Kr.«49. IlbonneinetttS'Bedtnsanstti: MonnementS- Preis pränumerando: BterteljShrl. 3£0 Tit., monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags. nummer mit illustrierter SonntaaS« Vellage»Die Neue Well" 10 Pfg. Pust- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 36. Jahrg. encheilrt ttgii»»Bcr montist. Verlinev Volksblatk. Die TnlertlonS'GebflbP kelrägt für die fechsgespaltenc Kolonel. zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und VerfammlungS-Anzeigen 30 Pfg. ., kleine Snreigen". das erste sseit- gedrurltc) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigcn da? erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunimcr müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SczUldcmtlirat RkIIo". Zentralorgan der rozialdcmokratifchen partd Deutfchlanda. Redaktton: SM. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 24. Oktober 1909, Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» Hd Luch die Nach den glänzenden Wahlschlachten, die das Proletariat in den letzten Tagen in Baden und Sachsen und bei der Koburger Reichstagswahl geschlagen hat, wird am Dienstag die arbeitende Bevölkerung von vier Berliner Landtagswahlkreisen mit der Reaktion und ihren Helfern abzurechnen haben. Wcnu auch nur der dritte Teil Berlins Neuwahlen zu vollziehen hat, so kommt immerhin eine Wählerzahl von 170(XX) in Betracht. Und wenn auch die Wahlen infolge des elende st en aller Wahlsysteme nur ein arg der f ä l s ch t e s Bild von der Stimmung der Wählermassen geben können, so erwarten wir doch von der Berliner Bevölkerung, daß das Resultat der Abstimmung in allen vier Wahl kreisen wuchtiges Zeugnis dafür ablegen wird, datz die Berliner Volksmassen an politischer Einsicht und demokratischem Bewußtsein nicht hinter den badischen und sächsischen Volksmassen zurückstehen! Schon einmal hat ja die gewaltige Mehrheit der Berliner Wähler durch die Wahl sozialdemokratischer Wahlmänner bewiesen, daß sie nicht nur von den offen reaktiv nären Parteien, sondern auch vom entarteten Freisinn nichts wissen will. Wurden doch 1903 in ganz Berlin 330 873 Urwahlstimmen für die Sozialdemokratie gegeben, während sämtliche gegnerischen Parteien, Freisinnige, Konservative, Nationalliberale usw., einschließlich der zersplitterten Stimmen, es nur auf 115157 Urwahlsttmmen brachten. Die Sozialdemokratte erhielt also dreimal soviel Stimmen als die gegnerischen Parteien zusammengenommen! Trotzdem eroberte die Sozialdemokratte nur 6 von den 12 Berliner Mandaten, während dem Frei> sinn mit nur 75 352 Urwahlstimmen die übrigen 6 Mandate zuftelen I Für jeden sozial demokrattscheu Abgeordneten mußten also 55(MX) Urwahlstimmen abgegeben werden; für jeden freisinnigen Abgeordneten nur 12 500! Dies Wahlresultat ist kennzeichnend für die skandalöse Ungerechtigkeit des schmachvollen Dreiklassenwahlsystems! Trotzdem hatte der Freisinn keine ruhige Stunde, bis es ihm gelungen war, vier von den sechs Berliner Landtagswahlen für ungültig erklärt zu sehen l Wessen sich sogar ein Teil der Nationalliberalen und des Zentrums schämte, das vollbrachte mit Hilfe der Junker und frcikonservattve» Scharfmacher der Freisinn! Daß die weitaus stärkste aller Parteien ganze 7 von 443 Mandaten erobert hatte, ließ den Freisinn nicht ruhen und rasten, bis er vier von insgesamt sieben sozialdemo krattschen Abgeordneten aus dem Landtage hinausgebracht hatte! Dafür hatte der Freisinn bei den Wahlen 1iM)8 eine ganze Reihe von Jnnker« und Wahlrechtsfeinden in den Landtag hiueinwählen helfen! Für diese Schamlosigkeiten eines sich freisinnig nennenden volksrechtsfeindlichen Klüngels haben die Wähler am Dienstag Vergeltung zn üben! Aber nicht nur für die Stärkung der preußischen Reattion durch den Freisinn haben die Berliner Wähler in den vier Wahlkreisen dem Freisinn die Quittung auszustellen, sondern auch für die Reaktion im Reiche! Der Schnapsblock hätte niemals die Mehrheit bilden und dem Volke die schnöde StenerauSplünderung aufbürden können, wenn nicht der Freisinn durch Wahlunterstützung 32 Junkern und Jnnkergenoffen zum Siege verholfen hätte! Für die unerhörte Belastung durch neue Verbrauchssteuern kann sich also auch aus diesem Grunde das Volk beim Freisinn bedanken! Aber der Freisinn hat ja nicht nur durch seine Verbrüderung mit anrüchigsten Junkern und den nicht minder anrüchigen Schack- und Bruhn-Genossen die reaktionäre Mehr- heit im Reichstag schaffen helfen, die dem Volke dann 6— 7(X) Millionen neuer Lasten auferlegte, sondern der Freisinn war(wie wir auch in unserer heutigen Nummer an anderer Stelle noch einmal auf Grund amtlicher Akten unwiderleglich beweisen!) auch selbst bereit, dem agrarischen Kanzler die geforderten 400 Millionen indirekter Stenern z» bewilligen! Der Freisinn, der in den letzten Jahren wiederholt heuchlerisch gefordert hatte, daß kein Pfennig indirekter Steuern mehr bewilligt werde, erklärte noch im Jnni dieses JahreS in der Finanzkommission, daß von den 5(M) Millionen neuer Steuern nur IVO Millionen durch direkte Steuern aufgebracht werden könnten. Den Rest durch indirekte, hauptsächlich die minderbesitzende Volksmasse belastende Steuern aufzubringen, erklärte sich auch der Freisinn mit dürren, unzweideutigen Worten bereit! Der Freisinn behauptete nämlich, die„armen" Reichen hätten schon genug Steuern zu bezahlen! Die obere« Hunderttausende könnten nicht wesentlich stärker herangezogen werden I Wie aber stellt sich im Lichte der amtlichen Statisttk die Lage dar? Nach den neue st en amtlichen Zahlen für das Jahr 1908 besitzt fast die Hälfte aller Preußen ein Jahreseinkommen von weniger als 900 M.! es nur 80 VW solcher Steuerzahler, die nur Durchschnitts einkommcn bclief sich damals' U e b e r 9(X) M. besitzen 53/4 Millionen Steuerzahler. Davon aber haben fast 41/2 Millionen nur ein Einkommen von 900— 18V0 M.! Acht Neuntel des Volkes besitzen also ein Einkommen von weniger als 18tX) M.! Diesen Massen der Besitzlosen, der Proletarier, der kleinen Geschäftsleute, der kleinen Beamten, wollte der Freisinn also vier Fünftel der neuen Steuern aufbürden, weil die Reichen schon allzusehr belastet seien. Wie aber steht es mit diesen Reichen, deren bedauernswertes Schicksal dem Freisinn so sehr am Herzen lag? Konnten sie wirklich nicht mehr zahlen? Ziehen wir doch wieder einmal die amtliche Steuerstatisttk vom Jahre 1998 zu Rate I Da finden wir, daß es im Jahre 1998 allein in Preußen(das nur 33 von insgesamt 62 Millionen Einwohnern des Deutschen Reiches umfaßt) ohne die Aktien gesell- s ch a f t e n usw. 104 000 Steuerzahler mit mehr als 9599 M. Einkommen gab, die zusammen S130 Millionen Mark Einkommen besaßen! Das Durchschnittseinkommen jedes Einzelnen dieser 194999 belief sich auf 39999 M.I Fünf Jahre früher, 1993, aber gab 2286 Millionen Einkommen besaßen. Das also erst auf 28999 M. pro Kopf! In der Tat: schlagende Beweise für die „Not" der Reichen, die immer reicher werden! Sie aber wollte der Freisinn schonen! Ebenso interessant sind die amtlichen Zahlen über die preußische Ergänzungs- (Bermögens-)Steuer für 1998. Sie zeigen, daß l'/z Millionen Zensiten zusammen 91 Milliarden Vermögen besaßen, davon aber 144 000 Zensiten mit mehr als 199999 M. Vermögen allein 55 Milliarden. Ein knappes Zehntel aller Vermögenssteuerpflichtigen besaß 61 Prozent des gesamten Vermögens! Allein die Millionäre, deren Zahl 8399 beträgt, besaßen 22Vs Milliarden Vermögen! Seit 1893 ist das Vermögen der Handvoll Millionäre von 13,6 Milliarden auf 22,6 Milliarden angewachsen, jährlich also um 700 Millionen Mark! Jeder einzelne Millionär hat binnen 13 Jahren sein Vermögen um rund 1 Million Mark vermehrt! Dieser armen Millionäre nahm sich der Freisinn angelegentlichst an, um die Masse der Proletarier und kleinen Leute mit 499 Millionen Mark indirekter Steuern zu beglücken! Für alles das hat die Berliner Wählerschaft am nächsten Dienstag dem Freisinn voll- wichttge Quittung auszustellen! Aber nicht der Züchtigung dieses„freisinnigen" Geldsackklüngels hat die Wahl am 26. Oktober zu dienen, sondern auch der Sorge für die Zukunft! Denn so lange das preußische Abgeordnetenhaus eine auch nur ähnliche Zusammensetzung aufweist wie heute, ist an eine Besserung der Zustände in Preußen, ja im ganzen Reiche nicht zu denken! Eine Aenderung ist eben nur möglich durch die Ersetzung des schmachvollen Dreiklassenwahlsystems durch eine wahrhaft demokratische Wahlreform! Diese Wahlreform darf aber nicht von der Gnade der Krone, der Einsicht der bürger- lichen Parteien, die ja nur, einschließlich des Freisinns, brutale Sachwalter der Geld- sacksinteresseu der Reichen sind, erhofft werden, sondern einzig und allein von dem Druck von unten, von dem Drängen, der Empörung der Massen, von dem flammenden Aufruf zum Wahlrechtsfturm! Der aber ist mit bemitleidenswerter politischer Blindheit geschlagen, der von den Wiemer, Kopsch, Fischbeck oder auch Runze, Schulz, Goldschmidt oder Schöler die rücksichtslose Brandmarkung des Klassenregiuients, die Parole zum rücksichtslosesten Wahlrechtskampf er- wartet! Dieselben Leute, die der stärksten Partei Preußens, der Vertreterin der besitzlosen Massen nicht einmal lumpige sieben Mandate gönnten, sollten bereit sein, den Vertretern des Volkes sperrangelweit die Tore zum Parlament öffnen zu helfen?! Wähler Berlins! Gedenkt des Kampfes Eurer sächsischen, badischen, thüringischen Brüder l Zeigt Euch des Vorbildes im ganzen Reiche würdig I Vollendet in der Reichshauptstadt das allerorts im Reiche fo glorreich begonnene Werk! Nieder mit der Reaktion in allen Schattierungen! Nieder mit dem volksverräterifchen Freisinn! Entrechtete! Wählt Kämpfer für Eure Rechte! Die Vahle» des 21. Oktober. AuZ Baden schreibt man uns: Das badische Voll hat am Donnerstag ein vernichtendes Urteil iiber die Politik der Steuermacher gesprochen. Rückgang der bürgerlichen Parteien auf der ganzen Linie und Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen in Stadt und Land, das war die Signatur deS TageS. 10 Sitze fielen auf den ersten Hieb un-Z zu. darunter ein neuer, während die Nationalliberalen, die bisher herrschende Partei, es nur auf die bescheidene Ziffer von 4 Mandaten brachten, die Demokraten glücklich eines retteten, Freisinnige und Konservative überhaupt leer ausgingen. DaS Zentrum, das seine sämtlichen 23 Mandate vor vier Jahren im ersten Wahlgang erobert hatte, und an weiteren Gewinnen nur durch das bekannte Grofiblockabtommen(das Abkommen zlvischen den ver- einigten Liberalen und den Sozialdemokraten) verhindert wurde, hat es, trotzdem es überall die Unterstützung der Konservativen hatte, nur auf 23 Sitze gebracht. 8o Stichwahlen haben stattzufinden. Die Sozialdemokratie ist an 29 beteiligt, wobei sie in vielen Fällen als dritte Partei den Ausschlag gibt. Nach badischem Wahlrecht gelangt ja jeder Kandidat in die Stichwahl, der zum mindesten IS Proz. der abgegebenen Stimmen erhalten hat. So werden die Nationalliberalen und Demokraten völlig auf unsere Unterstützung angewiesen sein in den Städten Baden-Baden, Rastatt, Adelsheim Offen bürg, Kon stanz, Lahr-Land und anderen. Bei nüchterner Betrachtung und unter Berücksichtigung aller Umstände dürfen wir darauf rechnen, bei den Stichwahlen noch mehrere Mandate zu erobern, so dah die Sozialdemokratie im neuen Land« tage mit mehr als den bisherigen 12 Vertretern einziehen wird. Das Zentrum wird kaum seine alte Stärke behaupten können denn einige seiner Sitze, so die des Kammerpräsidenten Fahren Bach in Freiburg und des Amtsgerichtsdirektors G i e st l e r in Engen-Kostanz, sind stark gefährdet. Aber selbst wenn eS, was nicht wahrscheinlich ist. die Sitze behauptete, die es jetzt in der Stichwahl zu verteidigen hat. so hätte es immer noch einen Verlust, weil cS Karlsruhe-Land bekanntlich gleich im ersten Wahb gang an uns verloren hat. Biel mehr aber noch als diese Erscheinungen, zeigt der starke Rückgang der Stimmen des Zentrums namentlich in den ländlichen Kreisen, wie sehr es an Vertrauen in der Wählerschaft eingebüßt hat. In allen Kreisen, angefangen vom Bodensee bis herunter nach Hessen und Bayern, hat das Zentrum an Stimmen eingebüßt. In Baden-Bühl sank seine Stimmen zahl von 3llö auf 2631 und im benachbarten Kreise Bühl Baden von 3465 auf 2687, in Oberkirch-Achern von 2806 auf 2275 und in Offen bach-Land sogar von 3713 auf 2473 1 Die Sozialdemokratie aber hatte in diesen bisher vom Zentrum beherrschten Kreisen eine erhebliche Stimmenzunahme zu verzeichnen. In Achern-Bühl stiegen wir von 219 auf 830, in Oberkirch- A ch e r n von 175 auf 673, in B ü h l- B a d e n von 151 auf 674 und in Baden-Bühl von 981 auf 1647 Stimmen. In anderen Kreisen waren unsere Gewinne noch größer. In Emmendingen stiegen wir von 414 auf 1 249. in Lahr-Offenburg von 295 auf l?Z5, in Heidelberg-Eberbach von 516 auf lSOl Stimmen. Stimmenzuwachs hat die Sozialdemokratie über- Haupt in allen Kreisen, während der Verlust des Zentrums.in vielen Wahlkreisen 500—1000, in manchen sogar mehr als 2000 beträgt. In den fünf Mannheimer Kreisen stieg unsere Gesamtstimmenzahl von 7306 auf 11255. Die beiden städtischen Heidelberger Kreise müssen die Nationalliberalen, was für sie ganz besonders niederdrückend ist, gegen uns in der Stichwahl verteidigen. Im Kreise Schwetzingen, wo das Zentrum den bauern- bündler'tchen evangelischen Pfarrer Karl tatkräftig unterstützte, ist es hemngefallen, denn es hat nicht einmal die Stimmenzahl be- haupten können, die es vor zwei Jahren auf seinen Kandidaten allein vereinigte. Unser Kandidat, Genosse Kahn, hat dort gute Chancen. Wie sehr das Verdikt deS Volles eingeschlagen bat, zeigt die bürgerliche Presse, die völlig ratlos ist. Der Mannheimer „Generalanzeiger", das Organ Bassermanns, schreibt in seiner Wahlbetrachtung ganz zerknirscht: „Ein so enorm rapides Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen, wie es sich in jedem einzelnen Wahlresultat ausdrückt, ist nirgends erwartet, auch wohl auf sozialdemokratischer Seite nicht erwartet worden.... Der Liberalismus hat bei diesen Wahlen eine Niederlage erlitten, die freilich von der des Zentrums noch um ein weniges überflügelt wird. Den Sieg des gestrigen Wahltages hat die Sozialdemokratie, hat der Radikalismus davongetragen.... ... Gerade dort, wo es am wenigsten zu erwarten tst, a u f dem Lande find die Wähler vonden bürgerlichen Parteien abgeströmt und haben sich zur Sozialdemokratie geschlagen. Aus dem Zuwachs der wahlsähigen Bevölkerung und aus der Partei der Nichtivähler allein kann sich die Sozialdemokratie unmöglich in dieser Stärke rekrutiert haben, hier müssen also bisher bürgerliche Wähler in Rechnung gesetzt werden. »_«> Nach einer vorläufigen Zusammenstellung, die Anspruch auf Genauigkeit erheben kann, sind bei der Wahl 86184 Stimmen auf die Sozialdemokratie, 117 102 Stimmen auf den klerikal-kouservativen Block, 97 333 auf Nationalliberale, De- mokraten und Freisinnige gefallen. Der schwarzblaue Block hat gegen die letzte Landtagswahl um 19 500 Stimmen, das sind rund 14 Proz., der liberale Block um rund 8500, daS sind rund 8 Proz., abgenommen; die Sozialdemokraten haben sich seit vier Jahren um 35 753 Stimmen, das sind 71 Proz. vermehrt. Die Wahlkreise, in denen die Sozialdemokratie in Stich- wähl steht, sind: Säckingen-Schopfhetni. Stadt Lörrach. Land Lörrach, Schopfheim-Schönau, Freiburg I, II, III, Emmendmgen, Lahr-Stadt, Triberg-Billingen-Wolfach. Lahr-Offenburg, Offen- burg-Stadt, Baden-Stadt, Rastatt-Stadt. Karlsruhe-Land, Karlsruhe II. III, Durlach- Ettlingen- Pforzheim, Bretten- Bruchsal, Heidelberg- Wiesloch. Schwetzingen, Stadt Mann- heim IV, Stadt Heidelberg I, II. Eppingen-SinSheim, Heidcl- iberg-Eberbach, Mosbach. An Stimmenergebnissen auS den Stichwahlkretsen geben wir die folgenden: Karlsruhe III: 2046 Sozialdemokraten, 1343 Freifinnige. 314 Mittelständler...„„„„„.... Durlach-Ettlingen: 1806 Sozialdemokraten, 1879 Konservative, 687 Nntionalliberale... Bruchsal-Turlach: 2363 Sozialdemokraten, 1613 Konservative. 754 Demokraten. 430 Nationalliberale. Hrldrlbcrg-Wiesloch: 2215 Sozialdemokraten, 1776 National» liberale, 1672 Konservative. Schwetzingen: 1975 Sozialdemokraten, 1636 Konservative, 645 Demokraten. 694 NationaUiberale. Atannheim IV: 1866 Sozialdemokraten, 2466 NatlonaMberale, 665 Zentrum. Lahr- S t a 193 Zentrum. Di« Ltntsliberale» für den Großblock. Karlsruhe, 23. Oltober. Nach Einzelbesprechungen der links liberalen Parteivertretungen fand heute nachmittag eine aus dem ganzen Lande stark besuchte Versammlung der Demokraten, Freisinnigen und Nationalsozialen behufs Stellungnahme zu den Landtagsstichwahlen statt. Es wurde eine gemeinsame Kommission auS zwei Demokraten, zwei Freisinnigen und einem Nationalsozialen gebildet, die solidarisch die weiteren Verhandlungen mit dem Endziel des Großblocks für die Stichwahlen führen sollen. Die Stellung der Natimialliberalen ist noch nicht bekannt I Sachsen. Von den 53 Kreisen, in denen die Sozialdemo kratie in Stich wähl steht, heben wir die folgenden 10 heraus. Die Wahlresultate lauten dort: 1. ländlicher Wahlkreis Zittau: Uhlig(Soz.) 3780 Held(k.) 2090. Ringehan(irs.) 1833. Müller(natl.) 1509 St. 2. ländlicher Wahlkreis Ebersbach-Groß-Schöuan: Riem (Soz.) 5814, Rückert(natl.) 4072. Rah»(frs.) 3532 St. 6. ländlicher Wahlkreis Schirgiswalde: Linke(Soz.! 4169, Förster(k). 2566, S-bäfer(natl.) 2184 St. 35. ländlicher Kreis Schwarzenberg: Schreiber(Soz.) 3944, Brodauf(frs.) 2097. Schubart(k.) 1770. Langer(natl.) 705 St. 42. ländlicher Kreis Eibenstock: Zimmer(Soz.) 5917, Edler von Ouerfurth(k.) 4782, Täschner(frs.) 1757 Stimmen. 48. ländlicher Kreis Mylau: Rödel(Soz.) 3242, Singer(natl.) 2848, Schwabe. machen, seine intelligente Persönlichkeit von den bürgerlic. Zeitungen im Bilde vorführen, was all- gemeines GeK«ter hervorruft. Um diese Art„Agitation" noch wirksamer zu gestalten, läßt er sich nach dem Rezept: Bitte recht freundlich l auf Postwrten verewigen, die aber erst später in Massen verbreitet werden sollen. Das ist freisinnige Angstagitatton I Unseren Genossen bereiten diese harmlosen Mätzchen viel Vergnügen, ohne daß sie sich dadurch von der ernsten AufktärungS- arbeit abhalten lassen. Am Sonntag bereits wird das zweite die Worte und Taten des Freisinns schildernde Flugblatt in zehntausenden Exemplaren verbreitet. Damit geht Hand in Hand eine treffliche Resultate zeugende Versaminlungs- agitation. Genosse Kunert sprach in Orten, wo die Freisinnigen keine hundert Besucher in ihren Versammlungen hatten, vor mehr als tausend Personen I Vielfach müssen unsere Versammlungen unter freiem Himmel abgehalten werden, da alles in Bewegung gesetzt wird, um uns die Lokale abzutreiben. In Wörmlitz, einem kleinen Ort bei Halle, fand eine olche Versammlung statt, die sechshundert Besucher zählte. Der Hof/ in dein sie tagte, war viel zu klein, um die Teilnehmer zu fassen. Diese wußten sich aber zu helfen, indem sie Stall- und Wohnhausdächer erkletterten, um von dort die Rede unseres Kandidaten anzuhören. Besonders erfreulich ist es, öaß die Frauen so zahlreich in die Versammlungen kommen und lebhaftestes Interesse bekunden. Der Anfang unserer Agitation ist vielversprechend; der Eifer unserer Genossen und Genossinnen wird sie noch intensiver und erfolgreicher zu ge- stalten wissen._ Eine leichtgläubige Seele. Der Landrat G r o l m a n n hat im amtlichen Teile des Militscher KreisblatteS" erklärt, daß durch die neue Tabalsteuer die Mehrbelastung einer Zigarre von 5 bis 12 Pf. Verkaufs- wert nur>/« bis 4/io Pf- betrage. Die Veröffentlichung dieser landrätlichen Weisheit hat einen BreSlauer Zigarren- Händler veranlaßt, sich an den Landrat mit der Bitte zu wenden, ihm da» Material zu überlassen, da» er seiner Berechnung zu- gründe gelegt hat. Der Zigarrenhändler behauptete, daß er, der schon seit langen Jahren seinem Berufe obliege, trotz eifriger Reck!- nung nicht zu einem so günstigen Resultat kommen könne. Weil nun aber mit dem höheren Verkaufspreise der Zigarre der Konsum zurückgehe, er aber eine solche Geschäft»schädtgung verhüten möchte, müsse er nach der Veröffentlichung deS LandratS annehmen, daß er sich in seinen Berechnungen getäuscht habe. Der Landrat hat keine Antwort gegeben, weShalb ihm der Zigarrenfabrikant schrieb: „Sir müssen doch von der Richtigkeit Ihrer Kalkulationen völlig durchdrungen und überzeugt gewesen sein, sonst halten Sie. noch dazu in Ihrer Stellung al» Landrat, sich nicht veranlaßt gefühlt, das Resultat derselben zu veröffentlichen." Der BreSlauer Zigarrenhändler scheint die Psyche preußischer LandrSte noch nicht genügend zu kennen. Uns ist völlig klar, wie der Herr Landrat zu seinem seltsamen Ausspruch gekommen ist. Sc hat daS schöne konservative Flugblatt„Ein Wort der Sufllärung an das deutsche Voll" gelesen, daS»om Hauptverein der Deutsch- Konservativen in Berlin herausgegeben worden ist, und die darin angegebenen Steuer- und Preisberechnungen für richtig gehalten. In diesem kuriosen Machwerk wird nämlich tatsächlich behauptet, die neue Steuer auf Zigarren betrage je nach der Qualität nur Vio bis Vio Pf. Allerdings trifft den Herrn Landrat insofern ein Vor- Wurf, daß er geglaubt hat, diese Behauptung wäre richtig. Da er jedenfalls selbst konservativ ist, hätte er wissen müssen, daß konservative Flugblätter gewöhnlich Unsinn enthalten. Die Strafrechtsnovelle. Der Lorentwurf, den die„große" Sachverständigen- kommission zum neuen ReichSstrafgcsetzbuch auszuarbeiten hatte. ist heute herausgekommen. Der Entwurf zählt 310 Para- graphen(das bisherige Strafgesetzbuch 370). Die Todes» strafe wird— selbstverständlich— beibehalten, die be» dingte Verurteilung ins Strafgesetzbuch aufgenommen, die Strafmündigkeit auf das vollendete 14.(bisher 12.) Lebens- jähr gesetzt u. dergl. mehr. Dem Entwurf sind zwei dicke Begründungsbände bei- gegeben. Die Debatte über die Arbeit der Sachverständigen- kommission wird nunmehr zu beginnen haben. Faule Ausreden. In ihrem Bestreben, die gegen die Steuerpolitik der Zentrums» fraktion de» Reichstage« gerichteten Angriffe abzuwehren und für die Belastung der ärmeren Volksschichten durch neue indirekte Steuern Entschuldigungsgründe zu finden, greift die Zentrumspresse zu den kuriosesten Mitteln. Zuerst erklärte sie, im Interesse des Zentrums und der katholischen Kirche wäre eS nötig gewesen. Bülow zu stürzen und den konservativ- liberalen Block zu brechen. Dann begründet sie die Haltung der ZentrnniSpartei bei der Beratung der Reichsfinanzreform mit der Behauptung, der Ar- beiter verspüre im ganzen die Belastung seines Lebensunterhalts durch die neuen Verbrauchssteuern nur sehr wenig, und überdies Wäre er. wenn der liberal-konservative Block die Sache gemacht hätte, noch viel schlechter weggelommen. Nachdem auch dieser schöne Grund die katholischen Arbeiter, die noch nicht daS Denken ganz verlernt haben, nicht von der Richtigkeit der Steuer- mogelet des Zentrums mit den Konservativen zu über- zeugen vermocht hat, sind die Zentrumsblätter auf eine dritte Entschuldigung verfallen. Sie erklären jetzt. die Zentrumspartei hätte sicherlich nicht gern für die neuen Verbrauchs- steuern gestimmt; aber sie hätte nicht anders können, nämlich aus Pflichtgefühl. Das teuere Vaterland hätte dringend neuer Geldmittel bedurft, und um diese Mittel zu be- schaffen, wäre daS Zentrum als, echt deutsche. nationale Partei in die Bresche gesprungen. Besonders die„Westd. Arbeiterztg." benutzt seit einiger Zeit mit Vorliebe diese niedliche Argumentation. Sie schreibt: „Was hat unsere Partei denn getan, was ein derart schmutziges Tun rechtfertigen könnte? Sie bat ihre Pflicht getan als nationale PaifteU Weiter nichts I Sie hat dem Vatcrlande gegeben, was sein Gedeihen gebieterisch erforderte. Sie hat mitgeholfen, dem elenden, blamablen Feilschen um die neuen Steuern ein Ende zu machen. Sie hat die Scham weg- genommen, die auf der Stirne jedes aufrichtigen Deutschen brannte angesichts des HohngelächlerS im Ausland... Nichtsdestoweniger: sie wird mit Kot beworfen und wir mit ihr. Und mit welch traurigen Mitteln känwft speziell die Sozialdemokratie gegen uns und unsere Partei. Lest ihre Presse, ihre Flugblätter und zeigt unS ein sachliches Wort I Nichts als Beschimpfungen, Roheiten, Ungezogenheiten... Katholische Arbeiter! Kollegen I Geht auf der ganzen Linie zum Angriff vor! Stellt die Sozialdemokraten! Faßt den Stier bei den Hörnern! Laht Euch nicht verblüffen! Zwingt den sozia- listischen Phraseur Rede und Antwort zu stehen und Ihr habt ih» überwunden I Man veranstalte besondere öffentliche Versammlungen für christliche Arbeiter. Für christliche, damit die sozialdemokratisch fanatisierte und verrohte Masse gezwungen werden kann, sich als Gäste zu betrachten." Wir wollen nicht untersuchen, wo die Roheit zu finden ist. Die gestern von uns berichtete bestialische Behandlung sozialdemokratischer Flugblattverteiler durch Besucher des Duisburger Parteitages der unterrheintschen Zentrumspartei beweist zur Genüge, wie es um die sittlichen Qualitäten der Gefolgschaft der Spahn, Trimborn und Erzberger bestellt ist. Um zu zeigen, wie wenig die ehrsame„Westd. Arbeiterztg." selbst glaubt, was sie ihren Lesern erzählt, wollen wir lediglich dem obigen Zitat gegenüberstellen, waS sie vor dem Steuer« koinpromifi zwischen Zenwum und Konservativen geschrieben hat. Damals forderte sie die Aufbringung der erforderlichen neuen Geldmittel durch Besitzsteuern und durch die Abschafsimg der Schnapsliebesgabe. Wörtlich schrieb sie: ,... Und da die dielumstrittene Frage der Heranziehung des Be- sttzes zurzeit noch„völligin derLuft schwebt", und da sich erfreulicherweise die Sympathien für eine Nachlast- bezw. ErschaftS« steuer in den letzten Wochen vermehrt haben, so sei hier der drin« gende Wunsch taufender Arbeiter, die au fZentruinSstandpunkt stehen, ausgesprochen, unsere Vertreter mögen für ein derartiges Steuer- Projekt eintreten. Es möge einmal mit der Auffassung aufgeräumt werden, als könne man in Zentrumskreisen von einer Nachlast« steuer nicht reden. Noch einmal: Wir wollen eine tat« sächliche Heranziehung de» Besitzes, keine Besitz« steuer auf dem Papier. Die ZentrumSpartei möge trotz der Hetzarbeit des Bundes der Landwirte und unbeeinflustt von rechts— daS kann auch einmal gesagt werden ihren Weg gehen. Wir müssen Verwahrung dagegen einlegen, dah daS steuerpolitische Schiff der Zentrumspartei unter der Gunst oder Mitzgunst einer momentanen politischen Situation derart nach recht« gedreht wird, d a st wir unsere Partei nur schwer mehr zu verstehen vermögen." Damals warnte also da« Blatt vor dem Einfluß„von rechts" und erklärte, die katholischen Ardeiter vermöchten die Steuerpolitik der ZentrumSpartei nicht mehr zu verstehen; heute preist es diese selbe Steuerpolitik als eine vaterländische Grosttat, als eine heilige nationale Pflicht. Wer solcher Ausrede glaubt, verdient wegen polizeiwidriger Einfalt zum Ehrenmitglied der M.-Gladbacher Zentrale für Volksaufklärung ernannt zu werden. Etwas von der Beamtenbesoldung f Man schreibt uns: Beim Hauptpostamt C. 1 in Berlin sind zirka 40 sogenannte Bahnhofsbcgleitcr und zirka 20 sogenannte Stadtgeldbegleiter tätig, welche für ihre Auslagen an zu machenden Fahrgeldern seit einer Reihe von Jahren sogenannte Dienstaufwandsgelder be« ziehen, und zwar die Bahnhofsbegleitcr IS M. und die Stadt- geldbegleiter S M. pro Monat. Diese Gelder werden von diesen Postunterbeamten auch tatsächlich im Dien st e aufgewendet, da sie gezwungen sind, des öfteren am Tage Fahrten mit der Elektrischen usw. zu machen, um zur bestimmten Zeit bei den Postämtern einzutreffen, weil sie von dort au» wieder einen anderen Postwagen begleiten müssen. Die jetzige Organisation de» PostbetriebeS bringt eS mit sich, dah z.