Ur. 247. Bbonncments.Bedlngunacn; 88 onncmcutä. Preis pränumerando; Vicrtcljährl. 8,30 SKI., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hans. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- iiunimcr nnt illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. Aß. Jahrg. Crfödiit tlglld) außer tnontagj. f- Vevlwev Volksblntt. die sniertionz-Lebtihl' keirägt sür die scchsgcspaltene Kolonel- geile oder deren Raun: 50 Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins- Und Vcrsammlungs-Anzeigcn 30 Psg. „Ulelne ZInieigen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg,, jede? weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer t/üssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialilemolirat Btrlia". Zentralorgan der Ibzialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redahtion: SA. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983, Freitag, den 22. Oktober Expedition: 850. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984, Der f reiflDD für indirekte Steuern! In einem freisinnigen Flugblatte lesen wir: »Gegenwärtig herrscht in weiten Volkskreisen berechtigte Unzufriedenheit und Erbitterung über die verkehrte Steilcrgcsetzgcbung der k 0 n s e r v n t i v- k l e r i k a l-polnischen Mehrheit im Reichstag und die Sozialdemokratie ist eifrig bestrebt, diese Unzufriedenheit parteipolitisch auszunutzen. Die Freisinnige Bolkspartei hat die volksfeindliche Gesetzes m acherei des schwarz-blauen Blocks auf das schärf st e bekämpft und gegen alle neuen Steuer» gestinnnt. Gleichwohl richtet die Sozialdemokratie, auch bei den Landtagswahlen in Berlin, die heftig st en Angriffe gerade gegen die Freisinnige Volkspartei, sie scheut vor gehässigen Verunglimpfungen und selbst vor direkten Entstellungen und Unwahrheiten nicht zurück," Der Freisinn besitzt also die bodenlose Unehrlichkeit, sich die Empörung der Massen über die neuen Verbrauchssteuern zunutze zu machen, obwohl doch der Freisinn f e st e n t- schlössen war, 390— 400 Millionen indirekter Steuern zu bewilligen, sofern nur die Konservativen ihrerseits dem Block das Opfer brachten, für eine Erbschaftssteuer, sei es auch nur in der verballhornten und abgeschwäch- t e n Form der E r b a n f a l l st e u e r zu stimmen! Der Freisinn gebärdet sich, als habe er niemals etwas von einer Neubelastung der Massen durch indirekte Steuern wissen wollen, als seien die neuen Verbrauchssteuern die ur° eigene Erfindung des blau-schwarzen Blocks! Und diesen unverfrorenen Schwindel treibt der Freisinn nicht nur durch Flugblätter, sondern auch bei seiner m ll n d> l i ch e n Agitation. Die Kopsch, Schöler und wie die mikro skopischen Freisinnsgrößen sonst heißen mögen, haben die Stirn, in jeder Versanimlung ihren Zuhörern die gleichen Lügen aufzutischen. Solchen frechen Leugnungsversuchen gegenüber erscheint es uns denn doch angebracht, einmal den wirkilichen Tatbestand aktenmäßig festzustellen. Bereits gestern zitierten wir eine Auslassung der„V 0 s s. Z e i t u n g", die beweist, daß der Freisinn gar nicht darandachte.die geforderten Mehreinnahmen ausschließ lich, ja auch nur zum größeren Teile, durch direkte Steuern zu decken. Die„Fr eis. Ztg." hatte ganz genau denselben Standpunkt eingenommen! Allerdings war der Freisinn so vorsichtig, nichts darüber verlauten zu lassen, welche indirekten Steuern er denn nun eigentlich vorschlage. Um diese kitzliche Frage suchte sich Jder Freisinn noch Ende 1908 durch diefauleAusrede herum zudrücken, daß ja erst einmal bewiesen werden müsse, daß überhaupt eine halbe Milliarde neuer Steuern notwendig s e i. Die einfachste Bedarfsberechnung mußte dabei den Freisinn darüber belehren, daß eher mehr als weniger als eine halbe Milliarde neuer Steuern gebraucht werde. So erleben wir ja denn auch jetzt tatsächlich, daß trotz der inzwischen bewilligten neuen Steuern die alte Pumpwirtschaft im größten Maßstabe fortgesetzt werden muß! Diese dumm-pfiffige Vogelstraußpolitik konnte der Frei sinn natürlich nicht mehr beibehalten, als die Reichsfinanz reform im Reichstag zur Beratung gelangte. Da konnte er sich nicht länger hinter einfältige Ausreden verschanzen, da mußte er Farbe bekennen. Und er bekannte Farbe! So mußte der Redner der FreisinnigenJSölks p a r t e i, der Abg. Tr. Wiemer, am 18. Juni 1909 im Reichs tag erklären: „Wir sind nach wie vor der Meinung, daß das System der indirekten Besteuerung mangelhaft und für diebreiten Volksschichten nachteilig ist. Aber, meine Herren, wenn 509 Millionen neuer Steuern aufgebracht werden sollen — und es ist den Bemühungen der Steuerkommission nicht gelungen, von dem Bedarf etwas Wesentliches herabzusetzen—, so müssen wir doch unsererseits ancr- kennen, daß die große neue Last nicht durch direkte Steuern allein aufgebracht werben kann.... Unsere Haltung in der Kommission hat— daS wird jeder anerkennen müssen— unzweideutig dargetan, daß wir, wenn die Voraus- setzungcn erfüllt werden, auch bereit sind, einen ent- sprechenden Anteil an indirekten Steuern zu bewilligen." Herr Wiemer, der leitende Geist der„F r e i f. Z t g." und neben Fischbeck und Kopsch der Führer der„Frei- sinnigen Volkspartei", niußte hier also bekennen, daß das Geschwätz von zu machenden Ersparnissen nichts als fauler freisinniger Zauber war, daß auch der Freisinn an der Bedarfssumme von L00- Millionen nichts abstreichen konnte! Er hätte natürlich ein B e t r ä ch t l i ch e s abstreichen können, wenn er da hätte sparen wollen, wo einzig zu sparen war, auf dem Gebiete des Militarismus und Marinismus. Aber den wahnwitzigen Ansprüchen unse- res Marinismus sich zu widersetzen, dazu besaß natürlich unser flottenfromm gewordener Freisinn weder die Courage noch den guten Willen! Herr Wiemer gab also unumwunden zu, daß der Freisinn bereit sei, e r n st l i oh bereit sei, von den 300 Millionen neuer Steuern einen„entsprechenden Teil" durch indirekte, durch Verbrauchsstenern decken zu helfen! Und zwar dann, »wenn die Voraussetzungen erfüllt" würden. Diese Voraus- setzungen bestanden aber darin, daß zur Bemäntelung der skandalösen Volksansplünderung durch indirekte Steuern wenigstens ein g e r i n g e r Teil, ein F ü n f t e l der Steuern, durch Besitzsteuern, in erster Linie eine Erbschaftssteuer, aufge- bracht werde. Daß der Freisinn sich die Verteilung der neuen Steuern derart dachte, daß die indirekten Steuern den Löwenanteil, die direkten Steuern nur einen kleinen Prozentsatz des ge- samten Steuerbetrages bilden sollten, ist auch durch weitere Tatsachen unschwer zu erweisen! Hat doch der Freisinn niemals mehr als 100 Millionen Besitzsteuern gefordert! Wenn aber der Freisinn, wie das ja durch die Erklärung des Herrn Wiemer vom 18. Juni 1909 geschah, zugab, daß 300 Millionen neuer Steuern notwendig seien, so mußten doch unbedingt nach der Ansicht des Freisinns 400 Millionen durch indirekte Steuern aufgebracht werden, da ja nur 100 Millionen davon durch Besitz st euern aufgebracht werden sollten! Aber der Freisinn bewies nicht nur dadurch, daß er es an einem Hinweis auf ergiebigere direkte Steuerquellen fehlen ließ, daß er bereit sei, für indirekte Steuern in Höho von 300— 400 Millionen zu stimmen, sondern auch durch sein Eintreten für indirekte Steuern, daß er genau so wie Kon- servative und Zentrum bereit war, den schwersten Teil der neuen Steuern auf die Schultern der nichtbcsitzeudcn Klassen abzuwälzen I Hat doch der Freisinn in der Kommission für die Biersteuer gestimmt, ebenso für eine Erhöhung der Brannt weinstencr. Auch für eine Tabaksteuer stimmte der Freisinn! So bewies der Freisinn nicht nur durch seine prinzipiellen Erklärungen, sondern auch durch feine Abstimmung über ganz konkrete indirekte Steuern selb st, daß er durchaus bereit war, mit den Konservativen gemeinsam die„Reichsfinanzreform" auf der Grundlage zustandezu bringen, daß die große Masse der minder- und nichtbesitzenden Bevölkerung vier Fünftel der neuen Steuern aufzubringen hatte, während die Agrarier, Börseaner und Groß industriellen nur einen kleinen Bruchteil der neuen Steuerlasten zu tragen hatten! Wenn sich aber der Freisinn trotz dieser unanfechtbaren Feststellungen damit herauszuschwindeln versuchen sollte, daß seine Abstimmungen in.der Kommission ja noch durch aus unverbindliche gewesen seien und für die wahren Absichten des Freisinns noch nicht das geringste bewiesen, so brauchen wir solchen Ausflüchten gegenüber nur auf die Ausführungen des freisinnig-volkspartcilichen Häuptlings Dr. Wiemer selbst zu verweisen! Hat sich doch gerade der Abgeordnet Dr. Wiemer auf die Kommissionsverhand lungen berufen und wörtlich gesagt: »Unsere Stellung in den Kommissionen hat— das wird jeder anerkennen müssen— iinzwcidcntig dargetan, daß wir, wenn die Voraussetzungen erfüllt werden, auch bereit find, einen entsprechenden Anteil an indirekten Steuern zu bewilligen." Es beweist also nur eine wahrhaft eiserne Stirn, wenn die freisinnigen Demagogen in ihren Flugblättern sowohl wie in ihren Versammlungsreden zu behaupten wagen, eine mit Hilfe des B l 0 ck f r e i s i n n s zustandegekommene Reichs finanzreform würde im wesentlichen anders aus gesehen haben, als die von dem konscrvativ-ultramontanen Block ausgeheckte Ausplünderung der unbemittelten Volks schichten! Die Junker hätten nicht einmal die Nachlaßstener(diese zuerst vorgesehene, schärfere Form der Erbschaftssteuer, die 92 Millionen bringen sollte, sondern nur die Erblaßstencr, die nur 35 Millonen ablverfen sollte, zu bewilligen brauchen, und der Freisinn wäre bereit gewesen, skrupellos Mittel' stand und Proletariat vier Fünftel aller neuen Steuern auf znbürdcn! Die„berechtigte Unzufriedenheit und Erbitterung", die nach dem freisinnigen Flugblatt wegen der neuen Steuerausplünderung die Blassen erfüllen soll, hat sich also bei den LandtagSwahlcn am 80. Oktober gerade gegen den Bundesgenossen der Junker, gegen den Freisinn selbst zu richten I Gerade für die Berliner LandtagScrsatzlvahlen gilt die Parole: Nieder nnt den Vertretern der Volksauspliindenmg durch indirekte Steuern I Wieder mit dem freifinnl Zum Aahlkampf. Der Freisinn gegen das gleiche Wahlrecht! Die letzten Wochen haben nnS— leider nur zu oft— Ver- anlassung gegeben, die llnzuverlässigkeit des Freisinns auf allen Gebieten deS öffentlichen LebcnS zu beleuchten. Viel könnte dem Freisinn nachgesehen und vergeben werden, wenn er wenigstens in einem Punkte verläßlich wäre und Rückgrat zeigte. Das Drciklasscnwahlrccht ist das Fundament, auf dem die Junkerherrschaft in Preußen-Deutschland ruht. Hier ist die Wurzel aller Ucbel, unter denen wir zu leiden haben. Allmählich ist eS auch dem blödesten Philister klar geworden, daß die Demo- kratisierung des preußischen Wahlrechts die Voraussetzung für die Besserung unserer öffentlichen stilstände bildet. Tagtäglich ist derartiges selbst in liberalen Blättern zu lesen. Handeln die Freisinnigen dementsprechend? D e ck e n in dieser wichtigste» aller innerpolitischen Fragen ihre Taten sich mit ihren Worten? Erst die Tatsache, daß die Sozialdemokratie 1903 den Wahlkampf und damit zugleich den Wahlrechts kämpf aufnahm und ihn 1996 und 1993 mit solchem Ernst und solcher Energie weiterführte, daß selbst die preußische Regierung sich veranlaßt sah, in der Thronrede von 1908 eine Reform dieses Wahlrechts in Aussicht zu stellen, zwang die Freisinnigen, in ihren offiziellen Knndgcbimgen, Wahlaufrufen und dergleichen etwas schärfere Töne anzuschlagen, um sich nicht allen Wind aus den Segeln nehmen zu lassen. Das hinderte die Herren aber keinen Augenblick, in der Praxis die gleiche vollsverräterifche Politik zu treiben, die das kennzeichnende Merkmal der gesamten frei» sinnigen Wahlgeschichte bildet. Beweise für diese Be- Hmiptung können in Hülle und Fülle aus jeder Wahlkampagne bei» gebracht werden. Von den zahlreichen Beispielen aus dem letzten Wahl- kanipf von 1903, den die Freisinnigen ja vor allem unter dem Wahr- zeichen deS allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zu führen vorgaben, sei hier nur der unglaublichen Vorgänge in Flensburg und Niederbarnim gedacht, sowie an das Zirkular erinnert, welches Nationallibcrale und Freisinnige zu den Wahlmännerstichwahlen am 10. Juni v. I. in Schöneberg ver- sandten. Dies Zirkular hatte folgenden Wortlaut: Sehr geehrter Herr! Wie Ihnen bekannt sein wird, fehlen der Sozialdemokratie an der absoluten Mehrheit nur noch wenige Wahlinäuuer; es muß daher unter alle» Umständen verhindert werden, daß inden Stich- Wahlen noch mehr Sozialdemokraten gewählt werden. In Ihrem Bezirk stehen nun sozialdemo» k r a t i s ch e gegen konservative Wahlmänner zur Stich- Wahl. Wir bitten Tie öahcr, um die Sozialdemokratie z» schwächen, in diesem Fall für die konservativen Wahlmänncr zu stimme». v Für die Nationalliberale Partei: Justizrat Dr. v. Gordon. Rechtsanwalt Dr. Marwitz. Direktor Woiwode. Für die Freisinnige Partei: Stadtv. Zobel. Stadtrat K a tz. Magistratssekretär R a d l e r. Der schlimmste Reaktionär ist den Freisinnigen eben stets lieber als ein Sozialdemokrat! Der angebliche Kampf der Freisinnigen Partei für die Ueber« tragung des NeichStagswahlrechts auf Preußen krankt überhaupt an einem inneren Widerspruch. ES geht eben nicht an, im Parka- m e n t, wo man in einer hoffnungslosen Minorität sich befindet, mit volltönenden Worten für eine Demokratisierung des Landtagswahlrechts einzutreten und mit aller Kraft der glcicheü Demokratisicning des nicht viel vcsseren Wahlrechts zu den Ge- nicindc«, wo man die Macht hat, zu widerstreben! Gerade jetzt, wo in einigen Tagen in vier Berliner Landtagswahlkreisen die Urwähler neue Vertreter zum preußischen Abgeordnetenhaus zu wählen haben, erscheint daher die Erinnerung an Verhandlungen an- gebracht, die im Jahre 1900 im Berliner Stadtparlamcnt statt- gefunden haben. Die sozialdemokratische Stadverordneten- f r a k t i 0 n hatte damals den Antrag eingebracht, an den preußischen Landtag das Ersuchen zu richten, daß bei der Abäiiderimg deS KommunalwahlgesetzeS die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts auch für die Gemein dewahlen beschlossen werden möge. Unser leider so früh verstorbene Genosse Kurt Frendenberg begründete den Antrag. In glänzender Rede zerpflückte er im vornherein die be- kannten Argumente der Liberalen gegen unseren Antrag. Insbesondere wies er an der Hand des Berliner Etats nach, daß die Ein« nahmen Berlins und wohl ausnahmslos auch der übrigen preußischen Kommunen nur zum kleineren Teil aus direkten Stener- leistimgen bestehen, daß hingegen das Rückgrat der gemeindlichen Finanzen gebildet wird miS den Realst»W»r n, aus den U e b c r- chüssen der städtischenWerke, den Renten der ElektrizitäiS- und Straßenbahngesellschaften usw.. zu denen alle Bewohner der Gemeinde beistenern und die man sämtlich als indirekte Steuern bezeichnen kann. Die freisinnige VeweiSführnng geht bekanntlich dahin, baß im Reich Rechte und Pflichten für alle die gleichen fein müssen, weil das Reich indirekte Stenern erhebt und diese in gleicher Weise alle, gleichviel ob arm, ob reich treffen. Anch in den Einzel- 'taatcn könne man allen die gleichen Rechte zuteilen, trotzdem in diesen Staaten nur direkte Steuern erhoben werden, weil das Finanzsystem der Einzelstaaten durch die Matrikularbeiträge und Ueberweisungen auf das engste mit den Finanzen des Reiches ver- knüpft sei. Die Gemeindefinanzen hingegen beruhten auf direkten Steuerleistungen; es dürfte daher auch nur derjenige teilhaben an der Verwaltung der Gemeinde, der für die Gemeinde Pflichten über- nimmt, das heißt direkte Stenern zahlt. Trotzdem fqlche Beweisführung durch die zwingende Logik der Freudenbergfchen Ausführungen, deren genaue Wiedergabe hier zu weit führen würde, schon vollkommen widerlegt war, er- klärte der freisinnige Wortführer, Herr Cassel namens seiner Freunde, „daß unter denselben kein einziger sich befindet, der dieses gleiche und allgemeine Wahlrecht ohnejedeVoraus- fcfcung an jeden Beliebigen erteilen will, ohne Rücksicht auf den Beitrag z» den Lasten der Stadt." Und am Schlüsse seiner Rede wiederholte er dann das bekannte, um nicht zu sagen, berüchtigte Wort,„das; nur derjenige in der Ge- meinde mitraten dürfe, der auch mittäte". Unsere Funker, denen die Freisinnigen daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht angeblich abringen wollen, kennen die zwiespältige Haltung der Freisinnigen natürlich genau. Sie wissen vor allem wohl zu unterscheiden zwischen den vorgeschobenen und den wahren Gründen, welche die Freisinnigen zu ihrer Haltung bestimmen. So verhöhnte der Freiherr v. Zedlitz bei der Wahlrechtsdcbatte von 1V06 die Freisinnigen geradezu, indem er ihnen vorschlug, eimirnl auf Probe 5 oder 10 Jahre lang das allgemeine, gleiche, direkte und ge- Heime Wahlrecht für die Kommunen z» bewillige». Er fuhr dann fort:„Wenn Sie nach zehn Jahren noch darauf bestehen, dann wurden wir uns überreden lassen, in dieser Beziehung noch Iveiter zu gehen. Solange Sie aber nach dieser Richtung hin nicht nnt Anträgen»nd Wünschen an uns herantreten, tverden Sie eS uns nicht übel nehmen, wenn wir Ihre Vorliebe für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für Preußen einfach für platonisch halten, als eine von denjenigen Fordenntge«, die man ausstellt, weil man sicher ist, dich sie nicht erfüllt werden." Möchten bei den LandtagS-Ersatzwahlen am 26. Oktober die Urwähler der in Betracht kommenden vier Wahlkreise sich auch dieser Worte erinnern! Wer an diesem Tage einem Freisinns manne die Stimme gibt, verzichtet an seinem Teil darauf, daß die Axt gelegt wird an die Wnrzel der Nebel, unter denen Preußen leidet! Pflicht eines jeden wahren.Patrioten", so wie wir diesen Be- griff verstehen, ist eS daher, am 26. Oktober mit aller Kraft dafür einzutreten, daß der feige Streich der Freisinnigen, im Verein mit de» Junkern von 7 sozialdemokratischen Mandaten 4 z» kassieren, durch eine glän2encle CtUedcrwaM unserer Genossen zunichte gemacht wird!_ Die Mcitsnachwciszentrale des Zechen- verbandes. Wie wir bereits mcldchen, haben sich die vier Bergarbeiter- verbände gegen den vom Zechcnverband geplanten Zentralarbeits- »lachweis mit Eingaben an den Vorstand des Zechenverbandes, das Oberbergaint Dortmund und den Handclsminister geivandt. Auf Entgegenkommen dürfen jedoch allem Anschein die Bergarbeiter- verbände bei diesen Instanzen kaum rechnen. Beim Zechenverband war daS mit ziemlicher Sicherheit vorauszusehen. Die„Rheinisch- Westfälische Zeitung", die als Zechenblatt gut unterrichtet sein dürste, erfährt, daß der Zechenverband es ablehnen wird, mit den Bergarbeiterverbänden über die Einführung des Arbeitsnachweises zu verhandeln. Der Zechenverband stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die in der Siebenerkommission vertretenen Arbeitervcrbände keine Vertretung der Gesamtbelegschaft dar- stellen. Außerdem müsse der Zechcnverbaud es ablehnen,»nit Leuten in Beratung zu treten, die fortgesetzt die Bergwerke in der Presse und in Versammlungen beschimpfen und"die Arbeiter- schuft in frivoler Weise verhetzen. Auch habe eS sich bei früheren Gelegenheiten gezeigt, daß die Verblinde keinen ausschlaggebenden Einfluß bei den Belegschaften besitzen und gar nicht in der Lage seien, Abmachungen bei den Arbeitern durchzusetzen, die den radi- kalen Elementen nicht behagen. Voir einer gleichen Snmmuug weiß eine Berliner Korre- spondenz aus dem HandelSininisterium zu berichten. Sie schreibt, daß es zweifelhaft sei, ob eine Vermittelung von dieser Stelle aus stattfinden werde. Eine gesetzliche Handhabe, die zur Auf- Hebung dieser Arbeitsnachweise führen könnte, bestehe nicht. AIS seinerzeit ein Eingreifen oder eine Vermittelung der Behörden wegen Aufhebung der„schwarzen Listen" in Betracht kam, wurden lediglich genaue Informationen eingezogen, die nicht ergaben, daß die Behauptung zutreffe, mißliebige Arbeiter wären auf diese Listen gesetzt. Bei den jetzt in Diskussion stehenden Arbeits- nachweisen müsse auf alle Fälle anerkannt»Verden, daß durch sie eine Erleichterung für die Arbeitsuchenden geschaffen werde. Die Arbeiter hätten selbst anerkannt, daß ein häufiger Wechsel der Belegschaften auS Sicherheitsgründen schädlich sei. Sollten die ZwangSarbeitsnachwcise dahin wirken, daß unnötiger Wechsel er- schwcrt werde, so würde dieS nur vorteilhaft sein. Wenn mit diesen Gründen das Mimsterium wirklich jede Vermittelung ablehnen will, so wäre damit wieder einmal die völlige Verständnislosigkeit dokumentiert, die in Regierungskreisen gegenüber berechtigten sozialreformatorischen Forderungen der Ar- bciter besteht. Wenn selbst die Bergarbeiter anerkennen, daß hau- ftger Wechsel der Arbeit im Bergbau nicht gut ist, so wären doch wohl für die Beseitigung dieses Uebelstandcs andere Maßnahmen zu treffen, als Maßregelungsblireaus unter Obhut der Unter- nehmer einzurichten. Daß die Untersuchungen in bezug auf die schwarzen Listen ein so negatives Resultat gezeitigt haben, will wenig besagen. Der Verruf mißliebiger Arbeiter durch schwarze Listen ist in Deutschland eine so offenkundige Tatsache, daß aint- liehe Ableugnungcn daran nicht das geringste ändern. Sturz der spanischen lssordregleriing. Der Protest, der sich in der ganzen Welt gegen daS Wüten der fpainschenMUerikalen erhoben hat, hat seinen Zweck erreicht. Er hat n�Eniien den Mut der Opposition, der unter den fnrchtbc��J Verfolgungen der mörderischen Negierung geschwundet�rear, aufs neue belebt, er hat die Ent- schlossenheit aller freiheitlich Fühlenden anfs neue entflammt und vor dem neu sich organisierenden Ansturm des Volkes, das für den nächsten Montag in den Straßen der spanischen Hauptstadt zil einer gewaltigen Demonstration rüstete, sind die regierenden Henker, die so stolz prahlten und so frech logen, Plötzlich feige entflohen. Nach einer stürmischen Sitzung der Kammer hat das Ministerium M a ir r a seine Demission gegeben. Unmittelbaren Anlaß zur Demission gab ein Zilsammyilstoß zwischen dem Führer der liberalen Opposition, M o r e t, mit dem verhaßten reaktionären Minister des Innern L a c i e r v a in der Mittivochabendsitzung der Kammer. Dieser Provozierte die Liberalen in niaßloser Weise, erklärte nur die Konser- vativen für fähig, die„Ruhe in Spanien" aufrecht zu erhalten, wagte es, noch schärfere Unterdrückungsmaßregeln in Aussicht zu stellen und drohte angesichts der Ankündigung von Anschlägen gegen hochstehende Personen mit äußerster Strepge vorgehen zu wolleit, iiaiilentlich i»» dem unglücklichen Barcelona. Die geplante Kundgebung in Madrid werde verboten tverdcn. Diese Drohungen waren das Signal zum Ausbruch eines heftigen Tumults. Morct erklärte eS unter seiner Würde, mit einem Lacierva zil diskutieren. Die Opposition verhinderte durch Lärm und Pultdeckelkvnzert die Wcitertagung Der Präsident mußte die Sitzung schließen. Die Liberalen und Demokraken ließen der Regierung erklären, daß sie alle Mittel versuchen würden,»nn die Demission des Kabinetts zu erreichen. Der«stürm in der Kammer fand sein Echo in der ent- schlosseneren Sprache der Presse. Der Minister des Innern sirchte das Kabinett zu retten, indem er Donnerstag früh selbst seine Demission anbot, aber Maura sah ein, daß er der wachsenden Empörung nicht»nehr gewachsen sei,»Ad reichte die Demission des Gesamtkabinetts ein, die sofort angenommen wurde. ' Es ist eine verzweifelte Erbschaft, die Maura seinen Nach- folgern zurückläßt. Das Land ist in einen erfolg- und aussichts- losen Krieg verwickelt, der seine zerrütteten Finanzen vollends dem Bankerott entgegensiihrt. Die Situatien im Innern hätte bei einer Fortdauer des jetzigen Regimes nur zur Nevolntion führen können. Mauras Nachfolger werden ihre ganze Kraft daran setzen müssen, diese sürchfexliche Erbschaft so rasch als möglich zu liquidieren. Dazu ist vor allem die Beendigung des marokkanischen Abenteuers nötig, dessen Fort- führung ein Verbrechen am spanischen Volke wäre. In: Innern aber muß zunächst die Gewaltherrschaft be- s e i t i g t, müssen die konstitutionellenFreiheiten »v i e d e r hergestellt und die unglücklichen Gefangenen befreit werden. Dann aber muß mit dem System der klerikalen Ausbeutung und Verdummimg endlich gebrochen werden und alle Kraft an die Einsührung freier Volksschulen, an soziale Reformen und an die Wirt- schaftliche Erschließung des Landes verwandt werden. Dazu aber bedarf es eines völligen Systemwechsels und ob die Liberalen, die die Erbschaft Mauras antreten dürften, dazu fähig sind, ist freilich die Frage. Mehr als von dem guten Willen der Liberalen hängt die Aiitwort davon ab, welche Kräfte das spanische Volk selbst für seine Befreiung von dem fürchterlichen klerikalen Druck wird aufwenden können. Gelingt es, den Sturz der Negierung Maura zu einem Sturz des Klerikalismus zu gestalten, dann sind die Helden von Barcelona nicht umsonst gefallen. Heilte begrüßen wir mit Freude und Genugtuung den Stlirz der spanischen Negiernng. Die internationale Solidarität des Proletariats vor allem, das überall die Führung in dem Protest der Knlturlvelt gegen die spanischen Greuel hatte, wie es fast allein gegen die zarischen Greuel den Kampf führt, hat ihre Macht bewiesen, Mauras Niederlage ist auchunserSieg.