zu er- widern, daß die Direktion von jehev keinerlei Organisationsbestrebungen in ihrer Arbeiter- schuft geduldet habe. ES seien schon früher Agitatoren aus der Belegschaft ausgestoßen worden. Wenn es heiße, daß er selb st gar nicht gegen Organisation sei, so beruhe das auf Unwahrheit. Er habe hier und auch in seinen früheren Stellungen ausge- sprachen und„gezeigt", daß er Organisation nicht wünsche, die Gewerkschaft wolle Herr in ihrem Hause sein, und was zu tun sei, geschehe schon von ihrer Seite. Trotz schlechter Zeitlage sei die Gewerkschaft aufs eifrigste bemüht um ihre Belegschaft. Der Stand der Löhne sei ein angemessener.(I) Er selbst habe während seiner einjährigen Tätigkeit bei der Ge- werkschaft in diesem Sinne gewirkt. Durch die Organisation werde nichts erreicht als Unzufriedenheit. Die Organisation sei zwar gesetzlich erlaubt, werde aber von der Gewerkschaft nicht gewünscht. Was die Organisation biete, sei Unterstützung Gemaßregelter und Streikender. Streiks könnten auch ohne Organisation gemacht werden. In der hiesigen Agitation erblicke die Gewerkschaft nur Vorstöße der Sozialdemokratie, die auf jeden Fall zu be- kämpfen seien. Die von der Sozialdemokratie erstrebte Gleich- heit würde im Falle ihrer Verwirklichung bald wieder beseitigt sein.... Er selbst habe den Unzufriedenen schon empfohlen, von hier fortzugehen. Auf zwei Reisen um die Welt habe er Bergleute kennen gelernt, die 12 bis 15 M. täglich verdienen, und doch nicht zufrieden waren, weil sie keine Knappschaftskasse und Altersversicherung hatten. Er hoffe, daß die Mehrzahl der Mansfelder Belegschaft die Organisation verwerfe. Es würde mit allen Mitteln gegen dieselbe vor- gegangen werden. Er mahne jeden, der an der agitatorischen Tätigkeit beteiligt sei, hiervon abzulassen. Angeberei und Spionage würden von der Gewerkschaft nicht benutzt.... Wenn in einem Flugblatt der Reichstreue Verein mit einem aus geblasenen Ei verglichen worden sei, so vergleiche er demgegenüber die hiesige Organisation mit einem aufgeblasenen kleinen Ballon, wie man ihn auf der Eisleber Wiese kauft. Er habe selbst die Ansicht, daß eine Menge Heuchler im Reichstreue n�V e r e i n seien, hoffe aber, daß der Kern des Reichstreuen Vereins gesund sei, und daß ee alles abstoßeA werde, was den Vereinsbestrebungen zuwiderlaufe, und in Zukunft ein festes, unerschütterliches Bollwerk bilden werde. Redner schloß mit dem Ausruf:„Der Erstarkung des Reichstreuen Vereins ein kräftiges Glück aufl" Bergrat Vogelsang vredigt also den rücksichtslosesten Klassenkampf, den schärfsten Kampf des Kapitalismus gegen die Arbeiterl Das mögen sich diejenigen hinter die Ohren schreiben, die bisher noch von einer Harmonie zwischen Kapital und Arbeit �'�Rücksichtslos soll der Kampf von jener Seite geführt werden; rücksichtslos werden ihn auch die Arbeiter führen I Die wichtigste Feststellung ist, daß Bergrat Vogelsang die d e N Arbeitern gesetzlich garantierte Koalitions- f reih ei t mit Füßen tritt, daß er den Grundsatz predigt: „Gewalt geht vor Recht 1"� Zur Lohnbewegung der Handschuhmacher in Breslau wird nust« mehr die erfolgte Arbeitseinstellung gemeldet. Einige kleinere Firmen haben bereits bewilligt und auch bei den größeren Fa- briken würde eine Einigung erzielt worden sein, wenn es nicht die Unternehmer darauf abgesehen hätten, den Ablauf des neuen Tarifes in eine für sie günstigere Jahreszeit zu verlegen. Während seither der Tarifvertrag bis 1. Oktober Gültigkeit hatte, soll er nun nach Wunsch und Vorteil der Unternehmer mit Ende März ablaufen, worauf jedoch die Arbeiter nicht einzugehen vermögen. Allzu scharf macht schartig. Herr Karl L ü s ch e r, Vorsitzender des Mitteldeutschen Arbeit- geberverbandes für das Baugewerbe, ist als großer Scharfmacher vor dem Herrn landauf und ab männiglich bekannt. Das Lob. welches ihm als Entdecker einer neuen Kriegstaktik gegen die Ge- werkschaften gespendet wurde, scheint ihm mächtig zu Kopf gestiegen zu sein. Dadurch ist ihm jüngst das Malheur passiert, sich elegant zwischen zwei Stühle zu setzen. Die Differenzen zwischen den Ver- bänden der Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter und der Firma Rank am Gaswerksneubau in Hanau a. M. wären ohne da? Eingreifen des„Friedenstifters" Lü scher glatt geregelt worden. So aber weigerte sich Herr L ü s ch c r, mit dem Geschäftsführer der Zimmerer zu verhandeln. Angeblich hat derselbe„die Ehre des Arbeitgeberverbandes" verletzt, in Wirklichkeit hat er Herrn Lüschcr einigemal energisch auf die Hühneraugen getreten, und Herr L ü s ch e r fühlt sich nun in angeborener Bescheidenheit als Arbeit- geberverband. Die ausständigen Arbeiter hatten nun dafür kein Verständnis und weigerten sich, einen anderen Vertreter zu Ver- Handlungen zu entsenden. Jetzt legte sich Herr Oberbürgermeister Gebeschuß in Hanau auf Veranlassung der sozialdemokratischen Stadtverordneten ins Mittel und in ganz kurzer Zeit war die Eini- gung perfekt.> Herr Lüscher hat durch sein Verhalten zum Ueberdruß bewiesen, daß das Vorhandensein von Leuten seines Schlages höchst über- flüssig ist. Mit ihren überspannten Anmaßungen sind sie geradezu eine Gefahr für friedliche Verständigung zwischen den Parteien. Während die Gewerkschaftsleiter als oberste Richtschnur ihres Han- delns die Herstellung des Friedens im Auge haben, pflegt die Sorte „Friedensstifter" aus dem Arbeitgeberlager ihren Machtdünkel, unbekümmert darum, ob die Beteiligten ungeheuren Schaden leiden. Doppelt erfreulich ist es darum, wenn es einmal verständigen Menschen gelingt, solche Leute auszuschalten, wie in vorliegendem Falle. Die getroffenen Vereinbarungen sind folgende: 1. Die auf dem Neubau des Gaswerks beschäftigten Maurer und Zimmerer erhalten einen Anfangslohn von 52 Pf. für die Stunde, die Bau» Hilfsarbeiter einen solchen von 42 Pf. Diejenigen Arbeiter (Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter), welche vor Einstellung der Arbeit im September bereits mindestens 14 Tage bei der Firma Gebr. Rank gearbeitet haben, erhalten 2 Wochen nach Wiederauf- nähme der Arbeit folgenden Stundenlohn: Maurer und Zimmerer 50 Pf., Bauhilfsarbeiter 45 Pf. Diejenigen Arbeiter, welche nicht unter 2 fallen, erhalten, nachdem sie 4 Wochen bei Gebr. Rank ge- arbeitet haben, den unter 2 bezeichneten Stundenlohn. Die Ar« beitszeit, welche vor dem Ausstande liegt und welche nach Wieder» beginn der Arbeit fällt, wird zusammengerechnet. Bezüglich der Länge der Arbeitszeit kamen die Parteien dahin überein, daß bis einschließlich 2. Dezember 10 Stunden effektiv gearbeitet werden soll. Vom 3. Dezember ab soll die Arbeitszeit sich nach der zu den Akten überreichten Tabelle richten. Die Parteien sind darüber einig, daß die oben bezeichneten Löhne nur für Zemcntarbeiten zu bezahlen sind. Wenn dagegen andere Arbeiten, für die hier in Hanau ein Tarif bsfieht, ausgeführt werden, so ist der hiesige Tarif für die Bezahlung dieser Arbeite» maßgebend. Die Parteien sind darüber einig, daß die über den Bau des Gaswerks verhängte Sperre sofort aufgehoben wird, daß die ausständigen Arbeiter den 8. Oktober die Arbeit wieder aufnehmen. Tie Firma verpflichtet sich, dieselben wieder einzustellen. Die Verhandlungen fanden am 7. Oktober statt; am 8. Oktober lief bei der Verbandsleitung folgendes Schreiben vom Obcrbürger- meister ein: „Die Firma Gebr. Rank in München hat heute telegraphisch ihr Einverständnis zu dem am 7. d. M. getroffenen Abkommen erklärt." Es ist nunmehr festgelegt, daß an diesem Bau der in der Zemcntbranche übliche Stundenlohn gezahlt werden muß. Wenn noch 8 Wochen lang der Firma gestattet wurde bei künstlicher Be- leuchtung 10 Stunden zu arbeiten, so deswegen, weil der Ober« bürgermeister für diesen städtischen Bau, der nur von der Firma Rank wegen eines Patents ausgeführt werden darf, dringende Gründ anführte und eine Beschleunigung notwendig sei. Polizisten, organisiert Euch! In Würzburg ist ein„Zentralvcrband Süddeutscher Dorfpolizeidiener" gegründet worden. Das Eintrittsgeld wurde auf 3 M., der Mitgliedsbeitrag pro Woche auf 25 Pf. festgesetzt. Letzte]Vacbrichtcn und Vepelcben. Zur Erschießung FerrerS. Rom, 13. Oktober. W. T. B. Die hiesigen Blätter veröffent» lichten Sonderausgaben mit der Nachricht von der Hinrichtung Ferrcrs.— In Turin haben die Metallarbeiter, die Setzer und die Maurer die Arbeit eingestellt als Kundgebung gegen die Verur» teilung Fcrrers. In der Turiner Arbeitskammcr wurde eine Ver, sammlung abgehalten, in der mehrere Redner die Bedeutung dieser Kundgebung hervorhoben. Nach Schluß der Versammlung ver- suchten eineAnzahlTeilnehmcr die Straßenbahn anzuhalten, wurden aber auseinandergetrieben. Der Provinzialrat von Genua hatte den spanischen Ministerpräsidenten telegraphisch um die Begnadigung Ferrers gebeten und dann beschlossen, die Sitzung aufzuheben. Die Arbeitskammer von Genua hat beschlossen, daß die Arbeit für 24 Stunden eingestellt werden soll; infolgedessen feierten die Ar- beiter heute nachmittag, auch der Straßenbahnverkehr wurde ein. gestellt. In Neapel hielten mehrere hundert Studenten in der Universität eine Versammlung ab und beschlossen, dem spanischen Konsul einen Protest zu überreichen. Die Ueberreichung des Pro- testcs wurde aber von den Behörden verboten. lverantw. Redakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.: I!H. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall Paul Singer& Co., Berlin S W, Hierzu 2 Beilagen«. Unterhaltungsbl. 8t. 240. 26. Ighrgavg. 1. Itiliijt ks Jutmiitls" Iftlräet Polkfeliilt. DoNttsIaz, 14.©Hute 1909. Die Candtag$wa|)l6eweguD9 Cot nun in Berlin kräftig eingesetzt. Sjgchdem schon in einer großen Steche von Urwählerversammlungen die Vorbereitungen dazu ge« troffen, die Wahlmänner nominiert waren, nahmen am Dienstag fünf von begeisterten Mafien überfüllte allgemeine Wählerversammlungen Stellung zur Wahl. Ueber diese Versammlungen erhalten wir folgende Berichte: Die Versammlung des fünften LandtagZwahlbezirkcs, welche im Saale der.Urania" in der Wrangelstraße tagte, bot ein Bild lebhafter Beteiligung der Arbeiterschaft an der Wahlbewegung. Kaum konnte der Saal die Scharen der proletarischen Wähler fassen, welche gekommen waren um den Bortrag des Genossen Paul Hirsch zu hören. Auch die Frauen bekundeten durch zahlreiches Erscheinen ihr Interesse an den, Wahlkampf.— Wo das Volk zu- sammenkommt, um seine Rechte und Interessen zu vertreten, da fehlt natürlich auch die Polizei nicht. Eine Anzahl von Schutzleuten hielt sich vor dem Versammlungslokal auf. teils patrouillierend, teils aus Torwegnischen spähend, ob irgendwo die preußische Ordnung gefährdet werde. Natürlich wurde sie nicht gefährdet und die polizeiliche Für sorge war deshalb überflüssig. Genosse Hirsch entrollte vor der zahlreichen Zuhörerschaft ein Bild der Situation, welche für den Wahlkampf in Betracht kommt. Er kennzeichnete sie als eine fiir unsere Partei äußerst günstige. Weite Kreise des Volkes, die bei der vorjährigen Landtagswahl für den Freisinn eintraten, versagen dem Liberalismus die Heeresfolge. Der Ausfall der jüngst vollzogenen Nachwahlen zum Reichstage be- weist das. Begreiflich ist eS, daß selbst die Wähler ans bürgerlichen Kreisen von den Freisinnigen nichts mehr wissen wollen. War_ diese Partei doch bereit, bei der Finanzreform für alle indirekten Stenern zu stimmen. Sie ist nur nicht dazu gekommen, weil sie vorzeitig und ohne Kündigung aus dem Blockverhältnis hinausgeworfen wurde. Empörung über die kolossale Steuerbelastung, welche dem Volke durch die NcichSfinanzreform auferlegt worden ist. herrscht in weiten Kreisen des Volkes. Diese Empörung müssen wir agitatorisch ausnutzen, um die Hoffnung, die der Freisinn aus den Raub unserer Mandate gc- setzt hat, gründlich zu vernichren. Wir haben auch daran zu denken, daß es sich für uns nicht nur um die Zurnckeroberung der geraubten Mandate handelt, sondern daß jeder Wahlkampf für unS ein Wahl rcchtSkampf ist mit dem Ziele: Vernichtung des ungerechten Dren klassenwahlsystems und Eroberung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter zum preußischen Landtage. Auch die Fraueir haben die Pflichr, sich an diesen, Wahlkamps zu beteiligen, soweit eS möglich ist. Wenn wir die Situation ausnutzen, werden wir nicht nur das Mandat wieder erobern, sondern auch eine große Zahl neuer Anhänger gewinnen. Es gilt den Kampf gegen die offene Reaktion und gegen die der- kappte Reaktion, die uns unter der Maske des Freisinns entgegentritt. Durch lebhaften Beifall bekundeten die Versammelten, daß sie mit dem Referenten einverstanden und in seinen, Sinne den Wahl- kämpf zu führen willens sind. Im sechsten Landtagswahlbezirk füllte die öffentliche Wählerversammlung FreherS großen Saal samt den Galerien bis auf den letzten Stehplatz. ES mußte abgesperrt werden, weil die Räume nicht ausreichten, um alle aufzunehmen, die gekommen waren, den Vortrag des Stadtverordneten Adolf Hoffmann zu hören und womöglich auch zu erfahren, was die Gegner antworten würden. Die Bersamnilung bekundete eine treffliche Wahl- kampsslimmung. Die Aussührungen unseres Genossen wurden wieder- holt von lautem Beifall unterbrochen, aber der Redner hob hervor, daß es gar nicht auf Beisallsäußerungen ankomme, sondern vielmehr jeder sein Einverständnis mit den, Gesagten durch eifrige Tätigkeit in der Wahlbewegung, durch unablässige Arbeit für die wertere Aufklärung des Volkes kundgeben solle. Mit bitterem Ernst und zwischendurch auch mit beißender Satire gab der Redner ein um- fafiendes Bild von den schmachvollen politische» Zuständen in Preußen, von der Preußenpolitik, die ja leider seit Jahrzehuten inehr und mehr auch Reichspolitik geworden ist, von der Herrschaft der Junker und des Polizeisäbels, verbunden mit dem persönlichen Regiment, die wie ein Alb auf ganz Deutschland lasten. Selbstverständlich versäumte der Redner auch nicht, den Freisinn in seiner ganzen Erbärmlichkeit zu schildern. Er zeigte unter anderem wie die Freisinnigen, nach- dem sie sich durch die Kassierung der sozialdemokratischen Landtags- mandate, durch Gen, eindewahlrechtSraub wie in Kiel und Rixdorf usw. kompromittiert haben, nun, da die Ersatzwahlen bevorstehen, wieder einmal ihren berühmten WahlrechtSausschuß aufmarschieren lassen, was natürlich nichts ist als ein Manöver, demokratisch ge- sinnte Wähler zu betölpeln. Er wieS auch darauf hin. daß Herr kleines feuilleton. DaS schöne Mädchen von Anzio. Am S. Oktober ging im großen Saal der Villa Aldobrandini zu Anzia, dem römischen Küsten- städtchen, nach jahrzehntelangem Streit der endgültige Uebergang des schönen Mädchens von Anzio an den Staat vor sich. Der Streit um diese Statue, eine der köstlichsten aller Zeiten, hat seit der Zeit ihrer Ausfindung, seit 1878, gedauert und das un- schätzbare Kunstwerk der Oeffentlichkeit vorenthalten. Die Geschichte dieser Statue ist schicksalsreicher als die des Laokoon oder der VerniS von Milo. Im Dezember 1873 suchte ein furchtbarer Sturm die Ruinen an, Vorgebirge Anzio heim; viele, die lange Jahrhunderte hindurch bisher standgehalten. stürzten zusainmen. Durch einen solchen Einsturz wurde in dieser Sturnmacht eine Nische bloßgelegt; darin stand, weißleuchtend, un- berührt und bespült von den Wellen des Meeres, das Marmorbild der in ein Himation(das griechische Obergewand) gehüllten Jung- srau. Die Statue wurde, da sie auf dem Gebiet der Familie Mencacci gefunden war, in deren Villa getragen und von den Besitzern eifersüchtig bewacht. Vier Jahre nachher gerieten die Mencacci in finanzielle Schwierigkeiten und verkauften die Villa mitsamt der Statue den Aldobrandini. Diesen wurde vom Staat sogleich die Summe von 450 000 Lire für das K'unstwerk geboten, aber erfolglos, denn andere Angebote winkten. Das glänzendste machte ein Amerikaner, der eine Million bezahlen wollte. Allein das italienische Gesetz, das die Ausfuhr bedeutender Kunstwerke verbietet, ließ diesen Kauf nicht zustande kommen; als davon verlautete, hatten jahrelang zwei Karabinieri nichts anderes zu tu», als das schöne Mädchen von Anzio zu bewachen. Unter diesen, Zustand litten alle Beteiligten; er war auf die Dauer un- haltbar, und schließlich entschloß sich die Familie Aldobrandini, das Angebot des Staates anzunehmen. So wird denn jetzt die herrliche Statue nach langer Verborgenheit unter starker Bedeckung nach Ron, heimgeführt werden und dort im Thermenmuseu», einen der schönsten Säle für sich erhalten. Ein interessantes Licht wirft diese Geschichte auf den Patriot, S- muS und den Gemeinsinn der römischen Adelsfamilien. In beispielloser Weise haben sie jahrhundertelang das Land ausgeplündert, noch heute halten sie trotz aller Reformgesetze die römische Campagna im Zustande mittelalterlicher Barbarei. Wenn ihnen aber der Zufall neue Schätze in den Schoß wirft, die von nationaler Kultur- bedeutung sind, so müfien sie erst auf Staatskosten gezwungen werden, das Gesetz zu respektieren und Kulturgüter nicht an den Meist- bietenden auszuverkaufen. Ein honettes Gesindel! 1 Fi ich b e ck durch Ungleichheit in der Berechnung der Steuersätze hinsichtlich der Stenerreklamationen dafür gesorgt hat, daß die Wahlen event. abermals kassiert werden können. Um so mehr müfie die Arbeiter- schaft nun darauf bedacht sein, daß ihre Kandidaten eine solche Mehrheit gewinnen, daß den Herren das Kassieren der Mandate gründlich verleidet wird. Die glänzenden Wahlsiege unserer Genossen in Stollbcrg- Schnceberg, in Meiningen und in Koburg sollten die Berliner um- somehr anfeuern, alle Kräfte einzusetzen. Nachdem der Redner den Wahlterrorisinns der Gegner und Behörden an bekannten Tatsachen geschildert hatte, bemerkte er unter anderem, daß die sonst ivabl- rechtslosen Frauen doch das unbestreitbare Recht haben, sich die Geschäftsleute zu wählen, von denen sie kaufen, und von_ diesem Wahlrecht Gebrauch machen werden. um das schmähliche Dreiklasienwahlrecht mit seiner öffentlichen Stimmabgabe unerbittlich zu bekämpfen. In der Wahlbewegung und im Sturm- lauf gegen das schändliche Wahlunrccht sollten die Frauen ihr den Männern ja wohlbekanntes Redetalent ausnutzen.