Mr. 359. monnementS'Redtognngen: ireonnementä> Preis pränumerando i Licrteljährl. 3£0 m., monatl. 1,10 97! f., wöchentlich 2a Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Ncilage.Die Neue Welt" 10 Psg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Einaekagen in die Poft.Zeilungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, PostabonnemcntS licbmcn an: Belgien, DSnemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Numcinien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. GMKlnt»gl!» anCer montags. Verlinev Volksblnlt. Die Tnlertions-Gebüftr kelrägt für die fcchsgespaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum 50 Psg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlungs-Aiizeigen 30 Psg. „Ulelne Snr-ig-n", das erste fsctt- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellciigesllche und Schlaf- sicllcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg„ jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Rümmer müssen bis Z Nhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet» Telegramm-Adresse: „SozialdsmoHrat Berlin'*. Zcntralorgan der fosialdemohrati fchen parte» Deutfchlands. Rcdahtion; 68» Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition» 8M. 68» Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. die Cords und die fioanzbili. 1. London, 2. Noveniber.(Eig. 33er.) Im Februar 1649, wenige Tage nach der Hinrichtung Karls I., schaffte das Parlament die Monarchie und das Haus der Lords ab und erklärte, daß alle Macht, die ausführende sowohl wie die gesetzgebende, im Hause der Gemeinen liege. Die Revolution, deren stürmische Energie in der Person Oliver Cromwells verkörpert war, hatte zwar, wie die Folge zeigte, das politische Pendel zu weit nach links getrieben, allein weder die Monarchie noch die Peers haben seitdem ihre alte Stellung wieder einnehmen können. Die Eeineinen sind der ausschlag gebende Faktor in der englischen Verfassung geblieben. In den vier Jahren von 1619 bis 1653 regierte das einkammenge Parlament das Land, und in den folgenden sieben Jahren lvar es die stärkste Schutzmauer der Freiheit Im Jahre 1669 begann die Restauration: die alte Verfassung von Monarchie, Peers und Genleinen wurde scheinbar wieder hergestellt, allein die tiefen Spuren, die die ehernen Sandalen der Revolution im nationalen Leben Englands zurückließen, waren nicht mehr zu verwischen. Die Monarchie wurde wiederhergestellt, aber das Parlament nahm für sich die Finanzen und ihre Kontrolle in Slnspruch und bestand auf der Ministerverantwortlichkeit. Zu Ende des 17. Jahrhunderts war der Sieg des Parlaments über die Krone vollständig: sowohl die Finanzen wie die Llrmee.wurden der Macht der Krone entzogen. Zu gleicher Zeit begannen die Gemeinen den Kampf gegen die Peers. Jede Gesetzesvorlage, die mit Finanzen verknüpft war und die dem Volke Steuern auferlegte, sollte vom Unterhause ausgehen und von diesem entschieden werden. Schon im Jahre 1661 kain es deswegen zu einem Konflikte zwischen den beiden Häusern, obwohl es sich nur um kleine Geldausgaben handelte, die zur Pflasterung der Straßen von Westniinster nötig waren. Die Lords ergriffen die Initiative, entwarfen die Bill, nahmen sie an und sandten sie sodann dem Unterhause zu. Dieses lehnte es ab, die Bill in Be- ratung zu ziehen, da die Gemeinen in allen Finanzsachen die Initiative besäßen. Die Straßen von Westminster blieben mehrere Jahre hindurch ungepflastert. Ein schärferer Konflikt brach im Jahre 1671 aus, als die Lords die Sähe des vom Unterhause angenommenen Zoll- tarifs ändern wollten. Die Llmendements des Ober- Hauses wurden strikte abgelehnt. Und dabei blieb es, trotz des Protestes der Lords. Entscheidend für diese Frage war die im Jahre 1678 vom Unterhause angenommene Reso- lntion, die eine sehr wichtige'Angelegenheit betraf. In jenem Jahre votierten die Gemeinen eine Geldsumme zum Zivecke der Auflösung der Armee, die zu einem Kriege gegen Louis XIV. ausgehoben worden war. Die LordL versuchten die Bill zu amendieren, worauf die Gemeinen folgende Resolution an- nahmen: „Alle finanziellen Hilfeleistungen und Gewährungen fiir Seine Majestät im Parlament find e i n z i g u n d a I l e i n d i e G a b e des Hanfes der Gemeinen; und alle VorIngen über Ge- Währung derartiger Hilfsmittel und Gaben müssen im Hause der Gemeinen ihren Ausgangspunkt haben; und es ist das un- zweifelhafte und nur den Gemeinen zustehende Recht, die Ziele, Zwecke, Bedingungen und Erwägungen derartiger Vorlagen zu be- stimmen, zu begrenzen und zu leiten; und sie dürfen im Oberhause nubt geändert werden." Im Jahre 1689 amendierten die Lords trotz alledem eine finanzielle Bill des Unterhauses, worauf dieses die Aenderungen verwarf und eine Resolution annahm, in der unter anderem gesagt wurde:„... Ebenso wie die Könige und Königinnen Englands verfassungsmäßig die ihnen vom Parlament bewilligten Geldmittel entweder annehmen oder nicht annehmen können, aber keineswegs einen Teil annehmen und den anderen Teil zurückweisen dürfen, so müssen auch die Lords entweder alles annehmen oder alles ablehnen, aber keineswegs ändern." Das Unterhaus hat hier offenbar dem Oberhaüse das Recht der Amendierung von Finanz- vorlagen versagt, aber das Recht auf Ilblehnung zugestanden. DieS geschah indes nur, weil das Unterhalts sich so mächtig fühlte, daß es den Lords eine vollständige Ablehnung nicht zutraute. Und tatsächlich gibt es in der englischen Verfassungs- geschichte der letzten zwei Jahrhunderte keinen einzigen Fall der Ilblehnung des Etats durch die Lords. In einem Lande, wo Präzedenzfälle, Gebräuche und Gewohnheiten maßgebend sind, dürfte eine zweihundertjährige Verfassungsgeschichte aus- schlaggebend sein.— II. In den Auseinandersetzungen zivischen Gemeinen und Peers über ihre Finanzrechte spielt auch die Frage des„Talling" (Anheftens, Bepackens) eine gewisse Rolle. Unter„Talling" versteht man das Anheften irgend einer mit Steuern der- bundenen Vorlage an den Etat, zu dem sie— genau genommen— nicht gehört. Die Lords haben sich immer gegen das Bepacken des Etats mit anderweitigen Gesetzesvorlagen gewehrt. Sie meinten, das Unterhaus, im Vertrauen auf seine finanzielle Oberherrschaft,„könnte aus dem Eiat eine neue Magna Charta, einen neuen Freiheits- brief machen". Was das bedeutet, zeigen folgende Fälle: Im Jahre 1869 brachte die liberale Regierung eine Vorlage im Unterhause ein, die den Papierzoll abschaffen sollte. Die Lords verwarfen die Vorlage. Die Regierung setzte hierauf eine besondere Kommission ein, um in den Annalen des englischen Parlaments die F'nanzgebräuche der beiden Häuser zu unter- suchen und zu erfahren, ob die Lords das Recht hätten, eine derartige Bill zu verwerfen. Die Kommission legte ihren Bericht gegen Ende Juni 1869 vor, und am 8. Juli nahm das Unterhaus folgende Resolution an: „Das Recht, fiiianzieile Hilfsmittel und Gewährungen an die Krone zu leisten, steht einzig und allein den Gemeinen zu; ebenso die Begrenzung solcher Leistungen nach Inhalt, Art, Matz und Zeit; das ist ein wesentlicher Teil der Verfassung des Unterhanses. „Obwohl die Lords im Laufe der Geschichte mehrere finanzielle Vorlagen verworfen haben, so waren doch diese Fälle selten, und das Nnterhaus hat sie immer mit Eifersucht betrachtet, da sie das Recht der Gemeinen, die Finanzen zu gewähren, verletzten. „Um sich für die Zukunft gegen eine ungebührliche Ausübung der Macht der Lords zu schlitzen und den Gemeinen ihre recht- niätzige Herrschaft über Steuern und Finanzen zu sichern, hat das Unterhaus in seinen Händen die Macht, ihre Finanzbills so zu entwerfen und zu gestalten, datz das Recht der Gemeinen in allem, was Finanzen betriffc, unverletzt bleibt," Der letzte Abschnitt der Resolution erscheint zuerst un- klar. Er wird indes sofort klar, wenn wir sehen, was das Unterhaus im Jahre 1861 tat: Beim Entwurf des Etats für jenes Jahr„heftete" Gladstone die Papierzollvorlage an den Etat an. Da aber die Lords den Etat nicht verwerfen können, so mußten sie auch der Abschaffung des Papierzolles zustimmen. Hierdurch wurde sestgestellt, daß„Talling" ge- stattet ist. Von diesem Mittel machte Lloyd George im laufenden Etat einigen Gebrauch. Die Erhöhung der Schanklizenzen und die Einführung der neuen Bodensteuern sind Folgen der Verwerfung früherer Schank- und Bodensteuervorlagen durch die Lords. Die verworfenen Vorlagen wurden in anderer Form dem Etat angeheftet.— III. Viel wichtiger, bedeutungsvoller als die vergilbten Annalen früherer Jahrhunderte ist das Zeugnis der lebendigen Wirklich- keit gegen die Lords. Die Theorie muß durch die Wirklichkeit bestätigt werden und nicht umgekehrt. Auch wenn die Lords theoretisch das Recht hätten, den Etat zu verwerfen, so würden sie in der politischen Wirklichkeit ihre Schranken finden. Und die politische Wirklichkeit ist die: Der Etat liefert der Regierung die Geldmittel zur Er füllung ihrer Aufgaben. Ohne Finanzen keine Regierungs' tätigkeit. Die Regierung geht aus der Mehrheit des Unter Hauses hervor. Das Oberhaus hat keinen Einfluß auf die Zusammenstellung der Regierung. England ist demokratisch: das englische Volk wählt seine Regierung durch Vermittelung seiner Parlamentsvertreter. Hätten nun die Lords das Recht, den Etat zu verwerfen und hiermit der Regierung die Möglichkeit zu nehmen, ihre Aufgaben zu erfüllen, so hörte England auf, eine Demokratie zu sein und würde eine erbliche Oligarchie werden. Die Lords würden Regierungen machen und Regierungen stürzen, das Parlament arbeiten lassen oder auf- lösen,— ganz nach ihren Ansichten und Interessen. Die An- erkennung des Rechts der Lords, den Etat zu verwerfen, würde im wahrsten Sinne des Wortes eine Revolution be- deuten: eine Uebertragung der Macht der Volks Massen auf den Grundadel. Es handelt sich gegenwärtig in England um eine e volution. Aber nicht der Etat ist eine Revolution; es sind die Lords, die zur Revolution greifen. Das ist meines Erachtens die wichtigste Erwägung gegen die Lords. Es gibt indes in der politischen Wirklichkeit ein anderes wichtiges Zeugnis gegen die Lords. In England beginnen die neuen Steuern, noch ehe der Etat verabschiedet ist. In der Tat beginnt der neue Etat seine Wirksamkeit am Abend seiner Einbringung. Bei dieser Gelegenheit nimmt das Unterhaus eine allgemein gehaltene Resolution an, die die Finanzen des Etats billigt. Dieser Gebrauch konnte nur aus der festbegründeten konstitutionellen Ansicht entstehen, datz das Unterhaus allein in Finanzsacheu maßgebend ist. Denn wären noch andere Instanzen nötig, so müßte auf deren Zustimmung gewartet werden. Diese langjährige Praxis läßt sich durch keine juristischen Spekulationen widerlegen. Der Etat ist einzig und allein Sache des Unterhauses, und die Zeit ist gekommen, wo das Volk sein Recht gegen den Adel und gegen die ganze Reaktion, die sich unter den Namen Tarifreform versteckt, verteidigen mutz. Sie rote fliit. Die Bedeutung des Ausfalles der Berliner Stadt- verordnetenwahlen dritter Klasse, die am Mitt- wach vollzogen wurden, ist von uns in der Donnerstagsnummer gewürdigt worden. Eine eindringende Betrachtung des Zahlen- ergebnisses läßt noch deutlicher erkennen, wie kräftig der erneute Vorstoß ist, den hier die Sozialdemo- kratie ausgeführt hat. und wie vernichtend die Niederlage, die dem Freisinn bereitet wurde. Zur Vergleichung mit dem Ergebnis von IMll kann nur das Ergebnis von 1903 herangezogen werden, weil in den- selben sechzehn Bezirken, die diesmal zu wählen ljattej». jjUB lktzten Male vor sechs Jahren gewählt worden war. Das Interesse an den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen war durch eine angestrengte Agitation der Parteien so außer« ordentlich gesteigert worden, daß eine so starke Wahl« beteiligung erreicht wurde, wie man sie bei Stadtverordneten« Wahlen dritter Klasse in Berlin nur selten erlebt. Vor sechs Jahren waren von damals 197 919 Wählern der sechzehn Bezirks nur 3S 799 zur Wahl gekommen, 33,4 Proz. der Gesamtzahl, dies- mal aber betrug bei einer Gesamtzahl von 121399 Wählern(einschl. Nachträge) die Zahl der erschienenen Wähler 52 424, d. h. 43,2 Proz. In den einzelnen Be- zirken war natürlich die Beteiligung sehr verschieden, sie war besonders gering z. B. im 2. Bezirk mit nur 38,2 Proz. und im 42. Bezirk mit nur 34,3 Proz., andererseits besonders stark im 43. Bezirk mit 59,8 Proz. und im 14. Bezirk mit 53,5 Proz. Was hat der Berliner Freisinn erreicht mit all seiner wüsten Agitation, mit seiner bedenkenlosen Bearbeitung der Wähler, mit seiner frechen Beschimpfung der Sozialdemokratie? Um hier eine Vergleichung zwischen 1993 und 1999 zu ermöglichen, schenken wir den Freisinnigen— großmütig, wie wir als Sieger nun einmal sind— für 1993 im 5. Bezirk auch die Stimmen der sogenannten„Sozialfortschrittlichen Gruppe", die diesmal dort im Freisinn aufgegangen ist, und für 1999 im 2. Bezirk sogar die Stimmen der Demokratischen Vereinigung, die jetzt sich vom Frei- sinn ausgesondert hat. Herr v. Gcrlach möge es uns nicht übel- nehmen, daß wir ihn— er verdient's sonst nicht— neben solchen Nachbar stellen; Herr Marggraff aber wird nach diesem Wahl- kämpf es sich gefallen lassen müssen, daß er in eine Linie mit denen um Jakobi und Konsorten geraten ist. Dem«liberalen Bürgert» m" wollen wir also buchen für 1993 noch 8142 Wähler (einschließlich Sozialfortschrittler), für 1999 nur noch 7924 Wähler (einschließlich Sozialfortschrittler und Demokratische Vereinigung). Der Anteil an der Gesamtzahl der Wähler stellte sich schon für 1993 nur noch auf 7,9 Proz., in 1999 aber ist er noch weiter gesunken, auf nur 9,5 Proz. So sehen die„Erfolge" des Freisinns aus! Trotz Zunahme der Wahl- beteiligung überhaupt hat er jetzt noch weniger als vor sechs Jahren für sich herausgeholt. Wie kläglich ist die Hoffnung gescheitert, daß es diesmal ge« lingen werde, endlich die Sozialdemokratie zurückzudrängen I Dis rote Flut, die zum Stehen gebracht werden sollte, ist unauf» haltsam weiter vorgerückt und hat dem Freisinn wieder drei seiner Wahlbezirke entrissen. Für die Sozialdemo» kratie stimmten in den sechzehn Bezirken vor sechs Jahren erst 29897 Wähler, jetzt bereits 44179 Wähler, d. h. damals 25,1 Proz., diesmal aber 36,4 Proz. aller eingeschriebenen Wähler. Ter Anteil der Stimmen für die Sozialdemokratie an der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen ist nunmehr 84,3 Proz., während er in 1993 sich auf 75,2 Proz. gestellt hatte. Dementsprechend ist der Anteil des Freisinns von da» mals noch 22,8 Proz. auf jetzt nur noch 15,1 Proz. gesunken.(W- sehen können wir hier von dem Häuflein der Konservativen, die nur noch im 2. Bezirk sich einen eigenen Durchfallskandidaten leisteten, während sie in anderen Bezirken den Freisinn unter« stützten.) t Einzelne Bezirke zeigen eine besonders interessante Aenderung der Parteienstärke. Sie tritt klar hervor in folgender tabellarischer Uebersicht: Absolute Zahl In Prozent der der abgegebenen e i n g e s ch r. Stimmen Wähler 5. Bezirk Freisinnige. Sozialdemokr. 17. Bezirk Freisinnige. Sozialdemokr. 18. Bezirk Freisinnige. Sozialdemokr. 28. Bezirk Freisinnige. Sozialdemokr. 31. Bezirk Freisinnige Sozialdcmolr. 39. Bezirk Freisinnige. Sozialdemokr. 42. Bezirk Freisinnige. Sozialdemokr. 1993 1999 1993 In Prozent der abgegebenen Stimmen 1591 958 743 788 923 718 999 1925 893 1219 731 1992 14tS 1398 744 1169 989 943 555 1393 888 1957 835 1495 23,3 14,9 15,1 19.9 29,1 15,6 15,9 17,9 15,4 21,9 19,1 13,8 1999 23.9 22,3 17,5 27.5 17,3 23,9 11.1 29,1 19.7 31.1 13,4 23.9 1993 1999 91,9 38,9 48,2 S1.1 69.2 43,7 49,9 52,9 41,9 58,3 42.1 57,8 59.8 49,2 38.9 99,7 42,9 58,9 29.8 79.2 34.9 95.1 39.2 93,5 48,9 51.8 die rote wurden. zu neuer 877 1149 19,7 16.5 91,9 539 1249 19,3 17.3 38,1 Drei Freisinnsmäuner waren eS diesmal, die durch Flut aus dem Rathaus hiuausgeschwemmt Unsere Genossen werden sich durch diese neuen Siege Agitatiousarbeit anspornen lassen, damit in nicht zu ferner Zeit aus den Wahlbezirken dritter Klasse die letzten Freisinnigen ver- schwinden I_ lischmhen vom StlchwchlMomme» in Baden. Der Ausfall der LandtagSwahlen hat in Baden einen recht ergötzlichen Streit zwischen der Zentrums- und der nationalliberalen Presse hervorgebracht. Die Zentrumsblntter behaupten, daß unser Stimmen- und MandatSgewinn hauptsächlich auf das vor vier Jahren von der liberalen mit unserer Partei auS purem Mandats- Hunger abgeschlossene Stichwahlabkommen zurückzuführen sei. Durch die Aufforderung der naiionalliSeralen Parteileitung, für einen Sozial- dcmokratc» und gegen den Zentrums- oder konservativen Abgeord- neten zu stimmen, habe man die sozialdemokratische Partei nicht nur als gleichwertig, sondern sogar als eine Partei anerkannt, die gegen die genannten bürgerlichen Parteien den Vorzug verdient. ES sei daher kein Wunder, wenn zahlreiche Wähler, darunter viele Beamte, die Scheu bor der Sozialdemokratie verloren und dieses Jahr gleich im ersten Wahl- gang einen roten Zettel abgegeben hätten. Die Zentrumsblätler verschweigen hierbei aber, dast nach dieser Theorie die National- liberalen mehr Stimmen hätten verlieren müssen als Zentrum und Konservative. Bekanntlich ist aber daS Umgekehrte der Fall: Zentrum und Konservative verloren 18 SOV und Liberale nur 0200 Stimmen, während die Sozialdemokratie 35 300 Stimmen gewann. Wir haben also die Verluste der bürgerlichen Parteien und die gegen die vorige Wahl mehr abgegebenen Stimmen auf unsere Kandidaten zu vereinigen vermocht. Dieser Erfolg lägt stch mit der vor vier Jahren ausgegebenen Stichwahlparole nicht erklären; in ihm kommt vielmehr die fortschreitende politische Erkenntnis zum Ausdruck, die durch den Steuerranbzug im Sieich eine sehr wesentliche Förderung erfahren hat. Die Nationalliberalen geben zu, daß die Vorgänge im Reich ihrer Partei in Baden sehr geschadet hätten; die Hauptschuld ihres Misterfolges aber liege in ihrer mangelhaften Organisation und in dein Maugel einer volkstümlichen Agitation. Uebrigens sei der Zweck des Stichwahlabkommens erreicht worden. In einer Zuschrift an die„Strastburger Post" sagt das nationalliberale Partei- sckrctariat unter anderem: Die Taktik der vereinigten Rechten hat ein volles Fiasko erlitten, denn wäre das Stichioahlabkommen nicht zustande gekommen, so hätte die Reaktion 37 Sitze und damit die absolute Herrschaft im Lande errungen. Die Misterfolge in den Kreisen, in welchen mit den Sozialdemokraten gekämpft werden mustte, dürften zur Be- urteilung der Situation nicht mit herangezogen, werden, denn hier habe der Freisinn versagt und Zentrum und Konservative hätten in Haufen sozialdemokratisch gewählt. Wenn das Grostblockabkommen mit der Sozialdemokratie nicht abgeschlossen worden wäre, so wäre die nationalliberale Partei aufgerieben und keine zehn Mandate wären ihr geblieben. Und. so heistt es dann wörtlich,„bei BeHand- lung unserer Heimatpolitik stellt sich in den Bordergrund die Er- wägung: Das gröstte Urbel Badens wäre eine konservativ-klerikale Kammermehrheit und eine ihr sicherlich nachfolgende klerikal-konser- vative Regierung gewesen I Beides ist durch das Stichwahlabkommen verhindert worden, und darum war sein Abschlust eine Notwendigkeit. Die Erfolge der Sozialdemokratie sind aber durch das Abkommen nicht hervorgerufen worden." Auf die von den nationalliberalen Blättern wegen des Stichwahlabkommens erhobenen Vorwürfe antwortet das führende nationalliberale Organ, die„B a d i s ch e L a n d e s z e i t u n g" mit der Behauptung, dast eine zwingende Notwendigkeit vorgelegen habe. Die Frage: Was wird aus dem nächsten Landtag werden? beantwortet es wie folgt: „Die Arbeitsmehrheit wird fürs erste die alte sein, das heistt in sozusagen neutralen Fragen werde» die Rechte und die Mitte zusammen arbeiten müssen. Gegen reaktionäre Gelüste ist dagegen die Abwehrmehrheit, bestehend aus der Mitte und der Linken, nicht nur bewahrt, sondern sogar verstärkt worden. Hier stehen jetzt 44 gegen 29, früher 41 gegen 32. Das ist ein er- freulicher Erfolg vom Standpunkt der Sicherung des Kultur- fortschritts. Ob aus dieser Abwehrmehrheit auch eine Arbeits- Mehrheit wird, was das natürlichste und beste wäre, das hängt einerseits von der Fähigkeit der nationalliberalen Partei ab, die Zeichen der Zeit zu erkennen, neu aufzubauen, nicht den Kopf zu verlieren und nun nicht auch noch dem „roten Schrecken" anheimzufallen, und andererseits von dem Verhalten der Sozialdemokratie in der nächsten Session der Kammer. Wenn es den sozialdemokratischen Führern gelingt, das Steuer in der Richtung zu halten, in der sie angesetzt haben, wenn es ihnen gelingt, mit ihrer Fraktion weiterhin weniger als Sozialdemokraten im norddeutschen Sinne, denn als radikale Arbeiterpartei auf der Linken zu gerieren, dann kann Grostes, Vorbildliches für ganz Deutschland in Baden erreicht werden I"... DaS wäre in der Tat ein Riesenerfolg der badischen National- liberalen, der von ihrem Standpunkt aus als vorbildlich für ganz Deutschland sein könnte, wenn eS ihnen gelänge, unsere Genossen so zu beeinflussen, dast sie sich weniger als Sozialdemokraten, denn als Vertreter einer radikalen Arbeiterpartei fühlen würden. Dast das aber eine grundfalsche Spekulation ist, brauchen wir nicht aus- riuanderzufetzen. Wir sind überzeugt, dast unsere zwanzig Genossen im Landtag bis auf de» letzten Mann eine solche beleidigende Zu- mutung niit Entrüstung ablveisen. politifcbc Cleberllcbt. Berlin, den 4. November 1903. Einbernfung des Reichstages. Der„Ncichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Vcr- ordnung, durch die der Reichstag auf den 33. November nach Berlin einberufeti wird._ Die Macht der Konservativen. Welchen Einfluh die Konservativen auf die offizielle ReichSpolitil ' besitzen und wie gefügig sich die Regierung trotz aller Bedenken ( ihrem Willen unterwirft, zeigt folgende Aeuherung, die vor einigen � Tagen Graf Echmerin-Löwitz in Anklam gemacht hat: „AlS ich den Fürsten Bülow in einer längeren Unterredung, *■ welche ich wenige Tage vor seinem Rücktritt mit ihm hatte, darauf hinwies, dast doch im Fall einer Annahme der Erbschaftssteuer die ganze Finanzreform nickt zustande gekommen sein würde, er- widerte er mir, diese Möglichkeit wolle er nicht bestreiten; dann aber, wenn nur die Konservativen ihn nicht in der Erbschaft«- steuerfrage im Stich gelassen und nicht mit dem Zentrum gemein- same Sache gegen ihn gemacht hätten, würde er den Reichstag nicht nur einmal, sondern, wenn nötig, dreimal aus- gelöst haben, um die Reform mit dem Block gegen das Zentrum zustande zu bringen." Die Aeusterung ist recht interessant. Also, wenn die