� � Zur selben Stunde, als die Demission Mauras durch den Telegraphen gemeldet wurde, jubelt die brave„Kreuz-Ztg." in ihrer Abendausgabe über den angeblichen„Sieg des Kabinetts Maura". Das Junkerorgan fühlt sich mit dem Henkerkabinett ein Herz und eine Seele. Es ist entzückt über den angeblichen Bankrott der Protestbewegung, die die Position Mauras außerordentlich gestärkt habe. Es höhnt: „Man könnte daher fast zu der Annahme bewogen werden, als sei der große demokratische Sturm in Europa gerade zu- gunsten deS liberalen(?) Ministerpräsidenten Maura entfacht . ivorden, um seine Position der Opposition gegenüber zu stärken. . Dafür spricht wenigstens der Ausgang des Entrüstungsruinmels. Im anderen Falle würden sich die Wortführer bei der Ferrer- , Hetze, voran die ehrgeizigen Leiter der großen demokratischen Presse, als ausnehmend kurzsichtige Politiker erwiesen haben." In der Tat: kurzsichtig! Wir sind wirklich begierig, wie sich das in deutscher Sprache erscheinende Organ der spanischen Mordregierung aus seiner Blamage herausreden wird. Tapfere Liberale. Haag, 21. Oktober. In der Kammer schlug der Sozialist T r o e l st r a vor, die Kammer solle eine Beileidskund- gebung an die Kinder Ferrers richten. Der Prä- sident beantragte, den Vorschlag Troelstras nicht in Er- w ä g u n g zu ziehen. Der letztere Antrag, der von den Liberalen unterstützt wurde, wurde mit 70 gegen 8 Stimmen ange- n o m m e n. Sie SchreciiensherrichafS in(Rußland. Als Fürst K r a p o t k i u vor der Enropareise des Zaren sein Buch über die russische Henkerwirtschaft veröfsentlichte, versuchten die russischen und die tvesteuropäischen Offiziösen den gewaltigen Eindruck der in diesem Buche enthaltenen Daten durch den Hinweis abzuschwächen, daß sie vollkommen phantastisch und unbegründet seien. Nun ist dieser Tage ein offizielles Dokument veröffentlicht worden, das die Angaben Krapotkins nicht nur bestätigt, sondern in einiger Beziehung sogar übertrifft. Es ist eine Zusammenstellung der Berichte der örtlichen Administration über die Ergebnisse der „Bernhigungsarbeit" der Regierung pro 1997 und 1398, die das Ministerium des Innern angefertigt hat und demnächst iil der Duma einbringen wird. Trotz der Lückenhaftigkeit dieses Berichtes, der mir die Zahl der zum Tode oder zur Zwangsarbeit verurteilten Personen angibt und die der übrigen Opfer der gerichtlichen und administrativen Ver- folgungen— von den Opfern der Strafexpeditionen schon ganz abgesehen— verschweigt, entrollt der offizielle Bericht ein Bild, das alle Schönfärbereien und AbleugnungSversuche der Soldschreiber des Zarismus zuschanden macht. Der Bericht enthält hauptsächlich Angaben über die Tätigkeit der Militärgerichte, die sich nach drei Richtungen erstreckt: 1. Aburteilung der Zivilpersonen, die auf Grund des Ausnahmezustandes der ordentlichen Gerichtsbarkeit entzogen und dem Kriegsgericht übergeben worden sind; 2. Aburteilung der Zivilpersonen, die auf Grund des Militärstrafkoder zur Verantwortung gezogen sind; 3. Ab- urteilung von Militärpersonen wegen politischer Vergehen. Insgesamt wurden von den Militärgerichten zum Tode verurteilt: 1905 1906 1907 1008 Zivilpersonen.. 81 486 1029 2514 Militärpersonell. 10 65 84 51 Außerdem wurden von den Kriegsgerichten allein zur Zwangsarbeit verurteilt: 1997: 1612 Personen: 1998: 2338 Personen. Diese Zahlen umfassen natürlich noch lange nicht die Gesamtzahl aller in politischen Prozessen verurteilten Personen, die sich auf Grund der Angaben der Tagespreise in den Jahren 1993— 1998 auf zirka 3 4 909 beläuft. Daß diese Zahl bei weitem nicht vollständig ist, geht daraus her- vor, daß die Zahl der Todesurteile, die Krapotkin auf Grund dieser privaten Statistik angibt, hinter den Angaben der offiziellen Statistik weit zurückbleibt. Während er die Zahl der Todesurteile pro 1998 auf 1741 angab, registriert die vssizielle Statistik für dieses Jahr 2563 Todesurteile! Aus dem Bericht muß noch folgendes hervorgehoben werden. Der Ministerrat erließ nach der im Mai 1997 ex, folgten Aufhebung dSr Feldkriegsgerichte ein Nundschrelben, das die Prozessualordnlmg der Kreismilitärgerichts von Grund auf änderte und ein beschleunigtes Verfahren, welches die Militärgerichte den Feldkriegsgerichten fast gleichstellte, anordnete. Ferner erteilte der Kriegsminister den Militär- gerichten den Befehl, eventuelle Begnadigungsgesuche aus- führlich und genau zu motivieren, da ihm häufig der Vorwurf gemacht werde, die Militärgerichte s,ien z u nachsichtig und milde gegen die Angeklagten. Die Folge dieser beiden Verfügungen war, daß die Zahl der Todesurteile im Jahre 1998 die der Todesurteile im Jahre 1997 mehr als um das Doppelte überstieg. politische(lebsrklcbt- Berlin, den 21. Oktober ILM. Die Reichssinanznot. Um den Gerüchten entgegenzutreten, die in einigen Blättern über den Geldbedarf des Reiches und dessen Deckung durch eine neue Reichsanlcihe verbreitet werden, bringt die „Köln. Ztg." an der Spitze ihrer Nr. 1199 eine kurze offiziöse Uebersicht über die Reichsfinanzlage und die geplante Ausgabe neuer Zieichsschahanwcisungcn.„Die Finanzlage stellt sich", so schreibt das Kölner Blatt,„in runden Zahlen wie folgt: Auf Anleihen zu übernehmen sind an Matrikularbeiträgen ans dem Jahre 1996 28Millionen Mark, ans dem Jahre 1997 41Mill., aus dem Jahre 1998 80 Millionen, also zusammen 149 Millionen Mark. Die Fehlbeträge in der eigenen Wirtschaft deS Reiches betragen für das Jahr 1907 14 Millionen Mark, für das Jahr 1908 122 Millionen, zusammen 136 Millionen Mark. Ferner ist Deckung zu schaffen für die im Be- soldungsgesetz von: 15. Jtili 1909 vorgesehene Erhöhung der Bcamtengehälter mit 89 Millionen Mark und für Nach- Zahlungen der Gehaltserhöhungen und Wohnungsgeld- Zuschüsse vom 1. April 1908 ab mit 60 Millionen, zusammen mit 149 Millionen. Der Gesamtbetrag dieser drei Posten in der Höhe von 434 Millionen Mark erhöht sich durch Minder- eiirnahmen an Ausqleichsbeiträgcn seitens der süddeutschen Bundesstaaten für Post, Braustener ns>v., die sich auf sechzehn Millionen Mark belaufen, ans 450 Millionen Mark. Dagegen lverden zur Verfügung stehen: an Eingängen auS Steuern aus dem Jahre 1909 70 Millionen und aus dem Fortfall der Ueberweisung der Zollerträgnisse an die Bundes- staaten 75 Millionen, zusammen also 145 Millionen Mark, s o d a ß rund 305 Millionen gedeckt werdet: müssen. Es liegt wohl kein Grund vor, diesen Betrag nicht auch weiterhin durch kurzfristige Schatz- anweisungen gedeckt zu halten. Im Jilter- esse des Kursstandes der Staatsrenten arbeitet der französische Finanzminister dauernd niit weit größeren Beträgen schwebender Schulden als Deutschland, und auch in England sind zu gewissen Zeiten gleich hoho und höhere Beträge im Umlauf als bei uns. Gegenwärtig hat das Reich an kurzfristigen Schatzanweisungen Verbindlichkeiten von rund 400 Millionen Mark. Da nach dem Vudgetgcsetz 600 Millionen Mark in kurzfristigen Schatzanweisungen für den vorübergehenden Kredit ausgegeben werden können, s o hat der Reichsschatzsekretär noch genügende Mittel zur Verfügung, und ist keineswegs auf den Anleihemarkt angelviese n." Der preusiischc Staatshaushaltsetat für Der nächstjährige preußische StaatshanshaltSetat wird gegen- über den» Etat des laufenden JahrcS verschiedene Aenderungcn auf- weisen, besonders solche, die sich auf die Durchführung inzwischen erlassener Gesetze beziehen. Vornehmlich kommen die BesoldungS- gesetze und die zur Ausgabendeckung erlassenen Steuergesetze in Betracht. Die„Berk. Pol. Nachr." wissen darüber zu berichten: „In dem Etat für 1009 war bekanntlich für die DiensteinkommenS- Verbesserungen der Beamten, Geistlichen und Vollsschullehrer beim Finanzministerium eine einzige Position eingestellt, aus der die auf da? laufende Jahr entfallenden Lufbesierungsbeträge bestritten sind und werden. Im Etat für 19t0»vird natürlich die Gc- samtsumme auf die einzelnen Ressorts verteilt, und eS werden die Aufbesserungen in den Gehaltsummen für die verschiedenen Beamtenkategorien in die Erscheinung treten. Damit wird auch endlich das seit langein angestrebte Ziel, alle die Eiscubahnverwaltiing betreffenden Einnahme- und AuSgabeposten im Eiseubahnetat selbst zur Erscheinung zu bringen, erfüllt werden. Die Steuergesetze, die zur Deckung eines Teils der aus der Besoldungsverbesserung erwachsenden Ausgaben er- lassen sind. werden bedeutende Aeiidernngen bei den geschätzten ErtragSsumine» in de» Etats der direkten und der mdirelten Steuern hervorrufen. Bei de» direkten Steuern werden ja von den neuen Gesetzen sowohl Einkommen- als Vermögenssteuer betroffen. Im Etat der indirekten Stenern wird sich gemäß dem neuen Stempelsteucrgesetze bei der Stempelsteuer eine beträchtliche Er- höhung des EtatSansatzeS ermöglichen lassen. Im Etat für 1900 war ihr Ertrag gegenüber 1903 sogar um zwei Millionen Mark ermäßigt worden. Schließlich wird auch die ReichSgesetz- gebung auf den nächstjährigen preußischen Etat einwirken. Im preußischen Etat werden bekanntlich mlter den Einnahmen aus ReichSsteuern die Vergütungen für ErhebungS- und VerwaltungS- kosten aufgeführt: sie waren für 1909 aus 48,7 Millionen Mark beranschlagt. Nachdem während deS laufenden Jahres Aende- rungen in den Zöllen und in den berschiedensten Steuern deS Reichs eingetreten sind, die zu Einnahmeerhöhungen führen sollen, werden, da die Verwaltungskosten in Prozenten bom Ertrage vergütet werden, diese Etatspositionen erhöht werden können. Den Er- höhungen bei ihnen stehen allerdings aus Mehrausgaben infolge der notwendig werdenden Beomtenvermehrungcn beim Etat der indirekten Steuern gegenüber. So lverden bie inzwischen erfolgten Gesetze?- änderungen auf die verschiedensten Gebiete deö nächstjährige» preußi- scheu Etats ihre Riickwirkungen ausüben." Der Zweck deS Hansabnndes. In der MittwochSnummer veröffentlichte der„Vorwärts" unter dem obigen Titel einen den Mitteilungen deS„Soz. Preßbar." entnommenen Brief des Direktors Marx in Königsberg an den vor- sitzenden des HansabundeS Dr. Ricßer. Darauf antwortete gestern der Borstand des HansabundeS mit folgender durch daS»Wolffsche Telegraphen-Bureau" verbreiteten Berichtigung: Der vom„Vorwärts" gebrachte Brief des Herrn Direktor- Marx in Königsberg an den Präsidenten des HansabundeS Dr. Rießer existiert nicht, ist weder abgesandt noch angekommen, womit auch alle an ihn geknüpften Folgerungen entfallen. Der .Vorwärts" ist offenbar mystifiziert worden. Ans unsere Anfrage erhalten wir zu diesem Dementi vom .Soz. Preßb." nachstehende Erklärnng: „Der.Hansabund" hält sein Dementi in sehr vorsichsigen Forme», er behauptet nur, baß der Brief nicht abgesandt und nicht angekommen sei. Daß er nicht geschrieben winde, wird nicht behauptet, und in der Tat hat der Briefschreibcr. Direktor Marx, sich bisher auch gehütet, seino Autorschaft für den Inhalt deS Briefes abzuleugnen. Unser-/lewährSmann bestätigt uns übrigens noch einmal, daß der Brief, so wie veröffentlicht, ge« schrieben wurde." Vom pretchischen Mdeiksmmistunwesen. Nach der„Statistischen Korrespondenz" des preutzischen Statistischen Landesamtes bestanden am Jahresschlüsse 1906 in Preilsten 1182 Fideikomnnsse mit einem Gesamtumfange von 2 279 778 Hektar, das ist 6,o Proz. der Staatsfläche, darunter 16S8SS3 Hektar Fideikoinmist- Waldungen=- 3,0 Proz. der Gesamt- bezlv. 12,3 Proz. der Wald- fläche des Staates und 46,4 Proz. der G e s a m t- ftideikommitzflächen. Im ganzen hatten die Fideikomnusse Ende 1906 einen Grund- stener-Reincrtrag von 23180 815 M. oder 6,3 Proz. desjenigen der gesamten Staatsfläche.— Im Jahre 1907 wurden 16 neue Fidei- tommist'e, nämlich vier in der Provinz Posen, drei in der Provinz Brandenburg, zwei in der Provinz P o m m e r n und je eines in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Schlesien, Schleswig-Hol- stein, Westfalen, Hessen-Nassau und Rheinland, mit einer Gesamtfläche von 22 221 Hektar und einem Grnndsteucrreincrtrag von 178 497 M. errichtet; dazu kommen 75 Erweiterungen bestehender Fideikommisse, so- daß sich ein Gesamtziignng von 23 078 Hektar sdarnnter 8374 Hektar Waldfläche) mit 200 548 M. Grundstetierreinertrag ergibt. Deingegennber ist die Auflösiing von 3 Fideikommissen, nämlich je 1 in Ostpreußen, Sachsen und Westfalen, mit zusammen 1027 Hektar Fläche und 8641 M. Grundsteuerreincrtrag sowie eine Verkleinerung von 88 Fideikommissen zu verzeichnen, womit sich der Gesamtabgang ans 8063 Hektar(darunter 1385 Hektar Wald fläche) mit 53 883 M. Grundsteuerreincrtrag bekäust. Hiernach beträgt der Mehrzugang an Fideikommissen 13, an Fidcikommißflüche überhaupt 20 015 Hektar(darunter 6962 Hektar Wald) mit 146 660 M. Grundstetierreinertrag. Den größten Mehr- zugang wiesen auf Posen mit 6298 Hektar(darunter 1543 Hektar Wald) und 52 110 M. Grundsteuerreinerlrag; deinnächst Branden- bürg mit 4560 Hektar(darunter 1463 Hektar Wald) und 33 226 M. Grundsteuerreinertrag; Schlesien mit 4346 Hektar(darunter 3109 Hektar Wald) und 27 442 M. Grundstenerreinertrag; Pommern mit 2952 Hektar(darunter 657 Hektar Wald) und 26 079 Mark Reinertrag. Ein ziemlich bedeutender Mehrabgang trat in Sachsen mit 1069 Hektar(darunter 876 Hektar Wald) und 5581 M. Reinertrag ein. Im ganzen stieg nach vorstehendem bis Ende 1907 die Zahl der Fideikommisse ans 119», ihre Gesamtfläche auf 2 299 793 Hektar, das ist 6.6 Proz. des StaaiSumfanges, ihr Grimdsteuer-Neinertrag auf 28 327 475 M., d. i. 6,4 Proz. desjenigen des gesamten Staates; die Fidcikommißlvaldunge» stiegen auf 1 065 516 Hektar. das ist 3,1 Proz. der Staatsfläche, 12,9 Proz. der ganzen Wald- fläche im Staate und 46,3 Proz. der gesamten Fideikommißfläche Preußens._ Die Koburgcr Wahl. Wie uns aus K o b u r g telegraphiert wird, hielt dort die Demokratische Vereinigung am Mittwochabend eine gut besuchte Versammlung ab. Nach einem Referat Dr. Breitscheids wtirde eine Resolution, die zur Wahl deS sozialdemokratischen Kandidaten Zietsch und zur Ablehnung des reaktionären Nationalliberalen auffordert, unter großem Peifall angenommen. Eine liberale Wählerversammlung, die gleichzeitig tagte, war fast leer._ Militärischer Aufruhr, Beleidigung eines Vorgesetzten und AchtniigSvcrletzung, so lauteten die Straftaten, wegen deren sich die Landwehrmänner S t e i n f a t t und Matern sowie der Reservist S ch ü nt a n n apt Montag vor dem Kriegsgericht der 17. Division in Lübeck zu verantworten hatten. Der Tatbestand ist folgender: Die Angeklagten waren vom 1. bis 15. Juni zu einer Hebung im Lockstedter Lager eingezogen worden. Mit ihnen auch der Brief- träger Karloske in Lübeck, der Unteroffizier der Reserve ist. Dieser hat während der Hebung einen Reservisten wegen Ungehorsams ge- meldet und dessen Bestrafung veranlaßt. Dadurch soll sich der übrigen Mannschaften eine gewisse Erregung bemächtigt haben. Am Abend des 14. Juni soll Matern gerufen haben, und zwar so laut, daß der in der Nähe stehende Karloske dies hören und auf sich be- ziehen konnte respektive bezog:„Du bist mir ein schöner Krüppel!" Karloske hat Matern dann gemeldet. Am nächsten Tage wurden die Mannschaften dann noch erregter. ES wurde ironisch gerufen:„Der Unterojsizicr lebe hoch!" und„Hurra!" KarloSke wurde untdrängt, mit Sand belvorfcn, doch konnte er keinen fassen. Zuletzt setzte er sich dann abseits und hier soll Schümann an ihn herangetreten sein und ihm frech ins Gesicht gesehen haben. Später soll Schümann noch gesagt haben, indem er auf KarloSke zeigte:„Mensch, das ist ein großer Schweinehund I" Steinfatt soll sich an der Bedrängung des Karloske beteiligt tntd unter Bezug aus diesen gesagt haben: „Du bist ein großer Schweinigel!" Später soll er den Karloske von hinten mit dem Bein an einen Oberschenkel gestoßen haben. Das die Verbrechen, deren die Angeklagten sich an- geblich schuldig gemacht haben, �Es fand in dieser Sache bereits am 20. September eine Verhandlung statt, bei der die Oeffentlichkeit wegen„voraussichtlicher tendenziöser Berichterstattung durch die Preffe" ausgeschlossen wurde. Ein Grund, der von unserem Lübecker Parteiblatt scharf kritisiert wurde. Auch am Montag wurde der An- trag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit gestellt, jedoch abgelehnt. Die Bernehimmg der Angeklagten ergibt, daß Steinfatt entschieden in Abrede stellt, die Ihm zur Last gelegten Handlungen begangen zu haben. Als die Ansammlungen stattfanden, habe er zehn Schritt von Karloske entfernt gestanden. Auch Matern bestreitet energisch, mit dem Karloske irgend etwas zu tun gehabt zu haben. Die Aeußerung:„Mensch, Du bist ein schöner Krüppel, den andern gibst Du welche, mir nicht", habe er gebraucht, als ein Reservist Meier seinen anderen Kaineraden Zigaretten gab. Die Aussagen der Zeugen ergaben nichts für die Angeklagten Belastendes; im ' Gegenteil wurde bekundet, daß Steinfatt sich von den Ansamm- lungen der Mannschaften entfernt gehalten hat. Auch das dem Angeklagten Steinfatt ausgestellte Leumundszeugnis ist glänzend. Im Sinne der Anklage äußerte sich nur der als Zeuge vernommene KarloSke. Das genügte jedoch dem KriegSgerichtSrat Dr. Thilo, um gegen Steinfatt wegen militärischen Aufruhrs und Beleidigung 5 Jahre 1 Monat Zuchthaus, gegen Schümann Wfgen Achtungsverletzung und Beleidigung 15 Monate Gefängnis und gegen Matern 8 Monate Gefängnis zu beantragen. Es müsse ein Exempel statuiert werden, meinte her Herr. Der Ver- leidiger beantragte Freisprechung der Angeklagten. Dem schloß sich auch der Angeklagte Schümann, der keinen Verteidiger hatte an, dabei bemerkend, daß sich Karloske des Be- trugcS dein Kantinenwirt gegenüber schuldig gemacht habe. Danach gefragt, wurde plötzlich das Gedächtnis des Karloske schwach, er wußte sich der Sache nicht mehr zu erinnern und wollte seine diesbezüglichen Angaben auch nicht auf seinen Eid nehmen. Es wurde dann beschlossen, in dieser Angelegenheit weitere Zeugen zu vernehmen und die Verhandlung aus kommenden Freitag vertagt- Wir werden über den Ausgang des Prozesses berichten. Der furcht- bare Antrag des Kriegsgerichtsrates nach dein durchweg negativen Ergebnis der Beweisaufnahme in dieser ziemlich harmlosen Sache trägt sicherlich nicht dazu bei. das Ansehen der Militärjustiz zu fördern.__ Ein polnischer Spitzel. Lemberg.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Das Lemberger Blatt„RzecSnos Politik«" bringt unter der Uebcrschrift„Ein Azew in Posen" Enthüllungen deS polnischen Journalisten BoleSlaw Ra- kowski, der behauptet, für die Posener politische Polizei in Preußen und Calizien geheime Beobachtungen gemacht und Berichte über polnische Politiker erstattet zu haben. l Berichtigung. Im Leitartikel gestem hat der Setzerkobold sich einen bösen Streich geleistet. Im Zitat auS der„Kreuz-Zeitung" vom 18. April 1866 muß es heißen: „Das Dreiklasseiisystem ist die Herstellung eincr modernen Geldaristokratie(nicht„Sozialdemokratie"), welche alles Höhere und Edlere nach oben wie nach unten je länger desto mehr in den Staub des gemeinsten Materialismus herunterzieht." Oesterreich. Parlamentsbegiim. Wien, 20. Oktober.