— Mit den Worten: Nieder mit den Helfershelfern und Schrittmachern der Reaktion! Hoch die Volks- und Menschenrechte I schloß der Redner seinen inhalt- reichen Vortrag. Gegner meldeten sich trotz aller Aufforderung nicht zun, Worte, weshalb auf Diskussion verzichtet wurde. Der Vor- sitzende forderte die Lersamn, eilen onf, die kurze Spanne Zeit bis zum Tage der Neuwahl mit allen, Eifer auszunutzen. Im siebenten LandtagSwahlbezirk fanden zwei Versammlungen statt, im„Elysium", Landsberger Allee, und in den.Prachtsälen des Ostens", Frankfurter Allee. Beide er- freuten sich eines starken Besuches; auch fehlten die Frauen unter den Versammelten nicht. Die Vortragenden, der Stadtverordnete Hugo H e i n, a n n und der Landtagsabgeordnete Heinrich S t r ö b e l, fanden ein sehr aufmerksames Publikum. Im.Elysium" sprach H e i m a„ n, der an die Begeisterung erinnerte, mit der das Berliner Proletariat in den ersten großen Wahl- kanipf gegen das preußische Junkerparlament gezogen war und trotz der ungeheuren Schlvierigkeiten, die das Wahlrecht auftürmte, sechs Mandate in, Sturm eroberte. Der lltedner machte es sich zur Aufgabe, den Protest gegen unseren Wahlersolg einer gründlichen Kritik zu unterziehen, wobei er daS Verhalten der Freisinnigen im Abgeordnetenhause in der schärfsten Weise geißelte. Unter dem Beifall der Versammelten forderte er dazu auf, die angefochtenen Mandate wiederzugewinnen, allen Tücken und Listen der Gegner zum Trotz.— Außerhalb des Lokals war die Polizei ziemlich stark vertreten; man sah außer einigen Schutzleuten einen Polizeilcutnant mit zwei Geheimpolizisteil Wache halten, ob- gleich ihre Anivcsenheit offenbar ganz überflüssig war. In den.Prachtsälen des Ostens" sprach Ströbel, der die Wirksamkeit des Auftretens der Sozialdemokraten im Abgeordneten- Hause beleuchtete und dabei die Freisinnigen als Vertreter der Interessen der besitzenden Klassen zeigte. Wenn es galt, für die Rechte oder zum Schutze der Unterdrückten im Staate etwas zu tun, wozu die Sozialdemokraten die Wege wicsci,, da waren die Freisinnigen nicht zum Mitwirken zu haben; im Gegenteil wurden sie oft zu Verrätern an den Volks- interessen. Der Redner wies auf den gegenwärtigen Wahlkamps hin. Da? Proletariat müfie eine eigene Vertretung sich im Ab- geordnetenhause sichern. Ganz Deutschland blicke auf Berlin, ans den Ausgang des Kampfes, gespannt, wie die Sozialdemokratie die angefochtenen Mandate verteidigen werde. Jetzt müfie man alle Kräfte anspannen, um das Gewonnene zu behaupten und den Gegnern nicht einen Triumph zu bereiten, so schwer der Sieg auch werden mag!(Beifall.) Nach einem anfeuernden Schlußwort des Vorsitzenden wurde die Versammlung mit Hochrufen auf unsere Be- wcgung geschlossen. Im zwölften Landtagswahlbezirk sprach vor einer tausendköpfigen Wählerversammlung der Stadt- verordnete Genosse Hermann B o r g m a n n. In I Vestündiger Rede behandelte er die Geschichte deS Wahlrechts in Preußen und legte in eindrucksvoller Weise die Bedeutung der diesmaligen Landtags- Wahlen dar. Durch einen nicht endenwollenden Beifallssturm be- zeugte die Versammlung, daß sie mit seinen Ausführungen ein- verstanden ist. In der Diskussion richtete zunächst die Genossin Jordan einen Appell an die Frauen. Diese können viel für die Wiederwahl deS Genossen Adolf H o f f m a n n tun. Die Frauen, die unter dem durch die Finanzreform verstärkten Wirtschaft- lichen Druck am meisten zu leiden hätten, haben alle Ursache, sich ihre Lieferanten genau anzusehen. Rcdnerin forderte die Frauen auf, sich am Wahltage an den Wahlarbeitcn ebenfalls zu be- teiligen und dem Wahlvcrein anzuschließen. Nachdem noch die Genossen P u d l i ck und W a I d h e i m im Sinne des Referats gesprochen hatten, nahm Dr. Moses von der demokratischen Vereinigung das Wort. Er bezeichnete es als Ehrenpflicht aller freiheitlich gesinnten Staatsbürger, für die Wiederwahl derjenigen Männer zu sorgen, die durch einen Akt brutaler Gewalt au? den, Haufe des Klassenwqhlrechts hinausgeworfen worden sind. Mit scharfen Worten wandte er sich gegen die Aenßerungen frei- sinniger Politiker, wie Müller- Meiuingen, der das Wort geprägt habe:„Geduld ist die Haupttugend eines praktischen Politikers", und gegen Haußmann, der im offenen Briefe an Bebel sagt, daß das Mißtrauen das öffentliche Leben vergifte. Mit solcher Leisetreterei sind wir eben nicht weiter gekommen. Mit Georg H e r w e g h s Lied vom Hasse schloß � Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede. Genosse Dr. Cohn wies noch auf die Bedeutung der Landtagswahlen für die Gemeinde hin. DaS Gemeindewahlrecht wird von, Landtag gemacht und man habe in Berlin eine ebenso schlechtes Gemeindewahlrecht, wie eS das Landtagswahlrecht sei. Deshalb niüsseu alle Mitglieder der Berliner Stadtgemeinde für die Wiederwahl derjenigen eintreten, die einzig und allein rücksichtslos für eine Wahl- rechtsäuderung eingetreten sind. lieber der Bedeutung der Wahlen zun, Landtag dürfen aber auch die am 3. No- vember stattfindenden Gemeindewahlen nicht vergessen werden. Die Ruhe nach dem Wahlkamps müsse also um weitere acht Tage verschoben werden. Keine Wahlmüdigkeit darf sich bemerkbar inacheu, denn in Moabit sei noch ein Bezirk, der unbedingt fallen müsse, der 42. Kommnnalwahlbezirk, für den er kandidiere, der aber bis jetzt von den, als König von Moabit bekannten G e r i ck e vertreten war. Nach einigen kräftigen Schlußworten des Vorsitzenden wird die Ver« sanunlung mit einem Hoch ans die Sozialdemokratie geschlossen. Die kluge Gans. Von jetzt an wird man nicht mehr sagen können„dumm wie eine Gans", um einen besonders hohen Grad von Dummheit zu bezeichnen. Es lebt nämlich in London eine wunder« same GanS. Jimmy ist fünf Jahre alt, hat ein prächtiges weißes Gefieder und verfügt über VcrstandeSkräfte, deren sich ein Parlamcnts- kgudidat nicht zu schämen brauchte; hat sich die merkwürdige Gans doch vor kurzem von einem Redakteur des„Daily Chronicle" interviewen lassen I Mit der Würde, die sich für einen Vogel aus den, berühmten Stamme der Retterinnen deS Kapitals ziemt, machte Jimmy eine tadellose Verbeugung vor dem Journalisten und begann sofort zu zeigen, was sie kann. Man brachte ein Spiel Karten, legte eS ihr vor und befahl ihr das Pik-As heraus- zusuchen. Jimmy sah sich jede Karte genau an und warf die, die sie nicht brauchen konnte, mit einem verächtlichen Schnabelhieb bei- feite; als sie dann zu dem Pik-As gelangte, setzte sie einen Fuß auf die Karte und sah den Journalisten triuniphierend an. Das Experiment wurde mehreremal wiederholt. Man zeigte dann dem Wundertiere Papierblätter; auf jedem dieser Blätter stand der Name eines Gegenstandes geschrieben: Tintenfaß, Feder, Kette, Uhr, Zeitung usw. Jimmys Herr zeigte der gelehrigen Schülerin ein Tintenfaß und fragte:.Was ist das?" Der intelligente Vogel nahm mit dem Schnabel, ohne zu zögern, das Blatt Papier, auf dem das entsprechende Wort geschrieben stand..Woraus ist meine Uhrkette gemacht?" ließ der Journalist die GanS fragen. Und Jimmy nahm daS Papier, auf welchem geschrieben stand:.Gold". Der Zeitungsmann konstatierte dann noch, daß Jimmy ihrem Herrn wie ein Hund folgt und ihm, wenn sie ihm nach einer kurzen Abwesenheit wiedersieht, freudig erregt auf die Schulter fliegt. Schade, daß der kluge Hans nicht mehr lebt: er hätte sich mit der klugen Gans afiociieren und mit ihr eine Kunstreife durch Europa machen können. So wird Jimmy allein reisen müssen, um in großen Spczialitätentheatern auf- zutreten. Theater. Neues Schauspielhaus: Gastspiel Hansi Niese. Wie ihr Landsmann Girardi hat auch die Riefe den Mangel an neuen Stücken zu bellagen. in denen ihre prachtvolle Natürlichkeit sich auswirken könnte. Was soll diese voll- fastige, nrgesnnde, wundervoll echte Natur in den albernen und sentimentalen Singsangeleien, die ihre Lieferanten ihr zumuten? Am Dienstag griff sie auf ältere Repertoirstücke zurück. in denen sie endlich zeigen konnte, wie sie menschlich gestaltet und ihre(in allen, Wechsel gleiche) Art mannigfach ausstrahlt. In zwei Einaktern von KlaraViebig, die beide aus dem Berliner Milieu in« Wienerische übersetzt sind, entfaltete sie urwüchsiges, derbes, naives und doch auch tief menschliches und ergreifendes Wesen. In der Satire ans vom VierlKieg. In einer gemeinsamen Sitzung des Kartells, deS Wahlvereinsvorstandes und der Gewerkschaftsvorstände in Bernau wurde folgender Beschluß gefaßt: Die Arbeiterschaft verlangt von allen Gastwirten mindestens V« Liter Bier für 10 Pf. In Wirtschaften, in denen ein geringeres Quantum verabfolgt wird, verzichten die Arbeiter auf den Btergennß und verlangen andere Getränke unter Beachtung des Bierboykotts. Bei Festlichkeiten und Versammlungen sollen für 15 Pf. 3I10 Liter gegeben werden. Die Wirte in Köln geben nicht nach. In einer Wirte- versanimlnng am 12. Oktober wurde Bericht erstattet über die Ver- Handlungen zwischen Branereivereiuignng und der Vertretung der Wirtevereinignngcn. Hiernach beharren die Brauereien auf einem Aufschlag von 4 M. für das Hektoliter, während die Wirte erklären, nicht mehr wie 2 M. bezahlen zu können. Die Braucreivereinignng hat beschlossen, mit den Vertretern des Gewerkichaftskartells in Verbindung zu treten, um der Arbeiterschaft die Notwendigkeit der Erhöhung der Bierpreise klar zu machen und darauf hinzuweisen, daß, wenn die Einigung sich nicht bald vollziehe, der Bierumsatz immer mehr zurückgehe, was Arbeiterentlassungcn in großem Maß- stabe zur Folge haben würde. Die Versanimlnng erklärte in einer Entschließung, unter keinen Umständen mehr wie zwei Mark Auf- schlag zu bezahlen. Sie begrüßte es mit Freuden, wenn die Brauerei« Vereinigung direkt mit den Vertretern des konsumierendeir Publikums in Verbindung treten würde. Die Brauereien müssen ganz eigen- artige Rechenmethoden haben, wenn sie glauben die Verteuerung von vier Mark rechtfertigen zu können. Aber sie werden mit ihren Rechenkünsten bei den Arbeitervertretern kaum Glück haben. eine Aarnuvg vor Gllnkelkoolnlenteo. erließen wir in Nr. 76 des„Vorwärts" vom 31. Mai aus Anlaß einer Verhandlung vor dem Gewerbegericht, bei der sich heraus- stellte, daß der Rechtskonsulent Fabisch, der sich Direktor des „Rcchtswissenschaftlichcn Instituts", Alexanderstr. 2b, bezeichnet, 25 M. einem Arbeiter für wertlose Schriftstücke abgenommen hatte. Fabisch klagte wegen dieses Artikels auf Grund der Z8 185 und 186 B. G.-B. wegen vermeintlicher Beleidigung und angeblicher Verbreitung nicht erweislich wahrer Datsachen gegen unseren ver- antwortlichen Redakteur, Genoffen Weber. Die Verhandlung fand gestern vor dem Schöffengericht statt. Der der Anklage zugrunde liegende Artikel des„Vorwärts" gelangte zur Verlesung. Er lautete: Habt Acht vor Winkelkonsulenten! � Unendlich häufig haben wir vor der Inanspruchnahme ünzu- verlässiger Rcchtsbureaus gelvarnt, insbesondere vor solchen, die unter der Firma„Vereinigte Rechtsfreunde",„Rechtswissenschaft» liches Institut" und dcrgl. ihre Hilfe dem rechtsuchenden Publi» kum anbieten.„Falsche Auskunft gegen hohe Preise" ist in hau- figcn Fällen das Fazit für den Arbeiter, der bei solchen Stellen Rat nachgesucht hat. Das zeigte sich vor wenigen Tagen wieder in einer Verhandlung vor dem hiesigen Gewcrbcgericht. den Sport, den herablassende Damen mit der Rettung ihrer gefallenen Schwestern treiben, dem aufreizenden Ausschnitt auS dem Arbeitshause:„Eine Zuflucht" gab sie die robuste Aufseherin, die brutal zugreift, aber auch die Dinge beim rechten Namen nennt und von der verlogenen Spielerei der Damen nichts wissen will. Durch das künstlerische llebergewicht der Niese trat freilich diese Figur, die sie stark pointierte, zu sehr in den Vordergrund. In dem zweiten Stück„Mutter", besten Inhalt unsere Leser ans dem Roman„Das tägliche Brot" kennen, verkörperte die Niese die Lene, die im Gemüsekeller den Vater zu ihrem Kinde holt. Hier kannte sie alle Vorzüge ins Treffen führen, Sie bezwang durch ihre rührende Einfachheit und ihren vom Multer- gefühl beherrschten„Kampf um den Mann" nicht bloß diesen, sondern auch das Publikum.(Die psychologischen Feinheiten deS Romans verlieren allerdings in der gedrängten Kürze eines Einakters.) In den„S ch ö n e n S e e l e n", einer ironisierenden Plauderei von Felix S alten, hat Hansi Niese eine bejahrtere Vennspriesterin zu spielen, die mit dem Zählkellner ihres angestammten Chambre söparäs eine Heirat ausmacht, während ein Lebejüngling in ihrem Schöße den Sekt ausschläft. Die Franzosen haben dieses Thema von der Solidität, der gut bürgerlichen Gcschäftstnchtigkeit dieser keineswegs romantischen Naturen sehr oft behandelt. In der Dar- stellung der Niese wurde diese drabe Kokotte, die sich vom Geschäft zurückziehen will und sicher eine brave Hausfrau wird, nicht mir glaubhaft, sondern selbstverständlich. So menschlich wußte sie sie hinzustellen._— r. Notizen. — DaS Kriegerve r ei n s-Theater ist entschieden etwas Neues auf dem Gebiet der Theatergriiiidnngen, auf dem doch auch so schon in Berlin das Mögliche geleistet wird. Was brauchen wir auch Hebbel-, Goethe- oder Shakespeare-Thcater, in denen hernach doch die Posse das Geschäft besorgen muß. Ist eS nicht vier reinlicher, von vornherein zu sagen, was man will? Also man will in Wilmersdorf ein großzügiges patriotisches Uiiternehmen gründen, das so ungefähr alles dielen soll, was der moderne Mensch braucht: ein Hohenzollerndelodrom mit dem Kronprinz als Protektor, eine Reitbahn, Sommer- und Wintertheater. Konzert- und Kongreßsäle. Biergelegenheiten usw. Vor allem rechnet man, wie dem.Berliner Tageblatt" gemeldet wird, auf den Massenbesuch der Kriegervercine und will deshalb dem Theater einen patriotischen Anstrich(hoffent- lich auch einen dito Anstich) geben. Da daß Königliche Schauspiel» Haus unmöglich alle patriotiscbcn Stücke allein aufführen kann, iväre ja für'S Repertoire gesorgt. Wie wär's mit eincui Stmipach-Fest- spielzyklus? Als Direktor für den unterhaltlichen Teil schlagen wir den von höchsten Kreisen protegierte» Ferd. Bonn vor. Arbelker, Lessen winderjahrkge Tochter sc!t Lein L. Oktober vorigen Jahres in einem hiesigen Versandhause lernte und zum I. April i>. I. gekündigt worden ist, obwohl das Lehr- Verhältnis erst am 5� Oktober abläuft, wandte sich hilfesuchend Auch an ein solches Rechtsbureau, das sich„Nechtswisienschnft- liches Institut" nennt und in der Alexiuiderstr. 25 von dem Rechtskonsulenten Fabisch und Dr. jur. von Kirchbach betrieben wird. Dieses Institut richtete zunächst ein Schreiben an die Firina, in dem die Fortsetzung des Lehrverhältnisses verlangt wurde. Nach Empfang einer ablehnenden Antwort wurde ein ztvei Seiten langet Schriftsatz an das Gewerbegericht angefertigt, in dem 360 M. Schadenersatz für das vereinbarte Lehrjahr wegen mangelhafter Ausbildung des Mädchens gefordert wurden. Und das, wiewohl kein schriftlicher Lehrvertrag vorlag. Selbstver- ständlich wies der Gcwerbegerichtsvorsitzende den Arbeiter darauf hin, dah die Klage schon wegen mangelnder Schriftlichkeit des Lehrvertrages Erfolg nicht haben könne. Die Klage wurde dann zurückgezogen. , Der Arbeiter hatte aber für die weniger als nichts werte '•»Rechtshilfe"— 25 M. gezahlt! Hätte der Arbeiter sich an das Arbeitcrsekrctariat lEngelufer 15) gewendet, so wäre ihm kosten- los zutreffende Antwort erteilt worden und er hätte Kosten, Zeit und Aerger erspart. Webers Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Roscnfeld, konnte durch eine Abschrift des Gewerbcgerichtsprotokolls nachweisen, daß der Vorsitzende die Bemerkung von der mangelnden Schriftlichkeit des Lchrvertrages tatsächlich gemacht habe. Diese Feststellung glaubte i>er Kläger dadurch entkräftigen zu können, dass er einen lediglich vom Lehrherrn unterschriebenen Lehrvertrag vorlegte. Er bewies damit, dass die Vorschrift des Z 120b der Gewerbeordnung ihm noch nicht klar geworden ist. Nach diesem Paragraphen wird für die schriftliche, allein gültige Form eines Lehrvertrages die Unterschrift des Gewerbetreibenden, ferner des Lehrlings und endlich des gesetzlichen Stellvertreters des Lehrlings gefordert. Ist einer dieser Formvorschriften, wie hier, nicht genügt, so ist der Lehrvertrag ungültig und eine Schadenersatzklage aus dem Lehr- vertrage unzulässig. Aus dem Protokoll des Gewerbegerichts ergab sich ferner, daß das Gewerbegericht sich für unzuständig hatte er- klären müssen, weil daS Lehrmädchen nicht für den gewerblichen, sondern für den kaufmännischen Betrieb angenommen, das Kauf- mannsgericht also eventuell zuständig war. Der„Direktor" des „Rechtswissenschaftlichen Instituts" hatte also den Kläger auch noch an eine falsch« Stelle gewiesen. Aus dem vom Verteidiger vorgelegten Gewerbegerichtsprotokoll ging übrigens noch hervor, daß das Gewerbegericht, nachdem es vorn Kläger gehört hatte, daß er dem Rechtskonsulenten 25 M. bezahlt hatte, dem Polizeipräsidium Mitteilung von dieser An- gelegenheit gemacht hatte. In seinem Plädoyer berief sich der Verteidiger darauf, daß alle im„Vorwärts" angeführten Tatsachen als richtig erwiesen seien, also eine Verurteilung aus Z 186 nicht erfolgen könne. Auch eine formale Beleidigung liege nicht vor. Der„Vorwärts" habe ganz allgemein vor Winkelkonsulenten gewarnt und'darauf der- wiesen, daß solche Klagen, für deren Anfertigung im vorliegenden Fall 25 M. bezahlt werden mußten, vom Arbeitersekretariat unent- geltlich angefertigt werden. Hierzu sei der„Vorwärts" im Jnter- esse der Arbeiter berechtigt. Die Honorarforderung des Klägers gehe ja auch weit hinaus über die gesetzlichen Gebühren der Rechts- anwälte. Für die Abfassung des Schreibens, für das sich der Kläger 5 M. bezahlen ließ, habe ein Rechtsanwalt nur 1,40 Mk. zu bean- spruchen, und die Gebühr für die Anfertigung der Klage betrage beim Rechtsanwalt im vorliegenden Falle 14 M., während sich der Kläger 20 M. bezahlen ließ. Die Bezeichnung„Winkelkonsulent". durch die sich der Kläger beleidigt fühlt, sei keine Beleidigung, son- dern die Bezeichnung eines Gewerbes. Aus diesen Gründen müsse der Angeklagte freigesprochen werden. Das Gericht erkannte auf Freisprechung des Angeklagten mit der Begründung: Der§ 186 sei nicht verletzt, denn es sei erwiesen, daß der Inhalt des Artikels den Tatsachen entspreche. Auch gegen 8 135 habe der Angeklagte nicht verstoßen. Die Bezeichnung„Winkel- konsulent" könne zwar beleidigend sein, sie sei es aber im vor» liegenden Falle nicht. Denn der„Vorwärts" habe nicht den Kläger persönlich kränken wollen, sondern er habe einen populären Aus- druck gebraucht in der Absicht, seine Leser vor der Inanspruchnahme von Rechtskonsulenten zu warnen und sie an andere Institutionen zu verweisen, wo ihnen kostenlose Rechtshilfe geleistet werde. Dazu war er aber durchaus berechtigt. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Kläger auferlegt..._ Hua Induftne und Kandel. Der„Raubzug". ES hat seinen eigenen Reiz, wenn daS Organ der extremsten Lebensmittelwucherei, die„Deutsche Tagesztg.", über Plünderung der Konsumenten sich entrüstet. Besonders interessant ist jedoch die Art, wie daS Blatt unter der vorstehenden Ueberschrift gegen die Profitsucht der Zigarrenfabrikanten und Händler zu Felde zieht. Daß die Interessenten die Finanzreform dazu benutzen, ihre Profitrate noch zu erhöhen, haben auch wir ganz entschieden verurteilt und wünschen nur, daß die Konsumenten sich praktisch gegen Plünderung wehren. Aber die„Deutsche Tageszeitung" macht sich die Beweis- führung, daß die Preisaufschläge von 6 auf 7 Pf., von 8 auf 10 Pf. und von 12 auf 15 Pf. für Zigarren nicht gerechtfertigt seien, doch etwas allzu leicht. Sie schreibt— Nr.. 476—: „Vergleicht man demgegenüber die Preise de? Tabaks von 1903 mit denen von 1909, so hätten die Fabrikanten ihre Waren trotz der neuen Steuer im Preise herabsetzen können, ohne daß sie Schaden erlitten hätten. So kostete in Bremen 1908 Kentucky 95 M.. 1909 dagegen nur 72 M., 1903 Brasil 123 M., 1909 nur 92 M." Die Tavakpreise schwanken so sehr, von Jahr zu Jahr und von Monat zu Monat, daß man einigen willkürlich herausgerissenen Zahlen nicht den unterstellten Vergleichswert zubilligen kann. Wie stark die Preise im Monatsdurchschnitt schwanken, dafür dienen An- gaben aus den amtlichen Nachweisen. Es kosteten 1903 in Mark pro Doppelzentner: Jan. Mai Sept. Oktob. Nov. Dezemb. Kentucky... 90 95 90 85 85 85 Brasil.... 137 132 113 103 91 �87.5 Wie in dieser Vergleichung, ergeben sich auch in der nach den Monatspreisen verschiedener Jahre erhebliche Schwankungen. Das zeigt diese Aufstellung. ES kostete ein Doppelzentner Mark, im August: 1905 1907 1903 1909 Kentucky.. 56 36 95 75 Brasil... 89.6 131,5 126 103,5 Berücksichtigt man die Jahresdurchschnittspreise findet man folgende enorme Differenzen: 1886 1833 1890 1893 1897 1903 1905 1908 Kentucky... 53.2 50 39.8 5S.7 33.4 65,2 53.7 90.4 Für Brasiltabak liegen erst seit 1903 Angaben vor. Danach stieg der Preis von 66,3 M. im genannten Jahre aus 125,8 Mark im Jahre 1907 und 122 Mark im Jahre 1903. Diese Angaben lassen erkennen, daß man anS einigen will- kllrlich herausgerissenen Zahlen keine Schlußfolgerungen ziehen darf. wie das die„Deutsche Tagesztg." macht. Das Interessanteste dabei aber ist, daß Kentuckhtabak überhaupt keine Verwendung für Zigarren findet, er dient als Material für Kautabak. Wie wär's, wenn Knuten-Oerlelchen und sein Sachverständiger dazu verurteilt würden, jeden Tag ein halbes Dutzend extra für sie aus Kenwckytabak an- gefertigte Zigarren zu rauchen? Das würde ihnen sicher ebenso übel aufstoßen, als anderen Leuten agrarische Entrüstungsmache über Beraubung der Konsumenten. Daß die üblichen Handels- aufschlüge durch die aufzuwendende Arbeit und wirklich erforderliche Mehrausgaben nicht gerechtfertigt sind, haben wir schon öfter betont. Die Händler usw. machen den Junkern die Plünderei der Kou- sumenten nach, so weit und so gut sie könne». Konzentration im Eiscnhandel. Die Eisengroßhandlung Ravenö-Aktiengescllschaft beschloß die Erwerbung der eisenhandelsgeschäftlichen Unternehmungen der Firma M. I. Caro u. Sohn und Eduard Lindner zu Berlin und Breslau und die Beteiligung bei der Firma C. S. Wcishas Nachfolger in Leipzig. Zu diesem Zwecke soll das Aktienkapital um 14>/z Millionen Mark ans 23 Millionen Mark und die Obligationsschuld um 4>/z Millionen Mark auf 71/2 Millionen Mark erhöht werden. Die neuen Aktien werden gleich den Obligationen den bisherigen In« habern der genannten Firmen gegen ihr Einbringen in Zahlung ge- geben, bis auf einen Betrag von zirka l'/z Millionen Mark Aknen, welche den alten Aktionären zum Kurse von 115 Prozent zum Be- zuge angeboten werden dergestalt, daß auf je 6 alte Aktien eine neue entfällt. Die Gesellschaft soll in der Folge Deutscher Eisen- Handel, Aktiengesellschaft firmieren. So vollzieht sich wie in der Produktion auch im Handel die auf Konzentration gerichtete kapita- lislische Entwickeluug._ Eine agrarische Dividende. Die Zuckerfabrik Kujawien in A m s e e(Posen) veröffentlicht jetzt ihre Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von dreißig Prozent. Eine Bersandstcigerung kann der Stahlwerksverband für den letzten Monat nachweisen. Der Versand an Produkten A betrug: 438 904 Tonnen Rohstahlgewicht gegen 419 016 Tonnen im August d. I. und 404 603 Tonnen im September 1908. Der Versand ist also 19 888 Tonnen höber als im August d. I. und 34 296 Tonnen höher als im September 1908. Von dem Scptcmberverjand enl- fallen auf Halbzeug 136 437 Tonnen(120 926 Tonnen im August d. I. und 127 648 Tonnen im September 1908), auf Eisenbahnmaterial 165 225 Tonnen(162 680 Tonnen im August d. I. und 170 702 Tonnen im September 1908) und auf Formeisen 137 192 Tonnen (135 404 Tonnen im August d. I. und 106 258 Tonnen im Sep- tember 1908). Mit 6'/z Millionen Dollar Passiven ist nach einer Meldung der „Franks. Ztg." die Warciihausfiruia Swofford BrotherS in New Jork in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Em der frauenbcweguncf« Genossinnen agitiert für die„Gleichheit". Unsere„Gleichheit", dieses treffliche Frauenorgan, daS in einer glsicklichen Vereinigung von praktischer und theoretischer AuftlärungS- arbeit, für die Erweiternng und Vertiefung des Wissens sowie agi- tatorischeS und werbendes Instrument der Sozialdemokratie ganz hervorragende Dienste leistet, hat einen neuen Jahrgang begonnen, Wir weisen darauf hin, mit dem dringenden Ersuchen an die Ge» nossinnen, selbst die Zeitung zu abonnieren, soweit das noch nicht geschehen ist, weiter aber auch eine eifrige Werbetätigkeit für die „Gleichheit" zu entfalten. Die Genossinnen müssen eS sich zur Ehrenpflicht machen, dem Organ, das sich neben der Vertretung proletarischer Interessen, offiziell die Wahrnehmung der Interessen der Proletarierin zur Aufgabe macht, die weiteste Verbreitung zu verschaffen. Aus dem reichen Inhalt der Nr. 1 des neuen Jahrganges möchten wir besonders einen Artikel über„Die Entwickeluüg der Zivilrecht- lichen Stellung der Frau bis zur Gegenwart" hervorheben. Jede Genossin wird ihn mit Vorteil lesen; manche?, was ihr bisher noch dunkel war. wird ihr durch ihn verständlich werden. Erwähnung verdient auch, daß die„Gleichheit" mit ztvei Beilagen erscheint. Eine ist der Aufgabe gewidmet, der proletarische» Hausfrau und Mutter Wissen und Können auf diesem speziellen Gebiete zu ver- mittel»; die andere Beilage ist für die Kinder bestimmt und hat sie sich auch schon eine große Schar begeisterter Freunde und Freundinnen erworben. Der Preis der„Gleichheit" einschl. Beilagen beträgt vierteljährlich ohne Bestellgeld nur 55 Pf. Probe- und Agitationsnummero werden gratis abgegeben._ Gericbts-Zcitung. Konkurrenzkampf. Wohin der Konkurrenzkampf führen kann, zeigte eine gestern vor der 5. Strafkammer geführte Verhandlung, bei der sich der Ingenieur Oskar Huber und der 5daufmann Karl Werner, ersterer wegen Körperverletzung und Beleidigung, letzterer wegen Anstiftung lezw. Beihilfe, zu verantworten hatten. Der Kaufmann Julius Grieneisen war früher Inhaber der gleichnamigen Firma. Diese verkaufte er an den Kaufmann Andreas Bolle, etablierte sich aber bald wieder unter der Firina Julius Gricneisen u. Eo. in derselben Straße. Nun begann zwischen beiden Firmen ein heftiger Kon« kurrenzkampf, man machte gegenseitig Strafanzeigen bei der StaatsaMvältschaft. Es folgten verschiedene Privat- und öffentliche Klagen. Der Angeklagte Werner war früher der Ehemann e.iner Stieftochter des Jjiilui? Grieneifen, ist aber seit längerer Zeit von dieser geschieden. Werner und Huber standen früher in Beziehung zu Julius Gricneisen, sie wandten sich aber von diesem ab und traten mit Andreas Bolle, dem Gegner Griencisens, in Ver- bindung. Sie nahmen beide an dem tobenden Konkurrenzlampf zwischen den beiden Grieneisen-Firmen teil und spielten auch in den verschiedenen Prozessen, die anhängig gemacht wurden, eine Rolle. Im Jahre 1908 trat Julius Grieneisen mit dem Schrift- steller Eduard Hirsch in Verbindung. Dieser leistete ihm seine Dienste zur Bekämpfung der von den Gegnern erfolgenden An- griffe. Er richtete am 4. September 1903 an Andreas Bolle einen Brief und ersuchte ihn„in einer streng vertraulich ihm zur Durch- ficht und Beurteilung der Sachlage übergebcnen Angelegenheit" um eine Rücksprache. Er wurde an den Sachwalter des Bolle. Rechtsanwalt Dr. Ehrhardt, verwiesen, suchte diesen aber nicht auf, sondern bat in einem zweiten Briefe Herrn Bolle nochmals um eine persönliche Rücksprache, um eine so unrühmliche Sache wie den Konkurrenzkampf der beiden Firmen aus der Welt zu schaffen. „Den Ruf und die Vergangenheit der Herren Werner und Huber kenne er besser." Diesem Schreiben fügte Hirsch einen offenen Brief an den ReichStagsabgeordneten Dasbach bei und rühmte sich, Dasbach durch diesen offenen Brief zur Niedcrlcgung seines Man- dats gezwungen zu haben(l), und fügte hinzu:„Und ich kmm Ihnen ohne Ucbcrhebung von mir sagen, daß der Mensch, vor dem ich mich zu fürchten hätte, noch geboren werden soll." Herr Bolle zeigte diesen Brief dem Werner und dieser lief am nächsten Morgen zu Huber. Es wird behauptet, daß er dem Huber eine Wschrist des Briefes gezeigt und gleich gefragt haben soll, ob er einen Gummischlauch habe? Er müsse den Hirsch verprügeln. Eines Tages klingelte es an der Wohnung des Herrn Hirsch. Als geöffnet wurde, stand ein Mann in Arbeiterkleidung da, der dem Hirsch bestellte: er solle sofort in die Wohnung des Andreas Bolle kommen. Als Hirsch in die Martin-Luthcr-Stratze kam, trat der Angeklagte Huber an ihn heran, fragte ihn, ob er Hirsch sei, und aus die be- jahcnde Antwort schlug ihn Hubcr plötzlich mit einer Reitpeitsche mehreremale über das Gesicht und den Nücke». Als sich Publikum massenhaft vnsammekte, erschien der Angekkagke Werner auf der Bildfläche und rief in das Publikum:»Hier ist ein Berlenmder und Erpresser mit der ihm zukommenden Strafe bedacht worden!" Huber schrieb dann am Nachmittag desselben Tages an Grieneisen eine Rohrpostkarte und teilte ihm darin mit, daß er soeben den Hirsch„ivegen des Nötigungs-, Beleidig, ings- und Erpressungs- bricfeS" ins Gesicht geschlagen habe, so daß dieser völlig zusammen- geklappt sei. Huber schrieb dann auch einen Brief an Hirsch, in welchem sich schwer beleidigende Stellen fanden.— Das Schöffengericht hatte seinerzeit nur iwn Angeklagten Huber verurteilt, den Angeklagten Werner dagegen freigesprochen. Es glaubte zwar, daß Werner die Verprügelung des Hirsch zuerst angeregt und die Rolle des Prügelnden dem Huber zugewiesen hatte, sah aber eine„An- stiftung" doch nicht als vorliegend an, da Huber zugestanden hatte. daß er auch ohne die Anregung des Werner von selbst dazu ge- kommen sein würde, den' Hirsch zu verprügeln. Der Angeklagte Huber wurde vom Schöffengericht wegen sämtlicher Vergehen zu 60 M. Geldstrafe verurteilt. Das Schöffengericht berücksichtigte, daß die von beiden Parteien im Konkurrenzkampf angetvandtcn Mittel durchaus nicht vornehm und skrupclvoll waren. Das Gericht drückte auch seine Ansicht dahin aus:„daß, solange überhaupt der Rächer gekränkter Ehre durch die Gesehe auch im Falle der Selbst- Hilfe, wie z. B. beim Duell, milder bestraft wird, eine solche Milde auch in Fällen wie dem vorliegenden angewendet werden kann.— Gegen das Urteil des Schöffengerichts legte der Nebenkläger Hirsch Berufung ein, sowohl wegen der zu geringen Strafe wie wegen der Freisprechung des Werner. In der gestrigen Verhandlung vor der Strafkammer ging es äußerst lebhaft und teilweise sogar turbulant zu. Rechtsanwalt Dr. Ehrhardt drückte als Verteidiger des Werner u. a. seine Ueberzeugung dahin aus, daß das ganze Vor» gehen des Nebenklägers Hirsch nichts weiter als eine Erpresiung darstelle. Dafür spräche doch die Beifügung des„offenen Briefes an Dasbach", ferner die Tatsache, daß Hirsch noch zwei Briefe an Bolle geschrieben, auf die„Große Glocke" hingewiesen habe und daß dann auch in der„Großen Glocke" ein Artikel über das „Beerdigungsinstitut Griencisen" erschienen sei.— Nebenkläger Hirsch wies den Vorwurf, erpresserische Absichten gehabt zu haben. mit Entrüstung zurück und versicherte, daß er nur danach getrachtet hatte, ganz selbstlos die Zwistigieiten der beiden Firmen aus� der Welt zu schaffen. Er versicherte, daß er infolge des UeberfallS einen.Nervenchok und Schaden an feinem Gehör erlitten habe.— Rechtsanwalt Bahn beantragte als Vertreter des Nebenklägers die Verurteilung der beiden Angeklagten zu GcfäiigniSstrafel— Die mehrstündige Verhandlung endete damit, daß das Urteil, soweit es Hnber betrifft, abgeändert wurde. Das erste Urteil wurde auf- gehoben und Huber wegen gefährlicher Körperverletzung zu 500 M. Geldstrafe eventuell 100 Tagen Gefängnis verurteilt. Dagegen blieb es bei der Freisprechung des Angeklagten Werner. Bei Ab- Messung der Strafe gegen Huber berücksichtigte das Gericht, wie der Vorsitzende verkündete, daß Huber und Werner durch die beiden Briefe des Hirsch sich in äußerstem Maße bedroht und beunruhigt fühlen mußten, namentlich da dem einen Briefe eine Abschrift des Schreibens an Dasbach beigefügt war, in welchem diesem die schtverstcu Angriffe angedroht waren. Dadurch mußte sich den beiden Angeklagten die Vorstellung aufdrängen, daß sie es mit einem äußerst gefährlichen Menschen zu tun hätten. Nur aus diesem Grunde ist von einer Gefängnisstrafe Abstand genommen worden, die sonst bei einem solchen hinterlistigen Ueberfall un- bedingt am Platze gewesen wäre. DaS Urteil des Schöffengerichts entspricht sicherlich mehr als dieses gesundem Rechtsempfinden. Brotbeutelentwendung. Der Bäckermeister Hellwrch in Nixdorf und seine Frau Karlen vom Schöffengericht wegen Enttvendung von Brotbeuteln beztv. An- stiftung dazu zu drei bezw. zwei Monaten Gefängnis verurteilt. In der nunmehr vor der Strafkammer stattgefundcnen Verhand- lung wurde Frau Hellwech freigesprochen, die Strafe gegen de» Ehemann auf drei Tage Gefängnis herabgesetzt. Freigesprochen von einer Meineidsanklage wurde nach zweitägiger Verhandlung vom Essener Schwurgericht der christlichsoziale Parteisekretär und Redakteur der„Arbeit" Rafflenbeul und dessen Braut. ES war die die Ocffentlichkcit durchaus nicht interessierende Behauptung aufgestellt, Rafflenbeul habe eine Nacht bei seiner Braut zugebracht. Gegen die Verbreiter dieses Gerüchts, u. a. gegen die Frau des Berginspektors Storp, strengte Rafflenbeul Klage an. Die Klage wurde abgewiesen, weil angenommen wurde, das Gerücht sei als Ivahr erwiesen. In dieser Privatklage hatte die Braut unter Eid erklärt, ihr Bräutigam sei nicht des Nachts in ihrem Zimmer gewesen. Tie Anklage nahm an, dieser Eid sei ein Falscheid und Rafflenbeul habe seine Braut zur falschen Aussage angestiftet._ Abgeordneter Wetterle verurteilt. In dem Beleidigungsprozeß des Professors Gneiße-Kolmar «egen den Abgeordneten Wetterle, der seinerzeit einem Schüler des iesigen Lyzeums Karikaturen von Gneiße gegeben und Gnciße auch durch mehrere Veröffentlichungen beleidigt hatte, wurde der Abgc- ordnete Wetterle in Kolmar zu einer Gesamtstrafe von zwei Monaten Gefängnis und Tragung der Kosten verurteilt. Dem Kläger wurde das Recht der Veröffentlichung des Urteils zu» gesprochen._ Slmtlicher Marktbericht der städtischen Marttballen-Dirckston über den Grohbandel in den ZenNal-Marttballcn. Marktlage: Fleisch: Zusuhr schwach, Geschäst still, Prelle unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend. Weichäst lebhast, Preise wenig verändert. W e s I ü g e I: Zufubr genügend, in Gänsen über Bedarf, Wcjchäst still, Presse nicht befriedigend. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäst ruhig, Presse wenig verändert. L u l t e r und Käs«: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst rege, Preise wenig ver- ändert. Bmffcarteii der Redaktion. Die siirlstlsche Sprechstunde findet Lindenstraste S, ztdtlter Pdf, dritter Singanq, vier Treppen, gMP Fahrstuhl-Mg ivochentögltch abend»»an tts gsh Uhr statt. Geiifsnrt 7 Uhr. Sonnabend» degi»»« die Sprechstunde um 6 Uhr, Jeder Ansraac ist ein vuchstabc und ritte Zahl al» Merkzeichen bcijufllaen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur vrantwortung im Briefkasten touuen 1t Tage vergehen. Eilige Frage» trag« man in der Sprechstuiide vor. H.