Kon- servativen mit von der Partie hätten sein wollen, dann hätte Bülow, den die Liberalen gewissermasten als den Ihrigen preisen, keinen Augenblick gezögert, sogar dreimal hintereinander den Reichstag aufzulösen, um die Finanzreform durchzudringen: gegen den Willen der Konservativen aber wagte er nicht zu handeln und zog cS lieber vor. das Feld zu räumen, als gegen fie einen Wahlkampf zu eröffnen, der ihre Machtstellung hätte erschüttern können. Fast scheint es so, als beliebte es dem Herrn Grafen v. Schwerin- Löwitz zur höheren Ehre der Konservativen aufzuschneiden; aber die „Köln. Ztg." bestätigt in allen Teilen die Aeuherung des Grafen Schweriii. Sie schreibt: „Es kann durchaus bestätigt werden, dast dies die Auffassung des Fürsten Bülow war, und dast er sich auch zu anderen Leuten in diesem Sinne geäustert hat. Wenn e» ihin möglich gewesen wäre, sich auch weiter auf den Block zu stützen, so würde er mit diesem vor einer selbst wiederholten Auflösung nicht zurückgeschreckt sein, die schließlich, so wie die Stimmung im Volke war und ist, eine Mehrheit ergeben haben würde, mit der man eine ganz andere Finanz- reform hätte machen können, als wie sie uns jetzt von den Kon- servativen beschert wurde. Nachdem sich aber die Konservativen von der Blockpolitik abgewandt und den Block gesprengt hatten, so etwa argumentierte Fürst Bülow, hätte eine Auflösung des Reichstages sich allerdings unter ganz anderen und sehr viel un- günstigeren Verhältnissen vollziehen müssen. Die Regierung wäre gezwungen gewesen, den Wahlkanipf gegen drei Seiten zu führen, gegen die Konservativen, gegen das Zentru in und gegen die Sozialdemo- kr a ten. Abgesehen davon, dast es zum mindesten frag- lich ist, ob alle mahgebenden Faktoren zu einem solchen Kampfe gegen die Konservativen bereit gewesen wären, ist es so gut wie sicher, dast die preustischen Landräle einer Weiseung, ihre alten konservativen Freunde zu bekämpfen, nicht oder doch nur ganz vereinzelt nachgekommen wären. Fürst Bis- marck sagte einmal, seine Diplomaten müstten einschivenken wie Unteroffiziere und dasselbe dachte er jedenfalls in Uebertragung auf die innere Politik auch von denen höheren Ver- waltiingsbeamten. Die Zeiten haben sich seitdem geändert, namentlich seitdem bei der Kanalfrago die sogenannten Kanal- rebellen nach ihrer ersten, unseres Erachtens übrigens in der Form nicht gerechtfertigten Mastregelnng für ihren Widerstand gegen die Zentralgewair dadurch belohnt wurden, dast man sie die Treppe hinauffallen liest. Seitdem haben die Herren keinen Anlast. Verwarnungen und Weisungen der Zentral- gewalt sonderlich tragisch zu nehmen und es halte sich bei einem Wahlkampfe unter, den oben gekennzeichneten Bedingungen ein Durcheinander ergeben, von dem ein wirklicher Erfolg und eine gründliche Sanierung unserer parla- mentarischen Verhältnisse nicht zu erwarten gewesen wäre. In diesen von vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilten Kampf wollte Fürst Bülow nicht hineinsteigen." Klar und deutlich ist hierin ausgesprochen, dast die Konservativen, da die ganze höhere und hohe Bureaukratie aus ihren Parteigängern besteht, den ganzen Verwaltungsapparat in Händen hat, und die Regierung deshalb nicht wagen kann, einen ernstlichen Kampf gegen die Konservativen zu führen, da in diesem Fall der Apparat versagen, wenn nicht gar sich gegen die Regierung lehren würde. Besser kann kaum dargelegt werden, welchen Wert die liberale Phrase hat, in Deutschland und Preuhen stände die Regierung über den Parteien. Sie ist lediglich der VerwaltungSauSschust der Konservativen._ Wieder einmal ein Hochverratsprozeß. Vor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts begann am Donnerstag ein Prozeß gegen ver- schiedene Anarchisten, die sich der Vorbereitung eines Hochverräte- rischen Unternehmens, begangen durch die Presse, schuldig gemacht haben sollen. Angeklagt waren der Tischler Levyn und der Schrift- fester Lübeck. Levyn hatte die inkriminierte Nummer des„Freien Arbeiter", in dem die Artikel gestanden haben, als verantwortlicher Redakteur gezeichnet.. Lübeck soll die Artikel zusammengestellt, also die eigentliche redaktionelle Arbeit verrichtet haben. Beide An- geklagten bestritten ihre Schuld. Levhn erklärte, die unter Anklage stehenden Artikel gar nicht gelesen zu haben. Die Zeichnung der betreffenden Nummer habe er lediglich für einen formalen. Akt gehalten. Lübeck erklärte, dast er die Zusammenstellung der Nummer nicht vorgenommen habe; darüber, wer es getan habe, verweigere er die Aussage. Die beiden Artikel selbst enthalten übrigens nichts als die be- kannten anarchistischen Ansichten über die Gewerkschaftsbewegung und die Mittel der sozialen Umwälzung. So soll die Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens unter anderem in dem Sast enthalten sein:„Um für die Aktion zu arbeiten, die die Revolu- tion herbeiführen soll, müssen wir in den Gewerkschaften arbeiten." Ein anderer inkriminierter Satz lautet:„Wenn wir endlich bereit sind, dann werden wir einen Kriegsrat abhalten, der zugleich die erste Friedensversammlung sein wird. Dann wird niemand Euren Befehlen trotzen und ungehorsam wird der Tod sein." Es ist uns wirklich unverständlich, wie man in solch rein theoretisierenden Artikeln die Vorbereitung zum Hoch- verrat zu erblicken vermag. Der„freie Anarchist" Gustav Landauer erklärte denn auch als Sachverständiger, dast von einer Aufforde- rung zu Gewalttätigkeiten in dem Artikel gar keine Rede sein könne. Er bestätigte auch dem Angeklagten Lübeck, der die Gewalt zu verabscheuen erklärte, dast er ihn nach seiner Bekannt- schaft mit ihm keineswegs für einen Anhänger der Gewalt halte. Interessant war auch die Feststellung Landauers, dast einer der unter Anklage stehenden Artikel in viel schärferer Form bereits ein Jahr vorher veröff ent licht worden sei. ohne dast man daran gedacht hätte, Anklage zu erheben! Nach alledem will es uns wirklich erscheinen, als ob die An- klagebehörde weiser gehandelt hätte, wenn der Hochverratsprozest von vornherein unterblieben wäre. Kommunale Wahlsiege. Sommerfeld i. Lausitz. 4. November.(Privatdepesche des „Vorwärts".) Bei den Stadtverordnetenwahlen behaupteten die Bürgerlichen von drei Mandaten mit einer Stimme Majorität eines, während drei Sozialdemokraten und ein Bürger- licher um die Palme des Sieges für die weiteren beiden Mandate in der Stichwahl ringen müssen. Damit zieht der e r st e S o z i a l- d e m o k r a t in das bisher den Tuchbaronen und Kommerzien- raten allein reservierte Rathaus ein. Die Stimmenzahl der Sozialdemokraten hat sich gegen vor zwei Jahren ver- doppelt; in der Stadt, in der als Bürgermeister der kern- servative Reichstagsabgcordnete Schlüter, der Helfer bei dem Raubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes, das Szepter führt! Das Resultat ist um so freudiger anzuerkennen, als am Wahltische ein Fabrikant und Kommerzienrat den Vorsitz führte; Veranlassung genug, daß angesichts der Arbeitslosigkeit und Not am Orte mit einem Fluche auf den Lippen über das schändlichste aller Wahlgesetze viele Wähler umkehrten, ohne ihre Stimme abgegeben zu haben, um sich nicht dem Terrorismus und der Rache des Unternehmertums auszusetzen. « Drei neue Siege in Llltoua. Altona. 4. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl erhielten Stimmen: Genosse Eitzen 4004, die Gegner 3357, Genosse Kürbis 4058, die Gegner 3324, Genosse Zorn 4055, die Gegner 3105. Unsere Gr- nossen Eilzc», Kürbis und Zorn sind demnach gewählt. Demnach haben unsere Genossen in Altona gestern und heute 5 Stadtverordnete durchgebracht! Bisher waren sie wegen des hohen Zensus im Stadtverordneten- kollegium völlig unvertreten! » Zu dem glänzenden Wahlsiege unserer G ö r l i tz e r Genossen. den wir im Dcpeschenteil unserer gestrigen Nummer mitteilten, wird noch gemeldet: Wie bei früheren Stadtverordnetcnwahlcn, so hatten auch dies- mal die Freisinnigen, Nationalliberalen und Kon- servativen ein Bündnis geschlossen, um die Sozialdemokratie niederzuringen. Sie haben aber eine vernichtende Nieder» läge erlitten. Die Stimmenzahk der bereinigten Gegner ist seit 1907 um 407 zurückgegangen und die der Sozialdemokratie um 810 gestiegen. Mit einer Mehr- heit von 515 Stimmen haben unsere Genossen über die vereinigten Bürgerlichen gefugt. Bei den am Mittwoch in Pirmasens(Rheinpfalz) erfolgten Stadtratswahlen, die nach den: neuen Verhältniswahl- system vorgenommen wurden, sind nach den bisherigen Ergebnissen 10 bis 11 Sitze der Sozialdemokratie gesichert; bisher hatten wir nur 7 Sitze inne. » Bei der gestrigen Gemeinderatsersatzwahl in Weida i.TH. wurden von 7 Kandidaten der Ordnungöparteien 5 gewählt, 1 Ge- nosse wurde wiedergewählt, einen Bezirk eroberten wir neu._ Klerikale Pädagogik. Auf dem jüngst abgehaltenen Zentru msparteitag für den Regierungsbezirk Aachen redete der Abgeordnete Dr. Kaufmann, ein Geistlicher, über die wichtigen idc-- alen Aufgaben des Zentrums. Er'wieS darauf hin, dast der K a m p f u m die Schule ein Kampf um die Grundlagen der christlichen Kultur sei. Es genüge nicht, daß in der Schule Religionsunterricht erteilt werde, nein, die ganze Erziehung der Jugend müsse vom religiös sittlichen Geiste durchdrungen sein. „Man sage mir nicht, dast man nicht gegen die religiöse Er- ziehung der Kinder angehen wolle, es solle ja auch Religion-- Unterricht in den Schulen gegeben werden. Aber wenn der Geistliche seinen Unterricht erteilt hat, dann tritt ein frcigeistigcr Lehrer herein, der in der Naturgeschichte erzählt, dast das ganze Weltall und der Mensch selbst nicht auf planmäßiges Wirken seines Schöpfers zurückzuführen ist, sondern dast alle Entstehung und EntWickelung automatisch vor sich geh«. Aber wohin soll eS führen, wenn in der Geschichtsstunde erzählt wurde, daß die biblische Geschichte und namentlich die Evangelien ganz hübsche Erzählungen, aber eben auch nur Erzählungen, wie die Nibelungensage und die homerischen Gesänge seien. Glauben Sie, daß der Religionsunlteicr.icht noch etwa- helfen werde, wenn die Kinder so etwas hören?" Nie ist dem Religionsunterricht ein beschämenderes Armuts- zeugnis ausgestellt worden, als es hier der Geistliche Dr. Kauf- mann getan hat. Er verkündet klar und deutlich: Wenn die Kinder die Wahrheit hören, wie sie die Geschichte und Naturwissen- schaft ergründet hat, dann pfeifen sie auf die Lehren des Herrn Pfarrers! Dieses Benmsttsein von der Schwäche der klerikalen Weltanschauung ist es eben, die das Zentrum und die Kirche auf die Schanzen ruft, um der Wissenschaft den Eingang in die Volksschule zu verwehren, damit der„gesamte Unterricht von religiösem Geiste durchdrungen" sei. Die Kinder sollen nichts anderes hören, als was die Kerisei für gut befindet; nur dann. wenn das bildsame und empfängliche KindeShirn ferngehalten wird von der Berührung mit einer besseren Erkenntnis, wenn Geist und Gemüt vollständig und gewaltsam eingedrillt ist auf den Wunderglauben und den Widersinn der klerikalen Weltanschauung, erst dann halten sie die Jugend für gefeit gegen die Ansteckung durch die Wahrheit, die ihnen durch die Wissenschast vermittelt werden könnte. WaS für das Volk bei der klerikalen Pädagogik„auf christ- licher Grundlage" herauskommt, dafür bietet insbesondere Aachen ein belehrendes Beispiel. Die„Stadt der heiligen Windeln" war immer ein Muster geistiger Rückständigkeit, Im Jahre 1810 gebrach es für zwei Drittel der schulpflichtigen Kinder an Raum in den vorhandenen Schulen; 1825 mußten aus demselben Grunde 4403 Kinder ohne Unterricht bleiben, nur 2905 konnten die Schule be- suchen; 1841 war entsprechend der Zunahme der Bevölkerung die Zahl der allen Unterricht entbehrenden Kinder auf 5247 gestiegen. Und 1805 auf dem Katholikentag in Trier stellte die Aachener „Konstantia", die Vereinigung des ultramontanen Bourgeoisklüngels, den Antrag, zu erklären: 1. daß der Schulzwang ein. unheilvolles Eingreifen in die Rechte der Familie sei, 2. dast die katholischen Vereine überall da. wo der Schulzwang befte-he, auf seine Beseiti» gung hinwirken sollten. Das sind die„religiös-sittlichen Grundlagen", auf denen die Aachener Bevölkerung aufgewachsen ist. Dieser Geist wirkt, wenn die staatliche Gesetzgebung und der von außen drängende Fort- schritt der Zeit auch seiner vollen Entfaltung Schranken gesetzt haben, bis auf das heutige Geschlecht weiter und die Aachener Be- völkerung genieht, dank dem Wirken ihrer ultramontanen Führer, heute noch den traurigen Ruhm, politisch, geistig und moralisch den untersten Platz im ganzen Rheinlande einzunehmen. Aber die Aachener Arbeiter sind eifrige Kirchgänger und treue Zentrums- Wähler— und das genügt!_ Gegen die Erhöhung der Lehrergehälter. Die Regierung hat die von der Stadt Frankfurt für die Volksschullehrer aufgestellte Gehalts- ordnung abgelehnt mit der Begründung, dast Wies- baden, das nach dem Wunsche der Regierung dieselben Ge- hälter wie Frankfurt zahlen soll, außerstande sei, die darin noruücrten Sätze aufzubringen. Das bayerische Einkommensteuergesetz. Wie telcgraphisch aus München gemeldet wird, hat die Kammer der Abgeordneten mit 133 gegen 23 Stimmen das Einkonimcnsteucrgesctz angenommen, durch das eine all- gemeine progressive Einkommensteuer im Königreich Bayern eingeführt wird._ Ein rentabler Posten. Die„Potsdamer Tageszeitung" wußte vor einigen Tagen mit- zuteilen, daß die Stellung des§■ ö u"Ö ■«&§ CO n :C vcr vo ö wS ■sl 1008 insgesamt Anteil in Prozenten: Mitglieder 2421 185 75.7 4,3 lO.g 5,6 2,7 0,8 Einnahmen 57 124 311 85.0 4.7 7.7 1,9 0,1 0,6 Ausgaben. 49185 979 85.5 4,8 7,2 1,8 0,1 0,5 Vermögen. 50 829 756 80,4 8,2 8,9 1,6 0,7 0,1 Für Streiks und Maßregelungen wurden ausgegeben: 6 814 994 91,8 1.9 6,2——— Für Reise-, Arbeitslosen-, Umzugs-, Notfall- und St erbeunter st ützu n g wurden ausgegeben: 11 573 140 SZ.I 3,9 2.9——— Für Kranken- und Jnvalidenunterstützung wurden ausgegeben: 11311793 86.2 8,8 5.0——— Ein Vergleich des Anteiles der freien Gewerkschaften an den Organisierten und der Anteil an Einnahmen, Ausgaben und Ver- mögen ergibt, daß unser« freien Arbeiterorganisationen finan- ziell am besten und stärksten, im Prozentanteile bedeutend über allen anderen Organisationen stehen. Der stärkere prozentuale Anteil finanzieller Art, der größer ist als der in bezug auf die Mitglieder, sagt mit anderen Worten, daß die fteien Gewerkschaften in ihrer finanziellen Schlagkraft alle anderen Organisationsformen überragen, auf jeden Fall weiter als in ihrer numerischen Stärke. Nur bei den Hirsch-Dunckerianern ist dasselbe der Fall, im besonderen im Vermögen stehen sie weit über den numerischen Anteil an Mit- gliedern. Darüber wird weiter unten noch zu reden sein. Aber schon bei den Christlichen ist der prozentuale Anteil an den Finanzen geringer als der an den Mitgliedern; bei den Unabhängigen sinkt die finanzielle Kraft in ihrem Anteil vom Hundert noch viel weiter, bei den Gelben ist die Differenz eine vierundeinhalbfache Ver- kleinerung, bei den Vaterländischen sogar eine rund achtfache! Interessant sind bei einem Vergleich der drei großen Organi- salionSarten, den freien, christlichen und den Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften, daß bei den erstgenannten Einnahmen und Aus- gaben im Prozentanteil höher sind als das Vermögen, während bei den beiden anderen Organisationen der Prozentanteil deS Ver- mögens höher ist als der von Einnahme und Ausgabe. Es beweist statistisch die alte Wahrheit, daß die freien Gewerkschaften ihr Geld nicht auf große Berge fahren, sondern damit kämpfen, damit dem Arbeiter helfen. Sieht man nun die prozentuale Verteilung der von allen Arbeiterorganisationen 1903 ausgegebenen 6,8 Millionen Mark an, die allein für Streiks und Maßregelungen gebraucht wurden, so ergibt sich wieder die selbstverständliche Ueberlegenheit der so- genannten sozialdemokratischen Gewerkschaften. Fast 92 Proz. der ganzen Summe wurden durch sie ausgegeben! Also bedeutend stärker als der numerische Anteil an den Organisierten ist ihr Anteil an den Kämpfen der Arbeiter. Zu einer Prozentzahl der Gelben oder Vaterländischen steigen die Arbeiter des Hirsch- Dunckerschen Lagers herab; dagegen nimmt sich die Summe der christlichen Organisationen immer noch ganz respektabel aus. Ein Blick auf die Quote der Hirsch-Dunckerschen bei Kranken- und Jnvalidenunterstützung zeigt überdies, wo die Reise hingeht: hohe Fondsansammlung, um Kranken, und Jnvalidenunterstützung leisten zu können. Die Christlichen sind viel bessere Vorarbeiter für moderne Arbeiterinteressen als die Organisationen Hirsch-Duncker- scher Farbe! Auch bei Reise-, Arbeitslosen-, Umzugs-, Notfall- und Sterbe- Unterstützung kommt den freien Gewerkschaften der Löwenanteil zu, der höchste Anteil überhaupt,«S sind über 93 Proz.I Hier kommen in den übrig bleibenden Prozenten die Hirsche an zweiter Stell« und nach ihnen kommen erst die Christlichen. Bei Kranken- und Jnvalidenunterstützung stehen die freien Gewerkschaften selbstverständlich wieder an der Spitze, die in frei- sinnigem Fahrwasser schwimmenden Gewerkschaften usurpieren, wie schon weiter oben einmal gesagt, fast 9 Proz., ein Anteil, wie sie ihn sonst nie erreichen, und der über ihren Mitglieder- anteil um mehr als das Doppelte steigt. Die Christlichen leisten nur Krankenunterstützung. Eine durchgehende Betrachtung der Ziffernzusammcnstcllung zeigt, daß die freien Gewerkschaften ihre finanzielle Schlag- und Schutzkraft weit über ihren numerischen Anteil ausgedehnt haben. Bei den Hirsch-Dunckerianern ist es bei der Kranken- und Invaliden- Unterstützung und dem Vermögen der Fall. Von diesem ist aber weit über die Hälfte Vermögen der Kranken- und der Begräbnis- lasse und kommt als eigentliches Vcrbandsvermögen gar nicht in Frage. Bei den Christlichen stehen die finanziellen Leistungen durch- weg, sowohl im ganzen als auch ini einzelnen zum Teil sogar sehr weit hinter ihrer numerischen Stärke zurück. Hier ist die Religion das Bindemittel für die Arbeiter. Bei den Unabhängigen, den Gelben und den Vaterländischen zeigt es sich ohne weiteres ganz deutlich, daß sie als irgendwelche Stütze für die Arbeiter überhaupt nicht in Frage kommen. Bei Gelben und Vaterländischen dienen die Einnahmen außer ihrem besonderen Zwecke, die Arbeiter unternehmerfreundlich zu halten, doch nur dazu, um Existenzen a la Lebius und Konsorten ein behagliches, durch keinerlei Sorgen getrübtes Leben zu gewähren. Und um dazu beizutragen, ist auch noch der allerrückständigste Arbeiter tausendmal zu gut. LerUn unck vlmg-egenck. Das Ergebnis der Tarifberatung der Töpfer unterlag am Mittwoch der endgültigen Beschlußfassung einer General- Versammlung des Töpferverbandcs. Die vorige. Generalversammlung hatte die Lohnkommissiou beauftragt, nochmals mit den Unter- nehmern zu verhandeln, um gewisse Positionen günstiger zu ge- stalten. Die Verhandlungen haben inzwischen stattgefunden. Wie Segave am Mittwoch berichtete, sind die Unternehmer den Wünschen der Arbeiter noch etwas eiitgcgengekomnien, haben es jedoch ab- gelehnt, sie in vollem Umfange zu erfüllen. Segave und andere Mitglieder der Lohnkommissiou empfahlen die Vorlage, wie sie nun- mehr aus den Verhandlungen hervorgegangen ist, zur Annahme und vertraten im Gegensatz zu einzelnen Diskussionsrednern die Ansicht, daß die Vorlage im allgemeinen keine Verschlechterung der bis- herigen Verhältnisse bedeute.— Nach längerer Diskussion nahm die Versammlung in geheimer Nbstimniung die Vorlage an. Am Freitag wird eine Generalversammlung der Arbeitgeber die Ab- stimmung vornehmen. Wenn auch hier die Vorlage angenommen wird, dann soll sie als neuer Tarif am 22. November in Kraft treten und auf zwei Jahre Gültigkeit haben. Zentrale Vertragsverhandlungen in der Holzindustrie. Am 26. Oktober trat in Berlin eine Konferenz zusammen, an der Vertreter des Arbeitgeberschutzverbandes für das deutsche Holz- gcwerbe, des Deutschen Holzarbeiterverbandes, SeS Zentralverbandes christlicher Holzarbeiter und des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins der Holzarbeiter teilnahmen. Gegenstand der Verhandlungen waren die im nächsten Frühjahre ablausenden Verträge. Ein Resultat hat diese erste Zusammenkunft nicht ergeben, doch besteht die Geneigt- heit auf beiden Seiten, die Verhandlungen fortzusetzen. Deutfebes Reich. Verband der Steinsetzer usw. Sämtliche Berufsangehörige bei der Firma H. Pennike in Biesenthal haben die Arbeit auf der Baustelle Messingwerke bei Eberswalde wegen Nichtanerkennung des Tarifs einmütig nieder- gelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Friede im südwestdeutschen Holzgewerbe! Nach wochenlangen Verhandlungen, die auf Veranlassung und unter Leitung des Stadtsyndikus Dr. Hiller- Frankfurt statt- fanden, sind nunmehr die Verhandlungen in den Städten H e i d e l- berg, Frankfurt, Mannheim und L u d w i g s h a f e n er- folgreich beendet und die Verträge, die bis zum 17. Februar 1912 laufen, sind bereits unterzeichnet worden. Mit dem Abschluß kann der Holzarbeiterverband zufrieden sein, zumal wenn die besonderen Umstände in Betracht gezogen werden. Die Frankfurter Unternehmer bilden im deutschen Holzgcwerbe in bezug auf die Scharfmacherei noch eine Abnormität, und das will viel besagen. Sie lehnten de» seinerzeit unter dem Vorsitz des Freiherrn V. Berlepsch in Leipzig gefällten Schiedsspruch ab, weil dieser den Arbeitern eine Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit brachte. Als der Arbeitgebcr-Schutz- verband ihrer Meinung nach sie bei ihrem Verhalten nicht genügend stützte, gründeten sie einen„Arbcitgeberverband für Südwest- deutschland" in Gemeinschaft mit den Städten Mann- heim, Ludwigshafen, Pforzheim, Karlsruhe und Heidelberg. Auf Veranlassung der Frankfurter Arbeit- geber und auf Betreiben des Sekretärs des neuen Verbandes Dr. Ke i n e r- Mannheim, der sich sehr bald als Korporation dem R a h a r d t schen Schutzverbande anschloß, wurden im Vorjahre alle jür obengenannte Orte bestehenden Berlräge seitens der Arbeitgeber gekündigt, mit der ausgesprochenen Absicht, erhebliche Verschlechte« rungen für die Arbeiter durchzuführen. Dem Holzarbeiterverbande wurde in allen Orten ein„Normalvertrag" vorgelegt, der nur Pflichten für die Arbeiter und nur Rechte für die Arbeitgeber enthielt. Als die Arbeiterbertreter das Machwerk zurückwiesen, wurde mit der Aussperrung gedroht, die aber von den Machern der Arbeitgeber nicht durchgesetzt werden konnten, weil die Mehrzahl der Arbeitgeber sich ablehnend verhielt. Der Arbcitgeberverband mußte sich dann dazu bequemen, die für die Arbeiter schädlichen Bestimmungen aus dem„Normalvertrag"' zu entfernen. Als die Konjunktur sich in Süd- weftdeutichland besserte, gingen dann die Holzarbeiter in Südwest- deutschland zum Angriff über. Die Arbeiter stellten Forderungen und in einigen Städten kam eine Einigung zustande. Die so lange an- gedrohte und so oft beschlossene Aussperrung in Frankfurt fiel gründlich ins Wasser. Nachdem der Kamps in Frankfurt 5 Wochen gedauert hatte, bot Herr Dr. Hiller seine Vermiitelung an, die von den Arbeitern unter der Bedingung akzeptiert wurde, daß die Unternehmer vor Einttitt in die Verhandlungen bestimmte Angebote machen müßten. Der Unternehmervcrband wollte hiervon nichts wissen, doch teilte Herr Dr. H i l l e r mit, daß die Frankfurter Unternehmer bereit seien, die 52stündige Arbeilszeit und eine Lohnerhöhung zu ge- währen. Auf dieser Basis wurde dann verhandelt, nachdem auch die Erklärung vorlag, daß die Verträge, dem Verlangen des Holz- arbeuerverbandes gemäß, bis zum 17. Februar 1912 laufen sollte». Der abgeschlossene Vertrag für Frankfurt bringt den Arbeitern eine sofortige Lohiierböhung von 2 Pf. pro Stunde und weitere 2 Pf. im Laute der VeriragSperiode. Der ortsübliche Stundenlohn für Arbeiter über 24 Jahre erhöht sich sofort auf 55, ab t. Oktober 1910 auf 56 und ab 1. April 1911 auf 57 Pf. pro Stunde, für Arbeiter von 20 bis 24 Jahre sofort auf 52 resp. 53 resp. 54 Pf. pro Stunde und für Arbeiter unter 20 Jahren auf 42 resp. 43 resp 44 Pf. Die Bauanschlägerlöhne sind jeweils um 3 Pf. pro Stunde höher. Arbeiter, die in der Regel in der Werkstatt beschäkligt sind, erhalten bei Arbeiten in Neu- und Umbauten 5 Pf. Zuschlag pro Siuude. Bei Montagearbeiie» werden 2.75 M. tägliche Zulage gewährt, au anerkannt teuren Plätzen 3 M. pro Tag.' Bei Alkorbaibeiten wird der ortsübliche Siundenlohn garantiert. Ueberschreibungen ab- geschlossener Akkorde aus neue Arbeiten sind unstalihast. Die Lohn- zahlung muß vor Schluß der normalen Arbeitszeit erfolgt sein. Weiter sieht der Vertrag die üblichen Aufschläge für Ucbcrstunden usw. vor. Die Durchführung der 52stündigen Arbeitszeit erfolgt am 1. Oktober 1910. In Mannheim und Ludwigshasen ersolgr ein sofortiger Lohnzuschlag von 2 Pf. pro Stunde, am 1. April 1910 ein weiterer Pfennig und am 1. April 1911 wird die 53stiiiidige Arbeitszeit durckigeflibrt. In Heidelberg tritt eine sofortige Lohn- erhöhuiig bon zwei Pfennig pro Siimde ein, und ein Pfennig am 1. April 1910, sowie auch sofortige Verkürzung der Arbeitszeit ans 56 Stunden. Dabei ist zu bemerken, daß in Heidelberg sich im Laufe des zwölfwöchentlichen Kampfes eine große Anzahl AibeitSwilliger ein- gesimden hatte. Die Arbeitsaufnahme ist am DienStag, den 2. No- vembcr, erfolgt, nachdem auch die beteiligten Jnmingen die Ver- träge ilirterzeichuet hatten. Der Kampf wird feine erzieherische Wirkung ans den Südwestdeutschen Arbeitgeberverband, ganz be- sonders aber ans die beteiligten Arbeitgeber— auch die Frankfurter — ausüben. Die meisten Arbeitgeber haben durch den rnonate« langen Kämpf ihre meiste Kundschaft eingebüßt und können darum Arbeiter nicht einstellen. So sind in Frankfurt noch 130, M a n n h e i»i 100, Heidelberg 20 und Ludwigshafen noch 50 Arbeiter nicht wieder eingestellt.