Pr. 25ä. Ndotinemenk-keSingungen: Abonnements° Preis pränumeranb» Z PiertcljShrl. 3£Q SKt., monatl. 1,10 Mk., köchcnUich 2» Pfg. frei ins HauS. Einzelne Numnier S Pfg, SoimtogS- Eingetragen in die Posl-ZeiiimgS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Poftabonncmeuls nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. VWiclnt«all® Zitier(ilonfaas. Devlinev Volksblatt. Die TnkrlionS'Gcbllfir delrägt für die scchsgespaltcue Koloneb- geile oder deren Raun, b0 Pfg,, für politische und gelverlschastliche Vereins- und VcrsammIungS-Anzcigen 30 Pfg. „Ulelne Un-eig-n", das erste fsctt. pedrucktel Bort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummex müsse» bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcössr.ot. Tclegramin- Adresse! „Sozialiimilrat üerllo". Zentralorgan der fozialdemokrati fchen parte» Deutfcblands. teatm Redaktion: 8 Cd. 68. Ltndcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Live Erinnerung. Am 28. Oktober sind es 25 Jahre, daß im vierten Berliner Reichstagsivahlkreise Genosse Singer in den Reichstag gewählt wurde. Mit Genugtuung kann unser der dienter Parteiveteran auf das Vierteljahrhundcrt bewegter parlamentarischer Arbeit zurückblicken; aber auch der Wahl kreis, den er nun seit fast einem Menschenalter im Reichstage vertritt, kann mit stolzer Genugtuung auf die von der samtheit der Genossen geleistete Arbeit und ihre reichen Früchte zurückblicken. Die Parteientwickelung im vierten Berliner Reichstagswahlkreise verkörpert ein nicht geringes Stück der Berliner Parteientwickelung überhaupt, wie denn'das gewaltige Erstarken der Berliner Beivegung wiederum charakteristisch ist für die Entlvickelung der Partei überhaupt. Der vierte Berliner Wahlkreis mustert heute eine der stärksten Parteikörperschaften, die einer der durch eine reak tionäre Wahlkrcisgeometrie ins Kolossale angeschwollenen Riesenwahlkrcise überhaupt aufzulveisen hat. Brachte er 1907 doch 82 039 sozialdemokratische Stimnien auf, so daß er in diesem Pllnkte von allen deutschen Reichstagswahlkrcisen nur hinter Teltow- Beeskow und Berlin VI zurück stand. Vollends marschierte er an erster Stelle, was den Prozentsatz der sozialdemokratischen Stimmen anlangt: betrug doch der Anteil der roten Stimmen an der Zahl der überhaupt abgegebenen Stimmen 75,6 Proz. Und wenn der vierte Wahlkreis erst gestern noch die Genugtuung erlebte, daß er sänitliche drei Landtagsmandate, die auf sein Gebiet entfallen, mit beträchtlich stärkerer Majorität wieder eroberte. so darf er stolz sein auf seine rastlose Agitations- und Or- ganisationsarbeit, durch die er die gewaltigen Proletarier- massen des seine Mietskasernen immer weiter nach Osten und Südosten hinausschiebenden grauen Häusermeeres an die Partei gefesselt hat, die der Menschheit eine lichtere Zukunft erkämpfen will! Die Partcibewegnng Berlins IV hatte sich freilich aus den bescheidensten Anfängen in schweren, opferreichen Kämpfen emporzuarbeiten. Noch 1874 wurden für die Kandidaten der Lassalleaner und Eisenacher zusammen erst 3860 Stimmen ab gegeben, während die Fortschrittler 6121 Stimmen zählten. Drei Jahre später zwar ivurde der Kreis bereits von der seit 1875 geeinten Partei mit 10 769 Stimmen erobert, ebenso bei den Attentatswahlen 1878, wo der Kreis in der Stichwahl niit bereits 22 020 Stimmen abermals gewonnen wurde. Dann aber machte sich der verwirrende, niederdrückende Einfluß des Schandgesetzes auch hier bemerkbar: bei der Hauptwahl 1881 erhielt die Sozialdemokratie nur 13 573 Stimnien, und bei der Stichwahl fiel der Kreis an die Fortschrittler zurück. Und nicht genug damit, daß man die Arbeiter politisch knebelte, ihre Organisationen zerstörte, ihre Versammlungen, ihre Presse und Literatur verbot, ihre Agitatoren auswies und gleich Raubwild von Ort zu Ort hetzte, daß manches Opfer im Wahnsinn oder durch Selbstmord endete— während man dergestalt die Peitsche schwang, suchte man zugleich die Arbeiter durch das Zuckerbrot eines in antisemitischen und antikapitalistischcn Kraftphrasen schwelgenden sogenannten christ lichen Sozialismus zu ködern. Aber die Depression wurde von der gesunden Konstitntion der sozialdemokratischen Partei bald überwunden. Das zeigte sich auch darin, daß die Berliner Arbeiter sehr bald mit Entschiedenheit den Kampf gegen den im Kern crzreaktionären Antisemitismus und christlichen Phrasensozialismus aufnahmen und durch eine Reihe imposanter Protestversammlungen bewiesen, daß die Kraft der Berliner Sozialdemokratie weder durch die brutalste Polizei- liche Büttelei noch durch die gerissenste reaktionäre Demagogie zu brechen war. Und ein wuchtiger Protest gegen die Juden- hetze der Stöcker, Henrici, Liebermann von Sonnenberg und Konsorten war es, daß die Berliner Genossen den Groß- kaufmann Paul Singer 1883 als Stadtverordneten aufstellten und wählten. Und ein Jahr später wurde Singer als Reichstagskandidat für den vierten Wahlkreis aufgestellt und mit 25 386 Stimmen glatt gewählt, mit einer Stimmenzahl also, die nicht nur fast doppelt so groß war als die des Jahres 1881, sondern auch die Stimmenzahl der Hauptivahl 1878 um mehr als 5000 überschritt! Paul Singer war zwar öffentlich für die Sozialdemokratie erst im Jahre 1883 hervorgetreten, allein im engeren Kreise war er bereits länger als Parteigenosse bekannt. Und wenn er auch erst als Vierzigjähriger agitatorisch für die Partei hervortrat, so war er als einer der wenigen ehrlichen D e m 0- k r a t e n und Sozialpolitiker längst kein Unbekannter mehr. Als die um Johann Jakoby gescharten Mitglieder der Demokratischen Gesellschaft 1868 eine von mehreren tausend Personen besuchte Volksversammlung in Berlin abhielten, zu der auch die demokratischen Abgeordneten aus Süddeutschland eingeladen waren, um süddeutsche und norddeutsche- Demo- kraten zu einer Einheit zu verschlveitzen, befand sich im Bureau der Versammlung auch Paul Singer. Und durch den hervor- ragendet: Anteil, den Singer an der Schaffung eines Asyls für Obdachlose genommen hatte, eine Schöpfung, die die Aermsten der Armen nicht nur zeittveilig vor dem ärgsten Elend, sondern auch vor entwürdigender Behandlung schützte, hatte er bewiesen, daß er nicht nur ein ehrlicher Demokrat, sondern auch ein Mann von sozialem Verständnis war. Je mehr sich Singer von dem trostlosen Niedergang demokra- �tischen und sozialen Geistes im„fortschrittlichen" Bürgertum überzeugen mußte, desto enger mußte er sich an die soziale Demokratie des Proletariats anschließen. So vollzog sich bei diesem Demokraten mit Naturnotwendigkeit der Uebertritt zur Sozialdemokratie. Es versteht sich von selbst, daß während der Wahl- kampagne gerade gegen Singer von den politischen Vorfahren des„Wahrhcits"-Bruhns ein schmutziger Lügenfeldzug eröffnet wurde. So wurde er als Ausbeuter hiugestellt, der seine Arbeiter bis aufs Blut aussauge. Worauf freilich noch am 26. Oktober zahlreiche von Singer beschäftigte Arbeiter im „Volksblatt" eine Erklärung abgaben, die den antisemitischen Anwurf als unwahr zurückivics. Als Singer selbst in einer Versammlung die Verleunidung als solche kennzeichnen wollte, wurde die anberaumte Versammlung einfach verboten' Mit diesem einen Versammlungsverbot hatte es natürlich nicht sein Bewenden. Wohl zwei Drittel aller Wähler- Versammlungen wurden von der Polizei schlankiveg verboten, trotzdem der Reichstag beschlossen hatte, daß Wählerversamm- lungen für ausgeschriebene Wahlen nicht ohne weiteres unter das Sozialistengesetz fallen sollten! Und auch die meisten der sozialdemokratischen Wählerversammlungen, die nicht von vornherein verboten wurden, verfielen dann der Auf lösung I Die Voragitation vollends hatte durch geheime Zusammen künfte erfolgen müssen, die oftmals unter den romantischsten Umständen zustande kamen. Trotzdem es kein leichtes Stück war, die Polizei mit den ewig gierig verlängerten Ohren zu nasführen, gelang es doch in den Gehölzen der Umgebung Berlins, auf entlegenen Wiesen Zusammenkünfte zu der- anstalten, die oftmals sehr zahlreich besucht waren. So fand im April 1884 in der Juugfernhcide eine Versammlung statt, an der weit über 1000 Personen teilnahmen, und acht Tage später fanden acht Versammlungen der einzelnen Wahlkreise statt, von denen jede einzelne von 2—300 Vertrauensmännern besucht war. Trotz all der ungeheuren Schwierigkeiten, die damals einer sozialdemokratischen Wahlagitation entgegen- standen, und Kotz der schimpflichsten Verleumdungen der „christlichen" Gegner wurde Singer mit gewaltiger Majorität gewählt. Aber auch der Reichstagsabgeordnete Singer sollte die Schmach des Schandgesetzes am eigenen Leibe kennen lernen. Am 18. Februar 1886 brachte er im Reichstag die niederträchtigen Lockspitzeleien des Beamten der politischen Polizei I h r i n g zur Sprache, der sich unter dem Namen Mahlow in die Parteikreise eingedrängt hatte, um dort in der skrupellosesten Weise die„Propaganda der Tat" zu be- treiben. Genosse Singer wies nach, daß besagter Jhring- Mahlow, der ja bis in die a l l e r n e u e st e Zeit hinein zahlreiche ähnlich geniale Nachfolger bei der Berliner politischen Polizei gefunden hat, allerlei Bombennttcntate angeregt hatte. So beispielsweise ein Bombenattentat im könig lichen Schlosse. Daß er weiter die Bombenfabrikation in Anregung gebracht und versprochen hatte, verschiedene Genossen mit Bomben zu versorgen. Als Genosse Singer in dramatischer Steigerung seiner Darlegungen die Entlarvung des Lockspitzels Mahlow schilderte und dessen Identität mit dem Beamten der politischen Polizei Jhring feststellte, konnte sich selbst Eugen Richter, der„unentwegte" Sozialisten töter, nicht enthalten, ein„ d a s i st st a r k" in das bewegte Haus hineinzurufen. Die Rache der Bismarck und Puttkamer für diese Ent- larvung und Brandmarkung eines ihrer eifrigsten Werkzeuge blieb nicht lange aus. Sie bestand darin, daß Singer selbst seinen Ausweisungsbefehl erhielt I Und um das durch Singers Vorgehen zerstörte Gleichgewicht wieder herzustellen, wurde nicht nur Singer aus Berlin aus- gewiesen, sondern auch das durch Singers Erklärungen im Reichstag nicht minder als durch verschiedene sich daran an- schließende Prozesse bis auf die Knochen geschundene Lock- spitze! Jhring zum Gefängnisaufseher ernannt und durch die Verleihung des allgemeinen Ehrenzeichens ausgezeichnet I inger selbst mußte am 3. Juli 1886 Berlin verlassen. Seine Abreise fand nicht ohne die ergötz- lichsten Verdrießlichkeiten für die schlaue Polizei statt. Die Polizei wollte nämlich um jeden Preis eine sozial- demokratische Demonstration verhindern und hatte deshalb nur denjenigen den Zutritt zu der Abfahrtstation Singers, dem Schlesischen Bahnhof, gestattet, die eine Fahrkarte im Werte von mindestens 1,60 Mark gelöst hatten. Dadurch hatte man faktisch erreicht, daß sich auf dem Schlesischen Bahnhof nur einige 50 Personen ansammelten. Aber die Rechnung der klugen Polizei stimmte trotzdem nicht. Denn kaum hatte Singer mit seinen Begleitern den Perron betreten, als vom Westen her ein Zug einlief, aus dessen vollbesetzten Fenstern Singer eine stürmische Ovation bereitet wurde. Die Genossen hatten eben die Ge- legenheit wahrgenommen, alle vom Westen her kommenden Züge zu besetzen, um so durch überraschende Kundgebungen der Polizei zu beweisen, daß die Sozialdemokratie wieder einmal klüger gewesen war. Dem ersten Zuge folgten noch zahlreiche andere, auch dann noch, als Singer bereits die Fahrt durch Berlin an- getreten hatte— kurz, es kam eine Kundgebung zustande, von der sich die Polizei in ihrer pflichtgemäßen Intelligenz nichts hatte träumen lassen. Zumal sich auch in der Koppen- Expedition: 8M. 63» t,indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. straße bei der Straßenüberbrückung der Stadtbahn eine tausendköpfige Menge eingefunden hatte, die dem ausgewiesenen Entlarver der polizeilichen Lockspitzeleien stürnnsche Abschieds- grüße zurief. Jnzivischen ist die Wählerschaft Singers unausgesetzt ge- wachsen. Im Jahre 1887 war die sozialdemokratische Stimmenzahl bereits ans 32 064 gestiegen, im Jahre 1893 auf 46356. Das Schandgesetz, das der Sozialdemokratie nicht den geringsten Abbruch zu tun vermocht hatte, war gefallen; Bismarck, der Vater des Schandgesetzes, war gestürzt, und immer und immer wuchs die sozialdemokratische Stimmenzahl. Je mehr Proletarier die riesenhaft anwachsende Reichshauptstadt im industriellen Osten und Südosten anhäufte, desto gewaltiger schwoll auch die Zahl der sozialdemokratischen Wähler an. Die kapitalistische Entwickelung und die sozialistische Aufklärung marschierten im gleichen Tempo. Aber so gewaltig die Fortschritte der sozialdemokratischen Bewegung auch gewesen sind und mit so freudigem Stolze auch Genosse Singer auf das Wachstum der Sozial» demokratie im vierten Wahlkreise zurückzublicken vermag: der Berg liegt noch vor uns, die größte» Schwierigkeiten sind noch zu iiberwindcn I Gilt es doch, nicht nur den konzentrierten Widerstand des koalierten Bürger- tums zu brechen, sondern auch alle Ungeduld und Wankclmütigkeit in den Reihen der Massen selbst zu beschwichtigen! Gerade als der Kampf noch der Abenteuer in Uebcrfülle bot, vermochte der Tatendrang über- schäumender Elemente eher befriedigt zu werden, als heute, wo es gilt, in prosais ch°solider Arbeit jeden Fuß breit Bodens zu gewinnen und zu b e f e st i g cm I Auf der anderen Seite allerdings können die Zeiten intensivsten Kampfes der heutigen Generation ein glänzendes Vorbild für die noch bevorstehenden Kämpfe sein! Allein der Kampf um das allgemeine und gleiche Wahl- recht in Staat und Gemeinde erfordert soviel politische Einsicht, soviel Tatkraft und Opfermut der Massen, daß es durchaus zeitgemäß ist. zur Anspornung sich des heroische» Kampfes i» sozialistengeseblichcr Zeit z« erinnern! «egleinog und Koalitionsrecht. „... Was Wunder, wenn sich die Direktion entschieden dem sozialdemokratischen Geiverkschaflsgedanken widersetzt. Sie kündigte, nachdem sie lange genug zugesehen, 45 Arbeitern, die sich den Gewerkschasten angeschlossen hatten. Nur allem darauf, daß die Sozialdeniokratie die dortige Bergarbeiter- schaff, die sich bisher von sozialistischen Velleitnten freigehalten hatte, an den großen sozialistischen Bergarbeiterverbond an- zugliedern versucht, ist der Streik zurückzuführen. Natürlich wollen und werden sich die leitende» Persönlichkeiten dies nicht gefallen lassen. Da diese Stellungnahme eine durchaus gerechtfertigte ist, so kann selbstverständlich auch schon anS prinzipiellen Gründen nicht davon die Rede sein, daß die Staatsbehörde in irgend einer Weise in diesen Streit ein- greift. Die Parteien müssen ihn vielmehr unter sich aus« tragen... Also schreibt die.Post" zum ManSfeldcr Bergarbeiterstreik. Selten ist mit größerer Schamlosigkeit so vor aller Oeffent- lichkeit zugegeben worden, daß Arbeiter lediglich deshalb, weil sie von dem ihnen gesetzlich gewährleisteten Koalitions- recht Gebrauch machen, auf das Straßenpflaster geworfen werden, daß Tausende von Arbeitern in den Streik ge- trieben werden, weil die Unternehmerschaft sich erfrecht, ihnen jegliche Organisation zu verbieten. Es geschieht freilich oft genug, ja alle Tage, daß ans solchem Grunde Arbeiter von Unternehmern umS Brot gebracht werden, daß mehr oder minder große Kämpfe darob entbrennen. Aber im allgemeinen scheuen sich heutzutage die Industriellen doch schon, das offen zuzugeben, und suchen die Tatsache zu bemänteln und zu vertuschen. Wenn die Vertrauensleute der Organisation gemaßregelt werden, so geschieht das angeblich niemals, weil sie eben die Organisation ver- körpern, sondern lediglich, weil sie„verhetzende Agitation" getrieben haben, oder weil sie Arbeitswillige belästigt oder auch lediglich, weil sie plötzlich— oft nach zehn- und mehrjähriger Tätigkeit im Betriebe— nicht mehr zur Zufriedenheit der Vorgesetzten arbeiten. Oder wie die durchsichtigen Vorwände sonst heißen. Sogar die mächtige Verbindung der Kohlenbarone des NuhrrevierS bestreitet mit Hefligleit, daß sie die schwarzen Listen gegen die Vertrauensleute der Organisation kehre. Aber die.Mansfelder Kupferschiefer bauende Gcwerlschaft' hat solche Heuchelei noch nicht notwendig. Sie und ihre Organe, wie die„Post", gestehen ganz ungeniert zu. daß sie den Bergleuten ein Recht rauben wollen, das ihnen die Gesetzgebung gibt. Der Leiter des Mansfelder Unternehmens, der Herr Vogelsang, glaubt es nicht nötig zu haben, seine wahren Ziele zu verbergen. Er rechnet es sich noch als ein Verdienst um Staat und Gesellschaft an, daß er die Bergleute zwingen will, vereinzelt zu bleiben, damit sie nie in der Lage sind, der„Mansfelder Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft", d. h. den Kapitalisten, die hinter ihr stehen, als Gleichberechtigte, als Fordernde entgegenzutreten. Deshalb will er ja auch den Bergleuten nicht nnr den Anschluß an den„sozialdemolratischen", das heißt den freien Berg- arbeiterverband verwehren, sondern auch au den Gcwerk- verein christlicher Bergleute. Der letztere ist offenbar selbst der„Post" etwas bedenklich. Sie hält es jedenfalls für besser. in ihrem Artilel nichts davon zu sagen, sondern den Anschein zu er- wecken, als handele es sich für den Herrn Direktor Vogelsang ledig- lich um die Abwehr»sozialdemokratischer Umtriebe". Der Regierung ist der Standpunkt des Herr» Direktors Vogel- sang selbstuerständlick bekannt. Sie weih, was er über den Grund des Kampfes erklärt hat, weih, daß er den Bergleuten den Gebrauch des ihnen im Z 112 der Gewerbeordnung verliehenen Rechts verbietet. Sie weiß, daß die Unternehmer sich koalieren, daß die Arbeiter machtlos sind, wenn sie des Stückhalts der Organisation entbehren. Sie kennt, wenn auch lange noch nicht genügend, die Arbeit der Gewerkschaften, weiß sie zu finden, wenn es Statistiken über Arbcitervcrhältnisie aufzunehmen gilt, und tut oft genug so, als sehe sie diese Arbeiterorganisationen als berechtigt an. Aber wenn in irgend einem rückständigen Winkel des Reichs ein vom Machtkitzcl geplagter Betriebsleiter einfach das KoalitionSrccht der Arbeiter verneint und um dieses Recht Tausende in den Streik treibt, das wirtschaftliche Leben eines ganzen Gebietes erschüttert, dann sendet diese selbe Regierung nicht irgend einen Fabrik- inspektor, um dem wildgewordencn Kapitalisten oder Kapitalisten- Vertreter den Kopf zurechtzusetzen, sondern dann sendet sie Ma- schinengewehre gegen die brutalisierten Arbeiter... So steht die Regierung Preußens, die ja auch die des Reiches ist, zum Koalitionsrecht— der Arbeiter. Es schiert sie keinen Pfifferling. Wohlgefällig sieht sie zu, wie Herr Vogelsang das Joch für die Arbeiter errichtet. Vertrauensvoll kann die„Post" voraussagen, daß sich die Regierung nicht in den Streit mischen wird, weil das Bestreben der„Mansfelder Kupferschicferbauenden" ganz gerechtfertigt ist. Und sie wird Recht behalten— die Regierung Preußens und des Reiches wird sich nicht in den Streit mischen. Das heißt nicht zugunsten der Arbeiter. Wider die Arbeiter tat sie es ja längst! Die Arbeiter mögen daraus lernen, was ihr Recht im Klassen- staate gilt, was ihre gerechte Sache an den Tischen der Regierenden gilt! Zur berliner Candtagserlatzwal)!. Die freisinnige Presse stellt in ihrer Allgemeinheit mit der angesichts der Tatsachen freilich auch durchaus gebotenen Bescheidenheit fest, daß der freisiimige Feldzug gegen die Sozialdemokratie schmählich gescheitert ist. Selbst die „Voss. Ztg." ist sehr kleinlaut geworden und wagt nur schüchtern der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß wenigstens im 12. Berliner Landtagswahlkreis die geeinigte Reaktion der Sozialdemokratie eine Niederlage bereiten werde. Eine Hoffnung, von der wohl selbst die brave Tante Voß annehmen wird, daß sie schmählich zuschanden werden wirdl Einzig die„Fr eis. Ztg." bringt es fertig, sich aufs hohe Roß zu setzen und davon zu faseln, daß der„roten Flut- Welle" in Berlin ein„Stillstand geboten" worden sei. Ein Kunststück bei dem elende st en aller Wahlsysteme, selbst wenn die Behauptung der„Freis. Ztg." richtig wärel Aber sie ist ja lächerlich unrichtig! Die Sozialdemokratie hat ja glänzende Fortschritte errungen! Sie ist nicht nur in drei von vier Wahlkreisen mit stärkerer Majorität durchgedrungen, sondern sie hat auch in dem wiederum in die Stichwahl gekommenen Wahlkreis 50 Wahlmänner mehr durchgebracht! Und das soll„Still- st a n sein? Wenn auch der Moabiter Wahlkreis bei der Stichwahl von der Sozialdemokratie erobert sein wird, wird ja wohl auch 'die„Freis. Ztg." auf ihre alberne Ruhmredigkeit verzichten! i> Die linksfreisinnige„V o l k S- Z t g." widmet der miß- glückten Kampagne des Fischbeck-FreisinnS folgende poetische Epistel: Es gingen vier Jäger wohl auf die Birsch, Sie wollten erjagen den roten Hirsch, Den Borg- und den Hey- und den Hoffmann im Nu; Sie bestellten die Wähler als Treiber dazu. Die Jäger, sie schössen gewaltig drauf los, In vielen Lokalen, bald klein, bald groß. Und weil sie sich fühlten alleine zu schwach, So half der Herr Kopsch ihnen gnädigst nach. Das war ihr Verderb! Wie die Jagd war zu End', Da sahn die vier Jäger, potz sapperment: Der Hirsch und der B o r g- und der Hey mann dazu Sie war'n durch die Lappen gegangen im Nu. Drei Jäger trollten sich still nach HauS; Verschossen war's Pulver, die Jagd war aus. Der vierte nur schoß noch in den Wind Um zu erlegen den H o f f m a n n geschwind. O laßt ihm den Spaß, denn ach, wie so bald Hat auch der vierte sein Pulver verknallt!, . Vergnügt singen Borg-, Hey- und Hoffmann und Hirsch: „Es gingen vier Jäger wohl auf die Birsch!" Line Programmrede liiilkrands. Paris, 24. Oktober.