Ur. 860. Bbonnements-Bcdingungen: Monnements- Preis pränumerando i Liertcljährl. 3£0 SHf., mcr.ntl. 1,10 Ms„ wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hans. Einzelne Rummer 6 Pfg, Sonntags- »Ummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisiiste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien,' Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crftoint täglich außer Giontaa«. 36. Jahrg. Berliner Volksblntt. Die TnfertionS'GebQbr veträgt für die sechsgespaltene Kololiek- geile oder deren Raum 80 Psg„ für politische und gewerkschastliche Vereins- »md Aersammlungs. Anzeigen 80 Pfg. „Alelne Snrelgen", das erste ffctt- gedrulkle) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 8 Pfg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunmier müssen bis i; Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expeditioa ist bis 7 Uhr abends geöffnet, relegramm- Adresse: „5»jia>lUin»Iik,t Rerlttrt Zentralorgan der foztaldemokrati fchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68» Lindcnstraeae 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenetraase 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Siege tinck SiegerpMhtev. Ter roten Siege ist kein Ende. Noch ehe die sächsischen Landtagsstichwahlen am 4. November ihr Ende erreicht und auch am letzten Tage noch der Sozialdemokratie einen neuen Sitz gebracht hatten, setzte die Serie der glänzenden Triumphe unserer Partei bei den Gemeindewahlen, ein. Alle diese Wahlen der letzten Monate und Wochen, die Reichstags-, Landtags- und Kommunalwahlen standen im Zeichen der Reichsfinanzreform. Ihr aller Ergebnis ist beeinflußt— hier mehr, dort minder— durch die De- marSkierung der bürgerlichen Parteien als riicksichtslose Sach- Walter der besitzenden Klassen, als skrupellose Zertreter der Proletarier und kleinen Leute. Nie, selbst nicht beim Kampf um den Zolltarif, ist die Wahrheit den Wählern so klar und sinnenfällig, so unvermittelt und unverschleiert vors Auge getreten, als beim großen Steuerraubzug, der auf die Taschen der armen Teufel unternommen wurde, um die großen Geld- sacke zu schonen. An dieser einen brutalen Tatsache, daß die Armen für die Reichen zahlen müssen, sind Hunderttauscnden von Wählern die Augen aufgegangen. Es ist vergeblich, daß die konservativen Blätter es leugnen, vergeblich, daß sie auf die Liberalen verweisen, denen es bei den Wahlen im allgemeinen nicht besser geht als den Parteien des Schnapsblockes. Die Liberalen sind die Mit- schuldigen an der Steuerplünderung, und wenn sie sich hundertmal beim letzten entscheidenden Zug seitwärts in die Büsche geschlagen hätten. Die Wähler wissen, daß die Liberalen bereit waren, 400 Millionen neuer Steuern den lllichtbesitzcnden auszuladen, und es kümmert sie mit Recht sehr wenig, ob die Liberalen daneben das letzte Fünftel der halben Milliarde in ettvas rationellerer Weise aufbringen wollten als der Schnapsblock. Es künimert sie mit Recht ebensowenig,, daß die Liberalen ihre böse Absicht nicht ganz verwirklichen konnten. Bei der Beurteilung der Parteien gilt die böse Absicht genau soviel wie die böse Tat: Tie Liberalen ernten, was sie verdient haben. Sie sind mit den Parteien des Schnapsblocks in gleicher Verdammnis. Die Sozialdemokratie hat keine Zeit, auf Lorbeeren auszuruhen. Nette große Aufgaben erwarten ihrer aus ihren Siegen. Tie Schar der Mitläufer, die Menge jener, die lediglich uin des verteuerten Bieres, um der verteuerten Zigarre und der verteuerten Streichhölzer willen den roten Stimmzettel abgaben, die in der Haltung der bürgerlichen Parteien bei der Finanzreforni nur einen Einzelfall sehen, muß die Erkenntnis gebracht werden, daß diese Haltung aus dem innersten Wesen dieser Parteien floß, daß sie in aller Zeit nichts anderes sein können, als was sie in dem Kampfe uni die Steuerbelastnng sich criviesen haben. Es ntuß diesen Wählern gezeigt werden, daß die Interessen der Klassen die Politik bestimmen, und die Sozialdemokratie allein die Partei der Arbeiterklasse— dies Wort im weitesten Sinne genommen— sein will und sein kann. Nur wenn diese grundsätzliche Aufklärung über die Siege nicht vergessen wird, kann unsere Partei das Gewonnene als dauernden Besitz halten. Auf dem Gebiet der praktischen Politik aber gilt es, die Erregung der Wählermassen, die Bestürzung der Gegner auszunützen für die Lösung der Schicksalsfrage, die uns in der Gestalt der preußischen Wahlreform gestellt ist: Alle die Kraft der Empörung, die sich jetzt im Volke angesammelt hat, muß gelenkt werden gegen den Wall des Drciklassenwahl- rechts, gegen die Burg der Junker. Rastloser Kampf um die Temokratisieruug Preußens und damit Deutschlands muß die erste Ausgabe der kommenden Tage sein. „Wo wären die bürgerlichen Parteien geblieben, wenn der Volkszorn hätte uneiugeschränkt bei einem freien Wahl- recht und einer freien Wahl zur Geltung kommen können; weggefegt wären sie geworden. Kaum ein Dutzend wäre in den Landtag gelangt." So schrieb die„Dresdener Volkszcitung" in einer Be- trachtung des Wahlausfallcs in Sachsen. Wo bliebe der Block- reichstag und der Reichstag des Schnapsblocks, so frügen wir, wenn in diesen Tagen die Wähler im Reich zur Urne ge- rufen würden. Sie würden zerstampft und zertreten werden! Ter Blockreichstag, der stets ein Produkt der Täuschung der Wählermassen gewesen ist, ist heute eine offenbare Lüge. Das zeigen die Nachwahlen von Neustadt-Landau, von Stollberg- Schnceberg, von Koburg. das werden die von Landsberg- Soldin und Halle erweisen. Wenn das Parlament ein Spiegel des Volkswillens sein soll, so hat dieser Reichstag abzutreten, so hätte die Regierung nichts eiligeres zu tun, als ihn aufzulösen. Aber sie denkt nicht daran; was schiert sie und die Parteien der Wille des Volkes I Die deutsche Wählerschaft muß diesen Reichstag noch ertragen bis zu den Wahlen des Herbstes 1911. Daß aber dann der Wille des Volkes unzweideutig zum Ausdruck kommt, daß bis dahin die Erkenntnis von 1909 nicht wieder verloren und verschüttet tvird, das muß die Sorge der Sozialdemokratie sein. Den bürgerlichen Parteien und der Regierung, die auf das schlechte Gedächtnis der Wähler spekulieren� hat sie einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen. Der Verrat am Volke, den das Jahr 1909 sah, muß durch unsere Arbeit mit unber- wischbarcn Lettern den Wählern ins Gedächtnis eingebrannt werden. Tut die Sozialdemokratie ihre Pflicht, so werden die stolzen Siegestage des Herbstes 1909 überstrahlt werden von den roten Siegen des�Herbstes 1911!� Zum Ausfall der sächsischen Stichwahlen wird uns aus Dresden geschrieben: Bei den eben beendeten LcindtagSwcihlen waren die Stichwahlen von gröberer Bedeutung als das sonst bei allgemeinen Wahlen der Fall ist. Von den St sächsischen LandtagSwahlkrcisen konnten bei den Hauptwahlen nur 31 ein endgültiges Ergebnis aufweisen, während in 60 Kreisen Stichwahlen nötig wurden. Ihre große Zahl war eine Folge der Zersplitterung im bürgerlichen Lager, die soweit ging, daß in einigen Kreisen sogar zwei konservative Kandidaten einander gegenüberstanden. Bei den Stichwahlen war von vornherein mit einem Zusammengehen der vor den Hauptwahlen verzankten bürgerlichen Parteien zu rechnen. Deshalb waren die Stichioohlaussichten für die Sozialdemokratie ungünstig. Obwohl sie an 54 Stichwahlen beteiligt war. konnte bei nüchterner Beurteilung doch nur eine Steigerung ihrer Arbciterzahl günstigsten- falls von 15 auf 20 erhofft werden. Die bürgerlichen Parteien rechneten noch nicht einmal mit solchem Zuwachse der Sozialdemo- kratie. In ihren engeren Zirkeln stritten sie sich nur darüber, ob die„Roten" einen oder gar keinen Stichwahlsieg haben würden. Die sächsische sozialdemokratische Wählerschaft hat alle nüchternen Berechnungen und auch die Hoffnungen der Gegner über den Haufen geworfen: sie hat dafür gesorgt, daß die Partei auch bei den Stich- wählen den SicgcSzug fortsetzen konnte, den sie am 21. Oktober so kraftvoll begonnen hatte. Ueber alle Erwartungen günstig sind die S t i ch iv a h l e n ausgefallen. Wir haben Wahl- kreise erobert, auf die niemand gerechnet hatte. Bezirke entsenden einen sozialdcnwkratischen Vertreter in den Landtag, die bisher als uuüberwindtiche konservative Hochburgen galten, wie der 14. lünd- tiche Wahlkreis, der immer in konservativem Besitz gewesen ist und den früher einer der grimmigsten Sozialisteutöier, der Agrarier v. Oelichlägel, vertrat. Das gleiche gilt vom 6. ländlichen Wahlkreis. Ein halbes Dutzend eroberter Kreise ist für uns Neuland, den» sie waren noch niemals in sozial- demokratischem Besitz. Dieses Vordringen der sächsischen Sozial- dcmokratie in den für sicher angesehenen Besitz der Neaklion ist um so höher anzuschlagen, weil die Partei mit einer entrechteten Wählcrschar den Wahlkamps führen mußte; weil sie unter einem Wahlrecht fechten mußte, das dem Besitzenden in der Regel viermal mehr Recht gibt als dem Arbeiterwähler. Allerdings war die Situation der Sozialdemokratie sonst sehr günstig. Der Volksunwille über den RcicbSfiiianzskandal leitete so viel Wasser auf die sozialdemokratischen Mühlen, daß die Dämme deS Pluralsystems überspült wurde» und sei» volkSentrcchtender Charalter nicht in vollen, Maße zur Geltung kommen konnte. Das gilt von der Hauptwahl wie vom zweiten Wahlgefecht. Hier zeigte sich aber auch, daß sich die bürgerlichen Parteien so verzankt hatten, daß trotz aller Beniühungen das Sprichwort: Pack schlägt sich und Pack verträgt sich I dock nicht in allen Wahlkreisen in vollem Ilm- sauge zur Tat wurde. Trotz aller Wahlparolen: Für die nationalen Parteien und gegen die Sozial- demokratiel brachten die bürgerlichen Parteien die ersehnte Geschlossenheit gegen die Sozialdemokratie nicht allenthalben zu- stände. In den meisten Wahlkreisen gingen beiden Stichwahlen die bürgerlichen Stimmen erheblich zurück, während die sozialdemokratischen fast durchweg u n erwartet starken Zuloachs zu verzeichnen hatten, auch in den Wahlkreisen, wo die Sozialdemokratie unterlegen ist. Gewiß haben unsere Ge- »offen mit Erfolg alles aufgeboten, um auch den letzten Mann zur Stichwahl an die Urne zu bringen und den letzten Rest von Lässigkeit anSzntilgcn, die sich sonst bei den LandtagSwahlen besonders be- merkbar machte, in mehreren Wahlkreisen ist aber der sozialdemo- kratische Stimmenzuwachs auch darauf zurückzuführen, daß von de» bürgerlichen Wählern ein Teil der Sozialdemokratie zuschivenkte. Das letztere gilt vor allem von den freisinnigen Wählern in den drei ersten ländlichen Wahlkreisen der Oberlausitz, im Gegensatz zum übrigen Freisinn haben sie überwiegend für die sozialdemokratischen Kandidaten gestimmt. Doch haben wahrscheinlich auch Konservative und Miltelständlcr da, wo sie für einen National- liberalen die Entscheidung herbeiführen sollten, zum kleinen Teile sozialdemokratisch gestimmt. Da? ist unter anderem im 6. ländlichen Wahlkreise geschehen, wo offenbar der Sieg des Genossen Linke darauf mit zurückznsühreu ist, daß die kleinen sonst konservativen Bauern lieber einen Sozialdemolraten als einen nationalliberalen Eisen» bahubeamten wählten. Im 14. ländlichen Wahlkreise hat aber auch fast die Hälfte der nationalliberalen Wähler für den Genossen Schmidt gestimmt und dadurch den verhaßten ograrlonscrvativcn Pastor Starke zu Fall gebracht. In erster Linie aber sind die sozialdemokratischen Erfolge bei den Stichwahlen darauf znrückznführcn, daß unsere Genossen alles einsetzten, um aus eigener Kraft möglichst viele Reserven ins Feuer zu bringen. Besonders muß hervor- gehoben werden, daß sich die Freisinnige V 0 l k S p a r t e i, abgesehen von der Oberlausitz, schn, achvoll bei den Stichwahlen ver- hallen hat. Die von Günther auf eigene Hand herausgegebene Parole für die freisinnigen Wähler:»Für die nationalen P a r t e i e n" ist in fast allen übrigen Wahlkreisen befolgt worden. Im Wahlkreise Radeberg-Großenhain, in Meißen-Roßivein und Chemnitz I haben die Freisinnigen sogar den Ausschlag für die Konser- vativen, also die ärgste Reaktion gegeben. Wesentlich mögen sie zu diesem schmachvollen Verhalten dadurch veranlaßt worden sein, daß die freisinnigen Kandidaten, außer in einem Falle, von den Konservativen und Nationalliberalen bei den Stichwahlen ab- hängig waren. Füiifundzwanzig Mann stark zieht die sächsische Sozialdemokratie in die Ziveite Kammer ein. sie wird zwar nur die drittstärlste Fraktion, bleibt aber nur um vier Mann hinter den beiden gleich- starken Fraktionen der Konservativen und Nationalliberalen zurück. 'Es ist übrigens noch nicht ganz sicher, wie stark die beiden genannten bürgerlichen Fraktionen sind, denn beide rellamieren den Freikonser- vativen Dürr, der im letzte» Landtag aus der konservativen Fraktion austrat, für sich. Tritt Dürr der nationalliberalen Fraktion als Hospitant bei, so ist diese genau so stark wie die konservative, in die aber schon ein„Reformer" mit eingerechnet ist. Unter solchen Um- ständen ist ein tüchtiger Zank um den ersten Präsidenten zu erwarte» auf den beide Fraktionen Anspruch machen werden. Weitaus am besten hat bei den Wahlen die sozialdemokratische Partei abgeschnitten. Sie stellt noch IV Mann mehr als vor dem Wahlrechtsraube von 1306, wo sie 15 Vertreter hatte. Die Kon« servativen sind von 46 auf 29 Abgeordnete herabgesunken, die Nationalliberalen von 31 auf 28, dagegen haben die Freisinnigen ihren Besitzstand von 3 auf 8 erhöht. Obwohl im neuen Land- tage Konservative und Nationalliberale zu- sammen die Mehrheit haben, wird die Sozialdemo- kratie ein ernstes Wort mitreden und ihren Einfluß geltend zu machen verstehen. Im Lande aber werden unsere Genossen bemüht sein, unsere Position weiter zu befestigen, um das Errungene auch unter ungünstigeren Verhältnissen zu erhalten und auch noch weiter vorzudringen in die Schlupfwinkel der Reaktion. '.' Die letzten Stichwahlen in Sachsen. Bautzen— Eamcnz-Land: Linke(Soz.s 5590, Förster(natl.) 5584 Stimmen. Linke gewählt. Dippoldiswalde: Göpfert(natl.) 7624 Stimmen, Andrae(kons.) 6231 Stimmen. Göpfert(natl.) gewählt. Chemnitz I: Biener(Reformer) 10 641, Zeisig(Soz.) 8921 Stimmen. Biener(Reformer) gewählt. Chemnitz II: Langhammer(natl.) 12 694, Müller(Soz.) 7692 Stimmen. L a n g h a m m e r(natl.) gewählt. Limbacki-Mcerane: Posern(natl.) 9348, Stolle(Soz.) 9943 Stimmen. Posern(natl.) gewählt. Altcnberg:'W it t ig(kons.) gegen Soz. gewählt, Borna: Friedrich(Bund der Landwirte) gegen Soz. getvatzit. Pegau: Nitzschke(natl.) gegen Soz. gewählt. Im Wahlkreise Dippoldiswalde hatten unsere Partei- genoffen beschlossen, für den Nationalliberalen einzutreten, um den verbissenen Arbeiterfeind, Geh. Oekonomierat Andrae, aus dem Landtage zu entfernen. Dieses Ziel ist erreicht worden. ver bewaffnete friede in liianzkeid. Solange das Militär im Mansfeldcr Streikgebict ist, hat es nur zur Erheiterung der Streikenden beigetragen und liefert un- schätzbaren Stoff für Humor in den Versammlungen. Die er- hoffte Einschüchterung der Streikenden durch das Militär ist in das Gegenteil umgeschlagen, denn seit dem Einzug desselben am 21. Oktober ist die Zahl der Streikenden ständig gestiegen, während vom 25. Oktober bis 3. November ganze 3 Mann wieder zum Schacht gekrochen sind. Die Armee der Streikenden steht wie eine Mauer. Vom 21. bis 30. Oktober schrieben die im Streikgebict erscheinenden Blätter jeden Tag: „Die Zahl der Arbeitswilligen hat heute wiederum bedeutend zugenommen, da unter dem Schutz des Militärs die Arbeits- willigen unbelästigt zur Arbeit gehen können." Seit einigen Tagen schreiben sie über den Streik keine Zeile mehr, schweigen alle Vorgänge tot, als oh der Kampf beendet sei. Sie haben jeden Tag eine so große Anzahl der Streikenden in den Schacht hineingelogen, daß schließlich keine mehr übrig ge- blieben sind; nun ist für sie der Streik beendet. Wer heute als Fremder das Streikgebict bereist, die örtliche Presse liest und die Grabesruhe in den Ortschaften beobachtet, würde tatsächlich glauben, der Streik sei beendet, wenn nicht das Militär und die Gendarmen auf einen furchtbaren Kampf schließen ließen! So zählten wir am 3. November auf der Straße von Augsdorf bis Gerb- stedt 27 Gendarmen zu Fuß und außerdem 6 zu Pferde! Und auf der ganzen Strecke höchstenfalls 10— 15 Streikbrecher am Paulschacht, denen aber niemand ein Haar krümmen wollte. Die Gendarmen patrouillierten auf dieser Straße je drei Mann in einem Abstand von 800— 1000 Meter, während die Berittenen— je zwei Mann— anscheinend die„Verbindung" der ganzen Patrouillen- kette aufrechterhielten. An der Mündung der Straße von Augs- dorf in die Chaussee Gerbstedt-Heiligcnthal hielten zwei Mann hoch zu Roß und vier Fnßgendarmen die„Ordnung" auf dem voll- ständig menschenleeren Wege aufrecht! Eine Chauffee, nur von bewaffneten Gendarmen bevölkert, um einigen reichstrenen Streikbrechern„sicheres Geleit" zu bieten! In He tt stedt trafen wir zur Abtvcchselung eine Abteilung Mrassiere, den BIcchhelm auf- gestülpt, die Lanzen stoßbereit, durch die Straßen reitend. Wohin? Wer mochte das wissen. .• »Wir blamieren uns ja... Hat der Herr Landrat sich mit der Heranziehung des Militärs gründlich verrechnet, so noch mehr durch die neueste Verfügung, wonach diejenigen Wirtschaften, in denen Streikbureans unter- gebracht sind und Strcikvcrsammlungen stattfinden, des Abends um 8 Uhr schließen sollen. Wir haben den Wortlaut jenes NkaseS be- reits mitgeteilt: aber kaum, daß ihn die Ocffentlichkeit erfuhr, war er schon durch den Obcrpräsidenten v. Hegel wieder außer Kraft gesetzt und denjenigen Amtmännern, die nicht allzu schnell mit der Ausfertigung desselben bei der Hand waren, ist die Zurücknahme erspart geblieben. Am 30. Oktober erhielten die zwei Wirte von L e i m b a ch den UkaS zugestellt, während die Zentralstreikleitung schon tags vorher erfahren hatte, daß der Landrat telephonisch beim Regie- rungSpräsidenten die Herabsetzung der Polizeistunde auf 8 Uhr für eine Reihe Lokale, ganz besonders aber für daS Gasthaus„Zum Grafen von ManSfeld" am Bahnhof Mansfeld, wodie Streikleitung wohnt(!), beantragt habe. Dieses Gasthaus liegt mehr als eine Viertelstunde von den Bergmannsdörfern entfernt, wird von Bergleuten fast gar nicht besucht, sondern von dem reisen- den Publikuni. Dennoch sollte die jetzt schon auf 10 Uhr fest- gesetzte Polizeistunde auf 8 Uhr herabgesetzt werden, um dadurch die Streikleitung nochmals an die frische Luft zu setzen. Es ist nicht so weit gekommen, weil der Oberpräsident auf eine dringende Beschwerde hin den Leinchachern Wirten die Polizei- stunde auf 11 Uhr heraufgesetzt hat. Der Herr Amtmann von Kreisfeld, Herr v. Doettn- chen, der eine Frauenversammlung nur bis 5 Uhr„genehmigtes war mit der Ausstellung des UkaseS nicht so fix wie Herr Z i e g l e r von Leimbach, und so erlebte er, daß er mit der Ausstellung auch sofort die Zurücknahme verfügen mußte. Am Mittwoch, den 3. November, erhielten die Wirte in seinem Amtsbezirk, in Z i e g e I- rode und Alsdorf die Verfügung, um 8 Uhr zu schließen, worauf die Wirte sich an den Landrat»vandten und von diesem die Aufhebung des Ulajes versprochen erhielten. Der eine Wirt be- gab sich nun zum Herrn Amtmann und bat um die sofortige Zurück- nähme des Erlasses. Er hörte, wie der Herr Amtmann sich mit feinem Sekretär darüber unterhielt: „Welche Begründung sollen wir der Zurücknahme denn nun geben!? Wir blamieren uns ja, wenn wir nicht eine entsprechende Begründung finden." Dem Wirt ließ man die Aufhebung des Schankverbots um 8 Uhr mündlich mitteilen, jedoch werde die schriftliche Begründung erfolgen. Wir und jedenfalls die ganze Ocffcntlichkeit sind' gespannt darauf, lvclche Begründung der Amtmann von Toetinchcn zu der Aufhebung dncS Polizeierlasses„finden" wird, den er zwei Stunden vorher zur Rettung des Staates ausgefertigt hatte. Er wird kaum jemand überzeugen, daß die Herabsetzung der Polizeistunde notwendig war. » �» Wie verschiedenen Blättern gemeldet wird, trafen in ManSfeld der Oberpräsident der Provinz Sachsen und der Negierungsrat von Merseburg ein. Unter dem Beisein der Gendarmerieoffiziere und im Beisein des Militärkommandos fand im Nathanse eine Konferenz statt.