Dr. 250. BBünnementS'Bedlngungcn: MonnemcnlS- Preis pränumerando i Vicrteljährl. Z�o Mr., monatl. 1.10 Mü, wöchentlich La Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags» nunmicr mit illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Weit" 10 Pfg� Post» Abonnement: 1,10 Mark pro M onat. Eingetragen in die Posl-Zeiwngs. Preislisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnenients nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Siumünien, Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. CrflStint Wich ilMk mcntaas. Vevlinev Volksblatt. Die Insertion;-Lebühr kelrägt für die fechSgefpaltene Kolons?- geile oder deren Raum CO Pfg., für politische und gcwerkschastliche Vereins» und Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Utein- Snreigen", das erste lfeU- gedruckte) Wort so Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzcigc» das erste Wort 10 Psg< jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserats für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditio» ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozialticmsKrat Rtrlia1*. Zentratorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfchlatida. Redaktton: SM. 68, Lindcnatraasc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983, Vorwärts gegen den Berliner Komrounallreilinn! Noch bevor die Vergeltung für das Schandstück, welches durch Kassierung von vier sozialdemokratischenLandtagsmandatcn verübt ist, endgültig durch Wiedereroberung aller vier Mandate perfekt geworden ist, haben die Parteigenossen, in einem großen Teile Berlins morgen aufs neue gegen die bürgerlichen Parteien— dieses Mal gilt es dem Rathaus- liberalismus— Sturm zu laufen. Es handelt sich um die Ergänzungswahlcn der dritten Abteilung zur Stadtverordnetenversammlung, die Mitt- woch, den 3. November, von morgens 10 Uhr bis abends 8 Uhr, in den in unserer Sonntagsausgabe be zeichneten Lokalen stattfinden. In sechzehn Bezirken dritter Abteilung wird gewählt; davon sind elf in unserem Besitz, während fünf neu zu erobern sind. Wir sind sicher, daß die Genossen, angefeuert durch die prächtigen Erfolge bei den Urwahlen zum Abgcordnetenhause, mit imposanten Majoritäten die zu verteidigenden Bezirke der Partei erhalten werden. Aber auch die anderen Wahlbezirke, in denen bisher noch der Freisinn Unterschlupf gefunden, müssen erobert werden, damit das.Rote Haus", wenigstens soweit die Arbeiterklasse bei der Wahl mitzureden hat. gesäubert wird von den Vertretern des Kapitalismus, damit dem Manchester freisinn die Sünden heimgezahlt werden, die er in wirb schafUicher und politischer Hinsicht an der Arbeiterklasse in der Kommunalvcrwaltung verübt hat. Die Aufgaben, die eine für die Wohlfahrt der Gesamt heit sorgende Gemeinde zu erfüllen hat, können nur von einer sozial denkenden und dementsprechend handelnden Ver waltung erfüllt werden— nicht aber von einer Partei, der die kommunale Gesetzgebung nur dazu dient, die materiellen Interessen der besitzenden Klasse zu fördern. Auf den Gebieten gewerblicher und industrieller, besonders auch verkehrstechnischer kommunaler Tätigkeit, tritt diese Erscheinung ganz besonders hervor. Gezwungen und notgedrungen hat die Stadt, auf unablässiges Drängen der sozialdemokratischen Stadtverordneten, sich endlich entschlosseit, die Lösung der Verkehrsaufgabcn in eigene Regie zu nehmen. Der spärliche Anfang ist gemacht und zeitigt sehr befriedigende Resultate. Aber eine schnelle und kräftige Förderung der Verkehrs- aufgaben durch städtische Anlagen ist nicht möglich, weil zur- zeit immer noch eine mächtige Strömung im Rathause vor- Händen ist, die in der Ueberlassung unserer Straßen und Plätze zur Ausbeutung an das Privatkapital ihrer Pflicht gegen die Allgemeinheit besser zu erfüllen �glaubt, als durch Bau und Betrieb solcher Anlagen im Interesse der Gesamtheit und zum Nutzen aller Steuerzahler. Die von der ersten und zweiten Wählerabteilung ernannten Stadtverordneten, aus denen sich die Mehrheit zu- sammensetzt, begünstigen, mit wenigen Ausnahmen, durch ihr Verhalten gegenüber den Verkehrsaufgaben der Stadt als Vertreter der besitzenden Klasse das Privatkapital, das sich jetzt schon in großem Umfange den Verkehrsanlagen widmet, um enornie Gewinne herauszuschlagen. Die Aktiengesellschaften für Bau und Betrieb von Schnell- und Straßenbahnen, für Elektrizitätswerke und Betriebs- Material, unter einander versippt, in den Aufsichtsräten ihrer Gesellschaften für und miteinander arbeitend, ergänzt durch die Bankkonsortien, welche die Unternehmungen finanzieren, beherrschen den größten Teil des Berliner Verkehrswesens vollständig. Das ist nur möglich durch die Willfährigkeit des Kommunalfreisinns, der, mit dem Almosen einer Abgabe für die Stadt sich be- anügend, den Löwenanteil des Gewinnes den Aktionären der Gesellschaften überläßt. Freilich acht bis zehn Prozent Divi- dende munden dem Kapitalisten besser als vierprozentige Staatsobligationen oder Kommunalpapiere. Das Privatkapital umklammert immer mehr Polypen- artig die Gemcindewirtschaft, darum mutz das arbeitende Volk dafür sorgen, daß in der dritten Abteilung morgen bei der Wahl die noch vorhandenen Liberalen aus dem Tempel gejagt werden. Die Sitze der Stadtverordneten dritter Abteilung im Roten Hause müssen alle sozial- demokratisch besetzt werden.„Hände fort" von ocr dritten Abteilung— das ist unsere Losung für morgen in den sechzehn Wahlbezirken dritter Abteilung. Alle Arbeitsgebiete der städtischen Verwaltung bedürfen der anfeuernden Förderung sozialdemokratischer Anregungen, all- überall sind die sozialdemokratischen Stadtverordneten es gewesen und werden es bleiben, die unablässig vorwärts drängen. Volksschule und Waisenpflege, Armenverwaltung und Krankenfürsorge, Wohnungshygiene und Erholungsstätten, soziale Fürsorge für die wirtschaftlich Schwachen, Arbeiter- schütz und Koalitionsrecht sind wichtige unaufschiebbare Auf- gaben der Gemeinde, deren Förderung und Ausbau in ge- nügender Weise einzig und allein von der Sozialdemokratie in den Rathäusern energisch betrieben wird. Die bürgerlichen Parteien, vor allem der Berliner Rathaus-Freisinn, prahlen und protzen mit den Millionen, die der Berliner Hanshaltsetat alljährlich auszubringen hat, und schelten die Sozialdemokraten, die, wie die Herren geschmackvoll sagen alles verlangen— aber nichts zahlen wollen. Und doch sind es die Arbeiter, die mit ihrem Fleiß und Schweiß die Werte schaffen müssen, durch deren Absatz die Unternehmer sich Einkommen und Vermögen schaffen, stcnerfähig werden und sich die politischen Vorrechte erwerben, welche die Besitzenden zu Herren der kommunalen Gesetzgebung machen. Zum Dank werden die Arbeitsbienen in der dritten Wählcrklasse zusammen gepfercht, während die Privilegierten der zweiten und ersten Abteilung schrankenlos in den Gemeinden regieren und ihre kapitalistischen Interessen vertreten. Das Hausbesitzerprivilegium verhindert jede Ausnutzung des Grund und Bodens zu allgemeinem Nutzen. Die aus städtischen Mitteln errichteten Anlagen, Straßendurchbrüche, Verkehrsvcrbcsserungen, Kanalisationen, Wasserwerke, öffentliche Beleuchtung usw. erhöhen den Wert der Grundstücke und ver schaffen denHausbesitzern eine enorme Steigerung der Grund- und Bodenrente. Trotzdem hat der Kommunalfreisinn in Berlin es bis jetzt unmöglich gemacht, eine Wertzulvachsstencr einzuführen, die in ganz bescheidener Weise von dem durch die Leistungen der Gemeinde erzeugten Wertzuwachs einen kleinen Teil in den Stadtsäckel zurückfließen lassen wollte. Die breiten Massen, das in der Sozialdemokrate politisch organisierte Volk der Arbeit, wird morgen an der Wahlurne Abrechnung halten mit deni Komniunalfreisinn. Je mehr Sozialdemokraten in das Rathaus kommen, je tiefer und nachhaltiger der Sozialismus die Gemeindeverwaltung durch dringt, desto sicherer und schneller ist darauf zu rechnen, daß die Kulturaufgaben Berlins gefördert und erfüllt werden. Große wichtige Aufgaben harren ihrer Erledigung, es gilt der wirtschaftlichen Einheit von Groß-Bcrlin durch die Eingemeindung der Vororte den Weg zu ebnen. Nicht allein durch den Widerstand der Negierung ist das große Ziel bisher unerreicht geblieben. Nein auch der Abneigung der maßgebenden städtischen Kreise in Berlin ist es geschuldet, daß diese überaus wichtige Lcbensintercssen unserer Stadt tief berührende Angelegenheit nicht vom Fleck kommt und zu versumpfen droht. Auch der Notbehelf, solange die Eingemeindungsfragc nicht zum Nutzen Verlins und seiner Nachbar- und Vororte gelöst ist: die Errichtung von Zweckverbänden für die gemeinsamen Interessen und Aufgaben Groß-Berlins wird von dem Liberalismus im Rathause lau und widerwillig be trieben. Und doch leiden alle unter den jetzigen Verhältnissen, in denen die Gemeinden statt miteinander, gegeneinander arbeiten. Hier bietet sich ein ungemein wichtiges, be- deutendes Arbeitsfeld für eine großzügige,»veitsichtige Kommunalpolitik, die, von sozialen Gesichtspunkten ausgehend, vorbildlich und mustergültig wirken könnte. Aber auch hier versagt der Kominunalfreisinn, der rückständig und kleinlich nur eine Politik des Augenblicks treibt, sozusagen kommunal von der Hand in den Mund lebt. Die Grundlage jeder wahrhaft volkstümlichen, der Gc samtheit, der Kultur und freiheitlichen Selbstverwaltung dienenden Kommunalpolitik, das„allgemeine" Wahlrecht ohne Zensus, wird von dem Berliner Rathausfreisinn energisch be kämpft. Das„allgemeine" Wahlrecht für die Geineindcn lehnt der Liberalismus ab, weil er das kommunalpolitische Vorrecht des Gcldsacks aufrecht erhalten will, weis er die Herrschaft der Besitzenden in der Gemeinde nicht brechen lassen will, weil die Arbeiterklasse zwar für die Besitzenden fronen, aber, nach dem Willen der freisinnigen Machthaber, in der Gemeinde- Verwaltung nicht entscheidend mitbestimmen soll. Dagegen mit Wucht zu protestieren, wenigstens die dritte Abteilung von den Feinden des„allgemeinen" Wahlrechts zu säubern, mit den freisinnigen Arbeiterfcindcn abzurechnen, ist die Aufgabe,»velche die sozialdeinokratischen und alle»vahrhaft freiheitlichen Wähler der dritten Abteilung zu erfüllen haben. Die im Besitz der Partei befindlichen Sitze mit erhöhter Stimmenzahl zu halten, die bisher liberal vertretenen Bezirke für uns zu erobern— ist eine Ehrenpflicht aller Wähler, die sich und ihren Familien eine bessere Gemeindeverwaltung in Berlin schaffen»vollen, die vom Rathaus nicht eine Vertretung des Gcldsackes und der Dividende, sondern Arbeit für das Gesamtwohl und Sorge für die wirtschaftlich Schwachen und Notleidenden fordern. Expedition: SM. 68, I-tndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Aus Fabrik und Werkstatt, aus Bureaus und Magazinen, auS Verkaufsläden und Kontoren heran, Wähler der dritten Abteilung, umringt die Wahltische, wählt die s ozialdemokratischen Kandidaten l Erhaltet und verstärkt die sozialdemokratische Fraktion im „Roten Haus", vollendet auf kommunalem Gebiete, was die Genossen in den vier Landtags»vahlkreisen so verheißungsvoll begonnen, sorgt dafür, daß morgen abend über den sechzehn Kommunal-Wahlbezirken der dritten Abteilung das rote Banner siegreich weht. Alle Mann aus Deck! Keiner darf fehlen. Eine Stimme kann entscheiden. «Vorwärts!" Das Harre SyHen» in ISansfeld! Ein FriedcnSversuch gescheitert. Die Zentralstreiklcitung hatte die sämtlichen S chachtdele» gierten und im Streik befindlichen Arbeiter- ausschußmitglieder auf den 29. Oktober nach Kloster» mansfeld zu einer Sitzung geladen, um auf der Grundlage des Antwortschreibens des Herrn B 0 g e l s a n g an die Ausschuß- Mitglieder einen Ausweg zu suchen, den Frieden wieder herzu« stellen. In diesem Antwortschreiben»varcn die Ausschutzmitglieder, wie auch die sonstigen Streikenden aufgefordert, sich bei ihren Bctricbsführern�zur Wiederanfahrt zu melden und— da keinerlei Bedingungen gefordert wurden— mutzte die Streikleitung annehmen, daß die Generaldirektion ebenfalls den Frieden wünsche und die Streikenden stillschweigend wieder anlegen »verde. Die Streikleitung betrachtete das Schreiben, obgleich es alle Verhandlungen barsch zurückwies, dennoch als die zum Frieden dargebotene Hand,»vcil sie zwar nicht er- wartete, daß Direktor Vogelsang offiziell nachgeben werde, aber dennoch gern sehen würde, wenn ohne Verletzung seines„Ehrenwortes" der Frieden hergestellt werden könne und falls die Arbeiterschaft dieses Schreiben ignorierte, er sich später darauf berufen»verde, die Streikenden hätten den Frieden nicht gewollt, den er ihnen angeboten hätte. So beschlossen die Delegierten, daß auf jeden Schacht 3 Mann sofort bei ihrer Betriebsleitung vorstellig lverden und unter Hinweis auf das Antlvort« schreiben des Herrn Vogelsang anfragen mutzten, ob und unter welchen Bedingungen sie und ihre Kameraden»vieder anfahren könnten. Um 4 Uhr nachmittags sollte diese Deputation Bericht erstatten über die Auf- nähme, die ihnen auf den Schächten zuteil geworden war, und die erweiterte Streikleitung sollte dann nach dem Ergebnis dieser Berichterstattung— die weiteren Schritte beschließen. Es war ein schwerer Gang, der den Schachtdeputierten zugemutet»vurd«»» und mehrere hegten dagegen Bedenken, doch fügten sie sich dem Willen der Organisation, und alle traten sie gc- meinschaftlich von Klostcrmansfeld aus den Weg nach ihren Schächten an, während die übrigen Delegierten und die Streik» Icitung in spannender Erwartung ihrer Rückkehr harrten. Punkt 4 Uhr waren alle Schachtdelegiertcn wieder zurück, und es konnten die Berichte entgegengenommen»Verden, die in ihrer Verschiedenartigkeit bewiesen, daß Herr Vogelsang noch nicht Zeit gefunden hatte, seinen Bctriebsführern eine bestimmte An« Weisung zu erteilen. Der Bctriebsführcr vom Glückhilf- schacht sagte:„Wäret Ihr acht Tage früher gekommen, dann konnte ich Euch annehmen. Jetzt müssen wir über jede Anlegung erst in Eisleben anfragen. Aber soviel kann ich Euch sagen, daß der Verband nicht geduldet wird." Obersteiger Böttcher voin Niewandschacht erklärte:„Ich will Euch wieder an- legen, aber ich behalte mir eine Auslese unter denjenigen vor, die agitatorisch vorgegangen sind. Aber das will ich Euch sagen, keiner darf im Verbände bleiben." Auf Freieslebenschacht emp- fing sie Direktor Schulz, der ihnen mitteilte:„Von der Wiederanstellung aller könnte gar keine Rede sein. Diejenigen, die sich während des Streiks hervorgetan hätten, könnten unter keinen Umständen wieder angelegt werden; da müßte gründlich Auslese gehalten werden." Auf die Entgegnung, daß sie doch nur gestreikt hätten wegen der Gefährdung ihrer Menschen- und Staats- bürgerrechte, erwiderte Direktor Schulz, daß er nichts gegen die Koalitionsbcstrebungen der Bergleute einzuwenden hätte, es sei ihr gutes Recht, sich zu organisieren; nur der Organisation, die von dem Sozialdemokraten Sachse geführt werde, dürften sich die Mansfelder Bergleute nicht anschließen! ES gäbe in Deutschland Bcrgarbeiterorganisationen genug. Wamm müßte es denn gerade der Bochumer Verband sein? Auf dem Paulschacht»var der Empfang der schlechteste. Steiger Büttner wollte die Anfragcr schon abweisen, alS Direktor Weißleder hinzukam und meinte:„Ihr seid wohl von der Organisation geschickt, um zu spekulieren, ob es Euch nicht so gelingen wird, die Arbeitswilligen mitzureißen." Und als sie entgegneten, daß sie nur gekommen seien, um nach Arbeit zu fragen und wissen wollten, unter welchen Bedingungen sie und ihre Kameraden anfahren könnten, erklärte W e i ß l e d e r, daß alle die Verbandskarten zerreißen müßten und dann erst von Fall zu Fall entschieden tverden könnte, wer tvieder eingestellt werde. Steiger Büttner sagte den Dcputationsmitgliedern speziell: „Anzufragen braucht Ihr nicht mehr; es kommt keiner mehr von Euch an! Das Warten ist völlig zlvecklos!" � Im Flur des Schachthauses empfing sie ein Wachtmeister, der ihnen zudonncrte: „Nun macht aber schleunigst, daß Ihr fortkommt und be« haltet Euch nur ja ruhig, denn sonst machen»vir von unserer Macht Gebrauch, und soviel Macht haben wir noch, daß wir Euch zahm machen." Vom Zirkelschacht erklärte der Obersteiger Schnupf sich außerstande, Leute anzunehmen, dazu bedürfe er der Erlaubnis und der Anweisung der Oberbergdirektion. Auf dem Hohenthalschacht wurde die Deputation am besten empfangen. Der Bctriebsführer Lauderwald sprach sehr versöhnlich zu den Leuten. Er wollte sie alle wieder ein- stellen, aber auS dem Verbände müßten sie zunächst ausscheiden. Was dann später geschähe, das könne er jetzt nicht sagen. Vom Otto- und Chlothilden-Schacht fragten die Bctriebsführer, warum sich die Belegschaften dem Streik an- geschlossen hätten, worauf die Delegierten antworteten, daß sie sich verpflichtet gefühlt hätten, sich mit den gemaßregelten Hettstcdter Kameraden solidarisch zu erklären, und daß auch sie entschlossen seien, das Recht der Koalition zu fordern cvent. zu erkämpfen. Eine bestimmte Zusage, daß sie anfahren dürfen, erhielten sie nicht, und auf die Frage, was mit ihren Kameraden geschehen soll, er- hielten sie die Antwort:„Scheren Sie sich mit Ihren Kameraden ins Pfesfcrland!" Auf Her mann-Sch acht wurde ihnen die Mitteilung, daß Schacht I stillgelegt und die Belegschaft soeben vermindert werde, bis die Betriebsvorrichtungen auf Schacht II fertiggestellt seien. Wer nach dem Streik draußen bleibe, entscheide die Verwaltung in jedem Einzelfalle. Aehnlich lautete auch der Bericht von der Kupferkammer- und Eckardt-Hütte. Die Delegierten erklärten, nach diesem Ergebnis unbedingt im Kampfe auszuharren, möge kommen, was da wolle. Die Knappen Mansfelds hätten allzulange die geistige Knechtschaft bei Hunger- löhnen ertragen, hätten allzulange die reichstreue Schmach er- duldet und zähneknirschend die Gesinnungslumperei mitgemacht— nie dürften sie wieder in die alte Sklaverei zurückkehren. Nicht um Lohn, nicht um Forderungen handele es sich, durch die die Gewerk- schaft in ihren Einkünften geschmälert werde, sondern um Menschen- rechte, um die Freiheit des Staatsbürgers, um das höchste Ideal: das Recht der Knappensolidarität über ganz Deutschland! Wir haben uns im Bcrgarbeiterverbande der- bunden mit unseren Brüdern in ganz Deutschland, wir wollen mit ihnen verbunden bleiben, und sollte es Kopf und Kragen kosten! Nur dann fahren wir an, wenn alle anfahren und alle im Verbände bleiben dürfen. Zehn Belegschaftsvcrsammlungen, die im ganzen Reviere statt- fanden, beschlossen einstimmig, im Kampfe auszuharren, bis Mans- feld der Organisation erobert ist. Nach diesem Ergebnis muß mit einem langen, hartnäckigen und kostspieligen Kampf gerechnet werden, weil im„Rechtsstaat" Deutschland ein Mann mehr als 20 000 Staatsbürgern die Aus- Übung ihrer Staatsbürgerrechte verbietet und in diesem Vorhaben noch von der Staatsgewalt und dem„Ordnungs"klüngel unter- stützt wird. ».' Ein Gewaltstreich. � Sofort nach Eintreffen des Militärs im reichstreuen Streik- tzebict wurde im Gcbirgskreis ManSfeld die Polizeistunde für die Wirtschaften in den Städten Mansfeld und Hettstedt auf 11. in den Dörfern auf 10 Uhr herabgesetzt, ohne daß auch nur die geringsten Ausschreitungen vorgekommen wären, während im Seekreis Mans- fcld-Eisleben keinerlei Verkürzung der Polizeistunde eingetreten ist, obschon gerade im Seekreis die größten Bergmannsdörfer (Heldra, der HuuptbergmannSort) liegen. Aber immerhin ging die Regierung des Gebirgskreiscs zunächst einheitlich vor, bestimmte für alle Wirtschaften ohne Ausnahme die Verkürzung der Polizeistunde; jetzt ist den Wirtschaften, in denen StreikbureausuntergebrachtsindoderVersamm- lungenabgchaltenwerden.diePolizeistundeauf 8 Uhr abends herabgesetzt worden, und zwar laut folgender Verfügung: l �Lcimbach, den 30. Oktober 1900, Auf Grund der Vorschriften des§ 10 des Allgemeinen Land- rechts II, 17 setzen wir die Polizeistunde für Ihr Lokal auf 8 Uhr abends fest. Diese Verfügung wird nach Maßgabe der Westimmungen des§ 03 des Landesverlvaltungsgcsetzes für so- fort vollstreckbar erklärt. Weitere Verkürzungen der Polizeistunde bleiben vorbehalten. Tie Polizeiverwaltung. Ziegler." Mit diesem Ukas, den nicht etwa ein russischer Gouverneur erlassen hat, sondern eine preußisch-deutsche Polizeiverwaltung, soll das bißchen Versammlungsrecht stranguliert, die Streikbureaus sollen an die Luft gesetzt werden. Wie ist den wenigen Wirten, die ihre Lokale den Streikenden geöffnet haben, schon zugesetzt worden von den Behörden, der Gewerkschaft, der Geistlichkeit. Man muß sich wundern, daß in einer solchen Gegend auch nur ein einziger Wirt standhaft geblieben ist. Die bisher allen Drohungen und Ver- lockungen widerstanden haben, werden auch diesen Streich aus- halten. Vom Kriegerverein ist schon längst zum Boykott aller der- jenigen Wirtschaften aufgefordert worden, in denen Streikver- sammlungen stattfinden, und die Militärbehörde hat in Kloster- Mansfeld die Kontrollversammlung noch in letzter Stunde aus dem„Kaiser", dem Versammlungslokale, nach einem anderen Lokale verlegt, jedoch ohne den Zweck zu erreichen. Die Wirte, die ihre Lokale den Streikenden hergeben, tun das weniger aus der Neigung zum Bergarbeiterverbande, auch nicht aus reinem Geschästsinter- esse, sondern hauptsächlich aus Empörung gegen die bisherigen Zustände, die sie durch den Streik zu beseitigen gedenken. Sie werden auch diesen Streich ertragen und mit den Streikenden stehen bis zum Abschluß des Kampfes. Mere Stichwchliiege in Kaden. AuS Baden wird uns geschrieben: Unsere Gegner kommen aus den peinlichen Neberraschungen nicht mehr heraus. Daß wir gleich im ersten Anlauf neun Mandate von unseren zwölf behaupteten und vom Zentrum ein neues dazu eroberten, gab ihrem Selbstvertrauen einen gewaltigen Stoß; aber daß wir in den Stichwahlen unseren Siegeszug mit unverminderter Kraft fortsetzen und nochmals zehn Mandate dazu erobern würden. hatten selbst die Pessimisten in den Reihen der bürgerlichen Parteien nicht befürchtet. Und doch ist eS— zum Teil zu unserer eigenen Ueberraschung— so gekommen! Wir errangen von den sechs Wahlkreisen, in welchen wir die Unterstützung des liberalen Blockes hatten, fünf und gewannen in den elf Kreisen, in denen wir den Kampf mit den Nationalliberalen resp. Freisinnigen auSfochten, gleichfalls noch fünf Sitze, zum Teil nüt recht ansehnlichen Mehrheiten. Ganz besonders schmerzlich ist es für die Nationalliberalen, daß in Lörrach- Land ihr Fraktionschef O b k i r ch e r gegen unseren Genossen Breitenfeld unterlegen ist. Das Zentrum hat von seinen vier Stichwahlen, in welchen eS alte Sitze zu verteidigen hatte, drei behauptet, hat aber keinen Sitz hinzugewonnen, so daß es einen Verlust von zwei Kreisen hat, da wir seinen Renommicrarbeiter V a l z e r bereits im ersten Wahlgang geworfen hatten. Besondere Freude hat es den Liberalen gemacht, daß es gelungen ist, einem der Hauptführer des Zentrums, dem langjährigen Vorsitzenden der Budgetkommission, Amtsgerichtsdirektor G i e ß l e r das Mandat zu nehnien. Ein Pendent zu dem Hinaus- wurf Obkirchers. Die Demokraten haben mit unserer Hilfe zwei Sitze gewonnen. wofür wir ihnen einen (Schlvetzingen) abgenommen haben; die Konservativen haben einen Sitz verloren. Die Kammer wird demnach zählen: Zentrum....... 26 früher 28 Sozialdemokraten.... 20„ 12 Naüonalliberale.... 17„ 23 Demokraten...... 6„ S Konservative..... 3„ 4 Freisinnige...... 1 1 73 73 Unsere Sitze verteilen sich über das langgestreckte Land wie folgt: Im Oberland gehören uns die Sitze Schopshciin, Lörrach-Stadt, Lörrach-Land, Freiburg II. Lahr-Stadt. In Mittelbaden Karlsruhe I, III und IV. Karlsrnhc-Land, Durlach-Stadt, Durlach-Land, Pforzheini II und Pforzheim- Land. Jni Unterland Heidelberg, Wiesloch, Heidelberg- Eberbach. Schlvetzingen. Mannheim-Land und Mannheim I, II und V. Gewählt sind die Genossen: B e ch to l d, Landwirt, M a n n h ei m- Land; Breiten- feld, Gemcinderat, Lörrach: Dr. Frank, Rechtsanwalt; Adolf Geck, Buchdruckereibefitzer; Anton Geiß, Stadt- verordneter in Mannheim; Kahn, Expedient, Schwetzingen; Kolb, Redakteur; Kräuter, Sägen- feiler, Freiburg; Kram er, Kassenbeamter, Mann- heim; Kurz, Gemeinderat, Grätzingen; Maier, Parteisekretär, Heidelberg; Mansch, Stadtrat, Offen- bürg; Müller, Sattlermcister, S ch o p f h e i m; P f e i f f l e, Expedient; Rösch, Schriftsetzer; Schwall, Eisenbahnverbandsbeamter; Stockinger, Kasscnbcamter; Sützkind, Kaufmann; Weber, Metallarbeiter; Willi, Arbeitersekretär. Die Sozialdemokratie kann mit Stolz auf ihre Erfolge zurückblicken. Wir haben unsere Mandate von 12 auf 20 und unsere Stimmenziffer von 50431 auf 86 078 gesteigert. Wir hatten einen Gewinn von 35300, die liberalen Parteien einen Verlust von 9200, Zentrum und Konservative sogar einen Verlust von 18600 Stimmen, und das, trotzdem die Negierung in den Wahlkampf eingegriffen und vor der Wahl von Sozialdemokraten gelvarnt hatte. Sie Konlcrvalive» und das Dreildafien- Wahlrecht. Die Konservativen fühlen sich in einer höchst unbequemen Lage. Die Taktik, die die konservative Reichstagsfraktion bei der Beratung der Reichsfinanzreform verfolgt hat, besonders ihre brüske Ab- lchnung der Erbschaftssteuer, hat nicht nur ihre Anhängerschaft in der Bureaukratie, sondern auch einen Teil des Offizierkorps und der hinter den Konservativen einhertrottenden städtischen Mittelstands- schichten verstimmt; und zu dieser Opposition in den eigenen Reihen gesellt sich der für die Konservativen niederschmetternde Ausfall der Landtagswahlen in Baden und Sachsen, ganz besonders in Sachsen, in dem trotz seiner industriellen Entwickelung das konservative Agrariertum bisher den Landtag beherrschte. Das ist jetzt vorbei! Der Entrüstungssturm der proletarischen Massen über die egoistische Privilegien- und Cliquenwirtschaft der sächsischem Agrarkonser- vativen hat, ungeachtet des Schutzwalls, den sich diese durch daS Wahlrecht der vier Infamien errichtet hatte, ihre Herrlichkeit hin- weggefegt. Anstatt aber daraus die Lehre zu ziehen, beizeiten ein- zulenken und sich nicht in der heutigen Entwickelung begründeten Reformen, die sich doch nicht aufhalten lassen, entgegenzustemmen, ziehen vielmehr, wie für jeden Kenner der Psyche des ostelbischen Agrarkonservatismus von vornherein feststand, die preußischen Kon- srvativen aus dem sächsischen Wahlergebnis den Schluß, daß nun in Preußener st recht an den« widerlichen Wechsel- balg der nach dem tollen Jahr einsetzenden Re- aktionSperiode, an dem Dreiklasfenwahlsystem, festgehalten werden muß. Für die preußischen Führer gelten die Lehren der Geschichte nicht. Sie stehen noch heute auf dem Standpunkt der französischen Aristokraten des Jahres 1780 und haben noch immer nicht begriffen, daß notwendige Reformen sich vielleicht eine kurze Zeit verschieben, aber nicht dauernd auf- halten lassen, und daß sie, je mehr sie hinausgeschoben werden, sich mit desto explosiverer Gewalt durchsetzen. Manches, was früher, als zuerst die die Notwendigkeit einer Aenderung hervortrat, noch im Interesse der privilegierten Schichten zu retten gewesen wäre, wird dann vom Strudel mit weggerissen. Indes, in den Hirnen der preußischen Konservativen malt die Welt und ihre Entwickelung sich anders als in normalen Köpfen. Sie folgern aus dem sächsischen Wahlergebnis, daß es ihre heilige Pflicht ist, im Interesse des preußischen Staates jede Wahlreforms- versuche der Regierung verhindern zu müssen. Zwar hat Wilhelm II. in seiner vor einem Jahr verlesenen Thronrede eine Aenderung des Dreiklassenwahlsystems verheißen; aber was gelten preußischen Konservativen, trotz ihres ostentativ zur Schau getragenen altfränki- schen Royalismus, Königsworte. Sie waren seit jeher der Ansicht, daß im preußischen Staate nur dann Königsversprechungen einen Wert haben und zur Erfüllung des Versprochen!» verpflichten, wenn die Konservativen diese Versprechungen sanktionieren. Wie sie seinerzeit, als der Bau des Mittellandkanals in Frage stand, dem königlichen Ausspruch:„Gebaut wird er doch!" ihre kühle Versicherung:„Und wenn es uns nicht paßt, wird er nicht gebaut!" entgegensetzten, so drohen sie jetzt kurz und bündig der Regierung:„Gib Deine Reformpläne auf, sonstbringenwirsiezuFall!" So schreibt die„Kreuz- zeitung" in ihrer gestrigen Wochenübersicht: „Der Kampf um das preußische Wahlrecht wird jetzt ein- setzen. Die Erfahrungen in Sachsen haben uns gelehrt, daß wir den Fehler der sächsischen Konservativen vermeiden müssen, die sich durch Konzessionen an liberale Forderungen populär ipache» zu können glaubten. Alles, was sich in Preußen zu den Parteien der Rechten zählt, hat ein- gesehen, daß diese Nachgiebigkeit falsch ist." Und dann wendet sich das Blatt der Hammerstein-Epigoncn an die preußischen Nationalliberalen und fordert sie auf, ebenfalls ihre Wahlreformpläne fallen zu lassee, da auch sie keinen Vorteil von einer Aenderung des Dreiklasscnwahlrcchts haben würden: „Das preußische Wahlrecht hindert erfahrungsgemäß nicht den Liberalismus aller Grade, die Mehrheit im Abgeordneten- Hause zu gewinnen, es macht nicht einmal der Sozialdemokratie den Zutritt zum Abgeordnetenhause unmöglich. Eine Demo» kratisierung dieses Wahlrechts liegt tat- lächlich nicht im Interesse bei Liberalismus, und es ist eine Torheit der Liberalen, wenn sie sich dafür ein» setzen. Ein wirkliches Interesse an der Aenderung hat nur die Sozialdemokratie. Nun stellen sich zwar auch viele National- liberale so, als hielten sie die„rote Welle" für eine schnell vor- übergehende Erscheinung, unter die man sich nur einen Augen- blick zu ducken brauche, um dann wieder oben schwimmen zu können. Aber dann iväre es eine Forderung der Klugheit, diese sozialdemokratische Episode erst vorübergehen zu lassen, ehe mau das preußische Wahlrecht ändert. Wir sind nicht ganz so opti- mistisch. Gewiß standen die Wahlen in Sachsen und die letzten ReichStagsersatztvahlcn unter dem Zeichen einer Massensuggestion: sie sind ein Protest nicht nur gegen die indirekten Steuern und gegen die Ablehnung der Nachlaßsteuer, sondern tatsächlich auch ein Protest gegen die Blockpolitik des Fürsten Bülow, unter der sich die bürgerliche Linke prinzipiell bereit erklärt hatte, die Verbrauchsabgaben um mehrere hundert Millionen Mark zu er- höhen:sie haben der Linken ebenso viel Nieder- lagen gebracht wie der Rechten. Ein solcher Steuer» Protest kann sich leicht wiederholen und wird sich wiederholen. wenn der Mittelstand wieder einmal zu erhöhten Steuerlcistungen herangezogen werden soll, und die Liberalen können nicht ver- sprechen, künftig nur die Reichen und Wohlhabenden„bluten" zu lassen, weil dabei keine großen Summen Herausschanen. Die stetig wachsenden Ausgaben des Reiches müssen bewilligt werden und ebenso die Einnahmen. Da wird die Partei, die nichts zu bewilligen verspricht, immer neuen Zulauf haben, mag sie demokratisch und sozialistisch sein oder nicht. Mit Parka- mentsreden und Parteitaktik ist dagegen nichts auszurichten." Und diese Vorhaltungen fallen bei den Nationalliberalen auf gut vorbereiteten Boden. Bereits zeigt sich in ihrer Presse eine katzenjämmerlichc Verstimmung über ihre Niederlage in Baden und Sachsen, und in einigen ihrer Blätter taucht auch schon die Mahnung auf, es doch lieber weiter gegenüber der„roten Flut» welle" mit dem Anschluß nach rechts zu versuchen. Der Kampf gegen und für das Dreiklasscnwahlrccht wird also in dem politischen Ringen der nächsten Jahre eine noch weit größere Rolle spielen als bisher. Um so mehr gilt es, alle Kräfte anzuspannen. vor der Entscheidung. New Jork, 21. Oktober.(Eig. Ber,) Von den Wahlen, die am 2. November in den verschiedensten Staaten der Union entschieden werden, steht jene in der Stadt New Uork im Mittelpunkt des Interesses. Mit Spannung werden im ganzen Lande die einzelnen Phasen des Wahlkampfes verfolgt und das Resultat erwartet. Bedeutet doch eine Wahlschlacht, bei der der Mayor-(Bürgermeister)-Poften, der Compiroller(oberster Finanz- beamtcr der Etadtj-Posten und die verschiedenen Borough- und County» Aemter auf dem Spiele stehen, für die sogenannten alten politischen Parteien viel mehr als beispielsweise die Besetzung des Gouverneur- sesselS des Staates New Jork.„Wlmt is in itu, wieviel springt dabei heraus, oder noch richtiger: Wieviel kann gestohlen werden, wie viele fette Aemter sind zu vergeben, ist immer noch in der New Dorker Kommunalpolitik höchster Glaubenssatz, und da das Budget der Stadt New Dork biermal größer als das des Staates New Dort ist, die„Möglichkeiten" demgemäß vier- mal größer und die zu vergebenden fetten Posten Legion sind, ist der Kraftaufwand der Parteien um den Sieg ein entsprechender. Heuer stehen sich 20 Parteien gegenüber, so daß der amtliche Stimmzettel, der jedem Bürger bei der Stimmabgabe eingehändigt wird, die respektable Breite von über 4 Fuß aufweist. Bei der Mehrzahl der Parteien handelt es sich um Gründungen verärgerter Politiker, deren besondere Wünsche bei der Aufstellung der Kandidaten von den demokratischen oder republikanischen Führern nicht berück- sichtigt worden sind oder die man über Bord geworfen bat.„Ein Brocken für mich" lautet ihr Programm. Ihr Feld beschränkt sich auf Stadlbezirke, bei der Erörterung der allgemeinen Situation kommen sie deshalb nicht i» Frage. Nur vier Parteien können hierbei in Betracht kommen: die demokratische, republikanische, Hearst- Partei und die sozialistische. Prin- zipielle Unterschiede zwischen Demokraten, Republikanern oder Hearstianern bestehen nicht. Ihr Mnnizipalprogramm ist fast gleichlautend. Es enthält eine Reihe Versprechungen, auf deren Er» füllung die Wähler nicht rechnen.«Wahlprogramme der Parteien sind Schwindel," sagte dieser Tage der derzeitige Comptroller der Stadt, ein Deulsch-Amerikaner namens Metz. In ihren öffentlichen Reden erklären denn auch die Kandidaten nicht, die Forderungen meiner Partei lauten so oder so, sondern ich verspreche im Falle meiner Erwählung dies oder jenes. Und im Versprechen sind sie unübertrefflich. Um die Person des Kandidaten dreht sich alles. Demgemäß ist der Charakter der AgitationSmethode ein stark persönlicher. DaS Verunglimpfe» des Gegners ist das hauptsächliche Agitationsrezept der„großen" Parteien. Wer die Verunglimpfung des Gegners am besten versteht und dabei den Anschein zu erwecken weiß, daß er selbst nicht ganz so schlecht wie sein Gegenkandidat ist. bleibt Sieger. Auf dieser Grundlage werden seit Jahren die städtischen Wahlen in New Jork ausgcfochten, und Heuer spielt das Herabsetzen der Person des Gegners eine wenn möglich noch größere Ziolle denn sonst. Man watet förmlich im Schmutz. Die Republikaner beschränken sich nicht auf den sachlich bc- rechtigten Vorwurf, daß unter den letzten demokratischen Stadt« Verwaltungen oder unter Tamany Hall, wie der Name der in der ganzen Welt berüchtigten demokratischen Parteimaschine lautet, die städtische Schuld ins Unermeßliche gesteigert worden ist, ohne daß etwas Entsprechendes geschaffen worden wäre, daß das Budget des Gemeinwesens von rund 106 Millionen Dollar im Jahre 1904 auf rund 156 Millionen Dollar im Jahre 1909 in die Höhe geschnellt ist, trotzdem au Aufwendungen für Kulturaufgaben fortwährend geknausert wird, oder daß mindestens 40 Millionen Dollar im Jahre direkt gestohlen werden und in die Taschen der Beamten und Politiker fließen— nein, sie graben kleinliche Familiengeschichten des demokratischen Kandidaten Nichter G a y n o r aus und erschöpfen sich in Argumenten der Gosse. Und die Demokraten lassen es ihrer- seits nicht an der erweislichen Erklärung geniigen, daß unter dem republikanischen Regime die Stadtverivaltnng eine nicht minder verlotterte war und die Korruption keine geringere als unter Tammanh Hall, ganz zu schweigen von der republikanischen Miß- Wirtschaft in anderen Städten, sondern sie werfen ihrerseits eben- falls Schmutzbomben. Und der Dritte im Bunde, der unvermeid- liche Hearst, Besitzer verschiedener Sensationsblätter, der vor vier Jahren Tammany aufs bitterste bekämpfte, im darauffolgenden Jahre mit der gleichen Gesellschaft sich liierte, um das Gouverneur- amt zu ergattern, und dieses Jahr unabhängig kandidiert; dieses politische Chamäleon sucht Demokraten und Republikaner im Schinipfen zu übertrumpfen. Und da er ein vielfacher Millionär ist. sich's also leisten kann, stellte er Skribenten und Advokaten an, die ihn in seinem Schmutzfeldzug unterstützen. Fürwahr ein widerwärtiger Wahlkampf, der durch daS Verhalten sogenannter Gewerkschaftsführer nicht anziehender wird. Wer sie bezahlt, hat sie in dem Wahlkampf zur Verfügung. Mag der republikanische Kandidat B a n n a r d auch der Leiter eines Streik- breiüervermittelungS-Bnreaus fein, mag er im Direktorium der Pressed Steel Car Works in Mc KeeS Rocks sitzen, deren Arbeiter im August und September einen Todeskampf um ihre Existenz aus» zukämpfen hatten, er fand und findet täglich Gewerkjchaftssührer, die bon Versammlung zu Versammlung ziehen und ihn als Arveiter- freund preisen. Das Gleiche gilt in bezug auf die Kandidatur des Erzdemagogen Hearst und des Demokraten Gaynor. Im Gegensatz zu den gekennzeichneten Schmutzereicn der großen Parteien führt die sozialistische Partei einen rein prinzipiell und sachlichen Wahlkampf und beschränkt sich auf die Bloß- stellung existierender Schäden und die Erörterung ihres Kommunal- Programms. Aber trotz dieser Agitationsmethode, die himmelhoch die der Gegner überragt, hat die Partei keine Aussicht auf direkten Erfolg. Unser politisches Leben ist durch den Stimmenkauf usw. derart korrumpiert, die Politik in solchem Maße zum Geschäft, das möglichst gewinnbringend zu gestalten ausschließliches Ziel der politischen Parteien ist, herabgewürdigt, daß das Ankämpfen der sozialistischen Partei heuer noch ein aussichtsloses bleiben wird. politifcbc Qeberfkbt. Berlin, den 1. November 1909. Tie Einberufung des Reichstages. Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, hat der Reichs- tanzler heute Montag(1. November) dem Zivilkabinett die Mitteilung gemacht, daß der Reichstag am 30. N o- venrber eröffnet werden wird. Protest der Bergarbeiter gegen den Zentral- Arbeitsnachweis des Zecheuverbandcs. Der Plan der Zechenbesitzer, durch einen zentralisierten Arbeits- Nachweis die Bergarbeiter noch mehr als bisher von sich abhängig zu machen, hat diese im rheinisch-westsälischen Bergwerksrevier zu großen Masscnprotesten aufgerufen. Gestern, am Sonntag, fanden dort wieder eine Reihe Bergarbeiterversanimlungen statt, die sich mit dem Thema:»Das Attentat auf das Freizügigkeits- und Organisationsrecht der Bergarbeiter" be- schäftigten. In den Versammlungen wurde einstimmig folgende Resolution angenommen, die, an den Minister für Handel und Gewerbe, v. Sydow, abgesandt werden soll: »Die von... Personen besuchte Bergarbeiterversammlnng erklärt, daß sie sich mit der vom Zechenverband für das rheinisch- westfälische Steinkohlenrevier beabsichtigten Einführung eines Zentralzwangsarbeitsnachweises nicht einverstanden erklären kann und wird. Durch den Arbeitsnachweis anf der gedachten Grundlage würde das Freizügigkeitsrecht der Bergarbeiter aufgehoben, die freie Verfügung über ihre Arbeitskrast auch dann illusorisch ge- macht, wenn sie die Arbeitsstelle wechseln wollen. Die Berg- arbeiter würden durch diesen Arbeitsnachweis völlig in die Gewalt des Zechenverbandes und seiner Organe gegeben, sie würden also unfrei. Unter den jetzigen Verhältnissen können die Bergarbeiter niedriger Entlohnung, schlechter Behaudlung durch die Gruben- beamten, sowie sonstigen, auf der Grube bestehenden Mißständen dadurch entgehen, daß sie ihr Arbeitsverhältnis kündigen und auf diese Weise ihre Lage zu verbessern suchen. Wird der geplante ArbeitSnackweis eingeführt, so wird ihnen diese Möglichkeit ge- nommen; sie müssen sich dann schlechter entlohnen und behandeln, sowie sonstige Mißstände gefallen lassen. Findet wegen schlechter Bezahlung, schlechter Behandlung der Arbeiter oder wegen sonstiger Mißstände ein starker Belegschaftswechsel statt, so werden die Grubenbesitzer dadurch gezwungen, die vorhandenen Mißstände abzustellen. Wird der durch die vorbezeichneten Gründe hervorgerufene Belegschaftswechsel durch Zwangsmaßnahmen uu- möglich gemacht, so muß— abgesehen davon, daß ein solcher Zwang wider die guten Sitten verstößt— die Unzufriedenheit der Bergarbeiter ins Matzlose gesteigert werden, und es werden dadurch auch erhebliche Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit der Bergarbeiter heraufbeschworen. Endlich bietet der geplante Arbeitsnachweis auch unzählige Handhaben, organisierte Bergarbeiter oder solche, die sich sonst auf einer Grube irgendwie mißliebig gemacht haben, zu schikanieren, und dadurch das Koalitionsrecht der Arbeiter illusorisch zu machen, oder doch wenigstens bedeutend einzuschränken. Alle diese Gründe zwingen die Bergarbeiter, dem vom Zechen- verbände geplanten Arbeitsnachweis den äußersten Widerstand ent« ? egenzusetzen. Die Versammlung bittet daher den Herrn Minister iir Handel und Gewerbe dringend, im Interesse des Friedens im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbezirk dahin wirken zu wollen, daß der Arbeitsnachiveis auf der vom Zechcnverbande geplanten Grundlage unterbleibt und loenn ein Arbeitsnachweis eingeführt wird, dies auf paritätischer Grundlage geschieht." Die Versammlungen waren sämtlich überfüllt und überall herrschte eine begeisterte Kampfstimmung. In B o ch u m protestierten zum Beispiel 5000 Versammlungsbesucher gegen die Errichtung des Zwangarbeitsnachweises. In Dortmund war das Versammlungs- lokal überfüllt, weit über 3000 Personen standen dort in drang- boller Enge. In Essen wurde die Besucherzahl auf 2000 geschätzt. In Bruckhausen waren ISOO Personen anwesend, in Gelsen- kirch en ebensoviel; in Oberhausen 100V Personen; in Kamen 800. in Necklinghausen 800, in Steckrode und in Massen bei Dortmund je 000, in Horstermark bOO Personen usw. ••• Auch die evangelischen Knappenvereine im Ruhr- gebiet sind auf dem Plan erschienen, um gegen den ZwangSarbeits- Nachweis zu protestieren. Und das will schon waS bedeuten. Von einem in Essen abgehaltenen Verbandstag wurde eine Resolution angenommen, deren erster Absatz lautete: »Der Rheinisch-Weslfälische Verband evangelischer Knappen- vereine nimmt»nit Bedauern und Entrüstung Kenntnis von dem Beschlüsse des Zechenverbandes, einen einseitigen Zwangsarbeitsnachweis für das Ruhrgebiet zu errichten. Da die Arbeiter den geplanten ZwangSarbeitSnachweiö ohne Auf- gäbe ihrer vornehmsten Rechte und Freiheiten nicht hinnehmen können, so ist durch die terroristischen Maßnahmen des Zechenverbandes die Gefahr der Störung des wirtschaftlichen Friedens leider wieder in den Bereich der Möglichkeil gerückt..." Ferner wurde eine Petition an den Reichskanzler verfaßt, in der auf die Gefahr für das Koalitionsrecht hingewiesen wird, die der Arbeitsnachweis bedeutet._ Die Altersschwäche des Liberalismus hat in Köln eine Blüte getrieben, die im politischen Leben schwerlich ihresgleichen findet. Am heutigen Dienstag beginnt in Köln die Stadtverordnetenwahl in der dritten Klasse. Bis in die letzten Tage hinein, während unsere Partei mit dem Zentrum schon heiße Schlachten in Versammlungen und Presse lieferte, hatten die Liberalen noch kein Lebenszeichen von sich ge- geben. Ihre Blätter haben sich um die Wahl sozusagen gar nicht gekümmert und die„Vereinigten liberalen Par- teien" Kölns selber haben erst am jüngsten Sonntag zu der Wahl Stellung genommen und die Kandidaten aufgestellt. Vorher wußte kein Mensch, ob sich diese„Politiker" überhaupt noch an der Wahl beteiligen würden. Da am Montag infolge des für die katholischen Gebiete gesetzlich gewordenen Feiertags„Allerheiligen" in Köln keine Zeitungen erschienen, konnten demnach die Liberalen ihre Kandidaten vor der Wahl überhaupt nicht mehr durch die Presse bekannt machen. Für diese unglaubliche Schlafmützigkeit gibt es nur eine Er- klärung: Die Kölner Anhänger des Barthschen Liberalismus, die Demokratische Vereinigung, hat beschlossen, in der dritten Klasse gleich im ersten Wahlgang für die Sozialdemo- k r a t i e einzutreten. Und in einzelnen Kreisen der Kölner Jung- liberalen besteht die Absicht, bei einer Stichwahl zwischen Zentrum und Sozialdemokratie energisch für die sozialdemokratischen Kandi- daten einzutreten. Eine solche Situation aber wollen die„alten" Nationalliberalen verhüten. So sehr ihnen die Zentrums- Herrschaft im Rathause zuwider ist, widerstrebt es doch noch weit mehr ihrem patriotischen Gemüt, daß bei den Stichwahlen ihre „Jugend", wie das in Mülheim am Rhein der Verein der national- liberalen Jugend mit Erfolg getan hat, öffentlich zur Wahl der Sozialdemokraten auffordern könnte. Das wollen sie unter allen Umständen verhüten. Eine Stichwahl zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ist nur möglich, wenn die„Liberalen" mindestens ihre alte Stimmenzahl wieder aufbringen. Darum der lässige Wahl„kampf", die beispiellose Stellungnahme zur Wahl in aller- letzter Minute. Ein konservativer Parteitag ei» ntmiatHrv. Die Konservativen der Provinz Sachsen hielten am Sonntag in Halle einen Provinzialparteitag ab. Auf konservativen Parteitagen geht es ähnlich zu wie auf Kacholikentagen: Die Delegierten dienen lediglich als Staffage und haben den Führern die verlangten Wer- trauensvoten auszustellen. ES sprachen die Herren v. Wedel- P i e S d o r f und Heydebrand, nach deren Reden die Dele- giertenversammlung prompt eine Resolution faßte, in der es mit Stolz und Freude begrüßt wird, daß das„staatsmännische Geschick" der Konservativen dem deutschen Volke die Reichsfinanzreform be- schert hat. Zum Schluß spricht die Resolution die Ansicht aus,„daß die konservative Partei weder mit dem Zentrum, noch mit den Liberalen ein dauerndes Bündnis schließen darf und sich darauf beschränken muß, Vereinbarungen von Fall zu Fall zu treffen. Bemerkenswert ist der scharfe Ton, den einige Redner gegen die Nationalliberalen anschlugen. So sprach der Vorsitzende, der Justiz- rat Schenk-Magdebnrg, von den berüchtigten Bassermannschen Ge- stalten im Nationalliberalismus und nannte es eine„r o w d y. mäßige Argumentation", daß der Reichstagsabgeordnete Bassermann das Vorgehen der Konservativen als einen»Raubzug auf die Taschen der Unbemittelten" bezeichnet habe. Freisinnige Parteitage. In Berlin, Frankfurt a. M. und Neumünster fanden gestern Provinzialparteitage der Freisinnigen Volkspartei statt, auf denen nach längeren Referaten verschiedener freisinniger Parteigrößen Resolutionen angenommen wurden, die sich für einen baldigen Zusammenschluß der drei linksliberalen Parteien aussprachen. Interessant ist, daß der in Berlin abgehaltene freisinnige Parteitag für die Provinz Brandenburg die Haltung der freisinnigen Stadtverordneten Berlins in der Frage der Lehrergehaltsaufbesserung verurteilte. Es wurde erklärt, daß der Parteitag für das Verhalten der frei- sinnigen Stadtverordneten nicht verantwortlich gemacht werden könnte, und daß die freisinnigen Stadtverordneten, die in anderen Stadtverwaltungen sitzen, bisher ihre Pflicht den Lehrern gegen- über voll erfüllt hätten._ Der Kinderparagraph im bayerischen Einkommen- steuergesetz. München, 31. Oktober. Von allgemeinem Interesse anS der Steuerberatung ist noch die Annahme und weitere Ausgestaltung des sog. Kinderparagraphen. Das bayerische Einkommensteuer- gesetz enthält in bezug auf Vergünstigungen der mit Kindern ge- segneten Steuerpflichtigen die weitestgehenden Bestimmuiigen. Sie sind ein, wenn auch unzulängliches Korrektiv für den außerordentlich hohen Tarif. Steuerpflichtige, deren steuerbares Einkommen nicht mehr als 1200 Mark beträgt, können verlangen, daß ihnen Steuer- ermäßigungen gewährt werden bei 1 oder 2 Abkömmlingen um 2 Tarifstufen 0 ,, S: ,» ,,0 ,, b ,, 0„„4:„ 7„ mehr„.. 6 Bei Steuerpflichtigen mit mehr als 1200 aber nicht mehr als 3000 Mark Einkommen gestalten sich die Vergünstigungen folgendermaßen: bei 1 oder 2 Abkömmlingen um 1 Tarifftufe 8,4» ,2 Tarifstufen 5„ 6» ,4» 7 oder mehr»» 6» Bei Einkommen von 3000 bis 8000 Mark gelten folgende Ermäßigungen: bei 3 oder 4 Abkömmlingen um 1 Tarifstufe 6.0„»2 Tarifstufen 7 oder mehr»» 3. In die für die Ermäßigung maßgebende Personenzahl sind nur die Abkömmlinge einzurechnen, die das 18. Lebensjahr nicht über- schritten haben, oder die noch in der Ausbildung begriffen find oder ihrer aktiven Militärdienstpflicht genügen. Leopold Sonnemann. In Frankfurt a. M. ist am Sonnabend, des Abends nach 9 Uhr, der Gründer der»Frankfurter Ztg.", Leopold Sonnemann, im Alter von 78 Jahren gestorben. Zu Hochberg bei Würzbnrg im Jahre 1831 geboren, wurde er zunächst Kaufmann und gründete darauf in Frankfurt ein Bankgeschäft, das einen finanziellen„Geschäfts- bericht" herausgab. Aus diesem„Geschäftsbericht" wurde später die „Frankfurter HandclSzeitnng", dann die„Neue Franks. Ztg." und schließlich die jetzige„Franks. Ztg.", die ihren eigenartigen Ursprung nie verleugnet hat, denn noch heute stellt sie eine seltsame Mischung bürgerlich-guttemperierterDemokratie mit großkapitalistischem Geschäftssinn dar. Durch sein Blatt zu einer der bekanntesten Per- sönlichkeiten Frankfurts geworden, wurde Sonnemann von dort 1871 in den deutschen Reichstag gewählt, dem er zunächst ununterbrochen bis 1877 und dann wieder, als Vertreter Frankfurts, von 1878 bis 1334 als Mitglied der Deutschen VolkSparlei angehört hat. Seit Jahren war Sonncmann leidend, und die fortschreitende Abnahme des Augenlichts zwang ihn, sich von dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Für das politische Leben war er seitdem tot. Gustav Ermert als Hypothekenschuldner des Fürsten Plest. Aus dem Sekretariat des Reichstreuen Bergarbeiterverbandes zu Waldenburg in Schlesien sendet uns Herr Gustav Ermert folgende Berichtigung": „In Nr. 263 Ihrer Zeitung vom 29. Oktober d. I. veröffentlichen Sie einen Artikel mit der Ucberschrift:„Gustav Ermert als Hhpothekenschuldncr des Fürsten Pietz". In diesem Artikel be- findet sich folgende Stelle:„Tatsächlich sind auch die Statuten an der entscheidenden Stelle geändert worden, die Möglichkeit eines Streiks ist verschwunden. Die Drohungen Kcindorffs, die Zuschüsse zu entziehen, haben also Erfolg gehabt." Diese Darstellung Ihres Berichtes ist vollständig unwahr. Wahr ist vielmehr, daß ebenso wenig eine Aenderung der Statuten des reichstreuen Bergarbeiterverbandes wie derjenigen deS Bundes vaterländischer Arbeitervereine an der entscheidenden Stelle stgtt- gefunden hat. Die angeblichen Drohungen Keindorffs haben also leinen Erfolg gehabt, sondern die Satzungen bestehen in der ur- sprünglichen Form weiter zu Siecht. Es ist auch in der VerHand- lung, über die Sie hier berichten, gerichtlich festgestellt worden, daß eine Aenderung der erwähnten Statuten nicht stattgefunden hat, trotzdem behaupten Sie das Gegenteil. Die übrigen Angaben des Artikels stimmen ebenfalls nicht, insonderheit ist die Aussage des Zeugen, Herrn Reg.-Rat Keindorff, vollständig falsch und entstellt wiedergegeben. Ferner schreiben Sie: Ich hätte Keindorff versprochen, auf der Hamburger Generalversammlung in seinem Sinne zu wirken. Auch das entspricht nicht den Tatsachen. Erstens hat der Zeuge Keindorff diese Aeußerung nicht gemacht, und zweitens habe ich in bezug auf Streiks und Arbeitseinstellungen, wie durch die Zeugenaussage des Herrn Reg.-Rat Keindorff gerichtlich festgestellt worden ist, nie eine andere Ansicht gehabt als Herr Reg.-Rat Kein- dorff selbst. Auch habe ich in Hamburg nicht für die Entfernung der entscheidenden Stellen im Statute, die die Möglichkeit eines Streiks zulassen, gewirkt, es ist das auch von sonst niemand ge- schchen. Endlich hat Herr Reg.-Rat Keindorff nie einen Brief an mich geschrieben, in dem er verlangte, daß in die Statuten der von mir vertretenen Arbeiterorganisationen ein Passus aufgenommen würde:„daß der Streik grundsätzlich zu verwerfen ist," sondern Herr Reg.-Rat Keindorff hat nur einmal angeregt, ob es nicht an- gebracht sei, die Bestimmung des Statuts im Bunde vaterländischer Arbeitervereine, die den Streik zuläßt, zu entfernen. Ich habe Herrn Reg.-Rat Keindorff davon überzeugt, daß eine solche Acndc- rung der Satzungen nicht vorgenommen werden könne, und damit war diese Angelegenheit erledigt. In dem Briefe des Herrn Reg.- Rat Keindorff, den Sie in Ihrem Artikel eingangs erwähnen, ist von den Satzungen der reichstrcuen Bergarbeitervereine überhaupt nirgends die Rede." Als wir ErmertS Brief erhielten, glaubten wir, er wolle nicht unseren Artikel, sondern die Hypothekcnschuld— berichtigen? Wie man sieht, will er d a s nicht. Daß Reg.-Rat Keindorff wegen der Beseitigung der Streikzulässigkeit auf den Busch geklopft hat, leugnet Ermert auch nicht, und da er selber erklärt, er habe„in bezug auf Streiks und Arbeitseinstellungen nie eine andere Ansicht gehabt als Herr Reg.-Rat Keindorff selbst," so wissen wir nicht, was die ganze„Berichtigung" soll. Wahrscheinlich weiß Gustav Ermert das selber nicht.—_ Ocftemtcb, Ministerkrise. Wien, 31. Oktober.(Gig. Ber.) Der Ministerrat be» schloff die Gesetze, durch die in vier deutschen Kronländern die deutsche Sprache als ausschließliche Amts- und Unterrichts- spräche festgelegt wird, zur Sanktion vorzuschlagen. Die tschechischen Minister, Landsmannminister Dr. Z a z e k und Ackerbauminister Braf, stimmten dagegen und gaben ihre Demission, die angenommen werden wird. Die un- mittelbare Folge des Beschlusses ist die V e r s ch ä rf u n g der parlant entarischen Situation und die Gewißheit, daß die tschechische Obstruktion mit erneutem Ungestüni einsetzen wird. Die Regierung läßt erklären, daß während der jetzigen kurzen Vertagung des Abgeordnetenhauses wegen Flottniachung des böhmischen Landtages verhandelt werden soll. Sollten die Konferenzen ergebnislos bleiben, wird die Vertagung des Hauses bis Ende Noveniber dauern. Eine Krise des Gcsamtkabinetts wird vorläufig nicht erwartet. franhreteb. » Gegen die klerikale Gefahr. Paris, 31. Oktober. Bei einem Bankett der Liga für Unterricht hielt Mimsterprästdent B r i a n d eine Rede, in der er darauf hin- wies, daß die Klerikalen mit ihren Angriffen auf die L a i e n s ch u l e am Vorabend der Wahlen tatsächlich auf die Republik abzielten. Sicherlich wünsche die Regierung die Be- ruhigung, aber mit den Republikanern werde sie kräflig und auf ge- setzlichem Wege die Schule verteidigen, ohne je Gewalltätigkeiten zu begebe», die man hervorzurufen suche, um die französische Republik in Mißkredit zu bringen. Die Katholiken selbst würden niemals Anregungen befolgen, die von außen kämen und sie gegen eine Ein- richtung des Landes hetzten.— Snglancl. Londoner Gemcindcwahlen. London, 31. Oktober.(Gig. Ver.) Am 1. November finden in den 28 Gemeinden, die die Londoner Grafschaft bilden, Munizipalwahlcn statt, bei denen nicht tvcniger als 61 Frauen kandidieren. Darunter sind 12 Sozialistinnen und 4 Vertreterinnen von Arbeiterorganisationen. Eine der letzteren ist die Tochter des Bischofs von Norwich. Eriecbenlancl. Das Ende. Athen, 31. Oktober. Von den meuternden Marineoffizieren befinden sich jetzt neun in Haft. Typaldos soll sich mit einigen anderen ins Gebirge geflüchtet haben. Unter den Unteroffizieren der Marine macht sich eine gewisse Er« regung geltend, doch hofft man sie zu beruhigen. Die Beschädi- gungen des TorpedoboolSzerstörers Sfendoni sind nicht sehr schwer. Insgesamt sind bei dem vorgestrigen Kampfe vier Mann ge« tötet worden. Die aufständischen Besatzungen der Torpedoboote haben sich ergeben. Hier erhält sich das Gerücht, daß ungefähr achtzig Marine- o f f i z i e r e, die sich mit den Forderungen des Leutnants Typaldos einverstanden erklärt hatten, sich aber nicht mit ihm im Arsenal hatten vereinigen können oder wollen, beschlossen haben sollen, ihre Entlassung zu fordern, wenn nicht gewisse höhere Offiziere pensioniert würden, wie cS schon T y p a l d o S verlangt hatte. Der M i n i st e r r a t hat nach einer heute morgen abgehaltenen Sitzung den Staatsanwälten des AreopagS mitgeteilt, daß nach seiner Meinung die Rebellen wegen politischer Verbrechen vor ein Schwurgericht zu stelle» seien. Ipeflieii. Rückzug der russischen Truppen. Petersburg, 31. Oktober. Da die russische Regierung eS unter den gegenwärtigen Verhältnissen für überflüssig erachtet, das nach Kaswin entsandte Truppe ndetachcmcnt in seiner vollen Stärke daselbst zu belassen, hat sie beschlossen, den größten Teil des- selben zurückzuziehen und nur das zu ihm gehörige Regiment der Labakofaken in Pcrsien zu behalten. Cbina. Vorbereitungen für die Verfassung. Peking, 31. Oktober. Eine kaiserliche Verordnung fetzt die Klassen fest, aus denen die Mitglieder der in Vor- bcreitung befindlichen R e i ch S v e r s a m m l u n g gewählt werden sollen.— Die Provinzialversammlungen widersetzen sich der Erhebung neuer Steuern, besonders der Stempelsteuer, und auswärtigen Anleihen. Die chinesische Presse unterstützt die oppositionelle Bewegung. ÖcwerhlcbaftUcbe� Der nürnberger Oberbürgermeister gegen eine freifinnige �errorismuslüge. Die freisinnigen Schwindelnachrichten von„Streik- unrichen" der ausgesperrten Mühlenarbeiter spielten am Freitag auch in die Sitzung des Nürnberger Stadtmagistrats hinein. Die„Fr. Tagespost" hatte sich in einem Artikel mit dem freisinnigen Magistratsrat Heim befaßt, der am Mitt- woch in der Sitzung des Polizcisenats eine Interpellation be- gründete und dabei scharfe Maßnahmen gegen die Ausge- sperrten verlangte, die der freisinnige«Fr. Kurier" be- schuldigt hätte, daß sie Arbeitswillige mit Prügeln miß- handelt und eine Zusammenrottung verursacht hätten, gegen die die Polizei vorgehen mußte. Der Herr wollte haben, daß der Aufruhrparagraph verkündet, eventuell Militär bei- gezogen werde usw. Der„Fr. Tagespost" warf er vor, daß sie entgegen der Wahrheit die Ausschreitungen der Müller in Abrede gestellt und dadurch„gehetzt" und die Bevölkerung beunruhigt habe, worauf der Staatsanwalt aufmerksam zu machen sei. Diese Anwürfe wurden von unserem Nürn- bcrger Parteiblatt gebührend zurückgewiesen' im Magistrat gab nun Heim eine Erklärung gegen die„Tagespost" ab, in der er sie wieder der Lüge bezichtigte und neuerdings be- hauptete, daß Ausschreitungen vorgekommen seien. In der Erörterung nahm der Oberbürgermeister v. S ch u h das Wort, um die freisinnigen Wahrheitsbolde mit der einfachen Erklärung abzuführen: „Im Kampf der Mühlenarbeiter sei bis jetzt noch nichts vorgekommen, ums auch nur im geringsten Anlaß zu Bedenken gebe, und es sei doch nicht Aufgabe der Polizei, immer schon im voraus die bedenklichsten und schrecklichsten Dinge an- zunehmen und danach Maßnahmen zu treffen. Das würde erst recht zu ganz bedenklichen Dingen führen." Damit ist die freisinnige Schauergeschichte, die bereits ihren Weg durch die ganze deutsche Scharfmacherpresse gemacht hat, genügend als gewissenloser Schwindel gebrandmarkt, und der freisinnige Scharfmacher Heim hat die oberbürger- meisterliche Bestätigung, daß nicht die„Fr. Tagespost" ge- logen hat, sondern daß vielmehr er selbst und fein Partei- organ nicht allzu zart mit der Wahrheit Verfahren ist. Der freisinnige Lokalausschuß hat es für nottvendig ge- halten, in einer Sitzung auch zu den Vorgängen beim Zelluloidarbeiterstreik„Stellung zu nehmen". In einer an- genommenen Entschließung wird erwartet, daß der Magistrat in Zukunft die ihm gesetzlich zustehenden Maßnahmen er- greifen werde, welche geeignet seien, eine erneute Wieder- holung„derartiger gefahrdrohender Gesetzwidrigkeiten" zu verhindern. Weiter wird erwartet, daß die Staatsanwalt- schaft in Zukunft mit zweckdienlicher Beschleunigung in der Verfolgung gegen Personen, die gegen das Gesetz verstoßen haben, welcher Partei und welcher Gesellschaftsklasse sie immer angehören mögen, vorgehen werde. � Polizei und Staatsanwalt— das sind' die sozial- politischen Heilmittel des Freisinns! Berlin und Clrngegcnd. Aussperrung und Streik der Isolierer Berlins. Die Isolierer Berlins und Umgegend haben am Sonntag- nachmittag in außerordentlicher Mitgliederversammlung ihrer Or- ganisation beschlossen, überall, wo ihre Forderungen nicht aner- kannt werden, am Montag, den 1. November, d,ie Arbeit einzustellen. Man kann diesen Streik mit Recht auch als Aussperrung bezeichnen, denn am Sonnabend ist den Jso- lierern in den einzelnen Werkstätten von den Arbeitgebern ein Formular vorgelegt worden, durch das sich jeder der beschäftigten Isolierer auf bestimmte Arbeitsbedingungen unterschriftlich ver- pflichten sollte und das mit den Worten schließt: „Wer mit nachstehenden Bedingungen nicht einverstanden ist, kann am Montag, den 1. November, seine Papiere und Lohn- abrechnung in Empfang nehmen." Das Schriftstück, das mit der Maschine hergestellt und verviel- fältigt ist, rührt offenbar vom Unternehmerverband her, der bis- lang mit der Jsoliererorganisation im Tarifverhältnis stand und mit ihr auch noch bis vor kurzem Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Tarifvertrages gepflogen hat. Der Unternehmer- verband hat es also nun darauf abgesehen, die Organisation der Arbeitnehmer bei Festsetzung der Arbeitsbedingungen auszu- schalten und jeden einzelnen durch Drohung mit sofortiger Ent- lassung zur Anerkennung bestimmter Bedingungen zu zwingen. Gelungen ist das in keinem Fall. Die Isolierer wie Helfer haben es überall, wo die Zumutung an sie gestellt wurde, abgelehnt, jenes Schriftstück zu unterzeichnen. Damit wäre die allgemeine Aussperrung gegeben, soweit die Macht des Unternehmerverbandcs im Jsolierergcwerbe reicht. Doch allzu weit reicht sie nicht. Mehrere Firmen, darunter eine der größten, haben die Forderungen der Isolierer bereits schriftlich anerkannt und von dem Unter- Nehmerformular keinen Gebrauch gemacht. Die Isolierer bewiesen am Sonntag durch außerordentlich zahlreichen Besuch ihrer Versammlung und lebhafte Aus- spräche über die Lage, daß sie schon auf den Kampf vorbereitet waren und ihn auch mit Entschlossenheit und Einmütigkeit durch- führen werden. Der Verbandsvorsitzende Hermann Lange be- richtete über die Antwort der Arbeitgeber auf den letzten Ver- sammlungsbeschluß. Diese Antwort des ArbeitgeberverbandeS für das Jsolierergewerbe Berlins lautet: „Daß wir tveitere Zugeständnisse als bei unserer letzten gemeinsamen Sitzung am LI. Oktober nicht machen können und deshalb auch weitere Verhandlungen für zwecklos halten." Der Redner führte aus, daß die Antwort ausgefallen sei, wie zu erwarten war, und daß die Unternehmer schon lange nach einer Machtprobe trachteten. Sie haben in den letzten Jahren wiederholt Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und nament- lich die prinzipielle Einführung der Akkordarbeit angestrebt. Dabei wollten sie zuerst überhaupt keinen bestimmten Lohnsatz garantieren, schließlich erklärten sie sich bereit, 50 Pf. Stundenlohn bei Akkord- arbeit zu garantieren. Für Lohnarbeit sollten die alten Sätze: KZ Pf. für Jsvlierer, öd Pf. für Hilfsisolierer und 45 Pf. für Helfer, bestehen bleiben; wohingegen die Arbeitnehmer die bei der außerordentlichen Teuerung gewiß sehr bescheidene Forderung von 5 Pf. Erhöhung der Stundenlöhne gestellt hatten, ebenso wie sie die Landzulage von 2,50 M. auf 3 M. erhöht wissen wollten. In den schon erwähnten„Bedingungen", die die Unternehnier am Sonnabend den Arbeitern aufnötigen wollten, heißt es, daß der Stundenlohn der selbständigen Isolierer S5— 70 Pf., je nach Ver- einbarung, betragen soll, daß Fahrgelder, Vororts- und Land- Zulagen wie bisher gezahlt werden, und weiter:„Normalliegende Arbeiten von 20 Quadratmeter an aufwärts werden in Akkord aus- geführt nach dem zuletzt bekannt gegebenen Tarif. SckMierigere Arbeiten unterliegen besonderer Vereinbarung oder werden in Stundenlohn ausgeführt. Bei Akkord wepden nach Wunsch Bor- schüsse in bisheriger Weise bezahlt. Die bei der Firma bisher bestehenden Arbeitsbedingungen bleiben bis auf weiteres in Kraft." — Hieran schließt sich dann der bereits wiedergegebene Satz, der alle die, die damit nicht einverstanden sind, mit Entlassung bedroht. Merkwürdig ist, daß die Bedingungen selbst von dem abweichen, was die Unternehmer bei den letzten Verhandlungen angeboten haben.— In der Versammlung erklärten sich alle Redner ganz Verantw. Redakt.: Emil Unger, Grunewald" Inseratenteil verantw.: entschieden, gegen das Vorgehen des Unternehmertums und der Beschluß zur Arbeitsniederlegung wurde e i n st i m m i g gefaßt. Die Böttcher und der Tarifvertrag in den Branereien. Der Zentralvcrband der Böttcher beschäftigte sich in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die am Sonntagvor- mittag in Boekers Festsälen stattfand, mit der Frage der Kündigung des Tarifvertrages für die Brauereien. K l a p s ch u s legte in in einem Referat darüber dar, daß die Kündigung sich besonders in Anbetracht der allgemeinen Teuerung als notwendig heraus- gestellt habe. Es gelte einen besseren Lohn zu erzielen, die Arbeits- zeit zu regeln und andere Verbesserungen herbeizuführen, die genauer zu bestimmen Aufgabe der zu wählenden Tarifkommission sein werde. Von einer Neuregelung des Freitrunks, wie sie der Vrauereiarbeiterverband wünscht, wollte der Redner nichts wissen. In der Diskussion war man mit den Ausführungen des Referenten durchaus einverstanden; man verlangte unter anderem, daß der Lohn 33 M. betragen sollte. Gegen den Brauereiarbeiterverband wurden mancherlei Angriffe gerichtet, indem man annahm, daß er sich in seinen Bestrebungen zu sehr von dem Gedanken leiten lasse, daß alle in den Brauereien beschäftigten Leute zu ihm ge- hören. Die Tarifkommission, bestehend aus 7 Mitgliedern, wurde von der Versammlung gewählt. K l a p s ch u s erstattete den Kassenbericht für das 3. Quartal 1909. Einnahmen und Ausgaben der Hauptkasse bilanzieren mit 4122,76 M. An Arbeitslose wurden 503,50 M., an Kranke 1359,50 Mark, an Streikende 315,50 M. als Unterstützungen gezahlt. Die Lokalkasse buchte eine Einnahme von 3349,86 M. und eine Ausgabe von 1682,85 M., somit bleibt ein Bestand von 1667,01 M. in der Kasse. Für die schwedischen Arbeiter wurden aus der Lokalkkasse 500 M. bewilligt. Der Mitgliederbestand hat um 10 Personen zu- genommen und betrug am Ende des Quartals 573. An Stelle von K l a p s ch u s, der bisher Altgeselle der Innung war(es gibt zwei Innungen in Berlin), wurde W e r n i ck gewählt. Viel geklagt wurde noch darüber, daß in manchen Brauereien die Brauer den Böttchern viel schaden, indem sie Böttcherarbciten übernehmen._ Achtung, Hartgummiarbeiter! Der Streik bei den Firmen, welche den Tarif nicht anerkannt, ist noch nicht beendet. Folgende Firmen sind bis auf weiteres ge- sperrt: Matthey, Scblesischestr. 32, Pape, Palisadenstr. 49 und Fuchs u. Müller, Britzcr Str. 7. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. OeutTches Reich. Zwangsversicherung gegen Arbeitslosigkeit. In Solingen wurde aus Arbeitgeberkreisen beim Vor- stand der mit dem Gewerbegericht verbundenen Ilrbeitsnachweis- stelle angeregt, gemeinsam mit den Stadtverwaltungen und den Gewerkschaften eine Arbeitslosenversicherung für den Solinger Jndustriebezirk ins Leben zu rufen. Nachdem inzwischen dieser Plan schon in einer Konferenz der Gemeindeverwaltungen auf Veranlassung des Oberbürger- meisters von Solingen besprochen worden war, hat sich auch die Arbeiterschaft mit der Frage beschäftigt. In einer General- Versammlung des Jndustriearbeiterverbandes(Solinger Fach- verein) verhielten sich sämtliche Redner einer derartigen Ver- sicherung gegenüber ablehnend. Es wurde gesagt, die Zwangs- Versicherung gegen Arbeitslosigkeit werde den gewerkschaftlichen Organisationen ein Anziehungsmittel entziehen, und bei Streiks werde die Versicherungskasse den im Streik befindlichen Firmen Arbeitslose zuweisen, denen sie im Falle der Verweigerung der Arbeitsannahme die Unterstützung entziehen würde. Auf diese Weise würde die Zwangsversicherung gegen Arbeitslosigkeit jeden Streik von vornherein aussichtslos machen. Verdächtig sei der Umstand, daß der Plan von Arbeitgeberseite ausgehe, die doch in erster Linie ihr Interesse im Auge hätten. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Solange nicht hinreichende Garantien dafür gegeben sind, daß die für die Gemeinden des Kreises Solingen geplante Ar- beitslosenversicherung nicht zur Vermittelung von Arbeits- willigen benutzt werden kann in der Weise, daß bestreikten Firmen Arbeitslose zugeführt werden oder gar die Verweigerung zugewiesener Streikarbeit den Verlust der Unterstützungsrechte zur Folge hat, muß der Jndustriearbeiterverband es ablehnen. sich an der Ein- und Durchführung einer Arbeitslosenversicherung zu beteiligen. Allen Problemen, bei denen obige Voraussetzung nicht erfüllt ist, wird der Jndustriearbeiterverband im Interesse der Arbeiterschaft entschieden Widerstand entgegensetzen." In ähnlichem Sinne Hat sich auch der Deutsche Metallarbeiter- verband schon vor einiger Zeit zur Frage der Zwangsarbeitslosen- Versicherung in Solingen ausgesprochen. Damit dürfte das von den dortigen Unternehmern geförderte Projekt als gescheitert zu betrachten sein._ Knappschaftsältestenwahlen. Die Sonnabend, den 30. Oktober, in vier Sprengeln des All- gemeinen Knappschaftsvereins stattgehabten Aeltestenwahlen endeten mit einem vollen Erfolge des Bergarbeiterverbandes. Der Verband erhielt mit 780 Stimmen drei Aelteste und 2 Ersatzmänner, während der christliche Gewerkverein mit nur 466 Stimmen einen Aelteste» und 2 Ersatzmänner erhielt. Bald hätte der Gewerkverein auch diesen einen Aeltesten nicht erlangt, denn in Rellinghausen bei Essen siegte der Gewerkverein trotz des schäbigen Flugblattes, das er am Tage vor der Wahl herausgab, nur mit einer Stimme Mehrheit. In Frillendorf und Rotthausen siegte der Verband mit einer Mehrheit von 93 bezw. 102 Stimmen, während in Mülheim der Verband ohne Gegenkandidaten das Feld behauptete. Engels Ende. Der bei dem Streik der A l u in i n i u m a r b e i t e r in B a d.« Rheinfelden zu so trauriger Berühmtheit gelangte christliche Gewerkscbaftssekretär Engel ist nun doch von seiner Gewerkschaft seiner Tätigkeit enthoben worden. Engel war aber auch zu un- geschickt. Streitet mit dreister Stirn gegen den von Staatsbeamten festgestellten wahren Sachverhalt und läßt sich wiederholt in der Oeffentlichkeit von diesen Beamten auf die Pfoten klopfen. DaS mußte selbst der christlichen Gewerkschaftsleitung zu starker Tabak werden. Hätte Engel sein trauriges Handwerk nur gegen die freien Gewerkschaften ausgeübt, so würde er als tüchtiger Beamter gelten und im Rate der christlichen Weisen obenan sitzen. Scharfmacherische Uebungen. Ende Oktober haben die Geschäftsführer der Hauptsteve Deutscher Arbeitgeberverbände und die des Verbandes Deutscher Arbeitgeberverbände in Hamburg eine gemeinsame Arbeits- nachweiskonferenz abgehalten. Die Konferenz, die aus allen Gebieten Deutschlands sehr zahlreich beschickt war. hat den Leitern der Ver- bände die praktische Kenntnis der Einrichtungen des Arbeits- Nachweises des Verbandes der Eisenindustriellen Hamburgs, der vorbildlich wirken soll, vermittelt. Die Konferenz soll die Aus- dehnung der Arbeitgcber-Brbeitsnachweise, von denen eS schon 150 geben soll, fördern. Danach dürfen die Arbeiter damit rechnen, daß ihnen die Scharfmacher in nächster Zeit einen Kampf um den Arbeits- Nachweis aufzwingen werden. Einen größeren Vorstoß nach dieser Richtung macht ja zurzeit der Zechenverband. Für leidlich verständige Unternehmer ist diese Frage längst entschieden und der Kampf um den Arbeitsnachweis als völlig unnötig erachtet worden, durch die Errichtung von paritätischen Arbeitsnachweisen. Jetzt aber betreiben die Scharf- ki. