Kr.»57. nbonnements-ßedlngunstti: WonncmcntS- Prcis prönumerando i Wiertcljährl. Z,S<> M!., monall. l,l0 Wl, wöchentlich 2S 9? fg. frei ins Haus. Einzelne llluiimicr k Pfg. Sonnlags- nuinmcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Däncniarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal» Rumänien, Schweden und die Schweiz, »6. Jahrg. «Nchilvt täglich außer itlontags. Verlinev VolksbleM. Dl« TntJrtlonS'GcMfir kekägt für die sechsgespaltene Kolonek- zeile oder deren Rauin W Pfg,, für politische und gcwerlschastlicho Vereins- und Bersammlungs-Anzeige» 30 Pfg. „Aleine Anzeigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weiter« Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftrllcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg.» jedes weitere Wort B Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditio» ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,.S»Ial!ltm»ii»t Kirim". Zcntralorgan der fozialdemohrat i fehen partei Deutfcblands. Rcdahtlon: SM. 68, Lindenotvaase 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den B. Noveniber 1909, Expedition: SM. 68, Lindenotraaae 69» Fernspröcher: Amt IV, Nr. 1984. Auf zur Wahl! Der Wahltag ist da! Die Bürger Berlins sollen heute entscheiden, wer in Zukunft ihre Interessen im Rothen Hause in der Kvnigstraße vertritt. Für Angehörige der erlverbs- tätigen Bevölkerung kann es keinem Zweifel unterliegen, wem sie ihre Stimme zu geben haben: sie können nur einen Vertreter ihrer Interesse», können nur eine» Sozial- demokratcn wühlen. Infolge eines niederträchtigen Dreiklassenwahlrechts hat die erwerbstätige Bevölkerung nur einen bedingten Einfluß auf die Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung. Diesen Einflust ganz anszunnhen ist Pflicht jeden Wühlers der dritte» Abteilung. Kein Wühler darf zu Hanse bleiben! Jeder muß von seinem ohnehin geringen Wahl- recht Gebrauch machen und es ausüben, indem er einen Sozialdemokraten wählt. Auf jede Stimme kommt es heute an. Die Gegner fmÜMn den letzten Tagen äußerst rührig gewesen und rechnen schon in mehreren Bezirken damit, uns bisher gehörige Mandate zu entreißen. Das darf nicht sein! Die Lässigen und Faulen müssen aufgerüttelt werden. Ihnen muß klargemacht werden, daß sie gegen ihre eigenen Interessen, gegen die Interessen ihrer Klasse verstoßen, wenn sie durch ihr Fernbleiben von dem Wahlakte den Sieg der Gegner herbeiführen helfen. Es gilt aber nicht nur, unseren Besitzstand zu erhalten, sondern neue Siege zu erstreiten. Das kann geschehen, wenn jeder Genosse sich ganz in den Dienst unserer Sache stellt. Wird alle Kraft angespannt, so wird der heutige Tag ein neuer Siegestag für die Sozial« demokratie sein. Sie verhinderte Blahlreform. Paris, 31. Oktober.(Eig. Ber.) B r i a n d, der Anpassungsminister, hat den Radikalen den Willen getan. Noch in" Psrigueux hatte er in un- bestimmten Wendungen eine Neigung zum Proporz ahnen lassen und von den stagnierenden, fauligen Sümpfen der Bezirkspolitik gesprochen. Die Radikalen zeigten darob große Empfindlichkeit und schickten zum Ministerpräsidenien fragen: Meinen Sie uns? Briand versicherte, die Radikalen nicht damit gemeint zu haben, und er tat mehr. Er entschloß sich, den Proporz, den Millerand eben noch als die un- umgängliche Vorbedingung der kleinsten Reform in der Vcr- waltung und in der Justiz, als das einzige Mittel zur Ver- besserung der politischen Sitten bezeichnet hatte, im Parlamente umzubringen. Er hat dieses Geschäft mit skrupelloser Ge- schicklichkeit erledigt und'Zich damit die dankbare Anerkennung der Radikalsoziattstcn von der P e I l e t a n- Gruppe er- worden, die es ihm bisher nachgetragen hatte, daß er keinen ihrer Ministerkandidaten in das Kabinett aufgenommen hatte. Mit der Vereitelung der Wahlreform hat er die parlamentarische Uebermacht der Radikalen gerettet, die Wieder- mahl so und so vieler Berusspolitiker, die kleinen und großen Profite der Bezirksklüngel gesichert. Darum ist ihm jetzt mancher Seitensprung nach dem Zentrum hin, sogar seine Abneigung gegen die lärmende Kulturkämpferei vergeben. Das Hauptargument Briands gegen den Proporz war das bei allen einer Wahlreform widerstrebenden Ministern übliche: die Wähler seien noch nicht reif. Nicht als ob Briand auf den in der Diskussion schon erledigten läppischen Einwand Gewicht gelegt hätte, daß die französischen Bürger, die unter allen Nationen des Kontinents die längste politische Erziehung genossen haben, ein Verfahren nicht verstehen würden, das den an Volksbildung und politischer Erfahrung zurückstehenden Belgiern ohne jede Schwierigkeit vertraut geworden ist. Aber er berief sich darauf, daß die bürgerlichen republikanischen Parteien infolge ihrer Zerbröselung� auf das Proporzsysteni nicht vorbereitet seien und bei einer sofortigen Einführung so zu Schaden kommen würden, daß gerade die Mehrheit der Wähler um die ihnen gebührende Vertretung ge- bracht werden würden. Nun ist in der Tat nicht zu leugnen, daß die Radikalen in der ersten Zeit infolge ihrer organisatorischen Zersplitterung eine schwierige Stellung hätten. Nur ist eben diese Erscheinung eine Folge der Bezirkswahl mit ihrem Widerstreit der lokalen Cliquen, und zu warten, bis der Briandsche Appell an den„Jdcalisnins" der bürgerlichen Republikaner Wirkung erzielt und die Einigkeit der Radikalen hergestellt hat, heißt die Einführung des Proporzes auf den Sankt Ninimerleiustag verschieben. Die Konsolidierung des Radikalismus ist übrigens ein unlösbares Problem, unter dem heutigen Wahlsystem wie unter dem Proporz, da sich in der radikalen Partei Elemente mit den gegensätzlichsten Wirt- schaftlichen und sozialen Interessen zu einer Aufteilung poli- tischer Profite zusammengefunden haben. Unter dem Proporz, wo sich dem Wähler nicht die einzelnen Kandidaten mit ihren Versprechungen, sondern die Parteien mit ihrem polt- tischen, wirtschaftlichen und sozialen Programm vorstellen, müßte eine Partei, die hauptsächlich durch traditionelle Phrasen zusanimcngehalten wird, erst recht aus dem Leini gehen, allerdings um neuen, festeren, den sozialen Jnteressenkreisen entsprechenden Gebilden Platz zu machen. Briand will den Radikalen ihren Besitzstand sichern— das weitere Gerede ist nur Geflunker. Der Ministerpräsident hat schließlich noch einen Lobeshynrnus auf das bestehende Wahlsystem augestimmt, alle seine hochpreislichen Leistungen für das Volkswohl aufgezählt. Zum Schluß brachte er eine gegen die Sozialisten gerichtete Apostrophe an die Befür- worter eines gemeinsamen Vorgehens der Proporzanhänger bei den Stichwahlen vor. Daß die Phrasen über die Ge- fährdung der Republik, die Herr Briand dem Vorrat der „Lanterne" und des Noch-immer-Genossen Breton cnt- nommen hat, für das Verhalten der sozialistischen Partei nicht maßgebend sein können, ist klar. Etwas anderes ist die Frage, ob eine solche Stichwahlparole unter den gegebenen Umständen durchzuführen ist und ob nicht auch bei einer Betrachtung vom Standpunkt der sozialistischen Demokratie gewichtige Jnter- essen gegen sie sprechen. Was Jaurös gefordert hat, war ein Abkommen, daß die für den Proporz eintretenden Kandidaten im Fall eines zweiten Wahlgauges zugunsten des im ersten Wahlgang be- günstigten Proporzanhängers zurücktreten sollten. Voraus- setzung eines solchen Abkoniniens wäre natürlich, daß die unter diesen Umständen gewählte Deputiertcnkammer sofort nach Erledigung der Wahlreform auseinandergehe. Denn es ist klar, daß man der Arbeiterschaft nicht zumuten könnte, klerikale Feinde der politischen Freiheit und Uberale Gegner des Ar- beiterschutzes in den Sattel zu heben. Das Abkommen ist also als die Allianz gedacht, die weiterhin alle Allianzen über- flüssig machen soll und unter diesem Gesichtspunkte ist sie prinzipiell unanfechtbar. Auch ist selbstverständlich die sozia- listische Partei berechtigt, ihre politische Taktik nach ihren eigenen Interessen zu bestimmen und Bretons Wort von der au der radikalen Partei verübten Erpressung ist nicht nur für die Auffassung bezeichnend, die dieser„Parteigenosse" von der Partcidisziplin und von der unter Genossen an- weudbaren Tonart hat, sondern auch politisch ein Unsinn. Aber sicher ist der Jaurössche Vorschlag, der in den Krötscn der Partei schon vielfache Zu- stimmüng erfahren hat, nicht leicht zu verwirklichen. Ab- gesehen von den verfassungsrechtlichen Schwierigkeiten, die sich einem Auseinandergehen des Parlaments entgegenstellen und die immerhin dadurch umgangen werden könnten, daß sich wenigstens die Proporzanhänger verpflichten, im Fall ihrer Wahl nach Erledigung der Wahlreform in diesem oder jenem Sinn sofort ihre Mandate niederzulegen, ist doch nicht zu übersehen, daß die parlamentarische Erledigung einer so wich- tigen Materie in den beiden Kammern längere Zeit in An- spruch nehmen kann und daß, während der Senat über die Wahlreform beriete, der Apparat der Dcputiertenkammer nicht stehen bliebe. In diesem Punkt entbehrt Bretons Kritik nicht der Berechtigung. Jedenfalls aber wird die Frage des Proporzes die bevor- stehenden Wahlen beherrschen, mögen sich auch etliche Radikale bemühen, wieder einmal das Schreckgespenst der klerikalen Gegenrevolution zu zitieren. Die Propaganda für die Wahl- reform hat im Lande genug tiefe Wirkung gehabt, um die Radikalen, die nicht gerade eingesessene Bczirksgrößen sind, zum Nachdenken darüber zu veranlassen, ob sie doch nicht besser fahren, sich als Anhänger der Reform zu bezeichnen. Freilich das bloße Versprechen ist noch lange keine Bürgschaft für den ernsten Willen. Die Geschichte der verschiedenen Re- formen, die seit einem Menschenalter darauf harren, aus den radikalen Wahlprogrammen in die Wirklichkeit übergeführt zu werden, zeigt das zur Genüge. Daß Briand, wenn er gewollt hätte, die Sache der Re- form, deren Notwendigkeit er und noch mehr sein Kollege Millerand mit den treffendsten Argumenten gezeigt haben, schon jetzt hätte zum Siege führen können, ist sicher. Er hat die Macht, die dem regierenden Manu unter dem bestehenden Wahlsystem auf die Zusammensetzung des Parlaments zusteht, der sehr notwendigen Hebung des Parlaments in der öffent- lichen Meinung vorgezogen. Er will lieber Wahlen nach dem napoleonischen Muster machen, als einen„Staatsstreich", der in der Befürwortung eines gerechten Wahlrechts läge. Und mit seinem verblüffenden moralischen Pathos, dessen virtuose Handhabung in den Zuhörern den Anreiz zum Gelächter be- siegt, verkündet er, er wolle nicht, indem er der Mehrheit jetzt vor den Wahlen das Messer an die Brust setze, der„letzte der Elenden" sein. Die Wahlreforni hat in dieser Gesetzgcbnngspcriode keine Aussichten mehr. Für sie sind die besten Redner eingetreten— von unseren Genossen Varenne, in einer großangelegten systematischen Rede, und dann S e m b a t, der auch das bis- her vergessene Frauenstimmrecht forderte, sowie Jaurös, dxr seine Ausführungen erst in der nächsten Sitzung beendigen wird— und ihr gefährlichster Gegner Briand hat ihrem Prinzip wertvolle Zugeständnisse machen müssen; aber sie scheitert an dem Widerstreben der großen und kleinen Machthaber. Ihr Schicksal ist nun in die Hände der Wählerschaft gegeben. Wird diese sich aus den „stagnierenden Tümpeln" erheben können? Die sozialistische Partei wird jedenfalls in ihrem Wahlkampf unter ihren Forde- rungen mit besonderem Nachdruck die einer Wahlreform nennen, die, tveun sie schon nicht Wundcrwirkungen tun und die aus den wirtschaftlichen Zuständen erwachsene politische 5korruption ganz aus der Welt schaffen kann, außer ihren günstigen Einflüssen auf die Verwaltungspolitik das Ergebnis der schärferen Herausbildung der politischen Parteien und einer in großem Stil gehaltenen Interessen- und Jdeenpolitik haben muß._ Kllittiinttige Candralsphantaiie! Die„Magdeburger Zeitung" vom 39. Oktober bringt ein längeres, anscheinend laudratsoffizielleS Eingesandt über die Entstehung und den Verlauf des Streiks in Mansfeld, wie auch eine Begründung für die Heranziehung des Militärs und die Be- stätigung, daß der Landrat das Militär requiriert hat. Die ManSfelder Bergleute seien bisher durchaus loyal gewesen, hätten den„Lockungen" des Bochuincr Verbandes stets widerstanden und in ihrer großen Mehrheit den reichstreuen Verbänden angehört I Aber in letzter Zeit sei es anders ge« worden, wozu auch die„st r a f f e r e O r d n u n g L h a n d h a b u n g der neuen Generaldireltion"(II) mit beigetragen habe. Aus dieser Mißstiuimimg hätte der Bochumer Verband Kapital geschlagen. Er sei öffentlich dazu übergegangen, die ManS« fclder Bergleute für sich und die Sozialdemokratie zu gewinnen, um dann allmählich die Gewerkschaft unter das sozialdemokratische VerbaudSjoch zu beugen. Es handele sich nicht um Lohn- und sonsttge Wirtschaftssragen, sondern um eine M a ch t f r a g e. daruni, wer in Zukunft in ManSfeld über die Arbeiterschaft die Herrschast besitzt, die Gewerkschaft oder die Sozialdemokratie. Diese Frage sei nicht nur für die Gewerlschaft, sondern für die ganze Bevölkerung von hoher Wichtigkeit.— Wenn der Kampf sich zu einer Machifrage zugespitzt hat, so hat Herr Vogelsang ihn von allem Anfang dazu gestempelt; er hat ihn herausbeschworen, nicht aber der Bcrgarbeiterverband. der nichts mehr und nichts weniger forderte, als Duldung der Organisation, falls die Mansfelder Knappen sich derselben Anschlössen. Die Mit« glicdschaft zu den reichötreuen Verbänden beruht nur aus direktem Zwange, nicht aber auf Ueberzeugung. Die ganze Gegend würde laut aufjubeln, wenn dieser Streik endlich den reichstreuen Nebel fortfegt. Nicht nur den Bergleuten hat dieser Schwindel bis an den Hals gestanden, sonder» auch den Geschäftsleuten, ja ber ganzen Bevölkerung. Uebcr die Notwendigkeit der Heranziehung des Militärs schreibt der OsfiziosuS, daß am 29. Oktober in einer Streikversammlung zu Hettstedt unerwartet„die Ausübung des Zwanges gegen die Arbeits- willigen beschlossen" worden sei, worauf dann am 29. und 2l. Ok« tober in Hettstedt„Revolten" vorgekommen seien, an denen sich 3—4999 Streikende beteiligten; Arbeitswillige und Gendarmen seien eingekeilt, verhöhnt, gestoßeil und mit Steinen geworfen worden. Direkt unwahr ist es, daß jemals ein derartiger Beschluß gefaßt worden wäre, wie es denn geradezu lächerlich klingt, vo>» einer„Revolte" zu sprechen. Es sind an einem helle» Nach» mittag— mehr wohl dcö schönen Wetters halber als in bestimmter Absicht— 2—399, nicht 4999 Frauen und Männer zum Schichtwechsel an die Kupferkammerhütte gezogen. Das ist alles, und wen» der OsfiziosuS schreibt, daß die„Tumulte" sich am anderen Tage wiederholt hätten, so ist daS ein Pro« bukt seiner Phantasie, nicht Tatsache. Am anderen Tage sind die Straßen durch die Strcilleitung in � aller Ruhe gesäubert worden, und als das Militär kam, war alles öde und leer. Von den angeblichen Mißhandlungen hat man bisher überhaupt nichts gehört, und das Werfen mit Steinen ist auch»cu; vordem wurde behauptet, daß es— Pferdedreck gewesen sein soll. „Gleichzeitig wurde festgestellt'— heißt eS in dem Ein- gesandt weiter—„daß die Streikenden die Stillegung mehrerer Hütten, insbesondere auch der elektrischen Zemrale der Gewerkschaft für das nördliche Abbaugebict durch Absperrung aller Arbeits- träfte für die nächste Schicht ins Werk setzen wolllen." Wo und durch wen das Landratsamt diesen schrecklichen Plan „festgestellt" hat, teilt der Schreiber nicht mit, und doch wäre es nolivendig, die Oeffentlichkeit erführe das. Die Streisteitniig hatte beschlossen, Me elektrische Zentrale nicht stillzulegen, also das Gegenteil von dem, waS der Herr Laiidrat„festgestellt" hat. Man sieht daraus Iviedermn, wie die Behörden„zuverlässig informiert" werde», und auf Grund solcher„Informationen" ließ der Landrat eingestandenermaben vier Garnisonen alarmieren,, holte Infanterie. Kavallerie und Maschinengewehre heran. Daß die Maschinengewehre aufgefahren worden sind, scheint dem Landrat selbst nicht mehr zu behagen; er entschuldigt das damit, daß diese zur Truppe gehörten, aber längst schon beiseite gesetzt seien.' „Kam es infolge des plötzlichen NeLergangeS 1>er Streikenden zur Gewalt zu Blutvergietzen und Zerstörungen, so war. ab- gesehen von den sonstigen ssolgen, nicht nur die Geiverkschaft durch Verluste an ihren Werken, sondern auch die nach vielen Tausenden zählende Arbeiterschaft geschädigt, deren Beschäftigung aus lange Zeit aushörte und deren Existenz völlig in Frage ge- stellt wurde. Diese letztere Folge wäre dann den sozialdemokralischen Hetzern vielleicht gleichgültig oder gar erwünscht erschienen, uni die dann brot« und existenzlosen Leute ganz in ihre Hand zu bekommen." Also phantasiert der Artikelschreiver weiter.— Es scheint als ob im Kopf desselben bereits die Gebäude in die Luft zu fliegen drohten, taufende reichstreue Hälse abgeschnitten würden, wenn nicht die Maschinengewehre noch rechtzeitig angekommen wären. Diese blutige Phantasie zu widerlegen, hieste wirklich das Exposb ernst nehmen, und das wird uns jedenfalls kein Mensch zumuten. Ebenso unhaltbar ist die Behauptung, den„sozial- demokratischen Hetzern"»viirde eine umfangreiche Existenzlosigkeit der Arbeiter erwünscht fein: haben sie doch deshalb den Kampf aufgenommen, um den Existenzlosen die Wiedereinstellung zu erkämpfen! Man sieht, wie ganz anders sich im Kopfe eines LandrateS die Welt malt. Und wegen dieses PhantasiebUdeS mußten die Maschinengewehre aufgefahren werden. DaS werden sich die ManSfelder Knappen dauernd merken. listiovzllibersler liatüenjzwwer. Daß die badischen Nationalliberalen— der Not ge- horchend l— vor vier Jahren mit der Sozialdemokratie ein Stichwahlabkommen trafen. daS ihnen zwölf Mandate sicherte, hat den außerbadtschen Siationalliberalen schon immer erheb- liches Bauchgrimmen verursacht. Mit Unbehagen sah man deshalb auch in diesen. 5kreisen den diesmaligen Land- tagswahlen entgegen. Selbst der Wortführer der badischcn Nationalliberalcn, Obkircher, rückte zu Beginn der LandtagSwahIbewegung vernehmlich von dem sozial- demokratischen Stichwahlverbündeten von 190E> ab. Doch da kam die Hauptwahl und brachte den National- liberalen— ganze vier Mandate! Sie waren bei den Stichwahlen ganz in die Hände der Sozialdemokraten gegeben: blieben diese neutral, da zogen die einstigen allniächtigen Beherrscher des Landtages und der Landespolitik als s ch w ä ch st e Fraktion in den Landtag ein I In dieser Not griffen die Nationalliberalen dankbar nach der Erneuerung des Stichwahlbündntsses, und die braven Basser- männer in- und außerhalb Badens drückten schmunzelnd ein Auge zu. Jetzt sind aber die Stichwahlen vorbei und trotz der eroberten 13 Mandate emvfinden die Nationalliberalen den Ausgang als schwere Niederlage, denn sie sind mit insgesamt 17 LandtagSsitzen an die dritte Stelle geraten. Deshalb geht das Wettern gegen den Großblock los! Schon gestern kanzelte die„National-Zeitung", der„Mannheimer Generalanzeiger". Bassermanns Blatt, und eine Anzahl anderer nationalllberale'r Organe die badische nationalliberale Parteileitung wegen ihrer Großblockpolitik ab; und heute vollzieht die parteiamtliche„Nattonalliberale Korrespondenz" (Nr. 284 vom 2. November) ii» einem umfangreichen Artikel aus Baden(von Bassermann?) die förmliche Hinrichtung. Es heißt in dem Artikel: „Die nationalliberale Partei Badens hat, wenn wir zunächst einmal die schweren grundsätzlichen Bedenken außer acht lassen, den gehler gemacht, dieses taltische Abkommen, das in seinem Ursprung nur eine Abwehrmehrhett gegen das Zentrum sein sollte, über seine engen Grenzen hinaus unzulässig zu der« breitern. Die ganze politische Stimmung in der Partei war von ihm beherrscht, aber auch die politische Aktion wesentlich von ihm beeinflußt. DaS bedingte dreierlei: Unmöglichkeit der Wiederknüpfung gelv isser Fäden zu den konservativ gerichteten Elementen im Lande, Schwäche der Abwehr gegen dt« Sozial» demokratie, Hemmung der eigenen Werbe» tätigleit und Organisation sarbett. Statt in der Großblocktaktik eine bedauerliche Notwendigkeit eines verzweifelten Augenblickes zu sehen, wurde sie in die Reihe der großen und immer fruchtbaren politischen Gedanken erhoben. Die Hauptwahlen konnten die Wirkung dieser unrichtigen Anschauungen und verkehrten Taktik nicht ganz zum Ausdruck bringen, weil als störendes und ablenkendes Moment die NeichSfinanzreform sich in den babischen Parteitampf hineinschob.... So lassen sich die Quellen der großen nationalliberalen Verluste im ersten Wahlgange nicht ganz reinlich von einander sondern. Aber soviel ist sicher, die Wahl wäre ohne Reichsfinanz- reform, nur im gelchen des Großblock�s. genau so verlustreich für die Nattonalliberalen geworden, wie sie eS jetzt ist. Mit dem Unterschiede, daß die nationalliberale Partei dann nicht nur an die Sozialdemokratie, sonder» auch an daS Zentrum und die Konservativen abgegeben hätte.... Ziffernmäßig klarer lassen sich die Wirkungen der Großblockstimmung, in der die national- liberale Partei Badens ihren Aufmarsch vollzog, erkennen an den Stichwahlen vom Sonntag. In sie spielte die Reichsfinanz- reform nur noch schwach hinein. Der Großblock regierte die Stunde, und er hat in jeder Hinsicht die Er« Wartungen der Nationalliberalen enttäuscht, Nutzen gebracht nur der Sozialdemokratie... Der Großblock hat daS Zentrum wieder gestärkt, den Sozial- demokraten eine gewaltige Ueberlegeuheit gegeben, die National- liberalen auf» empfindlichste geschwächt. Der Raum verbietet, auf Einzelheiten einzugehen, aber wir denken, daS zahlenmäßige Ergebnis der Stichwahl genügt, zu zeigen, daß unter dem Gesichts- punlt de» allgemeinen liberalen Interesse» wie unter dem des nationalliberalen Parteiinteresses der Großblock ein ungeheurer taktischer Fehler war.... Recht behalten haben die nationalliberalen Gegner de» Großblock«», die seit l'OOö warnten, ohne gehört zu werden... In der Kammer werden die Sozialdemokraten von der nationalliberalen Partei bald als unbequeme Weg- genossen empfunden werden. Praktische Politik im Sinne eine« entschiedenen, aber verständigen Liberalismus läßt sich nicht mit ihnen machen. Wollen die Nationalliberalen nicht ganz ausgeschaltet werden, so werden sie schon mit der Rechten auf dem Wege der Kompromisse zur Verständigung über die Regierungsvorlagen kommen müssen. Sie wären nicht in dieser Zwangslage, wenn sie die kostbare Zeit von vier Jahren nicht zum Hinarbeiten auf das Stichwahlabkommen mit der Sozialdemokratie, sondern auf die Stärkung der eigenen Position gegen Zentrum und Sozialdemokratie genutzt hätten. Dann wären sie zweifelsohne auch Ivos eine Macht in der Kammer geblieben, wenn auch nicht die erste, eine Macht vor allem im Lande. Diese nun wieder zu werden, muß heute und künftig ihre eüizige Aufgabe sein. Borbedingung ist gründliche Absage an das Abenteuer des Großblockes. Wird diese Vorbedingung erfüllt. dann kann die nationalliberale Partei wieder die S a m m e I- statte aller gemäßigten Elemente bis weit nach rechts werden.... Die nationalliberale Gesamlpartei des Reiches wird... für alle Zukunft von einem schweren Alpdruck befreit sein, wenn die nationalliberale Partei Badens sich dauernd löst von der verhängnisvollen Gemeinschaft mit der Sozialdemokratie. Denn diese hat der Gesamtpartei eher geschadet, ihr den Kampf gegen die Rechte ungemein erschwert, sie würde gerade gegen- wärtig sehr hemmend auf die nationalliberale Agitation im Osten gewirkt haben....' Die Sozialdemokratie hat nichts dagegen, wenn die badischen Nationalliberalen den Rat ihrer offiziellen Berliner Parteikorrespondenz befolgen und politischen Selbstmord be- gehen. Denn Selbstmord würde es sein, wenn sie künftighin die„gewissen Fäden" zu den konservativ gerichteten Elementen wieder anknüpfen und einen„kraftvollen Kampf gegen die Sozialdemokratie" aufznnehmen versuchte. Die Wähler, die in der Hanptivahl noch nationalliberale Stimmzettel abgaben, würden sich dann größtenteils nach links wenden, und die einst so große mächtige nationalliberale Partei, die Anfang der siebziger Jahre neun Zehntel aller Sitze im Landtage innehatte, hätte aufgehört zu existieren. flu! Ifliekzyn. Pastor Breithaupt, gegen den bekanntlich der Staatsanwalt das Strafverfahren eingeleitet hat, ist immer noch Leiter der Anstalt. Der Magistrat hat auch jetzt noch nickt die noch dort befindlichen Zögling�: fortgenommen. Die Zahl der Zöglinge ist glücklicherweise infolge weiterer Entweichungen auf sieben zusammengeschmolzen. Diese Nicht- rntfernung deS Herrn Pastors hängt damit zusammen, daß der Magistrat immer noch mit dem für die Greuel in Mielczyn mitverantwortlichen Kuratorium des„Evangelischen Vereins für Waisefürsorge in der Ostmark" Unterhandlungen führt. Jnsolge der Mißhandlung, die ein ausweislich der Alten geistig zurückgebliebenes Kind durch Pastor Breit- Haupt hat erdulden müsien, ist dies arme Kind jetzt der Gefahr nahe, in dauerndes Siechtum zu verfallen. Es leidet bis heute an ständiger bis zur Verfolgungsidee gesteigerten Angst vor weiteren Mißhandlungen durch den Pastor Breithaupt. In dem neuesten„Ministerialblatt für die preußische innere Verwaltung" wird das RcichLgerichtSurteil in der Strafsache gegen Kolander vom 17. Mai IWS abgedruckt. In diesem Urteil wird die Frage erörtert. wann eine strafbare Ueberschreitung des aus dem ErziebungSrecht folgenden ZiichtignngSrechtS vor- liege. Das Urteil führt auS: Eine Strafbarkeit liegt stets vor, wenn es vom Schlagenden in Wirklichkeit nicht auf Anwendung von Zuchtmitteln, sondern ans bloße Mißhandlungen unter dem Vor« wände der Züchtigung abgesehen war. Eine Strafbarkeit liege aber auch dann vor, wen» der Umfang de? ZiichtigungsrechteS über- schritten ist. Dieser Umfang wird durch„den allgemeinen Zweck der Erziehung bestimmt, also der im Interesse, den Fähigleiten und Anlagen sowie den sonstigen Verhältnissen des KindeS ent- sprechenden Sorge für seine körperliche, geistige und fitt- liche Ausbildung, und durch die besonderen Zwecke der Für- sorgeerziehung."