Ur. 261« äbonnementS'Redingungen: StiumcmcnB- Preis pränumerando: Ü-lerlcljährl.:iJXi Ml. nionail. 1,10 Ml,. ;i ödjciitlid) VW Pig, frei ins Haus. kiiijclne Nummer 5 Psg. Loiuitags- n niiiner mit illuilricrler Sonntags. r elaxe.Die Neue Well" lO Pfg. Post. 'tlvonnemenl: 1.10 Marl pro Monat. eingetragen in die Post-Zeiwnas- Preisliste. Unter Kreuzband für �culfchiand und Oesterreich- Ungarir Marl, für das übrige Ausland ! Mark pro Monat. Postadonncments .'.ehlnen an: Belgien. Dänemark, «•vjuon». Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Cridltint tiizlild auBtr montags. Derlinev Volksblati. Zcntralorgan der fozialdcmohratifchen parte» Deutfchlanda. Die Tnfcrtions-Gebüfjr kclrägt für die scchsgcspaltene Kolonel- zcilc oder deren Raum 50 Psg., für politische und gcwerlschaftliche Lcrcins- und Bcrsainmlungs-Anzcigen 00 Psg. „lileine Anzeigen", das erste ssett. gedruckte) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaj- slcllen-Anzcigcn das crslc Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 3 Uhr nachmittags in der Expedition udgegebcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geössnct. Telegramm-Adresse: „SoziallUmoHrat Berlin'*. Redaktion: SRI. 68, Ltndenstraaoc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Parteigenossen! 'Ter geschäftsführende Ausschuß der preußischen Landes- kommission beruft den 3. Parteitag der preußischen Sozial- demokratie auf Montaa, den 3. Januar ISIv ein. Die vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: I. Bericht des geschäftsführenden Ausschusses. Berichterstatter: Eugen Ernst. 2. Bericht der sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Berichterstatter: Hugo H e i in a n n. 3. Die Wahlrechtsfrage in Preußen. Berichterstatter: H e i n r i ch S t r ö b 0 l, 4. Die Verwaltung Preußens. Berichterstatter: Karl Liebknecht. 5. Das Koininunalvrogramm für Preußen. Berichterstatter: Paul H i r s ch. 6. Sonstige Anträge. Für die Verhandlungen sind drei Tage in Aussicht genommen. Der Bericht der Fraktion wird vorher veröffentlicht. Parteigenossen Preußens! Ztehmt möglichst bald Stellung zum preußischen Parteitag durch Wahl von Delegierten und Aussprache über die bevorstehenden Verhandlungen. Die Anträge müssen bis spätestens K. Dezember 1909 an die Adresse: Eugen Ernst, Berlin SW. 68, Lindcnstraßc 69, gelangt sein, wenn sie entsprechend§ 7 des preußischen �rganisationsstatuts rechtzeitig veröffentlicht werden sollen. Anträge einzelner Parteigenossen bedürfen der Gegen zeichnung des Vorstandes der örtlichen bczw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Ten Anträgen etwa beigegebene Begründungen werden weder im„Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Genossen haben das Recht, ihre Anträge auf dem Parteitag selbst zu begründen oder durch befreundete Genossen begründen zu lassen. Die Anmeldung der Delegierten, Verlangen um Logis ist an die Adresse* Leopold Liepmann, Berlin LIV. 68, Lindenstraße 69, zu richten. Mit Parteigruß Der Partcivorstand. Ter geschäftsführende Ausschuß. Sie geeinigle tTattei und das Iflinistcrium. Poris, 3. Nov.(Etg. Ber.) Tie Annahme der von der Seine-Föderation beantragten Resolution im Nationalrat der geeinigten Partei erregt ein Aufsehen, in das sich bei der bürgerlichen Presse sicher die Hoffnung niischt, daß eine neuer- Uche Spaltung der Sozialisten eintreten werde. Daß sich diese Hoffnung nicht erfüllen wird— sofern man nicht schon den möglichen und für die Partei gar nicht schmerzlichen Ab- fall von„Genossen" wie Breton als Erfüllung nehmen will— ist sicher, auch ist die praktische Bedeutung der Abstinimung von Sonntag nacht nicht eben groß, aber trotzdem dürfte es schon mit Rücksicht auf die vermutlich sehr langwierige Dis- kussion, die der Beschluß in der Partei veranlaßt hat, an- gezeigt sein, das wichtigste über die Debatte und über die Abstimmung nachzutragen, Die Resolution der Seine-Föderation hafte folgenden Wortlaut: In Erwägung, daß jede Regierung in der kapitalistischen Epoche notwendigerweise das Interesse der Bourgeoisie und der bestehenden sozialen Ordnung vertritt, in Erwägung, daß— wenn das Verfahren bei dieser Tätigkeit von der äußersten Brutalität zu berechneter Schonung variiren kann— das Ziel doch immer das gleiche bleibt: das Festhalten JicS Proletariats in einer Unterdrückung, die nur durch den Sturz der kapitalistischen Ordnung aufgehoben werden kann; in Erwägung, daß sich aus dieser fundamentalen Voraus- setznng ein Konflikt zwischen den Herrschenden und der Arbeiter- klaffe ergibt, der sich immerzu verschärfen und der die Attion der sozialistischen Partei in der Richtung bestimmen muß, wie sie von allen Kongressen und namentlich durch die R e s 0- I u t i 0 n von Amsterdam, die die Grundlage der sozialistischen Einigkeit in Frankreich ist. festgelegt wurde; in Erwägung endlich, daß die M i n i st c r s ch a f t von Leuten, die die Part«, verlassen haben, um einen Platz in der Regierung zu bekomjncn, ein weiterer Grund zum Mißtrauen ist, � hat die sozialistische Partei doppelt die Pflicht, der Regierung, welche sich die Bourgeoisie derzeit gegeben hat, jedes Vertrauen zu versagen und das Proletariat vor einem Ministerium von Parteiverrätern zu lvarnen. Der Nationalrat erinnert an die früheren Parteibeschlüsse, die die Einstimmigkeit der Fraktionsabstimmungen fordern und beschließt, daß die parlamentarische Fraktion einer ministeriellen Erklärung eine Gegenerklärung entgegensetzen soll, die die Haltung der Partei klar bestimmt. Es war schon 11 Uhr nachts, als die Beratung über die Resolution begann. Sie war leidenschaftlich, aber man kann nicht sagen, daß die Frage, um die es sich bei der Ab- stimmung in der Kammer gehandelt hat, klarer heraus- gearbeitet worden sei, als dies in der Resolution der Seine-Föderation selbst geschehen>var. Diese stellt als Hauptmotiv für die Ablehnung des Vertrauensvotums die oppositionelle Stellung der Sozialisten gegen alle bürgerlichen Regierungen dar und verweist erst in zweiter Linie auf die Ucberläuferrolle der Minister. Aber es ist doch sehr fraglich, ob man mit der Resolution von Amsterdam die Verpflichtung, gegen jedes Vertrauensvotum zu stimmen, begründen kann. Man darf sich durch das Wort„Vertrauensvotum" nicht irreführen lassen. Selbstverständlich hat jeder revolutio- näre Sozialist noch niehr als„Mißtrauen" gegen alle bürger- lichcn Regierungen, nämlich die Gewißheit, daß sie die Interessen ihrer Klasse vertreten und gegen den Ansturm des Puoletariats verteidigen müssen. Aber eS ist irrig, die Ab- stimmung über ein Vertrauensvotum etwa mit der über das Budget gleichzustellen. Bei diesem handelt es sich um die Bewilligung der Mittel für die Zwecke des Klassenstaates, das Vertrauensvotum ist aber oft nur ein technisches Mittel, dessen sich eine bürgerliche Clique bedient, um eine andere von der Macht zu verdrängen. Wenn die Sozialisten sicher keinen Grund haben, sich mit der regierenden zu identifizieren, so ist es keineswegs stets ihr Interesse, der zurzeit oppositionellen in den Sattel zu helfen und ebenso wenig, die politische äkrise in Permanenz zu schaffen.— Im gegebenen Fall genügte aber der Hinweis auf die Persönlichkeit der im Minffterinm tonangebenden Exgcn offen vollständig. Hat ein Parteibeschluß die Unterstützung von unabhängigen Sozialisten im zweiten Wahlgang untersagt, so niuß doch diese Bestimmung in bezug auf die parlamentarische Stellung zu den aus dieser Gruppe hervorgegangenen Minister» verstärkte Geltung haben. Dazu kam hier noch die Rolle, die die Minister Millerand und namentlich Briand bei Konflikten zwischen Kapital und Arbeit gespielt haben. Die Diskussion schweifte aber von dem so gestellten Thema ab. Namentlich Jaurös nahm die Gelegenheit wahr, die Amsterdamer Resolution zu kritisieren, die, wie er sagte, von keiner Sektion der Internationale in ihrer ganzen Strenge befolgt worden sei. Er entwickelte nochmals seine bekannte Anschauung über die Bedeutung der Reformen für die Entwicklung der Gesellschaft zum Sozialismus und berief sich hierbei auf— K a 11 t s k y. der in seiner bekannten Schrift ausgeführt habe, daß das Proletariat am Tage nach der Revolution die Vergesellschaftung nicht mit einem Schlage durchführen könne. Aus der Bedeutung der Refornien leitete er die Notivendigkeit ab. die Regierungen nach ihrer Stellung zur Nefornipolitik vergleichend'zu beurteilen. Warum verfolge das Proletariat den politischen Kampf in Rußland, Spanien und England mit solcher Spannung? Sei der Sturz M a u r a s nicht wie eine Erlösung enipfundcn worden, trotzdem die Persönlichkeit seines Nachfolgers auch keine großen Hoffnungen zulasse? Und was hätten diejenigen, die sich bei Briand? Regierungsantritt der Abstimmung enthalten hätten, anderes ausdrücken wollen. als die Genugtuung über delr«Sturz Elcmenccaus? Zu behaupten. daß alle bürgerlichen Regierungen gleichwertig seien, sei eine a n a r ch i st i s ch e These. Wenn die Partei eine andere Haltung für notwendig erachte, als sie die Abgeordneten in ihrer Stimmenthaltung kund- gegeben hätten, so sei er und seine Freunde bereit, sich zu fügen. Aber ein so folgenschwerer Beschluß bedürfe einer gründlichen Beratung und dürfe nicht übers ftlüe gebrochen werden. Rap poport erwiderte, die Auffassung der Reformen habe mit dein gegebenen Fall nichts zu tun. Es handle sich vielmehr nur um die skandalöse Tatsache, daß Abgeordnete der Partei nicht von vornherein ein Ministerium' verurteilt hätten, das nur eine Neuauflage des Ministeriums Clemcnceau sei und Parteivcrräter in seiner Mitte und an der Spitze habe. Faure(Loire) stimmte'dieser Ansicht bei. I 0 b e r t( Hervsist) meinte dagegen, hier stünden der reformistische und der revolutionäre Sozialismus einander gegenüber. Deputierter G r 0 u s s i e r sagte, die Partei habe noch nie das Prinzip aufgestellt, daß ihre De- puticrten gegen jedes Vertrauendvotuin zu stimmen hätten. Was ihnen vorgeschrieben sei, sei die Verweigerung jedes Zn- sammcnarbeitens der Klaffen. Seine Stimmenthaltung erklärte er damit, daß er wie seine Kollegen der Meinung gewesen sei, man dürfe dem neuen Mintsterinm nicht den von Clemcnceau geltend gemachten Vorwand lassen. daß es durch die voreiligen onimcnc Opposition der Sozialisten' zum Kampf gegen das organisi.rte Proletariat gezwungen worden sei. D 0 r m 0 y polemisierte gegen die Jaurössche Deutung der l Resolution und erklärte, diese enthalte keinen Tadel Expedition: 8RI. 68» L,indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. gegen die Abgeordneten, die der Stimme enthalten Hütten. R e n a u d e l meinte, die Stinunenthaltung hätte genügt, aber sie hätte e i n st i m ni i g sein und eine prinzipielle Er- klärnng hätte ihr vorangehen müssen. Auch er erklärte sich gegen eine übereilte Entscheidung. Jaurss sprach noch einmal: Niemand werde ihn mit der Zumutung beleidigen wollen, daß er die-geringste Sympathie oder die geringste Nachsicht dem Mann entgegenbringe, der seine Partei preisgegeben habe, um zur Regierung zu kommen. Es sei möglich, zu einer Einigung zu kommen. Die Spaltung der Fraktion bei der Abstimmung werde von allen bedauert. Der Redner schlug eine Resolution vor, die dem Bedauern Ausdruck gab, daß es die Fraktion an der Einigkeit habe fehlen lassen, die zur Warnung des Proletariats und zum Protest gegen die Benützung von Parteiverrätern durch die Bourgeoisie not- wendig gewesen sei. Die Resolution sprach weiter ans, daß die Partei auf ihre Deputierten zähle, die gegenüber dem Ministerium alle Prinzipien und Regeln der sozialistischen Aktion, die durch die nationalen und internationalen Kongresse bestimmt worden seien, befolgen würden. Die Abstimmung tvar besonders darum interessant, weil die Vertreter der gnesdistischen Provinzföderationen wie Faure und R a p p 0 p 0 r t sich mit der Jaurösschen Resolution einverstanden erklärten. Diese wurde gleichwohl abgelehnt. Sie bekam 45 Stimmen, die der S e i 11 e- F ö d c r a t i 0 1; 52. Es gab drei Enthaltungen. In der„Humanite" beklagt Jaurös— sicher mit Be- rcchtigung— daß die Beschlußfassung in einer schon stark ge- lichteten Versammlung durchgepeitscht worden sei. Es fehlten 22 Vertreter von Föderationen und je 10 Mitglieder des Parteiborstandes und der Fraktion. Man muß Jaurss auch darin recht geben, daß bei einer längeren Beratung eine Einigung wohl zu erzielen gewesen wäre und daß ein ernster Konflikt überhaupt nicht vorhanden sei. Wenn er hinzusetzt, daß es jetzt keinen einzigen Sozialisten gebe, der die parlamentarische Fraktion für fähig halte, den geringsten Bruchteil ihrer Autonomie an die Regierung hin- zugeben, so muß man freilich feststellen, daß es Parteigenossen gibt, die die Partei in diese Richtung drängen möchten. Im Regierungsblatt„Radical" hat gestern Breton dem Genossen' Jaures blockfreundliche Tendenzen untergeschoben und heute stellt ebeudort der Gemcinderat Turot eine Sprengung der Partei in Aussicht, wenn diese seinen Freunden nicht den Willen tue Regierungspartei zu »verde». Von dieser Seite droht allerdings der Partei keine Gefahr. Sie kann nur geivinnen,»venu die Breton und Turot ihr Balet sagen._ 3er Ilniitär-Hblolutisrnus Ein ist jetzt in Maus seid an die Stelle des Gesetzes getreten. Privattelegram in meldet uns: Mansfeld, 6. November 1909. Heute wuroen in Leim- bach und Schwarzerode die Flugblätter des Bergarbeiter- Berbltudes vom Militär beschlagnahmt und dcni Bürger- meister ausgeliefert. Dieser verweigerte nicht nur die Heraus« gäbe derselben, sondern auch die Erteilung einer Be- schcinigung über die erfolgte Beschlagnahme. Der Major w_ G r a e v e n i tz erklärte aus eine Beschwerde, das „Hallesche Volksblatt" könne verbreitet werden, aber auch nur an die Abonnenten desselben. Flugblätter dürfte««icht verbreitet werde»; darüber habe er sich erkundigt. Der Oberbürgermeister hat dem Boten des„Halleschen Volks- blatt" eine Karte misgestellt, die ihm das Austragen an die Abonnenten desselben gestattet; jedoch kann die Karte jeden Tag zurückgefordert werden. Der Herr Major v. G r a e v e n i tz ist vermuNich ein guter Soldat. Datz er kein Jurist ist, hat er ja selber zugestauden, indem er sich a»S Anlatz der Verteilung vo» Flugblätter» anderwärts Rat erbat.� Er hat sich aber offenbar in der Person seines Rat- aeberS versehen und ist auf jemand gestotzen, dein die gesetzlichen Bestinmimiaen über die Verbrettung von Druckschriften noch weniger bekannt sind als dein AnSkuiift erheischenden Haudegen. Weder im Pretzgesctz»och in der Gewerbeordnung findet sich irgendeine Stelle, welche die Verbreitung von Flugblätter» schlechtweg verbietet, auch keine, welche die Beschlagnahme von Druckschriften aus der Hand der Justizbehörden nimmt und sie preutzischrn Soldaten übertragt. Die Militärdiktatur tritt auch in Sireikzeiten nach unseren Gesetzen nicht ohne weiteres an die Stelle des öffentlichen Rechtes. Der Ruf zur Abwanderung hat unter solchen Umständen bei den Mansfelder Knappen einen un- geahnten Widerhall gefunden. Bis Freitag, den 6. November, hatten sich bei der Zentrallcitnng 1039 jüngere Bergarbeiter gemeldet, von denen die Mehrzahl vorgemerkt sein will, damit sie als die e r st e n unter allen Umständen abgeschickt würden. Und noch immer laufen neue Meldungen ein, so daß bis jetzt mindestens IVA) junger Leute bereit sind, aus dem„Paradies" der Mansfelder Gewerkschaft zu flüchten. Ge» meldet haben sich Hettstedt IM, Molmeck116, Gerbstedtl03. Augtsdorsgö, Leimbach 120, Kloster ManSfeld und ManSfeld 109, Hclbra 189, Alsdorf 62. Wolferode 11. Eisleben 91 und Langerhausen 3 Mann, während der Bericht von Sanderslebcn noch fehlt, jedoch die Zahl um nicht mehr als 20 erhöhen dürfte. Bedenkt man, daß es sich iillr um Leute von 18 bis etlva 27 Jahren handelt, so darf man ohne Ucbertreibung sagen, daß 80 bis 90 Pro z. der jungen Leute bereit und froh wären, den Mansfelder»Fleischtöpfen' und den„ Wohltäter sofort für immer Lebewohl zu sogen! AIS die Vertrauensleute am 2. dem Vorschlag der Streikleitung freudig zustimmten, wenn möglich alle jungen Arbeitskräfte ab- zuschieben, glaubte und befürchtete man, dag dieser Beschluß in den BelegschaftSvemmmlungen, besonders aber unter den Frauen und Müttern auf Widerstand stoßen würde. Um so größer war die Ucberraschung, als in allen Versaniinlungen der Vorschlag begeisterte Zustimmung fand, ja sogar Wünsche laut wurden, nicht nur die jüngeren Kameraden, sondern alle zu berücksichtigen. Als das zurückgeiviesen wurde, erklärten mehrere in den dreißiger Jahren stehende Bergleute, daß sie es dann auf eigene Faust unteruehiueu wollten, außerhalb Arbeit zu finden. Wir haben es hier mit einer Begleiterscheinung zu tun, die sich noch in keinem Bergarbeiter st reit gezeigt hat; weder in Westfalen, in Schlesien, in Sachsen, in Mitteldeutschland,»och in Lothringen, wo eS sich weniger oder fast gar nicht um eine seßhafte Arbeiterschaft handelt, fanden sich die Streikenden so in Massen be- reit, Arbeit und Heimat zu opfern, als im Mansfelder Gebiete. Ob die ManSfelder Gewerkschaft diesen Notschrei ihrer Sklaven hören wird, ob sie ihnen Menschenrechte einräumen tvill oder ob sie nach wie vor nur Sklaven, keine freien Arbeiter duldet, wird sie iu den nächsten Tagen zu beweisen haben.. liiiiltanitllche lluliultur. Wie eine Korrespondenz meldet, wird dem Reichstag un- mittelbar nach seinem Zusammentritt ein Nachtragsetat zum M i l i t ä r e t a t für 1909 zugehen. Dieser Nachtragsetat soll die Militärverwaltung ermächtigen, die Verkaufserlöse von den dem Militärfiskus gehörigen Läudereie» zum Ankauf anderweitiger Ländereien zu verwenden, die neucTruppen- ubnngsplüße für die Berliner Garnison bilden sollen. Zunächst solltet Millionen Mark gefordert werden für einen neuen UebnngSplatz bei Zossen. Dieser Uebungsplatz soll 5920 Hektar gros; sein, das heißt mehr als eine deutsche O u a d r a t m c i l e umfassen! 