(Eig. Ber.) In seinem Pariser Wahlkreis hat Millerand gestern eine Rede gehalten, die an Gedanken- gehalt und Bestimmtheit die vielbesprochene Rede Briands in Peri» gueux entschieden überragt. Man muß eS Millerand lassen, daß er aus der Schule des Sozialismus ein großes gegenständliches Wissen und eine Summe politischer und sozialpolitischer Einsichten mitgenommen hat, die in einem vorteilhaften Gegensatz zur„an- passungs"lustigen Windbeutelei seines Kollegen stehen. Mag auch sein Ehrgeiz in einer notwendig oppositionellen Partei keine Be- frwdigung gefunden haben, so hat er sich doch seine Bahn im bür- gcrlichen Staat von sachlichen Gesichtspunkten aus vorgezeichnet. Millerand ist so eine Art Nationalsozialcr geworden, der eine großzügige industrielle Wirtschaftspolitik im kapitalistischen Sinne mit einer verbesserten Arbeiterfürsorge und der Konstitutierung eines liberalen Arbeiterrechts verbinden und diesen vermeintlich zur Harmonie der Klassen führenden Fortschrittsprozeß im Rahmen einer verjüngten Demokratie durchführen möchte. Von der Trivial- demokratie des Blockradikalismus, gegen den er in der CombeS- schen Aera einen nicht nur aus loyalen Motiven geborenen Kampf führte, hebt sich der Eifer, womit er sich die Jahre her um das Zustandekommen der Altersversorgung bemüht hat. günstig ab. Auch gehört Millerand zu den Verfechtern desProporzeS, der gerade jetzt in den Bordergrund der parlamentarischen DiS« kussion getreten ist. Als sozialliberales Programm lassen sich auch Millerands gestrige Ausführungen bezeichnen. Der Abschnitt über die Förderung der nationalen Prosperität durch Modernisierung des Wirtschaft- lichen Apparats und besonders der Seefahrtseinrichtungen ver- anlaßt den„TempS", ihm den Titel eines neuen C o l b e r t zu verleihen. In ver Tat hat die französische Bourgeoisie, die sichs mehr als förderlich im Faulbett der Rentiermuhe hat behaglich sein lassen, auf diesem Gebiet viel nachzuholen, und das Proletariat kann von einem solchen Aufschwung nur eine Stärkung seiner Klasse und damit einen verstärkten Antrieb seiner Bewegung er- warten, ohne in den frommen Glauben au ein über den Klassen- intercssen thronendes„allgemeines Interesse des Vaterlands" zu verfallen. In zwei anderen Fragen aber gehen Millerands Erklärungen iiber die Briandschen dekorativen Umschweife unverkennbar hinaus. i Ucbcr die Wahl reform hat sich der Ministerpräsident sehr unbestimmt ausgesprochen. In seiner Antrittsrede stellte er die Anwendung des Proporzes bei den G e m e i n d e w a h l e n in Aussicht, aus seiner Rede in Perigueux aber läßt sich herauslesen, daß er nicht daran denkt, sich wegen des Proporzes mit den um ihre Mandate zitternden Radikalen zu überwerfen. Und da nun dieser Tage die drei Sendboten der Radikalen von ihrer Unter- redung mit dem Ministerpräsidenten durchaus befriedigt und be- ruhigt zurückgekommen sind, so kann man wohl annehmen, daß er ihnen in bezug auf die Verschleppung des Proporzes, den die „Lanterne" als reaktionäre Falle bezeichnet, die erwünschten Zu- sicherungen gegeben hat. Millerand dagegen erklärt rund heraus, daß die Frage der Wahlreform eine Lebensfrage für das Land sei und solange keine Verwaltungs- und Justizreform, ja auch nur eine Verbesserung der politischen Sitten möglich sei, so- lange das„Kirchturnwwahlrecht" bestehe. Da nun aber Millerand gleichzeitig seine volle Uebercinstimmung mit dem Minister- Präsidenten beteuert, kann man einigerniaßcn gespannt sein, welche Formel Briand im Parlament für die Verschleppung der„Lebens- frage" finden wird. In der Sozialpolitik will Millerand vor allem für die obli- gatorischen Schiedsgerichte eintreten, die er schon lölK) beantragt hat, weiter für die Aufnahme des Kollektivvertrages in die Gesetzgebung und für den Ausbau der Sozialversicherung. Auch er stellt indes als notwendige Bedingung der Sozialreform gleich Briand die wirtschaftliche Prosperität hin. Wenn nun aber Schiedsgericht und Kollektivvertrag mit der wirtschaftlichen Situation weniger im Zusammenhang zu stehen scheinen, so gilt dies sicher ebenso von dem Versprechen, das Millerand in bezug auf die Bcrgwerksgesetzgebung abgegeben hat. Er will nämlich, wie er sagt in Uebcreinstimmung mit Viviani, vom Parlament eine gesetzliche Basis fordern, um den neuen Gruben- konzessionären im Departement Meurthe-et-Moselle die Ausfolgung v o n A r b e i ts akt ie n an die Arbeiter- schaft, wie sie Briand befürwortet hat, oder die Gewinn- beteiligung tn anderer Form aufzuerlegen. Wohlgemerkt: aufzuerlegen? wogegen Briand nur von einer gesetzlichen Form für die freiwillige Regelung gesprochen hat. Auch hier darf man gespannt sein, wie die Konkordanz zwischen zwei deutlich voneinander abweichenden Erklärungen hergestellt werden wird. Daß Millerands Versprechen den„Temps" ganz gleich- gültig läßt, ist nicht gerade verheißungsvoll für seine Zukunft. poUtffcbe Ocberfkbt. Berlin, den 27. Oktober 1909. Tie Stimmlmg im konservativen Lager. Es war vorauszusehen, daß der Ausfall der sächsischen Laudtagswahlen die preußischen Konservativen bestimmen würde, nun erst recht an dem preußischen Dreiklassenwahlrecht festzuhalten und jedem Versuch, dieses Ueberbleibscl einer schmachvollen Reaktionszeit zu modernisieren, Widerstand zu leisten. Schon als vor einiger Zeit die Meldung austauchte, die Regierung gedenke das Preußische Wahlrecht nach dem Muster des sächsischen Pluralwahlrechts umzugestalten, gab die kon- servativc Presse die Parole auS:„An dem Dreiklassenwahlrecht darf nicht gerührt werden!" Nachdem nun aber der sächsische Wahlausfall nicht nur die Herrschaft der Konservativen im sächsischen Landtag gebrochen, sondern auch der Sozialdemo- kratie bereits im ersten Anlauf 15 Mandate verschafft hat, erklärt die konservative Presse in noch schärferen Ausdrücken, daß in keinem Fall das Dreiklassenwahlrecht in irgend welchen wesentlichen Punkten geändert werden dürfe und daß dann. wenn trotz dieses Einspruchs die preußische Regierung wagen sollte, dem preußischen Landtag ein Wahlreformgesetz vorzulegen, sie auf eine noch tveit schärfere Opposition der Konservativen stoßen werde, als bei der Neichserbschaftssteuer. So schreibt z. B. ein Herrenhäusler in der„Kreuz-Zeitung": „Man sagte bisher, die Staatsregierung wolle noch das Er- gebnis der sächsischen Wahlen abwarlen, um dann eventuell die Bestimmungen des sächsischen Wahlgesetze? zum Muster für die Aenderung deS preußischen Wahlgesetzes zu nehmen. Nun liegen die Ergebnisse der sächsischen Wahlen vor; sie haben für Sachsen zu einer politischen Katastrophe geführt. Da möchten wir an die Staatsregierung die Frage richten, ob sie in der Tat noch gewillt ist, dem Beispiele Sachsens zu folgen; da möchten wir an unsere liberalen Parteien, nach- dem ihre Gesinnungsgenossen in Sachsen fast aufgerieben worden sind, die Frage richten, ob sie im Innersten ihres Herzens noch mit dem gleichen Frohmut wie bisher an die Reform unseres Wahlgesetzes herantreten wollen.... Sollte Herr v. Bethmann wirklich den Weg weiter be- schreiten, welchen Fürst Bülow im Interesse seiner Blockpolitik mit der Ankündigung der Thronrede so verhängnisvoll ein- geschlagen hat? Wäre es nicht nach all den Er- fahrungen in Sachsen, in Baden«ine un- geheuerliche Verblendung, um nicht zu sage» ein ungeheurer Frevel, den letzten Halt, den letzten Damm niederzureißen oder auch nur in seinen Grundfesten zu erschüttern, welcher uns in Deutschland, in Preußen zur Sicherung von Staat und Gesellschaft und Monarchie gegen die immer heftiger an- dringenden Wellen der Revolution noch übrig bleibt? Und zwar ohne ausreichende sachliche Begründung, lediglich als eine schwächliche Konzession an die doch nimmer zu befriedigende Demokratie; denn wer wollte nur einigermaßen mit Recht be- haupten, daß der preußische Landtag zum Heil des Vater- landcS nicht bisher seine Schuldigkeit in vollstem Maße ge- tan hat? Sollte es aber wirklich dazu kommen, so wird, wie)rir hoffen, die konservative Partei sich einmütig gegen solche Absichten erheben; und sollte sie im Abgeordnetenhause unterliegen, so wird das Herrenhaus, ein- gedenk seiner hohen Bestimmung, gcbotenenfalls den Hemm- schuh gegen eine ins Verderben führende Politik zu bilden, sich seiner Aufgabe gc- wachsen zeigen: auch die Herren Oberbürgermeister müßten Bedenken tragen wegen der ernsten Rückwirkung aus ihre großen Verwaltungen, in eine unter Umständen verhängnisvolle Aende- rung des Wahlgesetzes zu willigen." Und im gleichen Tone schreibt die„Schles. Ztg.": „Das Uebergangsstadium, in dem wir uns befinden, verlangt besondere Borsicht in so äußerst delikaten Fragen, wie es die preußische Wahlroform ist. Im Interesse einer Gesundung unserer innervolit'schcn Verhältnisse liegt es nicht, daß die Rc- gierung vorzeitig mit einem ungenügend vorbereiteten Entwurf hervortritt, der nur neuen Streit entfesseln würde." Die Herren sind nicht geneigt, auch nur ein Tipfelchen ihrer Macht aufzugeben— aber sie werden müssen. Stärker als ihr Dünkel ist der Wille der proletarischen Massen. Ein Strafvolkzugsgesetz in Sicht. Die Regierung soll beabsichtigen, den Vorentwutf zum neuen Strafgesetzbuch etwa ein Jahr lang der öffent- lichen Kritik zu überlassen. Dann soll, falls nicht besondere Um- stände eine Verlängerung der Frist notioendig machen, eine Regie- rungskommission zur Fertigstellung eines Entwurfes für die gesctz- gebenden Körperschaften zusammentreten, für deren Arbeiten etwa ein halbes Jahr gerechnet wird. Obwohl in dem jetzt veröffent- lichten Vorentwurf zum Strafgesetzbuch eine Reihe von Bcstim- münzen dem Strafvollzug gewidmet sind, will die Regierung eine besondere Vorlage darüber einbringen. Entsprechende Vorarbeiten sollen bereits im Reichsjustizamt im Gange sein; ein Entwurf werde aber erst aufgestellt und dem Bundesrat zugehen können, nachdem das neue Strasgcsetzbuck, fertiggestellt worden ist. Da die Regelung des Straf- Vollzuges im wesentlichen nur technische Sachen enthält, ist eine vorherige Veröffentlichung der Vorlage nicht geplant,_ Klerikale Verzögerungspolitik. Der Ausfall der badischen Landtagswahlen hat in der Zcntrumspartei eine katzenjämmerliche Stimmung hervor- genifen. Da man in den leitenden 5krelsen des Zentrums wußte, daß die Bewilligung der neuen Verbranchssteuern durch die Zentrumsftaktion des Reichstages einen beträcht- lichen Teil der katholischen Arbciterbevölkerung und Klein- bürger Badens arg verschnupft hat, bot von vom- herein der badische Klerus seinen ganzen Einfluß auf, die oppositionellen Elemente des badischen Zentrums bei der alten Fahne zu halten; aber alle Ermahnungen. Versprechungen und Drohungen der geistlichen Agitatoren haben, wie der Wahlausfall beweist, nicht zu verhindern vermocht, daß das Zentrum eine schwere Niederlage er- litten hat. Die Zentrumsführer ziehen daraus die Folgerung, daß noch viel energischer der Verstimmung über die Steuerpolitik der Zentrumssraktion entgegen gearbeitet werden muß, als bisher, namentlich aber, daß die geistliche Gendarmerie noch eifriger als in der letzten Zeit das Gespenst eines neueil Kulturkampfes heraufbeschwören muß. Dazu aber ist Zeit erforderlich. Zeit gewonnen, alles gewonnen! So sehen ivir denn, wie die Zentrumsprcsse, die schon vor den badischen Landtagswahlen mit Rücksicht auf das Verhältnis des Zentrums zu den Konser- vativen der Regierung empfahl, daß sie sich in der nächsten ReichStagSsession auf die Vorlegung der allemötigsten Gesetze beschränken und keine Entwürfe einbringen möchte, die den Gegensatz zwischen den bürgerlichen Parteien verschärfen könnten, jetzt noch eifriger dafür plädiert, daß der Reichstag sich während seiner nächsten Tagung mit der Beratung des Etats und kleiner nebensächlicher Vorlagen begnügt, damit die über die Finanzreform erregten Gemüter Zeit erhalten, sich wieder zu beruhigen. Aus dieser Stimmung heraus ist auch ein„Die Aufgaben der nächsten Reichstagssession" überschriebcner Artikel der „Köln. Volksztg." verfaßt. DaS rheinische klerikale Blatt erwähnt darin des Gerüchts, daß der Reichstag am 23. No- vember, spätestens aber am 30. November d. I. zusammen- treten und am 11. Dezember in die Wcihnachtsfcrien gehen soll. Der Wiederzusammentritt würde dann erst am 11. Januar stattfinden können, und da die Osterpanse wegen des diesmal ungewöhnlich früh liegenden Osterfestes (27. und 28. März) spätestens am 19. März eintreten muß, würden für die Etatsberatung nur zehn Wochen zur Verfügung stehen mit höchstens 52 Sitzungstagen. Der Reichstag würde also rasch arbeiten müssen, um den Etat rechtzeitig ver- abschieden zu können. Nach der Etatsberatnng könne, so meint das klerikale Blatt, die Tagung geschlossen werden, denn die Reichs- Versicherungsordnung und die Strafprozeßordnung hätten keine Eile. Wörtlich heißt es in dem Artikel: „Ob er nach Ostern nochmals zusaimnentritt, wird in der Hauptsache davon abhängig sein, ob die Verbündeten Regierungen Wert darauf legen, die Versicherungsordnung erledigt zusehen. Die Gründe, welche für eine Verschiebung dieser Angelegenheit sprechen, erscheinen nicht minder gc- wichtig als diejenigen, welche eine baldigeEr- ledigung wünschenswert erscheinen lassen. Der veröffentlichte Entwurf hat unerwartet starken Widerspruch gc- funden; die Kostenfrage spielt dabei eine große Rolle. Sollte der Entwurf Gesctz werden, so dürften allein 70— 80 Millionen Mark jährlich Mehrkosten entstehen. Würden diese auf das Reich über- nommen, so würde auch alsbald die Frage nach der Kostendeckung enlstehen und neue Steuervorlagcn notwendig werden. Nach Lage der Verhältnisse würden diese auf große Schwierigkeiten stoßen. Vielleicht wird cS schon deshalb besser sein, die An- gelegenheit, welche ja nicht dringlich ist, zu ver- schieben, bis die finanziellen Verhältnisse des Reiches besser konsolidiert sind und sich die Wirkung der neuen Steuergesetze übersehen läßt. Daß die Strafgesetzreform wieder eingebracht werden soll, wurde schon gemeldet. Von andere» größeren Vorlagen verlautet bis jetzt nichts. Es wäre auch vielleicht ganz gut, wenn in der Gesetzgebung eine zeitweilige Ruhe eintreten könnte, zumal die letzte Session an neuen Gesctzesproduktcn überreich gewejen ist und die Bevölkerung Deutschlands kaum imstande ist, sich in die Kenntnis und Beobachtung der neuen Gesetze so rasch einzuleben, wie deren Schnellfabrikation vor sich geht." Der eigentliche Grund, weshalb daL rheinische Zentrums- blatt sich für die Beschränkung auf die Etatsberatung ins Zeug legt, ist jedoch der Wunsch, Zeit zur Beschwichtigung der oppo- sitioncllen Anhängerschaft des Zentrums zu gelvinnen. Es gesteht zum Schluß seiner Erörterung offen zu: „Wünschenswert wäre eine möglichst kurze Reichs» tagösession auch schon deshalb, weil dann die Be- ruhigung der Gemüter eher Fortschritte mache>l kann; denn eine Feindseligkeit, wie sie seit dem vecflosseneuen Sommer unter den einzelnen Parteien entstanden ist, kann nicht ini Interesse unseres Vaterlandes liegen. Man sollte deshalb auch regierungsseitig alle Vorlagen an den ReickStag vermeiden, die geeignet sind, die Gegensätze wieder zu verschärfen." Der Artikel zeigt deutlich, in welchen inneren Röten sich das Zentrum befindet._ Streikinterpellatloue» im bayerischen Landtag. Am DienStag begann im bayerischen Landtag die VerHand- lung über zwei gegen die freien Gewerkschaften gerichtete Jntcr- pellationen der Liberalen und des Zentrums. AuS Anlaß der Unruhen beim Streik in der Wolfsschen Zelluloidfabrik zu Nüru- berg suchten die Interpellationen die Regierung zu strengeren Maßnahmen bei Streiks scharfzumachen. Die Verhandlung, in der Liberalismus und Zentrum an Feindschaft gegen die mo- fcenxe Arbeiterbewegung wetteiferten, erreichte am Mittwoch ihren Höhepunkt. Darüber wird uns telegraphiert: München, 27. Oktober. Die Streikintcrpellationen der bürger- lichen Parteien führten zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten einerseits und Zentrum und Liberalen anderer- scits. Die Debatte gestaltete sich zu einer Generalabrech- nung mit den Arbeitervertretern des Zentruxns. Die Genossen Dorn, Simon und Auer bringen ein über- reiches Material über Terrorismus sowohl des Unter- nehmertums als besonders der ch r i st I i ch e n G e w e r k- s ch a f t c n und der katholischen G e i st l i ch k e i t vor. Der Präsident hindert Auer an der weiteren Bekanntgabe seines Materials,_ Holländische Zollerhöhnngen. Wie fast alle Staaten leidet auch Holland an steigenden Defiziten. Um dem abzuhelfen, plant die holländische Regierung eine nicht unbeträchtliche Erhöhung der Einfuhrzölle, durch die auch Deutschlands Außenhandel getroffen' würde. Fast noch bedenklicher als die Erhöhung selbst ist aber die Absicht, die Zölle nicht ein für alle mal festzusetzen, sondern sie unabhängig zu machen von dem jeweiligen Bedarf des Staatsbudgets. Es würde also eine Einrichtung getroffen wie in gewissen südamerikanischen Staaten, wo die Zollverhältnisse immer nur für die Dauer eines Jahres festliegen und erst nach dem Erscheinen des neuen Budget- entwurfs zu übersehen ist, wie der Tarif im nächsten Jahre aussehen wird. Ein solcher Zustand der Unsicherheit mutzte den Geschäfts- verkehr, der in erster Linie stabiler Verhältnisse bedarf, auf das schwerste schädigen und stützt deshalb im Lande selbst bereits au lebhaften Widerspruch. Es wird darauf Hingelviesen, datz eine derartige Tarifrevision sowohl vom freihändlerischcn wie auch vom schutzzöllnerischcn Standpunkt aus aus das energischste bekämpft werden müsse und gegenüber der Festlegung der Zölle, wie sie in anderen Ländern durch Abschlutz von Handelsverträgen erfolge, einen schweren Rückschritt bedeute. Insbesondere wird auch die zunächst in Aussicht genommene allgemeine Erhöhung der Zölle um 30 Proz. heftig angegriffen, da hierdurch der Verschiedenheit der Verhältnisse bei den einzelnen Branchen keine Rechnung getragen werde. Deutsch-amerikanische Handelsbeziehungen. Zur Erleichterung des deutsch- amerikanischen Handels nach Ab- lauf des Handelsabkommens hat das Schatzamt, wie tclegraphisch aus Washington gemeldet wird, die Zollbehörden angewiesen, die Beglaubigungen von Handelskammern über den Marktwert der Waren im Ursprungslande zu berücksichtigen. Dies ist eine von den Bestimmungen des Abkommens, die auch nach Ablauf desselben weiterbestehen. Die Bestimmung über die Annahme eines Export- Preises für Waren ohne eigentlichen Marktwert wird aufgehoben.— Dr. Diedrich Hahn als Verleumder bestraft. Der Direktor des Bundes der Landwirte Dr. Diedrich Hohn wurde, wie uns gemeldet wird, von dem Schöffengericht in Neuhaus zu zwanzig Mark Geldstrafe verurteilt, weil er in Wählerversamm- luugen unwahre Gerüchte über die Bankfirma C. Callmann vcr- breitet hatte._ Versammlung mit Feucrwehrnbermachung. In Neudorf(Kreis K a t t o w i tz) versagte der AmtSvorstcher die Genehmigung zu einigen Versammlungen, weil am Versamm- lungSplatz eine kleine Scheune steht, in der sich Getreide befindet I Die Scheune ist niassiv gebaut und hat ein Ziegeldach. Unsere Ge- , losten machten den letzten Versuch: sie meldeten nochmals eine Ver- sammlung an und beantragten— falls der Herr Amtsvorsteher immer noch Feuersgefahr befürchte— aufKosten der Partei zwei Feuerwehrleute zu stellen! Die Genehmigung wurde nunmehr erteilt für die zwei Wehrleute mutzten 4 M. bezahlt werden. Die Versammlung fand bei starker Beteiligung statt. Natürlich brach kein Brand aus, und die Versammlung nahm einen guten Verlauf._ Der„Arbeitervertreter" Behrens. Dem Reichstagsabgeordneten Behren? sind in den letzten Tagen zwei Mitztrauenskundgebungen zu teil geworden: Borige Woche in Betzdorf und am Dienstag in Wetzlar, hier in einer von über tausend Personen besuchten Versanunlung, in der u. a. auch Parteisekretär Rudolf-Frankfurt sprach. Die Christlichsozialen, die die Versammlung einberufen hatten, wollten sie hinausziehen, und in der Tat sprachen auch christ- lichsoziale Redner bis 2 Uhr nachts I Die ungefähr tausend Ver- sammlungsteilnehmer hielten aber bis zuni Schluh auö und nahmen dann eine Resolution an, in der die Steuerpolitik des schwarz-blauen Blockes verurteilt und Abg. Behrens aufgefordert wurde, sofort sein Mandat niederzulegen! Die Resolution wurde mit erdrückender Mehrheit gefatzt. Oefterreick. Die Kostenrechnung für das bosnische Abenteuer. Im Abgeordnetenhause legte Dienstag der Finanz- minister das Budget vor. das rcchnungsmätzig mit einem D e f i z i t von 42 Millionen Kronen abschlietzt. Dazu kommen aber noch 193,6 Millionen Kronen, die durch Anleihen zu decken sind, sowie das Erfordernis für R ü st u n g s z w e ck e der Armee und Marine von 2ö7 Millionen, das gleichfalls durch Anleihe zu decken ist. Davon entfallen 163 Millionen auf Oesterreich, der Rest auf Ungarn. Insgesamt gibt der Minister die militärischen Kosten des bosnischen Abenteuers mit 184 Millionen Kronen an. Der Minister kündigte an. datz er die geplante Bier st euer fallen lasse, dagegen die progressive Erhöhung der Einkommensteuer, von 2l 006 Kronen angefangen, ferner die Erbschaftssteuer sowie die Tantiemen- und Dividenden st euer und die Stener auf Mineralwasser neu vorlegen werde. Dann kündigte der Minister die Reform der W e i n st e u e r und die Einführung des Z ii ii d h o l z m o n o p o l S an. Im Fall der Vcr« Weigerung oder Verzögerung der beantragten Matznahmen mutzten die Investitionen und Ausgaben auf den unbedingt äutzersten Bedarf eingeschränkt werden._ Lebensmittelteuernng und Arbeitslosigkeit. Wien, 27. Oktober. Abgeordnetenhaus. Bei der Verhandlung der Dringlichkeilsanträge betreffend die Lebensmittel- teuerun'g wies Handelsminister Weiskirchner darauf hin, datz die gegenwärtige Situation gegen ähnliche frühere dadurch verschärft erscheine,� datz zu der Lebeusmittel- teuerung noch die Depression der industriellen Konjunktur mit der drohenden Arbeitslosigkeit hinzukomme. Der Handelsministcr besprach eingehend die Frage der Getreidezölle und hob hervor, datz daS Bedürfnis nach einem Zoflfchlitz der heimischen Gctreideproduktion sich zu vermindern beginne, zumal die Boraussetzung für die hohen Getreidcprrise, nämlich daS Sinken der Gctreidcprcise, keineswegs mehr zutreffe. Die Regierung habe sich an die ungarische Regierung betreffs Herabsetzung der Getreide zölle init Rücksicht auf ciile geringere Ernte gewandt. Die ungarische Regierung habe daS Ersuchen jedoch abgelehnt. Auch die F l e i s ch t e u e r ,l n g drohe namentlich im nächsten Frühjahre infolge der gesunkenen Viehbestände be- dentlich zu werden. Der Minister betonte, datz die Fleischversorgung der Grotzstädte ohne Zuhilfenahme geschlachteten Fleisches für die Dauer auSgeschlosfeu sei. Zur Frage der Milch- teuerung erklärte der Minister, die Regierung werde alle in dieser Hinsicht gemachten Vorschläge reiflichst prüfen. ES sei Pflicht des Parlaments und der Regierung, sich mit all diesen Fragen eingehend zu befassen, aber ihre Lösung sei natür- lich nicht von heute auf morgen möglich. Wichtigste Borbedingung für eine dauernde Lösung derartiger Fragen sei die Schaffung von Organisationen der Produzenten und Kon- s u m e n t e n und tunlichste Beseitigung des illegitimen Zwischenhandels. franfcmcb. Gegen den Hochschutzzoll. Paris, 27. Oktober.