„Hiernach ist zu entscheiden, ob die jeweilig vor- genommene Züchtigung sich nach Art und Maß innerhalb der Grenze einer maßvollen, vernünftigen und durch die Umstände gebotenen AnstaltSzucht gehalten hat." Wegen der Mißhandlung des armen, mit Stockhieben traktierten. an Hänoen und Füßen mit Stricken gebundenen und in den Wasch« räum geworfenen FürsorgezöglingS, der jetzt dem Siechtum nahe ist, hat Pastor Breithaupt zu seiner Entschuldigung angeführt, er habe nicht gewußt, daß dies Kind psychopathisch' war, weil der Magistrat die Akten ihm nicht üüersandt hatte. Nach dein schon früher von uns Dargelegten und den eben angeführten Gründen dev Reichs- acrichtScntscheidung dürste eS keinem Zweifel unterliegen können. daß selbst eine gelinde Züchtigung mangels jeder Kenntnis über die Persönlichkeit de» Zöglings eine st r a f b a r e Mißhandlung war. Art und Maß der vom Pastor Breithaupt angewendeten ZiichtlgungSmethode waren aber so ungeheuerliche, daß auch eine nach Jahren berechnete Gefängnisstrafe IUI Verhältnis zu den ver« übten Greueln von gesundem Rechtsempfinden als hinreichende nicht erachtet werden kann. Pastor Breithaupt befindet sich aber noch immer auf freiem Fuße. Und der M a g i st r a t verhandelt gar mit dem Kuratorium, unter dessen verantwortlicher Leitung die zum Himmel schreienden Mißhandlmigen der Kinder erfolgten. über Fortdauer des Fürsorgeverirage» mit Mielczyn. Und daS nennt sich„freisinnige" Stadtverwaltung. poUrtfcbe dcberlicbt. Berlin, den 2. November 1909. Ein alter Schwindel. Mit der bekannten agrarischen Ungeniertheit tischt die„Deutsche TageSztg." in Nr. V12 wieder«ine schon mehrfach als Schwindel nachgewiesene Berechnung auf über die Steigerung der Löhne und Lebensmittelpreise. Um eine über die Preissteigerung hinausgehende Lohnerhöhung zu konstruieren, stellt sie die offiziellen Angaben über die vergarbeiterlöhne im Jahre 1S8S mit solchen auS dem Jahre IVOS in vergleich. Das Jahr 1S8S war nun aber das der niedrigsten Löhne, standen doch die Tagesverdienste im Bergbau, die hier zum Exempel gewählt sind, weit unter denen, die 1873 erzielt worden waren. Andererseits waren die Lebensmittelpreise auch im Jahre 1883 verhältnismäßig hoch, so daß bei einem Vergleich mit dem Jahre 1V0S die Lohnstelgerung erheblich, die Steigerung der Lebensmittelpreise minder hoch erscheint. Will man vergleichen, dann muß man selbstverständlich entweder die Ergebnisse zweier Krisen« oder zweier Hochkonjunkturjahre gegenüber stellen. Doch sehen wir uns zunächst die Zusammenstellung der„Deutschen TageS« zeitung' an. Sie schreibt: Im folgenden geben wir eine Tabelle, welche für 1883 und 1333 einmal die JahreSdurchschnittSlöhne der in der KnappschaflS- Berufsgenossenschaft versicherten Arbeiter, und speziell noch der Arbeiter im Steinkohlen-Bergbau wiedergibt und die Preise für Roggen, Weizen, Sprisekartoffeln. Rinder und Schweine, durchweg für Berlin, dessen Preise ja ungefähr dem ReichSdurchschnitt ent- sprechen. In der S. Kolumne ist dann die Steigerung in Prozenten berechnet. 1883 1333 Steigerung M. an.°/o Jahresdurchs chnittSlöhne der Knapp« schaftSberufSaenosienschast.. 723 1339 91,3 Speziell Steinkohlenarbeiter,.. 768 1478 32.4 Roggen p. Tonne lBerlln).... 133,3 186,5 12,8 Weizen p. Tonne(Berlin).... 121,3 2ll.2 33,3« Speisekartoffeln p. Tonne(Berlin). 23.3 24.3 83,3 Rinder p. Doppelzentner.... 131,4 133,0 37,1 Schweine p. Doppelzentner... 34,2 116.3 23,2 Durchschnitt für die fünf Konsumartitel 44.7% Wir sehen also, baß die Löhne für die fünf Konsumartikel sich in den 22 Jahren fast verdoppelt haben. Die durchschnittliche Steigerung der fünf hier aufgeführten Konsumartikel aber beträgt noch nicht die Hälfte der Lohnsteigerungcn. Demnach liegt also gar kein Grund vor, von einer ungewöhnlichen Belastung der Arbeiterschaft durch die Preissteigerung zu reden: die Lohn- ftdgenmg hat jedenfalls, wie wir hier sehen, noch einmal so große Schritte gemacht. Wie leichtfertig der Statistiker der„Deutschen Tageszeitung" vorgeht, zeigt schon seine Ermittelung des Durchschnitts. Anstalt diesen auS den absoluten Größen zu ermitteln, errechnet er ihn auS den— prozentualen Steigerungen l Nach solchem Beispiel könnte man auch Schweine. Agrarier, Esel und Grafen zusammcnaddieren. Doch das nur nebenbei. Die Haltlosigkeit der aristokratischen Rech- nung darzutun, dient die nachfolgende Berechnung. Wir haben dabei die höchsten Bergarbeiterlöhne ausgewählt und die Preise nach den Veröffentlichungen des Statistischen AmtS der Stadt Berlin eingestellt. Danach ergibt sich dieses Bild: «iwi iona Steigerung Tagesdurchschnittsverdienst der �«m in Bergarbeiter im OberbergamtZ-"'' Prozent bezirk Dortmund,..... 4,13 4.82 12.31__ Roggen per Tonne.,.... 142,22 183,48 33.88 Weizen........ 151,80 211,22 30,07 Kattoffeln, 1200 Kilogramm... 54.31 64.72 13.83 Ochseufleisch, I.Oual., 53Kilogramm 28,85 69,73 13,49 Schweinefleisch, 53 Kilogramm.. 47,79 58,33 23,41 Die Lohnsteigerungen haben demnach nicht nur nicht gleichen Schritt gehalten mit den Preisaufschlägcn, sie find hinter diesen ganz erheblich zurückgeblieben._ Höhere Töchter! Vor kurzem veröffentlichte die„Nordd. Allgem. Ztg." eine offizielle Warnung des Kolonialamtes, in der die Eltern hoffnimgs- voller„höherer Töchter" ersucht wurden, darauf zu achten, daß ihre weiblichen Sprößlinge nicht mit den schwarzen Jünglingen der deulschen Kolonie» in brieflichen Verkehr treten und ihnen brünstige Liebesbriefe schicken. Die Warnung warf ein grelles Licht auf die Gefühlsverbildung und-Berirrung der„höheren Tochter", der es in unseren heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen nur zu oft an jeder ernsten geistigen und körperlichen Arbeit fehlt. Immerhin handelte eS sich in diesem Fall nur um ein widerliche? Liebesgirren per Distanz: die Szenen aber, die sich jüngst in Hamburg bei der Abreise der in Hagenbecks Tierpark ausgestellt gewesenen Schwarzen abgespielt haben, zeigen, daß, sobald sich die günstige Gelegenheit bietet, diese „gebildeten" Töchter zum Teil unter die gewöhnlichste Straßendirne herabsinken. Bürgerliche Blätter wisien nämlich aus Hamburg zu berichten: „Gestern nachmittag gingen mit dem Dampfer„Skandia" von der Hamburg-Amerika-Linie die während des Sommers in Hagen- becks Tierpark zur Schau gestellten Aethiopier in See. Es gab dabei höchst widerwärtig« Szenen. Eiwa zwanzig Verehrerinnci'. der Aethiopier hatten sich am Auguste-Viktoria-Kai eingefunden, als die Truppe in vier Wagen an.am und eingeschifft wurde. Die Mädchen gaben sich als die intimen Freundinnen der Schwarzen, denen sie in jeder Weise ihr Bedauern über deren Scheiden zum Ausdruck brachten. Einigen der Mädchen, die fast alle Abschiedsgaben mit- gebracht hatien, gelang es sogar. aufS Schiff zu kommen, um ihre schwarzen Freunde im Zwischendeck aufzusuchen. Sie wurden allerdings, sobald sie bemerkt wurden, von Bord gewiesen. Die Mehrzahl der jungen Dämcken, die für daS Entwürdigende ihres Lerhaltens kein Gefühl hatten, standen dann mit den Aethiopier» am Kai. Adressen wurden ausgetauscht, zärtliche AbschicdSworte flogen hin und her. Als die Dampspfeife da» Abschiedssignal er- tönen ließ, gab eS die rührendsten Abschiedsszenen." Ethnologen und Reisende, die niedrigstehende Völkerschaften be- suchten, haben oft über die widerliche Geilheit und Aufdringlichkeit der eingeborenen Weiber berichtet. Die Erzählungen der zurück- kehrenden Aethiopier über die vielgerühmte Siltenreinheit der deutschen„gebildeten" Tochter werden kaum viel ander» lauten. Die Einnahmen des Deutschen Reiches an Zöllen. Steuern und Gebühren in der Zeit vom 1. April bis Ende September dieses Jahres ergaben einen Uebcrschnß über den Etatsansatz von 54,6 Millionen Mark. ES brachten mehr: Die Zölle 28,4, die Börsensteuer 17,7 Millionen Mark, die Branntweinverbrauchsabgabe 12,8 Millionen Mari, die Zuckcrsteuer 3.2 Millionen Mark, die Erbschaftssteuer 2 Millionen Mark, die Zigaretten-, die Schaumwein- und die Losesteuer je etwa» über 1 Million Mark. Mindererträge ergaben: die Brausteuer(2,2 Millionen Mark) und die Tabaksteuer(1.1 Millionen Mark). Beeinflußt sind diese Erträge natürlich durch die neue ReichSfinanzreforin. Die da- durch neu eingeführten Abgaben sind die Stempelsteuern von Ge- winnanteilschein- und ZinSbogen, von Schecks und von Grundstücks- Übertragungen. Die Einnahme von den Schecks datiert erst vom 1. September; sie hat 269 764 M. in diesem Monat betragen. AuS der Talonstcuer sind 247313 M. und auS Grundstücksübertragungen 2331 733 Mark vereinnahmt. Die Sinnahme an Stempelsteuer sürFrachturkundcn belief sich auf 7,2 Millionen, um 3,3 Millionen weniger al« im Etatsansatz, für Personenfahrkarten auf 3.6 Millionen oder 3.2 Millionen Mark weniger, für Kraftfahrzeugkarten auf 1,3 Millionen oder 3.8 Millionen Mark mehr, für Tantiemen auf 2,4 oder 0,7 Millionen Mark mehr. Die Emnahmen der Post ergaben ein Minu» von 24,1 Millionen Mark gegen den Etat. Schon diese Zahlen zeigen, daß daS MehrergevniS der Reichskasse nicht annähernd den Mehrbetrag der ungedeckten Matrikularbeiträge für 1933 erreichen wird.--_ Verurteilter Amtövorsteher! Im Wahlkreis Züllichau-Krossen haben unser« Par» teigenossen unter der Saalabtreibung ungemein zu leiden. Na- mentlich im Bereich de» LandratSamtS Krassen a. Oder. AIS in Räd n i tz nach jahrelangem Kampfe der Lokalinhabcr de» Hammer- krugeS sich endlich dazu verstand, seinen Saal auch den Arbeitern zu ihren politischen und gewerkschaftlichen Versammlungen zur Verfügung zu stellen, da begannen die kleinen Mittel preußischer „Fürsorge" zu spielen. Persönliches„Gutzureden". Verweigerung der Tanzerlaubnis, Strafmandate für Dinge,„über die man sonst hinweg gesehen hätte". Der Amtsvorsteher von Rädnitz, Herr W a m t n» k i, war eS bekanntlich, der neben seiner Amtsvorsteher. tättgbeit für die bei ihm um TanzerlaudniS nachsucknnden Gast- Wirt« die Bicrlicfcrung übernahm. MS unser Genosse Grauer gelegentlich der Maifeier im vorigen Jahre in LeiterSdorf einen Vortrag halten sollte, wurde daS amtSvorsteherliche Bier auf Anordnung des AmtSvorsteherS wieder aus dem Keller des Gastwirtes, wo eS schon seiner Bestimmung harrte, zum Amtsvorsteher zurückgeholt. Dieser AmtSvorsteher hat nun von dem Wirt de» HammerkrugeS im Jahre 1932 eine Landparzelle zur Ausnutzung de» Sandes für die Glasfabrik gepachtet, deren Mitinhaber Herr WaminSkr war. AI» der Verpächter den Pachtpreis von 73 Mark pro Morgen und Jahr für zu niedrig Iwjeichnete, soll der AmtSvorsteher ihn mit dem Versprechen zum Vertragsabschluß bewogen haben, daß der Wirt alle 14 Tage Tanz abhalten dürfe. Dieses Versprechen— das allerdings über die amtsvorstcherlichcn Machtbefugnisse hinausgeht— ist nun aber nicht inne gehalten worden, da unter Umständen ja auch die bösen Sozi an dieser Vergünstigung teilnehmen konnten. Aber das Versprechen wurde ruchbar, es gäb eine Anklage wegen Amtsmißbrauchs»wd die Strafkammer in Guben verurteilte den Herrn Wawinski zu ist) Geldstrafe. Inzwischen müsien sich aber die Gastwirts weiter die„Fürsorge" gefallen lassen. In G l c m b a ch erschienen Gendarm und Pastor bei dem dortigen Gastwirt, nachdem Genosse Grauer zu den dortigen Eintvolsnern unter ihrem Beifall ge- sprachen hatte. Die Folge des Besuches war die Erklärung, dag der Wirt die Gaststube zu Versammlungen nicht mehr hergeben könne. In Beutnitz i. Mar! bemühte sich sogar ein Obcrwacht- meister aus Krassen, um den Gastwirt vor schlimmen Folgen zu sichern. In Drewitz i. Mark wurde dem dortigen Gastwirt der Umstand zu seinen Gunsten ausgelegt, daß er„neu" am Orte sei. „Man wolle für diesmal darüber hinwegsehen," lautete der sauste Druck. Die Landbewohner hören aber die Sozialdemokraten ganz gerne. Ist doch Genosse Grauer in Glembach von Drewitzer Ein- wohnern direkt aufgesucht und zum Vortrag aufgefordert worden. In Alt- Beutnitz i. Mark, sprach Genosse Grauer am 3. Ok- tobcr über die Belastung des Volkes durch die neuen Steuern. 87 von den etwa 100 Wählern des Ortes waren erschienen. Auch ein- zelne Frauen in den Nebcnräumen hörten sichtlich gespannt den Worten des Redners zu. Obwohl die ganze Obrigkeit des Ortes dem vernichtenden Urteil des Vortragenden über die Tätigkeit des Schnapsblockes und das Verhalten des Abgeordneten deS Kreises, Bürgermeisters Schlüter-Sommerfeld, aufmerksam folgte, rührte sich nicht einer der Anwesenden zur Verteidigung der Taten der Reichstagsmehrheit. Wenn nun auch trotz der Behauptung des Reichskanzlers, daß die Saalabtreibung durch die Beamten ein Amtsmißbrauch sei und bestraft werde, auch in diesem Orte die Einschüchterung des Gastwirts gelingen sollte, so ist doch zu hoffen, daß die gut verlaufene Versammlung gute Früchte tragen wird._ Die Folgen der neuen Tabaksteuer. Die Zigarrenfabrik von E. B. Gerste in Görlitz stellt ihren Be- trieb ein. Zirka 100 Arbeiter und Arbeiterinnen, von denen einige 30 Jahre und noch länger in dem Betriebe beschäftigt waren, werden dadurch arbeitslos. Der Besitzer der Fabrik, ein freisinniger Stadtverordneter, hat in den letzten Jahren drei Fabriken auf dem Lande errichtet. In diesen Fabriken wird der Betrieb aufrecht er- halten, weil da die Arbeitskräfte billiger sind. In den übrigen Zigarrcnfabriken in Görlitz ist die Arbeitszeit um zwei Stunden, teilweise um vier Stunden pro Tag verkürzt worden. Cnglancl. Die Etatbcratung. London, 2. November.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Im Unterhause begann heute die dritte Lesung des Etats, für die drei Tage in Aussicht genommen sind. Der junge Chamber- lain beantragte die Ablehnung der Vorlage. Derartige Anträge sind in England Ausnahmen. In der Regel wird die dritte Lesung des Etats ohne„ckivision"(namentliche Abstimmung oder Hammelsprung) angenommen, während die eigent liche Opposition sich bei der KommisstonSberatung bemerkbar macht. Chamberlains Antrag wird selbstredend abgelehnt werden, da nicht nur die liberale Fraktion, sondern auch die Arbeiterfraktion für die Regierung stimmen werden. Unmittelbar nach der dritten Lesung wird der Etat ins Oberhaus ge schickt, wo er-» gegen den Geist der Verfassung— abgelehnt werden wird. Der Beginn der Debatte. Austen Chamberlain erklärte, daß zwar manche Mängel MlS dem Gesetze ausgemerzt, aber die Vorwürfe der Opposition gegen seine Hauptgrundsätze dieselbe seien. Er wiederholte seine Kritik an den Grundsteuern und der Konzessionssteuer und erklärte, der Hauptnachteil des Budgets sei, daß es abgefaßt sei mit dem Wunsche und der anerkannten Absicht, besondereLasten auf besondere VolkSIreise zu legen, die von der Regierung geächtet und verfolgt würden. Die Opposition glaube, daß es einen besseren Weg gebe, den finanziellen Erfordernissen zu begegnen. Chamberlain schloß mit den Worten: Laßt uns auS den Erfahrungen unserer Kolonien und fremder Länder lernen (ironischer Beifall bei den Liberalen), laßt den LuxuS der Reichen feinen Anteil an den Steuern tragen und laßt diegroßeMenge der Einfuhrgüter aus dem Auslande ebenso «ihren Zoll tragew zum Lorteil des Marktes, von dem sie profitieren,_ Die Gemeindewahle». London, 1. November. Bei den heutigen Munizipal- Wahlen erhielten nach den bis Mitternacht aus den ein- zelnen Stadtteilen, mit Ausnahme Londons selbst, vor- liegenden Ergebnissen die Konservativen und U n i o- n i st e n 32, die L i b e r a l e n 33, die A r b o i t e r p a r t e i 15, die Unabhängigen 4 Sitze und die Sozialisten 1 Sitz. London, 2. November. Nach den bis heute früh vor- liegenden Wahlergebnissen aus 23 Stadtteilen halten sich die Gewinne und Berluste der einzelnen Parteien un- gefähr daS Gleichgewicht» so daß die K o n s e r» vativen die vor drei Jahren errungene starke Majorität behaupten. Sdweäeii. Der groß« Kampf. Der LollziehnngSausschuß des sozialdemokratischen Partei- Vorstandes hat Ende der verflossenen Woche einen Aufruf an daö arbeitende Boll Schwedens veröffentlicht, in dem zu allgemeinem Volksprotest gegen die rücksichtslose Gewaltherrschaft der Kapitalistenklasse aufgefordert wird. Die Scharfmacher wollen den ausgesperrten Arbeitern daS Koalitionsrecht rauben und denen, die die Arbeit aufgenommen, verbieten, ihre kämpfenden Arbeitsgenossen, selbst wenn es sich um die eigenen Eltern oder Kinder handelt, zu unterstützen. Die. die sich nicht fügen, werden gewaltsam aus den Wohnungen getrieben, eine bei der beginnenden Winterkälte doppelt brutale Maßregel. Gegen diese Tyrannei und offenbare Verhöhnung einfachster Bürger« und Menschenrechte soll im ganzen Lande unter Führung der Lrbeiteriommunen durch große Volksversammlungen und Demonstrationen aufS schärfste protestiert werden. Derartige Demonstrationsversammlungen haben bereits am Sonntag in Stockholm, Göteborg, Eskilstuna und einer Reihe anderer Orte stattgefunden. Massenbesuch und einstimmige Protestresolutionen zeugten dafür, wie entschieden und scharf das arbeitende Voll das verderbliche und brutale Treiben des Unternehmertums verurteilt. Zu der Massenaussperrung selbst ist mitzuteilen, daß der Vcr» mittelungSbeamte Cederborg. der sich nun von neuem bemüht, Frieden zu stiften, die Vertreter der Parteien auf den gestrigen Dienstag zu einer Verhandlung tingeladen hatte. Da jedoch die schwedische Arbeitgebervereinigung erst unter sich am selben Tage in einer Vorstandssitzung, am folgenden in einer Vertretersitzmig be- raten wollte, wurden die Verhandlungen auf Donnerstag verschoben. Spanien. Kein Systemwechsel. ES wird immer deutlicher, daß die Entlassung beS Minister« Präsidenten Maura, die unmittelbare Wirkung der Demonstrationen der gesamten Kulturwelt gegen die mordgierige Pfaffenbande, nur den Zweck gehabt hat, die Gemüter zu beruhigen. In Barcelona amtieren die Kriegsgerichte weiter, als ob nicht» geschehen wäre, von einer Freilassung der massenhaften Gefangenen istnoch immer keineRede. Die CorteS sind vertagt worden. Und die klerikale Presse gefällt sich weiter darin, Kundgebungen, darunter auch solche de» König» und seiner Familie zu veröffentlichen, die FerrerS Andenken zu be- 1 deutung ist. schmutze» und die an ihm verübte Schandtat zu rechtfertigen be- stimmt sind. Zwar hat Maura selbst eine politische Rede gehalten. in der seine schäumende Wut über den Verlust des Ministersessels sich austobt, und die zu der Vermutimg geführt hat, als ob sein tolles Wüten in Katalonien auf krankhafte Zustände zurückzuführen sei. Aber tatsächlich hat sich mit seinem Abgangs nichts Wesentliches geändert. Indessen geht die Volksbewegung weiter. Die Opposition benutzt die etwas größere Bewegungsfreiheit, die die neue Re- gierung bis auf weiteres gewährt. Der Führer der Republikaner L e r r o u x wurde in Madrid mit große» Kundgebungen eutpfangen, wo er die Wirkung der Bewegung Europas anerkannte und für die verfassungsmäßigen Rechte und die Gewissensfreiheit redete. Auch in vielen anderen Städten Ost- und Slldspaniens haben große Kundgebungen stattgefunden. In Valencia huldigten Zehntausend der Schlvester FerrerS.— Man will ein Komitee bilden, um die Revision deS Ferrer-Vrozesses zu betreiben. Die Erzählung, daß der Pap st für Ferrer das Wort ergriffen habe und nur bor der entschiedenen Ablehnung der spanischen Regierung zurückgeioicheu sei. hat sich als Fabel herausgestellt. Wenn PiuS X. Ferrer hätte retten wollen, dann hätte er es gekonnt. Denn seine Stimme ist noch immer maßgebend in Spanien. Das geht schon daraus hervor, daß der Privatsekretär des Königs, Mcrry del Val, ein Jesuit, der Bruder des Sekretär« des Auswärtigen am päpstlichen Hose ist. Die Verantivortung läßt sich also nicht vom Haupte der Kirche abwälzen. Sie wird auch von der internationalen klerikalen Presse im vollen Umfang übernommen, die alles tut, um das Andenken Ferrers mit Schmutz zu bewerfen und die an ihm begangene Schandtat zu beschönigen. DaS ist auch gut so. Denn so wird die Bewegung, die sonst leicht in einer vorübergehenden moralischen Entrüstung verpufft wäre, immer wieder auf den Hauptsitz des Uebelö hingelenkt: den Klerika- lismus, der nur durch zähe und zielbewußte dauernde Auf- klärungS- und Reformarbeit zu überwinde» ist. foilZlanci. Die Gewalttat aufgeschoben? Petersburg, 1. November. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß der Plan der Einverleibung deS Gou vernementS Wyborgvor läufigfallengelassen ist. 6necbenUnd. Die Militärdiktatur. Athen, 2. November. Der Offiziersbund erklärte, eine Diskussion im Parlament über den Marincaufstand nicht zu müh s ch e n und übermittelte diesen Beschluß gestern der Partei Theotokts und dem Parlamentspräsidcnten, welcher RhalliS benachrichtigte. Zivei Kompagnien besetzten den Hof und die Korridore des Parlaments. Ein Teil der Garnison stand in der Kaserne unter Waffen. Das Parlament hörte schweigend die sehr kurzen Eröffnungen des Ministerpräsidenten Mluwomichalis an, daß der Aufstand schnell unterdrückt worden sei und daß die baldige Bestrafung der Schuldigen bevorstehe. Huö der partei» Der Stand der finnischen Sozialdemokratie 1903. Dieser Tage ist der statistische Bericht über die Größe der Partei uird ihre Tätigkeit erschienen. 1127 zur Partei gehörige Organisationen umfassen zusammen 71 206 Mitglieder— darunter 51 438• Männer, 16 828 Frauen.— 1907 waren die entsprechenden Zahlen: 82 323— 61455—■ 18 873. 1906: 85 027— 65 017— 18 986. Nach diesen Zahlen zu urtcllen, müßten die politischen Partei- organiiationen der finnischen Sozialdemokratie schwächer geworden sein. Das wäre zwar keine erfreuliche Taisache, aber doch zu ver- stehen. Der größte Zudrang zur Partei erfolgte in der äußerst erregten Zeit der Revolution— in den Jahren 1904, 1905 und 1906.(1904:16 610: 1905: 45 298; 1900: 85 0271) Unter diesen Massen befanden sich viele kleinbürgerliche Element«, die in ihrem revolulionärcn Drange keinen anderen Anschluß fanden, als den an die Sozialdemokratie. Später wurden sie nüchterner und sie erkannten, daß ihre Interessen sich doch nicht gut mit den Interessen der Arbeiterklasse vereinige» lassen. Sie fielen also wieder ab. Aber auch eine andere Erklärnng ist möglich, nämlich die, daß der Bericht nicht alle Organisationen umfaßt. 