Dr. 245. Moimementz-IKMgUMftt Wonnemonis- Preis prönumercmda i Picrtcljnhrl. 330»[f., nionatl. 1,10 Wk.. wöchenivcli 23 Pfg. frei ins HanS. Einzelne Punimer S Pfg. Sonntags- »ummcr mit illufirierter Sonntags- Beilage„Die Slcnc Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitunaS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxcniburg, Portugal, Rmnäiiien. Schweden und die Schweiz, NSclnt tSgllch irnGer tilontagj. Nevltnev Volksblatt. S6. Jahrg. vle Insertion!-Lcbilhi' Keträgt für die sechSgcspallcnc Kolonel« geile oder deren Raum 50 Pfg., fü« politische und gewerkschaftliche PercinZ- und VerjammIungS-Anzcigen 30 Pfg. „Mein- Hnreigen", das erste(feit- gedniStc) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort s Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste NllMincr müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „LszIzliUiMiüMl Rellin'*. Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Oeiitfcblands. Rcdahtton: SM. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 20. Oktober 1900. Expedition: SM. 68» �.indenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr.»984. Wählt WahlrechtsKämpse!'! Heute ist genau ein Jahr verstrichen, daß die Thron- rede das feierliche Versprechen einer Wahlreforin gab. Freilich einer Wahlreform, wie sie für die Masse des Volkes unannehmbar ist. Hieß es doch in der Thronrede wörtlich: „Mit dem Erlaß der Verfassung ist die Nation in die Mit- arbeit auch an den Geschäften des Staates eingetreten. Es ist mein Wille, daß die auf ihrer Grundlage erlassenen Vorschriften über das Wahlrecht zum Hause der Abgeordneten eine organische Fortentwickclung erfahren, welche der Wirtschaft- lichenEntwickelung, der Ausbreitung der Bildung und des politischen Verständnisses sowie der Erstarkung des staatlichen Verantwortlichkeitsgefühls entspricht. Ich erblicke darin eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart. Ihre Bedeutung für da? gesamte Staatsleben erfordert um- fassende Vorarbeiten, die von meiner Regierung mit allem Nachdruck betrieben werden.* Die Krone hat sich also durch die Beivegung dcS Volkes vor gerade Jahresfrist endlich das f e st e Versprechen einer Wahlreform abringen lassen, während noch im Januar desselben Jahres 1903 der preußische Ministerpräsident Fürst B ü l 0 w die Wahlrechtsinterpellanten damit vertröstete, daß von der Regierung„geprüft" werde, welche Formen eine „gesunde Reform" des preußischen Wahlrechts annehmen müsse. Sobald die Staatsregierung„für ihre Entschließungen eine feste Unterlage gewonnen" habe, werde sie dem Landtage eine entsprechende Vorlage unterbreiten. Es liegt nunmehr also das Versprechen vor. dem jetzigen Landtage zu gegebener Zeit eine Wahlrechtsvorlage vorlegen zu wollen— wie halbosfiziös gemeldet worden ist, nicht vor dem Jahre 19111— aber weiter auch nichts! Denn wenn auch die Andeutungen in der Thronrede über das, was unter der„organischen Fortentwickelung" zu verstehen sei, überaus verschwommen sind, so ist daraus doch soviel mit aller B e st i m m t h e i t zu entnehmen, daß man von einer Uebertragnug des ReichStagSwahlrechts auf Preußen nichts wissen will! Nach wie vor gilt Bülows Erklärung vom 19. Januar 1998: .Wie indes schon jetzt erklärt werden muß. steht es für die Staatsregierung nach wie vor f e st. daß die Uebertragnug deS ReichStagSwahlrechts auf Preußen dem StaatSwohl nicht entsprechen würde und deshalb abzu- lehnen ist." Vülow ist zwar als Politiker von der Bildfläche der- schwunden, aber sein Nachfolger Bethmann Holl weg ist um kein Haar besser als der agrarische Kanzler. Und ge- rade zur Frage der preußischen Wahlreform hat sich ja der neue Reichskanzler und preußische Ministerpräsident schon ein- mal in höchst bezeichnender Weise geäußert, als er noch preußischer Minister des Innern war. Bethmann Hollweg hatte im Frühjahr 1996 jene Gesetzentwürfe zu den Landtags- wählen einzubringen, die durch Aeicherungen der Landtags- Wahlbezirke und Wahlorte solvie durch Vermehrung der Ab- geordneten von 433 auf 443 an dem elende st en aller W a h l s y st e m e eine elendeFlickcrei vornahmen. Der jetzige preußische Ministerpräsident benutzte diese Gelegen- heit dazu, sich durch ein reaktionäres Glaubensbekenntnis den Beifall der Junker und Wahlrechtsfeindc zu erwerben. Diese Rede vom-23. März 1906 war in einem geradezu komischen Kauderwelsch gehalten, das Herr V. Bethmann Hollweg vermutlich als philosophische Tiefe bc- trachtet wissen wollte; allein soviel war aus dem ebenso ver- worrenen wie prätentiösen Gerede doch zu entnehmen, daß es eine glatte Absage an die Befürworter einer d e m 0- k r a t i s ch e n Wahlreform bedeutete. Ja, der berüchtigte freikonscrvative Scharfmacher v. Zedlitz konnte Bethmann Hollwcgs Rede folgendermaßen auslegen: „AuS de» Ausführungen des Ministers habe ich entnommen. daß die Regierung die Einführung deö Reichs- tagswahlrechts für Preußen ablehnt, daß sie weiter eine Neueinteil nng der Wahlkreise ablehnt und die historischen Rechte der bisherigen Einteilung wahren will, und daß sie endlich an ei» RcichStagSwahlrecht der Zukunft denkt, daS nicht nach unten, sondern nach oben führt, und daß dieses Wahl- recht der Zukunft ein gleiches für Preußen und Deutschland werden soll." So also sieht der Mann aus, der dafür verantwortlich ist, daß die Verheißimg der Thronrede in die Tat umgesetzt »vird! Wer also angesichts dieser Tatsachen eine Erfüllung der Wahlrechtsfordcrungcn der Massen von der Regierung erwartet, obgleich er vorgibt, ein Anhänger des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu sein, der begeht de» schimpflichsten Verrat am Volle! Nicht von der N e g i e r u n g, nicht von dem p r e u ß i- schen Landtage in seiner jetzigen Zusammensetzung ist eine wahrhafte Reform deS verrotteten preußischen Wahlrechts zu erwarten, sondern einzig und allein vom rücksichtSlosestc» Drängen vou unten her, von einer unwiderstehlichen Volks- bewcgung! Wie die Regierung über die Wahlreform denkt, haben wir ja oben gezeigt. Die Regierung wird bestenfalls ein Plural- Wahlrecht vorschlagen, das ähnlich wie die sächsische Wahlrechts- Mißgeburt die proletarische Mehrheit des Volkes der Ver- gcwaltigung durch die mit Mehrstimmcnrecht ausgestattete Minderheit der Besitzenden preisgibt I Die Form des Wahlrechts wäre damit geändert, der Zustand der Recht- l 0 s i g k e i t für die große Masse des Volkes aber der gleiche geblieben! Denn ein Wahlrecht, das es der Mehrheit der Wähler für alle Zeit unmöglich macht, auch die Mehrheit der Mandate zu erobern, ist nur ein wertloses Schein-Wahlrecht! Die Regierung will diesen Wcchselbalg von einem neuen Privilegienwahlrecht— frühestens Anno 1911!— erst dann dem Landtage vorlegen, wenn sie sich durch eine Aussprache mit den Führern der Parteien vergewissert hat, daß er von den ausschlaggebenden Parteien auch adoptiert wird! Selbst wenn wir dabei von dein Hause der preilßischen Lords, dem Hcrrenhause, ubsehen, bleibt zu bedenken, daß im Abgeordneten- Hause neben 194 ultramontane u und 65 national- liberalen Abgeordneten allein 212 Konservative sitzen, daß also eine Mehrheit der Wahlrechtsfeinde außer allem Zweifel steht! Wenn es der Regierung gelingt, die Wahlreform auf die Bedürfnisse der konservativen Krautjunker, der national- liberalen Schlotbarone und der ultramontanen Pfaffen zu- zuschneiden und in aller Gemütlichkeit durchzuberaten, so ist die Wahlrcform für«»absehbare Zeit verpfuscht und die Masse der Rechtlosen abermals schändlich um ihre Rechte geprellt! Nur ein Volkssturin kann die Dreiklassenschmach restlos hinwegfegen! Und nur der meint es ehrlich mit der Wahlrcform, der alle Kräfte einsetzt, einen solchen Volkssturm zu entfachen I Nur der beweist den ernstlichen Willen, Preußen und damit-ganz Deutschland von dem Alb der junkerlichen Reaktion zu befreien, der von Stund an alle Kraft gegen die Reaktion und für die Vertreter der Volksrechte einsetzt I Der Freisinn hat sich mit unsäglicher Schmach beladen und seine eigene Wahlrechtsfordcrnng verhöhnt dadurch, daß er nicht nur bei den Reichstagöwahlen 1907, sondern auch bei den Landtagswahlen 1998 den konservativen WahlrechtSscinden Handlangerdienste geleistet hat! Und auch jetzt wieder hat die freisinnige Parteileitung die Parole ausgegeben, den nationalliberalen Agrarier Ouarck in Koburg gegen die Sozialdemokratie zu unter- stützen! Durch solche Stärkung der Gegner des allgemeinen. gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts beweist der Frei- sinn, wie„ehrlich" und„mannhaft" er für die Volksrechte eintritt I Entrechtete! Gedenkt deshalb auch bei der vierfachen Landtagsnrwahl am 2«. Oktober der WahlrechtSverrätereicn des Freisinns! Schickt statt der hohlen Wahlrechts s ch w ä tz e r, die noch bis zum letzten Tage mit den WahlrechtSscinden paktiert haben, wiederum die erprobten WahlrechtSkämpfer in das Junkcrparlament I Der Sieg der vier Sozialdemokraten sei der Legmn der neuen MablmbtsaKtion I Zum AaWarnpf. Freisinniger Flugblatt-Schwindel. Ein im ö. Berliner Landtagswahlbezirk verbreitetes Flugblatt, da« für den Freisinnskandidaten Max Schulz Reklame macht, bringt eine Reihe hanebüchene Entstellungen und Unwahrheiten, die hiermit niedriger gehängt seien. Da wird zunächst behauptet, die vier sozialdemokratischen Wahlen seien d e LH a l b— und mit Recht— kassiert wotden, weil die Sozialdemokratie Terror geübt habe. Das Flugblatt unterschlägt dabei die für den Freisinn allerdings unsäglich blamable Tatsache, daß der Freisinn auch deshalb für die Ungültigkeit der vier sozialdemokratischen Wahlen stimmte, weil die Wählerlisten angeblich falsche seien. Daß der Freisinn vier sozialdemokratische Wahlen für ungültig erklärte, die auf Grund derselben Listeiiaufstellung zustande gekommen waren, die auch den freisinnigen Wahlen zu Grunde lag, ist aller- dingS ein so skandalöser Alt niedrigster politischer Gehässigkeit, daß es nur zu begreiflich ist, wenn ihn der Freisinn mit Schweigen übergeht I Was aber den sozialdemokratischen Terror anlangt, so ist es ja gut genug bekannt, in welch perfider Weise der Freisinn die Beamten ihren Behörden denunzierte, die sich nicht zum frei- sinnigen Stimnivieh erniedrigt hatten; wie ferner der heurige Landtagskandidat Schölcr im.Moabiter BezirkSanzeigcr" 49 Wnhlmünner der Acchtung preisgab, darunter sogar Staats- beamte! m Das Flugblatt will dann den Lesern damit graulich machen, daß die Sozialdemokratie für daS Proletariat die Allein- Herrschaft im Staate erobern und das Privateigentum beseitige» wolle. Auch freisinnige Flugblattverfasscr wissen natürlich, daß die Sozialdemokratie jede Klassenherrschaft bescisigcn will. Sie wissen nicht minder, daß die Sozialdemokratie ihre Bestrebungen vermittelst der Demokratie durchsetzen will. Die Absichten der Sozialdemokratie verdächtigen heißt also nichts anderes, als die Demokratie selbst ver- dächtigea! Aber die Konfiskation des Eigen tumöl Nun, die Sozialdemokratie will gerade der Konfiskation des Eigentums durch die kapitalistische Konzentration ein Ende machen. Sie will durch Vergesellschaftung der Produktionsmittel die Nutz- nicßnng der enteigneten, ausgeplünderten Massen am Nationalvermögen wiederherstellen! Neunzig Prozent des Volles können dabei nur gewinnen! Denn dafür, wie heute das Eigentum verteilt ist. ein paar Zahlen aus der amtlichen preußischen Bcrmögensstatistik für das Jahr 1998. Danach besaßen von den 38 Millionen Preußen nur IVj Millionen ein Vermögen von mehr als 6000 M. Diese l'/z Millionen besaßen zusammen 91 Milliarden Vermögen. Von diesen 91 Milliarden Vermögen entfielen aber 67 Millionen auf nur 399 099 Personen, die pro Kopf mehr als 52 000 M. Ver« mögen besaßen; auf die übrigen 1299999 Personen kamen nur 24 Milliarden l 8377 Millionäre aber haben 22'/» Milliarden Vermögen, also fast eben so viel, wie die 1 299 999 zusammengenommen I Hat die Sozialdemolratie nicht recht, wenn sie diese schmach- volle Anhäufniig des Reichtums in wenige» Händen beseitigen und daS Eigentum an ProdultionSmittcln in den Besitz der G e s a ni t- heit überführen will? I So viel für heute. Morgen mehr! » Wer wird in Berlin XII Misch, naschkandidat werden? Der Plan, im Landtagswahlbezirk Berlin XII die bürgerlichen Parteien �mit einem gemeinsamen Kandidaten in den Kampf gegen die Sozialdemokratie zu führen, hat den Beifall auch einer Versammlung von Beamten gefunden, die am Montag in Moabit vom„Bcamtcn-Wahlverein Groß- Berlin" veranstaltet worden war. Die Versammlung, in der diese Kundgebung zustande kam, wurde geleitet von dem Gemcindcschullehrer Rosin, dem Freisiunsmann, der kürzlich in Berlin VII sich von Beamten und Lehrern als Kandidat für den Freisinn hatte vorschlagen lassen, aber dann hinter dem von den Hausbesitzern protegierten Stadtverordneten Goldschmidt zurückstehen mußte. Jede der drei bürgerlichen Parteien, die in Berlin XII um die Palme ringen, gibt bei dem Handel um die Mischmasch- kandidatur sich der süßen Hoffnung hin, schließlich den eigenen Kandidaten auf den gemeinsamen Schild erhoben zu sehen. Zu der Versammlung waren die drei bürgerlichen Kandidaten eingeladen worden, daniit die Beamten prüfen könnten, wer von den dreien sich wohl am besten z u m M i s ch- m a s ch m a u n eigne. Dem Freisinnskandidaten Prediger Runze hatte ein gütiges Geschick eine Verhinderung beschert. so daß er davor bewahrt blieb, persönlich Rede und Antwort stehen zu müssen. Gekommen waren die beiden anderen, der Professor Leidig, der für die paar Rationalliberalen kandidiert, und der Eiscnbahnseki'etär Licbig, den die Kon- scrvativen den Wählern anbieten. Beide gaben etliches aus ihrem Programm zum besten— und beide wurden danach als ungeeignet abgelehnt. Professor Leidig empfahl sich als Mann der„mittleren Linie", gleich annehmbar für Konservative wie für Freisinnige. Ein all- gemeines gleiches Landtags Wahlrecht kann seiner Meinung nach nicht im Interesse der Beamten liegen. Das KoalitionSrccht will er ihnen geben, aber„mit gewissen Schranken". Bor Leidig sprach Herr Liebig, der durch den Titel Eisenbahn- sekrctär besonders auf die Beamten zu wirken hoffte. Er mußte sich verteidigen gegen einen scharfen Angriff, den in der Versammlung ein Führer der Bcamtenbeweguiig. der Redakteur Coboekcn, gegen ihn gerichtet hatte. Coboekcn erklärte, gerade L i e b i g scheine der«llcrnngecignctste, Beamte im Landtage zu vertreten. Dieser Herr sei einer von den Beamten, die n i ch t R ü ck g r a t g e n u g haben. Liebig sei übrigens nicht lediglich Beamter, sondern auch Hausbesitzer. Er gehöre zu den Führern eines jener Hansbcsitzervercine, von denen alles eher als eine Förderung der Interessen der Beamten zu erwarten sei. Diese Tatsache ist richtig; sie wurde schon vor zwei Jahren im„Vorwärts" festgenagelt, als bei den damaligen Stadtvcrordnctcnwahlen die Hans- agraricr Moabits ihren Liebig im 45. Wahlbezirk dritter Abteilung den kleinen Gewerbe- und Handeltreibenden, den Beamten und den Arbeitern als„geciguetsteu" Vertreter an- zubieten sich erkühnten. Mit Recht sagte Coboeken über diesen Herni Liebig, von ihm sei auch nicht zu erwarten, daß er im Landtage sich gegen jene einseitig agrarische Jntcrcssenpolitik wehren werde, die es den Beamte» geradezu »nmöglich mache, für die Konscrvatioen einzutreten. Auf diese Ausführungen, die mit Beifall aufgenommen wurden, gab Herr L i e b i g eine Antwort, die mehrfach durch ihre ungewollte Komik laute Heiterkeit weckte. Er versicherte, daß es in Berlin nicht viele Hausbesitzer geben werde, die so beliebt seien tvie er, dessen Haus sogar von Bcaniten schon sehr lange bewohnt werde. Sodann sagte er sein abgeleiertes Sprüchlein vom Mittel st andsschutz auf, er, der in seinem Hausbesitzer- verein die Pflicht hat, gegen den Mittelstand die Interessen des Hausagrariertums zu fördern und auch im Land» tage jederzeit dieser Pflicht eingedenk bleiben müßte. Für den Landtag will er h ö ch st e n S das geheime und direkte Wahlrecht geben, aber nicht das allgemeine. Es sei recht und billig, daß den stärkeren Steuerzahlern auch der größere Einfluß bleibe. Solchermaßen entwickelte Herr Liebig sein„Programm" unter dem Widerspruch der Mehrheit seiner Zuhörer. Indes, den Geschmack an einer Mischmaschkaildidatnr liesj die Versammlung sich weder durch Leidig noch durch Liebig verderben. Sie versagte beiden ihren Beifall, nahm aber eine R e s o l uti on an, die die bürgerlichen Parteien mahnt, „noch in letzter Stunde sich zu einigen", damit nicht Berlin XII wieder an die..Partei des Umsturzes" falle. Würde nun wohl der Prediger Runze. der das Vertrauen der Führer deS Berliner Freisinns genießt, als einigender Misch- maschniann willkommen sein? Die Drahtzieher haben nicht den Mut, schon jetzt eine Entscheidung zu treffen, bevor in den Urwahlen die Wahlmänncr gewählt sind. Doch nie- mand kauft gern die Katze im Sack. Da wird sich's empfehlen, doch lieber nach Möglichkeit dazu beizutragen, daß sozialdemokratische Wahlmänncr gewählt werden und Berlin Xll der Sozialdemokratie verbleibt! » Die preußische Wahlreform und der Liberalismus. Albert Traeger bricht im„Berliner Tageblatt" eine Lanze für Uebertragung des Reichstags wähl- rechts auf Preußen. Durchaus zutreffend führte er am Schlüsse seines Artikels aus: „Der Kampf für die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen gilt auch seiner Erhaltung im Reiche, wo eS von An- beginn ein Dorn in konservativen Augen geblieben, obgleich Bis- marck erklärt hatte, daß ihm kein besseres, von Mängel» freieres Wahlrecht bekannt sei wie dieses. Trotzdem wollte der Minister Pultkamer die wünschenswerte Homogenität der Wahlsysteme durch Einführung deS preußischen Wahlrechts im Reiche herstellen und verlangte 1895 Graf Mirbach im Herrenhause ungescheut nach einem Staatsstreich zur Beseitigung des ReichStagswahlrechtes. Mögen diese Kundgebungen auch weit zurückliegen, die Tendenz besteht fort und hat sich ganz neuerdings am 10. Juli d. I. in der hochbedeutsamen Rede des Hern» v. Hehdebrand unverhüllt offenbart. Danach sind die Konservativen zur Ablehnung der Erbschaftssteuer durch daS Moment maßgebend bestimmt worden, daß sie eine solche Besitzvesteuerung nicht in die Hände einer auf dem gleichen Wahlrechte beruhenden parlamentarischen Körperschaft legen wollen. ivkan sieht deutlich, wohin die Fahrt geht, und also muß die Uebertragung des ReichstagSwahlrechteS auf Preußen die Parole für die nächsten Wahlen zum Reichstage sein, die auch für Preußen ausschlaggebende Be- deutung gewinnen können. Denn bei der bekannten hastigen Eile, mit welcher in dortigen Ministerien derartige Vorlagen vorbereitet werden, läßt sich kaum annehmen, daß bis zu diesen Wahlen der gegenwärtige, vielleicht auch schon ein anderer Resiortminister über die von der letzten Thronrede angeordnete Vorlage sich schlüssig gemacht.... WerjenerParole zufolgennichtge- willt, dürfte schwerlich seinen Platz in der links- liberalen Phalanx finden. Zu den diesjährigen siei- sinnigen Wahlrechtsanträgen im Abgeordnetenhause lagen auch An- träge der dem Hauptantrage abgeneigten National- liberalen aus direkte und auf geheime Wahl vor, die mit einer Zufallsmehrheit von nur drei Stimmen abgelehnt wurden. Dar- aus ergibt sich die häufig übersehene Wichtigkeit der Einzelstimmen und für den liberalen Wähler die Pflicht, sich über die Mei- nung und Richtung deS Kandidaten auf das allergenaueste zu berge lois fern. Der L i b e- ralismus ist nicht allzu selten von selb st gewählten Gegnern überstimmt worden. Die Zahl der Feinde zu vermindern ist die einzig richtige und sichere Taktik." Das sagt der alte Traeger im selben Augenblick, da der Freisinn in Koburg wieder einem, der Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen„abgeneigten" National- liberalen zum Siege verhelfen und dadurch die Zahl der Feinde vermehren will._ Die CiberaleD für das(Prügelflift lüielczvn. Die jeder Fürsorge Hohn sprechende Methode, die Fürsorge- »öglinge in der Anstalt Mielcz'.m über sich ergehen lassen mußten, hat eine Zeitlang die Empörung selbst der sattesten Liberalen auf- gepeitscht. Die brutalen Roheiten, die Auspeitschungen und Feste- lungen der wehrlosen, der Obhut deS Berliner Magistrates anver- trauten Fürsorgezöglinge hatten ein allgemeines Echo der Ent- rüstung Ivachgerufen. Der Pastor Breithaupt muß chleunigst als Leiter der An st alt Mielczyn ent- ernt und unter Anklage gestellt werden— das war die allgemeine Ansicht aller anständigen Menschen ohne Unter. schied der politischen Richtung, als die Greuel aus der Hölle von Mielczyn bekannt wurden. Auch die Regierung und der Minister erklärten in amtlichen Schreiben, daß dieser Pastor ebenso wie der Inspektor gänzlich ungeeignete Persönlichkeiten als Erzieher oder Leiter der Anstalt sind. Pastor Breithaupt behielt dennoch die Leitung. ES hieß dann mit Bestimmtheit, der Pastor würde, wenn ihn der Staatsauwalt nicht früher holt, spätestens am 1. Oktober die Leitung niederlegen. Und dennoch schwingt heute noch der Pastor Breithaupt das Szepter als Leiter der Fürsorgeanstalt Mielczyn. Was tut's, ob Magistrat, ob Stadtverordnete, ob die Regierung, ob der Minister den Pastor Breithaupt für völlig ungeeignet halten— der Ost« markenpolitik betreibende„Evangelische Verein für Waisenpflege in der Ostmark" behält ihn im Amt. Ein Gutes ist, daß die Zahl der Zöglinge sich zusehends verringert hat. Die Zahl von 54 Zog- fingen, die die Anstalt Mielczyn noch Ende Juli auswies, ist auf 48 zusammengeschmolzen, wenn nicht zur Zeit, wo wir diese Zahlen schreiben, auch diese 13 Fersengeld gegeben und so die Möglichkeit, sie durch„Fürsorge" geistig und moralisch vollends zu ruinieren, verringert haben. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen ihre Untersuchung gegen den Pastor Breithaupt und den Inspektor Engel abgeschlossen. Sie hat, wie ein Telegramm aus Gnesen meldet, festgestellt, daß alle im„Vorwärts" zuerst erhobenen Vorwürfe gegen diese„Fürsorge- erzieher" auf Wahrheit beruhen. Es ist Anklage erhoben, nackchem erwiesen ist, daß Zöglinge an Händen und Füßen ge- fesselt im Keller eingesperrt, daß fünfzig bis hundert Peitschenhiebe wegen Entwendung einer Bolle, eines Hühnereies und dergleichen oder aus ähnlich nichtigen An- lassen vielen Zöglingen verabreicht wurden, und daß die so Gc- marterten die Schläge selbst laut zählen mußten. Ob auch der Fußbastonade, die in Mielczyn exekutiert ist, die Staatsanwaltschaft ihre Aufmerksamkeit geschenkt hat. entzieht sich unserer Kenntnis. In den nächsten Tagen wird die Strafkammer über die Erhebung der Anklage beschließen. BiS zur öffentlichen Verhandlung wird ja noch einige Zeit vergehen. Auch ohne Strafurteil ist der Pastor Breithaupt längst mora- lisch gerichtet, nicht minder das System, das in Melczyn an- gewendet ist, dessen Anwendung aber ohne die fahrlässigste Außer- achtlassung der notwendigen Aufsicht durch den„evangelischen Per- «in für Waiscnpflcge in der Ostmark" und durch die Berliner Waisendeputation unmöglich gewesen wäre. Bekanntlich haben unsere Genossen in der Stadtverordneten- Versammlung beantragt, sofort die Kinder aus der Anstalt von Mielczyn fortzunehmen. In dem Ausschuß, der zur Vorberatung dieser Angelegenheit eingesetzt wurde, klang anfangs die Empörung über die Mielczyner Greuel und die Schmach über die Mitschuld der liberalen Waisenverwaltung noch so stark durch, daß auf An- »ahme des Antrages mit großer Mehrheit zu rechnen war. In- zwischen ist die Stimmung umgeschlagen. Ter �.Evangelische Verein für Waisenpflqge in der Ostmarl" sucht alle Schuld auf den Magistrat, die Waisendeputation und die Stadt- vkrördnelen fion sich ahzuwälzelk. Cr steht augenblicklich in Ver- Handlung mit dein Magistrat und hat in der Tat den Magistrat und eine Anzahl liberaler Stadtverordneter kirre gemacht. Sie sind geneigt, den Vertrag ausdrücklich aufrecht zu erhalten, wenn„Zugeständnisse" dem Verein gemacht werden. Bei diesen .Zugeständnissen" handelt es sich um nichts weiter, als um Fest- legung einiger selbstverständlicher Verpflichtungen und um die Ab- wälzung der Verantwortlichkeit auf die Stadt. Großmütig will der Ostmarkenverein dem Berliner Magistrat das Recht einräumen, bei Anstellung der Person des Leiters von Mielczyn mitzusprechen. Noch deni bestehenden Vertrage muß ein Teil der Erzichungs- gehilfen Handwerker, ein Teil Lehrer sein, für je 19 Zöglinge ist ein Erzieher einzustellen. Wie bekannt, befindet sich unter den elf in Mielczyn angestellten sogenannten Erziehungsgehilfen nicht ein einziger pädagogisch Vorgebildeter. Statt nun schleunigst für Er- setzung der bielleicht zum Hüten, nicht aber zum Erziehen von Menschen geeigneten Erziehungsgehilfen zu sorgen, hat der„Evan- gclische Verein für Waisenpflege in der Ostmark" das„Zugestand- nis" gemacht, daß fortan ein Viertel der Erziehungsgehilfen die Qualifikation staatlich geprüfter Lehrer haben sollen. Als wei- teres„Zugeständnis" bezeichnet der Verein mit dem langen Namen die Einräumung des Rechts an die Stadt Berlin, gegen die Vor- schriften handelnde untüchtige Unterbeamte entlassen zu dürfen. Endlich soll ein Psychiater die Fürsorgezöglinge bei der Aufnahme untersuchen und die Untersuchung mindestens einmal vierteljähr- lich wiederholen. Hingegen soll Berlin nach wie vor verpflichtet sein, pro Kopf des Zöglings 590 M. zum mindesten aber 4 5999 M. jährlich, an den Verein zu zahlen. Ein ausdrück- liches Recht der Stadt Berlin, aus erziehlichen Gründen den Leiter zu entsetzen, einen anderen einzustellen, anzuordnen, daß endlich Einrichtungen geschaffen werden, die Mielczyn aus einer Verwahrungsanstalt in eine Fürsorgeanstalt ver- wandeln, soll der Stadt Berlin nicht eingeräumt werden. Der„Evangelische Verein für Waisenpflege in d e r O st m a r k", dessen totale Unfähigkeit zum Erziehen von Für- sorgezöglingen durch das Dulden der rohen Breithauptmethode, durch die Unterlassung jedweder ausreichenden Aufsicht, durch die Beibehaltung des Pastors Breithaupt und das fortdauernde Ent- weichenlassen von Dutzenden von Fürsorgezöglingen klar erwiesen ist, soll nach wie vor unumschränkter Herr der An« st alt Mielczyn sein. Einen schärferen Hohn gegenüber dem Verlangen, menschenwürdige Zustände in Mielczyn zu schaffen, konnte der Verein in der Tat nicht aussprechen und dennoch ist der liberale Magistrat und, wie es scheint, auch die Mehrheit des Stadtverordnetenausschusses bereit, auf solche Bedingungen ein- zugehen. Geschieht das, so würde die Stadt Berlin sich selbst so tief kritisieren, wie ein Dritter es nicht kann, und eine arge Ver- letzung der ihr obliegenden Erziehungspflicht und eine nimmer wieder gutzumachende Sünde gegenüber den ihrer Obhut anver- trauten Kindern begehen. Der Ausschuß, der Montag tagte, hat sich auf 14 Tage vertagt, um dem Magistrat Gelegenheit zu geben, ein vorläufiges Abkommen mit dem Verein zu treffen, dessen totale Unfähigkeit durch die sattsam bekannten Borgänge aller Welt be- kannt ist. Und das nennt sich liberall � Ferrer. Während alles, was freiheitlich denkt und gesittet fühlt, sich in dem Protest vereinigt gegen die spanischen Greuel, in denen die tückische Erniordung Ferrers nur ein Glied bildet, bekunden die Klerikalen der ganzen Welt ihre Solidarität mit den mörderischen Mönchen. Nur in Deutschland erleben wir noch die Schande, daß auch die Reaktionäre des anderen christlichen Bekenntnisses sich der schwarzen Internationale anschließe»! die„Deutsche TageSztg." und die„Rhein.