4200 Hektar davon befinde» sich in Privatbesitz. Auch ein aus dem Terrain lieguidcs Dorf soll ebenso von der Bodenfläche w e g r a f i e r t werden, wie seinerzeit Döberitz ver- schwinden mußte. Die Summen für die neuen Uebungsplätze sollen durch den Verkauf des Tcmpelhofer Feldes flüssig gc- macht werden. Zunächst sollen die 150 Hektar des westlichen Teiles deS F- IdeS verkauft werden. Dan» werden auch in absehbarer Zeit die restlichen 400 Hektar des östlichen Teiles des Feldes an die Reihe kommen. Und wenn der Militär- fiskvs auch Hunderte v o n M i l l i o n e n herauszuschlagen erwartet, so wird es ihm nicht schwer fallen, alsbald eine Verwendung für den Erlös zu'finden. Was nicht für neue Ucvuiigsplätze gebraucht wird, das kann ja für neue Geschütze oder auch für den neuen LuftiuilitariSmus verpulvert werden! Das Tempelhofer Feld mit seinen 500 Hektar freien Gc- .ländes ivap bis jetzt noch ein R e s v o i r s r i s ch e r L n f t für die R e i ch s h a u p t st a d t. Auch war es während des Sommers, namentlich am Sonntag, für viele Tausende eine ideale Erholungsstätte unmittelbar vor dem Häusermeer der Rieseustadt. Diese Erholungsstätte soll jetzt der Bau- spekulativ n preisgegeben werden l Die Herr- l i ch st e Gartenstadt für die n i ch t b e s i tz c n d e Klasse könnte auf diesem geivaltige» Gelände erstehen. Wollte der Fiskus der Stadt Berlin das Terrain ivohlfeil abtreten, so könnte im großartigsten Maßstäbe ein Muster städtische r Wohnungspolitik geschaffen werden, das vorbildlich für ganz Deutschland sein könnte. Und der Staat könnte diese'5k)0 Hektar deshalb so billig an die Stadt abtreten, weil ihm selbst ja das Gelände so gut wie nichts gekostet hat I So lägen die Dinge wenigstens, ivenn nicht unser Milita- rismns ein unersättlicher Moloch wäre, wenn seine An- spräche an die Leifttliigsfähigkeit des Staates nicht derart un- geheuerlich angewachsen wären, daß sie schier nicht mehr befriedigt werden können. Deshalb wird das Tempelhofer Feld der Bau Spekulation preisgegeben tvr rden, damit sich unser Militarismns für den Erlös neue, noch weit riefen- haftere Uebimgsgeläude zu schaffen vermag. A Herrn als soll mehr als eine Opadratmeile Landes jeder rationellen Be- Nutzung entzogen werden, soll ein Dorf spurlos vom Erd- bodeu perschlr' v,n. damit dem Militarismus ein neuer Tummelplatz zur Bergung gestellt wird I Sie tleutkhen Sicherungsgeiette. Aus Wien wird uns geschrieben: Nach fast viermouatigcr Pause ist der ReichSrat am 2l>. Oktober zusammengetreten und am 29. Ottober hat sich das Abgeordneten- l)aus vertagt. Diese Ferien inmitten einer Fülle drängender Arbeit haben natürlich eine politische Ursache, wenngleich, um sie zu bemänteln, Ausschußbcratungen vorgeschützt werden: das Ab- geordnelenhaus hat sich selbst vertagt, un» einer Krise zu entgehen, die vermutlich die Schließung der soeben eröffneten Session bewirkt hätte Bisher war die Hetmschickung des Reichsrates die Folge der Obstruktion, die Strafe für die Obstruktion; nun wird der ReichSrat entfernt, um der Obstruktion zu entgehen, seine Hc/m- schicfung ist eine Präbentivmaßregel. Schaut nach einem Witz aus und ist doch buchstäblich wahr: die Arbeitsfähigkeit des Abge- ordnetcnhauscs kann nur erhalten bleiben, wenn zur Obstruktion die Gelegenheit entzogen wird, also wenn das Parlament es auf- gibt, Sitzungen zu halten. Die neueste Krise des Parlaments ist auch seine älteste: die Tscheche», die eigentlich ihr Leben lang nicht beruhigt waren, sind ■chon wieder in Exstase geraten. Sie haben auch ihre Beziehungen ,n der Regierung Bienerth vollständig aufgegeben, und die zwei Minister, die sie in der Regierung hatten(das ist auch eine öfter- rcichischc Spezialität: daß sich eine Partei gegenüber der Regierung in heftiger Opposition, ja Obstruktion befinden kann— und dennoch ihre Vertretung im Kabinett begehrt), zur Demission gezwungen. Und da' diese angenommen und der Aus- tritt der tschechischen Minister bewerkstelligt, ist das Kabinett nun, bis auf einen Scktionsches, der vorläufig das Ackcrbauministerium leitet,„tschechenrein", was aber wieder eine unerträgliche Anomalie ist, da die Tschechen in Oesterreich schließlich das zweitgrößte Volk sind, und eö nicht angeht, sie bei der Bildung der Regierung prinzipiell auszuschließen. Die Regierung befürchtete nun, daß die unter der Asche fortglimmcnde tschechische Obstruktion durch die neueste Wendung frisch angefacht, ja daß wieder einmal die berüchtigte Lärmobstruktion ausbrechen könnte, die sie„gezwungen" lzätte, das kaum versammelte Haus sofort wieder'wegzubesördern: also veranlaßte sie, daß das Haus sich selber entfernt, das heißt auf unbestimmte Zeit die Abhaltung von Sitzungen aussetzt. Bis dahin, hofft man, wird sich der tschechische Groll halbwegs besänftigen lassen und werden die Tschechen einer halbwegs vernünftigen Auffassung zugänglich werden. Die Erregung der Tschechen, di« zur Abberufung ihrer Minister geführt hat, liegt in den Sprachcngesetzen, die von vier Landtagen beschlosien worden sind und die die Regireung nun der Sanktion zugeführt hat. Obwohl man an der Notwendigkeit und Ersprictz- lichkcit dieser Aktion immerhin zweifeln kann, so muß doch, bei allem schuldigen Respekt vor der nationalen Gleichberechtigung, gesagt werden, daß zu der tschechischen Aufregung wenig Grund und schon gar kein Recht besteht. Es handeil sich um die vier deutschen Kronländer(Nieder- und Overöstcrreich, Salzburg und Vorarlberg), in denen nun durch die Landesgesetzgebung bestimmt werden soll, daß die Sprache des Landtages und der aulomoncn Verwaltung� also des Landes und der Gemeinden, die deutsche ist; daß ferner die Unterrichtssprache der Schulen, die der Landesgcsetz- gebung unterstehen(Realschulen, und Lehrerbildungsanstalten) in diesen Ländern die deutsche Sprache ist. Alles, was in diesen Gesetzen verkündet wird, ist und gilt heute: die Gesetze schassen in keiner Hinsicht irgendwie einen neuen Recylszustano, machen zum Gesetzrecht nur, lvas jetzt durch die Natur der Tinge und die ausnahmslose Ucbung in Kraft ist. Auch unierliegt die Kompetenz der Landtage zu diesen Gesetzen keinem Zweifel, und mit ioelchcm Rechte die Regierung den in den Landtagen geradezu einstinimig votierten Beschlüssen die Sanktion hätte verneinen sollen, wäre schwer zu sagen. Wohl gemerkt, es handelt sich nicht um die staatliche Verwaltung, für die die deutsche Sprache als die alleinige Verkehrssprache festgesetzt wäre; es ist lediglich von der eigenen Verwaltung des Landes und der Gemeinden die Rede, die natürlich ganz ausnahmslos und ohne jede Vezweiflung in diesen Ländern immer in deutscher Sprache geführt ward und auch ohne Gesetze nie anders geworden wäre. Die Gesetze wollen auch nur eine Sicherungsmaßrcgel sei»; in Wahrheit sind sie aber nur Ver- legcnheitsproduktc. Denn da diese Landtage ihre ursprüngliche Forderung, für die vier Länder die deutsche Sprache als alleinige Unterrichtssprache überhaupt, also vornehmlich auch der Volks- schulen, zu bestimmen, nicht durchsetzen konnten(weil die Festsetzung der Unterrichtssprache Rcichssache ist), so haben sie sich diese Harm- losen und sachlich ganz indifferenten Gesetze eigentlich nur er- fundcn, um irgend etwas heimzubringen und die mit dem für solche Dinge üblichen Tamtam unternommene„Sicherungsaktion" mit irgend etwas abzuschließen. Der Protest der Tschechen geht vor- nehmlich gegen das Gesetz für Niederösterrcich, weil, was ja richtig ist, in Niederösterreich, zumal in Wien, eine beträchtliche Anzahl von Tschechen wohnen und diese Zahl wohl noch anwachsen wird. Aber der Protest ist sicherlich trotzdem unberechtigt. Zum ersten ist die Zahl der Tschechen auch in Wien, wenigstens den Zahlen der Volks- zählung nach, eine geringe Minorität(an Hunderttausend unter zwei Millionen), und zum zweiten kann die Berücksichtigung der nationalen Bedürfnisse einer Minorität mit Fug und Recht nur der staatlichen Verwaltung auferlegt werden und nicht der autonomen; und zum dritten werden die besonderen Verhältnisse einiger Gemeinden in Niederösterrcich, wo die Tschechen seit jeher angesiedelt sind, im Gesetze durch eine Ausnahmebestimmung berücksichtigt, die für diese Gemeinden die tschechische Verkehrssprache zuläßt. Ucberhaupt kann es bei nationalen Abgrenzungen, bei der Regelung nationaler Dinge ohne, wenn man will. Unrecht und Ungerechtigkeit nicht abgehen; eine mechanische Gleichberechtigung, die allen Nationen überall und in jedem Augenblicke das gleiche und selbe Recht sichert, ist praktisch unverwirklichbar und gar nicht wünschbar. Sondern die nationalen Dinge müssen in ihrem Zu- sammenhange betrachtet werden, und von dem aus muß man anerkennen, daß die Verpflanzung und Aufzucht der nationalen Streitigkeiten auch in die Länder, die von ihnen bisher verschont blieben, zumal in die gefährlich« Luft der Hauptstadt, ein größeres Unheil über alle Nationen, die tschechischen«ingeschlofien. herbei- führen würde, als es das theoretische und hvpothetischc Unrecht ist, das den Tschechen mit der Verkündigung der deutschen Landes- spräche für Niederösterreich angetan worden sein soll. Es gibt auch deutsche Minoritäten, die um ihr Recht kommen und innegehabte Positionen einbüßen. Sachlich ist also der tschechische Protest nicht begründet, und von ihrem historischen Standpunkte, der die Regelung der Sprachenfrage dem Landtage zugewiesen haben will, ist er eigentlich ganz sinnlos. Das schließt natürlich nicht anS, daß die Entrüstung doch ausgebrochen ist und das Leben des Parlaments bedroht. Im Grunds ist eS ziemlich gleichgültig, ob das Parlament auS Un- Vernunft oder aus Rache zerschlagen wird; es wäre in jedem Fall« um das Haus der Volksvertretung geschehen. Also verbleibt als einzige Hoffnung, daß die Tschechen, die Fruchtlosigkeit ihres Wahn- witzigen Ansturmes wider das gemeinsame Parlament erkennend, zum Einlenken sich bereit zeigen werden, und daß sich Bienerth seiner sonstigen Apathie entreißen und eine Neugestaltung herbei- führen wird, die den Tschechen das ruhige Mitarbeiten ermöglicht. Auf diesen schwachen Hoffnungen ruht heute das Schicksal des Zentralparlamentes._ politifche(leberllckt. Berlin, den 6. November 1909 Der badischc Landtag soff so bald als möglich einberufen werden. Wie die„Karlsruher Zeitung" meldet, ivird der Landtag schon am 23. No- veinber eröffnet werden._ Tentsth-portngieslfchcr Handelsvertrag. Die„Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht in einer be- sonderen Beilage den deutsch-portugiesischen Handelsvertrag. Danach bleibt es bei den meisten der bisher von Deutschland in Portugal eingeführten Waren, nämlich bei ungefähr 60Prvz. des Wertes der deutschen Einfuhr in Portugal, bei den bis herigen Zollsätzen; bei 12 Proz. tritt eine Ermäßigung des Zollsatzes und bei 28 Proz. eine Erhöhung ein, oder es erhält tvenigstens die poitugiesische Regierung das Recht, Zoll- erhö Hungen vornehmen zu können. Die Z o l l e r h ö h u n g e n. die sich meist mir auf 10 bis 20 Proz. des bisherigen Zollsatzes belaufen, betreffen vor- nehmlich Wollgewebe, Strimipstvaren. Banmwollgewebe, seidene und halbseidene Posainentienvaren, Farben. Apparate, kleine Ma'chinen. Zollermäßigungen treten ein bei Kampfer, Knpferdraht, einigen Ziuinvaren, Blattsilber, Stickwolle. Trikotwaren, gezivirnten Baumwollgarnen. Kantschuck- und Guttaperchawaren, chirurgischen Instrumenten, Drogenwaren, verarbeiteten Häuten, Leder usiv. Der Handelsvertrag g'lt zunächst auf acht Jahre; doch steht jedem Teil frei, nach vier Jahien den Bertrag z» kündigen, worauf dieser mit Ablauf des fünften Jahres erlischt. Nach Verlans der acht Jahre gilt der Handelsvertrag. falls er nicht inzivischen gekündigt worden ist, immer wieder als für ein Jahr verlängert. Im Falle jedoch, daß einer der vertragschließenden Teile sein Verfahren bei Erhebung der Zölle bezüglich der zur Amvcndinig kommenden Währung ändert, soll der andere Teil das Recht haben, sofort zu kündigen, und es verliert dann nach sechs Monaten ohne weiteres der Vertrag seine Geltung. Im ganzen wird demnach wenig an den bisherigen Zoll- verhältuissen geändert. Die Ausfuhr Deutschlands nach Portugal betrug im Jahre 1906 ungefähr 33, im Jahre 1907 35 und im vorigen Jahre wieder 33 Millionen Mark. Tie Frage der Arbeitslosenversicherung in der baticrischen Kammer. München, 3. November. Die sozialdemokratische Fraktion hat auch bei Beginn der heurigen Session wieder Anträge gestellt, die Staat, Kreis und Gemeinde veranlassen sollen, Notstands» arbeiten zur Milderung der Arbeitslosigkeit im kommenden Winter bereitzustellen. Parteien und Negierung sagen diesen An- trägen ihre Unterstützung zu. Das Interesse der Verhandlungen konzentriert sich auf den Antrag, der die Durchführung der Arbeitslosen- Versicherung bezweckt. Bayern ist zweifellos der Bundesstaat, in dem dieser außer- ordentlich wichtigen Frage von Negierung und Parteien die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird und in dem die Vorbereitungen zur Durchführung am weitesten gediehen sind. Der Staatsminister des Innern zeigt Verständnis für dieses soziale Problem und hat jetzt auch die großen Städte ermuntert, nach einem von einer Konferenz gulgehecheiien Plane Arbeitsl>n'em>er''k>>enlngen ins L-ben«n niien. Parteigenosse Simon begründet den Antrag, 159 999 M. in den Etat einzusetzen, um denjenigen Gemeinden, die Arbeitslosen Gelduntcrstützung gewähren, Zuschüsse bis 59 Proz. ihres Aufwandes zukommen zu laßen. An der Hand eines sehr reichen statistischen Materials weist er nach, daß die Arbeitslosigkeit auch diesen Winter einen großen Umfang annehmen wird, daß die Leistungen der Arbeiterorganisationen, besonders der freien Gc- werkschaftcn, ganz gewaltige seien, daß sie aber mit Rücksicht auf die übrigen Zlufgaben nicht mehr gesteigert werden könnten. Staat und Gemeinden müssen helfend eingreifen. Er bespricht die Ur- fachen der Krisen, die immer intensiver und in kürzeren Jnter- vollen auftreten, und widerlegt die bekannten Einwände gegen die Durchführung einer Arbeitslosenversicherung(Stärkung der Gc- werkschasten, Abwanderung in die Städte und Verminderung der Arbeitslust). Er empfiehlt das Genter System mit der Ergänzung, daß auch die Unorganisierten Unterstützung erhalten sollen. Gewährt der Staat, der ja eigentlich der Träger der Versicherung sein müßte, den Zuschuß, so werden eine Reihe von Gemeinden sofort zur Schaffung von Arbeitslosenversicherungskasscn schreiten. Genosse Huber betont die Wichtigkeit der Arbeits nach? weise für die Durchführung der Arbeitslosenversicherung und spricht scharf gegen die Arbeitsnachweise der Jndustricllcnverbände, die nickt nur die paritätischen Arbeitsämter der Gemeinden zum Teil lahm legen, sondern auch die Arbeiter in jeder Weise schika» niercn und schädigen. Er fordert gesetzgeberische Maßnahmen zur Beseitigung dieses Unfuges.- Genosse K l e m c n t verlangt, daß die Regierungsämtcr selbst keine Arbeiter entlassen und für schleunige Ausführung der ge- nchmigten Arbeiten Sorge tragen. t Mit Ausnahme der Baucrnbündler verhält sich keine Partei ablehnend gegen den Antrag. Der Jungliberale Hübsch will später auch die kleinen Handwerker und Privatbcamten in die Arbeitslosenversicherung mit einbezogen wissen. Der Zentrums- redner Oswald erklärt seine Zustimmung zur Kommissions- bcraiuug mit vielen Wenn und Aber. Die Regierung glaubt nicht, daß es bei der schlechten Finanzlage möglich sei. den ge- forderten Betrag einzusetzen. Sie möchte am liebsten das ganze Risiko den Städten aufladen. Es wird wesentlich von der Haltung des Zentrums ,-ab- hängen, ob es auf de" G-Hete der Arbeitskakenversicherung endlich zu Taten kommt. Sonntagsruhe im Handelsgeloerbe. Die.Neue Polit. Korresp." teilt das Ergebnis der seit ändert- halb Jahren angestellten Enqueten über endlicke Besserung der Sonn- tagSrubevorschriflen mit. Das Ergebnis ist ein außerordentlich mageres. Vor nunmehr 18 Jahren ist auf Drängen der Sozial- demokratie eine Abschlagszahlung auf- die Forderung einer Ruhezeit durch die Gewerbcordnungsuovelle von 189l gesckaffen. Danach ist lediglich der erste WeihnachtS«, Oster- und Pfingsttag frei. An den übrigen Sonn- und Festlagen ist eine Beschäftigung im Handels- geivcrbe bis zu fünf Stunden gestattet. Eine Ausdehnung der Bcschäftigimgsmöglichkeit bis aus 19 Stunden kann durch die Polizei- bebörde für die letzten vier Wochen vor Weihnachten und iür ein- zelne Sonn- und Festtage zngc lassen werden, wenn örtliche Ver- Hältnisse einen erweiterten GeschäflSvcrkehr erforderlich machen. Hingegen kann eine Herabsetzung der BeschüfligungSzeit oder ein gänzliches Verbot durch'Ortsstatut angeordnet werden. Eine Reihe Orte haben von diese», Recht Gebranch gemacht. Nach der „Neuen Pol. Korr." ist beabsichtigt, auf Grund der erteilten Auskünfte nur einen ganz kleinen Schritt vorlvärtS zu gehen. Es soll zwischen der Beschästigung in Kontoren und nicht mit orfenen Berkaufs st ellen verbundenen Betrieben und zwischen der in o f s e n e n V e r k a u f S st e l l e n geschieden werde». Für erstere soll völligeSonntagSruhe gesetzlich vorgeschrieben, abersür gewisse Fälle und Gcwerbszweige eine zweistündige Beschästigung zu- gelassen werden. Für offene B e r k a u f ö st e l l e u soll an Stelle der sünsstüiidigeu eine d r e i st ü» d i g e Beschästigmigsmöglichkeit gegeben, jedoch eine längere Bcschäftcqung für Gewerbe zugelassen werden, deren Ausübung an Sonn- und Festlagen zur Befriedigung täglicher Bedürfnisse der Bevölkerung ersorderlich ist. Für einen er- weiterten Geschäftsverkehr sollen höchstens sechs Sonn- und Festtage freigegeben werden. Die dreistündige Beschäsiigungszeit soll auf die