fl*'841, � 86. gnljfg; flbonncmcntS'Bcdlnguttgenj ��W?1 M jifew �i�k\ Av Wl Die TnkrtlonS'GeMDP vvonnemerüs. Preis prSmmierando: TDz! I! MM I �nfssHST) � HÜ�f I|J I I ms| sW WÄ f L kW i»W BSffi WZ f/ WM � �M�SE&y/ liolilifchc und gewerlschaftliche Vereins- Einzelne Nummer 5$fg. EonnlagS.| IrWm I W W W V) W DW«W WD W» Ks ff W MS s-— und VersinninlungS-Anzeigen M Pfg. Beilage� Dw Neue�Well' 10 IftTÄ WtM f�W M ,W W W W UZ M W M MZ RÄ„Kleine anzeigen". daS erste(fett- Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. I f Ws � MW gedruckte) Wort M Pfg., jede?«eiler« Einaeiragen in die Poft.ZeitunaS. U'R» W> W» WR t ÄRXMIxBE\ M I Mi M M Wort 10 Pw. Steliengeniche und Schlaf. Preisliste. Unter Kreuzband für DM IgM I MM WSi �£ßi'i\ RjJ �"SvihH slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pig., Deutschland und Oesterreich- Ungarn MM«MI MgkSJߣ}«Ms // Ms jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 2 Mark, für das übrige Ausland j�AI �MX �f/ 1/\/ yr/ // KS 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 3 Mark pro Monat. 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Im Vordergrunde des Kanipfes steht der Steuerraubzug im Reiche. Hat auch der sächsische Landtag mit der Rcichsfinanzreform direkt nichts zu tun, so weiß doch das aufs neue mit ungerechten Steuerlasten bedrückte werktätige Volk, daß dieselben Parteien, die die Konsunicnten beim Raubsteuerzuge im Reichstage so arg gerupft haben, jetzt bei der Landtagsivahl unter schönen Redensarten und Versprechungen um die Stimmen des Volks buhlen. Was liegt da näher, als den Massen zu zeigen, daß bei den Reichstagsivahlen löst? die gleichen Sirenengesänge ertönten, die gleichen Versprechungen gemacht, aber später, besonders bei der Steuerbraudschatzung schnöde gebrochen worden sind. Vor alleni handelt es sich auch darum, den sächsischen Konservativen und Nationalliberalen die Maske derErbschafts st euerfreundlichkeit vom Gesicht zu reißen, die sie bei der Laudtagswahlagitation auf- gesetzt haben. Bekanntlich haben ja die ersteren in einer Ge- samtvorstandssitzung eine Erklärung erlassen, wonach sie mit der Ablehnung der Erbschaftssteuer im Reichstage nicht einverstanden seien, das war ein so durchsichtiges Landtagslvahlmanöver, daß die konservativen Redner nur ausgelacht werden, wenn sie damit operieren wollen. Nicht besser geht es den Nationalliberalen, die sich darauf be- rufen, im Reichstage für die Erbanfallsteuer gestimmt und schließlich alles abgelehnt zu haben. Aber ihre Vorliebe für Verbrauchssteuern ist so stark zutage getreten, daß auch diese Flausen nicht mehr verfangen. Das nationalliberal- konservative Ordnungsgeschwisterpaar hat zudem schon im sächsischen Landtage gezeigt, daß es auch da rücksichtslose Steuerpolitik im Interesse der besitzenden Klasse treibt. So haben dieselben Konservativen und Nationalliberalcn in der Zweiten sächsischen Kanimer 1898 eine Erbschaftsstcuervorlage, die der letzten von der Reichsrcgierung vorgelegten sehr ähnlich war, in den Papierkorb geworfen und danüt eine schlimme Finanzkrise in Sachsen hervorgerufen. Von diesen Taten beleuchtet muß die Erbschuftssteuerfreundlichkeit, die Konservative und Nationalliberale jetzt um die Wette mimen, als lächerliche Farce erkannt werden. Neben der Steuerbraudschatzung im Reiche steht die sächsische Volksschulreform im Vordergrunde des Wahl- kampfes. Auch hier haben unsere Genossen eine vorzügliche Position, weil schon vor Jahrzehnten einzig die sozial- demokratischen Vertreter im Landtage eine vollständige Neu- regelung des Volksschulwesens und der Schulkostendcckung gefordert haben, wobei sie besonders die Beseitigung von Mängeln forderten, die heute zu unhaltbaren Mißständen gc- führt haben. Würde man die sozialdeniokratischen Anträge auf ausreichende Staatszuschüsse für die Volksschulen an die Gemeinden schon damals verivirklicht haben, so hätten wir heute in Sachsen nicht das Elend, daß die ärmeren Gemeinden unter den Schullasten fast zusammenbrechen und doch nicht das Nötigste für die Ausgestaltung des Volksschulunterrichts aufbringen können. Prächtigen Agitationsstoff haben uns die herrschenden reaktionären Parteien auch im letzten Landtage geliefert. Vor allem die Tatsache, daß man dem nach einem gerechten Wahl- system laut rufenden Volke die D r e i k l a s s e n s ch a n d e mir genommen hat, um ihm in Gestalt des neuen Plural Wahlsystems eine Vierklasse nschmach aufzuoktroyieren, hat starke Erbitterung wachgerufen. Ferner hat man das Berggesetz völlig umgearbeitet, und dabei natürlich die Wünsche der Grubenbarone eingehend be- rücksichtigt, die Forderungen der Arbeiter aber zum weitaus größten Teil in den Papierkorb geworfen. Ein Forst, und Feldstrafgesetz hat die konservative Mehrheit geschaffen, das armen Leuten das Becreusanuneln unmöglich macht, ja, jedes Betreten des Waldes, auch das Spazierengeheu usw. darin unterbindet oder doch meistens für den Fall unter empfindliche Strafen stellt, daß einmal in einem Amtsblatte der Besitzer ein Verbot erlassen hat. Tatsächlich sind heute in Sachsen infolgedessen fast alle Privat Waldungen gesperrt! Das alles und noch manches andere wirkt zusammen, eine Stimmung im sächsischen Volke zu erzeugen, die den Gegnern recht toenig günstig ist, wohl aber unsere Sache fördert. Gähnende Leere herrscht in der Regel in den Versammlungen der Konservativen, Nationalliberalen und Freisinnigen, wenn es nicht unsere Genossen vorziehen, dort einmal zu erscheinen, um mit der volksfeindlichen Reaktion abzurechnen. Dabei ist es schon mehrfach zu heftigen Auseinandersetzungen und stürmischen Auftritten gekommen, wobei die Gegner immer Freitag, den 13. Oktober den kürzeren zogen. Die Agitation muß schon der räumlich eng begrenzten Landtagsivahlkreise wegen eine intensivere sein wie zur Reichstagswahl. In den Kreisen, wo der Kampf besonders heftig tobt, hat fast jedes kleine Dorf seine Wahl- Versammlung, außerdem werden natürlich die Wähler von allen Seiten mit Flugblättern bearbeitet. Unsere Veranstaltungen er- freuen sich trotz der großen Zahl und obwohl sie zumeist nur für einen Kreis berechnet sein können, des besten Zuspruches. Die herrschende Stimmung erinnert sehr an die bei den Reichstags- wählen von 1993, Ivo von 23 sächsischen Reichstagswahlkreisen 22 sozialdemokratisch wählten. Könnten wir die Landtags- Wahlen unter dem allgemeinen, gleichen, direkten Wahl- recht vornehmen, würden in mindestens dreiviertel aller Wahl- kreise Sozialdemokraten gewählt werden. Unter der Herrschast der neuen Pluralwahlschmach wird der Einfluß der entrechteten und infolge des neuen Steuerdruckes erzürnten breiten Masse der Wählerschaft zum guten Teil durch d i e M c h r st i m m c n d e r B e s i tz e n d e n, der HauSagraricr und Zünftler erdrückt, die fast durchweg den reaktionären Parteien Gefolgschaft leisten. Doch kommt das Stimineuübergcwicht der Besitzenden und rückständigen Elemente in den einzelnen Wahlkreisen verschieden zum Aus- druck. In einer großen Zahl haben allein die Wähler ni i t vier Stimmen die absolute Mehrheit, ob- wohl sie noch nicht einmal die Hälfte der Wahl- berechtigten ausmachen, in den meisten Wahl- kreisen haben die drei- und vierstimmigen Wähler die große Mehrheit der Stimmen. Dort ist jeder Er- folg der Sozialdemokratie ausgeschlossen. Gegen 30 Wahlkreise dürften dagegen vorhanden sein, wo die Wähler mit ein und zwei Stimnien lue Mehrheit haben. Hier allein be- steht eine Möglichkeit für einen sozialdemokratischen Erfolg, der natürlich auch nur denkbar ist, wo die Arbeiterschaft gc- schlössen hinter der Sozialdemokratie steht und vollzählig an der Wahlurne erscheint. Doch dürste uns der Unwille über den Steuerraub auch Wähler aus den bürgerlichen Kreisen zuführen und viele Bürgerliche von der Wahlurne fern- halten. Wie verschieden das Pluralwahlsystem wirkt, zeigt sich bei den drei D r e s d e u e r L a n d k r c i s c n, die rings um die sächsische Hauptstadt herum und dicht beieinander liegen. In dem einen, dem 16. ländlichen, verfügen die Wähler niit drei- und vierfachem Stimmrecht über 6328, die mit einer und zwei Stimmen über 11 339 Stimmen, letztere überwiegen also um 5031. Im 10. ländlichen Wahlkreise haben Wähler mit drei- und vierfachem Stimmrecht 5351, die mit einer und zwei Stimmen dagegen 7287 Stimmen, es haben letztere also nur 1936 mehr. Dagegen haben im 24. ländlichen Wahlkreise die Wähler mit vier Stimmen allein die Mehrheit aller Stimmen. Der letztere Kreis umfaßt neben mehreren Arbeiterdörfern auch einige Villenorte, und das ge- nügt, den Vierstimmenwählern das Uebergewicht zu geben. Daraus sieht man, wie sehr der Wahlausfall von der zumeist zufälligen Zusammensetzung der Wahlkreise abhängt. Natür- lich kann ein sozialdemokratischer Erfolg nur in den Kreisen möglich werden, wo die Arbeiterwählcr die erdrückende Mehr- heit bilden. Ein großes Stimmengewicht stellen vor allem auch die Bauerudörfer, denn fast alle Bauern haben vier Stimmen. Da die Ordnungsparteien bei den diesmaligen Wahlen völlig getrennt marschieren, ist auf sehr viel Stichwahlen zu rechnen. Wahrscheinlich wird in dem weitaus größten Teile der 91 Wahlkreise die Entscheidung durch die engere Wahl herbeigeführt werden. Dabei werden sich aber die jetzt so gründlich verzankten bürgerlichen Parteien sicher Wahlhilfe leisten. Auch von den Zreisinnigen ist nichts anderes zu er- warten, als daß sie höchstens Wahlenthaltung üben, wenn es sich um eine Entscheidung zwischen Konservativen und Sozial- demokratcn handelt. Doch haben es die sächsischen Freisinnigen auch schon fertig gebracht, Antisemiten ini zweiten Wahlgange zu wählen. Die sächsische Sozialdemokratie hat also von den Stichwahlen nichts zu erwarten. Sie ist nicht nur allein auf die eigene Kraft angewiesen, sie muß auch die Wucht ihrer Agitation auf die Hauptwahl konzentrieren. Wir kämpfen jetzt gegen das gesamte bürgerliche Lager und werden die gc- schlossene bürgerliche Front sicher auch bei den Stichwahlen gegen uns haben. Umso mehr aber legt die sächsische Sozial- dcmokratie Gewicht darauf, in den letzten Wochen vor der Hauptwahl ihre ganze Kraft zu entfalten. ZUM Nahikamps. Leimruten für Beamte. Wahlschlingen legen die Stimmenfänger derbürgerlichen Par- teien zur bevorstehenden LandtagSwahl in Massen aus. Mit Lacksticfeln und Brillanten angetan, steigen hochmögende Herren „hinauf" zur Mansarde, zu den geringsten Subalternbeamtcn, um sie vor den bösen Sozis zu warnen und ihre Stinnnen für die bürgerlichen Kandidaten cinzufangen. Ein sehr korpulenter Herr, dem das Treppensteigen besondere Pein macht, hat sich letzter Tage bei dieser Arbeit in einer reich von kleinen Beamten bewohnten Straße Moabits eine Ab- fuhr geholt, die ihm das Wiederkommen wohl verleidet haben dürfte. Der fleißige Hausagitator hatte, da er den Beamten nicht zu Haitse traf, dessen Frau zur Vermittlerin für seine Expedition: SM. 68, �.indenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. staatserhaltenden Ideen ausersehen und dabei weidlich auf die Sozialdemokratie im allgemeinen und auf die sozial- demokratischen preußischen Abgeordneten im besonderen ge- schimpft. Ganz außergewöhnliches Albdrücken aber schien dem Guten der„entsetzliche H 0 f f m a n n" zu machen, „dessen Wiederwahl, koste es was es wolle, verhindert werden müßte!"„Der hat im Landtag nur auf die Pfaffen geschimpft und A b- schaffung der Religion verlangt!"— dabei hantierte der Wahlnüssionär mit mehreren originalsteuo- graphischen Berichten des Abgeordnetenhauses herum und be- dauerte nur, daß die Reden des„roten Galgenvogels" so laug wären, sonst würde er sie der Frau vorlesen, damit sie sich davon überzeugen könne, daß solche„Volksverführer" sür die Beamten gar nichts übrig hätten. Die Frau fragte, ob er denn das Gedruckte nicht da- lassen wolle, damit es ihr Mann lese, wenn er aus dem Dienst käme. Erst wollte der joviale Herr nicht recht, aber schließlich ließ er von den vier oder fünf Stenogrammen zwei zurück unter der Bedingung, daß er sie sich am anderen Morgen, wenn er seine politische Promenade fortsetze, wieder abhole.-- Am nächsten Vormittag gegen 11 Uhr erschien der Herr wieder und erhielt die beiden Berichte zurück. Er fragte: „Na, was sagt Ihr Gatte zu diesem Ton?"„Ach," cnt- gegnete die Frau,„gesagt hat er gar nichts, aber den ganzen Abend hat er gelesen und ge- schmunzelt, und dann hat er sich zwei Stellen rausgeschnitten, die will er unter seinen Kollegen herumgehen lassen."—„Hm", meinte der Dicke etwas betreten, indem er in den Stenogrammen blätterte und die Lücken anstarrte,„das ist ja recht hübsch von Ihrem Gatten, daß er uns im Kampfe gegen solchen gefährlichen Gegner unterstützen will, aber— er hätte eS sich doch abschreiben können!"„Ja," erwiderte die Frau, „das habe ich ihm auch gesagt, aber er nicint, dann glaubt man cS ihm nicht I"—„Hm" machte der moderne Drachen- töter abermals und sah wieder auf die Lücken,„wenn ich man wüßte, � was da gestanden hat"-- empfahl sich und setzte seinen Kampf gegen das„rote Gespenst" eine Treppe tiefer fort.... Wir sind Nim in der Lage, das Material des Sozialisten- vernichters wieder zu vervollständigen, und wir tun es gern, um den guten Mann in seiner aufopfernden Tätigkeit zu unterstützen. Stcnographischcr Bericht deS HanseS der Abgeordneten, 34. Sitzung, 18. Februar 1909. Spalte 2463. „Der Landtag ist sehr freigebig, indem er diese Summe (weitere zirka 15 Millionen für Aufbesserung der Psarrergehälter) ohne weiteres bewilligen will. Bei den Beamtengehältern war er nicht so freigebig; da waren 1199 M. als Niedrig st gehalt, 1899 M. als Höchstgehalt und 159 bis 489 M. WohnungSgeldzns chutz die Be- zählung für die große Mehrzahl der Staats« b e a m t e n I Wäre es da nicht nötiger, wenn man die Mittel, die man heute für die Geistlichen bewilligt, dazu genommen hätte, um sie für diese Staatsbeamten, die Staatsarbeiter einzusetzen I Wenn man die N e b e n e i n k 0 m in c n(der geistlichen Herreu) feststellt, die häufig das Gehalt ü b er st e i g e n, dann wäre eS möglich, die Uebcrflüssigleit des erhöhten StaatSzuschusscs(sür die Pfarrergehälter) recht deutlich vor Augen zu führen". Und Spalte 2466: „Es ist nunmehr soweit gekommen, daß die Korrespondenz de? Lehrervereins recht hat, wenn sie sagt: mit mehr als 40 Millionen Mark ist jetzt der Staat(pro Jahr) an der Kirche interessiert, einer Summe, die der preußische Staat(die Sleuerzahler) für die Kirche ausgeben muß. Sie brauchen nur die Millionen für die Kirche zu nehmen, dann haben Sie die Deckung für die Beamten, und mit der Summe, die Sie der Kirche neu bewilligen, können Sie die Forderung der Beamten erfüllen, können Sie die Staatsarbeiter besser besolden; damit könnten Sie viel Slot und Elend borten lindern, wo es wirklich vorhanden ist. Der Herr Mimsterial- direltor Schwartzkopff sagte, man solle auch auf daS Interesse der Staats- und Kommunalsteuerzahler Rücksicht nehmen. Ja, ich nicine, das sollten Sie auch nicht vergessen, wenn es sich darum handelt, für die Kirche Unsummen zu bewilligen 1" Wir stellen dem der schönsten Stellen seines Steno» gramms beraubten Lohgerber gern einige Sonderabdnicke für weitere erfolgreiche Agitation bei den Beamten gratis zur Verfügung. Leider hat der Edle seinen Namen nicht genannt, wir würden ihm sonst ein paar Exemplare dieser Nummer franko ins Halls senden. „fe gelehrter, desto verkehrter!" Der dritte Hochschullehrertag hat am Dienstag einen Beschluß gefaßt, der wirklich das volkstümliche Urteil bestätigt:„Je gelehrter, desto verkehrter". Professor Kröpelin-München hatte unter anderem auch folgende These zur Debatte gestellt: „Der heutigen Beschränkung der Auslese sür die akademische Laufbahn auf die wohlhabenden Klassen sollte durch tatkräftige Unterstützungen hervorragender Begabungen schon in den Mittel- schulen wie auf der Universität, namentlich aber auch während der Dozentcnlätigkeit entgegengetreten werden." Professor Kröpelin ging also von dem vernünftigen, in der Debatte übrigens auch gar nicht angefochtenen