©. ein Bahnhofsbegleiter einen Postwagen begleiten muh, der um 8 Uhr auf dem Anhalter Bahnhofe Postsachen abzuliefem hat. Von dort auS muh sich nun der Begleiter ohne Postwagen zu einem Postamt begeben, das er zu Fust erst in einer Stunde erreichen kann. Er soll daselbst aber bereits um 8/44 Uhr wieder mit einem anderen Postwagen ab- fahren. ES ist ihm dies nur möglich, wenn er irgend«ine Fahr- gelegenheit benutzt, zumal seine Dienstvorschrist besagt, dost er immer zwei sogenannte Kurssäcke bei sich führen soll, deren Gewicht un- gefähr zwischen 10 und IS Pftmd schwantt. Führt er diese Säcke nicht bei sich, so hat er Strafen zu erwarten. Dast aber diese Dienstaufwandsgelder in der Tat nur im Interesse des Dienstes gemachte Auslagen barstellen, beweist ferner der Um- stand, dah sie bisher von der Steuerbehörde als Dienst- einkommen nicht betrachtet wurden, also steuerfrei waren. Bei der nun kürzlich stattgefundenen Auszahlung der auch diesen Uuterbeamten nach der neuen Besoldungsreform seit 1. April 1808 zustehenden Gehaltsausbesserungen wurden diesen nicht nur die einmalige Teuerung S zu läge im Betrage von 100 M. und die laufende Teuerungszulage im Betrage von jährlich 20 M. abgezogen, sondern auch die Dienstaufwandsgelder, welche seit dem 1. April ISvö den Beamten gezahlt worden waren. Von der ihnen zugute gekommenen Aufbesserung deS Grundgehalts von zirka 200 Mark pro Jahr für jede Klaffe sind den Bahnhofsbegleitern 180 M. und den Stadlgeldbegleitern SS M. pro Jahr erhaltene Dienstaufwandsgelder in Abzug gebracht Worden, insgesamt also 270 und 144 M. Eine nette GrhaltSaufbcsieruug{ In dem militSrischen„Aiifnihr"prozefc, der sich vor dem Lübecker Kriegsgericht abspielte, ist am Freitag das Urteil gefällt worden. Der Landivchrmann Strinfatt, gegen den der Kriegsgerichisrat SJahre 1 Monat Zuchthaus beantragt hatte, wurde freigeiprochen. Der Landwehrmann Matern erhielt wegen Beleidigung eines Vorgesetzten vier Monate Gefängnis und der Reservist Schümann wegen Achtungsvcrletzung und Beleidigung eines Vor- gesetzten sechs Monate Gefängnis. Ueber den Tatbestand, welcher der Anklage zugrunde lag, ist bereits in der Freitagnummer berichtet worden. Die Vorkommnisse, um die es sich handelt, waren ziemlich harmloser Natur. AIS einziger Belastungszeuge, dessen Glaubwürdigkeit im Lause der Verhandlung stark erschüttert wurde, trat der angeblich beleidigte und angegriffene Unteroffizier auf, während die anderen Zeugen entweder nichts von der Sache wußten I oder direkt zugunsten der Angeklagten aussagten. Und dennoch dieses harte Urteil gegen zwei Fainilienväter l Unterstützung arbeitsloser Tabakarbeiter. Die in Aussicht gestellte Konferenz der Gewerkschaftsvertreter mit dem Reichsschatzamt hat stattgefunden. Die erste Sitzung am Freitagmorgen, den 22. Oktober, leitete der Schatzsekretär persönlich. Die beiden weiteren Sitzungen am Freitagnachmittag und Sonn« abendmorgen fanden unter Vorsitz des Direktors im Reichs- schatzamt Kühn statt. In diesen Sitzungen wurde die allgemeine Situation und der mutmaßliche Verlauf der jetzigen Geschäfts- lrisis im Tabakgewcrbe besprochen, des weiteren die dem Bundesrat zu unterbreitenden AuSführungsbcstimmungen zur Unterstützung der arbeitslosen Tabakarbeiter. Die Gewerkschaftsvertreter trugen die Beschwerden und Wünsche der Arbeiter vor und formulierten sie zu bestimmten Abänderungsvorschlägen bei den einzelnen Paragraphen. Die Verhandlungen waren vertraulich, doch sagten die Bertreter des Reichsschatzamtes Befürwortung der Wünsche der Arbeitervertreter bei endgültiger Fassung der AusführungSbestimmungen im Bundes- rat zu._ Arbeitslose Zigarrenkistenmacher erhalten keine Unter- stützung aus dem Viermillionenfonds. Nach vielen Laufereien und Scherereien war einigen durch das Tabaksteuergesetz arbeitslos gewordenen Arbeitern der Zigarrenkisten« fabriken in Bünde die Unterstützung aus dem Viermillionenfonds des Reiches gewährt worden. Jetzt sind allen, die um die Unterstützung einkamen, die Unterstützungsanträge mit dem Bemerken zurückgegeben worden, daß die Arbeiter der Zigarrenkistenfabriken keinen Anipruch auf Unterstützung haben, da nur Tabakarbeiter nach dem Tabak- steuergesetz vom IS. August 1009 als untersttttzungsberechtigt in Frage kommen. Bei den Firmen, bei denen die Arbeitslosen bisher be- schäftigt wurden, erschien ein Zollbeamter, um die Arbeiter darauf aufmerksam zu machen, daß sie die zu Unrecht erhobene Unterstützung zurückzuzahlen hätten._ Berichtigung. Bezüglich deS durch die„Königsberger DolkSzeitung" und den „Vorwärts" bekannt gegebenen Briefes an den Präsidenten deS Hansabundes ersucht uns Herr George Marx um Aufnahme folgender Erklärung: „Der Veröffentlichung deS Briefes liegt weder Untreue noch Indiskretion zugrunde. Es handelt sich vielmehr um eine Mystifikation— um eine Erfindung vom ersten bis letzten Wort. der absolut jede Unterlage fehlt. Die Ausführungen entsprechen überdies in keiner Weise den Anschauungen und Tendenzen des angeblichen Briefschreibers."— Spanien. NegieruugSerklärunge«. Madrid. 23. Oktober. Im gestrigen Ministerrat berichtete M o r e t über die Lage im Innern und betonte die Not wendigkeit einer Politik des Friedens und der Freiheit. Unter Hinweis auf seine unlängst in Saragossa und Valladolid gehaltenen Reden führte der Ministerpräsident aus, die liberale Partei sei durch diese beiden Reden per pflichtet, die religiösen Genossenschaften, die sich mit Handel und Industrie beschäftigen, den allgemeinen Gesetzen zu unter st ellen und den Gemeinden eine gewisse Autonomie zu geben. Der Ministerrat beschäftigte sich ferner mit der Marokko- expedition. Die Armee in Melilla werde diejenige materielle und moralische Unterstützung erhalten, die zur Erfüllung ihrer Aufgabe nötig sei. Bedrängnis auf dem Kriegsschauplatz. Madrid, 23. Oktober. Da» Lußenfort von Melilla Sidi Mariguori ist von den Rifteuten heftig angegriffen worden. Die spanischen Verluste sind noch nicht bekannt.— Die Nachrichten über die Unwetter, welche auf dem Kriegsschauplatz wüten, laute» trostlos. Eine große Anzahl Soldaten sind bei den Ueoerschwemmungen ertrunken.— Bngland. Die Etatberatung. London, 22. Oktober. Aus Anlaß der Verhandlungen über die ffiiianzbtll im Unterhaus unterbreitete Schatzkanzler Lloyd George heut« den Boranschlag des Ertrags der Stenern. Er führte au», daß die Zugeständnisse, die in bezug auf die Wert- zuwachs st euer und die Steuer für unbebautes Land gemacht worden seien, mehr als ausgeglichen würden durch die veranschlagten Ecträginfie aus den neuen Abgaben von den Bergbauregalen. Mit Ausnahme der Branntwein- abgäbe entwickelten sich alle Einkünfte gut, und die Postanstalten machten infolge der Besserung im Handel gute Geschäfte.(Beifall bei den Ministeriellen.) Die Stempelsteuer bringe erhebliche Mehr- einlünste. Seit Einbringung des Budget» habe eS einen„Boom" auf der Börse gegeben.(Lachen bei der Opposition, Beifall bei den Ministeriellen.) Er schätze den Mehrertrag auS der Braimlweinsteuer auf 800 000 Pfund Sterling und sehe einen Mehrertrag von 1 300 000 Pfund über die ursprüngliche Schätzung des Erwäge» au» den Erbschaft« st euer ii voraus. Die revidierten von ihm jetzt unterbreiteten Voranschläge zeigten einerseits eine Zunahme von 1820000 Pfund über den ursprünglichen Budgetvoranschlag und andererseits eine Abnahme von 2100000 Pfund, so daß eine Differenz von 250 000 Psund Sterling verbleibe. Er habe urspriing- sich für eine AuSgleichSsumme von 483 000 Pfund Vorsorge getroffen, aber im Hinblick auf die RachtragLetattS von 200 000 Pfund zur Unterstützung der Arbeitslosen und für andere klcme Bedürfnisse schlage er jetzt vor. noch 500000 Pfund altS dem SchuldentilguugSfondS zu entuchmen. Oeinemark. Der Sturz des Ministeriums Holstein-Ledreborg. Kopenhagen, 22. Oktober.(Eig.©er.) Nachdem erst Anfang dieser Woche der Verteidigungsminister Christensen ab- gedankt hat, hat mm da« Ministerium Holstein- Ledreborg selbst sein Abschiedsgesuch eingereicht, nachdem eS wenig mehr als zwei Monate im Amte war. ES hatte die Aufgabe, die Landes- Verteidigungsfrage zu lösen, daS heißt, dem Volke neue unerhörte Militärlastcn aufzulegen. Zu diesem Zweck nahm man auch den wegen seiner Mitschuld an AlbcrtiS Millionenschwindeleien mit Reichs gerichlSaiiklage bedrohten Ehristensen in das Ministerium auf. Zum Sturze Holstein- Ledreborg haben merkwürdigerweise die Konservativen den Anstoß gegeben, obwohl er in der Landes- Verteidigungsfrage ihre militaristischen Anschauungen zur Geltung gebracht hat. Aber die Konservativen fühlten sich"von ihm zurück- gesetzt»»d in der FolkethingSsitzung am Mittwoch kam es zwischen ihrem Wortführer Madsen-Halstad und dem Ministerprästdeuten zum Wortwechsel darüber, ob er vor Bildung de« Ministeriums uni ihre Unterstützung nachgesucht habe. Graf Holstein leugnete das, offenbar mit Recht, und teilte sogar mit, daß seinerzeit ein Mitglied der Rechten zu ihm gekommen sei, um ihm dieser Partei Unterstützung. selbst unter der Voraussetzung der Niederlegung von Kopenhagens Landbefestigung, anzubieten, er aber habe geantwortet, er wünsche keinerlei solche Mliteisimgen von jener Partei zu empfangen. Tatsächlich lag die Sache so, daß damals zwei Abgeordnete von der gemäßigte» Gruppe die Konservativen um ihre Unterstützung für daS zu bildende Ministerium ersucht hatten, aber jedenfalls nicht im Auftrage HolsteiiiS. Die selbstbewußte und etwa? bissig« Antwort, die derMinister- Präsident im Folkething gab, verletzte die Rechte dermaßen, daß sie andern TageS ein Mißtrauensvotum einreichte, das sich zunächst nur gegen Holstein richtete. Die Verhandlungen wurden unterbrochen, im, den Fraltionen es zu ermöglichen, Stellung zu nehmen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung dehnten dieKoiiservativen ihren Antrag auf das ganze Ministerium aus. AuS ganz anderen_ Gründen brachten dann unsere Parteigenossen folgenden Vorschlag ein:„In- dem das Folkething dem Ministerium Holsteiii-Ledreborg für die Durchführung der Militärgesetze sein Mißtrauen ausspricht, fordert es, daß baldig st eine gerechte Wahl- kreiSordnung durchgeführt wird und geht zur Tagesordnung über." Genosse Klausen führte zur Begründung aus, daß die sozialdemokratische Fraktion nicht für den wie ein Racheakt aus- sehenden Vorschlag der Rechten stimmen könne, dagegen alle Ursache habe, dein ganzen Ministerium, das durch die Militärgesetze das Land in eine höchst verzweifelte Situation gebracht, ihr Mißtrauen auszusprechen. Da die Grundlage für die Zusammen- sctziiiig des FolkethingS so ungerecht wie möglich sei, müsse gleich- zeitig eine gerechte WahlkreiSordiiung gefordert werden. Sodann brachten auch die Radikalen ein Mißtrauensvotum ein, das jedoch in sich selbst keine Begründung enthielt und gerade deshalb die Mehr- heit der Stimmen auf sich vereinen konnte. RulUa««!. Eine StaatSstütze. Der berüchtigte Lockspitzel Richard Frehmel, der lange Zeit in Lodz sein Wesen getrieben und wegen der Ermordung des Setzers Owßjanka zur gerichtlichen Verantivortung gezogen, frei- willig die Rolle einers Henkers übernommen hat. hat sich nun in den.Rilhestand' zurückgezogen und nach Deutschland be- geben, wo sein Vater eine Gastwirtschaft in einem Berliner Vorort betreibt. Die Lodzer Bevölkerung mag ausgeatmet haben, daß dieses Scheusal, das selbst seinen eigenen Schwager kalten Blutes an den Galgen knüpfte, die Stadt verließ. Für die Berliner Be- völkerimg aber dürfte es nicht sehr angenehm sein, einen solchen AiiSwürfliiig in ihrer Mitie zu dulden. ES ist charakteristisch, daß nicht nur die Harting und Jutschenko, sondern auch die Henker a. D. sich vertrauensvoll unter die Fittichs der preußischen Polizei be- geben. finntand. i Die politische Lage. Helsingfors, 20. Oktober.(Eig. Ber.) Die erste Bresche in der konstitutionellen Verfassung Finnlands ist schon gelegt. Zu finnischen Senatoren sind jetzt definitiv fünf echt- russische Männer(Wirenius, Sillmann, Kraatz, Graf Berg und Hedlund) ernannt und dadurch ist der finnländische Senat, dem bis jetzt gewissermaßen die Aufgaben eines ver- antwortlichen konstitutionellen Ministeriums zufielen, zu einem russsisch-bureaukratischen Departement herabgedrückt worden. Die neuen Männer kommen, wie schon gemeldet, größtenteils aus der russischen Marine— Konteradmiral Wirenius ist seinerzeit wegen IMauglichkeit vom Dienste verabschiedet worden—, kennen trotz der schwedisch klingenden Namen nicht hinreichend schwedisch noch finnisch und haben wohl nur eine schwache Ahnung von den rechtlichen und ökonomischen Verhältnissen Finnlands. Deshalb haben die jetzigen altfinni- schen Senatoren den Auftrag bekommen, vorläufig noch im Amte zu bleiben und die ncuernannten Tschinowniks mit der Leitung der finnländischen Angelegenheiten vertraut zu machen. Doch diese wenig ehrenvolle Aufgabe sagt sogar den allzeit unterwürfigen altfinnisckien Parteiführern nicht zu und diese bestehen aus ihre Demission.— Unterdessen arbeitet man in Petersburg auf einei, offenen Konflikt mit Finnland los: das Land wird jetzt mit russischen Truppen überschwemmt, ein ganzes Armeekorps soll nach Finnland entsandt werden! Die Provinz Biborg soll in kürzester Zeit zum russischen Gouvernement proklamiert und zum Generalgouverneur und Diktator von Finnland soll der berüchtigte Baron Möller'Sako» m e l s k i ernannt werden. Klus der Partei. Ein deutsches Parteiblatt in London. London, 2t. Oktober. Die Deutsch sprechenden Mitglieder des Kommunistischen Arbeiter-BildungSverelnS haben nach laiigei, Beratungen beschloffen, ein sozialistisches Wochenblatt unter dem Titel.Londoner VolkSzeitung" herauszugeben. Die erste Siummer erscheint am 23. d. M. und enthält Beiträge von KantSky, Bernstein, Andreas Scheu, KeirHardie, Ouelch, Weingartz»sw. Die Existenzbedingungen des Blattes sind keine leichten, aber die Opferircudigkeit der ausländischen Sozialisten Londons ist groß, imd die Ausgaben, die ein derartiges Blatt hier erfüllen könnte, sind wohl des Versuches wert. Es gibt in London viele Tausende von Deutsch sprechenden Arbeitern, die nur durch eine regelmäßig erscheinende proleiarische Zeitschrift für die gewerkschaftliche»md politische Organisation zu gewinnen sind.— Wir wünschen dem Blatte den besten Erfolg._ Der verdiente Arbeitswillige! Der verantwortliche Redakteur der„Arbeiterzeitung" in Dortmund, Genosse Beyer, wurde vom Schöffengericht in einer Privatklagesache zu einer Woche Gefängnis ver- urteilt. Der Privatkläger ist ein früherer Genosse namens Oberhaus, gegen den wegen parteischädigenden Verhaltens ein Ausschlußverfahren schwebt. Diesem Oberhaus wurde in einem Artikel zu seiner Kennzeichnung vorgehalten, daß er beim Vergarbciterstreik Streikbrecher gewesen sei und daß er einen Verein der Polizei denunziert habe. Das Gericht erklärte in der Urteilsbegründung: wenn der Kläger arbeitswillig gewesen sei, so habe er sich über- aus verdient gemacht und ihm gebühre nur Aner- k e n n u n g! Ebenso sei es sein gutes Recht als Staatsbürger, der Polizei„Mitteilungen zu machen". Auf Gefängnis- st r a f e wurde deshalb erkannt, weil Geldstrafen„erfahrungs- gemäß von den sozialdemokratischen Redakteuren nicht selbst getragen werden". Gegen das Urteil ist selbstverständlich Berufung eingelegt. Parteiliteratur. Arbriter-Notizkalcnder. Jahr für Jahr erwirbt sich der Arbeiter- Notizkalender neue Freunde und es ist daher wohl auch diesmal mit einer guten Aufnahme in den Kreisen der Parteigenossen zu rechnen. Aus dem Inhalt Heven wir hervor: Die ReichStagSivahleii 1907 und die Nachwahlen.— Stimmeiizahl der einzelnen Parteien bei der letzten Wahl und Stärke der Fraktionen.— Biographische Notizen unserer RcichötagSabgeordnetcn.— Die bürgerlichen Parteien Deutsch» landS.— AuS den sozialdemokratischen Oraanisalioiien.— Preissteigerung und Arbeitslohn.— Was die BerufSzählung lehrt.— Sozial» demokratische und GelverkschaflSpresse.— Die Gewerkschaften Deutschlands.— Internationale Streik- u, Gewerlschaflöbewcgung im Jahre 1908.— Adressen der Arbeiter-Sekretariate und der Vorstände der Zentralverbände.— Adressen der deutschen sozialdemokratischen Bereine im Auslaiide. Die deutschen Gewerbeinspektoren.— Kalendarinm und Geschichtskalender.— Portotaxe.— Vielseitiges Adressen- material.— Außerdem enthält der Kalender ein Bebelporträl sowie die Porträts der in den Nachwahlen gewählte» Genoffc» Binder. Huber und Schöpflin.— Der Preis des Kalenders ist auf 50 Pf. qcrabgesctzt, womit der Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin 3W. 68, einem oft geäußerten Wunsch der Genossen entspricht. Zu beziehen durch alle Kolporteure, Zeitungsspediteure und Parteibuch- Handlungen. GeweHtfcbaftUcbe� Internationale Solidarität. In neuerer Zeit wurde viel über die internationale Soli- darität der Arbeiter gesprochen und geschrieben, und zwei Ereignisse, welckie ein besseres Verständnis zwischen den Ar- beitern von Europa und Amerika anbahnen sollten, sind der Besuch des Präsidenten Samuel G o m p e r s von der A. F. of L. in Europa, und die Mission des schwedischen Delegaten John S a n d g r e n, welcher aus Veranlassung des Generalstreiks in Schweden in Amerika weilt. Die Union der Schriftsetzer, welche bei allen fortschritt- lichcn und die Besserung der Lage der Arbeiter der ganzen Welt anstrebenden Unternehmungen immer in erster Reihe steht, hat unsere schwedischen Brüder in ihrem Gesuch um Beistand auf das freigebigste unterstützt. �■ Die Schriftsetzerunion Nr. 6 von der Stadt New Dork ist eine der ainerikanischen Vereinigungen, welche den Wert eines besseren Einvernehmens zwischen der organisierten Ar- beiterschaft der Welt vollauf zu würdigen weiß. Im der- gangenen Januar ersuchten die Schriftsetzer die Arbeiter Europas um ihre Unterstützung in ihren Bestrebungen, die Butterick Publishing Company, die Herausgeber von Mode- Zeitschriften und Kleidermustern, zu überzeugen, daß es von Vorteil für sie sein würde, ihren Arbeitern eine angemessene Behandlung zuteil werden zu lassen, und diese Beihilfe seitens der europäischen Arbeiterschaft hat sich als sehr wertvoll er- wiesen. Aber das angestrebte Endziel ist bis jetzt noch nicht erreicht worden. Die Butterick Publishing Company beharrt immer noch in ihrer der Union feindlichen Haltung und der Kampf muß unentwegt in jedem Lande fortgesetzt werden, wo die„Scab"-Muster verkauft werden. Die Muster und Modczeitschriftcn haben ausschließlich Interesse für das weibliche Geschlecht, und alle unsere Freunde sollten es sich zur Pflicht machen, die Aufmerksamkeit aller ihrer weiblichen Verwandten und Freunde auf diesen Artikel zu lenken und sie zu bitten, die Nichtunionfabrikate nicht zu kaufen. Wir machen noch einmal ganz besonders darauf auf- merksam, daß man gute Papiermuster und Modezeitschriften auch aus anderen Bezugsquellen wie die der Butterick Publishing Company erhalten kann, und daß, wenn die Frauen der Arbeiterbewegung gegenüber ihre volle Pflicht erfüllen wollen, sie darauf achten sollten, daß die„Moden Revue",„Buttericks Moden der Hauptstädte",„Buttericks Moden-Album" und die Papierschnittmuster der Butterick Publishing Company keinen Eingang in ihrem Heim finden, da sie von Streikbrechern hergestellt werden. Lerlin und Qmgcgend. Ueber den Fensterstreik der Töpfer wurde in der am Freitag abgehaltenen Versammlung der Vertrauensmänner des Töpfer- Verbandes folgendes mitgeteilt: Auf 39 teils ungenügend, teils gar nicht verglasten Bauten sind 383 Töpfer(331 Vcrbandsmit- glieder und 52 Lokalisten) in den Streik getreten. 143 Mitglieder haben sich als arbeitslos gemeldet. Bisher sind, auf 29 Bauten 156 Verbandsmitglieder und 54 Lokalisten wieder in Arbeit ge- treten, weil inzwischen Verglasung erfolgt ist. Außer diesen sind 37 Bauten festgestellt, die von vornherein genügend verglast waren. Nach den getroffenen Feststellungen arbeiten also im ganzen auf 57 verglasten Bauten 579 Verbandsmitglieder und 66 Lokalisten. Als Streikende und Arbeitslose kommen noch ungefähr 159 Ver- bandömitglieder in Frage, die zu unterstützen sind. Im allge- meinen ist der Umfang und der Verlauf des Streiks derselbe, wie er im vorigen Jahre war. Weiter teilte der Vorsitzende mit. daß die Tarifberatung jetzt abgeschlossen ist. Die Vorlage des Resultats der Beratung wird den Kollegen unterbreitet. Die nächste Generalversammlung hat über den abgeänderten Tarif» der für zwei Jahre gelten soll, Beschluß zu fassen. 0eutsd,es Reich. Militär im Streikrevier. Mit Militär überschwemmt wurde das Streikrevier in der Nacht vom 21. auf 22. Oktober, und zwar durch je ein Bawillon der 66er von Magdeburg und 36er von Halle, und außer- dem noch eine Kompagnie der Maschinengewehr. abteilung mit drei Maschinengewehren, von denen sofort zwei in S ch u ß b e r e i t s ch a f t vor den Toren der Kupferkammerhütte in Hettstedt auf- gefahren wurden! Um 19� Uhr abends kam das Bataillon der 66er von Magdeburg in Hettstedt an, jeder Soldat mit 60 scharfen Patronen versehen und, direkt aus dem Eisen- bahnwagen kommend, ließ der kommandierende Offizier sie vor dem Bahnhof antreten, die Ge- wehre laden, die Sturmriemen herunter und dann im Laufschritt nach der Kupferkammerhütte abmarschieren! An der Hütte angekommen, erschallte das Kommando:„Seitengewehr pflanzt auf!" Und nun wurden mit scharfgeladenen Gewehr en und aufgepflanz- tem Seitengewehr die— leeren Straßen„ge- säubert"!! An den beiden Hüttentoren wurde je ein Maschinen- gewähr aufgefahren, um nötigenfalls die reichstreuen Kumpels gleich schockweise niederzuschießen! Während es vor der Hütte nichts mehr zu tun gab, da unser Genosse Hansmann längst vorher alle Neu- gierigen von der Straße vertrieben hatte, kam es am Bahnhof zu einigen Verhaftungen. Kein Mensch wußte etwas von der Ankunft des Militärs, und da zufällig am Bahnhof ein Wanderkinematograph aufgestellt ist, war der Bahnhofsplatz/ natur- gemäß noch belebt, und so erregte daS plötzliche Erscheinen des Militärs und das Laden der Gewehre die Gemüter und sollen einige höhnende Rufe gegen die Soldaten ausgestoßen und darauf 7 Mann verhaftet worden sein. Gegen 12 Uhr nachts bezogen die Krieger kompagnieweise Massenquartier in den Sälen des„R a t s k e l l e r", „Kaiserhof" und„Ho h e n z o l l e r n p a r k", während vor jedem Hüttentor ein Posten von 1 Offizier, 2 Unteroffizieren und 19 Mann, und außerdem noch 4—8 Gendarmen zurückblieb, und starke Patrouillen, die geladenen Gewehre unterm Arm, durch die Straßen defilierten! Des Morgens zogen verstärkte Posten vor die Hüttentore, um die Streikposten fernzuhalten. Patrouillen von 2 Unteroffizieren und 19 Mann zogen, die geladenen Gewehre schuhfcrtig, durch die Straßen und trieben alles vor sich her, während kleinere Trupps an den Straßenkreuzungen Aufstellung nahmen! Erst gegen 11 Uhr. als die Befehlshaber wohl die gänzliche Zwecklosigkeit eines solchen Aufgebotes einsahen, wurden Posten und Patrouillen eingezogen und blieben die Gendarmen allein zurück. Während die 66» sich auf die Ortschaften um Hettstedt bis M a n s f e l d verteilt haben, trafen die 36er in E i s l e b e n ein und haben die Ortschaften umRisleben bis He Ibra be- setzt, wohin vorläufig eine Kompagnie verlegt wurde. In Heldra ließ der kommandierende Offizier vor dem Streikburcau Halt Mrantlp. Redakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.: machen, ließ einige Kommandos ausführen und ermahntedann die Soldaten laut und eindringlich an ihren Fahneneid! Das 3 6. Infanterieregiment, rekrutiert sich hauptsächlich aus Mansfelder Bergleuten(!), die jetzt in ihre Heimat abkommandiert sind, um even- tuell auf Bater, Mutter und Bruder zu schießen!! Streikposten werden zurückgetrieben, mehr noch von den Gendannen als vom Militär, aber das auch schon vorher, ehe noch Militär im Revier war. Was ist wohl borgefallen, um solche Maßnahmen zu recht- fertigen? Was haben diese reichstreuen Knappen, diese staatserhaltcnden Arendt Wähler getan, daß man sie jetzt mit scharfgeladenen Gewehren und auf- gepflanzten Seitengewehren in den Schacht und in die alte reichstreue Gesinnungslumperei zurücktreiben will!? Gar nichts, als daß am 29. in Hettstedt und Heldra einige Frauen sich beim Schichtwechsel vor das Hüttentor und Schachttor gestellt und die Streikbrecher verhöhnt haben, worüber die Behörde entweder den Kops verloren oder diesen Unfug als Anlaß benutzt haben, den Streik durch Militär niederzuwerfen! Um diesem Unfug— von dem die Or- ganisatiousleiter erfuhren, als es zu spät war— zu steuern, reichtedaszahlreicheGendarmerieaufgebotvoll- ständig, denn nirgends, außer einem Fall, wo ein Streikbrecher eine Frau ins Gesicht schlug und dann verprügelt wurde, nachdem er noch ein langes Dolchmesser aus der Tasche zog, ist es zu Streitigkeiten gekommen. Aber auch die Verhöhnung der Streikbrecher durch die Frauen wäre nicht vorgekommen, wenn nicht das„schneidige" Austreten der Herrn Gendarmen, das Eintreten der Pfaffen und Knappschaftsärzte für die Mansfelder Gewerkschaft die Gemüter außerordentlich erregt hätte. Die Streikenden, die sich im vollsten Rechte befinden, sehen den ganzen Ordnungsklüngel gegen sich, was wunder, wenn sie schließlich die Wut packt- und diese sich dann gegen die Verräter ihrer gerechten Sache richtete. Den- noch kann von ernstlichen Ruhestörungen nicht geredet werden und würde General von A l b e d i l l, der 1889 die Soldaten ins Ruhr- revier, ins Streikgebiet führte, auch von hier berichten:„Im Streik gebiet alles ruhig, mit Ausnahme der Zivilbehörde!" Ueberall hält man die Streikboten, Radfahrer an, verbietet den von der Streikleitung ernannten Ordnungsmännern das Weiter- tragen der weißen Armbinden, an denen man bisher keinen An- stoß genommen hat. Die selb st gewählte Polizei wird außer Tätigkeit gesetzt, nur die bewaffnete Diktatur soll gelten! Ob es aber den Vogelfänger ge- lingen wird, durch das Militär- und verstärkte Gendarmerieaufgebot den Streik niederzuwerfen, dürfte bezweifelt werden, doch das eine steht fest: Diese Behandlung vergessen die Maus- selber Bergleute nie mehr. Sie, die bisher als das Muster deutscher Arbeitertreue gepriesen worden sind, werden durch die bewaffnete Macht zur„Ordnung" gebracht, sie, die nie sozial- demokratisch gewählt haben, werden dennoch an dem Tage, wo sie ihre gesetzlichen Rechte fordern, als„innerer Feind" von ihren Brüdern im Waffenrock zü Paaren ge- t r. i e b e n! Der Regierungspräsident, Herr von Hegel aus Merseburg, der Landrat v. H o hs ce aus Ma n s fe l d, der Bürgermeister Hoppmann aus Hettstedt und Dr. Vogel- fang trafen qm 22. nwrgens kurz nach 5 Uhr vor der Kupfer- kammerhütte ein, um sich die„Gewalten" der Streikenden unter dem Schutz der Bajonette anzusehen, mußten jedoch abziehen, ohne auch nur einen Streikenden gesehen zu haben! Nur einen Ordnungsmann hielten sie an und befahlen ihm, die weiße Armbinde abzumachen. Darauf hielten die vier Herren im „Kaiserhof" zu Hettstedt eine längere Konferenz ab, deren Ergeb- nis noch nicht bekannt ist. Später wurden die Herren Kommissare nach Hettstedt beschieden, um Verhaltungsmaßregeln entgegenzu- nehmen. Man vermutet, daß die Verhängung des Belagerungs- zustandeS ins Auge gefaßt worden ist, doch waren am Nachmittag irgendwelche Anschläge nicht bekannt. »> Kündigung der Werkswohnungen. Denjenigen Streikenden, welche Werkswohnungen innehaben, ging folgendes hektographierte Schreiben der Werksverwaltung zu: Mit allen Mitteln der Gewalt scheint man den weißen Schrecken proklamieren zu wollen. „Da sie freiwillig als gewerkschaftlicher Arbeiter ausgeschieden sind, haben Sie die von Ihnen bewohnte gewerkschaftliche Woh- nung, lt. 8 3 Absatz 3 des Mietsvertrages, bis zum 1. Dezember dieses Jahres zu räumen; dieselbe ist vom genannten Zeitpunkt anderweit vermietet, gez. Knank." • Mansfeld, 23. Oktober.(Privatdepesche des„Vor- wärts".) Trotz der Anwesenheit des Militärs im Streik- gebiet ist alles ruhig. Es ist heute nicht das geringste vor- gekommen. Der Streik nahm noch an Umfang zu. Gestern trug sich ein schreckliches Ereignis in Eisleben zu: Fünf Soldaten verhafteten ein Dienstmädchen. Dieses höhnte hier- über:„Ihr seid aber stark!" Die Streikenden halten gerade wegen des unsinnigen Heranziehens von Militär treu zu- sammen. Es streiken rund 80lK> Mann, das sind zwei Drittel der eigentlichen Bergleute._ Zur Bewegung der Holzarbeiter in Südwestdeutschland ist mitzuteilen, daß in den letzten Tagen in allen Orten verhandelt wurde. Die Verhandlungen wurden durch Herrn Stadtsyndikus Dr. Hiller-Frankfurt a. M. in die Wege geleitet. Bekanntlich lehnten die Holzarbeiter in Frankfurt es ab, Forderungen zu stellen, und verlangten von den Arbeitgebern die Grundlage zu Verhandlungen, die diese verweigerten. Herr Dr. Hiller übernahm es dann, diese Grundlage zu beschaffen. Es ergeben sich aber neue Schwierigkeiten daraus, daß seinerzeit die Verhandlungen in Mannheim. Ludwigshafen, Heidelberg und Pforzheim von dem Unternehmerverband unterbrochen wurden, bis der Holzarbeiter- verband sich zu Verhandlungen in Frankfurt bereit erklärte. Da die vom Holzarbeiteverbande geforderte Grundlage für VerHai.d- lungen jetzt vorhanden war, wurden solche für Frankfurt zugesagt, ferner aber verlangt, daß gleichzeitig auch in den anderen Orten die Verhandlungen beginnen sollten. Nach längerem Zögern er- klärte der Arbeitgeberverband sich hiermit einverstanden und wurde in allen Orten gleichzeitig am 19. Oktober mit den Verhandlungen begonnen. Wesentliche Fortschritte haben diese bisher aber nur in Frankfurt gemacht. Ueber das Vertragsschema hat man sich in Mannheim und Frankfurt geeinigt, ebenso über Montagezuschläge, Lohnsicherung der Akkordarbeit, Ueberstundenaufschlag und Ver- tragsdauer. Dagegen ist das Angebot der Arbeitgeber in Mann- heim und Heidelberg bezüglich Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit undiskutabel. In Frankfurt hat Herr Dr. Hiller den Parteien einen Vorschlag unterbreitet, der gegenwärtig diskutiert wird. Danach sollen die Arbeitgeber eine Lohnerhöhung von 4 Pf. pro Stunde während der Vertragsdauer zugestehen. Außerdem soll die Arbeitszeit vom 1. April 1919 ab auf 52 Stunden pro Woche verkürzt werden. Am Montag soll weiter verhandelt werden, und es ist möglich, daß es in Frankfurt bald zur Einigung kommt. th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall l In Mannheim sind die Verhandlungen zunächst unterbrochen, Voch soll auch hier wie in Heidelberg in den nächsten Tagen eine neu» Zusammenkunft der Parteien stattfinden. Die Streikenden und Ausgesperrten sehen der weiteren Eni» Wickelung der Dinge mit Gemütsruhe zu und zeigen dieselbe Ge- schlossenheit, wie Bei Beginn des Kampfes. Während der ganzen Dauer des Kampfes ist auch noch nicht ein einziger zum Arbeits- willigen geworden, trotz aller Lockungen und Versprechungen der Arbeitgeber. Nachdem die Kündigungsfrist abgelaufen ist, sind in Frankfurt von zwei weiteren Arbeitgebern insgesamt 5 Mann ausgesperrt. Das ist der Rest, der noch herauskommt. Die Kraft der Innung ist d�rmit zu Ende.