Mr. SSV. nbonnementS'Bedlngungen: Abonnements- Preis pränumerando i «ierte, jährt. 3,30 MI., monaU. 1,10 MI.. wöchentlich 28 Pjg. frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-ZeitungS- PreiSIiste. Unter Kreuzband für Deuttchland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Lüxemburg. Porwgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. OttitiDt täglich snScr mootass. 5* Berliner Volksblnit. SV. Jahrg. vie InserNonz-LeMk kelrägt für die scchsgespaltene Kolonel« geile oder deren Rauui 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins« und VersammlungS-Anzeigen A> Pfg. „Kleine Hnreigen". das erste sfclt- gedrucktc) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- fiellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg.» jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer Müllen bis S Uhr nachmittags in der Ervedition abgegeben werden. Die Expedilioa ist biS 7 Uhr abends geosinet. Telegranim- Adresse: ..SdÄitllicmoükst»illill-. Zetitvalorqan der rozialdcmohratifchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: 8Al. 68, Ltndenstraaae 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1983. Dienstag, den Äv. Oktober Ivvv. Expedition: 8M. 68, Lindcnetraeae 69» Fernsprecher: Amt IT» Nr. 1981» Rächt den Mandatsrand! Heute, Dienstag haben die Wähler von vier Landtagswahlkreisen ihr Stimmrecht auszuüben. Es ist der letzte Termin, sich zu entscheiden, für welche Partei die Wähler zu stimmen haben. In drei Wahlkreisen steht die Wahl nur zwischen freisinnigen und sozialdemokratischen Wahlmännern. Nur im 12. Landtagswahlkrcise haben auch Konservative und Nationallibcrale eigene Wahlmänner aufgestellt. Tatsachen beweisen I Noch einmal seien daher den Wählern folgende Tatsachen vor Augen geführt. Der preußische Staat ist der größte Arbeitgeber. Viele hunderttausende von Arbeitern sind in den Staatsbetrieben beschäftigt. Eine der Hauptaufgaben der preußischen Gesetzgebung sollte also darin bestehen, die staatlichen Betriebe zu Musterbetrieben zu machen, die Staatsarbeiter als Arbeitnehmer und Staatsbürger möglich st günstig zu stellen. Das ist wenigstens eine der Forderungen der Sozialdemokratie! Die Sozialdemokratie fordert für die Staatsarbeiter in den Eisenbahnbetrieben, den staatlichen Bergwerken usw. anständige Löhne, menschenwürdige Behandlung und vor allen Dingen auch freies Koalitionsrecht und ungeschmälertes Staatsbnrgerrecht l Als daher die preußische Staatsregierung dem Landtage die BcamtcnbcsoldungSreform vorlegte, forderte die Sozialdemokratie mit Entschiedenheit auch eine Ausbesserung der Ge° hSlter der Staatsarbeiter. Die Regierung lehnte dieses Verlangen in der schroffsten Weise ab. Konservative, Nationalliberale und Freisinnige aber taten nichts, um die Forderung der Sozialdemokratie zu unterstützen! Das einzig wirksame Mittel, bessere Lohnbedingungen, menschenwürdigere Be- Handlung durchzusetzen, ist das Koalitionsrecht. Die Sozialdemokratie forderte die Koalitionö freiheit auch für die Staatsarbeiter. Die Regierung erklärte, daß sie eine wirklich Koalitionsfreiheit niemals dulden werde, was ja die inzwischen erfolgten Matzregeltmgen organisatorisch tätiger Staatsarbeiter auch beweisen! Konservative und Nationalliberale stimmten dem brutalen Herrenstandpunkt der Regierung freudig zu! Aber auch der Freisinn hatte kein Wort des Protestes gegen die höhnische Abweisung und die Drohungen des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten Als die Sozialdemokratie für die Staatsarbciter das unveräußerliche, verfassungsmäßig zugestandene Recht der freien politischen Betätigung forderte, stellten sich Konservative und Nationalliberale wiederum begeistert auf die Seite der brutal abweisenden Regierung! Aber auch der Freisinn fand es durchaus in der Ordnung, daß die Staats arbeiter ihrer politischen Rechte beraubt werden! Wer nicht nur gegen die Interessen der in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter sündigten in rücksichtslosester Weise die drei genannten Parteien. Als der Legitimations karten-Zwaog für ausländische Arbeiter eingeführt wurde, durch den diesen Arbeitern das Koalitionsrecht geranbt werden sollte, stimmten nicht nur Konservative und Nationalliberale dieser Maßregel zu. durch die die ausländischen Arbeiter zu einer willenlosen, allen Polizei schikanen preisgegebenen Horde von Lohndrückern herabgesetzt werden sollten, sondern auch der Redner der freisinnigen Volkspartei. der Abgeordnete Goldschmidt! Aber nicht nur für die Arbeiter tritt die Sozialdemokratie ein, sondern auch für den Mittelstand, für die kleinen Geschästslente, die kleinen Beamten. So forderte sie in der letzten Session des preußischen Abgeordnetenhauses, daß die Zuschläge zur Einkommensteuer, welche die Regierung forderte, die kleineren und mittleren Einkommen vollständig freilassen sollten, wofür man die höheren Einkommen um so entschiedener heranziehen sollte. Aber trotzdem nach Ausweis der amtlichen Statistik die Einkommen und die Vermögen der Reichen sich kolossal vermehrt haben, stimmten Konservative und Nationalliberale dafür, daß die Zuschläge zur Einkommen steuer auch bei den proletarischen und MittelstandSeinkommen erhöht wurden, was nicht einmal die Regierung verlangt hatte! Ja es geschah sogar das Unglaubliche, daß der Freisinn in der Kommission sich mit dieser neuen Steuerbelastung der Arbeiter- und Mittelstaudseiubommen einverstanden erklärte l Ebenso wurde der kleinere Mittel st and von den b ü r g e r» l i ch e n Parteien durch eine Erhöhung der MictSsteinpel und eine ganze Reihe anderer Stempelsteuern belastet! Besonders für die Beamte« trat die Sozialdemokratie energisch ein. Leider hatte sie auch hier den Widerstand aller bürgerlichen Parteien gegen sich. Die Anträge, welche die sozialdemokratische Partei für 105 000 Unterbeamte gestellt hatte, wurden nicht nur außer vom Zentrum von den Konservativen und Nationalliberalen, sondern auch von dem Freisinn niedergestimmt! Keine einzige Partei außer der Sozialdeniokratie trat bis zum letzten Augenblick mit aller Entschiedenheit für ein Mindestgehalt von 1200 M. für die untersten Beamtenschichtcn ein! Getreu ihrem Programm forderte die Sozialdemokratie auch für die Beamten vollste Koalitionsfreiheit und oneingeschriinkte staatsbürgerliche Rechte! Namentlich ein freies Wahl- recht. Aber auch hiermit stand die Sozialdemokratie völlig isoliert. Auch der Freisinn ließ die Beamten schmählich im Stichel Die Sozialdemokratie fordert eine freie, von der Kirche unabhängige Schule. Konservative und Nationalliberale sind dagegen Anhänger der Schulverpfaffung, der Bevormundung der Lehrer und des LchrplanS durch die Kirche. Aber auch der Freisinn wendete sich in der letzten Session gegen die Ausschaltung des Religionsunterrichts aus dem Lehrplan! So hat auch der Freisinn, der sich doch so gern als„Knlturkäinpfer" gebärdet, und für die geistige Freiheit der Nation gegen die geistigen Unterdrückungsgelüste de? Klerikalismus einzutreten vorgibt, auch diesen Punkt seines Programms schmachvoll preis- gegeben! Allein die Sozialdemokratie hat auch auf dem Gebiete der geistigen Kultur, auf dem Gebiete des Volksschulwesens wie des höheren Schulwesens mit allem Nachdruck freiheitliche und moderne Ideen vertreten l Wie wenig der Freisinn von einer Trennung von Kirche und Staat wissen will— daß Konservative und Nationalliberale sich der Staatskirche natürlich mit Vergnügen zur geistigen Niederhaltung der Volks Massen bedienen, versteht sich ja von selbst— beweist das Eintreten des Freisinns für die Erhöhimg der Gehälter der Geistlichen und Schaffung neuer Pfarrstellen? Statt, wie es die liberalen Prinzipien gebieten, für die Entstaatlichung der Kirche einzutreten, waren nicht nur Konservative und Nationalliberale- sondern auch der Freisinn bereit, zu den 35 Millionen, die schon jetzt die Kirche vom preußt- schen Staat bezieht, noch weitere IZ'/z Millionen für protestantische und katholische Geistliche und n e u z u schassende geistliche Stellen zu bewilligen! Derselbe Freisinn, der die Erhöhung der Unter beamt eng eh älter wegen Geldmangels abgelehnt hatte, lifiluJJijjtf für jeöt« tinMtll ßeißlidjea eine ßefjdltscrljölßuß von jichrikch 1000 M.l Die sozialdemokratische Partei verlangt eine sparsame und vernünftige Finanzwirtschnft. Der Freisinn warf nicht nur gemeinsam mit Konservativen und National- liberalen das Geld dutzendmillionenweise zum Fenster hinans» um die„notleidende" Geistlichkeit statt der Unterbeamten besser zu stellen, sondern er trieb auch sonst gemeinsam mit diesen beiden reaktionären Parteien eine skandalöse finanzielle Lotterwirtschaft. Trotzdem angeblich überall das Geld fehlte, erklärte sich der Abgeordnete F i s ch b e ck, der Führer der Freisinnigen Volkspartei, für die Aufrechterhaltung des Jagd- Privilegs der Oberförster in den Staatsforsten, durch das selbst nach der Einschätzung eines sachverständigen wildkonservattven Abgeordneten dem Staate eine Einnahme von mindesteuS zehn Millionen Mark jährlich entzogen werde l Daß der Freisinn nicht gleich der Sozialdemokratie die Beseittgung der preußischen Gesandtschaften an den deutschen Höfen forderte, durch die wenigstens 300000 Mark gespart werden könnten, versteht sich bei den höfischen Manieren des Freisinns von selbst. Daß der Freisinn aber mit den Konservativen und Nationalliberalen zusammen auch die Hunderttausende für den Geheimfonds der politischen Polizei bewilligte, durch den die fchamlosefte Lockfpitzelei gezüchtet wird, verdient besonders gebrandmarkt zu werden l Um die ganze schmachvolle preußische Wirtschaft zu beseitigen und die Interessen der Mehrheit des Volkes, der Arbeiter» des Mittelstandes in Stadt und Land, der unteren und mittleren Beamten, kurz aller Schichten des ehrlich arbeitenden BolkcS zu vertreten, fordert die Sozialdemokratie die Ersetzung des schmachvollen Dreiklasfenwahl- rechts durch das allgemeine direkte gleiche und geheime Wahlrecht für beide Geschlechter. Konserative und Nationallibcrale wollen von einem solchen Wahlrecht natürlich nichts wissen, weil sie gerade befürchten, daß der Wille der Mehrheit des Volkes ihre Volks- ausplünderungs- und Volksknebelungsgelüste durchkreuzen könnte. Aber auch der Freisinn hat bisher nicht das geringste getan, um das Privilegienwahlrecht des GeldsackS ernstlich zu bekämpfen! Trotzdem Fürst Bülow im Januar 1908 den freisinnigen Wahlrechtsantrag mit einer dreiste« Kriegserklärung an daS allgemeine gleiche, ja selbst an das geheime Wahlrecht beantwortete, blieb der Freisinn der getreue Handlanger des agrarischen Blocks! Aber mehr noch, bei den Neuwahlen ging der Freisinn nicht etwa trotz des Angebotes der Waffenbrüderschaft mit der Sozialdemokratie zusammen, sondern er verbündete ich mit den Srotwucherern, Steuerausplünderern«ud Mahlrechtsgegnern» um möglichst viel Wahlrechtsfcinde in den Landtag hineinznwählen und möglichst wenig ans- richtigeWahlrechtSkämpfer, nämlich S o zialdemokraten.in dcnLandtag gelangen zulassen. Der schurkische Gewaltstreich des Freisinns bei der Ungültigkeitserklärung der vier ozialdemokratischen Berliner Mandate vollendete das niederträchtige Werk des verlogenen Freisinns! Sachsen, Baden und Thüringen haben in den letzten Tagen derReaktionvernichtende. Schläge versetzt. Jetztist die„Haupt st adt der Intelligenz", ist Berlin an der Reihe! Da darf es nur eine Parole geben: Nieder mit der offenen und verkappten Reaktion! Nieder mit den Konservativen und Nationalliberalen! Nieder mit dem Bundesgenossen der Reaktion, dem Freisinn l Wiederwahl der vier Sozialdemokraten! Zum Nahikamps. Er ist auf den Kriegerverein gekommen! Der freisinnige Wahlausschuß des 12. Berliner Landtagswahl- l kreiseS hat in letzter Stunde einen„genialen" Einfall gehabt. Um dem i guten Dr. Nunze ganz sicher zu einem glänzenden Durchfall zu der- ' helfen, teilt ein Herr Schumacher im Auftrage jenes Ausschusses ' aller Welt brieflich mit, daß„unser" Runze schon um deswillen � gewählt werden muß, weil er— Veteran und Ehrenmitglied des Moabiter-- Kriegcrvcrcins ist! I Also: weil Runze„Ehrenmitglied" einer Organisation ist, deren Mitglieder durch Vereiusstatut zur Rückgratlosigkeit und zum Hurrä- Patriotismus verpflichtet sind, darum soll ihn der Moabiter Freisinn für den geeigneten Vertreter des Wahlkreises halten I Das ist der Gipfel der Naivität, und die Berliner Wählerschaft niüßte vor Scham in die Erde sinken, wenn es wirklich geläuge, einen Ab- geordneten von Kriegervereins Gnaden als Vertreter der Haupt- und Residenzstadt ins preußische Abgeordnetenhaus zu schmuggeln. Aber wir sind ohne Sorge: die Blamage wird Moabit sich , nicht aufhalsen lassen._ Nationalmiserables. < Die Nationallibcralen im 12. Berliner Landtagswahl- ! kreis verzweifeln an sich selber. In einem Zirkular, das sie i in alle Welt sandten, betteln sie um„entjprechende" Geld- beitrage, damit sie bei der Wahl doch„mindestens einen starken Achtungserfolg" erringen. Eine Postanweisung zur gest. Benutzung packten sie gleich bei. Ob die vorhandenen Geldbriefträger ausreichen, um die einlaufenden Anlveisungen zu bestellen, oder ob Herr Kraetke in Anbetracht seiner be- kannten Loyalität gegenüber den Nationalliberalen für Hilfskräfte gesorgt hat, wissen wir nicht. Jedenfalls ist zu hoffen, daß die eingehenden Gelder wenigstens zu einem anständigen Leichenstein ausreichen. Denn es wäre doch schade, wenn das Häuflein nationalliberaler Moabiter ganz ohne Sang und Klang verscharrt werden müßte. Sie IMchioeDgewehre auf dem lüansfelder Kampfplatz. Im Mansfeldischen, wo die reichstreuen Bergknappen sich das ihnen verweigerte Koalitionsrecht erkämpfen wollen, hat man Militär gegen sie aufgeboten. Die Meldung, daß man auch Ma- ! fchincngewehre auffuhr, erschien selbst bürgerlichen Soldschreibern zwar nicht zu schmachvoll für unsere Verhältnisse, aber politisch derart aufreizend, daß sie die Meldung verbreiteten, die Schnell- feuergeschütze wären wieder abgefahren worden. Sie sind es nicht. Aber wenn sie es selbst wären: Diese Maschinengewehre vor den Toren der Kupferhammerhütte in Mansfeld sind dem Kampf» arscnal der Sozialdemokratie einverleibt für alle Zeiten! Wo noch „reichstreue" Arbeiter leben, die nicht begreifen wollen, daß der moderne Staat nichts weiter ist als der Nachtwächter der Besitzen- den, da wird man's ihnen an den Mansfelder Geschützen demon- striereu. So geht diese Bewegung, abgesehen von ihrem äußeren Umfange— umfaßt sie doch beinahe 10 Ml) Mann— weit über den Charakter eines örtlichen Wirtschaftskampfeö hinaus. Uebrigens hat man nicht allein die Maschinengewehre nicht abgefahren, son- dern weitere staatliche Machtmittel entfaltet und schwere Kavallerie > herangezogen. Außer zwei Bataillonen, einer Kompagnie Infanterie und seiner Kompagnie der Maschinengewehrabteilung sind am 24. d. M. \ morgens auch noch mehrere Eskadronen Kürassiere � eingetroffen, denen anscheinend die Aufgabe obliegt, etwas j Leben in das sonst so ruhige Streikgebiet zu bringen. Das Militär ' zieht bei jedem Schichtwechsel— wohl um die Notwendigkeit seiner ' Anwesenheit zu demonstrieren— in starken Abteilungen, meistens unter der Führung eines Offiziers, durch die leeren Straßen vor die Hütten- und Schachttore und unter dem Schutz der Klein- kalibrigen schleichen die reichstreuen Streikbrecher durch die Werks- tore; niemand„verhöhnt" sie mehr. Tagesüber gehen fortwährend Militärpatrouillen durch die Straßen der Ortschaften und treiben die Leute fort. In Heldra, wo ein besonders„schnei- diger" Herr das Kommando zu führen scheint, duldet das Militär nicht einmal, daß Geschäftsleute vor ihrem Laden stehen oder Hauseigentümer sich vor ihrem Hause aufhalten; sie werden unnachsichtlich ins Haus hineingetrieben, und selbst Straßenbahnpassanten wurde das Warten auf die elektrische Straßenbahn untersagt! Erst nach mehrfacher Beschwerde wurde allergnädigst gestattet, daß diejenigen, welche die Straßenbahn benutzen müssen, an den Haltestellen derselben stehen dürfen. So wird diesem ordnungsliebenden Publikum gezeigt, was in Preußen„Ordnung" heißt und alles Geschimpfe nutzt nichts mehr. Man kann es in Bürgerkreisen nicht fassen, wie es auch nur möglich war, den so ruhigen und friedlichen Bergleuten Militär auf den Hals zu schicken, und daß die Regierung in diesem Kampf ! so einseitig, nur für Vogelfang, direkt gegen die Bergleute ein- � gegriffen hat. Vor den Toren der Kupferkammerhütte stehen noch immer die zwei Maschinengewehre, beide in erhöhter Stellung, das eine mit der Mündung nach Hettstedt, das andere nach Molmeck, die zwei Straßen, die nach der Hütte führen, bestreichend. Sie zeigen den furchtbaren Ernst der Situation, und drohen Vernichtung allen, die es wagen, auch nur die Schornsteine des Herrn Vogelfang zu be- leidigen! Am Sonnabend brachten 8 Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr von Zierslcben nach Hettstedt einen Fuhrmann, der mit dem Streik nichts zu tun hat, aber irgendwie aufgefallen sein mutz. 3 Soldaten, das Seitengewehr aufgepflanzt, um einen harmlosen Menschen von seinem Fuhrwerk abzu- führen. Eine schreckliche„Insubordination" muß in Eisleben ein Dienstmädchen begangen haben, denn es wurde von 5 Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr abge- führt! Wie man sagt, soll das Mädchen das Militär„ange- höhnt" haben, da dieses' Vogelfang zu Hilfe gekommen sei, und nachdem sie für„verhaftet" erklärt war und abgeführt wurde, höhnte es weiter(so eine wirklich freche Person!) über die Stärke des Militärs, wo fünf bewaffnete Ma n n notwendig seien, ein schwaches Frauenzimmer zu verhaften!— Der Streik nimmt natürlich gerade wegen des MilitärZ noch zu und befindet sich das ganze Revier, d. h. sämtliche Schächte, im Ausstand. Die Zahl der Ausständigen betrug am 23. d„ M. rund 8000, dazu sind aber am 24. d. M. noch drei Hütten der Eckardhütte in Leimbach hinzugekommen, denen man Streikarbeit aus der Kupfcrkammerhütte zu machen zumutete. Die Höhe der Zahl ist noch nicht festgestellt, doch dürfte es sich ebenfalls um mehrere Hundert handeln. Außer den 8000, die sich bei der Streikleitung täglich melden, befinden sich eine große Anzahl außer Arbeit, die sich nicht melden, aber auch nicht zur Arbeit gehen. Es dürsten sich an 9000 im Ausstande befinden. vor de» Stichmahle» i» Baden und Sachie». Groftblockabkommen in Baden« In Baden hat der. Liberalismus getan, wozu ihn seine prekäre Lage gebieterisch drängte, er hat mit der Sozial- demokratie das Großblockabkommen getroffen. Es ist auf folgender Grundlage zustande gekommen: Die Blockparteien stimmen für die Sozial- d e ni o k r a t e n in den Kreisen: Schopfheim-Schönau, Freiburg U, Durlach-Land, Bruchsal- Land. Heidclbcrg-Laud, Schwetsingeu. Die Sozialdemokratie stimmt für die Na- t i o n a l l i b e r a l e n in den Kreiseur Mcßkirch- Stockach, Engen- Konstanz, Donaueschingen, Säckingen, Freibnrg l, Frciburg III, Emmendingen, Baden-Stadt, Brettcn-Bruchsal, Ettingen, Roßbach, Boxberg-Adelsheim. Die Sozialdemokratie stinimt für die De- m o k r a t e n in den Kreisen: Konstanz, Triberg-Wolfach, Lahr-Land, Offenburg, Rastatt, Brnchsal-Stadt. Ausgekämpft wird der Kampf zwischen den Blockparteien und der Sozialdemokratie in den Kreisen: Lörrach-Stadt, Lörrach-Land, Lahr-Stadt, Karlsruhe-Land, Karlsruhe II, Karlsruhe III, Pforzheim I, Mannheim IV, Heidel- berg 1, Heidelberg II, Heidelberg-Ebersbach. Dieses Abkommen ist trotz des dringlichen Ab- mahnens der badischen Regierung geschlossen worden. Die amtliche„Karlsruher Zeitung" brachte kurz vor den entscheidenden Verhandlungen einen Artikel, der für die Stichwahlen dringlich eine antisozialdemokratische Koalition der bürgerlichen Parteien empfiehlt. Der Negierung ist offenbar das Wachstum der Sozial- demokratie arg in die Glieder gefahren. Ihr Organ suchte den Nationalliberalen die antisozialdemokratische Koalition schmackhaft zu machen durch die Verheißung, daß sie auch bei der Verbindung mit dem Zentrum auf die von einem Großblockabkommen erhoffte Vermehrung ihrer Mandate nicht zu verzichten brauchten. Diese Rechnung hatte jedoch das eine große Loch, daß die Nationalliberalen in weit mehr Stichwahlen gegen das Zentrum als gegen die Sozialdemokratie stehen. So haben sie denn auch die Beklemmungen der Regierung unbeachtet gelassen und haben lieber ihren Vorteil an der Seite der Sozial- demokratie gesucht. Wenn das Abkommen eingehalten wird, so würde die Sozialdemokratie mit den Liberalen sechs Sitze gewinnen, wozu dann noch jene kämen, die sie gegen die Liberalen zu erringen vermag. Die Stimmen der Parteien in Baden. DleSozialdemokratiehatam2l. Oktober 80 335 Stimmen erzielt. Im Jahre 1005 stimmten 50431 Wähler für dieselbe, so daß der Stimmenzuwachs 36 404 oder 7v Proz. beträgt. Die bürgerlichen Parteien dagegen haben samt und sonders S t i m m e n v e r l u st. Das Zentrum hatte 1905 125453 Stimmen; 1909 konnte eS nur noch 90 840 zählen. Allerdings ist ein Teil der konservativen, der bündlerischen und der mittelständlerischen Stimmen— insgesamt 30 273— auf sein Konto zu setzen; immerhin beträgt der ungefähre Verlust noch 15 0 Stimmen. Der liberale Block zählte 1905 105 029 Stimmen; dies- mal marschierten Nationalliberale, Freisinnige, Demokraten und Nationalsoziale fast durchgängig getrennt mit dem„Erfolge", daß auf die Nationalliberalen 75 184. auf die Demokraten 15 550, auf die Freisinnigen 4810 und auf die Nationalsozialen 094 Stimmen entfielen; das sind zusammen 90 244, also ein Verlust von von rund 10 000 Stimmen. Dabei kommt den Liberalen noch zugute, daß die Separierung eine größere Wahlbeteiligung in den einzelnen Wahlkreisen zur Folge hatte. •.' Stichwnhlparolen In Sachsen. Eine Konferenz der Sozialdemokratie zu Dresden traf am Sonnabend die letzten Vorbereitungen zu den Stichwahlen. Eine besondere allgemeine Stichwahlparole auszugeben war unnötig, da unsere Partei nur in zwei Wahlkreisen den Ausschlag gibt. Der eine ist der 1. städtische Wahlkreis Zittau-Löbau. Den dortigen Genossen wird empfohlen, für den Freisinnigen gegen den Nationalliberalen zu stimmen. In dem anderen Kreise, dem 13. ländlichen(Altenberg- Dippoldiswalde-Land). steht der Vorsitzende des Bundes der Landwirte in Sachsen, der Oekonomierat Andrä, mit einem Nationalliberalen zur Stichwahl. Den Genossen dieses Kreises wird empfohlen, die Wahl des bisherigen Ab- geordneten Andrä, eines der schlimmsten Feinde des werk- tätigen Volkes, zu verhindern. Die Konservativen, die am Freitag in Dresden tagten, beschlossen natürlich überall dort, wo in Sachsen Sozialdemokraten in der Stichwahl stehen, für den bürger- lichen Kandidaten, auch für die linksliberalen, einzutreten. In der Erklärung heißt es: „Daß über das Verhalten der Liberalen in den Kreisen unserer Parteifreunde die bittersten Klagen geführt werden, und daß überall im Lande tieffte Mißstimmung und Verbitterung herrscht, ist mehr wie begreiflich. Und dennoch! Wir dürfen solcher Verbitterung in unseren Reihen nicht ausschlaggebenden Einfluß gewähren! Und dennoch müssen wir, wenn es uns auch hart und schwer angehen mag, bei den bevorstehenden Stichwahlen überall dort, wo Sozialdemokraten Gegner, Mann für Mann eintreten für die bürgerlichen Kandidaten." Der Nationalliberale Landesverein hat die uationalliberalen Wähler aufgefordert, die bürgerlichen Kandidaten gegen die Sozialdemokratie zu unterstützen. Die Frei sin'n ige Volkspartei dagegen drückt sich nach altbewährter schäbiger Tradition um jede Stellung- nähme herum. Die Stimmen der Parteien in Sachsen. Nach einer vorläufigen Zusammenstellung entfallen von den 1 272 100 Stimmen, die am 21. Oktober abgegeben wurden, auf die einzelnen Parteien: Sozialdemokraten....... 488 420 Stimme» Nationalliberale........ 338 040, Konservative und Bund der Landwirte 315 150„ Freisinnige.......... 103 830„ Reformer und Mittelstandsvereiiiigung 25 000„ 1 272 100 Stimmen In Dresden erhielt die Sozialdemokratie von Einstimmen-Wählern 19128, von Zweistimmen» Wählern 8233, von D r e i st i m m e n- Wählern 2030 und von V i e r st i in m c n- Wählern 1872 Stimmen. Einige Brzirle fehlen noch. Die Sozialdemokratie steht in Stichwahl: 19mal mit Konservativen, 27mal mit Nationalliberalen und 7mal mit Frei- sinnigen. »» Stimmen aus Sachsens Parteipresie zum Wahlausfall. „Leipziger Bolkszeitung": Die Hottenlottenfreude hat nicht lange gedauert. Kaum zwei- einhalb Jahre. Die niedergerittene, niedergelogene, niederverleuni- dete Sozialdemokratie, sie steht heute kräftiger und prächtiger da, denn je. Die Gegner ziehen in regelloser Flucht eiligst von dannen. ... Wir lieben es nicht, uns Illusionen zu machen und des- halb sprechen wir es ganz offen aus, daß unter den sozialdemokra- tischen Stimmen sehr viele sogenannte Mitläufer stecken. Viele „nationale" Männer, selbst deutschnationale Handlungsgehilfen, Privatangestellte und selbstverständlich auch Beamte haben rot ge- wählt. Das ist nicht eine Herabsetzung des Sieges, es beweist viel- mehr, daß die Sozialdemokratie wiederum die Partei des allge- meinen Vertrauens geworden ist, daß sich die Wähler den Hotten- tottenschleiin von den letzten Reichstagswählen her gründlich aus den Augen gewischt haben, daß die nationale Phrase ausgespielt hat und die Künste des Reichsverbandes— Jakob, wo bist du?