Stunde» bis 2 Uhr nachmittags erteilt«verde» Immen. Diese Vorschläge sind absolut unzulänglich. Es ist notwendig und dlirchaus durchführbar für alle Angestelllen und Arbeiter eine R u h cj- zeit von 39, bei zwei aufeinanderfolgenden F e st» tagen eine solche von 99 Stunde» endlich«inzuräume». Ausnahmen sind lediglich für die N a h r u n g S m i t t e l b r a n ch e ersorderlich. Und auch hier reiche» drei Stunden, die vor zehn Uhr vormittags liege«,, zur Befriedigung der täglichen Bedürfnisse vollauf aus. In, übrige«, genügt es, die letzte» zwei Wochen vor Weihnachten und für besondere Fälle an höchstens sechs Svimtagen eine allgemeine Beschästigiing in offenen VerkausSstellen. aber nicht über fünf in den Vormittag fallende Stunden hinaus ziizulaffeu. Unbedingt ersorderlich ist, daß auch die NndeiagSvorschiijten ge« werblicher Arbeiter de«, seit Jahr und Tag gemachten Bor» schlagen der sozialdemokratischen Fraktion eutiprechcnd gestaltet werden. Arbeitel das Rcichsamt deS Innern de«, Entwurf nicht »ach diesen Richtungen hin ans, so wird der Bundesrat und Reichstag diese Pflicht zu ersüllcn haben._ Landbnndlerische Roheiten. Die„Deutsche Tageöztg." zetert mit Vorliebe über die angcb- liche Zunahme der Verrohung im Deutschen Reiche und empfiehlt als bestes Gegenmittel die Wiedereinführung der Prügelstrafe. Wie eS aber in ihrem eigenen Anhang mit der Gesilttnig bestellt ist, zeigt folgender, von der„Korresp. de» Deiitichen BcmernbundcS" unter der Spitzmarke„Diq Knüppelgarde des Bundes der Landwirte' ver- öffentlichter Bericht: „Die KampfeSmitiel, die der Bund der Landwirte und seine Andänczer aliwenden, werde» iinmer schöner. In einer Bersauiiiiliing in Grokfl'ündlach in Oberkraiiken ain L9. Okinlier, die der Redner des BanmrtmndeS, Herr Moll, abhielt, drehte» die Biindler das eletiriicbe Licht ans, einer schlug in der Dunkelheit dann mit der Faust auf Herr» Moll ei» und ein zweiter bcgog ihn mit Bier. Als die Beleuchtung wieder hergesiellt wurde, fragte Herr Moll die Vei sanimlung, ob darunter auch Ehrenmänner seien, die gewillt waren, derartiges zu verurteilen. Niemand wagte gegenüber dem biindler ischen Terrorismns, für Herrn Moll einzulrcte». Aber einige Personell zeigten wenigstens durch Gesten ihren Unwillen. Der ärgste Zlöreusried, Herr Geichästssiihrer Weber vorn Bund der Landwirte, war schon vorder durch folgende« Schreiben des Herrn Moll entfern« worden: „f�ir Beriaiinnlungen des Deutschen Bauer nbundes haben Sie wiederholt grobe Sivrnngcn verursacht und sich persönlicher Be- leidigungeu schuldig gemacht. Ich beehre mich Ihnen miizirteilen. dah aus dieser» Grunde in allen künstigen Beriamnrlungen des Deutschen BanernbundeS, in Ivelchen diesem das Hansrecht zu- steht, nmnirehr an Sie die Antsorderung ergehen rvird, das Ver- sainnilnngslokal zu verlassen im Weigerungstalle seien Sie auf die gesetzlichen Folgen hiermit ausmerlsain gemacht," Die„Deutsche Tagrsztg." Ivird freilich in solcher Behandlung eines aniibüudlerischcn Agrintors karu» eine Roheit erkennen, hat doch die agrnrkous rvative Presse oft genug bei Reichstagswahlen ihrer Leserschaft einpfohlen, die sozialdemokratische» Flugblätter- und Stiininzetielverteiler mit Hrrnde» boin Hof zu hetzen. Die Ethik des LandhündlertumS ist eben ganz sonderbarer Art. Sie wird lediglich bestimmt durch den eigenen Nutzen. Entlastung des Reichsgerichts. Wie die„Allgem. 5torre!p." berichtet, ist im Neichsi»stizamt die Vorlage betreffend die Eiitlastnng des Reichsgerichts lunmrebr feriiggesiellt. Die Vorlage bestimmt im tvcsenrlichen,' dag die Nevrsio» in Vermögenskachen ansgeschloffe» sei» soll, rvenn die beiden Borinstanzen, also das Landgericht und Oberlaiidesgencht übereinstimuiend enischiedeu haben und da� die Nevisiou bei gleich- lautende» Eritscheidmigcn der Vorinslarizen nur noch zulässig sein soll bei Raiiiiiieiisachen sEhestreitigkeiten usiv.) Da der neue Entwurf des Strafgesetzbuches erst»ach einer Reihe von Jahren dem Reichstage wird vorgelegt werden köimen, wird der Brmdesrat, wie wir hören, die Novelle zum Strafgesetzbuch. die einen Teil der dringendste» Auigabeu vorweg zur geketz- geberischeu Lösung bringen will, aber durch de» Schlutz der Session uiiericdsgl geblieben ist, alsbald wieder im N ichSlag« einbringen.— Der Entwurf betreffend die Haftung für Amtspflicht- Verletzungen der Reichsbeamten, der ebenfalls dein Reichstage sofort noch der Wiedereröffnung wieder zugehe» wird. dürfte vini diesem noch vor der Weibnachtspause verabschiedet werden, da er bisher nirgends auf größere Bedenken gestoßen ist. Der beleidigte Neichsverbändler. Bor dem Lübecker Schöffengericht hatte sich am Freitag der Redakteur unseres dortigen Parteiblattes, Genoffe L ö w i g t, wegen angeblicher Beleidigung des zweite» Geschäftsführers des ReichsverbandeS gegen die Sozialdemokratie. Dr. Ludwig, in Berlin zu verantworten. Die Reichstags- Wahl tri Bingen-Alzey bildete den Hintergrund dieser Klage. Im Mai d. I. berichtete die„Hessische liberale Wochenschrist", daß bei der Ersatzwahl in Bingen-Alzey der R e i cki§ v e r b a n d sich in ausgiebiger Weise gegen die Linksliberalen be- tätigt hätte und daß die eigeinliche Leitung des WahItampfeS gegen Pfarrer Korell in den Händen der Neichsverbändler lag. ES wurde dann weiter ausgeführt, daß unter der Leitung des stellvertretenden Geschäftsführers des Reichs- Verbandes, Dr. Ludwig, Flugblätter und Wähler- zeilungen mitz den ärgsten Schmähungen der Freisinnigen hergestellt wurden. ReichSverbandS- beamte hatten die Aufgabe, hinter Pfarrer Korell herzureisen und seine freigehaltenen Reden stenographisch aufzunehmen, um sie gegen ihn zu verwenden. Diese Notiz des liberalen Blattes war Vom„Lübecker Volks- boten" übernoninien und daran die Bemerkung geknüpft worden, daß Dr. Ludwig früher, bevor er Neichsveibandsangestellter wurde, Redakteur des Lübecker nationalliberalen Organs gewesen ist. Dann wurde die Frage aufgeworfen, ob untcr seiner Leitung auch die Flugblätter für die Lübecker Liberalen gegen die Sozialdemokratie fabriziert worden seien, und Ludwig als sehr vielseitig bezeichnet. Namentlich in der Behouptniig. daß Ludwig vielseitig sei. sollte die Bcleidigimg liege». Zum Verstündiusie dieser Bezeichnung sei erwähnt, daß Dr. Ludwig vor einigen Jahren noch selbst links liberal war. dann nationalliberal wurde, jetzt im Fahrwasser des realttynären ReichsverbandeS segelt und in Lüvcck bei der Reichstagswahl die Liberalen unterstützt, in Alzey-Vmge» dieselben aber bekämpft hat. Im Termin stellte der Vertreter deS Angeklagten den Beweis- a n t r a g, Zeugen darüder zu vernehmen. 1. daß Dr. Becker de» ReickiSveib.ind um weitgehendste Unterstützung erinchi hat, damit Korell durchfalle, 3, daß über Korell aus der Geschäftsstelle des ReichsverbandeS in Frankfurt a. M. eine besondere Personalakte gc- fuhrt worden ist, 3. daß der Reichsvcrband in seiner Korrespondenz Artikel gegen Korell und daß Dr. Ludwig selbst alle Wahlzeitungen gegen Korell und das Flugblatt„Die Sünde» des Freisinns" ver- faß? hat. und endlich, daß Angestellte des ReichSVerhaitdeS dem Pfarrer Korell nachgereist sind, unbemerkt dessen Reden zu steno- graphiere» suchten. und dag diese Versanunluiigsberichte zn- Ungunsten des liberalen Kandidaten gefärbt in die Zeitungen lanziert wurden. Als Zeugen für diese Beweisanträge wurden benannt: ReichsverbanhsgeschäftStübrer K r e l i ch m a r- Berlin, Jnstizrat C a l m a n- At ich. Schreibmaschimstin T r a ß in Frankfurt a. M., Dr. Becker- Brendlingen. v L i e b e r t- Berlin. Der Berireier des Klägers, der ehemalige liberale Reichstags- abgeordnete Dr. Görtz, ersuchte um AbleMN» g der Bewcisan träge. Er bestritt die a n g e s Ü h r t e n Tatsachen nicht, sondern behauptete, Dr. Ludwig habe als Neich'vetbaiidsgeschäsl-führcr nur pstichl gemäß gehandelt, als e r den liberalen Pfarrer Korell bekämpfte. Von Dr. Herz wurde dagegen hervorgehoben, daß eS wichilg>ei, festgist> lle», daß der Reichs- v e r v a» d» i ch r. w i c er s ä t s ch l> ch behauptet, nur dir So l i> ch e n B e si r e b n n g e». Di» Beweisnittiäge wurden schließlich abgelehnt. DaS Gericht kam>i einer V e r n r t e i l u n g unseres Genossen und zwar wurde aus 300 M. Geldstrafe erkannt. Die Beleidigung wurde darin ge- stmden. daß Dr. Llidivig der Vorwurf der Vielseitigkeit gemacht sei. Die hohe Geldstrate sei ausgesprochen, weil der Angeklagte schon einmal wegen Beleidigung des Dr. Ludlvig bestraft sei. Bon einer Gefängnissir fe sei abgesehen, weil bei dem Angeklagten niedrige Gcsinnliiig in keiner Weise erwiese» wäre. Uiiserc Jnsiiz urteilt wirklich wunderbar. Dr. Ludwig, der Reichsverbändler. war früher linksliberal, dann nationalliberal, sckiießiich konservaiiv angehaucht. Er hilft in Lübeck die Liberalen im Wohlkampf- gegen die Sozialdemokratie nnd in Bingen-Alzey bekämpfr er die Liberalen. Das sinl/ Tatsachen, die nicht bestritien werden. Wer daraus aber folgert, Dr. Ludlvig sei.vielseitig", den vcrknnrrt man in Lübeck zn 30V W. Geldstrafe. Die Buchführung auf den staatlichen Werften. Die vielfachen lliitelschlaguiigen auf den kaiserlichen Werften haben allem Anschein nach die Regierung veranlaßt, nach Abhilfe zn suchen. Wie offiziös gemeldet wird, besteht die Absicht, auf der kaiserlichen Werft Wilhelmshaven vom 1. April 1910 ab eine Buch- fnhrnug nach kaufmännischen! Muster einzusührcn. Mit dieser Maßnahme hat sich der Rechnungshof des Deutschen Reiches eiiiverstaiidcn erklärt. Im Znsa»imenhang damit ist ein kauf- niännischer Beirat angestellt worden, der die Beamten mit der kauf- männischen Buchsührung vertraut machen soll. Bewährt sich die Ein- rictitung, so soll sie späterhin auch in andere» Marine-Slaatsbetrirben eingesührt werden. Die für die Neuerung»ölige» Mittel können erst im nächste» Eiak angefordert werden, we- halb die geplante Aeuderung erst anv.l. Ap.il 1010 voll in Kraft treten kann. Wirtschaftliche Krise nnd Bevölkerungsstatistik. Das Statistische Amt der Stadt Köln veröffentlicht soeben seinen Bericht über das Jahr 1903. Danach nahm die Bcvölkerungs- .ahl Kölns»m ein Drittel weniger zu als in früheren Jahre». Die Eheictiließinigen und die Gebmien nähme» ab. die außereheliche» Geburlen aber nahmen zu. Ebenso nahmen die Slnbmlle»nd niiter diesen besonders stark die Selbstmorde z». Sie stiegen von 83 und 77 in den beiden Vorjahren ans 107, und die Fälle„sonnigen gewaltsame» Todes"(also Bernnglücknugen und Morde) stiegen von 207»nd 2>0 ans 235. Zw.felloS würden krnninalstatistische Angaben ähnliche verheerende Wilkniige» zeigen.___ Zlufterordentliche Biindlerparade. Die Mannen des Bundes der Landivirte werden ani 14. November eine große anßeroi deutliche Parade in Berlin veraustalten. Als Redner wird �reiiftrr v. Wangen heim genannt, der über die politische Lage sprechen wird. Zutritt haben nur Mitglieder, so das; diese Parade allem Anschein nach unter dem Ausschluß der Oesfeutlichkeit stattfinden wird. Kurzsichtiges Wahlmanöver. Am Stichwahltage war in Karlsruhe ein Plakat, unterzeichnet Hofmeister, Lemahnr. 4, an den Plakatsäulen angeschlagei,, worin die tätholiichen Wähler aufgefordert wurden, nicht für den sreisimiigen Kandidate» Frühans z» stimmen, weil derselbe mii Bezug ans die' F r o n l e i ch n a m s p r o z e s s i o n und die Hostie von Humbug gesprochen habe. Die poliiische» Parteien erklärte» sämtlich, mii diesem Plakat nicht« zu schaffen gehabt zn haben. Dasselbe erllärie aber auch der Unterzeichner Lederarbeiter Hofmeister, der übrigens im angegebenen Hanse nichl ivohnt, wohl aber dort arbeitet. Jetzt ist festgestellt. daß ein anderer dort beschäftigter Lederarbeiter namenS N i t i ch k y der Beranlaffer der Plakate, die in der Hof- bnchdrnckerei von G n t s ch gedruckt waren, gewesen ist. Er will im Einverständnis mir Hosmeister gehandelt haben, um den Liberale», die im Wahlkampf mit der angeblichen ReligioiiSfeindlichkeit der Sozialdemokratie hausieren gegangen seien, einen Dämpfer aufz»- setzen Der Vorstand des sozialdemokratischen Vereins sowie das BezirkSwahltomitee, der in dem Bezirk gewählte Landtagsabgeordnete Willi sowie die Nedaktion deS„Volksfrenitd" bedauern in einer Erklärung d a S Vorkommnis. Ob der Vorgang noch weitere Folgen habe« wird, läßt sich noch nicht voranssehei�. Kraetke möchte bleiben. Die Nachricht, daß der Staatssekretär deS NeichSpostamteS Kraetke denmächst aus seinem Anne scheiden werde, wird von der Scherlschen Presse dementiert. Viel ist �uf solches Demeni! nicht zu geben, denn schließlich hängt die Frage, ob Herr Kraetke bleibt oder geht, zum allerwenigsten von ihm selbst ab. Nach einer»eueren Version soll die Stelle des Herrn Kraetke der Gehcimrat T w e l e übernehmen, als dessen Nachfolger im NnlerstaalSietretariat deS Reichsichayanites der Präsident des Statislischc» Amtes Dr. van der Borght genannt wird._ Soldatenmißhittldkung. Vor dem Oberkriegsgericht der 16. Di- Vision stand der Feldwebel Schröder vom Jnfanterierrgiineni Nr. 70 in K o b l e» z. der wegen Mißhandlmig Uniergebener in 25 Fällen, vorschriftswidriger Behandlung in acht Fälle» und wegen Beleidigung Ui»e> geben« zu sechs Wochen gelinden Arrests verurteilt ivorde» war. Der Soldatenichiiider hatte die Soldaren zum Teil mit dein Säbel blutig geschlagen. Das Oberkticgsgerichl erhöhte die Strafe auf zwei Monate Gefängnis. franstreick. Ei« reaktionärer Block im Pariser StadthanS. Paris, 4. November.(Eig. Ber.) Gestern hat die Neuwahl des GeineiuderatsvorslaudcS stattgefunden und ihr Ergebnis ist ein Sieg der Rechtsparteien. Bisher bestand eine Abmachimg der republikanischen Gruppen, die eine gemeinsame Liffe feststellten und das Präsidium abwechselnd den verschiedenen Parteien zusicherte. Ans diese Art war Genosse C Hausse, der in der vorletzte» Woche wegen der Äblehnung der Ehrung Ferrers demissioniert hat. gewählt worden. Jetzt aber hat sich ein großer Teil der Radikalen zn de» Nationalisten und Monarchisten geichlagen und einen amisozialistischen Block formicrt. Der Kandidat dieses Blocks Caron wurde gestern mit 42 Stimmen gewählt, Genosse Chausse bekam nur 331 Zur neue» Mehrheit gebärt auch ein jüdischer Ge- meinderat namens Beer, der mit Hilje�der mnisemitiiche» NaiionaUste» und Klerikalen zum Vizepräsidenten gewählt wurde. In der einen reaktionären Maffe geht eben die„Rasse" ans.— Die Linke brachte in der Sitzung den Nesolutionsanlrag ein, daß sich der Gemeinde- rat der allgemeinen Verurteilung der Hinrichiung Fcrrers anschließc. Aber der von der Rechten beantragte Ucbergang zur TageS- o r d u u n g wurde bei namentlicher Abitimmnng mit 40 gegen 39 Stimmen angenommen. Wenn Herr Moritz Beer jetzt nicht de» ChristuSorden bekommt, ist Alfons wirklich uudaulba«! Snglancl. Die Arbeiterpartei«nd die dritte Lesung des EtatS. London, 4. November.me in der Bcr- lpier Filiale ruhig weitergearbeitet wird. Diese Firma hat nämlich ihren Isolierern die bekannten„Bedingungen" gar nicht vorgelegt, also nicht ausgesperrt, und für den Streik- b e s ch I n tz kam sie von vornherein nicht in Betracht, da bei ihr ein besonderer, Celler Tarif gilt mit höheren Akkord- sähen, als die vom Arveitgeberverband angebotenen. Aber abge- sehen davon, weiß ja jeder, der die EntWickelung des Kampfes ver- folgt hat, daß, es auch sonst Unwahrheiten enthält. Wenn auch die Isolierer am vorigen Sonntag den Streik formell beschlossen haben, so ivar doch schon am Sonnabend die allgemeine Entlassung erfolgt, also die Aussperrung vorgenommen worden. Dann der Sah von den„übertriebenen" Forderungen! Ten hätten die Arbeit- gebcr nicht schreiben können, wenn sie die Forderungen selbst ihrer Kiindschaft mitgeteitt hätten. Ter Stundenlohn ist doch wahrhaftig bei der ungeheuer steigenden Teuerung so bescheiden wie nur mög- lich. Datz der„sehr hohe" Mindestlohn, ixm die Isolierer bei Akkord- arbeit garantiert wissen wollen, im höckistcn Satz, für den in seinem Fach perfekten Isolierer, nur 70 Pf. beträgt, ist ja bekannt. Wer nur einigermatzcn mit den Dingen vertraut ist, wird sich nicht ein- reden lassen, datz die Lebensfähigkeit der Unternehmen durch diese Forderungen bedroht sei.— Tic Versammlung hatte natürlich keine Ursache, sich lange mit diesem Zirkular zu befassen, das ja nur wieder einmal zeigt, mit welchen Mitteln die Unternehmer ihre Aussperrung zu rechtfertigen suchen. Datz es sich um eine Aussperrung handelt, haben die meisten Firmen in den bekannten gesc�s widrigen Entlassungsscheinen selbst ausgedrückt, indem sie schrieben:„wegen Ablehnung der Arbeitsbedingungen", oder auch der„vorgelegten Arbeitsbedingungen entlassen" usw. Die Firma Krause braucht sogar den Ausdruck:„wegen Nicht- ancrkennung der ArbertLordnuiig entlassen". Posnan ky u. S t r e l i h hat allerdings für„entlassen"„ausgetreten" gebraucht, aber das ist eine Ausnahme. Die Firma Grünzweig u. Hart- in a n n schreibt:„o r d n u n g s g e in ä tz entlassen", ohne den erwähnten gesetzwidrigen Zusatz. Tie übrigen Firmen müssen sich darauf gefaßt mache», datz sie sämtlich für ihre ulizulässigen Eni- lassungsschcine zur Verantwortung gezogen werden.— Die Versammlung bewies im übrigen, datz die kämpfenden Isolierer treu zu ihrer Sache lmlten und ausharren werden, so lange cö auch dauern mag. Die Maurer, Tischler, Rohrleger und Heizung»- Monteure werden ersucht, darauf zu achten, daß sie kein Material von Firmen, wo gestreikt wird, verarbeiten, und ferner aukgefordert, wenn sie mit arheitenden Isolierern zusammentreffen, diese nach ihrer Arbcitsberechtigungskartc zu fragen. Widerrechtlinie Kündigung ded Staakertarifs. Im vergangenen Frühjahr hatten die Staaker eine Lohn- bewegung, die den Erfolg hatte, daß ihre Organisation, der Ver- band der baugewerblichen Hilfsarbeiter, mit einer Reihe einzelner Unternehmer Tarifverträge abschloß mit einer Geltungsdauer bis zum l. Juli«910. Beim Abschluß der Verträge gab es noch keine Organisation der Unternehmer. Nachher aberhaben sie eine Organi-. salion gebildet und diese möchte jetzt den bestehenden Tarif außer Kraft setzen. Der Verein der Staakerunternehincr bat dem Ver- bände der baugewerblichen Hilfsarbeiter ein Schreiben gesandt, welches besagt, daß der Verein die mit den Einzelunteruehmern abgeschlostenen Tarife zum 15. Dezember d. I. kündigt, aber bereit ist, über die Festsetzung von Arbeitsbedingungen„auf einer gerechteren Grundlage" mit dem Verbände zu verhandeln.