— Zum Abschluß kann es nur in allen Orten zu gleicher Zeit kommen, und da es nicht ausge- schlössen ist, daß die Verhandlungen wieder in die Brüche gehen, ist es dringend notwendig, daß der Zuzug weiter streng ferngehalten wird. Friede in der Schuhindustrie im Maingau. Die Lohndifferenzen der Zuschneider der Frankfurter Schuh- fabrik, A.-G., vormals Otto Herz u. Co., wurden in den zwei- tägigen Verhandlungen der Kommission durch beiderseitiges Ent- gegenkommen beigelegt. Den Zuschneidern wurde auf ihren seit- herigen Stundenlohn den Leistungen entsprechende Zulagen ge- währt. Außerdem wurde eine Kommission aus beiden Parteien bestimmt, die die Akkordfragen beraten und einen Lohntarif ge- meinschaftlich ausarbeiten soll. Die gegenseitig ausgesprochene und angedrohte Kündigung wurde aufgehoben, und somit kommt es auch nicht zu der großen Aussperrung. Gelogen wie gedruckt. Durch die gesamte bürgerliche Presse Deutschlands geht eine Notiz, wonach in Nürnberg als„Leiter der Unruhen", bei denen ein Streikender von einem Streikbrecher er- stechen wurde, der Arbeitersekretär Hermann verhastet worden sei. Die Geschichte ist vollständig erlogen und auf eine Meldung des „Fränkischen Kurier" zurückzuführen, der berichtete, daß der Ver- bandssekretär.Hermann an der Sache beteiligt sei und von der Staatsanwaltschaft gesucht werde, er sei aber„verreist". Es gibt in Nürnberg keinen Arbeitersekretär Hermann, dagegen zwei Ver. bandsbeamte dieses Namens; der eine ist beim Südd. Eisenbahner- verband, der andere beim Fabrikarbeiterverband angestellt. Ersterer war an dem Unglückstage überhaupt nicht in Nürnberg, letzterrv hat mit dem Zusammenstoß nichts zu tun und hat sofort eine Be- richtigung im„Fränkischen Kurier" veranlaßt. Ausland. Der Streik in Winterthur. Von der Firma Gebr. Sulz er wurde dieser Tage eine Ver- sammlung sämtlicher Arbeiter des Betriebes in den Geschäfts- räunien veranstaltet. An der Versammlung durften nur Arbeiter des Betriebes teilnehmen. Ein offenbar von der Geschäftsleitung instruierter Arbeiter schlug eine Resolution vor, die dem Wunsche der Geschäftsleitung, Stellung gegen den Maurerstreik zu nehmen, entsprach. Diese Resolution vereinigte trotz zweimaliger Ab- stimmung kaum 29 Stimmen auf sich. Die übrigen zirka 2299 Ar- beiter stimmten folgender von der Arbeiterkommission deS©e* schäftes vorgelegten Resolution zu: „Die heutige Betriebsversammlung der Arbeiter der Firma Gebr. Sulzer gibt der Hoffnung Ausdruck,, daß es der Firma gelingen möge, ihren großen Einfluß bei den Winterthurer Baumeistern und der Regierung des Kantons Zürich behufs gegen» seitiger Verständigung der beiden streitenden Parteien geltend» zumachen. Im übrigen lehnt es die Arbeiterschaft entschiede» ab, auf die streikenden Maurer einen Druck auszuüben. Die versammelte Arbeiterschaft erklärt, daß ihre Sympathie nach wie vor auf feiten der streikenden Maurer steht, so wie die Sympathien der Firma auf seiten der Bauunternebmer." Herr Nationalrat Sulzer-Ziegler, der seine Metall« arbeiter gegen den Maurerstreik mobil machen wollte, hat nun er- fahren, daß die Solidarität der Arbeiter eine Realität ist, mit der auch die größten Scharfmacher rechnen müssen. Letzte JVacbncbtcn und Depcfcben. Die Flagge purpurrot. Neustadt a. d. H., 23. Oktober.(B. H.) Vor dem Schöffengericht in Neustadt wurde heute vormittag gegen neun Personen verhandelt, welche am Abend der Stichwahl des Reichötagswahlkreises Neustadt widerrechtlich und mit Gewalt in den Turm des Hambacher Schlosses eingebrochen sind, um auf der Zinne desselben eine rote Fahne auszupflanzen und das Schloß zu beleuchten. Die Angeklagten wurden beschuldigt eines Vergehens des erschwerten Hausfriedensbruches. Das Urteil lautete gegen den Anführer Parteisekretär Prosit auS Ludwigshafen auf acht Tage Gefängnis; sechs weitere Angeklagte, die Arbeiter aus Hambach und Neustadt sind, wurden zu je sechs Tagen Gefängnis verurteilt, zwei wurden freige- sprachen._ Eine kleinliche Maßregel. Die FlugmoschinewWtcight- Gesellschaft m. b. H. hat Einspruch erhoben gegen die Einführung von Flugmaschinen nach Deutsch- land, die die Wrightschen Patente verletzen. ES werden hierdurch in erster Linie betroffen die Apparate Lathams, Bleriots und Farmans._ Söhne des Belkes gegen das Volk. Hettstedt, 23. Oktober.(W. T. B.) Die Ruhe im AuSstands- gebiet ist seit dem Eintreffen des Militärs nicht wieder gestört worden, trotzdem sind heute abend aus Halberstadt zwei Schwadro- nen des dortige» Kürassirr-Regiments hier eingetroffen. Zweimal zum Tode verurteilt. Lüneburg, 23. Oktober.(W. T. B.) Der 26jährige Hofbesitzer Wilhelm Baucke auS Klein-Bollensen im Kreise Uelzen, der wegen Ermordung seiner Eheftau und seiner Schwägerin und wegen Meineids angeklagt war, ist vom hiesigen Schwurgericht zweimal zum Tode und wegen des Meineides zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt worden.__ Sie haben sich geküßt. Racconigi, 23. Oktober.(W.T.B.) Bei der Ankunft wurde Kaiser Nikolaus vom König Viktor Emanuel, der mit dem Minister- Präsidenten Giolitti und dem Minister des Auslvärtigen Tittoni auf dem Bahnhof erschienen war. begrüßt. Die Monarchen um» armten und küßten sich._ Die Kretafrage. K-nstantinopel. 23. Oktober.(W. T. B.) Di« türkische Regierung ließ in Athen der griechischenRegierung erklären, daß die Pforte die Zulassung kretischer Abgeord- n e t e r zum griechischen Parlament als casus belli betrachten würde. Die griechische Regierung erwiderte darauf, sie sei bestrebt. diese Schwierigkeit zu umgehen, indem sie mit allen Mitteln den Beginn der Wahlen hinauszuschieben suche, um vorher eine endgültige Lösung der Kretafrage zu ermöglichen. iaul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 5 Beilage«. Kr. 249. N. Jahrgang. i KeilM des, Amiirls" Kerl« KslksdlR Zomtag, 24. Moder 1909. Zum Wahlrechtskampf! freisinnige Heuchelei. Die freisinnige Presse ist nach wie vor krampfhaft be- müht, zu bestreiten, daß der Freisinn für die neuen indirekten Steuern verantwortlich gemacht werden kann. Mit der Miene der gekränkten Unschuld be- teuert sie, daß die Freisinnigen im Plenum des Reichstages gegen Bier-, Tabak- und Branntweinsteuer gestimmt haben. Dabei verschweigt sie aber, daß dies lediglich aus taktischen Motiven geschehen ist. Der Freisinn hat im Reichstage bis zum Ueberdrutz erklärt, daß er mit Vergnügen bereit sei, 400 Millionen Mark indirekter Stenern zu bewilligen» wenn nur in irgendeiner Form auch die Erbschaften über das bestehende Erbschaftssteuergesetz hinaus zur Steuer heran- gezogen würden. Damit war es dem Freisinn bitter e r n st. Das beweist seine Mitarbeit in der Steuer- kommission, die nachstehend nach den amtlichen Akten dargestellt werden soll. Den fmftrm für die ßierfteuer. In der Sitzung der Steuerkommission vom 11. März 1909 verlangte der Abg. Dr. Wiemer direkte Reichssteuern und fuhr dann fort: „Allerdings müßten auch auf dem Gebiete der in- direkten Steuern Opfer gebracht werden. Da werde man an einer Erhöhung der Bierstener nicht vorbeikomme» können.... Die Frage der Abwälzung müßte be- sonders scharf ins Auge gefaßt werden. Er begrüße daher die Vorlage über eine anderweite Eichung." Dieses von dem Abg. Dr. Wiemer so begeistert begrüßte Gesetz sollte die Täuschung des Publikums erleichtern. Das Glas konnte die bisherige Größe haben, nur die Wand wurde dicker und der Boden höher. Das Gesetz er- möglichte die Eichung nach Hundertteilen und verschaffte da- mit die Möglichkeit, in Gläsern, die sich äußerlich von den bisher im Gebrauch befindlichen durch nichts unterscheiden, statt 9,4 nur noch 9,35 Liter zu verabreichen. Diese Möglichkeit hat den Freisinnshäuptling in helle Begeisterung versetzt. Der Freisinn war unter allen Um- ständen fi�r die Erhöhung der Bier st euer. Seine ganze Sorge ging nur dahin, daß von dieser Steuer die Brauereien nicht getroffen werden. Der„Einpeitscher" der Freisinnigen war in diesem Falle der Freisinnige LandtagSkandidat Schriftsteller Schöler, der in dem Korrespondenzblatt einer Organisation von Bier- brauercien die Jntereffen dcS großen Brankapitals in der rücksichtslosesten Form vertrat. Herr Schöler ist Angestellter dieser Organisation. Die Haltung der Freisinnigen war des- halb darauf zugeschnitten, die Brauereien vor Belastung zu bewahren, das Publikum und auch die Gastwirte auf das schärfste zu treffen. Deshalb wollte Abgeordneter Dr. Wiemer die Frage der Abwälzung scharf ins Auge gefaßt haben. In dieselbe Kerbe hieb in der Sitzung vom 12. März 1909 der freisinnige Abgeordnete M o m m s e n. Durch Staffelung der Steuer sollten die kleineren und mittleren Brauereien vor der Konkurrenz der Großbrauereien etwas geschützt werden. Abg. Mommsen meinte dazu: „Die Freisinnigen betrachten die Staffelung lediglich vom Gcsichtspiinlte der Abwälzung der Steuer auf die Konsumenten... Gerade die mittleren Betriebe von 5009 bis 10 000 Doppelzentner Verbrauch hätten durch ihre Konkurrenz die Abwälzung der vor- hergegangenen Biersteuer alif das Publikum verhindert." Ausschließlich das Interesse der Aktionäre der Großbrauereien>var es, das den Freisinnigen als Leitmotiv vorschwebte. Ihre Taktik war gerichtet gegen daS Publikum, gegen die Gastwirte und gegen die kleine« und mittleren Brauereien! Der freiNnn und die Lranntuveinfteuer. Das Monopol, wie es die Regierung ursprünglich der- langt hatte, war in der Kommission gefallen. Man hatte eine Subkommission eingesetzt, die einem Vertreter der Regie- rung den Auftrag erteilte, schleimigst einen neuen Entwurf fertigzustellen. Der neue Entwurf, der auch Gesetz wurde, bedeutet nicht bloß eine erhebliche Mehrbelastung des Verbrauchs, sondern sichert den Schnapsbrenneru auch weiterhin eine Liebesgabe von 50 Millionen Mark pro Jahr. Zu dieser Vorlage erklärte der Abgeordnete Dr. Wiemer in der Sitzung der Kommission vom 23. März 1909: „Man könne sich auf den Boden des Entwurfs stellen und anerkennen, daß damit eine Grundlage für eine Neu- gestaltung geschaffen sei.... Mit 125 M. Verbrauchs- abgäbe und der von ihm vorgeschlagenen Staffel könne man sehr gut auskommen. Dadurch würden die gewünschten 199 Millionen erzielt." Das hauptsächlichste Kampfobjekt bei Beratung dieser Steuer war aber die Liebesgabe. Nach den bestehenden Ver- trägen muß eine gewisse Spannung zwischen dem innerhalb und dem außerhalb des Kontingents hergestellten Spiritus bestehen. Diese Spannung von 20 M. ist die vielumstrittene Liebesgabe. Die mit den süddeutschen Staaten bestehenden Ver- träge wären nun aber in keiner Weise verletzt worden, wenn einer sozialdemokratischen Anregung Folge gegeben und diese Spannung auf 59 Pfennig herabgesetzt worden wäre. Damit wäre die Liebesgabe so gut wie beseitigt gewesen. Das schien dem Freisinn einfach un- gehcncrlich, obwohl seine Vertreter bei jeder Gelegenheit ver- sichern, daß sie die Beseitigung der Liebesgabe wollen! Um den schnapsbrennenden Junkern nicht gar zu wehe zu tun, haben die Freisinnigen auf Nr. 108 der Drucksachen den An- trag gestellt, diese Liebesgabe in Zwischenräumen von fünf zu fünf Jahren immer um fünf Mark zu ermäßigen. Setzt mau voraus, daß der ?llkoholverbrauch nicht wesentlich zurückgeht und somit die Liebesgabe von 50 Millionen bleibt, so hätte der freisinnige Antrag bedeutet: Die Schnapsbrenner erhalten bis 1914 pro 37Vz Millionen, ab 1914 bis 1919 25 Millionen, von da ab IL'/z Millionen pro Jahr an Liebesgabe. Der frei- »sinnige Kampf gegen die Liebesgabe sieht also so aus, daß der Freisinn den Schnapsbrenneru für die nächste» zehn Jahre S1S'/z Millionen Mark Liebesgabe sichern wollte! Der Freisinn und die Tabaksteuer. Die Regierung hatte zuerst die Banderole für Zigarren, nach dem Muster der Banderolesteuer auf Zigaretten, vor- geschlagen. Dafür fand sich keine Mehrheit. Die Sub- kommission schlug dann eine Erhöhung der Steuer auf in- ländischen Tabak und einen Wertzoll auf ausländischen Tabak vor. Gegen diese Vorschläge, namentlich gegen den Wertzoll, hatte sich auch der Freisinn geivendet. Gegen den Wertzoll, dem die Faktura als Grundlage zu dienen hat, namentlich im Interesse der großen Importeure. Dafür lag ein frei- sinnig-uationalliberaler Antrag vor, der viel- genannte Antrag Moinmscn- Weber, der eine Zoll- erhöh un g auf ausländischen Tabak vor- schlug. Einzelheiten interessieren hier nicht, deshalb sei nur kurz angeführt: Die Negierung Ivollte nur aus der Tabaksteuer 70 Millionen ziehen, der Deutsche Tabak- verein, dessen Vorschlag sich zu dem Antrag Mommsen-Weber verdichtete, bot 49 Millionen Mark, der S ch n a p s b l o ck hat dann 43 Millionen Mark beivilligt. Der Freisinn hat also der Regierung mindestens 49 Millionen Mark ans dem Tabak angeboten! Als der Genosse Geyer nun dem Abgeordneten Dr. Wiemer in der Sitzung der Kommission vom 11. Mai 1909 vorhielt, daß er sich in seinem Wahlkreise doch gegen jede Besteuerung des Tabaks ausgesprochen habe, erklärte Herr Dr. Wiemer: „Eine solche Erklärung hätte zwar die sozialdemokratische Partei von ihm ver- langt, er habe sie aber nicht gegeben." Damit steht unwiderleglich fest, daß der Freisinn auch bereit war, die Tabaksteuer zn bewilligen. Was er bot, unterscheidet sich fast nicht von dem, was der Schnaps- block beschloß. Ziehen wir das Fazit: Der Freisinn War bereit, 109 Millionen Mark Bierstener zn bewilligen» nur sollte» die Brauereiaktionäre nicht getroffen werden; der Freisinn War bereit, 19K Millionen Mark Brannt- weinstcner unter teilweiscr Aufrechterhaltnng der LiebcS- gäbe zu bewilligen; der Freisinn War auch bereit, die Tabaksteuer zu bewilligen, und nur ein gütiges Geschick hat ihn daran gehindert, auch noch für die anderen indirekten Steuern einzutreten. Gegen diese akten- massigen Darstellungen sind alle Ablengnnngsversuche umsonst!_ Beamtenfang. Die Lorbeeren, die Herr Schöler sich bei der LandtagZwahl des JahreS 1003 errungen hat, lassen andere FreisinnShelden nicht ruhig schlafen. So leistete sich dieser Tage ein Berliner Freisiniismann, der am Dien-tag als Wahlleiter fungieren wird, den niedlichen Ausspruch: „Für unS handelt es sich jetzt in der Hauptsache darnm, die Beamten zur Wahl zu treiben." Also: dieselben Beamten, die von den„freisinnigen Peltasohn und Genoffen bei der GebaltSregulierung in schmählichster Weise verraten und im Stich gelassen worden sind, die sollen jetzt an den Wahltisch getrieben werden und für den biederen Freisinn stimmen 1 Jetzt begreift man, weshalb die Freisinnigen im preichischen Ab- geordnetenhause fiir die Erhöhung der Gehälter der oberen Beamten und der Pfaffen gestimmt haben. Ihre Kalkulation war die: Haben wir nur die höheren Beamten auf unserer Seite, haben wir uns erst einmal diese verpflichtet, dann können wir die kleinen Beamten schon zwingen, zur Wahl zu gehen, und sie müssen dann freisinnig wählen, da sie ja sozialdemokratisch nicht wählen dürfen! Daö ist ein sehr schlaues Plänchen, zumal da es von Leuten stammt, die zeternd den sozialdemokratischen„Terror" bekämpfen und mit diesem„Terror" ja auch ihren sauberen Mandats- raub begründet haben, Leuten, die überdies porgcben, für das steie Wahlrecht zu kämpfen und die edle Dreistigkeit besitzen, in ihren Flugblättern zu schreiben: „Wer einen Mann sogar dienstlich zu zwingen wagt, entgegen seiner Uebcrzeuguna seine Stimme abzugeben und sonnt das Wahlergebnis z» falschen, der handelt so ehrlos, der verübt eine solch unerhörte Gewalt, daß kein Wort scharf genug erscheint, um das gebührend zu brandmarken, lind Ivclche Gefahren hat das für unseren NcchlSstaat, zu welcher Verwilderung der öffentlichen Sitten muß das führen!" — eine Heuchelei, die natürlich keinen anderen Zweck verfolgt, als die politische Ehrlosigkeit des Freisinns zu verhüllen. Zum Ueber- stütz zeigt die Taktik dieser Leute, wie niedrig die Herren um Fischbeck die unteren Beamten einschätzen: nämlich als eine urteilslose Masse, die nicht den Mut eigener Meinung und Ueberzeugung aufzubringen vermag nnd sich von einer politischen Partei, für die sie nicht die geringste Achtimg haben kann, aus blasser Furcht an den Wahltisch peitschen lätzt. Wir glauben nicht daran, datz cS dem Freisinn gelingt. die untere Beamtenschaft zur Wahl zu treiben. Dazu hat daS Berliner Beamtentum denn doch zn viel Mannesmut und zu viel politische Reife; es wird sich nicht von einer Partei, die so verlottert ist wie die freisinnige, als Stimmvieh behandeln lassen. In den Kreisen der kleinen Beamte» hat der Freisinn allen Kredit verloren; sollten die Fischbeck und Konsorten aber durch Machenschaften irgend welcher Art jenes Kunststück dennoch fertig bringen, so ist ihre noble Handlungsweise ja zum Glück in ihrem eigenen Flugblatt, das wir oben zitierten, treffend genug gekennzeichnet. Freisinnige Wahlmätzchen. Je näher der Termin der LandtagSivahlen heranrückt, desto katzenjämmerlicher wird die Stimmung, die sich der Redaktion des führenden Blattes der Freisiimigen Volkspartei in der Zimmerstratze bemächtigt. Jetzt spekulieren die Fischbeck, Wiemer, Kopsch sogar ans die Dummheit der Wähler, das einzige Mittel, das ihnen in ihrer Verzweiflung noch übrig geblieben zu sein scheint. In einem Artikel„Die Sozialdemokratie im Ab- geordneten Hanse" bemüht sich die»Freis. Ztg." allen Ernstes nachzuweisen, datz die sieben Sozialdemokraten im Landtage nichts g e l e i st e t, datz sie vor allem nicht genug Anträge ein» gebracht haben. Wissen die Redakteure der„Freis. Ztg." nicht, datz zur Einbringung von Anträgen 15 Unterschriften erforderlich sind, datz aber die sozialdemokratische Fraktion noch nicht über die Hälfte dieser Unterschriften verfügte? Wissen sie nicht, datz die Sozialdemokraten zu Beginn der vorigen Session den Führer der Freisinnigen, den Abg. F i s ch b e ck, ersucht haben, einem alten parlamentarischen Brauche entsprechend, ihnen die fehlenden Unterschriften zu verschaffen, datz aber Herr Fischbeck nach Rücksprache mit seinen Freunden dies Ansinnen abgelehnt hat und datz die Freisinnigen einzig und allein den Antrag auf Haftentlassung Liebknechts unterzeichnet haben? Unter solchen Umständen»vor, zumal da auch die Polen die gleiche ablehneude Haltung einnahmen wie die Frei- sinnigen, den Sozialdemokraten die Möglichkeit zur Ein» reichung selbständiger Anträge genommen, sie mutzten sich ans Amendements zu Gesetzesvorlagcn und Anträge» anderer Fraktionen beschränken, nnd das haben sie in reichem Masie getan. Die Redaktion der„Freis. Ztg." behauptet, sie habe sich die Mühe gegeben, die dicken Folianten des Abgeordnetenhauses zn wälzen, aber nur wenig sozialdemokratische Anträge darin gesunden; im einzelnen zählt sie Anträge auf Aendcrnng der Einkommensteuer» gesctznovelle, aus Einführung von Banlontrolleuren, ans Heran» ziehnng von Arbeitern, Aerztcn und Frauen zur Ge- Werbeinspektion, auf Einwirkung der Armenunterstützung auf öffentliche Rechte nnd auf Einführung einer einheitlichen Gcmcindcordnung für die ganze Monarchie auf, nnd sie fragt wehmütig, ob cS deshalb nötig war, Sozialdemokraten für das Abgeordnetenhaus zu wühlen. Natürlich verneint sie diese Frage mit dem Hinweis darauf, datz diese Materien schon von anderen Parteien angeschnitten sind. Abgesehen davon, datz daS n i ch t w a h r ist und abgesehen da« von, datz die Sozialdemokraten noch zahlreiche andere An» träge gestellt haben— es sei nur an die Anträge zur Berg- g e s e tz n o v e l l e, zur Aenderung des E i n k o m m e n- nnd Ergänzungssteuergesetzes, zur BesoldungSrcform und anderes mehr erinnert— ganz abgesehen davon sollte doch auch die Redaktion der„Freis. Ztg." wissen, daß die Tätigkeit von Ab» geordneten nicht allein eine positive, sondern auch eine negative ist, insofern, als sie zu gegebener Zeit auch imstande sein müssen, Nein zu sage». Sollten die Redakteure der„Freis. Ztg." das nicht wiffcn, so mögen sie einmal eine ini Verlage der„Freis. Ztg." erschienene Broschüre lesen, worin cS heißt: „Ein Abgeordneter muß aber auch Nein sagen könne». Um Jasager nnd Nickeinänner zu versammeln, sind die Parlamente nicht geschaffen. Wen« cS gegen die Neber- zeiigung geht, Ja zn sagen, ist das Reiusagen Pflicht für die Abgeordneten. N»d diese Pflicht muß nm so öfter geübt werden, wenn die ganze Grundrichtung der herrschende« Aiischannngen eine für das VoltSwohl nachteilige ist." Datz die sozialdemokratischen Abgeordneten diese Pflicht erfüllt haben, wird niemand bcstreilen können, sie haben all daS abgelehnt, was die Freisinnigen in ihrer Blockftimmung unter Preisgabe ihrer früheren Grundsätze bctvilligt haben, und sie haben sich dadurch ein Verdienst um das Volk erworben! Wenn weiter der„Freis. Ztg." die sozialdemokratischen Reden im Abgcordnctenhause nicht gefallen, so beweist das nur, datz unsere Genossen das Nichtige getroffen haben. Jede einzelne sozialdemo» kratische Rede im Landtag enthält weit mehr Anregungen als die Reden aller Freisiimigen zusammengenommen. AuS der„Freist Ztg.", deren parlamentarischer Bericht die sozialdemokratischen Reden ver- stllmmelt und absichtlich tendenziös und entstellt wiedergibt, kann man sich darüber freilich nicht orientieren. Vor allem aber vergesse man zwei Dinge nicht: Einmal waren die Sozialdemokraten gezwungen, einen Teil ihrer Arbeitskraft darauf zu verwenden, um die Angriffe der Freisinnigen abzuwehren und ihre Mandate zu behaupten, sie kämpfte» vom ersten Tage ab einen Kamps um ihre Existenz, einen Kampf, den ihnen freisinnige Niedertracht und freisinnige Unvernunft anfgezwungen hatte» und zweitens besteht die Hauptaufgabe einer hoffnungslosen Parlaments» Minderheit vor allem in der Kritik. Dieser Pflicht sind die sozial- demokratischen Abgeordneten in vollem Matze nachgekommen, sie haben wuchtige Kritik geübt nicht nur an dem herrschenden System, sondern auch an dem Verhalten des volksvcrrätcrischcn Freisinns! Mag die„Freis. Ztg." auch noch so erbost sein über die sozial- demokratische Fraktion, das Volk ist mit seinen Vertretern zufrieden. Den Beweis dafür wird der 20. Oktober bringen! Der Freisinn zittert vor der Abrechnung, wir aber gehen dem Tage der Abrechnung voller Zuversicht entgegen I_ Im LandtagsWahlbezirk Berlin VI hatte der Freisinnskandidat Grotzdcstillatcur Max Schulz bisher nur in kleinen Kouventikcln seiner Unentwegten gesprochen, am Freitag aber zeigte er sich auch mal einem größeren Publikum. In der Versammlung liberaler Wähler, vor der er auftrat, war auch eine beträchtliche Zahl von Sozialdemo- k r a t c n erschienen, die den Freisinnigen den Saal füllen halfen. Die Freisinnigen wissen derartige Liebesdienste zu schätzen, weil ein boller Saal Eindruck macht. Noch mehr erfreut es sie, wenn die anwesenden Sozialdemokraten gegen die Anpöbelungcn, die irgendeiner der freisinnigen Redner ihnen ins Gesicht schleudert, mit erregten Zwischenrufen sich wehren. Das bot schon manchem FrcisinnSmauIheldcn den erwünschten Anlaß, nun in der dein Zwischenrufer gegebenen Antwort sich erst mit seiner ganzen Knotig» keit zn geigen. Am Freitag war es der Abgeordnete, Gemeindcschnlrektov Kopsch, der durch seine komisch-wütigen Deklamationen gegen die Sozialdemokratie einige noch Unerfahrene in Erregung ver- setzte. Zwischenrufcr wurden dann von ihm abgefertigt mit Worten wie ,.d u m m",„k i n d i s ch",„u n h e i l b a r" usw. Man braucht kein Wort über die sattsam bekannte Manier des Herrn Kopsch zu verlieren, sie richtet sich selber. Aus dem breiten Phrasen- schwall, mit dem er für den Liberalismus warb, wollen wir nur einen einzigen Punkt herausheben. Herr Kopsch sprach mit Eifer von der Notwendigkeit, der Schule die Religion zu er» halten. Warum? In Berlin VI braucht der Freisinn seinen Kampf, der im übrigen aussichtslos ist, nur nach links zu führen. Da versucht crs dann, auf die rechtsstehenden Gruppen der Wählerschaft zu wirken, die ja keine eigene Kandidatur haben. Die Religion ist der Köder, den der Liberalismus ihnen hinwirft, in Bec Hoffnung, daß sie anbeißen werden. Das Drollige dabei ist, daß just Herr Max Schulz allezeit sich als Vertreter des kirchlichen Liberalismus gegeben hat. Herr Kopsch schien in seiner Tapsigkcit übersehen zu haben, daß er sich da in einen Gegensatz zu dem Freisinnskandidaten Max Schulz brachte. Er empfahl ihn den rechtsstehenden Wählern mit einer Forderung, die sonst wohl kaum auf dem Programm des Herrn Schulz steht. Schulz selber berief zu seiner Empfehlung sich darauf, daß man ihn früher mal den„roten Max" genannt habe. Soll das ge- nügen, die Arbeiter auf den Leim zu locken? In der Dis- kussion wurde von einem unserer Genossen überflüssigerweise Herrn Kopsch und den Seinen gesagt, was ihre Angriffe auf die Sozial- demolratie wert sind. Das ist diesem Herrn Kopsch schon oft gesagt worden, aber er kann seine Deklamationen auswendig. darum kriegt man sie Wort für Wort immer wieder zu hören. Gegen Ende der Versammlung wurde bedauert, daß im Reichstagswahlkreis Koburg die Stichwahl mit einem Sieg der Sozialdemokratie geendet habe. Ein Genosse, der noch zu später Stunde den Saal betrat, brachte die Nachricht. Sie verbreitete sich rasch und plötzlich erhob sich im Hintergrund der Ruf:„Hoch Zietsch!" Die Liberalen antworteten mit höhnendem Gelächter, weil sie im ersten Augenblick einen Sieg der Sozialdemokratie in Koburg für unmöglich hielten. Eine laute Stimme rief durch den Saal:„In Koburg Zietsch ge- wählt!" und wieder erscholl es:„Hoch Zietsch!" Das Lachen verstummte, und die Gesichter der Liberalen begannen sich zu ver- längern. Herr Kopsch beeilte sich, sein Schlußwort zu Ende zu bringen. Viele seiner eigenen Parteifreunde verzichteten darauf, den paar Sätzen noch zuzuhören und drängten zum Aufbruch. Unsere Genossen taten desgleichen und verließen den Saal mit der humorvollen Ankündigung:„Schlußwort am Dienstag!" Die Demokratische Vereinigung hatte zu Freitag abend zwei öffentliche VolkSversamm- l u n g e n einberufen, in welchen die Herren Dr. Rudolf Breit- scheid und Oberst a. D. G a e d k e über die bevorstehenden Land- tagswahlen referierten. An der Diskussion beteiligten sich auch die foziahdemokratischen Kandidatens Beide Ver- sammlungen, die sich eines guten Besuches erfreuten, nahmen ein- stimmig folgende Resolution an: „Die von der Demokratischen Vereinigung einberufene Versammlung spricht die Hoffnung aus, daß ehrlich liberale Elemente nicht die Hand dazu bieten, daß den Sozialdemo. kraten bei den bevorstehenden Ersatzwahlen zum preußischen Abgcordnetenhause die vier Mandate, die sie bei den Haupt» Wahlen errungen haben, wieder entrissen werden. Sie er- achtet die Art und Weise, in der die Freisinnige Volkspartei bei der Kassierung der Wahlen vorgegangen ist. für un- würdig und erwartet, daß die Wähler diese kurzsichtige und engherzige Mandatspolitik nicht unterstützen werden. Die Mitglieder der Demokratischen Vereinigung in- sonderheit fordert sie auf, ihre Stimmen für die sozialdemo» kratischen Wahlmänner abzugeben, ohne Rücksicht auf die Differenzen, die sie von den politischen und wirtschaftlichen Auffassungen und Endzielen der Sozialdemokratie trennen. Sie ist überzeugt, daß diese Abstimmung zugleich eine wirkungsvolle Demonstration fürdie Ein- führung des allgemeinen, gleichen, direk- ten und geheimen Wahlrechts in Preußen bedeute t." Gleichzeitig erläßt der„Demokrat" folgenden Aufruf: „Wir erwarten, daß alle Mitglieder der Demokratischen Vereinigung im Sinne dieser Resolution handeln werden. Wer es wegen seiner Stellung als Beamter oder seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit für unmög- l i ch hält, für die sozialdemokratischen Wahl» männer zu stimmen, der tut am besten, am Wahltage zu Hanse zu bleiben."