— nicht mehr ziehen. Aus diesen Tatfachen aber ergibt sich die ernste Mahnung für die Partei, jetzt mit neuen.Kräften und neuem Selbstvertrauen an die Arbeit zu gehen und die„Mitläufer" soweit wie möglich in überzeugte Sozialdemokraten zu verwandeln. Denn nicht immer liegen die Verhältnisse so günstig für uns, nicht immer werden die Streichhölzer verteuert und die Erbschaftssteuer ab- gelehnt. Um es rund heraus zu sagen: durch diese für die sozial- demokratische Agitation so außerordentlich günstige Situation wurde der gemeingefährliche Charakter des Vierklassenwahlrechts ver» fälscht. Sein Ergebnis war diesmal ein viel oppositionelleres Rc- sultat, als man in Zukunft unter normalen Verhältnissen von diesem Wahlrecht erwarten darf. Hier liegt eine Gefahr vor. Ein- mal wird dadurch die Beseitigung dieses Wahlrechtsscheusals in Sachsen sehr erschwert und zweitens seine Einführung in anderen Bundesstaaten, in erster Linie in Preußen, sehr erleichtert. Man vergegenwärtige sich, daß gestern die erste Probe mit einem Plural- Wahlrecht in Deutschland gemacht worden ist und daß diese Probe mit größter Aufmerksamkeit allenthalben verfolgt wird. Seine Einführung in Preußen beispielsweise könnte jetzt von der preu- ßischen Reaktion den Liberalen viel plausibler gemacht werden, da man auf das Ergebnis in Sachsen hinweisen kann. Und wir müßten � unsere Liberalen schlecht kennen, wenn sie nicht diese Gelegenheit, gegen das allgemeine, gleiche Wahlrecht vorgehen zu können, tfv.t Begeisterung ergreifen würden. Und dabei würde das Pluralwahl- recht im agrarischen Preußen noch etwas ganz anderes bedeuten, als im industriellen Sachsen. Hier ergibt sich die zweite Lehre des Wahlergebnisses für die Sozialdemokratie, nicht trotz, sondern gerade wegen des glänzenden Resultats mit aller Wucht gegen das Vierklassenwahlrecht loszugehen. „Dresdener Volkszeitung": Die Sozialdemokratie ist die Siegerin des 2t. Oktober.... Wenn es erst möglich sein wird, die Zahlen der Wähler von der durch die Pluralstimmen verursachten Täuschung zu sondern, dann kann sich erst im ganzen Umfange zeigen, wie schwer die Niederlage der bürgerlichen Parteien, wie groß der Sieg der Sozialdemokratie ist. Denn, wahrlich, das Pluralsystem hat für die bürgerlichen Parteien seine Schuldigkeit getan.... Das Plural- Wahlsystem hat den Zweck seiner Urheber insofern erfüllt, als es verhinderte, daß der Zorn und der politische Urteilsspruch des Volkes sich in die entsprechende parlamentarische Machtverteilung umsetzen kann. Andererseits ist nicht zu bezweifeln, daß gerade die Ungerechtigkeit des neuen Wahlsystems viele Wähler für die Sozialdemokratie zu stimmen bestärkte. Auch das neue Unrecht rächt sich an seinen Urhebern, den bürgerlichen Parteien. Neben den großen Wahlsiegen der Sozialdemokratie ist das wichtigste Kennzeichen des Wahlergebnisses der Zusammenbruch der konservativen Mehrheit im Landtage. Seit Jahrzehnten lastet das agrarisch-konfervativ-zünftlerifche Regiment schwer auf dem industriellen, kommerziellen Lande Sachsen. Endlich wird dieser Bann einigermaßen gebrochen. Die Partei der Mehnert und Opitz trägt in erster Linie die Kosten dieser Wahl. Anstatt ihrer ein- fettigen Mehrheitsherrschaft wird nun die neue sozialdemokratische raktion als einflußreicher Faktor und unter Umständen als das ünglein an der parlamentarischen Wage erscheinen. Ein bedeutsames Ergebnis der ersten Landtagswahl unter dein Pluralwahlshstem ist der!1 leinfall der Mittelständsvereinigung. Mit den übertriebensten Hoffnungen ist diese reaktionäre Clique in den Wahlkampf gezogen. Sie träumte davon, den Landtag mit den Konservativen zusammen beherrschen und die geplante Wirtschaft- liche Vereinigung zur maßgebenden Fraktion machen zu können. Der Generalsekretär der sächsischen Mittelständler, Fahrenbach, sprach mehrfach davon, daß sein rückständiges Gefolge bei den Wahlen ganz Sachsen beherrschen und die Mittelstandsvereinler den sächsischen Wählern bei den Wahlen dieselbe Ueberraschung bereiten würden wie die Antisemiten 1893. So überschwängliche Hoff- nungen, so große Rosinen, und ein so kläglicher Reinfall.' Das ist keine Niederlage, das ist eine Riesenblamage und eine Katastrophe für die Mittelstandsvereinigung zugleich. Das ist aber um so schmählicher, weil das Pluralwahlsystem den Mittelständlern äußerst günstig war, denn es bevorzugte ja Zünftler und Hausbesitzer bei der Verteilung der Zuschlagsstimmcn ganz besonders.... politische OebcrHcbt Berlin, den 25. Oktober 1909. Gegen den Arbeitsnachweis des ZechenvcrbandeS fanden im ganzen Ruhrgebiet am Sonntag gemeinsame Protest- Versammlungen des Bergarbeiterverbandes und der christlichen Bergarbeiter statt. In den Beschlüssen der Versanimlungeu wurde darauf hingewiesen, daß ernstliche Konflitte unver- weidlich seien, wenn der Zechenverband nicht von der Er- richtung des Arbeitsnachweises Abstand nehme. Von der Regierung wird verlangt, daß sie die Forderungen der Berg- arbeitcr unterstützt und für die Einführung von Tarifverträgen im Bergbau eintritt._ Das Fiasko des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. Die bürgerlichen Parteien, besonders die Konservatiöen, haben bei den letzten Wahlen schlecht abgeschnitten— trotz der energischen Unterstützung des Rcichsvcrbandes gegen die So- zialdemokratie, der wieder mit genau den gleichen nieder- trächtigen Mitteln der Verleumdung kämpfte wie bei den letzten allgemeinen Reichstagswahlen. Dieses Fiasko der Wahlagitation des Reichsverbaudes ist natürlich den Herren im Vorstand recht unangenehm, könnten doch die Gönner und Geldgeber des Neichsverbandes daraus die Folgerung ziehen, daß es keinen Zweck hat, dem Verbände fernerhin blaue und brqune Scheine einzuschicken. Um deshalb die Nützlichkeit des Reichsverbandes zu erweisen und den üblen Eindruck seines völligen Versagens abzuschwächen, haben seine leitenden Größen einen„Aufruf an die bürgerlichen P a r» t e i e n" angefertigt, in dem die staatserhaltenden Parteien väterlich ermahnt werden, sich nicht mehr wegen der Reichs- finanzreform zu befehden, sondern gegen die Sozialdemokraten zusammenzustehen. So heißt es in der komischen Stilübung: Der Streit um die Art der Lösung der Finanzreform durch- zittert noch heute die weitesten Schichten des deutschen Volkes. Die scharfe Fehde innerhalb der bürgerlichen Parteien mutz jedoch beendet werden, wenn nicht die ganze nationale Arbeit leiden, wenn nicht als lachende Dritte die Sozialdemokratie, der Tod- feind der bürgerlichen Gesellschaft, aus dieser Zerklüftung dauern- den Gewinn ziehen soll. Die letzten Ersatzwahlen zum Reichstag und verschiedene Landtagswahlen haben gezeigt, wie infolge der bürgerlichen Un- einigkeit die Saat der sozialdemokratischen Verhetzung üppiger emporschietzt denn je, wie wieder eine Reichsverdrossenheit Platz zu greifen droht, die man schon überwunden glaubte. Datz dieser Zustand eine Aenderung erfährt, ist die Sehnsucht und Hoffnung aller Patrioten. Nicht rückschauender Kritik, sondern zielbewutzter Arbeit an den grotzen nationalen Aufgaben mutz künftig das Streben aller staatserhaltenden Parteien und des gesamten deut- scheu Bürgertums gewidmet sein. Der Vorstand des Reichsverbandes gegen die Sozialdemo- kratie richtet daher an alle seine Mitglieder und Organisationen den dringenden Ruf zur Versöhnung im Streite der Parteien, zur treuen Mithilfe an dem Werke der Verständigung. Jeder wirke an seinem Teil zur Beruhigung und Versöhnung!" Unterzeichnet ist die kindliche Ermahnung vom gesamten Vorstand des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie, zu dem zurzeit folgende vaterländische Geistesgrößen gehören: v. Arnim, Kämmerherr und Hauptritterschaftsdirektor, Mitglied des Abgeordnetenhauses, Züsedom. Graf v. Arnim, Legations- rat a. D., Mitglied des Herrenhauses, Muskau. Dr. Bovenschen (Hauptgeschäftssührer), Schönoberg, v. Dirksen, kaiserlicher Ge- sandter und bevollmächtigter Minister, Mitglied des Reichstages und des Abgeordnetenhauses, Gröditzberg. Burggraf zu Dohna, Landrat a. D., Schlachtensee. Hagemann, Landgerichtsrat, Mit- glied des Reichstages(2. Vorsitzender), Erfurt. Hirsch, Syndikus, Mitglied des Abgeordnetenhauses, Essen(Ruhr), v. Liebert, Generalleutnant z. D., Mitglied des Reichstages(t. Vorsitzender), Berlin. Dr. Lange, Herausgeber der„Deutschen Zeitung", Berlin. Dr. Regula, Rechtsanwalt und Notar, Harburg a. E. Roetger, Landrat a. D., Berlin. Vorster, Geheimer Kommerzienrat, Mit- glied des Abgeordnetenhauses, Köln. Wanckel, Geheimer Baurat, Altenburg._ Staatssekretär Dr. Nieberding. Nach der„Nordd. Allg. Ztg." beabsichtigt der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding mit Rücksicht auf sein vor- gerücktes Alter in den Ruhestand zu treten. Dr. Nieberding steht im 72. Lebensjahre. Im Jahre 1866 wurde er ins Handelsministerium berufen. Ungefähr um diese Zeit gab er sein Buch über preußisches Wasser- recht heraus. Im Jahre 1872 trat er in den Reichsdienst über und war in den ersten Jahren im Reichskanzleramt, seit 1876 im Reichs- amt des Innern beschäftigt. Bei den Beratungen der Gewerbe- ordnung in den 76 er Jahren war er wiederholt Kommissar des Bundesrates. Im Jahre 1883 übernahm er das Reichs- j u st i z a m t. NieberdingS Wirken war weder ein schöpferisches noch ein fort- schrittliches. Er war Bureaukrat vom Scheitel bis zur Sohle. Bei der Auswahl einiger Kommissare, so bei der zur Ausarbeitung des Handelsgesetzbuches, hatte er eine glückliche Hand. Wiewohl persönlich außerordentlich arbeitsam, war er außer stände, selbständige größere Gesichtspunkte in irgendein Gesetz hineinzu- bringen. Als Bureaukrat tat er seine Pflicht und vertrat mit äußerster Trockenheit die Materien, deren Vertretung ihm aufgetragen war. Auch den reaktionärsten Plänen diente er. so derUmsturzvorlage und der Lex Heinz e. Als die Vorarbeiten zum Bürgerlichen Gesetzbuch beim Antritt seines AmteS so weit gediehen waren, daß die parla- mentarische Erledigung dieses Werkes erfolgen mußte, war er es, der sich einem fteiheitlicheren Ausbau dieses Gesetzbuches, ins- besondere beim Vereinsrecht, entgegenstellte und die außerordentlich dielen reaktionären Vorbehalte im Einführungsgesetz zu dem Bürgerlichen Gesetzbuch— wir erinnern an daS G e- sinderecht— mitverschuldete. Auch bei den ErgänzungL- gesehen, die zum Bürgerlichen Gesetzbuch und in prozessualer Beziehung ergingen, war es sein Hauptbestreben, möglichst wenig Neues zu schaffen. Für die Rechtspflege galt ihm nicht der Grund- satz, daß das Recht siegen müsse, sondern daß die Rechts- pflege im alten Irrtum beharren möge, wenn sie nur möglichst wenig koste. Der Beamte hatte für ihn immer recht, insbesondere, wenn dieser sich dem Interesse der herrschenden Klasse mit Leib und Seele verschrieben hatte. Als letztes reaktionäres Machwerk, das Nieder- ding dem Reichstag vorgelegt hat, ist der Entwurf zur Straf- Prozeßordnung zu verzeichnen. Viel schlechter kann sein Nachfolger nicht werden. • Die letzte Nummer der„Nordd. Mgem. Ztg." bringt die Meldung, daß der Kaiser da? Dienstentlassungsgesuch Dr. Nieder- dings angenommen und zugleich den Präsidenten des Kammergerichts, Wirklichen Geheimen Oberjustizrat Dr. Lisco, unter Ver- leihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat„Exzellenz", zum Staatssekretär des ReichSjustizamtS ernannt hat._ Die Dortmunder Stadtverwaltung gegen Schiller. Die gesamte Kulturwelt rüstet sich, am 19. November den 166. Geburtstag Friedrich Schillers zu feiern. Und die Arbeiter- schaft nicht an letzter Stelle. Auch Dortmunds Arbeiterschaft hat eine große Feier geplant, die in Westfalens größtem Saale, im ..Fredenbau m", stattfinden soll. Der Bildungsaus. schütz der freien Gewerkschaften hatte das Arrange« ment getroffen. Die Feier versprach eine recht würdige zu werden, und eine ganze Anzahl der besten Kräfte des Dortmunder S t a d t t h ea t e r s hatte in entgegen- kommend st er Weise ihre Mitwirkung zugesagt. Auch der Direktor und der Oberregisscur des Schauspiels standen der Sache sehr sympathisch gegenüber. Also dachte kein Mensch daran, tmtz sie hätte scheitern können. Und doch ist es geschehen: Dortmund ist um einen Skandal reicher! Die Mitwirkung ist den Künstlern des Stadt- theaters von der städtischen Thcaterkommission verboten worden. Die Theaterkommisston hatte ihre Zustimmung zu geben, was selbst von der Theaterleitung lediglich als Formsache angesehen wurde. Die braven Herren dieser Kommission dachten aber anders, sie verweigerten die Zustimmung. In dem Schreiben an unseren Genossen Haenisch, der im Auftrage der Bildungs- kommission die Verhandlungen geführt hatte, wird gesagt,„datz Mitglieder deS Theaters zu Veranstaltungen von politischen Vereinen nicht herangezogen werden sollen." Der BildungSausschutz der freien GeWerk- schaffen ist also ein politischer Verein, eine Schillerfeier eine politische Veranstaltung. Eine Entdeckung, die natürlich in Dortmund gemacht werden mutzte, in der Stadt des Herrn Schmieding, wo Scharfmacher blauer und schwarzer Couleur unbeschränkt das Feld bc- herrschen. Dummheit ist es gewiß nicht, was die Herren zu ihrem Verbot veranlaßt hat, sondern wütender Arbeiter- haß. Wie können die Arbeiter sich anmaßen, sich bilden zu wollen, die Arbeiter, die doch nur dazu da sind, sich ausbeuten zu lassen und den Grubenherren und Schlotbaronen Profite zu schaffen! Was haben die Arbeiter mit Schiller zu tun! So denkt die Bourgeoisie, so denken die Klassengenossen des nationalliberalen Ober- bürgermeisters Schmieding und des Zentrums- führers Leu sing. Es patzt zu diesem Stücklein, datz die Theaterkommission sich gleichfalls weigert, dem Gewerkschaftskartell das Stadttheater zur� Veranstaltung einiger Vorstellungen zu billigem Preise zu über- lassen,„weil das Theater nur der Allgemeinheit und nicht einzelnen Körperschaften dienen solle...!I" Ein Versammlungsverbot in Hamburg. Hamburg, 2ö. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Polizei verbot eine unter freiem Himmel geplante Ver- sammlung des Sozialdemokratischen Vereins des zweiten Wahl- kreises, weil„unter den obwaltenden Umständen" eine grotze Anzahl Menschen unter freiem Himmel eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bilden. Die Tagesordnung dieser gefährlichen Versammlung hatte lauten sollen: 1. Die indirekten Steuern. 2. Der Justizmord an Francesco Ferrer in Spanien. Eine Riesendemonstration gegen das Zentrum. Auch in D o r t m u n d sucht sich jetzt das Zentrum vor seinen Anhängern zu„rechtfertigen" wegen des Volksverrats bei der Steuer- reform. Dabei hat es einen harten Stand, wenn es, wie eS bei zwei großen Versammlungen geschehen ist, die in C a st r o p und int. F r e i s ch ü tz" bei Schwerte stattfanden, freie D i s- kusfion gewähren muß. Beide Versanimlungen gestalteten sich zu schweren Niederlagen für das Zentrum. Jetzt endlich sollte auch in der Stadt Dortmund selbst eine große Zentrumsparade abgehalten werden und zwar in dem großen Saaleam„Fredeub aum". Die Anfrage der Sozialdemokratie, ob freie Diskussiop stattfinden werde, wurde ausweichend beantwortet, schließ- lich hieß es, man werde erst in der Versammlung beschließen, wenn man gesehen habe, wie sich die Sozialdemokratie verhalte. Darauf beschloß die Sozialdemokratie eine G e g e u d e m o n st r a t i o n. Sie konnte erst am Sonnabend bekanntgemacht werden. Trotzdem zogen am Sonntag schon zeitig die Massen zu vielen Tauscttdcit zur Funkenburg, in deren Garten und Wiesen die Versamtnluitg tagte. Die Zahl der Teilnehmer wurde auf 16 666 bis 12 666 geschätzt. Bon zwei Tribünen wurde zu gleicher Zeit gesprochen. Das Thenta lautete:„Der Justizmord des spanischen Klertts an Franzesko Ferrer und die Haltung des deutschen Zentrums." Von der Sozialdemokratie sprachen die Genossen König- Dortmund und Reickstagsabg. Bömelburg, von der demokratischen Vereinigung und dem rheinisch-westfälischeit Freidcnkerverband, die sich an der Veranstaltung beteiligt hatten, Herr Dr. Breitscheid- Berlin und Genosse Aug. Schulte- Köln. In der ichärfsten Weise gingen olle vier Redner mit dem internationalen Älerikalismus ins Gericht, der in Teutschland nicht weniger Volks- und kulturfeindlich ist wie in Spanien. In ein- gehender Weise wurde auch der Volksverrat des Zentrunts bei der Finanzresorm behandelt. Die Befreiung der Schule aus den Fesseln der Kirche wurde gefordert und als dringendste Forderung die Einführung des all- gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl- rechts in Preußen betont. Alle Redner ernteten stürmischen Beifall. Eine Protestresolution fand einstimmige Annahme. Das Gesellschaftskapital im' bayerischen Einkommen- steucrgesey. München, 22. Oktober. Die Liberalen, die Vertreter des Kapitals, machten heute die größten Anstrengungeit, um die Besteuerung der Erwcrbsgesellschaften möglichst günstig zu gestalten. Es wurde von einem Redner sogar schüchtern angedeutet, daß es eigentlich eine un- gerechte Doppelbesteuerung sei, wenn die Erträge sowohl bei den Ge- sellschakten als den Gesellschaftern besteuert würden. Nach den Beschlüssen des Ausschusses dürfen die Erwerbsgesellschaften an dem steuerbaren Reinerträge 2 Proz. des ein- gezahlten Kapitals in Abzug bringen. Der Abzu� darf aber nicht mehr als 25 Proz. des Reinertrages ausmachen. Die Liberalen stellten nun die Anträge, die 2 Proz. auf 2lii Proz. und die 25 Proz. aus 56 Proz. zu erhöhen. Letzterer Antrag fand bei den anderen Parteien Gegen- liebe und Annahme, weil er vornehmlich den schlecht rentierenden Gesellschaften zugute kommt. Der erste aber wurde sowohl von rechts wie links bekämpft und abgelehnt. Genosse Dr. v. H a l l e r konnte an einigen Beispielen auS der Praxis schlagend nachweisen, daß dieser Antrag gerade den größten und bcstrentiereuden Er- werbsgesellschaiten zu gute käme. Diese aber in der vorgeschlagenen Weise steuerlich zu begünstigen, läge für die Sozialdemokraten nicht die geringste Veranlassung vor. Die Liberalen hatten dann weiter den Antrag gestellt, daß die Einkünfte aus den Gewerbebetrieben der Gesellschaften mit beschränkter Haftung nur mit der Hälfte des Betrages zur Steuer berangezogen werden sollen, d. h. daß die Gesellschafter nicht den vollen, sondern nur den halben Betrag der Dividende in ihrem Einkommen zu versteuern hätten. Der liberale Redner begründete den Antrag damit, daß die G. m. b. H. als Gesellschaftsform einen ganz anderen Charakter trage als die Aktiengesellschaft. Bei letzterer sei das Verhältnis der Aktionäre zur Gesellschaft nur ein sehr loses. Bei der ersteren dagegen sei der Gesellschafter sehr rege mit dem Unternehmen verbunden. Meist seien sie Leiter und Mitarbeiter im Betrieb. Genosse Dr. v. H a l l e r führt dagegen aus, daß die G. m. b. H. ihren ursprünglichen Charakter ganz gründlich geändert haben. Es gäbe jetzt G. m. b. H.. die größere Kapitalassoziationelt darstellen als die Aktiengesellscbaftcn. Eine steuerliche Begünstigung der G. m. b. H. gegen andere ErwerbSgesellschaftcn hätte zweifellos zur Folge, daß die G. m. b. H. als Gesellschaftsform noch mehr bevorzugt würde als heute und so dem Staate große Steuersummen verloren gingen. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Liberalen abgelehnt. Während der Sitzung waren Telegramme mit den Wahlresultaten aus Sachsen und Baden eingetroffen. Sie erzeugten Schreck bei den Liberalen, Bestürzung beim Zentrum und gehoben« Stimmung bei den Sozialdemokralen._ Ein Journalistenkonflikt in München. Wie die„Münchener Neuesten Nachrichten" berichten, ereignete sich in der bayerischen Kammer ein Zwischenfall, der an den Konflikt des Abgeordneten Gröber mit der Journalistentribüne deS Reichstages erinnert. In der Freitagssitzung der Kammer der Abgeordneten erhob der Abg.� Dr. Heim(vom Zentrum) mitten in seiner Rede schwere Vor- würfe gegen die Berichterstattung der Journalistentribüne über die Beratung der Steuerreform. Den Anlaß hatte eine Kritik gegeben, die Person und Politik des Abg. Dr. Heim in einem Münchener Blatte anläßlich der Debatte über den Abzug der Versickierungs- Prämien bei der Steuererhebung erfahren hallen. Abg. Dr. Heim bezichtigte die gesamte Journalistentribüne der sachlichen Un- kenntttiS der Materie und beschuldigte sie der Fälschung der Ab- stimmungSergebnisse. Welche Maßnahmen die Journalistentribüne zur Abwehr der erhobenen Vorwürfe zu treffen gedenkt, ist noch nicht entschieden. Italien. Rciscpolitik. Der Zarenbefuch in Italien ist vorüber-» zur großen Erleichterung aller jener, die an der Sicherheit des Zaren ein Jntereffe haben. Vielleicht noch nie find zum Schutze eines Menschen solche Maßregeln notwendig gewesen, als sie der reisende Zar verlangt, in dessen Gefolge der Schurke Harting eine der wichtigsten Per- sonen ist. Ganze Armeekorps müssen mobilisiert werden, um da? Leben dieses Massenmörders gegen den Haß zu sichern, den seine Taten ihm überall geweckt haben. Wie geringe Bedeutung immer sonst dieser Monarchenreise zukommen mag, der kolossale Apparat von Schutzmaßrcgeln ist sicherlich die stärkste Demonstration des Ab- scheus und der Verachtung, der das System des Zarismus anHeim- gefallen ist. Aber freilich, diese Verachtung ist bestimmend nur für die Politik des Proletariats. Die Bourgeoisie kümmert sich nicht um solche„Geiühlspolitik", die nichts einbringt. Dieselbe italieuische Bourgeoisie, die soeben noch gegen Alfons XIII. in der lautesten Weise protestiert hat, bereitet Nikolaus IL, dem viel schlimmeren Würger seines Volkes, einen begeisterten Empfang und kann sich nicht genug entrüsten über die sozialistischen Protestkundgebungen. Von Rußland erwartet eben die italienische Bourgeoisie eine Förderung ihrer ExpansionSbestrebungen auf dem Balkan, während das arme Spanien nichts dergleichen zu bieten hatte. Aber der Jubelaiisbmch, mit dem die italienische bürgerliche Presse den Zaren begrüßt, ist zwar bezeichnend für die Verläßlichkeit bürgerlicher FreiheitSbegeisteruug, kann aber im übrigen nicht dar- über täuschen, daß diese Reise an den bestehenden internationalen Machtverhältnissen sehr wenig ändert. Die Reise des Zaren und seine Aufnahme in Italien sind eine deutliche Dentonstratioit gegen die von Deutschland unterstützte Balkanpolitik Oesterreichs. Daß diese Demoitstratiott von dem sozusagen verbündeten Italien aus- geht, ist zwar für die Festigkeit des Dreibunds charakteristisch, aber durchaus nichts Neues. Allein diese Demonstration wird solange bloße Dentonstaiion bleiben, so lange hinter ihr keine russische Armee steht, die diesen Namen verdient. Und bis dahin hat es gute Wege. Die Armee, die die Japaner und die Revolution zerschmettert haben, wird der verfaulte und korrupte Absolutismus nicht neu zu schaffen vermögen. Und so wird auch der russische Despotismus trotz aller Sympathien der westeuropäischen Bourgeoisie wohl noch Frieden halten müssen. Die Tage von Racconigi sind vorbei und damit sind auch die Worte von dem herzlichen Einvernehmen und der wachsenden Annäherung verweht, die der blutige Zar von den Vertretern des einst freiheitsliebenden Italiens zu hören bekam. Proteststreik in Venedig. Venedig» 25. Oktober. Heute ist hier wegen des Zaren- besuch es der Generalstreik proklamiert worden. Die wichtigsten Punkte der Stadt wurden von Truppen be- setzt. Die sozialdemokratische Losung findet wenig Anklang. Spanien. Der Femr-Prozeß. Madrid, 24. Oktober. Die Mitteilungen, die der Minister» Präsident über den Fcrrer-Prozeß in Aussicht gestellt hatte, sind heute in Form einer Broschüre veröffentlicht worden. Die Broschüre gibt außer dem Inhalt der Prozeßakten auch die Paragraphen des Militärstrafge'ctzbuches wieder, die für den Ferrec- Prozeß in Betracht kamen, und stellt diesen Paragraphen die B ü r g» s ch a f t e n gegenüber, die einem Augeklagtcn im ordentlichen Gc- richtsverfahren zugute kommen. Einschränkung der Kriegsführung. Madrid, 24. Oktober. Nach einer Meldung des„Im- parcial" soll der Ministerrat beschlossen haben, im Nif- gebiet nicht weiter vorztt drin gen, sondern nur die bisher besetzten Stellungen zu befestigen. Gegen das klerikale Regime. Bilbao, 24. Oktober. Heute fand hier eine gegen die kirch« l i ch e Partei gerichtete Kundgebung statt, an welcher etwa 10 060 Personen teilnahmen. Vor dem Hause des Zivilgouverneurs stießen die Manifestanten Protestrufe gegen das frühere Ministerium auS. Ein ernsterer Zwischenfall ist nicht vorgekommen. Zahlreiche Truppen waren zum Schutze der kirchlichen Gebäude aufgeboten. Rußland. Gegen der Verfassungsbruch. Petersburg, 25. Oktober. Die Sozialdemotraten haben in der Reichsduma eine Interpellation an den Ministerpräsidenten eingebracht wegen Verletzung der Grundgesetze durch die vom 5wiser am 6. September be» stätigten Erläuterungen zum Paragraphen 86 der Grundgesetze, in denen die B u d g e t r e ch t e der Duma hinsichtlich des Militär- und Marineressorts wesentlich ein» geschränkt werden. finnland. Schlimme Tage. HelfingforS, 22. Oktober.(Eig. Ber.) Gestern fand unter dem Präsidium deS Generalgouverneurs B ö ck in a n n die erste Sitzung des neuernannten Senats statt. Wie schon erwartet, wurde es beschlossen, den zarischen UkaS über die Militär- ko n tributton zu promulgieren. Es sei bemerkt, daß ein russischer Senator(der frühere Jngenieurmechaniker Kraatz) sich der Abstimmung enthielt, weil er die finnischen Gesetze nicht genügend kenne. Die anwesenden altfinnischen Senatoreii gaben eine Er» klärung ab, daß finnische Staatsmittel nur mit der Zustimmmtg deS Landtags bewilligt werden können und datz der in Frage stehende Ukasdie Grundgesetze Finnlands verletzt. Dieser Einwand fand bei der russischen Majorität natürlich keine Beachtung. Darauf wurde noch bestimmt, die Vorlage anläßlich der Militär» kontribution dem Landtage zugehenzulassen, welcher nun gezwungen wird, seinen Willen zu äußern. Unterdessen dauern die russischen Truppensendungen fort. Gestern langte in Helsingfors ein spezieller Militärzug mit 125 Kosaken an. ebenso in Viborg, FredrikShamn, TavastehuS. Von Tag zu Tag erwartet man die russische Annektierung der Provinz Viborg. Und da man den Ausbruch revolutionärer Wirren be» fürchtet, so soll zugleich in Viborg der verstärkte Schutz ein« geführt werden und das Kriegsgericht soll seine Tätigkeit be- ginnen. Finnland soll vernichtet werden!— das ist jetzt das Feldgeschrei der russischen Reaktion. Serbien. Der Miuisterwechsel. Belgrad, 24. Oktober. DaS neue Kabinett ist gebildet. ES ist ein Koalitionskabinett, dem vier Altradikale und fünf Jung» radikale angehören. Ministerpräsident ist der alte ehrgeizige Jntri» gant P a s i t s ch. Nicaragua. Niederlage der Rcgierungstrnppen. New Dork, 25. Oktober. Ein drahtloses Telegramm aus Blue- fields berichtet, datz am Freitag bei Boca San Carlo(Nicaragua)j eine Schlacht stattgefunden I)at, in welcher General Chaman die Regierungstruppen geschlagen hat. Die letzteren hatten 166 Tote und 360 Verwundete. Die Aufständi. scheu hatten geringe Verluste; sie eroberten das 5Mp Gracias 4 Dios, das ihnen die � Herrschaft über die ganze atlantische Küste sichert. GewerfercbaftUcbee# Bluttat eines Arbeitswilligen. Schon wieder ist über die ruchlose Tat eines Arbeitswilligen zu berichten. Auf dem Eisen- und Stahlwerk in Ohligs bei Solingen streiken seit zirka zehn Wochen die Former und Gietzereiarbeiler. Die Gründe, die zu dem Streik führten, sind vom.Vorwärts" bereits mitgeteilt worden. Mitglieder der berüchtigten.Färber- kolonne", eine Gesellschaft, die prinzipiell nur Streikbrecherarbeit leistet und zu diesem Zweck von einem Ort zum andern reist, fanden sich ein und leisteten Arbeitswilligendienste. Welcher Art dieses Menschenmaterial ist, das in den Fabrikräumen beherbergt und beköstigt wird, zeigte sich vor einigen Tagen. Als der streikende Former Becker auf Streikposten zog, wurde er von einem der Arbeitswilligen angerempelt mit den Worten:„Heute stehen wir Streikposten!" Auf die Antwort des Becker, er solle ihn in Ruhe lassen, rief der Streikbrecher in die Wirtschaft von Lieder, wo sich verschiedene seiner Kollegen befanden, hinein, und im Nu sah sich Becker von einer Schar derselben umgeben. Nach kurzem Wortwechsel hieb einer der Arbeitswilligen auf Becker mit einem Stocke ein, während ein anderer Becker mit einem dolchartigen Gegenstände von hinten in den Rücken stach. Der Dolch ist tief durch den Nock und Hosenträger in den Körper gedrungen und hat die Lunge verletzt. Der Messerheld rief dem Gestochene» zu:„Ich metzle Dich nieder und werfeDich aufdasVahn- gleis!" Becker wurde auf die Polizeistation geschafft und dort von einem Arzt verbunden. Am selben Abend wurden noch eine Anzahl Personen, darunter auch Frauen, von den Arbeits tvilligen mit dem Messer bedroht. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor. Auf Anordnung des Bürger- meisters wurden die Messerhelden jedoch am anderen Morgen aus der Hai't entlassen und arbeiten wieder ruhig weiter. Das Vorkommnis hat besonders unter der Arbeiterschaft starke Erregung hervorgerufen und man fragt sich mit Recht: Was würde wohl mit den streikenden Arbeitern geschehen sein, wenn sie die Ar- bcitswilligen mit dem Messer bedroht oder gar verletzt hätten? Würde der Bürgermeister dann ruhig ihre Haftentlassung angeordnet haben? Die Herren Arbeitswilligen, die bisher auf dem Werke in Quartier lagen, scheinen diesem selbst unbequem zu werden, denn sie sollen jetzt in PrivatlogiS untergebracht werden. Eine am letzten Freitag- abend tagende von zirka 1000 Personen besuchte Versammlung nahm von den Vorgängen Kenntnis und drückte in einer einstiminig an- genommenen Resolution ihren Abscheu über das Treiben der Arbeits« willigen aus, fordernd, dag die Stadt bald von diesen Elementen befreit würde. Das Verhalten des Bürgermeisters wurde als un- verständlich bezeichnet. Den streikenden Formern wurde die Sym- pathie für ihr musterhaftes Verhalten ausgedrückt. Wie wir nach- träglich erfahren, liegt bei dem Gestochenen Lebensgefahr glücklicher« weise nicht vor, da, wie das ärztliche Zeugnis besagt, der Schulter- blattknochen ein weiteres Vordringen des verletzenden Instruments unmöglich machte._ Berlin und Umgegend. Die Durchführung des neuen Tarifvertrags der Postkartonindustrie ist nicht so glatt von statten gegangen, wie es im Interesse beider Parteien wünschenswert wäre. Namentlich sind Mcinungs- Verschiedenheiten über die Weiterzahlung derjenigen Akkordpreise entstanden, die höher als die im Tarif festgesetzten sind. Es ist darüber zu neuen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Ar- beitgeber und Arbeitnehmer, und auch am Mittwoch, wenigstens auf dem Papier, zu einer Regelung der Angelegenheit gekommen. In dieser Sitzung wurde auch von den Fabrikantenvcrtretern an- erkannt, dast bei Abschlutz des Tarifvertrags protokollarisch fest- gelegt ist, dah die Unternehmer nicht alle bisher gezahlten höheren Preise auf das Niveau des Minimaltarifs hcrabdrücken wollen, sondern dasi die gewährten, im Einverständnis beider Teile ge° zahlten höheren Preise bestehen bleiben und über die Preise, die sich eingeschlichen haben, Verständigung herbeigeführt werden soll. Der Satz von den Preisen, hie sich„eingeschlichen" habe», rührt von den Fabrikantenvertretern her, die behaupteten, daß im Laufe der Zeit in einzelnen Werkstätten für gewisse Ar- bciten höhere Preise eingeführt worden wären, ohne ordnungs- gemäg mit den betreffenden Firmen vereinbart zu sein. Wo der- gleichen vorliegt, wollen also die Arbeitgeber die höheren Preise nicht ohne weiteres bestehen lassen, sondern erst mit den Arbeit- nchmern darüber verhandeln.. Jene von der gemeinsamen Sitzung der Vertreter beider Par. teien als zu Recht bestehend anerkannte Protokollbestimmung ist den einzelnen Fabrikanten am 21. Oktober durch Rundschreiben bekanntgegeben mit dem Ersuchen, danach zu verfahren. Das Rundschreiben war für die Fabrikanten von ihrem Vorsitzenden Richard Otte unterzeichnet, für die Arbeitnehmer vom Zahl- stellenvorsitzenden Klar des Buchbinderverbandes. Ein Teil der Fabrikanten, die den Tarifvertrag im übrigen unterschriftlich an- erkannten, hat sich jedoch noch nicht dazu aufschwingen können, jene Protokollbestimmung nun ebenfalls anzuerkennen und danach zu handeln. Am Sonntag fand eine Branchenversammlung der Ka r t o n n i e t e r, Zuschneider und Arbeiterinnen statt, in der Schade über die neuesten Verhandlungen mit den Fabrikanten wie über die Lage bei den einzelnen Firmen berichtete. Es folgte eine lebhafte Aussprache, wobei von allen Seiten enec- gische Mahrcgeln zu endgültiger und strikter Durchführung des Tarifvertrages gefordert wurden. Die Versammlung endete mit Annahme einer Resolution, in der aufgefordert wird, in allen Betrieben, wo noch Differenzen über die An- erkennung des Tarifvertrages bestehen, die Ar- beit am Montag, den 2 5. Oktober, niederzulegen. Die Arbeitsniederlegung, die, wo sie beschlossen war, gestern morgen sofort mit voller Kraft durchgeführt wurde, hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Die meisten Fabrikanten gaben nach kurzen Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeitnehmer ihren Widerstand auf, und bereits am Nachmittag war neben dem Tarif auch der Protokollauszug über die Weiter» zahlung der zu Recht bestehenden h Heren Preise von fast allen Firmen unterschriftlich aner- k a n n t. Nur bei den beiden Firmen K a tz u. C o. und E l tz n e r (früher Cohn u. Co.) dauerte der