-Wcstf. Ztg." schimpfen nicht minder auf den.Ferrer« Rummel", wie sie daS Aufbäumen der Menschlichkeit gegen die llerikale Mordtat zu nennen belieben, wie die„Germania" und die „Märk. Bolksztg.". Die klerikalen Blätter verfolgen dabei die alte sattsam bekannte Jesuitentaktik. In Spanien haben ihre Genossen der Welt ein Schau- spiel der Grausamkeit und Verfolgungssucht gegeben, daS selbst von den Schergen des Zaren nur erreicht und nicht überboten werden konnte. Die frommen Generale des allerchristlichsten Königs haben in dem Lande, das vom Vatikan durch den Ge- sandten des P a p st e S regiert wird, in der fürchterlichsten Weise gehaust. Die schon besiegten, ihrer spärlichen Waffen beraubten Revolutionäre Barcelonas wurden von Kavallerie in Scharen zusammengetrieben und die Wehrlosen von Artillerie beschoffen. Seit der Niederlage dsr gerechtesten und gerechtfertigsten aller Revo- lution wütet der weiße Schrecken. Sechstausend Menschen schmachten in den Gefängniffen, zwölshundert KriegSgerichtsurtcile stehen noch aus, und unbekannt ist die Zahl der Opfer, die in den Festungsgräben MontjuichS füsiliert wurden. Noch nie hat der Blutdurst entmenschter Sieger einen gräßlicheren Triumph über besiegte Mitbürger gefeiert. Was tun die Klerikalen? Sie zetern über Verfolgung; die Verfolgten aber sind natürlich die— Klerikalen. Daß man die spanischen Verbrecher ihre Verbrechen nicht ohne Protest zu Ende führen läßt, daß man die Verantwortlichkeit der Mönche, des aller« christlichen Königs und ihres Gebieters, des Papstes, feststellt, das erscheint den klerilalen Blättern als schrecklicher Frevel. Den Protest gegen die Mordpolilik ihrer spanischen Kollegen lügen die Klerikalen der ganzen Welt wie auf ein gemeinsames Losungswort um in einen Angriff auf die Religion und die katholische Kirche. Die„Germania" und ihre Geschwister lügen unisono von einem neuen„Kulturkampf" gegen den Katholizismus, als ob der Katholizismus und die spanische Mordjustiz dasselbe wären. Aber die Zeiten ändern sich, und heute, wo das Zentrum die herrschende Partei in Preußen und im Reiche ist. ivird diese elende Demagogie erkannt werden als das, was sie ist, als e l e n d e Heuchelei. Denn den Kampf gegen Justizmord und politische Barbarei als Kampf gegen das Christen- tum hinzustellen, ist in Wahrheit eine Blasphemie, um so unerhörter, als ja das Christentum auf einen Stifter zurückgeht, der selbst das Opfer eine? Justizmordes gewesen ist. Die Solidarität der Klerikalen mit den spanischen Mördern hat auch in Wirllichleit nicht das Geringste mit Christentum, wohl aber alle» mit dem realtionären Charakter des Zentrums zu tun. Es ist die Angst vor dem wachsenden Freiheitsdrang der Völler, die in dem Wehklagen der Reaktionäre aller Bckeiiiitmsie über den„Ferrer-Rummel" zuin Ausdruck kommt. Die Kundgebungen für Fcrrer nehmen ihren Fortgang und werden sicher auch auf S p a n i e n ihre Rückwirkung äußern. Die Lage des Kabinetts M a u r a bleibt trotz aller großen Worte der Minister kritisch und eS ist nicht wahrscheinlich, daß diese Verbrecher- gesellschaft noch allzu lange das Heft in Händen behalten wird. Kundgebungen in de» Parlamenten. London, 19. Oktober. NnterhanS. H e n d e r f o n(Arbeiter« parte!) fragte den Staatssekretär de« Auswärtigen Grey, was seitens der britischen Regierung geschehen sei— falls überhaupt etwas unternommeu wurde—. um die Erschießung FerrerL zu verhüten, der. ohne von einem bürgerlichen Ge- richtShof vernommen worden zu sein, von der spanischen Regierung hingerichtet wurde. Weiter richtet der irische Nationalist Keating an Grey die Anfrage, ob er Grund habe, der Angabe, dce katholischen Machthaber Spaniens hätten daS Kriegsgericht zur Ermordung Ferrcrs veranlaßt, weil dsxser ein Freidenker gewesen sei. Glauben bei- zumessen. PatrickO'Brien(Nationalist) fragte sodann die Ne- gieruug, ob eS llug sei oder zu irgend etwa» Gutem führen könne, wenn sich die britliche Regierung m die inneren Angelegenheiten Spaniens einmische.(Beifall bei den Ministeriellen und der Opposition.) Staatssekretär Grey erwiderte: Die Antwort, die ich zu erteilen habe, erledigt alle drei Aufragen. Die britische Negierung kann nicht von der Regel abweichen, sich in die inncreii Angelegenheiten eines anderen enropäischen Staates � weder einzumischen, noch ihrer Meinung über diese Angelegenheiten irgend- welchen Ausdruck zu geben, es sei denn, britische Untertanen oder britische Vertragsrechte wären dabei gefährdet, diese Regel wird, so- weit ich unterrichtet bin, von allen europäischen Regierungen be- obachtet, und cS wäre unzweckmäßig, von ihr abzuweichen.(Lauter Beifall bei den Ministeriellen und der Opposition.)_ C u r r a n(Arbeiterpartei) fragte, ob das Auswärtige Amt früher nicht seinen Einfluß geltend gemacht habe, um G r a u i a m k e i t e u, die von anderen Mächte» begangen wurden, zu verhüten, und wenn dem so gewesen sei, warum der Staatssekretär des Ans» wältigen innerhalb seiner Befugnisse nichts getan habe, um den Justizmord an einem der angesehensten Bürger Spaniens zu verhindern.(Beifall bei der Arbeiterpartei.) Die Frage blieb unbeantwortet. Hierauf beantragte Grayson(Soz.) Ver- tagung des Hauses wegen der unbefriedigenden Antwort Sir Edward GrcyS und als Protest dagegen, daß der Staatssekretär nichts getan habe, um den jetzt in den Kerkern Spaniens befindlichen Gefangenen ein ordentliches Gerichtsverfahren vor dem Zivilgericht zn sichern. Für den Antrag wurden achtzehn Stimmen abgegeben: da aber für einen Vertagungsantrag vierzig Stimmen erforderlich sind, fiel der Antrag.(Zurufe Graysons: Pfui. Feiglinge!) Paris, 19. Oktober. Die Deputiertenkammer beschloß am Freitag Interpellationen der Sozialisten R o u o n e t über Ilm- triebe der fpanischen Polizei in den Ostpyrenäen und M e r l e über die Interventionen Spaniens in Marokko zu beraten. Im Senate beantragte der Sozialist FlahssiöreS, die Regierung darüber zu interpellieren, welche Haltung sie nach der Hinrichtung FerrerS Spanien gegenüber einzunehmen be- absichtige. Der Minister deS Aeugern P i ch o n erwiderte darauf, eS bestehe keinerlei Beziehmig zwischen den Ereignissen in Spanien und der Politik Frankreichs Spanien gegenüber. Die Regierung habe die unveränderliche Richtschnur, niemals in die innere Politik fremder Regierungen einzugreifen. Franlreich sei mit Spanien durch herzliche Freundschaft sowie durch Ucberein- kommen und Verträge verbunden und werde fortfahren, diese Ver- träge und diese Freundschaft zu betätigen. Es sei nicht Sache einer französischen Versammlung, sich über Ereignisse anSjUt- sprechen, deren Behandlung einen Rückschlag auf die französische Diplomatie nach sich ziehen könne, und deren Beurteilung vom parlamentarischen Gesichtspunkte aus ausschließlich den Vertretern Spaniens zukomme. Pichon schloß mit der Aufforderung, die Jnter- pellation auf unbestimmte Zeit zu vertagen.(Beifall.) Der Antragsteller ersuchte darauf die Versamnilung, die Beratung der Interpellation auf die nächste Sitzung festzusetzen; denn das Land verlange, daß seine Stimme gehört werde. Der Senat beschloß mit allen gegen drei Stimmen, die Jnter- pellation ans unbestimmte Zeit zu vertagen. Budapest, 19. Oktober. Abgeordnetenhaus. Zu Beginn der Sitzimg teilte der Präsident mit, der Abgeordnete Georg Nagy (Oppositionell) wolle vor Eintritt in die Tagesordnung die Affäre F e r r e r besprechen. Er verweigere aber seine Zustimmung hierzu. Darauf appellierte Nagy an das Haus und bat um die Erlaubnis, die Affäre zu besprechen. DaS Haus verweigerte die Er- laubnis mit großer Majorität. Brüssel, 19. Oktober. Eine Interpellation über die Hinrichtmig Ferrers, die der Abg. Furnemont heute � an die Regierung richtete, führte zu st ic r m i s ch e n Szenen in der Kannner. Es sprachen die Sozialisten Furnemont, Desträ und Venderveldc für die Interpellation gegen Vertreter der Rechten,_ die die Beratung der Interpellation für unzulässig erklarten. Von sozialistischer Seite fallen scharfe Worte gegen Spanien. welche der Minister des Aeußern zurückweist. Furnemont verlangt die sofortige Beratung seiner Interpellation. Er kritisiert die spanischen Minister in schärfster Form und bezeichnet M a u r a als den Führer von Mördern, was großen Tumult hervorruft. Furnemont fährt fort, indem er ausführt, die Kammer würde sich zu Mitschuldigen dieses Verbrechens machen, wenn sie dem glorreichen Märtyrer des Klerikalismus nicht ihre Sympathie ausdrücken wollte.(Auf der Linken ertönen Rnfe: Hoch Ferrer!) Die Pyrenäen bildeten die� Grenze zwischen der Zivilisation und Spanien, besten König wir inS Gesicht speie». (Der Kammerpräsident erteilt dem Redner einen Ordnungsruf.) Hieraus wird der Zwischenfall für beendet erklärt und die Jnter- pellation auf später vertagt. Proteste in Spanien. Pari», 19. Oktober. Auch aus spanischen Gemeinden treffen jetzt Protestkundgebungen gegen die Hinrichtung Ferrers ein. So faßte der Gemeinderat von E i b a r, dem Sitz der be- kannten spanischen Waffenfabriken, einen solchen Protestbcschliiß. Wie der„Matin" meldet, befürchtet man in amtlichen Kreisen Barcelonas den Ausbruch drö Gcucralstrciks. Die Polizei trifft dementsprechend ihre Vorkehrungen. Der Boykott. Marseille, 19. Oktober. Die hiesigen Hafenarbeiter haben den im Einvernehmen mit dem allgemeinen Arbeirsverband gefaßten Beschluß, zum Zeichen� des Protestes gegen die Hinrichtung FerrerS spanische Schiffe zu boykottleren, gestern ausgeführt und sich g-weigert. die beiden Schlye„Catalana" und„Tiervana", die spanischen Gesellschaften gehören, zu verladen. poUtilcbc dcbcrficbt Berlin, den 19. Oktober 1909. Der Zweck deS Hansabundcs. Kürzlich trat auch in Königsberg i. Pr. der„Hansabund" in die Ocffentlichkcit. Es wurde eine große Versammlung abgehalten, in der erklärt wurde, der„Hansabund" wolle Deutschland vom aararischen Joche befreien und die Gleich- berechtigsng aller Erwerbsstände erstreben. Wie diese Be- teuerungen zu verstehen sind, zeigt die Tatsache, daß in dem- selben Augenblick, in dem man vom agrarischen Joch und von der Bekämpfung der Vorherrschaft des Agrariertums sprach, die Versammlung dafür eintrat, daß in Koburg der Kandidat der Nationalliberalen und Landbündler unterstützt werde. Doch noch deutlicher zeigt die tvahre Gesinnung der Hansabündler das nachstehende v e r t r a u l i ch e S ch r e i b e n. das der erste Direktor der Norddeutschen Kreditanstalt George Marx in Königsberg an den Vorsitzenden des„Hansabundes". Geheimrat Rießer-Berlin. gerichtet hat. Marx ist Vorstandsmitglied der Königsbcrgcr Ortsgruppe des„Hansabundcs". Er schreibt unter dem Ver« merk:«Vertraulich": „Mein verehrter Herr Eeheimratl Da tvir hier unmittelbar vor der Gründung der Ortsgruppe deS„HansabundeL" stehen, halte ich eS für nicht unangebracht, Ihnen einen Vorschlag zu machen, der ernster Erwägung wert ist. Ich bin nach reiflicher Ueberlegung zu der Ansicht gekommen, daß der„Hanfavuitd". obgleich sein Wachstum sehr erfreulich ist. doch nicht in dem Maße sich ausdehnt, um sofort dominierend wirken zu können. Für unseren größten Feind halte ich die Sozialdemolratie. WaS dieser Partei Schaden brächte, dürfte UNS naturgemäß stets von Nutzen sein. Wie wäre es nun, mein verehrter Herr Geheimrat, wenn wir den Eintritt in den„Hansabund' auch den Arbeitern öffneten. Die letztere» entrichten hohe Beiträge für ihre Partei, so daß der kleine Beitrag(l M.) selbst für diese nicht hoch wäre. Und vielleicht fände sich auch ein Weg. daß die Arbeiter nicht direkt den Beitrag In zahlen brauchten. Wir würden mit Verwirklichung dieses Vorschlages zweierlei Vorteile haben: Erstens bekämen wir viele Mitglieder auS der großen Zahl der Arbeiterpartei und vor allein hätten wir der Sozialdemokratie den Wind aus den Segeln genoinmen, da diese nicht gut einen Bund bekämpfen könnte, dem eine große Zahl Mitglieder aus ihrer eigenen Partei angehörten... Soviel aus dem Schreiben, das uns ein günstiger Wind zugeweht hat. Der Führer der Hansabündler spricht hier nur den Herzenswunsch der meisten der Bundesbrüder aus. Tie Mobilmachung der M.-Gladbacher. * Das Organ des Verbandes der katholischen Arbeiter- und Knappenvereine Westdeutschlands, die M.- Gladbacher„West- deutsche Arbeiier-Zeitung* ruft auf zun« Kampfe gegen die Sozialdemokratie, die, wie es heißt,.aus agitatorischen Gründen für gut befunden hat, gegen die Zentrumspartei einen Verleum» dungSfeldzug zu eröffnen, der seinesgleichen sucht in der Ge- schichte dieser skrupellosesten und verlogen st en aller Parteien— denn das ist in der Tat die Sozialdemokratie.' Dieser.Verleumdungsfeldzug' wird erblickt in unserem Be- streben, das Volk aufzuklären über die Lasten der Reichsfinanzreform. über die Mitschuld des Zentrums daran und die Hinterhältigkeit dieser Partei, die vor der Wahl sich hoch«md heilig gegen die weitere Vermehrung der indirekten Steuern aussprach und dann, als ihr wieder die Stellung als regierende Partei winkte, alle Versprechungen vergaß und dem arbeitenden Volke nahezu 400 Millionen Mark indirekte Steven« auflud. Um das nach- zuweisen, brauchen wir bloß die einzelnen Posten der Reichs- finanzreform und die früheren Worte und die jetzigen Taten des Zentrums reden zu lassen. Die Zahlen und die Tatsachen sprechen für sich selber— aber daS ist ja eben der Schmerz des Zentrums, das einsieht, wie leicht uns in diesem Falle die Agitation gemacht, und in seiner Not spielt eS die gekränkte Unschuld, gibt sich als das Opfer der.Verleumdung' aus und stellt sich, als ob seine Gegner schmählichen Verrat am Volke begangen, dagegen das Zentrum da? Vaterland gerettet hätte. Man höre die gekränkte Unschuld aus M.-Gladbach: .Was hat unsere Partei denn getan, was ein derart schmutziges Tun rechtfertigen konnte? Sie hat ihre Pflicht getan als natio- na l e P a r t e i I Weiter nichts! Sie hat dem Vaterlande gegeben, was sein Gedeihen gebieterisch erforderte. Sie hat mitgeholfen, dem elenden, blamablen Feilschen»«m die neuen Steuern ein Ende zu machen. Sie hat die Scham weggenommen, die auf der Stirne jedes aufrichtigen Deutschen brannte angesichts des Hohngelächters in« Ausland.... Nichtsdestoweniger: sie wird«nit Kot beworfen und wir mit ihr. Und mit welch traurigen Mitteln kämpft speziell die Sozial- demokratie gegen uns und unsere Partei. Lest ihre Presse, ihre Flugblätter und zeigt uns ein sachliches Wort! Nichts als Beschimpfungen,' Roheiten, Ungezogenheiten...' Nicht das Zentrum hat das Volk verraten, sondern die Sozialdemo- kratie betrügt die Massen, weil sie diesen nicht einredet, daß die Neichsfinanzrefonn eine Wohltat für das Volk und das Zentrum eine wahre Volkspartei sei. Diesen.Unfug' wollen die M.-Gladbacher sich nicht länger gefallen lassen; hier untätig zusehen, wäre„Verrat an uns selber, an unserer Partei und an der Wahrheit', und darum wollen sie den Kampf aufnehmen gegen die Sozialdemokratie und zwar in der Offensive: .Katholische Arbeiter I Kollegen! Geht auf der ganzen Linie zum Angriff vor l Stellt die Sozialdemokraten j Faßt den Stier bei den Hörnern. Laßt Euch nicht verblüffen I Zwingt den sozialistischen Phraseur, Rede und Antwort zu stehen und Ihr habt ihn überwundcnl Man veranstalte besondere öffentliche Versammlungen für ch r i st l i ch e Arbeiter. Für christ- liche, damit die sozialdemokratisch fanatisierte und verrohte Masse gezwungen werden kann, sich als Gäste zu betrachten. Wollen sie uns«mt Gewalt am Reden hindcri«, dann ist es immer noch Zeit, anders zu verfügen. Auf zum Kampf! Für die Wahrheit! Gegen die Lüge!' So der M.-Gladbacher KriegSruf für Rettung des Zentrums. Wir wundern uns nur über einS: wenn der sozialde»nokratische .Phraseur' dadurch.überwrmden' werden kann, daß»nan ihn zu Rede und Antwort stellt, warum haben dann die Zentrumsleute nicht schon längst von dieser Gelegenheit Gebrauch gemacht nnS zu überwinden, indem sie sich«nit uns zu freier Aussprache zusammenfanden? I»« übrigen nehmen wir den angesagten Kampf auf. Nur sollten sich die M.-Gladbacher darüber klar werden: Wenn sie unS in unseren Versammlungen zu.stellen' beabsichtigen, so mögen sie nicht glauben, daß wir unS in ihren Versammlungen als stumme„Gäste" behandeln lassen, besonders dann nicht, wenn der Ton der Zentrnmsredner in der Art der M.-Gladbacher KampfeSanfage gehalten ist.— Ein neues Zentrumsblntt. Um die mit den« Verhalten der ZentruinSfraktion bei der Durch» drückung der neuen Reichssteuern im Reichstage unzufriedenen katholischen Arbeiter bei der ZentrumSfahne zu halten und zugleich diesen Arbeitern ein etwas größeres polstisch-theoretisches Verständnis für die eigenartigen politischen Schwenkungen der Zentrums- Partei einzupauken, gibt der Verband der Windthorst- Bunde Deutschlands eine neue politische Wochenschrift heraus. DaS Zentrum' betitelt, deren Bezugspreis sich viertel- jährlich nur auf 70 Pf., also 5 Pf. für das einzelne Blatt stellt. Besonders soll, wie eS in der erschienenen ersten Nummer heißt das neue Blatt die Arbeit der Z-ntrnmSfraktionen im Reiche und in den Einzelstaaten verfolgen sowie die Grundlagen der Zentrumspolitik erörtern. Die Redaktion führt der General- sekretär Dr. Th. Scharmitzel in Köln. Die Mitarbeiter sind zum großen Teil Lehrer und Zöglinge der M.-Gladbachec Jesuitenschule. Heraus»nit Eurem Flederwisch! Die Regierung hat mit aller Schärfe die Nachricht bestritten. daß ein Beaintengesetz in Vorberatung sei. welches darauf hinaus- laufe, die Organisationen der Beamten unter die Aufsicht der Ober- behörde zu stellen, vor allen Dingen aber einUeberwachungs« recht über die Beamtenpresse zu bekommen. Die.Deutschen Nachrichten' treten diesem Dementi entgegen mit den Worten: .Will man uns absolut zwingen, den ganzen Wortlaut deS Entwurfes zu veröffentlichen? Uns kanns recht sein!' Statt solche geheimnisvolle» Flausen zu machen, sollten die .Deutschen Nachrichten', die sich ja als B e a m t e n b l a t t auf- spielen, den Text des geplanten Entwurfs, der ihnen in die Hände gerate«, zu sein scheint, veröffentlichen. Dann kann die Oeffentlich- keit, und vor allem die Beamtenschaft, ja stlber sehen, was an der Eache ist. GehaltSerhöhttNge». Frankfurt a. Main, 19. Oktober.(Privatdepefche fccS„Vorwärts".) Zur Erhöhung der Arbeiterlöhne, der Lehrer- und Be- amtengehälter für 1909 bewilligte daS Stadtverordnetenkollogium in Frankfurt a. M. in seiner heutigen Sitzung 1 509 900 M. Die Ver- besserung beträgt für die Beamten 395 759 M., für Hilfsbeamte und Diätare 58 649 M., für die Lehrer 449 195 M. und für die Arbeiter 529 000 M. Die sozialdemokratischen Redner be- tonten in der Debatte, die Arbeiter seien bei der Erhöhung am s ch l e ch t e st e n weggekommen. Sie stellten Anträge, die eine Besserstellung der Arbeiter erzielen sollten. Das Kollegium nahm aber nach fast vierstündiger Beratung die Vor- läge en bloc an. Damit sind die Abänderungsanträge gefallen. Die Erhöhungen treten am 1. April 1909 in Kraft. Der Fall Schack. Wie die.Dcutschsoz. Blätter" verraten, haben gegen den ReichStagsabgeordnetcn Schock nicht weniger als drei junge Mädchen, mit denen er ein Triolenvcrhältnis zu beginnen suchte, Strafantrag gestellt. Ilm seinem Freunde Schock die„gesundheitlich nachteiligen Gedanken an eine eigentlich zweck- lose GerichtSverhandlun-g' möglichst bald zu nehmen, hat der antisemitische Reichstagsabgeordnete Raab zwei der be- leidigten jungen Mädchen'zn bewegen gewußt, ihren Strafantrag zurückzuziehen. Die„Dcutschsoz. Blätter' berichten darüber: .Demgemäß unternahm er denn seinen Bittgang zu den drei Damen. Bei zweien war es ihm leicht, die gestellten Strafanträge zu„beseitigen"..Diese beiden Damen", so erzählen die„Deutsch- sozialen Blätter", waren zwar durch die bekannte» Beispiele peinlich genug berührt, nachdem ihnen und ihren Angehörigen jedoch die Sachlage klar geworden, zogen sie die bereits gestellten Straf- anträge zurück. Bei der dritten hatte dann Raab keinen Erfolg. Aus der Darstellung der„Deutschsoz. Bl.' geht hervor, daß Raab das Schreiben an die Staatsanwaltschaft, in dem die Zurückziehung des Strafantrages mitgeteilt wird, bereits zu Hause aufgesetzt hatte, so daß die Mädchen nur zu unterschreiben brauchten." Es ist ein sonderbares Spiel, das die Geistesverwandten Schocks treiben. Sie behaupten, die gerichtlichen Verhandlungen würden erweisen, daß Schock seine Triolen-Inserate in einem Zustand nervöser Ueberreizung aufgegeben hat. hinter den Kulissen aber suchen sie solche Verhandlungen mit allen Mitteln zu hintertreiben. 'Die bayerischen Priuz-Generale. Gegen Prinzen als Offiziere wendet sich«nit auffallender Schärfe daS in Würzburg erscheinende Organ des Bauernbündlers und bayerischen Landtagsabgeordncten Meunninger. Der offenbar aus militärischen Kreisen stammende Artikel verlangt, daß die Offiziers- gehälter der bayerischen Prinzen, soweit sie Generale sind, vom Landtage gestrichen werden sollen; bei de» letzten Manövern hätten diese prinzlichen E.uerale„das Gegenteil des Befähigungsnachweises für Heerführungen er- bracht". Lediglich das 2. bayerische Armeekorps, bei d e»n keine Prinzen als Offiziere st eben, habe sich als auf der Höhe der Schlagfcrtigkeit stehend gezeigt! Der Artikel macht begreifliches Aufsehen und dürste wahrscheinlich noch ein Nachspiel im bayerischen Landtage haben. Es ist bekannt, daß die Parteien im bayerischen Landtage nicht gerade vor Demut ersterben, wenn über Angehörige des bayerischen Herrscherhauses debattiert wird... „Was unsere Behörde entschieden nicht duldet.. Zwei interessante Dokumente zur Naturgeschichte der Krieger- vereine werden in der weifischen Presse veröffentlicht. In einer Gastwirtschaft zu Heiningen sollte eine welfische Versammlung abgehalten werden. Um das zu verhüten, faßte der dortige Kriegerverein unter Vorsitz und auf Antrag des Gemeinde- Vorstehers folgenden Beschluß, der natürlich den Wirt in sanfter Weise veranlassen sollte, den verhaßten Welsen im letzten Augenblick den Saal zu verweigern: .Die Versammlungen deS KriegervereinS sollen in Zukunft in der Schule abgehalten werden, da es mit Ehre und Ge- sinnung eines KriegcrvereinsmitglicdeS nicht vereinbar ist, in einen« Lokale noch ferner zu verkehren, in dem die W e l f e n eine öffentliche Versammlung abhalten." Der Wirt ließ sich aber nicht einschüchtern und die Versammlung fand statt. Das zweite,»och interessantere Dokument stammt aus Clausthal-Zellerseld. Ein Mitglied des KriegervereinS „K a m e r a d e n- U n t e r st ü tz u n g'(!), der zugleich Vorsitzender des welfischen Klubs„Einigkeit" war, hatte eS gewagt, nebst den anderen Mitgliedern deS letzteren Vereins an einen« Jubiläum deS Clausthalcr Bergkornistenkorpö mit hannoverschen Abzeichen, gelb und weißen Schärpen, teilzunehmen. Da nun auch der Krieger- verein„Kameraden-Unterstützung" daran teilnahm, so fühlte sich letzterer natürlich durch die offene Teilnahme der„Welsen" kompromittiert und dafür mußte eS Strafe geben. Man schickte also dem Sünder folgende Zuschrift: „Teile Ihnen mit, daß Ihre Stellimg als Vorsitzender eines „Deutsch- hannoverschen Klub' sich nicht vereinigt mit einem Mit- gliede eines Preußischen Kriegervereins, was unsere Be- Hörde entschieden nicht duldet, und Sie folgedessen als Mitglied unseres KriegervereinS mit dem heutigen Tage ge- strichen werden. Der Vorstand deS KriegervereinS Kameraden-Unterstützung, Clausthal-Zellerseld." AuS diesem Schreiben ergibt sich wieder einmal die allerdings kaum zweifelhaft gewesene Tatsache, daß die Kriegervereine ihre An- gelegenheiten nicht kraft eigenen Ermessens regeln, sondern daß sie sich»ach dem zu richten haben, was„unsere" Behörde duldet«md was sie„nicht duldet". Die Kricgervercine sind lediglich eine Schutztruppe der Regierung und haben nach deren Pfeife zu tanzen.—__ Nochmals der Fall Scheler. DaS„Berliner Tageblatt" entrüstet sich Montag abend, daß ein Sozialdemokrat es öffentlich tadle, wenn ein Mann seine Frau und sein Kind verhungern läßt und in der Welt mit einer andern Frau höchst vergnüglich herumgondelt. Nach dem„Berliner Tageblatt" ist das gutbürgerlich erlaubt. Die.Münchener Post' und wir mit ihr sind aber nicht so tolerant. Wenn das„Berl. Tagebl.' aber den Mut«md die Frechheit hat, die von der„Münch. Post" in diesem Falle Scheler behaupteten und zum Teil schon gerichtsnotorischen Tatsachen als Klatsch und Tratsch zu bezeichnen und daraufhin allerlei Geschwätz über sozialdcinokratische„Philister" losläßt, so gehört daS zu der Methode, mit der dieses anständige Organ die Sozialdemokratie bekämpft. Was den Fall Scheler selbst betrifft, so ist die„Münchencr Post", soviel wir wissen, bisher noch nicht annähernd mit ihrem ganzen Material herausgerückt. Dieser Privatdozent für Sittlichkeit hat nicht nur je nach der Fakultätsmehrheit die Konfesston gewechselt, vom gut orientalischen Juden über den christlich-germanischen Protestanten hinweg z»»n bayerisch- zentrnmlichen Katholiken,— Herr Scheler bat auch sonst allerlei gewechselt. Auch das eigene Vermögen seiner Frau, die nun sogar, wie schon gesagt, für sich und das Kind die minimalen Alimente jedesmal einklagen' und an den Kollegiengeldern pfänden lassen muß. Wojeiech Korfauty. Den« polnischen Abgeordneten Karfanty ist am Sonntag kn Panlsdorf bei Zabrze ein übler Empfang bereitet worden. Die „Schles. Ztg." teilt über den Verlauf der Versammlung mit:„Fäuste und Stöcke w«lrden gegen Korfanty erhoben, und Rufe wurden laut: „Gib unser Geld her! Fort mit Dir, Du Volksbciniger I Fort mit der Polcnfraktion!.Du D....... geh' nach Galizien, wo Du getraut wurdest, bezahle Deine Schulden. Deine Alimente I Lege Dein Mandat nieder I Wo ist das billige Fleisch, wo sind die polnischen Versprechungen?"— Als die tobende Menge sogar das Podium zn stürmen drohte, ergriff Korfanty ein zur Befestigung des Podiums dienendes Holzstück, um sich darnit zu wehren! Da an einen ruhigen Verlauf der Versammlung nicht zu denken war, so sah sich der Vorsitzende zur Auflösung der Versammlung ge- zwungen. Der polizeilichen Anordnung zum Auseinandergehen leistete die Menge ruhig Folge. Korfauttj brachte sich schleunigst in Sicherheit.—_ frankmcb. Der sozialistische Hauptmann freigesprochen. Paris, 13. Ottober.(Eig. Ver.) Ein bemerkenswertes Beispiel von Charakterfestigkeit hat der militärische UntersuchungSrat gegeben, der über den sozialistischen Hauptmann Gerard aburteilen sollte, der unter dein Namen„Oberst Rossel" in der„Hmnanitä" Artikel über die Armee und die sozialistische Demokratie veröffentlicht hat. Als Vorwand der Anklage diente ein Zusammenstoß Gerards«nit eine>n reaktionären Offizier, in Wahrheit war es ein Tendeuzprozeß, der die sozialistische Gesinnung Görards treffen sollte. Die von« General d' A r m a n d y präsidierte Verhandlung dauerte drei Tage und eine Nacht. Sie endete mit einem einstimmigen F r e i sp r uch des Offiziers, der das Recht aus seine Gesinuung rückhaltlos vor den Nichtern verteidigt hatte. Snglanä. Der sozialistische Arveiterkandidat i» Bcrmoudsey. London, 17. Okt.