_ Sozialem Praktiken in der BerficheruagSbranche«nd solche des Berliner Magistrats beschäftigten die letzte Sitzung des Ausschusses de» Berliner Kauf- mannsgerichts. Zur Beratung gelangte in dieser Sitzung folgender, am 18. Dezember vergangenen Jahres von Handlungsgehilfenbeisitzern gestellter Antrag: „Das KaufmannSgericht wolle an das Reichsamt des Innern die Bitte richten: Ein hohes ReichSamt des Innern wolle die erforderlichen Schritte unternehmen, um eine Aenderung des Handelsgesetzbuches durch Aufnahme folgenden Passus in die Wege zu leiten: Bezieht der Angestellte festes Gehalt oder em garantiertes Mindesteinkommen aus Provisionen, so sind Ver- einbarungen nichtig, nach denen während der Kündigungszeit nur die verdienten Provisionen zur Auszahlung kommen sollen." Der Antrag richtet sich in der Hauptsache gegen diejenigen Versicherungsgesellschaften, die durch hochtönende Inserate Stellung. suchenden die größten Versprechungen machen, sie engagierten, aber. nachdem diese in ihrem Bekanntenkreise Aufträge für die Gesell- schaft gebracht haben, kündigen. Während der Dauer der Kündi- gung, welche ein bis zwei Monate beträgt, erhalten die Agenten kein Gehalt mehr, sondern sind lediglich auf Provision gestellt. Also: wenn sie während der Kündigungszeit noch Aufträge bringen. werden ihnen diese honoriert, bringen sie keine, erhalten sie nichts. Durch Konventionalstrafen werden sie aber verpflichtet, für keine andere Gesellschaft tätig zu sein. Um sich ein klares Bild über die Zustände in der VerstcherungS- branche zu machen, waren Auskunftspersonen geladen, welche tn der Sitzung sich zu dieser Frage äußerten. Der Versicherungsgesellschaft Viktoria wurde der Vorwurf ge. macht, daß sie in hervorragendem Maße diesen verwerflichen Prak- tikcn huldige. Die anderen Gesellschaften hätten ihre Verträge zum Teil dieser Gesellschaft nachgebildet. Während die 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts sich in einem Prozesse gegen die Viktoria auf den Standpunkt gestellt hat, daß solche Verträge gegen die guten Sitten verstoßen, daher nichtig sind, entscheidet die 4. Kammer stets im entgegengesetzten Sinne. Sie hält die Ver- iträge für gesetzlich zulässig. Ein zunächst als Gutachter vernommener Drrekt-r der Biktoriagescllschaft bestritt, daß der gerügte Vertrag bei seiner Gesellschaft noch zur Anwendung komme. Seit dem 1. Mai d. I. seien die Verträge abgeändert. Es werde jetzt denjenigen Agenten, welche sich verpflichten, für keine Konkurrenzgesellschaft tätig zu sein, sogar doppelte Abschlußprovisionen gezahlt. Der Gutachter führt Entscheidungen des Landgerichts an. welches die Verträge für rechtsgültig erklärt und zum Schutze der Gesellschaft für not- wendig hält. Nach seiner Darstellung bringen von den gekündigten Inspektoren 61 Proz. überhaupt keine Aufträge mehr und arbeiten für andere Gesellschaften oder— das sei schwer kontrollierbar— tun überhaupt nichts mehr. Zwei Direktoren anderer Gesellschaften halten die Klausel teilweise für notwendig, weisen aber darauf hin, daß zu viele Neulinge der Versicheru»gsbranche zugeführt würden. Bei diesen sollte die Klausel nicht angewendet werden; diese sollten vor allen Dingen erst einmal eine Probezeit von 2— 3 Monaten bestehen, um angelernt zu werden. Drei Generalagenten wandten sich in ihrem Gutachten gegen die Klausel und verurteilten die Inserate in den Tageszeitungen, welche immer mehr Personen für das Versicherungsfach, teilweise unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, anlockten. Der Direktor der Viktoria verwahrt sich dagegen, daß diese Inserate von seiner Gesellschaft ausgehen, dieselbe sei, wenn von ihren Generalagenten derartige Inserate erlassen seien, hiermit nicht einverstanden gewesen. Zum Schluß wurden drei Angestellte von BersicherungSgefell- schaffen gehört. Sie verurteilen einmütig die Klausel. Sie führten aus: wenn die Gesellschaften die Inspektoren zwinge, während der Kündigungsfrist zu arbeiten, müsse» diese auch gezwungen werden, dafür zu bezahlen. Ein Angestellter teilt mit, daß bei einer Ge- sellschaft lTeutonia) 16 verschiedene Verträge für die Inspektoren existieren. Er sei, trotzdem er die erforderliche Summe an Ver- sicherungcn in 3 Monaten(46060 M.) gebracht hatte, durch Mani- pulationen eines Direktors der Gesellschaft um das vereinbarte Gehalt gebracht worden. Ein anderer Angestellter führt gegen die Klausel an, daß der Angestellte, wenn er nur auf Provision ge- stellt wird während der Dauer der Kündigung, nicht mehr als Handlungsgehilfe, sondern als Agent zu erachten sei. Die Klausel verstoße gegen den Zweck des 8 67 des Handelsgesetzbuches, denn sie räume dem Arbeitgeber einseitig Vorteile gegenüber dem wehr- losen Angestellten ein. Die Verhandlung gestaltete sich zu einer Anklage gegen die- jenigen Versicherungsgesellschaften, welche sich ihren Angestellten gegenüber derartiger Praktiken bedienen. Von einem Teil der Kaufleutebeisitzer wurde angeregt, die Klausel wenigstens für die Dauer von 3 Monaten zuzulassen, damit schiffbrüchigen Existenzen Gelegenheit gegeben werde, sich durch Arbeiten für Versicherungsgesellschaften noch eine Zeitlang über Wasser zu halten. Der Beisitzer Singer führte demgegenüber aus, daß, wenn die Kaufleute erkannt haben und zugeben, daß die Klausel ver- werflich sei, diese auch unter allen Umständen beseitigt werden müsse; er empfahl, den Antrag einstimmig anzunehmen. Bei der Abstimmung wird der oben wörtlich mitgeteilte Antrag einstimmig angenommen. Angenommen wurde ferner ein Antrag beS Vertreters beS Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands, die Verhandlungen über diesen Antrag dem kaiser- lichen Auffichtsamt für Privatversicherung zugchen zu lassen. Einem weiteren Antrag desselben Beisitzers, den Magistrat von Berlin zu ersuchen, sämtlichen Beisitzern deS Kaufmanns- gerichts den jährlich erscheinenden Geschäftsbericht des Magistrats über die Kaufmannsgerichte zuzustellen, wurde gleichfalls zuge- stimmt. Der Vorsitzende gab bekannt, daß der Antrag deS Ausschusses, den Mitgliedern die Protokolle der Ausschußsitzungen zu übermitteln, vom Magistrat aus SparfamkeitSrllcksichten abgelehnt ist. Nach durchweg abfälliger Kritik dieser engbrüstigen Entscheidung deS Magistrats beschloß der Ausschuß einstimmig, erneut den An- trag zu stellen, da die Protokolle für die Ausschußmitglieder un- entbehrlich sind. Sollte der Antrag abermals Ablehnung erfahren, so wäre eine Petition des Ausschusses an die Stadtverordneten- Versammlung am Platze. Zum Arbeiterinnenschntz. Nach§ 137 der Gewerbeordnung dürfen Arbeiterinnen in Fa- briken nicht in der Nachtzeit von 8i4 Uhr abends bis Wz Uhr morgens und am Sonnabend sowie an den Vorabenden der Fest- tage nicht nach bMi Uhr nachmittags beschäftigt werden. G. war sowohl vom Schöffengericht als auch von der Strafkammer ver- urteilt worden, weil er in seiner Wäschefabrik am Vorabend des Karfreitags Arbeiterinnen noch nach Ws Uhr beschäftigt hatte. Die betreffenden Frauen waren damit beschäftigt worden, die Wäsche zu sortieren, zu verpacken und diese dem Kutscher nebst den Rech- nungen zu übergeben, damit letzterer die fertige Wäsche den Kunden zufahre und das Geld einziehe. Die Strafkammer führte u. a. aus. es handele sich vorliegend ohne Zweifel um einen Fabrik- betrieb, in welchem Dampfmaschinen zum Reinigen der Wäsche ver- wendet würden. Die Frauen, welche mit dem Sortieren und Ver- packen der Wäsche und mit der Ausstellung der Rechnungen be- fchäftigt würden, seien nicht als Handelsgehilfinnen, sondern als gewerbliche Arbeiterinnen anzusehen, welche unter 8 l37 der Ge- Werbeordnung fallen; die Tätigkeit der erwähnten Frauen sei keine kaufmännische, sondern eine technische gewerbliche Tätigkeit. Das Kammergericht wies dieser Tage die Revision deS Angeklagten als unbegründet zurück, da die Vorentscheidung ohne Rechtsirrtum er- gangen sei. Bedenkensfrei sei festgestellt, daß die betreffenden Frauen nicht Handelsgehilfinnen, sondern gewerbliche Arbeite- rinnen seien, da sie eine gewerblich-technische Tätigkeit ausübten. Nichtigkeit eines Lehrvertrage». Der Lehrling P. klagte gestern im Beistand seines Vaters vor der 8. Kammer des GewerbegericktS gegen den Bandagisten Ernst Hempel. Er beantragte, den Beklagten zu verurteilen, in die Lösung des Lehrverhältnisses zu willigen und das Lehrgeld im Betrage von 266 M. zurückzuzahlen. Der Klageantrag wurde damit begründet, daß Beklagter zur Ausbildung von Lehrlingen nicht befähigt sei und die Ausbildung deS Klägers infolge dieses Umftandes und des beständigen ArbeitSmangels eine ungenügende und einseitige sei. Das Gericht erklärte den Lehrdertrag mit Recht ohne Beweis- aufnähme aus einem formalen Grunde für nichtig und verurteilte den Beklagten zur Rückzahlung des Lehrgeldes. Die Ungültigkeit des Lehrvertragcs lag vor, weil er der von dem Gesetz vor- geschriebenen Form ermangelte(8 125 B. G.-B.) Nach 8 l26d der Gewerbeordnung muß der Lehrvertrag vom Gewerbetreibenden (oder besten gesetzlichen Vertreter), vom gesetzlichen Vertreter deS Lehrlings und vom Lehrling selbst unterschrieben sein. Die vor- gelegten Verträge entbehrten der Unterschrift des Lehrlings. giis cler fraucnbewccfiing. Charlottenlmrg. In einer am letzten Dienstag abgehaltenen Versammlung der weiblichen Wahlvereinsmitglieder hielt Genossin Jeetzc zunächst einen interessanten Vortrag, in dem sie die Forderung der Frau auf volle politische, wirtschaftliche und rechtliche Gleich- berechtigung aus der ökonomischen EntWickelung rechtfertigte. Eine Anregung, bei der am 18. November stattfindenden Stadtverord- netenwahl kräftig mitzuarbeiten, fand allseitig freudige Zu- stimmung. Beschloffen wurde sodann, in Zukunft in jedem Monat, und zwar jedesmal am letzten Mittwoch, eine Versammlung abzu- alten, die lediglich der Belehrung der Genossinnen dienen soll. Die isher in den verschiedenen Bezirken abgehaltenen Leseabende sollen aufgehoben werden. Genossin Dr. Sußmann erbot sich, für Genossinnen, die ein Interesse an Erziehungsfragen haben, einen LehrkursuS abzuhalten, was freudig begrüßt wurde. Leseabende. Schöneberg. Montag, den 25. Oktober, 8� Uhr, in den bisherigen Lokalen. Die Frauen und Genossinnen deS Fried enauer OrtsteilS treffen sich bei Fritsch, Sticrstraße. Genosse Dr. Röder hält einen Vortrag über:„Blutungen". Rixdorf. Montag, den 25. Oktober, 8% Uhr, tn den bekannten Lokalen. Thema:„Unsere Kinder und die Volksschule." Lichtenberg. Montag, den 25. Oktober. Vortrag:„Unsere Aufgabe in der Kindcrschutzkommission." Refereiilin: Genossin M i r u s. Treptow-Baumschulenweg(Ortsteil Baumschulenweg). Montag, den 25. Oktober, Wz Uhr, im Restaurant von K ä d i n g, Baumschulenstr. 67. Bvrsigwaldc-Wittenau. Montag, den 25. Oktober, im Lokal von Wilh. Schulze. Schubartstr. 39. Vortrag. Stralau. Montag, den 25. Oktober, abends 8 Uhr, bei Käser, Mark- grafendamm l l. Vortrag der Genossin Bvhm-Schuch:«Sexuelle Fragen und Kindererziehung". Rummelsburg. Montag, den 25. Oktober, bei Blume, Alt-Box- Hagen 56, bei Herweg, Grünbcrger Straße 16 und bei Weigel, Türrschmidtstr. 45. Vortrag:„Die Frau als politische Kämpferin."_ Gcricbtö-Zcitunge Zum Kindesraub derer von Richthofen. Dem Bevollmächtigten der Gräfin Pfeil ist es gelungen, den Aufenthalt der Kinder der Gräfin ausfindig zu machen. Sie sind durch die von Richthofens bei einer Frau von Tschammer in DromS« dorf bei Strregau untergebracht worden und befinden sich wohl. Das Amtsgericht in Graudenz hat auf Ersuchen des früheren Pflegers Ernst v. Richthofcn(Mitglied des preußischen Abgeord» netenhauses) einstweilig die Vollstreckung des aus Herausgabe der Kinder gerichteten AmtSgerichtsbeschlusses ausgesetzt. Mithin haben in dieser Komödie gegen die Justiz die von Richthofen einstweilen gesiegt. Der Staat hat vor dem vereinten Vorgehen des Abgeord- nctenhausmitgliedes Ernst von Richthofen, des Amtsvorstehers Gotthardt von Richthofen, des stellvertretenden Amtsvorstehers und Reichstagsabgeordneten von Richthofen sowie einer Reihe anderer an der Auflehnung gegen den Amtsgerichtsbeschlutz beteiligter Mit- glider der Familie von Richthofen vorläufig kapituliert. Interessant ist, daß vre Sequestern des Freiherrn Ernst von Richthofen, denen dieser die Fürsorge für die beiden Kinder anvertraut hatte, be- trächtliche Pflegegelder aus dem Vermögen der Mutter erhalten» der die Kinder vorenthalten sind. Verbirgt eine Arbeiterin ein ihrer Fürsorge entzogenes Kind, das au» der Pein der Fürsorgeanstalt in das Elternhaus geflohen ist, so wird sie mit schweren Gefängnisstrafen belegt. Die gemein- schaftlichen Bemühungen der einflußreichen Familie von Richthofen, einer Mutter ihre Kinder vorzuenthalten, haben bislang weder zur Fortnahme der Kinder noch zur Bestrafung der hochadligen Familiensippe geführt. Und sie gehören dem Namen derer an. die bei jeder unpassenden Gelegenheit Arbeitern gegenüber be- wnen, die Autorität deS Staates müsse aufrecht erhalten und ge- schützt werden._ Die Unstimmigkeiten im Hause Wertheim bildeten den Hintergrund einer Privatklage, die der Inhaber des neubegründeten Warenhauses W. Wertheim, der Kaufmann Wvlff Wertheim gegen den Herausgeber drr„Militär.-politischen Kvrre- spondcnz". Otto von Löhberg, angestrengt hatte. Sie beschäftigte gestern dag Schöffengericht Bcrlin-Mitte. In einem am 24. Mai dieses Jahres in der„Dortmunder Zeitung" erschienenen Berliner Feuilleton hatte der damalige Berliner Korrespondent dieses Blattes, der jetzige Beklagte von Loßberg. die für die Oeffent- lichkeit sehr gleichgültig« Behauptung aufgestellt, daß zu dem Zwist. der zwischen den drei Brüdern Georg, Franz und Wilhelm Wert- heim und dem Herrn Wolfs Wertheim obwaltete, die Gattin des letzteren einen nicht unerheblichen Teil beigetragen habe. Wolff Wertheim habe ferner den Messelbau in der Leipzigerstraße nickst ganz freiwillig verlassen, sondern sei hinauskomplimentiert worden. ES wurde ferner behauptet, daß bei dem neuen geschäftlichen Unter- nehmen Wolfs Wertheims in der Potsdamer Straß« der wegen Siitlichkeitsverbrechcns bestrafte bekannt« Bankier Sternberg finanziell beteiligt sei. Durch diesen Artikel fühlte sich Wolff Werthcim beleidigt und stellte gegen von Loßberg Strafantrag. In der gestrigen Verhandlung bestritt der Beklagte, irgendwie die Absicht einer Beleidigung gehabt zu haben. Er habe nur eine humoristische Schilderung der„Palastrevolution" im Hause Wert- beim geben wollen und sei des Glaubens gewesen, daß er Herrn Wölfs Wertheim mehr Freude als Aerger mit seinem Artikel be» reiten würde. Als er erfahren habe, daß er das Gegenteil herbeigeführt hatte, habe er sich sofort bei Herrn Wertheim entschuldigt und sein Bedauern ausgedrückt. Mit der von ihm erwähnten Be- teiligung des Bankiers Sternberg habe er nur sagen wollen, daß dieser früher der Geldgeber für den ursprünglichen Bau(Alt- Bayern) gewesen sei.— Justizrat Gotthelf als Vertreter des Klägers erklärte vor Gericht, daß der Bankier Sternberg weder Eigentümer des Grundstückes sei, noch Hypotheken darauf habe und daß Herr Wolff Wertheim ihn auch gar nicht kenne. Das Gericht hielt eine Beleidigung für vorliegend. Mit Rücksicht darauf, daß von Loßberg nicht etwa die Absicht gehabt habe, bloßzustellen. sondern nur eine interessante Nachricht habe mitteilen wollen, er- kannte das Schöffengericht auf nur 166 M. Geldstrafe. Wegen Feilhaltung verdorbener Knoblauchwürste ist am 18. Juni vom Landgericht ll in Berlin drr Kaufmann Rudolf Gericke in Charlottenburg zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Am 13. März wurde sein Laden durchsucht und es fanden sich, ziemlich hoch hängend, vier verdorbene Knoblauchwürste vor. deren Genuß nach dem erstatteten Gutachten geeignet war. die menschliche Gesundheit zu schädigen. Der Angeklagte behauptete. sie seien gar nicht zum Verkauf bestimmt gewesen, doch wurde ihm das nicht geglaubt.— Auf seine Revision hob am Freitag das Reichsgericlst das Urteil auf, weil das Landgericht in keiner Weise festgestellt hat, daß der Angeklagte die Gesundheitsschädlichkeit der Wurst gekannt hat._ Wahrnehmung berechtigter Interessen durch GewerkschastSbeamte. Das Reichsgericht machte in einer am Freitag gefällten Eni- scheidung gegen die Verletzung des Rechts der Gewerkschafts« schaftsbeamten, Beistand zu leisten, Front. Vom Landgerichte Osnabrück ist am 25. Mai der Arbeiter- sekretär Karl Thirlemann wegen Beleidigung der Inhaber der Firma R. in B. zu 50« M. Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte als Gewerkschaftsbeamter vier Arbeiter der betreffenden Fabrik zu einer Besprechung eingeladen und ihnen als wirksamstes Mittel gegen die Ausbeutung die gewerkschaftliche Organisation emp- fohlen. Dabei soll er die Beleidigung begangen haben.— Auf seine Revision hob das Reichsgericht das Urteil auf. weil dem An- geklagten zu unrecht der Schutz des 8 163 nicht zugebilligt worden ist. Zentral-Kranken- und BegrübniSkasse für Frauen und Mädchen Deutschlands(«. H. 26), Offenbach a. M. Verwaltungsstelle Berlin I. Morgen Montag, abends«>/, Uhr, im Saal 3 des G-werkichaslshauseS. Engelufcr IS: Hauptversammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht vom 2. und 3. Quartal ISOS. 2. Vortrag des Herrn Dr. med. Vallentm über: „Was die Mutter von ihrem Kinde wissen soll». 3. Fragebeantwortung. 4. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Allgemeine Faniilicn-Ztcrbctasie. Heute Zahltag Ackerstr. 123 bei Wernlckc und Mariannenstr. 49 bei Ncumann von 3—6 Uhr. Ardeiier-Abstinentenbund Deutschlands, Bezirk Lichtenberg. Morgen Montag, abends 8'/, Uhr. findet eine öffentliche Versammlung im .Schwarzen Adler», Frankfurter Chaussee. Ecke Gllrtelstratze. statt. Vortrag deS Genossen August Neumann über:.Kamps dem Allohol». ßriefbaftcn der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten die»och während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben wollen uns wegen der Uebcrweiiung von Freiexemplaren sofort tdre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern deS neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu«ingesandt werden. Für den Inlialt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. ÜKeater. (Siehe Woche»- Spielplan.) Sonntag, den 24. Oktober, nachmittags 3 Uhr! Freie Volksbühne. Neues Schau- spielhaus. IS. Abteilung: GhgcS und sein Ring. Herrnseld-Tbeater. 8. Abteilung E F und S Abteilung ad: Vater und Sohn. Thalia-Theater. it. Abteilung b o d e und 3. Abteilung a: Der Eisgang. Montag, 25. Ottober, 3 Uhr: 17.(IV.) Abendabteilung im Neuen Schauspielhaus: Der Dummkops. Neue Freie Volksbühne« 24. Okt., nachm. 2'/, Uhr, im: Deutschen Theater: Fiesko. «kammerspielhaus: Clavigo, Nachm. 3 Uhr: Neuen Theater: Ackermann. Kleinen Theater: 2 X 2— 5. Metropol> Theater: Lumpacibaga- bundus. Neue» Operetten- Theater: Der Zigeunerbaron. Schiller-Theater O.: Macbeth. Schillcr-Tyeater Charlodcnburg: Die Welt, in der man sich langweilt. Friedr.-Wilhelmstädt. Schauspielhaus: Othello. Sebbcl-Theater: RebolutionShochzeil. erliner Theater: HerodeS und Mariamne. Kgl. Hochschule sür Musik: 2.Kammer. musikabcnd. Liesslng-Theater. 8 Uhr: Die Weber. L Uhr: TantriS der Narr. Montag, 8 Uhr: Die Gefährtin. Hierauf: HauueleS Himmelfahrt. berliner T'Keatei*. Nachm. 3 Uhr: Herodes u. Mariamne. Heute 8 Uhr: Alpenkönig und ivtenschenfeind. Neues Theater. Abends 0 Uhr: M II« des Tartie. Donnerstag'/,8 Uhr zum erstenmal: Der letzte Kaiser. Tlieater des Westens. Abends 8 Uhr: Die gesell tedeno Fr an. Sonntag nachm. 31/« Uhr: Die Inntlge Witwe._ Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr; Die blaue Maus. Abends 8 Uhr: Man soll keine Briefe schreiben. Aienett Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Heute und jolgcnde Tage: Der arme �onatkan. FriedriGh-Wiltietoistädlischss Schauspielhaus. Sonntag, 24. Oktober, nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Das große Licht. Montag: DaS große Licht._ Volks-Oper. SW., Belle-Alliance-Straffe Nr. 7/8. Nachm. 3'lf Uhr bei bedeutend er« mäßigten Preisen: Der Freisckutz. AvendS 8 Ubr: Gastsp. Werner Albertl Der Fostillop von Loipean. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Oretclien. Groteske in 3 Alten von Davis und Lipschütz. Morgen und soigcnde Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, 24. Okt.. nachm. 3 Uhr: Der Floh im Obr. ymm- •wriMitau-mKV«. Nachmittags 3 Uhr: Inspektor Bräsijf. AbendS 8 Uhr: Der Kampf um deu Nordpol. Montag: Jnspellor Bräsig. Dienstag: Bon sieben d. Häßlichste. Mi.iwoch: Der Kamps um den Nordpol._ Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. osc-iHHtfe 1 Große Frankjurter Sir. 132. Ans. 8 Uhr. End- ,1 Uhr. Der Hüttendefitzer. Schauspiel in 4 Akten v. G. Ohnet. Nachm. 3 Uhr zu halben Preisen: Die Jägermeistrrin. Montag: Die relegierte» St«- »e»te«. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Ubr; In den Dolomiten. Montag abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Leß: Das Wetter und seine Voraasbestimmnng. ZUOlOCISCHfH GARTEN Heate Sonntag Rfl Eintritt: FI. Kinder unt. 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Qr. Militär-Konzert, j Morgen sowie täglich nachm. 4 Uhr: Grolles Konrert. Passase-Panoptlkum, Die fraiiinmalerii] Alles ■ ma d. schwebende aij« Jungfrau. Der Motoboy d. idinstl.zerl. Mensch Tamliupitza-Brigant. Panophon-VortFäge VitasKop-Tiieater Dauervorstellung von 4—7 Uhr. Mir [ Passage-tlieater. I Heate Nachmittagsvorstetlang < des grollen Varibtb- Teils bei t kleinen Preisen! Anfang 3 Uhr. Abends 8 Uhr: Oer gröllte Erfolg der Theatersaison! | Henry Bender in der tollen Burleske Der süße Doktor. Ferner: Ciaire Valdoff und der grolle VarietS-Teil. Hetropol-Thealer Heute nachmittag 3 Uhr; Lumpacivagabundus. Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! Rauchen Überall gestattet. — Heute— 2 Vorstellungen 2 »u m0- .© E.E Maria Galvany Primadonna v. d. Kgl. Oper in Madrid sowie die «A Oktober-|A Attraktionen"* und des ferneren ss. letzt. Male: Eebcnd-»ingende Bilder Enrico Caruso: Arie ans„La forza del destino". Schlller-Tlieater. Nachm.»'/, Uhr: Hslbo Preise! 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Vorverk. ff— 2. Anfang 8'/, Uhr. Kkliiner Prater- Theater Kastanienallee 7— 9. Jed. Sonnig, u. Mittwoch Sonntag: Ans. 7 Uhr, Mittwochs 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen, D..mers?ag, ElitC- Ball. alba IIa T fvr Weinbergsweg 18-20. RosoethalerTor Heute 2 Verstellungen. Nachmittags S'/, Uhr(jeder Er> wachsen« ei» Kind frei k) und abends 8 Uhr. In beiden Vorstellungen die voll. ständigen Sensations. Tpezinlit. Theaterkasse ununferhrochsn geöffn. Eandsbergor I H I H. GteBelmann, Alice STo. 11-13. Oekonom. Jed. Soimiag Ans. 5 Uhr: Alexander-Konzert, E. fieumann. - DienStag„ 8„ Hostmann-Sänaer. 114)9* Donnerst.„ 8„ MiNtärstreichkonzert, 3. Garde- Feldarfillerie-Regim., Spiegelberg. Zum Schluß: Klnemafogr.Vorflihrungen. Im Garfensaale; Ball. PraclU-Säle des Ostens, Sonntag: Gr. KoBZErt, siiELlE!'' ii. Spezlalitlten-FörsteHüBi Auflr. v. KUnsUcrn ersten Ranges. Auf. d. Konzerts 5'/, Uhr, d. Vorst. 6 Uhr. Entr. 50 Pf. Nach d. Vorst.: Tanzkränzchen. Im weißen Saale: Im Restanrant: Täglich: sonX: Tan z-Re union Gr. Künstler-Frei- Konzert Frankfurter Cbanssee 5 Leitung: Sonntag»«ll'ßM»»?»- MrncMBam o. Bürger. Jeden Mittwoch: Cuttiger übend der fidelen Spatzen Vornehmste Herrengesellschast(neun Herren) Nach der FamHivn. IC»litzche3i. Gebr. Arnhold. 3"" Großer Ball. Vorstellung: Sonntag, den 23. Oftober, nachm. S'/z Uhr u. abends 71/, Uhr Nachm. aus allen Sitzplätzen ei» Kind unter 10 Jahren frei, weitereKinder zahlhalbePreise. In beiden Vorstellungen nachm. und abends gleich' großes Propramm. U. a.: iivs 6 Damen Proveanies. Stiß Silva Loyal, dressierte Tauben. Jim n. Jam— Ovaro Bros. ggr Clown Adolf als-aa@ pBSr Miß Ella. Gebrüder Houcke. 4 Sollmann. Pferd u. Ballerina Mme. de Bainville ParL sowie die übrigen Kunstkapazitäten. im Zirkus Schumann-Gedäude, Karlstrafie. Spezialitäten der 30 Mann starken kaustapelle. Jeden Sonnabend: 1. Theatersaal: D. 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Im Februar 1882 verhastet, wurde TschernY- schewsky nach ztveijähriger Untersuchungshaft in der Peter-Pauls, Festung zum Verlust aller bürgerlichen Rechte, zu siebenjähriger statorga(Zuchthaus) und«ewiger", d. i. lebenslänglicher Zwangs- anstedelung m Sibirien verurteilt. Die Verbannung dauerte übrigens nicht lebenslänglich. Im Juni 1883, einen Monat nach der Krönung Alexanders III., wurde Tschernyschewsky«begnadigt" und nach dem europäischen Rußland zurückgebracht. Zur Nieder- lassung wurde ihm die entlegene Gouvernementsstadt Astrachanj an der Grenze des europäischen und asiatischen Rußlands ange- wiesen. Hier lebte Tschernyschewsky noch sechs Jahre unter offt, zieller Polizeiaufsicht und geheimer Ueberwachung einer ganzen Armee von Spitzeln. Von einer regen politischen Tätigkeit unier solchen Umständen konnte natürlich keine Rede sein, besonders in den 80er Jahren der Zeit der schlimmsten Reaktion, die der Niederlage der«Naryd- naja Wolja" folgte. Auch innerlich war Tschernyschewsky nicht zur Fortführung de? früheren Kampfes fähig. Die in Gesänge � nisten und in den entferntesten und ödesten Gegenden verlebten Mvei Jahrzehnte haben ihre Wirkung nicht verfehlt, Tscherny� ' schewsky war den Bedürfnisten und Verhältnisten der neuen Zeit fremd geworden und konnte sich daher in den neuen, eben auf- tauchenden politischen Strömungen des modernen russischen Liberalismus einerseits, der proletarischen Bewegung andererseits — nicht orientieren. Mit Ausnahme von wenigen unbedeutenden Zeitschriftenartikeln arbeitete Tschernyschewsky in seinen letzten Jahren nur an der Uebersetzung von Webers„Weltgeschichte", deren erste Bände er auch mit Erläuterungen und Einführungen versah. l. Die Blütezeit der literarischen und politlschen Tätigkeit Tscher nhschewSkYS fällt also in die seiner Verhaftung vorangegangenen Jahre— in daS«Zeitalter der großen Reformen", wie sich die russischen Liberalen noch heutzutage auszudrücken pflegen, oder vielmehr in das Zeitalter der Vorbereitung dieser Reformen, am Ende der bver und zu Anfang der OOer Jahre des vorigen Jahr- Hunderts. Die wichtigste jener Reformen war die Bauernbefreiung, und eben die Stellung Tschernyschewsky» während der Vorbereitung dieser Reform hat nicht nur seine Verhaftung und Verurteilung verursacht, sondern auch gegen ihn den Haß in den weiten Kreisen der„Gesellschaft" und der.Intelligenz" hervorgerufen. In dieser Hinficht unterschieden sich die Liberalen nicht viel von den Reaktia nären. Wenn der nationalistisch-mystische TostojewLky ihn wütend ein„Scheusal" nannte, so nannte ihn der liberale Turgenjew in der ihm eigenen gutmütig scherzhaften Weise«eine Schlange". Der Haß verstummte auf beiden Seiten auch nach der Verhaftung Tschernyschewsky? nicht. Mit Genugtuung und schadenfroher Ironie notierte der bureaukratisch-konservative Profestor Nikitenko in seinem Tagebuche:«Festgenommen ist der große Verkünder des Sozialismus und Materialismus." Aber auch der bekannte Libe- rale und Freund vom Herzen, der Führer der«radikalen" Rich- tung, Kawelin, schrieb in einem Briefe an Herzen:«Die Ver« Haftungen wundern mich nicht und— ich gestehe es Dir offen— empören mich auch nicht. TschernhschweZkY habe ich sehr, sehr lieb, aber so einen Hä'ndelsucher, so einen taktlosen und übermütigen Menschen habe ich noch nie in meinem Leben gesehen." Groß mußten die.Sünden" des„Scheusals", der„Schlange" gewesen sein, wenn sie die Entrüstung solch gutmütiger Seelen, wie die Turgenjews und KawelinS hervorriefen. kleines feuilleton. Theater. Berliner Theater: Der Alpenkönig und der Menschenfeind. romantisch-komischcS Märchen von Fer- dinand Raimund. Der Ruhm, zu dem Raimunds Märchen- und Possenzüge mischende Wiener Volksstücke aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gelangt sind, mag vom Stand- punkte einer literarisch-historischcn Betrachtung sehr wohl verdient erscheinen. Und zweifellos ragt Raimund weit über das Niveau seiner Zeit. Aber einem durch solcherlei abseitige Erwägungen nicht beeinflußten Gcschmacke wird es heute schwer fallen, sich in eine Bewunderung für diese primitive und doch absichtsvoll auf aller- hand� Effekte und Effektchen gerichtete Darstellungsmanier hinein- zuhypnotisieven. Die Tradition stellt ihn hoch über Nestroy. Indes die Märchengcstalten des Alpenkönigs bleiben genau so wie die Geister des Lumpazivagabundus im matt Allegorischen stecken, während irgend etwas, das sich mit dem volkstümlich-frischsn Humor der Handwerker und HerbergSszenen der Nestroyschen Posse messen könnte, hier vollkommen fehlt. Der Menschenfeind entbehrt so sehr aller psychologischen Durchführung, daß Herr Meinhardt, wie mir schien, mit Fug und Recht auf den Versuch, die Figur glaub» würdig zu'machen, von vornherein verzichtete. Wie hätte man einen melancholischen HauStyrannen. der seinen Diener nur mit dem Gartenmesser zu erblicken braucht, um in Angst zu geraten, daß man ihn morden will, der voller Wut die Möbel zerschlägt und auf die Berge flieht, auch anders als im Tone karikierender Persiflage spielen sollen? Ernst genommen, hätte die Figur nur noch unmöglicher gewirkt. Die Heilung des unausstehlichen, in sich selbst verliebten PoltronS bringt der Alpenkönig zustande, indem er den Flüchtling nach Haufe zurückschickt und ihm daselbst sein eigenes Bild im Spiegel sehen läßt. Der Geist nimmt die Gestalt des Menschenfeindes an und übertrumpft das Original noch durch cholerisches Getobe, bis dieses vor sich selbst erschrickt und Besserung gelobt. Herr Heine überraschte hier in dem drastisch-parodistischen Gegenspiel durch ganz brillante Berve. In der Rolle de? trottet- haften Dieners zeigte Herr Sabo behäbigen Humor. Sehr hübsch war manches in der Inszenierung. Wenn man Josephine D o r a als Kammerzofe Kuplets vortragen ließ, die aus ihrer Roll« fielen, warum hatte man da nicht wenigstens für ettvas gclst- reichere Texte gesorgt? In den Wihblättern findet man doch genug Talente, die dergleichen schreiben könnten.