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt wacher diese Sache wieder systematisch und drillen ihre Arbeits« Nachweisführer in die geheime Geschäftspraxis ein, wie gut diese Aachweise als MatzregelungSburcaus fungieren können und müssen. Ausland. Arbeitslosigkeit in Nnstrnlien. Auch in Australien ist die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren bedeutend gestiegen, obgleich dort in den meisten Berufen bedeutend kürzere Arbeilszeit besteht als in Europa. Die Einwanderung ist nämlich viel größer, als daß Handel und Industrie für alle genügend Arbeitsgelegenheit bieten könnren. lim der Not unter den Arbeits« losen zu steuern und geeignete Maßnahmen zur Beschaffung von Arbeit zu nehmen, haben sich in allen Großstädten besondere Komitees gebildet, die zum Teil jetzt besondere, unregelmäßig er« scheinende„ArbeitSloscnzeitungen" herausgeben, die den Arbeilslosen gratis zum Verkauf a 1 Penny<8 Pf.) überlassen werden. Man hofft den Arbeitslosen dadurch eine materielle Hilie angedeihen zu lassen und zugleich das Publikum über die wahren Verhältnisse des Arbeits- Marktes aufklären zu können. Versammlungen. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer hielt am Sonn» abend seine Generalversammlung im„Englischen Garten" ab. Zuerst erstattete der Kassierer Holz seinen Bericht vom 3. Quartal 1909, Die Einnahmen betrugen während diese? Vierteljahres 10 438,50 M., die Ausgaben 10 919,75 M.; es ergab sich demnach eine Mehr- auSgabe von 481,25 M. Der Kaffenbestand am 30. September 1909 betrug 12 556,39 M. Unter den Ausgaben stehen 300 M. als Unter- siützung für die schwedischen Arbeiter verzeichnet. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer Decharge erteilt.— Als Delegierter zur Gewerkschastskommission erstattete M ü l l e r Bericht; er besprach besonders das neueingesübrte Regulativ für die Gewerlschaftslommission. Die Versammlung entschied sich dafür, das bisherige Delegierten« shstem beizubehalten und bestätigte die Wabl der alten Delegierten. Der Vorsitzende Schwittau legte dann einen Antrag der engeren Verwaltung vor. daß die Mitglieder monatlich Agitationsmarlen von 10 Pf. zu kleben haben. Von den Bezirken„Osten" und„Süd« osteu" lagen aber weitergehende Anträge in dieser Richtung vor. Diese hielten eine Erhöhung der Beiträge um 10 Pf. pro Woche für geboten. Nach langer DiSkussioil beschloß die Versammlung, daß der wöchentliche Beitrag vom 1. Januar ab 60 Pf. pro Woche, also 10 Pf. mehr als bisher betragen soll. Eingeschlossen in den dahingehenden Antrag war die Bestimmung, daß voin gleichen Zeit« Punkt ab die Verbandszeitung per Post zu versenden sei. Die Sektion der Putzer vom Zentralverband der Maurer hörte in ihrer Generalversammlung, die am Donnerstagabend in den Arminhallcn stattfand, einen Vortrag des Reichstagsabgeordnetcn Rechtsanwalt Wolfgang Heine über das Thema„Lohnklagcn und Sicherung von Arbeiterlöhnen". Dem beifällig aufgenommenen Vortrage folgte eine kurze Diskussion, in der dem Vortragenden verschiedene Rechtsfragen zur Beurteilung vorgelegt wurden. Die Versammlung nahm dann den- Kassenbericht entgegen. Der Kassierer H. Richter legte die Abrechnung vom 3. Quartal vor. Danach balanzierten die Einnahmen und Ausgaben der Haupt» lasse mit 12 453,31 M. Die Einnahmen der Lokalkasse wurden mit 62 018,65 M. gebucht, die Ausgaben betrugen 7708,85 M. Der Bestand ist demnach 54 309,80 M. Unter den Ausgaben standen 1200 M. als Unterstützung für die schwedischen Arbeiter verzeichnet; für Streiks und Bauiperren wurden 3400 M. ausgegeben, für die Bautenkontrolle 351,20 M. und als Krankengeldzuschuß 625,50 M. Der Mitgliederbestand der Sektion der Putzer betrug am Schlüsse des Quartals 1356. Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassierer entlastet. Die iSchlsscheii Stichwahlen. Zwickau i. S.. 1. November.(W. T. B.) Bei der heutigen Stichwahl im städtischen Wahlkreise Zwickau wurde Bär(Freist) mit 12 789 Stimmen gegen Schmidt(Soz.), der 7172 Stimmen er- hielt, gewählt. Freiberg i. S., 1. November.(W. T. B.) Im 6. städtischen Wahlkreise wurde Braun(Natl.) gegen Kleeis(Soz.) gewählt. Braun erhielt 8792, Kleeis 3745 Stimmen. Rochlitz, 1. November.(W. T. B.) Im 13. städtischen Wahl» kreise wurde B o t h(Freist) mit 6253 Stimmen gegen Barth (Soz.) gewählt, welcher 4375 Stimmen erhielt. Das amtliche Ergebnis der Leipziger Stichwahlen ist am I. November verkündet worden: Im 1. Wahlkreis entfielen auf Schuchardt(Soz.) 5697, auf den bürgerlichen Kandidaten 10 357 Stimmen. Gewählt ist Loebner(natl.). Im zweiten Kreis erhielt S e g e r(Soz.) 7839, der bürgerliche Kandidat 13 355 Stimmen. Gewählt ist Wappler (natl.). Im dritten Kreis wurden abgegeben für Jllge(Soz.) 12 478, für Müller 12 250 Stimmen. Gewählt ist Jllge. Im 5. Kreis wunden gezählt für B a m m e s(Soz.) 9419, für Rudolph (natl.) 15 029 Stimmen. Gewählt ist Rudolph. Im 6. Kreis wurden 22 636 gültige Stimmen abgegeben. Davon erhielten Lehmann (Soz.) 7371, Steche(natl.) 15 265 Stimmen. Gewählt ist Steche. Eine größere Serie von Stichwahlen ist heute, den 2.j November, zu erledigen. Da wird es sich entscheiden, in welcher Stärke unsere Genossen— bisher 17 Mann— in das sächsische Landes, Parlament einziehen werden. Letzte JVacbrlcbten und Dcpcfcbcn. Wahlsieg. Arnstadt(Thüringen), 1. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Mit 900 gegen 600 bürgerliche Stimmen drang die hiesige Sozialdemokratie heute bei den Gemeinde» ratswahlen durch._ Vom Schlachtfelde der Arbeit. Frankfurt a. M., 1. November.(B. H.) Heute früh 6 Uhr wurde im Maschincnhause des Ostbahnhofes der 25jährige Heizer Jakob Becker aus Aschaffenburg, der zwischen eine Maschine und die Wand geriet, totgedriickt._ Wenn man mit Schuhwaffen spielt. Frankfurt a. M., 1. November.(B. H.) Beim Hantieren mit einem Revolver erschoß Sonnabendabend in einer Wirtschaft in Heddernheim der Student Genz den 19 jährigen Arbeiter Rüb, samen. Der Erschossene war der einzige Ernährer seiner Mutter. Ein deutscher Dampfer gestrandet. Lourenco MargueS(Südostafrika), 1. November.(W. T. B.) Der deutsche Dampfer„Gouverneur", von Beira nach Bombay unterwegs, ist bei Zavora gestrandet. Die Passagiere, zum größten Teil Jndier, sind gelandet._ Bergmanns Tod. Eardiff(England), 1. November.(W. T. B.) Die Tareni, Kohlengrube bei Dstalyfera wurde heute nachmittag durch einen plötzlichen Wassereinbruch überschwemmt. Von der Belegschaft konnten sich 150 Mann retten; drei Leichen sind bisher' geborgen worden, 74 Arbeiter. werden vermißt. )äül Singer&So., BerlinLW.' Hierzu 3 Beilage» v.ll»ttthaltung»bl. 9t. 256. 26. Iahrgavg. 1. Keikze Ks Jonürts" Anlim Polblilttt. Aieastag, 2. November MS. Sie Livic Federaflon. In seiner Darstellung der Tätigkeit des Führers der ameri- konischen Gewerkschaften, Gompers, war Kautsky genötigt, auch die merkwürdige Tätigkeit zu beleuchten, die dieser Arbeiter- führer als Vizepräsident der Civic Federation, einer angeblich der Versöhnung von Kapital und Arbeit dienenden Vereinigung, ent- faltete. Das„Correspondenzblatt" der Gencralkommission hatte darauf in einem sehr heftigen Artikel Kautsky beschuldigt, die deutschen Leser falsch informiert zu haben. Aus der Antwort Kautskys in der letzten Nummer der„Neuen Zeit" geben wir ihres sachlichen Interesses wegen im Nachfolgenden das Wesentliche wieder. Kautsky schreibt: Nachdem das„Correspondenzblatt" mir Unehrlichkeit und Feindseligkeit gegen die Gewerkschaften vorgeworfen, weil ich die Gefährlichkeit der Unternehmerverbände an der Hand der ameri- kanischen Statistik zu illustrieren versuchte; nachdem es Gompers als Genossen begrüßt und seine sozialistischen Kritiker in Amerika und Deutschland beschimpft hatte, steigt es in seiner letzten Nummer noch eine Stufe höher und legt sich für die C i v i c Federation ins Zeug! Es sei eine böswillige Verleumdung, wenn ich diese ehrwürdige, friedliebende Körperschaft dem Reichsverband gleich- setze! ES heißt in dem Artikel„Gompers und die deutschen Gewerk- schasten"(„Correspondenzblatt" vom 16. Oktober): „Seit dem Empfang des Vorsitzenden des amerikanischen Ge- Werkschaftsbundes durch die deutschen Gewerkschaften beziehungs- weise die Generalkommission können sich einige Organe der Parteipresse nicht beruhigen. Von den verschiedensten Seiten wird das Holz für den Scheiterhaufen zusammengetragen, auf dem Gompers von unseren Parteiliteraten geräuchert werden soll. Kautsky vollends hat die Entdeckung gemacht, daß die General- kommission nicht etwa nur den Präsidenten der American Federation of Labor, sondern auch den Vizepräsidenten der Oivie Federation empfangen hat, einer Organisation, die angeblich dem deutschen Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie entsprechen soll. Kautsky sagt zuerst vorsichtig: Die Livic Federation wird für Amerika„immer mehr das, was der ReichSberband für Deutschland ist". In seinen weiteren Ausführungen spricht er aber lediglich von dem„Vizepräsidenten des amerikanischen Reichsverbandes". Wir haben uns nicht veranlaßt gesehen, auf diese Ver- drehungen der tatsächlichen Verhältnisse zu antworten.... Nun hat aber auch ein Gewerkschaftsblatt,„Der Textilarbeiter", sich bemüßigt gefühlt, in die gleiche Kerbe zu hauen....„Der Textilarbeiter" setzt einfach als wahr voraus, daß die Civic Federation„eine verzweifelte Aehnlichkeit mit dem Reichsver- band in Deutschland hat". Beweise für diese Behauptung sind bisher nicht erbracht worden. Auch vom„Textilarbeiter" nicht. Wie steht es nun mit dem amerikanischen„Reichsverband"? Ist er wirklich gleich dem deutschen Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie zu diesem Zwecke gegründet worden? Er- füllt er die gleichen Zwecke wie dieser, der Wanderredner gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften ausrüstet, gelbe Ge werkschaften gründet. Gewerkschaften und Partei durch eine syst« matische Bearbeitung der bürgerlichen Presse verleumdet?... Von alledem ist nichts wahr. Sie(die Civic Federation) ist etwa im Jahre 1900 gegründet worden, im wesentlichen, um durch Vermittelung großen Arbeitskämpfen vorzubeugen. Im Jahre 1901 setzte sie eine Unterabteilung ein mit dem Zwecke,„den industriellen Frieden zu fördern, zwischen Arbeiter und Arbeitgeber gerechte Beziehungen zu gestalten, durch ihre guten Dienste Streiks und Aussperrungen zu verhüten und zu verhindern und dort industrielle Beziehungen herzustellen, wo Differenzen bestanden". Die Unterabteilung hat nach dem Programm weiter die Auf. gäbe, für den Abschluß und die Jnnehaltung von Tarifverträgen zu wirken und auf Ersuchen der Parteien als Einigungsamt zu dienen. kleines feuilleton. Di« MarSreise. (Brief unseres Korrespondenten.) MarS, im Oktober. Anfangs war er ein roter Punkt. Nach zwei Tagen— ein Zehnmarkstück, nach vier— ein Pfannkuchen, nach acht— ein« große Kugel. Dann waren wir da. „Mars!" rief der Schaffner.„Aussteigen!" Da stiegen wir aus.— Wir waren unserer fünfzig Franzosen, Türken. Japaner,— Leute aus allen Berufen, zum Teil auf der Suche nach neuen Wirkungskreisen: französische Nonnen, HaremSdamen, ein abgenutzter Minister, ein ebensolcher König... Das war ein Teil der Gesell- schaft, der eng zusammenhielt. Ein Ei— ein Kucben. Der andere — zu dem wir gehörten— war auf Forschungsreisen. Geplant war das Studium des MarSlebenS: Kunst, Philosophie, politisches und wirtschaftliches Leben. Ki-Ki-Co, der Bürgermeister, empfing unS. Er ließ sich jeden vorstellen und betonte von vornherein, für Könige und Nonnen seien keine Geschäfte zu machen. Desgleichen hätten Minister schlechte Chancen. Das Richtigste sei wohl, sie reisten wieder ab. Man hätte so mancherlei munkeln hören....(Hier räusperte sich Ki-Ki-Co.) UnS andere aber heiße er willkommen im Namen aller Marsianer, insbesondere der von Marsopolis. MarsopoliS ist die Hauptstadt. Die Stadt und Umgebung be- schreibe ich ein nächstes Mal; diesmal möchte ich nur eine kurze Episode schildern, die mir besonders auffiel. Waren da drei Herren bei der Expedition, von denen man nicht so recht ivußte, wer sie waren. Sie trugen Jägerhemden, hielten sich abseits und tranken Bier. Komisch waren sie wohl... Am zweiten Tage nach der Ankunft besuchten wir eine Volks- schule. Die Führung hatte Ki-Ki-Co. Er erklärte,«r sprach, von Unterricht, von Erziehung... Stürzen die drei auf den Lehrer zu. „Sind Sie der Lehrer?" „Ja." 'Wirklich? Nein, wie dick.' Ein BolkSschullehrer I' „Was er wohl kriegen mag?" „Ach? Der sollte mal zu uns kommen!" Sie flüsterten. Sie staunten. Er war ein Wundertier I» Begreifen Sie das? Weiter. Ein Wahllokal: Frauen, die wählen. Die drei stehen wie Salzsäulen. „Frauen— wählen!" „Frauen—?" „Was sagst Du?!' Sie gucken, starren, können eS nicht fassen... Begreifen Sie das? Oder ein andermal: „WaS?— Versammlungsfreiheit?* „Kein Muckertum?* „Keine Rüstungen?" „Wenig Steuern!" Es ist in dieser Unterabteilung, oder wie der offizielle Name lautet: Industrial Department of the National Civic Federation, wo Gompers das Amt eines Vizepräsidenten übernahm. Wer den Unterschied zwischen dem gelbe Gewerkschaften züchtenden deutschen Reichsverband und diesem der Vermittelung in Arbeitskonflikten dienenden Departement nicht sieht, dürfte auch durch die weitestgehenden Auseinandersetzungen nicht zu belehren sein." Trotzdem fügt das„Correspondenzblatt" noch zu dem Gesagten ein Zitat aus einem bürgerlichen Buche über den„industriellen Frieden" hinzu, in dem die Civic Federation in den Himmel ge- hoben wird. Dazu bemerkt das„Correspondenzblatt": „Das ist also der amerikanische„Reichsverband". Der „Textilarbeiter" wird demnach hoffentlich einsehen, wie vorsichtig die Thesen des Herausgebers der„Neuen Zeit" aufzunehmen sind." Vorsicht ist sicher eine Tugend, aber ob gerade diejenigen, die eben auf Gompers als„wahrhaften Revolutionär" und„Genossen" hereingefallen waren, die berufensten sind, diese Tugend anderen zu Predigen, ist sehr die Frage. Der„Textilarbeiter" wird inzwischen wohl auch so„vorsichtig" gewesen sein, die Ausführungen des Genossen Berger über die Civic Federation in dem Bericht des„Vorwärts" zu lesen, wenn er sie nicht früher schon hörte, und er wird schon dadurch zu einiger Vorsicht gegenüber dem—„Correspondenzblatt" veranlaßt worden sein, das heißt gegenüber dem„Correspondenzblatt" von heute, das durch die Freundschaft mit Gompers nicht gewonnen hat. Berger hat einige Zitate aus dem„Correspondenzblatt" verlesen, die bezeugen, daß es 1992 die Civic Föderation weit richtiger ein- schätzte wie heutzutage und in ihr eine Gefahr für die Gewerk- schasten sah, die ihnen„verhängnisvoll werden könne". Es schrieb damals: „Die Verwirrung, die diese unnatürliche Allianz in den Kreisen der vielköpfigen und schwer lenkbaren Arbeiterschaft anrichten muß, wird größer und schädlicher sein als alle erhofften und tatsächlichen moralischen und sonstigen Erfolge auf diesem Wege." Natürlich kommt es nicht auf den Buchstaben der Statuten an, sondern auf den Geist, der in ihnen weht. Wer diesen kennen lernen will, der lese das Organ der Civic Federation, „TKe National Civic Federation Review". Was uns bort auf den ersten Blick auffällt, ist die Liste der Mitglieder des Vorstandes(Fxecutive Council). Dort und nicht in irgendeiner Unterabteilung figuriert als erster Vizepräsident Herr Samuel Gompers. Die Artikel der„Revue" richten sich in der großen Mehr heit gegen unsere Partei. Darunter gar manche von Ar beitern, auch sozialistischen Renegaten, die in der Weise des Korb- machers Fischer berichten. Den Ton dieser Artikel kennzeichne das erste beste Zitat, das mir unterkommt. Ich könnte deren viele Dutzende bringen: „In unserem Lande sind die Flaggen aller Stationen will- kommen.... Aber eine Flagge gibt es, für die hier kein Raum ist. und das ist die rote Fahne, die die Sozialisten vom P i r a t e n s ch i f f der Anarchie gerissen und als die ihre anerkannt haben. Man braucht keine Enzyklopädie, kein Wörter buch, kein gelehrtes Nachschlagebuch einzusehen, um zu wissen. was das Scharlachbanner bedeutet. Instinktiv wird es auf- gefaßt und betrachtet als das Symbol von Blut, Brand und Gewalttat. In unserem ganzen Lande gilt es als das an- erkannte Zeichen der Gefahr, und seine Botschaft kann der kampflustige Mensch lesen, auch wenn er keinen Buchstaben des Alphabets kennt. Bereits gibt es eine kleine, aber giftige Schar, die in unseren Städten das Scharlachbanner erhebt und trägt. Aber es wird in Amerika nie als etwas anderes an» erkannt werden wie als Ausdruck des giftig st en Hasses, der Unzufriedenheit und der Treulosigkeit, ein Ausdruck, der meist ausländischen Ursprunges ist." (Juliheft 1999, Artikel Flag Day, 14. Juni.) Lange sah Ki-Ki-Co sie an. ErWegriff sie nicht. Dann aber hielt es thn nicht länger: .Wer sind denn die Herren, die sich so wundem? Wo kommen die bloß her?" Man wußte es nicht. Die drei aber, die die Frage gehört hatten: stellen sich in eine Reihe, stehen stramm und schnarren: .Zu dienen, Exzellenz, zu dienen... Au»— Preußen-Deutsch land l.. Werner Peter Larsen. Theater. Freie Volksbühne. Die bevorstehende Schiller-Feier hat verschiedene Berliner Bühnen veranlaßt, sich wieder einmal des größten deutschen Dramatikers zu erinnern. So hat das Neue Schauspielhaus Maria Stuart neu herausgebracht, zu- nächst als Borstellung der Akademischen Bühne mit fremden Gästen. Am Sonntag wurde die Neueinstudierung mit den häuslichen Kräften der Freien Volksbühne geboten. Wir hätten es freilich lieber gesehen, wenn die Volksbühne Aufführungen von jenen Schillerschen Dramen, die, wie Die Räuber, Kabale und Liebe, Tell, freiheitlichen Idealen so allgewaltigen Ausdruck verleihen, hätte vorbereiten können. Es ist nicht geschehen; es konnte auch nicht geschehen. Die Freie Volksbühne ist zum großen Teil abhängig von dem Programm der Theater, mit denen sie Vereinbarungen getroffen hat. Unter solchen vorderhand nicht zu beseitigenden Umständen ist denn auch die Aufführung der„Maria Stuart" zu betrachten. Nicht weil sie Außerordentliches bietet, sondem deshalb, daß sie überhaupt da ist. Wir genossen da Schillersche Kunst in ziemlich verspießbürger lichter Fonn und Gestalt. Regie und dekorative Wirkung ließen keine rechte Stimmung und Geschlossenheit auskommen. ES fehlte trotz aller deklamatorischen Bemühung der große fortreißende Zug. Und weiter wollen wir Personen sehen, wie sie Schiller geschaut und gestaltet hat. Nicht Lords und Barone, die sich bäuerlich benehmen, nicht Bevollmächtigte Frankreichs von ähnlicher Unzuläng- lichkeit. WaS war denn, um einen zu nennen, der Graf von Leicester, den uns Rudolf C h r i st i a n S bot, anderes als ein Deklamatorium; Der„schöne" Mann allem ist doch für diese Rolle nicht ausreichend den intriganten Höfling wollen wir agieren sehen. Auch Marie I m m i s ch gab als Elisabeth nicht viel mehr als AeußerlicheS. Ihre Erscheinung, gewiß, die könnte wohl für eine stolze, herrschsüchtige Königin genügen, aber dies Weib wird doch zweifellos über ganz andere Mittel gebieten, als Kolophoniumblitze zu schleudern und wie aus einem Topf ohne Boden zu reden. Nun der Mortimer. Reinhold Pasch bringt gewiß die Jugend mit, aber er überstürzt sich, wird bei waschen und spricht undeutlich. Uebrigens wurde in der Sprach- behandlung auch von den meisten Darstellern über Gebühr gesündigt. Aber Charlotte Maren, die machte Freude. Sie wurde der Rolle einer Maria Stuart im vollen Maße gerecht. Das war Realismus in gesättigter Art, der weder den poetischen Geist der Schillerschen Vers- und Gedankensprache, noch den Zug echt mensch- licher und dennoch idealistischer Gestaltung verflüchtigt. In der Be- gegnung beider Königinnen im dritten Akt, dem dramatischen Höhe- punkt der ganzen Tragödie, stand auch die Maren auf dem Gipfel ihrer Darstellung. Und so mag man sich denn dieser Leistung auf« Was würde Genosse Legien dazu sagen, wenn man diese Sätze als Flugblatt bei der nächsten Reichstagswahl in Kiel verbreitete? Würde er sie als Kind seines Freundes Gompers freudig begrüßen und es als lügenhafte„Verdrehung" erklären, wenn man diese Sprache als die des Reichsverbandes kennzeichnete? Mit ihrer„Revue" als Kampfmittel gegen den Sozialismus ist aber die Civic Föderation nicht zufrieden. Sie lügt bewußt, wenn sie erklärt, die Sozialisten seien ein kleines Häuflein, das keinen Boden finde. Sie hat Angst vor dem Wachsen des Sozialis- mus. Zu diesem Zwecke wurde sie gegründet und zu diesem Zwecke will sie ihren Wirkungskreis erlveitern. Das bezeugt ein Zirkular, das sie kürzlich an eine Reihe großer Kapitalisten der Vereinigten Staaten versendete. Dort heißt es: „Ich weiß nicht, ob Sie die Fortschritte verfolgt haben, die der Sozialismus in den Vereinigten Staaten während der letzten fünf Jahre gemacht hat, aber seine Stimmenzahl sprang von 38 999 auf 459 999, was tatsächlich bedeutet, daß es zwei Mil- lionen Männer, Frauen und Kinder gibt, die Klassenhaß und Revolution predigen. Ich spreche von Frauen und Kindern, da es eine bekannte Tatsache ist, daß bei den Sozialisten die ganze Familie zu ausgebildeten Propagandisten wird. Ich schließe meine Broschüre bei, die die National Civic Federation herausgibt, um durch greifbare Tatsachen die Be- drohung dieses Landes durch den Sozialismus zu zeigen, und ich bitte, nehmen Sie sich die Zeit, sie zu lesen. Gegenwärtig findet die sozialistische Bewegung in den Vereinigten Staaten gar keinen Widerstand. England, Deutschland und Frankreich begingen denselben Fehler mit den Ergebnissen, die Ihnen zweifellos bekannt sind. In England kam es zu einer organisierten Bewegung gegen diese Lehre erst dann, als schon fünfzig Sozialisten Parlaments- Mitglieder waren. In unserem Lande ist ein Komitee der National Civic Federation unter dem Vorsitz des Dr. Nikolaus Murray Butler seit fast einem Jahre damit beschäftigt, die Situation zu stu- dieren und eine Agitation vorzubereiten, mehr zu dem Zwecke, Redner und Schriftsteller auszubilden, als auf In- dividuen zu wirken. Mit anderen Worten, wir wollen ein Handbuch für sie herausgeben. Die Redakteure von Arbeiterzeitungen, religiösen, pädagogischen und wöchentlichen Zeitschriften schreien nach Matertal, und wir haben L i st e n von vielen Geistlichen, Schullehrern, Professoren und Arbeiterredakteuren, die gute Redner und Schriftsteller sind und die der nötigen Informationen für solche Arbeit bedürfen. Diese unsere Bemühungen erfordern große Summen, und ein besonderer Fonds von 59 999 Dollar(über 299 999 M.) soll zu diesem Zwecke aufgebracht werden. Wollen Sie dazu bei- tragen? Ich selbst fühle das größte Interesse für die Sache und habe mehrere tausend Dollar hergegeben. Ich hoffe, Sie werden mir danken, daß ich Sie darauf aufmerksam mache, und werden für das Wirken der National Civic Federation Interesse bc- kommen." Unterzeichnet ist das Zirkular Von dem Vorstandsmitglied August Belmont, einem millionenreichen Industriellen. Ich denke, das genügt, die Civic Föderation zu kennzeichnen, aber auch zu zeigen, w e r in deren Sache verdreht hat, wem gegen- über Vorsicht am Platze ist. Ich hatte in der„Neuen Zeit" über die Civic Föderation ge- schrieben: „Dank seiner Harmonieduselei hat Gompers eS erreicht, erster Vizepräsident der Civic. Föderation zu werden, einer lapita- listischen Gründung der letzten Jahre, die durch das Auftreten der Sozialdemokratie hervorgerufen wurde und die sich die Auf- gäbe stellt, Arbeiter und Bourgeois zu gemeinsamem Wirken zu- sammenzuführen. In Wirklichkeit ist sie eine Kampfesorganisation gegen den Sozialismus und den proletarischen Klassenkampf ge» worden, gegen den sie dank der reichlichen Geldmittel, die ihr zur Verfügung stehen, eine energische Propaganda entfaltet. Die Civic Federation wird in Wirklichkeit für die Vereinigten richtig erfreuen— unbeschadet der Ausstellnngcn, die sonst an der Aufführung gemacht werden müssen. o. k. Musik. Münchener Oper. MS erste Novität brachte die Münchener Hofoper unter Felix Mottls hingebender Leitung die dramatische Ballade in drei Akten:»Sonnenwendglut" von Hans Schillling-Ziemssen, einem jungen Komponisten, der jetzt in Frankfurt als zweiter Kapellmeister amtiert, heraus. Künstlerisch wieder ein glatter Fehlschlug I Man fragt sich erstaunt: WaS mag der zureichende Grund für die Erscheinung sein, daß abermals der schwerfällige, gewaltige und kostspielige Apparat der Hofoper in Be- wegung gesetzt wird für eine Oper, die textlich wie musikalisch ein Wagner- Aufguß dritter Aufwärmung ist und nicht eine Note, ein Wort, eine Situation zeigt, aus der wir einen Hauch neuen Geistes spüren könnten? Die Münchener Opernlcitung verkennt gründlich ihre Aufgabe, wenn sie wie bisher fortfährt, Produkte der Münchener kapitalkräftigen Komponistenschule zu poussieren und die Kräfte deS Instituts mißbraucht für die von vornherein totgeborenen, lärm- vollen, melodielosen Orchcsteropern der Wagnerisierenden Ausdrucks» musiker ohne jede eigene Erfindung. Die Oper hatte nur einen Vorstellungserfolg._ w. Notizen. — Theaterchronik. DaS Schiller« Theater in Charlottenburg hat die für Freitag, den 5. November, angesetzte Aufführung von„WallensteinS Lager" und„Piccolomini" auf Sonn- abend, den 6. November, verschoben. Am Freitag werden JbsenZ „Gespenster" gegeben. — Otto Ernst pflegt seit einigen Jahren die Verehrer seiner Schriften und solche, die eS werden wollen, zu Vortragsabenden zu versammeln, in denen er Altes und NeueS, Ernstes und Humo« ristischeS in bunter Reihe bietet. Am Sonntag las er im K l i n d» worth-Scharwenka-Saal vor, etwas breit und behäbig, aber auch behaglich mit lyrischem Unterton. Wir hörten eine schwere LiebeSgeschichte(auS den„Karthäusergeschichten") und dann ein wundervolles Kapitel aus der Kindesseele, die seiner besten Schöpfung: »Asmus Sempers Jugendland" entstammt. Gar zu billig schienen uns die viel belachten Effekte aus einer.Marienbader Kur". Einig« lyrische Sachen(darunter das Gedicht von der Unsterblichkeit in den Kindern) beschlossen den Abend. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde, Geörgenstraße 34/36, spricht am Freitag, den 5. Nov.. abends 3 Uhr, Professor Linde-Hamburg über:„Die Niederelbe"(mit Lichtbildern). Einlaßkarten sind von 12—3 Uhr mittags und am Vortragsabend von 6 Uhr ab zu 25 Pf. in der Geschäftsstelle erhältlich.— Die Deutsche Garten st adt-Gesellschaft veranstaltet an den vier Freitagabenden im November im großen Hörsaal des Kunst- gewerbemusctints eine Vortragsreihe. Der Zyklus soll eine Orientierung über das Gartenstadtproblem sowie die Wege zu seiner Verwirklichung geben. Der Reihenfolge nach werden folgende Vor« träge gehalten: Von Groß-Berlin zur Gartenstadt(Prof. Goecke); Der Kampf gegen die ungesunden Wohnungen(Dr. Wehl); DaS Wohnhaus auf dem Lande(Geheimrat M u t h e s i u S); Wie kommen wir zur Gartenstadt(Dr. Oppenheimer). Soweit Eintrittskarten ftei sind, werden diese sowie Prospelte von der Ge« schäftsstelle Berlin-Rehfelde(Ostbahn) ausgegeben. Staaken immct tüc�r daS. tvaS der Reichsverband für Deutsch- land." Wo liegt in diesen Worten die lügenhafte Verdrehung, deren 'ich mich schuldig gemacht haben soll? Um mir in dieser Weise die Ehre abzuschneiden, muß das„Correspondenzblatt" den Charakter der Civie Federation fälschen, von der es jetzt nichts zu be- richten weiß, als ihr Bemühen nach Abschluß von Tarifverträgen und Vermittlung in Arbeitskonflikten. Es sind deutscheSozialdemokraten.diedie deutschen Proletarier über den Charakter des amerikanischen ReichsverbandeS irreführen, sich für diesen einsetzen und Genossen be- schimpfen aus keinem anderen Grunde, als weil diese sich herausnehmen, eine Bande der schmutzigsten und erbittertsten unserer Gegner zu kennzeichnen. S)aS ist einfach ein Skandal! Verträte das„Correspondenzblatt" in dieser Sache die deutschen Gewerkschaften, man könnte von ernsten Besorgnissen um die Arbeiterbewegung Deutschlands erfaßt werden. Aber ich nehme an, daß seine Haltung gegenüber Gompers und der Gvic Federation nur ein paar Personen zuzuschreiben ist, denen im Falle GomperS eine Entgleisung passierte und deren persönlicye Rachsucht darüber, daß diese Entgleisung offenbar wurde, keine Grenzen kennt. Daß man ein sehr guter Gewerkschafter sein und GomperS samt seiner Livia Federation energisch zu Leibe rücken kann, bezeugen nicht nur eine Reihe von Gewerkschaften in Amerika, eine Reihe deutscher Gcwerkschaftsblätter, die von Gompers abgerückt find, das bezeugte vor allem die jüngste internationale Konferenz der Gewerkschaftssekretäre in Paris, wo der Vertreter Oesterreichs unter dem Beifall der Mehrheit den Gewerkschafter GomperS so behandelte, wie der Vizepräsident der Civic Federation es verdiente. Bericht über die Cätigheit der iozialdemokratifchen Frahtion im Berliner Rachauie. VI- Fürsorgeerziehung. Verkehrswesen Selbstverwaltung. Es ist unmöglich, im Rahmen unseres Berichte? ein vollständi- ge? Bild der Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Rat- hause zu geben; wir wollen uns deshalb in diesem letzten Abschnitt damit bescheiden, noch einige Punkte aus verschiedenen Gebieten zu berühren, die von besonderer Bedeutung waren. Die skandalösen Vorgänge, die sich in der Fürsorge- erziehungsanstalt Mielczyn abspielten, deren Opfer Berliner Fürsoraezöglinge waren, und die vom„Vorwärts" aufgedeckt wurden, sind noch in aller Erinnerung. Trotz aller Beschwichtigungsversuche sind unsere Vertreter im Rathause unentwegt dafür eingetreten, daß die Berliner Fürsorgezöglinge aus Mielczyn zurückgezogen, der Ver- trag mit der Anstalt für nichtig erklärt werde. Die Entlastung des PastorS Breithaupt, zu der man sich endlich bequemte, genügt nicht, da der Verein, mit dem der Vertrag abgeschlosten wurde, keinerlei Sicherheit böte, daß ähnliches sich nicht in Zukunft wiederhole. Bei den Beratungen in der Stadtverordnetenversammlung wurde von den Gegnern darauf hingewiesen, daß ja schließlich die Sozialdemo- kraten selbst dem Vertrage zugestimmt hätten. Das ist richtig; unter welchen Umständen aber die Zustimmung erfolgte, das wollen wir durch die bezüglichen Ausführungen aus dem Werk von Hirsch (S. 418/419) belogen. Wir ziehen das einer eigenen Darstellung vor, weil das Werk von Hirsch erschien, noch ehe daS geringste über die Vorgänge in Mielczyn bekannt war; man kann deshalb nicht den Einwand erheben, es handle sich jum ein nachträgliches Aus- reden. Hirsch schreibt: „Schon bei der ersten Lesung der Vorlage am 28. März wandten sich Hintze, Borgmann, Dr. Bernstein und Singer gegen den der Vorlage zugrunde liegenden Gedanken, sie warnten davor, daß die Stadt sich das Aufsichtsrecht aus der Hand nehmen lasse und es einem Verein übertrage, und rieten zur Gründung neuer eigener Anstalten. Denselben Standpunkt ver- traten die sozialdemokratischen Mitglieder des Ausschusses. Wenn die Fraktion schließlich in zweiter Lesung am 23. April trotzdem der Vorlage ihre Zustimmung erteilte, so deshalb, weil es den Sozialdemokraten gelungen war, im Ausschuß einer Resolution zur Annahm« zu verhelfen, die den Magistrat ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß der zuständige Arzt der Anstalt Lichtenberg die Zog- linge vor ihrer Ueberweisung psychiatrisch untersucht und von Zelt zu Zeit durch Nachprüfung an Ort und Stelle den Zustand über- wacht. M anasse erklärte namens der Fraktion ausdrücklich, daß seine Freunde prinzipiell auf dem Standpunkt stehen, daß die Stadt in eigenen Anstalten für diese unglücklichen Kinder zu sorgen habe. Nur schweren Herzens hätten sie sich entschlossen, die Magistrats- Vorlage anzunehmen, sie legten aber ganz besonderen Wert darauf, daß dem Geiste der Resolution entsprochen werde. „ES sind unglückliche Kinder, die zum Teil geistig nicht intakt sind, die obendrein unter schlechter Erziehung, unter schlechten Vorbildern, unter Verhältnisten, an denen sie unschuldig sind, gelitten haben, und die dauernd in Beobachtung bleiben müsten." Diese Ausführungen zeigen klar, welchen Standpunkt die sozialdemokratische Fraktion in Sachen der Fürsorgeerziehung ein- nimmt. Wir wollen hinzufügen, daß unser Redner zum Etat 1999 nachdrücklich darauf hinwies, daß auch hier die vorbeugende Tätigkeit das beste sei.„Die moderne Entwicklung reißt die Mutter der Kinder aus dem Hause, um für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Die Mutter kann die Kinder nicht mehr erziehen. So muß die Gesellschaft nach Mitteln suchen, wie man die Kinder erzieht. Namentlich haben wir als Vertreter einer Großstadt diese Auf- gäbe; denn gerade in der Großstadt sind die Kinder am leichtesten der Verderbnis ausgesetzt. Deshalb tritt die Sozialdemokratie mit äußerstem Nachdruck für städtische Veranstaltungen auf dem Gebiete der Krippen» Kinderhorts und Kindergärten ein." Im vorigen Bericht sind wir auf die F r a g e n d e S V e r k e h r S, namentlich auf das Verhältnis der Stadt zur Großen Berliner Straßenbahngesellschaft eingegangen(S. 32—34). Für den Kampf gegen dieses mächtige, von den staatlichen Behörden gegenüber der Stadt in einer selbst in Preußen fast unbegreiflichen Weife be- günstigte Unternohmen sind in unserer Berichtsperiode zwei wichtige Positionen gewonnen worden. Eines der wirksamsten Mittel, um den Einwänden der Gönner des Privatkapitals, die die Fähigkeit der Stadt zum Betrieb eigener Straßenbahnlinien bezweifeln, ent- gegentreten zu können, mußte der praktische Nachweis dieser Tätig- keit durch den erfolgreichen Betrieb eigener Linien sein. Im vori« gen Bericht konnten wir mitteilen, daß die Baukosten für die beiden Linien im Norden der Stadt mit 3 Millionen bewilligt seien. Jetzt liegt der erste Rechnungsabschluß über den Betrieb für das Etats- jähr 1908 vor; er umfaßt die Zeit vom 1. Juli 1998 bis zum LI. März 1999; an einem vollen Jahr fehlt also gerade das günstige Vierteljahr vom 1. April bis 81. Juni mit seinem Oster- und Pfingstverkehr, während im Winter für„Stromverbrauch und Koks wegen der langen Frostperiode, für Salzverbrauch und Hilfs- kräfte bei Schneefällen usw. erheblich höhere Beträge aufgewendet" werden mußten, als veranschlagt waren. Trotzdem ist das Er- gebnis glänzend, wie wir schon unter„Finanzfragen" anführten. Bei der Aufstellung deS Etats war ein Ueberschuß nicht erio artet worden, vielmehr stellte man einen Zuschuß aus Mitteln des Stadt- Haushalts in Höhe von 75 999 M. in Rechnung. Der Zuschuß war nun nicht nur unnötig, eS wurde vielmehr ein erheblicher Ueber- schuß erzielt. Nach Abzug der Betriebskosten, der Verzinsung und der Rücklagen für den ErneuerungSfonds blieben noch 128 284 M-, die zur Tilgung der Baukosten verwendet werden konnten. Darf die sozialdemokratische Fraktion es sich zum Ruhm an- rechnen, daß sie durch ihre unausgesetzten Vorstöße zu diesem Er- folge ganz wesentlich beigetragen, so trifft das nicht minder zu für den zweiten großen Schritt, der in der Richtung zur Uebernahme der Straßenbahnen durch die Stadt gemacht worden ist. Im vori- gen Bericht(S. 8) wiesen wir darauf hin, daß wir stets und ständig darauf hingewirkt haben,„mit den Vororten Zweckverbände auf den verschiedenen Gebieten des kommunalen Lebens zu bilden". Auf dem Gebiete des Verkehrswesens ist jetzt der Zweckverband be- schlössen. Genötigt wurde die Stadt zu diesem Schritt dadurch. daß sich die Straßenbahngesellschaften auf den Z 6 des Kleinbahn- gesetzes beriefen, durch dessen Auslegung bestimmt sei, daß im Falle eine Bahn durch mehrere Gemeinden gehe, nur deren Gesamtheit die Uebernahme des Unternehmens zustehe. Am 16. Januar 1998 hatte sich die Versammlung mit einer Magistratsvorlage zu be- schäftigen, die unser Redner als ersten Schritt zu der Verwirk- lichung einer Forderung bezeichnen konnte, die in einer Konferenz der sozialdemokratischen Stadtverordneten und Gemeindevertreter Groß-Berlins am 6. Mai 1998 beschlossen wurde. Sie ging dahin, dafür zu wirken, daß„alle Gemeinden Groß-Berlins sich zu einem Verbände zusammenschließen, dessen Aufgabe es ist, die Uebernahme des bestehenden Verkehrsnetzes vorzubereiten und die Schaffung aller neuen Verkehrslinien selbst in die Hand zu nehmen". Das Statut für den Verkehrsvcrband, das die Magistratsvorlage brachte, war nach langen Verhandlungen mit den beteiligten Gemeinden zustande gekommen und lag auch in den übrigen Gemeinden deren Vertretungen zur Annahme bor. Im Berliner Rathause gab es bei der Generaldebatte, bei deren Beginn sofort von der Alten Linken Ausschußberatung beantragt worden war, keinen Wider- spruch; aber mit Recht wies der sozialfortschrittliche Dr. Preuß darauf hin:„Es wäre ja nicht das erste Mal, daß man hier die Erfahrung machte, und zwar bei den allerbesten Vorlagen des Magistrats, daß sich in der Generaldebatte gar kein Widerspruch her vorwagt, daß aber nachher die Sache infolge von gar nicht recht greifbaren Widerständen nicht vom Flecke kommt." Zu solchen Hindernissen könne auch hier die Ausschußberatung führen. In der Tat ließen es die Herren, die in großkapitalistischen Unter- nehmungen unantastbare Güter der Kultur erblicken, im Ausschuß nicht an Bemühungen fehlen, das Zustandekommen des Zweckver- bandes zu hintertreiben; bezeichnete doch der Oberbürgermeister in einer späteren Plenarsitzung einen der von Herrn Haberland gestellten„Verbesserungsanträge" geradezu„als ein durchaus taug- liches Mittel, den Zwcckverband unmöglich zu machen." Dennoch gelang es im Ausschuß den Bemühungen unserer Vertreter, noch einige wirkliche Verbesserungen durchzusetzen und wenn nicht alles wünschenswerte erreicht wurde, so konnte unser Redner bei den ab- schließenden Beratungen im Plenum, die am 7. und 11. Mai 1998 stattfanden, unsere Zustimmung erklären; er brachte zum Ausdruck, daß unsere Fraktion sich hierbei von höheren Gesichtspunkten leiten lasse: „Wenn jeder Beteiligte sich hinsetzt und mit dem Rcchenstift in der Hand sich ausrechnet: wie komme ick hier am besten weg? dann kann natürlich keine Gemeinschaft uno keine Gemeinsamkeit erreicht werden. Es stehen eben nicht nur materielle Interessen, die sich in Mark und Pfennig darstellen, in Frage, sondern eS steht in Frage, ob unsere Gemeinde die kommunalen Rechte, die jeder kleinen Gemeinde zustehen, aufgeben soll, ob sie abdanken soll zu- gunsten einer rücksichtslosen privaten Erwerbsgesellschaft. Meine Frelinde stehen nun sämtlich auf dem Standpunkte, daß wir diese Rechte selbst unter Opfern hochzuhalten haben." Bei den Be- ratungen am 7. und 11. Mai fehlte es nicht an Widerspruch und Warnungen seitens der Herren vom Großkapital; aber diesmal waren ihre Bemühungen vergeblich. In namentlicher Abstimmung wurde s 1 und damit der Zweckverband im Prinzip mit 72 gegen 15 Stimmen angenommen, beim§ 2 standen nur noch 9 Nein gegen 82„Ja"— der Rest wurde en bloc angenommen. Wir bezeichneten oben den Erfolg der städtischen Straßenbahn- linien und die Schaffung des Verkehrsverbandes als zwei wichtige Positionen im Kampf für die Uebernahme der Straßenbahnen ,n Gemeindeverwaltung. Leicht wird dieser Kampf trotzdem noch nicht sein. Ganz ausdrücklich legte Herr Cassel, der Führer der großen Linken, Verwahrung dagegen ein, daß man sich durch Annahme des Verkehrsverbandes für die Verstadtlichung festlege, die er sogar als eine„Gefahr" bezeichnete; und er versäumte nicht auch eventuell gu erwartende Erfolge der städtischen Linien, die damals noch nicht in Betrieb waren, als für ihn unmaßgeblich hinzustellen.