274 Organisationen, also'/» der Gesamtzahl, haben ihre Berichte nicht eingesandt, tonnlen also nicht berücksichtigt werden. Schon im vorletzten Berichtsjahre(1907) halten 197 Organisationen keine Berichte eingesandt. Die Zahl der Nachlässigen ist also gestiegen I Wenn wir schätzungsweise Verfahren wollen und annehmen, daß Vs der Parteimitglieder nicht in den Bericht gekommen sind, und sie der obigen Zahl hinzurechnen, so erhalte» wir die Zahl 89082. Sollte aber auch die Zahl der Parteimitglieder au» den an- gegebenen Gründen wirklich zurückgegangen oder stehen geblieben sein, so bedeutet da« keineswegs eine Schwächung der Partei. Da- gegen spricht nickt nur die Talsache, daß die Sozialdemokratie in den LandmgSwahlen stets stegreicher dastand, sondern auch die Tat- fachen auS dem vorliegenden Berichte zeugen dafür, daß die Partei sich in steter Entwtckelung nach aufwärts bestudet. Nur die Organl salioue» der Torpart(Kleinpächler) haben sich von 79 aiif 70 ver- mindert, die übrigen haben sich vermehrt.— Der Bericht enthält solgende intcreffante Zahlenangaben: Zur Partei gehörten im Jahre IVOS: 137 Organisationen in den Dörfern<1907: 131), 126 Frauenorgantsationen(1907: 105), 587 Gewerkschaften(507), 370 von den Organisalionen besitzen eigene Häuser(226), 2072 Zeitungen finden sich in de» Lesezimmern(8(39), die Büchereien weisen 66 522 Bände(30 444) im Werte von 98.615 Fmk.(62 755) auf. An Versammlungen wurden abgehalten: 10 933 VereinSsitzungen(9997). 10 143 Vorslandssitzungen(7401), 2981 allgemeine Arbeilerveriammlunge»(2963), 8091 Unler' Haltungsabende(4982). 545 Lotterten<360). 503 Volksfeste(479) und 195(153) VerguügungStouren wurden veranstaltet. Neben de» Organisationen bestanden 195(153) Gesangvecetnigungen, 69(49) Mustkchöre und 7V(46) Turn« und Sporiklubs. Die Kasseneingänge erreichten die Höhe von 2 508 481(2 468 966) Fmk., die Ausgaben 2 392130(2 280203) Fmk., Ueberschuß: 116 351(188 758), Ver- mögensstand: 3 361039(1681021). In der Volksvertretung ist die Barlet durch 94 l8S) und in den Kommunal-Vertretungeii durch 351(201) Genossen vertreten. Die von den Kommunal- Verwaltungen den Arbeiterorganisationen zugewendeten Summen 'anken auf 87 907(60 V53) Fmk. Dagegen stiegen die Geldstrafen, welche von den Behörden über Genossen verhängt wurden, auf 8365(3315) Fmk., während die Freiheit«- strafen 2011(8060) Tage ausmachten.— Trotzdem die FreiheitS- lcafen etwa» niedriger als im Vorjahre ausaesallen sind, ist De- ander« zu betonen, daß die Gerichte gegen die Sozialdemokraten geradezu zu wüten angefangen haben. Die Redaktionen leiden sehr darunter. Gegen manche Redaktion schweben mehrere Anklagen gleichzeitig, und die Redakteure wechseln miteinander in den Ge- fäugnissen ab. Der n nieste Bericht befaßt sich mit dem neunten WirkungS- ahre der Partei. Und wenn wir die trockenen Zahlen als die Zeichen der Kulturarbeit nehnien, von der sie reden, so erkennen wir, daß die Partei in dem Lande der tausend Seen und unter den Einwohnern von zirka drei Millionen nicht nur ein politischer, sondern auch ein kultureller Faktor von eminenter Be- Die Vertreter des Ministerium des Innern Dr. W i e d f e l d t, der ersprießlich nntgeivirkt lungen zu gewinnen. GewerkfcbaftUcbeg. ein JVHßltlang in der Ouvertüre. Durch den Vorsitzenden des Gewerbegerichts in Berlin, Magistratsrat v. Schulz, sind an die Organisationen der Arbeiter, den freien, christlichen und Hirsch-Dunckerschen Ver- band der Malergehilfen, Einladungen zu Tarifverhandlungen ergangen. Diese sollen am 5. November im Gewerbegericht zu Berlin beginnen; es sind für die Verhandlungen 14 Tage in Ausstchtjjeiiommen. Arbeitgeberverbandes sind beim mehrfach vorstellig geworden, um bei den vorjährigen Verhandlungen hat, auch für diese Verhand- Jedoch wurde eine Beurlaubung Dr. Wied selb ts abgelehnt, und so hat denn der Arbeit- geberverband in letzter Stunde den Herrn Rat B o y s e n aus Hamburg als dritten unparteiischen Richter an die Seite des Gewcrbegcrichtsrats Dr. P r e n n e r- München und Magistratsrat v. Schulz berufen. Der freie Verband erhebt nun Protest gegen das tvenig geschäftsmäßige Gebaren seitens der Arbeitgeber, welche die Heranziehung des Herrn B o y s e n ohne die Zustimmung der Arbeiter bewirkten. Herr B o h s e n hat als Gewcrberichter bekanntlich bei dem Tarif- bruche der Arbeitgeber im Betongelverbe zu Hamburg den Tarifverträgen gegenüber gerade keinen fortschrittlichen Stand- Punkt eingenommen; der freie Verband der Maler erachtet daher die Hinzuziehung dieses„Unparteiischen" nicht als im Interesse einer ersprießlichen Verhandlung liegend. Ob der eingereichte Protest die Verhandlungen verzögern wird, oder gar zum Scheitern bringt, muß abgelvartet werden. Berlin und Qmg-egend. Die Berliner Buchbindereiarbeiterschaft über die Abmachungen in Leipzig. Die Buchbinder und Buchbindcreiarbeiterinnen Berlins hielten am Montag eine öffentliche Versammlung ab, um zu den in Leipzig am 23. Oktober getroffenen Abmachungen Stellung zu nehmen. Die Versammlung war zahlreich besucht und füllte den großen Saal der Arminhallcn samt den Galerien. Die Abmachungen selbst, die ja bereits in Nr. 250 des„Vorwärts" wiedergegeben sind, haben bekanntlich nicht die Bescitinüng, Wohl aber eine starke Einschränkung jenes tarifwidrigen ZustandeS gebracht, daß in Leipzig-Gehilfenarbeiten von Arbeiterinnen zu weit unter den Tarifsätzen stehenden Preisen ausgeführt werden. Der Verbands- Vorsitzende Kloth berichtete über die Angelegenheit und den Verlauf der Verhandlungen. Die Ausführung von Gehilfenarbeiten durch Frauen zu geringen Löhnen ist in Leipzig eine alte Unsitte, die sich bis in die siebziger Jahre zurückverfolgcn läßt. Auch bei der Tarifbewegung von 1906 und 1907 gelang es nicht, sie zu be- seitigcn, und im Jahre 1900 wurde sogar unter Zustimmung der Vertreter der Leipziger Buchbtndereiarbeiterschaft, aber ohne Wissen und Willen der Vertreter der beiden anderen Tarifstädte wie deS Verbandsvorstandes, protokollarisch festgelegt, daß jener Zustand, wonach die Arbeiterinnen Gehilfenarbeit bis zu 30 Proz. unter Tarifpreisen herstellen, bestehen bleiben sollte. Die Leipziger Prinzipale behaupteten nun bei den Verhandlungen, daß diese aus Leipzig beschränkte Protokollbestimmung noch jetzt, nachdem der damals vereinbarte Tarifvertrag längst abgelaufen ist, zu Recht bestehe, obwohl man eigentlich sagen kann, daß sie niemals zu Recht bestanden hat, da sie tarifwidrig ohne Zustimmung der beiden anderen Tarifftüdie zustande gekommen ist. Aber die Prinzipale konnten sich für ihre Behauptung auf ein erst am 2g. Juni 1909 einstimmig beschlossenes Urteil des Tarifschiedsgcricht� in Leipzig berufen, das besagt, daß der 30 Proz.-Abzng immer noch zulässig ist. Sonderbarertveise hatten die Leipziger Gchilfenvertrcter weder dem Verbandsvorstand noch ihren Berliner oder Stuttgarter Kollegen irgendetwas von diesem Schicdsgerichtsbeschluß mitgeteilt; sie sagten nachher, sie hätten gar nicht mehr daran gedacht. Wenn auch das wiederuni einseitig von Leipzigern Vertretern gefällte Urteil für die Angelegenheit selbst durchaus nicht entscheidend sein konnte, so wurde dadurch doch die Position der Arbeitnehmervertreter in den Verhandlungen verschlechtert. Nach Lage der ganzen Ver» hältnisse konnte denn kein besseres Ergebnis erzielt werden, als jene Vereinbarung, wonach das Deckcnmachen sowie die Anferti- gung von Broschüren, mit Ausnahme dünner Zeitschriftenhefte, unter allen Uinständcn nur als Gehilfcnarbeit gilt, und im übrigen der Abzug für von Frauen hergestellte Gehilfenarbeit nur noch 20 Proz. betragen darf. Der Berliner Buchbtndereibcsttzer W ü b b e n gab dazu auf Anfrage des Vcrbandsvorsitzenden Kloth die Erklärung ab, daß die Berliner und Stuttgarter Prinzipale durchaus nicht versuchen wollten, die Verhältnisse in Leipzig auf ihre Buchbindereien zu übertragen. Der Referent machte zum Schluß darauf aufmerksam, daß nun auch die Arbeiterschaft des Berufs jeden derartigen Versuch energisch entgegenwirken und ferner alles aufbieten müsse, um bei Ablauf der bestehenden Tarifgemeinschaft im Jahre 1911 jenen Ausnahmezustand in Leipzig endgültig zu beseitigen. Berliner Prinzipalsvertreter hatten bei den Verhandlungen in Leipzig den Berliner Buchbindereiarbeiterinnen das Zeugnis ausgestellt, daß sie sich nicht thrcn männlichen Kollegen gegenüber als Schmutzkonkurrenten gebrauchen' ließen. In der lebhaften Debatte, die dem Ref-rat folgte, wurde dagegen von mehreren Rednern, namentlich auch von Arbeiterinnen, behauptet, daß in Berlin gleichwohl in verschiedenen Werkstätten Gehilfcnarbeit von Frauen ausgeführt und unter Tarif bezahlt werde, so daß man auch hier alle Ursache hat, derartiger Schmutzkonkurrenz mit aller Kraft entgegenzutreten. Die Versammlung nahm folgende Reso- lutton an: „Die Buchbinder und Buchbindereiarbciterinnen Berlins prqtcstiercn gegen die Gültigkeit der Heranziehung des Protokolls von 1900. Die Versammelten betrachten den Abzug von 30 Proz. als einen Tarifbruch, da die Tarifgemeinschaft sich auch über Stuttgart und Berlin ausdehnt, folgedeffen auch die Beteiligten in diesen Orten ihre Zustimmung dazu hätten geben müssen. Sie können sich mit den Beschlüssen vom 23. Oktober 1909 nicht zufrieden erklären und erblicken darin eine Schädigung ihrer wirtschaftlichen Lage. In Berücksichtigung der nun geschaffenen Sachlage stehen die Versammelten jedoch einmütig hinter ihren Vertretern und werden alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel anwenden, um ihre so traurige wirtschaftliche Lage zu verbessern. Die Versammelten verurteilen die untarifliche Handlungsweise der Leipziger Schtedsgertchtöbeisitzer, ihre Mitwirkung bei dem Urteil vom 29. Juni 1909, und ersuchen den VrrbanoSdorstand sowie die Tartfkommisston, Mittel und Wege zu finden, um der- artig« Beschlüsse unmöglich zu machen und die Tarifgemeinschaft in vollem Sinne des Worte» zur Geltung zu bringen. Des weiteren erwartet die Versammlung vor allem, daß die Leip- tiger Kollegenschaft sich die winzigen Errungenschaften nicht nach Leihnachten wieder entreißen läßt." Unter Branchenanaelcgenhelten wurde die ungeheure Arbeitslosigkeit im Beruf zur Sprache gebracht. Wie der Arbeltsvermittler Rtcger mitteilt, waren am letzten Sonn. abend im paritätischen Arbeitsnachweis nicht weniger als 178 toeib- liche und 186 männliche Arbeitslose eingezeichnet und am Montag sind noch 52 hinzugekommen. Dabei ist jetzt für das Buchbinder- gcwerbe die beste Geschäftszeit des ganzen?»chres und in manchen Werkstätten wird viel Ueberzeitarbeit geleimt. Die Versammlung beschloß hierzu einstimmig, daß die Vertrauensleute in den Werk- Batten bei der GeschäftSleituna vorstellig werden sollen, um die eberzeitorbett soviel wie irgend möglich einzuschränken und damit den Arbeitsnachweis zu entlasten.„ Der Tarif der Parkcttbodenlegcr, der im Jahre 1904 abge. schlössen worden ist. wurde seit etwa zwei Jahren, obwohl er nicht außer Kraft gesetzt war, nicht mehr innegehalten. Als die Wirt- schaftliche Krise hereinbrach, erklärten die Unternehmer, sie seien außerstande, die Arbeiter nach dem Tarif zu entlohnen und zahlten geringere Löhne. Die Arbeiter konnten während der Zeit der schlechten Konjunktur nicht an eine erfolgreiche Abwehr denken und erklärten sich wohl oder übel mit der geringeren Bezahlung einverstanden. Neuerdings hat der Holzarbeiterverband, die Or- ganisation der Bodenleger, Schritte getan, um, da sich die Kon- junktur wieder hebt, den Tarif von 1904 wieder zur Anerkennung zu bringen. Wie in der Branchcnversammlung am Montag be- richtet wurde, haben Verhandlungen mit dem Vorstande der Parkett- geschäfte stattgefunden. Es ist eine Vereinbarung zwischen den beiden Organisationen abgeschlossen, die seit denn 1. November in straft ist und vor dem Gewerbegericht festgelegt werden soll. Der Verband der Parkettgcschäfte hat sich zur Wiedereinführung des Tarifs von 1994 bereit erklärt. Bei den Firmen, welcbe dem Ver- bände nicht angehören, ist dieselbe Forderung gestellt worden. Zurzeit verhandelt der Holzarbeiterverband mit den einzelnen außerhalb des Verbandes der Parkettgcschäfte stehenden Firmen. Wo keine Einigung erzielt wird, soll die Wiedereinführung des Tarifs durch Arbeitsniederlegung erzwungen werden. Die Ar- beiter von zwei Parkettsirmen befanden sich aus diesem Grunde am Montag schon im Streik. Dendkches Reich. Die Aussperrung der Maurer und BauhilfZarbeitcr in Fürsten- Walde ist vollständig ins Wasser gefallen. Sechs Arbeitgeber mit ca. 199 Maurern und Bauhilfsarbeitern haben die neuen Tarif- bedingungen bereits anerkannt; auf deren Arbeitsstellen wird ge- arbeitet. Als die Arbeitgeber den Maurern und Bauhilfsarbeitern am 16. Oktober das Ultimatum stellten, kündigten sie auch für den Fall, daß die Arbeit nicht bedingungslos aufgenommen würde, den Zimmerern die Aussperrung zum 25. Oktober an. Doch haben sie hiervon Abstand genommen und am 22. Oktober beschlossen, von der Aussperrung der Zimmerer Abstand zu nehmen. Zuzug ist aber nach wie vor fernzuhalten, da bei einigen Firmen gestreikt wird. Die Maurer in Rhino», einem Landstädtchen des Kreises Westhavelland mit 1262 Einwohnern, haben am Montag die Arbeit niedergelegt. Sie unterbreiteten vor vier Wochen den Arbeitgeber» ihre Lobnsorderimg. Der Stundenlohn, der bisher 49 Pf. betrug. sollte eine Erhöhung von 5 Pf. erfahren. Der Unternehmer Drews entließ darauf den Wortführer der Gesellen, was die übrigen bei Drews Beschäftigten veranlaßte, die Arbeit einzustellen. Inzwischen hat sich die Sache so entwickelt, daß auch bei den übrigen Arbeit- gebern schärfere Maßnahmen zur Durchführung der Forderung unter- nommcn werde» konnten. Den Arbeitern des Steinmetzdernfcö in Breslau ist am 39. Ok- tober der noch bis zum 1. März 1910 bestehende Lohntarif von den Unternehmerii gekündigt worden. Die Arbeitgeber wollen dem jetzt bestehenden Lohntaris zustimmen, wenn er bis zum 31. März 1912 abgeschlossen wird. Der Tarif gilt auf weitere zwei Jahre, wenn er nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wird. Wenn aber während dieser Zeit ein Normaltarif sür ganz Deutschland vom Zentralverbande der Steinmetzen vereinbart werden sollte, dann wollen die Unternehmer auch diesem Tarif zustiminen, wenn die örtlichen Verhältnisse von Breslau dabei berücksichtigt werden. Die Organisation der Gehilfen hat dazu noch nicht Stellung genommen. Die Liegniyer Möbeltischler, die vor kurzem in eine Bewegung zur Erringung höherer Löhne eingetreten waren, haben einen Erfolg erzielt. Einige Firmen bewilligten Zulagen von 8 bis 19 Proz. sofort, einige nach kurzen Arbeitsniederlegungen. Nur bei einer einzigen Finna, die nichts bewilligen will, dauert der Streik noch an._ Aussperrung der bergischen Seidenbandwirker. Ueber die Lohndifferenzen, die im Bcrgischen Textilgcwerbe � ausgebrochen, hat der„Vorwärts" bereits kurz berichtet. Nunmehr ist es zur angedrohten Aussperrung der Arbeiter gekommen. Soweit wir bis jetzt erfahre» konnten, sind am letzten Sonnabend die Arbeiter der Firmen Abraham u. Gebr. Frowein und Wegener u. Heß in Elberfeld, ferner Quambusch u. Söhne, Kenna u. Höffken und Wilkes in Barmen ausgesperrt worden. Weil die Arbeiter sich mir nichts dir nichts in Anbetracht der teuren Lebensmittel die von den Fabrikanten vorgenommenen'enormen Lohnkürzungen nicht gefallen ließen, deshalb werden sie ausgesperrt und samt ihren Familien der Not und dem Elend preisgegeben._ Auch ein Terrorist. Bor dem Landgericht in Nürnberg wurde der erste von den Fällen verhandelt, die mit den sogenannten „Streikunruhen" vor der WolffsÄen Zelluloidwarenfabrik zu- sammenhängen. Die bürgerliche Presse, voran die liberale. hat bekanntlich jene Vorkommnisse den Streikenden in die Schuhe zu schieben und als Beweis für den„sozialdemokratischen Terro- rismuS" auszuschlachten versucht, während die Arbeiterpresse von allem Anfang an darauf aufmerksam machte, daß die Ausläufe und Nadauszenen von den durch die polizeilichen Massenaufgebote an- gezogenen zweifelhaften Elementen verursacht worden seien. Dieser erste Fall zeugte für die Wahrheit dieser Behauptung. Der Angeklagte war der nur gelegentlich arbeitende Steinschleifer Loy, ein berüchtigter und oft vorbestrafter Mensch, der mit der organisierten Arbeiter- schaft nicht das geringste gemein hat und auch aus Nürnberg aus- gewiesen ist. Er hat, wie die Verhandlung ergab, lediglich aus Freude an» Krawall Bannbruch verübt und sich nach Nürnberg be- geben, um dort am 16. Oktober sich mit anderen Leuten seines Schlages unter die vor der Fabrik augesammelte Menge zu begeben und Radau zu machen. Dabei warf er nach den Schutzleuten mit Steinen. Als ihn die Polizei festnahm, leistete er heftigen Wider- stand. Er wurde zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Das sind die Leute, die den Scharfmachern so willkommenen Anlaß bieten, »ach Gewaltmaßregeln gegen die Arbeiterbewegung zu schreien. vor der LiMcheidung. Di« Heerschau, welche unsere Parteigenossen gestern, am Vor- abend der Stadtverordnetenwahl abhielten, zeigte, daß die sozial- demokratische Arbeiterschaft Berlins den Kampf um die heute zur Wahl stehenden 16 Stadtverordnetenmandate der dritten Wähler- klasse mit derselben Energie und derselben Siegeszuversicht führen wird, wie sie vor acht Tagen den Kampf um die uns geraubten Landtagsmandate mit glänzendem Erfolge bestanden hat. Galt es vor acht Tagen, einen politischen Verrat des Freisinns zu- schänden zu machen, so gilt es heute, zu zeigen, daß die Arbeiter- schaft auch von der Freisinnswirtschaft im Berliner Rathause Nichts wissen will. Von den 16 Kommunalwahlbezirken, in denen heute die Wahl zu vollziehen ist, waren es 14, für welche gestern abend Versamm- lungen abgehalten wurden. Der größte Teil dieser Bezirke ge- hört ja zu unserem nicht mehr umstrittenen Besitz. Hier kann von einem Wahlkampf im eigentlichen Sinne des Wortes keine Rede sein, denn soviel haben die Freisinnigen doch begriffen, daß sie uns aus den Positionen, in denen wir uns festgesetzt haben. nicht mehr verdrängen können. Aber auch in den Bezirken, wo ein ernster Kamps mit dem Gegner nicht mehr zu erwarten ist. sind unsere Parteigenossen auf dem Posten. Sie wissen: Wenn auch Keräntw. Rcdakt.: Emil llnger, Grunewald. Inseratenteil verantw.: hier der Gegner für alle Zeit SuS dem Felde geschlagen ist, so gilt es doch, mit erdrückender Stimmenzahl unsere Kandadten zu wählen und dadurch zu zeigen, daß die große Masse der Einwohner- schaft Berlins den Herren, welche zurzeit noch das Regiment in der Stadtverwaltung führen, ihr Vertrauen längst entzogen hat und daß die derzeitige Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung lediglich die Interessen einer kleinen Minderheit der Bürgerschaft vertritt, wozu ihr das für die Interessen des Geldsacks zugeschnittene Dreiklassenwahlshstem die Möglichkeit gibt. Doch noch können wir nicht alle die heute zur Wahl stehenden Bezirke zu unserem sicheren Besitz zählen. Einige gehören uns überhaupt noch nicht. Diese für uns zu erobern, gilt unseren Parteigenossen natürlich als Ehrenpflicht. Daß nach dieser Rich- tung gearbeitet ist und weiter gearbeitet wird, kam in den Ver- sammlungen zum Ausdruck. Nicht eher dürfen wir mit den Er- folgen unserer rastlosen Agitationsarbeit zufrieden sein, alK bis alle Bezirke der dritten Abteilung dem Freisinn abgerungen und unserem uneinnehmbaren Besitz einverleibt sind. Das ist die Parole, welche unseren Genossen als Richtschnur im Kommunal- Wahlkampf dient. In denjenigen Bezirken, von denen der Freisinn hofft, daß er sie uns wieder entreißen könne, haben unsere Parteigenossen natürlich eine besonders lebhafte Agitation entfaltet,! die in den gestrigen Versammlungen für diesmal ihren Abschluß fand. Nur einzelne Bezirke sind es, wo der Freisinn noch einen ernsten Wahl- kämpf wagt. Doch nicht einen ehrlichen, offenen Kampf, wo die Gegner ihre Kräfte messen, wagt uns der Freisinn zu bieten. Von hinten herum läßt er seinen Einfluß auf abhängige Wähler spielen. Mit Mitteln, die ein ehrenhafter Gegner verschmähen würde, ist der Freisinn bemüht, seine Hoffnung auf die Zurückeroberung des einen oder des anderen Wahlbezirks zu verwirklichen. Doch die in diesen umstrittenen Bezirken abgehaltenen Versammlungen ließen keinen Zweifel, daß unsere Parteigenossen diese Hoffnungen des Freisinns zuschanden machen werden. Wenn uns auch das Dreiklassenwahlshstem nicht die Möglichkeit gibt, den privilegierten Wählern der ersten und zweiten Abteilung die Mandate, welche ihnen gerechterwcise nicht gebühren, zu ent- reißen, so ist es doch unsere Aufgabe, die Gegner aus der dritten Abteilung ganz zu verdrängen und nicht eher zu rasten, als bis alle Mandate der dritten Abteilung in den Händen der Sozial- demokratie sind. Das war die Losung, welche gestern in den Ver- sammlungen ausgegeben wurde, und das ist der Grundsatz, von dem sich unsere Parteigenossen bei der heutigen Wahl sowie bei allen ferneren Wahlkämpfen leiten lassen. Gestützt auf unser Kommunalprogramm, welches die Versammlungsredner entWickel- ten, werden die Parteigenossen den Kampf führen gegen den Kom- munalfreisinn, der durch seine bisherige Tätigkeit gezeigt hat, daß er als unentwegter Vertreter kapitalistischer Interessen blind ist für die sozialen Pflichten, die einem Gemeinwesen von der Größe und Bedeutung Berlins obliegen. Was in den gestrigen Versamm- lungen zum Ausdruck kam, das wird heute, am Wahltag, aus- geführt werden: Abrechnen werden unsere Genossen mit dem korrupten Freisinn. Auch der heutige Wahltag soll ein Sicgestag der Sozialdemokratie werden. Soziales. Die Krise im Metallgewerbe SüdwestdeutschlandS. Nach dem Bericht der Eisenberufsgenosienschaft für Südwest- deutschland ist die Zahl der versicherten Arbeiter in den Vezirlcu Lothringen, Trier und Pfalz, welche diese Genossenschaft umfaßt, von 76657 im Jahre 1997 auf 60999 im Jahre 1998 gesunken. Mehr als 16999 Arbeiter wurden also durch die Krise arbeitslos. Auch die Löhne sind beträchtlich gesunken, trotz eingetretener Teuerung. Laut Bericht sind die Gesamtlöhne um mehr als 2 4 Millionen Mark oder 23 Proz. zurückgegangen, während die Arbeiterzahl um 29 Proz. zurückgegangen ist. Der Lohn betrug pro Kopf der Ver- sicherten im Jahre 1997 noch 1229 M.. im Jahre 1993 nur noch 1194 Mark, ein Rückgang von 26,99 Mark pro Kopf und Jahr. Das ist die Wirkung der Krise, die in diesen Bezirken dank der Rückständigkeit der Arbeiterschaft sich noch fühlbarer machen konnte. Die Unternehmer sind eben dort noch rücksichtsloser, weil sie auf großen Widerstand der Arbeiter nicht zu rechnen haben und die „Christlichen" wie Schafsleder ansschlitzen. In früheren Jahren wurden die hohen Unfallziffern dieses Bezirks gewöhnlich mit der Ausrede abgetan, daß ja Hochkonjunktur vorhanden sei und Ueberarbeit. Einstellung zahlreicher ungeschulter Kräfte, Aus- länder usw. die Hauptschuld' an den hohen Unfallziffern hätten. Nun kam die Krise. Mehr als 16 900 Arbeiter flogen aufs Pflaster und jedenfalls nicht die alten, sondern die neueingestellten, ungeübten Kräfte. Damit fällt auch die„Notwendigkeit" fort, zahlreiche � aus- ländische Arbeiter einzustellen, da ja doch deutsche Arbeiter genügend jetzt vorhanden sind und auf Arbeil warten müssen. Und trotzdem ist die U n f a I l z i ff e r nicht gefallen, sogar noch etwas gestiegen. Im Jahre 1997 wurden 8391 Unfälle, im Jahre 1993 6583 Unfälle angemeldet. Die Abnahme der Unfallziffern ist jedoch nur eine scheinbare, weil ja die Zahl der Versicherten bedeutend abgenommen bat. Auf 1999 Versicherte entfielen im Jahre 1997 durchschnittlich 199,4 Unfälle, im Jahre 1993 dagegen 199,5 Unfälle. Diese Ziffem bringen den technischen AufsichtSbeamten der Berufsgenossenschast in große Verlegenheit und sucht er in seinem sonst lesenswerten Sonderbericht nach allerlei Gründen für diese Er- scheinung. Er bespricht die Zunahme der Uufallziffer» und ruft aus:„Und das in einer Zeit, in der von einer besonders angespannten Betriebstätigkeit sicher- lich nicht die Rede sein kann. Diese ausfallende Ver- schlechterung der Unfallverhältnisse muß daher ihre Ursache in Ver- Hältnissen haben, die nicht wie sonst in erhöhter Bctriebstätigkeit und der dadurch bedingten Einstellung ungeübter Arbeitskräfte zu suchen sind." Sehr wahr. Doch kann oder will der Beamte diese Frage nicht lösen. Er schimpft vielmehr auf die Arbeiter- schaft, welche immer noch kein Verständnis sür die Unfall- verhütungsvorschristen habe—„ein großer Prozentsatz von Unfällen ist auf größte Fahrlässigkeit, ausgesprochenen Leicht- sinn, ja nicht selten auf ein geradezu herausfordernd er- scheinendes Verhalten zurückzuführen. Seine Arbeitgeber, die Groß- industriellen dieses Bezirkes, lvollen aber keine intelligenten und auf- geklärten Arbeiter haben und stellen nach wie vor billige Arbeiter des Auslandes ein. Der Beamte meint ja selbst:«DnS unglaublich kopflose Gebaren italienischer Arbeiter handgreiflichen Betriebs- gefahren gegenüber ist bemerkenswert". Einige Zeilen weiter schreibt er wieder:„Bei der großen Zahl dieser Ausländer kann dieses Verhalten nicht ohne Einfluß auf die Unfallverhältnisse bleiben." Ja weshalb stellt man denn diese Leute noch ein, wenn so viele deutsche Arbeiter brotlos sind? Ebenso unlogisch ist die Be- merkung des Berichts:„Die Zunahme der Unfälle muß ganz bestimmte Ursachen haben. Man geht nicht fehl, sie einerseits in einem be- sonders in Lothringen stark auftretenden Arbeiter- Wechsel, andererseits in einem Nachlassen der Unsallverhütungs- disziplin zu suchen." Weöhalb gerade in Lothringen trotz starker Krise immer noch ein großer Arbeiterwechsel stattfindet, wrrd nicht erklärt. Und daß die Unfallverhütungsdisziplin nachläßt, wenn man die Neulinge im Betriebe alle entlassen hat und nur mit alten und geschulten Kräften den Betrieb aufrecht erhält, ist unglaublich. Oder sollten die schlauen Industriellen in Zeiten der Krise ihre älteren und teuereren Arbeiter entlassen haben und nur mit billigen Neulingen, AuS- ländern usw. weiter arbeiten?