(Eig. Ber.) Heute ist das Abgeordnetenhaus zusammengetreten und sofort marlierte» die T s ch e ch i s ch- R a d i- kalen., O o str ukti o n". Als der Ministerpräsident und die Minister den Saal betraten, wurden sie mit Lärm und Abzugs- rufen empfangen und der Spektakel dauerte während der ganzen Sitzung fort. Die Präsidentenwahl wird am Freitag vorgenommen werden. Ob das Haus allerdings zu nützlicher Arbeit kommen wird, liegt noch Danz im Ungewissen. Die Sozialdemokraten sind entjchloffen, alles daran zu setzen, um ein normales Funktionieren des Parlaments zu erlvirken. Denn die Obstruktion verhindert nicht nur die Erledigung der längst fälligcit Alters der sich e- tun g, sondern trägt auch die Hauptschuld daran, daß sich die unfähige Regierung Biencrt so lauge im Amte halten konnte. Denn die Vorhinderung der Arbeitsfähigkeit des Parlaments ver- hindert zugleich jede wirksame und erfolgreiche Opposition gegen die Regierung. Die Sozialdemokraten haben zwei Dringlichkeitsanträge ein- gereicht. Der erste fordert die Pcrmaneiizerklärung des Sozial- v e r s i ch e r u n g s a u S s ch n s s e S, um so die Erledigung der Altersversicherung zu beschleunigen. Der zweite fordert eine Reihe von Matzregeln zur Milderung der Lebensmittel- teuerung und der Arbeitslosigkeit, darunter die Auf-' Hebung der Zölle auf Getreide und Futtermittel. Frankreich. Gegen die Auslieferung Eambadschidses. Die zarische Regierung fordert von der französischen Republik die Auslieferung eines jungen russischen Revolutionärs, G a m- b a d s ch i d s e, der in Bordeaux verhaftet worden ist und gegen den die Untersuchung in größter Heimlichkeit geführt wird. Gambadschidse, der in Bordeaux auf der Universität inskribiert ist, wird, wie Zeitungsmeldungen besagen, beschuldigt, ein„Kind" in der Absicht, seinen Eltern Geld abzupressen,„entführt" zu haben. Die Ber« tretet verschiedener revolutionärer Organisationen Rußlands ver- öffentlichen soeben einen Protest gegen die Auslieferung, der in der„Humrntits" abgedruckt wird. Die Erklärung ist von Lenin und R u b a n o w i t s ch, den Delegierten der russischen sozialistischen Parteien im Internationalen Bureau, von den ehemaligen Dumamitgliedern Anikin und U l j a n o w und von A w ks e n t i e w, dem Redakteur der„Znomia Truda", des offiziellen Organs der Sozialrevolutionäre, Burzew, dem Redak- teur der„Bhloje", und Martow, dem Redakteur der„Stimme des Sozialdemokraten" unterzeichnet. Sie gibt auch auf Grund der angestellten Erhebung eine Darstellung des Falles. Gambadschidse war Mitglied der anarchistischen Föderation des Kaukasus, ebenso wie das von ihm angeblich entführte„Kind", das gleich dem Eni- führet 18 Jahre alt ist und jetzt, wie er, im Ausland studiert. Die anarchistische Föderation verfolgte den Zweck, Waffen zur Bekämpfung des Zarismus anzukaufen und Geheimdruckereien zu errichten. Gambadschidse soll aber, wie Gewährsmänner ver- sichern, an der„Entführung" gar nicht teilgenommen haben und seine Verfolgung ist«nscheinend ein bloßer Racheakt der zarischen Polizei. Die Nnterzeichner des Aufrufs heben ausdrücklich ihren Gegensatz zur anarchistischen, im Banditeiitume mündenden Taktik und die Notwendigkeit der parlamentarischen Aktion und der zentralisierten politischen Organisation hervor, sie weisen aber darauf hin, daß im Augenblick der sogenannten„Eni- siihrung" der Kaukasus mitten im revolutionären Sturm stand und daß noch jetzt in Rußland die elementarsten Rechtsgarantien fehlen. Admiral T o u ch a r d, unter Elemenceau der französische Botschafter in Petersburg, hat seinerzeit bei der Präsentierung seines Beglaubigungsschreibens erklärt, daß sich die Regierung der Re- publik nicht zu Diensten hergeben werde, die der Würde und den Traditionen Frankreichs widersprechen. Die Unterzeichner sprachen die Hoffnung aus, daß auch die neue Regierung den Geist dieser Erklärung nicht verleugnen werde. Die Wahlrcform. Paris, 21. Oktober. Die Deputierten kämm er begann heute mit der Beratung der Vorschläge, wonach die Depu° t i e r t e n w ah l e n in Zukunft ans Grund der Listenwahl nach dem Proporttonalsystem vollzogen werden sollen. Dänemark. Ei» MißtrancnSvotum. Kopenhagen, 21. Oktober. Im Verlauf der heutigen Beratung des Folkethings brachten die Radikalen als auch die Sozial- demokraten den Antrag ein, dem Ministerium Holstein ein M i ß- trauensvotum auszusprechen. Die Wortführer der RegicrungS- Parteien erklärten sich gegen die Anträge. Der Ministerpräsident führte aus, die Angriffe auf ihn seien unbegründet, seine Haltung sei vollkommen korrekt gewesen. Da er seine Aufgabe, die neuen Milttärgesetze durchzuführen, gelöst habe, sei es ihm gleichgültig, was angenommen werde. Er wolle aber darauf aufmerksam machen, daß das ganze Ministerium in dieser Sache mit ihm solidarisch sei. küilZlancl. Unbequeme Bildungsbestrebungen. Kiew. 21. Oktober. Die hiesige polnische Gesellschaft für B i l d u n g s z w e ck e..O Z w j a t a" wurde nebst allen ihren Filialen geschlossen, auf Grund eines U las es des Senats, welcher die Z i e l e u n d Aufgaben der ge- nannten Gesellschaft für unvereinbar mit der Politik er» klärt, welche die Regierung in den Westgouvernements verfolge. finnlancl. Zurückweichen des Senats. Helsingfors, 21. Oktober. Unter dem Vorsitz des General- gouverncurS fand heute eine Sitzung des WirtschaftsdcpartementS des Senates statt. Nach Verlesung eines Manifestes des Kaisers betreffend den Kriegsbeitrag Finnlands beschloß das Departement das Manifest ordnungsmäßig zu veröffentlichen und schrieb der Hauptkaffe vor, der Reichs- rentei 20 Millionen Mark zu überweisen. Gleichzeitig brachte der Senat an den Landtag eine Vorlage der kaiserlichen Regierung über die finanzielle Regelung dieser Frage für die nächsten Jahre ein. Serbien. Ministcrkrise. Belgrad, 21. Oktober. Justizminister R i b a r a t s ch hat seine Demission überreicht. Infolge dessen hat daS Kabinett N o w a k o» witsch seine Entlassung eingereicht. Der König hat die Deinission deS Kabinetts angenommen. Das neue Kabinett wird voraus- sichtlich aus den beiden Gruppen der Radikalen gebildet werden. SevyerklekaMicdes. Christliches Elend. Kürzlich konnten tvir von dein Christlichen Tabakarbeiter« verbände einen erheblichen Rückgang berichten, jetzt liefert uns die in Nr. 4(3 der„Bangeiverkschaft" abgedruckte Ab- rcchnnng des Christlichen Bauarbeiterverbandes vom 1. Halb- jähr 1909 weitere Zetignisse des christlichen Elends. Die Mit- glicderzahl dieser zweitgrößten christlichen Gewerkschaft betrug am 1. Juli 19(38 377(31, am 1. Januar 19(39 36(374, am 1. Juli 19(39 34831. Innerhalb eines Jahres ist die Mitglicdcrzahl also um 285(3 oder 7,5 Proz. gesunken. Dieser Verlust erklärt sich aus dem allgemeinen Rück» gang der Bautätigkeit; er ist darum auch eine Er- scheinung, die wir bei allen batigeiverblichcn Verbänden, wenn auch nicht in diesem hohen Maße, antreffen. So ergibt sich beispielsweise bei einem Vergleich der Mitgliedcrzahlen des Maurerverbandcs: 18(3(358 Mitgliedei�am 1. Juli 19(33 und 174 588 Mitglieder am 1. Juli 19(39. Das ist ein Rück- gang um nur 3,3 Proz. Aber davon abgesehen. Dem Nach- lassen der Bautätigkeit haben alle baugeiverblichen Verbände ihren Tribut zollen müssen. Weit bedeutsamer ist jedoch die Bcwcgting der Mitgliederzahl seit dem 1. Januar d. I. Da sehen wir bei den Christlichen einen weiteren Rückgang von 1221 oder von 3,4 Proz., während die Verbände der freien Gewerkschaften in der gleichen Zeit einen kräftigen Auf- schwung genommen haben. Der Maurerverband allein hat im zweiten Vierteljahre 19(39 über 1403(3 neue Mit- glieder gewonnen, die übrigen baugcwerblichen Zentralverbände haben ihre Mitglicderzahlen in annähernd dem gleichen Ver- hältnis gesteigert. Der Gewinn der freien Verbände, die für "das Organisationsgebict' deS christlichen Verbandes in Betracht kommen, beträgt im ersten Halbjahr 1999 gegen 25 03(3. Und diesem erklecklichen Zuwachs hat der christliche Verband nichts entgegenzusetzen, nichts, als einen empfindlichen Verlust. Das ist eine äußerst wichtige und erfreuliche Erscheinung. Sie ist nur so zu deuten: Was für die christlichen Gewerkschaften zu holen war, das haben sie dahin. Die Arbeiter, die für die freien Gewerkschaften noch nicht reif waren, haben die Christ- lichen organisiert; damit sind ihre Reservoire erschöpft. Die nächste Konjukturwelle mag sie noch einmal etwas mit empor» heben, ihre Auftriebskraft darf aber wohl als erschöpft gelten. Diese Erkenntnis mag für die Christlichen peinlich sein, aber ihr Geschimpfe wird nichts daran ändern können. ScrUn und Umgegend» Achtung, Kesselschmiede, Nieter, Stcmmcr! Der Betrieb Schwartzkopff, Werk Wildau, ist nach wie bor ge- sperrt. Wir bitten jedes Arbeitsangebot nach Wildau abzulehnen. Arbeitersreundliche Blätter ersuchen wir um Nachdruck. Deutscher Metallarbeiter-Verband(Ortsverwaltung Berlin.) Lohnbewegung ber Maler. Die Forderungen, welche der Verband der Maler für die be- vorstehenden Tarifverhandlungen eingereicht hat, werden von den Arbeitgebern als unannehmbar bezeichnet. In ihren Versamm- lungen und in ihrer Presse wenden sich die an der Spitze ihrer Organisation stehenden Arbeitgeber mit einer Entschiedenheit gegen die Forderungen des Verbandes, die darauf schließen läßt, daß sie Wohl Tarife mit den organisierten Arbeitnehmern haben. aber keine Verbesserungen der augenblicklich bestehenden Ver- Hältnisse bewilligen möchten. Auf der anderen Seite sind die Ar- beitnehmer aber nicht willens, Tarife ohne Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse abzuschließen. Es hat deshalb den Anschein, als ob die Bewegung keinen friedlichen Verlauf nehmen wird. Die Arbeitgeber dryhen mit der Aussperrung, falls ein neuer Tarisabschluß nicht zustande kommen sollte, und die Arbeit- nehmer sind fest entschlossen, lieber ohne Tarife zu arbeiten, als solche ohne Verbesserungen abzuschließen. Uebrigens sind die geforderten Verbesserungen wirklich nicht so erheblich, daß sie nicht bewilligt werden könnten und daß eine angemessene Lohn- erhöhung schon mit Rücksicht auf die durch die Steuerpolitik der Regierung wesentlich verteuerte Lebenshaltung der Arbeiter eine unabweisbare Notwendigkeit ist, kann kein einsichtiger Mensch bestreiten. Ebenso wie die geforderte bescheidene Lohnerhöhung bezeichnen die Arbeitgeber auch die in Berlin, Hamburg und Bremen geforderte Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde täglich als unannehmbar.— Beide Parteien stehen sich also jn der schärfsten Meinungsverschiedenheit gegenüber, und es ist noch nicht abzusehen, ob bei den Verhandlungen eine Ver- ständigung erzielt werden kann. In der Annahme, daß es wahrscheinlich zu einem Kampf. ob Streik oder Aussperrung, kommen wird, trifft der Verband der Maler für alle Fälle seine Vorbereitungen. In Berlin und den Bororten hielt der Verband am Mittwoch und Donnerstag neun Versammlungen ab. Funktionäre des Verbandes traten als Redner vor ihre Kollegen, um sie über die Situation zu in- formieren und zur Kampfbereitschaft aufzufordern. Die Be- trachtung der Lage in Groß-Berlin zeigte, daß, wie eine kürzlich vorgenommene Bautenkontrolle ergab, ein ziemlich starker Prozentsatz der Beschäftigten Mitglieder deS Verbandes sind. Wenn also auch in dieser Hinsicht die Situation nicht schlecht ist, so muß natürlich, wie allerseits betont wurde, für weitere Stärkung der Organisation gesorgt werden, damit sie, komme, was kommen znag, gerüstet ist, um einen Kampf siegreich zu bestehen. Durch Annahme von Resolutionen gaben die Versammlungen ihrer Ansicht dahin Ausdruck, daß sie gegen die Behäuptung der Arbeitgeber, die vom Verbände aufgestellten Forderungen seien .frivol, protestieren. An den Forderungen, deren Bewilligung an- gesichtS der durch Steuern und Zölle verteuerten Lebensmittel unbedingt notwendig sei, werde mit aller Entschiedenheit fest- gehalten._ Achtung, Töpfer! Herr Töpfermeister M. K r a m a r S k i. Dänenstr. 4, und die Hirsche, welche bei ihm arbeiten, fühlen sich durch unsere Notiz im „Vorwärts" vom 7. d. Ml§. beleidigt. Sie haben deshalb an die Redaktion des„Vorwärts" und des„Töpfer" eine Berichtigung ge- schickt, worin sie bestreiten, daß bei K r a m a r S k i 5 Prozent vom Lohntarif abgezogen werden. K r a m a r S k i versichert dieses sogar an EideSstatt; auch will er seine Lohnbücher zur Einsicht vor- legen. Wir müssen aber bei unserer Behauptung bleiben, daß K r a» m a r S k i 5 Prozent vom Lohntarif abzieht und die Hirsche dafür arbeiten; können sogar noch hinzufiigeii, daß es bei einigen Stücken sogar ü b e r 5 Prozent sind, die abgezogen ivcrden. Es werden z. B. für Stufenöfen 3>/z X 2'/z X 9 Schicht hoch, mit Sockel bis 15 Zentimeter und Bild zwei Schichten hoch 30,40 M. bezahlt, welche aber laut Lohntarif 32 M. betragen. Sollten Herrn K r a m a r S k i oder den Hirschen die Feststellung nicht genügen, so können wir noch mit weiterem Material aufivartcn. Einem unserer Berbandskollegen erklärte Herr Kramarskt. er habe init den Hirschen einen Vertrag abgeschlossen, der dahin geht, daß er den Tarif bezahlt, die Hirsche sich aber verpflichten, KramarSki Gesellen zu besorgen, welche eincr..freien Hilfskasse" angehören. Diesen Vertrag will er unserem VerbandSvertreker S e g a w e gezeigt haben. wovon dieser aber nichts weiß. KramarSki hat unserem Vertreter lediglich erklärt, daß er vor wie nach den Lohntarif zahlen wird, denn er hält eS schon im Interesse des Gewerbes für notwendig, daß Tarife kestehen müssen. weil dadurch die Schundkonlurrenz eingedämmt wird. Auch müsse mau Verträge kalten. Wir sind nun gespannt, was Herr Kramarskt zu diesen Äussiihrungen sagen und tun wird. Sollte es Herrn Kramarski darauf ankommen, unsere Behauptungen vor dem Gericht zu erhärten, so sind wir auch dafür bereit. Zentralvcrband der Töpfer. Differenzen wegen der Arbeitsvermittelung in der Glasindustrie. Ein Konflikt über den Arbeitsnachweis, der ernste Formen anzunehmen droht, ist in der Glasindustrie eingetreten. Die Glasschleisereien und die hiesige Verwaltung des Glasarbeiter- Verbandes unterhalten einen paritätischen Arbeitsnachweis, der in dem in der Prinzenstr. 89 belegenen Bierlokal in den Abend- stunden geführt wird. Der bisherige Arbeitsvermittler Wehlitz tritt am 1. November von seinem Amte zurück. Dieser Umstand wurde von den Unternehmern dazu benutzt, gegen den Arbeits- Nachweis in seiner bisherigen Gestalt Stellung zu nehmen. Sie verlangen, daß derselbe dem in der Sebastianstr. 84 bestehenden, vom Bund der Arbeitgeber des Glasgewerbes eingerichteten und unterhaltenen Arbeitsnachweis angegliedert wird. Um den Ar- beitern diesen Vorschlag annehmbar zu machen, sahen die Unter- nehmer davon ab, den dort die Vermittelung besorgenden Arbeit- gebcr auch hierfür als Vermittler vorzuschlagen. Die Vermitte- lung soll vielmehr von dem im dortigen Kontor beschäftigten jungen Mann mit besorgt werden. Eine am Mittwoch abgehaltene Vertrauensmännerversamm- lung der Glasarbeiter lehnte einstimmig den Vorschlag der Unter- nehmer ab. Mit der Verlegung des Nachweises nach der Sebastian- straste würde es mit der Parität vorbei und den Arbeitern jeder Einfluß auf die Verwaltung desselben genommen sein. Es wurde beschlossen, an der bisherigen Gestalt des Arbeitsnachweises fest- zuhalten und den Unternehmern den Kollegen Friedrich als Ver- mittler in Vorschlag zu bringen. Sollten die Unternehmer auf ihrem Vorschlag bestehen bleiben, so soll der Arbeitsnachweis in der Prinzenstraße als Einrichtung des Glasarbeiterverbandes be- stehen bleiben. Ueber die Firma Röder u. Meyer, die den Nachweis in letzter Zeit gemieden hat und mit besonderer Vorliebe unorgani- sierte Arbeiter beschäftigt, wurde die Sperre verhängt. veuvlcbes Reteb. Die„Blauen" als Retter in der Not. In den verschiedensten bürgerlichen Blättern Deutschlands erschienen in den letzten Tagen Inserate, in welchen Tischler und Maschinenarbeiter nach einer größeren Stadt Südwest« Deutschlaiids gesucht wurden. Meldende sollten Offerten einreichen bei R Ii d. M o s s e. Da die Mitglieder des Holzarbeiterverbandes ei» begreislicheS Interesse daran haben zu wissen, um welche Stadt es sich handelt,»ieldeteit sich einige, woraus sie mit folgendem Schreiben beglückt wurden: s Mannheim, den 1ö. Oktober 1999. ES wird Ihnen bekannt sein, daß hier und in Lndwigshafen die Bau- und Möbelkchreincr, soweit sie sich dem Deutschen Holz- orbeiter-Verbande verkauft haben, streiken müssen. Die Mit« glieder vom deutsch-vaterlSiidischen Arbeiterverein, Sektion der Glaser, Schreiner und Maschinenarbeiter, jedoch arbeiten weiter, und sie verdienen ein schönes Stück Geld. Ich kann Ihnen nur enipschlen, den Humbug des HolzarbeitcrverbandeS nicht mit- zumachen und rate Ihnen dringend, sich uns anzuschließen. Gegebenenfalls würde ich sofort Ihre Einstellung in einem hiesigen Betriebe erwirken können. Sollten Sie über unsere Bestrebungen im unklaren sein, so bitteich Sie, die beiliegenden Flugblätter sowie die blau angestrichenen Stellen der Zeitungen durchzulesen. Wenn Sie selbst zu den'Streikenden gehören, so darf ich wohl Ihr Schreiben dahin auffassen, daß bei Ihnen der Wunsch besteht, zu arbeiten und daß Ihnen allmählich die Erkenntnis kommt, daß Sie eine große Dummheit begehen, wenn Sie sich noch von Ihren Führern an der Nase herumführen lassen, so lange, bis der Winter vor der Tür steht und die Arbeit so knapp wird. daß die Mitglieder des„verehrlichen" Holzarbeiterverbandes sich an Notstandsarbeiten beteiligen dürfen. Der Holzarbeiter- verband— darauf dürfen Sie sich verlassen— wird nämlich, wenn die Bewegung ausgegangen ist wie das Hornberger Schießen. seine Mitglieder nicht mehr unterstützen, da sonst kein Geld für die Streikenden in Schweden übrig bleibt. Ich würde Ihnen dauernde Arbeit bei hohem Lohn vermitteln können, und unsere Organisation wird für den nötigen Schutz sorgen. Die Ver- Mittelung geschieht selbstverständlich kostenlos. Hochachtungsvoll Franz Milbig. Sekretär des Bundes Vaterländischer Arbeitervereine. Die„Blauen" können's noch besser als die gelbe Garde. Sonst erübrigt sich ein Eingehen auf dieses Schriftstück— es spricht für sich selbst. Dringend aber muß nochmals um Femhaltung des Zuzuges ersucht werden, denn der Kampf in Frankfurt, Mannheim- Ludwigshafen und Heidelberg dauert fort. Ter Streik in der Zelluloidwarenfabrik von Gebr. Wolff in Nürnberg, der zu beklagenswerten Vorgängen führte, ist, wie schon telegraphisch mitgeteilt, am Mitttvochabend durch Vermittelung des Fabrikinspektors, eines Vertreters der Regierung und des Ge- werbegerichtsvorsitzenden beigelegt worden, und zwar mit gutem Erfolg« für die Arbeiter. Die Firma versprach durch Unterschrist folgendes: Nach Wiedereintritt der Arbeit werden die Akkordlöhne, deren Reduzierung den Grund zum Streik bildete, auf Grund von Ver« Handlungen mit einer Arbeitcrkommission geregelt. Jede Matz- rcgelung ist ausgeschlossen; die Ausständigen werden wieder in Arbeit genommen. Die Zahl der Einzustellenden wird heute, Ton- nerstag, den 21. Oktober, mit den Vertretem der Arbeiter fest- gestellt. Diese beginnen am Montag die Arbeit, die übrigen werden so rasch als möglich, spätestens in 3—4 Wochen, wicidcr eingestellt. Bei allen Neubesetzungen sind in erster Linie Ausständige, solang« solche noch vorhanden, zu berücksichtigen. Die Firma wird, wenn in späteren Fällen Meinungsverschiedenheiten über Lohnfragen entstehen, mit de» Vertretern der Organisation in Verbindung treten und verhandeln. Die Arbeiter erklären sich mit diesen Be- dingnngen einverstanden. Intimes auS einem christlichen Verband. In dem ultramontanen bayerischen Postlerverband ist ein Streit ausgebrochen, der durch die Finanzwirtschaft der Verbands- leitung hervorgerufen ist. Ein Vcrbandsmitglied macht in der „Neuen Bayerischen Landeszeitung" auf eine Kundgebung im Ver- bandSorgan aufmerksam, aus der hervorgeht,„daß der Verbands- sekrctär Kratofiel von Verbands wegen mit 190 000 M. in eine Lebensversicherung eingekauft wurde. Die Kosten trage aber nicht der Verband, sondern der Hauptausschuß, von dessen 12 Mitgliedern jedes 1090 M. von seinen Tantiemen hergebe." Diese Kundgebung, die zur Beruhigung dienen soll, hat aber neues Aufsehen hervor- gerufen. Es wird die Frage gestellt, woher die Hauptausschuß- Mitglieder solch hohe Tantiemen beziehen, daß sie davon je 1900 M. für die Lebensversicherung des Verbandssekretärs abgeben können. Das Statut besagt, daß das Amt des Hauptausschusses lediglich Ehrenamt ist und unentgeltlich verwaltet wird, nur bare Aus- lagen sowie entgangene Diäten werden entschädigt. Da mutz wirklich etwas faul sein im Staate Dänemark. Kuolanck. Die amerikanischen Straßenbahuer haben im allgemeinen recht niedrige Löhne und mußten schon manchen großen Streik führeil, um einen Stundenlohn von 2S bis 27 Cent(1 M. bis 1,10 M.) zu erzielen. Die Straßcnbahngesellschaften fürchten diese Streiks sehr, Weil die Gesellschaften gewöhnlich die öffentliche Meinung gegen Berantw. Nedakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.: sich haben. Daher geschieht es nicht selten, daß man eS vorzieht, die Löhne„freiwillig" zu erhöhen, wo viel Unzufriedenheit sich zeigt. So hat z. B. Anfang Oktober die Straßenbahngesellswaft von Detroit, im Staate Michigan, angekündigt, daß sie 2300 Ange- stellten, die zwei bis drei Jahre im Dienste der Bahn stehen, den Lohn auf 25 bis 27 Cent erhöhen wolle. Diejenigen, die diese Dienstzeit noch nicht hinter sich haben, erhalten keine Lobnerhöhung. Nebeneinnahmen haben die amerikanischen Straßenbahner nicht. den Tr:nkgeloerunfug kennt man dort nicht. Sie Candtagswahlen in Sachsen und Kaden. Am gleichen Tage sind die Wähler Sachsens und Badens zur Landtagswahl geschritten— die ersteren unter dem schänd- lichen Pluralwahlrecht, das die Arbeiter fast dmÄsweg zu Viertelsbürgern entrechtet, die letzteren unter dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht, das sich nur wenig 1ig>n deutschen Reichs- tagswahlrecht unterscheidet. Beide Wahlen haben eine weit über den Rahmen der beiden Bundesstaaten hinausgehende Bedeutung. In den Wahlkämpfen stand der S t e u e r r a u b- zug des Schnapsblocks im Vordergrund der Erortc- rung. Das Wahlresultat ist daher unter anderem auch als eine Antwort der Wähler auf die Haltung der Parteien zur Reichsfinanzreform zu betrachten.. Die Wahlen in Sachsen galten zugleich der Vernichtung des Pluralwahlrechts. Noch sind nicht alle Resultate eingelaufen, aber was bis- her vorliegt, das berechtigt zu der Hoffnung, daß die Wahlen in beiden Ländern den Wünschen und Hoffnungen des ar- ' bettenden Volkes in ganz Deutschland entsprechen. In Sachsen sind im Moment, da wir dies schreiben, 15 Sozial- demokraten gewählt, in Baden hat die Sozialdemokratie im ersten Wahlgang von 12 bisher besessenen Sitzen Ist behauptet und ihre Kandidaten stehen in mehreren Wahlkreisen in aussichtsreichen Stichwahlen. Neu er- obert wurde Karlsruhe-Land vom Zentrum, so daß bislang in Baden 11 Sozialdemokraten gewählt sind. In Sachsen gingen die Wahlen unter st a r k e r Wahlbeteiligung vor sich. Trotzdem die bürgerlichen Wahlversammlungen durchweg schlecht besucht waren, sind die bürgerlichen Wähler stramm zur Wahl angetreten. Die Furcht, daß die Sozialdemokratie selbst unter dem Pluralwahlrecht große Siege erfechten könne, muß also die in der Wahl- bewegung zutage getretene Unlust der Bürgerlichen iibcr- wunden haben. Die Sozialdemokratie hat über- all gute Stimmenziffern erreicht. Aber das Wahl- recht der vier Infamien hat seine Schuldigkeit für die bürger- lichen Parteien getan, so daß die Stimmen unserer Genossen in den meisten Fällen von denen der Mehrheitsstimmenwähler erdrückt wurden. Die Stichwahlen sind, da die bürger- lichen Parteien in fast allen Wahlkreisen getrennt vorgingen, außerordentlich zahlreich; meist sind sie zwischen Sozialdemokratie und einer der bürgerlichen Parteien aus- zufechten. Geringe Verschiebungen zugunsten der National- liberalen auf Kosten der Konservativen sind zu konstatieren. Für die Sozialdemokratie sind einige aus- s i ch t s r e i ch e Stichwahlen zn verzeichnen. Der Gesamteindruck der Resultate läßt sich schon heute dahin zusammenfassen, daß sich das sächsische Proletariat unter ungünstigen Umständen gegen übermächtige Feinde tapfer geschlagen hat. Sacdfen. Dresden, 21. Oktober, 11 Uhr 45 Minuten. Bisher sind im ganzen 15 Sozialdemokraten gewählt. Dresden, 21. Oktober.