„Ich werde auch nicht ohne weiteres, wenn ein paar solcher Linien prosperieren, daraus den Schluß ziehen, daß wir auch daS ganze Bahnnetz übernehmen können, sondern man wird nach dieser Rich- tung hin nur eine Probe aus diesen Resultaten ziehen(?). Ich muß es daher durchaus bestreiten, daß mit der Annahm« des Ver- kehrsverbandes klar liegt: wir wollen die vom Verkehrsverband zu übernehmenden Bahnen selbst betreiben. Nur die Möglichkeit dazu ist geschaffen, und unsere Stimmen genügen, nach dem jetzt abge- änderten Statut, um einen solchen eigenen Betrieb zu ver- hindern. Es ist also eine solche Gefahr mit Annahme des Verkehrsverbandes nicht gegeben." Also schwer wird unser Kampf auf diesem so wichtigen Gebiete bleiben. Wer wünscht, daß er gegen alle Kniffe des Großkapitals zu einem segensreichen Ende geführt wird, der stimme jetzt bei den Wahlen für die Kandidaten der Sozialdemokratie. Am 21. November 1998 begingen die städtischen Behörden die Jahrhundertfeier der Städteordnung. Freilich darf das preußische Bürgertum auf die EntWickelung der Städteordnung seit der Zeit, da der größte preußische Staatsmann es damit beschenkte, nicht stolz sein; das preußische Bürgertum hat es nicht einmal verstanden, daS Geschenk deS Freiherrn vom Stein vor Schaden zu be- wahren. Es ist nicht möglich, hier eine, wenn auch nur kurze Skizze von der Ent" ickelung zu geben;«S wird genügen, wenn wir daran erinnern, daß die Städteordnung vom 21. November 1898 die Stadtverordnetenversammlung aus allgemeinen, direkten und ge- Heimen Wahlen der Bürgerschaft hervorgehen ließ, daß selbst die revidierte Städteordnung vom 17. März 1831 an diesem Wahlrecht nichts Erhebliches änderte, sondern nur Abänderungen innerhalb gewisser Grenzen durch OrtSstatut zuließ, und daß erst die Städte- ordnung vom 39. Mai 1853 das Dreiklassenwahlsystem und die öffentliche Stimmabgabe brachte, nachdem die Bourgeoisie„ihre" Revolution gegenüber dem Junkertum verloren gegeben hatte. So wenig wußten die bürgerlichen preußischen Parteien ihre„Freiheit" zu verteidigen, geschweige denn auszubauen— und damals gab es noch keine Sozialdemokratie. Es verlohnt sich wohl, jetzt daran zu erinnern, wo die Freiheitshelden beständig klagen, daß eS die böse Sozialdemokratie sei, die ihr den Kampf für Volksrechte unmöglich mache. Ach nein, eS ist gerade der Freisinn, der trotz allen Drän- genS der Sozialdemokratie auch in der„S e l b st v ew w a l t u n g" beständig vor der reaktionären Regierung zu Kreuze kriecht. Ein trauriges Beisviel davon liefert das Verhalten in der A n- gelegenheit des Arbeiterturnvereins„Ficht e", der am 19. Mai 1999 von unseren Genossen im Rathaus zur Sprache gebracht wurde. Seit 1994 hatten die Turnwarte bei der Schuldeputation um Bewilligung des Erlaubnisscheines nachzusuchen; diese verlangte zunächst ein Führungszeugnis; den bürgerlichen Turnwartcn wurde dann der Schein anstandslos bewilligt, die sozialdemokratischen erhielten den Bescheid:„Auf Anordnung des Provinzialschulkollegiums sind wir nicht in der Lage, Ihnen den Unterrichtserlaubnisschein zu er- teilen." Die Erklärung dieses Vorganges bringt ein Geheimerlaß, den unser Redner vorlas. In ihm heißt es:„Auf den Mangel sitt- licher Tüchtigkeit allein wird die Versagung de? Erlaubnisscheines jedoch nur dann zu stützen sein, wenn die Zugehörigkeit des An- tragstellerS zur sozialdemokratischen Partei unzweifelhaft festgestellt ist. sl) Am 17. Juli 1998 forderte nun die Schuldeputation den Verein„Fichte" auf, die Turnwarte zu nennen, die die„Jugend bis zum 21. Lebensjahre" unterrichten. Der Begriff„Jugend" war hier in der unerhörtesten Weise ausgedehnt— rechnet doch selbst da» deutsche Vereinsgesetz die«Jugendlichen" nur bis zum IS. Jahre! Falls der Verein dem Verlangen nicht entspräche, würden ihm für die Hebungen der„Jugendlichen" die Turnhallen entzogen, die für die Schülerabteilungen schon früher durch das Provinzialschulkollegium gesperrt waren. Am 19. April 1999 er- folgte eine neue dringende Aufforderung, die unserer Fraktion Veranlassung zum Einschreiten gab. Unser schleuniger Antrag wollte den Magistrat auffordern,„die Anordnung der Schul- deputation rückgängig zu machen, durch die dem Turnverein„Fichte" die Entziehung der Benutzung der städtischen Turnhallen auf Ersuchen des Provinzialschulkollegiums angedroht ist, eventuell dem � Turnverein„Fichte" andere Räume, auf deren Be- Nutzung dem Provinzialschulkollegium eine Einwirkung nicht zusteht, zur Verfügung zu stellen." Unser Redner legte den Sachverhalt in aller Schärfe dar; auf die Be- schuldigung gegenüber der Schuldeputation, daß sie Turn- warten von sozialdemokratischer Parteistellung den Erlaubnis- schein verweigert habe, wußte selbst der sozialfortschrittliche Dr. Preuß, der selbst solche Absagebriefe unterzeichnet hatte, nichts zu sagen, als daß er die Fassung jener Absagebriefe lobte. Man sei dem Minister nicht gefolgt, habe nicht wegen Mangels an sitt- licher Qualifikation abgelehnt, sondern auf die Adresse hingewiesen, mit der die Herren sich auseinanderzusetzen hätten! Wenn er weiter darauf hinwies, daß ja im Falle der Erteilung das Pro- vinzialschulkollegium jeden Augenblick die Erlaubnis entziehen konnte, fo ist diese Entschuldigung noch schwächer; man durfte eben nicht für das Provinzialschulkollegium die Kastanien aus dem Feuer holen; mochte sich dieses selbst die Finger verbrennen; ein freisinniger Mann hätte sich nicht zur Hergabe seiner Unterschrift bequemen dürfen. Herr Stadtrat Hirsekorn erklärte übrigens, daß diese Frage dadurch aus der Welt geschafft sei, daß seit dem 1. April 1999 das Provinzialschulkollegium selbst die Erlaubnisscheine er- teile. Im übrigen könne man dem Antrage nicht entsprechen; das Provinzialschulkollegium habe einen Gastwirt, der dem Verein seinen Saal zur Verfügung gestellt habe, mit einer Strafe bedroht und der Magistrat dürfe sich nicht der Begünstigung einer mit Strafe bedrohten Handlung schuldig machen.(Das Landgericht Berlin I hat am 28. Oktober 1909 die Verordnungen für rechts- ungültig erklärt und die angeklagten Redakteure frei» gesprochen! D. B.) Einer unserer Redner geißelte dieses Verhalten des Magistrats, für das auch der Ober- bürgcrmeister eintrat. Man müsse es eben auf den Zwang an- kommen lassen, wie bei einer früheren Gelegenheit, wo es sich um den Jugendunterrricht der„Dissidenten", um den polnischen Sokol und um die Schülerabteilungen des Vereins„Fichte" gehandelt habe. Damals habe es der Magistrat anzuerkennenderweise bis zum äußersten kommen lassen, dazu, daß die Rektoren aus unmittelbaren Befehl des Provinzialschulkollegiums die Schulen jenen Vereinen gesperrt hätten. Aber selbst wenn man es auf diesen peinlichen Zustand nicht wieder hinauskommen lassen wollte, so müsse man wenigstens den zweiten Teil unseres Antrages an- nehmen; schon hätten Schöneberg, Weißensee und Wilmersdorf Räume zur Verfügung gestellt. Richtig sei es, daß einem Gastwirt wegen ähnlichen Tuns ein Strafmandat in Höhe von 199 M. angc- droht worden sei; dieser Mann habe sich aber um ein so recht- widriges Vorgehen nicht gekümmert und so sei denn auch nichts gegen ihn erfolgt, obgleich seit der Anhrohung bereits ein Jahr vergangen sei. Unser Redner wies darauf hin, daß ein ähnlicher Fall— Aufreizung zum Ungehorsam gegen die Verfügung des Provinzialschulkollegiums— bis zum Reichsgericht getrieben worden sei, aber dem Beschuldigten sei kein Haar gekrümmt worden. Leider habe das Reichsgericht über die Rechtsgültigkeit der Verfügung nicht entschieden; es ließ diese Frage unerörtert, da aus anderen Gründen auf Abweisung der Klage zu erkennen war. Uebrigens würde demnächst die Frage aufs neue die Gerichte be- schäftigen, da zwei Redakteure, davon einer beim„Vorwärts", von neuem zum Ungehorsam aufgefordert hätten.(Der Prozeh ist leider vertagt worden. D. B.)„Auch untergeordnete Behörden sind nicht verpflichtet und gezwungen, einem solchen Beschlüsse nachzukommen, sondern müssen sich wehren und nicht solche rechtsungültigen Be- schlüsse weiterausbauen und in die Welt setzen." Aber der Anruf an die Mannhaftigkeit verhallte im Berliner Rathause unbefolgt— unsere beiden Anträge wurden abgelehnt; Privatleuten wurde eS überlassen, einen Kampf auszufechten. zu dem der angegriffene Berliner Magistrat berufen war— handelt eS sich doch um Wahrung der bescheidensten Rechte der Selbswerwal- tung. Wer wirklich für die Sesbswerwaltuna eintreten, wer ihren weiteren Ausbau will, der darf in diesem Wahlkampf nur stimmen für die Kandidaten der Sozialdemokratie! Huö der Partei. Mecklenburgischer Parteitag. Am 24. und 25. Oktober hielt die Sozialdemokratisch« Partei Mecklenburgs in Schwerin ihren Parteitag ab: den zweiten, der in Mecklenburg selber abgehalten werden konnte. Den Delegierten — 44 aus 39 Orten— tag der Bericht über das Geschäftsjahr 1998/1999, das erst« Jahr der politischen Versammlungsfreiheit in Mecklenburg, gedruckt vor. Die Sozialdemokratie Mecklenburgs ist im Berlqrs;ahre mit einem Zuwachs von rund 2599 Mitgliedern ein gut Stück vouvärts gekommen; noch größer wären ihre Erfolge gewesen, hätte sich nicht die ungeheuere Arbeitslosigkeit im Lande so scharf bemerkbar ge- macht. In allen 7 Kreisen des Landes ist kräftig agitiert und wacker am Ausbau unserer Organisation gearbeitet worden, so daß wir jetzt 54 Ortsvereine(im Vorjahr 35) haben, außerdem 18 Orte mit Vertrauensmännerorganisation. Im Lande sind zurzeit 8923 Männer und etwa 899 Frauen Mitglieder der sozialdemokratischen Parteiorganisation. Der„Mecklenburgische Volkskalender" ist in 199 999, drei Flugblätter in zusammen 145 999, die„Gleichheit" in 1599 Exemplaren verteilt worden. In den mecklenburgischen Stadtparlamenten Häven wir, trotz„Bürgerrechtgeld" bis zu 21 M. und trotz Klassenwahl. Vertreter: in Boizenburg 1, Wismar 16, Schwerin 1, Rostock 4, Güstrow 5. Jugendausfchüsse bestehen bisher in Güstrow, Rostock, Schwerin und Wismar. Die„Mecklenburgische Volkszeitun g", das einzige sozialdemokratische Organ im ganzen Lande, hat auch im Berichtsjahr trotz der Arbeitslosigkeit mit ihrer bisher noch nie dagewesenen Ausdehnung ihren Abon- nenteustand erhalten und zum Herbst sogar erhöh ti Ein- nahmen und Ausgaben der Kasse oes Landesvorstandes balanzierten mit 6537,92 M. .* Mit der Vertretung des Parteivorstandes war Genossin Z ietz betraut, die zu Beginn der Verhandlungen des Parteitages die politische Lage im Reich einer kurzen Würdigung unterzog. Das Parteiblatt hat, wie aus dem Bericht der Preßkommission hervor- ging, einen Abonnentenstand von etwas über 8999 mit 35 773 M. Abonnenten- und 22 362 M. Jnseratengeldern. Die Buchhandlung erzielte einen Gewinn von 1388 M.— Nachdem die Anträge zur Agitation diskutiert und erledigt waren, referierte Genosse F a a ß (Redakteur deS Blattes„Der Landarbeiter") über die Land» arbeiterorganisation, und Genosse S t a r a s s on über „Die politische Lage und über die mecklenburgische Verfassungsfrage.— Der nächste Parteitag soll in Wismar stattfinden. K r ög e r° Rostock schloß die Tagung, indem er den Genossen mit beredten Worten die Beachtung des Schnapsboykotts empfahl._ Ein Parteijubiläum. Zum festen Besitzstand unserer Partei gehört der 8. schleSwig» holsteinische Wahlkreis(Altona-Stormarn), der seit 25 Jahren ununterbrochen durch den Genossen Karl Frohme im Reichstage vertreten wird. Schon einmal, in den 79er Jahren, entsandte dieser Kreis, in der Stichwahl gewonnen, einen sozialdemokratischen Vertreter in der Person des Genossen Hasen- clever in den Reichstag, aber bei den Attentatsschwindelwahlen von 1873 ging er wieder verloren. 1834 wurde der Kreis dann mit einer Mchrheit von 800 Stimmen erobert, und die Stimmen- zahl ist von Wahl zu Wahl und damit auch die Majorität ent- sprechend gewachsen. Im Jahre 1803 standen über Lö Mg sozial- demokratischen nur 12 000 bürgerliche Stimmen gegenüber. Das Wahljahr 1907 brachte zwar den bürgerlichen Parteien einen Zu- wachs von 3000, aber auch die sozialdemokratischen Stimmen stiegen über die 27 000. Der ErinnerungStag wurde am Sonnabend festlich begangen. Zu Tausenden hatten sich die Genossen und Genossinnen des achten KreiseS im„Englischen Garten" zu Altona eingefunden; Deputa- tionen aus dem Kreise Höchst-Hanau, den Genosse Frohme 1881 bis 1884 im Reichstage vertreten hat, aus der Provinz Schleswig- Holstein usw. waren erschienen, um dem Jubilar die Partei- genössische Anerkennung zu zollen für sein parlamentarisches Wirken wie für seine Tätigkeit im Befreiungskampf des Proletariats.— Genosse Thomas- Altona erläuterte die Bedeutung des Tages, und Stalten- Hamburg ermahnte zu weiterer treuer Zusammen- arbeit im opferreichen Kampfe. In diesen Reden sowohl wie in der Rede, die der Jubilar selber hielt, tauchte manche Reminiszenz auS alter Zeit auf. Ist doch Altona, wo sich während des Sozia- listengesetzes das„ordnungs"politische Spitzeltum besonders breit- machte, wo der einäugige Wolf und der von Jgnaz Auer noch blauer gefärbte Blaufärber Wichmann ihr Unwesen trieben: daS Tätig- keitSgebiet des vor kurzem in den Ruhestand getretenen Ober- poli�eicrs Engel, dem sein damaliger oberster Chef, der Spitzel- minister Puttkamer, im Reichstag ein.ehrenvolles" Zeugnis auS- gestellt hat. Nach den Reden gelangte ein künstlerisches Programm zur Abwickelung, an dem hervorragende Künstler vom Deutschen Schau- spielhaus in Hamburg mitwirkten. Spitzel. DaS Zentralkomitee des Allgemeinen Jüdischen ArbeiterbundeS in Littauen. Polen und Nutzland gibt weitere Einzelheiten bekannt über den Polizeispitzel Jsrael-Michel K a p l i n S k y(bekannt unter chem Pseudonym„Langsam"). Da einige Zeitungen Kaplinsky als Mitglied des Zentralkomitees bezeichnet haben, so erklärt dieses, datz der Spitzel niemals Mitglied irgend einer zentralen Instanz des„Bund" gewesen ist. Nach Informationen, die dem Zentral- komitee zugegangen sind, hat Kaplinsky der Geheimpolizei Mit- teilungen über eine ganze Reihe von Mitgliedern des„Bundes" gemacht: auch darüber, wo sich die Geheimdruckcreien befinden, wer in diesen beschäftigt ist, wer den Transport der geheimen Schriften aus dem Ausland besorgt usw.— Die gegen Kaplinsky erhobene Beschuldigung wurde ihm mitgeteilt, und es wurde ihm eine Frist bestimmt, innerhalb welcher er die Einsetzung eines Schieds- gerichtS verlangen könne. Der Angeklagte teilte mit, datz er sich vor dem Parteigericht verantworten werde; tatsächlich aber ist er dem Verfahren ausgewichen. Kaplinsky ist von Beruf Schlosser, in letzter Zeit war er als Druckereimaschinist beschäftigt. Er ist hochgewachsen, blond, das Gesicht sehr blatz, mit aschblondem kleinen Bart. Er ist zirka 35 Jahre alt, verheiratet, hat 3 Kinder. Nach den letzten Jnfor- mationen ist er nach Kasan abgereist. polizeilich»», perichtKches ufw. Eenoffe Adelung, Mainz, stand am Sonnabend vor dem dortigen Schöffengericht. Er war angeklagt, die Vertreter der „Lederwerke" in mehreren Artikeln in der„Volkszeitung" beleidigt zu haben. Die Verhandlung endete mit Adelungs Verurteilung zu einer Geldstrafe von 50 Mark. Jugendbewegimg. Dle Freie Jugendorganisation und die Polizeiverfggung. Am Sonntag fand in den.Arminhallen' unter äuherst starker Beteiligung die fällige Generalversammlung der Freien Jugend- organisotion statt. Der Vorsitzende M a s ch k e erörterte im Rahmen des Vorstandsberichtes auch die ständige Bekämpfung der Jugend- bewegung durch die Behörden. Bei Entstehung der Organisation setzte der Kampf der.Christlichen" unter StöckerS Führung ein und von allen Seiten begannen die Denunziationen an die Behörden, Die bürgerlichen Zeitungen malten furchtbare Gefahren an die Wand für den Fall, datz die Staatsanwaltschaft nicht gegen die Jugend- organisatwn einschreite» würde. Die Polizei hat es denn auch an „Aufmerlsamkeiten" aller Art nicht fehlen lasten. Noch jetzt liegen beim Regierungspräsidenten sechs Beschwerde» über den verstorbenen Landrat v.Stubenrauch I Aber selbst Polizeispitzel, die nach Kleinigle�ten schnüffelten und den Versuch machten, die leitende» Personen zu unüber- legten Handlungen zu verleilen, sind nicht auf ihre Rechnung gekommen! Auf der anderen Seite betätigen sich freisinnige und k o n- s e r v a ti v e Jngendvercine in ganz offener Weise politisch, ohne datz die Polizei'sie behelligt. Grotze Heiterkeit erregte die Verlesung eine? Bericht aus dem„Demokrat", wonach Regierungsral Dr. Lindenau vom Berliner Polizeipräsidium auf der Tagung der Deutschen Zentrale für V o l k s w o h l f a h r t, die sich mit der staatsbürgerlichen Jugenderziehung befatzte, folgendes ausgeführt hat: .Im Polizeipräsidium sind wir der Ansicht, die Schulfragen sind so gelöst, datz unsere Aufgaben auf diesem Gebiete zurück- treten; aber in dem Moment, wo die Schule aussetzt, klafft eine furchtbare Lücke, insbesondere in der politischen Fortbildung. Not- wendig ist auch die eigene politische Betätigung der Jugend. Das ist Sache der Jngendvercine im weitesten Sinne. Und wir müssen daS BereinSlebe» unserer Jngend, mit dem schon alle Parteien sehr stark liebäugeln, ausgestalten im Sinne staatsbürgerlicher Bildung, um dann die Jugend reif für die politische Bildung den verschiedenen Parteien zu überlasten, und zwar allen Parteien» die da sind." Der Vorsitzende erklärte dazu, datz die Freie Jugendorganisation die Anschauung des Vertreters des Polizeipräsidiums, datz die politische Betätigung der Jugend Sache der Jugendvereine sei, sich nicht zu eigen mache, da sie bekanntlich mit dem Vereinsgesetz in Widerspruch steht. Die Jugendorganisation wird nach wie vor ihren unpolitischen Charakter bewahren und welterarbeiten für Jugend- schütz und Jugendausklärung. Einstimmig gelangte folgende Resolution zur Annahme: .Die Versammelten nehmen die Verfügung de? stellver- tretenden Polizeipräsidenten, durch die die Freie Jugendorgani- sation für eine., politischen Verein erklärt wird, zur Kenntnis und sehen mit Ruhe allen weiteren Schritten der Behörde entgegen. Die Versammlung gelobt, treu zur Organisation zu stehen, nun erst recht mit ollen Kräften für die Freie Jugendorganisation zu agitieren, und betrachtet dabei das Vorgehen der Polizeibehörde als wertvollen Agitationsstoff." Der Vorfitzende wie? auch noch auf die Gefahren der Schund- literatur hin. Unter stürmischer Zustimmung wurde folgende Reso- lution angenommen: .Die von über 1200 Jugendlichen besuchte General- Versammlung der Berliner Freien Jugendorganisation betrachtet die Schundliteratur als einen gefährlichen Feind der Arbeiter- fugend. Sie halt den Kampf gegen die bunten Groschenhefte, wie .Buffalo Bill",„Nie Carter",„Hurra" und ähnliche Scdauer- geschichten für eine heilige Pflicht und fordert die Berliner Jugend auf, alle die Geschäfte bei ihren Ein« kaufen zu meiden, die den Geistesfusel ver« treiben. Die Versammlung hofft auf tatkräftige Unterstützung der Berliner Einwohnerschaft tn dem Kampf gegen die Verblödung der Jngend." Nach Erledigung einiger unwesentlicher Statutenänderungen und geschäftlicher Dinge wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die Freie Jugendorganisation geschlossen. Brtefhaltcn der Redaktion. M. K. 187. Zuständig zur Entscheidung Ist die Gcwerbelnspektion. Zweckinätztg ist eS, eine Beschwerde durch den Vorstand der Kewcrtschast vorzubringen. Ob in Ihrem Falle die Beschwerde gercchifertigt ist, lägt sich ohne Angabe, um welche Beschnftigimg es sich handelt uno wlculel Ar« bcitcriiinen in dem Betriebe beschästigt sind, mcht beantworte». Wiederhole» Sie daher die Anirage unter Ergänzung nach den angedeuteten Rich- tungcn hin.— E. Sch. 18. Die Ihnen nicht auserleglen Koste» haben Sic nicht zu tragen. Eine geschiedene Ehesrau kann sich ohne weiteres nach Ablauf von 19 Monaten nach Trennung der Ehe wieder verheiraten. Dem Standesbeamten ist das mit RechlSlrast versehene IcheidungSurteil vorzulegen. Der Frau kann vom Amtsgericht bewilltgt werden, schon vor Abiaus der Wartezeit zu heiraten. Zweckmäßig ist eS, dem Antrage daö Attest einer Hebamme oder eines ArzteS darüber beizusügen, daß andere Umstände mcht vorliegen. — F. 14. Die Witwe hat nichts zu zahlen.— G. 91. 6«. Es können die von Ihnen verlangten Zlnsen nach dem Gesetz auch gesordcrt werden. — P. St. 100. Der Vorsall würde zur Aushebung dcS MietSvertragcS nicht ausreichen. Zum mindesten ist der Ersulg einer Klag« beim AmlS- aericht aus Aushebung deS Vertrages«in recht zweisclhastec.— Otto B, irrrptow. Die Klage wäre bei dem Landgericht durch einen Anwalt an« zustellen. Sie könnte sich nur aus zu erweisende Fahrlässigkeit und Pslicht» Vergessenheit des betreffenden Beamten stützen. Ohne genaue Kenntnis der Sachlage läßt sich nicht sagen, ob irgend eine Aussicht aus Ersola vorhanden ist.— SC. 82. Eine Klage aus Herausgabe hat Aussicht aus Ersolg, sallS Sie den Vertrag nicht etwa mit unterschrieben haben.— tvt. 18. Die Teilung hat gleichmäßig vor sich zu gehen. Haben Sie in der Ouithmg Rückerstattung versprochen, so können die übrigen Erben hieraus klagen. — Boxhagen 183. Redaktion der„Flamme', Breite Sir. 3, erteilt darüber Auskunst.—®. Pieper. Dafür haben wir unS noch mcht interessiert. Vielleicht kann Ihnen der.Lokal.Anzeiger' dienen, der ja über die Anscnthasttorte berühmter Persönlichkeiten Buch zu sühren scheint.— Brauueberger. Ende 1!>1l oder Ansang 1St2.— SS. SlistungS- deputallon des Magistrats. Berlin, Poststr. IS.— f?. H. 89. Miniatur- Bibliothek, in fast jeder Tier» und Buchhandlung erhaltlich.— H. 4. und 9, St. 4 Wir müssen immer wieder erklären, daß wir Gelchästsempsehlungen ablehnen. Im Adreßbuch finden Sie«in zeichnis von Firmen.— B. A. 31. Nein— Schach Rechsanwalt Kurt Rosenseld, Spandauer Brücke Id.— O. 13. Wenden Sie sich an Genossen Simanowsli, Engeluser — R. G. 18. Eine Beschwerde gegen die Polizeiversügung dürste keine Aussicht aus Ersolg haben, wohl aber der Anspruch aus Rückzahlung der gezahlten Miete.— H. 28. Junge Frauen können Zurückerstattung der Halste der sllr sie gezahtlen Jnoalidcnversicherungsbeiträge verlangen, wenn für sie vor der Heirat mindestens 200 Ma>ken geklebt sind. Der Antrag ist innerhalb eines Jahres nach Eheschluß an die Versicherungsanstalt zu richte». Zweckmäßiger ist eS, selbst weiter zu kleben. Durch Kleben von mindestens L0 Marten irgend welcher Klasse innerhalb je zwei Jahren hält die bis dahin velsicherte Ehefrau Ihren Anspruch auf cvenluelle Invaliden- und Altersrente ausrecht. Noch wertvoller ist eS für sie, wenn»e weiter versichert, gegebenenfalls Ausnahme in einer Hellanstall sinden kann. — N. 4. Ihnen steht ein Anspruch aus Gehalt für die Dauer von sechs Wochen zu. Zuständig ist das KaussmanuSgericht.— Th. D. Nein. Berta. 1883. Die Witwe kann mit ihrem Vermögen, also auch mit ihrem Gcschäst zu ihren Lebzeiten mache», waS sie will, also auch daS Geschäft aus die Kinder übertragen. Soweit durch dle Uebertragung Gläubiger der Witwe benachteiligt werden, könnten diese gegen die Kinder klagen. Für den Inhalt der Inserate übernimm« die Redaktion dem Publikum gegenüber(einerlei Beranttvortung. €beater. Dienstag, 2. November. Ansang TI, Uhr. (könlgl. OperuhanS. Carnlleri» niBticana. Bcp iazzt. irihm Clavlgo deutsche König. Deutsches. Hamlet. Kammersptele. (Ans. S Uhr.) Lessing. Die Frau vom Meere. Anfang S Uhr. NcneS königl. Opern-Dheater. Geschloffe (komische C Ifen. :per. zählungcn. Berliner. Alpenkönig tt Menschen- scind. Schiller ei.«Wallner» Tdealer.l DaS Käthchen von Hellironn. Sch'U"(kliarlottendnrg. Der Schwur der Treue. Reu es. Der letzte Kaiser. Thalia. Die ewige Lampe. Sirues Schauspielhaus. Maria Stuart. Kleines. Hinter'm Zaun. Hoffmann» Er- Hebbel. Franyillon. Die geschl« Westen. Bolksopcr. Die von Windsor. Neues Operette». dene Frau. lustigen Weiber Jonathan. Nesidcnz. G rial Der arme Gretchen. Triano». Pariser Witwen. LnftspielhanS. Man soll keine Briese schreiben. Frtcdria,. üvilbelmstilbt. Schau spielhans. Der Skandal. Luisen. Robert und Bertram. Rose. Die Rechtlosen. Metrovot. Hollah ll— Die große Revue. Folie» Capricr. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. L'j« Uhr. APolio. Spezialitäten. Svtntergarien. Spezialitäten. Castno. Onkel Tohn. «ebr. Herrnfeld- Theater. So muß man'S machen. EinRetlungS- mittel. Karl Hnverland- Theater. Spezialitäten. Walhalla. Svezialltäten. Gastspiel. Die gute Parkte. V»'"'«». Spezialitäten AoaltS Thraker. Freiheitsdrang. Palaü. Der Blumenstrauß, Speziali- täten. Reichshallen. SIelliner Sänger. Urania. Taub»»«, raste 4Mi49. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Dir. Dr. Schwahn: Die Bewegungen der Himmels- körper. Sternwarte. Jnvalidenstr. 67/68. Theater des Westens. Abend» 8 Uhr: Die geschiedene Fron. Sonntag nachm. 30. Uhr: Ple lostlse Witwe. I-essing-Theatep. 7'!, Uhr zum CO. Mal»: Die Frau vom Meere. Mittwoch, 8 Uhr: Xantris der Narr. Etertmer Theater. Heut« 8 Uhr: Alpenkönig und Menschenfeind. Morgen: lleroile» und Mariamn*. Heues Theater. Abend» 3 Uhr: Der letzte Kaiser. Morgen und folgende Tage: ver leiste Kaiser. Frledrich-WlltieMdtisches Schauspielhaus. Dienstag, 2. November, Ans. 8 Uhr: Gastsplel deS Hebbel-ThraterS: Der Skandal. Mittwoch Gastsp. d. Hebbel-TheaterS: Der Skandal. Donnerstag zum erstenmal: Flachs- mann al» Erzieher. istadjlHvr- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Dienstag, abend« 8 Uhr: Dns Kilthehen v. Hellbronn Großes historische« Riilerschauspiel w 5 Alien von Heinrich v. Kleist. mm- Ende 11 Uhr."M Mittwoch, abends 8 Uh ri Gespenster. Donnerstag, abendtSUHr: Gespenster. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Dienstag, abend» 8 Uhr: Der Behwnr der Trcne. Lustspiel tn 3 Akten v. D. Blumenthal. - Ende 10'/. Uhr.-- Nenes Operetten-Theater, Schtffbauerdamm 25. a. d Lulsenstr. Heute und folgende Tage: ver arme Jonathan. ¥olks-Oper. SW, Velle-Alliancc-Straße Nr. 7/8. Ansang 8 Uhr. Die lustigen Weiber von Windsor. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: Oretehen. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Borstrllung. Sonntag, 7. Nov.. nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. DieuStag, den 2. November, abends 7l/3 Uhr: Gala-Vorstellung. Zum 3. Male: I Mi oder Das mysteriöse Echlost in der Normandie. Eine romantisch.phantastische Pan- tomime in 5 Akten mit versenk- baren Bllhnrnpodie». Entworfen und inszeniert vom Dtrettor Alb. Schumann. Noch nie gesehene Schluß- Apotheose. Vorher die bedeutendsten Knustkrafte. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Kobrrt nud Kertram. Posse mit Gesang». Tanz von Röder. Mittwoch: Der Kamps um den Nordpol. Donnerstag Premiere: Dle Heimat. Schauspiel von Sudermann. Freitag: Mozart-Lper: Dle lustigen Wiiber von Windsor. laUa-tspisHiauSn Abend»« Uhr: Mao soll keine Rriele sehreihen. Mittwoch, abend» 8 Uhr: Die erste Gelse. DsnnerStag. abindS8Ubr: Der Sohn'nr der Treue. Zirkus Busch. Heute Dienstag, 2. November 1909, abends VI, Uhr präzise; Gala-Vorstellung. Dehnt! Dehnt! Dehnt! Patty Frank-Truppe! Zwergclown Fran�ols Kunstreiter. Die Clevelands I Herr Burkhardt- Foottlt, Schuir. Herr Ernst Schumann, Neudross Um B,. Uhr: fSIMMlI! Besonders hervorzuheben; Jack Joyce, der berühmte Cowboy mit seinen wildesten Pferden. Achtung! Sonntag, 7. Novbr., nachm. 3'/, Uhr: Farmer leben ohne Kürzung I Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 67/68. Täglich abends 8'/, Uhr: Gastspiel von Frilz Beckmann. Die gute Partie. Stadt-Theater Moabit. Alt Hoablt 47/48. Donnerstag, den 4. November>1900: Neue Dekorationen t DM- Prachtvolle Kostüme I"Wv Zum erstenmal: jtllill. Trauerspiel in 6 Ausz v. W.Shakespeare Honuii mth So lange ich(lenken kann, war ich nur ein halber Mensch. .Ich bin stet» müde und abgespannt gewesen, hatte, ich blutarm war. immer Nasenbluten und' -.--. a, Mi obwohl PH. auS wie der Tod. Da» ganze Jahr war ich tn ärztlicher Behandlung, nahm alle möglichen blutbildenden Mittel ein, aber von etiler Besserung war keine Spur. Mit der Zeit wurde i melancholisch. Ein Freund von mir bestellte für mil 30 Flaschen Lamscheider Stahlbrunnen; schon nach der 5. Flasche bemerkte ich eine wesentliche Vefferung. Ich wurde frischer, lebhafter. Nachdem ich alle Flaschen verbraucht hatte, war ich ein anderer Mensch. Wenn ich mich abends zu Bett legte, war ich nicht so müde al» srühcr, wenn ich morgens auswachte. Und da» danke ich näwst Gott Ihrem wunderbaren Wasser."—.Mit Freuden teile Ich Ihnen mit, daß ich eine Kur gebraucht und die ersehnte Hilfe gefunden habe,"—.Da» Wasser kam wie ein rettender Engel, ich bin ganz glüettich. daft eS mir so gut geht.«—.Der Stahlbrunnen hat bei metner Frau verblüfscnd gewirkt.�—.ES ist sür alte Leute ein» wahre Wohltat.«—.DaS Waffer ist einfach köst- lich und steht wohl einzig in seiner Art heilwirkend aus der ganzen Welt da."— Solche Worte der Anerkennung nach ersolgreichen Kuren sind der beste Beweis sür die trcff» lichcn Eigenschaften dieser Hellquelle. Trinkkuren im Hause mit Lamscheid» Stahlbrunnen warm embsohlen. Keine Berussstörung. Slussührliche Mitteilungen über Kurersolge und Anwendungsgebiet kostenlos durch dle Verwaltung de» Lamscheider Stahlbrunnen in Düffeldorj BW. 164. Urania. WisdenBchaftlichos Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Invalidenstr. 67/62: Direktor Dr. Schwahn: Die Bewegungen der Himmelskörper._ Passage-Theater. Heute: Premiere des neuen großen VarieW-Teils. 10 neue Debüts. Ferner: Henry Bender in der tollen Burleske Der süße Doktor. »WWWWWWWWI 1 Ol OSEsTHEATE (Stoße Frantjuiler Str. 132, Ans. 8 Uhr. Ende'/.II U. DieNechilosenI� Volksstück mit Gesang und Tanz tn 4 Akten von Popper und Klabunde. Mittwoch: Michael Kohlhaa«. W. Jtoacks Theater vrunnenstr. te, am Rosenthaler Tor. Heute sowie täglich: AbendS'/,8 Uhr: Freiheitsdrang. Mein LebenSIaut, versaht a. Voilsstück t. 6A. o. Popper, Mestingputzer b. Tiei Sonnabend, 6. Nov., einmalige Aul jührung: Am Altar. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rich. Schulte. Anlang» Uhr. Rauchen gestattet. uinanTCmnfl Gastsp. des Willi Voigt Theater-Ens. Dienstag, den 2. November 1909: Jäger-Liebchen. Bollsstück mit Gesang w 4 Allen Gesang von Treptow. Kaffeneröffmmg? Uhr. Anf. 8 Uhr. Karl haverland Theater 77/79 Kommanbantenslraße 77/79. Ansang präzise 8 Uhr. Schlager auf Schlager bringt das Olrtoher-FroUi-nnisn. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Sensationeller Tbeatcr-Ersolg I Ueber 60 000 Pcrs. haben Tränen ge> lacht. Monatelang total auSverlaust Cnkel �wohn nkel Itz.ohn nkel �oh» Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkert. Reichshalleu-Theater. Wochent. 8 Uhr. Sonnlag» 7 Uhr. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. Tolles Caprice.i Mobilisierung;. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorvork. II— 2. Anfang 8'/. Ohr. j W" dlld* r Weinbergsweg 18-20. Rosenthaler Tor 1 Weinbergswog 19-20, Rosenth.Tor. f | Ans. 8 Uhr. Die grastarttgen l November-Lpeziatttäten. I | Im Tunnel: Regimeiiiskapclle.| Theaterbesuchern freier Eintritt. K.ön i gw t n d t- K asino. Holzmarttftrasie 72. Täglich: Franz Mobansltl. Flfl Morro, Gustav Eulenburg, Geschw. Arra»,"F. W. Hardt, The Hartle u. Mlb Eltrah usw. Dr. Schwips. Posse mit Gesang in einem Akt. !! Neues Programm!! Anne Dancrey. Bernhard Alörbitz. Horace Goldin, Jllufionsakt. Rice and Prevost, amcr. ExcentricS. Empire Comedy fcjr. Kinemacolor, lebende Photograph, in natürlichen Farben. Wllluhn Trio, Nymnallik-AN. Lala Selbini, amerik. Strandschönheit. Tho 4 Harveys, Drahtseilakt. Great Weiland, komischer Jongleur. Sandwinas, das Wunder weibl. Krast. Biograph, neueste Ausnahmen. Debat der vollstttiidig ■ enen erstklassigen Spezialitäten. Protongiert I Prolongiert! ? Cussac=Talma? Yvonne de Forge, das Wunder der Ankleidekunst. 10 Uhr: Eine Haremsnacht. ©rotester Scherz von Mae Fahrland. 8 Uhr; 8 Uhr: Tohuwabohu. Burleske. «MI» Kommandamenstr. 57. T. A. 4, 5083. Die beiden Novitäten: Burleske m. Gesang in 2 Akten von A. u. D. Herrnfeld. Musik von L. Jtal. Hauptrollen: Wenzel Nowotny, gen. der»Schinken känig von Prag" Anton Herrnfold. Moritz Appetitlich, sein Sozius... Donat Herrnfeld. Vorher- Ein Rsttungsmiftel Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. Ansang 8Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Palast-Theater. Direktion: Robert Dill ft Karl Pirna». Burgstrahe 24, am Bahnhos Börse. Vas vollständig neue November-Programm. '1,9 Uhr 1'1,9 Uhr! LiebchensTrick? mit Dir. Rober! Dill in der Hauptgesangspartie. «Ns.'s-S Uhr. Entree 50 Ps. bis 2 M. Vorrugeliarten überall zu haben, Moriliplalz _ Anf.8 Uhr._ L Theatersaal; 0. Kanonenschlager Meyer mit'n Hängeboden gait Paul Bendlx in der Titelrolle und das glänzende Spezialitäten- Programm. Im Konzertsaal: Täglich: ör. Konzert der ersten Kapellen der Berliner Öarde-Regimenter. Sanssouci, ISV. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns its und Danzkrünzche» Stets neues hochaktuelles Progr. Beg. Sonnt. 5, wochent. SU. Morgen, Mittwoch, 3. November Theaterabend. Der Fechter von Raven»«.__ Passage-Panoptikum. Die Tramniiialerii! Alles ohne Eitra- i d. schwebende Jungfrau. Der Tlotoboy d. künstl.zerl. Mensch Tamiiuritza-Brigant. Vitaskop-Tlieater Dauervorstellung von 4—7 Uhr. Das Elend der neuen Welt von Robert Hnnter. Autorisierte Uebersetzung von Dr. Alhert SQdekum. Der amerikanische Genosse Victor Borger, der kürzlich im KewerkschastSHause einen Vortrag über die Arbeiterbewegung in Amerika hielt, sprach sehr lobend über HnnterS Buch. Wir geben dasselbe zu villigem Preise ab. Statt 2,— Mark nur 60 Pfg. Expedition des„Vorwärts", Berlin SW., Llndenstr. 69, Laden. 4, Hygienische BeaansarUkel. Neuest. Kaialog B|.£mpfehl. viel- Aerzte u.Prof. grat. i. Ucger, GoEtmiwarenfabrik NW.. Fi varlin l Priedrichatrasse 91/99 JBine Mark: wOehend. Tell- sablung liefere elegante fertige Herren- Moden Ersatz für Masa. Massanfertigung. Feinste Verarbeitung unter Leitg. erstkl. Schneidermeister. J. Kurzberg Rosenthalerstrasse 40, I. Etage, direkt am Hackeschen Markt. Kein Waren- Kredit- Haus. Bei Darzahlung — 10% Rabatt!— Eine Mark wöchentl. Teilzahlung liefere elegante fertige Herren-Garileroben Ersah für Maß. Anfertigung nach Maß. Tadellose Ausführung. Jul. Fabian, Schneidermeister, Gr. Frankfurter Str. 37, II Eingang Strausberger Platz. II. Geschäft: Turmstcaßo 18, I. Etage, kein Laden. H.pfatMuiiOl %'!!" Direksenslraße 20 zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Polizeipräsidium.— Amt VII, 137g9 Pilr Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Krankenkasse». «tempol- Fabrik von 3S34L' Oobort Hoobt. Berlin S., Oranienstr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Ausführung. Kautschuk-Typen.Perfekt« zum Zusammensetzen einzelnor Wörter sowie ganzer Sätze von 1.30 M. au t Fahrrad-Haus„Frisch auf" Walter Wittig& Co.* Berlin H. il, Bninnenstraße§5,— Filiale: Kotthusep Straße 9. Großer Ausverkauf nur in unserem Geschäft BrunnenstraDe 35, der durch Feuer leicht beschädigten Waren: Laufdecken □ Glocken □ Sweater Rucksäcke, Fußhalter, Laternen, Griffe Nähmaschinen und einige Fahrräder n i-■= zu enorm billigen Preisen.===== Gemerkschastslfans, Engelufer 15. und Hilss-Kranleiitassen. Berlin JH.,• jevt Tjotlirlnger Straße 60. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- loten, angenehm u. weich am Körver. Crätide ffifiuefl v sein, die unseren CIGASETTEBf eine Popularität geschaffen haben, wie sie Kein anderes Fabrikat lD größerem Maße aufzuweisen hat Oafl sich nur das wirklich Gute Bahn bricht, beweist auch die Entwicklung ihres Absatzes, der in kurzer Zeit enorm gestiegen ist, worin die ihren Qualitäten von allen Rauchern bezeigte rückhaltlose Anerkennung am besten zum Ausdruck kommt. Josetti Vera m. q, o. H 10 St 30 PC, 0.1 tSj 1. / Spezialarzl flir Haut- und Harnleiden mm ohne/, Uhr, von der Leichenhalle deS Zenlral-FriedhoseS in Friedrichs- elde aus statt. Um recht regcBeteiligimg ersucht Der Vorstand. Deuizeder HoIzarbeUer-Verband Zahlstelle Schöneberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Gustav Möhring am 29. Oktober plötzlich ver« storben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle in Zehlen- dorf statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/8 Die Ortsverwaltung. VerbamI Der 8alller and Portefeuiller. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, dag unser Kollege Paul FpisänivK Treibriemen-Branche, am 30. Oktober verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Kessel-Kirchhofes tn Spandau, Pionierstratze, ans statt. fahlreiche Beteiligung erwartet /12 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Max Dikomy am 30. Oktober an Nierenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mttwoch, den 3. November, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- Halle deS Neuen Jakobh-KirchhoseS in Rixdors aus statt. Rege Beteiligung erwartet 124/17 Die Ortsverwaltung. Wand der Tapezierer. Filiale Berlfn. Am 29. Oltober verschied im 45. Lebensjahre unser Mitglied Paul Ungermann. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 2. November, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des ZionS- Kirchhofes in Nordend aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 177/15 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz« spenden bei der Beerdigung meines Beben Mannes, guten Sohnes, Bruders und Schwagers, des Gast» Wirts Urltz l ästig sage allen Gästen und Bekannten, sowie de» beteiligten Vereinen, insbesondere ~ crrn Redner Rohd unseren innigsten unk. L Witwe Harle I-nstlg. it. 256. 26. Jahrgang. 2. Itilmjf Ks Lmiills" Öftlintf Dollisblatt. Dienstag, 2. November t9VS. auf zur Stadtverordnetenwal)!! Was muh für den S. November jeder Wähler wissen? In Berlin werden die diesjährigen Stadtverord- netenwa�hlen durch die drei Klassen der Wählerschaft am 3., 4. und 5. November vollzogen. Die werktätige Bevölkerung, die weniger durch ihre Steuern als durch ihre wertschaffende Arbeit zum Wohle unserer Stadt beiträgt, bildet die dritte Klasse und wählt am 3. November. Ueber 360 000 Wähler ge- hören jetzt zu dieser Klasse, während die zweite Klasse nur 31504 Wähler und die erste jetzt gar nur nock 995 zählt. So wird durch das Dreiklassen sy st em deZ Gemeinde- Wahlrechts den Wählern der Klassengegensatz greifbar deutlich vor Augen gestellt. Von den 144 Mandaten zur Stadtverordnetenversammlung steht ein volles Drittel dem Häuflein der Wähler erster Klasse zu, über das zweite Drittel bestimmen die Wähler zweiter Klasse, und das dritte ist gnädigst dem gewaltigen Heer der Wähler dritter Klasse über- lassen. Durch nur 48 Stadtverordnete können die reichlich 360000 Wähler dritter Klasse sich im Rathause vertreten lassen und einen Einfluß auf die Gemeinde- Verwaltung ausüben, mithin haben sie allen Grund, vorsichtig zu prüfen, wem sie ihre Stimme geben sollen. Unter dem Dreiklassen- s y st e m mit seinen schmachvollen Geldsacksvorrechten sind zwei Drittel aller Stadtverordnetenmandate dem Komnlunalfreisinn sicher, da sollte wenigstens in der dritten Klasse jeder Wähler einsichtig genug sein, nur für die Sozialdemokratie zu stimmen, die in der Gemeindeverwaltung Berlins der Mißwirtschaft des Rathausfreisinns ent- gegentritt. Wo wird gewählt? Bon den 48 Wahlbezirken dritter Klasse sind an den diesjährigen Wahlen 16 Bezirke beteiligt, die zusammen mehr als 121000 Wähler haben. Neber diese 16 Wahl- bezirke und die dazu gehörenden Straßen und Häuser soloie über die Wahllokale gibt Auskunft die am Sonntag im «Vorwärts" veröffentlichte Zusammenstellung. Wer ist wahlberechttgt? Wahlberechtigt ist, wer in die Wählerliste aufgenommen worden ist,. die vor Mitte Juli zusammen gestellt wurde und dann bis Ende Juli auslag. Aufgenommen sein muß, wer zu dieser Zeit in Berlin seit mindestens Jahres srist wohnte, gegenwärtig eine eigene Wohnung hatte oder als Chambregarnist gelten konnte, auch Staatsangehönger Preußens war, die von ihm geforderten Gemeindesteuern entrichtet hatte, im letzten Jahre nicht aus öffentlichen Mitteln unterstützt worden war und zur Zeit der Wahl mindestens das 24. Lebens jähr vollendet haben wird. Wer zu einem Jahreseinkommen von nur 660—900 M. eingeschätzt und dann zu einer Steuer von 4 M. pro Jahr veranlagt ist, die bekanntlich nicht er hoben wird, hat gleichfalls das Wahlrecht und muß in die Liste aufgenommen sein. Jeder Wähler hat in demjenigen Bezirk zu wählen, dem die Wohnung zugehört, mit der er in der Liste verzeichnet ist. Wer inzwischen feine Wohnung gewechselt hat, was bei sehr vielen Wählern— und- namentlich bei vielen Arbeitern— zutreffen dürfte, gehört nach Maßgabe der Liste zu dem Bezirk seiner früheren Wohnung und hat dort zu wählen. Auch des Wahlvorstehers Frage nach des Wählers Wohnung ist in solchem Fall durch Nennung der früheren Wohnung zu beantworten. Wann wird gewählt? Die dritte Klasse wählt am Mittwoch, den3. No- vcmber, und die Wahl dauert von morgens 16 Uhr bis 8 Uhr abends. Nach 8 Uhr wird in den Wahlraum niemand mehr eingelassen, doch wird bei Stadtverordnetenwahlcn jeder Wähler, der bis 8 Uhr den Wahlraum betritt, noch zur Uns dem Spitzel- und Kechtsleben in Min. Der Kriminalbeamte Malik hatte sich, wie unfern Lesern er» innerlich, unter der beurnßt falschen Angabe, er sei ein Bureau- schreiber Mischte, als Parteigenosse aufnehmen lassen. Nach seiner Entlarvung wurde am 26. April der Versuch gemacht, ihn zu photographieren. Kurze Zeit darauf hielten sich die Genossen Dobrohlaw und Buhl im Beckschen Lokal, Mirbachstraße 16, auf. Malik hatte Wind davon bekommen, daß sein Gesicht im Photographenkasten sei. Er stürmte deshalb in das Lokal und meinte, sein Gesicht konfiszieren zu müssen. Da dies ohne den Apparat, der tatsächlich das Gewünschte nicht enthielt, nicht anging, nahm er dies fremde Eigentum an sich und eilte mit seiner Beute davon. Er kehrte dann mit zwei uniformierten Beamten zurück und ließ den Zigarrenmacher Genossen Adolf Buhl sistieren, weil er diesen in dem Verdacht hatte, ihn photographiert zu haben. Das Photo- graphieren wäre eine durchaus nützliche Tat gewesen. In Wirk- lichkeit hat Buhl aber noch niemals photographiert. Dobrohlaw begleitete den Genossen Buhl nach dem Polizeibuveau in der Zellestraße. Hier verlangte der Pseudo-Mschke, Buhl und Dobrohlaw sollten alles, was sie bei sich hätten, herausgeben. Dem widere setzten sich die Genossen und verlangten, nach dem Alexanderplatz geführt zu werden. Dort wnrde Buhl bis auf die Fußlappen ent- kleidet, weil der Pseudo-Mischke erklärte. Buhl habe einen Zettel, der als Beweis für ihn dienen könne, auf der Wache in der Zelle- straße in dem— Hosenschlitz versteckt. Hielt inan das Photogra- phieven für unerlaubt, was es keineswegs ist, so ist schlechterdings unerfindlich, wie ein Zettel, auch wenn er durch die Aufbewah- rung im Hosenschlitz geweiht ist, als Beweis dafür dienen könne, daß jemand, der nicht photographiert hat, doch photographiert habe. Indessen die hochwohllöbliche Polizei weiß das besser. Die Herren durchsuchten alles, was der Adam des Genossen Buhl abgelegt hatte, fanden natürlich nichts. Sie konnten auch nichts finden, denn der Zettel, aus den in Wahrheit Malik-Mischle fahndete, war nicht im Besitz des Buhl, sondern des Genossen Dobrohlaw. Ob der Zettel für ein menschlich konstruiertes Hirn die Annahme hätte aufkommen lassen können, er könne als Beweismittel für das Verbrechen pho» Stimmabgabe zugelassen, auch wenn die Abfertigung über 8 Uhr hinausdauert. Jeder sollte so zeitig wie möglich zur Wahl kommen, keiner sollte ohne Not den Gang nach dem Wahllokal bis zu den letzten Abendstunden oder gar bis zum allerletzten Augenblick verschieben. Wer spät kommt, zwingt unsere die Wahlagitation leistenden Genossen, ihm Schlepper ins Haus zn schicken, die an anderen Stellen nötiger gebraucht werden. Und lvcr kurz vor Toresschluß eintrifft, kann es er- leben, daß ihm, wenn er etiva in ein falsches Wahllokal ge- riet oder die mitgebrachte Legitimation dem Wahlvorsteher als nicht ausreichend erscheint, die Möglichkeit noch zu wählen überhaupt verloren geht. Legitimation ist vor allem die vom Magistrat ausgefertigte Wählerkarte, die in den letzten Tagen dem Wähler übersandt wurde. Wer eine solche Karte nicht erhalten hat, versehe sich mit dem Steuerzettel oder dem Mietskontrakt, eventuell auch mit seinen Militärpapieren. Ein sozialdemokratischer Wähler, der mit unzureichender Legitimation an den Wahltisch tritt, darf schwerlich darauf rechnen, daß die Herren des Wahlvorstandes, die zumeist aus„bewährten Freisinnigen" gewonnen werden, ihn als„persönlich bekannt" legitimieren. Jedem Wähler, der dem für seinen Bezirk aufgestellten Kandidaten der Sozialdemokratie seine Stimme geben will, ist dringend zu raten, daß er den Namen des Kandidaten sich vorher genau ansieht(nicht erst am Wahltisch) und ihn stch einprägt. Bei Stadtverordnetenwahlen wird nicht ein Stimmzettel abgegeben, sondern dein Wahlvorsteher der Name des Kandidaten genaiint. Nennt der Wähler ihn ungenau, so trägt der Wahlvorsteher ihn so ein— und dem richtigen Kandidaten geht eine Stimme verloren. Vor sechs Jahren wurde es vom Freist irn in schikanöser Weise ausgenutzt, daß der Name eines Kandidaten der Sozial- demokratie, unseres Genossen Kerfin, von manchen Wählern ungenau angegeben worden war. Der Protest des Freisinns führte dazu, daß das Oberverwaltungsgericht die Wahl für ungültig erklärte. Kerfin ist mich jetzt wieder Kandidat der Sozialdemokratie, diesmal im 18. Wahlbezirk.Es muß dafürgcsorgt werden, daß der Freisinn nicht Gelegenheit erhält, denselben Trick wie damals zu üben. Auch im 8. Wahlbezirk ist auf richttge Aussprache des Namens unseres Kandidaten Dupont besonders zu achten. Das sind Aeußcrlichkeiten, aber sie dürfen nicht übersehen werden. Keine Stimme eines Wählers dritter Klasse darf der S o z i al d e m o k r a ti e v e r l o r e n gehen; in manchen Wahlbezirken kann es auf jede Stimme ankommen. Daß ein Wähler dritter Klasse keinen Frei sinnsmann mehr wählen, sondern nur dem K a n- didaten der Sozialdemokratie seine Stimnie geben kann, versteht sich von selber. Nur die Sozial demokratte ist bereit, in der Stadtverordnetenversammlung den Sonderbesttebungen der Hausagrarier nachdrücklich ent gegenzutteten und die berechtigten Interessen der werktätigen Bevölkerung zu fördern. Wähler dritter Klasse, auf zur Wahl! Auf zum Sieg der Sozialdemokratie l Partei- Angelegenheiten. Charlottenburg. Morgen Mittwoch, findet für sämtliche Bezirke ein E x t r a z a h I a b e>i d statt. Die sechste Gruppe hält diesen Zahlabend gemeinsam ab bei Schulz, Kaiser-Friedrich- Straße 24, ebenso die fünfte Gruppe im„Volkshause", Rosinenstraße 3. Der Vorstand. Lichtenberg. Heute abend von den bekannten Lokalen aus Flugblattvcrbreitniig. Potsdam. Die Wahlvereinsversainiiiliing findet am Mittwoch, den 3. November, abends S'/z Uhr, bei Glaser, Kaiser-Wilhelinstraße statt. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Referent Genosse Siaab. 3. Aufstellung von Kandidaten. 4. Vereinssachen. Noch in diesem Monat findet die Wahl statt, eifrige Agitation ist dringend notwendig. Erscheint daher alle zur Versammlung. Der Vorstand. tographiert zu haben dienen, mag der Inhalt des Zettels bcant- Worten. Dies„Beweismittel" war folgender Brief des Malik- Mischke an Dobrohlaw: „Steglitz, den 17. Dezember 1308. Lieber Paul! Teile Dir mit, daß ich meinen Posten als Bczirksführcr niederlege. Ich hatte mit meinen Wirt eine kleine Auseinander- setzung und mußte plötzlich ziehen. Da ich nun in Steglitz Ver- wandte habe, so habe ich es vorgezogen, zu diesen zu ziehen, denn ich wohne doch billiger und fahren muß ich so wie so nach meiner Arbeitsstelle. Da Du Rendant vom Sparverein bist, so teile ich Dir auch mit daß ich aus dem Verein Austrete. Meine bis- herigcn Ersparnisse sollen der Bereinskasse zufließen. Wenn ich Zeit habe komme ich mal abends hin. Die Abrechnung liegt mit im Brief und schicke auch gleichzeitig das Material und 2,56 M. Geld für umgesetzte Bons(26 Stück) und 56 Pf. für 2 Matinee- billets. Gauk hat mir nur 76 Bons übergeben und 36 hat er noch im Besitz. Das Protokollbuch vom Sparverein ist im Paket. Mit Parteigruß > Mischke. Seiner Zeit hatten wir an das Polizeipräsidium die Anfrage gestellt, ob es bereit sei, öffentlich die Gründe anzugeben, die dem „Bureauschreiber Mischke" die Gewalt über seine Beamten gab. Da daö Polizeipräsidium eine Aufklärung unterließ, gaben wir sie. Die Oeffentlichkeit interessiert aber auch neben der Enthüllung des Spitzels noch die Frage, ob den» das Eigentum vor dem Zu- griff von Spitzeln nicht gesichert sei und ob die persönliche Freiheit eines Staatsbürgers sich die Mißhandlung gefallen lassen müsse, die der persönlichen Freihett des Genossen Buhl widerfahren ist. Die Antwort hierauf gibt der weitere Verlauf der Dinge. Der Nestanrateur Beck, dem der entwendete Photographen- kästen zur Aufbewahrung übergeben war, erstattete in dem uner- schüttcrlichcn Glauben, daß das Eigentum selbst im preußischen Ueberrußland gesichert sei, Strafanzeige wegen der Entwendung des Apparates. Der erste Staatsanwalt beim Landgericht I er- teilte hierauf unter dem 29. September 1969 folgenden ablehnenden Bescheid: Auf Ihre Anzeige vom 26. April ds. Js. gegen den Schutz- mann Malik wegen Diebstahls eines photographischcn Apparates erkläre ich folgendes: Nach den getroffenen Feststellungen hat der Schutzmann Malik den Apparat nicht weggenommen, um ihn sich rechtswidrig Wilhelmsruh. Heute abend 8V2 Uhr: Mitgliederversaminlung des Wahlvereins im Lokale von Barth, Viktoriastraße 7. Die Genossen des ö. Bezirks werden besonders darauf hingewiesen. Die Bezirksleitung. berliner �lacdrickten. Parteigenossen und Genossinnen! Heute Dienstag abends SVa Uhr finden die in der heutige» Annonce angezeigten öffentlichen Kommunnlivähler-Versammlunge« statt. Wir bitten um zahlreichen Besuch und rege Agitation für diese Schlußversammlungen. Die WahlkomitceS. Delft bei der dlabll Mittwoch, den 3. November, von vormittags 16 Uhr bis abends 8 Ullr finden die Stadtverordnetenwahleu für die dritte Abteilung statt. Auf den bewährten Opfermut unserer Genosten und Genossinnen zählend, erwarten wir, daß sich alle organisierten Mitglieder der Partei so frühzeitig als möglich von 8>/z Uhr morgens an zur Hilfeleiftmig bei der Wahlarbeit einfinden; besonders rechnen wir auch auf die Mitglieder der Bezirke, in denen diesmal nicht ge- wählt wird. Wir bitten, daß letzterb, soweit sie nicht vorher schon festgelegt sind, sich in den unten angegebenen ZentralbiireaiiS melden, namentlich sind radfahrende Genossen erwünscht, soweit sie nicht schon früher von ihrem Verbände für bestimmte Stellen vor- gemerkt wurden. Das Mitgliedsbuch der Partei legitimiert. Für die gcwerkschaft- lich organisierten Arbeiter, deren wertvolle Mitarbeit wir auch dieS- mal erwarten, dient das Mitgliedsbuch der Gcwerkschaft als AuS» weis. Wer am 3. November über irgendwelche freie Zeit verfügt, muß zur Stelle sein, Die Mitglieder der zur Wahl stehenden 16 Bezirke haben natür« lich die Verpflichtung, alles aufzubieten, sich an diesem Tage den Wahlkomitees ihres Bezirks zur Verfügung zu halten. Die Bureaus befinden sich: 2. Komm.-Wahlbez. Nest. Bartusch. Kanonierstr. 9, Amt I, 1175 Ecke Jägerstraße, 5.„„ Richert, Steininctzstr.36a,„ VI, 6726 8.„«» Tho!iisen,Gneisena!ist,36„ IV, 1408 Ecke Mittenwalder Str. 13./14.,,„ Hoffmann, Oppclnerst.47, IV, 9373 (Nebenanschl.) 17 l Wolff, Prinzenstr. 23,] u- ¥» l Wille. Dresdeiierstr.465,> .0 l Mittag, Kürassierstr. 16a, ' jPlettig.AlteJakobstr.g6, � 24.„„, Zietz, Warschauerstr. 61,„ VII, 3327 25.„„„ Arndt, Palisadenstr. 52,„ VII, 6355 28.„„„ Weise, Landwehrstr. 33,„ VII, 3958 31.„„ ObigIo.Schwedterstr.23.„ III, 33 37.„„„ Wille, Brunnenstr. 183,„ III, 4835 39.„ ,.„ Doms, Schlegelstr. 9,.. III, 5121 42.„„„ Püschel, Thomasiiisst, 18,„ Moabit 4684 43.„„„ Sturz, Huttenstr. 9,„„ 699 47.„„„ Glawe,LiebenwaIdcrst.4„„ 1955 Zentrale für die Bezirke 31, 37, 39, 42, 43, 47: Wahlvereins« burcau, Ravenüstr. 6, Amt III, 2137. Auf zu neuen Erfolgen für die Ziele der Partei! Die sozialdemokratischen WahlkomitceS. Zentrale: Plettig. I. 4719 Neue Hilfe für den Kommunalliberalismus. Ach, das war noch eine schöne Zeit für den Berliner Nathausfreisinn, als er noch in den Gemeindcschul- lehrern seine zuverlässigste Schutztruppe sehen durfte! Lang ist's her. So recht von Herzen geschah es schon seit Jahren nicht mehr, daß die Lehrerschaft sich dazu hergab, Handlangerdien sie für die Freisinnigen zu leisten. Die letzte Gehaltsregelung hat nun vollends den Lehrern die Augen so gründlich geöffnet, daß sie schon bei anzueignen, sondern er hat ihn gemäß§ 161 Strafprozeßordnung als Beweismittel für ein etwaiges späteres Strafverfahren wegen Beleidigung beschlagnahmt. Ich habe daher das Verfahren eingestellt. Ein wunderlicher Bescheid! Nach dem Gesetz ist zur Beschlag» nähme lediglich der Richter, bei Gefahr im Verzuge auch die Staats- anwaltschaft befugt und diese hat dann sofort zur Entscheidung über die verfugte Beschlagnahme den Gegenstand dem Richter vor» zulegen, tz 166 der Strafprozeßordnung läßt darüber nicht den geringsten Zweifel. Der in deni Bescheide der Staatsanwaltschaft angezogene Z 161 ändert nicht das geringste hieran. Das iiuiß auch dem Ersten Staatsanwalt bekannt sein. Ueber 5 Monate aber gebraucht der Staatsanwalt, um den Restaurateur Beck dahin zu bescheiden, daß entgegen dem Gesetz die Staatsanwaltschaft gegen polizeiliche Eingriffe in das Eigentum der Staatsbürger ohn- mächtig ist. Eine nicht minder eigenartige Ansicht über das Recht der persönlichen Freiheit und auf Schutz der Ehre der Staatsbürger entwickelte die Swatsanlvaltschaft in dem Verfahren, das die Ge- nassen Dobrohlaw und Buhl wegen der gegen sie verübten Frei- beitsbcraubung und tätlichen Beleidigung veranlaßt hatten. Dieses Strafverfahren gegen Malik zeitigte ganz eigenartige Ergebnisse. Es wurden die Strasantragsteller vernommen. Aber die Frage- stellungen ergaben, daß es der vernehmenden Behörde weniger auf Ermittelung der so sonnenklar vorliegenden Delikte der Freiheits- beraubung und tätlichen Beleidigung ankam, als um Kenntnis des Namens unseres Photographen, der so treffsicher sich als Spezialist für Spitzelbilder betätigt hat. Natürlich verweigerten beide Ge- nossen ihr Zeugnis. Man machte sie darauf aufmerksam» sie würden wegen Zcugnisverwcigerung eingelocht werden können. Das ver- mochte selbstredend unsere Genossen nicht zur Befriedigung der bc- hördlichen Neugierde zu veranlassen. Der Anwalt der in ihrem Recht so schwer gekränkten Genossen suchte vergeblich Einsicht in die Akten zu erlangen. Einmal waren die Akten bei irgend einem Dezer» nenten unabkömmlich, ein anderes Mal hatte si� die Polizei, die vorgesetzte Behörde des Angeschuldigten in Händen. Schließlich wurde die Akteneinsicht rinfach verweigert. Genosse Buhl aber erhielt einen gleichfalls vom 29. September datierten ablehnenden Bescheid der Staatsanwaltschaft. Die Behörde habe das auf die Strafanzeige der Genossen Buhl und Dobrohlaw gegen den Schutz- mann Malik eingeleitete Versahren eingestellt und es abgelehnt, gegen ihn strafrechtlich borzugehen. Denn die Sistierung, der Transport zum Polizeipräsidium und die dort erfolgte Durch- Jen Landtagswahlen den Liberalismus im Stich ließen und bei den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen ein gleiches tun wollen. Aber die Freisinnsführer haben sich beizeiten nach Ersatz umgeschaut. Die unteren Beamten der Staats- und dcr Reichsbehörden sind dazu ausersehen, ihnen die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Das muß man sagen: Die Idee ist gar nicht mal übel. Die Berliner Lehrer lassen sich nicht so zur Wahl treiben, wie die Kommandierenden des Stadtfreisinns das möchten. Und in einer Zeit, wo es zum gut freisinnigen Ton gehört, über angeblichen Terrorismus der Sozialdemokratie zu schreien, erscheint es den Freisinns- größcn doch zu riskant, selber einen allzu unsanften Druck auf die Lehrer auszuüben. Aber bei den Staats- und Reichs- beamten macht sich die Sache sehr viel einfacher, da braucht nicht der Freisinn selber zu terrorisieren, was er hier ja auch gar nicht könnte: da wird diesen Beamten von den eigenen Behörden deutlichgenug gewinkt- Wie sagte doch ein Flugblatt, mit dem schon vor einigen Jahren der freisinnige Stadtverordnete Rosenow die in seinem Bezirk zahlreich wohnenden Postillione bearbeiten ließ?„Als Träger des kaiserlichen Rockes könnt Ihr selbstredend keinen Sozial- demokraten wählen, der gegen die Monarchie, gegen Kaiser und König ist. Ihr dürft aber auch nichtvonderWahl fernbleiben, da Ihr dadurch indirekt dem Sozial- demokraten helfe t." So drohte der Freisinn mit der Hungerpeitsche, die der Beamte von seiner Behörde zu er- warten habe. Auf die Beamten der Post und womöglich auch der Eisen- bahn und anderer Vcrwaltungszweige des Staates und Reiches rechnet der Freisinn jetzt mehr als je. Im 39. Wahl- bezirk dritter Abteilung, wo den Wählern eine zum eng- herzigsten Kommunalliberalismus schwörende Bezirks- Vereinsgröße zugemutet wird, hat kürzlich ein Vertreter der P o st b e a m t e n in eigener Person vor einer Versammlung liberaler Kommunalwähler referiert, der Generalsekretär Hubrich vom„Verband der mittleren, Postbeamten". Ein für dieselbe Versammlung angekündigtes Referat eines Ver- treters der unteren Beamten, des Vorsitzenden Grzyb vom „Verband der Postunterbeamten", fiel aus, ohne daß in der Versammlung ein Grund hierfür angegeben wurde. Herr Hubrich empfahl den Beamten, liberal zu wählen. Was s i e vom Berliner Stadtfreisinn zu er- warten haben, das sagte er nicht— wohl deshalb nicht, weil er selber es nicht wußte. Er meinte aber, daß das Bei- spiel, das die Stadt Berlin mit den von ihr ge- zahlten Beamten geh ältern gebe, auch auf Staat und Reich wirken müsse. Da.hat er Recht, aber er hätte nur hinzufügen sollen, daß Berlin hierin dem Staat und dem Reich nicht voranzugehen, sondern hinterher zu- hinken liebt. Nur zu oft hat Berlin bei Gehalts- und auch Lohnerhöhungen ein schlechtes Beispiel gegeben, das auf andere Verwaltungsbehörden und Gewerbebetriebe nicht auf- munternd, sondern nur hemmend wirken konnte. Welches Beispiel Berlin durch die neueste Regelung der Lehrergehälter gegeben hat, das ist ja noch in frischer Erinne- rung. Lehrer und andere Beanite unserer Stadt Berlin haben im Rathaus auf ihre Wünsche nach aus- reichender Erhöhung ihrer Gehälter sich die Antwort geben lassen müssen, man erwarte von ihnen auch einen gewissen„Jdealismu s". Arbeitern der Stadt, die eine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen for- derten, ist sogar erwidert worden. Berlin dürfe nicht durch allzuviel Entgegenkommen ein Beispiel geben, das die Privat- industrie in die Zwangslage bringe. Hier sollten nicht durch ein gutes Beispiel der Stadt die bösen Sitten der Unternehmer „verdorben" das heißt in diesem Falle: gebessert— werden. Ein gutes Beispiel zu geben, bemüht Berlin sich bei den be st bezahlten Beamten st ellen, vor allem bei den S t a d t r a t s p o st e n, in die die freisinnige Stadtver- ordnetenmehrheit„bewährte" Freisinnsmänner hineinwählt. Diese Herrschaften können sich dann auch jenen„Idealismus" leisten, der bei den anderen Beamten vermißt worden ist. Sie brauchen nicht erst mit Petitionen um Gehaltsaufbesse- rung sich lästig zu machen, von der freisinnigen Stadtver- ordnetenmehrheit wird sie ihnen freiwillig gewährt. Andere Beamte der Stadt, die es sehr viel weniger gut haben, mußten sich einmal ermahnen lassen, an dieser„Zurückhaltung" der Magistratsniitglieder möchten sie sich ein Muster nehmen. So sieht die„B e a m t e n f ü r s o r g e" der Stadt Berlin aus! Und darum sollen— es ist zum Lachen die Beamten des Staates und des Reiches bei suchung sei zu Recht erfolgt. Jedermann habe das Recht, das öffentliche Aushängen seiner Photographie zu verhindern. Zudem habe Mali! das beabsichtigte öffentliche Zurschaustellerr seiner Bilder in Schanklokalen und sonstigen Versammlungsräumen, um vor ihm zu warnen, mit Recht als eine Beleidigung und Herab- Würdigung seiner Person empfunden. Er sei berechtigt gewesen, zur Durchführung seines Rechts und„zur Abwendung der gegen ihn geplanten Beleidigung" den Apparat fortzunehmen und die Person bes Genossen Buhl festzustellen, gleichviel, ob Buhl als Täter oder als Zeuge für die erst später zu begehende Beleidigung in Frage komme. Merkwürdiger Bescheid! Ein Beamter fühlt, daß er beleidigt werden könnte, weil sein Gesicht als das Gesicht besten, der seine Polizcipflicht getan hat, der breitesten Oeffentlichkeit übermittelt werden könnte. Er nimmt eine Beschlagnahme vor, zu der das Gesetz ihn nicht berechtigt. Er veranlaßt die Freiheitsberaubung und die Durchsuchung des Genossen Buhl. Alles findet der Staats- anwalt in bester Ordnung. Die Fußlappen, der Hosenschlitz, das Hemde, der Rock müssen„durchsucht werden", um Beweismittel dafür zu haben, daß der widerrechtlich Sistierte oder jemand anders vielleicht später einmal hat be- leidigen wollen. Nach dem vom Staatsanwalt auf. gestellten Rechtsgrundsatze würde jeder Staatsbürger das Recht haben, jeden Tag jeden Staatsanwalt zu sistieren und zu durch- suchen. Denn nicht ein Titelchen mehr Recht als jedem Staats- bürger räumen nach dieser Hinsicht hin die Gesetze einem Polizei- spitze! ein. Jemand aber, der den Staatsanwalt aus gleichem An- laß so behandeln wollte wie der Polizeispitzel die Genossen be- handelt hat, würde entweder bestraft werden oder, wenn er in ähnlicher Weise wie nach dem Bescheide des Staatsanwalts der Kriminalbeamte Malik es getan haben mutz, mit der Ausrede kommen würde, er habe Beweise sich dafür sichern wollen, daß etwa in der Zukunft der Staatsanwalt oder ein dem Staatsanwalt Bekannter ihn beleidigen werde und sei deshalb so vorgegangen wie geschehen, Gefahr laufen, für nicht zurechnungsfähig erklärt zu werden. Der Bescheid beleuchtet grell die Rechtszustände in Preußen» Deutschland. Nach ihm könnte jeden Tag jeder Staatsbürger behufs seiner Feststellung siftiert und durchsucht werden, weil er oder ein ihm Bekannter mal in Zukunft eine Straftal begehen könnte. Auch für die Beamten eröffnen sich aus der Ansicht des Staatsanwalts herrliche Perspektiven. Gibt das Gesetz dem Beamten ein Recht zu einer Handlung, so erwächst aus diesem Recht für ihn die Pflicht der Ausübung des Rechts. Er handelt den Stadtverordnetenwahlen 8 cm Kommunallibera- lismns Handlangerdienste leisten! Wie der Freisinn öffentliche Wahlen kontrolliert, das lehrt eine Beobachtung, die uns vom Tage der Landtagstvahlen nachträglich gemeldet worden ist. Im Landtagswahlbe- zirk Berlin XII liegt das Krankenhaus Moabit, das dem UrWahlbezirk 12S3 zugeteilt war. Zum Wahlvorstand, der die Wahlhandlung leitete, gehörte ein Angestellter dieses Krankenhauses, ein Materialicnverivalter Schu- rich. Die Frei sinn ige n ließen im Wahllokal die bei den Parteien übliche Kontrolle der Wahl durch einen Herrn Brauer besorgen, der gleichfalls Angestellter des Krankenhauses, Aufseher oder etwas Aehnliches, ist. So konnten die Krankenwärter, die hier zu wählen hatten, die Emp- findung haben, unter zweifacher Aufsicht zu stehen. Zweifellos wäre bei der Oeffentlichkeit der Wahl es richtiger gewesen, nicht auch noch die private 5kontrolle einem An- gestellten deS Krankenhauses zu übertragen. Aber im Freisinns- lager war man anderer Meinung und setzte ausgerechnet in das für das Krankenhaus zuständige Wahllokal den Aufseher Brauer hinein. Im Wahllokal erledigte dieser Herr auch Verhandlungen mit einem Schlepper der Partei, für die er dort saß. Indem er ihm Mahnzettel für das Krankenhauspersonal übergab, schärfte er ihm ein, daß er gegenüber dem Anstaltsporticr, der ihn nach seinem Begehr fragen werde, sich auf ihn— den Herrn Brauer — berufen müsse. Dem Portier solle er nur sagen, er wolle die Leute zur Wahl heranholen, ihm— dem Herrn Brauer— liege viel daran, daß sie alle persönlich aufgesucht würden. Selbstverständ- lich war es das gute Recht der Freisinnigen, auch aus dem Kran» kenhauS Wähler heranschleppen zu lassen. Es entsteht aber hier die Frage, ob in der Anstalt auch einem Schlepper der Sozial- demokratie, wenn ein solcher Zutritt verlangt hätte, das- selbe Recht zugestanden worden wäre. Uns wird noch gesagt, Herr Brauer habe unter die Mahnzettel sogar seinen eigenen Namen gesetzt. Leider darf soviel Unbedenklichkeit den Frei- sinnigen ohne weiteres zugetraut werden. Die Schlepparbeit hatte tatsächlich den Erfolg, daß bald nachher Wähler aus dem Kranken» hauspersonal in größerer Zahl antraten. Vertraulich nickte d�r Aufseher Brauer manchen? zu. Aber erfreulicherweise ließen mehrere von ihnen sich durch seine Anwesenheit nicht hindern, ihrer Ueberzeugung gemäß für die Wahlmänner der Sozialdemokratie zu stimmen. Ob auch die anderen, die den Wahlmännern des Frei» sinns ihre Stimme gaben, sämtlich hierbei ihrer Ueberzeugung folgten, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir teilen diese Dinge hier mit, weil wir vermuten müssen, daß am Tage der Stadtverordnetenwahlen an anderer geeigneter Stelle von den Freisinnigen ähnliches versucht werden wird. Bei allen Wahlen, die öffentlich sind, kann man immer wieder die Beobachtung machen, daß die Freisinnigen es ganz vor- trefflich verstehen, die Oeffentlichkeit der Wahl für si ch a u s zun u tz e n. In ihren Preßorganen und ihren Wähler- Versammlungen zetern sie, daß die Furcht vor dem„Terroris- mu s". mit dem die Sozialdemokratie drohe, bei den Landtags- wählen viele Wähler abgehalten habe, für den Freisinn zu stim- men, und daß aus gleichem Grunde für die noch bevorstehenden Stadtverordnetcnwahlen dasselbe zu erwarten sei. Im stillen aber wird mancher dieser„Antiterrvristen" froh sein, daß wenigstens die LandtagSwahlen und die Stadtverordnetenwahlen noch öffentlich vollzogen werden. Denn das weiß der Freisinn sehr Wohl, daß bei geheimer Wahl zum Landtag oder zur Stadtverordneten- Versammlung die Sozialdemokratie noch ganz andere E r fo l g e haben würde._ „Genug für eine Arbeiterfamilie." Was eine Arbeiterfamilie zum Lebensunterhalt braucht, darüber macht man in wohlhabenden Gesellschaftsschichten sich ganz sonderbare Vorstellungen. Leute, die für sich selber ein Jahreseinkommen von z. B. 10 000 M. als Kleinigkeit ansehen, tun höchst erstaunt, wenn ein Arbeiter der Meinung ist, daß er bei einer jährlichen Lohneinnahme von 1000 M. für sich und seine Frau samt zwei oder drei Kindern sich noch nicht als„Krösus" vorkommen dürfe. Kürzlich hat eine Arbeiterfrau bei einem Wohltätigkeitsverein, dessen Hilfe sie in Anspruch nehmen wollte, sich sagen lassen müssen, daß eine Arbeiterfamilie bei einem Wochen« lohn von 2V Mark nichts weiter brauche. Die Familie besteht aus dem Ehepaar und drei kleinen Kindern, deren jüngstes noch Säugling ist. Eben um dieses Säuglings willen hatte die Frau sich an die„Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglings st erblichkeit" gewandt und die Bitte vortragen wollen, daß man ihr eine kleine Beihilfe gewähren möge. Sie wurde von dem im Bureau sitzenden Fräalein gefragt, wieviel denn das Einkommen des Mannes betrage. Als die Frau antwortete: „20 M. Wochenlohn", holte da? Fräulein zunächst bei einer höheren Instanz sich Anweisung, was da zu tun sei, und kehrte dann zurück mit dem abweisenden Bescheid:„Da können Sie auskommen!" Gewiß, mit 20 M. Wochenlohn kann eine fünsköpfige Arbeiterfamilie„auskommen". Aber wie sie es„kann", pflichtwidrig, wenn er von dem ihm zustehenden Recht keinen Gebrauch macht. Demnach wären Polizei und Staatsanwaltschaft verpflichtet, alle Personen festzunehmen und zu durchsuchen, von denen anzunehmen ist, daß sie als Täter oder Zeugen einer etwa künftig zu begehenden Straftat in Betracht kommen könnten. Die selbst mit den geringen Schutzvorschriften, die die Strafprozeß- ordnung zum Schutz der persönlichen Freiheit der Staatsbürger enthält, unvereinbare staatsanwaltliche Ansicht führt mithin dazu. die Polizei- und Staatsanwaltschaftsbeamten für alle Straftaten persönlich verantwortlich zu machen. Sollte, wie ja infolge der Belastung der Polizei mit nicht strafbaren politischen Dingen leicht möglich, ein Diebstahl, ein Betrug, ein Mord stattfinden, ohne daß der Täter entdeckt wird, so wären die Beamten der Polizei und der Staatsanwaltschaft persönlich für alle diese Taten zum mindesten zivilrechtlich verant- wortlich. Denn die Begehung der Tat ohne Entdeckung des Täters beweift ja die pflichtwidrige Unterlassung des diesen Beamten ver- meintlich zustehenden Rechtes, alle künftigen Missetäter und alle Zeugen für etwaige spätere Missetaten festzunehmen. Der Staatsanwalt fühlte Wohl selbst, daß er in dem Eifer, die Schuldlosigkeit der Polizeibeamten zu erweisen, weit über oaS Ziel der durch die Gesetze des Staates und der Logik gesteckten Grenzen hinaus geschossen hatte. Er führt in dem ablehnenden Bescheid noch einen weiteren RechtfertigungSgrund für die Fest- nähme der Genossen an. Auf dem Wege zur Wache sollen nämlich Dobrohlaw und Buhl nach Bekundungen von Beamten den Schutz- mann„schwer beleidigt" haben, indem sie ihn„Lump" und„Strolch" beschimpften. Nunmehr sei die Feststellung der Persönlichkeiten geradezu erforderlich gewesen. Aus der Feststellung sei aber für oie Beamten weiter die Pflicht erwachsen, Buhl und Dobrohlaw auch gründlich zu durchsuchen— zur Auffindung etwaiger Belveis- mittel, die auf iveitere Straftaten schließen lassen.