— Die Verbandsleitung hat dein Unternehmerverein geantwortet, sie könne die Kündigung nicht gelten lassen, weil das nach der Praxis, an welche die Organisation gewöhnt sei, gegen Treu und Glauben verstotzeu würde. Sollte sich der Verein der Unternehmer eine solche Aufgabe stellen wollen,.dann müsse der Perband darauf verzichten, in Zukunft mit dem Verein über Verträge in Ver- biudung zu treten, weil das gegenwärtige Vorgehen des Verein? darauf hinauslaufe, bestehende Verträge nicht zu halten, sondern zu brechen. Zu persönlicher Verhandlung über diese Angelegen- heit sei die Vcrbandsleitung jederzeit bereit. _Am Freitag beschäftigte sich eine Versammlung der Staaker Vcraiitw. Redakt.: Emil Unger, Grunewald. Inseratenteil verantw.: mit dieser Angelegenheit. Der Referent R o a ck sowie alle Dis- kussionsredner waren einig in der entschiedensten Verurteilung des Vorgehens der Unternehmer. Es wurde ausgeführt, der Verein sei gar nicht berechtigt, die Tarife zu kündigen, die nicht mit ihm, sondern mit einzelnen Unternehmern abgeschlossen sind. Die Kündigung habe demnach keine Wirkung und sei als nicht bestehend zu betrachten. Nach diesem Grundsatz habe jeder Kollege zu handeln. Von dem Tarif werde nicht das geringste abgelassen. Er müsse stritte gehalten werden bis zum Ablaufstermin. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution wurde einstimmig angenommen. OentTebca Reich. Tabakarbeiter-Aiissperrung in Mnsiertvalde. Seit dem 13. Oktober 1909 stehen t/ie Arbeiter der Zigarren- fabrik Fr. Krüger im Ausstande, weil ihnen zugemutet wurde, eine Arbeit, für die sie 10 M., später 9 M. Arbeitslohn forderten, für 8,50 M. zu machen und weil nun Maßrege.ung eines Mitarbeiters aus dieser Ursache erfolgt lvar. Tie bestreikte Firma erklärte sich schließlich bereit, 8,75 M. zu zahlen. Die Arbeiter nahmen dieses Anerbieten an und somit kam eine Einigung zu- stände. Tie Vereinigung der Finsterwalder Zigarrenfabrikanten fuhr jedoch dazwischen. Sie beschloß, datz die fragliche Arbeit zu 8,50 M. gearbeitet werden müsse. Dock? nicht genug damit. AIS dieser Unternehmerwillkür keine Rechnung getragen wurde, beschloß die Fabrikantcnvercinigung, wenn die Arbeit zu den diktierten Bedingungen nicht aufgenommen würde, Montag, den 8. November, alle organisierten Finsterwalder Tabakarbeitcr auszusperren. Dieser AussperrungSbeschlutz ist in allen den organisierten Zigarrenfabri- kanten gehörigen Betrieben durch Anschlag bekanntgegeben. Es herrscht eine erbitterte Stimmung unter den Arbeitern, die be- sonders auch deshalb genährt wurde, lvcil ebenso in anderen Be- trieben Lohnabzüge versucht resp. in Aussicht gestellt wurden, die schon zu einer zweiten Maßregelung eines Mitarbeiters führten. In der Finsterlvalde» Zigarrcnindustrie gibt es 70 Betriebe, in denen 700 Personen, vorwiegend Arbeiterinnen, beschäftigt werden. Von diesen sind 470 im Deutschen Tabakarbeiterverbandc und 120 im Hirsch-Dunckcrschen Vereine organisiert. Die organi- sierte Arbeiterschaft beschloß in einer am Donnerstagabend abge- haltenen, überaus stark besuchten kombinierten Mitgliederversamm- lung, in der der Vorsitzende des Deutschen Tabakarbeiterverbandcs. De i ch m a n n- Bremen, von der Aufnahme eines Kampfes im Moment abriet, dennoch einmütig, den ausgezwungenen Kamps auf- zunehmen. Es wurde als unerhört bezeichnet, die Tabakarbeitcr und-Arbeiterinnen zu zwingen, in die bestreikten Betriebe zurück- zukehren zu Bedingungen, wie sie die vereinigten Finsterwalder Zigarrenfabrikanten vorschreiben. Aus Vorschlag der Verbandsvertreter wurde das Gewerbegcricht als Einigungsamt angerufen._ Tie Hafenarbeiter in Harburg sind wegen starker Lohnrcdu- z i e r u n g in einen Abwehrkamps eingetreten. Ter Kampf ge- winnt dadurch an Interesse, datz der sogenannte Hafen- betriebsverein in Hamburg, eine der rücksichtslosesten und brutalsten Scharfmacherorganisationen, der indiretrc Anstifter der Differenz ist. In Harburg soll zum ersten Male die Streik- brechergarde des Hafenbetriebsvereins, die Kontraktarbeitcr des Hamburger Hafens, den Rausreitzer spielen. Tie Kontraktarbeiter sind laut§ 1 des jlontrattes zu jedem Strcikbruch verpflichtet. Der Anfang ist bereits gemacht, doch haben einige der Kontraktarbeiter die Schmack nicht ertragen können und die Arbeit trotz der ver- fallenden„Spar"gelder verlassen. Dieser Vorgang hat anschcineno dem Hafenbctriebsverein in Hamburg zu denken gegeben. Es ist bisher nicht bekannt geworden, datz neue Konimandierungcn von Kontraktarbeiter» zum Streitbruch ergangen sind. Dagegen bringen bürgerliche Zeitungen Aiinonceir, durch die Arbeiter für den Hamburger Hafen gesucht werden. Da nach eigener Angabe des Hafenbetriebsvereins im Bormonat nur 55 Proz. der Hamburger Schaucrleute beschäftigt werden konnten, kann von einem Arbeitermangel in Hamburg keine Rede sei». Die Arbeiter sollen als Streikbrecher in Harburg Beschäfti» gung finden! Jeder Arbeiter, der seine Ehre nicht Ver- kaufen will, meide streng sämtliche Elbchäfe». Ei» Fortschritt in der frankfurter Arbeiterbelvegnnsi. Die Gewerkschaften in Frankfurt a. M. errichteten ein eigenes Heim im Jahre 1897. Das damalige Gewertschastshaus „Erlanger Hof" war aber bald zu klein und wurde im Jahre 1901 durch das mächtige Gewerkschaftshaus am Schwimmbad ersetzt. Durch die gewaltige Ausdehnung der Gewerkschaften waren aber schon nach einigen Jahren die im Gewerkschaftshause vorhandenen Bureauräumlichkeitcn zu klein und'wurden durch Ankauf eines Nebengebäudes deren neue erworben. Nun reichen auch diese nicht mehr aus und die Verwaltung des GewerkschaftShauses kaufte ein weiteres Nebengebäude in der Allerheitigenstratze an. Es stehen nun nur noch zwei Privathäuser zwischen den beiden Enden des Gewerkschaftshause». das ja schon jetzt einen riesigen Häuserblock, der von drei Straßen eingeschlossen ist, bildet. Das neue Gebäude soll ganz zu Bureaus eingerichtet werden, und ein Verband, der Metallarbeiterverband bat Anfang November auch schon ein ganzes Stockwerk bezogen. Das Gebäude uirnatzt einen Flächenraum von 225 Quadratmeter und kostete mit Ilmbau 170 000 M. Sämtliche Gebäulichteiten des Getocrkschaftshauses, die alle miteinander verbunden sind, umfassen mit Hof einen Fiächenraum von rund 1700 Quadratmeter und verursachten einen Kostenaufwand von 1 07 0 000 M. So wurde innerhalb zwölf Jahren aus dem kleinen ,. Erlanger Hos" ein Riesengebäudc. auf das die Frankfurter Arbeiterschaft stolz sein kann! Besonders er- freulich und beachtenswert ist, datz das Gewerkschaftshaus zur gegen- wältigen, wirtschaftlich ungünstigen Zeit derartige Vergrößerungen vornehmen konnte. Die ständige Vergrößerung des Gewerkschaftshauses zeigt das starke Wachse» der Gewerkschaftsbewegung in Frankfurt a. M. Bei der Eröffnung des„Erlanger Hofes" zählten die Frankfurter Gewerkschaften rund 5000 Mitglieder, heute aber weit über 30 000. GewerkschaftSbeamte waren damals noch keine angestellt, heute reiht sich im Gewerkschaftshause Bureau an Bureau, in denen über 60 Gewerkschafts, und Parteiangestellte tätig find. So ist auch die Vergrößerung des GewerkschaftShauses ein Zeichen des Fortschritts._ Sls,laue Leutchen sind die Krefelder Bmdbindereibesitzer. Sie haben vor einigen Wockien den mit den Gebitsen vereinborten Tarifvertrag ordinuigs- gemäß gekündigt und suchten bei einem neuen Vertragsabschluß einige Verschlechiermigen de» bisherigen ZuftandeS durchzudrücken. Dagegen wehrten sich die Gehilfen nicht nur, soliden» waren mit Recht der Meinung, daß angesichts der gegenwärtigen TeuerungS- verbättnisse eine Aufbeffcrlmg ihrer Löhne notwendig sei. Eine Einigung ivar nicht zu erzielen. ES reichten daher am 23. Okiober die Gehilfen die Kündigung ein und dürfte vom nächsten Montag ab in de» Krefelder Buchbindereien die Arbeit ruhen. Nim wollen aber die schlaue» Arbeitgeber entdeckt haben, daß die Kündigungen der noch nicht volljährigen Arbeiter rcchtSungüliig seien, da ihnen eine znstiminende Erklärung der Eltern oder Vorniünder der jungen Leute nicht bcigelegen habe. Die Arbeiter wissen nun zwar nicht den juristischen, dafür aber um so mehr den huinorlslischen Gehalt dieser Bauernschlauhcit zu würdigen. In der Schuhfabrik von Josef Wadlr in Münchweiler a. d. Rodalb bei Pirmasens haben sämtliche Zwicker der Maschinen- abteilung und die Sandzwicker wegen Lohnreduktionen die Kündi- gung eingereicht. Schon wiederholt sind in letzter Zeit in Münch- weiter, wo fünf Schuhfabriken vorhanden sind, den Arbeitern Lohn. abzüge gemacht worden, ohne daß sie mit Erfolg hätten zurückgewiesen Iverden können, weil die Arbeiterorganisation noch zu jung war. Hoffentlich geling« cs-diesmal, durch die Einigkeit der Arbeiter die von der Firma geplanten Vcricklechterunaen mit Erfolg zurückzuweisen._ kh.Glo«ke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VeriagSansiall� RnaUnck. Gompers wieder zu einem Jahrehatvs gefeiertem Kailoneusabrikanten Underfhaft, die den Sieg über seine zur Heils- armee gegangene Barbara davonträgt, ist im Grunde nichts anderes als eine Umschreibung jenes süffisanten Kapitalistentiefsinns, das; jeder die soziale Frage für sich selbst zu lösen habe. Die präten- tiösen Reden, die er im Schlutzakt als Triumphator vor der an- dächtig lauschenden Familie hält, hören sich, von ein paar Seiten- sprängen abgesehen, wie eine Apotheose auf Krupp und Genossen an.„In dem Heilsarmeequartier sah ich Armut, Elend, 5zälte und Hunger. Tu. Barbara, gabst den Armen Brot und Honig und Traume des Himmels. Ich gebe ihnen in meiner Fabrik von dreisiia hinaus??l u f eine höchst a u fr e i z e n d e P r i p i l e g i e r n u g der w o h l h a b e u d e r e u Parteigenossen gegenüber den armen und ärmsten Arbeite r n! Den letzteren würde man ans dem Verzehr eines gewöhnlichen Kerns für fünf Pfennig einen Vorwurf machen,>ver sich aber für zwanzig oder fünfzig Pfennig einen„feinen" Likör leisten kann, der darf ruhig weiter trinken! Dabei mutz gerade dein Slermsten, der sich bisher nach schwerer körperlicher Slrbeit durch einen Schnaps aufzufrischen versuchte, der Verzicht viel schtverer fallen als dem besser Situicrten, der sich für den Verzicht auf einen Benedittiuer auf andere Weise schadlos zu halten vermag. Also fort mit den ausländischen Schnäpsen! Sioch unglückseliger ist der Hinweis auf die ostelbischen Gefilde und die Bergwerksdistrikte, in denen lvir zuerst den Schnaps- koustnn eindämmen mühten. Datz der Schnapsboykott von Breslau aus angeregt worden ist, gibt zunächst die beste Gewähr dafür, datz die dortigen Genossen nicht säumen werden, für die Ver- wirklichung des ParteitagSbesckilusseS in ihren oberschlesiichen Agitationsbezirken ihr bestes Können einzusetzen. Im übrigen würde es einen schier unbegreiflichen Maugel au politischem Weit- blick, aber ebenso am Verständnis für praktische Arbeit bedeuten, wenn man die Ausführung eines nicht eben leichten Parteitags- beschlnsses den indifferentesten und für diese besondere Aufgabe antzerdem uugeeiguctsteu und Nichtparteigenossen aufhalsen wollte. Die Genossen, die mit dem Hinweis auf die ostelbischen SchuapSgrossisten dem grotzstädtlscheu Detailtrinker sein Gläschen in Ehren nicht verwehren wollen, mögen sich nur einmal diese Konsequenz vor Augen führen; sie werden dann selbst einsehen, datz ihre Argumentation einem schlechten Witz nahekommt. Gerade in de» Städten und wo überall sonst noch organisierte Slrbeiter leben, die Parteidisziplin kennen und die in Streiks, Aussperrungen, Boykotts und anderen Kämpfen oft genug bewiesen haben, datz sie Opfer zu bringen wissen, gerade dort mutz der Hebel angesetzt werde», lind wenn die Hunderllausende politisch organisierter Slrbeiter und da- neben die vielen Hunderttausende nur gewerkschaftlich Organisierter mit ihre» Familienangehörigen den Schnapsgenutz einstellen, so wird auch schon dieses Ergebnis geeignet sein, der Junker sonst so fromme DenknngSart in gärend Drachengift zu verwandeln. Diese Erwägung mutz auch verhindern, datz der ParteitagSbeschlntz wider den SckmapS mit gar zu grvtzer Milde gehandhabt wird. Gewitz soll man nicht gleich mit den strengsten und schärfften Matznahmen drohen und hantieren, lvenn man organisierte Arbeiter trifft, bei denen der Geist zwar willig, aber das Fleisch schwach ist. Slber die Genossen haben doch eine reiche Fülle moralischer Machtmittel zur Verfügung, mit denen sie cschwächlinge in ihren Sieihen aufrichten und festigen können. Mögen sie diese Mittel proletarischer Disziplin nur anwenden! Mögen sie solche Genossen, die aus lln- Verständnis ihren Schnaps weiter trinken, mit dem wohlwollenden Worte der Ueberredung zu einer besseren Einsicht belehren. Man hat den Beschlutz deS Leipziger Parteitages eine Kultnrtat genannt, und auch auf bürgerlicher Seite hat man sich � hier und da veranlasit gesehen, der Partei dafür Vorschutzlorbeeren zu spenden. Mancher Lobredner mag dabei außer acht gelassen haben, datz die zahleninätzige Wirkung deS SchnapS- BoykottS nicht so grotz sein kann, wie viele im großen EnthnsiaSnmS angenommen haben. Skur eine Minderheit der deutschen Slrbeiter ist gewerlschafilich organisiert und auf diese Minderheit übt der ParteitagSbeschlntz nur mittelbar eine Wirkung ans. Erheblich kleiner aber ist die Minderheit der politisch organisierten Arbeiter, die eigenl- lichen Parteigenossen, für die der Leipziger Beschlutz bindende Kraft und wenn auch nur die eines moralischen Zwanges besitzt. Unter diesen Hunderttausenden wird gewitz auch noch mancher sein, für den der Leipziger Beschlutz eine schwierige Klippe ist, sodatz schließlich der Hansen der politischen Bramitweinabstiiienten nicht so überwältigend grotz ist, wie eS dem einen oder anderen auf den ersten Blick erscheinen mochte. Andererseits brauchen natürlich auch nicht die günstigen Sieben- umstände außer Betracht zu bleiben. So kann bei den meisten politisch organisierten Sozialdemokraten noch eine Familie mit in Anrechnung gebracht werden, die Frau, erwachsene Söhne und Töchter, Brüder, andere nahe Verwandte und Freunde, auf die der Schnapsboykott nicht ohne Wirkung bleiben lvird. Es wird das Beispiel der organisierten Slrbeiterschast auch nicht ohne Siach- ahmnng bei politisch interessierten und charakterfesten Männern des Bürgertums bleiben, lind vor allen Dingen ist der namenlos« Ingrimm, der die gesamte Arbeiterklasse»nd darüber hinaus hunderttausende deutscher Männer und Frauen über die Mehrheits- Parteien der Finanzresorm, besonders über das anmatzcnde preutzische Junkertum ergriffen hat, ein wertvoller Bundesgenosse des Schnapsboykotts. Wenn aber dieser Ingrimm politische Wirkungen äutzern soll, wenn die Junker die Lehren ihrer Stenernnverschämtheite» voll auskosten sollen, so mutz dies durch eine Herabmindcrung der Liebes- gäbe zahlenmäßig in die Erscheinung Ireten, so darf den Junkern der billige Triumph nicht gegönnt werden, datz sie nach Jahresfrist an der Hand der Statistik nachweisen können, der Boykott habe ihnen nicht geschadet. Gerade weil durch den Schnapsbohkott nicht die ganz« Liebesgabe beseitigt, weil sie vielmehr nur um einen be- scheidenen Bruchteil vermindert werden kann, so wollen wir den Junkern von diesem Bruchteil auch nicht einen lumpigen Pfennig s che nk e n.. Dazu ist nötig, daß fortab kein Tropfen Schnaps— gleichviel welchen in- oder ausländischen Ii amen sich der Fusel beilegt— über die Lippen eines organisierten Sozialdnnokraten geht! Die gelbe Lekahr. Schillingen wöchentlich bis zu zivölftansend im Jahre.... Und so rette ich zugleich ihre Seelen vor dem schlimmsten der Verbrechen, der Ouelle aller übrigen, der Armut... Eingeftrente Bemerkungen wie die, daß ein richtiger Wassenfabrikant seine Mordmaschinen jedem zahlungskräftigen Kunden ohne Ansehen der Person verkaufe, und daß die Massen einmal, so beioaffnei, die Welt für sich erober» könnten, stimmen in ihrer anarchistelnden Tonart mit dem sonstigen Undershastschen Texte herzlich schlecht zu- sammen. und sollen dem vom Willkürspiel der Laune weit aus der Bahn gelockten Autor auch tvohl nur zu der Salvierung seines re- volutionären Gewissens dienen. Slin meisten Interesse hatten die Heilsarmeeszenen im zweiten Slkt. Ein paar scharf gesehene Typen zogen vorüber: Ein queck- silberner harmlos aufschneiderischer Bursch, der sich bei seiner Buße die greulichsten Schurkereien angedichtet hat. ein hungernder Sllter, den seiner grauen Haare wegen kein Fabrikant mehr nehmen will, ein verkommener Rowdy, dessen verstockter Sinn unter Barbaras sanftmütig-gütigen Zuspruch sich zu erweichen scheint. Siber der Umkehr in der Seele der Heldin, ihrem Uebergang von den sozialen Heilsarmeeideen, von aufopfernder Fürsorge für die Slusgcjtoßenen zur Lebenssphäre und Auffassung ihres Vaters fehlt jede feinere psychologische Motivierung. Daß die Heilsarmee Summen, die von offenbaren Feinden der Sache, von einem reichen Schnapsbrenner und ihrem Vater, dem Kanoncnkönigc, geboten werden, nimmt, und, um gewissen Slufaaben zu genügen, nehmen muß.