— Line Schandtat der rumänischen liiegiening. Vor zwei Jahren hat die rumänische Regierung unseren Genossen N a k o w s k i ausgewiesen. Rakowski ist Bulgare von Nationalität, aber da er in der Dobrudscha geboren, rumänischer Staatsangehöriger. Doch das hinderte die Regierung an seiner Ausweisung durchaus nicht; hat ja die rumänische Regierung, entgegen den klaren Be- stinimungen des Berliner Kongresses, es schon immer als ihr Recht beansprucht, ihre jüdischen Staatsangehörigen als „Fremde" zu erklären und auszuweisen. Seit die sozialdemo- tratische-Bewegung auch in Rumänien ihren Einzug gehalten hat. hat die Regierung diese rechtswidrige Praxis einfach auch auf die Sozialdemokraten übertragen, und zu den ersten Opfern dieser Nichtswürdigkeit gehörte Rakowski. Dabei war nicht etwa seine Staatsangehörigkeit je zweifelhaft. War er doch längere Zeit Gemeinderat in seiner Vaterstadt. Jedoch feine hervorragende Beteiligung an der Rettung der Matrosen des„Potemkin" und besonders, daß er während der letzten A g r a r b e w e g u n g für die massakrierten Bauern sich furchtlos einsetzte, erregte die Wut der Bukarester Gewalthaber, �nd deshalb die Ausweisung. Das geschah vor zwei Jahren. Als Rakowski jetzt den Versuch machte, zurückzukehren, wurde er verhaftet. Ueber die weiteren Vorgänge meldet der„Adeverul": Rakowski wurde an der Grenzstation Cajeni den u n g a r i- scheu Behörden übergeben. Da Rakowski jedoch kategorisch erklärte, er sei rumänischer Untertan und wolle sein Land nicht verlassen, erklärten die ungarischen Beamten, niemanden zu einem unfreiwilligen Aufenthalt in Ungarn zwingen zu können. Nun erklärte Ministerpräsident B r a t i a n u, daß er unter keinen Umständen zulassen werde, daß Rakowski vor den Gerichten Rumäniens erscheine. Eher werde er w i e Maura in Spanien handeln und sodann deinissionieren. Bratianu hat den Polizeiinspektor B r a- j e s c u und vierzig Gendarmen nach Cajeni entsendet, welche Rakowski fesselten und forteskortierten. Ueber seinen Aufenthalt ist bisher keine Nachricht eingetroffen. Der„Adeverul" verständigte telegraphisch Rakowski, daß drei der hervorragendsten rumänischen Advokaten, darunter des ehemalige Justizminister D i s e s c u, sicki bereit erklärten, die Verteidigung Rakowskis zu über- nehmen. Das betreffende Telegramm kam mit dem Vermerk zurück, daß Rakowski unbekannten Aufenthalts sei. Das Blatt teilt weiterhin mit, daß auch von den vierzig Gendarmen bisher kein einziger in Bukarest eingetroffen sei, und erklärt, daß das Schicksal Rakowskis ungewiß sei. In Bukarest herrsche die größte Aufregung. Und diese Aufregung ist nur allzusehr berechtigt, und was zu befürchten ist, zeigt die Drohung des Bratianu nur allzu deutlich. In B u k a r e st veranstalteten Dienstag die Sozialdemo» kraten eine P r o t e st v e r s a m m l u n g gegen die Aus» Weisung. Als die Teilnehmer das Lokal verließen, wurden sie von dcn Schutzleuten aufs brutalste ange» griffen. An die hundert Menschen wurden Verwundet. Das Volkshaus mußte in ein Spital ver- wandelt werden. Die Arbeiter in B r a i l a und G a l a tz, wo Rakowski vorwiegend sein? Tätigkeit entfaltet hatte, be- absichtigen, den allgemeinen A u s st a n d zu organi- sieren. Aber die Schandtat, die an Rakowski begangen wurde, wird auch außerhalb Rumäniens den schärf st en Protest wachrufen müssen. Das politische System der Gewalttätig- keit und Korruption, das die rumänischen Bojaren über das unglückliche Land verhängt haben, länger zu dulden, wäre eine Schande für alle, die in Europa noch ein Ge- fühl für Freiheit und Recht sich bewahrt haben. Schon längst wären die Großmächte, die den Berliner Vertrag unter- zeichnet haben, verpflichtet gewesen, gegen die fortwährende freche Verletzung des Völkerrechts durch die rumänische Regierung Einspruch zu erheben. Es ist Zeit, daß die Re- gierungen energisch an diese ihre Pflicht gemahnt werden. Ler deatschnatloiiale LumiMniiMl. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen hatte am V. September eine Versammlung nach den Arininhallen einberufen. Es war zur Zeit, wo die Triolenaffäre des Herrn Sckmck in der Oeffenllichkeit lebhaft erörtert wurde. Obwohl das Thema der Persammlung:„Hohe Steuern. niedrige Gehälter" nicht darauf schließen ließ, daß von der triolen Brunst des Herrn Schuck gesprochen werden könnte, hatte der deutschnalionale Handluugsgehilfen-Verband seine Anhänger in die Versammlung beordert mit dein Auftrage, zu verhindern, daß über die Schack-Affäre gesprochen werde und Beleidigungen, die gegen Schock erhoben werden sollten, festjiistelle». Eine Anzahl Deutsch nationaler mit ihren Führern Thomas und Walz an der Spitze, waren der Anffordernng nachgekominen und bemühten sich, durch fortwährende, gar nicht zur Sache gehörende Zwischenrufe den Vortrag des Referenten Ströbel zn stören. Durch derartige Zwischenrufe provoziert, machte Ströbel eine auf Schucks Trioleu Verhältnis bezügliche Be- merklmg. Darauf erhob sich der deutschnationnle Führer Thomas und rief dem Referenten Ströbel zn:«Sie sind ein g e- meiner L n m p 1" Die Freunde des Herrn Thomas erhöben ein wüstes Gdchrei. Infolgedessen enlüand ein allgemeiner Lärm. Der Vorsitzende der Bersammlung forderte Thomas auf. den Saal zu verlasseit. Daraus zog Thomas mir seinem Anhang unter lautem Rufen und Singen langsam nach dem Ausgange. Ii» der Nähe der Saaltür und aus der Treppe kam cL zu Rempeleien zwischen Dnitichnationalen und Anhängern des ZentralverbandeS. die dadurch verursacht ivaren, daß die Deutschnationalen dcn Ausforderungen der Ordner des ZentralverbandeS, dcn Saal zu räumen, mir zögernd und wider- willig nachkamen, zum Teil sogar mit hoch erhobenen Stöcken und Schirmen drohten.— Fünf Personen, die in dem lärmenden Haufen an der Saaltüre verwickelt waren, mußten am Freitag als Angeklagte vor der 120. Abteilung des Schöffengerichts Berlin- Mitte erscheinen. Die Angeklagten Bändel, Hofs mann, Lucatis, Duhm und Feder sind teils der Beleidigung, teils der Körperverletzung beschuldigt, die sie, auf Seite des ZentralverbandeS stehend, gegen Anhänger der Deutschnationalen be- gangen haben sollen. Am schwersten wird Ho ff mann durch die Anklage beschuldigt. Er soll einen Deutichnationalen mit einein Gummiknüppel geschlagen haben. Richtig ist zwar, daß Hosfniann, als der Sladau in vollem Gange war, einen Gummiknüppel in der Hand hatte, aber, wie vor Gericht durch einwandfreie Zeugen festgestellt wurde, ist dieser Gummiknüppel deutsch nationaler Herkunft. Ein Mann, dessen Persönlichkeit leider nicht festgestellt werden konnte, der sich ober durch kräftige„Heil"- Rufe als Freund der Herren Schack und Thomas zn erkennen gab, schwang den Gunimi» knüppel gegen Anhänger des Zentralverbandes. Der An- geklagte H o f f>n a ii n und ein Zeuge entwanden dein deutsch nationalen Knüppelhelden die Waffe, die nun in der Hand Hoffnianns verblieb, der sie triumphierend in die Höhe hielt. Der deutschuationalc Führer Thomas nutzte diese Situation aus. indem er unter Hinweis auf Hoffmann seinen Freunden zurief:„Haltet dcn Mann mit dem Gninmiknüppel, den wollen wir feststellen." Durch dies Manöver scheint in der Phantasie der überhitzten deutschnationalen Gemüter die Auffaffung entstanden zu sein, daß Hoffinaiin mit dem Knüppel geschlagen habe. Ein Zeuge auS dem Lager der Deutschnationalen will auch einen nicht sehr schmerzhaflen Schlag von Hoffmann erhalten haben, wa« dieser jedoch entschieden bestritt. Von einem anderen Zeugen wurde mit Sicherheit bekundet, daß die D e u t s ch n a t i o n a l e n mit Stöcken und Schirmen geschlagen haben. Die übrigen Angeklagten wurden durch sehr un- bestimmte Zeugenaussagen beschuldigt, in dem allgemeinen Radau beleidigende Aeußerungen gemacht oder auch einen Deulschnatioimlen gestoßen zu haben. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, der drei der Angeklagten verteidigte, beantragte die Freisprecht, na seiner Klienten, da gegen sie»ichtS erwiesen sei. Festgestellt sei dagegen. daß die Deutschnationalen die Versammlung besucht hätten in der Absicht, sie zu stören, während die Angeklagten bestrebt gewesen seien, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Nach dem Ergebnis der BeweiSoufnahme milsse gesagt werden: es find dieUn rechten auf die Anklagebank gekommen. Der Mann, der mit den» Gummiknüppel bewaffnet in die Versammlung ging und den Gummiknüppel gegen seine Gegner schwang, hätte auf die Anklage- dank gebracht werden müssen. In ähnlichem Sinne plädierte auch Rechtsanwalt Sieg- b e r t L ö w y für die Freisprechung dcS von ihm verteidigten An- geklagien Feder. Da? Urteil des Gerichts erging dahin: Hinsichtlich der Ange- klagten L u c a t i S und Duhm ist nicht erwiesen, daß sie sich der Beleidigung oder Körperverletzung schuldig gemacht haben. Er» wiesen ist. daß derGummiknüppel zuerst in den Händen eineSDeutsch nationalen war und daß ihm Hofsmann den Knüppel weggenommen hat. Da ei» Zeuge mit Bestimmtheit belundet hat, Hoffmann habe ihn mit dem Knüppel geschlagen, so mutzte Hoffmann wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges verurteilt werden, es sind ihm aber mildernde Umstände zugebilligt worden. Dem Angeklagten F e d e r ist nachgewiesen, daß er einen Anhänger der Deutsch- nationalen geschüttelt und ihm dadurch ein körperliche« Mißbehagen verursacht, also eine Körperverletzung begangen hat. Die Verhandlung gegen den Angeklagte» Bändel wird vertagt. weil ein wichtiger Zeuge ausgeblieben ist. Hoffmann und Feder werden jeder zu zehn Mark Geldstrafe verurteilt, Duhm und Lucatis werden freigesprochen. Die Verhandlung hat klar erwiesen, daß die Deutsch- nationalen, ihr Führer Thomas voran, die Versammlung durch Radau und Beleidigungen gestört haben, und daß zun: mindesten ein Deutschnationaler mit einem Gummi- knüppel— sicher nicht in der Absicht, damit zu dem Thema „Hohe Steuern, niedrige Gehälter" zu sprechen— sich zur Versammlung begeben hat. Und gegenüber diesem Sach- verhalt hat diese Triolengruppe des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie sich erdreistet, in haufenweise am Tage nach der Versammlung verbretteten Flugschriften die Wirklichkeit ans den Kopf zu stellen und sich als die armen Opfer der von ihnen Ueberfallenen hinzustellen. Wird das Wölfische Telegraphenbureau, daS gleiche Unwahrheiten nach der Versammlung in die Welt hinausposaunte, seine unrichtige Nachricht nunmehr widerrufen? Dieser Thatbestand ist, wiewohl eine Verurteilung von zwei Angeklagten erfolgt ist, unumstößlich festgestellt. Die NerurteUiiiigen dürsten in der Berufungsinstanz aufgehoben werden müfien. Denn selbst wenn ein Deutschnationaler geschüttelt oder mit dem seinem Freunde entwundenen Knüppel berührt ist, liegt unter den erwiesenen Umständen hierin keine Beleidigung, denn auch der einzelne Versammlungsbesucher hat das Recht, sich gegen radau», störungs- und schlaglustige Hausfriedensbrecher zu schützen. Die Deutschnationalen, welche mit Gummiknüppeln die Versammlung besuchten, die Bersammlung durch Beleidigungen und Radau störten und durch wüstes Geschrei die Fortsetzung der Versamm- lung verhindern wollten, haben durch ihr Eindringen in die Versammlung gemeinschaftlichen Haus- friedensbruch begangen. Sie. nicht die Angeklagten, gehörten auf die Anklagebank. Uns wäre eS gleichgültig, ob, nachdem der Tatbestand gerichtlich festgestellt ist, gegen sie nunmehr von Amtswegen Anklage erhoben werden wird, lvenn es uns gleichgültig wäre, daß die Gerechtigkeit blind ist. wenn es sich um Straftaten handelt, die Sozialdemokraten gegen- über begangen sind. Eine Nichterhebung der Anklage recht- fertigt noch mehr als bisher für Sozialdemokraten die An- Wendung der Notwehr. Welcher anständige Mensch vermag, nachdem das Verhalten der Führer des deutschnationalen Verbandes so sonnenklar erwiesen ist, den, Trioleuverband weiter angehören, ohne Scham zu empfinden? politifcde ClebevNdrt. Berlin, den 5. November 1909. Tie Sparsamkeit im Neichsschatzamt. In einem Teil der bürgerlichen Presse wurde vor einigen Tagen berichtet, der NeichSschatzamtSsekretär Mermuth solle bei der Auf- stelluug deS neuen NeichSetalS auf möglichste Sparsamkeit gedrungen und von den Forderungen einzelner SiessorlS bcrrächtliche Smumeu — im ganzen an 180 Millionen Mark— abgestrichen haben, und zwar wären beim Hcereshaushalt die größten Abstriche vorgenommen worden. Diese Nachricht hat ans leicht begreiflichen Gründen in gewissen Kreise» der Großindustiielle», besonders bei den Stahlindustriellen, viel Verdruß hervorgerufen; denn an den Lieferungen für Heer und Flotte wird gul„verdient". Um diese Verstimmung abzuschwächen, bringt die„Rhein.-Westf. Ztg.", das Blatt, das bisher am meisten für Flolteurüstungeu schwärmte, folgende, allem Anschein nach offiziöse Beschwichtigungsnotiz: „Daß der neue Machthaber im Neichsschatzamt bei seiner grüud- licheu Spartätigkeit keiiieu sehr erheblichen Widerstand fand, ist teils darauf zurückzuführen, daß er den Kanzler mit seiner vollen Zustimmung und Unterstützung hinter sich wußte, andererseits aber besonders beim HeereshaushaltS- plan, der bekanntlich stets eine besondere Nolle spielt, General v. Heringen als Neuling wohl noch nicht sattelfest genug ist, um jede einzelne Forderung«rlämpseu zu können. Hoffentlich ist aber gerade hiertiichtam unrechten Endege« spart worden. Daß es aber überhaupt möglich war, so un» geheure Sunimen einfach auszumerzen, läßt doch die Vermutung auskommen, daß a ir»r a» ch e n Orten der Sinn für richtige Einteilung der wirklich vorhandenen Bedürfnisse noch recht schwach e n t iv i ck e l t ist. ES wäre deS Deutschen Reiches durchaus unwürdig, seiner augeublicklich immer noch bestehenden bedrängien Fiiiauzlagc wegen Abstriche zu machen, die direkte Schädigungen an, Organismus des Heeres oder der Flotte herbeiführe» könnten, oder Deutschland gar hinderte», seinen kulturellen Ber» Pflicht ungen als führende Großmacht gerecht zu werden. Wie man uns aber versichert, handelt cS sich bei den 130 Millionen um Dinge, die ihrer Beschaffenheit nach ent- weder einen Aufschub recht wohl vertragen können oder in der Tat überflüssig sind. Wir glauben daher, daß daö deutsche Volk die stille ersprießliche Täligleit de» Reichsschatzamtes voll anerkennen wird. Diese Art, Abstriche zu machen, ist entschieden dem Gezänk im Reichstage um jeden einzelnen Pfennig vorzuziehen." In Wirklichkeit dürfte es sich bei der Ausstreuung der Nachricht, der neue ReichSschatzsekretär hätte auS übertriebenen SparsamkeilS- rücksichten beim ReichshauShaltSetat bereits größere Abstriche vor» genoniinen, als sich eigentlich mit Deutschlands Großmachlstellung verträgt, nur um eine auf die Naivität so manche? ZeitungSleserS spekulierende geschickte Mache zu handeln. Man fürchtet offenbar in den RegierungSkreisen, daß in Anbetracht der schlechten Reichs« finanzlage der Reichstag von den Etatssordeningen erhebliche Summen streichen könnte, und dem sucht mau vorzubeugen, indem man ver» sichert, der RcichSschatzsekretär hätte schon selbst die Forderungen der einzelnen Ressorts dermaßen beschnitten, daß für dm Reichstag nichts mehr zum Abstreichen übrig bleibe. Kommunaltvahlsiege. Die erste preußische Gemeinde mit sozialdemokratischer Stadtverordnetenmehrheit. Solingen, B. Oktober.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) In H o ch s ch e i d(oberer Kreis Solingen) hat heute die Sozial» demokratie die Mehrheit im Stadtvcrordnetcnkollegium erobert. In der zweiten Abteilung wurde Genosse Redalteur Deisel von der„Bergischen Arbeiterstimme" mit 76 gegen 29 bürgerliche Stimmen zum Stadtverordneten gewählt. Die Sozialdemo- Iratie besitzt jetzt 13 von den 24 Mandaten des Hochscheider Stadt- verordnetenkollegiums. • Die Siege in Altona. Wie schon telegraphisch gemeldet, halten auch am zweiten Tage unsere A l t o n a e r Genossen einen glänzenden Sieg über das vereinigte Spießertum errungen. Bis zum Jahre 1003 glaubte sich die Bourgeoisie, die sich durch besondere Rückständigkeit in kommunalen wie sozialpolitischen Dingen auszeichnet, in ihrer Kommunalherrschaft durch das reaktionär« Wahlrecht— 1200 Mark- Zensus und öffentliche Stimmabgabe— in ihrer Herrschaft gesichert. Als aber im Vorjahre unsere Partei einen gewaltigen Vorstoß machte, indem sie gegen die vorherige Wahl über 1000 Stimmen gewann, wurden die Prominenten, die stets im engsten Kreise die Wahlen„machten", aus ihrer Lethargie cmporgeschrcckt. Hannibal ante portas I hieß eS, Bürger, wahrt Eure heiligsten Rechte! lautete die Kampfparole gegen die Sozialdemokratie. Die skandalöse Oberbürgermeisteraffäre, die vielen kommunalpolitischcn Sünden bewirkten, daß viel« weiterblickende Bürger sich der Wahl der Roten freuen, von deren Eintreten für einen gesunden kommu- nalen Fortschritt sie eine Wendung zum Besseren erwarten. In diesen Erwartungen wird man sich nicht täuschen, die fünf Hechte im bürgerlichen Karpfenteich werden für die nötige Bewegung sorgen. Am ersten Wahltage erhielten unsere Kandidaten 8984 bczw. 392B, die Bürgerlichen 2895 bezw. 2919 Stimmen, am zweiten Wahltage, an dem drei Stadtverordnete zu wählen waren, musterten unsere Kandidaten 4064 bczw. 4058 und 4055, die Bürger- lichen 3357 bezw. 3324 und 8165 Stimmen. Gegen das Vorjahr ist unsere Stimmenzahl um rund 2200 gewachsen, hat sich also mehr als verdoppelt. Von den über 17 000 Wählern übten etwas über 40 Proz. ihr Wahlrecht aus. Die Bedeutung dieser Wahl tritt um so schärfer hervor, wenn man in Betracht zieht, daß nur derjenige wahlberechtigt ist, der 39 M. Steuern bezahlt oder im Besitze eines Hauses ist. Und trotzdem haben unsere Genossen Bresche gelegt in daS mit Privilegien doppelt umwallte Rathaus! Riesige Steigerung der sozialdemokratischen Stimmen in Köln. Bei der Stadtverordnetenwahl in Köln, die am Donnerstag zu Ende ging, erhielten in der dritten Lwteilung: Sozialdemokratie 19 669, Zentrum 18 796 und die freisinnig- nationalliberale Liste 4000 Stimmen. Bei der letzten Wahl vor zwei Jahren hatten Sozialdemokratie 8460, Zentrum 11 170 und Liberale 2530 Stimmen. Durch die Ausdehnung des Wahlrechts auch auf die Bürger, die zu einem Einkommen von 660— 900 M. veranschlagt sind(die veranlagt« Steuer wird nicht erhoben), hatte sich die Zahl der Wahlberechtigten von 49 000 auf 70 000 vermehrt, Die Wahlbeteiligung stieg von 35 auf 48 Proz., ein Beweis, mit welcher Energie diesmal gekämpft worden ist. Die Zahl der Wahl» berechtigten war um 41 Proz. gestiegen; die sozialdemokratischen Stimmen aber nahmen nm 208 Proz. zu, während das Zentrum seine Stimmen nur um 68 Proz. und die Liberalen nur um 54 Prozent steigerten. Das ist um so ÜemerTenswerler, qIS die Wohl völlig im Zeichen der Neichsfinanzrcforw stand. Flugblätter. Plakate und Versammlungsredcn bcfahten sich zumeist mit den neuen Steuern. Von kommunalpolitischcn Dingen sprachen nur unsere Parteigenosie», während das Zentrum die Vorgänge in Barcelona zum Mittelpunkt des Stadtratswahlkampfes in Köln zu machen suchte. Es bezeichnete die Kölner Sozialdemo- kratie immer wieder als Bundesgenossen der spanischen Anarchisten und suchte der Sozialdemokratie die Kirchenstürmerden, Brandstiftungen und sonstigen Verzweiflungstaten des von den spanischen Klerikalen zum Acußersien getriebenen Volkes an die Rockschöhe zu hängen. So ordinär wie bei dieser Stadtverordnetcnwahl hat das Kölner Zentrum, insbesondere die kleine Lokalpresse, bisher noch nie bei einer Neichstagswahl gekämpft; noch nie haben Fäl- schungcn und Verleumdungen solche Orgien gefeiert. Und der Erfolg? Tie sozialdemokratischen Stimmen haben sich mehr als verdreifacht! m Bei den Stadtratswahlen in Zweibrücken erhielt unsere Partei b Sitze. Bisher war die Sozialdemokratie noch nicht im Stadtrate vertreten! Die Hochverratsanklage zusammengebrochen. DaS Reichsgericht hat das einzige getan, Ivas es in dem be- fremdenden Prozeß gegen die beiden Anarchisten Levyn und Lübeck nach dem Stande der völlig unhaltbaren Anklage tun konnte: es hat die beiden Angeklagten freigesprochen. In der U r t e, l s b e g r ü n d u n g führte der Vorsttzende Senats- Präsident Dr. Olshausen aus: DaS Gericht hat sich auf den Slandpunkt des Sachverständigen und der bisherigen Praxis des Reichsgerichts gestellt. Es vermißt in den inkriminierten Artikel», daß es sich um einen bestimmten konkreten Akt gehandelt habe, der in nicht zn weiter Ferne eintritt. Daß an ein hochverräterisches Unternehmen in naher Zukunft gedacht ist, ist von der Verteidigung selbst zugegeben worden. Aber es fehlt die notivendige Konkretisierung. In dem ersten Artikel„SyndikalisinnS und Anarchismus' wird auSeinandergescyt, wie die gewerkschaftliche Bewegung dem Anarchismus einerseits nützlich, andererseits schädlich sein könnte und der Schluß gezogen, daß der Anarchismus auf eigene Faust auf den Umsturz bin- arbeiten müsse. Wo man aber einen bestimmte» Vorgang sehen soll,, bei dein einzusetzen sei, ist in dem Artikel nicht näher dargelegt. Bei dein zweiten Artikel.Wem, Ihr Euch zur Tat entichlicßt' liegt der Fall ähnlich. Es kommt selbstverständlich nicht daraus an, waS sich der Bersasser bei Abfassung des Artikels gedacht hat, sondern darauf, was der Leser daraus entnimmt. Aber auch in diesem Artikel konnte das Gericht nichts finden, was die Anklage gestützt hätte. Die ß§ HO und 113 des Strafgesetzbuches kommen ebeiitalls nicht in Frage. ES war daher, wie geschehen, auf Freisprechung zu erkennen. Die Freigesprochenen wurden sofort aus der Haft entlassen._ Der Rückgang der freisinnigen Stimmen bei der Berliner Stadtverordneteuwahl, den wir bereits in unseren letzten beiden Nummern gründlich beleuchtet haben, tritt besonders markant hervor im achten Kommunal- Wahlbezirk. Dort hat, wie wir hiermit nachtragen wollen, am 23. Oktober 1906, als Genosse Autnck nach Brannschiveig übersiedelte und infolgedessen sein Mandat niederlegte,' eine' Neuwahl' stattgeflkilden. Diefe- tst nicht zu venftetcheu'mU'due�Nachwaht, Grund der bestehenden Wählerlisten gewählt wird, und gibt daher ein anderes Bild als der Vergleich von 1993—1999, wie folgende Aufstellung zeigt: 8. Kommunalbezlrk. Eingeschrieb. Abgegebene Es erhielten o-i-kvr Wähler Stimmen Soziald. Kreis. �* 1903... 