(Eig.Ber.) Für die Arbeiterpartei kandidiert in Bermondsey, wie bereits gemeldet, Dr. Sa lt e r. Er ist 1873 ge- boren, studierte Medizin und ließ sich in der Bermondsey Univcrsith Settleinent nieder, also in einem Institut, wo sozialpolitisch ge- richtete Gelehrte, inmitten der ärmsten Distrikte der Großstadt, sich sozialpolitischen und erzieherischen Diensten widmen. Im Jahre 1900 eröffnete er eine ärztliche Praxis im Arbeiterviertel von Bermondsey und wurde bald als der Armelcutcarzt bekannt. Ein Jahr später wurde er in den Gcmeinderat gelvählt, 1905 in den Londoner Grafschaftsrat, welchen Posten er seitdem inne hat und wo er schließlich zum Sozialisten wurde. Im Jahre 1903 organisierte er in Bermondsey einen Zwcigvercin der Unab- hängigen Arbeiterpartei Seine Frau ist Mitglied des Vorstandes der Liga für Frauengewerkschaften und sie kandidiert jetzt für den Gemeinderat von Bermondsey. Dr. Saltcrs Wahlaufruf lautet: „Ich bin mit der Arbeiterpartei in ihrer Ultterstütznng deS Etats einverstanden, da ich der Ansicht bin, daß er Steuerprinzipien enthält, die darauf gerichtet sind, der Nation einen Teil— es ist wahr, einen sehr kleinen Teil— des Grund und Bodens und des gesellschaftlich erzeugten Reichtums zurückzuerstatten. Meine Be- schwerde ist. daß der Etat nicht weit genug geht und daß einige seiner besten Punkte durch Konzessionen an die Grundherren und Finanzleute geschwächt wurden. Eine andere Regierung wird indes dem Drucke der Arbeiterpartei nachgeben und die jetzt eingeführten Stcucrprinzipien weiter entwickeln müssen. Ich bin ein Freihändler und ein energischer Gegner de? Schutzzolls. Amerika und Deutschland haben allerlei Schutzzoll- tarife ausprobiert. Und was ist das Ergebnis? Alle sozialen Uebelstände, an denen England leidet, finden sich auch in jenen Ländern. In Deutschland«st der Arbeiter ebenso arm wie der Arbeiter in Bermondsey. Er ist ein Lohnsklave und seine industrielle Disziplin ist noch schärfer als die des englischen Arbeiters. Er ist auch schwerer besteuert. Wenn es auf Uebelstände ankommt, zixhe ich die des Freihandels- shstems vor. Aber auch der Freihandel enthält keine Lösung für d i e g r o ß e Frage derArmut— eine Frage, die alle anderen an Wichtig. keit und Dringlichkeit übertrifft... Alle handelspolitischen und konstitutionellen Flickereien sind nicht imstande, die Armut zu be- scitigen. WaS ist denn die Loge des Volkes in England? Vier Fünftel der Nation sind arm, oder der Unsicherheit der schaftigung, niedrigen Löhnen, langer Arbeitszeit, der Willkür des Boden- und Industriekapitals ausgesetzt. Die Männer und die Frauen, die die Arbeit der Welt leisten, sind am schlechtesten bezahlt, am schlechtesten bekleidet, am schlechtesten behaust.... und doch ist der Reichtum groß genug, die Bedürfnisse aller zu befriedigen!.... Woran liegt es denn, daß die Massen arm sind? Weder der Liberalismus noch der Konservatismus können auf diese Frage antworten. Die einzig richtige Antwort kann nur der Sozialismus geben. Die Liberalen sowohl wie die Konservativen unterstützen das herrschende kapitalistische System. Dagegen bedeutet der Sozialismus ein neues Gesellschaftssystem, das auf Genossenschaftlichkeit in der Produktion beruhen soll— auf Produktion für den gesellschaftlichen Gebrauch und nicht für den Privatnutzen—, auf Dienste im Interesse des Gemeinwesen? und nicht im Interesse des Einzcluntcrnchiners Unsere unmittelbaren Forderungen sind: Recht auf Arbeit; Verstaatlichung des Bodens, der Minen und Verkehrsmittel; allge- meines Wahlrecht für Männer und Frauen; Homerule für Irland; Alterspensionen; Abschaffung der Halbzeitler; freie und weltliche Erziehung; Munizipalisierung des Schankgcwerbes." Norwegen. Sozialdemokratischer Wahlsieg. Kristiania, 19. Oktober. Der gestrige Haupt Wahltag für das Storthing ergibt für die überwiegende Mehrzahl der Wahlkreise Stichwahlen. Es steht aber fest, daß die Radikalen trotz ihrer Verluste als stärkste Fraktion in das Storthing kommen, jedoch für die Majoritätsbildung auf die Sozialde, nokraten an- gewiesen sind. Letztere haben einen enorme» Stimmen» zuwachs erhalten. Cilrkci. Jungtürkische Organisation. _ Die Jungtürken scheinen die Absicht zn haben, mir eine einzige ponttsche Organisation ,m Lande zn dulden. Obwohl das Bestehen der Parteien eine Voraussetzung des Parlamentarismns ist. peitschte» sie dennoch ein neues«eremsgesetz durch das Parlament, das den a>, deren National, täte.« ,.« der Türkei die Schaffung von politiscken Organisationen verbietet. � Um so allmächtiger soll die jnngtürlische Organisation sein. Sie zahlt, wie eS heißt, jetzt zirka 350 000 Mit- glieder. allen Orten bestehen die junatiirkischen Klubs, lieber wi" l l|en �ie �ezirks- und LandschastskomiteeS. Nur c /luem rorrespondieren mit dem Zentralkomitee, düS aus fünf Mitgliedern besteht, deren Namen unbekannt bleiben müssen. GewerkrcbaftUcbee» Berlin und Umgegend« Forderungen der stäbtischen Arbeiter. Vor länger als einem Jahre stellten die städtischen Arbeiter Anträge auf Verbesserung ihrer Arbeitsverhältnisse. In der Hauptsache forderten sie eine Verkürzung der Arbeitszeit: 8stündige Schichten in ununterbrochenen Betrieben, im übrigen den Neun- slundentag und für das Personal in Kranken- und Pflegcanstalten den Zwölsstundentag. Weiter wurde eine generelle Erhöhung der ''ohne gefordert, sowie Aufschläge für Ucbcrstunden- und Feier- ■gsarbeit, Einführung fester Lohnskalen, Erweiterung des Sommer- '.laubs.— Die ebenso bescheidenen wie berechtigten Forderungen r Arbeiter sind in der Stadtverordnetenversammlung von der zialdemokratischen Fraktion vertreten worden, aber die bürgerliche iehrheit der Stadtverordneten erledigte die Anträge der Arbeiter ourch Ucbergang zur Tagesordnung. Jetzt haben nun die Ver- trauensmänncr der Arbeiter ihre Forderungen vom vorigen Jahre von neuem eingereicht. Am Montag fand im Kellerschen Saale eine vom Gemeindcarbeiterverband einberufene sehr stark besuchte Versammlung der städtischen Arbeiter statt, welche zu dieser Ange- legenheit Stellung nahm. In einem wirkungsvollen Vortrage schilderte Genosse D u p o n t die allgemeine Lage und zeigte den Arbeitern, in welch hohem Maße ihnen die Lebensmittel verteuert worden sind durch die Zoll- und Steuerpolitik des Reiches, und dah sie schon deshalb einen begründeten Anspruch auf Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeits- Verhältnisse haben. Genosse W u tz k i ging als Vertreter des Gemeindearbeiter- Verbandes im besonderen auf die Verhältnisse der städtischen Ar- beiter und die gestellten Forderungen ein. Unter anderem sagte er: Nachdem im vorigen Jahre die generelle Erhöhung der Löhne abgelehnt worden war, stellte der Magistrat den einzelnen Ver- waltungen anHeim, soweit es ihnen erforderlich scheine, Lohnauf- besserungen eintreten zu lassen. Die Verwaltungen haben, wie zu erwarten war, Lohnaufbesserungen nicht für erforderlich ge- halten und es ist im allgemeinen alles beim alten geblieben. Weiter verfügte der Magistrat, dah Uebcrstunden nach Möglichkeit ver- mieden werden sollten, soweit sie aber im Dienstplan vorgesehen seien, sollten sie nicht höher bezahlt werden wie die reguläre Arbeits- zeit. Diese Verfügung hat Anlah gegeben, zu mancherlei Streit- fällen in den Betrieben, denn die Betriebsleiter bezeichneten alle Ucberstunden als in den Dienstplan fallend und verweigerten den Zuschlag. Die Lage der Arbeiter ist also nicht im geringsten ver- bessert worden.— Bei der Etatsberatung im Februar d. I. be- gründete der Kämmerer die Ablehnung der Arbeiterforderungen mit Sparsamkeitsrücksichten. Als es sich aber um die Erhöhung der Beamtengehälter handelte, da sprach der Kämmerer nicht von Sparsamkeit, obgleich hier viel höhere Summen in Frage kamen als wie bei der Lohnerhöhung der Arbeiter. Während man für die Arbeiter keinen Pfennig mehr in den Etat einsetzte, wurden die Gehälter der Beamten uni 8 tbd OOO M. erhöht. Auch der Stadtkämmerer, der gegen die Erhöhung der Arbeitcrlöhne Spar- samkeitsredcn hielt, ist bei der Gehaltserhöhung mit jährlich 2000 Mark bedacht worden.— Jetzt sehen sich die Arbeiter wieder ge- nötigt, mit Forderungen auf Verbesserung ihrer Lage an die Stadt- Verwaltung heranzutreten. Sie erwarten, daß die schweren wirt- schaftlichen Schäden, welche ihnen aus der Reichssinanzreform entstehen, durch eine angemessene Lohnerhöhung loenigstens zum Teil ausgeglichen werden. Die Hauptsache aber ist, daß die Arbeits- zeit verkürzt wird. Die Forderungen vom vorigen Jahre sind von neuem eingereicht und werden mit allem Nachdruck vertreten werden. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die versammelten Arbeiter und Angestellten der kommunalen Betriebe Berlins beschließen einstimmig: 1. In Anbetracht, daß durch die dauernd anhaltende Teuerung der Lebensmittel die wirtschaftliche Lage der Arbeiter und ihrer Familien eine unhaltbare geworden ist und an- gesichts der von den reaktionären Parteien im Reichstage neuerdings beschlossenen ungeheuren Steuerbelastung eine noch schlimmere wird; 2. unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Löhne der städtischen Arbeiter und Angestellten Berlins— von wenigen belanglosen Ausnahmen abgesehen— trotz der fortgesetzt ver- schlcchtcrten Existenzbedingungen schon seit Jahren keine Auf- besserungen erfahren haben, werden die Arbeiterausschüsse aufgefordert, mit aller Macht die bereits eingereichten Forderungen zu vertreten und deren Durch- führung energisch anzustreben. Ferner erhält die Qrtsverwaltung des Verbandes der Ge- meinde- und Staatsarbeiter den Auftrag, dem Magistrat und der Stadwerordnetenversammlung unverzüglich eine mit Be- gründung versehene Zusammenstellung der sämtlichen Arbeiter- ausschuß-Anträge zu übermitteln und alle Maßnahmen zu er- greifen, um die berechtigten Arbeiterforderungen durchzusetzen. An die gesamte Kollegenschaft aber wird der Appell gerichtet, Solidarität zu üben und Mann für Mann dem Verbände der Gemeinde- und Staatsarbeiter beizutreten, um so geschlossen Schulter an Schulter eine Lebenshaltung zu erkämpfen, wie sie im Interesse des Einzelnen wie auch der Gesamtheit notwendig ist. Deutlcbes Reich. Lohnbewegung der Binnenschiffer auf der Elbe, Havel und Saale. Nach Ablauf der Kündigung haben es nun doch die meisten Firmen vorgezogen, die am 28. August zwischen dem Arbeitgeber« verband für Binnenschiffer und dem Verband der Hafenarbeiter, Sektion Binnenschiffer aus der Elbe, gefaßten Beschlüsse anzuerkennen. ES sind das die Firmen: D ü m l i n g- Schönebeck, P. F e r m u m- Spandau, I. Köhler- Spandau und G. Büchlein- Walwitz- Hafen. Erstcre drei sind dem Arbeitgeberverbande beigetreten. Die von der Bewegung betroffenen zivölf Firmen haben somit bis auf N e u b e r t- Nienburg a. Saale bewilligt. Allem Anschein nach steht diese Firma immer noch auf chrem Herrenstandpunkt, den sie bereits schon vor Wochen vertrat. Doch die guten Organisationsverhältnisse und die Eimnütigkeit der Binnenschiffer an der Saale werden dazu beitragen, daß auch hier die bereits bei anderen Firmen geregelten Lohnverhältnisse Platz greifen. Ein Teil der kleinen Schiffseigner an der Saale hat ebenfalls den Vertrag unterschrieben. Ter Bcrgarbeiterstreik in Mansfeld. DaS„sichere und feste Bollwerk" Mansfelder Knappentreue liegt nun vollständig in Trümmern und der r e i ch s- treue Nebel, der so lange und so dicht über dieser Landschaft pelagcrt hat, ist gänzlich verflogen und Mansfeld liegt jetzt hell und klar vor uns im Lichte der Wahrheit, je- doch ein unbegreifliches Land, ein Rätsel, sowohl für uns als auch für die Vogelfänger. Als beim Ausbruch der Diffe- rcnzcn der Direktion gesagt wurde, daß, falls sie auf ihrem un- versöhnlichen Standpunkte verharren würde, es zum Streik komme, , lachten die Herren Direktoren höhnisch und taten diese Bemerkung mit einer verächtlichen Handbewegung ab:„Ein Streik in Mins- feld? Nicht denkbar! Dafür schützen uns unsere 12 000 reichs- treuen Verbandsmitglieder." Von den 21 000 Knappen gehörten nach Mitteilung der Werkleitung und der reichstreucn Vorstände 12 000 dem reichstreuen Verbände an, �ine Zahl, wenn sie wirklich vorhanden war und die Mitglieder aus eigener Ueberzeugung zur reichstreucn Fahne standen, nicht nur ernstlich mit gerechnet werden mutzte, sondern die von vornherein jede Aussicht auf einen halb- wcgS ausgedehnten und erfolgreichen Streik unmöglich machte. Denn beruhte die Mitgliedschaft zu den reichstreucn Verbänden auf der freiwilligen Entschließung der einzelnen Mit- glieder, dann waren die Mansfelder Bergleute in ihrer großen Mehrzahl überzeugte Reichstreue, Chauvinisten, und da nach 83 u ck.l e der Chauvinismus das Korelat des Religionswahnes ist, Verantw. Redakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.: mußte diese Bewegung wenigstens einige Fanatiker erzeugk haben. Nichts von alledem. Man läuft heute vergebens in dem ganzen Revier herum, um ein e i n z i g es reichStreues Exemplar zu finden! Ihren Hauptsitz hatten sie bisher in den Ortschaften Heldra, Alsdorf, Wolferode und Eisleben, und als in Heldra, dem Wohnort des ersten Vorsitzenden, Herrn Jacobs, die erste Bergarbeiterversammlung stattfand, rieten die dortigen Bergleute noch, die Reichstrcuen nicht zu provozieren, weil es sonst zu Unruhen und zur Auflösung der Versammlung kom- mcn könnte, und selbst die Streikleitung rechnete noch mit der Möglichkeit, daß unter Führung der Beamten eine reichstreue Sprcngkolonne organisiert und in die Versammlungen geschickt werden könnte. Doch schon in Heldra zeigte es sich, tzaß die Be- amten die Hoffnung, mit diesem„altbewährten" Mittel ihren Zweck zu erreichen, aufgegeben haben, aber noch mehr, daß die Hiebe auf die Rcichstreuen mit stürmischem Beifall applau- die rt wurden! In Alsdorf, wo am 16., und in Wolferode, wo am 17. je eine Versammlung von 12- bis IS 000 Mann statt- fanden, gingen die Verbandsredner, Genossen Leimpeters und Graf, erbarmungslos mit den Rcichstreuen ins Gericht. Aber je schärfer die Ausdrücke, um so dröhnender der Beifall! Steckte auch nur ein Funken von Ueberzeugung in den Leuten, sie hätten unsere Redner zum Fenster hinaus- geworfen, anstatt ihnen zuzujubeln! So aber empfanden sie die Worte als aus der Seele gesprochen, als eine Befreiung aus geistiger Knechtschaft, als Erlösung aus der m e n- s ch e n ul n w ü r di g e n Gesinnungslumperei, in die man sie gezwungen hat. Und diese ekelhafte Gesinnungslumperei ist so oft von den Arendt und Konsorten der organisierten deutschen Arbeiterschaft als das Ideal deutscher Arbeitergesinnung vor- gehalten worden! In Alsdorf erteilte der Versammlungsleiter nach dem Referat des Genossen Leimpeters dem zweiten Vorsitzen- den des reichstreuen Verbandes das Wort, worauf ein tausend- stimmiges:„Heraus mit dem Lumpen!" erscholl.„Wir haben ihn satt, den reich streuen Schwindel; er steht uns bis zum Halse!" erscholl es aus dem Saal. Aber auch die Vogelfänger dürften kuriert sein von der reichstreucn „Gcsinnungstüchtigkeit" der Mansfelder Bergarbeiter. Am Sonntag fanden acht überfüllte, davon fünf Frauenber- sammlungen, im Streikgcbiet statt, in denen ausnahmslos und mit Begeisterung die Fortführung des Kampfes beschlossen wurde. Die Begeisterung ist bei Männern und Frauen gleich groß; jedoch fehlt den Mansfelder Bergleuten der titanenhafte Trotz der westfälischen Kumpels, die bei ihren Kämpfen ihre ganze Person einsetzten, während die Mansfelder immer noch eine große Zurück- Haltung beobachten. Hier tritt noch keiner auf die Bühne, um öffentlich die Bergmannsleiden zu schildern, während die„West- fälinger" schon in ihrem ersten großen Kampfe 1889 zu Dutzenden auf die Bühne kletterten, ihre Leiden schilderten und— wo einer mit der hochdeutschen Sprache nicht fertig wurde—,„kürte" er platt. Hier sind es die Frauen, die zuerst den Mut gefaßt haben, ihre Klagen in die Welt hinauszurufen, und so schilderte am Sonntag in H e t t st e d t eine arme Bergmannsfrau unter Tränen ihr Leid, schilderte, daß sie schon mehrere Jahre hindurch mehrfach in jedem Monat tagelang kein Brot gehabt, daß sie mit ihren Kindern hungern müsse, und weinend bestätigten Hunderte von Frauen die Richtigkeit dieser Angabe nl Es war ein herzergreifendes Schauspiel des Proletarierelendcsl Am Dkontag befanden sich zwischen 8000 und 9000 im Streik. Doch hat derselbe noch keineswegs den Höhepunkt erreicht, wie die Werkspresse schon frohlockend berichtet; denn nur mit Rücksicht darauf, daß am Montag, den 18 d. M.. der Aufsichtsrat eine Sitzung abhält, von der zu erwarten ist, daß dieser zur Beilegung der Diffe- renzen Schritte unternimmt, wurde den Belegschaften der Schächte um Eislcben geraten, noch so lange in Arbeit zu bleiben, bis das Ergebnis dieser Sitzung bekannt ist. Wird der Aefsichtsrat auf seinem Standpunkt verharren, dann werden am Mitkwoch auch die Schächte um Eiöleben dem Streik beitreten, die schon mehrere Tage darauf warten, sich dem Streik anschließen zu dürfen. Damit würde der Streik dann das ganze Revier erfaßt haben und der Mansfelder Bergbau stillgelegt seinl Nur um der Herrschergelüste eines Generaldirektors Halberl_ Der Schneiberstreik in Erfurt ist beigelegt. Bei der Firma Patek u. Müller, Erfurt, sind die Differenzen nach zwei- tägigen Verhandlungen beigelegt. Die Wünsche der Arbeiter und Arbeiterinnen wurden nach Lage der Verhältnisse in zufrieden- stellender Weise berücksichtigt und die entsprechenden Garantien schriftlich niedergelegt und von der Firma unterzeichnet. Es han- delte sich bei diesem Streik nicht um Lohnforderungen, sondern um Abwehr schlechter Behandlung namentlich der Arbeiterinnen. Die Steinsetzer und Rammcr von Plauen i. Vogtlande haben einstimmig die Arbeitseinstellung beschlossen. Diese Ein- stimmigkeit ist deswegen besonders bemerkenswert, weil in Plauen auch eine sogenannte„gelbe" Organisation der Steinsetzer bestand. Auch die„Gelben" machen die Bewegung einhellig mit. Man sieht, daß sich die gelbe Bewegung doch nur als ein recht schlechtes Boll- werk gegen die„Roten" bewährt. Eine Aussperrung großen Stils bereitet sich im Industriegebiet Offenbach und Umgebung vor. Die Arbeiter der Schuhfabrik von Herz in F r a n k f u r t a. M. smit 500 bis 600 Arbeitern) verlangten durch die Zuschneider ihrer Fabrik ihren Leistungen entsprechende Bezahlung. Als das abgelehnt wurde, ging die Firma mit Entlassungen vor. Tarauf kündigten am vergangenen Diens- tag sämtliche Zuschneider der Firma. Die Vereinigung der Schuh- und Schäftefabrikanten Frankfurts und Umgebung machte die Streitfrage zu der ihrigen und in einem Anschlag wurde sämt- lichen Arbeitern des Industriegebietes, etwa 2000, am Sonnabend mitgeteilt, daß bis 21. die Kündigung zurückgenommen werden könne. Die Aussperrung sämtlicher Betriebe könnte am 23. dieses Monats erfolgen. Der Ausstand in der Schuhfabrik Catta besteht weiter, der Zuzug von Schuharbeitern aller Branchen wird erwartet. Der Mord in Nürnberg. Die Schuld an dem tragischen Vorkommnis fällt auf die frei- sinnige Stadtverwaltung, die in dem seit nahezu 10 Wochen an- dauernden gerechten Lohnkampf der Arbeiter der Wolffschen Zelluloidwarenfabrik, wobei es sich lediglich um die Abwehr un- gerechtfertigter erheblicher Akkordreduktionen handelt, ihre Polizei- lichen Machtmittel in den Dienst der beteiligten Unternehmer ge- stellt und alles getan hat, um den Streikenden Hindernisse in den Weg zu legen, ihnen den Kampf zu erschweren. Es lag nicht der geringste Anlaß vor, in den Streik einzugreifen, da die Streikenden nicht über die gesetzlichen Schranken hinausgegangen sind. Allein auf das Verlangen der Gebrüder W o l f f, die unter allen Um- ständen verhindern wollten, daß die Streikenden mit den Arbeits- willigen in Berührung kämen und durch Ueberredung auf sie wirken könnten, und auf die bloße Behauptung hin, daß die Streikbrecher bedroht seien, entfaltete der Magistrat sofort eine große Polizeimacht, um die Arbeitswilligen zu schützen. Diese wurden von den ersten Streiktagen an bei Arbeitsschluß stets von einer Polizeikolonne empfangen, die sie in ihre Mitte nahm und zur nächsten Straßenbahnhaltestelle geleitete, wo sie in einen bereit- stehenden Sonderwagen verladen wurden. Auf diese Weise wurde den Streikenden das Streikrecht tatsächlich unmöglich gemacht; sie waren nicht imstande, mit den Streikbrechern zu reden und auf sie einzuwirken. Daß dieses Versahren große Erbitterung hervorrief, läßt sich denken. Ebenso begreiflich ist, daß diese polizeilichen Aufzüge Ansammlungen zur Folge hatten, wobei hin !!h.Gl»cke, Berlin. Druck u.VerlagiVorwärtsBuchdr.u.VerlagSanstatt" und wieder Auftritte borkamen, die den Ausständigen zur Last gelegt wurden, obwohl sie den Ansammlungen geflissentlich fern- gehalten wurden. Aufregung und Erbitterung wuchsen, als da» Polizeiaufgebot ständig vermehrt wurde und man dazu überging, einiger Streikbrecher halber das ganze Stadtviertel abzusperren. Noch aufreizender aber wirkte die tendenziöse Art der Polizei« berichterstattung über die Vorgänge an der Fabrik. Die Polizei« berichte, die daxüber erschienen und täglich erscheinen, tragen für jeden Kenner der Verhältnisse den Stempel der Unrichtigkeit. Täglich wird von Uebcrfällen, von Mißhandlungen Arbeitswilliger berichtet, die gar nicht vorgekommen und von den Streikbrechern selbst erfunden sind. Dagegen treten diese äußerst gewaltätig auf. Der„Schuh", der ihnen zuteil wird, die hohe Wertschätzung, der sie sich erfreuen, hat sie übermütig gemacht; sie fühlen sich als Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und treten ungeheuer frech und herausfordernd auf. Ueberfälle auf Streikende, Messerstechereien usw. sind schon vielfach vorgekommen. Kürzlich hat sich solch ein Held sogar erlaubt, aus der Fabrik heraus auf einen Streikposten einen Revolverschuß abzufeuern. Von solchen Dingen meldet der Polizeibericht kein Wort, und wenn er es tut, so wird ein lieber- fall Streikender auf Arbeitswillige daraus! Die bürgerliche Presse, voran die freisinnige, hilft getreulich mit, gegen die Streikenden zu hetzen. Das tut sie auch der blutigen Ausschreitung der Streikbrecher gegenüber, die am Sonnabend früh ein Opfer gefordert hat. Sie behauptet, daß Arbeitswillige von lOStreikenden überfallen worden seien; letztere hätten auf jene Revolverschüsse abgefeuert, einer der Streikbrecher sei in die Stirn geschossen worden. Der streikende Drechsler W e n d l e r habe von einem Arbeitswillgen bei der Abwehr von Angriffen einen Stich erhalten, an dem er gestorben sei. Diese Darstellung ist vollständig erlogen. Wahr ist nur, daß einige Streikende mit einem ganzen Trupp Streikbrecher eine Auseinandersetzung hatten, tvcil letztere sich auf keinerlei Unterhandlungen einließen, sondern sofort aggressiv vorgingen. Sie wissen ja, dall jede ihrer Gewalt- taten beschönigt und in eine Gewalttat der Streikenden um- gewandelt wird. Es ist eine Lüge, daß die Streikenden ge- schössen hätten. Kein einziger Schuß fiel, ein Streikbrecher wurde nur durch einen Steinwurf an der Stirne leicht verletzt. Ebenso erlogen ist es, daß der Getötete von einem in der Abwehr befind- lichen Arbeitswilligen„einen Stich" erhalten habe. Er hat nicht einen Stich erhalten, sondern ein halbes Dutzend. Einer durchschnitt die Leber, ei» anderer die Lunge, ferner hat er Stiche im Rücken, am Kopf usw. Schon daraus geht hervor, daß er von verschiedenen Streikbrechern zu gleicher Zeit und von verschiedenen Seiten mit dem Messer bearbeitet worden ist. Der Bedauernswerte, ein ruhiger, friedlicher Mann von 46 Jahren, ist von den Messerhelden allein abgefangen und nieder- gestochen worden. Als der Tat verdächtig, wurde noch am Sonnabend früh der Führer der Streikbrecher, G a ß n e r, ver- haftet._ Neue Heldentaten der Berliner Polizei. Die am gestrigen Abend in der„Neuen Philharmonie", Köpe. nickerstraße, von bürgerlichen Frauen einberufei e Versammlung hat der Berliner Polizei Veranlassung gegeben, sich mit neuem Ruhm zu bedecken. Zirka 80 bis 100 Schutzleute, darunter un. gefähr 30 Berittene, waren zum Schutze des Vaterlandes angerückt, um mit grimmen Blicken der staalserschütternden Ereignisse zu harren. Das Versammlungslokal war abgesperrt und etwa 400 bis 500 Personen hatten sich draußen angesammelt. Als die Ver. sammlung zu Ende war, entstand natürlich ein momentaner-An» drang. Grund genug für die Polizei, ihres Amtes in der sattsam bekannten Weise zu walten. Die Berittenen sprengten mit Bravour heran und die Pferde kreisten und tanzten, auch auf den Bürger- steigen, bis alles„gesäubert" war. Daß dabei mancher harmlose Passant zu Schaden kam, daß eine Dame aus der Trebbiner Straße unter die stampfenden Hufe gebettet wurde und, von hilfsbereiten Händen gerettet, anscheinend mit einem Nervcnchok davonkam, wird ja wohl dem robusten Polizcigewissen keine weiteren Beschwerden verursachen. Es waren wirklich ein paar Hochrufe auf das hin. gerichtete Opfer klerikaler Mprdbubcn laut gelvorden, und— Ruhe ist bekanntlich die erste Bürgerpflicht. Von mehreren Zeugen wird uns berichtet, daß die Menge, als sie herauskam, sich sofort verlief. Ein Teil wandte sich nach der Jnselstraße, als die Be» rittenen eine Attacke auf die Menge ritten, ohne daß auch der ge. ringste Widerstand erfolgt wäre. Zuletzt wurden die Menschen, wie bei früheren Anlässen, direkt eingekeilt, indem von vorn und hinten zu gleicher Zeit ein Polizeiangriff erfolgte. Ein Offizier soll ge. rufen haben:„Die ganze Bande zusammentreiben!" Dabei war die Schar gar nicht mehr groß, und doch griffen die Schutzleute Ivahllos zu.---„Jeder nehme ein paar!" lautete die Parole. Diese wurden nach der Wache gebracht und da soll es erstaunte Gesichter gegeben haben, was für harmlose Menschcrc man gefaßt hatte. Uebrigens wurden die Eingebrachten dort mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt und mit„Herren" angesprochen. Man hatte wohl eingesehen, daß kein Grund zu dieser Staatsaktion vorhanden war._ Letzte jVachnchten und Depelcben. Mord im„Dämmerzustände". Magdeburg, 19. Oktober.(W. T. B.) In dein heute bor dem Kriegsgerichte der 7. Division verhandelten Prozeß gegen den Einjährigen Baumgarteu vom 19. Husarenrcgiment. der in der Nacht vom 15. zum 16. Juli den Fahnen- junker v. Zeuner von demselben Regiment im Bett er- schoß, gaben die drei medizinische» Sachverständigen ihr Gutachten dahin ab, daß die Tat im Dämmerzustände geschehen sei. Der Verteidiger des Angeklagten beantragte Freisprechung, während der Vertreter der Anklage eine Zuchthausstrafe von 6 Jahren wegen Totschlags beantragte. Der Gerichtshof erkannte ans Freisprechnng, weil Baumgarten nach dem Gutachten der Sachverständigen unter Ausschluß der freien WilleuSbestimmung gehandelt habe. Die wehrhafte Kellnerin. Frankfurt a. M., 19. Oktober.(23. H.) Am 10. Oktober geriet der in der Willemerstr. 19 wohnende Gastwirt Jffland mit einer Kellnerin in Streit, die ihren Gegner mit einem Bicruntersatz und dann mit einer Weinflasche auf den Kopf schlug. Jffland ist gestern seinen Verletzungen erlegen. Die Kellnerin, deren Pcrso- nalien nicht bekannt sind, ist geflüchtet. 'ö wird nicht schlimm werden. Offenbach, 19. Oktober.(B. H.) Gegen den Vorsteher der städtischen Kanalabteilung Ingenieur Kollege wurde von der Staats- anwaltschaft das Verfahren wegen Herausforderung zum Zwei, kämpf eingeleitet._ Freiwilliger Todesstnrz einer Berlinerin. Dresden, 19. Oktober.(W. T. B.) Heute nachmittag stürzte sich vom Basteifclscn in der Sächsischen Schweiz das 29 jährige Fräulein Maria Gärtner aus Berlin ab. Sie war sofort tot. Nach einem bei ihr vorgefundenen Krankenschein sollte sie heute wegen eines Nervenleidens in eine Anstalt eingeliefert tvxrden._ Waul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Untcrhalwngsbl, Dr. 245. 26. Iahrgllvg. 1. Keiliige des Jonitts" eilisMott. Mwoch. 20.«dt-d-r 1909. Gewiüenlofes Spiel mit Kenichenleben. lieber den Ausgang der Gcrichtsverhandlung gegen Genossen Paul Müller wegen Beleidigung des Schiffskapitäns Negenstein haben wir bereits telegraphisch berichtet. Müller ist f r e i g e- s p ro ch e n worden, da ihm der Schutz des§ 193 des St. G. B. konzediert wurde. Der Staatsanwalt, ein sehr redegewandter, aber ungestümer Draufgänger, wollte dem Angeklagten zwar diesen Schutz nicht zubilligen, weil M. nicht persönliche Interessen wahrgenommen habe, aber er vermochte sich doch der Wucht der Tatsachen nicht zu entziehen. Er sagte u. a.: es sei erwiesen, daß seitens der Charterer des Dampfers „Hermine" an den Kapitän Regen st ein und den ersten Maschinisten Noack Angebote ergangen seien: sie sollten den Dampfer„wegsetzen". Sonderbar sei, daß der Kapitän das Ansinnen der Charterer nicht energischer zurückgewiesen habe; da müsse der Gedanke auftauchen: Soll da nicht etwas los sein? Der Kapitän habe in recht weitschweifiger Weise seinem ersten Offizier gegenüber das Ansinnen in Worte gekleidet, so daß— infolge der Unklarheit— dieser wohl zu der Annahme gelangt sein könne: der Kapitän wolle darauf eingehen!