— Wenn die Polizei die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit hat, alle Personen nach Beweismitteln„weiterer Straftaten" durchsuchen zu lassen, die einen Spitzel als„Lump" oder„Strolch" bezeichnet haben sollen,— wo soll sie die Zeit dazu hernehmen, die Täter wirtlich begangener Verbrechen zu entdecken? Mische-Malik selbst hat empfunden, wie man in den Kreisen aller anständigen Menschen die Tätigkeit eines Polizeispitzels bewertete. In der kurzen Zeit, in der er als Bezirksführer fungierte, reichte er seinen Bezirksgenossen das Bild eines entlarvten Polizeispitzels mit den Worten herum:„Seht Euch mal diesen Lumpen an, diesen Halunken. Das ist auch so rme Pflanze aus dem Mistbeet vom Alexanderplatz." das sieht man ja unter anderem an dem Umfang der K i n d e r» st e r b l i ch k e i t, deren Bekämpfung angeblich Aufgabe und Ziel der genannten Gesellschaft ist. Bon den Damen dieser Gesellschaft, die es ja„dazu haben", wird vermutlich manche für die eigene Familie pro Tag sehr viel mehr verbrauchen, als diese Arbeiter« fainilie pro Woche einnimmt. Und daraus leitet dann die bürger« liche Klasse das Recht her. zu schelten über die Ungenügsam« keit der— Arbeiter! Mißbrauch mit jugendlicher Arbeitskraft. Kürzlich meldeten wir, daß in der S ch ö n h a u s c r V o r st a d t ein Schulkind im Auf- trage seines Lehrers einige hundert Flugblätter für den Kirchen« Liberalismus in den Schankwirt>chaf:en zu verteilen ge« habt habe. Aus demselben Stadtteil wird uns jetzt mit« geteilt, daß au einem der letzten Tage um acht Uhr abends ein anscheinend zwölfjähriger S ch u l k n a b e die Häuser abgeklappert habe, um Borbestellungen auf Billetts zu einer im„Berliner Prater" stattfindenden Vorstellung entgegenzunehmen, die wohl zum Besten des Kirchenchors der Gethsemanegemeinde veranstaltet werden soll. Die Liste, mit der der Junge hausieren ging, war gestempelt von der Musikkominission der Gethsemane« gemeinde und unterzeichnet von einem Lehrer Suckow sStar« garder Str. 7). Man sieht, wie der Mißbrauch mit der jugend« lichen Arbeitskraft, der da von Lehrern getrieben wird, sich immer wiederholt. Und immer wieder sind es gerade kirchlich gesinnte Kreise, denen diese Ungehörigkeit als zu- lässig gilt. Würden für solche Arbeiten erwachsene Per« sonen angenommen, so müßten sie entsprechend bezahlt werden. Schulkinder aber lassen sich mit einer winzigen Ver« gütung abspeisen und würden eventuell auch ganz umsonst arbeiten, weil's für den Herrn Lehrer ist. Welches Geschrei würde sich in diesen Kreisen erheben, wenn zum Beispiel ein sozialdemokratischer Wahlverein durch Kinder seiner Mitglieder seine Flugblätter ver« teilen oder Bestellungen auf Billetts zu seinen Vergnügungen ein- sammeln ließe. Diebstahl in der königl. Bergakademie. In der königl. Berg akadamie in der Jnvalidenstraße 44 ist ein dreister Diebstahl verübt worden, der noch der Aufklärung bedarf. Von einem bisher nicht ermittelten Täter wurden eine Platinschale sowie ein Platintiegel entwendet. Die Schale hat zwei Ohrgriffe und einen Ausguß- Die gestohlenen Gegenstände haben einen recht hohen Wert. Er wird auf mehr als tausend Mark geschätzt. Jedenfalls wird der Dieb den Versuch machen, seine Beute an geeigneter Stelle loszuschlagen. Ein schwerer Betticbsunfall ereignete sich gestern im Betriebe der Metallwarenfabrik von Emerich u. Schöning in der Prinzessinnen« straße 26. Dort geriet die Arbeiterin Berta Stein mit den Haaren in die TranSmissionswelle, wodurch ihr die ganze Kopfhaut ab» gerissen wurde. Die bedauernswerte Arbeiterin, die entsetzliche Schreie ausstieß, wurde mit einem Automobil in das Urbankrankenhaus gebracht. Die Fabrik von Emerich u. Schöning scheint ein Unglücksbetrieb zu sein. In den letzten vier Wochen sind schon zwei Mädchen schwer zu Schaden gekommen; beide büßten mehrere Finger ein. Der gestrige Unglücksfall soll dadurch passiert sein, daß die Transmission unverdeckt war. Verbandsstoffe sollen auch nicht in der Unglücks« fabrik vorhanden sein, obwohl der Fabrikherr b00 Mark zahlen will, wer einen Dieb ermittelt. Angesichts der sich mehrenden Unglücks« fälle im genannten Betriebe dürfte es notwendig sein, daß der Fabrikinspektor die Fabrik genauer ins Auge faßt. „Menschenleben in Gefahr!" Dieser Ruf alarmierte am Montag- nachmittag die Berliner Feuerwehr nach der Kommandantenstr. 76. Dort stand der Neubau des Jndustriegebäudes an der Ecke der Kommandantenstratze und Beuthstraße in großer Ausdehnung in Flammen. Das Feuer war in dem Geschästslokal der Straußfedcr- fabrik von S. Katz, im dritten Stock des Vorderhauses, angeblich durch Unvorsichtigkeit eines Hausdieners beim Erhitzen von Benzin und Kautschuck zum Ausbruch gekommen und hatte in wenigen Minuten eine große Ausdehnung erlangt. Die vielen dort be« schäftigten Mädchen hatten unter Geschrei die Brandstelle Verlasien und das Gerücht verbreitet, daß noch sechs Mädchen oben sein sollten. Die Feuerwehr war bald zur Stelle und ließ sofort von allen Seiten vorgehen. Auf die Meldung„Mittelfeuer" rückten 30 Fahrzeuge aus. lieber drei mechanische Leitern wurde von der Kommandantenstraße aus angegriffen, ferner über zwei mechanische Leitern vom Hofe aus und außerdem über die Treppen Schlauchleitungen vorgenommen. Alle noch vom Qualm angefüllten Räume wurden durchsucht, aber nirgends fand sich eine Spur von einem lebenden Wesen. Die Mädchen müssen also einen Ausweg gefunden und sich vor Ankunft der Feuerwehr in Sicherheit gebracht haben. Nach etwa einer Stunde, um b Uhr, konnte schon ein Teil der Feuerwehr wieder abrücken. Während des Brandes war die Kommandantenstraße vollständig gesperrt. Hunderte von Wagen mußten einen großen Umweg machen. Außer den Geschäfts« räumen der Firma S. Katz sind keine anderen des Industrie» gebäudes von dem Feuer betroffen worden. Bor den Augen seiner Kollegen ertrunken ist der Bootsmann Wilhelm Kalitzki, der auf dem Dampfer einer Berliner Transport« gesellschaft angestellt war. K. begleitete einen Schlepper auf der Na, Malik muß es ja wissen. Und waö hat Malik getan? Malik hat bewußt falsche An- gaben über seinen Stand und seinen Namen verbreitet, um als Mitglied der Sozialdemokratie aufgenommen werden zu können. Er hat ferner den Lithographen Georg Haberkern durch Geldzu- Wendungen zum Verrat seiner eigenen Klassengenossen bewogen. Ist das die Tat eines Ehrenmannes? Wie stark das Polizei- spitzelstzstem geradezu zur Verlogenheit und Lumperei anreizt. zeigt folgender Brief, den Malik nach seiner Entlarvung an Haber- kern schrieb: L. G. Ich werde Dir die Sache auseinandersetzen. Am Montag bin ich in der Nähe meiner Wohnung fotographiert worden. Ich habe Dobr., Buhl nach der Wache siftiert und Aparat weg- genommen. Die Woche komme ich in Vorwärts. Verliere Du za nicht die Ruhe. Es liegt nichts gegen Dich vor. D. will nur für den Vorwärts Material gegen mich haben. Soge nur ich hätte mal geschrieben, aber Du mußt wohl den Brief—(es handelt sich um den Brief, in dem er sich nach seinem Leumund erkundigt! D. Verf.)— schon weggeschmissen haben. In diesem Brief habe ich Dich nur angefragt ohne einen besttmmten Tag festzusetzen und auch nicht meine Adresse, sondern nur Mischte unterschrieben. Ich habe darin geschrieben sagste, daß ich mal bei Bolze antelephonieren werde. Und dies habe ich auch ge- tan. Bolze selbst Zeuge. � Diesen Brief vom Alexanderplatz Berolina treffen, sagtest Du, da weiß niemand etwas von. Wir haben aber die Bierreise unterlassen Da Du kein Geld hattest und ich habe seit der Zeit nichts hören lassen. Nur nicht Wankel- mütig werden, es liegt absolut nichts vor gegen Dich. Gehe nur Ruhig wieder zur heutigen Sitzung und bewahre die größte Ruhe im erzählen. D. will nur Material haben. Meine Adresse wissen sie. Gruß Tal. Talent war der Spitzelname des Malik. Noch eins. Das Sichhineindrängen eines Spitzels in einen Verein unter bewußt falschen Angaben über seinen Charakter ist — um mit den Worten des Staatsanwalts zu sprechen— eine schwere persönliche Beleidigung und Herabwürdigung der Vereins- genossen. Ist nun jedes Vereinsmitglied berechtigt, den Spitzel nicht nur festzunehmen, sondern auch„gründlich" zu durch— suchen? Unsere Genossen haben gegen den angeführten- Bescheid die höhere Instanz angerufen. Sie sind nun einmal von der Ueberzeugung durchdrungen: Recht muß doch Recht bleiben, selbst in Preußen. Ob sie sich irren? Fahrt nach Hamburg. Auf der Unterhavel in der Nähe der Elb- niünduug mufete der Dampfer plötzlich stoppen, wodurch das Draht« seil, an welchem vier Kähne angehängt waren, sich lockerte. Der Bootsmann machte sich mm an dem Seil zu schaffen, als plötzlich der Schlepper wieder in Vollfahrt Weiler ging und das Seil sich in- folgedesien straff zog. Kalitzki, der darauf nicht vorbereitet war. wurde über Bord geschleudert und verschwand sofort in den Fluten. Älle unverzüglich vorgenommenen Nettungsversnche blieben erfolglos. die Leiche des Ertrunlenen lonnte erst nach fast einstündigem Suchen gelandet werden. DaS Hcrrnfcld-Thcatcr hat für die nächste Zeit seinen Schlager, einen niedlichen einakligen Schwank,.Ein Nettungsmittel" benannt, und eine jüdische Burleske mit pikanten Gesangseinlagen, die den Titel.So mutz mau'S machen" führt. Verfatzt ist dieses letztere Stück, wie die meisten der im Herrnfeld- Theater aufgeführten Schwänke, von den beiden Direktoren Anton und Donal Herrnfeld. die sich in den Rollen des hochgekommenen, beschränkt- pfiffigen jüdischen Schinkenhändlers Nowotny und seines Sozius, des gern den eleganten Don Juan spielenden Herrn Moritz Appetitlich, zwei dankbare Paraderollen auf den Leib geschrieben haben. DcS geschäfts- niätzigen Einerleis überdrüssig, haben beide, der Prager Schinken- bündler und sein Sozius, ihren Galtinnen vorgeredet, datz sie zur Erholung nach der Böhmischen Schweiz reisen. Bevor sie sich aber in die stille Waldeinsamkeit flüchten, fahren sie erst, um sich zu amüsieren, nach Berlin und machen dort in den Amorsälen die Be- kanntschaft zweier Damen der Halbwelt, die sie nach ihrer Ferien- llause, der Waldschänke.Zum Bocksprung" bestellen. Zugleich mit diesen sich für die Frauen der Prager Schinkenhändler ausgebenden „Damen" erscheinen aber auch de wirklichen Gattinnen der beiden Don Juans auf der Erholungsstätte, und nun ergibt sich eine Reihe der kuriosesten Verwickelungen und Verwechselungen, bis schlietzlich der Wirt der Waldschanke die beiden richtigen Gattinnen aus dem Hause wirft— bevor sie noch ihre Männer zu Gesicht bekommen haben. Um sich aus der fatalen Klemme zu ziehen, erfinden die beiden Schinkenhändler mit Hilfe ihres genssenen Advokaten die Mär, datz die in der Waldschänke einquartiert ge- weienen beiden Herren Nowotny und Appetitlich fremde Gauner ge- wesen seien, während sie selbst zu jener Zeit ihren mit 200 000 Kr. flüchtig gewordenen Kassierer verfolgt hätten. Sie finden mit dieser kuriosen Ausrede auch bei ihren zärtlichen Galtinnen und Schwiegereltern Glauben, bis plötzlich der angeblich entflohene Kassierer auf der Bild- fläche erscheint und nun verichiedene neue Verwickelungen entstehen. die sich schlietzlich jedoch zugunsten der beiden Schinken exportierenden Don Juans auflösen. Das Stück arbeitet also mit den allbekannten abgebrauchten Mitteln des älteren französischen Schwanks; aber die Situationen sind zum Teil so drollig und sie bieten den beiden Harwtdarstellern so prächtige Gelegenheit, ihre Kunst in der Verkörperung stutzerhafter, dummpfiffiger jüdischer Geschäfts« Parvenüs zu zeigen, datz das Publikum nicht aus dem Lachen heraus- kommt, zumal es in den Dialogen an pikanten anzüglichen Be- nierkungen nicht fehlt. Gespielt wurde im ganzen gut, wenn auch einzelne Darsteller in dem Bestreben, die Pointen zu unterstreichen, ziemlich stark karikierten. ZirkuS Schumann hat nun auch seine lange erwartete Pantomime. Am Eonnabend ging das neue Ausstattungsstück zum erstenmal in Szene. Es ist betitelt:„Die drei Rivalen". Die Handlung des romantisch-phantastischen Schauspiels führt uns in die Normandie. Ein aller Geizhals bewohnt mit seiner Pflegetochter eine einsame normannische Burg. Dem von allem Verkehr abgeschlossenen Mädchen gelingt es mit Hilfe ihres treuen Dieners, unter Menschen zu kommen und harmlose Freuden des Lebens kennen zu lernen. Einem Ritter fällt die Jungfrau auf. Er verliebt sich in sie, ermittelt ihren Aufenthalt und fordert von dem Alten das schöne Mädchen zum Weibe. Zuvor qber gibt es mit zwei anderen Rittern, die sich gleichfalls um die Gunst des Mädchens bewerben, einen Kampf, aus welchem der erste Bewerber als Sieger hervorgeht. Das Ganze gibt Gelegenheit zur Entfaltung einer märchen- hasten Pracht. Diese kommt vor allem im zweiten Akt zur Geltung, der auf dem Schlosse des Ritters de la Champagne spielt, und im letzten Akt, der das Hochzeitsfest darstellt. Zustatten kommt der grotzartig angelegten Pantomime die neue grotze Drehbühne. Die Ausstattung ist prächtig. Kostümpracht wetteifert mit wundervollen Lichteffeklen. Und als das Stück zu Ende war, wollte der Beifall kein Ende nehmen. Zirkus Schumann ist für die Saison versorgt. Radrennen zu Steglitz, 31. Oktober. Die letzten diesjährigen Rennen, die bei ermätzigten Eintrittspreisen abgehalten wurden, hatten wieder einen guten Besuch aufzuweisen. Die Hauptrenuen bildeten zwei Dauerrennen über je dv Kilometer, die beide von den- selben Fahren: Contenet, Demke, Herm. Przyrembel, S ch ip ke, A. Stellbrink und T h e i I e bestritten wurden. Als bester Fahrer erwies sich Theile, der beide Rennen überlegen gewann und bei dem ersten sogar einen neuen Rekord für die 50 Kilometer aufstellte. Demke hatte unter den Tücken seiner Führungsmaschine zu leiden; er endete in dem ersten Nennen als letzter und nahm an dem zweiten, da er keine Motoren zur Verfügung hatte, nicbt teil. Ergebniffe: erstesRennen. 60 Kilometer(700, 600, 500, 400, 850, 800 M.) 1. Theile in 36 Min. 4 Sek.(Rekord), 2. Contenet, 2220 Meter, 3. Schipke, 2230 Meter, 4. Stellbrink, 4000 Meter, 5. Przyrembel, 4540 Meter, 6. Demke 12 500 Meter zurück.— Zweites Rennen, 60 Kilometer(700, COO, 500, 400, 350 M.) 1. Teile in 36 Min. 43�/. Sek., 2. Schipke 1490 Meter, 8. Stellbrink 4370 Meter, 4. Przyrembel 7600 Meter; 5. Contenet 12 100 Meter zurück. Von Theile überlegen gewonnen. Das Nennen wird zuletzt in völliger Dunkelheit gefahren. Das vorhergehende Hauptfahren über 1000 Meter(50. 40, 30, 20 M.) wurde von W e g e n e r sicher vor Techmer, Lorenz und Selmer gewonnen.— Im Prämien- fahren über 3000 Meter(25, 20, 16, 10 M.) siegte Techmer vor Wegener, Schmittchen und Lorenz.— Den Schlutz bildete ein Vor- gabefahren über 1000 Meter(25, 20, 15, 10 M.j. das bei elektrischein Licht ausgefahren wurde; es wurde von den„Nutzen- seitern" Prenzlow(140 Meter Vorgabe) vor Beck(120). Arndt (135) und Köhler(145) gewonnen, während die besseren Fahrer wie Wegener(0), Stabe(10), Pawke(20) u. a. unplaziert«ndelen. Auf dem Exerzierplatz in der Bermmer Straße werden bekanntlich hin und wieder militärische Uebungen abgehalten. Da der dem Militärfiskus gehörige Platz nicht mehr eingezäunt ist, sammeln sich bei solchen Gelegenheiten auch Zuschauer an. Das war auch dieser Tage der Fall. Einem Gefreiten behagte daS anscheinend nicht, denn er suchte das nahestehende Publikum zurückzutreiben. Dabei trat er einigen Leute» auf die Fütze, fortwährend rufend: Schnellerl schneller I zurück I Und als seinem Befehle Folge geleistet wurde, tat er noch ein übrige», indem er sein Seitengewehr zog und eS einigen Leuten, die sich zurückzogen, nachwarf. Nur einem Zu- fall war eö zu danken, datz kein Unheil angerichtet wurde, denn es flog einem Arbeiter am Halse vorbei. Wie kommt der Mann dazu, in solcher Weise vorzugehen? Einmal lag hierzu kein Anlatz vor, dann aber hat er überhaupt kein Recht, gegen Zivilpublitum tätlich zu werden. DaS hat er nicht einmal gegen seine Untergebenen. Arbriter-Samariter-Kolonne. Heute abend 9 Uhr: 5. Abteilung in Rix darf bei Kaufhold, Erkstr. 8. Morgen Donnerstag: 3. Ab- teilung in Schöneberg bei Wieloch, Grunewaldstr. 110, und 4. Abteilung in Lichtenberg bei Beckmann, Samariterstr. 11. Vortrag in allen Abteilungen über Verletzungen. Wundbehandlung und Blutstillung mit darauf folgenden praktischen Uebungen. Vorort- JVacbncbten* Charlottcndurg. Liberaler Katzenjaminer. Wie katzenjämmerlich den söge- nannten Liberalen angesichts der bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen zu Mute ist, geht aus einem von ihnen im achten Bezirk der dritten Wählerabteilung zugunsten der Kandidatur ihres Führers Otto verbreiteten Flugblattes hervor, das über Berdächti«> gungen, Entstellungen, Verleumdungen und unverantwortlichen Schimpfereien der Sozialdemokraten klagt, aber selbst in Verdäch- tigungen, Entstellungen, Verleumdungen und Schimpfereien das denkbar möglichste leistet. Das Flugblatt entblödet sich nicht, es so darzustellen, als ob alle Errungenschaften Charlottenburgs auf sozialem Gebiet den Liberalen zu danken sind, während tatsächlich in den meisten Fällen diese Fortschritte auf sozialdemokratische An. regungen zurückzuführen sind. Natürlich spielt auch die Wert- zuwachssteuer, mit der die Liberalen schon bei der vorigen Wahl hausieren gingen, eine Rolle. Wie verhält es sich aber in Wirklichkeit? Gerade die Liberalen haben wiederholt die sozial- demokratischen Anträge auf Einführung einer Wertzuwachssteuer niedergestimmt, unter ihrer glorreichen Führung ist es dahin ge- kommen, datz Charlottenburg sich von Schöneberg und anderen Ge- meinden überflügeln ließ. Mehr als unverschämt ist die Behaup- tung, datz sich eine„auf liberale Initiative" eingesetzte gemischte Deputation mit der Frage der Einführung der Wertzuwachssteuer befaßt, die Initiative haben nicht die Liberalen, sondern die So- zialdemokraten ergriffen. Ebenso verlogen sind die Darstellungen über die Einsetzung von Arbeiterausschüssen. Auch hier- von wollten die Liberalen lange nichts wissen, und wenn sie jetzt sagen, datz von sozialdemokratischer Seite durch niatzlose Ansprüche der Erzielung dieser Fortschritte die größten Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, so verbirgt sich hinter dieser'Phrase die Verlogenheit der Liberalen, die ganz genau wissen, datz diese Be- hauptung plumper Wahlschwindel ist. Des langen und breiten bcfatzt sich das Flugblatt mit R e i ch S» und Staatsangelegenheiten. Es protestiert gegen die „selbstsüchtig- agrarische Stuergcsetzgebung" der ReichstagSmehrheit, verschweigt aber, datz die Li- beralen bereit waren, diese selbstsüchtig-agrarische Steuergesetz- gebung mitzumachen. Es protestiert gegen die behördlichen Matz- nahmen zur Schmälerung der Selbstverwaltung, verschweigt aber, datz gerade die Liberalen der reaktionären Regierung den Rücken stärken und sie dank ihrer schwächlichen Nachgiebigkeit ge- radezu zur Beseitigung der Selbstverwaltung und zur Mitzhandlung der Städte anspornen. Viel Rühmens macht das Flugblatt von dem „glänzenden Sieg" des liberalen Kandidaten bei der letzten Landtagswahl und von der„schweren Niederlage", die die Liberalen den Sozialdemokraten bei der letzten Stadtverordneienwahl beigebracht haben. Echt liberal! Datz der Landtagswahlsieg nur dem Geldsackswahlsystem zu danken ist, davon wird nichts gesagt, und datz die„Niederlage" der Sozialdemokraten darin besteht, datz diese Partei trotz des Drei- klassenwahlsystems ihre Mandate behauptet hat und an Stimmenzahl gewachsen ist, wird gleichfalls verschwiegen. Warum sagt denn das Flugblatt nichts von den Ergebnissen der Reichs- tagswahl, bei der doch einzig und allein die Stimmung der Bevölkerung zum Ausdruck kommt? Wissen die Liberalen nicht, datz sie bei der letzten ReichStagswahl in Charlottenburg nur 14 37g Siimmen erzielten, während die„niedergerittene" Sozialdemokratie es auf 22 137 brachte? Und warum, so fragen wir schlietzlich. verschweigt das Flugblatt, datz sich Herr Otto namens der Liberalen gegen die Uebcr- tragung des R e ichs t a g s wa h l r e ch t s auf die Ge- meindewahlen und für BeibehcUtung des Haus« besitzerprivilegs ausgesprochen hat? Wahrlich, es mutz schlecht um die Sache der Liberalen stehen, wenn sie zu solchen Mitteln greifen. Die Antwort wird ihnen die Arbeiterklasse am S. November erteilen. Rixdorf. Der Rektor mit dem Stock in der Hand. Wir haben schon in unseren: Blatte ausgesprochen, datz wir Gegner der Prügel- Pädagogik sind. Dieser Meinung huldigen auch zahlreiche einsichtig! Pädagogen und es gibt eine ganze Anzahl Lehrer, die ohne jed> Prügele: auSlommen, ohne datz ihnen nachgesagt werden kann, st vernachlässigten ihre erzieherischen Aufgaben. Vielmehr kann ii solchen Fällen festgestellt werden, datz gerade solche Erzieher. die mit Lust und Liebe erziehen ohne Zuhilfenahme des Stockes, weit größere Unterrichtserfolge aufzuweisen haben als jene, die bei jeder Gelegenheit zubauen. Leider besitzen heute noch die Lehr- Personen das Recht, in ibuen geeignete» Fällen prügeln zu dürfen. Dieses Recht übte dieser Tage der Rektor der neuen 32. Gemeinde- schule in der Rütlistrahe eigenhändig auS. Einige Mädchen waren ein paar Minuten zu spät zur Schule gekommen. Der Herr Rektor Pfriemer brachte die Kinder nach ihrer Klasse und strafte die Zu- spätgekommenen mit dem Stock vor der ganzen Klasse. Er scheint dabei keine Auswahl gehalten zu haben, denn nach einer uns gewordenen Mitteilung soll er auch ein recht schwäch- l i ch e s Kind geschlagen haben, wie folgendes ärztliches Attest beweist: Rixdorf. 30. Oktober 1909. frida Mittmann, 11 Jahre alt, wohnhaft Kaiser- Friedrich- e 23, wurde mir ani 30. Oktober vorgestellt. DaS Kind zeigt auf der hinteren Seite beider U n t e r s ch e n k e l je zwei quer über den Unterschenkel laufende Striemen, die blaue Farbe zeigen, während die Umgebung gerötet und verdickt ist. Diese Züchtigung inutz um so mehr als eine äußerst heftige be- zeichnet werden, als es sich dabei um ein körperlich und zurückgebliebenes Kind handelt, das früher an Krämpfen gelitten hat und auch schon der Hllfsschule überwiesen war. Dr. S i l b e r st e i n, Arzt. Nach diesem Attest handelt eS sich um ein g e i st i g zurück- gebliebenes Kind, das überhaupt nicht geschlagen werden darf, selbst wenn der Herr Rektor das Priigelrecht besitzt. Das sollte Herr Pfriemer wissen. Auf die Erziehungsmethode des Herrn Rektor wirst eS ein eigenartiges Licht, wenn man den Grund der Züchtigung in Betracht zieht. Mutz denn gleich geschlagen werden. wenn ein Kind einige Minuten zu spät kommt? Sollte eS nicht noch andere Strafnnttel geben, wenn schon gestraft werden mutz? Steglitz. Auf offener Straße erschossen hat sich vorgestern abend eine unbekannte junge Dame. Auf dem Platz III in der Nähe der Bis- marckstratze hörten Leute gegen 10 Uhr einen Schutz fallen. Sie eilten hin und fanden eine junge Dame am Bode» liegen. Die unbekannte Selbstmörderin schein: de» besser gestellten Kreisen anzu- gehören. Sie ist etwa 23 bis 25 Jahre alt, mittelgroß und kräftig. hat tief dunkelblondes Haar, blaue Augen nud ein ovales, volles Gesicht und trug einen ichivarzen Rock, eine fleischfarbige Bluse mit einen: weißen gestickten Einsatz, einen gestickten Schal, einen bell- grauen Theatermantel mit weilen Aermeln und iveitzem Futter, einen Topfhut mit SIrautzfedern und eine silberne Uhr mit Gold- raud. Ihr Beinkleid ist 15 gezeichnet. Ihre Handtasche enthielt einen Zettel, auf dem steht:.Geliommen habt ihr mir alles, gegeben- gar nichts, nichts." Die Leiche wurde nach dem Steglitzer Schau hause gebracht. Friedenau. In der letzten Gcmeinbevertretersihung legte der Gemeinde- vorstand eine Polizeiverordnung zur Genehmigung vor, welche daS Befahren der Saarstratze mit Lastfuhrwerlen verbietet. In der Begründung wird gesagt, datz die Straße als Vcrkehrsstratze- mit Lastfuhrwerk zu schmal angelegt sei und datz infolge der Steigung, welche vor der Friedenaucr Brücke einsetzt, eine ganze Menge Klagen über Mitzhandlung der Pferde geführt wurden. In der Diskussion war man im allgemeinen der Ansicht, daß eine der HauptverkehrSstratzen mit dem Schöneberger OrtSteil für Lastfuhr- werke nicht gesperrt werden könne, worauf der Vorsitzende die Ver- ordnung zurückzog. Sodann stand ein Antrag des Verein? für Handel und Ge- werbe auf der Tagesordnung, welcher verlangt, die Zahl der Ge- meindevertreter von 18 auf 24 zu erhöhen. Derselbe wurde im November vorigen Jahres auf ein Jahr vertagt. Schöffe Bache bat, den Antrag abermals bis Januar zu vertagen. Dem traten die Herren Schulz und Weber entgegen. Mau müsse die Angelegenheit- letzt schon regeln, um bei den allgemeinen Wahlen im nächsten Frühjahr gleich entsprechend der Aenderung mehr wählen zu lassen. Die Notwendigkeit der Erhöhung begründeten sie damit, datz jetzt einzelne Herren in 5 bis 6 Kommissionen tätig seien, was nach Ansicht der Antragsteller zuviel sei. Herr Schulz verriet, datz von den neuen Mandaten auch eins für die Arbeiter bestimmt sei, natürlich nicht für die sozialdemokratischen, sondern für die frommen Brüder im evangelischen Arbeiterverein. Gemeindever- treter Ott hält eine Erhöhung der Zahl der Genieindevcrtreter noch nicht für nötig, da sich nennenswert« Mitzstände bis jetzt noch nicht ergeben hatten. Auch der Freisinnshäuptling Herr v. Wrochem bezeichnet die Sache noch nicht für so eilig, da die jetzige Vertretung sich doch ganz gut„bewähre" und auch dce Interessen der Arbeiter, von denen Herr Schulz sprach, wahrnehme. Vielleicht kommt dieser Herr einmal in eine Arbeitcrversammlung und erkundigt sich darüber, wie die Arbeiterschaft über das Wirken der Gemeindevertreter für die Minderbemittelten denkt. Nachdem noch ver« schicdene Redner für und gegen die Beratung gesprochen hatten, wurde die Angelegenheit auf Antrag des Herrn Uhlenbrok bis Januar vertagt. Als Armenpfleger wurde an Stelle des Herrn Rektor Jaeschke Herr Lehrer Lehmann von der Knabenschule ge- wählt. Der Reingewinn des Elektrizitätswerkes beläuft sich für das vergangene Jahr auf 48 055 M. Zum Schlutz wurde eine An- gelcgenheit verhandelt, die für die Steuerzahler von Interesse ist. Bei dem Abschiedskommers für den früheren Bürgermeister wurde an Lobhudeleien und Schmeicheleien auf Herrn Schnnkenburg das Menschenmögliche geleistet. Fackelzug, Festessen und Ständchen wechselten einander ab, alles aus dem Gcmeindesäckel. Dies genügte verschiedenen Herren noch nicht, und man regte an, dem Herrn Schnakenburg zum Andenken an Friedenau noch ein Ge» schenk in Form einer Statue im Werte von zirka 500 M. zu stiften. Die Sache wurde natürlich, damit die Oeffentlichkeit nicht über die Gründe zu lachen brauchte, in die geheime Sitzung verlegt und dort selbstverständlich angenommen. Wir sind der Meinung, datz, wenn innerhalb der Gemeindevertretung sich so warme Verehrer des früheren Bürgermeisters befinden, dieselben die Kosten für der- artige Geschenke aus ihrer eigenen Tasche bezahlen sollen. Diese Herren sind natürlich der Meinung, datz man dies viel schmerzloser auS den Taschen der Steuerzahler besorgen kann. Ucver unsere gegenwärtige politische Lage referierte Genosse Kubick-Pankow in der letzten Mitgliederversammlung des Wahl- verein?. Der Vortrag wurde mit allseitigem Beifall aufgenommen. Hierauf gab Genosse Klemann den Kassenbericht für das dritte Quartal: einer Einnahme von 245,80 M. steht eine Ausgabe von 234,55 M. gegenüber: an den Zentralvorstand wurden 136,80 M. abgeführt. Für Sonntag nachmittag 2 Uhr wurde ein gemein- samer Besuch der Ausstellung für Arbciter-Schutzvorrichtungen in Charlottenburg festgesetzt. Treffpunkt 1 Uhr an der Haltestelle der Stratzenbahn Linie V, Prinz-Regenten-Stratze in Wilmersdorf. Johannisthal. Ein bedauerlicher Vorgang hat sich auf dein Teltowkanal ab» gespielt. Der Schiffseigner Hannemann hatte in der Nähe von Johannisthal mit seiner Zille auf dem Kanal vor Anker gelegen. Die Kinder des H. kalten nachmittags aus dem Deck des Fahr« zeuges gespielt und stürzte die zehnjährige Tochter Erna ins Wasser. Aus die Hilferufe der Kleinen eilte die Mutter hinzu, die sofort den Nettungslahn flott machte. Frau H. kam aber bereits zu spät. Vor ihren Augen sanl das Kind unter und ertrank. Die Leiche konnte bald darauf geborgen werden. Britz-Buckow. Die Stichwahl zwischen unserem Genossen H a d a m e ck und dem bürgerlichen Kandidaten findet am Donnerstag, den 4. November, nachmittags von 6 bis 6a/t Uhr statt. Es wird erwartet, datz alle Genossen ihre Schuldigkeit tun, nur dann ist eS möglich, dem sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Trebbin(Kreis Teltow). Die Stadtverordnetenwahlen finden, wie in der letzten Stadt- verordnetenversammlung mitgeteilt wurde, voraussichtlich am 22. November von 8—12 Uhr vormittags statt. Eine längere Debatte rief der Antrag des Magistrats, für daS Richtefest 150 M. zu bewilligen, hervor. Genosse Hiebsch wandte sich entschieden da- gegen. Man möge dieses Geld lieber den Aermsten der Armen zu- wenden. Er könne der Versammlung schon jetzt als Mitglied der Armenkommission mitteilen, datz ein Antrag über Nachbewilligung von 200 M. gestellt werde, und ob diese Summe reiche, bleibe ab« zuwarten. Stadtv. Haase gab seiner Freude darüber Ausdruck, datz diese Anregung von sozialdemokratischer Seite konime. Stadt- verordneter Bing« wollte geivitz mit der Wurst nach der Speckleite schmeitze», als er erklärte, die Kommission wollte den Arbeitern gerade eine Freude bereiten, wenn es nun aber von den Arbeitern selbst nicht gewünscht würde, könne eS ja abgelehnt werden. Herr Binge ist nämlich der letzte Bürgerliche in der 3. Klasse, der jetzt auch auf Neuloahl steht. Der Antrag wurde mit 12 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Zur Weiterführung der Wasserleitung bis zum Schützenplay« sollte eine Anleihe von 3000 M. bei der Teltower KreiSjparkasse aufgenommen werden. Stadtv. Samuel beantragt, diese 3000 M. nach Bedarf ratenweise aus dem Reservefonds des Wasserwerks zu nehmen' und nicht die Stadt durch neue Anleihen belasten. Der Autrag gelangt zur Annahme. Genosse Schönsee richlcte an den Bürgermeister die Frage, wie es mit dem von der Arbeiterschaft an den Magistrat gerichteten Ersuchen um Erhöhnug deö ortsüblichen Tagelohnes stände. Dieselbe wurde dahin be- antwortet, datz demnächst der Versammlung die Vorlage zu- gehen werde. Stadtverordneter Samuel ersuchte den Magistrat, energische Schritte zu unternehmen, um die auSgeschnebene neu zu errichtende LandeSprovinzial-Jrrenanstalt nach Trebbin zu bekommen. Der Bürgermeister erklärte, der Magistrat habe sich schon mit der Sache beschäftigt, konnte sich aber nicht über die Terrainfrage einig werden autzer in Löivendorf. ES wurden mehrere Vorschläge über geeignete Gelände in der ver- langten Grütze gemacht. Herr Samuel erklärte, es müsse etwas für Trebbin getan werden, damit es sich erst mal vergrößere. Sollte dies selbst mit schweren Geldmitteln verknüpft sein, so könne man getrost eine Anleihe aufnehmen. Herr Köppen frug an. wem: die sreigeivordcne Kantorstelle wieder besetzt werde. Zum 1. Januar oder gar ersten April? Der Bürgermeister erklärte. daS wisse er selber noch nicht, denn die Bestätigung sei noch nicht hier.— Der Lehrermangel ist hier chronisch. Köpenick. In einer öffentlichen Bersammlung der städtischen Arbeiter Köpenicks referierte Stadtverordneter Genosse Wutzly- Rixdorf über die Aufgaben der Kommune als Arbcitgeberin. Dem Referat, welches mit Beifall aufgenommen wurde, folgte ein weiteres des Genossen Galle über die diesjährigen Forderungen der städtischen Arbeiter. In mehreren Besprechungen der Arbeiter der einzelnen Werke sind diese bereit? beraten worden. Die Forderungen beziehen sich auf Lohnerhöhung und Einführung verkürzter Arbeitszeit. In Betracht kommen Gasanstalt, Elektrizitätswerk, Kanalisation und Stratzenreinigung sowie Stratzenbahn. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Vor Eintritt in die Verhandlungen teilte Bürgermeister Dr. LangerhanS mit. datz die Ersatzwahlen von zwei KrcistagSabgeordneten bis zum 15. November stattfinden müssen. ES scheiden auS Stadtv. Cunitz(Lib.) und unser Genosse Herbst, welcher bis jetzt der einzige Sozialdemokrat im Teltower Kreistag war. Die Versammlung entschied sich dahin, die Wahl am 12. November abends 8'/, Uhr erfolgen zu lassen. Bezug- lich der Angelegenheit Henlschel lag von der eingesetzten UntersuchungSkomnnssion eine Erklärung vor, dahingehend, datz die Mehreinsetzung der zu Unrecht eingesetzten Zähler rein willkürlich sei, Stadtrat Henlschel ein Verschulden nicht treffe, im übrigen sei aber die MandatSniederlegung anzuerkemien. Die Versammlung trat dieser Erklärung ohne Debatte bei. Eine weitere Magistratsvorlage, für die Erteilung des Religio»?