6283 2149 1356 791 2 1906... 6074 2308 1379 928 1 1909... 6776 2295 1695 600 2 Im Jahre 1996 stimmten 159 Wähler mehr als im Jahre 1993, davon erhielten Sozialdemokratie 23 und Freisinn 137 Stimmen niehr; bei der Wahl 1999 wählten 13 weniger als im Jahre 1996, es erhielten Sozialdemokratie 316 mehr, Freisinn 328 weniger! Nach dem Vergleich 1993—1999 hätten die Freisinnigen nur 191 Stimmen verloren, nach dem Vergleich 199v— 1999 aber 323 Stimmen, und das binnen drei Jahren! Hansagraricrpolitik. Die bayerische Abgeordnetenkammer hat gestern(Freitag) mit 119 gegen 21 Stimmen das neue Haus- und Grundsteuer- gesctz angenommen. Dagegen stimmten die Sozialdemo- kraten sowie 4 Liberale. Durch das neue Gesctz werden d i e Steuerlasten für den Hausbesitz um die Hälfte ermäbigt!_ Seltsame Praktiken fiskalischer Betriebe. Im Anschluß an die Aufsehen und Kopfschütteln erregenden Enthüllungen über die Art, wie die Bertvaltung der Kieler Reichs- werft die Altmaterialien weit unter ihrem Werte an eine» Ring von Händlern verschleuderte, wird uns geschrieben: „Ein grober Mißstand für den Staat ist die Art und Weise, wie die Verkäufe bei der Werft gehandhabt werden. Während die Verwaltungen in Wilhelmshaven und Danzig und vor allen Dingen sämtliche deutsche StaatSbahncn ihre Materialien, die sich auf viele Millionen im Jahr belaufen, öffentlich ausschreiben und jeden Bieter ohne Kaution zulassen(die Kaution von 10 Proz. braucht erst nach geschehenem Zuschlag hinterlegt zu werden) und nachher die Preise veröffentlichen, hat die Werftverwaltung in Kiel seit Jahrzehnten die strengste Geheimhaltung so- wohl über die Verkäufe selbst, als über die abgegebenen Preise bewahrt. Aus diesem Grunde war es möglich, daß nur ein kleiner Teil von Bietern überhaupt davon Kenntnis hatte und sich ein Ring bildete, der dem Staat jährlich viele Tausende entzog, ganz abgesehen natürlich von den Unterschlagungen. Ein gleiches unkaufmännisches Verfahren herrscht im Reichs- Postamt. Auch besten Verkäufe an Altmetallen sind sehr erheblich und belaufen sich speziell in Berlin allein auf mehrere hunderttausend Mark jährlich. Zum Verkauf gelangen hauptsächlich Bleikabel, Kupferdraht und Eisen. Trotz vieler Beschwerden kann sich die Ober-Postdirektion hier und andcrorts nicht dazu verstehen, ihre Altmaterialien gleich den StaatSbahncn im Submissionsanzeiger oder in der Presse auszuschreiben, jeden Bieter zuzulassen und die Verkaufspreise der Kontrolle halber zu veröffent» lichen, sondern es wird nur eine kleine Anzahl von Händlern zur PrciSabgabe aufgefordert. Auf diese Weise hat sich hier seit Jahren die Praxis heraus- gebildet, daß die Bieter immer genau orientiert waren, wer. zur Preisabgabe aufgefordert war(da es ja stets dieselben waren) und unter sich einen Ring bildeten. Die Verwaltung wird mmsmid Lichtenberg vor dem OberkriegSgerlcht in BerNn zu ver» um Taufende geschädigt, indem die Ware durch einen bestimmten! antworten. Die drei sollen dem Befehl eines Leutuants v. Pirscher, Händler erstanden wird und am Abend des Zuschlagstages in j beim Exerzieren Schritts zu halten, nicht �nur nicht nachaekomm«, einem Restaurant eine Zusammenkunft stattfindet, wo das Material nunmehr an den Hoch st bieten den versteigert wird. Der Nutzen, der für jeden dabei abfällt, ist jedesmal sehr erheblich � gewesen! Das Merkwürdige ist nun, daß die hiesige Ober-Post direktion verschiedenen großen Firmen auf deren Anfrage mit- geteilt hat, daß sie weitere Bieter nicht mehr zulassen rönne, da bereits genügend vorhanden seien! Alle bisherigen Beschwerden an die Ober-Postdirektion waren erfolglos: vielleicht ist es aber ein Erfolg dieser Veröffent- lichung, daß endlich eine Aenderung eintritt." Nord und Süd im NationalliberalismuÄ. Ter Streit um das Stichwahlabkommen in Baden scheint sich zu einer literarischen Rauferei zwischen den national- liberalen Blättern Norddentschlands und Badens aus- zuwachsen. Die Leiter des badischen Nationalliberalismns sind empört über die Vorwürfe, die ihnen von den nord- deutschen Blättern ihrer Partei, vornehmlich von der „Nationall. Korresp." und der„National-Ztg.", gemacht werden, und antworten darauf mit heftigen Ausfällen auf die Führer des norddeutschen Nationalliberalismus. So schreibt z. B. die„Bad. Landesztg.": „Süddeutschland ist für die Norddeutschen eine Gegend, die sie auf Sommcrreiscn besuchen. Auf Sommerreisen befaßt man sich nicht gerne mit Politik, und so kommt es, daß man in Nord- deutschland die politischen Verhältnisse des deutschen Süden mit dem größtmöglichsten Mangel an einer doch immerhin wünschcns- werten Sachkenntnis und rein nur durch die Brille der nord- deutschen Verhältnis� betrachtet. Wenn nun konservativ« oder gar offiziöse Blätternde die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", vor unserem mehr demokratischen Gehaben eine instinktive Ab- scheu haben, und ihn auch äußern, wenn insbesondere sich vor dem Stichwahlabkommen des liberalen Blocks in Baden mit der Sozialdemokratie förmlich bekreuzigen, so kann uns das ganz- lich kalt lassen. Die Leute wissen es nicht besser und können cS nicht besser wissen. Aber wenn die nationalliberale Presse im Norden und wenn nationalliberale Abgeordnete, wie zum Beispiel Herr Fuhrmann, uns ob der von uns nach reichlicher Erwägung eingeschlagenen Taktik glauben abrüffcln zu dürfen, dann ist ein kräftiges Wort der Abwehr ani Platze. Denn das haben sie mit ihren konservativen LandeSgenossen gemein: Sie verstehen zu wenig oder nichts von den Dingen, wie sie bei uns stehen, sie verstehen sich auch nicht auf süddeutsche Art und süddeutsches Denken.... Die„Nationalzeitung" bringt es übrigens ganz nach dem Rezepte unserer Zentrumsprcssc fertig, aus der Tatsache, daß die Zahl der nationalliberalen Mandate im Laufe der Zeit von 52 auf 17 zurückgegangen ist, die Frage zu formulieren, ob die von uns befolgte Politik und Taktik die richtig« gewesen sein kann? Sie übersieht aber ganz, daß wir mit 75 000 Wählern immer noch ein Viertel des Volkes hinter uns haben und daß wir also in Baden immer noch sehr viel mehr bedeuten als die national- liberale Gesamtpartei im Reich. Eine rein grundsätzliche Verurteilung unseres taktischen Vor» gehens bei den Landtagswahlen müssen wir als unverständig, unfreundlich und unberechtigt mit aller Entschiedenheit zurück- weisen. Wie wir dem gemeinsamen liberalen Gedanken den Boden i nBaden_ bewahren und neues Land dazu erkämpfen wollen, das wissen wir gerade nach diesen Wahle» dann je. Darin werden wir uns durch eine Kritik, deren Aeguviente unseren nationalliberalen Parteifreunden im Norden gemein- sam sind mit unseren klerikalen Todfeinden im badischen Lande, nicht irre machen lassen." sein, sondern die Mannschaft aufgefordert haben, dem Befehl nicht zu geborckien. Die erste Instanz vcrurieilte deswegen Mewes zn fünf Jahren, die Unteroffiziere zu je zwei Jahren Gefängnis I Gegen oas Urteil ist von beiden Seiten Berufung eingelegt worden. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oes f entlich- k e i t statt, das Urteil kann gestern(Freitag) erst sehr spät gefällt worden sein, oder der Spruch erfolgt heute. Das ObcrkriegSgcricht in Hannover verurteilte am Donnerstag als Berufungsinstanz drei Soldaten wegen Auf- r u h rs: einen zu 3 Jähren Gefängnis, zwei andere zu je 5 Jahren Zuchthaus! Die Soldaten hatten im Manöver nach einem vcr- gnügt verlebten Abend, an dem sehr viel getrunken wurde, an- geblich mit Steinen nach Unteroffizieren geworfen, die sie zum Heimgehen aufforderten.(Im Falle des zu Gefängnis Ver- urteilten konnte ein schlüssiger Beweis für die Beteiligung am sogenannten Aufruhr nicht geführt werden.) In erster Instanz :i>ar der Aufruhr verneint worden, und alle drei hatten je 3 Jahre Gefängnis erhalten. Gegen das überaus harte Urteil des ObcrkriegsgerichtS sollRevi- sion eingelegt werden._ Die Säbelscheide des Leutnants als„Erziehungsmittel". Vor dem Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt, stand am Donnerstag der Leutnant Leo von Scopp von der 11. Kom- pagnie des 94. Infanterieregiments in Jena, Sohn eine« in Hannover lebenden Oberstleutnants a. D., unter der Anklage der Mitzhandclung und Beleidigung eines Unter- g ebenen. Am 31. August d. I. war Regimentsexerzieren. Während desselben mußte die 4. Kompagnie an dem Standort des Leutnants vorüber und aus Versehen stieß hierbei der Gefreite P f a f f den Leutnant, den er wegen seiner Vordermänner nicht hatte sehen können and ihm nun unvermutet aus- weichen mußte, mit dem Ellenbogen an. Darüber geriet der Herr Leutnant in große Erregung, er lvollte den Gefreiten fassen- was ihm aber nicht mehr gelang, deshalb lief er ihm nach und stieß ihm mit den Worten:„Warte, Du Aas!" die Säbel» scheide so derb in den Rücken, daß der Soldat nach vorn taumelte. Sofort nach dem Stoß verspürte Pfaff Schmerzen in der Nierengegend und mußte der Truppe nachfolgen. Der Gestoßene, der inzwischen zur Reserve entlassen und Eisendreher von Beruf ist, behauptet, noch heute Schmerzen zu haben, wenn er schwere Arbeit verrichte. Mehrere Zeugen, darunter der Feldwebel von der 4. Kompagnie, be« künden den Vorfall so, wie er hier geschildert wurde, besonders be- haupten sie im Gegensatz zu dem Leutnant, dieser habe gekniet und nicht gestanden, so das; ihn der heutige Zeuge Pfaff nicht sehen konnte. Der Feldwebel stellt letzteren! außerdem das Zeugnis eines sehr zuverlässigen Soldaten aus und auch das Führungszeugnis des Kompagniechefs v. Wangcnheim lautet sehr lobend über Pfaff: insbesondere wird in dem- selben gesagt, es sei kein Anhaltspunkt dafür vorhanden, daß Pfaff die Sache schlimmer darstelle, als sie wirklich gewesen sei. Der Anklagevertreter beantragte gegen den Leutnant, der übrigens schon mehrmals mit Stubenarrest und einem förmlichen Verweis vorbestraft ist, 15 Tage S t u b e n a r r e st. Der Angeklagte bestreitet den Vorsatz. den Pfaff stoßen zu wollen, er habe ihn„nur aufmerksam machen" wollen, das; er in Zukunft vorsicbtiger sei und nicht wieder einen Vorgesetzten anrempele. Das Wort„Aas" habe er nicht gebraucht, sondern nur gerufen:„Du(!) bist wohl ver- rückt!" Das Urteil lautete auf— drei Tage Stubenarrest wegen Beleidigung und vorschriftswidriger Be- Handlung; der Stoß sei so wenig kräftig gewesen, daß Recht'Süf'sctll ig war�das Verhalten einiger Herren R ilhlVfc dadtniet des Vorsitzenden Artilleriemajors, von denen Die Tabaksteuer. Im Kreise Herford machen sich, wie der„Kölnischen Zeitung" von zuverlässiger Seite berichtet wird, die Wirkungen des neuen TabaksteuergesetzeS empfindlicher geltend, als in irgend« einem anderen Bezirke Deutschlands. Bon 19 000 dort beschäftig- ten Tabakarbeitern sind jetzt mindestens 6000 arbeitslos, die auf die Reichsunter st ützung angewiesen sind! Man sieht in der westfälischen Zigarrentndustrie der EntWickelung mit ganz besonders schlverer Sorge entgegen. Er hat nichts gesehen. Im neuesten Heft seines„Plutus" bestäiigt Herr Georg Bernhard, daß er von der Buchhaltungstelle des Bundes der Landwirte — die er öffentlich als mustergültig bezeichnet und den kleinen Handel- und Gewerbetreibenden zur Nachahmung empfohlen hat— auch„nicht mehr oder doch nur sehr wenig mehr als Herr v. Ubisch gesehen" hat. das heißt also leere Formulare und Bücher. CS versteht sich, daß er dieses ihm vielleicht unbequeme Geständnis wiederum in sehr ausgedehntes Drumherumreden einwickelt. Darauf einzugehen liegt kein Anlaß vor. Nur wollen wir noch einmal her- Vorheben, waS wir an der Geschichte— soweit sie seine Person be- trifft— merkwürdig finden, weil nämlich Herr Bernhard über diese» wesentlichen Punkt entweder sich selbst nicht klar ist oder Unklarheit zu verbreiten sucht. Merkwürdig ist, daß die„Deutsche Tageszeitung", als sie den Vorwurf des Steuerbetrugs abzuwehren suchte, sich auf ein Zeugnis des Herrn Georg Bernhard zugunsten der Buchführung aus der Ferne berufen konnte. Merkwürdig ist, daß Herr Georg Bernhard, der„ehemalige Sozialdemokrat und scharfe Gegner der Agrarier", im Oktober von neuem eine Lanze zugunsten der Buchführung aus der Ferne brach. obwohl inzwischen bekannt geworden war, daß diese Buchführung aus der Ferne— von ländlichen wie städlischen Kapitalisten— zu einem planmäßig organisierten Steuerbetrug be- nutzt wird. Merkwürdig ist endlich, daß Herr Bernhard sein günstiges Urteil gefällt hat, obgleich ihm„wenig mehr" als leere Bücher und For- mulare zu Gesicht gekommen sind. Noch eine weitere Merkwürdigkeit können wir heute hinzufügen. Die nämlich, daß Herr Georg Bernhard auch jetzt wieder die An- gaben des Professors Delbrück über agrarischen Steuerbetrug eifrig abzuschwächen sucht. Herr Delbrück hat bekanntlich neuerdings von einem Gut in der Provinz Sachsen berichtet, dessen Wert von einem RechnungSkoutor um etwa eine Million zu niedrig heraus- gerechnet worden ist. Dazu meint Herr Bernhard, das sei „etwas gar nicht Absonderliches. Wir finden sie(eine solche In- ventaristerung) bei allen industriellen Unternehmungen genau ebenso.... In Berlin z. B existiert eine ganze Reih« von Brauereien, die ihren Grundbesitz zum Einkaufspreis vom Jahre 1830 oder 1840 nach wie vor zu Buch zu stehen und sich dainit große stille Reserve» geschaffen hat." Natürlich— so fügt Herr Beruhard hinzu— darf man so nur sür die Inventur rechnen, aber nicht für die Steuererklämng. „Aufrnhp". Wegen militärischen Aufruhrs und Gehorsamsverweigerung haben sich der Vizefeldwebel MeweS und die Unteroffiziere S iah n man eher glauben konnte, sie seien Verteidiger des Ange- klagten und betrachteten den Zeugen und Geschlagenen und Beschimpften als den Angeklagten, denn obwohl z. B. nach sämtlichen eidlichen Zeugenaussagen feststand, daß Pfaff, der zudem die militärischen Vorgänge vor ihm im Auge behalten mußte, den knienden Leutnant nicht sehen konnte, meinten einige Herren ganz ungeniert zu dem Zeugen Pfaff, er habe wohl„getost" (geschlafen).— Hocherhobenen Hauptes verließ der Herr Leutnant die Gerichtöstäite_ franhreteb. Die Wahlreform. Paris, 5. November. Die Deputiertenkammer fetzte heute die Beratungen über die W a h l r e f o r m fort. Ministerpräsident B r i a nd erklärte kurz, die Regierung sei nach wie vor der Ansicht. daß die Reform im Prinzip wünschenswert sei, gegenwärtig aber sei sie unmöglich. P e l l e t a n(sozialistischer Radikaler) ldes auf die schweren Unzntrüglichkeiten des Proportionalwahlsystems hin, das die kleinen Minoritäten vernichten und zu Kämpfen zwischen den Kandidaten derselben Partei führen werde. Gamlmdschitze freigelassen. Den Häschern des Zaren ist eine Beute entgangen. Wassili G a m b a d s ch i tz e, der junge Student aus dem Kaukasus, über dessen auf Verlangen der russischen Polizei in Frankreich vor» genommene Verhaftung wir berichtet haben, ist jetzt aus der Haft entlassen worden, weil sich kein Anhaltspunkt für sein angebliches Verbrechen finden ließ. Zweifellos hat der von den ruffischen Revolutionären an die Oefsentlichkeit gerichtete Appell geholfen, dieses Ergebnis herbeizuführen. Spanien. DaS verbrecherische Abenteuer. PariS, S. November. Wie den Blättern aus Oran gemeldet wird, treten infolge der fortdauerdcn heftigen Regen« g ii s s e in der spanischen R i f a r m e e überaus zahlreiche Krank- beitSfälle an Ruhr, Typhus und S u m p f f i e b e r auf. Aus einzelnen Lagern sollen täglich etwa 220 Kranke nach den Spitälern gebracht werden. englancl. Annahme des Etats. London, 4. November. Unterhaus. Am heutigen letzten Tage der Debatte über das Budget kennzeichnete B a l f o u r das Budget als sozialistisch, weil es sich an der Sicherheit des Eigentums vergreife, die von dem kommerziellen Gedeihen des Landes unzertrennlich sei.