<2. 200. Teilen Sie dem Wirt mit, daß Sie Ihre Möbel bcraus» nehmcn werden, die Miete bei der Hinterlegungsstelle. Jnvalidenitraße 5-2, deponieren, und daß Sie die Wohnung dem Wirt lediglich zum Besichtigen« lassen zwecks Weitervermietung zur Versügung stellen, aber sich ausdrücklich vorbehalten, in der Zeit bis zum 31. Dezember die Wohnung loeiter zu bewohnen und eine trübere Versügung der Wohnung für den Wirt nicht dulden. Der Eintritt i» das Haus oder die Wohnung kann Ihnen keines- wegS verwehrt werden.— Vorort 100. Unterstützung wird nur von der Gemeinde gewährt, in der die Bedüritige wohnt. B-rlangt die Gemeinde Erstattung des Verauslagten von der früheren Wohngenieinde, so kann diese dir Ausnahme in eine Slrmenanstalt verlangen. Würde die Bedürftige in der neue» Wohngemeinde ein Jahr lang wohnen, ohne Unterstützung erhalten zu haben oder welche zu beanspruchen, so erlischt das Recht der srüheren Gemeinde. 2l. 90. 1. Versuchen Sic es mit iinem Antrag bei der Entbindungsanstalt Artillcrieslraße oder bei der Chattts. L. und 3. Der außereheliche Erzeuger ist verpflichtet, der Mutter die Kosten der Eni» bindung sowie die Kosten des Unterhalts sür die ersten sechs Wochen nach der Entbindung und, sallS insolge der Schivangerschast oder der Entbindniig weitere Aufwendungen notwendig werden, auch die dadurch entstehenden Kosten zu ersetzen. Den gewöhnlichen Betrag der zu ersetzenden Kosten (in Berlin rechnet man 80 bis 100 M.) kann die Mutter ohne Rücksicht daraus verlangen, ob die Auswcndungen in dieser Höhe tatsächlich statt- gesunden haben. Schon vor der Geburt des KtndcS kann serner die Mutter eine einstweilige Verfügung dahingehend beantragen, daß die gewöhnlichen Kosten(also 80 bis 100 M.) hinterlegt werden. Ferner kann die Mutter schon vor der Geburt eine einstweilige Verfügung dahingehend beantragen, daß der Vater den sür die ersten drei Monate dem Kinde zu gewährenden Unterhalt alsbald nach der Geburt an die Mutter oder an den Vor» mund zu zahlen oder den erforderlichen Betrag angemessene Zeit vor der Geburt zu hinterlegen hat. Von dieicm Recht Gebrauch zu machen, ist in all den Füllen zweckdienlich, in denen der Vater freiwillige vorherige Zahlung ablehnt. Mr de« J,chalt der Inserate Übernimmt die Redaktton dem Publikum gegenüber keinerlei Aerantwortuug. UKeater. Donnerstag, 14. O l t o d e r. Anfang 71/, Uhr. König!. OpernhauS. Dalwor. Sgl. Schauspielhaus. Julius Cäsar. deutsches. Faust. Kammerspiele. Die Zuflucht. (Ansang 8 Uhr.) Ansang S Uhr. Neues königl. Opern-Theater. Der Paragraphenschuster. Lessing. Die Kesährtw. Hannele. Komische Oper. Auferstehung. Berliner. Der Befehl des Fürsten. Reueö Schauspieldans. Schöne Seelen. Zuflucht. Mutter. Neues. Das Urbild des Tartüffe. Hebbel. Hanna Jaaert. Westen. Die geschiedene Frau. Volksopcr. Die Hugenotten. Thalia. Prinz Vussi. Residenz. Grctchen. Trianon. Pariser Witwen. Lustspielhans. Man soll leine Briese schreiben. Kleines. PcerBunkeS Vorgeschichten. Neues Overettew« Die Dollar- prinzessin. Schiller<». tWallner» Thealer.) Die erste Geige. Schüler Charlottenburg. DaS Kätchcn von Heilbronn. Friedrich< Wilbelmstädr. Schau- spielhaus. Die goldene Eva. Luise». Die Herren söhne. Rose. Michael Kohlhaas. Metroool. Halloh tl— Die große Nevlle. Folies Caprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenklill. Ans. 8'/« Uhr. Apullo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrufeld-Theater. Frau ElkoniS Friseur. Meine- Deine Tochter. Karl Haverland- Theater. Spe- zialitäten. Casino. Onkel Cohn. Walhalla. Svezinliläten. Gastspiel. Ungerade Tage. Der Deserteur. Die keusche Toinetle. CousinPampouIette. Ans. 8'/, Uhr. Urania. rnuvenlirnhe Abends 8 Ubr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Vom Ursprung des Lebens. (Erster Teil) Ste-nn-arre, Jnvalidenltr. 61/62. l.exMisiK-Thcutor. 8 Uhr: Di? Gefährtin. Hieraus: Hanncles Himmelfahrt. Freitag, 8 Uhr: Des Pfarrers Tochter Po» Streladorf._ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Der Bcfebl des FUrateu. Morgen: Der Beseht des Fürsten. Heues Theater. Abends 8 Uhr: Das Hill lies farie. Morgen und folgende Tage: vss vrbill! des TarüiiTe. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Die geachtedcnc Fran. Sonntag nachm. 8'/, Uhr, halbe Preise: Ein Walzertraum. Bleacs Opcpctten-Xheater. Schisjbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. AbendS 8 Uhr: Die DoIIarprimeiisln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. ftieijsivli-IMlltsMlitizotiöZ Schauspielhaus. Donnerstag, 14. Oktober, Ans. 8 Uhr: Die goldne Eva. Lustspiel in 3 Akten v. Fr. v. Schön» than und Koppcl-Ellseld. Freitag: Die goldne Eva. Sonnabend: Die goldne Eva. t.ustspie>hsKis. AbendS 8 Uhr: Man soll keine Briefe sehreihen. Volks-Oper. SW., Delle-Alliance-Straße Nr. 7/8, Erstes Gastspiel des Kammersängers bloenoi' albortl. Die Hugenotten, _ Ansang 8 Uhr._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Wenks 8 Uhr: Gretchen. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Borstellung. Diesen u. nächst. Sonntag, nachm, v Uhr: Kümmere Dich nm Amelte. Gastspiel-Tlieater Köpenicker Straße 67/88.■* Täglich abends S1/. Uhr: Knserade Tage. Der Dcsortcnr. Die fccnüche Tolnctte. Coiisln Pamponlette. Trianon-Theater. AbendS 8 Uhr:-- Pariser Witwen. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Vom Ursprung _ des Lebens(I. Teil)._ Abends 8 Uhr: Die Herren Söhne. Freitag Opern-Gastspiel: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonnabend: Inspektor Bräsing. OSEsTHEATE Große Franksurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Michlltt Kohihaas. Li Historisches Schauspiel in 4 Allen nach Heinrich o. Kleist's historisch. Roman von Sibenk. Morgen: Ter Hüttenbesitzer. SchUlep Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Donnerstag, abendsSUHr: Die evr-ite Geige. Lustspiel in 4 Allen v. Gustav Wied und Jens Petersen. giqr Ende IG/z Uhr.-WU Freitag, abends 8 Uhr: Die Ton Hochsattel. Sonnabend, abends 8 Uhr: Haeheth. Theater. Schiller-Theater Charloltenburg. Donner stag,abendS8Ubr: Das Kathchen V. Ueilbronn Großes historisches Nüterschaujpiel in 5 Akten von Heinrich v. Kleist. DK- Ende 11 Uhr. Freiing, abends 8 u y r: Die ernte Geige. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die ernte Geige. Passage-Thealer. Oer grSBte Erfolg der Theatersaison! Henry Bender in der tollen Burleske Der süße Doktor. Ferner: Ciaire WaldofT und der groBe Vari6t6-Teil. Passage-Panoptikum. Die Traumnialeriii E nn d. schwebende "H" Jungfrau. Der Klotoboy d. künstl.zerl. Mensch Vitaskop-Theatef Dauervorstellung von 4—7 Uhr. Abends 9 Uhr: Tohuwabohu. Burleske m. Gesang u Tanz in 3 Bild. v.Heinz Gordon, GefaiiaSiextc v.Rud. Schanzcr, Musik v. Jul. EinödShoser, Im 2. Bild: Ballett-Einlagen, getanzt von The Irish Indian Haids. Vorher� ab 8 Uhr: Die vollständig neuen Spezialitäten in. Habel öerra, Tlie /iutomaius, 5 Schwestern Vkar» »leb, 4 Black Olamonds. Zum 27. Male: Hallohü Oie große Revue!! Humorist.- satir. Jahresrevue in 7 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Hieb. Schultz. Tänze von WiUy Bishop. Kadge Lessing. Frilzi Hassarj. Jos. CianipletrQ. Guido Thielselier. K. Piaan, M. Keltner. Ida Perry. W. Bishop usw. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag, 17. Oktober, nachm. 3 Uhr: liMmpacivagabnndns. Die enthusiastisch gefeierte Koloratur- Sängerin Auftreten ggjjgjg Auftreten »/. »'/. Maria Gaivany Primadonna an dor bgl. Oper in Madrid and das überreiche neue"«s Programm. Sonntag, den 17. Oktober 1909: Wiederbeginn der Nachmittag-Vorsteliungen. flntang 3'/, Ulir. Kloine Preise! Karl Haverland Theater 77/79 Kommandimtenstraße 77/79. Ansang präzis- 8 Uhr. Schlager auf Schlager bringt das Oktober-Programm. Donnerstag, de» 14. Oktober, abends T'/s Uhr: Große Parade-Vorstellung. Hervorzuheben: Ken! Jfeu! 6 Damen Provennies 6 in ihren großartigen Leistungen. Las» Bisuca Reilsport der 3 Gebr. Houcke. ??? 4 Poncherrys??? Mme. de Bainvilie p�-L Der Schimpanse als Radfahrkünstler. Jim und Jam die Urkomischen. Pferd u. Ballerina Schulalt des Ritter v. Rcnroff. Sladl-Tlieater Moabit. Alt-Ktonbit 47/48. Donnerstag, den 14. Oktober 1909: Der Dornenweg. Schauspiel in 3 Akten v. F. Philippi. Kaflenöffnung 7 Uhr. Vorstellung 8 Uhr. vorverlaus täglich von 19—1 Uhr. im Thenter-Nestanrant.___ Zis°kus Busch. Donnerstag, den 14. Oktober 1909, 1 abends U/, Uhr präzise: Großer Gala-Abcuti. Neu I Die Cleve! amts! Herr Willy Manns Wundorelefant. j Weitrekord: Sprung einer Katze I aus£0 Meter Höhe. Dressiert I von Mdm. Smaragda.— Femer j Herr Burkhardt- Foottit, Schul- 1 reitor. Zwergclown Francois als j Knnstreitar, Herr Ernst Schumann, Nendressui-en. Um 91/« Uhr: f»Mß!! Besond. hervorzuheben: Jack[ Joyce, der tollkühne u. verwegene: Cowboy mit seinen wild. Pferden, j Casino-Theater1 Lothringer Slraße 37. Täglich 8 Uhr: nkel ��»rohu nkel Uu.ohu nkel ��ohn nkel /F�ohn »kel �H,ohn nkel ��ohn Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkerk. O! O- Polles Capriee.j Mobilisierung. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. tl— 2. Anfang VI, Uhr.! Einige neue Mitglieder Nachmittags-Abteilungen zu den kennen sich noch in den Zohlstcllciianmclden. Ordner-Sitzmi g Sonnabend, 16. Oktober, SVd Uhr, imOewerkschäfishaus. Vorstellungen i schaSeihau«: Gyges und sein Ring' ÄtiendaMellifflg.: Der Dummkopf. Titelrolle; Harry Waiden. ILesBlng• Theater: Ilailtiele. Extra- Vorstellung: Der Köllig.21 a�uh�" Besldcnz-Thentcr: MllSOtt e. Thalia» Theater: ElSgang. Herrnfelil-Theater;©1* Eind SoflSI. Extra-Vorstellung: Jugend. Lh�'Ä. I 242/1 für die einzelnen Abteilungen sind aus den Mltgliedsbartcii ersichtlich. Der Vorstand. I. V.: O. Winkle r. Weißbier-Sratierei NO. C. Breithaupt 18. Palisaden- Straße 12/13 und Fernsprecher VII, 2634. 97 Plaschenbierversand durch meine Verleger. dio Brauerei entgegen. Aufträge nimmt 2763L* MM» Kommandanten str. 57. T. A. 4, 5083. SKST Die erfolgreichsten-PPZ Lach-jiomödie» Meine- Deine- Tochter Frau Elkams Friseur mit Anton und Donat Herrnfeld. Vorverlaus 11—2 Uhr. Ansang 8 Uhr. Palast-Theater. Direktion: Robert Olli 4 Karl Pirna«, Burgstraße 24, am Bahuhos Böise. kvlOKIZUlG tfeivlikitltlgv Ich vrwartv Dich heut abend bestimmt im Aiexand.- Platz Neue Königstr. Grand-Hotel Alexanderplatz. Du mußt das neue unbedingt gesehen haben. alhalla- Variete-Theater j Weinbergswcg 19-20, Rosenth.Tor. 1 Auf. 8 Uhr. Die grotzartige» Okkober-Spezialitäte». Im Tunnel: Regiiuciikskapelle. Theaterbesuchern freier Eintritt. \ V, Drei Worte 'sollten sich Jedem Raucher fest einprägen, die ihm km gegebenen Fall immer Nutzen bringen werden. Wer sich derselben beim Einhauf von Cigaretten bedient» am stets r sa JOSET� CIGARETTEN CD verlangen, darf überzeugt sein, dadurch sein Interesse gewahrt zu haben. Er wird in diesem Falle stets Fabrikate von denkbar bester Qualität zu äusserst wohlfeilem Preise erhalten. Josetti Vera m. u. o. M. 10 St 30 FE Ol Jfi Ansang'Iß Uhr. Entree: 50 Pf. bis 8 Marl. Borzugskarte», zu halben Kassen« preisen gültig, überall zu haben. MDLoseksTkEÄlLr Lruiilieiiiir. k«, am Rosenthater Tor. Zum letzte» Male: Frauenkampf. mr Anfang'1,9 Uhr.-MsZ Freitag: Oes Warenhausfräulei«, Sonnabend: Durch Nacht z. Licht. Sonntag 3 Uhr: Die Räuber. Reiclisliallen-TlieBler. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. 1. Theatsrsaal: D. sianenonschiagor �oföt mit'n üsnzkboilLll mit Daal BcnUlx in der Titol- rollc und das Klänzende Spczialltiiteu-l'i'ogranim, Im Konzertsaal: Täglich: Gr. Konzert der ersten Kapellen der Berliner Garde-Regimenter._ l&ümgstadt-lOasino. Holzmarktstraße 72. Täglich: Franz Sobanskl. Hody Brunnen, Willy Gramsch, Vallis u. Jeannette, F. W. Hardt, HIB Claire, The tree Eriks. Ein verMifeltkS Mittel. Schwant in einem Akt. LsnsGouoZ, It'TZ Direktion Wilhalm Reimep. Sonntag, Montag und DonnerSkag: Neues Programm. EIMira Ä"|.. von HoüinannsliordlSälipni Großer Erfolg I A» der Grenze. Burleske in 1 Alt. Beginn Sonnt. 5, Wochen». 8 Uhr. Freitag, den 15. Oktober: Erlra» Theater-Borstellung: Griselda. Artusliof(Moabit) Perleberge? Straße 26. Donnerstag, dm 14. Oktober 1909 Salon und Kloster. Bolksschauspiel in 5 Akten v. G. Horn. Kaflenösfnwrg 7 Uhr. Ansang 8 Uhr."WZi nosmsimLra- stiume. ©MMSIII- WTmA�EK Versand-Abteilung"Berlin W. 66. In dieser Woche besonders preiswerte LEBENSMITTEL soweit der Vorrat reicht: '/, Dpi«'/iDo»» Kaiserschoten«tr« 1.25, 68 pt Kaiserschoten l.io, 60 pr. Junge Schoten II 52 pj. 32 pr. Junge Schoten III 45 pr. Junge Schoten IV 36 pr. Karotten 45 pc Gemischt. Gemüse ZA"' 1.20, 65 pr. Gemischtes Gemüse II 60 pr. 35 pr. Gemischtes Gemüse 46 pr. Riesen-Stangenspargel 1.so, 95 pr. Stangenspargel 1.65, 88 pr. Stangenspargel I 1.40, 75 pr. Stangenspargel II 1.25, 63 pt Stangenspargel III l.io, 60 p� Riesen-Bruchspargel 1.30, 70 pr, Bruchspargel 1.25, 68 pt Bruchspargel I 1.00, 55 pr. Bruchspargel II 80 pr. 45 pt Bruchspargel ohn. rapr. 70 pr. 40 pr. Abschnittspargel 46 pr. 28 pn '/, D01« V,Do— Saure Kirchen°d°.»«.w. 85 48 pt Saure Kirschen stLen 60 35 pt Mirabellen 63 37 pr. Erdbeeren 90 50 pt Aprikosen haib.prueM 90 50 pt Preisseibeeren v.o°,. 1.10 53 pc Heidelbeeren 55 33 pr. Melangefrüchte 85 48 ps Stachelbeeren 58 pr, Rheinisches Kraut"ngSieSi1""1" ?°p'� 80 pr., 42 pt Gemischte Marmelade Eimer ca. 1 on Eimer e«. O 00 I 10 Pfund 5 Pfund Marmelade SÄ.ns"; o c Kirsch- und Johannisbeeren, Topf vj Kj Pf. Schinkenwurst........ p�nd I.15 � Salamiwurst.......... Pfund 1.1 5 mk. Zervelatwurst________ p�nd 1.iomr. Landschinken 1>10Mk Mausschinken ca- 2-3 Pfund"Ä 1.20 mk. Schinkenspeck....... p�nd 1.00 mk. Gänsebrust......... i. Pfund 1.45 mr. Hallesche Leberwurst p�nd 1. 00 mr. Feine Leberwurst...... p�d 95 pt. Landleberwurst........ Pfund 90 Pf. Jagdwurst.............. Pfund 90.pf. Rotwurst........... Pfund 45, 65 Pf. T eewurst � � Pfund l.is�R. Königsbg. Fleck Vido-85, 50 Pf. Kasseler Rippespeer Pftind 0 und 0 Pf, Junge Gänse.. Pfund 55, 62, 66 Pf. Hasen gsstreift............ 2. so, 3.60 Räucheraale............ Pfund 1. 20 Kieler Bücklinge...... ♦stock 10 Pf. Italien. Tafel birnen sojpion«, Pfund 14 Pf. Kochbirnen 7 pf, Kochäpfel Pfd. 10 Pf. Tiroler Äpfel.-.......... Pfund 8 pf. Pfirsiche............... Pfund 20 pf. Blaue Weintrauben...... pf. 13pf. Bratheringe 0°,. 45 rt Bismarckheringe v«. 45 pt Heringe in Aspic v°8. 33 pt Oelikatess-Heringe Vi Do» 78, V, Do»» 50 Pt Aal in Gelee Do» 70 pr. Russische Sarclinen«» 24 Anchovis w» 24 Pt Gabelbissen Do» 33, 52 pt Appetit-Sild d». 33 pt Französische ölsardinen Marke Amieux Freres % Dos» 1.60, V. Don 90 Pt in Toaiatao,/■ Do» 65 Pt Block|uDbÄSgV,"ehi,d- 3.15, 4 Dono 2.15 Marke Arsene Saupiquet «/.Do»» 1 ,80,>/, Do» 1.15, V. Do» 65 Pt Block|uDbÄn%~� 3.15,• Dona 1.70 ölsardinen sp»suimuk» Vi Do». 2. so,>/, Do» 1 ,30,'/. Dos» 7 5>k"°..43 Pt Victoria-Erbsen pftm« 1 6 pt Kleine Erbsen ptum 1 5 pt Glasierte Erbsen p-wu» 23 pt Glasierte Erbsen pü»?»«>» 26 pt Spalterbsen Pton« 16 pt Linsen I pfend 20 pt Linsen II phud 1 2 pr. Bohnen PMnd 14, 17, 23 pt Rangoon-Reis Pfand 1 5 pr. Bassein-Reis Pfund 1 9 pt Java-Reis prod 24, 28, 35 pt In unserem Geschäftshause Rosenthater=Strasse: Rindfleisch Hammelfleisch Schweinefleisch Kalbfleisch Roastbeef pfJOpr�J ,20 Filet Pfd. 95 pp. schld' 1.50 Schmorfleisch 80,£„.90 Pf. Fehl- ii. Querrippe Pfd. 70 Pf. Kamm....... pm. 65 pf. Goulasch..... Pfd. 75 Pf. Leberpfd.SO pf. Tal�pfd.45 pf. Keule.... pfd. 75 u. 80 pr. Rücken...... Pfd. 80 Pf. Dünnung..... Pfd. 60 Pf. Ragout Pfd. 70, Leber 80 Pf. Dicke Rippe... Pfd. 75 Pf. Lnuge...... stock 40 pf. Knochenfleisch. p». 25 Pf. Filet........ Pfd. 1.20 Schinken ScÄ 75 w. 80 Pf. Kotelettes..... Pfd. 90 Pf. Kamm u. Schuft Pfd. 85 pt. Gehacktes Fleisch Pfd. 60 pr. Pökelrinderhrust. Pfd. 90 Pf. Fökelkamm____ Pfd. 85 pr. Keule.... pfd. 85 u. 90 pt. Nierenstück.... Pfd. 85 Pf. Rücken n. Brust. Pfd. 85 Haie........ pfd 60 pr. Schnitzel...... Pfd. 1.40 Leber........ pfd, 1.40 Lunge...... stück 1.20 Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für den Jnseratenteilveranlw,: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtJ Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Finger Co., Berlin SW« Nr. 240. 26. MgüNg. 2. KtilM te.Amiills" Kerlim lollieMott. Nsnnerstag, 14. Gkiober 1909. Partei- Hnc[elegciiheiten. Zwe'licr Wahlkreis(Friedrichstadt). Druckerci-Nachtardeiter! Zahlmorgen am Sonntag, den 17. Oktover, bei FnliuS Meyer, Oranienstr. 103. Tagesordnung: 1. Wie heben wir de» Besuch unseres Zahlmorgcns? 2. Stiftungsfeier. Zahlreiches Er scheinen erwarten_ Die Bezirkssührer. Sechster Wahlkreis. Am Sonntag, den 17. Oktober, veranstalten die Weddinger Genossen ein Konzert in den Pharnssälen. Billetts sind noch zu haben bei Melzcr, Wiesenstrabe 29, Glane, Lieben- walder Str. 4, Rietz, Fehmarnstr. 