(W. T. B.) Bis Mitternacht sind die Ergebnisse aus 65 Wahlkreisen bekannt. Danach sind gewählt: 12 Konservative, 4 Nationalliberale, 10 Sozialdemokraten. Er- forderlich sind 39 Stichwahlen. Daran sind beteiligt: 13 Konser- vative, 2 Mittelstandskandidaten, 1 Reformer, 21 Nationalliberale, 5 Freisinnige, 35 Sozialdemokraten und 1 Kandidat vom Bund der Landwirte. Sozialdemokratische Siege. Dresden 5. Schulze(Soz.) mit 2000 Stimmen Mehr- h e i t gewählt. Dresden 7. Gewählt Wirth(Soz.). Dresden- Land. Wahl von Nitzsche(Soz.) scheint g e» sichert. Leipzig 4. Lange(Soz.) 10 956, Brause(natl.) 4210, Thieme (kons.) 2295. Lange(Soz.) gewählt. Leipzig 7. Keimling(Soz.) 11 27V, Jähne(kons.) 4761, Nitschke (natl.) 2459. Keimling(Soz.) gewählt. Chemnitz 3. Castan(Soz.) gewählt. Chemnitz 4. Langer(Soz.) gewählt. Heidenau-Mügeln. Fräßdorf(Soz.) 4854, Mittelstand 3585. Fräßdorf(Soz.) gewählt. Döhlen und Tharandt-Land. Wahl von Fleißner(Soz.) scheint gesichert. Wildenfeltz,Lichtenstein-Land. Sindrrmann(Soz.) mit g r o ß e r Majorität gewählt. Adorf-Einsiedel-Neukirchen. Held(Soz.) gewählt. Grüna-Rabenstein-Wittgendorf. Mehner»(Soz.) gewählt. Auerbach i. E.- Gornsdorf- Nicderzwönitz- Chemnitz. Richter (Soz.) gewählt. Die übrigen Resultate. Dresden I. Kaiser(natl.) 6117, Krüger(Soz.) 5456, Unrasch (Mittclständler) 4748. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Nationalliberalen. Dresden 2. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten u. National- liberalen. Dresden 3. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Nationallibcralcn. Dresden 4. Schnabel(Soz.) 6464, Natl. 12 642, Kons. 5090. Gewählt Vogel(natl.). Dresden 6. Kühn(Soz.) 6890, Freis. 7358, Mittelstand 5503. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Freisinn. Leipzig 1. Stichwahl zwischen Löbner(natl.) und Schuchardt (Soz.). Leipzig 2. Stichwahl zwischen Wappler(natl.) und Seger(Soz.). Lcipzig-Land. Sörre(kons.) gewählt. Chemnitz 1. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Kon- servativcn. Chemnitz 2. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Kon- servativcn. Meißen. Kons. 5637, Natl. 2327, Freis. 1971, Soz. 6119. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Konservativen. Plauen. S-z. 7716. Freis. 13103. Natl. 2373, Kons. 3422. Stichwahl zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten.__ Zwickau-Stadt. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Freisinnigen. IIH. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. U. vxrlagSanstgtt� Bautzen- Land- Comcnz. Stichwahl zwischen Kockel (kons) und Brühl(k o n f.). Königstein-Pirna. Spieß(kons.) 5010, Schirmer(Soz.) 3984, Krämer(natl.) 3471. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Konservativen. Würzen. Mucker(Soz.) 4433, Natl. 3918, Freis. 3659, Kons. 2295. Stichwahl zwischen Nalionalliberalen und Sozialdemokraten. Borna-Pcgau. Nilsche(natl.) 5462, Ebert(kons.) 1421, Döhnel (Soz.) 2743. Gewählt Nationallibcraler. Crimmitschau-ZLcrdau. Soz. 5199, Natl. 8263. Gewählt Nationallibcraler. Zschopau-Augnstusburg. Steedcr(Soz.) 4156, Zimmermann (natl) 3184, Dr. Seifert(kons.) 3167. Stichwahl zwischen Sozial» demokraten und Konservativen. Aue-Eibenstock. Stadlrat Bauer(natl.) 9084, Haubold(Soz.) 5400. Nntionallibcralcr gewählt. Elsterbcrg-Mylau. Soz. 4374, Natl. 5400, Freis. 2221. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Nationallibcralcn. BischofSwcrda-Pulsnitz. Stichwahl zwischen Günther(Soz.) und Ncntsch(kons.). Radcbcrg. Knoblauch(kons.) 4894, Braune(Soz.) 3338, Hippe (lib.) 3292. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Konser- vativcn. Annaberg, Zöbli«, Maricnberg. Müller(Soz.) 1562, Peter- mann(kons.) 1259, Dr. Dietel(freis.) 738. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten»nd Konservativen. Adorf-OelSnitz. Kons. 3964, Soz. 3201, Natl. 1001, Freis. 1420. Stichwahl zwischen Konservativen und Sozialdemokraten. Adorf-Land. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Kon» servativen. Markranstädt. Ryssel(Soz.) 2822, Wörner(natl.) 154� Friedrich(kons.) 2295, Aolläufer,(Antis.) 969. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Konservativen. Schnecberg. Natl. gewählt. Großenhain-Land. Natl. gewählt. Tharandt-Döhlcn: Natl. gewählt. Glauchau. Mittelstand 1520, Natl. 3271, Freis. 1622, Soz. 5621. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Nationalliberalen. Löbau-Land. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten unb Nationalliberalen. Großschönau-EberZbach-Land. Rückert(natl.) 4072, Rohr» (freis.) 3582, Riem(Soz.) 5814. Stichwahl zwischen Sozialdemo» kraten und Nationalliberalen. Baden. Mannheim, 21. Oktober(11 Uhr 43 Minuten). Von 12 Sitzen im ersten Wahlgang 10 behauptet, mehrere aussichtsreiche Stich» wählen. Neu crorbert: Karlsruhe-Land vom Zentrum. Mannheim. Gewählt sind in den Mannheimer städtischen Kreisen die drei Sozialdemokraten Geiß, Krämer, Siißkind, Oskar Geck(Soz.) steht in Stichwahl mit König(natl.). Mannheim-Land. Bcchtold(Soz.) gewählt. Durlach. Weber(Soz.) gewählt.« Pforzheim. Adolf Geck(Soz.) 2191. Gewählt Sozialdemokrat mit 585 Stimmen Mehrheit. Pforzheim-Land. H o r t e r(Soz.) in Stichwahl mit ver» einigten Nationalliberalen und Freisinnigen, Großer Stimmenzuwachs! Frciburg i. Brcisgau- Stadt. Soz. 798, Natl. 779, Zentrum 1485. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Zentrum. 19. Kreis. Soz. 1249, Natl. 862, Zentrum 1599. Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Zentrum. 20. Kreis. Soz. 984. Natl. 1349, Zentrum 1162. Stichwahl zwischen Nationalliberalen und Zentrum. Letzte ISacbricbtcn und Depefcben. Landtagsabgeordneter Reinhard Schmidt gestorben. Elberfeld, 21. Oktober. Der frühere Vizepräsident des Reichstages und Landtagsabgcordnete Rein» h a r d S ch m id t ist heute nachmittag infolge Herzschlages im Alter von 71 Jahren gestorben. Schmidt vertrat als Mitglied der Freisinnigen Volkspartei im Landtage den Wahlkreis IV! Arnsberg(Ha g e n- S ch w e l m). Schmidt wurde 1908 mit 618 Wahlmännerstimmcn gewählt. Der Kreis hatte überhaupt 542 Wahlmänner. LandtagSstichwahl. Meiningen, 21. Oktober.(B. H.) Bei der Landtagsstichwahl in Camburg unterlag der Bürgermeister Morschewsky(liberal) mit 596 gegen 630 agrarische Stimmen, die auf den Gutsbesitzev Zschausch entfielen. Sprengstoffunde in München. München, 21. Oktober.27 Schäfer u. Hauschild, 9. Rate 14,15. 12529 O. R. Nilsch, 9. Rale 8.50. 12532 Speck 12,75. 12534 Asch u. SonS, 0. Rate 14,70. 12537 Eckel u. Glienicke 23,00. 12538 Emmerich u. Schöning. 9. Rate 21,10. 12541 Knnsch u. Jäger, 3. Rate 7,60. 12545 Eckncr, 9. Rate 7,50. 13108 Welcher 14,—. 13179 Maschinen-Vertriebs- Ges. 27,10. Grauert, Gietzerei, 7. Rate 29,90. Mechanik, v. Mechanosix.3,55. E. Franke 12392 19,50. 12393 10,35. 12394 42,00. Lege! 43170 Gürtler, Dreher 13,25. 13171 Schleifer 3,75. 13172 Former 3.-. 11710 Jastrow, 5. Rate 8504 Dabbert, 5. Rate 23,00. Typograph 12513 8. Rate 29,25. 8. Rate 15,70. 12515 8,75. 12510 40,—. 12517 2ö,—. 12518 11593 Brendel«. Löwh, 4. Rate 13,—. 11700 Weiler,»cincrSdors 12530 Emmerich u. Schöning, 9. Rate, Schleiser u. Galvanik 18,70.— Bergmann, Heiniigsdorscr- und Oiidcnarderstr., 4. Rate 3187 Abt. Mertens 31,50. 8500 Abt. Zählerbau 31,25. 8507 Abi. Künlel 10.50. 8513 Abt. Stanzeret 12,20. 8510 Abt. Klawitter 29,—. 11510 Abi Lichtcrfeld 43,75. 11517 Abi. Berg- mann 7,05. 11519 Abt. NcckcZ3, 85. 11520 Abt. LooseO,-. 11521 Abt. Franke 13,00. 11522 Abt. Brennerei 12,10. 11524 Abt. Funke 15,50. 11526 Abt. Tragert 31,20. 11527 Abt. Schwarz 30,35. 11529 Abt. Lciserkow 16,90. 11530 Abt. Kirstcin 23,90. 11531 Abt. Blcnk 11,—. 11532 Abi. Richter 47,75. 11533 Abi. Nicolaus 14,—. 11534 Abt. Stanzerei 18,35. 11539 Abt. Herrmann 0,65. 11540 Abt. Klawitter 36,05. 41541 Abt. Gcrlach 3,75, 11543 Abt. Schwerbcrlh 5,20. 11544 Abt. Tagcrt 32,10. 11523 Abt. Necke 13,20. 11528 Abt. Brink 11,15. 11535 Abt. Schleiferei 7,20. 12594 Metallgietzerci v. Pankc, 9. Rale 7,25. 12580 Mediz. Warenhaus, 0. Rate 29,50. 12543 Frost u. Söhne 40,45. Daimler, Maricnselde: 8. Rate 13480 14,—, 13181 12,40, 13182 10—, 13183 23,20, 13184 23,50, 13180 3,80, 13187 10,15, 13188 11,10. 10523 Kirschncr 17,30. 12358 d. Zeidler 6,70. 12359 Schulz d. Zeidler 20,40. 12300 Rösemann u. Kühnemann 24,—. 12555 Schmidt u.(So. 5,95. 11560 Jürst u. Co. 15,40. 11561 Falbe, 2. Rate 15,35. 12617 C. Lenz. 7. Rate 14,75. F. Gäbcrt, 9. Rale 13103 4,90. 13104 12,95. 13105 6,15. 13106 13,90. 13109 Butzke, Dreherei. 5. Rate 15,60. 13110 Windlee 10,75. 13190 H. Hauptner. 9. Rate 37Z0. Flohr 13173 23,—. 13174 21,55. 13175 10,-. 13176 14,50, 13177 14,25. 91. E.-G., Brunnen- und Boltastratze 5544 17.85. 5554 10,05. 8343 15,35. 8344 29,05. 8351 30.—. 8354 9,50. 8303 20.20. 8307 7,80. 8372 17,00. 11041 10,20. 11013 10.95. 11050 15,35. 11052 22,35. 11055 7,50. 11059 9,85. 11601 10,-. 11002 10,30. 11003 13,20. 11600 40.95. 11607 44,05. 11008 35.20. 11009 12,50. 11077 15,40. 11078 29,00. 11080 20,40. 11081 18,95. 11082 0,50. 11080 20,00. 11087 23,00. 11088 22,70. 11089 22,40. 11090 40,40. 11092 22,45. 11085 7,20. D. W.-F. Wittenau, Zlbt. Mahl, 5. Rate: 11616 31,60. Abt. Lauge 11617 49,10. Abt. Diener 11618 5,60. do. 11019 17,75. do. 11621 29,25. Abt. Keller 11622 10,95. do. 11623 29,—. Abt. Abramazik 11624 29,40. do. 11625 20,60. Abt. Schräder 11626 18,15, Abt. Weiland 11627 14,—. Abt. Grotzmann 11629 5,40.«61. Chrislolt 11630 7,75. Abt. Wirschin 11631 7,50. «. E.-G. Turbine, 12327 Abt. Bcrnitzly 30,05. 12339 Abt. Pahlow 2.45. 12344 9lbt. Restmann 40,20. 12340 9lbt. Grenzer 15,45. 12349 Abt. Noit 46,25. 12350 Abt. Schulz 4.—. 12550 Abt. Bohrer Karpa 20,—. 12557 Abt. Dreher Karpa 29,—. 12558 Abt. Neubert 16,00. 12559 Schleiser Ncubcrt 1*80. 12560 Abt. LiPPmann 35,—. 12501 Abt. Schale 32,25. 12562 Abt. Bernitzky 30,25. 12563 Abt. Dreher Neubert 18,50. 12504 Abt. Jänike 8,25. l2505 Abt. Lehrbau Jänike 8,—. 12506 Abt. Wangcmann 20,80. 12567 Abt. Sütz 9,75. 12563 Abt. Wilhelm 29,50. 12570 Abt. Fuhr- mami 17,50. 12571 Abt. Lohse 50,—, 12572 Abt. Hollenbach 32,30. 12578 Abt. Stein 10,30. 12574 Abt. Stein 29,30. 12575 Abt. Pahlow 19,75, 12576 Abt. Hausdots 20,30. 12577 Abt. Hennig 17,—. 12578 Abt.«arten 4,50. 12579 Abt. Haustein 8,30. 12581 Abt. Bohrer Urich 24.—. 12582 Abt. Dreher Urich 45,75. 12583 Abt. Klcingempel 23.-.(In Sa. 4305,30.) 9773 Bauhilssarbcitcr 2,70. Skatklub ohne Zwang 2,40. Verband der Gemeinde- und Staatsarbelter, Ortsvcrwallung Berlin, aus folgend« Listen: 4054 Revierinspcklionen 2,50. 4271 Kohlcnplatz 3,80. 4275 Wasser- werk FriedrichShagen 0,85. 4270 8,15. 4277 7,50. 4198 Wasscrlvcrk Lichten- berg 12,25. 4293 Krankenhaus FricdrichShain 4,70. 4180 Heilstätten Beelitz 4,80. Tellcrsammlung 9,35.(In Summa 59,90.)— Verband der Maler und Lackierer Berlins 1000,—. 13011 und 13012 Buchdrucker„Voss. Ztg.", 8. Rat- 39,—. 13080 Goldleistensabrik von Kubitz u. Imberg 5,90. 12799 Schlosserei Moldenhaucr u. Mctzdors, 7. Rate 13,70. 12015 Tischlerei Teiscl u. Co. 3,00. Nachzügler Rcichsdruckerci 5,30. 4912 1,10. Tischlerei O-Hl. schlägel, 4. Rate 17,30. 12994 bis 12997 Norddeutsche Buchdruckerei 67,15. Einlasfiercr und Kassenbotcn 4,05. Bez. 2d, Rixdorj 5,—. 12093 Etuisabrik dem lieben Gott und seinem Ritter St. Georg zuschreibt, hat Isolde in Markes Augen rehabilitiert. Tantris(Tristan), als Narr verkleidet, verschafft sich Eingang in das Schlotz. Närrisch ist sei» Benehmen, närrisch die Hartnäckigkeit, mit der Isolde trotz der bündigsten Beweise ihn nicht erkennen will. Zuguterletzt kommt ihr der liebenswürdige Einfall, den Fremdling in den Zwinger zu Tristans alter Rüde zu schicken. Zerreitzt das Tier ihn, hat er gelogen, wedelt es ihn an, so hat er wahr gesprochen. Tristan aber, in seinem LiebeSwahn plötzlich geheilt, zieht mit dem treuen Hunde, den keine Lumpenmaske täuscht, im Morgengrauen fort, um drantzen in der Welt zu sterben. Frau Isolde aber klagt, am Fenster stehend, ihm in schönen Worten nach. Was dieser Ausgang, was das Ganze soll, bleibt ein Geheimnis. Die Aufsührung gipfelte in einer prachtvollen Darstellung von Isoldes verzehrender LiebeSschnsucht durch Irene Driesch. Die männlichen Hauptrollen lagen in den Händen M o n n a r d S (Tristan) und F r o b ö s e S(König Marke); Hervorragendes gaben Reicher und Marc in zwei Episodenfiguren. ät. Notizen. ~ Der Kampf um den Nordpol Ivird mit unvermindertem Eifer viele Hundert Meilen fern vom Pol fortgesetzt. Die Erklärungen, Beweise, LcumundSbezeugungen, Verdächtigungen sind in die Phase der Permanenz getreten. Wir registrieren für heute: Peary unterbreitete seine Aufzeichnungen und Beweise über die Entdeckung des Nordpols der amerikanischen geographischen Ge- scllschaft, die zu deren Prüfung ejnen AuSschutz von Sachverständigen ernannte.— Cook dagegen will seine Beweise(sobald er sie zu» sammen hat) der Kopenhagener Nniverfltät tinterbreiteii. Diese hat inzwischen das von der Geographischen Gesellschaft in Washinatoi, an sie gerichtete Ersuchen, ihr die erste Prüfiutg der Wissenschaft- lichcn Beweise Cooks zu überlassen, abgelehnt.— Der Grönland- fahrcr Rasmuffen berichtet auf Grund eigener Erkundigungen, die Berichte, die Cooks Begleiter, die beiden Eskimos, über die Route und die Eisverhältuisse verbreitet hätten, stimmten mit Cooks eigenen Angaben übercin. — Umwälzungen auf dem Saturn. Von den Planeten Mars und Jupiter sind die Astronomen Veränderungen gewöhnt. Jetzt aber beginnt auch der Saturn, wie der vielgenannte Planeten» forscher Lowell wahrgenommen haben will, seine Oberfläche zu ver« ändern. Während der Sattlrn sonst nur schwache, zartrosa gefärbte Bänder aufweist, ist jetzt an seinem Aequator ein dunklerer Streifen aufgetreten. Aufierdem sind in längeren Zwischenräumen weiße Flecken auf der Oberfläche deS Planeten beobachtet worden, die nian als bisher einziges Mittel zur Bestimmung des SaturntageS benutzt hat. Einer dieser Flecken ist nun in besonderer Helligkeit wieder«r» schienen und wird weiter verfolgt werden. K. Weker 4,85. 13085 Klempner von Gerccke 0,10. SienienS u. Halske 5,50. 11306 Buchdruckcret O. v. Holten, 9. Rate L2,75. 13093 Kronleuchterfa&n! Golm«. Bender, ö. Rate 16,80. Segall u. Goldvach, Stralsunder Skage 3.03. 5 Klempner bei Schnell 5,—. Bez. 71gb 6,—. Gcwerkschajtskartcll Weipcnsee auf folgende Listen: 6334 d. Barschall 2,60. 10606 Kollegen von Wurl 6.95. 7765 Kollegen bon Lilders, 6. Rate 23,50. 10609 Kollegen der Roland.Wcrke 9,95 776l darunter 6,70 v. d. Scchserkasie d. 9. Bezirks Weißensee 3,80. 10607 Zahl. stelle 46 d. Deutschen Metallarb.-Verb., darunter roter Feldbudiker 2,—, zus. 8,85. 11954 v. d. Koll. d. Int. Falking Mach. u. Co., Abt. Matribenbau 5. Rate 10,10. 10620 v. d. Met.-Arb. d. Int. Falking Btach. u. Co 12,55! 11952 v. d. Kollegen d. Int. Falking Mach. u. Co., Abt. Apparatebau 32.—. 7760 v. d. Presfern d. Int. Falking Mach. u. Co.. darunter 3,— v. d. Koll. d. Star Rekord 30,10. 10622 o. d Koll. v. Llixfer.Pnsmen 10,—. 11955 v. d. Koll. d. Falking Mach. u. Co., Abt. Apparatebau. 9. Rate 23.80. 10604 7,20. Summa 187,20.— Aug. Görlich—,50. Bez. 141, Sech e» k°N« 10,—. Firma P. F. Geigler 3,80. 12338 Verwaltung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schristgießer, 10. Rate 12 50 Biertisch b. Wache 7,50. Druckerei Schuhmacher 15,05. M. Worefchke 3,—. Vergolder v. Raschig 7,75. 11862 Druckerei Drewitz, 5. Rate 15,35. 13097 Metallarbeiter v. Kfonsick, 11. Rate 18,95. Lcdermöbcl. sabrik v. Lawcrenz u. Co., 7. Rate 13,80. Kollegen v. I. Pinisch A.-G., 5. Rate aus folgende Listen: 3694 22,—. 11274 8,80. 11275 18,35. 11276 5.15. 11277 19,15. 13001 14,15. 13002 8,30. 13003 8,60. 13004 19,50. 13005 9,70. 13006 16,35. 13007 6,65. 13008 4,—. 13009 3,60(in Summa: 165,70 M.) 13191 Metallarbeiter von Burghardt Aachs. 22,30. 12908 Maschinensabr. v. Enzbergcr 9,—. Silbcrwarcnwerkst. Abraham 3,—. 11912 Buchdr. F. Weber, 4. Rate 5,45. 13109 Tischlerei O. Dischlait, 6. Rate 8,40. V. d. Kabanern 8,—. Buchdr. Anilinfabrik, 9. Rate 3,65. 13074 Metall. arbeitcr von Rofenstock, 8. Rate 6,50 13571 Möbeltischlerei Philipp, 1. Rate 6,85. Personal Stempelsabrik K. Lehne, 8. Rate 8,—. 13719 Metallarbeiter v. C. A. Münchmeher u. Co. 18,95. Presser v. Finken- rath u. Co. 8,—. Gravieranstalt E. u. H. Schüßlcr, 7. Rate 9,—. 13846 Bantischlerei Grotzkops u. Schulz 10,—. 12844 Kammarbeitcr v. Streich 4,25. 12883 u. 84 Buchbinder u. Schriftsetzer v. A.Joachim, 10. Rate 14,15. tzartmann 2,—. 13359 Gardinenstangensobrik Aug. König 11,25. 13574 Tischlerei Abb«. Daum, 10. Rate 19,80. Kistensabrik Hinz, 9. Rate 9,—. 13578 Buchbinderei Liebheit u. Thießen 5,30. Buchdruckcrci Stankiewicz, 10. Rate 8,75. Kroll» Buchdrnckeerei, 9. Rate 13,20. 11738 Schrauben- fabrik Revier u. Weise, 3. Rate 15,65. 13579 Kartonagenfabrik Otto Büste 7,—. 9530 Hilfspersonal v. Scholcm 6,30. 13575 Klempner v. Zentral- Magazin, 10. Rate 20,20. Buchbinderei v. Ullstein u. Co., 9. Rate 8,95. Kistenmacher v. Pflugrath 17,—. 13587 Metallarbeiter v. Emmerich u. Schöning, Saal I 11,45. Bezirk 100, 2. Kreis, Scchserkasse 10.—. Glasschleifer von Dittmeyer, 10. Rate 9,95. 13634 Pianofabrik W. Hoff- mann 6,70. Summa 9676,21 M. Bisher sind veröffentlicht 230 245,73 M., dazu kommen 9 676,21 M. Summa 239 921,94 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 15 I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau. Engelufer 15 1, Zimmer 23, vor- mittags zwischen 9— 12Vz Uhr und nachmittags zwischen 4— T/a Uhr abzuliefern. Die Listen 3395. 8373. 8587, 9390. 3243. 1860, 2514, 1402, 7189, 7908. 92ö. 922, 941. 8342, 10335 1403, 8704, 4194, 7846, 6451 und 9770 sind verloren gegangen und sind beim Bor- zeigen anzuhalten. Berichtigung. In Nr. 236 des„Vorwärts" mutz es heitzen: Liste 11549 20.66 M.. nicht 10.66 M. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskvmmission. Bus der Partei. Bom Fortschritt der Presse. Die Breslauer„Bolkswacht" hat seit Anfang dieses Jahres 2500 neue Abonnenten gewonnen und damit ihren bisherigen Höchst st and überschritten. Die Auflage beträgt zurzeit 32 000. Die politische. Organisation gewann seit dem Katholikentage (Ende August dieses Jahres) rund 500 neue Mitglieder. Die Organisationen zum Parteitag. Genosse G o t t s ch a l k ans Königsberg bittet uns, zu unserem kurzen Bericht über die Königsberger Versammlung(„Vorwärts" vom 19. Oktober, 2. Beilage) folgendes nachzutragen: Gottschalk sagte:... Die Regierung, die gar nicht einmal alles bekommen habe, hätte sich ruhig von den Sozialdemokraten die Erbanfallsteuer bewilligen lassen, um sich dann von den anderen Parteien genau so viel indirekte Steuer» bewillige» zu lassen, wie sie das jetzt nach Ablehnung der Erbanfallsteuer getan hat.— In derselben Versammlung hat Genosse Nachtigall(als er bei Er- vrtming des Schnapsboykotts auf die Notwendigkeit, die Existenz der G a st w i r t e zu berücksichtigen, zu sprechen kam) nicht von den Wirten im allgemeinen gesprochen, sondern mir von denen, die uns ihre Säle zu Versammlungen hergeben und die man erforderlichen- falls, um sie vor dein Ruin und unS vor dem Verlust der Säle zu schützen, entschädigen müsse... jfiigendbeilvegimg. Jugendgerichte und Jugendorganisation. In Bayern fängt man an, die Jugendorganisationen mit Hilfe des Vereinsgesetzes zu„vernichten". In Langenau(Oberfr.) hatte eine Anzahl jugendlicher Arbeiter im Wohnzimmer einer Wirt- schaft eine Besprechung abgehalten, in der einer von ihnen, der Porzellanmaler Reiz, den übrigen den Zweck einer(zu gründenden) Jugendorganisation erklärte: Sie solle der Fortbildung der Jugend, daneben auch der Bekämpfung deö Alkoholismus und der Schundliteratur dienen. Der Gendarmerie- kommandant und der Pfarrer erstatteten Anzeige, und die Veranlasser der Besprechung wurden auf Grund des§ 17 des Vereinsgesetzes zu je 4 M. Geldstrafe verurteilt, weil es sich um eine„politische" Ver- sammlung gehandelt Habel Das Jugendgericht am Landgericht Bamberg b e st ä t i g t e die Strafen(!) und suchte in seiner Begründung den politischen Charakter der Versammlung damit zu beweisen, datz die Frage der Jugendorganisation aus sozialdemo- kratischen Parteitagen und Gewerkschaftskongressen erörtert worden sei und datz die sozialdemokratische„Volkstribllne" die Gründung anerkennend besprochen Habel Ebenso beweise der Aus- druck„freie" Jugendorganisation in der Einladung, datz eS sich um eine sozialdemokratische Angelegenheit handele 1 1 Die Organisation sei nur gegründet, um der Partei neue Mitglieder zuzuführen, solle also Förderungsmittel einer politischen Partei sein... Bayern wird preitzisch l_ Hus Industrie und ftandcl. Berliner Elektrizitätswerke. In der AufstchtSratSsitzung beschlotz man nach Abschreibungen von 4 024 077,78 M.Tonnen. Die Förderung stellt sich insgesamt auf 20 875 576(Vorjahr 21 465 530) Tonnen oder arbeitstäglich 264 243(Vorjahr 271716) Tonnen, während sie sich im zweiten Quartal dieses Jahres auf 19 577 631 oder arbeitstäglich 270 503 Tonnen stellte. Angesichts der günstigeren Berichte über die Beschäftigung der Hochofenwerke wie auch der weiter verarbeitenden Werke darf eine weitere Steigerung deö Koksabsatzes in Aussicht ge- nommen werden. Der Brikettabsatz hat im September eine geringe Abschwächung erfahren. Der Gesamtabsatz im dritten Jahrcsviertel stellt sich um 55 905 Tonnen höher, im arbeitstäglichcn Durchschnitt dagegen um 99 Tonnen niedriger als im zweiten Viertel. Bank von England 5 Prozent. Eine Heraufsetzung deS Diskont um 100 Prozent, oder 2'/z auf 5 Prozent, hat die Bank von England in einem Monat vorgenommen. Am Donnerstag ist die Rate von 4 auf 6 Prozent erhöht worden. Am 7. Oktober war die Heraussetzung von 2l/z auf g, am 14. Oktober von S auf 4 Prozent erfolgt. DaS ist ein ähnliches überraschendes Emporschnellen als wie im Jahre 1907. Die jetzige Heraufsetzung soll, wie damals, den starken Goldabflutz nach Amerika verhindern. Wahrscheinlich wird nun auch die deutsche Reichsbank bald mit einer neuen Diskonterhöhung vorgehen. Am amerikanischen Eisenmarkt mutz nach dem letzten Marktbericht deS FachblatteS„Iran Age" geradezu stürmische Nachfrage herrschen. Angeblich lützt nur die Furcht vor der Einfuhr ausländischen Roh- eisenS vor Preissteigerungen zurückschrecken. Die Vorräte an Knüppeln sollen zur Neige gehen und die Werke det Fertigwaren vollauf de» schäfligt sein. Anscheinend ist da doch etwas stark aufgetragen worden. Soziales. Ein ArbeitersekretSr unter ZeugniSzwang. Vor dem Schöffengericht in Frankfurt a. M. sollte am Mitt- woch der Arbeitersekretär Heiden in der Privatklagesache einer Hebamme gegen ein Dienstmädchen auf Antrag der Klägerin vernommen werden. Selbstverständlich verweigerte Genosse Heiden, über das auszusagen, was seine Klientin, die Beklagte, ihm seinerzeit anvertraut hatte. Der Vorsitzende machte den Zeugen auf die möglichen Folgen seiner Zeugnisverweigerung aufmerksam und belehrte die Klägerin, daß Arbeitersekretären nicht dasselbe Recht wie Rechtsanwälten und Aerzten nach§ 300 des Strafgesetzbuches zustehe. Nachdem ein Versuch, die Beklagte dazu zu bewegen, den Zeugen von der Pflicht der Verschwiegenheit zu entbinden, vergeblich endete, erklärte der Rechtsbeistand der Klägerin, datz er die moralische Berechtigung der Zeugnis- Verweigerung durch Heiden anerkenne und deshalb auf seine Vernehmung verzichte. So kam es zu keiner Zwangsmaßregel.