Streik noch fort. Es ist jedoch zu erwarten, dass auch diese sich den zwischen den Organisationen beider Parteien getroffenen Vereinba.rungen fügen werden, ohne die für sie gewiss sehr unangenehmen Wirkungen eines längeren Streiks abzuwarten. Strafe für einen Unfall. Wie alle Automobilfabriken, so unterhält auch das Autowerk von Siemens-Schuckert am Ronnendam eine Fahrabteilung, deren Aufgabe es ist, die fertig montierten Wagen einzufahren. Bei einer dieser Probefahrten verunglückte, wie erinnerlich, vor 14 Tagen der Chauffeur Birkenfeld infolge eines Defekts an der Hinterrad- Pneumatik. Birkenfeld kam mit gelinden Verletzungen davon, während ein Vertreter der Firma tot blieb. Von sachverständiger Seite ist festgestellt worden, dass Birkenfeld keinerlei Schuld an dem Un- fall trifft. Um so erstaunter war letzterer, als ihm bei der letzten Löhnung 6 M. abgezogen wurden als Strafe für den Unfall. Vorstellungen beim Direktor hatten keinen Erfolg, und so mutzte Birkenseld— der ein_äufeecft zuverlässiger Fahrer ist— den Betrieb verlassen, weil 'Verantw. Redakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw. er sich weigerte, die Strafe zu zahlen. Also Geldstrafe oder Arbeits- losigkeit ist sür den Chauffeur die Folge davon, dass er im Interesse der Firma und infolge eines Materialschadeus sein Leben beinahe aufs Spiel setzen mutzte. Zu verstehen ist dieser Vorgang nur, wenn man weiss, dass derselbe in einem Betriebe passiert ist, wo die Gelbe» gezüchtet werden und wo der Arbeiterausschutz in Händen der Gelben liegt. Nur der feste Zusammenschluß aller Arbeiter in der freien Organisation kann verhüten, dass sich dcrtige Fälle wieder- holen. veutkcbes Reich. Die untertarifliche Bezahlung der Frauenarbeit in den Leipziger Buchbiudercien konnte am Sonnabend in einer gemeinsamen Sitzung der Vorstände des Vereins deutscher Buchbindcreibesitzer und des Buchbinderverbands wen» auch nicht ganz beseitigt, so doch wesent- lich eingeschränkt werden. Es hatte sich seit einigen Jahren in den Leipziger Buchbindereien der taritwidrige Znstand herausgebildet, dass Arbeiten, die durch tarifliche Vereinbarung ausdrücklich den Ge- hilsen vorbehalten waren, von Arbeiterinnen um 20—30, ja teils sogar um 50 Proz. billiger hergestellt wurden. Um diesen Missstand zu beseitigen, halte der Vorstand des Deutschen Buch- binderverbands eine gemeinsame Sitzung der genannten Vorstände gefordert, die am 10. Oktober in Leipzig tagte, ohne ein Resultat zu zeitigen. In der zweiten Vorstandssitzung konnte nach längeren Unterhandlungen eine Vereinbarung erzielt werden, dahingehend, datz das Deckenmachen unter allen Umständen nur als Gehilfen- arbeit gilt und die Anfertigung von Broschüren nur den Arbeiterinnen überlasten werden darf, wenn es sich um dünne Hefte handelt. Im übrigen darf der Abzug für Gehilfenarbcit die von Arbeiterinnen hergestellt wird nur noch 20 Proz. betragen. Es hätte mehr erzielt werden können, wenn die Stuttgarter und Berliner Prinzipale, die in der eisten Sitzung das tarifwidrige Verhalten ihrer Leipziger Kollegen verurteilten, sich nicht anders besonnen hätten. Bei Ablauf des Tarifs im Jahre 1911 wird es Sache der Arbeiter sein, den Uebelstand vollständig zu beseitigen. Wegen des Mordes an dem Streikenden Heinrich Wendler sind bekanntlich die beiden Brüder Josef und Rupert G a ss n e r> die in der Wolffschen Zelluloidwarenfabrik als Streikbrecher Dienste leisteten, verhaftet worden. Nun ist Rupert Gassner auf erhobene Beschwerde hin durch Beschlutz der Strafkammer aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Sein Bruder Josef ist noch in Haft. Rupert ist derjenige, der nach Mel- dung der bürgerlichen Presse durch einen Rcvolverschutz in den'Kopf verletzt worden sein soll, in Wirklichkeit aber nur eine ganz un- bedeutende Schramme infolge eines Steinwurfs davontrug. Er ist übrigens der einzige Verletzte von den Arbeitswilligen, die von Streikenden überfallen sein und bei der Niedermetzelung Wendlers in Notwehr gehandelt haben wollen. Die beiden G a ss n e r sind berufsmässige Rausreitzer; als solch« traten sie vor drei Jahren auch bei dem Unionstreik auf, bei dem ebenfalls Blut flotz, indem der Streikführer Fleischmann von dem Arbeitswilligen Thiel niedergeschossen wurde— eine Tat, die heute noch un- gesühnt ist. Gegen die Freilassung G a ss n e r s hat dep Staats- anwalt Beschwerde eingelegt._ Zum Friedensschluß in Nürnberg wird uns von dort noch ge- schnoben: Unter dem Eindruck der gewaltigen Erregung, die der Mord an einem Streikenden in der ganzen Bevölkerung hervorrief, hat die Firma Gebr. Wolff endlich ihren halsstarrigen Standpunkt verlassen und sich den Vermittelungsbemühungen eines Regierungs- Vertreters und des Oberbürgermeisters v. Schuh zugänglich gezeigt. Dabei mag auch die Erkenntnis mitgewirkt haben, dass nach den letzten Vorgängen die Sympathie weiter bürgerlicher Kreise sich den Streikenden zuneigte, vielleicht auch der Umstand, datz den Unternehmern selbst in der Gesellschaft ihrer Streikbrecher un- heimlich zu werden beginnt, denn es gehen Gerüchte, datz die nütz- lichen Elemente in dem Bclvusstsein, dass sie der Mittelpunkt der Weltgeschichte sind, sich bereits als Herren der Fabrik betrachten und zum Teil die Firmeninhaber schon mit Tätlichkeiten bedroht haben. Der Kampf der Streikenden war lang, schwer und opferreich, und der schöne Sieg, den sie nunmehr erreicht haben, ist wohlverdient. Ueber den Hauptstreitpunkt, aus dem der ganze Kamps entsprang, die erhebliche Reduktion der Akkordlöhne, werden nach Wiederaufnahme der Arbeit Vereinbarungen festgelegt, die im Sinne der Arbeiterforderungen gehalten sein sollen. Ebenso wichtig ist die von der Firma durch Unterschrift eingegangene Verpflichtung, in Zukunft bei Meinungsverschiedenheiten über Lohnfragen mit den Leitern der Arbeiterorganisationen in Ver- bindung zu treten und Verhandlungen zu pflegen, denn bisher hat sie sich stets auf das hartnäckigste geweigert, Organisation s- Vertreter als unterhandelnden Teil anzuerkennen. Wenn die Firma ihre Zugeständnisse beim Ausbruch der Bewegung schon gemacht hätte, so wäre es überhaupt nicht zum Streik gekommen. Aber erst muhte ein langwieriger, auch für die Firma von schwerem Schaden begleiteter Kampf geführt werden und Arbeiierblut fließen l Am Abens vor der Schlacht. Tausende und Abertausende von LandtagSwählern hatten sich gestern abend noch einmal zusammengefunden, um am Abend vor der Schlacht die Parole entgegenzunehmen. Helle Begeisterung herrschte in allen Versammlungen, und das Berliner Proletariat ließ erkennen, datz es ernstlich gewillt war, den letzten Wahl- siegen der Partei in Berlin vier neue Siege hinzuzufügen. Die beiden Wählerversammlungen im ü. Landtagswahlbezirk zeigten einen sehr guten Besuch. Sowohl der Saal in der„Drachen- bürg" am Schlesischen Tor, sowie der Saal und die Galerien der „Urania" in der Wrangelstrasse waren bis auf den letzten Platz besetzt. In der..Drachenburg" hielt zuerst der Kandidat des Kreises Genosse Borg mann seine Ansprache. Als sich Gegner auf die Aufforderung der Versammlungsleitung nicht zum Worte meldeten, ging Genosse Ströbel mit der reaktionären preussischen Wirt- schast ins Gericht, dabei den Freisinn in seiner ganzen politischen Jämmerlichkeit darstellend. In der„Urania" wies Genosse Robert Schmidt nach, wie lähmend die preußische Reaktion auf die Gesetzgebung im Reiche wirkt; wie auch nur der kleinste kulturelle Fortschritt auf Wider- stand stößt, zeigte er am wirksamsten an dem Stillstand der Sozial- gesetzgebung. Die Arbeiterschaft der Reichshauptstadt müsse sich den siegreichen Kämpfern Sachsens und Badens am morgigen Wahltag an die Seite stellen können. Es ist Pflicht aller Wähler, unserem Freunde Borgmann zum Siege zu verhelfen. Genosse Borgmann hielt darauf noch eine zündende Ansprache. Der lebhafte Beifall, der den durch öftere Zustimmungskundgebungen un- terbrochenen Reden gezollt wurde, zeugte davon, datz die Genossen alles daran setzen würden, um die Mandate nicht nur zu erhalten, sondern um durch eine imposante Wahlbeteiligung den herrschenden Kreisen die gegenwärtige Stimmung im Volke erkennen zu lassen. Im 6. Landtagswahlbezirk herrscht unter den Wählern eine Stimmung und ein Eifer, die einen glänzenden Sieg des sozialdemokratischen Kandidaten zu verbürgen scheinen. Der grosse Saal am Markgrafendamm, im äußersten Osten Verlins, war schon um 8 Uhr dermaßen gefüllt. daß sämtliche Tische beiseite geschafft werden mutzten, und die Wähler kamen so zahlreich, datz die Sitzplätze bei weitem nicht ausreichten. Auch Frauen waren in grosser Anzahl erschienen, um, wenn auch selbst wahlrechtslos, ihr lebendiges Interesse an den heutigen Wahlen kund zu tun und mitzuhelfen, der preutzi- Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanftal»' fchen Reaktion und dem Freisinn einen derben Schlag zu der« fetzen. In kräftigen Worten, wie sie die Tatsachen mit sich bringen, schilderte der Referent, Reichstagsabgeordneter Singer, kurz und bündig, um was es sich handelte. Dem mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine nicht minder wirkungsvolle Ansprache des Kandidaten Stadtverordneten Hugo H e i m a n n. Auch der grosse Saal in der Andreasstratze war sowohl unten wie auf den Galerien so zahlreich gefüllt, datz viele sich mit Stehplätzen begnügen mutzte. Hier sprach als erster Redner der Kandidat, Genosse H e i m a n n, und schilderte die Lage des Wahlkampfes, geißelte unter anderem in treffenden Worten die Freisinnsschmach, wobei er auch darauf hinwies, datz die Frei- sinnigen auf einen 60jährigen„Wahlrechtskampf" zurückblicken .können und wie sie sich dabei benommen haben.— Als Referent sprach in dieser Versammlung an Stelle des verhinderten Ge- nassen Ledebour Genosse Eichhorn, der in ebenso scharfen wie wol?lbegründeten Worten mit der preussischen Reaktion und ihren Helfershelfern, den Freisinnsmannen, ins Gericht ging und tue .Versammelten aufforderte, den Mandatsräubern die Antwort so kräftig wie nur möglich zu erteilen. Nach kräftigem Schlusswort des Vorsitzenden, Genossen Hoffmann, schloß die Versammlung mit einem begeisternden Hoch auf die Sozialdemokratie. Im 7. LandtagLwahlbezirk waren zwei Versammlungen einberufen. Aber der Andrang der Besucher war so stark, dass noch eine dritte Versammlung veran- staltet werden mutzte.— In den Prachtsälen des Ostens(Frank- furter Allee) füllte sich der obere Saal schon lange vor Beginn der Versammlung mit einer so grossen Masse proletarischer Wähler, daß man sämtliche Tische hinausschaffte, um Raum für die andrängenden Besucher zu schaffen. Doch trotzdem erwies sich der grosse Saal als viel zu klein. Er wurde abgesperrt und dann der untere, ebenso grosse Saal geöffnet, der sich auch in kurzer Zeit füllte. So hatten wir hier also zwei stark besuchte Versammlungen. In beiden Sälen sprachen der Kandidat des Kreises, Genosse Hirsch und Genosse Karl Liebknecht. Durch ihre wirkungs- vollen Reden entfesselten sie stürmischen Beifall und sichtliche Be- geisterung. In dem grossen Saal des„Elhsiums"(Landsberger Allee) kenn» zeichnete der Referent Genosse Zubeil in treffender Weise die Bedeutung der Wahl und gab unter allseitigem Beifall der Erwar- tung Ausdruck, datz wir den Wahlkreis mit grosser Mehrheit auch diesmal erobern werden. Als Genosse Hirsch nach Beendigung der Rede Zubeils den Saal betrat, begrüßte ihn lebhafter Bei- fall als Zeichen der Kampfesfreudigkeit und Siegeszuversicht der Parteigenossen und als er seine zu energischem WahlkaMf anj- feuernde Rede geschlossen hatte, brach die Versammlung in stür« mische Kundgebungen aus, die Zeugnis davon ablegten, datz unsere Genossen alles daran setzen werden, um nicht nur zu siegen, son- dern glänzend zu siegen und die Gegner für alle Zeit niederzu« werfen- Im 12. Landtagswahlbezirk boten die beiden großen Wählerversammlungen, die im„Artushof", Perleberger Strasse, und in den..Prachtsälen Nordwest", Wiclef« stratze, veranstaltet waren, ein Bild des regsten Interesses und der lebhaftesten Anteilnahme für die Ereignisse des kommenden Tages. Adolf Hoff mann, der Kandidat des 12. Bezirks, wurde jubelnd begrüßt. Ihm wieder zu seinem Sitz im Landtag zu ver» helfen, dazu war man von ganzem Herzen bereit und gerade darum, weil er von Junkern und Pfaffen so sehr gehatzt wurde. Im„Artushof" sprach H o f f m a n n zuerst und seine kurze, aber kernige Red« fand den reichsten Beifall. Nach ihm hielt Genosse Wolfgang Heine unter grosser Aufmerksamkeit der Versammel- ten einen Vortrag, der ausklang in den Appell, dem sozial» demokratischen Kandidaten den Sieg zu bereiten. Dieser war unterdessen nach den.Prachtsälen Nordwest" geeilt, wo Ge« nosse Stadthagcn vor übcrfülltem Saale eine anfeuernde Rede hielt. Nach ihm sprach Hoffmann, der auch hier helle Begeisterung für seine Wiederwahl fand. Beide Versammlungen waren ausserordentlich stark besucht; zahlreich waren auch die Frauen erschienen. Trotz des starken Zustroms hielt sich die Polizei von den Versammlungslokalen fern. Nicht einmal die Schutzmannsposten an den Eingängen, die sonst bei grossen Versammlungen üblich sind, waren zu bemerken. Einige Anzeichen ließen trotzdem erkennen, dass die Versammlungen scharf beobachtet wurden. Die Ordnung wurde musterhaft aufrecht« erhalten: Ansammlungen auf der Strasse fqndcn nicht statt. Unter Hochrufen auf unsere Partei und unseren Kandidaten zerstreuten sich die Versammelten, bereit, heute, am Wahltage, den Kampf mit aller Energie zu führen. Letzte I�achncbtcn und Depcfchen. AuS dem Lande TellS. Zürich, 25. Oktober.(B. H.) Wegen der Demonstrationen vor dem spanischen Konsulat in Zürich beantragte der Bundes- anwalt Kronauer beim Bundesrat die Ausweisung der italienischen Anarchisten Ouac, Sensoli und Locatelli. Kongogreuel. Brüssel, 25. Oktober.(B. H.) Der deutsche Geologe Dr. Dorpinghaus erhebt schwere Anklagen gegen die Handels- aktiengesellschaft des oberen Kongo. Danach soll die Gesellschaft willkürlich Negermänner und-frauen durch Legen in Ketten zur Arbeit in den Pflanzungen gezwungen, Männer, Frauen und Kinder gefoltert, gemordet und Dörfer verbrannt haben. Der Abgeordnete Vandervelde wird in der Kammer den Kolonial« minister über diese Angelegenheit befragen. Dieser hat bereits eine strenge Untersuchung eingeleitet. Die angegriffene Gesell- schaft behauptet, Dorpinghaus wolle sich rächen, weil er nicht die gewünschte Summe zur Rückkehr nach Amerika erhalten habe. Der gestürzte Henker. Madrid. 25. Oktober.(W. T. B.) Ter frühere Ministerpräsident Maura hielt heute vor Senatoren und Deputierten, die sich auf seine Aufforderung versammelt hatten, eine Rede, in der er die Gründe, darlegte, aus denen er zurückgetreten ist, und weiter aus» führte, die gegen das Vorgehen Spaniens in Marokko geführten heftigen Angriffe hätten die Ereignisse in Katalonien und die Kundgebungen im Auslande veranlasst. Maura erklärte schliesslich. er werde mit den Liberalen fiir alle Gesetze stimmen, die absolut notwendig seien, im übrigen aber werde seine Partei zu der libe- ralen Regierung, die infolge eines im Auslande geführten Feldzuges ans Ruder gelangt sei. nur in feindlichen Beziehungen stehen. Zur Ermordunfl Herzensteins. Kiwinepää(Finnland). 25. Oktober.(W. T. B.) In dem Prozeß wegen Ermordung des früheren Duma- abgcordneten Herzen st ein wurden die Angeklagten Laritschkin wegen Mittäterschaft. Juskevitsch wegen An« stiftung zum Morde zu je k Jahren Zuchthaus verurteilt. Zwei Brüder verschüttet. Langendreer, 25. Oktober. Zwei Brüder im Alter von 13 und 14 Jahren wurden beim Spielen an einer Böschung durch herab- stürzende Sandmassen verschüttet. Beide erstickten._ zäulSinger Lt Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.llnterhaltungSbl. |t. 250. R.AahtMg. 1. Itilngt des JutiDiitls" Snlim lolltslilslt Dieustilg, 26. Oktober 1909. ParteigcnoHen! Der geschäftsführende Ausschuß der preußischen Landes- kommission beruft den 3. Parteitag der preußischen Sozial- demokratie auf v Montag, den 3. Januar 1910 ein. Die vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht des gesckiäftsführenden Ausschusses. Berichterstatter: Eugen Ernst. 2. Bericht der sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Berichterstatter: Hugo Heimann. 3. Die Wahlrechtsfrage in Preußen. Berichterstatter: Heinrich Ströb-r 4. Die Verwaltung Preußens. Berichterstatter: Karl Liebknecht. 5. Das Kommunalvrogramm für Preußen. Berichterstatter: Paul Hirsch. 6. Sonstige Anträge. Für die Verhandlungen sind drei Tage in Aussicht genommen. Der Bericht der Fraktion wird vorher veröffentlicht. Parteigenossen Preußens! Nehmt möglichst bald Stellung zum preußischen Parteitag durch Wahl von Delegierten und Aussprache über die bevorstehenden Verhandlungen. Die Anträge müssen bis spätestens K. Dezember 1909 an die Adresse: Eugen Ernst, Berlin 8 IV. 68, Lindenstraße 69, gelangt sein, wenn sie entsprechend§ 7 des preußischen Organisationsstatuts rechtzeitig veröffentlicht werden sollen. Anträge einzelner Parteigenossen bedürfen der Gegen- Zeichnung des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Den Anträgen etwa beigegebene Begründungen werden weder im„Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Genossen haben das Recht, ihre Anträge auf dem Parteitag selbst zu begründen oder durch befreundete Genossen begründen zu lassen. Die Anmeldung der Delegierten, Verlangen um Logis ist an die Adresse Leopold Liepmann, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, zu richten. Berlin, den 26. Oktober 1909. Mit Parteigruß Der Parteivorstand. / Der geschäftsführende Ausschuß. Zum preuNchei» Parteitag. Nachstehend veröffentlicht die von der Konferenz der sozial- demokratischen Gemeindevertretcr Groß-Berlins und der Provinz Brandenburg gewählte Kommission, die von dem ihr eingeräumten Recht der Kooptation Gebrauch gemacht und zu ihren Beratungen Genossen aus allen Teilen Preußen? hinzugezogen hat, den Ent- Wurf eines Kommunalprogramms. Wir unterbreiten den einstimmig angenommenen Entwurf der öffentlichen Kritik mit der Bitte, die Parteiblätter, die dazu Stellung nehmen, in je zwei Exemplaren an die Adresse Eugen Ernst, Berlin LW., Lindenstr. 69, einzusenden. Entwurf eines Kommunalprogramins für die Sozial- demokratie Preußens. In Uebereinstimmung mit der von dem Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in Bremen:904 beschlossenen Resolution stehen die sozialdemokratischen Gemeindevertreter Preußens auf dem Standpunkt, daß nur durch die Aufhebung der Klassenherrschaft die demokratische Organisation der Gemeinde vollendet und die Bahn für eine Verwaltungstätigkeit frei gemacht werden kann, welche die Wohlfahrt aller gleichmäßig fördert. Kleines feuilleton* Das moderne Babylon. Die kapitalistische EntWickelung hat als die größte Revolutionärin alles Ueberkommene zerstört. Sie hat das Antlitz der Erde in ungeahnter Weise umgestaltet; sie hat auch der Menichenveneilung neue Gesetze vorgeschrieben. Was dem naiven Blick als Naturgesetz erscheinen mochte, die Ausbreitung und Verteilung der Rassen und Böller, hat die kapitalistische Epoche uns als WirtschaflSgesetz enthüllt. Besonders die„neue Welt" bietet Beispiele, die alles historisch Ileberlieferte Ivcit hiiUer sich läßt. Solche Völkerwanderungen und -Mischungen, wie die rapide amerikanische EntWickelung sie' hervor gerufen hat, sind ohne Beispiel. Nur selten hat sich in der Geschichte der Menschheit der Fall ereignet, daß sich auf einem Punkte zugleich Mitglieder einer großen Zahl verschiedener Völker mit mannigfachen Sprachen zusammen finden. Die Sagengeschichte des Altertums erzählt eS uns vorn Turmbau zu Babel, die Kulturgeschichte zeigt es uits im kaiscr- lichen Rom. In größtem Maßstabe ober hat sich ein wahres Sprachenbabel in den letzten hundert Jahren namentlich an drei Stellen der neuen Welt gebildet: in New Jork, in Chicago und i» San Francisco. Soeben hat da? statistische Amt der Stadt Chicago seine Schätzungen(wirkliche Zählungen) werden nicht jedes Jahr vor- genommen) für die Zusammensetzung der Bevölkerung veröffentlicht. Danach zählt Chicago heute eine Bevölkerung von 2 572 833 Einwohnern. Diese entstammen ungefähr 49 verschiedenen Ländern in Europa und Asien. Absolut die größte Menge wird von den ge- bore neu Amerikanern gebildet: sie umfaßt 699 354 Köpfe. Relativ ist dies jedoch nur wenig mehr als der vierte Teil der städtischen Bevölkerung. An zweiter Stelle stehen die Deutschen mit 563 793 Köpfen; das entspricht ungefähr der Gesamtbevölkerung von München<548 099 Köpfe. Zum Vergleich sei angeführt, daß New Jork 699999 deutsche Einwohner besitzt und sich infolgedessen rühmt, die drittgrößte deutsche Stadt der Welt zu sein: tatsächlich beherbergen nur Berlin und Hamburg mehr Deutsche. An dritter Stelle stehen in Chicago die Iren mit 249 999 Köpfen. Dann folgen die Polen niit t 73 999 Köpfen. Chicago ist also nach Warschau(756 999) und Lemberg(176 999) die größte polnische Stadt der Welt. Der Sitz aller polnischen Nationalbestrebungen in den Vereinigten Staaten, zum Teil auch der großpolnischen Agitation überhaupt, ist deshalb in Chicago zu suchen. Weiter finden wir die Schweden mit der recht großen Zahl von 143 999 Seelen: Schweden hat nur eine Stadt mit mehr Einwohnern. Stockholm(318 999), während Goeteborg die Zahl der in Chicago lebenden Schwede» gerade erreicht. Mehr als 199 999 Köpfe zählen in Chicago ferner noch die Russen mit 123 999 und die T s ch e s ch e n mit 116 999 Köpfen. Die Zahl der Zur Erreichung dieses Zieles sind auf dem Gebiete der Gesetzgebung durchgreifende Aen Gerungen er- forderlich, die den Gemeinden eine ersprießliche Tätigkeit zum Wohle der Gesamtheit ermöglichen. Aber auch unter den heutigen Gesetzen ist der Wirkungskreis der Gemeindepolitik mehr und mehr im Sinne kommunaler Sozial- Politik in der Richtung des Sozialismus auszu- gestalten. Die sozialdemokratischen Gemeindevertretcr Preußens fordern daher: A. Von der Gesetzgebung. I.(Verfassung.) Unter Aufhebung aller zurzeit in Preußen geltenden Stadt- und Landgcmeindeordnungen für den gesamten Umfang des Staates eine einheitliche Gemeindeord- nung auf folgender Grundlage: a) Bildung der Gemeindevertretung durch allgemeine, gleiche, direkte und geheime, von dem Bezug öffentlicher Unter- stützungen unabhängige Wahlen nach dem System der Ver- hältniswahlen; Gewährung des aktiven und passiven Wahl- rechts an alle über 29 Jahre alten Einwohner der Gemeinde ohne Unterschied des Geschlechts; Aufhebung aller Vorrechte des Besitzes; Einkammersystem; Gewährung von Diäten an die Gemeindevertretcr; Straflosigkeit für Acutzerungen in Ausübung ihres Amtes. b) Beschränkung des staatlichen Aufsichtsrechts auf das Recht der Beanstandung ungesetzlicher Verwaltungsakte der Ge- meinden, Prüfung ihrer Gesetzmäßigkeit durch die ordent- lichen Gerichte, Aufhebung der die Selbstverwaltung ein- schränkenden Befehlsgewalt der Staatsbehörden gegenüber den Gemeinden sowie des Bestätigungsrechts der Aufsichts- behörden gegenüber Organen, die von der Gemeinde gewählt oder von ihrer Vertretung bestellt sind. ll.(Polizei.) Uebertragung der Ortspolizei auf die Ge- meinden. III.(Finanzwesen.) Deckung der Gemeindcbedürfnisse durch progressiv gestaltete Zuschläge zur staatlichen Einkommensteuer; Erhebung von kommunalen Zuschlägen zur Ergänzungssteuer; Verbot der Erhebung von indirekten Steuern durch die Gemeinden; Aufhebung des Steuerprivilcgs der Beamten, Geistlichen, Lehrer und Offiziere. IV.(Volksschulwesen.) a) Weltlichkeit der Schulen, fachmännische Schulaufsicht; b) Einführung der obligatorisch zu besuchenden konfessionslosen Einheitsschule mit gemeinsamem Unterbau und einem nach den verschiedenen Bildungszielen gegliederten Oberbau. c) Regelung der Schulpflicht. 6) Uebernayme sämtlicher Schullasten auf den Staat. e) Uebertragung der gesetzlich zu regelnden Verwaltung auf die Gemeinde. V.(Gesundheitspflege.) Erlaß eines Gesetzes über die öffentliche Gesundheitspflege auf Grundlage der kommunalen Selbstverwaltung. B. Von den Gemeinden. I.(Wahlrecht.) Vornahme der Wahlen an einem gesetzlichen Ruhetage, Aufhebung des Bürgerrechtsgeldes, Ermäßigung des Zensus auf das gesetzliche Mindestmaß. II.(Finanzwesen.) Deckung der Ausgaben der Gemeinde durch staatliche Zuschläge zur Einkommensteuer, durch Einführung einer Wertzuwachssteuer auf Grund und Boden, durch Besteuerung des Grund und Bodens nach dem gemeinen Wert unter stärkerer Belastung des baureifen unbebauten Grund und Bodens, durch Umsatzsteuern beim Verkauf von Grundstücken, durch mäßige Uebcr- schüsse der wirtschaftlichen Betriebe der Gemeinden. III.(Bildungswescn.) a) Solange die Einheitsschule nicht erreicht ist, fortschreitenden Ausbau der Volksschule und besondere Berücksichtigung der weniger Befähigten und Begabten. Ausschaltung aller Schul- systeme, die den Ausbau der Volksschule hemmen. Unent- geltlichkeit des Unterrichts und der Lernmittel. Bau und Unterhaltung der Schulhäuser(Turnhallen, Spielplätze, Schulbäder, Schulgärten usw.) sowie Festsetzung der Klassen- frequenz und der Unterrichtszeit der Schüler und Lehrer ausschließlich nach den Grundsätzen der Schulhygiene und Pädagogik. Pflege des Körpers in der Schule durch allge- meine Einführung von Turn- und Schwimmunterricht. b) Ueberwachuni des Gesundheitszustandes der Schüler durch Schulärzte(auch Spczialärzte) und Bereitstellung ärztlicher Hilfe für die krank befundenen Schulkinder auf Kosten der Chinesen und Japaner ist auffallend gering: sie betrügt nur 1391 bezw. 275 Köpfe. In New D o r k liegen die Verhältnisse ähnlich. Unter 3 599 999 Einwohnern zählt man dort nur 737 900 geborene Amerikaner. Nach 699 999 Deutschen folgen mehr als doppelt soviel Ire», als in Chicago leben, nämlich 595 999. Die größte Stadt Irlands, Belfast, hat nur 359 999 Einwohner, also weniger als zloci Drittel der Iren in New Dork. Hier leben ferner 672 999 Juden aus Osteuropa, während in Warschau, der größten Judenstadt Europas, nur 263 999 zu finden sind. Ebenso ist die Zahl der Oesterreicher, der Schweden, der Norweger, der Italiener, der Russen in New Dork sehr groß; es gibt nur drei Städte in Oesterreich, in denen mehr Oesterrcicher leben, nur fünf Städte in Schweden, die mehr Schweden umfassen, nur sechs Städte in Norwegen, die mehr Norweger,, nur sieben in Italien, die mehr Italiener, nur acht in Nußlaud, die mehr Russen beherbergen. Musik. Die„Philharmonischen Konzerte' kommen mit ihren mehrfachen Veraustaltimge» den verschiedenen Bedürf nissen entgegen. An ihrer Spitze stehen die so be nannten Konzerte; sie pflegen ernste Orchester- und Solo mufik, bringen jeweils eine oder die andere � Neuheit, halten sich aber sehr vorsichtig im Rahmen dessen, was nicht erst durchgekämpft werden muß. Ihre Montagabende vereinigen zu entsprechenden Preisen die Gescllichaft des„guten Tonds". Anders die treffliche Einrichtung der ö s f e n t l i ch e n H a u p t p r o b c n, die am Sonntag vorher mittags stattfinden: sie geben mit ihren Preisen von l'/z bis 3 M. vorwiegend den eigentlichen Fachleuten und Liebhabern der Musik Gelegenheit, die Sache sachlich aufzunehmen, und nähern sich so dem, was man volkstümlich nennt. Beide mal ist ein von Paul Belker gut redigiertes, doch immer noch der Erweiterung fähiges „Programmbuch" um 39 Pf. zu haben. Sodann die Populären Philharmonischen. Ihre beiden Arten sind die hoher führenden Dienstags-Veranstaltungen („S i n f o n i e- K o n z e r t e") und die an Sonntagen stattfindenden „Konzerte des Philharmonischen O r ch e st e r s". Mit den letzteren sind wir bei der Bollsunterhaltung angelangt. Das Getriebe in ihnen, mit viel Bier und Rauch, mit viel Eifersucht auf die allenthalben besetzten Stühle, mit viel Liebesbehagcn und Pausenpromenaden ist etwas wie eine Sehenswürdigkeit. Nebenbei gibt es Musik, sozusagen gut bürgerliche Küche, bestehend aus isolierren Ouvertüren und zurecht gemachte» Arien, aus Fantasien, aus Violin- und Orgel- und sonstigen Soli und was derlei abwechselnde Gerichte mehr sind. Alles so gut gespielt, daß Kapellmeister Otto Marienhagen nicht vergessen werden darf. Die„Philharmonischen� dirigiert Artur Nikis ch. Nicht nur vo» Backfischen, sondern auch von Kennern tierehrt, pflegt der Gemeinde. Einrichtung undc Unterstützung von Ferien« kolonien. Speisung bedürftiger Schulkinder. Einrichtung von Schnlwärmestuben und Schulküchen. c) Schaffung von Kindergärten für noch nicht schulpflichtige Kinder und von Kinderhorten für Schulkinder, die der hänS» lichen Beaufsichtigung entbehren; Beratung der Schüler bei der Berufswahl. d) Oeffnung der Höheren Schulen für die befähigten Kinder der unbemittelten Klassen durch die Bereitstellung von Frei- Plätzen, Gewährung freier Lernmittel und Unterhaltsgelder. e) Einrichtung und Betrieb von Volksbibliothekcn und Lese- hallen sowie von Anstalten für Volksunterhaltung und -Belehrung. k) Obligatorischen Fortbildungsschuluuterricht für Lehrlinge und jugendliche Angestellte sowie ungelernte Arbeiter beiderlei Geschlechts bis zum 18. Lebensjahre. Erteilung des Fort- bildungsschuluntcrrichts an Wochentagen während der Arbeitszeit. Erweiterung des Fachunterrichts. Hauswirt» schaftlichen Unterricht für Mädchen« IV.(Wohnungsfrage.)