8. Ncucnhagen und Umgegend. Für unseren Bezirk findet Sonntag. den 17. d. M., nachmittags 4 Uhr, im Lokale von Max Girke, Fredersdorf, eine Mitgliederversammlung statt. Vormittags«Fackel Verbreitung. Frcdersdorf-Petershagcn. Heute Donnerstag, abends 8'/? Uhr, Zahlabend im Lokal von Max Girke, Fredersdorf. Bernau, Röntgental. Heute abend Zahlabend in den bekannten Lokalen._ Die Bezirksleitung Berliner JNfacbricbten. Die Kommunalwahlbewegung kommt langsam in Nutz. Wie immer waren unsere Genossen die ersten auf dem Wahlfelde. Unsere Gegner sind aber auch nicht untätig, nur das} sie weniger öffentlich arbeiten, wie wir dies tun. Sie sind jetzt dabei, ihre Kandidaten zu nominieren, wobei sie ganz besondere Bezirke aufs Korn genommen haben, die sie entweder zu halten, andererseits uns abzw nehmen gedenken. Daß ihnen letzteres nicht gelingt, dafür werden unsere Genossen zu sorgen wissen. Jm2. Kommunab Wahlbezirk der 3. Abteilung, der bisher vom Hotelbesitzer Leis vertreten war, ist der genannte freisinnige Stadtverordnete von neuem aufgestellt worden. Während von unserer Seite der Genosse Stoltenberg kandidiert, bewirbt sich auch die so genannte Bürgerpartei um das Mandat; sie hat in dem Rechtsanwalt Ulrich einen Kandidaten aufgestellt. Eine vom früheren Magistratsoffiziosus herausgegebene Wahlkorrespondenz findet es geschmackvoll, von dem im 18. Bezirk dem freisinnigen Fabrikanten Frick gegenüber- gestellten Genossen Kcrfin zu sagen, es sei der bekannt ge wordene Gastwirt aus der Badstraße(soll Pankstraße heißen) „bei dem vor einiger Zeit die Polizei Bomben beschlagnahmt habe, die Russen in seinem Keller niedergelegt hätten". Ab gesehen von dieser Geschmacklosigkeit ist die Behauptung von einem Bomben fund aus den Fingern gesogen. Die Polizei erzählte nur von einem Waffenfunde. Im 38. Bezirk, in dem Genosse Zucht kandidiert, soll der Gewerkvereinler Klein aufgestellt werden. Im 31. Bezirk ist ein Kaufmann Groß anserschen, den uns gehörigen, bisher vom Genossen Schubert vertretenen Bezirk abzunehmen. Bekannt� lich ist von unserer Seite Genosse Kurt Rosenfeld an Stelle des erkrankten Genossen Schubert aufgestellt worden. In einer am Dienstag im Saale der Bötzow- Brauerei statt- gefundenen Versammlung des freisinnigen Vezirksvereins der Schönhauser und Prenzlauer Vorstadt wurde nach einem Referat des Laudtagsabgeordnetcn Dr. Schepp beschlossen, dem Komitee des 31. Kommunalwahlbezirks 200 M. zu Wahlzwecken zu überweisen._ Der Berliner Magistrat gegen den Verwaltungsdirektor der Charit«!. Ueber mangelnde Krankenfürsorge in Grotz-Berlin hat der Verwaltungsdirektor der Königlichen Charitö Geheimrat Pütter in den Annale» der Charitö lebhaft Klage geführt. Gegen die auch von uns abgedruckten Ausführungen des Herrn Pütter wendet sich der Berliner Magistrat in folgenden Darlegungen: «In der Oeffentlichkeit wird neuerdings wieder die unrichtige Ansicht verbreitet, dah die KrankenhanSeinrichtungen Berlins zurzeit trotz der unlängst erfolgten Eröffnung des zur Aufnahme von 2(X)9 Kranken bestimmten städtischen Rudolf Virchow-Krankenhauses noch völlig unznreichend seien, daß dauernd Platzmangel wegen Ueber- füllnng, ja eine wirkliche.Krankenhausnot' bestehe. Dabei wird unter anderein behauptet, daß nach Auskunft der Zentralmcldestelle für den Krankenbettennachweis die Abweisungen Tuberkulöser von den Krankenhäusern täglich 29 bis 59 betragen hätten, so daß bei täglich durchschnittlich 35 Abweisungen deren 12 775 im Jahre erfolgen müßten. Die Zentralmeldestelle hat eine derartige, völlig unzutreffende Auskunft nie erteilt. Ausweislich der von ihr geführten Statistik hat in der Zeit vom 1. Oktober 1998 bis dahin 1999 die Gesamtzahl der wegen Platzmangels abgewiesenen Kranken aller Art— einschließlich aller Tuberkulösen— 3459 oder durchschnittlich täglich 9—19 betragen I Naturgemäß entfällt die bei weitem größte Inanspruchnahme der städtischen Krankenhäuser in den Winter, also in die Monate Dezember bis April. Der letzte Winter ist besonders hart gewesen und so haben sich die Krankenhäuser auch in erbeblich stärkerem Maße als sonst namentlich mit Lungenleidenden gefällt. Dazu kam, daß eine hartnäckig andauernde Scharlachepidemie im Durchschnitt täg- lich, allein in den städtischen Krankenhäusern, mehr als 299 Betten fiir derartige Kranke erheischte. Außerdem mußte für unvorher- fiesehene Einlicferung von Cholera-, Pockenkranken und dergleichen tändig eine größere Anzahl Betten bereitgehalten werden. Der unter diesen besonders ungünstigen Umständen damals mehrfach in empfindlicherem Umfange eingetretene Platzmangel ver- anlaßte die städtische KrankenbanSdepuiation sofort, ninfassende Borkehrungen zur unverzüglichen Beseitigung des Mißstandes zu treffen. Bereits am 16. Dezember 1998. demnächst am 19. und ferner am 22. Januar dieses Jahres wurde im Rudolf Vircholo- Krankenhanse je eine Station mit 59, zusammen also 159 Betten für innerlich Kranke neu eröffnet, auf vielen der vorhandenen Stationen der inneren Abteilungen aber wurden noch zahlreiche Betten eingeschoben. Die Zahl der Abweisungen sank infolgedessen alsbald um zirka 59 Proz., sie betrug im April und Mai im Durch- schnitt täglich vier bis fünf Personen. Gegenwärtig sind von den 4699 städtis che n Krankenha usbelten nur rund 3799 belegt, mit- hin rund 999 Plätze frei, obwohl noch iinnier niehr als L99 Betten von Scharlachlranken in Anspruch genommen werden. Trotz dieses augenblicklichen Ueberflusses an freien Plätzen sind aber auch jetzt vereinzelte Abweisungen wegen Ueberfüllnng gewisser Stationen nicht ausgeschlossen. Sie werden jedoch auch in Zukunft bei noch so erheblicher weiterer Vermehrung der Bettenzahl nicht ganz verschwinden, weil eben bei der heutigen weitgehenden Sonderung und Gruppierung der Kranken nach der Art ihres Leidens und wegen der plötzlich eintretenden Notwendigkeit zur Schließung einzelner Abteilungen wegen Infektion stets der Fall eines Platzmangels für gewisse Krankheitsformen eintreten kann, den sofort zu beheben nicht immer möglich ist. Für den kommenden Winter ist auch bei gleichem oder noch stärkerem Andränge von Kranken als im vorigen die Besorgnis vor einer sogenannten.KrankenhauSmisere' in keiner Weise gerecht- fertigt, da im Rudolf Virchow- Krankenhause jederzeit noch eine Mehreiustellung von 299 Betten erfolgen kann und die Hospitäler in der Fröbel- und Palisadenstraße— ganz abgesehen von dem erst zu einem Dritteile belegten Hospital in Buch— noch Platz zur Unterbringung von zirka 299 unheilbaren Kranken und vor- geschrittenen Tuberkulösen bieten. Infolge der neuerdings ge- troffencn Anordnungen werden in Zukunft die Krankenhäuser von den unbemittelten Siechkranken, welche sie sehr zuungunsten der Heilbaren belasteten, wesentlich schneller als bisher entlastet werden. Zu dem erhobenen dringenden Rufe nach mehr Krankeuhänsern sei schließlich noch bemerkt: Im Krankenhause Friedrichshain wird gegenwärtig die Jnfektions- abteilung um 62 Betten erweitert. Die betreffenden Neubauten werden bereits im nächsten Sommer zur Eröffnung gelangen. Noch in diesem Jahre wird ferner mit dem Erivejterungsban des Kaiser- und Kaiserin-Friedri«ch-KindcrkrankenhauseS begonnen, wodurch die Zahl der Betten für kranke Säuglinge und Kinder um 66 vermehrt wird. Durch den im Jahre 1995 erfolgten Ankauf des eheinaligen Erziehungshauses am Urban ist die Stadtgeineiude überdies in der Lage, in wenigen Monaten die dortige Kraukenstation um mehr als 199 Betten zu vergrößern. Endlich ist von den städtischen Behörden die Erriiiitung einer Anstalt für Brustkranke mit zunächst 599 Betten beschlossen. Das Bauprogranim wird zurzeit von der KraukenhauSdeputation erneut beraten. Dabei sei noch erwähnt, daß auch die Errichtung eines größeren Krankenhauses für geschlechtSkranke Prostituierte in Vorbereitung ist. Die Stadtverwaltung ist demnach längst damit beschäftigt, auch einem künftigen Bedürfnisse für die Errichtung weiterer Kranken Häuser zu genügen.' So weit der Berliner Magistrat. Was die in dem Exposo mit- geteilten Zahlen über die Abweisungen Tuberkulöser von Kranken Häusern betrifft, so müssen wir es Herrn Pütter überlassen, dem Magistrat zu antivorten. Wenn aber der Magistrat sich zur Entkräftung der Pütterschcn Ausführungen darauf beruft, daß in den städtischen Krankenhäusern 999 Plätze frei sind, so ist dieser Ein- wand durchaus nicht geeignet, die Pütlerschen Darlegungen zu er- schüttern. Man muß da zunächst wissen, wie diese Zahl zusammengerechnet worden ist. Bei früheren Debatten im Rathause über die KrankenhauSnot haben wir in dieser Beziehung die sonderbarsten Aufmachungen erlebt und das muß zur Vorsicht mahnen. Zu bedenken ist, daß der Geheimrat Pütter billige Heilanstalten fordert, der Magistrat aber die Kurkostensätze in den Krankenanstalten von neuem erhöht hat. nützen denn die schönsten Krankenhäuser, wenn die Kurkosten in einer Weise erhöhl werden, daß die Kranken und vor allein die Krankenkassen die Kurkosten nicht mehr aufbringen können I Der beste Beweis hierfür sind unsere städtischen Heiinstätten, in denen gleichfalls eine erhebliche Zahl freier Betten vorhanden sind. Das ist aber nicht deswegen der Fall, weil keine für diese Einrichtungen geeigneten Personen vorhanden sind, sondern weil die Kosten höhere geworden sind. Genau so steht es mit der Belegung unserer Krankenhäuser. Die Krankenkassen werden infolge des Fiskalismus der Stadt Berlin direkt gezwungen, bei Neberweisungen von Kranken an Krankenhäuser noch gewissenhafter als bisher zu verfahren, wollen sie nicht dem Ruin entgegengehen. Wenn eS unter solchen Umständen dahin kommt, daß eine größere Anzahl freier Betten in den städtischen Krankenhäusern vorhanden sind, so ist das ganz be begreiflich. Nur soll der Magistrat daraus nicht etwa den Schluß ziehen, daß für alles bestens gesorgt ist. Das Gegenteil kann man eher annehmen. Der Gcsnndheilszustand der Berliner Bevölkerung ist durch die engherzigen Maßnahmen der städtischen Behörden schlechter geworden. Gerade die oben angegebenen Zahlen über freie Plätze in Krankenhäusern beweisen, wie verfehlt der Beschluß der städtischen Behörden auf Erhöhung der Kurkostensätze war. ES sollte schleunigst dafür gesorgt werden, daß dieser Beschluß wieder ans- gehoben würde. Mit gewissem Interesse haben wir gelesen, daß daS von uns bereits erwähnte Projekt der Errichtung einer Anstalt für Brust- kranke«zurzeit von der Krankenhausdeputation erneut beraten" wird. Hoffentlich werden diese Beratungen bald abgeschlossen.«In Vorbereitung" ist auch die Errichtung eines größeren Krankenhauses ür geschlechtSkranke Prostituierte.„In Vorbereitung" ist bei unS bekanntlich»ach einem Ausspruch des Stadtrats Ledcrmann alles. Was es aber mit diesem Projekt auf sich hat und in wie weitem Felde es sich befindet, haben wir erst kürzlich berichtet. Etwas mehr Dampf in diesen Fragen, die für den Gesundheitszustand der Berliner Bürgerschaft von großer Bedeutung sind, könnte nichts chaden._ Ueber die amerikanische Arbeiterbewegung wird am Freitagabend im Gcwerkschaftshause Genosse Viktor Berg er sprechen. Genosse Berger, einer der Führer der ozialistischen Bewegung Amerikas, der von der Sozialdemo- kratie der Vereinigten Staaten zur Sitzung des Jnter- nationalen Bureaus delegiert worden ist, weilt zurzeit in Berlin, wo er die Gelegenheit benutzen wird, den Berliner Genossen ein Bild der anierikauischen Arbeiter- beweguug zu geben. Die Genossen werden sicherlich nicht verfehlen, durch massenhaften Besuch ihr Interesse für die amerikanische Bruderpartei zu bekunden! Der Verstorbene in der Landtagswählerlistc. Wir teilten vor einiger Zeit mit, daß im 666. UrWahlbezirk ein Wähler der ersten Abteilung in der Liste steht, obwohl er im Mai dieses Jahres verstorben ist. Bon einer Seite wurde dagegen Ein- spruch erhoben unter Angabe des Namens und der Wohnung des Verstorbenen. Auf diesen Einspruch erging der folgende Bescheid: 1199 Berlin, den 23. September 1999. Ihr Antrag auf Streichung des Maurermeisters Herrn Georg Fiedler in der Liste des 666. UrwahIbezirkS wird abgelehnt, weil nicht glaubhaft nachgewiesen ist, daß derselbe verstorben ist. Magistrat hiesiger köuigl. Haupt- und Nesidenzstadt. Beglaubigt: Neumann. Die Antwort ist klassisch. A n st a t t s e l b st sofort Recherchen einzuziehen, damit ein Verstorbener aus der Lifte gestrichen wird, verlangt man, daß der Einsprucherheber diesen Nachweis führt. Für die Wahl ist es nicht unerheblich, ob ein bestimmter Wähler der ersten Abteilung in der Liste stehen bleibt oder nicht, da die Streichung eines Wählers unter Umständen eine Verschiebung der Abteilungsgrenzen zur Folge hat. Aber unser Wahlbureau fragt nicht danach, es verlangt, daß der Protesterheber nach Schema? Belveismittel beibringt. Trotzdem versuchte derselbe dem Verlangen nachzukommen. Das war natürlich nicht so leicht. Er wandte sich an das Polizeirevier, an das Einwohner- Meldeamt, überall wurde erklärt, daß der Maurermeister F. tot ist. DaS sind aber alles keine«glaubhaften" Beweise für das Wahl- bureau. Vielleicht bedient sich das letztere der Reichspostbehörde, indem sie an den Verstorbenen schreibt, ob er wirklich tot ist. Ein anderer Rat kann dem Wahlbureau nach seinen Leistungen kaum mehr gegeben werden, um glaubhafte Beweise für de» Tod des F. zu erhalten.- Es ist erstaunlich, mit welcher Zähigkeit das Bureau an dem verknöcherten Bnreaukratismus hängt, und sollten selbst Verstorbene in der Wählerliste verzeichnet bleiben. Soldatciispiclerci. Der«Berliner Lokal-Anzeiger" berichtet von einer„Parade", die am vorigen Sonntag in Gegenwart eines ff. Publikums über die«Erste Berliner Turn- und Exerzierschule für Knaben besserer Stände" in den Ansstellmigshallen am Zoo ab- gehalten worden ist. Am Portal standen zwe�Schilderhäuschcn und davor zwei mililärisch ausgerüstete Jungen, die den vorbeikommenden Offizieren stramm die Honneurs erwiesen. ES soll ein„prächtiger Anblick" gewesen sein, was wir dem speichelleckenden Scherl- Blatt ohne weiteres glauben. Nachdem die 129 zukünftigen Generäle, Admiräle und— Kommerzienräte im Ausstellungssaal mit Sturm angegriffen und ein nervenerschütterndes Siegesgeheul angestimmt hatten,«erfolgten zahlreiche Beförderungen", über ivclche die Eltern, darunter sehr hochgestellte Personen, außer Rand und Band waren. Künftig wird man noch die«Wacht am Rhein" und«Heil dir im Siegerkranz" blasen, sobald die zappelnden Herren Juugens der vornehmen Kaste ins erste Badewasser kommen. Mit dem Helm auf dem Kopfe packt man sie ins Stcchkissen, und in preußischer Uniform machen sie ihre ersten Gehversuche. Dannt alles hübsch national angestrichen aussieht— von der Wiege bis zur Bahre! Wenn aber jugendliche Arbeiter, die aus den Kinderschuhen s«chon heraus sind, Sonntags eine Erholungspartie ins Freie machen und dabei ein rotes Fähnchen entfalten, was ein noch viel prächtigerer Anblick ist, springt der Gendarm dazwischen und schleppt den Fahnenträger auf die Polizei. Unsere disziplinierte Arbeiter« jagend macht freilich noch nicht mal vor einem königlich preußischen Gendarm„Honneur". In der Direktionssitzung deS Märkischen Museums am 13. Oktober wurde der Etat für 1919 beraten. Dabei wurde Kenntnis von dem außerordentlichen Besuche des Museums innerhalb der letzten sechs Monate gegeben. Es sind in dieser Zeit nicht weniger als 15 999 Kataloge verkauft worden. Da höchstens Va der Einzelbesucher sich einen Katalog kauft und außerdem viele das Museum in Gruppen unter Führung Besuchender— Vereine, Schulen usw. — in dieser Zahl nicht enthalten sind, so zeigt diese Zahl das er» freuliche Juteresse der Berliner Bürger an de» Denkmälern der Bor- zeit und rechtfertigt aufs neue die von der Stadlgemcinde für daS Museum gemachten Aufwendungen. Unter den Rüdern eines GrunewaldzngcS zermalmt. Einen schrecklichen Tod hat eine unbekannte Frau auf der Grunewaldbah» gefunden. Sie wurde unter den Rädern eines Zuges vollständig zermalmt. Ein Strcckenbeamter fand später den zerstückelten Lcich- »am auf. Ans welche Weise die Unbekannte auf die Gleise geraten ist, konnte mit Sicherheit nicht ermittelt werden. Es wird vermutet, daß es sich um die Tat einer Lebensmüden handelt. Jedenfalls hat sich die letztere in selbstmörderischer Absicht vor die Lokomotive deS heranbransendcn Zuges geworfen. Der Kleidung nach zu urteilen hat die Tote anscheinend den besseren Ständen angehört. Sie dürfte etwa 39 Jahre alt gewesen sein und hatte dunkelblondes Haar. DaS Eiscnbahiiiinglück bei Rcinickendorf-Nosenthal, über daS wir gestern unter«Letzte Nachrichten" berichteten, lenkt die Aufmerksam- keit auf die Sicherung der Bahnübergänge und weist erneut auf den Umstand hin, daß bei Kleinbahnen keine Barrieren vorhanden sind. Auch der Uebergang bei Wittenau hat keine solchen Wegcschranken. Die Bahnvcrwaltnng sucht denn auch alle Schuld von sich abzu« wälzen und den Kutscher für das Unglück verantwortlich zu machen, während die Ursache des Unglücks unserer Meinung nach in den Einrichtungen zu suchen ist. Der Behauptung der Bahnvcrwaltuug gegenüber, daß 199 Meter bor der Warnungstafel der Maschinen- führer das auf der Lokomotive befindliche Läutewerk in Tätigkeit gesetzt habe, erklärt der Schlächternwister Maiwald: „Ich fuhr auf dem Wittenauer Wege langsam dahin. Ich habe diesen Weg schon dreimal gemacht und kenne ihn ziemlich genau. Daß eine Eiscnbahukrenzuug und keine Schranken vorhanden sind, wußte ich, nahm aber als selbstverständlich an, daß der KrcnznngS- Punkt abends beleuchtet ist. Von dem Herannahen des ZugeS habe ich nichts bemerkt. Ich habe auch kein Läutczeichcn gehört. Plötzlich sah ich neben mir zwei Laternen, eS gab einen ungeheure» Anprall, und was weiter geschehen ist, weiß ich nicht mehr. Der neben mir sitzende Kutscher muß auch kein Läuten oder Pfeifen gehört haben, sonst hätte er mich darauf aufmerksam gemacht. Wegen eines Augenleidens vermeide ich jeden Alkohol und habe den ganzen Tag nichts getrunken. Auch der Kutscher war völlig nüchtern." Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Neben der Leitung der Neinickendorf— Licbenwalder Kleinbahn stellt auch die AnssichtS- behörde, die Eisenbahndirektion Berlin, Vernehmungen an. Das Unglück hat noch ein viertes Opfer gefordert. Im Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhause in der Reinickendorfer Straße ist über Nacht auch der siebenjährige Max Konrad, der Sohn eines Museumsdircktors, seinen Verletzungen erlegen. Der zwölf Jahre alte Bruder Erich Konrad liegt noch im Krankenhause schwer verletzt danieder. Bei der Katastrophe ist auch die achtjährige Tochter Frida deS GaSarbeiters Arndt aus der Waldstr. 53 in Neiuickendors-West mit verunglückt. DaS Mädchen fand gleichfalls im Kinderkrankenhanse Auf- nähme. Das Befinden des Schlächtenneisters Maiwald und seiner sechsjährigen Tochter Grete Maiwald hat sich wesentlich gebessert, so daß bei ihnen Lebensgefahr auSgcschloffen erscheint. Die Trümmer des verunglückten Schlächterwageus wurden gestern vormittag von der Unfallstelle fortgeräumt. Wie wir weiter erfahren, wird sich der Vorstand des Vereins der Berliner Vororte in einer heute stattfindenden Vorstandssitzung mit der Katastrophe beschäftigen. Der Verein wirkt seit Jahren dafür, daß an den belebten Aibeanübergänge» in der Umgegend von Berlin Schranken aufgestellt werden. Todcssprung von der SchilliugSIirücke. In der Spree hat sich gestern abend ein jugendlicher Selbstmörder ertränkt. Der Un- bekannte, der etwa 29 Jahre alt gewesen sein dürfte, hatte durch sein eigenartiges Benehmen die Aufmerksamkeit der Passanten hervor- gerufen. Plötzlich schwang er sich über daS Geländer hinweg in die Spree hinab. Obwohl sofort Rettungsversuche unternommen wurden, konnte der Lebensmüde nicht mehr geborgen iverden. Der gestohlene OffizicrSkoffcr. In eine peinliche Situation ist ein fremder Offizier durch einen Dieb gebracht worden. Der Over- lcutiilint Hindstedt von» 98. Infanterieregiment wollte die Rückfahrt »ach Metz antreten und hatte seineu Koffer nach dem Bahnhof Friedrichstraße dirigiert. Als er dann abfahren wollte, war der Koffer verschwunden. Ein Dieb hatte ihn auf bisher noch nicht auf- geklärte Weise gestohlen. Da er eine ganze Reihe von Uniform- stücken und Waffenröcken enthielt, so ist der bestohlene Offizier in eine recht unangenehme Situation geraten. Bon einem Wagen der Meierei Bolle sollte dieser Tage ein elf» jähriger Knabe in der Kaiser-Wilhelm-Straße überfahren ivorden sein. Bon beteiligter Seite iverden wir gebeten, darauf hinzuweisen, dtjß im vorliegenden Falle ein Irrtum vorliegt. Der Wagen, um den eS sich handelt, fuhr von der Spandauer Straße in die Kaiser-Wilhelm-Straße ein in einem Augenblick, als eine Anzahl Knaben auf dem Straßen- dämm spielte». Die Knaben stoben auseinander, wobei einer zu Falle kam. Der Kutscher hielt sofort und der unter dein Pferde liegende unverletzte Knabe stand auf und rannte davon, seine Schul- mappe liegen lassend. Als ein Schutzmann den Kutscher feststellen wollte, konnte der Knabe nicht mehr ermittelt werden. Um dcS schnöden Mammons willen will sich ein früherer katholischer Geistlicher eine Frau zulegen. Er tut das auf dem nickt mehr ungewöhnlichen Wege des Inserats. In der.Morgenpost" ist zu lesen: Frauchen bis dreistig, vermögend, wünscht früherer katholischer Geistlicher, jetzt evangelisch. Lehrfach, moderndenkend. Offerten„M. P. 572" Hauptcxpedition. Wie oft mag dieser geistliche Herr gegen den Besitz irdischer Güter gewettert haben I_ Von einem Feuerwehraiitomodil überfahren und schwer verletzt wurde am Dienstagabend eine unbekannte Frau an der Kreuzung der Prinzen- und Annenstrahe. Die Fenerwehr fuhr vorschristS- maffig auf der rechten Seite und gab das übliche Signal. Trotzdem versuchte eine Frau an dem Automobil, das nicht einmal über« mäßig schnell fuhr, vorbeizukommen. Dabei streiften die Kleider eins der Räder, die Frau wurde erfaßt und beiseite geschleudert. Die Feuerwehr hielt sofort. Die Frau wurde gleich mittels Droschke nach dem städtischen Krankenhause am Urban gefahren. Sie war aber auf dem Transport schon verstorben. Die Äerzte konnten nur den Tod der unbekannten Frau feststellen. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Der bedauerliche Unfall wäre glücklich abgelaufen, wenn die Frau nicht mit dem Hinterkopf auf das Pflaster gefallen wäre und dadurch einen Schädelbruch erlitten hätte. Die Gräfin Strachwitz als„Schloßherrin". Daß die kürzlich erniocdete Gräfin Strachwitz, deren Salons in der Charlottenstr. 2 und Friedrichstr. 30 in der Berliner Lebewelt einen so großen„Ruf" hatten, eine Zeitlang auch als„Schloßherrin" figuriert hat, wird erst jetzt bekannt. Sie hatte in, vorigen Jahre das alte Schloß Wettinshöhe auf den Lößnitzbergen im Meißner Land gemietet. Niemand ahnte damals, was für ein romanhaftes, wechselvolles Leben hinter der Dame lag, man gewährte ihr bereitwilligst Kredit, die Gewerbetreibenden bewilligten gern die Ausführung der Aufträge, freute man sich doch, daß endlich auf dem seit Jahren vereinsamten Schlosse frisches Leben zu pulsieren beginnen sollte. Als sie aber, so teilt die„Kötzsch. Ztg." mir, nach Monaten auf die Bezahlung der Rechnungen vergeblich warteten, als sogar die Hüter des Gesetzes oftmals auf dem Berge Visite machten und schließlich auch der Mann mit den Klebemarken auf dem Schlöffe eintraf, erging man sich in allerhand Vernuitungen. Die Gräfin empfing oftmals Herrengesellschaft, die in Automobilen eintraf, und das waren für das Schloßpersonal, das aus einer Zofe, einem Gärtner und Diener bestand, jedeDnial einkunftsreiche Tage. Nach etwa einem halben Jahre fröhlichen Lebens zog die Gräfin von bannen und zahlreiche Gläubiger hatten das Nachsehen. Vorort- JVachridrtcn. Lichtenberg. In der Stadwerordnctenvcrsaminlung am Dienstag gab gleich der erste Punkt Anlaß zu einer recht ausgedehnten Debatte. Und zwar handelte es sich um Genehmigung von Etatsüberschreitungen bei den städtischen Werken in der respektablen Höhe von 342 050,49 M. Diesen Mehrausgaben steht allerdings eine durch gesteigerten Bedarf bedingte Mehreinnahme gegenüber: immerhin betragen die endgültigen Mehrausgaben nach Abzug der Mehreinnahmen noch die Summe von 114 023,33 M. In welcher Weise bei den Werken gewirtschaftet wird, ergibt sich unter anderem daraus, daß. ohne die Deputation der städtischen Werke oder die Stadtverordnetenversammlung zu befragen, der Magistrat einen Beschluß faßte, wonach von den Ueber- schüssen des Gaswerkes 30 000 M. für Fehlbeträge des Wasserwerkes verwendet werden. Dabei scheute man sich nicht, bei jeder Gelege«- heit darauf hinzuweisen, daß der Lerdienst am Gas zu gering sei und man wohl die Berkaufspreise für Gas höher ansetzen müsse. Diese Behauptung wird treffend widerlegt durch den Finalabschluß für das Jahr 1903. woraus hervorgeht, daß gerade das Gaswerk am günstigsten dasteht, was ja auch in der Debatte durch unsere Genossen sowohl wie von bürgerlicher Seite festgestellt wurde. Nach- dem dieses Gebaren des Magistrats scharf gekennzeichnet worden war, sah sich der Vertreter desselben nach langem Sträuben doch endlich genötigt, die Erklärung abzugeben, daß man derartige Beschlüsse in Zukunft nicht wieder fassen wolle. Da auch sonst»och die Begründung für die bei einzelnen Titeln geradezu enormen Mehrausgaben ziemlich mangelhaft war. be- schloß die Versainmlung, die Vorlage an den Magistrat zurück- zu verlveisen, damit der Deputation der Werke vor Genehmigung Gelegenheit gegeben werde, die Vorlage zu prüfen und dem Plenum Bericht zu erstatten. Die bei dem Neubau der Gcmeindedoppelschule in der Pfarrstraße entstandenen Mehrkosten im Gesamtbetrage von 58 144,41 M. wurden bewilligt. Bei der nun folgenden Forlsetzung der Besprechung über unsere sowohl wie der von den Bürgerlichen eingebrachten, inhaltlich gleichen Interpellation betreffend die Wer- gebung von Bauarbeiten auf dem Elektrizitäswcrk entspann sich eine recht interessante Debatte. Das Elektrizitätswerk ist be- reits seit Jahren das kommunale Schmerzenskind Lichten- bergs. Bereits in der am 14. Dezember vorigen Jahres statt- gefundenen Sitzung wurde von fast allen Rednern, sowohl von unseren Genossen wie von den bürgerlichen, festgestellt, daß der Magistrat und speziell hierbei der erste Bürgermeister Ziethen bei der Ver- gebung der Reparaturarbeiten nicht die Sorgsalt habe walten lassen, die man habe erwarten dürfen. In der Vorlage vom 27. Juni 1903 an die Stadtverordnetenversammlung betreffend die Bewilligung der 80 000 M. für die Reparaturarbeiten wurde vom Magistrat zur Begründung ausgeführt, daß sich nach einem vom Regierungs- baumeister Bernhard ausgestellten Kostenüberschlage die Gesamtkosten auf h ö ch st e n S 80 000 M. belausen werden. Um so verwunderter mußte man sei». als gegen Ende des JahreS 1903 bekannt wurde. daß die von demselben Herrn Bernhard ausgeführten Arbeiten sich bedeutend teurer stellten. Daraufhin erfolgten die Interpellationen. In der Beantwortung derselben im Dezember vorigen Jahres wurde vom lviagistrat bereits zugegeben, daß sich die Kosten allerdings höher stellen werden, jedoch lasse es sich zurzeit noch nicht genau feststellen. Aus Grund dessen wurde die Besprechung der Interpellationen vertagt. Inzwischen konnte festgestellt werde», daß die Summe von 80 000 M. ganz bedeutend überschritten war: die Kosten betragen nunmehr rund 125 000 M. Die Anweisungen auf die Mehrkosten waren von dem ersten Bürgermeister ohne An- hören der Deputation der städtischen Werke unterschrieben worden, desgleichen war bei Vergebung der einzelnen Arbeiten weder die Vaudeputation noch die Werksdeputation befragt worden. Bei der Beantwortung in der letzten Stadtverordnetenversammlung erklärte lediglich der Magistrat: daß durch die besonderen Uinstände die Nichthiiizllzichung einer Deputation geboten war und daß mau im übrigen Herrn Bernhard als Bauleiter die Selbständigkeit uicht hätte beschränken dürfen. Ferner lasse der Magistrat die ganze Angelegenheit juristisch prüfen, um festzustellen, wer für den Schaden am Elektrizitätswerk regreßpflichtig zu machen sei. Mit dieser Erklärung war für die Bürgerlichen die ganze Angelegenheit erledigt. Von unserer Seite konnte mit Recht darauf hingewieienwerden, daß der Magistrat hierbei die Hauptschuld trage und die Stadt- v er ord n etenm e h r h e i t die M i t s ch u l d. da sie sich das Vor- gehen des Magistrats in dieser Angelegenheit gefallen laste. Der in der vorigen Sitzung gefaßte und nach Meinung eines großen Teiles der Stadtverordnelen geschäftsordnungsividrige Beschluß be- treffeich Aufhebung eines früher gefaßten Beschlusses, welcher die AnsteUimg des Chefarztes schon während des Krankenhaus b a u e s vorsieht, gab Veranlassung, eine Anfrage an den Magistrat zu richten, ob und wann die vom Magistrat beabsichtigte Vorlage betreffend Einrichtung einer Krankenstation für nicht bloß vorübergehend auf- genommene Kranke der Stadtverordnetenversammlung unterbreitet würde. Nach früheren Mitteilungen des Magistrats soll diese Vor- läge im Einvernehmen mit dem neu anzustellenden KrankenhauSarzt erfolgen. Hierbei zeigte es sich, daß unser Magistrat, weu» es sein muß, auch schnell arbeiten kann: er gab nämlich die Erklärung ab, daß er den: von den Stadtverordneten gefaßten Beschluß beigetreten sei und er sich folgedeffen mit den beiden der Krankenhausbaudcputation an- gehörenden Acrzten ins Einvernehmen setzen werde. Hierbei erfuhr man auch, weshalb die Krankenhäuser überfüllt seien, Herr Sanitäls- rat Dr. Wolf erklärte nämlich, daß die Dienstboten, welche sich eine kleine Verletzung zugezogen haben, doch nur ihrer Herrschast im Wege wären, folgedessen würden sie auf Grund von Ab- machungen der Herrschaften mir den Krankenhäusern in diefe auf- genommen. Fürwahr, dieser Ausspruch verdient festgenagelt zu werden. Auf das Erstaunen unserer Genossen hatte er nur noch die Frage: Ja, meine Herren, wenn Sie Dien st boten haben und dieselben lv erden krank, sind sie Ihnen dann nicht auch im Wege? Nach Erledigung von 13 eingegangenen Einsprüchen gegen die Nicht- aufnähme in die Bnrgerliste für 1909, wovon 12 für berechtigt er- achtet wurden. erfolgte Schluß der Sitzung nach vierstündiger Dauer. Die Beschlußfassung über den Beitritt zum Verlehrszweck- verband Groß-Berlin wurde vertagt, bemerkt sei jedoch, daß der Magistrat beantragt, diesem Zweckverband nicht beizutreten. Friedenau.' Ans der Gemeindevertretung. Nach einigen Mitteilungen unter- breitete der Direktor des Elektrizitätswerkes, Herr Mullert, der Ge- meindevertretung eine Denkschrift, in welcher die Errichtung eines Eiswerkes durch die Gemeinde vorgeschlagen wird. Dasselbe soll an das Elektrizitätswerk angeschlossen und auch von den Maschinen desselben bedient werden. Zur Begründung führte Herr Mullert an, daß infolge der geringen Kraftstromabnahme die Maschinen des Elektrizitätswerkes in den Sommermonaten gar nicht oder doch nur ungenügend beschäftigt würden. Dies beeinflusse die Rentabilität der Anlage ungünstig, auch sei es vom technischen Standpunkte aus für die Maschinen nicht von Nutzen. Außerdem erwüchsen aus dem jetzigen Zustande mit den Angestellten ständig Schwierigkeiten. Während dieselben in den Wintermonaten in ausgedehntem Maße zu Ueberarbeit herangezogen werden müßten, sei im Sommer, wenn man nicht zu Entlassungen schreiten wolle, die Beschäftigung eine höchst mangelhafte. Die Eis- fabrikation wäre ein Gebiet, welches erstens die Ausnutzung der teuren Maschinen ermöglichte, und zweitens der Gemeinde eine neue Einnahmequelle erschließe.— In der Diskussion standen die meisten Redner dem Vorschlage sehr pessimistisch gegenüber. Man war im allgemeinen der Ansicht, daß sich die Sache nicht rentieren würde. Ein Redner warnte davor, noch mehr Arbeiter bei der Gemeinde zu beschäftigen, da dieselben später alle pensioniert werden müßten. Dies sagten Leute, welche selbst Staatspensionen beziehen, die den zehnfachen Betrag dessen ausmachen, was die Kommunen und der Staat an untere Angestellte zahlen. Zur Sache felbst wurde beschlossen, ani Orte eine Rundfrage über den Eisver- brauch zu veranstalten, auf Grund des sich ergebenden Resultats sollen evcnt. weitere Schritte unternommen werden. Wir sind neu- gierig, wann unsere Gemeindevertretung, die in fast jeder Sitzung irgend ein Anliegen für die höheren Schulen usw. zu erledigen hat, der Erbauung eines Volksbades näher treten wird. Der Verleger des hiesigen Lokalblättchens, der auch der Gemeindevertretung an- gehört, macht wohl'des öfteren, wenn er am Quartalsschluß für feine Zeitung auf Gimpelfang auszieht, darauf aufmerksam, was Friedenau»och alles haben müßte: doch der Herr hat genau so wenig wie die anderen Vertreter der dritten Klaffe eS bisher für nötig gefunden, einen Antrag auf Erbauung einer von ihm selbst befürworteten Badeanstalt zu stellen. Die Wähler dieser Herrschaften mögen sich dies und so manches andere für kommende Wahlen merken. Charlottendurg. Die Parteigenossen werden darauf hingewiesen, daß der Volks- Haus-Ansschnß morgen Freitag, den 15. Oktober, abendS 8 Uhr, im Volkshause einen„Lustigen Abend" veranstaltet. Vortragende sind: Herr Richard vom Deutschen Theater und Frau Frida Richard vom Hebbel-Theater. Da nur außerordentlich GuteS geboten wird und der Ueberschuß für den VolkshausfondS verwendet werden soll, werden die Genossen ersucht, für guten Besuch Sorge tragen zu helfen. Groft-Lichterfclde. In der lebten Gemeindevertreterfibnng wurde zunächst zur Neuwahl eines Schöffen geschritten, da die Amtszeit des bisherigen Gemeindeschöffen Rudolph, des Direktors der englischen Gas- gesellschaft, mit der die Gemeinde so glänzende Geschäfte gemacht hat, abgelaufen war. Er wurde fast einstimmig wiedergewählt; nur ein weißer Zettel wurde abgegeben. Die Gemeindevertretung scheint sich noch nicht zu der Erkenntnis durchgerungen zu haben, daß Beamte von Unternehmungen, die mit der Gemeinde nicht bloß in einem vorübergehenden, sondern in einem dauernden Bcr- tragsverhältnis stehen, nicht in ihre Verwaltung gehören. Der Bau des Realgymnasiums, der seinerzeit beschlossen worden ist, soll nun- mehr zur Ausführung kommen. Es hatte seinerzeit ein gewisses Aufsehen erregt, daß für denselben nicht weniger wie 7 70 00 0 M. gefordert und bewilligt worden sind. Vom Gemeindevorstand wurde hoch und heilig versichert, daß man sich„die größte Sparsamkeit" auferlegt habe und eine billigere Herstellung undenkbar wäre. Nun kommt auf einmal die Schulaufsichtsbehörde, beanstandet den Bauplan und durch diese Beanstandung werden nunmehr 30 000 M., das ist beinahe 10 Proz. der ursprünglichen Bausumme erspart. Und da die Schulaufsichtsbehörde zweifellos nicht etwas beanstandet, was im Interesse der Sprößlinge der besitzenden Klasse liegt, tvas notwendig, nützlich oder angenehm ist, so kann es sich nur um übe r f lü fs ig e n Luxus, verkehrte oder direkt u n- nütze Baudispositionen handeln. Daß die Lichtcrfelder Steuerzahler die Ersparung dieser bedeutenden Summe nicht ihrer Vertretung, sondern einer anderen die Interessen der Schule wahr- nehmenden Instanz zu verdanken haben, ist ebenso bezeichnend wie amüsant. Dieser moralische Versuch, die zuständigen Organe der Gemeinde zur Sparsamkeit an der rechten Stelle zu erziehen, ist lobenswert und mußte eigentlich in erster Linie von den Gemeinde- bürgern selbst ausgehen. Die Gemeindevertreter Engelmann und Jäger machten zwar einige schüchterne Bemerkungen zu dieser nicht gerade belanglosen Angelegenheit, gingen aber auf den Kernpunkt der Sache nicht weiter ein. Beschlossen wurde, mit den Ausfchachtungs- und Erdarbeiten baldigst zu beginnen und zu diesem Zwecke vorerst die hierfür erforderlichen 8000 M. zu bewilligen. Friedrichsfelde. Zu dem Wahlverelusbericht schickt uns Genosse Kohl eine längere Berichtigung, in welcher er die Behauptung, er habe die Hofgängerei gutgeheißen