_ lh. Glocke. Berlin. Druck u. Lerlgg: Vorwäcls Buchdr. u.Berl0Lsgnstgll ff Sie Stichlvahlen in Sachsen. Die heute in Sachsen vollzogenen Stichwahlen haben gS- halten, was der 21. Oktober verhieß. Zu den im ersten Wahlgang errungenen 15 Mandaten und den seitdem in den Stichwahlen gewonnenen 2 Mandaten hat unsere Partei nach den jetzt noch eingelaufenen Telegrammen 5 Mandate erobert, so daß sie im neuen sächsischen Landtage insgesamt über 22 Sitze verfügt. Gewonnen wurden heute: Stollberg-Hartenstein: Gewählt: Richter(S-z.l. Stollberg-Land: Krause(Soz.) zirka 7709. Faccius(kons.) 7290 Stimmen. Gewählt: Krause lSoz.) Glauckau-Lichtenstein: Wilde Konservative, 1 Bund der Landwirte, 1 Mittelstands- parteiler, 13 Nationalliberale, 6 Freisinnige und 5 Sozial» dcmokraten. Insgesamt sind nunmehr 80 Abgeordnete ge» wählt, und zwar 24 Konservative. 1 Bun'd der Landwirte, 1 Mittelstandsparteiler, 23 Nationalliberale. 9 Freisinnige und 22 Sozialdemokraten. Die letzten noch erforderlichen Endstichwahlen finden morgen und übermorgen statt. Daran sind beteiligt: 5 Kon» servative, 1 Bund der Landwirte. 6 Nationalliberale und 19 Sozialdemokraten. Versammlungen. Verband der baugewerilichrn Hilfsarbeiter. In der am Sonntag abgehaltenen Generalversonmilung des Zweigvereins Berlin hielt Genosse Mermuth einen mit Beifall aufgeiiommcnen Vortrag, worin er die neueren politischen Ereignisse kritisch beleuchtete. Dann erstaltete der Kassierer die Abrcchiumg sür das dritte Onartal. Die Lokalkasse hatte einen BestandZ von 39499,29 M., dazu kommt eine Einnahme von 5732.45 M. Die Ausgabe betrug 6663.71 M., bleibt ein Bestand von 29 568,93 M. In den verschiedenen UnterstützungS« zweigen wurden 4538 M. ausgegeben, davon kommen 898 auf den Streik der Rohrer und der Slaaker. Die Mitgliederzahl hat eine kleine Zunahme erfahren. Am Schlüsse des dritten Quartals betrug die Zahl der Mitglieder 2673. lUt2te JVadmcbten und Depefcbcn. Kein Schutzengel für Prolctarierkinder. Köln, 2. November.(B. H.) Der Schlosser Meinertzhagen fand gestern abend beim Nachhausekommen seine Wohnung in Rauch gehüllt. Der Fußboden war durch aus dem Ofen gefallenes Feuer in Brand geraten. Das dreijährige Söhnchen des Mannes war bereits erstickt; das einjährige in der Wiege liegende Kind hofft man am Leben zu erhalten. Der gestrandete deutsche Dampfer verloren. Lourenzo Marques(Südostafrika), 2. November.(W. T. B-X Die Versuche, den bei Zavora gestrandeten Dampfer„Gouver» neur" wieder flott zu machen, sind erfolglos geblieben. Man fürchtet, daß der Dampfer ganz verloren ist. Eine Wilddiebtragödie. Karlsruhe, 2. November.(B. H.) Der verhaftete Zigarrenmacher Philipp Feuerstein aus Forst hat nun gestanden, am Sonn» tag. den 17. Oktober, den Forstwärter FirnkeS mit einem Stell- messer getötet zu haben. Firnkes hatte den Feuerstein beim Wildern überrascht und suchte ihm das unter den Kleidern ver» borgen gehaltene Gewehr zu entreißen. Um dies zu verhindern, versetzte Feuerstein dem Waldhüter den schweren Stich. AuS der Flugwelt. Antwerpen, 2. November.(W. T. B.) Der Franzose Rougier hat heute nachmittag einen Höhenrekord mit einem Flug von 279 Meter Höhe aufgestellt. wl Singer& Co« Berlin SW. Hierzu 3 Beilage«».Unterhaltung»»!,~ Nr. 257. 26. Iahrgattg. 1. KtW des Jmuiittö" Sdlintt Botlislilatt. Uilwoch, 3. Uwemd» 1909. Zu den heutigen Stadtverordneten- wählen. Unsere Gegner haken in den letzten Wochen mit fieberhaftem Eifer gerüstet. Sie haben zahlreiche Versammlungen liberaler Kommunalwähler ab gehalten, eine Flut von Flugblättern über die Wähler ausgeschüttet und vor allem auch durch Hausagitation sich der Ihrige» zu versichern gesucht. Mit Pflichttreue ist auch von unseren Genossen gearbeitet worden. Aber der Kampf, den wir heute auszufechten haben, wird diesmal schwerer als je sein. Wirtschaftskrisis und Arbeitslosigkeit haben auf die Zusammensetzung der Wählerschaft dritter Klasse ihren Einfluß ausgeübt. Zahlreiche Arbeiter sind in den letzten beiden Jahren durch Mangel an Beschäftigung genötigt worden, der Reichs- Hauptstadt den Rücken zu wenden. Sehr viel geringer ist die Zahl derjenigen Arbeiter, die inzwischen neu zugezogen sind. Und von ihnen müssen auch noch alle diejenigen außer Betracht bleiben, die vor weniger als Jahresfrist sich in Berlin niedergelassen haben Denn das Recht zur Teilnahme an Stadtverodnetenwahlen wird ja nur dem gewährt, der zur Zeit der Auslegung der Wählerliste seit mindestens einem Jahre in Berlin wohnte. Von den Aenderungen in der Zusammensetzung der Wählerschaft versprechen unsere fteisinnigen Gegner sich Gewinn. Sie erwarten, daß einige Wahlbezirke dritter Klasse, in denen wir das vorige Mal mit nur geringer Mehrheit siegten, jetzt wieder dem Freisinn zufallen iverden. Um so mehr sollten alle Wähler dritter Klasse, die im Interesse des Gemeinwohls eine Stärkung der Sozial- demokratie im roten Hause wünschen, es fiir ihre Pflicht hallen, nach Möglichkeit dazu beizutragen, daß de? Freisinns Hoff- uuugen zuschandcn werden. Es sind da einige Bezirke, in denen es auf jede Stimme ankommen wird. Wir nennen hier die Wahlbezirke 28. 31, 39, die zwar bereits zum Besitz der Sozialdemokratie gehören, aber jetzt heiß umstritten werden. Auf jede Stimme kann eS auch in denjenigen Bezirken ankommen, die noch dem Freisinn geblieben sind, aber jetzt aufs neue von uns be- rannt werden. Und auf jede Stimme kommt eS auch in allen anderen Bezirken an, selbst in denen, die so fester Besitz der Sozial- demokratie sind, daß kein Freisinniger mehr hoffen wird, sie einmal wieder erobern zu können. Die Stadtv erordnetenwah len der dritten Klasse sind eine Kundgebung der minderbemittelten Bevölkerung, eine Kundgebung nicht nur gegen die Mißwirtschaft des Kommunalsretsinns, sondern auch gegen das Drei- klassenwahlsystem, dem der Freisinn seine Herrschast in der Kommune verdankt. Diese Kundgebung muß überall so imposant ivie möglich ausfallen, damit sie zu einem vernichtenden Urteil über Kommunalfreisinn und Dreiklassenwahlsystem sich gestalte. • Des StndtfreisinnS Kampfesmittel waren in der Agitation zu den Stadtverordnetenwahlen wieder die altgewohnten, von denen er nun einmal nicht lassen kann noch mag. Gegen die Sozialdemokratie wurde da gearbeitet »nt schiefer Darstellung dessen, was sie für die Kommune fordert, mit absichtlicher Verschweigung dessen, was sie in der Gemeindeverwaltung Berlins bisher durchgesetzt hat, und schließlich auch ivieder mit böswilliger Herabsetzung und Verunglimpfung der Männer, die im Rathaus die Sozialdemokratie vertreten. Eine Probe, die niedriger gehängt zu werden verdient, ist im 31. Wohlbezirk geleistet worden, den der Freisinn uns in einem wilden Ringen entreißen zu können hofft. Für den Freisinn kandidiert dort ein Kaufmann Groß, der in demselben Bezirk schon da? vorige Mal— durchfiel. In einem Flug- blatt, das er für sich verbreiten läßt, steht zu lesen:„Was hat kleines Feuilleton. ' Wie sah Schiller ans? Es ist merkwürdig, wie sehr sich die Zeugnisse widersprechen, die uns über Schillers Aeutzere übermittelt sind. Aus den vielen Eindrücken und Berichten der Zeitgenossen versucht nun Karl Bauer im dritten Bande des Marbacher Schiller- buche? ein wirkliches Bild von Schillers äußerer Erscheinung zu geben. Um eine breite, steil aufwärts strebende Stirn loderte seucrfarbenes Haar; eine Raubvogelnase, die schmal, spitzig und etwas schief im Gesicht saß, sprang spürend, wittern zwischen buschigen Brauen weit vor. Ihr unteres Ende ward in kräftiger Schwingung von einem großen ausdrucksvollen Munde fortgesetzt, der eine starke Sinnlichkeit verriet. Die breite, energisch vorge- schobene Unterlippe sprach von starker Willenskraft. Das knochige, mächtige Antlitz saß mit seinem großen Kinn auf einem langen fleischigen Geierhalse von blendend weißer Hautfarbe. Die auf- rechte Haltung mit dem gewöhnlich etwas trotzig zurückgebogenen .yaupte erhob diese..geistermäßig wirkende" Erscheinung hoch über die Menge; seine großlinigen Gebärden hatten etwas Gebieterisches und nur der sanfte Blick der Augen, das kindlich laute Lachen sänftigtcn und milderten die heroische Tragik dieses sieghaften Lebenskämpfers. In seiner körperlichen Erscheinung hatte Schiller viel von seiner hochgewachsenen hellfarbigen Mutter. Er war kurzschädelig, mehr Rundkopf als Langkopf. Besonders auf- fällig war die Farbe seines„buschigen", welligen und feinen Haares. Es war ausgesprochen rot, und zwar von der dunkleren Art, so daß es an den Ton von Eisenerz und Rost erinnerte. Die ausge- sprochcne Leuchtkraft des Haares wurde freilich durch Puder ge- dämpft, wohl auch durch eine Perrücke verborgen. Während der Dichter der„Räuber" das Haar wirr zerwühlt trug, hatte der junge Ehemann es schlicht geordnet mit den frei herunterwallenden, typisch gewordenen Schillerlockcn am Hinterkopf, die den Zopf per- deckten. Ueber der Mitte der Stirn löste sich mit zunehmenden Jahren ein Wirbel von sich sträubenden kürzeren Locken mehr und mehr ab und blieb, als das Haar ausfiel und die Stirn in ihrer herrlichen senkrechten Linie immer mehr hervortrat, als einsam aufzuckendes Flammenzeichen stehen. Unter den buschig schattenden rötlichen Brauen strahlten die?lugeir mit einem warmen Glänze. In den mandelförmig langgcschlitzten Lidern saß die wohl grünlich schillernde, unentschieden gefärbte Iris von langen Wimpern ge- schützt. Auf einigen Bildern, z. B. auf der Zeichnung von Dora Stock, tritt der blinzelnde unsichere Blick dieser kurzsichtigen, leicht entzündeten Augen charakteristisch hervor.„Den Ordensstern des Genius trug er, um mit Lavater zu reden, nicht im Auge." sagte sein Freund Petersen von ihm. Schiller war sehr groß; mit LI Jahren maß er 1,79 Meter und galt in Weimar als der größte Mann der Stadt. So hatte die Gestalt trotz der abfallenden Schultern und der Magerkeit etwas imponierendes in der breit- gewölbten Brust und dem hochcrhobenen Haupt. Bis die schwere Krankheit seine physische Kraft ganz brach, ging er festen mili- tärischen Schrittes einher. Freilich in den letzten Jahren um- leuchtete ihn schon die Verklärung des Todes; die blassen hageren der bisherige sozialdemokratische Vertreter während seiner sechs- jährigen Zugehörigkeit zur Stadtverordnetenversammlung für die Stadt und unseren Bezirk getan? Wir wissen es nicht. Sein Name und seine Taten sind weitesten Kreisen unbekannt. Er ist von seiner Partei nicht wieder aufgestellt." Ja, wer ist dieser Mann! Und warum wurde er nicht wieder aufgestellt!? War er unfähig? Oder was lag sonst gegen ihn vor? Das Flugblatt überläßt es den Wählern, sich ihren Vers darauf zu machen. Der bisherige Vertreter des 31. Wahlbezirks, unser Genosse Schubert, ist einigen Mitunierzeichnern des Flugblatts, vor allem dem unvermeidlichen Stadtverordneten Rosenow, dessen Name gleichfalls das Flugblatt ziert, nur zu gut bekannt. Scbuberl hat als Stadtverordneter in Verwaltungsdeputationen und Ausschüssen seine Pflicht in vollem Umfang getan, hat gerade zum Verdruß des Herrn Rosenow besonders die Lage der in Gemeinde- betrieben beschäftigten Arbeiter zu bessern sich bemüht und hat in der Stadtverordnetenversammlung manchen dies- bezüglichen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion fach- kundig zu vertreten gewußt. Wieder zu kandidieren, hat er lediglich deshalb sich versagen müssen, weil er schon vor längerer Zeit von einem schwerem Augenleiden befallen wurde und vielleicht gar von dem Schicksal völliger Erblindung bedroht ist, so daß er nicht nur seine Stadtverordnetentätigkeit, sondern bis auf weiteres auch jede andere Tätigkeil einstellen muß. So sehen die Kampsinittel aus, mit denen der Berliner Freisinn zu werben sucht I Die Wähler werden ihm die verdiente Antwort geben, indem sie im 31. Bezirk den jetzigen Kandidaten der Sozialdemokratie Rechtsanwalt Dr. Kurt Nosenfeld wählen. Die„anständige" KampfeSwcise der Sozial-Fortschrittlichen. Wer gedacht hatte, daß die Sozial-Fortschrittlichen den Kampf mit rein sachlichen und öffentlichen Mitteln führen werden, sieht sich erheblich getäuscht. Im 5. Bezirk, wo sie ihr Besitztum ernstlich durch unsere Parteigenossen bedroht sehen, haben sie an eine große Zahl Wähler folgende PosKarte zur Unterschrift und Rücksendung an den Stadtverodneten Menzel versandt: H. Nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Ich erkläre hiermit mein Einverständnis mit der Wiederwahl unseres bisherigen Stadtverordneten, des Rechtsanwalts Hermann Marggraff Potsdamer Str. 46. Name:................................. Beruf:................................. Wohnung:............................... Wir haben sofort nach Versendung dieser Karte von naiven Wählern eine Masse Anfragen erhalten, ob diese Karte einen amtlichen Charakter habe, und es ist zweifellos, daß viele Wähler jener Schichten, die sich leider um Politik überhaupt nicht kümmern, durch diese Karten getäuscht werden. In der Adressierung an den Stadtverordneten Menzel sahen sie eine amtliche Ausforderung, und wer dann ohne Kenntnis der Dinge seine Unterschrift abgeschickt hatte, glaubte sich gebunden und für die öffentliche Wahl bereits festgelegt, noch bevor die Wahlhandlung selbst stattfand. Unsere Parteigenossen im 6. Bezirk haben, was an ihnen lag, noch in letzter Stunde getan, um diesen Humbug aufzuklären, aber die Absicht und der Unfug selbst bleiben bestehen, wenn eS auch noch möglich war, ihn in letzter Stunde an den Pranger zu stellen. ES scheint auch, als ob die Sozial-Fortschrittler doch nicht ganz ihre Wangen waren von tiefen Falten zerfurcht, die Backenknochen traten stark hervor; nur in den großen Formen des Antlitzes lebte noch der alte Heldengeist bis zuletzt und machte das schöne Wallen steinwort wahr:„Es ist der Geist, der sich den Körper baut." Das gute Aussehen bei Nahrungsmitteln. Die meisten Leute legen ein außerordentlich großes Gewicht aus Aeußerlichkeiten auch beim Einkauf von Nahrungsmitteln. Das gibt zu einer vielfach un- berechtigten Betonung der Ausstattung und so weiter Anlaß, ayßer- dem aber auch zu einer Behandlung mancher Waren in einer durch- aus ungeeigneten, mindestens überflüssigen Weise. Ein Beispiel gibt der völlig aus der Luft gegriffene Glaube, daß bräunliche Eier ein größeres Vertrauen auf Frische beanspruchen. Diese Torheit macht den Händlern freilich nicht viel Schmerzen, da sie ein- fach die weißschaligen Eier mit eiwaS Farbe behandeln können. was denn auch tatsächlich in unzähligen Fällen geschieht. Ebenso wird eine etwas gelbliche Milch für voller gehalten als eine ganz weiße. Auch diesem Aberglauben läßt sich leicht entgegenkommen. Noch mehr wird auf die gelbe Farbe der Butter gesehen, denn weiß- liche Butter erinnert zu sehr an gewöhnliches Bratenschmalz, das ganz zu Unrecht im allgemeinen verachtet wird, da es im Gegenteil ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel darstellt. Bei den Gemüsen tritt selbstverständlich die grüne Farbe an Stelle der gelben, wobei eine künstliche Nachhilfe schon etwas bedenklicher wird, weil die Be- nutzung von Kupfer in Frage steht. Ganz verwerflich ist auch die Abneigung gegen bräunliches Brot, da diese Färbung gerade einen höheren Nährgehalt andeutet, als er beim weißen Brot vor- banden ist. Das Volk sollte darüber aufgeklärt werden, welche Regeln für die Beurteilung von Nahrungsmitteln nach ihrem Aenßern zutreffend und welche mit den Erfahrungen der Wissen- schaft unvereinbar sind. Die Manipulationen, zu denen sich die Händler infolge des vielseitigen Aberglaubens gezwungen sehen. sind nicht nur zeitraubend und daher unter Umständen verteuernd, fondern häufig auch geradezu gesundheitsschädlich. Theater. Pariser Theater. Eines der leichtgeschürzten Jugend- werke des zur Würde des Akademikers emporgestiegenen Maurice D o»» a y, seine dem Aristophanes nachgebildete Komödie „ L Y s i st r a t a" ist jetzt in den BouffeS-Parisiens mit großem Erfolg wieder in Szene gesetzt worden. Sie hat in fast zwanzig Jahren von ihrer Frische nichts eingebüßt. Doimay läßt aus der Geschichte vom Weiberstreik die poliriiche Tendenz, auf die es dem attischen Dichter vor allem ankam, bis auf ein paar niedliche, für niemand schmerzhafte Bosheiten weg und hält sich an den erotischen Spaß, den er mit einer Ehebruchsintrige. üppigen Hetärenschaustellungen, leSbischen Zötchen, freigeistigen Libertinagen und lyrischen Einlage» von einschmeichelnder Sinnlichkeit würzt. Zweifellos zeigt diese Umdichtung, bei der Donnay übrigens auch das Material anderer Komödien des Aristophanes kundig herangezogen hat, bei allem kühnen Schalten mit dem Original eine seltene Einführung in den Geist des antiken Spötters. Eine ungemeine, von jeder Pedanterie reie Leichtigkeit beflügelt ihren Gang zu graziösem Tanzschritt. Ohne den zynischen Hautgout der Meilhac-Offenbachschen Travestien altliberale Haut losgeworden sind, denn solche unanständigen U e b erru m p ein ug.s v er s u ch e verraten durchaus den Geist und die Methode der Fischbcck, Kopsch und Wiemer. Die Wahl s e l b st wird hoffentlich den Freunden des sozial« fortschrittlichen Kandidaten Marggraff die Quittung geben und unserem Kandidaten, dem Genossen Gruntoald, den Siej noch erleichtern. Herr Marggraff aber wird sich dann zu einem guten Teile auch bei seinen Freunden für seine Niederlage zu be- danken haben. * Wann wird gewählt? Die dritte Klasse wählt von morgens 10 Uhr bis 8 Uhr abends. Nach 8 Uhr wird in den Wahlraum niemand mehr eingelassen, doch wird bei Stadtverordnetenwahlen jeder Wähler, der bis 8 Uhr den Wahlranm betritt, noch znr Stinimabgabe zugelassen, auch wenn die Abfertigung über 8 Uhr hinaus dauert. Jeder sollte so zeitig wie möglich zur Wahl kommen, keiner sollte ohne Not den Gang nachdem Wahllokal bis zu den letzten Abendstunden oder gar bis zum allerletzten Augenblick verschieben. Wer spät kommt, zwingt unsere die Wahlagitation leistenden Genossen, ihm Schlepper ins HauS zu schicken, die an anderen Stellen nötiger gebraucht werden. Und wer kurz vor Toresschluß eintrifft, kann es er- leben, daß ihm, wenn er etwa in ein falsches Wahllokal ge- riet oder die mitgebrachte Lcgitiniation dem Wahlvorsteher als nicht ausreichend erscheint, die Möglichkeit noch zu wählen überhaupt verloren geht. Legitimation ist vor allem die vom Magistrat ausgefertigte Wähkerkarte. die in den letzten Tagen dem Wähler übersandt wurde. Wer eine solche Karte nicht erhalten hat, versehe sich mit dem Steuerzettel oder dem Mietskontrakt, eventuell auch mit seinen Militärpapieren. Ein sozialdemokratischer Wähler, der mit unzureichender Legitimation an den Wahltisch tritt, darf schwerlich darauf rechnen, daß die Herren des Wahlvorstandes, die zumeist aus„bewährten Freisinnigen" gewonnen werden, ihn als„persönlich bekannt" legitimieren. Delft bei der CKahll Heute Mittwoch, den 3. November, von vormittags 1V Uhr bis abends 8 Uhr finden die Stadtverordnetenwahlen für die dritte Abteilung statt. Auf den bewährten Opfermut unserer Genoffen und Genossinnen zählend, erwarten wir, daß sich alle organisierten Mitglieder der Partei so frühzeitig als möglich von 8% Uhr morgens an zur Hilfeleistung bei der Wahlarbeit einfinden; besonders rechnen wir auch auf die Mitglieder der Bezirke, in denen diesmal nicht ge» wählt wird. Wir bitten, daß letztere, soweit sie nicht vorher schon festgelegt sind. sich in den unten angegebenen Zcntraldurcaus melden, namentlich sind radfahrende Genossen erwünscht, soweit sie nicht schon früher von ihrem Verbände für bestimmte Stellen vor- gemerkt wurden. Das Mitgliedsbuch der Partei legitimiert. Für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, deren wertvolle Mitarbeit wir auch diesmal erwarten, dient das Mitgliedsbuch der Gewerkschaft als Ausweis. Wer am 3. November über irgendwelche freie Zeit verfügt, muß zur Stelle sein. Die Mitglieder der zur Wahl stehenden 16 Bezirke haben natürlich die Verpflichtung, alles aufzubieten, sich an diesem Tage den Wahl- komitees ihres Bezirks zur Berfügimg zu halten. bekränzt sie die hohe Galanterie von Paris, in der allein noch die amoralische Gemißverfeinerung des klassischen Hetärentums aus dem weiten Mistbeet modern kapiialistischer Korruption eine Nachblüte erlebt. Eine der reizvollsten Produktionen bürgerlicher Verfallkunst, wird die Komödie in diesem neu Hergerichteteil Theater der genußkundigen Bourgeoisie mit einem Rasfinemcnt dargestellt, da? keinen Sinn unangesprochen läßt. 0. P. Notizen. -- Theaterchronik. Zn der Aufführung von»Maria Stuart", die am Sonntag für die Freie Volksbühne im Neuen Schauspielhause stattfand, wurde, wie uns die Direktion mit» teilt, die Titelrolle von Fräulein Sophie Wach»er dargestellt, die auch in den nächsten Wiederholungen mitwirken wird. — Kunstchronik. Im Salon Schulte sind zu Ehren von Eduard von Gebhardt, dessen 70. Geburtstag auch in der Akademie der Künste gefeiert wurde, hundert seiner Werke aus» gestellt. — Neue Freie Volksbühne. Das Arbeitsprogramm für November und Dezember umfaßt u. a. die Erstaufführungen von Klara B i e b i g s Schauspiel„Das letzte Glück" im Hebbcl-Theater und Otto Falckenbergs Komödie„Doktor Eisenbart" im Berliner Theater; ferner ein Bach-Händcl-Konzert. sieben Lcscabende sJ. P. Jacobsen, Liliencron, Prinz Schönaich-Carolath, Fritz Mauthner, Marie Ebner- Eschenbach, Gabriele Reuter, Wilhelm Schmidtbonn), einen Vortrags« abend im Rathaussaale mit Ausstellung(„Die Kunst im Haushalt des� einfachen Heims"), ein Kinderfest unter Mitwirkung des neu- gebildeten VolksbühnenchorS(119 Mitwirkende), zwei Kinder- Nachmittage mit Gesang und farbigen Lichtbildern, sowie manches andere. — NenerwerbungenderKunstsammlungen. Fürdie Nationalgalerie wurden neu angekauft: eine stimmungsvolle Riesengebirgslandschaft von dem innigen Naturschivärmer und Romantiker KaSpar David Friedrich, ferner zwei Porträts von dem Wiener F. W a l d m ii l l e r, den unS die Jabrhundert- ausstellung schätzen lehrte. Von lebenden Malern wurden L. D e t t m a n n(„Am Schweinestall") und G. Schönleber i zwei Landschaften) berücksichtigt.