> a) Erwerbung von möglichst umfangreichem Grundbesitz durch die Gemeinden. b) Aufschließung des Grundeigentums durch Straßen, Plätze und Vcrkehrsanlagen. c) Beobachtung der volkshygicnischen, sozialpolitischen, Wirt- schaftlichcn und ästhetischen Momente bei Aufstellung des Bebauungsplanes mit dein Ziel, in den Wohnguartieren eine größere Weiträumigkeit der Bebauung zu sichern, die Mietskasernen zu bekämpfen und den Kleinwohnungsbau zu fördern. 6) Abstufung der Bauweise unter Berücksichtigung der� volkS- hygienischen und sozialpolitischen Momente, insbesondere in den Wohnguartieren; daher eine größere Beschränkung der Häuserhöhe, der Zahl der Stockwerke und des Ucber« bauungsgradcs der Grundstücke. Festsetzung einer Minimal» größe für Wohn- und Schlafräumc. e) Erhaltung des Gemeindebesitzes. Verwendung bon Ge» meindcterrains zur Errichtung von Wohnhäusern mit Wohnungen, die allen Ansorderungcn der Volkswohlfahrt ent« sprechen und der Bevölkerung, insbesondere der Arbeiter- klaffe, zu Mietpreisen zur Verfügung zu stellen sind, bei denen nur die Verzinsung und Amortisation des nufge- wendeten Kapitals sowie die aus der Instandhaltung der Gebäude entstehenden Kosten in Ansah gebracht lverdcn. Eventuell Vergebung des Grund und Bodens der Gemeinde im Erbbaurecht. k) Aufnahme einer Wohnungsstatistik in regelmäßigen Zwischen- räumen. g) Errichtung bon kommunalen Wohnungsämtern, h) Anstellung von kommunalen Wohnungsinspektoren. iV.(Gesundheitspflege.) a) Zur Erhaltung der Gesundheit: 1. Nebernahme des Reinigungswesens(Kanalisation, Müllab- fuhr, Straßcnreinigung, öffentliche Bedürfnisanstalten) in die Regie der Gemeinde. 2. Hygienisch einwandfreie Trinkwasserversorgung und Ent« Wässerung. 3. Kontrolle und Regelung des NahrungsmittelvcrkehrS durch Schaffung von Einrichtungen zur Untersuchung von Nahrungsmitteln(Milchkontrolle, Fleischbeschau, Nahrungs- mittcluntersuchungsämter), durch Einrichtung und Betrieb von Märkten und Markthallen, von Vieh- und Schlachthöfen, durch Ucbernahme der Produktion und des Verkehrs von Nahrungsmitteln(Milchvcrsorgung, Bäckereien, Schlachte» reien, Speisehäuser) auf die Gemeinden. 4. Schaffung von Gesundheitsämtern. 3. Errichtung öffentlicher Bäder, Spielplätze, Turnhallen» öffentlicher Anlagen, Parks und dergleichen. b) Zur Bekämpfung der Krankheiten! 1. Bau und Betrieb von Krankenhäusern zur unentgeltlichen Benutzung aller Angehörigen der Gemeinde, insbesondere Bau und Betrieb von Jrrcnasylcn, Lungenfürsorgestellen, Heimstätten für Lungenkranke, Heimstätten für Genesende» Wald- und Sec-Erholungsstätten für Kinder und Erwachsene, Ucbernahme des Krankentransports und des Rettungswescns. 2. Einrichtungen zum Schutze der Frauen während Schwanger- schaff, Geburt und Wochenbett.(Heimstätten für Schwangere, Entbindungsanstalten, Wöchnerinnenheims.) 3. Unentgeltliche Geburtshilfe und Berritstellung von Hans». pflege durch d'e Gemeinden. Genannte eine Dirigierkunst, die vor einigen Jahrzchifien nocki Ent» setzen erregen konnte. Man denke nur: er nimmt einige Stellen langsamer' und einige schneller I Wer heute den musikalischen Vortrag nach den Weisungen H. v. vülows und H. Riemanns fort- entwickelt haben will, verlangt mehr. Ansätze dazu fehlen auch hier nicht; so etwa bei der Vorführung von R. Schummms immer wieder jugendfrischem Klavierkonzert mit H a r o l d B a u e r als Solisten, die wir am Sonntag hörten. Als Novität gab's da eine „Ouvertüre zu einem Lustspiel von Shakespeare", die der junge Komponist Paul S ch e i n p f l» g geschaffen bat. Mit Benützung einer Melodie ans einem alten englischen Klavierstück läßt der Tondichter die Geister dcS HuniorS und der Burleske springen, daß man sichs bequem zu„Was ihr wollt" oder dergleichen hinzndenlen kann. An Stoff zu ausführlichen Berichten über die Sonntagabend» Konzerte, etwa von Beethovens„Ländlicher Sinfonie" bis zu einem Schlnßwalzer würd' es nicht fehlen. Nur in das Werden und Regen der Kunst, in das Wagen und Ringen der Künstler führt uns all das nicht ein; dazu bedarf cS anderer Wege, die von dem Erfolg?- und Masseneifer des Philharmonic-SaaleS recht weit wegführen, sz. Notizen. — Theaterchronik. Karl N o e ß l e r° Komödie aus dem Komödiaiitenleben„Hinterm Zaun", die bei ihrer ersten Auf» sührnng im Lustspiclhause hier gewürdigt wurde, erprobte am Sonn- abend ihre starken Wirkungen auf das Publikum des Kleinen Theaters. Die Typen ans der Welt der Bretter— die auS der Schmiere sind mit den Augen des Verstehenden geschaut, die vom Hostheatcr satirisch behandelt— wurden sehr charakteristisch ver- lörpert. — Die bestrittene Lionardo-Büste. Direktor Bode erwarb kürzlich für das Kaiser-Friedrich-Museum in London eine Wachsbüste, die er für ein Werk Litmardos da Vinci erklärte. Da Werke dieses genialen Meisters sehr selten sind, entstand eine begreifliche Verwunderung darüber, daß ein neuer Lionardo über» hmipl entdeckt werden konnte. Ein englischer Auktionator behauptet nun aber in Zuschriften an englische Zeitungen, daß diese Büste eine Arbeit des verstorbenen Londoner Bildhauers Lueas sei, der sie auf Bestellung nach einer Kopie von einem Gemälde LionardoS an» fertigte. Da der Handel mit alten Knustlverken die durch ihre «schliche und Kniffe berüchtigte Noßtmischerei bei weitem übertrifft, so ist eS freilich nicht ausgeschlossen, daß Bode auch einmal hinein» gelegt ist. — Lombroso hat sein Gehirn dem anatomischen Institut der Universität Turin vermacht. Die Ueberführuilg der Leiche nach dem anatomischen Institut gestaltete sich zu einer großartigen Sympathie» kundgebung. Lombroso war einer der populärsten Menschen von Turin, wo er eine Zeitlang Stadtverordneter und Mitglied der sozialistischen Fraktion war. 4. Errichtung von Säuglings« shlen, SäuglingSfürsorgestellen, Getvährung von Unterstützungen an hilfsbedürftige Schwangere und Wöchnerinnen, insbesondere auch zur Förderung des Selbststillens. B. Unentgeltlichkeit der Desinfektion. 6. Uebernahme der Apotheken in den Gemeindebetrieb. c) B e sta t tu n gS w e sen: Uebernahme des gesamten Bestattungswesens in Gemeinde betrieb. Obligatorische Einrichtung und Benutzung von Leichen- Häusern. Unentgeltlichkeit des Bestattungswesens. Errichtung von Krematorien. VI. sWirtschaftsPflege.) Alle für die Gemeinde notwendigen Betriebe, insbesondere Be leuchtungs-, Verkehrs-, Wärme- und Kraftcrzeugungsanstalten, Hafcnanlagen, Lagerhäuser, Publikationseinrichtungen, sind der Privatausbeutung zu entziehen und auf eigene Rechnung der Ge- meinden zu errichten und zu betreiben. VII. ßHegiebetrieb.) Errichtung von Gemeindebetriebsämtcrn und Ausführung d'er Gemeindearbciten möglichst durch diese Aemter in eigener Regie. VIII. iSnbmisfionswesen.) Vergebung der Gemcindearbeiten und Lieferungen nur unter vertragsmäßiger Verpflichtung der Unternehmer, die Lohn- und Arbeitsbedingungen der von ihnen beschäftigten Arbeiter in Ge° meinschaft mit den Arbeiterorganisationen festzusetzen und das Koalitionsrecht der Arbeiter zu wahren. Strikte Ablehnung der von den Unternehmern verlangten Aufnahme einer Streikklausel in die Werks- oder Lieferungsverträge. Verbot der Uebertvagung von Arbeiten oder Lieferungen für die Gemeinde an Mitglieder der Gemeindevertretung sowie Verbot der Beteiligung von Gemcindevertretern an gewerblichen Unternehmungen, die in einem Vertrags- oder LieferungsverMtnis zur Gemeinde stehen. IX.(Sozialpolitik.) a) Allgemeine Sozialpolitik. 1. Ausbau des den Gemeinden zur ortsstatutarischen Regelung übertragenen Arbeiterschutzes. L. Einrichtung von Arbeitsämtern als Zentralstellen kommu- naler Arbeiterpolitik mit den Aufgaben der Arberterstatistik, des Arbeitsnachweises, der Arbeitslosenfürsorge, der Aus- kunstSerteilung und der Ueberwachung der sozialpolitischen Gebarung der Gemeindeverwaltung. 8. Fürsorge für Notstandsarbeiten durch zweckmäßige Verteilung der Gemeindearbeitcn auf die Jahreszeiten und durch Bereit- Haltung geeigneter Gemeindearbeiten für die Zeit der Ar. beitslosigkeit. Einrichtung von Arbeitslosenunterstützungs- lassen zur Förderung und Ergänzung der gewerkschaftlichen Arbeitslosenfürsorge. d) Spezielle Sozialpolitik. Bemessung der Löhne für die im Gemeindeauftrag be- schäftigten Arbeiter und Beamten nach gewerkschaftlichen Sätzen. Bildung von Lohnklassen und Lohnskalen nach der Dienstdauer, Einführung einer Arbeitszeit von nicht länger als acht Stunden täglich. Einsetzung von Arbeiter- und Be- amtenausschüssen zur Vertretung der Interessen der Ge- meindearbeiter; Bildung dieser Ausschüsse auf Grund allge- meiner, direkter und geheimer Wahlen. Aufstellung von Ar- beitöordnungen und Arbeitsbedingungen unter Heranziehung dieser Arbeiterausschüsse und der gewerkschaftlichen Organi- Sation der Arbeiter. Gewährung eines Ferienurlaubs an >ie Gemeindcarbeitrr unter Fortbezug des Lohnes. Zahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld in Krankheits- fällen. Weiterzahlung des Lohnes bei militärischen Uebungen. Versicherung sämtlicher von der Gemeinde beschäftigten Ar- beiter gegen Krankheit, Invalidität, Unfall und Alter unter Gewährung klagbarer Rechte an die dieser Versicherung dienenden Kassen. Errichtung von Pensions-, Witwen- und Waisenunterstützungskassen mit Rechtsanspruch für sämtliche Gemeindearbeiter. Gewährleistung voller Koalitionsfreiheit an die Beamten und Arbeiter der Gemeinde. Gewährung von Unfallrcnten an alle Verletzten oder deren Hinterbliebene, die im Kommunaldienst oder in Anstalten oder bei Veran- staltungen zu religiösen, wohltätigen oder gemeinnützigen Zwecken, zu Zwecken der Kunst, der Wissenschaft, der Gesund- hritspflege und Leibesübung verunglückt sind. X.(Armen- und Waisenpflege.) Weltlichkeit der Armen- und Waisenpflege, weitgehende Heran- zichung ehrenamtlicher Elemente, insbesondere der Frauen; Ge- Währung ausreichender Unterstützungssätze; Individualisierung der offenen Armenpflege, Errichtung von Waisenhäusern sowie von Bersorgungsanstalten für die körperlich hilfsbedürftigen Armen. Errichtung von Obdachlosenasylen und Wärmchallen ohne Polizei- liche Kontrolle. Waisen-, Kostkinder- und Fürsorgezöglingspflege nach hygienischen und pädagogischen Grundsätzen, insbesondere ärzt- liche Ueberwachung der Kostkinder durch besondere Aerzte und be- soldete Pflegerinnen mit entsprechender Vorbildung. Anstellung von Spezialärzten im Armendienst. Einführung der Generalvor- mundschaft. XI.(Zwcckverbänbe.) Schaffung von Zweckvcrbänden zur Durchführung gemein- nütziger Unternehmungen, für welche die Mittel der einzelnen Ge- meinden nicht ausreichen. Zar Frage des Arbeitsnachweises. Die kartellierten Großkapitalisten betonen immer stärker den Grundsatz, der Staat habe sich in die„Verhältnisse der Betriebe". d. h. in das Verhältnis der Unternehmer zu den Arbeitern, nicht hineinzumischen. Das ist fa auch der Rat. den der Zentralverbaad deutscher Industrieller durch seinen Ausschuß kürzlich den Verbün- beten Regierungen gegeben hat..... Diesen Grundsatz vertreten die kartellierten Großkapital, ften, weil sie überzeugt sind, daß sie aus eigener Kraft durch ihre Ver- bände ohne direkte Hilfe der Staatsgewalt die Arbeiter vergewalti- gen können. Sie beeilen sich denn auch, ihre Macht gründlich aus- zunutzen, um die Arbeiter ganz unter ihre Faust zu bekommen. Das ist der Grund für den Eifer, mit dem sie gegenwärtig durch ihre Verbände Maßregelungsburcaus als sogenannte Ar- beitsnachweise einrichten. Dieses Verfahren hat sich in den letzten Jahren so„gut" bewährt, daß immer mehr Unternehmerverbände dazu übergehen. Hiernach ist es begreiflich, daß auch die Berg- Herren im Ruhrbezirk den Arbeitsnachweis nach ihrer Methode „zentralisieren" wollen. Jedoch zeigt sich hier von neuem, daß■ bei derartigen Maßnahmen schließlich die Quantität in die Qualität umschlägt: Was vereinzelt nur ein Schönheitsfehler an der Harmonie der Interessen war, wächst sich mit der Zeit zu einer geradezu unerträglichen Ver- gewaltigung der Arbeiter aus, so daß sogar den bürgerlichen Sozialpolitikern Angst und Bange wird. In der soeben erschienenen Nummer der„Sozialen Praxis" wird in einem längeren Artikel über:„Die Monopolisierung des Arbeitsnachweises durch den Zechenvcrband im Ruhrrcvier" die Frage aufgeworfen: „Läßt sich aber solche Kontrolle und Vermittelung der stellungsuchenden Arbeiterschaft(wie die Bergherren durchführen wollen) in den Händen einer privaten einseitigen Interessen- organisation denken, ohne daß eine Verletzung des Brandmarken- Verbotes zu befürchten ist? Es handelt sich schließlich", heißt eS dann in dem Artikel weiter,„um das Wohl und Wehe, um die Freizügigkeit und die Arbeitsvertragsfreiheit von lb Million Ar- beitern, die ohne MitverwaltungSrechte, ohne die Möglichkeit eines rechtlich geordneten Beschwerd�ngeS 6» MWttHwBim Verfügung der Arbeitgebernachweiszentrale überliefert werde« sollen." i Daß sich die Bergarbeiter die von den Bergwerksherren ge- plante Vergewaltigung nicht gefallen lassen, haben sie bereits ge- zeigt. Die„Bergarbeiter-Zeitung" des freien Verbandes ruft den Bergarbeitern zu:„Das Faustrecht in Sicht! Bergarbeiter, auf zur Wehr!" Und selbst der Stöckerzögling Franz Behrens schreibt im„Reich":, „Eher, wie man es wohl erwartet hat, ist die Frage der Koalitionsfreiheit brennend geworden. Die neueste Matznabme des Zcchenverbandes im Ruhrrevier, einen Zwangsarbeitsnach- weis für die Zechen- und Bergarbeiter einzuführen, hat die Frage in ihrer ganzen Tragweite aufgerollt. Die Arbeiter können sich diese Massnahme nicht gefallen lassen. Die Stimmung im Revier ist tatsächlich recht ernst. Erschütterungen des WirtschaftS- lebens liegen leider nicht außerhalb der Möglichkeit, wenn nicht bald der Gesetzgeber eingreift." Und wie Herr Behrens, hofft auch der Mitarbeiter der „Sozialen Praxis" aus die Hilfe des Staates: von Reichs und Staats wegen müsse hier gründlich im Wege des Gesetzes durch- gegriffen werden. Inzwischen hat sich bereits gezeigt, daß die Regierungen gar nicht geneigt sind, diesen Aufforderungen nackßukommen. Wie auch immer die Eingaben der Bergarlviterorganisationen beant- wortet werden, daran ist im Ernste nicht zu denken, daß zurzeit der„Gesetzgeber" den Bergarbeitern als der Retter in der Not erscheinen werde. In den Gesetzgebungen bilden noch immer die bürgerlichen Parteien die Mehrheit. Und alle bürgerlichen Par. teien stehen mehr oder weniger im Dienste des kartellierten Groß. kapitals. Gilt es den Schutz der Arbeiter gegen die Uebermacht des kartellierten Großkapitals, dann sind die bürgerlichen Parteien im besten Falle nur für halbe Maßnahmen zu bekommen, dir den eigentlichen Kampf gegen die drohende Vergewaltigung doch in letzter Linie den Arbeitern selbst überlassen. Im gegenwärtigen Augenblick bemühen sich die Großkapitalisten, noch mehr als bisher, die bürgerlichen Parteien und die Regierungen zu beein- flussen. Demgegenüber sind die Mahnungen und guten Ratschläge der bürgerlichen Sozialpolitiker ohne Bedeutung. Im besonderen aber kommt ein Mann wie Herr Behrens, der sich bei der letzten Finanz- reform zum Helfershelfer des Schnapsblocks hergegeben hat, gar nicht in Betracht. Die Frage des Arbeitsnachweises ist gegenwärtig eine reine Machtfrage. Deshalb können die Arbeiter nur dann auf eine für sie günstigere Lösung dieser Frage rechnen, wenn sie eine immer größere Macht der Macht des kartellierten Groß- kapitals entgegensetzen können. Das erreichen sie nur in der- selben Weise, wie sie sich bisher einen immer größeren Einfluß auf unser wirtschaftliches und politisches Leben erzwungen hahen: durch unermüdliche Aufklärungsarbeit unter ihren Klassengenossen, durch weitere Ausbreitung und Erstarkung ihrer gewerkschaftlichen und politischen Organisationen. Je größere Forffchritte sie hierin machen, desto stärker wird auch ihr Druck auf die bürgerlichen Pur- teien und die Regierungen., Die erfteuliche Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen bei den Wahlen in der letzten Zeit ist von praktischer Bedeutung auch für die Lösung der Frage des Arbeitsnachweises. Die bürger» lichen Parteien und die Regierungen sehen daraus, wie die Stimmung unter den Arbeitern ist. Jedoch müssen wir die Agita- tion auch fernerhin mit allen Kräften betreiben, damit unsere Gegner einsehen, daß sie die Arbeiter auch in Zukunft nicht mehr mit schönen Redensarten täuschen können. Und wir müssen unsere gewerkschaftlick?en und politischen Organisationen so ausbauen, daß sie den Kampf auch gegen alle Gewaltmaßnahmen der kartellierten Großkapitalisten mit dem nötigen Nachdruck führen können. Damit allein bringen die Arbeiter den bürgerlichen Parteien und den Regierungen das Verständnis dafür bei, daß dem Treiben der Unternehmer mit ihren Arbeitsnachweisen endlich ein Ende ge- macht werden muß. i Diese Woche Leipziger Strasse: Versand-Abteilung Versand nach ausserhalb erfolgt prom pt FRANKFURTER ALLES Soweit Vorrat: Aussergewöhnliche Angebote für Wirtschafts-ArtiKel, Glas und Porzellan Emaille SchmortOpfs,..... 40, 50, 60. 70, 35 pi. Kasserollen........... 33, 38, 45, 55, 65 p,. Gaskochtöpfe � 85 I00 1" l45!7' Waeserkessel for o*.. 1 10 I30 t50 t73 Stielpfannen......... 33, 40, 45, 55, 65 p«. Bratpfannen mit Deckot. 1 35 t 75 223 2 76 Kaffeekannen........ 70, 85 pt., 1°° l13 Wannen....... I63 l90 223 273 333 Eimer................... 90 pt. 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Kotnttiunalutahlbezirk: Zur Sraehenburg, Vor dem SeWesisctaTor Referent: Stadtverordneter Arlur Sladthagen. Der Freisinn in der Koinnuine und im Staat- rm. 0�°«» Referenten: Stadtverordnete Gar! EeM und Paul Schneider. 25. Konrnnmateablbezirk: fraehtsäie des Ostens, Frankfurter mieeisi Referent: Stadtverordneter Bernhard Bruns. 28. Kotnunoalvablbezirk: Ms Schätzenhaus, Cinienstraje 5 Referenten: Stadtv. Br. Alfred Bernstein und Leonhard Zucht. 81. KontmnnaMIbezirk: BranereiJ{öttigstadt,scbönhatisermieeio/ii Referenten: Stadtv. Ä. Hoffmann, Rechtsanw. Dr. Kurt Rosenfeld. 37. Komtnunababibezirk: X iilkes Jestsäle, Brnanenstr. 188 Referent: Stadtverordneter Dr. BermannWeyl. 39. KomtRunatoablbezirk: Germania-Rraehtsäle, ciiausseestr. 110 Referenten: Reichstagsabq. Kolkeilhuhr mit) Stadtverordneter Adolf Ritter. 42. KommunaMlbezirk: Brauerei Ratzenhofer, Tnrmstr. 25/26 Referenten: Stadtverordn. Willi. PfannkUCh. und Rechtsanwalt Dr. 0. Cohn. 43. KommunaMlbezirk: Kronen-Brauerei Moabit«/« Referent: Stadtverordneter Ferdinand Ewald. 47. KommunaMlbezirk: Rharussäle, Wiwir. us Referenten: Landtagsabgeordn. und Stadt- verordneter Dr. K. Liehknecht u. B. Metzke. «» «» is» Iii Jedermann ist freundlichst eingeladen rn: Die Wahlkomitees. »« «» WWWWMWMMi H.& P. Uder, _Tabak-(irroßIian«liniis und Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten."WS Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer.* Größte Auswahl gelagerter Klsfarrca in allen Preislagen. J kannten harket �gSrSttSN � OrlS.nalpret,en. .Bruch-Pollmann M WM cinpsiehlt(cinCancv in ßruoli- 5* bandagen, Leibbinden, 6e- radehaltern. Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant sür OrtS> und HilsS-Krankenkasfen. »«i-tfa IV.,» jetzt QotbHiipxvS' HtraBe 60. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- loten, angenehm u. weich am Körper. 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Berantwortlicher Redakteur: Emil Ungrr, Grunewald. Für den Inseratenteil veraniw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Ar. 250. 26. JührMg. 2. Stilnge SkS„Sotmitls" Cfdintt Bulblilnli. Aieuslag, 20. GUolirr 1909. Die IZIohmelche Bildnis vor dem Scl)wurgeri(l)t. Altona, den 25. Oktober 1909, Telegraphischer Bericht. Die Jtzehoer Mitzhandlungsprozesse gegen den Hausvater Joachim Kolander von der Provinzial-Fürsorgeerziehungsanstalt bei Glückstadt, die schließlich mit der Verurteilung des Angeklagten zu nur acht Monaten Gefängnis endeten, erleben heute und an den folgenden Tagen vor dem hiesigen Schwurgericht ein gerichtliches Nachspiel. In einem umfangreichen Prozeh haben sich wegen Meineids zu verantworten die 12 weiblichen Fürsorgezöglinge Marie Talkowsky, Marie Sander, Berta Runge. Margarete Streit, Minna Green, Anna Maria Wieb Arlt, Alma Menzel, Berta Mol- koisch, Alwine Dettinger, Rosa Greve, Adolfine Reintjes, Anna Ullrich. Ferner steht Friedrich Wilhelm Joachim Kolandcr unter der Anklage der Anstiftung zum Meineid. Um was dreht sich die Anklage? Nach den umfangreichen Feststellungen der Personalien und Vorstrafen der einzelnen Angeklagten wendet sich der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Scharmer, mit folgenden Worten an die Pro- zcßbeteiligten: Zur Erörterung der vorliegenden Sache ist fol- gendes auszuführen: Tie angeklagten Mädchen haben sich in den letzten Jahren als Zöglinge in dem Asyl„Blohmesche Wildnis" be- funden. Der Hausvater dieses Asyls war der Angeklagte Ko- lander. Es wurden nun im Jahre 1908 Klagen darüber laut, daß * der Angeklagte Kolander über das erlaubte Züchtigungsrecht hinaus die Mädchen mißhandelt habe. Es wurden Ermittelungen ange- stellt, die Ermittelungen verdichteten sich zur Anklage. Es kam schließlich zur Verhandlung vor der Strafkammer in Itzehoe. Kolander wurde damals zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, während seine Frau freigesprochen wurde. Kolander legte Revi- sion ein, die Sache wurde zurückverwiesen und kam im Juni wieder zur Verhandlung. Der Angeklagte Kolandcr wurde da zu acht Mo. naten Gefängnis verurteilt, die er gegenwärtig verbüßt. Die An- klage nimmt an, daß die angeklagten Mädchen in der ersten Haupt- Verhandlung zu Kolanders Gunsten ihre Eidespflicht verletzt haben, und zwar soll Kolander sie dazu angestiftet haben. Außerdem soll er sich des Unternehmens der Verleitung zum Meineid in einem Falle schuldig gemacht haben. Das übrige wird die Hauptverhand- lung ergeben. Ich möchte die angeklagten Mädchen dringend bitten, uns die Wahrheit zu sagen. Man hat mir gesagt, Sie seien mit Angst hierher gekommen. Sie haben aber gar keine Ursache, furcht- sani und ängstlich zu sein. Hier sind die Herren Geschworenen Ihre Richter und diese meinen es gut mit Ihnen. Wir verlangen aber, daß Sie die Wahrheit sagen. Den Angeklagten Kolander brauche ich wohl nicht erst zur Wahrheit zu ermahnen. Er ist intelligent genug, um sich zu sagen, daß die Wahrheit für ihn das beste ist. Dann wurde zur Vernehmung der einzelnen Angeklagten geschritten. Zuerst wird das Dienstmädchen Talkowsky vernommen. Vors.: In welcher Weise wurden Sie im Asyl beschäftigt?— Angekl. Talkowsky: Zuerst mit Nähen, und das fiel mir schwer.— Vors.: Wie war das Essen?— Angekl. Talkowsky: Schlecht und verdorben.— Vors: Wieso?— Angekl.: Wenn etwas übrig blieb, dann bekamen wir es immer wieder vorgesetzt, bis es schließlich verzehrt wurde, und wenn es auch noch so verdorben war.— Vors.: .Haben Sie sich über das Essen beklagt?— Angekl.: Beklagen durften wir uns nicht, denn wir bekamen dann Schelte und Prügel. Es wurde uns nicht geglaubt, denn wir waren ja schlechte Mädchen. Wir bekamen Prügel, bis wir vesinnungslos wäre».— Vors.: Womit denn?— Angekl.: Mit einem Peitschenstock. Wir wurden auch wegen geringfügiger Ursachen in die Arrestzelle gesetzt.— Vors.: Was bekamen Sie dann zu essen?— Angekl.: Waffer und Brot.— Vors.: Weiter nichts?— Angekl. swcinend): Wenn wir auch ver- dorbcne Mädchen waren, eine solche Behandlung haben wir nicht verdient. Wir sind zu viel geschlagen worden. Manche Mädchen wurden sogar an eine Kette gelegt.— Vors.: Wir haben diese Kette hier.—(Der Vorsitzende zeigt die Kette den Geschworenen.) Die Angeklagte Talkowsky bekun-det weiter, daß die Mädchen Sackwäsche tragen mußten, die furchtbar scheuerte. Die Wäsche wurde getragen acht bis neun Wochen, bis sie zerrissen war. In einem Falle wurde einem Mädchen das Nachtgeschirr über den Kopf gestülpt. Der Inhalt des Geschirrs lief ihr über'das Gesicht. Sie durfte sich das Gesicht aber nicht ablvischen, sondern mußte hinaus in die Kälte, so daß ihr der Inhalt des Nachtgeschirrs am Kopfe anfror. In einem anderen Falle mußten sie den schmutzigen Boden ablecken. Wir armen Mädchen konnten nicht anders.- Keine Unterredung mit Copuchl» zwischen Köln und Kerlin. (Weshalb Lopuchin nach Sibirien verbannt wurde.) Bon W. Burtzesf. I. Lopuchin ist verbannt worden, so hört man behaupten, weil er in der Unterhaltung, die er zwischen Köln und Berlin mit Bnrtzeff hatte, diesem bedeutsame Staatsgeheimnisse verraten und ihn über die Rolle informiert hat, die Azeff alS�gont provokatsur spielte. Darauf erwidere ich: Lopuchin ist nach Sibirien verbannt worden, weil er in der Unterhaltung, die er zwischen Köln und Berlin mit mir hatte, mir kein Staatsgeheimnis anvertraut und mir mit Bezug auf Azeff nicht die mindeste Information hat zuteil werden lassen I Da-Z behaupte ich, und so paradox sick, diese Behauptung auf den ersten Blick auch ausnehmen mag: ich bleibe dabei I Hätten die Stolypin und Cie wirklich die Absicht gehabt, Licht über die Affäre Azeff zu verbreiten und wären sie nicht zu feige ge» Wesen, mich— meinem Ersuchen gemäß— zum Lopuchinprozeß vor- zuladen, dann hätte ich dem Gerichtshof bewiesen, daß Lopuchin niemals die Enthüllungen gemacht hat, um die er verurteilt und nach Sibirien geschickt worden ist. Im folgenden teile ich mit, was sich in Wirklichkeit zwischen Köln und Berlin zugetragen hat. *** Ich traf Lopuchin zu einer Zeit, da bereits ein ganzes Jahr voll unablässiger, mühseliger Forschungen nach neuen Beweisen für Azcffs Schuld hinter mir lag. Zn dieser Zeit hatte ich bereits die feste Ueberzeugung, daß Azeff ein Provokateur war, und ich führte daher, des Ausganges sicher, innerhalb der sozialistisch-revolutionären Partei einen hartnäckigen Kampf mit Azeffs mächtigsten Verteidigern. Als wir uns begegneten, kannte ich Lopuchin schon lange JJeit. Ich wußte, daß dieser Mann, einstmals Leiter des Polizei- departements, mit der russtschen Regierung nichts mehr gemein hatte. Ich konnte also mit Lopuchin über die kitzligsten politischen Dinge plaudern, wie man für gewöhnlich mit unabhängigen, anständigen Leuten plaudert, ohne daß ich zu sürchrcn brauchte, unser durchaus privates Gespräch könnte zu den Ohren der Stolypin, Goremykin usw. gelangen. Vors.: Es mag ja sein, daß sie nachts Schmutzereien machten, weil Sie eingeschlossen waren. Aber Sie sollen auch am Tage allerlei Schmutzereien begangen haben, sollen die Tische und Wände be- schmiert haben.— Angekl. Dalkowsky: Davon weiß ich nichts. Um ein Mädchen zur Gradhaltung zu zwingen, wurde ihr der Zopf mit einem Draht an der Stuhllehne angebunden und ein Stück Holz wurde dem Mädck,en zwischen Kinn und Brust gezwängt. Bald darauf war das Mädchen tot.— Vors.: Es beklagten sich schließlich die Mädchen und der Landrnt kam in die Anstalt, um sie zu vernehmen?— Angekl.: Jawohl.— Vors.: Weshalb?— Angekl.: Es waren einige Vorfälle angezeigt worden. Bei unserer i Vernehmung horchte Kolandcr an der Tür und hörte alles, was ! wir sagten.— Vors.: Wurden Sie auch vernommen und sagten ! Sie die Wahrheit?— Angekl.: Nein.— Vors.: Aber was Sie l uns heute sagen, ist die reine Wahrheit?— Angekl.: Ja.— Vors.: Wurde it Sie gefragt, ob Sie es gut in der Blohmeschen Wiildnis hätten?— Angekl.: Ja.— Vors.: Sagten Sie die Wahrheit, als Sie dann später vor der Strafkammer in Itzehoe vernommen wurden?— Angekl.: Leider nein.— Vors.: Aber Sie hatten doch geschworen?— Angekl.: Ja, ich hatte die Finger hochgehalten. Das meiste, was ich gesagt habe, ist wahr; ich sagte nur zum Teil die Unwahrheit.— Vors.: Sie sollen nach der Verhandlung zu Kolander gegangen sein und versucht haben, sich bei ihm einzu- schmeicheln.— Angekl.: Bei ihm schmeichele ich mich nicht ein.—• Vors.: Sie sollen ihm gesagt haben, früher sei es auf der Anstalt viel schlechter gewesen; seitdem er, Kolander, da sei, sei es besser. — Angekl.: Das ist nicht wahr.— Vert. Rcchtsanw. Heymann: Wie ist denn Ihre Vernehmung vor sich gegangen? Was haben Cie den ganzen Tag und Abend über in Itzehoe gemacht?— Angekl.: Ich wurde spät abends vernommen. Wir hielten uns dann in der Gastwirtschaft auf und haben getrunken und gesungen. Dann sammelten wir dafür bei den Gästen Geld.— Vors.: Hat das Kolander zugegeben?— Angekl.: Jawohl.— Vors.: Kolander hat wohl gar mitgesungen?— Angekl.: Ja. Wir wurden abends nach 11 Uhr in die Blohmesche Wildnis geführt, und unterwegs wurde auch noch getrunken.— Vors.: Es ist wohl sehr vergnügt zugegangen?— Angekl.: Jawohl.— Vors.: Hatte Kolander nicht Angst, daß er verurteilt würde?— Angekl.: Nein, er sagte, er sei unschuldig und würde freigesprochen werden.— Vors.: Nun ist es aber doch zu einer Verurteilung gekommen.— Angekl.: Da war ich nicht mehr da. Abends kam Kolander aber heim und weinte. — Vors.: Da sollen Sie auch alle geweint haben.— Angekl.: Wir haben so getan, als ob wir weinten. Im stillen haben wir uns gefreut, daß er verurteilt war. Kolander hat übrigens hauptsächlich auf Pastor Holz geschimpft, der früher sein bester Freund gewesen war und der jetzt gegen ihn ausgesagt hatte. Gegenüberstellung mit Kolandcr. Angekl. Kolandcr: Ich muß die Behauptungen der Angeklagten Talkowsky aufs entschiedenste zurückweisen. Vor allem ist nicht richtig, was sie über die Unterhaltung am Abend im Gasthof gesagt hat. Was sie meint, geschah am Abend des zweiten Vcrhandlungs- tages. Die Mädchen baten mich, ob sie singen dürfen, und das habe ich erlaubt.— Vors.: Es war doch aber gar keine Ursache. vergnügt zu sein; die Sache war doch sehr ernst.