Kr. SSI. nbonnementS'Bcdingungen: Abonnements> Preis pränumerando i Licrteljährl. 3,30 SRI., moiiail. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags» nuninter mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Welt' 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posi-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Dculfchland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PoftabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Kuinänien, Schweden und die Schweiz, CrMdnt täglich außer lileotags. * Vevlinev VolltsblcM. S6. Jahrg. vle Insertlons-eediihr beträgt für die fechsgefpaltenc Kotonel- geile oder deren Raum 30 Pfg,, für politische und gcwcrlschaftliche Vereins- und VerfmnmIungS-Anzeigen 30 Pfg. „mein- Snreigen", das erste(seit- gedruckte)«ort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhrnachinitlags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramm. Adresse: „Sozlaldcniolirat Neri!»". Zentralorgan der foztaldeniokrati feben partei Deutschlands. Redaktion j SRI. 68, Lindenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sxpeditiom SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV» Nr. 1981. Der reaktionäre Ansturm auf vier der sozialdemokra� tischen Landtagsmandate Berlins ist glänzend abge schlagen worden I Die Hoffnungen des Freisinns au Zurückeroberung der Mandate sind schmählich zuschanden geworden. Drei der umstrittenen vier Wahlkreise wurden von der Sozialdemokratie mit stärkerer Majorität glatt wieder erorbert, und im letzten Wahlkreis, dem 12., kommt Genosse Adolf Hoffmann mit gleichfalls stärkerer Majorität wiederum in die Stichwahl! Daß es dem Freisinn trotz einer verzweifelten Agitation nicht gelungen ist, seine Chancen zu verbessern, geht schon daraus hervor, daß die sozialdemokratische Partei allein in der e r st e n und z w e it e n Abteilung, den Abteilungen also wo der Freisinn und die anderen bürgerlichen Gegner überhaupt nur auf Erfolge rechnen konnten neue Erfolge errang, im 5. Wahlkreis neun Wahl männer mehr durchbrachte, iin 6. sechzehn mehr, im 7. achtundzwanzig niehr und im 12. achtzehn mehr! Die Sozialdemokratie hat also in allen Wahlkreisen vorzüg lich abgeschnitten, nicht nur in der dritten Abteilung, sondern auch in der zweiten und ersten Abteilung! Die Majorität der Sozialdemokratie ist nun auch im 5., 6. und 7. Berliner Landtagswahlkreise eine so g e w a l t i g e geworden, daß der Freisinn diese Wahlkreise selbst dann für alle Zeiten für verloren halten müßte, wenn dem elendesten aller Wahlsysteme noch eine längere Lebensdauer beschieden wäre! Aber auch im 12. Berliner Landtagswahlkrcis hat sich die Situation für den Freisinn erheblich verschlechtert. Bei dem starken Anwachsen der lozialdeinokratischen Wahlmänner würde diesmal nach dem voMhrigen Erfolg der Sozialdemo kratie der Sieg ohne weiteres für die Sozial demokratie entschieden worden sein, wenn nicht der vorjährige Wahlerfolg der Sozialdemokratie in gewisser Hinsicht ein bloßes Ergebnis des Zufalls gewesen wäre, Im Juni des vorigen Jahres war nämlich in der ersten Ab- teilung die Wahl von 48 Wahlmännern einfach nicht zustande- gekommen. Deshalb wahrscheinlich, weil die Privilegierten des Geldsacks, deren einige wenige die Wahl der Wahl- männer zu vollziehen hatten, teils es für überflüssig gehalten hatten, die Wahlhandlung vorzunehmen, weil sie ohnehin einen Sieg der Sozialdemokratie für ausgeschlossen hielten, teils, weil sie bereits ihre Badereise angetreten hatten, die zu unterbrechen sie nicht der Mühe wert hielten. Wären damals diese 48 Wnhlmänncrwahlen zustande- gekommen, so wäre damit der Sieg des Freisinns bei der Stichwahl von vornherein gesichert gewesen. Siegte doch Ge- nosse H 0 f f m a n n bei der Stichwahl nur mit 313 gegen 307 Stimmen, die auf seinen freisinnigen Gegner N u n z e entfielen. Diesmal ist nur die Wahl von 1» Wahlmännern nicht zustandegekommen, so daß dadurch die bürgerlichen Parteien 33 Wahlmänner mehr für sich aufmarschieren lassen können, die im Jahre 1908 vollständig ausgeschieden waren! Einzig diesem Umstände ist es zuzuschreiben, daß sich auch diesmal der sozialdemokratische Kandidat der Stichwahl unterziehen muß. Der vorzunehmenden Stichwahl können wir voller Hoffnung entgegensehen. Da die Sozialdemokratie in den dritten Abteilungen insgesamt an 94 Stichwahlen be- tciligt ist, wird sie alle Kraft einzusetzen haben, um auch hier bereits ein möglichst günstiges Resultat zu erzielen! Und das eine kann kaum im 12. Wahlkreis konstatiert werden, daß die Sozialdemokratie ihre Position verbessert, weitere Fortschritte gemacht hat, so daß das Resultat der vier Landtagsersatzwahlen die Em pörung der Wählermassen über die schmachvollen Taten der Reaktion und die schimpflichen Handlangerdienste, die der Freisinn dieser Reaktion geleistet, nicht minder eindringlich zum Ausdruck brachte als die Wahlergebnisse in Sachsen und Baden! Daß die Volksempörung sich nicht noch wuchtiger bekundete, liegt eben an dem Drciklassenwahlsystcm! Die sächsische Arbeiterschaft hat unter dem Wahlrecht der vier Infamien wählen müssen, unter einem Wahlrecht, das den Herren von„Bildung und Besitz" viermal soviel Wahl' recht einräumte, als dem schlechter bezahlten Handarbeiter. Was bedeutet aber dieses vier fache Wahlrecht gcgeniiber dem mehr als 4vvfachen Wahlrecht, das diesmal Wähler der ersten Abteilung auszuüben vermochten! Besaß doch beispiels- weise im 1192. Bezirk des 12. Landtagswahlkreises ein einziger Wähler der ersten Abteilung ebensoviel Wahl- recht, wie 416 Wähler der dritten Abteilung! Aehn» l j ch krasse Fälle gab eZ in den vier Wahlkreisen noch eine Abrechnung! ganze Anzahl: im Durchschnitt aber hatte ein Wähler e r st e r Klasse ebensoviel Wahlrecht wie 30 Wähler der dritten Klasse und sechs Wähler der zweiten Klasse. Es i t also kein Wunder, daß bei einem solchen Wahlrecht der 30 Infamien das Proletariat und der kleine Mittelstand in der zweiten und ersten Abteilung nicht noch mehr Wafy männer durchzusetzen vermochten, als das der Fall war Daß die Sozialdeniokratie in der zweiten und selbst in der ersten Abteilung trotz alledem noch erheblich meh Wahlmänner durchzubringen vermochte, obwohl die Gegner alle Hebel in Bewegung gesetzt hatten, um diesmal die Sozialdemokratie zur Strecke zu bringen, zeugt ebenso für den rastlosen Eifer der Berliner Parteigenossen wie für die Empörung, die sich der weitesten Kreise des Volkes be mächtigt hat! Nicht nur die Arbeiter sowie zahlreiche Handwerker und kleine Geschäftsleute bezeugten durch ihre Abstimmung, daß si ebensowenig wie von den Konservativen und Nationallibc ralen auch von dem Freisinn, dem Kuli der Reaktion, etwas wissen wollen, sondern auch die L e h r e r und Beamten be- wiesen zum guten Teil, daß sich der Freisinn verrechnet, wenn er die Lehrer und Beamten einfach als freisinniges Stimm Vieh betrachtet Der Freisinn hat es ja allerdings durch seine jammervolle politische Haltung verschuldet, daß Lehrer und Beamte noch immer Staatsbürger zweiter Ordnung sind. daß sie es nicht wagen dürfen, von den ihnen verfassungs mäßigen zustehenden Rechten der politischen Mcinungsbctäti gung nach freiem Ermessen, nach»ehrlicher Ueberzeugung Gebrauch zu machen. Der Freisinn läuft dank seiner Feigheit und Prinzipienlosigkeit also keine Ge- fahr, daß Lehrer und Beamte bei der ö f f e n t l i ch e n Ab .stimmung so z i a ld c m 0 k r a t i sch wählen können. Aber d i e Genugtuung erlebt er denn doch, noch nicht, daß nun auch Lehrer und Beamte sich dazu herabwürdigten, bis zum letzten Mann sich gewaltsam in das Wahlloka schleppen zu lassen, um auch gegen ihre Ueber zeugung zu stimmen! Trotz der schäbigen Denunziationen, die sich der Frei- sinn bei der letzten Landtagswahl erlaubte und trotz allen Drucks, der von den vorgesetzten Behörden auf die Beamten auszuüben versucht wurde, haben zahlreiche Lehrer und Be- amte sich auch diesmal der Stimme enthalten Dieser stumme Protest der Beamten sollte sowohl dem Frei- sinn und den reaktionären Parteien als auch der Regierung zu denken geben! Er sollte ihnen beweisen, daß jeder Versuch, den freien Menschen und Staatsbürger im Beamten zu knebeln und ihn zu einem Heloten der staatlichen Macht haber herabzudrückcn, schwerste Gefahren für diese Machthaber selbst in sich schließt! Die Berliner Sozialdemokratie, die ge samte deutsche Partei darf mit dem Ausfall der vier Berliner Landtagsersatzwahlen zufrieden sein! Wenn sich auch die reaktionäre, speziell die Freisinnspresse, so stellen sollte, als habe sie von vornherein kein anderes Resultat erwartet, so ist das nichts als elende Flunkerei der Blamorenen! Der Freisinn würde sich mit der Kassierung des Mandats im 12. Landtagswahlkreis begnügt haben, er würde nicht die Schmach des vierfachen schnöden Wahl rechtsraubes auf sich genommen haben, wenn er nicht die este Zuversicht gehegt hätte, mehr alsein Man dat zurückzuerobern! Diese Hoffnung aber ist schmählich enttäuscht worden. Trotz des elendesten aller Wahl- systeme darf die sozialdemokratische Partei die Hälfte der Berliner Landtagsmandate bereits als sicheren Besitz be- trachten! Auch dieser neue Erfolg darf und wird für die Berliner Genossen nur ein Ansporn zu erneutem, intensiverem Kampfe sein! Den Landtagsurwahlen folgen die Stadtverordneten- wählen! Auch hier hat die Berliner Sozialdemokratie mit dem Aufgebot aller Kräfte zu kämpfen, um von dem sieg- haften Wachstum des proletarischen Klassenkampfes erneutes Zeugnis abzulegen! Aber all diese Wahlschlachten können nur die Einleitung sein für die Wahlrechtsschlachten! Allgemeines, freies und gleiches Wahlrecht in Staat und Gemeinde für beide Geschlechter, das ist der der Kampf- preis, um den die entrechteten Massen mit Einsetzung ihrer ganze» Tatkraft zu ringen haben! Vorwärts! Die Nahlreiultate. 24 149 3 4 5, Landtagswahlbezirk. 1. Abteilung Wahliniiimer 1908 Sozialdemokraten.. Freisinnige..... Konservative.... Stichwahlen.... 2. Abteilung. Sozialdemokraten. i Freisinnige..... Stichwahlen.,., 3. Abteilung. Sozialdemokraten. Freisinnige..... Insgesamt....... Sozialdemokraten.. Freisinnige..... Konservative.... Stichwahlen.... 1909 28 153 6. Landtagswahlbezirk. 1. Abteilung. Wahlmiinner 1908 Sozialdemokraten..... 16 Freisinnige........ 230 2. Abteilung. Sozialdemokraten..... 127 Freisinnige.,...... 111 3. Abteilung. Sozialdemokraten Freisinnige... 247 4 Insgesamt..... Sozialdemokraten Freisinnige... 1909 22 229 137 94 5 Stichwahlen. 247 3 Bezirke fehlen 735 7. LandtagSwahlbezirk. 1. Abteilung. Wahlmänncr 1908 Sozialdemokraten..... 17 Freisinnige........ 200 2. Abteilung. Sozialdemokraten. l... 126 Freisinnige........ 96 3. Abteilung. Sozialdemokraten..... 225 Freisinnige........ 3 Insgesamt........ Sozialdemokraten.., Freisinnige...... 734 1909 28 196 142 78 4 Stichwahlen 224 1 667 673 12. Landtagswahlbezirk. 1. Abteilung Wahlmänner 1908 1909 Sozialdemokraten..... 27 29 Freisinnige....... 51 105 Konservative....... 27 9 Nationalliberale...... 39 33 49 Stichwahlen. 2. Abteilung Sozialdemokraten..... 74 87 Freisinnige....... 35 31 Nationalliberale...... 5 21 Konservative....... 14— Stichwahlen 96, wir mit 58. 3. Abteilung Sozialdemokraten..... 175 210 Freisinnige........ 2 4 Konservative....... 4— in Stichwahl....... 25, wir mit 21. Wahlmänner 714 609 Insgesamt 1909: Sozialdemokratie....... 326 Freisinnige........ ,140 Konservative......... 9 Nationallibcrale........ 64 Stichwahlen......... 170 , 699 Im 12. Wahlkreise hat also die Sozialdemokratie SO Wahlmänner gewonnen! Außerdem ist sie an 94 Stichwahlen beteiligt! Es ist Ehrensache nicht nur für den 12. LandtagSwahl- kreis, sondern für ganz Berlin, auch im 12. Wahlkreis dem Freisinn die hundertfach verdiente Niederlage zu bereiten! Ans Werk! I Der Dorentwurf zum neuen«leutichen Strafgesetz. Der von uns bereits anuekündigte Vorentwurf zu dein neuen deutschen Strafgesetzbuch ist jetzt erschienen. Er umfastt 310 Para- graphen und ist um 60 Paragraphen kürzer als das Strafgesetz- buch, obwohl der allgemeine Teil nunmehr 90 Paragraphen zählt. Durch die veränderte Ockononiie des Gesetzes, die knappere Aus- druckZweise und die Beschränkung der Kasuistik sind im besonderen Teile 80 Paragraphen gespart worden. Der Entwurf ist kein amtlicher. Er enthält, wie da? Reichs- justizamt in der Einleitung betont, lediglich die Ansichten und Vor- schlüge der von der ReichSregicrung einberufenen Kommission. Tie Bundesregierungen wie die Reichs- Justiz- Verwaltung hätten zu diesem Entwürfe noch keine Stellung genommen. Demgemäß sei der Entwurf auch nicht zur Vorlegung an die gesetzgebenden Faktoren, sondern nur zunächst zur öffentlichen Kritik bestimmt. Dennoch beansprucht der Entwurf die größte Beachtung, da er die Grundlagen für alle weiteren offiziellen Arbeiten bilden wird. Die Arbeiterschaft hat selbstverständlich das erheblichste Interesse an dem neuen Straf- gesetzbuch, nachdem der Klassenkampf zum Versuch geführt hat, die politische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung auch mittels An- Wendung der Kriminalstrafe zu unterdrücken. Es ist eine notwendige Folge des KlassenstaateS, daß ihm die Strafe in dem politischen Kampfe, den die ausgebeutete Klasse gegen die Ausbeutenden und Herrschenden um die Herrschaft im Staate führt, ein Instrument zur Aufrechterhaltung der Macht der herrschenden Klassen wird. Der neue Entwurf ist dieser Aufgabe angepaßt. Wird er Gesetz, so erhält damit die bürgerliche Gesellschaft eine Waffe im Klassen- kämpf, gegen die alles, was wir bisher in der Rechtsprechung erlebt haben, das reine Kinderspiel wäre. Um sofort ein besonders flagrantes Beispiel herauszugreifen, sei auf den Z 210 des Vorentwurfs hingewiesen, der folgendermaßen lautet: «Wer in rechtswidriger Absicht einen anderen durch Gewalt oder Drohung zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nöligt, wird mit Gefängnis oder Hast bis zu 2 Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 3000 M. bestraft. Der Versuch ist strafbar." Bisher wurde die Nötigimg nur dann bestrast, wenn mit einem Verbrechen oder Vergehen gedroht wurde. Der Vorentwurf beseitigt diese Einschränkung.— Machen wir uns nun die ganze Tragweite dieser'Vorschrift klar. Drohung ist nach der Nechtsprechiiug des Reichsgerichts Ankündigung jeden Uebels, mag auch der Drohende zur Vornahme der Handlung berechtigt sein. Rechtswidrig etwas tun. heißt nicht nur, etwas tun, was das Gesetz verbietet, sondern auch dasjenige tun. worauf man keinen Anspruch hat, der durch das Recht erzlvingbar ist. Dies ist die ständige Rechtsprechung des Reichs- gcrilhtS. Nun nehmen wir den Fall: ein Arbeiter sagt zum Arbeit« gebet:„Wir werden die Arbeit niederlegen, wenn Sie die von Ihnen beabsichtigte Lohnrcduktion wirklich eintreten lassen". Damit liegen die TatbestandSmerkmale des§ 210 vor, und Gefängnisstrafe bis zu zwei Jahren wäre die Folge. Der Arbeiter kündigt dem Arbeitgeber ein llebel an, nämlich: daß die Arbeiter streiken. Er droht ihm also. Er tut dieS. um ihn zu einer Handlung zu veranlassen, nämlich den alten Lohn weiter zu zahlen. Der Arbeiter handelt aber auch in rechtswidriger Absicht, denn sein Ziel geht dahin, den alten Lohn aufrecht zu er- halten. Darauf aber hat er keinen.zivilrechtlich erzwingbaren Rechts« anspruch: denn bei täglicher Küirdigung ist rechtlich der Arbeitgeber berechtigt, am morgigen Tage weniger als am heutigen Tage zu zahlen. Es liegen also damit alle TatbestandSmerkmale des § 240 vor.— Daneben würde selbstverständlich auch noch der 8 1ö3 der Gewerbeordnung Anwendung finden, denn der Entwurf hält alle strafrechtlichen Nebengesetze ausdrücklich aufrecht, mit welcher Tat» fache allein ihm das Urteil gesprochen ist: Ein wirklich großzügiges Gesetzcswerk würde seine wesentlichste Aufgabe darin erblickt haben. daS gesamte Strafrecht zu ordnen, und die Flut der strafrechtlichen Ncbengesetze zu beseitigen. Ter Entwurf hat eS nicht getan. ES bedarf aber unseres Beispiels der Aufrechterhaltung des§ 153 gar nicht mehr, denn der§ 240 ist, wie wir gesehen haben, so gefaßt, daß er das Streikrecht einfach beseitigt und eine Regelung vornimmt, wie sie die ZuchlhauSvorlage vorzuschlagen nicht geivagt hat. Diese Vorschrift ist daS ungeheuer- lichste, was je einem Volke geboten ist. Wenn die Begründung sich auf auswärtiges Recht, insbesondere den Schweizer Entwurf beruft, ffonst dieS schon deshalb verfehlt, weil kein anderer Staat in der Ausdehnung der gesetzlichen Begriffe das geleistet hat, was die deutschen Gerichte auf Grund der Recht- sprechung de? Reichsgerichts vollbrächt haben. ES ist heute noch nicht möglich, bereits ein abschließendes Urteil über den Entwurf abzugeben. Nur soviel ist sofort, auch bei flüchtigster Durchsicht klar: Der Entwürf ist ganz nach dem Muster des dem Reichstage bereits vorgelegten Gesetzentwurfes zur Strafprozeßordnung ge- arbeitet. Er greift in sehr geschickter Weise einige moderne Schlagworte auf, die scheinbar die seit langem von der Demokratie für daS Strafrccht aufgestellten Forderungen zu verwirklichen trachten. Hierhin gehört zum Beispiel die Einführung der so- genannten bedingten Verurteilung, die Heraufsetzung des Alters der Strafmündigkeit von zwölf auf vierzehn Jahre, die besondere straf- rechtliche Behandlung der vermindert Zurechnungsfähigen, die Ein- führnng der richterlichen Rehabilitation in der doppelten Form: der Wiedereinsetzung in die bürgerlichen Ehrenrechte unter Löschung von Vorstrafen im Strafregister. Alle diese RechlS- wohltaten aber werden ganz in das freie richterliche Er- messen gestellt, so daß sie sofort da außer Kraft gesetzt werden können, wo dieS den herrschenden Klassen im Klassenkampf notwendig erscheint. Ueberhnupt geht die ganze Tendenz deS Entwurfes dahin, das richterliche Ermessen bis ins Maßloseste auszudehnen. Dies gilt für den allgemeinen Teil ebenso wie für den besonderen. Mit Recht hat man das Strafgesetzbuch als die ilaAna charta des Verbrechers bezeichnet, in dem Sinne, daß jemand seiner Freiheit nur beraubt werden kann, unter ein für allemal von vornherein festbestimmten Voraussetzungen. Wie gefährlich es wäre, davon abzuweichen und anstatt mit festbestimmten Begriffen mit Abstrakta zu operiren. zeigte der grobe Unfugsparagraph und seine exorbitante Ausdehnung: Der Entwurf geht aber weit darüber hinaus. Der§ 241 sagt: „Wer durch gefährliche Drohung einen anderen in seinem Frieden stört, wird mit Gefängnis oder Hast bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 1000 M. bestraft. Die Motive bemerken dazu, daß durch diesen Vorschlag erst der Rechtsfriede des Einzelnen in vollkommener Weise geschützt werde, der Begriff der gefährlichen Drohung beschränke sich keinewegs auf die Gefahr gegen die Person, sondern erstrecke sich auch auf Drohungen, die sich gegen andere RechtSgüter richten. Mit Hilfe dieses Paragraphen wäre eS, wenn er Gesetz wird, möglich, jeden politischen Kämpfer inS Gefängnis zu stecken. Die Motive sagen ja ausdrücklich, daß nicht nur die Sicherheit der Person, sondern auch die des Eigentums durch die Vorschrift garantiert werden soll. Daß die Bestimmung in erster Linie dazu dienen soll, mit Hilfe des Strafgesetzbuches die Verbreitung sozialdemokratischer Lehren zn verhindern, ist so klar, daß eS iveitercr Ausführung nicht bedarf. Wenn die Motive darauf stolz sind, daß es dem Entwürfe gelungen ist, die straf- rechtlichen Begriffe zu vereinfachen, so liegt zu diesem Stolze wahrlich kein Grund vor. Der Entwurf sieht eben, wie der§ 241 zeigt, von der Aufstellung strafrechtlicher Begriffe überhaupt ab. ES wäre ganz dasselbe, wenn man sich die Mühe, ein neues Strafgesetzbuch zu schaffen, überhaupt geschenkt und dafür die eine Bestimmung gesetzt hätte:„Jeder, der in seiner politischen oder ge- werkschaftlichen Tätigkeit den herrschenden Klassen unbequem ist. wird auf so lange unschädlich gemacht, als es diesen erforderlich erscheint." DerZ241 erreicht alles, tvaS dierusfischeAd- ministrativjustiz verwirklicht. Aus den allgemeinen Teilen sei für heute nur die einen grauen- vollen Rückfall in barbarische Zeilen darstellende Vorschrift des Z 18 hervorgehoben, wonach künftighin die dem heutigen Rechte un- bekannten Strafschärstmgen eingeführt worden sollen. Die Schärfungen bestehen darin, daß der Verurteilte geminderte Kost oder eine harte Lagerstätte erhält. Diese Strafschärfungen können ausgesprochen werden nicht nur bei den sogenannten gemeinen, sondern auch bei allen politischen Delikten. Es genügt, daß die Tat nach Ansicht des Richters von besonderer Bosheit oder Verworfenheit zeugt, oder nach den Vorbestrafungen des TäterS anzunehmen ist, daß der gewöhnliche Straf- Vollzug auf ihn nicht die erforderliche Wirkung ausüben werde. Man sieht, für sozialdemokratische Redakteure, die— trotz Bestrafung— fortfahren, die Bourgeoisie in ihrem satten Rechtsfrieden zu stören, ist diese Bestimmung besonders geeignet. Aeußerst gefährlich ist auch die harte Bestrafung de? Rückfalles. Ließe sich hierüber reden, wo eS sich um gemeine Verbrecher, rück- fällige Diebe oder Hehler handelt, so wird der Begriff völlig un- erträglich, wo andere, insbesondere politische Delikte in Frage kommen. Zwischen beiden macht der Entwurf nicht den geringsten Unterschied. Er sagt: „Wer wegen eineS Verbrechens oder eines vorsätzlichen Ver- gehens Freiheitsstrafe erlitten hat und binnen fünf Jahren wiederum ein Veebrecbei, oder ein vorsätzliches Vergehen begeht, befindet sich im Rückfalle." Im besonderen Teile kehren bei der Beleidigung die Vor- schriften der sogenannten Lex Eulenburg wieder, gegen die sich in der letzten Reichstagssession die Opposition aller Parteien de-Z Reichstages richtete. Der Wahrheitsbeweis wird ein- geschränkt, ganz wie es die Lex Eulcnburg vorgeschlagen hatte. Ja, die Sache wird völlig, unerträglich dadurch, daß dem Gerichte die Befugnis verliehen wird, in besonders leichten Fällen überhaupt von einer Strafe ab- zusehen. Es würde also z. B. hiernach der Generalleutnant v. Liebert, wenn er die Richter so gröblich beleidigt, wie er getan hat, straflos bleiben können, da mit Rücksicht auf feine staats- erhaltende Gesinnung ein besonders leichter Fall vorliege, während ein sozialdemokratischer Redakteur wegen einer gleichen Beleidigung mit härtester Strafe, besonders im Rückfalle, mit geminderter Kost und mit Vcrhängung harten Lagers bestraft werden könnte. Der Klassencharakter des Entwurfes äußert sich ferner darin, daß in allen Fällen der Uebertretung, wohin der größte Teil der Arbeiterschutzgesetze gehört, der Richer von Strafe ab- sehen kann, wenn ihm dies richtig erscheint, d. h. mit anderen Worten: man will auf kein Machtmittel gegen die Be- tätigung unbequemer politischer Gesinnung verzichten und will deshalb die ungeheure Masse der Strafvorschriften, unter denen das deutsche Volk seufzt, a�frechlerhaltcn; auf der anderen Seite aber will man. da auch anderen Personen als Sozialdemokraten die lleberspannung und llebertreibung der Strafjustiz unbequem werden kann, dem da- durch die Spitze abbrechen, daß man sie straflos läßt, wenn dies „angemessen" erscheint. Das Wort des früheren preußischen Justizministers Schönstedt« „Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe", hat in dem Entwürfe seinen gesetzlichen Niederschlag erfahren. Die berliner lugendorganilation für- politiich erklärt! Der Feldzug gegen die Berliner„Freie Jugendorga- nisation" hat seine Krönung gefunden. Der Vertreter des Polizeipräsidenten hat die Jugendorganisation für politisch erklärt. Am Montag, den 25. dieses Monats, wurde dem Vorsitzenden folgendes Schreiben zugestellt: Berlin, den 20. Oktober 190g. Der Polizeipräsident Abteilung 7. Tageb. No. 3074. VII. D. 09. Nach den seit Erlaß des Reichsvereinsgesctzes namentlich auch in neuester Zeit hinsichtlich der Betätigung des Vereins „Freie Jugendorganisation Berlins und Umgegend" gemachten Wahrnehmungen ist der Verein als politischer Verein im Sinne des§ 3 des Reichsvereinsgesetzes anzusehen. Der Vor- stand ist daher verpflichtet, jede Aenderung der Satzung, sowie jede Aenderung in der Zusammensetzung des Vorstandes binnen einer Frist von 2 Wochen nach dem Eintritte der Aenderung dem Polizeipräsidium anzuzeigen. Versäumnisse der gesetzlich vorgeschriebenen Anzeigen unterliegen der Bestrafung gemäß 8 13 l des ReichSvereinsgesetzes. Bezüglich der Mitgliedschaft Jugendlicher an politischen Vereinen und der Teilnahme derselben an Veranstaltungen solcher Vereine wird auf 8 17 gen. Gesetzes verwiesen. In Vertretung: gez..F r i e d h e i m. Auf diese Art hofft man, der proletarischen Jugend- organisation das Lebenslicht endlich auszublasen. Fünf Jahre Tätigkeit hat die Organisation hinter sich. Unter den wachsamen Augen der Polizei hat sie ihre Arbeit öffentlich verrichtet. Spitzel schnüffelten ständig nach Ucbertretungen, Lockspitzel trieben ihr Wesen und nichts hat man gefunden, um gegen die Organisation vorzugchen. Versammlungs- auflösungen untergeordneter Polizeiorgane wurden vom Polizeipräsidium auf die eingelegte Beschwerde für un- berechtigt erklärt. Scun mit einem Male soll die Jugend- organisation ein politischer Verein sein. Gegen'die Entscheidung des Polizeipräsidenten ist natürlich sofort eilige Beschwerde erhoben worden. Der Polizei wird dadurch Gelegenheit gegeben, sich eine glänz- volle Blamage zu holen, wenn sie vor der Beschwerdeinstanz den Beweis für die angeblich politische Tätigkeit der Jugend- organisation erbringen soll. Tie Jugendorganisation hat eS von jeher vermieden, politischen Charakter anzunehmen oder auch nur ausnahmsweise politische Gegenstände zu erörtern. Sie kann darauf verzichten, ohne ihrem Charakter Gewalt anzutun. Ueber den Begriff„politisch" hat nun das Reichs- gericht folgende Entscheidung(R.-G.-Entfch, Band XVI, S. 384) gefällt: Unter politische Gegenstände wird man alle AngekegenssetteK zu verstehen haben, welche Verfassung, Verwaltung, Gesetz- gebung des Staates, die staatsbürgerlichen Rechte der Unter- tanen und die internationalen Beziehungen der Staaten zu- einander in sich begreifen. Mit all diesen Dingen hat sich die Jugendorganisation in den fünf Jahren ihrer Tätigkeit nicht beschäftigt. Es müßte gerade sein, daß die unsanfte Behandlung des mit englischen Orden geschmückten Polizeispitzels Schlaf alias William Springer von der Polizeibehörde als eine Störung der internationalen Beziehungen aufgefaßt wird. Tie Jugendorganisation hat in den fünf Jahren zahlreiche gesetzesübertretende Unternehmer zur An- zeige gebracht und hat vielleicht dadurch den Konkurrenzneid der Polizei erweckt. Sie hat auch den Kampf gegen den Alkoholismus in Wort und Schnft mit aller Macht aufgenommen. Ist das eine politische Tätigkeit? Polizeilogik könnte vielleicht folgern, da ein verminderter Alkoholkonsum die Einnahmen des Reiches aus Bier- und Schnapssteucrn beeinträchtigt, ist der Kampf gegen den Alkohol eine politische Tätigkeit. Die Jugendorganisation hat aber auch den Kampf' gegen die Schund- l i t e r a t u r in wirksamster Weise eröffnet. Möglicherweise findet man darin auch etwas Politisches. Tie Bekämpfung des Geistesfusels hat eine Verminderung der Verbrechen und Vergehen zur Folge und übt dadurch schließlich auf den Um- fang der Gerichtsbarkeit Einfluß aus. Nach den bis jetzt bekannten Proben behördlicher Logik erscheint diese Aus- legungskunst durchaus nicht unwahrscheinlich. Die Herren am grünen Tisch glauben offenbar, durch einen Federstrich eine in den wirtschaftlichen Verhältnissen wurzelnde Massenbewegung aus der Welt zu schaffen. Man erinnert sich dabei der Geschichte von dem Herrscher, der nach dem Anblick der Massenarmut in seinem Lande eine Ver- siigung erläßt:„Die Armut ist hiermit bei Strafe ver- boten!" Ein Bismarck hat sich bei dem Versuch, die Arbeiter- bewegung durch einen Gewaltakt zu vernichten, feinen eisernen Schädel eingerannt, und Herr Friedheim dürfte in seinem Kampf gegen die Jugendbeivcgung auch keine Lor- beeren ernten! Keine behördliche Willkür kann die Auf- klärung der arbeitenden Jugend verhindern: kein polizeiliches Machtgebot den Kampf gegen die Jugendausbeutung unter- binden.' Fraglich ist, ob der Polizeipräsident die volle Tragweite seiner Verfügung überblickt. Das Bildungswesen und die wirtschaftliche Interessenvertretung hat sich bisher im fest- gefügten Rahmen der Organisation bewegt. Ohne Organisation ist aber die Disziplin der Jugend hin und es kann leicht vorkommen, daß einzelne Jugendliche sich nicht mehr so streng an die Gesetze halten wie bisher und daß Bestre- bungen sich unter der Jugend breitmachen, an denen die preußische Polizeibehörde ebensowenig Freude haben wird. wie die jetzigen Leiter der Jugendorganisation. Bis jetzt hatte man ja in dem Vorstand der Organisation einen kon- trollierbaren, verantwortlichen Pcrsonenkreis. Die Leiter der Jugendbewegung können aber nicht dafür die Garantie übernehmen, daß sich auch später alles iu den bisherigen gesetzmäßigen Bahnen bewegt. Im Reichstag wird man sich noch mit der Anwendung des Vereinsgesetzcs zu beschäftigen haben. Von einem Ein- schreiten der Polizeibehörden gegen konservative und andere Jugendvereine, die in ganz offener Weise politische Gegen- stände behandeln, hat man bisher noch nichts gehört. Gesetzesübertretungen im Namen des Patriotismus sind ja auch verdienstvolle Taten. g Die moderne Jugendbewegung ist durch keinen Staats- anwalt und keine Polizei aufzuhalten. Ihre Aufgaben und Ziele sind aus der bestehenden Wirtschaftsordnung mit dem unsäglichen Jugendelend entstanden. Willkür und Gewalt werden die Bewegung nur beleben können. Das Polizei- Präsidium aber mag unter Bismarcks Bild, der ja das große Vorbild für alle staatscrhaltenden Beamten abgibt, den etwas geänderten Wahrspruch setzen: „Wir Deutsche fürchten Gott und die Jugendorganisationl" poUtlfche debcrHcbt. Berlin, den 26. Oktober 1909. Die Arbeitsnachweiszeutrale des Zechenverbandes. Auf die Eingabe der vier Bcrgarbeiterverbände an den Zechen- verband wegen des geplanten Arbeitsnachweises ist, wie telegraphisch aus Essen gemeldet wird, heute die Antwort eingegangen, daß der Vorstand des ZechenverbandeS an der Entschließung vom 12. Oktober festhalten müsse. Durch die Einrichlung deS Arbeitsnachweises wird daS gesetzlich gewährleistete Recht der Freizügigkeit und der Orga- nisation nicht berührt, auch solle dem Arbeiter daS selbstverständliche Recht nicht genommen werben, frei über seine Arbeitskräfte zu ver- fügen, wenn er die Arbeitsstelle wechselt. Der Zwist im bayerischen liberalen Lager. Der Streit, der sich zwischen der bayerischen national- liberalen Landespartei und den Junglibcralen über die Fälle Casselmann und Hübsch entsponnen hat, zieht immer weitere Kreise. Gestern tagte der Ausschuß der nationalliberaleu Landespartei in Nürnberg, um über den Abg. Hübsch und dessen engere Parteifreunde Gericht zu halten. Mit großer Majorität wurde eine Resolution gefaßt, in der erklärt wird, die Partei habe zwar den aufrichtigen Wunsch und festen Willen, mit den übrigen liberalen Organisationen in freundschaftlicher Verständigung und treuer Bnndesgenossenschast zusammen zu arbeiten; sie sei aber ebenso fest entschlossen, ihre Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit iu vollstem Umfange zu wahren. Im gegenwärtigen Block seien Elemente vorhanden, die durch rück- sichtSloseS Draufgängertum und durch Unduldsamkeit fort- während Unfrieden stiften und grundsätzlich auf Beseitigung der alten Organisationen ausgehen. Die nationalliberale Landespartei verlange daher ausreichende Garantien fiir ein gedeihliches Zusammenarbeiten, nämlich 1. die misdriicfliche Zusicherung, daß an dem bewährten Organisationöstatut fest- gehalten wird, 2. die Verpflichtung der Einzelorganisationen, außerhalb des Zentralausschusses Bestrebungen zu unterlassen. welche auf eine Aenderung des grundsätzlichen Teiles des Organisationsstatuts gerichtet und den Flieden zwischen den verschiedenen Organisationen zu stören geeignet sind, 3. Ge- nugtuung wegen der Ausschreitungen in jnngliberalen Versammlungen und die Zusicherung sachlicher Ausgleichung etwaiger Meinungs- Verschiedenheiten. Der Antrag auf Einberufung eines allgemeinen Tele- giertentagcs wurde abgelehnt. Weun eine Einigung über diese Bedingungen nicht erzielt werden kann, soll der Austritt der Landespartei auS dem Zentralauöschllh erklärt werden/ Zum Schluh wurde dann noch der Ausschluß des Abg> Hübsch aus der Partei mit ungefähr 170 gegen 10 TtillUiien ge- nehnügt und bestätigt._ Ter grosze Sumpf. » Die„Breslauer Bolkswacht" bringt einen Artikel über das Spitzelweseit in Teutschland. In einem galizischen Blatte sind vor einiger Zeit Enthüllungen erschienen, deren Ur- Heber der Pole N a k o w s k i ist. Dieser gibt zm daß er der preußischen Polizei als Spitzel gedient hat. Seinen Dar- legungcn ist zu entnehmen, daß beim Polizeirat Zacher in ic n ein Albuin liegt, das die Photographien der- Pennen enthält, die beim Betreten Preußens sofort der- haftet werden können, außerdem die Porträts einer Anzahl „verdächtiger" Personen, unter denen sich unser Genosse Daszynki befindet! Tie Ueberwachung der Sozial- demokraten, die dem Polizeikommissar Paul F r o sl in Posen anvertraut ist, dehnt sich auf Berichte über EntWickelung und Stand der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung aus. Die Landräte in der Provinz Posen müssen dem Polizeikommissar Frost Berichte erstatten. Die Land- rate führen schwarze Listen derjenigen Arbeiter und Bürger. die sich sozialdeniokratisch oder gewerkschaftlich betätigen. Rakowski behauptet weiter, daß in den Reihen der Sozialdemokratie Verräter stecken, die der Polizei Dienste leisten. So behauptet er zum Beispiel, daß in Posen der Handlungsgehilfe Leo Werner und der Kolporteur Max Schäfer dem Polizeikommissar Frost die Korrespondenz zwischen dem Posener Arbeitersekretär und dem Genossen Stössel in Bromberg für 30 M. verkauft haben. Ein anderer ' Kaufmann besorgte das Bild der Genossin Luxemburg! Ein Kellner in einem Posener Hotel erhielt von der Polizei monatlich 230 M.! Bei einer Frau Ziawer in Berlin sollen regelmäßig Spitzelzusammenkünfte stattfinden, und ein Kellner des Keller schen Restaurants(Koppenstraße) in Berlin regelmäßig über Wahlversammlungen berichten! Damit ist Rakowskis Material nicht erschöpft, sondern es stehen noch weitere Enthüllungen bevor über das Wirken unserer lieben, lieblichen Polizei..