Standpunkt aus, daß hentzutage die akademische Karriere ein Privileg des Geld- sacks ist. Und da Pcofesior Kräpeliil Weiterhin der Ansicht ist, daß mich in der nichtbesitzenden Klasse, die doch die graste Mehr- heit der Nation bildet, sehr wohl Begabungen vorhanden sind, denen zur Entfaltung nichts fehlt, als die materielle llatcrstiitzung, alz Geld, Geld und abermals Geld, forderte er eine„kräftige" Unterstützung hervorragend begabter Mittelschüler nicht nur während ihrer Schul- und Studienzeit, sondern auch für die Anfänge ihres DozententiimS. Man sollte meinen, der ganze Hochschullehrertag hätte sowohl im Interesse der Wissenschaft als auch ans purem sozialen Anstandsgefühl für diese Forderung KräpclinS eintreten müssen! Es kam aber ganz anders: die Forderung wurde abgelehnt! So unglaublich aber dieser Beschlust war, so unglaublich war auch seine Begründung l Man bestritt nämlich durchaus nicht das Fakwm, dast die nichtbesitzende Klasse von vornherein von der akademifthcn Karriere ausgeschlossen ist, man bestritt auch nicht die Nützlichkeit der Erschliestung. stärkerer intellektueller Quellen für die Wissenschaft. Was man allgemein bestritt, war vielmehr, daß es kein Mittel gäbe, hervorragende Begabungen aus der Schule über- Haupt mit einiger Sicherheit zu entdecken! Professor L u j o Brentano legte dar, dast in Bahern in Gestalt des Maximiliancnins ein Institut existiere, in das die ausgezeichnetsten Schüler ans allen Gymnasien entsandt würden, das also die gesiebte Elite der ganzen Generation umfasse. Die meisten dieser Musterschüler aber seien später im ersten Examen glatt durchgefallen..Gewist", sagte Brentano,„es sind ans dem Maximilianeum ausgezeichnete Beamte hervorgegangen, Menschen, die alle Paragraphen kennen.... Die aus- gezeichneten bayerischen Universitätskrüfte sind nicht aus dem Maximilianeum hervorgegangen." Professor B i n d i n g- Leipzig hatte von den Musterschülern ebenfalls eine höchst geringe Meinung. Junge Leute, die auf der Schule als ganz hervorragend gegolten hätten, seien nichts geworden, während andere Schüler, die auf der Schule als l o d d e r i g galten, ganz hervorragende Menschen ge- worden seien. Auch Professor Wach-Leipzig schloß sich diesen Darlegungen durchaus an. Auch er könne aus seiner Erfahrung bestätigen, dast diejenigen seiner Mitschüler, die nnt den besten Zensuren das Gymnasium verliesten, im Leben entgleist seien. Die Schüler dagegen, die man unterschätzt habe, seien hervorragende Leute geworden. Der hervorragende Astronom Besse! habe seinem Rektor gesagt, dast die Schule alle verderbe. Also auch ein Hochschullehrertag ist endlich dahinter gekommen. dast die erfolgreiche, sogar hervorragend erfolgreiche Absolvierung unserer höheren Schulen keinerlei Garantie dafür bietet, dast die betreffenden Schüler im Leben etwas leisten werden. Bisher war es eincnr kleinen Kreise bürgerlicher Schulreformer und der sozial- demokratischen Kritik vorbehalten gewesen, zu konstatieren, dast unsere höheren Schulen„alle verderben", um mit Besse! zu reden, oder einen„geistigen Mechanismus" kultivieren, um Herrn Lujo Brentano zn zitieren. Zogen nun aber etwa unsere Hochschullehrer die logische Konsequenz aus ihrer Einsicht? Die Konsequenz nämlich, dast unser heutiges, die charakterlose Mittelmästigkeit begünstigendes, den geistigen Mechanismus züchtendes S y st e m bekämpft und geändert werden müsse? Nein, ganz und gar nicht! Die wackeren Herren liesten das System System sein, was um so ungeheuerlicher ist, als doch bei uns von der erfolgreichen Absolvierung unserer höheren Schulen, von der bestandenen Reifeprüfung der Zutritt zum UniversitätSstudium abhängig ist! Dast diese Borbedingungen keinerlei Gewähr bieten für wissenschaftliche Qualitäten, bestätigten die Herren Hoch- schullehrer also ebenso wie die Tatsache, dast der Besuch der höheren Schulen an sich nur eine Frage des Portemonnaies ist! Sie gaben also zn, dast nicht die geringsten Garantien dafür gegeben sind, dast in unserer offiziellen Wissenschaft wirklich die fähigsten Köpfe der Nation vertreten sind I lind trotzdem stimmten die Herren dagegen, daß wenigstens die nach dem gleichen Verfahren ermittelten begabteren Schüler der Mittel- schulen durch„kräftige Unterstützung" für die Universitätskarriere ; herangezogen würden l Trotz ihrer Erkenntnis der systematischen Mängel unserer höheren Schulen erhoben die Hochschullehrer nicht die Forderung einer U m g e st a l t u n g dieser Schulen I Wohl aber gaben sie durch ihre Abstimmung der Ansicht Ausdruck, daß die Auslese für die akademische Laufbahn nach wie vor einzig vom Geldsack abhängig bleiben solle!_ protMilliägehliligen gegen. den(panischen Klerus. Die Erschießung FerrerS hat in den großen Städten Frankreichs und Italiens einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. In Paris hatte Mittwoch abend eine Sonderausgabe der„Humanitö" einen Aufruf an die Bevölkerung von Paris veröffentlicht, der zu einer Maffenkundgebung vor der spanischen Botschaft aufforderte. Darauf begannen von 9 Uhr ab. wie„Wolfis Telegraphisches Bureau" meldet, größere Menschenmassen sich in der Umgebung der spanischen Botschaft anzusammeln. Um b'/z Uhr versuchte eine Gruppe, der der Deputierte Baillant und die Mitglieder des Komitees für die Verteidigung FerrerS voran- schritten, die Kette der absperrenden Polizeibeamten zu durchbrechen, wurde aber zurückgetrieben. Die Manifestanten bildeten darauf einen Zug, der pfeifend und Schmährufe ausstoßend durch die der spanischen Votschaft benachbarten Straßen zog. Im weiteren Verlaufe der Protestkundgebungen wurden kurz vor 10 Uhr in der Avenue de Villiers zwei Revolverschüsse abgegeben, von denen ein Schutzmann getroffen wurde. Die Schutzleute säuberten darauf die Avenue mit gezogenen Säbeln. Auch mehrere..Manifestanten lvurden durch die Munizipalgarde verwundet. Gegen 11 Uhr abends erhielt ein Offizier der Garde Röpublicaine einen Revolverschust mitten WS Gesicht. JaureS, der mit den Redakteuren seiner Zeitung und mit mehreren tausend Personen, die Internationale singend, durch die Straßen zog. geriet dabei mit einem Schutzmann in ein kurzes Handgemenge. In der Nähe der spanischen Bot- schaft wurde ein radfahrender Schutzmann durch einen Lievolverschutz getötet, ein anderer und ein Munizialgardist - wurden verwundet. Zlvei Omnibuswagen, die leer inS Depot zurückkehren wollten, wurden von zlvanzig Manifestanten in Brand gesetzt. Der Mann, der die ersten Revolverschüsse auf einen Schutzmann i abgegeben hatte, wurde festgenommen. Er behauptet, spanischer Untertan zn sein und Dellatorre zu heisten. Außerdem wurde ein j zweiter Manifestant verhaftet, der auf eine Gruppe von Polizei- beamten schoß, in deren Mitte sich der Polizeipräsident befand. Gegen Mitternacht soll es zu neuen Zusammenstößen und zu neuen Verwundungen gekommen sein. *** PariS, 14. Oktober. Im Verlaufe der gestrigen Unruhen sind ungefähr hundert Personen verletzt worden, die Zahl der Ver- hafteten wird auf über dreihundert angegeben. Die gesainte Presse beschäftigt sich mit der Hinrichtung FerrerS und den gestrigen Straßenkundgebnngen. Die radikalen Blätter richten heftige Angriffe gegen den Klerus. Paris, 14. Oktober. In den Provinzen, namentlich in den süd- licheu Departements, rief die Nachricht von der Hinrichtung FerrerS große Erregung hervor. Der Maire von Toulon liest die Flagge des Stadthauses auf Halbmast setzen. Der Bezirksausschuß von Aix hob wie der von Marseille zum Zeichen der Trauer die Sitzung auf. In zahlreichen Städten Frankreichs fanden Versammlungen statt, in denen Ferrer verherrlicht und die spanische Regierung überaus heftig angegriffen wurde. Paris, 14. Oktober.(W. T. B.) Die Kundgebungen trugen den Charakter eines Aufruhrs. Der durch Revolver- kugeln verwundete Schutzmann ist im Krankenhanse gestorben. Die Meldung, daß ein Schutzmann durch einen Schuß direkt getötet worden sei, bestätigt sich nicht. Dagegen wurden auf den Polizeipräsidenten LSpine vier Schüsse abgegeben, die aber niemand trafen. Dellatorre ist spanischer Anarchist und als gefährlich bekannt. In einer Unterredung mit dem Minister- Präsidenten Vriand erklärte Lepine, die Ausschreitungen in der Umgebung der spanischen Votschaft seien von Apachen der tiußeren Boulevards verübt worden, die zur Erleichterung ihrer Schandtaten Straßenlaternen sowie Bäume umrissen und Omnibuswagen in Brand steckten. Sie hätten auch der- sucht, die Schaufenster einer Bank einzuschlagen, und zehn Angriffe seien nötig gewesen, um ihrer Herr zu werden. Briand bat Löpine, ihm genaue Angaben zu machen über den Zustand der verwundeten Schutzleute, über die Lage ihrer Familien sowie über die zn verteilenden Belohnungen.— Im Laufe des Abends sind ungefähr 50 Per- sonen verhaftet worden. Paris, 14. Oktober. Eine Zusammenstellung der bei den gestrigen Unruhen zu Schaden gekommenen Personen ergibt folgendes: Ein Polizeiagent ist tot, ein anderer sehr schwer verwundet. Polizeidirektor Thouny, ein Polizeikommissar, ein Schutzmann, ein Leutnant und zwei Mann der Garde Röpublicaine sind verwundet. Polizeipräfckt Lupine erlitt eine leichte Brandwunde am rechten Auge durch einen in seiner unmittelbaren Nähe abgegebenen Nevolverschuß. Die Zahl der verwundeten Demonstranten ist unbekannt, da die meisten die Flucht ergriffen. Paris, 14. Oktober. Während der gestrigen Krawalle wurde JaureS, der sich in Begleitung deS Abgeordneten Sembat per Automobil nach der spanischen Botschaft begeben hatte, von den Polizeiagcnten tätlich angegriffen. Nachdem Jaurös sich aus den Händen der Polizei befreit hatte, zog eine Volksmenge von über 19(MX) Personen mit ihm ab. Paris, 14. Oktober. Der Gemeinderat beschlost beim Generalrat zu beantragen, einer Straße von Paris den Namen Ferrerstraste zu geben. Auherdem wurde bean- tragt, die beiden in Paris geborenen Enkelkinder FerrerS auf Stadtkostcn zu erziehen. Der Abgeord- nete Rouamet wird in der Kammer eine Jnterpella- tion über die Machenschaften der spanischen Po- l i z e i, speziell an der französisch-spanischcn Grenze einbringen. Brüssel, 14. Oktober. Heber 100 Studenten versuchten gestern vor der spanischen Gesandtschaft zu demonstrieren, wurden jedoch von der Polizei zurückgedrängt. In der Vorstadt Jxclles wurde bei einer Kineinatographenvorstellung ein Bild deS spanischen Königs ausgepfiffen und einem hiergegen protestierenden Spanier übel mit- gespielt. In einem Laden, wo ein Bild König Alfons' hing, wurden die Fenster eingeschlagen. Brüssel, 14. Oktober. Die Sozialisten veranstalteten gestern abend eine große Demonstration. Der„P e u p I e" brachte die Aufforderung, dast sich die Bevölkerung um 8 Uhr im Volks- Hause einfinden solle. Trotz deS Regens hatte sich eine große Zahl eingefunden, so dast sich gegen 1�9 Uhr ein I u g vonLOOOPer» sonen in Bewegung setzte, der noch immer weiter anschwoll. Nach dem Umzug begab sich der Zug wieder zum Volkshause, von dessen Balkon kurze Ansprachen gehalten wurden. Huysmans, als Sekretär der Internationale, führte aus: Ferrer ist ver- urteilt für eine Tat, die er nie begangen hat; und wenn er sie begangen hätte, so hätte er sich den Dank aller Anständigen ver» dient. Furncmont sprach als langjähriger persönlicher Freund Ferrers und versicherte, daß seine Stellung auf dem rechten Flügel der Partei ihn nicht hindere, zu erklären, dast die Rache ihn will- kommen sein würde. V i n ck endlich wies auf ähnliche Fälle hin, die sich hier in Belgien ereignet haben. Nach diesen Ansprachen fanden noch mehrere Zusammenstöße mit der Polizei statt. Für nächsten Sonntag 12 Uhr wird eine große Protestversammlung geplant. Rom, 13. Oktober.(W. T. B) Die Arbeitskmnmcr hatte die Bevölkerung Roms aufgefordert, sich zur Ver- austaltuug einer Kundgebung wegen der Hinrichtung Ferrers heute abend auf der Piazza Colonna zu versammeln. Von der Piazza Colonna zogen die Manifestanten nach dem Corso Umberto und versuchten dann, sich nach dem Kapital zu be° geben, wurden aber von der Polizei, die ihnen gefolgt war. auseinandergetrieben. Die spanische Botschaft wurde von Militär bewacht. Rom, 14. Oktober. Der Bürgermeister von Rom hat einen Aufruf erlassen, worin Roms Trauer um die Hin- richtung Ferrers ausgesprochen und gegen diese Tat der Barbarei Einspruch erhoben wird. Der Aufruf ist zum Zeichen der Trauer schwarz umrändert. Der Gemeinderat von Florenz beschlost, die Erzbischof st raste iv Ferrerstraste umzutaufen. Rom, 14. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In Rom ist heute der Generalstreik bis Freitag- nacht proklamiert worden. Die Straßenbahner und Zeitungsdrucker streiken ebenfalls. Der Generalstreik soll in allen größeren Städten Italiens durch- geführt werden. Die Straßenlaternen werden unter Be- wachung von Schutzmannschasten angesteckt. Die allgemeine Gärung hat einen ausgesprochen antiklerikalen Charakter. JuallenHäfenistdcr Boykott über die spa- nischen Schiffe verhängt. Ter Bürgermeister von Rom veröffentlichte ein Manifest au die Frauen. Die Arbeits- kammer hat die Schließung aller Läden, Theater und Wirt- schafteu durchgesetzt. Aus den Nachbarstädten sind Truppen nach Rom gezogen worden. Ernste Zwischenfälle er- eigneten sich nur iu Genua, wo sechs Demonstranten ver- Mundet wurden. In Genna hatten heute abend auch die Gasanzünder die Arbeit eingestellt. Die nicht elektrisch beleuchteten Teile der Stadt lagen infolgedessen im Dunkeln. Da auch die Setzer die Arbeit eingestellt hyHeu. werden morgen früh keine Zeitungen erscheinen. In Mailand waren heute abend alle Läden geschlossen. Auf dem Domplatze hielt der Abgeordnete Turati�vor einer großen Volksmenge eine Rede, in der er gegen die Hinrichtung Ferrers protestierte. Auch in Neapel, Genua nnd Spezia fanden heute abend Protestkundgebungen statt. Mailand, 14. Oktober. In den Häfen von Genua und Li- v o r n o hat der Boykott gegen spanische Waren angefangen. Heute fällt die Entscheidung, ob im ganzen Lande ein eintägiger Proteststreik stattfinden soll. Paris, 14. Oktober.(W. T. B.) Wie aus Barcelona ge- meldet wird, platzte dort heute eine Bombe. Einzelheiten fehlen. Barcelona, 14. Oktober.(W. T. B.) Bei der bereits gemel» deten Explosion einer Bombe sind Menschen nicht zu Schaden ge- kommen; die Explosion erfolgte, als die Bombe, die man gefunden hatte, zur Polizei gebracht wurde. Wien, 14. Oktober. Heute vormittag begann, wie die„Neue Freie Presse" aus Trieft meldet, als Protest gegen die Hinrichtung Ferrers in mehreren Schulen ein Schulftreik. Als die streikenden Schüler auch die Hörer der Nautischen Akademie aufforderten, sich dem Streik anzuschließen, stellte sich diesen der Direktor der Anstalt mit dem Revolver in der Hand entgegen, um sie am Verlassen des Gebäudes zu verhindern. Um 10 Uhr vormittags verliesten sämtliche Arbeiter der Wersten und des Freihafens die Arbeit. Von vielen VereinShäusern wehen Fahnen, die mit einem Trauerflor umwunden sind. Die ganze Garnison steht in Bereitschaft, da für den Nachmittag eine Massen- kundgebmig geplant wird. Trieft, 13. Oktober.(W. T. B.) Als die Nachricht von der Hinrichtung Fcrrcrs bckanur wurde, zog eine starke Gruppe von Sozialisten, denen sich auch eine kleinere Gruppe von Mazziniancru und einige Anarchisten angeschlossen hatten, in die Nähe des spanischen Konsulates, wurde aber von der Polizei auseinandergetrieben. Eine kleine Gruppe von Demonstranten veranlastte die Schließung der VergnügnngSlokale i die Vorstellnng im Fcnice-Thcater wurde abgebrochen. Trieft, 14. Oktober.(W. T. B.) Die Setzer der hiesigen Druckereien stellten vormittags die Arbeit ein zum Protest gegen die Hinrichtung Ferrers. Tie meisten Abendblätter konnten nicht erscheinen. » Tie Lage in Spanien. San Sebastian, 14. Oktober. Die Zensur wird mit äußerster Strenge gehandhabt. Meldungen über den Eindruck d.er Hinrichtung Ferrers im Auslande werden nicht durchgelassen. In San Sebastian ist die Stimmung sehr pessimistisch und man befürchtet sofortige Repressalien. Aus Barcelona kommende Reisende versichern, dast die Gä- rung im Grubenrevier ständig wächst. Man spricht bereits von Truppenzusa mmenziehungen zur Ver- hürung von Unruhen. Madrid, 14. Oktober. Der Minister des Innern bezeichnet die Nachvicht, dast gegen den Verteidiger Ferrers ein ge- richtlichcs Verfahren schwebe, für unzutreffend.