und eine gemeinsame Politik mit den Bürgerlichen— dem Freisinn— befürwortet, für falsch erklärt. Er habe im Gegen- teil die Hosgängerei der wllrttembcrger Genossen als Taktlosigkeit und Geschmacklosigkeit bezeichnet und gewünscht, daß die an der Londoner Reise beteiligt gewesenen Berliner Stadtverordneten genau so bewertet werden. Auch habe er ein Bündnis nnt den, Freisinn nur gelegentlich, wie etwa in der preußischen Wahlrechlsfrage, bezeichnet. Nieder-Schönhausen. Aus der Gemeindevertretung. Der freiwilligen Sanitätskolonne wurden zwei im Kellergeschoß des neuen Rathauses frei bleibende Räume zur Verfügung gestellt. Die Vergebung der Straßen- reinigimg und Befprengung sowie Bespannung der Feuerlöschgeräte soll zur Ausschreibung gelangen. Die Offerten sind bis zum 1. Dezember d. I. einzureichen; auswärtigen Bewerbern soll ein Pferdestall zur Verfügung gestellt werden. Die Regulierung der Bürgersteige in der Kaifer- Wilhelmstraße vor den Grundstücken Pieckenhagen und Wiedenbeck soll sofort in Angriff genommen werden und bis Mitte November beendet sein. Die Kosten im Be» trage von 2353 M. werden, wenn sie nicht anderlveilig anfzubringen sind, nächstes Jahr in den Etat eingestellt. Der Unternehmer Krüger aus Berlin will an der Moltkejlraße einen Sportplatz anlegen; hierzu wünscht derselbe Anschluß an die Wasserleitung. Die Ver- legung der Wasserleitungsröhren wird unter der Bedingung ge- nehmigt. daß die Terraiiigesellschast auf fünf Jahre den Betrag von je 75 M. garantiert. Tie neugeplante Straße auf dem Arltschen Terrain zwischen Platanenstraße und Straße 50 soll eine Gesamtbreite von 53 Meter, erhalten. Hierauf folgte eine nichtöffentliche Sitzung. „Ueber GotteSglaude und Menschentum" referierte in einer im „Schwarzen Adler" ftattgesnndeuen, von etwa 500 Personen besuchten Volksversammlung Genosse Adolf Hoffmann. Raumrücksichten ver- bieten uns, das treffliche Referat auch nur in groben Umrissen zu rekapitulieren. In der Diskussion sprach zunächst Herr Pastor Fangauf, der die vom Referenten betonten Widersprüche zwischen der Bibel und den wissenschaftlichen Forschungen der Neuzeit unter- strich. Auch er, so sagte Herr Fangauf, sei bemüht, durch Besuch von Museen und Naturbetrachtung bei seinen Konfirmanden die Freude an der Natur zu wecken. Im übrigen könne man sehr wohl kirchlich gesinnt sein und doch für eine reinliche Scheidung von Kirche und Staat einlreten. Zum Sckluß ersuchte der Redner die Versammelten, bei den Kirchcnwahlen dafür zu sorgen, daß eine freiere Rich- tung Platz greife. Der zweite Diskussionsredner, ein Herr Kramer, Vorfitzender des Reichsverbändes, sprach nicht so sachlich wie sein Vorredner. Ihm schien es vielmehr darauf anzukommen, Zitate aus dem Reichs- verbaudslexikon gegen sozialdemokratische Führer vorzubringen. Genosse Hoffmau» sührte diesen Reichsverbandshäuptling ge- bührend ab. I» bezug auf die von Herr» Fangauf gewünschte Beteiligung der Versammelten an den Kirchenwahlcn sagte Hoffmann, daß damit der Arbeiterschaft nicht geholfen werden könne, so lange nicht das Klassenwahlrccht in Staat und Gemeinde beseitigt sei. Und da bei der Zusammensetzung des preußischen Landtages an eine Trennung von Kirche und Staat nicht zu denken sei, müsse die Losung nur lauten: Heraus aus der Kirche! Der Vorsitzende Genosse Vieth verwies am Schlüsse der Ver- sammlung darauf, daß am 13. Oktober bei Liedcmit ein Lichtbilder- Vortrag des Herrn Baege über„Kenntnisse vom Ursprung des Menschen" stallfindet und daß Formulare zum Austritt cmS der Landeslirche bei Hellrich, Waldowstr. 23b, zu haben sind. Vermischtes. Zngznsammcnstoß in Obcrbaycrn. Mnnchener Meldung zufolge stießen gestern früh auf der Station Thann-Matzbach in Ober« bayern zwei Güterzüge auf der Einfahrtsweiche zusammen. Beide Lokomotiven und zwölf Wagen entgleisten und wurden stark be- schädigt. Dreizehn Beanite wurden verletzt, darunter der Lokomotivführer Zettel-Simbach schwer. Die Strecke ist gesperrt. Zum Raubmord bei Hosterwitz. Unter den, Verdacht, den Fleischcrlrhrling Hechtim Schoner Grunde am Sonnabend ermordet zu haben, wurde, wie aus Dresden berichtet wird, gestern vormittag bei der dortigen Polizei der Fleischcrgeselle Armr Henschel aus Cotta eingeliefert. Er hat bis zum 1. Oktober mit Hecht beim Fleischer- meister Schumann gearbeitet und ist seitdem stellungslos. Er gab an, den ganzen Abend vom späten Nachmittag an bei seiner Geliebten gewesen zu sein. Wie aber die Polizei festgestellt hat, ist er erst um 8'/z Uhr dort eingetroffen, hat also, da der Mord geschah, entgegen seiner Angabe nicht bei dem Mädchen geweilt. Ein HauSeinsturz in Budapest. Nach einer Meldung aus Budapest wurden durch den Einsturz dreier Stockwerke eine» fünf, stöckigen Neubaues dort viele Arbeiter verletzt. Es liegen noch Arbeiter unter den Trümmern begraben. Wie eine spätere Meldung besagt, sind die Folgen des Neubau- einsturzes geriiisügiger. als zuerst angenommen wurde. ES sind zwei Arbeiter verletzt worden. Untergang eines deutschen Dampfers. AuS Dmuiden wird gemeldet: Der deutsche Dampflogger„Adolf" ans Geestemünde ist bei der Doggerbank gesunken. Ei» Boot des Dampfers mit elf Jnsaffen ist gerettet worden, ein anderes Boot mit dem Kapitän und neun Mann wird noch vermißt. Lese- und Dislutierklub„Wilhelm Liebknecht-. Heut« Donners- tag, abends 9 Uhr, bei K. Eichhorn, Danziger Straße 93: Sitzung. Gäjte willkommen._ WttterunqSiibersicht vom 13. Oktober 1909, morgen« 8»hr. 2 bedeckt 8 1 Nebel 7 4 bedeckt 13 3 wolkig 10 2 halb od. 14 I l Wetterproguoie für Donnerstag, den 14. Oktober I99S. Mild und zeUwelsc heiter, aber veränderlich mit etwaS Regen und mäßigen lüdwesllichen Winden. Berliner Wetterburea«. kZetter f- WasserftandS-Nachrtchten der LandeSanstalt für Wewälserlunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburea n. Wasserstand M- m- t. Tllst« P r e g e l. Jniterburg W e i ch f et. Thoru Oder, Natibor » Krossen . Frankiurt Wa r t h e, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elb«, Leitnieritz » Dresden » Barby . Magdebing ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) llnlerpegel. (Oll Ulf,(f llttll, gar. lebend Ank, 8 Monat alt, voll- kommen auSgcwachfen, volljedrtg, fleischig, schlachtreif. 10 St. ca. 8 Pfd. schwere Gänse 32 Mark; 18 fchivcre Enten 30 Mark. 257/8 K. Streusand, Ozieditz, Schlesien 45. 'Enorm billiger Verkauf1 eleganter Monatsgnrderoben früher 90-30 Alark jetzt 28-12, Deutsches Bekleidungshaus Gr. Fi-ankfurter Straße 89. Nur I. Etage, kein Laden. Stznarsss-Sartvn •81 Andrcasstr. ÄO W' Jnh.: Franz MerkowskL Saal und Bereiuszimmer zu ivcrfammlungenund Festlichkeiten jeder Art. Gr. nittasHtlach von 60 Pf. an mit Bier. Fremden» legis. Kegelbahn. Gut gepflegte Biere. Gute Spei seil und Getränke. Jeden Sonntag Danz bei freiem Ein» tritt. SU. Saat, 150 Perf. Dienstag, Donnerstag od. Freitag srei, passend für Gesangvereine. Einem geehrte« Publikum, Vereinen u. Gesellschaften halte mich bestens empfohlen. 26552« SozialdemokratisctierWalilfereiDl für den 2. Berliner Reielistags-Walillffeis. (Bezirk 94.) Am 10. Oktober verstarb unser Mitglied, der Lagerist kterdmand Wendt Luckenwalder Straße 14. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Donnerstag, de» 14. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen, Halle des Zentral-FriedhoseS in FriedrichSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/12 ver» Voi-gtanel. iiiieiter-Raflf.- Verein„Voran" Berlin. Mitgl. d. A.-R.-B. „preikeit". Am Montag, den 11. Oktober, verstarb infolge BauunsalleS unser Mitglied VVUKelm I�udliKe. Tag und Zeit der Beerdigung wird den geehrten Mitgliedern per Karte bekanntgegeben. Sein Andenken wird im Verein sortleben l 1931b Der Borftand. Zentral-Vereiii der Bilaiier Deutsehlanils. (Verwaltung Berlin.) Unseren Mitgliedern hierdurch I die Nachricht, daß am 12. Oktober | der Holzbildhauer Artur Bulle | im 26. Lebensjahre gestorben ist. Die Beerdigung findet am I Freitag, den IS. Oktober, noch- 1 mittags 3'/, Uhr, aus dem Thomas- Friedhos in Rixdors, Hermann- j stratze, statt. Um Beteiligung ersucht 120/14 Der Vorstand. Deutselier Transportarbeiter-Verbanl Verwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kutscher Wilhelm Tollsladt am Sonnabend, den 9. Oktober, im Alter von 39 Jahren infolge Schlage»? eines Pserdes gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 14. d. MtS., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle der Bartholomäus- Gemeinde in Weißensee aus statt. 70/10 Die Verwaltung. Am Dienstag, den 12. Ottober, verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann und unser guter Vater. Schwieger- und Groß- vater, der Zimmererinvaltde ferdinsad Kröger. Dies zeigt tiesbetrübt an Marie«iruger nebst Kindern. Rixdors, Prinz-Handjery-Str. 64. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des neue» Jakobi-jlirch- hoses in Rixdors, Hermannslraße, aus statt. 237 IL ?esk* Cloppenburg ati, © Wa. Speziafhaus für moderne Herren- u. Knabenkleidung Gertraudtensfraße 25, 26, 27 □ Roßstraße 1 u. 2. Fertig am Lager! Schwarze Gehrock-Anzüge Tuchkammgarn... M. 41, 46, 50, 56 64, 68, 74, 86 ll. 8. w. Melton-Cheviot... M. 56, 61, 68, 74, 86 u. s. w. Frack-Anzüge: Tuchkammgarn... M. 46, 56, 60, 70, 84 u. s. w. Smoking-Anzüge: Tuchkammgarn... M. 38, 41, 50, 56, 62 75, 89 u. 5. w. Melton-Cheviot....... M. 62, 70, 84 u. s, w. (S)®@® <§) Das Gerücht, Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben unver- geglichen Frau, unserer guten Mutter, Schwägerin und Tante 28702 Alma Kost geb. Liehmann jagen allen aufrichtigen Dank. Die Hinterbliebenen. Hcriuann Kost. Joh. Mchrepkownkl, Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme beim Heimgänge meines geliebten Zstannes, des Gastivirts August l�aack spreche ich hiermit uieuien herzlichste» Dank auS. Steglitz, Rheinstr. 40. fsiölieiiltg Raack 264/9_ geb. Naundorf. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen, insbesondere dem 109. Bezirk meinen besten Dank. 19366_ Paul Hobock. Dr. Simone! Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrinzenstF. 41, Ä™*. 10—2, 6—7. Sonntags 10—12, 2—4. daß ich infolge des Todes meiner lieben Frau mein Saal, und Eartengeschäft vertaust habe, entbehrt jeder Begründung. Ich darf wohl daraus rechnen, daß meine Genossen, GcwerlichaitSleiler und sonstigen Vereine bei Arrangierung von Versammlungen, Fcsllichkeiten usw. sich meiner erinnern werden. Zimmer und Säle für 40, 80, 500, Garten mit großer Bühne sür 1600 Personen, sind sür dielcS und nächstes Jahr noch an mehreren Wochentagen, Sonn- abendcn und Sonntagen zu den kulantesten Bedingungen zu oergeben. Keine Bierpreiserhöhunq. Uckerinärktsche Birnen und Aepfel find wieder in kleinen und großen Posten zu Engrospreisen, aus Wunsch frei ins Haus, bei mir zu haben. Fritz Wllke, Brmmenstratze 188, dicht am Rosenthaler Tor.— Amt 3, 4835. Achtung! m'm' Sumatra-Decke erste Länge Stückblatt, ganz Helle Farben, guter Brand und sehr deetfahig, per Psd. verz. M. 3.30. er Robtabäk-Daus Filiale: Berlin N. DrnnnenDtraQo lOO. auf Teilzahlung ({jerlnjre Anninhlnnjj) M. Goldstaub ZossenerStr.SStfillt Ecke Gneisenaustraße. Kein Abzahlungsgeschäft! Anerkannt größte Rücksicht bei Arbeitslosigkeit und Krankheit. verengen wrefpr Patent /Pn- J meMornffntf/sa. fnnko(fit-j tri fr. Ke/cAe/f•&£}} FrMmAur. ZW! vertreibt das Ungeziefer aus den Wohnungen. M eigene Dampler. � Ton ft-lsche« Fangen unserer Flotte empfelilen wir in lebendfrischer I. Qualität; p. Pfd. ll.ftlarscliEgSto'25M „ Kabeljau im Anschn. 28 Pf. „ SeelSCtlS im Ansehn. 28 Pf. „ Sciieillisctl im Anselm. 88 Pf. .. Sche!i!ischfasr.2-spfd8S pf .. SclielI!isclifaMg.i-2„ 85 pf. „ SClieiiiiSCh th.z. Braten 22 Pf- .. Knurrhahn-. Braten 25 pf. „ Schellen 1.5 ffd.25,pid.9ll „Bratflundern.... 30 pf. .. Rotzungen i» er. heue 50 pf. „ ÄUSternllSCh Karbonad/JO Pf- „Slelnhutle bis 3x�180 pf. „ Heilbutt im Anselm. 90 Pf- Preise für diese Woche I allen Verkaufsstellen r gleiche Preise!"� Deutsche Dampffischerei-ßesellschaft Nordsee" Hauptgeschäft: Berlin 0., Bahnhot Börse. Telephon III, 8804 Verkaufsstellen: C., Bahnhof Börse, BogenS-lO. N., Invalidens tr. 131. NO. Landsberger Str. 52/53. O., Große Frankfurter Str. 85. 0., Madaistraße, Bogen 8—9, Fruchtstraße gegenüber. S., Prinzenstr. 94. W., Potsdamer Str. 112a. Ctanrlottenburg: Wilmers- dorfer Str. III. Hpantlau: Breitestr. 54. Hteirlltz: Schloßstr. 121. Eigene Eisenbahn- Kllhlwaggons I Aliuileii-»üb ürnuibiubrrri von Robert Meyer,* nur Marinmiku-Stroße 2. or-tieren« Spezialhaus Arbelter-Wanderbund Die Naturfreunde Slanderfahrten am Sonntag, den 17. Oktober. 1. Trebbin— AHrensdors— Trebbin. Abs.: Anhalter Bahnhos 6» Uhr vorm. 2. Melchow— Nonnenfließ— EberS- walde. Abs.! Stett. Fernbahnhos 6°° Uhr vorm. 3. Jungsernheide-Saatwinkel— Tegel. Tresipunkt: Bahnh. Jungsernheide 2 Uhr nachm. Donnerstag, den 14. Oktober, abends 8'/, Uhr, im GewerkschastS- Hause: Sinung der naturw. Abt. Gäste willkommen. 1/17 für Fenster und Türen. Imposante Auswahl (einfacher und hochaparter Genre). Pro Fenster von 37sbisl75M. Ein Posten reichgestickter liisch- P ortleren M- nur soweit Torrat Fro£) nr /Wort Fenster Om.>iz°x Teppich-Spezialhm EmilLefevre Berlin Süd. Seit 1882 OranienstraBeM nur Habe nirgends yilialen! Hein neuer Pracht-Katalog für Innen-Dekoration AbbütoSr flratis u. franko. ir iw-i Sonntag, 17. Oktober, abends 7 Uhr, in reuer8löM8 re8l8S!ell, Alte Jakobstr. 75: Zuzenck-VerAmmImz Vortrag des Schriftstellers 8.|[A!?ell8tejll über: Jugend und AlKol/olfrage. Nach dem Vortrage: �tftlllAt �lllttkllllltlNIA. Yu dieser Versamnilung find alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen herzlichst eingeladen. 289/16* bleibt das beste Ketallpntzttiittel| 41 Hygienische. � Bß{UrlsirtIJ£eL Neuent. Katalog m. üinpfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u4j H. ünger, Gummiwarenfabrife beiiin NW~ Friedrichstraase 91/92 Dr. Schflnemann Spezialarzl für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Frledrichsfr.203, Ecke Schützenstr Wochentags 10— L. 5—7. An diesem Schild sind die Läden erkennbar, 13 in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Mastcrg/iiltlg: In Konstrnktlon nnrt Ansführangr, gleich vorzüglich für Hausgebrauch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BERIiEST, Lieipzigcr Strafle 03. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. Ei Streichhölzer. Pack 25 Ps., Klühstr. 30 Ps., 100 Zigarien 3-10 M.. echt Mereier-Kognak, FI. 3,50, Weißbiergl., gr. 30, tl. 20 Ps.. Gaszyl.. Dtzd. 95 Ps., Sunlightseise, Persiel, Scheuertücher, Urbin, Blendoi, alles andere billig. Pranst. Pankow, Wollankstr. 73.* oime ßnzalilung Gardinen, Portieren, Stores.Stepp. u. Tischdecken, Bilder, Teppiche, Ufaren auf Teilzahlung. 1,. Hatzncr, Augnstatr. 50. Nur Karte erbeten.* «Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 13 Buchstaben zählejj, doppelt Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Teppiche(sehlerhafte) Gelegeti- heitskaus. Fabriklager Mauerhost, Große Franksurterftraße 9, Flurcin- gang. Vorwärtslesern 6 Prozent Extrarabatt, sonntags geostnet.* Steppdecken billigst Fabrik Große Frnnkiurterslraße 9, Flureingang. Gardinenhaus. Groge Frank- furten'rratze 9. Flureingang. 249 1K* Taschenbuch für Gartenfreunde. Ein Ratgeber für die Pflege und sachgemäße Bewirtschaftung des Haus- lichen Zier-, Gemüse- und Obst- gartens von Max Hesdörscr. Zweite vermehrte Auslage. Mit 137 Text- abbildungen. Preis 3,50 Mark. Expe- dition Vorwärts, Lindenstr. 69. Teppiche!(sehlerhaste) in allen Größen für die Hälfte des Wertes Tcpbichlager Brunn, tdackefcher Markt 4. Bahnhos Börse.(Leser des »Vorwärts* erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet I* Gaskrone» ohne Anzahlung, Woche 1,00. Riesenlager, Louis Böttcher (selbst), Betriebsleitung Boxhagener- straße 32.(Bahnverbindung War, uescharstraße). Potsdamerstraße 81, Rixdors, Kaiser Friedrichstraße 247.* Vorwärts leser erhalten 5 Prozent Extrarabatt selbst bei nachstehend aus- gesührtcn Gelegenhcitskäusen. Tcppich- Thomas, Oranienstrage 160, Oranien- platz. Teppiche, sarbsehlerhaste, spott- billig.__ Gardinen, Stores, Musterexemplare, für halben Wert._ Sofastossrcste selten billig. Pliischportieren, einzelne Paare, spottbillig. Steppdecken. Musterstücke, spott- billig._ Vorwärtsleser, stehende 6 Anzeigen. beachtet oor« 264151* Pfandleihhans Krebber, Küstriner- platz 7, spottbilliger Bcltcnverkaus, Gardinenverkans, Wäscheverkaus, Uhrenverkaus, Deckenberkaus, Schmuck- fachen, Goldsachen, Silbersachen, verfallene Pfänder._ 24925? Baustelle» mit Baugeld und fester Hypothek an Greisswalderstraße der- taust Schade, Großgörschenstraße 35. Kleine Anzahlung, kulante Bedin- gungcn._ 18756* 5,00 prachtvolle Betten, 9,00 Baucrnbetten, Daunenbetten 12,00, Slussteuer, Damastbczüge 3,90. Nur Pfandleihe, Andrcasstraße achtund- dreißig._ 2550K Landbett, zwei Deckbetten, zwei Kissen, zweischläfrig, 18,00, große Laken 1,00._ Bauerndeckbett, Unterbett, zwei Kissen 27,00. Pfandleihe, Andreas- straße achtnnddreißig. Annoncenvor- zeiger vergüte Fahrgeld._ Herinannplan 6. Staunendbilligste Psänderverkäuse I Lombardwaren I Riesenauswahl Winterpaletols l Sommerpaletots I Iackettanzüge I Geh- rockanzüge! Herrenhosen l Burschen- fachen l Extrabillige Bettenverkäuse I Wäscheverkäusel Brautgeschenke I Schmucksachen I Taschenuhren I Ketten- auswahl l Ringeauswahl I Frei- fchwingerl Hochelegante Teppich- auswahll Gardinenauswahll Plüsch- lischdecketil Steppdecken I Kunstbilderl PelzstolaS!.Selbstverständlich I» LedermannS allerbilligste Kausgelegen- heit I Hermannplatz 6.„Waren- verkaus sonntags ebenfalls.