«. Das Stichwahlresultat in Koburg. Amtliches Wahlergebnis: Bei der ReichStagSersatz- stichwahl im Wahlkreise t. Sachsen-Koburg-Gvtha am 22. Oktober sind insgesamt 13 722 Stimmen abgegeben worden. Davon erhielt Redakteur Zietsch-Charlottenbnrg iSoz.) 7073 und RcgiernngSrat Dr. Quarck-Koburg sNatlib.) 6044 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt. Nene Steuerpläne. DoS ReiÄjSschotzamt hat an die Bundesstaaten das Ersuchen ge- richtet, schleunigst Erhebungen zum Zwecke der Einflihrung einer Rcichswertzuwachssteuer anzunehmen. Man rechnet mit einem lünftig steigenden Ertrag von 12 Millionen Mark. Rückgang der Bergarbeiterlöhne. Selbst der„Verein für die Bergbaulichen Interessen' muß konstatieren, daß die Bergarbeiterlöhne im vergangenen Jahre ganz erheblich gesunken sind. Obwohl nach seinem jetzt erschienenen Jahresbericht im Bergwerksbezirk Dortmund die Zahl der Beleg« schaftsmitglieder von 294 101 im Jahre 1907 aus 324 895 im vorigen Jahre zunahm, sank der durchschnittliche Jahreslohn von 1502 M. auf 1494 M. Der Rückgang macht 03 M. gleich 4.35 Proz. aus. In Oberschlesien ging der DurwschnittSverdienst um 13 M., von 1003 ans 1010 M. hinauf. Das Saarrevicr verzeichnet einen Minderverdienst von 3 M. Die JahreSlohnsumme beträgt hier für das letzte Jahr 1182 M. Im Aachener Bezirk war der Lohnrückgang ähnlich stark wie im Ruhrrevier, von 1455 M. sank der JahrcS- verdienst aus 1409 M. und in Niederschlesien ist der Lohn von 1000 M. ans 990 M. zurückgegangen. Dabei hat die sinkende Tendenz im laufenden Jahre noch angehalten, wie aus der folgenden Gegen- überstellung der Schichtlvhne hervorgeht. ES betrug der Schichten- verdienst: im Jahres- im II- Viertel durchschnitt 1907 1909 M. M. im O.-V. B.-Verband 4.87 4.43 in Oberschlesien.. 8.43 3.45 im Snargebiet... 4,02 3.94 in Nie!)erschlesien.. 3.27 3.21 im Aachener Bezirk. 4.04 4,44 Im Nuhrrevier beträgt der Lohnrückgang demnach 42 Pf. pro Schicht, gleich 8,02 Proz. Hochkonjunkiurpreise. Lohnvermindernng und unablässiges Klagen über sozialpolitische Lasten, das paßt gut zusammen._ Tie süddeutschen Industriellen und die Arbeitslosen» Versicherung. Wie vielen anderen Körperschaften hat die badische Regierung auch dem Verband süddeutscher Industrieller den Plan unterbreitet, den badischen Gemeinden die Errichtung einer Arbeitslosen- Versicherung auf konimunaler Grundlage vorzuschlagen. Der Ber- band befragte seine Mitglieder. Sie sprachen sich einmütig gegen die Einführung der Arbeitslosenversicherung aus. In einer Eingabe bat darauf der Jndustriellenverband die Regierung, im Interesse der badischen Volkswirtschaft das Programm enpgültig fallen zu lassen. Das wäre nun nicht verwunderlich, denn man kennt ja das Unternehmertum zu gut und erwartet von ihm kein soziales Verständnis für die traurige Lage der Arbeitslosen. Große« Ji'ter- esse erweckt ober die Begründung der Ablehnung. Sie läßt einen Schluß z». wie die Industriellen über die derzeitige HmidelSpolitit der Regierung und der Mehrheit des Reichstags denken. Da heißt es: „Man fördere mehr wie bisher in unserem Vaterlande durch eine gesunde Industrie- und Exportpolitik die Interessen der deutschen Industrie, dann wird man schneller und auf direktem Wege das erreichen, was man auf Umwegen durch übertriebene soziale Fürsorge erzielen will. Es wäre besser, statt die Arbeits- losigkeit in ihren Wirkungen zu bekämpfen, sie durch eine gesunde deutsche Industrie- und Exportpolitik zu bekämpfen. Dieser direkte Weg ivird zu einer Erstarkung der deutschen Industrie führen und die Industrie damit in die Lage versetzen, in immer größerem Umfange Arbeitsgelegenheit für unsere ständig zunehmende Be- völkerung zu schaffen. Der direkte Weg ist von größter nationaler Bedeutung und muß zu einer gewaltigen Steigerung der Produk- tivitäl unserer Volkswirtschaft führen, der indirekte Weg ist un- wirlschafllich."_ Von den roten Sachsenwnhle». Im 47. ländlichen Wahlkreise wurde Genosse Richter als ge- wählt gemeldet. Bei der amtlichen Auszählung der Stimmen find nun einige für ihn abgegebene Stimmen für ungültig erklärt worden, so daß ihm 6 Stimmen an der absoluten Mehrheit fehlen. Unter diesen Umständen jist eine Stichwahl notwendig, und es find fonach bisher nicht 10, sondern IS Sozialdemokraten gewählt. Unheilbare Blindheit. Der sächsische Minister des Innern, Graf Vitzthum v. Eckstädt, empfing eine Vertretung des Ausschusses„nationaler' Arbeiter- und Gehilfenorganisationen. Der Minister erörterte die einzelnen ihm vorgetragenen Wünsche, drückte. seine Freude aus über die Fortschritte, welche die auf nationalem Boden stehenden Arbeiiervereinigungen in den letzten Jahren gemacht hätten s?) und kam sodann auf die gegeinv artige Unzufriedenheit des Ar- b e i t e r st a n d e s zu sprechen. Er wies dabei auf die durch die kaiserliche Botschaft inaugurierte„soziale Gesetzgebung' hin und betonte, daß ein schrittweises Vorgehen schneller zum Ziele führen werde alS die Aufstellung radikaler Forderungen! Daß ein großer Teil der Arbeiterschaft dieS erkannt habe(?), sei ein Zeichen der Gesundung der Verhältnisse. Diese ministerielle Redeleistimg ist nicht angekränkelt von irgend- welchem Verständnis für die politische Lage in Deutschland noch selbst von irgendwelchem tieferen Einblick in die Ursachen der Un- zusriedenheit des Sachienvolkes. Und weniger kann mau von einem Minister beim besten Willen nicht verlangen. Ein Zentrumspolitiker für Zeugniszwang. In einem Beleidigungsprozeß zwischen zwei w e st f ä I i- scheu Z e n t r u m s'b l ä t t e r n wurde dieser Tage vor dem Schöffengericht zu Hagen verhandelt. Dabei sollte Redalteur Koch vo» der FuSangelschen„W e st d e u t s ch e n V o l k S z e i t u n g' als Zeuge Auskunft geben über die V e r f a s s e r s ch a s t eines Artikels. Als er dies Ansinnen entschieden zurückwies, beantragte der juristische Vmreter des Herrn L e n s i n g, Verlegers der „Dortmunder Tremonia', in dessen ausdrücklichem Auftrage, gegen den Zeugen das Zeugniszwangsverfahren einzuleiten. Der Gerichrshof lehnte aber den Antrag ab. Zeuge Koch habe in diesem Falle oh n«„Verletzung derSlandeSehre" nicht anders handeln können. Die Zentrumspresse iriinmt sonst Stellung gegen den Zeugniszwang, hier aber ist es der Ver- treter eines große» Zeirtrumsblattes, der den Zeugniszwang er- zwingen wollte, dazu noch gegen eine», allerdings seine eigenen Wege gehenden Anhänger der Zentrumspartei. Die Blrnnaize des Herrn Lensing ist um so größer, als sei» Redakteur Dr. Hoffmann, der gleichfalls am Prozeß beteiligt ist, cS direkt ablehnte, sich dem Verlangen seines Verlegers anzuschließen. Dos katholische Volk gegen das Zentrum! Wie sehr auch das katholische Volk durch die Schandtaten des Zentrums aufgepeitscht worden ist, dafür liefert die soeben in Attendorn, im schwarze» Sauerlande, vollzogene Stadt- vferordnetenwahl Beweis. Das ganze Sanerland galt noch bis in die j ü n g st e Z e i t s ü r s o z i a l i st e n- rein, wenn sich auch bei ReichstagSwahlen zeigte, daß die Sozial- demokratie in der schwärzeste» Ecke des schwarzen Westfalens einige Anhänger gewonnen hatte. In j ü n g st e r Zeit i st e S aber in Versammlungen zu scharfen Auseinander- setz un gen zwischen Sozialdemokraten und Z'e n t rju n, gekommen, vor einigen Wochen auch in Attendorn. Natürlich waren die Sozialdemokraten nach den Berichte» der Zenlrumspresse die Besiegten. Erst recht in Attendorn, dem bekannten Wallfahrtsort des Sauerlandes. Indes, die Stadtverordneten wähl sollte die großsprecherischen ZentrumSleute arg denientieren. Noch zwei Tage vor der Wahl höhnte das Zentrum, die Sozialdemolratie sollte sich doch nicht lächerlich machen, in Attendorn gäbe es keine Sozialdemokraten I Daß sie da sind, haben sie gezeigt. Mitten in die schwärzesten Gefilde sind sie eingebrochen und haben das Zentrum besiegt: die sozialden: akratischen Kan- didaten erhielten 153 Stimmen, das Zentrum 131! Zwei Genossen fitzen jetzt im Gemeinderat von Attendorn. Gegen die VolksanSpowerung protestierten am Sonntag und Montag im Hamburger Staatsgebiet 27 große Volksversamm- lungen, die einmütig zivei Resolutionen zustimmten, in denen gegen den an Ferrer vollzogenen Justizmord protestiert und die weitere Belastung der unbemittelten Volksschichten durch die indirekten Steuern der letzten Reichsfinanzresorm verurteilt wird. Ter„gereinigte" Schuck. Die Freunde des Abgeordneten Schock, vor allem sein FraltionS- kollege Raab, haben sehr erfolgreich das.Reinigungswerk" an dem entgleisten M. d. R. vollendet. ES ist ihnen gelungen, auch die dritte junge Dame zur Zurückziehung des Strafantrages zu bewegen. Deshalb hat die Strafkammer des Landgerichts Hamburg das VeleidigungS- verfahren gegen Schock eingestellt, Es findet also keine Gerichtsverhand- lung statt und Schock braucht kein Sanatorium aufzusuchen. Sein über- reizteS Nervensystem dürfte sich nun sehr schnell beruhige». Bald wird es in der antisemitischen Presse widerhallen von sittlichen Ent- rüstungen über die ungerechtfertigten Angriffe gegen diesen echt- teutschen Mann_ Graf Mielzynski tritt nicht zurück. Die Nachricht vom Rücktritt deS polnischen ReichStagsabgeord« neten Mielzynsli erwies sich alS vcrsiüht. In einer Versammlung seiner Wäbler erhielt er sein BerlranenSvotum. Der Graf will tvegcn Krankheit den Verhandlungen des Reichstages nicht beiwohnen, sei» Mairdat jedoch behalten._ Mrst Ito getötet. Fürst Jto. der einflußreichste Staatsmann des neuen Japan ist einem politischen Attentat zum Opfer gefallen. Koreaner, die in Jto den Repräsentanten der japanischen Eroberer- und Unterdrückemation sahen, haben ihn am Bahnhof in Charbin erschossen. Fürst Jto hatte sich nach Charbin begebe», um dort mit dem russischen Finauz- minisler Kokowzow über das jüngste chinesisch-japanische Uebereinkommen zu verhandeln, gegen das Rußland Protest erhoben hatte. Der Anschlag geschah um 9 Uhr früh. Jto, der eben seinen Wagen verlassen hatte, schritt mit Kokowzow und den russischen Osfiznren die Front der Ehrenwache ab und ging gerade auf die Gruppe der ansläntuschen Konsuln zu, als hinter ihm mehrere Schüsse fielen. Von drei Kugeln getroffen, stürzte der Fürst, tödlich der- mundet, nieder. Der japanische Generalkonsul K a w a- kamt wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich ver- w u n d e t, der Betriebschef der Südmandschurischen Bahn Tcmaku wurde am Fuß leicht verletzt. Der Täter ist verhaftet worden. Es handelte sich offenbar um ein vorbereitetes Komplott. Auf der Station Tsaitsagou waren bereits gestern von der russischen Polizei drei mit Revolvern bewaffnete, verdächtige 5loreaner verhaftet worden. Den Mordanschlag auf Jto zu verhindern, war unmöglich, da die Bahnverwaltnng auf die Bitte des japanischen Generalkonsuls Kawakami allen Japanern das Betreten deS Bahnhofs gestattet hatte und der Mörder dem Aussehen nach von einem Japaner nicht zu unterscheiden war. Alle Jto begleitenden Personen waren gleich ihm der Gefahr ausgesetzt. Finanz- minister Kokowzow befand sich in der unmittelbaren Nähe Jtos, noch näher als die verwundeten Japaner. Fürst Jto lebte noch 20 Minuten, nachdem die Schüsse auf ihn abgegeben waren. Die gestern verhafteten Koreaner haben eingestanden, sie seien nach Tsaitsagou gekommen, um die Ermordung JtoS zu organisieren. In Tokio hat die Nachricht große Erregung hervorgerufen. * Jio, der ein Alter von 09 Jabren crreickite, war der Sohn eines armen Samurais, eines Adeligen. Schon früh iah er die Notwendigkeit für Japan ein, mit dem System der Abschließmig zu brecken und den Staat nach europäischem Muster zu organisieren. Jto, de» mehrere Jahre in England und Amerika zugebracht hatte, wurde bald ein einflußreicher Führer der N e f o r m p a r t e i, die in Japan die technischen und politischen Errungenschnslcn Europas zum Durchbruch brachte. Als Führer der Liberalen stand er viermal an de» Spitze derRegierung. Er war Ministerpräsident währenddes chine fisch» j a p a n i s ch e» Krieges und der Urheber des erste» j a p a n i s ch» englischen Bündnisvertrages, der Japan im Krieg« gegen Rußland Riickendeckmia gewährte. Nach der Eroberung Koreas trat er an die Spitze der Verwaltung deS neugewonnenen Landes, da» er mit großer Härte zu einem sicheren Besitz Japans zu machen suchte. Auf diese Tätigkeit geht der Haß der Koreaner zurück, dem jetzt Jto zum Opfer gefallen ist.— fratikmck. Für und gegen Ferrer. Paris, 25. Oktober. Der Gemeinderat verhandelte heute über den vom Bureau des Gcmeiaderats gestellten Autrag. einer Straße den Namen Ferrers zu geoen und die Enkel Ferrers zu adoptieren. Der Seinepräfekt bekämpfte den Antrag unter Hinweis auf die Ausführungen, die Minister Picho» im Senat zu der Ferrer-Angelegenheit gemacht hat. Der Antrag wurde mit 40 gegen 34 Stimmen abgelehnt. Der Präsident erklärte hierauf, das; das gesamte Bureau deS Gemeinderat» seine Entlassung gebe. Gewinnbeteiligung der Arbeiter. Paris, 26. Oktober. Deputierten kämme r. Der Minister für öffentliche Arbeiten M i l l e r a n d erklärte in Beantwortung einer Anfrage über Minenkonzessionen, die Regierung werde die Kammer auffordern, zu beschließen, daß die Unter» nehmer den Arbeitern einen Gewinnanteil ge» währen sollen. Hierauf schritt das Haus zur Beratung der Wahlreform._ Schwarzer Militarismus. Paris, 26. Oktober. Der Kriegsminister und der Kolcmlal- minister haben im Ministerrat Mitteilungen über die Versuchs einer Organisation schwarzer, in Westafrika aus- gehobener Truppen für Algier gemacht. Italien. Gegen den Zarcnbcsuch. Rom, 24. Oktober.(Eig. Ber.) An dem Tage, an dem der Zar in Italien eintraf, wurde in dem römischen Volkshause eine Gedenktafel, die die sozialistische Partei gestiftet hat, mit folgender' Inschrift enthüllt: Während fern von jeder Gemeinschaft der Freien, Fürsten und Hifflinge, zitternd zwischen Reihen von Söldnern und Spionen und zwischen finsteren Schatten des Todes, vor Nikolaus, dem Kaiser und Henker sich neigen, gräbt das Proletariat Italiens, das mit furchtbarem Schrei des AbscheuS den mit dem Fluche der Völker Beladeneu zurückwies, seinen Einspruch in dieses Erz im Namen des ungerächten Märtyrertums eines Volkes, im Namen der am Galgen und im Kerker gestorbenen Helden, im Namen der erlösenden Kultur, die vom Joch be- freien wird alle Bedrückten jeden Stammes und jeden Landes in der droßeu und fruchtbaren Brüderlichkeit der Gerechtigkeit i und der Arbeit. Die Inschrift stammt aus der Feder deö Genoffen T u r a t i. In allen größeren und vielen kleineren Städten haben Prote st Versammlungen stattgefunden, über die man nicht telegraphieren durfte. Großes Entsetzen erregte die Anwesenheit des Genoffen Morgari in Racconigi. Verhaften konnte man den Abgeordneten, der dem Zaren vor Jahren das Ausgepfiffenwerden in Aussicht gestellt hatte, doch nicht; so heftete man zwei Polizisten an seine Fersen, bis er um 7 Uhr nach Turin abreiste, um die dortige Protestversammlung abzuhalten. Ein Nachspiel wird übrigens der Umstand haben, daß der römische Bürgern; ei st er die Einladung zum Galadiner angenommen chat. Die hiesige Parteisektion hat schon eine Ver- sammlung einberufen, um die Stellung der Sozialisten im söge- nannten Block der VolkSparteicn zu diskutieren. Alle sozialistischen Stadtverwaltungen haben in diesen Tagen die Fahne deS Rathauses halbmast gehängt. SnFlancl. Interessierte Gesetzgeber. London, 25. Oktober. Oberhaus. Die dritte Losung der Irischen Landbill, die von den Peers einschneidende Aenderungen erfahren hat, ist heute angenommen wurden. Der Carl of Crewe erklärte, es sei doch eine crusthasle Sache, daß die Bill so völlig verändert erscheine, und um so sonderbarer wirke das, als sich an der Diskussion ausschließlich irische Peer-S be- leiligt hätten. Man sage nicht zu viel, wenn man behaupte, die Bill sei nicht vom Oberhauie, sondern von einer Kommission interessierter Peers diskutiert worden. Man glaubt, der Chessekrciär für Irland B i r r e l werde dem Unterhause, wenn die Bill dorthin zurückgegangen ist, vorschlagen, daß es die Ab» änderungsanträge en bloc ablehnen möge. Die Nachwahl in Bennondsey. London, 23. Oktober.(Eig. Ber.) Der Wablkampf in Bermondsey ist ungewöhnlich lebhaft. Es finden dort täglich über 100 Ver- sannntungen statt. Am 28. d. Mls. wird der Wahlakt vorgenommen werden. Die Kanoidaten sind: Dr. Salter sSozinlistische Arbeiterpartei). HugheS(liberal). D u m p h r e I, S(nnionistiich oder konservativ und schutzzöllnensch). Bei den allgeu, einen Wahlen des JahrcS 1900 betrug die liberaleMehrheit 1759 Stimmen: bei den Wahlen des Jahres 1900 siegte der Konservative(oder Uuionist) mit 300 Stimmen Mehrheit. K-ulUancl. Die sozialdemokratische Interpellation. Petersburg, 25. Oktober. In der beutigen Abendsttzung be» schäfugte sich die R e i ch s d u m a mit der schon erwähnten Jnter- pellation der Sozialdemokraten wegen Verletzung der Grundgesetze. Während ihrer Verlesung verließ die extreme Rechte demonstrativ den Sitzungssaal. Die Dringlichkeit wurde abgelehnt und die Interpellation einer Kommission überwiesen. der eine Frist von zwei Wochen gestellt wurde. Marokko. Gegen die europäische Invasion. Paris, 20. Oktober. Wie aus F e S von; 21. Oktober gemeldet wird, versammele der Sultan nach Beendigung der Rhauiadan» festlichkeiten die UlemaS und Notabcln um sich und las ihnen ein von ihm verfaßtes Gedicht vor. Das Poem wendet sich gegen Europa, da« bereit sei, sich M a r o k k o S z u b c m ä ch t i g c n. Schon seien die Spanier in das Nif eingebrochen und die Franzosen würden folgen, aber der Emir erhebe sich und bereite sich vor, sie mit Hilfe der Stämme ins Meer zu werfen. GewerkfcbaftUcbee* Eine internationale Scharfmacher-Organisation! Der internationale Bund der Schiffseigentümer, dessen Gründung vor einiger Zeit beschlossen wurde, hat sich, wie ein Londoner Blatt mitteilt, unter den Namen„I n t e r» nationale Schiffahrtsvereinigung" nunmehr konstituiert. Die in England,, Deutschland, Schweden, Däne- mark und Holland bestehenden Verbände haben sich dem Bunde angeschlossen, der eine Tonnage von sechzehn bis siebzehn Millionen repräsentiert. Es wird erwartet, daß Frankreich und Norwegen sich in kurzer Zeit dem Bund an- schließen und daß die Schiffseigentümer anderer Staaten ihnen folgen werden, sobald sie zu diesem Zwecke cinzel- staatliche Verbände gegründet haben. Der internationale Bund ist zu dem Zweck ins Leben gerufen worden, im Falle von Arbcitsstrcitigkeitcn die Schiffseigentüincr und die Schiffahrt im allgemeinen zu schützen, die Beladung und Löschung der Schiffe bei Streiks und Aussperrungen zu er- möglichen und Mitglieder des Bundes bei eintretenden Ver- lusten schadlos zu halten. Der Präsident des englischen Verbandes, D e w i t, ist zum Präsidenten des inter- nationalen Bundes und Herr L e i st vom Norddeutschen Lloyd zum Vizepräsidenten gewählt worden. Geschäftsfiihren- der Sekretär des Bundes ist gegenwärtig der geschäfts- führende Sekretär des englischen Verbandes. Er ist zweifellos eine der kräftigsten und umfassendsten Scharsmacherorganisationen, die sich hier gegen die Seeleute zusammengefunden hat. Ihre bloße Existenz trägt aber in sich auch eine Anerkennung der Tatsache, daß die Reeder Ursache haben, die Organisation der Seeleute als einen Wohl zu beachtenden Faktor in ihren Kalkulationen zu betrachten. Für die seemännischen Arbeiter muß nun die Parole erst recht lauten: Stärkung der Organisation weit hinaus über den nationalen Rahmen. Im Kampfe zwischen Kapital und Arbeit auf dem Weltmeere darf die Arbeiterschaft nicht lässig bleiben I_ Berlin und Omgegend. Ein Streit zwischen Konfektionären und Zwischenmcistenl. selbständigen Schneider in der Damenkonfektion hielten am Montag abend in den Prachtsälen Alt-Berlin, Blumenstratze 10, eine öffentliche Versammlung ab, um gegen eine vom Verbände deutscher Damen- und Mädcbeninäntelfabrikanten in Aussicht genommene Aussperrung solcher Schneider, die für nicht an die Konvention der Fabrilanten angeschlossene Geschäfte arbeiten, öffentlichen Protest zu erheben. Der Verband deutscher Damen- und Mädchen- mäntelfabrikanten hat weiterhin einen Antrag der selb- ständigen KonfeltionZschneider, in Zukunft nur organisierte Schneider- meistcr zu beschäftigen, schlank abgelehnt. Die Schneidermeister sollen also den Fabrikanten als Zuchtrute dienen, womit man die widerspenstigen Geschäfte zwingt, sich der Konvention der Fabrikanten anzuschließen, wenn sie aber von den Fabrilanten ein gleiches für ihre Organisation erbitten, so sind die Herren nicht zu Hause. In der Versammlung gelangte trotz der vorausgegangenen, mit großer Erbitterung geführten Debatte folgende maßvoll gehaltene Nesotuüon einstimmig zur Annahme: „Die heul? in den Prachtsälen Alt-Berlin, Blumenstr. 10, der- sammelten selbständigen Schneider in der Damenkonfektion erheben hierdurch gegen die vom Verbände deutscher Damen- und Mädchen- mäntetsabrikanten angedrohte Aussperrung solcher Schneider, die für nicht an die Konvention angeschlossene Fabrikanten arbeite», ein» stimmigen Protest. Dieselben erklären sich aber bereit, dem Verbände der Fabrikanten aus freien Stücken darin behilflich zu sein, ihnen die ihrer Konvention noch fernstehenden Fabrikanten zuzuführen, falls der Verband deutscher Damen- und Mädchenmäntelfabrikanien den Antrag des Arbeitgeberverbandes für das Damenschneider- gewerbe Deutschlands aus Beschäftigung nur organisierter Schneider akzeptiert," Zuin Schlüsse wurde noch Protest erhoben gegen die Beschimpfung eines Schneidermeisters durch eine Angestellte des Konfektionshauses V, Mannheimer und der BerbandSvorstand be- auftragt, die unverzügliche Entlassung derselben zu verlangen und falls dem nicht stattgegeben wird, zur Besprechung und Beschluß- fossung der Angelegenheit unverzüglich eine öffentliche Versammlung zu berufen._ Deutsche Arbeiter streiken beim Brüsseler Weltausstellungsbau. Die belgische Gewerkschaftszentrale teilt soeben mit, daß die Stukkateure und Vergipser, welche bei der deutschen AbteiArng der Brüsseler Weltausstellung beschäftigt sind, in den Streik getreten sind. Es handelt sich um 137 Mann, welche von der Berliner Firma Rogi, Berlin, Eisenacher Straße, in Brüssel beschäftigt waren. Die Firma wird natürlich versuchen, Ersatz zu erhalten und ist deshalb jeder Zuzug fernzuhalten. Die Löhne der Stukka- teure waren bisher W— 80 Centimes pro Stunde, die Vergipser erhielten 46— 50. Die Stukkateure verlangen Lohnerhöhung bis zu 1 Frank, die Vergipser bis zu 70 Centimes die Stunde. Die Gebäude für die Weltausstellung müssen bis zum nächsten April fertiggestellt sein und daher wird vermutet, daß die Firma sicher alle Anstrengungen macht, sofort Ersatz zu erhalten. Achtung, Töpfer! Herr Töpfermeister Kramarski und die bei ihm arbeitenden Hirsche haben wirklich Pech. Erst mußten sich die Herren von uns sagen lassen, daß bei der Firma KramarSki der Tarif nicht bezahlt wird und die Hirsche mit Kramarski einen dahingehenden Verlrag abgeschlossen haben. Auch waren wir in der angenehmen Lage, unsere Behauptmig aufrecht halte» zu können, obgleich die Hirsche und KramarSki eine Erklärung im„Vorwärts" und im„Töpfer" verlangten, daß bei der Firma der Tarif bezahlt werde und kein diesbezüglicher Verlrag abgeschlossen ist. Weiter hat auch Kramarlski dies an Eidesstatt versichert und unS mit der Klage gedroht. Nunmehr mußten Kramarski und der Vorsitzende der Hirfche Max Brauer beim Jnnungsschiedsgerichtstermin am Mon- tag. den 25. Oktober, selbst zugeben, daß bei der Firma 5 Proz. vom Lohntarif abgezogen werden und KramarSki mit den Hirschen einen dahingehenden Vertrag abgeschlossen hat. Einer seiner Getreuen hatte nämlich Kramarski verklagt, weil er mit dem Abzug nicht einverstanden war und nicht gewußt hat, daß 6 Vroz. abgezogen werden. Brauer als Zeuge bestätigte aber, daß zwischen KramarSki und den Hirschen ein Vertrag abgeschlossen ist, daß 5 Proz. abgezogen werden und auch der Kläger hätte dieses gewußt. Kamarski wurde aber trotz alledem verurteilt zu zahlen, was ihn so sehr erboste, daß er sich zu der Aeußerung hinreißen ließ:„daß dies ein ungerechtes Urteil sei", wosür ihm von seilen des Gerichts drei Tage Strafe zuerkannt wurden. Zenttalverband der Töpfer, Filiale Berlin. Oeutfchea Reith. Die Orgauisation der Buchbinder in Bielefeld schloß nach längeren Verhandlungen mit der Innung einen neuen Tarif ab. Die wöchentliche Arbeitszeit wurde von 55 auf 54 Stunden herabgesetzt, "Lerantw. Redatt.: Emil Nnger, Grunewald. Inseratenteil verantw. die Gehilfenlöhne wlirden um 1 M. bis 1,50 M. erhöht, die Löhn« der Hilfsarbeiter und Mädchen um 50 Pf. Auch eine Anzahl der Innung nicht angehörende Firmen haben den Tarif anerkannt. Zu den neuen Bedingungen arbeiten zirka 120 Arbeiter und Arbeiterinnen. Ein orgaiiisationS- und tariffcindlichcr SchnaPSfabrikant. Seitdem der Brauereiarbeiterverbaud mit der Brennerei H ackert in W e st e r h o I t einen Tarifvertrag abgeschlossen, geht das Be- mühen des Unternehmers dabin, Organisation und Tarif loS zu werden. Es glückte ihm, die Organisierten aus dem Betriebe zu entfernen, worauf er den Tarif einfach außer Kraft setzte. Kürzlich wurden die Arbeiter wieder für den Verband gewonnen, iveShalb der Bezirksleiter des Verbandes strikte Durch- führuirg deS Vertrages forderie. Herr H a ck e r t versprach dies auch, kündigte aber gleich darauf seineu Arbeitern, ließ sie einzeln in sein Bureau kommen und erklärte ihnen: wenn sie aus dem Verbände aus- träten, könnten sie wieder bleiben. Dem Zwange nachgebend, unter- schrieben die Arbeiter ihrer Austritt, händigten aber die auch ver- langten VerbandSbüchcr nicht aus. Das Schreiben sandte Herr H a ck e r t an den Bezirksleiter des Verbandes und zwei Tage später die Mitteilung, daß sämtliche Arbeiter seines Betriebes aus dem Verbände ausgetreten seien, der Tarifvertrag nun für ihn wertlos sei, indem er ihn hiermit kündige. So glaubte der schlaue Schnapsfabrikant die Organisation und den Tarif los zu sein. Er wird sich wohl verrechnet haben I ArbeitSlosenzählullg. Vom Magistrat in Nürnberg wurden bereits eine Anzahl Winter- arbeiten vorgesehen. Auch die für nächstes Jahr geplanten größeren Ausbauarbeiten am Lnitpoldharn sind in die Liste der Winterarbeiten eingestellt. Ferner soll wieder eine Arbeitslosenzählung vorgenommen werden. Die Arbeitslosenzählungen, mit denen am 10. Dezember 1903 der Anfang gemacht wurde, sollen von jetzt ab regelmäßig erfolgen, um stets einen Uebcrblick über den Arbeilsmarkt am Orte zu haben, und zwar zu jeder Jahreszeit. Deshalb werden jährlich zwei Zählungen stattfinden, die eine im Winter, die andere im Sommer. Damit festgestellt werden kann, wie sich der Arbcitsmarkt nach Schluß des Weihnachtsgeschäftes gestaltet, wird die nächste Würterzählung nach Weihnachten vorgenommen werden, und zwar im ersten Drittel des Januar._ Christlich-ultramontancr Schwindel. Vor einigen Wochen verbreitete die christliche und die Zentrums- presse den Schwindel, der Deutsche Textilarbeilerverband habe am 31. Dezember 1903 einen Vermögensbestand von nur 37 104 M. oder pro Kopf der Mitglieder 30 Pf. gehabt und sei demzufolge völlig bankrott. Vom Deutschen Textilarbeiterberbande wurde daraufhin eine Gegenüberstellung der Ausgaben veröffentlicht, die zeigte, daß der Deutsche Textilarbeiterverband in den Jahren 1901—1908 an Streik- und Gcinaßregeltennnterstütznng ungefähr ö'/zmal soviel aufgewendet hat. wie der christliche Textilarbeiterverband. Bei einer Gegenüber- stellung verhielten sich die Schlußzahlen, die für die Verbände als Ausgabensnnrme für Streik- und Gemaßregclteniinterslütziing in den genannten Jahren verzeichnet waren, folgendermaßen zueinander: Gesamtsumme pro Kopf der Mitglieder Christlicher Verband. 060 719 M. 2,80 M. pro Jahr Deutscher Verband. 