— Der Zuzug von Holz- arbeiten! ist aus diesem Grunde nach den genannten Orten auch weiter feriizuhalten._ Christliche Agitation. Der frühere Vorsitzende der Zahlstelle Straubing des Christlichen Keraniarbeiterverbaiides hatte vor einiger Zeit aus dem arbeiter- verräterischen Treiben der christlichen Gewerkschaften vernünftiger« weise die Konsequenzen gezogen, seinen Vorsitz niedergelcgr und zum Fabrikarbeiterverbande übergetreten. Die Christlichen gaben sich nun alle Mühe, den zur Einsicht Gekonimenen tvicder zu gewiiiueu, aber vergebens; Schöberl blieb standhaft und agitiert jetzt fleißig für den freien Verband. Dies darf nun nach Ansicht des Gauleiters des Christlichen Keram- und Stein« cirbeiterverbandes nicht so weiter gehen. Dem Schöberl, der so manches ans der christlichen Gewerkschaft zu erzählen weiß, muß der Mund gestopft werden. Im guten Hilsts nicht, also muß es durch Drohung geschehen, und so setzte sich dieser christliche Gewerkschafts- sührer hin und schrieb an Schöberl einen Brief, iu dem ihm bitlere Vorhaltungen darüber gemacht wurden, daß er christlich Organisierte in den„roten Verband" herüberzuziehen versuche. Dann folgt folgende alberne Drohung: „Das muß Dir gesagt werden, und eS hängt ganz von Deinem weiteren Verhalten ab, wie wir gegen Dich eventuell vor- zugehen gezwungen sind. Wir haben alle Deine früheren Briefe noch in der Hand, wir haben auch Beweise, daß der rote Verband in Straubing den Mitgliedern die Unterstützung verweigert hat, die schon 2'/z Jahre bei ihm organisiert waren; fürchten also Ivedcr Dich, noch die Drohungen Deiner roten Hintermänner.— Damit hoffen wir»un, Du werdest von jetzt ab Deine Hetzereien einstellen." Weil der fromme Christ aber weiß, daß die Veröffentlichung früherer Briefe dem Keramarbeiterverbalide mehr schaden würde, als dem so täppisch bedrohten Abtrünnigen, fügt er zu der Albernheit noch folgende niedliche Stelle hinzu: „Wir wüßte» sonst, was wir zu tun hätten, und sicherlich würde die Sache nicht zu Deinem Vorteil ausfallen, denn Du hast auch eine Familie. Um Deiner Angehörigen willen raten wir Dir daher, veruünftig zu sein, wir siild auf den äußersten Punkt unserer Geduld und Nachsicht angelangt. Mit Gruß I Die Bezirksleitung des Christlichen Keram- und Steinarbeiter-VerbandeS. Joseph Lochner, München, Fürstenfelder Str. 4, HL Wenn etwas Derartiges von einem unserer Gewerkschafts» angestellten gemacht würde, gäbe es ein entrüstetes Gezeter über „sozialdemokratischen TerroriSinuS". In dem Falle wäre die Ent« rüstung dann wirklich einmal angebracht. Fünfundzwanzig! Nach der Meldung des offiziösen Depeschenbureaus sind im ganzen 25 Sozialdemofraten in die sächsische zweite Kammer gewählt worden l Bravo! Die Parteien setzen sich nunmehr endgültig folgender- maßen zusammen: 30 Konservative(einschließlich zweier bünd- lerischer Abgeordneter und eines Mittclstandsparteilers), 28 Nationalliberale, 8 Freisinnige und 25 Sozialdemokraten. Bei den Wahlen am Donnerstag wurden noch gewählt drei Konservative, ein Bündler, vier Nationalliberale und ein Sozialdemokrat. Einzelmeldungen besagen: Freiberg i S., 4. November.(W. T. B.) Im 14. ländlichen Wahlkreise wurde bei der gestrigen Stichwahl Schmidt(Sozial- d e m o k r a t) mit 5343 Stimmen gewählt. Starcke(konservativ) er- hielt 5232 Stimmen. « Ein Privattelegramm meldet unS: Im 1. Chemnitzer Wahlkreis wurde der konservative und mittel st ändleri sche Kandidat Biencr mit 10 628 Stimmen gewählt. Unser Genosse Müller erhielt 7364 Stimmen. Im 2. Chemnitzer Wahlkreis siegte der Nationalliberale Langhammer mit 12 582 Stimmen über den Genossen Z e r p i g, der 6920 Stimmen erhielt. In beiden Fällen scheint der Freisinn zugunsten der Re- aktiv näre den Ausschlag gegeben zu haben. *> Nur Krankenunterstützung. Vercmttv. Redakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.:Td. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall Paul Singer Lr Co., Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Letzte IVachricbteii und DcpcFcbcn. Jaures zur Wahlreform. Paris, 4. November.(W. T. B.) In der Deputiertenkammer wurde heute die Beratung über die Wahlreform fortgesetzt. Mehrere Redner traten für die proportionale Vertretung ein, unter ihnen insbesondere Jaures, welcher darlegte, daß dieses System, das er- folgreich in Ländern mit ländlicher Bevölkerung wie Württemberg in Anwendung sei, dringend von den deutschen Sozialisten gefordert werde._ Altersversicherung in der französischen Kammer. Paris, 4. November.(W. T. B.l Senat. In der heutigen Sitzung erklärte der Berichterstatter Cuvinot, die Kommission für die Altersveriorgung habe sich für die obligatorische Beitragszahliing seitens der Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter Mitwirkung des Staates und ftir die Zulassung freiwilliger Beitragszahlungen aus- gesprochen. Das Gesetz werde eine Mehrbelastung von 100 Mil» lionen für den Staat zur Folge haben. Ter Berichterstatter der Finanzkommission teilte mit, baß die Kommission das System der einmaligen Kapitalszahlung angenommen habe, das der Renten- zahlung vorzuziehen sei._ Eine Rede Lloyd Georges. London, 4. November.(W. T. B.) Unterhaus. Am heutigen letzten Tage der Debatte über das Budget nahm Schatzbanzler Lloyd George im Laufe einer Rede, in der er seinen Standpunkt mit Ent- schiedenheit verteidigte, für die Regierung in Anspruch, daß sie für Einnahmen Sorge getragen habe, die den Zielen angemessen seien, die man sich ftir die Sicherheit des Staates und die Wohlfahrt des Volkes gestellt habe. Die von der Regierung geforderten Maß- nahmen würden schließlich die Schwierigkeiten, die gegenwärtig die Industrie bedrückten, beseitigen und Großes vollbringen zum Wohle aller Klassen der Allgemeinheii. Kr. 259. Lö.Ichrgavg. I KtilM des.Mmörls" Kcriim NcksdW. kieitag,% llMtmttt 1909. Stadtverordneten- öcrfammlung. 29. Sitzung vom Donnerstag, den 4. November, nachmittags S Uhr. Der Vorsteher M i ch e l e t eröffnet die Sitzung nach 5'/? Uhr. Die vom Magistrat neuerlich vorgelegten.Allgemeinen Vertrags- und Bietmigsdedingungen". wie sie bei der Ausführung von Arbeiten und Lieferungen für die Stadt Geltung haben sollen, sind nicht in allen Punkten von der Versammlung gebilligt worden. Insbesondere war in dem Passus: .Unternehmer, welche die in allgemeinen Tarifverträgen vereinbarten Festsetzungen nicht einhalten, sind von der Uebernahme städtischer Arbeiten und Lieferungen ausgeschlossen" der Ausdruck.allgemeine Tarifverträge" beanstandet worden Außerdem hatte der Magistrat sich zur Einführung der Schieds gerichtsklausel bei Streitigkeiten ans Werk- und Lieferungsvertrngen nicht verstehen wollen, eS sollten vielmehr die ordentlichen Gerichte entscheiden. Der von der Versammlung eingesetzte Ausschuß hat hinsichtlich des ersten Punktes von den Magistratsvertretern befriedigende Er klärungen erhalten. Der Oberbürgermeister hat den Begriff dahin erläutert, daß ein sonst im großen und ganzen.allgemein" an- erkannter Tarif auch gelten soll, selbst wenn der eine oder der andere kleinere Teil der Organisation nicht dabei sei. Betreffs der Schiedsgerichtsklausel macht der Ausschuß den Vor schlag, den z 28 der.allgemeinen Vertragsbedingungen" wie folgt zu fassen: „Alle aus dem Vertragsverhältniffe entspringenden Rechts streitigkeiten find durch ein nach den Bestimmungen der Reichs Zivilprozeßordnung zusammenzusetzendes Schiedsgericht zu ent- Icheiden, doch ist' der Magistrat berechtigt, bor der Zusammen setzung des Schiedsgerichts durch schrifiliche Anzeige an den Gegeiv kontrahenten die Entscheidung durch das ordentliche Prozeßgericht zu verlangen: als Gerichtsstand gilt in diesem Falle— soweit nicht ein ausschließlicher Gerichtsstand begründet ist— das Amts- gericht Berlin-Milte bezw. das Landgericht I Berlin* Referent des Ausschusses ist Stadtv. Stapf(A. L.). Stadtv. Psannknch(Soz.): Ich möchte dem Bericht nur noch hinzufügen, daß der Oberbürgermeister im Ausschuß auch erklärt hat, daß der Magistrat sich in zweifelhaften Fällen behufs Auskunst- erteilung über die Tarife an das Gewerbegericht wenden werde. Stadtv. Bnmzlow(A. L.) verweist auf einen kürzlich vor- gekommenen Fall, in dem eine staatliche Behörde zu einer engeren Submission auch die Tegeler Strafanstalt aufgefordert habe. Der Mogistrat möge Borsorge treffen, daß so etwas in der städtischen Verwaltung nicht vorkomme. Damit schließt die Erörterung. Die Versammlung beschließt nach den Vorschlägen des Ausschuff'es. Die Vorlage wegen Verleihung des Stimmrechts an den Di- reltor des Fach- und Fo r tb i ld un g s s chu lw esenS nimmt Abg. R e t t i g(A. L.) zum Anlaß, den Bau eigener Gebäude fLr die Fachschulen dringend zu befürworten. Am 27. Oktober hat die Alte Linke(Stadtvv. Prof. Landau 0. Gen.) den Antrag eingebracht: .den Magistrat zu ersuchen, schleunigst die Untersuchung auf Tuberkulose im städtischen Untersuch ungS« amt, fo wie dies in den staatlichen Instituten geschieht, un- entgeltlich bewirken zu lassen." Vom 30. Oktober datiert eine Magistratsvorlage, wonach zur Kenntnis gebracht lvird, daß der Magistrat dem Ersuchen der Versammlung vom 17. Dezember 1908. die Untersuchung von Krankheitsstoffen bei Tuberkuloseverdacht kostenfrei auszuführen, ent- sprachen und das UntersuchungSomt demgemäß angewiesen hat. Stadtv. Dr. Landau: Nachdem die Vorlage eingegangen ist, ziehe ich meinen Antrag als gegenstandslos geworden zurück. Ich habe aber festzustellen, daß es sehr beklagens- und bedauernswert ist, daß dieser Magistratsbeschluß so lange hat auf sich warten lassen, daß er dazu erst des Ansturms der Presse und der Entrüstung des Publikums bedurft hat. In der Zwischenzeit ist man sogar so weit gegangen, dem Direktor des Amts die Untersuchung zu verbieten, wenn er nicht zuvor Vorschuß einforderte I Auch zeigt sich an mancherlei Merk- malen, daß ein Jurist und kein Sachverständiger die betreffenden Anordnungen erlassen hat. Wie lange werden wir noch auf die Ausführung wirklich großzügiger städtischer Maßnahmen zur Be- lämpsung der Tuberkulose, aus die seit fünfzig Jahren verlangte bessere städtische Organisation für die Hygiene zu warten haben? Die Verschleppung der Angelegenheit hat einen sehr schlechten Ein- druck machen müssen. Kleines feuilleton. Gegen das grassierende Denkmalunwesen wendet sich Max Osborn in dem ersten Novemberheft der Halbmonatsschrift„Nord und Süd". ES denkmälert wieder arg in deutschen Landen. Im kleinen Lauch st ädt wird die Werbetrommel für ein Goethe- Schillerdenkmal gerührt. Mein Gott, die Herren sind noch im- stände und setzen eine Rietschelkopie der Dioskuren vom Weimarer Theaterplatz in die holde Stille des lieben Badeplätzchens. Warum? Nun: weil Goethe und Schiller dort Brunnen tranken, frische Luft schöpften und vor allem Komödie spielten, so daß das sächsische Zopf- und Rokoko-Kissingen„wie Bethlehem in Inda klein und groß" wurde. Die Herren sehen nicht, daß sie den geninz loci umbringen würden, wenn sie zwei Bronze- oder Marmormäunchcn mit Kniehosen und Spitzcnjabot in die zauberhafte Verlassenheit und das beredte Schweigen des heiligen Nestes hineinstapfen ließen. Aber das ist eine Marotte unserer Barbarei: wenn irgendwo in uns Gedanken und Empfindungen die Erinnerung an einen verehrten und geliebten Namen beschwören, daß seine Geister neben uns schweben,— bums! wird uns der Mann selbst brutal vor die Nase gesetzt, und alle Träume zerrinnen. Im Weimarer Goethe- hause, wo das Herz zittert und klopft, hing eine Zeitlang(bis Karl Kötfchau den Greuel in die von ihm eingerichtete Schreckens- tammer versetzte) ein Ricsenschinken mit dem Marktschreititel „Mehr Licht!" der uns zu Zeugen vom Tode des Gewaltigen machen wollte, daß man einen Wutanfall bekam. Im Stcrbezimmer zu Sanssouci—, ha, da sitzt er selbst, leibhaftig, sterbend, in Mormor gehauen:„Friedrichs des Großen letzte Tage"(von dem armen Harro Magnuffen, der sich durch diesen Sensationsaewalt- streich Beachtung und Mäzenatentum erzwang). In Hamburg ist Heine-Aufregung. Herr Eampe junior hat den obdachlosen Dichter-Marmor vom Achilleion auf Korsu er- standen und den Gestrengen vom Rat des Stadtstaates zur öffent- lichcn Verwertung angeboten. Wahrscheinlich um Buße zu tun für die bescheidenen Honorare, mit denen sein Ahnherr den lebendigen Heine ehrte; denn mit Denkmälern nach dem Tode sucht die Menschheit ihre Gewisscnsqualen zu beruhigen, wenn sie einen großen Mann zeitlebens, wie Fontane sagte, nicht aus der Bredouille kommen ließ. Die Gestrengen aber blieben so kühl, wie man nur in Hamburg bleiben kann, und lehnten mit„gediegener" Kürze ab. Darob große Entrüstung der Oeffentlichkeit. Dankbarkeit wäre mehr am Platze getvesen. Denn der schmerzliche Melancholikus von Korfu, den ein mittelmäßiger Bildhauer modelliert hat, wäre Atta Trolls nicht würdig gewesen. Nun aber hat das große Berlin-Hamburger Heinekomitee die Zeitstimmung genutzt und seine Agitation aufs neue angefacht. Kein Zweifel, daß es bald zum Ziel kommt. Darüber wird es sich gewiß freuen, aber doch auch traurig sein. Denn im Kampfe um ein Denkmal ist eben der _ Stadtrat Straßmann: Nicht der Ansturm der Presse hat den Anstoß zu dem Magistratsbeschluß gegeben. Es waren statistische Erhebungen notwendig über den möglichen Umfang dieser Unter- suchungen: diese sind sehr mühselig gewesen und haben viel Zeit gekostet. Die Angaben, welche wir schließlich von den staatlichen ll»tersuchu»gsstellen erhielten, wichen sehr stark von denen des Polizeipräsidiums ab._ Unter diesen Umständen beschloß der Magistrat am 19. Mai, die kostenlose Untersuchung vor- läufig abzulehnen und neue Erhebungen zu veranlassen. Diese fanden in den nächsten drei Monaten statt; das Ergebnis lag uns im Oktober vor. Es stellte sich heraus, daß es sich nur um eine sehr mäßige Zahl von derartigen Untersuchungen handeln würde, ca. 60—79. Daraufhin ist der Magistratsbeschluß ergangen. Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Auch wir können nicht ohne ein Gefühl der Beschämung von der Vorlage Kenntnis nehmen. Fast ein Jahr ist es her, seit wir dem Vertrage mit den Staatsbehörden über diese Materie zustimmten. Als wir damals, weil unter den von der Stadt unentgeltlich vorzunehmenden Untersuchungen gerade diejenige auf Tuberkulose fehlte, Ausschußberatung ver- langten, traten uns Kollege Landau und seine Freunde entgegen mit dem Hinweis, daß gegebenenfalls der Magistrat unser Verlangen selbstverständlich erfüllen würde, und auch Stadtrat Straßmann äußerte sich entgegenkommend. Jetzt ist mit statistischen Erhebungen nahezu ein Jahr draufgcgangenl Kollege Landau hat ja sein damaliges Versehen durch seinen Antrag wieder gutgemacht, der sicherlich mit zu der Beschlußfasiung des Magistrats beigetragen hat. Wir aber sind damals unserer Gutgläubigkeit zum Opfer gefallen, und so ist dieser blamable Zustand heraufbeschworen worden. Eigentümlich ist und bleibt, daß es so kommen konnte, obwohl der Vorsteher unseres Amtes, Geheimrat Proskauer, von ollem Anfang an erklärt hat, er verfüge über das gesamte Material an Personen und Apparaten, um diese Untersuchungen sofort vorzunehmen. Wo bleibt das große Brustkrankenhaus für Tuberkulose, wo die bessere hygienische Organisation der Stadtgemeinde? Die Ver- pflcgungskosten in den Lungenheilstätten hat man nicht erniedrigt, sondern erhöht, und damit versagt dieses Mittel zum Kampf gegen die Tuberkulose. Unsere Heilstätten stehen leer, da die Krankenkasse» nicht mehr in der Lage sind, die höheren Kosten zu erschwingen. Was nützen uns die schönen Anstalten, wenn sie der hohen Kosten wegen nicht benutzt werden können? Unser Berliner öffentliches Sanitälswesen liegt noch sehr im argen, eine gründliche Reform wird nicht nur von uns. sondern auch von den bürgerlichen Parteien verlangt. Wir fordern immer von neuem eine organisierte städtische GesundheiiS- behörde, einen verantwortlichen, vollbesoldeten städtischen Medizinal- rat im Magiswatskollegium. Säße ein hervorragender Hygieniker darin, so wäre eine solche Verschleppung undenkbar gewesen.(Bei- fall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Dr. Jstrne(N. L.): Hier gilt wohl auch da? post hoc, ergo propter hoo. Wir stimmen für die Vorlage, aber unter dem lebhasten Bedauern, daß unsere Resolution so lange»mberücksichtigt bleiben konnte. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.): Warum war in der Vorlage vom Dezember 1908 nicht die Tuberkulose aufgezählt? Schon da- mals hat der Magistrat den ersten Fehler gemacht. Dieser Einzel- fall ist aber nicht als solcher zu betrachten; er ist ein Ausfluß des Systems, ivelcheS Dr. Wehl soeben mit Recht so abfällig charakterisiert hat. Stadtv. Dr. Mugba»(A. L.): Den Hinweis auf die Gering- fügigkeit der Anzahl der fraglichen Fälle muß ich für fast ebenso schlimm erklären, wie die bisherige Saumseligkeit deS Magistrats. Hätte er sich vielleicht anders entschieden, wenn eS sich nicht um 60—70, sondern vielleicht um die fünffache Zahl handelte? Bürgermeister Dr. Reick«: Die Untersuchungen über Tuberkulose sind nicht gesetzlich vorgeschrieben; deshalb waren die angestellten Erhebungen ein Gebot der Borsicht. Von einem„reuigen Sünder" kann keine Rede sein. Die ganz zuletzt angedeutete Eventualität ist nicht anzunehmen. Stadtv. Dr. Mugdan: Bei einer Sache von so eminenter hygienischer Bedeutung konnte es auf diese Erhebungen absolut nicht ankommen. Stadtrat Straßmann bleibt bei seiner Meinung stehen. Stadtv. Landau: Tatsächlich hat der Magistrat die Bedeutung dieser eminenten hygienischen Maßnahme verkann». Stadtv. Dr. Wey!; Eine gesell ich e Verpflichtung liegt allev dingS nicht vor; aber eine Stadt wie Berlin hat auch darüber hinaus sozial- hyaienische Pflichten zu erfüllen, und das ist hier nicht ge- sckehen; sie hat sich von zahlreichen Vorortgemeinden überholen lassen. Die Vorlage wird zur Kenntnis genommen. Kampf alles, das Ziel wenig oder nichts.... Heine hat ein Recht darauf, gehaßt und gefürchtet zu werden. In Köln will man Wiflielm Leibi ein Standbild setzen. Nachdem der größte deutsche Farbcnmeister des neunzehnten Jahr- Hunderts, so lange er lebte, in seiner Vaterstadt gleich Null galt. Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie. Dabei könnten die Rhein- länder viel sinnvollere Buße tun, wenn sie endlich in ihr Wallraff- Richartz-Museum einen anständigen Leibl-Saal einordneten. Jeder Kenner wird ihnen sagen, wo das Material dafür zu haben wäre. In Berlin hat mm: die Sammlung banaler Skulpturen, die den schönen Vorhof des alten Universitätsgebäudes um seine archi- tcktonische Wirkung betrügt, um ein miserables Treitschke-Dcnkmal vermehrt, um Sremeriugs mißlungenes Nochlaßwerk(von Toten soll man nur Wahres sagen). Wie oft hat man gebeten: Meine Herren Professoren, lassen Sie doch ab von diesem ganzfigurigen Ehrgeiz! Stellen Sie doch lieber etiva eine Reihe von Hermen, von Büsten Ihrer größten Kollegen auf schönen Postamenten auf. Half alles nichts. Seitdem einmal die Brüder Humboldt am Außen- gitter als monumentale Verherrlichungen der„sitzenden Lebens- weise" des Gelehrtentums thronen und allerlei Gedanken über die Zusammenhänge dieser Lebensweise mit der menschlichen Physis anregen, seitdem die wohlhabenden Chemiker, um einen Notschrei des Volkes zu befriedigen, ihren Mitscherlich überlebensgroß ins Kastaninwäldchen gesetzt haben, ist kein Halten mehr. Hertels öder Hclmholtz verstellte den Haupteingang. Jetzt kam der Treitschke, halb Grabdenkmal, halb bramarbasierendes Bühnenbild.... Und nun kommt noch der Mommsen hinzu. Diesmal ein Kunstwerk von ungewöhnlicher Schönheit(Adolf Brütt hat es geschaffen); aber das Monumentengedränge vor dem einstigen Hotel des Prinzen Heinrich wird nun bald lebensgefährlich. Die Plejaden einst und jetzt. Die herrliche Sterntraube der Plejaden ist jetzt in den Abend- und Nachtstunden wieder zu er- blicken, die Landbewohner konnten das schimmernde Sternbild schon seit Wochen am Himmel aussteigen, den Taubenichwarm von Sternen gewissermaßen am Himmel hochfliegen sehen, so wie es die Alten sahen, die gar viele Märchen mit dem Sternhaufen verknüpften. Märchen, die zum Teil in die Urgeschichte der Flugtechnik gehören. Also auch ein Erzieher der Menschheit war jenes Siebengestirn; das ist so recht klar und deutlich erst in den letzten Jahren geworden. für die Erforscher indischen. babylonisch- assyrischen, ägyptischen, griechischen und jüdischen Altertums sind biete Plejaden da oben am Nachthimmel ein wichtiges Kavitel. Finden fich diese Sterne doch auch schon bei dem altgriechischen Dichter He si od als Kalcndergestirn für die Landwirtschaft, und singt nicht die göttliche S a p p h o:„Noch lächelt Selana, die reine, schon taucht ihr nieder, Plejaden, die Nacht und die Stunden laden, ich ruhe noch immer alleine." In den Hymnen auch der Babylonier begegnet uns das Gestiru, wir fassen es fast mit Händen, einen wie breiten Raum es einst im Denken der Menschheit einnahm. Wenn man von den Astronomen absieht, deren Teleskope Die neue Talonsteuer auf die Berliner Stadtanleihe« scheine und Schuldverschreibungen soll nach dem Beispiel einer Reihe von Kommunen auf die Stadt selbst übernommen werden. Der Stempel beträgt 2 pro Mille und beläuft sich insgesamt auf 823 000 M., wovon 27 000 auf 1909, dagegen 302 000 aus 1910, 218000 auf 1911, 110 000 auf 1912 und 166 000 auf 1916 entfallen. Für 1909 soll die Deckung aus dem Fonds für unvorhergesehene Ausgaben entnommen, für die Zukunft im Etat der Kapital- und Schuldenverwaltung bereitgestellt werden. Die Vorlage gelangt ohne Debatte zur Annahme, ebenso der besondere Entwurf sür ein V i e r f a m i li e n h a u s bei der Anstalt für Ep ilepti s ch e, Wuhlgarten, und die Vorlage betreffend den Bau einer massiven Brücke über die Spree als Ersatz für die Gotzkowskybrücke. Schluß der öffentlichen Sitzung 7 Uhr. Sie ttaattgefHrliche rote Kranzschleife. In Velbert wurde am 27. Marz 1909 der Parteigenosse Schloffer Lauer beerdigt. Als Vorstandsmitglied des sozialdemo« kratischen Vereins ging der Konsumverwalter Külchen an der Spitze des Leichenzuges, der sich vom Krankenhaus nach dem evangelische:« Friedhof bewegte. K. trug einen Kranz mit roter Schleife. Ev wurde deshalb vom Landgericht Elberfeld als der Berufungsinstanz zu einer Geldstrafe verurteilt und zwar auf Grund der 1895 er- lassenen Straßen- und Berkchrspolizeiverordnung» deren K 72 ver- bietet: das Heraushängen, Entfalten und Führen roter Fahnen oder von Fahnen in anderen Farben als den Reichs- und Landes» färben, sowie das öffentliche Tragen„roter Schleifen an Begräbnis- kränzen" auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Das Landgericht erachtete die Polizeivorschrift für gültig, weil ihr Zioeck sei, beim Zusammensein einer größeren Anzahl von Personen auf der össcnt» lichen Straße die Ordnung aufrechtzuerhalten. Der Angeklagte legte Revision ein. Er bestritt die Gültigkeit! jener Vorschrift. Es sei nicht erfindlich, inwiefern das Tragen von roten Schleifen an Kränzen die öffentliche Ordnung zu stören ge- eignet sei. Der eigentliche Zweck der Verordnung sei denn mich nicht ein derartiger Schutz, sondern die Vorschriften sollten der sozial- demokratischen Bevölkerung Velberts die Betätigung ihrer politischen Ueberzeugung unterbinden. Ferner verstießen sie gegen das Reichs- vereinsgesctz. Der Vertreter der Oberstaatsanwaltschaft trat für die Gültig- kcit der Verordnung ein. Insbesondere verstoße sie nicht gegen das ReichsvereinLgcsetz. Auch die Teilnehmer an öffentlichen Aufzügen müßten alle die Vorschriften beachten, die die öffentliche Ruhe uni» Ordnung im Auge hätten. Darum handele es sich hier. Der erste Strafsenat deS Kammergerichts hob die Vorent« scheidung auf nnd verwies die Sache mit folgender Begründling a» das Landgericht zurück: Hinsichtlich der materiellen Gültigkeit der formell richtig erlassenen Verordnung komme in Frage, inwieweit das Reichsvereinsgesetz solche Vorschriften ungültig mache. Das Vereins- und Versammlungsrecht unterliege nach§ 1 des Reichs» vcreinSgesctzes polizeilich nur den in diesem Gesetz und anderen Reichsgesetzen enthaltenen Beschränkungen. Und nach dem Abs. 2 des§ 1 fänden die allgemeinen sichcrheitspolizcilichen Bestimmungen des Landrcchts Anwendung, soweit es sich um die Verhütung un- mittelbarer Gefahr für Leben und Gesundheit der Teilnehmer an einer Versammlung handelt. Aus der Klausel ergebe sich aber keineswegs, daß Leute deswegen, weil ihre Zusammenkunft unter das Vereinsgesetz falle, von der Beachtung anderer Gesetze, und seien es auch nur Polizeiverordnungen, gänzlich entbunden seien. Alle Koinmentare, und selbst der des sicherlich nicht als reaktwnär zu bezeichnenden Wolfgang Heine(Seite 11), nähmen dasselbe an. Ter§ 72 der Polizeiverordnung sei insoweit gültig, als er allgemein das öffentliche Heraushängen, Entfalten und Führen roter Fahnen verbiete, und die Anwendung dieser Bestimmung würde auch für den Fall anzunehmen sein, daß die rote Fahne m einem Leichen- zuge geführt würde. Denn dadurch, daß die Leute einen Aufzug machten, würden sie nicht befreit von der Beachtung anderer allgc- meiner Bestimmungen. Aber der weitere Wortlaut des§ 72 sei doch dergestalt, daß ein Eingriff in das Vereinsrecht nicht verneint werden könne. Es heiße nämlich, auch das„TraMn roter Schleifen m: Begräbniskränzen" sei verboten. Diese Bestimmung wolle also verhindern, daß bei Begräbniffen Kränze mit roten Schleifen ge- tragen würden. Begräbniffe seien aber eine Materie, die durch das Reichsvereinsgesetz geregelt werde. Das Kammergericht habe das im vergangenen Winter in zivei Entscheidungen festgestellt. Wenn nun das Tragen roter Schleifen an den Kränzen bei Begräbnissen das Märchengestirn in viele Hunderte von Sternen auflösten, waS bedeuten dagegen heute noch die Plejaden der Menschheit? Die Bewohner der Großstädte sehen das Gestirn überhaupt nur noch. wenn eS hoch an: Himmel steht; wie eS vom Horizont heraufkommt, das verschleiert der Dunstschwall der Städte, nnd vielleicht sind wir in hundert Jahren so— weit, daß ein schöner Sternhimmel nur noch bei einer Fahrt mit dem Luftschiff zu sehen ist, die hinaus- führt über die Dunstwolke der Großstadt. Andere Sterne leuchten dem Kulturmenschen: seine elektrischen Lichter, und das Lichterspiel auf den Straßen, zumal die Reflexe in Flüffen, weiden heute das Lluge, wie eS einst die Plejaden taten. Humor und Satire. Hamburger DeernS. Heil'ger Bimbam! Hat man je— So was schon vernommen? — Sind die Jumfern an der See— Auf den Schock gekommen?— Oder steh:: sie sonst vielleicht— Außerhalb der Nonnen,— Weil ihr Liebesleben zeigt— So verschwarzte Formen?— Deutsche Mächens. mit Vergunst I— Ist daS patriotisch.— Daß sich eure Liebesbrun st— Aeutzert so exotisch?— Himmel, Arm und Wolkenbruch I— Gibt's nicht weiße Knaben— In der Hansastadt genug.— Die daß Nöt'ge haben? Muß durchaus ein Schwarzer sein,— Kinder, der Verehrer,-» Nehmt doch in das Kämmerlein— Einen Essenkehrer.— Daß der schwarze Feger da— Sein Metier euch lehre— Und das Herz etcetera— Kunstgerecht„bekehre".— Oder wandert nach der Pfalz— Oder Niederbayern,— Laßtl euch von Hochwiirden als— Pfarrerkathl heuern.— Dorten findet jede Frau— EtwaS für das Herze:— Männer von gedieg'nem Bau— Und ge- dieg'ner Schwärze! Ach, du kriegst den blassen Dod,— Mensch, in beide Waden!— Muß der brave Patriot— Da sich nicht entladen?— Möcht er da nicht immerfort— Blut'ge Tränen weinen,— Wie der Dernburg in der„Nord-— Deutschen Allgemeinen"?— Ja, wer solches höre» tut,— Möcht sich schier zerreißen,— Oder sich in heller Wut— I» die Nase beißen.— Doch da dies nicht angebracht,— Hab':ch meinem Koller— Hier in Versen Luft gemacht I-->> Uff I jetzt ist mir wohler t_ Uno. Notizen. — Zeppelins Memoiren. Graf Zeppelin bearbeitet zurzeit seine Memoiren, die im nächsten Frühjahr ausgegeben werden sollen. — Pearh oder Cook? Die Amerikanische Geographische Gesellschaft hat Peary ihre Goldene Medaille verliehen und damit gewisiermaßen seine Eutdeckerschaft anerkannt. Gleichzeitig hat sie ein Komitee von Sachverständigen mit der Festellung beauftragt, ob dokumentarisch nachgewiesen werde:: kann, daß der Pol bereits vor 1909 erreicht worden ist. Dies läßt die Abficht erkennen, die 8uf« Zeichnungen Cooks sobald als möglich zu prüfen. berboken werte, dann werde damit in das Vereinsrecht eingegriffen und dadurch eine Bestimmung getroffen, die vereinsrechtlicher Natur sei. Deswegen sei hier§ 1 Abs. 2 des Vereinsgesetzes maßgebend und es könne die Verordnung, soweit sie vereinsrcchtlich erschein» (also bezüglich des Verbots roter Schleifen an Begräbniskränzen), Gültigkeit nicht beigemesien werden. Anders wäre es, wenn das Wort Vegräbniskränze ftchlte, wenn ein Tragen roter Schleifen all- gemein verboten wäre. Dann würde wahrscheinlich die Gültigkeit anzunehmen sein, und bei einem allgemeinen Wortlaut würden auch die nicht immun sein, die die Schleifen bei Aufzügen(wozu Leichenzüge gehören) tragen würden. Auch das Tragen eines Kranzes mit roter Schleife vom Gärtner nach dem Trauerhaus würde dann darunter fallen.— Da die ungültige Bestimmung hier keine Anwendung finden könne, so frage es sich, inwieweit das Ver- einsgesetz auf den vorliegenden Fall anwendbar sei. Nach diesem Gefetz unterliege der Veranstalter eines ungewöhnlichen Leichen- begängnisses, das nicht genehmigt sei, der Strafe des Z 19 des Reichsvereinsgesetzes. Der Veranstalter eines genehmigungs- bedürftigen Leichenbegängnisses sei aber auch, wer ein sonst ge- wohnliches Leichenbegängnis in seinem Verlauf durch eigene Tätig- kcit zu einem ungewöhnlichen umgestaltet und so bewirkt, daß ein genehmigungspflichtiges stattfindet. Das Landgericht müsse nach- prüfen, ob der Angeklagte dies durch das Vorantragen des Kranzes mit roter Schleife getan habe. Das Kammergcricht hat übersehen, daß für das Verbot roter Fahnen die Neichsgesetzgebung der Landesgesetzgebung und der Polizei keinen Raum läßt, weil das Reichsstrafgesetz- buch diese Materie erschöpfend geregelt hat. Wie vom Ober- berlvaltungsgericht in der Verwaltungsstreitsache des Genossen Stüven wider den Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein bereits im Jahre 1891 anerkannt ist, sind durch den Groben- Unfugparagraphen die partiknlarrechtlichen Verbote des Tragens von Fahnen einer bestimmten Farbe aufgehoben. In der neuen Verhandlung wird schon aus diesem Grunde eine Freisprechung zu erfolgen haben. Hu9 der Partei. Ein armenischer Sozialist. Der Telegraph hat die Nachricht gebracht, daß in der Nähe von Bejrut(Wilajet Erzerum in Kleinasien) das Mitglied der.Ar- menischen revolutionären Föderation"(.Daschnakzutiuu") E. Toptschian ermordet ist. Die Täter blieben bis jetzt noch unbekannt. AlS Flüchtling vor den Verfolgungen des russischen Absolutismus hatte sich Toptschian nach der Türkei begeben. Dort ist er von der Hand fanatischer Alttürken gefallen.... Ter Ermordete war einer der hervorragendsten Führer der Partei.Daschnakzutiun". Die Dienste, die er dem armenischen Volke und besonders den arbeitenden Massen geleistet bat, sind groß an kahl und bedeutsam. Im Laufe der letzten fünf Jahre, die er im Kaukasus zubrachte, hat er seine ganze Zeit und Energie der Sache der Arbeiterklasse gewidmet. Ihm haben die zahlreichen sozialistischen Gewerkschaften und Genossenschaften in Tiflis und anderen Städten ihre Entstehung und EntWickelung zu danken. Toptschian ist der erste, der in einer ganzen Reihe von Artikeln und in Broschüren die Ideen der Arbeiterbewegung in Armenien popularisiert hat. In der letzten Zeit aber, wo die russische Regierung gegen„Daschnakzutiun" eine wilde Hetze inszenierte, war Toptschian. wie auch viele andere. gezwungen, seine Arbeit wenigstens auf eine gewisse Zeit zu unterbrechen und sich nach der asiatischen Türkei, nämlich nach Erzerum zu flüchten. Auch hier hat dieser rastlose Arbeiter ein Feld für seine Kraft gefunden, ip» kurzer Zeit hat er in Erzerum etwa zehn Gewerkschaften organisiert, die ersten Arbeiterorganisationen dieser Art in der ganzen Türkei. Ebenso hat er dort eine sozialistische Organisation gegründet, mit deren Hilfe er die sozialistische Zeitung„Haradsch"(„Vorwärts") ins Leben rief. Aber das wichtigste, was er für Erzerum und für die ganze Gegend getan hat, ist, daß er während der Konterrevolution(im April dieses Jahres) die ganze armenische Bevölkerung und die türkischen konstitutionellen Elemente vor der vollständigen Vernichtung gerettet hat. Er errichtete eine tüchtige revolutionäre Miliz und veranstaltete eine Menge Volksversammlungen, wo er selbst und seine Gleichgesinnten die wahre Ursache der Ereignisse und die Ränke Abdul Hamids und seiner Reptilien darlegten. Angesichts der Vor- urteile, die die Annäherung zwischen den Türken und Armeniern verhinderten, angesichts der großen Wichtgkeit, die diese Annäherung für die kulturelle Entwickelnng des Landes und für den Fortschritt der sozialistischen Ideen hat, gründete dieser tapfere Kämpfer neben der armenischen Zeitung auch ein türkisches Blatt, daS zum ersten- mal in die Schluchten Kleinasiens das freie Wort von der Brüder- lichkeit der Völker, von der Solidarität der Interessen aller Arbeitenden. vom Sozialismus trug. Der Tod des Genossen Toptschian ist ein großer Verlust für die Arbeiterklasse der Türkei und des Kaukasus. Toptschian ist gefallen als ein Märtyrer der proletarischen Sache. Ehre dem Andenken de» Braven!_ HannSverscher Parteitag. Für die Zweite Provi nzialversammlung der Sozialdemokra- tischen Partei der Provinz Hannover waren, damit eine ausgiebige Erörterung des reichhaltigen und wichtigen Beratungsstoffes möglich sei, gleich zwei Tage vorgesehen. An der Beratung nahmen teil: bS Delegierte, 4 Reichstagslandidaten aus hannoverschen Wahlkreisen, 9 BorstcmdSmitglteder, der Parteisekretär, Vertreter der Redaktion und Expedition des„Volkswille" sowie deren Geschäftsführer und vom Parteivorstand Genosse Pfannkuch. Den Geschäftsbericht des ProvinzialvorstcmdeS erstattete Genosse Leinert, den Kassenbericht Genosse D ö r n k e. Die Mitgliederzahl ist von 17 115 Ende 1006 auf 21 646 am 30. Juni 1909 gestiegen. Unter Hinzuvechnung von 3123 w e i b- liehen Mitgliedern, die seit 1. Juli 1908 der Organisation ange- hören, ergibt sich am Schluß der Abrechnung ein Mitgliederbestand von 2 4 7 6 9. Die bei der Kasse der Provinzialorganisation ein- gegangenen Einnahmen in der letzten Geschäftsperiode belaufen sich auf 53 668,13 Rk., denen eine Ausgabe von 46 662,97 Mk. gegen- übersteht. Angenommen wurde der Antrag Eelle-Hildesheim(einen zweiten Parteisekretär anzustellen) mit der Maßgabe, daß der zweite Parteisekretär neben Genossen Leinert mit gleichen Rechten, auch mit dem der Zugehörigkeit zum Provinzialvorstande, Oinzustellen ist. Annahme fand ferner folgende Resolution: „Der sozialdemokratischen Partei stehen in der Gegenwart und namentlich in der Zukunft große Aufgaben bevor. Im Jahre 1912 müssen die Reichstagswahlcn vorgenommen werden, die große finanzielle Opfer erfordern. Deshalb empfiehlt die Provinzialversammlung den Kreisvereinen dringend» eine Erhöhung der Beiträge zu ibe- schließen." Genosse P e s p e r- Osnabrück begründete seinen Antrag: i.Für die Zeit der Beitragsbefreiung sind beitragsfreie Marken zu kleben" mit der Notwendigkeit, besser als bisher über die kranken oder ar. beitslosen und deshalb beitragsfreicn Mitglieder, zumal wenn sie längere Zeit nicht klebten, eine Kontrolle zu haben und sie in regelmäßiger Fühlung mit der Organisation zu halten. Der Antrag wurde angenommen. Ebenso ein anderer Antrag Be8perzu§8 des neuen Statuts für die Provinzialorganisation: „Die Kosten für die Vertretung auf der Provinzialversamm» lung trögt die Provinzialkasse." Am zweiten Vcrhandlungstage, Montag, den 1. November, stand zunächst der Bericht der P re ß ko m m i s s i o n des „Volkswille" auf der Tagesordnung. Der Bericht erstreckt sich auf 2lh Jahre. Die Debatte nahm fast den ganzen Vormittag in An- spruch. Wesentliche Beschwerden wurden nicht vorgetragen. All- fettig wurde anerkannt, daß namentlich im letzten Berichtsjahre der. Inhalt des Blattes, zumal der Unterhaltungsteil, gut ausgestaltet worden fei. Einige Redner wünschten noch eine weitere Ausge- staltung des unterhaltenden Teiles. Die Redaktion erklärte, die Wünsche, soweit der Raum und die Mittel es zulaßen, berücksichtigen zu wollen. lieber.Die Bestrebungen auf Revision der Städteordnung und die hannoverschen Land- gemeindewahlen" referierte Leinert. Zu Delegierten ftir den Internationalen Kongreß in Kopenhagen wurden gewählt: für Hannover Leinert(Dörnke als Ersatzmann), für die Provinz Vesper(als Ersatzmann Evers). In den Provinzialvorstand wurden wiedergewählt: Brey als Vorsitzender und Dörnke als Kassierer. Nach Erledigung der Debatte drückte Genosse Pfannkuch seine Genugtuung aus über die Ruhe und Sachlichkeit der zweitägigen Debatte. Er ging dann ein auf die Kämpfe, die sich in Hannover, und zwar im selben Saale, zwischen Lassalleanern und Eisenachern abgespielt haben. Nach einem Ueberblick über die Verhandlungen schloß Brey die Tagung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die deutsche Sozialdemokratie._ Fortschritt der Presse. Unser Sonneberger Parteiblatt, der„Thüringer Volksfreund", hat durch Hausagitation am letzten Sonntag über 400 neue Abonnenten gewonnen. ?Ziis Industrie und Handel. Der Kleinbetrieb in der Textilindustrie. Im Erzgebirge existieren in der Wirkerei- und Posamenten- brauche noch zahlreiche Kleinbetriebe, die ohne Gehilfen arbeiten, ebenso im Rheinland in der Bandweberei und in Schlesien in der Leinen, und Baumwollweberei. �Zum Teil handelt es sich bei den Inhabern dieser Kleinbetriebe um durchaus proletarische Existenzen. Die schlesischen Handweber stehen wirtschaftlich sogar tief unter dem Fabrikproletariat. Andererseits kommen aber im vogtländischen Sticker-, wie im erzgebirgischen Wirker- und im rheinisch-west- fälischen Webergebiet zahlreiche kleinbürgerliche Elemente in Frage. Alle diese Existenzen werden von der Fabrtkproduktion immer härter bedrängt und alljährlich büßen im ungleichen Ringen Tausende ihre Selbständigkeit ein. So ergeben die Berufs- und Gewerbe- Zählungen für die Wirtereien folgendes Resultat: Im Jahre 1882 gab es noch 33 900 Wirker, die ohne Gesellen für sich zu Hause arbeiteten. Diese Zahl reduzierte sich auf 24 869 im Jahre 1895 und 20 347 im Jahre 1907. Die Zahl der mit Gehilfen arbeitenden Betriebe sank von 8034 im Jahre 1882 aus 4995 im Jahre 1895 und stieg sodann unter dem Einfluß der letzten Hochkonjunktur auf 5900 im Jahre 1907. Zweifellos hat die seit zwei Jahren scharf wütende Krisis diese Zahl wieder sehr herabgedrückt. Der Verminderung der Betriebe steht eine Vermehrung der Beschäftigten von 74 401 im Jahre 1882 auf 80 625 im Jahre 1905 und 103 996 im Jahre 1907 gegenüber. Anders scheint sich die EntWickelung in der Häkelei, Stickerei und Spitzenfabrikation zu vollziehen. Hier haben nur einige Zweige den Großbetrieb entwickelt. Zum großen Teil vollzieht sich die Produktion noch im Rahmen des Klein- betriebes. Große Handelshäuser repräsentieren das Kapital. Die Zahl der Alleinbetriebe ist zwar von 23 812 im Jahre 1882 auf 15 009 im Jahre 1907 zuückgegangen, seit 1895 ist aber ihre Zahl um 392 gestiegen. Auch die 8249 Gehilfenbetriebe im Jahre 1907, Segen 3336 im Jahre 1395 und 1710 im Jahre 1882 sind vorwiegend lleinbetriebe. Der größte Teil entfällt auf das Vogtland. Im übrigen Reich ist dieser Zweig unbedeutend. Von den 23 258 Haupt. betrieben domizilieren 13 037 in Sachsen, wo 56 157 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt werden, von 79 229 im ganzen Reiche Beschäftigten. Von den 13 037 in Sachsen vorhandenen Haupt- betrieben waren 6939 Alleinbetriebe: 3620 Betriebe beschäftigten bis 3 Personen, 1510 Betriebe bis 10 Personen, 822 Betriebe bis 50 und nur 146 Betriebe mehr als 50 Personen. Auf der Stickerei beruht die Größe der vogtländischen Svitzenindustrie. Plauen, 1861 erst 16 000 Einwohner zählend, war in kurzer Zett Großstadt. Die außerordentliche Nachfrage nach Arbeitskräften, die Eigenart der Industrie und die EntWickelung der Elektrizität, welche in kleiner Werkstatt sich vorzüglich als Antriebskraft eignet, begünstigen die Erstehung zahlreicher kleiner Unternehmungen. Viel früher als in den anderen Branchen hat hier aber auch die KristS em- gesetzt, die große Fabrik beginnt die Produktion mehr und mehr an sich zu ziehen. Eine Wciterentwickelung des Kleinbetriebs wie bisher ist ausgeschlossen. Sehr deutlich zeigt sich die Aufsaugung der Kleinen durch die Großen in der Webbranche. Im Jahre 1882 gab es in Deutschland noch 255 336 Betriebe, 1895 waren es nur noch 144 543, und nach der Zählung von 1907 waren wieder mehr als die Hälfte der 1395 noch Vorhandenen verschwunden. Es gab nur noch 67 484. Von den Hauptbettieben waren Alleinbetriebe im Jahre 1882 157 233. Diese Zahl ging auf 84 451 im Jahre 1895 und auf 31 373 im Jahre 1907 zurück. Ebenso ist die Zahl der Gehilfenbetriebe von 54 456 im Jahre 1882 auf 84 875 im Jahre 1895 und auf 26 936 im Jahre 1907 zurückgegangen. Der Rück- gang der Alleinbetriebe(in der Hauptfache kommen dabei.Hand« weder in Frage) ist in allen Zweigen der Weberet gleich stark. ES kamen 1907 für die Seidenweberei noch 4264 in Frage gegen 13 826 im Jahre 1895; für die Wollenweberei 5687 gegen 14 929 im Jahre 1895; für die Baumwollenweberei 8816 gegen 19 696 im Jahre 1895 und für die Leinenweberei 9127 gegen 26 068 im Jahre 1895. Unter den Verschwundenen der beiden zuletzt ge- nannten Kategorien befinden sich Tausende„Hungerleider" äuS dem Eulengebirge. Die dortigen Alleinbetriebe verschwinden mit dem Tod ihres Inhabers. Aber nicht nur die Zahl der Betriebe geht in der Weberei zurück, auch die Zahl der beschäftigten Persondn verringert sich. Im Jahre 1882 wurden in den verschiedenen Zweigen der Weberei 492 858 Personen beschäftigt. 