— Premierminister A s q n i t h erklärte, das Budget werde die Billigung der überwiegenden Majorität der einzigen Instanz dieses Landes erhalten, die verfassungs- mäßig befugt sei, sich mit den Finanzen des Landes zu beschäftigen oder sie zu regeln. Diese Herausforderung an die Lords wurde von den Ministeriellen mit lautem, andauerndem Beifall begrüßt. Schließlich wurde die dritte Lesung des Finanz- gesetzes mit 3 79 gegen 149 Stimnien an- genommen. Die Nationalisten enthielten sich der Ab- stimmung. Nach der Verkündigung des Ergebnisses fand eine große Kundgebung der Liberalen statt, welche A s q u i th und Lloyd Georgeenthnsiastisch feierten und sie zur Beendigung des langen Kampfes beglückwünschten. Die irische Landbill. London, 8. November. Unterhaus. Der Chefselretär für Irland, B i r r e l, beantragte, die Zusahanträge des Oberhauses zur irischen L a n d b i l l en bloc abzulehnen und führte aus. daß das Oberhaus 24 Paragraphen vollsländig gestrichen, 13 ab- geändert und 13 neu eingefügt hätte. Der Entwurf des Ober- Hauses sei mit den Vorschlägen der Regierung unvereinbar. Aver da sei ein großer Spielraum für ein Kompromiß und er sei bemüht, ein Uebcreinkommen zustande zu bringen. Die Zusatzaivträgc wurden sodann mit 219 gegen S4 Stimmen abgelehnt und das Haus bis zum 23. d. M. vertagt. Rußland« Die feige Duma. Petersburg, 5. November. Die Kommission der Duma beschloß, eine zum Artikel 90 der Grundgesetze eingebrachte Jnter- pellatiou abzulehnen. Nach einer kürzlich veröffentlichte» kaiser- lichen Verfügung zu diesem Artikel unterliegen alle legislativen Fragen hinsichtlich der Organisation der Land- und Scestreirkräfte sowie der Landesverteidigung der unmittelbaren Sanktion des Kaisers. Die Kommission begründet die Ablehnung der Interpellation damit, daß die kaiserliche Verfügung nickt zur Kompetenz der Duma gehöre, sondern nur etwaige ans sie be- gründete Handlungen der Regierung. Solche Handlungen liegen jedoch nicht vor. Mit anderen Worten: Die Majorität der Duma findet nicht den Mut, gegen die weitere Einschränkuug ihrer ohnehin so spärlichen Rechte Protest zu erheben. Nikaragua. Der Bürgerkrieg. New Pork, 5. November. Nach Meldung eines Berichterstatters des Sun haben die Revolutionäre in Nikaragua die Truppen des Präsideiiten Zelaba gestern in einem heftigen Gefecht bei Lajas, bei dem auf beiden Seiten einige hundert Kämpfer ge- fallen sind, geschlagen und sich dadurch den Weg zur Hauptstadt freigemacht. Hus der Partei. Tie Organisationen und der Parteitag. Am 31. Oktober erstattete Genosse Glocke als Partei tagsdcle- (sterter des Nordhäuser Kreises, dessen RcichZtagSkandidat er ist, in der Generalversammlung dcL Sozialdemokratischen Vereins zu Nordhausen Bericht über die Verhandlungen des Leipziger Partei- tags. Zur Abstimmung über die Erbschaftssteuer gab der Referent der Meinung Ausdruck, daß die Neichstagsfraktion even- tuell mit der Z u st i mm u n g das Richtige getroffen haben würde. Der Redner erörterte auch den Schnapsboykott und er- klärte es als die Pflicht jedes Parteigenossen, dazu beizutragen. daß der Boykott wirksam gestaltet werde. Das Thema Reichs- versicherungßordnung müßte, so empfahl Glocke, in den Ortsvereinen eingehend behandelt werden, zumal da der Reichstag sich mit dieser Materie wahrscheinlich schon sehr bald beschäftigen werde. Eine Diskussion über den mit einstimmigem Beifall auf- genommenen Vortrag fand nicht statt. Die Versammlung delegierte zum preußischen Partei- tag den Genossen W i ck l e i in_ Unsere Presse in eigener Behausung. Unser Stuttgarter Parteiorgan(die„Schwäbische Tagwacht") hat Ende Oktober sein neues Heim bezogen. Es ist ein an der Hauptstätterstraße in Stuttgart belegenes Grundstück in der Größe von 902 Quadratmetern, das zum Preise von 121 399 M. angekauft worden ist. TaS darauf stehende alte Gebäude wurde von Grund � aus niedergerissen und durch einen neuen zweckentsprechenden Bau ersetzt. Hervorgehoben zu werden verdient hierbei, daß eine mit allen Räumen, auch den Wohnungen, durch Röhren verbundene Entstaubungsanlage, die gerade bei der Verarbeitung von Zeitungspapier hygienisch sehr vorteilhaft ist, eingebaut wurde. Die Druckerei ist den modernen Ansprüchen entsprechend eingerichtet worden. Bisher wurde der Text der„Tagwacht" noch in Handsatz hergestellt, während jetzt zwei Linotype-Setzmaschinen angeschafft worden sind. Auch unser Düsseldorfer Parteiblatt die„Volkszeitung", die vor wenigen Wochen ihr zwanzigjähriges Bestehen beging, hat die alten Räume am Karlplatz und an der Benratherstraße, die ihr annäbernd sechs Jahre Domizil boten, verlassen und ist ins neue Heim Wallstr. 19, übergesiedelt. In neuen, großen, freundlichen und lichten Räumen wird jetzt das Düsteldorfer Arbeiterblatt her- gestellt: im eigenen, seiner baldigen Vollendung entgegengehenden Heini der Tüsseldorser Arbeiterschaft, im„Volkshaus". Das „VolkShanS" selbst ist seiner Bestimmung noch nicht übergeben, aber der Vau geht seiner Vollendung entgegen. F.rtschritt der Presse. Das B o ch u m e r„V o l k s b l a t t" hat seit dem 3. Oktober dieses Jahres 1192 neue Abonnenten gewonneni 5>olirelticlie»» Scrictirncbes ufw, Tie Leipziger RcvisionSmafchine. Wegen„M ajestätsbeleidigung" ist am 7. Juli d. I. vom Landgericht Kalmar i. Eis. der Parteisekretär Heinrich Knauf zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten verurteilt worden. Er hat in mehreren Versammlungen einen Vortrag über „Das persönliche Reginient des Kaisers und die 99 9 Mill. neue Stenern" gebaltcn. Darin sprach er vom GotteSgnodcntum, den Vorfahren und der Vielseitigkeit des Kaisers. Das Gericht ist der Ansicht, daß der Angeklagte die Führung des TilelS„Von Gottes Gnaden" und die Vielseitigkeit des Kaisers nicht einer sachlichen Kritik unterzogen habe; von den Vor- fahren deS Kaisers habe er nur die schlechten Eigenschaften und Taten hervorgehoben!— In der einen Versammlung habe er dem Kaiser Verkehr mit unanständigen Dämchen unterstellt. In seiner Revision behauptet- der Angeklagte, er habe einen Angriff auf die Ehre des Kaisers nicht beabsichtigt; eine bloße Verletzung der Ehrfurcht genüge nicht zur Verurteilung, cbrverletzmde Aeußcrungen aber feien nicht festaestellt. Er habe nur die Schäden des persönlichen Regiments besprochen und den Kaiser nur als den markaniesten Vertreter dieses Regiments her- angezogen. Di- einfache Aufzählung aller der Gebiete, auf denen der Kaiser sich betätigt hat, sei nickst beleidigend. Ueber die Vor- fahren des Kaisers habe er allerdings formell beleidigende Dort- gebraucht, aber er babe damit nur sagen wollen, daß kein Mouarckiengeschlecht, auch nickst das beste, nur tüchtige Männer hervorbringe. Daß der Kaiser in seinen Vorfahren beleidigt werben follle. sei nicht festgestellt. Mit den„Dämchen in kurzen Kleidern" babe er nur dns Verhalten deS Kaisers in der wichtigen Zeit der Debatte über das Kaiser-Jnterview kritisieren wollen. Die Zeugen, die die angeblichen Acußernngen des Angeklagten be- kündet haben, seien ganz unfähige Leute, und zwar Zentrums» anhäng er. Die Polizeibeotnien in den anderen Orten, an denen der Angeklagte den gleichen Vortrag gehalten habe, hätten keine Majestätsbcleidigung gefunden! Der RcichSanwalt beantragte die Verlvcrfung der Revision. Nickst die Kritik des Gottesgnadentnms, sondern deren„wiederholte ftöhnische Anführung" sei als Beleidigung angesehen und nur der hierin liegende Angriff auf den Kaiser selbst als beleidigend auf. gefaßt worden. TaS Reichsgericht er?-""-t- g"k Perwerknng der Revision. Selbstverständlich! Äerantw. Redakt.: Emil Unger, Grunewaio. �uieraienteit oeranlw.: CewerkfcbaftUcbee. Dk untanfUebe Frauenarbeit in Lucbbindereien soll nun— trotz der Abmachungen der Borstände des Verbandes deutscher Buchbindereibesitzer und des Deutschen Bnchbindervcr- bandes— auch außerhalb Leipzigs eingebürgert werden, wenn— es nach den Wünschen einzelner Arbeitgeber allein ginge. In Berlin, Frankfurt a. M. und Stuttgart hat man nun schon versucht, in Buch- bindereien Arbeiterinnen mit Gehilfenarbeiten zu uiitertariilichen Löhnen zu beschäftigen und stützt sich bei diesem Vorgehen aus ein Rundschreiben des Verbandes deutscher Buchbindereibesitzer, der seinen Mitgliedern in demselben die Leipziger Vereinbarungen in nachstehender Weise übermittelte: Verband deutscher Buchbindereibesitzer. Geehrter Herr Kollege! Nachstehend erlauben wir uns Ihnen davon Kenntnis zu geben, daß in einer am 23. Oktober staltgefundenen gemeinsamen VorstandSsitzuiig deS Verbandes deutscher Buchbindereibesitzer und deS Deutschen Buchbinderverbandes folgende Vereinbarungen ge- troffen sind, die durch beiderseitige Zustimmung zu eine m Bestandteil des Tarifs geworden und demzufolge bis zum Ablauf desselben in Geltung zu bleiben haben. Wir unter- breiten Ihnen die Abmachungen mit der Bitte, denselben auch Ihrerseits beizupflichten und als für Sie bindend betrachten zu wollen. „Die Vertreter der beiden Tarifkontrahenten haben be- schlössen, um einein weiteren Umsichgreifen der Mädchenarbeit vorzubeugen, daß das Deckenmachen und Broschieren, außer schwachen Zeitsckriften, vom 1. November 1999 a b als Ge- hilfenarbeit zu betrachten ist. DeS Ferneren ist eine Einigung darüber herbeigesührl worden, daß a b obengenannten Datums Arbeiterinnen, welche— in Leipziger Betrieben— mit Gehilfenarbeit beschäftigt werden, von den im Tarif fest- gesetzten Gehilfenlohnsätzen statt desÄbiSherigen 39 Proz. Ab- zugeS nur noch ein solcher von 29 Proz. gemacht werden darf. Leipzig, den 28. 10. 1999. Hochachtungsvoll Verband deutscher Buchbindereibesitzer. A. Kol liier, Vorsitzender." Das Rundschreiben ist allerdings sehr deillliiigSsähig und kann zu zahlreichen Mißverständnissen führen. Direkt falsch ist es, die Leipziger Abiiiachungen als einen Bestandteil des Tarifs auszugeben; sie sind nur ein Notbehelf, iveil sich die Leipziger Zu- stände nicht sofort beseitigen ließen. Dann läßt das Rundschreiben noch die Deutung zu. als sei nun in Leipzig zwar nur ein zwanzig- prozentiger Abzug für init Gehilfenarbeiten beschäftigte Arbeilerinnen gestattet, dagegen in den anderen Tarifortcn ein dreißigprozenliger. Tatsächlich wurde das Schreiben auch so gedeutet. Damit wären aber die Leipziger Abinachiingen in ihr Gegenteil verkehrt, denn sie sollen ja lokale Tarifwidrigkeiteu einschränken, nicht sie erweiter» und verallgemeinern. Die Buchbindereiarbeiter und -Arbeiterinnen werden sich gegen solche Miß- deutungen der Vereinbarung nötigenfalls mit dem äußer st en Mittel zu wehren wissen! Berlin und Umgegend. Paritätischer Arbeitsnachweis für das Gasttvirtsgewerbe in Berlin. Zwischen den Vereinigungen der Gastwirte und Gastwirts- gehilfe» ist unter Vorsitz'des Herrn Dr. Freund beschlossen worden, einen gemeinsamen Arbeitsnachweis zu errichten. Die Eröffnung ist für den 1. Oktober 1919 in Aussicht zu nehmen. Eine Abteilung für weibliches Personal soll sofort bei Beginn nnt eingerichtet werden. ES soll durch den Zentralverband versucht werden, von der Stadt einen Zuschuß von 5999 M. jährlich zu erhalten. Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber sprachen ihre prinzipielle Geneigtheit aus, je 14 999 M. durch ihre Vereinigungen zur Erhaltung der Fachabteilung aufzubringen. Bemerkt muß werden, daß die„Geneigtheit" bei den Unternehmern geringer zu sein schien, als bei den Arbeitern. Die anwesenden Vertreter der Arbeitgebervereinigungen stellten aber eine baldige bündige Er- klärung in Aussicht._ Ter Tarifvertrag der Stolkarveiter. Die Stock- und Zelluloidarbeiter nahmen in einer Bersainmlnng, die am Donnerstagabend in den„Ritlersälen" stattfand, Stellung zum Ablauf ihres jkarlivertrageS. Hildebrand referierte. Der Vertrag wurde 1996 abgeicklosien. DainalS waren viele Stockarbciter mit den getroffenen Vcmiibarliiigen unzufrieden, und im Jahre 1907 fanden lange Verhandlunge» mit den Unternehmern statt, um Ver- befferiliigen zu ei zielen, was ziim Teil auch gelang. Im Soininer 1998 begann eine sehr schlechte Konjunktur, die sich aber seit einiger Zeit wieder gehoben hat. Der Redner besprach die bestehende» Verhältnisse und setzte die Gründe auseinander, welche die eingesetzte Koinmission bewogen hatte, den Stockarbeitern die Kündigling des Vertrages zurzeit nicht zu euipfehle». Die Kommission sei aber zügleich der Ansicht, daß gegen diejenigen Uniernehmcr, die Abzüge'gemachl haben, oder die die Tarif» bestimmungen nicht einhalte», energisch vorgegangen werden müsse. Der Vertrag läuft am 12. Februar ab und niiißte evenluell am 12. November gekündigt werden. I» der Diskussion wurde der Einpfehlung der Kommission keine Opposition gemacht. Die Versammellen waren mit der Verlängerung des Vertrages einverstanden und ebenso mit einem Vorgehen gegen jene Finne», wo die Verhältnisse sick verschlechtert haben. Die Kommission erwartet, daß die Arbeiter in solchen Ge- schäften ihr Material zur Verfügung stellen»nd sie in jeder Weise »nterstützen, damit sie in der Lage sei, wirksam die Jntereffen der Arbeiter vertreten zu können. Ter Verband hat in diesem Jahre eine Statistik aufgenommen, die sich über 32 Betriebe erstreckte. In diesen Betrieben wurden 521 Personen beschäftigt, darunlcr 487 Arbeiter, 23 Arbkiteriinicli und 11 Jligendliche, außerdem 2 Lehrlinge. Von den 521 Personell haben 48l die Personen-Fragekarten ausgefüllt. Danach waren 417 im Holzarbeiterverbande, 23 in anderen Verbänden organisiert und 41 waren nicht organisiert. 4 Bcliiede wurden sesigestellt, wo 54 Stunden die Woche ge- arbeitet wurde, während die vertragsmäßige Arbeitszeit 51 Stunden beträgt. Bei einer Arbei'.Szeit von 48 Stunden arbeiten 5 Betriebe mit 112 Personen �»„ 1»» 6» 50/;„„ 2„„1(„ 51,„ 29. 333„ 54„ 4,, 50,_ Zusammen 32 Betriebe mit 521 Personen Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt nach Betrieben gerechnet 59,8 Stunden, nach Personen gerechnet 59.6 Stunden pro Woche. Die durchschnittliche ArbeuSzeit pro Woche, nach der Zahl der Arbeiier berechnet, betrug im Jahre 1998: 59,4 Siunden, 1996: 56.1 Stiliiden, 1965: 521 Stuiiden, 1992: 52,5 Slmiden. Demnach ist die Arbeitszeit seit 1998 um 9,2 Snmden, seit dem Jahre 1996 aber um 9,6 Slimden pro Person und Woche verlängert worden. Der durchichmtiliche Verdienst der an der Statistik im Lohn beschäftigten Stockarbeiter pro Person imd Woche betrug 29,56 M., siir die Akkordarbeiter dagegen 32,73 M. Der gesamte Durch. schniltSverdienst stellte sich aus 32 M. Ub. Glocke. Berlin. Druck u. Perlaa: Vorwärts Buckdr. mPerlciasanttav Vchkung,!?extikarbe!ker und-arbelkerinnsn? Der Skrsik bei der Firma. I. Elsbach. Berlin, Görlitzer Straße 52, dauert unverändert fori. Die�Jnhaber derselben suchen jetzt für ihre Plüsch- Weberei Weber als Streikbrecher. Namentlich richten sie ihr Augen- merk aus Apolda(Thüringen), wo einige Lohnwebereien der Plüsch» brauche bestehen. Durch die in den dortigen Webereien gezahlten niedrigen Löhne glaubt man. ans Grund falscher Versprechungen genügend Leute als Ersatz für die Streikenden nach Berlin locken zu können. Uns ist weiter berichtet worden, daß alle neu in Arbeit Tretenden unterschriftlich erklären müssen, daß sie einer Arbeiter- organiastion nicht angehören. Das ist es also, warum die Firma es zum Kamps kommen ließ. Die Organisation soll im Betrieb vernichtet werden, damit die Unternehmer nach eigenem Ermessen allen Beschäftigten die Arbeitsbedlngungeii diktieren können. Wir erwarten, daß sich kein Weber als Streikbrecher hergibt. Die Ortsverwaltung. Achtung, Stcinarbeiter! Laut Versammlungsbeschluß hat heute auf sämtlichen Arbeitsstellen eine Kontrolle der Mitgliedsbücher stattzufinden, bei welcher Gelegenheit die Restanten zur Erfüllung ihrer Pflicht anzuhalten sind. Diese Kontrolle ist von Zeit zu Zei-, mindestens jedoch alle vier Wochen zu wiederholen und inzwischen Neuanfangende oder von einer anderen Arbeitsstelle derselben Firma hinzulommende Kollegen sind spätestens am darauffolgenden Tage zu kontrollieren.— Arbeitslose Kollegen haben ihre Bücher allwöchentlich in der zweiten Hälfte ihrer arbeitslosen Woche entweder im Verbandsbureau, Sehdclstr. 39, parterre, oder bei Fabcr, Stephanstr. 11, zum Kleben der Erwerbslosenmarke bezw. zum Abstempeln vorzulegen. In den übrigen Zahlstellen werden Erwerbslosenmarken nur noch geklebt, wenn die betreffenden Felder abgestempelt sind. Die OctSverwaltung. Oeutfehes Reich. Verband der Steinsetzer. Sämtliche Verufsangehörigen bei der Firma H. Pennicke (Baustelle Messiiigwerke bei Eberswalde) und bei der Firma A. Zinnow(Baustelle Eberswalde-Westend) haben einmütig die Arbeit wegen Nichtanerkennung des Tarifcs niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten._ Die Ortsverwaltung. Lohnforderung der städtischen Arbeiter in Mainz. Die Eingabe der städtischen Arbeiter um Lohnerhöhung, die seit mehr als 2 Jahren verschleppt worden war, kam am Donners- tag vor das Forum der Stadtverordneten. Oberbürgermeister G ö t t c l m a n n betonte, daß die gegenwärtige Zeit nicht ge- eignet sei, eine Lohnerhöhung eintreten zu lassen, da ein sehr große» Defizit in Aussicht stände, er bitte deshalb, die Eingabe, die die Stadt mit 599 999 M. belaste, abzulehnen. Auch ein zweiter Antrag, voni Genossen Adelung gestellt, der etwa 199 099 M. für Lohnerhöhung vorsah, fand nickst Gnade vor den Augen des Oberstadthauptcs. Beide Anträge wurden abgelehnt. Der Streik der Glasarbeiter in Wickede(Ruhr), an dem zirka 299 Arbeiter beteiligt waren, ist n:it einem schönen Erfolg für die Arbeiter nach viertägiger Dauer beendet worden. Tie Arbeitszeit wurde um 1-! stunde verkürzt und eine fünfprozentige Lohn. erhöhung bewilligt. Außerdem werden einige weitere Verbeffe- rungen im Arbeitsverhältnis eingeführt, die für. die Arbeiter eben, falls von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. Die Arbeiter können mit diesem Erfolge zufrieden sein. �et2te INtechrichten und Depefcben. Eine Liebestragödie ereignete sich gestern abend im Osten der Stadt. Ter 22jäl)rige Friseur Ernst Reinhardt erschien gegen 8',(j Uhr in dxr Wohnung der ISjährigen Tochter des Arbeiters Wuntkc, mit der er gegen den Willen der Eltern ein Licbcsvcr- hältnis unterhielt, stürzte in das Schlafzimmer des Mädchens und schoß ihm eine Kugel in den Kopf. Das Mädchen war sofort tot. Darauf tötete er sich selbst. Die Leichen wurden nach dem Schau» Haus gebracht._ Rakowski befreit? Budapest, 5. November. Der Führer der sozialdemokratischen Partei Rumäniens, Dr. EHristian Rakowski, dessen Ausweisung in Rumänien an mehreren Orten zu blutigen Unruhen geführt hat, ist hier eingetroffen und will die Entscheidung über seine Angelegenheit abwarten. Rakowski sagt, er sei Staats» bürger, Mitglied des Gemeinderates in Kvnstanzia, Grundbesitzer und habe als Oberarzt in der rumänischen Armee gedient. Seine Ausweisung und Vergewaltigung sei ein Liebesdienst für Rußland, weil er sich seiner»-'! der Matrosen bc3 „Potemkin" angenommen habe. Ueber eine Biertelinillisn gestohlen! In der Königl. Verginspektion 2(Möllerschächte) zu Gladbeck in Westfalen wurden Donnerstag nackit 279 599 M. gestohlen! Tie Einbrecher öffneten mit einem Nachschlüssel den Geldschrank, in dem die zur Lohnzahlung nötige Summe ausbewahrt wurde. Bon den Dielen fehlt jede Spur. Die Polizei ist in fieberhafter Tätigkeit und hofft mit Polizeihunden eine Spur zu finden. Eisenbahiikatastrophen. Paris, 5. November.(33. H.) Der Personenzng Paris— St. Nazaire ist heute morgen in der Nähe deS Bahnhofes Brnere entgleist. 4 Wagen gerieten in Brand, 1t Personen wurde» verletzt, darunter 9 Postbeamte. Der Zugführer erlitt schwere Verletzimgeii. Sämtliche Postsäcke sind verbrannt. '.« Budapest, ii. Novemoer.(B. H.) Zwischen den Stationen Albernjrsa«nd Pills fuhr nachts ein Personenzug in einen voraus» fahreilden Lastzug. Mehrere Waggons wurden zertrümmert. An» geblich soll nur ein Bahubeuniter verwundet worden' sein. TodeSstnrz vom Balkon. Dortmund, 5. November.(B. H) Heute vormittag stürzte der 18jäl>rigc Sohn des Bankiers Süllwald infolge eines Fehltrittes vom Balkon der im vierten Stock gelegenen elterlichen Wohnung auf die Straße und war sofort tot. DaS leidige Spielen mit Schußwaffen. Passau, 5. November.(B. H.) In der Ortschaft Reuth spielte ein Knabe namens Fischer mit einer Pistole und traf dabei seine beiden Brüder; einer wurde getötet, der andere schwer verletzt. «i» dreister Raub. Wiesbaden, 5. Noveinber.(B. H.) Ein Raubanfall ist i» dem Hause Wörthstraße 3 auf eine dort wohnende Frau verübt worden. Ter Täter entriß ihr die Geldtasche, worauf er die Frau die Treppe hinunterwarf und entfloh. Die Ucberfallene liegt schwer trank darnieder._ Kirchenraud. Traunkirchen, 5, November. sicher redlicher Arbeit beitrug. o, k. Humor und Satire. Die Kriegs- als Handelsmarine. Die alte preußische Tradition, sie feiert wieder Triümphe, nach strebt den Ahnen immer der Sohn, auch durch die schnilitzigsten Sümpfe. Meistbietend hat man verauktioniert eiiistnials die deutsche Marine; doch seit dies nette Spielzeug rentiert. macht man ihm gute Miene. Die Liefernngen bringen Profit, sagt sich der Unternehmer. Auch ich mach' gern einen kräfligen Schnitt, ergänzt der kleinere Krämer. Das Vaterland aller Deutschen denkt selbst an die minderen Leute unter dem Gaunerpack nnd schenkt ihnen auch von der Beute. fremden Elektrizitätswerk Stromliefcrungsvcrträge abschließen. Die Bildung der Elektrizitätsgenossenschaften geschieht dadurch- daß das Kapital, welches für die Ortsanlage und den Anteil an der Hochspamiungdlcitung erforderlich ist, bei der Kreissparkasse aus Grund der unbeschränkten Haftpflicht entlichen wird. In den Kreisen Hildeshcim und Marienburg schließen sich in jedem Oiste die Interessenten zu einer Leitungsgenossenschast zusammen. Diese beschaffen sich das OrtSlcitungSnctz und übernehmen einen Anteil an der gemeinschaftlich herzustellenden Hochspannungsleitung. Diese HochspannungSanlage wird von einer alle Leitungsgenossenschaften umfassenden Elektrizitätszentrale erbaut, welche auch den für alle angeschlossenen Leitungsgenossenschaften bindenden Strom» licfcrungsvcrtrag mit einem Elektrizitätswerk abschließt. Berliner Elektrizitätswerke. Der Bericht für das Geschäfts« jähr 1908-1909 weist nach Abschreibungen in Höhe von 4 024 078 M. — im Vorjahre 3 346 803 M— einen Reingewinn von 8196 506 Mark— im Borjahre 7 389 026 M.