(??) polLtilcke Ocbevllcbt. Berlin, den 14. Oktober 1909. Ter Arbeitsuachweis des Zechcnvcrbandes. Vor ungefähr zwei Jahren bildete sich im rheinisch- West- fälischen Kohlenbergbaurevier zu dem Ziveck der„Wahrung gemeinsamer Interessen in Bergarbeitcrfragen" ein Zechen- verband, der sich vornehmlich die Aufgabe stellte, der„Streik- manie", den„Kontraktbrüchen" und dem häufigen„Stellenwechsel" der Bergarbeiter zu steuern. Das Mittel zur Erreichung dieses Zweckes bildete die Zentralisierung der Arbeitsnachweise und die Einführung schwarzer Listen. Doch das Mttel hat nach Ansicht der Zechen- besitzer sich nicht als genügend wirksam erwiesen, und deshalb plant, wie aus Essen gemeldet wird, der Zechenverbaud, das „Problem des zentralisierten Arbeitsnachweises" gründlicher zu lösen. Es soll in Essen eine Hauptstelle des neuen zentralisierten Arbeitsnachweises errichtet werden, die in einer. größeren Anzahl von Orten wie Bochum, Dortmund, Herne usw. Nachweisstcllen unterhalten wird. Der Vorstand des Arbeitsnachweises weist die Zechen den Bezirken der einzelnen Nachweisstellen zu. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, für die ihm angeschlossenen Werkverwaltnngen und die zu ihnen gehörenden Nebenbetriebe Arbeitskräfte zu vermitteln. Dem Zechenverband bleibt vorbehalten, die vermittelnde Tätigkeit des Arbeitsnachweises auch auf andere, dem Zechen- verband nicht angeschlossene Betriebe auszudehnen. Von grundlegender Bedeutung sind folgende Paragraphen der Be- stimmungen: Die Mitglieder sind verpflichtet, für die Einstellung von Arbeitern stets den Arbeitsnachweis in Anspruch zu nehmen. Sie haben ihren Bedarf an Arbeitern dem ArbeilsnachweiS anzuzeigen und dürfen die Arbeiter nur zur Arbeit annehmen, Ivenn dieselben im Besitze eines von der Nachweis st elle auSge st eilten gültigen„Arbeitsnachweisscheines"(Z S) sich befinden. Arbeitsuchende, die sich unmittelbar an ein Werk wenden, sind an die zuständige Nachweisstelle zu verweisen. Die Nachweisstellen haben von den Personen, welche auf einem dem Arbeitsnachweis angeschlossenen Werke in Arbeit zu treten wünschen, auf persönliche oder schriftliche Meldungen zu verlangen-r) sofern sie von einem Verbandswerk konimen, einen Nachweis über die ordnungsmäßig erfolgte Kündigung (KündigmigSschein) oder über die Lösung deS ArbeitSverhältniffcs, b) sofern sie nicht von einem VerbaudSwcrt kommen, ihren letzten Entlassungsschein und ihre Legitimation. Als Legitimation ist ein amtlich beglaubigtes Papier(Militärpast, Meldeschein, Abzngattcst, Geburtsschein) sowie ein Ausweis über ihre bisherigen Kranken- kasjenverhältnisse vorzulegen. Arbeiter unter 21 Jahren muffen außerdem ein Arbeitsbuch besitzen. Nach Vorlage ordmuigsmästiger Papiere(§ 4) wird der Arbeitsuchende, falls eine für ihn paffende Arbeitsgelegenheit vor- Händen ist, unter Aushändigung eines ausgefüllten„Arbeits- nachweisscheines" an eine Arbeits st eile verwiesen. Der Schein hat nur für das darauf verzeichnete Werk und nur innerhalb einer Frist von zwei Werktagen Gültigkeit. Durch die weiteren Bestimmungen werden, wie die „K öl». Z t g." mitteilt, die Eintragungen der Ueberweistina, der Annahme und der Nichtannahme geregelt. Auch über den Nichtetntritt des zugewiesenen Arbeiters und über den Kon- traktbruch sind Bestimniungen getroffen worden. Wenn ein Arbeitsuchender eine Arbeit angenommen hat, sich aber inner- halb zweier Werktage nach Ablauf des für den Arbeitsantritt festgesetzten Termins ohne hinreichende Entschuldigung auf der Zeche nicht einfindet, so erhält er in den nächstfolgenden zwei Wochen vonr Arbeitsnachweis keine Arbeit nachgetviesen. Dieselbe Folge tritt ein, wenn ein Arbeiter unter Kontraktbruch die Zeche verläßt oder insolge eines Kontrachtbruchs von der Zeche entlassen wird. Neu sind diese Versuche, die Ardeiter durch die Zentrali- fierung des Arbeitsnachweises unter Kontrolle der Unternehmer zu willenlosen, gefügigen Lohnsklavcn zu machen, ja nicht. Die Bestimmungen des von dem Zechenvcrband geplanten Arbeitsvermittelnngsinstituts lehnen sich fast genau an die Satzungen des bekannten Zentral-Arbeitsnachiveises der Ham- burger Eisenmdustnellen an; aber der Zcchenverband steht den Bergarbeitern nicht nur mächtiger gegenüber, sondern er er- streckt sich auch auf ein weit größeres Gebiet. Treten die obigen Bestimmungen in Kraft, dann können die Zechen- besitzer jederzeit verhindern, daß ein Arbeiter, der ihnen nicht paßt, irgendwo im Ruhrkohlenbergbau Arbeit erhält, und ferner haben sie es in der Hand, ganz nach ihrem Belieben den Arbeiter dahin zu dirigieren, wo sie ihn haben wollen. Bruhn als Zentrmns-Bmidesbruder. Welche Rolle der Herausgeber des Skandalblattes '„Wahrheit" in deil Kreisen der reaktionären Parteien gespielt hat, das geht deutlich aus der Mitteilung rheinischer Blätter hervor, daß Zentrumspolitiker in einer Zentrumsversammlnng zu Konstanz am Bodensee noch am 3. September neben dem redegewaltigeu Matthias Erzberger und dem kunstbegeisterten Dr. Pfeiffer auch Herrn Bruhn als schätzenswerte Kraft auftreten ließen. Er legte damals nach dem Berichte des Karlsruher Zentrumsblattes folgendes Bekenntnis ab: Ich bin auch hierher gekomme», um Zeugnis abzulegen, daß mir die politische Konstellation, die sich jetzt ergeben hat, mehr zusagt wie die vorige.... Ich habe niich auch zum Wort gemeldet, weil mein Kollege Dr. Pfeiffer hier so schöne Worte ge- sprochen hat, die mir als evangelischcnt Christen so wohl getan haben. Ja. eS tut einem wohl, wenn er sagt:„Wir katholischen Christen müssen einig sein mit den Christen, die nicht katholischen Glauben? sind, um das Christentum zu verteidigen gegenüber den- jenigcn, die es befehden."— Diese g e m e i n s a m e Weltanschauung ist es. die mich»eben den wirtschaftlichen Gründen zum ' Zentrum hindrängt. Die Herren vom Zentrum haben also nichts dagegen ge- habt, daß Herr Bruhn, der Herausgeber des Tkandalblattes „Wahrheit", von dessen Tendenz sich selbst der Deutsche Antiseinitenbund schon vor Jahren— allerdings unter Ausschluß der Oeffentlichkeit— grauend abwandle, daß der Her- ausgeber des Skandalblattes, das die„Köln. Volksztg." jetzt nicht genug zu brandniarken weiß, sich als Bundesbruder au ihre Seite stellte. Denn wenn der Herr auch anrüchige Geschäfte machte, er hatte doch eine gemeinsame Weltanschauung und gemeinsame wirtschaftliche Interessen mit den Zentrumsmachern. Und das gibt den Ausschlag. Die sittliche Entrüstung über die Skandalpresse braucht man, wenn man Anschläge auf die Preßfrciheit der anständigen Presse verfolgt, als bequemen Vorwand— mit dem Skandal- spekulantcn aber macht mau polittsche Geschäfte. Eine feine Heuchlerbande! Ter Zar aller Neusten und Preusten! Nach langem Hin und Her sind nunmehr über die Zarenreise nach Italien deftnilive Bestimmmlgen gelroffen worden. Der Zar reist am 14. Oktober nach Livadia ab, fährt mit seiner Jacht nach Odessa und von da per Lahn weiter. Selbstverständlich wird die Reiseroute des Zaren strengstens geheim gehalten. Das eine aber steht schon fest, daß er den Landweg über Deutschland gewählt hat. Wie dem„Berliner Tageblatt" aus Wien gemeldet wird, ist bei der Wahl der Reiseroute hauptsächlich die Vorsorge für die persönliche Sicherheit des Zaren maßgebend gewesen. Der Sultan hatte zwar sofort und bereitwilligst die Durchfahrt durch die Dardanellen gestattet. Dennoch hat cS der Zar vorgezogen, über Deutschland zu reisen, verfügt er doch frei Über das deutsche Militär, das offenbar ebenso wie bei der Durchfahrt des Zaren durch den Nordostseekanal alle 300 Schritte längst des Bahndammes postiert werden wird, um das teure Leben des'Henkerzaren zu schützen.— Koburg. Die Stichwahl zwischen unserem Genossen Z i e t s ch und dem nationalliberalen Ouarck soll am 22. Oktober statt- finden._ Breslcmer Rechtsprechung. Wegen angeblicher Beleidigung des GotteSberger Polizei» kommissars Wolkowitz wurde Genosse W o l f f von der BreSlauer „Volkswacht" zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. In dem betreffenden Artikel war behauptet worden, daß während des SaalboykottcS in Gottesberg der Kommissar Wolkowitz den Genossen PiorkowSki unrechtmäßig verhaftet und ihm dreimal in den Rücken geschlagen habe. Der als Zeuge geladene Kommisiar Wolkowitz bestritt, geschlagen zu haben; die Zeugen, ein Polizist und meist auf dem Polizeibureau beschäftigte junge Leute, haben ebenfalls„nicht gesehen", daß der Polizeikommissar geschlagen hat; PiorkowSki wurde als Mittäter— er sollte den in Frage kommenden Artikel geschrieben haben,— mit unter Anklage gestellt, sodaß er nicht zeugen konnte. Lediglich um den Wahrheitsbeweis zu führen, nannte Genosse Wolff de» wirklichen Lerfasscr der Notiz, gegen den inzwischen die Verjährung eingetreten war. PiorkowSki blieb trotzdem An- geklagter. Er wurde zwar freigesprochen, aber Genosse Wolff konnte den WahrhcitSbeloeis nicht führen, weil PiorkowSki Angeklagter blieb. Trotzdem der Sirafantrag am 7. Scp- tcmber 1003 gestellt war und die Nennung des Verfassers erst drei Monate nach der Verjährung ersolgte, kam das Gericht doch zu einer Verurteilung des Verfassers, weil in der Zwischenzeit eine richterliche Handlung gegen einen bis dahin unbekannten Täter, und als solcher konnte der jetzt genannte Berfaffer nach Ansicht des Ge- richtS in Frage kommen, erfolgt sei. Das Urteil lautete gegen diesen aus 80 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte 50 M. be- antragt, gegen Genossen Wolff dagegen eine Woche Gefängnis. Hält dieses Urteil vor dem Reichsgericht stand, dann kann ein Delikt niemals verjähren, wenn in der Zwischenzeit richter- liche Handlungen gegen einen unbekannten Täter resp. Mittäter vorgenommen werden. Und das fällt nicht schwer: unbekannte Täter hat es immer viele l__ Die Berliner Fiirsorgezöglinge im Dienste der Ostmarkcnpolitik. In der Generalversammlung des Schlcsischcn RettiingS- hauS-Verbandes führte der Pastor Lio. PeiSker mit Bezug auf die' Mielczyner Vorgänge u. a. folgendes aus: „An der Anstalt Mielczhn habe außer der Berliner Verwaltung der Ostmarkenverein ein Interesse, das der Germanifierung des polnischen Ostens gelte. Die« habe zur Folge, daß die Zöglinge fo weit wie möglich in den Dienst der Deutschen gegeben werden. Bei ihrer Entlassung erhalten sie einen ans ihren Verdiensten ge- bildeten Fonds nur dann ausgezahlt, wenn sie sich verpflichten, in den Ostmarkcn zu bleiben. Diese Einrichtung sei nicht gut, weil darin eine Beschränkung deS SelbstbestimmungSrechtS über de» Wohnfitz liege." Aus diesen Aeußerungen eines Pastors geht hervor, daß er liberaler denkt als der Berliner Stadtrat Münsterberg, der diesen Mißbrauch Berliner Fürsorgezöglinge im Interesse der reaktionären Ostmarkenpolitik für besonders lobenswert er- klärte!_ Tendenzprofcssor Ehrenberg. Zu dem Thema dcS Leipziger Tenden'z Professors veröffentlichen die„Drcsd. N. Nachr." einen offenbar auf sehr guten Informationen beruhenden Artikel, ans dem hervorgeht, daß der Vorschlag weder von dem Zcntralverband der Industriellen noch von dessen Sekretär Bneck ausging. Vielmehr hat sich, wie das genannte Blatt mitzuteilen weiß, im Sommer vorigen Jahres eine Vereinigimg, bestehend aus Mitgliedern des Handels, der Industrie(darunter Freihändler»nd Schntzzöllner), der Banken, der Technik und der Landwirtschaft, hervorragende» Hochschul- Professoren, hervorragenden Mitgliedern des Reichstages, des preußischen Herrenhauses und des preußischen Abgeordnetenhauses verschiedener Parteien zum Zwecke der Unterstützung von Forschungen auf dem Gebiete der gesamten Wirtschaftsgeschichte zusammengetan und unter anderem den Beschluß gefaßt, wenn möglich eine neue Professur für diesen Spezialzweig der Volkswirtschaft, und zwar möglichst in einem Jndustriestaate zu ermöglichen. Am ge- eignetsten hielt man für diesen Zweck die Leipziger Universität, weil dann der neue Lehrstuhl zugleich in einer der größten Handelsstädte des Reiches stünde. Das Komitee wandte sich nun mit seinem Vorschlag an den sächsischen Kultusminister, indem cS sich zugleich bereit erklärte, ein derartiges volkswirtschaftliches Seminar für Wirtschaftsforschung in Leipzig jährlich mit 30000 M. zu unterstützen! Ein nach der Meinung des KoiniteeS hierfür sehr geeigneter Professor wurde dafür in Vorschlag gebracht. Der Kultusminister hielt eS für angezeigt, diesen Vorschlag der Fakultät, als der für die Entscheidung zuständigen Stelle, zu über« nütteln, einnial, weil diese Vereinigung aus so vielen im politischen, industriellen, kaufmännischen und technischen Leben hervorragenden Persönlichkeiten und Hochschulprofessorcn bestand, dann aber in der Hauptsache deshalb, weil der Minister der Ansicht war, daß er unbedingt an der bisherigen Gepflogenheit festhalten müsse, nämlich bei jeder neuen Errichtung eines Lehrstuhls und bei jeder Berufung eines Professors zunächst das Gutachten der betr. Fakultät einzuholen. Wie die„Dresdener Neueste Nachr." melden, handelt eS sich bei dem Vorschlage um den„durch seine Forschungen ans dem Gebiete der Wirtschaftsgeschichte in weiten Kreisen rühmlich bekannten Professor Ehrenberg in Rostock."— Von hervorragenden Forschungen Ehrenbergs weiß die Ge- lehrtenwelt nichts; dagegen hat sich der„rühmlich bekannte" Professor in seiner Eigenschaft als Scharstnacher bei gewissen Leuten lieb Kind zu machen gewußt. Und darum eben war ihm, wie es scheint, die Dreißigtausendmark-Profcssur zugedacht. Vom Alkohol. Daß die Bramitweinsteucrcrhöhimg nicht ohne Wirkung auf den Abstoß in den Verbrauch bleiben würde, war zu erwarten. Nach den jetzt vorliegenden Angaben der Dircktibbchörden über Erzeugung und Emgang in den Konsum im September ist die in den Ver- brauch übergegangene Menge aber doch wohl stärker gestiegen, als man angenommen hat. Es sind nänrlich im September 1900 277 103 Hektoliter Alkohol in de» Verbrauch übergegangen, gegen nur 100 137 Hektoliter im September des Borjahres. Die starke Zunahme der in den Verbrauch übergegangenen Menge ist wohl lediglich eine Folge deS Bestrebens, die erhöhte Steuer zu spare». Nach dem neuen Gesetz sind nämlich 10 Liter Alkohol auch für den Privatgebrauch steuerfrei. Der vom Parteitag in Leipzig beschlossene Schnapsboykott kommt naturgemäß im September- aus weis noch nicht zur Geltung. Um so schärfer wird er sich in den späteren Nachweisen bemcrlbar machen, da ohnehin die früheren Lagerbestände in Verbindung mit den großen Mengen, die nun noch zwecks SteuercrsparniL in den Verbraiich Übergegangen sind, wahrscheinlich den wirklichen Konsum auf längere Zeit be- friedigen können. Selbstverständlich gilt das nur für den Alkohol zu Trinkzwccken. Die zur steuerfreien Verwendimg abgelassene Menge ist im Septeinber dieses Jahres um 53 887 Hektoliter geringer gewesen als im Vorjahre. Auch die Erzeugung des Alkohols ist zurückgegangen, von 03 St 7 Hektoliter auf 80 040 Hektoliter. Die unter steuerlicher Kontrolle verbliebene Menge betrug am Monatsschluß 573 005 Hektoliter gegen 480143 Hektoliter am 1. Oktober 1900. Der deutsch-russische Zwischenfall ans Charbin. Die„Kölnische Zeitimg" meldet vom Mittlvoch anS Berlin: Der Zwischenfall in Charbin ist zur Zufriedenheit der deutschen und der russischen Regierung beigelegt worden.