1895 waren es 507 726 und am 12. Juni 1907 nur noch 486 456. In diesen tahlen kommt die Verdrängung des Ein-Stuhlwebers durch die tvei-. Drei, und Vierstuhlweber zum Ausbruck. Damit in Per- bindung steht die vermehrte Anwendung der Arbeiterinnen im Webprozeß. Wähend die Zahl der Männer von 336 969 im Jahre 1882 auf 289 141 im Jahre 1895 und schließlich im Jahre 1907 auf 249 713 zurückging, stieg die Zahl der Arbeiterinneu von 155 849 im Jahre 1882 auf 218 585 im Jahre 1895 und 236 738 im Jahre 1907. In der Wollenweberei geht seit dem Jahre 1895 sowohl die Zahl der beschäftigten männlichen, als auch die Zahl der beschäf- tigten weiblichen Arbeiter zurück. Männliche Arbeiter wurden da im Jahre 1895 92 861 und im Jahre 1907 66 400 beschäftigt, weibliche im Jahre 1895 60191 und im Jahre 1907 56 369. Die Posamentenfabrikatton hatte 1882 noch 15 252 Hauptbetriebe auf- zuweisen, 1895 waren eS noch 12 368 und 1807 noch 8847. Die Zahl der Alleinbetriebe ging um die Hälfte zurück von 12 898 im Jahre 1882 auf 10 287 im Jahre 1895 und 6794 im Jahre 1907. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen stieg von 31 275 im Jahre 1882 auf 32 479 im Jahre 1895 und 35 315 am 12. Juni 1907. So dringt in allen Zweigen der Textilindustrie, wo sich noch Kleinbetriebe erhalten haben, das Großkapital sieg- reich vor. Grenzen auf! Zur Frage der Fleischteuerung hat die Berliner Fleischer- Innung in ihrer Mittwoch abend stattgefundenen, sehr zahlreich besuchten Versammlung, wie die„Allg. Fleischer-Ztg." berichtet, die nachstehende Erklärung einstimmig angenommen: „Da die Beschickung des Berliner ViehmarkteS sowie aller anderen Schlachtviehmärkte in Deutschland mit schlachtreifem Vieh eine ungenügende ist, und da dadurch die Erhöhung der Verkaufspreise für alle Arten Fleisch, Wurst- und Fleischwaren eine unbedingte Notwendigkeit ist, wenn nicht die Existenz des größten Teils unseres Gewerbes in Frage gestellt werden soll. Die ein- zige Möglichkeit, die jetzige Kalamität zu beseitigen, erblicken wir in Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr lebender Schlacht- tters. Die Behauptung, daß die Grenzen wegen der Seuche«- gefahr verschlossen bleiben müssen, ist eine leere Phrase. Wir erwarten, daß die Vertreter des deutschen Volkes diesen haltlosen Zuständen, welche nur die Taschen der Grotzlandwirte füllen, ein Ende machen werden, damit der Gesamtbcvölkerung Deutschlands wieder eine ausreichende, billigere Fleischnahrung geboten werden kann." Leider denkt der Fleischer nur an sich; daß die Konsumenten unter der Last der hohen Preise leiden, irritiert sie wohl gar nicht. Wir sind der Ansicht, im Interesse der konsumierenden Bevölkerung müssen Maßnahmen zur Milderung der Not ergriffen werden Soziales. Kinderarbeit in den deutschen Fabriken. Nach den Berichten der deutschen Gewerbeaufsichtsbeamtcn für das Jahr 1908 wurden in sämtlichen Fabriken des Deutschen Reiches im verflossenen Jahre 12 062 Kinder unter 14 Jahren be- schäftigt. Gegen das Vorjahr ist eine Abnahme um etwa 1000 Kinder(1907: 13 054) zu verzeichnen. Von den in Fabriken be- schäftigten Kindern entfällt käst ein volles Drittel(3938) auf Bayern, weil hier die Schulpflicht bereits mit dem vollendeten 13. Lebensjahre endet. Mit verhältnismäßig hohen Ziffern sind auch Württemberg(1246). Elsaß-Lothringen(1363) und Baden (448) vertreten. Im industriereichen Sachsen ist die Zahl der in der Fabrikarbeit stehenden Kinder fast ebenso hoch als in Preußen. Sachsen zählte 1903 2382, Preußen 2491 Fabrikarbeiter im Kindes. alter. In allen anderen nord- und mitteldeutschen Staaten ist die Fabrikarbeit der unter 14 Jahre alttn Kinder nahezu beseitigt. In einer Reihe von Staaten(Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg- Strelitz, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Sondershausen, Schwarz- burg-Rudolstadt, Lippe, Lübeck, Hamburg! wurden 1908 in Fabriken arbeitende Kinder überhaupt nicht gezählt. Nach den Berichten wurden 3986 Personen wegen Vergehen gegen das Kinderschutzgesetz verurteilt._ Huö der frauenbewegimg» Drohnen. Während unter der Herrschaft der Krise ein Massenelend ohne Gleichen die amerikanische Arbeiterschaft peinigt, während in New Dork speziell viele Taufende von Männern und Frauen, die brot- und obdachlos geworden. Nacht für Nacht im Freien, unter Brücken, in den erbärmlichsten Schlupfwinkeln kampieren müssen, spielt sich ein Teil des FrauenlcbenS der oberen Zehntausend in anderer Weise ab. Vor einigen Wochen stellten kapitalistische Zeitungen fest, daß in der Stadt New Jork in dem Viertel, das von der 110. Sttaße im Süden und der 125. Straße im Norden begrenzt wird, 5000 Frauen ihre Nachmittage damit verbringen, daß sie Whist(ein Kartenspiel) um Gewinn spielen, der entweder in Geld oder in werwollen Gegenständen besteht. Unter dem gegenwärtigen Gesellschaftssystem gelten alle diese Damen in ihrer Welt als höchst achtbare Frauen, Töchter und Schwestern der Mühiggängerklasse. Sie, die ihre Zeit mit Nichts- tun verbringen, sehen mit Verachtung auf ihre Schwestern herab, die so tief gesunken sind, daß sie um Lohn arbeiten. Diese Whist- brigade ist eine Schar von Drohnen mit einem unersättlichen Appetit, ohne das geringste Verlangen oder die Fähigkeit, sich an der schaffenden Welt zu beteiligen. Dies geschieht höchstens, wenn sie gelegentlich ein Kind zur Welt bringen, was oft genug noch gegen den Willen der Mutter geschieht. Für diese Frauen ist das Leben ein beständiger Kreis von Zerstreuungen. Sie leben, um sich mit üppiger Kost zu mästen, jedes Amüsement, nach dem ihr Sinn steht, zu genießen, die Extravaganz der Kleidung bis zur äußersten Grenze zu treiben, ihren Männern zu gefallen und— ihre Dienstboten zu quälen. Selbstverständlich führen auch die Männer dieser Klasse ein Drohnendasein, nur ttitt es nicht ganz so unverhüllt, so schamlos in die Erscheinung, wie bei den Frauen, deren ganze Lebens- führung ausschließlich auf Repräsentation des Reichtums zuge» schnitten ist. Und diesseits des Ozeans? Auch hier hat die Krise Unzählige in die tiefsten Tiefen des Elends hinabgeschleudert, und auch hier führen die Besitzenden ihr taten- und gedankenloses Genußleben unbekümmert Wetter unter der Devise: Nach uns die Sintflut! Der Bund für Mutterschutz hat sich die Aufgabe gestellt, den ledigen Müttern nicht nur augenblickliche Hilfe angedeihen zu lassen, sondern vor allem auch ihnen in jeder Beziehung durch Nach- weis von Beschäftigung im Haushalt, Fabrik. Bureau, Anfertigung von Schreibmaschinenarbeiten, Erteilen von Unterricht in Sprachen, Malen, Musik, als Hausdame, Reisebegleiterin, Leitung von Filialen usw. bei der Gründung einer neuen Existenz zur Seite zu stehen. Er bemüht sich ferner, den Müttern die in Berlin so chwierige Wohnungöfraze zu erleichtern, und bittet alle, die geneigt ind, eine Mutter mit Kind gegen Hausarbeit und geringen Entgelt aufzunehmen, oder auch nur ein Kind als Pflegling, oder ein Zimmer, ihre Adressen und Bedingungen der Leiterin der Aus- kunftsstclle, Frau Franziska Schulz, Kurfürstenstr. 83, mitzuteilen. Gleichzeitig bittet der Bund für Mutterschutz um Gaben an Geld, Kleidung, Wäsche usw. Bei den, großen Andrang der Hilfesuchen- den ist zede Unterstützung willkommen. Sprechstunden täglich von 9—1 Uhr, außerdem DienStagS und Freitags abends von 7—9 Uhr. Sericbts- Leitung. Der Schneemann Bülow vor Gerich». Vor der 2. Strafkammer deö Landgerichts I hatten sich gestern die Photographen Gebrüder Georg und Otto Haeckel wegen Ber- gehens gegen das Gesetz betr. das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie vom 9. Januar 1907 zu verantworten. Die beiden Angeklagten sind Inhaber einer JllusttationS- zentrale für aktuelle Photographien und zählen fast sämtliche illu- strierten Zeitungen zu ihren Almehmern. Am 4. März d. I. begab sich der Angeschuldigte Georg H- auf den telefonischen Auftrag einer hiesigen VerlagSfiroia, welche eine bekannte illustrierte Zei- tung herausgibt, nach dem GcwerkschaftShaus am Engclufer. Auf dem Hofe hatten mehrere beschäftigungslose Bildhauer, die sich im Gewerkschaftshause aufhielten, einen riesigen Schneemann gebaut welcher, in humoristischer Weise karikiert, die Person des früheren Reichskanzlers von Bülow darstellte. Nach seiner Behauptung will H. den Anwesenden sogleich mitgeteilt haben, daß er im Auftrage einer illustrierten Zeitung komme, um daS„Kunstwerk" zu Photo- graphieren. Die Erbauer hätten große Freude darüber gezeigt, daß ihr Werk in die Zeitung komme und hatten sich auch in„male- rischer" Weise um den Schneemann gruppiert. Am nächsten Tage erschien einer der Bildhauer bei dem betreffenden Verlage und er- klärte, daß die Erbauer des Bülow-Schneemanns die Veröffent- lichung einer Photographie für sich selbst in Geld umsetzen wollten und deshalb die Veröffentlichung der Haeckelschen Photographien untersagten. Die Photographie erschien aber. Da dem Verleger von einem ihm befreundeten Rechtsanwalt nachträglich mitgeteilt wurde, daß die Erbauer des Schneemanns arbeitslos und deshalb hilfsbedürftig seien, bot er ihnen freiwillig ein Honorar von 50 M. an. Die in Frage kommenden Bildhauer hatten jedoch inzwischen ihr„Urheberrecht" an einen Verleger Fuchs weiterverkauft, der nun seinerseits seine Rechte geltend machte. Die Folg« war die jetzige Anklage gegen die beiden Photo» graphen. Vor Gericht behaupteten die Angeklagten, daß ihnen die Genehmigung zum Photographieren von den Erbauern des Schnee- manne? erteilt worden war. Die? beweise schon das Bild selbst. Der Bildhauer Häusler, einer der Schneemannbaukünstler, bestritt jedoch, daß diese Erlaubnis gegeben worden sei. Rechtsanwalt Dr. Karl Löwenthal vertrat den merkwürdigen Standpunkt, daß man 5d einem Schneemann doch keinesfalls von einem Kunstiverk sprechen könne. Der Begriff„Kunstwerk" sei bei den Beratungen über das hier in Frage kommende Gesetz von dem Abgeordneten Müller-Meiningen in der Weise deklariert worden, daß von Kunst- werk nur dann gesprochen werden könne, wenn eine eigenartige individuelle Leistung vorliege, die einen Eindruck auf das ästhetische Empfinden des Beschauers mache. Hiervon könne doch aber wohl bei einer ziemlich derben Karikatur in Form eines Schneemannes keine Rede sein. Warum nicht, vermochte der Verteidiger nicht an- zuführen. Die Verhandlung verfiel schließlich der Vertagung, da auch die übrigen an der Herstellung des Schneemannes beteiligten Bildhauer darüber vernommen werden sollen» ob vielleicht einer von ihnen die Erlaubnis erteilt hatte. Ferner soll auch ein Kunst- sachverständiger geladen werden. DaS Lichtbildcrverbot vor dem Oberverwaltungsgericht. Von der Polizeiverwaltung in Harburg war ein für den LS. Februar IMS geplanter Lichtbildervortrag des Genossen Grempe verboten worden, der nach der Ankündigung im„Volksblatt" „Historisches aus Frankreich" behandeln sollte, und zwar u. a. Ludwig X VI. und seinen Hof. Die Polizei gab an, es seien sicher- heitspolizeiliche Gründe maßgebend. Sie befürchtete, der Licht- bildervortrag selbst könnte durch die Grempesche Art der BeHand- lung der französischen Revolution aufreizend wirken und zu Stö- rungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit führen. Nach ver- geblichen Beschwerden beim Regierungspräsidenten und Ober- Präsidenten klagte der Veranstalter Genosse Niebuhr beim Ober- Verwaltungsgericht. Er machte geltend, es handele sich hier um ein gegenüber einer Versammlung unzulässiges vorbeugendes Verbot aus§ 10 II 17 Allgemeinen Landrechts. Das Verbot einer Ver- sammlung aus Gründen, die in der Abhaltung der Versammlung selbst ihre Veranlassung hätten, sei nach der Judikatur nicht zu- lässig.— Das Oberverwaltungsgericht wies jedoch jetzt die Klage ab. Begründend wurde ausgeführt: Nach dem Inhalt der Ankündi« gung im..Volksblatt" habe die Polizei angenommen und annehmen können, daß bei Gelegenheit der Veranstaltung nicht bloß öffentliche Angelegenheiten erörtert, sondern auch Lichtbilder gezeigt werden sollten. Deshalb sei die Polizei an die Vorschriften des Vereins- gesetzes(damals also noch deS preußischen) nicht gebunden gewesen. Sie gehe mit Recht davon aus, daß bei derartigen Veranstaltungen Z 10 II 17 Allgemeinen Landrechts zu berücksichtigen sei, wonach zu den Aufgaben der Polizei gehöre, Vorkehrungen zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu treffen. Die Voraus- setzungen für ein entsprechendes Vorgehen durch Verbot des Licht- bildervortrages hätten aber hier vorgelegen. Nach den Erfahrungen mit früheren Grempeschen Veranstaltungen hätte die Polizei das Verbot erlassen können. Ob diese Entscheidung nach den Vorschriften de? alten preußi- schen Vereinsgesetzes berechtigt war, möchten wir verneinen. Nach dem jetzt geltenden Reichsvereinsgesetz wäre solche polizeiliche Präventivmahregel unzulässig. Denn Absatz 2 des§ 1 dieses Ge- stzes schreibt ausdrücklich vor:„Die allgemeinen sicherheitspolizei- lichcn Bestimmungen des Landrechts finden Anwendung, soweit es sich um die Verhütung unmittelbarer Gefahr für Leben und Ge- sundheit der Teilnehmer an einer Versammlung handelt." Daß der Anblick von Lichtbildern aus der französischen Revolution diese Wirkung hervorrufen könnte, dürfte selbst die Harburger Polizei nicht annehmen können._ Der Zusammenbruch der Milchzentrale hat einen Rattenschwanz von Prozessen dieser dem Bunde der Landwirte nahestehenden verkrachten Gründung gezeitigt. Da aber die Verwaltung, die dem verstorbenen konservativen Abgeordneten Ring und einem wegen Erpressung vorbestraften Herrn Krause oblag, völlig unzulänglich war, und die Bevölkerung der Preis- erhöhung sich wiederstrebend zeigte, so ging die Sache schief. Die Gesellschaft ging pleite. Die Versuche, von gutgläubigen Bauern mehr abzunehmen, als wozu diese verpflichtet waren, schlugen fehl. Unsere Leser erinnern sich, wie im Reichstag der leider nicht völlig erfolglose Versuch des Gründers der Zentral« niedriger gehängt wurde, das Justizministerium zu veranlassen, das Kammergericht zu rüffeln, weil dieses es gewagt hatte, seiner Ueberzeugung ent- sprechend zugunsten eines Kleinbauern in einem von der Zentrale gegen ihn anhängig gemachten Prozesse zu entscheiden. Trotz der nach Millionen zählenden Unterbilanz der Milch- zentrale wurde Anklage nicht erhoben. Die Leitung der Zentrale setzte einige Generalversammlungsbcschlüsse zuungunsten der Bauern durch. Zu diesen„Sanierungs"beschlüssen, die wir seiner- zeit als rechtswidrig gekennzeichnet haben, gehörte der der Zahlung einer Vcrwaltungsprovision in Gestalt von Milchpfennigen. Einzelne Genossen verweigerten die Zahlung dieser Milch- Pfennige an die Zentrale. Einzelne zahlten sie eine Zeitlang, dann wieder nicht. Und so kam es �u dem ersten für die Zentrale ver- hängniSvollen Rechtsstreit zwischen ihr und mehreren Genossen. Er wurde vom Reichsgericht unterm 20. Juni 1906 zuungunsten der Zentrale entschieden. Das Reichsgericht führte damals aus, daß trotz statutarischer Bestimmung diese Milchabgabe eine unzulässige sei. Der Senat halte an de», Grundsatz fest, daß mit Ausnahme der Nachschußpflicht die Genossen zu anderen Geldleistungen als zu Einzahlungen auf Geschäftsanteile nicht angehalten werden können. Damit wurde der geforderte Milchpfennig ungültig. Die Zentrale kam aber dadurch in die schwierige Lage, denjenigen, die die 1� Pfennige pro Liter bisher gezahlt hatten, ihr Eigentum wieder zurückzuerstatten. CS wurden deshalb alle Bilanzen unter diesem Gesichtspunkt umgerechnet, und das ergab ein ganz erhebliches, nach Millionen zählendes Defizit. In einigen anderen Prozessen handelt es sich um die Frage: Bleibt die einmal aufgestellte Bilanz für den ausgeschiedenen Genossen gültig, oder muß sich der Genosse bei später entdeckten Irrtümern Aenderungcn gefallen lassen? Diese Kategorie von Klagen betrafen die Märtensmühler MilchverwcrtungSgenossenschaft, sowie die Milchproduzenten Mühl» Pfordt, v. Brockhusen, Buge, Jacobs, B-ehm. Das Reichsgtrick� entschied im Prinzip zugunsten der Beklagten, unter Abweisung der von der Zentrale geltend gemachten Ansprüche.(Nur im Falle Boehm, der Weiterungen enthält, ist das Urteil noch nicht verkündet worden.) Es legt dar, daß gemäß dem§ 73 deS Genossenschafts- gesetzes der Stand der Genossenschaft zur Zeit des Ausscheidens des einzelnen Genossen bestimmt werde. Für den, der mit Schluß des Geschäftsjahres ausscheide, biete sich ohne weiteres die Jahres- bilanz dar. Wie die Bilanz aufzustellen sei. ergebe sich aus dem Handelsgesetzbuch. Wenn die Bilanz ohne Verletzung des Gesetzes genehmigt sei, so liege eine normale Bilanz vor. die sich durch spätere Ereignisse nicht als unrichtig ansprechen lasse. Es habe der Grundsatz Geltung, daß die einmal vorschriftsmäßig aufgestellte Bilanz mastgebend sei und bleibe. Ter Genosse braucht sich des- halb Aenderungen nicht gefallen zu lassen. Nur bei subjektiver Unrichtigkeit, bei arglistigem Verhalten sei sie anfechtbar. In zwei weiteren Prozessen war über die Frage zu entscheiden, ob bei einer Genossenschaft mit beschränkter Haftung der»ach 8 75 des Genosscnschaftsgesetzes ungültig ausgeschiedene Genosse gezwungen werden kann, die zur Schuldentilgung beschlossene Einlage auf die Geschäftsanteile zu leisten. Die Zentrale berief sich bei den hier in Betracht kommenden Fällen der Trcmmcner Milchvcrwertungsgenossenschast und Kelch darauf, daß bei beiden der Austritt als nicht erfolgt anzusehen sei, und daß die Tremmener Genossenschaft mit 530 Anteilen zirka 100 000 M. schulde, Kelch mit 70 Anteilen zirka 3000 M. Hier liegen zwei sich widersprechende Entscheidungen von verschiedenen Senaten des Kammergerichts vor. Während im Fall Tremmener Milch- Verwertungsgenossenschaft zuungunsten der Klägerin entschieden wurde, erging die Entscheidung im Falle Kelch zu ihren Gunsten. Das Reichsgericht hat nun in dem crstercn Falle kein endgültiges Urteil gefällt, sondern das kammergerichtliche Erkenntnis auf die Revision der Zentrale hin aufgehoben und die Sache zur noch- maligen Entscheidung an das Kammergericht zurückverwiesen, während es im Falle Kelch die Revision desselben zurückwies, also zugunsten der Zentrale entschied. Es hat hier den Anschein, als wenn auch im anderen Falle das Endurteil zugunsten der Zentrale ausfallen werde. Eine groß« Reihe anderer Klagen der Zentrale betrifft die Zahlung von Konventionalstrafe für nicht mehr gelieferte Milch. Die Klägerin stützt sich auf einen bei der beschlossenen Liquidation gleichzeitig gefaßten Beschluß des 27. Februar 1007, nach welchem sie alle Milch von den Genossen und Untergenossenschaften erwirbt und nach welchem jeder Genosse, der die Milch anderweitig ver- wertet, eine Strafe von 1 M. für jeden Liter des täglich verwerteten Milchquantums zu zahlen hat. Wichtig ist hier jedoch die inzwischen eingetretene und schon damals beschlossene Liquidation. Die Frage spitzt sich deshalb dahin zu: Bleiben die Genossen nach eingetretener Liquidation noch an die Genrralvcrsanimlungsbeschlüsse über weitere Lieferunge» gebunden? Auch hierüber liegen sich wicdersprechende Entscheidungen des Kammergerichts vor. Und zwar ist in den Sachen Tremmencr Milchverwertungsgenossenschaft, Earower MilchverwertungSgcnossen- schaft und Föhrder MilchverwertungSgenosseiischast zu Ungunsten der Zentrale entschieden worden, während die Urteile in den Prozessen mit dem Milchproduzenten Herrschncr und der Wutzetzer Milchver- wcrtungsgenossenschaft zugunsten der Zentrale ausfielen. Hier hat das Reichsgericht wieder zuungunsten der Zentrale entschieden. Und zwar wurde die Revision der Zentrale in den erstercn drei Prozessen, Trcnimener, Earower und Föhrder Ge- nvssenschaft, vom erkennenden Senat zurückgewiesen, während in den beiden anderen Fällen auf die Revision der Wutzetzer Genossenschaft das Urteil des Kammergerichts aufgehoben und ebenfalls zu- Ungunsten der Zentrale entschieden, und in dem Fall Herrschncr das Urteil aufgehoben und die Sache zur anderweitcn Entscheidung an das Kammergericht zurückverwiesen wurde. Für die Zurückver- Weisung sprechen prozessuale Gründe; jedoch steht zu erwarten, daß auch hier das Endurteil gleich den anderen dieser Ltategorie zuungunsten der Zentrale ausfallen wird. Würden in einer von Arbeitern geleiteten Genossenschast solche Mißstände wie in der Milchzentrale herrschen, so würde mit Fug und Recht die Leitung sich die schwersten Vorwürfe gefallen lassen müssen und schwerlich einer Anklage wegen Bilanzverschleierung und Bankerotts entgehen. Solche Zustände, wie sie in der Milch- zentrale geherrscht haben, sind aber glücklicherweise in einer von und für Arbeiter geleiteten Genossenschaft platterdings unmöglich. Die Bauern mögen aus dem Fall der Milchzentrale von neuem er- kennen, daß derartige vom Bund der Landwirte begünstigte Grün- düngen ausschließlich einigen Großgrundbesitzern zugute kommen und die wirklich arbeitenden Klein- und Mittelbauern aufs schwerste schädigen. Eine Genossenschaft kann Gewaltiges zugunsten ihrer Mit- glieder leisten. DaS trifft aber nur dann zu, wenn sie wie die Konsumgenossenschaften der Arbeiter von genossenschaftlichem Geiste erfüllt ist. Ist eine Genossenschaft aber nach dem Prinzip der Milchzentrale geleitet, so gefährdet ihr Wirken ihre Teilnehmer selbst dann, wenn eine bessere Verwaltung ein geringeres als ein nach Millionen zählende» D«fizit herauswirtschaften würde, Vermisckres. Ao» dem Gefängnis entsprungen ist der Einbrecher Karl Stoß. der vor einiger Zeit vom Landgericht in Eberswalde zu 10 Fahren Zuchthaus verurteilt wurde. Stoß war früher Diener bei dem Grafen von der Schulenbnrg auf Schloß Trampe und bei anderen Herrschaften in Lebusa und KottbuS. Dann betrieb er in Dresden eine Schankwirtschaft mit weiblicher Bediemmg. Von dort guS ver- übte er an den Stellen, wo er vorher beschäftigt gewesen war, große Eiubrüche. Bei dem Grafen von der Schiilenbiirg erbeutete er für weit über 100 000 Mark alte Familienwertstücke. Der ver- urteilte Einbrecher war noch nicht in das Zuchthaus über- geführt worden, saß vielmehr noch im Amtögerichtsgefängnis zu EberSwalde. Dort besuchte ihn vorgestern seine Frau. Bestem gelang es ihm auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise zu ent- fliehen. Aus Eberswalde swird'hierzu noch berichtet: Stoß hatte eine Traille herausgefeilt und sich durch die unglaublich lleiue Oeffmmg hindurchgezwäiigt. Es gelang ihm so, auf den Hof zu kommen und von dort aus seine weitere Flucht zu bewerkstelligen. Polizei und Gendarmerie ist in fieberhafter Tätigkeit, um des entsprungenen Ver- brecherS. habhaft zu werden._ Schnee. Hirschberg. Seit gestern abend gehen im Hochgebirge und in den Vorbergen deS Rie'cngebirgeS Schneefälle nieder. Aus dem Prozeft gegen Frau Steinheil. Paris, 4. November. In der heutigen Verhandlung gegen Frau Steinheil verlas der Verteidiger der Angeklagten einen Brief, in dem ein Mann, der stÄ Jean Lefevre nennt, erklärt, die Nolle der Fron mit den roten Haare» gespielt zu habe» und ein Mitschuldiger des Mörders z» sein. Der Mann wurde dem Gcrichtehoie vorgeführt. Er bestätigte, den Brief geschrieben zu haben und gemeinsam mit einem seitdem verstorbenen polnischen Freunde an der Ermordung StcinhcilS beteiligt gewesen zu sein. Er habe sich als Frau verkleidet und eine Perücke auf- gesetzt. Frau Steinheil kannte den Mann nicht wieder. Dieser wurde verhaftet. Der Präsident erklärte, daß die Ber« teidigung wie die Auklagebebörde seit langem das Ziel zahlreicher Mystifikationen sei, und er fürchte, daß eS sich bei diesem Zwischenfall um einen schlechten Scherz handle. Darauf wurde in der Ber- nehmnng der Angeklagten fortgefahren. Eine wertvolle Ohrcnbcichte. Aus Trient wird berichtet: Ein Mann des hiesigen Kapuziuerkloslers erschien abends bei der Direktion der Banca Cooverativa und teilte derselben mit, daß ihm unter dem Siegel deS Beichtgeheimnisses 370 000 Kronen übergeben worden seien, welche der Bank vor einiger Zeit gestohlen worden waren. Die Bank hat das Geld sofort übernommen. Weltrekord Formans für Weit- und Douerflug. Aus Mourme- lon-le-Grand wird unter dem gestrigen Tage gemeldet: Henry Farman stellte heute durch einen Dauerflug von 232.212 Kilometer in 4 Stunden 17 Minuten 53 Sekunden neue Weltrekords für Weit- und Dauerflug aus und gewann hierdurch den Micheliu-Becher, Kunstgegeustände im Werte von 12 500 Frank und 20 000 Frank in bar. Das Publikum bereitete dem erfolgreichen Flieger begeisterte Ovationen._ Allgemeine Kranken» nnd Sterbekass« der Mtetallarbriter (E. H. L9 zu Haniburg). Mitgliederversammlung Sonntag, den 7. November, vormittags Uhr. bei Haffmann. Pasewaiker Straffe 3. Zrutralverband der Handlnngsgehilsen und Gehilfinnen Deutsch- lands, Bezirk Stixdorf. Heute Freitag, abends 8'/, Uhr, in den Bürger- sälen, Bergstr. 