(Deputiertenkammer.) Bei der heute wieder aufgenommenen Verhandlung über den Zolltarif stellte Jaurss(Sozialist) an die Regierung die Forderung, sie möge auf ein Nachlassen der Spannung im Zoll wesen hin- wirken, da dies von jetzt ab möglich und notwendig sei. Der Minister des Aeutzern P i ch o n antwortete, er könne niit dem Auslände nicht eher in Verhandlungen über diesen Gegen- stand eintreten, bevor nicht Frankreich seine Tarife revidiert habe. Die Bevollmächtigten Frankreichs würden auf der nächsten Konferenz im Haag die Zolltarifs rage in dem von Jaurss angeregten Sinne zur Sprache bringen. Vorher könnten diplomatische Besprechungen darüber stattsiuden. Spanien. Der neue Generalgonvernenr. Madrid, 27. Oktober. Der König hat heute vormittag die Ernennung des Generals W e y l e r zum Generalkapitän von Katalonien vollzogen. Ein zweites heute unterzeichnetes Dekret ordnet die Unterbrechung der Kortessitzungen an. Wehlers Ernennung mutz den Zweifel wecken, ob der durch seine Grausamkeit und Härte berüchtigte General in der jetzigen Situation der richtige Mann ist. Das Mitztrauen in die schönen Ver- sprechnngen des liberalen Ministeriums erhält dadurch jedenfalls neue Nahrung., Belgien. Die Kongogrcuel. Brüssel, 27. Okt. Genosse Vandervelde hat an den Kolonial- minister folgende Anfrage gerichtet: Weitz der Minister, datz am 31. Juli 1969 der Generalageut der belgischen Handelsgesellschaft am Oberkongo, Dr. Dorp ing haus, bei dem Gericht zu Coquilhatville Klage gegen zahlreiche Agenten und die Direktion dieser Gesellschaft er- hoben hat wegen folgender Vergehen, die im Bezirk Usirav im April 1967 big Mai 1969 begangen sein sollen: 1. Willkürliche Ver- Haftung und Kettenfes srlung zahlreicher eingeborener Männer und Frauen, um sie zur Arbeit auf den Pflanzungen der Gesellschaft zu zwingen; 2. Ermordung von Männern, Frauen und Kindern und Folterungen von Eingeborenen; 3. In- brandsetzung von Dörfern; 4. Verwendung bewaffneter Wacht- Posten, um die Eingeborenen zum Anbau von Kautschuk zu zwingen? Wenn ja: Welche Folge hat der Minister der Anzeige von Doktor Dörpinghans gegeben? Kolonialminister Renkin antwortete, datz in der Tat diese Anklagen wegen Mordes, Grausamkeit usw. st i m m e n. Acht der angeklagten Personen waren bereits nach Europa zurückgekehrt, als die Beschuldigimgen erhoben wurden. Der Minister hat während seines Aufenthalts in Afrika von der Angelegenheit Kenntnis er- halten und bereits dort das Verfahren eingeleitet. Dr. Dörpinghans seinerseits hat den Dienst der Gesellschaft verlassen, um sich nicht mitverantwortlich für die verübten Mitzbräuche zu machen. Dänemark. Das radikale Ministerium. In Dänemark ist ein Systeniwechsel erfolgt. Der Führer der radikalen Folkethinzssraktion, ObergerichtSnnwalt Zahle, ist mit der Bildung des neuen Ministeriums betraut worden. Zahle selbst ist Ministerpräsident und Justizminister geworden, der bekannte radikale Politiker Landrichter Krabbe Landesverteidigungsminister, Dr. phil. P. Münch Minister des Innern, der Kleinbauer Paul C h r i st e n s e n, der ebenfalls in der radikalen Partei hervorragend tätig war, Landwirtschaftsministcr und Eduard BrandeS, früher Redakteur des damals radikal- demokratischen Blattes „Politiken", Finanzminister. Die übrigen Ministerposten sind mit weniger bedeutenden Personen besetzt. Die radikale Partei, die nun zur Regierungspartei geworden ist, verfügt im Folkething nur über 26 Mandate, einige ihr nahestehende Wilde mitgerechnet. Sie ist, wenn sie ihre demokratischen Grund- sähe irgendwie zur Geltung bringen will, auf die Unter- stützung der 24 Sozialdemokraten angewiesen. Das neue Ministerium mutz es als seine erste Aufgabe ansehen, eine gründliche Reinigung gegenüber der durch Albertis Schwindeleien hervorgetretenen Korruption vorzunehmen sowie eine gerechte Wahlkreiseinteilung durchzuführen, um so erst die Grund- läge für einen gesunden Parlamentarismus zu schaffen. Soweit eö eine derartig ehrlich demokratische Politik treibt, wird es selbst- verständlich darin der Unterstützung der Sozialdemokratie sicher sein. ScK>vecien. Die Landcsflncht der Gemasiregelten. Die Gewaltstaktik des Unternehmertums, die Maß» regelung von Arbeitern, die am Massenstreik teilgenommen haben, durch schwarze Listen und die leider in Schweden noch zulässige Kennzeichnung der Abgangszeugnisse, die gewalt- ame Vertreibung streikender oder ausgesperrter Arbeiter und ihrer Familien aus den Werkswohnungen, die Pläne der reaktionären Parteien zu neuen Zuchthausgesetzen gegen die organisierte Arbeiterschaft, kurzum die ganze arbeiterfeind- liche Wirtschaft, die sich jetzt in Schweden inimer mehr breit zu machen sucht, hat zur Folge, daß inimer größere Massen von Arbeitern auswandern. Die herrschenden Klassen werden von Angst ergriffen und sinnen auf Abhilfe. Reaktionäre Blätter, die früher nicht genug auf die verdammten Sozialisten schimpfen konnten, jammern nun darüber, daß dieses viele„frische Blut", diese„prächtigen Arbeite�", diese „wertvollen Elemente" dcni Lande verloren gehen. Die so gepriesenen Arbeiter sind just dieselben, die das Unternehmer- tum dauernd aus Lohn und Brot verdrängen will. Die Regierung hat sich auch schon mit der Frage befaßt, welche außerordentlichen Mittel gegen die Massenauswanderung der Arbeiter ergriffen werden können, aber man weiß nicht, was dabei herausgekommen ist. Dagegen hat der vom Staate subventionierte„Nationalverein gegen Emigration" die Sache schon in die Hand genommen. Er veranstaltet eine große Sammlung, durch die es aus- wanderungslustigen Arbeitern möglich gemacht werden soll, im Lande zu bleiben und Kleinbauern zu werden. Da in Schweden bereits ein Gesetz besteht, wonnach Leuten, die einen landwirtschaftlichen Kleinbetrieb errichten wollen, der nicht mehr als KVOO Kronen kosten darf, fünf Sechstel des Kauf- Preises als Darlehn aus der Staatskasse zur Verfügung stehen, bedarf es nur eines Zuschusses von höchstens IflOV Kronen. Der„Atationalverein" hofft, durch seinen Aufruf 200 000 Kronen zusammenzubringen. Gleich am ersten Tage sind 20 000 Kronen gezeichnet worden, wozu der Prinz Eugen 10 0 0 0 und die K ö n i g i n- W i t w e ebenfalls 10 000 Kronen hergegeben hat. Man sieht also, daß selbst die Königlichen in die Tasche greifen, um die „v a t e r l a n d s I o s c n Gesellen" im V a t e r I a n d e festzuhalten. Viel nutzen wird das nicht. Handelt es sich doch um Tausende und Abertausende von Arbeitern, die durch das Unternehmertum aus dem Lande getrieben werden. Gegenwärtig sind in den Berufen, die die Arbeit wieder auf- genommen haben, noch 10 155 arbeitslos und größtenteils vom Unternehmertum gcmaßregelt, durch schwarze Listen und Kennzeichnung der Zeugnisse verfolgt, inrd sie werden sogar von der Anstellung in Staatsbetrieben aus- geschlossen. Dazu kommt, daß noch weitere 34 000 Arbeiter fortdauernd ausgesperrt sind. Was kann es solcher Rachsucht des Unternehmertums gegenüber bedeuten, wenn wirklich jener„Nationalverein" es rund 200 Gemaßregeltcn möglich macht, Kleinbauern zu werden! Uebrigens niacht sich unter den Genraßregelten selbst schon das Bestreben geltend, sich womöglich eine selbständige Existenz in der Landwirtschaft zu schaffen. Die Straßenbahn- angestellten, von denen nicht weniger als 1500 infolge des Massenstreiks dauernd entlassen sind, haben einen besonderen Verein für nationalen Kleinbetrieb in der Landwirtschaft ge- gründet. Die meisten Gemaßregelten werden jedenfalls, soweit sie irgendwie die nötigen Mittel haben, die Aus- Wanderung vorziehen. Das Unternehmertum wird unter allen Umständen große Massen seiner besten Arbeiter für immer verlieren und den Verlust noch einmal schmerzlich empfinden, wenn wieder eine Periode wirtschaftlichen Auf- schwungs hereinbricht. I�iilZlancl. Die Arbeit des Galgens. Die Zahl der Todesurteile im September ist nach einer ziemlich bedeutenden Verminderung im August, wo der Galgen infolge der Eüropareise des Zaren ein wenig rasten mußte, wieder stark gestiegen. Im September wurden zum Tode verurteilt 134 und hingerichtet 31 P er- s o n e n! Insgesamt sind vom 1. Januar dieses Jahres ab 1038 Todesurteile gefällt und nach den unvollkommenen An- gaben der Presse 474 vollstreckt worden. Dubrowin? Auslieferung verweigtrtl Die echtrufsische Mördergarde des Zaren hat einen neuen glänzenden Sieg errungen. Der russische Jnstizininister hat den Führer des russischen Volksverbandes, Dr. Dubrowin, über dessen Teilnahme an der Ermordung H e r z e n st e i n s und an anderen Attentaten kein Zweifel beslcbt, unter seine Fittiche ge- nommen und dem fimiländischen Gericht in einein besonderen Schreiben verboten, Dubrowin vor Gericht zu laden. Noch vor kurzem hatte die Regierung, als die Dubrowin-Angelegenheit in der Duma zur Sprache kam, in einem besonderen Coiiimuniqns er- klärt, datz sie zugunsten Dubrowins keine Abweichimg vom Gesetz zulassen würde. Und mm schreibt der russische Jnstizminister in demselben Moment, wo Nikolaus mit Viktor Emanuel brüderliche Küsse austauscht, vor. datz der Chef der echirussischen Mördergarden, der intime Freund und Ratgeber des Zaren, gesetzwidrig der finnischen Gerichtsbarkeit entzogen werden soll. Japan. Jtoö Ermordung. Charbin, 26. Oktober. Die Verhaftung der verdächtigen Koreaner auf der Station Tsaitsagou erfolgte nicht gestern, sondern heute vormittag und zwar erst nach der Ermordung des Fürsten Jio. Gestern hatten in Tsaitsagou drei mit Revolvern bewaffnete Koreaner die Aufmerksamkeit eines Gendarmen er» regt, doch war man zu einer Festnahme nicht geschritten. Als min heute früh die Nachricht von der Ermordung dort eintraf, wurden zwei der Verdächtigen verhaftet, der dritte war vcr- schwunden. Dieser war, wie der nach Charbin beorderte Gendarm bei der Gegenüberstellung feststellte, der Mörder. Die in Tsait- sagou verhafteten beiden Koreaner leugneten beim Verhör zu» nächst ihre Zugehörigkeit zum Komplott, wurden jedoch dadurch über- führt, datz sich auf den zu ihren Revolvern passenden Kugeln die gleichen Einschnitte befanden wie auf den Kugeln, durch die Fürst Jto getötet wurde._ Hub der parte!* Der Gemeinderatswahlsieg in Weimar. Genosse B a u d e r t, dessen Wahl in den Weimarer Ge- meinderat wir gestern schon meldeten, erhielt 663 Stimmen, die bürgerlichen Kandidaten brachten zusammen 389 Stimmen auf. Der Sieg wurde bei einer Ersatzwahl erfochten, die infolge Todes eines bürgerlichen GemeinderatZniitgliedeS notwendig wurde. Bei einer Ersatzwahl, die 6 Wochen früher stattfand, war Genosse Bau- dert mit 462 Stimmen dem Gegner unterlegen, der 484 Stimmen erhielt. Seitdem sind die sozialdemokratischen Stimmen also um über 166 gewachsen. pollrellickes,(JeHchtitcbeo ulw. Strnfkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Gemeinde- Vorstehers, der die Gemcindevertretcrsitzungen mehrfach so angesetzt hatte, datz der Vertreter der Sozialdemokratie nur unter Lohn- Verlust daran teilnehmen konnte, wurde Genosse N i c b u h r vom „Volksblatt für Halle" vom Landgericht Halle zu 266 M. Geldstrafe verurteilt. Die Presse vor der Nevisionsinslanz. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Genossen Petzold von der„Tri» büne" zu Erfurt, das ihn wegen eines Artikels„Ein Tode?» marsch" mit 366 M. Geldstrafe belegte. In dem Artikel, der im Mai 1968 erschien, war berichtet worden, datz bei dem Marsche des Koburger Regiments bei der grötzten Hitze ctne Anzahl Eol- baten erkrankt seien. Am Hitzschlag starben drei, fünf er» krankten schwer und zwölf leicht. Die Kritik, die die„Tribüne" an diesen Tatsachen übte, wurde als eine Beleidigung des Offizierlorps des Koburger Regiments angesehen. Soziales» Das Firmenschild. § 16a der Gewerbeordnung bestimmt, datz Gewerbetreibenden, die einen offenen Laden haben oder Gast- oder Schankwirtschaft betreiben, verpflichtet sind, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen Vornamen an der Außenseite oder am Eingang des Ladens oder der Wirtschaft anzubringen. Dagegen sollte sich der Schankwirt Neander vergangen haben. lieber dem Eingange des Lokals, für daS er die Konzession erhalten hatte, steht „Margarete Neander, vormals R. Backhaus". Margarete ist der Vorname der Frau des Angeklagten. Dieser bestritt, strafbar zu sein; seine Frau habe das Geschäft gekauft, folglich könne ihr Vor- ho, ne daran stehen. Das Landgericht Berlin verurteilte ihn jedoch, indem es jene Behauptung für unerheblich erachtete und ihn, den Konzessionsinhaber, als den Gewerbetreibenden ansah. Selbst wenn ihm ein Recht zugestanden hätte, die Firma„Margarete Neander. vormals Backhaus" zu führen, so hätte er doch seinen Namen anbringen müssen, weil er der Inhaber der Konzession war. Der 8 l3a der Gewerbeordnung sei erlassen, um Treu und Glauben im Verkehr zu schützen. Das Publikum solle wissen, mit wem es kontrahiere. Das Kammcrgericht wies gestern die Neviston des Angeklagten ab. Das Landgericht habe aus dem Umstände, datz Angeklagter In» haber der Konzcssion fei, gefolgert, datz ,er der GcwerbetreibendS sei. Dieser Schluß sei ohne Rechtsirrtum gezogen worden, GewcrhrcbaftUcbce. Deine Rede aber sei... Heber die Keckheit des christlichen Gewerkschaftsführers Engel, der beim Streik der Aluminiumarbeiter in Badisch- Rheinfelden mit den dort eingeheimsten Erfolgen sich selbst beiveihräuchern wollte, haben wir seinerzeit berichtet. Der Aufschneiderei Engels wurde damals ein starker Dämpfer durch den Badischen Landeskommissar aufgesetzt, der in öffent- lichcn Erklärungen dreimal nachwies, das; Engel die Leute anlog. Wer aber gedacht hätte, daß damit der Herr Engel zu etwas Verständigkeit und Wahrhaftigkeit erzogen worden wäre, der hatte sich schmählich geirrt. Jetzt reist der christliche Gewerkschaftsführer Engel in Ge- meinschast eines Gesinnungsgenossen Theken im Lande herum und verzapft weiter seinen Schwindel über angebliche „Erfolge" des Christlichen Metallarbeiterverbandes in diesem Streik und über die Streikverhandlungen, bei denen er kräftig mitgewirkt haben will. Verschiedene außerordentlich stark besuchte Metallarbeiter- Versammlungen, so in Singen a. H., Villingen und Furt- Wangen, die Engel unter dem Thema:„Der neueste Schurken- streich des sozialdemokratischen Metallarbeiterverbandes an- läßlich der Vorkommnisse in Badisch-Rheinfelden" einberief, haben mit diesem Gewerkschaftsführer gründlich ab- gerechnet. Aber er hat noch nicht genug und bleibt nach wie vor bei seinen unwahren Behauptungen. Er veröffentlichte jetzt in den Zeitungen, hauptsächlich in den Zeutrumsblättern, die Engel immer als ihren Schützling be- trachteten, Erklärungen, die von Beschimpfungen der freien Gewerkschaften strotzen. Jetzt hat ihm nun noch der badische Fabrikinspektor Bittmann einen Dämpfer aufgesetzt. Der Herr Fabrikinspektor veröffentlichte in der„Badischen Landeszeitung" folgende Erklärung in dieser Sache: „Der Bezirksleiter deS Christlichen Metallarbeiter-Verbandes Deiitschlands, Sekretariat Strasburg i. E., Herr Emil Engel, hol über die Beilegung des AuLstandes in Badisch-Rheinfelden Nach- richten veröffentlicht, die mit der objektiven Wahrheit in scharfem Widerspruch stehen und hat an seinen Be- Häuptlingen trotz der wiederholten amtlichen Richtigstellung von feiten des grotzherzoglichen Landeskoniniisjars snr die Kreise Konstanz, Billingen und Waldshut, Herrn Geheimen Ober- regiernngsrat Straub, in hartnäckiger Weise festgehalten. Dieses in der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung einzig dastehende Verhalten läßt zwei Möglichkeiten zu: entweder spricht Herr Engel mit dreister Stirn in bewußter Weise die Unwahrheit, oder er leidet an schweren Gedächtnis- ftörungen und Zwangsvorstellungen. Jedenfalls kann ich nach diesen und anderen mir bekannt gewordenen bedenklichen Gebarungen des Herrn Einil Engel ihn als einen verhandlungsfähigen Arbeiter« Vertreter nicht mehr anerkennen und lehne für die Zukunft jeden dienstlichen Verkehr mit ihm ab. Karlsruhe, 23. Oktober lS09. Der Vorstand der Grotzherzogl. Fabrikinspektion. D i t t m a n n. Ob nun die christliche Unverschämtheit des Herrn Engel endlich gedämpft ist? Nach den bisherigen Proben seiner Wahrheitsliebe ist darauf nicht zu hoffen. Ein Gewerkschafts- führer aber, der sich zu wiederholten Malen in der Art öffent- lich der Unwahrheit zeihen lassen muß, hat als Arbeiter- Vertreter seine Nolle ausgespielt, und eine Gelverkschaft, die solche Herren noch decken will, verdient die gleiche Wert- schätzuug. Berlin und Umgegend. Achtung, Stukkateure! Am 1. November tritt die Position 13 der allgemeinen Bestimmungen des Tarifvertrages in Kraft, nach der„die Arbeitsräume möglichst zugsicher und srostfrei herzustellen sind und das Arbeiten bei offenen Koksfeuern verboten ist". Wir ersuchen die Kollegen, schon jetzt bei ihren Arbeitgebern und den betreffenden Bauherren dahin vorstellig zu werden. Wer am 1. November durch Nichtinnehaltung obiger Position des Tarif- Vertrages arbeitslos wird, hat sich im Verbandsbureau zu melden. Die Ortsverwaltung. Oeutfcbes Reich. Warnung an auswandernde Bergarbeiter. Aus dem Verbandsbureau des Bergarbeiterverbandes wird uns geschrieben: Vielfach ist den Arbeitern angeraten worden, nicht den Lockungen gewissenloser Werbeagenten zu folgen, vornehmlich, wenn für Amerika Bergarbeiter angeworben werden. Noch jetzt treiben sich im Ruhrbcckcn und anderSwo Agenten umher, um Arbeiter nach Kanada und nach Glasebey lHowaScotia) in Amerika zu locken. In beiden Distrikten befinden sich die Bergarbeiterim Streik. Deutsche Bergarbeiter sollen also zu Streikbrechern werden. Um sie so weit zu bringen, werden die verlockendsten Versprechen gemacht, die felbstverständlich nicht eingehalten werden. Im Gegenteil. Angeworbene deutsche Bergarbeiter, die die Mahnungen in den Wind schlugen, be- richten uns jetzt über das Elend, in das sie hineingeraten sind. Sie müssen, so schreiben sie uns. trotz langer Arbeitszeit förmlich Hunger leiden, und sie werden wie Sklaven und Zuchthäusler behandelt. Nur wieder fort, aber wie?— Ter Verband kann nicht helfen; er hat dringend vor der Auswanderung gewarnt. Darum haben die betrogenen Bergarbeiter ihre Lage selbst verschuldet. Wir raten daher unseren Kameraden nochmals dringend, den Lockungen solcher Werbeagenten nicht Folge zu leisten, sondern ihnen ganz energisch die Tür zu weisen. Wer sich nicht mutwilligerweise ins Elend stürzen will, der befolge unseren dringenden Rat. Die Differenzen zwischen den Arbeitern und der Betriebsleitung der U n i o n g i e tz e r e i in Königsberg sind beigelegt. Die Dreher in den mechanischen Werkstätten wollten am vergangene» Sonnabend nach bei den übrigen Arbeitern des Fabriketablisscments eingeholter Zustimmung ihre' Tätigkeit einstellen, weil die Betriebsleitung für eine friedliche Lösung bestehender Fragen über Lohn und Arbeits- Verhältnisse nicht zu haben war. Als die Verwaltung am Sonnabendfrüh zu erfahren bekam, daß es den Drehern mit der Arbeitseinstellung bitter ernst war. zog sie andere Saiten auf, wußte sie doch, daß die Untätigkeit der Dreherei den ganzen Betrieb innerhalb weniger Tage lahmlegen mußte. Nur 30 Minuten ruhte in den mechanischen Werkstätten die Arbeit. Das Personal hatte die Union noch nicht verlassen, da bequemten sich die„Herren im Hause" endlich zu Verhandlungen. Da sich Herr Kommerzienrat Radock, der erste Leiter der Union, auf Reisen befindet, wurde unter folgenden Bedingungen einstweilen ein Waffenstillstand geschlossen:„Die Verwaltung übernimmt die Garantie: 1. daß bis zur Rückkehr des Herrn Kommerzienrats Radock niemand unter dem Vorwand von Arbeitsmangel entlassen wird, 2. daß weder PrciSveränderungen noch Wechsel der Arbeits- Plätze stattfinden, 3. daß sofort nach Rückkehr des Herrn Kommerziell- rats in Verhandlungen eingetreten wird." Die einmütige Eni- schlosienheit der Arbeiter zwang also endlich die Verwaltung, Rede und Antwort zu stehen; alle Schriftsätze der Arbeiter an die Direktion waren unbeantwortet geblieben. In der Pfeisenfabrik von Gebr. THiem in WalterShausen i. Th. drohen ernste Differenzen auszubrechen. Die Arbeiter haben geringe Forderungen gestellt, die vom Unternehmer zum größten Teil ab- gelehnt worden sind. Wie notwendig eine Aufbefferung wäre, be- weist der Umstand, daß mit wenig Ausnahmen der Lohn im Durch- schnitt 18 M..beträgt. Es kommen aber auch noch viel niedrigere Löbne vor. Die Firma scheint sich zum Kampf einzurichten, denn noch sind die Verhandlungen nicht abgebrochen und schon ist die Firma auf der Suche nach Arbeitswilligen.