--_ england. Lieber Schutzzoll als Grundsteuer. Manchester, 14. Oktober. Lord Hugh Cecil, ein Sohn des der- storbcnen Marquis of Salisburh und Führer der unio« nistischen Freihändler, erklärte, er habe zwar seine freihändlcrischen Ansichten nicht geändert, gebe aber zu, daß es bei der gegenwärtigen Lage Pflicht der Unio. nisten sei, die Tarifreform zu unter st ützen, weil deren Gefahren geringer seien, als eine Verwir- rung in den Grundlagen des Besitzes, und leichter wieder gutzumachen. ScKweclen. Zwei Attentate sind am Sonnabend in Schweden verübt worden, eins gegen den Direktor Hmnmer des Schwedischen Exportvereins in Stockholm und eins in Göteborg gegen den Oberdirektor Sjöholm von LindholmenS mechanischer Werkstatt. Jeder der beiden Herren er- hielt durch die Post eine kleine, offenbar geschickt konstruierte Höllen» Maschine zugesandt. Herr Hammer wurde arg verletzt, namentlich an den Händen, fo daß er inS Krankenhaus gebracht werden mußte; dagegen kam die Sjöholm zugestellte Höllenmaschine nicht zur Explosion, da er. offenbar ganz zufällig, de» Leitungsdraht heraus- gezogen hatte. Gleichzeitig sind mehreren Zeitungen in Stockholm, auch unserem Bruderorgan„Socialdemokralen", und in Göteborg ungefähr gleichlautende Schreiben zugestellt, und zwar des Inhalts, daß der„Gerichtshof der Sozialdemokraten" mitteile, daß nähere Aufklärungen über den Fall Hammer wie über den Fall Sjöholm am Dienstag unter einer bestimmten Chiffre vom Postamt abzu- holen seien und am Montag zur Post gebracht werden sollten. Die Briefe, von geschickter Hand geschrieben, waren mit„ZiskaS" unter- zeichnet. Tatsächlich waren die„näheren Aufklärungen" schon am Freitag zur Post gegeben. Sie sind von der Polizei mit Beschlag belegt. Sie waren mit Maschinenschrist hergestellt, jedoch mit dem gedruckten Kopf: Looialüowokratoruas Doinstol Vorkställande utskottet Stockholm, PostSmpelns datum. ES wird in dem Schreiben mitgeteilt, daß John Hammer zu körperlicher Züchtigung schwererer Art, nämlich der sogenannten „Handfütkning; nach Gustav MalmborgS System' verurteilt sei.— Gustav Malmborg ist der Name von zwei Jungsozialisten, Vater und Sohn, die aber offenbar beide mit der Sache nichts zu tun haben. MS Wortführer oder Vorsitzender jene? mystischen Gerichts« Hofe?(„Domstol") nennt sich in dem Schreiben(„Justus Felix", als„Exekutor" unterzeichnet„ZiskaS". Merkwürdig ist auch, daß„Socialdemokraten" am Freitag durch die Post eine Annonce zur Aufnahme zugesandt erhielt, die, wie die später vor« genommene Untersuchung des Manuskripts ergab, offenbar von der- selben Person herrührt. In der Annonce wurden die „Zwölf" von einer Loge„Rose" in etwas dunklen Worten zu einer Sitzung eingeladen. Im Zusammenhang damit steht ferner ein Zirkular, das verschiedenen Zeitungen, auch „Sozialdemokraten", vor ungefähr einem Monat zugesandt wurde, worin„Justus Felix" die Tätigkeit des„Gerichtshofes der Sozial» demokraten", der aus„12 zuverlässigen Demokraten von ebenso vielen Fachvereinen" zusammengesetzt sein soll, darlegt. Unsere Genossen in der Redaktion glaubten damals, daß es sich um einen ungefährlichen„Scherz" eines durch die Hetzereien der Reaktions- presse verwirrten Menschen handelt. Daß die Sozialdemokratie mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, ist ja so selbstverständlich, daß eS nicht erst gesagt zu werden braucht. Es ist aber auch als ausgeschlossen anzusehen, daß die Jungsozialisten dahinter stecken. Bei der Verpackung der an Hammer gesandten Höllenmaschine war zwar ein Stück der juugsozialistischen Zeitung„Brand" verwandt worden, das sollte aber wahrscheinlich nur dazu dienen, die Spur von dem Attentäter abzulenken, ebenso wie die Nennung des NamenS Gustav Malmborg. Allem Anschein nach handelt eS sich um einen persönlichen Racheakt. ... Neuerdings wurde ein Ingenieur Ekenberg, der mit Sjö- Holm und Hammer verfeindet ist, als Urheber der Attentate ver- däd)tigt. Er hat jetzt aus London an Direktor Sjöholm tele- graphiert, daß er diesen Verdacht als unwürdig und grundlos zu- rückweise. fttiklatid. Die Schwarzhmidertler gegen die Verfassung. In Moskau ist ein Kongreß der reaktionären Parteien Rußlands zusammengetreten, der den Zweck hat, alle monarchistischen und nationalistischen Organisationen Rußlands zum Kampfe gegen die Verfassung zu vereinige». 600 Millionen für neue Seeriistnngen! Wie der Petersburger„Rjetsch" erfährt, wurde während der Anwesenheit des Zaren in Sebastopol beschlossen, neue Marine- kredite im Betrage von 000 Millionen Rubel für die Anlage von Festungen, Werften und den Bau von weiteren vier Dreadnoughts von der Reichsduma zu verlangen. KmenKa. Katzbalgereien in Zentratamerika. New Aork, 13. Oktober. Nach einem_ Telegramm aus Managua(Nicaragua) haben die Anhänger des Kriegs« Ministers Juan Estrada, die sich gestern gegen den Präsidenten Zelaya erhoben haben, die Stadt Blue Fields ein» geschlossen. Hua der Partei. Der BezirkS-Partcitng für das östliche Westfalen und die lippischcn Fürstentümer fand am Sonntag, 10. Oktober, in Brackwede bei Bielefeld statt. Der Bezirk umfaßt zwölf ReichStagSwahlkreise. In diesen betrug die Zahl der Mitglieder am 1. Juli 1900 8353(darunter 351 weibliche) gegen 0707 am 1. Juli 1003 und 5451 am 1. Juli 1907. Der Zuwachs betrug demnach von 1007 auf 1003 1250 Mitglieder — 23 Proz. und von 1008 ans 1009 1040 Mitglieder— 24,5 Proz. Die Mitglieder verteilen sich auf. die Wahlkreise in folgender Weise: Tecklenburg-Steinfurt-Ahaus 152(1003 waren es 00 Mitglieder), Münster-CoeSseld 258(145), Lildinghausen-Beckunl-Warendorf345(170), Minden-Lübbecke 700(504), Herford-Halle 1220(783), Bielefeld- Wiedenbrück 4055(4102), Paderborn-Büren 9(12), Warburg- Höxter 22(15), Lippstadt-Brilon 89(40), Schaumburg-Lippe 280 (207), Lippe 003(473), Lingen-Meppen-Hiimmling 5(10). Die Gesamtzahl der Ortsgruppe» betrug 82 gegen 32 im Vorjahre. In Lüdinghausen-Beckum-Warendoif, Paderborn-Büren, Warburg« Höxter, Lipusbadt-Vrilon und Lingen-Meppen-Hümmling bestehen noch keine festen Vereinsorgaiiisationen. Im Vezirle hat also trotz der Krise die Zahl der Organisierten gut zugenommen, und während noch 1003 nur vier von den zwölf Kreisen eine feste Organisation hatten, gelang es 1900 in drei weites» Kreisen feste Organisationen zu schaffen: in Tecklenburg-Steinfurt-AhauS, in Münster-CoeSseld und in Schaumburg. Lippe. Der Erfolg ist ein zufriedenstellender. Vom 1. Januar 1910 ab werden die drei Kreise Lüdinghansen» Beckum-Warendorf, Münster-Coesfeld und Tecklenburg-Steinfurt- Ahaus dem Agitationsbezirke für das westliche West» falen angegliedert. Der Kassenbericht des Agitationskomitees verzeichnete an Einnahme 8000 M. Zuschuß vom Parteivorstande, einen Kassen» bestand von 334,88 M. und 1053,00 M. Beiträge von den Wahl» kreisen, insgesamt 4992,07 M. Die Ausgaben betrugen 4204,33 M. Es verblieb ein Kassenbestand von 003,04 M. Die drei Kreise Tecklenburg-Steinfurt-Ahaus, Münster-Coesfeld und Lüdinghausen- Beckum-Warendorf erhielten allein an Zuschuß 1283,22 M. Für allgemeine Agitation wurden 1087,40 M. ausgegeben, für die Nach« wähl im Kreise Liidinghauseii-Vecknm-Warendorf 442,45 M. Die Wahlkreise hatten insgesamt zu verzeichnen an Einnahmen 30 201,01 M.(im Vorjahre 27 711,87 M.) und an Ausgaben 22 080,15 M.(13 403,11). In den Kassen waren am 1. Jnli 1009 demnach Bestände von insgesamt 7530,80 M. gegen 9303,70 M. im Vorjahre. Die Zahl der Abonnenten der„Volkswacht" in Bielefeld, des Parteiorgans für den ganzen Bezirk, ist ziemlich auf ihrem alten Stand geblieben. Der Geschäftsabschluß ist gleich günstig wie im Vorjahre, trotz der daniederliegenden Konjunktur. Sozialde in okratis che Kommunalvertreter wurden gezählt 88 gegen 05 im Vorjahre; davon ini Kreise Bielefeld» Wiedenbrück 40, Lippe 19, Heriord-Halle 13. Minden-Lübbecke 11. Schaumburg-Lippe 4 n»d Teckleiibnrg-Steinfurt-AhanS 1. Außer» dem haben wir je ein L a n d t a g S m a n d a t in Lippe und in Schaumburg-Lippe und das R e i ch s t a g s m a n d a t jür Bielefeld» Wiedenbrück. Zur Agitation wurden 00 000 Flugblätter„Vor der Ent- scheidung" verbreitet und 32 Volksversammlungen mit der TageS» ordnimg:„500 Millionen neue Steuern— KricgSgeschrei— AuS» wältige Politik" abgehalten. Auf dem Parteitage waren anwesend 148 Delegierte auS 75 Orten. Dazu kamen das AgitationSkomitce, Vertreter der „Volkswacht" und Preßkommission, ein Reichstags- und zivei Landtagsabgeordnete. Im ganzen waren 109 stimm- berechtigte Genossen, darunter einige Genossinnen anwesend. Der Parteivorstand war durch Genossen Müller-Berlin bertreten. Zur Maifeier wurde beschlossen: Als Wirtschaftsgebiet für die Schaffung eines llnterstützungsfondsbe» stimmt der Parteitag die Wahlkreise dcS AgikationSbezirlS. Als Zentralstelle für die Förderung des B i l d ii n g s w e s e n S setzte der Parteitag den BildnngSauSschnß für Bielefeld ein. Ferner verpflichtete der BczirkSparteitag die Krcisocganisotiouen init aller Kraft für d i e D u r ch f ü h r u n g d e S S ch n q p S b o y k o t t S z u wirken. Die Beiträge der Wahlkreise an daS AgitationSkomitee wurden von 6 Proz. auf 7 Proz. der ordentlichen Jahrescinnahuicn festgesetzt. Zum internationalen Kongreß wurde Genosse H o f f m a n n» Bielefeld gewählt, Genosse Schreck als Ersatzmann. GewerkfcbaftUcbeo. Behörden und Tarifverträge. Der Verein Stuttgarter Buchbindereibesitzer wandte sich in_ Leseabende. Mariendorf. Freitag, den 15. Oktober, 8 Uhr, im Lokal von Löwen» Hagen, Chausseesir. 27, Letzte JVacbncbten und Depefcben» Ein Erfolg der bayerische» Sozialdemokratie. München, 14. Oktober.(W. T. B.)(Kammer der Ab« geordneten.) In der heutigen Abendsitzung begründete Günther(liberal) eine Interpellation: ob die Regierung gewillt sei, angesichts der bedenklichen politischen Konsequenzen den mit Rußland im Jahre 1885 abgeschlossenen Auslieferungsvertrag zu kündigen. Schon 1885 wären von allen Seiten des Hauses die allerschwersten Bedenken gegen den Vertrag erhoben worden. Ministerpräsident Freiherr von Podewils erklärte, die Kündigung eines völkerrechtlichen Vertrages, in dem keine Kündigung vorgesehen sei, könne nur erfolgen, wenn ganz wesentliche neue Umstände eingetreten seien; dies sei hier aber nicht der Fall; auf Grund des Vertrages sei bisher nur eine einzige Auslieferung bewilligt worden, und zwar wegen gemeinen Mordes; eine nicht genügend motivierte Kündigung würde bedenkliche politische und wirtschaftliche Folgen haben; die Regierung werde den Bertrag nicht kündigen, werde aber dahin wirken, daß beim Vollzug des Vertrages wie bisher der nationalen Rcchtsauffassung möglichst Rechnung getragen werde. Bei Besprechung der Interpellation betonte Müller- München(Soz.), daß in Bayern die Abnei- gung gegen diesen Vertrag allgemein sei, und stellte den formellen Antrag: die Staatsregierung solle die Kündigung des Vertrages sofort in die Wege leiten.— Geiger(Zentrum) und Müller-Hof(liberal) stimmten diesem Antrage zu. Minister- Präsident Freiherr von Podewils erklärte, Rußland habe seit 1883 nur in vier Fällen die Auslieferung verlangt, und zwar in dem inen Falle, wegen gemeinen Mordes, sei dem Verlangen nach- gegeben: Bayern habe die Auslieferung in zwei Fällen ver- langt, und beide Male sei sie zugestanden worden! Der Vertrag sei nicht ganz ohne Wert, da die verbrecherischen Elemente Bayern meiden, solange er bestehe; die Kündigung des Vertrages wäre ein Akt der Unfreundlichkeit gegen Rußland, zu dem die Regierung sich nicht entschließen könne; zur Aburteilung vor Ausnahmegerichten und zu administrativen Maßregelungen brauche Bayern überhaupt nicht auszuliefern. Nachdem noch S ü ß h c i m(Sozialdemokrat), Beck(Freie Ver- einigung) und Q u i d d e(liberal) gegen den Auslieferungsvertrag gesprochen hatten, wurde der Antrag Müller-Münchcn auf Kündi» gung des Bertrages einstimmig angenommen! arbeitervereiiiigung, am 19. Oktober über die Frage eines General« streils unter allen Arbeitern der Eisenerzgruben Westcumberlands eine Abstimmung veranstalten zu lassen. Ein Sieg der Ungelernten— eine Lehre für die Gelernten. Dem„Philadelphia-Tageblatt" entnehmen wir: Lange und oft haben die deutschen Sozialisten(innerlich natürlich) den Kastengeist der amerikanischen Gewerkschafter verflucht, die nur für ihre eigene Zunft ausschauten und für welche das Evangelium der Solidarität aller Arbeiter hohler Schall war. Der Appell an ihre Menschlichkeit fand taube Ohren und sogar daS Argument, daß sich ihre Exklusivität einmal bitter an ihnen rächen werde, war ver« geblich bei diesen„praktischen" Amerikanern. DaS zu predigen war ganz vergeblich. Aber die Nemesis schläft nicht. Wer nicht hören will, muß fühlen. Eine der schlimmsten dieser Zunftgcwerkschaften war die Amalgamated Association der Eisen- und Stahlarbeiter. Sie nahmen als Mitglieder nur die„skilled LaborerS", die„geschulten Leute" in den Stahlwerken auf, die von 3 bis 25 Dollars per Tag verdienten. Die„gewöhnlichen Arbeiter" existierten für sie nicht. Nicht nur, daß �_______________________________„--------------—------------------------....._ Verantw. Redakt.: Emil Nnger, Grunewald. Inseratenteil verantw.:Ud.Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstall Paul Singer Lc Co., Berlin SW, Hierzu 2 Beilagen«.UnterhaltungSbl, Wahlsieg. Wolfenbüttcl, 14. Oktober.(Privatdepeschs des„Vor- wärts".) In der Stadtberordnetenstichwahl wurde heute Genosse S ch e l z gegen den Mischmaschkandidaten K ü k e mit 82 Stiminen Mehrheit gewählt. Demonstrationen gegen die spanische Mörderbande. Trieft, 14. Oktober.(W. T. B.) Als Protest gegen die Hinrichtung Ferrers verließen heute die Realschüler die An- statt; sie versuchten vergeblich, auch die Schüler anderer An- stalten zum Anschluß zu bewegen. Von den Abendblättern ist nur„Piccolo dclla sera" erschienen. Der allgemeine Aus- stand, der für einen halben Tag proklamiert war, wurde nachmittags fast ausnahmslos durchgeführt! Auf Ausforde, rung demonstrierender Gruppen wurden fast alle Geschäfts- laden, Gast- und Knffeehänscr nnd abends anch die Theater und Vergiiügnnsislokalc geschlossen. In einigen Teilen der Stadt zertrümmerten die Demonstranten einige Fenster- cheibcn. Die Wache zerstreute die Demonstranten und zog, als sie mit Steinen beworfen wurde, blank. Bis zum Abend wurden acht Verhaftungen wegen Sachbeschädigung und Steinwürfen gegen die Polizei vorgenommen. Die Demonstrationen dauerten abends noch fort. lt. 211 26. 1. Sfilogt des Jotiuirts" Krlim Biisliiutt. kmlag, 15.©Mute 1909.' Stadtvcrordncfen-Verlammlung. 27. Sitzung vom Donnerstag, den 14. Oktober. nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher M i ch e l e t eröffnet die Sitzung nach S1/, Uhr. Die Abteilungen haben vor Beginn der Sitzung mehrere AnSschust- Wahlen vorgenommen. Im Ausschuß zur Vorberatung der Vorlage betr. die allgemeinen Vertrags- und Bietungsbedingungen ist die sozial- demokratische Fraktion durch die Stadtverordneten D u p o n t, Glocke. Koblenzer, Pfannkuch vertreten. Angesichts des ständigen Verkehrsrückganges in den meisten Markthallen, gegen den die städtische Verwaltung bisher er- folglos angekämpft hat, und angesichts der steigenden Zuschüsse, welche die schwach besuchten Hallen andauernd erfordern, will der Magistrat einige der am schwächsten besuchten Markthallen für den Verkehr gänzlich schließen. Dieses Schicksal soll zunächst die Markthalle III, Mauer st raße, treffen, die nur 25 Proz. besetzte Stände aufweist und für 1309 nicht weniger als 66135 M. Zuschuß erfordert. Die Schließung soll zum 31. März 1910 erfolgen.— Ebenso unbefriedigend ist die Situation bezüglich der Markthalle IV, Dorotheenstraße, die bei 39 Proz. besetzten Ständen 42 765 M.. und bezüglich der Markthalle XIII, Wörtherstraße, die bei 11 Proz. besetzten Ständen 63 500 M. Zuschuß erfordert. Der anderweiten lohnenden Verwendung der freiwerdenden Hallen stehen nach Ansicht des Magistrats Schwierigkeiten nicht entgegen. Stadtv. Ladcwig sN. L.) bittet, mit der Schließung der Markt halle IV noch ein Jahr zu warten, da diese eventuell nach Schließung der Halle Iii eine größere Frequenz aufzuweisen haben würde. Stadtv. Jacobi fragt nach dem Stande des Großmarllhallen Projekts im Osten der Stadt. Stadtrat Benzky: Die Verlegung der Großmarkthalle nach dem äußersten Osten würde ein großer Mißgriff sein. Stadtv. Hiiitze sSoz.): Es ist sehr bedauerlich, daß der Magistrat anscheinend unseren Beschluß ignorieren will. Gründe dafür, daß der Platz an der Landsberger Allee nicht der richtige ist. gibt man uns nicht an; wir hören nur, die Lage an der Paulstraße oder das neue Hafengelände an der Seestraße verdiene den Vorzug. Das Paulstraßenprojekt sollte doch endgültig erledigt sein; der Platz dort ist viel zu klein. Das Seestraßenterrain liegt doch aber noch viel weiter ab vom Zentrum als das Terrain im Osten, das auch vorzügliche» Bahnanschluß besitzt. Der Magistrat hätte alle Ursache, unseren Beschlüssen mehr Beachtung zu schenken. Stadtv. Werner Wallner• Theater.) Dle von Hochsattel. Schlllee Ehartortcnburg. Die erste Geige. Friedrich- Wtlbelmstädt. Schau- spielhauS. Die goldene Eva. Luise«. Die rote Robe. Rose. Der Hüttenbesitzerr. Metrovot. Halloh II— Die große Revue. FolieS Eaprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8'/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld. Theater. Frau ElknmS Friseur. Meine- Deine Tochter. Karl Hoverland»Theater. zialitäten. 