4 463 322, 7,74„„„ ES wurde dann noch nachgewiesen, daß die Wocheneinnahme deS Deutschen Textilarbeiterverbaiides schon im Jahre 1903 31 505 Mark betragen habe, während die Wocheueinnahnie deS Christlichen Textilarbeiterverbandes nur 10 344 M. beträgt. Diese Gegenüberstellung der Leistungsfähigkeit beider Verbände war den Christlichen natürlich sehr unangenehm, und sie gingen daran, die Nichtigkeit der Zahlen zu bestreiten, und sie be- hanpteten. der deutsche Verband habe die Zahlen zu seinen Gunsten gefälscht. Jetzt nun geht eine Schwindelnotiz durch die Zentrumspresse, in der nachzuweisen versucht wird, daß in der Verwaltung des Deutschen Textilarbeiterbandes schreiende Mißstände bestehen. In jener Notiz, die die Ueberschrift:„Sozialdemokratische Gewerk- schastsmisere" trägt, wird zunächst behauptet, die Mitgliederziffer des Deutschen Textilarbeiterverbandes sei von 129 295 ans rund 73 500 gesunken. Das ist erlogen. Die Mitgliederziffer beträgt heute»och rund 100 000 und ist seit einigen Wochen wieder im Steigen be- griffen. Sodann wird bestritten, daß die Summen, die der Deutsche Textilarbeiterverband für Gemaßregeltciinnterstützung anführt, richtig sind. Zum Beweise dafür wird gesagt, der Verband habe widersprechende Angaben gemacht; im„Korrespondenzblatt" der Generalkonrnrission seien andere Zahlen angegeben, wie in den offiziellen Geschäfts- berichten des Verbandes, und es wird dies in einer Gegenüber- stellung zu beweisen gesucht. Die sogenannte„eigentliche Art der Geschäftsführung" ist wirklich ganz harmlos. Die Differenz von 375 971 M., die der Artikelschreiber bei den Zusammenstellungen herausrechnet, ist darauf zurückzuführen, daß er in den offiziellen Berichten des Verbandes nicht die Summe mit anführte, die von den Orisverwaltungeii a» Gemaßregellemurterstntznng ausgezahlt wurden. Erst hinterher kommt er und sagt, die Ortsverwallungen hätten 53 399 M. für diese Zwecke ausgegeben. Es bleibt dann noch ein„Manko" von 322 602 M. und nicht ein solches von 222 662 M., wie es in der Schwindelnotiz heißt. Dieses„Manko" ist dadurch entstanden, daß in den früheren Jahren der verstorbene Kassierer Georg Treue Ausgaben jllr Maßregelungen, die aus Anlaß eines Streiks entstanden, immer mit unter Streikunterstützung buchte, wohingegen der Berichterstatter an die Generalkommission nur die Summe als Streikunterstützung in Anrechnung bringen koirnte, die laut Streiktisten ausgezahlt worden war. Die Crimuritschaner Bewegung, die am 18. Jauuar 1904 beendet wurde, erforderte bei der Massennraßregelnng im ersten Quartal 1904 noch 280 741 M.. die Treue als Streikunterstützung verbuchte, die aber in dem Bericht an die Generalkomnriision nicht für 18 Strciktage in Anrechnung gebracht werden konnten, denn laut Streiklisten wurden für die 18 Tage nur 44 603 M. an Streikunterstützung ausgezahlt, so daß schon in diesem einen Falle das„Manko" um 236'133 M. erleichtert wird. Die Restsumme verteilt sich auf Maßregelungen im Anschluß an einige andere Streiks. Heute allerdings werden die verausgabten Summen ihrem Ver- wendnngszweck entsprechend streng auseinander gehalten, und wenn für das Jahr 1908 656 402 M. Gemaßregeltenuntcrstützniig verbucht sind, so sind sie auch ausgegeben worden. Aber sie sind auch ein Zeichen dafür, daß der Deutsche Textilarbeiterverband im Krisen- jähre 1903 schwere Stürme zu bestehen halte, seine Mitglieder aber vor den brutalen Angriffen der Unternehmer bis zum äußersten schützte. Wenn nun eine Organisation derartige bewegte Zeiten fest durchzuhalte» vermag, so ist eS doch wirtlich alles andere, nur kein Symptom des Bankerotts. Es sei aber weiterhin ausdrücklich bemerkt, daß die Bs- hauptung von den 36 Pf. Vermögensbestand pro Kopf der Mit- glieder am Jahresschlüsse 1903 ebenso erlogen ist, wie jene Behauptung vom Rückgang der Mitglicderzahl. Die christlich- ultramontane Schwindelnotiz hat nämlich außer acht ge- lassen, daß die Abrechnung der Hauptkasie den Einnahmen des Verbandes um ein Quartal vorauseilt, das heißt, daß die Haupt- lasse schon immer für ein Quartal sämtliche Ausgaben gedeckt bat, ohne im Besitz der Einnahmen für diese Zeit zu sein. Im vierten Quartal 1903 betrugen die an die Hauptkasse zu sendenden Beiträge rund 380 000 M., 173 000 M. lagen in den Ortsbeständen und 37 404,54 M. in der Zentralkasse. Der Vermögensbestand des Denlschen Textilarbeiterverbandes betrug demnach am 31. Dezember 1908 nicht 37 404.54 M.. sondern rnnd 590 000 M. Zeigen diese Tatsachen, daß die Behauptungen der Zentrums- presse von den schreienden Mißständen in der Verwaltung des Deutschen Textilarbeiterb'erbandeS erkogeN sind, so soll andererseits nicht verhehlt werden, daß seinerzeit bei der Zusammenstellung der Zahlen für Streik- und Gemaßregeltenunterstützung des Deutschen Textilarbeiterverbandes die Gesamtsumme etwas höher wurde, als sie in Wirklichkeit ist. Es wurden die Zahlen benutzt, die schon in der Nr. 49 des„Textilarbeiter", Jahrgang 1906, enthalten sind und die Ausgaben für Streik- und Gemaßregeltenunterstützung von 1901 bis zum 2. Quartal 1906 enthalten. Als dann vom 3. Quartal 1906 ab im Geschäftsbericht des Vorstandes an die Leipziger Generalversammlung die weiteren Zahlen gesucht und gebucht wurden, wurde übersehen, daß in diesen Zahlen die Summe für die ersten zwei Quartale des Jahres 1906 mit eingerechnet war. Zieht man diese Summe, die 328 671 M. beträgt, ab, so verhalten sich die Zahlen, die die Ausgabesumme darstellen, die der christliche und der Deutsche Textilarbeiterverband in den Jahren 1961 bis 1908 an Streik- und Gemaßregeltenunterstützung aus« wendeten, wie folgt: Gesamtsumme M Christlicher Textilarb.-Verband 660 719 M. 2,80 M. Deutscher Textilarb.-Verband 4 139 651, 7,38» Diese nun berichtigte Gegenüberstellung ändert demnach an der großen Uebcrlegenheit des Deutschen Textilarbeiterverbandes gegen. über dem christlichen Verbände in bezug auf die Aufwendung von Mitteln zu Kampfeszwecken nicht das geringste. Nach wie vor ist es der Deutsche Textilarbeiterverband, der in der Lage ist, dem Unternehmertum den lzartnäckigsten Widerstand bei der Wahr- nehmung der Rechte der Textilarbeiter und-Arbeiterinnen ent- gegenzusetzen._ Ausland. Tie Staatsbeihilfe zu den Arbeitslosenkassen in Frankreich. Das französische Arbeitsministerium veröffentlicht soeben einen kurzen, recht interessanten Bericht über die Verwendung der pro 1908 zur Verfügung stehenden Staatsmittel zur Förderung der Arbeitsloscnversicherring. Seit vier Jahren erst wird zu diesem Zwecke alljährlich eine bestinimte Summe in den Etat des Arbeits« Ministeriums eingesetzt. Für das Jahr 1908 betrug sie wiederum 110 000 Frank(88 000 M.j, eine gewiß sehr bescheidene Summe, doch wurden insgesamt davon nur 47 824 Frank, also nicht ganz die Hälfte, von Subventionen ausbezahlt. Im Vorjahre war das Verhältnis noch schlechter gewesen, nur 32 240 Frank hatten zur Auszahlung gelangen können. Der offizielle Bericht betont, daß die Einrichtung der staat- lichen Zuschüsse zu den Arbeitsloscnkassen nur das Prinzip der Arbeitslosenversicherung fördern will, und zwar prinzipiell die zu diesem Zioecke von den Arbeitern geschaffenen Einrichtungen. Der Betrag der an die in Betracht kommenden Kassen geleistete Zu- schuß ist seit kurzem um 25 Proz. erhöht worden; lokale Arbeits- losenkassen erhalten 16— 20 Proz., zentralisierte Kassen dagegen 24— 30 Proz. der aus eigenen Mitteln gewährten Arbeitslosen- Unterstützung zurückerstattet.— Da die Ansprüche an den Fonds des Arbeitsministeriums immer noch recht minimale sind, wurden die Höchstsätze der Subventionen, 20 bezw. 30 Proz., an die be- treffenden Kassen ausgezahlt. Diejenigen Kassen, die sich um die staatliche Subvention bewerben, müssen vor allen Dingen ihre detaillierten und kontrollierbaren Rechenschaftsberichte veröffent- lichen. Diesem Umstände wird es hauptsächlich zugeschrieben, daß die Zahl der Bewerbungen so gering ist.— Im ersten Halbjahre: gingen Unterstützungsaniräge von 97 Arbeitslosenkassen ein, von denen 73 insgesamt 23 138 Frank Subventionen erhielten. Di« übrigen sandten entweder ungenügende Berichte oder verweigerten die verlangten Auskünfte.— Von 112 Kassen, die im zweiten Halb» jähre die Subvention nachsuchten, konnten 68 Kassen insgesamt 24 686 Frank erhalten. De» anderen mußte zumeist aus den vorher genannten Gründen die Subvention veriveigert werden. Die subventionierten drei Zentralarbeitslosenkassen, die de? Buchdrucker-, des Lithographen- und des Maschinenbauerverbandes, zählten 15 578 Mitglieder, während die Gesamtzahl der Mitglieder aller subventionierten Kassen 31248 betrug! Diese drei Verbands» lassen zahlten an 3997 arbeitslose Mitglieder für 37 866 arbeits» lose Tage insgesamt 93 479 Frank Arbeitslosenunterstützung; sie erhielten 26 696 Frank Subvention. Alle 49 subventionierten Lokalkasscn, die während des ganzen Jahres Subvention erhielten, hatten insgesamt 3660 Arbeitslose, denen für 61 600 Tage Arbeits« losigkeit 104 000 Frank an Unterstützung gezahlt wurden.— Di« Zahl der während des ganzen Jahres subventionierten Arbeits- losenkassen ist von 43 in 1907 auf 52 in 1908 gestiegen. Für den segensreicfien Einfluß der Arbeitslosenunterstützung und deshalb auch der Förderung derselben durch den Staat führt der Minister das Beispiel des Töpfergewerbes an. In der Stadt L i m o g e S bestehen 7 Arbeitslosenkassen für die Arbeiter dieser Industrie, mit insgesamt 1098 Mitgliedern, von denen infolge der Krise im Jahre 1908 nicht weniger als 803 arbeitslos waren. Diese be- zogen während einer Gesamtdauer von 20 676 Tagen 31 607 Frank an Arbeitslosenunterstützung. Th.Glockc, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstau Letzte IVacbncbten und Oepelcben. Haussuchung. Auf Veranlassung der Münchener Polizeidirektion nahm die Polizei gestern bei dem Schriftsteller Erich Mühsam eine Hans- suchung vor, die mit dem Bonibenwurf in München in Zusammen- hang steht. Bei Herrn Mübiam, der sich nur vorübergehend hier aufhält, wurden eine große Menge Briefe beschlagnahmt, die wahr» scheinlich gar nichts Belastendes enthalten. Neue Explosionen in München. München, 26. Oktober.(W. T. 58.) In einem dem Publikum zugänglichen, zu ebener Erde gelegenen Aborte des JustizpalasteS erfolgten heute nachmittag zwei schwache Detonationen. Beim Nach- suchen fand man auf einem an der Wand angebrachten Brett eine offene Blechbüchse, die, wie der Polizeibericht meldet, der Täter wahrscheinlich als..Bombe" hergerichtet hatte, die aber als solche gar nicht wirken konnte. Die Blechbüchse enthielt 12 Revolver- Patronen von 3 Millimeter und 2 Rcvolvcrpatroncn von 5 Milli- meter Kaliber, ferner eine große Anzahl eiserner Nägel und Schrauben. Explodiert sind nur zwei der großen und eine der kleinen Revolverpatronen. Aus der Büchse herausgeflogen und in nächster Nähe liegen geblieben sind nur eine Patronenhülse, eine nichtexplodierte Patrone und 12 Nägel; alles andere lag noch in der Büchse. Es scheint, daß der Täter auf die offene Büchse Papier und Watte gelegt und dann mit einem Streichholz angezündet hatte. Materialschaden ist nicht entstanden. Für das Proportional-Wahlrecht. Paris, 26. Oktober.(W. T. B.) In der Deputierten- kammer, Ivo zurzeit der Olesetzentwurf über die Wahlrcform durchberaten wird, erklärte der Berichterstatter Barenne(Soz.) ein Proportionalwahlsystem für möglich. Außerdem sei dies System das einzige, das die Wahlergebnisse in gerechter Weise zum Ausdruck bringt._ Wochenbett-Unterstützung. Paris, 26. Oktober.(W. T. B.) Der Senat hat den Gesetz- entwurf betreffend die Unterstützung der Arbeiterfrauen während des Wochenbetts angenommen und für die Verhandlungen über die Altersversicherung der Arbeiter den 4. November bestimmt. Die Cholera. Amsterdam, 26, Oktober.(W. T. B.) In Jaarsvcld(Provinz Utrecht) ist ein zweiter Fall von Cholera Asiat ica festgestellt worden. 'Dank Singer 6: Co., Berlin LVV, Hierzu 3 Beilagen u.Nnterbaltungsbl, Nr. 251. 26. Jahrgang. 1. Mm des Jorritts" Mim PollisHott. M!Iwoch.Z7.S>!lobelIM. Kodurg. Nach schwerem Kampf fiel am 22. Oktober die alte national- liberal-freisinnige Hochburg K o b u r g �»m ersten Male seitdem zum Sieichstag gewählt ivird, in unsere Hände. Zuerst uubestritieuer Besitz der Nntionalliberalen. ging der KreiS 1881 an die Liberale Bereinigung über. Seit 1884 führten Nalionalliberale und Frei- sinnige einen heißen Kampf um das Mandat. 1830, 1893 und 1898 gaben unsere Parreigenossen stets zugunsten des freisinnigen Kandi- dalen den Ausschlag. Damals— als die Sozialdemokralen die Freifinnigen heraus hieben, gelobten diese feierlichst, sollte es einmal zwischen den Nationalliberalen und den Sozialdeniokraten in Koburg zur Stichwahl kommen, so würden die Freisinnigen für die Sozialdemokraten eintreten. 1903 bot sich dazu die Gelegenheit. Aber trotz ihrer früheren Versprechungen und trotzdem die nalionalliberale Kandidatur in erster Linie eine b a u e r u b ü n d l e r i s ch e war, stimmten die meisten Freisinnigen für den nationalliberalen Biubhändler Patzig aus Berlin, während unser Genosse Krüger mit 353 Stimmen unterlag. Die- selbe Fallsucht der Freisinnigen nach recblS zeigte sich aiut, 1907. Damals brachte uns die Hauplwahl 4306, den Italionalliberalen 4437 und den Freisinnigen 4123 Srimiuen. In der Stichwahl schwenkten die Freisinnigen Mann für Manu zu den National- liberalen über, deren Kandidat Justizrat O u a r ck- Koburg 7857 Stinnnen erhielt, während für uns 4730 Stimmen abgegeben wurden. Und auch bei dieser Wahl ist der Freisinn sich in seiner Feindschaft gegen die Arbeiterpartei treu geblieben. Um so höher ist darum der Erfolg unserer Partei. Die von den einzelnen Orten jetzt vorliegenden Wahlrcsnltate lassen erkennen doh wir fast ganz a u S eigener Kraft den Sieg er- rungen haben und»ur an sehr lvcnigen Orten dem Freisinn einige Uebcrläuier bei der Stichwahl zu danken haben. Dieser Umstand ist von um so größerer Bedeutung, als die Verhältiiisie in wirtschaftlicher wie politischer Beziehung den Fort- schritt unserer Bewegung im Koburger Wahlkreise ungemein er- schwerten. Das ganze Ländchen zählte 1905 in 162 Ortschaften 71 512 Einwohner. Ausgesprowene Jndustrieorte gibt es im Herzog- tum nicht. Die Städte Koburg, Neustadt, Nodach und Königsberg in Oberfranken sind keine ausgesprochenen Industrie- Zentren. Nur in Neustadt, wo die Puppen- und Spielwaren- Industrie daheim ist— denn neben Sonncberg birgt Neustadt die meisten heimarbeitenden Spiclwarenarbeiter in seinen Mauern— überwiegt die industriell und gewerblich tätige Bevölkerung stark. Auch in Rodach, wo neben etwas Porzellauinduslrie ebenfalls die Spielwarenindustrie vorherrscht, tritt das kleiugewerbliche Handwerk und die Landwirtschaft etwas zurück. Dagegen hat Koburg keinen besonders hervortretenden Industriezweig aufzuweisen. Wohl sind einige keramische Fabriken vorhanden, aber sie können dem in- dustriellen Leben in Koburg kein besonderes Gepräge geben. Stärker herrscht die Korbwarenindustrie vor. Sie wird jedoch zu- meist in kleineren Werkstätten betrieben. DaS eigentlich Charakteristische an Koburg sind die vielen Kleingewerbetreibenden aller Art. die zahlreichen Beamten und vielen Rentiers und Pensionäre, die in dem biergemütlichen, ruhigen und schön gelegene» Orts ein beschauliches Dasein führen. Dazu ruht auf der Stadt und in seiner bürgerlichen Bevölkerung der behäbige Stolz der Klein- residenzler.— Und noch viel weniger von irgend einer industriellen Bewegung.angekränkelt" ist das mitten in Franken liegende, von jeder breiteren Verkehrsstraße abgeschnittene Landstädtchen Königs- berg. Dort wohnen nur Kleingewerbetreibende, die.freisinnig", Landwitte und einige Beamte, die nationalliberal gesinnt sind. Das gleiche ist mit den anderen sieben in diesem Amtsgerichtsbezirk ge- legenen Orten der Fall. Auch das Land weist rein industrielle Orte nicht auf. Der Amtsgerichtsbezirk Rodach besteht vorwiegend aus Orten mit aus- gesprochen landwirtschaftlicher Bevölkerung, die. zum Teil sehr frucht- baren Boden besitzend, vielfach sehr gut situierte Bauern zählt. Aber der eigentliche Großgrundbesitz fehlt vollständig. Industriell bedeutender ist dann der Neustädter Bezirk. Zu demselben gehört eine Reihe Orte, in denen die Spielwaren- oder die Keraiuindustrie vorherrschend ist. Auch der Koburger Landbezirk weist neben rein landwirtschaftlichen Dörfern mehrere industriell recht lebhafte Orte auf. Vor allen Dingen bedeutsam ist jedoch der Amtsgerichtsbezirk Sonnefeld, der, 26 Orte umfassend, eine sehr ausgedehnte Korbwarenindustrie aufweist, die aber zumeist in einer ungemein ausgebreiteten und stark ausgebeuteten Heimarbeit besteht. Seit je standen die meisten dieser Heimarbeiter, die für nur geringes Geld unglaublich schwer mit Frauen und Kindern arbeiten müssen, ganz im Banne oer.freisinnig" gesinnten Korbwarenfabrikanten, die asss=.' Kleines feuilleron. Im Sturm auf der Flngmaschine.„Heute erhielten wir den größten und kühnsten Beweis dafür, daß der Mensch wirklich die Lust erobert bat", so beginnt ein englischer Berichterstatter die Schilderung des verwegenen Fluges, den L a t h a m am Freitag bei der Fliegerkonkurrenz von Blackpool bei stürmischem Wetter aus« geführt bat. Der Zweifel an der Flugniaschiue, die ja doch auf stilles Wetter angewiesen sei und größere Windstärke nicht über- winden könne, ist mit diesem Bravourstück Lathams zerstört. Bei einer Windstärke von 16 Meter in der Sekunde begann der Flieger in seiner Antoinette-Maschine den Kamps mit der Windsbraut und blieb Sieger. Die meisten Flugtechniker waren an dem Tage nicht am Start erschienen. Mit Erstaunen sah man. wie mittags gegen 12 Uhr plötzlich am Flaggenmaste der weiße Wimpel hochging, der an- kündigte:.Flug wahrscheinlich." Erregte Erwartung bemächtigte sich aller Gemüter. Was sollte das bedeuten? Man blieb nicht lange im Zweifel: am Schuppen holte inan LathamS Apparat aus der schützenden Halle. Ueber den Flugplatz brachte man den Apparat: Latham stieg ein. In diesem Augenblick geht ein zweites Signal in die Höhe; durch das Glas liest man Lathams Namen, und mit Staunen lieft man, eri startet für den SchuelligkeirSpreiS. Die übrigen Flugtechniker stehen in kleinen Gruppen beieinander und flüstern; ihre Mienen sind ernst und besorgt. Nur Latham lächelt. Dann gibt er das Zeichen zum Loslassen. Sobald die Maschine frei wird, springt sie empor. Noch nie sah man einen solchen Start. Der vogelähuliche Apparat wird heftig von einer Seite zur anderen geworfen. Bisweilen packt ihn der Sturm von hinten und versucht ihn zur Erde zu drücken, die Schwanzteile werden emporgehoben, alle Windflnchen sind von der Gewalt des Sturmes gebogen. Doch immer wieder arbeitet die kleine Maschine sich empor. Die Erregung der Zuschauer erreicht den Gipfelpunkt, als Latham am ersten Drehpunkt eine Wendung versucht. Weit arbeitet er sich erst hinaus, ehe er langsam, strichweste sich zur Seite wendet. Unendlich langsam scheint es zu gehen, der Apparat steht in der Lust wie festgebannt: da endlich hat er die Höhe, eine kurze scharfe Wendung und den Sturmwind im Rücken braust er mit Schwindel erregender Schnelligkeit dem zweiten Zeichen entgegen. Atemlos haben die Zuschauer den Borgang verfolgt. Am zweiten Wendezeichen wiederholt sich der Kampf mit dem Winde. Die Schnelligkeit spottet jeder Beschreibung; .150 Kilometer", meint kopfschüttelnd einer der Techniker; es waren wohl nicht mehr als 120, aber immerhin eine unerhörte Geschwindigkeit. Latham vollendet ruhig Runde um Runde. Der Wind wird stärker, die Maschine aber gräbt sich ihren Weg durch die Sturmwogen. Dann endlich sieht man ihn den Apparat zum Boden lenken. Mit ruhiger Leichtigkeit wird gelandet. Latham lächelt; jedes Gefühl der überftandenen Gefahr scheint ihm zu fehlen. in Koburg sitzen und von dort die Arbeit an die ländlichen Heim- arbeiter verteilen. Mit fanatischem Haß wurden ehedem unsere Redner und Flugblattvcrbreiter von diesen durch die„freisinnigen" Fabrikanten gegen uns ausgebrachten Acrmsten der Armen verfolgt. Und noch 1907 war die für uns abgegebene Stimmenzahl in den Hauptorten der Korbwarcnheimindustris sehr gering. Das mag zum Teil darin seine» Grund gehabt haben, daß der Gedanke der gewerkschastlichen Organisation iwr sehr schwer Eingang in diese Arbeiterkreise finden kann. Aber die in den legten Jahren einsetzende enorme Verteuerung der Lebensmittel in Verbindung mit den ständig steigenden Stellern und den Nachwirkungen der Wirtschaft- lichen Krise brachten auch in diese Heimarbeiierkreise andere Gedankxn. So stiegen z. B. in Weidhausen und Sonnefeld, den beiden Haupt- orten des Bezirks unsere Stimnien von 26 auf 95 respektive von 30 auf 85! Derart niarscbieren wir an allen Orten, vorwärts; denn auch in rein ländlichen Orten und auch in solchen, in denen wir bisher weder eine Stimme erhielten noch eine Versammlung abhalten konnten, weil uns keine Lokale zur Verfügung standen, machten wir Fortschritte. Von gegnerischer Seite wurde unser Erfolg zum großen Teil auf den jetzt herrschenden Steuerunmut in der Bevölkerung zurück- geführt. Zweifellos ist dieser Einwand nicht ganz unberechtigt und es darf ohne weiteres gelten, daß manche Stimme aus reiner Ver- Srgeruug über die vielen Steuern für uns abgegeben wurde. Aber wenn das auch in sehr starkem Maße der Fall gewesen wäre— was jedoch nicht zutrifft— so würde das ja mir der Beweis dafür sein, daß das Volk eben nur noch zur Sozialdemokratie das feste Vertrauen hat, daß sie weitere indirekte Steuern wirksam be- kämpfen wird. Aber nun ist das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmenzahl von 4306 auf 6183 durchaus kein zu sprunghaftes, wenn man die stiiher für uns abgegebenen Stimmen und ihre Ver- größerung in der Zahl betrachtet. So erhielten wir 1887: 340, 1890: 1023, 1893: 2672, 1903: 3972 Stimmen und erst bei den Hotteutottenwahlen 1907 ging die Steigerung auf 334 zurück. So nahmen wir also zu um 683, 1649, 1300, 334 und 1909 um 1877 Stimmen. Das Anschwellen der Slimmenzahl ist also— immer unter Berücksichtigung der ungünstigen Verhältnisse der Wahl von 1907— durchaus kein anormales oder ungesundes, das uns den Verlust des Kreises wieder sicher befürchten lassen müßte. Sondern i n ziemlich sicherer Entwickelung schreitet unsere Be- wegung auch in Koburg fort, während aus der anderen Seite der Nationalliberalismus, der bis zu den Baucrnbündlern gekommen ist, ständig an Boden verliert und der Freisinn ebenfalls von Wahl zu Wahl an Lebensfähigkeit einbüßt. Wie denn der Freisinn seit 1903 überhaupt die Kosten zu zahlen hat. Da macht es denn nur wenig aus, ob dieser Freisinn künftig gleich im ersten Wahlgang oder erst in der Stichwahl mit den Nationalliberalen zusammen gegen uns stimmt. Irgend eine innere sachliche Berechtigung, bei einer späteren Wahl noch als selbständige Partei aufzutreten, hat der Koburger Freisinn jetzt, nachdem er mit Pauken und Trompeten inS national» liberal-bauernbündlerische Lager abschwenkte, nicht wahr. Was wir in der Stichwahl an Stimmen mehr aufbrachten, waren zu allermeist eigene Reserven, die wir in Koburg linfc, in den Jnduslriedörfern noch besaßen. Viele unserer Wähler ließMsich von dem Gedanken leiten: Es kommt doch zu einer Stichwahl, warum sollen wir zweimal wählen gehen. Es fehlt noch das erforderliche Selbstvertrauen in die eigene Kraft. Jetzt dürfte es geweckt worden sein. In einer Beziehung konnte die Stichwahl auch nicht schaden. Hat sie doch bestätigt. daß wir unsere in der Hauptwahl erlaugte Stimmenzahl nicht nur behaupteten, sondern noch vergrößerten. Und das trotz einer maßlosen Hetze der Gegner, denen keine reichsverbändlerische Niedertracht ge mein gemig ivar, die in persönlichen Anpöbeleien unseres Kandidaten das möglichste leisteten, die die Kriegervereine, Dorfschulzen, Geist- lichen, Lehrer, Glimnasiasten usw. gegen unS in Bewegung setzten Auf die kleinen Beamten wurde ein starker Druck ausgeübt. Viele von ihnen mutzten am Wahltage beim Schleppen helfen, mußten Zirkulare und Flugblätter austragen. Auch die Eisenbahnbetriebs- inipektion mischte sich in den Wahlkampf, indem sie durch ein Zirkular die Beamten zu einer„gesinnungstreuen" Wahl„er- munterte". Aber es half alles nichts. Das rote Banner flattert jetzt lustig über Koburg. Und damit wieder zum erstenmal seit 1907 auch über Thüringen! Wie jubelte 1907, als wir Meiningen II, Rudolstadt, Gera. Weimar und Reuß verloren, der ganze Ordnungsbrei, daß Thüringen wieder frei von sozialdemokratischen Abgeordneten sei. Und nach knapp drei Jahren ist gerade der Kreis von uns erobert. der noch als eine der sichersten liberalen Kreise in Thüringen an- gesehen wurde I Recht sonderbar wird jetzt den Mandats- inhabern von Meiningen El, Rudolstadt, Weimar usw. zu Gemüte sein. Zwei Jahre trennen unS noch von der allgemeinen Wahl l Ein deutscher Intellektueller über den Krieg von 1866. Daß die Bismarcksche Blut- und Eiscnpolitik von der deutschen Jntelligcn. keineswegs ohne Ausnahme gebilligt worden, ist ja bekannt genug" Aber es kann nicht schaden, wenn zuweilen daran erinnert wir' Denn die Legende ist unermüdlich am Werk, die Geschichte patriotisch umzufnlschen. Albrecht Graefe, der Begründer der neueren Augenheilkunde, gehktrte zu diesen Ausnahmen. Wir finden unter seinen Briefen, die jetzt in der„Wochenschrift für Therapie und Hygiene des Auges" veröffentlicht werden, einen an seinen Freund und berühmten Fachgenossen Arlt in Wien gerichteten, in dem er nicht nur den Krieg von 1866, sondern die ganze preußische Militär Wirtschaft verurteilt. „Manches ist wirklich"— schreibt er—„seitdem wir in den friedlichen Bergen Appenzells mit einander plauderten, vor sich gegangen, nicht gerade geeignet, die sittlichen und menschlichen Ge- fühle zu erwecken. Hader und Feindschaft hat Menschen, die im Prinzip zu einander gehören, ausgestachelt, und unschuldiges Blut vieler hat ffir die Schuld einzelner reichlich fließen müssen. Nur gut, daß wir in unseren friedlich-menschlichen Erstrebungen für diese Ereignisse keine Verantwortung tragen. Ich muß gestehen, daß ich micki nie dafür begeistern kann, wenn unter der Firma der Vaterlandsliebe das höhere und iveitere Gefühl der Nächstenliebe so in den Hintergrund gedrängt wird, und ich würde vor dem grauenhaften Zustande des Krieges nur dann den Abscheu verlieren, wenn ich ihn als einen unbedingt notwendigen erklären müßte. Und wer hätte, die Hand aufs Herz gelegt, dies tun können!— Auch für die äußere Vergrößerung unseres Vaterlandes kann ich bor der Hand nicht schwärmen. Vielleicht täusche ich mich und wir haben wirklich einen liebergang zu besseren Zuständen vor uns; wäre dies nicht, bliebe diese Militärwirtschaft in alle Zeiten, so würde ich eben so gern Chinese oder Kleinasiate, denn für mich ist der Staat überhaupt nur da, um dem Individuum seine intellektuelle und sittliche Ausbildung zu erleichtern— das andere hole der Geier! Mit einem Wort, ich gehöre nicht zu denen, die für die Zeit begeistert sind; ich hätte eine friedliche Vereinigung Deutschlands auf dem Wege innerer Freiheiten für das höhere und begiuckendere Los gehalten...." Graefe hat die neue deutsche Herrlichkeit nicht lange mehr ge» kostet. Er starb bereits am 20. Juli 1870 in Berlin. Wie würde er erst heute geurteilt haben? Humor und Satire. Bruhn, Dahsel u. Co. Sie waren Patrioten Und fühlten national. Sie schimpften auf die Roten Und schwärmten für Moral. Die Abrechnung steht bevor und wie sie ausfallen wird, läßt Koburg erkennen. Wieder haben wir Fuß gefaßt in Thüringen. Und just dort. wo das Bayernland mit den schwarzen Wahlkreisen Kronach» Lichtenfels und Baniberg an Thüringen stößt, leuchtet die rote Fahne. Ein Siegeszeichen der fortschreilendeii Kraft unserer Bewegung. Ein flammendes Zeichen sür ganz Thüringen, das wir wieder gewinnen werden. Und daß unser Banner nicht wieder von der alten Koburger Freisinnsveste verschwindet, wird das Ziel der rastlosen Arbeit der Koburger Genossen sein._ Bericht über die Migkeit der iozialdemoliratiicisen Fraktion im Berliner Katbauie. III. Schul- und Bildungswesen. In der Schuldeputation, die sich mit den Angelegenheiten der Gemeiudeschulen zu beschäftigen hat, ist die sozialdemokratische Fraktion nicht vertreten. Dieser geradezu unerhörte Zustand ist bekanntlich dadurch bedingt, daß das Kultusminsterium sich von altersher das Bestätigungsrecht für die Mitglieder dieser Depu» tation anmaßte, das ihm ja nun durch daS am 1. April 1908 in Kraft getretene Volksschuluiiterhaltungsgefetz wirklich gewährt worden ist. Um so eifriger ist die Fraktion bemüht, die Schulfragen in den Plenarsitzungen zur Erörterung zu bringen und dort auf die so notwendigen Verbesserungen hinzuwirken. In erster Linie sind es zwei Punkte— die Herabminderung der Schülerzahl in den einzelnen Klassen und die Unterbringung der Klassen in eigenen, gesunden Räumen. Im Jahre 1907 hat es der Oberbürgermeister als Ziel hingestellt, die Höchstschülerzahl wenigstens auf 50 herab- zusetzen; nach den Bestimmungen der Schuldeputation(vergleiche vorigen Bericht, S. 15) darf die fünfte Klasse bis 55, die siebente und achte gar bis 60 Schüler beherbergen! Und diese Zahlen gelten nicht etwa als Ausnahmen— sie finden sich in den all- jährlich zweimal vorgelegten Frequenzübersichten sehr zahlreich—, ja, jedesmal sind eine Reihe von Fällen zu verzeichnen, in denen sie überschritten werden. Tatsächlich entwickeln sich die Ver- Hältnisse nur sehr langsam zum besseren, und zwar auch in dieser Berichtsperiode, obgleich die Zunahme der Gesamtzahl der Schul- kinder eine äußerst geringe war. Tie Einwohnerzahl Berlins ist infolge der Krise— vom 1. Januar 1907 bis zum 1. Januar 1909 — nicht gewachsen, sie hat vielmehr einen kleinen Rückgang er» fahren von 2 096 645 in 1907 auf 2 084 544 in 1908; dement» sprechend ist auch die Zahl der Schulkinder fast gleich geblieben: 228 573 am 1. Mai 1909 gegen 228 362 in 1907. Die Zahl der Schulen ist in dieser Zeit von 283 auf 299 gewachsen, die Zahl der Klassen von 5029(einschießlich 146 Nebenklassen) auf 5168(ein- schließlich 161 Nebenklassen). Aber von diesen Klassen haben 13 kein eigenes Klassenzimmer— 5 sind„Aulaklaffen", 13 sind „fliegende"—; und 567 sind in Mietshäusern untergebracht, die fast ausnahmslos nicht für Schulzwecke erbaut und deshalb un» geeignet sind. Gewiß war die Zahl der Klassen ohne eigenes Heim vor zwei Jahren(vergleiche vorigen Bericht, S. 15) noch 59 und die Zahl der Klassen in Mietshäusern 657— es ist zweifellos, daß dieser bescheidene Fortschritt nur dem unablässigen Drängen und Bohren der Sozialdemokraten zu danken ist—, aber auch heute noch sind die Zahlen beschämend und beweisen, wie wenig Voraussicht und Vorsorge die freisinnige Stadtverwaltung bewies» als es sich darum handelte, das Schulwesen dem Anwachsen der Stadt anzupassen. Und demselben Mangel an Vorsorge begegnen wir jetzt von neuem. Im zweiten Abschnitt unseres Berichtes wiesen wir darauf hin, daß zur Bilanzierung des Etats für 1909 rund 7% Millionen Mark weniger als im Vorjahre für die Zwecke der Hochbauverwaltung eingesetzt seien; auf den Bau von Ge- meindeschulen entfallen von diesen gestrichenen 7Mi Millionen allein 5 Millionen Mark, so daß sür den Bau von Gemeinde- schulen statt wie im Vorjahre 6 Millionen diesmal nur 1 Million neu zur Verfügung gestellt werden. Dabei ist zu bemerken, daß von den acht Posten, in die diese eine Million zerfällt, nur ein einziger in Höhe von 200 000 M. eine erste Baurate ist, während die übrigen nur den Rest oder weitere Bauraten für Schulgebäude belvilligen, die schon in früheren Etats standen. Gegenüber den' oben angeführten beschämenden Zahlen ist also festzustellen, daß durch den Etat für 1907 nur der Neubau einer einzigen einfachen Gemeindeschule in der Antonstraße festgesetzt ist. Daß eS unsere Vertreter an einer Kritik weder im Etatsausschuß noch im Plenum fehlen ließen, ist selbswerständlich. In liebender Triole Den Junkern zugesellt. Erwarb mit der Pistole Man sauer sich sein Geld. Mit dem Revolver knackte Man für die Monarchie Und schrie Hurra und flaggt« Für jedes große Vieh. Die„Wahrheit" wies von ferne Den Christen weit und breit Als rötliche Laterne Den Weg zur Sittlichkeit. Und sich! Die gute Presse War außer sich bor Lust Und drückte die Mätresse An ihre Jungfraunbrust. Der Kriegervereinsphilister Verschlang die Schweinerei, Der Eisenbahnminister Gab ihr den Bahnhof frei. (Edgar Steiger im„SimpkicissimuS".) Notizen. — Ferdinand von S t r a n tz, der frühere Direktor des Berliner Opernhauses(1876—87), ist im 89. Levensjahre gestorben. — Eine Aktion gegen die„Unsittlichkeil" unter- nahm die M ü n ch e n c r Polizei, indem sie bei einer VerlagSanstalt und bei verschiedenen Künstlern hauSiuchcn ließ. Der Feldzug galt einem im Wege der Privatsubskription erscheinenden Werke, das den wenig erotischen Titel„Phönix" trägt. Hoffentlich ist die Polizei zu ihrem Amüsement gekommen. — Die erste Radiumfabrik der Welt. Am Sonnabend wurde in London in der Thomasstreet der Grundstein gelegt zu den großen Laboratorien, die bestimmt sind, die erste Radiumfabrik der Welt zu werden, die das wunderbare neu entdeckte Element regel- mäßig zu VerkaufSzweckcn herstellen soll. Nach dem neuen, von Sir William Ramsay entdeckten Verfahren soll hier das Radium gewonnen werden; man erwartet, die Hcrstcllnngsarbeit von neun Monaten auf acht Wochen abkürzen zu können.