— auf. Es werden wiederum 11 Proz. Dividende auf alte Stammaktien. 4 Proz. auf junge Stammaktien und 4(4 Proz. auf Vorzugsaktien verteilt. Vom Flcischergewerbe. In den 42 deutschen Städten mit über 100000 Einwohnern befinden sich nach den Ergebnissen der Betriebszählung vom Jahre 1907 17,16 Proz. der im Reich ermittelten Fleischerei-Hauptbetriebe gegenüber einem Bevölkerungsanteil von 15,9 Proz. In diesen Betrieben sind 24,5 Proz. der im Reich gezählten gewcrbctätigcn Fleischer tätig. Der Fleischkonsum ist in den Großstädten infolge der andersartigen Ernährungsvcrhältnissc und des erheblichen Reiseverkehrs am größten. Dennoch weisen sie untereinander cr- hebliche Verschiedenheiten auf. In Eharlottenburg entfallen auf einen Flcischereibctrieb mehr wie 1300 Konsumenten, dahingegen in Frankfurt a. M. nur 325. Das auffällige Verhältnis zur Ein» Wohnerschaft erklärt sich in Charlottenburg durch die Nachbarschaft von Berlin und das hier außerordentlich ausgebildete Markthallen- Wesen. Schönebcrg hat wegen der schon etwas größeren Eni- fernung von Berlin nur 1083 Personen auf eine» Flcischereibetricb. Rächst Eharlottenburg entfällt in Essen und Gelscnkirchen die größte Kopfzahl auf einen Fleischereibetricb, nämlich 1369 bezw. 1336 Personen. Auch hier sind wieder örtliche Verhältnisse be- stimmend, und zwar die starke Arbeiterbcvölkerung in Verbindung mit Konsum- bezw. Wcrkschlächtereien. Die Kruppsche Werk- schlächtcrei in Essen deckt allein den Bedarf wenigstens für 34 000 Angestellte, wodurch die für die übrigen Fleischer übrig bleibende Bevölkerung von Essen bon 231 000 auf 197 000 zurücksinkt. Bei Gelsenkirchen fördern die Wochenmarktverhältnisse des Industrie- revicrs die eigenartige Erscheinung zutage. In Kiel, Ivo aus einen Fleischereibetricb 1011 Einwohner entfallen, dürfte die Marine- station und das damit in Verbindung stehende Großlieferanten- wescn die Ursache der auf einen Fleischereibetricb entfallenden hohen Kopfzahl bilden. Es entfallen nun weiter auf einen Flcischereibetrieb Ein- wohner: 1000— 630 Stettin, Hannover, Dortmund, Bochum; 930 bis 900 Königsberg, Altona, Hamburg; 900— 850 Berlin, Rixdorf, Duisburg, Elberfeld, Stuttgart; 830—800 Danzig Bremen; 300 bis 730 Breslau. Halle, Dresden, Leipzig, Mannheim, Straßburg; 750— 700 Wiesbaden, Düsseldorf, Chemnitz; 700— 650 Posen, Karlsruhe; 650—600 Magdeburg, Kassel, Köln, Aachen, Braunschweig, Bremen; 600— 550 Erfurt, Plauen; 550— 500 Krefeld, Nürnberg, München, Frankfurt. Auf einen Fleischereihauptbctrieb entfallen im Reichsdurchschnitt im Jahre 1907 721 Personen. Auf 100 Fleischereihauptbetriebe entfallen im Reichsdurchschnitt 256 beschäftigte Personen, in den Großstädten aber 383, mithin 50 Proz. mehr.__ Phönix, A.-G. Nach Mitteilungen in der dieser Tage abge- haltencn Generalversammlung sollen die Aktionäre für das laufende Jahr Iviedcrum eine Dividende von 9 Proz. erhalten. In den beiden ersten Monaten dieses Geschäftsjahres ist ein Bruttogewinn von 3,74 Millionen Mark, gegen 2,62 Millionen Mark in der gleichen Zeit des Vorjahres erzielt worden. Und da klagt man über erdrückende hohe Löhne, ruinöse soziale Lasten und Begehrlich. keit der Arbeiter. Gesteigerte Roheisenproduktion. Die Vereinigten Staaten haben im vergangenen Monat in der Erzeugung von Roheisen eine Rekordziffer erreicht. Auf nicht weniger als 2 383 000 Tonnen belauft sich die Roheisenproduktion gegen 2 383 000 Tonnen im vor» hergehenden Monat und 1 367 000 Tonnen im Oktober 1903. Das sogenaniite Altmaterial, ob Schiff, ob rostiges Eisen, verkloppt man ohne GewissenSqual zu Spott- und Schleuderpreisen. Die deutsche Flotte, sie gilt mit Recht als ganz brillanter Artikel, und die Kosten heute ivie damals blecht das deutsche Volk, das Karnikel. Notizen. Franz. ~ Theaterchronik. Im Theatersaal der Hochschu» für Musik findet am Sonntag eine Gastvorstellung Berliner Künstler unter Leitung von Julius Türk statt. Zur Aufführung gelangen„tzasemanns Töchter" von Adolf L'Arronge. — K u» st ch r o n i k. Die Sezession wird ihre diesjährige WiiltcrailSstclluiig, die den zeichnende» Künsten gewidmet ist, am 20. November in ihrem Hause am Kiirfürstendainm eröffnen. Die Papiere für die Anmeldimg, die bis zum 8. d. M. zu erfolgen hat, sind nn Sekretarial erhältlich. Der letzte Termin für die Ein- lieferulig von Kiinstwerken ist der 10. November. — Vorträge. Das I n st i t u t für Meereskunde, Georgenstr. 34/36, veranstaltet in der kommenden Woche, abends 8 Uhr, folgende Lichtbildervorträge: Montag beginnt Prof. Peuck einen Zyklus„Erinnerungen an eine Reise um die Erde" mit einem Vortrag über:„New Uori»nd sein Hafen"; Dienstag spricht Kustos Baschin über:„Der Kampf um den Nordpol"; Freitag Dr. Fr. Schulzc-Lübcck über:„Lübeck, sein Hafen und die Trabe bis zur Mündung". Einlaßkarten zu 1 M. für den ersten Vortrag und zu 23 Pf. für die übrigen Vorträge in der Geschäftsstelle. — FerrerS Tod auf der Bühne. Im Theatermal der Pariser Vorstadt Grenelle fand die Erstaufführung eines SeiisationS» stückes statt, daS den Titel führt„FerrerS Tod" und das tragische Ende dcS spanischen Freidenkers behandelt. DaS Stück ist von dem revolutionären Sänger MontchilS verfaßt, der auch die Hauptrolle spielte. Der Saal war überfüllt. Die Darstellung des Montehu» wurde mehrfach von einem frenetischen„nieder mit den Kutten" unterbrochen; als auf der Bühne die Internationale angestimmt wurde, nahm da? ganze Publikum den Gesang auf und führte ihn brailsciid zu Ende. Die Polizei hatte ein starkes Aufgebot zur Ueberwachiing gesandt, allein es kam zu keinerlei Zwischenfällen; rnbig und in vollkommener Ordnung verließ das Publikum nach Schluß der Vorstellung daS Theater. — Der h l. C o l u m b u s. Mau sage nicht, daß die katholische Kirche tot und erstarrt sei; immer»och werden neue Heilige kreiert. Die Jungfrau von Orleans machte zuletzt den Prozeß der Heiligung durch. Jetzt wünschen 230000 südamerikanischer Katholiken, daß ColumbuS, der Entdecker der neue» Welt, heilig gesprochen werde. JndeS ist eS keine leichte Sache, sie erfordert viel Geduld und Geld, da vor einem besonderen Kollegium erst der gebührcude Grad der Heiligkeit in einein förmlichen Prozesse erwiesen werden muß. SB* den Inhalt der Inserate «ibmihliult die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Aerantwortung. Zhcztcr. Sonnabend, 6, November Anfang 7l/a Uhr. Köttigl. Opernhaus. DasZIHeingold. Köuigl. Schauspielhaus. Her deutsche König. Deutsches. Hamlet. K a m m e r s p i e l«. Major Bar- bara.(Ans.?'/, Uhr) Berliner. Hohe Politik. Nachm. 3 Uhr: Minna von Barn- Helm. Anfang S 11 5t. Bessing, TantriZ der Narr. Reucs konigl. Opern-Theater. Geschloben. «omiiche Oper. Auferstehung. Reues Schauspielhaus. Das Ezeinpel. Neues. Der letzte Kaiser. KleiueZ. Hinterem Zaun. Residenz.«Hretchen. tebbcl. Der Skandal. chiller«. lWadner» Theater.) Der Schwur der Treue. Schule» teharlottcnbnrg. Wallen« steiiiS Lager. Piccolomini. Kriedrich> Ztiilheliiistitdr. Schau- spiclhaiis. Das grohe Licht. iWesten. Die geschiedene Frau. Neues Operetten. Der arme Jonathan. Dhalia. Die ewige Lampe. Bolksoper. Der Freischütz.(Ansang S'/a Uhr.) Nachm. 3'/« Uhr: Undlne. Luisen. Die Herren Sötme. Nachm. 4 Uhr: Sneewittchen. Noie. Die Iiechtlosen. Nachm. 3 Uhr: Die siebe» Raben. Drianon. Pariser Witwen. Lustspielhauo. Man soll keine Briese schreiben. Metcouoi. Halloh Ii— Die große Revue. Folieö(kaprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8'lt Uhr. Np»tt>i. Spezialitäten. Wiutergarteu. Spezialitäten. Easiuo. Onkel Tohn. Gebr. Herrilfeld- Theater. So mutz maMS machen. SinNettungS. mittel. Karl Haverland- Theater. zialitäten. WalbaUa. Spezialitäten. Gastspiel. Die gute Partie. Spe- S'/. Uhr.) Bailaa». sd (Ans. Svezialltäten. Roaeks Theater. Am Altar. Rachm. 3 Uhr: Dornröschen. Palaü. Die neu« Herrin. Speziali, täten. Ndchsdallen. Stettiner Sänger. Ilrauia. Tnudeuüraiie 4*<49. Nachm. 4 Uhr: Rom und die vom» pagna. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal S Uhr: Pros. Dr. Donath: Licht und Farbe. Steruiuarre. Jiioalidenltr. 57/62. [iCMKing-Theater. 8 Uhr: TnntriS der Rarr. Sonntag, 3 Uhr: Der Raub der Sabinerinucn. Abends 8 Uhr: Tautris der Narr. berliner TTieater. Heute 7,/-j Uhr zum erstenmal t Hohe Politik. Morgen: Hohe Politik._ Neues Theater. Abends S Uhr: Der letzte Kaiser. Morgen; Der letzte Kaiser. Wontag: Der Dieb. Xesies Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenjtr, Heute und folgende Tage: Der arme»Jonathan. Theater des Westens. Abends 8 Uhc: Die{(eHcliicdenc Fran. Sonntag nachm. 3*1« Uhr i Die Instlge Witwe._ Lusisplefihaus. Abend« v Uhr, Mao soll keine Briete sehreibeo. Fnedricti-Wilheimstadtisctiss Schauspielbaus. Sonnabend, 6. November, Ans. S Uhr. Das große Licht. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: glachsmann als Er- zieher.__ Gastspiel-Theater Köpeuicker Strotze 67/98. Täglich abends 8',« Uhr, Gastspiel von FriU Beckmann. Urania. Wiflsensohaftliohes Theater. Naohmittags 4 Uhr: Rom und die Cauipagna. Abends 8 Uhrj In den Dolomiten. Hörsaal 3 Uhr: Prof. Dr. Donath: Licht und Farbe. Volks-Oper. 8W., Belle-Alliance-SIratze Nr. 7/8. Vorstellung für Schüler aller Berliner Lehranstalten U n«H n v. Ansang S'/j Uhr. Abends'1,9 Uhr: Der Freischütz. Luisen-Theater. Nachmittags 4 Uhr: Grotze Kinder-Borstellung. Sueewittche» u. die 7 Ziverge. Abends 8 Uhr: Die Herren Söhne. Sonntag nachm. 3 Uhr: Wilhilm Tell. Abends 8 Uhr: Heimat. Montag: Der Kamps u. d. Nordpol. OSE=THEATE Krotze Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende'/,tl U. Die Rechtlosen BotkSstück mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Popper und Älabunde. Nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Die sieben Naben. Sonntag nachm.: Michael Kohl- haas. Abends: Die Rechtlosen. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. AdendS 8 Uhr: Groteske in 3 Akte« von Davis und Lipjchütz. Morgen und jolgende Tage: Dieselbe BorftrUung. Sonntag, 7. Nov.. nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amclie. Hetropol-Tiieater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Iii eh. Sohulta. Anfang 8 Uhr. Rauchen geetattat. Sonntag, 7. November, nachm. 3 Ubr: Luiupuetvagabundas. Das neue Programm im Zeiohen der Frauen-- Schönheit Anne Danerey. Lalla Selbini Jeane Fransloll Kate Sandwinas Sistcrs Karreys sowie die'übrigen Attraktionen, Bernhard Mörbitz. Morgen: Wachmlttag«- Vorstellung. Kleine Preise. Anfang 3'/, Uhr. »"! Der Höhepunkt aller Erfolge sind die beiden Novitäten: »80 muB man's machen" Burleske m. Gesang in 2 Alten von A. u. D. Herrnseld. Mustk von L. Ltal til« SmitW TASS BONl HfilTIllEltf Morij AppVtillich� und Ein Rettunssinittkt Komödie in 1 Akt pon Ludwig Huna. Vorverkaul 1l-L Uhr. Ansang 8 Uhr. Zchltler-Ihealer 6.(Wallner«Tbeater.) Sonnabend, abend? 8 Uhr: Der 8cl>,viir der Treue. Lustspiel in 3 Allen v. O. Blumenthal. tftf- Ende 10>/4 Uhr.«-WE Sonntag, nachm. 3 Uhr: Haedeti». Sonntag, abends 8 Ubr: Der Schwur der Treue. Montag, abend? 8 Uhr: _ Die erste Geige. I Theater. Schiller-Theater Charloltenburg, Synnabend. abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Wallensteins I nger. Hieraus: Die Piccolomini von Friedrich Schiller. §p�- Ende 11 Uhr. Wallensteins Lager. Die Piccownilni. Sonnlag,»ach m 8 U d r: vie Welt, in der man sieb langweilt. £ a» Ii i a g, abends 8 Ubr: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Montag, abenöS 8 Uhri Gespenster. Sonnabend, den 6. November, abends T'/z Uhr: G a l a- A b e u d mit Gala-Programm. Um 9 Uhr Ende ca. 11 Uhr Die groffe Fecrie oderTasinlisteriöseZchloft in der Normandie mit neuen versenkbaren Pühneiipodie». Entworsen und inszeniert vom Direktor Alb. Schumann. Noch nie gesehene Schlnsj- Apotheose. Morg. Sonntag: 2 Borstellung. 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SratiSv-riosuiigl Abends'/�Uhr: u�LNK Sonntag 3 Uhr: Kabake und Liebe. ttevn igsttndt- Ii a«|no. Holzmarklstratze 73. Täglich: Franz Hobanaki. The Orlotfs, Areas Duo, Mslr. Relcharüo, FifiMorro, Thacarnals, G. Eulenburg, John llkei und Miß Jenny, Eguilibriftischei: Akt. Novität> Bor der Schmiede. Singipiel in 1 Akt v. Otto Richter. I'rmnon»l'keater. AbendS 8 Uhr: Pariser Witwen. keiek8da!!ell-7dealel'. ler Silier Ansang: Wochen!. 8 Uhr. Sonntags ? Uhr. Die gute Partie. Ig �oniiabeud, den 6. November 1909, präzise 9 Clir: ü:: Künstler- und KünstlerinneD-lnstruinenlal- und Tnkal-Knnzerl;; y 1 Unter Mitbenutzung des französischen gütiger Mitwirkung toÄ0foenn Freyer(Ä) Dan Rauchen ist vor und während on Slaatol• Harmoniums und B■■| B I koppeons�ir=!oi Fri. Marie Holgers. nd des Konzerte nicht Bestattet.______ Konzertsäng. PIm Hghapmsmi Msiib'/O Konzertm. Borr Waltsr Rlley. Am Fräulein uloll nCKcl!!lülilI~iU»llCaC. Harmon. KapoUm Borr ErnstHimmel. Nach dem ß. 0zII Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. naob. Konzert: UI, Dfllli Kinder unter 14 Jahren haben keinen Zotritt 57/19»_ 1. A.; AdolfHoffmann, Blumenetr. 22L / Sechster Wahlkreis. Sonntag, den?, November, abends« Uhr: Vi BW Uw i im bei B. Raabe» Kolberger Straße iiZ. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Waas lUaek über: „Der Siegeszug der Sozialdemokratie." Nach der �vfammumg: Gemütliches LeZsammonseZn mit Tanz. Zu zahlreichem Besuch laden ein__ 232/6» Die Abteiluugsfiihrer. ttr Arbeitsnachweis: tzoj L Amt 3, 1239. BerwaltungSftelle Berlin. Hanptbureau- LdsrltdetrsSo 3. Hol III. S'.ml 2. lgL7. Montag, den 8. November: KeÄrkS' Versammlungen kür öle gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: IlocdI>r»ac>'el, Chaufseestr. 64. abends S'/, Uhr. Schwedter Strafte S3, 230 M. die Parzelle direkt am Bahnhof f2ZgSb» Nassenheide. Bin täglich zu d-n Zügen ab Stett. BabnH. 10.44 u. 12.40 am Nasienheider Bahnh zutreffen. Fahrzeil nur'/. Jtd. idg.. Berit"" Bcf. Wolii, Oraniendg., Berlinerstr. SLa. Verband der Jtaler LsvKivrsr, Anstreicher Metchiorstraße 28, Part. Tiliale Serlin. m. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Maler 2 Sonntag, den 7. November 1909, Hasenheide 40 Anstreicher! vormittags 10 Uhr, in der Neuen Welt, mr Große Versammlung-w (Vereins-Versammlung) für Maler nud Anstreicher des gesamtev Fohngebietes Grost-Kerlins. Tagesordnung: Uns des llnlernevmsr-VerdanSez. Kollege Äkove«. ES ist Ehrenpflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erfcheinen. Die Parole am Sonnt tag. de« V. November, mnft hetften: Ah MlÜtt Mld Allstrelchtr ltfl(!) dtt Wtlt! 129/19* Die Ortsverwaltung. riieii Abt. I. Isolierer. Obiglos FesttsiUe, abends 8'/, Uhr. i. Norden: 2. Norden: 3. N0rd6n: rpankes Festsme, Badftr. 48, abends s>/z Uhr. 4.«osbll: 28ic[cfftraffe 84' s. Westen und Schöneberg: abends 8'/, Uhr. 6. 0St6n: K.itflnct Festsme, Memelcr Str. 67. abends 8'/, Uhr. n I ißhtanharn• Ptckenhasens Restaurant, Scharnweber- <• LltlllCliUCI y. strafte 60, abends 61/, Uhr. s. Stralau und Ruinmelsburg: abends 8'/, Uhr. » Süden und Südost: S?rs!�T?"Ä'Ä mnivrianf• Veret nsb r ancrel, Hermannstr. 214—219, • nilUOrl. abends 8'/. Uhr. UCtanlitv* Schellhase« Festsöle, Ahornstrafte 18», .Slvyillk. abends 8-/. Ubr. Neuwahl der Bezirlsleitung, der AgitationSlommission und der Karlelldelegierten. 12. Oharlottenburg: Volksbaas, Rofi»enstr.S. avdS.8-,,Uhr. 13. Tegel: Oanims Festsöle, Bahnhofstr. 1. abends 8'!, Uhr. lk WeilieNLee' König-Chaussee 38. is. if Hnanirb* Gratkowskls GetelltchaftShanS. Friedrichs. la* nUyKlillK. Hage». Friebrichstr. 69. abend» 8-/, Uhr. vnanda»* Restaurant Vorwärts. Schönwalder Strafte 8«. IV. SpaNUöU. abend, 8'/, Uhr. -»üüokneüöneaeldo:-°m'- Tages-OrdnuNgi 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl eines Angestellten für die Kasse. 3. Reil wähl eine» Beisitzers. 4. Antrag der Oltsverwaltung betr. Neuregelung der Bezirk«. S. An die Ortsverwaltung gelangte Anträge. 125/3 Obue Mitgliedsbuch hat«iemaud Zutritt! Zahlreichen Besuch erwartet. Sie Ortsveroaltimx. Sonnabend, de« 6. November, nachmittags 3 Uhr. bei Freiheit. Dragonerstrahe lb: Versaminlung der streikenden Mitglieder. TageS-Ordnung: Der Stand unserer Lohnbewegung«nd die Lügen des _ Unternehmerverbandes._ 291/1 Zentralverbanii der Lederarbeiter. Filiale I Berlin. Sonntag, de» 7. November, vormittags 9'/z Uhr, bei Schmidt, Prinzen-Allce 33: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung beider Kassen. 2. Borstandsbericht. 8. Vereins. angelegciiheiicn und Verichiedcnes. 144/15 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Ple Ortsverwaltang. Orts-Krankenkasse tilr das Gewerbe der feriertipi von MusikinstromeDten. Sonnabe d. den 13. November 09, abends 8'/, Ubr, findet im Rrslaurant Polzin. Gormannstr. 14. die lleneral-Veraammlung sämtlicher /iedoltnobmoi'.Vortrstar statt. Tagcs.Ordnung: 1. Vorstandsbertcht. 2. Wahl von zwei VorstmidSmitgliedern. 3.« Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres. 4. Verschiedenes. 279/12 Um vollzähliges und pünltlicheS Erscheinen criucht Der Vorstand. B. Blank, Vorsitzender. Müderne psIMs verkaust zu Fabrikpreisen Sannver, Neue Friedrichstr. 35 I Clne Mark waefaeati. Teil« MblDiiB liefere elegante fertige Herren- Moden Enatx lür Mae«. Massanferlieung. Feinste Vererbeitaing unter Leitg. erstkl. Schneidermeister. I. Kurzberg Rosenthalerttrasse 40, 1. Etage, direkt am Hackeseboa Markt Kein Werte- Kredit. Haut. Bei Barzahlung — 10°/, Rabatt I- H.Pfau, Bandapl %'!!* Olrcksenslraße 20 zwischen Bahnhof Aler und erPlatz und Polizeipräsidium.- Amt VII. 12799 File Damen Frauen-Bedienung.* Liejecant jür alle Krankcnkasten. Carl Stier Fabrik für Kerren- und Knaben-Garderobe Berlin SO. Berlin W. Potsdam OranlenttraSe 166. 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Verantwortlicher Redakteur: Emil vngrr, Grunewald. Für den Jnseratenteilverantw.; TH.Glpckr, Berlin. Druck u. BerlägT�orwart» Äuchdruckerei u. LerlagSanjtalt Paul Linger& Co.. Berlin SW,~ Nr. 260. 26. Zahrgang. 