- U«terrf(5t5 an der Mädchen-Mittelschule das Honorar für den Lehre von 1,50 M. pro Stunde auf 2 M. zu erhöhen, wurde x;egcn die Slimnien unserer Genossen angenommen, nachdem Genosse Herbst vergeblich um Ablehnung desselben ersucht hatte. Die Einsübrung eines Nachhilfeunterrichts für Schifferkinder sieht ein weiterer Antrag des Magistrats vor. ES sollen versuchsweise je 2 Nachhilfestunden wöchentlich an vier Nachmittagen erteilt werden unter der Voraus- setzung, daß die Negieruug Dreiviertel der Rcslkosten übernimmt. Für jedes Kind sollen 3 M. Schulgeld erhoben werden. Der Antrag ivurde nach kurzer Debatte mit einem vom Stadt- verordneten Dr. Schulze sF. V.) gestellten weiteren Antrage, wonach, wenn die Regierung Dreiviertel der Kosten nicht trägt, der Unterricht nicht eingeführt wird, angenommen. Für 1908 hat die Stadt«ZIVI M. AlterSzulagen für Volksschullehrer znviel er- halten. Der Magistrat beantragte, diese Summe an die Alters- zulagenkasse zur Rückzahlung anzuweisen. Dem wurde allseitig zugesliiilmt. Fnr Beschaffung einer GaSspritze hat die Aachener und Müiicheiier Feuerversicherungsgesellschaft 1000 M. als Beihilfe zugesichert. Der Preis der Spritze beträgt insgesamt 3105 M. Bei der Besetzung von zwei Bezirksvorsteherposten für den 4. und 7. Bezirk schlägt Genosse Woik für den 4. Bezirk den Genoffen Nieke vor. Gewählt wurden Lavatscheck für den 4. und Noack für den 7. Bezirk. Z�riedrichsfelde. In einer gut besuchten öffentlichen Versammlung referierte Genosse Fcndel-Weiszcnsee über daS Thema:.Der preußische Landtag". Reicher Beifall lohnte den Redner für seine trefflichen Aus- führungcn. Das Resultat der Berliner Wahlen rief eine begeisterte Stimmung hervor. Mit einer Aufforderung des Vorsitzenden Genossen Schwenk an alle der Sozialdemokratie und der politischen Organisation noch Fernstehenden, nun das Versäumte nachzuholen, wurde die imposante Versammlung geschlossen. Weiffcnfee. Die trostlosen Zustände in der Grcisswalderstraße werden für unseren Ort immer mehr zur Kalamirät. Seit Jahresfrist ist die Nordscue reguliert bis zur Straße an der Pumpstation. Die Süd- seile liegt l'/z Meter tiefer in ihrem Urzustände. Tritt ein an- dauernder Regen ein, so ist der ganze Verkehr gehemmt; der Straßenbahnverkehr muß dann durch die Prenzlauer Allee umgelegt werden. Auch der Fußgängerverkehr wird zur Unmöglichkeit oder ist mit Gefahr au Gesundheit und Leben verbunden. Von Jahr zu Jahr gehen die Vertröstungen auf baldige Regulierung. So soll eine vor kurzen, stattgehabte Konferenz städtischer Behörden wiederum ein negatives Resultat gezeitigt haben. Würde die GreifSwalderstraße im Westen liegen, wäre eS vielleicht anders l Hoheu-Nenendorf. Vom Feuer zerstört wurde am Sonntag die Villa W e y l e r in der Florastraße. Die Villa wird von der Familie deS jetzigen Besitzers ElverS allein bewohnt. Die Leute verreisten am Sonnabend; alle Jalousien der Fenster waren vorher sorgfältig herabgelassen worden. Sonntag früh'/e9 Uhr drang nun dichter Rauch durch die Jalousien, worauf der Bahnhofsvorsteher hiervon dem Amtsvorstehcr telephonisch Mitteilung gab. Dieser alarmierte sofort neben der Ortswehr auch die Wehren von Birkenwerder und Hermsdorf. Merk- würdigerwrise erschien die OrtSwehr erst, nachdem Birkenwerder die Löscharbeit schon aufgenommen hatte. Da das Gebäude vollständig frei stand, so konnte es bald von allen Seiten unter Wasser ge- uommen werden. Indes war das Feuer schon soweit vorgeschritten, daß die Villa bis auf die Umfassungsmauern ausbrannte. Da Wind- stille herrschte, waren Nachbargebäude nicht gefährdet. Um 12 Uhr konnten die Wehren unter Zurücklassung einer Brandwache wieder abrücken. Der Schaden wird auf 20000 M. beziffert. Anscheinend liegt Brandstiftung vor. Nieder-Schönhausen. In der letzten Gemeindevertretersttzung teilte der Bürgermeister zunächst mit, daß z die gegenwärtige Einwohnerzahl 14 287 beträgt. Hierauf gelangte ein Antrag der Beamtenvereinigung und der beiden Hausbesitzervereine auf Errichtung einer höheren Knabenschule zum 1. April 1910 zur Beratung. Bürgermeister Abraham verwies darauf, daß im vorigen Jahre bereits ein Antrag eingegangen sei, schon in diesem Jahre eine Sexta zu errichten, doch wurde derselbe zurückgezogen. In Anbetracht der finanzielle» Lage der Gemeinde, habe er sich bisher gegen die Errichtung einer Sexta ausgesprochen, er sei jetzt jedoch zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Ausbau der höheren Knabenvorschule eine dringende Notwendigkeit ist. Be züglich des Kostenpunktes habe die Gemeinde, wenn die höhere Knabenschule voll ausgebaut ist, einen Zuschuß von jähr> I i ch 80 000 Mark zu leisten. Zunächst werde man im Aw fang mit einem Zuschuß von S800 M. einschließlich Klassenmiete auskommen, davon sind an Schulgeld ungefähr 2000 M. abzuziehen, da durch Umfrage bereits 20 Schüler vorhanden sind, so daß 3800 M. auszubringen wären. Da zum 1. April 1911 die Sexta sowieso errichtet werden müsse, bat er prinzipiell den Beschluß zu fassen, den Ausbau der höheren Knabenschule als Reformgymnafium zum 1. April 1910 vorzunehmen, denn das Provinzialschulkollegium müffe erst seine Genehmigung hierzu geben In der zweieinhalbstündigen Debatte sprachen sich die meisten Redner für die höhere Schule aus. Es wurde darauf hingewiesen, daß gerade aus den Kreisen der Antragsteller die besten Steuer zahler kämen, denen man etwas Entgegenkommen zeigen müsse. Die übrigen Steuerzahler scheinen ja für die Herren Gemeinde- Vertreter nicht zu existieren. Beschlossen wurde, zum 1. April 1910 ein Reform-Realgymnasium zu errichten, jedoch nur, wenn 20 Schüler für die Sexta angemeldet werden. Das Schulgeld soll für die hiesigen Schüler 120 M., für auswärtige 140 M. betragen. Somit ist an eine Herabsetzung des Steuerzuschlages im nächsten Jahre nicht zu denken. Es dürfte im Gegenteil eine Erhöhung stattfinden, wenn die Vertreter nicht die Grundwertsteuer erhöhen oder aber die Wert zuwachssteuee einführen. Letzteres ist jedoch von den jetzigen Ge meiudevertretern nicht zu erwarten. Hierauf folgte eine nichtöffent liche Sitzung. Spandau. Auf zur Stadtverordnetenwahl! Am heutigen Dienstag, den 2. November, vormittags von <0— 1 Uhr und nachmittags von 5— 8 Uhr, finden die Stadtverordnetenwahlen in der dritten Abteilung statt. Der bürgerliche Wahlausschuß, bestehend aus dem Werkmeister� Verein, Verband der Obermeister und Meister, Techniker-Verein, Verein der Handwerker der königlichen Institute, Grundbesitzer Verein, Neuer Wahlverein, RcichSverband. Verein königStrcuer Männer, Verein der Werkzeugmacher, Christlich-Sozialer Verein �Ortsgruppe Spandau), Verein der Aufseher der königlichen Institute und dem Verein der Waffenmeister, hat in den letzten Tagen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um mit seinen Kandidaten den Sieg über die Kandidaten der Sozialdemokratie davonzutragen. Arbeiter, Parteigenossen Spandaus! Die Euch von jener Seite vorgeschlagenen Kandidaten nehmen Eure Interessen nicht wahr. Wer heute will, daß Männer gewählt werden sollen, die die Interessen der Allgemeinheit, die Interessen der Annen ver- treten, der kann nur den sozialdemokratischen Kandi- baten seine Stimme geben. Als solche find aufgestellt: Für den 1. Bezirk Genosse Paul Schmidt, für den ö. Bezirk Genosse Köpnick, für den 6. Be zirk Genosse Beiler, für den 8. Bezirk Genosse Götze.— Der 1. Bezirk wählt bei Tietze, Potsdamer Straße, der 5. Bezirk bei Conrad, Schöuwalder Straße, der 6. Bezirk bei Supke am Luther platz und der 8. Bezirk im Wilhelmsgarten. Jeder muß seine Stimme in dem Bezirk abgeben, wo er am IG. Oktober 1908 gewohnt hat. Die Parteigenossen haben sich zur Wahlarbeit in den ihnen zugeteilten Bezirken zur Verfügung zu stellen. Parteigenossen, Hecht eiaenartige Berhältnisse bestehen bei der hiesigen Wach- und Schließgesellschaft. Die Wächter, die ein ziemlich großes Revier haben, werden eingestellt mit dem fürstlichen Gehalt von monatlich 70 M.; davon werden noch für die Benutzung der Uni- form� monatlich 2 M. abgezogen. Bei zehnstündigem Dienst, der geleistet werden muß, beträgt der Verdienst also etwa Lllib Pf. pro Stunde. Außerdem müssen die Leute eine Kaution von 30 M. stellen. Diese Kaution wird bei regulärer Aufkündigung des Dienstes vier Wochen nach Austritt erst zurückgezahlt. Wird der Wächter aber wegen Dienstverletzung entlassen, so verfällt die Kaution der Gesellschaft, die sie angeblich für die Unterstützungs- lasse verwendet. Außerdem können auck noch wegen Dicnswcr- letzung Geldstrafen festgesetzt werden. Das Gewcrbcgericht hat sich in letzterer Zeit auch mit einigen Fällen zu beschäftige» gehabt, wo es sich um Zurückbehaltung der Kautionen handelte. Es stellte sich auch auf den Standpunkt, daß es etwas viel ist, die ganze Kaution zurückzubehalten. In fast allen Fällen fand eine Einigung statt, dahin, daß die Hälfte der Kaution ausgezahlt wurde. Trotz- dem ist es immer noch nicht zu verstehen, weshalb die Hälfte der Kaution einbehalten wird, da der Gesellschaft doch absolut kein Schaden erwächst, wenn sie selbst Wächter wegen angeblicher Dienst- Verletzungen entläßt. Auch das Schöffengericht hatte sich in seiner Sitzung am Freitag mit einem Fall von dieser Wach- und Schließ- gesellschaft zu beschäftigen. Angeklagt war der frühere Wächter Neumann wegen Hausfriedensbruch und Beleidigung. Der Wächler wurde in der Nacht zum 21. Juli auf der Straße, während seines Dienstes, plötzlich entlassen, angeblich, weil er sein Revier ver- lassen, wie er aber behauptet, weil er die anderen Wächter aufge- wiegelt haben soll. Als er erklärte, nicht eher gehen zu wollen, bis er seinen Restlohn und seine Kaution erhalte, wurde er zum nächsten Tage nachmittags zwischen 4 und S Uhr nach dem Bureau bestellt. Er packte zur angegebenen Zeit seine Uniform zusammen, schlug sie in ein Tuch ein und ging nach dem Bureau. Hier wurde ihm bedeutet, daß er warten müsse, da der Herr Direktor nicht an- wesend sei. Als er einige Zeit gewartet, fühlte er ein Bedürfnis zum Austreten. Er ging nach dem Hof, ließ aber sein Paket mit der Uniform im Bureau liegen. Als er wiederkam, war die Uni- form ausgepackt und wcggehängt. Neumann, der glaubte, daß er die 30 M. Kantion für die Uniform hinterlegt hatte, verlangte nun in etwas heftigen Worten die Rückgabe der Uniform oder seine Kaution. Plötzlich trat der Herr Direktor Mertens, der wohl die laute Stimme gehört hatte, in das Bureau und forderte Neumann zum Verlassen des Raumes auf. Dieser forderte aber seine Kaution, und da er nicht ging, wurde er auf Veranlassung des Direktors durch den Inspektor Schünemann und einen Kontrolleur gewaltsam entfernt. Bei dieser Balgerei ließ sich Neumann hin- reißen, einige beleidigende Worte auszustoßen. Der Direktor hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als Strafantrag zu stellen. Das Schöffengericht verurteilte N. zu einer Geldstrafe von 75 M. Wegen der Kaution und des Restlohncs hatte Neumann erst vor dem Ge- werbeyericht klagen müssen. Wer daher bei der Wach- und Schließ- gesellschaft als Wächter eintreten will, der lese sich vorher genau den Vertrag durch, sonst entstehen ihm sicher Widerwärtigkeiten. Potsdam. Stadtverordnetenversammkilnz. Nach der Stadtratswahl und der Erledigung einiger unwesentlicher Gegenstände wurde das S ch ä ch t- verbot für den städtiscllcn Schlachthos aufgehoben. Dieses feiner- zeit auf Antrag des Tierschutzvereins von den damaligen im Stadt- Parlament zahlreich vertretenen Antisemiten beschlossene Verbot fand nur einen Verleidiger, den Stadtverordneten Baumeister Enders, der darin eine Grausamkeit erblickt. Die übrigen Stadtverordneten hielten es, falls wirklich Grausamkeiten vorliegen, für die Sache des Staates, einzugreifen.— In geheimer Sitzung beschäftigte man sich mit dem Rücktritt des erst 3'/, Jahre hier tätigen Ober- bürgermeisterS VoSberg, dem Bruder des Direktors der Zentralstelle für die Borbereitung der Handelsverträge. Ihm ist die Stelle als geschäftssührender Direktor des Hansabundes mit einem Jahreseinkommen von S0000 Mark auf sehs Jahre an- geboten. Die Stadtverordneten wollen versuchen, den Oberbürger- meister zu halten, und haben ihm deshalb S000 M. Zulage gewährt. Die Potsdamer Oberbürgermcisterstelle würde dann mit 21 000 M. dotiert sein, das wäre fast noch einmal so viel Gehalt wie daS des Amtsvorgängers. Dte Stadtverordnetenwahlen finden für die dritte Abteilung am Montag, den 22., und Dienstäg, den 23. November, von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends statt. wieder ausgehändigt wurde.— Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf das lichtscheue und verbrecherische Treiben der Angeklagten gegen Pograwa auf neun Monate und gegen Frau Heckt auf sechs Wochen Gefängnis. VmmfcKtes. Gerichts-Zeitung. Wahrnehmung berechtigter Interessen durch die Presse. Wegen Beleidigung von Beamten durch zwei Artikel seines Blattes ist am 5. Mai vom Landgericht Essen a. 11. der Redakteur des„Allgemeinen Beobachters", Otto Ballen, zu 50 M. Geldstrafe verurteilt worden. In den Artikeln waren gewisse Mißstand beim Verkauf der Säuglingsmilch in den unter städtischer Aufsicht stehenden Milchhäuschen gerügt worden. Der Angeklagte berief sich auf den Schutz des Z 193, aber das Gericht lehnte es ab, ihm diesen Schuh zuzubilligen, indem es ausführte: Um die Abstellung des Mißstandes zu veranlassen, war die Veröffentlichung in der Zeitung nicht erforderlich. Eine Anzeige bei der zuständigen Be Hörde würde sicher Erfolg gehabt haben; der Angeklagte konnte auch nicht annehmen, daß sie erfolglos sein werde.— Die Revision des Angeklagten rügte Verkenuung des Z 193; es sei sein Recht, dasjenige Mittel zu wählen, welches ihm als das geeignetste er- schien.—'Der Reichsanwalt erklärte die Revision für begründet. Er bemerkte: Die Strafkammer mutzte prüfen, ob der Angeklagte berechtigte Interessen wahrnehmen konnte. Diese Frage scheint im Urteile bejaht worden zu sein. Es war weiter mit Recht die Frage zu bejahen, ob der Angeklagte als Bürger und Familienvater ein Interesse daran hatte, daß die Milchkontrolle sorgfältiger geübt wurde. Ob der Angeklagte dieses Interesse wahrnehmen wollte, läßt daS Urteil zweifelhaft. Wenn aber anzunehmen war. daß er eö wollte, so mußte auch geprüft werden, ob etwa auS Form oder Umständen die Absicht der Beleidigung hervorgeht.— Das Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Mit dem recht gefährlichen Treiben in einer Polenherberge hatte sich gestern die 6. Strafkammer des Landgerichts I zu be. schäftigen. Wegen Diebstahls bezw. Begünstigung waren der Schmelzer Andreas Pograwa und die Herbergswirtin Maria Hecht angeklagt.— Die Angeklagte Hecht betreibt in der Kraut- straße eine Herberge, welche hauptsächlich von den auf dem Schlc- fischen Bahnhof ankommenden Polen frequentiert wird. Schon wiederholt erschienen auf dem dortigen zuständigen Polizeirevier Polen und brachten unter großem Lamento zur Anzeige, daß sie in der Hechtschen Herberge eingeschlafen und dann völlig ausge- plündert worden wären. Der Kriminalschutzmann Nippe machte verschiedene Beobachtungen, welche den Verdacht bestätigten, daß die Herbergswirtin mit dem Leichenfledderer unter einer Decke stecke. Eines Tages beobachtete der Beamte, wie sich der jetzige Angeklagte an den soeben aus seiner Heimat auf dem Schlesischen Bahnhof ankommenden Arbeiter Leschik herandrängte uicd als „liebenswürdiger Landsmann" auftrat. Leschik ließ sich auch ahnungslos nach der Herberge der H. schleppen, wo man ihn in sehr freigebiger Weise mit Bier und Schnaps traktierte. Als L. eingeschlafen war, räumte ihm Pograwa die Taschen aus. Beide Angeklagte schleppten dann den Schwcrbetrunkenen auf die Straße hinaus, wo sie ihn in einer Hausflurcckc niederlegten. Als L. erwachte, glaubte er, daß er erst auf der Straße beraubt worden Die brennende Flugmaschine. Aus Hamburg wird uns vom gestrigen Tage gemeldet: Bei den Flugveranstaltuiigen in Groß-Borstel lieg heute nachmittag der Mechaniker Pequet mit dem Zweidecker de? Chilenen Sanchez Besa auf. Pequet hatte die Flugbahn in ziemlich be- deutender Höbe mehrmals umkreist, als plötzlich aus der Flugmaschine flammen ausschlugen und der Benzinbehälter explodierte. Es gelang dem Mechaniker, den Zweidecker im Gleitfluge zur Erde niedergehen zu lassen. Aus fünf Metern Höhe sprang Pequet ab und blieb be- sinnungslos liegen, erholte sich aber bald; er wurde mit anscheinend leichten Verletzungen an der Brust in ein Krankenhaus gebracht. Von der Flugmaschine sind die Leinwandflächen verbrannt. Vom Zug überfahren. Amtlich wird aus Wongrowitz gemeldet. Am 29. Oktober, abends 9 Uhr, verunglückte bei hellem Mondschein auf dem unbewachten Chausseeübcrgang zwischen den Stationen Murowana-Goslin und Bolechowr, der Nebenbahn Posen-Wongro- witz bei Vorüberfahrt des Zuges b48 ein Motorzweirad mit Bei- wagen. Das Fahrzeug wurde teilweise zertrümmert und die beiden Insassen in den Bahngrabcn geschleudert. Sie wurden schwer verletzt und sind mit dem genannten Zuge nach Posen be- fördert worden. Der eine, Alfred Szybalski aus Waidmannslust bei Berlin, starb während der Fahrt., der andere, Kaufmann Paul Mutz aus Posen. Caprivistr. 14, befindet sich im Krankenhaus zu Posen. Nach dem Ergebnis der Untersuchung scheint eigenes Ver- schulden des Führers des Motorrades vorzuliegen. Zusammenstoß zwischen Automobil und Straßenbahn. Sonntag vormittag ereignete sich, wie aus Darmstadt berichtet wird, ein Nutomobilunglück. Auf der Straße nach Griesheim stieß ein Auto- mobil mit einem Zuge der Dampfftraßenbahn zusammen, wurde vollständig zertrümmert, explodierte und verbrannte. Zwei der Insassen, Frau Wolfsturn aus Darmstadt und Ingenieur Müller aus Frankfurt a. M., wurden sofort getötet, Ingenieur Grünig und Chauffeur Schmidt schwer verletzt. Aus Kiel wird gemeldet: Ein vom Landtagsabgeordneten Grafen Reventlow-Altenkirchen gesteuertes Auwmobil stieß gestern abend, als es einem Hunde ausweichen wollte, gegen einen Baum. Dabei stürzte der Chauffeur Schander und zog sich einen Schädel. bruch zu, an dessen Folgen er starb. Graf Revenllow blieb un. verletzt. Eine Eiscnbahnkatastrophe in Frankreich. Ein Telegramm aus Prades(Dep. Pyrenecs-Orientales) meldet: Auf der elektrischen Bahn von Villefranche bis Bourg-Madame ist ein Zug entgleist, der Schnelligkeitsversuche anstellte. ES sind K Personen getötet und 12 schwer verletzt worden; alle gehören dem Zugpersonal an. Vom Schraubenflügel eine? Militärballons getötet. Aus Rom wird gemeldet: Als in der letzten Nacht um 1 Uhr der Militär- lcnkballon zur Rückkehr nach Bracciano aufsteigen sollte, wurde der Genie-Leutn-Ot Rovetti, der die in großer Zahl herandrängenden Schaulustigen abwehren wollte, von einem Schraubenflügel ge- troffen und so schwer verletzt, daß er auf dem Transport nach dem Krankenhause starb. DaS Luftschiff vermochte trotz einer leichten Beschädigung der Schraube aufzusteigen. Grubenexplosion. Wie aus Johnstown(Pensylvania) gemeldet wird, ereignete sich in der Grube der Cambria Steel Company eine heftige Explosion. Von den 15 unter Tag befindlichen Gruben- arbeitern sind 12 umgekommen. Aus der Flugwelt. London, 1. November. Gelegentlich der Flugwoche in Brooklands hat Paulhan einen Flug von 9« englischen Meilen in 2 Stunden 49 Minuten zurückgelegt. «ZttterunqSliberNche vom t. November 1909, morgens 8 Ubr.' CtatUnai Swwemde. lSS NNW damburg!7S8N verlin 787 N Arantt.a.M. 768 NO München>765 NO Wien>766 SO Vetter rfK »II t? HÜ «itattonen s 2 2 Regen 10 Haparanda 764 NW 2 heiter— 1 2 wolkig 5 Petersburg 769 S 2 bedeckt 5 2bcdeckt 9 Scilla>765N 4 wollig 4 bedeckt 9 rtberdee» 76? SW 2halbbd. 2 Nebel 7 Pari» 764 NNO 2 bedeckt 1 bedeckt 7 i I Wetterprognose für DienStag. den 2. November 1999. Ziemlich milde, teilweise aufklarend, vorwiegend trübe und nebelig, bei schwachen nördliche» Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wette rb urea» Vetter r »s t- WasserftaudS-Nachrtchtcn der LandeSanstalt für Gcwäiiertunde, mitgeteilt von» Berliner Vrtterbureau. -1+ bedeutet Wuchs.— Kall.—•) Unierpegel. sei. Erst auf der Polizei erfuhr er dann den wahren Sachverhalt, _ erfüllt jeder seine Pflicht, so ist der Sieg unser. I wo dem Hocherfreuten zugleich auch seine Barschaft und seine Uhr Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für den Inseratenteil verautw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. Lerlagsanitalt Paul Singer St Co« Todes- Anzeige. Am 1. November krüh 1 Uhr verstarb nach langen, schweren Leiden unser allverehrter Dirigent Richard Blobel im 43. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm einen treuen Frennd und Berater, der in seiner 12jährigon Tätigkeit als Bundos- dirigent seine ganze Kraft in selbstloser Weise dem Bunde gewidmet hat. Die Leichenfeier findet am Donnerstag, den 4. November, nachmittags, in Köpenick(Stadttheater) statt.— Die bestimmte Zeit wird im Mittwochs-Inserat bekannt gegeben. Die Beisetzung erfolgt am Freitag in Görlitz. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend. Berlin SW. |t. 256. 26. Jahrgang. 3. Keilaze Ks Jonäils" Snlim Zienstllg. 2. November 1909. Hus Induftric und Dandel Folgen der Talonstener. Mit Bezug auf die Meldung von der Errichtung einer Filiale der Deutschen Bank in Brüssel ichreibt man der„Franks. Ztg.": «In letzter Zeit ist aus den Kreisen des Publikums den Banken schon mehrfach der Wunsch zu erkennen gegeben worden, dag die deutschen Banken die Couponsbesorgung ausländischer Effekten zur Vermeidung der Talonsteuer im Auslande vornehmen und die neuen Couponbogen dann im Auslände für Rechnung der Kommittenten liegen lassen möchten. Daraus mag sich für einzelne Institute der Wunsch ergeben, eigene Niederlassungen im Auslände zu errichten, da sie auf diese Weise eine Abwanderung von Depots an ausländische Bankinstitute hintanhalten. Man glaubt deshalb mit der Wahrscheinlichkeit rechnen zu müssen, dag auch noch andere Institute dem Vorgehen der Deutschen Bank folgen und ebenfalls ausländische Niederlassungen, sei es in der Schweiz, in Belgien oder in anderen Ländern errichten werden." Mit der Tücke der neuen Steuergesetze wetteifert ihre Un- zulänglichkeit, neben der Bosheit ihrer Urheber offenbart sich auch deren steuertechnische Unfähigkeit. Geschäftsabschlüsse. Die Deutsche Gasglühlicht- A.-G. erzielte im letzten Geschäftsjabre einen Reingewinn von 4038199,89 M. einschlieglich Vortrag 21(1080,54 M. und abzüglich Vorslandstauliemen; im Vorjahre 3 194 020,34 M. einschließlich Vorslandstantiemen. Der Geschästs- bericht verrät nicht die Gründe solcher Angaben, die keine richtige Vergleichung erlauben. Die Dividende auf 0.0 Millionen Mark Aktienkapital beträgt 20 Proz., 35 Proz. im Vorjahre. Auf die Vorzugsaktien entfallen 25 Proz. Dividende. An den AussichtSrat kamen 100 000M. zur Verteilung.— Mannes mann-Röhren- werke A.-G. Die Generalversammlung setzte die Dividende auf 12>/z Proz. fest.— Die Aktionäre der Dortmunder Aktien- gesellschaft für Gasbeleuchtung erhalten 23'/, Proz. Dividende._ Neue Insolvenz. Infolge der Schwierigkeiten, die für viele Firinen aus der Jusolvenz der Firme» Brühl und Valentin er- wachsen, mußte n»m die Berliner Baufirma Volkmar, Brückner u. Co. ihre Zahlungen einstellen. Die Gläubiger sollen auf eine nur sehr bescheidene Quote rechnen dürfen. Kaliabsati. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres wurden an sogenannten Abraumsalzen(Hartsalz, Kamit, Kieserit usw.) exportiert 5 423 900(im Vprjahre 5 050855) Doppel- zentner. Dem Werte nach betrug der Export in dieser Zeit 11,12 Millionen Mark(10,35 Millionen Mark). Nach den Ver- einigten Staaten wurden versandt 2 259 880(2 077 401) Doppel- zentner, davon allein im September 455 217(im Vorjahre 617 721) Doppelzentner. Di« Gesamtausfuhr an Abraumsalzen im Scp- tember belief sich auf 892 482 Doppelzentner(im Vorjahre aber 1 173 500 Doppelzentner). An Chlorkalium wurden in den yrsten drei Quartalen exportiert 1 420 229(1072 202) Doppelzentner. Der Wert der Ausfuhr betrug 20,59 Millionen Mark(15,55 Millionen Mark). Nach den Vereinigten Staaten gingen in den ersten drei Quartalen 840 420(539144) Doppelzentner. An schwefelsaurer Kalimagnesia belief sich der Export auf 911 109(913 523) Doppel. zentner im Werte von 7,29 Millionen Mark(7,31 Millionen Mark). Steigende Vutterpreise. Im Vergleich mit den Jahren 1907 und 1903 stellte sich im Monat September an zwei der wichtigsten Marktorte der durch- schnittliche Großhandelspreis für Butter in Mark pro Doppelzentner wie folgt: September 1907 1903 1909 Differenz 09/03 Berlin, l. Sorte.... 241,00 244.10 257,09 13,10 .II....... 237.04 235,00 237,47 2,47 München, feinste Schweizer- 230.00 234.00 257.00 23,00 Gebirgs-... 200,00 241,00 240,00 5,00 Die Preissteigerung betrifft mithin besonders stark die besseren Sorten und beträgt im Vergleich zum Vorjahre in München 23,00 und in Berlin 13,10 M. für den Doppelzentner. Seit Ende Sep- tember hat sich die Steigerung weiter ziemlich stark fortgesetzt, wie die Preisausstellung der Notierungskommission in Berlin zeigt. Es notierten d ie Großhandelspreise für einen Doppelzentner in Mark: 2. Oktober 23. Oktober la,..... 262—200 270—274 IIa.... 250—200 200—268 lila.... 238—246 230—262 Deutschlands Versorgung mit Eisen. Die Roheisen gewinnung erreichte in den ersten neun Monaten einen Um- sang von 9 509 037 Tonnen gegen 8 924 005 Tonnen im vorigen Jahre, so daß das Plus 584 372 Tonnen beträgt. Die Einfuhr von Roheisen und Bruchcisen betrug in den ersten drei Quartalen 181 302 Tonnen oder 87 094 Tonnen weniger als 1908. Dazu kommt die Einfuhr von. Materialcisen und Stahl usw. mit einem Minus von 3802, die Maschineneinfuhr mit einem solchen von 8401 Tonnen gegenüber 1908, so daß sich für diese Sorten eine um 104 417 Tonnen geringere Einfuhr ergibt. Insgesamt stellte diese sich auf 457 997 Tonnen gegen 508188 Tonnen im Vorjahre. Einheimische Produktion und Einfuhr ergibt also in diesem Jahre eine Menge von 9,97 Millionen Tonnen. Davon geht nun die Ausfuhr menge in Höhe von 4 013 201 Tonnen ab, d. h. es wurden 443 319 Tonne» Roh- und Brucheisen, 2 430 193 Tonnen Materialeisen und Stahl usw. und 241 204 Tonnen Maschinen exportiert. Im Vorjahre war die Ausfuhr etwas kleiner: sie betrug 3 999 850 Tonnen. Die absolute Vcrsorgungsmcnge dieses Jahres geht über die vorjährige um 409 770 Tonnen hinaus; sie bleibt aber hinter der vom Jahre 1907 um 841 051 Tonnen, hinter der vom Jahre 1900 um 107 959 Tonnen zurück. Getreide- und Mchlmonopol in der Schweiz. Die Bundes- regierung plant, wie aus Bern berichtet wird, ein vollständiges Handelsmonopol für Getreide und Mehl, bei dem der schweizerischen Müllerei dasjenige Ouaulum Mehl zufallen soll, das sie zu liefern imstande ist. Der darüber hinausgehende Bedarf soll vom Auslände gedeckt werden. Die Getreidepreise sollen nach der jeweiligen Lage des Weltmnrkies bestimmt werden. Die neueste Statistik weist für die ersten 9 Monate dieses Jahres einen Rückgang der deutschen Mehlausfnhr nach der Schweiz von 00 000 Doppelzentnern gegen die gleiche Zeit des Vorjahres auf; sie betrug 973 000 Doppelzentner gegen 1 033 000 im Jahre 1908. Soziales. Vom Handlungsgehilfe» zum Gewervegehilfen. Gegen die Firma S. Goldbaum klagte ihr ehemaliger Konfektionär auf Zahlung einer Entschädigung von mehr als 1000 M. und 70 M. rückständiger Provision. Der Kläger war seit dem 1. Mai beim beklagten Geschäftsinhaber gegen ein Monatsgehalt von 350 M. tätig. Diese Stellung gab er selbst auf, weil er am 10. September vom Beklagten Lausejunge, Betrüger und gemeiner Mensch genannt und»nt Zähneeinschlageii bedroht worden war. Die Lösung des Arbeitsverhältnisses erfolgte nicht inimittelbar nach diesen Beleidi- giingen, sondern erst am nächsten Tage, als dem Kläger bekannt geworden war, daß andere Personen den Vorfall beigewohnt halten. Er klagte zunächst beim Kaufmannsgericht. Dieses erklärte sich aber für unzuständig und überwies die Sache dem Gewerbegericht, wo sie vor der Ersten Kammer zur Verhandlung kam. Die Beweis- aufnähme siel zu Ungunsten des Beklagten aus, so daß der Anspruch als gerechtfertigt erklärt werden mußte, voraus- gesetzt, daß Kläger mit dem Beklagten eine sechswöchentliche Kündigungsfrist vereinbart hatte. Dies bestritt der Beklagte. Das Gericht, unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Leo, vertrat die Ansicht, daß dem Kläger nur ein Gehaltsanspruch für 14 Tage zu- gesprochen werden könne. Das Kailfmannsgericht habe sich ans Gründen, die der Nachprüfimg des GewerbegerichtS nicht unterlägen, für unzuständig erklärt, darum sei Kläger als Geiverbegehilfe zu be- trachten. Es empfahl«inen Vergleich, wonach dem Kläger 1/5 M. Gehalt für 14 Tage und die 70 M. Provision gezahlt werden sollten. Der Kläger akzeptierte leider den Verglcichsvorschlag. Die Tätigkeit des Klägers war zweifellos nicht die eines Gewerbe- gehilfon, sondern die eines mit höheren technischen Dienstleistungen betrauten iltngestellten. Deshalb war sein Anspruch vollauf be- rechtigt._ Textilarbeiter in Sachsen. Die Krise haben die armen Textilarbeiter in Sachsen sehr stark zu spüren gehabt. Denn nach dem Bericht der Sächsischen Textil-Berufsgenossenschaft für das Jahr 1908 ist die Zahl der versicherten Arbeiter gegen das Jahr 1907 um mehr als 13 090 zurückgegangen. Versichert waren im Jahre 1907: 5015 Betriebe mit 250 889 Arbeitern, im Jahre 1908 dagegen: 0099 Betriebe mit 243 393 Ar- beitern. Die zur Umlage nachgewiesenen Arbeitslöhne sind gegen das Jahr 1907 um mehr als 4 Millionen Mark gefallen. Welche EntWickelung die Textilindustrie in Sachsen genommen hat, ergibt sich schon aus den Zahlen des sonst armseligen Berichts. Im Jahre 1880 waren III 441 Personen ver>ichert, im Jahre 1993 dagegen 243 393 Personen. Berechnet man nun die Lohnsummen pro Kopf der Ver- sicherten, was der Bericht natürlich unterläßt, so ergibt sich, daß im Jahre 1907 pro Kopf 721 M., im Jahre 1903 dagegen 744 M. Lohn gezahlt wurde. Man beachte diese Hungerlöhne im Verhält« niS zu der Steigerung der Preise der notwendigsten Lebensmittel. Tie Berufsgenoffenschaft, in welcher doch die reichen Herren sitzen, die solche Schundlöhne zahlen, hat gegen diese Ziffern nichts zu sagen. Ueberhaupt ist der ganze Bericht so erbärmlich zu- sammengestellt, wie man es von einer so großen Genossenschaft nicht erwarten sollte. Der technische Aufsichtsbeamte der Genossenschaft hat im Be- richtsjahre 1158 Betriebe an 102 Reisetagen besichtigt, und führt „als Mängel, die zu Beanstandungen Anlaß gaben"„Vorzugs- weise" nur an, also nicht alle Mängel, die er gefunden hat. So kommt es, daß er nur 527 Mängel einzeln anführen kann. Ta- gegen findet der Beamte, daß„manche Heizer sehr leichtsinnig an Tampfkesselanlagen verfahren", da in mehreren Fällen sog. lieber- lastungen der Sicherheitsventile usw. festgestellt wurden. Die Unternehmer werden deshalb ermahnt, ihre Heizer mehr zu kon- trollieren. Der Beamte schreibt:„Obgleich in den meisten Be- trieben modern eingerichtete Garderoben und Wascheinrichtungen vorhanden sind, ist es den Betriebsunternehmern vielfach nicht möglich, die Arbeiter, vorzugsweise die Arbeiterinnen, daran zu gewöhnen, diese Einrichtungen zu benutzen. Das Waschen und Haaremachen der weiblichen Personen zwischen den Maschinen während des Ganges derselben ist ein recht häufig anzutreffender Uebelstand, trotz aller Bekämpfung desselben durch Arbeitgeber und Aufseher." Sollten wirklich die Arbeiterinnen sich dieser großen Gefahr aussetzen, wenn überall„modern eingerichtete Garderoben" vor- handen sind? O'der liegt die Nichtbenutzung in der Lohnmcthode? Gemeldet wurden im Berichtsjahre 2470 Unfälle, gegen 2009 im Jahre 1907. Davon waren laut Bericht 1140 Maschincnunfälle, d. h. 40 Proz. der gesamten Unfälle. Entschädigungspflichtig wurden 080 Fälle, davon 38 mit tödlichem Ausgang. Als Ursachen dieser Unfälle wurden 214 Fälle auf„Handeln wider bestehende Vorschriften. 108 auf Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit, 201 auf die Gefährlichkeit des Betriebes und nur 11 Falle auf mangelhaste oder fehlende Schutzvorrichtungen gebucht. Das verstehen die Unter- nehmer. Gerichte-Zeitung« Vorgeschobener Besitzer. Der Zignrrenhändlcr Schinkel in Thale hatte den Namen seines erst zehnjährigen SohncS auf seinem Finnenschilde angcbrncht und auch das Gewerbe auf dem Namen dieses SobneS angemeldet. Er gab vor der Polizei zu, daß er dies getan habe, weil er und feine Frau den Offenbarungseid geleistet hätten. Hinzufügte er noch: „Dann können die Gläubiger mir nichts wegen,»einer alten Schulden anhaben." Die Polizei verlangte durch Verfügung, er solle das Sänld binnen zehn Tagen entfernen. Sch. klagte nach vergebliwen Beschwerden beim Oberverwaltungsgericht, indem er geltend mochte, daß die Polizei kein Recht habe, hier oinzugreifen.— Das Ober- verwaltnngSgericht wies jedoch seine Klage init folgender Begründung ab: Gewerbetreibende, die einen offenen Laden hätten, seien nach Z 15a der Gewerbeordnung verpflichtet, ihren Familiennamen niit »nndestens einem ausgeschriebenen Vornamen an der Außenseite oder dem Eingänge des Ladens anzubringen. Damit wolle die Be- stimmung zugleich sagen, daß unrichtige Nomen nicht angebracht werden dürsten. Kläger habe nun selber zugestanden, daß der Sohn nur eine vorgeschobene Person sei. Somit sei alio ein unrichtiger Name angebracht worden. Gegen diesen polizeiwidrigen Zustand hätte die Polizei einschreiten dürfen. Kein gelber Hort. Zu unserer Bemerkung, die Fabrikkrankenkasse der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft sei ein Hort der Gelben, in dem Artikel «Der tzandelsminister verurteilt", wird uns mitgeteilt, das Urteil sei im allgemeinen nicht zutreffend. Nur in einzelnen Betrieben seien die Gelben eingedrungen._ Herr Richard Hartmann, Buch- und Steindruckereibesitzer, Bad- straße 8b. ersucht uns mitzuteilen, daß er mit dem im Prozeßbericht in Nr. 252 des«Vorwärts" unter der Stichmarke:„Verdächtigungen gegen einen Leiter des BäckerperbandeS" genannten Buchdrnckerei- besitzer Hartmann nicht ideuu>ch ist. Hue der frauenhewegung« Leseabende. Lankwitz. Mittwoch, den 3. November. L'/g Uhr bei Ebel, Mühlen» straße 9. Genossin Ehm-Treptow spricht über:.Die Frauen und die neuen Steuern." W.WERTH EI M C.m. b.». FMchMe Hß-llZ Besonders preiswerte Lebende Karpfen. pfd. 80 Pf Lebende Hechte,.pid. 1.00 Lebende Forellen Pfd 2.75 auj MrltMiiiBe 110-112 LEBENSMITTEL Wir bringen nur von PfilNft MäStVlcil stammendes Fleisch in allerbester Qualität zum Verkauf. Tafel-Äpfel I 5 o 1 05 1 j Oeffentliche KornnrnnabähierVersammiungen Heute Dienstag� den 2. November, S'k Uhr abends: 2. Soramunalwahlbezirk: Markgrafen-Kasino, Markgrafenstr. 83. Referent: Stadtv. vr. Z&deK» S. Kommunalwahlbezirk: Königshof, Bülowstr. 37. Referent: Stadtv. Lmanuel �Vurm. Ansprache des Kandidaten fliax Qrunwald. 8. Kommunal Wahlbezirk: Habels Brauerei, Berqmannstr. 5/7. Referent: Stadtverordneter pkannkuck. Ansprache des Kandidaten Stadtverordneten Paul vupont. 1B./1I. Kommunalwahlbezirk: Lokal Südost, Waldemarstr. 75. Referent: Stadtverordneter dokannes Lassenbaeli» 17./18. Kommunalwahlbezirk: Armin-Hallen, Kommandantenstr. 58/59. Referent: Landtagsabg. Stadtv. Pr. Karl I�iebkneckt. Ansprache der Kandidaten �Villi. Loeruer u. pmil Keriin, 28. Kommunalwahlbezirk: Prachtsäle des Oftens, Frankfurter Allee 151/152. Referent: Stadlverordneter Karl I�eid. 28. Kommunal Wahlbezirk: Altes Schuhenhaus, Linienstr. 5. Referent: Reichtstagsabg. Stadtverordneter prltT Zuheile Ansprache des Kandidaten I�eoutiard �uclzt, 87. Kommunalwahlbezirk: Miltes Feststtle, Brunnenstr. 188. Referent: Landtagsabg. Stadtv. Nerman» vorzmana. 83. Kommunal Wahlbezirk: Oranienburger Festsäle, Chausseestr. 16. Referent: Stadtverordneter.Adolf Ritter. 42. Kommunalwahlbezirk: Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 25/26. Referent: Reichstagsabg. Stadtverordneter Paul LiuKer. 48. Kommunalwahlbezirk: Kronett-Branerei, Att-Moabit 47/49. Referent: Stadtverordneter Dr. Alfred Bernstein. 47. Kommunalwahlbezirk: Marienbad, Badstr. 35/36. Referent: der Kandidat Deinriek Metzelce, TagesMiliig: 1. Bor der Entscheidung. 2. Freie Diskussion. Alle Wähler sind zum Erscheinen eingeladen. Die Genossinnen und Genossen bitten wir, für zahlreichen Besuch zu agitieren. Die Wahlkomitees. r n Kahlstelle Kerlin. Klavierarbeiter. Der Stadtvcrordnelenwnhicn wegen findet die 91,7 VsrtrNUEnZmAnner- Versammlung am Toinierdtag, den 4. Nodembcr ISttil. abends 8 Uhr. Im Keivcrlichallshausc, Eingang K Part., im Ardeitslosensaale statt. TageS-Ordiinng: t. Rerkstattdifferenzen und Lodnbcwcgungcn in unserem Berufe. 2. Die Krankenlassenwahl.. 3. Unser AeihimchtSvergnügen. 4. Verbands- und Branchcnnugelcgcuhcite». Jeder Betrieb mug vertreten sein.— Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiche» Besuch erwaitct Die Krnneleenleltuns. Filiale Berlin. Steinnrbeiter! Donnerstag, den 4. November, abends 8 Uhr: Kombinierte Mitglieder-Nersammlimg in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59. TageS-Ordnung: I. Vortrag des lHenosten Max Tchiitte:„Kulturaufgaben— und ihre Erfiillung". 2. cAcioerlschasiliches. lim pünllliches Erscheinen aller Kollegen ersucht 117,12 Die OrtsTerwaltnng. ttrlnlv Zlrbeitsnnchivcis: Verwaltungsstelle Berlin. Hanptbnreau: Hos l. Amt 3, 1233. Charilesirase 3. Hos III. Amt 3. 1987. Mittwoch, de» 3. November 1909, abends 8',, Uhr: WM" Werisanimluug: IBg aller in Kmmngsbetriebe« beschäftigten Gnrtlergesellen im GcwerkschaftShanse, Engelufer IS, Saal 9. T a g e s. O r d n u n g: I. Bericht des Gesellenausschusses. 2. Vorbesprechung zur Neuwahl und Ausstellung der Kandidaten. NM- mitglleetadnel» legitimiert! Mmig! Nkrtruiikiisleute des Metüllarbeiterverbaiides! Wegen der morgen Mittwoch, den 3. November, stattfindenden Stadtvcrordnetciiwahlc» werden unsere Bezirksvertrauensmänner- Konferenzen am Donnerstag, den 4. November, staitfiiiden. Die Lokale und die Zeit des Beginns bleiben in allen Be> »lrken unver,iut»-rt. 124,13.. Die tmsvervaltnng. fATSTRlTdertlSiri�l Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. « Ualüäl: Nordhäuser Kautabak» stets frisch zu billigsten Engros-Preisen. 1730L�� Mittwoch, den S. November 100V, abends« Uhr, im„Gewerkschaftshaus", Engelufer 15(großer Saal): AHeroräentlieke General'Versammlung. Tagesordnung: 1. Endgültige Beschlnftfassnng über die Tarisabänderungen. 