* st 100* Freude beim Tragen hat man an einem Stück von Schlesinger, ganz gleich ob Beinkleid, Anzug oder Paletot, ob fertig gekaust oder be- stellt, wenn's von Schlesinger ist. ist es gut. Sitzt, hält und steht gut aus. Zwei Verkaufsstellen! Turmstraße 58 und Reinickendorserstraße 48. 2631K* Trehrollen(Teilzahlung), Fabrik Waßniannstraße 29,„Berlinea".* Klassiker-Ausgaben, Goethe, Heine, Reuter, Schiller, Shakespeare, je vier Bände 6,— Mark. Eichendorst, Hauff, je zwei Bände 3,50 Mark. Bürger, Kleist, Lenau, Uhland, Wieland und andere, je ein Band 1,75 Mark. Ex- pedition, Lindenstraße 69, Laden. Bücher des deutschen Hauses Eine Sammlung guter Erzählungen- Geschichten, Novellen usw. Gut aus, gestattet, zirka 300 Seiten umfassend. zum Teil illustriert und gebunden, 90 Pfennige pro Band. Expedition, Lindenstraße 69, Laden. Totalansverkanf. Restbestände Tuch- und Plüschportieren, Garnitur 2.65, 3.75. 4.85, 5.65, 6.75, 8.50, 9.50 usw. E. Wcißenbergs Portierenbaus, Große Franksurterftraße 125. 2701K Tüllbettdecken, extra groß, 1.95, 2.25, 3.35, 4,25 usw. Erbstüllstores, entzückende Aus- sührungen, 3.45. 3.85 4.50, 5.25, 6.00 usw. Gardinenhaus, Große Frank- surterstraße 125. Riesenposten Gardinenreste und einzelne Fenster(2 Schal) mit 10 Prozent Rabatt, Fenster 1.25, 1.85, 2.25, 2.75, 3.50, 4.50 usw. Gar- dinenhaus. Kroße Frankfurter- straße 125. Zlbfallteppiche 3.25, 3.85, 4.50, 5.80, 6.50 usw. Teppichhaus Große Franksurterftraße 125._ Plüschteppiche mit kleinen Farbfehlern, 10 Prozent Extrarabatt, 7.50, 9.85,11.—, 13.—.15- usw. E. Weißen- bergS Teppichhaus, Große Frank- surterstraße 125._ Tnchdecken 1.25, 1.75, 2.50, 3.50 usw._ Plüschdecken 3.85, 4.85, 6.50, 7.85, 9.25 usw. Große Fianksurter- straße 125. Riesenposten Steppdecken, Wolle und Similiseide, 3.25, 3.85, 4.50, 5.50, 6.50, 7.85 usw. Große Frankfurter- straße 125. Ainssenverkauf von Möbelstoff- resten, Linoleum- und Läuserstost- resten zu Spottpreisen. E. Weißenbergs Teppich hauS, Große Frankfurter- straße 125. MilchgeschäftSeinrichtungen! Milchverkaussgefäße, Milchkannen, Milchmaße, Milchsiebe, Butter- Maschinen, Wiegeschalen, billigst. Spezialsabrik Hermann Jordan, Michaclkirchstraße 21._* Plüschtischdecken, staunend billiger Massenverkauf I wundervolle, bestickte 5,35, 6,75 bis 13,50. Gloriatuchdecke 1,55, 2,25 usw. Teppichhaus Richard Wolf, Dresdenerstraße 8(Kottbuser- tor). Abonnenten Rabatt._* Billige Hosenwoche. Hochelegante Herrenhosen aus feinsten Maßstossen 7—15 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Vorjährige elegante Herrenanzüge und Paletots aus feinsten Maßstoffen 20— 40 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Die Grundbegriffe der Wirt- schastslehre. Eine populäre Einsüh- rung von Julian Borchardt. Preis 40 Ps. Expedition Vorwärts, Linden- straße 69. Gasbelenchtnngs- Gegenstände, Hängegasbrenner, Zugampeln, mo- dernste Bronzegaskronen, Gaskocher kaufen Installateure und Händler allerbilligst Großhandlung Baumann, Alte Jakobstraße 125. Geschäftsleuten Engrosradntt. 23S1K* Fünfzig wöchentlich. Möbel, Gar- deroben, Uhren, Kinderwagen, Wäsche, Betten, Steppdecken, Gardinen, Tep- piche, Eisenmöbel, Kronleuchter.SPrech, Maschinen, Musikwerke, Trauringe. Kranzow, Stargarderstraße 64.* Teilzahlung monatlich 10 Mark liefert elegante Herrengarderobe nach Matz, Kasse 10 Prozent billiger, Tomporowskl, Schneidermeister, Lindenstraße 110. 2663A* DaS alte berühmte Pfandleihhaus vom Weidenweg 19 befindet sich jetzt allein Chausseestraße 60. Dortselbst große Beleihung und größter Pfänder- verkauf. Spottbilligster Bettenverkaui I Gardinenverkaus I Uhrenverkauf I Teppichveikaus I Steppdecken I Tisch- decken I Bettinlette I Aussteuerwäsche I Riesenauswahl Herrenanzüge I Herren- Paletots l Damenkonfektion I Ver» fand auch außerhalb. Geöffnet ganzen Tag, auch Sonntags._ 2683K* 50 Pfennig wöchentlich, Möbel- lager, Spiegellager, Btlderlager, Portierenlager, Gardinenlaacr, Gaskronenlager, Tischdecken, Steppdecken, Freischwinger, Tafchenuhren. Sperber, Dresdenerstraße 123/129, Kottbuser Tor. 25S0K* Gnsbroiizekronen!!! Gaszng- lampcn 9,00. GaSrohrlyren l1/,. Gas- hängelicht 1 SalongaSkronen! Ausverkauf! Geschästsausgabcl spottbillig! Woblauer, Wallnertheaterstraße 32. Ohne Anzahlung, Woche 50 Pfennig, Bilder, Spiegel. Ferner: Möbel, Polstcrwaren, Teppiche, Gardinen, Steppdecken, Tischdecken, Bettbezüge, Portieren, Uhren, Gaskronen, Herren- garderobe. Weber, Prenzlaucrstr. 25. Besuch, eventuell Postkarte. 2537K* Littaners Nähmaschinen ohne Anzahlung, gebrauchte spottbillig, Ska- litzcrstraße 99, Warschanerstratze 67.* Teppiche. Die Nestbestände einer Teppichsabrik kommen zum schleunigen Verkauf. Preise bedeutend herab- gesetzt. Plüschtcppiche, ganz schwere Qualität: Stubengröße, früher 18,50 jetzt 12,00; Wohnzimmergröße, früher 32,75 jetzt 24,50; Salongröße, früher 43,50 jetzt 35,00. Teppichhaus Georg Lange, Chausseestraße 73/74._ Steppdecken, eigene Anfertigung, richtige Größe. 3,75, 4,50, 5,50, 1,50. Tcppichhaus Georg Lange, Chaussee- straße 73/74.•.2638®* Gehe» Sie nicht nebenan, wenn Sie zu Schlesinger wollen, achten Sie aus Firma und Hausnummer. Nur ein Geschäft in Moabit, Turmstraße 53, und ein Geschäft aus dem Wedding, Reinickendorserstraße 48. 2546K* Gaskronen, Pclroleumkroncn obne Anzahlung, Woche 1,00. Fabrikpreise. Große Franksurterftraße 92, Filiale Ravenöstraße 6. 2599K' Gestickte Erbstüllstores 3,85. Echte Spachtelstores 7,75, Sczeffionstüll- storcs 2,00. Teppichhaus Emil Lesövre, Oranienstraßc 153. 2147K* Singeruinschine, 8,00, gutnähcnd, Adalbertstraße 34. 19396 Kinderbettstelle, Kinderwagen, zurückgesetzte, gebrauchte. Größere Raten KassapreiS. Andrcasstraße 53. Kinderwagen billig zn verkaufen, Barbicrgeschäst Gormannstraße 12. �Billige Gelegenheitskäufe in Pelz- kragen, Kinderplüschgarniturcn, Mützen und Hüte, Pestalozzistraße 77, II links. 7,50. Jacketlanzüge. Winter Paletots, Hos en, Joppen kaust man zu staunend hilligen Preisen im Monatsgarderob en- Haus Sommer- seid, Oranienst raße 18._ 2696,(1* Monats a nznge, Winterpalctots, elegante Gehrockanzüge, Hosen, Winter- joppen, größte Auswahl für jede tigur passend, zu enorm billigen reisen nur im MonatSgardero bell- §aus Sommerfeld, Oranienstraßc l8. ahrgeld vergütigt. 269751* Geschäftsverkäufe. Ecklokal sofort billig zu verkaufen Prenzlauer Allee 229._ 13386 Gartenlokal, Tanzsaal, Kegelbahnen, Ausspannung, 12 Räume, Miete 2000,—, bis Januar bezahlt, Kaufpreis 4000,—, umständehalber. Gute Zukunft. Offerten B 1, Expedition des»Vorwärts*. 1935b /�5hel. Ans Teilzahlung Möbcleimi, Stube und Küche, 15 Mark. Verliehen gewesene Möbel spottbillig. Beroliua, Kastanienallee 49. 20l7K Gebrauchte Möbel aus Versteige- rungcn, Schränke, Vertikos, Tische, Sofas, Schreibtische, Bücherschränke, BüfettS.Garnituren.Bettstellen. Wasch- toiletten, Bilder, Kronen, Tcppiche, komplette Wirtschaften bedeutend billiger wie überall. Lennerts Möbel- speicher, Lothringerstraße 55. 2655K* Jetzt habe wieder billige Speise- ziminer, Herrenzimmer, Salons, Schlafzimmer, Pianino, Ankleide- schränke, Umbau, Ledersofa, Büfetts, Lcderstühle, Vierzugtische, Garni- turcn Schreibtische, Chaiselongues, Vertikos, Bettstellen, Teppiche, Gas- krönen, Steppdecken, PlüschsosaS, moderne Küchen bis 50 Prozent billiger zum Verkauf. Ausbewahrungs- Speicher, Lothringerstraße 26. Hof, Bitte Hausnummer 26 achten, da Möbelgeschäfte w der Nähe sich be- finden._ 18706 Nur fürs Privatpublikum I In meinem Ausbewahrungs- Speicher kommen billige Einrichtungen auch einzelne Möbelstücke zum kolossal billigen Verlaus I Billiger als alle Möbclhändler I Große Auswahl in 6 Etagen I Einrichtungen von 180 Mark an I Nur Lothringerstr. 26, Verkauf Hof, Speicher. Bitte Haus« nummer 26 zu achten, da in der Nähe sich Möbelgeschäfte befinden I MöbelgelegenHeitl Wenig gebrauchte, guterhaltene Möbel, auch neue, einfachste, eleganteste, beliehen gewesen, verfallene spottbillig. Niesen- lager, Lombardspeicher, Neue König- straße 5/6, Fabrikgebäude. Sonntags geöffnet.(Zahlungserleichlerung.)* Gneisenaustr. 10, Ecke Nostizstr S. Grau, bekannt als beste Bezugs- quelle. Kassa und Teilzahlung. 1716K* Brautleute! Wohnungseinrichtung, wenig gebraucht, 2 Stuben und Küche, spottbillig. Adalbertstraße 6, Hos parterre links._ 2694K* Möbel- Teilzahlung. Spezialität: kleinere Wohnungs-Einrichtungcn so- wie einzelne Möbelstücke oerkaust unter nur denkbar kulantesten Be< dingungen. E. Cohn, Große Frank- surterstraße 58. 2560K* Wege» baupolizeilicher Räumung nur noch kurze Zeit Möbelverkaus zu bisher unbekannt billigen Preisen, gediegene Speisezimmer, Herren- zimmer, Schlafzimmer, Kleiderschränke, Trümeaus, elegante Küchen. Andreas- straße 30. gcradeüber Markthalle.' Möbelkanshans Dresdener- straße 107/108 verkaust billig Paneel- sosa mit Spiegel 60,00, elegante Taschensofas 45,00, Herrenschreibtische 30,00, Bettstellen mit Matratze 18,00, Waschtoilettcn 20,00, Kleiderschrank 24,00, Säulentrumeau 28,00, Auszich- tisch 15,00, komplette Wohnungs- Einrichtung 150,00 an, bunte Küchen sehr billig. 233/19 Billige Möbel, gebrauchte, ver- liehen gewesene und neue. Kleider- spind, Vertiko 18, Ausziehtisch, Sofatisch 15, Bettstelle mit Ma- tratze 18, Gardcrobciischrank, Hcrren- schreibtisch 36, Chaiselongue mit Decke 19, Sosa 22, elegante TaschcnsosaS 45, Pancelsofas 68, Säulentrumeau 30, Nußbaumbüsetts, Büchcrspinde, eng- lische Schlafzimmer, bunte Küchen 55, Waschtoilctten 20. Ratenzahlung. Transport frei. Stargardts Möbel- speicher, Lothringerstraße 69. 233/17* 98 Trumcaus mit hochfeinem, ge- schliffcncm Facettcglas und Stufe, Mahagoni und Nußbaum, von 28,— an, verkauft Möbelspeicher Skalitzer- straße 25, an der Hochbahn. 2712K Vollständige Küchcneinrichtung, Schrank, Vertiko, Plüschsosa, Auszich- tisch, Trumcau hillig Schumann- straße 11, III, Frau Gollmck. Händler verbeten._ 114/19 Möbelausverkauf wegen Schau- senstcrausbau, komPletteEinrichtungen, Einzelmöbel, bunte Küchcnmöbel spottbillig, Gaskronen, Firmenschilder, Schaukästen, Bogenlampen verkäuflich. Mobellohse, Weddingplatz, Reinicken- dorserstraßc. 26g9K* Graste Posten Schlafzimmer, Speisezimmer, Büfetts, moderne Küchen, Muschelschränke 26,—, Ruhe- betten, Schreibtische, Bücherspinde, Plüschsofas 48,—, alles nur Gelegen» ....... Chauffee- heitskaus, riesig billig I l straße 50, Möbelspeicher. 114/18» Alöbeltisckileret, gegründet 1901, Stallschreibcrstraße 57(am Moritzplatz), Hos, Fabrikgebäude, liefert reelle Wohnungseinrichtungen sowie ein- zelne Möbelslücke zu Fabrikpreisen. Größte Auswahl. Ratenzahlung. Harnack. Tischlermeister. Vorwärts- teser 3 Prozent. 2497K Nköbelhalle.Norden', Thiele Ackerstraße 120(Gartcnplatz). Filiale: Jnvalidenstraße 113(Stettinerbahn), Speicher.— Riesenauswahl bürger- licher WohnungS-Einrichtungen von 200 bis 3000 Mark.— Gelegenheits- käuse gebrauchter wie neuer Möbel, fpottbillig. Aufbewahrung und Liese- rung frei. 1853K Musik. Pianio, gut erhalten, Blüthner, 350,00, zu verkaufen Borkstraße 45, vorn I. 114/15* Pianino erster Hoflieferanten- Firma, weit unterm Wert, sofort ver- käuflich Französischestr. 15, 1 r. 110/9* Pianos, gebrauchte 75,00, 100,00, 150,00, serner prachtvolle neue Jnstru- mcnte außerordentlich billig 275,00, 300,00. Nußbaum, schwarze Eichen- Pianos. Leihhaus Lohmann, Neue Schönhauserstraße 11._ 277/17* Pianino, herrlicher, gesangreichcr Ton, Hoflieferant, wenig gebraucht, sofort billigst Warschauerstraße 58, Ouergebäude I. 112/9* Violiiinnterricht(neue, doppelt fördernde Methode bis zur Vollendung) gibt ersabrener Künstler wöchentlich, aus Wunsch auch nur eine Lektion a 1,25 M., bei zwei Schülern je 75 Pf. Offerten unter D. 2 Expedition des .Vorwärts*.[* Verschiedenes. Patentanwalt Wesfel, Gitschiner- straße 94». Englischen Unterricht für Anfänger und Vorgeschrittene, Einzclstunden und im Zirkel erteilt G. swicnty, Schöncbcrg, Sedanstraße 57, III. Technik« ist. Elektrotechnik. Ma- schinenbau. Hochbau. Tiesbau. Archi- tcktur. Steinmetz-, Kunstschlosser- schule. Gas. Wasser. Heizung. Abendkurse. Tageskurse.(Staatliche Aussicht.) Neanderstraße 3. 2418K* Bauschule. Policrkurse. Techniker-, Meisterkurse. Handwerks- kammer alle bestanden. Statik. Eni- werfen. Kostenanschlag. Tageskurse. Abendkurse.(Staatliche Aussicht.) Neanderstraße 3._ 2418K* FahrräderankansZigarrengeschäsl PcterSburgerslraße 34._ 277/9* Vereinszimnier zu vergeben, 40 Personen, alle Tage frei. Vorberg- straße 9._ ffl31* Leihhaus Merkur, G. m. b. H., Große Franksurterftraße 116(Pfand- lctbanstnlt und Ankaussabteilung). Hohe Beleihung für Goidwarcn, Silbersachen, Schmuckgegenständc, Uhren, Herrengard crobc, Pclzwarcn, Wäsche, Lexiken, Klaviere, Stoffe, Warenposten, jeden Wcrtgcgenstaiid. Ununterbrochen geöffnet.* Fahrstuhlführer- Schule, einzige amtlich geprüfte Lehranstalt. Alle Fahrstuhlshsteme vorhanden. Zentral- Heizung aller Systeme. Abendkurse, eventuell Stellung. Bürckner, Werk- mcistcr, Tempelherrenstraße 12._ Komiker wohnt Köpenickerstr. 147. Schwartz._ 1934b Wäsche wird fauber gewaschen. Freien getrocknet, Laken, Leibwäsche 0,10, Abholung Sonnabends. Frau Pankrath, Köpenick, Müggelheimer- straße 40. 233/13 Nioebel-Boebel, Oranienstraßc 58 (direkt Moritzplatz). In meiner seit 1879 bestehenden Möbelfabrik stehen in 5 Etagen komplette Wohnungs- einrichtungen zu niedrigsten Fabrik- preisen zum Verkaus. Unerreichte Leistungsfähigkeit. Englisches Schlaf- zimmer, Nußbaum oder Satin 226—, modernes Schlafzimmer mit Intarsien 268,—, Speisezimmer mit Umbau 390,—, Herrenzimmer mit Umbau 351,—. 1 Zimmer und Küche 167,—, 348.—. modern 470,—. Bettstelle mit Matratze 21,—, englische Bett- stelle mit Malratze 44,—, Kleider- spind 30,—. Trumeau, geschlissen 33,—, Chaiselongue 22,—, Schlassosa 35,—, Plüschsoja 53,—, Teppiche 10,—, Gardinen, Portieren. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. 5 Jahre Garantie. Transport und Lagerung frei. Eventuell Zahlungserleichtc- rangen. Geöffnet 8—8, Somitags 8— 2. Kein Laden. Verkaus nur im Fabrikgebäude. Illustrierte Spczial- offerte gratis und franko. 2394K I�skrräder. Herreniahrrod, Damensabrrad einmal benutzt 40,00. Holz, Blumen- straffe 36 b. 1683K* Geschästsdreirnd, äußerst stabil, 50,00 an. Holz, Blumcnstraße 36b.* Den Maschinenarbeiter Hübner, welcher 1907 in der Möbelfabrik Union gearbeitet, bitte ich seine Adresse abzugeben. Unkosten ver- gütet Scheibe, Fruchtstraße 31. ff 142 Rosa-Papagei entflogen, gegen gute Belohnung abzugeben. Leist, Reinickendorserstraße 22 IV. t87 Vermietungen. Wohnungen. RSntgenstraste 9, Charlottenburg. am Lützow, 2 Zimmer modern mit Zubehör spottbillig. 1910* Limmer. Möbliertes Zimmer an einen oder zwei Herren sofort zu ver- mieten. Witwe Anthauer, Skalitzer- straße 20, vorn parterre._ f27 Möbliertes Flurzimmer vermietet an Damen Reinhardt, Rosen- thalerstraße 18, Ouergebäude II.-(132 Schlafstellen. Möblierte Schlafstelle für zwei . erren zum 1. oder gleich Lowe- traße 27. Hos I. Hcnzky._ f20 (feilt junger Mann für saubere Schlafstelle. Schaar, Andreasstraße 22. vorn 4.__ tl42 Stellenangebote. Nebenverdienst für jedermann. Auskunft gratis. Herin. Wolf, Zwickau, Nordslraße 30._ 2672K* Tüchtige Farbigmacher verlangt Lausitzerplatz 15. ff27 Tischler, geübter Putzer, aus Holz- leisten verlangt Goldlcistensabrik, Rcichenbcrgcrstraße 88._ 116/2 Tüchtige Treibschlosser sucht sofort Kronlcuchtersabrik E. Gansereit u. Co.. Brandenburgstraße 80. 114/20 Tiichrige Zusammenpasser und Stockbieger suchen C. u. K. Redlich, Ritterstraße 75, SpazierstocksabrU. Bildereinrahmer, tüchtigen, ver- langt GroSz, Alte Jakobstraße 7. Farbigmacher, Vcrgolderin sucht BarthclS, Vlichaelkirchstraße. 1940b Mamsells einfache Paletots so« fort dauernde Beschäftigung, höchste Löhne, im Hause. F. Holz, Oranien« straße 10/11._ 116/1 Plätterinnen verlangt Damps- wäfchcrci Kreuzbcrgstraße 7. 19326 Lehrmädchen verlangt unentgelt- lich Damenfchneiderei Mockcr, August- straße 49 a.__ il32* Lehrmädchen, gerade eingesegnete, welche die Straußscdersabrilation er- lernen wollen, nach der Lehrzeit dauernde Beschäftigung, verlangen so- fort oder später E. Ruhemann u. Co., Strautzscdersabrik, Kommandanten- straße 45.* Im ArbcitSinarkt durch besonderen Druck Hervorgehobeue Anzeige» kosten SO Pf. die Zeile. k i Für eine neu eingeführte Fabrik vegetabilischer Oele selbständiger, tüchtiger Meister gesucht. Offerten mit Zeugnisabfchristen und Angabe der Ansprüche unter ,.X. AS" an Haasenstein& Vogler A.-G., Wien I. Tüchtiger Vulkaniseur, der auch in Anfertigung von Sigmer» stempeln gut bewandert ist, zum baldigen Eintritt bei hohem Gehalt gesucht. Offerten mit Angabe bis- heriger Tätigkeit an 2369L* Adolf Figner, Nürnberg. Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik und Differenzen sind gesperrt: Modelltischlerei Bormaua a. Karting. Gerichtstraße. Berliner Mtotorwagenfabrik in Reinickendorf. Sämtliche Betriebe in den Orten Luckenwalde, Rathenow, MnS, tan, Frankfurt n.M., Mannheim, Ludwigshase», Pforz- heiin und Magdeburg. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz« Industrie daS Vermittelungsbureau deS gelben.Handwerkerjchutz- Verbandes* streng zu meiden. Tio�riövertvaltung. Achimg! Kanarbtiier! Wegen Streik in Luckenwalde sind folgende Bauten für Ein- (eher gesperrt: Firma Kenmann: Stegliv, Filanderstr. LI. Charlottenburg. Suarez- und Pestalozzistr.-Ecke. Brlleknoe. » Miudener Str. U.ndemann. Firma Billig: » Dernburgstr. Li». t, Waivstr. 31. SchSnlcke. Berlin, Senefelder Str. Pal». Firma Genossenschaft» Luckenwalde: Charlottenbnrg, Philippistr. 6. Beskow. • Wivlebensir. 1, Z, 33, 38. Der Oanvor(stand. Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Berlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin 5Y&