— Das Kunstgewerbe» museum erwarb einige Lülticher Kuiistinöbel in massiveichen ans dem 18. Jahrhundert. — Die Denkmalsnarretei hat in Wien jetzt einen Höhepunkt erreicht, der kaum mehr überboten werden kann. Es soll ein großes Denkmal errichtet werden, das„die Bündnistreue Deutschlands und Oestcrreich-UngarnS aus Anlaß der Balkanwirrcn versiniibildlichen soll", lieber dieses Echildbürgervorhabe» werden nicht bloß die Diplomaten lächeln. Wie wär'S, wenn man dem Urheber der Idee auch gleich einen Denkstein setzte?— Unglaublich. klingt eS, daß im Deutschen Reich eS einen beanitetcn und loyalen Menschen geben kann, der gegen ein Denkmal sei. Und doch soll der Landeshauptmann der Provinz Sachsen gegen ein Goethe- Schiller-Denkmal in Lauchstädt Protest erhoben haben. Und noch dazu aus vernünftigen Gründen l Die Bureaus Vefinden sich: 2. Komm.-Wahlbez> Nest. Bartusch, Kanoinersir. S, Amt I, 117S Ecke Jägerstraße, ö. 8. 13./14, 17. 18. 24. 25. 28. �1. 37. 30. 43. 43. 47. Rickert,©teiumeöstr.36a, Thomson, Gneiseuaust,3l) Ecke Mittenwalder Str. Hoffmann, Oppelnerst.47 tWolff, Prinzenstr. 23.) i Wille, Dresdenerstr. 105, 1 j Mittag, Kiirassiorstr, 10a, j s Plettig, Alte Jalobstr. 90, 1 Zieh, Warschauerstr. 01, Arndt, Palisadeni'tr. 52, Weise, Landwehrstr. 33, wiigmma Coiglo, Schwedterstr. 23, „„„ Wille, Brnnnenstr. 188, „ Dam-Z, Schlegelstr. 9, „„„ Püschel, ThomasiuSst. 18, „„„ Sturz, Huttenstr, 9, „„„ Glawe,Liebenwalderst,4 Zentrale für die Bezirke 31, 37, 39, 42, 43, 47: bureau, Ravenüstr. 0, Amt III, 2137. Auf zu neuen Erfolgen für die Ziele der Parteil . VI. 0720 , IV, 1403 . IV. 9373 (Nebenanschl.) Zentrale: Plettig, , I. 4719 . VH. 3327 , VII. 0355 . VII, 8958 . III. 33 , m, 4835 , III, 5121 , Moabit 4084 „ 099 „ 1955 WahlvereinS- Die Verkündnng der Wahlresultate erfolgt: I. KreiS: Nestaurant Kutzner, Schützenstr. 13/19. II. Kreis: Bock-Brauerei, Tcmpelhofer Berg. III. Kreis: Ritter-Säle, Ritterstr. 75. IV. KreiS: Urania, Wrangelftr. 9/10. Referent: Gen, Stadthage». IV. Kreis: Drachenburg, Bor dem Schlesischen Tor. Referent: Gen. Zubcil. IV. Kreis: Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/152. Referent: Gen. Bruns. V. KreiS: Altes SchiitzenhauS, Linienftr. 5. VI. Kreis: WilkeS Feftsäle, Brnnnenstr. 183. VI. Kreis: Pharus-Säle, Müllerstr. 149. VI. Kreis: Prachtsäle Nordwest, Wiclefftr. 24. Zahlreichen Besuch erwarten Die sozialdemokratischen Wahlkomitees. » Für die zweite Klaffe der Gemeindewahlen, welche am 4. November stattfinden, ist der Genosse Stadtverordneter Paul Singer, Bruckenallee 26, gemeinsamer und alleiniger Kandidat der Partei. Sämtliche sozialdemokratische Stimm- abgaben in dieser Abteilung sind auf den Genannten zu vereinigen. Der Zentralvorstand. liiißhaodlung eines Arztes. Bor der vierten Strafkammer des Landgerichts I unter Borsitz deS LändgerichtSratS P e l t a f o h n begann gestern die Verhandlung einer Strafsache, die in weiten, namentlich auch in ärztlichen Kreisen großes Interesse erregt, wie der große Andrang zum SitzungS- zimmer des Gerichts beweist. Angeklagt wegen schwerer Körper- Verletzung(Z 224 deS Strafgesetzbuches) sind die Kaufleute und Berlagsbuchhändler Georg Hartmann und Reinhold Hauß- mann. Die Anklage beschuldigt die Angeklagten, an» 17. Oktober 1908 an dem Dr. L i p l i a w s k y eine Körperverletzung begangen zu haben, die zur Folge gehabt haben soll, daß der Verletzte in Siechtum verfallen ist, bezw. ein wichtiges Glied des Körpers verloren hat. Dr. Lipliawskh ist dem Verfahren als Nebenkläger beigetreten, Der Angeklagte Hartmann gibt auf Befragen u. a. an: Er sei Mitinhaber der Verlagsfirn, a Haußmann, in welchem u. a. die„Russische medizinische Rundschau" und die„Aerztliche Kor» respoudenz" herausgegeben werden. An der„Russischen medizinischen Rundschau" waren die Herren Dr. Lipliawskh und Dr. Weisbein mit einem Drittel beteiligt. Die„Aerztliche Korrespondenz" hoben die Angeklagten durch Vermittelung der Herren Dr. Lipliawskh und Dr. Weisbein erhalten und beide waren daher Unterbeteiligte an dem Kömmissionsverlag. Die.Russische medizinische Rundschau" ging im ganzen recht gut. Denn es mögen wohl 10 000 Mark Gewinn jährlich herausgekommen sein. Dr. Lipliawskh bewies ein großes Geschick im Entrieren von Verbindungen mit chemischen Fabriken, er hatte bei verschiedenen chemischen Fabriken. Sanatorien und dergleichen Kontrakte und verstand eS, diese Person- lichen Berbiudungen durch Inserate für die„Rundschau" nutzbar zu machen. Schon einige Zeit vor dem 17. Oktober machte sich die Tatsache bemerkbar, da» die Sache nicht mehr so gut ging wie früher. Dieser Rückgang erschien, wie der Augeklagte H a r t m a n n erklärt, den beiden Angeklaglen aus verschiedenen Gründen sehr auffällig und sie konnten sich manche Weigerung von Sanatorien usw. zur Bezahlung der Inserate nur schwer erklären, da in diesen Fällen manche sonderbare Andeutung unter Hinweis auf die Perlon des Dr. Lipliawskh gemacht wurde. ES ergaben sich daraus mancherlei Unstimmigkeiten zwischen den Angeklagten und den Dr. Lipliawskh und Dr. WeiSbein, die am 17. Oktober zur Katastrophe führten. Der Angeklagte bestreitet, daß die Absicht vorgelegen habe, den Bertrag mit den Dr. L. und Dr. W. zu lösen. Sie hätten es gern getan, es sei aber nicht möglich gewesen, da Dr. L.»md Dr. W. ihnen noch 28 000 M. schuldig waren. Diese Schuld stammte daher, daß die auf Veranlassung der beiden herausgegebene populäre medizi» Nische Zeitschrift„Gesundheit in Wort und Bild" fortgesetzt mit Unter- bilanz arbeitete. Kurz vor dem 17. Oktober kam es zu neuen Un- stimmig leiten, die sich um die Frage drehten, ob eine Reise, die Dr. L. nach London unternehmen wollte und für die er 500 M. forderte, in geschäftlichem Interesse in Aussicht genominen war, oder aber dem Dr. L. Gelegenheit geben sollte, als Trauzeuge in London zu fungieren. Die Angeklagten schrieben dann an Dr. Lipliawskh einen Brief, in dem sie ihn aufforderten, zur Rücksprache am 17. Oktober bei ihnen zu erscheinen. Dr. Lipliawskh ging auch hin, jedoch mcht allein. sondern bald nach ihm erschien auch Dr. Weisbein in dem Bureau der Angeklagten. Die Aussprache, die zunächst an die Forderung der 500 M. zur Londoner Reise anknüpfte, g»ng auch auf den Rückgang der„Russischen medizinischen Rund- schau' über und der Angeklagte, der in etwas erregter Stimmung war, hielt dem Dr. L. vor, daß er auf Verlagskosten verschiedenen Reisen unternommen habe, die anscheinend mehr pri- vaten Zwecken dienten. ES kam bei dem Hin und Her zu allerlei Vorhaliungen und spitzen Redensarten und auf eine Aeußerung des Dr. Lipliawskh kam es dann zur Explosion. Wie der Angeklagte behauptet, habe Dr. L. zu ihm gesagt:„Sie betragen sich wie ein Schuljungel" Der Augeklagte will dann in der Erregung hierüber den Dr. L. wiederholt aufgefordert haben, den„Schuljungen" zurückzuuehen, und als er dies nicht getan, habe er ihm mit der rechten Hand eine Ohrfeige gegeben. Er bestreitet, daß Dr. L. ge- fallen oder getaumelt sei. Es fei ihm nur der Zwicker zur Erde gefallen, diesen habe Dr. L. aufgehoben und ge- schimpft. Es sei auch nicht wahr, daß sein Sozius Haußmann ihn durch eine Gebärde zu diesem bedauerlichen Schritt an- gereizt habe. Herr Haußmann sei der Konziliantere und sein Mienenspiel habe die Bedeutung gehabt, ihn im Gegen- teil zu beruhigen. Ganz ausgeschlossen sei es auch, daß sich Haußmann, nachdem die Ohrfeige gefallen, irgend- wie aktiv beteiligt habe. Haußmann fei nur dazwischen getreten, um ihn und Dr. L. auseinander zu bringen. Dr. L. habe sehr geschimpft und alS er gehen wollte, habe er(Angekl.) sich an der Tür vor ihn hingestellt und ihm gesagt:«Daß ich Ihnen eine Ohrfeige gab, tut mir leid, im übrigen aber habe ich nichts hinzu- zusetzen!" Daß die Ohrfeige Siechtum zur Folge gehabt hat, be« streitet der Angeklagte entschieden. Der Angeklagte Haußmann gibt dieselbe Darstellung über den Vorfall. Anders lautet die Schilderung des BorfallS durch Dr. Lipliawskh und Dr. W e i s b e i n. Dr. Lipliawskh, der seit dem 17. Oktober v. I. schwerkrank ist und sich nur mühsam an zwei Krücken in den Saal schleppen kann. bekundet: Bei den vorgekommenen Unstimmigkeiten hätten er und Dr. Weisbein als die Schwächeren den stärkeren Verlegern gegenüber immer nachgegeben. Bevor er am 17. Oktober zu dem Angeklagten gegangen, habe er noch bei Prof. Dr. Eulenburg vorgesprochen, da er den großen Plan der Gründung einer russischen Poliklinik mit sich herumtrug und ihm die Unterstützung dieses Planes durch Geheim- rat Eulenburg sehr wertvoll war. Bei Professor Eulenburg sei er noch ganz gesund gewesen. Die Unterredung mit dem An- geklagten sei zuerst ganz freundschaftlich gewesen, dann seien spitze Redensarten gefallen. Holtmann speziell habe grobe Redensarten gemacht. Der Zeuge hat den Eindruck, als ob gar nicht die Absicht vorlag, über geschäft« liche Angelegenheiten zu sprechen. Als er gesehen, daß er eine ihm sehr wertvolle Nachmittagsstunde unnütz vertrödeln sollte, habe er gesagt:„Meine Herren, w i r sind doch keine Schul- knaben, wir sind doch erwachsene Menschen!" Der Zeuge ist der Ansicht, daß es dem Augeklagten darauf angekommen sei, einen Streit zu provozieren, und daß das Augenblinzeln des Herrn Hauß- mann den Herrn Hartmann nicht zur Ruhe, sondern zu weiteren wörtlichen Anrempelungen anreizen sollte. Die Aeußerung von den Schulknaben habe mit der schließlich erfolgten Tätlichkeit in gar keinem Zusammenhang gestanden. Als Dr. L. sich seinen Ueberzieher anziehen und gehen wollte, sei Hartmann plötzlich aus ihn losgestürzt. Er habe plötzlich einen Stoß gegen die linke Schulter erhalten, so daß er gegen die Wand geflogen sei; gleichzeitig habe ihn Hart« mann am Halse gepackt, mit der einen Hand in die Tasche gefaßt und mit großer Gewalt gegen seine linke Schläfe geschlagen. Der Zeuge bleibt trotz wiederholter Vorhaltungen dabei, daß nach seiner Ueberzeuguug Hartmann auch etwas in der geballten Faust gehabt habe. Infolge des Schlages fei er mit dem Kopfe gegen die Wand gefallen. Der Zeuge bleibt auch trotz abermaliger Vorhaltungen dabei, daß unmittelbar nach dem Schlage es im Zimmer, Ivo vorher die elektrische Lampe ge- brannt, dunkel wurde. Unmittelbar nach dem Dunkelwerden habe Haußmann ihn gepackt und mit demKopf an dieWand g e st o ß e n. Er irre sich darin absolut nicht. Nach dem Schlage habe er schon nicht mehr recht gehen können und habe sich auf der Treppe stützen müssen. Er habe eine schwere Gehirn- erschütterung davongetragen. Die Behauptung der Gegenseite, daß er schon früher ein hysterisch-nervöser Mensch gewesen, sei nicht richtig. Cr sei in bewußtlosen Zustand verfallen, al» er nach tause gekommen war. und dieser bewußtlose Zustand habe age lang angedauert. Seitdem könne er nicht gehen, er sei gelähmt und habe kein Gleichgewicht. Auch leide er an Schwindelanfällen. Zeuge Dr. WeiSbein schildert den Vorgang bei dem Schlagen ebenso wie Dr. L. Der Angeklagte Hartmann habe nicht mit der flachen Hand, sondern mit der geballten Faust zugeschlagen. Nach dem Schlage sei Haußmann nach dem elektrischen Ausschalter zu ge- laufen. Sofort sei es dunkel geworden und Haußmann sei nach der Richtung der beiden anderen hingestürzt. Er könne nicht Schwindel klagte. Zu Hause habe er sofort ins Bett gebracht werden müssen, und da er auch über Ohrensausen klagte, sei Prof. Dr. M o d l e r telephonisch herbeigerufen worden. Der Sachverständige Pros. Dr. Modler hat, als er am 17. abends zu Dr. Lipliawskh kam, einen Bluterguß im Ohre fest- gestellt, auf der rechten Seite des Halse» auch eine StrangulationS- marke. Während der Nacht wurde er nochmals dringend gerufen, da sich der Zustand des Dr. L. verschlechtert hatte. Dieser lag be- wußtloS im Bett, hatte Delirien und Erbrechen. der ganze Körper war gestreckt und verbogen, er hatte Schüttelkrämpfe des rechten Armes. Die Anfälle wiederholten sich ein bis zwei Stunden. Am nächsten Tage hatte der Patient starke Atemnot. Die Anfälle wiederholten sich noch den ganzen Oktober hindurch, im November ließen sie nach. Die Hörfähigkeit auf dem linken Ohr ist auf die Hälfte reduziert, das rechte Bein und der rechte Arm find gelähmt. Alle diese Symptome deuten darauf hin, daß der Schädel eine Fraktur erlitten hat und eine Labyrinthaffektion vor- liegt, die durch äußere Gewalt hervorgerufen wurden. ES ist möglich, baß schon durch den Schlag mit der Hand allein die bösen Folgen hervorgerufen sind. Die Prognose bei Labyrinth» affektionen sei allemal nicht günstig, wenn auch eine Heilung nicht absolut ausgeschlossen sei. Jedenfalls liege zurzeit Siechtum vor und Dr. L. werde noch Monate lang krank bleiben. Eine Reihe weiterer Sachverständiger, Geh. Medizinalrat Pro- fessor Dr. Eulenburg, Dr. Hildebrandt. Dr. Straßmann. Dr. Leppmann. Dr. Bruck begutachten den Zustand deS Mißhandelten. Ob der Zustand heilbar sei, sei min- bestens sehr zweifelhaft. Ebenso divergieren sie darin, ob die Folge des Uebersalls Siechtum oder dauernde Lähmung sein werde. Die Verhandlung wurde gegen 7 Uhr abends auf heute 9'/, Uhr vertagt. Ein vom Staatsanwalt gestellter Antrag auf B e r- Haftung de? Hartman n wurde abgelehnt. Bus der frauenbewegimgö Hausfrauenorganisation. Die rührige Agitation d»r Hausangestellten, denen durch ihre Organisation endlich die Gelegenheit und auch der Mut gegeben wurde, ihre Lage und ihre bisher erduldeten Leiden in der Oeffent- lichkeit zu besprechen, hat die Hausfrauen aus dem schönen Traum ihres uneingeschränkten Herrscherinneildaseins aufgestört. Sie rührten die Werbetrommel zur Gründung von HauSfrauenvereini- gungen. Den organisierten Hausangestellten gegenüber finden die Herrscherinnen jedoch nicht mehr allgemein den Mut, das bisherige Sklavendasein als das Alleinseligmachende zu preisen. Sich mit den Forderungen der organisierten Hausangestellten auseinander- zusetzen war nicht zu umgehen. Dabei mußten sie, wenn auch widerwillig, zu dem Geständnis sich bequemen, daß die Gesinde- ordnung in vielen ihrer Bestimmungen veraltet und revisions- bedürftig sei. Das wird auch von Frau Paula Schach in_ ihrer im Auftrage der„Münchener Hausfrauenvereinigung kürzlich erschienenen Broschüre„Hausfrau und Dienstbote" betont. Außer dem Bereich der Möglichkeit erscheint ihr jedoch eine wesentliche Umwandlung d«S Dienswerhältniffes überhaupt, damit dieses nicht seines noch immer stark patriarchalischen Charakters beraubt werde. Deshalb bekämpft sie— vergebens— die Einreihung der Dienst. botenorganisation in die gewerkschaftlichen Verbände.— Die Argumentationen der Hausfrauen beruhen auf der Voraussetzung der starren Normierung des traditionellen Familienhaushaltes. Die alte patriarchalische Haushaltsführung ist jedoch, gemessen au den großen wirtschaftlichen Umwälzungen und technischen Neuerungen, ebenso veraltet und revisionsbedürftig wie die Gesinde» ordnung. Frau Paula Schach bemerkt, die Dienstboten blickten mit Neid auf die in der Industrie Beschäftigten, bei denen sie ein gewisses Maß individueller Freiheit bemerkten. Dazu behauptet sie:«Die Hausfrau hingegen glaubt, ihrer Dienerschaft eine Reihe von Vortellen zu bieten, die die Besckßiftigung in der Industrie nicht mit sich bringt; sie denkt an die Sicherheit und Sorglosigkeit. die der Eintritt in eine anständige Familie dem Dienenden ver- bürgt, an die zureichenden und regelmäßigen Erwerbsverhältnisse, die eS dem Dienenden erlauben, sich nicht nur ein verständiges Maß von Erholung(?) und Lebensfreude(?) zu gönnen, sondern auch einen Sparpfennig zurückzulegen.....', denn so seh-„der normale Dienst in anständigen Familien aus...." Und an anderer Stelle heißt es:...... so haben wir Hausfrauen und unsere Angestellten(I) den Frieden, die Sicherheit, die Ordnung, die Gedeihlichkeit des HauseS zu erhalten, in dem das junge Geschlecht heranwächst, in dem der draußen Tätige Befriedigung seiner täglichen Bedürfnisse, Ausspannung und Erholung findet, in dem das Alter in liebevoller Pflege ausruht von der Arbeit des Lebens." Das ist bezeichnend für die Auffassung vom„patriarchalischen Verhältnis". Von morgens bis abends müssen die Dienstboten in angespanntester Tätigkeit für die Ordnung und Bequemlichkeit sämtlicher Familienmitglieder auf dem Posten sein. Von Rechten für sie ist keine Red«. Wie eS mit dem verständigen Maß von Erholung(I) und Lebensfreude(I) aussieht, ebenso mit der leib» lichen Versorgung im Dienste der sogenannten besseren Herr- schasten, ist so oft in bezeichnendster Weise der öffentlichen Kritik — besonders in der„Gleichheit"— unterzogen worden, daß uns hier ein Hinweis darauf genügt. Die Abschaffung des Gesinde- dienstbuches, wogegen die Hausfrauen energisch protestieren, ist eine der wichtigsten Maßnahmen, sie würde zugleich der privaten Stellenvermittelung den Lebensnerv zerstören. WaS die Hausfrauen den Hausangestellten al» Aequivalent ftir die in der Industrie ausgebeutete Arbeiterin bieten und was so gepriesen wird, empfinden die Hausangestellten als so niederdrückend, daß sie, wie , bei denen Frau Schach sich ausdrückte,„mit Neid auf die blicken, sie ein gewisses Maß individueller Freiheit bemerken". Um aus den althergebrachten Sklavenketten sich zu befreien, bedürfen die Hausangestellten eines starken Zusammenschlusses, den sie in der Berufsorganisation finden._ Leseabende. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Heute, Mitt- woch, 8 Vi Uhr, im Neuen Clubhaus, Kommandantenstr. 72, Vortrag: Theoretisch« Grundbegriffe und Hilfsmittel der Erziehung. Referent: Heinrich Schulz. Gäste willkommen. KrUfKastei, der Rcdahtion. Sie IntifUfdjt SPrechstunde findet Linde» ft ratze S,, veiter»os. dritter Eingang,«irr Treppen, DM- Fahtftnhl-MsZ wochentil glich «bendS von IVi d>» SH Ute statt. Geöffnet 7 Ude.«»nnadeudS beginnt die epeechftunde um 6 Uhr. Jeder Slnsrage ist et» Bachs, abe und eine zahl als Meetzeichen»etzufbgen. Briefliche Aniwort wird nicht eeteiit. Bis tut Bcantwortnng im Briefkasten iöanco 1t Tage vergehe». Eilige Frage» trage «an tu der Sprechstunde«oe. A. T. 11. 1. EifenbahN'Betrievsdirekllon verlin. 2. Richtig ist» ES geht Sie nicht» an.— P. U. 50. Ja.— E. F. SS. Maria Seebach. Schule de» König!. SchnuspielhaufeS, Vorfitzender Ober-Regilfeul Max Grube.— Alt-Wtesfiiig. In rein technischen Fragen müsse» Sie sich an einen Fachmann wenden.— I. H. 100. 1. lieber geschäftliche Unter- nehmungen können wir Auskunft nicht erteilen. 2. WSchnerinnenhetm Urbanstr. 68.— I. O. ivt. 395. Das hier In Berlin gewesene 136 Meier, das andere nicht bekannt.— B. St. 100. 1. N-ue Königstr. 36. 2. Ja. 3. Wenden Sie sich an einen Glaser.— P. W. 28. 1. Die Branche ge- hört zur Metallinduftvie, deren Arbeiter in dem Metallarbeiter-Berband organisiert find. 2, Die Löhne find in jener Branche und nach Oualifilatton verschieden, 25—48 M.— C. T. 3«. 3300 M.— F.«. 38. Eine Ver. stellung der Tragflächen, bei denen diese mehr Wind aufnehmen. — R. Leber. 1. SiitNrstr. 58 Backhäuser. 2. Fragen Sie im Packhof Lehrter Bahnhof an. 3. Auf solche Empfehlungen lassen wir uns nicht ein. —> G. Z. 86. Im Rahmen einer Brieftaflenantwort nicht auseinander- ie sich an die Buchhandlung Vorwärts.— O. 853. Auf Ihre Anfrage wird Ihnen das Netchspatentamt sachgemäße Auskunit erteilen.— E.»• 999. Giundgehall 1100 M.. MietSentschädigung 760 M.. ohne eigenen Hausstand 500 M.— 20, 853. 175. Die Erteilung des Patents ist an die Vorbildung gebunden, so allgemein, wie die Frage gestellt ist. ist dieselbe nicht zu beantworten.— Bruuo Ertel« In den meisten Vorort. gemeinden, so Lichtenberg auch Rummelsburg.— Z. 8. Nehmen Sie Rücksprache mit dem Rektor der Gemeindeschule.— M. X, Nein, WMM WZ w i mJ Sunlicfri Seife lernt' man bei der q rossen Wasche schdl'zcn. Sie ermöglicht' Zeit sparende Arbeitl Ohne scharfe Zulä toi reinigt sie schnell und gründlich, seborrf die 6ewe4?c und Hände der Wäscherinnen. Da sie 5thr ausgiebig, fcf&mlichr Seife ein ökonomisches Waschmittel.das sich bei Meiner und grosser Wäsche bewährfj Erscheint 2 mal wSchentlich. iezngsqneUen-Verzeiclmis. Den Lesern bei Elnklufea zur Beschtung empfohlen. � AbzahiunBaoeschafle � Gredit-Haus Moabit TarmstraBe 55, Ecke WaldstraSe gewährt Jedem bei spielend leichter An- und Abzahlung mehrjährigen Kredit auf Waren und Möbel. _. Credithaus debr. Weber, hleue Königatr. 58. Spandau, Pots- . dameratr. 331, kfulantente« a. PI lobascher.S. !loseii!!oio!2rJl.ftrho9rmb�kcbahS: Weber, Kerm., Danzigerstr. 781. Windreich& Co., S�tlaasserstr. 17/18, Kleine Anzahlg,. bequ. Abzahlg., Möbel, Uhren, Garderoben usw. 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Dtrecmerstr. 17, Burgdorfatr. 14. f eter's Gross-ßäckerei fn bUbb Stadtteilen und östlichen #erorten; fiber 60 eigene Geschäfte. Tli. Turban Landbretbäckersl, Nicdcr- barnimatr. 6, Landab. Allee 146. ülbrich Tr1Z,TTS- Badaanstaitan Augusta-Bad, Köpenicker Str. 60,61. Diana-Bad, Koppenstr, 99. Bad Involidenstr. 18, Köpenicker Bad, Köpenickentr. 176. MUiichenerBad,Rl.,Mfincboneratr.51. Neander-Bad, Neanderatr. 12. Bad Pcter&bureerstr. 04. Prinzen-Bad, Prinzenstr. 41, Viktoria-Bad, EuBiael»b.lPr.Albertet.S. c Bandagen, Gummi waren ) Lange, A. E., Brunnenstr. 167. Meyer, P., Rl., Borlinorstr. 49—80. Pelzmann, D., Neue KSnigatr. 30. Tacbacbe, M., Pankow1Breiteetr.S9b. Wende, A., �Ä?4' Zimmer, Rieb., gr. Frkft, Str. 113. �Beopdioüngsans��ap�� Fuchs, Paul, Frankfurter-Allee 143. Jordan, E., Birkenstr. 18, Moab. 3196. Peter-Schley, Wllh., Zoaaeneratr. 37. �ommeck, C., R!., Homiannstr. 22. "iegmund, Josef,_Ri., Nogatstr. 20. ,Ro jSit MV egner, F., Rl., Elbeatr. 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Hazelberger Stt. 27. 8. St. Friff, Prinzenstr. 3l. Rich. Sttimid», Kottbnser Damm 8. Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Harsch» Engelufer 15. .Adlei-abot. Karl Schwarzlose. Hoffnrannstt. 9. Bannisebnlenweg. H. Hornig, Marienthalerftt. 13, I. Bsrnigwalde. Paul Ricuaft, Nüiischstr. 10. Obarlnttenbnrg. Gustav Scharuderg, Sesenbeimer Stt. t. D'rßedrlobeibagen. Ernst Werkmann. Friebrichstr. 67. Crrünan. Franz Klei». Bahnhofftt. 6, III. dnbannlutbal. Pielicke. Äaijer-Wilhelm-Platz 4. Ii.arl«b«cat. Richard Kiiter. Rödeiftt. 9, II. Köpenick. Emil Wistler. Hictzcrftr. 6, Laden. Kiclhtcnbcpg. Otto Seilet, Kronprmzenftr. 4,!. hiicdcr-tgcböncwcldc. Max Priebke, Britzer Sir. 14 II. Vowawe*. Wilhelm Jappe, Frtedrichstt. 7. Obci-.i>icböncwckde. August HenjeS, Laufener Stt. 2, I. Pankow. Otto Ristmaiin, Mühlenstt. 30. Itelnickendorf. P. Gursch, Kameleftt. 12. Btadoi-k'. M. Heinrich, Neckarstr. 2 Gourad, Hennannstr. 50. ItiininiclHburg. 2J. Rosenkranz. Alt-Boxhagen 56. Schmargendorf. Gustav Kaminsk», Gunoroftt. 2. Stchöncberg. Wilhelm Bäumler, Martm-Luther-Str. 51 im Laden. Kpandan. Koppen, Jagoivstt. 9. Steglitz. H. Bernsee, Schloßitt. 119. Tempclbof. Albert Thiel. Friedrich-Wilhelm-Slr. 20. Treptow. Rodert Gramenz, Kiesbolzstr. 412, Laden. HVelSenuee. Fuhrmann, Sedanstt. 105. Schillert. König-Ghanssee Z9a. HG'Umer«dorf. Wittnebel. Gasteiner Str. 4, Ecke Holitetner Straße. Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger» Grunewald. Für de» LnseratenteUveraytw.: Th. Glocke, Berlin, Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. S-M. 2K.MM-. Z. Keilllgt des Lmiills" Kerliller Ulllllsdllllt. Partei-)Zngelegenkeiten. Charlotteniurg. Stadtvcrordnctenwnhlen i Heute Extra- zahlabendl Für die sechste Gruppe findet dieser bei Schulz, Kaiser-Friedrich-Str. 2t, für die fünfte Gruppe im Bolkshause, Rosinenstr. 