2. Aufstollung der Kandidaten zur Delegation in der OctSlrankenkasse. 3. Verschiedenes. Wir erwarten, daß die Kollegen ebenso zahlreich erscheine» wie in der letzten Generalversammlung, damit sich jeder Kollege an der Abstimmmig beteiligt._[193)5*]_ Der Vorutand. Zweigverein Berlin. Donnerstag, den 4. November, abends 8 Uhr, in vrüsels FestsiUen, Neue Friedrichstraße 35: Generai- Versammlung aller Sektionen und Zahlstellen. TageS- Ordnung: 1. Vortrag über:„Die politische Titnation in Deutschland*. 2. Abrechnung vom brüten Quartal. 3. GetverlschastlichcS. NM- Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt.~CMi 139,18* Der ZwclsvcrcInsvorBtand. NB. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die Bibliothek wieder eröffnet ist und jedem Mitglicde unentgeltlich zur Bcrfüguiig stcht.___ D. O. nn Ort.vcrwaltung) Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunnenstr. 188, Restaurant Wille. Amt HI. 4835. ~ Achtung!~ 50,1* Wir empfehlen bei Vcrmistallung von Vergnügen usw. den geehrten Borständeu, Komitees und Saalinhaberu unseren kostenlosen Arbeitsnachweis, Brnttnenstraße 188. Geschäftszeit täglich von UP?,�I Uhr mittags. Kapellen vom gröstten bis kleinsten Orchester stehen jederzeit zur Versügung. Der Borstand. NB. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist für das 4. Quarta! blau und muß mtt d»m Verbaiidsftcn'�el versehen sei». Alle andere Legitinmtion ist ungültig und ist sofort anzuhatten. Aus vielseitigen Anfragt» und Wunsch der Geivcrsschasten sowie Parteigenossen erkläre» wir hiermit, daß die Musik�ireltoren Maximilian Fischer sowie Franz Hollfcldcr nlelit in unserem Verbände organisiert sind. Iii*. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Priuzeiislr. 41,„rÄ 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Große Firma vergibt durch Privaihand Deehen jcbcvAit, Gardinen, Teppiche, Stores, Portieren, Bilder und Uhren. Ohne Anzahlung bei lleincn Monatsraten.* Keine Kassierer. Offert. U. W. 100 an»VorwärtS'spedition, Augnststr. 50. llliuiltil- und Krniistuiidrrti von kolierl Aefei'.' nur Mliiianiitil-Sjrliße 2. Die Rilentl. Keneral-Veizaininlinig der Orts- Krankenkasse für den Gernerbebetrirb der Kanf- lente, handelslente nnd Apoihelier zn Kerlin findet statt am Freitag, den IS. November I9VS abends 8',, Uhr in Meyers(fr. Frankes» Festsäle»« Scbastianstr. 39. TageS-Ordnung: I. Vortrag des Geschäftsführers Herr» Albel» kohn über„Stellungnahme zu den neueren Bestrebungen der Haus- und Grundbesitzervcreine*. Wahl der Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung für 1909. Verschiedene Mitteilungen. WabI von 279)8 a) 4 Borstandsmitgliedern aus den Reihen der Arbeitnehmer bis End- 1912; d) 2 Vorstandsmitgliedern aus den Reihen der Arbeitgeber bis Ende 1912. Der Borstand. R. Nürnberg, Vorsitzender. Jonas Stahl, Schrislsührer. General-Versammlang der Orts-Krankenkasse der Photographen zu Berlin. Delegierten- Versammlung am Oienslag, den 9. November 1909, abends 81,] Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58,59. Tagesordnung: 1. Verlesen des Protokolls der letzten Generalversammlung. 2. Wahl zum Vorstand(2 Arbeitgeber, 4 Ar- beitnehmer.) 3. Wahl oon 3 Ncvi« sorcn der Jahresrechnung. 4. Er- höhung der Beiträge. 5. Anträge deS Vorstandes. 0. Verschiedenes. Nur Delegierte haben Zutritt. Belli», den 30. Oktober 1909. Der Vorntnnd. 279/10 E. Siele. Vorsitzender. F. Siemmlcr, Schrislsührer. B iiiigsten Lesestoff Wr Letefreunde Mctai w. Zelt' schritten, weicheich äußerst billig abgebe, um schnell zu rSumen. sahr- gang 1908 u. frühere Jahrg. Daheim, Gartenlaube, Welt u. Haus, Land u. Meer, Fliegende Bl., Neues Blatt 2k 1,95 M.; Mcggendorfcr, Lust. BI. ä 2,50 M.; Jugend, Simpliciss., Buch f. Alle ä 3 M-; Lpz. III. Ztg., Universum k 3,50 M. Alle Jahrg. sind gut erhalten u. vollst. Olf. gilt nur kurze Zeit. Conrad Lerch,Vcrs.-Buchhdl®, Schweidnitz i.Schl. ß. 1. Bitte aufbewalirenr Jede Sendung frisch hergestellt. — Unbegrenzte Zelt haltbar.— Gesetzlich geschätzt. Apotheker A. W. Kumbier's Aorztlich empfohlen. Garantiert nnschädllch, auch für Schwerhranhe, W 8efllwerStah!brmmctiM —mit dauernd gelöstem, leicht verdaulichem Eisengehalt— se!t24Jahren erfolgreich bei allenLeiden, welche aus mangelhasterBlutbildnng.schlechtcrVerdaunng oderStoff- Wechselstörung beruhen, besonders auch bei Uervenlclden. Magen-, Keber-. Äallensttin-.!lie ett-> Aas m- tt. SlaseiUeide',. Oatartl,?», Uhenmattsmns. Gicht. Jochias. Kungenkatarrls, Atemveschmerdr». flechten, rscrNridcn. �cidcn de, plcch eljabre. Kpilevste. �chtngaderuerkalknng. Zucke' ki-anltheit u. a. m. ttsustninktru� ebne Lenutssies'ung, ebne streune Diät; ßflisserfolg bei regelmässiger Kur ausgess�üossen. Analyse: Natnumchlond 1.202. Natriumsulfat 2.920, KaliumsuJlat 0.172, Atagnesiamsallat 1.160, Maagansullab O.U iiisenicarbonat 2.107 m 10,002 ieiloo. Preise für Berlin: Füllung von 30 Fl. M. 10 prän. 00 Fl. M. 17 pran. 120 Fl. M. 3V prän. Anschließende Fortsetzung: 30 Fl. M. 8: 00 Fl. M. IS. Zustellung der Flaschen in Berlin(Stadtinneres) einzeln frei Haus. Lieferung für Berlin sStadtäutzeres) und die näheren Bororte tGro st-Berlin) frei Haus 30 Fl. zusammen<10 Pf. Pfand pro Flasche). Nach auswärts: Kiste mit 30 Fl. ftei zur Bahn M. 15, 2 Kisten zugleich M. 27. Anschließende Fortsetzung: 1 Kiste M. 13. Für frankiert zurückgesandte Kisten mit Flaschen werden 4 M. vergütet. A. W. Kambier, Mineralbrunnenfabrik, ISerliss MW, Marienstr. 30. Gegründet 1885. Geschäftszeit: 9— 1, 4— 7 Uhr. Sonntags geschlossen. Fernsprecher: Amt ül, Nr. 5631 und Amt VII, Nr. 12871. Ich hesliliiqe hierdurch aus eigenem Ermessen sehr gern, daß mir der „Eerlincr Slahlbrunntn" vorzügliche Dienste geleistet hat Ich trank 30 Filschen, und hauen mich dieseihen in der Zeil der MVclisi Ijahre voll- stdndig von hoehn-radiger yorvoKltHt. ftelenkrlK'un.atiwnuiH und TThlas geheilt. Icn bin nach Ihrem Brunnen uo gesund wie ich se ien war und ull.e Sie, dies zum Wohle der Menschheit zu verdttentllchen Voxhagcn-Rummelsliurg, Benmicuhnns, 27. Oktober>»0it. Frnu AmtSgertchietckrctär Ida Kienow. Ich bestätige Ihnen, daß mir Ihr„Serliner Stahlbrunnen" gegen die liartniiekig«- et«llcnwt ein k rank hrit, welche bei mir vor Jahren au• tiat unu un.tr ueren wahnsinnigen uchmerzen ich IrDher fast thglich leiden mußte, so hervorragende und staunenswerte Dienste geleistet hat. daß dieselbe jetzt gdnzlich verschwunden zu sein scheint; denn ich habe nach der Kur so'clio(ürch erlichen Krämplo nicht wieder gehabt. Ucbrigcnd habe ich dcn .BcrUner Slahidrunnen" auch gegen �»aki l verntoiikiing und Verdauungs wie ßherhaugt alle anderen Beschwerden, wie z. B, Motkollk. mit gutem Erfolge angewendet.... Berlin x Echlegclftr. i, 20. Ecbtbr. 1009. Frau Lnla» Broker. Mit freudigem Herzen teile ich Ihnen mit. daß Ihr..Berliner Stahl- brunnen' bei meiner Frau wirklich Wunder ge an bat. Meine Frau litt seit längerer Zeit an hr-fligr-r Jlngon- und Collcnkolik. welche sich dermaßen steigerte oaß uei der genntisten Nahi ungsautnahme diese An älle sich immer öfter wiederholten und zuletzt täglich zwei- bis dreimal, Ja selbst des Nachts heftig autlraten, auch trat nunmehr Xici-en- n»Inwrnf ntzttndnng dazu; eine Besserung war nicht zu erztefen. Nachdem meine Frau cf) Flaschen gettinkcn Fade, ließen die Magen- und Gallenslain-Antälle vollständig nach, meine Frau konnte wieder jede Nahrung autnehmen, auch hat sie Jetzt stets Appetit Nach dem Verbrauch von SO Flaschen Ist sie wieder Irisch und gesund kann fede Speise vertragen nimmt an Körperoewlcht zu und leidet seit der Kur nicht mehr an Htwlilv»T»topfnng wie Irüher.... Bcrlfn, Petersburger etc. it),'<££. Juli 1000. Otto Schenkel», Frau. Ich fühle mich Ihnen zum Tanke nerpftlchtet, daß meine Frau durch die Kur mit Ihn m.Berliner Slahlhrunnen" von ihrer schweren Krankt alt belroft Ist und Ihrer höusilchen Pflicht wieder vollständig nachgehen lann Meine Frau war Uder!>/,.Vwhi-c«n vernlteter IwrMnH vollwtilvidlg gellthmt und litt während dieser Zelt die grässlichslen Schmerzen Ausser der Ischias litt meine Frau auch noch an A tc in Iiphc Ii werden Die Wirkung Ihres Staiil brunnens hat bereits nach Veibiaceh Uei ß. Flusche eine Linderung gezeigt. Alle anderen nur erdenklichen Millel waren erlolglos. Auf StMcbcrgoiicfmig wurde mir ilbcrhatipt wenig Hoffnung gegeben Da sich meine Frau bei der Brunnenkur sehr wohl lühlte,(o will ich ihr dlefelbe blä auf roelteteä Nicht entziehen. Berlin N, Lortzlngstr. 8, HL, 10. Juli 1000. Hosostlk nebst Frau. Nach Beendigung der stur mit Ihrem vcrzllgllchen„Berliner Stahldrunnen" kann Ich Ihnen mftleilen, daaa der Bronnen mir bet Orie nkrliooina- tlwmns. woran loh drelelortel Jahr gelitten, auai, ezarchuere Diuuate goletatet bat; ich lann mich wieder frei und ohne Schmerzen be> wegen und mache füglich meine Spatiergänge. Glelcbzetttg hat mich Ihr Bronnen anoh oon Ye-rrtanimgswtiirnncrn befielt, Waran Ich fo lange Jahre gelitten, was bei meinem Atter von 68 Jahren gewiß viel sagen will.... Strausberg. LS. Jnnt 1909. Q Kröger Meine Frau litt an einer böten A'rrvenkraiik'hoit. Ihr Stahl» brunnen hat Ihr wieder gntes Blut vereuhatu. aie euch sonnt gesund gemacht, ttbcnlo auch Frau Borlbwsli, die in meinem Hause wohnt und mfigeil unken hat; diese tttr sn Srliwindclnnffillon nod Taroht- bsrer SohwHctie und Ist nach dar Rur ata Üttera Frau wieder ganz aut dem Posten. Berlin M, Badstr 13, 33. Jnnt 1909. B. Schüler. Tie letzten t Flaschen.Berliner SiaUtbtunncn' habe ich vorläufig nicht mehr getrunlen. weil 30 Flaschen genügt hshen. mich von Blnsonkntnrrh Hnrngrles. yierenentsllndnngcnd niisscndpr Fli-i-htc htuter dorn Ohre sn betreten..., Ueberhanpt lithle leb mich fetzt sehr wohl.,. Berlin. Bernburger Str. 32, Ii. April 1000. A. Ksschado. Meine Tochter, 18 Jahre, kcnnie fett der Schulzeit kein Obst, auch keine säuerlichen Speisen verlragen; sie litt sehr an Jlogenkrftnnifeii. und daß Erbrochen war gar nicht zu stillen. Ter brrzt nannie das tlciden horligrnd igo Klntnrmnt.... Ihr Stabttarimnen hat Ihr lehr gut getan, die tbagenurdtupte sind fortgeblieben, nnd das Körpergewicht hat bedeDtend angenommen Ich selbst, 45 Jahre, leide an Klntlooro Im Gohlrn, welch« mit zellweise SJorvonstdrnngon neturjacht.... Ich traut Jyieu Stahlbrunnen und kann mit großem Tanke bezeugen, daß sich mein A llgoinoiniioflndon nohr geheasert hat. Ich habe sehr viel mehr Ai-pemt und ,it folgedessen recht znRonommon. Frau linlso llaberlaudt. Berlin,»bpenicker Str. 127, IS.«iärz 1900. Die 60 Flaschen Slahlbrunnen sind meinem Sohne gut hehommen und haben ihn von seinem Karhrnkatarrli befreit, wofür ich Ihnen Herzlich Tank sage. Bitte um einige Trucisachen über Ihren Brunnen zur Weiter- entpfehlimg. Ad. Beneckc. Wahlitz, Bez. Magdeburg. 1«. März 1000. Seit Jnll v. J. litt Ich an Ithrmr ntisniuH Im rechten Bein und an fnrehtbaran Kopfschmerzen. Hsclidem Ich 60 Flaschen Ihres Stablbinuncns getinntien, bin leb vom Bbenmatlsmua nnd auch voo den Kopiachiuerseu vollständig befreit nnd fühle mich wieder recht wobl. Berlin NO, Landsberger Allee 159. 10. Februar 1000, Joh. l>nx, Mit Freuden teile ich Ihnen mit, daß ich durch Ihren Stahlhrnnnen nieder arbeitsfähig geworden bin. Ich bin herz- und Inngonleldond. und die Verdsnon g lag bei mir 1 vollständig»armeoct. Appetit Hatte ich gar nicht mehr. Ich habe des Nachts oft nnr eine stunde gesehtaten, und bei der geringsten Arbelt! Hatte ich Klnthnuten.,. ... Ich Hatte ungefähr it Tage feden Tag eine halbe Flasche getrunken, da merkte ich, wie der lästige Xaehtsohwelß nachiiess und ich wieder Appetit zum Essen bekam; und sc allmäblloh stellte steh auch regelmässiger Stuhlgang ein. Ihrem Stahldrunnen danke{ Ich es, dass ich Jetzt wieder meiner Beschättlgung nachgehen I kann ohne große Beschwerden. Oer Bluthusten Ist gänztteh vor schwnnden.... Marg. Wersclinltzke, Berlin N, Schulstraße 6, IV. 25. Juni 190», Meine Frau wie Ich haben ihren Stahlbrunnen mit Erfolg gebraucht. Meine Frau verdankt dem Brunnen eine wesentliche Besserung ihres nrhwereu Kai Irnsteinlr Id eiis. Mir hat die Stahlhrunnenkur wesentliche Besserung und liebcrscli wrllnngm gebracht, j A.... Piarrer. (Adresse zur Verfügung.) gegen VerdauimgKaliirnngpn P...., a. H. 23. Januar 1000. Einsicht der um» täglich eingehenden Ersolgdestätigungen gern gestattet. Partei- Speditionen: 2«ntruni: Albert Hahnisch. Auguststr. 50, Eingang Jaachimstraße L. LVaWki-el«,, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14. Hoch parterre. „ Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72, Laden. S. A4'al,Ik,-elg: St. Fritz, Prinzenstr. Zl, Hos rechts hart. 4. Wahlkreis: Dtt e n: Robert W e n g e l s, Andreasstraße 17.— Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laden). 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuellirchstr. 12(Hos). 0. Wahlkreis(Hoablt und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. WeNNIne: Karl Weiße. Nazarethkirchstraße 4g. Hosenthaler und Oranienhnrsop Vorstadt: Hermann Raschle, Bernauerstr. 9, vorn pari. Gesnndbrnnncn: F. Trapp, Stettinerstr. 10. �ehitnhanser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Adlershof: Karl Schwarz lose, Hoffmannstr. 9. Alt-tlNenleke: Wilhelm Dürre, Rndowerstr. 83 II. Bannischiilenwcg: H. Hornig, Marientbalerstr. 13, I. Hernan. Kilntsental, Zepernick, Schönow und Schön» brück: Heinrich Brase, Hohesteinitr. 74, parl. HohnsdorE und Vnlkenhers: Alois Lauf, Bohnsdorf, Ge. noffenlchastshaus.Paradies". rharlottcnhnr«: Gustav Scharnberg, SesenHeimerstraße 1, Ecke Goetbestraße, Laden. HIchwalde. Zcnthen, Zllcrsdorf und Hnnkels Ablage: Fritz Oldenburg, Eichwalde, Kronprinzenstr. 81. Hrkner: Ernst H o s s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. Vrledcnan-hstexlltr.-t>iüdcnde: H. B e r n s e e, äschloßstr. Ilg, fvs I, in Sicalitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: . Mohr, Duppelstr. 32, und Fr. S ch e II b a i e. Zlhornstr. 15 a. W'rledrlchshaxen: Ernst W e r t m an n, Friedrichstr. 67. Ptrünan: Franz Klein, BaHnHosstr. 6 III. Ilohen-Xeuendort: Wilhelm T e n t i ch e r, Stolperstr. 50 I. .lohannisihal: P i e I i tf e, Kaiser-Wilhelm-Platz 4. Knrlshorst: Richard K ll t e r, Rödelstr. 9, Ii. I»önlxs-W nsterhansen: laöpcnlck: Emil�Wißler, I,IcIitenhcrK, Friedrich B a u m a n«, BaHnHosstr. 13. netzerstr. 6, Laden. Vrlcdrlchsfelde, Wllhelmsberg: Otto Seilet, Kronprinzenstraße 4, I. Hahlsdorf und Hanlsdork: Hugo Scheibe, MahISdorf, Walderseestr. 14. lklarlcndorf: August Leip, Ebausseestr. 296. Hof. Xen-WelUcnsee: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. >Icdcr-�chönc weide: Max Priebke, Britzerstr. 14 Ii. Kowawcs: Wilhelm I ap p e. Friedrichstr. 7.' Obcr-Schöneweide: August H e n j e S, Laufenerstr. 2, I. Hankow-Xtsdersehönhansen: Otto Riß mann, Mühlen- ftraße 30. BelnlckendarE» Hst, Wilbclnisrnh und Schönholz: P. G u ri ch, Kamekestr. 12, I. Hlxdorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. ßtnninielshnrg. Hoxhnxen: A. N o s e n k r a n z, Alt-Boxhazen 56. Sohniargendork: Gustav KaminSty, Cunostraße 2. Schöne her?: WUHelm Bäum! er, Martin Lulherslr. 5l, im Laden. 1->pandau: Koppen, Jagowstr. 9. Tegel, Uorsigwuldc, Wittenau, Waldmannslnst, Ilcrmsdort' und Kcinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm B o n o lv, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Tenipelhor: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmslr. 20 Treptow: Rod. Gramenz, iliesholzstraße 412, Laden. WIImersdorf-Halensee: Witlnebel, Gasteiner Str. 4. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenichastlichen Werke werden geliefert. Annahme von Inseraten für den„Uorwärts". f% IV Carmen S| Cioaretteh u � ly»i w I II#»I• Cigaretten Beste Qualitäten III Reinickendorf, Mm Mei im msh Uom. in nächster Nähe deS SchillerparkS und des Schäfersees vorzüglich gelegene, billige 3-, 2- und l-Zimmerwohnungen im Vorder- oder Gartenhause, mit. auch ohne Bad, Balkon bp. sofort vermietbar in den Neubauten der Schiller». Promenade, Brionzer Straße, Rütli-Straße, Holländer- und Thuner Straße. HSchCincR�CllACL Hamburg und jMannfteim Kerren-Stoff-{teste zu Herrenanzügen spottbillig, seinsie Fabrikate. Kammgarne. Cheviots, neueste Muster von 5 M. an per Meter, reine Wolle. 116/10 I-ndwig Engel, Prenzlaiier Ttraste 23, IL(Alexanderplatz.) Wer— Stoff— hat ohne Konkurrenz, fertige Herren anzug 20 M.an KiTÄSiilil. Medaille, Endwig Engel, Prenzlauer Ztr. 23,11.(Alexanderpl.) Gegr. 1892 Spezialität: Anzug nach Maß. komplett„Napoleon 1." Jon 36 M. an, gestreifte von 32 M. an. Gehrockanzug Itltte ansschnelden. 245/1» reine Wolle, neueste gestreifte Muster; unerreicht. Paletot„Welkberühmt« nach Maß, von 32 M. an. Gehrockanzug„Lefövre» nach Maß, fs. Tuch- Kammgarn, nie glänzend werdend. Seide ans Klappe von 48 M. an. Hose„Paris» nach Maß, hallbarer, gestreisier Strapazieritoff, Ledertaschen von 12 M. an.— Anfertigung eventuell innerhalb 24 Stunden.� SW' Keichhaltlgcs Tuch- und Bnckskin- Enger. Mh» Besichtigung erbeten ohne Kaufzwang. Kein Musterversand. Ein Lersuch fuhrt zu dauernder Kundschaft! Siehe auch Adreßbuch Teil I und IV. 121/20 I Ziehung 24, und 25. November. Sehr srojie ßewinnehancen bietet die beliebte W ohlfahrts-Lotterie Nur 85000 Lose. Nicht zu verwechseln mit der sogenannten TonkOnstler- Wohlfahrts- Lotterie, die 500000 Lose ä 1 M. hat. Gesamtw. der Gewinne Mark 85000 Hauptgewinne Mark 30000, 20000 10000, 5000 und viele andere. Jede andere Lotterie dieses Jahres für Brandenburg hat eine bedeutend größere Loseanzahl. Es werden nur die bestellten Lose versandt, keine anderen! Lose a 3 Mark, Porto nnd Liste 30 Pf. extra, zu haben in allen Lotterie- und Zigarren-Geschäften sowie heim Generaldebit Paul Steinberg& Co., G. m. b. H., Bankgeschäft, Berlin 0., Rosenthaler Straße 11-12. Unsere echten Bfere sind überall zuhaben. la Flachen, Kannen und Syphons. Tel. VII, 4088, 89, 90. Leihhaus r ■ Gelegenheitskäufe verfall. Gold- B und Sllbersachen, Brillanten etc. n�KÄFriBeiisWII1 Jedes Wort 10 Pfennig. il�B" ja» R ANZEIGEN ite Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche■ B�T H B ß\|M% MBB B /O�t H für die nächste Nummer werden In de dilafstellen-Anzcigen 5 Pfg.t das erste Wort■ BänSs M m I n L w H Kud ßJÄ H Q»aolä � 3 g ßmärn a H W stellen für Berlin bis I Uhr, für die truckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben B ET �■ l�f B n g lcj> JpM»■ E /K™ vk // H rk.? ty at a■ fl 12 Uhr, in der Haupt>E\pedltlon, Lind zählen doppelt. B■ m B'■«■ B m IB B B unnTI B jva B B■ bis 5 Uhr angenommen. 5� Verkäufe. SCotolftiiSücrfnuf. Restbestände Tuch- und Plüschportieren, Garnitur L.KS, 3.75, i.tib, 5.65, 6.75, 8.50. 9 50 usw. E. Weisjenbergs Portierenbaus. Graste Franfiurtcrstratzc tL5. S70lK Tüllbettdeckett. extra groß, 1.95, 2.25, 2.35, 4,25 usw. «rbötüllftores, entzückende Ülus- lührunaen, 3.45, 3,85 4.50, 5.25, 6.00 Usw. Gardiiieichaus. Graste graul- surterslratze 125 giiesenposten Gardiiicnreste und einzelne Fenster(2 Schal) mit 10 Prozent Rabatt, Fenster 125, 1.85, 2.25, 2.75, 3.50, 4.50 usw. Gar. dineiihaus, Graste Frantsurter- straste 125._ Abfnllteppiche 3.25, 3.85, 4.50, 5.80, 6.50 usiv. Teppichhaus Graste Franfsucterstrastc 1 25. Plüschteppiche mit lleincn Färb- sebiern, 10 Prozent Extrarabatt, 7.50, 9.85,11.—, 13.— ,15.— usw. E. Weißen- bergs Tcppichhaus, Graste Frank- surierstraste 125. Tuchdecken 1.25, 1.75, 2.50. 3.50 usw._____ Pliischdecken 3.85, 4.85, 6.50, 7.85, 9.25 usw. Graste FlMiksurter- straste 125 Niesenposten Steppdecken, Wolle und Simiiiseide, 2.25, 3.35, 4.50, 5.50, 6.50, 7.85 usw. Graste Franksurter- straste 125. Masseuvcrkauf von Möbelstoff- resten, Linoleum- und Läuserstoff- reffen zu Spottpreisen. E. Weistenbergs Tcppichhaus, Graste Frankjurter- straste 125. Bükher des deutschen HauseS Eine Sammlung guter Erzählungen, Geschichten, Novellen usw. Gut aus- gestattet, zirka 300 Seiten umsassend, zum Teil illustriert und gebunden. 90 Psennige pro Band. Expedition, Lindenstrage 69, Laden._ Pfand»ejhha»s!1rebbcr, Küstriner- platz 7, sponbilliger Bettenverkaui, Gardinenvcrkaus, Wäscheverkaus, Uhrenverknus, Dcckenverkaus, Schmuck- fachen, Goldsachen, Silbersachen, ver- fallene Psöndcr. 2492K Gas kröne». drcislammig 4,50, Saloiigaskronen 7,50, Gaszuglampen 8,00, Gaslyren 1,45, Gaswandarme 0.55. Fabriklager Graste Frankfurter- straste 92; Filiale Ravensstraste 6.* Teppiche!(seblerhaste) in allen Größen sür die Hälfte des Wertes Tcppichlager Brunn, Hackescher Markt 4, Bahnbos Börse.(Leser des „Vorwärts" erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!* Vorjährige hochelegante Anzüge und Paletots, aus seinsten Maststoffen. früherer Preis 60— 90, jetzt 20—40, werden täglich im Kavalier. Klub, Unter den Linden 61 II verlauft.* 5,00 prachtvolle Betten, 9,00 Bauernbetten, Daunenbetten 18,00, Aussteuer, Damastbezüge 3,90. Nur Pfandleihe. Andreasstraste achtund- dreißig.__2734Ä " Landbett, zwei Deckbetten, zwei Kisten, zweischlösrig, 18.00, große Laken 1,00. Bnuerndeckbett, Unterbett, zwei Kissen 27,00 Psandleihe, Andreas- straste achtnnddrcistig. Annoncenvor- zeiger vergüte Fahrgeld. Gasbeleuchtnngs- Gegenstände, Hängegasbrenner, Zugampeln, mo- dernste Broiizcgaskronen, Gaskocher lausen Installateure und Händler allerbilligst Großhandlung Baumann, Alte Jakobstraste 125. Geschäftsleuten EngroSrabatl._ 236111* Zuchthaus, Acht Jahre. Lebens- erinnerungen von Sepp Oerter. Hochinteressant. Preis 1 Mark. Zu beziehen Buchhandlung Vorwärts._* Teppiche(fehlerhafte) Gelegenheitskauf. Fabriklager Mauerhoff, Große Frantsurlerstraste 9, Flurein- gang.■ Vorwärtslcsern 6 Prozent Extrarabatt, somil.igs geöffnet.* Steppdecke» billPst Fabrik Große Frantiurierftraste 9, Flureingang. Gardiüenhaus, Große Frank- furterstraste 9, Flureingang. 2491K« �Puppenwagen, Ausnahmepreise, Leusselstraste 67._ 714« Verantwortlicher Redakteur: Gasätherlampen, Putzerlampen, Baulampen. Emil Domcke, Brunnen- straste 171, schrägüber von Jandorf, Hos parterre. 22L5b* Litlauers Nähmaschinen ohne An- pihlnng, gebrauchte spotibillig, Ska- itzerstrage 99. Wnrschaueritra«c«7.* Teilzahlung monatlich 10 Mark liefert elegante Herrengarderobe nach Mast, Kasse 10 Prozent billiger, Tomporowski, Schneidermeister, Lindenstraste 110. 2K63K* OhneAnzahlung. Woche bOPsennig Bilder, Spiegel. Ferner: Möbel Palslerwaren, Tcppiche, Gardinen, Steppdecke». Tischdecken, Bettbezüge, Portieren, Uhren, Gaskronen, Herren- gardcrobe. Weber, Prenzlauerstr. 25. Besuch, eventuell Postkarte. 2537K' 7.50. Jacketlanzüge, Winter- Paletots, Hosen, Joppen kaust man zu staunend billigen Preisen im Monatsgardcroben« Haus Sommer- seid, Orgnienffraste 18._ 269611* Monatsanziige, Winierpaletots, elegante Gebrockauzüge, Hosen. Wlnter- joppen, gröstte Auswahl für jede Figur passend, zu enorm billigen Preisen nur im Monatsgarderoben- Haus Sommerfeld, Lranienstraste 18. Fahrgeld vergüligt._ LK97K* Talchenbuch für Gartenfreunde. Ein Ratizeber sür die Pflege und sachgemäße Bewirtschaftung des bäus- lichen Zier-, Gemüse- und Obst« gartens von Max Hesdörser. Zweite vermehrte Auslage. Mit 137 Text- abbüdungen. Preis 3,50 Mark. Expe- dition Vorwärts, Lindenstr. 69. Gaskronen, billigster Verkauf Reichenbergerstraste 1._ 22616 Gelegenheitskäufe. Rcisemodelle, Posten Damenmäntel. Paletots, teils auf Seide 10 Mark, elegante Kostüme, 15 bis 27 Mark, elegante Paletots, Koslüniröckc, Blusen spottbillig.(Er- sparnis Ladenmicle.) Julius Neu- mann, BelleaMancestraste 106, 2 Treppen._ 281KK* Gaskronleuchter! Gaszuglampen 9,00 1 Gasfalonkronen I Geschäfts aufgäbe spottbillig! Gaslyren i'l,. Woblauer, Wallnertbeateriiraße 32. Psandlei! weltberü! Winterpaletots k Herrenhosen I Psandleihhaus, Chausseestraste sechzig II Wknterpaletots k Herrenanzüge l pottbilligst II Psandleihhaus, Chaussee- irast« sechzig 1 1 WinterpaletotS k k Bettenverkaui t spottbilligst 1 1 Chausscestraße sechzig 1 1 Winterpaletots!k Teppichverkausl Spottpreise 1 1 Chausseestraste sechzig II Winterpaletots! k Gardinenver- kaus l Chausseestraste 60 1 1 WinterpaletotS!: Wäscheverkaus> Chansseestraste sechzig 1 1_ WinterpaletotS i! Uhrenverkausl Chausteestratze sechzig l I_ Letzten Auktion verfallene Winterjoppen, WinterpaletotS, Herrenanzüge, Stieseln spottbillig, Psandleihe. Prinzenstraste 86. 122)17* 12.00 ganzer Stand Betten. rot-rosa gestreistes Inlett. Laken t.OO, Gardinen, Portieren, Teppiche. Pfandleihe Prinzenstraste 86. 122)18* 27,00 Landbett, Daunenbett 1,00, schöne Betten 5,00, feinster Art, Bezüge, Laken, Steppdecken. Pfand- leihe Prinzenstraste 86. 122/19* BersalleneHerrenanzllge.Paletots, gutgehende Herrenuhren 3,35, Wanduhren, Taschenuhren, Ringe. SVetien, Operngläser, Goldwaren spottbillig. Psandleihe Prinzenstr. 86. Fahrgeld wird vergütet. 122)20* Hermannplatz 6. Staunendbilligste Psänderverkäui« I Lombardwaren I Riesenauswahl WinterpaleiolS I Jackettanzüge I Gebrockaiizüge I Herrenhosen! Burschensachen l Exlra- billige Bettenverkäuse I Wäsche- verkäusel Brautgeschenke I Schmuck- sachenl Taschenuhren I Ketten- answahll Ringeauswahll Frei- schwtngerl Hochelegante Teppich. answahll Gardinenauswahl! Plüsch, tiichdeckenl Steppdecken I Kunftbllderl Pelzstolas I. Selbstverständlich I" Jedermanns allerbilligsle Kausgelegen- heitl Hermannplatz 6..Waren- verkauf Sonntags evensallS." flQI* Gaskronen ohne Woche 1,00.— Riesenlager. Böttcher(selbst), Betriebsleitung rftraste 32. ouis IWWWW �WWBox- hagenerftraste 32.(Bahnverdinvung: Warschauerstraße). Filialen: Pots- damerstraste 81, Rixdors, Kaiser Friedrichstraste 247. 2754K* Vorwärtsleicr erhalten 5 Prozenl Urtrarabatt selbst bei nachstehend auf- gesührle» Gelegenheilskäusen. Teppich. Tkomas, Oranienstraße 160, Oranien- platz._ Teppiche, sardsehlerhalte. spottbillig.__ Gardinen, Stores, Muster- exempiare, sür halben Wert._ Fellvorlagen, große Partieposten. P I üschportiere», einzelne Paare, spottbillig._ Steppdecken, Musterstücke, spottbillig_ Vorwärtslcser, stehende 6 Anzeigen. beachlet not. 283051* ■Teppiche. Die Restbcstände einer Teppichsabrik komme» zum schleunigen Berkaus. Preise bedeutend herab- gesetzt. Plüschteppiche, ganz schwere Oualität! Stubengröste. früher 18.50 jetzt 12,00: Wohnzimmergröste, früher 32,75 jetzt 24,50; Salongröste, früher 43,50 je|t 35,00. Teppichyaus Georg Steppdecken, eigene Anfertigung, richtige Größe, 3,75, 4,50, 5,50, 7,50, Teppichhaus Georg Lange, Chaussee- straße 73/74. 282851* Billige Hosenwochc. Hochelegante Herrenhosen aus seinsten Maststoffen 7—15 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 22566» Vorjährige elegante Herrenanzüge und Paletots aus seinsten Maststoffen 20— 40Mark. Versandhaus Germania, Unier den Linden 21. L257b* Lescdäftsverkazifs. Geuiüsegeschäft, krankheitshalber, existenzlicheres, billigst verkäuflich, empsehlenswert sür Parteigenossen. Rixdors, Fuldastraste, Jdeal-Passage. Hanke. 22656 Kartoffel-, Heringsgcschäst mit Handwagen 350 Mark. Stralsunder- straste 2, Milchgeschäft. 22k2b Zigarrengeschäft verlaust Walde- marstraste 56.____ fl Restaurant preiswert zu verlausen wegen anderer Unternehmung. Nähe- res Manzelmann, Lenaustraste 7, Rixdors. flOt Grünkramgeschaft billig wegen Auslandsreise verkäuflich. Zu erfragen bei Walter, Posenerstraste 26, vorn III. Möbel. Auf Teilzahlung Möbelcinrichtung, Stabe und Küche, tS Mark. Verliehen gewesene Möbel spottbillig. Berolina, Kastanienallee 49. 201751 Möbelaiisverkauf wegen Schau- senslcrausbau.kompletteEinnchtungen, Einzelmöbel, bunte Küchenmöbel spottbillig, Gaskronen, Firmenschilder, Schaukästen, Bogenlampen verkäuflich. Wobellohse, Weddingplatz, Reinlcken- dorserstraste. LK99K* Kleiderschrank, Bellstelle, Vertiko, Schlassopha. Tisch, Stühle, Teppich, StoreS, Nachttische, Bilder, Kronen, Ladeneinrichtung, Waschmaschinen(wenig gebraucht). Kroßer saalipiegel (Kunstwerk), Ladentische, Laden- einrichtungen für Konditoren, Bäcke- reien, Bar. Möbelhaus Diana, Danzigerstraste 14, Seelowerstraste 14, Spezialität; moderne Küchen..Vor- wärts'steser 5 Prozent. 2724b* Giieisenanstr. 10, Ecke Nostizstr S. Grau, bekannt als beste Bezugs- quelle. Kassa und Teilzahlung. 171651* Geld spart, wer vom Möbel-Corlich, Alle Schönhausersttaße 32. seine Möbel kaust. Ganze Wohnungseinrichtung von 150 Mark an, sür 800, 425, 560, 732 Mark. 275851 Bis-sonntag den 7. kommen im Möbelspeicher deS Südostens über 50 Küchen, modern mit buntem Glas, von 52,— an zum Extraverkaus an Private Skalitzerstraste 25. 2821K Verkäuflich:(Händler verbeten!) seines Plüschsoka, Boxhund, Garnitur, Kleiderspind. Vertiko. KönlgSberger- straste 11, vorn I rechts. Fischer. Schlafsofa. Kleideifpind 18,00, Bettstelle,?)!atratze 12,00, Kommode 10,00, Gartenstraste 37, Kluck. 22686 Mödelgelegeiihett! Wenig gebrauchte, gmerhallene Möbel, auch neue, einsnchste, eleganteste, bestehen gewesen, verfallene spottbillig. Riesen- lager, Lombardsveicher, Neue König- straste 5)6, Fabrikgebäude. Sonntags geöffnet.(Zahlungserleichterung.) Gebrnlichec Möbel aus Versteige- rungen, Schränke, Vertikos, Tstche, Sofas, Schreibtische, Bücherschränke, BüsetlS.Garnituren.Bettstellen, Waschtoiletten, Bilder, Kronen, Teppiche, komplette Wirtlchasten bedeulend billiger wie überall. LennertS Möbel- speicher, Lothrtngerftraste 55. L827K* PabrrSdsr. Herrenfahrrad, Damenlabrrad einmal benutzt 40,00. Hotz, Blumen- straße 36 b. 168351* ■Dameiifahrröder- neu, intt Doppelglockenlager, mit Pneumatik, elegante Ausführung, 45,—, 50,—, 55,— bis 75,—. Machnow, Wein- Meisterstraste 14._ 879451* Pneumatik, großen Posten 1 Luft. schlauche 1,— an, Lausdecken 1,— an Machnow, Weiiimeisterftrasta 14.» Transporträder LS.—, 30, 75,—. Machnow, Weinmcistcrstr. 14 Gebrauchte Fahrräder, große Auswahl, 5.—. 15.-. 20,-, 25,—. Machnow, Wcinmeisterstr. 14. Geschäftsdreirad, äußerst stabil, 50,00 an. Holz, Blumenstraste 3Sb.* Herrenfahrrad, dringend, spott- billig. Gubenerstraste 15, zweiter Hof. I. 122 �usik. Pianio, gut erhalten, Blüthuer, 350,00, zu verkaufen Jorkstraste 45, vorn I._ 114/15* Rnffbanmpianino. große Tonfülle, stabil gebaut, wenig gebraucht, billig verkäuflich Warschauerstraste 58. Ouergebäude I. 122)14* Pianino,.Hoflieferanten, dringend, Opernsängerim Elisabethuser 31, I. rechts. 122)16 Sprechmaschtnen 10,—, 12,50 usw. Große dopvelscilige Schollplattcn 0,40, 0,75 usw. Teilzahlung. Tasche, Lands» bergerstraste 40._ fl38f Violinunterricht(neue, doppelt fördernde Methode bis zurBollendung) gibt erfahrener KünsUer wöchentlich, aus Wunsch auch nur eine Lektion a 1,25 M., bei zwei Schülern je 7b Ps. Offerten unter D. 8 Expedition des .Vorwärts"._(* KlavierknrsuS. Erwachsenen Schnellmethode. Monatspreis 3,00, Klavierüben frei. 20 Klaviere. Musik- akademie Oranienstraße 147, Moritz- platz. 122/15 Verschiedenes. Elsholz, Gesellschaft, Komiker. Groviusstraste 6._ 22076* «.lairntauipau Weiset. Gillquier« straße 94». Englischen Unterricht llir Anfänger und Vorgeschrittene, Einzelstimden und im Zirkel erteilt G. Swienty, «chöneberg, sedanstraste 57, III. Zahnatelier Guckel, Skalitzer- straste 96, Eckhaus Lansitzerplatz.* Tanzunterricht! Grupe, Annen- straste 16. Dienstagskurse, Sonntags- kurse 4.00. Walzerlehrkurse. 226/10* Mittagstisch! Etnlchlleßllch Ge- tränke 0,5», 0,60. Drei Gerichte. Annenstraste 16. 236,8* Vereinszimmer, Pianino. 30 bis 40 Personen. Firari, gontane-Pro- mcnade 10. 21966 Leihhaus Merkur, G. m. b. H. Große Franlsurterstraste 116(Psand. leihanstalt und AnkausSabtellung). tohe Belcihung für Goidwaren, ilbersachen, Schmuckgegenstände, Ubren, Herrengarderobe, Pelzwaren, Wäsche, Lexiken, Klaviere, Stoffe, Warenposten, jeden Wertgegenstand. Ununterbrochen geöffnet._* Kiinftflovferet von grau Kolosktz Slblachteniee. Kuritraste 8, HI. Bu chbinderardrit übernimmt Ge- nosse Gerlach, Schwartzkopsstraste 13, Seijenladen. 214Kb Komiker Schworst wohnt Köpe nickerstraste 147. L258b Teilzahlung. Anfertigung eleganter Herrengarderobe. Marcus, Dragonerstraste 10». 236/12* Aiitiquttäten, Möbel, Bilder, Porzellan, Goldsachcn, Silbersachen, Zahngeblsse kaust Stankiewtcz, Kirch- straste 14, Moabit._ 121)17 Wer«toff hat? Fertige Herren- anzöge 15,00. Wagner, ischneider- meister, Lichtenbergeritraste 9. 121,19* Geld am Wohnungseinrichtungen, Piaiiinos, Wareiiposte», Automobile, anerkannt kulant, schnell. Lagerspeicher, Neue Königstraste o.(VII. 1587).* Schneiderin cmpsiehli sich im An- seriigei, von Kostümen, Blusen und Röcken. Scholz, Oudenarderstraße 6. KlnpierstimmetßhertT" Pianino- bauer, Chorinerstraste 22. 224bb Jrisierschule. Gründlichste Aus- bildmig in sämtlichen Fächern der Damensrisierkunst(Schönheitspflege, Nagelpslege). Kursu« 30 Mark. Frau Boges, Frisierlehrertn, Karlstraße 24 (Friedrichstraste). Ubendtarje._* Zwei Kinder, eventuell Gelchwister, finden gute Pflege bei aiisiändigcii Leuten. Offerten Spedition»Vor- wärts", M-Boxhagen 56. f Vermietungen. Bahuhofs-Restaurant Zeuthen/Mark sofort oder später zu verpachten. LebenssähigeS Gcjchäst. Hermann Kaebe. 225Sb* Verpachtungen in großem Sla- blissement, täglich Militärkonzert, von 3000 Personen durchschnittlich besucht, ein Volkssest a la Dresdener Vogel- wiese vom 28. November bis I. Januar (5 Sonntage, 3 Weihnachtssciertage, Silvester und Neujahr),»achstcheiide Verpachtungen:— alle» komplett eingerichtet— Kaffeeansschank, Wurst- Halle, Würselhallen, Likörpavillon, Bodega, kaltes Büsett, Rellig, Blumen, Blumcnverlosung, Konsttüreii, Kon- ditorei, Bauernschänke, Ansichtskarten, Photographie, Garderobe, Spiel- waren, Pjefferkuchenrad usw. Täglich Tanz, Konzert, Tanztruppen, mästige E achtpreise, erforderlich 100—300 Mk. fferten unter.Verpachtungen" Postamt 48. Wohnungen, Sonnenburgerstraffe 27 3-, 2-. 1- Zimmerwohnungen, sofort, später. Soldinerstrasto 16, Eckhaus, 1-, 2-�immcrwohnung sofort, später.* Limmer. Möbliertes Zimmer. 20 Mark monatlich, vermietet Schmidt, Friseurin, Waldcmarstraße 28._ f 183 Möbliertes Zimmer, 1—2 Per- sonen. Wegner, Schöneberg, Leulhen- straste 3 IV. 2184b Lebtakstellen. Möblierte Schlafstelle vorn zwei Treppen. Frau Laban, Stralauer- straste 13/14. Eine möblierte Schlafstelle sofort zu vermieten sür 1 oder 2 Herren. Schmidt, Soraucrstraste 9, vorn I. Bessere Schlasstelle. 9 Mark, Wränget straße 22, Portall, II! rechts. �rbeitsmarkt. Kaufmann, 19 Jahre alt, schon in Luchdnickerei tätig gewesen, in Buch- Haltung, Korrespondenz, Arbeiten an der Schreibmaschine, Berechnung von Drucksachen, Kalkulation bewandert, sucht sosort oder später Stellung in Parteidruckerei. ResleNant ist sirm in sranzösischer Sprache und Schrift. Offerten unter II. 1 an die Expedition des„Vorwärts" erbeten. 28I5K Stellenangebote. Nebeuverdtenst für jedermann. Auskunst gratis. Herrn. Wolf, Zwickau, Nordstraße 30. 267251* Selbständiger Schlosser aus Kon- struktion und Schmiedearbeiten und einige jüngere Schlosser auf Gitter per sofort. Emil Kühne. Sieglitz. Ahornstraße 6._ 2803K" Goldschmied, tlichlig, findet an- genehme Stellung. P. Gteßel, Adler- straste 7.������ 92635 2—3 tüchtige Simsmacher(inben dauernde Beschäftigung in der Lichienower Osenjabrik bei Herzselpe. Niederbarnim._ 28145t Tüchtigen Pappenzuschnelder sucht Kartyniabrik. Offerten unier dl. 1 an diese Zeitung._ 22606 Narbsgmncher verlangt Lichten- berg, Dosfestraße 20. f114 Versilberer aus blanke Slipse und Grundierer verlangt Max Leonhard. Weißensee, Lehderstraste 86. f14ö Bauschlosser verlangt Elbinger- straße 12._+23 Mctalldrucker verlangt Krech. Gartenstraße 64. 121)18 Deckenrohrer sucht Halensee, Karlsruherstraße �olthaus� Zeitungsfrauen finden dauernde und sehr lohnende WWW' Könlgst'" WW nlgstraße 56)57. uiig 121)1* Im NrbeitSmarkt durch besonderen Trnck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Tücktlx« Handwobci* aus zweit rittige breite Ware finden bei hohen Akkordlöhnen dauernde Bc- schästigung.* Xoii>»nn>» Sc I.vtciiiulln, Tapisseric-Weberei, Troffen bei Frankfurt— Oder. Achtung! Glasschlrifer! Die Firma lltiiSvi'