— Applaudiert wurde mit viel Eifer. dt. Musik. Di« Operette„Der arme Jonathan", die am Freitag im Neuen Opperettentheater wieder aufgenommen wurde, ist auf ein sehr glückliches Textmotiv aufgebaut. Ein trüb- sinniger und trübseliger Millionär verschenkt sein Vermögen an seinen hinausgeworfenen Koch. Nur müssen beide saS Leben lassen. sobald einer, an neuem Ueberdruß leibend, das Zeichen durch den Gesang eines bestimmten Liedes gibt. Wie'» nun wirklich dazu kommen soll, fällt beiden statt der Melodie immer wieder ein be- Um den Haß und die Entrüstung gegen Tschernyschewsky zu be- greifen, muß man sich die Verhältnisse im damaligen Rußland ver, gegenwärtigen, um so mehr, als die damals sich bildendeil Klassen- pegenfätze noch bis auf hon heutigen Tag wirken und noch heute ausschlaggebend sind für den Kämpf zwischen Zarismus und Libera- lismus einerseits, zwischen Liberalismus und Sozialismus anderer- feits.. Als wirtschaftlicher und Politischer Anachronismus wurde schon viel früher die Leibeigenschaft von allen Schichten der Bevölkerung —- mit Ausnahme der hohen Aristokratie empfunden. Die auf dem Lcibeigenfchaftsrecht basierenden Zustände hemmten die Ent- Wickelung des Handels und der Industrie, liehen kein Aufblühen des wirtschaftlichen wie des geistigen und politischen Lebens zu. Auch„das getaufte Eigentum", die leibeigene Bauernschaft, fing schon viel früher an. unzweideutige Beweis« threr Unzufriedenheit mit den bestehenden Zuständen zu verraten. Alles dies war schon in der ersten Hälft« des 19. Jahrhunderts sogar für die Regierung», kreise klar. Schon unter Nikolaus 1. wurden— allerdings in ge» Heimen Negierungskommifstonen— Maßregeln„zur Förderung des Handels uyd Gewerbes" einersejis,„zur Besserung der Lage der Leibeigenen" andererseits beraten. Nur der Ausbruch der Revolution in Westeuropa 1818 veranlaßt« Nikolaus, feine Re- formpläne aufzugeben, da er befürchtete, die Bauernbewegung durch Agrar- und Bauernreformen zu verschärfen. Di« furchtbare Niederlage Rußlands im Krimkrtege war die Folge dieser Zurück. Haltung der Regierung, dieses Versuchs, unhaltbar« Zustände durch Gewalt aufrecht zu erhalten. Nach dem Krimkrieg konnte man dt« Reformen nicht weiter verschieben. Alexander II. schritt zu den großen Reformen, um einmal einer Bauernrcvolution vorzubeugen:„ES ist besser, die Bauernbefreiung von oben herab durchzuführen, als zu warten, bis sie von unten kam«," erklärte der Zar in einer Rede an den Moskauer Adel. Sodann, um durch Hebung des wirtschaftlichen Lebens die Lage der Staatskasse zu bessern. Die zarische Regierung war dabei ausschließlich um ihre eigenen Schicksale besorgt. Die Reformen sollten nur zur Stärkung der Selbstherrschaft innerhalb d«S Lande» und zur Wiederher- stellung des Ansehens Rußlands im Auslande dienen. Die Rcformpläne des Zaren riefen große Begeisterung im größeren Teile des Grund und Bauern besitzenden Adels hervor. Der Adel war zu jener Zeit in zwei ungleiche Gruppen geteilt. Die Minderheit, die höhere Aristokratie, wollte von keinen Reformen hören, die die Aufhebung der Leibeigenschaft zur Folge haben müßten. Konstitutionell gesinnt war auch dieser Teil des Adels, allein, man träumte hier von einer feudal-aristokratifchcn Verfassung, die unter Beibehaltung der Leibeigenschaft die Macht des Zaren durch ein aristokratisches Parlament einschränken sollte. Im Laufe dcS 18. Jahrhunderts hat die russische Aristokratie viele Versuche gemacht, durch Militärverschwörungen und Palastrevo» lutionen eine Verfassung dieser Art zu erwirken. Aber vergeliens. Und eben die Mißerfolge der Aristokratie veranlaßten den größeren Teil des grundbesitzenden Adels, andere Wege zur Durchsetzung ihrer konstitutionellen Pläne zu suchen. Was man nicht alS be- vorzugter und bevorrechteter Stand erwirken konnte, würde man vielleicht als wirtschaftliche Klasse erwirken können. Als Grund- besitzerklasse würde man nach Aufhebung der Leibeigenschaft noch eine größere wirtschaftliche Rolle im Lande spielen als vorher. und auf Grund dieser wirtschaftlichen Rolle auch politische An» spräche erheben können. In diesen Kreisen träumte man, in Vor- bindung mit den Handelz, und Jndustrieständen eine bürgerliche ..allständische" Verfassung zu erzielen, in der aber der Grund- besitzerklasse als der wichtigsten im wirtschaftlichen Leben die führende, wenn nicht alleinherrschcnde Rolle zuteil werden sollte. Bei der Vorbereitung der Bauernbefreiung kamen also— da die reformgegnerische Aristokratie zu schwach war— zwei Interessengruppen in Betracht. Di« Regierung— d. h. der Zar und die in seinem Namen tatsächlich regierende höhere Bureau- kratie— und der bürgerlich-konstitutionell« Teil der Grund- karnites musikalisches Zitat ein. Schließlich dauerts noch einen ?tkt, und alles ist kreuzfidel. Dem gerade musikalisch außerordentlich fruchtbaren Grund- gedanken konnten weit reichere Tonwcllen gewidmet werden, als sie der Komponist C. M i l l ö ck e r besaß. Vor 19 Jahren starb er, und vor 20 Jahren brachte er den„Jonathan" als eines seiner letzten Werke. Die Textautoren sind zwei in Schriftstellerei und Mtz gewandte Leute, W i t t m a n n und I. Bauer! doch auch sie haben ihren glücklichen Gedanken kaum besser durchgeführt als sonstige Autorenpaare. Ilm so lebhafter freut auch den an so vieles gewöhnten Hörer die anspruchslose, gerade Musik die sich keine dramatischen Ziele steckt und nicht einmal charakteristisch sein will, aber schlecht und recht ihre Blumen der Melodien und der -arten Stimmungen ausstreut. Zwei Tenore waren fast die einzigen Teilnehmer an der Auf- führung, die gut sangen: O. Braun und C. Bach mann. Der Rest war ein allermeist gutes Spiel und Szenenwerk und quälte sich mit keinem weitergehenden Versuch. sz. Die Konzerte des ,.B l ü t h n e r. O r ch e st e r L". Di« Reichshauptstadt ist das Sammelbecken nicht bloß für die Theater- kunst, sondern auch für die Musik. Trotzdem herrschen gerade auf diesem Gebiet beklagenswerte Zustände. Es wird zu viel ge- boten. Wenn sich die Konzertflut gleich einer Sturzsee über das Publikum ergießt— wie soll es sich da zurechtfinden? Eine musika- lisch? Veranstaltung jagt die andere; es ist, als wenn man durchs Kaleidoskop schaut. Alle» flieht: nichts hat Bestand. Die paar Veranstaltungen der Akademie und des Hoforchesters sind teils zu kostspielig, teils unzureichend. Private Unternehmungen größeren Stils haben sich bisher aber doch nicht halten können. Erst im vergangenen Jahre ist daS Rkozart-Orchester in die Brüche ge» gange». Nun ist das„B l üt h ne r- O r ch e ste r" in die Bresche getreten. Vielleicht gelingt'S ihm, sich zu behaupten. Hoffen wir es. Eine große Philharmonie von Bestand ist für Berlin absolut notwendig. Eine stattliche Schar tüchtiger Musiker hat sich hier zu beachtenswerten, wenn auch steigerungsfähigen Leistungen vereinigt. Insonderheit verdienen die ausgesprochenen Symphonie» konzerte an jedem Donnerstag, sowie die sonstigen sympho- nischen Musikabende und auch die allsonntäglich statt- findenden Populären Konzerte im Blüthner-Saal Auf- nierksamkeit. Die letztere Gattung kommt auch gerade den weniger bemittelten Volkskrcisen entgegen. Namhafte und«niSgezeickmete Dirigenten wie Joseph Stränsky. Professor Joseph Frischen und Ferdinand Reißer vermögen wohl das ihnen unterstellte Orchester zu hoher Leistungsfähigkeit hinanzuführen. Am letzten Mitttvoch gab's einen Beethoven-Abenb. Konrad A n s o r g e, gegenwärtig wohl sein hervorragendster Interpret, saß am Flügel, vom..Blüthner-Orchester" begleitet. An- sorge spielte u. a. das L-äur-Konzcrt mit den von ihm kompo- nierten Kadenzen zum ersten und dritten Satz. Es ist köstlich, diesen Klaviermeister zu hören, unter dessen scheinbar mühelos die größten spieltechnischen Schwierigkeiten bewältigenden Händen da» Instrument Gesang wird. Das S. Eymphonie-Konzert tag» darauf wurde von TfchaikowSkyS H-mo'.I-Symphsni« beherrscht, einem Werke von groß- besitzer. Die Regierung war bestrebt, die Selbstherrschaft in vollem Umfange aufrecht zu erhalten, die Grundbesitzer, ein« bürgerliche Verfassung zu erlangen. Die reformierenden Regierungsbeamten wie die konstitutionalistjschen Grundbesitzer sprachen mit großer Vorliebe im Namen der Bauern, ober die Bauernschaft selbst über ihre Wünsche zu befragen, oder auf irgendeine Weise zu Worte kommen zu lassen, davon waren die Konstitutionalisten ebenso weit entfernt wi« die Tschinowniks. Außer der eben geschilderten Richtung der Tschinowniks und der Grundbesitzer gab c8 noch eine kleine Gruppe, die eifrig an der Durchführung der Reform mitarbeitete, nämlich die liberale Intelligenz, Professoren, Schriftsteller usw. Acußerlich traten die Intellektuelle» nicht als Interessengruppe, sondern als Volks- freunde und politische Liberale auf. in der Tat aber schlössen sie sich völlig den Grundbesitzern an und unterstützten alle ihre Forde- rungen. Di« Leibeigenschaft war der eigentliche Feind der In» telligenz! gegen diesen verhaßten Feind hatten sie bereits in den vierziger Jahren den„HannibalSeid" geschworen, nach dem AuS- drucke Turgenjews. Wie es nach der Vernichtung dieses Feindes, nach der Aufhebung der Leibeigenschaft aussehen müßte, darüber waren ste sich nicht im klaren. Auch ihnen fiel eS nicht ein, an die Mitwirkung der Bauernschaft selbst zu denken. Auch sie be- trachteten di« Volksmasse als Material, als einen Gegenstand für gesetzgeberische Experimente. Allein, sie wollten, daß die gesetz- geberische Macht nicht in den Händen der selbstherrschenden Re» gierung blieb, sondern daß diese zum Teil wenigstens den„aufge- klärten Schichten der Gesellschaft" übertragen würde. Den Bestrebungen der Regierung trat Tschernyschewsky schroff entgegen, ebenso wie den Bestrebungen der liberalen Grund- besitzer und der Intelligenz. II. Tschernyschewsky war der erste, der in Rußland offen und klar den Satz aufstellte, daß die Befreiung der arbeitenden Volks- massen nur Sache dieser Volksmassen selber sein kann. Denn weder Regierungsbeamte, und seien sie noch so„freiheitsliebend". noch irgendeine höhere Gesellschaftsschicht, und sei sie auch noch so„volksliebend", könne die Bauernbefreiung im Interesse der Bauernschaft selber durchführen oder sich aufrichtig um das Wohl der Bauernschaft kümmern. Denn das Wohl der arbeitenden Klassen widerspräche den Interessen der regierenden und grund- besitzenden Klassen. Zu Beginn seiner liierarischen Tätigkeit glaubte wohl auch Tschernyschewsky noch an den guten Willen des Zaren; aber das Benehmen des„Befreierzaren" enttäuschte ihn bald— gerade zu der Zeit, als die meisten Liberalen aller Schattierungen sich dey Regierung anschlössen, um die Bestrebungen der Aristokratie zu bekämpfen. Dieses Bündnis zwischen Regierung und Liberalis- muS, das anfänglich gegen den Feind von der„rechten Seite" ge- richtet sein sollte, richtete sich bald gegen den„Feind von der linken Seite", gegen Tschernyschewsky und seine Anhänger. Während der Beratungen der Bauernbefreiungsfrage wurde viel darüber ge- stritten, ob der Bauer„mit Land oder ohne Land" befreit werden sollte. Regierung und Liberalismus waren schließlich geneigt, die befreiten Bauern mit Land zu versehen. Tschernyschewsky aber sah von Anfang an, daß diese neue Wohltat nur ein neues Joch den Bauern auferlegen würde, daß dies« angebliche Wohltat nur bestimmt sei, der Regierung die Steuern und den Grundbesitzern billige Arbeitskräfte zu sichern. Den kläglichen Plänen der Re- gierung und der Liberalen, die Bauern mit ein„bißchen Land" zu versehen, stellte er die kühne Forderung entgegen, das ganze, nicht nur von den Leibeigenen, sondern von sämtlichen Bauern be- arbeitet« Land den Bauerngemeinden zu übergeben. In Privat- eigentum befand sich damals nämlich nur ungefähr der zwanzigste Teil sämtlichen Grund und Bodens in Rußland, und nur die Bc- völkerung des Privatgrundbesitzes befand sich in leibeigener Ab- hängigkeit von Privatpersonen. DaS übrige Land gehörte teil- weise dem Staat, teilweise den Mitgliedern der Zarenfamilie; zügigem, wenu auch ungleichem Charakter, dem das Orchester nicht immer vollkommen gerecht wurde. Zum erstenmal hörten wir ein LcKerro-cspriccioso von Dvorak, eine reizvolle Tonschöpfung mit unverkennbar böhmischem Kolorit, klar in der thematischen Durchführung und volkstümlich. Mit Orchester spielte Auguste C o t t l o w LiSztS schwieriges Klavierkonzert in �-äur. Die Künstlerin erwieS sich als brillante Fingervirtuosin. Der Symphonische Abend am Freitag galt S ch u- mann und Schubert. Namentlich gelangte hierbei Schuberts köstliche C-ckur-Symphouie zu einer motivisch und im ganzen fein herausgearbeiteten Wiedergabe. Ottilie Metzger fang Lieder. zumeist von Sckmbert. Das wundervolle Organ der Sängerin sowie ihre edle JnterpretationSkunst ernteten berechtigten Beifall. Schade nur. daß dieses Konzert so spärlich besucht war, e, k. Humor und Satire. SchutzmannSklage. Wenn man's an unserm tranigen Betriebe mißt: wie gut hat'S doch in Spanien ein Polizist! Wie muß der span'sche Trubel gar so lustig sein l Wir hauen alle Jubeljahr'— nur einmal d'rein. Kaum, daß man auf dem Bürgersteig (der Reim ist neu) zerprügeln kaun zu Mürbeteig zwei oder drei. So viel' man auch in seiner Wut zur Wache zerrt, es wird die ganze Sündenbrut nur eingesperrt. Auch schickt man keinen auf die Reise vermittelst Blei. aber in Spanien(schätzungsweise) tausendunddrei. Franz. Notizen. — B ü h n e n ch r o n i k. Hedwig Mangel, ble kürzlich ib« Tätigkeit am Deutschen Theater aufgab, um sich per Heilsarme» zuzuwenden(sie scheint aber auf halbem Wege stehen geblieben zu sein), will zur Bühne zurückkehren, sobald sie die Heilanstalt verlassen kann.— Im Deutschen Theater spielt man demnächst gerade zur rechten.Zeit Shaws HeilSarmcedrama„Major Barbara. DaS Risiko der Bühnenprobe. In Wien et» eignete sich am Sonnabendvormittag in der Hofoper während einer Kostümprob» der„Meistersinger" ein Unfall. Ein Kulissenpfeiler löste sich log und begrub unter sich den Direktor Felix Wein« gärtner und den Kammersänger Erich SchmosdeS, während Wein» gärtner einen Bruch des Schienbeins erlitt, kam d«r Sänger mit dem bloßen Schreck davon, l ein kleinerer Teil gehörte auch„freien" Bauerngemeinden, aber nicht als unbeschränktes Eigentum, sondern nur als Nutzung-- besitz. Diese Bauernschaft war zwar nicht leibeigen, aber ihre Lage war nicht viel besser als die Lage der eigentlichen Leibeigenen. Land und Bevölkerung wurden von Regierungsbehörden und Be- amten verwaltet und regiert, die sich an Habgier und Grausamkeit nicht von den schlimmsten Privatgrundbesitzern unterschieden. Auch die„freien" Bauerngemeinden standen unter Kontrolle besonderer Regierungsbehörden und der örtlichen Polizei. Die Gemeinde- organisation wurde hier beibehalten, meistens sogar zwangsweise aufgedrungen, um die fiskalischen, militärischen und polizeilichen Interessen der Regierung besser zu sichern. Die Mitglieder jeder Gemeinde waren durch gegenseitige Bürgschaft gebunden und jede Gemeinde als Ganzes haftete für regelmäßige Bezahlung der Steuern, Aushebung der Rekruten und Aufrechterhaltung der Ordnung. Bei jeder Unregelmäßigkeit in der Erfüllung dieser Pflichten wurden die Bauerngcmeinden durch Strafexpeditionen, Militärexekutionen usw. aufs grausamste bestraft. Tschernyschewsky waren die Uebel, unter denen die existieren- den Baucrngemeinden soviel zu leiden hatten, nur zu gut bekannt. Er verlangte daher, daß den von ihm geforderten Bauern- gemeinden Land und Boden ohne alle Lasten übergeben wurden (damit weder der Staat noch Privatbesitzer irgendwelche finan- ziellen Ansprüche auf das von den Bauern bearbeitete Land er- heben könnten) und unbeschränkte Selbständigkeit der Gemeinden. Als Garantie für die richtige Durchführung dieses Projektes der- langte er völlige politische Freiheit und Mitwirkung der Bauern- schaft selbst an der Reform. Als Sozialist stand Tschernyschewsky den französischen Fourieristen ziemlich nahe, die auch glaubten, daß Produktions- gemeinschaften zum Sozialismus führen müßten. Da aber in Rußland die Landwirtschaft der Hauptzweig des wirtschaftlichen Lebens war, so hielt er es für möglich, daß eben die EntWickelung der Ackerbaugenossenschaften den Uebergang zum Sozialismus er- heblich erleichtern könnte. In seinem berühmten Roman„Was tun?" schildert Tschernyschewsky das Leben einer nichtlandwirt- schaftlichcn Genossenschaft(einer Konfektionswerkstatt) und die Schilderung ist rein fourieristischer Natur. Aber nur in diesem Roman und augenscheinlich nur ans Zensurrücksichtcn trat Tschernyschewsky als reiner Fouricrist auf. Sonst in allen seinen Artikeln weicht er weit vom Fourierismus ab. Namentlich in der politischen Frage. Während die Fourieristen alle ihre Hoffnungen auf die EntWickelung von privaten Genossenschaften legten und deshalb sich fern von aller politischen Tätigkeit hielten(selbst während der Revolution von 1848 in Frankreich), trat Tscherny- schewsky stets als eifriger Politiker auf. Nur der Staat als solcher kann nach Tschernyschewsky weitgehende ökonomische Re- formen unternehmen. Da aber weder der Absolutismus noch irgendeine bürgerliche Regierung gegen ihre eigenen Interessen handeln kann, so müssen die arbeitenden Klassen die politische Macht erobern, zur Durchführung nicht nur sozialistischer, sondern überhaupt weitgehender wirtschaftlicher und sozialer Reformen. In politischer Hinsicht stand also Tschernyschewsky nicht den Fourie- risten, sondern den Blanquistcn und Marxisten am nächsten.") Unter„arbeitenden Klassen" konnte zu jener Zeit nur die Bauernschaft die Hauptrolle spielen. Alle Hoffnungen mutzten daher auf die Bauernbewegung, die zu einer Bauernrcvolution führen sollte, gesetzt werden. Allein Tschernyschewsky bezweifelte� daß die russische Bauernschaft für eine zielbewußte Bewegung reif wäre, geschweige denn für eine Revolution und Eroberung der politischen Macht. Dies war die innere Tragödie Tschernyschcwskhs: Der einzige Weg zur Lösung der Bauern- und damit auch der sozialen und politischen Frage war eine Bauernrevolution und an die Möglichkeit einer Bauernrevolution glaubte Tschernyschewsky nicht. Das hinderte ihn auch tatsächlich an der praktisch-revolutio- nären Bewegung teilzunehmen. Die aus inneren Motiven entstandene Zurückhaltung Tscherny- schewskys hat ihn aber vor der Rache des Absolutismus und der besitzenden Klassen nicht gerettet. Der Haß und die Rache seitens der Regierung ist selbst- verständlich. Nach der oben geschilderten Zusammensetzung der liberalen Gruppe ist auch deren Haß leicht zu begreifen, da die Grundbesitzer auch in dieser Gruppe das ausschlaggebende Element bildeten. Kür die Liberalen war der Grundbesitz nicht nur von wirtschaftlichem, shndern auch von politischem Interesse, ja, die einzige Quelle aller ihrer politischen Hoffnungen. Denn nur als Grundbesitzerklasse hofften sie, die politische Macht zu erlangen. Den Grundbesitz aufgeben, wäre für sie nicht nur ein Wirtschaft- licher Selbstmord, sondern auch sozusagen ein Verbrechen gegen das keimende Leben ihrer politischen Macht gewesen. Und gerade die Aufhebung des Privatgrundbesitzes verlangte Tschernyschewsky. Es war die erste prinzipielle Formulierung des Gegensatzes zwischen Sozialismus und Liberalismus in Rußland. Und der Liberalismus erkannte sofort die von links her drohende Gefahr. ") Obwohl Tschernyschewsky in seinen Schriften keine Be- kanntschaft mit der Marx-Engelschen Lehre verrät, stand er doch den Marxisten sehr nahe, wie in seiner ganzen hegeldialcktischen Denkungsweise, so auch in der Hervorhebung des ökonomischen Faktors in der Geschichte, der Anerkennung der Bedeutung der Klassenkämpfe, so auch in einigen Fragen der theoretischen Ocko- nomie. Räber auf die theoretischen Anschauungen TschernyschewskyS kann ich hier nicht eingehen. Ich verweis« auf das bei Dietz in Stuttgart erschienene Buch von Plechanow:„Tschernyschewsky, Eine literar-historische Studie". Die„Volksliebe" der Liberalen erwies sich bereits bei dieser ersten Probe als reine Heuchelei. Die ganze liberale Presse bcam- wartete das Auftreten des kühnen Sozialisten mit einem Schrei der Entrüstung, mit niederträchtigen Schmähungen und Verleum- düngen. Ja, mm scheute sich nicht, Tschernyschewsky selbst als Urheber der im Jahre 1871 stattgefundenen Brandstiftungen zu bezeichnen. Die von den Liberalen veranstaltete Hetze gegen Tscherny- schewsky, an der sich auch Liberale beteiligten, die nicht zur Grund- besitzerklasse gehörten, weil Tschernyschewsky stets ihre politische Kurzsichtigkeit und Feigheit verspottet hatte, löste auch der Re- gierung die Hände, die bis dahin nicht gegen Tschernyschewsky vor- gehen konnte, weil der juristische Vorwand gefehlt hatte. Tscherny- schewsky verstand es nämlich, seine Gedanken in einer solch harm- losen Form auszudrücken, daß sie stets»on der Zensur durchge- lassen wurden. Und einen Schriftsteller wegen Artikel, die die Zensur passiert hatten, anzuklagen, wagte auch damals die Re- gierung nicht. Was man aber gegen einen gewöhnlichen Schrift- stcller nicht gewagt hatte, konnte man sich eben gegen„ein Scheusal",„einen übermütigen Wirrkopf", gegen„eine Schlange" wohl erlauben. » Der verhaftete Tschernyschewsky wurde angeklagt, sich an der Abfassung einer aufrührerischen Proklamation an die Bauernschaft beteiligt zu haben. Einer der Richter Tschcrnyschewskys, der Senator Ljubostschinsky, wurde von Professor Nikitenko befragt, ob juristische Beweise der Schuld Tschernhschcwskys vorliegen.„Soviel mir bekannt ist," antwortete der Senator,„sind keine juristischen Beweise vorhanden, aber das moralische Gefühl spricht gegen Tschernyschewsky". Da man aber auch in Rußland nicht nur auf Grund des„moralischen Gefühls" jemanden zum Zuchrhaus der- urteilen kann, so schuf man auch„juristische Beweise". Wie jetzt feststeht, ist Tschernyschewsky auf Grund gefälschter Dokuments und der Aussagen von gekauften Zeugen verurteilt worden. Als Tschernyschewsky schon im sibirischen Zuchthause war, fragte ihn einmal ein Mitgefangener polnischer Revolutionär über die eigentliche Ursache seiner Verurteilung.„Die dort werden eS wohl genau wissen, weshalb man mich verschickt hat, ich aber weiß es nicht." „Die dort" wußten eS auch in der Tat genau und nicht nur in den Regierungskreisen, sondern auch in den Kreisen der Libe- ralen. Ebenso genau, wie die russischen Liberalen von heute genau wissen, weshalb die sozialdemokratische Fraktion der zweiten Reichs- duma ebenfalls ins Zuchthaus gesteckt worden ist: Weil den Reaktionären jeder Sozialist„ein Scheusal", den Liberalen„eine Schlange" und„übermütiger Händelsuchcr" ist. E. L. Meli» Herr! Wenn Sie schick und vorteilhaft gekleidet gehen wollen, so liefert Ihnen auf Teilzahlung in erstklassiger Ausführung, fertig und nach Mau Spezialität; CesellsiMs-AiizSjß von wöchentlich 1 Alk» an gegen bar gewähre 10 0/0 Rabatt Mi#— J,_ Schneidermstr. ■ Dresdenerstr. 76 nahe Tholia-Theater. Sonntags geöffnet.— Dieses Inseratt wird für S M. in Zahlung genommen. Damefl-Konfektion (direkt der Fabrik] Kein Laden. | NaohbeendeterEngros-Saison? auch Einzelverkauf f «M enorm billig! 't>v Uebergangs- Paletots Blusen Abendmäntel Kostüme Kostüm• Röcke licheB-Paletots Pelz-Stolas Robert Saumgartenl 1 Hausvogteiplatz II, l. Etg. | schrSgübcr Untergrund-Bahnhof. 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ReichStazswahilreis.«p �SSSSSSSS |g| Unserem Vezirkösührer Ä Ksri Walk nebst Frau I G die herzlichsten Glückwünsche zur Silbernen Hochzeit! Die Genossen d. 194. Bezirks im IV. Wahlkreise Südost. SozialilemolffatiseiiJalilyerBiB des ß. Berl. ReiehstapalFeises. Todes- Anzeige. Am 20. Oktober verstarb unser Mitglied, Frau AlarZS Helff Maxstr. 15. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 24. d. M., nach. mittags 1 Uhr, von der Leichen- balle des Nazareth-Kirchhoss in Reinickendorl. Kögclstr., aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/19 Der Vorstand. Deirisefier Orts«erwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. das; unser Mitglied, die Kollegin Marie Helff am Mittwoch, den 20. Oktober, gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 24. Oktober, mittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des Nazarcth-Kirchhoses in der Kögel- slraße aus statt. Um reg« Beteiligung ersucht 70/18 Die Verwaltung. Rlxdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Mechaniker Alexander Mohr (17. Bezirk). am Donnerstag, den 21. Oktober, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Oktober, nach- mittags 5 Uhr, auf dem neuen Jakobi-Mrchhose, Hermannstraße, statt. Um zahlreich« Beteiligung er- sucht vei» Torstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes• Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Mechaniker Alexander Mohr am 21. b. Mis. an Knochentuberkulose gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Oktober, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Neuen Jakobi-Kirchhoses in Rixdors, Hcrmannstr., aus statt. Rege Beteiligung erwartet 124/11 Die Ortsverwaltung. Mal-Verbaiid der Maurer Deutsehlands. Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranehe. Den Kollegen zur Nachricht, dafi unser Mitglied, der Nabitzputzer Augusf pehl (Schöneoerg, Kysjhäuserstrasse 34) nach langeinLeiden am 21. Oktober im Alter von 4S Jahren ge- starben ist. 139/10 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 24. Oktober, nach. mittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des St. Mathias-Kirchhoses in Südende aus statt. Der Sektionsvorstand. Todes- Anzeige. Allen Verwandten und Be- kannten die»raurige Nachricht, daß unser Neffe, der Packer Karl ftesemer im Alter von 29 Jahren am 20. Oktober, abends 81/, Uhr, ge- storben ist. 29L0L DicS zeigt tiesbctrübt an G. Wollmann nebst Frau geb. Fiefcmer. Die Beerdigung findet Sonntag, den 24. Oktober, nachm. ä'l, Uhr, aus dem Gemeindcsriedhos, Ma- ricndorser Weg, statt. Allen Genossen, Freunden und I Bekannten die traurige Nachricht, | datz unsere liebe Tochter Martha ! am 22. d. M., nachm. 0 Uhr, nach kurzen, schweren Leiden verstorben I Die fiesbetrübten Eltern Hartha und Herrn. Krause Rixdors, Tellstr. 13, Die Beerdigung findet am ! Dienstagnachmittag ill, Uhr, von j der Halle des Thomaskirchhoscs, j Hcrniannstraße, aus statt. I Zillen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, dafi meine« gute Frau, unsere liebe Diuttcr| Luise Zobel geb. Schimmel am Freitag, den 22. Oltobcr, aus j dem Leben geschieden ist. Dies zeigen licsbctrübt an Artur Zobel nebst Söhnen. Die Beerdigung findet am I Dienstag, den 20. Oktober, 3'/, Uhr,! von der Leichenhalle des Rixdorfer Friedboses, Mariendorscr Weg, I aus statt._ 29792| Deutscher Rolzarbeiter-Verbanil Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Möbel- Polierer /Adolf Ldiolx am 20. Oktober gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Eiilabelh-KirchhofeS in der Prinzenallee aus statt. Am 20. Oktober starb unser Kollege, der Tischler krledrieh Walinski. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung sindet am> Montag, den 25. Oktober, nach- mittags Ist, Uhr, von der Leichen- 1 Halle des Fentral-Fricdhojes inl Friedrichsseide auS statt. Am 22. Oktober starb unser Kollege, der Tischler Jakob Niehuus. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 20. Oktober, nach« mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Nazarcth-Kirchhoses in der Seestratze aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/20 Die Ortsverwaltung. Zentral-Verband der ! Glasarbeiter 0,-Ärbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, I dafi unser langjähriges Mitglied, | der GlaSschlciscr 73/13 Willi Fischer | am 19. d. Mis. gestorben ist. Die Beerdigung findet am ! Montag, den 25, Oktober, nach- | mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS AuserstchungZ-KirchhofeS s in Weifiensee(Wcifienseer Weg) | aus statt, Um zahlreiche Beteiligung ersucht ���Dtr��tSverwaltnn�. Arbeiter-Athleteu-Kund Dcntschiands. Unseren Mitgliedern zur Nach- rtcht, das; unser langjähriger, treuer BundeZkollege koscher Zentnerklub.Armin" am 19, d. M, an der Proletarier. krankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Auserstehungs-Kirchh oses m Wciszensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 290/7 Der Vorstand. Winid der Maler, Lackierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Dolesla« Rebowski (Lichtenberg) am 21. 6. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Montag, den 25. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des katholischen Kirchhoss in Wllheimsberg auS statt. 129/18 Di« Ortsverwaltung. Dr. Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Priuzenslr. 41, 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2—4. Verband der Fabrikarbeiter Deutseblaods. Nachruf. Am Dienstag, den 19, Oktober, ist nach längerem Krankenlager unser Mitglied früi Paelegrimm an Lungenschwindsucht verstorben. Ehre seinem Andenken! «4/13 Die Ortsverwaltung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben unver- geglichen Gatten und Vaters„ deS Bäckermeisters Wilhelm Most sagen wir allen Teilnehmern, Frcun- den und Bekannten unseren ties- gesühltcn Dank. Witwe Verta Most nebst Kindern. Danksagung. Für die Beweise � herzlicher Teil- nähme und die vielen Kranzspenden anläglich der Beerdigung meines lieben Mannes Karl Otto sag« ich allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank, 2i01b Elisabeth Otto. Danksagung. Für die vielen Bclveise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei ocr Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter EEmma Qloke sage ich allen Verwandten, Freunden und Genossen, insbesonderc meinen Kollegen meinen herzlichsten Dank, Der trauernde Gatte Faul Gloke 21406 nebst Kindern._ Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Bc- erdigung mcüier lieben Frau Auguste Gcebel St«ccse sage ich allen Beteiligten hiermit meinen innigsten Dank, Der trauernde Gatte Wilhelm Ooebcl. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Vcr- wandten und Bekannten, besonders den A.-R-V,„Voran II" und»Fahr wohl 1900", meinen Kollegen der Firma A, Borsig sowie dem Personal und der Firma Deichsel u. Co. meinen innigsten Dank. 231 7b O. Schobept, Türken ftr, 22. j Billigste Bozugsqncllo E gedlefi-Tranerg wobei jWestmannsl Trauer-Magazin I Berlin W., Mohrenstr. 37a 1 NO., Gr. Frankf. Str. IIS. I Genaue Beachtung I | meiner Firma u. Haus- 1 nurnmer geboten! Von der Reise zurück 117/10' Äugenarzt Dr. Rächt, Rixdors, Bergsir, 153. Reste Damentuctie..ctawar. und (arbig. Comumca-BtoKe.n.ae.l« MiuiMr. TneouEtofle, ßetdan- Pluaoh. Bammel«. Seid. eto. 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Nach Ausscheidung der sich in Liquidation und Konkurs be° findlichen Gesellschaften resultieren folgende Hauptziffern: 8160 Aktiengesellschaften(einschließlich Kommanditgesellschaften auf Ak- ticn) verfügten über ein nominelles Aktienkapital von 14 420,00 � Millionen Mark. Berücksichtigt man nur die reinen Erwerbs- gesellschaften. dann ergeben sich 4878 Unternehmungen mit 12 778 831 000 M. eingezahltem Aktienkapital und 2 600 689 000 M. Reserven. 3871 Gesellschaften, deren dividendenberechtigtes Aktien- kapital 11 833 103 000 M. betrug, erzielten, ohne Gewinn- und Ver- lustvorträge, 1 381 383 000 M. Reingewinn, gleich 11,42 Proz. des bezugsberechtigten Aktienkapitals.' Von den Reingewinnen sind aber nur 1 022 890 000' M. als Dividenden ausgeschüttet worden. Daran Waren 3428 Gesellschaften mit 11 118 948 M. Kapital bc- teiligt. Auf das gesamte Aktienkapital aller Gesellschaften verrechnet, ergibt sich eine Verzinsung von rund 8 Proz.; für das am Dividendengenutz beteiligte Kapital macht die Rate 9,2 Proz. aus. Das ist jedenfalls eine ganz respektable Verzinsung. Die Rentabilitätsziffern, nach Gewerbegruppen verglichen, weisen ganz erhebliche Differenzen auf. Faßt man die Gesell- schaften nach Gruppen zusammen, ergeben sich u. a. folgende Re- sultate: Prozent der verteilten Dividendensumme vom gesamten beziehenden Aktienkapital Kapital Versicherungsgesellschaften...... 19,3 21,8 Chemische Industrie........ 15,7 17,2 Bergbau, Hütten, Salinenwesen.... 9,8 13,1 Bergbau, Hüttenbetriebe usw.(gemischte Betriebe).......... 9,5 10,1 Lederindustrie.......... 9,5 12,3 Baugewerbe........... 9.4 12,4 Textilindustrie.......... 9,4 10,5 Metallverarbeitung........ 8,9 9,8 Industrien der Steine und Erden... 8,7 10,8 Papierindustrie.......... 8,8 11,4 Industrie-Maschinen usw....... 8,7 9,8 Die Zusammenstellung zeigt, daß unter den produzierenden Industrien die chemische die höchste Rentabilitätsquote hat, und zwar sowohl im Hinblick auf das gesamte, als auch nur auf das an der Dividende beteiligte Kapital. Ferner ergibt sich, daß die gemischten Werke die geringste Verlustrate haben; hier ist die Spannung bei der Berechnung nach dem gesamten und nur dem dividendenbezichenden Kapital am geringsten. Zum Teil er- klärt sich das daraus, daß Neugründungen, die ja in der Haupt- sache die Verlustziffern liefern, fiir die gemischten Betriebe nicht in Frage kommen. Den Maßstab für die volkswirtschaftliche Bedeutung der Aktien- gesellschaften geben aber nicht die Rentabilitätsziffern allein; der Anteil der verschiedenen Jndustriegruppen an der Gesamtsumme des investierten Kapitals kommt dabei sehr in Frage. Die Angabe der beteiligten Arbeiter wäre ebenfalls von hohem Interesse. Leider gilst die vorliegende Statistik darüber gar keinen Aufschluß. Die Berufszählung liefert uns zwar die Zahlen für die Industrie- gruppen, aber nicht gesondert nach Privat- und Gesellschaftsunter- nehmen. Da die Zahl der in einer Gruppe beschäftigten Personen immerhin ein Urteil erlaubt über die Bedeutung des Gewerbe- zwciges innerhalb des ganzen Wirtschaftsgetriebes, bringen wir in der nachfolgenden Tabelle die Zahlen nach der letzten Berufs- zählung in einer Zusammenstellung mit dem Aktienkapital, das in den zu der betreffenden Berufsgruppe gehörenden Unternehmen investiert ist, sowie den erzielten Reingewinnen: Summe der Aktienkapital für 1907/08 Zahl der Gewcrbegrupp« in erzielten Erwerbs» 1000 M. Reingewinne tätigen in 1000 M. Forst- u. Landwirtschaft, Gärt» nerei u. Tierzucht... 23 349 292 9 883 287 Bergbau. Hüttenwesen.. 2 009 708 230 873 903 273 Steine und Erden.... 410001 48327 714820 Metallverarbeitung.... 219 345 27 248 1 180 099 Maschinen usw...... 1 498 088 174 548 907 048 Chemische Industrien... 302 002 73 678 158 776 Leuchtstoffe. Seifen usw... 148 893 13 841 78 879 Textilindustrie..... 569 877 88 543 1057 243 Papierindustrie..... 140 221 14 896 206 763 Lederindustrie...... 115 659 16 021 219443 Holz- und Schnitzindustrie. 57 246. 5 845 787 754 NahrungS- und Genußmittel 970 147 94 269 1 127 510 Bekleidungsgewerbe... 17150 1754 1421695 Reinigungsgewerbe.... 007 12 270 374 Baugewerbe...... 81 019 9 492 1 905 807 Polygraphische Gewerbe.. 77 583 7 955 197 903 Handelsgewerbe..... 4 069 533 378 564 1739 910 Versicherungsgewerbe... 139 514 46 777 60 531 Verkehrsgewcrbe..... 1488 411 84 409 1026 288 Gast- und Schankwirtschaft. 58 841 4 086 650 897 Musik. Theater..... 9 783 377 37111 Sonstige Gesellschaften (Badeanstalten, Koloniale Gesellschaften usw.)... 315 514_ 23 479__— Insgesamt... 12 788 851 1 351 383 14 598 092 Wie die Zusammenstellung dartut, ist die Erwerbsgesellschaft im landwirtschaftlichen Betriebe absolut und in Beziehung zur Zahl der Erwerbstätigen am schwächsten vertreten. Am stärksten tritt sie in der eigentlichen Großindustrie, im Bergbau und Hütten- Wesen— einschließlich Eisen- und Stahlwerke— auf. Das für jeden der in diesen Industrien vorhandenen Erwerbstätigen in- vestierte Aktienkapital stellt sich auf über 2000 M. Auch in der Industrie der Maschinen, Instrumente und Apparate ergibt sich ein relativ hohes Aktienkapital, das in der Metallverarbeitung noch sehr niedrig ist. Die chemische Industrie, sowie die der Lcucht» usw. liefern ungefähr dieselben Verhältniszahlcn wie die Kohlen- und Eisengroßindustrie. Auf jeden in der chemischen Industrie gezählten Erwerbstätigen entfallen 2280 M. Aktienkapital. Selbst- verständlich bedeutet die gleiche Kapitalsumme in den verschiedenen Industrien nicht die gleiche Produktionsmenge oder Arbeiterzahl. Die Anlagekosten und die Summe des erforderlichen beweglichen Kapitals sind sehr verschieden. Aus diesem Grunde ermangeln auch die Angaben für das Handels- und Verkehrsgcwerbe usw. der Ver- gleichbarkeit mit denen für die Güter produzierenden Industrie- gruppen. Zu berücksichtigen ist ferner, daß die im Postbetriebe und bei den Staatseisenbahnen beschäftigten Personen in die Zahl der für das Vcrkehrsgewerbc ermittelten Erwerbstätigen einbe- zogen sind. Der Staatsbetrieb hat hier die Rolle des Gcsellschafts- Unternehmens übernommen. Die Arbeiter können aus der Statistik erkennen, daß sie in ihren Kämpfen um Verbesserung der Arbeitsbedingungen nicht nur mit einem organisierten Unternehmertum, sondern auch mit einem schon sehr stark konzentrierten, entpersönlichten Kapital zu tun haben. Dieser Macht gegenüber kann man mit moralisierenden Lamentationen natürlich nichts ausrichten, ihr müssen die Arbeiter eine geschlossene, kampffähige Organisation entgegenstellen können. 0. Versammlungen. Die Kommunalwahlen. Für den 17. Kommunalwahlbczirk fand am Donnerstag eine Versammlung im„Dresdener Garten" statt. Genosse Adolf Ritter und unser Kandidat für diesen Bezirk, Genosse Börner, kritisierten in wirkungsvollen Reden das freisinnige Stadtregimcnt und zeigten den Wählern, daß es in diesem Bezirke einen ernsten. doch für uns aussichtsvollen Kampf geben ivird. Hatten wir doch den 17. Bezirk im Jahre 1903 bereits erobert. Weil aber einige Wähler den Namen unseres damaligen Kandidaten, des Genossen Kerfin, nicht richtig oder nicht deutlich genug ausgesprochen hatten, ist das Mandat im Verwaltungsstreitverfahren für ungültig er- klärt worden und der Bezirk den Freisinnigen wieder zugefallen. Es gilt jetzt, daß unsere Parteigenossen mit aller Kraft die Agitation betreiben und nichts unterlassen, um den 17. Bezirk für unsere Partei zurückzuerobern. Im 18. Gemeindcwahlbezirk sprach am Freitagabend in den „Rittersälen" Genosse Dr. Alfred Bernstein über:„Kommunale Forderungen". Er legte den Versammelten einen„Ausschnitt aus der kommunalen Tätigkeit", wie er erklärte, vor und berücksichtigte in erster Linie die Gebiete, auf denen er als Arzt und Sachver- ständiger selbst eifrig tätig war. Der Redner gedachte erst der Mißstände in der Fürsorgeerziehung, beleuchtete das Wirken der Gesundheitspolizei und forderte dazu auf, die sozialdemokratische Vertretung im Rathause zu stärken, damit sie besser in der Lage sei, fiir das Wohl der Kommune eintreten zu können. Er empfahl den Wählern im 13. Bezirk, am 3. November für unseren Genossen Emil K e r f i n die Stimme abzugeben.— Dr. Bernsteins Rede wurde sehr beifällig aufgenommen. Ihm folgte K e r f i n mit einer kurzen Ansprache. Gegnex meldeten sich nicht zum Wort. Einige Anfragen aus der Mitte der Versammlung beantwortete der Redner in seinem Schlußwort, in welchem er, ebenso wie der Vorsitzende, zu einer regen Agitation für die Stadtverordneten- wählen aufforderte. Zivu renoviert! 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Kandtagsnmhlbezirk. „Prachtsäle Nord-West". Wielefstr. S4, „Artus-Hof", Perleberger Straße 33. Referenten: Reichstagsabg. �Volig. Heine und Artur Stadthagen. In beiden Versammlungen Ansprache des sozialdemokratischen Kandidat« Stadtverordneten Adoii Hoffmann. _____________________.** Tages-Ordnung: NU- Freie Diskussion. Alle Wähler sind zum Besuche freundlichst eingeladen. In letzter Stunde! Die WahlkomiieeS. WI5 öffentliche Dienstag, 26. Oktoher, abends 8*1« Uhr: 2. Komtmtnahoahlbezirk: Restaurant Vittenbeelier, setatr. ie Referent: Stadtverordneter VaIl!ee!t!ßallSZ5e. S. Xomtnunalwablbezirk: Zütilke(M Wie), SMeminir. 13/15 Referent: Stadtverordneter Paul Dupont. 8. KotnmunaMlbezirk: Kabels Sranerei sergmamstr. s? Referent: Schriftsteller Max Gruuwald. 13. Komtnunalwahlbezirk: drautnanns Testsäle,»angnstr. n Referent: Stadtverordneter Paul Gloger. \h. KotntnunaMlbezirk: Zur flrachenhurg, Vor dem Schlesisehen Tor Referent: Stadtverordneter ÄrlurStadthayeD. Tagesordnung: 17./18. Komtnunalwahlbezirk: ürminhallen, gr. Saal, Konunandantenstr.SS/Sd Referent: Stadtverordneter Emanuel Wurm. 24. Kotntnnnaltuahlbezirk: fiitfin, Jletneler Strafe 67 Referenten: Stadtverordnete Carl Leid und Paul Sebneider. 25. KotntnunaWIbezirk: Prachfsäle des Ostens, Tranhiurier aiiee ist Referent: Stadtverordneter Bernhard Bruns. 28. KomtnunaMIbezirk: Altes Sehntzenhaus, Mmstrage% Referenten: Stadtv. Br. Alfred Bernstein und Leonhard Zucht. 31. KotntnunaMlbezirk: SrauereiKönigstadt, Schönhauser aiieeto/ii Restrenten: Stadtv. A. Hoffmann, Rechtsanw. Dr. Kurt Rosenfeld. 37. Konttnunaltnahlbezirk: 7. Wies Testsäle, Brnnnenstr. Iii Referent: StadtverordneterBr. BermannVefL 36. Kommnalwablbezirk: (IkMSNIfrfrseKteAe, Chausseestr. 110 Restrenten: Reichstagsabg. Molkenbuhr und Stadtverordneter Adolf Ritter. 42. KotntnunaMlbezirk: Brauerei fatzenbofer, Tnrmsir. u/u Referenten: Stadtverordn. Vilh. Pfannkueh und Rechtsanwalt Br. 0. Cohn. 43. KotntnunaMlbezirk: Kronen-Srauerei,»oahit u/u Referent: Stadtverordneter Perdlliand Bvald. 47. KotnmnnalWablbezirk: Tbarnssäle,»wir� iu Referenten: Landtagsabgeordn. und Stadt- verordneter Br. K. Liebknecht u. H. Metzke. Der Freisinn in der Konunune und im Staat- n™ Diskussion. ;; Mutiabe des Utats der Drwien m■ preiisrali Laodtie;; Jedermann ist freundlichst eingeladen. Die Wahlkomitees. Sechster Wahlkreis. Sonntag, den S4. Oktober, abends« Uhr, im Saale von B. Raabe. Kolberger Strafte SS: OekLHatHcIiS politische Versammlung für Männer und Frauen, Tagesordnung: Vortrag des Genossen vNvett über, Fßttuen auf, gegen Blockterrorismns und Volksbetrug l Zu zahlreichem Besuch laden ein Die Slbteilungssührer. Nach der Versammlung: HreinätUohvK Beisanuiieiiseiii mit Tanz. tsk Zahlstelle Berlin. Montag, den SS. Oktober gleich nach Feierabend um 5'/, bezw. 6 Uhr: Zwei tnKglicder'Verfaromlungen mit der Tagesordnung: L Die am 8. November stattfindenden Delegiertenwahlen zur Ortskrankenkasie für das Gewerbe der Tischler und Pianofortearbeiter. L. Die Ausstellung der Kandidatenliste. Die Kollegen, welche Im Bezirk links der Spree arbeiten(Südost, Süden und Südwest), gehen nach dem narhischen Hof, Admiralstraste 18e. Die Kollegen, welche im Bezirk rechts der Spree arbeiten(Osten, Nordosten, Norden und Nordwesten) gehen nach den Andreas• FcstsNlen, Andreasstrafte 21. Die eventuell als Delegierte aufzustellenden Kollege« müssen anwesend sein. SW Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch aus den Kreisen der Kollegen, welche Mitglied »diger Krankenkasse find, erwartet Die Ortsverwaltung. Klavierarbeiter. Die zu Montag. den SS. Oktober, bestimmte Branchen Tersammlnng fällt aus. Die Kollegen werden ersucht» die am selbe» Dagr gleich nach Feierabend ftattftndenden beiden JHlt- Xlleder- VcrsainmlnnKcn zu besuchen» die Wegen der Kraukenkassrnwohl einberufen ftnd. Die BranchenleltnnU. Sonntag, den S4. Oktober, abends S Uhr, bei Boeker� Weberstrafte 17: Oefftullicht Nersammiuug aiier in der Jnionßtbranche btslhästigfen Arbeiter nud bereu Frauen, Arbtiteriuneu und ivgendiichrn Arbeiter. 1. Vortrag: Welches Interesse hat die Fran an der heutigen Steuer- geseftgrbung? Referent: Kollege Schlemminger. 2. Die Statistik als Eruudloge zur Lohllbewegung. Referent: Kollege Roscmann. Die Kommtsfiou« Vergolder. Montag, den 25. Oktober, abends 8 Uhr. in den.«rminhallen-, Kommandantrnstr. S8jSv: Versammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:.Mehr Steuern, mehr Lohn». Referent: Genosse Dahlhe. 2. Die Lage der Berliner Goldleistenarbeiter. S. Branchen» augelegenheiten. Maschinenarbeiter. (Bezirk Osten und Nordosten). Montag. SS. Oktober, abends.V/, Uhr(gleich nach Feierabend). bei Müller, Gr. Frankfurter Str. 167 t WV Versa mm Iniig. TageS-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Lage in der Brauche und wie verbessem diefelbe? 2. Wcrtstatlangelegenheiten. Perlmutt-, Horn- n. Steinnullarbeiter und Arbeiterinnen. Mittwoch. 27. Ottober, abend? 6 Uhr(gleich«ach Frierabend): figjr Versammlung"WJ im Gewerkschattshanae, Engelnfer IS, Saal b. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Bürstenmacher. Mittwoch. 27. Oktober, abends 8 Uhr. bei PreuB, Holzmarktftr. 65: Versammlung. TageS-Ordnung: I. Die goftänd« tn der Burstenmacheret de» Vereins für Unfallverletzte. g. vrauchenangelegenheiten._______ Kammacher. Mittwoch, 27. Oktober, abends 8'/,»Hr. im Gewerkschaftshause, Eugel-Ufer IS. Saal 11: MV Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. S. Verbandsangelegenhelten. S. W erkstattangelegenhelteu. Bilderrah menmacher. Die zu Montag, de» 22. Ottober, in Aussicht genommene Branchen- Vernammlnng findet erst MlttWOCllz den 3. November, p-tt. Vertrauensmänner-Versammlung |flr sämtliche Sranchen und Bezirke Freitag, ÄS. Oktober, bkiFreyer, Koppeustr.29. wir I Orts-Krankenkaffe für das Goldsiljiutkdk-GtWtrbt zu Berlin. Den Mitgliedern unserer Kasse bringen wir hiermit zur Kenntnis, datz daS Krankengeld vom SO. Ottober 1900 ab nur Sonnabends bis 2 Uhr ausgezahlt wird. 278/17 Der Borstand. L. 91.: Otto Alinendinaor, Vorsitzender. Gemeinsame Orts- Krankenkasse für Dt.-Vilmersdorf und Umgegend. Die Vertreter der Arbeitgeber und Kasseimiitglieder werden hiermit zu der am Dienstag, den 2. November, abends 8 Uhr, im„Gesellschafts- Haus", WUHelmSauet 12, stattfindenden General-Yersammiung ergebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Verlesung des Prolokolls. 2. Brschlichsassung über den Mit« erwerb des Genesungsheim» der Orts- lrankenkasse Tempellios. 8. Wahl des Vorstandes nach ß 30 (10. Nachtrag) des Statuts. 4. Wahl der RechnuiigsprüfungS- Kommission. S. Bericht über den Brandenburgi- schen Provinzial-Krankenkassentaa. 6. Verschiedene». 27S'1S Dt.-Wiimersdors, 22. Oktober 1909. Der B o r ft o n d. Wegsner, Tuckermann, Vorhtzeiider._ Schristsührer. Setiiieltzer Volks-stntnorist. Geselltohaft* Terzett. Siettlnerotr.ST fMsl der Isolierer und Sleiolzleger DenUands. Abt. I. Isolierer. 90/19 Dl© Ortarerwnltnav. Montag, den LS. Oktober IVOS, abends 8'/, Uhr» Aufterordentliche MigUeäer-Vsrssmmwns bei Freiheit» Dragonerstr. 15. TageS-Ordnung: l. Das Resultat der weiteren Verhandlungen und die Zugeständnisse der Unternehmer. 2. Diskussion. 290/S Kollegen! Es ist nnbedingt Pflicht jedeS einzelnen, tn dieser Bersammlung zu erscheinen, denn es müssen sehr wichtige Brsäilüsse gefastt werde». Der Borstand Slchtung! Schuhmacher. Montag, den SS. Oktober, abends SV- Uhr: oeffentliche verlammiung der 17u/3 Schuhumchergehilfen im„Königshof"» Bülowstr. 37. Tages-Ordnung: 1. Vortrag: Wirtschaftskrise, Lohnrednztrrnnge« und hohe in direkte Steuern. Rcsercnt Kollege Karl Herrmann. 2. Diskussion. 3. Weiche Schritte sind zu unternehmen, um dem Lohnrückgang in unserem G-werbe«ntgegenzut>eten? Der Einderufer. Ltukkateure. Montag, den LS. Oktober, abends 8 llhr, im GevrerknelinftM banne, Engelnfer 15: Alißemdentl. Mügliebtr-Vcrsliimlilliiig. TageS-Ordnung: 1. Bauarbeiterschuh. Vortrag des Genossen G. Llnh. S. Gewerk. schaftlicheS. 3. Verschiedenes. UM- Aller Erscheinen ist notwendig l MJi 174/16__ Die Ortsverwaltane. Verband der Sattler und �ortefeuiller. Ortoverwaltung Berlin. Am Mittwoch, de» S7. Oktober IVOS, abends 8 Uhr, tn den Arminhallen, Kominandantcnstr. 58/59: Lenera!-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht»nd Abrechnung vom S. Onartal IVOS. g. Aiitrag des Borstandrs auf Entschädigung der Branchen fuuttiouSre. 4. BerschtedcneS. Kollegen! Kolleginnen! Die Wichtigkeit der vorliegenden Tages- ordnung ersordert, dafi jedes Mitglied dies« Versammlung besucht. 158/0___ Der Borstand. Sonnabend, den SO. Oktober tSVS, in Lonl« Kellers Fcststtlen(Jnh. Frcyer). Koppenstratze 29: 7eier des A. 8tifiungssestes. Gestspikl von Soffmouns Norddenttchev SSitgerv Konzert, Festrede Steigenfahren von Mitgliedern des tzl.-R.-B..Solidarität'. Darstellung: � r» B U I la Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang 8'/, Uhr. Billett 80 Pf. 158/10 Zahlreichen Besuch erwartet Das Komitee. Billett» find Im Bureau sowie bei den Werkstatlverlraueusleuten zu haben. Verstand der Vspezierer. . Filiale Berlin.-......-r.,— Slontaf, den 27. Oktober lOOO, abends S'/i Uhr, bei Wondt, B-uihstr. 21: Quartals-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht de» Vorstands und des Kassierers. 2. Diskussion. S. Verbands» angelegenheiten und Verschiedenes. DSloht aller URltgelleder Ist es, anwesend an nein. ===== Mitgliedsbuch legitlmt-rt.■ 177/14 Die OrtsTerwaltant« Schöneberg! Sozialdemokratischer Wahlverein. Dienstag, den 20. Oktober 1900, abends 8 Uhr, in den neuen RathauS-Güle«, Meininger Str. 8: AI RFUgltetlerversiiiiimUmg. W Tages-Ordnung: 1. Bürgerliche Sozialpolitik. Rcserent: AbinWohS. 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erivartet 16/2_ Der Vorstand. Achtung! Ausschneiden! Vortragszyklus Wer W" Die Hlkoholfrage in ihrer Bedeutung für die moderne Arbeiterbewegung vom SV. Oktober bis 10. Dezember er. jede» Freitagabend pünltUch 8'/, Uhr abendS im„Gewerksehattshans", Eugelujcr 15. Vortragssolge: 20. Oktober: Schriftsteller Simon Ii atzen stein:»Der Kampf gegen den Alkohol'. 5. November: Dr. med. Ignaz Zadok:„Was ist Alkohol nud wie wirkt er a»f die inneren Organe des Menschen?" 12. November: Dr. mod. O. Jullnsbarger:„Einwirkung des Alkohols auf Gehirn und Nerven. Vom gesunden und krauten Seelenleben«. IS. November: oand. med. Edwin Bab;„Alkohol und Ber« rrdung: Degeneration und Rassenhiigtene«. 28. November: Bundesvorfttzender Ansäst Neumann:»Alkohol und Unfall«. Z. Dezember: Arbeitersekretär Undolk HVlssell:„Gewerkschafts- bcwegung und Aikoholfrage«. 10. Dezembnr: Schriststeller Uelnrleb SebnlG:„Abstinenz und Klassenkampf«. Karten zu 30 Ps. im Vorverkauf— gültig für alle 7 Vorträge sind beim Genossen E. Gelsler, N. 58, Kualerstr. 41, und in der„Geschäfts- stelle d«S„Deutschen Arbetter-Abstinrnten-BnndeS«, Engetuscr IS, zuhaben. Emzelvorkäge 10 Ps.— Getränkeansschank findet nicht statt! Um zahlreich« Beteuigung bittet Der Borstand 290,4«_ der Ortsgr. Berlin dcö D. A.-A.-B. Geffentlieiie Tabakarbeiter-Versanunlnng Donnerstag, den 28. Oktober er., abendS 8'/, Uhr, bei HVllKe» Brnunenstr. 188, Nähe deS Rosenthaler ToreS. TageS-Ordnung: 1. DaS Elend der Tabakarbeitcr nach der Tabak- und Banderolenstkner« Erhöhung und daS rigorose Vorgehen namhafter Berliner Zigarcitensabriken. ,.«'»> Teohenocknor,'Zigarcilenarbeiter, Referenten: Die Kollegen Hoi.rmanni Z'jg�euarbeiter. 8. Diskussion. 187/14* Die Vertrauensleute ber Berliner Tabakarbeitcr. _ A.: Wllh. BUrner, Ritterstr. 15, Schmiede Herlins! Montag, den 2S. Oktober IVOS, abends 8'/, Uhr. bei HVllde, Brunurnftrafte 188 1 Z5 Versammlung� TageS-Ordnung: 1. Vortrag Wer das Kranlcnkassengcsetz. Nejerent: Gmosse A. Ritter. 2. Ilusstellmig der Deleglnten zur Lnnungslranlenkasse. 3. Verschiedene». Kollegen I Da versucht werden soll, einig- Paragraphen des Statut», welche die garnUienunterftützung betreffen, durch die Generalversammlung außer«rast zu setzen, ist diese Versammlung von größter Wichtigkeit jür all« bei JimungSnicislern b-schästigten Kollegen. Aber auch alle Kollcgcn, die in anderen Betrieben arbeiten, haben ein rege» Interesse an der Aus- gestaltung de» Kassenwesen» bei der Berliner Schmtedeinuung. Darum, Kollegen, erscheint alle tn der Bersammlung. Mit Gruß Der Kesellenausschuft. I. A.: Paul Kahler, Allgeielle. 176/19 eingetragene Genoesenschaft mit beschrankter Haftpflicht. Montag, den 1. November 1009, abendS 8'/, Uhr, in vräzel» kest» eilen. Neue Fricdrichstraße 35(grof/ec Saal): Generalversanunlungs- Jortsetzung. TageS-Ordnung: 1. a) Wahl von filitf AussichtSratsmitgliedern. b) Wahl von fünf Ersatzpersonen zum tzlussichisrat. 2. Anträge. Für den Au sichtsrat: Für den Vorstand: Er. Schulz. B. Junger. C. Httcke. Die Mitglieder werden erfncht, zum Zwecke der Eintragung der Rückvergütung ihre Mitgliedsbücher tn den vetkanföstetlen abzugeben.— Für diese Generalversammlung gelten die LegitimationSkarten al» Ausweis. 103/10 Zentralkrankenkasse der Maurer e, Grundstein zur Einigkeit". Verwaltung», teile Berlin. Freitag, de» 20. Oktober. abendS 8>/, Übet MgUedsr-?«rsLAMuW. Tage«. Orb nniig: 1�9/11 1. Kassen, und Revisionsbericht voin 3. Quartal. 2. Bortrag des Herrn Dr. Cbtzfes Über: Licht-»nd Rönt�each» Handlung. 8. Wahl eines HUsstaistems für den Bezirk Norden. 4. Verschiedenes. SV MitgltedStinch legitimiert!«MG __ Die Örtliche Verwnltnng. Bezirk GroL Berlin. ------ Berlin 30., Sngemser 14/15 II, Zimmer 31—36 u. 42—44.- Allen Mitgliedern zur KenniniSnaHme, daß unsere Berliner Bureau» am Dienstag, den 26. Oktober d. I., am Tage der Landtagswahlen den ganzen Tag geschlossen bleiben.— Die Auszahlung der Dienstag sälligen Kraiikenunterstütziing erfolgt am Montag und Mittwoch, desgleichen die Arbeilslosenunteistützung. Die Arbeitsnachweise Alte Leipziger Str. 1 und Engeluser 15 sind von 12 Uhr mittag» ab geschlossen. 70/17 Die Bcelrkevcrwnltnng. Sophien-Säle SophienstraOe 17/18 QutratraBa der Rosenthaler StraBs— am Hackasehen Markt• Inhaber: Paul Baatz'------ empfiehlt feine von 60—2000 Personen fassenden Säle zu Versammlungen Vortrag»- u. Kunstabendeu usw. Borzügl. Akustik. Kulant. Entgegenkomme» d® BERLIN S Denkbar l gröpte Auswahl Erf?klafpge Verarbeitung d® Oranien-Platz Höch(?e Lei�ungsfähig- keit durch Selbj?- fabrikation in größtem Stile /?. M. Maassen HA c. m. b. H. 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Alle Mann am Platze! fln die GenoSfen und Genoffinnen Groß-Bcrlins! Am Dienstag, den 26. Oktober, finden die Ersatzwahlen zum preußischen Abgeordnctenhause in den vier Bezirken statt, in welchen Junker und Protzen uns in schamloser Weise um die vier Mandate geprellt haben. Alles muß daran gesetzt werden, diesen mit Hilfe der Freisinnsclique verübten Gewaltstreich unwirksam zu machen und die Mandate unserem Besitzstande zu erhalten. Wir erwarten daher, daß jedes Mitglied der Wahlvereine nicht nur zum regsten Agitator für diese Wahlen wird, nein, daß sich auch alle, deren Zeit es irgend erlaubt, der Partei an diesem Tage vollzählig zur Verfügung stellen und sich in den nachbezeichneten Zentralburcaus so frühzeitig als möglich, von 8 Uhr morgens au, einfinden, um dort Hilfe zu leisten: 6. Landtagswahlbezirk bei Hoffmann. Oppelner Str. 47. Amt IV, 9373(Nebenanschluß). 6. Landtagswahlbezirk bei Litfin, Memeler Str. 67. Amt VII. 1075. 7. Landtagswahlbezirk bei Beiersdorf, Elbinger Str. 9. Amt VII. 6343. 12. Landtagswahlbezirk: Zentrale bei Richter, Wiclefstr. 24. Amt Moabit 723. Unterbureaus bei Cäsar, Mt-Moabit 119 und Faber, Stephanstr. 11. Besonders bitten wir radfahrende Genossen, welche nicht schon direkt zur Unterstützung bei der Wahl aufgefordert sind, wenn möglich, den ganzen oder halben Tag Hilfe zu leisten. An unsere Genossen in den vier Bezirken richten wir die Bitte recht frühzeitig zur Wahl zu gehen und besonders in der 1. und 2. Abteilung am Platze zu sein und sich nach Abgabe der Stimme an der weiteren Schlepparbeit zu be- teiligen. — Daß in allen drei Abteilungen auch nicht eine sozialdemo- kratische Stimme verloren gehen darf, versteht sich von selbst. Mitgliedsbuch der Partei dient als Legitimation. An die Arbeit.— Zeigen wir unseren Gesinnungs- genossen im Lande, in Sachsen und Baden, in der Pfalz und in Thüringen, daß wir nicht hinter ihnen zurückstehen. Mit Parteigruß Die WahlkomtteeS. » Wahlzekten: 2. Abteilung von 9—12 Uhr. "" q o" «J* ,» tt& ö#/ parte!- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonntag bei I. Meyer, Oranienstr. 103 und bei Rabe, Fichtestr. A, Gemütliches Bei- sammensein, bestehend ans Vortrag, Tanz usw. Anfang 6 Uhr. Bei Rabe Vortrag des Reichstagsabgeordneten R. Fischer über: „Die Zeit des Sozialistengesetzes". Parteigenossen I Besucht mit Eueren Familien die Veranstaltungen des Wahlvereins. _ Der Vorstand. Montag, den 25. Oktober» 8 Uhr abendS: 8 öffentliche Wählerversammlunge«. 6. Bezirk: Drochcnburg. Vor dem Schlesischen Tor. Urania, Wrangelstr. 9/10. 6. Bezirk: Markgrafen-Säle, Markgrafcndamm 34. Andreas-Fostsäle, Andrcasstr. 21. 7. Bezirk: Elysium, Landsborger Allee 40/41. Prachtsäle dos Ostens, Franks. Allee 150/151. 12. Bezirk: Prachtsäle Nordwest. Wiclefstr. 24. Artus-Hof, Perleberger Str. 26. Referenten: Die Reichs- und Landtags- abgeordneten Heine, Lrdcbour, Licbknccht, Robert Schmidt, Singer, Stadthagcn, Ströbel und Znbcil. Ansprachen der Kandidaten Borgmann, Hei- mann, Hirsch und Hoffmann. � Tienstag, den 26. Oktober, abends 8'/, Uhr: 15 Kommunalwähler Versammlnugen, in denen auch das Wahl- resultat verkündet wird. Siehe heutige Annonce. Zahlreichen Besuch allerVcranstaltungen erwarten_ Die Wahlkomitees Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Groff-Berlins und Umgegend. Vortrags-ZykluS: Theorie und Geschichte dcS modernen Sozialismus. R i ch. B a l l s ch m i c d e r s „Prachtsäle", Badstr. 16: Freitag, den 29. Oktober Freitag, den 5. November Freitag, den 12. November Freitag, den 19. November Freitag, den 26. Noveniber Freitag, den 3. Dezember Vortragender: Max Gruuwald Die einzelnen Vorträge umfassen: L. Kellers Festsäle(Juh. A. Freyer) Koppenstr. 