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Operette tu 8 Akten von Leo Fall. �ustspioMsus. SlbendS 8 Uhr: Man seil keine Briefs sehreiheo. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen und fotgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Diesen u. nächst. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich u»r Slinelie. torörBiwH] «tio« 1 Abends 8 Uhr: Die rote Robe. (La rote rouge.) Schauspiel in 4 Akten o. E. Brleux. Sonnabend: Inspektor Bräsig. Oesslnc-Tdeater. Freitag, 6 Uhr: Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Sonnabend, 3 Uhr: Hedda Gabler. Tolks-Oper. SW., Belle-Alliaiice-Strabe Nr. 7/8. Der Waffenschmied Ansang'/.O Uhr. Gannabend: Die Jüdin.(Eleazar: Wernor Alüerti.) OSE=THEATE Grosse Franljulter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende U Uhr. 1 Der Mtenhejitzer. Schauspiel in 4 Akten von Georg Lhnct. Morgen: Michael KohlhaaS. Sssksiigl-IIiösfA Köpenicker Strasse 67/68. Täglich abends 8'/. Uhr: Fugerade Tage, Der Deserteur. Die keusebe Toinette. Coasla Pampoulette. Hclilller Sohillor-Thoaler 0.(Wallner-Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Lustspiel in 3 Akten von Leo Wallher Stein und Ludwig Heller. Ansang 8 Uhr. Ende 10 Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Haeheth. Sonntag, nach NI. 3 Uhr: Siaeheth. Sonntag, abends 8 Uhrt Die ZwIlHncsschwester. Theater. Schiller-Theater Charloltenburs. Freitag, abend« 8 Uhr» Die erste Cieizre. Lustspiel in 4 Akten v. Gustav Wied und JinS Petersen. Ansang 8 Uhr. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die erste Oeigc. Sonntag, nachm. 3 Uht: Die Welt, in der man sieb langweilt « o u n: a g. abends 8 Uhr: Dou Carlos. Freitag, den 15. Oktober. abends 71/2 Uhr: Komische Vorstellung. Sämtliche Elowns m. neu. Witzen. lim e. law, die sprechend. Pierrots. Kvsro Bros. Keu! Xen I 6 Damen ProveanieS(t Pierd u. Pony Phantasleakt von MiS Louise. Der Schimpanse als Radfahrknilstler. Les Soßmans u. Ciottis. Jagd- Sportakt. Ritter?. Renaroff taK* u- Sonntag: 2 gr. Vorstellungen. 4 Uhr u. 71/, Uhr. 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Wissenschaftliohee Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Artusliof(Moabit) Perleberger Strasse 26. Freitag, de» 15. Oktober 1009. Der Erbforstei* Schauspiel von Ludwig. Kassenössnung 7 Uhr. WU- Ansang 8 Uhr.' Wzg Alezand.- Platz IST. r Neue Königstr. 1 Grand-Hotel Alexanderplatz. 1 Vornehmst. Riesen-Kinematograph| Heute Gala-Vorstellung;! ununterbrochen von 5 Uhr an. I Sonnabend, den 16. Oktober, abends präzise S'/aUhr: Kerbstfest(Strauß-Jted) im großen Saale der„Neuen Welt", Hasenheide 108—114. mitwirkende: 236/5 Berliner Slnlonie-Orchester unter persönl. Leitung d. Kapellmeisters Hrn. Maximilian Fiscber.— Fr. Olga Orsella vom Stadttheater in Königsberg.— Käthe Wille- Bach.— Herr Hans Kraely vom Wilbelm-Tbeater in Magdeburg(Operetten- eänger).— Am Flügel: Herr Friede. Eröffnung des Saales 8 Uhr! Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt. Eintrittskarte 30 Pf.—— Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Hm regen Zuspruch bittet Oer BildungsausschuS. Tischler s Verein(E. H. 89). Sonnabend, 16. Oktober, im Konzerlhaus Sanssouci, Kottbuserstr. 6: • 38. STIFTUNGSFEST• bestehend aus Konrert X Soiree der HolTmannschen XorddeutBchen Sänger und Bali. 109/10 Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Der Vorstand, Sladt-Theater Moabit. Ait-moabtt 47/48. Sonntag, dcn 17. Oktober 1909: Der Dornenweg. Schauspiel in 3 Akten v. F. Philipp!. Kassenöffnung 6 Uhr. Vorstellung 7 Uhr. Vorverkauf täglich von 10—1 Uhr im Theatcr-Nestauraili. Jeden Montag: Lustige Sänger. kolies Caprice.j Mobilisierung. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11—2. Anfang S1/. Uhr. 1 Palast-Theater. Direktton: Robert Dill& Karl Pirnau. Burgstrahe 24, am Bahnhos Börse. Zum 40. und letzten Male: Graßjiad!s«»he! mit Direktor Robert Dill. Letzte? Austreten der erstklassigen Spezialitäten. Ansang J/s8 Uhr. Enkrce: 50 Ps. bis« Mari. VorzugSkartcn überall zu haben. Kttnlgstadt-Kasino. Holzmartlstrasze 72. Täglich: Franz Sobanskl. Hedy Brumien, Willy Gramsch, Vallis u. Jeannetle, F. W. 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Mls., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Fried ens-Kirch- hoses aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. 70/12 Die Berwaltung. Öktz-RMeita für das Gewerbe derTisclilerD.PiaiioIorte- irbeiter zu Berlin Am 11. Oktober verstarb nach schwerem Leiden unser langjähriges Vorstandsmitglied, der Tischler- meister Adolf Gaertaer. Wir betrauern in dem Dahin- geschiedenen ein pflichttreues Vorstandsmitglied, dessen Andenken wir stets in Ehren hallen werden. 1942b Der Vorstand, Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß am Mittwoch nach langem Leiden meine liebe Frau und gute Schwester 1943b Helene DuIIer g«». Borrmann verstorben ist. Um stille Teilnahme bittet Johannes Bnllcr. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmiitag 4st, Uhr von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchboss in Rixdors aus statt. Bp. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,«Sä, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4. 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Ehre seinem Andenken k Die Beerdigimg findet heute, Freitag, de» 15. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zions- KtirchhoseS in Nieder-Schönhausen aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 289/17 Der Borstand. Deiittf taportarheiter-Yerliaiiil. Ortsverwaltung GroB-Borlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeits- kutsch er kicksrd Harenberg am Dienstag, den 12. d. M.. im Alter von 59 Jahren an Rücken- markSIeiden gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 15. d. M., nach. mittags 2>/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gethsemane-Kirchhoses in Nordend aus statt. 70/11 Die Verwaltung. 1 Zentral-Kranifen- UntEFSliitzungs- verein der Schmiede und verwandten Gewerbe Deutschlands. Berlin XI Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege lZeorK Kuhnt am 12. d. M. an DarmkrebS ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 16. Oktober, nach- mittags 41/. Uhr, vom Paul Ger- Hardt-Stist nach dem städtischen Friedhof, Müllerstraße, Ecke See- straße statt. 176/18 Die ortsver�sltung. j Zenlral-VeM der Maurer Beutsehiands. Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Einschaler Hermann Barsch am 10. Oktober im Alter von 31 Jahren an den Folgen eines am 8. Oktober aus dem Bau Dresdener Straße erlittenen Un- salles gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 15. Oktober, nach. mittaas i'l, Uhr, von der Leichen. halle des Genieinde-FriedhofeS in Lichtenberg an der Bornitzstraße aus statt. 139/12 Der Scktionsvorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und treusorgeudeu BaterS Paul Hänsel sagen allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen und Kolle- innen der Firma Bcrgemann, Wilhelmsruh, dem Wahlverein Weißen» see, dem Mctallarbeitcrverbande so» wie der Dculschen Wagcnbauerkasse, unseren innigsten Dant. Marle�Hänscl nebst Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, unse» res guten Vaters, des Maurers Clottüeb Heinrich agen wir allen lieben Freunden, dem Zentralverbande der Maurer Deutsch» IcuidS, insbesondere dem Gesangverciu »Sangeslusri unseren innigsten Dank Frau Belnrleh nebst Töchtern. Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für den gnseralenteil verantw,.' TH.GWike. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer Li Co.. Berlin SW, st. 241. 26. Z.W.«. 2. Keilte des„Amarts" Kerlikler AlKsbllllt. ,5- Partei- Hugclegenbeitcn» Ot-'-Schönewcide. Am Sonnabend, den 16. Oktober, abends 8 Uhr, findet bei Warneke eine Besprechung betr. der Landagitations- tour am 17. Oktober statt. Die in Betracht kommenden Genossen wollen sich dort einfinden. Griiiia». Der hiesige Wahlverein begeht morgen Sonnabend, den 16. Oktober, im Lokal des Genossen Duchaufonr, Köpenicker- stratze 78, sein 17. Stiftungsfest. Ein reichhaltiges Unterhaltungs- Programm ist vorgesehen, weshalb das Komitee regen Besuch erwartet. Zossen. Wir machen die Parteigenossen darauf aufmerksam, das; am Sonnabend, den 16. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale des Genossen P. Kurzner die ö f f e n t l i ch e V e r s a m m- lung stattfindet. Thema:„Warum müssen wir Sozialdemokraten in die Stadtverordnetenversammlung senden?* Der Vorstand. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 16. Oktober, abends L'/z Uhr. findet in dem Lokale von Rudolf Dcter der regelmäßige Zahl- abend statt. Wcißensee. Am Sonntag, den 17. Oktober, findet eine Agita- tionStour statt. Diejenigen Genossen, welche sich hieran beteiligen, treffen sich früh 7 Uhr beim Genossen Roßkopf, König-Chaussee'33. Waidmliiinslnst und Umgegend. Sonntag, den 17. Oktober, nach- mittags 4 Uhr: Mitgliederversammlung für sämtliche Bczirksorte in Hohen-Neuendors im Lokale des Herrn Fähnrich, Stolper Str. 23 („Feldschlößchen'). Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag in Leipzig. Referent: Genosse Mafia, Tegel. 2. Bercinsangelegenheiten und Verschiedenes. Oranienburg. Sonntag, den 17. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Lokale von Schumann, Schützenstr. 34: Wahlvercinsversannnlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung voin Parteitage. Referent: Gc- nosfe Brühl- Lichtenberg. 2. Bericht von der Kreisgcneral- dersamnilung. 3. Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordneten- wähl. 4. Abrechnung vom 3. Quartal, ö. Partciangelegenheiten. Die Genossen von Germendorf und Schmachtenhagen sind hierzu besonders eingeladen. Die Bezirksleitung. berliner JVacbricbtcm In der Stadtverordnetenversammlung kam es gestern wieder mal zu einer Aussprache über die oft beklagte Markthallen in isere. Der Magistrat ersuchte die Stadtverordneten um ihre Zustimmung zu seinem Ent- schluh, die Markthalle in der Zimmer- und M a u e r st r a ß e zu s ch I i e s; e n. Hiergegen wurde nichts eingewendet, diese Maßregel ist ja lange genug erwogen worden und läßt sich leider nicht umgehen. Eine Erörterung knüpfte sich aber an die Anfrage des Stadtv. Jakobs, wie es denn um das Projekt einer neuen En gros- Markthalle stehe. Die Frage ist allerdings sehr nötig an- gesichts der skandalösen Zustände, die in und vor den Markt- hallen an der Kaiser- Wilhelm- und Neuen Friedrichstraße herrschen. Die Antwort des Stadtrats Venzky ließ er- kennen, daß im Magistrat auch jetzt noch keine rechte Neigung vorhanden ist, die längst erforderlich gewordene neue Engros- Markthalle auf dem Terrain zu erbauen, das im Nordosten der Stadt an der Landsberger Allee schon vor Jahren zu diesem Zweck erworben worden ist und noch immer seiner Verwendung harrt. Genosse H i n tz e erinnerte daran, daß die Versammlung sich mit großer Mehrheit für dieses Terrain ausgesprochen und das vom Magistrat vorgelegte Paulstraßen- Projekt abgelehnt hat. Der Magistrat habe hier, zum Schaden des Markthallenverkehrs und der Bevölkerung, eine höchst verlverfliche Verschleppungspolitik getrieben. In der weiteren Debatte ergriff Herr Venzky noch zweimal das Wort, um den Magistrat gegen die Vorwurfe zu ver- leidigen, die ihm auch von den Rednern der Mchrheits- fraktionen gemacht wurden. Viel Erfolg hatte er nicht damit, auch nicht iuit der schließlich von ihm abgegebenen Erklärung, daß die Pläne„schon fertig" seien. Auf eine Anfrage, die aus Anlaß der Vorlegung des Jahresabschlusses des Viehmarktes, Schlachthofes usw. an den Magistrat gerichtet wurde, konnte dieser eine forschere Antwort geben. Stadtv. R o s e n o w wies hin auf die von der „Kommunalen Praxis" gebrachte Mitteilung, daß in der Fleisch Vernichtungsanstalt Rüdnitz Unregel- Mäßigkeiten vorgekonunen seien, so daß konfisziertes reisch in den Verkehr gelangen konnte. Stadtrat i s ch b e ck, der offensichtlich sich diese Anfrage bestellt hatte, um auch mal als„großer Mann" dastehen zu können, gab die Antwort, es handele sich um viel harmlosere Vorkonim- nisse. Davon könne keine Rede sein, daß konfisziertes Fleisch wieder in den Vorkehr gelangt sei, das sei weiter nichts als eine müßige willkürliche Kombination. Herr Rosenow er- klärte sich für befriedigt, noch mehr schien es Herr Fischbeck zu sein._ Die Arbeiterbewegung in Amerika lautet das Thema, über das der amerikanische Genosse B e r g e r heute Freitag im Gewerkschaftshause spreche» wird. Die deutsche Arbeiterschaft hat in der letzten Zeit für die Verhältnisse, unter denen das Proletariat jenseits des Ozeans lebt und arbeitet, starkes Interesse bekundet. Wir meinen, das? die Arbeiterschaft Verlins sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wird, über das interessante und aktuelle Thema ans be- rufenem Munde«eue und anregende Tatsachen zu erfahren. Für die Berliner gut genug! Nach dieser schönen und für sie einträglichen Devise betrieben die Ziekowschen Eheleute in Heiligensee ihr„Geschäft". Es wäre übertrieben, wollte man behaupten, die in jenem Betriebe hcrrslbende Scyroeinerei wäre der normale Zustand. Sicher aber ist. daß im allgemeinen von den Herren Gastwirten?nit den Berliner Ausflügtcrn verdainint. wenig Umstände gemacht werden. Da ist z. B. das vielberühinte„Bertiner Familien- Kaffeckochen". bei dem der Wirt immer so tut. als ob er den Gästen etwas schenkte. In einem elenden Schuppen, nicht allzuweit entfernt von den Ab- orten, wird der Kaffee gekocht, das Liter zu 66, 86 Pf., auch 1 M., je nach„Noblichkeit" des Lokals. Durchaus nichts Billiges, denn der Kaffee wird von den Gästen mitgebracht, und die Be- diennng selbst besorgt. Da stehen die Frauen, nachdem sie sich die nötige Anzahl Scherben erbeutet, an der Pumpe und waschen den Ruß ab. der sich im Laufe der Woche auf sie gesetzt. Die spater Kommenden brauchen nur den Kaffeesatz der vorhergehenden Benutzer auszuspülen. Bei dem großen Andrang zur Kaffeeküche kann man nicht immer warten, bis das Wasser im Kessel kocht, kommt auch nicht so darauf an. es sind ja nur Kaffeegäste. Und die besten Tische am Masser sind den„besseren" Gästen reserviert. Verzehre ein Schnittchen Bier, trinke eine Tasse Kaffee, und du hast das Recht, dort Platz zu nehmen. Würden die Herren Gastivirte sich dazu bequemen, Kannenkaffee zu 66, 76 Pf. bis zu 1 M. zu verabreichen, würde das Publikuin gut und gern auf das famose Kaffeekochen verzichten. Allerdings wäre das weniger bequem für den Wirt. Dann die Bedürfnisanstalten I Starrender Schmutz. woran die Gäste allerdings nicht immer schuldlos sind! die Pissoirs ohne Wafierspülung,„überlailfendes Tonnensystem". Von dort fließt das Büchlein weiter nach Hof und Garten, überall seinen üblen Geruch verbreitend. Die primitive Art, wie die Ab- orte in der Regel in den Soinmcrlokalen angelegt sind, zeigt am besten den Grad der Rücksichtslosigkeit, tnit der viele Wirte das Berliner Sonntagspublikmn einschätzen.