— Wer nicht um eine böse Er- fahrung reicher von Waltershausen abziehen will, gehe erst gar nicht hin. In den Waggonfabriken in Bautzen ist sämtlichen Stellmachern und Maschinenarbeitern gekündigt worden, weil sie einen zuin dritten Male reduzierten Tarif nicht annehmen wollen. Es wird gebeten, Zuzug strengstens fernzuhalten._ Der Streik in Mansfeld. Dr. D i t t r i ch, Oberbürgermeister von Leipzig, und Vorsitzender des Aufsichtsrates der ManSfelder Gewerkschaft, den die Streikleitung nochmals um Vermittelung gebeten hat, teilte telegraphisch mit, daß er bedauere verhindert zu sein. Von diesem „liberalen" Oberbürgermeister, der in seiner mündlichen Unter- Handlung mit der Streikdeputation erklärte, daß er persönlich, als Privatmann, nichts gegen die Organisationszugehörigkeit der Bergleute einzuwenden habe, hatten die Streikenden erwartet, er werde auch im Aufsichtsrat, als dessen Vorsitzender, seine Person- liehe Privatmeinung dahin geltend machen und dafür sorgen, daß den Bergarbeitern das Koalitionsrecht zugestanden und dann der Streik abgebrochen werde. Es scheint nunmehr, als ob in der Brust dieses„liberalen" Oberbürgermeisters, zwei Seelen wohnen, eine persönliche, rein private Seele, die auch Arbeitern gesetzliche Rechte zuerkennt, und eine kapitalistische Aufsichtsratsseele, die von solchen Rechten nichts wissen will. Diese Aufsichtsratsseele beherrscht aber den Menschen Dittrich so sehr, daß seine bessere, „private" Seele schweigen muß. Jedenfalls ist, nachdem auch dieser Versuch fehlgeschlagen, jede Hoffnung geschwunden, durch das Eingreifen eines mächtigen und dazu noch„sozial- politisch" so„fortschrittlichen" Mannes, wie Herr Dr. Dittrich, auf gütlicher, für beide Teile angenehmer Grundlage Frieden zu schließen, und so muß der Kampf entscheiden! Die Maschinengewehre, die vor den Toren der Kupferkammerhütte bei Hettstedt Verderben ankündend nach Hett- stedt und Molmek geschaut, hat man tags über jetzt eingezogen, schleppt sie jedoch zum Schichtwechsel immer noch hinaus, wohl um die Feierlichkeit der Situation zu erhöhen. Sonst führt das Militär im Streikgebiet ein recht trauriges Leben; es stirbt fast vor lauter Langeweile! Alle Straßen sind leer, nur eine Militär- Patrouille begegnet der anderen, und die Soldaten wiffen selbst nicht, warum sie umhergejagt werden. Die Herren Leutnants fangen die Ordnungsmänner der Bergleute und befehlen ihnen, die weißen Armbinden abzunehmen, was auch prompt geschieht. Aber ebenso prompt werden sie nachher wieder angelegt. Einige Offiziere haben sich schon an die weißen Armbinden gewöhnt und der Anblick derselben macht sie nicht mehr nervös. Das Bürger- tum, das sehr wohl weiß, daß das dicke Ende erst im nächst- jährigen Steuerzettel nachkommt, ist äußerst empört, und man droht mit Bürgerversammlungen, in denen Protest erhoben und der sofortige Abzug des Militärs gefordert werden soll. Bisher weiß noch kein Mensch, warum das Militär eigentlich requiriert wurde, da doch keinerlei Ausschreitungen vorgekommen sind. Das alberne Gerücht, die Streikenden wollten eine Brücke und die Obcrberg- und Hüttendirektion mit Herrn Vogelsang in die Luft sprengen, dürfte doch ernste Männer nicht so ins Bockshorn gejagt haben, daß sie gleich vier Garnisonen alarmieren! Herr Vogelsang selbst lehnt die Verantwortung für die Heran- ziehung des Militärs ab, denn nach Zeitungsbemerkungen hat er erklärt, die Gewerkschaft habe kein Militär verlangt, das habe der Landrat von Mansfeld bestellt. Eine Wirkung auf die Streikenden hat es nicht ausgeübt, höchstens die, daß die Er- bitterung nur noch gesteigert wurde und die Zahl der Ausständigen täglich zunimmt. Während sonst sich alles wieder im alten Gleise weiter be- wegt, die Streikposten ihre Funktionen versehen, ohne weiter be- lästigt zu werden, geht der Oberwachtmeister Nagel von Eis- leben, der zuletzt auf der Straße Siersleben nach dem Paul- schacht die„Ordnung" aufrecht erhält, äußerst schneidig vor. Er fordert die Gendarmen zum rücksichtslosesten Vorgehen auf, schimpft auf die Streikposten, verhaftet jeden, der ihm widerspricht, und führt sie zum Obersteiger Zobel, der sie aufnotiert, worauf die Leute dann entlassen werden! DaS Hinschleppen zum Ober- steiger Zobel kann nur den Zweck haben, die Leute zur Maß- regelung zu empfehlen, sie förmlich dem Henker auszuliefern, weil sie tun, was ihnen das Gesetz zu tun erlaubt. Dafür leben wir in einem— Rechtsstaat. Wo alles für die Gewerkschaft eintritt, können auch die Herren Amtmänner nicht zurückstehen. Der Ortsvorsteher Bartsch von Helfta erklärte, als ihm eine Frauenversammlung angemeldet wurde, daß er die Erlaubnis nur erteile, wenn die Versammlung schriftlich angemeldet würde und wenn er sich davon überzeugt habe, daß er Beamten genug habe, dieselbe ordnungsgemäß überwachen zu lassen. Er mußte sich allerdings schnell darüber belehren lassen, daß er überhaupt nichts zu„genehmige n", sondern nur zu bescheinigen habe. Der Amtmann von Creisfeld verstand es noch besser. Er schrieb eigenhändig unter die Anmeldebescheinigung für eine Frauenversammlung in Ziegelrode: „Zu vorstehender Versammlung erteile ich hierdurch bis(b) fünf Uhr nachmittags die Genehmigung. Creisfeld. den 22. Oktober 1k>09. von Doetinchen." Der adelige GesetzeShüter mußte sich gefallen lassen, daß die Versammlung, auch ohne seine„Genehmigung"", bis über b Uhr tagte, eben so lange, als notwendig. Die Heizer, Werkzeugschlosser, Dreher und alle sonstigen bei der Firma R. Hendrichs, Schraubenfabrik, in Solingen beschäftigten Arbeiter, mit Ausnahme der jugendlichen, haben am Montag früh die Arbeit niedergelegt. Grund der Arbeits- niederlegung sind die fortwährenden Lohnabzüge und ein un- würiges Strafgeldersystem._ Ein heimtückisches System der Verleumdung wird von freisinniger Seite gegen die Nürnberger Arbeiter- bewegung ins Werk gesetzt. Der„Fränkische Kurier", das Haupt- organ des Freisinns in Aahern.bringt am Dienstag wieder eine solche Lügennotiz, die wahrscheinlich ihren Weg durch die gesamte Scharfmacherpresse machen wird. Es wird da behauptet, daß die Vorgänge beim Streik der Zelluloidarbeiter sich auch bei der vor einigen Tagen verfügten Aussperrung der Mühlenarbeiter wieder- holen. Arbeitswillige Mühlburschen seien vor der Bauriedlschen Kunstmühle von ausgesperrten Mühlenarbeitern mit Prügeln ge- schlagen worden, so daß die Polizei einschreiten und die Straße säubern mußte, in der sich 15l> Personen angesammelt hätten.— An dieser ganzen Geschichte ist kein wahres Wort. Es sind bis jetzt überhaupt keine Streikbrecher zu verzeichnen; die Polizei selbst weiß nicht da? geringste von einem derartigen Auftritt. In ganz Nürnberg sind nur 28 ausgesperrte Mühlenarbeiter vor- Händen, die acht Betriebe zu überwachen haben. In diesen Lügennotizen, die auch beim Zelluloidarbeiterstreik fortgesetzt auf- tauchten, liegt System. Sie haben den Zweck, Neugierige an- zulockcn und Ansammlungen hervorzurufen, die dann von der Polizei mit dem berühmten Geschick zerstreut werden. Kommt dabei irgendetwas vor, so wird es den Streikenden in die Schuhe geschoben. Dann bekommt der Freisinn die willkommene Gelegenheit, über den„sozialdemokratischen Terrorismus" zu zetern und im Parlament großmächtige Interpellationen los- zulassen. Nustand. Die New Dorker Kuchenbäcker streiken. Sie haben von dein Ver- band der Unternehmer verlangt, daß von Mitte Okiober ob der Minimallohn, der jetzt pro Woche IS Dollar beträgt, um 1 Dollar (4,15 Mark) erhöht werde. Die Unternehmer hatten daraus als Am- wort neue Maschinen überall in Dienst gestellt und glaubten damit eine abschreckende Wirkung aus die Arbeiter ausüben zu können. Diese aber beteiligten sich massenhaft an dem Streik und in einigen großen Bäckereien sind ihre Forderungen schon anerkannt worden._ flu$ dem ftlaistkampf in den dlaistkampf! Gcmeindewähler-Versammlungen, wie die 15 am DienStagabenl». hat Berlin noch nicht gesehen. Noch zitterte bei den Erschienenen die Erregung des Kampfes um die vier Berliner LandtagSmandate nach, über dessen Ergebnis ja nur Vermutungen, wenn auch frohe Vermutungen, bestanden. Noch war das Resultat dieser Wahlen nicht bekannt. Und indem man herbeieilte, diese? Resultat zu erfahren, traf man gleichzeitig Vorbereitungen dem Gegner, mit dem man eben noch gerungen, eine neue Schlappe im Stadtverordnetenparlamente beizubringen. Die Säle— eS waren nicht die kleinsten Berlins— konnten die Tausenden der Er» schiencnen nicht fassen. Vielfach wurde schon um 8 Uhr, eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn der Ver» sammlungen, zur Absperrung geschritten. Die, welche die Tür verschlossen fanden, wogten in dem heiteren, aber kalten Oktoberwetter in Massen auf und ab, hofften sie doch. nach Schluß der Versammlungen von den Glücklicheren, die in drangvoll fürchterlicher Enge in die Säle gekeilt waren, zum mindesten etwas von dem Resultat der Landtagswahl zu erfahren. In Scharen waren auch die Beamten der Polizei wieder erschienen, übten aber diesmal eine ungewohnte Zurückhaltung, so daß es zu Szenen wie gelegentlich der Ferrer-Versammlnngen nicht kam. Die Redner fanden natürlich bei den Erschienenen, die zum großen Teil eben dem Freisinn durch Stimmzettel eine Quittung über seine politische Unfähigkeit und seine Waschlappigkeir bei Ver» lretrmg aller Volks- und freiheitlichen Interessen ausgestellt halten, einen guten Rcsonnanzboden für ihre Kritik am Verhalten des Kommunal-LiberalismuS. Redner»md Zuhörer standen im besten Kontakt und gern bezwang man so die Ungeduld, mit der der Ver- kündung des LandtagSwahlresultateS entgegengesehen wurde. Jubelnd stimmte man überall den Rednern zu. Inzwischen hatte die Wahlleitung der Partei die Resultate der LandtagSnachwahlen zusammengestellt. Boten trugen sie eilend den Versammlungen zu und der mit Spannung erwartete Augenblick war gekommen, wo endlich Gewißheit darüber geschaffen werden konnte, ob der schändliche Mandatraub deS LandtagS-SchnapSblockS gelungen oder ob er abgeschlagen sei. Er war zurückgeschlagen! In der Brauerei Königstadt, wo in einem kleinen Nebenraume Herr Rektor K o p s ch es fertig brachte, 35 erschienenen Freisinnsgetreuen im Angesichte von Tausenden der zugleich tagenden Sozial» demokratcn zu sagen, diese bildeten ja doch eigentlich nur eine kleine Minderheit aller Wähler, durchdonnerte plötzlich brausender Jubel das ganze HauS!„Der fünfte Landtags» Wahlbezirk ist gewonnen I B o r g m a u n ist gewählt!' hieß eS. Der sechste und siebente sind gewonnen, H e i m a n n und Hirsch sind ebenfalls gewählt! Nur vom zwölften Bezirk, dem hart um» stritlenen Wahlkreis, den Adolf Hoffman» bisher vertreten hat, konnte ein zuverlässiges Resultat nicht mitgeteilt werden. Immerhin, auch ohne genaue Ziffern: aussichtsvolle Stichwahl schien gewiß. Bei Lilfin in der Memeler Straße hatte die Menge daS Lokal bereits mit die'cr Auskunft verlassen, der Saal war geleert. Da kommt ein Radfahrer herbei: der Bote mit dem Resultat des 12. Landtagswahlkreises. Wie auf Kommando kehrt alles um, der eben leere Saal ist wieder stockend voll. Aber da? „genaue" Resultat, das der schnell noch einmal eröffneten Ver» sammlung mitgeteilt werden konnte, war kein anderes, als daS bekannte. So gingen denn die versammelten überall auseinander, ohne Pause aus dem Landtags-Wahlkampf in den Kommunal-Wahlkampf, KampfeSmut, Kampfesbegeisterung auf allen Gesichtern, kein Miß» mut, keine Wahlmüdigkeit war bemerkbar, nur die eine Klage schwebte aus vielen Lippen:»Warum haben wir nicht auch noch eine Reichstagswahl?!' Versammlungen. Tie Ballschuhmacher hielten am 18. d. M. bei Bocker, Weber» straße 17, eine gut besuchte Versammlung ab. Nach einem beifällig aufgenommenen Vortrag des Kollegen Herrmann über:„Die tech» nische Entwickelung in der Schuhmacherei", entspann sich eine rege Diskussion über die Verhältnisse in der Ball- und Reiseschuh» industrie. Aus der Debatte ging hervor, daß während der schlechten Konjunktur eine ganze Anzahl Fabrikanten versuchten, die Lohn» bedingungxn zu verschlechtern. In einer Reihe von Fällen, wo eS den Kollegen an der notwendigen Geschlossenheit mangelte, sind auch teilweise Lohnreduzierungen durchgeführt worden. Zum erheblichen Teil werden die Reiseschuhe schon mittels Wende- Maschinen hergestellt. Es wurde allseitig betont, daß die gegen» wältige günstigere Geschäftslage in der Ballschuhmacherei dazu be» nutzt werden müsse, um die Verschlechterungen wieder auszumerzen. Die Versammlung wählte zu diesem Zweck eine Kommission, der Vertreter aller Fabriken angehören. Diese Kommission soll zu- nächst in Gemeinschaft mit der Ortsvcrwaltung eine rege Agitation unter den Ball- und Reiseschuharbeitern entfalten. Letzte IVacbncbtcn und Dcpcfcbcn» Zur Münchener Sprengstoffaffäre. Muumcii, 27. Oktober.(W. T. B.) Der in der Sprengstoff- affäre verhaftete Klavierspieler Karl Schultze ist geständig, während der Wegnahme des staatlichen Hoheitszeichens, des Amtsschildcs, am spanischen Konsulat an Ort und Stelle gewesen zu sein. Er ist auch als eifriger anarchistischer Agitator unter dem Namen Morax in der anarchistischen Presse bekannt. AuS der Reichöduma. Petersburg, 27. Oktober.(W. T. B.) Reichsduma. In der heutigen Abendsitzung brachte die Arbcitergruppe eine Jnter- pellation an den Minister des Innern ein darüber, daß in den Bibliotheken der Rcichsduma und des Reichsrates in gesetzwidriger Weise einige ausländische Zeitschriften nicht zugelassen würden. Der Antrag wurde einer Kommission überwiesen, nachdem die Dringlichkeit abgelehnt worden war. Verantw. Redakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.:>!h.Glocke,Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstakt Paul Singer Lc Co., Berlin L�V. Hierzu 3 Beilagen u.UntcrhattungSbl. Ot.252. N. Aahrgmg. 1. Ktilize ks Jmsitls" iitdiiict ilolliBlilatl. I«N»sIag, 28.(BkWtt 1909. Die klohmelche Bildnis vor dem Scbwurgericöt. Altona, 27. Oktober. In der heutigen Sitznng wird der frühere Zögling der Blohme- fchen Wildnis Helene Beh» vernommen. Sie ist von Kolander de- sonders grausam misthandelt und macht heute einen halb der- blödeten Eindruck. Sie ist deshalb, wiewohl sie im Vorprozetz Unwahres zugunsten Kalanders bekundete, nicht unter Anklage ge- stellt und wird unvereidet vernommen. Kolander hat sie gezwungen, als sie infolge eines Darmleidens den Saal verunreinigte, den Kot mit dem Mund aufzunehmen. Geschlagen ist sie unter andern:, weil sie nicht nähen konnte, auch weil ihr das Lesen und Schreiben schwer fiel. Bei der Misthandlung ist ein fingerdicker Peitschen- stiel benutzt, sie auch öfters mit einer Kette gefesselt worden. Ein- nwl hat sie drei Tage lang im Arrest zubringen müssen, ohne Essen zu erhalten. Vor der Jtzehoer Strafkammer, erklärt sie, sie hat sich aus Furcht vor Kolander nicht getraut, die Wahrheit zu sagen. Kolander habe sie in sein Geschäftszimmer gerufen und ihr erklärt, sie dürfe nur Gutes für ihn aussagen. Nach dem ersten VerHand- lungstermin in Itzehoe sei Kolander mit den Mädchen untergefaßt gegangen, habe Lieder gesungen und die Mädchen aufgefordert, zu seine» Gunsten auszusagen. Geheimer Medizinalrat Heiling-Glückstadt sollte die Pflege der Zöglinge in der Anstalt beaufsichtigen und wird jetzt als Sach- verständiger vernommen. Der auffallenden Tatsache gegenüber, dast er von den haarsträubenden Misthandlungen nichts gemerkt hat und nicht einmal untersucht hat, ob die schnell hintereinander erfolgten ö Todesfälle in der Anstalt auf Einrichtungen derselben zurückzuführen sind, gibt der Sachverständige allein die Erklärung: Ich habe mich um die Einrichtungen der Anstalt nicht gekümmert, und aus den Vorhalt eines Verteidigers: Vorschriften darüber, ob ich die Einrichtungen aus Anlast der Todesfälle mithätte ansehen müssen, lasse ich mir nicht von jedem machen. Der Sachverständige hält die Angeklagten mit Ausnahme der Talkowski für vollständig geistig normal. Ein zweiter Sachverständiger, Medizinalrat Neid- Hard-Altona ist der Ansicht, dast die Vehn nicht zurechnungsfähig, die Talkowski schwachsinnig, die übrigen Mädchen� zurechnungsfähig, aber geistig minderwertig sind. Den Unterschied zwischen Eid und Meineid könnten sie nicht einsehen. Eine Zeugin Brüggemann fällt wahrend ihrer Vernehmung in Ohnmacht. Nachdem sie sich erholt hat, bekundet sie, dast sie im Asyl häufig geschlagen ist. Bei den schwersten Arbeiten durften die Mädchen nicht niederknien, sonst erhielten sie Prügel. Von Kolander wurde sie in Arrest gesteckt und mit einem Weidenstock geschlagen. Me Reinkcs wurde in Ketten gelegt und mit einem Peitschenstock bearbeitet. Die Behn wurde einmal, das Gesicht mit Kot beschmiert, in den gemeinschaftlichen Saal geführt usw. Marie Schwiede, ine Helferin des Kolander bei seinen Mist- Handlungen, hat die ihr auferlegte Gefängnisstrafe von 14 Tagen wegen Beihilfe zu den Mihhandlungen verbüht. Sie bekundet eine Reihe von Misthandlungsfällen so, wie sie von den Angeklagten bereits geschildert waren und erklärt: wenn sie misthandelt habe, so habe sie das auf Befehl Kalanders getan. Der Staatsanwalt betonte den Versuchen der Verteidigung und des zuerst vernommenen Sachverständigen gegenüber, die Mädchen als moralisch verkommen zu kennzeichnen: Diese Mädchen sind nicht alle über einen Kamm zu scheren. Die Menzel z. B. ist nicht ins Asyl gekommen, weil sie selbst etwas getan hat, sondern weil ihre Eltern nicht kür eine gute Erziehung sorgten. Die ehemalige Fürsorgezögling Schwiede bekundet: sie hatte Gitie Art Vertrauensstellung im Asyl. Es wäre sehr viel geschlagen. 