147. Bortrag Kussel:.Lassalles Arbeiterprogramm". Gäste willlommen._ Amtlicher iviarttbertcht der ftädtiichen MarNhallen-DtreMon üder den Großhandel in den Zenwai-Marttballen. ÄUarkrlage: Fleilch: Zuiuhr stark, Geschält etwas rege. Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- iiügcnd, Geschäft lebhast. Preise gut. Geflügel: Zufuhr genügend, in Gänsen reichlich, Geichäft lcbhast, Preise nicht bcsriedigend. Fische: Zuiuhr genügend, Gclchäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käie: Gclchäst ruhig, Preise unverändert. Gemüie, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft stark, Presse fest. tSttrerungsuberfted» vom 4. November!««>». morgens H Htm Setter fiDlnemde 761 NNW Haindurg 765233123 Berlin 763 NW Franss.a M 765 NO Münchev l 763 NW W'«ti 753 NW 51® olkig 2 Dunst 3 halb 6b. 3 heiter 2 bedeckt 3 bedeckt ull i* (K* «tattonen t a II £ Haparanda 767 N Petersburg 76l SO Setllh 765 NO �lierdeen 765 Still Paris 1765910 «euer tfp ä-* 2 halb bd. 2 bedeckt 1 bedeckt bedeckt 2halb bb.| -a 3 13 8 1 llvcttcrvrognoie kür Freitag, de» V. November 1909. Ziemlich kühl und vielsach wolkig, ohne erhebliche Niederschläge mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. bei rSafierstandS-Nachrtchte« der LandeSaiistalt für Gewässerkunde, mitgeleM vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M- m« l. Tilstt P r e g e l. Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Zkroisen , Frantiurt Wa r t h e, Schrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Bardo , Magdeburg >)-i- bedeutet Wuchs.— Fall.—'s Unlerdeael. Für den Inhalt der Jnlerate tibcrnimm» die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berautwortung. Zbeater. greitag, den 5. November. » Anfang?>/, Uhr. Königl.Oprriihaus.SinsonIekonzert der königl. Kapelle. Köuigl. SchauspielhanS. Der eingebildete Kranke. Deutsches. Faust. Kammersptele. Major Bar» bara.(Ans. 7>,, Uhr.) Berliner. Einer von unsere Leut. Ansang 8 Uhr. SekfiNg. Rosenmontag. Neues königl. Openi-Theater. Geschlossen. Komische Oper. Der polnische Jude. Neues Schauspielhaus. Maria Stuart. Neues. Der letzte Kaiser. Kleines. Hiuter'm Zautd Rcfidcnz. Gretchen. S ebbet. Der Skandal. chiller«».*»»«»«•- Ibeater.) Der Schwur der Treu«. Gch ue, Charlottenburg. Ge- speuster. Friedrich. Svilhelmstäd». Schau- spirlhan». glachsinann als Sr- LÄ eilen. Die geschiedene Frau. Neues Overrtleu. Der arme Jonatdan. Thalia. Die ewige Lampe. Bolksoper. Undinc.(Ansang S'/.U.) Luise«. Opeeu. Gastspiel. Roir. Di« Rechtlosen. Triano«. Panier Witwen. Lustsplelbaiis. Man soll keine Briese schreiben. Meteooot. Halloh l!— Die große Revne. Fslies Capriee. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Zins. 8'/« Uhr. Ap-a«. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Casino. Onkel Cohn. Gebr. Herrusetd- Theater. So muß man'S machen. Ein Rettung»- mittel. Karl Huverland- Theater. Epe- zialttäten. WallinUa. Sveztalttäten. Goftiptel. Die gute Partie.(Ans. «'/. Uhr.) Palittge. Sveziavtäten Sloacks Theater. FretheltZdrang. Palai». Der vwmeustraub, Speziali. täten. NrichSballen. Stetliner Sänger. Ilrakia. T»ul>r»i>r>>he ttt. Abends S UHr: In den Dolomlten. Streutvartr, Juvatldeiinr. 57/v'e. treitaa, 8 Uhr: Rosenmoutag. onnabend, 8 Uhr: TautrtS der Narr. Sonntag, s Uhr: Der Rand der Tabiverinue«« Sekiller-Thsawr 0.(Wallner-Tbealer.) Freitag, abend» 8 Uhrl l»«i- Scknviii- der Treue. Lustspiel in 3 Sitten v. D. Blumen thal. IMT Ende 10'/4 Uhr.-- Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Schwur der Treue. Sonntag, nachm. 3 Uhrt Macbeth. Sonntag, abends 8 U b rt Der Schwur der Treue. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag, abend« 8 Uhr: «eelpeunter. Ein FawMendrama in 3 Aufzügen von Henrik Ibsen. O&r Ende W'l, Uhr. IPf} Sonnabend, abends v Uhr: Ziim erstenmal: Wallensleins Lager. Die Piccolominl. Sonnlag, naeym. 3 Udr: VIe Weit, in cker man sich langweilt, Sonntag, a d e» i>« 8 Übt; Wallensteins Lager. Dlo Piccolominl. Friedrlcti-Wiltielfnstäätiscties Schauspielhaus. Freitag, 5. November, Anfang 8 Uhr. Flachsm«» als Erzikher. Komödie in 3 Akten von Otto Ernst. Gonnabend: DaS große Licht. Sonntag nacht». 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Flachsmann als Er- zicher._ IOSE=THEATE Luisen-Theater. 2. Gastspiel der Mozart-Oper. Abend? 8 Uhr: Die lustigen Weiher von Winilsor. Komisch. phantastische Oper in 3 Akten (7 Bildern) von Otto NikolaL berliner bester. Heute 8 Uhr: Ekuer von unsere Eout'. Morgen 7'!, Uhr zum erstenmal: Hohe Politik._ Heues Theater. Abend»« Uhr: Der letzte Kaiser, Morgen und folgende Tage! ver letzte Kaiser. Große Franks urter Str.>32 Ans. 8 Uhr. Ende II Uhr. Die Rechtlose« Volksstück mit Gesang und Tanz in i Alten von Popper und Klabuitde. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Tie sieben Raben. Abend» 8 Uhr: Die Rechtlosen. Volks-Oper. SW., Bellc-Alliqnce.Strnß« Nr. 7/8 Anfang''jS Uhr. Undine. Theater des Westens. Abend« 8 Uhr: Die ffonrhiedeno Frau. Sonntag nachm. 31/. Uhr: Die lästige Witwe. Lustspielhaus. A b e n d» 0 U h r: Man soll keine Briefe sehreiiien. Gastspiel-Theater Kvpentcker Straße 67/68. Täglich abends 8'/* Uhr: Gastspiel von IriU Bookmann. Die gnte Partie. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhrt In den Dolomiten. h'cnca Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Lilisenjtr. Heute und solgciidc Tage: Der arme tJonaÜmn. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: CJf et elien. Groteske in 3 Akten von Davis und LiPfchütz. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, 7 Nov., nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Nmelie. T'rlÄnon-T'Tleater� Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. Zirkus Busch. 1 Heute Freitag, S. November t909,{ abends 71/, Uhr präzise: Konilachei* Gala- Abend. Neu! Wen! Zsen! Patty Prank-Trnppe! Die Cleveland»! Zwergclown Fran�ots Kuristreiter. Herr Ernst Schumann, Neadress. Um O'/i Uhr: fWeflck»! Besonders hervorzuheben: tack Joyce, der berühmte Cowboy mit seinen wildesten Pferden. Sonntag, 7. Novbr.: 2 groBe Vorstellungen, Z'/, u. 7'/, Uhr. Um 8'/, Uhr wird die ganze Pantom. Farmerleben ohne Kürzung gegeb. !! Neues Programin!! Anne Dancrey. Bernhard Mörbitz. Horace Goldin, Jlluswnsakt. Rice and Prevost, nmet. ExzentrikZ Empire Comedy four, Kinemacolor, lebende PHolograpH. In natürlichen Farben. Willuhn Trio, Gyinnaftik-Wl. Lala Sotblni, ainerik. Slrandschönheit. The 4 Harveys, Dralilleilakt. Great Weiland, komischer Jongleur. Sandwinas, daS Wunder weibl. Krast Ciograph, neueste Ausnahme»._ Hallo!!! Die grobe Revue! In 8 Bildom von.Tul. Freund. Musik v. Paul Lincko. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage-Theater. Da«, großartige Variete-Programm dea nenen großen Yarietö-Teils. Ferner 10 nene Oebnts. Ferner: Henry Bender in der tollen Burleske Der süße Doktor. Passage-Panoptikum, Die TratimnialeriD Alles I mm<■. schwebende Äl|»» Jungfrau. Der fflotoboy d. kflnstl.zerl. Mensch Tamimritza-Brigant. Panophon-VoFlräge Vitaskop-Tiieater Dauervorstellung von 4—7 Uhr, iL alhaTla- Variele-Theater Weinbergsweg t8 20. Rasenthaler Tor I Weinbergsweg 19-20, Rosenlh.Tor." Ans. 8 Ubr. Die„roftartigeu Siovember-ZPezialitöteii. Jm Tunnel: RegimeutSkaPelle. Theaterbesuchern sreier Eintritt. Kruuoeu-THtlittr. vadstrabe 53. Direktion: Willi Voigt. greitag, den 5. November IVOS: Jäger-Liebchen. LolkSstück mit Zesang in 4 Akten von Treptow. passenerössnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. kolies llssii'ice. Mobilisierung. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11—2. Anfang 8'/, Uhr. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Sensationeller Theater-Ersolg I Ucber 50D Pers. haben Tränen gfr lacht. Monatelang total auSoerkaust jw�nfcl 5ZjnteI H.ohn Sonntag 4 Uhr: Familie Älinkert. Wmcks Theater BllMiiitiiftt. in, am Roscnthaler Tor. Heute sowie täglich: Abends'/38 Uhr: Freiheitsdrang. Mein Lebenslauf, versaßt a. Voiksstück i. 5A. v. Popper, Messinyputzer b. Tiefe. Sonnabend, 6. Nov., einmalige Stuf« phrung: Am Altar. Freitag, den 5. November, abends 7l/3 Uhr: Grofte Vorstellung mit neuem Programm. Um 9 Uhr Ende ca. 11 Uhr Die große Feerie oderDas mysteriöse Schlost in der Norinandie mit neue» versenkbaren Pühnenpodie». Entworsen und inszeniert vom Direlior Aib. Schumann. Noch nie gesehene Schilift. Apotheose. Sonntag: Zwei Vorstellungen. Nachmittags ei» Kind frei. weitere Kinder zahlen Howe Preise. z •VLUf T~A> Gczter» 8 Uhr 8 Uhr Die Tollstßiidlg neuen glänzenden Spezialitäten mit Tohnwabohn, Burleske. Wynne Brothers, Kraft-Phänomen. Mlle. Fornarina X Dorothy Kenton. lO Uhr: Eine Haremsnacht. Grotesker Scherz in 1 Akt von _ Mac Farahud._ Der Höhepnkt aller Erfolge find die beiden Novitäten: »80 muB man's machen" Burleske m. Gesang in 2 Akten von A. u. D. Herniield. Musik von L. Jtal tntlil!»mnlelli Bonat Bermlelil asonÄÄ8. und Ein RrttnugsmMtl Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. Norverkauf II— 2 Uhr. Ansang 8Uhr. Stadt-Thfiater Moabit. Alt-Boablt 47/48. Sonntag, den 7. November 1909: Neue Dekorationen! ßM- Prachtvolle Kostüme! VIS Zum erstenmal: Romeo und Juli«. Trauerspiel in 5 Anfz. v. W.Shakespeare ReichshaHen-Thesler. Sanssouci, ItZTl Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns und Danzkränzcheu Stets»encs hochaktuelles Progr. Beg. Sonnt. 5, woch enl. 8 U. Kurze«, t.uhtsplcl_ Paul Förster. 355 Sonntag nacbm. 3:/; Uhr: Große Vorstellung zu kleinen Freisen. Im Konzertsaal: Täglich: Konzert von Qardekapellen. Sonntag 3 Uhr: JVaehmlttngs- vorstellnng zu kleinen Preisen. Große Firma vergibt durch Prtvathand Deekea jederAri.Vardlnea, Tepplebe, fettere«, Portieren, Bilder und Vbron. Ohne Anzahlung bei kleinen Monatsraten.* Keine Kassierer. Offert. U. W. 100 an.Vorwärts-spedstion, Auguststr. 50. Verbsnd der Hsussogesleittell. Senntag, dea 7. Kovember, in den„Indnstrle-FestatUen'*, Beuthstr. SO I: Dichter-Abend. Saalöffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Gesangsauffflhrung: Frl. K3the Lurenz(Sopran). Vortrag von Dichtungen: Frl. Wally Kussel. Klavierbegleitung: Frau Berta Stahl-Beck. Herren SO Pf. T 21 11 Z. Damen 15 Pt Die Arbeiterschaft ersuchen wir, alle ihr bekannten Hausangestellten auf diese Veranstaltung aufmerksam zu machen und auch selbst daran teilzunehmen. 290/20 Königstadt-KaNino. Holzmarklstraße 72. Täglich; Franz Sobanskl. The Orloffs, Arras Duo. Mstr. Relchardo, Flfl Harro, The Gamals, G. Eulenburg, John llket und HiS Jenny, Equiltbriftischer Akt. Novität I Per der Schmiede. Singspiel in 1 Akt v. Otto Richter. Kiif! Haverland Theater 77/79 Kommandantcnstraße 77/79. Ansang präzise 8 Uhr. Schlager auf Schlager bringt das Ziovetuber-Pragraznin. Palast-Theater. Direktion: Robert DIU& Karl Plrnau. Burgstraße 24, am Bahnhos Börse. Das vollständig neue NoYentber-Programm. '/z9 Uhr!'/,S Uhr! LiebcliensTrick? mit Dir. Robert DIU in der Haupt« gesangspartie. Ans.-/z8 Uhr. Entree 50 Ps. VIS 2 M. Verzugskarten Oberall zu haben. Gewerkschaftshaus Sonnabend, den 6. November 1909, abends 9 Uhr: Heiterer Abend. XÄ Mitwirkende: Trudi Hagen, MelidaAvonde, Gesangsquartett„Freundschaft", Hugo Muslc. Nachdem W Großer Ball. IM Entree 30 Pf.— Herren, welche am Tan; teilnehmen, zahlen SO Pf. nach.— Eintlitiskartcn: Am Büfett des Gewerkschafls- hauses, Herrn Paul Horsch, Engcluser 15, Herrn Richard Heinrich, ♦ Wrangclstr. 107, und an der Abendkasse. Reinickemlorf, SHzer Viertel, ira Deien Zentrura, in nächster Nähe des SchillcrparkS und des SchäserseeS vorzüglich gelegene, billige 3>, 2- und 1-Zimmerwohnungen im Vorder- oder Garlenhause, mit auch ohne Bad, Balkon pp. sosort vermietbar in den Neubauten der Schiller. Promenade, Brienzer Straße, Rütli-Straße, Holländer- und Thuner Straße J! bester Ersatz ..Otiten Goldscbmuck, etarke 14kar. Qold- auflago, lOjährlge urkundliche Garantie für gutes Tragen, sonst verbürgter Umtausch.— Elegante Original-Etui«.— Billige Preise,-r Erhältlich In Goldwarenhandlungen.-Mß Selowskys Bolero Zigaretten jetzt auch• it Goldmundstück 10 Stock 20 PI. Reell! 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M., vormittags lO'U Uhr, aus dem Elisabeth- Kirchhose in derWollankstraße statt. Up. Simmel Spezial-Arrt* für Haut- und Harnleiden. PriDzenstr. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4. Wir empfehlen unseren Lesern ÄS geeigneten Zimmerschmuck ein Bild Ferdinand Lassalles. Nach einem Aquarell< Gemälde hergestellt in tadelloser Ausführung. Preis des Bildes 3»� Mark. Eiptditlou des„Vorwärts" Berlin SW., Linden str, (Laden). 69 IG»»» O»I Hut-Arnold Dresilenei Sir. IISÄi'Ä Sehr große Auswahl in Pelretolas, von 75 Pf. an bis zu den feinsten Pelzarten. Muffen, Pelzmützen und Kindergarnituren äußerst billig. Besichtigung ohne Kaufzwang!! 119/20* jetzt Im 1. Stock Alexanderstr. 35 (kein Laden). Meiu Herren- und Damen- Stiefel aM. 7.75 erfreut sich Infolge seiner Hallba'-keit groBer Beliebtheit. Bei Husten, Heiserkeit, Berschleimung ist Böhms Spitzwegerich, Brusttee das beste und wirksamste Genußmittel, in Paketen a O.fitt M. Spttzwegerichsaft für Kinder a 6.66 u. 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November, nach- mittags'/jS Uhr, von der Leichen- lalle des Wilhelmshagener Fried- oses aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Meilei'- Jimit" Adlershof rMitgl. des Arbeiter• Nadsahrer- bundes.Solidarität"). Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Genosse Paul(rummelt am 1. November verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 5. November, nach- mittags 2'/, Uhr, in Wilhelms- Hagen statt. Um rege Beieiligimg bittet j2/l3 Der Borstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Adlershof. Den Kollegen zur Nachricht, daß der Kollege Paul(rummelt am Montag verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigimg findet am Freitag, nachmittags 2'/, Uhr, von der Anstalt Wilhelmshagen aus statt. 91/12 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Oeutsclier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbetterin Pauliue VVenclelin am 1. November an Gichtros« gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 6. November, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Zenttal-Friedhoseö in Friedrichsseloe aus statt. Ferner unser Mitglled» der Maschtnen-Former Karl lesclrner am 2. d. Mts. an Leberleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Moabiter Kranken- hauieS»ach dem Pauts-Kirchhos in Plötzcnsee statt. Rege Beteiligung erwartet 125-3 Die Ortsvertvaltung. Allen Penvandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß meine liebe Frau, un- sere gute Mutter S077L �arie Kruse geb. Schmidt nach langen Leiden am S. Ro- vember saust entschlafen ist. Der trauernde Gatte Barl Brase und Kinder. Die Beerdigung findet am 7. November, vorm. 10'/. Uhr, von der Leichenhalle deS dritten Pankower FriedhoseS tu der Schönholzer Heide statt. Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald, gür dengnseratenteil verantw.: Tb. Gl,ckt, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtbBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW« Nr. 259. 26. Jahrgang. 2. KtilM to Jotlüitls" lreltag, 5. Namnbtt L969. Partei- 5Znge!egendeiten. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Heute Freitag, den 5. November, 8 Uhr abends, findet die Fortsetzung der Vorträge des Genossen Max Grunwald über Theorie und Geschichte des modernen Sozialismus statt. Eintrittskarten in den Kreiswahlvereinsdureaus, bei den Abteilungs- und Bezirksführern und vor Beginn der Vorträge in Vallschmiedcrs Festsäleu, Badstr. 16. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. _ Der Zentralvorstand. Zweiter Wahlkreis. Morgen Sonnabend, den 6. No- b e m b e r, abends B1� Uhr, im großen Saale von Kliem, Hasen- Heide 13/13: Niitcrhaltiingsabend, bestehend ans Konzert, Gesang, Theater und Tanz. Eintritt inkl. Tanz 30 Pf. Offene Kasse findet nicht statt. Tie Genossen werden gebeten, sich vorher mit Billetts zu versehen. Guten Besuch erwarten Die Abteilungsführcr. Wilmersdorf. Am Sonnabend, den 6. November, veranstaltet der hiesige Wahlverein im„Gcsellschaflshause", Wilhelmsuue i.12, einen„heiteren Abend". Für die Darstellung sind, wie auch schon bei früheren Veranstaltungen, nur erste Kräfte gewonnen. Humor und Liedervorträge sowie Rezitationen werden abwechselnd den Be- suchern einige angenehme Stunden bereiten. Wir erwarten, daß die Arbeiterbevölkerung durch rege Beteiligung diese Darbietungen unterstützen wird. Der Beginn der Veranstaltung ist auf B'/z Uhr festgesetzt, Billetts, deren Preis 50 Pf. pro Person beträgt, sind bei den Vezirksführern zu entnehmen. Königs-Wusterhauscn und Umgegend. Die Parteigenossen werden auf die ani Sonntag, den 7. November, vormittags B Uhr, in allen zum Wahlverein Kviiigs-Wusterhausen gehörenden Bezirken statt- findende Kalenderverbreitung hingewiesen. Die Verbreitung erfolgt von den Bezirkslokalen aus. Die parteigenössischen Radfahrer, welche fich für die Agitaiionstour nach Wendisch-Buchholz niw. gemeldet haben, werden ersucht, am Sonnabend, den 6. November, abends B Uhr, im Lokal des Herrn Große, Potsdamer Straße, zu einer Be- sprcchung zu erscheinen. Abfahrt Sonntag früh 6 Uhr vom Restaurant »Siegslranz". Der Vorstand. Zossen. Sonntag, den 7. November, morgens 8 Uhr, findet von Kurzner aus eine Broschüren- und Kalenderverbreilung statt. Die Parleigenosscn sind ausgefordert, sich diesmal mehr wie sonst an dieser Agitation zu beteiligen. Der Vorstand. Reinickeiidorf Ost und West. Am Sonntag früh 8 Uhr findet eine Flngblattverbreitung von den bekannten Stellen aus statt. Tegel-Borsigwaldc. Die Genossen und Genossinnen beider Orte werden nochmals aus den morgen Sonnabend, abends 8'/2 Uhr statt. findenden Kunsiabend aufmerksam gemacht. Derselbe findet in W. Trapps Festsälen sJnhaber M. Gamm), Bahnhofstraße 1 statt. Saalöffuung 71/3 Uhr, Anfang pünktlich B'/z Uhr. Während der Auf- führungen bleiben die Saaltüren geschlossen. Um zahlreichen Besuch bitten_ Die Bezirksleiler. Berliner J�acbrlcbten. Aus der Stodtvcrordneten-Versammlung. Wie der Magistrat von Verlin die Bekämpfung der Tuberkulose nicht gefördert, sondern gehemmt hat, das hat kürzlich alle Welt kopfschüttelnd vernommen. Das von der Stadt eingerichtete Untersuchungsamt für Nahrungsmittel, Gebrauchsgegenstände usw. hatte die Untersuchung tuberkuloseverdächtiger Auswurfstoffe davon abhängig gemacht, daß auf die Kosten ein Vor- s ch u ß geleistet würde. Und dieses Unbegreifliche war nicht etwa ein Versehen, sondern stand ganz in Einklang mit den Bestimmungen, die für das Institut bis dahin galten. Die Untersuchung aus Tuberkulose Ivurde nicht kostenfrei gewährt, wie wenn es sich hierbei nicht um eine im Interesse des Ge- nteinwohls liegende Leistung handelte! Gestern fanden auch die Stadtverordneten Gelegenheit, sich an dem Kopfschütteln zu beteiligen. Stadtverordneter Landau hatte den A n- trag gestellt, Untersuchungen auf Tuberkulose fortan unentgeltlich zu leisten. Der Magistrat hatte daraufhin„sich beeilt", der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage zu machen, mit der auch er sich für Einführung der Unentgeltlich keit der Tuberkuloseuntersuchungen erklärte. Beides, der Antrag und die Vorlage, standen auf der Tages- ordnung. Dem Antrag war durch die„Eile" des Magistrats eigentlich„die Spitze abgebrochen" worden, die ja gegen den Magistrat sich gerichtet hatte. Aber Herr Landau ließ es sich nicht nehinen, dem Magistrat auch so noch einige der bitteren Wahrheiten zu sagen. mit denen er seinen nun gegenstandslos gewordenen Antrag hatte be- gründen wollen. Dabei führte er auch ein paar Seitenhiebe gegen den Stadtrat Straßmann, der dem Magistrat als medizinischer Sachverständiger dient. Dem Herrn Stadt- rat, der einen schwachen Abwehrversuch machte, wurde beut- licher noch als von Herrn Landau von unserem Genossen Dr. Wehl auseinandergesetzt, wie in Fachkreisen über das Schildbürger st ückchen gedacht wird, das da mit Wissen und Willen des Magistrats verübt worden ist. Wehl stellte fest, daß es genau genommen sogar mit Wissen und Willen der Stadtverordnetenversammlung verübt»vorden ist. Schon bei einer früheren Gelegenheit hatte die sozialdemokratische Fraktion die Notwendigkeit der Uuentgeltlichkeit von Tuberkuloseunterstichungen betont, aber die Anregung war auf unfruchtbaren Boden gefallen. Wie sehr in Berlin das Sanitäts wesen der Stadt im Argen liegt, weil wir immer noch keinen Stadtmedizinalrat haben, das wurde auch von unserem Redner