-- In den Winkeln, an den Zäunen, selbst an den Wegen Abfall, Schmntzhanfen, das zusammengekehrte Stullenpapier vom vorigen Sonntag, wackelige Tische und Stühle, an denen inan sich die Kleider zer- reißt, im Frühjahr„frischgcstrichen" und so reichlich, daß man darauf kleben bleibt. Von der meist nrangelhaften Ventilation der inneren Lokale, der schlechten Beleuchtung von Lokal und Garten wollen wir erst gar nicht sprechen. Freilich gibt eS Ausnahmen und linterschiede. Manche Betriebe sind vortrefflich geleitet, aber alles in allem muß sich der Berliner Sonntagsausffügler recht viel gc- fallen lassen' Seine sprichwörtlich gewordene Gutmütigkeit und Geduld wird oft auf eine harte Probe gestellt. Achtunz, Kirchensteuer! Die Hauslisten der Gemeindebehörden zur Aufnahme des Personenbestandes und im weiteren zu Zwecken der Stenercinschätzung sind wieder mal, wie alljährlich um diese Zeit, allen Haushaltuilgsvorständen durch die Hanswirte beziebungs- weise Hausverwalter zugegangen und sollen am heutigen 15. Oktober ausgefüllt werden. Wir machen dabei ganz besonders aus jene Spalte aufmerksam, welche die Religionsangehörigkeit betrifft. Wer aus der Kirche ausgeschieden ist, der trage dies dick und fett auf der ersten Seite der Liste ein, am besten' noch unter Beifügung des Datums der gerichtlichen AuStrittsbescheinigung und der Geschäfts- nummer. Es darf auch insbesondere nicht vergessen werden, aus welcher Kirchengcmeinschaft, ob aus der evangelischen oder katholischen oder jüdischen, man ausgetreten ist. Auch genügt der Vermerk nicht bloß beim Namen des HauShaltungsvorstandeS, sondern er muß bei allen Hansangehörigen. die der Kirche nicht mehr an- gehören, wiederholt werden. Bekanntlich werden die Angaben der Religionsangehörigkeit der Einschätzung zur Kirchensteuer zugrunde gelegt. Wird daher die Liste richtig ausgefüllt, so haben die Be- Hörden nachher wenigstens nicht die Entschuldigung, daß ihnen der KirchenauStritt unbekannt geblieben sei. Man sollte ja annehmen, daß die einfache Bezeichnung als„Dissident" genügt. Angesichts der genügsam festgenagelten Praktiken der Steuerbehörde muß man aber, um Belästigungen möglichst zu entgehen, noch deutlicher werden. Wer erst im Jahre 1969 ausgetreten ist, muß ja leider für das Jahr 1916 noch Kirchensteuer bezahlen. Trotzdem ist ein gcirauer Austritts- vermerk erforderlich. Ein Bund christlicher Polizcibcamter. Wie die„Leipziger Ztg." zu melden weiß, hat sich hier in Berlin ein Bund christlicher Polizeibeamter gebildet, der dem Internationalen Verbände christlicher Polizcibeamter angeschlossen ist und dessen Devise lautet: „Durch Goitcs Macht bewahrt." Nach der Bundesrcgel wird in den Bund aufgenommen jeder Polizeibeamte,„der von Herzen glaubt und mit dem Munde bekennt, daß Jesus Christus sein Herr sei. und der entschlossen ist, ihm in Werk und Wandel nachzufolgen." Mit Politik habe der Bund nichts zu tun; er stehe lediglich„ans den? Bode?? der heiligen Schrift unter Vermeidung aller konfessionellen Streitigkeiten oder Betonung dogmatischer Unterschiede." Wenn nächstens wieder der Polizeisäbel oder der Gummischlauch„arbeitet", wird dies wohl unter den Klängen eines Lobgesangcs geschehen. Durch einen verunglückten Antomobilzng wurde gestern am Königstor eine größere Verkehrsstörung herbeigeführt. Ein ans einen? Führer- und fünf Anhängewagen bestehender Lastenzug der Freibahn- Bctriebsgesellschaft fuhr die ziemlich steile Fricde??straße am Königstor hinauf, als plötzlich die Kuppelung ztvischen dem zweiten und dritten Anhängewagei? riß und die drei letzten Wagen zurückrollte??. Sie karnen aber bald durch die selbsttätige Bremse zum Stehen und versperrten die Fahrbahn zwischen dem Prenzlauer und Königstor. ES dauerte längere Zeit, bis eine Notkuppeluirg an dc?n zerrissenen Zuge vorgenonnnen werden und dieser dann weiter- sahrc?? koirnte. Eine dclnokratische Stadtvcrordrletcnknirdidatur ist im zweiten Kon?????lnalwahlbezirk zu den übrigen Kandidaturen hinzugekommen, und zwar in der Person des Jristizrats Bieber. Der bisherige Vertreter des Bezirks ist der freisiirnige Stadt- verordnete Hotelbesitzer Leis. Es bewerben sich somit 4 Kandidaten um das Mandat. Einen Dumincnjringenstrcich verübten am Mittwoch mehrere An- gestellte. Anläßlich der Hochzeit eines bei der Firma Moosdorf u. HochhärrSler Angestellten erließen„gute Freunde" in der „Morgeilpost" eine Annonce, nach der mehrere Lausbitrschen bei hohem Lohn verlangt wirrden, und gaben als Adresse die Wohnung des Neuvermählten ai?, um ihn in seiner Rrrhe zu stören. In der Tat erschienen auch am Morgen eine garrze Anzahl älterer und jül?gerer Leute in de?n Glanben, Arbeit zu erhalten, mußten aber zu ihrer Enttäiffchnng erfahre??, daß sie?md selbst der angebliche Arbeitgeber genarrt worden wäre??- Mancher von den Bewerbern ?nag den letzten Groschen verfahren haben, weil er glaubte, Be- schäftig?ing z?? erhalten. Es ist ritte Infamie, in solcher Weise mit den Arbeitslosen zu spielen. Wenn die Kittder allein bleiben müssen, weil die Mutter ans Arbeit geht. Die Frau des Arbeiters Heuer aus der Stockholtner Straße 2, die Zeitungen austrägt, mußte vorgestern nachmittag??m 6 Uhr weggehen und ließ ihre 6 ui?d 4 Jahre alten Töchter Franziska und Klara allein in der iin vierten Stock des Seiten- flügels gelegenen Wohitung zurück. Als nun ans dem Hofe Kinder ans dem Hanse spielte??, stieg die kleine Klara auf einen Stuhl öffnete das Fenster und lch>?te sich hinaus, um ihnen zuzusehen. Hierbei verlor sie das Gleichgewicht und stürzte a>?f den asphaltierten Hof hinab. Der Verwalter des Hauses brachte die Vcr??>?glückte?nit einem Kinderwagen sofort z>? eii?em Arzt und dann nach de??? Kinder- krankenhause in der Reinickendorfer Straße. Dort starb sie im Laufe der Nacht an den Folgen eines Schädelbruchs. Im Tegeler See erträ??kt hat sich eine unbekannte etwa zwanzig« jährige Selbstmörderi??. Es handelt sich hier zweifellos um den Abschluß eines Dramas einer j?nigei? Ehefrau. Bei der Leiche wurde ein Trauring, gezeichi?ct„W. B. 1. 7. 66" gefunden. Die Tote ist eine Blo??dine mit bln??e?r Augen ui?d läitglichc??? Gesicht. Bekleidet ist sie mit schwarzem Jackett, schwarzem Rock und bla?l-weiß karierter Bluse. Die Leiche der Lebci?s?nüde?? wurde in der Friedhofshalle des Plötzenseer Getncinde-Begräbnisplatzes mttergebracht. Menschenleben in Gefahr! Dieser R??f alarmierte gestern mittag ??m 11Vs Uhr den 16. Zug aus der Pankstrahe nach de??? Nordufer 6, ?vo von der Stadt Berlin Kanalisationsarbeiten in größerem Maß- stabe ausgeführt werden. Brandinspektor Juli??s rückte sofort nach der Unfallstelle aus. A??fänglich ivar die Nachricht verbreitet worden. daß dort ein Mädchen verschüttet sei. Diese Nachricht war un- z?itreffend. Wie sich herausstellte, war dort ein Bockgerüst, an dem ein Flaschenzug z?i?n Herablassen von großen Wasjerlcit??ngsröhre?? befestigt war,???ngefalle??. wobei zwei Personen verletzt worden waren. Der 32 jährige städtische Bauführer Pa??l Hirte auS der Blumeustraße 75 hatte einen schwere» Schädelbruch und einen Unterschenkelbruch erlitten. Er wurde sofort nach dem Rudolf» Virchow-Krankenhause geschafft?ind dort verb??nden. Sein Zustand ist sehr bedenklich. Ein Arbeiter Franz Schmidt hat leichtere Ver» letz?mgen erlittet?. Er wurde auf der nahen Unfallstation verbtinden. Die Ursache des Unfalles ist noch nicht ermittelt worden. Wahr- schci??lich ist die Verbindung des Bockes nicht vorschrifsmäßig ge- wejcn oder hat sich durch die fortwährende Benutzung gelockert. Wen die Sch??ld an dem Unfall trifft, muß erst die Unter« suchung ergeben. Ein folgeitschwcrcr Unglücksfall bat sich gestern nachi??ittag gegen 1 Uhr a??? Spandauer Berg zugetragen. Ans den Straßeitvahi?» schienen fuhr ein mit eisernen Trägern beladener Wagen der Firma Czazecki de?? Berg hinunter und geriet ans den Schielten ins Rollen. Hiitler diese??? Wagen kain ein Straßenbah?»vagcn. Der Kutscher ivollte de?n Straßcitbahnwagen Platz machen??ud bog nach links ans. Die Folge war, daß beide Wagen znsanttnenstießei? und der Last- ivagen mit den Pferden quer Über den Da?????? a??f dem südlichen Bürgcrsteig so schnell vorwärts getrieben wurde, daß sich das rechts» seifige Pferd a??f der Spitze eines Zaunes aufspießte. Die Feuer- wehr mußte auf polizeilichen A>?r??s das schwerverletzte Tier a??s sei??er qualvollen Lage befreie??. Der Kutscher des Lastivagens mußte infolge schwerer Kopfverletzungen sofort ärztliche Hilje in An- spruch nehtnen. Wegen eines grossen DachstnhlbrandcS w?irde die Feuerwehr in der letzte?? Nacht um 11 Uhr nach der Behreitstraße 26, nahe der Friedrichstraße. gerufen. Als der 19. Zug dort anka???, stand der Dachsfiihl des Vorderhauses schon ii? großer Ausdehnung in Flammen. Brandmeister v. Bergen ließ sofort über die Treppen?u?d eine große mechanische Leiter mit tnchreren Schlauchleitungen kräftig Äasser gebe??. Nach mehrstündiger Tätigkeit koinite die Feuerwehr wieder abrücken. Der Schade?? ist bedeutend. Die EntstchungSursachs konnte noch nicht ermittelt werden. Gestern früh um 3 Uhr erfolgte ein Alarm nach der Wein- meistcrstraße 9. Dort war Benzin auf offener Straße in einem Gtilly explodiert. Zum Glück siitd Personen durch die Explosion ?ucht verletzt worden, lieber die Entstehung der Explosion hat?nan nur Berintttungen. Strassensperningen. Das Schöneberger Ufer von der Magde» bnrgcr Straße bis z??r Genthiner Straße wird behtifs UmPflasterung vom 14. d. Mts. ab bis a?if weiteres für Fuhrwerke u>?d Reiter ge- sperrt. Die am 18. v. Mts. ai?geord??ete Sperrung des Nordufcrs von der Bttchstraße bis zur Föhrer Straße und der einen Hälfte der Führer Straße zwischen dein Nordufer und der Buchstraße wird hierdurch auf den Teil des Nordttfers von der Föhrer Straße bis zur Sylter Straßem?dlmg der Sozialdemokratie unter der Firma„Nationaler Arbeiterverein" I Die Katholiken be- gründen ihr Erscheinen auf dem Kriegspfade mit dem Verlangen nach Parität bei Aufwendungen zu kirchlichen Zwecken, die „?iafionalcn Arbeiter' mit— ja weil sie„nationale" Arbeiter seien I Von all diesen Gegnern der Sozialde?nokrafie darf man natürlich keinen offenen und ehrlichen Wahlkan?pf erwarten, einen solchen führt nur die Sozialdemokratie. Sie alle?,? ist es ja auch, die den Kan?pf für das Allgemeinwohl und gegen Sonderintercssen Mtd Cliquen- Wirtschaft in? Stadlparlanient führt. Wilmersdorf. In der Stadtverordnetenversammlung von Wilmersdorf gab es am 13. Oktober abermals so etwas wie eine sozialpolitische Dv» hatte. Wie erinnerlich sein wird, hatte die Versammlung in ihrer vorigen Sitzung einen Magistratsantrag, der die Forderung von 4666 M. als Nachbcwilligung für die Tuberkulosenfürsorge enthielt, an den Rcchnu??gsprüfungsausschnß verwiesen, urtd zwar in der Besorgnis, daß der Magistrat bei der Verwirischaftnng der für diese Zwecke in? Etat vorgesehenen Surnme sich Uebcrgriffe habe zuschulden kommen lassen. Diese Besorgnis hatte sich nun als grundlos erwiesen, jedoch erwuchs dem RcchnungSausschuß bei seinem Wirken neuer Kummer. Die Fürsorge stelle für Tuberkulose in Wil?nersdorf ist im Jahre 1968 von 248 Personen in Anspruch genommen worden, r?nd in diesem Jahre haben bis jetzt 294 Personen das Institut auf. gesucht. Von diesen 642 Personen waren 39 überhaupt nicht lungenkrank, wogegen 111 Personen durch Heilstättcnbehandlung größtenteils wieder erwerbsfähig gemacht werden tonnten. Hiervon wurden ans städtische Koste?? in Heilstätten verpflegt im vorigen Jahre 19 Personen und in diesem Jahre bislang aus den Mitteln des Tuberkulosefonds 36 und aus Mitteln der Armcnverwaltung 41 Personen. Die Hälfte davon waren Kinder unter 14 Jahren. In Willncrsdors ansässig waren von den 1969 aus dem Tuberkulose- fonds beha??delten Personen vier weniger als 1 Jahr, sieben 1 bis s Jahr, dreizehn 2 bis 5 Jahr und sechs mehr als 5 Jahr. Die ? Tätigkeit der Verwaltung erstreckte stch ferner auf die Absonderung hoffnungslos Erkrankter und auf Gewährung von Mitteln zur Kräftigung von leichter erkrankten Personen. Verausgabt wurden zur Bekämpfung der Tuberkulose voriges Jahr 4247 M. und dies Jahr bislang 12 748 M. Diese stärkere Verwendung städtischer Mittel für den erwähnten Zweck hat nun im Ausschusz schwere Bedenken erregt, die von dem Berichterstatter, Stadtv. Klette, nachdrücklich dem Plenum zu Gemüte geführt wurden. Wenn die Stadt, so äuherte sich der Herr, wie bisher die Heilung Lungenkranker in Heilstätten aui städtische Kosten vornehmen lasse, fo müsse durch dies Verfahren das Gefühl der Verantwortlichkeit der Kranken und das Gefühl der Mitverantwortlichkeit bei den wohlhabenderen Ehr wohnern herabgemindert werden. Auch werde vielleicht durch den Ausschluß privater Wohltätigkeit mit denselben städtischen Mitteln weniger geschaffen, und dann sei besonders zu befürchten. daß eine solche ausgiebige Fürsorge auswärtige Bedürf tige zum Zuzug nach Wilmersdorf verleiten könne. Aus diesen Gründen beantragte der Berichterstatter im Namen des Ausschusses, daß die Versammlung beschließen möge u) nur solche Erkrankte auf städtische Kosten in Heilstätten schicken zu lassen, die mindestens zwei Jahre in Wilmersdorf ansässig sind und b) die Unterbringung Kranker in Heilstätten nur auf einen Beschlutz der W o h l f a h r t L d ep u ta t i o n hin erfolgen zu lassen. Während der Magistratsvertreter, Stadtrat S t e i n b o r n � sich aus formellen Gründen gegen die hier vorgezeichneten Richt- linien erklärte, trat Stadtverordneter Dr. Heinitz mit sachlichen Bedenken gegen dies Stück Kirchturmspolitik hervor. Er hatte Ein- sehen genug, der Versammlung zu bedeuten, daß die ganze Tuberkulosebehandlung hinfällig werde, wenn man den kleinlichen Anschauungen des Rechnungsprüfungsausschusses beitrete und mit der Behandlung Kranker unter Umständen zwei Jahre warte. Nun ist tatsächlich die Gefahr, daß ein auswärtiger Lungenkranker sich ausgerechnet Wilmersdorf zum Domizil seiner Gelüste aussuchen könnte, kaum vorhanden, und der Gedanke an solche Möglichkeit kommt einer wahrhaft grotesken Ueberhebung gleich. Denn die -notorische Rückftändigkeit Wilmersdorfs in sozialpolitischer Hinsicht schlietzt natürlich auch in sich, daß die hier im Kampf gegen die Tuberkulose aufgewendeten Mittel im Verhältnis auch nicht ent- fernt an die der Nachbarorte heranreichen. Ein Lungenkranker würde daher überaus töricht handeln, wenn er die relativ s ch l e ch t e st e Heilungsmöglichkeit ins Auge faßte. Die Stadtverordneten Pulver und Lehmann waren im Gegensatz zu Dr. Heinitz ein Herz und eine Seele mit dem Aus schütz, wogegen anderen denn doch die Blamage einer Handlung� weise wie der hier empfohlenen einleuchtete. Schlietzlich stimmte die Versammlung einem Antrage zu, wo- nach dem Magistrat die verlangten 4000 M. mit der Maßgabe b e willigt werden sollen, daß er in kurzer Zeit Leitsätze für die Behandlung Tuberkulöser auf städtische Kosten der Versamm lung vorlege. Weiter beschloß die Versammlung einem Magistratsantrage gemäß, für Errichtung eines Realgymnasiums alten Stils. das am Orte noch fehlt, die vorläufig erforderlichen Mittel zu be- willigen. Die Regierung hatte bei der Neuordnung der Lehrerbesoldung angeordnet, daß die Mietsentschä'digung für Rektoren von flOO M. auf 1000 M. herabzusetzen sei. Die Versammlmig glich die Differenz dadurch aus, daß sie den Rektoren die fehlenden 100 M. als Amtszulage zubilligte. Von vier Einsprüchen gegen die Nichtigkeit der Stadtver- ordnetenwählerliste wurden drei als berechtigt anerkannt, wogegen die Versammlung dem Antrage des Töpfers P. auf Auf- nähme in die Liste mit der Begründung ablehnte, daß er im Ok- tober 1903 noch Armenunterstützung erhalten habe. Tie vom Magistrat ausgearbeitete neue Ordnung für die Er- Hebung der U m s a tz st e u e r überwies die Versammlung einem Ausschuß zur Begutachtung. Die beantragten Neuerungen wenden sich u. a. gegen die bekannten Betrügereien, die dadurch vielfach verübt werden, daß Grundstücksspekulanten Gesellschaften mit be- schränkter Haftung gründen und dann die Zahlung der Umsatz- steuer umgehen, indem sie formell nicht das in Betracht kommende Grundstück, sondern die Geschäftsanteile verkaufen. Erwähnt sei noch, daß die Stadtverordneten bei der jetzt er- folgten Einteilung der Stadt in Wahlbezirke ihren Bezirken zugeteilt worden sind. Sie gelten in dem Bezirk, wo sie zurzeit wohnen, als gewählt. Von den drei vakanten Sitzen im Orts- Parlament kommen zwei für die dritte Abteilung in Betracht. ES sind dies der siebente Bezirk, der die Gegend um den mittleren Teil der Kaiserallee umfaßt, und der achte Bezirk, der den alten Qrtsteil(Berliner Straße usw.f. in sich schlietzt. Rixdorf. Der Jligendnusschuß der Arbeiterschaft Nixdorfs veranstaltet am Sonntag, den 17. Oktober, eine Besichtigung der Mosaik- K u n st w e r k st ä t t e n von P u h l u. W a g n e r in der Kiefholz- straße. Alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind dazu ein- geladen. Treffpunkt am Hertzbergplatz vormittags pünktlich um 10 Uhr. Die Beteiligung ist kostenfrei, nur ist aus organisatorischen Gründen die vorherige Entnahme von Teilnehmerkarten notwendig. Dieselben können an folgenden Stellen bis spätestens heute Freitag- abend in Empfang genommen werden: Niemetzstr. 