„Der Kapitän Regen st ein ist nicht über jeden Zweifel erhaben aus der Affäre heraus- gegangen; in dieser Beziehung bestehen in meinerBrust— das gestehe i ch z u— Z w e i f e l". sagte der Ankläger, um im selben Atemzuge„weil der Wahrheitsbeweis nicht erbracht sei", eine Geldstrafe von 300 M. zu beantragen! Der Verteidiger, Dr. Herz- Altona, rügte in scharfer Weise die verkehrte prozessuale Behandlung der Sache, durch die der Kapitän Regenstein in die günstige Position eines Zeugen gekommen sei; dem Eide des ersten Offiziers stehe nun der Eid des Kapitäns gegenüber. Weshalb sei die Polizei oder die Staatsanivaltschaft nicht gegen Regen st ein einge- schritten, als der Artikel im„Seemann" erschien? Es bestehe eben eine prinzipielle Abneigung, auf Angaben der Arbeiterpresse einzugehen. Die Staatsanwalt- schast hätte nicht so ruhig zusehen dürfen; es wäre ihre Pflicht gewesen, der Sache auf den Grund zu gehen, dann säße der Kapitän auf der Anklagebank und der erste Offizier träte als voll- wichtiger Zeuge auf. Die Freisprechung erfolgte aus§ 193 des Strafgesetzbuches. Wie schon mitgeteilt, nimmt das Gericht als erwiesen an, daß tatsächlich dem Kapitän und dem ersten Maschinisten das Ansinnen, den Dampfer„wegzusetzen", von den Charterern gemacht sei. Nicht erwiesen sei aber, daß der Kapitän dem ersten Offizier das positive Ansinnen, den Dampfer wegzusetzen, gemacht habe. Der Angeklagte handelte aber in gutem Glauben und i n Wahrnehmung berechtigter Interessen, weshalb er freigesprochen werden mutzte... Diese sensationelle Verhandlung spricht Bände. Die Gier, mühelos in den Besitz von Mammon zu gelangen, treibt Bestien in Menschengestalt dazu, Schiffssührer und-Offiziere zum„Wegsetzen" von Schissen zu bewegen. Wie viele Menschenleben mögen beim „Wegsetzen" von Seeschiffen schon zugrunde gegangen sein? IPstriotKtmiZ in Gerichtssaalbeleuchtung. Aus Wien wird uns vom 16. d. M. geschrieben: Das war wirklich ein lehrreicher Prozeß, der vier Tage lang vor einem Wiener Bezirksgericht verhandelt worden ist: er wurde nämlich den famosen Machern des berüchtigten FestzugeS ge« - macht, mit dem im Juni des vorigen JahreS das sechzigjährige Regierungsjubiläum des Kaisers gefeiert werden sollte, mit dem aber Wien ein Skandal bereitet worden ist, an dessen Stank es noch Jahre leiden wird. Man erinnert sich vielleicht auch noch im Auslände, wie es zu dem„Festzuge" kam. Wohl hatte der Kaiser in bestimmtesten Worten erklärt, er wolle seinen Gedenktag nur durch Werke der Wohltätigkeit gefeiert sehen, und er hatte insbesondere seine Zustiminung zu dem.Festzuge" bereits entschieden abgelehnt. Aber die Gesellschaft von Strebern aller Arten, die die günstige patriotische Konjunktur auszunützen gedachten, ruhten nicht, bis der Kaiser nachgegeben hatte; weder seine Berufung auf sein Alter, noch der Hinweis, um wie viel nütz- licher die Mittel verwendet werden könnten, wenn sie für wohltätige kleines feuilleton. Cesare Lombroso ist in der Nacht auf Dienstag in Turin im Alter von 73 Jahren gestorben. Sein Name ist durch einige wissen- schaftliche Theorien populär geworden, die in ihrem vollen Umfange nicht aufrecht zu erhalten sind, aber anregend, befruchtend auch durch den Widerspruch und die Notwendigkeit genauerer Untersuchungen, gewirkt haben. Lombroso hat insbesondere die Lehre vom Bor- brecher und die Zusammenhänge vom Genie und Irrsinn behandelt. Lombroso war von Haus ans Arzt und zwar Irrenarzt.(Er hat sich auch durch seine Untersuchungen über die Pellagra, eine von verdorbenem Mais herrührende und unter den unteren Klassen Italiens, die wesentlich von der Polenta, dem Maisbrei, leben, sehr verbreitete Krankheit, große volkshygienische Verdienste erworben.) Als Irrenarzt und später als Professor der gerichtlichen Medizin und Psychiatrie in Turin sah Lombroso den Verbrecher nnt neuen Augen an. Er glaubte an ihm zahlreiche körperliche Abweichungen zu entdecken und sah in ihm schließlich eine Entartungserscheinung. Das Wort vom„ g e> bvrenen Verbrecher" ist geflügelt geworden. Da Lombroso kühn und allzu konsequent war(wie die meisten Umstürzler in der Wissenschaft), übertrieb er die Tragweite seiner Beobachtungen, ge- riet er in eine Sackgasse. Aber� man soll doch nicht vergessen, daß er zugleich die Kriminologie aus eine neue Basis stellte und damit der Begründer der positivistischen Schule wurde. Hatte die Nassische Schule der Kriminologie nur das Verbrechen im Auge, so lehrten Lombroso und seine Schule, den Verbrecher, den Menschen, zum Gegenstand der Untersuchungen zu machen. Die genauere Beobachtung des Verbrechers schien nun zu beweisen, daß er in anthropologischer(körperlicher) Beziehung(besonders in Schädel- und Gehirnbildung), aber auch m Sprache, Schrift usw. vom Durchschnittsmenschen abweiche und einen besonderen Entartungstypuö darstelle. Ist aber daS�der Fall, so ist der Verbrecher nicht mit den üblichen Mitteln der überkommenen Strafen zu züchtigen, sondern als Irrer nur unschädlich zu machen. Die neue Schule, die in humanitärer Hinsicht einen wesentlichen Fortschritt bedeutete, hatte den gesellschaftlichen Ursprung des Ver- vrechenS(die Kriminalsoziologie) allzu sehr vernachlässigt. Indessen hat sie ihre Irrtümer zum Teil selber berichtigt; vor allem war eS "nser italienischer Genosse Enrico Ferri, der als Hauptvertreter der„dritten Schule" die haltbaren Ergebnisse der Kriminalantbro- pologie mit der Einsicht m die soziale Bedingtheit des Verbrechens zu vereinigen sucht.(Die deutschen Professoren schliefen inzwischen auf den alten Kollegheften weiter bis auf Liszt, der bei uns eine gelvisse Umkehr herbeiführte). Neben dem Verbrecher waren die Abweichungen des Genie? vom Normaltypus, die Prostitution usw. die Gebiete, auf denen Lombroso neue Zusammenhänge suchte. Er ist in seinem Eifer manchem Irrtum unterlegen; auch dem Spiritismus ist er Stiftungen verwendet würden, fiuchteten das geringste; der Festzug müsse, hieß eS, abgehalten werden, denn die Gewerbetreibenden brauchen Einnahmen und dann müsse der Fremdenverkehr ge- hoben werden, dagegen gelte des Kaisers Einrede gar nichts. Immer lauter erschallte der Chor: Wir müssen unseren Fest- zng haben! zu dessen Sprachrohr sich insbesondere der' neu- gebackene christlichsoziale Arbeitenminister Gest in a n n machte, und so blieb dem Kaiser schließlich nichts übrig, als den Erpressen nachzu- geben und dem Festzuge zuzustimmen. Sluch künstlerisch fiel der Festzug recht schäbig aus: Der historische Teil war öder„Gschnas" und der Aufinarsch der Nationalitäten, als welche die armen Dorf- bewohner zu fungieren hatten, die man nach Wien unter den glänzendsten Versprechungen gelockt hatte, hier aber ohne Obdach und Nahrung ließ, diese Komödie der„einträchtigen Nationen"— man weiß ja, wie es in Wahrheit darum beschassen ist— war ein- fach widerlich. Aber das künstlerische Defizit ist ganz geringfügig gegenüber dem moralischen� Dieser moralische Bankerott ist nun in der Gerichtsverhandlung geradezu bengalisch beleuchtet worden. DaS kam so. Die Gemeinde hatte zu dem Festzug sofort eine Subvention von 200 000 Kronen bewilligt, die sich das saubere Komitee erschlichen hatte, indem es die daran geknüpfte Bedingung, daß ein GaranticfondS zustande komme, nicht erfüllte. Nun mußte sie notgedrungenerweise, um dem unerhörten Skandal, wie der Beschluß besagt, eine Ende zu machen, noch weitere hunderttausend Kronen zuschießen. Dem Komitee, das sich als eine offizielle Körperschaft gerierte, waren nämlich große Kredite gewährt worden, und nun wären dieselben Gewerbe- treibenden, denen man mit dem Festzug hatte helfen wollen, um ihr Geld gekommen; um das zu verhüten, wollte die Kommune noch ein Opfer bringen. In der betreffenden Verhandlung im Gemeinde- rat übte nun unser Genosse Schuhmeier an dem FestzugSskandal die gebührende Kritik, wobei er natürlich mit scharfen Worten nicht sparte. Das Festzugskomitee leitete hierauf die strafgerichtliche Verfolgung wegen Ehrenbeleidigung ein. Auch diese Klage war ein Schwindel; daS Komitee spekulierte nämlich darauf, daß durch Schuhmeiers Immunität die Klage verjähren werde, er also seinen Mut billig bezeugt habe, der peinlichen Auseinandersetzung im Gerichtssaale aber entgehen werde. Indes wurde die Session vor- zeitig geschlossen und Schuhmeier ließ sich natürlich die ersehnte Ge- legenheit, den Schwindelpatriotismus im Gerichtssaal zu beleuchten, nicht entgehen. Im Spiegel der Gerichtsverhandlung lernte man nun den christlichsozialen Patriotismus, der dabei gewaltet und die an Betrug grenzende Geldwirtschaft dieses Komitees, ein Bild christlichsozialer Schuldenmacherei, genau kennen. DaS nette Komitee bestand aus PluSmachern und Ordensjägern; die einen strebten nach Provisionen, die anderen jagten nach„Auszeichnungen". Von einer finanziellen Vorsorge keine Spur. Eine Veranstaltung, deren Kosten nach Millionen zählen, wurde mit leeren Kassen begonnen, und die patriotischen Kridatare legten nicht einmal Bücher an. Die Gemeinde wurde mit dem Verzeichnis der Schulen einfach geprellt und die ärmsten der Gläubiger haben bis heute ihre Rechnungen nicht bezahlt erhalten. An dem Festzug sollten sich Sportsveranstaltungen schließen, für die Preise ausgeschrieben wurden, die gar nicht vor- Händen waren! Eine feine Rolle spielten auch die Kavaliere, die hohen Adeligen, die wohl im Heerbann Rudolf des Stifters mit' ritten, aber als es zum Zahlen kam, sich alle rasch davonschlichen; selbst ihre eigenen Kostüme ließen sie sich bezahlen. Im Gerichts saale erfuhr man auch, daß sich der„Chefarchitekt" Urban, der die Lieferungen vergab, von den Kostiinischneidern Provisionen bezahlen ließ und von den Zimmerern, die die Tribünen herstellten, als „Geschenk" einen Ring in dem bescheidenen Wert von 12 000 Kronen entgegennahm. Es stellte sich kurz gesagt heraus, daß die sogenannten Patrioten eine Gesellschaft von Abenteurern war, daß die glorreiche Veranstaltung an Betrug grenzte, und das Resultat der Gerichtsverhandlung war das, daß Schnhmeier wegen erbrachten Wahrheitsbeweises in allen Punkten der Anklage freigesprochen wurde. Das Urteil des Gerichts stellte fest, daß das Huldigungsfest mit einem„mißtönenden Ende" geschlossen hat und daß das Komitee für dieses Ende verant- zeitweilig zum Opfer gefallen. Aber in allem war er ein rastloser Arbeiter, der seine Wissenschaft in den Dienst humanitärer Ideen stellte, der in der Tat selbst unser barbarisches Strafrecht beeinflußte. Italien aber hat ihm, der auch politisch ein freier Mann war, vor allem mit zu danken, daß es das modernste Strafiecht der Welt hat. Er hat an der großen Aufgabe, mit der Beecaria im 18. Jahrhundert begann, rüstig weiter gearbeitet: die Barbarei der Strafe zu bekämpfen. Musik. Populäre Konzerte sind jetzt in Berlin reickilich und mit guter künstlerischer Qualität vorhanden; Woche für Woche und namentlich Sonntags kann man um ein nicht zu hohes Geld genug davon haben. Nur unsere alte Frage werden wir nicht los: Sind diese Konzerte auch wirklich auf eine Förderung des künstlerischen Ge- schmackes und Verständnisses eingerichtet? Setzen sie nicht zu viel voraus? Darüber läßt sich auf mannigfaltige Weise hinaus- kommen. Aber wenn gar kein solcher Weg eingeschlagen wird, dann darf man doch wieder mit der alten Frage kommen. Am Sonntag begannen die längst und mir Recht wnhlangesehenen SonntagmittagSkonzerte des Schillertheaters(in Charlottenburg). Sie bringen in erster Linie„Kammermusik", d. h. weltliche Tonwerke für wenige Spieler(Quartett u. dgl.); in zweiter Linie Sologesang. Wer diesmal in dem sympathischen Hörerraum des SchillerthealerS den weitberühmten Konzertsänger A. Sistermans mit seiner vollquellenden, vielleicht nur die Endsilben gar zu weich verhauchenden Barytonsttmme Lieder ernster und heiterer Art singen hörte, konnte sich über ihren Gehalt wohl klar werden. Mit Beethovens Streichtrio Op. 9 Nr. 2 hatte es der Hörer schon schwerer, aber er vermochte sich wahrscheinlich noch ein Bild von Anmut aus später Rokokozeit zu machen. Mit dem vorher« gehenden BrahmSschen Klaviertrio Op. 101 wußte aber wohl nur der etwas anzufangen, der schon musikgeschichtlich usw. bewandert war. Wer endlich die Gesamtreihe der fünf Konzerte des ersten, bis in den Dezember währenden Zyklus überschaut, wird aus dem Hin- und Herspringen deS Programms zwischen einst und heute noch weniger klug werden. Ohne einheitlichen Plan und ohne gesprochene oder gedruckte„Einführungen" scheint uns eine„Volkstümlichkeit" un- erreichbar. Professor Florian Zajic als der künstlerische Leiter des Ganzen und seine Mitwirkenden sind zwar keine Stürmer und Dränger. die für die Entwickelung der Vortragekunst von Bedeutung werden könnten. Allein sie sind so gediegene Musiker, daß man ihren Borführungen froh und sicher entgegensehen kann. ez. Humor und Satire. Die„Germania". Goit segne Spanien, da» schöne Land, das soviel Ketzer gebraten I ES hat sich endlich wieder ermannt zu gottgefälligen Taten. wortlich sei. ES erkennt an, daß bewiesen ist, die Patrioten« kundgebung sei in Wahrheit eine„betrügerische Hoch« stapelei" gewesen, ein„Skandal" und eine„Blamage" und daß jede Kritik an seinem Gebaren berechtigt war. So schaut nun der österreichische Patriotismus bei Fackel« bcleuchtuug des Gerichtssaales aus! ?ür den schwedischen Generalstreik. Bei der Berliner Gelverkfchaftskoinmission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar« beiter ein: Sparvcrcin Ehrlichkeit 6,—. Zenlralverband der Steinarbeiter, Filiale Berlin auf folgende Listen: 9003 Körner 2,7b. 9493 Krämer 3,—. 9194 Kieser 4,93. 9496 Zeidlcr 5,—. 9505 Wimmel 8,05. 9508 B. u. K. 5,—. 11817 Hnlh 17,25, 11818 Mefserfchmldt 5,—. 11822 Häger 3,60. 11823 Kiefer 10,50. 1182-4 Schilling 4,95(in Summa 70,05). 12776 Vergolder v. Kubitz u. Imberg 6,10. 7363 Sleinfctzcr Veriins 3,70. Kleinba» Siemens« Schtirfcvl 5,—. Lotterie« u. Skatklub Norden, 2. Rate 5,—. 12652 Kollegen von D. Metier, 7. Rate, 5,80. 12069 Lederarbeiter von Bünte, 4. Rate 11,40. Siemens u. Halste 7,—. 11924 bis 11927 Norddeutsche Bnch- druckerei 63,70. 12729 Klempner van Gereckc 9,65. Personal der Fcisterfchcn Duchdruckerei 5,15. 12090 Buchbinderei Anilinsabrik 5,15. Böttcher von Patzenhofer 2,—. 12171 Buchbinderei Schomburg, 8. Rate 29,15. 3513 Nachtrag 0,70. 4500 6432 Verband der Asphasteure(OrtSverwallung Berlin) 12,40. 12800 Kronleuchlcrfabr. Ealm u�Bender, 8. Rate 14,80. 12074 Prägerei Bernhardt u. Co. 3,50. Gaftwirksgehilfen bei Schmädicke 2,50. 9322, 9324 Gips- lind Zcmcnlbraiiche, Nabitzputzer und Träger der Firma H. Schulze, Vau Dernburgstratze 9,75. Verband der Bäcker und Konditoren(Mitgliedsch. Berlin) 100,—. Rauchklub Weichselduft 1 2,—. 12253 Sieckmann 8,10. Lagerperional der Konsumgenossenschaft 6,75. Glaserei v. Domscheit u. Papcsch 4.80. Pianosabr. G. Hoffinann 4,—. 11892 Buchdruckerei Schumacher, 9. Rate 27,45. 13069 Arbeiter v. Gebr. Hutz, 9. Rate 14,05. 12971 Verwaltung dcS Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgietzer, 9. Rate 10,—. 12834 Metallarbeiter von Kfonfeck, 10. Rate 17,70. 13049 Bautischlerei v. Wille u. Clausnitzer 18,50. 11833 Stockarbciter v. B. Noa, 8. Rate 28,40. 12835 Pianosabr. Linke u. Godenschweger 7,10. Graveure v. Tlcle u. Co., 5 Rate 22,—. Von de» Kubanern 3,75. 11934 Buchdr. St. Marfchner, 9. Rale 21,35. Hartmann 1,80. Wahlverein KönigS-Austerhausen 11,57. Einsetzer G. Wegener, Wilmersdorf, 5. Rate 15,—. Arbeiter v. Bnitan Viber 4,—. F. F. 1,05. 41. Kreis, Bcz. 708a 6,50. Bäcker it. Kutscher d. Konsumvereins Charlottenbiirg, 7. Rate 13,—. 12840 Tischlerei v. Dischleit, 5. Rate 8,45. Kollegen von Halbig u. Schröder 3,75. 12083 Buchbinderei Prentz 4,35. Schuhlbar. Marggras u. Tau 14.15. 13039 Melallarbcitcr v. Spengler 9,45. 11920 Buchdruckerei Anilinsabr., 8. Rate 4,—. Zilhcrklub Cdelweitz 1901 10,—. 12846 Tischlerei Olm. 8. Rate 15,—. Shmpnihie 5,—. 8584 Hilfsarbeiter Komposing Komp. 4,—. Buchdruckerei v. Harwitz Nacht. 11,—. 5464 Kollegen v. August Werkmeister 7,60 Gravieranstalt Schüller, 6. Rate 7,—. H. Wähler 1,—. 11393 Tischlerei B. Schmidt 11,—. 12845 Tischlerei Abb u. Daum, 9. Rale 19,50. 11921 Personal Buchdruckerei Günther u. Sohn 16,90. 12843 Klempner v. Zenlralmagazin, 9. Rate 25,25. 12890 Kartonsahr. Baum u. Scholz, 7. Rate 4,80. 11893 Buchdr. R. Boll, 5. Rate 26,95. 11032 Steindrucker p. Sala 11,75. 12903 Klapprolh u. Hoppe. 4. Rate 6,70. 11740 Möbelsabr. Siebert u. Aschenbach. 4. Rate 12.05. KrollS Buchdr., 8. Rate 7,60. B. S. 1,—. 1285? Buchbinderei Liebheit u. Thiesen 5,40. Buchdruckerei Staukiewlcz. 9. Rate 10,—. 12786 Tischlerei H. Thomas, 5. Rate 9.40. Tischlerei RöSlcr u. Schmidt, 8. Rnie 16,90. 12847 Buchbinderei Ullstein«. Co., 8. Rate 9,70. Buchdruckerei H. S. Hermann, 7. Rate 219,90. GlaSschleiser von Dittnieyer, S. Rate 10,05. 12301 Gürtler von P. Trettin it. Co. 10,—. Stocksabrik von Goldmann 7,65. Buch» binderet Elsner. 7. stiate 20,15. 8178 Eluisabrik C. Tinius, 4. Rate 7,35. 13046 Tischlerei Wolshardt u. Goldschmidt. 9. Rate 15,60. 7536 Tischlerei von Steinbock 7,10. 12842 Metallarbeiter R. Schulz, 9. Rate 6,25. Kron- leuchtersabrik Witte u. Pincker, 4. Rate 12,—. Äistensabrik Hinz, 8. Rate 9,—. 9294 Treppeitgeländersabrik C. Völker 14,15. 11910 Finna Gertz 13,75. 9039 Tapelcnsabrik E. Licpinattn 11,25. 12854 Metallarbeiter von Einmerich u. Schöning, Saal II 9,30. Tischlerei Wusterbarth u. Sohn, 4. Rate 9,—. 12665 Metallarbeiter von Arlt u. Fricke, 2. Rate 13,35. 12083 Tischlerei C. Schubert. 3. Rale 7,45. 1308? Deeckssler uiid Schletser von C. Müller A.-G. 13,90. Vergolder von C. Raschig 10,40. RolallonSurbetler des„Berliner Lokal-Anzeiger" Tagcsschicht, 3. Rate 12,35. Kranzüberschutz Brauerei Fricdrichshain 10,35. 13084 Tischlerei A.Zahn, 8. Rate 19,45. Buchbinderei-Abl. Siemens n. Halste, Wernerwert 10,60. Kollegen von Kurz 10,—. 12789 Kollegen der Schlotzsabrik Liudner 11,20. 11894 Druckerei G. Eichler 9,75. Zeutralverein der Bildhauer aus folgende Listen: 5317 10.25. 5369 7.—. 5369 6,20. 12242 4.50. 12243 11,20. 12247 1,75 (in Summa 40,90).— Ausstellutig moderner Kinderspielzeuge 9,—. Fliesen- leger und Hilfsarbeiter der Slelliuer Firma 29,30. Möbellransportatbeiter von Baartz u. Co. 17,50. Chairzurichtcr und Atmser von KarPluS u. Herz- berger 15,95. 12251 Metallarbeiter von Kramme 6,25. Amerikanische Auktion einer Beckwurst bei Lier 11,10. Bier Malergesellen 4,—. Handluch- sahrer von R. Bach, 7. Rate 8,—. Haiidluchlahrcr, Marienburger Slratze 6,—. 6183 4,05. Handluchjahrer von Figncs, 8. Rate 16,—. Personal der Firma Hahn, 3. Rale 5.—. 11938 Buchdruckerei Rosenthal u. Co.. 8. Rate 16,55. 9379 Tischlerei Adam 8,—. Küchenmöbelsabrtk von Sie brachen ihm endlich das Genick, ihm, der den Glanben beleidigt, sie machten die Sache mit viel Geschick, sie Häven uns gut verteidigt. Nur schade, daß man ihn piff-paff mit ein paar Kugeln erschossen l So kalt, so nüchtern I Jeder Psaff' ist ehrlich darob verdrossen I ES gibt doch Holz, Briketts, Papier der Kohlen nicht zu gedeukeu—I Und brennt's nicht gleich, so können wir es mit Petroleum tränken. Des Flammenstoßes Geleucht facht an! sang schon Emanuel Geibel. Die Ketzerbrut— Kind. Weib und Mann— fahr mit Gcbrüll zum Deibel. _ Franz. Notizen. — Eine L i l i e n c r o n- S p e n d e. Ein Aufruf, den viele sog. hervorragende Leute unterschrieben haben, darunter der abge» legte Reichskanzler, Geheinträte, Professoren, Industrielle usw. fordert zu einer Nationalspende für LiliencronS Hinter- bliebene auf. Den Geldsäcken, an die man sich wendet, wird die Sache mundgerecht gemacht durch die Versicherung,„Liliencron sei der einzige Dichter, ans dem der Geist der' BiSmarcksckien Zeitwende spreche". Ist es schon kläglich genug, daß die Bourgeoisie für ihre Dichter nichts übrig hat und nach ihrem Tode noch mit dem Klingelbeutel herumgehen muß, so ist dieser Rufruf obendrein geschmacklos. Oder ist es würdig, wenn vielfache Millionäre die Oeffentlichkeit reNamieren, um der Witwe LiliencronS„einen standesgemäßen Hanshalt" garantieren zu können? — D i e I l a. die internationale Lustschiffahrt-AuSstellung in Frankfurt a. M.. ist am Sonntag geschlossen worden. Die Idee der Ausstellung war im ganzen noch verfrüht; die Besucher, die nicht gerade Flugversuchen oder dem Eintreffen Zeppelins oder der« gleichen beiwohitten, sind nicht auf ihre Rechnung gekommen. Die deutschen Flugmaschinen haben sich in der Luft überhaupt nicht sehen lassen. Das Haupigeschäft inachten die Wirte. — Veränderungen in der Straße von Wessina. Schon gleich nach dem Erdbebenuuglück voin LS. Dezember 1903 wurden Nachrichten laut, die gewaltige Niveauänderungen am Meeresgründe meldeten, sich aber später als stark übertrieben herausstellten. Die von der italienischen Regierung angestellten Messungen haben nun ergeben, daß die See zur Flntzeit zwei Fuß über den vor» bertgeit höchsten Stand hinausgeht, und daß diese Nideauerhöhung in ständiger Zunahme begrissen ist. Die Ströinnng, die die Meer- enge durchquert und bis dahin kaum wahrnehmbar war, ist jetzt reißender cilS der Po und erreicht eine Schnelligkeit von sieben Meilen stündlich. Jnkobowltz 11,25. Kuiistschinlede don ff, P, Sträger, 4. Rate 50,—. Tischlerei Klinke, Pankow 10,—. Verband der Schneider, Schneide- rinnen und Wäschearbciter Deuischlandz. Filiale Berlin III der Wäsche- und Krawattcnbranche auf folgenden Listen: 0138 Ungenannt 6,—-. 64Ö6 von den Heimarbeitennnen d. Fr. Rosenstengel 30,—. 1211? Plältere! von Göllheim 10,85. 12118 Plällem von Grünbaum d. W. 11,70. 12119 Fabr. A. Zi. Freyer d. B. 8.05. 12120 Plällerci Fritze u. Bos; 4,30. 12121 Knopflochnäherci Cobn u. Samuel 4,50. 12122 Näherei Wolf u. Glaferseld d. L. 7,55. 12123 Wäfchejulchneider b. Wolf u. Glaserfeld 6,30. 12124 Nähereien v. Sternberg jun. 10,50. 12125 Wäscheznfchneider v. Cohn u. Samuel 5,50. 12129 Kragennäherei v. van Laakk 8,—. 12130 Oberhemden- plätterei Buchholz u. Co. 5,15. 12131 kragen- und Manichetlenplätterei o. van Laall 8,15. 12133 Näherei v. Phiiippsohii u. Zefchziner 10,15(in Summa: 135,70). 12851 Vergoldcr v. ildols Werkmeister, 6. Rate 18,80. 11937 Maschinenmeister der.Woche', 9. Rate 17.50. 3 Hausdiener von Dewitt u. Herz 1,50. 12277 Schlosserei v. E. Jakob 23,35. Personal der Stempclfabr. K. Lehne 6,—. Tischlerei Schwarz u. Fröhlich, 5. Rate 22,60. Tischlerei v. Zaftrow 0,75. 12353 Dreherei Pincus, 8. Rate 13,—. Dreherei Sandmann, 5. Rate 6,55. 11890 Buchdruckerei E. Billig Nachs., 8. Rate 30,50. 12857 Metallarbeiter von Schwark u. Co. 7,50. 12868 u. 69 Kronlerichtersab. von Gebr. Israel, 6. Rate 40,50. P. G., 2. Ziate 3,30. Kistenmacher von Eckert 4,50. Tischlerei Nickel, Kernicke u. Lehmann, 9. Rate 20,05. Bauhilfsarbeiter Zwcigverein Lübben 7,50. 9771 Bauhilssarbeitcr 2,20. 12871 Schraubensab. Gebr. Roll. 9. Rate 14,50. 13085 Tischlerei Gädlke u. Co., 3. Rat- 13,05. Tischlerei Friedrich. 5. Rate 13,—. Buchdruikerei Maurer u. Dimmick, 9. Rate 6,—. 11860 Galvanoplastik, 9, Rate 15,50. 12872 Kollegen b. Hastedt u. Robert. 5 Rate 15.-. 12302 Metallgicsjcrei Hartmann 9.10. 12260 Berliner Musikalien-Druckerei 13,10. 12870 Tischlerei Hanke u. Kacber, 8. Rate 15,45. 13030 Etuiarbeiter von A. Kahn, 9. Rate 19,—. Metallarbeiter von Prothmann u. Wobescr, 7. Rate 6,90. Möbelsab. Phönix, 9, Rate 12,85. Buchdr. Lange, 9. Rate 4,90. Kollegen von F. A. Deichen 13,25. Einsetzer d. Westens, Bez.-Sitzung 12,—. 13031 Klempner von Conrad u. Gl übber, 4. Rate 8,30. 12841 Buch- druckerei M. Keltembeit, 9. Rate 22,85. 12878 Metallarbeiter v. H. Gunde- lach, 9. Rat� 13,40. 13037 Metallacb. v. F. A. Deichen. Alcrandrinenstr. 25,05. Universttäts-Buchdruckerei, 9. Rate 7,45. 12836— 12839 Metallarbeiter von Henschke u. Buchholz, 6. Rate 36,65. 10903 Neu« Vcrgasergesellschast 14,10. 12885 Tischlerei Fürst u. Kuhnert, 9. Rate 5,25. Tischlerei Krautes u. Co. 3,50. 12963 und 64 Bautischler v. E Mittag. 6. Rate 24,—. Metallarbeiter d. Schiegnitz, 8. Rate 13,75. 12966 Metallarbeiter v. kickow 9.35. Krön- leuchiersabrik Hosmann u. Co. 12,10. 12967 Metallarbeiter 0. Bischof. Neue Königstraße, 9. Rate 17,50. 12881 Bronzewarensabrik v. Kauffmann. 6. Rate 18,65. 12913 Schulbau Wilmersdorf, Ensser Str., 8. Rate 8,15. Metallarbeiter v. Zemmlin, 7. Rate 9,80. 12906 Möbelfabr. E. Barth 15,10. 9995 1,75. 12662 Transportarbeiter v. I. Pintfch, 8. Rate 8,80. Kisten- macher v. Pflngrath 15,—. 12969 Tischlerei v. M. Schultz 10,25. 13077 Kollegen der ArgnS-Motorfabrik 25,85. 12305 d. Ahsche 14,70. 11861 Buch. druckerei Hehns Erbe» 13,50. Tischlerei Sachse u. Hesse, 5. Rate 15,10, 13035 Kronleuchtersabr. Ganfcrelt u. Co., 9. Rate 10,70. 12631 Tischlerei von Schulz u. Hinsche, 5. Rate 14,—. Lolterieklub Treffer 16,50. 12886 Tischlerei®. Kuhnert, 6. Rate 26,75. Tischlerei Hermann, Moabit 8,40. Maschinenfabrik SIcgmeher, 2. Rate 8,10. 12901 Tischlere! Jkes u. Co.. 9. Rate 14,50. 12898 Tischlerei Kaiser. 9. Rate 10,75. Tischlerei Kukulenz, 10. Rate 7,30. 12970 Metallarbeiter von Weincrt, 4. Rate 15,05. 13049 bis 13063 Arbeiter C. Bechslcin, Grünaucrstraße, und Bauhandwerker, 4. Rate 159,60. 13064 Tischler und Metallarbeiter von Stabernack u. Co. 21,90. 12910 Bau Schöneocrger Krankenhaus 7,45. 11922 Buchdruckerei Alliance, 3. Rate 20,10. Schraubendreher von Bergmann, Dronlhcimcr Straße 24.40. Verband der Sattler mid Portefeuillcr, Lrtsverw Berlin, 8. Rate 263,30. Freie Turner, Tempelhos 1,—. 6808 Holzarbeiter 51 5,—. Deutscher TranSportarbeiterverdand, Bez. Groß-Bcrlin, aus sotgende Listen: 371 17,—. 409 Speichcrarbetter. Groß-Berlin 6,20. 1906 4.—. 1942 Ge- sammelt beim Restaurateur E. Hossmann, Charlottcnburg, Röntgenstr. 6 10.80. 2543 1,10. 5197 8.25. 7827 15,90. 9646 Transportarbeiter A. E.-G., Brunnenstraße 11,—. 9652 Schultheiß Hofarbciter, 3. Rate 10,35. 9654 Brauerei Engelhardt, Fahrpersonal, 2. Rate 13 65. 3. Rate Transport- arbeitcr und Heizer der Anilinsabrik Treptow: 9660 7,65, 9661 8,30, 9662 11,55, 9663 5,60, 9671 9,—. 9673 Druckerei Vorwärts, 4. Rate voll den Mitgliedern des TranSportarbeiter-VerbandcS 12,50. 11320 Fenster- Putzer der Glaserimiung, Sitzung der Vertrauensleute 13,10. 11325 Milch- imalistalt Biktoriapark, KuIIcher 7,05. 1 1329 Bezirk AdlerShos 12,50. Teller- lammlung der Kollegen Esrem«. Bicknasc und L. Schulze, Hamburger Bahn am 3. Oktober 3,—. GeburtStagSscier der»Lustigen Dreizehn' bei Sachse 1,60. Arbeiter der Nutzholzhandlung Hossmann u. Kunze, Kolonie- straße 14 4,50. Versammlung in Köpenick am 10. Oktober 7,—. Bezirk Köpenick 4,60. Bezirk Alt-Glienicke 6,60. Tellersamnllung der MüllktUscher am 7. Oktober 11,15. Tellcrlanilnlulig der Papier- u. Papveubranche 1,65. 9653 Brauerei Schultheiß, Fahrpertonal, 2. Rate 10,95. 5261 8,70.(In Summa 240,25.)— 2291 bis 2295 Buchdr. Hempcl u. Co. 73,70. Photogr. Abteilung Anilinsabrik 10,—. Schleifer von Gebr. Krüger In Köpenick 5,—. Steglitzer Buch- und Kunstdruckcrci, 7. Rate 13,—. Kollegen der Firma Schober 6,—. R. Süßmann 3.—. Personal der Uniondruckcre! 6,25. Emil asske 3,10. Metallgießer A. Borsig, Tegel, 7. Rate 11,35. Hausdruckerei erthold, 6. Rate 2,65. 7143 S. Katzenstein 40,—. Gewerkschastskommlssion Steglitz n. Umg., 2. Rate und Steinscherges. Steglitz 31,50 zusanmieli 81,50. Metallarbeiter der Kontinentalen Bremsenges. Lankwitz, 7. Rate 15,50. HiisSarbeiter der.Deutschen Tageszeitung". Dcssaucr Str. 6 7,40. Radsahr- flnb Konkordia, Gr.-Lichterselde, Chausscestr. 55 5,—. Kollegen der Bau- tischleret Raetz, Schnlsti. 50 3,90. Klcmpncrwcrkstatt Max Schmidt, Tempel- hos 7,—. Tischler von Berhold Pohl 6,60. 3 Tövser von Kundi 12,05. Zahlstelle Köpenick 10,—. Bauttschlere! Lassen, 7. Rate 7,90. Sektion der Dachdecker-HilsZarbelter bei Lutter, Weinstraße 5,55. Branchenversammlung der Elektroniontcure 6,45. Bez. Steglitz Allgemeiner Deutscher Gärtner- band 10,—. Ucberschuß vom Sonimervergnügen der Metallarbeiter-Krmiken- lasse Fil. Steglitz 10,—. 12648 Kohlenarbeiter Potsdamer Hasen 8.80. Verb. d. Schuhmacher Zahlst. Berlin, 7. Rate 500,—. Organisierte Arb. der Großbäckerei Goldacker, 7. Rate 30,80. 12535 Konlenchtersabr. Gebr. Jonas 8,—. Freie Jugendorganisation, Abt. 16 2.20. 12864 Arbeiter von Thiele u. Co., 7. Rate 20.95. 11897 Buchdr. H. Klockow. 5. Rate 10.—. 12909 Buchdr. G. Bernstein. 9. Rate 12,30. Pas. d. Buchdr. F. Manning 6,—. 12644 Buchdr. Deuter u. Nicolas 10,60. Metallarbeiter von Pfcnntgwerth, 4. Rate 11.—. 12097. 12098 u. 12099 Buchbinderei Ashelm, 9. Rate 39,—. 11913 Druckerei H. Dohrn, 2. Rate 9,20. Nicht getrunkene Biete bei E. Gursch 20,—. Zcntralverband der Schmiede, Verwaltung Berlin, aus folgende Listen: 2712 7,35. 2713 3,10. 2759 9,50. 2766 7,85. 2767 Arbeiter der Firma Braß u. Hertsleb 29,35. 2769 7.60. 2771 8,-. 2779 4,35. Schwartz. topff. Scheringstr.: 29624 25,70. 10625 38.60. 10626 21,10. 10636 ll,56. 10637 35,75. 10638 36,70, 10641 23,70. 10629 5,50. 10631 Arbeiter der Firma Erich u. Grätz 15,70. 10634 Autoreserverad 19,—. Bez. Osten, Tellersammlung 7,—. Bezirk Südosten 4,85.(in Summa: 322,25.) 12648—12651 Arbeiter v. R. Auerbach 44,05. 11923—11933 Buchdr. Mittler u. Sohn. 8. Rate 62,90. 12873— 12876 Metallarbeiter v. Dewitt u. Herz, 9. Rate 56,80. 12724 Titchlerei F. Müller 7,50. 