— diese Entdeckung soll nach Shatv das tlnge Mädchen plötzlich von Grund ans verwandelnl So wenig überzeugend wie diese Bekehrung mutet auch die Beteuerung der Bekehrung am Schlüsse an: sie tvolle ihr Werk seelischer Erhebung unter den gutgenährten Slrbeiter» der väterlichen Fabriken in höherem Sinne svrtsetzen, während sie als Heilsarmeesoldatiii doch nur hungernde Menschen mit der Ver- beißung von Brot und Himmelsglück bestochen habe. So konnte sich weder ein Kontakt mit den Ideen, noch mit den Personen der Komödie herstellen, und der barocke Witz des Dialogs genügte nicht, das Interesse waebzuhalten. Leider hatte Hedwig Mangel wegen ihrer Erkrankung die Rolle der korrekt rechthaberischen Frau Underfhaft nicht übernehmen können. Der Ersatz für sie ließ zu wünschen übrig. Die anderen Stollen waren durchgängig sehr glücklich beietzt. Hervorragend wirkte Paul Wegen ers fein-ironischer ündershast und L u e i e Höflich in den Heilsarmceszcnen. dt. Musik. Die musikalische Tragödie von dem Hans MathiS, dem fein an einem Inden begangener Raubmord das Gewissen tödlich quält, ist einer der wenigen anssichtSvollen Gewinne ans der jüngsten Ge- schichte des mnsikalische» DramaS. Karl Weis, ein junger Kom- ponist tschechischer und deutscher Opern, hat sei» Werk„Der politische Jude" zuerst vor acht Jahren in Prag heraus- gebracht. Später wurde es vorübergehend durch ein an Neuigkeiten reiches Gastspiel der Stuttgarter Oper in Berlin bekannt, und endlich kam'S auch noch im„Thealer des Westens", durch dessen Fall es wieder verschlvnnd. Nun wird cS wohl auf lange zum Berliner Repertoire gehören, seit es am Freitag von der„ K o m i s ch c u Oper" übernommen worden ist. Die Kontraste von lauterer Freude und bohrender Pein, sowie das, ivas man eine„gewitterschwüle Stimmung' nennt, sind sowohl dem In der interessanten Rede, die Genosse B e r g e r jüngst über die amerikanische Arbeiterbewegung in Berlin gehalten hat, kam unser Genosse auch auf die Frage der Einwanderung chinesischer und japanischer Kulis zn sprechen. Bei der prinzipiellen Wichtigkeit dieses schwierigen Problems und bei dem Umstand, daß die Frage vielleicht auch auf dem nächsten internationalen Kongreß zur Verhandlung gelangen wird, über dessen Tagesordnung gerade jetzt das Internationale Bureau in Brüssel verhandelt, erscheint es uns notwendig, etwas eingehender auf diese Frage zurückzukommen. Wir geben daher folgenden Slrtikel wieder, den uns Genosse Gustav Eckstein, ein genauer Kenner der Einwanderungsfrage, zur Verfügung gestellt hat. indem wir bemerken, datz wir Raummangels ivegcn leider genötigt waren, diese Ausführung einige Zeit zurückzustellen. Genosse Eckstein schreibt: Genosse Berg er ist der Meinung, daß die so außerordentlich niedrige Lebenshaltung der gelben Einwanderer das Lohnniveau des amerikanischen Slrbeiters binnen kürzester Zeit auf ihr eigenes herab- drücken würde. Die amerikanischen Arbeiter seien deshalb genötigt. sich gegen diese verderbliche Invasion zn wehren, die für das Land größere Gefahren mit sich bringe als der Einfall eines siegreichen Feindes. Wenn wir unseren abweichenden Standpunkt hier zu begründen suchen, so soll dabei nicht von ethischen Forderungen die Rede sein. es soll nicht darauf Gewicht gelegt werden, datz wir die Arbeiter aller Völker und Rasten prinzipiell als gleichberechtigt zu betrachten haben; es soll nicht darauf hingewiesen werden, das; die Eisen- bahnen, die die wirtschaftliche Blüte der amerikanischen West- staaten vermittelte», und die dazu beitrugen, der ganzen Welt die SiahrungSmittel zu verbilligen, gedüngt sind mit dem Blut und den Knochen zahlloser chinesischer Slrbeiter, die bei ihrer Slnlage zu Tode gerackert wurden. Die Frage soll hier ganz nüchtern und sachlich erörtert werden, vom praktischen Standpunkt, wie eS der Amerikaner verlangt. Vor allem ist da festzuhalten, datz Genosse Bergcr nur seinen individuellen Standpunkt entwickelt hat; denn die Resolution des letzten amerikanischen Parteitags von Chieago(Mai 1W8) vertagte die endgültige Entscheidung der Frage bis zum »ächslen Parteitag, der erst 1912 stattfinden soll; sie enthält aber in dem entscheidenden Paff'us die ausgesprochene Slblehnung einer Festlegung auf eine Politik der Allönahinegesetze, die Einwanderer um ihrer Rasse willen ausschließe». Hingegen spricht sie sich entschieden Textbuch(das von V. Leo» und 81. B a t l a stammt) wie auch der Komposition eigen. Sie persteht es gut, durch ihre tvechselvollen �Harmonien nn'd Klangfarben die Kontraste und die Stimmung auszumalen und ist von einer beneidenswert straffen Präzision, ohne gerade in besondere künstlerische Höhen zu steigen. S!uii galt eS, die Raffinierlheiten deS genannten Theaters auf eine solche Tragödie anzuwenden. Und was nur immer aufgeboten werden konnte, ist aufgeboten loorden mit allein Effekt und Erfolg. Am wenigsten von Unruhe und Effekt lag in der Darstellung der Hauptrolle durch den Baryton R. H o f b a n e r— um so verdienstlicher, als das Toben des Mördergewisseils leicht zu Unmätzig- leiten in der Durchführung verleitet. Alles Ilebrige war tüchtiges Musikspiel und Mimikipiel und großenteils auch tüchtige Sangeskunst; den mit mancherlei heiklen Aufgaben belasteten Chor nicht zu per- gesse»!_ 82. Notizen. — Der neue Direktor der Siationalgalerie. Zum Nachfolger Tschndis, des hochverdienten Sieorganisators unserer modernen Galerie, der durch Intrigen einer bestimmten Clique von Berlin weggeekelt lvurde, ist der Sekretär der Slkademie der Künste Pros. Ludwig I u st i ernannt worden. Ob der neue Direktor der genehme Mann der Cliane, ob er ein blotzeS ProtektionSkind, ob er ein farbloser Verlegenheitskandidat oder ein berufener und selbstän- diger Organisator ist, lvird erst zu ertveisen sein. Als akademischer Lehrer und vorübergehender Leiter des Städelschen Instituts in Frankfurt hat der 89jährige nichts geleistet, das bestimmend wäre. — Um Bodes Wachsbüste— wie wir vorderhand die angebliche Lionardobüste nenne» sollten— scheint es sehr schlimm zu stehen p denn im„Lokal-Sluzeiger", dem offiziösen Organ der Bode-Clique, beginnt zur Rettung Bodes ein anonymer Bravo seine Manöver. Man erkennt an dem' lächerliche» Deutsch dieses Burschen, datz es derselbe ist, der seinerzeit dtirch unsaubere ivkanöver Tschudi stürzen half.— Inzwischen ist auch die der Büste fehlende Hand von ihrem früheren Besitzer sürS Kaiser-Friedrich-Mnsenm erstanden worden. — Der arme Shaw. Shaw macht den deutschen Kritikern, die durchgängig von englischei» Milien und englischer Art wenig Ahnung zn haben scheinen, allerlei Slöte. Sie messen ihn mit ihrer ästhetischen Elle und finde», datz ihre Elle zn kurz ist. Heillos tverden die Mitzverständniff'e, wenn Kritiker von den Qualitäten eines F. H. im„Lokal-Anzeiger" mit dem Ikollegen Shaw zusammengeraten. Diese lokale Große erweist Shaws„hyper- trophierter Geistreichigkeit" die Ehre, ihr gleichfalls geist- reich zn kommen. Im Tone eines Berliner VergnügungSagenteu. Schnoddrig und überlegen und mit unbestreitbarem Talent. „Situationen(unfreiwillig) humoristisch zll gestalten". Denn Kollegen- schaft verpflichtet. Shaw lvird das am Ende vertragen können. Aber was müssen die Leser dieses F. H. für eine Vorstellung von dem neuesten Shaw bekommen, wenn sie folgende Inhaltsangabe verletzt bekommen:„Barbaras Vater wird sich die ganze Heilsarmee kaufen, und dann wird Barbara den Ilnstnn ihrer Begeisternng einsehen und mit ihm und den ihrigen helfe», seine Kanonenfabril zu immer höhere»t Gewinn zu steiger n." WaS für eine musterhafte, echt bürgerliche Tochter, offenbar da? Ideal von F.]!.: sie hilft im Geschäft. gegen die Zulassung von Einwandevern ans, deren Reise irgendwie von dritter Seite bezahlt oder subventioniert ist, die festen Kontrakt haben oder durch Versprechungen usw. ins Land gelockt wurden. So weit steht also diese Resolution mit den Beschlüssen des Stuttgarter Kongresses in Einklang. In der erregten Debatte, die dem Beschluß vorausging, vertraten allerdings verschiedene Delegierte den Stand- Punkt, den hier Berger einnahm; dieser blieb aber durchaus nicht unwidersprochen und erlangte auch wenigstens vorläufig nicht den Sieg. Die Endentscheidung soll ja erst fallen. Die Vorwürfe, die den Ostasiaten gemacht werden, sind vor allem ihre ni.-oere Lebenshaltung und ihr Mangel an OrganisationS- fähigkcit. ES ist nicht zu leugnen, daß beiden Beschuldigungen eine gewisse Berechtigung zukommt. Aber damit ist nicht gesagt, daß die daraus gezogenen Schlüge berechtigt sind. Wir haben nnlängst gehört, daß sich die japanischen Arbeiter Chicagos über die Lohndrückerei der Griechen beklagen, die sie unter- bieten. Genosse Bergcr hat selbst das furchtbare Elend geschildert, das heute unter den slowakischen, sizilischen, rusfisch-jüdischen, tau- kasischen usw. Einwanderern in Amerika herrscht, er hat gezeigt, wie sie sich gegenseitig unterbieten bis zu Löhnen, die tief unter dem Existenzminimum liegen, wie sie sich zu den scheußlichsten Erniedri- guugcn hergeben, um nur wenigstens diese Arbeil zu ergattern. Ist diese Konkurrenz für den amerikanischen Arbeiter nicht ebenso ge- fährlich und verderblich wie die der Ostasiaten? Tatsächlich melden sich auch bereits in Amerika, ja in der Partei, Stimme», die auch Verhinderung der südeuropäischen Einwanderung fordern. So hat an jenem Parteitag Genosse Miller aus Kolorado bereits Japaner und Griechen in gleicher Weise als Lohn- drnckcr bezeichnet. Wenn nun wirklich, wie Berger auf Grund der Statistik und eigener Erfahrung behauptet, die Löhne in Amerika in raschem Sinken begriffen sind, dann wird man bald nicht mehr dabei Halt machen wollen, die Griechen auszuschließen, dann kommen die Mazedonier, Montenegriner, Russen, Polen, Litauer, Slowaken usw. usw. Wo ist da ein Halten Gesetzt nun den Fall, es gelänge den amerikanischen Arbeitern, die Eiilwanderung aller dieser Völker durch Gesetz zu verbieten, wo- zu allerdings nicht die geringste Aussicht ist. Was wäre die Folge? Die Macht der Kapitalisten und ihrer Organisationen ist in Amerika im raschesten Wachstum begriffen. Demgegenüber sind die aristo- kratischcn Gewerkschaften, wie Genosse Berger so anschaulich dar- gelegt hat, im Niedergang begriffen. Sie sind jetzt bereits gezwungen, sich der Organisierung der.Ungelernten" mit Eifer zu- zuwenden, die sie bisher ignorieren zu können glaubten. In de» Schwierigkeiten, die sie dabei finden, rächt sich bereits die Beschränkt- heit ihres Systems. Wie wäre es aber, wenn durch die Gesetzgebung selbst dafür gesorgt wurde, daß jederzeit Zehntausende unorganisierter und vielfach unzivilisiertcr Proletarier nur darauf lauern, daß die künstlich errichtete Schranke fällt, damit sie sich in vollem Strom in das Land ergießen und alle Organisationen zertrümmern können? Oder glaubt Genosse Berger, der Kapitalismus und seine Politik werden so bald aufhören,?n Rußland und Ungarn, auf dem Balkan und in Süditalien, in Spanien und China die Bauern von der Scholle zu ver- treiben und sie zu zwingen, ihre Haut um jeden Preis zu Markt zu tragen? Daß es aber möglich wäre, eine solche gesetzliche Schranke auch dann noch aufrecht zu erhalten, wenn zwischen den amerikanischen und den ausländischen Löhnen für ungelernte Arbeit eine größere Spannung besteht, das wird wohl Gen. Berger kaum behaupten wollen. Bis dahin aber wären die amerikanischen Gclverkschaften und mit ihnen die Partei vollkommen in die Händx der Trustmagnaten und ihrer politischen Handlanger gegeben, die sie mit der blosjm Drohung der Oeffnung der Grenze jederzeit ins Bockshörn jagen konnten. Daß sie sich gegen die Sperrung der chinesischen Einwanderung bisher nicht stärker gewehrt haben, rührt einfach daher, daß ihnen die Brutalität deS europäischen Kapitalismus und seiner Re- gierungen und die Beschränktheit der amerikanischen Gewerkschaften das billigste AuSbeutnngsmatsrial auch sonst reichlich zur Verfügung stellten. AlS die Chinesen zum Bahnbau gebraucht wurden, war keine Rede von Beschränkung. Gelänge es aber selbst auf diese Weise das Lohnniveau hoch- zuhalten, dann würde die Folge eintreten, die bereits aus dem amerikanischen Parteitag von verschiedenen Rednern erwogen wurde: das Kapital Ivürde vielfach auswandern. Fabriken, die sonst in Amerika errichtet wurden, werden nun in China, dem Lande der unbegrenzten Äusbeutungsmöglichkeiten, errichtet. Das Proletariat dazu ist dort vorhanden, seit das eindringende Kapital unzählig» Existenzen entwurzelt hat. In Shanghai ragt bereits ein Wald von Schornsteinen empor. Was sollte das amerikanische Kapital hindern, weitere Anlagen auf chinesischem Boden vor- zunehmen? Der weise Einwand eines Delegierten, daß Kohlen- und Eisenminen nicht verpflanzt werden können, wurde schon auf dem Kongreß mit dem Hinweis auf die reichen Naturschätze Chinas er- ledigt, die nur der Ausbeutung harren. Doch wird es gar nicht so weit kommen. Denn ob das Land abgeschlossen wird oder nicht, das amerikanische Kapital wird im eigenen Lande stets genug Arbeits- sklavcn finden. Die Abschließung würde nur zu einer Versumpfung der Partei- wie der Gewerkschaftsbewegung führen und zu ihrer Abhängigkeit von den politischen Drahtziehern. Nun sagt man aber, daß sich der gelbe Arbeiter mit dem weißen nicht aus eine Stufe stellen lasse, vor allem tveil er viel unsprnchs- loser sei. Solange die amerikanischen Löhne auch für ungelernte Arbeit hoch ivaren, hatte dieser Einwand noch eine gewisse Be- rechtigung, die sich allerdings gegen die südenropäische Einwanderung ebenso wandte. Seitdem aber der ungelernte Arbeiter auch in Amerika auf das Niveau des Existenzminimums herabgedrückt ist, erscheint dieses Argument auf den ersten Blick als hinfällig. lieber die Leistungsfähigkeit und Genügsamkeit der Asiaten herrschen vielfach geradezu abergläubische Vorstellungen. Es wird dabei vielfach ganz vergessen, daß kein Organismus auf die Dauer mehr Energie in Arbeitsleistung verausgaben kann, als er in der Nahrung einnimmt. Dieses Gesetz macht vor keiner Rasse halt. Und trotzdem waren und sind vielfach die Löhne der Asiaten noch niedriger als die der Weißen. Diese Tatsache steht fest und sie ist unschwer zu erklären, allerdings nicht mit Rassentheorie». Eine Ursache dieser Erscheinung hat Genosse Berger selbst hervorgehoben, indem er auf die fürchterlichen Wohnungsverhältnisse hinwies. Tatsächlich wohnten nach Angaben von Sartorius v. Waltershausen in San Francisco oft 30—40 Chinesen in einem Raum, und 25 000 Chinesen bewohnten 6— 0 Häuserblocks, während dieselbe weiße Be- völkerung etwa 75 Blocks gebraucht hätte. Aber sind diese Ver- hälmisse etwa bei den Slotvaken, Mazedoniern und den anderen „Hunnen" in Amerika viel besser? Ganz anders steht die Frage der Beköstigung. Wie nach physiologischen Gesetzen zu erwarten, sind die Ansprüche deS gelben Arbeiters in dieser Hinsicht kaum geringer als die des Weißen. Darin stimmt das Urteil verschiedener Sachverständiger übercin. So gibt z. B. Ratzel die Mahlzeiten eines chinesischen Feldarbeiters folgendermaßen an: 1. vor der Arbeit Tee oder gekochter Reis. 2. Zwischen 8 und 9 Uhr Reis, Bohne» und Gemüse. 3. Um llii2 Uhr Reis, Fisch, Gemüse, Erbsen, dazu Reisbranntwein. 4. Zwischen 3 und 4 Uhr Fadennudcln und grünes Gemüse. 5. Um 6 Uhr abends Erbsen, Gemüse, Schweinefleisch, zuweilen Eier, dazu Branntwein. Leider sind hier allerdings die Quantitäten nicht angegeben; aber selbst wenn diese jedesmal nicht sehr groß sind, ist das Essen auskömmlich. Dasselbe behauptet auch z. B. SartoriuS. Was die Chinesen so ge- niigsam erscheinen läßt, ist erstens, daß sie in der Art ihrer Kost von unseren Gewohnheiten abweichen, zweitens aber auch, daß in China selbst die Intensität der Arbeit und somit auch der Verbrauch von Nahrungsmitteln unvergleichlich geringer ist als besonders in Amerika. Sollen sich die Ostasiaten aber der kapitalistischen Arbeits- raserei anpassen, dann müssen sie sich auch nach europäischer Art nähren. Ein sprechender Beweis dafür ist, daß selbst die japanische Armee- Verwaltung sich der abendländischen Art der Beköstigling anbequemen mußte. Allerdings wird diese höhere Nahrungsmenge dem chinesischen Arbeiter nicht immer geboten; aber darin zeigt sich eben, daß seine Rasse auch keine Wunder verrichten kann, er geht zugrunde. Ans den Gnano-Jnseln sollen bei der mörderischen Arbeit 40 000 Chinesen den Tod gefunden haben; aber Ivie ungezählte Taufende von Leichen europäischer Arbeiter bedecken die Schlachtfelder unserer Industrie! Freilich, wenn man die Gestalten der chinesischen Arbeiter, die auf die Arbeitssuche ziehen, mit denen vergleicht, die den Rückweg an- treten, dann sieht man die Folgen der maßlosen Ausbeutung; aber ist das bei den weißen Arbeitern anders? Wamm ist ein weißer, gut bezahlter Arbeiter in Amerika im Alter von 30—35 Jahren mit seinen Kräften fertig? In den Rasseneigentümlichkciten kann also der Unterschied nicht liegen. Ein Blick auf die Verhältnisse bei uns kann uns aber Aufschluß geben. Wieso kann der italienische, der polnische Wanderarbeiter so oft den deutschen unterbieten? Nicht nur infolge seiner geringeren Ansprüche an Kleidung und Wohnung, sondern hauptsächlich, weil er nur für sich selbst zu sorgen hat und nicht zugleich für eine Familie. Ebenso liegt der Fall bei den Ostasiaten. Während der Mann aus- wandert, besorgt das Weib zu Hause das kleine Stück Feld oder Garten, oder sie geht in Dienst oder Arbeit, kurz sie bringt sich und die Kinder mehr schlecht als recht durch. Bon Zeit zu Zeit schickt ihr der Gatte vielleicht eine Unterstützung, bis er endlich nach Hause kommt, oft krank und zermürbt: aber er bringt die Ersparnisse, mit denen die Hypotheken getilgt oder ein Kram- laden gekauft oder sonstwie eine Existenz gegründet werden kann. Nach Sartorius war das Zahlcnverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Chinesen in der Union während der siebziger Jahre etwa das von 50: 1. Zeittveise war ja den chinesi- scheu Frauen die Einwanderung wesentlich