'Auch sie habe auf GeHeist Kalanders wiederholt geschlagen. Die Misthandlungen geschahen in folgender Weise: Die Mädchen mußten sich nackt ausziehen, über die Bettstelle legen und dann wurden sie von der Zeugin oder einer anderen in Gegenwart des Vorstehers und seiner Frau geschlagen, und zwar entweder mit der Keule eines Peitschcnstocks oder mit einem langen Rohrstock. Unter den Mädchen sei davon gesprochen, dast man die Sache zur Anzeige bringen müsse. Aus Furcht haben sie dies aber unterlassen. Der frühere Fürsorgezögling Dunkel bekundet, dast sie wiederholt ge- schlagen und in das Arrestlokal hineingebracht ist. Ein Mädchen wurde gezwungen, aus dem ungereinigten Nachtgeschirr Kaffee zu trinken. Kolander bestreitet dies lebhaft. Indessen wird ihm von der Zeugin und einer Reihe Angeklagten vorgehalten, dast dies doch wahr sei, ferner, dast er ein Mädchen an den Haaren gezogen und dabei geschlagen hak«. Die gestern vernommene jetzige Vorsteherin Fräulein Franke legt die Kleines feuilUron. Ein Opfer beS MarS. Aus Paris wird berichtet: Die Sehn» sucht der Astronomen, die in rastloser stiller Arbeit danach ringen, dem geheimnisvollen Planeten MarS seine Rätsel zu entreisten, hat ein tragisches Opfer gefordert: der bekannte französische Astronom Prof. I o s u ö mutzte am Sonnabend aus dem Saale der Akademie der Wissenschaften, wo er einen Vortrag hielt, geradenwegs ins Irrenhaus überführt werden. Prof. Josuö hatte sich in den letzten Jahren speziell dem MarSstudium zugewandt und Veröffent- lichte umfassende Arbeiten über die Marskanäle, über die Schwere und Grösse des Planeten, über die atmosphärischen Bedingungen und die Jahreszeiten am MarS. Wie Eros und Pickering kam auch Joinö schliesslich zu der lleberzeugung, dast man mit Hilfe genügend grosser Spiegel Lichtsignale nüt dem Mars tauschen können müsse. In diesen Herbsttagen kam der Mars bekanntlich der Erde sehr nahe. Prof. Josuö begann bereits vor Jahresfrist seine Vorbereitungen. liest einen grossen parabolischen Spiegel herstellen, auch eine elektrische Fabrik wurde eigens für das Licht errichtet. Der Gelehrte opferte sein ganzes Vermögen. Seit Monaten verbrachte Josuö seine Stunden an seinem parabolischen Spiegel. Mit ein wenig erstaunter Erleichterung erfuhr inan dann, dast er für die nächste AlademiesiZung einen Vortrag angesagt hatte über„den gegenwärtigen Stand des Verkehr? mit dem Planeten Mars". Mai: kannte Josuö als einen skrupelvolle» und äusserst gewissenhaften Forscher und war auf seine Ausführungen sehr gespannt. Vor einem schweigenden Auditonuin erhob sich auch Prof. Josuö und begann seinen Vortrag mit den Worten:„Meine Herren, ich hatte an die Möglichkeit geglaubt, mit dem Planeten Mars in Verbindung treten zu können. Ich � habe mich geirrt". Er teilte nun in logisch gegliederter Rede die Er- gebnisse seiner jüngsten Beobachtungen mit. Aber plötzlich spürte man, wie die klaren Gedankengänge des Gelehrten verwirrte». phantastische Vorstellungen sprühten auf und swliesslich stand er da und erzäolte von einem Telegramm vom Mars, das er er- halten habe» wollte:„Vom Mars zur Erde. Werdet Ihr endlich aufhören, uns mit Euren Lichtsignalen zu belästigen? Sagt es Euch doch selbst, ein für alle Mal, wir können sie nicht sehen, denn wir haben keine Augen!" Der Sekretär näherte sich nun dem Redner, flüsterte ihm etwas zu und inmitten eines dunipfen, schmerz- lichen Schweigens führte man den greisen Gelehrten aus dein Saal. Wenige Minuten später brachten zwei Aerzte ihn ins Irrenhaus. Den parabolischen Spiegel aber hat ein findiger Impresario gekauft. Theater. Charlottenburger Schiller- Theater:»Der Schwur der Treue". Lustspiel von Oskar Blumenthal. Das zuerst im königlichen Schauspielhause aufgeführte Versspiel fand Sirafwösche. die bestrafte Mädchen auf GeHeist Kolandes haben tragen müssen. aus dem Gerichlstisch nieder. Die Jacke dieser Wäsche besteht aus einem primitiv gearbeiteten Zuckerinck, auf dem noch der Stempel yer Fabrik zu sehen ist. Dazu gehört eine gleichfalls aus grober Sackleinewand gefertiote Hose und Strümpfe, die aus allerlei Flickwerk zusammengesetzt sind. Eine gleichfalls aus bunten Flicken zusammengesetzte Bluse vervollständigt die Wäsche. Die Bluse trägt die Aufschrift:..Blohmesche Wildnis". Dieses lNartcr- zeug haben Mädchen acht Wochen hindurch, bis die Wäsche zer- rissen war, tragen müssen. Die gepeinigten Kinder muhten beim Tragen der Wäsche Rcdcwcnduitgen wie:„Ich bin ein dummer Esel",„ich bin der Wursifabrikant",„ich bin der Monteur" und dergl. hersagen. Aus den Vorhalt des Borsitzenden an Kolander, ob das etwa auch ein Erziehungsmittel gewesen sei? entgegnete Kolander, das sei Spaß gewesen und bleibt bei dieser kühnen Aus- rede trotz aller Vorhallungen. Eine Reihe weiterer sriihercr Fürsorgezöglinge, die teilweise inzwischen geheiratet haben, bekunden noch eine Reihe grober Mist- Handlungen. Einen erschütternden Eindruck machten die Aus- sagen der Mutter und der Schwester eines verstorbenen Zöglings: Das Kind war gesund ins Asyl gekommen und ist an der Schwind- sucht verstorben. Der strikte Nachweis, daß die empörende BeHand- lung durch Kolander den Tod verursacht hat, liest sich infolge der jammervollen Revision der Anstalt leider nicht erbringen. Der Prozeß gegen den frömmelnden, sich als„Patriot" ge- bürdenden Hausvater geht heute weiter. für den ichivediichen Lenerssstreill. Bei der Berliner GewerkschaftSkommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: Küchcnmöbelsabrik Jakobowitz, 7. Rate 12,25. I Egoisten 4,—. Hilss- arbeiter des„Vorwärts" Werkabt.. 8. Rate t'!.25. Bez. 217 T. III', Kr. 7,—. Verband der Dachdecker, Fil. Berlin 73,81. Dachdecker b. Fa. Weidlich u. Zirucr 5.00. 6513 Bauhilfsarbeiter 3,75. 11917 Setzer u. Drucker von Langeuscheidt 12.10. Bez. 404 II. T., 4. Kr. 2. Rate 10,—. Pianosabrik G Hotfniann 3,75. 3993 Bez. 20o, Rixdors 3,35. Zuckerfack, Salzuser 4,50. Tischlerei Sauerwebi, 4. Rate 18,05. Mobelpolierer v. Klug 7,—. Bau- lischlcr v H. Kühn, 4. Rate 7,75. Töpscr o. Bau Bäcker, Karlshorst 6,—. Färberei Gebr. Altcnbcrg 5,—. Georg Stiller, Kupferschmied 2.05. 8s. Bezirk Schönebcrg 3,—. Verlag und Erpeditioii„Volksbote", Stettin 340,—. Kartell Köpenick auj folgende Liften: 2816 17,35, 2806 8,90, 2817 2,-, 2815 l,10. 2837 4,30, 2811 6.85. 2813 0,95, 2808 0.95. 2814 4,30 /, Do,» 52 PL Dom, Inhalt QC S Stück»O PL Dos« 75 PL Glas 25 PL Glas 25 PL 50« Glas 38 Pf. Für diese Woche: soweit der Vorrat reicht: Junge Schoten extr v*"So« 90, v. 50«-?. Junge Schoten I>'/iv°'»52, v. 32 rs. Junge Schoten lV-/i°o««36 r* Riesen-Stanosnspargel v, d«»« i.30, v, 00»« 95 pt. Stangenspargel extra stark Vi Dose 1.65, Vz Dose 88 Pf. Stangenspargel lllv,Do»e 1.io,v,°°-°60 pf. Riesen-Bruchspargel& 1.35 Bruchspargel I v. 1 00 Bruchspargel W. v. 0°.° 10, v, 0°-- 40 pr. Preisseibeeren v. oo-e 58 pf.' Marmelade u�Äge'�T*; J!h.an.n,.8bw 35 pr. FLEISCHWAREN LandSChinken ca.8— 12 Pfd. schwer Pfund I.IOMk. Gänsebrust.............. Pfund 1.45 Schinkenspeck........... ptund l.ooMk. Zervelatwurst............ Pfund l.iowk. Salamiwurst.............. Pfund l.isMk. Teewurst................ pfundl.iswk. Hallesche Leberwurst— Pfund l.oowk. Feine Leberwurst......... Pfund 95 pf. Landleberwurst........... ptund 90 pf. Jagdwurst.................... 90-f. Rotwurst.............. ptund 45, 65 pf. Fleisch-Roulade...... oose ca. 2 Pfund 1.35 Kassel. Rippespeer f 80, 90■ GEFLÜGEL Oderbrucher Gänse....... Pfund 53 pf. Gänse................. Pfund 55, 65 pf. Enten................. swek 2.35, 2.65 Brathühner...... stück l.io, 1.25, 1.55 Suppenhühner... stock 1.65, 1.85, 2.io MOSELWEIN Ober-Moseler 1906 er Maringen Wolfer 1907' Vi Flasche 60 FL Vi Flasche 90 Pf. Vi Flasche 1.00 1906er Trabener«/.piMch. I.20 1906 er Wolfer Goldgrub Vi Flasche 1 ,70 1906 er Berncastler Altenwald Wachstum: Steuerinspektor Gerber Vi Flasche 1.90 1903 er Piesporter Pudt/r1 �Lch. 2.oo Wachstum Reichsgräfl. von Kesselstadt'sche Vorwaltung 1906er Cueser Weissenstein Fuder 5, Wachstum Hospital Cu«s, Vi Flasche 2.30 RHEINWEIN 1906« Ockenheimer vi Flasche 75« 1907« Eckelsheimer v. nasche 90 pf. 1907" Jugenheimer v.Fi«»ehe 1.oo 1905« Rüdesheimer«/. nasche I.20 1906« Niersteiner Scheinbügel Vi nasche 1.45 1904« Niersteiner Heiligenbaum Vi Flasche 1 ,70 1904« Rüdesheimer Engerweg Vi Flasche 1.90 1904" Johannisberger Wachstum P, H. roa Mumm Vi nasch« 3.00 BORDEAUXWEIN 1906' 1905" 1904« 1904" Premier Artisans de Blaye Vi nasche 90 Pf. Chat. Tqjean v. nasch, l.oo Chäteau Larrivaux, Cissac Vi Flasche 1.15 Chäteau La Tour de Möns pand vin, Margoauz'/i Flasche 1.30 1904« Chäteau du Tertre grand vin, St. Emilion Vi Flasche 1.50 1904« Chät. Figeac VS 1.80 1904« Chäteau Palmer Cantenac Margeauz Vi nasche 2,00 1904" Chät. Pichon Longueville grand vin, FauOlae Vi nasche 2,50 Engl. Porter nasche 38 pt. Imperial Staut Kraftmalzbier nasche 40 pf. Tiroler Äpfel..... Pfund 12 pf. Tiroler Edelobst Tafeläpfel I» Ä 33 pf. Grosse Kochäpfel.Pfund 12 pf. Kochbirnen........ Pfund 6 pf. Bücklinge 45 Kiste ca. 26 Stück Pf. ke» Ar. 252. 26. Iahrgavg. 2. Itilngt Ks„ Donnttstüg, 28. Vktow l96S. Partei- Angelegenheiten. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins nnd Umgegend. Am Freitag, den 29. Oktober. 8 Uhr abends, beginnen die Vorträge des Genossen Max Grunwald über„Theorie und Geschichte des modernen Sozialismus" in Ballschmieders Sälen, Badstraße 16. Eintrittskarte» sind in den Kreis Wahlvereins- bureaus, bei den Bezirks führe rn und vor Beginn der Vorträge im Lokal für die Mitglieder in Bereitschaft. Zahlreiche Beteiligung erwartet _ Ter Zentralvorstand. Zossen. Am Sonntag, den 31. Oktober, nachmittags 6 Uhr findet im Lokal des Genossen P. Kurzner eine Volksversammlung statt. Thema: Die bevor st ehenden Stadtver- ordnetenwahlen und die Steuerausplünderung d e r b ü r g e r l i ch e n P a r t e i e n. Es ist nun Pflicht der Partei- genossen, rege für die Versammlung zu agitieren. Für diese Ver- sammlung werden am Sonnabend, den 30. Oktober Handzettel ver- breitet. Die Parteigenossen treffen sich Punkt 6 Uhr im Lokal des Genoffen P. Kurzner._ Der Vorstand. Berliner JSaebnebten. Der neue Polizeipräsident von Berlin. Als Nachfolger des verstorbenen Polizeipräsidenten Herrn d. Stubenrauch ist der Oberregierungsrat bei der königlichen Negierung zu Potsdam, Traugott v. Jagow, ernannt worden. Gerühmt wird an dem neuen Herrn— wenigstens im„Lokal-Anzeiger"— daß er dem alten Adels- g e s 6) l e ch t derer v. Jagow angehöre, das in der Altmark und in der Westpriegnitz weit verbreitet ist. Herr v. Jagow ist auf dem letzten brandenburgischen Städtetage in Rixdorf rednerisch hervorgetreten, indem er leb- hast für die Erhaltung des Waldgürtels um Berlin eintrat. Auch bei dem Festessen im Rathause zu Rixdorf, das sich an den Städtetag anschloß, hat Herr v. Jagow geredet. Es wird behauptet, daß er bei dieser Gelegenheit sich als warmen Anhänger der Selbstverwaltung der Kommune bekannt habe. Wir geben auf diese Ansichten und die Reden des neuen Berliner Polizeigewaltigen nicht allzuviel, Taten be- weisen. Ob Herr v. Jagow in seiner neuen Eigenschaft es fertig bringt, eine Reform des Polizeiwesens herbeizuführen, die der Bürgerschaft wirklich nützlich ist, muß abgewartet werden. Befremden muß es, daß der bisherige langjährige Stellvertreter des Polizeipräsidenten Herr v. Friedheim so ständig übergangen wird, obwohl er doch redlich bemüht ist, sich„oben" in enipfehlende Erinnerung zu bringen. Die Auf- lösung der„Freien Jugendorganisation" durch den bisherigen stellvertretenden Polizeipräsidenten wäre doch allein schon eine Beförderung wert._ Des Freisinns„Programm" für die Kommune. Zu den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen für Berlin, die von der dritten Wählerklasse am nächsten Mittwoch zu Vollziehen sind, haben die Parteien in den letzten Wochen gerüstet. von einem Kampf lann, wie immer in Berlin bei den Stadt- verordnetenwahlen, nur in den Bezirken dritter Klasse die Rede sein, weil hier die breite Masse der minder- bemittelten Wähler zu entscheiden hat. Die Mandate der Wahlbezirke zweiter und erster Klaffe— zwei Drittel aller Stadt- verordnetenmandate l— sind ja von vornherein dem Freisinn sicher, der in den wohlhabenden Wählern eine zwar an Zahl kleine, aber durch das Dreiklassensystem des Gemeindewahlrechrs sehr einflußreiche Schutztruppe hat. Diesem Dreiklassensystem dankt der Berliner Stadt- freisinn seine Herrschaft in der Gemeindeverwaltung, einem System, das nicht nur für die g e s a m t e A r b e i t e r b e v ö l k e« rung, sondern au ch fü r d i e klein e n G ew er be- un d Handeltreibenden und für die unteren Beamten das Wahlrecht auf ein Minimum herabdrückt, damit den Geldsacksbesitzern umso mehr Einfluß bleibe. Aber dem Freisinn genügt's noch nicht, daß die Geldsäcke ihm von vornherein eine Zweidrittelmehrheit in der Stadtverordnetenversammlung garantieren. Die Freisinnsclique möchte im Rathaus womöglich ganz„unter sich' sein, möchte die von der dritten Wählerklosse hincingewählten Sozialdemokraten loswerden, die Mahner und Dränger, die es dem Freisinn erschweren, in Berlin nach Belieben zu schalten und zu walten. Von den 48 Wahlbezirken dritter Klasse sind IS an der Wahl beteiligt, darunter 11, die schon Besitz der Sozialdemolratie sind, und 5, die bisher noch dem Freisinn ver- blieben. DaS„liberale Bürgertum', das jetzt in den Bezirksvereinen sick, über die Wahlaussichten unterhält, gibt sich der Hoffnung hin, daß es diesmal glücken werde, doch den einen oder den anderen der Sozialdemokraten hinauSzuwählen. Das Mittel, mit dem die Freisinnsführer die Wähler dritter Klasse für sich zu gewinnen suchen, ist sehr eigenartig._ Von der Notwendigkeit einer fortschreitenden Ausgestaltung der Einrichtungen unserer Kommune— insbesondere derjenigen Einrichtungen, die der minderbemittelten Bevölkerung zu- gute kommen— ist da wenig oder gar nicht die Rede. Nur mög- lichst keine Verbesserungen, keine Reformen, kein Fortschritt— so etwas kostet ja Geld I Von einer Partei, deren Herrschaft im Stadt- Parlament sich auf die Gcldsäcke der zweiten und der ersten Wählerklasse stützt, ist andere» allerdings kaum zu erwarten. Die Rücksichtnahme aus die Wähler der zweiten und der ersten Klaffe nötigt die FreisinnSführer. offen zu erklären, die Aufgabe der Stadt- verordnetenversammlung sei hauptsächlich eine Vermögensverwaltung. Und ebenso offen fügen sie hinzu, eS dürfe nicht der minderbemittelten Bevölkerung ein wesent» licher Einfluß auf die Verwendung des Steuer- ertrSgnis,es zustehen, daS größtenteils von den Wohl- habenden aufgebracht werde. DaS sagen sie den Wählern dritter Klasse! Mit solchem Mittel wollen sie wirken auf die Arbeiter- bevölkerung, die zur dritten Klaffe gehört, wirken mehr noch auf die Tausende und Zehntausende von kleinen Gewerbe- und Handeltreibenden sowie von unteren Beamten. bei denen eS gleichfalls nicht für die zweite Klaffe langt! Auch auf alle diese Wähler trifft ja daS geringschätzige und herabsetzende Wort des Freisinns zu. daß sie„die wenigsten Steuern zahlen" und daher nach den Grundsätzen des StadtsreisinnS nicht über die Verwendung sollten entscheiden dürfen. Man sieht, was die Ver- sicherung wert ist. daß der Freisinn daSKlassensystem deS Gemeindewahlrechts nicht beibehalten zu sehen wünsche. Gie steht in schroffstem Widerspruch zu der Forderung deS Berliner Stadtfreisinns, daß über die Verwendung der Steuern nicht die minderbemittelten Wähler entscheiden sollen. Wer der minder- bemittelten Bevölkerung nicht den Einfluß ans die Gemeinde- Verwaltung einräumen will, der ihrer zahlenmäßigen Stärke ent- spräche, der erklärt sich— trotz aller schönen Redensarten— für das System der Klassenwahl. Es liegt auf der Hand, warum der Freisinn den schwächeren Steuerzahlern nicht denselben Einfluß auf die Gemeindeverwaltung wie den Wohlhabenden zugebilligt sehen will. Den Vertretern der Wähler dritter Klasse gilt als Aufgabe der Stadtverordneten- Versammlung nicht eine bloße Vermögensverwaltung, sondern vor allem die Erfüllung aller soziale it Aufgaben, die einer modernen Kommune g e st e l l t sind. An der Er- füllung dieser Aufgaben haben die Wähler der ersten und der zweiten Klaffe ein sehr geringes, die Wähler der dritten Klaffe ein sehr erhebliches Interesse. Ilnd in dieser Hinsicht haben auch alle Wähler dritter Klasse ein und dasselbe Interesse. Es sind ja nicht nur die Arbeiter auf die Benutzung der Einrichtungen an- gewiesen, die die Kommune in pflichtgemäßer Fürsorge für die minderbemittelte Bevölkerung schaffen und bereit halten muß. Um nur einen Punkt, einen der wichtigsten herauszugreifen: die Ver- besserung des S ch u l w e s e n s z. B., die die Sozialdemokratie fordert, entspricht dem Wunsche aller, die ihre Kinder in die Gemeindeschule schicken müssen. Aber der Freisinnsclique find solche Wünsche sehr gleichgiltig. Ihr ist das Gemeinwesen ja nur eine„Vermögens- Verwaltung", da kann i h r„Programm" für die Kommune nur lauten: möglichst kein Fortschritt, der die stärkeren Steuerzahler noch stärker belastet, ohne ihnen einen Gegenwert zu bieten. Man darf von den Wählern dritter Klaffe erwarten, daß sie diesem auf die Wähler zweiter und erster Klasse zugeschnittenen „Programm" des Freisinns das richtige Verständnis ent- gegenbringen werden. Wenn die minderbemittelte Bevölkerung Berlins bei den Stadtverordneten wählen ebenso einsichtig ist, wie sie soeben bei den Landtagswahlcn sich gezeigt hat, dann müssen auch am 3. November die Hoffnungen des Freisinns z u s ch a n d e n werden._ „Wohinmgsfürsorge" bei der— Armenverwaltnng! Die Armcnverwaltung unserer Stadt Berlin macht im" all- gemeinen sich keine große Sorge darum, daß viele der von ihr unterstützten Armen in überaus dürftigen Wohnungen Hausen. Manche dieser sogenannten„Wohnungen" sind elende Löcher, die von den Armen selber als menschenunwürdig zurückgewiesen würden, wenu's bei ihnen nur zu einer anderen Wohnung langte. Wollten hier die Organe der Armenpflege sich allzusehr hineinmengen, so müßte selbstverständlich den betreffenden Armen auch eine Unterstützung gewährt werden, die hoch genug wäre, um eine einigermaßen menschenwürdige Wohnung niieten zu können. Von einem Mehr an Unterstützungen will aber die Armenverwaltung nicht gern etwas hören, und so kommtö, daß sie nur zu oft an dem unhygienischen Zustand der Arnienwohnungen keinen Anstoß ninimt. Indes, es scheint, daß sie dafür nach einer anderen Richtung hin um so eifriger sich bemüht, die Armut von Wohnungen fern- zuhalten, die ihnen Schaden bringen könnten. Vor einigen Jahren wurde bekannt, daß die Armenvcrwaliung über eine ganze Straße eine Sperre für Arme verhängt habe, weil diesen hier eine Gefahr für ihre Sittlichkeit drohe. Es handelte sich um die im ältesten Stadtinnern ganz abseits gelegene K ö l l n ische Straße, über die die Armendireltion im Oktober 1906 den Beschluß faßte, daß an Einwohner dieser Straße Unterstützungen nicht mehr verabfolgt werden sollten. Den in der Köllnischen Straße wohnenden Personen, die damals schon Unterstützungen bezogen, wurde zur Beschaffung einer anderen Wohnung, so weit sie Monats- miete zahlten, eine Frist bis Ende November 1906 gegeben. Die Sperre wurde damit begründet, daß die Straße— so behauptete die Armendirektion— stark von Dirnen und Zuhältern bewohnt sei. Um eine Aufhebung der Sperre zu erreichen, wandte der Bezirksverein Alt-Kölln sich an den Magistrat. Er bekam aber die Antwort, erst müßten die Zustände dort sich bessern, sonst werde die Armendireltion ihren Beschluß nicht ausheben. Die Sperre hat dann fortgedauert bis auf den heutigen Tag. Zu ihr hat nun auch der Petitionsausschuß der Stadtverordnetenversammlung, an die der Verein sich sodann gewandt hatte, Stellung nehmen müssen. Im Ausschuß erklärte der Magistratsvertreter, einzelne Häuser der Straße seien fast ganz von Dirnen und Zuhältern bewohnt und das wirke be- sonders aus die Kinder sehr verderblich. Es liege zwar im Wirt- schaftlichen Interesse einzelner Hausbesitzer, aber nicht im Interesse der der Armendirektion anvertrauten Familien, durch Unterstützung dort den Aufenthalt von Familien mit Kindern zu ermöglichen. UebrigenS handle es sich um keine volle Sperre, denn noch jetzt wohne dort eine größere Zahl älterer Leute, die die Armenpflege unterstütze. Man wolle aber vermeiden, daß Mütter mit Kindern jeneOuar- tiere beziehen. Die Armendirektion sei berechtigt. einer Familie wegen der schlechten Beschaffenheit der Wohnung oder wegen sittlicher Gefährdung der Kinder die Unterstützung zu versagen, wenn sie ihr dafür Unterstützung an anderer geeigneter Stelle oder vor- übergehenden Aufenthalt im Familienobdach anbiete. Der Ausschuß beschloß, der Versammlung zu empfehlen, die Petition durch Ueber- gang zur Tagesordnung zu erledigen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß ähnliche Sperren öfter in Berlin vorkommen, und zwar werden sie anscheinend nicht immer von der Armendirektion, sondern auch ohne weiteres von Armen- v o rfft ehern verfügt. Die Oeffentlichkeit erfährt nur nichts davon, weil es sich nur um einzelne Häuser handelt. Uns wird mitgeteilt, daß ein Armenvorstcher einer hilfesuchenden Frau die Hilfe ver- weigert habe mit dem Bemerken, sie wohne in einem„Huren- haus', erst möge sie von da wegziehen, dann werde er etwas geben. Wir wollen kein Wort dagegen sagen, daß Kinder aus der Nähe von gewerbsmäßig Unzucht treibenden Personen entfernt werden sollen. Aber wenn daS die Absicht der Armendireltion ist, so müßte diese eS für ihre Pflicht halten, sämtliche für Arme ge- sperrten Häuser öffentlich bekannt zu geben, damit nicht Arme ahnungslos dort mieten und dann in der Not ohne Hilfe bleiben oder zu schleunigstem Umzug gezwungen werden oder in? Obdach gehen müssen. Wohnt aber jemand ahnungslos in solchen Häusern, der nie daran gedacht hat, der Armenverwaltung zur Last zu fallen und gerät in Not, so kann und darf ihm Unterstützung nicht ver- weigert werden. Auch das sollte die Armendireltion dann für ihre Pflicht halten, die Unterstützung so weit zu erhöhen, daß in einem an- ständigen Hause eine leidliche Wohnung genommen werden kann. Kein Mensch wird glauben, daß die Armen dafür schwärmen, aus- gerechnet in„Hurenhäusern" zu wohnen. Oft handelt eS sich da um Häuser, die längst abbruchreif sind und so armselige Wohnungen enthalten, daß nur noch Leute hineinziehen mögen, die anderswo wie die Dirnen, oder der Zahlungsunfähigkeit verdächtig sind, wie die Almoscncmpfänger. Wir finden, daß die„Wohnungs- f ü r s o r g e', die da von der Armendireltion geübt wird, zwar sehr moralisch aussieht, aber-- sehr billig ist. Das„Schmumachen" in der Konfektion. Der„Eonfectionair" teilt eine interessante gerichtliche Entscheidung mit, wonach in einem Spezialfälle das beim Zuschneiden in der Konfektion seit jeher allgemein übliche„Schmumachen" von Stoffresten mit Ge» fängnis bestraft worden ist. Der Zwischenmeister erhält vom En- grosgeschäft einen bestimmten Posten Stoff, von dem er eine be» stimmte Anzahl Blusen oder sonstige Kleidungsstücke nach ange- gebenem Maß herstellen soll. Sehr geschickte Zuschneiderinnen ver- stehen es nun, aus diesem Stoffquantum unter Erfüllung aller Auftragsbedingungen mehr Blusen als verlangt sind, herauszu- schneiden oder einen erheblichen Stoffrest übrig zu lassen. In solchem Falle war vorliegend die Abmachung getroffen, daß an dem Gewinn, also an dem Werte des Stoffrestes, die Zu- schneiderin beteiligt sein soll. Obwohl der Staatsanwalt selbst die Freisprechung beantragte, weil die Engrosfirma in genauester Befolgung ihres Auftrages befriedigt und somit nicht geschädigt war, kam das Gericht zu einer Verurteilung, indem es eine Be» reicherung an Stoff, der mit dem Auftrag nicht in den Besitz de? Zwischenmeisters übergegangen, sondern ihm nur zur Verfügung gestellt sei, annahm. Solche Urteile sind schon des Ocftercn ergangen. ES läßt sich sehr darüber streiten, ob dieses Urteil dem allge- meinen Rechtsempfinden entspricht oder ob es nicht als eine juristische Spitzfindigkeit, für die sogar der Staatsanwalt kein Ver- ständnis empfand, betrachtet werden mutz. Ist die Zuschneiderin nicht geschickt, so wird sie