13082 Kollegen o. D. Meyer, 8. Rate 6,40. Lindendruckcret..Nat.-Ztg.', 9. Rate 53,70. 12965 VerbandS- nritglisder der»Deutschen Tageszeitung', 8. Rate 13,70. Arbeiter v. Seinmler u. Beyberg 14,—. Möbelpotierer v. Klug 7,60. 12623 DiltmarS Möbdsabr., 7. Rate 20,—. 12647 Metallarbeiter v. Wolf Nachs. 8.25. 13038 Metallarbeiter der»Jndustria', 3. Rate 23,65. 12900 Titchlerei Alschner 10,55. 12625 Tischleret G. Zache, 5. Rate 8,—. 11940 Buchdr. Steglitzer Werkstatt 3,—. Tischlerei Hcntsch 3,30. Möbeltischlerei O.E. A. Lucas 14,—. Tischleret Lüdtke, 8. Rate 7,30. Stuttgarter Union 10,80. Tischlerei Seelisch, Scchicrkasse 7,23. 7945 Fabrikarbciterverb. P. 1 u. II 6,25. Anilinsabr. P. III 5,75. 13065 Klaviaiuriabr. Union 7,—. Mechanische Werkstatt . Götzke, 8. Rate 6,50. 12796 Berbandskollegen v. G. Stein 12,60. 12391 au Becker, Rixd., Lichtenrader Str. 8.—. 12793 Tischlerei Blendluger, Bredow u. Co., 5. u. 6. Rate 10,65. 13048 Berliner Druckerei, 9, Rate 6.—. 11293 Druckerei Gebhardt. Jahn u. Landt, 9. Rate 18,15. 12373 Hand- wcrkcr und Malchineiipersonal Böhmisches Brauhaus 12,45. 12888 Tischleret v. Bcckent u. Co. 17,10. 8146 Buchbinder Lück u. Vetter 12,60. 11904 Druckeret W. Kocbke, 9. Rate 19,70. Möbcltabril Wehlan u. Schwab, 7. State 8,60. 13091 Korbmacher v. I. Fischer, Spandau 4,20. G. B. 5,—. Tischlerei Helm u. Gerken, 5. State 19,25. 12852 Buchdruckerei Gebr. Ernst, 9. State 11,70. 13092 Metallarb. v. Gebhardt ll.80. 12855 Gürller und Schleifer o. H. Harhnann, 6. Rate 10,70. Verband der Tapezierer, Filiale Verlin, auf folgende Listen: 2167 Kollegen der Wertstatt Radcmacher 7,75. 9980 durch Kollegen Klinke 6.10. 9987 Werkstatt Gerson 14,—. 10873 Weigt 8,—. 11763 Wollner 7,85. 11769 Redclsheimcr 14,30. 12177 durch Kollegen Hochwald 3,80. 12179 Werkst. Hohenzollern 12.65. 12181 DUtinar 18,—. 12193 Jakob U. Braimfisch 13,35. Ehrlich 3,—. Tcllersammlung vom 11. Oktober 1909,»Sophien• Säle' 45,—. 9256 durch Kollegen Gruß 17,80.(In Summa 1717,60 M.)— Schneider der Firma Kaut 3,—. 12244 Bildhauer Rosenthal u. Meder 13,50. 12266 Pimiosabrit Otto, 5. Rate 21,90. 12877 Kollegen bei Frister u. Roß- mann. Schreibmasch. 3,—. 11915 Buchdr. Bartholdy u. Klein 10,—. Graph. Anstalt Himmel 825. 12962 Kollegen bei Hauschild u. Co. 13,75. 12853 Pianosabril W. Hossmann 7,—. 10920 Kroncnsabrtl Roß. Schneider, 3. Rate 8.—. Möbclsabrik H. Lüdtie(Pankow), 5. Rate 17,45. HusSpersonal bei Sittenseld 25,75. 4692 Firma Hermann 2,20. Kollegen bei Rüster u. Ger- linger, 6. Rate 12,50. 13075 Tischlerei Fleischer, 2. Rate 10,—. Treppen- geländersabrik Hein 7,50. Summa 5608,77. Bisher sind verössentlicht 224 636.96 SU., dazu kommen 5 608,77 M. Summa 230 245,73 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 16 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau, Engelufer 16 1, Zimmer 23, vor« mittag« zwischen S— IL'/» Uhr und nachmittags zwischen 4—7'/, Uhr abzuliefern. Die Listen 3395. 8873, 3687. 9390. 3243. 1860, 2514. 1402. 7136, 7908, 926, 922. 941, 8342, 10335 1403, 8704, 4194. 7846, 6451 und 9770 sind verloren gegangen und sind beim Bor- zeigen anzuhalten. B e r ich t i g u n g. In Nr. 235 de?.Vorwärts' mich c3 heißen: 4. Rate Tischlerei Thom u. Ziep 12.10 svi., nicht 10.— M. Ter Ausschuß der Berliner GewerkschaftSkommissioo. Eue der Partei. Konferenz für den AgitationSbezir! Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 17. Oktober.(Gig. Ber.) Im Anschluß an den hessen-nassauischen Parteitag tagte heute die 7. Konferenz für den Agitationsbezirk Frankfurt a. M., der elf Reichstagswahlkreise umfaßt. Nach dem gedruckten Geschäfts- bericht, den Sekretär Rudolph erläuterte, betrug die Zahl der Organisierten am Schlüsse des Geschäftsjahres(30. Juni 1909) 16 600, darunter 1402 Genossinnen, gegen 14 536— dabei 900 Gc» nossinnen— am 30. Juni 1908. Das Verhältnis der Zahl der männlichen Mitglieder zu den bei den Reichstagswahlen im Bezirk abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen beträgt 16,3 Proz. Ge- werkschaftlich organisierte Arbeiter sind im Bezirk ungefähr 48 000, das Verhältnis der politisch Organisierten zu den gewerkschaftlich Organisierten beträgt also rund 30 P�oz. Da ist also noch ein sehr große« Agitotionsfeld vorhanden. In dem Bericht wird über eine gewisse Versammlungs- Müdigkeit, die auf den Einfluß der Wirtschaftskrisis zurück- zuführen sei, geklagt. Die M a i f e i e r Versammlungen indessen, auch die Tagesversammlungen, wiesen einen guten Besuch auf, doch war infolge der Krise die Arbeitsruhe geringer als in den Vor» jähren. Die Zahl der sozialdemokratischen Gem e i n d e v e r tr e t e r steigerte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr« auch wieder. Seit 1905 war sie folgendermaßen: 1905: 121 Gemeindevertreter: 1906: 169; 1908: 195 und 1999: 228. Also«in stetes Vordringen in den Kommunen! Für die Förderung der Jugendorganisation wurde im Berichtsjahre nicht viel getan. Nur in wenigen Orten des Bezirks sind Jugendkommissionen gebildet worden und in Tätigkeit getreten. Auch dem BildungSwesen, so wird im Geschäfts- bericht gesagt, mutz noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Nach dem Kassenbericht bilanzieren(bei einem Kassen- bestände von 986,31 M.) Einnahmen und Ausgaben mit 17 4 4 3, 3 1 M. Die Wahlkreise leisteten 5486,65 M. an Beiträgen; der Parteivorstand gab einen Zuschuß von 7536 M., als Wahlkreis- beitrüge aber hat er 7643.84 M. erhalten. Den Kreisen wurde aus der Bezirkskasse 4907 M. zugeschossen./ An die Berichte schloß sich eine sehr ausgedehnte Diskussion, in der die Delegierten auf die Verhältnisse in ihren Orten ein» gingen. Gewünscht wurde, daß für die Ausbildung der Gemeindevertreter mehr getan werde als bisher, was am besten durch Einführung von Gemeindevertreter-Lehrkursen bczw. -Konferenzen geschehe. Diese Anregung wurde zum Beschluß erhoben. Ein Antrag Wiesbaden, nach dem ein ZentralbildungS- a u s s ch u tz eingesetzt werden soll, wird dem Agitationskomitee zur Ausfiihrung überwiesen. Jus As/i tationskomsstee wurden gewählt: G vä f, Hüttmann, Rudolph, Dorschu und D i e h l. Der Bezirkstag für die Parteiorgmüsationen im Regierungsbezirk Erfurt, umfassend die Kreise Erfuri-Schleusingen-Ziegenrück, Mühl- Hansen-Langeitsalza, Nordhausen und Heiligenstadt-Wvrbis, wurde am Sonnrag in Erfurt abgehalten; er war von insgesamt 25 Delegierten, Vertretern der Redaktionen der drei im Bezirk er- scheinenden Parteiorgane(Erfurt, Nordhausen und Mühlhausen) usw. beschickt. Die vom Bezirksvorstand zu entfaltende Tätigkeit war, wie LezirkSvorsitzender Genosse Reißhaus in seinem Bericht hervorhob, eine so umfangreiche, daß sie im Ncbenamle kaum noch zu bewältigen ist und die schon auf dem vorjährigen Bezirkstag in Mühlhausen angeregte Frage der Anstellung eines Bezirkssekretärs immer dringender der Lösung bedarf. Die Einnahmen bezifferten sich auf 713,90 M,, die Ausgaben auf 487,03 M. Die Zahl der politisch organisierten Genossen im ganzen Bezirk betrug am 1. Juli 3939, darunter 673 weibliche Mitglieder, und zwar entfallen aus den Erfurter Wahlkreis 1903, auf Nord« Hause» 1429, Mühlhausen 582 und Heiligen st adt 25 Mitglieder. Die gewerlschaftliche» Organisationen zählen im Kreis Erfurt 7050, in Nordhausen 2300 und Mühlhausen 2300 Mit- glieder: im Kreise Heiligenstadt kommt die gewerkschaftliche Organi- sation kaum in Betracht— Die Zahl der sozialdemokratischen Ge- meindevertreter beträgt im ganzen Bezirk 45(Erfurt 23, Mühl- hausen 5, Nordhousen 17). An den Bericht knüpfte sich eine lebhafte und ausführliche De- batte über die Agitation im Bezirke. Es wurde u. a. beschlossen, die Herausgabe der.Landpost'(einer periodisch in Erfurt erscheinenden Flugschrift für die Agitation unter der Landbevölkerung) lowie der Kalender innerhalb des Bezirks zu zentralisieren, ferner wurde der Bezirksvorstand beaustragt, in aller Kürze mit dem Parteivorstande wegen Anstellung eines Bezirks- s e k r e t ä r S in Verbindung zu treten. Die Gründung eines Mai- feier-BezirkSfonds wurde ebenfalls beschlossen. Sodann wurde ein Antrag angenommen, der den Borstand mit der energischen Durchführung des Schnapsboykotts beauftragt Zum Bezirtsvororl wurde Erfurt wiedergewählt, zum Ort des nächstjährigen Bezirkstages Nordhausen.(Bei Eröffnung der Sitzung erhob Genosse R e i ß h a u S energischen P r o t e st gegen die Henkerarbeit der spanischen Pfaffen- regierung an Ferrer, dessen Andenken zu Ehren die An- wesenden sich von den Plätzen erhoben.) DaS AuslandSkomitee drS Allgemeinen jüdischen ArbcitcrbuudcS in Litauen, Polen und Rußland ersucht uns im Auftrage des Zentralkomitees um Aufnahme nachstehender Mitteilung: Den russischen Zeitungen wird ouS Paris gemeldet, daß Burzew unter den Mitgliedern des Zentralkomitees des Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes einen A.xsnt provocateur entdeckt habe. Diese Nachricht ist falsch. Burzew hat uns tatsächlich AuS- künfte über einen in unserer Partei tätig gewesenen Polizeiagenten zugestellt. derselbe ist aber niemals Mit- glied unseres Zentralkomitees gewesen. Er heißt Srol Michel KaplinSky(Pseudonym.Langsam'), ist Von Beruf Schlosser. Seine Tätigkeit bestand hauptsächlich in AuS- führung technischer Arbeiten im Auftrage des Zentralkomitees. Seit mehr als einem Jahre befindet er sich außerhalb der Organisation. Soziales. Berufsgenossenschaftstag und Aerzte. Der 23. ordentliche Berufsgenossenschaftstag tagte gestern in Stuttgart. Er nahm, wie uns ein Telegramm meldet. eine Resolution an, in der der Aufnahme irgend welcher, das Verhältnis der Aerzte zu den Berufsgenossenschaften regeln- der Bestimmungen in die Reichsversicherungsordnung wider- raten und insbesondere die zu s 648 von dem Aerztetag in Lübeck in Vorschlag gebrachte neue Fassung als niit den be- rufsgenossenschaftlichen Aufgaben unvereinbar mit voller Entschiedenheit abgelehnt wird. Kaution und Gummiknüppel. Auf Rückgabe seiner Kaution von 50 M. klagte gestern vor dem Gewerbec�richt der Wächter N. gegen die Preußische Wachgesellschaft. Tis Beklagte wendet durch ihren Per- treter, den Oberkontrolleur Kleindienst, ein, Kläger habe nach den Vertragsbestimmungen die Kaution verwirkt. Denn durch seine Schuld sei das Arbeitsverhältnis vorzeitig gelöst. Die Beweis- aufnahm« ergab, daß Kläger mit dem Obcrlvächter«inen Wort- streit hatte. Hier griff der Oberkontrollcur mit dem Gummi- knüppel ein, während der Kläger mit dem Säbel sich gegen ihn zur Wehr setzte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine strafrecht- liebe Verfolgung abgelehnt, weil nach ihrer Ansicht beide Teile nicht schuldfrei seien. DaS Gericht kam zur Verurteilung der Beklagten, weil sie für ihre Behauptung, Kläger habe den Vertrag vorzeitig, widerrechtlich gelöst, bewcispflichtig blieb. Zum Gesinbeuirrecht. Auf Grund des Gesetzes vom 24. April 1854, betreffend die Verletzung der Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter war ein Dienstmädchen E. vom Schöffengericht wegen widerrechtlichen VcrlassenS dcS Dienstes verurteilt. Das Mädchen, welches den Dienst verlassen hatte, war Polizei- lich aufgefordert worden, den Di'nst binnen einer bestimmten Frist wieder anzutreten. Das Mädchen kam dieser Aufforderung nicht nach, sondern erhob Beschwerde und betonte, ihr Arbeitgeber habe sie geschlagen und zu Boden geworfen. Von der Anklage wegen Mißhandlung war der Arbeitgeber freigesprochen worden, weil nicht erwiesen sei, daß er das Mädchen geschlagen und zu Boden geworfen habe; der Arbeitgeber behauptete, er habe daS Mädchen.nur geschüttelt", dabei sei es— umgefallen. Die Beschwerde des Mädchens wurde abgewiesen. Nunmehr erhob es Klage beim Obcrverwaltungsgericht. Dies erkannte indessen mit folgender Begründung auf Abweisung der Klage: eine Mißhandlung des Mädchens sei nicht erwiesen, in dem Sckiütteln könne keine Miß- Handlung erblickt werden. Nach dem Einführungsgesetz zum Bürger- lichen Gesetzbuch bleiben die landesgesetzlichen Vorschriften, die dem Gcsinderecht angehören, unberührt. Nach§ 136 ff. der alt- preußischen Gesindeordnung kann das Gesinde den Dienst ohne vor- hergehende Aufkündigung verlassen, wenn es durch Mißhandlungen von der Herrschaft in Gefahr des LcbenS oder der Gesundheit ver- setzt worden oder mit ausschweifender und ungewöhnlicher Härte behandelt wurde. Gefahr deS Lebens oder der Gesundheit oder ausschweifende ungewöhnliche Härte habe aber nicht vorgelegen. DaS Dienstmädchen wird erst„geschüttelt", so daß es zu Boden fällt und geht deshalb aus dem Dienst. Darauf wird eS erst bestraft und muß nach einem Haufen polizeilicher Androhungen in den Dienst zurückkehren, um vielleicht abermals„geschüttelt" zu werden. Und das oberste preußische Gericht erklärt die Klage gegen diese Verfügungen für unberechtigt. Alles von Rechts wegen! DaS Oberverwaltungsgericht hat geglaubt, nicht anders handeln zu können, weil nach seiner Auffassung in dem„Schütteln" des Dienstmädchens, auch wenn es dadurch zu Boden fällt, keine„aus- schweifende oder ungewöhnliche Härte" liege. Darin liegt ein die Durchschnittsbrutalität der Dienstherrschaften scharf kenn- zeichnendes oberstrichterlichcs Urteil, das freilich dem Dienstmqdchen nichts nützt. UnS dünkt, das Oberverwaltungsgericht hätte ohne den tatsächlichen Verhältnissen Ztvang anzutun, annehmen können, in dem zugestandenen Schütteln liegt«ine außergewöhnliche Härte. Indes das Oberverwaltungsgericht hat ja in einem vor 16 Jahren ergangenen Erkenntnis gar die Anwendung von Peitschenhieben gegen einen Knecht auf dem Lande gleichfalls als nichts Außer» gewöhnliches für das Land der Junker erachtet. DaS ObervcrwaltungSgericht hätte unseres Erachte nÄ aber auch aus Rechtsgründen zugunsten des Mädchens erkennen müssen. Das Gesinderccht ist freilich leider der LandeSgesctzgebung, dank auch dem Verhalten! der Freisinnigen bei Gestaltung des Bürger- lichen Gesetzbuchs vorbehalten. Aber die allgemeinen Grundsätze des Bürgerlichen Gesetzbuchs sind auch für daS altpreußische Gc- sinderecht nicht außer Kraft gesetzt. Darnach soll auch den Gesinde- vertrag„Treu und Glauben mit Rücksicht auf die VerkehrSsitte" und der Grundsatz beherrschen, daß Verträge.gegen die guten Sitten" nichtig sind. Dem modernen Rechtsempfinden und der auf der Arbeit„Freier" beruhenden Gesellschaftsordnung wider- spricht aber aufZ krasseste die Zumutung, sich Prügeln gefallen zu lassen und zum prügelnden Dienstherrn gar zurückzukehren. Ein Züchtigungsrecht steht nach dem Einführungsgesetz zum B. G. B. auch in Preußen der„Herrschaft" nicht zu. Eine Reihe Gesinde-. Ordnungen bezeichnen ausdrücklich jede Mißhandlung als Grund zum kündigungslosen Austritt aus dem Dienst. Es hätte also dem Gesetz nicht widersprochen, wenn das Oberverwaltungsgericht ein „Schütteln" als„ungewöhnliche Härte" erachtet hätte. Aber der Minister Suarcz hatte schon recht, als er bor 100 Jahren erklärte: Das orditrium juäicio(der Spruch des Richter, das richterliche Ermessen) stellt sich bei Streitigkeiten zwischen Herrschast und Ge- finde stets auf Seiten der Herrschaft. Der entschieden« Fall zeigt aufs neue die Notwendigkeit, dem Verein der Hausangestellten beizutreten, aber auch die Notwendig- kcit in Gesindedienst nur unter ausdrücklichem, schriftlichen Aus- schluß der Vorschriften der Gesindeordnung zu treten. Auch eigene Gesindevermittelungsstellen, die der Verband der Hausangestellten errichtet, würden gegen derartige Vorkommnisse und Erkenntnisse vorbeugend wirken. Eue Induftric und Kandel. * Um die Arbeiter— zufrieden zu macheu. Die Waggonfabrik Hofmann in Breslau geht, wie gemeldet wird, mit dem Gedanken um. das Aktienkapital zu erhöhen. Die Ge- sellschaft verfügt über ein Aktienkapital von 1 125 000 M. und allein über Außenstände in Höhe von l lZZ 000 M. Sie gehört zu den bostfun- diertesten der ganzen deutschenJndustrie. In der Bilanz sind die Gebäude, die Maschinen auf l M. und die Jmmobilien auf 100000 M. abgeichrieben. Für die letzten Jahre wurden 21, 22 und 35 Prozent Dividende verteilt. Wenn jetzt eine Kapitalserhöhung vorgenommen werden soll, so kann das nur zu dem Zwecke geschehen, um die prozentuelle Höhe der Dividende zu verminderu. Damit will man zweierlei er« reichen. Erstens soll der„Neid" der Arbeiter verstummen, zweitens werden die Alrien leichter umsetzbar. Die neuen Aklien werden natürlich zu einem sehr niedrigen Kurse, vielleicht sogar mit eiuer Kapitalsrückzahlung zusammen ausgegeben werden. Die Aktionäre macben ein Exlrageschäft und die Arbeiter sollen dafür zufrieden sein. Hoffentlich ist solche Spekulation falsch. Die GüterverkchrSrinnahmen der deutschen Eisenbahnen im September werden vom ReichSeisenbahnomt mit 142 303 169 M. angegeben gegen 135 324 002 M. im August d. I. Gegen den September 1908 ergibt sich eine absolute Mehreinnahme von 5 870 733 M. Die zehn größten Konsumvereine der Welt hatten am Ende des Jahres 1908 eine Gcsamtmitgliederzahl von etwas mehr als 402 000 Personen. Der bei weiten, an Mitgliederzahl stärkste Verein ist der BrcSlauer Konsumverein vom Jahre 1866, der den größten Bäckereibetrieb der Welt besitzt, mit 87 319 Mitgliedern; ihm folgt der Verein in LcedS vom Jahre 1847 mit 49 709 Mit- gliedern. Der Größe nach kommen dann der erste niederösterreichische Arbeiterkonsumverei» in Wie», die Hamburger.Produktion',' die Vereine in Leipzig-Plagwitz, Edinburgh, Bolton, Basel, Stuttgart und der DreS» dener.Vorwärt»', der mit 26 304 Mitgliedern an zehnter Stelle steht. Die bedeutend größte Anzahl von Verkaufsstellen hat der verein m Leeds, der Bereits im Jahre 1847 Begründet wurde und der älteste der Vereine ist. Während die Zahl seiner Verkaufsstellen 24S de« trägt, verfügte gegen Ende deS Jahres IMS der LreSlauer Konsumverein nur über 75 Verkaufsstellen. Analog der Zahl der Verkaufs- stellen ist der Warenumsatz des Vereins in Leeds der weitaus größte und repräsentierte einen Wert von rund 37,62 Millionen Mark. Wie überhaupt bei fast allen ausländischen Konsumgenossenschaften die Zahl der Verkaufs- stellen größer als in Deutschland und Oesterreich ist, so ist es auch der Wert der umgesetzten Ware. To wurden in Edinburgh 2g, 7 und in Bolton bei einer von Mrtgliederzahl 34 138 Personen 18,2 Millionen Mark an Waren umgesetzt, während in Breslau an die 87 31g Mit- glieder nur für 13,8 Millionen Mark Waren verkauft wurden. Den geringsten Umsatz der zehn Vereine hatte der Verein in Stuttgart mit 7,77 Millionen Mark aufzuweisen. Der Umsatz auf den Kopf der Mitglieder Ivar in Edinburgh mit 853 M. am größten; eS folgten Leeds mit 753. Bolton mit 532, Basel mit 505. Leipzig- Plaglvitz mit 416, Dresden mit 331, Wien mit 244, Breslau mit 215, Stuttgart mit 213 und Hamburg mit 204 M. Umsatz für de» Kopf der Mitgliederzahl. Naturgemäß ist ebenfalls infolge des höheren Alters sowie des absoluten und relativen Warenumsatzes die finanzielle Grundlage der englischen Konsumvereine schon eine günstigere als die der deutschen Konsumgenossenschaften, von denen Leipzig-Plagwitz das größte Geschäftsguthaben mit 1,27 Millionen Mark besitzt, während LeedS, Bolton und Edinburgh mit solchen von 15,99, 15,33 und 11,11 Millionen Mark aufwarten. Die Eigen- Produktion ist am größten in Leipzig-Plagwitz init 5,52 Millionen Mark und ist überhaupt in Deutschland insgesamt relativ mit der englischen auf mindestens gleicher Höhe. Hua der frauenbewcAfimg» Mugdan als WahrheitSlenchte im NcichSverband. Sensationell und fast unglaublich klingt eine Tatsache, die Frau Minna Cauer am Montag abend einer Friedevauer Versammlung der demokratischen Vereinigung mitteilte. Ein günstiger Wind hatte « ihr ein Zirkular des Neichsverbandes zur Bekämpfung der Sozial- demokratie auf den RedaklionStisch geweht, worin von einer neu ge« troffenen Einrichtung zur politischen Schulung der im„Deutschen Frauenbund" organisierten konservativen Frauen berichtet tvurde. Diese Damen sollen künftig Zutritt haben zu einem national- ökonomisch-politischen AusbildungskursuZ für Lehrer. Unter den Vortragenden, denen eZ obliegt, im Sinne des berüchtigt wahrheitS- liebenden Verbandes neue Hilfstruppen gegen die Sozialdemokratie zu drillen, befindet sich neben Herrn Dr. Arendt auch fein Glaubens- genösse Herr Dr. Mugdan, Mitglied der freisinnigen Volkspartei. Haß gegen die Sozialdemokratie läßt die Frei- finnSleuchte zum Handlauger der schwärzesten Reaktion werden. Und das geschieht kurze Zeit nach dem der Freisinn aus dem Block hinausgeworfen worden ist, noch mehr: zu einer Zeit, in der der General von Liebert als Vorsitzender des Neichsverbandes erklärt hat, der Freisinn sei so unzuverlässig, daß man mit ihm nicht mehr paktieren könne. Es empfehle' sich deshalb, bei Wahlen den Frei- sinn ganz aus dem Spiele zu lasten und lieber dem Zentrum Wahl- Hilfe zu leisten. Und jetzt? Liebert und Mugdan Arm in Arm I Genossinnen! Gedenkt besten im Hinblick auf den 26. Oktober! Der rettende Frauenbund. Die konservativen Organe überbieten sich förmlich darin, das tollste Zeug über Zweck und Ziele der Frauenbewegung ihren Lesern und Leserinnen vorzusetzen. Niemals findet man da eine Wür- digung oder sachliche Betrachtung der Frauenbewegung nach tief- innerstem Grunde, niemals eine Erörterung über die Notwendig- keit des Eintretens der Frau für die Frau und somit für alle sie eng berührenden Fragen, wie Ehe, Familie, uneheliche Mutter- schast, Fürsorgeerziehung und dergleichen mehr. Es gibt ja kein Gebiet im ganzen StaotSgetriebe, woran die Frau nicht ebenso interessiert ist, wie der Mann. Für den Grafen Reventlow aller- dings nicht. Forderte er doch kürzlich in der„Deutschen Tages- zeitung",„die Frau sollte von allen politischen Sonderbestrebungen und Schwankungen unberührt daS nationale Herdfeuer im Hause pflegen." Schön gesagt! Gilt das auch für die fronenden Fabrik- arbeiterinnen und Landsilavinnen? Mit den technischen EntWicke- lungen und Vervollkommnungen, die den Haushalt nach und nach umgestalteten, und der Revolutionierung und Ausbreitung der In- dustrie haben auch Wandlungen und Umgestaltungen im Frauen- leben stattgefunden. Für die dabei frei werdenden Frauenkräfte fand sich BctätigungSmöglichkeit in Werkstatt und Kontor. Der Flügelschlag des kapitalistischen Zeitalters rührte die Schwingen. Immer neue Berufe entstanden für die Frauen, man begehrte ihrer und der Ltapitalismus verstand es, die ungeschützte und billige weibliche Arbeitskraft für seine Zwecke auszunützen. Pflichten wurden den erwerbenden Frauen auserlegt— außerhalb des Herd- feuerscheineS. Die überall Unterdrückten und Entrechteten erwachten zum Bewußtsein. Was die Nur-Dienerin des Mannes geduldig ertrug, war natürlich unvereinbar mit den neuen Anforderungen. Daß einer Frau Pflichten auferlegt wurden, galt als selbstver- ständlich, aber als unerhört gilt den Repräsentanten der Klassen- Herrschaft, daß eine Frau es überhaupt wagt, von Rechten zu sprechen. Graf Reventlow entrüstet sich: „Es liegt ein überaus komischer Widerspruch darin, daß nach der„reinen Lehre" der Bewegungsweiber das von ihnen tief verachtete„Weibchen" früherer Generationen bis in die heutige hinein so ziemlich das törichtste und minderwertigste Wesen ist, das die Natur überhaupt hervorgebracht hat, während das„er. wachte" moderne Weib sich auf einmal(?I) im Besitz aller Weisheiten sieht und mühelos imstande ist, auf allen den Ge- bieten daS Gleiche wie der Mann zu leisten, welches dieser sich nach langer, mühsamer, entwickelnder Arbeit zu eigen gemacht, die er geschaffen hat." Daß die Geschichte der Frauenbewegung einen langen kämpf. «eichen, arbeits- und mühevollen Weg bis zu dem heutigen Stadium zurückgelegt hat, davon ist anscheinend dem Nationalpionier nichts bekannt. Der Nationalpofauner Reventlow entrüstet sich über den der Frauenbewegung und der Sozialdemokratie gemeinsamen inter- nationalen Charakter. Warum über diesen? International ist doch auch der Bauernbund, international das Kapital, international der Ultramontanismus, international der Liberalismus, inter- national die Wissenschaft, ja, international sind auch die Friedens- bestrebungenl— Einen Trost in allem Wirrsal erblickt der „Weibchen" Ehrenretter in dem vor kurzem begründeten„Ratio- nalen Frauenbund", der ihm als ein„erfreuliches Zeichen dünkt des erwachenden politischen(1) Sinnes in Kreisen, die sich bis dahin auf untätige Zurückhaltung beschränkten." Merkwürdiger Mderspruchl Auf einmal ist der erwachende politische Sinn der Frauen ein„erfreuliches Zeichen". Was nun aber, wenn auch die „Nationalen Frauenbunde" dazu kämen, sich„international" zu- sammenzuschließen? Und dürfen die Frauen des„Nationalen Bundes"(zur Bekämpfung der Sozialdemokratie) es wagen, für sich selber politische Ziele anzustreben? Sicher nicht, denn Graf Reventlow hält auf alle Fälle die„brutale Faust" des Mannes für nicht entbehrlich. Im Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich findet man die Zahl der erwerbsfähigen Frauen wie folgt angegeben: Deutsch- land 9,4 Millionen, Frankreich 6,8 Millionen, Oesterreich 5,6 Mil- lionen, Großbritannien sowie Vereinigte Staaten je 5$ Millionen, Rußland 5,2 Millionen. Italien 5,2 Millionen. Das hat die„bru. tale Faust" des Mannes nicht verhindert. Die Lohnarbeiterin hat sich in mühevollem Ringen einen Platz in der Gütererzcugung erobert; von der rauhen, harten Wirk- lichkeit, von des Lebens hartem Muß war sie dazu gezwungen. Sie ist, wie der männliche Klassengenosse, das Opfer der inter- nationalen Ausbeutung durch das Kapital, sie ist, wie der schaffende Mann, Trägerin der Gütererzeugung, und daher leitet sie ihr Recht auf Forderung der ungeschmälten Gleichberechtigung. Verband der Hausangestellten. In einer am Sonntag, den 17. d. M.. in Feuersteins Festsälen abgehaltenen gutbesuchten Versanunlung referierte Genosse Diesing, der es verstand, die Dienstboten auf das lsnlvürdige ihrer Lage bili- zuweisen. Er schilderte, wie die Organisation den stärksten Einfluß aus Verbesserung der Arbeitsbedingungen haben kann, wenn sie stark an Zahl ist und die Mitglieder treu zu ihr halten. Nur auf diesem Wege kann auch der von der Organisation der Hausangestellten auf- gestellte„freie Arbeitsvertrag" zur Durchführung gelangen. Die gut gewählten Beispiele, die der Referent gab, verfehlten ihre Wirkung nicht. In der sehr lebhaften Diskussion wurden auch verschiedene empörende Fälle von sittlichen Verfehlungen der .Hausherren" geschildert. Leider liegen diese Fälle zu weil zurück, um dagegen einschreiten zu können. Sie beweisen aber die Not- wendigkeit, den Dienstboten eine Rat- und Auskunftstelle zu bieten, die gleichzeitig eine Anklagestclle für alle Ungehörigkeiten, denen die Dienstboten ausgesetzt sind. sein soll. Die Stimmung der Ver- sammlung verriet, daß alle Anwesenden die Notwendigkeit des Anschlusses an den Verband erkannt hatten. 22 Neuaufnahmen war der Erfolg. Weitere Anmeldungen sind z» richten an das Bureau des Verbandes, Michaelkirchplatz 1, vorn II. Dort wird auch AgitationSmaterial verabfolgt._ Ter Vnnd für Mutterschutz hielt am letzten Donnerstag im Archilekteuhause eine öffentliche Versammlung ab, in der Frau Grete Meisel-Heß über Prostitution, Mutterschutz und Rassenhhgieue rese- rierte. Sie besprach in kurzen Umrisse» die Geschichte der Prostitution aus der Antike bis in unsere heutigen Tage, geißelte die bestehende Heuchelei im Geschlechtsleben, sprach über die Schmach und Schrecken des schaurigen Dienstes der Dirne und schilderte die dreifache Korruption der Prostitution, die des ManneS, des Weibes mid deS sozialen VewußtseinS. Sie ging dann über auf die bürgerliche Frailen« bewegung und konnte sich bei dieser Gelegenheit nicht eines Seiten- Hiebes auf die sozialistische Fraucnbeiveglmg enthalten. Erst die bürgerliche Frauenbeivegung hat ihrer Meinung nach die be- zahlte Beschäftigung der Frau außerhalb des Hauses ge- stattet. Sie dachte hierbei wohl nur an die Zulassung der Frau zu den höheren Berufen und vergaß ganz, daß die Frau in den prole- tarischcn Bevölkerungsschichten schon lange vor dieser Zeit durch schwere, oft den Frauen gar nicht znkoiinneiide Arbeiten zum Unter- halt ihrer Familien beitragen mußten. Alle Hilfe sieht sie in einer llnabhängigmachung der Frau durch Erschließung aller Berufe für die Frau und in einer damit zusammengehenden Einrichtung des Mutterschutzes auf versicherungstechnischer Grundlage. ohne den Schluß zu ziehen, daß eine wirkliche Hilfe nur in einer gänzlichen Abänderung der Gesellschaftsordnung gesunden werden kann. Leseabeude. Friedenau. Heute Mittwoch, 8l4 Uhr, erster Frauen-Lese- abend im Lokal von Schönefeld, Rheinstr. 