— Angekl. Kolander: Ich war auch ernst.— Vors.: Warum haben Sie den Mädchen das Singen nicht verboten?— Angekl.: Sie haben so sehr darum gebeten.— Vors.: Sie sollen nun versucht haben, die Mädchen zu einer falschen Aussage zu verleiten.— Angekl. Kolander: Das ist nicht wahr, so wahr ich hier stehe. Es ist auch nicht wahr, daß die Mädchen saures Essen bekommen haben. Im Asyl sind die Mädchen aufs sorgfältigste verpflegt worden. Sie haben an Gewicht zugenommen; ein Beweis dafür, daß sie gut gepflegt wurden. Ich bin immer bestrebt gelvescn, die Mädchen satt zu machen. Sie haben reichlich belommcn und immer gut. Jeden Morgen, jeden Mittag und Abend haben die Mädchen neues Essen bekommen; ich habe mir jedesmal das Essen zeigen lassen. Alle anderen Behauptungen sind falsch, das kann ich mit gutem Gewissen sagen.— Angekl. Talkowsky: Das ist nicht wahr, die Schweine bekamen besseres Essen als wir.— Angekl. Kolander: Schmutzereien habe ich allerdings bestraft. Die Mädchen hatten ihr Nachtgeschirr; ich sagte ihnen, sie sollten die Kammer sauber halten, es war eine neue Kammer. Die Mädchen brauchten vor mir wirklich keine Angst zu haben. Vert. Rcchtsanw. JonaS: Aus welchem Grunde soll denn jetzt die Angeklagte Talkowsky gegen Sie aussagen?— Angekl Kolander: Ich habe gehört, daß zwei Insassen ein Komplott gegen mich geschmiedet haben, um mich ins Zuchthaus zu bringen.— Staatsanwaltschaftsrat Richardi: Wie können die Mädchen über- baupt auf ein solches Komplott kommen; wie können sie Unter- stützung finden bei den anderen Mädchen? Sie werden doch nicht gegen ihren Wohltäter vorgehen!— ivert. RcchtSanw. Jonas: Gibt der Angeklagte Kolander zu, daß die Behandlung der Mädchen kurz vor dem Termin in Itzehoe besser war als längere Zeit vor dem Termin?— Angekl. Kolandcr: Die Führung der Mädchen wurde besser, deshalb war auch die Behandlung besser. Ueber das Ergebnis der voraussichtlich mehrere Tage in An- spruch nehmenden Verhandlung werden wir berichten. Bevor ich die Frage„Azeff" anschnitt, richtete ich meine Unter' Haltung mit Lopuchin'so ein, daß ich auf jeden Fall und welches auch LopuchiuS Ansichten in beziig auf diesen Gegenstaiid sein mochten, auf die Fragen, die ich an ihn wegen des Provokateurs stellte, diejenige Antwort erhalten nnißte, die ich haben wollte. Indem ich ihn also nach und nach meiner Hauptfrage näherbrachte, unterrichtete ich ihn zunächst—»nd zwar Schritt für Schritt und in aller Ausführlichkeit— über die Umstände, unter denen sich die Affäre „Azeff" abzurollen im Zuge war. Ich teilte ihm mit, daß meine Zeitschrift„lo Lassö"(„Die Vergangenheit") im Ausland wiedererscheinen solle, ich erzählte ihm von einigen meiner Arbeiten über die Geschichte der sozialen Bewegungen, ich machte ihn mit meinem Plan bekannt: demnächst völlig legal und unter meinem Namen nach Rußland zurückzukehren, um dort eine neue historische Zeit- schrift herauszugeben. Ich charakterisierte ihm andererseits alle die- jenigen russischen Flüchtlinge, die in der Angelegenheit„Azeff" eine wichtige Nolle spielten und deren Namen ich im Verlaufe unserer weiteren Besprechung bald darauf doch nennen mußte. Es war scheinbar eine ganz gewöhnliche, halb politische, halb literarische Unterhaltung, eine jener Unterhaltungen, wie sie in Petersburg zwischen Literaten und Politikern täglich geführt werden. Im vorliegenden Falle war Lopuchin der— Politiker und ich: der Literat. Wieviel derartige Unterhaltungen hatte ich früher sowohl mit Lopuchin selber, als mit anderen Personen aus poli- tischen Kreisen geführt! Ohne Zweifel mußte Lopuchin zuerst glauben, daß unser Ge- sprach ein ganz gewöhnliches sei und sich in nichts von denjenigen Gesprächen unterscheide, die wir früher miteinander gehabt hatten. Als mir's nun schien, daß ich Lopuchin zur Genüge vorbereitet hätte und daß er jetzt die Totsachen kennen müsse, von denen ich in meinem Bericht über die eigentliche„Affäre Azefs" Ge- brauch machen mußte, da sagte ich zu Lopuchin: meiner Meinung nach wären die furchtbaren Schläge, von denen die Partei der Sozialisten-Nevolutionäre im Verlaufe der letzten Jahre bei allen ihren Unternehmungen und Plänen betroffen worden wäre, gar nicht anders zu erltären als so: daß sich an der Spitze dieser Kampforganisation selber ein agent provocateur besinden müsse! Lopuchin schien meinen Ausführungen keine besondere Auf- merksamkeit geschenkt zu haben, und er gab keine Antwort. Doch ich merkte, daß er sich in acht nahm, ja daß er sich gewissermaßen zuknöpfte, als wenn jetzt darauf gefaßt wäre, daß ich ihm indiskrete Fragen vorlegen würde. „Lassen Sie, Alcxei Alexandrotmisch," so sprach ich zu ihm, „lassen Sie mich Ihnen alles erzählen, was ich über diesen agent provocateur weiß: sowohl über seine Tätigkeit unter den Rcvolu- tionären, als über seine Tätigkeit bei der Polizei. Ich werde nichts vorbringen, ohne unwiderlegliche Beweise für die Doppelrolle» Hus der Partei« Bon der Bildu»gSarbeit. Die Reihe der Einführungen in Dramen und Opern, von denen der B i l d u n g s a u s j ch u tz bereits 16 unter dem Sammelnamen „Die Volksbühne" herausgegeben hat, wird demnächst um weitere acht Einführungen vermehrt werden. Franz Mehring ist dabei mit einer Einführung in Schillers„Räuber"(im Hinblick auf die bevorstehende Schiller- erinnerung am 10. November) und in Lessing S„Minna von Barnhelm" beteiligt. Franz Diederich hat Einführungen für Shakespeares„König Lear", Goethes„Egmont" und Grillparzers„Des Meeres und der Liebe Wellen" geschrieben, mit G o r k i s„Nachtasyl" ist Ernst K r e o w s k i. und niit Hart- l e b e n s„Erziehung zur Ehe" Hermann Wendel unter den neuen Einführungen vertreten.— In der 8. Einführung behandelt Leo Kestenberg eine der schönsten deutschen Opern, Beethovens „Fidelis". Da die Bildungsarbeit überall wieder kräftig eingesetzt hat, werden diese einfachen, für den proletarischen Theaterbesucher be- rechneten Führer ein Bedürfnis erfüllen. Sie sind neben den bis- herigen Einführungen in allen Parteibuchhandlungen zu haben. Aus der schweizerischen Sozialdemokratie. Im Kanton Waadt hat das sozialdemokratische Parteikomitee eine Operation vorgenommen, von der nur das eine zu bedanern ist, daß sie nicht drei Jabre früher erfolgte. Es wurden nämlich die Herren Advokaten Dr. Rasim und Dr. Bergeler sowie der„Arbeiter- sekretär" und Redakteur Gaville ans prinzipiellen Gründen, da sie keine sozialdemokratische Politik treiben und die Arbeiterbetvegung schwer schädigen, aus der sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen. Als bürgerliche Streber haben die Herren die Arbeiterbewegung für ihre politische Karriere mißbraucht, aber die Arbeiterinteressen mit Füßen getreten. Die Folge davon war ein bedeutender Rückgang der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung im Kanton Waadt und die Züchtung der Anarchisten und Syndikalisten, die seit Jahren mit aller Rücksichtslosigkeit und Perstdie zum Porteil der bürgerlichen Interessen die Sozialdemokratie bekämpfen. Die ansgeschlossslien Herren haben nun in der bürgerlichen Presse erklärt, daß ihnen der Ausschluß aus der sozialdemolratischen Partei gleichgültig sei, womit sie nicht nur die Berechtigung und Notwendigkeit ihres Ausschlusses bestätigen, sondern gleichzeitig auch den Anschluß an die Bürgerlichen gefunden haben._ Der sozialdemokratische Bürgermeister und die RathmiSflagge. Als am 26. Juni dieses Jahres der Zar nach Stockholm kam, hielt eS der zur Sozialdemokratie übergetretene Bürgermeister Lindhagen nicht für angebracht, deswegen die NathanSfahne hissen zu lassen. Aber es geschah gleichwohl und zwar auf selbst- herrliche Anordnung eineS einzelnen Ratsherrn. Lindhagcn ließ dann die Fahne wieder einziehen, um erst den Beschluß des Magistrats abzuwarten. Dieser sorgte dann dafür, daß die Fahne wieder auf dem RathauS prangte, und die Angelegenheit schien damit erledigt zu sein. Aber man wollte dem Bürger- meister seines offenkundigen Mangels an Zarsnbegeisterung wegen noch einen besonderen Denkzettel geben. Am Sonnabend hat nun der Magistrat dem Bürgermeister da" Bestimmungsrecht über die Fahne entzogen und beschlossen, daß die Beflaggung des Rathauses stattfinden soll, wenn bestimmte königliche Personen Geburts- oder Namenstage haben, wenn der König von einer Reise zurückkehrt, wenn die Kommnnalbehörden es anordnen oder der Magistrat es beschließt. Der Magistratssekrctär soll darauf achten, daß diese vc- stimmungen befolgt werden. Der Magistrat hätte jedenfalls schon früher für diese ihm so notwendig erscheinende Regelung der Flaggen- frage gesorgt, wenn nicht der Massenstreik der schwedischen Arbeiter- schäft dazwischen gekommen wäre. polizeiliches, VericKtlievca ufw. Eine prinzipiell wichtige Entscheidung. Wegen angeblich gewerbsmäßiger Verbreitung von Druckschriften war Genosse C h r i st aus Neustadt i. O.-Schl. mit einem Strafmandat bedacht worden, das vom Schöffengericht bgftätigt wurde. Die Strafkammer in Neustadt i. O.-Schl. als Berufungsinstanz die er spielt, zu erbringen. Ich werde seine Spiwiamen als Poli- zist, seine falschen Namen als„Revolutionär" und seinen rich- tigen Namen nennen. Ich habe lange und hartnäckig an seiner Entlarvung gearbeitet, und ich kann jetzt mit Bestimmtheit sagen: Er ist fertigt ich habe ihn demaskiert! Es bleibt mir nur noch übrig, die eigensinnige Voreingenommenheit, die seine Genossen für ihn haben, zu zertrümmern; doch das ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, und zwar einer sehr kurzen Zeit!" „Aber ich bitte Sie darum, Wladimir Lwowitsch." erwiderte Lopuchin.„Ich höre Ihnen zu." Wie sollte Lopuchin sich in diesem Augenblick verhalten? Er konnte— wie's denn auch in der Prozeßverhandlung sein Ver- leidiger(Passower) gesagt hat— nur: entweder unserem Gespräch ein Ende machen, indem er mich höflich ersuchte, sein Coupe zu verlassen, oder das Recht in Anspruch nehmen, das jeder Russe im Ausland hat: ruhig anhören, was man mit ihm spricht. Lopuchin tat das letztere, und das war sein ganzes Verbrechen! Alles, was er hinterher getan hat, rollte sich unaufhaltsam von selber ab und ist— unabhängig von feinem Willen— darauf zurückzuführen, daß er, als die Rolle, die Azeff spielte, bereits von mir enthüllt war, mir zuhörte, da ich von dieser Verrätcrrolle sprach. Lopuchin brauchte den Namen„Azeff" gar nicht mal auSzu- sprechen: an seinem Schweigen hätte ich erkannt, daß er dieses Individuum als Polizeiagenten kannte. Und erst wieder ip Paris, hätte ich LopuchinS Schweigen ganz sicher als ein Zeugnis wider Azeff ausgelegt. Ich gehe noch weiter: Hätte Lopuchin in dem Augenblick, wo er merkte, daß die scheinbar so simple Unterhaltung, die ganz ge- wöhnliche Unterhaltung, die ich da mit ihm begonnen hatte, sich auf die delikate Frage„?lzeff" zuspitzte, hätte Lopuchin in diesem Augenblick unter irgendeinem Vorwand dem Gespräch ein Ende machen wollen: ich würde ihn nicht losgelassen haben, ohne daß ich von ihm— freiwillig oder unfreiwillig ein Zeugnis über den Spitzel erhielt! Ich tyar davon überzeugt, daß er die Wahrheit über Azeff wußte. Als ich ihn in Köln traf, da war ich mir sicher, daß ich vor unserer Ankunft in Berlin für meinen letzten Kampf gegen Azeff eine„neue Tatsache" in Händen haben würde: Lo- puchins Zeugnis! Und in der Tat: Lopuchin sprach endlich— und er konnte gar nicht anders— den Namen„Azeff" aus. Alles was nun folgte(die Mitteilung, die ich vor meinen Richtern in Paris über meine Unterredung mit Lopuchin machte, der Besuch Azcffs bei Lopuchin, die Zusammenkünfte, die dieser in London und in Petersburg mit Sozialisten-Nevolutionären hatte, sein Brief an Stolypin und schließlich seine Verhaftung, fein Pro- zetz, seine Verbannung)— alles das war die unausbleibliche Folge des Umstandes, daß Lopuchin auf dem Wege zwischen Köln und Berlin das Wörtchen»Azeff" aussprach und daß er das doch nicht spraT t5tt ModEj frei, da selbst m d'er wiederholien Verkeilung von Druckschriften gegen Entgelt keine gewerbsmäßige Verteilung zu erblicken sei. Soziales. Entziehung der Konzession des TheaterunterttehmerS. Der Polizeipräsident von Berlin, hatte gegen den Theater- direktor O. Wagner, der damals das Fricdrich-Wilhelmstädtische Schauspielhaus leitete, auf Entziehung der Konzession zum Ve- triebe des Gewerbes als Schauspieluntcrnehmer geklagt, weil W. nicht die erforderliche sittliche Zuverlässigkeit besitze. Ein junges weibliches Mitglied der Bühne hatte gegen W. eine Anzeige wegen Notzucht erstattet. Die Staatsanwaltschaft stellte aber das Ver- fahren ein. Sie erachtete jedoch für dargetan, daß W. wiederholt mit der Dame in Theaterräumen intim verkehrt habe, das erstemal, als sie wegen des Engagements kam. Das Resultat der staats- anwaltlichen Untersuchung erfuhr dann der Polizeipräsident, der die Konzcssionsentziehungsklage aus der Gewerbeordnung an- strengte. Der Bezirksausschuß gab der Klage statt und erkannte auf Entziehung der Konzession. Er führte u. a. aus: Es sei davon auszugehen, daß die Frage nach dem Mangel der sittlichen Zuver- lässigkeit im Sinne des§ 32 der Gewerbeordnung nur unter Prü- fung der ganzen Persönlichkeit beantwortet werden könne. Diese Prüfung müsse besonders streng vorgenommen werden, wo es sich um das Verhalten gegen Bühnenmitglieder handele. Ob Notzucht oder versuchte Notzucht vorliege, sei von untergeordneter Bedeu- tung. Es sei unerheblich, zu untersuchen, ob in allen Punkten die Aussagen der betreffende» Schauspielerin einwandfrei und zuver- lässig seien. Allein schon aus den Tatsachen, die Beklagter selbst zugestanden habe(mehrmaliger Geschlechtsverkehr in Theater- räumen, einmal in seiner Privatwohnung), erhelle klar seine sitt� liche Unzuverlässigkeit. Für das Theaterleben könne keineswegs ein besonderer sittlicher Begriff zugegeben werden, um so weniger, als es sich nicht um die Form des Verkehrs unter Bühnenmitglie- der» handele, sondern um den Mißbrauch der autoritativen Stel- lung, in der sich die Leiter großer Bühnen ihren Angestellten gegen- über befänden. Der Mangel der sittlichen Zuverlässigkeit dürfte nicht nur dann angenommen werden, wenn eine Verbindung mit deni abzuschließenden Vertrage bestände, sondern es genüge, daß Beklagter zu seinem Theater gehörige Räumlichkeiten zum Schau- platz unsittlicher Handlungen gemacht und einer jungen Schau- spielerin gegenüber seine Selbstbeherrschung ganz verloren habe. Der Beruf als Bühnenleiter verlange nicht nur von der eigenen Person sittlichen Ernst und Widerstandsfähigkeit im höchsten Grade, sondern auch, daß er mit gutem Beispiel den jugendlichen Berufs- genossen vorangehe. Bei dieser Auffassung des Begriffs der sitt- lichen Zuverlässigkeit müsse hier auf Entziehung der Konzession er- kannt werden.- Das Oberverwaltungsgericht bestätigte Montag das Urteil mit folgender Begründung: Es möge zugegeben werden, daß in Einzel- fällen, wo sich ein Bühnenleiter hinreißen lasse, vielleicht nach den sonstigen begleitenden Umständen auf eine sittliche Unzuverlässig- keit in bezug auf den Beruf noch nicht geschlossen werden könne. Hier liege es aber anders. Es handele sich um ein 22jähriges Mädchen, von dessen Beschostenheit(sie lebte mit ihrem Bräutigam und jetzigen Mann) der Beklagte damals noch nichts wußte. Vor dem Engagement, als sie von ihm wünschte, engagiert zu werden. habe er im Theaterbureau den Geschlechtsverkehr entriert, und zwar habe er ihn nicht auf das eine Mal beschränkt, sondern ihn fortgesetzt, ihn mindestens viermal ausgeübt. Eine Beziehung seines Verhaltens mit Bezug auf sein Dheaterunternchmen sei nach Ansicht des Gerichtshofes klar vorhanden. Wenn in dieser Weise ein Theaterunternehmer sich bewege, und zwar mehrfach, so müsse der Schluß gezogen werden, daß er die Zuverlässigkeit in sittlicher Beziehung nicht habe. Demgegenüber könne es nicht ins Gewicht fallen, daß die Leistungen des Theaters vorzügliche seien. Ein Nachspiel zur Spremberger Krankenkassenwahl. Der„Märkischen Volksstimme" entnehmen wir folgende für das Verhalten der Hirsche kennzeichnende Gerichtsverhandlung: Die im November INS in Spremberg vollzogene Kranken- kassenvertreterwahl der Ortskrankenkasse der Fabrikarbeiter war wegen einiger Formfehler von der aufsichtsführcnden Behörde für ungültig erklärt worden, und mußten nun am 1. und 2. März löbS die Neuwahlen stattfinden. Bei der Bekanntgabe der Wahlen hatte der Hauptschriftführer vom Gewerkverein(H.-D.), Andreas Müller, ein Eingesandt im„Spremberger Anzeiger" eingerückt, das von Verdächtigungen gegen den Vorsitzenden der Ortskrankenkasse der Fabrikarbeiter und die freien Gewerkschaften wimmelte. Am 2S. Februar hatten dann dle Hirsch-Dunckerschen im Lokale des Herrn Gustav Hillig eine Krankenkassenmitgliederversammlung für Slawen einberufen. Das war bekannt geworden und hatten sich eine ganze Anzahl zum Teil den freien Gewerkschaften ange« hörige Mitglieder der Krankenkasse eingefunden. In dieser Ver- sammlung sollten nun eine Anzahl von Personen sich des Haus- friedenSbruchs und der Beleidigung des Hauptschriftführers des Ge- werkvereinsH.-D., des Herr» Andreas Müller, und des Orts- kassierers Wilhelm Budig, schuldig gemacht haben. In der am Donnerstag stattgefundenen Hauptverhandlung vor dem Schöffen» gericht waren der Vorsitzende der Krankenkasse der Fabrikarbeiter, Wilhelm Schichhold, Weber Paul Skorner, Arbeiter Otto Kaiser, genannt Dutschke, Weber Hermann Pepper, Weber Carl Spreek und Weber Wilhelm Koall als Angeklagte erschienen. Der Haupt- in der rechten Weise tat: nicht als entschlossener Revolutionär, nicht als kluger und scharfsichtiger Politiker, sondern als ein Mann der halben Maßnahmen, als ein Mann, der Furcht hatte, sein Geschick auss Spiel zu setzen, und der sich nicht Rechenschaft gab über die Art, wie man gegen die russische Regierung känipfen muß. Zur Zeit, wo ich meine Beweise gegen Azeff sammelte und bevor ich Lopuchins Zeugnis hatte, an dem mir allerdings sehr viel lag, besaß ich bereits ähnliche Beweise für meine Anklagen ae�en Azeff, und zwar von so treuen Beamten der Ochrana(„Sicherhelts- Polizei") wie Ratajeff, Dobroskokoff, Dontzoff. Denn ihr Ab- schwören der Verrätcrrolle des Azeff bestärkte mich in meinem Kampfe nicht weniger als das Zeugnis, das ich durch Lopuchin er- halten hatte. Und vor meinen Richtern in Paris erklärte ich, daß ich den Beweis für Azekfs Verräterei nicht allein in dem Ge- spräch mit Lopuchin sähe, das meine Schlußfolgerung bekräftigte, sondern auch in dem Zeugnis der Ratajeff, Dobroskokoff und Don- Hoff- Diese hatten— und damit unterstützten sie mich in meindn Enthüllungen— dasselbe getan wie Lopuchin, aber sie hatten mir diese Hilfe schon ein paar Monate früher zuteil werden lassen als Lopuchin. Was ich diesem erzählte über die Aufschlüsse, die mir durch jene geworden waren, setzte ihn nicht weniger in Erstaunen als meine anderen Argumente. Sie wollten über Azeff nicht die Wahrheit sagen, aber die Unterhaltungen und der Briefwechsel mit ihnen wurden so geführt, daß sie— ohne es vermeiden zu können— gezwungen wurden, mir Beweise gegen Azesf zu verschaffen, wie Lopuchin in unserem Gespräch auf der Fahrt zwischen Köln und Berlin gezwungen wurde, mir den Beweis zu liefern. Zu seiner Zeit und an seinem Orte werde ich ganz ausführlich erzählen, wie jene Polizisten der Ochrana, jene Ratajeff, DobroS- kokoff und Dontzoff, die sich später der Spezialaufgabe widmeten, Azeff in den Augen Stolypins wieder zu Ehren zu bringen und Lopuchin niederzustrecken, ich werde erzählen, sage ich, wie Rata- jeff, Dobroskokoff und Dontzoff die ersten waren, die mir Beweis- mittel gegen den Verräter lieferten. Vor den Genossen, die meine Richter waren, hatte ich bereits Gelegenheit, alle Beweise für Azesfs Verrätcrei vorzulegen, wie ich sie durch Ratajeff, DobroS- koloff und Dontzoff erlangt habe. schriftführel: Andreas Müller und Wilhelm Budig chareit als Nebenkläger zugelassen und hatten als Verteidiger den Rechts- anwalt Spittel-Kottbus. Die Verteidigung der sechs Angeklagten hatte Rechtsanwalt Schiemang-Kottbus übernommen. Die Gcwerk- Vereinsleute hatten Anzeige erstattet, weil ihnen bei einem Streit in der angegebenen Versammlung u. a. der VerWurf gemacht wurde, daß sie die Arbeiterbewegung zersplittern wollten, sich an die Rockschöße der Fabrikanten hingen und die Arbeiter verrieten. Nach dreistündiger Verhandlung wurde die Beweisaufnahme ge- schlössen. Ter Amtsanwalt beantragte, gegen die Angeklagten Schichhold, Skorner und Dutschke wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung je 290 M. und gegen die Angeklagten Pepper, Spreek und Koall Ivegen Hausfriedensbruchs auf 100 M. Geldstrafe zu erkennen. Dem Kottbuser Rechtsanwalt Spittel, dem Rechts- beistand der Nebenkläger, war die Geldstrafe für die Beleidigung des Müller durch Schichhold za gering, und beantragte er eine Freiheitsstrafe. In seinen weiteren Ausführungen wurde natürlich der Gewcrkverein H.-D. als auf„nationalem Boden" stehende und als die einzige Gewerkschaft hervorgehoben, die die soziale Frage löse» könne!!! Herr Rechtsanwalt Schicmang plädierte für Frei- sprcchung. Nachdem zog der Amtsanwalt den Antrag, wegen ein- fachen Hausfriedensbruchs auf eine Geldstrafe von 100 M. zu erkennen, zurück und beantragte wegen gemeinschaftlichen Haus- friedensbruchs gegen jeden der Angeklagten eine Gefängnisstrafe von 8 Tagen. Der Gericht konnte sich selbstverständlich nicht auf den Standpunkt der Gewerkvereinler, ihres Rechtsanwalts Spittel und des Amtsanwalts stellen, verurteilte aber doch die Angeklagten zu einer unverhältnismäßig hohe» Geldstrafe. Schichhold und Skorner sollen 175 M., Dutschke 125 M., Pepper, Spreek und Koall je 50 M. Geldstrafe bezahlen. Die Verhandlung zeigte wieder, wie die Hirsch-Dunckerschen„kämpfen" und ist dies seit vier Wochen bereits das dritte Mal, daß sich das Schöffengericht mit Beleidi- gungssachen der Gewerkvereinler H.-D. befassen mutzte. Wenn sie diese Agitationsweise weiter verfolgen, werden sie bald abgcwirt- schaftet haben bei der Arbeiterschaft. Aus einer„sozialdemokratischen" Krankenkasse. Eine beliebte Waffe aus dem Verleumdungsarsenal d'er Scharf- macher ist ihr Hinweis auf die angebliche„Mißwirtschaft in den sozialdemokratischen Krankenkassen". Eine der dabei am meisten genannten Kassen ist die Leipziger Ortskrankcnkasse, die größte be- stehende Krankenkasse. Von welcher Art die„Mißwirtschaft" in ihr ist. bezeugte treffend der Oberbürgermeister von Leipzig, Dr. Ditt- rieh, bei einer Besichtigung der neu errichteten Heimstätte der Leip- ziger Ortskrankenkasse in Naumhof bei Leipzig. Die Kasse hat im Frühjahr die frühere Dr. Götzsche Nervenheilanstalt in Naumhof für 70 000 M. erworben und in ein Erholungsheim, namentlich für nervös erkrankte Kassenmitglieder, umgewandelt. Einschließlich des noch zu zahlenden Kaufpreises— einstweilen wird ein Pachtzins von 4 Pcoz. gezahlt— hat die Kasse rund 130 000 M. dafür aufgewendet. Sie hat ein Kurbad und ein Sonnenbad eingerichtet, reizende Anlagen und eine Liegehalle geschaffen. Vom Rat der Stadt Leipzig wurden 28 000 Quadratmeter Garten- und Wiesen- land auf 25 Jahre zu einem Pachtzins von jährlich 100 M. gepachtet. Jetzt sollen weitere 12 000 Quadratmeter hinzugenommen werden, damit die Patienten, namentlich Nervöse, geeignete Gartenarbeit verrichten können. Das Erholungsheim ist für 46 Pfleglinge ein- gerichtet, es ist alles groß, hell und freundlich, alle Räume sind elek- irisch beleuchtet und mit Zentralheizung versehen. Das Heim liegt dicht am Walde und findet bei allen Pfleglingen nur Lob und An- erkennung. Am Sonntag wurde das neue Heim der Kasse— sie hat noch drei ähnliche Anstalten— außer von dem genannten Bür- germeister vom Kreishauptmänn von Leipzig, vom Amtshauptmann von Grimma und mehreren Stadtverordneten aus Leipzig be- sichtigt. Der Oberbürgermeister Dr. Dittrich beglückwünschte den „sozialdemokratischen" Kassenvorstand wiederholt zu der Errichtung. Dabei betonte er, daß das zahlreiche Erscheinen der Eingeladenen bekunde, welch lebhaftes Interesse in Leipzig an der Entwickelung der Ortskrankenkassen herrsche. Leipzig habe in der Errichtung solcher Heimstätten geradezu vorbildlich gearbeitet. Daß der Vor- stand dieses Heim errichtet habe, sei ein weiterer Schritt auf der betretenen Bahn. Die Kasse habe nicht nur ihre Aufgabe in der Heilung von Krankheiten gesehen, sondern sie treffe auch Vor- kehrungen zur Vorbeugung von schweren Krankheiten und zur völligen Wiederherstellung der Kranken. Was er tun könne, werde geschehen zur Förderung der Bestrebungen der Krankenkasse. Wenn man hier sehe, wie Kranken geholfen werden soll, werde sich auch ein Weg findxn lassen, die Kasse zu unterstützen. Er hofft, daß sich das Gebäude entwickeln möge zu einer Stätte, auf der die Kranken Erholung finden und von ver sie mit freundlichen Erinnerungen scheiden. Das sind Worte der Anerkennung durch einen Bekämpfer der Sozialdemokratie für die Tätigkeit eines„sozialdemokratischen" Kassenvorstandes, wie man sie anders nicht wünschen kann. Den reichsverbändlerischen Lästermäulern wird das natürlich wenig in den Kram passen._ Em Industrie und FtandcL Luftschiffahrt. Daß die Bestrebungen, die Luftschiffahrt technisch so zu der- vollkommnen, daß sie tatfächlich zu einem allgemeinen Verkehrs- mittel sich auswachsen kann, aus öffentlichen Geldern' unterstützt werden, dagegen kann kein vernünftiger Mensch etwas einwenden. Aber Profitfpekulationen und technische Versuche lediglich der Fort- entwickelung wegen werden da oft als gleichwertig ausgegeben, um Subventionen für Erwerbszwecke zu erlangen. Das ist äugen- scheinlich auch bei der„Deutschen Luftschiffahrts-Akticngesellschaft" der Fall. Die„Köln. Ztg."(Nr. 1116) versucht deren Geschäfts- spekulationen als ein rein technisches Interesse erscheinen zu lassen. Sie schreibt u. a. mit Bezug auf die genannte Gesellschaft: .In Frankfurt a. M. wird ein Haken geschaffen werden, von dem aus Rundfahrten und Zielfahrten nach den in TageStouren zu erreichenden Großstädten unternommen werden sollen. Es ist möglich, daß sich bei raschem Fortschritt im Bau der Schiffe ans diesem Versuchsunternehmen schon bald ein Verkehr entwickeln kann, der auf gewissen Strecken, z. B. über den Kanal, zu den Nordseebädern, nach Kopenhagen usw. vielleicht rentabel und nicht selten der jetzigen Seeschiffahrt vorzuziehen sein wird. Von einer Regelmäßigkeit, die der jetzigen Dampfschiffahrt gleich käme, kann wenigstens vorerst nicht die Rede sein. Man kann sagen, daß die Luftschiffahrt über den Kanal mit noch größerer Unregelmäßigkeit vor sich gehen wird, als jetzt die Schiffahrt, immerhin wird an viele» Tagen des Jahres die Fahrt unternommen werden können, so daß einem Teil des Verkehrs genügt werden kann. Bei den an der Nordküste vorherrschenden Westwinden wird eine Fahrt von London nach Köln in acht und weniger Stunden möglich iein, und auf dieser Strecke wird das Luftschiff gewiß leicht zu besetzen sein, während bei der Rückfahrt, die vielleicht das zwei- und dreifache an Zeit erfordert, die Zahl der Fahrgätze gering sein wird. Schon bald wird es möglich sein, Schiffe in Dienst zu stellen, die solchen Fahrten gewachsen sind. Die LuflschiffahrtS-Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M.. der daS alleinige Recht übertragen wird, Zeppelin-Schiffe für Personen- Verkehrszwecke in Deutschland zu bauen, wird zunächst darauf be- dacht müssen, möglichste Rentabilität(!) anzustreben, um dadurch weilerer Entwickelung den Weg zu eröffnen. Das wird einstweilen nicht leicht sein, und sie wird dabei nicht der Unterstützung des Reiches entbehren können. Aus diesen Gründen der Rentabilität ist beschlossen worden, zunächst nur einen Luftschiffhafen, dessen Kosten bekanntlich sehr hoch sind, zu errichten." Der Uebung Zweck ist zweifellos der. vom Reiche Unterstützungen zu erlangen. Das Unternehmen will aber nach den Darlegungen nicht technische Versuche unternehmen, sondern nur eine Sportein- richtung schaffen, die lediglich dem Vergnügen eines immerhin sehr eng begrenzten Personenkreises dienen kann. Für solche Zwecke sollten Reichsmittel aber nicht verwendet werden. Die Liebesgaben» Politik hat jedoch bei uns bereits solche Fortschritte gemacht, daß die Spekulation der um hohe Rentabilität sich sorgenden Gründer nicht ganz in der Luft schwebt.