„Die höchste Produktion, die wir hier zu erreichen hoffen", so äußerte sich Ramsay, „sind 5—10 Gramm im Jahre. Der Preis des Radiums beträgt zurzeit 360 M. für ein Milligramm." Das neue Unternehmen wird von der Britischen Radinm-Gcsellschaft betrieben, die über eine An» zahl von Minen verfügt, die reiche Mengen radiumhaltiger Pech» blende liefern. Wir Ihaben bereits im zweiten Abschnitt berichtet, bah auf Grund des neuen preichischen Gesetzes über die Besoldung der Lehrer an Gemein de schulen auch in Berlin eine Neuordnung der Gehälter vorzunehmen war und daß auf Grund derselben bei den Lehrergehältern eine Mehraufwendung von rund W* Millionen nötig wird. Be. rückjichtigt man, daß der Etat für 1909 ohne diese Er- höhungen an Gehältern für Lehrer und Lehrerinnen usw. bei den Gemeindeschulen Millionen ansetzte, so ergibt sich eine durchschnittliche GehaltSaufbesierung der Lehrer von etwa 9 Proz. Bedenkt man, mit welchen Schwierigkeiten im Jahre 199? die letzte AufbesseruiH} der Lehrergehälter erkämpft werden mußte(vor. Ber., S. 17 f.) und daß jetzt durch das Vorgehen des Staates eine erheb- liche Verbesserung für die Lehrer gegen die Gehaltsordnung von 1997 erzwungen wurde, so darf man wohl sagen, daß die freisinnige Stadtverwaltung, trotz aller schönen Worte für die Lehrer und aller gehässigen Bemerkungen gegen die sozialdemokratische Fraktion, sie wolle ohne Rücksicht auf das Gebotene durch weiter- gehende, unfüllbarr Forderungen die Leistungen der Freisinnigen in ungünstigem Lichte erscheinen lassen, nicht da? getan hat, was sie längst hätte tun müssen, nämlich vorbildlich vorgehen. Aber die Vorgänge bei Durchführung der vom Staate erzwungenen") Gehaltsaufbesserung der Lehrer haben des weiteren die schönen Worte der liberalen Vorkämpfer im Landtage zum guten Teil als Heuchelei erwiesen. Im Landtage stellte sich Herr Cassel hin und erklärte, sein und seiner Freunde Ziel sei die Gleichstellung der Lehrer im Gehalt mit den Verwaltungssekretären— dieses Ziel sei aber zurzeit noch nicht zu erreichen! Herr Cassel war es, der im Landtage die Festsetzung der obersten Grenze für die Ortszulage auf 900 M. bekämpfte und mindestens 1099 M. der- langte. Nach diesen Vorgängen hätte man erwarten dürfen, daß Herr Cassel und seine Freunde, nachdem sie ihr Ideal— Gleich- stellung der Lehrer mir den Verwaltungssekretären— nicht erreichen könnt«, den Lehrern wenigstens soviel gaben, als das Gesetz zuläßt, daß sie im besonderen— da sie die Ortszulage von 1999 M. nicht durchsetzen konnten, wenigstens bis zur Höhe der Ortszulage von 999 M. gegangen wären— nichts davon; die Herren haben die Ortszulage auch nach Sljähriger Dienstzeit nur bis 759 M. anwachsen lassen. Bei den Fachlehrerinnen hatte sich der Magistrat ängstlich an das gesetzlich zulässige Minimum gehalten, doch gelang es unseren Bemühungen im Ausschuß, diesen für die Reichshauptstadt allzusehr beschämenden Zustand abzu- wenden. Bei der Beschneidung der Ortszulage für die Lehrer aber blieb es, obgleich es nun endlich möglich gewesen wäre, das zu erreichen, was die freisinnige Majorität angeblich stets er- strebte: Ruhe auf längere Zeit; dann hätten die Lehrer, wenn sie eine weitere Gehaltsaufbesserung für wünschenswert hielten, sich nicht an die städtischen Behörden wenden können, sondern an den preußischen Landtag wenden müssen. Den freisinnigen Herren aber kam es gerade darauf an, noch ein wenig Zuckerbrot für später in der Hand zu behalten. Die Gunst der langmütigen Berliner Lehrer werben sie freilich— darauf deuten alle An- zeichen hin— verscherzt haben. Dafür darf sich der Berliner Kommunalfreisinn der Gunst der Regierung erfreuen; als die Nachbarstädte Cbarlottenburg, Schöneberg und Wilmersdorf die Ortszulage für die Lehrer auf 909 M. festgesetzt hatten, versagte die Regierung ihre Zustimmung: Groß-Berlin sei eine Wirtschaft- liche Einheit, heißt es in ihrer Begründung, und die Zulassung cmer Abweichung von den Sätzen der Berliner Besoldungsordnung bei den Ortszulagen würde das dem Lehrerbesoldunggesetze zu- gründe gelegte Prinzip der Gewinnung möglichst gleichartiger Besoldungsverhältnisse für jede Kategorie aller unter denselben wirtschaftlichen Verhältnissen lebenden Lehrpersonen durchbrechen. — Ob die Lehrer dem wortreichen, aber tatenarmen Berliner Freisinn bei den Wahlen einen Denkzettel geben werden? Im vorigen Bericht(S. IS) teilten wir mit, daß zur Be- ratung einer Reihe von Anregungen, die unsere Vertreter bezüglich der Ausgestaltung deS Volksschulwesens gemacht hatten, ein Nu». schliß eingesetzt worden sei. Der Ausschuß hat eine Reihe von Sitzungen abgehalten, doch ist bis zum heutigen Tage über seine Arbeiten nicht berichtet worden. Inzwischen sind aber einige dieser Anregungen auf Grund besonderer Anträge unsererseits zur Ver« Handlung gekommen. Am 17. Januar 1993 brachte die Fraktion einen Antrag ein, von dessen Vorbereitung durch Mitglieder der Fraktion im Verein mit Vertreterinnen der Genossinnen Berlins wir bereit» im letzten Bericht(S. 19) Kenntnis gaben. Der Antrag lautete: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, mit ihr in ge« mischter Deputation über die Errichtung städtischer Krippen und Kindergärten zu beraten." Wie man auf Anregung der Sozialdemokraten, so führte unser Redner am L3. Januar 1998 aus, begonnen habe, sich von Stadt wegen mit der Säuglingsfürsorge zu beschäftigen, so müsse man nun auch für die Kinder in den ersten Jahren etwas tun, bis das schulpflichtige Alter beginne. Er wies auf die besonders schwieri- gen Berliner Verhältnisse hin, die infolge der teuren Mieten und der schlechten Erwerbsverhältniss« häufig genug auch die Frau zwingen, neben dem Manne auf Arbeit zu gehen.„Bei der großen Zahl der Fälle, wo Mann und Frau die Kinder einfach der Straße überlassen müssen oder sie der Fürsorge von Geschwistern über- geben, die kaum selbst dem KindeSalter entwachsen sind, muß man offen sagen: die Waisenkinder haben es weit besser, fürdiesorgtdieStadt. Da aber, wo die Eltern durch die wirtschaftlichen Verhältnisse verhindert sind, für ihre Kinder zu sorgen, da besitzen wir gar keine städtische Fürsorge." Der An- trag wurde sofort scharf bekämpft, namentlich mit dem Hinweis auf die private Liebestätigkeit auf diesem Gebiete; dann aber auch mit dem Hinweis auf die Kosten und mit der Behauptung, daß sich nach Schaffung solcher Anstalten auch große Mengen solcher zu- drängen würden, für die ein Bedürfnis überhaupt nicht bestände. Auch im Ausschuß, dem die Angelegenheit überwiesen wurde, ver- mochten unsere Vertreter nichts zu erreichen— wir können hier auf die höchst lehrreichen Verhandlungen nicht näher eingehen und verweisen auf die ausführlichen Darlegungen im Werke von Hirsch (S. 39S— 398); so wurde denn auf Antrag des Ausschusses am 27. Februar 1998 unser Antrag abgelehnt; ja die freisinnige Ma- jorität ging noch weiter. Während der Beratungen im Plenum stellten wir den Antrag: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, Erhebungen darüber vorzunehmen, in welchSm Umfange die Notwendigkeit städtischer Fürsorge für Kinder von 2 bis 9 Jahren durch Krippen und Kindergärten vorhanden ist." Auch dieser Antrag, der doch zunächst nur Informationen ver- langte, wurde niedergestimmt. Mit Recht hatte unser Redner der Majorität warnend zugerufen:„Wenn man dann draußen zu der Meinung kommt, daß Sie das getan haben(unseren Antrag ab- lehnen), weil Sie nicht wollen, daß man erfährt, wie die Verhält- nisse liegen, so haben Sie sich das selbst zuzuschreiben." Die frei- sinnigen Herren ziehen es vor, den Kopf in den Sand zu stecken — möge die Wählerschaft dafür sorgen, daß dieser Politik ein Ende gemacht wird. Etwas erfolgreicher waren unsere fortgesetzten Bemühungen um die Speisung von Schulkindern. Als vor zwölf Jahren seitens unserer Fraktion zum ersten Male der Antrag ge- stellt wurde, durch die Schuldeputation Erhebungen darüber an- stellen zu lassen, ob und wieviel Schüler der Gemeindeschulen diese ohne Frühstück besuchen, gelang es nicht einmal, für diesen Antrag Ausschußheratung zu erwirken: der Stadtschulrat Bertram warnte davor: *) Im vollsten Sinne des Wortes„gezwungen" war die Stadtverwaltung bezüglich des Gehaltes der Lehrerinnen und achleherinnen; bezüglich der Lehrer hätten die Sätze der eickshauptstadt den Mindestforderungen genügt. War das sckwn an sich nicht gut angängig, so um so weniger, als gerade die Herren vom Berliner Freisinn am eifrigsten gegen den Studtschen Bremserlah gezetert hatten— und das Lehrerhesoldungsgesetz enthielt doch gerade die gesetzliche Festlegung jenes BremSerlasseS. „auf Grund eines solchen statistischen Materials nun einen Schritt zu tun in unserem Gemeindeschulwesen und von da aus in unserem sozialen Leben, der in der Tat zum Anfang lx-s Koni- muniSmus führt".(Ausführlicheres bei Hirsch S. 374 ff.) Die schweren Notzeiten der letzten Jahre gaben unseren Ver- tretern Gelegenheit, von neuem und nun mit Erfolg einzusetzen. Am 12. Dezember 1997 beschäftigte sich die Stadtverordneten- Versammlung mit unserem Antrag, der Magistrat möge Ein- richtungen treffen und im Etat Mittel bereit stellen, die es er- möglichen, die Speisung bedürftiger Schulkinder von Stadt wegen zu bewerkstelligen. Trotz mancher Bedenken wurde der Antrag einem Ausschuß überwiesen, der schon am 19. Dezember einen Bericht erstattete und empfahl: „noch für diesen Winter Emucgiungen zu schaffen, welche eö ermöglichen, daß diejenigen Schulkinder, welche nach erfolgter Feststellung im elterlichen Hause warmes Mittagessen nicht be- kommen können, ein solches gegen Zahlung der Selb st- k o st e n in der Schule erhalten. Kindern bedürftiger Eltern kann das Essen kostenlos gegeben werden, wenn die Rektoren oder die Schulkommission solches für notwendig erachten. Die Ge- Währung freien Essens soll nicht als Armenunterstützung gelten." Für den Fall, daß der Magistrat diesem Beschlüsse, der eigene städtische Einrichtungen verlangte, nicht beitreten sollte, z. B. weil er die sofortige Durchführung für nicht möglich hielte, beantragte der Ausschuß, daß dem Verein für Kindervolksküchen statt der bis- herigen Beihilfe von 3999 M. eine solche von 15 999 M. gewährt werde. Interessant ist es, daß die Versammlung den ersten prinzipiellen Antrag annahm, den Eventualantrag aber ablehnte. Anders der Magistrat; er beantragte am Lö. Januar 1998 die Be- willigung einer Summe bis zur Höhe von 29 999 M. zum Zwecke der Schulspeisung in den Monaten Februar und März; und zwar sollten die von den Rektoren bezeichneten Kinder den Volksküchen de? obengenannten Vereins überwiesen werden, dem für die Portion 19 Pf. vergütet werden sollten. Daß die geforderte Summe zu gering war, leuchtete sofort ein; denn die Umfrage bei den Rektoren hatte ergeben, daß 14 S99 Kinder regelmäßig und 4978 Kinder häufig zu Hause kein warmeö Mittagessen er- hielten; in der Tat mußten im Laufe deS Märzes noch 5999 M. nachbewilligt werden. Gegenüber der entsetzlichen Zahl von �-chul- lindern, die kein warmes Mittagessen erhielten, wurde die Magi- stratsvorlage angenommen; leider lehnte die Versammlung unseren Zusatzantrag ab, wonach die Bedürfnisfrage nur durch die Schul- kommissionen, nicht durch die Armenkommissionen geprüft werden sollte. Als gegen Ende März verlautete, daß mit dem 1. April die Schulspeisungen wieder eingestellt werden sollten, stellten unsere Vertreter noch am 31. März den Antrag, die Speisungen auch in den Monaten April bis Oktober forizusetzen und die Mittel dem Dispositionsfonds zu entnehnien. Der Antrag kam erst am 23. April zur Beratung; unser Redner bat, den Antrag mit solcher Einhelligkeit anzunehmen, daß der Magistrat zu sofortigem Handeln genötigt sei. Hierzu konnte sich die Majorität nicht cnt- schließen, obwohl der Notstand unverändert war; der Antrag wu»de dem im Dezember 1997 eingesetzten Ausschuß überwiesen; am 14. Mai 1998 stimmte die Stadtverordnetenversammlung dem An- trag des Ausschusses bei, wonach dem Magistrat zunächst IS 999 Mark aus dem Dispositionsfonds bewilligt wurden, um die ihm zweckmäßig erscheinenden Maßnahmen zwecks Speisung bedürftiger Schulkinder für die Sommermonate zu ergreifen; und wonach ferner der Stadtschulrat Fischer eine Reise nach Wien, München und anderen deutschen Städten antreten sollte, um die dortigen Ein- richtungen zu ähnlichen Zwecken kennen zu lernen. Der Magistrat bewilligte zwar die Informationsreise deS Stadtschulrats, sonst aber unternahm er— abgesehen davon, daß er beschloß, in Zu- kuntf mit dieser Angelegenheit nicht die Schulkommissionen, sondern die Armenkommissionen zu befassen— nichts. Diese Untätigkeit empörte selbst freisinnige Stadtverordnete, die überdies das Ge- fühl hatten, daß sie etwas sehr in das Hintertreffen geraten waren, und so richtete ver Stadtverordnete Rosenow am 25. Juni die dringliche Anfrage an den Magistrat, weshalb der Beschlutz der Versammlung vom 14. Mai nicht zur Ausführung gekommen sei. In Unterstützung der Anfrage betonte unser Redner namentlich den Beschluß des Magistrats, sich in Zukunft statt der Schulkom- Missionen der Armenkommissionen in dieser Frage zu bedienen, ein Beschluß, gegen den sich der doch gewiß zuständige Stadtschulrat mit allen Kräften gewehrt habe. Offenbar wolle man die Er- fahrungen des letzten Winters nicht wieder machen, die Wahrheit nicht in vollem Maße zum Ausdruck kommen lassen. Er schloß mit den Worten: «Aber die Verhältnisse sind stärker als Sie mit allen Ihren bureaukrattschen Erschwernissen, und es wird sich zeigen, daß Sie mit Ihrem unsozialen Widerstand eine natürliche und berechtigte Forderung nicht unterdrücken können." In sehr energischer Weise setzte sich der Oberbürgermeister zur Wehr. Ter Magistrat sei selbständig in seinen Beschlüssen und habe vor allen Dingen das Recht, sich die Organe auszusuchen, deren er sich für seine Information bedienen wolle. Er glaube, die Antragsteller(Rosenow usw.) hätten wohl die Ueberzeugung gewonnen, daß eS„recht ungeeignet war, in diesem Stadium, wo die Sache noch ganz in der Vorbereitung ist. die Angelegen- heit in dieser Weise zur Sprache zu bringen." Solcher energischen Sprache vermochten die Freisinnigen nicht zu widerstehen: ein Antrag der sozialfortschrittlichen Gruppe: „Die Versammlung bedauert die Unterbrechung der Schul- speisung während der ersten Hälfte deS Sommcrsemesters und ersucht den Magistrat, bei der künftigen Regelung keinesfalls die Schulspeisung zu einer Angelegenheit der Armenkommisfion zu machen," wurde in namentlicher Abstimmung mit 43 gegen 39 Stimmen abgelehnt, und Herr Rosenow, der eben noch für dieses Tadeis- Votum gestimmt hatte, zog seine Anfrage als durch die Be- sprechung erledigt zurück. Das Verhalten des Magistrats, der so in der Versammlung einen Sieg erfochten hatte, erfuhr schweren Tadel selbst in der bürgerlichen Presse. Aus einem Artikel des „Berliner Tageblatts", der bei Hirsch(S. 389—381) ausführlich wiedergegeben ist, setzen wir nur zwei Sätze hierher: „Unter allen Umständen lag doch der Beschluß vor, die Spei- sung bedürftiger Schulkinder während des Sommers fortzusetzen. Das Geld dafür war bewilligt. Aber der Magistrat setzte die Spei. sung eben nicht fort, weil er plötzlich das Bedürfnis empfindet, die Kompetenzfrage anzuschneiden... Für jeden mitfühlenden Menschen hat eS etwas unsäglich Peinliches, feststellen zu müssen, daß 15 999 M. für die hungernden Kinder ausgesetzt sind, von denen nichts für die Kinder verwendet wird, weil Herr Münsterberg die Schulspeisung zur Armensache machen will." Inzwischen hatte der im Dezember 199? eingesetzte Ausschuß weitergearbeitet; gleich nach den Ferien— am 19. September 1998 — stellte er den dringenden Antrag, den Magistrat zu ersuchen: „schleunigst eine Vorlage einzubringen, welche die Fort» führung der Speisung bedürftiger Schulkinder während deS kommenden Winterhalbjahres zum Ziele hat". Der Antrag wurde angenommen und am 24. September konnte die Versammlung aus Grund einer Magistratsvorlage 79 999 M. für diesen Zweck aus dem Dispositionsfonds bereitstellen. Die� Magistratsvorlage verlangt 79 999 M., um die Speisungen, „die wir im Februar und März d. I. begannen und die wir am 15. August wieder haben aufnehmen lassen, während des kommen. den Winterhalbjahres mit Ausnahme der Ferien und der son» stigen schulfreien Tage fortzusetzen". Das solle zunächst mal durch den Derein für Kindervolks- küchen geschehen; die Prüfung der Bedürftigkeit der von den Lehrer- kollegien vorgeschlagenen Kinder solle durch die Armenkommissionen geschehen. Eine Vorlage wegen endgültiger Regelung der Schul- spei jung behielt sich der Magistrat vor. Unser Redner tadelte zunächst die Aufhebung der Speisung in den Ferien, die ja doch die Notlage nicht ändere; dann erhob er schärfsten Protest gegen die Untersuchung der Bedürftigkeit durch die Armenkommissionen, die genau ebenso sicher durch die Schul» kommissionen erfolgen könne— jede Einmischung der Armenkom» Mission bedeute eine Gefährdung für das Wahlrecht des Vaters. Trotzdem unser Protest vergeblich war, stimmten wir der Bewilli- gung im Interesse der hungernden Kinder zu. Am 25. März 1999 erstattete der Ausschuß, der auf unseren Antrag im Dezember 1997 eingesetzt war, von neuem Bericht über seine Tätigkeit und über eine neue Vorlage des Magistrats; nach dieser soll die Speisung auch nach dem 1. April weiter erfolgen; doch solle noch immer die Hilfe des Vereins für Kindervolksküchen in Anspruch genommen werden, dem für die Portion 12 Pf. ver- gütet werden. Daneben soll der Versuch gemacht werden, Kinder in den Schulen selbst zu speisen; in der Dieffenbachstraße sollte für eine Anzahl von Schulen eine Zentrale für die Speisung ein- gerichtet werden; aber auch hier will der Magistrat nicht eine eigene Küche einrichten, er hat vielmehr ein Abkommen mit der Volkskasfee- und Speisehallengesellschaft getroffen; diese ver- pflichtet sich, das Essen in warmem Zustande in Korbkisten nebst dem nötigen Geschirr an Ort und Stelle zu liesern zum Preise von 12 Pf. für die Portion; dem Magistrat bleibt also nur die Aufsicht und die Reinigung des Geschirrs. Zur Speisung während der Ferien hat sich der Magistrat nicht entschließen können. Im Ausschuß war zu der Vorlage nur beantragt worden, die Speisung in Schulräumen statt an einer, gleich an 5 Stellen zu erproben. Tie Versammlung stimmte der Magistratsvorlage zu mit dem Ersuchen, neben der Gemcindeschule 163/192 in der Dicffenbach- straße, wo die bedürftigen Kinder aus dieser und den Schulen 199/152, 144/179, 184, 83/93 gespeist werden sollen, noch vier weitere Zentralstellen für andere Schulbezirke einzurichten. Gleich- zeitig beschloß man— gegen unseren Einspruch—, die Arbeiten deS Ausschusses zur Beratung über unseren Antrag vom 12. De- zember 1997 betreffend die„Speisung bedürftiger Schulkinder von Stadt wegen" als beendet anzusehen. Als Begründung wurde an- gegeben, daß man ja einer neuen Magistratsvorlage vor Beendi- gung des EtatsjahreS(das bis zum 1. April 1919 läuft) ent- gegensehe. Zur Deckung der Kosten des neuen Beschlusses wurden 199 999 M. bewilligt. So hatten unsere unausgesetzten Bemühungen, wenn auch nicht einen vollen, so doch einen erfreulichen Teilerfolg. Freilich stellt sich die Mehrheit noch nicht auf den Boden, daß„unsere Schulspeisung sich auf die allgemeine Schulpflicht gründet", aber ihr Redner Herr Sonnenfeld erklärte am 25. März 1999, daß sie sich als eine Maßregel der allgemeinen öffentlichen Gcfundheits- pflege empfehle: „Die Stadt hat das Recht, die öffentliche Gesundheitspflege zu fördern, und wenn die Schulärzte uns sagen, daß ein großer Prozentsatz unserer Schüler unterernährt ist, dürfen wir ohne Rücksicht auf die Armenpflege erklären, daß wir aus allgemeinen Rücksichten den beteiligten Schulkindern ein Mittagessen gewähren." Wir haben die Schulpflege ausführlicher erörtert, nicht nur, weil sich die Behandlung der Frage über die ganze Berichtsperiode erstreckte, sondern weil sie bezeichnend ist für die Art und Weise, in der unsere Gedanken und Vorschläge Eingang finden. Hier hat es von oer ersten rundweg abgeelhnten Anregung bis zur ersten vor- läufigen Erledigung 12 Jahre gedauert,— das ist weniger als die Zeit, die bei anderer Gelegenheit Herr Mommsen für den Durchbruch der Aufklärung in der Stadtverordnetenversammlung ansetzte, als er in den Verhandlungen über die SonntagSarbeit im Kleinhandel ausrief:„Wenn Herr Kollege Gronewold uns eine Rede hält, die den Standpunkt richtig wiedergibt, den vielleicht viele vor uns vor 15— 29 Jahren einnahmen, so sind wir über diesen Standpunkt doch jetzt hinweg. Hoffentlich gelingt es der intensiven Arbeit unserer Fraktion, im Interesse der Gesamt- heit die Aufklärungsarbeit in immer kürzerer Zeit zu verrichten." Nicht uninteressant ist e» auch zu sehen, wie in den oben zitierten Ausführungen des Herrn Sonnenfeld aus die Auskünfte der Schulärzte zurückgegriffen wird; auch die Schulärzte verdankt die Bürgerschaft den Bemühungen der Sozialdemokraten im Rat- hause(siehe vorigen Bericht S. 17 und Hirsch S. 346 ff.)— ein Beispiel dafür, wie nach und nach die vereinzelten Anregungen und Erfolge sich zu einem größeren Fortschritt zusammenschließen. Daß wir auch in dieser Berichtsperiode keine Gelegenheit versäumt haben, unsere alten Forderungen zu vertreten, ist selbstverständlich; so wurde bei den Etatsberatungen die un- entgeltliche Lieferung der Lernmittel unter Hinweis auf den Vorgang anderer Städte von neuem an- geregt. Am 5. März 1993 stellten wir den Antrag, in den Etat den Satz aufzunehmen:„Neue Vorschulen werden in Zukunft nicht eröffnet; bei den zurzeit bestehenden ist die Vermehrung der Klassenzahl ausgeschlossen." Wir sind über- zeugt, daß eine wirkliche Hebung unserer Gemeindeschule erst eintreten wird, wenn die sozialdemokratische Programmforderung der Einheitsschule erfüllt ist, wenn die Kinder der Besitzenden mit denen der besitzlosen Klassen dieselbe Schulbank drücken müssen. Unser Redner war in der glücklichen Lage, sich auf den Antrag der Freisinnigen im Landtage auf Abschaffung der Vorschulen berufen zu können, bei dessen Begründung der freisinnige Abgeordnete Ernst erst am 25. Februar 1998 im Abgeordnetenhaus« ausgeführt hatte:„Die Vorschulen sind ein unschönes Gewächs der NeaktionS- Periode, sie verdanken ihr Entstehen, Wachstum und Blühen der Vernachlässigung der Volksschule, der staatsmännischen Kurz- sichtigkeit der früheren höheren Stände," während der konservative Redner v. Kölichen sich für die Ablehnung des freisinnigen An. trageS gerade auf die städtischen Vorschulen und die Absicht der kommunalen Verwaltungen, sie n i ch t zu beseitigen, berufen hatte. Unser Redner im Rall>ause verlangte, daß die Freisinnigen nicht auch hier wieder die Doppelrolle spielten, im Landtage Vorschläge zu machen, die sie dort, wo lie den Ausschlag geben, selbst nicht befolgen. Da sich sämtliche Redner, bis auf einen Herrn, der nur feine Privatmeinung vertrat, im Prinzip für unseren Antrag aussprachen, zogen wir ihn zurück, damit er nicht unter dem Vor- wand abgelehnt werde, man wolle eine so wichtige Frage nicht anläßlich einer Etatsposition entscheiden. Im vorigen Bericht(S. 18.19) hatten wir von unseren Be- mühungen für Errichtung einer Waldschule nach Charlottenburger Muster gesprochen, aus denen wenigstens der Plan der Errichtung einer„WalderholungSstätte" so weit hervor- gegangen sei, daß in den Etat für 199? eine Summe von 399 999 Mark für eine solche eingesetzt sei. Als aber am 6. Februar 1998 die Angelegenheit aus Grund deS Ausschußberichts von neuem be- raten wurde, wurde die Magistratsvorlage nebst den Abänderunaen deS Ausschusses mit 73 gegen 47 Stimmen abgelehnt. Vom übrigen Schulwesen wollen wir nur noch der Pflicht- fortbildungsschule gedenken. Auch ihre Errichtung ist dem unermüdlichen Drängen der Sozialdemokratie zu danken, die die erste Anregung bereits im Jahr« 1891 gab(die Entwickelung der Angelegenheit bei Hirsch S. 385 ff.). Freilich geht auch jetzt noch die Entwickelung nur langsam und bedarf des fortwährenden Eingreifens unserer Fraktion zu ihrem Schutz. Noch fehlen für die Mehrzahl der Anstalten eigene Gebäude, sie müssen sich so gut eS geht mit der Unterkunft in Gemeindeschulen behelfen; die Klassen einzelner Schulen sind an mehr als drei verschiedenen Stellen untergebracht. Tie Ausdehnung aus die in kausmännischen Betrieben beschäftigten Mädchen unter 13 Jahren ist trotz der Zu- sage noch nicht erfüllt. AIS Grund wird angegeben, daß eine Novelle zur Gewerbeordnung die Möglichkeit geben werde, auch die in gewerblichen Betrieben beschäftigten Mädchen in die Schul- Pflicht einzubeziehen und daß man im Interesse der einheitlichen Organisation bis dahin warten wolle. Aber auch in die be- stehenden Verhältnisse wird eingegriffen. Unsere Genossen hatten bei Schaffung deS OrtSstatuts beantragt, daß in die Ordnung die Bestimmung aufgenommen werde, der Unterricht müsse in die Zeit zwischen 7 Uhr morgen« und 7 Uhr abends fallen. Die Majorität beschloß, daß ausnahmsweise auch bis 8 Uhr unterrichtet werden dürfe— damals hatte man auf die Arbeitsburschen hingewiesen. die sonst einen erheblichen Lohnausfall haben könnten. In der Praxis ist es dahin gekommen, daß in allen Schulkreisen und allen Gewerben bis 8 Uhr unterrichtet wird, ja daß die Stund« von T— 8 Uhr abends alles andere eher als eine Ausnahme ist. In der Magistratsvorlage war bestimmt gewesen, es solle die Schüler. zahl einer Klasse nicht über 40 und tunlichst nicht unter 30 be° tragen. Herr Cassel und seine Freunde beantragten, umgekehrt zu sagen, nicht unter 30 und tunlichst nicht über 40; trotz unserer Warnung wurde dieser Antrag angenommen. Das aber genügte dem Kämmerer noch nicht; im Etat für 1000 fand sich folgende Be» merkung:„Grundsätzlich ist daran festzuhalten, daß die Be- suchSziffer jeder Klasse m i n d e st e n s 35 zu betragen hat. an deren Stelle nur vorübergehend wegen der noch ob- waltenden örtlichen und sonstigen Schwierigkeiten 33 treten kann." Es bedurfte eines recht energischen Protestes unserer Vertreter, damit dieser Satz, der hintenherum eine Erhöhung der Besuchs- ziffer herbeiführen sollte, gestrichen wurde. Nach wie vor wird es das Bestreben der sozialdemokratischen Fraktion bleiben, auf dem so wichtigen Gebiet des Bildungs. Wesens Rückschritte zu verhindern, Fortschritte anzuregen und zu fördern. Deshalb sollte bei den Wahlen jeder Kulturfreund für die Kandidaten der Sozialdemokraten stimmen. Klus der frauenbewegung* Verband für Frauenstimmrecht. Der Verband für Frauenstinunrecht hat in seiner jetzt in München abgehaltenen dritten Generalversammlung in anerkenuenS- werter Weise für daS allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht demonstriert. Verschiedene Rednerinnen traten einem Versuch, die WahirechtSforderung abzuschivächen. den Verband nur auf die Forderung«ineS Wahlrechts für die Frauen zu verpflichten, ganz energisch entgegen. Fiäulein Christmann- Köln meinte, man dürfe sich nicht auf ein bestimmtes Wahlrecht festlegen, man müsse— politische Neutralität üben. Demgegenüber erklärte Frau Toni Breitscheid: Wir brarichen die Unterstützung der sozialdemokratischen und der berufstätigen Frauen, die ohne daS allgemeine Wahlrecht nicht zu gewinnen sind. Wir können nicht einen Teil der Frauen vom Wahlrecht ausschließen, wenn wir für uns selbst daS Stimmrecht verlangen. WaS hätten die Frauen von der g"' lassung der Frau zum preußischen Dreiklassenwahlrccht? — In gleicher Weis« äußerten fich Dr. Tohrn» München und Fräulein Heymann. Schließlich wurde gegen eine Stimme be- schlössen, an dem allgemeinen und direkten gleichen Wahlrecht fest- zuhalten. Trotzdem: Der Nässende Gegensatz zwischen den radikalen bürgerlichen Frauen und der proletarischen Frauenbewegung zeigte fich doch in greller Beleuchtung I Die Bürgerlichen vertreten ihre Forderung gegen den Mann; sie betrachten die Rechtlosigkeit der Frau lediglich als eine Folge des MänneregoiSmuS. Für sie ist die Frage der Francnemanzipation eine solche der sich feindlich gegen- überstehenden Geschleckter; sie kämpfen für die Befreiung des Weibes von der Herrschaft deS MauneS. Ihre EmanzipationS- bestrebungen haben nicht die Aufhebung der Klassenherrschaft, der Unterdrückung und Ausbeutung überhaupt zum Ziel. Die bürgerlichen Frauen wollen Anteil haben an der Klassenherrschaft. Sie erstreben Aufhebung der Unterdrückung und Rechtlosigkeit deS Weibes nur insoweit, als notwendig ist, um der bürgerlichen Frau die Gleich- berechtigung als Klasieuherrscherin zu verschaffen, gleichwie die Proletarierin trotz Rechtlosigkeit mit dem proletarischen Manne die .Pflicht" der Lohnsron teilt. Die Erlangung des Stimmrechts gilt der bürgerlichen Frau als das Mittel, in die bürgerlichen Berufe und öffentlichen Aemter als mit dem Manne gleichberechtigt einzu- dringen. So kämpfen sie gegen den Mann. Sie sind weit davon entfernt, in der Feindschaft gegen die Gleichberechtigung der Frau, neben der ja auch wirksamen Konkurrenzfurch« der privilegierten Männer, den Ausfluß der bekänipfenLwerten Klassenherrschaft und deS Herrschaftswollens der besitzenden und ausbeutenden Klosse zu sehen. Ihr Kampf gilt daher auch nicht der Befreiung der unterdrückten und ausgebeuteten Klasse. Wie sehr man in jenem Lager im Banne des Nurkonkurrenzkampfes gegen den Mann steht, bewies eine Debatte über die Frage, ob man anschließen solle oder nicht. Anita „politischen Männerportcien" wollten kommene Arbeitskräfte haben. Der Dame ist doch nicht unbekannt, daß die Sozialdemokratie prinzipiell die volle Gleichberechtigung der Frau fordert und zubilligt. Die Demokratische Vereinigung hat dem Verbände schriftlich mitgeteilt, daß auch sie die Forderung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts in ihr Programm aufgenommen habe. Glaubt sie, da ehrliches Wollen in Zweifel ziehen z» müssen? Frau Lindemann-Sluttgart hatte den wunder- lichen Einfall, sich darüber zu wundern, daß eS noch Frauen gebe. die eine Partei finden, der sie angehören können. Von Männerhilfe sei nichts zu erwarten.— Frau Cauer sprach von der Gefahr, die der Bewegung durch die reichsverbäudlerische Fraucnorganisalion drohe. Dieser Hinweis beleuchtet die besondere Stellung der bürgerlichen Frau im Widerstreit der Interessen. Die Frauen der oberen Zehntausend, nicht beschwert von wirtschaftlichen Sorgen, deren soziale Stellung in der Gesellschaft durch eigenes Vermögen und Geburt oder durch Amt, Würden und die Wirtschaft- fast ergötzlich anmutende sich den„Mäunerparteien" Augspurg meine gar, die die Frauen nur als will- liche Macht der Männer und Väter gesichert ist, fühlen sich nur als Angehörige der besitzenden und hcrrschenAen Klasse. Als solche sind sie nicht geneigt, den Besitzlosen politische Reckte einzuräumen. Ihr Klasseugesühl ist stark genug, kein Solidaritätsgefühl für die unter» drückten Geschlechtsgenossinnen auskomnien zu lasten. Anders die bürgerlichen Frauen I Aus dem Kleinbürger- und Bcamtcustande hervorgehend, find sie. meistens genötigt, auf eigenen Füßen zu stehen, sich eine soziale Position zu erkämpfen. Arbeiterinnen wollen sie natürlich nickt werden. Die Stellungen, auf die sie re- flektieren, betrachten aber die Männer als ihre Domäne. die sie sich erhalten wollen. aus der sie die lästigen Ein- dringlinge fernzuhalten suchen. Die bürgerlichen Männer sind daher auS Klasienintercsse und Konkurrenzrücksickten Gegner der von den Frauen geforderten Gleichberechtigung. Ten konservativen Frauen, deS sozialen Motives der auf eigenen Erwerb angewiesenen Frauen bar, fehlt das SolidariiätSgefühl für die GeschlechiSgeuofsinnen und so sind sie auS reinem Klasseninteresse Gegnerinnen der Frauen, die wie sie Anhängerinnen der Klassen- Herrschaft sind. Da daS von ihnen erkorene Mittel, mit dem sie sich ihren Platz innerhalb der herrschenden Klasien erkämpfen«vollen, daS gleiche ist. daS die unterdrückte Klasie als Jnstrumenl im Kampfe gegen die Klassenherrschaft heischt, so haben die bürgerlichen Fronen mit der Forderung deS allgemeinen, gleiche» und geheimen Wahl- rechts, soweit sie diese Forderung konsequent vertreten, mit der proletarischen Frauenbewegung die gleiche Wegrichlung. Die Motive sind verschieden, nur das vorläufige Ziel verbindet beide. Frau Breilschcid sagte ganz richtig, wenn auch nicht klar ausgesprochen, man brauche die Proletarierinnen als Mittel zum Zweck. DaS ist ihr gutes Recht. Die gleiche Forderung hat grundverschiedene Ursache und Bestimmung. Die sozialdemokratische Partei, die jede freiheitliche und demo» kratischc Forderung unterstützt, gleichviel von welcher Seite sie er« hoben wird, begrüßt eS trotz der Gegensätze natürlich auch. Ivenn bürgerliche Frauen nicht nur die staatsbürgerliche Gleichberechtigung deS weiblichen Geschlechts verlangen, sondern auch den Kampf dafür aufnehmen. Wegen des Zweckes, den die bürgerlichen Frauen mit der Wahlrechtsforderung verfolgen, bleiben sie Gegncruuien der Sozialdemokratie, Verteidigerinnen der Klassenherrschaft--» das scheidet uns 1 Sozialdemokratischer Lese- und DiSkntierklnd„Heinrich deine». Heute abend 8'/, Uhr Sitzung Bei Bolze, Rodelibergstraße 8. Küste willkommen. Augen auf! P MM' BooIIIdd-Wülfel sind die besten! Nur echt mit der Schutzmarke„Kreuzstern". 5 Pf. für>/. Liter. ftzur den Inhalt der Inlrrate übernimm» dir Redattion dem Publikum gegenüber keinerlei UeranNvortung. €bcater. Mittwoch, den 27. Oktober. «»sang l'l, Uhr. Kdnlgk. Opcruhau». Madame Butterst y. Königl. ZchaulPielhauS. Der eingebildete Kranke. Deutsches, Ei» SommernachtS- träum. Kamm erspiele. Der vrzt am Scheideweg.(Ans. 