17 III links bei Schulte; Weichselslr. 03 bei S ch u ch; Hermaimstr. 6S, Ouerg. II rechts bei Schulze; Donaustr. 129 bei Graf, Eharlottendnrg. Elternverei» für freie Erziehung. Montag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr, findet im Bolkshause, Rosinenstr. 3, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Frl. Gertrud Ostwald-Friedenau über die Bedeutung der Zahnpflege im Kindesalter sprechen wird. Wir bitten um zahlreiches Erschernen. Schöneberg. Heute avend S'/g Uhr findet bei Poschmann, Vorvergstratze, Ecke Gleditschstraße, ein Vortrag de? Genossen Dr. Sommerfeld über: .Der Bau des menschlichen Körpers" statt. Alle Jugendlichen sind hierdurch freundlich emgeladen. ebenfalls können Erwachsene daran teilnehmen. Der Jugend» und BildungsauSschuß. Köpenick. Bon einem Sprengwagen totgefahren. Ein schrecklicher Unglücks- fall hat sich gestern nachmittag in der Bahnhofstraße zugetragen. In der Nähe des Bahnhofes hatte sich auf dem Fahrdamm ein Sprengwagen bewegt. Als der Rentner Hermann Schmiedel, der nach Berlin fahren wollte, die Straße überschritt, geriet er gegen das Gefährt, wurde niedergerissen und die Räder des schwere» Wagens gingen ihm über die Brust hinweg, die vollständig zermalmt wurde. Der sofort hinzugerufene Art Dr. Pfifferling konnte bei dein Verunglückten leider nur noch den Tod konstatieren, Ober-Schöneweide. t Gemcindevcrtretcrsitzmtg. Erneut hatte sich die Vertretung mi der Frage der Abänderung des A m t S b e z i r k e s zu beschäftigen. Ein dahingehender Antrag unserer Genossen ist früher stets abgelehnt worden. Bei der letzten Etatsberatung sprach sich die Ver- tretung prinzipiell dafür aus. lehnte jedoch in Anbetracht damals obwaltender Umstände einen diesbezüglichen Antrag an die zu- ständigen Instanzen ab. Auch der jetzige Antrag des Herrn Herwig hatte noch eine zahlreiche Gegnerschaft. Verschiedene Redner rieten von einer Aenderung ab, weil durch den eventuellen Ankauf der Wühl- Heide durch die Stadt Berlin dieses Gebiet noch zu dem jetzigen Amts- bezirk zugeschlagen werden könnte. Vom Genossen Grunow u»d den An- tragsteller wurde darin eine Vermehrung der ohnedies recht ansehn« lichen Polizeikosten erblickt und das Wohlwollen der oberen Instanzen in Eiiigemeindungsfragen der Gemeinde gegenüber ins rechte Licht gerückt. Ein ganz absurder Zustand sei es, daß bei der Zusammensetzung des Amtsbezirkes ein sogenannter Amts- ausfchutz, von dessen Existenz kaum jemand weiß, über einen Polizeikostenetat von SO 000 M., wichtige Polizeiverordnungen— wie Verbot des StraßenhandelS— usw. verfügt; dies jedoch nur aus dem Grunde, daß dem Amtsbezirk ein Stück Forstland anhängt, welches in jeder Beziehung zum GutLbezirk Köpenick— Forst gehöre. Wenn die Gemeinde nicht ewig eine Last tragen wolle, sei eS jetzt Zeit, reinen Tisch zu machen. Mit 11 gegen 6 Stimmen wurde schließlich dem Antrage zugestimmt. Ein Dringlichkeitsantrag des Herrn Kottmeier, eine Besoldungsordnung für die Volksschullchrkräfte vorzulegen, zeitigte eine lebhafte DiS- kussion. Befremdlich erscheint es, daß diese Angelegenheit im Gegensatz zur Neuregelung für die Lehrkräfte der höheren Schule auffallend lange im Schöße des Schulvorstandes ruht. Beschlossen wurde, die Sache in der Dezembersitzling zu beraten. Ein weiterer Dringlichkeitsantrag, beim Landwirtschaftsminister die Abtretung eines forslfiskalischen Terrains im Anschluß an das im Bau be- griffene Krankenhaus, zwecks späterer Erweiterung desselben, zu beantragen, fand Annahme. Friedrichshagen. Der Frau in den Tod gefolgt ist der Schlächtermeister Gustav Krämer. Vor einiger Zeit starb plötzlich die Ehefrau des K., mit der er in glücklichster Ehe gelebt hatte. Seit dem Tode seiner Lebensgefährtin trug er ein schwermütiges Wesen zur Schau. Gestern fand man den Lebensmüden in seiner in der Friedrichstr. 45 belegenen Wohnung tot auf; durch einen wohlgezielten Schuß in die Schläfe hatte K. seinem Dasein ein Ende bereitet. Weißensee. Nach den Angaben des hiesigen Wohlfahrtsamtes betrug die Zahl der Lebendgeborenen in den Monaten April bis Juni 272(im vorigen Jahre 314). das ist 25,52(30,20) auf das Jahr und 1000 Einivohner. Darunter waren 44(28) unehelich Geborene. Die Zahl der Eheschließungen betrug 112(117). d. i. 10,61(11,25) auf das Jahr und 1000 Einwohner. Die Zahl der Gestorbenen betrug 189(199), d. i. 17,90(19,14) auf das Jahr und 1000 Einwohner. An Infektionskrankheiten starben 65(69). insbesondere an Lungen- schlvindsucht 31(23). An sonstigen Erkrankungen der Atmungs organe starben 17(23), an Erkrankungen des Verdauungs Apparates 16(30), an Neubildungen 10(11). Im Alter bis zu Jahre starben 49(72). d. i. 14,34(22,93) Proz. der Lebend� geborenen. Die Zahl der Zugezogenen betrug 2260(2591), die der Fortgezogenen 2013(2213). Die fortgeschriebene Bevölkerung stieg von 42 037(40 911) am Viertesjahresanfang auf 42 367(41 404) am Vicrteljahresschluß. Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohn- Häuser betrug 4. Gebrauchsfertig wurden 8 Neubauten. Nach den eingelaufenen Meldungen über Grundbesitzivechsel wurden 4 bebaute Grundstücke und 1 unbebautes Grundstück freiwillig verkauft; durch Zwangsversteigerung gingen 8 bebaute und 16 unbebaute Grund- stücke tu anderen Besitz über. Die Ortskrankenkaste zählte am Vicrteljahrsanfang 5795(5593) männliche und 2527(2646) weibliche Mirglicder, am Vierteljahrsschluß 6072(5721) männliche und 2981 2795) weibliche Mitglieder. Der in Genossenkreisen bekannte Arlcitergcsangverein„Freie Sänger" begeht am Sonnabend, den' 16. Oktober er. im Schloß- Etablissement sein Herbstfest bei einem ausgesuchten Programm. Da der Verein sich stets bei allen Parteibergnügungen und-Arbeiten zur Verfügung stellt, so ist eine Beteiligung der Weißenseer Arbeiterschaft an diesem Feste erwünscht. Eintritt 24 Pf. pro Person. Reinickcndorf-Ost. Der Ncinickciidorfcr JugendaiiSschuß veranstaltet für die Jugend einen Vortragszyklus über:„Die Geschichte und Entwickclung der Völker" unter der Leitung des Genossen Schütte. Der erste Bortrag findet morgen Sonnabend, abends 8 Uhr, beim Genosten "runder, Hoppestr. 24. statt. Wir ersuchen die Genossen und Genossinnen, ihre erwachsenen Söhne und Töchter auf die Ver- 'ammlung hinzuweisen und sie zur Teilnahme zu veranlassen. Spandau. Eine Kommunalwählervcrsammliing, welche die sozialdemokratische Parteileitung zum Dienstagabend nach dem Lokal von Gottwald. chöiiwalderstraße einberufen hatte, war bedauerlicherweise nur 'chwach besuchy Wenn eine solche Interesselosigkeit auch bei der am 2. November für die dritte Abteilung stattfindenden Stadtverordneten- wähl herrscht, dann dürfen sich die Wähler auch nicht wundern, wenn ie gegen die Bürgerlichen unterliegen. Mit allem Feuer«rat des- halb auch der erschienene Referent Stadtverordneter Genosse Obst aus Schöneberg für die von den Sozialdemokraten aufgestellten kommunalen Forderungen ein. Seine Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. In der Diskussion schilderte zunächst der Stadtverordnete Genosse Schmidt 1 die Rückständigkeit Spandaus auf sozialpolitischem Gebiet. Spandau habe weiter nichts als das Gewcrbcgericht, die Fortbildungsschule, die Schifferlinder- chule und 1000 M. für Säuglingspflege. Alles andere fehle noch. Er wies auch auf die schlechte Bezahlung der Waldarbeiter hin, von denen 2 Mann in 14 Tagen durchschnittlich 54 M. im Akkord ver- dienten. Er bemängelt ferner, daß man für die Walderholungsstätte, trotz des schönen Stadtwaldes den Spandau habe, immer noch keinen geeigneten Platz gefunden habe und daß die Wertzuwachsstener immer noch nicht eingeführt sei. DeS weiteren schilderte Redner das Verhalten der bürgerlichen Aucharbeiter- Stadtverordnete», welche für die Interessen der Arbeiter nicht zu haben seien, wohl aber mit den Spekulanten durch dick und dünn gingen. Genosse S z i o r beleuchtete das Verhalten des Stadtv. Kirch, der auch von der 3. Abteilung gewählt wurde und der sich dazu hergab, eine Arbeiterin der Kaffee- rvsterei zu denunzieren, so daß diese bestraft wurde. Er fordert ebenfalls zu kräftiger Agitation aus. Die Arbeiter der Staats- Werkstätten sollten lieber der Wahl fern bleiben, ehe sie Kandidaten ihre Stimme geben, die sie nicht vertreten. Genosse R i tz in a n n wies auf die von den Bürgerlichen aufgestellten Kandidaten für die 3. Abteilung hin, von denen einer ein Buchbindermeister, einer ein Fabrikant, einer ein königl. Meister und einer ein Schlosser(Auch- arbeiter) ist. Diese Auswahl müsse die Arbeiter schon stutzig machen und sie veranlasten, den sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Als Kandidaten der sozialdemokratischen Partei wurden folgende Genossen aufgestellt und einstimmig nominiert. Für den 1. Bezirk Genosse Paul Schmidt, für den 5. Bezirk Genosse Köpenick, für den 6. Bezirk Genosse B e i l e r, llr den 8. Bezirk Genosse Götze.— Unter Verschiedenes teilt Ge- nosie Schubert mit, daß der 1. Bezirk bei Tietze, Potdamer Straße, der 5. Bezirk bei Conrad, Schönwalder Straße, der 6. Be- zirk bei Supke am Luther-Platz und der 8. Bezirk im Wilhelmsgarten wähle. Die Wahlzeit sei auf vormittags von 10 bis 1 Uhr und abends von 5 bis 8 Uhr anberaumt. Auch er forderte zur kräftigen Agitation auf. NowatveS. Der Ncbergang zur Eigenproduktion eines der wichtigsten Nahrungsmittel ist seitens der Konsumvereine in Nowawes und Potsdam durch die öffentliche Ausschreibung der Vergebung von Arbeiten für den Bau einer Brotfabrik in nächster Zukunft zu er- warten, nachdem eine Anzahl Mitglieder beider Vereine durch Uebernahme von Anteilscheinen eine finanzielle Grundlage hierzu geschaffen hat. Die Fabrik soll in der Vlüchcrstratze in Nowawes. in unmittelbarer Nähe des in der Zictenstraße befindlichen Konsum- Vereinsladens, errichtet werden. Die Produktion ist auf vorläufig 500 Brote täglich und FrühstückSware berechnet, wozu zwvi Back- öfen aufgestellt werden, doch soll durch Schaffung eines Raumes ür zwei weitere Oefen Vorsorge getroffen werden, daß die Pro» duktion jederzeit erhöht werden kann. Das Bäckereigebäude, welches dreistöckig mit Dachgeschoß aufgeführt wird, soll außer den Back- und Vorratsräumen einen Laden, Geschäftszimmer, zwei Woh- nungen für den Backmeister und Kutscher und Pferdestall enthalte» und die Bäckerei mit den neuesten Einrichtungen und Maschinen versehen werden. Die Leitung des Baues wird einem Spezialisten ür Bäckereibauten übertragen, die Gesamtkosten der Anlage sind auf 80 000- M. veranschlagt. Im Interesse einer ungestörten Durch- führung des Projektes dürfte es siegen, wenn die,.Mitglieder der �Konsumvereine von Nowawes und Potsdam, die den Bau für ge« meinsame Rechnung aufführen, sich mehr wie bisher an der Ab« nähme von Anteilscheinen, die in den beiderseitigen Geschäftsstellen ausgegeben werden, beteiligen würden, um zu dem Bau möglichst wenig Privatkapital in Anspruch nehmen zu müssen.— In welchem Aufschwünge sich die Konsumvercinsbewegung in Nowawes be- findet, ist daraus ersichtlich, daß vor kurzem wieder einige neue Verkaufsstellen— Zietenstr. 16, Wilhelmstr. 60 und in Drewitz, Sternstr. 10— eröffnet wurden. Hoffentlich ist bei genügender Agitation in nächster Zeit eine weitere Vermehrung der Mitglieder« zahl zu erzielen. eingegangene Druclirchriften. Dan der„Nene» Zeit-'(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 3. Hest des 28. LabrgangS erschienen. Es hat jolgenden Inhalt: Tragikomisches.— Bürgerliche Natioiialökonomie. Von Adolf Braun.—- Das Gärrcslcxikon. Kritische Glossen zur klerikalen GesellschaftStheolie. Von H. Lauscuberg.— Ter englische Etat. Von M. Beer.— Literarische Rundschau; Bildungsarbeit. Von A. F.— Pros. I. Eglen: Konjunktur und Geldmarkt 1902—1308. Von N. Meller.— Notizen: Noble Kampsesiveise. Von K. Kaulsly. Gckauste Kurstimmem Von Otto Uhlig.— Zeitschristen« schau. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen. Poslanstaltcn und Koftortcure zum Pretie von 3.25 M. pro Quartal zu bezichen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft koftel 25 Pf. Probenummcrn stehen jederzeit zur Verfügung. „Die Fackel-', herausgegeben von Karl Kraus, Wien. Tie neue Generation. Hest 10. HcrauSgeberin Dr. Helene Stöcker. Einzelimmmer 50 Pf.— Ocfterheld u. Co., Berlin W. 15. Abenteuer der Luft in Ballon und Flugmaschine von A. O. Klauß- mann. Geb. 4 M. Phönsxverlag, Kattowitz. Tie Ge>verkschaftsbeu>egu»g in Bulgarien 1SV4— 1999» 31 S. Hofbuchdruckcrei, Sofia. 181L. Ein historischer Roman von L. Rellstab. 5 M. F. BrockhauS, Leipzig. Thoma-Mappe, herausgegeben vom„Kunstwart', 6 farbige und SO große ausgezogene Blätter im Tondruck mit reich illustriertem Bcgleittext von Ferdinand Avenarius, 10,— M. Verlag von Georg D. W. Callwey in München. Tie soziale Lage d-r Orchestermnsiker. Lchrlingswesen, Militär« konkunenz. Vorträge von F. Stempel 60 Ps. Musikerverband, Berlin, Chausseestr. t31. Sozialdemokratische Gemeindepolitik in Dresden. Von H. Fleißner. 1,25 M. Kaden u. Co., Dresden, Zwingerstr. 21. Osimärkische Stiidiepolitit. Oskar Eulitz in Lissa i. P. 80 Pf,— Grost-Friedrichsburg. Erzählendes Gedicht von H. v. Festenberg. 2 M. F. Ebbecke Verlag. Lissa i. P. Der Kaiser spricht! Randglossen cineS Unbefangenen zu den Rede» Kaiser Wilhelms II. 30 Ps. O. Müllerlein, München. Bmfhaften der Redaktion. Tie luristische Sprechstunde findet Linden st raste g, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, gBF* Fahrstuhl"Mg wochentäglich abends von bis 9% Hut statt. Gcöfsnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt dt« Sprechstunde um K Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl al» Merkzeichen beizufllac». Briesliche Antwort wird nicht«rteUt. vi? zn« Beantwortung im Briefkasten könne» 14 Tage vergehe». Ellige Frage» trag« man in der Sprechstunde vor. H. P. II. Ihrer Reklamation muß stattgegeben werden, jedoch müßten Sie unbeschadet des Schwcbeiis des Verfahrens zur Vermeidung der Zwangsvollstreckung vorläufig zahlen. Sie erhalten nachher die Summe zurückerstattet.— A. O. 55. 1. Für die Miete hasten die Erben zu« sanime». Eine vorzeitige Kündigung ist in ihrem Falle ungültig. 2. Wenn Sie die Abrede beweisen, würde Lbnen eine angemessene Entschädigung zugesprochen werde».— O. St. IVO. Solche Mitteilung ist nicht nötig, auch überflüssig. Die Kirche erhält Kenntnis von dein Ausscheiden. Wenn sie trotzdem Kirchensteuern von solchen verlangt, die ausgeschieden sind, so beruht das aus mangelhaftem Geschäftsgang.— Betriebsleiter. Den Krankenkassenbeilrag sür Sie und Ihre Frau, Fahrgeld und Berufs» kleidung können Sie in Abzug bringen, das sür die Urlaubszeit Ver« wendete nicht. Den Verdienst brauchen Sie in der Hausliste nicht anzu« geben. Es müssen nur die Spalten 1— 6 ausgefüllt werden.— St. 6. Ja. R. H. 23. Wer au» der Kirche austreten will, muß bei dem AmtS» gcricht beantragen, seinen Austritt aus der Kirche auszunehmen. Innerhalb des 29. bis 42. Tages nach Eingang seines Antrages bei Gericht muß er dann bei Gericht, auch wenn er eine Ladung nicht erhalten hat, er» scheinen und seinen Austritt persönlich vor dem Richter erklären. Zuständig ist dasjenige Amtsgericht, in dessen Bezirk er wohnt. Welches dies i» Berlin ist, ist im Adrcßkalender bei den einzelnen Straßen angegeben.