mit dem Stoff genau auskommen, so daß höchstens Flicken übrig bleiben, die für die Engrosfirma nicht den geringsten Wert haben. Ihre Geschicklichkeit aber wirtschaftet einen Profit heraus, den sie ganz oder zum Teil nach altem Brauch als Belohnung für ihr besonderes Können in Anspruch nimmt. In Tausenden ähnlicher Fälle deS praktischen Geschäftslebens wird genau so verfahren, ohne daß man dabei die Unterstellung des Diebstahls oder der Unterschlagung macht. Unter dem Begriff des „Schmumachens" versteht man dagegen etwas ganz anderes, näm» lich stets eine Schädigung des Eigentümers an der Sache. Am be- kanntesten ist hierfür wohl das Beispiel, daß ein Dienstmädchen, welches für 25 Pf. Ware holen soll, nur für 20 Pf. einholt und 5 Pf. in die eigene Tasche steckt. Vorliegend ist von besonderer Bedeutung das Moment des allgemeinen Brauchs. Dieser Brauch geht soweit, daß Zuschneiderinnen in sehr zahlreichen und großen Konfektionsgeschäften den Auftrag erhalten, aus Stoff, der ver- tragsgemäß für 12 Blusen reichen soll, 13 oder gar. 14 Blusen herauszuschneiden, deren den Auftrag übersteigende Zahl dann daS Zwischengeschäft als sein Eigentum betrachtet und verkauft. Man hat aber noch nicht gehört, daß deshalb der Inhaber eines Kon» fektionsgeschäfteS, der sich doch nach obiger Auffassung des Gerichts- Hofes mindestens ebenso strafbar macht wie seine Arbeiterin, be- straft worden ist. Allerdings ist eS heute viel schlechter bestellt mit dem söge- nannten„Schmu" wie früher. Die Geschäftsinhaber haben äußerst gewandte und routinierte Abtaxierer angestellt, so daß es oft sehr schwer hält, aus dem gelieferten Quantum Ware die vorgcschric- bene Stückzahl fertiger Sachen herauszuschinden. Die Engrosmarkthallc. Die Stadtverordnetenversammlung hatte seinerzeit die Vorlage des Magistrats, betreffend Ankauf eine? Geländes an der Paulstraße zur Errichtung von Großmarkthallen abgelehnt und den Magistrat ersucht, die Erbauung der gesamten Grotzmarkthallen auf dem städtischen Terrain zwischen der Knip- rodeftratze und Paul Heysestraße in die Wege zu leiten. Die Markthallcndeputation hat in ihrer Sitzung vom 27. Oktober unter Vorsitz des Stadtrats Venzky beschlossen, diesem Ersuchen der Stadtverordnetenversammlung beizutreten. Vertagte Verhandlungen. Die von dem Minister der öffentlichen Arbeiten veranlaßten Einigungsverhandlungen über den Unter» g r u n d b a h n st r e i t. die gestern im Berliner Polizeipräsidium statlfinden sollten, sind vertagt worden. Dank dem weiieren Ent- gegenkommen der Stadt Charloitenburg, daß Wilmersdorf die Linie durch die Nürnberger Straße gestatten will, wenn die AuflösungS» linie des Gleisdreiecks vom Nollendorsplatz über den Wittenbergplatz auf gemeinsame Kosten der Hochbahngesellschaft Wilmersdorf und Charlottenbnrg. den Knrfürstendamm entlang geführt wird, besteht begründete Aussicht aus Einigung. Die Verhandlungen werden heute nachmittag im Polizeipräsidium stattfinden. Anwesend sind dazu Vertreter des Polizeipräsidiums, der Eisenbahndirektion Berlin und der beteiligten Ortschaften Charlottenburg und Wilmersdorf. Die Untersuchung gegen daS„Medium" Anna Abend und deren Ehemann und Gehilfen Paul Abend wird zurzeit noch durch daS Amtsgericht Berlin-Mitte geführt. ES ist einstweilen noch Zweifel- Haft, welchen Umiang die Staatsanwaltschaft der Sache geben wird. Falls die Praktiken des„GeistenalonS" während eines größeren Zeilraums zum Gegenstand der strafrechtlichen Verfolgung gemacht werden sollten, wird voraussichtlich eine förmliche Boruntersuchung eröffnet werden, die sich dann zweifellos über mehrere Monate hin- ziehen dürfte. Der Verteidiger der Eheleute hat für sie einen Haft« entloffungsantrag gestellt, auf den jedoch bis jetzt keine Entscheidung getroffen ist. Schlafstellenschwindler versuchen am ehesten ihr schmutziges Handwerk bei armen, alleinstehenden Frauen, die aufs Vermieten angewiesen sind, lieber einen neuen Schwindlertrick wird uns ge» schrieben: Am 25. d. MtS. erschien bei einer Frau E. in der Steinmetzstraße 36 ein Mann im Alter von 25—30 Jahren nnd gab an, eine Schlafstelle mieten zu wollen. Er besah sich da» Zimmer und ging noch einmal fort, um sich andere Schlafstellen an» zuieben, da er gern allein wohnen wollte. Nach einiger Zeit kam er wieder und erklärte, er wolle mieten. Er gab an aus Breslau zu kommen, brachte auch einen Karwn mit; sein übriges Gepäck sei noch auf dem Bahnhofe. Er bat in der höflichsten Form um die Erlaubnis, eine Stunde auf dem Sofa ausruhen zu dürfen, da er übermüdet sei, und weil er noch am Abend seinen„Bruder" aus dem Gesundbrunnen besuchte möchte. Vorher bestellte er sich Kaffee; die Wirtin sollte ihm ein paar Schrippen dazu holen. Weil die lctzere aber ablehnte, holte er sich selbst Brot und einige Birnen, ließ sich auch ein T i s ch m e s s e r geben. Auch ein Paar Pantoffeln lieh er sich. AIS er um 5 Uhr wieder ansstand, erkundigte er sich nach einem Schlächter, um sich etwas Wurst zu besorgen inid verschwand. Bei näherer Besichtigung ergab sich, daß der Gauner gar nicht geschlafen hatte, sondern auf Beule ausgegangen war, die er auch in Gestalt eines Sommerpaletots hatte mitgehen heißen, der einem anderen jungen Mann gehörte. Um andere Leute vor Schaden zu bewahren, sei erwähnt, daß der Bursche den Paletot aus dem Rücken unter daS Jackett geknöpft haben muß, da er bei seiner Ent- fernung nichts in der Hand trug. Bekleidet war derselbe mit grauem Jackettanzug, dunkelgestreifter Hose, rundem schwarzem steifen Hut, er ist ungefähr 1,65 Meter groß und spricht schlesischcn Dialekt. Sein Karton, der anscheinend aus einem Konsektionsgeschäft stammt und an dem er wie ein Rollkutscher schleppte, war leer und iollte wahr» keine Aufnahme finden, weil sie ein anrüchiges Gewerbe betreiben, l scheinlich dazu dienen, andere Garderobenstücke aufzunehmen. Auf der Straße tot ausgefunden wurde gestern früh um 2 Uhr vor dem Hause Witisstraste� 40 der 59 Jahre alte Zigarrenmacher Ernst Lcpine. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Der Berliner Volkschor hielt am 25. Oktober seine halbjähr- liche Generalversammlung ab. Aus dem Geschäftsbericht ergab sich, dast die Mitgliederzahl gegenüber dem Bestand im März d. I. etwa gleichgeblieben ist: 230 singende, 70 zuhörende Mitglieder. Es wurde der dringende Wunsch ausgesprochen, dast noch mehr sangeslustige und kunstfrohe Arbeiter und Arbeiterinnen mitsingen helfen möchten. Ausdrücklich wurde bemerkt, daß man nicht bloß auf junge, sondern ebenso sehr auf reife und verhei- ratete Genossen rechnet. Die Kassenverhältnisse er- wiesen sich als geordnete; der Chor konzertiert nicht, um Ueber- schüsse zu machen, sondern um den Arbeitern Kunst zu vermitteln. Daher die niederen Eintrittspreise zu seinen Konzerten, daher aber auch die Pflicht der Berliner Arbeiterschaft,' diese zahlreich zu besuchen. Ein schlecht besuchtes Konzert bedeutet schon ein schweres Defizit, für das nur in einem sehr kleinen, mühsam zusammen- gesparten eisernen Bestand Deckung vorhanden wäre. Bisher aber sind fast alle Konzerte ausverkauft gewesen. Das nächste Ziel des Chors ist die Anschaffung einer Konzertorgel, die die Klangwirkung seiner Darbietungen noch bedeutend erhöhen würde. Es ist aber erst 54 des Geldes da. Es war vorgeschlagen worden, um den Rest bei der bekannten Jakob Plauthschen Stif- tung zu petitionieren. Der Chor hat den Vorschlag aber schon vor Monaten mit erdrückender Majorität abgelehnt. Jene Stiftung ist in bürgerlichen Händen. Der Chor aber ist eine Arbeiterorga- nisation, der den Grundsatz der organisierten Arbeiterschaft: Alles aus eigener Kraft! auch für den scinigen hält. Auch zur An- schaffung einer Orgel wird diese Kraft allmählich ausreichen. Einen breiten Teil der Erörterungen der Gcneralversamm- lung nahm die Diskussion über einen neulichen Beschluß der Ordnerschaft der Freien Volksbühne gegen den Volkschor ein. Nach diesem Beschluß werde, wie wir einer umfangreichen uns im Wortlaut zur Veröffentlichung zugegangenen Resolution ent- nehmen, dem Vorstand der Volksbühne empfohlen, künftig keinerlei Verbindung mehr mit dem Volkschor zu pflegen, insbesondere von ihm keine Referate mehr in den Heften der Volksbühne aufzu- nehmen. Begründet werde dieser Beschluß damit, daß der Volts- chor eine bürgerliche Organisation sei, die mit der Berliner orga- nisierten Arbeiterschaft nichts zu tun habe. Die Resolution wendet sich gegen diesen Beschluß und gegen die Begründung. Der Ber- liner Volkschor, der vor 5 Jahren aus den Kreisen der„Freien Volksbühne" hervorgegangen und von letzterer in dankenswerter Weise unterstützt worden sei, fühle sich noch heute wie damals als ein Glied in der Kette der aus eigener Kraft geschaffenen Orga- nisationen der Berliner Arbeiterschaft; es sei sein Ziel, Kunst aus- schließlich für die organisierte Arbeiterschaft Berlins zu treiben. Vom Vorstand und Generalversammlung der Volksbühne wird er- wartet, daß sie diesen Beschluß für null und nichtig erklärt, ihn außerdem zum Anlaß nehme, das Verhältnis zwischen Volksbühne und Volkschor enger als bisher zu gestalten. DaS der wesentlichste Inhalt der Resolution. Im Gebrüder Hcrrnfeld-Theater gelangen am Sonnabend zwei neue Komödien, eine zweiaktige Gesangsburleske:„So muß m a n s machen" und ein Einakter:„Ein R e t t u n g s m i t t e l" zum ersten Male zur Aufführung. Wer ist die Tote? Aus der Spree gelandet wurde gestern nach- mittag in der Nähe der Zennerschen Gastwirtschaft die Leiche einer unbekannten Frau. Die Tote ist etwa 30 Jahre alt und l,60 Meter groß. Sie hat blondes Haar, eine hohe Stirn, eine lange Nase, ein längliches Gesicht und eine mittelkräftige Gestalt, und trug ein blaues Tuchkostüm, eine blaue Bluse mit weißem Einsatz, schwarze Strümpfe, schwarze Schnürstiefel, einen weißen Unterrock und weiße Wäsche, ein weih- und blaupunktiertes Batisttaschentuch mit blauer Kante und goldene Ohrringe mit ovaler, schwarz emaillierter Platte. Ein besonderes Kennzeichen ist ein geringer, aber deutlich wahrnehmbarer Anflug von Schnurrbart. Die Leiche wurde nach der Halle in Treptow gebracht. Der TranSportarbeitemrband teilt mit: Am 25. d. MtS. nachmittags zwischen 48i> Uhr und 4 45 Uhr sind auf dem Wege von Koch- hannstr. t2 bis Kochbannst. 18 Beitragsmarken im Werte von S2 M. verloren gegangen. Da Verlierer dafür haften muß. ersucht er den ehrlichen Finder, dieselben bei Karl Mendt. Graudenzcr Straße 2. linker Aufgang vorn HI, oder Engelufer 14/15, v. II, Zimmer 30, Deutscher Transportarbeiterverband abzugeben. Zeugen gesucht. Die Personen, die am 15. September, abends 5,51 Uhr. auf dem Spandauer Bahnhof gesehen haben, wie sich ein Arbeiter an einer Kupeetür den Finger abgequetscht hat. werden gebeten, ihre Adressen an Herrn Küster, Tischler, Berlin, Willdenow Straße 27, abzugeben. Die Bachstraße von der Straße Siegmundshof bis zur Char- lottenburger Grenze wird behufs Umpflasternng-vom 28. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Feuerwehrnachrichten. Am Dienstagabend um 11 Uhr ge» rieten in einem Kinematographentheater in der Admiralstratze 38, nahe der Skalitzer Straße, während der Vorstellung Filmsstreifen in Brand. Obgleich die Flammen bald gelöscht werden konnten, so daß die alarmierte Feuerwehr nicht in Tätigkeit zu treten brauchte, entstand eine Panik unter den Besuchern. Beim Heraus- stürzen aus dem Vorführungsraum erlitt die Frau Elise Haarhaut leichte Verletzungen im Gesicht. Die übrigen Personen kamen mit dem Schrecken davon. Am Mittwoch früh um 8 Uhr kam auf einem Holzplatz, Greifs- walder Straße 8013, ein gefährlicher Brand aus, der auf seinen erd beschränkt werden konnte. Bretter u. a. brannten dort. leickzeitig hatte der 16. Zug in der Paulstraßc 2 zu tun, wo Schaldecken, Fachwerk u. a. in Flammen standen. In der Putt- kamerstraße 13 hatte die Feuerwehr längere Zeit niit der Löschung eines Kellerbrandes zu tun. Preßkohlen in großer Menge waren dort in Brand geraten. Corneliusstraße 4 brannten Balken. Fuß- boden u. a., Thaerstraße 32 Besen, Bürsten usw. in einem Seifen- geschäft. Vorort- l�admcbteu. Wilmersdorf-Halens ee. Schicksale einer„Krippe". Aus Wilmersdorf wird uns geschrieben: Wie schwierig es ist, an unserem Orte auch nur die allcrbescheidenste» Einrichtungen zugunsten deS ärmeren Teils der Bevölkerung zu treffen, zeigen die in der letzten Zeit mit dem Plan der Errichtung einer Kleinkinder- bewahranstalt geinachten Erfahrungen. Ueber die Notwendigkeit eines solchen Instituts bestehen in Wilmersdorf ebensowenig Zweifel wie in anderen Städten, wo die göttliche Welt- ordnung eS mit sich bringt, daß Mütter in die Fabrik gehen und ihre Kinder, allen Gefahren preisgegeben, unbeaufsichtigt zu Hause lassen müssen. Wir gestehen mit Genugtuung, daß der Dezernent in sozialpolitischen Angelegenheiten, Stadtrat Stein- b o r n, sich mit Kräften der Sache annahm, als eine Wohltäligkeits- gesellschaft sich zur Bereitstellung der Mittel für eine solche Krippe anbot und somit Gelegenheit gegeben war, etwas zu- stände zu bringen, ohne daß erst an die BerständniSlosigkeit der Stadtverordneten appelliert werden mußte. ES war so- mit alles vorhanden bis auf die Räumlichkeiten, in denen die Kleinkinderbewahranstalt untergebracht werden sollte. Der Stadtrat fand nun bei der Wohiiungsuche leere Gelasse genug, die ihm geeignet schienen; als die Hauswirte jedoch von ihm er- fuhren, welchen Zwecken das Mietsgelaß dienen sollte, zuckten sie alle bedauernd die Achsel und erklärten, in Rücksicht auf die herrschaftlichen Mieter im Hause deim doch lieber auf die Vermietung verzichten zu wollen. Leider muß gesagt werden, daß Stadtrat Stein- born auch in einem Falle, wo man es nicht hätte erwarten sollen, eine derartige Ablehnung erfuhr. Die Wilmersdorfer Ortskranken- lasse hat im vorigen Jahre ein großes Haus an der Kaiserallee käuflich erivorben. Den Kassenzwccken dient selbstverständlich nur ein geringer Teil der hochherrschasllichen Mietskaserne; und im Hinlerhause stehen Räumlichkeiten frei, in denen die Krippe sehr wohl eine geeignete Unterkunft finden könnte. Doch auch hier be- gegnete der Stadtrat einer Abweisung; in Rücksicht auf die Mieter wollte der Vorstand in der Mehrheit von der Unter- bringung der Anstalt in seinein Hause nichls wissen. Wir verstehen nun vollkommen, daß die Kassenverwallung gerade in der Hausangelegenheit Vorsicht üben und auf möglichst vorteilhafte Vermietung hallen will, nachdem sie bald nach dem Er- werb des Hauses den ungerechtesten Angriffen gehässiger Neider auS- gesetzt war; diesen Herrschaften wäre es eine herzhafte Freude, wenn der Vorstand mit seinem Hause schlechte Geschäfte machte. Aber immerhin meinen wir, daß eine derartige Rücksicht nicht zu weil gehen darf, und es dem Ansehen der Kassenverwallung wahrlich nicht zum Schaden gereichle, wenn sie der Hergabe der freien Räumlichkeiten für den erwähnten Zweck zugestimmt hätte. Vielleicht läßt sich der Fehler noch jetzt wieder gut machen. Die Entrechtung der Bürger im Stadtparlamrnt lautete das Thema eines Vortrages, das am Dienstag ReichstagSabg. Genosse S t ü ck l e n in einer nach dem Gesellschaftshaus einberufenen Protest« Versammlung behandelte. In scharfen Mörlen kennzeichnele Redner das volksfeindliche Verhalten der bürgerlichen Parteien in der Kom- mnne, speziell in Wilmersdorf. Besonders beleuibtete Stücklen die Ncbenregierung der Bezirksvereine sowie die Hinausschiebung der Ersatzwahlen in das nächste Jahr. Die Ausführungen des Referenten wurden in der Diskussion vom Vorsitzenden ergänzt. Besonders er- wähnte der Redner, daß die neue Wahlbezirkseinteilung erkennen lasse, daß die Sozialdemokratie auch in Zukunft wieder von der Veriretung im Stadlparlament ausgeschlossen bleiben soll. Hierauf wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die am Dienstag, den 20. Oktober, versammelten Einwohner der Stadtgemeinde Wilmersdorf protestieren gegen die vom Magistrat durch Verschiebung der Stadtverordneten-Ersatzwahlen unlernoinmene Entrechtung der Bürgerschaft. Sie sehen in diesem Vorgange nur die Unterstützung der Haus- und Grundbesitzer- sowie bürgerlichen Kommunalveieine, denen eS nur darum zu tun ist, jede Aenderung in der Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung durch Wahl eines sozialdemokratischen Stadtverordneten zu verhindern. In der jetzigen Büraervertretung können die Anwesenden keine Ver- tretung der Interessen der unteren BevölkerungSschichten erblicken. Die Versammelten erklären daher, in eine rege Werbetätigkeit für die sozialdemokratische Partei eintreten zu wollen und nichts un- versucht zu lasten, um bei den nächsten Erneuerungswahlen Vertreter der werktätigen Bevölkerung ins Stadtparlament zu senden. Lichtenberg. Noch ist der Wahltcrmin für die Stadtvcrordnetenwahlen nicht bekannt, dafür gibt aber der Magistrat der„Bürgerschaft" kund. daß er den Dingen nicht teilnahmslos gegenüberstehe. Die jetzt bekannt werdende Liste der Wahlvorsteher und deren Stell- Vertreter läßt recht deutlich darauf schließen. Daß am Wahl- tische der 93 Erstklassigen zwei Stadträte— Kielblock und Glaschke— die Honneurs machen, entspricht ja nur dem Verhältnis, in dem die Herren zueinander stehen. Anders in der zweiten Wählerklasse. Hier ist schon den Interessengruppen und den„parla- meutarischen Parteien"— allerdings mit Ausnahme der Sozial- demokratie— mehr Rechnung getragen und jede dieser vielgestaltigen Gruppen findet einen ihrer Mannen im Wahlvorstande. So richtig kommt die Fürsorge des Magistrats für die lieben Bürger erst zum Ausdruck in der Zusammensetzung des Wahlvorstandes für die 11000 Wähler in der dritten Wählerklasse. Hier könnte ja so mancher Gemeindearbeiter und Feuerwehrmann, so mancher kleine Beamte irgend einer Privatgesellschaft, insbesondere aber die städtischen Beamten, Lehrer usw., wenn sie nicht besonders beaufsichtigt würden, dem Terror der bösen Sozialdemokratie zum Opfer fallen. Um das zu verhüten, hat der Magistrat zu Wahl- Vorstehern bezw. Stellvertretern in der dritten Wählerklasse Rekloren. Lehrer, den Oberführer der Feuerwehr, BetriebSinipekloren, Land- ineffcr, Fabrikanten und einige Leute, die immer Feiertag haben. bestimmt. Die?« Bevonnundung der Arbeiterwähler, die die über- große Mehrheit bilden, ist eine Verletzung der schlimmsten Art. Doch danach frägt der aus der Schar der 93 entnommene Magistrat oder „seine" Angestellten nicht. Steglitz. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand brach gestern vormittag 9 Uhr Miguelstr. 7, Ecke Rothenburgstraße auS, der seinen Ausgangspunkt in einem Maleratelier des vierten Stockes hatte. Er war bei Ankunft der Orlöwehr schon soweit vorgeschritten, daß bereits die Hälfle des Dachstuhls ein einziges Flammeninecr bildete. Ueber mechanische Leitern und Treppen hinweg mußte mit mehreren Rohren vor- gegangen werden, doch dauerte es fast zwei Stunden, bevor die Hauptgefahr als beseitigt galt. Der größte Teil des Dachstubls wurde eingeäschert. Angeblich ist daS Feuer durch Unvorsichtigkeit im Atelier verursacht worden. Dir letzte Sitzung des hiesigen Gewerkschaftskartells beschäftigte sich in erster Linie mit den sehr eigenartigen Verhältnissen der Orts- krankenkasse. Nachdem bei der kürzlich stattgefundenen Krankenkassen- wohl die Liste des GewerkschaftSkariells gewählt worden war, schied eine Anzahl der Delegierten auS. Nun erklärte der Kassenvorstand, die Zahl der Delegierten müsse ergänzt werden, und er machte den Vorschlag, die fehlenden Delegierten auS der gegnerischen Liste zu nehmen. Selbstverständlich war das Kartell mit einer solchen Lösung dieser Frage nicht einverstanden. Bedauerlicherweise wie« die gegnerische Liste auch die Namen mehrerer Mitglieder des hiesigen WahlvereinS auf. Gegen diese Personen soll der Ausschluß- antrag beini Wablverein gestellt werden. Den Bezirks leitern wird nahegelegt, dem Kartellvorstand möglichst bald einen kurzen Jahres- bericht ihrer örtlichen Organisation einzusenden.