2. KtW des Jorniirtö" Kttlim lolMatL Zomxdeck, 6. Nwemtn 1909. Stadtverordn(tenwaf)len In SchSnederg. Auf zur Wahl! In letzter Stunde richten wir nochmals an die Wähler der dritten Abteilung das dringende Ersuchen, bei der heutigen Stadt- verordnetenwahl vollzählig zu erscheinen und für die Kandidaten der Sozialdemokratie zu stimmen. Es mutz heute alles darangesetzt werden, um auch in Schöneberg einen vollen Sieg zu erfechten. Die„Liberale Fraktion" hat im letzten Augenblick noch zu einem ganz besonderen Mittel gegriffen, um in der dritten Ab- teilung einen Erfolg zu erzielen. Sie hat im 9. Bezirk die Kandi- datur des Bankbeamten Dhomas zurückgezogen und dafür den B e- triebsinspektor Zierus von der Grotzen Berliner Stratzenbahngesellschaft aufgestellt. Durch dieses Ent- gegenkommen sollen die Angestellten der Großen Berliner Straßen- bahn in allen Bezirken veranlaßt werden, für die liberalen Kandi- baten einzutreten. Die Straßenbahner werden von einigen dazu beauftragten Kollegen einzeln aufgesucht und aufgefordert, für die liberalen Kandidaten zu stimmen. Wir ersehen also daraus, daß Herr Zobel gar keine Veranlassung hatte, sich über unsere Notiz vom Donnerstag so besonders aufzuregen. In der Irreführung der Wähler leisten die Liberalen überhaupt alles nur Erdenkliche. Sie stellen sich hin und erklären, daß die Sozialdemokratie der„Libe- ralen Fraktion" auch nicht den leisesten Vorwurf der Rückständigkeit auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge machen könne und daß sie die städtischen Betriebe zu Musteranstalten ausbauen wolle. Mit diesen Behauptungen wagt die„Liberale Fraktion" vor die Wähler zu treten, trotzdem sie erst kürzlich wieder den Beweis ihrer Rück- ständigkeit auf diesem Gebiete mit aller Deutlichkeit erbracht hat. Erst in der letzten Stadtverordnetenversammlung stimmten die Herren geschlossen einen Antrag der sozialdemokra- tischen Fraktion nieder, in dem verlangt wurde, daß den bei den Notstandsarbeiten beschäftigten Arbeitern ein Tagelohn von 4 Mark gezahlt werden soll. Die Herren waren nicht da- für zu haben, mehr als 3,29 Mark zu bewilligen, trotzdem von unseren Parteigenossen darauf hingewiesen wurde, daß doch schon der ortsübliche Tagelohn in Schöneberg auf 3,69 Mark festgesetzt ist. Auch bei den letzten Gehalts- und Lohn- regulierungen ist der Beweis der Rückständigkeit von der„Liberalen Fraktion" erbracht; auch da fanden die von den Sozialdemokraten gestellten Anträge keine Unterstützung, während nach oben hin die Herren sich gegenseitig überboten. Da scheute man sich gar nicht, einzelnen Personen Gehaltszulagen in der Höhe bis zu 4999 Mark zu gewähren. Auch die Erhöhung der Kranken- haus kosten ist ein Werk der„Liberalen Fraktion". Angesichts dieser Umstände ist es eine ziemliche Dreistigkeit von der„Liberalen Fraktion", sich vor den Wählern hinzustellen und zu erklären, daß sie in der Arbeiterfürsorge den Sozialdemokraten nicht nachstehen. Auch mit den liberalen Anträgen zur Abänderung des kom- munalen Wahlrechts war eS stets eine eigenartige Sache. Ter „Liberalen Fraktion" ist es in der Hauptsache nur um die Ab- schaffung des Hausbesitzerprivilegs zu tun, ba unter ihren Anhängern auch«in Mangel an den nötigen Hausbesitzerkandidaten bei den Stadtverordnctenwahlcn besteht. Jedesmal, wenn die sozial demokratische Fraktion die Gelegenheit benutzte, weitergehende Au träge auf Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts überhaupt zu stellen, lvar es der„Liberalen Fraktion" recht unangenehm. Einmal war sogar eine große Geschäftsordnungsdebatte notwendig, um bei der„Liberalen Fraktion" durchzusetzen, daß die sozialdemokra- tischen Anträge in Verbindung mit den liberalen Anträgen über- Haupt zugelassen wurden. Der„Liberalen Fraktion" muß heute der Beweis erbracht werden, daß auch sie nichts in der dritten Abteilung zu suchen hat. Erreicht die„Liberale Fraktion" durch den jetzigen Wahlkampf die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung, dann ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Vetternwirtschaft in Schöneberg wieder festen Boden fassen wird. DaS muß auf alle Fälle verhindert werden. Die Wähler haben alles aufzubieten, umdenKandidaten der Sozialdemokratie zum Siege zu verhelfen. Es mutz eine Ehrenpflicht für jeden Parteigenossen sein, sein Teil mit dazu beizutragen. Darum: Auf zur Wahl! » In einer überaus gutbesnchten Wählerversammlnng, die am Donnerstag in den Neuen Ratihaussälen stattfand, schilderte Ge- nosse Molkenbuhr die Rückständigkeit der Freisinnigen im Reich, Staat und Kommune. Erst mit dem Einzug der Sozial- Demokratie in alle Körperschaften sei pulsierendes Lebe» einge- drungen und damit auch wirklichem Fortschritt der Weg gebahnt worden. Mit einem Appell an die Wähler, den glänzenden Siegen in Sachsen, Altona und Berlin einen neuen hinzuzufügen, schloß der Redner seine interessanten Ausführungen. Genosse K ü t e r wies auf das unsoziale Vorgehen des Magistrats in der Wohnungs- frage hin, das vom Genossen B e r n st e i n gleichfalls verurteilt wurde. Die Mitteilung, daß die Demokratische Vereinigung ihren Anhängern empfohlen habe, nur für die Kandidaten der Sozial- demokratie einzutreten, fand großen Beifall. Dann kam ein Brief vom Liberalen Verein, gezeichnet mit Zobel, zur Verlesung, worin d«r Herr Z. die Tatsache zugiebt, daß Postbeamte für die Wahlarbeit tätig sind; dieses Abkommen wäre aber nicht von der Liberalen Fraktion getroffen worden. Davon, baß Herr Zobel aufgefordert hatte, einen Konservativen zu wählen, damit der Sozialdemokrat nicht zum Siege gelang«, war in der Zuschrift nichts be- richtet worden. Nachdem der Vorsitzende noch mitgeteilt hatte, daß das Wahlresultat am heutigen Sonnabendabend-im Tunnel der Neuen Rathaussäle bekanntgegeben wird, forderte er zur fleißigen Mitarbeit bei der Wahl auf. Di« Parteigenoss.en werden ersucht, sich alle rechtzeitig estizustellen, um die ihnen üHrtragenen Arbeiten entgegenzunehmen. Desgleichen wollen die Genossinnen sich zahlreich zur Verfügung stellen. Die Genossen aus den Nachbarorten werden gebeten, sich zur Wahlhilfe im Wahlbureau, Lokal Kuschkc, Meiningcr Straße 8, zu melden. Die Arbeiter-Radfahrer wollen ebenfalls zeitig antreten, da ihre Tätigkeit bereits früh einsetzt. Das Wahlbureau ist von 8 Uhr an geöffnet. Das Wahlresultat wird abends im Tunnel be- kanntgegeben. Alle Mann an die Arbeit! Partei-?Zngelegenkeiten. Vierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 7. November findet um 2 Uhr und 5 Uhr je eine Urania-Vorstellung statt. Zum Vortrag kommt: Die neue Dolomiten st ratze. Billetts a 6ö Pfennig sind noch im Bureau des Wahlvereins. Stralauer Platz 1/2, sowie vor Stattfinden der Vorträge in der Urania, Tauben st r. 48/49 zuhaben.> Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 7. November, abens 9 Uhr findet in Bernhard Raabe's Salon, Kolberger Straße 23 eine öffent- liche Versammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Hans Block über:„Der Siegeszug der Sozialdemokratie". Nach der Versammlung: Gemütliches Bei- sammensein. Charlottenburg. Parteigenossen! Am Montag finden die Stadtverordnetenwahlen in der dritten Ab- teilung statt. Am 3. November haben die Berliner Genossen den Siegen, welche die Partei in den letzten Wochen erstritten, einen neuen überaus glänzenden Erfolg hinzugefügt. In absehbarer Zeit wird die dritte Abteilung in ganz Berlin den Arbeitern ge- hören. Parteigenossen! Sorgt am Montag dafür, daß Charlottenburg nicht hinter Berlin und den anderen Orten im Reiche zurückbleibt, erteilt auch hier eine deutliche Quittung für die neuen Steuern, an denen auch die Liberalen trotz aller ihrer Ableugnungen und Ver- drehungen ihr vollgerüttelt Maß an Schuld haben. Kein Arbeiter darf es versäumen, am Wahltisch zu erscheinen und seine Stimme für die sozialdemokratischen Kandidaten abzugeben. Am Sonntagvormittag findet im Volkshause, Rosinen- straße 3, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher die Stadt- verordnetenwahlen behandelt lverden. Wir machen nochmals auf diese Versammlung aufmerksam. Gleichzeitig bitten wir die Rixdorser und Berliner Genossen, besonders die des sechsten Kreises, sich uns am Tage der Stadtverordneten Wahlen, am Montag, den 8. November, nach Möglichkeit zur Verfügung zu stellen. Das Zentralwahlburcau befindet sich Rosinenstr. 3. Der Vorstand des Wahlvereins. AdlerShof.- An Stelle de? ani 19. November stattfindenden Zahlabends findet für unseren Ort am Dienstag, den 9. November. abends 8>/z Uhr, im Lokal von Kaul eine Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über Schiller und die Arbeiter- klasse. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Eichhorn. 2. Diskussion. 3. Parteiangelegenheiten und Verschiedenes.— Monatliche Beitragszahlungen nehmen die Vezirksfnhrer in der Versammlung entgegen.— Weiter sei auf die morgen, Sonntag, nachmittags'/zll Uhr, iin Lokal von Wöllstein stattfindende, vom Bildnngsansschutz veranstaltete Theatervorstellung hingewiesen. Pflicht der Genossen ist es, diese Veranstaltung nach Kräften zu unter- stützen. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Sonntag, den 7. November, früh 7 Uhr findet eine Agitationstour für Schmargendorf, Dahlem und Grüne- lvald statt. Treffpunkt in den von den Bezirksführern bekannt ge- gebenen Lokalen._ Der Vorstand. Berliner JVacbricbten* Der Widersinn des Dreiklasscnwahlrechts zur Kommune kam bei der gestern erfolgten Ernennung der Stadt- verordneteir für die erste Wählerabteilung in der krassesten Weise zum Siusdruck. Die auf die 16 Bezirke verteilten Kandidaten wurden mit 15— 36 Stimmen zum Stadtverordneten ernannt. Einer der Herren, Dr. Preuß, brachte es auf 56. Da fünf Stunden Wahlzeit vorgesehen waren, wurden die Wahlvorstände von der gräßlichsten Langeweile geplagt, die sich verschiedene Vorstände durch einen gemüt- liehen Skat zu vertreiben suchten. Für die erste Abteilung fungieren folgende Stadtverordnete: Spendig, Liebermann, Dr. Gelpcfe, George, Friedberg, Körte, Dr. Nathan(soz.- fortschr.), Dr. Preuß(soz.-fortschr.), Stapf, Dr. Friedemann, Dr. Ritter, Hainmerstein, Groh, Baumann. Im 15. und 16. Wahlbezirk wurde neu„gewählt": An Stelle Schröters Bäsell und an Stelle Keylings der in der dritten Abteilung durchgefallene Gericke. Im 12. Wahlbezirk fand an Stelle des berstorbenen Stadtberordneten Langerhans eine Ersatz- „wähl" statt.„Gewählt" wurde der in der dritten Abteilung durchgefallene Frick. Zur Stadverordneten-Stichwahl im 2. Wahlbezirk. Die Leitung der sozialdemokratischen Organisation Groß-Berlins hat am Donnerstagabend beschlossen, die Genossen aufzu- fordern, bei der Stichwahl am 16. November ztvischen dem Demokraten H.-V. Gerlach und dem Freisinnigen Leis für den Demokraten zu stimmen. Zur Stadtverordnetenwahl in der dritten Abteilung im 8. Be- zirk wird der„Berl. Volkszeitung" aus Berliner Lehrerircifen geschrieben: „Der Kommunalfreisinn fühlt offenbar, daß die Lehrer aus den Reihen der freisinnigen Volkspartei fliehen. Um sich nun am Wahltage der Unterstützung der Lehrerschaft zu sichern, hat man im 8. Bezirk zu einem etwas eigenartigen Mittel gegriffen. Am Dienstag morgen vor der Wahl erhielt ein Lehrer ein Flugblatt für den freisinnigen Kandidaten Hauer, unterzeichnet von einem Wahlkomitee, unter dem zu seiner großen Verwunderung der Lehrer seinen eigenen Namen fand. Er hatte weder den Entwurf des Aufrufs gesehen, noch seine Unterschrift gegeben, noch überhaupt eine Einladung zu einer Komiteesitzung oder Versammlung er- halten, die sich mit der Auff'tellung eines Kandidaten befaßte. Auch anderen Herren, die unter dem Flugblatt standen, soll es so er- gangen sein. Offenbar glaubte man auf diese Weise die ab- trünnigen Lehrer zu ködern, womit man aber offenbar wenig Glück gehabt hat. Die Abnahme der freisinnigen Stimmen von 791 auf 581 liefert den besten Beweis dafür." Reklamiert bei ungerechtfertigter Veranlagung zur Kirchen- steuer. Das Oberverivaltungsgericht hat, wie die„Deutsche Juristen- Zeitung" mitteilt, vor kurzem dahin entschieden, daß ein zu Unrecht zur Kirchensteuer Herangezogener diese Steuer bezahlen muß, wenn er gegen die Heranziehung nicht rechtzeitig Einspruch einlegt. Auch wir haben von dem Urteil schon Notiz genommen. Interessant sind aber die Urteilsgründe. In denselben heißt es: Der Kläger irrt, wenn er glaubt, daß ihn der Austritt aus der Landeskirche vor der Heranziehung zur Kirchensteuer ohne weiteres und unter allen Umständen schütze, und daß das Rechtsmittel des Einspruchs nur zur Geltendmachung von Einwendungen gegen„die Höhe einer sonst begründeten Veranlagung" gegeben sei. Vielmehr dient dieses Rechtsmittel vor allem auch dem Schutze Nichtsteuer- Pflichtiger gegen Heranziehung. Einen anderen Rechtsschutz hiergegen gibt es für diese nicht. Die Fristvorschriften des durch Staatsgesetz anerkannten KirchensteucrgesetzeS wirken aber auch gegen sie. War hier die Einspruchsfrist versäumt, so konnte der beklagte geschästs- führende Ausschutz weder durch Beschwerde noch durch Klage zur Berücksichtigung des nachträglich geltend gemachten Austritts aus der Landeskirche genötigt werden, da ein Eingehen auf die»suche selbst überhaupt ausgeschlossen war.— Die Frist von vier Wochen für den Einspruch ist nach Artikel III des Staatsgesctzcs vom 14. Juli 1995 und§ 94 des Kommunalabgabengesetzes eine Ans- schlußfrist; nur für ihre Dauer ist das Rechtsmittel gewährt und nach ihrem Ablaufe der Herangezogene an der Ausübung de? Rechtsbehelfes gesetzlich verhindert. Nun ist zwar der Beklagte ein Jude, und seine Heranziehung auf Grund des nur für Evan» gelische erlassenen Kirchcngesetzes ist aus Irrtum erfolgt. Trotz- dem finden aber die Fristvorschriftcn des Gesetzes auch auf ihn Anwendung; denn im Geltungsbereiche der gedockten Gesetze treffen die rechtlichen Folgen der von dem zuständigen Gemeindeorgan bc- wirkten Veranlagung einen jeden, der als wirklicher oder vermeint» licher Evangelischer— sei er Preuße oder Richtpreutze, Deutscher oder Nichtdeutscher— zu einer Abgabe herangezogen wird. Ihre Bekämpfung durch Einspruch, Beschwerde und Klage kann nur nach Maßgabe jener beiden Gesetze geschehen binnen der für jeden dieser Rechtsbehelfe gewährten Frist. An letztere sind außer dem— wirklichen oder vermeintlichen— Pflichtigen auch die zur Ent- scheidung berufenen Behörden gebunden. Mit dem Rechtsempfinden des Volkes verträgt sich das Urteil nicht. Mit demselben Rechte wie im vorliegenden Falle könnte ein Privatmann einem anderen eine Rechnung schicken, von dem er nichts zu bekommen hat. Wenn der in dieser Weise Gemahnte die durch nichts begründete Forderung unbeachtet läßt, wird kein verständiger Mensch annehmen, daß deshalb die Forderung be» gründet ist. Es geht nichts über Juristenlogik! Küchenabfälle. Unter dieser etwas anrüchigen Ueberschrift gingen kürzlich Mitteilungen durch die bürgerliche Presse, die sich mit der Küchen- Praxis in den Berliner Gastwirtschaften beschäftigten. Herr Ringel, Präsident des Verbandes deutscher Gastwirte, hatte einem Vttt- arbeitcr des„Berliner Tageblatt" gesagt, es sei allgemein üblich, die auf den Platten(nicht auf den Tellern) liegen gebliebenen Speisen für andere Gaste nochmals zu verwenden. Darüber helle Entrüstung in den bürgerlichen Blättern, und auch die Orgaue der Gastwirte protestierten lebhaft gegen die Aussprüche Ringels. Dann sollte Herr Ringel zum Teil falsch verstanden worden sein. Ein Hotelier bemerkte als Einsender im„Berliner Tageblatt", in„gutgeführten Restaurants" sei es durchaus nicht üblich, daß die auf"Platten servierten Speisen, die der Gast vorgesetzt be- kommt, und von denen er Teile zurückläßt, noch einmal in irgend- welcher Form verwendet würden.„Diese Handlungsweise würde den in dem Artikel angeführten Schweinereien(gemeint sind die Ziekowschen und Zandcrschen Praktiken) gleichkommen. Solche Speisereste gehören in die sogenannten Futterfässer, die auch täglich von dem Schweinemäster abgeholt werden." Des loeiteren wird von dem Hotelier aber doch soviel zugegeben, daß solche Speisen, die bei großen Diners von den Kellnern auf Platten serviert werden, und die mit dem eigenen Besteck zu berühren der Gast keine Gelegenheit hatte, in die Mche zur weiteren Verwendung zurückkommen. Uns regt die ganze Frage nicht allzusehr ans. Sicher ist, daß Taufende von Familien nicht in der Lage sind, sich eine Kost zu leisten, die auch nur annähernd den„Abfällen" entspricht, um die hier der Streit entbrannt ist. �■ Gleichgültig ist die Frage natürlich für niemanden, der hie und da gezwungen ist, sein Essen im Restaurant einzunehmen. Für heute möchten wir einmal kurz die Frage erörtern, in welcher Weise die Angestellten in gastwirtschaftlichen Betrieben beköstigt sind. Eine Zuschrift aus Fachkreisen sagt hierüber: „Wie sehnsüchtig mag die große Mehrzahl»der Hoiel- und Restaurantangestellten nach jenen„Futterfässern" blicken, von denen der oben bezeichnet Hotelier spricht. Wie wohlgenährt, ja gemästet würden diese sein, wenn dag„Schweinesutter" ihnen überlassen würde. Sie erhalten es leider nicht; ihre Arbeitgeber sind in großer Besorgnis lvegen der Bazillen, die durch das Husten, Niesen usw. der Gäste angeflogen sein könnten. Bei den einsichts- losen Angestellten macht sich aber eine fast krankhafte Sucht nach diesem infizierten Bazillenfleisch bemerkbar, so daß die Unter- nehmer ihre liebe Not haben, sie vor Schaden zu beivahren.„Die Hausordnungen" der großen Betriebe enthalten fast aus- nahmslos strenge Strafandrohungen gegen das„Abservieren von Fleischresten"; für jede Uebertretung sind höhe Geldstrafen in AuS- ficht gestellt, im Wiederholungsfall ist die sofortige Entlassung an- gedroht. Neben der negativen Fürsorge tritt aber auch die p o s i» tiv e ein. Die berühmte„Leutewurst" wird in großen Massen eingekauft, ebenso das Schmalz(Bratenschmalz ist zu teuer) und die Sechferkäse. Frühstück und Abendbrot ist in den meisten Fällen von einer Beschaffenheit, daß die Angestellten, soweit sie sichs leisten können, meist ganz darauf verzichten. Hinein in den Schweinetrog damit, sonst erhalten sie's den nächsten Tag von neuem serviert,—— ohne Rücksicht darauf, daß mittlerweile Bazillen angeflogen sein können. Und das Mittagessen? Im allgemeinen von gleickier Güte. Ausgekochtes Suppenfleisch, Bouletten,„Kelluergulasch". Das letztere ist ein Gemengsel von allerhand Speisenrcsten von oft zweifelhaftester Herkunft. Es ließen sich hier zahlreiche Beispiele beibringen von großen Berliner Hotels und Restaurants, in denen die Angestellten nicht bloß ungenügend, sondern vielfach auch mit verdorbenen Speisen beköstigt werden. Soweit die Zuschrift. Wäre die Darstellung des oben bezcich- neten Herrn Hoteliers richtig, würden wirklich keine Speisenreste von Platten und aus Schüsseln wieder vcrlvendet, dann wäre die drakonische Bestrafung derjenigen Angestellten nicht zu verstehen, die, um ihren Hunger zu stillen, selbst die Scheu vor den Bazillen überwinden und sich ein Stück Fleisch von den aus dem Speisesaal zurückkommenden Platten nehmen. Das wird nur verständlich, wenn die Tarstellung des Herrn Ringel die richtige ist. Und in der Tat, Herr Ringel hat zweifellos im ersten Moment und unbedachterweise aus der Schule geplaudert. Und diese Tatsache mahnt alle Gasthausbesucher zur Vorsicht. Aus der Magistratssitzung vom 5. November. Der Magistrat beschloß, einem Antrag der Armendirektion folgend, zur Belehrung ihrer Organe gedruckte monatliche Mit- teiiungen kür das Armenwesen herauszugeben, diese aber auch auf Angelegenheiten der Waisenpflege auszudehnen. Den Lehrern und Lehrerinnen an der hiesigen städtischen Taub« stummenschule� und Blindenanstalt sollen dieselben Gehaltsbezüge gewährt werden, wie sie jetzt die ordentlichen Lehrer und Lehre» rinnen an den städtischen höheren Mädchenschulen beziehen; ihr Dienstalter soll von der Anstellung im hiesigen Gemeindeschuldienst an gerechnet werden. Der Stadtverordnetenversammlung wird eine Vorlage zugehen. Dem Antrage der Tiefbapdeputation entsprechend wurde be- schlössen, der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage über den Ankauf oder die Enteignung der Grundstücke zu machen, die die Stadtgemcinde zur Verbreiterung der Landsberger Straße zwischen Katharinen- und Lietzmannstraße noch braucht. Die Einnahmen der stäbtischen Straßenbahnen für Oktober betrugen 81 244,65 M. gegen 65 716,89 M. im Oktober des Vor- kahres, das ist eine Tageseinnahme von 2629,89 M. gegen 2119,99 M. «m Oktober 1998. Es wurden insgesamt 882 951 Personen gegen 793 316 im Vorjahre befördert. Die Anzahl der gefahrenen Wagen- kilometer(Motorwagen und Anhängewagen) ist von 118 845 des Vorjahres auf 141 992 gestiegen. Die Einnahme für das Wagen» kilometer beträgt 57,25 Pf. gegen 55.39 Pf. im Vorjahre, Aufsicht filier Privatschulen. Vielfach tücubct sich die Bürgerschaft in Angelegenheiten der Aufsicht über die Priuatschulen noch an den Magistrat. Die Stadt hat aber mit der Aufsicht über die Privatschulen Berlins nichts mehr zu tun. die zustündige Behörde ist dgS königliche Proviuzialschulkollcgium. Mißbrauch stiidtischcr Orgaue durch den Staat. Auf Veranlassung des Justiziiiiuisters sind die Armenkominissionen angewiesen lvorden, in allen Fällen