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. GygeS und sein Ring. Anlaug S Uhr. Neues königl. Qpern-Dheater. Der Ammkafepp'I. Leffiug. T-mtriS der Narr. K-uiilche Lprr.«ulerftehung. Berliner. Alpenkönig u. Menschen- seind. Nachmittags s Uhr, Der Traum ein Leben. Neues. Da« Urbild deS Tarttisse. Hebbel. Der Skandal. Wellen. Die geschiedene Frau. Voltsover. La Travtata.(Ansang 6'!, Uhr.) Neues Overrttea. Der arme youatban. Thalia. Prinz Pulst. Rrstdrnz.«veeichen. Triiuio». Parlier Witwen. Lus«spi»lhaus. Man soll keine Briese schreiben. Kleines. Hinter'm Zaun. Schiller»». rWullner- Theater.) Gespenster. Sch»>«Lharlottendurg. Der Schwur der Treue. Friedrich> Withelmitödt. Schau» spielbaus. Da» groß« Licht. Snisen. Der' Kamps»ni den Nordpol. SKoic. Der HiUlenb, sitzer. Mrteo»«». Hallvh II— Die große Revue. FolieS Caprtee. Mobilisterung. Der gewiss« Augenblick. Aus. B'l, Uhr. Zlv> ilo. EveziaMäten. Wintergarten. Svezialitüten. Gebr. Herrufcld. Theater. Frau tiltam« Friseur. Meine- Deine Tochter. Karl Haverland- Theater. Epe» zialitäten. Easino. Onkel Sohn. Walhalla. SoezialilSte«. Gastspiel. Die gute Parti«. a»o«'fqt. Svezialitäten Noacks Theater. Da« Warenhaus- sräulein. Pal an. Der Blumenstrauß, Spezialt. täten. NeichSoalleu. Stettlner Sänger. Urania. TandenNr-ste Abend» 8 Uhr: Entstehung neuer Formen in der Pslanzenwelt. Nachmittag» 4 Uhr: Rom und dir Campagna. Siernioarte. gnvaltdenttr. ST/OS, I.CKHlnar-Thcater. 8 Uhr: Tantrlö der Narr. Donners!, ig, 3 Uhr: Tantris der Narr. Freitag, 8 Uhr i Der König. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Zllpenkönig und Menschenfeind. Nachm. 3 Uhr: lZeeleaum eia l-eben. Heues Theater. Abend« 8 Ubr: Das Mi Des Tarle. Morgen'IJB Uhr zum erstenmal: Der letzte Kaiser. Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: I»le zceticliledeno Fran. Sonntag nachm. S1/, Uhr: Fln Walzertraum. Neuen OpeFetton-Thoatep, Schistbauerdamm 25, a. d. Luilcnstr. Heute und folgend« Tage: Der arme donatkan. Friedricli-Wllhelnistädtisches Schauspielhaus. Mittwoch. 27. Oktober, Ans. 8 Uhr: Das große Licht. Donner»tag: Das große Licht. Freitag: Da« große Licht. Sonnabend i Da« große Licht. SV.. Volks-Oper. Belle-Alllaiice-straße Nr. 7/8. «Btndä ll,9 Uhr: La Traviata. Donnerstag Bastsptel Werner Albertl; Der Troubadour. Donnerstag, den 88. Oktober und Montag, den 1. November, beginnen die Vorstellungen um ll,9 Uhr. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Groteske in 3 Allen von Davis und Liplchütz. Morgen und solgend« Tage: Dieselbe Borstclluiig. Sonntag, 3!. Okt.. nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Zlmelie. wkwvkwu im-a w*)| Abends 8 Uhr: Der Kampf um dru Nordpol. Donnerstag: Der Kampf um den Nordpol. Freitag: Inspektor Brästg OH-imH Große Franlsurtcr Str.«82. Ans. 8 Uhr. Ende geg. ZI U. _!Ner Mrnbrfitzrr. Schauspiel in t Akten v. G. Ohnet. Donnerstag: Michael Kohlhaa». üftelünvr- Schlllor-Theater 0.(Wallner-Tdeater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Cip»pennte f. Ein Familiendrama in 3 Aufzügen von Henrik Ibsen. »» End« tO-,. Uhr."TH DounerSlag. avendSbUhr: Geapunater. Freitag. adenoS SNdr: naaKttthchcn v.Heilbronn Theater. Schiller-Theater Charloltenburg. Mittwoch, abends 8 Ubr: I>vf Schwur der Treue. Lustspiel In 4 Akten v. O. Blumenthak. iXT End« 10'/. Uhr.-Mg DounerStag, abendSSUHr» vle erste«elzxe. Freitag, abend«» Ubr: Ver Schwur der Treue. Lichtenberg Fernsprecher Nr. 8. Franhfurtcr- Ohaussce 5. Jeden Mittwoch; Mtiflcr übend der fidelen Spatzen Vornehmste Herrengesellschust(neun Herren). Äanng: Familäen-Kränzchen. Smnuag: WT Geoßer CalB.~3H Mittwoch, de» 27. Oktober, abends 7'/a Uhr: Gros/e Extravorstellung. 8 ungarisch. Notschimmel dressiert u. vorgesühr: v. 8. Loa». v Damen Proveanies« in ihren Glanzleistungen. tLes Arlhos. Pferd u. Ballerina Schulakt de« Ritter v. Ronroll, Jim u. Jam. die Urkomischen. Miß Silva Loyal dressiert« Tauben. Mme. da Bainville p SV- Clown Adolf als-�2 tfs&r Mi 3 Ella.-�u Der drollige Schimpause als Stadsahrtünstler. Zirkus Busch. Mittwoch, den 27. Oktober 1009, abonds?>/, Uhr p-szlse; Onlu-Abend. Zwerjfclown Fran�ols als Kunstreiter. Die CU-velHnds! Korr Willy Manns Wunderolefant. Mdm. Smaragdas Katzendressur Herr Burkhard«- Foottit, Schuir. Herr E. Schumann, Neudress Um 9'/. Uhr: fkWMell! Besonders hervorauhoben: lack Joyce, der berühmte Cowboy mit setnon wilden Pferden. Die 10 Meter hohe Springwelle und das große Gala-Programm. 'jW— HMNIMIIBHII I Metropol-Theater Hallo!!« Die große Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v, Paul Lincko. In özone gesetzt vom Dir. Bich. Schnitz. Anfang 8 Uhr. Rauohen gestattet. W.KoaeksTheattr Onnmuiftt.««, am Rosenthaler Toi Täglich'/,S Uhr: Mit größtem Beisall ausgenommen Ans Warrlihllusftiililtlu. VolkSft. v. d. Mejiingputzer O. Popper. Sonnabend Kindervorstellung: gjot- käppchen. Abends Premiere FrethettSdrang. Abends 8 Uhr: Tohuussahuhu. Burleske nach dem Amerikanischen, bearb.v. Heinz Gordon, Gcsangslerte v. Rudolf Schanzer, Musik v. Julius EinödShojcr. v Uhr 30: Die grandiosen Spezialitäten. kv Uhr i ? Lussac-Talma? Sanssouci, ÜZTl Dtrektton Wilhelm Reimer. Heute Mittwoch t Theator-Abend. Beginn B'l, Uhr. Zum erstenmal: Marianne, ein Weib aus dem Volke. Schauspiel w d Alten. Morgen Donnerstag: Hoiimanns Eordd. Säuger und Tanzkräiizche«. v eg. Sonnt. b,»och«t.8U. Urania. Wisaenachaftllohes Theater- Nachmittags 4 Uhr: Rom und die Cuuipagna. Abends 8 Uhr: Prof. de Vriea: Entstehung neuer Formen in der Pflanzenwelt Hörsaal 8 Uhr: Prol Dr. Hathgen: Chor, Jod, Brom, Fluor. Letzte Woche! Maria Galvany Primadonna von der ICgl. Oper in Madrid, sowie die sensationellen Oktober-Attiaktionen. Passage-Theater.| Abends 8 Uhr;| Oer grOEte Erfolg» der Theatersaison I J Henry Bender! in der tollen Burleske| Der süße Doktor. Ferner: Ciaire WaldolT und der groBo Varletfi-Tell. J Passage-Panoptikum. Alles d. schwebende Jungfrau. Der Idotoboy d. kBnstl.zerl. Mensch PanonsoHorträge Vitaskop-Tbeater Oauorvorstellung von 4—7 Uhr. Folies Caprice.j Mobilisierung. lluntor Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11—2. Anfang B'l, Uhr. 1 LustspieShaus. ZIbcndS 8 Uhr: Man soll keine Briele selii'eüiea. Gastspisl-Theatsr Köpenick» Straße 07/88. Täglich abend» 8'/. Uhr« Gastspiel von Fritz Beokmann. Die gute Partie. Umfeld Koiumandantenstr. 37. T. H. 4, 50S3. Nur noch vi« Inll. Freitag, Lv. Oltob.: Ukelne-Delne Tvehtei-. Fn.ui Elknna Friaonp mit fUniaii und Tonat Hcrnifclb. Sonnabend, 30. Okt., Premiere: IS« ninU m»»» iiiaclicn. Burleske m. Gelang tu 2 Akten von A.». D. Herruseld. Ein RoNuagir iiiei. Rom. v.L.Humra. Ansang 8 Uhr. PiemIeren.Lillett« bereits zu haben. Trlanon»Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. SlaiH-Thaalal Moabit. Alt-noabit 47/48. Donnerstag, den 28. Oktober 1909: Großer Erfolg l Großer Erfolg I »>uf allacmcinen Wunsch: ff. Dr. Heinrich Alerander, l. SlaatSanw.: Fritz Lorentz a. G. Casiuo-Theater Lothringer Sl raste 37. Täglich 8 Uhr: Cntcl FZ�-ohn ufcl K.H.ohn nfel ��obn Cnfel F�ohn ntel»D.obn ntrl ��ohu Sonnlag 4 Uhr: Aamilie Klinker». Neu© Welt. Hasenheide. Mlltwoch, den L7. Oktober 1909: SeR'tTL jE8!S©X. Trauerspiel in 6 Akten von Laude. Kassenössnung 7 Uhr. UM Anfang 8 Uhr.-DifZ Ii.«tu Izr-tuel t- Ii u-iu«. Hoirnrarftltraste 72. Täglich: Frun» blehun.lrl. Fill Morro, Luslne Eulenburg, Coschw. Arras, F. W. Hardt, Th# Hartlo u. MIB Eltrah csv/. Dr. Schwips. Posse mit Gesang In einem?Itt. ff/iimire E Variet�-Theafer I Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. 1 Ans- 8 Uhr. Die grosturttge» I Oktober-Spezialitäten. Im Tunnel: Regimentskapelle. Theaterbesuchern freier Eintritt. kslsst-lliester. DireMon: Rodert Di»& Karl Pirnau. Burgstrabe 24, am Bahnhos Börse. Die erstklassigen Oktober- 8pemMen. Svengalis.?? Mr. Merins?? Otto Malier-Römer. Collrfy Aehtensü The Lunae, Hee and Shee usw. Der Blumenstranst. Liederspiel. Anfang 7 Uhr. Entree: 50 Pf. bis« Mark. Kar! klaverlsnc! IkioiKtei- 77/79 Kommando ntenstrahe 77/79. Ansang präzise 3 Uhr. Schlager auf Schlager bringt das O Ii tal» e i»- I'i-aA. Keiedsdsllell-Idestei'. Sleier Siger Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. �gsrvsljgntlieke � KenessI-VösZWiiilMg des am Moritzplatz Anf.8 Uhr. L Thoatersaal: D. Kanonenschlager Meyer mit'n Hängeboden mit Paal Bendlx in der Titelrolle und das glänzende Spezialitäten• Programm. Im Konzertsaal: Täglich: Gr. Konzert der ersten Kapellen der Berliner Garde-Regimenter. £. V, am Freitag, den 29. Oktober 1909, abends 8'/, Uhr, im groben Saal der Bittoria-Branerei, Liitzowstr. 112. Tagesordnung: 1. Bericht der Revisionskommisfion. 2. Kassenbericht. 120/4' 3. Statutenänderungen. 4. Vorst-iNdSwahl. S. Verschiedenes. Der Borstand I Billigste Bezugsquelle I Igedieg-Traoergume iWeslmannsl Trauer-Magazin 1 Berlin W.. Mohrenotr. 37a I NO., Gr. trankt. Str. IIS. j I Genaue Beachtung I | meiner Firma u. Haus- 1 nummer geboten! Verleih-Ingtltut: Frledrichst.l 16/1, a.Orabg. 'Tor. Eleg. Frack, Gchrock 1,!>0,Hose 1,00, Weste S0Ps. IlBini UiMlBtl) ii lll)ipi i■■ E. 0. m. b. H.: A ktira. Bilanz vom t. Juli 1908 bis 30. Juni 1909. Pawnlva. M. An Warenkonto..... 30 606,63 . Bäckerei.. 3128,94 ,, Zentrallager 6«>94,01 , Kassakonto..... 4 338,95 , Debttorenkonto... 2 237,31 , Inventarkonto.... 16030,36 , Maschinenkonto... 1 677,86 , Gcspannkonto.... 2 607,84 , Anteil bei der G. E. G.. 1 000,— , Guthaben bei d. N. E. G. 1210,45 , Sparkasse,.. 439,25 , AnteU beim Beel. Bau- und Sparverein... 152,10 , Kauttonenkonto... 410,— , Faslagenkonto.... 455,80 M. 70 fiewinn- M. Per GeschästSanteilekonto. 22 779.63 „ Reservesondskonto.. 3 876,83 „ Dispositionssondskonto 180,35 , ErweilerungSsondskonto 533,84 , PersonalunterstiitzungS- sondskonto.... 779,49 , RückoergüwngSreserve- sondstonto.... 855,12 „ ProdutlionssondSkonto 594,84 , DarlehnSkonto... 9 781,16 „ Kreditorentonto... 19 419,71 „ Gewinnkonto.... 11 638,48 439,50 nad Verlnatkonto. M. 70439,50 M. An Unkosten: Konsumverein 41 655,18 . Bäckerei..27 571.33 , Jnvenlarabschrbg.: 8'/« 1 393,96 „ Maschtnenabschr.: 20°/, 419,58 . Gespannabschrbg.: 20°/, 651,95 ° Zinsen....... 377,10 , Frachten...... 601.40 ' Gewinn, und Verlust. 11 638.48 M. Per Rückvergütung von der G. S.G...... 449,95 . Zinsen...... 211.55 . Diskont...... 891,78 „ LiescrantengewinN. 798,25 . Warengewinn.... 81 957,50 M. 84 309,03 M. 84 309,03 Miigltederbcwcgung. Bestand am 1. Juli 1908............. 1788 Eingetreten im Laufe deS JahreS.......... 346 2132 Ausgeschieden find freiwillig............. 119 Ausgeschlossen wurden............ 115 234 Bleibt ein Mitgliederbestand am 30. Juni 1909..... 1898 DaS Geschüftsguthaben betrug am 1. Juli 1908■•■••■•.. SR. 19807,53 Eingezahlt wurden im Lause deS JahreS... M.-31,55 U eberschrieben............, 4 407,87, S 139,42 An ausgeschiedene Mitglieder ausgezahlt Dem ReservcsondS überschrieben... Bestand am 30. Juni 1909 M. 2 082,38 „"84,91 M. 24 946,95 2 167,27 M. 22 779,63 betrug am 1. JuN 1908 Hinzu durch Eintritt:... »Abzüglich durch Ausscheiden: Abzüglich durch Ausschlieben: Bleibt am 30. Juni 1909 ein- Haslsumme von Der Vorstand. A. Dinier. A. Sellin. D. Die Hastsumme .' 346 X 30 St! ,119X30 115 X 30. M. 63 680,— 10 380,— M. 3 570.— 3450,— M. 83980,— . 7020,— M. 56 940,— H-PP. Vorstehende Bilanz wurde von uns geprüft und mit den Büchern in veberelnslimmung gesunden. Der AusstchtSrat. 108,11 Dr. B. Borchardt. H. Bade. AhrenS. Fladrich. Kiza. S- Bollenttn. Henkel. O. FIcmming. O. Storch. Fr. Lodahl. F. Busse. Kropf. /„K- Klndep- nanrung Kranken- Kost. Harvorragend bewährli Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an Verdauungsslörung. •.V.'AWAW/iV.'/iW.SVWkVWAW.SNW.V.V.V.'.V/.WASVsVWA.' K Warme $ > gefütterte Winter-Joppen Schutz gegen Erkaltung Gute Lodenstoffe in den beliebten J« Farben Praktische Fassons mit !» doppelt, breitem Brustüberschlag s > Eigene Erzeugnisse S: 30- 27.- 24.- 21.-, $ 18- 15.- 12,- f/ :: 9.- 7.50 6.- □ □ □ □ j: Pelz- Joppen II* Starke Lodenstoffe mit verschied. Pelzfutter. 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Mittwoch, nachmittags 3 Uhr. von| der Halle des städtischen Fried« hoscs(Rudower Strajzc) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 236/7 Dei- V»i-stz»ml. I Zentral-Ferein der Biidiiauer Dentseblands. (Verwaltung Berlin.) Den Kollegen hierdurch die I Mitteilung, dag am Sonntag, den 24. Oklober, unser Mitglied, der I Steinbildhauer Johann Rösenberg im Alter von 45 Jahren gc- sterben ist. Die Beerdigung findet beute. Mittwoch, den 27. Oktober,»ach- mittags 4 Uhr, aus dem Michaels. Friedhof in Rixdors, Hermann- straste, statt. Um rege Beteiligung ersucht 20/15 I>ci- Vorstand. Zentral-Kranken- n. Slerliekasse der deutsclien Wagentinuer. Berlin II. Am 23. Oktober verstarb unser Mitglied Johann Matschei. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Aus- erstehungS-Kirchhoj in Weihensce statt. 2153b Die Ortsvcrwaltnng. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mit- tcilnng. dag mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Grohvater August t�gtha am 25. d. M. sanft entschlafen ist. Bio trsuernöea iimlorblioboiton. Die Beerdigung findet am Freilag, den 29. d. MlS., nach- mittags 3>/,UHr, von der Leiche»- Halle des Sophien- Kirchhofes, Frcientvalder Strage aus statt. Allen Verwandten und Be< kannten die traurige Nachricht. dag meine iimiggeliebte Frau, unsere gute Mutter 2157b Bet'ta Carl geb. Salzwedel nach langen ichwercn Leiden am Soimtag plötzlich verschieden ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz- KirchhoseS(Marieudorf) aus statt. DicS zeigt betrübt an IRerm. Carl nebst Kinder». Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der BecrdigunameineS lieben Mannes, des MaurcrS Wilhelm Kroop in Teltow, sage ich allen Verwandten und Bekannten, besonders seineu Beruss. kollegcn von der Firma Julius Ag« manu in Gr.-Lichtcrjeldc, dem sozialdemokratischen Wahiverein Tctlow und Umgegend, dem Verband der Maurer, Zahlstelle Teltow, uud dem Arbeiter- Turnverein.Freiheit" daselbst meinen innigsten Dank. Frau Kroop geb. Mfiws. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner hebet», unvergeßlichen Frau und Mutter Marie Helff sage ich allen Beteiligten, besonder» den Kolleginnen von der„Vorwärts-» Spedition Wedding, sowie dessen Filialleiter Genossen Weiße, dem Deutschen Transportarbeiter-Verband und meinen Kollegen von der Charlottenburger Zentralhcizimgs- Gesellschaft meinen herzlichsten Dank. Der trauernde Gatte: 29922 W, Helff nebst Tochicr. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tcllnahmc bei der Beerdigung meines geliebten Bruders «Uli Fischer sage Ich allen Verwandten und Be- kannten, insbesondere den, 4. Berliner RcichstagswahlkrciS, d. Glasarbeiter. verband, dem Arbciter-Athlctenbund, dem Zcnwcrklub„Armin-, sowie den Arbeitskollegen meinen herzlichsten Dank. L993L vermsno Fischer, Nigaer Str. 21. Berantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für dengnseratenteil verantw: TH.Glgck«, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Suchdruckerei u. BerlagSanftalt Paul Singer& Co, Berlin SW.— Nr. 251 26. Zahr-Mg. 2. AiliP des Fgmiick" Wlvsch, 27. Oktoder l90!1. �lus der Partei. Der Parteitag der Provinz Ostpreußen fand am Sonntag, den L4. Oktober, in Königsberg statt. Der Bezirk Ostpreußen um- faßt 17 Wahlkrei'e. Davon haben 12 Wahlkreise Organisationen und außerdem sind 5 Ortsvereine vorhanden. Es waren 10 Wahl- kreise durch 20 Delegierte, darunter einen weiblichen, vertreten. Nußerdem nahmen teil an den Verhandlungen die Genossen Guts- besitzcr H o f e r- Gr.-Skaisgirren und RechlSamvalt Hugo H a a s e- Königsberg als Neichstagskandidaten sowie Vertreter der„Königs« becger Volkszeitung", der Vorsitzende des Agitalionskomitees und der Parteisekretär. Als Vertreter des Parteivorstandes war Genosse H. P? ii l l e r anwesend. Mit einem ausgezeichneten packenden Referat des Genossen H a a s e über die gegenwärtige politische Lage begann die Tagesordnung. Dann erstattete der Parteisekretär Genosse Linde Bericht über die Tätigkeit des Agitationskomitecs. Aus dem Bericht, der sich über drei- viertel Jahre erstreckt, geht hervor, daß trotz der anhaltenden Arbeitslosigkeit besonders in den kleinen Städten und der noch immer andauernden Abwanderung der Arbeiter die meisten Organisationen sich gut entwickelt haben und eine ganz beträchtliche Mitglieder- zunähme zu verzeichnen ist. Drei neue Kreisvereine und vier OrtS- bereine wurden gegründet. Lcbbaft beklagte Genosse Linde in seinem Bericht eS, daß der Parteivorstand die bisherige vierzehn- tägige Erscheinungsweise des„Landboten", der auch in West- Preußen verbreitet wird, auf monatlich einmaliges Erscheinen herabgesetzt hat. indem er den bisher gezahlten Zuschuß für dieses Blatt reduzierte. Sehr schwer sei es nach wie vor, die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter für die politische Organisation zu gewinnen und der„Königsberger Volksztg." aus der Provinz Abonnenten zuzuführen. Für den neugcgrllndeten Ver- band der Land- und Waldarbeiter konnte noch sehr wenig agitiert werden, trotzdem ist es gelungen, demselben einige CO Mitglieder zuzuführen. Ten ungünstigen Verhältnissen der eigenen Presse in der Provinz sei es zu verdanken, daß der Uebermacht der gegnerischen Presse, die im Reichsvcrbandsstil die Sozialdemokratie ver- unglimpfe, nicht erfolgreich entgegengetreten werden könne. Dazu kommt, daß Leute, die leider noch immer unserer Partei angehören, den Gegnern auch hier in Ostpreußen das Material zu unserer Bekämpfung liefern. Zu Schippcl, Bernstein und Genossen gesellen sich neuerdings nun auch noch zwei geborene Ostpreußen. Dr. Oucssel und Dr. Artur Schulz, die indirekt diese Minierarbeit fördern. Einen großen Teil der Zeit des Parteitages nahm die Bc- ratung eines völlig umgearbeiteten Statuts des BczirkSverbandcS in Anspruch, wozu zwei Entwürfe vorlagen. Infolgedessen mußte zum lebhaften Bedauern sämtlicher Teilnehmer des Parteitages das sehnlichst erwartete Referat des Genossen Hofer-Gr.- SkaiS- girren über„Seßhaftmachung der Landarbeiter" der vorgeschrittenen Zeit wegen von der Tagesordnung abgesetzt werden. Folgende Anträge gelangten zur Annahme: Der Partei vorstand möge es ermöglichen, den„Landboten" wieder wie früher zweimal im Monat erscheinen zu lassen.— In Zukunft sollen auch Flugblätter in polnischer Sprache in Ostpreußen verbreitet werden.— Der Provinz-Parteitag erklärt es k!ir unbedingte Pflicht jedes Parteigenosien, gemäß dem Leipziger Por.eitagsbeschluß dem B rann tw ein genuß zu entsagen und so den unver- schämten Steuerranbzug der Schnapsbrenner auf die Taschen der Arbeiter zu vereiteln. Die Kreisorganisationen werden aufgefordert, sich unverzüglich zu planmäßiger Durchführung des SchnapSboykottS mit den Gewerkschaftskartellen in Verbindung zu setzen und über die beschlossenen Maßnahmen dem Provinzvorstand zu berichten. Der Parteitag ersucht die Kreisvereinsvorstände zum Zwecke der Förderung von Bildungsbestrebungen mit den Gewerkschaftskartellen in Verbindung zu treten und Bil- dungS. Ausschüsse einzusetzen.— Der Parteivorstand wird erneut ersucht. Mittel zur Errichtung einer Wanderbibliothek für Ostpreußen zu bewilligen.— Der Parteitag lenkt die Auf- merksamkeit der Arbeiterschaft auf den Beschluß des„K y f f- Häuserbund es deutscher LandeSkriegerverbä n de", daß„die Kameraden die Pflicht zur Bekämpfung der Sozialdemo- kratie haben" und daß„Mitglieder der Kriegervereine nicht gleich- zeitig freien Gewerkschaften angehören können", und erwartet von jedem organisierten Arbeiter, daß er die Kricgervereine streng meidet und allerwärtS über deren arbeiterfeindliche Bestrebungen Auf- klärung verbreitet.— Allen Kreisorganisationen wird empfohlen, RekrutenabschiedSsciern zu veranstalten. Wahlsieg in Weimar. Genosse Ba Udert wurde trotz des Zusammengehens aller Parteien gewählt. Er zieht als erster Sozialdemokrat tn den Gemeinderat ein._ Eine sozialistische Schule in Paris wird im November eröffnet werden. Die Organisation liegt in den Händen des Vereins sozialistischer Studenten. Als Lehrer werden eine Reihe der bekanntesten Sozialisten verschiedener Richtung tätig sein, darunter GueSde, Lasarg ne, Jaurös, Lagardelle. RecluS. Als Aufgabe der Schule wird in dem Aufruf der Gründer angegeben:„ES handelt sich um ein Studien- zcntrum für die kämpfenden Sozialisten und die geistig arbeitenden Sozialisten. Wir wollen nicht systematisch den Sozialismus lehren, sondern ein Bild der vergangenen Tätigkeit geben; die Aufmerksamkeit lenken auf die Probleme, die noch übrig find, und die neuesten gewonnenen Lösungen zusammenfassen. Die sozialistische Schule wird ein ForschungSlabvratorium fein, eine Tribüne zum Vortrag aller Meinungen innerhalb der Arbeiterbewegung und zur Förderung der Ausbildung von Propagandisten. Unabhängig von jeder Partei, und jeder Colerie muß sie zur Schule aller Revolutionäre werden." Als nächste Studiengegenstände werden angegeben: die A g r a r- frage, die industrielle Konzentration, die Lohn» t h e o r i e, die st ä d t i s ch e B o d e n r e n t e. Ein spezielles Pro- gramm des beginnenden Schuljahres wird in Kürze erscheinen. Eine Ardeiter-Gcwerbe- und LandwirtschaftS-AuSstellnng haben die westböhmischen Genoflen in Pilsen veranstaltet. Es ist die fünfte dieser Art, auf der nur von Arbeitern selbst eingesandte Arbeiten und Darst llungen von Arbeitsverhältnissen ausgestellt sind. Die erste fand schon im Jahre 1888 statt. Sie zählte nur 31 Aussteller. Die zweite slKÜl)) wies bereits 58 Aussteller und 1489 Besucher auf, die vierte<1899) 229 bezw. 12 000. Die diesjährige Ausstellung hat es auf fast 900 Aussteller und schon i» den ersten drei Wochen auf über 9000 Besucher gebracht. Auf 19 Abteilungen verteilen sich alle möglichen gewerblichen Zweige und sozialpolitischen Darstellungen. Das originelle Unternehmen unserer tschechischen Genossen, da? sowohl höchst lehrreich als agitatorisch wirksam ist. verdiente auch in anderen Ländern nach- geahmt zu werden. polieeilickes, GmehtUcheo ukw. Beleidigte Streikbrecher. Vor der Strafkammer in Kiel hatte sich der verantwortliche Redakteur der„Schleswig-Holsteinschen Volkszeitung", Genosse Hey. Wegen Beleidigung von Arbeitswillige» zu verantworten. ES handelt sich um Vorgänge, die zu der Zeit spielten, als die städtischen Arbeiter in Kiel in einem überaus heftigen Kampfe mit der städtischen Vcrtvaltuiig standen. In verschiedenen Artikeln der„Schleswig-Holst. volkSzeitung" wurden die Arbeitswilligen scharf kritisiert und dabei I mit Ausdrücken belegt wie„Gesindel",„Verbrecher",„Streikbrecher". Die Strafkammer erkannte auf 400 M. Geldstrafe event. 40 Tage Gefängnis. Der Antrag, Zeugen dafür zu laden, daß diese Ans- drücke berechtigt wären, wurde vom Gericht abgelehnt niit der Begründung, daß die Tätigkeit der Streikbrecher eine notwendige war, wenn die Bevölkerung nicht durch mangelnde Zufuhr von Roh> stoffen schwer geschädigt werden sollte! Sie Klohmeiche Nilckni; vor dem Schwurgericht. Altona, 26. Oktober. (Telegraphischer Bericht.) Bei der weiteren Vernehmung der angeklagten Mädchen er- klären die meisten derselben, daß sie aus Angst vor Ltolander eine falsche Aussage gemacht haben. Einige sagen, er habe ausdrücklich erklärt, wer gegen mich aussagt, mit dem fahre ich ab. Auch: Wer gegen ihn Aussagen inachen würde, den würde er ins Gefängnis bringen. Eine Angeklagte, die zur Zeit des Vorprozcsscs sich in Dienststellung befand, hatte Furcht, er würde sie aus der Stellung bringen und wieder ins Asyl stecken. Eine große Anzahl der Mädchen haben einen Brief zugunsten Kolandccs an den Landes- Hauptmann und ein Gnadengesuch an de» Kaiser unterschrieben. Die Form beider Briefe läßt klar erkennen, daß die Mädchen diese Briefe unmöglich selbst verfaßt haben können. Kalander will aber nur zugeben, daß er im Schluß etwas geändert habe. Charakteristisch ist der Satz in dem Gnadengesuch: „Es hat sich die ganze Sozialdemokratie gegen unseren Hausvater gewendet." Außer den im Vorprozeß zur Sprache gekommenen Mißhand- langen werden eine ganze Reihe neuer Scheußlichkeiten vorgebracht. Die Angeklagte Menzel wurde am Tage der Einlieferung brutal geschlagen, weil sie nicht der Wahrheit zuwider zugeben wollte, sie habe gestohlen. Dann wurde sie in den Stall gesperrt, hierauf, an die Kette gebunden, in die Arrestzelle, wo sie bei Wasser und Brot zubringen mußte. Als das Mädchen sich einmal über das Essen beschwerte, wurde sie von Kölander an den Haaren gerissen und gegen den Ose» geworfen. Aus Hunger aß das Mädchen das für die Hunde und Kaninchen bestimmte Futter. Eine Angeklagte Ncintjes mußte zur Strafe dafür, daß sie nicht näben konnte, 19 Lieder aus dem Gesangbuch auswendig lernen. Weil sie ein Hemd nicht zur bestimmten Zeit fertigstellen konnte, wurde sie auf acht Tage in Arrest gelegt. Als sie durstig war und um Wasser bat, erhielt sie zwei Teelöffel Wasser und hat schließlich aus Durst ihren eigenen Urin getrunken. Um nicht mehr im Arrest geschlagen zu werden, log sie dem Ko- landcr vor, sie sei in anderen Umständen. Trotzdem blieb sie im Arrest, bekam aber wenigstens zu essen. Als sie aus dem Arrest kam. war sie ohnmächtig. Sie wurde gefragt, ob sie eine Tasse Bouillon trinken wolle. Das bejahte sie. Darauf wurde ihr aus kochendem Wasser, Salz und Nizinusöl angebliche Bouillon vorgesetzt. Als Kolander bestreitet, daß er das als Bouillon habe verabreichen lassen, erklären eine Reihe von Mädchen mit Bestimmtheit, daß dem so gewesen sei. In der Anstalt verstarben 7 Mädchen. Wir wir bei dem früheren Prozeß bereits hervorgehoben haben, ist leider eine An- klage wegen Marterung zum Tode oder mindestens wegen fahr- lässiger Tötung gegen Kalander unterblieben, weil der ursächliche Zusammenhang infolge der VerdunkelungSmöglichkeit, die dem Kolander dadurch gegeben war, daß er auch nach Feststellung bru- taler Mißhandlungen Hausvater blieb, schwer zu beweisen. Wir erinnern daran, daß auch in Miclczhn, trotzdem der Minister die sofortige Entfernung des prügelnden Pastors Breit- Haupt für erforderlich hielt, noch heute Breithaupt im Amte ist und zur Stunde auch noch auf freiem Fuße sich befindet. Die Mädchen erklären, Kalander habe nach der Vernehmung vor dem Landeshauptmann erklärt, es ginge der sehr schlecht, die gegen ihn aussagt. Sie könnten ihm nichts anhaben, er habe zu viel Gönner in der Probinz. Einige Zeit vor dem Termin er- hielten die Mädchen gut zu essen und gut zu trinken, sogar etwas Bargeld, damit sie sich Süßigkeiten kaufen konnten. Interessant war die Feststellung, daß der Brief eines Mädchens, in dem sie— natürlich der« Wahrheit zuwider— behauptete, bei Kolander gehe alles gut und sich bei'ihm bedankte, durch Kalander in den„Tag" gebracht ist. Genau so wie die Beschönigungen der Mielczyner' Un- taten ja auch im„Tag" Aufnahme gefunden habcn.� Auch die Angeklagte Ullrich ist bös mißhandelt worden, hat aber aus Furcht vor Mißhandlungen vor Gericht unter Eid falsche AnS- sagen zugunsten Kalanders gemacht. Nach der Pause wurde die Vernehmung der Angeklagten zu Ende geführt. An die Angeklagte Anna Ullrich richtet der Vor- sitzende die Frage, warum sie früher nicht die Wahrheit gesagt habe.— Angekl. Ullrich: Ich habe Angst vor Prügel gehabt.— Vors.: Sie sagten doch aber früher, Sie hätten keine Prügel be- kommen, sondern höchstens ein paar Ohrfeigen, niemals aber Stock- schlage.— Angekl.: Ich habe die Mißhandlungen aus Angst ver- schwiegen.— Vors.: Hat Kalander Sie beeinflußt?— Angekl.: Er sagte, wir sollten nur zu ihm halten, es handele sich nur um sozialdemokratische Umtriebe.„Er habe Einfluß bis i» die höchsten Kreise, uns Mädchen würde doch nicht geglaubt, wir sollten des- halb zu ihm halten." Von dem bevorstehenden Prozeß in Itzehoe erfuhren die Mädchen erst auf dem Wege zum Gericht. Da sagte ihnen Kalander, daß es sich um die Verhandlung gegen Martha Schmiede handele. Wenn aber jemand gegen ihn schwören würde, dann würde er sie sich schon kaufen. Er beteuerte dabei immer, er würde frei- gesprochoi» werden, ba nur die Sozialdemokraten gegen ihn vor- gingen. Kolandcr stellt sich bei seiner Vernehmung als der verfolgte Unschuldsengel hin. Er habe immer auf dem Standpunkt ge> standen, es gibt keine Fürsorgeerziehung ohne körperliche Züchti- gung. Die jetzige Vorsteherin der Anstalt„Blohmesche Wildnis", Fräulein Franke, Nachfolgerin des Kolandcr, bekundet, ihre Stcl- lung gefalle ihr ausgezeichnet.— Vors.: Werden Sie mit den Mädchen fertig?— Zeugin: Voll und ganz.— Vors.: Ohne strenge Strafen?— Zeugin: Vollkommen.— Vors.: Auch ohne Arrcst- strafen?— Zeugin: Vollkommen.— Ick babe noch niemals die Mädchen geschlagen und sie auch niemals hungern lassen.— Vors.: Von den angeklagten Mädchen sind noch fünf im Asyl. WaS können Sie uns über diese Mädchen sagen?— Zeugin: Die Talkowsky halte ich nicht für ganz normal, sie ist jedenfalls etwas schwach im Kopf. Trotzdem ist gut mit ihr auszukommen. Seit diesem Prozeß ist sie allerdings etwas aufgeregt und infolge dieser Aufregung be- geht sie einige Unarten, aber die muß man ihr nachsehen. Bestraft habe ich sie noch nie. lieber die Angeklagte Runge kann ich nichts Schlechtes sagen nnd den anderen?lngcklagtcn kann ich Nur daS allerbeste Zeugnis ausstellen. Sie sind fleißig und willig. Bei mir ist nie etwas vorgekommen, worüber ich zu klagen hätte. Ich hoffe bald auch das Einschließen zur Nachtzeit aufgeben zu können. Die Jtzehocr Richter bekunden, daß die Verurteilung des Kolander auf Grund von Aussagen anderer Zeuginne» als den Angeklagten erfolgt ist, prorek Pleißner. (Eine Leipzig-Berliner Polizeigcschichte.)' Gestern ist in Leipzig nach siebentägiger Verhandlung der Pro- zcß gegen Dr. jur. Pleißner und Genossen zu Ende gegangen. Wir haben bereits am 20. Oktober über den Inhalt der Anklage be- richtet. Pleißner ist der Frciheitsbrraubnng, begangen an der Frau Wagner zu Hamburg, der Justizrat Bernhard Zieger aus Leipzig, der Operettensänger Karzin, der Kapellmeister Temmler, Frau Postelmann der Anstiftung hierzu beschuldigt. Weiteres Jnter.'e gewinnt der Prozeß durch den Hintergrund, auf dem er sich abspielt. Dieser ist in der Verhandlung nur außer- ordentlich oberflächlich beleuchtet. Wir gehen auf diese eigentliche Vorgeschichte det. Prozesses, die ein eigenartiges Bild auf den Mangel der Fähigkeiten der Leipziger und der Berliner Polizei und der Leipziger Staatsanwaltschaft wirft, sobald es sich um wirklich schwere Verbrcckzen handelt, des näheren auf Grund früherer Veröffentlichungen ein. Am 2. November 1903 wurden die Eheleute Schriftsetzer Friedrich zu Leipzig, Windmühlenstr. 21, ermordet vorgefunden. Die Schädeldecke der beiden alten Leute, die sich mit Zimmervcr- mieten befaßt hatten, war mit einem stumpfen, schweren Jnstru- ment eingeschlagen. Die Recherchen der Staatsanwaltschaft und Polizei ergaben, daß Sparkassenbücher und Wertsachen entwendet waren. Auch der Polizeihund vermochte aber von der Spur des Täters oder der Täter nichts weiter als einen Schraubenschlüssel und eine Sportmütze, die sie am Ort der Tat zurückgelassen hatten, aufzufinden. Die Ermittelungen ergaben folgendes: Am Vor- mittag des Mordtages hatte der Briefträger eine Nachnahme an einen gewissen Leszinski(unter diesem Namen hatte ein unter Polizeiaufsicht stehende? Mann namens Hcmsing eine Zeitlang bei Friedrich gewohnt) zu bestellen. Ein unbekannter Mann, wahr- scheinlich der Mörder, nahm das Nachnahmcpakct in Empfang: währenddessen kam der Geldbricfträger Froburg, um eine kleine Postanweisung an einen gewissen Schlegel zu bestellen. Der Un- bekannte behauptete, er sei der Schlegel nnd quittierte über den Empfang des Geldes. Hernach stellte sich heraus, daß die Unter- schriften, die dieser Mann geleistet hatte, dieselbe Handschrift trugen wie ein in der Wohnung vorgefturdencr Postanweisungsabschnitt an Schlegel, der nie bei Friedrich gewohnt hatte. Mit an Gewiß- heit grenzender Wahrscheinlichkeit ließ sich annehmen, daß die Pastanweisung zu dem Zweck geschrieben war, um den Geldbrief- träger zu überfallen, und daß die armen Wirtslcuic von ihm und seinem Komplizen ermordet sind, um Zeugen.der Tat zu beseitigen. Die Ausführung der schändlichen Tat wurde lediglich durch daS Zusammentreffen beider Briefträger vereitelt. Das Manöver er» innert an das hier in Berlin am 7. Mai in der Körnerflraßc der- suchte Attentat gegen einen Geldbriefträger und die schlvcre Be» letzung der Witwe Räschke in der Körnerstraßc. Die Ermittelungen der Staatsanloaktschaft und Polizei ergaben ferner, daß von derselben Handschrift eine nach dem Peters» steinweg gerichtete Postanweisung geschrieben Uxrr. Auch hier hatten die Täter ein ähnlichcs Verbrechen in Aussicht genommen. Es wurde eine Belohnung von 590 M. ausgesetzt. Von dem Täter wurde aber nichts entdeckt. Leszinski wurde in Magdeburg festgenommen und später Wegen einer anderen Straftat ab» genrteilt: zur Zeit der Leipziger Tat soll er sich in Magdeburg aufgehalten haben. Ein ähnliches Attentat war zwei Jahre früher, am 17. De» zrmber 1999, in Leipzig gegen den Geldbriefträger Rübncr verübt. Dieser war mit einem schiveren, stumpfkantigen Instrument nieder- geschlagen, bewußtlos zusammengebrochen und seiner Barschast in Höhe von 9000 M. beraubt. Die von dem Täter damals gc- schriebene Postanweisung trug dieselbe Handschrift wie die im No- vember 1908 gefertigten. Zu Weihnachten 1908 erhielten die Verlagsbuchhändler Weber ein seltsames Angebot durch einen anonymen Brief. Der Sebreiber stellte sich als einen Verbrecher vor, der aus seinen jetzigen Lebens- Wandel durch den Staat getrieben sei. Er sichre ihn erst seit seiner Entlassung ans dem Gefängnis. Er habe unter anderem 29 Morde, darunter drei in Leipzig, begangen, nnd wolle seine Taten in packender Weise in einem Buch beschreiben, das er der Verlagsbuchhandlung anbiete. 