31. Wir erwarten eine zahlreiche Beteiligung, damit diese Neueinrichtung auch bei uns lebensfähig wird. Der Vorstand. Sericbts- Leitung. Prozeß gegen den Journalisten Dr. Pleißner. Leipzig, den 19. Oktober 1909. Vor der zweiten Strafkammer des hiesigen Landgerichts hat sich heute der Herausgeber der Leipziger Halbmonatsschrift „Deutscher Kampf", Dr. Artur Pleißner, wegen Freiheitsberaubung, Hausfriedensbruch und Diebstahl zu der- antworten..Dieser Prozeß steht im engsten Zusammenhang mit dem mysteriösen Doppelselbstmord an dem Ehepaar Friedrich in der Windmühlenstraße in Leipzig, der seit Oktober vorigen Jahres die Leipziger Behörden in Aufregung bringt. Man nimmt aus gewissen Einzelheiten bei der Tat an, daß die Beraubung der Friedrichschen Eheleute von demselben Mörder ausgeführt worden ist, der vorher bereits den Geldbriefträger Rübner überfallen hatte. Die Aufregung über die Tat wurde noch gesteigert durch eine ganze Reihe von Erpresserbriefen, die ihrem In- halte nach von einem Mitwisser der Tat herrühren mußten und die an den bekannten Leipziger Verlagsbuchhändler Weber, dem Herausgeber der„Illustrierten Zeitung", das Verlangen stellten, große Geldsummen an einem bestimmten Orte niederzulegen, widrigenfalls auch er getötet werden würde. Trotzdem die Polizei auf das Verlangen des Verbrechers einging, gelang es nicht, diesen zu fassen; dieser verhöhnte vielmehr die Polizei wegen ihrer Er- folglojigkeit in einer Reihe Briefe. In einem Schreiben hielt er der Polizei auch vor, daß ein im Oktober 1907 auf eine Fabrik- besitzersfrau Wagner aus Naunhof in der Gottsch�dstraße ver- suchter Ueberfall noch immer nicht aufgeklärt sei. Der Brief- schreiber machte über diese Tat detaillierte, und wie sich später herausstellte, zutreffende Angaben. Unter dem Verdacht, den Ueberfall auf seine Frau begangen zu haben, wtzr der Ehemann, der angesehene Fabrikbesitzer Wagner, in Haft genommen worden. Diese Verhaftung hält der Briefschreiber für unberechtigt und teilt mit, daß ein anderer in Frage komme. Er beschrieb genau einen Mann, der von dem Attentat wissen müsse, und die Personal- beschreibung war so genau, daß der I o u r n a l i st Dr. Artur Pleißner selb st erklärte, nur er könne damit gemeint sein. Die Polizei folgte dieser Spur des großen Unbekannten und stellte über Dr. Pleißner eingehende Ermitte- lungen an. Sie vernahm ihn mehrfach, zumal Dr. Pleißner im „Deutschen Kampf" wiederholt für die Unschuld des Fabrikbesitzers Wagner eingetreten war. Ja, er war sogar schon in dieser Sache nach Hamburg gefahren, wo Frau Wagner nach der Trennung von ihrem Manne Wohnung genommen hatte. Frau Wagner ist von ihrem Manne aus einem Bordell heraus geheiratet worden und Pleißner vermutete nun in diesem früheren Milieu den Täter. Er ist bei einem seiner Hamburger Besuche auch in die Wohnung der Frau Wagner eingedrungen und soll ihr dabei Briefe entwendet haben. Ferner soll er einen Hamburger Kriminalschutzmann zu bestimmen ge- wüßt haben, Frau Wagner als verdächtig in ihrem Hause zu be- wachen. Den Leipziger Polizei- und Gerichtsbehörden machte Pleißner in Extraausgaben seiner Zeitschrift schwere Vorwürfe, die dahin gingen, sie verfolgten mit Absicht falsche Spuren, um den richtigen Täter und Erpresser, der unter hochstehenden Homo- sexuellen zu suchen sei, zu schonen. Ilm der Gefahr einer Kollusion vorzubeugen, wurde Pleißner schließlich in Haft genommen, aus der er nach kurzer Zeit jedoch wieder entlassen wurde. Ueber den Ausgang der Verhandlung werden wir berichten. ZeitungSverleger und Urheberrecht. Wegen Vergehens gegen das Urheberrecht ist am 21. April vom Landgerichte Stettin der Redakteur und Schriftsteller Ludwig Hamann zu � einer Geldstrafe von 50 M. verurteilt worden, nachdem ein früheres gleichlautendes Urteil vom Reichsgericht aufgehoben worden war. Außerdem ist auf eine Buße von 100 M. erkannt worden. Als Redakteur und Bevollmächtigter des Verlegers der„S t a r g a r d e r Zeitung" hatte er von' dem Schriftsteller B. zwei Artikel zum Abdruck in der Ze i t u n g erworben, welche die Obst- und Beerenwcinbcreitung sowie die Bienenzucht betrafen. Im Jahre 1306 ließ er beide Artikel ohne Angabe des Verfassers in der Wochcnbeilage der„Star- garder Zeitung" erscheinen. Unter Benutzung des bis dahin auf- bewahrten Satzes veranstaltete er im Herbst von jedem Artikel eine Heftausgabe, welche den Titel bekam: Hamanns praktische Bibliothek Nr. 1 und 2. Die 1000 hergestellten Exemplare über- ließ er der Strengeschen Verlagsbuchhandlung gegen Ersatz der Papier» und Druckkosten. Der Angeklagte will sich für berechtigt gehalten haben, eine Heftmisgabe der beiden Arbeiten zu ver- anstalten, weil seinerzeit der Verfasser ein höheres als das sonst für Zeitungsartikel übliche Honorar erhalten habe. B. habe das Honorar„für Abtretung der Artikel" erhalten. Das Gericht hat aber angenommen, daß B. die Artikel nur zum Abdruck in der Zeitung dem Verlage der„Stargarder Zeitung" überlassen hat, nicht aber dem Angeklagten zur privaten Verwertung in einem anderen Verlage. Daß der Angeklagte dokoS gehandelt habe, gikje auch daraus hervor, daß er dem Verfasser vor Erscheinen der Hefte keine Korrekturbogen gesandt habe.— Die Revision des Angeklagten gegen das neue Urteil wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen, da nunmehr die Schuld des Ange- klagten ausreichend festgestellt ist. Unter den Dienstmädchen des Westen? suchte und fand der„Diener und Tafeldccker" Bcrthold Roggenbach, der gestern unter der Anklage des Betruges vor der dritten Straf- kammer des Landgerichts III stand, seine Kundinnen. Er suchte niit_ Vorliebe die herrschaftlichen Häuser im Westen auf und schlängelte sich auf den Hintertreppen an die Dienstmädchen heran. Sie gingen auch mit Freuden auf den Vorschlag RoggcnbachS ein. sich von ihm die Karten legen zu lassen, und dann weissagte er ihnen alle möglichen schönen Dinge, wobei Liebe und Heirat natür- lich in erster Reihe standen. Und um das Maß der Begeisterung voll zu machen, prophezeite er den Mädchen auch noch, daß sie nicht nur Glück in der Liebe, sondern auch Glück im Spiel haben würden, was bekanntlich im allgemeinen nicht zusammentrifft. Wenn er dann abends wieder auf der Hintertreppe erschien, wurde es ihm nicht schwer, die Mädchen zu überreden, doch einmal ihr Glück zu versuchen. Gegen Zahlung von 1,25 M. überreichte er einen schön gedruckten Zettel, der eine bestimmte Nummer anzeigte, die Unterschrift„Noggcnbach, Vorsitzender" trug und verkündete. daß die Besitzerin ein Zweiunddreihigstel Anteil an einem Lose der bezeichneten Nummer der Preußischen Klassenlottcrie erworben habe. Dabei machte der Angeklagte sich bei den Mädchen noch dadurch beliebt, daß er ihnen Bons für das Palast-Theater, die Brauerei Fricdrichshain und dergleichen als Aufmerksamkeit zu» gab. Die an ihn zu richtenden Briefe dirigierte er vorsichtigcrweise unter einer bestimmten Chiffre nach einer Postanstalt. Tos Ge» schäft wäre für ihn wahrscheinlich noch recht lange ganz einträglich geblieben, wenn nicht der Zufall gewollt hätte, daß die Nr. 36 824, zu welcher der Angeklagte angebliche Anteilscheine verkauft hatte, mit einem Gcioinn von 3000 M. herauskam. Freudestrahlend liefen die Mädchen zu'dem nächsten Lotteriekollekteur und wollten Geld haben, konnten aber nur die Versicherung entgegennehmen, daß sie einem Schwindler zum Opfer gefallen wären. Letzterer war bald ermittelt. Er war gestern geständig und bat nur um eine gelinde Strafe, da er aus Not gehandelt habe.— Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis. Der Staats» anwalt hatte ein Jahr Gefängnis beantragt. Die Geschäftspraktiken eines Heiratskontors, welches angeblich Heiraten nach den Deutschen Kolonien zu vce- mittel» hatte, beschäftigten gestern die 1. Strafkammer des Land- gerichts I. Wegen gemeinschaftlichen Betruges waren der Kauf» mann Karl 51asclowski und der Architekt Arno Grein angeklagt. Die Angeklagten etablierten in dem Hause Charlottenstr. 70 ein Hciratskontor. Es wanderten nun in alle Welt Prospekte hinaus, in tvelchcn sich das Bureau zur Vcrmittelung von Heiraten mit reichen Farmbesitzern aus Südwcstafrika anbot. Die heiratslustigen Damen, welche nicht abgeneigt wären, die Reis« nach Afrika anzu» treten, sollten sich unter der Chiffre„Glück" bei einem hiesigen Postamt melden. Auf das verlockende Angebot hin meldeten sich eine große Anzahl heiratslustiger Frauen und Mädchen, die ihre Geneigtheit kundgaben, in Südwestafrika als deutsche Hausfrauen zu malten. Einige Tage nach ihrer Meldung erhielten die Heirats- lustigen von den Angeklagten einen Brief, in welchem mitgeteilt wurde, daß verschiedene deutsche Frauenvercinigungen dagegen an- kämpfen, daß die deutschen Kolonisten in SüÄvestaftika mangels weißer Frauen Mischehen eingehen. Aus diesem Grunde habe sich der„Verein deutscher Frauen" mit Farmern in Südwcstafrika in Verbindung gesetzt und nicht weniger als 400 deutsche Farmer seien bereite«uf einem Woermann-Tampfer nach Deutschland unter- wegS, um sich hier eine Lebensgefährtin zu suchen. Als Ort der Zusammenkunft der Mädchen und ihrer afrikanischen Freier sollte das neue Opernhaus(Kroll) dienen, welches von dem Verein auf 12 Abende gemietet worden sei. Hier sollte ein gemütliches Zu» sammensein nach voraufgegangener Opernaufführung stattfinden, bei welchem die Farmer ihre Zukünftigen näher kennen lernen und ihre Auswahl treffen sollten. Am Schlüsse dieses Briefes wurde dann den Empfängerinnen in der„zartfühlendsten" Weise klar- gemacht, daß man von den Farmern doch nicht verlangen könne. daß sie auch noch ihr Licbeswerben bezahlen sollten. Die Dance« hätten deshalb je 60 M. zu entrichten, wofür sie natürlich zu allen Festlichkeiten und Veranstaltungen freien Eintritt haben sollten.— Diese Heiratsvcrmittelung„EngroL" erregte jedoch das begreifliche Interesse der Kriminalpolizei, welche sich die ganze Sache genauer ansah und entdeckte, daß alles Schwindel war. KasclowSki wurde verhaftet, während Grein auf freiem Fuße blieb.— In der gestrigen Verhandlung beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von 6 bezw. 3 Monaten. Das Gericht nahm mit Rücksicht darauf, daß irgendeine materielle Schädigung der Zeuginnen nicht einge- treten ist, da diese nachträglich schadlos gehalten worden sind, von einer Freiheitsstrafe Abstand und erkannte gegxn Kaselowski nur auf 560 M. Geldstrafe, von denen 300 M. durch die erlittene Unter- suchungShast als verbüßt erachtet wurden, und gegrn Grein auf 260 M. Geldstrafe._ Versammlungen. Eine imposante Volksversammlung deS sechsten Wahlkreise? tagte Dienstag in Franks Festsälen, Badstr. 19. Genosse Molken. b u h r sprach daselbst vor zirka 1000 Personen, darunter zahlreichen Frauen, über das Thema:„Was wir wollen". Von der Tatsache ausgehend, daß sich noch gar viele Arbeiter vorfinden, die sich zwar der Partei anschließen und für sie wählen, ohne jedoch mit deren Forderungen und Zielen vollständig vertraut zu sein, erläuterte Redner in trefflichen Darlegungen das sozialdemokratische Pro- gramm. In wirksamen Darlegungen verbreitete sich der Referent über die Stellung der Partei zur Wahlrechtsfrage, der politischen Gleichberechtigung der Frau, zur Religion, Schule. Sozialpolitik und so weiter. Werfe man der Sozialdemokratie vor, sie vollbringe zu wenig an positiven Leistungen, so sei dies falsch. Sie habe manches er- zielt, aber man dürfe bei der Beurteilung ihrer Wirksamkeit auch nicht übersehen, daß alle unsere Forderungen Klassenforderungen sind, die im Parlament auf den Widerstand derjenigen stoßen, die ein Interesse haben, an den gegenwärtigen Verhältnissen und der heutigen Gesellschaftsordnung festzuhalten. In den vier Jahr- zehnten ihres Bestehens habe die Partei zwar große Fortschritte gemacht, aber es stehe ihr immer noch ein AgitationSgcbiet offen, das erwarten läßt, daß einstens die Mehrheit des Volkes inner- halb der Sozialdemokratie stehen wird. Tann wird sie jene Macht geworden sein, mit der wir die sozialistische Gesellschaft errichten können. ES genügt nicht, nur Recht zu haben, wir müssen zur Macht werden, um das, was wir wollen, auch in die Tat um. setzen zu können.(Lebhafter, andauernder Beifall.) In der Diskussion versuchte ein Herr August Kuhlmey in recht krausen Ausführungen den guten Eindruck des Referats ab. zuschwächen. Der Gipfel seiner Ausführungen schien zu sein, die Partei und insbesondere die freien Gewerkschaften für das Bestehen deS Systems der Akkordarbeit verantwortlich zu machen. Nachdem es die Versammlung abgelehnt hatte, sich mit der» artigen Weisheiten traktieren zu lassen, sprach Nicolai im Sinne des Referenten und forderte in begeisterten Worten auf, einig zu sein und das rote Banner der Menschenliebe hochzuhalten. Genosse M o l k e n b u h r ging kurz auf die Ausführungen Kuhlmeh'S ein. die gezeigt hätten, wie es bei Leuten aussehe, die sich durch die Schriften des ReichsverbatcdeS den Kopf verdrehen lassen. Redner erinnert noch daran, wie Lassalle den Organisations, gedanken wachgerufen, und wie durch das Festhalten desselben die Partei nun zur größten politischen Partei geworden ist. Nach einer Aufforderung, für die Partei und deren Presse zu agitieren, den Schnapsbohkott hochzuhalten, wurde die Bersamm. lung mit einem dreifachen Hoch aus die völkerbesreiende Sozial» demokratie geschlossen, Verband der Maler» Saekterer, JUistreioher Melchiorstraße 28, Part. TiUale Serlin. USW. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Neun Uersammlungen. Mittwoch, den ÄO. Oktober, abends 8� Uhr, für die Vororte: Charlottenburg, Milmersborf: Volkshaus, Charlottenburg, Rostnenstr. s. Kirdorf: Gellert, Stetnmeystr. ss. Gr.-Lichtkrftlde, Fmdenall, Steglitz: Wahrendorf, Lichterfelde, Bäkestrafte ss. Weißensee: Content, Lehderstrafte S. Donnerstag, den 21. Oktober, abends 8�» Uhr, für die Bezirke: Korden, Nordoste«, Pankow, Gesundbrunnen: Swinemünder GesellschaftshauS, Swinemündrr Str. 42. Osten, ßichtenberg: Prachtsäle des Ostens, Frankf. Allee isi,iss. Südeo, Südosten, Slldlvtsten, Zentrum: Gewerkschaftshaus, Saal 1. Engelufer 13. Westen: MietheS Feftsäle, Schöneberg» Hauptstr. 3. Moabit, Wedding: Viktoriasalon, Perleberger Strafte 14. Tagesordnung in allen Versammlungen: Unsere bevorstehende Lohnbewegung. Streik oder Aussperrung! Kollegen! Nach den Auslassungen der Unternehmer in ibren Versammlungen wird eS notwendig SozialdemoMsctier Wahlverein des 6. Berliner Reiciistags-Wahlkreises (7. and 8. Abt. Kloabit) Sonnabend, den 23. Oktober, im großen Saale der Berl. Kronenbrauerei, Alt-Moabit 47-49: Großer humoristischer Vortragsahend o e 1 ■ Vortragender: Marceil Salzer Nachdem in beiden S&Ien Ball Herren Bahlen 50 Pf. □□□□ Eintrittskarte SO Pf. □□□□ Anfang: pr&zise 9 Uhr. 231/16»% fein, durcki Massenbesuch unserer Versammlungen den Unternehmern zu zeigen, daß unsere Forderungen keine Aprilscherze, sondern dah die aufgestellten Forderungen zu unserer Lebenshaltung unbedingt notwendig find I Darum, Kollegen, erscheint Mann für Mann! 12g/17_ Die Ortsverwaltung. Kerein der Herliner Knchdrucker und Schriftgießer und Uerein der Such- u. Steindruck- Hilfsarbeiter u.-Arbeiterinnen! Donnerstag, den 21. Oktober, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshavse» Engelnfer 14/115, Saal 4: Versammlung der delegierten der Ortskrankenkasse f. d. Buchdruckgewerbe und der Vertrauensleute TageZ-Orduung: Besprechung der Anträge zur Generalversammlung der Ortskrankenkasse. 27/11______ Die Vorstände. F. A.: A. IBoasU1!. A. Horltg. Sentseher Holzarbeiter-VerbamL Verwaltung Berlin. Heute, Mittwoch, den 20. Oktober, abends SV» Uhr: Vertrauensmänner-Versammlung für sämtliche Branchen und Bezirke in Frcycrs Festsälen, Koppenstrafte AN. MitaliedSbnch und VertraucnSmännerkarte legitimiert. Jede Werkstatt muß vertteten fein. gg/H«__ Die Orttiverwaltnng. Sechster Aahlkreis. Freitag, den 22. Oktober, abends 8'/z Uhr: Geffentl. Tranen-Versatmnlttng im Bürserlichen Sclianspiclhanse /Berliner P rater), ärgerlichen Schanspiclhaase /Berliner P rater), gV Kastanie»-Allee 7/9. TageS-Ordnung: Die neueste Ausraubnng des Dolbes und die SteUnng der Frauen dazu. Referentin: Frau Luise Zictz. Freie Dislusston. 231/15» Die Einbernferinnen. _ g. A.: Minna lohse, Oderberger Straße 20. IM iitr- Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbnrean: Hos 1. Amt 3. 1239. CharitsstraBa 3. Hos IIL Amt 3, 1987. Achtung! Achtung! Wegen der am 20. Oktober stattfindende» Landtags- wählen bleiben unsere gesamte« Bureaus an diesem Tage geschloss en. Arbeitslose und Kranke, welche am S«. d. Mts. Unterstützung erhalten würden, können dieselbe bereits am 25. d. M. in Empfang nehmen, doch müssen Arbeits- lose zu diesem Zweck Mitgliedsbuch und Karte bereits am Sonnabend, den SS. d. M.. abgeben 124/5 Die OrtsverBraltiing- Deutscher Buchbinder-Verband. ======= Zahlstelle Berlin.= Mittwoch, den 20. Oktober 1909. abends 7 Uhr: Branchen- Versammlung :: der Buchbinder«nd Buchbinderei-Arbciterinnen:: im Lolal von A. Bercht, Ritterstraße 75. TageS-Ordnung: 1, Vortrag. 2. Bericht von der gemeinsamen Vorständekonferenz vom 11. Oktober in Leipzig. 3. Lranchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 24/13» Die Brauchenleitung«nd OrtSverwaltnng. Roste Unrnrntncbe, ich«an und farbig, CoNtamn.-Stofte.neaeit. Mait.r. Tricot-Btofle, äelden- PlQacb, Bamioete, Seid. et& Co« secnon Falatota, _____— Jaek.tt. Su«b- mantei, Cae tarne« and Coatuni- rSoka la croaa.r Answahl. C. Pelz, Kottbuserstr. 5. S" Haban Li» Stoff? N | JcH /ertiee dann Anzug od. Paletol| I nach Mast, schick, dauerh. Zutaten, I I fon20 Mark an. Moritz Lubnod, I V Neue Promenadta,ll.( Sidtb.Börse), J Drei Tropfen machen das schmutzigste Metall spiegelblank. la nasebea»on 10—50 Pls, fibenU> »a baben. � Ä, Grimberoer X Kohlen-Großbandlung Hnssitcnstr. 40. Fernsprecher Amt III, Ko. 4304, Billigste Tagespreise für erstklassige Senftenberger Briketts ab Platz v. 10 Zentn. an. Prima Halbsteine, Lauch-• hammer... Ztr. 91 PI. „ Halbsteine, Hera.„ 86„ „ Bockwitz- Briketts„ 90„ „ Anna.....„ 97 ,, „ Vulkan u. Pfännsr- schaft.... i, 99„ „ la Anhalt- Kohlen- werke....„ 1,05 � „'a Ilse.....„1,05„ „ Anthrazit-Cadb..„ 2,25 M. Koks,(Steinkohlen u. Holz zu den billigsten Tages- und Konventionspreisen. Anlieferung frei Keller, je nach Quantum, pro Zentner 10 bis 15 Pf. mehr. 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Oktober bei I. Meyer, Oranienstr. 103, und bei Rabe, Fichtcstr. 29, Gemütliches Bei- sammensein, bestehend aus Vortrag, Tanz usw. Anfang 0 Uhr.— Bei Rabe Vortrag des ReickiStagsabgeordnetcn R. Fischer über: „Aus der Zeit des Sozialistengesetzes". Parteigenossen! Besucht mit Eueren Familien die Veranstaltungen des Wahlvereins. Der Vorstand. Einen Marccll Salzcr-Abend veranstalten am Sonnabend, den 23. Oktober, die Parteigenossen Moabits von der 7. und 8. Abteilung des sechsten Wahlkreises in der Berliner Kronen-Brauerei, Ali- Moabit 47/49. Die Veranstaltung beginnt Punkt 9 Uhr. Der Preis für die Eintrittskarte ist auf 50 Pf. festgesetzt worden. Der Name des Vortragenden bürgt dafür, daß Freunde guten Humors auf ihre Kosten kommen. Steglitz. Heute abend 8'/z stlhr im„Birkenwäldchcn" Volks Versammlung. Adolf Hoffmaun-Berlin spricht über:„Die Reaktion im preußischen Landtage und die liberale Richtung in Staat und Kirche". Die Geistlichkeit am Orte ist schriftlich zu dieser Versainm lung eingeladen. Ober-Schöncwcide. Am Donnerstagabend 8 Uhr findet zu der am Freitag stattfindenden Volksversammlung eincHandzettelvcrbreitung statt. Der Vorstand. Zossen. Am Donnerstag, den 21. d. M.. abends ll'/z Uhr, findet unsere Wahlvereinsversammlung im Lokale dcS Genossen P. Kurzner statt. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Der Vorstand. ßcrlirnr JVacbricbtcrh Aus der Berkchrsdcputation. Die städtische Verkehrsdeputation erledigte gestern eine reiche Tagesordnung. Zunächst erläuterte Geh. Baurat Krause den neuen Entwurf der A. E. G. für eine Hoch- und Untergrundbahn Gesundbrunnen— Nixdorf. Bezüglich der Linienführung wurden keine Bedenken geäußert, vielmehr gab der VcrtragSenliourf zu lebhaften Auseinandersetzungen Veraulassung. Die Konzession wird auf 90 Jahre verlangt. Zwar ist ein ErwerbSrccht der Stadtgemeinde borgesehen, indes ist es in den ersten 30 Jahren ausgeschlossen. Die Baukosten sind auf 84 Millionen Mark veranschlagt, wovon die Hälfte von der Stadt als Darlehen, mit 4 Proz. verzinslich, hergegeben werden soll. Außerdem soll die Stadt die notwendig werdenden Straßenverbreiterungskosten übernehmen sowie die Kosten für die Unterfahrung der Zentralmarkihalle. Eine Bruttoabgabe findet nicht statt, aber eine Gewinnbeteiligung zur Hälfte, sobald das Anlage- kapital mehr als 6 Proz. Dividende erhält; was wahrscheinlich ine eintreten wird. Der Tarif wird wie bei der Hochbahn 10. 15 und 20 Pf., für Arbeitcrkartcn(zu benutzen bis morgens 7 Uhr) 15 Pf. für die ganze Strecke betragen. Die Majoruät unter Führung deL Oberbürgermeisters trat für da« Projekt ein. Man war der Meinung, daß eine Schnell- bahn in dieser Linienführung dringend notwendig sei, da aber die städtische Verwaltung bereits zwei Projekte in Ausführung habe, Nord— Süd und Moabit— Rixdorf, so wäre es ganz unmöglich, auch noch die Ausführung eines dritten Projektes zu übernehmen. Dazu machte Baurat Krause die Mitteilung, daß für die Nord— Süd-Linie im September zwar die Genehmigung seitens der Luffichtsbchörde erteilt sei, jedoch bis jetzt noch das Enteignungsrecht fehlt. DeS weiteren auch, daß im Süden die Bahn Ivahrscheinlich nicht nach Schöneberg und Wilmersdorf weitergeführt wird, sonder» nach Tenipclhof, dessen Gemeindevertretung sich zur Aufbringung der Kosten bereit erklärt hat. Das Resultat der Verhandlung war, daß mit großer Majorität beschlossen wurde, dem Projekt der A. E. G. näher zu treten. Zur Vergrößerung des Bahnhofs in der Kniprodestraße und zur Beschaffung von weiteren Wagen soll beim Magistrat um die Ge- Währung von 219 000 M. nachgesucht werden. Die von der Großen Berliner Straßenbahn nachgesuchte Genehmigung für Beibehaltung der Gleisverbindung am Spittelmarkt wurde abgelehnt, vielmehr der Meinung Ausdruck gegeben, daß es zum Schutz deS Publikums notwendig sei, die vierten Gleise zu beseitigen. Abgelehnt wurde auch die Abänderung der Führung der Linie 72 sowie die Verlegung der Linie 43 vom Gesundbrunnen nach der Müllerstraße. Maßgebend war für das letztere, daß man dem aufstrebenden Stadtteil Gesund- brunnen keine Verbindung entziehen dürfe, schon mit Rücksicht auf das dortige Amtsgericht. Das Polizeipräsidium hät die von der Großen Berliner be- antragte Straßenbahnlinie durch die Kaiser-Wilhelm-Straße abgelehnt. In einem Schreiben verlangt nun die„Große", daß die Stadt dafür sorgen soll, daß ihr diese Genehmigung erteilt wird! Man sieht, die Große Berliner Straßenbahn hat auch noch Humor. Die von Rixdorf gewünschte Gleisvcrbindung am Hermannplatz wird unter den angebotenen Garantien genehmigt. Zwischen Rixdorf und Berlin ist wegen der Untergrundbahn ein Vertrag zustande gekommen, der demnächst den beiderseitigen Ge- meindebehörden zur Genehmigung vorgelegt werden soll. Außerhalb des Schattens der Kirche liegen die Genieindefriedhöfe der Stadt Berlin. Auf ihnen ruhen Mitglieder aller Religionsgesellschaftcn neben den Kon- sefsionslosen, die offen sich von jeder ReligionSgesellschaft lossagten. Diese Friedhöfe sind längst nicht mehr nur Begräbnisplätze für Arme, denen auf Kosten der Stadt ein Grab bereitet werden muß. Sie sind zu Ruhestätten auch für sehr viele geworden, die nach ihrem eigenen Wunsch oder nach dem ihrer Augehörigen hier der Erde übergeben wurden. Der große Berliner Gemeindefriedhof bei Friedrichsfelde hat besonders in den letzten Jahren eine rasche Mehrung dieser von den Hinterbliebenen zu bezahlenden Beerdigungen gehabt. Das ist in der Hauptsache zurückzuführen auf die starke Zunahme der AuLtrittscrklärungen, die der Kirche in neuerer Zeil deschieden gewesen ist. Aber immer mehr wird auch für folche Ter- storbene, die bei Lebzeiten nicht offen sich von der Kirchcngeincinschaft lossagen wollten oder durften, der konfessionSsreie Gemeindefriedhof als Ruhestätte gewählt." Dem Friedhof bei FriedrichSfeldc wurden im Etats- iahr 1908(vom 1. April 1908 bis zum 31. März 1909), wie wir dem letzt vom Magistrat veröffentlichten Jahresbericht des Bestattungs- kuratoriums entnehmen, 5184 Leichen zugeführt(ungerechnet 518„Anatomieleichcn"). Die Beerdigung erfolgte auf Kosten der Stadt bei 1737 Erwachsenen und 2249 Kindern, zusammen 3980 Personen, auf Kosten der Hinterbliebenen bei 952 Erwachsenen und 246 Kindern, zusammen 1193 Personen. Auf Kosteir der Hinter- bliebenen wurden in den letzten fünf Jahren 665, 713, 866, 935, 1198 Personen beerdigt— man sieht, wie die Abwendung von den Friedhöfen der Kirche zugenommen hat. Dieser Gemeiudefriedhof hatte in den 23 Jahren, die er nun be- steht, im ganzen 9036 Beerdigungen auf Koste» der Hinterbliebenen (neben 82 985 auf Kosten der Stadt). In den ersten Jahren waren es nur ganz wenige, dann wurden es allmählich mehr, besonders aber in neuester Zeit schwoll ihre Zahl so an. daß an den 9086 Be- erdigungcn das letzte Jahrfünft mit allein 4382 beteiligt ist. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß die Fälle, in denen für Vcr- storbene keme Ruhestätte auf den Friedhöfen der Rcligionsgemein- schaftcn begehrt wird, sich unaufhaltsam weiter mehren werden. Das Bestattungskuratoriiim hat recht daran getan, im Hinblick auf diese Entwickelung des GemeindefriedhofS sich beizeiten nach einem neuen Friedhofsgelände umzusehen; denn der Friedhof bei FriedrichSsclde ist schon jetzt fast vollständig belegt. Wahrschcin- lich wird ein Gelände zwischen den an der Stettiner Bahn gelegenen Vororten Buch und Carow, ein Teil des dortigen Grundbesitzes der Kanalisationswerke, den neuen Friedhof aufnehmen. Den Kirche»gemeinden bringt diese immer mehr um sich greifende Abwendung von ihren Friedhöfen eine immer fühlbarer iverdende Schmälerung ihrer Einnahmen. Während die Kirche den mittellosen Genieindemitgliedern die Trauung und für die Kinder die Taufe und die Konfirmation nötigenfalls ohne Ver- gütung gewährt, fordert sie bei Beerdigungen eine nicht zu knappe Gebühr für die Grabstclle, für die Hcrrichtung des Grabes, für die Bestattung der Leiche sowie später für die Erlaubnis, einen Denk- stein zu setzen usw. Ihre„Gottesäcker" werden ihr dabei zu einer Kapitalsanlage, die reichlich rentiert, so lange es nicht an Abnehmern ihrer Grabstellen fehlt. Aber der Ertrag muß sinken, wenn immer mehr Verstorbene den konfcssions- freien Friedhöfen der Stadtgemcinde zugeführt werden. Für jeden Verstorbene», der noch nicht in aller Form durch AuStrittScrklärung sich von der Kirche losgesagt hatte, fordert seine Kirchengcmeinde noch eine. AuskaufSgebühr", wenn er dem für ihn zuständigen Friedhof entzogen wird. Die Kirche läßt sich da für die ihr ent- gehenden sonstigen Gebühren, auf die sie einen Anspruch zu haben glaubte, in der„Auskaufsgebühr" eine Eiusthädigung zahlen. Auch dieser noch recht hübsch fette Happen wird dem allezeit aufnähme- fähigen Magen der Kirche entzogen, wenn beizeiten der Austritt aus der Kirch engemei» schaft erklärt worden ist. sodaß den Hintcrbliebciicn keine„AuSkaufsgebühr" mehr ab- gefordert werden kann. Die Frommen der Kirche werden es ihre inGott danken, daß die Stadtverwaltung Berlins keine Neigung hat, die sozialdemokratische Forderung einer allgemeinen Un entgeltlichkeit der Beerdigungen zu erfüllen. Einstweilen werden auch auf dem Gemeiudefriedhof der Stadt noch Gebühren erhoben, wenn auch geringere als zumeist auf den Friedhöfen der Kirchengemeindeii. Gäbe erst die Stadt auf ihrem Friedhof die Beerdigungen allgemein unentgeltlich, dann würden kaum noch viele übrig bleiben, die ihre Toten nicht außerhalb des Schattens der Kirche zur letzten Ruhe zu betten wünschten._ Der gemeinnützige Verein für MilchanSschank hat in diesem Jahre ganz im stillen seine ersten Erfolge gezeitigt. Er hat nicht nur bereits vier MilchansschankhäuSchen eröffnet, und zwar am Stcttiner Bahnhof, am Bahnhof Stralau-Nummelsburg, Bahnhof Beuffelstraße und Lehrter Bahnhof, am Eingang der Juvaliden- straße, auch in viele Fabriken ist er bereits gedrungen und hat darin fogenannte WcrkauSschänke errichtet. ES besteht begründete Hoffnung, daß der Verein ani Ende dieses Jahres sein Gebiet noch bei weitem vergrößert hat. Es wird peinlich darauf gehalten, nur gute Milch zu liefern. Der Vertrieb ist nun so eingerichtet, daß in den Werk- a u s s ch ä n i e n die Milch in 4/io Literflaschen geliefert wird, Flaschen mit großer weiter HalSöffninig, die durch einen sauberen hineingedrückten Pappdeckel verschlossen sind. Dieser Verschluß bat den Vorteil, daß die Flaschen, die einmal geöffnet wurden, sofort erkannt werden können, insofern einem etwaigen Betrugs versuch seitens des Personals vorgebeugt ist. Zugleich fällt aber der sehr oft recht unsaubere und unappetitliche Gunimiring der fogenannten Bllgelverschlüsse fort. In den Milchausschankhäuschcn, die genügend Raum und Sitz- gelegenheit für 10 bis 12 Menschen geben, wird die Milch aus verschlossenen Kannen gezapft, zudem ist stets ein Wasserbad entsprechend angewärmt, in dem Milch vorgewärmt werden kann, um auch denen, die nach einem warmen Trunk Verlangen tragen, einen solchen verabreichen zu können. Diese Einrickitmig hat sich im Frühjahr und den rauhen Sommertagen recht eingebürgert und wurde viel benutzt. Außerdem werden in den Häuschen Flaschen mit Milch bereit ge- halten, um denen, die die Milch nicht in ihnen verzehren, sondern sie, sei es zur Arbeitsstätte, sei es zum Spaziergang, mitzunehmen wünschen, auch dienen zu können. Die Preise, die der Verein für gute Milch fordert, sind recht geringe. In den Fabriken gibt er die auf Flaschen gefüllte Milch, dem bisher saubersten bekannten Verfahren des MilchvertricbeS, für 22'/� Pf. das Liter ab, dem ihm von der Molkerei berechneten Preise, in den Häuschen verkauft er den Becher mit 5 Pf. Der dabei hier übrigbleibende geringe Ueberjchuß dient erst einmal dazu, die entstehenden Unkosten zu decken, soweit sie nicht durch die Vereinsbeiträge beglichen werden, dann ober wird ständig ein Fonds angesammelt, aus dem, sowie der Betrag hoch genug ist, neue HäuSchen errichtet werden. DaS 50jShrige Bestehen des Berliner Waisenhauses in Rummels- bürg konnte gestern begangen werden. Die Anstalt war früher eine Musteranstalt und hat vorzügliches geleistet. Leider ist durch das Bestreben der Waisenverwaltung und der Stadtverordnelemiichrheit, an Stelle der AnstaltSpflege aus fiskalischen Rücksichten die Familien- pflege zu letzen, die Anstalt ihren früheren Zwecken immer mehr einzogen worden. Sie ist jetzt eher zu einer Waisen-Kranken- a n st a l t geworden, so daß das gänzliche Eingehen deS Waiscn- haufes nur eine Frage der Zeit ist. Unbestellbare Antworten auf Einsprüche in die Wählerliste. Die Stadtverordnetenversammliing hat kürzlich über die gegen die Genicindewählerliste erhobenen Einwendungen— es waren be- kanntlich mehr als 3000— entschieden. Von den jetzt förmlich zu- zustellenden Beschlüssen der Stadtverordneten sind nun 42 als unbestellbar zurückgekommen, da die Empfänger verzogen sind oder dergleichen. Diese Briefe sind im Aushängekasten des Rathauses angeheftet, außerdem befindet sich ein Verzeichnis der Empfänger im Wahlbureau, Poststr. 16, und im Zentralburcau des Rathauses. Die Schwimmhalle der siädtifchen Bolksbadcanstalt an der Schillingsbrücke, die wegen Bauarbeiten seit dem 11. geschlossen ist, wird voni Freitag, den 22., ab wieder zur Benutzung für mann- liche und weibliche Personen geöffnet sein. Eine förmliche Völkcrwaudcnmg unternahmen am Sonntag Berliner Ausflügler nach der Römerschanze, um das vielgenannte germanische Haus zu besichtigen und die eventuell falsche Vorstellung von einem Germancnhcim zu korrigieren. In einem fort mußten die Fährboote Hunderte von Menschen übersetzen, denn mit Kind und Kegel rückte das wissensdurstige Berlin an. Schon auf dem Wege bis zum eigentlichen Ringwall wurde alles mögliche für das Gcrmanenhaus gehalten, das man sich allgemein als konipaktes Mauerwerk vorgestellt hat. Eine allgemeine Enttäuschung be« mächtigte sich jedoch der Ausflügler, als sie nur die Spuren der Pfahllöcher und die Heidstelle zu sehen bekamen. In Erwartung des Ansturmes hatte die Leitung der Ausgrabungen eine Wache ausgestellt, die aber den Ansturm der Tauscnde nicht abhalten konnte. Leider haben die Besucher die gebührende Rück- sicht, die solche Geschichtsdenkmäler erheischen, außer acht gelassen und wie eine endlose Welle schritt der Strom der Neugierigen gerade über jene Stellen hinweg, die am bemerkenswertesten waren, um ja den germanischen Kochh"crd zu Gesicht zu bekommen. Die Aus- grabungcn werden für dieses Jahr mit Ende dieser Woche eingestellt. Der Polier als Bierhändler. Auf einer Anzahl Bauten bestimmter Baugeschäfte besteht der ganz unhaltbare Zustand, daß der Leiter des Baues, der Polier, feine Stellung dazu benutzt, sich nicht unerhebliche Nebeiieiiikünfte zu verschaffen durch Protegierung bestimmter Biergeschäfte. Nur wer dem Polier die höchsten Prozente vom Umsatz garantiert, hat Zutritt zum Bau und kann dort seine Geschäfte machen, die auch zugleich Geschäfte für den Polier bedeuten. In der„Volkszcitung" war dieser Tage folgender charakteristische Beitrag zu diesem Kapitel zu lesen: „In der Lindenstraße wird ein Neubau für eine große Kon« fektionSfirma aufgeführt, die jetzt ihre Geschäftsräume in der Leipzigerstraße hat. Es sind dort rund 175 Arbeiter, Maurer usw. beschäftigt, die nwralisch— oder besser gesagt wirtschaftlich— gezwungen sind, ihren Bedarf an Bier und Schnaps beim Polier zu decken. Dieser geschäftlich entschieden sehr tüchtige Mann be- zieht täglich von einer Großbierhandlung 30 Kasten Bier; er hat an jedem Kasten 50 Pf. Verdienst, wovon 15 Pf. dem Ein- holer zufallen. Sein Verdienst beläuft sich also täglich auf rund 30 X 35 Pf.---- 10,50 M.. der Eiuholer profitiert 80 X 15= 4,50 M." Auch auf eine Reihe anderer Bauten trifft das Vorstehende zu. Es ist unter solchen Umständen sehr natürlich, daß der Polier ein Interesse an möglichst hohem Umsatz hat. Je höher dieser ist, desto größer ist sein Profit. Und man kann sicher sein, daß in den Augen solcher Prozente beziehenden Poliere nicht der Arbeiter der beste ist, der in seiner Arbeit leistungsfähig ist, sondern der, der das meiste Bier und den meisten Schnaps vertilgt. Der größte Unfug in dieser Beziehung kann auf Bauten ausgeübt werden, auf denen unorganisierte Arbeiter beschäftigt werden, oder da, wo die Zahl der Organisierten zn denen der Unorganisierten sehr schwach ist. Sind die Arbeiter alle organisiert, werden sie sich eine solche Vevorinundung durch den Polier kaum gefallen lassen. Man muß sich eigentlich wundern, daß die Inhaber der Bau- geschäfte dulden, daß Poliere noch solche Privatgeschäfte machen. Der Polier sollte doch ausschließlich seine Auf« merksamkeit daraus verwenden, daß der Bau gut und vorschrifts« mäßig ausgeführt wird. Diese Aufgabe des Poliers muß aber er» hcblich beeinträchtigt werden, wenn der Polier sich auch noch darum kümmert, wer Bier liefert, wie viel geliefert wird und welcher Arbeiter der größte Bier- und Schnapskonfiiinent ist; ganz abgesehen davon, daß es niemand etwas angehen sollte, wo der Arbeiter seine Bedürfnisse an Getränken deckt. Es ist die höchste Zeit, daß mit dem Prozentunsug der Poliere aufgeräumt wird. Ein rafsiiiicrtcr Tclcphonschwiiidlcr schädigt gegenwärtig hiesige Geschäftsleute. Er sucht die Adressen von Kunden für bestimmte Geschäfte zu ermitteln, ruft dann telephonisch bei der betreffendeu Firma an und macht auf den Namen des angeblichen Kunden größere Bestellungen, die er sich an eine bestimnite Stelle schicken läßt. Zumeist bittet der Gauner um Zusendung einc-s Teiles der bestellten Waren und gibt an, daß später bei der Sckilnßlieferung Zahlung geleistet werden soll. Erst wenn sich die Firma an die Adresse des alten Kunden wendet, stellt sich der Betrug herauS. Eine Hanssiichung in den RedaktionSräiniien der Briihiische« „Wahrheit" sowie an fünf anderen Stellen wurde unter Leitung des Landgerichtsrals Schmidt, in dessen Händen die Uiitersnchiiiig gegen Bruhn liegt, am Montag vorgenommen. Es handelt sich um das ganze Geschäftsgebaren der„Wahrheit" und ihres Ver- legers Bruhn durch Beläge, Ouittungen, Reckinungen, Briefwechsel über Inserate und dergleichen während des fünfjährigen Bestehens der Zeitung klarzulegen. An den Durchsuchungen in den Geschäfts-, Redakrions- und Wohnräunicn in der Lindenstr. 77 nahm Landgerichtsrat Schmidt selbst teil. Ihn unterstützten mehrere Kriniiualkomniissare und etwa ein Dutzend Beamte der Kriminalpolizei. Von 2 Uhr nachmittags an hielt daS Automobil des Untersuchnngsrichters vor dem Hause Lindenstr. 74, an der Ecke der Jnnkerstratze. Einzeln begaben sich die Herren nach dem Hause Lindenstr. 77. So wurde jedes Aufsehen vermieden. Die Durchsuchung muß sehr gründlich gewesen sein, denn erst um 5 Uhr fuhr das Automobil vor dem Hause Lindenstr. 77 vor. Es nahm außer dem Untersuchungsrichter und den Kommissaren ein größeres Paket, einige Mappen und zwei große Kuverts auf. Alle diese Behälinisse bargen beschlagnahmte Schriftstücke und Bücher, die der Untersuchungsrichtcr zu näherer Prüfung an sich nahm. Die Geschäfts- und Wohnräume BruhnS waren gründlich durch- forscht worden. Selbst die Oefen wurden nackigeiehcn und geleert. Und in einem der Oefen machte man eine überraschende Entdeckung: Die Konnnissare fanden das halb verbrannte Manuskript eines Artikels gegen die Berliner Polizei, das Bruhn wahrscheinlich im letzten Moment noch vernichten wollte. Es sei hierbei daran erinnert, daß in der„Wahrheit" vor kurzer Zeit von angeblich„eingeweihter Seite" scharfe, persönlich gehaltene Angriffe gegen die Leitung der Berliner Kriminalpolizei erschienen, über deren Urheberschaft im Polizeipräsidium eine Untersuchung eingeleitet wurde, ohne daß es damals gelang, den Verfasser zu ermitteln. Das halb verbrannte Manuskript wurde sorgsam geborgen; es soll dem Gerickitschemiker Dr. Jeserich zur Untersuchung übergeben werden. In erster Reihe hatte die Hanssiichung den Zweck, den Jnseratenverkehr der„Wahr- heit" mit solchen Persönlichkeiten und Firmeninhabern festzustellen, gegen die in der„Wahrheit" zunächst Angriffe erschienen, Angriffe. die mit dem Moment aufhörten, wo Inserate für die„Wahrheit" in Auftrag gegeben wurden. Ucber diese Materie wurden Belege und Korrespondenzen beschlagnahmt, die Bruhn, wie verlautet, be- lasten sollen. Auch die Haussuchungen an den anderen fünf Stellen förderten Material zutage. Zu vermuten ist, daß das wesentlichste Material sicher von Herrn Bruhn längst beseitigt Tvorden ist. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden des 27jährigen HaiidlungSgehilfsn Franz Chavaleck aus der Elisnbethslr. 45 ge- funden. Der junge Manu, der längere Zeit hindurch ohne Stellung war, entfernte sich vor vierzehn Tagen aus der Wohnung und blieb seitdem verschwunden. Jetzt wurde der Unglückliche als Leiche aus dem Kanal gelandet; wahrscheinlich hgt er wegen der Arbeitslosigkeit Selbstmord verübt. Ueder die Entlarvung deS McdiumS Anna Abend gehen uns noch weitere Einzelheiten zu: Uebcr die Wiener Reise dcS Ehepaares wurde den Gläubigen in den Sitzungen von mehreren„himmlischen Brüdern" berichtet. Der alte Kriegsmann Fronzberg begrüßte sie mit Freuden und pries sie als ein gutes Untcriichincn. Ganz ab« weichend von ihm Hatto sich der„himmlische Bruder Martin Luther" über die Reise abfällig geäußert. Ob das vielleicht den alten KriegSmann auf den Plan gerufen hatte, ist nicht festgestellt. ES scheint aber, daß über diesen Gegenstand in den himmlischen Regionen größere Erörterungen gepflogen worden sind. Zuletzt nahm auch der Geist dcS Kronprinzen Rudolf noch Stellung zu der Reise und freute sich über sie. Aus welcher Quelle die„himmlischen" Offenbarungen" des Mediums auf den verschiedensten Gebieten wirklich stammen, zeigt ein JnformationSbuch, das von der Kriminalpolizei ebenfalls beschlagnahmt wurde. Es enthält kurze Aufzeichnnngen über bedeutende Persönlichkeiten und Er- eignisse. Diese Aufzeichnungen sind augenscheinlich aus Ge« schichtsbüchern und einem Konversationslexikon abgeschrieben oder zusammengestellt. Bei den Vorbereitungen auf eine Sitzung hat das Medium sie auswendig gelernt, und eS wußte dann fuf dem Gebiet, das es sich jedesmal vorgenommen hatte, wenigstens einigermaßen Bescheid. Aus einer„wissenschaftlichen" Sitzung stammt auch das Werk des Herrn Abend über die„Gsisterlehre". Die Geister selbst hatten befohlen, dieses Werk herzustellen und zu- nächst in 3000 Stücken auszugeben. Dannt ist aber die Geister» tätigkeit in den Abeudschcn Kreisen noch keineswegs erschöpft. Die guten Geister sandten vielmehr auch Bluniengrüße. Mit Vorliebe aus Italien, einmal auch zwei schöne Apfelsinen. Die Blunien, immer frische Sendungen, die einen Gruß Sanremo usw. dar- stellten, kamen nach und»ach in solcher Men�e, dah ste setzt getrocknet ein ganzes Herbarium füllen. Zum Leidlvcsen der Frau Abend und ibrer Gläubigen hat aber die Kriminalpolizei jetzt ihre lvirkliche Herkunft entdeckt. Sie fand noch die Kiste, in denen Blumenhändler sie au eine Deckadresse in der Jonasstratze sandten. Aber auch noch lvertvollere Dinge als Blumen und Apfelsinen lieferten die Geister. Dem Medium selbst sandten sie ein goldenes Kreuz, ihrer Schwester Auguste Blasius einen goldenen Ring mit dem Bilde Christi, des heiligen Bruders der Liebs, Herrn Abend einen silbernen bling mit dem Kreuze Christi, Herrn Blasius ein goldenes Logen- abzelchen. Wieviel Geld dem Ehepaar und aus welchen Unter- nehmungen im einzelnen es ihm zugeflossen ist, bedarf noch loeitercr Untersuchung. Aber auch schon die bisherigen Enthüllungen haben ge- niigt, Frau Abend stark mitzunehmen. Sie ist ganz aufgelöst und schon jetzt überzeugt, das; die guten Geister sie verlassen haben müssen. wenigstens für eine Zeitlang. Fciierwchrbcricht. Wegen eines Dachstuhwrandes wurde der 7. Löschzug nach der Schrcincrstr. Sö alarmiert. Dort brannten Verschlüge, der Fußboden und das Dachgebälk in geraumer Aus- dehnung. Die Lcrqualmnng war so groß, daß der Angriff über die Treppen sehr erschwert war und über eine mechanische Leiter vorgegangen werden mutzte. Nach längerem Wassergeben mit mehreren Schlauchleitungen konnte die Wehr gegen 10 Uhr abends wieder abrücken. Die Entstehung war nicht aufzuklären. Etwas später kam in der Fricdrichstraße 95 Feuer aus. Es brannte hier die Bekleidung eines Heizrohres. Gleichzeitig mußte ein Brand in der Brunnenstr. 35 gelöscht werden, der im Fahrradgcschäst«Frisch aus" ausgekommen war und u. a. den Fußboden, die Decke, Regale mit Fahrradteilen usw. ergriffen hatte. ES gelang den Brand auf das Geschäft zu beschränken. Gestern früh um 7 Uhr brannten Müllerstr. 177 im Seitenflügel der GesimSkastcn dcS Dachstuhls mit dem Gebälk. Der 16. Zug beseitigte die Gefahr. Gleichzeitig mußte ein Äüchenbrand in der Allensteinstr. 16 gelöscht werden, der durch Herabfallen eines GaSschlauches und Entflammung von Kohlen entstanden war. Um 8 Uhr vormittags brannten in der Königgrätzer Str. 78 Verschlüge mit Jiihalt auf dem Dachboden. In der Proskauer Str. 27 wurden Möbel, Fußböden, Türen usw. ein Raub der Flammen, die in einer Küche ausgekommen waren. Ferner hatte die Berliner Wehr in der Tresckolvstr. 49, Linicnstr. 8, Lhchcnerstr. 19 und anderen Stellen zu tun. Dort standen Küchen- möbel, Hausrat, Teer und Küchen in Flammen. Die Charlottenburger Feuerwehr hatte gestern abend am Char- lottenburger Ufer 53/54 längere Zeit zu tun. Dort war durch Ueberkochen von Firnis in den Charlottenburger Farbwerken Feuer ausgekonmien, das bei Ankunft der Wehr schon über seinen Herd hinaus war. Durch kräftiges Wassergeben gelang es, eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Der Schaden ist durch Versicherung ge- deckt und der Fabrikbetrieb nicht gestört. Auf der Fahrt nach dieser Brandstelle erlitt eine Dampfspritze beim Umfahren der Cauer- und Gnerickestraße einen Unfall. Sie stürzte, uin, wobei zwei Feuerwehr- männer und ein Pferd verletzt wurden und die Dampfspritze Schaden erlitt, so daß sie nach dem Feuerwehrdepot geschafft werden mußten. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Miitlvochabend 9 Uhr: 5. Abteilung in R ix d o r f bei Kaufhold, Erkstraße 3.— Donnerstag: 3. Abteilung in Schöneberg bei Wieloch, Grnnewaldstraße 110, und 4. Abteilung in Lichtenberg bei Beckmann, Samariterstr. 11. Vortrag in allen Abteilungen über Verletzungen, Wundbehandlung und Blutstillung. Erster Teil mit daran anschließenden praktischen Uebungen. Vorort- r�acbncbten. Charlottenvurg. Mit den Maßnahmen zur Hebung der Volksschulen will der Magistrat jetzt weiter vorgehen. Durch Gemeindebcschluß vom 13./27. März 1997 sind die Maßnahmen zur Hebung der Volksschulen bezüglich der Grundklasse», der Normalklassen und der L- Klassen, d. h. der besonderen Klassen für die langsameren und schwächeren Kinder, genehmigt worden, sie sind inzwischen durchgeführt� und haben sich bewährt. Nunmehr soll auch sür die auf der Volksschule verbleibenden, über das Durchschnittsmaß erheblich hinausragenden Kinder durch die Einrichtung besonderer A-Klassen gesorgt werden, die in vier aufsteigenden Stufen mit je einjährigem Pensum zu einer über das Ziel der' Volksschule hinausragenden Bildung führen. Es soll jedoch nicht, wie es sonst wohl aus gehobene» und mittleren Schulen der Fall ist, durch Zahlung von Schulgeld ein Platz ge- sichert werden, sondern allein die Würdigkeil und Leistungs- fähigkeit der Schüler nach dem Urteil der zuständigen Schul- männer soll den Zutritt zu dem A- System ermöglichen. Da man besonders begabten Kindern bei normaler Anspannung ihrer Kräfte etwas mehr Lehrstoff bieten kann als Kindern mit nur mittlerer Beanlagung, so wird in den Lehrplan der A-Klnssen neben den sonst in der Volksschule gelehrten Unterrichtsgegenständen un- bedenklich eine Fremdsprache aufgenommen werden können. Die Kinder werden also bei Erledigung des PensliniS der A-Klassen eine Bildung empfangen, die etwa in der Mitte liegt zwischen derjenigen der normalen Volksschule und der Realschule. Der Magistrat hofft, aus diese Weise dem Mittelstande, insbesondere dem Kaufmanns- und dem Handwerkerberuf, mehr als bisher befähigte und gründlich vorgebildete junge Kräfte zuzuführen. Bei Einrichtung der A-Klassen soll der seit dem Jahre 1993 bc» stehende französische Unterricht, der neben dem vollen leltionS- planmäßigen Schulunterricht erteilt wurde, in Wegfall kommen. Bei Einrichtung der französischen Kurse ging der Magistrat von der Voraussetzung aus. daß die Teilnehmer von einigen anderen Unter- richtsstunden befreit würden, aber die Regierung versagte dem dahin- gehenden Antrage die Zustimmung. Die Folge davon ist, daß die Teilnehmer jetzt 34 bis 37 Unterrichtsstunden wöchentlich haben, bei Teilnahme an, Koufirmandenunterricht sogar noch eine mehr. DaS bedeutet eine nicht unerhebliche Mehrbelastung, die nur körperlich kräftigen Kindern zugemutet loerden kann. Der neue Vor- schlag dcS Magistrats bezüglich der A-Klaffen bezweckt nun, eben?o wie an den mittleren �md höheren Lehranstalten die Fremd- -spräche organisch mit dem übrigen Schulunterricht zu verbinden und unter Beschränkung der für Deutsch, Schreiben, Religion u. a. vor- ! gesehenen Stundenzahl wie an jenen die Gesamtzahl der Wochen- tunden auf etwa 39 bis 32 zurückzuführen. Mit der Errichtung von A-Klasien soll Ostern 1910 zunächst in den westlichsten Gcmeindeschulcu begonnen werden, weil hier die Maßnahmen zur Hebung der Volksschulen bereits bis zum Schluß des 4. Schuljahres durchgeführt sind. Im Falle der Bewährung würde die Einrichtung 2 Jahre später, also zu Ostern 1912, auch auf den Osten ausgedehnt lverdcn. Die Anträge des Magistrats lauten im einzelnen: „1. Die tüchtigsten Schüler der Norinalklasse IV, welche bei ihrer Versetz-— g nicht nach der Sexta einer höheren Lehranstalt über- gehen, werden in besonderen Klassen zusammengefaßt und nach einem besonderen Lehrplan mit einer Fremdsprache unterrichtet. Das System A enthält 4 Klassen mit einjährigem Pensum. L. Schüler der A-Klassen, welche aus äußeren Gründen das Ziel der oberste» Klasse»och nicht erreicht haben, dürfen noch Vj— 1 Jahr über das schulpflichtige Alter hinaus die Schule besuchen. 3. Die Aufnahme in dii A-System erfolgt durch die Schuldeputation auf Vorschlag der Versetzungskonferenz mit Zustimmung des Rektors und des Schul» arztes. 4. Schüler, welche für die Fremdsprache keine Begabung zeigen, oder sich vernachlässigen, können am Schlüsse eines Schul- jahres wieder nach der Normalschule zurückversetzt werden; es be- darf dazu eines KonferenzbeschlujseS und der Zustimmung des Rektors." Die Stadtverordnetenversammlung wird bereits am heutigen Mittwoch zu dieser wichtigen Reform, die bisher nur in Mannheim durchgeführt ist, Stellung nehmen. i Rixdors. Daß eS in der Stadt des WahlrechtSraukeS zuweilen auch recht gemütlich zugeht, erhellt aus folgender von unterrichteter Seite herrührende Zuschrift: „Es ist namentlich anläßlich des StädtstageS viel von dem glänzenden Aufschwünge Rixdorfs die Rede gewesen, allein die Rahmig und Konsorten sowie der Rixdorfer Magistrat stehen durchaus nicht in dem Verdacht, an dieser Entwickelung die Schuld zu tragen. Wo es sich um Verlehrsfragen handelt, werden die Herrschaften regelmäßig entweder von der„Großen Berliner" über den Löffel barbicrr oder von der vorgesetzten Behörde, zum Schaden der städtischen Interessen, recht stiefmütterlich behandelt. Ein„bnreaukratischcs Stilleben" könnte man beispiclStveise die Rcgu- licrung der Kaiser-Friedrichstraße vom Hertzbergplatz bis zur Teupitzer- straße nennen. Schon im Vorjahre wurde damit begonnen, und auch dieses Jahr daran gearbeitet— aber fragt mich nur nicht wie l Seit Wochen herrscht völlige Ruhe, weil das Polizeipräsidium in Berlin, als Aufsichtsbehörde über Kleinbahnen, sich nicht darüber schlüssig zu werde» vermag, wie die Weichen am Hertzbergplatz ge- legt werden sollen. Und so wird wohl die Straße ein weiteres Jahr unvollendet bleiben. Tag und Nacht muß derweil ein Wächter wachen, daß das halbe Dutzend Schubkarren nicht gestohlen wird. Eine Haupt- Verkehrsader Rixdorfs kann ihren Zweck nicht erfüllen, ein neuer. sich täglich mehr erweiternder Stadtteil an dem zukünstigen Bahnhof beim Endpunkte der Kaiser-Friedrich-Straße wird in seiner Eni- Wickelung gehemmt und die dortigen Eimvohner haben alle Un- bequemlichkeiten der schlechten Berkehrsverhältnisse zu tragen. Aber St. Bureaukratius stört das alles nicht! Die Rcgierungsräte ans dein Berliner Polizeipräsidium werden sich noch längere Zeit die Dcnkerstirncn zerbrechen, was aus den Weichen am Hertzbergplatze werden soll. Der Magistrat in der Stadt der Wahlrechtsränber hin- gegen wagt es nicht,„nach oben hin" städtische Interessen energisch zu ver- treten.„Sorgen Sie für ein besseres Wahlrecht!" rief der preußische Ministerialdirektor v. Thiel auf der jüngsten Tagung des Vereins für Sozialpolilik aus, als ans die sammervollen Zustände in Preußen und das Elend der sogenannten„Selbstverwaltung" der Städte hin- gewiesen wurde. Der Magistrat in Rixdorf tut das Gegenteil, er gefüllt sich in der Rolle des Untergebenen der reaktionären Regierung und ihrer Organe. Tchönederg. In der letzten Sitzung der GcwcrkschaftSkommission forderte zu- nächst der Vorsitzende die Versammelten auf, den Schnapsboykolt überall zu beachten und unter ihren GewerkschaftSkollcgen für die Enthaltung vom Schnapse zu agitieren. Gleichzeitig wurde über die Stellungnahme der Berliner Gciverlschaftskonmiission zur Frage des Bierkonsums berichtet und hierbei scharf das Verhalten der freien Gastwirte verurteilt. Etwa 39 Restaurateure in Schöneberg haben aus Anlaß der Bierfrage den„Vorwärts" abbestellt, hierunter be- finden sich sogar Augehörige der freien Gastwirte. Für den Partei- genössischen Sinn dieser Leute ist dieses Verhalten besonders be- zeichnend. Notwendig ist, daß jeder Genosse, der ein Lokal betritt, darauf achtet, ob der„Vorwärts" ausliegt. Hierauf wurde zu dem neuen Regulativ der Gewerkschaftskommission Stellung genommen. Bemängelt wurde, daß der Zusicherung der vollen Selbständigkeit der Vorortkartelle, die diesen gelegentlich ihres Anschlusses an Berlin gegeben war, jetzt so wenig Rechnung getragen wurde. Das Regulativ sei den Vororlkartellen als beschlossene Tatsache vorgelegt worden, ohne daß sie vorher Gelegenheit gehabt hätten, hierzu Stellung zu nehmen. Genosse Kosanke gibt hieraus eine» Bericht über die Konferenz der Gewerkschaflökarlelle in Rixdorf. Den Bericht für den Jugendausschutz gab Genosse Bnchholz, auch teilte er die für das lausende Vierteljahr beabsichtigten Veranstaltungen mit. Außerdem veranstaltet der Wahlverein,' beginnend am 19. Januar nächsten Jahres, einen Vortragszyklus mit Lichtbildern über das Thema: „Vom Urtier zum Menschen" zum Preise von 60 Pf. für sämtliche Vorträge. Auch hier erwartet man, daß sich die Gewerkschaftler rege beteiligen. Für die Jugendlichen sind sämlliche Veranstaltungen, auch die Lichtbildervorträge des Wahlvereiiis, niicutgeltlich. Genoffe Henkel verwies sodann auf die am 6. November stattfindende Stadt- verordnetenwahl und forderte die Genossen auf, bei dieser Wahl voll und ganz ihre Pflicht zu erfüllen. Am 27. d. M. wird sich zunächst eine öffentliche Versammlung der städtischen Arbeiter und der Gas- anstaltsarbeilcr mit der Wahl beschästigen. Bon dem Vertreter der Gastwirtsgehilfen werden die Genossen aufgefordert, bei allen Vcr- anstalrungen der Partei und Geloerkschaften auf die Beschäftigung organisierter Kellner zu achten. Außerdem wurden noch verschiedene innere Angelegenheiten erledigt. Die VcrkchrSdePutation hatte sich in ihrer letzten Sitzung mit einer Reihe von Fragen zu beschäftigen, die für die Bewohner der einzelnen OrtSteile von erheblicher Bedeutung sind. Ein Schmerzenskind der einnahmefreudigen„Großen Berliner" ist die Linie I, die sogenannte Wüstenbahn. Da diese Strecke durch zum Teil unbebautes Gelände führt, glaubte daS nicht gerade durch seine uneigennützige Vcrlehrspolitik glänzende Verkehrsinstitut den bestehenden unzulänglichen 24-Minutcn- Verkeyr auf einen solchen von 30 Minuten herabmindern zu sollen. Demgegenüber wurde in der Schöneberger Verkehrsdeputation geltend gemacht, daß gerade die großen Zeitabstände zwischen den einzelnen Fahrten und die wenig geräumigen Wagen die Frequenz un- günstig beeinflußten, während die weit vorgeschrittene Bebauung des Sachsendannnes und die dort angesiedelten größeren Fabrik- anlagen eine schnellere Fahrtfolge und die Einstellung größerer Wagen rechtfertigen würden. Die Deputation glaubte demgemäß einen 15 Minnten-Verkehr beantragen zu sollen. Diese Neuerung würde der auch sonst merklich hervortretenden Bestrebung, den Straßenbahnverkehr schneller zu gestalten, entsprechen, wie man auch die Absicht hat, die bestehenden vier Haltestellen auf dem Biktoria- Luise-Platz auf zwei zu reduzieren, die sich an der Peripherie gegen- über liegen und so auch den Verkehr nach dem Zugänge zur Unter- grundbahn erleichtern würden. Rummelsburg. Der Jngendausschuß für Boxhagen-RummelSburg veranstaltet morgen Donnerstag, den 21. d.M., abends präzise 8 Uhr, im Saale der Witlve Wcigel, Türrschmidtstr. 45, eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung:„Jugend und Araeiterbewegung". Referent: Reichstagsabgcordneter E i ch d o r n. Parteigenossen! Bekundet durch zahlreiches Erscheinen, welches Interesse Ihr der Jugenderziehung entgegenbringt. Sorgt auch da- sür, daß Euere Söhne und Töchter die'Versammlung besuchen. Baumschulenweg. Zu einer interessanten Debatte kam eS in einer öffentlichen von der demokratischen Vereinigung einberufenen Versamnilung. Herr Oberst Gädke referierte über die liberale Einigung. Redner trat, nachdem er den deutschen Liberalismus gebührend gekennzeichnet, für einen großen Block einschließlich der Sozialdemokratie ein. In der folgenden Diskussion betonte zunächst Genosse Karow, daß er und seine zahlreich in der Versammlung anwesenden Gesinnungsgenossen mit der Kriiik, die der Referent gegenüber dem sogenannten Libe- raliSmnS angelvendet habe, einverstanden seien. Aus der Erfahrung aber, die er als alter Mann habe, wolle er hinzufügen, daß die Gründung aller freisinnigen, fortschrittlichen, demokratischen und sonstigen liberalen bürgerlichen Parteien und Vereinigungen mit ähnlichem Programm eingeleitet worden seien, wie die demokratische Vereinigung. Die Durchführung der Grundsätze sei aber immer an den entgegenstehenden Klasseninteresien ihrer Mitglieder gescheitert. Die beiden folgenden Redner von der demokratischen Vereinigung traten der Meinung unseres Genossen entgegen. Hierauf legte Genosse L ü d k e die grundsätzlichen Momente dar. die die Sozialdemokratie von der demokratischen Bereinigung trenne». Wenn die demokraiische Vereinigung indessen den Willen habe, mit der Sozialdemokratie in ihrem Kampfe ein Stück des Weges zu gehen, stehe dem nichts entgegen. In seinem Schlußworte betonte der Referent, daß die demokratische Vereinigung nicht die Absicht habe, in ihrer Agitation der Sozialdemokratie ins Gehege zu kommen. Ihr liege daran, erst das Kleinbürgertum zum politischen Denken und Kämpfen zu erziehen. Differenzpunkte seien natürlich vorhanden, nur werde cS der Sozialdemokratie w absehbarer Zeit nicht gelingen, ihre Ziele zu verwirklichen. Britz-Vnckow. Auf zur Gemciudevcrtretcr-Ersatzwahl! Heute abend von 6 bis°/«7 Uhr findet in Buckow im Gemeinde« schulhaus die Ersatzwahl zur Genieindevertretung statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist Genosse Joseph Hadameck, Bahnhof« straße 16. Daß die Wahl eines Sozialdemokraten namentlich für Buckow besonders notwendig ist, braucht nicht erst des längeren dargelegt zu werden. Es werden daher alle über ein Jahr am Orte wohnenden 24 Jahre alten Einwohner ersucht, beizeiten im Wahlburcau zu erscheinen und für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten einzutreten. Als Legitimation genügt der Steuerzettel. Köpenick. Bon einem beklagenswerte» Geschick wurde gestern nachmittag der Kutscher Heuschcl betroffen. Er war auf seinem Lastwagen durch die Kaiser-Friedrich-Straße gefahren, als plötzlich die Peitsche auf die Straße hinabfiel. H. stieg vom Bock, um sie wieder heraus- zuholcn. In dem Augenblick, als er sich danach bückte, zogen die Pferde wieder an. H. wurde umgerissen und unglücklicherweise gingen ihm die Räder des schweren Fuhrwerks über den Kopf irnd die Brust hinweg., Die Stirnseite wurde dem Bedauerns« lverten fast vollständig zermalmt. Sterbend wurde H. ins KreiS- krankenhaus gebracht. Neuenhagen-Fredersdorf. Am Sonntagnachmittag nahm die Mitgliederversammlung den Bericht vom Lcupziger Parteilag entgegen. Genosse Wessel erklärte in ruhiger, sachlicher Weise die gefaßie» Beschlüsse und Verhandlungen und protestierte insbesondere gegen die falsche Auslegung des Schnaps« boykottbeschlusses; von einer Mäßigung im Schnapsgenuß könne keine Rede sein, sondern es sei strenge Enthaltsamkeit zu fordern. Nur so habe der Boykott wirtschaftlichen und kulturellen Wert. Ge« nosse Schumacher bezweifelte die strikte Durchführung des Schnaps- boykotts; er machte ans die Konsequenz eventuell Ausschlüsse aus der Partei aufmerksam. Lei und Höselbart waren anderer Meinung, sie verlnnaten zur Verschärfung des Boykotts die Verbreitung eines diesbezüglichen Flugblattes. Die Versammlung erklärte sich hierauf mit den Verhandlungen und Beschlüssen des Leipziger Parteitags einverstanden. Eingangs der Versammlung ehrten die Anwesenden daS Ableben des Genossen A. Krüger, Petcrshagcn, in üblicher Weise. Waidmannslnst. „Der Parteitag in Leipzig" lautete daS Thema, über welches die Genossin Kienast-Tegel in der letzten Mitgliederversammlung des WahlvereinS referierte. Dem Vortrag schloß sich eine lebhafte Dis- kussion an. Annahme fand ein Antrag, welcher verlangt, daß monat- lich eine öffentliche Versammlung in den verschiedenen zum Bezirk gehörenden Orten abgehalten wird. Die Mitgliederversammlungen finden deshalb nur vierteljährlich einmal statt. Eine Resolution, welche sich mit dem Anschluß an die Berliner ZeitunaSexpedition be- faßt, wurde einstimmig angenommen. In die Kinderschutzkonunisston wurde die Genossin Luscher gewählt. Borsigtvalde-Wittenau. Nuter dem Namen Gesangverein„FrcihcitSklänge" haben sich kürzlich die beiden Gesangvereine„Freier Männerchor" und„Wald« chor" verschmolzen. Der Verein begeht am Sonnabend, 23. Oktober, in den Borsigwalder Fcstsälen ein Vergnügen. Die Genossen werden i ersucht, das Fest nach Rköglichkcit zu unterstützen. Zeugen gesucht. Personen, die am 15. Oktober, früh 6'/z Uhr, an der Blank»- und Schaniweberstraßen-Ecke den Unfall des Rad« fahrerS beobachtet haben, lverdcn um genaue Angabe ihrer Adreffe an Karl Wolf, Borsigwalde, Näuschstr. 2 part., gebeten. Potsdam. Eine Kollision mit der Elektrischen. Sonntag nachts um 2 Uhr ereignete sich in der Spandauerstraße ein Unfall, bei dem drei Per» sonen Verletzungen davongetragen haben. Die Droschke Nr. 67 des Fuhrherrn Friedrich Falkenberg fuhr mit zwei Passagieren in die Spandauer Straße und wurde dabei von dem Motorwagen Nr. 23 der L-Linie angerannt und zwischen einem Lichtmast und einer Laterne festgeklemmt. Durch den Anprall fiel der Kutscher vom Bock und zog sich Verletzungen im Geficht zu, während die Insassen au» dem Wagen geschleudert wurden. Sie erlitten gleichfalls Wer« letzungen. Verein ebemallger Vccliuer zur Bekäiiipfniig der Lungen- tuberkulöse. Heule Mittwoch, den 29., abends g Uhr, im„Rosenthaler Hos", Rosenthalcr Str. 11/12: Mitgliedcrversaininluniz. Gäile willkommen. Lese- und Diskutirrklnb„Iiidost". Heute abend S1/, Uhr: Gencralversamnilung bei Nddhardt, Görlitzer Straße 53. Vortrag über: „Demokratie". Gäste willkommen. Sozialdemokratischer Lese- und DisrutierNnb«Karl Marx«. Unsere Jahresversammlung findet nicht heute, solidem erst am Mittwoch. den 3. November, statt._ Stmtlicher Marktbericht der städtischen Marttballen-Dtrektlon über den Großhandel in den Zcntral-Marktballen. Marktlage: Fl ei Ich: Zufuhr reichlich, Geschäst schlappend. Preise unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geichäit lebhast, Preise gut. Geslügel: Zusuar ge« nügclid, Geschäst still, Preise nachgebend. Fische: Zusuhr genügend, Ge- schüst schleppend, Preise gedrückt. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft still, Preise wenig verändert. WttternngSüderstch» von, lS. Oktober 199S. morgen» S Ud». Wetterprognose für Mittwoch, den 20. Oktober 1909. Zeitweise etwas nebelig, vorwiegend heiter, trocken und am Tage mild bei schwachen südllchcn Winden. Berliner Wetterborea» WasterftandS-Nachrtchte» der LlMdeSanftait für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetteröureau. *)+ bedeutet Sucht.— Fall.—•) Uni erp iget. ßHeffeafteti der Redaktion. Ä. Sch. 429. Die Mutter muh der, dem VormundschaftZgericht dcan- kragen, baldigst einen Vormund zu beste Aeu und ihr zu gestatten, einen Tefl deS Geldes für die Alimente zu Verwerten, 2. Eine auherehcliche Mutter tviid Erbin ihrcZ KindeZ, ebenso wie das Kind Erbe der Mutter wird.— Jäckel. Selbstverständlich können Sie in Borschlag gebracht und gewählt werden. Eine gesetzliche Bestimmung verbietet nicht, einen Be- strasten zu einem Ehrenamt vorzuschlagen, es sei denn, dah es sich um den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte handelt. Von Fall zu Fall ist zu entscheiden, ob die Bestrafung derart ist, dah sie gegen die Bestellung stricht. In Ihrem Falle ist es nach der ständigen Praxis ausgeschlossen, dah irgend jemand auS dem von Ihnen Dargelegten einen Grund gegen Ihre Wahl entnimmt.— K. 34. Nein.— F. H. 9. Davon ist uns nichts bekannt. LunNeMSsife ist tur die Instandhaltung der Wäscke unserer Kleinen wie keine andere geeignet. Sie verleiht ihr köstliche frische und Reinheit im Gegensatz zu schlechten Seifen, die in den Wäschestücken ätzende und die Haut reizende Bestandteile zurücklassen. Die Behaglichkeit der jungen Weltbürger wird daher durch Sunlich Weife gefordert! aaJWMW'ii i iiiiiii im iiiiiiini■ mi i Für den Inhalt der Inserate Übernimmt die Redaktion dem Publik, im gegenüber keinerlei Verantwortung. Zheater. Mittwoch, den 20. Oktober. Ansang 7'/, Uhr. König!. Opernhaus. Tannhäuser. «gl. Schauspielhans. Der ein. gebildete Kranke. Deutsches. Hamlet. Kammerspiele. Die Zuflucht. (Ansang 8 Uhr.) Lesstng. TantriS, der Narr. Ansang 8 Uhr. Nettes köntgl. Opern.Theater. Der Amerrkaseppl. Neue» Schauspielhaus. Der Dummkovs. Komische Oper. Tiefland. Verliner. Einer von unsere Leut. Nachm. 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Neues. DaS Urbild be» Tartüffe. Hebbel. Der Skandal. iaesten. Die geschieden« Frau. VolkSoper. Der Postillon»on Lonjmneau. Thalia. Prinz Busfi. Residenz. Gretchen. Trianon. Pariser Witwen. LustsPielhanS. Man soll keine Briese schreiben. Kleines. Moral. Neues Operette». Die Dollar- Prinzessin. Schiller O.(Ballnrr. Xdeatei.) DaS Kästchen von Heistronn. Schnitt Charlotteuburg. Ein Friedrich- WIlbelmftiidt. Schau» spielbans. Die goldene Eva. Luisen. Inspektor Bräfig. Rose. Der Hüttenbesitzer. Metrovol. Halloh ll— Die große Revue. Folies Caprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8'/, Uhr. Apollo. Spezialitäten. LÄintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrnfeld-Theatcr. Eiiams Friseur. Meine- S Tochter. Karl Haverland- Theater. zialitäten. Casino. Onkel Cohn. LSailialla. Svezialitäten. Gastspiel. Ungerade Tage. Deserteur. Die keusche Toliictte. CousinPanipoulette, Ans. 8�/. Uhr, Palait. Grotzstadtzauber. Speziali. tüten, Noacts Theater. Frauenkamps. B»nagc. Spezialitäten, Reichshallen. Stcttiner Sänger. Urania. To»dr»s»r»s(e Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Pros, Dr. Rathgen: Einführung in die anorganische Experimemalchemie, Sternwarte, Invaliden str. 67(62. Frau Deine Epe- Der l.v»»lttzr-'ki»et»t«v. ?>/, Uhr zum erstenmal: TantriS der Narr. Drama in 5 Akten von Ernst Hardt. Donnerstag,. 8 Uhr: Die der- sunkcne Glocke. berliner fkester. Heute 8 Uhr:- EHfi«»' von nnaere lient'. Nachm, 3 Uhr: DcrTraumein Leben. Heues Theater. Oas ürtiileslarlie. Morgen und folgende Tage: ltos Urbild des TartQITe. Theater des Vestens. Ab-ndS 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonntag nachm. 3'/« Uhr: Die lästige Witwe._ Friedricti-Wilheimstädtlsclies Schauspielhaus. Mittwoch, 20. Oktober, Ansang 8 Uhr: Die goldne Eva. Donnerstag zum erstenmal: Das große Licht. Freitag: Das große Licht. Sonnabend- Das große Licht. Urania. WissenschaftlicheB Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Ubr: Prof. Dr. Rathgen: Einführung In die anorganische Experimentalchemle. Neues Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luiienstr. Ans, 8 Uhr. Heute u. folgende Tage: Die DolIarprlniEessin. Freitag, 22. Ottober, zum ersten. mal: Der arme Jonathan. Volks-Oper. SW, Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Gastspiel des königl. Kammersängers Werner Albcrti. Abends 8 Uhr zum erstenmal: von Komische Oper in drei Auszügen von Adols Karl Adam, ■DaotWM-mtnt)%| Abends 8 Uhr: Inspektor Bräsig:. Lebensbild in 6 Bildern v, Gasmann. Donnerstag: Die rote Robe. Freitag Premiere: Der Kamps um den Nordpol. Romantisches Zeitbild in 7 Bildern mit Gesang und Tanz,_ Lustspielhausi Abends 8 Uhr: Ha Ä keilt Briele seWei, OSE=THEATE| Große Frankjurter Str, 132, Ans. 8 Uhr, Ende ll Uhr. Der HMtnlikßhtr. Iii Schauspiel in 4 Akten v. G. Ohnet, Donnerstag: Die Jägertneisteriu. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Dns KUthchcn v.llcilbronn Großes historisches Nilterschauspiel in 5 Akten von Heinrich v, Kleist. ffiUF Ende 11 Uhr, Donnerstag, abendsZUdr: Das Kathcben v. Hcllbronn Freitag, abend» 8 übt: Die von Hochsattel. Tlieater. Schiller-Theater Chariottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ein Erfolg. Lustspiel in 4 Akten v, Paul Lindau. Ende 10 Uhr,"TSQ Donnerstag. abendSLUhr: Die erste Geige. Freitag, abends 8 Uhr: I>«o erste Geige. Lichtenberg Fernsprecher Nr, 8. r Franhftirter- Chaussee 5. 1 Jeden Mittwoch: LuMger fibend der fldelen Spatzen Vornehmste Herrengesellschast(neun Herren). Familien-Kränzchen. Broiler BaSI. Nach der Vorstellung: Jeden Sonntag: Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: »-ohn «kel UD.otm nkel ��ohil Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkert 8» iMgö icli denken kann, war ich nur ein halber Mensch. »Ich bin stets müde und abgespannt gewesen, ich blutarm war. immer Nasenbluten und sah hatte, obwohl aus wie der Tod, Das ganze Jahr war ich in ärztlicher Behandlung, nahm alle möglichen blutbildenden Mittel ein, aber von einer Besserung war keine Spur. Mit der Zeit wurde ich melancholisch. Ein Freund von mir bestellte für mich 30 Flaschen Lamschcider Stahibrunncn; schon nach der 5. Flasche bemerkte ich eine wesentliche Besserung. Ich wurde frischer, lebhafter. Nachdem ich alle Flaschen verbraucht hatte, war ich ein anderer Mensch. Wenn ich mich abends zu Bett legte, war ich nicht so müde al» früher, wenn ich morgen» auswachte. Und das danke ich näwst Gott Ihrem wunderbaren Waffer.-—.Mit Freuden teile ich Ihne» mit, daß ich eine Kur gebraucht und die ersehnte Hilfe gesunden habe.«—»Das Wasser kam wie ein rettender Engel, ich bin ganz glücklich, daft eS mir so gnt geht.«—.Der Stahstrunnen hat bei meiner Frau verblüffend gewirkt.«—.ES ist sür alte Leute fine wahre Wohltat.«—.DaS Waffer ist einfach kött- ich und steht wohl einzig in seiner Art hciiwirkcnd aus der ganzen Welt da,"— Solche Worte der Anerkennung nach erfolgreichen Kuren sind der beste Beweis für die trcff« lichen Eigenschaften dieser Heilquelle. Trinklurcn im Hause mit Lamscheider Stahlbruimen wann eustsohlen. Keine Berussstörung, Ausführliche Mtteiluiigen übe: Kurersolge und Anwendungsgebiet kostenlos durch die Verwaltung bei Lamscheider Stahlbrunnen in Düsseldors 6\V. 161. Chocotlcm« I Wohlschmeckendes Chocoladen-BizinnsUl- 1 Prttparat.— Milde, aber sicher wirkendes Abführmitlei. Zu haben in Apotheken und Drogerien. 102/13* Achtung, bewilligte Bäckerei! Hiermit meiner geehrten Nachbarschajt zur KcimlniS, daß ich im Hause Woldenhcrgecst?. 7 eine Bäckerei eröffnet habe.— Indem ich nur auS bestem Material hergestellte Backwaren zum Verlaus stelle, teile ich noch mit, daß ich die Forderungen deS Verbandes der Bäcker und Konditoren anerkannt habe._[20326]_ Ergebenst_ Fr. PrybU. Gastspiel-Theater Köpcnicker Straße 67/68. Täglich abends 8'/« Uhr: Die gute Partie. W.Koacks Theater ßniimemtr. 10, am Rosenthaler Tor. Benefiz«ermann Lewitz: Die Jüdin von Toledo. Anfang �9 Uhr.(fnhet 30 Pf. Stach der Vorstellung: Dan». Donnerstag: DaS WareuhauS- friluletu. Sonnabend: Der Glöckner von Notre-Dame. 9 llhr: Tohuwabohu. Burleske m. Gesang und Tanz(aus dem Amerikanischen) in 3 Biid,, bearb. V.Heinz Gordon, GcsangStextc v.Rud. Schanzer, Musik v. Jul. Einödshoser, Im 2. Bild: Ballett-Einlage», getanzt von The Irlsh Indian Maids. Vorher ab 8 Uhr: Die vollständig neuen Spezialitäten m. Mabel Berra, The Automatus, S Schwestern War- wiek, 4 Black Olamonds. ß. Qmfenjjagm flrmwenstr. n-is m Uetemmtr. t-2 Diese Woche: OmerragmO bittige Singebote in allen Abteilungen....... und Doppelte(Rabattmarken ' Mit Ausnahme einiger Artikeii Fettes Capriee. Mobilisierung. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11—2. Anfang 81/« Uhr, Nene Welt. Hasenheide. Mittwoch, den 20. Oktober» Uebkr's Grab hinaus. Lebensbild mit Gesang in 6 Bildern von Sonntag. Kasseneröffnung 7, Ansang B Uhr. Künigstadt-Kasino. Holzmarktfirabe 72. Täglich: Er»»» Sobanskt. Fi« Morrs, Gustav Eulenburg, Geschw. Arras, F. W. Hardt, The Hartl« u. Mifi Eltrah usw. Dr» SchwipSs Posse mit Gesang in einem Akt. Kutisigelgendgiier E. Toussaint BERLIN 0. Joachimslraße HC, liefert Reparaturen. aus Wunsch zugleich mit vorzgl. Tonvcrvcsscrung. 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Die erstklasfige» ZpemlitAen. vn« mz'sterlitee Ilnblnett. Olga Durand: ElnWelnraneeh, Der Blumenstrauft. Liederspiel. Ansang'Iß Uhr. Eniree: 50 Ps. bis S Mark. Vorzugsfarten. an Wochenlagen gültig, überall zu haben._ L Theatersaal; 0. Kanonenschlager Meyer mit'n Hängeboden mit Panl Bondlx in der Titelrolle und das glänzende Spezialitäten- Programm. Im Konzertsaal: Täglich: Gr. Konzert der ersten Kapellen der Berliner Garde-Regimenter. Reiehshalien-Theater. Sonntags 7 Uhr. Sanssouci, llZTl Direktton Wilhelm Reimer. Heute Mittwoch: Theater- Abend. Beginn 8'/, Uhr. Zum erstenmal: Muttersegen. Voirsstück. Morgen Donnerstag: Hofflnanns Rordd. Sänger und Dauzkränzchen. Beg. Sonnt. S, wochenl. 8 U. Karl Haverland Theater 77/79 Kommandantenstraffe 77/79. Ansang präzise 8 Uhr. Schlager auf Schlager bringt das nhtober-Programm. Passage-Panoptikum DjeTrauDimaierio Inn d. schwebende Ha»* Jungfrau. Der Botoboy d.künstl.zerl. Mensch Alles ok Vltaskop-Ilieatfif Oauorsorstellung von 4—7 Uhr, Dr. SimmeB Spezlal-Arzt' für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, ää, 10—2, 8— 7. Sonntags 10—12, 2—4. FaM-Haits„Friseii aar Berlin N. 31, Brunnenstr. 35. Wegen Brandschaden bleibt unser Geschäft bis aus weiteres geschloffen Wir bitten unsere werte Kundschast, vorläufig ihren Bedarf in unserer Filiale Kattbuserstr. 9 zu decken. Tanksugung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau und Schwester Helen« BnUer sagen wir allen Freunden, Verwandten und Bekannten, insbesondere den fiandwerkern des Gaswerks Schöneerg. den Kolleginnen von Kirchner u. Schwedhclm sowie dem Gesang- verein Rixdorser Männerchor unseren innigsten Dank. 2S3tL Johannes Bnllcr. j Billigste Bezugsquelle gedieg.TraBergaFilerolie iWestmannsi Trauer-Magazin j Berlin W., Mohrenstr. 37a I (NO., Gr. Frankf. Str. 115.| Genaue Beachtung | meiner Firma u. Hausnummer geboten! Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daff am 18. Oktober jrüh 2 Uhr nach langen Leiden meine liebe Frau, unsere Herzens- gute Mutter, Schwester, Schwäge- rin und Tante kuise Mannigel geb. CSerlke im 52. Jahre sanft entschlascn ist. I Otto Ufannigel nebst Kindern| Die Beerdigung findet am Donnerstag, 21. Oktober, nachm. 51/. Uhr, von der Leichenhalle des Lmsen-Kirchhofs, Fürstenbrunner! Weg, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes ;AR8}sr>& üobus sage ich allen Verwandten und Be- kannten, besonders dem Arbeiter-Rad- sahrer-Verein sowie dem Rauch klub .Blaue Wolke II" meinen herzlichsten Dank. 29322 Die trauernde Witwe Frau ffohUS nebst Kindern. Abend- und Theater-Mäntel. M. 10.- 12.-, 14.-, 18.-, 24.-, 30,-, 35.—, 40.-. 48—, 60.— bis 600.-» Seltene Formvollendung! Ausgesucht schfeks Fassons! Hoehvornehma Modelle! 5 50 Proz. ia In Ihrem eigenen Interesse:-__ Besneheu Sie mich mOgllcbBt vormittag*! 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Allen Verwandten, Freunden und Genoffen die traurige Nach- richt, daß meine liebe, unvergeß- liche Frau, unsere gute Mutter Eirnma Qloke geb. Heusel plötzlich am Herzschlage der- starben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstagnachinittag 3 Uhr vom Tranerhause Dunckerstr. 85 aus nach dem Gethsemane-Friedhos, Nordend, statt. 2036B Der trauernde Gatte Paul Gloh« nebst Kindern. Mäntel a ECostüme° Paletots □ Jacketts Uebersangsmäntel& Kleider □ Röcke° Blusen. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben, unvergeßlichen Mannes, des Bauarbeiter» WiiheBm Posen sage ich allen, welche ihm die letzte Ehre erwiesen, meinen herzlichsten Danl. 2041b Die irauernde Witwe Marie Poser. ßt» Mmm» und tDlUceramrait*«elbklt&UCe WascHmittel •W»«nw� mnTHtehler. geradem•. wundettwm' Wlira»-«m BUfchkrafl. WÄ.civ» dio W&ache von«elbal in tfasviectel bl» einhatbatundigem Kochen, macht ai« rein and blendend weiss, frisch und duftig wie vor» der Sonno gebleicht I Reibeq, Bdrstin. Waschbre«, selbst Seife und Soda sind entbehrlich, daher gana enorme Crspamis US Zeit, Arbeit«and Celd. Garantiert ucachldlieb bei fagYIcher Anurcedong. PakM« ä 35 und«5 Pfg. Vorbesserte.»»m Ot brauch billigstes, unrmichtea Seif osspul ve r. Gerannet: unachUuch. Kein Zknata tos Ketfs and Soda erforderlieb I Erleicbnd bedeutend des WaactKn» SS aar It ich res Hschrciben mit Hand oder Maschine nbrtf. Dt» wasehs wird•ehneeweisa und erhalt den frischen Geruch de» Rasenbleiche. Paket 25 Pfg. ts Verbindung mit Seife, ganz herrorragendes Waschmittel, bester Ertsn füt Bodt.»oraOgUch tum Einsetzen oder Einweichen der Wasch», nun Reinigen von schmutzigem Kllchcngeachiu und Bßltgertten etc. Oben genannte 3 Artikel in allen ein* schlägigen Geschäfte�u«rhalten. tSsiitigB Pabrikanfeni Henkel i Co., OOsaeldaeü In allen Drogen-, lioloniai waren- und 8eifeugesehäften erhältlich. Fabrik-Niederlage für Berlin und Vororte: JoRf. ScRimalOPf Berlin N., Tieckstraße II, Todes- Anseigc. Am Montag, den 18. Oktober,! mittags 12°/. Uhr, verschied nach kurzem Kraitkenlagcr mein Matte, i unser lieber Vater, der Bäcker- meister WUkelm Most im 55. Lebensjahre. Um stille Anteilnahme bitten die traucmden Hinterbliebenen Frau Bert» Möst, geb. Meier Nebst Kindern. Die Beerdigung sindet am s Donnerstag, 21. Oktober, nachm. J 2'l, Uhr, vom krai.tenhaus am Urban, Eingang Grimnistraste. aus nach dem Emmaus-Kirchhos, s Rixdors, Hermannstraße, statt. MlieMllpMMMM für den Görliher Viertel. Bezirk Nr. 213 Teil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser Genosse', der Bäcker- meister Wilhelm Most Görlitzer Str. 68 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 21. d. M., nach- mittags 2'/, Uhr, vom Kranken- bauS Am Urban aus nach dem Emmaus- Kirch hose in Britz statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstaiiv. des Iß. Herl Reichslags-Walilkrelses.| Todes- Anzeige. Am 16. Oktober verstarb unser Mitglied, der Stukkateur l�ohert Lorenz Ramlerstraße 9. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 16. Okiober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Himmeisahrts- KirchhosS, Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/14 Ber Topsland. Deulscher HolzarbeiteF-Verbandj Den Mitgliedern zur Nachricht, i daß unser Kollege, der Stell- macher Karl Conrad am 16. Oktober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mttwoch, den 20. Oftober, nach- mittags 4 Uhr, aus dem neuen Rixdorser Gemeindc-Friedhos am Maciendorser Weg statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/15 Oio Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-yerband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer I�udwix Nolle am 17. d. MtS. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 20. Oktober, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des spandauer Gemeinde- FriedhosS in Spandau aus statt. Rege Beteiligung erwartet 124/6 Die Ortsverwaltung. DeulA Transportariieiter-Ferliaiiil Ortsverwaltung Groß-Berlin. Nachruf. Den Mttgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Housdicner Otto Jänsch am Sonnabend, den 9. Oktober, im Alter von 27 Jahren an Unfall gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung hat bcrettS stattgesunden. 70/15 Die Verwaltung. Todes-Anzeige. , Allen Verwandten und Bc- J kannten die traurige Nachricht,! daß meine liebe Mutter, Groß- s mutter und Schwiegermutter iXuxuste Henkel geb. Eisner nach kurzem Leiden am 1(5. Oktober verstorben ist. Oio trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 20. Oktober, nachmittags i'l, Uhr, von der Leichen- halle deS Wilmersdorser Fried- wseS, Berliner Str. 103, aus statt. Lerglitworllicher Kedgkteur: Emil vnger, Gxunewgld. Für den gnseratenteil voran tw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» vuchdruckerei u. Berlagsanftalt Paul Einger St Co« Berlin SWs Dr. 245. 26. Jahrgang. 3. Ktilme des Lswärls" Knlnm MllisdlR Mittag 30. Skkd-r 1909. Vcrniifcbtco. Der Flug um den Eiffelturm. Graf Lambert, der erste Schüler Wilbur Wrigths, hat einen Flug vom Flugplatz Juvish nach Paris unternommen und ist, nachdem er den Eisselturm umflogen, wieder glücklich nach seinem Ausgangspunkt zurückgekehrt. Ucber den Flug wird aus ParlS gemeldet: Als Graf Lambert von seinem Fluge um den Eiffelturm zurückgekehrt und glücklich gelandet war, wurden ihm vom Publikum so begeisterte Ovationen dargebracht, daß es nötig wurde, ihn vor dem Andrängen des Publikums zu schützen. Der Graf, der sehr bleich war, äußerte, daß er sich schon seit einiger Zeit mit der Absicht getragen hatte, nach Paris zu fliegen. Als er den Flugplatz Juvish verlassen, habe er den Eiffelturm erblickt und da sei ihm der Gedanke gekommen. auf diesen zuzusteuern. Er habe den Turm in etwa hundert Meter Höhe überflogen und sei dann nach Juvish zurück- gekehrt, wobei ihm als Zielpunkt das weiße Reservoir von Juvish diente. Er habe niemals das Gefühl der Gefahr gehabt, nur sei ihm der Lärm des MotorS unangenehm gewesen. Der Rückflug nach dem Flugfelde sei auch durch die hereinbrechende Nacht erschwert gewesen. Die Gattin des Fliegers befand sich während des Fluges unterwegs. ohne von dem kühnen Unternehmen ihres MauneS unterrichtet zu sein. Als sie gegen S Uhr mit Verwandten über den Vendome- platz ging, wurde sie gewayr. daß die Leute gespannt in die Höhe schauten, und als sie unwillkürlich ihrem Beispiel folgte, sah sie in etwa 230 Meter Höhe den Wrightschen Aeroplan, den sie sofort als den ihre? Gatten erkannte. Sie eilte sofort nach Haus, wo sie nach einer halben Stunde aus Juvish telcphonisch die Meldung von der glücklichen Rückkehr ihres Gatten erhielt. Dampfcrzusammenstoß auf dem Rhein. Aus Mainz wird ge« meldet: Infolge plötzlich eingetretenen Nebels stieß gestern auf dem Rhein der Dainpfcr„Badeina II" mit dein Dampfer„Industrie IX" zusammen. Der letztere sank, während die„Badenia II" am Vorder» teil schwer beschädigt wurde. Von dem Schiffspersonal wurde niemand verletzt. Ein Wirbclsturm hat, wie eine Meldung aus Kalkutta besagt, Goalanda und andere Ortschaften OstbengalenS heimaesucht. Eine große Anzahl von Flußdampsern und Fahrzeugen Eingeborener sind gesunken. ES wird befürchtet, daß Europäer umgekommen sind, doch ist eS unmöglich, Einzelheiten zu erfahren; alle Telegraphen- Verbindungen sind zerstört. Bei Kalkutta entgleisten infolge deS Sturmes zwei Güterzüge, wobei ein englischer Zugführer ge- tötet wurde. Li-sclieiirt 8 mal wfichentlich. Abzahlungtgeachafte D GredMaus Moabit Tannstraße 55, Ecke Waldstrafle gewährt jedem bei spielend leichter An- und Abzahlung mehrjährigen Kredit auf Waren und Ntöbel. liibascber,S.i CredKHaus._ Gebr. Weber, Neue Künigstr. 58. Spandau, Pota- | damerstr. 331. konl antastet». Fl. Scb5neberg,Co!onn- . ü.jStr.OamRingbahnh. Weber, Herrn., Danzigerstr. 781. 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Wegen Erkrankung eines unserer Redakteure wird zum sofortige Antritt sür mindestens drei Monate, eventuell dauerndes Engagement, J ein Redakteur sür den provinziellen Teil unseres.Volksblatt für Halle u. d. SaalkreiS- gesucht. Umgehende Offerten mit Angabe der. Gehaltsansprüche bis spätestens den 24. Oktober erbeten an den Vorsitzenden der Prctzkommission 290/1* i Willielm Meli 1 garten, Halle a. S., Adolfstraße 3. flnnahiiKitellen für„Kleine Anzeigen" neriin C. A. Hahnisch, Auguststr. 50. W. G. Schmidt, Kirchbachstr. 14. 4>. W. Manu, Petersburger Platz 4. Gustav Bogel, Koppenstr. 83. R. Wengels, Andreas str. 17. XO, L. Zucht. Immanuel tirch Itt, 12. I. Renl. Barnlmstr. 42. Kf. H. Rafchke, Bernauer Str. 9. F. Trapv, Stettiner Stt. 10. Karl Mars, Lychcner Str. 123. Karl SSeifte, Nazarethkirchstr. 49. H. Pogel, Lortzingstr. 37. A. Tieh, Jnvalldenstr. 124. L. Dechand, Ruheplatzftr. 24. ZfW. Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. Meckert, Gotzkowskpftr. 29. SW. H. Werner, Gneisenaustr. 72. 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