Auskunft z» erteilen, z. B. ob bestrafte oder zu bestrafende Personen zur Zahlung von Kosten usw. im stände sind. Zahlreiche Armenkoinnüistonsvorsteher haben be- schlössen, diesen, Ersuchen nicht zu ciilsprechen, weil solche Aus- kiiufle, die früher von der Polizei besorgt wurden, nicht zu ihren Obliegenheiten gehöre». Die Armeuvorsteher tun ganz recht daran, wenn sie solche oben flekcnnzeichncten Auskünfte ablehiicn. Nur sollte der Berliner Magi- sttat der Justizbehörde deutlich macheu, dag die Stadt ihm keine HaUdlaiigerdienste zu leisten braucht. Wo steckt die SauitötSkouimissio»? In Berlin bestehen sogenannte Saniiätskommissionen. Sie setzen sich zusainmen aus Bürgern der Stadt und Vertretern der Polizeireviere. Diese Koinmissioncn sind leider nur Schein- kommissionen; eS vergehen Jahre, ehe sie einmal zusammentreten. Höchstens ivenn eine Epidemie droht oder schon am Orte grassiert, ruft Man die Mitglieder zusammen, sonst nicht. Und doch könnte eine solche Kommission sehr nützlich wirken. Es gibt sanitäre Mißstände in Hülle und Fülle— wir erinnern mir an die Veschaffenheit vieler Wohnungen, wo die Kominission ein Tätigkeitsfeld fände. Es ist zwelfellos, daß die gesamte Bürgerschaft an eiiiein guten Gesundheitszustand in der Gemeinde das dringendste Interesse hat, und malt sollte nicht erst warten, bis Epidemie» ausgebrochen sind, sondern vor allem, was unseres ErachlenS weit Ivichtig-r ist, vorbeugen, das; wir nicht von Massenkrankheiten heiingeincht werden. DaS kann aber sehr leicht geschehen, wenn an gewissen Stellen der Stadt Seuchenherde geduldet werden. Uns lvird mit- geteilt, dah die Aborlverhältnisse in Dieter? Hos, Fraukkurler Allee 47, geradezu himntclschreieude sind. Dort befinden sich auf dem zweiten Hof zivei offene Klosetts, die jedem, der den Hof pasfiert. zugänglich sind und die in eineni jämmerlichen Zustande sind. Da die Reinigung sclien erfolgt, so starren die Kloseits von Schmutz. Arbeiter einer Tischlerei, Lackiererei, Poliererei usw., Jugendliche wie Erwachsene sind ank die Benutzung dieser Prstlierde angewiesen. Ter Polizei und dem Gewerbeinspeklor soll schon Mitteilung von diesen Zuständen gemacht worden sein, Abhilfe ist noch nicht erfolgt. Soll erst eine Krantbcit ausbrechen? Hoffentlich tragen diese Zeilen zur schleunigen Abhilfe des zum Himmel stinkenden Zuslandes bei LiebeSdrama. Im„Gasthaus zur Kornblume" in Potsdam hat sich gestern vormittag ein Berliner Liebespaar mittels Re- volvers tödliche Verletzungen beigebracht. Nach aufgefnndenen Papieren handelt es sich um den Kaufmann Schulz und Fräulein Margarete Frauenhoin, letztere in Verlin, Brunneustr. IIS wohn- hast und 1877 geboren. Schulz hatte zuerst die Geliebte und dann sich durch je einen Schuh zu erschienen versucht. Schwer verletzt und bewußtlos wurden sie in daS städtische KrunkenhuuS gebracht. Bei der Wahlardeit das Fahrrad gestohlen. Am Miitwochabend brachte ein Arbeticrradfahrer das Wahlrcsnltat nach dem Ber- sammlnitgslokal„Prachlsäle Nordwest" in der Wiclcfstrasze. Während der Radfahrer sich in das VersammliuigSlokai begab, lies; er sein Rad au der Tür stehen. Bei seiner Rückkehr ivar es verschwunden. Es ist eine„Frisch a»f"-Maschi»e Nr. 247 015. Wer über de» Ver- bleib des Rades Mitteilung machen kau», woll' solche an den Schrift- setzer Wilh. Zickerich, Wetnstr. 20, gelangen lassen. Auf der Treptow-Stcruwarte spricht Direktor Dr. F. S. Archen- hold am Sonnabend, den 0. November, abends 8 Uhr, über»Saturn und Mors." Sonntag, den 7. November, mich mittags 5 Uhr. über „Mars eine zweite Erde", und abends 7 Uhr über„Eine Wanderung durch das Weltall". Ferner am Montag, den 8. November, abends 9 Uhr, über„Weltnntergaiigsprophezeiungen und Kometenfnrcht", Alle Vorträge sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Licht- bildern ausgestattet. Da das Mvndlicht nicht stört, so sind die Beobachtungen mit dem groben Fernrohr jetzt besonders zu empfehle». Eine TanvrnanSstellnng veranstaltet der„Klub Berliner Tauben- züchter 1000" vom 6. bis 8. November in Kliems Festsälen, Hasen- Heide 14/15. Vcrkehröspernmgcn. Aus Anlag der am 10. d. M. vormittags 11 Uhr im Lustgarten stattfindenden Rekrutenvereidigung werden von 10 Uhr vormittags ab bis nach beendeter Feier der Lnstgarten, die Schlobfreiheit, die Schlotz- und Kaiser-Wilhelm-Brücke für jeden Verkehr gesperrt._ Vorort- JVaebriebtem Schöneberg. Ein Bollwerk gegen den Zustrom drr minbcrbemlttelten Bc- völkerung glaubt die Stadtverwaltimg darin gefunden zu bnben, dag sie bei Slrabenregulierungen mit den Besitzern de? Geländes, meistens Terraiiigewllschofte», Verträge abschlicbt, die Garanlien für eine gute Bebauung, insbesondere geschmackvolle Fassaden fordern. Ein derartiger Vertrag soll zunächst für die Marthin-Luther- Straffe, zwischen Rathausplatz und Haupistraff«, für die Hehl- straffe, von der Koburger bis zur JuSbrncker und für eine neue Parallelstraffe der Heylstraffe zwischen Martin- Luther- und Jnsbrucker Straffe, mit der Tcrraingesellschaft Groff-Berlin abgeschlossen werden. In den. Bertrage wird u. a. ge- fordert, daß für' sämtliche Grundstücke mit Borgärten an erster Stelle eine grundbuchliche Eintragung zugunsten der Stadtgemeinde des Inhalts zu bewirken ist, dnff hinter den Vorgärten Lade» weder an- gelegt»och eingerichtet werden dürfe». Auf diese Weise sind die Kleingewerbetreibenden mit ausgeschaltet, ließet die Mindestgröhe der Wohnungen hat die Unternehmerin ihren Käufern die Ber- pflichtung aufzuerlegen, daff in de» Vorderhäusern nur Woh- mingen von vier Zintmern im Durchschnitt zu bauen sind. Vorderwohnungen von weniger als drei Zimmern dürfen nicht gebaut werden. Bemerkenswert ist ein Passus, wonach_!c Häuser, die in den ersten drei Jahren nach Abschluß des Vertrages fertiggestellt werden, deren Vorderhaus mindestens vier herrschaftliche Wohnungen mit sieben Zimmern und deren Hinter- Häuser keine Wohnungen von ivemger als drei Zimmer enthalte», die Wertzuwachs steuer sowie etwaige aus Grund deS§0 des Kommunalabgabengesetzes ausgeschriebene Beiträge zu den Kosten des Stadtparks und der U n t e r g r u n dsb a hn von der Stadt nicht erhoben bezw. zurttckei statter werden. Räume wie Mädchen- zimmer. Küche, Badcstube, die weniger als 12 Quadratmeter Grundfläche hoben, werden nicht als Zimmer gerechnet. In den Vorderhäusern muff entweder Fahrstuhl oder Zentralheizung oder eine zentrale Warm- Wasserversorgung eingerichtet werden. Diese Verpflichtungen sind in den Kaufvertrügen aufzunehmen; für den Fall der Nichterfüllung soll eine Konventionalstrafe von 10 000 M. erhoben werden. Allerdings steht der Stadt eine Einwirkung darüber, wie der Erbauer baut, nicht zu. aber da das Grundbuch besondere Be- stimmungen über die Bauart aufgenoimnen hat und bei der Vau- erlaubnis einige Schwierigkeiten bereitet werden können, so fügt sich eben der Unternehmer solchen merkwürdigen Bestimmungen. Auf diese Weite wird da« Proletariat von gewissen Gegenden vollständig abgeschlossen. Ripdorf. Die heute abend im Rixdorfer Theater. Bergstr. 147, stattfindend, Schillerfeier nimmt präzise 0 Uhr ihren Anfang. Die Teilnehmer werden ersucht, da der Saal schon um 3 Uhr eröffnet wird, recht- zeitig z» erscheinen, nm unsiekisame Störnngen zu vermeiden. Ein- trittskarlcn a 50 Pf. sind in der Spedition, N.'ckarstr. 2. erhälliich. »lege Beteiligung erwartet Der Vildungsausschuff. Lichtenberg. Wir erinnerten daran, daff unser„OrtSbIZitchen" wiederholt streikende Arbeiter beschimpfte. Das erbittert sein Gemüt, es ichimpft, leugnet und behauptet, in Velvufftlosigkelt gehandelt zu haben. Wir meinen, wenn man Arbeitern in den Rücken fällt, in- dem man die Behauplung ausstellt, Streikende hätten Schutzleute angespuckt und niit Steinen geworfen, und sich der Pflicht der Betveisfühlimg entzieht durch die Bemerkung, die Täter seien nicht erkaiml worden, dann ist das weniger Bewufflkosigkeit als Bosheit. In zwei Fällen hat das Blöiichen bei Gelegeuheiien von Streiks in Lichtenberg so gehandelt. Noch schlimmer liegt ein anderer Fall. Zur Zeit der letzte» LobnbelvrgUlig der Bau- und Geldschrankschlosser kam es eines Sonnabends aus dem Gesundbrunnen zu einer wüsten Schlägerei. Ein Mouragsblatt schob die Ausschreitimg Sireikenden in die Sckmhe und behnuplete auch, diese hätten mit Revolver» geschossen. Die arbeilerfeindliche Presse, darunter unser Kvihblait, druckten den Schwindel mit schmatzendem Be- Hagen nach. Bcrichiigimgen der Streikenden und der Organisation imtzlen nichts. Nach einigen Tagen vcröffemlichte das Wolf-Bnreau auf Veranlassung der Polizei die Mitteilimg. daff die Streikenden mit der Schlägeret gar r.ichts zu tun hätten, keiner von ihnen dabei gewesen sei. Die meisten Blätter nahmen dann von dieser den streikenden schuldigen Ehrenerklärung Notiz— unser anständiges iimisblättchen uichl. Für solche„Bewuffllvstgkeit" gibt es keine Eni- schuldigung. sie ist das Charakteristikum eiueS reichsverbäudlerischen Revolverblättcheus. Ein solches Pflänzchen kann kein ans Selbstwürde achtender Arbeiter in die Hand nehmen. Iteglitz. Eine Schiller- Feier zur Erinnerung der 150. Wiederkehr von Schillers Geburtstag veranstaltet der hiesige MldungsailSschuff am heutigen SoiMabend, nbeiidS S'/s Uhr, im„Birkemväldchen". Ihre freundliche Mitwirkung haben zugesagt: Meta Geher-Dierich iGesangj, Fritz Richard sRezitotiviij, Heinrich Schulz(Festrede) sowie der Männerchor Friedenau- Steglitz(Chormeister F. Snchsdorf). Das aiifgestellle Programm verspricht einen vorzüglich künstlerische» Geiiuff, lind da der Eintrittspreis(M Pf.) ein velhältnisiuäffig geringer ist, darf wohl erwartet werden, daff die Arbeiterschaft der Veranstaltung, welche, nebenbei bemerkt. für Jugendliche lind Kinder unentgeltlich ist. das entsprechende Interesse entgegenbringt. Billetts sind bei den Bezirksführern sowie bei Georg Winkelmaitn, Steglitz, Schloffstr. 104, erhältlich. Bei letzterein erhalten gleichzeitig die Jiigntdticheu ihre Freibilletts. Vith-Buckow. Bei der Grmriitdcvertreterstichwahl am Donnerstag ist der sozialdemokratische Kandidat, Genosse Hadamak, mit 47 Stimmen dem bürgerliche» Kandidaten, auf welchen 07 Stimmen entfielen, »nterlegen. Sache unserer Genossen muff es nun fein, die Organi- sation am Ort so auszubauen, daff sie bei den im nächsten Jabre stattfindeiideit Gemeindcwahlen den Sieg in der dritten Klaffe erringen. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Eingang? der Tagesordnung irnirde ein vom Stadtv. Schob(kons.) gestellter Antrag: die Generaldebatte über die Nenregulierung der Lehrer-, Beamten- und Arbeitergehäller in öffentlicher Sitzung zu behandeln, angenommen. Genosse Pieck hatte den Antrag unterstützt mit dem Bemerken, daff die Steuerzahler ein Recht darauf haben, zu erfahren, in welcher Weise diese Gehaltsregnlierungen vorgenommen werden. Zur Er- nchtnng eilte« Schmiede- und Werkstätte, tgebändes auf der Gasanstalt wurden 21000 M. gefordert. Bei dieser Vorlage, die genehmigt wird, regt der Stadtb. Genosse Schmidt I an. ob ts nicht praktischer und billiger werde, wenn sämtliche Reparaturwerkstätten zmitrakisiert würde». Der Stadtbaurat Paul sagte zu, daff dieser Vorschlag in der Deputation vorgelegt werden solle. Ohne jede Debatte bewilligt die Versammlung 205 000 M. zur Erweiterung des WafferrohrnetzeS nach dem Stadlteil Nonnendoinm und für die Er« Höhimg des Wasserturmes. Die folgende Vorlage, dem Hafenpächter Thomas den auf dem Hafengelände aufgestellten Schuppen für einen Pachipreis von jährlich 280 M. z» überlassen, ruft eine längere Debatte hervor. Genosse Pieck beantragte einen Pachtzins von mindestens 1000 M. zu fordern, da der Pächter Thomas einen Ueberichutz von täglich 100 M. aus dem Hafen erziele. Es war aber alles vergeblich. Die Mehrheit der Versammlung sprang ihrem Staiidesgenossen Thomas bei. indem sie den Anttag Pieck ablehnte und die Magistratsvorlage annahm.— lieber die Neuregelung der Lehrer-»nd Beamten- usw. Gehälter referierte der Stadtverordnete Sch o b. Derselbe führte anS, dah infolge der hoben Lebensmittelpreise und des gröberen Aufwandes die Gehälter der Beamten und Lehrer nicht mehr ausreichten. Deshalb habe sich ancb das Reich und der Staat veranlatzt gesehen, eine Neuregelung der Gehalisfrage bei den Beamten und Lehrern eintreten zu lassen. Auch die Kommunen seien verpflichtet, eine Regelung vorzunehmen, da bei den Lehrergehältern die Differenz zwischen Stadl und Land durch Ortszulagen ausgeglichen werden ollten. Spandau habe bei dieser Gelegenheit auch die Gehälter der städtischen Beamten und Arbeiter einer Revision unterzogen. Die große Arbeit der Kommission liege in der Vorlage vor. Man habe die Ortszulagen siir die Lehrer auf 400 M. festgesetzt unter Berück- sichtigung der schlechten Finanzlage, in der sich Spandau befindet. Der konservative Stadtverordnete L ü d i ck e hielt die Vorlage nicht •iir geeignet, daff sie groffe Zufriedenheit hervorrufen wird. Namentlich bezeichnete er die Ortszulage sllr die Lehrer für zu gering. Er wünschte dieselbe auf 600 Mark erhöht. Schliefflich stellte er den Antrag, die ganze Vorlage einem Ansschnff zu überweisen. In der weiteren Debatte sprachen sich fast alle Redner für diesen Antrag aus. Genosse Pieck hielt dem Refe- ronten vor, daff ja gerade seine Partei die groffe Misere unter den Lehrern und Beainten durch die fainose Zoll- und Steuerpolitik her- gerufen. Gegenüber dem Stadtv. Lüdicke betonte der Redner, daff letzterer die Verhältnisse und Wünsche der Arbeiter nicht berilhrt habe. Hier müßten wohl andere Motive vorliegen, entweder bedinge die? die bevorstehende Stadtverordnetenwahl oder der ganze Zug nach links. Herr Lüdicke erwiderte, daff die hiesigen Sozialdemokraten lehr bescheiden geworden zu sein scheinen. Zwei Sitze hätten sie ja wieder gewonnen, den einen noch dazu mit Ach und Krach. Zwei andere Sitze seien sie im Begriff zu verlieren.(Wenn sich der Stadtv. Lüvicke nur nicht irrt. ES kann leicht anders kommen, wie Herr Lüdicke denkt, wenn unsere Genossen im 5. Bezirk ihre Schuldigkeit tun. D. B.) Nach weiterer längerer Debatte wurde die Vorlage einem Ausschuß überwiesen. In diesen Ausschuß hat man von unseren Genossen keinen hineingelvählt. Dieselben werden nun bei der nächsten Spezialberatnng desto öfter das Wort ergreifen. um auch die Wünsche der städtischen Arbeiter zur Geltung zu bringen. Wenn man sich die Gehaltsregulierung, ausgenommen die der Lehrer be- sieht, so bat man es gemacht ivie immer, da« heiffi nach oben, wo schon genug ist, hat man am meisten zugelegt. So sollen erhalten: Oberbürgerineister Kölze jährlich 2000 M. Zulage. Bürgermeister Wolf jährlich 1000 M. Zulage. Stadtbaurat Paul jährlich 1500 M. Zulage, Stadtrat Stritte jährlich 500 M. Zulage. Nach unten ist man nicht ganz so spendabel gewesen. Die städtischen Arbeiter sollen erhallen einen Stundenlohn von 44 Pf. in den ersten drei Jahren, 47. Pf. nach 3 Jahren, 40 Pf. nach 0 Jahren, 51 Pf. nach 0 Jahren, 54 Pf. nach 12 Jahren. Nun, vielleicht gelingt es unseren Genossen noch, bei der Spezialberatung etwas mehr für die städtischen Arbeiter herauszuschlagen. Die Stichwahlen im 1. und 5. Bezirk finden am 22. November statt. Die Sozialdemokratie ist mir im 5. Wahlbezirk an der Stichwahl beteiligt. Hier gilt es, de» am 2. November errungenen zwei Mandaten noch zwei hinzuzuerobern. Daff letzteres bei erustem Willen möglich ist, hat gerade unker Sieg in den zwei Bezirken be« wiesen, wo die Sozialdemokratie den vereinigten bürgerlichen Parteien, den unter Aufsicht stehenden Staatsarbeitern und dem Reichsverbande gegenüberstand. Unsere Genossen haben daher alle Kräfte auf die Stichwahl im 5. Bezirk zu konzentrieren und die Zeit, die uns noch vom 22. November trennt, zur restlosen Agitation auszunutzen. Rur so ist es uns möglich, dem Groffspekulanten Kurt und seinem Gesinnungsgenoffen Huth den Sieg streitig z« machen. Es muff die Wahl unserer Genossen Schmidt und Köpenick zugleich ein wuchtiger Protest gegen die ungerechte Becirks- einteilung sein, die nichts anderes als eine Entrechtung der Arbeiter- bevölkerung bedeutet. Die Wahlen in der II. Abteilung finden am Montag, den 8. November, vormittags von 10—1 Uhr und nachmittags von 6—7 Uhr statt. Als Kandidaten der Sozialdemokratie sind aufgestellt: Kaufmann Hermann Pieck, Schlosser Paul Schmidt, Mechaniker Max Scior, Lagerhalter Ernst H o r n ig. Lagerhalter Emil Koppen und Schmied Emil Schubert. Parteigenoffen l Eibringt am Montag den Beweis, daß auch in der II. Abteilung sozialdemokratisch denkende Wähler zu finden sind. Darum auf zu neuer Arbeit, zu neuen Siegen. Nowawes. Die Frage der Höherlcgung deS EisenvahnkörperS in NowaweS ist nunmehr, nachdem bereits seit dem Jahre 1003 die Gemeinde mit der Eiieubahitverwaltung darüber verhandelt hatte, in cm Stadium getreten, welches erhoffen läßt, daß bereits in allernächster Zeit mit der Ausführmig der Höberlegitng begonnen wird. Welches Interesse die Einwohnerschaft dieser Frage entgegenbringt, zeigte der nnfferordentlich zahlreiche Besuch in der am Dienstag stattgefundenen Gemeindevertretersitzung, in welcher als einziger VerhandlimgS- gegenstand der Abschlnff eines Vertrages mit der Staatseisenbahn- Verwaltung wegen Höherlegung des Bahnkörpers auf der Tages- orduung stand. Der Bürgermeister gab in seinem einleitenden Referat ein Bild der Verhandlungen, die mit dem Eisendahnfiskus seit den langen Jahren gepflogen wurden; der Bnhuvcrkehr durch NowaweS belänft sich täglich auf über 200 Züge, welcher Zustand infolge der Niveauübergüiige eine unhaltbare Belästigimg iiir die Einwohnerschaft und ein großes Verkehrshindernis bilde. In dem nunmehr von der Eisenbahnverwaltung vorgelegten Vertragsentwürfe har drr größte Teil der WüiischederGemeinde Berti cksicMlgtmg gesunden. Genosse Gruhl als Mitglied der für dieie Frage eingesetzten Kom- Mission erklärte, daff dieselbe ein so weitgehendes Entgegenkommen der Eisenbahnverwaltung nach ihrem sonstigen Vcrhaiten in bezug aus Verbefferung des Verkehrs nicht erwartet habe; zwar müffe auch die Gemeinde schwere Opfer bringen, indem sie u. a. zu den auf t'/z Millionen veranschlagten Kosten der Höherlegnng 100 000 M. Zuschuß leisten und daS erforderliche Gelände, wovon ein Teil erst von Privatbesitzern erworben werden soll, der Eisenbabnverwaltung kostenfrei überlassen muß. Trotzdem der vorliegende Entwurf nicht alle unsere Forderungen berücksichtigt, würden die sozialdemokratischen Vertreter demselben ihre Zustimnuing geben, da die jetzigen Zu« stände dringend der Abhilfe bedürfen. Herr Biethke, der früher in der Eisenbahnverwaltung tätig war. bestätigte, daß bisher noch keine Gemeinde ein derartige? Entgegenkommen bei der Eisenbahn- Verwaltung gefunden habe, und ersuchte dringend um Annahme des Vertrages.— Herr Nathan meinte, daß die von der Gemeinde geforderten 100 000 Mark in An- betracht der weitgehenden Berücksichtigung unserer Wünsche eine Bagatelle seien; hätte die Regierung auch unseren weiteren Wünschen entsprochen, indem sie z. B. die jetzt durchfahrenden Bor- ortziige hier halten ließe, hätte die Gemeinde bis zu 200 000 M. Zuschuß leisten können. Was die Erwerbung deS nötigen Geländes betreffe, so wolle er den betreffenden Besitzern nur raten, in ihren Forderungen maßvoll und vernünftig zu sein, da das Kommunal- abgabengdsetz der Gemeinde Mittel an die Hand gebe, übertriebenen Forderungen nachdrücklichst entgegenzutreten. Es verlautet nämlich, daß einer der in Frage kommenden Grundbesitzer, welcher auch Gemeindevertreter ist und in der Sitzung anwesend ivar, für eine» Meter Land den horrenden Preis von 20 M. verlangt habe.