5000 M. Vorschuß wolle er haben, 5000 M. wenn das Werk erschienen ist. Zum Zeichen,.daß er nicht renommiere und für die Unfähigkeit der Polizei, führte er an, daß er den Mord in der Windmiihlcnstraße ausgeführt habe. Das Bild, das die Staatsanwaltschaft nach Zeugenaussagen von ihm angefertigt und veröffentlicht hatte, entspreche dem Gesicht, das er ausierbalb des Hauses der Tat trage, nicht. Den Verbleib der Sparkassenbücher habe die Polizei nicht ermitteln können, weil er diese verbrant habe. Daß die Polizei den Verbleib der beiden geraubten Uhren nicht ermittelt habe, liege nicht an ihm. Er habe sie noch am 2. November auf dem Leilwmt für 27 M. verseift. Wenn die Adressaten auf das Anerbieten nicht eingingen, so würde es ihr Schaden sein. Am 24. Dezember um 9 Uhr sollen die Adressaten nach einem Zeitungskiosk den Vorschuß senden. Die Verlagsbuchhändler erhielten den Brief erst am 25. De- zcmbcr. Sie setzten sich mit der Polizei in Verbindung. An- gestellte Recherchen ergaben, daß in der Tat die Uhren (und noch eine Kette, von deren Entwendung die Staats- anwaltschaft erst jetzt Kenntnis bekam)«uf dem städtischen Leih- amt, so wie der anonyme Bricfschreiber angegeben hatte, versetzt waren. Ferner ergab sich, daß die Handschrift d«S Briefes mit der auf den Postanweisungen gebrauchten identisch war. Kein Zweifel: der anonyme Schreiber des ErvresserbriefcS und der Mörder der Friedrichfchcn Eheleute waren identisch. Die Herren Weber hatten auf Veranlassung der Polizei nnd der Staatsanwaltschaft dann Inserate in den„Leipziger Neuesten Nachrichten" erlassen, in denen mitgeteilt war, der Brief sei erst am 25. Dezember erhalten, Antwort läge an der erbetenen Stelle. Am 8. Januar erhielt Weber einen zweiten Erpresterbrief. In diesem gab der Schreiber noch weitere Momente als Belveis dafür an, daß er der Mörder gewesen sei, höhnte über die Ungeschicklich- keit der Polizei und forderte, falls Weber auf das Verlagsgeschäft nicht eingehen wolle, 1999 M. Abfindungssumme, die an einer bestimmten Stelle abgegeben werden sollten. Diesem Verlangen entsprechend wurde ein Paket abgegeben. In einem Brief vom 11. Januar höhnte dann der nnbekannte Briefschreiber den Herrn Weber wegen seines unverwüstlichen Zu- trauens zur Polizei:„So waschlappig Ihr Philister, so stumpf. sinnig Eure Polizei." Die Kriminalpolizisten, die als Straßen- kehrer verkleidet waren, hätte er sofort erkannt und natürlich sich gehütet, das Paket entgegenzunehmen. Tatsächlich waren mehrere Polizciagcuten, darunter auch ein Berliner Polizciagent, als Straßenkehrer verkleidet, an dem bezeichneten Ort gewesen. Nach vielerlei Inseraten, die die Behörde erließ, erhielt Weber unterm 23. Januar abermals einen Brief des Erpressers. In diesem verlangte der Schreiber, der schon in einem vorauf- gegangenen Brief vom 13. Januar Drohungen an ihn gesendet hatte, 1090 M. bei einem Bäckermeister zu hinterlegen und unter einer Stichmarke durch ihn abholen zu lassen. 100 M. wurden bei dem Bäckermeister hinterlegt, auch pünkt- lich am Abend des 27. Januar durch einen Messengcr-Boy abgeholt. Der nichtsahnende Mcsfcnger-Boy entging der Anfnierkfamkeit der zahlreich zur Beobachtung aufgcsteNtcn Kriminalbeamten. Spätere Nachforschungen ergaben, daß auftragsgemäß der Brief mit 100 Mark vom Mcsscngcr-Voy einem Knaben, von diesem dem Mörder übergeben war. Nunmehr erhöhte die UntersuchungSbehörde die Belohnung� auf 5900 M.. also auf so viel, wie der unenideckte Täter als Vorschuß für sein Verlagswerk verlangt hatte. Am 4. Februar traf ein sechs!« langer Brief de? Erpressers an Weber ein. Fn diesem wurden die an der Abfindungssumme nach fehlenden V(K> M. verlangt. Der Schreiber gibt in diesem Brief unter anderem auch an, wie der Raubmordversuch in der Gottschedstrafte im September 1907(oeoeu Frau Wagner) begangen sei. Der Täter habe der- sucht, der Dame den Hals zu durchschneiden. Das Messer habe sich in lxr Boa verfangen. Die Frau habe„unerhört laut" um Hilfe gerufen, und so sei, da der Täter gerade seinen Dolch zu Hanse gelassen habe, das Attentat mihglückt. Mit Bezug hierauf findet sich nach einer Beteuerung, daß sein Werk mit geistlosem Geknatsch nichts zu tun habe, folgende für den Pleißncr-Prozch interessie- rende Stelle im Brief:„Auch einigen dieser elenden Schmier- und Preßpiraten, welche sich stets in tÄs Gewand des Tugendapostels hüllen, werde ich die Maske vom Gesicht reißen und in ihrer wahren Gestalt zeigen. Einer derselben treibt auch in Leipzig sein tugendsames Gewerbe. Es mag paradox klingen: Gerade die- jenigen, welche es sich zum Beruf machen, die geringsten und Harm- losesten Verfehlungen mancher Leute an den Pranger zu stellen— mancher sonst in zeter Beziehung ehrbaren Leute— nur um damit ihr Leben zu fristen: Sie sind meistens die moralisch der- kommensten Gewächse, die man sich denken kann. Mit Erscheinen meines Werkes wird speziell dieser Herr in Leipzig in den Orkus geschleudert werden, wo es kein Wiedersehen gibt. Auch wenn er noch so— um mit seinen Worten zu reden—„kalt wie Hundeschnauze" ist. Es wird ihm nichts weiter übrig bleiben, als die Kugel oder der Strick." Sodann:„Mit dieser Tat(in der Gottschedstraße) steht der oben zitierte Herr in unmittelbarer Be- rührung, und wird es demselben unter keinen Umständen möglich werden, dies zu leugnen, da die in dem Werk gemachten Ent- hüllungen über diesen Fall und die mit angegebenen Beweise den- selben einfach erdrücken werden." Es erfolgten dann noch verschiedene Briefe im Februar seitens des Erpressers, in denen er ersucht, den Vorschußrest bei einem anderen Bäcker niederzulegen. Ans einem Schreiben vom 11. Fe- bruar ergibt sich, daß der Schreiber das zufällige Verlassen der Verkäuferin des Bäckerladens für einen Polizeicoup gehalten und dessentloegen weitere Schritte unterlassen hatte. Nach weiterem Hin und Her wurdx, dem Verlangen des Briefschreibers entsprechend, ein Päckchen bei einem Bäckermeister hinterlegt. Das Päckchen wurde aber nicht abgeholt. Der Ver° brecher schrieb in einem zwölften Brief, er sei zu der angegebenen Zeit in dem Bäckerladen als Dame verkleidet gewesen. Die Polizei. Hascher hätten ihn freilich nicht entdeckt. Der Verbrecher ist, wiewohl die Berliner Kriminalpolizei von der Dresdener StaatSanwaltsckiaft um Hilfstruppen ersucht war und diese auch nach Leipzig entsendet hat, bislang ebensowenig wie der Täter dcS früheren Leipziger Mordes oder de» UeberfallS in der Gottschedstrahe oder de« RanbanfallS in Berlin entdeckt. Im Prozeß Pleißner stellt« sich heraus, daß Weber Vorschuß weise das an die Berliner Polizei zu zahlende Geld verauslagt hat, weil— bis zur Einholung der justizministeriellen Genehmi- gung zur Zahlung der Summe etwa 14 Tage tatlos verstrichen wären. Der Pleißner-Prozeß steht mit dem Raubanfall in der Gott. schedstraße in einem gewissen Zusammenhang. Der Staatsanwalt Dr. Mühle, Dezernent in der Mordsache, besuchte am 3. Februar und einige Tage später Dr. Pleißner, den Redakteur des„nationalen" Sensationsblattes„Der Kampf", um auf die Spur des Erpressers und wohl auch des Ueberfalles in der Gottschedstraße auf die Frau Wagner zu � kommen. Pleißner hatte die Ansicht vertreten, ein ge- wisser Walter Weniger sei der Mörder des Friedrichschen Ehepaares. Beider Mühe war vergebens. Dann wendete sich der Verteidiger des Fabrikanten Wagner, des Ehemannes der über- fallenen Frau Wagner, Justizrat Zieler, an Dr. Pleißner. Wagner war unter dem Verdacht, den Ueberfall selbst angestiftet zu haben, verhaftet. Sein Bruder, Stadtrat Wagner, hatte den Ver- teidiger darauf hingewiesen, daß„Der Kampf" die Ansicht ver- treten hätte, der Ueberfall sei nur fingiert gewesen. Auch der Ber- liner Kriminalkommissar Vonberg besuchte den Dr. Pleißner. Mit reichlichem Gelde versehen, reiste Pleißner dann nach Hamburg; dorthin war Frau Wagner übergesiedelt. Hier setzte er sich mit den Mitangeklagten Karzin, Semmler und Postelmann in Ver- bindung. Sein Ziel ging dabin, Frau Wagner zu dem Zuge- ständnis zu veranlassen, daß der Ueberfall auf sie nur fingiert sei. Herr Wagner hat seine Frau in einem Bordell kennen gelernt, sie dort herausgenommen und dann geheiratet. Zwischen den Ehe- leuten besteht seit längerer Zeit ein gespanntes Verhältnis. Der Ehemann hält sich eine andere Geliebte, hat auch mit dieser Reisen unternommen. Die Trennung der Wagnerschen Eheleute geschah mit beiderseitigem Einverständnis; der Ehemann zahlte seiner Frau während ihres Hamhurger Aufenthaltes monatlich 250 M. Pleißner rechnete bei seinem Vorhaben damit, daß Frau Wagner nicht sehr spröde sei. Karzien behauptet, Frau Wagner habe ihm eingestanden, der Ueberfall auf sie habe sich gar nicht ereignet. Im jetzigen Prozeß bekundete Frau Wagner das Gegenteil. Auch einwandsfreie Zeugen beeideten Tatsachen, aus denen folgt, daß der Ueberfall stattgefunden hat. Als Karzien das angebliche Geständnis der Frau Wagner dem Dr. Pleißner mitgeteilt hatte, behauptete Pleißner der Hamburger Polizei gegenüber, Frau Wagner wolle nach dem Ausland fliehen, sie sei Mitwisserin des Friedrichschen Mordes, er verlange die Verhaftung. Frau Wagner wurde dann auch tatsächlich am 10. April, als sie zu einer Hochzeitsreise fahren wollte, in Hamburg verhaftet. Fünf Stunden später wurde sie entlassen. Die Anklage erblickt in diesem Vorgehen Freiheitsberaubung. Der Hausfriedensbruch liegt darin, daß Pleißner unter Beihilfe der Frau Postelmann in das Zimmer der Frau Wagner einge. drungen und dort eine Photographie der Frau Wagner hat mit- gehen heißen. In den Verhandlungen nahm die Frage, ob Frau Wagner oder ob Karzien zuerst„gefusselt", ob der Kriminalkommissar Vonberg die Frau Wagner nur auf den Schoß genommen oder weiter ge» gangen sei, wie die Angeklagten glauben machen wollen, sowie die Erforschungen über den Geschlechtsverkehr der Frau Wagner einen recht breiten Raum ein, der mehr für ein Sensationsbedürfnis als für die Unschuld der nichts weniger als sympathischen Angeklagten zeugte. Neben den Angeklagten saßen als moralisch Angeklagte wegen der absoluten Erfostsiosigkeit ihrer Bemühungen in den großen VerbrechenSaffären die Staatsanwaltschaft sowie die Leipziger und Berliner Polizei zu Gericht. Der Urteilsspruch über sie wird vom Publikum gefällt werden. Nach mehrstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende, Land- gerichtSrat Dr. Groß, folgendes Urteil: Der Angettugc,! Dr. Pleißner wird wegen einfachen Haus- friedenSbruch in zwei Fällen zu dreihundert Mark Geldstrafe ver- urteilt, wovon 200 M. als durch die Untersuchungshaft vollstreckt gelten, der Angeklagte Justizrat Zieler wegen einfachen HauS- friedenSbruch zu rinhundcrtfünfzig Mark Geldstrafe. Bezüglich der übrigen ihnen zur Last gelegten Vergehen werden die Ange- klagten Dr. Pleißner und Justizrat Zieler freigesprochen. Die übrigen Angeklagten Semeler, Karzin und Frau Postelmann wer- den in vollem Umfange freigesprochen. Die Kosten trägt, soweit Freisprechung erfokgt ist, die Staatskasse. In den Urteilsgründcn wird ausgeführt: Bezüglich ber Frei- heitSberaubung hat der Gerichtshof angenommen, daß Dr. Pleißner. Karzin und Semeler von den Angaben, die sie auf der Polizei gemacht haben, auch überzeugt waren, und daß sie die Verhaftung der Frau Wagner in das Ermessen der Hamburger Polizei gestellt hatten. Zugunsten des Angeklagten Pleißner wurde angenommen, daß er bei der ganzen Sache nicht aus unlauteren Motiven gehan- delt hat; zu seinen Ungunsten fiel aber ins Gewicht, daß er bei dem HauSfrieoenSbruch gewaltsam vorgegangen ist und nicht ganz unbescholten war. Der Angeklagte Justizrat Zieler war wegen Hausfriedensbruch zu verurteilen, weil er nicht annehmen konnte. daß er als Beauftragter Wagners zu dem Eindringen in die Woh- nung der Frau Wagner berechtigt war; denn er sei als Gegner der Frau Wagner gekommen. Bei den Angeklagten Semeler, Karzin und Frau Postelmann hat der Gerichtshof bezüglich des Hausfriedensbruchs angenommen, daß sie sich für berechtigt halten konnten, in die Wohnung einzudringen. Es war ihnen daher der gute Glaube beizumessen._ Soziales* Wcrtzuwachssteuer. Die Stadtverordnetenversammlung in Schneidemühl be- schloß in ihrer letzten Sitzung mit 23 gegen 9 Stimmen die Ein- führung der Wertzuwachssteuer. Em Induftrie und Handel. Handelskammern und Wahlfonds. AuS einer Handelskammer berichtet die„Köln. Volksztg.", sie habe einen Beitrag zum Wahlfonds des ZentralverbandeS der In- dustriellen mit der Begründung abgelehnt. eS handle sich hier um politische Bestrebungen. Die Kammer kennt also ihre Pflicht der parteipolitischen Neutralität. Um so mehr muß man sich daher darüber wundern, daß dieselbe Kammer, wie das genannte Blatt ebenfalls mitteilt, beschlossen hat, für den Hansabund einen Jahres- beitrag von KO M. zu leisten. Nach seinen Richtlinien will der Hansabund ebenfalls durch Geldspenden in die zukünftigen Wahlen eingreifen. Es darf wohl als ausgeschlossen gelten, daß er andere als sogenannte liberale Kandidaten— vom rechten nationalliberalen bis zum linken freisinnigen Flügel— alimentiert. Dadurch unter- stützt er mehr oder weniger die antisozialpolitische und Hochschutz- zöllnerische Politik deS Zentral-ScharfmacherverbandeS. Das ist doch keine Aufgabe der Handelskammern. Jedenfalls haben die beiden Korporationen nicht nur von der einen Kammer Zuschuß zum Wahl- fondS verlangt. Da dürfte eS doch interessieren, zu erfahren, wie weit man bei anderen Kammern Erfolg hatte. Der Hansabund läßt Angestellte zwangsweise zu seinen Mitgliedern machen und tut auch sonst seine Hand auf, damit Geld hereinkommt für Wahlen gegen Sozialpolitik._ ' Ausfuhrzoll und Kontingentierung. Wie das„T. B." zu melden weiß, hat die Regierung bereits einen Gesetzentwurf fertiggestellt mit der Zweckbestimmung, das in der Kaliindustrie investierte Kapital zu„schützen". Angeblich ist ein Ausfuhrzoll und eine Kontingentierung der Produktion vorgesehen. Die Liebesgabenpolitil macht Fortschritte. Die Drutsch-Luxembnrgische Bergwerks- und Hüttenaktiengefellschast verteilt für das letzte Jahr zehn Prozent Dividende aus die alten uno fünf Prozent auf die neuen Aktien. Die Generalversammlung beschloß die Erhöhung deS Aktienkapitals von 42 auf 50 Millionen Mark. Die goldene Internationale. Die Deutsche Bank errichtet in der Hauptstadt Belgiens, dem industriereichen Lande, eine Zweignieder- lassnng, indem sie in die Geschäfte des dortigen Bankhauses Baiser u, Co. eintritt. Der Seniorchef der Firma Baiser soll in den Auf- ficbtsrat der Deutschen Bank gewählt werden, während die Firma Baiser in Liquidation tritt. Bei dem reichen industriellen Leben Belgiens dürfte die Deutsche Bank dort ein weites Betätigungsfeld finden, zumal die Montaninteressen der deutschen und belgischen Industrie vielfach zusammengehen. Kapital und Unternehmertum verbünden sich international, nicht zum Schutze der„nationalen Arbeit", sondern zur internationalen Plünderung der Arbeit. Konkurs einer Potsdamer Bausirmn. Die Baufirma Rhode in Potsdam war schon vor einiger Zeit in Zahlungsschwierigkeiten ge- raten. Die Potsdamer Credilbauk und der Magistrat der Stadt bemühten sich, sie durch Bewilligung von HypoihelenkreditS über Wasser zu halten. Die Bank hat sich nun von der Aktion zurück- gezogen, so daß der Konkurs unvermeidlich sein dürfte. Tarifrevision in Holland. Die holländische Regierung beab- sichtigt, wie wir den„Mitteilungen des HandelSveriragSvereinS" eiitnehmen, eine Abänderung deS Tarifs. Sie plant mit Rücksicht auf die nugiinstige Finanzlage des ReiweS eine dauernde Revision des Zolltarifs. und um das sehr große Defizit im kommenden Budget zu decken, soll eine vorläufige Erhöhung des Tarifs eintreten. Der holländische Finanzminister bemerkt in seinem Bericht an die Zweite Kammer der Generalstaaten:„Als drittes Deckungsmittel(es gibt noch zwei andere) kommt in Verbindung mit den weiteren Plänen der Regierung am meisten in Betracht eine vorläufige Er- höbung deS Tarifs. Mittels eineS Zuschlages von 30 Proz. aus die jetzigen Zölle wird ein Mehrertrag von 3 730000 Gulden erzielt werden." Der Tarif soll demnach ganz einfach zum Abschlußposten deS Budgets gemacht werden. Da die klerikal-protektionistischen Parteien die Mehrheit in der Kammer haben, dürfen die Zöllner wohl bald wieder einen Erfolg buchen._ Die europäischen Konsumgenoffenschafte«. Das französische sozialdemokratische Organ„Le Socinlisme" veröffeutlickit solgende interessante Zusammenstellung über die finanzielle Stärke der Koiliumgcnossenschaften in den europäischen Ländern. Es betrug der Jahresumsatz in Frank— in Klamniern pro Kopf der Bevölkerung— in: England 019 661000(10.25), Schottland 190 086 000(30,75). Deutschland 74 833 000(1,16), Däiicmarl 51 236 000(19,25), Schweiz 14 355 000(4.15), Ungarn 12 663 000(0,675), Oesterreich 9 767 000(0,327), Finnland 8 825 000 (3,45), Frankreich 4 881 000(0,25), Belgien 2 875 000(0,375), chweden 2 86) 000(0,476), Holland 1 765 000(0,30), Rußland 521 000(0,03), Norwegen 251 000(0,223). Öeridns-Zeltung. Der beleidigte LcbiuS. In einem Artikel der Wochenschrift„Die Hilfe", der gegen die gelben Gewerkschaften polemisierte, wurde LcbiuS als ein Mann mit gerichtlich festgestellten Qualitäten bezeichnet. Er ver- langte von der„Hilfe", daß sie ihm durch eine Erklärung Genug- tuung verschaffe. DaS lehnte die Redaktion der„Hilfe" ab, weil sie einem Manne wie LebinS keine Ehrenerklärung geben könne. Dann verklagte LebinS den verantwortlichen Redakteur der„Hilfe", Dr. Heuh, wegen Beleidigung. Das Schiisfongericht lehnte den vom Beklagten angebotenen Wahrheitsbeweis über die Qualitäten des Herrn LcbiuS ab und verurteilte den Angeklagten wegen Be- leidigung auS§ 1S5 in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 125 Mark. Der zweite Fall der Beleidigung wurde erblickt in einer Veröffentlichung der„Hilfe", worin mitgeteilt wurde, daß Lebius die Klage eingereicht habe und zur Information der Leser auch der Artikel, aus den sich die Klage stützt, wiederholt. Infolge der vom Verurteilten eingelegten Berufung wurde die Klage am Freitag in zweiter Instanz verl�andelt. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Willi Engel, beantragte, den Wahrheitsbeweis zuzulassen, weil im vorliegenden Falle nicht § 185, sondern S 186 zutreffe. Aber selbst, wenn nur Z 185 an- gewendet werde, müsse der Wahrheitsbeweis zugelassen werden, weil die moralische Qualität des Klägers doch für daS Strafmaß erheblich fei. Der Verteidiger beantragte über folgende Punkte Beweis zu erheben: In dem Prozeß Leb'us gegen Mermuth wird im Urteil erster Instanz gesagt, der Kläger Lebiuö habe gleichzeitig für national» liberale, ultramontane und sozialdemokratische Zeitungen ge« schrieben und sei auch sonst eine nicht einwanofreie Persönlichkeit. — Das gleichzeitige Arbeiten für Blätter� der genannten' drei Parteirichtungen habe Lebius in seiner Schrift„Erinnerungen eines ehemaligen Sozialdemokraten" selber zugegeben und dies» Handlungsweise als einen Verstoß gegen Treu und Glauben be» zeichnet.— Die Ansicht des Beklagten über die Qualitäten deS Klägers stütze sich auch darauf, daß Lebius vor dem Erscheinen des unter Anklage stehenden Artikels wegen Verleumdung eines Fräulein Gerlach zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde» Allerdings sei das Urteil, aber erst nach dem Erscheinen des Ar» tikels, in der Berufungsinstanz aufgehoben worden.— Weiter soll« bewiesen werden, daß in einem Prozeß Mai gegen Walter bewiese» worden sei, daß Lebius den Namen eines Schriftstellers Kahl gemißbraucht habe, um eine Schmähschrift gegen Mai heraus» zugeben.— Zur Kennzeichnung des Klägers diene auch ein Brief, den er an den Vorsitzenden des Verbandes der Metallindustriellen» Dr. Ballerstein, geschrieben hat. LebiuS, der Führer der gelbe» Gewerkschaften, gebe in diesem Briefe den Unternehmern Mittel an die Hand, um durch die gelben Gewerkschaften den Interesse» der Arbeiter entgegenzuwirken. Rechtsanwalt Hennigsohn, der Vertreter des Klägers Lebius behauptet zwar, der Kläger habe den lebhaften Wunsch, daß di« angetretenen Beweise erhoben werden, aber trotzdem sprach der Verteidiger gegen die Zulassung des Wahrheitsbeweises„auS juristischen Gründen". Im übrigen polemisierte der Anwalt weniger gegen den Angeklagten, als vielmehr gegen den..Vorwärt»" und die Sozialdemokratie, die er beide als Urheber einer„Hetz« gegen Lebius" hinstellte. Nach derselben Methobe, die Lebius in seinen Prozessen arge» den„Vorwärts" zu befolgen pflegt, arbeitete er auch hier. Er stellt« sich dem Gericht vor als ein Mann von guter Gesinnung, der ei» harmonisches Verhältnis zwischen Unternehmern und Arbeitern her» zustellen suche und deshalb von der Sozialdemokratie mit Ver» leumdungen und anderen verwerflichen Mitteln verfolgt werde. De« Vorsitzende mutzte die lange Rede des Klägers mehrmals mit der Aufforderung unterbrechen, bei der Sache zu bleiben. Zum Schluß suchte Lebius dadurch beim Gericht Stimmung zu machen, dcktz et die Nationalsozialen, zu denen der Beklagte gehört, als verkappt« Sozialdemokraten bezeichnete. Ob diese Stimmungsmache auf die Richter gewirkt hat, kann man natürlich nicht wissen. DaS Urteil aber lautete so, wie LebiuS eS wünschte. DaS Gericht verwarf die Berufung ans Kosten deS Angeklagten« In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende unter anderem: De« Angeklagte habe zum Ausdruck bringen wollen, daß der Kläger ei» Mann von minderwertiger moralisch« Qualität fei. DaS sei ein» Beleidigung, die unter � 186 falle. Der Wahrheitsbeweis sei abe« nur so weit zulässig, als eS sich um gerichtliche Feststellungen übe« die Qualität des Klägers handele. Ueber die im Urteil gege» Mermuth enthaltene Bemerkung sowie über das Urwil im Prozeß Gerlach hätten beide Parteien übereinstimmende Angaben gemacht, deshalb brauche hierüber kein Beweis erhoben werden. Auf dres« beiden Urteile stütze sich die Ansicht des Angeklagten über die Perso» des Klägers. Was in diesen beiden Prozessen festgestellt sei, be» rechtige den Angeklagten nicht, zu sagen, der Kläger sei ein Man» von minderwertiger Qualität. Wenn in einem Einzelfalle fest« gestellt sei, daß jemand nicht einwandfrei gehandelt habe, so dürf« ihm noch nicht vorgeworfen werden, daß er moralisch minder« wcrtig sei. Die beliebte Beschränkung des Wahrheitsbeweises ist eine auf« fallend starke Beschränkung berechtigter Kritik. " Wiederaufnahme. Einen hartnackigen Kampf um sein Recht und seine Ehre hat der frühere städtische Gelderheber Paul Schmidt gesübrt, welcher nun gestern nach ziemlicd vier Jahren eine glänzend« Rehabilitalion erlangte. Wegen Unterschlagung ün Amte verhandelt« die 7. Strafkammer des LandgerickitS I unter Vorsitz des Land» gerichtsdireklors Splettstößer gegen den Angeklagien, nachdei» dieser bereits in derselben Sache zu sechs Monaten Gefängni» verurteilt worden war.— Der Angeklagte war im Jahre 190t von dem Magistrat als städtischer Gelderheber angestellt worden. In dieser Stellung hatte er die von den Verwaltinige» der städtischen Gas-, Wasier- und Kanalisationswerle ausgestellte» Rechnungen im Auftrage der WerkeinziehungSabtei lung der Stadt« hanptkasse von den Konsumenten einzuziehen. Im Jahre 190Z stellte sich plötzlich bei ihm ein Manko von etwa 600 Mart heraus. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen ihn Anklage wege» Unterschlagung im Amte. Die 7. Strafkammer unter dem damalige» Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Dr. Merz hieit den Angeklagte» für schuldig und erkannte auf sechs Monate Gefängnis. Schon damals hatte der Angellagte geltend gemacht, daß er nicht einen Pfennig unterschlagen habe, es müsse vielmch« durch eine kaum glaubliche Unordnung in der Kassenverwaltung der städtischen Werke irgendwo ein Fehler entstände» sein, welchen man ihm nun in die Schuhe schieben wollte. Di« Revision deS Angeklagten wurde seinerzeit verworfen. Im Gefühle seiner Unschuld begann nun Schmidt einen mit große« Zähigkeit geführten Kampf um seine Ehre und sein Rechh Unter großen Geldopfern ließ er nacheinander durch drei verschieden« Rechtsanwälle Anträge ans Wiederaufnahme des Ver« fahrens stellen, die jedoch sämtlich abgelehnt wurden, Erst im März d. I. war ein vierter Antrag auf Wieder« aufnähme deS Verfahrens endlich von Erfolg begleitet In der gestrigen Verhandlung gestaltete sich dqs Bild wesentlich anders alS in der ersten Verhandlung. Der Angeklagt« behauptete wiederum, daß nicht er. sondern ein anderer Beamter di« sraglicven Beträge einkassiert habe. Dies sei sehr wohl möglich, da die fertigen Quittungen in de» BureanS überall herumlägen und jedem zugänglich feien. Der frühere Gelderheber H„ der wegen derartiger Unterschlagungen in Höhe von 70000 M. bestraft worden ist. be« kündete, daß die Quittungen stets unverschlosien liegen blieben und jedermann, selbst den Scheiiersranen, zugänglich gewesen seien l Ebenso hätten die städtischen Stempel herumgeleqen, wodurch ihm, als er sich in Not besand. Überhaupt nur die Veruntreuungen er» niöglickt worden wären.— Der Staatsanwalt hielt auch nach der erneuten Beweisaufnahme eine Unterschlagung tür borliegend und beantragte vier Monate Gefängnis. Das Gericht kam zu einer Freisprechung deS Angeklagten, der nun nach jahrelangem Kampfe doch»och gesiegt hat. Amtlicher Marktbericht der ilädwchen Marttdallen-DIrettion über den«Arotzbluidei in den Zeiinal-NnrktbaNen, Marktlage: Fl ei tibi Zuludr reichlich,(«elchätl ruhig, Preiic unverändert. Wild: Zufuhr knapp, «eichäit rege, Prelle gut, eil(ig et: Zusubr relchlich, tSeichäjt schleppend. Preise gedrückt. Fisch«: Zusuhr mämg,«eichäil ruhig, Preis« wenig verändert. Butter und Käse: Geschüst ruhig. Prelle un» verändert. iLemüI«. Lbv und Südsrüchte! Zufuhr genügend, Äcschäjt rege, Preise wenig verändert. rSallersiands-Siachrtchlea »er uandeSanltnlt sür cAewässerkmid«. mitgetetll von» Berliner Wetterbureau Wasserstand M e m e l. Tillil P r e g e l. Jiilterdurg Weichsel, Tborn Oder, Ratibor , Krollen , Frantiurt Wa r t h e, Sibrmnn , LandSberg 9! c 6 e, Vordamm Elbe. Leilineritz , Dresden , Bardo , Magdeburg •)+ bedeutet Wucht.— Fall.—") Unterpegel. Erscheint 2 mal wöchentlich» Beiugsqnelleii-¥erzeichnis. Den Lesern bei ElnkSnfen zur Beachtung empfohlen. 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UUrucr, Rittcrftr. 16. kanten. Drei Tropfen Arbeitsnachweis: BerwalningSitelle Berlin. Hauptburean: Hos I. Amt 3, 1239. Charitdstra&e 3. Hof in. Statt 3. 1987. Donnerstag» den 28. Oktober er., abends 8 Vi Uhr: IiLT Versammlnngs der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenossen im„nresdener Garten", Dresdener Str. 45, TageS-Ordnung: 1. Vortrag de« Genossen Max Schütte über:»RobeSPierre». 2. Verbandsangelcgenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 124/13 Die Ort«! Verwaltung- Her iter-W Zahlstolle Charlottcnbnrg. machen das schmutzigste Metali spiegelblank. fei Flaschen ron 10—50 Pfg. überall zu haben. Donnerstag, den 28. Oktober, abends 8'/« Uhr, im Volkshause, Rosineustr. 3: General-Vers ammlung. TageS-Ordnung: 1. Slbrechnimg vom 3. Quartal 1903. 2. Vortrag über: Frei« Fort- bildungsrurse für Arbeiter. 3. Verbandsangeiegenhcitcn. 4. iArwerkschast- lichcs und Verschiedenes. Lisi Die Ortsvcrwaltang. Für alle Welt V\tarenvertrieb auf Teilzahlung O. m. b. 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Die Veranlassung zur Einsetzung dieser Kommission ist zum nicht unerheblichen Teile den Angriffen des.Vorwärts" auf die Zustände in unserer Armenverwaltung zu verdanken. Die Beratungen erstreckten sich aus die allgemeinen Fragen der Organisation unserer Armenverwaltung und auf die pflegerlsche» Grundsätze, die von den Armenkommissioncn in der Praxis zu befolgen sind. Ausgangspunkt dieser Beratungen bildete die auch unter den in der arntenpslegerischen Praxis als Kreisvorsteher stehenden Kom- missionsmitgliedern gesammelte Erfahrung, daß unsere Armenpflege eine Reihe von Mängeln aufweist, die eine baldige und energische Abhilfe erheischen. Insbesondere wurde im Laufe der Beratungen von den verschiedensten Seiten erklärt, daß bei aller Anerkennung der Tätigkeit unserer Armenpfleger vielfach ein geringer Zusammen- hang zwischen ihnen und den Hilfsbedürftigen bestehe, eine Er- scheinung, die in den großstädtischen Verhältnissen begründet sei. Von einzelnen Fragen gelangten die folgenden zur Erörterung: 1. Die Frage einer Neucinlcilung und Teilung der Armen- kommissionsbezirke— insbesondere ihr Verhältnis zu den Stadt- bezirken und deren Neueinteilung, sowie die Aufstellung eines Prin- zipS für die Teilung der Armenkommissionsbezirke; 2. die Grundsätze für eine zweckmäßige Besetzung der Armen- kommissionen nach Zahl der Pfleger und der ihnen überwiesenen Pflegefälle, sowie die Frage der Verpflichtung der Pfleger, im Kom> missionsbczirke zu wohnen; 3. die Beschäftigung von Frauen in der öffentlichen Armenpflege; 4. die Kontrolle über die Angcmesicnheit der von den Kom- Missionsvorstehern bereit zu stellenden Sprechzimmer; 6. den Zeitpunkt der Abhaltung von Kreisvcrsammlungen; 0. die Einstellung von Berufsbeamten in die Armenpflege: 7. die Heranziehung Unterhaltungspflichtiger durch die Armen- direktion auf Anregung von Kommissionen; 8. die Auszahlung des Pflegegeldes; Ort der Zahlung; v. die Aufstellung eines Existenzminimums von Unterstützungssätzen; 10. die Belehrung der Armenpfleger. ES wurden folgende Beschlüsse gefaßt: l. Beschlüsse, die der Zustinmiung dcS Magistrats und der Stadt- verordneten bedürfen: I. Nach dem Antrage des Vorsitzenden beim Magistrat zu beantragen, der Armendirektion eine eigene Abgrenzung der KommissionSbezirkc unabhängig von den Stadtbezirken und historischen Stadtteilen nur nach ihren eigenen Bedürfnissen zu gestatten, vor- behaltlich der Genehmigung durch die Gemeindebehörden. 2.§ 4 der Geschäftsanwcisung vom April 1902/1300 betreffend die offene Armenpflege dahin abzuändern, daß die Wohnpflicht der Kommissionsmitglieder dahin erweitert werde, daß grundsätzlich auch Personen, die in einem nächst angrenzenden Bezirke wohnen, zu Mitgliedcrit einer Armenkommission gewählt werden dürfen. II. Beschlüsse, die dem Plenum der Armendirektio» zu unterbreiten sind. 1. Die Armendirektion soll die Frage der Teilung einer Kommission von Amts wegen prüfen, sobald der eiserne Bestand den Betrag von 2500 M. eine gewisse Zahl von Monate» lös überschritten oder sobald mehr als 125 laufende UnterstützungSfälle fAlmosen und Pflegegeld) von der Kommission zu bearbeiten wären. 2. Die Höchstzahl der von jedem Pfleger zu bearbeitenden laufenden Fälle(Almosen-, Pflegegeldempsänger) wird auf 10 fest- gesetzt. Bei Ueberschreitung dieser Zahl ist von Amtswegen die Not- wcndigkeit der Vennehrung der Pflegerzahl, der Teilung oder sonstiger organisatorischer Maßregeln zu prüfen. 