3, statt. Am kommenden Sonntag, morgens 8 Uhr, letzte Flugblattverbreitung an die Kommunalwähler. Ferner findet am Sonntag, mittags 12 Uhr, im großen Saale des Vollshauses eine öffentliche Versamnilung statt, in der nochmals, in letzter Stunde, zu den Stadtverordnetemoahlen Stellung genommen werden soll. Genossen! Wir ersuchen Euch nochmals dringend, in diesen Tagen gewissenhaft Eure Pflichten zu erfüllen. Der Ausfall unserer Stadtvcrordnetenwahlen muß zeigen, daß es auch bei uns. ebenso wie in anderen Orten, vorwärts geht. Tue deshalb ein jeder seine Schuldigkeit in vollem Umfange, schließe sich keiner von den Veranstaltungen nnp Wahlarbeiten aus 1 Sorgt für eine überfüllte Versammlung am Sonntag. Wir bitten auch die Rixdorfer und Verlincr Genossen, besonders die des sechsten Kreises, sich uns am Tage der Stadtverordnetenwahlen, am Montag, den 8. November, nach Möglichkeit zur Verfügung zu stellen. Das Zcntralwahlbureau » befindet sich Rosinenstr. 3. Der Vorstand. Schönebcrg. Donnerstag, d e n 4. N o V e m b e r, abends 8 Itlir, findet in den Neuen RathanSsälen, Meininger Straße 8, eine Wählerversanimlnng statt. Genosse H. M o l k e n b u b r referiert. Pflicht eines jeden ist es, für diese Versammlung zu agitieren. Am Freilag. den ö. d. M., abends 7 Uhr, treffen sich die Parteigenossen zur Erledigung einer wichtigen Parteiarbeit in den bekannten Lokalen der zur Wahl stehenden Stadtverordnetenbezirke; insbesondere wollen die Genossen der nicht zur Wahl stehenden Ve- zirke zahlreicher erscheinen. Es sind das der 1., 5., 6., 10., 11. und 12. Bezirk. A in Sonnabend, den 6. November, vormittags 8 Uhr, am Tage der Wahl, erscheinen alle die Parteigenossen, die noch mit keinem Posten betraut und gewillt sind, tätig zu sein, im Wahl- bureau, Lokal Kuschle, Meininger Straße 8. Ebenso werden die Nadjahrer ersucht, sich zahlreich zur Ver- fügung zu stellen. Der Vorstand. Mnrienfclbe. Donnerstag, den 4. November, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Genossen Adolf Berger, Berliner Str. 114, eine Versammlung des Wahlvereins statt. Genoffe Ulm- Zehlendors erstattet Bericht über den Parteitag. Der Vorstand. Tegel- Borsigwalde. Die Genossen beider Orte veranstalten ge- meinsam am Sonnabend, den 0. November, in W. Trapps Festsälen, Bahnhofstr. 1, einen Knnstabend unter Mitwirkung des Neuen Ton- künstler- Orchesters sDirigent Franz Hollfelder), Fran Pankenin- Aderhold lAlt) und Herrn Emil Kühn(Rezitator). Eintriltskarte» a 50 Pf. sind bei den Bczirkssührern beider Orte zu haben. Zahl- reichen Beiuch erwarten Die Bezirksleiter. Boxhagcn-Niimmclsdurg. Heute, Mittlooch, den 3. November, abends 8 Uhr. findet für den ganzen Ort ein E x t r a- Z a h l» abend mit folgender Tagesordnung statt: 1. Beschlußfaffung über Erhebung eines ExtrabcitrageS. 2. Ausnahme einer WahlvercinS- statistik. Mitzubringen ist das WahlvereinSbuch wie das Mitglieds- buch der Gewerkschaft und die„Vorwärts'-Ouittung. Entsprechend der Wichtigkeit der Tagesordnung.wird das Erscheinen aller Mit- glieder erwartet._ Der Vorstand. Berliner J�achricblrn Das ungesetzliche Vorgehen des Provinzial« fchulkollegiumS gegen den Arbciterturnverein Fichte ist kürzlich durch eine besondere Tat gekrönt worden. Um den Arbeiterturnvereincn das Lebenslicht auszublasen, übt das Provinzialschnlkollegium auf die vom Turnverein Fichte an- gestellten Lehrkräfte einen Druck dahin aus, ihre Tätigkeit als Turnlehrer im genannten Verein aufzugeben. Erst kürzlich war einer Lehrerin aufgegeben worden, enttveder die„Unter- richtserteiluug" im genannten Verein einzustellen oder aber auf Anstellung in städtischen Diensten zu verzichten. Kürzlich ist auch dem seit längerer Zeit in der 2. Schülerabteilung tätigen Turnlehrer, Herrn Bothe, ein ähnliches Schreiben zu- gegangen, in dem ihm gleichzeitig die Entziehung des Turn- unterrichts-Erlaubnisscheins angedroht wird. Die Verfügung (Eing. 14. 9. 99) hat folgenden Wortlaut: .Nach zuverlässiger Feststellung erteilen Sie in der Lehr- liugS-(?) bezw. Schülerabteilung des Turnvereins.Fichte" Turn- Unterricht an jugendliche Personen. Wegen der den von der Schule verfolgten Zwecken entgegen- tretenden Bestrebungen dieses Vereins untersagen wir Ihnen die weitere Erteilung dieses Unterrichts vom Tage der Behändigung dieser Verfügung äb unter der Verwarnung, daß bei Nichtbefolgung der Verfügung Ihnen der Unterrichtserlaubnisschein für Turnen « sofort entzogen werden wird. gez. Mager." Auf die eingelegte Beschwerde ist nunmehr folgender Bescheid eingegangen: Nach der Erklärung vom 2. d. M. halten Sie sich nicht für verpflichtet, unserer Verfügung vom 13. v. M.— IV. 4S48— nachzukommen. Wir entziehen Ihnen deshalb vom Tage der Behändigung dieser Verfügung ab den Unterrichtserlaubnisschein und untersagen Ihnen ausdrücklich die Erteilung jeder Art von Unterricht, insbesondere auch von Turnunterricht an jugendliche Personen unier der Verwarnung, daß für jeden Fall der Zuwiderhandlung auf Grund des Z 48 Nr. 2 der Verordnung eine Exekutivstrafe von 100 M., buchstäblich:„Ein- Hunderl Marl", im Unvermögensfalle 10 Tage Haft gegen Sie fest- gesetzt werden wird. gez. Mager. Bekanntlich stützt sich das Provinzialschulkollegium bei seinen Maßnahmen gegen den Turnverein„Fichte" und bei seinem Verlangen auf Beibringung eines UnterrichtSerlaubnis- scheines zwecks Erteilung von Turnunterricht an jugendliche Personen auf eine Kabinettsorder vom Jahre 1834 und auf eine Ministerialverfügung aus dem Jahre 1839. Das Landgericht Berlin l hat in voriger Woche die Bezugnahme auf diese Verordnungen für rechtsungültig erklärt; die Verordnung spreche nur von der Jugend. Offenbar sei nur die Schuljugend der Volksschule gemeint. Nach diesem Urteil handelt das Provinzial- schulkollegium ungesetzlich, wenn es die Erteilung von Turn- Unterricht an jugendliche Personen über 14 Jahre von der Beibringung eines Unterrichtserlaubnisscheincs abhängig macht. Ganz und gar unverständlich aber ist es, einer Person den Schein unter den dargelegten Umständen zu entziehen, die ihn besitzt. Nach dem Urteil des Landgerichts kann die Schul- behörde ihre Strafandrohung gar nicht ausführen, ohne daß sie sich ihr ungesetzliches Handeln extra bescheinigen lassen will. Kurrende und Brotspcchte. Durch die Gesangaufführung, die am Reforinationstage von der Berliner Kurrende am Luther-Denkmal veranstaltet worden ist, ist die Anfmcrksanikeit wieder auf diese Ein- richtung Berlins hingelenkt worden, die uralt ist und die man seit ihrem Bestehen verschieden beurteilt hat. Bereits im Jahre 1796 forderte ein Flugblatt:„Das Herumgehen der Chorschüler und der jämmerlichen Kurrende sollte aufgehoben werden: beides ist und bleibt immer eine Bettelei, ob es gleich die Choristen hinter den fremdartigen Namen„er.pcktiercn" verstecken wollen. Bei dem hiesigen Kot und Staube ist das Singen auf der Straße der Gesundhnit äußerst nachteilig; es versäumt an Zeit und bringt ivenig ein; wer armen Schülern etwas zuwenden will, kann es auch, ohne sich erst etwas von ihnen vorsingen zu lassen." Die Ein- richtung. daß Gcsangschäre vom Gymnasium zum grauen Kloster, dem Köllnischc» und Werderschen Gymnasium und von der Realschule Mittwoch und Sonnabend nachmittags in ihren Stadtvierteln vor den Haustüren geistliche Lieder sangen, hielt sich jedoch bis in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Erst dann kam man da- hinter, daß das abendliche- Herumziehen und Einsammeln von Geld- spenden den jungen Leuten nicht zu Nutze war und die Chorsingerei wurde abgeschafft. Daneben bestand noch eine sogenannte Kurrende, die aus den Schülern der kirchlichen Elementarschulen zusammengesetzt war. Sie zogen des Morgens in ihrer Parockiie umher und sangen mit ihren Lehrern einfache Choräle, wofür sie vor den Bäckerläden Brot, vor den Fleischläden Zukost erhielten. Das Volk nannte sie„Brotipechte" und das Institut kam allmählich derart herab, daß der Gesang mehr zum Aergernis als zur Erbauung gereichte und die Brolspechte schließlich ebenfalls von der Straße verschwanden. An ihrer Stelle gründete der Lehrer Marquardt ein sogenanntes Luthcr-Slift von Knaben, die keine regelrechte Beschäftigung haben, und ließ sie vor de» Türen frommer Familien in verschiedenen Teilen der Stadt Choräle und geistliche Lieder singen. Aus dieser Einrichtilng ist die moderne Kurrende entstanden, die vielfach als wahre Landplage empfunden wird. Eine städtische Bäckerei. Daß die Stadtgemeinde Berlin eine der größten und leistungsfähigsten Bäckereien besitzt, selbst ein- gerichtet hat und selbst betreibt, dürfte wenig bekannt sein. Diese auf das modernste eingerichtete Bäckerei besteht in Buch und ver- sorgt die dortigen städtischen Anstalten mit Brot. Obgleich diese städtische Bäckerei noch nicht lange im Betrieb ist, hat sie schon an- sehnliche Mengen Backwaren geliefert. Im letzhen Etatsjahre wurden 2670 Zentner Weizenmehl, 3786 Zentner Roggenmchl, 103 Zentner Salz, 42 Zentner Hefe, 36 Zentner Zucker, 12 000 Liter Milch, 4 Zentner Streumehl, 6 Zentner Backfett ufw. ver- braucht, um 8500 Zenkncr Backwaren herzustellen, und zwar wurden gebacken: 6060 Zentner Roggenbrot, 33 Zentner Hefenbrot, 2937 Zentner Semmel, 130 Zentner Zwieback und zirka 14 Zentner Stollen. Natürlich ist die Produktion mit der Ausdehnung von Buch gestiegen und wird sich in diesem Jahre noch ganz erheblich steigern. In dem leidigen Schnellbnhnstreit ist trotz der von den Magistraten von Charlottenburg und von Wilmersdorf am 29. Oktober akzeptierten Einigungsvorschläge das letzte Wort immer noch nicht gesprochen. In Wilmersdorf glaubt man nicht daran, daß der in der Konferenz zugesagte Durchgangs- Verkehr nach dem. Zentrum Berlins dauernd gewährleistet werde; und der Magistrat hat eine neue Denkschrift ausgearbeitet, in der auf 52 Seiten noch einmal die ganze Geschichte des Schnellbahnprojekts erläutert ist. Aus der VerkchrSdcPiitation. In der gestrigen Sitzung der Verkehrsdeputation unter Vorsitz de? Oberbürgermeisters wurde das Ergebnis der Erhebungen mit- geteilt, die gelegentlich der Genehmigung einer Kranaulage am Hafenplatz für die Zicgcltransport-Akliengesellsckiaft von den städtischen Körperschaften beschlossen worden waren. Die Aeußeruugen der befragten Jnteressentenvertretunge» sollen der Stadtverordneten- Ver- samnilung gedruckt unterbreitet iverden. Die danach für er« wünscht gehaltenen Maßnahmen gegen eine monopolartige Ausnutzung der erteilten Genehmigung find in den bisherigen Ab- machungen schon vorgesehen worden; die Stadtgemeinde will sich aber noch eiu Tarisgenehmigungsrecht ausbedingen. Der Stadt- verordneteiiversammlung soll vorgeschlagen werden, die weitere Regelung der Frage, insbesondere den Abschluß dreijähriger Verträge der Verkehrsdeputation zu übertragen. Mit dem Antrag des Schiffs- führervereins auf Genehmigung einer Anlegestelle für Schlepp- dampfer am Gröbenufer erklärte man sich grundsätzlich einver- standen._ Eine große Ausstellung für die Fleischerei und Wurstfabrikation wird im nächsten Jahre in den Tagen vom 26. April bis 17. Mai in den Ausstellungsballen am Zoologischen Garten abgehalten werden, Veranstaltet wird die Ausstellung, wie die„Allg. Fleischer-Ztg." mit- teilt, von der Freien Schlächterimmng zu Charlottenburg, die in ihrer gestrigen außerordentlichen Sitzung im Eiilverständnis mit dem Deutschen Fleischerverband dies beschlossen hat. Auf der Schau, die ungemein interessant zu werden verspricht, soll auch das Fleisch der auf der gleichzeitig hoch im Osten der Stadt stattfindende» Mast- Viehausstellung prämiierten Tiere dem Berliner Publikum in einer ansprechenden Form vorgeführt werden. Ein schwerer bedauerlicher Unfall hat sich gestern früh in der erst am 27. September bezogene» Wohnung deS Rektors Trettin in dem Dreischulemieubau ain Zeppelin-Platz zugetragen. Als das Dienstmädchen gestern früh nicht aus ihrer Stube kam, sollte ihr verschlossenes Zimmer geöffnet werden. Ein herbeigerufener Schlosser, der auf dem Bau noch beschäftigte städtische Bauführer Friedrich, der Heizer und die eine Lampe haltende Frau des Rektors waren dabei zugegen, als beim Oeffnen der Tür, vor der vorher ein Gasgeruch nicht benierkt worden war. eine heftige Explosion erfolgte. In der geöffneten Stube lag der Auslaßpfropfen der Gasleitung neben einer Zange auf einem Spind, dabei ein verschlossener Brief des Dienst- mädchenS, das nicht mehr lebte. Dieser Tatbestand läßt darauf schließen, daß das Dienstmädchen sich selbst den Tod hat geben wollen. Durch die Explosion wurden aber außerdem die Frau des Rektors, der Bauführer und der Schlosser schwer verletzt und sind nach dem Virchow-Krankenhaus gebracht worden, wo sie nach Meinung der Aerzte mehrere Wochen werden bleiben müssen. Der Heizer wurde nur leicht verletzt. Von der Findigkeit der Post. Ein Leser legt nnS eine Karte vor, die in Kiel am 9. Juli 1908 abgestempelt und nach Berlin, Ackerstraße 134 adressiert ist, die der Adressat am 20. Oktober dieses Jahres erst erhalten hat. Der Adressat wohnte bis Oktober vorigen Jahres im Hause Ackersiraße 134. Er erhielt jetzt die Karte in seiner neuen Wohnung zugestellt. Da die Karte eine Geburtstags- gratnlation enthielt, so kam dieser Glückwunsch etwas sehr xost kostuw. Postreklame und Postbunimclei. Auf einigen großen Postämtern. beispielsweise auf dem Postamt 63 an der Ecke der Linden- und Ritterstrobe, ist die Rcichspostverwaltung nach dem Muster der Eisenbahnvcrlvaltung in den Dienst der Geschäftsreklame getreten. Hier sind jetzt die Schreibpulte mit metallcingefaßten Glasplatten bedeckt, unter denen die Reklame hervorleiichtet. Selbst noch das Mittelfeld, das natürlich nicht mit Glas bedeckte Löschblatt, trägt den Namen einer Schuhwarenfirma. Das ist offenbar nur der An- fang. Herr Kractke, der mit Gewalt Ersparnisse herauswirtschastcn will, wird es sicher sehr bald dahin bringen, daß die Vor- räume der Postämter wie die öffentlichen Anschlagsäule» und die Postwagen wie die Berliner Omnibusse aussehen. Da» gegen ließe sich schließlich nichts besonderes einwenden, wenn die Reichspostverwaltung darauf bedacht sein wollte, entsprechend den vermehrten Einnahmen aus der Reklame, die ja unter Umständen sehr beträchtlich werden können, Betriebsverbesserungen einzuführen. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall, Im Reiche Stephans, der sich darob im Grabe unigedreht haben soll, geht es sch seit mehreren Jahren bedenklich rückwärts. Wir haben das ja wiederholt bewiesen, und es wird auch von Blättern anderer politischer Richtung offen zugegeben. Die gegenwärtige Langsainleit bei der Post macht sich ganz besonders bemerkbar auch im Bezirk des Hauptpostamts iu der Spandauer Straße. Früher war nian allgemein der Anficht, daß Posisendungeii, die iunerhalb dieses Hauptpostamts aufgegeben wurden, früher als sonst an den Empfänger gelangen. Jetzt brauchen aber auch solche Sendungen vier und mehr Stunden zu ihrer Beförderung, Ja, sogar diejenigen Sendungen, welche innerhalb des Hauptpostamts aufgegeben und bestellt werden, kommen außerordentlich spät in die Hände des Adressaten. Wiederholt haben hier Postkarten und Briefe, die im Hauprpostgebände selbst, wo die Briefkästen viertelstündlich geleert werden, aufgeliefert wurden, vier S�t unden bis zur Be» förder ung nach einer nur 100 bis 200 Meter eilt- fernten Adresse g e b r a u ch t I Nicht um Einzelfälle handelt es sich dabei, sondern um Häufigkeiten,. Auf solchen lässigen Betrieb kann doch Herr Kraetke nicht gerade stolz sein. Die mancherlei „Postfindigkeilen", mit denen sich ein genügsames Publikum die Augen verbinden läßt, werden dadurch vollständig in den Schatten gestellt. So auffallende und häufige Verzögerungen können ihre Ursache wohl nur in Fehlern der postalischen Organisation finden. Gendarmerie als Meldereiter. Auf dem Johannisthaler Flug- platz, der am Sonntag zu Flugversuchen geöffnet war, hatten sich außer zahlreichem Publikum auch reichlich Gendarmen eingefunden. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung war wenig zu tun. Wenn beim Zusammenströmen von Mcnschxnmassen, bei denen es sich nicht immer um disziplinierte Arbeiter handelt; auch die Gendarnrerie sowie sonstige Polizeiorganc nicht ganz überflüssig sein mag, so muß doch Befremden erregen, daß Gendarmen als Meldereiter für die Flugplatzunternehmer Verlocndung finden. Um 4 Uhr lag der Eingang zum 30 Pfennigplatz ziemlich vereinsamt, als plötzlich ein Gendarm im Galopp angeritten kam und dem Eingangskontrolleur folgende Meldung machte: „Ich habe zu melden, daß er eben in die Halle eingefahren ist; er fliegt noch dreimal und um 6 Uhr ist Schluß." Sprach's, wandte sein Pferd und sprengte wieder davon. Einige Umstehende fragten verwundert, was die Gendarmerie mit dem Flugplatzunternchnien zu tun habe. Auch wir verstehen nicht, Ivorum Beamte zu Meldezwecken verwendet werden. Ist für die Beamten nichts zu tun, soll man sie zu Hause lasseru Im Heißluftbad vom Tod ereilt. Von einem traurigen Gc- schick ist gestern abend der Architekt Hochgürtel, Kronenstraße 8/9, betroffen worden. Herr H. hatte sich in den letzten Tagen nicht ganz wohl gefühlt, und um seinen Zustand zu bessern, nahm er im„Verein der Wasserfreunde" in der Königgrätzer Straße ein Heißluftbad. Während des Bades trat plötzlich eine starke Herz« lähmung ein und noch ehe ein Arzt zur Stelle sein konnte, war H. bereits tot. Die Leiche des Verstorbenen, der im 66. Lebens- jähre stand, wurde nach der Wohnung übergeführt. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich vorgestern abend in einer Geldschrankfabrik in der Badstraße ereignet. Der 29 Jahre alte Maler Adam Corte, Buttmannstraße 14 wohnhaft, hatte in dem Fabrikraum gestrichen Als er bei seinen Malerarbeiten war, löste sich über ihm plötzlich ein mehrere Zentner schwerer Eiscnblock aus dem Gefüge und stürzte in die Tiefe. C. wurde so wuchtig gegen den Kopf getroffen, daß er besinnungslos zu Boden stürzte. Der Bedauernswerte erlitt einen schweren Schädelbruch und wurde in fast hoffnungslosem Zustand nach dem Virchowkrankenhaus gebracht. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 27. September er. ist vor dem Hause Turmstraße 64 ein Reisekorb, enthaltend eine silberne Schlüsseluhr mit langer schwarzer Perlkette, ein Unterhett mit rotem Inlett sowie mehrere Franenhemden, Röcke und andere Wäschestücke gefunden worden. Der Eigentümer des betreffenden Korbes kann sich zu 3246 IV/66 09 im Polizeipräsidium, Alexanderplatz, Zimmer 346 in der Zeit zwischen 9 und 1 Uhr melden. Am Tage der LandtagSwahl, den 26. Oktober, sind im Lokal Patzenhofer Brauerei. Turmstr. 26, ein Damenregeuschirm und bei Cäsar, Alt-Moabit 119, ein Spazierstock(weiß) stehen geblieben. Beide Gegenstände sind abzuholen bei Richter, Wiclefstr. 24. Vermißt wird seit 27. Oktober der Arbeiter Karl Koppe, Weißen- burger Straße 42, der seit 14 Tagen arbeitslos war. Koppe ging am genannten Tage aus seiner Wohnung fort, ohne wieder dahin zurückzukehren. Seine geängstigte Frau bittet Bekannte oder Freunde de« Vermißten, die nähere Mitteilungen über den Verbleib des K. »lachen können, um Nachricht an obige Adresse. Vorgärten in der Neiuickcndorfer Straße. Zu einem Lokal an der Schul- und Neinickendorfer Straße gehört ein Vorgarten. Der Stadtausschnß Berlin erteilte dem Lokalinhaber N. die Erlaubnis. auch iu dem Vorgarten die Schanlwirtscbaft auszuüben, vorbehaltlich der Befugnis des Polizeipräsidenten, in Ausübung der Straßenpolizei über die Benutzung des Vorgartens zu bestimmen. Der Polizei- Präsident untersagte die Benutzung des Vorgartens zu Sckiaiikwirt- schaftSzwecken aus GesundheitS- und verkehrspolizeiliwen Rücksichten. Der Bezirksausschuß gab der hiergegen gerichteten Klage statt und hob die Verfügung der Polizei auf. Er vermißte das Vor« liegen objektiver polizeilicher Gründe, die die Versagung der Erlaubnis des Polizeipräsidenten rechtfertigen könnten. Der Polizeipräsident, selber habe zugegeben, daß für andere Vorgärten in der Schulstraße, worin mit polizeilicher Er- laubniS der Schanlbetrieb ausgeübt werde, dieselben Verkehrs- Verhältnisse zuträfen, wie für den Garten des Klägers. Wenn der Polizeipräsident sich darauf berufe, daß der Vorgänger des Klägers in dem Vorgarten keine Schankwirischaft ausgeübt habe, dann sei das kein verkebrspolizeilicher Grund. Das OberverwaltungSgericht hob ans die Berufung des Polizei- Präsidenten die Vorcntsckieidnng auf und billigte die Bersagiing der Erlaubnis durch den Polizeipräsidenten. In Betracht käme die Berliner Polizeiverordmmg vom 27. Oktober 1866, welche be- stimme:„Wo Borplätze zwischen den Baufluchtlinien und den Bürgersteigen respektive Fahrdämmen der öffentlichen Straßen und Plätze zugelassen worden sind, dürfen dieselben nur zu Gartenanlagen benutzt werden und mir mit einer aus Gitterwerk bestehenden Einfriedigung versehen werden. Zu Abtveichungen von dieser Vorschrift ist eine besondere polizeiliche Erlaubnis erforderlich." Danach habe es die Polizei nicht nötig, besondere Motive dafür anzugeben, wenn sie ihre Zu- stimmmtg ailS gesnndheits- und vcrkehrspolizeilichen Rücksichten ver- weigerte. Wenn andere Gastwirte in der Schulslraße die Erlaubnis zur Vorgartenbenutzung erhalten hätten, so lasse däs Schikane oder Willkür im Falle des Klägers nicht erkennen. AuS der Verhandlung ergab sich, daß der Polizeipräsident den Wirtschaftsbetrieb in Vorgärten, die noch nicht zu einem solchen benutzt wurden, nicht mehr genehmigen will und daß er ihn aus- nahmsweise mir noch dort zulassen will, wo die Gärten schon öfter dazu benutzt wurden. Feuerwehrbericht. Wegen eines WohnungSbrandeS wurde die Feuertvehr nach dem Kaifer-Friedrich-Platz 3 alarmiert. Die Flammen konnten bald gelöscht werden. Der Feucrmann Schmidt, der durch Glassplitter Schnittwunden am rechten Unterarm erlitten hatte, mußte sich in der nächsten Unfallstation verbinden lassen Grober Unfug lag einer Feuermeldung aus ber.Dorotheenstraße 11 zugrunde. Als die Wehr um 2 Uhr nachts dort ankam, war trotz längerem Euchens nicht die geringste Gefahr zu entdecken. Der Täter ist unerkannt entkommen. Ziachts um 4 Uhr muhte auf dem Gesundbrunnen, Koloniestr. 9, ein Kellerbrand gelöscht werden, der durch Entzündung von Preßkohlen ausgekommen war. Ferner hatte die Feuerwehr in der Barnimstr. IS, Dolziger Straße Ä und »nderen Stellen zu tun. Die Schöneberger Feuerwehr hatte am Dienstag früh auf dem Hofe Sachsendamm 37 zu tun. Dort stand ein Benz in» Auto. mobil um ll Uhr vollständig in Flammen und war trotz schneller Hilfe der Feuerwehr nicht zu retten. Das Kraftfahrzeug brannte bis auf die Eisenteile nieder. Vorort- Nachrichten. Rixdors. Die skandalösen Berkehrsverhältniss« Nixdorfs werden geradezu unerträglich und das, trotzdem augeblich erst vor kurzer Zeit Zählungen über die Frequenz der Straßenbahn stattgefunden haben. Wie kürzlich in der VerkehrSdepntation mitgeteilt- wurde, sollen die Zählungen die Tatsache ergeben haben, daß der Verkehr vollauf bewältigt wird. Jeder, der jedoch gezwungen ist, die.Große Ber- liner" des Morgens zu benutzen, weiß, daß das Gegenteil der Fall ist. Bei dem angeblichen ZähtungSergebniS ist nur zweierlei möglich. Entweder hat man die Feststellungen in den Tageszeiten vorgenommen, in denen der Berkehr über» Haupt nachläßt, oder das Ergebnis ist ein absichtlich falsches. Wenn wirklich in den Morgenstunden eine Zählnng vorgenommen würde, könnte sich unmöglich ein solches Resultat er- geben, weil bis gegen S Uhr an jeder einzelnen Haltestelle eine Anzahl Fahrgäste zurückbleiben müssen. Auch am Dienstagmorgen war wieder ein Beamter der„Großen" an der Ecke der Reuterstraße postiert und wenn er seine Wahrnehmung in zutreffender Weise seinen Vorgesetzten übermittelt, kann er nicht anders, als mitteilen, daß unausgesetzt Fahrgäste an dieser Haltestelle zurückbleiben mutzten. Txotzdcm erscheinen um 8 Uhr Züge der Linie 15 ohne Anhängewagen, wodurch noch weniger die Möglichkeit gegeben est, mitzukommen. Wenn diese Wirtschaft so weiter geht, wird die Stadt in absehbarer Zeit einen Abzug der Steuerzahler zu fühlen bekomme». Die städtische Verwaltung läßt sich jedoch fortgesetzt von der„Großen" einseifen. Als z. B. die Stadt kürzlich eine ausgeklagte Forderung von 44009 M. an die Straßenbahngesellschaft hatte, wurde von dieser der Vorschlag gemacht, die Stadt möge auf die Summe verzichten; als Gegenleistung versprach die Straßenbahngesellschaft die Einführung einiger neuen Linie» und die Ber- besjerung bestehender. Trotz des energischen Kampfes, den die sozialdemokratischen Vertreter gegen dieses Abkommen fführten, nahm die bürgerliche Mehrbeit den Vorschlag an und verzichtete auf Zahlung der 44 000 M. Die versprochenen Verbesserungen sollten bis zum 1. September durchgeführt sein, jetzt befinden wir uns schon im November und keine einzige der versprochenen Verbesserungen ist verwirklicht. Wieder so ein Stück weiser Kommunalpolitik der bürgerlichen WahlrechtSverschlechterer und ihres Magistrats. Tödlicher Unfall bei der Arbeit. Beim Ausladen von Balken auS dem Rixdorfer Kanal brach am Montag der Bretterträger Karl Päper, Kotlbuser Damm 39 wohnhaft, plötzlich zusammen. Wie sich herausstellte, hatte P. bei der Arbeit schwere innere Verletzungen davongetragen. Trotz schneller Hilfe und Beförderung nach dem ftrankenhause Bethanien starb Päper bereits bei seiner Einlieferung. Eine Schillerfeier veranstaltet der hiesige BildungSauSschuß zur Erinnerung an den ISOjährigen Geburtstag des Dichters am Sonn- abend, den 8. November, abends präzise 9 Uhr im Rixdorfer Theater, Bergstr. 