erschwert und auch sonst tut eine kurzsichtige Politik alles, um die Chinesen an der Nieder- lassnng, an der Gründung eines Hausstandes zu hindern. Darf man sich dann wundern, wenn die Männer zusammenwohnen in menschenunwürdiger Gedrängtheit, wenn sie zu Löhnen arbeiten, bei denen der weiße Familienvater verhungert, wenn unter den Chinesen alle möglichen Laster blühen und venerische und andere Krankheiten wüten? Hier liegt einer der Krebsschäden, an denen die ostasiatische Einwanderung krankt. Der mazedonische Bauer, der russische Jude, alle diese Entwurzelten des Kapitalismus und Despotismus gehen in der Regel über das große Wasser, um eine neue Heimat zu finden, in der sie leben, wo sie gleichberechtigte Bürger werden und Kinder aufziehen können. Dem Ostasiaten ist all das verwehrt. Und da wundert man sich, wenn er dem weißen Mann feindlich gegenüber steht, wenn er ihn aus dem Felde zu schlagen sucht, ihn unterbietet und verdrängt. Und wie ivird der Asiate behandelt! Wer je eint» Schiffs- transport dieses gelben Arbeitsviehs mit angesehen hat, vergißt dieses Bild nie Ivieder. Vieh kann und darf man iffcht so be- fördern, denn es hat Wert; das Menschenleben nichts Auf den Transporten von China nach Siid- Amerika sollen nach SartoriuS durchschnittlich 10 Prozent der Chinesen krepiert sein. Nach mündlichen Angaben von Schiffsoffizieren sollen die Verhältnisse bei stürmischen Ueberfahrten manchmal noch weit schlimmer sein. Aus der kurzen Strecke von Singapore nach Hong- kong starben aus dem Schiff, mit dem auch ich fuhr, von 1200 Chinesen drei, und dabei waren die Witterungsverhältnisse die best- möglichen. Und wie wird der Kuli dabei noch ausgebeutet! Dieses Tränsportgeschäft liegt seit alters her ganz in den Händen chinesischer Kompagnien, die die Arbeiter anwerben und. ihnen die Ueberfahrt vorstrecken. Dabei beuten sie sie in der schamlosesten Weise aus. So berichtet Sartorius, daß chinesische Arbeiter sich verpflichten mußten, der Gesellschaft für die Ueberfahrt nach Kalifornien 100 bis 150 Dollar zu bezahlen, während diese an das Schiffsunternehmen nur 25—40 Dollar pro Mann bezahlten. Direkt mit den Kulis verkehren durften die Schiffahrtunternehmungen nach dem Kontrakt nicht. Natürlich mutzten die Chinesen diese Wucherschulden in Amerika abarbeiten, sie kamen daher aus der Schuldsklaverei gar nicht heraus. Ihre blutsaugerischen Ausbeuter verhinderten jede freiere Regung und behielten sie in ständiger materieller und geistiger Knechtschaft. Zu deren Aufrechterhaltung dienen überdies noch die Spiel-, Opium- und andere Laslerhöhlen. Der Arbeiter, der dieser Fron verfallen ist, ist für die freie, selbständige Organisation natürlich verloren. Und trotz alledem hat es selbst unter den chinesischen KuliS in Amerika Organisationen gegeben, die Streiks erfolgreich durchführten, ja sogar Konsum- und Produktivgenossen- schaften ins Leben riefen. Unter de» japanischen Arbeitern liegen die Verhältnisse über- Haupt günstiger. Wenn Genosse Berger die Behauptung aufstellte, es beständen überhaupt keine japanischen Arbeiterorganisationen, so ist er im Jrrtuin. Das beweist schon die sanatische Wut, mit der die japanische Regierung die Arbeiterbewegung ihres Landes be- kämpft. In wiederholten Streiks haben die Proletarier dort ihre Schlagkraft bewiesen. Daß sie aber auch im Auslände verstehen solidarisch auszutreten, das wurde erst kürzlich in der„Neuen Zeit" an dem Beispiel der Sandwich-Jnseln gezeigt. Daß sich der gelbe Mann nicht leicht mit dem weißen in einer Organisation zusammen- findet, und daß er sich noch mehr gegen Versuche ablehnend verhält, ihn ohne Kenntnis seiner Bedürfnisse und Eigenart von oben her zu reglementieren, das ist nur zu begreiflich, wenn man bedenkt, wie bisher der Weiße, und leider auch der weiße Arbeiter, ihm entgegen- gekommen ist. Wir halten daher auch heute an dem Programm fest, da» der Stuttgarter Kongreß aufgestellt hat: Kein Ausnahmegesetz gegen irgend eine Rasse; aber ausgiebiger Schutz der Einwanderer gegen eine selbst im Rahmen des Kapitalismus unerhörte Ausbeutung. Im Jahre 1855 hat die kalifornische Gesetzgebung für jeden chinesischen Passagier an Bord eines Segelschiffes einen bestimmten Luftraum als Mindestmaß normiert. Im Jahre 1870 verlangte die nEudivnir-Llräioauoo" in Kalifornien für jede Person einen Luft- räum von mindestens 500 Kubikfuß zum Wohnen und Schlafen. Diese beiden Gesetze wurden damals gemacht, um die chinesische Ein- Wanderung zn verhindern und dabei nicht gegen die Konstitution und die Staatsverträge zu verstoßen. Waruin werden sie nicht durch- geführt■ oder in vernünftigem Sinne zmn Vorteil der Menschen ge- wendet, zu deren Ausschließung sie ursprünglich bestimmt waren? Hier zeigt sich für die amerikanische Arbeiterbewegung ein würdiges Ziel. WohnungS- und Sanitätsgesetze und ihre wirkliche Durch- führung; Arbeitcrschutz. Maximalarbeitstag und eventuell Minimallohn; Schiffahrtspolizei und Herbergswesen; Unterstützung der Organisationen und Zeitungen dies- und jenseits des pazifischen Ozeans, das ist der Weg, den der Internationale Kongreß gewiesen hat, dem dort auch die amerikanischen Delegierten zugestimmt haben. Dadurch würde zugleich die Lohndrückerei verringert und der gelbe Arbeiter zur Organisation und zum Anschluß an seinen weißen Schicksalsgenossen herangezogen werden. Am Sckluß seiner Ausführungen zur Kulifrage rief Genosse Berger:„Wenn auf der einen Seite das letzte I-Tüpfelchen des Marxismus steht und auf der anderen Seite Wohl und Wehe von Weib und Kind, dann entscheide ich mich gegen die Doktrin." Aber so steht die Frage nicht, die dann allerdings keinen Augenblick zweifelhaft wäre; sondern die Frage lautet: „Sollen wir einem Augenblick-änteresse die Zukunft opfern?" Haltendes die Führer der amerikanischen Arbeiterbewegung für keine Gefahr, den Rassenstandpunkt in den Vordergrund zu schieben, den Rassenkampf zu enifesjcln in einem Lande, in dem es Hundert- tausende schwarzer Arbeiter gibt und in dem das Klassenbewußtsein noch kauin sich zu regen beginnt? Und glauben sie einen Rassenhaß, der sich heute schon so oft in Pöbelexzessen äußert, dann auf eine Raffe beschränken zu können? Niedergehende Klaffen mögen sich zu der Devise bekennen: „Nach uns die Sintflut I" Das Proletariat hat alle Ursache, seine eigene und damit die Zukuuft der Menschheit zu wahren. /Zus dcv Partei. Vorn Fortschritt der Presse. Firmenträger und Preßkommission der..Schlesw.-Holst. Volks-Zeitung" haben schon vor längerer Zeit beschlossen, einen vierten Redakteur anzustellen. Am letzten Sonn- tag haben nun beide Körperschaften als Redakteur den Genoffen H e n s che l- Berlin gewählt. Genosse Henschel wird sein Amt wahrscheinlich am 15. November antreten., Die Erfurter..Tribüne" und ihr Kopfblatt „Thüringen" haben mit Anfang November 625 neue Abon- n e n t e n gewonnen. Personalien. Zum Arbeitersekretäc in Halle wurde Genosse K l e e i s, Ortslrankenlassenbcamter in Würzen, gewählt. Unsere Toten. Im 02. Lebensjahre starb am Dienstag zu Effen der Schneider Fritz Rempe, ein Partei- und Gewerkschaftsveteran, einer der ältesten Vorkämpfer der modernen Essener Arbeiterbewegung. In den achtziger Jahren— unterm Ausnahmegesetz— hat Rempe unserer Partei große Dienste geleistet und der Essener Polizei als Verbreiter des„Sozialdemokrat" manche Nase gedreht. Seit einer Reihe von Jahren zwang den Genossen Rempe das Alter und körpcr- liche Gebrechlichkeit(er ging an zwei Krücken), sich von der Partei- arbeit fernzuhalten. Er lebte zurückgezogen, nahm aber regsten geistigen Anteil am Leben unserer Partei. Die Essener Genossen haben ihren alten„Hochverräter" am Sonnabend unter großer Beteiligung zu Grabe gebracht. Sein Andenken wird in Ehren gehalten werden. kZoUreUiches, Gerichtliche» ukw. Wahrnehmung berechtigter Interessen und das„Mas? des Erlaubten". Wegen Beleidigung des Rittergutsbesitzers Holtz in Schwetztow(Kreis Stolp) hatte sich Genosse M e h l i ch- Stettin vor dem Stolper Schöffengericht zn verantworten. Tie Beleidigung wurde in einem'„Skandalöse Behandlung von Landarbeitern" be- titelten Artikel gefunden. In Schwetzkow ivaren einige galizische Arbeiter und Arbeiterinnen von dem Besitzer Holtz, als sie ihren Lohn und ihre Kaution verlangten, geschlagen, mit dem Re- volver bedroht und gewaltsam vom Hofe gebracht worden. Diese Behandlung hatte der Stettiner„Bolksbote" gekennzeichnet, und deshalb fühlte sich der Agrarier beleidigt und verlangte durch seinen Anioalt eine Sühne, die im G e fä n g n i s bestehen sollte, denn den Blättern vom Schlage des„Volksboten", des„Voriuärts" und der——„Wahrheit" müsse gezeigt werden, daß es für.. Artikel, die die Massen aufreizen und die Bloßstellung von Privat- leuten betreiben, in Hinterpommern eine gercckfte"Strafe gebe! Natürlich blieb Genosse Mchlich die Antwort auf dies« Anrempe« lnng nicht schuldig und erteilte dem Herrn Rechtsbeistand eine Belehrung, auf die er ivohl nicht gefaßt war. Daß Holtz galizischcn Arbeiterinnen„mit einem Spazierstock auf die Finger geklopft" habe, gab er selber zu. Wie in der Verhandlung aber festgestellt wurde, war der„Spazierftock" ein strammer Jnspektorknüppel. und von dem Auf-die-Finger-klopfen hatten die Mädchen fingerbreite Kopfwunden davongetragen! Daß er mit dem Revolver ge- droht habe, entschuldigte Holtz mit angeblicher„Notwehr". Das Gericht verurteilte Mehlich zu 150 M. Geldstrafe mit der Begründung: daß man wohl trotz Reichsgerichtscntscheidung auf dem Standpunkt stehen könne, der Angeklagte habe in Wahr- nehmung berechtigter Interessen gehandelt; er sei aber in der Form über das Maß des Erlaubten hinausgegaiigcn. Die Position des Genoffen Mchlich wurde leider im Prozesse nicht unwesentlich dadurch in»ngünstigem Sinne beeinflußt, daß ein Parteiblatt(„Volksblatt für Anhalt"), das die Notiz wesentlich abgeschwächt abgedruckt hatte, auf die von Herrn Holtz erhobene Privatklage hin ohne weiteres„petcr peccavi" sagte und nach dem Wunsche des Klägers zu Kreuze gekrochen war. Hus Induftnc und Handel. Verdrängung der reinen Werke. Die Erzeugung von Feinblechen gehörte bislang noch zu den alleinigen Betriebszweigen der reinen Feinblech-Walzwcrke. Nur das Eisen- und Stahlwerk Hösch in Tortniund, sowie das Härder Walzwerk der A.-G. Phönix erzeugten bisher schon Feinbleche. Demnächst werden aber auch andere große Hüttenwerke Walzen- Straßen für die Erzeugung sowohl von Grob- wtb von Feinblechen anlegen. Als einziger Gegenstand der Erzeugung dürsten für die reinen Blechwalzwerke nur noch dünnere Feinbleche in Frage kommen. Die großen gemischten Werke werden sich aber auch noch dieses Erzeugungszweiges allmählich bemächtigen und dadurck, die „reinen" Walzwerke zur vollständigen Einstellung des Betriebes nötigen. In der letzten Hauptversammlung des Baroper Walz- Werkes empfahl ein Aktionär, jede sich darbietende Gelegenheit zur Angliederung an ein gemischtes Walzwerk zu ergreifen, da er darin die einzige Möglichkeit erblicke, das Werk aus seiner ungünstigen Lage zu befreien._ Rückgang des Stahlvcrsands. Nach vorläustger Feststellung stellt sich der Gesamtversand des Stahlwerksverbandes für den Monat Oktober auf 422 000 Tonnen gegen 438 901 Tonnen im Lormouat. Es entfallen hiervon auf Halbzeug 133 000 Tomieit(im Vormonat 130 487 Tonnen), auf Eiseiibahnniaterial 159 000 Tonnen<105 225 Tonnen) und auf Fornieise» 130 000 Tonnen(137 192 Tonne»). Insgesamt ergibt sich ein Rückgang von rund 17 000 Tonnen. Eine Bestätigung des vielfach behaupteten stärkeren Begehrs kann man in dem Versandrückgang kaum erblicken. Bterkneg. Im Erzgebirge und im Gersdorf- Lnganer Kohlen- revier hat der Bierkrieg nun schärfere Formen angenommen, da die Wirte an Stelle der Vierzehntelgläser SVz Zehntel eingeführt. Die Chemnitzer freien Gastwirte lehnten den Borschlag des Akiions- auSschusses, vier Zehntel Lagerbier für 10 Pf. zu verkaufen ab. Es kosten jetzt 3'/z Zehntel 15 Pf. Selbstverständlich gehl der Bier« verbrauch stark zurück. In Plauen im Vogtlande ist der Bierverbrauch in den letzten drei Monaten um nahezu 4000 Hektoliter zurück- gegangen. In derselben Zeit wurden an städtischer Biersteucr über 2000 M. weniger eingenommen. Ein großer Teil der sächsischen Arbeiterschaft hat den Schnapsgenuß vollständig eingestellt. Roheisenproduktion. Nach den Ermittelungen des Ve reinS Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Noheisenerzengung in Deutsch- land und Luxemburg während des Monats Oktober 1909 insgesamt 1 113 7S3 Tonnen gegen 1 008 345 Tonnen im September 1909 und 941 582 Tonnen itn Oktober 1008. Die ErzeliWng wöbrend der Monate Januar bis Ollober 1909 stellte sich ans 10 022 800 Tonnen gegen 9 860 247 Tonne» in dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres. Rentabilität in der Maschinenindustrie. Von einer gröberen Zahl Maschinenfabriken, oie ihr Geschäftsjahr mit dem 30. Juni ab- schlietzon, liegen die Geschäftsergebnisse für das Jahr 1908/09 nun- mehr vor. 24 Maschinenfabriken mit einem Aktienkapital von ins- gesamt 48.40 Millionen Mark erzielten in diesem Geschäftsjahre einen Reingewinnüber schütz von 6,88 Millionen Mark. Der Gewinn ist um annähernd 1 Million Mark hinter dem vorjährigen zurückgeblieben. 19 Gesellschaften mit einem Aktienkapital von ins- gesamt 45.80 Millionen Mark verteilten im Jahre 1908/09 auf ihr Kapital 3,55 Millionen Mark Dividende, während sie 1907/08 3,97 Millionen Mark verteilt hatten. Vom Tapetentrust. In der Tapetcnindustrie ist es nunmehr zur Einigung zwischen dem Trust,„Tiag" genannt, und den übrigen Tapetenfabriken gekommen; jetzt ist man dabei, den Konsumenten die Zeche zahlen zu lassen. Welche Summen da in Frage kommen, zeigt recht deutlich der Jahresabschlutz der Tapetcn-Jndustrie- Aktien-Gcsellschaft. Bei einem Aktienkapital von 16 Millionen Mark ergibt sich für das zweite Geschäftsjahr ein Verlust von 492 000 Mark. In Wirklichkeit sind aber die Summen, die jetzt durch die Einigkeit der Produzenten wieder herausgebracht werden sollen, bedeutend höher. Ter Gewinnvortrag des Jahres 1908 in der Söhe von 336 000 Mark und ebenfalls der Reservefonds von rund 30 000 Mark ist mit draufgegängen, also ergibt sich allein bei der„Tiag" im ganzen ein Verlust von rund 858 000 Mark. Dazu kommt noch eine Bankschuld von 4L Millionen gegen 2,7 Millionen im Borjahr. Dänach kann nian ermessen, was die Herrschaften nun, da der Konkurrenzkampf beendet ist, an den Tapeten verdienen wollen. Die Gewinnung von Petroleum auf der ganzen Erde betrug im Jahre 1908 38 052 233 Tonnen(zu je 1060 Kilo) gegen 35 032 235 Tonnen im Jahre 1907. 63 Proz. dieser Gewinnung entfallen auf die Vereinigten Staaten von Amerika, 21,75 Proz. auf Rußland, 4,01 Proz. auf Galizien und 3.02 Proz. auf Rumänien. Ein Wcltmonopol in der Sridenfarberei. Die Firma Gillet trat vor einiger Zeit bereits mit der großen Seidenfärberci Weidmann in Paterson in Amerika wegen Erwerbs dieser Unternehmungen in Verbindung� Der„Confectionair" hört nun, dah ein Abschluß jetzt erfolgt sei. Gillet habe nunmehr die Wcidmannsche Färberei endgültig erworben. Dazu wird noch mit- geteilt: Die Weidmann Silk Thing Cie. in Paterson ist die zweitgrößte Seidenstrangfärberei der Welt, bei guter Konjunktur beschäftigt sie etwa 1600 Arbeiter in Schwarz und Couleuren. Die drittgrößte Seidenstrangfärbcrci der Welt ist die 1000 Arbeiter zählende Färberci-A.-G. Weidmann in Thalwil am Züricher S«. Em der Frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 17. November, nachmittags 3 Uhr, im„Reuen Klubhaus, Kommandantenstr. 72: Vortrag des.Herrn Dr. Alfred Guttmann: „Von Johann Sebastian Bach bis Richard Strauß." Dieser Bor- trag dient zur Einführung in die vom Verein veranstalteten drei Konzerte, deren erstes am 21. November im Choralion-Saal, Belle- vuestratze 4. stattfindet und folgendes Programm hat: 1. Z-occata und Fuge T-Moll für Orgel(Herr Professor Egidi). 2. Zwei Arien aus Cantaicn für Tenor-Solo(Herr Kammersänger Äalweit). 3. Sonate für Violoncello(Herr Professor M. Loewensohn). Kam- Positionen von Johann Sebastian Bach. 4. Vier Lieder für Sopran (Fräulein Orloff). 5. Variationen über das Thema„Ich bin der Schneider Kakadu" für Violine. Cello auch Klavier.(Herren Loewensohn, Kestenberg.) Kompositionen von Beethoven. Billetts ä 50 Pf. sind zu haben im Verein, bei Frau Jordan, Lübecker Straße 43, Frau Klotzsch, Fichtestr. 1, Frau Kulicke, Prinzenstr. 102. Verband der Hausangestellten. Sonntag, den 7. November, in den„Jndustrie-Festsälcn", Beuthstr. 20 I: Tichter-Abend.— Mitwirkende: Fräulein Käte Lurenz(Sopran), Vortrag von Dichtungen: Fräulein Waith Kussel, Klavierbegleitung: Frau Berta Stahl-Bcck. Eröffnung 0 Uhr, Anfang 7 Uhr. Die Arbeiterschaft ersuchen wir, alle ihr bekannten Hausangestellten auf diese Veranstaltung auf- merksam zu machen und auch selbst daran teilzunehmen. Bund für Mutterschutz. Die bereits angekündigte Künstler-Ver- anstaltung findet nicht, wie zuerst geplant, Sonntag(heute) abend, sondern mittags 12 Uhr im Bechstein-Saale statt. Gericbts- Leitung. Meincidsprozeß Lisser. Nach langausgedchnter Beweisaufnahme beantragte der Staats- anwalt, die Frage ob schuldig des wissentlichen Meineides zu bejahen. Die Geschivvrenen verneinten jedoch, den Ausführungen des Verteidigers Rechtsanwalt Kantorowicz folgend, die Schuld- frage. Angeklagter wurde auf Grund dieses Votums freigesprochen. Der HauSeinskurz in Charlottenburg vor Gerichr. Mitte August v. I. erfolgte bekanntlich in Charlottenburg am Königsweg der Einsturz eines kurz vor der Vollendung stehenden Neubaues, bei welchem mehrere Maurer schwer verletzt wurden. Es handelte sich um einen von dem Architekten Noloff ausgeführten Neubau, der schon bis zum vierten Stock gediehen war. Die Ar- beitcn auf dem Bau waren in vollem Gange, als plötzlich die Mauern ins Wanken gerieten und der Einsturz der Fassade erfolgte. Durch den Einsturz wurden mehrere Arbeiter von den Steinmassen mitgerissen und erlitten schwere Verletzungen. Ter Neubau wurde von der Behörde sofort gesperrt und gegen den Bauherrn und den bauausführendcn Maurermeister ein Ermittelungsvcrfahren ein- geleitet. Beide, der Architekt Noloff und der Maurermeister Habe- dank, hatten sich nun gestern wegen fahrlässiger Körperverletzung und wegen Vergehens gegen den Z 350 des Strafgesetzbuches(Ver- stoß gegen die anerkannten Regeln der Baukunst) vor dem Schöffen- gericht in Charlottenburg, zu verantworten.— Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß der Einsturz, wie wir sofort nach dem Unfall ausführten, teils durch schlechtes Material, teils durch die schlechte Beschaffenheit des Bangrundes herbeigeführt worden war. Es wurde ferner festgestellt, daß auch die Beschaffenheit des Mörtels, trotzdem dieser von einer ersten Firma stammte, Mangel- Haft war. Das Gericht erkannte gegen Noloff auf Freisprechung, dagegen wurde Habedank zu 150 M. Geldstrafe verurteilt, da er als Fachmann das verwendete Material als ein zu einem sachgemäßen Bau nicht geeignetes unbedingt habe erkennen müssen. Die Messenger-Boy-Jnstitute als Privatpost. Das Reichsgericht entschied am Freitag in einer Strafsache gegen eine Reibe An- geklagter aus Breslau, daß ein Mcfseiiger-Bov-JnstiMt als Privat- post betrachtet werden kann. In den llrteilsgriinden heißt es: Dar- über, daß ein Dieiistmannsinstitut nickt ohne weiteres den Betrieb einer Privaipost darstelle, bestehe allerdings kein Zweifel, dagegen sei es sehr loohl möglich, den Betrieb eines Dienslinannsinstitnts in einer Weise zu organisieren und über seinen eigentlichen Zweck mi§- zudehnen, daß der Begriff der verbotene» Privatpost gegeben ist. Eine solche F e st st e I l u» g sei in dem entschiedenen Falle vom Landgericht ohne Rechtsirrtum getroffen. Der Reichsanwalt halte Freisprechung der Revidenten deantragt, weil beider Ilebernahine der Privaiposte» durch das Reick, ausdrücklich das Fort- bestehen von DienstmannSinstiiuten als zulässig anerkannt war. Das ergangene Erkenntnis bedroht die Existenz dieser Institute stark. So- bald der Wortlaut des Erkenntnisses uns zugänglich wird, gedenken wir auf die Frage zurückzukommen. CClodien- Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernbaus. Sonntag: Migno». Montag: Die Walküre.(An- a»g 7 Uhr.) Dienstag: Versiegelt. Bohvm«. Mittwoch: Der Barbier von Sevilla. Donnerstag: Siegfried.(Anfang 7 Uhr.) Freitag: Zar und Zimmermann. Sonnabend: Die Hugenotten. Sonntag: Don Juan. Mon- lag: tAötterdäininerung.(Ansang'Lß., Uhr.) Künigl. Schauspielhans. Sonntag: Mittags-Konzert: Der deutsche König. Montag: Der cinaebildeie Kranke. Dienstag: Der deutsche König. Mittwoch: Die Glocke. Wallensteins Lager. Donnerstag: Die Räuber. Freitag: Der deutsche König. Sonnabend: König Richard III. Sonntag: Mittags: Matinee. Abends: Der deutsche König. Montag: König Richard III. Steueö königl. Opern-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Abends: Der Evangelimann.(Ansang 7'i, Uhr.) Nächsten Sonntag: Bohäme. Deutsches Tbcater. Sonntag und Montag: Hamlet.(Ansang TL Uhr.) Dienstag: Ein Sommernachlstrauin. Mittwoch: Don Carlos.(Ansang 0 Uhr.) DomierStag: Die Räuber. Freitag, Sonnabend und Sonntag: Don Carlos. Moniag: Kabale und Liebe. - Deutsches Theater..(K a m m e r s p i« I e). Sonntag, Wontag und Dienstag: Major Barbarn. Mittwoch: Frühlings Erwachen. Donnerstag: Major Barbara. Keitag: Frühlings Erwachen. Sonnabend und Sonntag: Major Barbara. Montag: Clavigo. Lessing-Thenter. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der Raub der Sabincrinncn. AbendS: TantriS der Narr. Montag: RoSmcrSholm. (Ansang T'/j Uhr.) Dienstag, Mittwoch mid Donnerstag: Tantris der Narr. Freitag: Die Gesähriin. Hanneies Hiinmelsahrt. Sonnabend: TantriS der Narr. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der König. Abends und Montag: Tanwis der Narr. Berliner Theater. Sonntag»achmitlags 3 Uhr: HerodeS und Manamne. SlbendS, Montag und Dienstag: Hobe Palitik. Mittwoch nach- mittags 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Abends, Doniierstag und Freitag: Hohe Politik. Sonnabend nachmittags 3 Uhr: Minna von Barnhelm. Abends: Hohe Politik. Sonntag nachmittags 3 Uhr: HerodeS und Mariamne. Abends: yohc Potitik. NeueS Theater. Sonntag: Der letzte Kaiser. Montag, Dienstag und Mittwoch: Der Dieb. Donnerstag und Freitag: Wahrheit. Sonn- abend: Der Dieb. Sonntag: Wahrheit. Montag: Der Dieb. �Ansang 6 Uhr.) Hebbel-Theater. Bis aus weiteres täglich: Der Skandal.(Ansang 8 Uhr.), Neues Schauspielhaus. Sonntag bis Donnerstag: Maria Stuarl. Freitag: DaS Excinpel. Sonnabend: Der lateinische Esel.(Ansang 7'/., Uhr.) Sonntag: Der lateinische Esel. Montag: Maria Stuart.(Ansang 8 Uhr.) Komische Oper. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Tiesland. Abends: Der polnische Jude. Montag: Tiesland. Dienstag: Der pvliiischc Jude. Mittwoch: Allserstehung. Donnerstag: Der polnische Jude. Freitag: Aus- crstehung. Sonnabend: Der polnische Jude. Sonntag nachmiilags 3 Uhr: Der Wildschütz. AbendS: Der polnische Jude. Montag! Auferstehung. (Ansang 8 Uhr.) Neues OPeretten-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der Zigeuncrbaron. Abends, Montag und Dienstag: Der arme Jonathan. Milltvoch, Donnerstag und Freitag: Die Dollarprinzessin. Sonnabend: Mip Dudcisack.«onittag nachm. 3 Uhr: Der Zigeuncrbaron. AbendS und Moniag: Miß Dudeliack.(Ansang 8 Uhr.) vnstspielhans. Sonntag nachmittags.? Uhr: Familie Schimck. Abends und Montag: Mau soll keine Briese schreiben. Von Dienstag bis Sonn- abend: Der dulitic Punkt. Nächsten Sonntag nachmittags 3 Ubr: Im Klub- scsscl. Abends und Montag: Der dunkle Punkt.(Ansang 8 Uhr.) Theaier des Büestens. Soinilag»achmitttags 3st« Uhr: Die lustige Witwe. BiS aus weiieres täglich: Die geschiedene Frau.(Ansang 8 Uhr.) Nächsien somiiag nachnl. 3'/. Uhr: Ein Walzerlnnun. Nesidenz-Thealer. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Kümmere Dich um Amclie. Allabendlich: Grekchen.(Ansang 8 Ubr.) Kleiurs Theater. Sonntag nachmittags: 2X2-�5. Abends: Hinterm Zaun. Montag: Moral. Dienstag Mittwoch und Donnerstag: Hinterm Zaun. Freilag: Moral. Sonnabend: Hinterin Zaun. Sonntag nachmittags 3 Uhr: 2X2--- 5. Abends und Montag: Hiiitnin Zaun.(Ansang 8 Uhr.) SclnIIrr-Tlieatcr O. Sonntag nachm. 3 Uhr: Macbeth. AbendS: Der Schwur der Treue. Montag: Di« erste Geige. Dienstag: Der Schlvur der Treue. Mittwoch: Don Carlos. Donnerstag: Der Schwur der Treue. Freitag: Die erste(Ocigc. Sonnabend: Der Schwur der Treue. Somiiag »achmitlags 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Abends: Die von Hochsattel. Montag: Der Schwur der Treue.(Ans. 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlotienburg. Sonntag nachmittag» 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Abends: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Montag: Gespenster. Dienstag: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Mittwoch Kabale und Liebe. Donnerstag: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Freitag: Gespenster. Sonnabend: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Macbeth. AvendS: Gefpcnstcr. Moniag: Wallensteins Lager. Die Piecoloiniili.(Ansang 8 Uhr.) Friedrich-Wilhelinstädtisches Schansplrlhaus. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Othello. Abends, Montag und Dienstag: Flachsmann als Er- zicher. Mittwoch: Maria Stuart. Donnerstag, Freitag und Soim-abend: Ftachsinan» als Erzieher. Sonntag iiachmittags 3 Uhr: Othello. AbendS: Flachsmann als Erzieher. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Tell. AbendS: Heimat. Montag: Der Kamps um den Nordpol. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Hennat. Freitag: Inspektor Bräsig. Sonnabend: Robert und Bertram. Sonntag und Montag: Heimat.(Ansang 8 Uhr.ss Bolksoper. Sonntag nachmittags 3'/, Uhr: La Traviata. Abends: Die. Jüdin Montag; Rlgolctto.(Ansang 8'L Uhr.) Dienstag: Der Barbier von Sevilla. Mittwoch: Die Jüdin.(Ansang 80, Ubr.) Donners- tag: Rigoleito. Freitag: Zar und Zimmcrtnaim. Sonnabend: Der Trou- baovur.(Ansang 80, Uhr.) Sonnlag: Die Rcgimentstochter. Montag: Die Hligciiotten.(Ansang 8 Uhr.) Thalia-Theater. Allabendlich: Die ewige Lampe.(Ansang 8 Uhr.) Nosc-TIicatcr. Sonntag nachm. 3 Uhr: Michael Kohlhaas. Abends: Die Rechilosen. Montag: Der Hüttenbesitzer. Dienstag: Die Rechtlosen. Mittwoch: Maria Stuart. Donnerstag: Die Rechtlosen. Freitag: Maria Stuart, Sonnabend. Sonntag und Montag: Die Rechllose».(Ans. 8 Uhr.) Kasino-Theatcr. Somiiag nachmittags 4 Uhr: Familie Klinkcrl. All- abendlich: Onlel Cohn.(Ansang 8 Uhr.) Apvllo-Thratc»:. Sonntag nachmittags 30, Uhr: Der junge Papa. Allabendlich: Eine Haremsnacht. Spezialitäten.(Ans. 8 Uhr.) Büint rgarten. Sonntag nachmittags 30, Uhr und allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Paiiagc-Tbeater. Sonntag: Nachmittags 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäien.(Ansang 8 Uhr.) Wnlballa-Thcatcr. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 3 Uhr.) Palast-Tbeater. Allabendlich: Spezialtläteit.(Ansang 8 Uhr.) Karl Haberland-Thcater. Allabendlich: Spezialitäten. Trianon-Theatcr. Sonntag nachinitlags 3 Uhr: LiebeSgewitter. Mends und bis auf weiteres täglich: Pariser Witwen.(Ansang 8 Uhr.) Gebr. Herrnfeld-Tlieater. Bis aus weiteres täglich: So muß man's machen. Ein ReltnngSmitlel.(Anfang 8 Uhr.) Falles Caprice. Allabendlich: Mobilisierung. Der gewisse Augen» blick.(Anfang 80« Uhr.) Metrovol- Theater. Allabendlich: Hallohl Die große Revue l (Ansang 8 Uhr.) Reichsballen- Theater. Allabendlich: Siettiner Sänger. tAiisaiig 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Ilrastta Theater. Taubenstraße 48/4S. Bis aus weiteres täglich abends 3' Uhr im Wsssenschaitliche» Theater: In den Dolomiten. Im eörsaal: Montag abends 8 Uhr, Pros. Dr. Leß: Das Wetter und seine orauSbestimmung. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—68.• Briefhaften der Redahtion. Tie lurt,'tische Sprechsmade siudet Linden st ratze 3, zweiter Hot, dritter Eingang, vier Trrvpc», Fahrstuhl-HhtzZ wochenlitglun ablnds von bis 91, Uhr statt, titeölsnet 7 Uhr. Sonuadcuds beginnt dir eprrchstundr um V Uhr. Jeder Ansrag« lft«in Buchstabe und eine Zahl als Mrrtzrichru briznftigr». Briesliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung i», Briefkasten tiinurn 14 Tage vergehen. Eilige Fragen trag- man in der Sprechstunde aar. R. iSt. IOO. Eine Berufung gegen dm ablehnenden Bescheid ist lässig, hätte aber nicht unbedingt Aussicht aus Ersolg.— A. SP. i» L. Das Kind kann Ihr Sohn nicht verlangen. Leider bleibt ihm nichts übrig, als zu zahlen. Bo» dem Lohn muß ihm belassen werden, was er sür sich und seine Familie braucht, und er kann gegen den PsäiidnngSbesHluß Beschwerde einlegen, wenn zu viel vom Lohn veschlannahmt ist. Nach richtcr« lichem Ennessen wird damr entschieden, ivclcher Teil von der Lohnbeschlag- nähme srei zu stellen ist.— Emil 8. Für die minderjährigen Kinder kann der Pater die Ansttittserklärung abgeben. Zuständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Batcr wohnt.— Bt. G. IS. Wenden Sie sich in allen drei Aiigclegenheiten zunächst beschwerdesühreud an den Landrat oder an den Regierungspräsidenten uiid teilen Sie uns dann den Bescheid mit. Verlangen] Sic gnxtif Sie brauchen, um elegant gehleidet zu gehen Statt 12 Mk nur 3 Mk bis 4 Mark p. Meter auszugeben für Hosen-. Anzug- u. Paletot-Stolle und finden in kolossaler Auswahl ßaiiien-Kostiim-Stoiro, v neuest« Woll-n. Seiden- Westen-Stoffe, echt engl Stoffe, St oft-Reste" H.SJ.Friedlaender Berlin C, Sprndauap StraB« 40. einrleh SVanck Amt III 4352. llranncngtraBc 185. 8— 7 Uhr geöffnet. Direkt bei der Sumaira-Elnsciireibung vom 15. Oktbr. In Amsterdam kaufte ich roße Posten hociifeiner Deli und langkat Tabake dsc verx. cinüichlielUU'h Wertzoll von H. SJ.— ab. kaafte�ch 5 geschlossene Partien Java ekt i. d. Einsclireibung v. 1. 10. in Amsterdam zuHamnieu 504 Hallen,«owlc diverse ioclifeine biiiige Vorstenlanden Decken. ' diesen großen Offerten erster Hand biete ich derum auch kleinsten Betrieben die Möglichkeit, ihren Bedarf denkbar billigst einzudecken! A s KUnstleris:he] id WandbilOor. Barometer. i-ferrrflAser. �Molioen. Mandolinea Zieh-Hamonikas. Bandonions. 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November 1S09. Eigentumsschu«— Systematijcher Betrug— Selbstschutz— Zunahme des Händlertums— Mindermatz beim Bierausschank— Zuviel Gastwirte— Konsumenteninteressen. Wenn eine arme Witwe etwas Abfallholz stiehlt, damit die frierenden Kinder eine warme Stube bekommen, dann wird sie, läßt sie sich erwischen, twn„Rechts wegen" bestraft. Der von Hunger Gepeinigte, der ein Brot entwendet, wird als Dieb verurteilt: im Namen des Königs! Man sollte meinen, bei solchem Schutz des Eigentums müsse eine systematische, täglich tausendfältig öffentlich ausgeübte Uebervorteilung unmöglich sein. Wer so denkt, irrt! iBei hellem Tage, unter den Augen der Polizei— sicher auch oft unter denen eines Staatsanwalts— wird Tag für Tag in unzähligen Fällen wider den Betrugsparagraphen des Straf- gesetzbuches gesündigt. Wir denken dabei nicht an die Schwinde- leien, die den Zweck haben, die Spekulation anzureizen, nicht an unlautere Börsenmanöver,> die ja auch ständig die Quelle der Bereicherung für die Macher sind, auf einen sinnlich viel wahr- nehmbareren, juristisch ohne Schwierigkeit faßbaren Betrug möchten wir die Aufmerksamkeit lenken. Auf den Betrug durch falsches Gewicht und Maß, der von Händlern sehr oft begangen wird. Konsumenten und Käufer von Lebensmitteln sind die Opfer. Im Grünkramkeller, im Kolonialwarenladen, im Konfitüren- geschäft, in vielen Restaurants, überall betreibt man die bewußte Uebervorteilung der Warenabnehmer. Selbswerständlich gibt es auch noch Geschäfte, in denen ehrlich bedient wird, es wird wohl die Mehrzahl sein, aber die planmäßige, mehr oder minder plumpe oder raffinierte Betrügerei hat doch schon einen derartigen Um- fang angenommen, daß es uns notwendig erscheint, den Finger auf die Wunde zu legen. Wir dürfen auch wohl annehmen, die Zustimmung der ehrlichen Geschäftsleute und Händler zu unserem Vorgehen zu finden. In ihrem Interesse liegt es ja ebenso gut, wie in dem der Konsumenten und Käufer, wenn wir auf die be- trügerischen Praktiken hinweisen und zur Gegenwehr, zur Selbst- Hilfe auffordern. Die Polizei, die sonst alles hört, alles weiß, alles sieht, gegen- über dem gerügten Uebel scheint sie mit einer bedauernswerten Blindheit geschlagen oder mit einer im allgemeinen bei ihr nicht gewohnten und nicht erlaubten Nachsicht behaftet zu sein. Wohl hörte man in der letzten Zeit einige Male, sie sei gegen be-, trügerische Manipulationen der Straßenhändler eingeschritten, aber damit ist ihr Kampf gegen den Betrug anscheinend auch beendet.! Zudem entsprang ihr Einschreiten in den erwähnten Fällen wohl kaum eigener Initiative; wahrscheinlich haben Ladeninhaber, die! in dem Straßenhandel eine nicht legitime Konkurrenz erblicken, der Polizei die erforderlichen Rippe»stöt> versetzt. Selbsthilfe ist daher dringend geboten! Doch wie? Was die Ladengeschäfte an»! langt, so achte man auf die äußeren Umstände, die den Verdacht des beabsichtigten Betruges beim Einwiegen rechtfertigen können., In vielen Geschäften bekommt der Käufer die Wage gar nicht oder! nur ungenügend zu sehen; man hat sie hinter aufgestapelten Waren verborgen. Der Zweck bei dem Verstecken ist in den meisten; Fällen jedenfalls der, dem Auge des Kunden betrügerische Mani- pulationen beim Verwiegen zu entziehen. Die Technik des Be-! truges ist verschieden. Man legt falsches Gewicht auf oder erzielt l durch Druck ein Durchschlagen der Wage usw. Der gewollte Effekt! ist immer derselbe: der Kunde erhält leichteres Gewicht als er verlangt hat und bezahlen muß. Der Ueberzeugung Ausdruck gebend, daß diese Art Betrug bereits einen erheblichen Umfang angenommen hat, in gewisser Beziehung gewohnheitsmäßig betrieben wird, wollen wir gleich- zeitig auf die direkten Ursachen für das Tun wider Treu und Glauben hinweisen. Sie liegen zum Teil in dem übermäßig schnellen Anwachsen des Händlertums und dem ständigen Hinauf- treiben der Ladenmieten und sonstigen Sachkostcn. Stellt man die entsprechenden Ergebnisse der Berufszählung von ISSo und 1907 in Vergleich, dann erhält man für das Deutsche Reich folgende Resultate:; 1907 gegen 1895 Zunahme in% 1895 1907 51770 284 61720 529 19,22 1 205 134 1 739 910 44.37 3 724 347 26,69 Gesamtbevölkerung... ErwerbSiätige im Handels- gewerbe...... Bcrufszngehörige(Erwerbstätige einschl. Faniilien- angehörigeu.Dienstboten) insgesamt...... 2 939 620 Der Bevölkerungsanteil, der auf das Handelsgewcrbe ent- fällt, ist erheblich stärker gewachsen als die Bevölkerung selbst, trotz Warenhäuser und der vielfach verbesserten Verkehrsverhält- nisse, die eine Verminderung der Zwergbetriebe rechtfertigten. Vergleicht man die Zahlen der im Handelsgewerbe Erwerbs- tätigen niit der Gesamtbevölkerung, dann steht der Zunahme dieser von nicht ganz 20 Proz. eine Vermehrung jener von fast 45 Proz. gegen- über. Allerdings, die Zahl der Selbständigen ist viel weniger stark ge- stiegen, sie nahm zu von 578 497 auf 667 238 oder um 15,34 Proz. — Das ist ein Beweis für die Zunahme der Großbetriebe.