3. Den Frauenorganisationen soll mitgeteilt werden, daß lediglich durch recherchierende Stadtverordneten Wahlvorschlöge für Pflegerinnen entgegen genommen würden, nicht durch die Armen- direktion. 4. ES soll an Magistrat und Stadtverordnete ein Bericht über die Sachlage hinsichtlich der Beschäftigung von Frauen in der Armenpflege erstattet und beide Körperschaften ersucht werden. den Beschlüssen der städtischen Behörden betreffend die Wahl von Armenpflegerinnen Geltung zu verschaffen. Jeder Kom- Mission sollen mindestens zwei Frauen angehören. ö. Im Anschluß an den Antrag aus Erhöhung der Entschädigung der Vorsteher für das Sprechzimmer soll die Beschaffenheit der Räumlichkeiten geprüft werden. Die Kreisvorsteher sollen sich über die Beschaffenheit nnterrichten und hierüber der Armendirektion be- richten. 6. Die Kommissionssitzungen sollen bis zum 25. jeden Monats abgehalten werden und die Kreisversammlungen noch vor Monats- fchluß stattfinden. 7. Es besteht Einverständnis, daß der Vorsitzende nach Bedarf Bureaubeamte zur Anstellung von Recherchen an Ort und Stelle verwendet. 8. Die Dezernenten und Expedienten sind zu veranlassen über Stand und Ergebnis sowie auch von der Unmöglichkeit der Heran- ziehung AlimentationSpflichtigcr die Kommissionen zu benachrichtigen. 9. Die Armenkommissionsvorsteher sollen nochmals veranlaßt werden, den Pflegern bestimmte Unterstützungsbedürftige zuzuweisen. Zu der arinenpflegerischen Tätigkeit gehört nicht allein die Be- obachtung der häuslichen Verhältnisse der Armen, sondern auch die Auszahlung der Almosen. Exlraunterstützungen und Pflegegclder an ein- und dieselbe Familie. Ausgeschlossen soll nicht sein, daß Pfleger die Auszahlung in einer Schule oder sonstigen städtischen Gebäude vornimmt, falls dringende Hinderungsgründe der Zahlung in der Wohnung des Pflegers oder des Pflegebefohlenen entgegenstehen. Ein weiterer Antrag unserer in der Subkommission vertretenen Genossen, bestimmte Mindestsätze für unterstützungsbedürftige Männer, F---"»«» und Kinder festzusetzen, wie das namentlich in füd- deutschen Städten bereits der Fall ist. gelangte leider nicht zur An- nähme. Man befürchtete jedenfalls, daß dann die jetzt gewährten Sätze als viel zu gering betrachtet iverden müßten. Zu lebhaften Debatten führte noch die Frage der Erhöhung der Entschädigung für die Sprechzimmer der Vorsteher. Die Klagen, daß in bezug auf die Sprechzimmer viel zu wünschen bliebe und daß die Veröffentlichungen des.Vorwärts" berechtigte waren, wurde zugegeben, nur fei es sehr schiver, eine Lösung zu finden. Beschlossen wurde, daß die KreiSvorsteher im kommenden Winter eine Besichtigling der Sprechzimmer vornehmen und über ihre Wahrnehniungen Bericht an die Direktion erstatten sollen. Vertagt wurde ein Antrag, nach welchem es dem Leiter der Armendirektion gestaltet sein soll, durch besondere Beamte Recherchen bei Unterstützungsbedürfligen, ohne Rücksicht auf die Kommissionen anstellen zu lassen. Es sollen erst die Erfahrungen anderer Gemeinden eingeholt werden. In der Debatte zeigte es sich, daß man ja alles vermeiden möckte, wodurch sich die Kommissionsvorsteher beleidigt fühlen könnten. Daß aber die Bcschiverden der Abgewiesenen oder zu gering Unterstützten bei dem jetzigen Verfahren monatelang unerledigt bleiben, wurde außer acht gelassen. Vier Wochen dauert es bevor die Kreisversammlung gesprochen— hier sitzen die KommissionSvorsteher über die Beschwerden selber zu Gericht— weitere vier Wochen bevor die Armendirektion spricht; daß während dieser Zeit, Hunger und Elend, oftmals Obdachlosigkeit eintritt, was schert das die Armenverwaltung, der BureaukratiLmuS muß weiter auftecht erhalten werden. ES ist zunächst zu bedauern, daß der Antrag abgelehnt wurde. dem Leiter unseres Armenwesens die Befugnis zu erteilen, durch besondere Beamte Recherchen ohne Rücksicht auf die Kommissionen bei Unterstützungsbedürfligen anstellen zu lassen. Wir hallen gerade diese Einrichtung für unbedingt erforderlich, wenn der Leiter der Armendirektion sein Amt ausüben soll. Wir meinen aber auch, daß der Leiter der Zustimmung der Armendirektion in diesem Falle erst gar nicht bedürfte; er hat unseres Erachtens schon heute nicht nur daS Recht, sondern als verantwortliche Person sogar die Pflicht, in den ihm geeignet erscheinenden Fällen, in dringenden Notfällen oder Befchwerdesällen sofort selbst Recherchen anzustellen, um helfend eingreifen zu können. In dem Ergebnis der Beratungen vermissen wir auch An- ordnungcn, schnelle Hilfe zu bringen. ES geht nicht an, Hilfe- suchende auf die Kommissionssitzungen am 25. zu vertrösten, wie das heute vielfach geschieht. Hier hat Charlottenburg vorbildlich gewirkt. Wir halten auch dafür, daß die von den Kommissionen zu ge- währenden Maximalsätze erhöht werden müßten und die Kommissionen nicht erst deshalb an den ArmenkreiS gehen müssen, dieser ver- knöchertsten Einrichtung unseres ArmcnwesenS. Trotzdem erkennen wir an, daß die gefaßten Beschlüsse einen Fortschritt bringen können, wenn sie in verständiger Weise angewendet werden. Daran fehlt es vielfach. Wir haben leider keine soziale Armenpflege, wie das auch in den Verhandlungen ausdrücklich betont wurde, sondern eine Armenpflege, die von kleinlichen, engherzigen, fiskalischen Gesichts- punkten betrieben wird. Auf den Geist, der unser Armenwesen durchloeht, koinmt sehr viel an. Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 31. Oktober, nach- mittags 2 Uhr: Uraniavorstellung. Zur Aufführung gelangt ein neuer Vortrag mit Lichtbildern:.In den Dolomiten". Billetts a 60 Pf. inkl. Garderobe sind noch bei den AbteilungSführern und beim Kassierer G. Schmidt, Kirchbachstr. 14, zu haben. Ferner findet am Sonntag, den 31. Oktober, früh 8 U h r, für den b. und 8. Kommunalwahlbezirk eine Flugblatt- Verbreitung statt. Die Genossen der 7. und. 3. Abteilung gehen nach den Stellen, wo sie beim vorigen Male geholfen haben, und diejenigen Genossen, welche noch nicht eingeteilt sind, kommen zu WiemerS, Bülowstr. 53. Parteigenossen, an die Arbeit I Der Vorstand. Rixdorf. Am Montag, den 1. November, abends 8'/« Uhr, be ginnt in Hoppes Festiälen, Hermannstr. 49(großer Saal), der Vor- tragSzyklus des Genossen Julian Borchardt über:„Die Grunb begriffe des wissenschaftlichen Sozialismus." Derselbe erstreckt sich auf fünf Abende und zwar Montags, am 1., 3., 15., 22. und 29. November. Die Themen der einzelnen abgeschlossenen Vorträge lauten: 1. Die heutigen sozialen Zustände und deren Ursachen. 2. Woher kommt der Profit. 3. Einstehen und Vergehen der kapu talistiichcn Gesellschaft. 4. Der historische Materialismus. 5. Unsere Gegenwartsforderungen. Der Zukunstsstaat. Die Eintrittskarte zu diesem Kursus kostet 50 Pf., sie berechtigt für alle fünf Abende und ist bei den Funktionären und in der Parteispedition Neckarstr. 2 er- hältlich. In Anbetracht dieser überaus wichtigen Vorträge sollte kein Gewerkschafts- und Parteimitglied verabsäumen, sein Wissen zu bereichern. Der BildungSauSschnß. Friedenau. Heute Mittwoch, abends 8'/2 Uhr: General- Versammlung des Wahlvereins bei Schellhaie, Steglitz, Aborm straße 15a. Tagesordnung: Ausnahme neuer Mitglieder. Vortrag des Genossen K u b i g- Pankow:„Rückblick auf die letzten politischen Ereignisse." Berichte. Anträge und Verschiedenes. Der Vorstand. FriedrichShagcn. Heute abend 8'/z Uhr: Mitgliederversammlung des WahlverPns im Restaurant der Witwe Lerche, Friedrichstr. 112. Vortrag des' Genossen Wissel über»Patriotismus und Jnter- Nationalismus". Mahlsdorf(Ostbahn). Am Sonnabend, den 30. d. Mts., abends 8'/z Uhr, findet im Lokal des Herrn Linke, Grunowstraße, eine Versammlung des WahlvercinS für unseren Bezirk statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Bericht vomParteitag inLeipzig. Berichterstatter Genosse B r ü h l- Lichtenberg. 2. Vierteljabrsbericht. 3. Verschiedenes. Wir erwarten, daß sämtliche Genossen und Ge- nossiniicn pünktlich zu dieser Versammlung erscheinen. Diejenigen Genossen und Genossinnen, welche am 1. Oktober in Mahlsdorf, Kanlsdorf oder Hoppegarten zugezogen sind, werden er- sucht, sich im Wahlverein anzumelden und zwar bei Fr. Käming, Mahlsdorf, Wagncrstr. 7 l, O. Schulz, Mahlsdorf. Bogtstr. 11, oder H. Schmidt, KaulSdorf, Adolfstr. 28. Die Bezirksleitung. Lerlmer Nachrichten. „Kirchcnpleite." „Pleite machen" ist ein Pech, das manchem Geschäfts� mann widerfährt. Wer wird es wagen wollen, den immerhin etwas anrüchigen Ausdruck auch auf einen Mißerfolg der Bestrebungen der Kirche zu übertragen? Diese Neuerung findet sich in einem hiesigen Blatt, das einer Notiz über mangelhafte Beteiligung a m Gottesdienst die Ueberschrift„Berliner Kirchenpleite" gegeben hat. Unfromme werden nicht wenig überrascht sein, zu hören, daß die Zeitung, die eines solchen Witzes sich erkühnt hat, eine stocksromme ist. Wir verdanken diese Bereicherung des deutschen Sprachschatzes einem Blättchen, das den Pastoren dient und von Pastoren bedient wird: dem ehemals Stöckerschen„Reich". Es steht da zu lesen(in Nr. 251 vom 26. Oktober): „Berliner Kirchenpleite. Wie wir in Erfahrung gebracht haben, hatte am Sonntag, den 24. Oktober, die StephanuS- k i r ch e anläßlich ihres VormittagSgotteSdiensteS 12 Besucher aufzuweisen: 3 Männer. 7 Frauen und 2 Kinder. Der Küster verkündete, alü der VormittagSgottesdienst eröffnet werden sollte: Der Gottesdienst fällt wegen mangelhafter Be- tciligung auS." Die Stephanuskirche liegt auf dem Gesundbrunnen, in der Prinzenallee. Daß in einer solchen Stadtgegend, die hauptsächlich von Arbeitern bewohnt ist, ein Pastor den Gottesdienst„wegen mangelhafter Beteiligung" habe aus- fallen lassen, will uns eigentlich nicht recht glaubhaft er- scheinen. Schwerlich werden da die Verkünder des Gottes- Wortes so verwöhnt sein, daß sie ein Häuflein von wohl- gezählten zwölf Besuchern für gar zu winzig halten. Wir vermuten, daß in Berlin schon mancher Pastor froh war, wenn immer noch zwölf zu seinen Füßen saßen und ihm zu- hören wollten. Indes, das stockfromme„Reich" muß es ja wissen, und es wird jene Nachricht nicht ungeprüft der Oeffentlichkeit übergeben haben. Der Satz:„Der Gottes- dienst fällt wegen mangelhafter Beteiligung aus", ist in dem Blättchen durch Fettdruck noch besonders hervorgehoben worden. Wäre eine derartige Notiz durch den„Vorwärts" veröffentlicht worden, so hätte die Pastorenpresse sicherlich das alles unbesehen für eine„schamlose Lüge" erklärt, die von Sozialdenwkraten erfunden worden sei. um wieder mal „die Kirche zu verunglimpfen". Hätten gar wir uns den Witz von der„K i r ch e n p l e i t e" geleistet, so wäre wahr- scheinlich bei den Frommen und Frömmsten ein Zetergeschrei losgebrochen, das den Zorn des Himmels auf die sozial- demokratischen„Lästerer der Kirche" herabgefleht hätte. Mancher wird verwundert den Kopf dazu schütteln, daß jetzt sckion die Pastorenpresse selber die Erfolglosigkeit der Bc- mühungen der Kirche festnagelt und es sogar für passend hält, darüber zu witzeln. Den Grund dieser allerdings be- fremdlichen Handlungsweise erfahren wir aus dem Schluß der Notiz über die Stephanusgemeinde, der folgendermaßen lautet: „Zur weiteren Kenntnis sei angefügt, daß der Gemeinde- kirchenrat wie auch sämtliche drei Pastoren der liberalen Richtung angehören. Liberale Kirchenpleite! Ihr positiven Wähler heraus!" Vor den Kirchenwahlen sind den Anhängern des Kirchen-Liberalismus in ihrem Kampf gegen die Orthodoxie alle Mittel recht, und schon manchem Vertreter der orthodoxen Frömmigkeit ist es übel genug ergangen. Man sieht aber hier, daß auch die Streng st gläubigen gar nicht zimperlich sind, wenn es gilt, ihre Brüder vom minder- strengen Glauben zu bekämpfen. Von dem Arbeiter fordern diese Kirchenstützen, die liberalen wie die orthodoxen, daß er der Kirche und ihren Pastoren die Achtung nicht versage, auch wenn er ungläubig ist. Wie aber sie selber über die Kirche und ihre Pa stören denken, das lassen sie uns merken, so oft sie gegeneinander um das Vorrecht ringen, jeder auf seine Art„dem Volke die Religion erhalten" zu dürfen. Uns kann's nur lieb sein, daß diese feindlichen Brüder beide der Wahrheit und der Aufklärung dienen. Sie tun daS. indem sie bei ihren Versuchen, einer dem anderen möglichst unsanft die Maske vom Gesicht zu reißen, un» gewollt sich selber demaskieren. Die letzten Farben. Während draußen alles vergilbt und verdorrt, durch- streift der Ringbahnzug von Zeit zu Zeit noch farbig bunte Flecke, die Laubenkolonien. Der Drang des Städters nach einem Fleckchen Land, der diese Kolonien geschaffen hat, manifestiert sich auch in der Farbenfrendigkeit, die sie gerade jetzt wieder, kurz vor Toresschluß, noch zeigen. So ziemlich alle Farben des Regenbogens sind vertreten. Die meisten Sonnenblumen sind verblüht und bräunlich schimmern die reifen, oft schon entleerten Köpfe. Daneben aber stehen ebenso hohe Büsche einer verwandten Pflanze. Ihre Blätter sind mehr eingeschnitten, die Stengel schlanker, die in Menge vereinten hochgelben Blüten kleiner. Es sind Einwanderer aus Nordamerika. Der wissenschaftliche Name (Rudbcckia) hat noch keine bekannte Verdeutschung gefunden. Weit niedriger sind die bläulich schimmernden Asternbüsche, die mit zahllosen Blüten übersät sind. Auch diese Pflanzen» familie entstammt dem genannten Lande, das weit mehr stattliche, im Herbste blühende Pflanzen aufzuweisen hat, als wir. Ein Fremdling ist auch die Dahlie, die ihre Garten- formen aber erst auf europäischem Boden erlangt hat. Ihre weißen und roten Blüten bringen eine weitere Abwechselung in das Gelände. Dazwischen erstrecken sich grüne Beete mit den Ueberbleibseln irgendwelcher Gemüse, und blaue Kohl» köpfe machen sich breit. Die breiten grünen Blätter der Kürbisse und Gurken lassen ihre ansehnlichen Früchte durch- schimmern und selbst verspätete gelbe Blumen dieser nütz- lichen Gewächse lugen unter den Blättern heraus. Von den dicht umrankten Lauben leuchtet die braunrote Farbe des Herbstes, und über ihnen flattern die bunten Wimpel. Es sind vielleicht keine künstlerischen Farbensymphonicn, die sich so dem Auge des Vorüberfahrcnden darbieten. Aber was fragen wir jetzt danach, wo die Farben des Sommers entschwunden sind? Dankbar ruht unser Aug? auf diesen Blumen, die die Laubenkolonien in einen fast zigeunerartig bunten Aufputz hüllen. Es ist der letzte Gruß, che das Weiß des Winters alle diese Farben in sich vereinigen und dem Boden wiedergeben wird, der sie alle mischen und übers Jahr neue erstehen lassen wird._ Vom Schlendrian im städtischen Steucrdureau. In unserem städtischen Steuerbureau müssen sonderbare Zu« stände herrschen. An der Hand von zahlreichen Venpiclen haben wir schon nachgewiesen, wie fehlerhaft die Listen sind, die vom Steucrbureau den Kirchengemeinden zwecks Einschätzung zur Kirchen» steuer übermittelt werden. Wenn auch ein Teil der Fehler auf die Kirchengemeinden zu setzen ist. so bleiben doch noch viele Fehler übrig, die auf das Konto des Steuerbureaus kommen. Dieser Tage wurde uns folgender kaum glaubliche Fall unterbreitet. Ein in der Admiralstraße wohnender Gürtler D. war in die SieucreinschätzungS- kommission gewählt worden. Seine Wahl wurde aber beanstandet, weil er nach Auskunft des StenerbureauS im Jahre 1309 keine Steuern gezahlt habe, also nicht wählbar sei. Diese AnSkunst ist nun falsch. UnS haben die Steuerquittungen von diesem Jahre für alle drei Quartale vorgelegen und man fragt sich: Wie ist es möglich, daß eine derartige Auskunft gegeben werden kann? Wenn solche Vor- kommnisse einen Schluß zulassen, so doch nur den, daß in unseren städtischen Steuerbureaus nicht mit der Gewissenhaftigkeit verfahren wird, wie man sie unbedingt verlangen muß. von der„Nücksichwahme" unserer Steuerverwaltung weiß mancher Arbeiter ei» Lied zu singen. Ein Arbeiter, der mit 31 M. Staats- einkonnnensteuer eingeschätzt ist. Ivar infolge Arbeitslosigkeit in Steuerriickstand gekommen und richtete an die Steuerdeputalio» ein Gesuch, die ausgelaufenen 25.84 M. Steuer» abzahlen zu dürfen. Als Nntivort erhielt er die Mitteil»iig, daß ihm folgende Teil- zahluuge» belvilligt worden sind: 10,34 M. anr 4. Oktober, 8,40 M. anr 18.' Oktober und 8 M. am 1. Noveniber. Wieso noch 30 Pf. mebr derlaugt werden, ist dem Antragsteller nicht klar geworden. Diese Antwort zeugt von einer austcrordentlichen„Niicksichtnahme". Der Arbeiter, der drei Kinder ernähren und auch am Ersten seine Miete zahlen niuß, soll den Betrag von 26 M. in einem Monat zahlen, ein Entgegenkommen, das unserer Steuerverwaltung sehr ähnlich sieht I Mißstand in der-Badeanstalt. Ein Leser schreibt unS: Seit längerer Zeit schon Besucher der städtischen Badeanstalt in der Bärwaldstrave, ist mir und vielleicht auch anderen Lesern dieses Blattes ein Uebclstand aufgefallen, der leicht zu einem ernsten Unfall führen könnte. Es führen da nämlich zwei hölzerne Treppen zu den Ankleideränmen enipor. Bei starkem Andrang des Sonnabends und SouiitagS iverdcn die Treppen furchtbar naß, daß es geradezu ein Kunststück ist. dieselben barfuß ohne Lebensgefahr auf und ab zu passieren, So halte ich am Sonnabend das Pech, auf der Treppe auszurutschen und hinabzustürzen. Glücklicherweise kam ich mit einigen Hautabschürfungen davon, doch hätte die Sache auch gefährlicher werden können. Die ganze Beseitigung dieses UebelstandeS liegt nun darin, diese Treppen mit Kokoslä ufern zu belegen. Ob dies der Verwaltung nun zu teuer ist, oder ob es vielleicht noch nicht aufgefallen ist? Vielleicht wartet sie solange, bis wirklich nial ein eriister Unfall passiert. Gewöhnlich wird der Brunnen erst dann zugedeckt, wenn das Kind hineingesallen ist. Freifahrkartcn für Eisenbahnarbeiter. Vor einiger Zeit war an dieser Stelle bengalisch beleuchtet worden, daß der Grundbesitzer- verein der östlidkn Stralauer Vorstadt bei der Eisenbahndirektion Berlin dahin vorstellig geworden war, allen denjenigen Eisenbahn arbeitern, welche ihre Wohnung von Berlin nach den Vororten ver- legen, die Vergünstigung sreier Eiseubahnfahrt zu entziehen. Der Grund dieser menschenfreundlichen Uebung war natürlich, die eigene Tasche zu füllen. Die Eisenbahnarbeitcr sollten dadurch gezwungen werden, in Berlin wohnen zu bleiben. Verständigerwcise hat die Eisenbahndirektion das Ansinnen des Hausagrariervereins glatt abgelehnt. Die in ihre Schranken gewiesenen Antragsteller sind in- des dreist genug gewesen, sich höheren Orts über den erteilten ab- lehnenden Bescheid zu beschweren. Die Antwort steht noch aus, dürfte aber wohl kaum im Sinne der Hausbesitzer ausfallen. Hierzu wird uns nun, um irrtümlicher Auffassung von be- sondcrer Arbeiterbegünstigung vorzubeugen, mitgeteilt, daß die Eiscnbahnarbeiter überhaupt nicht vollständig freie Eisenbahn fahrt nach den Vororten genießen. Vielmehr er- streckt sich das Recht der Freifahrt nur a u f z w e i S t ac i o n e n. Da die Stationen gerade in der Nähe der Weichbildgrenze, das heißt über dieselbe hinaus, sich in sehr kurzen Zwischenräumen folgen, müssen zahlreiche Eisenbahnarbeiter, die in entfernteren Vororten wohnen, schon immer die Hälfte des Fahrgeldes oder noch mehr aus eigener Tasche zahlen. Um so schärfer ist das eigensüchtige Vor- gehen der Hausbesitzer, welche auck die jetzige geringe Vergünstigung hintertreiben wollen, zu verurteilen. Selbst solche bürgerlichen Blätter, die sonst für Arbeiter sich nicht sonderlich erwärmen, haben den kleinlichen Standpunkt der Hauseigentümer getadelt. Von der Findigkeit der Post. Neulich brachte eine hiesige Zeitung die Nachricht, daß die Post eine Sendung ohne Adresse, aber mit dem Bilde des Adressaten versehen, an die richtige Adresse be- stellt haben soll. Wenn die Sacke wahr sein sollte, so wäre die Geschiwte in der Tat ein Beweis für die Findigkeit der Post. Aber es gibt auch Gegenstücke. Uns liegt eine Karte vor, die eine Familie in der Großgvischenstraße an eine andere in der Scknl- straßc gerichtet hat. Tiefe Karte trägt den Abgangsstempel Berlin 22. 5. 08 und ist am 17. Oktober 1909 den Adressaten behändigt worden, hat also von der Großgörschenstraße bis zur Schulstraße 17 Monate gebraucht. Bemerkenswert ist, daß der Adressat seit zwei Jahren in dem aus der Adresse genau angegebenen Hause wohnt. also schon vor 17 Monaten gefunden werden konnte. Sonderbar ist noch, daß die Karte auch nicht dem Absender zurückgegeben worden ist, obwohl dessen Adresse genau angegeben war. Wo mag die Karte in der langen Zeit gesteckt haben? Fünf Personen bei einer Explosion verletzt. In den Lichtwerken G. m. b. H., Frankfurter Allee 117, explodierte gestern nachmittag 4 Uhr ein mit Wasserstoffgas gefüllter Kessel unter gewaltiger Detonation. Die Bewohner der umliegenden Häuser eilten auf die Straße und forschten nach der Ursache. Bald fuhren auch zwei Löschziige der Feuertvehr und zwei Krankenwagen vor und nun erfuhr man, daß in den Lichtwerken eine Explosion erfolgt sei. Ein im zweiten Stock des rechten Seitenflügels aufgestellter Kessel für Wasserstoffgas hatte jedenfalls starken Urberdruck erhalten, dem seine Wandung nicht gewachsen war. Der Kessel explodierte, und der dadurch erzeugte Lnstdruck riß eine Rabitzwand um und zerstörte alle Fenstenscheiben des Fabrikraumes. Glücklicherweise hatten die Arbeiter gerade Vespcrzeit, so daß die größte Zahl von ihnen sich in einem Nebenraume befand. Ein Arbeiter wurde von der eingedrückten Wand getroffen und erlitt eine stark blutende Kopfwunde. Einem zweiten wurden durch Glas- spliiter drei Finger aufgerissen. Drei Arbeiterinnen wurden eben- falls von Glassplittern am Halse und an den Armen getroffen. Auf der Unfallstanon in der Warschauer Straße erhielten die Verletzten Verbände. Die Verwundungen sind nicht lebensgefährlich. Mehrere Arbeiterinnen haben noch einen Nervenchoc davongetragen. Die Feuerwehr trat nicht in Tätigkeit. Die Akademischen Untcrrichtskurse für Arbeiter sE. V.) veranstalten am Freitag, den 29. Oktober, im großen Saale des Zentralarbeitsnachiveises, Gorniannstr. 13, eine allgemeine Hörer- Versammlung, in der Herr Erich Kuttner, Charlottenburg, über das Thema:„Student und Arbeiter" referieren wird. Da- selbst werden auch noch Anmeldungen für das Wintersemester (60 Pf. pro HalbjahrkiirsuS) entgegengenommen. Jedermann ist als Teiluehiner willkommen. Fcuerwehrbcricht. In der Nackt zum Dienstag hatte die Feuer- wehr in der Greisswalder Str. 154 zu tun. Dort brannten um Mitternacht Schränke, der Fußboden, alter Hausrat und anderes. Nachts um 2 Uhr wurde der 12. Zug nach der Kurfürstenslr. 33 alarmiert. Ein brennender Koksofen war die Uriache. Früh um 4 Uhr stand in der Tegeler Str. 33 ein Keller in Flammen; Preß- kohlen hatten sich dort entzündet. Lumpen wurden in der Meherbeer- straße 9 ein Raub der Flammen. In der Kieler Str. 3 brannten in einer Küche Gardinen, eine Markise und anderes, und in der Waldeinarstr. 4 in einem Prodnktengeschäft Papier usw. Wegen eines Wasserrohrbruchs rückte der 17. Zug»ach der Beffelstr. 2 aus: die Gefahr konnte bald beseitigt werden. Weitere Alarme liefen aus der Gerichtstr. 72 und anderen Stellen ein. Vorort- JVachncbtcn. Chnrlottenbnrg. Von der Wnhlbcwcgnng zu den bevorstehenden Stadtverordneten- Wahle» ist. obwohl uns kaum noch 14 Tage vom Wahltermin trennen, unter den bürgerlichen Parteien wenig zu spüren. Der Grund dafür ist hauptsächlich darin zu erblicken, daß die Gegner, die sich früher so heftig befehdet haben, in diesem Jahre einen Block gegen die Sozialdemokratie bilden.»Liberale' aller Schattierungen haben sich mit Stockkonserbativen verbunden, Beamte. Lehrer und HauSagrarier bilden das Anhängsel des Blockes, und auch der freisinnige Arbeiterverein gibt sich dazu her, seinen Klassen- genossen in den Rücken zu fallen. In der Aufstellung der Kandidaten für die dritte Abteilung ist der Block nach bestimmten Grundsätzen vorgegangen: in Bezirken, wo verhältnismäßig viel Beanite oder Lehrer wohnen, kandidieren Beamte bezw. Lehrer, deren Stimmabgabe natürlich sorgsam kontrolliert wird, wo die Arbeiterschaft überwiegt. hat der Block einen Arbeiter als Kandidaten aufgestellt, um die Wähler irrezuführen. Kurz und gut, der Neid muß es dieser Ge- sellschaft lassen, sie hat alles getan, um das System der öffentlichen Stimniabgabe in ihrem Interesse auszunutzen. Die Agitation wird durch Presse und Flugblätter so gut wie gar nicht betrieben, alles wird im geheimen gemacht. Für die Sozialdemokratie steht diesmal viel auf dem Spiele. Nicht weniger als sieben von ihren zwölf Vertretern, also mehr als die Hälfte scheiden aus dem Stadt- Parlament auS. An die Stelle der Ausscheidenden wieder Sozial- demokraten zu wählen, zu verhindern, daß ei» der Sozialdemokratie gehörender Sitz verloren geht, ist eine Ehrenpflicht, der sich kein klassenbewußter Arbeiter entziehen darf. Wohl ist in Charlottcnburg. der Stadt der Millionäre und der Beamte», der Kampf für die Arbeiter weit schwerer als in Berlin oder den östlichen, südlichen und nördlichen Vororten, aber wie die Erfahrungen früherer Jahre bewiesen haben, sind bei angestrengter Arbeit sehr wohl Erfolge zu erringen. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, daß die Sozialdemo- kratie bei den. letzten Wahlen im Jahre 1907 gegenüber den vorletzten Wahlen nur etwa um 1000 Stimmen zugenommen hatte, die fast alle auf die ersten drei Bezirke entfallen, während einige Bezirke sogar einen Rückgang der sozialdemokratische» Stimmen ausiviesen. Nnr19,SProz. der eingeschriebenen Wähler Char- lottenburgs haben im Jahre 1907 sozialdemo- kratisch gewählt. So darf es nicht wieder sein. Diese Lau- heit mutz weichen. Mann für Mann müssen die Anhänger der Sozialdemokratie zur Wahl gehen, damit der Plan unserer Gegner, die Vertreter der Arbeiterklasse aus dem Parlament zu enlsernen. zu schänden wird. Und wenn jeder organisierte Arbeiter seine Schuldig- keit tut, wenn jeder ei» Agitator im kleinen ist, wird uns der Sieg zufallen. Die Situation ist günstig? sie richtig auszunutzen ist die Aufgabe der Charlottenburger Arbeiterklasse. Rixdorf. lieber die Einweihung des neuen städtischen Krankenhauses wird uns noch folgendes geschrieben: Lln dem schönen stimmungs- vollen Vortragssaal waren neben den Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung eine Anzahl Ehrengäste an- wesend. Der Kultusminister und der Minister des Innern hatten die Einladungen mit„Rücksichten auf die Geschäftslage" ihrer Ressorts abgelehnt; man scheint dort also auch Sontags zu arbeiten. Die Feier wurde vom Oberbürgermeister Kaiser mit einer Rede eingeleitet, welche zunächst die geschichtliche Entwicklung des neuen Hauses behandelte und schließlich die Errichtung desselben als einen weiteren Markstein auf dem Wege zur Selbständigkeit der jungen Großstadt Rixdorf feierte. Eine anschließende Glückwunsch- rede des Regierungspräsidenten v. d. Schulenburg endete da- mit, daß einigen Rixdorfern der gewiß schon lang ersehnte Vogel ins Knopfloch flog. Hierbei trat wieder einnial charakteristisch der Ordenshumbug zutage. Abgesehen vom Chefarzt des neuen Krankenhauses, Professor Sultan, den man mit dem Roten Adler vierter Güte beglückte, ist bei den sonstigen„Dekorierten" mit dem besten Willen kein Verdienst um die neue Anstalt zu ent- decken; im Gegenteil: es sind Leute darunter, wie die Stadtver- ordneten Nitschke und Rahmig(l), die stets bei Kulturwerken und besonders auch während des jahrelangen, von unseren Ge- nassen im Rathause eingeleiteten Kampfes um die Schaffung eines großstädtischen Krankenhauses als die schlimmsten Gegner hervor- traten. Vielleicht geht man nicht fehl mit der Annahme, daß es sich um verspäteten Lohn für den Wahlrechtöraub handelt; für solche reaktionäre Großtaten ist ein preußischer Orden allerdings die passendste„Auszeichnung". In kurzen Zügen entwarf darauf Stadtbaurat K i e h l, der Erbauer des schlichten und doch so schönen Werkes, ein Bild von dem Werdegang desselben. Gegen- wärtig ist Platz für 350 Betten, deren Zahl sich beim Ausbau durch 5 weitere Pavillons auf 750 vermehren wird. Nach einer Ein- führung in den Betrieb des neuen Krankenhauses durch Professor Sultan, worin Redner betonte, daß man auf modernste Ein- richtung besonders Wert gelegt habe, folgte ein Rundgang.— Die neue Anstalt führt den Namen„Städtisches Krankenhaus Nix- dorf". Wenn man nach einer Fußwanderung von etwa 44 Stunde vom Buschkrug aus vor dem rechts an der Rudower Chaussee lie- genden Bau anlangt, so übt dieser mit seinen im Landhausstile gehaltenen und auf dem gewaltigen Grundstück äußerst zweck- mäßig angeordneten weißen Häusern einen imposanten und doch überaus freundlichen Eindruck aus. Das Terrain selbst liegt einige Meter über der Straße. Eine breite Rampe führte schräg auf- wärts und durch das PförtnerhäuSchcn auf den Vorplatz vor dem Verwaltungsgebäude. In der Mitte desselben liegt oben der schon erwähnte Vortragssaal, im linken Flügel die Apotheke, unter dieser im Kellergeschoß die Selterwasserfabrik. Aus dem rechten Flügel, der Verwaltungsräume und die Kasinos für die Aerzte und die Schwestern enthält, gelangt man durch einen Gang in ein Ge- bäude, in dem zwei Operationssäle, das Photographische Atelier und das Röntgenkabinett Aufnahme gefunden haben. An dieses Operationshaus schließen sich, wiederum durch Gänge mit diesem und untereinander verbunden, an der rechten Längsseite. des Grundstücks, zwei Pavillons an, in denen die chirurgische Abteilung untergebracht ist; sie können um drei weitere vermehrt werden. Ihnen gegenüber liegt an der linken Grundstücksseite die Abteilung für innere Krankheiten mit zwei Pavillons und dem Badchaus, die ebenfalls unter sich und mit dem Hauptgebäude verbunden sind; auch hier ist noch Platz für zwei weitere Pavillons vorhanden. Der zweite, hintere Teil der Anstalt, bis zu welchem Anlagen und weite Rasenflächen sich ausdehnen, erhebt sich gegen den vorderen wiederum und bildet eine weitere Terrasse. Hier befinden sich zur Rechten die Jsolierpavillons für ansteckende Krankheiten und ein solcher für Prostituierte. Links sind die als geschlossenes Ganze um einen Hof quadratisch gruppierten Wirtschaftsgebäude errichtet, die direkt mit der an der linken Seite des Grundstücks herauf- führenden Straße in Verbindung stehen, so daß die hier ver- kehrenden Fuhrwerke die eigentliche Krankenanstalt gar nicht be- rühren. Den Wirtschaftshof umschließen die Waschküche, die Koch- küche, das DcsinfektionShaus, Wagenremisen und Stallungen und schließlich das Maschinen- und Kesselhaus mit der elektrischen Jen- trale. Als eine sehr glückliche Lösung ist zu bezeichnen, daß der große Schornstein im Innern eines wuchtigen, weit inS Land schauenden Turmes völlig verschwindet, in welch letzterem auch die Wasserreservoirs Aufstellung gefunden haben. Hinter dem Wirt- schaftshof liegt die Prosektur mit dem biologischen llntersuchungs- amt; ihr ist eine sehr stimmungsvolle Kapelle für Bestattungen an- geschlossen, die wiederum durch einen Vorhof direkt mit der Außen- straße verbunden ist, so daß Leicksenbegängnisse völlig getrennt von der Anstalt vor sich gehen. Ein eigenes Wasserwerk und eine Pumpstation vervollständigen den großzügig und zweckmäßig an- gelegten Betrieb des neuen Krankenhauses. » Die Besuchszeit für das Krankenhaus ist auf Mittivoch und Sonntag, nachmittags von 2'/z— 3>/z Uhr, festgesetzt. Um den Bürgern, welche Besuche im städtischen Krankeuhause niachen wollen, eine zweckmäßige VerkehrSverbindung zu geben, verkehren an den beiden Tagen zivei Omnibusse mit folgenden Fahrzeiten: ab Hermann- platz 1.44, 1.66; ab Rathaus 1.50, 2.2; ab Ringbabnhof 2.00, 8.12; ab Buschknig 2.12, 2.24; an Krankenhaus 2.23, 2.35.— Der Fahrpreis beträgt für die Sirecken: Herinaiiuplatz— Krankenhaus Buckow 15 Pf.; RathauS— KraukenbauS Buckow 10 Pf.; Buschkrug— Kranken- haus Buckow 5 Pf. Die Wagen fahren nach Schluß der Besuchszeit ivieder nach dem Hermannplatz zurück. Neben den Einsetzliuien ver- kehrt die regelmäßige Omnibuslinie im Anschluß an die Straßen« bahnlinie„Südring". Mit einem Bierglas tödlich verlebt wurde am Sonntagabend in dem Lokale von Simon, Witzmannstr. 