147. Neben einer guten Kammermusik, ausgeführt vom Neuen Berliner Tonkünstler-Orchester(Franz Hollfelder), wird Ge- nosse Heinrich S tr ob e l Schillers Leben und Wirken würdigen. An dem gesanglichen Teil des Abends hat Frau Erna HallenSlebcn- Schneider ihre Mitwirkung zugesagt. Ferner wird Herr Julius Türk (Rixdorfer Theater) aus Schillers Werken rezitieren. Disie Feier ist ganz dazu angetan, die Bildungsbestrebungen der Arbeiterschaft zu fördern. Aus diesem Grunde ersuchen wir alle Gönner und Freunde unserer Sache, durch rege Teilnahme an der Feier für ein gefülltes Hans zu sorgen. Eintrittskarten a 50 Pf. sind noch bei den Funk- tionären und in der Parteispedition, Neckarstr. 2, erhältlich. Der BildungSauSschuß. Wilmersdorf. Die Wahlen zur WilmerSdorfer OrtSkrankenkasse sind vom Magistrat als der Aufsichtsbehörde für ungültig erklärt worden. Eine zu Dienstag abend einberufene Generalversammlung, in der die VorstandSwahlen auf der Tagesordnung standen, konnte daher nicht stattfinden. Die Aufsichtsbehörde stützt sich darauf, daß bei den Wahlen der ß 49 de» KrankenversicherungSgesetzeS nicht berücksichtigt worden ist; während dieser Paragraph bestimmt, daß jeder Arbeit- geber für jedes bei ihm beschäftigte Kässenmitglied eine Stimme ab- zugebe» bat, ist bei der letzten wie auch bei den früheren Wahlen ohne Rücksicht auf die Zahl der bei ihnen in Arbeit befindlichen Kassenmitglieder immer nur eine Stimme zugebilligt worden. Durch die hier erwähnte Anordnung des Magistrats werden die Arbeit« nehmerwahlen nicht weiter berührt, wie denn überhaupt die ver- sicherten Kassenmitglieder beiden sich bekämpfenden Arbeitgebergruppen gleichgültig gegenüberstehe». Zossen. Die Stadtverordnctcnwahl für die dritte Klasse findet ans Donnerstag, den 4. November, von vormittags 11 bis 2 Uhr nachmittags statt. Am Sonntag nahm nochmal» eine öffent- liche Wählerversammlung hierzu Stellung. Genosse Grauer- Lichtenberg hielt ein vorzügliches Referat über«Die' bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen und die Steuerausplünderung durch die bürgerlichen Parteien". In der Diskussion wurde an der Hand der örtlichen Borgänge dargelegt, daß die Wahl von Sozialdemokraten unbedingte» Erfordernis ist. Leider mußte, da Genosse Soupe bi» zur Stunde eine Nachricht über die von ihm beantragte Naturali- sation noch nicht erhalten hat,«in anderer Kandidat ausgestellt werden. An seine Stelle wurde derKaufmann Genosse RidzewSki als Kandidat aufgestellt. An die Arbeiterschaft liegt eS nun. dafür Sorge zu tragen, daß die sozialdemokratischen Kandidaten Lackierer Hermann Wißmann und Kaufmann H. RidzewSki gewählt werden. Zehlendorf(Wannseebahn). Zwei kurz aufeinanderfolgende Sitzungen beschäftigten in den letzten Tagen die Gemeindevertretung. Au» der ersten ist nur hervorzuheben, daß für die. Bekämpfung der Mücken- plage weitere 1000 M. aufgewendet werden sollen. Wegen der in letzter Zeit häufig vorgekommenen Einbrüche sollen die Nachtlaternen in Zukunft bis ö Uhr morgen» brennen.— Die zweite Sitzung hatte«in starkes Publikum besonders auS den Kreisen der Lehrer und sonstigen Geineindebeamten herbeigelockt. Der Grund lag in der GehaltSregelung. die auf der Tagesordnung stand. Lange hatten die Geineindebeamten darauf hingewiesen, daß ihre Einkommen»- Verhältnisse besonders für Zehlendorf ganz unzulänglich seien. Die Neuregelung sieht eine Erhöhung der Gehälter der höheren und mittleren Beamten vor. wie sie dieselbe wohl zum Teil nicht erwartet hatte. Wie gönnen ihnen die Besserung ihrer Verhältnisse durchaus. Rur hätten wir gewünscht, daß man auch den niederen Beamten mehr entgegeiigekommen wäre. Man hat oei den höheren Beamten, denen man Wohnungsgeldzuschüsse von 1000—1500 M. ausgesetzt hat, von verschiedenen Vertretern die beweglichsten Klagen über die Unzulänglichkeit dieser Zuschüsse gehört, kein Wort aber darüber, daß man für die niederen Beamten, deren Gehalt kaum die Höhe des Wohnungszuschusses der höheren Beamte» erreicht, überhaupt keinen Zuschuß für die Beschaffung der Wohnung notwendig hielt. Dabei ist gerade die Beschaffung kleiner Wohnungen in Zehlendorf sehr schwer, und sind solche von einigermaßen guter Beschaffenheit kaum unter 350—400 M. zu habe». Ganz abgesehen davon, daß die Gemeindearbeiter und nicht etatSmäßigen Beamten, deren Lage doch eine sehr klägliche ist, vollständig übergangen sind. Für sie hatte man nur platonische Liebeserklärungen und Vertröstungen für die Zukunft übrig. Bei der kommenden Gemeindewahl haben die Beantten und Arbeiter Gelegenheit, die Konsequenzen zu ziehen und die Kandidaten der Sozialdemokratie zu unterstützen. Nur durch deren Wahl ziehen auch wirkliche Vertreter ihrer Interessen i»S Gemeindeparlament. Nachträglich lassen wir die neuen Gehaltssätze folgen: Gemeindevorsteher 10 500 M. pro Jahr, 1500 M. Mielszuschlag; Gemeindebaurat 6600—8400 M., 1500 M. Mictszuicklag; Direktor des Elektrizitätswerks 4800—7200 M., 1000 M. Miets- Zuschlag; Oberlandmesser und Oberingenieure 4200—6000 M., 1000 M. Mietszuschlag. Hier wollten die Herren Schütze, Pasewald und Köppen eine Erhöhung auf 1200 M. haben. wurden aber nüt diesem Vorschlag abgewiesen. Die Herren Hausbesitzer möchten natürlich immer höhere Preise für ihre Wohnungen haben. Kassen- und Bureauvorstcher bekomme» 3600—5000 M., 800 M. MietS- Zuschlag, Sekretäre 2100— 4200 M., 800 M. Mietszuschlag. Hier will man aus Borschlag des Herrn Hammer dazu übergehen. Ober- sekretärstellen zu schaffe». Herrn Hammer hat es der kameradschaft- liche Ton unter de» Sekretären angetan. Er hofft durch solche Neu- schaffung diesen Ton im Dienst besonders vermieden zu sehen. Stärker ist wohl die Hoffnung, ein Strebertum bei den Beamten großzuziehen, damit eine stärkere Organisation unter ihnen vermieden wird. Assistenten sollen 1800— 3300 M. bekommen und 800 M. Mietszuschlag. Kanzlisten 1600-2400 M, 600 M. Miete. Friedhofs- aufseher, Schuldiener usw. 1400— 2000 M., 500 M. Miete. Hilfsdiener 1200—1700 M., keinen Mietszuschlag. Nachtwächter 1200—1500 M.. keinen Mietszuschlag. Lehrer 1800—4200 M. und 300 M. Mietszuschlag. Rektoren 3000—5400 M. und 1000 M. Mietszuschlag. Lehrerinnen 1200—2950 M. und 600 M. Zuschlag. Direktor der höheren Mädchenschule 6600-8400 M.. Dienstwohnung oder 1500 M. Zu- schlag. Oberlehrer 2700—7200 M. und 1000 M. Mietszuschlag. Nachzahlung erfolgt vom 1. April 1903 ab. Man be- kommt bei derartigen Gelegenheiten auch einmal einen kurzen Ein- blick in die Beschlüsse der geheimen Sitzungen, in denen oft Dinge beschlossen werden, die. wenn öffentlich verhandelt, den Gegnern Agitationsstoff bieten können. Herr Lattre-Hertel wollte für den Turnlehrer am Gymnasium eine Extrazulage von 200 M. heraus« schlagen. In der Begründung wies er darauf hin, daß ja auch der- jenige Oberlehrer, der das Rudern der Gymnasiasten überwacht. 500 M. Zuschuß bekomme, die allerdings in anderer Form verbucht werden. Man merkte den Herren an, wie unangenehm ihnen der falsche Zungenschlag ihres Kollegen war. Erwähnt sei noch die Ber- beugung des Herrn Hammer, der vor diesem Auditorium sich zu der Bemerlung verstieg, man wolle dem Publikum zeigen, wie weit die Vertretmtg de» verdienten Beamten entgegenkomme. Lankwitz. In der letzten Mitgliederversammlung deS hiesigen Wahlvereins hielt Genosse Dr. Bruno Borchardt eine» sehr beifällig auf- genommenen Vortrag über„Sozialismus als Weltanschauung". In der sehr lebhaften Diskussion vertraten die Genossen D e n st und Boxheim er eine andere Auffassung über den Sozialismus wie der Vortragende. Den Vorstandsbericht erstattete Genoffe Zack. Danach haben drei Versammlungen mit Vorträgen, sechs Vorstandssitzungen, ein trauen-Leseabend und zwei Flugblattverbreitungen stattgefunden. >en Kassenbericht erstattete Genosse R. T h e u r i g. Einer Ein- nähme von 132,05 M. steht eine Ausgabe von 197,23 M. gegenüber, davon sind 106,14 M. an den Kreis abgeführt. Genosse Denst ist mit den agitatorischen Leistungen des Vorstandes nicht zufrieden. Er wurde aber vom Vorstand und anderen Mitgliedern zurück- gewiesen. In die Kinderschutzkommission wurde die Genossin Maria Rosenhahn, Kaulbachstr. 61. und in den Bildungsausschuß die Genossen Port, Kaulbachstr. 71, und Zack II, Miihlenstr. 26, gewählt. Weihensee. Der Schöffe Nathmann hat die für das von der Gemeinde er- wordene Friedhofsgelände erhaltene Provision im Betrage von 2656.85 M. herausgerückt. In einer Bekanntmachung in» Amtsblatte, weist er nochmals darauf hin, daß er die Provision zu Recht ein- gesteckt habe, aber ein Teil der Gemeindevertretung sei anderer Ansicht. Im übrigen hätte er da» Geschäft nicht ge- macht, wenn er gewußt hätte, daß ihm Unannehmlich- keilen entstehen könnten. DaS Geld habe er an dreizehn verschiedenen Stellen verteilt und zwar für Weihnachts- bescherung an drei Pfarrer, ferner an drei christliche Organisationen, den Kriegerverein, den Kampfgenossenverein, die freiwillige Feuer« wehr, den Grundbesitzerverein, die SäuglingSkliNik, an eure Witwe und für ein Schmuckstück auf dem Platze vor der Turnhalle, letztere« soll jedenfalls als.rührende»" Denkmal der Rachwelt zeigen, welch edler Mann der Schöffe Rathmann war. Der Volksmund wird diesem Denkmal schon den richtigen Namen geben. Von seinen Freunden werden unsere Genossen aus der Gemeindevertretung im Amtsblatte noch angerempelt, weil sie e» wagten, diese deukate Sache ans Licht zu bringen. Eine große Anzahl Bürger sind jedoch anderer Meinung, sie erwarten sogar, daß der Schöffe Rathinann seinen Posten niederlegt, zumal während der Verhandlung im Gemeindeparlament noch eine andere Angelegenheit zur Sprache kam, die mit eunm Schöffenamt unvereinbar ist und noch der Auf- klärung bedarf. Pankow. Eine verhängnisvolle Explosion hat sich in dem Haus« Flora- straße 4 ereignet. Ein dort bei den Eltern wohnhafter Student der Chemie stellte gestern eine Mischung au» Kohle, Schwefel und doppel- kohlensaurem Kalt her. Bei dem Verarbeiten der Stoffe entstand ein Knall und der Vater, der befürchtete, daß eine schwere Explosion entstehen könne, riß die Mischung schleunigst vom Tisch herunter und schüttete sie ins Waffer. Aber �rst dadurch kamen die Chemikalien zur Explosion. Es erfolgte eine so starke Detonation, daß die Fenster zertrümmert und die Möbel teilweise beschädigt wurden. Der Vater de» Studenten erlitt an Händen und Beinen sowie im Gesicht er- hebltche Brandwunden. Reinickendorf. Die letzte Mitgliederversammlung de» Wahlverein» nahm zunächst ein Referat des Genossen Buhlet über:«Die neue Reichs- veisicherungsordnung" entgegen.— Die Abrechnung vom StiftungS- feste ergab einen Ueberfchuß von 82,35 M.— Als Gruppenführer für die dritte Gruppe wurde der Genosse Schalk bestätigt. Als Kontrolleurin für die Kinderschutzkommission wurde die Genoffin PrezerwarzinSki gewählt.— E» wurde noch beschlossen, im November eine außerordentliche Generalversammlung abzuhalten.— Der Zahl- abend für die sechste Gruppe findet nickt mehr beim Genossen Liedtke. sondern beim Genossen Krnmrelj. Berliner Str. 136 statt.— Zur Aufnahme hatten sich vier Genossinnen und sechs Genossen gemeldet. Ein Bauunfall, der glücklicherweise keine ernsten Folgen hatte. ereignete sich gestern in der Aula des hiesigen Gymnasiums. Dort brack ein Putzgerüst zusammen, wobei zwei Putzer mit in die Tiefe gerissen wurden. Einer derselben trug nur leichtere Verletzungen davon, während der andere wieder weiterarbeiten konnte. Nowawes. Den Tod auf den Schienen fand am Sonntagabend gegen 8 Uhr der in der Lindcnstraße wohnhafte Streckenwärter Paul Müller. M. wurde, als er mit der Revision der Gleise beschäftigt war, in der Nähe de» Uebergang» an der Kirchstraße von dem v.-Zuge Berlin-Magdeburg erfaßt und schrecklich zerstückelt. Der Verunglückte. welcher früher Schrankenwärter bei Kohlhasenbrück war, wurde vor einiger Zeit nach Nowawes versetzt, weil wegen zu späten SchließenS der Schranken ein Fuhrwerk aus Glindow in Kohlhasenbrück über- fahren worden war; er hinterläßt eine Witwe mit sech» Kindern in den ärmlichsten Verhältnissen. Potsdam. Oberbürgermeister Vosberg— nicht Direktor de» Hansaiunde»- Nach längeren Verhandlungen hat Oberbürgermeister Vosberg die Wahl zum Direktor deS HansabundeS abgelehnt und sich entschlossen, Oberbürgermeister von Potsdam zu bleiben. Spandan. Die Stabtverordnetenwahl der 3. Abteilung hatte folgende» Ergebnis: Bezirk 1. Eingeschriebene Wähler 1262. Abgegebene Stimmen 401. Davon erhielten: Konservative 181. Freisinn 136. Sozialdemokrat? 4. Zersplittert 10. Stichwahl zwischen Konservativen und Freisinnigen. Bezirk 5. Eingeschriebene Wähler 2241.(Zu wählen sind zwei Stadtverordnete.) Abgegebene Stimmen 591. Davon er- hielten: Die Konservativen 291 und 217, die Freisinnigen IIS und 161, die Sozialdemokraten Schmidt 245, Köpnick 242. Zer- splittert 4 Stimmen. Stichwahl zwischen Konservative»«ad Sozialdemokraten. Bezirk 6. Eingeschriebene Wähler 1214. Abgegebene Stimmen 430. Es erhielten: Konservativer Mischmasch 200. Sozialdemokrat 216, zersplittert 14 Stimmen. Gewählt: Genoffe Leiter. Bezirk 8. Eingeschriebene Wähler 1800. Abgegebene Stimmen 600. Es erhielten: Konservativ« 97. Freisinn 90. Sozialdemokrat 386, Zentrum 31, zersplittert 2 Stimmen. Gewählt Genoff« Götze Am nächsten Montag, den 8. November, finden die Stadtver- ordnetenwahlen in der 2. Abteilung statt, an denen sich unsere Genossen ebenfalls beteiligen. Sericbrs-�eltung. Di« abgebissene Nase. Ein eifersüchtiger Ehemann, der seiner Frau— die Nase abgebissen hatte, mußte sich gestern in der Person deS Schuh- machers Robert B u S d o r f vor der erste» Strafkammer de» Land- gerichtS I wegen Körperverletzung verantworten. Der Angeklagte ist ?eit mehreren Jahren verheiratet. In der Ebe kam eS häufig zu Auftritten infolge der Eifersucht des Angeklagten. Diese erhielt neue Nahrung, als seine Ehefrau einen Dienst als«ufwärterin bei einer Dame der Halbwelt annahm. Er brachte in Er- fahrung, daß diese einen„Salon" unterhielt, in welchem eS mitunter sehr leohaft zuging. Der Angeklagte bildete sich nun ein, daß seine Frau sich ebenfalls an jenen'.Abendunterhaltungen" beteiligte. ES kam zu einer häuslichen Szene, bei welcher der Angeklagte mit seiner Frau ins Handgemenge geriet und ihr aus eifersüchtiger Wut die Nasenspitze abbiß.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Das Gericht ließ jedoch Milde walten und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von drei Wochen, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurde._ Zu früh geheiratet. Ein Versehen führte gestern den Bürgermeister Dr. Franz Albert an» Liebenwalde vor den Straftichter. Wegen Vergehens gegen das Personenstandsgesetz vom 1. Januar 1900 verhandelte die 3, Strafkammer des Landgericht» Ul unter Borsitz de» Landgerichtsdirektors Lieben ow gegen den Angeklagten. Erst nach der Trauung eines neunzehnjährig»» Mannes fiel dem Angeklagten da» jugendliche Alter des jungen Ehemanns auf. Die Ehe war nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ungültig, da eine Volljährigkeits« erklärung nicht vorlag. Dieses Versehen hatte für den Standes- beamten die vorliegende Anklage zur Folge. Staatsanwalt Affessor Weyersmann beantragte mit Rücksicht auf die ganze Sachlage die niedrigste gesetzlich zulässige Strafe von drei Marl, auf welche das Gericht auch erkannte._ Ein Streit um ein Bild. Gegen das Urteil der Zivilkammer in der Prozeßfache der Josefine Dora gegen die Direltion de» Passage-Theaters hat die Beklagte Berufung eingelegt. Sie hofft in dem intereffanten Streit den Beweis zu erbringen, daß weder eine Schädigung noch auch nur die Absicht zu einer Schädigung der Künstlerin vorgelegen hat, daß demnach ei» rechtliches Interesse für das Klageverlangen nicht besteht._ Die Ohrfeige in der Schule. Wegen Körperverletzung im Amte ist am 15. Juni vom Land« gericht Franke nt.hal der Hilfslehrer Ludwig Blinn zu einer Geldstrafe von 3 M. verurteilt worden. Bei einer Aufgabe über Satzunibildung, die die Schülerinnen nickt verstanden, versetzte der Angeklagte der S, von hinten einen Schlag mit dem Rücken der linken Hand auf die rechte Backe, so daß das Mädchen sofort rief: „Mein Auge tut mir weh I" Die danach entstandene Angenentzündung ivar nach Annahme des Gericht» nicht die Folge der Ohrfeige. Aber. sagt das Gericht, zu einer Ohrfeige lag überhaupt keine Vernnlasiung vor. besonders in der Art, wie der Angeklagte schlug.— In seiner Revision meinte der Angeklagte, eine leichte Ohrfeige werde im Volke nicht als Körperverletzung angesehen. Daß er mit der linken Hand weniger geschickt sei. sei nichr festgestellt. Mit diesen Aus« fübrungen hatte der Angeklagte vor dem Reichsgericht kein Glück, ES verlvarf am Montag die Revision. Wenn gleich verständige Urteile über die Prüfung, ob ein Anlaß zum Schlagen vorgelegen habe und ob die Art des ScklagenS zu- läisig war. in Preußen entgegen der Anffassnn� dcS Prügel- liebenden OberverwaliungSgerichlS und Kultusministeriums ergingen, so würde wenigstens in etwas die vertebrteste Art der Erziehung eingcschränlt werden. In Oesterreich ist daS Prügeln auch süp die Volksschulen verboten.________ Vermilcktes. Dle Cholera in Ostpreußen. In Andreischken(Kreis Niederung) sind, wie aus Königsberg gemeldet wird, bei einer weiteren Person Chalerabazillen festgestellt. Ferner ist in Skirwietell (KreiS Heydeknig) bei zwei weiteren Personen Cholera bakteriologisch festgestellt. Diese Fälle stehen im engsten Zusammenhang mit den bereit» gemeldeten Erkrankungen. Heftige Unwetter haben in Toulon und in der Umgegend sehr großen Schaden angerichtet. Unter anderem ist eine a» der Küste entlang führende, im Bau befindliche Straßenbahn weggeschwemmt, -ine andere unterspült worden. In OlliouleS wurde die Blumen« und Aemüseernte vernichtet. Desgleichen tobten in Nord- Spanien Wirbelstürme. Au» San Sebastian wird gemeldet. daß in der Gegend von Coruna, Santander und Bilbao ein heftiger Wirbelstnrm großen Schaden angerichtet hat. Man befürchtet, daß auch zahlreiche Schiffsunfälle sich ereignet haben, da mehrere Leichname an die Küste an- geschwemmt sind, Auch im östlichen Teile Spanien» hat das Unwetter großen Schaden angerichtet, namentlich in den Gegenden von Barcelona. Otöii», Tarragona und Castellon. Ueberschwemmungen haben an vielen Orten die Ernte vernicktet und die Schienenwege unter- brachen. Viele Gebäude drohe« einzustürzea. Sergmanns Sab. gu dem von IMS berichteten englischen Grubenunglück bringt ,W. T. B." noch folgende Meldung: Cardiff, 1. November. Bon den in der Tareni-Kohlengruve verunglückten Arbeitern ist noch einer als Leiche geborgen worden. ein Arbeiter wird noch vermißt, alle übrigen sind gerettet worden. Singegangene Druck Ccfmfren. Memoire» einet Sozialistil» von Lily Braun. Verlag Albert Langen, München.(557 S. Herold Sit. 30. Wochenschrift. 20 Ps. Charlottenburg, Uhlandstr. 14. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierkluv.Heinrich Heine«. Heute abend ö'/, Uhr Generalversammlung bei Bolze, Roden- bergstraße 8. Lese- und DiSkutierklub.Südost«. Die heutige Sitzung sällt der Stadtverordnetenwahlen wegen aus. Sozialdemokratischer Lese- und Diök»itierklub.Karl Marx«. Heute abend 8>/, Uhr bei Hummel, Sophtenstraße 5: Jahres-(Mitglieder)- Versammlung. Keutralverband der Handlungsgehilfe«» und Gehilfinnen Deutsch. lands. Bezirk Sit». Donnerstag, den 4. November, abends 8>/, Uhr, im Restaurant„Askania«, BraunSberger Strah« 5: Vortrag der Genossin MarthaTietz über:.Der Kamps ums Recht«. Gäste willlommen. BsttterunqSüberiich» vom L.November litn». morgen» H lldr. Stationen |f II -§ e 5 Bf SwMemd» Hamburg Serlin Zrants. Münch lerlin aM München Wien Setter s» Zw btS> Stationen Setter »S «'» .II G 766 Still Dunst 9 Haoaranda 763 Still wolkenl 767 SO 2 Nebel 7 Petersburg 763 WSW 2wolkig 76? Still bedeckt 9 Scillh 766 N 3 wollig 766 NO 3bedeckt 9 tlderdeen 76? SB 1 Regen 766 O l Nebel 7 Pari» 76SN 2 wollen! >766 WSW 1 bedeckt 9 I s Wetterprognose für Mittwoch, den 3. November 1909. Etwas wärmer, zunächst ausllarend, bei ziemlich lebhaften südlichen " und lek*'~ -6 6 8 7 5 Windttl: später wieder zunehmende Bewölkung Berliner Ichter Regen. Wette rburean. SSafierstandS-Nachrichteu der LaudeSanstast lär Gewässerkunde, mitgeteilt»om Berliner Wetterburcau. Wasserstand Newel. TUM Brägel. Jnsterburg Weichs e l. Thor» Oder, Ratibar » Krassen . Frankfurt Ba r t h«, Schrimm , Landsberg Netz«, Vordaimn Elbe, Leitmeritz » Dresden , L-rrbv , Magdeburg ain 1. 11. 0e 77/79. Ansang präzise 8 Uhr. Schlager auf Schlager bringt das Oktoher-I'rojxramm. Passage-Theater. Das grofiartlge | Variete- Programm Ides nenen großen | Yarietö-Teils. Feiner 10 neue Dehnt». Ferner; Henry Bender in der tollen Burleske Der süße Doktor. Rezitationen: Fräulein Maria Holgers yandtücher. Weckeruhr, wie nebenstehend abgebildet, und viele andere anettannt wertvolle Gegenstände erhalten Sie bei Benützung von kllMM M Mll klM« MlIMlM hunderttausende solcher Geschenke kamen bis letzt zur Verteilung. Velde wasch. mittel find die denkbar besten, geben mühelos und ohne besonderes Bleichen schönste Wäsche, fie find garanttett unschädlich, ausgiebig und billig im preis. Sparsame, auf ihren vorteil bedachte Hausfrauen verwenden nur«och AUr»rn Inhal»»er Inserate Übernimmt die Redaktion' Bnbltkum gegenüber Berantwortnng. dem teiuerlei Cbeater. Nitkwoch. 3. Rodelader. Ansang Vlt Uhr. Köntgl. VVernhauS. Tarmtt». Rönigl. Schauspielhaus. Der ewgcbildcte Kranke. Denrichr». Ein SoamteruachtS- traun». Kammerspiele. Der Arzt am Scheidewege.(Ans. 8 Uhr.) Berliner. HerodeS und Martaome. Anfang 8 Uhr. Lesstng. TantrIS der Narr. Neue» königl. Opern-Theate». Geschlossen. Komische Oper. Der Neues Schauspielhaus. Sxempcl. Neues. Der letzte Kaiser. Kleines. Moral. Nestdenz. Gretchen. Hebbel. Dame Maxim. Schiller o.(Walluer. Theater.) Gespenster. Schm™«harlotteuburg. Die erste Getgr. Friedrich. Wilbelmftädt. Schau- sPielhauS. Der Slandal. Neue» Overetteu. Der arme Jonathan. Westen. Die geschiedene Fron. Thalia. Die ewige Lampe. Bolksover. Der Postillion von Lonjumeau.(21ns. 8'/, Uhr.) Luisen. Der Kamps um den Nordpol. »ioi«. Michael KohibaaS. Trianon. Panier Witwe»«. Lustiptelhaus. Man soll kein» Briefe schreiben. Met�ovot. Hollah II— Dt« große Revue. FolieS Saprice. Mobllifienmg. Der gewisse Augenblick. Aus. 8'/, Uhr. S1P»N«. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Gasin». Onlel Cohn. Wcbr. Herrnfrlb» Theater. So mich man'» machen. Ein Rettung«- mittet. Kart Haverland» Theater. Spe- zialitäten. Walballa. Spezialitäten. Gastspiel. Die gute Partie.(Ans. 8-/. Uhr.