— Nach dieser Debatte wurde in die Bs- ratung der einzelnen Paragraphen des Entwurfs eingetreten. Wesent- lichc Einwände wurden nur gegen den Z 2 erhoben, der besagt, daß die Gemeinde alle Entschädigungsansprüche übernehmen mutz, die von Dritten wegen Beseitigung deS jetzigen ZnstandeS erhoben werden. Gemeindevertreter Rechtsanwalt Altenau zerstreute aber diese Bedenken, indem er auf reichsgertchlliche Entscheidungen ver- wieS, die diesen Paragraphen unwirksam machen. Darauf wurde der Vertragsentwurf in allen seinen Teilen einstimmig genehmigt. Der hiesige BildungSanSschuß veranstaltet am 7. November seinen zweiten Theaterabend. Zur Aufführung gelangt daS Lustspiel „Die goldene Eva". Das Stück wird von derselben Gesellschaft auf- geführt, welche„Ausgewiesen" gespielt hat. Es ist zu erwarten, daß sich die hiesige Arbeiterschaft daS Gebotene nicht entgehen läßt. Da der Saal(„Volksgarten") geräumiger ist, kann für jeden Besucher für Sitzgelegenheit gesorgt werden. Für die Mitglieder der Jugend« organisation sind VorzugSkarten zum Preise von 30 Pf. beim Obmann deS JugendauSschuffeS, Genoffen Bubert, zu haben. Freireligiöse«Seineind«.' Sonntag, den 7. November, vormittag? 9 Uiji, Pappcl-Allee 16/17: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 1l Uhr, Kleine Frankfurter Sir. 6: Vortrag des Herrn M. H. Baege über: .Schöpfung oder Enkwickelung?*. Herren und Damen find als Gäste sehr willlommen. Berliner Arveiter-Tchachklnb. Abt. Wcdding, bei Schulz, Mar- straffe 13d. Abt. Lichtenberg bei Ertelt, Psarrstr. 74.'/,9 Uhr jeden DIensiag Spielabend. Abi. Moabit bei Piclek«, Zwiiigllstr. IBo. Abt. Schönbauscr Allee bei Kelfch, Schönhauser Allee 134». Jeden Montag '1,9 Uhr Spielabend. Abt. Nokd-West bei Lambrecht, Putlihstr. 10. Jeden Freitag>/,0 Uhr Spielabend. In allen Abteilungen Sonnabends freier Schachverkehr._ BrUfharten der Redahtion. Die iurlfllfche Sprechstunde finde« Lindenstraste 3,»weiter Hef, dritter ikinaani,. vier Treppe«, HMO" Kaprstuht 190 wochrntsgllch «dentis von 7(4 bis 9(4 litt statt,(ücbffnet 7 lltr. Äonnabend?»rolnnt die Sprechstunde um« Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merljliche« brizufügen. Bririliche Antwort wird nicht ertcUl. Bis jui Beantwortung im Briestasten lönnc» 14 Tage vergehe». Eilig« Tragen trage man i» der Lprechftnnde vor. — M. K. SS. Eine Klage würde wenig Aussicht auf Erfolg haben. Wir raten Ihnen, sich mit einem Antrag auf Erstattung des UcberzicherS au den Magistrat zu wenden und im Ablehnuiigssall eine Petition an die Siadtvcrordnetcnverfainmlung zu richten.— P. II l. 1, 3, 4. Ja. L. Die Frau muff die Hälfte bezahlen, wenn sie nicht austritt. 5. Das Schulgeld für die Berliner Rcaifchulen beträgt jährlich 80 M., für diejenigen«chüler jedoch, deren Eitern nicht Einwohner Berlins find, seit dem l. April 1903 140 M.— ivt. B. 2«. Jawvht. Wenn der Vormund einen böhrren Satz einklagen tollte, so würde der Klage voraussichtlich stattgegeben werden. Elne Einigung über die Alimenicnhöhe ist nur gültig, wenn dem Vergleich auffer dem Vormund auch das Vormiindschasisgericht zu- iliinmt.—«. K.«<». 1. Ja. L. Leider nein.— F. T. 45. In dem Vorgeben tönnte der Veriuch einer Urlundensälfchnng erblickt werden. — K. I. 34. 1. und 3. Ja. 2. Nein. Ueber die Frage, ob Ausländer In Prcuffen aus der Kirche austreten können, ist uns ein oberstgerichliicheS Erkenntnis allerdings nicht bekannt.— 81. T. 1000. Sie müffien beide am Zahlung verklagen. Die Hilfe eines Anwalts ist nicht erforderlich, aber zweckmäffig.—<»7. R. 6000. Nein.— Katzlerstr. 18. Ein Verzicht auf die Erbschaft erfolgt dadurch, dah der Verzichtende fchrlsilich ein» Verzicht« erklärnng abgibt, etwa deS Inhalts: Ich schlage die Erbschaft in den Nach- laß meines nm... zu... gestorbenen Vaters hiermit aus. Diese Eni- fagmig ist zu datieren, zu ullierjchiciben und muff notariell oder gerichtlich beglaubigt werden. AlSdaim ist sie innerhalb sechs Woche» nach der Kenntnis von dem Tode des Erblasiers dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz hatte, zu übcrulitlelu. 4? V K-■;';V->'.-■' fatetots und Ulster hochmoderne, schönste Ausmusterung vornehme Fassons und neueste Farben. 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Verlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 260. 26.|aljr0. KtiW i>cs Juniiöttü"- äiiitijfii fit Zide» M Wchli. 6. November 1009. Em der frauenbevoegung. Kinderarbeit im Orient. Auch im Morgenlande hat die kapitalistische Produktion zu denselben Auswüchsen geführt wie im Westen.« Mr. Herbert Wein- stock, der Spezialarbeitskommissar des Staates Kalifornien, war in Damaskus(Syrien) Augenzeuge von Greueln der Kinderarbeit. Er war erstaunt, u. a. winzige Bürschchen von 5 bis ö Jahren von 6 Uhr morgens bis ö Uhr abends in Teppichwebereien für einen Tagelohn von 10— 20 Pf. arbeiten zu sehen. Der Grund hierfür ist der, daß es hier weder Organisationen gibt, noch eine Gesetz- gebung, die sich der Arbeiter annimmt. Seit die europäische Kon- kurrenz den Orient durch den Import billiger Waren überflutet, seit sie selbst ihre Fabriken dort errichtet und zu unerhört niedrigen Löhnen orientalische Arbeiter in das Joch der Ausbeutung spannt, kann selbst der tüchtigste Handwerker nicht mehr genug verdienen, um seine Familie zu erhalten; er ist gezwungen, seine Kinder mit- verdienen zu lassen. Auch der einheimische Unternehmer profitiert nicht viel, so wütend ist die Konkurrenz. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Nachdem die New Jorker Lehrerinnen den Kampf für gleiche Bezahlung ihrer Leistungen und der ihrer männlichen Kollegen aufgenommen haben, protestierten kürzlich auch die Lehrerinnen in Neusüdwalcs in Australien gegen die geringere Bewertung ihrer Arbeit. Die Womens Progressive Association(fortschrittliche Fraucnvcreinigung) übernahm die Führung in dem Kampfe, der mit einem vollständigen Siege der Lehrerinnen endete. VcnnilcKtes. Die im Berliner Aquarium eingetroffenen Land« und Woffertiere bobe» in ihren Reihen wiederum eine Anzahl neuer und inleresimiter Erscheinungen aufzuweisen. Herr Hans Körber-Berlin überwies den« Institut zwei Chaniälcons aus Marokko, Vertreter jener Gruppe der Sckuippeiikriechliere, die sich in äußeren und inneren Merkmalen so wesentlich von den Eidechien und deren Verwandten unterscheidet, daß man sie zum Rang einer gesonderten Abteilung, der der Wurm- züngler erhoben hat. Die Eigentümlichkeiten des Rumpfes und Kopfes, der Augen. Füße und Zunge, des Schwanzes, des Farbwechsels usw. rechtfertigen dies. Ein ganz be- solideres Interesse beansprucht eine durch die Adriastation Rovigno in zwei Stücken eingesandte und zum ersten Male hier ausgestellte Kalkalge(Oittrotbamnium), eine Korallinee aus der Ordnung der Blütentange(klorickoas). deren bläulichviolett gefärbter und zierliche Blätter entwickelnder Thalluskörpec infolge Einlagerung von kohlensaurem Kalk korallenartig fest wird; da nun die jungen Sproßstücke der jetzt im Aquarium vorhandenen Kalkalge und verwandter Arten sich auf den älteren Gebilden aufbauen und so neue Kalkschichten erstehen lassen, geht allmählich eine Bildung ausgedehnter Kalkbänke vor sich, wie man z. B. aus dalmatinischen Inseln beobachten kann. Der Zoologische Garten hat kürzlich drei eigenartige schwarze Ibisse aus Palästina erhallen, die dort die dürre Stepp«, fem von allein Wasser und Baumwuchs, bewohnen und in schroffen Fels- wänden brüten. Diese Vogelform ist deshalb für uns hochinteressant, weil sie noch vor einigen Jahrhunderten in Süddeutschland und der Schweiz vorkam, wo sie in verfallenen Burgen und Felslöchern horstete, jetzt aber spurlos verschwunden ist. Wir befitzen jedoch in dem um die Mitte des IS. Jahrhunderts erschienenen NaturaeschichtS- werke von C. Geßner eine so vortreffliche Abbildung und Bescbreibmig deS.WaldrappS", wie man ihn damals bezeichnete, daß an der Art- zugehörigkeit dieses Vogels gar nicht zu zweifeln ist. Heute kommt dieser, jetzt zum erstenmal lebend hier eingeführte JbiS nur noch in Nordostafrika und Syrien vor. GchaltSvcrhältuisse der Bürgermeister in deutschen Großstädten. Der Oberbürgermeister in Frankfurt a. M. und der Berliner Ober- bürgermeister haben ein Diensteinkommen von 36 000 M. Dem- gegenüber steht Braunschweig als untere Grenze mit 12 000 M. 25 000 bis 30 000 erhalten die ersten Bürgcrineister in Breslau, Leipzig. München und Nürnberg, wo Dienstwohnung und Repräsen- tationsgelder noch zu berücksichtigen sind. 20 000 bis 25 000 M. be- ziehen dann unter anderem die ersten Bürgermeister in Königsberg, Stettin, Hannover, Düsseldorf, Dresden, Stuttgart und bei Er- reichung der obersten Stufe der Gehaltsskala in Eharlottenburg und Chemnitz, wo der Anfangßsatz mit 14 000 M. angegeben wird. Zwischen 15 000 und 20 000 M. Gehalt geben die Städte Danzig. Kiel, Rixdorf, Schöneberg, Magdeburg. Halle, Dortnnind, Aachen und Straßburg. Magdeburg steht mit 15 000 M. ziemlich am Ende der Reihenfolge. Lohnbewegung gefällig? Jenseits vom Elend. Das Vermögen der„vier Könige der amerikanischen Finanz" wird wie folgt geschätzt: John D. Rockcfeller 1000 000 000 Dollar, James Stillman 400 000 000 Dollar, I. P. Morgan 200 000 000 bis 300 000 000 Dollar und George F. Baker 150 000 000 bis 200 000 000 Dollar. Die New Jorker„Evening World" behauptet, E. H. Harriman habe ein Vermögen von 267 000 000 Dollar hinter- lassen.— Der Händler Benjamin Altmann, der kürzlich in London vier Rubcnssche Gemälde für zirka 1 000 000 Dollar erstanden hat, erbaut sich an der 5. Avenue und der 50. Straße eine Privat- Kunstgalerie, welche an Größe der I. P. Morganschen Galerie an Madison Ave., zwischen der 36. und 37. Straße, nicht nachstehen wird.— Und Millionen Menschen laufen umher, die mehr Rücken baben als Röcke, die im Torbogen nächtigen und kein Stückchen Brot haben, den quälenden Hunger zu stillen. Die posthume Rache eines Priesters. In Rom ist unlängst ein schwerreicher Prälat gestorben, der es nicht unterlassen konnte, sich für sein Leben der Unterwerfung unter die kirchliche Disziplin durch eine posthume Bosheit schadlos zu halten. Der Mann, dessen Name nicht mitgeteilt wird, hat sich nicht damit begnügt, sein großes Vermögen seinen Verwandten zu hinterlassen, mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß die Kirche keinen Heller bekommen sollte, er bat noch 5000 Lire dem Verein Giordano Bruno hinterlassen, damit dieser sie dem ersten Priester auszahle, der aus innerer Ueber- zeugung aus der Kirche austritt. Diese Verfügung hat übrigens nicht den Vorzug der Originalität; bekanntlich hinterläßt ein Abbs in einem Roman Mirabeaus sein ganzes Vermögen dem ersten Priester, der sein Amt niederlegt. Dieser Abbö wollte dadurch eine Art Wettaustrilt aus der Kirche provozieren. Die bescheidenen 5000 Lire des römischen Prälaten werden diese Wirkung kaum haben. Musktu, Salimlnugku, Sthenslvmdigktlteu. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nichts anderes vermertt ist.) SNtcö und Neues Museum. Am Lustgarten. Wochentags(außer Montags): April bis September 10— 4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an den zweiten Wcihnachts-, Ljter-, Psingstseiertagen: April bis Scpt.mbcr 12—6, Oktober und März 12—5, November und Februar 12—4, Dezcniber und Januar 12—3. Am Montag und an Feiertagen(außer den zweiten Feiertage»): geschlossen. Aquarium. Unter den Linden S8a. Im Sommer: täglich S— 7, im Winter: an Sonn- und Feiertagen S— 7, an Wochentagen 9—6. Eintrittsgeld: 1,00 M.. an Sonn- und Feiertagen 50 Pf.; Kinder die Hälfte. Am letzten Sonntag jedes Monats 25 Pf. Architektnr-Muscum. Technische Hochschule, Charlottenburg, Berliner- straße 151. Montag 10—3(auch 5'/,—?>/,, vom Oktober bis März), Dienstag 12—3,(auch 10—12 sür Studienzwecke), Mittwoch 10—12, Donnerstag 12—3 (auch 10—12 für Studienzwccke, auch 5'/,— 70, vom Oktober bis März), Freitag 10—3. Geschlossen: Sonnabend und Sonntag. Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt. Charlottenburg, Fraunhofer- straße 11/12. An allen Wochentage»(außer Montag) 10—1, am Dienstag und Donnerstag auch 6—9 abends, isonntag 1—5. Baumuscum. Siehe Verkehrsmuseum. Berg- und Hüttenmusrum. Jnvalidenstr. 44. Wochentags(außer Sonnabend) 12—2, am Sonntag: April bis September 12—6, Oktober und März 12— 5. November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garten. Dahlem. Unentgeltlich: Sonntag, Dienstag. Mittwoch, Freitag 2—7, Sonntag 10—7. An Wochentagen vormittags Zutritt nur gegen Erwerbung des.Führers'(beim Pjörtner).(Nur im Sommer geöfsnel.) Botanisches Museum. Dahlem. Montag und Donnerstag 3—6, Mittwoch 9—6. Eiieubahnmufeum. Siehe Verkehrsmuseum. Kaiser Friedrich-Museum. Monbijouslraße. Eröffnung: an de» Wochentogen(außer Montag) um 10, am Montag um 1, am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Oster- und Psingstseiertagen um 12. Schluß an allen Tagen: April bis September um 8, Oktober und März um 5, Nooeinber und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. EinWitts- geld: Montag 1 M., Dienstag und MUtwoch 50 Ps. Eintritt frei: an allen übrigen Tagen. HNgieuemuseum. Hessischeste. 4. Dienstag und Freitag 10—2; Sonntag: April bis September 1—6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1—4, Dezember und Januar 1—3. Kiinftgewcrbr-Museum. Prinz Zllbrechtstr. 7. Besuchszelt wie beim Alten Museum. Landwirtschaftsmnfcnm. Jnvalidenstr. 42. An den Wochentagen (außer Montag) 10—3. An jedem dritten Sonntag im Monat: 11—5. Märkisches Provinzial-Musrum. Wallstr. 50/54. Besuchszeit täglich (mit Ausnahme von Sonnabend) 10—3 Uhr. Eintritt frei. Gedruckte Führer 10 Pi. Mcereskuudcmusenm. Georgensw. 34—36. Sonnabend und Montag 11— 4, Sonntag 12—3. National-Galerie. MuscumSinsel, an der Friedrichsbrücke. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Donnerstag) um 10, am Donnerstag um 1, am Sonnlag und an den zweite» Wcihnachts-, Oster. und Pfingstsciertagen um 12. Schluß, an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintrittsgeld: Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 50 Ps. EinWitt an allen übrigen Tagen jrei. Naturkunde-Museum. Jnvalidenstraße 43. Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend: April bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag und an zweiten Feiertagen: wie beim Alten Museum. Pergauion-Ntuseum. Museumsinsel, hinter der National-Galerie. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Post-Museum. Leipzigerstr. 16/18. Montag. Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2. Am Sonnlag und an den zweiten Feiertagen: 12—2. Rauch-Niuseum.(Werke von Christ. Ranch.) Klosterstr. 76. Wochen- tags: April bis September 10—4, Oktober bis März 10—3. Nathans. Königslraße. Täglich(außer Donnerstag und Freitagl 10— 3, uucntgelilich. Tnrmbesteiguiig: April bis September, täglich(auch Donnerstag und Freitag) 10—3, Eintrittsgeld 20 Ps. . Reichstagsgebäude. Königsplatz. An Wochentagen 8'/,— 9'/, vor- mittags, am Sonntag 2—4. Eintrittsgeld 50 Ps. Sternwarte. Enckeplatz 3-». Mittwoch und Sonnabend, im Sommer 9—11, vormittags, im Winter 10—11 vormittags. Steruwarte. Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags ab, im Sommer bis 12 Uhr»nchts, im Winter bis 10 Uhr abends. Eintritts- geld: 50 Ps. sür Besichtigung der Sternwarte und des Astronomischen Museums, 1 M. sür Beobachtung mit dem großen Fernrohr. Sternwarte der'.Urania'. Jnvalidenstr. 57/62. Täglich 7'/«— 11 Uhr abends. Eintrittsgeld 50 Ps. Urania, Sammlungen und wissenschaftliches Theater. Tauhenstr. 48. Täglich von 10 Uhr vormittags ab. Einwittsgeld 50 Pfennig(sür Abend- Vorstellungen von 1 Mark an). Berkehrs- und Baumilsenm. Jnvalidensw. 51. Sonntag 11—4, Dienstag. Donnerstag. Freitag 10— 4, Mittwoch und Sonnabend 2—8. ViUkerkuilde-Musciil». Königgrätzcrstr. 120. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Museum für deutsche Volkstrachten und Bolkskunde. Kloster- swaßc 36. Besuchszeit wie beim Alten und Reuen Museum. Zeughaus. An der Schloßbrücke. Wochentags(außer Sonnabend): März bis Oktober 10—3, November bis Februar 10—2; am Sonntag und an den zweiten Feiertagen l2— 3. Zoologischer Garten. Eingänge: Lützow-User, Kursürstendamm und Stndlbahnhos. Eintrittsgeld: an Wochentagen 1 Marl,(abends nach 6 Uhr 50 Ps.), an Sonn- und Festtagen 50 Ps.; Kinder die Häljte. Am ersten Sonntag jedes Monats 25 Ps. Singegangene vruckfckriften. Grundsätze des Akkordvertrages. Zusammengestellt von P. Wölblwg. 45 Seiten. I. Kutteutag, Berlin. Tagwandler. Novellen von S. Trebitsch. 3. M., geb. 4M.— Der steinerne Mann. Roman von N. Michel. 3 M., geb. 4M.— Der verirrte Bogel. Roman von K. Bitlermann. 4 M., geb. 5 M. S. Fischer, Berlin, Bülowsw. 90. Heilung der Herzkrankheiten. Voq M. Psennig. 60 Seiten. 2 M. Resorm(P. Müller), Stuttgart. Grundbcsitzverteiluug und Bauernfrage in Rumänien. Bon Dr. G. D. Creanga.(Hest 149 der staats- und sozialwissenschastlichen Forschungen.) 4,60 M.— Die Geuieiudedetriebe der Stadt Leipzig. Von P. Weigel. 3,60 M.— Die Gemeindebetriebe der Stadt Remscheid. Von Dr. Bneerius. 1,40 M.— Tic Gemeiudebetriebe der Stadt Freiburg in Br. Von Dr. I. Ehrler. 2,40 M. Duncker u. Humblot, Leipzig. Geradeaus. Ein Kompaß sür die Fahrt durch? Leben. Bon Dr. P. v. Gizyckt. 2 M.. geb. 2.50 M. K. Curtius. Berlin Vf. 35. „L-'AbattoIr"(1870-1871) s..DaS Schlachthaus" 1870—1871.) Von Fölicien Champsaur. Paris, I'Ermiiage. 48» Seiten. 3'/, Fr. JZeneea.„Born glücklichen Leben." H. Schmidt. Taschenausgabe 1 M. A. Kröner, Leipzig! Riiud um Afrika und Madagaskar. Briese an Vetter Michel von Paul v..Rauteubcrg- Garczhnski. 455 Seilen. W. Süsserott, Berlin Vf. 30. Herausgegeben von Doktor rieitirin. Amtlicher Marktbericht der städttlchen Marttballen-Dtrettlon über den Großbandel in den Zenwal-Illarttballen.'Marktlage: F l e i l ch: Zufiibr genügend, Geichüit schleppend, Preiic unverändert. Wild: Zufuhr etwas zunehmend, Geschäft rege. Preise sest. Geflügel: Zusuhr genügend, Gcichäit schleppend, Preise nachgebend. Fi s che: Zusnhr rdchllch, Geichätt ziemlich lebhasl, Preiic wenig verändert. Butter und K�äse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gcmüle. Obst und süd- fruchte: Zusubr reichlich, besonders in amerikanischen Aepstln, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert._ «KtteriinqSüderNcbt vom 5. November 1009, morgens 8 Nlir. etattonen Wetter Kwmernbe 766 NNO Hamburg 1 767 Still B-rlrr,! 766 NW Franä. a M 768 NO München i768NK W'en'7619m 3 wolkig Nebel 1 Nebel 2 wolkig 4 halb dd. bbcdeckt »65 «ä% aII S? t-tZ- Stattonen Ii es se i: 51®§ 5 II 3, 6 7 2 3 -1 4 Haparanda 762 Still Petersburg 765 SO Sctllh 765 SO elberdeen>761 SSW Parts 1700 NNO Wetter «s« trü Regen 1 Regen 3 bedeckt 2 wolkig 2 wollenl I 0 4 13 8 1 Wetterprognose kür Sonnabend, den 0. November 1009. Etwas wärmer, teilweise neblig, sonst ziemlich heiter und wecken bei schwachen südlichen Winden. Berliner Wetterb urea«». WafferstandS-Nachrichten der LandeSauftalt sür Getväiserkunde, mitgetellt vom Berliner Welterbureau. Wafferst and M- m e l. Tilstl P r c g c I, Jnsterburg W e i ch i e l. Tborn Oder, Natibor , Krosien . Frankiurt Wa r t h e. schrimw . SandSberg Netze. Borvamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Bardo , Magdeburg am 4. tt orn 104 —35 28 107 86 35 20 -20 —22 -57 -174 58 71 seit 3. 11, ein') +3 +2 +6 +1 0 -hll +5 0 +1 —4 —1 -3 —3 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau») , Rathenow») Spree, Svrcmbcrg») , Bceslow Weser, Münden , Minden Rhein, Mapimiliansau , Kaub Köln Neckar, Hcilbronn Main. Wertheim Mosel, Trier am 4. 11 om 86 44 46 76 66 —70 2 346 161 175 42 102 84 leit 3. IIa orn') +4 —3 +12 0 +2 +6 0 —4 —6 —10 +1 —3 —3 •)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—*) Unlervegel. RoalncnstraBe 3 find 4 Kegelbahnen zur gesälligcn Benutzung an jedem Abend noch zu vergeben." A. Bartsch, Oekonom. Charlottenburg. Tischlerei und Sarg- Magazin Lager von eichenen und kicsernen Särgen. Kein Laden, daher sehr billige Preise.' August Sehnell, TJST Fernsprecher 1584._ Album- und Lederwaren-Fabrik Oskar Gundan Oranienstr. SO, Ecke Aitolhertslp. Or. Lingcr aller Arten l-eder- waren und Kclnuuckaaclieii eu billigen Preisen.* SJoseph Schöneberg. 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