— Infolge der trüben Erfabrungen, welche daS Kartell Schöneberg mit dem An- schluß an Berlin gemach» haben soll, mehren sich die Bedenken gegen einen solchen Schritt. Beschlossen wurde, den Namen„Gewerkschafts- kartell Steglitz und Umgegend" in„Gewerkschaftskartell Steglitz- Friedenau" umzuändern, da sich die Funktionen des Kartells lediglich auf beide Orte beschränken. Es fehlten die Delegierten der Schuh- macher und Zimmerer. Schönederg. Der dritte Bortrag deS vom JngendbildungSanSschuß veran« stalteten BortragszykluS findet am morgigen Freilag, abends S'/z Uhr, bei Poschmann, Äorbergstratze, Ecke Gleditschstratze, statt. Genosse Kreutzburg referiert über„Körperpflege und Turnen". Rudow. In dem neu gewonnenen Lokal von Ratte, Köpenicker Straße. hielt der hiesige Wahlverein an» Sonntag feine Generalversammlung ab. Nach einem Vortrag deS Genossen I e s e r i ch- Mariendorf über die VolkSauSplllnderung durch indirekte Steuern nahm die Versammlung den Kassenbericht sowie den Tätigkeitsbericht des Vor- standes entgegen. Nach einer Ansforderung zu weilerer rastloser Tätigkeit für die Partei wurde zum gemütlichen Teil des Abends geschritten. Bruchmühle. Mit ausicrordentlichen Mißständen in ber hiesigen Kolonie be- schäfligte sich am Sonntag eine öffentliche Verfaminlung. Bereits vor Jahren hatte der sozialdemokratische Wahlverein die Gemeinde Landsberg, zu welcher die Kolonie Bruchmühle gehört, ersucht, für bessere Straßenbeleuchtung Sorge zu tragen. An eine Abstellung des UebelstandeS wurde jedoch nicht gedacht. WaS ging eS auch den Herren vom„Vorortverein" an. wenn die Arbeiter in aller Frühe und abends spät die stockfinsteren Straßen passieren mußten. Nach allen vergeblichen Versuchen, dem vorhandenen Mißstand abzuhelfen, bildete sich ein Bürgcrverein, der es sich angelegen sein ließ, für daS Wohl und Wehe der Einwohnerschaft einzutreten. Der Verein hat denn auch in den letzten Jahren Bruchmühle aus eigenen Mitteln mit Laternen und Straßenschildern versehen. Wie nun der Vorsitzende des genannten Vereins bekannt inacht, ist der Verein fortan nicht mehr imstande, aus eigenen Mitteln die Kosten für die Beleuchtung zu bestreiten: wenn der Verein nicht eine Verstärkung der Mitglieder erfahre, müßten die Latenten wieder entfernt werden. Die Versammlung gab der Meinung Ausdruck, daß es nicht Auf- gäbe eines privaten Vereins, sondern der Gemeinde Alt-Landsberg sei, die 500 Einwohner zählende Kolonie Bruchmühle mit Licht zu versehen. Wenn die Bewohner genau so wie in jeder anderen Ge» meinde zu den Steuerlasten herangezogen werden, so hätten sie auch ein Reckst zu fordern, daß Mißstände der geschilderten Art von der Gemeindeverwaltung auf dem schnellsten Wege beseitigt würden. Weistcnsee. Bei der am Montag stattgefundenen Telcgicrtcnwahl zur hiesigen Ortskrankenkasse wurden für die Liste des Gewerkschaftskartells 1010 Stimmen abgegeben. Die gleichfalls vom Kartell aufgestellte Liste der Arbeitgeber vereinigte 50 Stimmen auf sich. Eine gegnerische Llste war nicht aufgestellt. Als„nnabhängige Zeitung" bezeichnet sich da? neue„Weißen- seer Tageblatt". Wie berichtet wird, hat der Hausbesitzerverein bereits 1000 M. für das Unternehmen gespendet: und da ferner der „G. m, b. H." ausschließlich Hausbesitzer angebören, kann eS mit der„Unabhängigkeil" dieser Zeilung nicht weit her sein. Wir ver- muten vielmehr, daß sie ein gut Teil Hausbesitzerinteressen zu ver« treten haben wird. Die Hoffmannsche Gärtnerei an der Königchauffee soll, wenn- es die Witterung zuläßt, noch in diesem Jahre parzelliert werden. Durch das Grundstück wird im Anschluß an die Eliaßstraße eins Straße in der Gesamtbreite von 18 Meter durchgeführt. Die Straße führt in einem Bogen bis zur Cbarlotienburger Straße. Man stimmt an. daß dann das in der Mitte des Ortes gelegene Terrain inner- halb kurzer Zeit bebaut sein wird. Gerichts-Geltung. Russisches wurde am Mittwoch wieder einmal vor einem deutschen Gericht er- örtert, vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(145. Abteilung, unter Borsitz des AmtSgerichtsrats Wollner), daS über die Beleidigungs- klage des livländischen Landrats Baron Axel v. Nolcken gegen unseren Genossen Hans Weber entscheiden sollte. Gegenstand der Klage lvar jener„?orwärtS"-Artikel aus dem Februar 1900, der unter der Ueberschrift„Die Revolution in Ruhland" darüber be- richtete, welche Rolle der Herr Baron selber bei dem Ausbruch des Brandes auf seinem Gut Mosckatz in Livland sowie bei dem An- griff des Militärs gegen die Volksmenge gespielt habe. Der sich beleidigt fühlende Herr v. Nolcken ließ im Frühjahr 1900 unseren Genossen Weber als den verantwortlichen Redakteur des„Vor- wärts" vor einen deutschen Kadi schleppen, aber noch im Herbst 1909 lvartet er auf die Ehrenrettung, die' er sich von diesem Vor« gehen versprach. In Ruhland hätten sie wahrscheinlich— nach berühmten Mustern— kürzeren Prozeh mit dem Angeschuldigten ge« macht. Weber hat in einem früheren Termin für seine Behauptungen den Beweis der Wahrheit angeboten, doch ist die Angelegenheit nicht nennenswert vom Fleck gekommen, weil ein paar Zeugen zu vernehmen waren, die in Rußland wohnen. Der eine Zeuge ist bisher nicht aufzufinden gewesen, den anderen aber hat auf Er- suchen des deutschen Gerichts ein russische? Gericht vernommen, ohne den Verteidiger Webers Gelegenhert zu geben, in eigener Person oder durch einen russischen Rechtsanwalt die Vernehmung jenes Zeugen überwachen zu können. In dem erneuten Termin vom Mittwoch forderte aus diesem Grunde der Verteidiger Rechts» anwalt Tr, Karl Liebknecht, dir Sache nochmals zu vertagen und das russische Gericht um Wiederholung der Vernehmung zu er- suchen. Der Vorsitzende verkannte nicht, daß nach deutschen Rechts- anschauungcn diese Forderung nicht zurückgewiesen werden dürfe. er meinte aber, dabei werde ja doch nichts weiter herauskommen. der betreffende Zeuge habe ja gar nichts bekunden können. Der Verteidiger erwiderte, es sei zu bedenken, daß es sich um ein russisches Gericht handele, da sei alle Borsicht und reichliches Miß» traue» geboten. Wie es um die russische Rechtspflege stehe, da? habe man oft gesehen. Er wolle nur an die Folterkammern von Riga erinnern oder an die von Rußland aus verübten Fälschungen. die im Königsberger Prozeß festgestellt worden seien. Der Vor- sitzende klagte, eS werde wieder unendlich lange dauern, ehe es zu einer erneuten Vernehmung komme, da müßten in Deutschland und in Rußland und wieder in Deutschland immer erst so und so viele Behörden in Tätigkeit treten. Aber es blieb nur übrig, die Sache zu vertagen und zu veranlassen, daß in Rußland um noch- malige Vernehmung ersucht wird, an der dann im Auftrage deS Verteidigers ein russischer Rechtsanwalt teilnehmen soll. Glatte Treppen. Ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung, welches sich gegen drei Vorstandsmitglieder der Apothekcr-Bant richtete, gelangte gestern bor der 4. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Seligmann zur VerHand- lnng. Angeklagt sind der Apothekenbesitzer Harry Laaser, der Apothekenbesitzcr Albert Hellinger und der Apothekenbesitzer Hugo Roland aus Schöneberg.— Die drei Angeklagten gehören dem Vor« stand der Apotheker-Bank an, welche Eigentümerin de? Grund- stücks Wielandstratzc 23 in Schöneberg ist. In dieses Grundstück zog anfangs September v. I. der jetzt in Friedenau wohnhafte Fa» brikbesitzer Patermann ein. Bald nach seinem Einzüge wurde der auf den Marmortreppen liegende Läufer entfernt, um zu verhin- dern. daß dieser von den in dem Hause arbeitenden Malern und Töpfern, die Renovierungsarbeitcn auszuführen hatten, verunrei- nigt wurde. Für die Hausbewohner war die Wegnahme diese» Läufers mit der sehr unangenehmen Folge verknüpft, daß die Treppe, die aus polierten Marinorstufen bestand, infolge der Glätte fast unpassierbar war. Patermann wendete sich deshalb an den Angeklagten Roland, der von der Bank als Hausverwalter eingesetzt war und dafür eine jährliche Vergvtigung von 450 M. bezog, mit der Bitte um Abhilfe. Sie wurde ihm auch zugesagt, trotzdem aber geschah nichts. Mehrfache telephonische Anfragen, die P. an die Apotheken-Bank selbst richtete, fruchteten auch nichts. Wie die An» klage behauptet, soll diese Unterlassungssünde zur Folge gehabt haben, daß sich am 28. Oktober v. I. ein höchst bedauerlicher Unfall ereignete, welcher die Familie des Patermann in die tiefste Trauer versetzte. DaS Dienstmädchen Scholz ging an diesem Tage mit dem Is�jährigen Söhnchcn des P. die Treppen hinauf. Infolge der Glätte stürzte das Mädchen hin, so daß der Kleine, den sie auf dem Arm trug, mit dem Kopf ans die Steinstnfcn aufschlug und eine Kopfverletzung davontrug. Nach einigen Tagen wurde das Kind immer matter und verfiel schließlich in körperliches und geistige» Siechtum, welches schließlich den Tod des Kindes infolge einer hin» zugetretenen Zuckerkrankheit herbeiführte.— Die Angeklagten be. streiten, daß ihnen nach irgend einer Richtung hin eine Fahrlässig. keit zur Last falle. Die Treppen feien keinesfalls so glatt, im Gegenteil so stumpf gewesen, daß jemand bei genügender Aufmerk. 'amkcit sie ohne Gefahr habe passieren können.— Nach längerer Beweisaufnahme hielt der Staatsanwalt selbst die Freisprechung der Angeklagten für geboten, da die Angeklagten keinerlei Schuld treffe. DaS Gericht erkannte ebenfalls auf Freisprechung. Die zivilrechtliche Verantwortlichkeit für die der Verkehrssitte widersprechende Glätte der Treppen trifft die Angeklagten unsere» Erachtens unbedingt Verdächtigungen gegen einen Leiter brS BäckcrvcrbandeS. Aus Anlah des Berliner Bäckerstreiks im Jahre 1307 erhob der Buchdruckerribefttzer Hartmann in dem von ihm heraus- gegebenen Organ der gelben Bäckerorganisation gegen Hevschold, den Gauleiter deS Bäckerverbandcs, den Vorwurf. Hehschold habe den Streik in der skrupellosesten Weise und lediglich in seinem persönlichen pekuniären Interesse ins Werk gesetzt. Durch den Streik würden viele kleine Bäckereien ruiniert, die Genossenschafts- bäckereien machten infolgedessen gute Geschäfte, und Hetzschold, der Aktionär der Reinickendorfer Genossenschaftsbäckerei sei, habe ja den Vorteil davon. Hetzschold habe durch den Streik Geld in die Finger bekommen wollen, er habe den Streikenden durch die Stellenvermittelung Tausende von Mark abgenommen.— In einer anderen Nummer seines Blattes„Deutscher Bäcker- und Äonditorgehilfe" hat Hartmann die Behauptung verbreitet, Hetzschold habe, als er im Auftrage seines Verbandes eine Be schwerde über Mißstände in einer Bäckerei untersuchen sollte, sich von dem betreffenden Bäckermeister mit Kuchen und Wein bestechen lassen, um bei Untersuchung der Beschwerde die Jnter- essen seines Verbandes zu verraten. Wegen dieser unwahren Behauptungen hat Hetzschold gegen Hartmann Privatbeleidigungsklage erhoben. Diese wurde am Mittwoch vor dem Schöffengericht Brrlin-Mitte verhandelt. Die Klage richtete sich gleichzeitig gegen den Redakteur Boß von der „Bäckerzeitung". Das JnnungSblatt hatte aus dem Hartmann- schen Blatte die Behauptungen über die skrupellose Inszenierung deS Streiks übernommen.— Hartmann hat Widerklage erhoben auf Grund eines angeblich von Hetzschold verfaßten Flugblattes, durch dessen Inhalt sich Hartmann beleidigt fühlt. DaS Gericht erhob zunächst Beweis über die Kuchen- und Weingeschichte. In dieser Hinsicht wurde folgendes festgestellt: In einer Mitgliederversammlung des Bäckerverbandes hat ein Redner die Behauptung, Hetzschold habe sich in der angegebenen Weise bestechen lassen, aufgestellt. Auf Antrag Hetzschold« wurde sofort eine Kommisston zur Untersuchung dieser Angelegenheit eingesetzt. Die Kommission hat festgestellt, daß an dieser Be- hauptung kein wahres Wort ist. Derjenge. welcher die Behauptung in der Versammlung erhoben hatte, erklärte dann, daß er durch die Beweiserhebung der Kommission von der Grundlosigkeit seiner Behauptung überzeugt sei und dieselbe zurücknehme. Dieses Er- gebnis der Kommissionsverhandlung ist in der Zeitung deS Bäcker- Verbandes veröffentlicht und muß höchst wahrscheinlich auch Hart- mann bekannt geworden sein. Trotzdem hat er nach dieser Ver- öffentlichung in der Verbandszeitung die unwahren Angaben in seinem Blatte weiter verbreitet. Zu der anderen Behauptung der Angeklagten, Hetzschold habe den Streik zu seinem persönlichen Borteil ins Werk gesetzt, war der größte Teil der 5S anwesenden Zeugen geladen worden. Die wirklichen Ursachen de« Streiks sollten vor Gericht fest- gestellt werden. Hierüber sollten in erster Linie Oberbürgermeister Kirschner und der Vorsitzende deS GewerbegerichS iS. Herr v. Schulz, vernommen werden, die beide Vcrglcich�eerhandlungen zur Bei- lcgung bezw. Verhinderung de» Streiks geführt hatten. Von diesen beiden Zeugen wurde nur Herr v. Schulz vernommen. Er gab einige Daten über die damaligen Verhandlungen, die auf- gestellten Forderungen usw. an. Natürlich wußte er nichts davon, daß Hetzschold ein persönliches Interesse an dem Streik gehabt habe. Vielmehr gab der Zeuge an, daß die Gewerkschaftsführer, wenn sie wegen eines Streik» vor dem EinigungSamt verhandeln. immer zum Frieden bereit wären, und daß er, der Zeuge, bei solchen Verhandlungen gerade mit Hetzschold gute Erfahrungen gemacht habe.— Ferner wurden die Obermeister Schmidt und Müller vernommen. Auch diese Zeugen konnten die Be- hauptungen Hartmann? in keiner Weise stützen. Die beiden Obermeister konnten nichts weiter sagen, als daß ihrer Meinung nach keine Ursache zum Streik vorgelegen habe und daß sie daS Empfinden hätten, Hetzschold müsse, um agitawrisch für den Ver- band zu wirken, von Zeit zu Zeit einen Streik ins Werk setzen. Tatsachen, welche für diese Annahme sprechen, konnten die beiden Obermeister nicht angeben, ebensowenig wußten sie etwa» davon. daß Hetzschold persönliche Vorteile von dem Streik hätte haben können. ES sei zwar in Meisterkreisen daS Gerücht verbreitet ge- wesen, Hetzschold sei Mitglied der Reinickendorfer Genossenschaft». bäckerei. Demgegenüber wurde jedoch festgestellt, daß Hetzschold zur Zeit deS Streik» schon lange nicht mehr der Genossenschafts- bäckerei angehörte.— Ein anderer als Zeuge vernommener Bäckermeister sowie der bekannte Vorsitzende de? gelben Bundes der Bäcker wußten zwar mancherlei zu erzählen von der AgitationS- weise Hetzschold», die sie als„Hetzerei" empfanden, doch von dem, was Hartmann behauptet hatte, konnten auch diese Zeugen keine Spur erweisen. So hatte sich also vor Gericht klar herausgestellt, daß Hartmann seinen gewerkschaftlichen Gegner durch voll- kommen unwahre Behauptungen herabzusetzen versucht hatte. Nachdem die Beweisaufnahme schon in ihrem Anfang so ganz zu Ungunsten der Beklagten ausgefallen war, verzichteten sie auf die weitere Inanspruchnahme des umfangreichen Zeugenapparates und schlössen mit dem Kläger einen Vergleich, dahingehend, daß Hartmann zwei andere Beleidigungsklagen, die er gegen die Angestellten des Bäckerverbandes. Schneider und Thieme, anhängig gemacht hat. zurücknimmt. Hetzschold nahm die vorliegende Klage zurück, nachdem Hartmann die vorstehende Er» klärung abgegeben und ferner erklärt hatte, er könne die Be- hauptung, Hetzschold habe, um persönlichen Vorteil zu erlangen, gegen die Interessen des Bäckerverbandes gehandelt, nicht auf- rechterhalten könne. Ferner wird in dem Vergleich gesagt, daß beide Parteien die gegenseitig gebrauchten Beleidigungen zurück- nehmen, in Zukunft sich nicht mehr beleidigen wollen, und den abgeschlossenen Vergleich in ihren Blättern nicht veröffentlichen wollen. Die Anwälte der Beklagten wollten in dem Vergleich auch den„Vorwärts" zur Verschweigung dieser Verhandlung verpflichtet wissen, doch da? ließ sich schon aus juristischen Gründen nicht in dem Vergleich aufnehmen. Natürlich haben wir auch keine Ver- anlassung, Herrn Hartmann den Gefallen zu tun, Schweigen darüber zu bewahren, daß er sich genötigt sah, Verdächtigungen, die er öffentlich gegen einen Gewerkschaftsleiter aussprach, vor Gericht zurückzunehmen. Herrn Hartmann mag damit gedient sein, daß er unter Ausschluß der Oeffentlichkeit die öffentlich von ihm erhobenen Beleidigungen widerruft. Wir aber be- treiben nicht die Geschäfte des Herrn Hartmann. Vermilektes. Schneefall im Harz. Aus Ouedlinvura wird vom gestrigen Tage gemeldet: In vielen Orten im Harz,[o in Stiege, GüniherS- berge, Hasselfelde, herrscht seit heute früh ununterbrochen starker Schneefall. Bielfach ist die Ernte noch nicht ganz geborgen. Große Neberschwemmungen. Nach einer Meldung au» Mexiko hat eine Flutwelle in der letzten Nacht die Stadt Santa Rosa im Staate TabaSco überschwemmt und beträchtlichen Schaden angerichtet. Gleichzeitig ist der Fluß Usumarinta in der Nähe der Städte Jalapa und San Juan Bautista aus seinen Usern getreten und hat die ganze Gegend überschwemmt. Verluste an Menschenleben sollen nicht zu beklagen sein. Der Materialschaden wird auf mehrer« Millionen geschätzt. Die Cholera. In Hehdekrug ist Königsberger Meldung zufolge der stellungslose Arbeiter Gaulin an Cholera gestorben. Ein neuer Fall von Erkrankung an Eholera wird aus Sköpen, Kreis Niederung. gemeldet. Brüssel. In der Gemeinde Boom bei Antwerpen sind sechs Todesfälle und zwei Erkrankungen an asiatischer Cholera festgestellt worden. Eine weitere Ausbreitung wird nicht befürchtet, da alle erforderlichen Vorsichtsmaßregeln getroffen worden sind. Strandung eines englischen Dampfer». Wie der Telegraph au» Ea st wort(Maine) meldet, hat der englische Dampfer „ H e st i a" bei der Jniel Grand Manan Schiffbruch erlitten. Von der Besatzung sind 3t Mann ertrunken, sechs sind gerettet worden. Neberfall im Innern Sibiriens. Aus NikolajewSk am Amur wird gemeldet: Gestern abend überfielen Thunchuscn in räuberischer Absicht ein an der Hauptstraße gelegenes japaniicheS Uhrmacher- geschäft, töteten zwei Japaner und ein Mädchen und verwundeten eine Japanerin schwer. Die Räuber entkamen. Zwei Mann im Hamburger Hafen verunglückt. Infolge eines bei den LandungSbrücken von St. Pauli erfolgten Zusammenstoßes mit dem Schleppdampfer„WindSmaer" ist die Barkasse.Ernst Richter' gestern gesunken. Von der Besatzung, die auS vier Mann bestand, sind zwei Mann ertrunken. Orkan. Paris, 27. Oktober. Ein Orkan, begleitet von einer Wasserhose, ist über SableS d'Olonne niedergegangen und hat großen Schaden angerichtet. Ein Eisenbahnzug ist entgleist, drei andere Züge sind zum Stillstand gebracht worden. Ein Eisrniahnzug in den Fluß gefalle«. In verschiedenen Teilen Englands herrschen, wie eine Meldung auS London besagt, infolge von Stllrmen und starke» Regensällen Ueberschwemmungen. Der Eisenbahnverkehr mit verschiedenen Ort« schaften ist unterbrochen. Die Eisenbahnbrücke über den Rotherssuß in Suffex ist eingestürzt und ein Güterzug der Südostbahn teilweise in den Fluß gefallen. Sin«kesiki»n2 M.—«iintgltche Hoheit. Roman von Th. Mann Geh. S M. geb. 6 M. S. Fischer. Berlin. Bülowslr. SO. D» bist die Ruh. Von Paul Friedrich. 2N Seiten.— Dem neuen Gott entgegen. Bon W. Jansen. Itö Seiten. Schuster u. Loeffler. Das kranke England, von Dr. T. Abel-MuSgrave. Broich. 3 M., geb. 4 M. Neuer Franks urler Verlag, Frankfurt a. M. Die Notwendigkeit der Forderung de» allgcmeiuen. gleichen. direkten, geheimen Wahlrechts, von Tony«reitscheid— Erziehung zum Stiuimrecht der Fron, von Hedwig Dohm.— Der Weltbund für Frauenftim», recht. Bon Elle Luder». Preujjischer Landesverein für Frauenstimmrecht, Berlin. Fasanenstr. 68.__„„- Die Schreckensherrschaft in Rnhland. Bon Fürst P. Krapolkln. 92 Seiten. Verlag von Robert Lutz, Stuttgart. Täumelinchen. Erzählung von Karin Michaelin. AuS dem Dänischen übersetzt von Math. Mann. Gey. 2.60 M.. geb. 3ch0 M.- Die Familie Banderhonte». Roman von Adele Gerbard. Geh. 6 M.. geb. 6 M—- Die beiden HarluugS. Romau von H. Jlgenslein. Geh. 4 M.. geb. s M— Der Mikado. Ein Leeroman von R. Saudek. Geh. 4 M., geb. SM.— Haus Ellerbroot. Roman von ffi. EilerS. Geh. 4,50 M., geb 5,60 M. Coiieordla. deutsche Verlagsanstalt. Berlin W. 30. Rede auf Schiller. Von Jakob Grimm. Hamburg: Sutenberg- Verlag. Geh. 50 Pf., geb. l M. Zwölf Lieder. Von Th. Fisher. Selbstverlag Berlin und Leipzig. Ter Freiheit entgegen. Von E. Carpeiiter. Uebersetzt von Lilly Radier, RuelleuS und E. Batthyany. Brofch. 3 M. Freier lilerarifcher Verlag. Berlin— Teinpelhof. �. Max ENtd'S gesammelte Schriften. Hlnltr Pflug und Schraub. stock. In S Bänden geh. 30 M.. in Pr.-Bd. geb. 38 M. Deutsche Verlags. anstatt, Ätuttaart. Da» Badnerland in Wort und Bild. 84 Seiten. Badlfcher Landesverband zur Hebung de» Fremdenverkehrs in Karlsruhe. Das Paradies der Liebe. Ein Mönchsroman. Von Dr. I Baptist Schab. MenuulngerS VerlagSanstalt. Würzburg. Broschtert 2, SO M., gebunden 3 M._„, Ich suche meine Mutter. Von M. Winter. IM.— Erinnerungen eines Waisenknaben. 1 M. E. Reinhardt, München. Dle Welt als Arbeit. Von Dr. Oskar Nagel. G>undznae einer neuzeitlichen Welt- und Lebensanschauung. Stuttgart, Franckh'sche Verlag»» Handlung. Geh. 1,80 M., geb. 3 M....... Weun deine Seele einfach wird. Gedichte von Karl Rottger. 2 M.— Märchen für Kinder und Hau». Bon Verena zur Linde. 2,50 M. Cbaronverlag, Groß-Lichlerselde. Tie Besoldung der Reichsbramten und Offlziere. Die Be- stimmungen der Besoldungsordnung vom Jahre 1909 und die einschlägige» Verhandlungen im ReichSlag. dargestellt von einem Mitglied der Zentrums- sraktlon. Geb 1,50 M. M.-Gladbach. BolkSvereins-Perlag. Einsamkeit. Roman von E. Zahn. Geh. 3,50 M., geb. 4,50 M, Stuttgart. Deutsche VeilagSansialt._.......... Sch 0 erblich. Zur Lchillerfeter 1906. Deutsche Dichter-GedächtniS- Etislung Hamburg— Großborltel.. � � Geschichte der Kunst i» Großbritannien und Irland. Von Sir Walter Armstrong, deuuche Uebersehung von Pros. Dr. E. Haenel. Verlag von Julius Hoffmann, Slultgarl. Geb. 8 M. Kultur- und MeufchdeitSdokumente. Herausgegeben von Joh. Gault« Band III.— Im Zwiichendeck. Ein Kulturbild au» dem Aus- wände, erleben. Von Job. Gaulle. Freier Llterarlscher Verlag, Berlin— Tempclhvs. Brosch. 2,50 M., geb. 3 M. WasserltandS'Nnchrtchten der LandeSmiftall für Gewäflerlund«, mltgelellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserst an» M e m« l. Tilflt P r e g e l. Jnsterbmg B e l ch i e l. Tborn Oder. Ratibor , krossen , Frankfurt va r t h e. Lchrimm , LandSberg Netz», Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden # Bardo » Magdeburg 1 4- bedeutet Wnch».—«all.— 1 Unterpeqel. Für den Inda!» der Jnterutr übernimm» die Redaktion dem Publikum gegenüber tetnrrlet Verantwortung. Cheater. Donnerstag, den 28. Oktober. Ansang 7'/, Uhr. Aövigk. Overuhau». Lohengrtn (Anf. 7 Ubr.) König!. Schauspielhaus. DieWelt, in der man sich langweilt. Deutsches. Hamlet. Kammersptele. Frühling« Erwachen. sAns. S Uhr.) Neue«. Der letzte Kaiser. Ansang 8 Ubr. ReueS könlgl. Opern-Dheater. Jägerblut. Lefstug. TantriS der Narr. Romilche Oper. Der Wildschütz. Berliner. Mpenkönlg u. Menschen- seind. Schiller O.