— K. B. 104. Leider ja, jedoch müssen die unentbehrlichen Möbel dem Mieter belassen werden.— F. S. 10. Können Sie beweisen, daß beim Abschluß des MietSvertrageS ausdrücklich versichert ist. daß die Wohnung ruhig ist, so wäre«ine Klage aus Aushebung des MietSvertrageS und auf chadenersatz nicht ganz ohne Aussicht aus Erfolg.— E. S. 213. 1. Leider nein. 2. Stellen Sie einen Antrag bei der StistiingSdeputalion des Magistrats. — C. 19. Nachdem der Sühnctermin erfolglos verlausen ist. müssen Sie sich nunmehr an das Landgericht wenden. Diesem tragen Sie den Sach» verhalt vor, geben die Beweismittel für Ihre Behauptungen an und be- antragen Bewilligung des Armenrechls. Dem Gesuch an das Landgericht ist das Sühneattest und die Bescheinigung beizufügen, daß Sie zur Tragung der Kosten unvermögend sind. DaS Landgericht bewilligt dann das Armen« recht und bezeichnet Ihnen dann den Anwalt, der Ihnen beigeordnet ist. Mit diesem setzen Sie sich dann in Verbindung.— G. L. 100. DemBe» treffenden würde dem Statut entsprechend ein Anrecht nicht mehr zustehen. —(v. Tit. 47. Leider würde eine Klage aus Schadenersatz kaum Erfolg haben. Sie müßten beweisen, daß daS Gebig gegen die Regeln der Kunst angefertigt und daher zerbrochen ist. Wie das Gutachten der Sachverständigen auSsalleu wird, ist stets zweijelhast.— M. 1. Ja. Amtlicher Marktbericht der städtlichen Markthallen-Dlrektion über den Großhandel in den Zeiitral-Marktballcn. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig, Preise für Kalb- und Schweinefleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geschäjt lebhaft, Preis« befriedigend. Geflügel: Zufuhr in Gänsen über Bedarf, sonst genügend, Geschätt ziemlich rege, Preise nicht befriedigend. Fische: Zufuhr mäßig, Gctchäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käs«: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte! Zu» fuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise gedrückt. BSitteruugSsiberstcht vom 14. Oktober 1909. morgen« S Nbr. Stationen Ps « 5 Ii Swtnemde. 7K4 S Hamburg"CM SSO Berlin 1761 SD Franks.a M'7S3sIill München"67 Still Wien!766.SSW Stationen Haparanda Petersburg Scilly -Werde«» Paris . s |S §2 Üf 766 SW 769 SSO 763©9133 »eUer i Sbedeckt IN-b-l 4 bedeckt »li 753 S S© I 1 halb bd. 765 SW 1 Regen 10 12 7 U kScttcrprognose kür Freitag, de» 15. Oktober 1909. Ziemlich mild, vielsach wolkig mit etwas Regen und mäßigen süd« westlichen Winden. Berliner De tteid ureaa. BSasserstandö-Nachrtchte« b« Landes anstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner©etterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnsterdurg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor . Krassen , Frantmrt ©a r t h c, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitnieritz , Dresden , Barby » Magdeburg + bedeutet Wuchs.— Fall.-»•) Unterpegel. Sechster Mahlkreis. Sonntag, den 17. Oktober, abends V Uhr t Seffentl. politische Versammlung für Männer nnd Frauen ta Fritz Wilkcs Festsülen, Brunnenftrahe 188. Tages. Ordnung: Vortrag des Genossen Georg Ucko:.Die politische Lage mit besonderer Berücksichtigung der bevorstehenden Wahlen«. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. 231/ W Der Einberufer: W. Baumann, Ackerstr. 17. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Schnllokal: Grenadierstr. 37, Hof geradezu I. Lehrplan für das IV. Quartal 1909. Montag: Blatnrerkenntnls.(Erster Teil.) Geschichte der Natarerkenntnis. Die Entwickelung des Weltalls. Unser Sonnensystem. Die Sternenwelt. Die Entstehung der Erde. Die Erdzeitalter. Vortragender: EmannelWurm. Dienstag: ■ehr Rechtsknnde.( Arbeite rversicherungsgesctz- gelbung.) I. Wesen und Aufgabe der Arbeiterversichomng. II. Die Entwickelung der deutschen Ärbeiterversiche- rungsgesetzgebung. IH. Versioherungspflioht. FV. Die Organisation der einzelnen Versichernngszweige. V. Die L e i s tu n g e n der Versicherung. VI. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Versioherungszweigen. VII. Ansätze zur Fortbildung der Versicherung. VIII. Die Entwickejung der Arbeiterversicherung und ihre soziale Wirkung. IX. Die Reformbestrebnngen. X. Die G r u n d z üg e der Keiohsversioherungsordnung XI. Die Stellung der Sozialdemokratie im Reichstag und in der Praxis. Vortragender: Simon Katzenstein. Mittwoch: Gewerkschaltswesen.(Von den Anfängen der deutschen Gewerkschaftsbewegung bis zur Gegenwart.) I. Allgemeine Einführung, ll. Vorläufer der Gewerkschaftsorganisationen. DI. Die ersten gewerkschaftlichen Organisationen. IV. Ge setzgebung und Gewerkschaften, V.Entwioke- lung der Gewerkschaften von 1890—1909. VI. Z o n- tralisationsbestrebungen. VII. Partei nnd Gewerkschaft. VIH. Die gegnerischen Gewerkschaftsorganisationen. IX. Taktik der freien Gewerkschaften. X DieWeiterentwiokelung der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Vortragender; Emil Dittmer. Donnerstag: Bednerschnle. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Bede. 2. Technische Hilfsmittel. 3. Praktische Hebungen im Beden und Diskutieren. Vortragender: Ms* Grunwald, Freitag: HatlonalOkonomle. Grandzüge der Finanz Wissenschaft. 1. BegriH und Inhalt der Finanzwissenschaft. 2. Staatsausgaben. 3. Staatseinnahmen. 4. Staatsschuldenwesen. 5. Die Finanzen des Deutschen Reichs und der Bundesstaaten. 6. Die Reichs- finauzreform. Vortragender; Max Grunwald. Sonnabend: Geschichte. Geschichte des modernen Sozialismus. 1. Allgemeine sozialistische Anklänge im Altertum und Mittel- alter. 2. Die Wurzeln des modernen Sozialismus. 3. Die wirtschaftliche Entwickelung des XIX. Jahrhunderts als Voraussetzung des Sozialismus als Wissenschaft 4. Marx und Engels und der wissenschaftliche Sozialismus. 5. Klassenkampf und Organisation der Arbeiter. 6. Die sozialdemokratische Arbeiterbewegung in Deutschland. 7. Die Einigung von 1876. 8. Das Sozialistengesetz und seine üeberwindung. 9. Die letzten zwanzig Jahre. Ausblick. Vortragender: Max Grunwald. Fortscbrlttskorraa. Donnerstag: Nationalökonomie. Die kapitalistische Zirkulation. Fixes und flüssiges Kapital, Die Durchschnittsprofitrato. Kapitalistische Widersprüche und Krisen. Dos Handelskapital, das Bankkapital, der Kredit Zins, Handelsprofit und Unternehmergewinn. Die Grundrente. Die Klassen. Vortragender: JulianBorchardt. Dieser Kursus ündet im Verbandahans der Gustivlrtsgehllten, Berlin N. 24, Große Hamburger Straße 18/19, statt. Lichtenberg'Rummelsburg* Genetzcakmide. Verfassungswesen. Wesen der Verfassung. Verfassung und Verwaltung. Reichs- Verfassung und Landesverfassungen. Geschichtliche Entwickelung der preußischen und der Reichsverfassung. Reichstag und Landtag, König nnd Kaiser, Minister und Bundesrat. Reiohshaushalt und Landeshaushalt, Keichssteuem und Landessteuern. Grundrechte des Staatsbürgers, Wahlrechte. Staatsverwaltung und Selbstverwaltung. Bureaukratie und Demokratie. Vortragender: Dr. Oskar Cohn. Dieser Kursus findet Slonnerstag statt und zwar Donnerstag, den 21. und 28. Oktober im Lokal von Steuer(früher Gürsch), Frankfurter Chaussee 128, und vom 4. November ab im Lokal von Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5/6._ In Berlin beginnt der Unterricht in Naturcrkcnnt- nls: Montag, den 18. Oktolior: Gesetzeskunde: Dienstag, den 19. Oktober; GewerkMchaftstveaen: Mittwoch, den 20. Oktober; ItcdncrHchnle: Donnerstag, den 21. Oktober; Nationalökonomie: Freitag, den 22. Oktober; Geaeklehte: Sonnabend, den 23. Okiober. Zum Fortachrlttsknrsit«, der am 21. Oktober beginnt, werden nur zirka 25 Teilnehmer zugelassen, welche mindestens einen Kursus in Geschichte und mehrere Kurse in Nationalökonomie besucht haben und somit mit den Grundzügen der Wert-, Mehrwert- und Akkumulationstheorie einigermaßen vertraut sein sollen. Schriftliche Meldungen zu diesem Kursus sind umgehend an den Vorsitzenden zu richten.. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt £ünktlich um S'/i Uhr und endet pünktlich um 10 Uhr._ In ichtenberg-Rummelsburg beginnt er Punkt O Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 7'/,— 8'/, Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgold für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Sohullokal Grenadiers tr 37, Hof geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen; Gottft». Schulz, Adnriralstr. 40a; Beul, Barnims tr. 42; Vogel, Lortzingstr. 87; W. Kaczoroivskl, Ravenestr. 6; Borsch, Engelufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Otto Gelthuer, Berlin NO. 18, Friedenstraße 70 HI rechts, Geldsendungen an den Kassierer B. Königs, Berlin S. 59, Hasen- beide 56, zu senden. Der Vorstand, Beinickendori, SeHzer H, im HS»ü, in nächster Nähe des Schillerparis und deS SchäserseeS vorzüglich gelegene, billige 3>, 2» und I.Zimmerwohnungen im Vorder- oder Gartenhause, mit auch ohne Bad, Ballon pp. sosort vermietbar in den Neubauten der Schiller« Promenade, Brienzer Straße, Rülli-Siraße, Holländer- und Thuner Straße. Beffenttiebe Versammlung Freitag, den 13. OKtoder, 8 Uhr abends im GewerKschaftshanse» Gngelufer 13. z-«i. TageZ-Ordnung: i. Die Arbeiterbewegung in Amerika. Referent: Vivt«? VvA'K'vr(Wisconsin). 2. Diskussion. 206/1» Zahlreiches Erscheinen erwartet _ Der Einbernfer: Eugen Ernst, Wöhlertstr. 9. Verband der labriharbeiter Deutsehlands. Zahlstelle Groß. Berlin. Bnrean: Linienstrahe 815. Geöffnet tiot« 9-1 und 4—8 Uhr. Telephon: Amt m, 938. Sonntag, den 17. Oktober 1909, vormittags 9'/, Uhr, im„Englische» Garten", Alexanderstrahe 87«: Gnpptll-Ntlsliltlililmig dkl Gllmmiillbkiter. _ Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über das Referat des Genossen Wurm. 2. Wie ist dlt Agitation am zweckmäßigsten zu betreiben? 3. Bcnissangelcgenhcitcn und Verschiedenes. Die Sektionslettung der Gummiarveiter. Bezirks- Versammlungen Sonntag, den 17. Oktober, vormittags 3 Uhr. Für bei Kaul, Bismarckstraße Nr. 16. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen S e w e k o w:*Der Generalstreik in Tchweden". 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur Generalversammlung. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Für Kummeksburx bei Blume, Alt-Boxhagen Nr. 66. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Peftter:*Der schwedische Generalstreik". 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur G en eralversammlung. 4. VerbandSangelegenyeiten und Verschiedenes. 64/11 'Potz Kraulen- viiterstützungS- und gräbniSvercin der Bau» nnd ge» »verblichen Hilfsarbeiter Berlins nnd Umgegend. Sonntag, den 17. Oktober 1999, vormittags 10'/, Uhr, findet die VeuorkI-VersAmmlung im Lokal Langestraste öS, statt. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1909. 2. Wahl eines zweiten Bor» sitzenden. 3 BeremsangelegeilheUen und Verschiedenes. Arbeiter jeden Berufes, welche daS 18. Lebensjahr erreicht und das 50. nicht überschritten haben, werden in der Versammlung aufgeuommen. Auch erfahren selbige nähere AuS» kunst beim Nendanten Herrn Scbuir, Langestraße 52, 2 Treppen; ebenfalls beim Vorsitzenden Herrn lisilegsst, Pankstr. 43, l Treppe. NB. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Bor Vorstand. „Mm ipfieitsr- Railaliper-fepeiß" Mitglied deS Arbeite» Radsahrer.Bunde» .Solidarität". Tonren zum Tonntag. den 17. Oktober» 1. Abt. 1 Uhr: Papcnherge. 2. Abt. VI, Uhr: Nauen(Kumfe). VI, Uhr: Hakenselde. 8. Abt. 7 Uhr: Fangschleuse(Werlsee). 1 Uhr: Hirschgarten(Wilhelms« hos). Familientour, bei schlechtem Wetter per Bahn. 4. Abt. 8 Uhr: Rüdersdorf(Grete). 2 Uhr: KaulSdorf(MeeS). Familien» tour. 5. it 10. Abt. 2 Uhr; Hohenschönhausen(Schulz). Familientour. 5. Abt. 7 Uhr: Lemky. 1 Uhr: Wandlitz(Hube). 7. Abt. VI, Uhr: Halenfeld e(Bolls» garten). 8. Abt. 5 Uhr: Luckenwalde. 1 Uhr: Teltow(Deutsches Wirtshaus). 9. Abt. VI, Uhr: Schönerlinde (Sperlitzly). 12/6 Start an den dekannten Stellen. beste Schuh Putz Ueberall zu haben in Dosen a 10 und 20 Pf. Fabrikanten: liubszynskl 4k Co., Berlin NO. Konkurrenzlos Nach altem, langjährig erprobtem Brauversahren her. gestellt, von ganz vorzüglicher Haltbarkeit im AllSschaiik, sowie Pipke's prima Tafel-Weisibier. Malz- Eirni WeiStiieitaiierei„Stern" Louis Plpke Berlin N. 80, Prinzen.Allee 77. Verwaltung Berlin. Montag, den 18. Oktober, pünktlich 8 Uhr abends: kroße Versammlung aller am l. Oktober ansgelernten Tischler, Drechsler, Stellmacher und anderer Hostarbeiter im GewerkBckaftglianse, Engelufer 11, Eingang B, parterre(Arbeitslosensaal). BOT Lille im Oktober ausgelernten Kollegen müsse» an dieser Versammlung teilnehmen."UvS 90/n_ Die Ortsverwaltnng. Verband der Kansangestettten. Sonntag, den 17. Oktober, abends« Uhr: Große Djellßboten-VkchmmlW in Feuersteins FcststUcn, Alte Jakobstr. 75. i. Vortrag nuv. Arbeitsbedingungen. Referent: Adolf Dlnslng. 2. Freie Aussprache. Nach dem Vortrage: QSNIÜtUelieS vslsammeiisoln. Wir ersuchen die Arbeiterschast, alle ihr bekannten Dienstboten aus dies« Versammlung aufmerksam zu machen. 239/1« Verband der Hafenarbeiter und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. ————— Slltglledschaft Berlin.— Sonntag, den 17. Oftober, vormittags 19'/, Uhr: Mitgiiedor-Persammlung im Köuigstadt'Kasino, Holzmarktstr. 72. Tages-Ordnung: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung dam 3. Quartal 1909. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 19/11 Um recht regen Besuch ersucht_ Der Vorstand. Ach-m»! Putzerträner» Sonntag, den 17. Oftober 1999, mittags 18 Uhr: Okffciifl. Vcrsliiiiiiiliiiig der Kllhlltriigtt im Lokal vo» Faul Oblglo, Schwcdter Strafte 81. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des TewerllchastjsckrclärS Genossen Fugeu Brückner 06er:„Hat die Rrbeitertlasse tm henttgcu Staate Gleich- berechtig»»»?" 2. Diskussion. 30/17* ES ist Pflicht ewes jeden PutzerträgerS, in dieser Versammlung zu erscheinen. Ber Einbernfer. ArS>eäter= Bekleidung- Berufskleidung. Größtes Spezialgeschäft. Kolmen& Jörlng, Nm Älexanderstr. 12. Filialen: Landsberger Allee 148.' B Indorf: Borgstrafio 60 Ringb�nhof. Achtung! Achtung! Partei«. Gewerkschaften! Mit Bezugnahme aus die im.Vorwärts" Nr. 237 erschienene Annonce betreffend Empfehlung der Arbeilsvcrmittelung deS Vereins kerllner Musiker e. v. haben wir zu erklären und machen daraus ausmcrksam, daß dieser Verein mit der modernen Arbeiterbewegung nichts gemein hat, sondern dieser ablehnend resp. feindlich gegenübersteht. Dieser Verein ist Mitglied deS Allgemeinen Deutschen Musiker-BerbandeS. der während unsere» Ltegntfter LahnkampfeS Militärmusiker in die bestreikte« Lokale besorgt hat. üs/S Herr Bollfelder, Dirigent des Neuen Tonkünstler-OrchesterS(siehe Annonce vom Sonnabend, den 9. Oktober, Nr. 230 de»»Vorwärt»") ist Mitglied obengenannten Verbandes. Dsr Vorstand des Zentralverbandes der Zivilrauslker Deutschlands. I. A.: Herrn. Irrgang, Vorsitzender. Achtung! Zigarrenhändler! Achtung! Die bestsortierte und billigste Einkaufsquelle in Zigaretten, Zigarren«nd Tabaken sämtlicher eingeführter Fabrikate ist UMMWMWu Kreiüt» Hobel hüüs .......... bei KrankhcttefaileH � CoHil, Gf.»»�.58| und Arbcll»lonijj;keit. in allen Küte BMneWntmacte, Prinzensir. 67,i ,""r i Dresdener Str. Selovskys Bolero Zigaretten jetzt auch* mit Goldmandstttck. io Stack 20 pi. .?. i'. i« Ziehung 19.£if 22. Okt. SProutslsch« gjg gj�-Lottcrie 408000 Lose- 15750 Geldgew A* 545000 Hauptgewinne: Mark 100000 50000; 250001 usw. alle Gewinne bar ohne Abzug. I Ä Lose � M. 3.30 1 Porto und Liste extra 30 Pfg. Lud. Müller& Co. Berlin C., Breitestr. 5. ■ T.-A.: GlUcktmiUlIer "J Jedes Wort 10 Pfennig. Da» erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN tDr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Espedition, Llndenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche! flebiechaftc) in allen Erößen für die Hälfte deZ Wertes Teppichlager Brunn, Hackefcher Markt 4, Bahnhof Börse.(Leser des »Vorwärts- erhalten 6 Prozent Rabati.) Sonntags geöffnet I_• Gaökronen ohne Anzahlung, Woche ä.OO. 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