29: Montag, den 1. November Montag, den 8. November Montag, den 15. November Dienstag, den 23. November Montag, den 29. November Montag, den 6. Dezember Die Entwickelung des soziallstischen Gedankens bis zum wissenschaftlichen Sozialismus. 2. Der wissenschaftliche Sozialismus: Marx und Engels. 3. Die erfreu Organisationsansänge: Der Kommunisten- bund. Die Internationale Arbeiterassoziation. 4. Die nord» und mitteldeuffchen Arbeitervereine. Die Bildungsvercine. Lassalle und der Allgemeine deutsche Arbeiterverein. 5. Bebel und Liebknecht und die Gründung der sozial- demokratischen Partei. Die Einigung von 1875. 6. Das Sozialistengesetz und seine Ueberwindung. Von Halle(1890) bis Leipzig(1909). Preis der Karte für alle sechs Vorträge 60 Pf. Karten sind bei den Bezirks- und Abteilungsführern sowie in den Kreiswahlvercinsbureans deS 4., 6., Teltower und Nieder-Baruimer Kreises zn haben. s Wir erwarten zahlreiche Beteiligung. _ Der Zentralvorstand. Rixdorf. Eintrittskarten für die heute im Rixdorfer Theater stattfindende Vorstellung sind nur noch in beschränkter Anzahl von 8 Uhr früh bis kurz vor der Vorstellung im Restaurant Hugo Meier, Prinz-Handjery-Str. 3 zu haben. Der Bildungsausschuß. Charlottcnburg. Achtung I Heute: Flugblattverbreitung I Wir erwarten, daß jeder Genosse seine Pflicht tut, da nur dann unsere Arbeit von Erfolg sein kann. Ferner fordern wir die Genossen auf. für starken Besuch der am Dienstag stattfindenden öffentlichen Versammlung zu sorgen. Die Genossen Dr. Borchardt und Gebert werden über die Stadt- verordnetenwahlen sprechen und außerdem wird dort das Resultat der Berliner Landtagsurivahlen bekanntgegeben. Der Vorstand. Schönedcrg. Die Versammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins findet am Dienstag, den Lß. d. M., abends Sll2 Uhr, in den „Neuen Rathaussäle»", Martin-Luiher-Slr. 61, statt. Die Tages- ordnung lautet:„Bürgerliche Sozialpolitik". Referent: Gen. Albin M o h s. Bereinsangelegenheiten. Versckiedenes. Der Vorstand. Wilmersdorf. Am Dienstag, den 26. Oktober, abends 8'/z Uhr, findet eine öffentliche Prolestversammlung statt, in welcher Reichs- tagsabgeordnetcr S t ü ck l e n über:„Die Entrechtung der Wilni ersdorfer Bürgerschaft und das Stadtpar- I a m e n t" sprechen wird. Wir ersuchen für regen VersammluugS- besuch Sorge zu tragen. Die diesmouatliche Mitgliederversammlung fällt wegen der obigen Versammlung aus. Der Vorstand. Friedenau. Am Mittwoch, den 27. d. M.: Generalversammlung des Wahlvereins bei Schellhase. Steglitz, Ahornstr. 16a. Ausnahme neuer Mitglieder. Vortrag des Genossen Kubig-Pankow. Berichte usw. Der Vorstand. Groß-Lichterfclde. Die ordentliche Mitgliederversammlung des Wahlverdns findet am Dienstag, den 26. Oktober, abends 8 Uhr, im Richter'schen Saale. Chaussee st r. 164 statt. TageS- ordnung: Vortrag deS Genossen Kubig-Pankow über:„Die Pariser Kommune". Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Zehlendorf(Teltow-Beeskow). Dienstag, den 26. d. M., abends 8'/, Uhr: Vcrdnsvrrlrinunlung des WablvereinS bei B. Mickley, Potsdamer Str. 2b. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Griebel: „Karl Marx und die Klassenbewegung des Proletariats". 2. Dis lusston. 3. Vereinsangelegenheiten. 4, Verschiedenes. Der Vorstand. Lankwitz. In der am Mittwoch, den 27. Oktober, abends 8V3 Uhr, stattfindenden Mitgliederversammlung bei Ebel, Mühlen- ftr. 9, referiert Genosse Dr. Bruno Borchardt über:„Sozialismus als Weltanschauung". Diskussion. Bericht des Vorstandes und deS Kassierers. VereinSangelegcnheiten und Verschiedenes, Der Vorstand. Treptow-Banmschulenwcg. Morgen Montag, abends 8lU Uhr, in der„Radrennbahn": Versammlung für Frauen und Männer. Vortrag des Genossen Dr. Alfred Bern st ein über:„Für- sorgeerziehung".— Freie Aussprache. Zu dieser Versamm- luirg sind besonders die Frauen eingeladen. Der Vorstand. Johannisthal. Dienstag, den 26. Oktober, findet bei Senftleben, Friedrichilr. 43, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht des Bor- slandcs und der Funktionäre. 3. LereiuSangelegenheite». 4. Ver- schiedcneS. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Dienstag, den 26. Oktober, abends 8Vz Uhr. findet im„Lindenbaum", Spandauer Str. 46, die Gcneralveriamm- lung des Wahlvereins statt. Der Vorstand. AdlcrShof. Am heutigen Sanntag veranstaltet der Wahlverein sein übliches Herbstfest bei Kähne, Bismarcislraße 66. Die Mit- glieder wollen dafür Sorge tragen, daß das Fest rege besucht wird. Teltow. Heute. Sonntag, den 24. Oktober, nachmittags 3 Uhr, findet im Lokale des Herrn Preuß, Berliner Str. 16, eine Vollsver- sammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: Vortrag deS RcichStagSabgeordneten Fritz Z u b e i l über: Der Raubzug des lonservaliven Schnapöblvcks aus die Taschen der arbeitenden Bevöllerung in Stadt und Land, in Gestalt von 666 Millionen Mark neuer Stenern. Männer und Frauen, erscheint in Massen in dieser Versammlung. Der Vorstand. Erkner. Heute, Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Volksversammlung in Fangschleuse iin Lokal Karoleivsky. Die Genossen von Erkner werden ersucht, sich recht zahlreich daran zu beteiligen. Abmarsch vom Parteilokal mn l/4ß Uhr. FricdrichShagen. Laut Beschluß finden in Zukunft unsere Mit- gliederversammlungen jeden letzten Mittwoch im Monat, also die nächste am Mittwoch, den 27. d. Mts., abends 8>/z Uhr, im Nestau- rant der Wirme Lercbe, Friedricküraße 12, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Rudolf Wissel über:„PatriorisnuiS und Internationalismus". 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Eichwaldc-ZeuthcN'Micrödorf. Am Mittwoch, den 27. Oktober, abends L'/z Uhr, findet im Lokal des Herrn Lindemann, Zeuthen, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagcsorouung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vereinsaiigclcgciihcitei: und Ver- schiedeneS. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Biesdorf. Parteigenossen I DienStag, den 26. Oktober: Zahl- abend bei Gustav Berlin, Marzahner Straße. Vortrag. Referent: Gen. Zimmermann. Der Vorstand. Schöncichc und Umgegend. Heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, findet im„ParndieSgartcn"(Jnh. Schönemann), RahnSdorfer Mühle, eine Volksversammlnng statt. Tagesordnung: 1. Vortrag dcS Stadt- verordneten G r o g e r- Rixdorf über:„Unsere polnische Lage". 2. Diskussion. Der Einberufer. Reinickendorf-Ost. Am DienStag. den 26. Oktober, abendS 8 Uhr, findet im Restaurant Sadau. Residenzstr. 124, die Mitgliederversammlung des Wablvcreins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Emil Dittmer über: Der Darioinismus und die Arbeiter." 2. Diskussion. . Partei- und VereinSangclegenheiten. 4. Verschiedenes. Der Borstand. Nieder-Schönhauscn-Nordend. Am Dienstag, den 26. Oktober. abend 8'/» Uhr. findet im.Lindengarten", Lindenstr. 43. die Mit- gliederversammlung des WahlvereinS statt. Tagesordnung: 1. Vor- trag über:„Zehn Jahre KonsumgenossenswaftSbewegung". Referent: Genosse Mücke. 2. Vereinsangelegenheiren. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Tegel. Morgen Montag, abends S'/z Uhr, findet bei HalfeS, Brunowstr. 23, der Disknticrabend für die Genoisiunen und Ge- nofien statt. Die Bezirksleitung. ßerUncr INachnchten. Die Scheusäligkciten deS Pastors Breithaupt sind noch Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Untersuchung. DaS Verfahren gegen den Menschenquäler Breithaupt und Inspektor Engels ist, wie wir erfahren, keineswegs abgeschlossen, sondern noch im Gange. Es muß befremde», daß nicht schon längst alle die furchtbaren Mißhandlungen von Fürsorgezöglingen von der Staats- anwaltschaft aufgehellt sind, die in dem Prügelstist Mielczyn verübt worden sind. Die Staatsanwaltschaft kann das viel leichter und gründlicher als die Presse, der nicht alle die Hilfsmittel zur Ver- fügung stehen wie der Justizbehörde. Unser erster Artikel, der sich mit den Bestialitäten in Mielczyn befaßte, erschien vor drei Monaten und heute hat die Staatsanwaltschaft erst einige Zeugen vernommen. Soll die Untersuchung der Staatsanwallschaft eine durchgreifende sein und den Zweck haben, wirkliche Sühne für die verbrecherischen Ausschreitungen zu schaffen, die in dem genannten Prügelstift vorgekommen sind: so müssen sämtliche Personen, die seit Eröffnung der Mielczyner Anstalt in derselben gewesen sind, über ihre Wahrnehmungen und Erfahrungen ver- nommen werden. Geschieht daS, dann wird sich bald zeigen, daß unsere Veröffentlichungen über brutale Behandlung der Mielczyner Zöglinge nicht nur bestätigt werden, sondern es wird sich heraus- stellen, daß in weit uinncnschlichcrcr Weise als vir berichtet, ver- fahren worden ist. Schon längst hätte ein„Erzieher" wie Brcithaupt, der sich an wehrlosen Knaben vergangen hat, von der Staatsanwaltschaft am Kragen genommen werden müssen; ein Arbeiter, der sich nur in dem einen oder anderen Falle sich solche schwere Verfehlungen hätte zu schulden kommen lassen, wie sie Breithaupt in zahlreichen Fällen zu beweisen sind, wäre sicher nicht mehr in Freiheit. Schon der eine Fall genügte, in welchem Brcithaupt am 81. Mai einen noch nicht fünfzehn Jahre alten, geistig minderwertigen Knaben so unmenschlich schlug bczw. schlagen ließ, daß noch heute, nach zirka fünf Monaten, die Folgen dieser bestialischen Behandlung zn sehen sind und wohl nie mehr von dem Körper des unglücklichen Menschenkindes verschwinden werden, den Pastor auf Jahre ins Ge- fängnis wandern zu lassen. Aber dieser Mann ist nicht nur heute noch in Freiheit, sondern darf nach wie vor sein Erzieheramt ausüben. Wir halten dafür, daß jede Stunde, die dieser Mann länger an seinem Posten ge- blieben ist, eine geradezu sträfliche Versündigung an den in Ob- Hut der iSradt Berlin zum Zivecke der Erziehung gegebenen Für« sorgezöglingen ist. Wir halten es aber auch weiter für nnverantworllich. mit Leuten zu paktieren, die ihre Aufsichtspflicht gegen Brcithaupt so vernachlässigt haben, wie das von dem Aufsichtsrat der Ge» sellichaft m. b. H., dem evangelischen Verein für Waiscnpflege in der Ostmark geschehen ist. Hier kann eS nur eines geben: Schleunige Lösimg des Ber- träges mit dem genannten BcrcinS und Fvrtnahme der Fürsorge- Zöglinge. Der Freisinn macht sich mitschuldig an dem niederträchtigen Erziehungssystem in Mielczyn, wenn er auf etwaige Einigungs- Vorschläge der an der Spitze der Mielczyner Anstalt stehenden Personen irgcndivelchcs Entgegenkommen zeigt. DaS Sekretariat der GewerkschaftSkommiffion ist am Dienstag nachmittag der Landtagswahl wegen geschlossen. Das Kuratorium der städtischen Heimstätten wiederholte in seiner Sitzung vom 26. Oktober den Beschluß, daß die Heranziehung der Pfleglinge zu leichten Arbeiten, Zustimmung des Arztes der Heimstätte borausgesetzt, im Interesse der Krauken selbst liege. Es dürfe aber keinem Pflegling eine Arbeit zugemutet werden, die er nicht leisten könne. Ferner wurde eine Kommission, be- stehend aus den ärztlichen Kuratoriumsmitgliedern sowie allen Heimstättenärzten, eingesetzt, um Vorschläge zu machen, inwieweit eine Beschäftigung der Pfleglinge vom ärztlichen Standpunkt als nötig, wünschenswert und zulässig zu erachten, also die Arbeit als Heilmittel anzusehen ist. Hierbei soll jedoch darauf Bedacht ge- nommen werden, daß nur produktive Arbeit geleistet wird. Eine Einlassung des Personals soll durch die Heranziehung der Pfleg- linge zu Arbeiten nicht erstrebt werden. Als Besuchszeit für die Pfleglinge i» den Heimstätten Blankenburg, Upstall, Blankenfelde, Malchow, Gütcrgotz und Buch wird Mittwoch und Sonntag be- stimmt, und zwar während der Sommermonate April bis Sep» tembcr die Zeit von 4— 6 Uhr, während der Wintcrmonate Oktober bis März die Zeit von 3— 5 Uhr. Für die Heimstätte Heinersdorf wird die Besuchszeit für denselben Tag, jedoch während des ganzen Jahres gleichmäßig auf die Zeit von 3— 5 Uhr festgelegt. Die veränderte Besuchszeit soll erst vom 1. Januar 1916 ab in Wirkung treten. Ein Erweiterungsbau der Heimstätte Buch wurde wegen der zurzeit nur geringen Belegung der Heimstätten abgelehnt. Kleine Gehaltsünderungen. Der Magistrat hat gemäß einer Resolution der Stadtverordnetenversammlung die Anfangsdiäten der Hilfsdiener auf 3,66 M. täglich, nach einem Jahr auf 3,96 M. bereits vom Frühjahr d. I. erhöht. Dem gleichzeitigen Ersuchen der Stadtverordnetenversammlung bei den Diplomingenieuren und künstlerisch gebildeten Architekten, Architekten und Ingenieuren, Technikern 1. Klasse(Bauassistcntcn) und Technikern 2. Klasse eine Erhöhung der Sätze eintreten zu lassen, will der Magistrat nach einer den Stadtverordneten zugegangenen Vorlage jetzt folgen. Es sollen die Diplomingenieure und künstlerisch gcblidctcn Archi- tekten anfangs statt 246 M. monatlich 276 M., die Architekten und Ingenieure statt 210 M. 246 M., die Techniker 1. Klasse statt 166 M. 166 M., die Techniker 2. Klaffe und Vermessungstechniker statt 136 M. 166 M. erhalten. Bsn einer Erhöhung der Enddiäten hat der Magistrat mit Rücksicht auf die Anfangsgehältcr der angestellten Beamten, welche aus den als Diätare bezeichneten Personen hervor» gehen, abgesehen, um die Schwierigkeiten nicht noch zu vermehren, die ohnedies bei der Anstellung älterer Diätare regelmäßig ent- stehen und zur häufigen Bewilligung von persönlichen Zulagen zum Ausgleich zwischen Enddiäten und Anfangsgehalt führen. Da- gegen soll durch die Erhöhung der Airsangsdiäten die Gewinnung besorchers fähiger und geeigneter Kräfte für die städtische Pettvui- tung erleichtert werden. Für die am städtischen Schlachthof beruflich tätigen Schlächter und sonstigen Bediensteten des SchlächtergewerbeS sind Garderoben zum Wechseln und Trocknen der beschmutzten Berufskleidung ein- gerichtet. Die vorhandene» Einrichtungen sind aber infolge deS vergrößerten Schlachtbetriebes gänzlich unzulänglich geworden. Eine Erweiterung dieser Anlagen ist deshalb dringend erforderlich. Gleichzeitig hat sich auch das Bedürfnis für die Anlage von Aufcnt- Haltsräumen für Lohnschlächter, und Arbeiter sowie von einigen Bureauräumen für Gewerbetreibende herausgestellt, die sich zweck- mäßig mit diesem Erweiterungsbau verbinden lassen. Der Ma» gistrat fordert jetzt von der Stadtverordnetenversammlung die Be» I willigung der hierzu erforderlichen Mittel von 79 666 M. Die Milchpreise, die von Milchhändlem, Molkereibesitzern und einigen Grotzfirmen im Herbst 1307 beschlossen wurden, und zwar auf 22 Pf. pro Liter ab Laden, Stall oder Wagen, und 24 Pf. pro Liter frei Haus, sollen nach wie vor bestehen bleiben. Eine Ver- sammlung von Interessenten erklärte eine Herabsetzung für nicht möglich infolge gestiegener Unkosten. Trotzdem gibt es unseres Wissens viele Händler, insbesondere solche, die von auswärts mit Milch nach Berlin kommen, die für 22 Pf. das Liter ins Haus bringen. Zur Bluttat in der Weberstraße wird mitgeteilt, daß der ver- haftete Friseur Hans Jünemann voraussichtlich bald wieder- hergestellt sein wird. Sein Ueberzieher und sein Hut wurden in der Lesehalle in der Kurstratze noch gefunden und beschlagnahmt. Man hatte die Sachen dort einstweilen aufgehoben, weil man an- nahm, dast jemand sie vergessen habe. Die Behauptung Jüne- manns, daß er seine Geliebte mit deren Einverständnis getötet habe, klingt nicht ganz unglaubwürdig. Sie stimmt auch, wie wir schon mitteilten, mit dem Befund der Leichenöffnung überein. Deren Ergebnis hatte bereits den Gedanken nahegelegt. Auch beschlag- nahmte Briefschaften deuten darauf hin. Der Entschluß zur Aus- führung des Vorsatzes scheint dann allerdings doch plötzlich ge- kommen zu sein. Ohne Zweifel hat Jünemann vorher noch andere Pläne gehabt. Er hatte seiner Geliebten auch versprochen, daß er Mitte November mit ihr nach London fahren wolle, um sich mit ihr trauen zu lassen. Er hatte wohl immer noch gehofft, irgendwie zu Geld zu kommen, vielleicht durch einen größeren Wettgewinn auf der Nennbahn. Bei einern Schneidermeister in der Alexander- straße hatte er für 1000 M. Kleidungsstücke bestellt, einen Frack- anzug, einen Ueberzieher, einen Pelz usw. Wahrscheinlich hat er die Absicht gehabt, den Meister um diese Sachen zu betrügen. Die Nervosität der Berliner Polizei— so schreibt man uns— scheint sich von Tag zu Tag zu steigern. Nachdem sie am Mittwoch- abend in der Köpenicker Straße harmlose Versammlungsbesucher attackierte und arretierte, und nachdem sie am Donnerstag nach dem Vortrag Karl Schneidts ebenfalls scharf zugegriffen, ver- haftete sie am Nachmittag desselben Tages in der Revaler Straße vor den Eisenbahnwerkstätten zwei bürgerlich-demokratische Frauen, die dort Flugblätter zur Landtagswahl verteilten. Ein Schutzmann fragte die zwei Frauen, ob sie mit Erlaubnisscheinen versehen seien, um dort Flugblätter verteilen zu können. Nachdem die eine Frau den Polizisten darüber belehrt, daß es während der Wahl- Periode keines Erlaubnisscheines bedürfte, zog er sich zurück, um bald darauf mit einem uniformierten Kollegen wiederzukehren, um die Frauen kraft seines Amtes auf die Wache zu befördern. Nach- dem dort die Personalien der beiden Frauen festgestellt, mußten die Frauen das Eintreffen des Polizeileutnants erwarten. Frau K. hatte ihren dreijährigen Knaben bei sich, der ein Bedürfnis zu verrichten hatte. Der Kleine wurde mit seiner Mutter auf das Klosett beurlaubt, zur Sicherheit, damit die Frau mit dem Kleinen nicht durch die Brille verschwand, wurde ein Behelmter während dieses Notaktes vor die Klosettür postiert. Nach zirka drei Viertelstunden erschien der Herr Leutnant, der übrigens auch nicht über die Verteilung von Flugblättern während der Wahl- Perioden orientiert zu sein schien, und nahm ein Flugblatt, um es dem Polizeipräsidium einzusenden. Mit den zarten Worten: „Sie sind aufgeschrieben, Sie können gehen," wurden die unschuldig verhafteten Frauen von dem Herrn Leutnant entlassen.— So lernen auch einmal die bürgerlichen Frauen die Liebenswürdig- leiten der Berliner Polizcibeamten kennen, die bisher nur Sozial- demokratinnen zu kosten bekommen haben. Die gefoppten Caruso-Enthusiasten. Einen etwas eigenartigen Scherz hat sich ein Unbekannter erlaubt. Er ließ in einer hiesigen Tageszeitung eine Annonce erscheinen, in der er ankündigte, daß noch einige gute Billetts für das Caruso-Gastspiel im Kgl. Opern- Haus zu haben seien. Als Abholestelle war in dem Inserat die Adresse eines Professors in Charlottenburg angegeben. Natürlich strömten zahllose Personen nach der betreffenden Wohnung. Der Professor, der von gar nichts wußte, war nicht wenijj erstaunt, als es fortwährend an der Korridortür klingelte und immer wieder neue Personen erschienen, um sich die in der Annonce angekündigten Billetts zu ergattern, die gar nicht existierten. Abgestürzter Malermeister. Von einem bedauerlichen Unglücks- fall wurde vorgestern nachmittag der Wjährige Malermeister Artur Krache aus der Jasmunder Straße 72 betroffen. K. hatte seine auf einem Neubau in der Brunnenstraße tätigen Gesellen aufsuchen wollen. Als er die Treppe zum zweiten Stockwerk hinaufstieg, wurde er plötzlich von einem Schwindelanfall heimgesucht. Er stürzte rück- lings die Treppe hinunter und wurde von seinen Leuten in be- sinnungslosem Zustand nach der Rettungswache gebracht, wo schwere Kopfverletzungen und Erschütterungen bei ihm festgestellt wurden. Geldschrankeinbrecher haben in der vergangenen Nacht den Deutschen Metallarbeiterverband in der CharUöstr. 3 heimgesucht. Anscheinend kamen sie vom Nachbargrundstück über die Mauer her« über und vom Dach aus aus eine» Balkon am dritten Stock des OuergebäudeS, in dem sich der Hauptkassenraum des Verbandes befindet. Durch ein Fenster eingedrungen, erbrachen sie den in dem Haupt- räume stehenden Geldschrank und erbeuteten daraus 77ö6 M. in Papier. Gold und Silber. Ein Mädchen. daS um 3Vz Uhr seine Herrschaft weckte, sah einen der Kerle auf dem Balkon, und beobachtete bald darauf weiter, wie vier Männer den Seitenflügel und über den Hof hinweg das Grundstück verließen. Um aus dem Kassenraum heraus zu kommen, hatten die Einbrecher eine Tür ausbrechen müssen, die Haustür öffneten sie mit einem Nachschlüssel. Der gestohlene Betrag ist durch die Versicherungssumme voll gedeckt. Der Verband erleidet keinen Schaden. Vortragszyklus über die Rlkoholfrage. Immer mehr wächst innerhalb der klassenbewußten Arbeiterschaft das Interesse für die Bestrebungen der modernen Antialkoholbewegung. Namentlich durch die neuen Steuern auf Bier und Branntwein ist der proletarischen Abstincnzbewegnng ein gewaltiger Förderer entstanden. Zur Auf- klärung über die Alkoholvorurteile und über die Trinksilten bei- zutragen, soll auch die Aufgabe eines Vortragszyklus sein, der unter Mitwirkung bekannter Parteigenossen und Mediziner vom 29. Oktober ab jeden Freitagabend 8'/3 Uhr im Gewerkschaflshause abgehalten wird und zu dem Karten, gültig für alle sieben Vorträge, zum Preise von 30 Pf. beim Genossen Ernst Geisler, 17. b3, Kuglerstraße 41 und in der Geschäftsstelle deS Deutschen Arbeiter» Abstinentenbnndes, SO. 16, Engelufer 19, zu haben sind. Vortrags- folge siehe im heutigen Inserat I Der Jugendkursus in theoretischer Nationalökonomie(Fortschritts- kursus) wird von heute ab doch wieder im Gewerkschafts- Hause, Saal 11, abgehalten. Beginn pünktlich 11 Uhr. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt in dieser Woche der neue Vortrag„In den Dolomiten", der an der Hand zahlreicher Naturaufnahmen und Wandelpanoramen die außer- gewöhnlich schönen Dolomitlandschaften, durch welche die großartigste Kunststraße der Neuzeit, die neue Dolomitenstraße, die erst Aus- gang dieses Sommers eröffnet wurde, führt, mit Ausnahme von Mittwoch allabendlich zur Darstellung. Am Mittwoch findet der 13. Vortragsabend des Wissenschaftlichen Vereins statt, und zwar wird Herr Professor de Vries aus Amsterdam sprechen über:„Die Entstehung neuer Formen in der Pflanzenwelt". Außerdem finden am Mittwoch und Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, Wiederholungen des Vortrags„Rom und die Campagna" zu kleinen Preisen statt. Im Hörsaal werden nachstehende Vorträge gehalten: Montag, Pro- fessor Dr. Leß,„Das Wetter und seine Vorausbcstimmung", Mitt- woch, Professor Dr. Rathgen,„Das Chlor und seine Gefährten", Donnerstag, Dr. W. Berndt,„Die Zeugen früheren und frühsten Lebens auf Erden(Deszendenztheorie 1. Teil)", Sonnabend, Professor Dr. B. Donath,„Von der Ausbreitung der Lichtwcllen". Im großen Hörsaal auf der Urania-Sternwarte in der Jnvalidenstraße spricht am Dienstag, abends 8 Uhr, Herr Dr. Schwahn über:„Die Bewegungen der Himmelskörper". Wer ist der Tote? Vorgestern nachmittag gegen 6 Uhr betrat ein etwa 45 Jabre alter Mann, anscheinend ein Arbeiter, in gebückter Haltung, die Hände gegen den Unterleib pressend, die Schankwirt- fchaft von Scholz am Görlitzer Ufer Nr, lt. Gleich darauf brach er zusammen und war tot. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Der Verstorbene ist blond und mittelgroß, seine Wäsche ist A. B. gezeichnet. DaS Schleswiger Ufer von der alten Holzbrücke bis zur Altonaer Straße wird wegen des Neubaues der Hausabrücke sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Arbeiter-Samariterkolonne. Montagabend 9 Uhr, 1. Abteilung, Dresdener Straße 45, Vortrag über:„Verletzungen, Wundbehand- lung und Blutstillung". 1. Teil. Da mit diesem Vortrage der praktische Teil des Kursus beginnt, können neue Mitglieder noch eintreten. Zeugen gesucht. Die Personen, die am 25. September, abends zwischen 10 uitd 11 Uhr, Zeuge des Reukontres zwischen dem In- Haber der Destillation von Fröhlich, Reinickendorfer Str. 162(Nettel- beckplatz), und einem älteren kleinen Manne, der eine Brille trug, waren, werden um Abgabe ihrer Adresse gebeten an Kern, Prinzen- allee 25. Vorderhaus; insbesondere die beiden jungen Leute, die sich zur Verfügung stellen wollten. Fenerwehrnachrichten. In der Nacht zum Sonnabend kam auf dem Platz der Aktiengesellschaft„Panzer" in der Badstr. 59 in einer Bude Feuer aus. Es gelang durch schnelles Wastergeben, den Brand aus die Bude zu beschränken. Die Entstehung konnte noch nicht ermittelt werden. Früh um 4 Uhr brannte am Sonnabend ein Waggon mit Preßkohlen auf dem Moabiter Güterbahnhof. Ein ge- fährliches Feuer beschäftigte den 11. Zug in der Gilschinerstr. 62, Dort brannten in einer Pianofortefaorik Hölzer, Pianinos, Schal- decken u. a. Brandmeister v, Lorch ließ kräftig Wasser geben, wo- durch es gelang, eine weitere Ausdehnung der Flammen zu ver- hüten. Auf dem Dache des Hauses Gartenstr. 46 brannte ein Schneebrett u. a. und in der Mendelssohnstr. 4 Kleider u. a. Ferner hatte die Feuerwehr noch in der Mariannenstr. 33, Markusltr. 31 und verschiedenen anderen Stellen zu tun. Ueberall konnte schnelle Hilfe geleistet werden. Vorort- J�achrichtem Tchöneberg. Die Veranstaltung von BolkSuntcrhaltungsaienden soll im kommenden Winter von der Stadt Schöneberg selbst in die Hand genommen werden. Der Magistrat bat in Uebereinstimniung mit der Deputation für das höhere Schulwesen der Stadtverordneten- Versammlung eine entsprechende Vorlage zugehen lassen. Bisher waren diese Veranstaltungen dem„Verein zur Förderung der Kunst" übertragen. Die Stadt hatte regelmäßig die Deckung des Defizits übernommen, wofür sich der Verein verpflichten mußte, ein einheit- liches Eintrittsgeld von 30 Pf. zu erheben. Die Höhe des Defizit? ist von Jahr zu Jabr gestiegen. Im letzten Winter wurde bei sechs Abenden ein Zuschuß von 646,80 M, gezahlt, während das Defizit im vorhergehenden Winter bei zehn'Abenden 595,33 M. betrug. Der Durchschnittszuschuß für den Abend betrug also im Winter 1907/08 60 M., im Winter 1908/09 110 M. Der„Verein zur Förderung der Kunst" begründete diese ungünstige Entwickelung teils mit einer Steigerung der Unkosten und teils mit einem Rückgange der Besucher. Der Magistrat ist aber der Meinung, daß das Bedürfnis nach gediegenen Unterhaltungen in weiten Kreiseu der Bevölkerung eher größer als geringer geworden ist und hält es nicht für aus- geschlossen, daß der Rückgang des Besuches weniger auf die un- günstigen wirtschaftliche» Verhältnisse, als auf ein Nachlassen des Interesses an den Darbietungen des„Vereins zur Förderung der Kunst" zurückzuführen ist. Da außerdem der Verein zur Weiter- führung seiner Veranstaltungen in diesem Winter nur bereit ist, wenn die Garantiesumme der Stadt aus 800 M. bei einem Eintritts- preise von 30 Pf. erhöht wird, so hat der Magistrat beschlossen, ver- suchsweise in diesem Winter die Veranstaltungen selbst in die Hand zu nehmen. Er glaubt mit einem Zuschuß von 500 M. aus städti- schen Mitteln auszukommen. Die Stadtverordnetenversamintung wird sich in nächster Sitzung damit beschäftigen. Sein Mandat niedergelegt hat nun endlich der Stadtverordnete, frühere Mittelschullehrer Kunze. Trotzdem er schon seit langem seinen Wohnsitz in Dresden aufgeschlagen hatte und höchstens einmal im Jahre eine„Gastrolle" in der Schöneberger Stadtverordneten- Versammlung gab, hielt der Herr es nicht für seine Pflicht, daS Mandat abzutreten. In den letzten Jahren spielte der Herr eine mehr„lächerliche Rolle". Als er zum ersten Male in die Oeffent- lichkeit trat, gcberdete er fich als einer der Radikalsten, und seitdem er die Würde eines Stadtverordneten erhalten halte, war er stets dort zu finden, wo es etwas Reaktionäres zu vertreten gab. Jetzt scheint er auf der höchsten Stufe seiner Eni- Wickelung angekommen zu sein. Im sächsischen LandtagSwahlkampfe gab er als„konservativer Generalsekretär" jüngsthin folgende Thesen zum besten:„Kenntnisse sind nur Mörtelwerk, sie vergehen wie Spreu vor dem Winde. Mittelpunkt des Volks- schulunterrichtS mutz die Religion bleiben? alle anderen Fächer, auch die Naturwissenschaften müssen unter dem Gesichtspunkte der Religion betrieben werden usw." Und dieser Mann war Mitglied der Schul- deputation in Schöneberg. Hoffentlich finden seine Fraktionskollegen einen ebenbürtigen Ersatz für ihn. In der zweiten Wählerabteilung muß das ja leicht möglich sein. Um der Arbeitslosigknt im bevorstehenden Winter entgegentreten zu können, werden jetzt bereits die Arbeiten festgelegt, die als Not- standsarbeiten zur Ausführung gelangen sollen. Als solche sollen in Betracht kommen: Die Plaiiierung des StodtparkgeländeS sowie An- schüttung deS für gärtnerische Zwecke erforderlichen Mutterbodens, Anschüttung der Erfurter Straße, Anschüttung des Platzes B, Ab- schachtung deS alten Stadtgärtnereigrundstücks. Diese Arbeiten werden durch die Tiefbauverwaltung in Vorschlag gebracht und sollen ungefähr 200 Arbeitslosen annähernd 100 Tage Beschäftigung gewähren. Die Hochbau- und Kanalisations« Verwaltung ist nicht i» der Lage, irgendwelche Nolstandsarbeiten zu überweise», da deren Arbeiten sich nicht dazu eignen, auch während der Winterszeit nicht ausgeführt werden können. Um eine plötzliche Ueberflutung von auswärts wohnenden Arbeitern zu verhindern, sollen folgende Bestimmungen beachtet werden: 1. Die Einstellung der Notstandsarbeiter soll durch Ber- Mittelung des Arbeitsnachweises erfolgen. 