17, der 43jährige Maler Emil Michalsky aus der Wißmannstraße 30. Unter den Gästen des genannten Lokals befand sich auch der 33jährtge Kraftdroschken- führcr Johann Popowski, mit welchem M. in Differenzen geriet. Der Chauffeur machte sich darauf den Scherz, sein gefülltes Bicr- glas dem M. an den Mund zu halten, wobei aber die Weste des M. mit Bier begossen wurde. In seiner Wut goß M. dem Chauffeur das Bier ins Gesicht, woraus der letztere das leere Glas ergriff und dem M. damit einen so furcktbaren Schlag ins Gesicht versetzte, daß das ziemlich dicke Glas zerbrach und M. entsetzliche Verletzungen erlitt. Als P. sah, was er angerichtet, verließ er schleunigst das Lokal und fuhr mit seinem Automobil davon. M. wurde sofort nach dem Krankenhaus Am Urban geschafft, wo er jedoch noch in der Nacht infolge der durch die Verletzungen hervorgerufenen Ver- blutung verstarb. Am Montagmittag wurde Popowski fest- genommen. Die Generalversammlung der Zahlstelle Rixdorf des Deutschen Holzarbeiterverbandes nahm vorige Woche die Abrechnung des 3. Quartals 1909 entgegen. Aus derselben ist zu entnehmen, daß die Arbeitslosigkeit erheblich zurückgegangen ist. An Arbeitslosen- Unterstützung gelangte zur Auszahlung 1591,10 M., Krankenunter- stützung 2565,45 M., an die Hauptkasse wurden 7055 M. abge- liefert. Das Vermögen der Lokalkasse beträgt zurzeit 7900 M. Hierauf referierte Kollege Pappe vom Hauptvorsland über das Thema:„Ist Gewerkschaftsarbeit Sisyphusarbeit?" Redner be- handelte eingehend das Wachsen, die Taktik sowie die Errungen- schaftcn der Gewerkschaften, wobei er auch auf die Kautskysche Broschüre:„Der Weg zur Macht" Bezug nahm. Da die Gewcrk- schaftcn noch ein großes Arbeitsfeld zu beackern haben, noch eine große Anzahl Indifferente für uns gc'�mnen werden müssen, so betonte der Redner, werden die Mittel für die Gewerkschaftsarbeit auch in Zukunft noch reiche Früchte tragen. In der Diskussion wies Karle nach, daß auch Kautsky die Gewerkschaftsbewegung für ein dringendes Erfordernis halte. Im übrigen müßten die politische wie gewerkschaftliche Organisation stets zusammengehen. Heinrichs regte an, daß über den Rückgang der Gewerkschaften nähere Untersuchungen angestellt»'erden müßten. Ost bedürfte eS nach der Krise wiederholter Kämpfe, um sckon einmal Errungenes wieder von neuem zu erlangen. Diese Erscheinung allein schon müßte der Arbeitersckmft zum Bewußtsein bringen, wie notwendig eS ist, die politische Macht zu erobern, damit der Arbeitslohn wie auch Arbeitszeit gesetzlich festgelegt werde. Z i m m c r in a n n gab der Meinung Ausdruck, daß ein prinzipieller Unterschied zwischen Partei und Gcworkschaften nur in den Köpfen der beiderseitigen Führer bestehe. Im Schlußivort forderte der Referent zu unab» lässiger Agitation für die Organisation auf. Unter Verbands- angelegcnheitcn gab der Bevollmächtigte bekannt, daß die Kom- Mission der Möbeltischler durch die Kollegen Borgmann, Hirsch. Vogt und Wagner ergänzt ist. Als Obmann fungiert Kollege Hacker. Das Stiftungsfest der Zahlstelle findet am 6. November bei Hoppe, Hermannstraße 50, statt. Karle ivünschte noch, daß die Gewerkschaften den Jugendausschuß unterstützen mögen. Tchöneberg. Der Untergrundvahnstreit in der Schöncbcrger Stadtverordnetenversammlung. Die letzte Sitzung beschäftigte sich mit der Denkschrift, die der Magistrat in dem Untergrundbahn st reit der West- lichcn Vororte herausgegeben hat. Stadtv. Gottschalk(lib. Frakt.) führte aus, daß Schöne- berg in diesem Streit nicht Gewehr bei Fuß stehen dürfe, sonst müsse es die Zeche bezahlen. Die Schuld an diesem Streit trage vor allem die Hochbahngesellschaft, die es verstanden habe, vor den Wagen ihrer Sonderinteressen die Stadt Wilmersdorf zu spannen. Im Ministerium sei man darauf bedacht, daß der privaten Hochbahngesellschaft keine allzu große Konkurrenz er- wachse. Die an die Wilmersdorfer Untergrundbahn interessierten Grundstücksbesitzer seien im Ministerium ein- und aus- gegangen. Die Interessen Groß-Berlins habe man im Ministerium den Privatinteressen untergeordnet. Wenn Groß- Berlin sich jetzt nicht wehrte, dann könnte es dahin kommen, daß, wie bei der Straßenbahn, auch der ganze Untergrundbahnverkehr ein Monopol der Privatgesellschaft werde. Leider schläft die Stadt Berlin, sie zieht sich die Schlafmütze erst von den Ohren, wenn sie auch über den Verkehr unter den Straßen nicht mehr vcrfiigc» könne. Jeder Ausschaltung des NollendorfplatzeS von dem Ver» kehr nach dem Osten müsse entgegengetreten werden. Stadtv. L e s s i g(Unabh. Vereinig.) wünschte Ausschuß- beratung. Von seinen Fraktionskollegen wurde ihm aber ent- gegengehalten, daß das überflüssig ist, denn es könne nicht schnell genug vorgegangen werden. Stadtv. Molkenbuhr(Soz.) erklärte sich ebenfalls mit einer Ausschußberatung nicht einverstanden. Es müsse in aller Oeffentlichkeit klargelegt werden, wie die kommunalen Interessen gegen derartige Machenschaften gewahrt werden können. Es ist eine alte Erfahrung, daß die Privatgesellschaften die vollständige Herrschaft über die Gemeinden haben. Nachdem für die Straßen- bahngesellschaft bereits ein Monovol geschaffen sei, kommt man hier mit dem zweiten. Jetzt beklage man sich über diesen Zu- stand. Es sei aber der ursprünglich liberale Gedanke, alles dem Privatkapital zu überlassen. Berlin schlafe nicht, wie der Vor- rcdner meinte, sondern wird von Leuten beherrscht, die ein Interesse daran haben, den gegenwärtigen Zustand aufrecht zu erhalten. Die Hochbahngcsellschaft habe erst versucht, Schöneberg für den Anschluß ihrer Bahn am Wittenbergplatz zu gewinnen; nachdem dies nicht gelungen ist, wolle sie der Stadt Schönebcrg den Anschluß am Nollendorfplatz überhaupt unterbinden. Oberbürgermeister Wilde meinte, daß alles mögliche zu ge- schehen habe, um das Projekt der Stadt Wilmersdorf und der Hochbahngesellschaft durch die Nettelbeckstraße zu vereiteln, da es gemeinschädlich sei. Das Projekt könne überhaupt nicht verwirk- licht werden. Wohin solle es führen, wenn jede der 24 Gemeinden Groß-BerlinS Bahnen baue, ohne gtücksicht auf die Nachbar» gemeinden und ohne Rücksicht auf die Interessen Groß-Berlins. In Wilmersdorf würde die Bahn nur für einen kleinen Kreis von Interessenten gebaut. Wenn das so weitergehe, können die Einzelgemeinden ihre Pflicht nickt mehr erfüllen, dann müsse eine einheitliche Gemeinde Groß-Berlin geschaffen werden. Einstimmig wurde darauf folgender Antrag angenommen: „Die Stadtverordnetenversammlung nimmt mit Be- friedigung Kenntnis von der Denkschrift des Magistrats zu den Schnellbahnentwürfen der westlichen Borortgemeindcn und tritt den Ausführungen des Magistrats in allen Punkten bei. Dem Projekt Nettelbeckstraße und der damit verbundenen Aus- schaltung des Nollendorfplatzes vom direkten Durchgangsverkehr nach dem Osten Berlins ist mit allen gesetzlichen Mitteln der heftigste Widerstand der Stadt Schöneberg entgegenzusetzen. Der Magistrat wird ersucht, sowohl beim gesamten Staats- Ministerium als auch bei den beiden gesetzgebenden Körper- schaften des Landtages gegen den Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 26. Juni d. I. vorstellig zu werden.' Eine Vorlage des Magistrats betraf die Ausführung von Notstandsarbeiten im kommenden Winter. Die Be- stimmungen derselben haben wir bereits vor einigen Tagen be, kanntgegeben. Stadtv. D ä u m i g(Soz.) führte dazu aus, daß die Vorlage des Magistrats den Anschein erweckt, als wenn wir nicht in einer Großstadt leben. Bei der letzten Arbeitslosenzählung im Februar dieses Ja�reS seien 2600 Arbeitslose in Schöneberg gezählt worden. nach der Vorlage soll aber nur für 220 Arbeitslose Arbeitsgelegen- heit geschaffen werden. Das sei äußerst minimal. Den näheren Bestimmungen könne in der vorliegenden Form nicht zugestimmt werden. Die Festsetzung einer Karenzzeit im Absatz 2 müsse ganz gestrichen werden. Jeder Schöneberger Einwohner müsse das Recht haben, sich zu den Notstandsarbeiten zu melden. Im Ab- satz 3 müssen auch die Arbeiter berücksichtigt werden, die Angehörige zu unterstützen haben. Ter Stundenlohn von 40 Pf. sei entschieden zu niedrig, mindestens müßten 50 Pf. für die Stunde bezahlt ioerden. Auch sei dafür zu sorgen, daß die Arbeiten in eigener Regie ausgeführt werden. Stadtv. Peine(lib. Frakt.) hält eine Karenzzeit für un- bedingt notwendig. Die Inanspruchnahme der Wohlfahrts- cinrichtungen müsse an bestimmte Voraussetzungen geknüpft werden. Der Stundenlohn von 40 Pf. sei voll- kommen genügend, wenn man berücksichtigt, daß bei den Notstandsarbeiten nicht das ge- leistet werde, was sonst verlangt wird. Stadtv. Wollermann(Soz.) trat diesen Ausführungen entgegen. Wohin solle es führen, wenn jede Gemeinde Groß- Berlins eine Karenzzeit vorschreiben würde. Wie man noch um den Stundenlohn von 50 Pf. feilschen könne, verstehe er, Redner, nicht. Man soll doch berücksichtigen, daß es sich zum Teil um Arbeitslose handele, die monatelang ohne Beschäftigung seien. Die Vorlage des Magistrats zeige, daß die Gemeinden ohnmächtig seien, der Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Notstandsarbeiten Herr zu werden. Was solle mit den Arbeitern geschehen, die bei den Notstandsarbeiten keine Beschäftigung fänden. Es müsse eben zur Arbeitslosenversicherung gegriffen und die in der Be- arbeitung befindliche Vorlage beschleunigt werden. Stadtv. K ü t e r(Soz.) wandte sich ebenfalls gegen die Aus- führungen des Stadtverordneten Peine. Die liberale Fraktion habe dazu beigetragen, daß der schwankende Zustand unter den Löhnen der Arbeiter aufrechterhalten werde. Bei einem Stunden- lohn von 40 Pf. erreichten die Arbeiter noch nicht einmal den für Schöneberg ortsüblichen Tagelohn, der jetzt 3,60 M. beträgt. Diese Ausführungen brachten die Stadtverordneten Bam- b e r g und Zobel(lib. Frakt.) in Harnisch. Sie fanden es für unrecht, daß von sozialdemokratischer Seite in eine Polemik mit der Fraktion eingetreten werde, die stets die Sozialdemokratie in allen Arbeiterfragen unterstützt habe. Letzterer machte auch dem Stadtverordneten Küter den Vorwurf, daß er den ortsüblichen Tagelohn zu hoch angegeben habe; dieser betrage nicht 3,60, sondern 2,60 M. Stadtverordneter Küter brachte aber den Nach- weis, daß seine Angabe richtig ist und die Liberale Fraktion mit falschen Zahlen operiere. Bei der Abstimmung wurde der Absatz 1 angenommen. Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, Absatz 2 zu streichen, wurde abgelehnt und die Karenzzeit auf I Monat festgesetzt. Absatz 3 wurde nach den sozialdemokratischen Wünschen ab- geändert. Im Absatz 4 wurde der Stundenlohn auf 40 Pf. fest- gesetzt. Der Antrag, 50 Pf. Stundenlohn zu gewähren, wurde gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt. Die liberale Fraktion stimmte geschlossen da- gegen. Der Veranstaltung von Volks-Unterhaltungs- a b e n d e n seitens der Stadt wurde nach einem Referat des Stadtv. Molkenbuhr ebenfalls zugestimmt. Stadtv. Molken- buhr betonte in seinem Referat, daß, um wirklich gutes in den Volks-Unterhaltungsabenden bieten zu können, in eigener Regie vorgegangen werden muß. Von der erfolgten Genehmigung der Untergrundbahn- a n l e i h e in der Höhe von 13 900 000 M. wird Kenntnis ge- nommen. Tempelhof. Aus der Gemeindevertretung. Klagen über mangelhafte Be- lcuchtung verschiedener Straßen haben die Gemeindeverwaltung bewogen, eine Anzahl Laternen neu aufzustellen, davon 4 in der Borussiastraß«. Es wird also in Tempelhof etwas heller werden. Ein Teil des Kirchhofes in der Stollbcrgstraßc wird durch eine massive Mauer, die 1033 M. Kosten verursacht, abgeschlossen sowie das Terrain an der künftigen Straße 5 aufgeschüttet werden. Schöffe Lehne warf der Kirchhofskommission die unpraktische Be- arbeitung und Bepflanzung des bisher noch unbenutzten Kirchhof- geländes bei dem Kirchhof in der Germaniastraße vor. Bei der Ergänzungswahl in die Gcsundheitskommission kam zur Sprache, daß in der alten Leichenhalle in der Stollbergstraße Leichen tage- lang aufbewahrt und eventuell obduziert werden. Gemeindevor- steher Mussehl mußte auch zugeben, daß dieser Zustand mit Rücksicht auf die Bebauung der Straße bedauerlich sei. Wir sind mit dem Bürgermeister der Meinung, daß eine vernünftige Obduktionshalle notwendig ist, noch kann aber Tempelhof nicht einnial einen Krankenwagen sein eigen nennen. Da die Gesundheitskommission so selten zusammentrifft, raten wir ihr, sich einmal bei dem sogen. „Spielplatz" im Park ein Stelldichein zu geben. Ist es vielleicht gcsunr, Kindern einen solchen Spielplatz anzuweisen? Gehört der Kehrichthaufen, der oftmals größer ist als der.,Sand"hügel für die Kinder, in die unmittelbare Nähe eines Spielplatzes?— Im Ort trat in diesem Jahre eine Scharlachepidemie auf, die entstandenen Desinfektionskostcn waren recht erhebliche. Die Eintreibung der Kosten war in vielen Fällen nicht möglich, weil die Betreffenden nicht zahlungsfähig waren. Es wurde deshalb beschlossen, bei einem Einkommen bis zu 1500 M. die Desinfeltionskosten nieder- zuschlagen, in Fällen aber, wo eine gesetzliche Pflicht des Wohnungs- inhabers zum Desinfizieren nicht vorliegt(z. B. Tuberkulose), die Gemeinde aber eine Desinfektion als wünschenswert anordnet, die Kosten auf die Gemeinde zu übernehmen.— In Zukunft sollen in außerordentlichen Fällen auch Freistellen an der Vorschule gewährt werden, die sich aber im Rahmen der 5 Proz. der Einnahmen am Realgymnasium halten sollen.— Die Nackbargemeinde Britz ist um (Lewährung eines Beitrages für die Volksschule cingekommen. Ge- fordert wurden von Britz für 1907 3575 M., für 1908 2375 M. oder eine einmalige Abfindungssumme von 12 000 M. Gemeinde- Vertreter Radbruch wollte es lieber auf einen Prozeß ankommen lassen; es wurde beschlossen, daß die Gemeinde Tempelhof aus dem Stande der jetzigen Verhandlung eine Zahlungsverpflichtung nicht anerkennt, aber bereit ist, weiter zu verhandeln.— Gemeinde- Vertreter Tiedecke machte den Vorschlag, die Gcn�inde soll eine Omniouslinie subventionieren oder in der Mitte des Dammes eigene Gleise anlegen, um so den Ort aus der Verkchrsklemme zu bringen. Der Gemeindevorsteher konnte die Frage über ein Kon- kurrenzunternehmen im Augenblick nicht beantworten. Daß die Ginwohner dann die Gemeindebahn benutzen und so die„Große Berliner" kaltgestellt würde, wäre wohl durch die Art der BeHand- lung seitens der„Großen Berliner" mit Bestimmtheit zu erwarten. — Bei den Gehaltsregulierungcn der Volksschullehrer hat sich gegen die zur Verfügung stehenden Mittel ein Fehlbetrag von 2457,80 M. ergeben, den die Gemeinde zu zahlen hat.— Gemcindevertreter Hartmann führte als Direktor der Terrain-Gesellschaft gelegent- lich eines Vertrages mit dieser Gesellschaft darüber Beschlverde, daß die Gemeinde zu hohe Beaufsichtigungskosten fordere; es seien die geforderten Beträge keine Vergütigung der entstehenden Kosten, sondern eine Steuer. Es wurde ihm erklärt, daß sich die Gemeinde rn Sätze halte, die auch in anderen Gemeinden als üblich in An- Wendung kommen.— Am Schluß der Sitzung wurde noch von einem Vorkommnis Mitteilung gemacht, das sich bei einer Bestattung auf dem Gemeindekirchhof zugetragen hat. Die Leidtragenden warteten stundenlang vergeblich auf das Erscheinen der Leichenträger, die Trauernden mußten wieder nach Hause gehen und die Beerdigung erst am nächstfolgenden Tage stattfinden lassen, weil die Träger am vorhergehenden Tage überhaupt nicht bestellt worden waren. Der Kirchhofsverwalter scheint überlastet zu sein, wohl infolge seiner privaten Arbeit. Soll es doch schon vorgekommen sein, daß die Zuschüttung eines Grabes vergessen wurde. Deutsch-Wusterhauseu. 160 Schulkinder und ein Lehrer. An die Zustande Ostelbicns gemahnten uns die Worte, die kürzlich bei der Einweihung des neu- erbauten Schulhauses der hiesige Lehrer sagte. Nachdem der Festakt so weit erledigt war, äußerte der Lehrer ungefähr folgendes: Ich stehe hier vor einer Sckar von 160 Kindern. Es ist mir unmöglich. als Lehrer n, eine Pflicht den Kindern gegenüber zu erfüllen, wie diese es billigerweise von ihrem Lehrer zu verlangen haben. Bei alledem ist noch nicht bestimmt, wann eine zweite Lehrkraft an- gestellt wird. Diese Worte eines gedrückten und gequälten Pädagogen, der es mit der Pflicht als Lehrer ernst nimmt, sind eine harte Anklage gegen unsere elenden Schulzustände. Wie soll dieser Mann seinen Sckülern das nötige Wissen beibringen, das unser öffentliches Leben spüler gebieterisch von ihnen fordert I Weiffensee. Aus der Gemeindevertretung. Bisher wurde bei Desinfektion von Gegenstäuden der Dampfapparat des Auguste-Viktoria-Kranken- Hauses angewendet, bei jeder Desinfektion kam der beivußte Wagen mit dem Desinfektor vorgefahren. Durch die Anschaffung eiiies tragbaren Formalinapparats, mittels welchen die Desiiifeklion einzelner Sacken an Ort und Stelle vorgenommen werden kann. soll das auffällige und kost'pielige Verfahren eingeschränkt werden.— Als GcwerbcgerichtSvorsitzendcr wuide der besoldeie Schöffe Doktor Klamrolh wiedergewählt.— Dem Knratormm der höhere» Schulen ist ans Antrag nunmehr auck die höhere Mädchenschule unterstellt. Durch Erlaß des Kultusministers vom 13. August 1008 dürfen au höheren Mädchenschulen in einigen Uuterrickissächem nicht über 20 bezw. 30 Schülermueii zugleich miterrichiet werden; die Gemeinde muß aus diesem Grunde 250 M. bis 1. April 1910 für eine Hilfskraft be- ivilligen. Ein gleicher Erlaß für die Volksschule wäre dringend notwendig. Um die Herabsetzung der Frachtsätze aus der Industriebahn Friedrichs- felde— Tegel soll in Gemeinschaft mit den beteiligten Orten noch- mals beim Eisenbahmninister petitioniert iverden.— Die Erbauung eines Vierfamilien-Wohnhauscs ans dem Rittergnte Birkholz zeiligle eine rege Diskussion. Herr Dr. Pape wunderte sich, daß bei Aus« arbeitnng des Projektes das hiesige Baiiamt umgangen worden ist, sonst sei es üblich, daß der Aaurat die Baiwrojekle zum Vortrag bringe. Der Dezernent des RittcrguieS, Herr Severin, wünschte, daß bei ausznflihrenden Baulichkeiten immer das Bauamt maßgebend sei. Herr Dr. Pape fand niit seiner Ansicht bei einigen Herren Anklang lind veranlaßte Herrn Severin zu einer recht drastischen Antwort. Herr Köhler nahm in, Rainen der Rieselfeld- kommission, die das vorliegende Projekt einstimmig angenommen habe, trotzdem Herr Kohler in der fraglichen Sitzung gar nickt an- iveicnd war, den Dezernenten in Schutz. Nachdem noch der Bürger- meister Dr. Woelck für Herrn Severin eingetreten, wurde die Vor- läge i» die Kommission zurückverwiesen, da bei dem Projekt sich auch noch andere Mängel herausstellten. Nahnsdorfer Mühle. Unsere politische Lage unterzog Genosse G r o g e r- Rixdorf in einer ani letzten Sonntag im„Paradiesgarten" stattgehabten öffem- lichen Veriainmlung einer scharfen Kritik. In der Diskussion ging Genosse R ü h l auf den mißglückten Feldzug unserer Polizeibehörde gegen das VereinsgesctzeS ein, ein typisches Beispiel dafür, wie jedeS bißchen freiheitliche Regung im neuen Vereinsgesetz durch die unieren Verwaltungsorgane getötet wird. Redner schloß mit einem Appell zum Massenbeilrilt in den sozialdemokratischen LLahlverein die Beriammlung. Neu-Zittau(Kreis BeeSkow). Die Mitgliederversammlung des WahlvcreinS, die im Lokal von Frcuk stattfand, nahm zunächst den Bericht des Kassierers ent- gegen. Hierauf referierte Genosse Schulz kurz über die gegen- wärtige Agitation. Die nächste Mitgliederversammlung findet in Wernsdorf statt. Im Dezember wird Genosse Fritz Z u b e i l in einer öffentlichen Versammlung über die„Volksausplünderung durch die neuen Steuern" referieren. Spandau. Aus Anlaß der bevoi stehenden Stadtverordnetcnwahl sind sich die bürgerlichen Vereine bezüglich der Kandidatenfrage in die Haare ge- raten. Zuerst traten die vereinigten Vezirksvereine auf den Plan und stellten für die dritte Abteilung folgende Kandidaten auf: Becken (Schmiedemeister), Gürndt(Eigentümer), Ludwig(Eigentümer), Polier(Restanrateur), Kurth(Rentier). Demnächst fand dann eine gemeinsame Versammlung des Ausschnsses der Vezirksvereine mit Deputationen folgender Vereine statt: Grnndbesitzcrvcrxin. Gastwirts- verein, Verein der Kaufleule und Industriellen, Verein der Materialisten, der MilielstandSvereinigung und des nnvennecklichen Ncichsverbnndes gegen die Sozialdemokratie. In dieser Versagmilung wurden die Kandidaten Beeke» und Ludwig fallen gelassen und dafür Schirrmeistcr Reick und Buchbindermeister Studt ausgestellt. In einer dritten Versammlung, die der Reichsvervand veranlaßt hatte und zu welcher die Staaisnrbeiter mehr herangezogen wurden, waren folgende Vereine vertreten: Wcrknieisterverein, Verband der Obermeister und Bkcister, Technikervercin, Verein der Handwerker der kgl. Institute, Neuer Wahlverein, Reichsverband gegen die Sozialdemokratie, Verein der Werkzeugmacher. Verein königstreuer Männer, Verein der Aufseher der kgl. In- stitute und der christlich-soziale Verein. Der Mililärarbeilerverband war nicht vertreten. Entweder war er nicht eingeladen, oder er halte vernünftigerweise eine derartige Einladung abgelehnt. In dieser Versammlung wurden folgende Kandidaten aufgestellt: Be- triebslechniker Friedrich Licrow. Rentier Kurth, Schlosser Huih, Zigarrenhändler Sprinck und Schirrmeister Reich. Das konservative „Spandauer Tageblatt" jammert über diese Zersplitterung schon gewaltig. Es schreibt in der letzten Sonnabendnuninler': „Die Zeit der Wahlen rückt immer näher heran und noch streiten sich die bürgerlichen Parteien und Parleichen wegen der zu einem solchen Amte geeigneten Personen heriim; heute iverden die Namen, morgen jene genannt. Auch hierin kölinten sich die bürger- licken Parteien die Sozialdemokraten wieder zum Muster nchmen. Die Sozialdemokraten haben eine einzige Versaminltmg gehabt und wurde» in dieser mit der Allfstellnng ihrer Kandidaten fertig usw." Unsere Genossen dürfen sich trotz der Uneilligkeit im gegnerischen Lager nickt in Vertrauen wiegen, sie müssen nun erst recht mit aller Wucht in die Agitation für die Wahl der sozialdemokratischen Kandi- dalen eintreten. Vermischtes. Ein neuer Rekord. Doncastcr, 26. Oktober. Wie offiziell gclnekbet wird, hat De- lagrange bei seinem heutigen Fluge einen neuen Weltrekord auf- gestellt, indem er 1 Meile 860 Uards in 1 Minute und 47 ßj Sekunden zurücklegte._ eingegangene Druck rchnfien. Aus Natur und GeisteSwclt. 63 Bd. 1848. Sechs Vorträge. Von Pros. Dr. O. Weber, ö? Bd. Tie moderne Frailenbetvegnila. Ein geschichibcher Ucbcrblick von Dr. Kacthc Schirmachcr. Bd. 236. Die Welt der Organismen. In Entmickelung und Zufamniciibang dar- gestellt von Prof. Dr. K. Lainpert. Bd. 283 Gerhnrt Hauptmann. Von Pros. Dr. E. Sulger-Gebiiig. Einzclbändchen 1 M., geb. t,2ö M. B.® Teubner, Leipzig. Charlottenburger Statistik. 22. Heft. Stand der Bewegung der Bevölkerung ili deu Jahren 1906—1303. Herausgegeben vom Zratlstischen Amt der Stadt Charlottenburg.— KoniluiffionSoerlag von Karl Ulrich u. Co., Charlotienburg. Shackleto», 21 Mellen vom Südpol. Licsening 1(komplett In 40 Liescruligcn a 60 Pf. oder 2 Bände geb. 20 M.).— Wilhelm Süßerott, Hojbuchhändler, Berlin\y. 30. Jin Verlag von&. D. 33. Callweh, München, ist soeben der vom Dürerbund herausgegebene Gesnndbruiinen-Kalender für das Jahr 1V1V erschienen. 60 Pf. Geschlecht und Gesellschaft. Illustrierte Monaisschrift für Sexual« Wissenschast und Sittenresorin. Heft 7. Unterfuchungen von Dr. Arnold Lornnd und L. Katicher. Halbjährlich 4,60 M.— Verlag der„Schönheit" Berlin SW. 11. Die Sage vom Doktor Heinrich Faust. Voir B. Otto. S M. K. G. Th. Scheffer, Leipzig. Chinesische Gedichte.— Neugriechische Gedichte. Von Ellissen. Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut. JSeb. 50 Pf. Der Mikado. Ein Seeroman von R. Saudek.(Concordia Deutsche Verlagsanstalt, G. m. b. H. in Berlin W. 30.) Preis geheftet 4 M., gebunden 5 M. Ich bin ein Flüchtling. Roman von O. Alscher. 3,60 M.— DaS nette Mädel. Roman von Fedor v. Zobeltitz. 6 M.— Sieger nnd Befiegie. Novellen von Lulu v. Strauß u. Torney. 3,60 M.— Michael De Ruyters Witwerjahre. Roman von F. ScrvaeS. 5 M. E. Fleifchel u. Co., Berlin, Linkstr. 16. TranShimalaja. Lieferung 1. Entdeckungen und Abenteuer in Tibet. Von Sven Hedin. 36 Lieferungen a 60 Pf. F A. Brockhaus, Leipzig. 14 Jahre Jesuit. Pelsönllches und Grundsätzliches von Graf P. v. Hoensbroech. I. Teil. 310 Seilen. Brcitkopi u. Härtel, Leipzig. Jet, Hab Dich lieb. Geschichte einer jungen Ehe." 3 M., geb. 4 M. P. Laiigenscheidt, Groß-Lichterjelde O. Seele und Wahrheit. Gedichte von O. Wicländer. 130 Seiten. E. Konegen. Wien I. Das Wcliall. Illustrierte Zeitschrift für Astronomie und verwandte Gebiete. Heft 2l/22. Herausgegeben von Dr. F. S. Archenhold. Einzel« nummer 60 Pf. Treptower Sternwarte, Treptow-Berlin. Cvoe Aphrodite. Ronian von I. Cerri. 2,60 M.— Eine viermal bezahlte Rechnung. Humoresken von F. Landy. 2 M. C. Konegcn, Wien I. Militarismus und Musik. Von H. Eichborn. 122 Seilen. Schuster u. Loesstcr, Berlin W. 57. Geographisch-Statistische Tabellen aller Länder der Erde. Von Dr. Fc. v. Jurnschek. 1,60 M. H. Keller, Frankfurt a. M. Das Problem der beste» Gefellschaftsordnling. Bon Dr. O. Schtnidt-Gibichciifcis. 1,60 M. Thüringische Verlagsanstalt, Leipzig. Vom Stencr-eintreibende» zu»! Dividenden zahlenden Staat« Von I. Laiiz-Liebenscls. 32. Heft der„Ostara", Zeitjchrist der Blonden zur Erforschung und Pflege heroischen Raffentums und Mannesrechts.„Ostara"« Verlag. Rodau» 1909. 36 Pf. Strandes Führer. Märkisches Wanderbuch. Ausflüge in die Mark Brandenburg. Von Dr. G. Albrecht. 1 M. Jul. Straube, Berlin£3. 53. Briefkaftcn der Kcdahtion. Tie iiirirtlfche Sprechstunde findet Linden ft rage 3, zweite» Hof» dritter Etiitzail-i, vlcr Treppen, DvA?" Fahrstuhl-MaG wochentii glich obeudS von IM his 914 Uhr statt. Grdssuet 7 Uhr. Sounadruds hrginut die Sprechstunde um S»Hr. Jeder Anfragr ist ei» Buchstabe uud eine Zahl als Merkzeichen beizniitgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Bricstastru loinu» 1t Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. F. R. 100. Alle drei Geldstücke besitzen nur den Nennwert, unter Umständen zahlen Liebhaber einen Slusschlng.— König. Die ReichSbank ist ein Privatnillcriiehmen und steht unter staatlicher Aufsicht.— N. 91. Ihr Anfrage ist uns unve, ständlich, so daß wir nicht daraus eingehen können. — G. 911. 13. Wollen Sic Ihre Anfrage an die„Zabuiechnische Rund- schau". Berlin. Clnudiiisstr. 16, richten. Uns sind die Bedingungen nicht bekannt.— O. AI. 58. Angefragtce Verband ist lediglich ein Geschäfts- unternehmen, dessen Qualität uns nicht bekannt ist.— L. K. III. Uns nicht bekannt.— H. I«. Vielleicht im Kaiser- Friedrich- Museum. — G. G. IV.„Zeilschrist für Bekeuchtiingsweseil" und„Beleuchlungs- indusirie", deren Adressen aus dem Adreßbuch ersichtlich.— E. M. 55. Die für Oesterreich-Ungarn im Verkehr besindliche» Geldsorten sind in Gold: Zwanzig- und Zehnkroncnstücke, in Silber 1 Krone und 60 Heller, in Nickel 20 und 10 Heller, iu Bronze 2 und 1 Heller. Filler ist die ungarische Be» zeichnung für Heller.— E. W. T. Rechisamvälie und GeschSstSsirme» empfehlen wir grundsätzlich nicht. Sehen Sie bitte im Adreßbuch nach.— 2l. 31. Die Filiale des Metallarbeite! Verbandes in Düsseldorf kann Ihnen die gewünschte AnSkunst erteilen.— 31. K. 17. Im Adreßbuch II. Band, II. Teil finden Sie derartige Vereine verzeichnet.— C. S. und N. N. Melden Sie sich Rückcrstr. 9, wo Ihnen auch genauere Auskunft zuteil wird.— B. I. in SP. Nein, das ist nur leeres Gerede.— H. G. 14. t. und 2. Aus Empfehlung des PiinzipakvereinS ohne bindenden Be- schluß in der Regel 5 Mark für das erste, 6 Mark für daS zweite, 7 Mark für das dritte und 8 Mark für das vierte Lehrjahr. — Berlin>. 30. Die Urkunden müssen bei den Alten bleiben. Sie können ans Ihre Kosten beglaubigte Abschriften erhalten.— P. 3t. 1. Wicdervolt haben wir darauf ausmerkfam gemacht, das; eS bei dem Verzug nach einem Vorort oder van einem Vorort nach Berlin zweckmäßig ist, nicht nur die polizeiliche Abmeldung zu bewirke», sondern die Steuer- bebördc noch so rechtzeitig in Kenntnis zu setzen, daß diese vor dem 1. des MonaiS, in dem der llmzug erfolgt, Nachricht erhält. Erhält die Steuer» behörde ider Magistrat) erst durch die Polizeibehörde Nachricht von einem am 30. September erfolgten Verzug im Oktober, so hat der Verzogene für den Monat Oktober doppelt Stenern zu zahlen. 2. Eine Pfändung des LobneS ist wegen der Steuern, die nicht länger als drei Monate fällig sind, zulässig. 3. Zur Stuudung ist die Behörde nicht verpflichtet.— L. 1. Ja. — I. S. 1000. 1. Leider»ein. Sollte es Ihnen nicht möglich sein, in Güte das Erforderliche zu vcranlnffcu V 2, Nein. 3. Nein, Sie müssen zu» nächn klagen.— O. F. IVO. Die junge Frau kann, wenn vor der Heirat mindestens 200 Marken gellebt waren, inncrbalb eines Jahres nach der Hesiat Rückzahlung der Hälfte der Klebemarkenbeträge verlangen. Zweck- mäßiger ist aber eine Weitcrversicherung. Die junge Frau behält ihr An- recht auS der Invalidenversicherung, also auch die Möglichkeit, in einer Heilstätte Aufnahme zu finden, wenn sie innerhalb zwei Jahren mindestens 20 Marken irgendeiner Klaffe klebt.— B. W. 18. Die mündliche Abrede ist_ gültig. Es besteht also der Kündigungsnusschluß, die vierzehntägige Kündigungssrist ist durch die Abrede antzer Krast gesetzt.— O. 31. Stein. — D. B. KV. Zuständig für die Klage wäre das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Bruder wohnt. Wenn keine Vereinbarung über eine Entschäd!« gung getroffen ist, würde zur Anstellung der Klage nicht zu raten sein, da der Ausgang derselben ein sehr zweifelbnstcr wäre.— F. W. 50. Eine Wiederholung des Antrages ist zu empfehlen. Svlltc abmnalS Ablehnung erfolgen, so müßte weiter geklagt werden. Ihre Mutter tüte gut, das dortige Arbeiterickrctariat um Beistand zu ersuchen.— Streitfrage 101. Für etwaige Beschädigungen niüßte der Gießende aufkommen. — O. G. 24. Den Kinder» muß ihr Pflichtteil bleiben.— I. 31. IS, Wenden Sie sich zunächst mit einem schriftlichen Antrag an das Vor» muiidschaslsgericht und legen Sic dann gegen einen etwaigen ablehnenden Bescheid Beschwerde ein.— 91. L. 110. Beantragen Sie unter Darlegung des Sachverhalts und Anführung von Beweismitteln dafür Abweisung der Klage.— Baguoli di Rapoli. Auf dem hiesigen Polizeirevier. — Nixdorf 27. 1. und 2. Unseres Erachtens nein. 3. Nein; den aus die beiden letzten Akkordabschlagszahlungcn entfallenden Beitrag. 4. Ja.— F. Z. Ein Strasantrag hätte iveiiig Zweck. Verlangen Sie Herausgabe der Bücher, Einsichtnahme derselben und Begutachmng durch einen geeicht« lichen Sachverständigen.— F. S. 33. Verjährung ist noch nicht einge« treten. Eine Alimentenklage kann innerhalb 30 Jahren angestrengt werden. — Pank 69. Klagen Sic gegen den Nachbar um Unterlassung des un- gebühilichen Geräusches. Mit Sicherheit ist leider ein Erfolg der Klage nicht vorauszusagen.— B. B. 16, 1. Nein. 2. Hierin läge ein Scheidungsgrund. Der Hergang muß aber von der Klägerin bewiesen werden.— Erbtante 8. Eine cigenhändig ge- und unterschriebenes unter Znsügilng des Datums angefertigtes Testament ist güllig, auch wenn es nicht gerichtlich oder notariell aufgenoiniucn ist. Wenn eine gütliche Auseinandersetzung nicht stattsindet, müssen die Erben sich an das Gericht wenden. — Abonnent in Zürich. 1. Ja. 2. Geburtsurkunde und Militärpapiere. 3. Die Geburlsurkunde und cinc Bescheinigung der österreichischen Behörde. daß nach dem dortigen Gesetz der Heirat nichts im Weg« sieht.— P. Wäüold. Die Ncichsstcmpelsteucr ist zu zahlen.— O. 1000. Ja. — Cldert. Eine Klage wegen Beleidigung sowie eine Zivilklage aus llntcrlassung derartiger Schädigungen hätte Aussicht aus Ersoig.— E. B. 0. Da Sie aus der Kirche nicht ausgetreten sind, sind Sie tirchen- steuerpflichtig. Die Kirchensteuer wird bereits von einem Eintommeu vor» 1200 M. erhoben. WttternnaSnberstcht von, SS. Oktober 1»»v. morgens 8 Nvr. Wetterprognose für Mittwoch, den L7. Oktober IVOS. Zunächst vielfach heiter, nachts kühl, am Tage rasche Erwärmung bei ziemlich lebhasten südlichen Winden; später zunehmende Bewölkung und etivaS Regen. Berliner Wette rbureau. X A. Griuiberoer X Rolilen-GroilbandUmg Ilussitenstr. 40. Pernspreoher Amt III, No. 430-t. Billigste Tagespreise für erstklassige Senftonberger Briketts ab Platz v. 10 Zentn. an. Prima Halbsteine, Lauch-* bammer,.. Ztr. 91 Pf. „ Halbsteine. Heye,„ SS„ „ Bockwitz- Criketts„ 9C„ >, Anna.....„ 97„ „ Vulkan u. Ptänner- schaft....„ 99„ „ la Anhalt- Kohlen- werke....„ 1,05„ „ la Ilse.....„1,05„ „ Anthrsrlt-BailS..„ 2,25 hl. 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