__ Steigerung der Eierpreise. Wenn im August die Eierpreise scharf in die Höhe gingen, so war das damit zu erklären, daß August- eier in dem Rufe stehen, sich besonders lange frisch zu erhalten und dadurch stets verhältnismäßig hoch bezahlt werden. Nun sind aber auch im September die Preise weiter gestiegen, so daß das Preis- niveau bald wieder so hoch ist wie zu Beginn diese? Jahres. Im Vergleich zum Monat Juni, wo die Eierpreise im laufenden Jahre am niedrigsten standen, ergibt sich ein ganz bedeutender Vorsprung. Im Durchschnitt von 65 deutschen Plätzen betrug der Eierpreis im September 4,31 M. für das Schock gegen 4,11 W. im August und 3,31 M. im Mai dieses Jahres. Elektrische Ortsschnelllahn. In der Frage der Herstellung einer elektrische» OrtSschnellbahn für de» Personenverkehr zwischen Köln und Düsseldorf ist nunmehr eine grundsätzliche Entscheidung er- gangen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat gegenüber den Bewerbern um die Konzessionserteilung für eine solche Bahn sich bereit erklärt, den Bau und Betrieb der geplanten Eisenbahn, die unter Mitbenutzung der Straßenbahnnetze der beiden Städte in diese einmünden soll, der Privatunternehmung zu überlassen und die Aller« höchste Konzession für die dem Eisenbahngesetze vom 3. No- vember 1838 zu unterstellende, als Hmipteisenbahn zu behandelnde Schienenverbindung zu erwirken. Nach Behebung der Schwierigkeit, die sich daraus ergibt, daß das KonzessionSbegehren von verschiedenen Seiten gestellt ist, soll dem Konzessionsverfahren möglichst rascher Fortgang gegeben werden. Gegen NahrungSmittclvcrfSlschung. Am Donnerstag, den 21. d. M., fand im Hotel Continental zu Baris die vom Comitö Commercial Franco-Allemand und Deutsch-Französischen Wirtschaftsverein ver- anstalteten gemeinsamen Sitzungen ihrer Rechtsschutzkommission und Zolltommission statt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: U n t e r« drückung von Verfälschungen und NamenSrechten» wurde auf Antrag des Referenten Rechtsanwalt T a i l l e s e r, Generalselretär der Internationalen Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz, folgende Resolution beschlossen:„Die Versammlung tritt ein für Abschluß einer deutsch- französischen Konvention behufs besseren Schutzes der Herkunftsbezeichnungen und Unterdrückung der Verfälschung von Nahrungsmitteln und sonstigen Artikeln, deren charakteristische Eigenschaften auf den Eigentümlichkeiten des Badens, des Klimas oder besonderer Art der Fabrikation beruhen. Es soll in beiden Ländern eine Umfrage ver- anstaltet werden, um alle diejenigen Artikel festzustellen, deren Be- zeichnungen nicht als Gattungsnamen zu betrachten sind und demgemäß im deutsch-französischen Verkehr eines derartigen Namens- schutzes bedürfen; und diese Liste soll dem Text der abzuschließenden deutsch-französischen Konvention als Anhang angefügt werden." Tie englischen Schiffahrtsgesellschaftcn im Jahre der Krise. Auch auf die englische Schiffahrt hat die wirtschaftliche Stag. nation des verflossenen Jahres einen schlimmen Einfluß ausgeübt. Nach einer Uebersicht in der Zeitschrift„The Economist" betrug der von den Gesellschaften erzielte Bruttogewinn im Jahre 1003 1 927 808 Pfund Sterling gegen 3 909 794 Pfund Sterling im Vor- jähre, während der Reingewinn von 1 636 836 Pfund Sterling auf 604 590 Pfund Sterling, also auf weniger als die Hälfte gesunken ist. Dabei hatte man im letzten Jahre nur für 1476 354 Pfund Sterling Abschreibungen vorgenommen, gegenüber 2 440 587 Pfund Sterling im Jahre 1907, so daß in Wirklichkeit der Rückgang des Reingewinnes noch größer war. Mehrere Gesellschaften konnten Dividenden überhaupt nur durch Zuhilfenahm- der Reserven aus- schütten; zwei große Gesellschaften, die Cunard und die Pacific Line, haben sogar erhebliche Verluste zu verzeichnen. Folgendes ist das Ergebnis der wichtigsten Schiffahrtsgesellschaften: Gericlits- Leitung. „Streiflichter." Gegen den verantwortlichen Redakteur der.Wahrheit". Alfred L e u p o l d richtete sich eine von dem Schriftsteller Franz Pfen ufert in Wilmersdorf angestrengte Püvatklage, die gestern das Schöffen» gericht Berlin- Mille beschäftigte: Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Aus dem öffentlich verkündeten Urteil ergibt sich, daß die„Wahrheit" in ihrer Nr. 17 vom 24. April unter der Rubrik„Streiflichter" gegen den Privatkläger einen Artikel veröffeinlicht bat, der nach Ansicht des Klägers wörtliche Beleidigungen und üble Nachrede einhält. AIS Zeugen wurden Kriminallommiffar Dr. Kopp, Schriflsteller Rudols Kurz und Schriftsteller Leo Hör Witz vernommen; geladen war außerdem der Herausgeber des„Blmibnch", Dr. Ilgen st ein. Dem Privaikläger stand Rechtsanwalt Viktor F r a e n k l zur Seite, der Angeklagte wurde durch Rechrsanwall Brede reck verteidigt. Der Gerichtshof kam zu eiuer Verurteilung des Angellagten. Die Behauptung des Artikels, daß sich der Privalkläger im„Bunde der Eigenen" hervorgetan und sich homosexuell betätigt habe, sei nicht erwiesen worden, die Zeugenaussagen reichen nach Ansicht des Gerichts vielmehr aus, um das Gegenteil zu beweisen. Mildernd für den Angeklagten müsse allerdings ein von dem Privat- kläger�auSgegangener„Offener Brief des Bundes der Perversen" in der„StaaiSbnrger-Zeüuiig" angesehen werden, der nach der Be- Häuptling des PrivaiklägerS nur einen schlechten Witz darstellen sollte. Mildernd sei auch die literarische Vergangenheit deS Klägers er- wogen worden. Er habe in den, Blatt'.Der Kampf" des bekannten Anarchisten„Senna Hotz" lyrische Gedichte veröffentlicht und gab selbst zu, daß dreier Senna Hotz schon mit fünfzehn Jahren schweren Kerkers bestraft ist. Wer mit einem solchen. Manne in Verbindung steht, könne sich nicht wundern, wenn ihm von dritter Seite alles Mögliche zugetraut wird. Unter diesen Erwägungen ist das Gericht zu einer mäßigen Strafe gekominen. Diese ist ans fünfzig Mark Geld st rase eventuell zehn Tage Gefängnis bemessen worden. Der auf Senna Höh bezügliche PasiuS des Urteils wirkt außer- ordentlich befremdend und läßt sich mit gesundem Rechtsempfinden schwer vereinen. Zudem ist Senna Hotz in Rußland verurteilt. Das als einen Milderungsgrnnd für die beleidigende Behauptung, der Kläger sei homosexuell, zu rechnen, ist ein logischer Hopser ersten Ranges._ Pferdcwurst. Mit welcher Dreistigkeit der Pferdewurstschwindel in Berlin betrieben mird, zeigte wieder einmal eine Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte. Wegen Betruges und wissentlichen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz war der Schlächter meister Karl Meereis auS Heinersdorf angellagt.— Der ÄngeNagte bezog seit längerer Zeit von der Pferdewurstfabrik von Emil Richter in Weivensee ganz appetitlich aussehende Schlack- und Salamiwurst, für welche irgend ein an Altersschwäche verstorbener Droschkengaul hatte sein Leben lassen müssen. Diese Pserdewurst vertrieb er durch Reisende in Berlin und zählte zu seinen Kunden verschiedene große Delikateßwarenhandlungen. in welchen dann die Wurst als „echte Gothaer Salamiwurst" usw. zu teuren Preisen an das ahnungslose Publikum verkauft wurde. Er hatte dabei die ungeheure Dreistigkeit, seinen Abnehmern die schriftliche Garantie zu geben, daß er selbst die Wurst aus bestem Rind- und Schweine« fleisch herstelle. Als bei einem Kunden, der auf den Schwindel hinein- fallen war, von dem Polizeiarzt Dr. Borchmann Wurstproben ent- nommen wurden, kam das Treiben des Angeklagten zur Ent- deckung.— Vor Gericht hatte der Angeklagte noch die Kühnheit zu behaupten, daß er selbst nicht gewußt habe, daß es sich um Pferdewurst handle. Es wurde ihm nachgewiesen, daß er aber bei Richter schriftlich anerkannt hätte, daß dieser ihm lediglich Pferdewurst liefere.— Mt Rücksicht darauf, daß durch das Treiben des Angeklagten unter Umständen eine schwere Geschäftsschädigung der hereingefallenen Firmen entstehen konnte, erkannte das Gericht auf drei Monate Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, eventuell noch 200 Tage Gefängnis._ Eine Erpressung wegen 48 Pfennig. Von der Strafkammer in Bernburg ist am 27. Mai der Handelsmann Otto Rennicke wegen Erpressung zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Er hatte sich mit dem Kaufmann S. dahin geeinigt, daß dieser ihm einen Posten altes Eisen zu einem bestimmten Preise für das Kilogramm ablasse. Da S. keine Wage besaß, wurde das Eisen in einen Sack gepackt und zu einer Wage geschafft. Das Gewicht ergab, daß der Angeklagte 3,38 M. zu zahlen hatte. Er bot nun dem S. 3,53 M. an und legte diesen Betrag hin. S. weigerte sich aber, ihn zu nehmen und forderte Zahlung des ausbedungenen Preises oder Zurückgabe der � Ware. Nun erhob der Angeklagte drohend seinen Stock und gab dem S. in rohen Worten zu verstehen, daß er ihn über den Kopf « schlagen werde, wenn er ihm nicht das Eisen überlasse. Hierdurch eingeschüchtert, mußte S. dem Angeklagten die Ware überlassen und sich mit 3,53 M. begnügen. Das Reichsgericht verwarf am Donnerstag die Neviflon des Angeklagten. Ein fester Kaufpreis war verabredet worden und der Handel sollte Zug um Zug erfolgen. Geschah dies nicht, so hatte der Verkäufer das Rücktrittsrecht und konnte die Ware sofort zurücknehmen. Von Uebergabe zum Eigentum vor Zahlung des Kaufpreises war keine Rede. Der Tatbestand der Erpressung ist also ohne Rechtsirrtum festgestellt. Strafbarer Versuch an einem untauglichen Objekt. Noch bis zu Beginn der achtziger Jahre hätte ein Referendar oder Assessor eine schlechte Note erhalten, der den Versuch mit untauglichen Mitteln oder an einem untauglichen Objekt für strafbar erachtet hätte, denn das Strafgesetzbuch darf nur Handlungen, nicht Ge- danken, und seien diese noch so böse, die nicht betätigt sind oder nicht betätigt werden können. mit Strafe bedrohen. Eine Aenderung an diesem Grundsätze hat die Spruchpraxis des Reichsgerichts herbeigeführt. Zunächst wurde ein Versuch für strafbar erklärt, den eine Wirtschafterin mit einem un- tauglichen Mittel sZucker statt Arsenik als Vergiftungsmittel) an« wendete. Konsequent gelangte das Reichsgericht dann auch dazu, Vei-silche mit einem untauglichen Mittel an einem untauglichen Objekt für strafbar zu erklären. So sind aus Grund dieser Theorien Mädchen und Frauen zu schweren Strafen verurteilt, die schwanger waren, oder sich dafür hielten, und ein Mittel zur Beseitigung der nicht vorhandenen Leibesfrucht etwas anwendeten, das Erfolg auch bei tatsächlicher Schwangerschaft nicht hätte haben können. Vergeblich wendeten sich eine Reihe Gerichte gegen diese neue Theorie. Das Reichsgericht hält ständig an ihr fest, wenngleich unter anderem ihm dargelegt wurde, nach dieser Theorie würde auch ein an die Kraft seines Gebets Glaubender wegen Mordversuchs zu bestrafen sein, der seinen Herrgott um Vernichtung seines Feindes bittet. Allmählich gaben die gelehrten Gerichte ihren Kampf gegen die Spruchpraxis des Reichsgerichts auf; nur Schwurgerichte, deren RechtSonsicht von dem Reichsgericht in der Regel nur nach der formalen Seite hin nachzuprüfen ist. blieben bei der älteren, richtigen Ansicht. Ein Opfer der Reichsgerichtspraxis ist dieser Tage eine ländliche Wirtsfrau geworden. Sie bildete sich ein. schwanger zu sein, wendete ein von einer Hebamme ihr verschriebenes funtauglicheS) Mittel zur Abtreibung an. Sie wurde von der Mannheimer Strafkammer zu IVz Monaten Gefängnis, die Hebamme zu 3 Monaten verurteilt. Ob die gegen Abtreibung gerichteten Strasvorschristen endlich im Strafgesetzenlwurf geändert sind, wird die Veröffentlichung des Ent- Wurfs zeige», die binnen kurzem bevorstehen soll._ Hua der frauenbewegung« Die neueste Ausraubung des Volkes und die Stellung der Frauen dazu. Dies war das Thema, über das die Genossin Luise Z i e tz am Freitag in einer öffentlichen Frauenversammlung sprach, die den großen Saal des Bürgerlichen Schauspielhauses in der Kastanienallee füllte. Die Tische waren entfernt, die Stühle eng zusammengerückt und dennoch reichte der Saal kaum aus, um der großen Masse der Besucher— es waren zum allergrößten Teile Frauen— genügend Raum zu bieten. Die Polizei sah in dieser Versammlung offenbar wieder einmal ein ganz gefährliches Ereig- nis. Nicht nur vor dem Lokal auf der Straße war sie außerordent- lich zahlreich vertreten, auch in fliegenden Wachen hatte man starke, bewaffnete Männer untergebracht, und selbst Leute zu Pferde waren in Bereitschaft, das bedrohte Vaterland vor dem Ansturm der Frauen zu retten. Oder wollte man vielleicht durch die vielen Pickelhauben zarte Gemüter vom Besuch der Versammlung ab- schrecken? Die Frauen kamen in Scharen und hatten nicht die mindeste Furcht. An Geheimpolizisten fehlte es nicht, und einer von ihnen machte sich im Versammlung»- saal daran, junge Mädchen zu fragen, ob sie denn auch schon l8 Jahre alt wären. Der Besorgte wollte sicher ihr politisches Seelenheil vor dem sozialdemokratischen Gift bewahren. Das war eigentlich recht überflüssig, denn die Genossin L 0 h s e hatte als Einberuferin schon darauf aufmerksam gemacht, daß nach unserem herrlichen Reichsvereinsgcsetz Personen unter 18 Jahren nicht an öffentlichen politischen Versammlungen teilnehmen dürfen. Die Genossin Zieh, mit lebhaftem Beifall begrüßt, begann ihren Vortrag mit den Worten, daß die sogenannte Reichsfinanz- reform, jene dreiste Verhöhnung und Ausraubung des Mikes, die Frauen und Mädchen im allgemeinen, ganz besonders aber die der Arbeiterklasse geradezu zwingt, sich mit Politik zu befassen. Weil der Finanzminister des Reichs seinen Kollegen von Heer und Marine nicht gesagt hat, daß sie ihre Ausgaben einschränken sollten, werden wir nun gezwungen, unsere notwendigsten Ausgaben immer mehr einzuschränken. Aber nicht nur als Konsumenten, als Haus- frauen, auch als Produzenten, als Lohnarbeiterinnen treibt uns diese sogenannte Finanzreform zu politischer Betätigung. Wollen wir Front machen gegen diese Steuerpolitik, so müssen wir uns nicht nur um diese, sondern um die Politik überhaupt bekümmern, und wollen wir diese Uebel, die uns immer mehr bedrücken, erfolg. reich bekämpfen, so müssen wir uns zunächst fragen, welches die Ursachen davon sind.— Die Rednerin schilderte dann die grenzen- lose Verschwendung der aus den Taschen des Volkes herausgepreßten Reichsmittcl für Heer, Marine und Kolonial- oder Weltpolitik, das ungeheuerliche Amvachsen der Reichsschulden, die ja nun bereits die S Milliarden übersteigen. Sie zeigte weiter, welches Interesse die herrschenden Klassen an dieser vom Standpunkte des allgemeinen Volkswohles geradezu verrückten Wirtschaft haben, wie das Heer nach einem bekannten Wort bereit sein soll, selbst auf Vater und Mutter zu schießen, wie die herrschenden Kreise teils als Liefe- ranten, teils als Geldgeber des Reichs und Zinsenempfänger an der Verschwenderwirtschaft interessiert sind, und wie man trotz all der schrankenlosen Steigerung der Steuerlasten des arbeitenden Volkes doch nie zu einer wirklichen Sanierung der Reichsfinanzen gelangt, weil man eben nicht sparen will, wo man sparen könnte und sollte. Die Rednerin gab darauf eine umfassende Uebcrsicht über die neuen Steuerlasten, legte im einzelnen dar, was sie einbringen sollen, wie sie zustande gekommen sind, wie sie auf das arbeitende Volk, be» sonders auf die Frauen in ihrer Eigenschaft als Konsumenten und Produzenten wirken. Sie machte unter anderem auf den rücksichts- losen Kampf aufmerksam, den die Junker mit ihrem„zarren" Familiensinn nicht nur gegen die ursprünglich geplante Nachlatz- steuer, sondern selbst gegen die so überaus bescheidene Erbanfall. steuer führten, so führten, daß die Regierung schließlich die Flucht ergriff und auf das Feigenblatt der ganzen Erbschaftssteuerpläne verzichtete. Dieselben Herren, samt ihren ebenso fürs Familien- leben eingenommenen Brüdern vom Zentrum, scheuten sich auch nicht im mindesten, neben alle: anderen Vollsauswucherung die Tabakindustrie dermaßen zu schädigen, daß nun schon über 12 333 Familien brotlos gemacht sind. Die Rednerin versäumte natürlich auch nicht, darzulegen, wie alle anderen bürgerlichen Parteien sich zu Mitschuldigen der„Reichsfinanzreform" gemacht haben Be- sonders verweilte die Rednerin bei dem von unserem letzten Partei. tag beschlossenen Schnapsbohkott, der schon mit großem Eifer durch- geführt wird, wie zahlreiche Zuschriften an das Frauenbureau be- weisen. So wird dem Bureau aus der Provinz Posen geschrieben, daß gerade dieser Boykott die allergünstigste Gelegenheit geschaffen Hot, um unter den Frauen erfolgreich zu agitieren. Die Frauen sind dankbar dafür, daß in manchen Familien Männer, die früher dem Trünke ergeben waren, nun stets nüchtern und solide nach Hause kommen. In einzelnen Bezirken ist der Schnapskonsum so zurückgegangen, daß die Wirte, um ihre Kundschaft zu halten, all- gemein andere Getränke feilhalten müssen. Einer versucht eS mit dem Ausschank von„Portwein" in Gläsern zu ö Pf.,«in anderer liefert für dasselbe Geld ein großes Glas Milch. Es wäre eins große Freude, wenn die Junker das nächste Mal im Zirkus Buich sich betrübt sagen müßten: Unser Fusel wird nicht mehr getrunken! — Wir Frauen haben alle Ursache, mit größtem Eifer dahin zu wirken, daß dies Ziel erreicht wird. Aber nicht nur dies, sondert» auch die Beseitigung aller indirekten Steuern.— Rednerin schloß mit den Worten: Wir Frauen wollen Agitatorinnen sein, wollen unfern Kindern gegenüber Rekrutenerziehcrinnen sein für den sozialdemokratischen Kampf. Die politische Macht erobern, um den Kapitalismus zu besiegen und den Sozialismus, die Mcnschenver- brüderung an seine Stelle zu setzen, ist unser Ziel.— Dem Vortrag, der stürmischen Beifall fand, folgte zunächst eine Pause von 13 Mr- nuten, um den noch Unorganisierten unter den Anlvesenden Gelegenheit zum Eintritt in die Organisation zu geben. Es wurden 53 Aufnahmen gemacht, denen später noch weitere folgten. In der daran anschließenden Diskussion sprachen mehrere Genossen und Genossinnen im Sinne des Referats. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. In ihrem Schlußwort führte die Refcrentin unter anderem aus, die Frauen müßten auch alles daran setzen, damit die Sozialdemokratie hier in Berlin am 26. Oktober einen glänzen» den Wahlsieg auf der ganzen Linie erringe. Die Gegner hielten an der offenen Stimmabgabe fest, um ihren Terrorismus gegen uns weiter ausüben zu können; wir wären töricht, ivenn wir nicht alles daran setzen wollten, ihnen diese Waffe aus der Hand zu winden. Die Rednerinnen wies auf die jüngst errungenen Wahl- siege in Sachsen usw. hin, und auf die Notwendigkeit, mit aller Kraft weiter zu wirken und zu streben im Dienste der Partei und der Frauenorganisation, die Parteipresse zu lesen und zu abonnie» ren, den„Vorwärts", die„Gleichheit" und auch die„Arbeiteriuaend" immer mehr auszubreiten. Versammlungen. Der Zentralvertand der Schuhmacher hatte die Schoßarbeiter zu einer Versammlung eingeladen, die am Montagabend im Gewerk« schaftShause stattfand. Man beratschlagte, welche Schritte zu unier« nehmen seien, um dem Lohnrückgang im Gewerbe entgegenzuwirkm. Hammacher referierte. Er machte auf die große Arbeitslosigkeit unter den Schuhmachern infolge der Wirtschaftskrise aufmerksam und führte die Summen an, welche der Zentralverband an Unterstützungen in den letzten Jahren den Arbeitslosen ausgezablt hat. Während im Jahre 1337 die Summe von rund 47 333 Mark notwendig war, erforderte im Jahre 1333 die wachsende Arbeitslosigkeit das Drei- fache, nämlich rund 142 333 M. und in den drei Quartalen des laufenden Jahres 1333 sind schon rund 33 333 M. zur Auszahlung gekommen. Gegenwärtig feien Anzeichen vorbanden, daß die Lage im Gewerbe im allgemeinen eine bessere werde, und da fei es Aufgabe der gerade in Berlin so schlecht gestellten Schoß« arbeiler, sich ebenfalls bessere Arbeitsbedingungen zu verschaffen. In vielen anderen Städten sei es gelungen, Lohnerhöhtmgen durchzusetzen, aber in Berlin versage die Masse der Gesellen die Gefolgschaft, wenn die Organisation sich anschickt, Verbesserutigen vorzmiebmeti. Noch immer sei der Lobntarif von 1336 in Berlin nicht allgemein zur Geltung gelangt; dazu sei erst wieder eine neue kräftige Agitation not- wendig. Es gelte vor allen Dingen, eine straffe Organisation zu schaffen, die den Arbeitsnachweis unter ihre Konirolle bringen kann. Die Schuhmacher sollten sich die andern großen Orgmiisaiiotten zum Muster nehmen und daran erkennen, in welcher Weise durch einen starken Verband auf die Arbeitsverhältnisse eingewirkt werden könne. Der Zentralverband der Schuhmacher habe schon für die Lebenslage der Schnhinacher mehr geleistet, als alle Innungen, denn ohne ihn wären die Verhältnisse noch schlechter, aber er bedarf der Unter« stiitzung der Masse der Schuhmacher, wenn er durchgreifende Ver« bessernngen schaffen soll. Der Äiischluß an den Verband sollte für jeden Schuhmacher eine unabweisbare Pflicht sein. In der Diskussion, die dem beifällig atifgenommenen Vortrage folgte, wurden besonders die Mißstände in den Besohlaitstalten be« fprochen. Sehr schädlich wirke die Gelegenheitsarbeit, die Vcran- lassung gäbe, daß sich Leute„selbständig" machen. Gesellen auf einige Tage anstellen und diePreise drücken. Sehr nachteilig sei die viele Akkord» arbeit. eS fehle an geregelter Arbeitszeit; viel verurteilt wurde die Sonntagsarbeit. Es sei eine Unsitte, den Schuhmachern am Sonnabend eine Menge Arbeit zuzutragen, die am Sonntag fertig sein iollinichtselten werde noch um 9 Ubr abends Arbeit nach der Besohlanstalt gebracht und die Gesellen seien gezwungen, am Sonntag zu arbeiten. Die Notwendigkeit der Organisation wurde allgemein anerkaiitit. Die Agitation unter den Schuhmachern soll mit erneuter Kraft auf« genommen werden. LimlieK!' Seife wrielttf Gardinen Spitzer» und zarf-en Sbffen�b einfach oder kunstvoll, jenen Zauber von Frische und Reinheit, der das Heim gemütlich und anziehend ge» staltet. 5unlifht5e/7e verwende man ohne Zutaten. Aus reinsten und besten Roh» ] Materialien hergestellt. reinigt sie durch eigene Kraft. Man verwende nur6uniichhdk Für den Jnbalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publitnm gegenüber keinerlei Verantwortung. Zbeater. Dienstag, den 2S. Oktober. Ansang 7'/, Uhr. Köiiigl. Opernhaus. La Travlata. ttönigl. Schauspielhaus. Die Rabensteinerin. Deutsches. Hamlet. Kammersviele. Die Zuflucht. (Ansang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues königl. Opern. Theater. In der sommevfrisch'n. Lesswg. Tantris der Narr. picues Schauspielhaus. DaS Exempel. Komische Oper. Tiesland. Berliner. Alpenkönig u. Menschen- seind. Neues. Das Urblid beS Tartüffe. Hebbel. Der Skandal. ÜSefteu. Die geschtedene Fra». Bolksoper. Rigoleilo. Neues Operette». Der arme Jonathan. Thalia. Die Badepnpp«. Residenz. Gretchen. Trianon. Pariser Witwen. Lustspielhaus. Man soll keine Briese schreiben. Kleines. Moral. Schiller<».(Wagner. Tdraler.) Das Kätchen von Heilbronn. Schwer Ehariottenvurg. Der Schwur der Treue. Friedrich- iLilbrloiitSdt. Schau- sPiellmuS. Das große Licht. Luisen. Von sieben die Häßlichste. Roic. Michael Kohlhaas. Metro,>ot. Halloh II— Die große Revue. Folics Gaprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Anj. 8'/« Uhr. Ap»i>o. Svezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gebr. Herrufeld-Theater. Frau EllomS Friseur. Meine- Deine Tochter. Karl Havcrland- Theater. Spe> zialitäten. Cnsino. Oiikel Cohn. Walhalla. Sveziaiitäten. Gastspiel. Die gute Partie. Passage. Spezialitäten. NoackS Theater. Das Warenhaus. sräulein. Pala>t. Der Blumenstrauß, Speziali. täten. Reichsiiallen. Steitiner Sänger. llraxia. Ta»i>e»>ie«he>!>. Abends 8 Ubr: In den Dolomiten. Höriaal 8 Uhr: Dr. Schwahn: Die Bewegungen der Himmels- körper. Sternwarte, Jnvaltdenstr. 57/63. Cesslnff-Theuter. 8 Uhr: Tantris der Narr. Mittwoch, 3 Uhr: Xautrts der Narr. Donnerstag, 8 Uhr: Tantris der Narr. RgsilislK-Mes Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Cffrvt«!»«!». Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, 31. Okt.. nachm. 8 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. Seliiller- Schlller-Theatcr 0.« Wallner-Tbcater.) Dienstag, abends H Uhr: Das Kttthchen v.llcllbrouo Mittwoch, abends 6 U I) tt _ Gespenster._ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Alpenkönig und Menschenfeind. Morgen: Alpenkönig und Men- schenfeind. Neues Theater. Dienstag, Mittwoch 8 Uhr: Das Ii« Des Tariii. Donnerstag'/ß Uhr zum erstenmal: ver leide Kaiser. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Dlo geschiedene Fran. Sonntag nachm. S1/« Uhr: Ein Walzertrarnn. Theater. Schiller-Thealor Charlottanburj, Dienstag, abends S Ubr: Zum erstenmal: Oer Schwur d. Treue. Mittwoch, abends 8 Ubr: Der Sehivrii' der Trene. Urania. WisBenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Tnvalidenstr. 57/62: Direktor Dr. Schwahn: Die Bewegungen der Himmelskörper. Abends 8 Uhr: Non flebeu die Häßlichste. Mittwoch: Der Kamps um dm Nordpol. Donnerstag: Der Kamps um den Nordpol. . Freitag: Inspektor Drästg. Xeaes Operetten-Theator( Schissbauerdaium 25, a. b. Luilmstr. Heute und solgende Tage: ver arme Jonathan. Vclks-Oper. SW, Belle-Alliance-SNaße Nr. 7/8. Zum erstenmal: �ixoletto. Oper in 4 Auszügen v. Wlusepe Verdi. _ Ansang 8 Uhr.__ Friedrich-Wilhelmstädtischss Schauspielhaus. DicuStag, 26. Oktober, Ans. 8 Uhr: Das große Licht. Mittwoch: DaS große Licht. Donnerstag: DaS große Licht. Freitag: DaS große Licht. Berliner jgiK-Trlo. Felix Scheuer l&J Stralsanderätr.l. ürkys Busch. Dienstag, den 26. Oktober 1909, abends 7'l, Uhr präzise: Oala-Abend. Zwergclown Frunfols als Kunstreiter. Die Clevelands! tferr Willy Hanns Wunderelefant. Mdm. Smaragdas Katzendressur Herr Burkhardt- Fooltit, Schuir. Herr E. Schumann, Neudress Um 9-/. Uhr: fziMMkü! 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W.Koacks Theater Bruiinenitr. in, am Rosenthaler Tor. Täglich>,z9 Uhr: Mit größtem Beifall ausgenommen I Das Warenhausftölllem. Doltsst. v. d. Messingputzer O. Popper. Sonnabend Kindervorstellung: Rot- käppchen. Abends Premiere: N-rciheitsdraitg�_ Stadi-Theater Moabit. Alt-Boablt 47/48. Donnerstag, den 28. Oktober 1909: Großer Erfolg! Großer Erfolgt Stuf allgemeinen Wunsch: Dr. Heinrich Alerander, 1. StaatSanw.: Fritz Lorentz a. G. Könlgstadt-KaBino. Hoizmarktstraße 72. Täglich: Franz Soban.bl. Fifi Harro, Gustav Eulenburg, Geschw. Arras, F. W. Hardt, The Hartle u. Mifi Eltrah usw. Db*. Schwips. Posse mit Gesang in einem AN. Gastsp. deS Willi Voigt Theater.Ens. Dienstag, den 26. Oktober 1909: CaR'aL Essex. Trauerspiel in 5 Alten von Laube. Kasfeneröfsnung 7, Ansang 8 Uhr. Passage-Panoptikum, Sie TräUinmälerin ■«n d. schwebende «U» Jungfrau. Der Motoboy d. künsll.zerl. Mensch laniiiuritza-Eiript. m- Vltaskop-Tiieater Oauervorstellung von 4—7 Uhr. DienStag, den 26. Oktober, abends 7Vs Uhr: Groflc Extravorstellnng. pkerä u. ksIlerinÄ Schulalt des Ritter v. Renroff. Ees Arlbos. 8 n»g. Rotschimmel 8 dressiert u. vorgcsühn v. H. Bona, 6 Damen Proveanies 0 in ihren Glanzlcismngen. JSlß 8 1 1 v a Doyal, dressierte Taiibeu. Jim n. Jam, die Urkomischen. gV Clown Adolf als-WG KPJS" HIB Ella."9*3 Der drollige Schimpanse als Nadfahrkünstler. Mme. de Bainville aus Pari. 3 Passage-Tbeatar.> Abends 8 Uhr: Der größte Erfolg» der Theatersaison!* Henry Bender• in der tollen Burleske f Der süße Doktor. Ferner; Ciaire Waldoff und der große Varietö-Teil. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Cnkel �«►■ohii nkel«H.ohn nkel ��oh» zmankel �>�ohn � jnkel BVoh» ��nkel ��ohn Sonntag 4 Ubr: Familie Klinkert iL MWW t>- kt-ss ! Weinhergsweg 19-26, Rosrnmi.Tor.! iAnj. 8 Uhr. Die grostarttge»| Oktober-Spezialitätcn. i Im Tunnel: Rcgimentskapelle. Theaterbesuchern freier Eintritt. Palast-Tbeater. Direkt: eil: Robert Dill& Karl Pirnau. 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Und so wird herrschen alle Zeit, Gleichviel worum, Uneinigkeit. us/i» Doch in dem einen, das ist klar, Man sich schon immer einig war: Von allen Bieren, die es gibt, Man Engelhardt am meisten liebt, Sein Pilsner und Berliner Bier Ist schmackhaft und bekömmlich dir, Doch's Beste mir dem Kranken dünkt, Wenn er sein Caramelbier trinkt I MerMenMlta Selowsky's Garnso Zigaretten 10 Stück 30 Pf. S Sozialdemokratischer WahivereiD� für den S 2. Berliner Reichstass-Waiilkrels. (Bezirk 31.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonntag früh im Urban» Kranlenhause unser Parteigenosse Kail Pohl Junlerstr. 12 verstorben ist. Ehre seinem Anhenken! Die Beerdigung stndet am Mittwoch, den 27. Oliober, nach» mittags 3>/z Uhr, von der Leichen- balle des städtischen Fncdhojes in Friedrichsselde ans statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 211/14 Her Vorztand. DeiMei Generalvertreter für Groß. Berlin: Erich Strokorb, Berlin SW., Kreuzbergstr. 30..Tel. A. 6, 8718. TranspsrtarbeMerbaatL Ortsverwaltung Groll-Berlin. , Den Milzliedern zur Nachricht, I daß unser Kollege, der Hausdiener Ifax Halm am Freitag, den 22. Ottober, im Atter von 20 Jahren an Lungen» bluten gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 26. Oktober, nachm. 'Iii Ubr, von der Leichenhalle des Philippus Apostel» Kirchhojes Mällerstr. 44/45 aus statt. 70/19 Die Verwaltung. Vorband deutscher Gasiwirtsgehiifen (Ortsverwaltung Berlin I.) Am 23. Oktober verstarb unser altes Mitglied (justav Burmeister. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 26. Oktober, nach» mittags 4 Uhr, von der Leichen- Holle des Markus- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 290/3 Der Vorstand. WWMWMWDzWMemmDWWWWWM eegegzBBMHZBeeaMeeoBE Todesanzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Gastwirt Fräls Lustig am 24. d. MtZ. plötzlich der- storben ist. Dies zeigt um flille Teilnahme bittend an Marie Lustig Oderberger Straße 28. Beerdigung wird noch bekannt- gegeben. DatlKSAgUUg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines liebe» Mannes sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Wahl- bezirk 8d, Schönebcrg, meinen herzlichsten Dank. Witwe Reinlcke nebst Kindern. Klnmil' imö Krambmbtttl von Rober! Meyer,' u u r Mamnntn-Zttnße 2. Sine Mark: w5cfaeaeL Teilzahlung liefere elegante fertige Herren- Hoden Ersatz tdr Mass. Massaufertigung. Feinst« Verarbeitung unter Leitg. eretlcl. ßchneidermeister. J. Kurzberg Rosenthalerstrasse 40« I. Etage, direkt am Hackeseben Markt« Kein Waren- Kredit- Haus. Bei Barzahlung — 10 0/o Rabatt I— Unsere echten Blert sind überall za baden. In Flaschen, Kannen und Syphons, Tel. VII, 4088, 89, 8Ct EiSS»lOSaSel. Charlottenburg. Solide Uhren, moderne Goldwaren. Reparaturen preiswert und gut. FnlodlHeh 8tnbenow, jetzt Berliner Strafte 110. Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald, gür den Inseratenteil verantw.: Td. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtD Buchdruck erei u. Verlagsanstalt Vau! Singer& So.. Berlin SW. Ür. 250. 26. Jahrgang. 3. Itilaot Ks„ —CKPgMW. Wtf gmWHBBBMBMaHggfiaaEMHBS nlinct öollislilalt. pitnslaij, 26. GKIodn 1909. flo die GcnoHco und Genofünnen Groü-Ber!in$! Heute, Dienstag, den 26. Oktober, finden die Ersatzwahlen zum preußischen Abgeordnetcnhause in den vier Bezirken statt, um deren Mandate Junker und Protzen uns in schamloser Weise geprellt haben. Alles muß daran gesetzt werden, diesen mit Hilfe der Freisinnsclique verübten Gewaltstreich unwirksam zu machen und die Mandate unserem Besitzstande zu erhalten. Wir erwarten daher, daß jedes Mitglied der Wahlvereine nicht nur zum regsten Agitator für diese Wahlen wird, nein. daß sich auch alle, deren Zeit es irgend erlaubt, der Partei an diesem Tage vollzählig zur Verfügung stellen und sich in den uachbezeichneten Zcntralbureaus so frühzeitig als möglich, von 8 Uhr morgens an, einfinden, um dort Hilfe zu leisten: 5. Landtagswahlbezirk bei Hoffmann, Oppelner Str. 47. Amt IV, 9373(Nebenanschluß). 6. Landtagswahlbezirk bei Litftn, Memeler Str. 67. Amt VH, 1075. 7. Laudtagswahlbezir! bei Beiersdorf, Elbinger Str. 9. Amt VII. 6343. 12. Laudtagswahlbezirk: Zentrale bei Richter, Wiclefstr. 24. Amt Moabit 725. Unterbureaus bei Cäsar, Alt-Moabit 119, und Faber, Stephanstr. 11. Besonders bitten wir radfahrende Genossen, welche nicht schon direkt zur Unterstützung bei der Wahl auf- gefordert sind, wenn möglich, den ganzen oder halben Tag Hilfe zu leisten. An unsere Genossen in den vier Bezirken richten wir die Bitte, recht frühzeitig zur Wahl zu gehen und besonders in der 1. und 2. Abteilung am Platze zu sein und sich nach Abgabe der Stimme an der weiteren Schlepparbeit zu beteiligen. Daß in allen drei Abteilungen auch nicht eine sozial- demokratische Stimme verloren gehen darf, versteht sich von selbst. Mitgliedsbuch der Partei dient als Legiti- m a t i o n. Auch an die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ergeht unser Ruf uni tatkräftige Hilfeleistung; besonders rechnen wir darauf, daß die A r b e i t s l o s e n sich von früh 3 Uhr an in den Zentralburcaus einfinden und zur Verfügung der Wahlletter halten. Das Mitgliedsbuch der Gewerkschaft gilt als Legitimation. Unsere Genossen, welche als Beisitzer in den UrWahl- bezirken fungieren, wollen darauf achten, daß Protokoll- f ü h r e r und Beisitzer im UrWahlbezirk Wohnsitz haben müssen, daniit nicht durch derartige Formfehler Urwahlen für ungültig erklärt werden. Vorsitzender und Stellvertreter sind voni Magistrat ernannt und entzieht sich daher Feststellung des Wohnsitzes derselben unserer Kontrolle. 0 Die gewählten Wahlmänner unserer Partei wollen sich 'sttz.. Bestallung als Wahlmann sofort nach ge- swlossener Urwahl der Abteilung vom Wahlvorsteher aus- fertigen lassen. An die Arbeit.— Zeigen wir unseren GesinnungS- genossen im Lande, in Sachsen und Baden, in der Pfalz und in Thüringen, daß ivir nicht hinter ihnen zurückstehen. Mit Parteigruß Die Wahlkomitees. An die Genossinnen! Bei den heutigen Wahlen zählen wir auf die wirksame Teilnahme aller organisierten Frauen. Der Schleppdienst, ganz besonders in den Vormittags- stunden, wird am wirksamsten durch Genossinnen ausgeübt werden können. Unsere Frauen, auch die, welche in den nicht zur Wahl st ehe»den Bezirken wohnen, wollen sich i» de» obengenannten ZentralbureauS so früh als möglich einfinden und den Wahlleitern zur Verfügung stellen. Ihre Mitarbeit wird beim Heranholen der Säumigen und Schwankenden von besonderem Werte sein. Wir rechnen auf unsere weiblichen Mitglieder. _ Die Wahlkomitees. Aas der LandtagMähIer wissen muß. Wer ist wahlberechtigt? Jeder selbständige Preuße, welcher das 24. LcbenS- jähr vollendet und nicht den Vollbesitz der bürgerlichen Ehren- rechte infolge rechtskräftigen richterlichen Erkenntnisses ver- loren hat, ist in der Gemeinde, worin er seit sechs Monaten seinen Wohnsitz oder Aufenthalt hat, stinimberechtigter Ur- Wähler, sofern er nicht auS öffentlichen Mitteln Armenunter- stützung erhält, und in der Wählerliste verzeichnet ist. Wo wird gewählt? Die Urwähler haben in denjenigen Bezirken zu wählen, in denen sie zur Zeit der Aufstellung der Wählerliste gewohnt haben, 6. i. anfangs August ct.% Wer also seit dieser Zeit verzogen ist, wählt im Bezirk seiner früheren Wohnung. Auf diese Bestimmung werden ins- besondere die Wähler aufmerksam gemacht, die am 1. Oktober aus einem Bezirk verzogen sind, der zur Wahl steht. Wann wird gewählt? Die UrWahlen finden heute statt und zwar wählen die Wähler der S. Abteilung in der Zeit von vormittags S bis mittags tS Uhr, alsdann die der t. Abteilung von nachmittags 1 bis S Uhr, und zuletzt die der 3. Abteilung vo« nachmittags 3 bis abends 8 Uhr. Die Wahlhandlung wird pünktlich mit dem Ende der für jede Abteilung festgesetzten Wahlzeit geschlossen. Demnach dürfen nach Schluß der für jede Abteilung festgesetzten Wahlzeit Urwähler der Abteilung, die zur Wahl gestanden hat, nicht mehr zur Abstinimuug zugelassen werden, auch dann nicht, wenn sie sich bereits vor dem Schluß der Wahlzeit ihrer Abteilung im Wahllokale eingefunden hatten. Die Wie wird gewählt? 6t!mmabgabe erfolgt, indem der Wahlberechtigte an den Tisch des Wahl Vorstandes herantritt, Namen, Stand und Wohnung nennt. sich auf Erfordern legitimiert(durch Einladungskarte zur Wahl Steuermitteilung, Jnvalideukarte, Mietskontrakt usw.) und, nachdem sein Name in der Abteilungsliste aufgesucht ist, beul lich den Urwähler des Bezirks bezeichnet, den. er als Wahlmann wählen Will. Sind zwei Wahlmänner in der betreffenden Abteilung zu wählen, so ist der Wähler vor der Abgabe der Stimme darauf aufmerksam zu nmchen. Der Wähler nennt alsdann zwei Namen von Urwählern seines Bezirkes, die er als Wahlmänner wählen will. Es steht dem Wähler jedoch frei, auch nur einen Wahlmann zu wählen, ohne daß deshalb seine Stimme ungültig würde. Nennt der Wähler nur einen Namen und fügt er, obgleich er auf sein Recht zur Benennung eines zweiten Wahlmannes hingewiesen ist, keinen zweiten Namen hinzu, so ist anzunehmen, daß er sich weiterer Stimmabgabe enthalten will. Die von dem Urwähler als Wahlmänner genannten Per sonen müssen zwar dem gleichen UrWahlbezirk, nicht aber der gleichen Abteilung wie der stimmende Wähler an gehören. Stimmen, die auf einen Urwähler eines anderen UrWahlbezirks entfallen, sind un gültig. Wahlstimmen, unter Protest oder Vorbehalt abgegeben, sind ebenfalls ungültig. Jeder Wähler tut gut, sich die Namen der Wahlmänner, die er wählen will, vorher genau anzusehen und sich env zuprägen. Bei Eingang zu den Wahllokalen werden Stimmzettel verteilt, auf denen die Namen der Wahlmänner genau verzeichnet sind. Achte jeder darauf, daß er nur die Namen sozialdemokratischer Wahlmänner dem Wahlvorstande nennt. Legitimation. Ferner wird darauf hingewiesen, daß der Wahlvorsteher von den zur Wahl erscheinenden Wählern die Vorlegung einer Legitimation verlangen kann; als solche gilt: Steuerquittung, Jnvaliditätskarte, Militärpapiere usw. oder die den Urwählern vom Magistrat zugegangene Wahlkarte. Diese enthält außer der vollständigen Adresse des Urwählers die Nummer des Urwahlbezirks, die Wahlabteilung, die Nummer, unter welcher der Urwähler in der Abteilungsliste verzeichnet steht, sowie den Tag der Wahl nebst Wahlzeit und das Wahllokal._ Partei- Hngdcgcnheitcn. Heute, Dienstag, den S«. Oktober, abends 8'/? Uhr: 15 Kommunalwählcr-Bersammlnuge«, in denen auch das Wahl resultat verkündet wird. Siehe heutige Annonce. Zahlreichen Besuch erwarten _ Die Wahlkomitees. Dritter Wahlkreis. Die Genossen und Genossinnen, welche gewillt sind, beute bei der Wahl zu helfen, werden ersucht, sich Neichenberger Str. 10 bei Mannzei zu melden. Der Vorstand. Charlottenbnrg. Heute, Dienstag, abends S'/, Uhr. im großen Saale des Bollshauses, Rosinenstr. 6. öffentliche Versammlung. Die Genossen Dr. Vorchardt und Gebert werde» über die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen sprechen. Ferner werden die Resultate der Berliner LandtagSurwahlen bekanntgegeben. Wir er- suchen, für starken Besuch Sorge tragen zu wollen. Der Vorstand. Wilmersdorf. Wir weisen auf die heute, Dienstag, abends S'/z Uhr, im..GesellschaftshauS". Wilhelmöaue 112, stattfindende öffentliche Protestversammlung hin. Die vom Genossen Sliickten zu behandelnde Tagesordnung:„Die Entrechtung der Wilmersdorser Bürgerschaft und das Sladtparlament" bedingt eS, daß die Genossen und Genossinnen für Massenbesuch der Versammlung agitieren. Die Resultate der Berliner Laudtagölvahlen werden in der Versammlung bekannt gegeben. Schöneberg. Die Versammlung des Wahlvereins findet heute Dienstag, den 26. d. M., abends 8 Uhr, in den«Neuen Rathaus- sälen", Meininger Str. 8, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Die bürgerliche Sozialpolitik. Referent: Gen. Albin M o h s. 2. VereinSangelegenheiten. 8. Verschiedenes. Steglitz. Heute abend 3l/z Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Schellhase, Abornslr. Iba. Aus der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Genossen Groger über:»Die letzten politischen Tagesereignisse'. Wir weisen noch darauf hin, daß laut Beschluß der letzten Mitgliederversammlung die Versammlung pünktlich 8>/z Uhr eröffnet wird. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Die ordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet heute Dienstag, abends 8 Uhr, im Richter- scheu Saale, Chaussee st r. 164, statt. Tagesordnung: Vor- trog des Genossen ziubig-Pankow über:»Die Pariser Konimune'. VereinSangelegenheiten. Der Borstand. AdlerShof. Heute Dienstag, abends 8l/? Uhr, findet im Lokal deS Herrn Wöllstein, BiSmarckslraße 24, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Kurt Heinig über:»Vom Gottesglauben zum Meuschenlum'. 2. Diskussion. Grünau. Mittwochs den 27. d. MtS., abends 8'/g Uhr, im Lokale «Zur grünen Ecke', Köpenicker Str. 83: Generalversammlung des WablvereinS. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag in Leipzig. Bericht des KasfiererS und Spediteurs. Oertliche Angelegenheiten und Anwäge. Ausnahme neuer Mitglieder. Eichwalde-Zeuthen-Miersdorf. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet Mittwoch, den 27. Oktober, abends 8'/z Uhr, in Zeuthen bei Lindemann statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Reinickendorf- West. Heute abend 8 Uhr findet im Lokale von I. GördeS, Wald- und Eichbornstraßen-Ecke, die Mitgliederversamm- lung deS BezirkS-WahlvereinS statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Bühler über:»Die neue ReichSversicherungSordnung'. 2. VereinSangelegenheiten und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Reinickeildorf-Ost. Heute abend 3 Uhr findet im Restaurant S a d a u, Residenzfir. 124, die Mitgliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Emil D i t t m e r über:«Der Darwinismus und d i e Ar b ei te r'. 2. Diskussion. 3. Partei- und Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Nieder-Schönhansen-Nordend. Heute, Dienstag, abends 8V2 Uhr, findet ini„Lmdengarlen', Linden ftr. 43, die Mitgliederversammlung des Wahlvereiiis statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Zehn Jahre Konsllmgenosseiii'chaslSbeivegniig". Referent: Genosse Mücke. 2. Vereiusaiigelegeiiheiten. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Spandau. Mittwoch, 27. Oktober, findet in allen Bezirken der Extrazahlabend statt. Die Bezirke 8 und 8ä tagen zusammen bei Holdorf, Sccburger Str. 26. Der Vorstand. ßcrlimr f�acbncbten. Im Wahltableau, das wir in der Sonnabendnummer beröffcnt- licht haben, befinden sich einige'Irrtümer. Im 736. Bezirk ist bei der Werneuchener Straße die Nummer 6 verzeichnet; es muß heißen: Werneuchener Straße ohne jede Nummernangabe. Im 732. Bezirk muß es heißen: Am Friedrichshain 1— 9 anstatt 109. Im Bezirk 618 befindet sich das Wahllokal Nüdersdorfer Straße 64 bei Mewes und nicht Nr. 34. Durch die Eigenmächtigkeit eines Spediteurs ist bei einer Anzahl von Zeitungen der verschiedensten politischen Richtungen ein Wahlflugblatt eingeschmuggelt worden, das für den reaktionären Kandidaten Professor Leidig Reklame macht. Solche Wahlflugblatteiiischimiggeleien sind beispielsweise vorgekommen bei dem„Berliner Tageblatt' und, wie die»Volks-Zeilung" wissen will, auch bei dem„Vorwärts'. Wir wissen nicht, ob da§ letztere richtig ist; uns ist keine Nachricht darüber zugegangen. Wenn sich die Mitteilung bewahrheiten sollte, so könnte eS sich um einige wenige Nummern unseres Blattes handeln, die noch von bürgerlichen Spediteuren bezogen werden; bei unseren Parteispeditionen halten wir einen solchen Unfug für ausgeschlossen. Aber selbst in den wenigen Fällen, in denen Spe- diteure die Möglichkeit eines solchen Mißbrauchs hätten, bedarf es wohl keiner besonderen Versicherung, daß wir ein solches unerhörtes Verfahren auf das entschiedenste verurteilen. Der jüngste Urwähler. Bei Einsichtuahmc in die UrWählerlisten haben zahlreiche Per- sonen die Erfahrung machen müssen, daß ihre Namen in den Listen fehlten. Es gibt aber auch Personen, die zu Unrecht in die Liste geraten sind. Dieser Tage wurde uns eine Wahlkarte vorgelegt, in der ein Friseur H. in der Rostocker Straße benachrichtigt wurde, daß heute Wahl stattfindet. Dieser Mann ist im Juli 1887 geboren, also erst 22 Jahre alt und wird erst 1911 wahlberechtigt. Dieser Fall ist weniger schlimm als ein anderer, in dem der zwölf- jährige Max B.. Wiener Straße 45, eine amtliche Wahlkarte er- halten hat. Es kann auch nicht gut ein Irrtum obwalten, da in dem belreffeudeu Hause der Vater des B. sowie ein anderer B. gleichfalls ihre Wahlkarteu erhalte» haben. Zu dieser Wahl- aufforderung eines Zwölfjährigen paßt auch ganz gut die Taljache. daß derselbe schulpflichtige B. vor zwei Jahren, also mit 10 Jahren, zur Steuer veranlagt worden ist. Eine Zentralisation der Bricfsaiiimclstellen hat, wie schon mehr- fach an dieser Stelle erwähnt wurde, die Oberpostdirektion Berlin versuchsweise für den Gesundbrunnen, die Rosenthaler und Schön- Häuser Vorstadt eingeführt. Hiernach werden die Straßeubriefrasten nicht mehr durch das Revierpostamt, sondern sämtlich vom Zentral- Postamt 54 in der Lothringer Straße entleert, und zwar an Stelle der Postboten zu Fuß durch eine vermehrte Anzahl von Post- radfahrern. Es waren zahlreiche Veschiverden, die ihre» Ausdruck auch in Petitionen von Grundbesitzervereinen fanden, laut geworden, daß durch diese neue Einrichtung eine wesentliche Verzögerung in der Briefbestellung hervorgerufen sei. Insbesondere mackie sich die Verschlechterung bei den nach auswärts gehenden Postsendungen bemerkbar. Ein anscheinend von der Postverwaltung inspirierter Artikel, der vor kurzem durch die Blätter die Runde machte, lobte jedoch die Neuerung über den grünen Klee, sprach sogar von be- schleunigtem Bestellverfahren und gab Verzögerungen nur für Drucksachen zu. die an die Nachbarschaft versandt werden. Wie man uns nun aus dem Norden mitteilt, hat dort noch niemand von der behaupteten Beschleunigung auch nur das geringste gemerkt. Oder meint damit die Postverwaltung die Tatsache, daß neuerdings Straßenbriefkästen früher geleert werden, als es vorn auf der LeerungStafel angezeigt ist? Es sind Differenzen von mehr als einer Viertelstunde beobachtet worden, wodurch doch fraglos die größten Unannehmlichkeiten entstehen können. Nicht wegen der Interessen de« Publikums ist die Zentralisation der Brieffammel- stellen eingeführt, sondern zur Erzielung vo» Ersparnissen. Die nördlichen Stadtteile scheinen der Postverwaltung in diesem Sparsamkeitsdrange überhaupt als Versuchsmittel dienen zu sollen. denn hier stehen sicherem Vernehmen nach weitere Einschränkungeir in der Bestellung bevor. In der nördlichen Schönhauser Vorstadt sollen die Bcstellreviere der einzelnen Briefträger namentlich auch der Geldbriefträger, abermals vergrößert werden, womit eine Verminderung um etwa dreißigBriefträger be- absichtigt ist. Ganz selbstverständlich hat aber die Vergrößerimg des Bestellreviers auch eine Berlangsamung der Bestellung zur Folge. Nach wie vor werden jetzt von dort draußen trotz der Verteidigung der Postverwaltung Briefe bestellt, die vor der Sammelzentralisatioii mehrere Stunden früher in die Hände der Empfänger gelangten. Am auffälligsten und fühlbarsten ist der U e b e l st a n d bei Postanweisungen. Solche kamen, wenn sie am Tage zuvor auS- wärts aufgegeben waren, in der Mittagsstunde au den Empfänger. Jetzt werden sie dagegen mit fünf bis sechs Stunden Verspätung erst gegen Abend bestellt. Und das nennt man«zentralisierte Be- schlennigung' I Herr Kractke müßte ja auch im Vergleich zu seinem berühmteren Vorgänger ein postalischer Hexenmeister sein, wenn er mit vermindertem Personal eine Beschleniiiguug des Brief- und Postanweisungsverkehrs herbeizaubern könnte. Für die Rechte eine« Dienstmädchens traten kürzlich die Arbeiter einer Fabrik im Südosten der Stadt in wirksamer Weise ein. Das Mädchen war mit einem I a h r e s k 0 n t r a k t bei einem Restau- rateur mit 15 M. pro Monat angestellt. Diesen geringen Lohn be« kam eS aber nicht in barem Gelds, sondern in Waren, welche die Frau des Gastwirts für das Mädchen kaufte und in Anrechinrng Machte. Dabei verfuhr die Frau in eigentümlicher Weise; sie kaufte ji. B. für das arme Mädchen eine Bluse für 17 M. und ein Hemd ür 1,65 M. Das ging so seit dem Monat Februar bis zum Oktober, als dem Mädchen endlich die Geduld riß und es ohne baren Lohn nicht weiter arbeiten wollte. Es verließ den Dienst plötzlich, aber der Nestaurateur schickte die Polizei hinter ihm her, um es zurück« bringen zu lassen, wozu er nach der G e s i n d e 0 r d n u n g das Recht hatte. Nun hatte sich aber ein Arbeiter, der in der Nähe in einer Fabrik beschäftigt war, deS bedrängten Mädchens angenommen. Er sandte eS zuerst nach dem Bureau des Derlmndes der Hausangestellten, Micbaelkirchplatz und dann teilte er einem Arbeits- genossen mit, in welcher Weise der Restmiralenr das arme Mädcbeu behandelte. Dem Restaurateur, der täglich viel Bier nach der Fabrik lieferte, wurde der Standpunkt klar gemacht und ihm bedeutet, daß man mit ihm auch geschäftlich nichts zu tun haben möchte. Nun sandte er nach dem Vcrdand der HanZangestetlten, um diesen als Bermittler zu gewinnen. DaS Viüdchcii hatte noch 40 M. als reslicrenden Lohn zu fordern und wollte von dem Jahrcskontrakt entbunden sein. Es. erhielt den Lohn sowie ein gnteS Zeugnis und die Dienstherrschaft verzichtete auf den Wiederantritt des Dienstes. Das war ein Erfolg des Verbandes und des solidarischen Ver- Haltens der Arbeiter. Diese freuten sich über den Ausgang der Sache und dem Gastwirt wurden seine Sunden verziehen.— Der Verband der Hausangestellten warnt dringend bor den Jahres- kontra kten, die Mädchen sollten regelmäßig nur unter einer vierzchntägigen Kündigung die Stellungen antreten. Die Schwester erschossen. Ein beklagenswertes Unglück hat sich in der Familie des Schutzmanns P etermann in der Friesenstr. 4 ereignet. Während P. im Dienst war und seine Frau krank zu Bett lag. holte gestern nachmittag ihr fünfjähriger Sohn Hermann einen an der Wand hängenden Revolver herab und spielte damit. Als dann seine nennjährige Schwester Gertrud, das einjährige kleine Brüderchen auf dein Arme tragend, das Zimmer betrat, legte Hermann auf sie an nnd drückte den Revolver ab. Dieser war aber geladen und das Geschoß drang der Gertrud in die Schläfe, so daß sie lautlos zusannnenbrach. In hoffnungslosem Znstande wurde sie nach den: llrbankrankcnhause gebracht. Eine obdachlose Frau verbrannt. Beim Nächtigen verbrannt ist eine unbekannte Frau in dem Hause Weidenweg 12. Bewohner dieses Hauses spürten in der vergangenen Nacht um IV2 Uhr einen starken Brandgeruch, der vom Treppenhause ausging. Sie riefen die Feuerwehr und diese fand auf der Treppe nach dem Boden zu auf dem obersten Absatz die Leiche einer Frau liegen. Ihre Kleider waren verbrannt und ihr Körper war an mehreren Stellen ange- kohlt. Die Tote wurde nach dem Schauhause gebracht. Sie ist etwa 4ä— 50 Jahre alt und wahrscheinlich eine obdachlose Ar- beiterin, die auf der Treppe nächtigen wollte und bei der Zuberei- tung der Lagerstatt ein Streichholz anzündete und durch Unvor- sichtigkcit ihre Kleidung in Brand setzte. Die Unbekannte trug ein graues Jackett, einen schwarzen Rock und eine weiße Schürze. Ein schwerer Straßcnbahilznsnmlnciistoß, bei dem drei Personen verletzt wurden, ereignete sich in der Nacht zum Sonnlag an der Ecke der Seller- und Müllerstraße im Norden Berlins. Infolge falscher Weichenstellung karambolierten dort zwei auS entgegengesetzter Richtung kommende Straßenbahnwagen der Stadt Berlin (Linie Zemralvichhof— Birchow-Krankenhaus). Bei dem Anprall wurden die Vorderperrons beider Wagen eingedrückt. Von den Fahr- gasten erlitten die SSjährige Arbeiterfrau Luise G r e e w e aus der Christburger Straße 20 und ein Löjährigcs Fräulein Emma B a r k 0 w aus der Warschauer Straße 25 schmerzhafte Stirnwunden, während der Führer des einen Straßenbahnwagens, Paul van Führen, mehrere Kopfverletzungen davontrug. Alle drei Verunglückte wurden auf der Unsallstation in der Lindoivcr Straße verbunden und konnten dann nach ihren Wohnungen entlassen werden. Nach großen Waremmterschlaginigen ist der 35 Jahre alte Spe- biteur Alfred Marggraf aus der Luxemburger Str. 35 mit einer seiger Buchhalterinnen durchgebrannt. Marggraf, der als Jung- geselle in der Luxemburger Str. 35 ein niöbliertes Zimmer bewohnte, betrieb seit sieben Jahren ein Speditionsgeschäft, sechs Jahre in der Heidestraße, zuletzt in der Genter Str. 3. Er beschäftigte zwei Buch- Halter, zwei Buchhalterinnen und vier Kutscher. Um die Kosten seiner ausschweifenden Lebensweise zu bestreiten, vergriff sich der Spediteur an den Waren, die ihm auswärtige Fabrikanten zum Ab- rollen an ihre Kundschaft anvertrauten. Statt sie zu befördern, ver- kaufte Marggraf diese Waren und steckte den Erlös in feine Tasche. Auf diese Weise schädigte er zahlreiche Geschäftsleute um viele Taufende. Empfindlich geschädigt sind auch die Angestellten des flüchtigen Spediteurs. Marggraf blieb allen das Gehalt für zwei Monate schuldig. Er hntle sich stets nur Geschäflsschivierigkeiten heraus- geredet und die Leute von einem Tage zum andern verlröstet. Auf die Einrichtung und die BetriebSinitlel haben die Gläubiger Beschlag gelegt. Sieben Pferde wurden vorgestern in der Pfandkammer ver- steigert. Der Borstand der vereinigten Berliner Spediteure legt Wert darauf, festzustellen, daß der geflüchtete Spediteur Marggraf der vorgenannten Vereinigung nicht angehört. Palctotmnrdcr im Fricdrich-Wilhclui-Ghwnasium. DaS Friedrich- Wilhelm-Ghinnasium in der Kochslraße wird gegenwärtig von Paletot- mardcrn heinigesucht. Die Diebe verstehen es, sich Zutritt zu den Korridoren zu verschaffen, wo sie dann die Paleiots der Schüler „abhängen". Auch in der Technischen Hochschule versuchen die Palctotmardcr wieder ihr Glück. Ferner sind in verschiedenen höheren Lehranstalten ini Osten und Norden der Stadt Mäntel- diebstähle verübt worden. AlS gewcrliSlimßige Fahrraddicbe wurden gestern die mehrfach vorbestraften Hansdiener Walter Kretschmann und Karl Leonhard festgenommen. Ein Kriminalbeamter, der Kretschmann kannte, sah. wie beide an der Gepäckaufbewahrung des Bahnhofs Alexanderplatz einen Schein abgaben, darauf ein Fahrrad erhielten und versuchten, dieses an einen dritten Mann, den sie mitgebracht hatten, zu ver- kaufen. Nach Abschluß des Geschäfts nahm der Beamte beide fest und brachte sie nach dem Polizeipräsidium. Es ergab sich, bah sie das Rad am Tage vorher in der Klosterstraße von einein tan�flur gestohlen hatten. Leonhard gestand aber auch, daß er mit . schon seit längerer Zeit Räder auf der Straße und wo sie sie sonst bekomnien konnten, gestohlen haben. Sie pflegten ihre Beute zunächst auf den'Bahnhöfen in Verwahrung zu geben, bis sie Käufer fanden. Der Diebstahl in der Klosterstraße ist noch gar nicht angezeigt. Der Eigentümer des dort gestohlenen Rades kann sich bei der Kriminalpolizer im Zimmer Nr. 3ö melden. Aus dem Spandaucr Schiffahrtskanal an der Putlitzbrücke wurde gestern früh die Leiche eines unbekannten Mannes gezogen. Papiere hatte der Tote nicht bei sich; die Leiche wurde nach dem Schauhnuse gebracht. Radrennen im Botanischen Garten. Die Nennen am Sonntag nahmen zum großen Teil keinen ganz einwandfreien Verlauf, teils durch die Schuld der Fahrer und Direktion, dann auch durch das Welter. Die Fahrer ließen sich Verstöße zuschulden kommen und Lesricdigten nicht ganz, besonders Arend versagte vollständig. Stcllbriiik fuhr unter Protest wegen unvorschriftSmäßiger Bekleidung seines Schrittmachers. Das Härle die Leitung vor Beginn der Nennen ordnen können, trotzdem aber wurde der Fahrer gls Sieger erklärt. DaS Wetter spielte auch eineir Streich, indem cS einen kleinen Regenschauer sandte und nun wegen der Nässe der Bahn und der hereinbrechenden Dunkelheit die Hanptnunnner des Programms. der„Große Industrie- Preis" nicht stanfinden konnte. Das Publikum war über de» ganzen Hergang sehr ungehalten und sammelte sich im Jnnenranm. waS einem überreizten Schutzmann Veraulafsung gab, fein„Schwert" zu ziehen.— Die Fliegerrennen hielten auch nicht das, was sie ver- spracken. Im EröffnungSfahren siegte Wegener vor Stabe, Arend und Carajezzi, während im Haiiptfahrcn Wegener vor Techmer, Kudela nnd Lorenz einkam; Stabe und Arend versagten. Das Prämicnfahren gewann Scbwab vor Vierck, Techmer und Rudel; Arend aufgegeben. Im Tandemrennen siegten Techmer-Wegener vor Kendetbacher-Ganzevoort, Tetzlaff-Müller und Pawle-Rudel. Nadrennc» zu Treptow, 24. Oktober. Der letzte diesjährige Nenntag, der ein Zusammentreffen de§ dänischen Weltmeisters E l l e g a a r d mit dein LudivigShafener O. Meyer und W.Bader brachte, hatte unter der Ungunst des Wetters zu leiden. Die Meisterschaft von Treptow über 1200 Meter(80, 00, 40 und 20 M.) wurde überlegen von dem Treptower Fritz Hoffmann vor Hamann, Stcllbriiik und Sterba gewonnen. Hoffmann erlangte dadurch die Berechtigung, als vierter Teilnehmer an dem Flieger-Match über 1200 Meter(800, 000. 400 und 200 M.), das in drei Läufen ausgefahren wurde, teilzunehmen. Die Gesamtwertung stellte fich wie folgt: 1. Ellegaard(zweimal Erster), 2. Hoff- mann(einen ersten Platz), 3. O. Meher, 4. Bader. Der Abschiedspreis(1200, 1000, 800 M.s. ein Daüerrelmen, das über 1 Stunde gehen sollte, wurde aus 50 Kilometer gekürzt. Erster wurde Hermann P r z y r c m b e l in 45 Min. 22 Sek. vor G. Janke(1800 Meter) und dt Majo(4500 Meter) zurück. Die beiden Berliner waren einander gleichwertig und lieferten sich spannende Kämpfe; Janke kam infolge eines Motordefekts nach dem 20. Kilometer ins Hintertreffen. Der Italiener di Majo, mit der Bahn nicht vertraut, konnte sich nicht zur Geltung bringen und endete weit zurück. Einen humoristischen Abend veranstalteten am Sonnabend die Genossen Moabits im Saale der„Kroncnbrauerei". Der Verlauf des Abends führte die Behauptung eines schriftstellernden Genossen sck absurdum, nach der die Sozialdemokratie das befreiende Lachen verlernt habe, wie wir neulich in einem gegnerischen Blatte lasen. Gewiß drücken materielle Sorgen die Arbeiter nieder, und ebenso richtig ist, daß die Bestrebungen unserer Partei großen Ernst er- heischen. Nichtsdestoweniger findet auch ein gesunder Humor in unseren Reihen volles Verständnis. Und um diesen Humor zu ver- Mitteln, war der Vortragende Herr Marccll Salzer ganz besonders geeignet. In buntem Durcheinander brachte Herr Salzer Schöpfungen von Hans Thoma, Detlev v. Liliencron. Wilhelm Busch, Peter Roscgger u. a. in den verschiedensten Dialekten in einer Weise zum Vortrag, die wahre Lachsalve» auslöste. Das Publikum war begeistert und zögerte nicht, dem Vortragskünstler für den gebotenen Gcnntz lauten Beifall zu spenden. Die homöopathische Poliklinik, Neue Höchste. 