2. ES sollen nur solche Arbeitslosen als NotstandSarbeiter ein- gestellt werden, welche bei ihrer Meldung glaubhaft nachweisen. daß sie mindestens 3 Monate hier wohnen. 3. Bei den Einstellungen sind die verheirateten Arbeiter in erster Linie zu berücksichtigen. 4. Es soll ein Stundenlohn von 40 Pf. gezahlt werden. Für einen Teil der Arbeiter ist damit für den bevorstehenden Winter etwas gesorgt, dagegen gehen die Industriearbeiter sowie die im Handelsfach tätigen Angestellten, sofern sie arbeitslos werden, leer aus. Hieristes notwendig, daß dieArbeitslosenver» s i ch e r u n g einsetzt, die wohl zur Einführung gelangen kann, wenn mit den Gewerkschaften in Verbindung getreten wird, um gemeinsam diese Frage zu regeln. Der Jugendausschuß veranstaltet heute abend im Lokal von Krasser, Meiningerstraße 8. einen Familienabend. Die Genossen werden ersucht für regen Besuch zu agitieren. Lichtenberg. Ein grelles Licht ans die miserablen Schulverhältnisse vor den Toren Berlins wirft folgendes uns zur Veröffentlichung übersandtes Schreiben:„Gehen Sie doch nach dem Rathaus und beschweren Sie sich oder nehmen Sie die Oeffentlichkeit in Anspruch", diesen Rat hat der Rektor der Gemeindeschule in der Kronprinzenstraße den erbitterten Müttern, die ihre Kleinen zur Schule brachten, aber keine Unterkunft fanden, gegeben. Szenen der unglanbltchsten Art spielen sich alle Tage ab, wenn die kleinsten der Schüler mit ihren Müttern, nicht wissend wohin, auf den Korridoren der Schule herumirren; denn jeden Tag wechseln die Klassen. Um 10 Uhr werde» die Kleinen hinbestellt, nun geht das Gesuche nach dem Schulzimmer, in dem sie für heute Unterkunft finden sollen, los. Sie werden in Räume, die eben größere Kinder verlassen, gebracht, ohne daß genügend Zeit zum Lüften der Schule vorhanden ist. Wenn sich gar lein Platz finden läßt, um die Kleinen unterzubringen, müssen die Größeren ihren Unterricht abbrechen. Für vier Klassen ist in dieser Schule kein Platz, sie müssen aber untergebracht werden. Lehrer, die an dieser Schule tätig sind, bezeichnelen die Zustände als skandalös für einen Vorort Beriins. Für den Winter dürfte sich der Mißstand noch schlimmer fühlbar machen. Eine noch nicht einmal besetzte Volksschule befindet sich zwar ganz in der Nähe, Scharnwcberstraße, dieselbe wird aber von der höheren Töchterschule in Anspruch ge« nommen, weil deren Unterkunftsräume sich nocki im Vau befinden. Trotzdem sich nnn geradezu gesundheitsschädliche Zustände herausgebildet haben, tut die Siadt nichts, um die Gefahren für die Gesundheit der Kinder durch Erbauung einer Volksschule abzuwehren. Denn selbst wenn die Schule in der Scharnweberstraße ihrer eigentlichen Be- stimmung übergeben wird, fehlt es in diesem Teile der Stadt an Schulräumen. Heute schon müssen Hunderte von Kindern von der Niederbarnim-, Mainzer, Kreutzigerstraße usw. nach der Pfarrstraße und weiter gehen. Es muß jedoch noch ouf einen weiteren Uebcl- stand aufmerksam gemacht werden: Kinder, die die dritte Klosse besuchen, haben an zwei Tagen in der Woche von 3 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags Unterricht; ob die Gesundheit, die Auf- merksainkeit der Kinder, die diese Tortur über sich ergehen lassen müssen, nicht darunter leidet? Das Mittagessen, das in den Arbeiterfamilien um 12 Uhr fertig sein muß, wird kalt oder durch langes Stehen unschinackhaft, aber was kümmert das die Herren in der Schillverwaltung, sind'« doch nur Arbeiterkinder. Solche Zifftände können aber nur einreißen, weil die eigentlich für die Volksschule Berufenen, die Vertreter der dritten Wählerklasse systematisch von der Deputation für die Volksschule ferngehalten werden. Die im November stattfindenden Stadt- verordnetenwahlen geben den Lichtenberger Einwohnern Gelegen» heit, durch Abgabe sozialdemokratischer Stimmzettel ihren Protest gegen diese Zustände zu bekunden. Rixdorf. AuS der Magistratssitzung. Zugunsten der Berliner städtischen Straßenbahn soll daS Verlangen an die große Berliner Straßen» bahn gestellt werden, jener unter gewissen Bedingungen das Mit» benntzungsrecht auf eine Gleisstrecke von nicht mehr als 400 Meter in der Wesir- und Friedelslraße einzuräumen. Der vorgelegte Entwurf des Etats für die städtische Sparkasse wurde mit einigen Abweichungen genehmigt. Der Sparkasse werden vom 1. Januar 1910 ab die Räumlichkeiten der jetzigen Sieuerkasie überwiesen. Dem Borstand der Sparkasse wird zur Erwägung gegeben', ob zur Bewältigung besonders»mfangreicher, außerordentlicher Geschäste weibliche Kräfte heranzuziehen sind. Den vorgelegten Entwurf eines OrtssiatutS gegen die Verunstaltung des Stadtbildes wurde grundsätzlich zu» gestimmt. Die bestehende Kommission wurde beaustragt, mit der kgl. Baupolizeibehörde über die Durchführung des Schutzes in Verbindung zu treten. Groh-Lichterfelde. Die Arbeiterschaft wird nochmals darauf hingewiesen, die Sperre über die Lokale Winkelmann, Berliner Str. 123 und Aus« mann, Berliner Str. 133 aufs strengste durchzuführen. Den Herren, die lediglich unserer Partei ihre Säle verweigern, muß klar gemacht werden, daß sich die Sozialdemokratie auch unter ein Privat-Ausnahmegesetz nicht stellen läßt. Der Kampf gilt der Durchführung der Gleichberechtigung mit allen anderen Parteien. Meidet daher diese Lokale bis dies Ziel erreicht ist. O der-Schönetveide. Zu einer überaus wuchtigen Demonstration gegen die Schanb- taten spanischer Pfaffenherrschaft gestaltete sich die zu Freitagabend nach dem„Wilhelminenhof" einberufene Volksversammlung. Nach Entfernung sämtlicher Tische aus dem Saale war derselbe dennoch vollständig überfüllt. Der Referent, Rechtsanwalt Dr. Cohn, ver- stand es in wirklich eindrucksvoller Weise mit kräftigen Wsrten die Scheusäligkeiten einer Vereinigung von Kutte und Staatsgewalt Spaniens, Rußlands, sowie aller übrigen sogenannten Kulturländer zu brandmarken. Treffend waren auch seine Ausführungen über das Verhalten der Liberalen, welche aus Anlaß des Falles Ferrer sich nicht genug entrüsten können, aber vollständig versagten und noch versagen, wenn es sich darum handelt, Protest gegen die russische Blutherrschaft zu erheben, im Gegenteil dem gekrönten russischen Mörder beim Besuch im eigenen Lande zujubelt. Mit einem Appell an die Versammlung, als besten Protest den Anschluß an die poli. tische Organisation zu vollziehen, schloß der Referent seine Aus. führungen und erntete stürmischen Beifall. In der Diskussion wurde vom Genossen Grunow kritisiert, daß sowohl Parteivorstand als auch das Zentralorgan in dieser Angelegenheit nicht das richtige Verständnis gezeigt hätten; der allerseits von den Parteigenossen erwartete Appell zum wuchtigsten Protest sei vollständig aus- geblieben. Es erwecke beinahe den Anschein, als wenn die so viel gerühmte Zentralisation der Groß-Berliner Partei es glücklich stz. weit gebracht hätte, daß sich eine Jnsianz hinter die andere verstecken muß. um nicht anzustoßen, und daß sich die Parteigenossen nur noch mit Statutenberatungen in zahllosen Versammlungen beschäf- tigen müßten, darüber alles Agitationsmögliche übersehend. Redner forderte zum einmütigen Austritt aus der Kirche auf. Nach an- feuernden Worten des Vorsitzenden Muth erfolgte Schluß der impo- santen Versammlung. Als recht gute Einrichtung hat sich der Beschluß der Gemeinde» Vertretung erwiesen, Kindern, welchen es zu Haus an Aufsicht und Anleitung mangelt, zur Fertigstellung der Schularbeiten zweckent- sprechende Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. In der neu. erbauten 4. Gemeindeschule wird täglich in der Zeit von 4— 7 Uhr nachmittags unter Aussicht von Lehrern den Kindern dazu Gelegen. heit gegeben; die Einrichtung erfreut sich eines guten Zuspruches. Zu wünschen wäre allerdings, daß überall solcke häuslichen Verhält» nisse obwalteten, daß derartige Einrichtungen nicht nötig wären. Leider muß in vielen Familien die Frau und gar selbst die Kinder zum Unterhalt der Familie mit tätig sein. Fangschlense. Der unter dem Verdacht deS Ranimordvrrsiiches verhaftete Schmiedegesclle Wietstock bestreitet zwar entschieden seine Schuld und will in der Nacht des Uebcrfalles par nicht in Fangschlense gewesen sein, vermag jedoch sein Alibi nicht nachzuweisen. Den an der Ueberfallstelle oufgefnudenen Stock erkennt er als sein Eigentum an, behauptet jedoch, daß ihm derselbe am Tage vorher gestohlen worden sei. Der Verhaftete scheint eine ganze Menge Straftaten auf dem Kerbholz zu haben. ES ist ferner ermittelt, daß der Schmiedegeselle bei einem Diebstahl in Kalkberge beteiligt war und daß er vor acht Tagen an der Löcknitz zwischen Erkner und Woltersdorfer Schleuse einen Uebcrfall auf ein junges Mädchen verübt hat. Er wurde zedoch durch das Hinzukommen von Ausflüglern an der Ausführung des beabsichtigten Verbrechens verhindert. Weifiensee. Die Delegiertenwahl zur hiesigen Ortskrankenkasse findet am Montag, den 26. Oktober, im„Prälaten", Lehderstr. 122, statt. Die Arbeitnehmer wählen in der Zeit von S— 7% Uhr abends. Sämtliche hier am Orte beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen werden ersucht, pünktlich zur Wahl zu erscheinen. Für die Arbeitgeber ist vom Gewerkschaftskartell ebenfalls eine Liste aufgestellt. Pflicht der Parteigenossen ist es, auch dieser Liste zum Siege zu verhelfen. Die Wahlzeit ist von 8�—9� Uhr fest» gesetzt. Dienstag: I: Hamlet. Zaust.(An- ivorfigwalve. Mit zerschmekterten Gliedern wurde borzestern morgen der tgjährige Sohn des Pfarrers Metzner aus Wittenau auf de» Gleisen der Liebenwalder Bahn tot aufgefunden. Der junge Mann hatte am Abend vorher einer turnerischen Hebung' beigewohnt und trat in der Nacht den Rückweg nach der elterlichen Wohnung an. Beim Ueberschreiten des Bahnkörpers muß er vermutlich die Annäherung eines Zuges unbeachtet gelassen haben und dabei von der Maschine erfaßt worden sein. Ein Selbstmord erscheint ausgeschlossen, weil hierzu nicht die geringste Veranlassung vorlag. MocKen- Spielplan der Berliner Chcater. König!, Opernhaus. Sonntag: Eleltra. Montag: Der fliegende folländer. Dienstag: La Traviata. Mittwoch: Madame Buttcrfly. onnerstag: Lohengrin. Freitag: Figaros Hochzeit. Sonnabend: Fidelio. Sonntag: Aida. Montag: Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhans. Sonntag: Der eingebildete Kranke. Montag: Die Malkabäer. Dienstag: Die Rabensteinerin. Mittwoch: Der eingebildete Kranke. Donnerstag: Die Welt, in der man sich langweilt. Freitag: Der eingebildete Kranke. Sonnabend: Prinz Heinrich von Honi- bürg. Sonntag: Der eingebildete Kranke. Montag: Der deutsche König. Neues königl. Opern-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Mmenrausch und Edelweiß. Abends: Der Herrgottsschnitzer von Ammergau. Montag: Jägerblut. Dienstag: In der Sommerfrisch'n. Mittwoch: Der Amerikas epp'l. Donnerstag: Der Geigenmacher von Mittenwald. Freitag: Anno dazumal. Sonnabend: S'Dorsg'hoamnis. Sonntagnachmtttaa 3 Uhr: Der Herrgottschnitzer von Ammergau. Abends: Anno dazumal. Montag: Geschlossen.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Hamlet. Montag: Fanst. Hamlet. Mittwoch: Ein Sommernachtstraum Donncrsta Freitag: Faust. Sonnabend und Sonntag: Hamlet. Montag: sang 7-/, Uhr.) Deutsches Theater.(K a m m e r sp I e I e). Sonntag: Die Zuflucht. Montag: Der Arzt am Scheidewege. Dienstag: Die Zuflucht. Mittwoch: Der Arzt am Scheideweg. Donnerstag: Frühlings Erwachen. Freitag: Der Arzt am Scheideweg. Sonnabend und Sonntag: Die Zuflucht. Montag: Der Alzt am Scheideweg.(Anfang 8 Uhr.) Lesfing-Thratrr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Weber. Abends: TantriS der Narr. Montag: Die Gesöhrtin. Hanneies Himmelfahrt. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Tantris der Narr. Freitag: Der König. Sonnabend: Taniris der Narr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die ver- sunkene Glocke. Abends und Montag: Tantris der Narr.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Herodcs und Mariamne. Abends: Zllpentönig und Menschenseiud. Montag, Dienstag: Aipenköntg und Menschenfeind. Mittwoch nachmittag: Der Traum ein Leben. Abends: Alpenlönig und Menschenfeind. Donnerstag und Freitag: Aipenköntg und Menschenscind. Sonnabend nachmittag: Minna von Barnhelm. Abends: Alpenkönig und Menschenfeind. Sonntag nachmittag 3 Uhr: HerodeS und Mariamne. Abends: Alpenlönig und Menschenseiud. Montag: Einer von unsere Leut'-(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Von Sonntag bis Mittwoch: Das Urbild des Tartüffe. Von Donnerstag bis Montag: Der letzte Kaiser.(Ansang 8 Uhr.) Hcbbel-Theater. Allabendlich: Der Skandal.(Anfang 8 Uhr.) NeueS Schauspielhaus. Sonntag: Das Exempel. Montag: Der Dummtops. Dienstag: DaS Exempel. Mittwoch: GygcS und fein Ring. Donnerstag und Freitag: Das Exempel. Sonnabend: Maria Stuart. Sonntag: GygeS und sein Ring. Montag: Maria Stuart.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmlttag 3 Uhr: Tiefland. Slbends: Auferstehung. Montag: HoflmannS Erzählungen. Dienstag: Tiesland. Miltivoch: Auserstehuna. Donnerstag: Der Wildschütz. Freitag: Aus- crstehung. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Hoffmaimns Erzählungen. Abends: Aujerftehung. Montag: Ties- land.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operetteu-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Abends: Der arme Jonathan. Von Montag bis Sonn- abend: Der arme Jonathan. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Zigemierbaron. Abends und Montag: Der arme Jonathan.(Ansang 8 Uhr.) Luftspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die blaue Maus. All- abendlich: Man soll keine Briese schreiben. Nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Im Klubsessel.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonntag nachmiittag 3>s. Uhr: Die lustige Witwe. Vis auf weiteres täglich: Dle geschiedene Frau.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Ein Walzcrtraum. Residenz-Theater. Sonntag nachmittag: Der Floh im Ohr. All- abendlich: Grctchcn.(Anfang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelic. Kleines Theater. Sonntag nachmittag: 2X2— 6. Abends und Montag: Hinterm Zaun. Dienstag: Moral. Mittwoch und Donnerstag: Hinterem Zäun. Freitag: Moral. Sonnabend: Hinterm Zaun. Sonntag nachmittag 3 Uhr: 2X2— 6. Abends und Montag: Hinterm Zaun.(An- sang 8 Uhr.) Schiller-Theater v. Sonntag nachm. 3 Uhr: Macbeth. Abends: Das Käthchen von Hellbronn. Montag: Gespenster. Dienstag: DaS Käthchen von HeUbronn. Mittwoch und Donnerstag: Gespenster. Freitag: Das Käthchen von Heilbronn..Sonnabend: Die erste Geige. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Macbeth. Abends: Die Gespenster. Montag: DaS Käthchen von Heilbronn.(Anfang 8 Uhr.) Schiller-Theater Charlottcnburg. Sonnlag nachmittag 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Abends und Montag: Die erste Geige. Dienstag und Mittwoch: Der Schwur der Treue. Donnerstag: Die erste Geige. Freitag: Der Schwur der Treue. Sonn- abend: Die von Hochsattel. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Abends: Der Schwur der Treue.(Ansang 8 Uhr.) Fricdrich-Wil hott» städtisches Schauspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Othello. Allabendlich: DaS große Licht. Nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Othello.(Ansang 8 Uhr.) Luisen- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Inspektor Bräfig. Mends: Der Kamps um den Nordpol. Montag: Inspektor Bräsig. Diens- tag: Von sieben die Häßlichste. Miltwoch und Donnerstag: Der Kamps um den Nordpol. Freitag: Inspektor Bräsig. Sonnabend und Sonntag: Robert und Bertram. Montag: Die rote Robe.(Anfang 8 Uhr.) VolkSoper. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Der Freischütz. Abends: Der Postillon von Lonjumeau. Montag: Undine.(Ansang 8'/, Uhr.) Dienstag: Rigoletto. Mittiooch: La Traviata.(Anfang 8'/, Uhr.) Donnerstag: Der Troubadour. Freitag: Rigoletto. Sonnabend nachmittag: Zar und Zimmermann. Abends: Die Hugenotten. Sonntag nachmittag 3'/- Uhr: Undine. AbendS: Die lustigen Weiber von Wwdjor. Montag: Rigioletto.(Anfang l8 Uhr.) Thalia-Theater. Sonntag: Prinz Bufsi. Montag: Charleys Tante. Dienstag: Die Badepuppe. Mittwoch: Prinz Bussi. Donnerstag bis Montag: Die ewige Lampe.(Ansang 8 Uhr.) Nose-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Jägermeisterin. Abends: Der Hüttenbesitzer. Atonwg: Die relegierten Studenten.-Dienstag: Michael Koblhaas. Miltwoch: De.r Hüttenbesitzcr. Donnerstag: Michael Kohlhaas. Freitag: Die relegierten Studenten. Sonnabend: Der Hütten- besitzer. Sonntag: Michael Kohlhaas. Montag: Die Rechtlosen.(Ansaug 3 Uhr.) Folies ikaprice. Allabendlich: Mobilisierung. Der gewisse Augen- blick.(Anfang 8'/. Uhr.) Metropol- Theater. Allabendlich: Hallohl Die große Revue I (Ansang 8 Uhr.) Reichshallen- Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Ilrauia-Thcater. Taubenstraße 48/iS. BiS aus weiteres täglich abends 8 Uhr im Wissenschaftlichen Theater: In den Dolomiten. Im Sörsaal: Montag abends 8 Uhr, Pros. Dr. Leß: Das Wetter und seine orausbestimmung. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—62. Vermilcbtes. Ein deutsches Schiff gesunken. Infolge eines großen Brandes ist aus der Höhe von Pernambuco, wie ein Telegamm aus Rio de Janeiro meldet, gestern das deutsche Vollschiff„Posen" gesunken. Das Schiff hatte Hamburg am 6. September mit der Bestimmung nach Valparaiso verlassen. Die 94 Mann zählende Besatzung wurde von dem englischen Dampfer„Carl of Carrick" aufgenommen und in Rio de Janeiro an Land gesetzt. Erschlagen aufgefunden. Einer Meldung aus Flensburg zufolge wurde gestern früh in Juhlschau bei Flensburg die Frau des Land- mannes Lorenzen in ihrer Wohnung erschlagen aufgefunden, während ihr Ehemann und ihr Sohn bewußtlos in den Betten lagen. Die Flensburger Kriminalpolizei war bald mit Polizeihunden am Tatort Eine Baukatastrophe in Hamburg. Gestern mittag brach, einer Meldung aus Hamburg zufolge, ein beim Bau der Untergrundbahn in der Sierichstraße verwandtes Gerüst, auf dem eine Lokomotive und acht Sandloren standen, zusammen und stürzte die Böschung hinunter. Acht Arbeiter sind dabei teils schwer, teils leicht verletzt worden._ Frauenmord in New Dork. Zu der Ermordung der Frau Anna Müller in New Dork wird noch aus Hamburg gemeldet: Allem Anschein nach ist die Erinordnng der Frau auf eine Verbrechergesellichast zurückzuführen, die in der Müller nicht ihr einziges Opfer gesunden haben dürfte. Aus Mit- teilungen von Bekannten der Ermordeten scheint hervorzugehen, daß es sich um einen systematisch betriebenen Heiratsschwindel mehrerer Personen handelt, die die Mitgift der betrogenen Mädchen zu er- halten suchten und diese selbst dann gewaltsam beseitigten. Mit der Anna Lutter und ihrem Gatten ist seinerzeit ein ans Leipzig stammender Techniker mit nach Deutschland gekommen. Dieser hat sich mit dem Ehepaar Müller zu den Eltern der Frau Müller nach Weida begeben. Die Reise hat offenbar den Zweck gehabt, von dem Vater der Frau Müller, dem Spediteur Lutter, die Mitgift herauszulocken. Müllers Freund hat Herrn Lutter wiederholt nahegelegt, der. JAnna doch gleich 10 000 M. mitzugeben. Lutter gab das gewünschte Geld nicht her und Müller fuhr mit seiner Frau und seinem Freunde in gedrückter Stimmung nach Hamburg zurück, wo sie sich nach Amerika einschifften. Die Vermutung, daß die Anna Müller von ihrem Mann bald nach der Ankunft in New Jork ermordet worden ist und daß Müllers Freund eine führende Rolle dabei gespielt hat, dürfte nach diesen Aufklärungen an Wahr- scheinlichkcit gewonnen haben. Müller hat bald nach seiner Ankunft in Amerika an die Eltern seiner-Frau einen Brief geschrieben, in dem er mitteilte, daß seine Frau kränklich sei und daß er mit ihr nach dem Süden Amerikas reisen werde. Damals sprachen schon die Eltern der Frau die Befürchtung auS, daß sie in Verbrecher- Hände gefallen sei._ Freie Jugendörgonisation Berlin, Gruppe Süd-Ost. Heute Sonntag, den 24, d. M.. nachmittags 2'l2 Uhr, Gruppenversammlung im GewerlschastShause, Engeluser 15. 1. Vortrag des Kollegen Georg Schumann-Jena. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste will- kommen._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direltton über den Großbandei in den Zentrai-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zuiubr schwach, Gelchüst still, Preise unverändert. Wild: Zusubr knapp, Gcichäsl lebhast, Preise gut. Geslügel: Zufuhr reichlich. Geichäst ziemlich rege, Preise nicht ganz befriedigend. Fis che: Zufuhr genügend, Geichäjt ruhig. Preise gedrückt. Bulter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Oöft und Südsrüchte: Zufuhr reichlich, Geschäft lebhast, Preise verändert. WitternngSubersicki« vom LZ. Oktober ISN», morgens K Uhr. «tatt-nen gl C c ja s - S 8? E wmrmde 766 SSO Hamburg 1 184 SSW eriw 768 JW antl.gM 770 SW München i 771 S Wien 771 WNW (Hi Mi rtgtionen ea Ii 8)� -| g 5 Bf Wetter 8? f* «3. 4 bedeckt 2 Regen 5 Regen 2 heiter 2 toolifg ~ I| Wetterprognose für Sonntag, den LA. Oktober lt»«S. Ein wenig wärmer, teilweise heiter, aber veränderlich mit leichten Regensällen und ziemlich lebhaften südwestlichen Winden. Haparanda 752 SSW: Petersburg 764® Scillh 769 SW Aberdeeu 750 SSW Paris! 76g OSO| 7 7 12 8 9 Orts-Krankenkasse lür das Gewerbe der Tisebler and Pianolorte-Arbeiter zu Berlin. Montag, den 1. November, abends 8'/, Udr, in den„Mariannen> Festsälen«, Mariannen- Ufer 2: Arbeitgeber- Versanunlung. Tagesordnung: Wahl von 69 Vertreter»: zu den Generalversammlungen. 20gtb Der Vorstand. InTalidenunterstiitziingskasse der SteindrueEer u. Litboppben. Am Dienstag. den Ä. No> vember ct., abends 81/. Uhr, findet im GcwerkschaftShause. Engel- user 15, die ßrdentliebe Generalversammlung pro 1908 statt, zu welcher, die Herren Vertreter dieser Kasse ergebenst ein- geladen werden. Tages. Ordnung: 1. Jahresbericht pro 1908 und Ab- nähme der JahreSrechnung. 2. Neu- wählen für den Vorstand. 3. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres. 4. Antrag aus Wänderung der§§ 4 und 5 des Statuts und Erhöhung des Beitrages um 10 Pf. pro Woche. 6. Verschiedenes. 2092b Berlin, den 23. Oktober 1909. Der Vorstand. g. A.: A. Schlitz, Vorsitzender. üängeliebt- BrenDep fDr Werkstatt und Fabrik mit Schirm grün emaill ttk. 8,50 komplett mit Kleinsteller 3,50 Uk. Bester Invert-Brenner tWohnung«.Geschäft weiß grün schwarz emailliert Dk. 8,50 komplett Billig und praktisch. 236/13* Keine Steuern— kein Streichholz Zigarrenanziintler 1,25 Mk. Geringst. Gasverbrauch j. Ramann, Fabrik für moderne Beleuchtung, Warschauer Str. 41-42 (Industriepalast), b. Hochb.- u. Stadtbahnstat Warschauerbr. Händler gesucht! � Jcl« habe Schönhauser Allee 55, pari., eine poIHdimk für Fpauenleiden 257/6*(Svrechstunde 3—4) eröffnet. Frauen-� lci». Arzt Prof. Diihrssenschen Poliklinik, arzt >l,Dircksenstr.23, a. Bhs. Alcxanderplatz. Spr. 12-1, 5-6. Sehultheiß ftestaurant JUt-Moabit 15 empfiehlt sich allen lieben Bekannte». Gutes Esten, lleine Preise, beste Bicre. Jeden Abend von V Uhr: KUnstler-Frelkonieert. Lungenwärmer schützt Rücken, Brust gegen Erkältung. 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Verlag: Vorwäri« Viichdruckeeei n. VerlagBanstalt Paul Singer Lc Co.. Berlin SW, Kr.M. 26. Aahrgang. Sdlnüf des JoriuMs" Stiliiiet KIKsdlM Sottnfng, 24. Oktober 1909. Hus Induftrie und Handel Kohlen- und Eisenmarkt. Mit den optimistischen Stimmungsberichten vom Eisenmarlt steht noch immer nicht in, Einklang die tatsächliche Lage am Kohlen- markt. Zwar soll sich hier im Oktober eine leichte Besserung bemerk- bar machen, aber nicht als Folge stärkeren Verbrauches der Eisen- induftrie. Der etwas lebhaftere Abruf entfällt fast vollständig auf Hausbrand. Die Ansprüche anf Lieferung von Brechkoks für Zentralheizanlagen und von Kohlen zu HauSbrandzweckcn sind etwas größer geworden. Der Abruf für die Industrie bewegt sich in dem bisherigen Umfang. ES war allerdings nicht ausgeschlossen, daß diese gnnstige Wendung dem Syndikat schon genügte, eine Ermäßigung der prozentualen Einschränkung zu beschließen sowohl für Kols wie auch für Kohlen. Die Zechenbcsitzer haben jedoch in der letzten Sitzung eine Ermäßigung der Fördereiuschränknug nicht in Erwägung gezogen. Nur für Koks wurde die Beteiligung von 60 auf 65 Proz. erhöht. Anscheinend hat nian doch noch kein rechtes Vertrauen zu dem angeblichen entschiedenen Konjunkturumschwung. Arbeiterfeindliche Wirte. Das Gewerkschaftskartell in Braun- schweig hat an die vereinigten Brauereien die Aufforderung ge- richtet, im Verein mit den Gastwirten dafür einzutreten, daß i m ganzen Herzogtum die Säle auch für die organi« sierte Arbeiterschaft und zur Veranstaltung von Volks- Versammlungen unbeschränkt freigegeben würden. Als Gegenleistung sollte dann von der Leitung der organisierten Ar- leiterschaft der Bierboykott aufgehoben werden, sofern die Brauereien noch zu einer Preisermäßigung sich verständen. Die Brauereien ließen sich auch auf Verhandlungen ein, aber der Vor- stand des Braunschweiger Gast Wirtevereins lehnte ein- stimmig jedes Eingehen auf den Vorschlag ab. Nochmals: Tcrmismus in der Uhrcnindustrie. Wir erhalten folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung: „Die Behauptung, daß der Deutsche Uhrmacher-Bund an seine Mitglieder Plakate verteilt, in denen das Tarieren überhaupt ab- gelehnt wird, entspricht erst dann ganz der Wahrheit, wenn hinzu- gesetzt wird, daß diese Plakate nur an sold?« Uhrmacher gesandt iverdcn, die sie ausdrücklich von uns verlangen. Sonst erweckt jener Satz den unridstigen Anschein, al? ob wir die Plakate un- verlangt an alle Uhrmacher verschickten, um ihnen auf diese Weise das Verbot dcs Taxierens aufzunötigen. Die Behauptung, daß aud) die französischen Uhrmacher die Ab» lehnung der Taxierung„einzuführen sich bestreben", wird nidst widerlegt durch das von Ihrem Herrn Mitarbeiter erwähnte Plakat der französischen Uhrmacher, woriach Taxierungen nur gegen Be- Zahlungen vorgenommen werden sollen. Denn darin liegt eben nach unserer Kenntnis der sranzösisdien Uhrmacherfachpresse ein Bestreben, der Ablehnung der Taxierungen mindestens nahezukommen. Praktisch kommt ein Taxieren gegen Bezahlung der Ablehnung in mindestens 96 von 169 Fällen gleich, weil Kunden dieser Kategorie zu solchen Zahlungen gar keine Neigung haben. Auch der deutsche Uhrmacher, der in der Ncgel jede Taxierung ablehnt, wird in Aus- nahmesällcn immer wieder und sogar kostenlos Taxierungen vor- nehmen. Sowohl unsere Plakate, wie die französischen können in ihrer Wirkung daher nichts als die Einschränkung der Taxierungen, im wesentlichen also dasselbe, erreichen, und etlrmS anderes haben wir mit der ganz beiläufigen Erwähnung jenes Plakats auch nicht sagen wollen. Die Uhrmacher versuchen schließlich nicht, ihre schlechte Lage durch Belastung der Konsumenten aufzubessern, wenn damit eine unangemessene Belastung gemeint sein sollte. ES gibt keinen Hand» wcrker, der bisher in der Bered)nung seiner Arbeit so besdieideir vorging und dadurch die Verschlimmerung seiner Lage verschuldete. Die Preise der großen Geschäfte können gegen die vielen Tausende der„kleinen" Uhrmacher in elender Lage nicht in Betracht gezogen werden. Wir zeichnen hochachtungsvoll ergebenst Geschäftsstelle des Deutschen Uhrmacher-BundeS I. V.: Wilh. Schultz. 2. Vors." Die Erläuterungen zu der Bedeutung der Plakate und Auf- schriften ersdicinen uns denn doch etwas sehr gezwungen. Schließlich ist diese Sache nicht von erheblicher Bedeutung. Bierstcuer in Baden. Gegen die geplante Biersteuererhöhung haben die Brauereibesitzer in Baden Stellung genommen. In einer vom Verband der Klcinbrauer in Lsfenburg abgehaltenen Ver�amin- lung, zu welcher auch die Vertreter der Grohbrancreien eingeladen und erschienen waren, wurde namentlich die für die unterste Stufe vorgeschlagene Verdoppelung der Steuer von 8 auf 16 M. bean- standet. Dcnlgcgenüber seien die Großbrauereien, deren Steuer- betrage von 12 und 13 M. auf 22 M. erhöht seien, besser gestellt. Aud, daß die badischc Regierung mit ihren Vorschlägen über die Sätze des Reiches von 14—20 M. hinausgehe, müsse zum Protest herausfordern. Ein Antrag, die Regierung zu ersuchen, ein Gesetz einzubringen, wonach der Alkoholgehalt und der Extrakt beim Bier fest bestimmt werde, fand, der unangenehmen Kontrolle wegen, gegen eine kleine Minderheit Ablehnung. Zum 23. Oktober sind die Vor- stände der Brauervercinc zu einer Konferenz beim Finanzminister Honsel! eingeladen._ Wer �Branntwein vermeiden will, verlange den echten tyermouth'Wein (Sin gesundes, magenstärkendes und er* wärmendes Qetränk für jedermann zu jeder Zeit Rote Radier! Beste 5, 71z Ii 10 Hg-Zi; Vertreter für Berlin und Vororte: Alfred Dieck« O. 17, Koppenstraße 72. Teleph.: Amt VI! 6178. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Plg. 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