� Vadaae. svezlalstäten Noacks Theater. Freiheitsdrang. Palali. Der Blumenstrauß, Speziali- täten. Meichsdallen. Stettiner Sänger. Urania. Taiux-niir-issr»"»»>. Abends 8 Ubr: In den Dolomiten. Höriaai 8 Uhr: Pros. Dr. Rathgen: Der Stickstoss.(Ammoniak, Sal- petersäure.) Sterninarie, Jnvalidenstr. 57/62. l-e«Ntng. Theater. 8 Uhr: TantriS der Narr. Donnerstag, 8 Uhr: TantriS der Narr. Freitag, 8 Uhr: Rosenmontag. llesillsiiMsalsi Dircktwn: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr:» Groteske in 3 Akten von Davis und Livichütz. Morgen und folgende Tage: Tiesetbe Borstellung. Sonntag, 7. Nov.. nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um«mrlie. veriiner'Fkeater. Heute VI, Uhr: Herode» and nariamne. Nachm. 3 Uhr: Minna V. Barnholm. Heues Theater. Abends 8 Uhr: Der letzte Kaiser. Morgen und folgende Tage: Der letzte Kaiser. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Dl« geschiedene Fraa. Sonntag nachm. 3'/« Uhr: Die Inntlge Witwe._ Lustspielhaus. Abend» 0 Uhr: Man soll keine Briele sebreilm Menes Operetten-Theater, Schifsbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Heute und folgende Tage: Der arme Jonathan. Volks-Oper. SW., Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Ansang'1,9 Uhr. Der Postillion von Lonjumeau. Friedrich-Wilhelfnstftttisciies Schauspielhaus. Mittwoch, 3. November, Ans. 8 Uhr: Gastspiel deS.Hebbel-TheaterS: Der Skandal. Donnerstag zum erstenmal: Flachs. mann als Erzieher. Freitag: Flachsmann als Erzieher. Luisen-Theater. Abends 3 Uhr: Der Kmpf um den Nordpol Romantisch. Zeitbild in 7 Abteilungen. Donnerttaa Premiere: Die Heimat. Freitag: Mozart-Oper: Die lustigen W.iber von Windsor. ÜtahHtei'-L'heiUSi'. OSE=THEATE Große Fraiilsurter Str. 132. B. ausgebobenem Abonnem Michael Kahlhaas. LI Romantisches Schauspiel In 4 Alten von Louis Schenk. Ans. 8 Uhb. Sude U Uhr. Donnerstag: Ter Hüttenbe sitzer 8»hr 8 Uhr Die vellutHndlg nenen gltt»i r.enden Spenlalltttten mit Tohuwabohu, BurieSl«. Wynn» Brotherl, Kraft-Phänomen. Mite. Fornarina X Dorolhy Konton. 10 Chr: Eine Haremsnacht. Grotesker Scherz in 1 All von Mac Farahud. Sehiller-Thenter 0.(Wallner-Tbeater.) Mittwoch, abend» 8 Uhr: > De«pen«ter. Ein Familiendrama, in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. mr Ende lO'lt Uhr.«MW Donnerstag, abendSLUhr: ch-enpennter. Freitag, abends 8 Uhr: Der Schwor der Treue. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abend« 8 Uhr: Der ernte«elger. Lustspiel in 4 Akten o. Gustav Wied und Jens Petersen. tm- Ende 10'/, Uhr.«90 Donnerstag, abend»» U 6 r: Der Schwur der Treue. Freitag. abend» S Uhr» _ Gewpenwter._ Urania. Wisaensohaftlichaa Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Kathgen: Der Stick- stofl(Ammoniak, Salpetersäure). Gastspiel-Theater Köpcnicker Straße 67/68. Täglich abends 8*1, Uhr: Gastspiel von Frlll Beckmann. Die gute Partie. Sladt-TliGatef Moabit. Alt-Koablt 47/48. Donnerstag, den 4. November|1909: Reue Dekorationen 1 DBF" Prachtvolle Kostüme i«MW Zum erstenmal: Rmmii und Julin. Trauerspiel InSAuszv. W.SHakespeare NetropolTIiöllter DalloNt Die grolZe Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet Neu© Welt. Hasenheide. NIttwcch, den 3. November 1903: Jäger-Liebche«. LolkSstück mit Jesang in 4 Akten von Treptow. KaffenerSffmmg 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Palast-Theater. Direktion: Robert Olli& Karl PI mau. Burgstraße 24, am Bahnhos Börse. vss vollsisnillg HOUO Noveinbef-Prograiiini. '/,» vdr l-/,« Uhr! LiebchensTrick? mst Dir. fiebert Ol» w der Haupt» gesangSpartie. Auf.'/� Uhr. Entree 59 Pf. bis 2 R. Vorzugskarlen Oberall zu Haben. Trianon-Theater. Abend« 8 Uhr: Pariser Witwen. Casinu-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Sensationeller Tbeater-Ersolg I Ueber 59 000 Pers. haben Tranen ge- lacht. Monatelang total auSverfausi Onkel nkel nkel W> Scnnlag 4 Uhr: Familie Klinkert. Ez: Diesen Sonnabend, 6. NoTember, in Freyers Fest«Sälen(fr. Keller), Koppenstr. 29 präzise 9 Wir »»» großer Saal.... unter Mitbenutzung des französischen Mustel« Harmonium« und gütiger Mitwirkung: Nach dem Eonzerb: Großer Bali Herren, die daran ■ teilnehmen, zahlen 60 PIg. nach. Eintrittekarten für die Mitglieder der FrelrellglSsen Gemeinde in den bekannten BillettsteUen und an der Kontrolle. Eintritt SO Pf. Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zutritt. Das Rauchen ist vor und wahrend des Konzerts nicht gestattet. Saaltüren bleiben während der eins. Nrn. gesohlosson. A. Hoffmann, Blumenstr. 22. Reiehsballeu-Theater. er Säur Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Welnfaergsweg18-2d. RoseiUhaior Tor. I Weinbergsweg 19-20, Rassnth.Tor. fi Ans. 8 Uhr. Die grvtzarttgen v November-Speziatiräten. Jm Timiiei: Regimeiildkapelle.>1 Theaterbesuchern freier Eintritt.| Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Heule Mittwoch: Theater-�Iicnd. Beginn 8*1, Uhr. Zum erstenmal: D. Fechter v. Raveuna. Tranersp. in 5 Akt. v. Halm. Morgen Donnerstag: Hoftens Nonlii. Sänger und Tanzkrünzcheu. B-g. Sonnt. 5, wocheni. 8ll. WSW wfi �nf. B ühstuU L Theatersaal: 0. Kanonenschlager Meyer mit'n Hängeboden mit Pnnl Itcndlx in der Titel« rolle und das glänzende Spezinlitiitcn- Prograium. Im Konzortsaal: Täglich: IConzeet von Qardekapellen. Sonntag 8 Uhr: Maohnittttags- vorstellnng zu kleinen Dreisen. Polles Capriee. Mobilisierung. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vonrerk. 11—2. Anfang 81/, Uhr. KttnigNtadt-KaHine. Hotzmarltstraße 72. Täglich: k'i-anz biobansbl. Fift Morro, Gustav Eulenburg, Qeschw. Arra». F. W. Hardt, The Hartle u. Miß Eltrah usw. Dp» Schwips. Posse mit Gesang in einem Akt. Berliner II IK-Trio. FeUz Scbeaer W Stralsnnderstr.l. Lichtenberg'"j"» Frankfarter- Fernsprechsr Nr. 8. Chanssee 6. Jeden Mittwoch: Cttitigcr übend der fldelen Spatzen Vornehmste Herrengesellschast(neun Herren). Vollung; Familien-Kränzchen» Jeden � r-ag Sonntag: Großer Ball» �IrlTus Busch. Heute Mittwoch, 3. November>839, abends VU Uhr präzise: GroMcr Gala-Abend. Ken! Wen! Sfea! Patty Frank-Trnppo I SSwergclown Frauyols Kunstreiter. Die Clevelands! Herr Burkhardt, Schulreiter. HerrErnst Schumann, Neudress. Um 9'l4 Uhr: kWlMlklW! Besonders hervorzuheben: Jack Joyce, der horühmte Cowboy mit seinen wildesten Pferden. Achtung! Sonntag, 7. Novbr., nachm. 3'/, Uhr: Farmer !! Neues Programm!! inne Daucrey. Bernhard Mörbitz. Horace Gotdin, Jllnfionsakt. Rice and Prevost, amer. Excentrics. Empire Comedy faur. Kinemacolor, lebende Photograph, in nalürlichcn Farben. Willukn Trio, Gymnastil-Akt. Lala Salbini, amerik. StrandschZnhelt. The 4 Harveys, Drahtscilakt. Great Weiland, fomischer Jongleur. Sandwinas, das Wunder weibl. Krast. Biograph, neueste Ausnahmen._ RommenBanttnitr. 577 T. St. i, 5033. Die beiden Novitäten: Burleske ni. Gesang in 7 Alten von A.». D. Herrnseld. Musik von L. Jtal. Hanplrollen: Wenzel Noivolqy, gen. der„Schinken- lönig von Prag" Anton»errnfeld. Moritz Appetitlich, fein Sozius... Donat Herrnteld. Vorher- Eiü»MügZMiNöl Komödie in I Akt von Ludwig Huna. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Panoniion-Vorträge skop-T Passage-Panoptikum. Cie teßiiiialerin a un d. schv/ebcnde Äy» Jungfrau. Der Ißotoboy d. künstlzerl. Mensch Tamburitza-Bfigant M! VilasKop-IliEatep Oauervorstellung von 4— 7 Uhr. Mittwoch, den 3. November, abends 7>/g Uhr: Brillante Vorstellung mit neuem Programm. Um 9 Uhr Ende 11 Uhr Die große Feerie Bordeaux, Ehablis, Champagne oder Das mysteriöse Schlost in der Normandie. Gr. Feerie in 5 Akten mit neuen versenkbaren Bithnenpodie». Entworfen und inszeniert vom Direktor SUb. Schumann. W.Koacks Theater vrmmeintr. te, am Roscnthaler Tor. Heute sowie täglich: Sl b e n d s'/28 U hr: Freiheitsdrang. Mein Lebenslauf, versaßt a. Volksstück i. 5A. v. Popper, Messingputzer b.Tictz. Sonnabend, 3. Nov., einmalige Aus- snhrung: Zlm Altar. WWW F n o r ni CRSE billiger Verkaul elegant. Monatsgarderoben früher 3V— i)«> M., jetzt lÄ-SB M. MM® Bekleidungshans, 1 Grofze Frankfurtersirasze 89, ir 1 Treppe, kein Ladem Fahrgeld wird vergütet. Husten Billigste Bezugsquelle I geiiieg.Ii'MrgmMe -Ve5lmiiov8! Irsuer-tstsxszin ! Berlin W., Mohrenstr. 37a I 1 NO., Gr. Frankf. 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Wir verlieren in ihm nicht nur einen ausgezeichneten,] pflichttreuen Lehrer, sondern auch einen liebenswürdigen _ Freund, welcher während seiner sechzehnjährigen Tätig- � keit unter uns sich die Liebe und Achtung ungezählter! Sangesbrüder erworben hat. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Totenfeier findet am Donnerstag, den 4. November, nachmittags pünktlich ZVs Uhr, im Stadttheater zu Köpenick statt Die Sänger treffen sich Pnnkt!>/, Uhr in Köpenick im Restaurant Kaiserhof, Grünstraße. Die Beisetzung erfolgt am Freilagnachmittag 3 Uhr I in Görlitz.' 1 ' Vereinigter Sängerchor Wedding. Hutmacher-Qesangverein„Einigkeit". I Männerchor Köpenick. 1 Männerchor Gleichheit Männerchor Melodia-Rixdorf. X A. Grimberger X Kolilen-Großbaudluog Hnssltenstr. 40. Femsprecher Amt III, No. 4304. Billigste Tagespreise für erstklassige Scnftenberger Briketts ab Platz v. 10 Zentn. an. Prima Halbsteine, Lauchhammer... „ Halbsleine, Heye. „ Bockwitz- Briketts „ Anna..... „ Vulkan u. 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Koiistituierung des KrankenkassenvorstandeS. 4. Sta« tulenändernng Kit und 12 des Statuts tftf Wahlberechtigt find alle die« jenigen, welche das 25. Lebensjahr erreicht, sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden und bei einem Jiinuiigsmitgliede beschäftigt find. Her Voratand der Krankenkasse der Personen« Lohnfuhrwerks« Innung zu Berlini I. A.: H.P ritsch, Vorsitzender. pilsener Branhaus«»>. n Ringfreie Brauerei Amt iv, 4562 Rungestr. 1S& Amt w. 4552 empfiehlt ihre enstklassigfen Biere 29:ol* zu billigen Preisen. In allen Drogen-, Kolonialwaren- und Seifengeschäften erhältlich. Fabrik-Niederlage für Berlin und Vororte: Joh. Schmalor, Berlin N., Tieckstraße 1 1. 201/14' rar Gesang Garuse! FOr Mfintel n.Kostame Westmonnl Sehenswert! 15 bis 60 Prozent c&tcr meinen bisherigen Verkaufspreisen! üebergangsmäntel ESijS 10.- Abend- und Theater-Mäntel □ Pelz-Jacketts,-Stolen,-Muffen! Plüsch- Confection! Kostüme! Kleider! Röcke! 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Todes- Anzeige. Am Montag, den 1. November verstarb unser Mitglied, der Musik- iebrer I�icbsrd Blobel. Ehre seinem Andenken t Die Leichenseier findet am Donnerstag, den 4. November. nachmittags 2'/, Uhr, in Köpenick (Siadttheater) statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Aoritaud. Die Beisetzung erfolgt am Frei- i tag in Görlitz. !80!!!lIdeWlM!W.WVl!I1!ill! lilXtlddi'i". Am 29. Oktober verstarb unser I Mitglied, der Musiker Gustav Jarosch. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung sand in seiner l Heimat statt. 236/8 Der Vorstand. Oeutsctiei Metallarbeiter-Verband Berwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur?!achricht, dafi unser Mitglied, der Klempner Paul Korge an Blinddarmentzündung gestorben ist. Ehre seinem Andenken i 124/20 Gie Ortsverwaltung. Zentral-KrankEn-l'nterstiitzungs-j verein der Scluniede und ver-| wandten Gewerbe Deiitscblands.| Dcrlln IV. Den Mitgliedern zur Nachricht, | dafi unfcicS Mitglieds Frau Emma Bergmann geb. Dachcrt 1 am 1. November im Alt» von 1 40 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Zludenkeul Die Beerdigung findet Donners« tag nachmittag 4 Uhr von der I Halle des Emmaus- Kirchhofes | aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1 2273b vis Ortsverwaltung. MdiI der Litbopabeo, Sleindrueker u. verw. Berufe. (Deutscher Senelelder-Bund.) Am 31. Oktober verstarb unser Kollege und Mitglied, der Stein- druck» 290/16 Wilbelm Kuhnert im Alter von 30 Jahren an der Lungenschwindsucht. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 3. November, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Heilig-Kreuz-Kirchhoses in Mariendors aus statt. Die Verwaltung der Filiale l.| Deutscher Holzarbeiter-Verband! Den Mitgliedern zur Nachricht,| dag unser Kollege, der Kiavi«- arbeil» Herrn. Birkenhagen 1 am 31. Oktober gestorben ist. Ehre seinem Nndenkeu k Die Beerdigung findet am 1 Mittwoch, den 3. November, nach-! mittags 3 Uhr, von der Halle des Zenhak-Fnedhoses in Friedrichs. selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/11 Die Ortsverwaltnug. ■f»sjpg qjpisl ii vi»puuiuo/d tnjx 'piwqe-j ij/jojv ko yJfJV Oc-' "vnnirrz•qjmBp'pit/js's st------- fOfa/cj-po JSnztiy uotvp i AJJQIS e!S veqvH iwo/g laitf ■"'WOZUO* 1 'SSBW tpou I wpaituiftpi 1 qBH J Verantwortlicher Nedgtteur: ßtnit Unger, Grunewald. Für den Inseratenteil verantw-: Th. Glocke, Berlin, Druck u, Verlag: Vorwärt» Buchdruckerej u. V-rlagSanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 237. 26. Jahrgang. 3. KtilU Ks Juniäitf fiftlinft Mittwoch. 3. November l!>69. Bus Induftric und ftandel. Ter Arbeitsmarkt im Baugewerbe. T«r Andrang Arbeitsuchender stellte sich im Reichsdurchschnitt auf je 100 offene Stellen im September auf 119,9 gegen 160,8 im August und 134,6 inl September 1908. Von August auf September hcu sich demnach der Andrang um 40,9 vermindert, während er in derselben Zeit 1908 nur um 26,3, 1907 um 25,0 und 1906 um 10,6 zurückgegangen war. Am Arbeitsmarkt für Zimmerer kamen auf je 100 offene Stellen im September 145,2 Arbeitsuchende gegen 504 im Januar. Bei den Malern und Anstreichern belies sich der Andrang auf 127 gegen 800, bei den Glasern auf 109 gegen 474 im Januar. Der Andrang der Maurer ist nicht ganz in gleich starkem Grade zurückgegangen; immerhin sank er von 322 im Januar auf 155 im September oder um 167. Bei den Bau- tagelöhnern und Erdarbeitern betrug der Andrang im September 131, bei den Arbeitern der übrigen einschlägigen Be- rufe 137. So kräftig die. Besserung gegenüber dem Vorjahre auch ist, so ist sie doch nicht gleichmäßig in allen Landesteilen zu bemerken. In einigen ist vielmehr der Andrang arbeitsuchender Bauarbeiter sogar noch etwas größer als im vergangenen Jahre. Im Osten Deutschlands gleichen sich die Schwankungen ziemlich aus: in Ostpreußen belief sich der Andrang auf 193 gegen 159 im Vorjahr, in We st Preußen auf 207 gegen 236. Ungünstiger als 1908 stellt sich der Andrang in der Provinz Brandenburg, vor- nehmlich in Berlin: der Arbeitsmarkt im Berliner Baugewerbe wies im September einen Andrang von 133 auf gegen 116 im ver- gangcnen Jahr. Im übrigen Teil der Provinz stellte sich der An- drang auf 110 gegen 109 im September 1908. In Pommern kamen aus je 100 offene Stellen nur 68 Arbeitsuchende. In Posen ist der Andrang höl>er: er stellte sich auf 118 gegen III im Vorjahr. Ver- mindert hat sich der Andrang in Schlesien, wo im September auf je 100 offene Stellen 91 Arbeitsuchende kamen. 1908 hatte der Andrang im September 144 betragen. Eine Erleichterung hat so- dann der Andrang in Sachsen, Schleswig- Hol st ein, Hannover, Rheinland-Westfalen, Königreich Sachsen, Württemberg, weiter Hessen, Hamburg, Lübeck, Bremen und Elsaß-Lothringen erfahren. Un- günstiger als 1908 war die Lage des Arbeitsmarktes in Bayern, Baden und B r a u n s ch w e i g. Unterschlagungen. Durch Buchfälschungen geschickt verheimlicht, hat der Ange- stellte Willhardt der Mitteldeutschen Kreditbank jahrelang Unter- schlagungen begangen, deren Höhe jetzt auf zirka 790 999 Mark an- gegeben wird. Die Veruntreuungen sind nur durch Zufall ans Tageslicht gekommen. Wie berichtet wird, müssen die Aktionäre sich mit einer um ll- bis 1 Proz. hinter der bisherigen Schätzung zurückbleibenden Dividende begnügen. Verschlechterung des Rcichsbankstatuts. Der Ausweis der Deut- schen Reichsbank per 30. Oktober zeigt eine weitere Verschlechterung des Status. Das Institut hat sich am Ende des Monats mit 26!) Millionen Mark in der Steuer befunden, d. h. dieier Betrag ging über das Maß der Kreditgewährung hinaus, das durch die Metall- deckung usw. erlaubt ist. Im Vorjahr war die Stcuerpflicht der Reichsbank beträchtlich geringer, �ie hatte nur 68 Millionen Mark betragen. Aber auch im Vergleich mit der Bewegung in der cnt- sprechenden Woche des vergangenen Jahres schneidet die abgelaufene Woche schlecht ab. Der Status hat sich nämlich vom 23. Oktober bis zum 30. Oktober um nicht weniger als 163 Millionen Mark ver» schlechtert, während im Vorjahre die Verschlechterung nur 130 Mil- lionen Mark betragen hatte. Die Befürchtungen einer neuerlichen Diskonterhöhung sind daher nicht unberechtigt. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Direktton über den Großhandel in den Zentral-Martthallen. Marktlage: Fleisch: Zulubr genügend, Geichäst ruhig. Preise unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geschäft rege, Preise nachgebend. Geflügel: Zumbr genügend. Geschält schlevvend, Preise nicht befriedigend. F i f che: Zufuhr mäßig, Geschäft unlustig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse. Obst und Süd» srüchte: Zufuhr genügend, Geschäft rege, Preise wenig verändert. 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Wahl von zwei Verwaltuiigs» Mitgliedern. 108/14 ij/ST Der Eintritt sowie die Ab« stimmung ersolgt nur gegen Vor- zeiaung der Legitimationskarte. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand! A. Winlar. A. Sellin. Der Auffichtsrat: 0. Stored. 0. flemming. Orts-Krankenkaffe der Nadler und Sielimcher zu Berlin. Sonnabend, den 13. November 1909, abends 8 Uhr: Oreienllicli« General-Versammlung im Lokale von Vkildelm Vlorn!ol<«, Ackcrstr. 123. Tagesordnung: 1. Wahl von 4 Vorstandsmitgliedern (2 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). 2. Verlesung der Protokolle. 3. Wahl de« Ausschusses zur Prüfung der Rechnungen pro 1909. 4. Kassenangelegcnhciten. Die Herren Arbeitgeber wählen um 8 Uhr. die Arbeitnehmer um 8»/- Uhr. 2275 Nach Schluß der Wahlen findet zur Erledigung der übrigen Punkte der Tagesordnung eine gcineinschaft« liche Versammlung statt. Berlin, im November 1009. I. A.: Rob. Schmidt, Vorsitzender. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— 2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2—4. m NcfliöiieXnerg. Donnerstag, den 4. November MS. abends 8 Zlhr, m ven„Neuen Kathanssalen", Meiniuger Straße S: Kolks-««d Wahierversammwng. Tages-Ordnungi In letzter Stunde. H. Molkenbuhr. Freie Diskussion. Verschiedenes. ie/3 ttF" Erscheint z a HIreich und pünktlich._ Da« Wablbomitee. » Srnr Vcrwaltnng Berlin. Die Vertrauensmänner» Versammlungen der Branchen und Bezirke finden der Stadtverordnctentvahlen wegen heute nicht statt. Montag, den 3. November, im Gewerkschaftshans«: Außerordentliche Generalversammlung. Dienstag, den 23. November, im Gcwerkschaftshanse: Onntairtl. Generalversammlung. Die Mitgliederversammlungen zur Beratung der Anträge für die ordentliche Generalversammlung finden am Ntontag, den 15. November, statt. Klavierarbeiter. Vertrauensmänner«Versammlung am Donnerstag, den 4. November ISV», abends 8 Uhr. im Gewerlschaltshause» Eingang B Part.» im ArbeitSlosensaale. Stock-«. ZeMoid-ArbeUer. Donnerstag, den 4. November, abends pünktlich F'/o Uhr, in den„Rittersülen" sJuh. Bcrcht), Ritterstr. 75: Ba-andben- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zum Bcrtragsablauf. 2. Branchenangelcgenheiteu.__ 91/10 Klavierarbeiter. Der Stadtoerordnetenwahle» wegen findet die VerlrsummsMr- Vemmmlung am Donnerstag, den 4. November 1909, abends 8 Uhr. im GewerlschasiShause. Eingang B Part., im ArbeitSlosensaale statt. TageS-Ordnung: 1. Werlstaltdlsterenzen und Lobnbewegungen In unserem Beruse. 2. Die Krankcnlassen>vahl. 3. Unser Weihnachtsvergnügen. 4. Verbands- und Branchcuangclegenhetten._..... Jeder Betrieb muß vertreten sein.— Mitgliedsbuch legitimiert.— Zahlrcicken Besuch erwartet_ Die Branehenlcltung. Wohlschmeckende« ChocoIadcn-RizlnnsUl- Prilparat.— Milde, ober eicher wirkendes AbltthrmiUel. Zu haben in Apotheken und Drogerien. 102/15» Gubener Grützwurst eben Donnerstag von 4 Uhr ab in iekannter Güte empfiehlt 2056b» Schlächtermeister Pool Herker, Mariauneustraße 36a. FUiale: Ritterstraße 8. �=- Donnerstag, den 4. November, abends 8 Uhr, in vrüsels iestsäle», Neue Friedrichstraße 33: General- Uersammlung aller Sektionen und Zahlstellen« TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:»Die politische Situation in Deutschland». 2. Abrechnung vom dritten Quartal' 3. Gewer kschastlicheS. DM- Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. ESS 139/18» Der Sttvelsverelnsveralnnd. I7D. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die Bibliothrl wieder eröffnet ist und iede» Mitglicde unentgeltlich zur Berfiigung ficht._ D. O._ Verband der Maler, Saekierer, Anatretoker ete. Melchiorstraße 28, Part. Filiale Berlin. Fcrnspr.: Amt 4, 4787. Donnerstag, 4. November, abends 8'/z Uhr, im GewerlschaftShause, Eugclnfer IS: Mtises-Ntts»««!»»» d» Lackierer. TageS-Ordnung: 1. Vortrag dcS ArbeiterselretärS Genossen Ad. lllltse:»Der neue Kurs in der sozialen Gesehgebuug». 2. DiSiussion. 3. Vereins- migelcgenheiten. 127/10 Kollegen! ES ist Pflicht ewcS jeden Verbandsmitgliedes, w dieser Versammlung zu erscheinen._ Die Sektlonaleltung. im mmir-fer Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Verlin. Hauptburea«: Hoj I. Amt 3. 1239. CharitdstraBe 3. Hos Ol. Amt 3. 1987. Donnerstag, den 4. November, abendS 8>/, Uhr: Kranchen- Uersammlung der Elektromonteure und Helfer Berlins und Umgegend im Gcwerkschastshause. Engelufer IS, Saal 5. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Salin:„Nationale Ehre— Standesehre». 2. DISt'isfion. 3. Branchenangelcgenheiten und Verschiedenes. gAgr In Anbetracht des äußerst wichtigen und lehrreiche» Vortrages werden die Kollegen ersucht, zahheich zu erscheinen. 124/19_ Die OrtBvemraltnng. Offene Tür findet daS Veilchenseifen Pulver „Goldperle" überall, weil jedem Palet ein reizendes Geschenk bei- liegt. Versäumen Sie nicht, sich hiervon zu überzeugen. _ Fabrikant:# Schutzmarke.' Sarl Geutner, Göpplnge». l I I Obacht wegen der vielen minderwertigen Nachahmungen l> i ZentralverbantUSehmiede Bureau: Lwienstraße 73. tzlnhl«telle Berlin. Telephon: Amt IN. 9319. Donnerstag, den 4. November 1909, abends S'/zNhr, bei Böker, Weberstraße 17, Ordentliche General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1909. 2. Antrag der Verwaltung de- treffend die Reorganisation der BezirkSversammIungen. 3. Vortrag. 4. Sonstige Anträge der Verwaltung und der Mitglieder. 5. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnns- Bureau zum 5». Schmiede-Kalmdcr KäÄÄK Preis« von 50 Pfennig pro Stück zu haben. Aus daS am 27. November bei Ii Oker, Weberstr. 17, stattfindende ----- Herbst-Bergnngen------ machen wir schon jetzt ausmerksam.— BillcttS sind im Bureau und in den Zahlstellen zu haben._[176)20]_ D. O. Konsumgenossenschaft von Adlershof u. Omg. (E. G. m. b. H.) Mittwoch, den 17. November IM(Kußtag), nachmittags 2 Uhr: General- Versammlung w Wöllsttius„Fustgartru". Adlershof, Kismarckßr. 24. TageS-Ordnung: 1. GeschäslSbericht dcS Borstandes für daS GeschästSjahr 1908/09. 2. Bericht des AuIsichtsratS. 3. Genehmigung der Bilanz und Entlastung des AussichtSratS und des Vorstandes. i. Verteilung des Reingewinn». 5. Neu. und Ergänzungswahlen des AussichtSratS und Vorstandes. S. Statutenänderung. 7. Sonstige Anträge. Anträge zur Generalversammlung müssen bis znm 6. Novbr. 1909 in den Händen beS Vorstandes sein. Nach dem Turnus scheiden vom AusfichtSrat aus: Frnn« Klein, Grünau; Karl Jacnow, Adlershoj; Joiil f>crhard, Lldlershos: Paal MammitKch. AdlerShoj. Vom Vorstande scheidet auS: Paul Baaiuaan, Adlershoj. gV* Di« Genossen find wieder wählbar. Vvi Mitgliedsbuch oder Legitimationskarte legitimiert. Sttmmrccht befitzt nur dasjenige FamUiuimitglied, welches die Beitritts» erllärung unterschrieben hat. Vertretungen Uunen nicht stattfinden. 108/12* Der Vorntand. Hermann Hildebrandt. Wilhelm Kohl. Paul Baumann« — verantwortlicher Rebakteur: Emil llnger, Grunewald. Für den gnseratenteil verantw.' Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& So- Berlin SW.