(Ballnei- tycoici.) Gespenster. Cchiiin Cbarlottrnbnrg. Dl« erste Geige. f ebbet. Der Skandal. leine». Hinter m Zaun. Neues Schauspielhaus. DaS Exempel. Westen. Die geschiedene Fra». Bolkeoper. Der Troubadour. Neues Operetten. Der arme Jonathan. Thalia. Geschlossen. Refidenz.«retchen. Trlanon. Partler Witwen. Lnstspielhau». Man soll keine Briese schreiben. Friedrich. Wilkelmftäd«. Schau- sPielhauS. Da» große Licht. Luisen. Inspektor Brostg. sttoie. Michael KoblbaaS. Metrovot. Halloy!l— Di« große Revue. Folie«(kaprtee. Mobiliflerung. Der gewisse Augenblick. Ans. 81/« Uhr. Atzt»«». Spezialitäten. Wintergarten. Sveztalitälen. Gedr. Herrufeld-Theater. Frau Elknm» Friseur. Meine- Dem« Tochter. Karl Haverland«Theater. Epe- zialitäten. Ensino. Ontel Cohn. Waldolla. Sveziaiitälei«. Gastspiel. Die gute Partie. P»>„ae. Svezialltäten Noack» Theater. Das Warenhaus- sräuletn. Palan. Der Blumenstrauß, Spezialt- täten. ReichSvallen. Stettiner Sänger. Urania. T-uii-e-niri-de l-> tb. Abend» 8 Ubr: In den Dolomoien. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Die Zeugen früheren und frühesten Lebens aus Erden. Sternu-arir. Jiwatid«iiN! V7!6K. LonainK-Theater. 8 Uhr: TantriS der Narr. Freitag, 8 Uhr: Der Köllig. Sonnabend, 8 Uhr: TantriS der Narr. Lerlinef Heute 8 Uhr: Rlpenkönig und Menschenfeind. Morgen: Alpeukönig und Men< schenfetud._ Neues Theater. Heute 8 Uhr zum erstenmal: ver letzte Kaiser. Schauspiel in 4 Akten v. R. Herzog. Freitag: ver letzte Kaiser. Priedrich-WlltieinistädtisGties Schauspielhaus. Donnerstag, 28. Oktober, Anf. 8 Uhr: Das grohe Licht. Schauspiel in 4 Aklen o. F. Phillppl. Freilag: Da» große Licht. Sonnabend: Da» große Licht. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. HehlUer Schlllor-Theator 0.(Wallner-Zhealer.I Donnersiag. abendSLUHr: Geapcnator. Ein Famllteiidrama in 3 Aufzügen von Henrik Ibsen. MU- Ende 10'/, Uhr."WW Freitag, ad.no» suat- Das Kttthchen t. Heilbronn Sonnabend, abends 8 Uhr: Die erate Gelzpe._ Theater. Schiller-Theater Charlettenburg Donnerstag, abend»8Udr! IHo erNte Gele«. Lustspiel in 4 Akten v. Gustav Wied und Jens Petersen. MT Ende 10',, Uhr."WM Freiing, ahenes 8 vor: Der Srliwur der Treue. Sonnabend abends 8 Uhr: IMe von Hochanltel. Urania. WiBseaachaftlichee Theater. Abende 8 Ubr: In den Dolomiten. HOrsaal 8 Uhr: Dr. W. Lern dt: Die Zeugen früheren und frühestes Lebens auf Erden. Tbeater des Westeos. Abend» 8 Uhr: Die gcarhledene Vran. Sonnlag nachm. 3'/, Uhr: iE In H'alaertranm. STeuea Operetten-Theater. Schissbauerdamm 25, a. d Luisenjlr. Heute und folgende Tage: ver arme donatlmn. Volks-Oper. SW, Belle-Alllanee- Straße Nr. 7/8. Abend» 8 Uhr: Der Troubadour. Gastspiel Werner Albertl. Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr: Man soll keine Briefe schreiben. Residenz-Theater Direftion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: UtrrtvhQii. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, 31. Okt.. nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um«melie. jUSE-TlicMT Große Frankfurter Str. 132. An!. 6 Uhr. Ende geg. 11 U jj Michtlkl Kohlhaas. Li Romantisch. Schauspiel in 4 Akten nach Heinrich v. Kleist» htstorisch. Roman von Loui» Schenk. Freitag: Die relegiert. Studenten. I m»gwm« rmn fraw», mTj«» rw«)| AdendS 8 Uhr: Inspektor Bräsijf. Lebensbild in 6 Bildern v. Gasmann. Freitag: 1. Opern- Gallsptel der Mozart< Oper: Der Postillion von Lonjumeau. Sonnabend nachm.« Uhr große Kindervorstellung: Aschenbrödel. AbendS 8 Uhr: Tohuwabohu. Burleske nach dem Amerikaiiischen, bearb.o. Heinz Gordon. Gesanasiexte v. Rndols Schanzer, Musik o. Julius Einödshojer. 0 Uhr 20: Die graudiosen Spezialitäten. 10 Uhr: ? CussaC'Talma? Metropol-Theater Hallo!!! Die groüe Revue 1 In 8 BUdam von Jul. Freund. Masih v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen geatattet Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 67/83. Täglich abends 8>/, Uhr: Gastspiel von ssrlte Beokmann. Die gute Partie. Casino-Theater Lothringer Straße 37. 2äi O«!! C �-nkel O°!-! C "�ntel Täglich 8 Uhr: ohn olm ohn ohn ohn ohn Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkers. ILönizxBt»«lt-Iä»aino. Hoizmarttstraße 72. Tägllch: fmiiz Sobnnakl. Fill Morro, Gustav Eulenburg, Geaohw. Arraa, F. W. Hardt, The Hartle u. Mit Eltrah oaw. Dr. Schwips. Posse mit Gesang in einem Alt. Stadt-Tlieater Moabit. Alt-noubit 47/48. Donnerstag, den 28. Oktober 1909: Großer Erfolg I Großer Ersolg l «ins allgemeinen Wunsch: Dr. Heinrich Alerander, 1. StaatSanw.: Fritz Lorentz a. G. W. Koacks Theater «ruinieiinr m, am Rosenihaler Tor. Täglich'/,9 Uhr: Mit größtem Beifall aufgenommen 1 Ntts Uarenhanssräiiitin. VolkSst. v. d. Messtngpntzer O Popper. Sonnabend Klndervorstellung: Rot» käppchen. Abends Premlere: Freiheitsdrang. Passage-Panoptikiiin. Die Iraummalerin iiies 1 na d. achwebende Älj«» Jungfrau. Her Hotoboy d. kllnetl.rerl. Mensch TambDritza-Bript. Paoophon-Vorträge Vllasitop-TbeatEr Dauervorsteilung von 4—7 Ubr. Polles Caprice.; Mobilisierung. Bnnter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11—2. Anfang 8'/« Uhr. I •• •• Einige neue Mitglieder:: KU den Nachraittags-Abteilungen können«ich noch in den Zahlstellen anmelden. Sonnabend, den 13. November 1909, abends S'/i Uhr: Herbstfest mit Festball und Gesellschaftsabend in den Konzertsälen der Brauerei Happoldt, Hasenheide Humoristischer Vortragsabend. Mitwirkende: Soubrette und VertragskQnstlerin; Frau ülartha Gltlck.— I Liedersängerin: Fräulein Ldtml Kurs.— Konferencier und Chansonnier: Herr Albert KUhne.— Humorist: Herr 1 Max Rclchhardt. Am Flügel: Herr Kapellmeister Clemens Schmalstich. Fcstmarkcn ä 60 Vt, vom 1. November ab lo den Zablstellen. Die nächsten AaflOhrnngen: Neues Scbaaspielbaas. Nachmittag- und Äbend- abteilungon: Thalia•Theater. Halbe: Eisgang. Maria Stuart, ho,,., Der Dorltpi. Trauerspiel Ton Friedrich Schiller. Lessing-Theater. Gerh. Hauptmann Eztravorstellang: Residenz-Theater: Hoppe; Bauemkoraödie aus d. schlesisohen Gebirge. 1 Herrnteld-Theater. Eamann:* UHil Ml SxtravorsteUungJuggnfl I B. Extravorstellung: Dumas: I Palast-Theater. Diretiion: Robert Dill St Karl Pirnau. Burgstrabe 24, am Bahnhof Börse. Tie erstklassigen Oktober- Spezialitäten. 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Um VI, Uhr: fiHMslMll! Besonders hervorzuheben; Jack Joyce, der berühmte Cowboy mit seinen wilden Pferden. Die 10 Meter hohe Springwelle und das große Gala-Programm. Sonnerdtag, heu 28. Oktober, obenbs?>/, Uhr: Gala-Premiere der diesjährigen gr. Ausstattungs- Pantomime mit vollständig neu- gebaut. versenkbar. Bühnenpodion, Die drei Rivalen ober Das mysteriöse Schlost in der Normandie. Eine romatisch- phantastische Pantomime in 5 Atten. I. Akt: In her Normandie.— IT AN: Aus dem Schlosse des RitterS de la Mampogne.— Hl. AN: Das mysteriöse Schlost. — IV. AN: Die drei Rivale». — V. AN: Das HochzeitSfeft. Noch nie dagewesene Schlust- Apotheose. Vorher das glänzende Programm und die neuen Kunfttapaziläten� 1>!aricni-Tkeatei*. AbcndS 8 Uhr: Pariser Witwen. SSNSSOUvi, Straße'(L Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: NeneS Programm. IW-üm Än von MmannsNordiLSiiiigeri] Grober Erfolg 1 Ein Abenteuer im Witwenverei». Lustspiel in 1 AU n. d. Kolossal-Programm. SSeg. 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November: BmideSvorsitzender Angust Aeumann:„Alkohol und Unfall". 3. Dezember: Arbeitcrsekretär Nudoir HVlssoll:. GewerkschaftS- bewcgung und Alkoholfrage-. 16. Dezembnr: Schriststeller Heinrich Schulz:»Abstinenz und Klassenkampf". Karten zu 36 Pf. im Vorverlauf— gültig für alle 7 Vorträge find beim Genossen E. Geisler, N. 58, Kuglerstr. 41, und in der„Geschäfts- stelle deS„Deutschen Arbeiter-Abstinenten- Bundes--, Engeluser 19, zu Haben. Einzelooriräge 16 Pj.— Getränkeausschauk findet nicht statt! Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand 290/4' der OrtSgr. Berlin des D. A.-A.-B. jfol jemand ftienmatismiis, Gicht, Gliederreißen, Nervenschmerzen, Hüftweh(Ischlns), Hexenschuß, Geschwulst-c. so gebrauche plnnli'ienni"(Äetber. lltefevnadel. er Reichels„GlvUll ItUUl Watdwollül). ehr einsaches und unschädliches Naturprodutt von starker, durchgreifeuder Wirkung.„Electrlenm" wirkt wie elektrisierend auf den Korper und nicht wie spirituöse Einreibungen nur momentan und oberflächlich, sondern nachhaltig und gründlich. Fl. M. i,— und 8,—. Die Wiikung wird noch erhöht durch innerlichen Gebrauch von Reichels Wacholder- Extrakt, Fl. 75 Pf., M. 1,56 u. 2,56. Man nehme nur dir echten Originalfüllungen und acht» scharf aus die Marke„Vledleo"! Erhältlich in den meisten Apotheken u. Drogerien, wo nicht, direkt durch OÜo Reiehel, Berlin 43. Eisenbahnstr. 4. iint>?."'Vss4752, Letzte Woche! Maria Galvany Primadonna von der Kgl. Oper in Madrid, sowie das gizenMlolierpripii Sonntag, den 81. Oktober Anfang; 8'/t Ehr. — T* Kleine Preise.-?» Artnshof(Moabit) Perlcbcrgc: Strohe 26. Gastsp. des Willi Voigt Theater-Ens. Donnerstag, den 28. Ottober 1909: Oraf Essex. Trauerspiel in 5 Akten von Laube. Kastenöffnung 7 Uhr. (AM- Ansang 8 Uhr. Passage-Theater. Abends 8 Uhr; Oer größte Erfolg der Theatersafson I Henry Bender in der tollen Burleeke Der süße Doktor. Ferner: Ciaire Waldoff und der große Varietß-Tell. i f eek* Cloppenburg Spezialhaus für moderne Herren- u. Knabenkleidung Oertraudtenstrafie 25, 26, 27 □ Roßstraße I u. 2. Fertig am Lager! Schwarze Gehrock-Anzüge Tuchkammgara... M. 41, 46, 50, 56 64, 68, 74, 86 o. 8. w. Melton-Cheviot... M. 56, 61, 68, 74, 86 a. 8. w. Frack-Anzüge: Tuchkammgarn... KL 46, 56, 60, 70, 84 o. s. w. Smoking-Anzüge: Tuchkammgarn... KL 38, 41, 50, 56, 62 75, 89 n. s. w. Melton-Cheviot....... M. 62, 70, 84 n. s. w. SozialdeinokratisriieFWalilveretei für den 4. Berliner fieielistagswalilkreis] Landsberger Viertel. Bezirk Nr. 415 Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht,! dag unser Genoffe, der Seiler- j abzieher «rosSL Elb© Allensteiner Str. 7 gestorien ist. Ghre seinem Andenke«! Die Beerdigimg findet am! Donnerstag, den 28. Oktober, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- 1 Halle de» Georgen- Kirchhofes in 1 Weihensee aus statt. 220/13 Der Borstand. Velbanl! d. baugewerblichen| Hilfsarbeiter Deutschlands, j Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Bezirk Süd-Ost) Den Kollegen teilen mh hierdurch mit, daß unser Mitglied, der Kollege 30/19 Alhert Machiii am Montag, dm 25. Oktober verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. Oktober. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Michael-Fried- hoses in Mariendors, Rixöorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorstand. E. H. Xo. 89. ?Iermit die traurige Nachricht, unser Mitglied, der Tischler Fdnard Knaak Nostizstrahe 16 wohnhaft, am 25. d. M. im Aller von 71 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des BonifaeiuS- Kirchhoses, Marienhöhe. Südende aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 199/12 Der Vorstand. yerhaml der FaWariieiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Bezirk Ober-Schöneweide. Todes-Anzeige. Am Montag, den 25. Ollober, verstarb unser Mitglied A.iiKust Agtha. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. Oltober, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle des Sophien-Friedhoses, Fretm- wolder Straf)», aus statt. Ziege Beteiligung der Mitglieder erwartet 64/14 Die OrtSverwaltnug. Weiii.Ilral!he!i'll.8teMasse! lj.dei!tsch. Drechsler li.BMg. (E. H. 86 Hamburg.) Verwaltungssteile Berlin D. Am 25. Oktober verstarb unser | Mitglied 290/9 j Franz Warnke. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet DonncrS- 1 tag. den 23. Oktober, nachmittags l 4 Uhr, von der Leichenhalle deS I neuen Rirdorfcr FriedhoseS, I Marlenborscr Weg. aus stall. Am 25. Oktober entschlief sanft nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Grohoater, Bruder und Schwager, der Werksührer Franz Ugat im noch nicht vollendeten b2.LebmS- jähre. Die Beerdigung findet am Freitag, den 29. Oktober, nachm. 4>/,Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobt-KiichhofcS, Rixdors, Hermannstrahe, aus statt. Im Namen der trauernde« Hinterbliebenen: Harle l.lgnt geb. Wendtland Wiener Str. 52. 21706 Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten sür die herzliche Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unserer lieben Tochter unseren herzlichsten Dank llOOOSJ Familie Kranse, Rixdort,TellItr. 1A s/orsichtv pertartffert voreter Paten f• me/JL'nqfntf/Sa. frankoJng.Car/ Fr. fie/cAeff.|__ B.rfm, /■ Friedricfi&fr 2ÖF- vT-1 BerätttwörÜicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für den Lnjeratentell verantw: Th.Gtoäe, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdrucierei u. Verlagsanstalt Paul Singer&(So. Berlm SVllk 5t. 252. 26. Zahrgauy. 3, Jfilnjf Ks Jotiunitö" öttlintt JolMliitl. Donnerstag. 28. Oktober 1909. Gerichts- Zeitung* Theophrastus Bombastus Paracelsus, der tüchtige Medizinmann des 16. Jahrhunderts, muß es sich oft gefallen lassen, daß sein Name zur Bezeichnung prahlerischer, marktschreierischer Anpreisungen gebraucht wird. Aber, daß er, der den Stein der Weisen und die echte Art, Gold zu machen, vergeblich suchte, nach seinem Tode anderen dazu dienen sollte, gegen eine halbe Million aus anderer Leute Taschen in die„Vom- bastus-Werke" zu zaubern, geht doch über alles, was Phantasie erzaubern könnte, hinaus. Und doch ist dem so. Hat da in Potschappel bei Dresden ein Emil Adolf Bergmann eine Fabrik zur Herstellung von Zahnpasta und � kosmetischen Mitteln unter dem Namen„Bombastus-Werke" errichtet. Da das nötige Kleingeld zur Fortsetzung der Fabrik, die übrigens später doch einging, ihm fehlte, so verfiel er auf den folgenden Zauber: Bergmann beschwor die, die da nicht alle werden, mittels des„Spiritsmus" um Geld. Den gläubigen Schwachen an Geist und Starken an Geld ließ er„Geister" erscheinen. Diese rieten den Spiritismusgläubigen dringend, ihr Geld in den„Bombastus- Werken" anzulegen. Und dieser Rat wurde prompt befolgt. So steckten seit dem Jahre 1901 ein Ingenieur 108 400 M., ein anderer 13 000 M., ein Fabrikbesitzer Hochmuth 290 000 M., der Oberstabsarzt Dr. Katz-Degerloch SS 000 M. in die„Bombastus- Werke". Diese erfolgreiche Beschwörung hielt die Staatsanwalt- schaft für Betrug. Bergmann hatte sich, einem Telegramm zu- folge, deshalb gestern vor der Dresdener Strafkammer wegen Betruges und einfachen Bankrotts zu verantworten. Eine Un- menge Zeugen und Sachverständige für die Bombasterei sind zur Stelle. Ueber den Ausgang dieses Prozesses, der auf die Bildung derer von Besitz ein charakteristisches Licht wirft, werden wir berichten. Das Spinngewebe als Retter. Göttingen, 26. Oktober. Polizeilichem Irrtum und dem Glauben von Richtern an besonderen Polizeivcrstand hatte es der Maurer Wilhelm Lösch aus dem Harzstädlchcn Zellerfeld zu der- danken, daß er unschuldigerweise wegen Einbruchsdiebstahls von der Göttingcr Strafkammer zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Er sollte eines Nachts in das Gebäude des Bahnhofs- rcstaurants eingedrungen sein und dort 16 M. bares Geld ge- stöhlen haben. Die Vorermittelungen waren durch einen Schutz- mann geführt worden und dessen Wahrnehmungen hatten vor- nehmlich zur Begründung des Urteils gedient. Die Verurteilung erfolgte vor etwa einem Jahre, die Strafe ist aber bis heute noch nicht vollstreckt, denn der Beschuldigte wehrte sich mit allen Kräften gegen das Urteil und hat jetzt die Wiederaufnahme des Verfahrens durchgesetzt. Tie größte Hilfe hat ihm hierbei ein anderer Polizei- beamter, der Gendarmerieobcrwachtmeistcr Bockkopf geleistet. Dieser (inzwischen pensionierte) Beamte war am Morgen nach dem Dieb- stahl bei der Besichtigung des Tatortes ebenfalls zugezogen und hatte ein durchaus anderes Bild von der Sache gewonnen. Er setzte dies heute der hiesigen Strafkammer, die wiederum über den Fall zu entscheiden hatte, auseinander. Der Angeklagte konnte nur dann als der Täter in Betracht kommen, wenn sich die Annahme des Schutzmanns bestätigte, daß der Dieb über ein geteertes Dach hinweg durch ein bestimmtes Kammerfenster eingestiegen war. Nach der Darstellung des Wachtmeisters war die? aber vollkommen ausgeschlossen, denn erstens zeigte das schwarze Teerdach keinerlei Spuren von Fußtritten, während in der Kammer selbst solche Spuren vorhanden waren, und zweitens hing noch am Morgen vor dem betreffenden Fenster ein altes Spinngewebe, welches beim Einsteigen einer Person unbedingt zerrissen wäre. Nach Ansicht des Wackitmcisters konnte das Geld nur von einem Bewohner des Hauses selbst gestohlen worden sein. Schon nach dieser Klarlegung verzichtete das Gericht auf die Vernehmung sämtlicher übrigen Zeugen. Der Staatsanwalt selbst beantragte Freisprechung und das Gericht erkannte demgemäß. Die Kosten wurdpn der Staatskasse auferlegt. Im Kampf um die Graf v. Pfeilschen Kinder veröffentlicht der Abgeordnete v. Richthofen eine Erklärung, der lvir entnehmen, er habe die Herausgabe der Kinder abgelehnt, weil diese die Gesundheit der Kinder hätte gefährden können und weil die Vollmacht des Bevollmächtigten der Mutter der Kinder nicht beglaubigt war. Das Landgericht in Graudenz hat den Landtags- abgeordneten Ernst v. NichtHofen wieder als Pfleger der Pfeilschen Kinder eingesetzt. Das Amtsgericht hatte die vorläufige Aussetzung der Vollstreckung des auf Herausgabe der Kinder gerichteten Be- schlusses angeordnet. Demnach haben zurzeit in dem Kampf um die Kinder die v. Richthofen gesiegt. «SttteruuqSubcriiltit vom S7. Oktober 1909, morgens 8 Hör. Ctattonfn KEl<* j» i« 5 e«' B= 2= Z � »—| Setter tmmemfie 760@0[ 3 wolkig urg 1756050 erltr( 759 SD Franti.a M. 751 SO Äüncheu 17570 Sien 761 SJ» 4 bedeckt 2 wolkig 3 wolkig 2 wolkig 1 Nebel tos *11 i? Ctationen s- *= -- B B? Setter -!? c* »» h Haoaranoa 763 NNO Petersburg 763 SSO Sctlw ,713DND Aberdeen Paris 759 NW 748 SO 2 bedeckt 1 Nebel 5 bedeckt 2 beiter 2Regen s 1l 0 10 Wetterprognose für Donnerstag, den«8. Oktober 1909. Ziemlich trübe und regnerisch bei frischen südlichen Winden, wärmerer Nacht und langsam sinkender Tagestemperatur. Berliner Wetterbureau. öaajejaD W. WERTHEIM Frledrlflistrassc 110-112 G.m. b.H. 'UWCIUÜ MaWÜBlIBM 110-112 I I § Cebensmitfd zu besonders billigen Preisen Kolonialioarcn Viktoria-Riesen-Crbsen Crbscn glasiert.... Erbsen halbe..... Erbsen grün..... Bohnen kleine.... Bohnen lange.... Einsen mittel.,... Einsen gross . Pfd. 16 Pf. .. 22. .. IS. .. I?. .. 14. .. 17. ..>1. 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Bratheringe,«hneKtpfo.«hnearSten 75, Thunfische in Od.. 50 95 150, Oelsardinen Dose 26 50 70 125 140, Krabben, ca. 4 ßter-Dos«.. 300, «ppetit-Slld, Dos«...65 35 28, Gabelbissen, Oos«... 80 65 38, Ochsenmaulsalat, Das«.. 95 50, Wurstwaren Holsteiner Ceruelatmurst Pfd. 1.10 m. „ Salami...» 1.15„ Ceruelatmurst in Setidarm„ 1.20„ Schinkenmurst....„ 1.15„ Bauernknoblauchmurst. Pfd. 0.95 m. Teewurst........ 1.15„ Mettrourst n. Brounschro. Ort„ 0.85„ Nussschinken2—Z Pfd. schwer. 1.15„ Schinkenspeck..... Pfd. 1.— m. feine Leberwurst...., 0.95„ Candlebenuurst..... 0.85.. Ccberrourst, Hollesch« Art„ 0.95„ Rotwurst I..... Pfd. 0.65 M. „ II.*...n 0.45„ Jagdwurst....... 0.90, Sülzwurst mit Zungminkge. 0.65, Täglich von 4 Uhr ab warmen Burgunder- Schinken in Brotteig gebacken Pfd. 40 Pf. Prima deutsche Ochsenzungen in Dosen, tafelfertig, 1—3 Pfd. Inhalt, Pfd. 2.15 M. flussfische Lebende Karpfen.......... pm. 80 Pf. . forcllen......... Pfd. 2.75 m. . Hechte.......... ptd. 1.— m. Bleie................ 50 Pf. Platzen........... pfd. 55 pf. Täglich Eingang la. holländ. Rüstern. Prima Odcrbrudi- Oansc Pfund 50, 58, 63 pf. Seefische Kabeljau............... Pfd. 25 Pf. Schellfisch.............. pfd. 50. Schollen Pfd, 25, 30» Seelachs............... Pfd. 20, Katzungen.............. pfd- 50. la. Bücklinge in Kisfdtcn o. ca. 20 Stück, pr. Kiste 53 Pf. �\c&\e�\e�\<&ö\eZSp\G&ö\ei2p\QZSp\&!io\cXo\c&o\e%d\cXo\Q&>\eZ2o\Q£p\e&o\G&o\GZ2p\G&o 1 j J g � a J o|£>[ o J 1 5 J'-■ Sozialdemokratisclier Wahlverein des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Donnerstag, den A8. Oktober, abends präzise 8 Uhr: -Tersaanmliiiig' w Kellers Festsälen, Koppenstraße ZA. Tages-Ordnung: 25|ai)re parlamentarische Vertretung. Referent: Reichstagsabgeordneter Frlts Snlsell und Ansprache des Genossen �liRKer als Vertreter des Kreises. Nach Schluß der Versammlung geselliges Beisammensein unter Mitwirkung des Neuen Berliner Konzert-Orchesters und Ulk- Trio. :&Sr Mitgliedsbuch legitimiert.'MsI 220/12* Der Vorstand. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.! das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. i Kleine Anzeigen ANZEIGEN fOr die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-E.pedltlon, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche(leblcrbaste) tSdcgcn« fieitäfnuf. Sobrillnger Moiierdofs, Große graiufurtfiftratjt 9, Flurein ganz. VorwSrlslesern S Prozent Exlrarabalt. Sonntags geösjnet.* Steppdecken billigst Frankturlerslraße 9, Sabril Große Flureingang. GlirbtnenhniiS, Groge Frank. surlerstraße 9. Flureingang. 2481K' T rehrollen(Teilzahlung), Fabrik Waßmannstiaße 29,„äBerllnea". 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Der EauvereitaaiL. Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger» Grunewald. Für den Inseratenteil verantw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.