dargelegt. Der Magistrat fand schließlich bei keiner Gruppe der Versammlung einen Verteidiger, und nur in dein Bürgermeister Reicke erstand Herrn Straßmann ein schüchterner Sekundant. Er- klären können wir uns freilich die Dinge, die da vorgekommen sind, nur aus dem kleinlichen Geist, von dem in solchen tragen unsere Gemeindeverwaltung sich leiten läßt. Das childbürgerstückchen des Untcrsuchungsamts entsprach eigent- lich durchaus den Anschauungen des Freisinns; dieser Eindruck konnte auch durch die Verurteilung, in die die freisiitnige Mehrheit jetzt einstimmte, nicht verwischt werden. Der Berliner Kommunalfreisinn kann sich im Reichstag, im Landtag und im Rathanse nnr noch eine Vertretung sichern infolge des elenden Dreiklassen- Wahlrechts zum Landtag wie zur Kommune in Verbindung mit einer ungerechten Wahlkreisgcometrie. Das hat der Aus- fall der letzten Stadtverordnetemvahlen von neuem bewiesen. Da, wo die breite Masse der Bevölkerung in die Lage kommt, ihr Urteil über den Kommunalfreisinn abzugeben, lautet es für ihn vernichtend. Immer weitere Kreise der Berliner Be- völkerung erkennen, daß der Berliner Kommunalfreisinn jeder gesunden sozialen Fortentwickelung in unserer Genteinde hindernd int Wege steht. Schöne Redensarten verfangen auf die Dauer nicht, man will Taten sehen. Und daran mangelt es eben bei unseren Rathausfreisinnigen. Wie wenig diese Herren Ursache haben, sich mit dem Bntsttou der Ueberzeugung als die Vertreter der Berliner Bürgerschaft zu bezeichnen, sollte ihnen der Ausfall der Wahlen am 3. November gezeigt haben. Nur in der 2. und 1. Ab- teilung, dort, wo die Privilegierten wählen, haben die Frei- sinnigen in Berlin noch Aussicht, Mandate zu bekommen. Nur als Vertreter des Geldsacks gelangen die Freisinnigen in die Stadtverordnetenversaniinlung. Von einer Wahl kann in der 2. und I. Abteilung kaum noch geredet werden; es handelt sich in Wirklichkeit um eine einfache Ernennung. Die Wähler dieser Abteilung iverden auch gar nicht erst gefragt, wen sie als ihren Kandidaten er- klären wollen. In kleinett Konventikeln Iveroen die Kandidaten ausgesucht und ein halbes Dutzend befreundeter Stadtverord- neter im Verein mit Bezirksvorstehern und andern Inhabern unbesoldeter städtischer Ehrenämter empfehlen den„bewährten" Kandidaten. Der beste Beweis dafür, wie die„Wahlen" in den privilegierten Wählerabtcilungen gemacht werden, ist die Meldung, daß der im 42. Bezirk durchgefallene Herr Gericke, der„König von Moabit" in aller Eile im 16. Bezirk der ersten Abteilung aufgestellt worden und Herr Keyling„zurück- getreten" ist. Das gleiche gilt für den im 18. Bezirk durch- gefallenen bisherigen freisinnigen Stadtverordneten Frick, dem der von dem verstorbenen Langerhans vertretene Bezirk der ersten Abteilung schnell überwiesen wurde. Da die Wahlen für die erste Abteilung bereits heute stattfinden, so ist die Geschwindigkeit, mit der die Durchfallskandidaten bei den Wahlen der dritten Abteilung in der ersten Abteilung unter- gebracht werden, durchaus anzuerkennen. Nur sage man uns nicht, daß man unter solchen Umständen von einer Wahl reden kann._ Die Stadtverordnetenwahlen in der zweiten Abteilung endeten, wie das nicht anders zu erwarten war, mit einem Siege der Bürgerlichen. Hier kann ja auch, im Gegensatz zur dritten Wählerklasse, von einer eigentlichen Wahl nicht mehr gesprochen werden. Als Zählkandidat war in allen Bezirken unser Genosse Paul Singer aufgestellt. Die auf ihn entfallende Stimmenzahl schwankt in den einzelnen Bezirken zwischen 2 und 53 Stimmen, welch letztere Zahl Singer im 16. Wahl bezirk auf sich vereinigte. Unser Genosse erhielt außerdem im 14. Wahlbezirk 34 Stimmen, im 9. 31, 11. 23, 7. 13, 12. 12, 10. 11 und im 6. Wahlbezirk 10 Stimmen. In den übrigen Wahlbezirken unter 10 Stimmen. Insgesamt entfielen auf Genossen Singer in den 16 Be zirken 228 Stimmen. Gewählt resp. ernannt wurden Lofmann, Professor Dr. Tropfke, Landsberg, Justizrat Cassel, T h i e m e, Professor Glatzel, Ulrich. Iben, Klaar, Dr. I s a a c, Dr. Knauer, Riemer, Hildebrand, Bracke, Professor Cremer und Barth. Dcr sozialfortschrittliche„Sieg" im 5. Bezirk. UnS wird geschrieben: Das sogenannte liberale Bürgertum hat bekanntlich bei den Stadtverordnetenwahlen der 3. Klasse nur ein einziges Mandat be- hauptet, indem es im 3. Bezirk geschloffen den Sozialfortschrittler Marggraff wählte, der angeblich den liberalen Stadtfreisinn genau so scharf bekämpft, wie dies die Sozialdemokratie tut. Es ist nicht uninteressant festzustellen, wodurch diese feindlichen Brüder zum„Siege" gelangten, und wie dieser„Sieg" in Wirklich- keit aussieht. Der Sieg des Herrn Marggraff ist nämlich nicht nur auf das geschlossene gemeinsame Zusammengeben aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie zurückzuführen(selbst die.Vossische Zeitung" forderte zur Stimmabgabe für Herrn Marggraff aus), sondern vor allem auch darauf, daß sämtliche wablberechtigte Beamten für Herrn Marggraff an den Wahltisch getrieben wurden! Und nicht nur die Post-, Eisenbahn- und städtischen Beamten, sondern vor allem auch die S ch u tz I e u t e. Wie auf dem Alexander- platz traten sie Mann für Mann hintereinander für Herrn Marggraff an. Ein Sozialfortschrittler, ein angeblicher Demokrat— von Schutzmanns Gnaden, das ist sicherlich ein Unikum. Kann so schon materiell von einem Siege der„Sozial- fortschrittler" keinerlei Rede sein, sondern höchstens von einem Siege aller Sozialistenfeinde, so numerisch erst recht nicht. Im Jahre 1903 wurden für die drei bürgerlichen Kandidaten im ersten Wahlgange im ganzen genau 1300 Stimmen abgegeben, diesmal für Marggraff nur 1430. also ein Minus von 04 Stimmen, für die Sozialdemokratie aber 1003 nur 938 Stimmen, diesmal für unseren Genossen Grunwald aber 1330, also ein Plus von 392 Stimmen! Das ist der numerische„Sieg" der Sozialfort- schrittler l Diese Stimmenzunahme ist um so bedeutsamer, als in diesem westlichen Bezirk die Proletarier in den letzten sechs Jahren aus ihren Wohnungen immer mehr durch neue luxuriöse Bauten für die begüterte Klasse verdrängt wurden. Unsere Genossen in dem 3. Bezirk können also auS mehr wie einem Grunde auf ihre Sttmmenzmtahme stolz sein, während den Sozialsortschrittlern ob ihres„Sieges", wenn sie ehrlich sind, selbst bange werden mutz._ Konzerte für Kranke und Sieche. Nach dem Muster der städtischen Irrenanstalten hat kürzlich auch in dem neuen städtischen Siechenhause in Buch, der sogenannten„Stadt der alten Leute", ein Festabend mit Musuaussührnngen, ernsten und heiteren dckla- matorischen Vorträgen stattgefunden. Dcr lebhafte Beifall der alten Leute bewies am besten, wie willkommen ihnen solche freudige Abwechselung in dem ewigen Anstaltseinerlei ist. Zu bedauern bleibt dabei nur, daß es sich bei solchen Ver- anstaltungen stets um minderwertige musikalische und andere Dar- bietungen handelt. Die Insassen gerade des Hospitals in Buch, unter denen sich viele befinden, denen das Lied vom Gnadenbrot nicht an der Wiege gesungen worden ist, würden doch wohl auch für bessere Vorführungen genügendes Verständnis haben. In den Dienst dcr guten Sache stellten sich in früheren Jahren, wenigstens in den städtischen Irrenanstalten, zahlreiche namhafte Künstler. Es ist uns erinnerlich, datz dort draußen in Dalldorf ohne Schädi- gung ihres künstlerischen Rufes selbst erste Kräfte unserer be- deutendsten Buhmn zur Erheiterung der armen Gctjteskranlen gesungen haben. Das hat schon lange aufgehört. Die Anstalls- leitungen geben sich auch gar keine Mühe mehr, die Festabende, bei denen jetzt lediglich Anstaltspaiienten musikalisch oder deklamatorisch initwirken, über das Niveau wimmernder Tanzboden- musik und noch nicht mal dilettantischer Theaterspielerei hinaus- zubringen. Selbst von dem früher üblichen Engagement gciverbs-, mätziger Singspielensembles wird„wegen der Kosten" Abstand ge- nommen. Man hat als Kenner der Verhältnisse den Eindruck, datz neuerdings blotz das Kind einen Namen haben und mit der„Fest- Veranstaltung" nach außen hin gewirkt werden soll. Sollten sich wirklich keine Künstler mehr finden, die auch mal ohne Selbst- reklame sich mit ihrem Können für bedauernswerteste Kranke ins Zeug legen? Aus den musikalischen Aufführungen in den öffent- lichen allgemeinen Krankenhäusern, welche vor z>vei Jahren geplant waren, scheint auch nichts werden zu sollen. Wenigstens hat man seitdem nichts mehr davon gehört. Daß gerade gute Musik unter Umständen auf Kranke heilsamen Einfluß ausübt, ist doch eine be- kannte Erscheinung. Strafautrag gegen das„Reich" hat der Gemeindekircheurat der Stephanus-Gemeinde gestellt, weil das„Reich" dem Kirchenrat nicht glauben wollte, datz der Gottesdienst am 24. Oktober entgegen seiner Behauptmig doch statlgefunden habe. Neue Linie iiud drei Verlängerungen bei der Straßenbahn. Die Große Berliner Slraßenbabn führt amSomtahend, den 6. November, eine Reihe voo Perbeffertm�en in ihren Fahrplan ein. Sie betreffen vor allem den Verkehr mit Rix darf. Außer Verlangerungen wird auch eine neue Linie geschaffen. Zunächst wird die Linie 30, Swinemünder Straße— Nixdorf, in Rixdocf statt durch die Berliner, Ziethen- und Hermannstraße, vom Hermannplatz an- in einer Schleife durch die Berliner und Nichardstraße über den Richardplatz, die Hertzberg- und Kaiser-Friedrich-Straße geführt. Der erste Wagen geht von der Swinemünder Straße 3.30, dcr letzte 10.03, von Rix- dorf 6.42 bis 11.07. Zur Ergänzung der Linie 30 wird eine neue Linie 27, Swinemünder Straße— Köllnischer Fischmarlt— Nixdorf, Richardplatz, geschaffen. Sie geht von Molkeumarlt über den Mühlendainm, den Köllnischen Fischmarkt, die Roß-, Neue Roß- und Dresdener Straße. Im übrigen macht sie den- selben Weg wie die Linie 30, durchfährt aber die Schleife in Nixdorf in umgekehrter Richtung. Dcr erste Wagen geht von Nixdorf 3.34, der letzte 10,04, von der Swinemünder Straße 6.45 bis 11.15. Ferner wird die Linie 38, Zentralbiehhof— Rixdorf, Her- mann-, Ecke Steinmetzstraße, unter Aufgabe des Schleifenbetriebes Steiiimetz-Berliiier Straße vom Hermannplatz durch die Hasenheide, Wissnianiistraße. Karlsgartenstraße, Hermannstraße bis zur Germaniapromenade in Britz weitergeführt. Zurück geht sie durch die ganze Hermannstraße. Der Betrieb dauert von 3.01 früh bis 12.50 nachts. Endlich wird die Linie 47 mit jedem zweiten Wagen bis zum Busch- krug in Britz durchgeführt. Der Betneb dauert von 3.10 bis 1.43 nachts. Im Fahrsiiihlschacht tödlich verrniglückt ist gestern der 23 Jahre alte Fahrstuhlführer Hugo Pfeifer aus der Ziethenstr. 12 zu Rixdorf. Der junge Mann reinigte einen Schacht im Passage-Kaufhaus und begab sich in einen Nachbarschacht, in dem der Fahrstuhl oben stand. Hier geriet er zwischen die Gurte und erlitt so schwere Ver- letzmigen, datz er im Laufe des Nachmittags in der königlichen Klinik starb. Vom Straßcuvahitwagcn abgestürzt. Ein bedauerlicher Straßen- vahnunfall hat sich gestern abend in der Hussitcustraße zugetragen. Der 30jährige August Dammke, Stockholmer Straße 3, hatte auf der Hinterplattform eines Straßenbahnwaggons gestanden, als er Plötz- lich von einem Schwindelanfall heimgesucht wurde und von dem in voller Fahrt befindlichen Waggon herabstürzte. In besinnungslosem Zustand ivurde der Verunglückte davongetragen. D. war so heftig mit der Stirn auf das Straßcupflaster aufgeschlagen, daß die Schlag- aber platzte und starke Blutverluste herbeigeführt wurden. Durch Kohlendunst betäubt. Zum Austrocknen eines im vierten Stockwerk des Hotels„Excelsior", Königgrätzer Straße 112/113, belegenen Zimmers hatte man gestern nachmittag dort einen Holzkohlen- ofen aufgestellt. Als der 27 Jahre alte Hausdiener Max Nießlein den Raum betrat, um die Feustcrgardincn zu entfernen, Ivurde er von der Hitze und dein Kohlendunst betäubt und brach bewußtlos zusammen. Nach einer halben Stunde suchte man ihn und fand ihn an der Türschwelle liegend auf. Mehrere herbeigerufene Aerzte be- mühten sich um ihn und brachten ihn mit Hilfe eines Sauerstoff- apparateS der Feuerwehr wieder zur Besinnung, Dann erfolgte seine Ueberführung nach dem Ucban-Krankeiihause. Traucrfeier für Richard Blobel. Wie ein Blitz aus heiterm Himmel traf dieser Tage die Arbeiter- sänger Berlins, die Nachricht von dem Tode des in der Blüte der Jahre stehenden Gesaugsdirigenlen Richard Blobel. Blobel war unter den Arbeiteriängern kein Ungeknnnter. Er lebte und webte für den Arbcitergesang. Als guter Gesangs- und Musikkemier leitete er zahlreiche Arbeiiergesaiigvereiue und setzte seinen ganzen Stolz in eine vorzügliche Schulung der Sänger. Aber nicht nur ein guter Lehrer war Blobel, sondern auch ein liebevoller Mensch. Beides wußte er zu verbinden, und ein großer Freundeskreis umgab ihn. Lange Jahre fungierte Blobel als Dirigent des Arbeitersäugerbnndcs. Wer kennt ihn nicht, den beweglichen, immer heiteren Mann, der bei den Sängerfesten von der Dirigenten- oder Konzertbühue so lebhaft den Taktstock schwang und Ordnung in die vielhundertköpffge Sängerschar brachte? Welcher Liebe und welcher Verehrung sich der erst dreinndvierzig- jährige Blobel erfreute. bewies die Trauerfeier, die gestern in Köpenick veranstaltet wurde. Der Sarg des Verstorbenen war im Saale des Stadttheaters inmitten von Palmen»nd Blattpflanzen aufgebahrt. Die Gesangvereine, deren Dirigent Blobel gewesen, hatten je ein Doppelquarlett gestellt. Gegen drei Uhr begann dcr Trauer- alt. Die Säuger unter Leitung des ChormeifterS Thilo intonierten das von Blobel so oft dirigierte und wie für den Verstorbenen besonders geschaffene Lied:„Siumm schläft der Sänger". Hierauf ergriff der Dirigent Wellmann das Wort, um in einer von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Gedächtnisrede den Toten zu feiern als Lehrer, Mensch und Freund. Ihm schlössen sich in kurzen Worten die Delegationen zahlreicher Gesangvereine au, die prachtvolle' Kränze niederlegten: auch der Arbcitersängeibund Deutschlands und dcr Gau Berlin des Bundes widmete» DanleSzeichen. Harmoniumspiel mit Zellobegleitung und Gesang beschlossen die schlichte, aber von großer Herzlichkeit getragene Feier, bei der manches Auge naß wurde. Daun wurde der Sarg nach dem vor der Tür stehenden Leichen- wagen getragen. Der Trauerzug formierte sich und bewegte sich unter Borantritt der Stadtkapelle nach der Bahn, von wo aus die Ueber- führung der sterblichen Ueberreste Blobels nach Görlitz erfolgt, wo heute die Beerdigung stattfindet. Mit Blobel haben die Arbeiterfänger einen Mann verloren, der sich mit allem Eifer der Pflege und der Förderung des Arbeiter« gesanges gewidmet hat.___ Feuerwehrbericht. Am Mittwochabend wurde die Feuerwehr nach der Stolpischen Straße 1 alarmiert. Als sie dort ankam, war die Scheibe deS Feuermelders nicht zerbrochen. Man nimmt an. datz ein Unbefugter den Feuermelder mittels eines Nachschlüssels geöffnet hat. An zwei Stellen, in der Königgrätzer Straße 112/113 und Odcrberger Straße 33 wurde von dcr Feuerwehr zwei Personen mit Bratschen Sauerstoffapparaten Sauerstoff eingeflößt und beide Personen, die durch Einatmen von Gas erlrault waren, gerettet. Im Zirkus Schumann geriet vorgestern abend während der Vor« stellttng die Isolierung eines Kronteuchters in Brand. Die Gefahr wurde schnell bejeitigt, ohne daß eine Veunruhigung des Publilmn» entstand. Der 7. Zug hatte ln der Eiden aer Straße L zu tun, wo ein Pferd in einen Gully gestürzt war. Ferner liefen noch Fenerincldnngen aus der Lnbbener Straße 16, Linieustraße III und anderen Stellen ein._ Vorort- Nachrichten* Schöneberg. Zur Stadtverordnetenwahl! Morgen finden die Walilen der dritten Abteilung in Schöneberg statt. Zur Wahl stehen acht Mandate, von denen die Sozialdemo- kratie bereits vier in ihrem Besitz hatte, zwei Mandate waren bisher durch die.Liberale Bereinigung" und je ein Mandat durch die„Liberale Fraltion" und die„Unabhängige Vereinigung" ver- treten. Der günstige Ausfall der Stadtverordnetcnlvahlen in Berlin sowohl wie auch unsere Erfolge bei allen übrigen Wahlen der letzten Zeit im Deutschen Reiche werden sicher auch die Arbeiterschaft Siböue- bergs anspornen, diesen Siegen einen weiteren anzureihen. Wenn auch durch die Bevölkerungszunahme der letzten Jahre sich die Wer- Hältnisse in Selivneberg zuungunsten der Arbeiterschaft verändert haben, so muß doch auch in Betracht gezogen werden, daß bei den früheren Wahlen inimerhin noch ein großer Teil von Arbeiter- Wählern vorhanden waren, die ihr Wahlrecht nicht aus- geübt haben. So betrug z. B. die Wahlbeteiligung vor zwei Jahren im Durchschnitt nur 40 Proz., vor vier Jahren sogar nur 38 Proz. Mit dieser Gleichgiiltigkeit einer großen Anzahl von Wählern muß bei den diesmaligen Wahlen aufgeräumt werden. Sollen die Aufgaben, die Schöneberg in den kommenden Jahren zu erfüllen hat, zum Wohle der Arbeiterschaft und der unteren Bevölkerungsschichten ihre Erledigung finden, dann muß eine starke sozialdemokratische Vertretung in der Stadt- verordnetenversammlung sitzen. Das, was bisher in Schöneberg für die Arbeiterschaft getan wurde, geschah immer erst auf An- regung und Drängen der Sozialdemokratie. Soll der Einfluß, den die sozialdemokratische Fraktion in der Stadt- verordnetenversammlung hat, erhalten und noch erweitert werden, dann muß die dritte Abteilung von der Sozialdemokratie erobert werden. Der gegenwärtige Wablkampf wird von der„Liberalen Fraktion" mit ganz besonderem Eifer betrieben. Für sie gilt eS, sich die absolute Alleinherrschaft in der Stadtverordneten- Versammlung zu erobern. Von den 66 Sitze» der Stadtverordneten- Versammlung hatte die„Liberale Fraktion" bisher schon 24 in ihrem Besitz, es fehlten ihr demnach nur noch 10 Stadtverordnete, um die Mehrheit zu hoben. Bei ihren Anträgen und Wünschen war sie bisher stets auf die Unterstützung der Sozialdemokratie angewiesen und dieser für sie unbequeme Drängor soll jetzt abgeschüttelt werden. Mit allen möglichen Mitteln versucht die„Liberale Fraktion" auch in der dritten Abteilung einen Sieg zu erfechten. Da werden die Beamten und städtischen Arbeiter mobil gemacht, dann wird in indirekter Weise ein Druck auf die Ange st eilten der „Großen Berliner Straßenbahn" ausgeübt, die in ähnlicher Weise wie in früheren Jahren gegen die Sozialdemokratie beeinflußt werden sollen. Kurz, niit allen möglichen Mitteln wird gearbeitet. Da die„Unabhängige Vereinigung" von der Aufstellung be« sonderer Kandidaten in der dritten Abteilung Abstand genommen hat, so findet die„Liberale Fraktion" gleich bei den Hauptwahlen die Unterstützung aller bürgerlichen Parteien, mit Ausnahme im zweiten und dritten Bezirk, wo die„Liberale Vereinigung" eigene Kandidaten aufgestellt bat. Ursprünglich war überhaupt ein Zusammengehen aller Liberalen (auch in der zweiten und ersten Abteilung) geplant. Nur persönliche Differenzen haben diesen Plan scheitern lassen. Die„Liberale Fraktion" stellte das Verlangen, daß die Stadtverordneten Band- mann und E i s e n b e r g nicht mehr kandidieren sollten, worauf aber die„Liberale Vereinigung" nicht eingegangen ist. Dieses ge- plante Zusammengehen zeigt, daß die„Liberale Fraktion" in der Zukunft mit der von ihr früher so bekämpften„Liberalen Ver- eiuigung" ein gemeinsames Arbeiten herzustellen suchen wird, das natürlich nur durch die Abschwächung ihres Programms geschehen kann. DaS letztere wird sich ja auch die„Liberale Fraktion" nicht so sehr zu Herzen nehmen, denn daß sie in dieser Beziehung entwickelungSfähig ist, hat sie ja bereits bewiesen. Für die Arbeiterschaft steht morgen viel auf dem Spiele. Von ihr wird es abhängen, wie die Geschicke der Stadt in Zukunft ge- leitet werden. Bisher hat es ein großer Teil der Arbeiterschaft und namentlich auch unserer Parteigenossen an dem nötigen Eifer bei den Arbeiten zur Stadtverordnetenwahl fehlen lassen. Sollen die Wahlen aber einen Sieg für die Sozialdemokratie bringen, dann muß heute und morgen noch mit allen Kräften gearbeitet werden. Es muß dafür gesorgt werden, alle Wähler der dritten Abteilung aufzurütteln und zu veranlassen, den sozialdemo- kratischen Kandidaten am Sonnabend ihre Stimme zu geben._ Am heutigen Freitag, abends 8'/2 Uhr, findet bei Posch- mann, Vorberg- Ecke Gleditschstraße. der vierte Vortragsabend statt. Genosse Bormann referiert über„Heinrich Heine". Gleich- zeitig machen wir nochmals auf die öffentliche Versammlung am Sonntag, den 7. November, mittags 12 llhr, aufmerksam, in der Dr. Karl Liebknecht über„den Kampf um die Jugend" referiert. Postbcamte nlS bürgerliche Wahlhelfer. Der Vorsitzende des Liberalen Vereins und der liberalen Fraktion in der Schöneberger Stadtverordnetenversammlung, Herr Zobel, bittet uns unter Be- zugnahme ans die in unserer gestrigen Nummer unter obenstehender Spitzmarke gebrachten Notiz mitzuteilen, daß von der liberalen Fraktion dem Postamt ein solches Angebot nicht gemacht worden sei. Die in der Notiz berichteten Tatsachen seien auch ihm und seinen Partcifreimden schon vor einigen Tagen mitgeteilt worden, träfen aber nicht ihren Kandidaten, den RechnungSrat Marsch. Eharkotkenburg. Die Charlottenburger Stadtverordneten beschäftigten sich in einer mißerordenttichen Sitzung am Mittwoch, die sich bis nach Mittel» nacht ausdehnte, aufs neue mit der Angelegenheit der Unter- grundbahnen. Nach längeren Vorverhandlungen zwischen den staatlichen Behörden und den Nachbargemcinden war eine Einigimg erzielt worden, die im wesentlichen darauf hinausläuft, daß Char- lottenburg auf die Forderung des Baues der Wilmersdorfer Linie ver- zichtet, daß die Hochbahngesellschaft eine Bahn von der Uhlandstraße über den Kurfürstendamm mit Anschluß an die bestehende Bahn baut und hierfür von Charlottcuburg einen Zuschuß von 2.3 Millionen erhält, und ferner, daß Eharlotlenburg für die Züge von der Uhlandstraße auf den direkten Verlehr nach dem Zentrum und für die Züge auf der jetzigen Hochbahn auf den direkten Verkehr nach dem Osten ver- zianct. Die genannten Endpunkts können mir durch Umsteigen erreicht werden. Die Charlottenburger Gemeindebehörden befanden sich insofern in einer Zwangslage, als der Minister der öffentlichen Arbeiten von ihnen eine endgültige Erklärung bis zum 4. d. Mts. verlangte und zu einer Verlängerung dep Frist nicht zu bewegen war. NuZ diesem Grunde beantragte der Referent Stadtverordneter Dr. Frentzel(liberal), die Vorlage einem Ausschuß zu überweisen, der unmittelbar nach der Plenarsitzung zusammentreten und noch an demselben Abend Bericht erstatten solle— ein ganz ungewöhnliches Vorgehen, durch das eine wirklich sachliche und eingehende Beratung von vornherein ausgeschlossen war. Dieser Vorschlag stieß bei