55(Leitung Dr. Hoesch) ist in diesem Winterhalbjahr von 2— 3Vz Uhr geöffnet. Vorort- J�acbrichtens Nixdorf. DaS neue städtische Krankenhaus in Buckow, das dort niit emcm Kostenaufwande von rund vier Millionen Mark von Nixdorf nach den Entwürfen des Stadtbanrats Kiehl und des DirellorS Prof. Dr. med. Sultan erbaut worden ist, wurde am Sonntagmiitag. nachdem es schon 14 Tage in Betrieb ist, mit einer Feier seiner Bestiimnnng übergeben. An der Feier nahmen außer den Mit- gliedern der städlischen Behörden Nixdorfs die eingeladenen Staats- behördcn sowie zahlreiche Mitglieder der Magistrate von Berlin, Schöneberg, Cbarlottenburg usw. mit Stadtverordneten dieser Städte und den Vertretern der Gemeinden Britz, Tempelhof. Buckow usw. teil. Das Krankenhaus ist zunächst für 350 Betten eingerichtet und soll auf 750 Betten erweitert werden. Die Erweiterung soll zwei Millionen Mark kosten, wodurch dann die Kosten für ein Bett sich auf rund 8000 Rkark stellen werden. Charlottenvurg. Grober Unfug. In der Nacht zum Sonntag wurde die Char- lottenburger Feuerwehr nicht weniger als v i e r ni a l böswillig alarmiert, ohne daß cS gelungen ist, die Täter bei ihrem lichtscheuen Treiben abzufassen. Zuerst erfolgte Alarm nach der Kaiserin-Aiigusta-Allee, Ecke Wiebcstraße. Als die Wehr dort eintraf, stellte sich heraus, daß der Feuermelder un- befugterweife in Tätigkeit gesetzt worden war. Genau eine Stunde später wurde dann der Feuermelder an der Ecke der Lohmeyerstraße und des Charlottenburger Ufers gezogen, aber auch hier lag grober Unfug vor. Um Millernacht lief abermals von diesem Melder Feueralarm ein. Die Wehr rückte wiederum aus, iah sich indes bei ihrem Eintreffen von neuem genarrt. Der vierte böswillige Alarm führte dann noch nach der Ecke der Spandaner Chaussee und der Eichenallee. Durch diesen unerhörten Unfug wurde die Charlottenburger Feuerwehr über drei Stunden zwecklos umhergejagt. Nnmmclsburg. Die lebte Gcmeindcvertrctersibnng sollte nach>der festgesetzten Tagesordnung die Abnahme der Abrechnung über die Regulierung der Hauptstraße, Marli- und Sadowastraße und des Markgrafen- damms, sowie die Abrechnung über die Erweiterung des Wasser- Werkes und die Entlastung der Jahresrechnung für 1007 vor- nehmen. Gegen die beantragten Entlastungen des Gemeindevor- standes durch Abnahme der. betreffenden Abrechnungen durch die Gemeindevertretung erhob unser Genoffe John ivsofern Einspruch, als er die beantragten Entlastungen ohne vorherige Prüfung durch eine Instanz der Gemeindevertretung selbst für bedenklich und nicht ordnungsmäßig bezeichnet. Es erfolgte hierauf Vertagung für die beantragten Entlastungen, und zwecks Prüfung der Ab- rechnungen die Ueberweifung an den Bauausschuß.— Auch die Abnahme der Jahresabrechnung für 1007, welche in Ausgabe mit 2 350 252,35 M. gegen nur 2 338 652,35 M. Einnahme abschließt, mithin ein Defizit von 13 600 M. aufweist, gab Genossen John Vor- anlassung. auf die bei einzelnen Etatspositionen erfolgten nicht unerheblichen Uoberschrcitungen hinzuweifen. Besondere Kritik übte aber Redner dahin, daß vielfach größere Ueberschreitungen erfolgt sind, ohne daß die hierzu erforderliche Nachbewilligung durch die Gemeindevertretung überhaupt nachgesucht wovden ist. Ins- besondere fordere aber die Auswechselung der Wassermesser, welche allein eine Ausgabe von 16 000 M. erforderte, zur Kritik heraus, da hier nicht einmal die notwendige prinzipielle Genehmigung der Gemeindevertretung nachgesucht worden sei. Der Bürgermeister entschuldigte einige größere Ueberschreitungen damit, daß die be- treffenden Etatspositionen in der Ausgabe absichtlich niedriger be- messen worden sind, um den sich hier bemerkbar gemachten Drang nach Mehraufwendungen durch Hinweis auf die betreffenden Etats- Positionen besser zurückweisen zu können. Tie Auswechselung der Wassermesser sei das Werk des Gemeindebaumeisters und nach dessen Ansicht eine Notwendigkeit gewesen. Mit dem Hinweis auf die Abwesenheit des Gemeindobaumeisters Hirsch, wurde von dem bürgerlichen Vertreter Schüler die Aussetzung der Entlastung und Vertagung beantragt. Da der Vertagungsantrag die erforderliche Stimmenmehrheit nicht erlangte, ließ nun der Bürgermeister über die� vom Gemeindcvorstand für sich beantragte Entlastung der Jahresrechnung 1007 abstimmen. Diese Abstimmung zeitigte aber ebenfalls keine Mehrheit. Als nunmehr von neuem auch von bürgerlicher Seite eine abfällige Kritik gegen die vorgelegte Jahres- rechnung für 1007 einsetzte, wußte sich der Herr Bürgermeister in dieser verzwickten und unangenehmen Lage keinen anderen Rat, als daß er nunmehr selbst die Vertagung und Zurückverweisung an den Finanzausschuß beantragte, wofür die Mehrheit denn auch stimmte.— Unter„Verschiedenes" wurde noch beschlossen, zum Ankauf des Krankenhausgrundstücks bei der königlichen See- Handlung eine Anleihe in Höhe von 460 000 M. zu 4 Proz. Zinsen aufzunehmen. Steglitz. Eine Schillcrfeier zur Erinnerung der 150. Wiederkehr von Schillers Geburtstag veranstaltet der hiesige Bildungsyusschuß am Sonnabend, den 6. November, im„Birkenwäldchen". Ihre freund- liche Mitwirkung haben zugesagt Meto Geyer-Dierich(Gesang), Fritz Richard(Rezitation). Heinrich' Schulz(Festrede) sowie der Männerchor Friedenau-Steglitz(Ehormeistcr F..Suchsdors). Das aufgestellte Programm verspricht einen vorzüglich künstlerischen Genuß, und da der Eintrittspreis(30 Pf.) ein verhältnismäßig geringer ist, darf wohl erwartet werden, daß die Arbeiterschaft der Veranstaltung, welche, nebenbei bemerkt, für Jugendliche und Kinder unentgeltlich ist, das entsprechende Interesse entgegenbringt. Billetts sind bei den Bezirksführern sowie bei Georg Winkclmann, Steglitz, Schloßstr. 104, erhältlich, Mariendorf-Siidende. In der Mitglicdcrvcrsainmlnna des Wahlvereins, welche im vergrößerten Lokale des Genossen Löwenhagen, Chausseestr. 27, ao- gehalten wurde, referierte Genosse Jescrich über:„Die Volksaus- Plünderung durch indirekte Steuern", Des Ausführungen des Refe- reuten wurde reicher Beifall gezollt. Hierauf wurde ein Antrag, die Wahlvereinsversammlungen Mjttwockis stattfinden zu lassen, mit großer Majorität abgelehnt. Adlershof. Die Ansvciitung der Kinder in Industrie und Landwirtschaft lautete das Thema eines Vortrages, den die Genossin Wurm in der Generalversammlung deS Wahlvereins hielt. Am Schlüsse ihres Vortrages forderte die Rednerin die Versammlung auf, eine Kinder- schutzkomMission zu wählen, die diejenigen Eltern, die ihre Kinder schon frühzeitig aus Arbeit schicken, über die Schädlichkeit derKinder- arbeit aufklären soll. In der Diskussion sprach Genosse Gerber im Sinne der Referentin. Hierauf wurde eine Kinderschutzkommission, bestehend aus den Genossinnen Ligner, Hoffmann und Horlitz gewählt. Nach dein Kassenbericht des Geiiojien Hitze steht einer Einnahme von 326,00 Mark eine Ausgabe von 367,32 Mark gegenüber. Zur Aufnahme hatten sich 12 neue Mitglieder gemeldet. Der Speditions- bericht zeigte eine Einnahme von 2111.34 Mark und eine Ausgabe von 1052,51 M., es ist somit ein Kassenbestand von 158,83 M. vor» banden. Die Zahl der„VorivnrtS"-Leser beträgt augenblicklich 536. Genosse Horlitz gab hierauf noch den Bericht vom Bildungsausschuß. Alt-Glienicke. In der Generalversammlung des Wahlvereins gab Genosse Pagels-Rixdorf einen eingehenden Bericht über den Leipziger Partei- tag. Eine Diskussion fand nicht statt. Den Kassenbericht erstattete an Stelle des Kassierers Genosse Seifert. Einer Einnahme von 141,20 M. steht eine Ausgabe von 136.11 M. gegenüber. Den Speditionsbericht gab Genosse Fritz Henichel. Einer Einnahme von 683. lO M. steht hier eine Ausgabe von 674.20 M. gegenüber. Ge« nosse Max Winkelmann gab hierauf den Bericht ans l>er Gemeinde- verirctnng. Am 27. November findet das Wintervcrgnügen des WahivereinS statt. Neu aufgenommen wurden zwei Genossen. Hieraus machte der Vorsitzende ans die am DienStag. den 0. November, im Lokale des Herrn Bohn stattfindende öffentliche Beriammlung auf- nierksam, in der über das Thema„Arbeiterschaft und Kirche" referiert werden soll. Köpenick. In der letzten WahlvercinSvcrsammliing referierte Genoffe K l 0 r h über die Stellung der Arbeiterschaft zu den neuesten Tagesereignisien. In der lebhaften Disknision wurde aufgefordert, der Landeskirche den Rücken zu kehren. AiiZtrittSformulare sind in der„Vor>värtS"-Spedition beim Genoffen E. Wißler, Kictzcrftr. 6, zu haben. Aufgenommen wurden 13 neue Mitglieder. Die Ab» rechnung wies eine Einnahme von 066.71 M. und eine Ausgabe von 824,70 M. auf. Genosse Otto Nickel ertvähnte, daß bei Abschluß von Ver- sichenmgSverträgen mit der„Victoria" die organisierten Ein» kassierer zu wenig berücksichtigt und beim Einkassieren der Versicherungsbeiträge zu wenig nach der grünen Kontrollkarte gefragt würde; es sei dies um so notwendiger, weil die Gesellschaft eS verstanden habe, einen Genossen, welcher in dem hiesigen Bureau angestellt war, zu maßregeln nnd eine Anfrage nach dem Grunde nichtssagend benntworiet habe.— Vom Bildungsansschub ist ain 10. November eine Schillcrfeier geplant. Am 2., 0. und 16. Na- dcmber findet ein Vortragszyklus über den historischen Maleria» lismus statt. Der Ncchniingsabfchlnff der städtischen Strastcnvahn für das letzte Geschäitsjahr, umfaisciid die Zeil vom 1. April 1003 bis 31. März 1000 liegt nimmehr vor. Die Einnahme an Fahrgeld betrug insgesamt 288 726.03 M. gegen 272 618,56 M. ini vorigen Geschäftsjahre. Die Belriebseinnahmen haben insgesamt 201 063,43 Mark ergeben gegenüber 28 l 3V5.03 M. im vorigen Jahre. Ins» gesamt wurden 3 712 000 Personen befördert gegen 3 360 700 im vorigen Jahr und 2 120 000 Personen im Jahre 1006. Gegen das Vorjahr beträgt also die Sleigernng 342 300. Auf die einzelnen Strecken verteilt sich die Bcsördernng wie folgt: In Köpenick selbst 2 331 500 Personen, nach und in Friedrichshagen 043 750, nach nnd in Mabisdorf 304 100 Personen. Im Bericht wird dcS weiteren. darauf hingewiesen, daß von den arn'l. Mai 1008 zur Ausgabe 35� langten Fahrscheinheften, enthaltend 10 Fahrscheine a 10 Pf. so gi � wie kein Gebrauch gemacht worden ist. Seit dem Einsührungs» termin sind nur 14 Hefte begehrt worden. Die BetricbSnn kosten in Höhe von 302 007,64 M. verteilen sich im einzelnen: Allgemeine Verwaltung 50 M., Betrieb 67 665,57 M., Zugkraft 68 112,85 Dt., Zuführung des Stromes 100,08 M.. Wagennnrcrhallung 33 100,06 M. Für Zinsen und Amortisation sind 108 984 M.■ im AnSgabenlonto einzustellen, 26 000 M. mehr als im Vorjahr in dieser Beziehung. Zu decken sind in diesem Rechnungsabschluß 10 000 M. Weiffensee. Aus der Gemeindevertretung. Die neue Lehrcrbesoldung war als letzter Punkt in der geheimen Sitzung der Gemeindevertretung verzeichnet. Unsere Genossen beantragten vor Eröffnung der Tagesordnung, diesen Punkt in der öffentlichen Sitzung zu ver- handeln. Die Bürgerlichen beriefen sich auf Z 100 der Land» gemeindeordnung, wonach bekanntlich für einzelne Gegenstände durch besonderen Beschluß die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden kann. Sclbstberständlich wurde der Antrag unserer Genossen niedergestimmt und die Beschlußfassung über die neue Lehrer- besotdung in die geheiiüe Sitzung verlegt. Weil man sich auf eine reaktionäre Bestimmung der Landgemeindeordnung berufen hatte, wurde unter dem Gelächter der Tribünenbcsucher dasselbe von unseren Genossen angewandt, und strenge Einhaltung der Tagesordnung verlangt. So mußte die Ersatzwahl eines SchiedSmannsstellver- treters vertagt werden, ebenso die Wahlen der Stellvertreter des GewerbegerichtSvorsitzenden. In der geheimen Sitzung erfuhr man denn auch, warum man die Oeffentlichkeit fürchtete. Der Herr Bürgermeister erklärte, daß man sich in der Finanzkommission darüber einig war, nicht öffentlich zu verhandeln, da dieser oder jener Herr befürchten müsse, von den Herren Lehrern boykottiert zu werden, wenn er nicht zu ihren Gunsten spreche. Genosse Taub- mann kennzeichnete diesen Hausbesitzertrick mit scharfen Worten; er fand schließlich aus dem Munde des Bürgermeisters bestätigt. was er schon so oft gesagt, daß nämlich das Sonderinteresse des Hausbesitzers höchstes Ziel ist. Natürlich bestritten die Herren Mewes, Kohler. Teichert, Könitz und Appelrath, daß Angst vor den Lehrern sie bestimme, geheim zu verhandeln. Für Oeffentlich» keit sprachen von den � Bürgerlichen die Herren Dr. Pape und Fechner, während noch die Genossen Fuhrmann und Frentz den lasche» Standpunkt der Hausbesitzer kritisierten. In namentlicher Abstimmung wurde dann mit 16 gegen 14 Stimmen beschlossen, die Lehrerbesoldungsfrage in geheimer Sitzung zu beraten. DaS Resultat dieser Verhandlung ist nun folgendes: Die Lehrer und Rektoren erhalten eine mit dem 5. Dienstjahre beginnende Pen» sionsfähige Ortszulage von 100 M., steigend mit der 1., 2., 5., 6.» 7., 3. und 0. Allerszulage um je 50 M. bis 450 M. Die wissen» schaftlichen Lehrerinnen erhalten mit der definitiven Anstellung eine Ortszulage von 50 M., steigend mit der 1. und 2. Alterszulage um je 50 M. bis 150 M.; den technischen Lehrerinnen ist die Miets- cntschädigung der wissenschaftlichen Lehrerinnen zu zahlen. Die Leiter von Schulen mit 6 oder mehr aufsteigenden Klassen erhalten eine pensionsfähige Zulage von 700 M. jährlich. Die Hauptlehrcr erhalten eine pensionssähige, die an der Hilfsschule tätigen Lehr- kräfte cisie nicht pensionsfähige Amtszulage von jährlich 200 M. Der mit der Leitung der Hilfsschule beauftragte Lehrer erhält eine nicht pensionsfähige Zulage von 250 M. Diese Bezüge werden vom 1. April 1000 gezahlt.— Ein Antrag des Herrn Dr. Pape, die Ortszulagen auf 750 M.. zu erhöhen, wurde mit seiner und Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Ein Antrag unserer Ver- tretcr auf Erhöhung der Ortszulage auf 600 M., beginnend mit dem ersten Dienstjahre, wurde mit 12 Stimmen abgelehnt und die Vorlage nach dem Antrag der Kommission angenommen.— Die vom Genossen Frentz gestellte Anfrage: Ist ein Schösse berechtigt. Provisionsgeldcr für sich zu beanspruchen.wurde ebenfalls durch Mehrheitsbeschluß in die geheime Sitzung verlegt. Jedoch war man durch die Geschäftsordnungsdebatte unterrichtet, wie der Lqnze Fall sich aLSgcteagcn hat. Nach stundenlanger Debatte ia geheimer Sitzung erklarke endlich der betreffende Schöffe sich bereit, die erhaltene Provision zu wohltätigen Zwecken zurückzuzahlen. Neinickendorf- West. In einer gut besuchten öffentlichen Versammlung referierte Ge- nosse Adolf Ritter über die Bedeutung des Genossenschaftswesens für die Arbeiterklasse. Der Referent forderte alle anwesenden Gc- uossen auf, eine rege Agitation für den am Orte bestehenden Konsumverein zu entfalten, damit in den nächsten Jahren zur Eigen- Produktion übergegangen werden könne. Die trefflichen Ausführungen des Redners hatten den Erfolg, daß nach Schluß der Versammlung ein guter Zuwachs von Mitgliedern verzeichnet werden konnte. Als Agitatiousmitglieder wurden gewählt: Paul Thüle, Walter Sablowski und Fritz Hundt. Bernau. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurden zu den am 15. und 16. November d. I. stattfindenden Stadtverordneten- Wahlen zwei Beisitzer und zwei Stellvertreter gewählt. Von unseren Genossen gehören den Gewählten Helbig und Wünsche an. Der Turnunterricht hiesiger Schüler soll für den Winter 1909/10, da die Stadtschule noch nicht im Besitze einer Turnhalle ist, in der Turnhalle des Elysiums abgehalten werden. Die Berliner Elek- trizitäts-Gesellschaft beabsichtigt, in Bernau ein Elektrizitätswerk zu erbauen. Die Versammlung wählte eine gemischte Kommission, welche mit der Gesellschaft in Unterhandlung treten soll. Von unseren Genossen gehört Helbig dieser Kommission an. Der Ma° gistratsvorlage betr. die Aufstellung eines Kandelabers mit sechs Gaslaternen auf dein Marktplätze gab die Versammlung ihre Zu- stimmung. Oranienburg. In der BezirkSvcrsammlung für Oranienburg und Umgegend erstattete Genosse Brühl den Bericht vom Leipziger Parteitag, an den sich eine lebhafte Diskussion anschloß. Die Beriaininlnng er- klärte sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden. Der Bericht der Kreisgcueralversainmlnng wurde vom Genossen K. Schumann gegeben. DcS weiteren wurde Stellung z» den Stadtverordneteniuahlen genommen und folgende Kandidaten nominiert: E. Schumann, W. Körich, O. Paris und A. G a r l i g g. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 218.59 M. und eine Ausgabe von 173.75 M. auf. Nach Vornahme einiger Ergänzungswahlen wurde die gut besuchte Versammlung geschlossen._ Terrmfcbteö. Zugzusammenstoß. Auf dem Bahnhof Saspe ist. wie auS Danzig gemeldet wird, gestern mittag 11 Uhr 45 Min. ein Güterzug mir einem Personenzuge zusamineugestoßen. Leicht verletzt sind vier Reisende, schwer verletzt ist ein Rangierer. Die Ursache des Znsammen- stoßes ist noch nicht aufgeklärt. Ei» Raub der Flamuien. Wie miS Biberach gemeldet wird, ist gestern früh das Warmsteinsche Schloß in Bußmannshausen ober- halb Laupheim. ein sehr schöner, zurzeit unbewohnter Sitz im Rottal abgedrannr. Einen großen Verlust stellt insbesondere die Einäsche- rung der Kapelle und der Bibliothek mit wertvollen Büchern dar. Die Sprcugstoff-Explosioilcn in München haben ihre Aufklärung gefunden. Der Draht meldet aus München vom 24. Oktober: Heute früh wurde in einem hiesigen Cafs der 17jährige Montcurgehilfe Kellner verhaftet, der in Berchtesgaden aus einer Bauhütte Spreng- stoffe entwendet und eingestanden hat, an, 21. L/ktober die Explosion in der Burgslraße veranlaßt sowie weitere Sprengstoffe vor dem Justizpalast niedergelegt zu haben. Naubmord. Aus Kassel tvird gemeldet: Auf deniSundheimer Felde zwi'chen Hofgeismar und Grebbenstein wurde Sonnabendabend ein Naubmord verübt. Der Söjührige poluische Arbeiter Jakob Staudara, der in Hofgeismar ii, Arbeit steht, befand sich mit zwei polnischen Mädchen auf dem Heimwege. Als diese etwas zurück geblieben Ivarcn, wurde Slandara von einem Landsmann, dem 24jährigen Kasimir Demschick überfallen und zu Boden geschlagen. Während die Mädchen entflohen, um Hilfe zu holen, hatte der Täter den Ucbcrfallcnen getötet und ihn seiner Barschast von 200 M. be- raubt. Er ist flüchtig. Die Cholera. AuS Königsberg in Pr. wird gemeldet: Bei Frau Wohlgcmuth und Frau Schumacher und bei zwei Kindern der letzteren ans Skirivielell, Kreis Hehdekrug, ist Cholera bakteriologisch festgestellt worden. Diese Personen sind seit dem 22. ds. Mls. im Cholcralazarett in Pokallna isoliert. Verhaftung des Mörders von Long Island. Als Mörder der Deutsche» Anna Lutter. deren Skelett kürzlich auf Long Island auf- gefunden wurde, ist, wie aus New Dork gemeldet wird, jetzt deren Gatte, der Architekt Alfred Müller in Astoria auf Long Island ver- haftet worden. Er war, wie sich herausstellt, bereits verheiratet, als er sich mit Anna Lutter Verlobte, und wohnte in Astoria mit seiner wirklichen Frau und zivci Kindern unter dem Namen Friedrich Gebhardt. Als die Polizei in sein HaiiS eindrang, verbarg er sich zuerst und ergriff dann die Flucht. Nachdem er eine Meile weit gelaufen war. wurde er festgenommen. Man fand in seinem Hause Wäsche mit den Zeichen„A. L."; er leugnet indessen, der Mörder zu fein, und sagt, er habe das Mädchen zuletzt in Newark(New-Jersey) getroffen und dann nicht wieder gesehen. Naubmord. Nach einer Meldung auS Weimar wurde gestern morgen die 60 Jahre alte Frau Zeiß ermordet und beraubt auf- gefunden. Als Täterin wurde die 25 Jahre alte Emilie Rotter ver- bafter, die auch bereits eingestanden hat, Frau Zeiß mit einem Bügeleisen erschlagen und beraub! zu haben. Kaufmännische Kranken- und Sterbekasse von 1885.(E. H. 71.) Neanderstr. 4. Dienstag, den 26. Oktober, abends 9 Uhr, im Restaurant A. Landrö, Stralauer Str. 26/37: Sitzung. Smgegangene Vruckfckrifren. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 2 des 20. Jahr- ganges zugegangen. Sie hat� solgenden Inhalt: Rüstet zum Kampfe, Proletarierinnen. Von Berta«clingcr.— Frauen- und Kindcrerwerb in minderbemittelten Familien. Von J. H.— Viel Lärm um nichts. Von H. Jätfel.— Die zivilrechtliche Stellung der deutschen Frau im all- gemeinen. Bon Ernst Oberholzer.— Die Versuche einer Mutterschutz- Gesetzgebung in Italien. I. Von Adolf Hepncr.— Die Arbeiierbewegung in der Portefeuillcindusttie Deutschlands. II. Von N. IV.— Aus der Bewegung: Bon der Agitation.— Bericht über die Tätigkeit der Kinder- schutzkommission der Leipziger©enossiimen.— Resolutionen und Beschlüsse des Parteitages zu Leipzig.(Fortsetzung.)— Politische Rundschau. Bon H. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen in Beclin im Jahre 1908.— Notizcnteil: Dienstbotenstage. — Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Landarb citersrage.— Fraucn- stimmrecht. Für unsere Mütter und Hansfrauen: Hcrbststimmung. Von Hans Venzmann.— Warinn kann das Kind nicht svsort sprechen? II. Bon M. H. Baege.— Die normctallische Kultur. II. Von Hannah Lcwin« Dorich.— Kirchweih-Soimtag. Von Lisbeth Eisner.— Für die Haussrnu. — Feuilleton: Der Tatarenrcbcll hinter dem Dampspsiug. Von Max Eyth. (Fortsetzung.) Für unsere Kinder: Herbst. Von Ludwig Holstein.(Gedicht.) — Ein Besuch beim Vog-lsreund. Von Hannah Lcwm-Dorsch.— Der Sund und der Esel. Von Gottlieb Konrad Pseffel.(Gedicht.)— Die cschichte von Karr und Grauscll. Von Selma Lagerlöf.(Fortsetzung).— Mama bleibt immer schön. Von Karl Siebet.(Gedicht.)— Die bestrafte Faulheit. Von Edgar Hahnemald.— Das kann ich auch. Von Emma Döltz.(Gedicht.)— Der junge Riese. Von Gebrüder Grimm.— Einkausen. (Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer lv Ps., durch die Post bezogen beträgt der AbonnemcntspreiS vierteljährlich ohne Bestellgeld SS Pj., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2.60 M. „Kommunale Praxis«. In vier ausführlichen Artileln hat diese Zeitschrist die Gencralveffainnllung des Vereins für Sozialpolitik behandelt und in ihnen unseren Genossen eine große Anzahl wertvoller Winke für ihre Betätigung in den Gemeinden geliefert. Besondere Beachtung ver- dienen in den uns vorliegenden Nummern 42 und 43 noch die Artikel: Der Kommunaljrcisinn gegen die Lehrerschaft.— Der Fall Schücling.— Die Selbstverwaltung in Preußen.— Die Gemeindebctriebe— ein Kultur- sorlschiitt! und viele andere.— Die„Kommunale Praxis" erscheint wöchentlich und kostet vierteljährlich 3 M. Abonnements nehmen alle Buch- Handlungen und Postanstalten entgegen. Probenummern versendet umsonst der Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 68. Vom„Wahre» Jacob« ist soeben die 22. Nummer seines 26. Jahr- ganges erschienen, die jolgendcn Inhalt hat: Illustrationen: Das modernisierte Burschenlied(Zum Fall Schücling).— Exmission.— Echltculsche Männer bringen Germania ihre Huldigung dar.— Der allerhöchste Piotcttor.— AuS Bayern.— Triolen- Jdylle.— Toleranz.— Junkers Alpdrücken.— Zur Allobolsrage.— Der neue KriegSmiuistcr.— Kalkulalion.— Aus. Ostasten. Textbciträge: Wer war's? Von P. E.— Die Einigung.— Zum Schnapsboykott.— Im spanischen Lager. Von?. E.— Schiller» seicr. Vvn Max Stempel.— Oktober. Von Paul Enderling.— Eine Kundgebung des ungekrönten Königs von Preußen. Der Feind im Land! Von ll. 8.(Mit Illustrationen).— Wisseuschaitlicher Sport.— Vcrsammlungsvcrbote.— Mittelstaudsstammtischc. Von Uno.— Politische Spoltnachrichten.— Werte Redakschon 1 Von Claus Swartmuul.— Rcjorm des RcichSlagswahlrechls. Von 3. 3.— Lieber Jacob l Von Jotthllj Nauke. Usw. Der„Wahre Jacob' erscheint alle 14 Tage. Der Preis der 16 Seiten sta- teil Nummer ist t0 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Ver- lag Paul Singer in Stuttgart, sowie von allen Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Die sittlichen Grundlagen der Ehe. Von Dr. H. Meyer-Benfey. 30 Pj.— Sexuelle Abstinenz»nd Lebensenergic. Von Dr. I. Rütgers. 30 Pj. Deutscher Bund für Mutterschutz. Berlin, Kurfürstenslr. 33. Hausfrau und Ticnstbote k Von Paula Schach. 30 Pf. P. Müller, München. „Freie Flagge«. Nr. 4. HerauSgeb.: R. Heymann.(Ferrer-Nummer.) 19 Ps. Berlin VI. 9. Mark SlurelS Sclbstbctrachtnngen. Taschenausgabe. 1 M. A. Kröner, Leipzig. 5. Jahresbericht des ArbeitersekretariatS und Gewerkschafts- kartells Bremerhaven und Umgegend. 1903. IIS Seilen. Selbst- vertag._ Briefhaften der Redahtion. Tie Iuris, liche Sprechstunde slndet Linden st rade 8, zweiter Hos, dritter Einanna, vier T, Uppen, jpgT* S a h r st» h l"Mg wochentSglich obrnds von 7M, bis 9V4 Uyr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginn« die eprcchsinndc um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als lvtertzeichcn beizulkgen. Briefliche Aniwort wird nicht erteilt. Als zu« Beanliooreung im Briefkasten lünncn 11 Zage vergchcn. Eilige Fragt» tragt man in der Eprechfennde vor. Gepner. Eine Klage auf Aushebung des Vertrage? und Schadenersatz bälte aus Grund des von Ihnen geschilderten Sachverhalts Aussicht aus Erfolg. Zuständig ist das Amtsgericht.— M. 1870. t. und 2. Ja. — A. K. 20. Der Ehemann lann dem vor der Ehe geborenen außer- ehelichen Kinde seiner Ehefrau, wenn er der Bater des Kindes nicht ist, dennoch seinen Namen bellege». Erforderlich ist die Einwilligung der Mutter und des Vormundes. Die Erklärungen d s Ehemannes, der Mutter und des Vormundes sind entweder beim Standesbeamten zu erklären, der die Geburtsurkunde des Kindes ausgestellt hat, oder notariell oder gerichtlich beglaubigt dem Standesbeamten einzureichen. Wer Vormund ist, läßt sich durch Ansrage beim BormundschastSgericht feststellen.— F. 10. Geburls- schein und Jmpsschein, und falls Tauje ersolgt ist, auch de» Tausschein. — A. S. 38. 1. Nein. 2. Im Falle der Klage wäre es nicht aus- geschlossen, daß Sie zur Zahlung eines höheren Satzes verurteilt werden. — G. M. 2. Dos Oefsnen der Briese ist keineswegs Vorichrist, ist aber möglich.— P. F., Heinrichsplatz. 1. Erkundigen Sie sich im Bureau de» Rechtsanwalts eventuell aus der Gerichlsschrelbcret. 2. Nein. 3. Nur zur mündliche» Auskunft verpslichtct.— K. M. 1. 1. Nach fruchtlosem Ab laus des Sühnelcrmins muß die Klage durch einen Anwalt beim Land- gericht erhoben werden. Der erste Termin wird voraussichtlich aus eine stübcre Zeit als Ende Februar nicht anberaumt werden. 2. Ja. 3. Nein. 4. Ja, Sie müssen aber Ihrer Frau die Möglichkeit geben, mit dem Kinde zu verkehren. Die dadurch entstehenden Kosten müssen Sie tragen. Darken Sie lieber bis Beendigung des Scheidungsprozesses.— K. P. 39. Rein. — R. H. 12. Mit einer Klage ans Aushebung deS Mietsvertrages, würden Sie leider nach der hervscheiiden Rechtsprechung schwerlich durchkommen. Versuchen Sie es mit einer solchen Klage, stellen Sie aber den Eventual« autrag, den Wirt zu verurteilen, das von Ihnen beklagte Uebel zu be- seitigen.— A. N. 163. Sie sind, soweit ersichtlich/ zur Zahlung über- Haupt nicht verpflichtet. Zweckmäßig wäre es, wenn Sie die Zahlungs- aufforderung unter Wiederholung Ihrer Frage uns übermitteln würden, damit wir Ihnen angeben können, was Sie zu antworten haben.— — R. W. 101. Wenn die Schenkung weder zum Schein, noch in der Absicht, vorhandene Gläubiger zu benachteiligen, ersolgt ist. so ist sie güliig und nicht anfechtbar.— M. 2. Leider wäre eine Ansechlung ohne Aus- sicht aus Ersolg. Versuchen Sie es unter Beisügung eines ärztlichen Gut- achtens mit einem neuen Antrag.— H. B. 1. Wenden(aic sich an den Vorstand der 51r»iikenlnise, der Sie angehören, und versuchen Sic es mit einer Angabe an das Rote Kreuz.— O. H. 25.. Wenden Sie sich an die Waiscnverwaltnng, die die Hingabe in die Erziehungsanstalt veranlaßt hat. — Mr. 2. Wenn tlkcht etwa der Inhalt Ihres Vertrages dem entgegen- steht— das ist sehr unwahrscheinlich— sind Sie zur Zahlung verpstichtet. — S. M. 25. 1. New. 2. Ja.— O. 2. 34. Leider nein. Die in Bayern noch stark vertretene sogenannte Gemcindeoersicherung zahlt mangels ausdrücklicher statutarischer Bestimmung kein Sterbegeld. M. S. 1881. 1. Dazu möchten wir nicht raten. Klagen Sie aus Her- stellmig in den vereinbarten Zustand� und aus Schadenersatz beim Amts- gericht. Mit dieser Klage könnten Sie den Antrag ans Aushebung deZ Vertrages und Schadenersatz als Hauptantrag verbinden. Zuständig ist das Amtsgericht. 2. Diese Gegenstände würden wir für unpsändbar und deshalb auch dem Iugriss des Wirtes entzogen erachten.— A. N. 7. Wenn die Zession schriftlich ersolgt ist, ist in Ihrem Falle eine Zurücknahme»licht mehr zulässig._ Briefhaften der Expedition. Patienten in Bcelist, Buch iifiu. Diejenigen unserer Slbonnenten die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben wollen uns wegen der Ileberweisung von Freiexemplaren sösort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Amtlicher Marktbericht der städlilchen Marktballen-Direktion über den Großbandel in den Zciilral-Marktbnllen. Marktlage: F l c i i Ä: Zufuhr stark, Geschäsl schleppend, Preise sür Hammel- und Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend. Geichäst rege, Preise gut. Geflügel: Zusubr über Bedarf, Geschäft still, Preise gedrückt. Fische: Zufuhr gering, Geschäft ruhlg, Preise gedrückt, B u l t e r und K ä l e: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend, Preise gedrückt. WttterliiigStibcrstcbt vom 25. Oktober 1909. morgens 8 Ulir. Stationen swmemde i 755 sSW Hamburg i7ö4 SW Verlin i 756 SÄ Franti.a M, 759 SW München i762W Wien' 759 W Teller 4 wölken! 4 Regen 3 heiter 6 wollig 4 Regen 3 bedeckt »SZ c3. »II £? Stationen=, Havaranda 744 S 6 bedeckt Petersburg 761 SSO 3 heiter Deller ÜSi c* «II ft* mTo Scilly Abeween Paris ,764 NW; 4 wolkig >754 WNM. 4 wolkig i76ZSW| 2 bedeckt ii Ii 9 4 12 4 & Wetterbrognoie kür Dienstag, den SO. Oktober 1909. Ziemlich kühl, vielfach heiter, jedoch unbeständig mit einzelnen Regen- schauern und srijchen westlichen Winden, Berliner Wetterbureau. WasferttandS-Rachrtchten ver LlMbeZanilalt für Gewästerlunde. mitgetellt vom Berliner Wettcrbnrean. '1+ bedeutet Wuch».— Fall.— 1 Unterpegel. SozialteMcherWaMvereinj des 6. fierl. Reidislags-WaWkreises. Todes- Anzeige. Am 23. Ollober verstarb unser i Mitglied Oskar Schubert Bohenstr. 34. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen! Mittwoch, den 27. Oltober, nachmittags 4 Uhr, von der f Leichenhalle des Sinaden-Kirch- hoss, Barsusstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Dei» Vorstand. t I Billigste Bezugsquelle[ gedieg.Trauergarileraljei IWestmanus! Trauer-Majazin j Berlin W., Mohronstr. 37a [ MO., Gr. 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