— Der Fall zeigt aber, wie notwendig eS ist, datz bei der Erledigung der neuen Straf- Prozeßordnung versucht wird, Arbeitersekretären, Redakteuren und anderen Vertrauenspersonen da» Zeugnisverweigerungsrecht über Sachen, die ihnen in Ausübung ihres Amtes anvertraut werden, einzuräumen._ Macht völliger Verlust der Sehkraft hilflos? . Der bereits auf einem Auge erblindete Kutscher P. erlitt am 15. November 1906 einen Unfall. Als er die Pferde füttern wollte und zu diesem Zweck Heu zusammenraffte, wurde er von dem Hofhund angefallen. Der Hund sprang nach dem Gesicht des P. und verletzte das linke Auge derart, datz die Sehkraft erlosch. Die FuhrwerkSbcrufsgeaossenschaft wies den Anspruch deS P. auf Entschädigung ab, weil P.„einer selbstgeschaffenen Gefahr zum Opfer gefallen sei, da P. den Hofhund am Schwanz gefaßt und vom Wassereimer fortgezogen haben soll". Das durch daS Arbeitersekretariat Berlin angerufene Schieds- gericht für Arbeiterversicherung verurteilte die Genossenschaft zur Zahlung einer Rente von 75 Proz. des Jahrcsarbeitsvcrdienstes (Hilflosenrente). DaS Schiedsgericht erkannte an, datz ein Be- tricbsunfall vorliegt, da sich P. in Ausübung seiner Betriebs- tätigkeit befand. Die Annahme der Beklagten, datz P. den Hund guS Neckerei am Schwanz« gezogen und ihn dadurch zum Auf. springen beranlatzi habe, fand in der Aussage der Zeugen kein« ausreichende Bestätigung. Der Rekurs der Berufsgenossenschaft wurde vom Reichsversicherungsamt zurückgewiesen. Bereits drei Monate nach der Entscheidung deS Reichs- Versicherungsamtes erklärte die Benifsgenossenschaft, P. sei nicht mehr hilflos, sondern imstande,„die kleinen täglichen Ver- richtungen ohne fremde Hilfe auszuführen. Bei dem jugendlichen Alter des Verletzten ist sogar anzunehmen, datz derselbe sogar „bei etwas gutem Willen" noch irgendwelche Beschäftigung als Blinder verrichten kann"! Die Genossenschaft setzte die Hilf- losenrente auf die Vollrente[66% Proz. des Jahresarbeitsverdienstes) herab. Auch daS Schiedsgericht nahm eine gewisse Gewöhnung an die Erblindung bei' P. an. P., meinte das Ge- richt, habe sich durch erhöhte Ausbildung des Tastsinnes in die ihn umgebenden örtlichen Verhältnisse gewöhnt, so datz er fremde Hilfe und Pflege nur noch zu vereinzelten Verrichtungen bedarf. Der Rekurs gegen dies« Entscheidung hatte Erfolg. Das Reichsversicherungsamt hob dieser Tage die Entscheidung des Schiedsgerichts auf und stand dem P. weiter die Hilflosenrente zu. In den Entscheidungsgründen heitzt es: „Das Reichsversicherungsamt kann zurzeit nicht anerkennen, datz der Kläger infolge der Erblindung der beiden Augen jetzt nicht mehr hilfsbedürftig sei oder datz sich der Grad seiner Hilss- bedürstigkeit verringert hat." Das Reichsversicherungsamt nahm in seinen Entscheidungsgründen dann auf die Rekursentstsseiduug 1936(abgedruckt in den Amtlichen Nachrichten des Reichs- Versicherungsamtes von 1902) Bezug, die ausführlich darlegt, datz ein Blinder in der Regel ein Hilfloser im Sinne des Gesetzes ist. Ein Blinder bedürfe bei seinen Verrichtungen einer be- ständigen Hilfe. Daß die erforderliche Hilfeleistung die Arbeits- kraft einer fremden Person nicht im vollen Umfang in Anspruch nimmt, stehe dem nicht entgegen, betreffe vielmehr lediglich die Frage des Maßes der Hilflosigkeit. Simulantcnschnüffelei. Die totale Reformbedürftigkeit der Unfallgesetzgebung und die sast hilflose Lage des Arbeiters im Unfallverfahren wurde wieder einmal durch eine Gerichtsverhandlung erwiesen. Erleidet ein Arbeiter einen Unfall, so kann ihm, insbesondere bei nicht äußer- lich erkennbaren Unfallfolgen, nicht nur der Anspruch auf Rente abgesprochen werden, vielmehr kann die mangelnde Urteilsfähigkeit der Aerzte, die Tendenz der Berufsgenossenschaft, das Risiko der Arbeit dem Arbeiter aufzubürden, und die weitverbreitete Seuche der Simnlationsschnüffelei das Opfer der Arbeitsgesahr gar auf die Anklagebank wegen— Betruges führen. Solch krasser Fall würbe ani Mittwoch in Hannover bor der Strafkammer verhandelt. Angeklagt war wegen angeblicher versuchter Er schwindelung einer Unfallrente der 33 Jahre alte Dachdecker Leopold Schmidt. Er soll im Jahre 1903 ein körperliches Leiden vorgeschützt haben» um von der Baugewcrks-Berufsgenossenschaft Hannover eine Rente zu erlangen. Der Angeklagte hat am 24. Oktober 1907 einen Un- fall erlitten. Er stürzte bei einem Abbruchsbau des Maurer- meisters Coers etwa 3 Meter tief auf einen harten Boden. Er siel mit dem Rücken auf einen Balken. Der Fall hatte eine Anschwel» lung in der Kreuzgegend zur Folge. Der behandelnde Kassenarzt. Sanitätsrat Dr. Krah, schrieb ihn nach 3 Tagen versuchsweise wieder arbeitsfähig. Der Angeklagte mutzte die Arbeit alsbald wieder einstellen. Die Krankenkasse verweigerte ihm Unterstützung, er fiel der Armenkasse zur Last. Auf die Anregung von Armen- kaflenbeamten machte der Angeklagte dann Rentenansprüche geltend. Er hat seiner Angabe nach seit dem Unfall ein nervöses Körper- zittern. Ein solches starkes Zittern der Arme und Hände und des Rückens war bei dem Angeklagten während der Dauer der mehr- stündigen Verhandlung ununterbrochen zu beobachten. Auf Der- anlassung des Professors Dr. BrunS ist der Angeklagte vom 19. bis 22. August d. I. zur Beobachtung im Krankenhaus I gewesen. Es wurde angenommen, datz der Angeklagte sich verstellte, datz das Zittern keine krankhafte Erscheinung war. Auf Grund einer drei- tägigen Beobachtung bescheinigte dann der Assistenzarzt Dr. Kirch- hoff vom Krankenhause I, datz das ganze Zittern des Angeklagten simuliert sei. Die Folge war dann diese Anklage. In der Ver- Handlung mutzte Dr. Kirchhoff als Sachverständiger nach Anhörung der Beweisaufnahme seine Anschauung dahin ändern, daß der An- geklagte allerdings mit einem nervösen Zittern behaftet sei. Zehn cinwandsfreie Zeugen, die im Laufe der letzten zwei Jahre mit dem Angeklagten zusammengekommen sind oder mit ihm gearbeitet, oder gegessen und getrunken haben, hatten nämlich bekundet, oatz der Angeklagte fortgesetzt gezittert hat. Er hat Essen und Trinken nur mit großer Mühe und durch Vorbeugen des Kopfes zum Munde führen können. Er ist unfähig gewesen, sein Dachdeckerhandwerk auszuüben und schwerere Arbeiten zu verrichten. Seine Arme und Hände haben derart gezittert, daß verschiedene Zeugen, die den Angeklagten nicht näher kannten, angenommen haben, der Ange- klagte sei ein übermäßig starker Trinker. In Wirklichkeit ist der Angeklagte kein Trinker. Auch eine Krankenschwester und ein Krankenwärter, die den Angeklagten während seines Aufenthaltes im Krankenhause scharf beobachten mutzten, haben nie gesehen, datz der Angeklagte nicht zitterte. Sie ils auch die Assistenzärzte Dr. Weiland und Dr. Kirchhoff haben allerdings den Eindruck gehabt, als wenn der Angeklagte bei ihrem Erscheinen besonders stark zitterte. Dr. Kirchhofs gab zur Rechtfertigung seines ersten Gutachtens an, er habe den Angeklagten auf eine Entfernung von 20 Metern beim Kartenspielen und Rauchen beobachtet und gesehen. datz er nicht zitterte. Er ist auch heute noch der Ansicht, datz der Angeklagte das Zittern übertreibt und datz seine Krankheit keinen Anspruch auf eine Rente rechtfertigt, da er nur«ine nicht nennenS- werte Beeinträchtigung der Erwerbstätigkeit habe! Der Angeklagte könne auch als Dachdecker am Erdboden seinen vollen Lohn ver- dienen! Auf Antrag des Staatsanwalts mutzte schließlich nach stundenlanger Verhandlung die Sache zwecks Ladung des wegen Krankheit ausgebliebenen Sachverständigen Professor Bruns ver- tagt werden. Es sollen zur neuen Verhandlung noch weitere Zeugen geladen werden, die den Angeklagten in den letzten zwei Jahren beobachtet haben. Handelte es sich nicht um einen Arbeiter, sondern um einen anderen Bürger, der das Unglück hat, aus eine Höhe von 3 Metern rücklings auf einen Balken zu fallen, der auf harten Erdboden liegt, so würde man eS als Wunder bezeichnen, wenn bei dem Ver» unglückten kein« dauernden nervösen Folgen sich herausstellten. Die Rechte des Arbeiters werden aber in der geschilderten Weise miß- bandelt, er selbst zur Anklagebank gezerrt. Das nennt man— Gerechtigkeit und soziale Fürsorge. Sericdts- Rettung. Klassenjustiz gibt eS nicht. Alm Mittwoch hatten sich vor dem Schöffengericht in Verden a. d. Aller zwei Landwirte, ein Banunternehmer und ein Prokurist zu verantworten. Die vier Herren waren über einen Arbeiter, der sich in harmloser Weise ihr Auto besah, hergefallen und hatten ihn so verprügelt, datz er sieben Wochen im Krankenhause zubringen mutzte. Der Amtsanwalt be» antragte gegen jeden zwei Monat Gefängnis. Der Borsitzende betonte zwar auch, datz die Tat als roh und brutal bezeichnet werden müsse: doch, meinte er, hätte das Gericht von einer Gefängnisstrafe abgesehen und als mildernden Umstand den guten Eindruck, den die Angeklagten vor dem Gericht gemacht ätten, gelten lassen. Die Angeklagten wurden nur zu je vv M. Geldstrafe verurteilt. Der„Eindruck" wäre jedenfalls weniger gut gewesen, wenn die Angeklagten statt des Ar- beiters den Vorsitzenden oder die Schöffen so mitzhandelt hätten, datz diese den guten Eindruck mit einem siebenwöchent- lichen Krankenlager hätten bezahlen müssen. Die Kirche hat einen guten Magen. Im Jahre 18S8 bedurfte die Stadtgemeinde Berlin einer 48 Quadratmeter großen Fläche von den Fundamenten des alten Doms zum Bau der Ltaiser-Wilhelm-Brllcke. Die Stadt Berlin verpflichtete sich deshalb, die Fläche zu erwerben und als Kaufpreis mindestens soviel zu zahlen als die übrigen Anlieger an der linken Seite der Brücke für den abzutretenden Grund und Boden erhalten würden. Dieser Vertrag wurde zugunsten des Staates abgeschlossen. Späterhin klagte jedoch die Lber-Pfarr- und Dom- kirche auf Zahlung von 22 615,44 M. gegen die Stadt Berlin, während diese den zu zahlenden Betrag nur auf 10 212 M. berechnete. Das Landgericht Berlin gab zwar der Klage statt. Das Kammcrgericht würdigte jedoch den Einwand der Beklagten, der he Aktivlegitimation der Klägerin beanstandete. Denn nicht die Klägerin, sondern der Staat oder der Kronfideikommis sei Ver- tragspartei gewesen. Das Kammergericht Berlin hob deshalb das landgerichtliche Urteil auf und wies die Klägerin ab. Dieses Urteil des Kammergerichts focht die Klägerin durch Revision beim Reichsgericht an. Der fünfte Zivilsenat erkannte jedoch dieser Tage auf Zurückweisung der Revision. Der er- kennende Senat führt in seinen Entscheidungsgriinden aus, das; darin ein von der Revision geltend gemachtes Zugeständnis der Beklagten nicht liege, datz diese in erster Instanz die Einrede der mangelnden Aktivlegitimation nicht vorgebracht habe. Das Kammergericht habe nunmehr festgestellt, dah die Klägerin gar nicht Bertragspartei der Beklagten gewesen sei, sondern daß nach dem übereinstimmenden Willen beider Vertragsteile Rechte nur für den Staat begründet werden sollten. Jetzt leite die Klägerin das Eigentum für sich daraus her, datz der Staat ihr die Dombau- fundamente mit dem Grund und Boden zum Eigentum„über- geben" habe. Ueber Ort und Zeit der„Ucbergabe", über die dabei beteiligt gewesenen Personen, sowie über die Art und die Form des zugrunde liegenden Rechtsgeschäftes habe sie Angaben aber nicht gemacht. Auch sei nicht einmal behauptet, datz es sich um eine Uebergabe zum Zwecke der Eigentumsübertragung gehandelt habe. Das Berufungsgericht habe von den in Betracht kommenden Verhältnissen eigene Sachkunde gehabt, ausserdem habe es sich die untstreitige Tatsache gegenwärtig gehalten, datz der Grund und Boden damals vom Kronfideikommis als Eigentum beansprucht worden ist. Es sei mithin die Feststellung, datz die Fläche nicht der Klägerin gehört hat, bedenkenfrei. Wer innerlich mit der Kirchenzugehörigkeit gebrochen hat und die Verdauungsbeschwerden, die der Kirche durch die rund 3000 M. Prozetzkosten erwachsen sind, nicht stören will, denke daran, datz er durch Austritt aus der Kirche von Beisteuerung zur Ernährung des Kirchenmagens befreit wird. Die„von Richthofen" pfeifen auf das Gesetz. Am 19. d. M. hatten wir die Widersetzlichkeit des Freiherrn Ernst von NichtHofen, des Amtsvorstehers Gotthard von NichtHofen und des konservativen Reichstagsabgcordneten Freiherrn von Nicht- Hofen gegen den Amtsgerichtsbeschluß geschildert, die bei Ernst von Nichthofcn in Grotz-Roscn in Pflege befindlichen beiden Kinder der Gräfin Pfeil dieser oder deren Bevollmächtigten heraus- zugeben. Der Landrat hat die Durchführung des Gerichtsbeschlusses nicht herbeigeführt: auch er gehört zur Familie derer von Nicht- Hofen. Die Kinder sind nicht auffindbar. Datz ein Strafverfahren gegen die Frevler gegen die Rechte der Mutter und gegen die Staatsautorität die Folge sein würde, haben wir bereits damals angeführt. Das strafgerichtliche Verfahren ist inzwischen wegen Kindesentziehung und wegen Amtsmitzbrauch beim Landgericht Graudenz eingeleitet. Die Angeschuldigten befinden sich aber auf freiem Fuss. Die ostclbischen Grotzgrundbesitzer aus der Sippe von Richt- Hofen unternahmen es also nach dem Geschilderten mit Erfolg, einer Matter die ihr durch Gerichtsbeschlutz zugesprochenen Kinder vorzuenthalten und der Ausführung eines Gerichtsbeschlusses Trotz zu bieten. Der königlich preußische Staat erweist sich ihnen gegen- über ohnmächtig. Taten sich verständige Menschen zusammen, um ohne irgendtvelche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, ent- gegen einer ihrer Ansicht nach rechtswidrigen behördlichen Anord- nung auf den Strassen der Stadt Berlin gemeinsam für das allge- meine, gleiche, geheime Wahlrecht, für Gerechtigkeit oder gegen Arbeitslosigkeit zu demonstrieren, so hculmeierte der Chorus der konservativen und reichsverbändlerischen Presse: die„Ordnung" ist in Gefahr, klagt die Demonstranten wegen Hochverrats, Landes- Verrats, Ruhestörung oder aus welchen Paragraphen des Straf- gcsctzbuchcs immer an. Und die Polizeibehörden bemühten sich, diesen Wünschen nachzukommen, weil sie die Ansicht .der„Ordnungspresse" teilten. Hier aber, wo durch Zusammen- rottung einer Anzahl hochadliger beamteter und nicht beamteter Grotzgrundbesitzer einer Mutter ihre Kinder vorenthalten, der Rechtsordnung Widerstand geleistet, Gcrichtsbefchle mitzachtet werden, schweigt die„Ordnungs"pressc, versagen die Organe des Staates vom AmtSvorstchcr bis zum Minister. Das ist tatsächliches Recht im Staate Preutzen und kann es sein, weil die Gesetzes- | verletzer der Klasse angehören, die die tatsächliche Herrschaft in � Preutzen haben. Ihnen gegenüber ist die„Regierung" machtlos. ! Und sie darf sich über dies Schauspiel der Machtlosigkeit nicht be- i klagen. Denn sie hat seit Jahrzehnten sich willig unter das ! agrarische Joch gebeugt, das dem Eesamtinteresse ins Gesicht schlägt und Privilegierung des Großgrundbesitzes verlangt. Raubmordprozeß Kuhlbrodt. Das Schwurgericht des Landgerichts l hat sich heute mit dem „Inspektor eines geheimen Verbrecher- und Verschwörerbundes", dem 20jährigen Kaufmann Emil Kuhlbrodt und dessen Komplicen, dem LZjährigen Kaufmann Wilhelm Kayser des näheren zu be- � schäftigen. Beide haben seinerzeit den Raubauschlag auf den � Kaufmannslehrling Palme in der Großen Frankfurterstratze ge- ! plant. Der kühne, äusserst abenteuerliche Plan erinnert stark an den Raubansall auf den Geldbriefträger Eulcnburg, und der Angeklagte Kayser stand auch längere Zeit in dem Verdacht, an dem Ueberfall auf den Briefträger beteiligt gewesen zu sein. Der von den beiden Angeklagten ausgetüftelte Plan ging dahin: einen Lehrling des Kolonialwarengeschäfts von Julius Staege in der Grossen Frankfurterstrasse, der abends nach Geschäftsschlutz die Geschäftskasse in die Privatwohnung des Geschäftsführers zu tragen hatte, zu überfallen und zu berauben. Anfangs war be- absichtigt, den„Stift" auf der Treppe niederzuschlagen, die beiden Komplicen waren auch schon ans Werk gegangen und hatten, mit falschen Schnurbärten ausstaffiert, dem Lehrling auf- gelauert. Der Plan wurde jedoch dadurch vereitelt, daß ein Dienstmädchen im kritischen Moment auf der Bildsläche erschien. Dann hatte Kuhlbrodt sich bemüht, einen Kellner Birk aus der „Kaiserkrone", dem er sich als„Herr v. Büren, Inspektor eines geheimen Verbrecher- und Verschwörerbundes", vorstellte, zur Ausführung des Ueberfalles zu dingen. Birk hatte aber der Kriminalpolizei Anzeige erstattet, und diese nahm die beiden Verbrecher fest, als sie den Birk zur Ausführung deS Attentats abholen wollten. Die Sache hat schon einmal die 10. Strafkammer beschäftigt. Die beiden Angeklagten waren ursprünglich nur be- schuldigt der Aufforderung zum Verbrechen des Raubes bezw. der Bedrohung mit einem Verbrechen, das Gericht war aber auf Grund der Beweisaufnahme zu der Ansicht gekommen, daß beide des versuchten Raubmordes dringend verdächtig feien, es hatte sich deshalb für unzuständig erklärt, und so ist dann die Strafsache an das Schlvurgericht verwiesen worden. Naubmorb in der Sommerfrische. Der verwegene Naubanfall gegen den Kaufmann Höhl aus Steglitz bei Berlin im Seebade Kolberg hat vor dem Kösliner Schwurgericht das gerichtliche Nachspiel erfahren. Auf der An- klagebank saß der erst 20 Jahre alte Kaufmann Pohland aus Landsberg unter der Beschuldigung des schweren Raubes und versuchten Mordes. Der Angeklagte war als Reisender tätig und aus seiner letzten Stellung wegen Unfleisses entlassen worden. Er begab sich nach Kolberg, wo seine Braut wohnte, und faßte, als sein Geld bald auf die Neige ging, den Plan, einen wohl- habenden Badegast zu überfallen und zu berauben. Er versteckte sich im Gebüsch und schoß von hier aus auf den ahnungslosen Höhl, dessen goldene Uhrkette ihn verlockt hatte. Höhl floh und brach sich auf der Flucht noch beim Hinstürzen einen Arm. Auf den Liegenden schoß Pohland noch eine Kugel ab, die aber den Schädelknochen nicht durchbohren konnte. Der Angeklagte ver- schwand dann nach Berlin und Mitteldeutschland, und stellte sich schliesslich selbst der Polizei, die auch in diesem Falle eines schiveren Verbrechens die Tat, nicht aber den Täter zu entdecken vermocht hatte.— DaS Urteil lautete wegen versuchten Mordes, Raubes, Unterschlagung und Betruges— der Angeklagte hatte bei seiner Flucht eine Ladenkasse mitgehen heißen— auf insgesamt zwölf Jahre drei Monate Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. fliis der frauenbewegung« Arbeiterinnen bei der Straßendcmonstration. An dem grandiosen Aufmarsch der Wiener Arbeiterschaft aus der Ringstraße am Sonnlag haben auch zahlreiche Frauen teil- genommen. Handelte es sich doch darum, für billiges Brot, für billiges Fleisch und für billige Milch einzutreten. Dem zusammentretenden Parlament sollte der Wille deS Volkes kund« gegeben werden. Die am 1. Oktober erfolgte Verteuerung der Milch um zwei Heller für den Liier hat grosse, bis ins Bürgertum greifende Empörung ausgelöst. Massenversammlungen haben stattgefunden, die Frage des Milchboykotts wurde ernstlich erwogen und nur mit Rücksicht darauf, datz sie als ein uncntbchr- liches Nahrungsmittel für Kranke und Kinder gilt, traten Zweifel an der Möglichkeit der Durchführung auf. Aber im Proletariat tobt die Leidenschafl, die Empörung über seine AuSwucherung, über die s ch a m l o s e n A g r a r i e r, die erklärten, die Milch lieber den Schweinen zu geben als für den alten Preis der Bevölkerung. Auf die Strasse! Diese Worte rangen sich wie ein Schrei von aller Lippen. Es war wie eine Erlösung, als die Partcivcrtretuug sllr Sonntag, den 17. Oktober, die Massen auf die Ringstraße rief. Das Frauen-Reichskomitee ließ 20 000 Flugzettel unter den Arbeiterinnen verbreiten, um sie aufzufordern, gegen den Lebens- mittelwucher zu demonstrieren. In den Zügen, die geschlossen von den Bezirken zur Volkshalle des Rathauses marschierten, waren, besonders bei den Zügen der Proletarierbezirke, tatsächlich viele Frauen. Da die Massen im Rathause keinen Platz finden konnten, sah man aus dem grossen weilen Platz bald nichts als eine undurchdringliche Menschen- masse. Von der Stiege des Rathauses herab wurden von den sozialdemokratischen Abgeordneten Reden gehalten. Auch zwei Genossinnen hielten unangemeldete Versammlungen ab. Genossin B o s ch e k sprach von drei zu einem Podium bereinigten Fahrrädern zu den Massen, Genossin Popp von der Stiege des Rathauses. Auch die Reden der Genossinnen klangen auS in der An« kündigung, dass auch die politisch rechtlosen Frauen den Kampf für dieVolksnotweiidigkeiten führen werden und dass der 17.O ktober nur der Anfang sei. Sie forderten die Frauen auf, bereit zu sein, wieder und in grösseren Massen zu kommen, wenn das Parlament das alte Spiel beginnen und unfruchtbar bleiben würde. Auch in Graz haben die Frauen in einer Stärke wie noch nie an der Versammlung und Demonstration teilgenommen. Die Frauen hatten sich um die Standarte der politischen Franenorganisatioll versammelt. Aus einem benachbarten Jndustneort hatten 500 Frauen eine Solidaritätskmidgebung mit der Mitteilung gesandt, dass sie entschlossen seien an jeden, Kampfe teilzunehmen, dass sie aber durch häusliche Arbeiten abgehalten seien an der VormittogSdenionstration teilzunehmen. Unaufhörliche Ngilation wird dafür sorgen, dass es iininer besser werde mit der Beteiligung der Frauen an den Kämpfen deS Proletariats._ Lese ab ende. Wilmersdorf. Freitag, 22. Oktober, S'/z Uhr, im„GefellschaftshanS". WilhelmSaue 112: Vortrag. Genossin MarcuSson:„Aus Fritz Reuters Leben und Wirken". Vermischtes. Eine Explosion in München. Der Draht meldet ans München: In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr erfolgte vor dem Haufe Burgstrabe Nr. 1 eine starke Explosion, infolge deren einige Fenster des Erdgeschosses und des ersten Stockes in diesem Hause sowie des zweiten Stockes im gegenüberliegenden Hause zersprangen. Im Asphalt des TrottoirS fand sich eine flach ausgesprengte Stelle. Zivei sosort herbeieilende Schutzleute konnten tu der ganzen Strasse keinen Menschen ciltdeckeii, sahen jedoch dickit vor dem Hause eine dichte Rauchwolke aufsteigei, und nahmen Pulverrauch lvahr. Sie sande» am Tatorte lediglich eine Melallhülse. Von den Tätern fand man keine Spur, auch ist gänzlich unbekannt, ob es sich um ein Bubenstück oder, einen Racheakt handelt.* Ueber einen Eisenbahnunfall wird amtlich aus Trier gemeldet: Durch Uebcrfahren des Einfahrtssignals fuhr der Güterzug 8470 dem ausfahrenden Zug 8441 auf Bahnhof Nennig in die Flanke. Ein Bremser ist tot, ein Zugführer schwer verletzt. Beide Gleise sind gesperrt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht e.- halten. Eingleisiger Betrieb ist nicht vor 2 Uhr nachmittags zu er- warten. Der Materialschaden ist bedeutend. Neuer Eho lern fall in Königsberg. Nach amtlicher Mitteilung ist in Russ(Kreis Heydekrug) eine Frau an Cholera erkrankt. Singegangene Oruclifckrlften. Von der„Neuen Zeit- lStuttgart, Paul Singer) ist loebe» das 4. Hest des 28. Jahrgangs erschienen. Inhalt: Der Fall Ferrer.