den Rednern der veriwiedeusten Fraktionen, ja sogar bei einem Teil der Freunde des Resereuten, auf Widerspruch, gelangte aber schließlich doch zur Annahme. Nicht mit Unrecht wandte sich Dr. Frentzel gegen das Ver- halten der Gemeinde Wilmersdorf, die mit Unterstützung des LandwirtschaftsminifteriumS den Nachbargemeiuden Ketten anlege, die Interessen Groß-Bcrlins mit Füßen trete und der Selbstverwal- tmig einen schweren Schlag versetze. Im übrigen trat Redner warm für die Vorschläge des Magistrats ein, namentlich um Charlotten- bürg die Millionäre des Kursürstendamms, die steuerkräftigsten Bürger zu erhalten. Sladtv. Dr. Stadthagen(natl.) forderte vor allem eine Garantie für die Fortführung der Kurfürstendammlinie und wandte sich gegen die übereilte Beratung der Vorlage. Gegen eine Aus- schußberotung sei nichts einzuwenden, doch könne die Berichtei stattung des Ausschusses, und damit die endgültige Beschlußfassung ruhig aus 14 Tage verlagt werden. NamenS der Minderheit der Liberalen bekämpfte Stadtv. Holz die Vorlage aufs schärfste, er verstieg sich sogar zu der Behauptung. daß die Versammlung nicht in gesetzlicher Weise eiuberufen sei, da die Vorlage ihr nicht zwei sitzungSsreie Tage vorher unterbreitet sei. Redner wies eindringlichst auf die Konsequenzen der Vorlage hin und forderte eine sorgfältige Prüfung namentlich nach der Richtung hin, ob die Interessen Groß-Berlins gelvahrt seien. Stadtv. Hirsch(Soz.) machte schwere Bedenken gegen die Vor- läge geltend und griff den Magistrat an, der seine ursprüngliche Ansicht völlig geändert habe. Früher habe der Magistrat erklärt, daß eine Bahn durch den Kursürstendamm ohne Anschluß an die Wilmersdorfer Bah» durch die Uhlandstraße völlig unrentabel sei, jetzt empfehle er selbst ein tolckies Projekt und wolle sogar einen Zuschuß von 2.3 Millionen leisten. Schritt für Schritt sei der Magistrat zurückgewichen. Er(Redner) erblicke in dem neuen Projekt keinerlei Vorteile. In diese unangenehme Situation seien die städtischen Körperschaften hauptsächlich dadurch gekommen, daß der Domänenfiskus als Terrainspekulaut austrete und in Dahlem eine Kolonie für Millionäre schaffen wolle. Inwieweit private Terrain- spekulanten dabei ihre Hände im Spiel haben, wolle er nicht untersuchen, aber es sei ein offenes Geheimnis, daß es sich nicht um einen Streit zwischen Wilmersdorf und Char- lottenburg. sondern um einen Streit zwischen Herrn Haberland und der Deutschen Bank handele. Es sei traurig, daß die Regierung jetzt die Selbstverwaltung sogar privaten SpelulationSinteressen opfere. Hier gelte eS, einmal wirklich für die Selbstverwaltung einzutreten und prinzipiell auszufechten, ob daS Kleinbahngesetz an- gewendet werden dürfe, um das Selbstverwaltungsrecht abzuwürgen. Gewiß habe Wilmersdorf die Selbstverwaltung mit Füßen getreten, aber der gleiche Vorwurf treffe den Charlottenburger Magistrat, der stets und ständig nachgebe. Tie beantragte AuSschußberatung sei eine Komödie, man wolle hinter verschloffenen Türen verhandeln und die Bürgerschaft in Unkenntnis lassen. Dafür seien die Sozial- demokraten nicht zu Haben. Der Verlauf der ganzen Angelegenheit beweise wieder einmal die Notwendigkeit der Uebernahme des Ver- kehrs in eigene Regie und die Gründung eines wirklichen Verkehrs- Verbandes Groß-Berlin. Redner warnte zum Schluß davor, daß Cbarlottenburg sich mit gebundenen Händen Privatunternehmern ausliefere. Oberbürgermeister SchustehruS bat mit bewegten Worten um die sofortige Verabschiedung der Vorlage. Man möge dem Magistrat wenigstens Gelegenheit geben, im Ausschuß seine Gründe auseinanderzusetzen. Die Stadtverordneten sollten sich des Ernstes der Situation bewußt sein, der Magistrat lehne die Verantwortung für das Scheitern der Vorlage ab, diese Verantwortung hätten einzig und allein die Stadtverordneten zu tragen. Stadtv. Dr. C r ü g e r(lib.) polemisierte gegen seinen Fraktions- kollegen Holz und gegen die Sozialdemokraten und befürwortete den Antrag des Referenten. Stadtv. Z i e t s ch(Soz.) wandte sich gegen die Vorlage. Auch er betonte insbesondere die Notwendigkeit, daS SelbsiverwaltungS- recht hochzuhalten. Wenn man jetzt so aufgebracht gegen Wilmersdorf sei, so sei es am Platze, darauf hinzuweisen, daß in der Wilmers- dorfcr Stadtverordnetenversammlung keine Sozialdemokraten sitzen. Sonst hätte es nicht so weit kommen können. Hieraus wurde die Vorlage einem Ausschuß überwiesen, der um Mittentacht Bericht erstattete. Seinem Antrage entsprechend gelangte die Vorlage in namentlicher Abstimmung mit 38 gegen 8 Stimmen zur Annahme. Die Sozialdemokraten stimmten nicht einheitlich, ein Teil hatte sich durch die Ausschußberatung eines anderen b. lehren lasten und stimmte für die Vorlage. Parteigenossen! Am Montag finden die Stadtver- ordnetenwahlen in der dritten Abteiluug statt. Am 3. November haben die Berliner Genossen den Siegen, welche die Partei in den letzten Wochen erstritten, einen neuen überaus glänzenden Erfolg hinzugefügt. In absehbarer Zeit wird die dritte Abteilung in ganz Berlin den Arbeitern gehören. Parteigenossen! Sorgt am Montag dafür, daß Charlottenburg nicht hinter Berlin und den anderen Orten im Reiche zurückbleibt, erteilt auch hier eine deutliche Quittung für die neuen Steuern, an denen auch die Liberalen trotz aller ihrer Ableuguungen und Wer- drehungen ihr vollgerüttelt Maß an Schuld haben. Kein Arbeiter darf es versäumen, am Wahllisch zu erscheinen und seine Stimme für die sozialdemokratischen Kandidaten abzugeben. Am Sonntagvormittag findet im Volkshause, Rosinen- straße 3, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher die Stadt- verordnetenwahlen behandelt werden. Wir machen nochmals auf diese Versammlung aufmerksam. Gleichzeitig bitten wir die Rixdorfer und Verliiier Genossen, besonder? die des s e ch st e n Kreises, sich uns am Tage der Stadtverordneten wählen, am Montag, den 8. November, nach Möglichkeit zur Verfügung zu stellen. DaS Zeittralwahlbureau befindet sich Rosinenstr. 3. Bei der gestrigen Stadtverordnetenwahl in der dritten Wähler- klasse wurden unsere Genossen Heinrich Ridzewski und Hermann Wißmann mit 1S7 gegen 184 gegnerische Stimmen gewählt. Damit ziehen die ersten Sozialdemolraten in daS Stadt- verordnetenparlamcnt. Bon 670 eingeschriebenen Wählern hatten 381 ihr Wahlrecht ausgeübt.__ Friedrichshagen. Ein Arbeiter-Jugendheim. Auch in unserem Orte beginnt die moderne Jugendbewegung sich kräftig zu entwickeln. Bildende und unterhaltende Veranstaltungen werden getroffen. Den vollen Wert für die arbeitende Jugend hat aber unsere Tätigkeit erst, wenn wir die Zusammenkünste der Jugendlichen nicht in Wirtshäusern ab- zuhalten brauchen. Es ist uns nun gelungen. ein freies Jugendheim zu schaffen. Am Sonntag, den 7. d. M., abends 7 Uhr, findet die Eröffnimg desselben Wilhelm str. 74, Hof rechts, statt. Genosse Horlitz-Adlershof wird aus diesem Anlaß eine Ansprache halten. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind herzlichst eingeladen! Der Jugend soll eine Stätte bereitet werden, wo sie ohne Kostenaufivand im Kreise Gleichgesiimler zusammen- kommen kann, um sidp bei anregendem Spiel, Deklamationen usso. zu unterhalten, aber auch die geistige Weiterbildung durch Einzel- Vorträge und Voriragskurse gepflegt wird. Hoffen wir, daß die Jugend ihr Jugendheim lieb gewinnt. Der Jugendausschuß. Weihensee« Aus der Gcmcindevcrtrcttmg. Die Danpolizeiverordnung. welche für die Umgebung des Sees bisbcr offene Bauweise vorschrieb, wurde dabin umgeändert, daß dieselbe für einen Teil der Berliner und Albertinenstiaße nunmehr geschlossene Bauweise vorsteht, da zum Teil schon vor Inkrafttreten der Polizeiverordniing hoch gebliutz Häuser bestanden; diese Häuserblocks sollen ntmmehr bestehen s'letben. 1000 M. wurden bewilligt für Ergänzting eingegangener Straßen« bäume. Aus dem neuen Friedhossgelände in Wartenberg soll eine Baumschule errichtet werden. Zu stellvertretenden Vorsitzenden des Gewerbegerichts wurden die Herren Könitz und Loofmann wieder- gewählt. Die Erbauung eines Familienhauses auf dem Rieselgute Birkbolz, welches Projekt in voriger Sitzung an die Kommission zurückverwiesen wurde, war auch jetzt wieder Gegenstand längerer Diskussion. Der Bau erhält fünf Wohnungen, aus je zwei Stuben und Küche bestehend. Eine Anregliiig, das Gebäude zwei» stöckig zu baue», wurde nicht für zweckmäßig gehalten. Schließlich genehmigte die Vertretung die Vorlage mit folgender Begrüiidimg: Bauen wir keine venutiiftigen Wohnungen, dann lauten uns die Arbeiter weg. Hier am Orte kennt man solche Rücksicht- nahmen für die Arbeiter nicht. Der Erhebung einer Klage gegen den Oberstaatsanwalt beim Kammergericht wurde zugestimmt, da Stempelgebührcn verlangt werden für den Umsatz eines Grundstücks, wo der Kaufvertrag noch vor dem Jnkrafttrelen des neuen Reichsstempelgefetzes abgeschlossen war. Bei Gelegenheit einer Besichtigung des FriedhosogeländeS in Wartenberg durch die Gemeindevertretung kalte der besoldete Schöffe Dr. Pape eine Reiselostetientschädigung von 12 M. beansprucht. Die Besichtigung dauerte von 10—1 Uhr vormittags und wurde mit einem Mietsfuhrwerk vorgenommen, so daß dem einzeliten keine weiteren Kosten eutstanden. Um solche An- spräche später unmöglich zu machen, wurde ein Antrag aitgenonttuen, daß bei zukimfligeii gettteittsattten Besichtigungen leine Reisekosten« eiilschädiguitgen mehr verabfolgt werden. Tie Stenern, die bekanntlich bis zum 16. November bezahlt sein müssen, werden nimniehr, Anregungen unserer Genossen zufolge, bis zum gettamtlen Tage am Montag, Dienstag und Mittwoch auch deS Abends von ö'/z bis 7 Uhr an der Gemeindekasse in Empfang ge« nommen. Borsigtvalde-Wittena«. Eine verhängnisvolle Katastrophe ereignete sich in der Rosen- thalerstraße 27. Die dort wohnhafte Ehefrau Plath hatte ihrem l3jährigen Sohn ein Schießgewehr, das dieser von einem guten Freund erhaltett, abgeiiomineit. Frau P. begab sich mit der Waffe nach dem Hof hinunter und übergab sie dort dem Klempnermeifter Wringer, damit dieser sie entlade. Während W. das Gewehr unter« suchte, kam er versehentlich dem ÄbzugShahtt zu nahe. Im nächsten Augenblick krachte ein Schuß und getroffen brach Frau Plath zu- sammen. Die Bedauernswerte hatte einen äußerst gefährlichen Schuß in die Brust erhalten. Sie wurde in recht bedenklichem Zustande nach dem Krankeuhans gebracht. Notvawes. Delcgicrtcnwahl zur OrtSkrankeilkassr. Am Montag, den 8. No- vember, abends von 7—3 Uhr findet im Lokal des Herrn Singer, Priesterstraße, die Wahl von zwei Delegierten zur Gencralversamm- lung der OrtSkranlenkasse statt. Wahlberechtigt ist jedes männliche und weibliche Mitglied der Ortskrankeukasie, welches das 21. Lebens- jähr vollendet hat. Als Wahllegitimation gilt daS Mitgliedsbuch oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers. Kandidaten sind die Ge- Nossen Otto Doye und Max Lexow(Metallarbeiter). DaS GewerkschaftSkartell. Eingegangene Vruckickrifren. Don der„Neuen Zelt-(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben da» 6. Hess de! L8. IadrgangS erschienen. Ans dem Inhalt des Heftes beben wir hervor: Die Forderung des Tages.— Die Weclstcigerung des Bo„enS in England und die neuen Steuern. Von M. Beer.— Ludwig unter den Propheten. Von K. K a u t S k y.— Die Koiisumgenosseitschaftsbewegung. Von Wilh. HäuSgen.— Literarische Rundschau: Dr. S. Etlinger: DaS Verbrecherproblem in anthropologischer und soziologischer Beleuchtung. taolo Lombroso: Caratoro della Fernmiuiiita. Dr. N. R. as Ursin: ie deutsche Sozialdemolrat!e.— Notizen.— Zeitschristenschau. Die„Neue Zeit" erscheint wöchcnutch einmal und ist durch alle Buch- haiidiungen, Poslanstallen und Kolporteure zum Preise von S.ÄS M. pro Oumlal zu beziehen; jedoch kann sie bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hcsl kostet 25 Ps. Probenulnnier» stehen jederzeit zur Bersügung. N»ö dem unbewohnten Innern Islands. Von Heinrich TrkeS. Preis 1,50 M.— Druck und Verlag von Fr. Wilh. Richsus, Dortmund. � Idealisten. Von Karl Schefsler. Gcheslet 4 M., geb. 5 M. Verlag S. Fischer, Berlin. Zlesthelischeö und Polemisches. Von Max Meherfeld. Geheftet SM., geb. 4 M. Vertag S. Fisch er. Berlin. Kalender lillt» de» Zentralverbandes der Maurer. 50 Pj. Th. Bömeiburg, Hamburg. Tie Bedeutung des Standes der Dentisten(Zahntechniker) für »nser öffeutlickies Leben, dargelegt von Pros. O. Perthes. Verlag L. Göhring u. Co., Franlenthal. 34 s. 50 Ps. Jahrbuch deS ZeutralverbnndeS deutscher Konsumvereiile. 1. und 2. Bd. 1909. Beide Bände geb. zusammen 10 M. H. Kausmaim u. Co., Hamburg 1, Besendinderhol 52. Lnefkaften der Redaktion. Tie suristliche SvreMtunde findet Linden st rabe 3,«weiter$af, dritter Ewgan,, vier Trippen, Fahrstuhl-gtlQ wechentigliih adrnds von 7V& lis Stz Übt statt. Gedsfnct 7 Uhr. SouuabendS beginnt dt» e»reiiis»indc um« Uhr. Jeder Ltnsragr ist ein Buchstabe und eine Zahl all Merkjcichen beiziiiiigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. BIS zur «canttvortung im Briefkasttn tonnen 14 Tage vergrhea. EUize Frage» trag« man in der Sprechstunde vor. K. BS. 3. l. Dagegen gibt es leider kein Mittel. S. Die Aufhebung der Schlüsselgewalt der Ehesrau ersolat durch eine Erklärung etwa dahin- gehend: Dns Recht meiner Ehesrau, innerhalb ihres hüllslichen Wirkungs- kreiscs Geschälte sür mich zu besorgen und mich zu vertreten, hebe ich hier« mit aus und beantrage, diese Aushebung in das GüterrechtSregister cinzu« tragen. Dieies Schrytslück muß datiert und unterschrieben und die Unicr- schrist notariell beglaubigt werden. AlSdann ist es dem Amtsgericht einzureichen.— P. H. 2'i. Nixdorf. Z>r Aushebung des Vertrages reicht daS von Ihnen Vorgetragene nicht aus. Sie würden mit Aussicht aus Erfolg lediglich beim Amtsgericht aus Einhaltung des mit Ihnen ge» schlosscnen Vertrages llagc» können.— F. R. 78U. t. Ja. 2. Nein. — H. Z. 105. 1. u. 2. Eine Klage gegen den Unternehmer lind gegen den Polier erscheint nicht aussichtslos. Legen Sie gegen den ablehnenden Bescheid unter Darlegung des Sachverhalts und Hervorhebung, daß der Unternehmet verpflichtet ist, die Abbruchsarbeit ohne Schädigung anderer vorzunehmen, Beschwerde ein oder wiederholen Sie den Antrag. 3. u. 4. Nein.— R. S. K. 1. Ja. 2. Die Klägerin würde pjäudcn können. ES ist deshalb zur Zahlung zu raten.— K. Z. 103. 1. Ja. 2. Die Beschwerde- wäre an den Landrat zu richten.— 10. H. E. Ja. — F. Balte. 1. und 2. Nein, lassen Sie eS aus einen Prozeß ankommen und setzen Sie u»s dann von dem anstehenden Termin in Kennmis— I. G. 50. Das ist leider unmöglich, solange nicht der erste Ehemann aus UnehetichteitSerktärung des Kindes mit Erfolg gellagt hat.— A. Th. 1803. Sie köimten. ohne Weiterungen befürchten zu müssen, aus der Landeskirche aus» treten.— E. K. 83. 1. Leider ja. 2. Aus die Dauer von 5 Wochen. 3. Ja. 4. Ja. Allgemeine Orts- Kraitkenkasse für die vereinigten Gewerbebetriebe Charlottenbnrgs. Wir laden hiermit die Kassen- Mitglieder und deren Arbeitgeber zur Bornahme der Neuwahlen zur Gene- ral-Verlmnnrlung. gemäß KZ 48 ss. des SVassenstatntS, ein und zwar: a) die Kassenmitglieder aus Tonntag, 14. November, vormittags 10 Uhr, t) die Arbeitgeber auf Toiiiierstag.l«. November, abends 8 Uhr, nach dem großen bezw. kleinen Saale des VollshauseS in Charlottenburg, Nosinenstraße 3. Es sind zu wählen: von den Kassenmitgliedern t 3Ä8 Delegierte, von den der Kasse zugehörigen Arbeitgeber»: 138 Delegierte, Wahlberechtigt in der ersten Gruppe ist jedes Kassennntglied, in der zweiten Kruppe jeder Arbeitgeber. welcher Beiträge aus eigenen Mitteln zahlt. Die Arbeilgeber lönnen sich bei der Wahl'auch durch ihre Geschastssührer oder Betriebsbcamte, deren Vollmacht vor dem Wahltage im Kassenbureau einzureichen ist, vertreten lassen. Wählbar ist jedes Kasscnmitglied bezm. jeder der Kaste zugehörige Ar- beitgeber, ebenso an dessen"~ Verband der Jttaler, Saekterer, JUisfreicher Melchiorstraße 28, Part. Tiliale Berlin. um Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Geschastssührer eines solchen. Die Wähler wie telle der oder BetriebSbeamle die Gewählten müssen grostjäbrig und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sein. Die Wahlperiode der gclvählten Delegierten läuft vom 1. Januar 1910 bis zum 31. Dezember 1911. Die Wahl ist geheim und wird durch Stimmzettel in einem Wahlgange in der Weise vorgenommen, daß jeder Wähler so viel Nanien aus einem Stimmzettel nennt, als Delegierte w seiner Gruppe zu wählen sind. Der Wahlakt wird zu a) 2 Stunden, zu b) l1/. Stunden nach Beginn der Wobloersanmilnng geschlossen. Die Legitimation der Wähler ge schielst durch Vorweisung der Wahl karte im Wahllokal. Wahlkarten werden den Kassenmitgliedern und deren Arbeitgebern aus Antrag im Kassenbureau während der öffentlichen Dienslstunden unentgeltlich ver- absolgt. Charloltenburg, b. November 1903. Der Kassrnvorstand. 279/11 Wilh. Ahrens. Meiter- RaiiIaJir8r-?efeio" Mitglied des Arbeitev- Nadsabrer-Bundes »Solidaritüt». Mittwoch, 17, Rovbr.(Butztag) abends 7 Uhr: Gr. Lichtbilder-Vortrag Klnematogrnph u. Tanz in Freycrs ftcftfälcn(großer Saal) Koppenstraße 29. 12/12 eröHnung 6 Uhr. □ Eintritt 20 PI. Gänse aaliiäten, Pfund 65 Fette l«nge nur erste Oualiiäten, Psund 65 Pf., Eänseriimpfe,'U Gänse. Junge Ente« M. 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ES ist Ehrenpflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Parole am Sonnt tag. den 7. November, m«s. heisten: Ailt Muttk Nlld Anstleichtt Uflüj dkl öfllfll Wtlt! 129/19«_____________ Tie Ortsverwaltung. ei9areffe§'30�eHi ei9arcffc$ Kein Laden, nur I Tr. Kein Laden, nur I Tr. ZIGARREN b ekannt gute alte Q-nalitäten, solange Borrat, zu alten billigsten preisen. Ohne Steuerauf schlag! i Nebenstehende No. 75 i Ori�inal-Sum.-Zigarre— rein überseeisch,~ lOO Stück? •25 Kl. Mexiko.. 100 St. M. 2.85 I Carmen... 100 St.„ 4.00| Rocueo.... 100 St. M. 6 00| FrDhlingszauber.. 100 St. U. 6.00 | Nicht unter 100 St. von einer Sorte, 400 St. franko Deutsohl Naohn, Niohtzusag. nehmen zurück, j CzqM& GehalSfi z&'B!r11»°> Neue Promenade 7i. VAtwpl.iwIk � V i'WaÄw Engros, vls-a-vls Haupteing. Stadtbahnhof Börse. I Geöffnet bis 8 Uhr abends, auch Sonntags geöffnet. Verbessertes im Gebrauch billigstes Seifenpulver. 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Praclitsäle Kord-West, Wiclcfstraffe 84, 4. mUdUll. abends 8'/, Uhr. s-Veslen und 8e!iMieberg: �.«ne«Ädst?K abends 8'/, Uhr. 6. ÜLlöll I liitflns Fcstsaie, Memeler Str. 67. abend» 8'/, Uhr. ?. Uclilenberg: s. Stralau und Rummelsburg:"ssriltiS"»'' abends S'/a Uhr. 9. seilen und SBdosI: SÄ'SfS'.Ä ,n DiwftnwP* Vorelnsbranerel, Hermanltstr. 814—819, 10. nllUOri. abend, 8-/, Uhr Ctae-Iit'»»«obofllisava BostsSIo, Ahornftraffe 13», 11. tSleAIIlI. abends 8'/, Uhr. 12. Ldsrlollövdvl'gl v«lk»b»na. Rofinenftr.S. abds. 8'/. Uhr. 13. Töfjöll Gamms Featsüle, Bahnhofftr. 1, abend» S'f, Uhr. 1-1 Weinensee* König> Chaussee 38, iK VHnnniplr* Gr»tbow»kls GcsellschaftShanS. Friedrichs» 15. KupeillCn.. Hagen, Friedrichstr. 69, abend» 8'/, Uhr. tc CnanHon* Restaurant Vorwärts, Schönwalder Straffe 80, 1v. SpitllUitU. abend» 8'/, Uhr. n. OberscbSaeweiiie; Tages-Ordnung: 1. Kastcnbcricht und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl eine» Angestellten für die Kasse. 3. Neuwahl eine» Beisitzer». 4. Antrag der Ortsverwaltung betr. Neuregelung der Bezirke. b. An die Ort» Verwaltung gelangte Anträge. 125/2 Ohne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt k Zahlreichen Besuch erwartet._ Die Ortaverwaltimg. Verband mrbaugewerbl. Hilfsarbeiter Deutschi. Zweigvereiu Berlin und Umgegend.— Sektion der Staker. flihtunui Staker.««dwn«! Freitag, den S. November. abendS 8 Uhr, i« A. Boekcrn Feststllen, Weberstr. 17: JUfiftotbtntl. Milgliedkr- �ftfnmmlnno. Tages-Ordnung: I. Da» Schreiben de» Verein» der Unternehmer im Stakergewerbe 00» Groß-Berltn und wie stellen sich die Kollegen dazu? 2. Diskussion. ES ist Pflicht eine» jeden StakerS, in dieser Versammlung zu erscheine». 31/1_ Per Zwclgverelnavorgtand. Heute Freitag, abdö. 8'/, Uhr, im Gcwerkschastshause, Engeluser 14/15, Enal 4 sArbeitSlosensaal): Tii�ung ÄvF vFteirvFwsIfaiun. Zentralkrankenkasse der Maurer „Grundstein znr Einigkeit". Zahlntelle Charlottonbnrg. Sonntag den 7. November, vormittags 49 Uhr» im Volköhause, Rofincnttraffe 3: Mitglieder-Versammlnng. iag«»>Ordnung: L Abrechnung vom dritten OuaZal 2. Kastciiangeiegenheiten. (fei'"' 1909L 35"""Ve MitgliedLbuch legitimiert. Zahlreiche» Erscheinen erivartet 149/13_ Ple Ortsvcrwaltaag. Tischler-Verein.® H Sonnabend, den 6. November, abendS 8'/, Uhr, Melchiorstr. 15: KU" Versammlung'MU Vortrag. VereinZangelegenheiten._ Der Vorstand. ■BMBl Verkaaf nur iai Fabrik� ebftade! jmmam g g Sie sparen Qeld!"r g föHiOal � Engrospreisen? .--- � W IS i inder Möbelfabrik � i H. Walter u:WilliMaaß,Ä 35 1 ISIS»IUI..■■SIS» SSSMUi«JTel; A I1I(51570 kaufen. Verkauf nur im Fabrikgcbttnde— nnr U eigenes Fabrikat.— Auf Wunach Teilzahlung. 35 Mi Permanente Musterzimmer-Ansstellung. am 35 I Arbeiter» 1 Bekleidung- Berufskleidung, i Größtes Spezialgeschäft.! Koliuen& Jöring, Kl; Alexandersir. 12. i Filialen: Itaudubcrgor Alice 148.*b9 Blxdorf: BergatraBe 6« Ringb�hnhof. Fisch ilnmpf er. Fische billiger! 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H,, Postkarton- Fabrik, Georgeukirchstraffe 31, hat den Taris nicht anerkannt und das organisierte Personal entlassen. Der Betrieb ist gesperrt k Ilrbeitsannahnie zieht Ausschluß aus der Organisation»ach sich. 24/17* vis Ortsverwaltung. Achtung! Wschmder, Strilkmnnell und Nähmuntn! Bei der Firma J. Elsbach, Görliüer Str. 53, ist durch Maßregelung sämtlicher organisierten klr- beiterinnen der Sport- Abteilung Streik ausgebrochen. Zuzug streng sernzichalten. 197/11* Die Örtöverwaltung. DeiMer Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Sei der Firma„Union", Deutsche Verlagsgesellschaft, Filiale Berlin, Lernmittel- Ableitung, sind wegen Nichianerkennung deS TarisvertrageS und Weigerung der Abschlietzung eineS Werlstuben-Akkordtarifes für die Arbeiten, welche nicht im Buch- binder- Akkordlaris enthalten sind, Differenzen ausgebrochen, die zur Arbeitseinstellung geführt haben. Der Betrieb ist gesperrt! Alle Lernmittel, die in dieser Finna Hergestellt werden, find als Streik- m besten zu betrachten und zu ver- weigern. Desgleichen folgende gel- tungen: Gummi-, Farben-, Stroh- Hut-, Steinbruch., Erzbergbau-Zestung und Photographiiche Industrie. 24/18* Die Ortsverwaltung. Berantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck N. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& Ca. Berlin SW„