—- Prophetische Wissenschast. Von Ludwig Ouessel.— Das Görreslexikon. Kritische Glossen zur llerikalen Gesestschaststheorie. Von H. Luuseuberg. (Fortsetzung.»— Der industrielle Grohbetrieb und seine sozialen Wirkungen. Von RIchardt Woldt.— Literarische Rundschau: Davis Trietsch, Die Oricntwirren. Dr. Vladan Georgewitsch, Di« türkische Revolution und ihre Aussichten. Albrecht WIrth, Türkei und Persien. Robert Kimbcrger, Die mazedonische Frage. Dr. I. Bochmer, Paläftuia im Lichte der gegen- wärtigen OrlenttttsiS. Dr. A. Wirth. Die Zukunft der Türkei. Von Karl Rades 0. Schwarz, Die Finanzsysteme der Großmächte. Von dl. dl.— Zeitschristenschau. Die„Neue Zelt' erscheint wächentlich einmal und ist durch alle Buch» Handlungen, Poslanstalle» und Kolporleure zum Preise von 3,ä5 M. pro Ouartnl zu beziehen; jedoch kann sie bei der Post nur pro Quartal abonuiert werden. DaS einzelne Hest kostet SS Pj. Probenumlnen, stehen jederzeit zur Verfügung. Mnr den Inhalt der Inserate Übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Oiearer. Freitag, den 22. Oktober. Ansang 7>/, Uhr. Königl. Opernhaus. Don Juan. «gl. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Deutsches. Hamlet.„„ Kammerspiele. Dle Zuflucht. (Ansang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. RcueS königl. Opern-Dheater. Der Prozetzhansll. Lesjing. Tantrts der Narr. Neues Schauspielhaus. Das Exempel. Komische Oper. Der Wildschütz. Berliner. Alpcnkönlg u. Menschen- seind. Neues. Da» Urblld des Tartüsse. Hebbel. Der Skandal. Weste». Dt« geschieden« Frau. Bolksoper. Zar und Zimmermann. Thalia. Prinz Bussi. Residenz. Grctchen. Triano». Pariser Witwen. LustspielhanS. Man soll keine Briese schreiben. Kleines. Moral. Neues Operette«. Die Dollar- Prinzessin. Schiller O.«Wnllner- Theater.) Die von Hochsattel. Sch�u-r Ehartotteuburg. Die erste Geige. Friedrich< Wilhelmstiidt. Schau, spielhaus. Das grosse Licht. Luise«. Der Kamps um den Rord< pol. Mose. Michael KohlhaaS. Metro»-». Halloh II Die grosse Revue. Folieö Eaprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. S'j« Uhr. Mpoll«. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrufeld. Theater. Frau Elkams Friseur. Meine- Deine Tochter. Karl Haverland- Theater. Epe« zialitäten. Easino. Onkel Cohn. Walhalla. Sveziaiitäten. Gastspiel. Die gute Partie. Noacks Theater. Durch Nacht zum Licht. Palast. Der vlumenstrauh, Speziali» täten. Paiiagr. Spezialitäten. Reichshallen. Steltwer Sänger. ttrar.ia. TaubrnUraste-Uv-Iv. AbeiidS S Uhr: In den Dolomiten. Sternwarte. JiivaltdeiiNr. 67/62. I.esHlng-Theater. 8 Uhr: TantriS der Narr. Sonnabend, 8 Uhr: TantriS der Narr. Sonntag, 3 Uhr: Die Weber. 8 Uhr: Tantris der Narr. berliner Theater. Heute 7ll, Uhr zum erstenmal: Alpeukönig und Menschenfeind. Morgen! iUlpenkönig und Me»> schenseind._ Neues Theater. AbendSVUhr: Bas>1« des Tarii. Morgen und folgende Tage: Das Urbild des TartQUe. Friedrich-Wilheimstädtisches Schauspielhaus. Freitag, den 22. Oktober, Ans. 8 Uhr: Zum erstenmal: DaS große Licht. Sonnabend: Das grosse Licht. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends ö Uhr: Da» grosse Licht. iSeltiUv?'' Schiller-Theater 0.(Wallner-Tdeater.) Freitag, abend»«Uhr: Die von Hochnuttel. Lustspiel in 3 Akten von Leo Walther Stein und Ludwig Heller. EW Ende 10-/. Uhr."9® Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Gespenster. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Blacbeth. Sonntag, abends 8 Ubr: Das Küthchen v. Heilbronn Tbeater des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Fran. Sonntag nachm. 3-/, Uhr: Die InsUge Witwe Nenes Operetten-Theater, Schifsbauerdamm 25, a. d. Luiienstr. Abends 7-/, Uhr zum erstenmal: Der arme Jonathan. Sonnabend u. Sonntag: verarme lonatban. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: ver Zigeunerbaron. Residenz-Theater Dlreltion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Grctclien. Groteske in 3 Akten von Davis und Ltpschütz. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, 24. Okt., nachm. 3 Uhr: Der Floh im Ohr._ Volks-Oper. SW, B-llc.Alliance.Strasse Nr. 7/8, Ansang'/gO Uhr. n Theater. Schiller-Theater Charlotlenburg. Freitag, abend» 3 Uhr» Die erste Geige. Lustsplcl in 4 Akten v. Gustav Wied und Jens Petersen. 1*®- Ende 10'/, Uhr.-WS Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Ehre. Sonntag, nachm. 3 Ubr: Die Welt, In der man sich langwellt. Sonntag, abends 8 Uhr: Die erste Geige Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Man soll keiae Briela seMea. mw-ajw HKHUWmmiMl« IV Premier«. Der Klmpf unl den Nordpol. Romailtisches Zeitbild in 7 Bildern mit Gesang und Tanz. Sonnabend 4 Uhr grosse Kinder, Vorstellung: Der kleine Zeppelin. 8 Uhr: Inspektor Brnsig._ lDSE=THEATEi Grosse Franksurter Str.>32. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Michllt! Kohlhaos. Romantisch. Schauspiel in 4 Akten nach Heinrich v. Kleist« historisch. Roman von Louis Schenk. Sonnabend nachm. 3 Uhr Schüler- Vorstellung zu kleinen Pr.: Michael Koblhaa». Ab. 8 Uhr: Der Hütten« besitz«.__ Trianon-»Theater. AbcndS 8 Uhr: Pariser Witwen. LlranZa. WiaBenachaftlichea Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Gastspiel-Theater Köpenickcr Strasse 67/68. Täglich abends 8'/. Uhr: Gastspiel von Fritz Beckmann. Die gute Partie. Folies Caprice.| Mobilisierung. Bunter Teil. Dar gewisse Augenblick. Vorverk. 1t— 2. Anfang 8'/« Uhr. I Kriimil-Thtlitn. Badflrasse 58. Direktion: Willi Voigt. Freitag, den 22. Oktober 1909: Utbers Grab hittaits. Lebensbild mit Gesang in S Bildern von Sonntag. Kassenerösstiung 7, Ansang 8 Uhr. Iao» i gstad t Kfisluo. Holzmarltstrasse 72. Täglich: Franz Sutmnnkl. Fifi Morro, Gustav Eulenbarg, floschw. Arras, F. W. Hardt, The Hartle u. MiB Eltrah usw. Dr. Schwips. Posse mit Gesang in einen, Akt. Sladt-Thealer Moabit. Alt-noublt 47/48. Sonntag, den 24. Oktober 1909: GM bei Fmc«. Lustspiel in 4 Akten v. K. v. Moser. Knssenöfsmmg 6 Uhr. Vorstellung 7 Uhr. Vorvcrkaus Sonntag von 10—1 Uhr im Theater-Restaurant. l Weindorgeweg 19-20, lloevvth.Ior. Ans. 8 Uhr. Die großartigen Oktober-Spezialltiiten. | ,1m Tunnel: RegimentSkaPelle. Theaterbesuchern freier Eintritt. Casino-Theatei« Lothringer Strasse 37. Täglich 8 Uhr: Cnkcl nkel iVohn itkri VJV,, ntel ob« uCel 1»rel ,clm �'nkel �ohn Sonnlag 4 Uhr: Familie»linkert Kar! Haverland Theater 77/79 Kommandautenstrasse 77/79. Anfang präzise 8 Uhr. Schlager auf Schlager bringt das Ohtoher-Prugramin. Männerchor i„Richte• Georginia 1879". (M. d. D. A.-S.-B.)| Sonntasr, den 84. Oktober 1009:< Große Matinee! ciun Beaten des Tarnhallen- Banfonda dea Tarn verelna„Fichte"-Berlln In der Brauerei Friedrichshain am Königstor. Mitwirkende: Frau Anna Liese Wagner-Gronwald(Sopran). Turnverein„Fichte", Berlin. i Kassenöffnung 10 Uhr. Anfang präc. 11 Uhr. Entree 30 Pf. Während der Vorträge sind die Saaltüren geschlossen. - Rauchen nicht gestattet.- Programme mit läedertexten am Saaleingang gratis. Gustav Voigts freie Sänger-Akademie. Sonntnj;, den 84. Oktober, ubenda prllz. 7 Cbr: �& KONZERT&# in den Prachtaklen Alt- Berlin, Blumenstr. 10, Saal I Zur Aufführung gelangen außer Solls, gemiechten u. Männerchören im III. Teil, Szenen des 2. und 3. Aktes aus der Oper „Der Freischutz" von Weber. Billetts a SO Ff. sind zu haben: Blumenstr. 10(Stehbierhalle); Pietsch, Lübbener Str. 1; Neidhardt, Qörlitzer Str. 58; Hoffmann, Oppelner' Str. 49; Hcllriegel, Weidenweg 68, und Hentschel. Zorndorfer Str. 44. Zirkus Busch. Freitag, den 22. Oktober 1909, abends 7'/, Ohr präzise: Großer Gala-Abend. U. a.: Die Clevelnnds! Mdm. Smaragde mit ihrer sensationellen Ratzendressur. Herr Willy Manns Wunderelefant.| aSwergrclown Frankels als Kunstreiter. Ferner zum erstenmal! Fräulein Hartha Hohnke,| Schulreiterin. Herr E. Schumann, Nendress. Um 9'/. Uhr: �»1�11! j Vorher das groBe Galaprogramm. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Oer grSSte Erfolg der Theatersaison I Henry Bender in der tollen Burleske Oer süße Doktor. Ferner: Ciaire ValdolT und der große Variete-Teil. Passage-Panoptikum. Die Trauinalerin Ans d. schwebende A})» Jungfrau. Der Hotoboy d. kilnstl.zerl. Mensch Tamltoritza-Bript. PanoDlton-Vorträge Yllaskop-Theatep Dauervorstellung von 4— 7 Uhr. Eslra- W.JVoachs Theater Svuimcnür. in, am RosentHaler Tor. Zum lctzlen Maie: vured»sedt zum Lieht. Ansang'/;9 Uhr. Eutree 30 Ps. Sonnabend: Der Glöckner von Notre-Dame. Sonntag 3 Uhr: Jüdin V.Toledo. Sonntag'/..B Uhr: Das Waren- Iiausfrüufein. keiehshAilell-Ihealer. Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Palast-Theater. Direftlon: Robert DIU 4 Karl Pirnau. Burgstrahe 24, am Bahnhos Börse. Die erstklassigen 8pezisMen. Da» iay«tcrlU»o Itablactt. vlga Durand: Fln�Vcliu'aasch. Der Blnmenstraus!. Siebetspiel. Ansang'/jS Uhr. Sntree: SV Ps. bis 8 Mark. Borzugökarteu. an Wochentagen gültig, überall zu haben.__ Freitag, den 23. Oktober, abends 7VS Uhr: Grosze Vorstellung. ?? Les �ribos?? ß Dame» Proveanies in ihren hervorragend. Leistungen. Pferd und Ballerina des Ritter v. Renrott. Jagd- Sportakf m.Wagen, Pferd und Hunden. Miß Silva dressierte Tauben. 8«ng. Notschimmel 8 vorgeführt von H. Bono. Der Schimpanse als Radfahr- küustler. Sonntag: Zwei Borstellungen. 3'/, Uhr u. �l|1 Uhr. Nachm. ein Kind frei, weitere Kinder halbe Preise. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 9 Uhr; Tohuwabohu. Burleske m. Gesang und Tanz(aus dem Amerikanischen) in 3 BUd., bearb. ' einz Gordon. GesangZtexte v Rud. Schanzer, Musik v. Jul. Elnödshoser, Im 2. Bild: Ballett-Einlagen, getanzt von The Irish Indien Haids. Borher ab 8 Uhr: Die vollständig neuen Spezialitäten m. Madsl Bsrra, The Automatus, S Schwestern War. wiek, 4 Black Oiamonds. Die enthusiastisch gefeierte 9'/< Primadonna O1/, Maria Qalvany von der kgl. Oper in Madrid und die sensationellen 12 Oktober-Attraktionen 12 und des ferneren nur 3 Tage: Lebend»Ingrcnde Bilder Fnrico Caruso: Freitag: Arie a.„Don Sehastiano". Sonnabend: Arie a.„Tristeritomeu. Sonntag: Arie aus„La fpiza del destino. Sonntag, den 24 Oktober 1909: Machmlttas-Yorstellang;. Anfang a'l, Uhr. Kleine Preise I MM!» Kommaiidanlcnstr. 57. T. A. 4, 5083. Nur noch wenige Tage: BW Die erfolgreichste»"Wü Lach-Komödie» Meine- Deine- Tochter Frau Elkams Friseur mit Anton und Donat Herrnfeld. Porvertaus 11—2 Uhr. Ansang 8 Uhr. Kredit. O JAobel 7eilzahlnng Ibei ollerkleinster An- a. Ahcahlnng;. Größte Rücksicht »d IXKuÄt" E* Cohn, Of. 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Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Mutter Frau Augufte Henkel geb. Eisner sage meinen innigsten Dank. 2002b Frau Ewaldt geb. Henkel. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, un vergeßlichen Mannes, des Stellmachers Karl Conrad sage ich den Kollegen sowie dem Ches der Firma Geisler und dem Verband meinen herzlichsten Donk. Die trauernde Witwe Auguste Conrad. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Wilhelm Franz sage allen Freunden und Bekannten, besonders der Firma Landshoss u. Meyer, seinen früheren Kollegen, dem Soz. Wahlverein und dem Ar deiter- Gesangverein.Sangeslust- Grünau, sowie dem Handels» und Transportarbeiter- Verband meinen herzlichen Dank. 29482 Wwe. Franz nebst Kindern. Huf ruf! Zwecks Regulierung von Familien. angelegenheiten ersuche ich den Weber HenMuu Rieger, geb. zu Ernsdors. Kr. Reichenbach, sich bei mir zu melden. 257/14 Aagaste Kollmann, Breslau, _ Marlhaslrasie 5 I. » % am Morüiplsiz Änf. 8 Uhr. L Theatersani: 0. Kanonenschlager Meyer mit'n Hängeboden mit Panl Bendix in der Titel- rolle und das glänzende Spezlnlitlitcn-Programm. Im Konzertsaal: Täglich: Gr. Konzert der ersten Kapellen der Berliner Garde-Regimenter. < 4 4 < ! über | des Parteitages der Sozial- < « Soeben erschienen: Protokoll die Verhandlungen demokratischen Partei Deutschlands. | Abgehalten zu Leipzig vom! 18. bis 18. September 1009.! (530 Seiten umfassend.) PreiS brosch. 1,35 M. gebd. 1.75 M. Aus holzfreiem Papier brosch. 8,56 M. elegant geb. Z,50 M. Ezpedition des Vorwärts BERLIN SW. Lindenstr. 69, Laden. Charlottenburg. Solide Uhren, moderne Goldware«. Reparaturen preiswert und gut. Friedrich Stabenow, * iefet Berliner Strafte 146. Gänse, Ente» gar. leb. 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Bezirk Nr. 357 Tell I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Glas« schleiser Willi Fischer (Löwestr. 7) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Oktober, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des AuterstehungS-Kirch- hoscs in Weißcnsee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 220/10 Der Vorstand. tsereiu Berliner Den geehrten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser lieber Kollege Willi Guido Streiitz am Dienstag, den 19. Oktober, nach langem Leiden gestorben ist. Sein Andenlen werden wir in Ehren halten l Die Beerdiguna findet am Freitag, den 22. Oktober, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des St. Georgenkirchhofes, Wcißensee, Roelkestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2067b Der Vorstand. Oentsctier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Franz Maschetzky am 19. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Di- Beerdigung findet am Freitag, den 22. Oktober, nach. mittags 4 Uhr. von der Leichen- Halle des St. Sebaftian-Kirchhoss in Rcinickendors, Httmboldlstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 124/9 Die Ortsverwaltung. Zentral-VeM der Maurer Deutseblands. Zwelgvcreln Berlin. Zahlstelle Teltow. Am Montag, den 18. Otteber verstarb unser Mitglied, der Maurer Wilhelm Kroop infolge eines BauunsalleS toi 35. Lebensjahre. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Teltower Leichenhalle aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 139/15 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlvereifl Teltow u. Umgegend. Am Montag, den 18. Oktober verschied infolge eines Unfalles unser Milglied, der Maurer Wilhelm Krop. Ehre seinem Audcukeu! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Nach schwerem Leiden verstarb am Dienstagnachmiltag mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater frieOrleiiftielegi'lniin im Alter von 62 Jabren. Frau Witwe Paclegrlmn» nebst Kindern, Holzmarktstr. 54. Beerdigung am Sonnabend. nachm. 4 Uhr von der Leichenhalle des St. Andreas« KirchhoseS in WilhelmSberg aus. 20596 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, allen Ver» wandten, Freunden, Bekannten und Gästen, insbesondere der Direktion und dem Personal der Vereins« brauerci, dem Sparvcrein.Hoff» nung 04-, dem Lotterieklub.Hoff. nungSstrahl' und den Parteigenossen vom Unterbezirk 18a unseren besten Dank. Die trauernde Witwe Msrie Krüger«Ä, Dr.Simmel Spezial-Arzt• für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2— 4. Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für den Jnseratenteilverantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& GoH Berlin SW, n,. 247. 26.1»�. v 2. leiluge des Igmiirls" Kerlilltl AlksdlM. 22. W.W.W. Partei-?Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste. Am Sonnabend, den 23. d. M. feiert der® e- fangverein„Nntli" in den Räumen des Restaurans„Hohen- Gollern" in Friedenau sein Stiftungsfest. Da uns im genannten Orte seit längerer Zeit ein Lokal nicht mehr zur Verfügung steht, so ersuchen wir alle etwa angebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Heute Freitag, abends 8V3 Uhr, findet für den 18. Kominunal-Wahlhezirk eine Versammlung in den „Rittersälen", Ritterstr. 76, statt. Stadtverordneter Dr. Alfred Bernstein und der Kandidat Emil Kerfin werden über unsere kommunalen Forderungen sprechen. Sonntag, den 2 4. Oktober, früh 8 Uhr, findet im 17. und 13. Kommunal-Wahlbezirk eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich und pünkllich zur Stelle zu sein. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Auf die heute abend im„Berliner Prater", Kastanien-Allee 7/9, stattfindende Frauenversammlung wird hiermit besonders aufmerksam gemacht. Genossin Luise Zietz spricht über: „Die neueste Ausraubung des Volkes und die Stellung der Frauen dazu." Rixdorf. Die Berechtigungskarten zu der am Sonntag, 24. Oktober, stattfindenden Theateroorstellung, die noch nicht verkauft sind, müssen spätestens heute abend in der Spedition Neckarstr. 2 niedergelegt werden, anderenfalls gelten dieselben ols verkauft.— Ferner wird ersucht, dah die Partei- und Gewerkschaftsgenossen von den Eintrittskarten zum Vortragskursus des Genossen Julian Borchardt über „Die Grundbegriffe des wissenschaftlichen Sozialismus" recht regen Gebrauch machen. Der Kursus beginnt am Montag, 1. November, im Lokal von Hoppe, Hermannstr. 49 sgrotzcr Saals und erstreckt sich auf fünf Abende. Die Karte kostet 50 Pf., berechtigt für alle fünf Abende und ist bei den Funktionären erhältlich. Der BildungSauSschuß. Charlottendurg. Achtung! Am Sonntag findet eine Flug- blattverbreitung an die Kommunalwähler statt. Wenn die Stadt- verordnetenwahlcn ein für uns günstiges Resultat ergeben sollen, ist es notwendig, daß die Genossen ihre Schuldigkeit in viel größerem Matze als bisher tun. Es wird daher jeder Ge- nosse hiermit n a ch d r ü ck l i ch st auf seine Parteipflichtcn aufmerksam gemacht. Ferner findet am Dienstag, den 2g. d. M., eine öffentliche Komniunalwähler- Versammlung statt, in welcher die Genossen Dr. Borchardt und G e b e r l sprechen werden. Außerdem werden in dieser Versammlung die Resultate der LandtagSnrwahlen bekanntgegeben. Der Vorstand. Briti-Bnckow. Heute findet im„Landhaus" das Stiftungsfest des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Billetts a 26 Pf. sind noch bei den Mitgliedern zu haben. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Nudow. Sonntag, den 24. Oktober, im Lokal des Herrn Nolle, Köpenicker Straße 8ga: Generalversammlung des Wahlvereins. Vor- trag des Genossen I e s e r i ch. Alt-Glienickc. Am Sonnabend, den 23. Oktober, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn Troppcns, Terrassen- Restaurant, Rndower Straße 64. die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent Genosse PagelS- Rixdorf. 2. Diskussion. 3. Bericht der Funktionäre und Gemeinde- Vertreter. 4. Aufnahme neucc.Mitglieder. 6. Vercinsangelcgenheirc», Verschiedenes. Der Vorstand. Trcptow-Baumschnlcuweg. Heute abend 7 Uhr von den Bezirks- lokalen iin OrtStcil Treploiv: Flugblattverbreitung.— Morgen Sonnabend: Sliftuugssest(Heiterer Kunstabend) bei Wanzlick. Billetts bei den Bezirksführer» und den bekannten Stellen. Abend- lasse findet nicht statt.— Montag, den 25. Oktober, in der Renn- bahn": Leffentliche Versammlung für Frauen und Männer. Vortrag des Genossen Dr. Alfred Bern st e i n. Boxhagcn-Niimmrllmrg. Der Sozialdemokratische Wahlverein von Boxhagcn- Rummelsburg feiert morgen Sonnabend, den 23. Oktober, sein 19. Stiftungsfest, bestehend ans Konzert, Vorträgen und Tanz im Cafs Bellevue. Entree 30 Pf. Da den Genossen ein genußreicher Abend bevorsteht, erwartet das Komitee zahlreiche Beteiligung. Nieder-Schirneweide. Am Sonntag, den 24. d. M., findet eine »Vorwärts"-Agitation von den bekannten Bezirkslokalen aus statt. _ Der Vorstand. Berliner JNfaebriebten» Zum Schnellbahnstreit der westlichen Vororte. Der seit Monaten zwischen den kommunalen Körperschaften Wilmersdorf und Charlottenburg geführte Streit um die Linien- führung der Schnellbahn bildete am Mittwoch in der Wilmers- dorfer Stadtverordnetenversammlung den wesentlichsten Gegenstand der Beratungen und hat vorab ein Resultat gehabt, das von neuem eine Kriegsansage an die Nachbarstadt be- deutet. Um die Angelegenheit verfolgen zu können, muß man sich in Kürze die nachstehenden Tatsachen ins Gedächtnis zurückrufen. Am 26. Juni hatte der preußische Verkehrsminister dem Wilmersdorfer Magistrat in einem Erlaß mitgeteilt, daß er zum Beginn der Bauarbeiten, die verkchrspolizeiliche Genehmigung vor- ausgesetzt, seine Einwilligung gebe. Allerdings bezog sich diese Einwilligung zum Bau der Untergrundbahn nur auf das Wilmersdorfer Stadtgebiet, und damit war insoweit wenig geholfen, als bekanntlich der Anschluß an die Berliner- Hoch- und Untergrundbahn nur zu erreichen ist, wenn die- Bahn durch Charlottenburger Gebiet geht. Die hierzu erforderliche Er- laubniS will Charlottenburg aber nur erteilen, wenn Wilmersdorf entgegen seiner Absicht die Bahn durch die Uhlandstraße führt, damit fie ant Kurfürstendamm in die von dieser Stadt geplante Bahn münde. Wilmersdorf, das nebenher bemerkt, gleichfalls noch eine zweite Untergrundbahn durch den Kurfürstendamm nach der Kolonie Grunewald bauen will, erblickt in der von Charlottenburg ge- stellten Bedingung eine Benachteiligung, denn erstens Ist die Wilmersdorfer Linienführung nach dem Nürnberger Platz die kürzere und dann verspricht diese Trasse der Bahn auch höhere Einnahmen. Auf Grund eines von der Stadt- vorordnetenversammlung zu Charlottenburg am 22. September ge- faßten Beschlusses hat der dortige Magistrat sich abermals an den Minister gewandt und ihm nähegelegt, die Einwilligung von Wilmersdorf zur Verlegung der Untergrundbahn in die Uhlandstraße zu bewirken. Auf diese Eingabe hin hat der Berliner Polizeipräsident den Magistraten beider Städte mitgeteilt, daß eine Frist von vier Wochen für Einigungsverhandlungen von ihm angesetzt� sei. Jedoch müsse es, wenn in dieser Zeit keine Verständigung zwischen beiden Städten erfolgt wäre, bei der am 26. Juni zugunsten Wilmers- dorfs gefällten ZulasiungSentscheidung sein Bewenden haben. Selbst- verständlich hat Wilmersdorf diesen Wink sich zunutze gemacht. Nach- dem Stadtv. Dr. Heinitz als Referent noch einmal über die Ent- Wickelung der Schnellbahnangelegenheit einen Ucberblick gegeben hatte, beschloß die Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend dem Antrage des Magistrats gemäß, auf das[von Charlottenburg gestellte Verlangen nicht einzugehen. Zugleich ivnrde ein Antrag angenommen� worin Wilmersdorf feine Geneigtheit ausspricht, wegen der geplanten Linie über den Kurfürstendamm mit Charlottenburg in Verhandlung einzutreten. Wir haben schon früher betont, daß der preußische Fiskus stark an der Wilmersdorfer Untergrundbahn interessiert ist, weil sie ihm die Aufschließung der Domäne Dahlem ermöglichen helfen soll. Da aber andererseits Charlottenburg sich wohl kaum mit dem Wilmersdorfer Beschluß zufrieden geben wird, so steht jetzt wahrscheinlich ein weitläufiges Verwqltungs- st r e i t v e r f a h r e n in Sicht, das den Bau des für Wilmersdorf außerordentlich wertvollen Verkehrsweges sehr in die Länge ziehen kann. Daß der leidige Streit wie ein Hohn auf den bald sagenhaft gewordenen Groß-Berliner Verkehrszweckverband anmutet, braucht wohl kaum auseinandergesetzt zu werden. Ortsstatut über die Stundenpläne der Pflichtfortbildungsschnlen. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung jetzt den Entwurf zu einem Ortsstatut betreffend die Stundenpläne der städtischen PflichtfortbildungSschule zu Berlin zugehen lassen. Ver- anlassung hierzu hat ein Erkenntnis des Königlichen Kammer- gerichts gegeben, nach welchem eine Bestrafung der Arbeiter und der Arbeitgeber auf Grund der Reichsgewerbeordnung wegen Ver- säumnis der festgesetzten Unterrichtsstunden einer gewerblichen Fortbildungsschule nur erfolgen kann, wenn auch die Festsetzung der Unterrichtsstunden durch Ortsstatut erfolgt und diese Festsetzung in der für OrtSstatute üblichen Form veröffentlicht ist. Die Reichs- regierung hat nun zwar in der Gewerbcordnungsnovelle eine Be- stinimung vorgeschlagen, nach der die Festsetzung der Stundenpläne den Gemeindevorständen übertragen wird. Da aber nicht abzusehen ist, wann diese Novelle voin Reichstag verabschiedet werden wird, muß bis auf weiteres der umfangreiche, den Wünschen der ver- schiedenen Gewerbe im Sommer und im Winter Rechnung tragende Stundenplan halbjährlich vom Magistrat und den Stadtverordneten beschlossen und veröffentlicht werden. Schule und Kindcrschutzgesetz. Die Bestimmungen des Kinderschutzgcsetzes werden immer noch zu wenig beachtet. Besonders wird gegen die Forderungen gefehlt, daß Kinder über zwölf Jahren nicht länger als drei Stunden täglich beschäftigt werden dürfen, daß i�ncn um Mittag eine mindestens zweiständige Pause zu gewähren ist und daß am Nachmittage die Beschäftigung erst eine Stunde nach beendetem Unterricht beginnen darf. Auch die Bestinimung, daß das Austragen von Zeitungen, Milch und Backwaren, sofern es für Dritte geschieht, nicht v 0 r 8 Uhr früh und nicht nach 8 Uhr abends erfolgen darf, wird nicht überall befolgt. Häufig werden auch Kinder ohne Arbeits- karte beschäftigt. Rektoren und Lehrer, die sich bemüht haben, für Kinder ihrer Schule oder Klasse die Beachtung der gesetzlichen Be- stimmungen durch die beteiligten Gewerbetreibenden zu erreichen, haben durch ihre Bemühungen vielfach nur bewirkt, daß die Kinder einlassen wurden und daß die Geschäftsinhaber für ihre Dienste sich Kinder aus anderen Schulen suchten, in denen die gewerbliche Be- schäftigung der Kinder weniger genau überwacht wurde. Die sorgfällige Beachtung der Bestiinmungen des Kinderschutz- gesctzcs ist aber im Juteresse der Gesundheit unserer Volksschulkinder dringend nöttg. Die Schule ist ohne große Mühe in der Lage, fest- zustellen, ob und wie weit bei ihren gewerblich beschäftigten Schul- lindern die Bestimmungen des KinderschutzgesetzeS befolgt werden. Wenn diese Kontrolle von allen Schulen gleichmäßig und konsequent durchgeführt wird, werden Uebertretungen des KinderschutzgesetzeS nur selten noch vorkommen. Aus diesen Erwägungen hat jetzt die städtische Schuldeputation den Rektoren eine übersichtliche Zusammenstellung der Bestimmungen des KinderschutzgesetzeS zugehen lassen, die im Konferenzzimmer auS- gehängt werden soll. In der nächsten Konferenz werden die Rek- toren die Kontrolle der gewerblich beschäftigten Schulkinder zur Besprechung bringen und Maßregeln zu ihrer genauen Durchführung vereinbaren. Wenn Fälle von Uebertretungen deS KinderschutzgesetzeS ermittelt werden, und Vorstellungen bei den Eltern oder bei den Gewerbetreibenden die Beseitigung deS ungesetzlichen Zustandes nicht erreichen lassen, soll den Schulinspektoren Bericht erstattet und dieser an den Polizeipräsidenten weiter gegeben werden. Diese Verfügung.der städtischen Schuldeputation ist nur zu be- grüßen. Bekanntlich haben sich auch unsere Parteigenossinnen die Aufgabe gestellt, nach Möglichkeit auf Einhaltung der ohnehin minimalen Bestimmungen des KinderschutzgesetzeS zu achten. Das gefahrvolle Postamt 58. Neben der Einfahrt zum Post- amt 68 in der Danziger Str. 3 ist jetzt ein mäßig großes Emaille- schild angebracht worden, welches in schwarzer Schrift auf weißem Grunde die Inschrift trägt:„Vor dem Betreten der Durchfahrt wird Mgen der damit verbundenen Gefahr gewarnt." Auf diese schwere Gefahr für Hansbewohner sowie für Besucher der im ersten Stockwerk belegenen öffentlichen Posträume hat bekanntlich vor drei Jahren erst der„Vorwärts" die Postbehörde hinweisen müssen. Die unmittelbare Folge war der Ausbruch eines bis dahin in dem mächtigen Mietshause überhaupt nicht vorhandenen Eingangs für Fußgänger und später die Verlegung der Rentenerhebungsstelle von dem Hose nach einem Restauralionssaal in der Nähe. Damit ist, wie ja die Postbchörde selbst durch jenes WarnungSschild zu- gibt, die Gefahr noch nicht gänzlich beseittgt. Einen praktischen Zweck erfüllt nun aber dn§ Schild auch nicht. Man wird es nur zufällig gewahr, da es zusammen mit anderen Schildern platt an der Wana befestigt ist. Soll eS wirken und tatsächlich warnen, so muß es quer zur Mauerfront in die Straßenflucht hinein- ragen, auch viel größer und vor allem auffällig rot gestrichen sein. Die Gefahr ist wegen des hier sehr bedeutenden postalischen Fuhr- Werksverkehrs nicht zu unterschätzen. Weshalb bleibt eigentlich die Postverwaltung an diesem MietSgebäude, daS ganz unhaltbare postalische Zustände gezeitigt hat, so zähe kleben? Natürlich aus unangebrachter Sparsamkeit. Sowohl die Abfertigimgsräume für das Publikum, als diejenigen für die Beamten, namentlich auch die Brieflrägerzimmer entsprechen aber nicht entfernt den Anforderungen der Neuzeit. In diese Gegend, die sich kolossal entwickelt, gehört baldigst ein reichseigenes großes Postgcbäude. Der HeranSgever der„Wahrheit", Herr Bruhn, hat ein Flug- blatt herausgegeben, in dein er sich gegen die wider ihn gerichteten Angriffe zu verteidigen sucht. Die Art, wie dieses Flugblatt ver- breitet worden ist, geht aus folgenden Erklärungen deS Verlags der „Post" hervor. Er schreibt: Einzelnen Exemplaren_ unserer heutigen Morgennummer hat ein Flugblatt, enthaltend einen Rechtfertigungsversuch des Herrn Bruhn, des Herausgebers der„Wahrheit", beigclcgen. Die Bei- legung dieses Blattes ist ohne Wissen und Willen uuscrcr Geschäfts- stelle erfolgt und stellt sich als eine Eigeiunächtigkeit des betr. Spediteurs dar. bei dem wir hiergegen energische Verwahrung eingelegt haben. Der Verlag der„Post". Und schreibt dann weiter: Wir erfahren hierzu soeben folgendes: Das Flugblatt ist von Herrn Bruhn zahlreichen, wenn nicht sogar allen, Spediteuren in Berlin zur Verbreitung übergeben worden. Verschiedene Spediteure, welche anfangs Bedenken trugen, diese Massenverbreitung des Blattes zu übernehmen, find nnt- einander in Verbindung getreten und haben sich entschlossen, den ihnen von den Zeitungen drohenden Reklamationen dadurch zu begegnen, daß sie alle ihre Boten anwiesen, das Flugblatt nicht den von ihnen zu bestellenden Zeitungen beizulegen, sondern für sich einzeln, möglichst bei Nichtabonnenten, abzugeben. Daß nicht alle Boten sich hiernach richten würden, konnten sich die Spediteure selbst sagen. Jetzt ist eine allgemeine Verwirrung an« gerichtet worden, da die Bezieher fast aller Berliner Zeitungen heute früh über die Herkunft des Flugblattes getäuscht worden sind, Es ist nicht sibwer, sich hieraus einen Vers zu machen. Da unser Blatt in der Hauptsache durch unsere Parteispeditioncn ver- breitet wird, konnte dieser Unfug der Spediteure bei unserer Zeitung nicht geübt werden. Zu dem Mord in der Wcberstraße wird berichtet, daß der Friieur Hans Jünemann noch nicht ermittelt ist. Der verfolgte Mörder soll bereits an verschiedenen Stellen gesehen worden sein, auch schon im Auslände. Das ist bei Kapitalverbrechen in der Regel so. Bisher aber haben sich alle Spuren als irrig erwiesen. Gestern hieß es, Jünemann sei in Trelleborg festgenommen worden. Auch das ist nicht richtig. Allerdings ward in Trelleborg ein Berliner angehalten, der dem Ver- folgten etwas ähnlich sieht. Mit der Möglichkeit rechnend, daß sich Jünemann doch noch in Berlin oder Umgegend aufhalten könnte, veröffentlicht die Kriminal- Polizei sein Bild an allen Anschlagssäulen. Auch auf allen Revier« wachen kann eS besichtigt werden. Möglich ist auch, daß sich der Mörder irgendwo das Leben genontmen hat. Das würde auch sein ganzes Verhalten unmittelbar nach der Tat erklären. Wie wir mitteilten, hat Jünemann der Kasse seiner Geliebten 95 Mark entnommen. Andere Mittel wird er kaum besessen haben, weil er ja schon seit acht Tagen ständig in Geldverlegen- hcit war. Wieviel er am Abend vor dem Morde mit seiner Geliebten noch ausgegeben hat, ließ sich nicht feststellen. Am Morgen qach der Tat aber hat er. wie wir auch schon mitteilten, seiner Wirtin in Wilntersdorf 66 M. für sie und für einen Kellner, der» er eine Weinzeche schuldig geblieben war, abgegeben. Das wäre ka�-n zu erklären, wenn er nicht die Absicht gehabt hätte, ebenfalls aus dem Leben zu scheiden. Außer in Berlin wird das Bild des Verfolgten auch in Vr engeren und weiteren Umgebung verbreitet. Die Polizeibehörde und die Gendarmerie der benachbarten Kreise, haben eS bereits erhalten._ Polizcijagd auf Menschcnwild. Die Polizei ruft durch ihr gänzlich unmotiviertes Vorgehen gegen ruhig aus Versammlungen Kommende auf dem Nachhausewege begriffene Staatsbürger immer mehr die Eittrüstuttg weiter Kreise hervor. Und weil nun auch Bürgerliche, die an einer Fcrrcr- Versammlung teilgenonimen, in ähnlicher Weise wie am Sonntag unsere Parteigenossen von der Polizei attackiert wurden, ist selbst in diesen Kreisen die Empörung über die Polizei groß. Frau Minna C a u e r schreibt der.Berliner Volks-Zeitung" zu dem polizeilichen Vorgehen: „Die Protestbersammlung am 19. Oktober hatte, wie mehrere Zeitungen auch berichtet haben, ein Nachspiel auf der Straße. Von zahlreichen Attgenzetigen bin ich gebeten worden zu erklären, daß dies Nachspiel auf der Straße dem Verhalten der Polizei zuzuschreiben ist. Die Versammlung war in durchaus würdiger Weise verlaufen, und ruhig verließ das Publikum den Saal. Da fanden wir auf der Straße ein riesiges Schutzmanns- aufgebot und in barschester Weise wurde jeder Vorüber- gehende von den Schutzleuten angefahren. Den Höhepunkt erreichte das Verhalten der Schutzleute dadurch, daß ein berittener Schutzmann ohne jede Veranlassung auf den Bürger- steig sprengte und eine Frau, die ruhig auS dem Hause trat, niederritt! An das Polizeipräsidium ist eine Beschwerde über daS Verhalten der Schutzmannschaft abgegangen." In ähnlicher skandalöser Weise wie am Sonntag und Dienstag hat sich die Polizei gegen heimkehrende Versammlungsteilnehmer benommen, die aus einer Mittwochabend im Friedrichshain statt- gehabten Ferrcrversammlung heimkehrten, in der Karl Schneidt ge- sprachen hatte. Augenzeugen schreiben der„Volks-Ztg.": „Nach Schluß der Versammlung wälzten sich die Mafien, die noch durch eine große Menschenmenge verstärkt wurden, die in und vor dem Friedrichshain auf da§ Ende der Versammlimg warteten, nach dem Königstor zu. Unter dem Gesänge der Arbeitermarscillaise bewegte sich der Mcnschenstrom nach dem - Königstor zu, wo er von einem gewaltig großen Polizei« aufgebot erwartet wurde. Vergeblich versuchte die Schutz- Mannschaft die fest eingekeilte Menge, die sich immer inehr nachschob, zurückzudrängen. Die Neue Königstraße ivar ganz abgesperrt, so daß die Mafien sich in die Greisswalder Straße, die Straße den Prenzlauer Berg hinauf und in die Friedenstraße be- geben mußten. Am Königstor selbst kam es zu einem stellenweise übertrieben scharfen Einschreiten der Polizei. Aus Unschuldige. die sich an dem Gesang gar nicht beteiligt hatten und nur zufällig in die ersten Reihen gekommen waren, wurde nicht nur eingc- drängt, sondern mit Fäusten eingeschlagen. Nicht vereinzelt konnte man sehen, daß nicht nur ein Schutzmann, sondern auch einmal mehrere auf einen Mann mit der Faust einschlugen. Mancher aus der Menge hat auch mit dem Erdboden Bekanntschaft machen müssen. Wer in die Neue Königstraße wollte, mußte den Umweg über den Prenzlauer Berg oder durch die Georgeukirchstraße wählen. Als im Rücken der Schutzleute abermals Hochrufe und Gesang er- schallten, hielten einige Schutzleute die elektrische Bahn an, um recht schnell gegen die 10 oder 20 Mann, die sich veranlaßt ge- fühlt hatten,„Hoch" zu rufen, einzuschreiten. Auch hier kam eS wieder zu Zusammenstößen. Es wurden mehrere Sistierungen vorgenommen. Auch der Zugang zum Alexanderplatz war völlig abgesperrt, um auch hier Masseimnsammlungen zu verhindern. Am Königstor war noch zu beobachten, daß Schutz- mannSketten im Trab gegen die im Gedränge festgekeilte Menge vorgingen, und daß hier und da auf die Massen, die sich nicht rückwärts bewegen konuteii, ein- geschlagen wurde." Diese Schilderungen werden bestätigt durch Mitteilungen, die unS zugegangen find. Ein Arbeiter schreibt uns:„Ich war mit einem Freunde bei einem Bekannten in der Jmmmauelkirchstraße. Wir gingen gegen'/«10 Uhr von da fort, um nach Hause zu gehen. In der Nähe der BartholomäuSkirche wurde ich zu meiner Ueber« raschung plötzlich von hinten gepackt und mit den Fäusten geschlagen. Ich wurde beschuldigt, dem Schutzmann zugerufen zu haben, er solle rüber kommen, obwohl ich, wie ich bezeugen kann, auch nicht das geringste gesagt oder getan hatte. Dann wurde ich sistiert." Ueber die Behandlung, die der Sisticrte auf der Wache am Königstor erlitten haben will, und die Folgen hat ein Arzt folgendes Zeugnis ausgestellt: „Herr N. N. stellt sich mir heute vor und gibt an, er sei gestern abend mißhandelt worden. Ich finde eine starke Blutung im rechten Auge zwischen der Bindehaut und Augapfel, sowie Schwellung und Blausärbung der Gegend unterhalb des linken Auges, im Mund Blutungen in die Ober- und Unterlippe gegenüber den Schneidezähnen; zwei untere Schneidezähne sind gelockert." B., den 21. Oktober 09. Für die Polizei scheinen die Berliner Bürger und Steuerzahler, auS deren Mitteln die Polizei erhalten wird, einfach Freiwild zu fein. Es muß die Frage aufgeworfen werden: Wer ist für diese Zustände verantwortlich? Wer erteilt die Anordnungen für das oben geschilderte Vorgehen der Polizei? ES ist dringend notlvendig, dast im preußische» Lnndiage der Minister deS Innern zur Rechenschaft gezogen wird. Daß das aber geschehen kann, darum ist es doppelt denn je Pflicht jede« Berliner Einwohners, der nicht schon ganz dem Stnmpfstun verfallen ist, bei de» bevorstehenden Landtagswahlcn nur Sozialdemokraten zu wählen. Der Cholcravcrdacht bei dem Arbeiter Karpeschke auS Lichtenberg bei Berlin hat sich, wie jejjt amtlich festgestellt ist, nicht bestätigt. Der Erkrankte befindet sich vielmehr bereits auf dem Wege der Besserung. Der Männcrchor„Fichte-Gcorginia 1879" veranstaltet diesen Sonntag in der Brauerei Friedrichshain am Königstor zugunsten des Turiihnllcubanfonds des Turnvereins„Fichte" eine Matinee. Da es bekannt ist. in welcher Weise der Verein„Fichte" von den Behörden drangsaliert wird, ist es wünschenswert, wenn diese Vor- ailstaltung von der Arbeiterschaft zahlreich besucht wird. Einen humoristischen Abend veranstaltet am Sonnabend, den 23. Oktober, der Gesangverein Vereinigter Sängerchor.Wedding" (früher„Nordivach!" und„Steinnelke") M. d. D. A.-S.-B. in den Germania-Sälen, Chausieestraße(Weißer Saal). Der Preis der Einlaßkarte ist auf 50 Pf. inklusive Tanz festgesetzt. Bekannte Namen auS den erstklassigen Kabaretts bürgen dafür, daß Freunde guten Humors auf ihre Kosten kommen. Zeugen gesucht. Die Personen, die am 25. September Zeugen deS Renkontres zwischen dem Inhaber der Destillation von Fröhlich, Reinickendorfer Str. 62(Nettelbeckplatz) und einem älteren, kleinen Mann, der eine Brille trug, waren, werden um Abgabe ihrer Adresse gebeten an Kern, Prinzen-Allee 65; insbesondere die beiden jungen Leute, die sich zur Verfügung stelle» wollten. Wer ist der Tote? Am 13. d. M. wurde in der Forst zwischen Hernisdorf und Stolpe ein unbekannter, ungefähr 55 Jahre alter Mann erhängt aufgefunden. Der Unbekannte ist 1,55 Meter groß. hat rötlich meliertes Haar— Glatze— und rötlich melierten Voll- bart! bekleidet war er mit dunklem karierten Jackettanzug, schwarzen Zugstiefeln, grauen wollenen Strümpsen, weißem Chemitett, weißem Umlegekragen und kleiner schwarzer Krawatte, grauen Trilot- Unterhofen, Barchenthemd und grauen Hofenträgern. Bei der Leiche wurden vorgefunden ein weißes schmutziges Taschentuch, gez. R. E., ein Kneifer an schwarzer Schnur und ein Futteral, anscheinend aus Maulwurfsfell. Nachrichten über die Persönlichkeit de« Unbekannten werden in jeden» Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei. Alexanderstr. 3/6, 3 Treppen, Zimmer 340 a, mündlich oder schriftlich zu 4077 IV 51 09 entgegengenommen. Im Zoologischen Garten ist kürzlich eine junge Gemse auS Steiermark eingetroffen, die die Reife in Begleitung ihrer Amme. einer braunen Ziege, recht gut überstanden hat und sich jetzt mit ihr in einem Gehege deö Gemsen- und Lamafelsens befindet. Das sehr gut entwickelte weibliche Kitz ist ein ungeinein zahmes Tier, das sich hoffentlich ebenso gut hält, wie sein Vorgänger, der ein Dutzend Jahre hier im Garten gelebt hat, zumal Gemsen die Gefangenschaft auch in der Tiefebene häufig sehr gut vertragen und sich in zoolo gischen Gärten auch öfter fortgepflanzt haben. Vorort- JVadmcbtcn. Charlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beschäfi tigte sich in ihrer Sitzung vom Mittwoch in der Hauptsache mit Petitionen, die teilweise von hoher Bedeutung sind. Ueber eine Petition des Arbeiterauöschusses der Siemens-Werke betr. die Vertehrsverhältnisse am Nonne ndamm beantragte der Ausschuß Ueberweisung als Material. Die Peti tion klagt über den schlechten Zustand des Nonnendamms und er- sucht um Regulierung dieser Straße, um genügende Bcsprengung und Beleuchtung derselben sowie um Anlage einer Straßenbahn- Verbindung nach den Siemens-Wcrken. Der Magistrat hat den Petenten mitgeteilt, daß er bereits seit längerer Zeit bestrebt ist, mit der Regulierung des Nonnendamms vorzugehen und daß des- halb Verhandlungen mit der Firma Siemens u. Halske eingeleitet sind. Im Gegensatz zu dem Antrag des Ausschusses beantragten die Sozialdemokraten, in deren Namen Genosse Will die geradezu skandalösen Verkehrsverhältnisse am Nonnendamm einer Vernich- tenden Kritik unterzogt die Petition dem Magistrat zur Berückstch- tigung zu überweisen; die Mehrheit lehnte jedoch diesen Antrag ab und beschloß im Sinne des Ausschusses. Eine endlose Debatte entfesselte eine Petition de» Haus» und Grundbesitzervcreins von 1903 betr. die Müllabfuhr. Die Petenten ersuchen um Aufhebung der bestehenden städtischen Müll abfuhr-Vcranstaltung, deren Betrieb ihrer Ansicht nach unrationell und viel zu teuer ist. Dem gegenüber betont der Magistrat mit Recht, daß es sich bei der städtischen Müllabsuhr um eine aus Gründen der Hygiene erlassene Verordnung handelt, zu deren Auf, Hebung keine Veranlassung vorliegt. Aber damit kam er bei den Hauöagrariern schön an, die Herren griffen den Magistrat aufs heftigste an, sie hatten offenbar das Bedürfnis, wieder einmal zu beweisen, daß die Hausbesitzer in den Stadtparlamenten ledig lich Sonderinteressen verfolgen, und zu dokumentieren, wie ge meingefährlich das Hausbesitzerprivileg ist. Von Seiten der Sozial demotraten griff Genosse Dr. Borchardt wiederholt in die Debatte ein. er verhinderte auch durch seineu Einspruch die so sortis Beratung einiger im Verlauf der Sitzung eingebrachter Anträge, die sich auf die städtische Müllabfuhr beziehen, aber mit dem Gegenstand der Petition selbst nichts zu tun haben. Ueber die Petition ging die Versammlung mit schwacher Mehrheit ent- sprechend dem Antrage des Ausschusses, in dessen Namen Genosse Sellin berichtete, zur Tagesordnung über, die übrigen Anträge werden in der nächsten Sitzung erledigt werden. Wohl die wichtigste Petition war die des Bezirksvereins der nördlichen Stadtteile betr. Einrichtung von Schul- räumen im Stadtbezirk Martinikenfelde. In diesem rein proletarischen Stadtviertel fehlt es an der ausreichen- den Zahl von Volksschulen, die Kinder haben ungewöhnlich weite Wege zur Schule zurückzulegen, ja eine'große Anzahl von ihnen ist gezwungen, die Berliner Schicken in Moabit zu besuchen. Die Petenten begnügen sich mit der Bitte um Einrichtung von unteren Schulklassen in gemieteten Räumen, aber auch diesen Wunsch glaubt der Magistrat einstweilen noch nicht erfüllen zu können; er hat wiederholt Vergeblich versucht, in der fraglichen Gegend geeignete Mietsräume zu erhalten und beabsichtigt nunmehr den Bau einer Gemeindedoppelschule in der Wiebestraße. Allerdings wird auch darüber noch eine geraume Zeit vergehen. In der Debatte, die sich an den Antrag des PetitionSausschusseS auf Ueberweisung der Petition zur Berücksichtigung knüpfte, erkannte Stadtschulrat Dr. Ne ufert die Dringlichkeit des Baues einer Gemeindeschule an, er erklärte, daß jetzt im Magistrat mit Hochdruck in diesem Sinne gearbeitet wird. Einstweilen glaubt der Magistrat einen Ausweg dadurch gesunden zu haben, daß das Schulgeld für die die Ber- lincr schulen besuchenden Charlottenburger Schüler von der Stadt bezahlt wird Unser Fraktionsredner Genosse Gebert fand kräftige Worte des Tadels dafür, daß Charlottcnburg als reichste Stadt nicht eigene Schulen genug hat, sondern seine Kinder in Berliner Schulen schicken muß. Hinter den„Hochdruck", mit dem der Magistrat angeblich arbeitet, erlaube er sich, ein Fragezeichen zu machen. Hätte man rechtzeitig mit Hochdruck gearbeitet, dann würde Charlottenburg schon längst Schulen genug haben. Die scharfe Kritik unseres Genossen rief den Stadtv. Otto(liberal) auf den Plan, .der sich in Lobeshymnen auf die Schulpolitik des Magistrats und der liberalen Fraktion erging, aber die Tatsachen selbst, daß zu wenig Schulen vorhanden sind, nicht aus der Welt schaffen konnte. Die Genossen Gebert und Wi l k dienten dem liberalen Phrasen- Held mit dem Hinweis aus die ablehnende Haltung seiner Freunde zu der früher von ihn? selbst befürworteten Forderung der Ge- nkährung freier Lernmittel, sowie mit dem ferneren Hinweis darauf, daß schon seit Jahren um die Errichtung von Tchulen in jenem vernachlässigten Merkel petitioniert lvirfi. Die Petition selbst wurde schließlich dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen. Durch Ilebergang zur Tagesordnung erledigte die Versamm- lung eine Petition der Charlottenburger Schulärzte um Be- soldungSausbesserung, sowie eine Petition des Diplom-Jngenieurs Z e ch l i n betr. Errichtung eines Antotcchnikums(Fach- und Fahr- schule für Automobil-Berussfahrer). Die Vorlage betr. Einrichttmg von �-Klassen an den Gemeindcschulen, über die wir bereits berichtet haben, ge- langte nach kurzer Debatte, an der sich u. a. Gen. Dr. Borchardt in zustimmendem Sinne beteiligte, zur Annahme. Schließlich beriet die Versammlung noch zlvci von Mitgliedern aller Fraktionen eingebrachte Anträge. Ter eine, der die Sckwf- sung eines Wald- und Wiesengürtels Groß-Berlin betrifft, wurde in folgender Form angenommen:„Tie Versamm- lung steht der Gründung eines Zwcckverbandes zur Schaffung und Erhaltung eines Wald- und MesengürtelS um Groß-Berlin durch- aus sympathisch gegenüber." Der zweite Antrag ersucht den Magistrat um baldige, wenn auch nur vorläufige Einrichtung des Spielplatzes auf dem neu erworbenen Terrain in West- cnd. Namens der Sozialdemokraten befürwortete Gen. Ewald, der u. a. das Verhalten der Regierung abfällig kritisierte und auch die Errichtung von Luft- und Sonnenbädern auf dem Spielplatz empfahl, beide Anträge, deren Annahme einstimmig erfolgte. Schöneberg. Als Einleitung zu den Stildtverordnetenwahlcn fand am letzten Dienstag eine vom sozialdemokratischen Wahlkomitee einberufene Wählerversammlung statt. Genosse Eduard Bern- stein als Referent über„die Sozialdemokratie im Stadiparlamcnt" entwarf in großen Umrissen ein Bild der EntWickelung Schöuebergs vom einfache» Dorf bis zu einer der reichsten Skädte Preußens. Durch diesen Woblstand sei die Gemeinde in der Lage, auf sozialem Gebiete bahnbrechend zu wirken. Der Referent erläuterte dann einzelne Punkte unseres KömmunalprogrammS, deren Verwirklichung nur durch die Wahl der Kandidaten der Sozialdemokratie am 6. November gefördert werden könne.— In der ergänzenden Dis- kussion, an der sich die Genossen Frau Wickert, Hein ig. Ob st und K ü t e r beteiligten. wurde von letzterem besonders das Ver- halten des KommunalliberaliSinuS beleuchtet. Wilmersdorf.' In der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch teilte der Stadtverordnetenvorsteher mit, daß Wilmersdorf jetzt eine Ein- wohnerzahl von 100 000 erreicht hat. Diese Tatsache könnte mit Genugtuung hingenommen werden, wenn sie Gewähr dafür böte, daß die Stadt endlich auch in sozialpolitischer Hinsicht anfangen wollte, sich groß st ädti scher Verpflichtungen zu erinnern. Vorab scheint es nicht, daß in dieser Hinsicht ein Wandel eintritt. Denn gleichzeitig setzte der Stadtverordnetenvorsteher die Ver- sammlung von einem Beschluß des Magistrats in Kenntnis, wonach die fälligen Ersatzwahlen zur Stadtverordneten- Versammlung in diesem Jahre nicht abgehalten werden sollen. Es bleiben also die leeren Plätze bis zu de» ordent- lichcn Wahlen im November 1910 unbesetzt. Das ist. wenn eS auch nach dem Wortlaut der Städteordnung unangreifbar sein mag, doch ein Verstoß gegen den Geist deS Gesetzes. Ueber diesen Verstoß hilft aber, wie wir kürzlich schon andeuteten, der Trost hinweg, daß die WilmerSdorfer Stadtverordnetenversammlung auch noch das nächste Jahr in bisheriger Weise wirtschaften kann, ohne durch unbequeine sozialdemokratische Eindringliche gestört und an die Pflichten kommunaler Sozialpolitik erinnert zu werden. Der zum Stadtkäimnerer gewählte frühere Bürgermeister R o h d e ist für sein neues Amt von der Regierung bestätigt worden. Um die weitere Herausgabe der amtlichen„Wilmersdorfer Blätter" zu ermögliche», bewilligte die Stadtverordnetenversamin» lung dem Magistrat für das lausende Jahr den geforderten Betrag von 760 M.' Die.Wilmersdorfer Blätter" enthalten wesentlich kommunalstatistische und historische Mitteilungen und werden an die Einwohnerschaft unentgeltlich abgegeben� Sodann faßte die Versammlung folgenden Beschluß: Der Magistrat wird ein- für allemal ermächtigt, die Löschung solcher für die Stadt in Abteilung II des Grundbuchs eingetragenen Rechte zu be- willigen, deren Fortbestehen der Stadt keinen Vorteil bringen würde, insbesondere wenn die Stadt zur Löschung im Klagewege gezwungen werden kann oder wenn dem Grundstückseigentümer die gleichen Ver- pflichtungen, wie sie in der Eintragung enthalten sind, auch noch öffentlich-rechtlichen Bestimnnmgen obliegen I Eine mit dem geplanten RathauSbau zusammenhängende Vorlage, welche auf Aenderung der Fluchtlinien des Fehrbelliner Platzes abzielte, überwies die Sladtberordnetenversammluiig einem AuSichuß. Fangschleuse. Durch hie Kund» von einem Verbrechen wurde gestern die hiesige Einwohnerschaft in große Aufregung versetzt. In der gestrigen Nacht gegen 1 Uhr wurde an das im Parterregeschoß des Grosseschen Hauses befindliche Schlafzimmer geklopft. Grosse stand auf und er- kundigte sich, wer dort sei. Daraus antwortete eine StMmie von der Straße, der Kaufmann möchte doch sofort zu seiner am anderen Ende des DorteS wohnenden Mutter kommen. die plötzlich von einem Schlagansall betroffen worden sei und leben?- gefährlich krank daniederliege. G. kleidete sich schleunigst an und öffnete dann'die Haustür. In demselben Augen- blick wurde mit einem Hammer ein wuchtiger Schlag nach ihm gesiihrt. Das Eisenstück traf jedoch glücklicherweise die Türfüllung zertrümmerte diese, glitt ab und traf dann den Kaufmann an der Brust, der hilferufend zurücktaumelte. Der Täter ergriff die Flucht und entkam unter Zurücklassung eines. SpazierstockeS. Dieser Stock wurde nun als Eigentum des Schmiedegetellen Wietstock erkannt, der in der Schmiede von NehlS beschäftigt ist. Der Schmiede« meister stellte fest, daß in der Nacht jemand unberechtigter weise in die Schmiede eingedrungen war. von dort den Hammer, mit welchem der Mordversuch verübt worden war, abgeholt und später wieder an Ort und Stelle zurückgebracht hatte. Der Schlüssel zu der Werkstatt befand sich in dem Hause des N. an einer Stelle, die nur dem Meister und seine» lang- .ährigen Gesellen bekannt war. Dieses SchtüffelS aber hatte sich. wie sestgestellt werden tonnte, der Verbrecher bedient. Der Ver- dacht gegen Wietstock erfuhr noch dadurch eine erhebliche Ver- stärkung, daß er beständig in Geldverlegenheit war und an dem letzten«onnlage bei einem Fahrraddiebstahl abgefaßt worden ist. Er wurde jedoch, weil er eine feste Wohnung bat, am Montag wieder freigelassen und scheint nun sofort den Plan zu dem Morde gefaßt zu haben. Wie die weiteren Ermittelungen ergaben, hatte der Verdächtige u. a. in dem benachbarten Kalkbcrge-Rüderödorf einen Anzug gestohlen. Der Verhaftete, der erst 19 Jahre alt ist, bestreitet zivar, den Raubmordversuch verübt zu haben, doch scheint er durch die vorliegenden Berdachtsmomeute überführt. So wurde vor der Tür des Grosseschen Hauses ein Päckchen Watte vorgefunden, welches, wie festgestellt werden konnte, Wietstock erst am Tage vorher in einer Drogcnhandlung in Erkner gekauft hatte. Die Verletzungen, die Grosse erlitten, sind glücklicherweise unerheblicher Natur. Adlershof. Sein ncimteS Stiftungsfest feiert am morgigen Sonnabend, den 23. Oktober, in Wöllsteins Lustgarten der hiesige Arbeitergesangvcrein „Frohsinn". Da genannter Verein bei Arbeiterfestlichkeiten stets bereitwilligst mitwirkt, ist eine rege Beteiligung der Genossen dringend erwünscht. Bemerkt sei noch, daß die organisierte Jugend zu diesem Fest freien Eintritt erhält. Ober-Schöneweide. Den Steuerzahlern blühe« für das kommende Stellerjahr nicht gerade die besten Aussichten. Die Zeiten, wo die Gemeinde mit einem Stellerzuschlag von 100 Prozent auskam, sind ja wohl für immer vorbei und es erscheint mehr als fraglich, ob der nächste GeineindehauShaltsetat bei dein jetzigen Satze von 125 Prozent balanzieren wird. ES war deshalb doppelt verwerflich, daß die Gemeindevertretung vor kurzer Zeit die Einführung einer Wert- znwachssteuer ablehnte, welche, wenn auch auf weseutlich hohe Beträge nicht zu rechnen war. immerhin mit etwa 10000 Mark ins Gewicht gefallen wäre. Die der Gemeinde harrenden Aufgaben: wie Verbesserung des Straßeupflastcrs und derKanalisationsleituug. ferner der im Frühjahr 1910 beginnende Bau des Realgymnasiums und die notwendig werdende Vergrößerung der Kläranlage zwingen zur Auföringung großer Mittel; dabei beträgt schon jetzt die durch An- leihen aufgenommene Schuldenlast der Gemeinde zirka S'/z Millionen Mark, deren Tilgung und Verzinsung allein schongewaltige Summen er» fordert. In der notwendigen Verbesserung des SlcaßenpflastcrS machen sich jetzt die Folgen einer unverzeihlichen Rücksichtiiahine gegen Terrain- gesellschasteu bemerkbar, denen man wie seinerzeit der sogenannten Baulaudgesellschaft für die Klara-, Luisen-, Marien- und andere Straßen die Verwendung eines vollständig ungenügenden Pflasters gestattete. Das kann allerdings nicht wundernehmen, wenn man bedenkt, daß seinerzeit Teilhaber der Gesellschaft in der Gemeinde» Vertretung saßen und so über eigene Angelegeuheitc» beschlossen. Auch der neucsteuTerraiugcsellschaft hat mau in allen Nebenstraßen dieVerwendung von Kleiiisteiiipflaster gestattet. Eine vor kurzem durch die Bau- kommission erfolgte Prüfung dieser Straßen ergab für ganze Slraßenzüge eine solch minderwertige Beschaffenheit, daß an eine Abnahme durch die Gemeinde gar nicht zu denken ist. Da der Ge- meinde neue Steuerquellen nicht zur Verfügung stehen, wird eine Erhöhung des Zuschlages auch den ärinstea Zahlern Gelegenheit geben, ihr Schetflcin beizutragen. Friedrichsffnge». Wie schützen wir uns gegen die Hcravdrückung unserer LebenS- läge? lautet das Thema, über daS Genoffe H i l d e b r a n d t in einer zu heute abend nach LcrcheS„Bürgcr-Sälen" ettlberufenen Versammlung referieren wird. Da auch»och andere lvichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen, ersucht die AaitationSkommission für daS GenossenschastSwesea um rege Agitation für diese Versammlung. Britz-Buckow. Bei der am Mittwoch stattgcftmdcnen Gemcindccrsatzwahl erhielt unser Genosse Hadamek 34 Timmen, während auf die beiden bürgerliche» Kandidaten 34 und 9 Stimmen entfielen. ES findet also Stichwahl statt. Ans dem Resultat ersehen unsere Genossen, daß bei reger Agitation für unseren Kandidaten der Sieg unser sein muß. Weisxeusee. In geheimer Sitzung gedenkt die Gemeindevertretimg heute über die anderwcite Regelung der Besoldung der Lehrpersonen zu ver- handeln. Daß über eine so wichtige Frage im Geheimen beraten und beschlossen werden soll, wird in den Gemeindelörperschaften Groß-Berlins einiges Kopfschllttel» hervorrufen. Im hiesigen Ort herrscht unter der Lehrerschaft eine starke Unzufriedenheit, daß gerade ibre Forderungen stets in geheimen Sitzungen zum AuStrag gebracht werden. In ihrer letzten Versammlung wurde von einigen Lehrern angeregt, die Gemeindevertreter zu veranlassen, für volle Oeffentlich- keit einzutreten. Außerdem stehen noch wichtige Punkte aus der Tagesordnung; so u. a. eine Anfrage unserer Genossen, ob ein GemeindevorstandSmilglied berechtigt ist, als Vermittler von Grund- stückönukäufen der Genreinde die erhaltenen V e r in i t t e l u n g»« gebühren in seine Tasche zu st ecken. Auch diese Angelegenheit wird man versuchen, in der geheimen Sitzung zu be- sprechen. Unsere Vertreter werden mit allen Mitteln versuchen, beide Punkte in voller Oeffentlichkeit zur Verhandlung zu bringeu. Welche Wirkung haben die neue» Steuern? lautete das Thema, über das Genosse Wuschick in der öffentlichen Versammlung am Dienstag vor einer dicht gedrängten Zuhörerschaft im Prälntensaal referierte. Der Referent kritisierte unter lebhaften Beifalls- kundgebuiigcn die Finanzrefolm und erläuterte deren Folgen. Um sich gegen die hierdurch auferlegten Lasten zu wehren, ist eS notwendig, daß die Arbeiterschaft sich nicht nur politisch und gewcrk- schaftlich organisiere, sondern auch den Konsumgenossenschaften beitrete. Die Diskussion brachte weitere Klärung über daS Genossen- schaftSwesen, indem die Genossen Mücke, Oley und Schumann daS Entstehen und den Werdegang der Berliner Konsumbewegnng schilderten und auf die in Weißensee. SanghanSstr. 144/145, befind- liche Verkaufsstelle, wo jede weitere Auskunft erteilt wird, verwiesen. In seinem Schlußwort ersuchte Genosse Wuschick noch die Ver- sammelten für die Verbreitung des„Vorwärts" zu sorgen. Am Schlüsse der Versammlung ermahnte der Vorsitzende der Ver- sammlung, Genosse Kohl, die anwesenden Mitglieder der OrtS- kranken kasse Weißeuiee sich an den am Montag, den 25. Oktober. im Prälaten stattfindende» Delegierten wählen recht zahl- reich zu beteiligen. Nieder-Schönhauscn. Eine JiigeiidLersainiulung, einberufen von der Freien Jugend- organisation. findet am Sonnabend bei Ratzeck, Kaiser-Wilhelm- Straße 9, statt. Beginn 3 Uhr. Ans der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Maschke über:„Die freie Jugendbewegung". Alle schulentlassene» Jugendlichen sind herzlich willkommen. Di« erwachsene Arbeiierschast wird ersucht, die Jugend auf die Ver- sammlung hinzuweisen._______ Amtllckier Marktbericht ber städtllchen Marktballeu-DIrektlon ab« den Oroßbandel t» den Zentral-Marktballen. Marktlage, Fletsch: Zusuhr stark, Geschält schleppend, Preise wenig unverändert. W t l d: Zufiidr nicht genügend, Geschalt lcbhajt, Preis» gut. Äeslttgel! Zusulir reichlich, Geichäst schleppend, Preise bcjriedlgend. Fische! Zusuhr mätzig, Geichäjt schleppend, Preise gedrückt P u i t e r und Kai«: Geschäst ruhig, Preise sür Butler nachgebend, Gemüse, Obs, und Süd« I r ü ch l e- Zujuhr genügend, Gcschäst still, Preise wenig verändert. «KtterungStidersicht vom LI. Oktoder littlv. morgen« 8 tldr. Swmemd« pamimrg S-riin Frants.a M Rüiicheu Niel, 764 SSW 762 SO 765 SO 764 SO 767 SW 768 NW 3 Nebe! 3 halb bd. 2 heiler 3 Nebel 2 Nebel 1 Nebel ch-nvaranda 752 SSO Petereburg 768® Scilly »lberdem Paris 789« 747 SSW 762 S ! 4 Regen 2 bedeckt 8 bedeckt L heiter 2 bedeckt I Wetterprognose für Freitag, den LS. Oktober Ivos. Etwas kühler, vielsach wollig mit leichten Rcgenjällen und ziemlich hasten südwestlichen Winden. Berliner Wetterburea» Wasscrstauds.Nachrtchten der Landes anstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt bot» Berliner Bettcrbureau. leb- Wasserstand M e m« l, Tilsit Vregel, Jnkterdura Wetchsel. Thom Oder. Rattbor , Krossen . Frankwrt Wa r t h e, Schrimm , LandSberg Netze, Voroainm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg *)+ bedeutet Wuch».— galt.»') Unterpegel. Sechster NaWreis. Freitag, den 23. Oktober, abcndS 8'/2 Uhr: gegsntl. fraueti-Versaimnlung im Bürgerlichen Schanspielhanse(Berliner Prater), Kastanien-Allee 7/9. TageS-Ordnung: Die neueste Ansrnnbung des Dolkes «nd die Stellung der Frauen dazu. Referentin: Frau Luise Zietz. Freie Disluffion. 231/15* Die Elnbernferinne«. J. ttinno Oderbcrger Strohe 29. Sovk»Kon Wskillnvis. Sonntag, den A4. Oktober, abends 6 Uhr, im Saale von B. Raabe, Kolbergcr Strafe SS! politische Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: Vortrag beS Genossen DUwell über, Frauen auf, gegen Blockterrorismns und Volksbetrng! Zu zahlreichem Besuch laden ein Die Abteilungsfiihrcr. Nach der Versammlung: Beisammensein mit Tanz. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hanptburean: Hoj l. Amt S, 1233. Ldsritöstrsös 3. Hos IN. Amt 3, 1337. Sonntag, de» 24. Oktober 1900, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftöhanse, Engelufer 15, Saal 4: Allgemeine Versammlung der Robrieger und Helfer Berlins und Umgegend unter spezieller Berücksichtigung der im Heizungsfach beschäftigten Kollegen. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Li«i»sch«r uns Bumdurg: „Die gegenwärtigen Lohn- und Arbeitsbedingungen innerhalb nnsercs Berufs unter besonderer Berücksichtigung der Arbeitsverhältnisse in der Heizungsindnstrie Deutschlands." 2. Diskussion. 3. Vranchenangelegenheiten. Kollegen! Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden von Ihnen, in dieser Versammlung zu er- scheinen. Ganz besonders verweisen wir auf den Vortrag, welcher das Interesse jedes Kollegen erwecken muh, deshalb musi für einen guten und zahlreichen Versammlungsbesuch gesorgt werden. Die Versammlung wird punktlich crilffnet t Sonntag, den 24. Oktober, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Eugelufer IS- Saal I: Kranchen- Versammlung aller in der Metallindustrie beschäst. Maschinen- arbeiter und-Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: I. Vortrag des Kollegen Wilhelm Ulm üder:»Klassenkämpfe im Handwerk.-' 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangclegcnhciten. Alle in der Metallindustrie beschästiglcn Maschinenarbeiter, Hobler, Bohrer, Fräser, Sioher, desgleichen Schnitiarbcitcr, an Zuaprcsien und Stoßwcrkcn Beschästigte, serner die in diesen Bekleben bcschastigten Ar- beiterinne» find zu dieser Versammlung eingeladen. Achtung! Achtung! Wegen der am 20. Oktober stattfindenden Landtagswahlen bleiben unsere gesamten Bnreans an diesem Tage geschlossen. Arbeitslose und Kranke, welche am SS. d. MtS. Unterstützung erhalten würden» könue» dieselbe bereits am SS. d.M. in Empfang nehmen, doch müssen Arbeits- lose zu diesem Zweck Mitgliedsbuch und Karte bereits am Sonnabend, den SS. d. M., abgeben. 121/3 IMe Ortavcrwaltang- !r im Hrutr Freitag, abdö. 8'/z Uhr, im Gewcrkschaftshaiisr, Eugelufer 14/15, Saal 4(ArbcitSIofcnfaal): Sitzung den Ortsvenwaltung. MK Einsetzer."AH Sonntag, de« 24. Oktober 1909, vormittags 9'/, Uhr: Vpaneben- TerfanimUing im GewerkschaftShanse, Eugelufer 14/15, Saal 8. Sämtliche Delegiert« müssen anwesend sein. "-7-— Mitgliedsbuch legitimiert............ 00/17* Die Branchenkommisston. Sonntag» de» 21. Oktober» abends E Uhr,, bei Boeker, Weberstraste 17» Gtffrntstche tlersnmiuluRg aller in der JaloulZebrancht bkschäftigtell Arlieiter uud deren Frauen, Arbtiterinnen nnd jngeudllchen Arbeiter. 1. Vortrag! Welche» Interesse hat die Fra» a» der heutige» Dteurr- ----------------------_-------------- i Die Statistil als Noscmaun. Kommisston. j. vuinuy. i/u» uitvvv ij gesehgebniig 7 Neserrnt: Kollege Schirmmtnger. 2. Grundlage zur Lohnbewegung. Rcsereut: Kollege S Die i Konkurrenzlos sst Pipke'S prima Dafelbier --- vom Fast.--- Nach altem, langjährig erprobtem Braubcrsahren her- gestellt, von ganz vorzüglicher Haltbarkeit im Ausschank, sowie Ptpke's prima Tafel-Weistbier. Nato- od WeißliierlirauErei„Storn" Louis Pipke Berlin N. 20, Prinzen-Allee 77. y™"" Ohne jede Anzahlung jrt HRt m M-.Slrln««! MHW I Pianos vorlaufe ich crstklassi pes Fabrikat (9mal prBnniert Staata- medaillo) in allen Holz- und Stilarten von wunderbarer Tonfülle (Flüg/clton) gcffi-n Itlolne monatliche Toilsahlnnir, ohuc Jeden Pi-ci.aiifMchlu?. 95/10* Für jedes Instrument gewähre ich SOjähx. schriftL Garantie. Conrad Krauso Nchfg., Eck?Kur/u"6te�sw*bimcch�ioiio. Aach Sonnt»»« geOffhct. Filiale Berlin. Heute Freitag, den SS. Oktober, abends 0 Uhr, im GewerkschaftShanse, Engel-Nfer IS, Saal 1: Bapertrauen$männer--Verfainmluna. TageS-Ordnung: 1. Bericht über den Stand des Fensterstreiks. 2. Verschiedenes. DM" In dieser Versammlung werden die Tarifabänderungs-Vorlagen ausgegeben. Die Vertrauens. Männer haben diese sür ihren Bau in Empfang zu nehmen und zu verbreiten und die Bezirksleiter für die Bezirke. Vertrelung sämtlicher Bauten notwendig l'MQ Der Vorstand Die Auszahlung der Jtreikunterftüstnng erfolgt für die Streikenden morgen Sonnabend, den 23. Oktober, vormittags von 10—1 Uhr, im Gewsrkschafishaus«. Saal 3, nnd sür die schon in Arbeit stehenden unterstnnungSberechtigtcn Kollegen nachmittags von 5—7 Uhr im Bureau. 133/13 Ach"'ii*! Zigarrenhändler! Die bestsortierte und billigste Einkaufsquelle in Zigaretten, Zigarren und Tabaken sämtlicher eingeführter Fabrikate ist I Verkauf nur Im Fabrlkgebttade! M Sie sparen Qeldl sr| HiscB � En«rosPreisei1 � Fette junge Giins� in der Möbelfabrik nur erste Qualitäten Psd. K5'Ps., 103/12* SSnserümpfe,>/, Gänse. 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Vereinsangelegenheiten. Gäste(Damen und Herren) haben Zutritt. 133/11 vor Vorstand. Orts- Krankenkasse Lichtenberg. Einladung zur der gewählten Vertreter der Ortskrankenkasie Lichtcuberg zum Montag, den 1. November er.» abends 8 Uhr, im groben Saale der Prachtsllle des Ostens(0. Cranz), Lichtenberg- Berlin, Franlsurter Allee 151/152. Tagesordnung: 1. Ersahwahl zum Vorstande, und zwar: a) eines Arbeitgebers an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Paul Kette lür die Zeit bis zum Li. Dezember er.; o) von zwct Arbeitnehmern für die ausgeschiedenen Herren Lindcnblatt und cörupp für die Zelt bis zum 31. Dezember er. 2. Neuwahl a) von zwei Arbeltgebern für die Wahlperiode vom 1. Januar i910 bis 31. Dezember 1911 sür die ausgeschiedenen Mit- gllcder Herren Pickcnhagcn und Kette: '"i von vier Arbeitnehmern sür die eiche Wahlperiode, und zwar sür die errcn Feyer, Gliese, Lindenblatt und nipp. Die vorgenannten Wahlen finden in getrennter Wahlversammlung statt. 3. Wahl einer Kommission von drei Mitgliedern zur Prüfung der Jahres- rcchnung pro 1309. 4. Antrag de» Vorstandes betr. Gründung eines Genesungsheims und Beschlubsassung hierüber. 5. Kassenangelcgcnheiten. Den Delegierten der Kasse geht aufier dieser Belanntmachung noch eine schristliche Einladung zu. 273/15 Der Borstand t I. A.! l>. Beikel, stell». Vorsitzender. ich. Blum, SchrislsüHrer. N „Berlfoer Irlieiter- Haillalirer-Vereir Mitglied beS Arbeite« Radsahrer-BundeS »Solidarität*. Tonren zum Sonntag, den»4. Oktober. 1.-10. Abt. 1 Uhr: Alt-Glienicke Troppens). Sammelstart! AdlerShos AdlerShoser Garten). 12/8 Start an den bekannten Stellen. Achtung! Sonnabend, den 23. Otlober, tn der Nene« Weit. Hasenhetde 103-114: 5. Stistnngsfest. (T Am 23. Oktober, bei«Silke, Brmtnenstr. 18S: lZeaerAl-VerssmwIimg. Vorstand. seek% Cloppenburg Qertraudtenstr. 26-27, Roßstr. I und 1 s. SpeziaUiaus für Karren- und Knabenbekleidung Fertig am Lager sj VorzOglicli passende Beinkleider aus modernen Stoffen gefertigt Preise: Rl Fl Fl M rni 1 12.50 1["Ü"| 1 17.50 1 flö]| 22.50 1 Reithosen, Breeches, Stiefelhosen Nouveaut�s in Herren-Westen Montag, den 25. Oktober, 8 Uhr abends: S. KandtagsmahlbezirK. „Drachenburg", Vor dem Schlestschen Tor, „Urania", Wrangelstraße 9/10. Nefer.: Landtagsabg. Heinr. Ströbel, Reichstagsabg. Rob. Schmidt In beiden Versammlungen Ansprache des sozialdemokratischen Kandidaten Stadtverordneten Hermann vorxmann. 6. Kandtagswahtbezirk. „Markgrafen-Säle", Markgrafen-Damm 34, „Andreas-Festsäle", Andreasstratze 31. Referenten: Reichstagsabg. Raul Slnxer und(ieorx I�edebour. In beiden Versammlungen Ansprache des sozialdemokratischen Kandidaten Stadtverordneten Huxo Heimann. 7. Landtags Wahlbezirk. „Elysimn", Landsberger Allee 40/41, „Prachtsäle des Ostens". Franks. Allee 1S0/S1. Refer.: Reichstagsabg. Rr. Zubeil, Landtagsabg. Dr. K. Liebknecht. In beiden Versammlungen Ansprache des sozialdemokratische» Kandidaten Stadtverordneten Raul Hirsch. IS. Landtagswahlbezirk. „Prachtsäle Nord-West", Wielefstr. S4, „Artns-Hof", Perleberger Straße SO. Referenten: Reichstagsabg. WoIkK. Heine und Artur Stadthagen. In beiden Versammlungen Ansprache des sozialdemokratischen Kandidaten Stadtverordneten Adolf Hoffmann. Tages-Ordnung! ,,�N l0stl0 V �lNNbo! WF Freie Diskussion."MI Alle Wähler sind zum Besuche fteundlichst eingeladen. Die Wahlkomitees. dsciss Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Flg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. I Kleine Anzeigen ANZEIGEN fflr die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Billige Möbel, gebrauchte, ber- liehen gewesene und neue. 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BerlagSanstalt Paul Singer G