— Im allgemeinen hat die Zunahme der im Handel Erwerbstätigen den Bevölkerungszuwachs weit überflügelt. Und das gilt besonders vom Waren- und Produktenhandel in stehendem Geschäftsbetriebe. Hier stieg die Zahl der Erwerbstätigen von 997 270 auf 1454 842 oder um rund 46 Proz. Diese Vermehrung übersteigt die der Bevölkerung um mehr als das Doppelte. Die Zahl der Verufszugehörigen hat weniger stark zugenommen, nämlich von 2 364 511 auf 3 033 658 oder um 28,3 Proz. Wie die Zahlen ergeben, fristet heute gegenüber 1895 ein nicht nur absolut, sondern auch relativ viel größerer Kreis von Menschen aus dem Handel seine Existenz. Nimmt man dazu die Verteuerung des Betriebes, speziell durch die enorme Verteuerung der Ladenmieten, dann hat man eine Erklärung, allerdings keine Rechtfertigung für die geschilderten betrügerischen Manipulationen. Diese zu dulden, haben die Konsumenten wahrlich keine Ursache. Am besten dürften sie dagegen in den Konsumvereinen geschützt sein; deren Geschäfts- gebarung untersteht ja der Bestimmung und Aufsicht der Mit- glieder, das sind die Käufer und Konsumenten. In offener, vielfach ganz ungenierter Weise übt man die betrügerische Uebervorteilung der Konsumenten in vielen Gast- wirtschaften. Das schlechte Einschenken war ja auch früher schon nicht unbekannt, seit der Bescherung des Volkes mit der Schnapsblock- finanzreform ist es jedoch augenscheinlich viel, viel schlimmer ge- worden. Die Gardeseldwebel sind sehr in Mode gekommen. In Aschinger-Restaurants, in Schultheiß- und Patzenhofer-Ausschänken sowohl als in noch„besseren" Restaurants, scheint man das richtige Maßgeben fast als eine zu vermeidende Rückständigkeit zu be- trachten. Und die Beispiele verderben auch die alten Sitten in den kleinen Wirtschaften, Ivo man auch schon den Hang zum großen„Feldwebel" konstatieren kann. Vielfach reicht der Schaum ein bis zwei Zentimeter unter den Aichstrich hinab. Im allge- meinen läßt sich das Publikum den offenbaren Betrug gefallen. Insgeheim wird natürlich über den großen„Feldwebel" gewettert, aber selten getraut sich ein Gast das schlecht gefüllte Glas zurück- zugeben. Man weiß, Schankkellner und auch Wirte strafen den, der über das Mindermaß auch nur murrt, mit einem Blick souveräner Verachtung. Wer nobel sein will, mutz sich betrügen lassen, sonst bekommt er vom Betrüger eine deutliche Lektion über vornehme Lebensart. Weil man sich geniert, und aus falscher Scham duldet das Publikum die immer üppiger ins Kraut schießenden betrügerischen Manipulationen. Diese werden aufhören, oder doch auf ein bescheidenes Maß sich zurückdrängen lassen, wenn eine allgemeine und praktische Opposition dagegen einsetzt. Jeder Biertrinker sollte im eigenen Interesse, wie auch in dem der öffentlichen Moral, die unter der durch Gewohnheit legitimierten Betrügerei zweifellos leidet, es sich zur Pflicht machen, kein Glas anzunehmen, das nicht ordnungsgemäß vollgeschenkt ist. Wie schon früher an dieser Stelle ausgeführt, können teilweise soziale Verschiebungen speziell im Berliner Gastwirtsgewerbe als direkte Ursache des betrügerischen Einschenkens angesprochen werden. Tie folgenden Angaben nach den Ergebnissen der beiden letzten Berufszählungen bestätigen das allgemeine Urteil: 1907 gegen 1895 Zunahme in% 1895 Gesamtbevölkerung... 51 770 284 Berufszugehörige des Gast- Wirtsgewerbes insgesamt Erwerbstätige imGastwirtS- gewerbe...... Selbständige im Gastwirtsgewerbe...... 1907 61 720 529 954 857 1 247 215 492 663 650897 238 676 19,22 30,62 82,12 35,83 175 712 Die Vermehrung der Selbständigen im Gastwirtsgewcrbe über- wiegt die Zunahme der Bevölkerung um beinahe das Doppelte. Nicht viel weniger stark ist das Wachstum der im Gastwirtsgewcrbe Berufstätigen, sowie der Berufszugehörigen insgesamt. Diese EntWickelung in Verbindung mit mannigfachen Lasten. die dem Gewerbe auferlegt worden sind, gewährt einem großen Teile der Gastwirtsbetriebe nur noch eine proletarische Existenz. Andererseits werden von den Hausbesitzern usw. die Pachten für größere Lokale immer mehr hinaufgeschraubt. Manche Wirte suchen dafür einen Ausgleich in der geschilderten Praxis, besonders dann, wenn der Umsatz den Lasten nickst entspricht. Schließlich reizt dazu auch die Sucht nach müheloser Erhöhung des Ueberschusses. So wirken verschiedene.Faktoren zusamnien, die den Betrug durch Verabreichung von Mindermaß zur geschäftlichen Usance werden lassen. Soll der Umfang nicht noch weiter einreißen, will man mit ihm aufräumen, dann mutz sich das Publikum allgemein da- gegen wehren. Es genügt nicht, ungerechtfertigte Verteuerungen durch Preisaufschlag oder Matzverminderung zu bekämpfen, viel energischer noch müßte gegen die geschilderte, allgemein demo- ralisierend wirkende Uebervorteilung Stellung genommen werden. Für den Arbeiter ist es ebenso wichtig, seine Konsumenten-«IS seine Produzenteninteressen zu wahren. D. Singegangene DrucKsclmfreu. Ausflüge ins Kriniiiinlistische. Von P.Lindau. 3 M., geb. 4,50 M. — Französinnen. Novellen von M. Prövost. 3 M., geb. 4 M. A. Langen, München. Wesen, Geschichte und Ziele des Modernismus von G. Prczzolini. 3 M., geb. 7 M.— Zwischen Scylla und Charybdis von George Tyrrell. 7,50 M., geb. 9 M. E. Diederichs Verlag, Zena. Viel zu teuer sind die häufig zum Verkauf angebotenen Schuhwaren, wenn sie, um mit unseren Preislagen Schritt zu halten, entsprechend leichter gearbeitet sind. Damen- eder, mit; Sealskinfutter, sehr warm und||OU Schnallenstiefel,-ei-es-0hroml�er' mit: bequem ScWrstielel, be; 8" ScbnQistletel, 1200 Lgder-HausscMi, SkS-S 285 Fib-Hausschohe, tWf&ÄSrÄ.» I65 Kamclhaar-Haiisscliuhe, a.« I85 Kaaielhaai-Scbnallensliefel, Moh'"tüTS 255. Winter-Sehnhwaren um so je dauerhafter das Fabrikat ist. Wir bieten dafür die größte Gewähr! J50 �50 �50 JQ50 �50 Heppen- 750 Schnallenstiefel, 1050 Unsere beliebten Spezial- Marken: für Damen- u. Herren- Stiefel! 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Verkauf nur in unseren Filialen, da nur wir das alleinige Fabrikations- und Verkaufsrecht im Deutschen Reich besitzen. K-ar den Jnlialt der Inserate lilierniinmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater. (Siehe Wochen- Spielplan.) Sonntag, den?, November, nachmittags 3 Uhr: Freie Volksbühne. Neue» Schau- spielhcmS, Ä. Abteilung: Maria Stuart, Herrnjeld-Theater. S.Mteilung o äs und 10, Abteilung a b: Vater und Sohn, Thalia-Theater, 4. Abteilung o d e und F. Abteilung ab: Eisgang, Montag, s, November, 8 Uhr: 18.(IL) Abendabteilung im Neuen Schauspielhaus: Maria Stuart, Sonnabend, 13. November: H e r b st s c st, Humoristischer Vor- tragsabend in Happoldts Konzert- sälen, Neue Freie Volksbühne. 7.Nov,. nachm, 21U Uhr, im: Deutschen Theater: Fiesko. KammcrspielhauS: Clavigo, Stachm. 3 Uhr: Neuen Theater: Ackermann. Kleinen Theater: 2 X 2= 5. Metropol- Thealer: Lumpacivaga- Kundus. Neuen Operetten-Theater: Der Ziaeunerbaron, Schiller-Tbeatcr 0,: Macbeth. Schillcr-Theater Eharlotienburg: Die Welt, in der man sich langweilt. Friedr.-Wilhelmstädt, Schauspielhaus: Othello, tebbcl- Theater: Revolutionshochzeil. erliner Theater: Herodcs und Mariamne. VissensobaidUoKss Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Montagabends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Leß: Das Wetter und seine Vorausbestunmntig. liCssIngf-Theator. 8 Uhr: Der Raub der Sabine- rinnen. 8 Uhr: Dantris der Narr. Wontag, 8 Uhr: Roseumontag. berliner'skeater. Nachm. 3 Uhr: iierocke» uml Msriainiio. Heute 8 Uhr: Hohe Politik._ Neues Theater. Slbc ndS 8 Uhr: Der letzte Kaiser. Montag bis Mittwoch: I>er IMeb. Tolks-Oper. SW., Belle-Zllliance-Straße Nr. 7/8. Nachm. 3'/, Uhr bei bedeutend er« mähigten Preisen: La Traviata. Abends 8 Uhr: Die Jüdin. Gastspiel Werner Alberti. Theater des Westens. Sonntag nachm. 31/. Uhr s Die lustige Witwe. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Neuen Operetten-Theater, Schifsbaucrdamm 25, a. d. Luijenftr. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der arme.Jonathan. Sonnabend, 13. November, zum erstenmal: Hill Dndel«ael». Residenz-Theater Direltion: Richard Alexander. Nachmittags 3 Uhr: Kümmere Dich NM Amelie. Abends 8 Uhr: €rretcli©n. Grotesie in 3 Alten von Davis und Z/iPschutz. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: 160 jährige Gedächnisseier Friedrich v. Schiller: Willielm Teil. Abend, 8 Uhr: Heimat. Montag: Der Kamps«. d. Nordpol. Dienstag: Heimat._ Lustsplelhaus. Nach in. 3 Uhr: Familie Schimek. Ab e n d s 3 U h r: Man soll keine Briefe schreiben. Tliedlioii'VVilhsimstglitisvhez' Sehanspielhaus. SoMilag, 7. November, nachm. 3 Uhr. Othello. WendS 8 Uhr: Flachsmanu als Erfther. Montag: Flachsmann als Erzieher. Dienstag: Flachsmann als Er- zicher. I0SE=THEATE 1 Graste Frantjurtcr Str. 132. Ans. 3 Uhr. Ende'/..Ii U. Die Rechtlosen L_ Bolksstück mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Popper und Klabunde. Sonntag nachm. 3 Uhr zu halben Preisen: Michael Kohlhaas. Montag: Der Hülteubesitier. uatrasiHfeK Hente, am 1. Sonntag im Monat] Flu tritt die Person:*•** A4nuhrr GrJiliiär-Köflzeil. Saal-Eintritt heute extra 25 Pf. Aktionäre u. Abonnenten frei.| Passage-Panoptikum, Die Traummaleri!] d. schwebende Jungfrau. Der Ilotoboy d. künstl.zerl. Mensch Alles te a- Vitaskop-Theater Oauervorstellung von 4—7 Uhr. Passage-Theater. Heute Nachmittagsvorstellung des groben Varielh■ Teils bei kleinen Preisen! Anfang 3 Uhr. Abends 8 übr: Da« groß artige Variete- Programm de« nenen groSen ¥ariet6-TeiIs. Ferner 10 neue Dehnt«. Ferner; Henry Bender in der tollen Burleske Der süße Doktor. Melropol-Theater Heute nachmittag 3 Uhr: Lumpacivagabundus. Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! Rauchen überall gestattet. DW Heute_ 2 Vorstellungen 2 nachmitlagS 3V, Uhr(kleine Preise I) und abends K Uhr. In beiden Borstelluggen: Inne Dsnerey öernlisrck IWörbitz sowie daS neue Programm. Eine Revue der Schönheit, :: Grazie und des Humors:: Nachm. S'/j, Uhr: Hsldv Preise! Die grandiosen Spezialitäten mit den phänomenalen W>nne Brothers. Dazu die Operette Der junxe Papa. Abends 8 Uhr: Die vollständigen Spezialitäten und Eine Haremsoaebt. Kurze« Gastspiel Sonntag nachm. 3'/- Uhr: Große Vorstellung zu kleinen Freisen. Volks-Theater Rixdorf, Hermann-Straste 20. Sonntag, den 7. November: Wach- und ScblieBgesellschaft, Schwank in 3 Akten von R. M a n z. Ansang 7 Uhr. Montag, den 8. November: Der Hilttenheoltzer. Schauspiel in 5 Akten von Böhm Ansang 8 Uhr. 8©l»IlI©r-TlK©alSr. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater.) Sonntag, nachm. 3 Uhr» Hacheth. Trauerspiel in 5 Auszilgen von William Shakeiveare. Ende 6 Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Schwur der Treue. Lustspiel in 3 Akten v. O. Blumenthal. � BW Ende lO'U Uhr./,Uhr. Nach der Vorstellung: T-nzkränzcden, Donnerstag:- Kall. Vi alhalla- yjJizti: fb&älef Weinbergsweg 18-20. RosenthalerTor. Heute zwei Vorstellungen. Nachmittags S'l, Uhr(jeder Besucher ein Kind frei!) und abends 8 Uhr. In beiden Vorstellungen die voll- ständigen Tensations> Spezialit. Theaterkasse ununterbrochen geötw. Voigt-Theater. Gesundbrunnen. Badstr. 58. Festvorstellung zur Feier deS IbOjäHrigen GeburlS« tages Fr. v. Schillers. Montag, den 8. November: Wie HNuber. Trauerspiel in 10 Bildern von Friedrich v. Schiller. Kassenerofsnung 7 Uhr._ Ans. 8 Uhr. N., Chausseestr. 110. Karl Richter. Heute 8 o ii u tag: Paul lustige Säuger. Anfang 6 Uhr. Eintritt 30 Ps. Nachdem: Familie»- Kränzchen. Am weisten Saale v. 5 Uhr ab: Gr. Kall.— Morgen: Erftklassiges Familien-Kabarett. Ans. 8>/, Uhr. Vorzugskarten gelten.<9 irbsitergesangyerein„Nord" (Mitgl. d. A.-S.-B.) Sonntag, den 7. November 1909: 20* Stiftungsfcft in den Sophien- Sälen, Sopkienstraße 17/18 unter Leitung des Chormeisters Herrn Max Ziehin sowie Mitwirkung der Berliner Volkssänger• Gesellschaft Max Schmeltzer. Gr. Konzert» Gesang» Festrede» Ball Eröffnung 4 Uhr. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. Billetts a 30 Pfennige sowie Programms sind beim Restaurateur Hummel, Sophienstr. 5, zu haben. 61/11 Da« Komitee. Restaurant.,Znr Mühle" Miersdorf, 15 Minuten vom Bahnhof Zeuthen. Halle mich allen Freunden, Parieiaenosscn und ÄuSflüglern bestens empfohlen. Speisen und Geiränfe in bekannter Güte.» üvnet R�lSr». Telephon: Amt Zeuthen Rr. 44. Graumanvs fest§Z!e und Latten Bühne! 37 kklnnynstruße 27. 3 Kegelbahnen! Sonnabende im Dezember und Januar noch freit[30801/* Mg Domiiinil Herren! Lassen Sie es sich sagen, Sie werden sicher alle, alle ein ebonso freudestrahlendes Gesicht machen wie ich, wenn Sie sich auch die Vorteile des ganz kolossalen neuereffneten Kaufhaiiies auf Kredit Fflr alle Welt Schöneberg, Haupt-Strasse 19 direkt am Kalser-Wllhefm-Platz, dem alttn Rathaue gegenOber zunutze machen. 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Stnbenbandtücher 1 Fenstermantel pioscb-Kries 1 Waffel-Bettdecke 1 Tüll-Store 1 Tüll-Bettdecke rar i Bett 1 Köper-Rouleaux 1 Fenster Gardinen gep«at 1 Filz-Tischdecke reich bekurbelt 1 Herren-Cachenez weiss,„Keine Seide" 1 modernes Tüll-Jabot mit Rüschen-Kragen l elegant. Ballschal Kränzen 1 DamenmÜtZe moderne Karra 1 Herrenhnt modern« Korm 1 Oberhemd 1 Damen- oder Herren- Regenschirm moderne Stocksortimente 1 Emaille-, Sand-, Seife-, Soda-Garnitur g. dekoriert 1 Mülleimer emailliert, m. Deckel njlaf- schrift 1 Emaille- Waschschüssel ff. dekoriert, Porzellan- fasson * m vm. 1. v i■ 1.95 1.95 2 QtoKOii Emolllc w. ,, 7, zu ganz aussergewöhnlich billigen Preisen. 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V�ngroe Z.agPr!»«aUSeü- Q. %,IaxKosez!!tz,i Achfcn Sie in Ihrem eiq Verantwortlicher Redakteur: Emil Unger, Grunewald. Für denJnseratenteilverantw.: Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdructerei u. Vertagvanjtalt Paul Singer& Eo., Berlin SW» Hr. 261. 26. Jahrgang. 3, öfiliige drs„öotiniiits" JolteHatt. 7. Zoomter 1909. für den ichmdüchen Generalftreih. Bei der Berliner Gewerkschastskominiision gingen ferner für die miSgespcrrtcli und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiter ein: 14437 Expedition I. Sittenfeld 2,60. 13147 Piaiwsadnk NZZke u. Co., g. Rote 16,60. 14320 Personal der Buchdruckerei Miirschiicr, l2 Rate 2t, 30. 14358 Verl,older von Neuniaun u. Hcnuig 6,60. 13098 Stockjabrik B. Noa, 9. Rate 27,20. Kubaner 3.50. Kollegen der Buchdr. 2. Schumacher 13,35. Kollegen bei Konrad u. Grübler, 5. Raie 8,30. Kollegen von I. Pintsch A°G. 6. Rate aus solgende Listen: 13010 18,20. 13679 16,50. 13680 16,70. 13681 8.45. 13682 15,80. 13683 7,40. 13684 20,30. 13685 6,95. 13686 9,45. 13687 17 30 13688 3,25. 13689 5,25(in Summa 145,55.)— 12915 Sektion der Gips- und Zcmentbianche. Bau Blücherstratze 16.70. 13818 Buchdruckcrei O. Walter 11,90. 14484 MelollarbeUcr C.'it. Müuch- mefter u. Co. 17,80. 14444 Buchbinder von P. F. Geigter 10.90. 14382 Metallarbeiter von R. Tack 6,45. Buchdr. H. S. Heriuann, 9 Rate 209,45 14378 Tischlerei Fürst u. Kuhnert, 11. Rate 4,60". Buchdr. Staukiewicz, 12. itlatc 8,—. Glasschlcifcrci R. Dittmaver. 12. Rate 8,10. Konlobuch- sabrik E. Jäger! 13.65. Einsetzer und Anschläger von Henke 7,50. 14485 Klempner vom Zeutralmaanzin, 12. Rate 23,10. 14488 Berliner Druckerei, 12. Rate 6,40. 14489 Buchbinderei Liebheit u. Tbiesseu 4,05. Buchbinderei Siemens u. Halste 8,65. 14606 Tischlerei Wille u. Klausnitzer 19,—. 9521, 23 und 26 Verband der Buch- und Stcindruckerei-Hilssarbeiter und Arbeiterinncii, Orts veno. Berlin 27,25. 171. Bez. W.-Kr. IV 6,50. 5372 Tischler von Auer 12,95. 13849 Zinkgietzcrci von Stein 8,40. 14571 Holz- arbeiter, Berlin 3.3.50. 14441 Metallarbeiter von Moldcnhauer u. Mctzdors, 9. Rate 12,10. Sparvcrcin Liegnitzer Schweiz 5,—. Möbelpoliercr von Kluge 5,95. KÜcheumöbelsabrit von Mansie, 3. Rate 12,05. 14492 Wer- goider von Adols Wcrlmeifter, 8. Rate 18,00. Bautiichlerei von Kübn, 5. Rate 7,25. 14417 Metallarbeiter von Gebr. Huh, 12 Rate 12,80. 14500 Echraubenfabril Gebr. Roll, 10. Rate 14,90. Gravicranstalt von E. u. H. Schützler, 3. Rate 10,50. 14601 Metallarbeiter von Ed. Grimm, 6. Rate 17,45. 14498 Tischlerei von Abb u. Daum, 12. Rate 14,55. Schristgietzerei v. F. Thcinhard 7,25. 14503—6 Met.-Arb. v. Henschke u. Buchholz 29,80. Töpscr v. Kalbe, Bau Maybach-User 7,75. 14570 Tischlerei Tischlait, 8. Rate 8,10. Buchdruckerei H. Bergmann 4,80.. Personal der Etempelsabr. K. Lehne, 10. Rate 6,—. 13611 Metallgießerei Hartuiann 7,40. Möocljabr. Schwarz u. Fröhlich, 8. Rate 33,90, Maschinensabr Fricke u. Stiller 8,25. 12914 Bau Ritze, Tempelhos 6,60. 13984 Küchen- Möbelfabrik Jakobiivitz, 9, Rate 10,—. 14482 Metallarbeiter n. Rosenstock, 10. Rate 6,50. 11491 Pianosabrik W, Hofsmann 6,50 14486 Melallarb. v, Emmerich u. Schöning, Saal I 11,—. 14507 Mctallarb, n. Zenilin. 10. Rate 10,90, 14366 Bau Schönebergcr Krankenhaus 6,75. 14490'Metall- arbeiter R. Schulz, 12. Rate 11,50. 14509 Metallarbeiter v. Gerhardt 12,45. 14508 Buchdr. M. Kettemdeil, 11. Rate 20,25. Schristgietzerei und Mejanglinienjabr. H. Bcrthold A.-G., 3. Rate 63,25. � 14356 Tischlerei v. Görlich 5,45. 14536 Metallarbeiter v. Schwärt u. Co.. 7. Rate 6.75. 14497 Tischlerei Kukulenz 7,90. 14364 Tischlerei Jkes u. Eo., 10. Rate 14,40. 14603 u. 4 Bautischlerei Gebr. Fant 4. Rate 40.20. 14483 Buchdr. Gebr Ernst. 12. Rate 10,10. Angestellte der Ortskasse der Kaustculc usw. 117,50. Hilsspersonal der ?lkzidcnz- und Rolationsabt.„Berl Tagcbl.". 12. Rate 42,—. 12092 Prägerei Bernhard u. Co. 4,—. Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeit«, Filiale Grotz-Berlin, 9. Rate aus solgende Listen: 4223 Vcrbandsburcau 18,—. Zeuti almagozin 2582 7,—. 2626 6,05. 4297 Gasanstalt Gitfchinerstr. 17,35. 4293 14.95. 2632 Röbrenshstem 7,50. 13501 Revierinspeklionen 11,50. Eng- .,iche Gasanstalten 4264 1.80. 4288 4.10. 4245 Krankenhaus Moabit 10.50. Lichtenberg 4290 1 50. 4292 5,60. Rixdvrs 4139 4,25. 4259 1,—(in fca. III 10 M).— 12288 Pcrlmuttarbeitcr 4.05. 6139 Maurer 4,—. Handtuch» ( nbr« von Figner. 11. Rate 8,—. 13823 u. 24 Buchdrucker d„Boss. Ztg.-, 10. Rate 39,05. Buchdr.„Vorwärts" Zeitungsabteilung, 10. Rate 50,—. Morgensprache b. Lösche 3,25. 11902 Pers. v. C. Kuhn u. Söhne. 9. Rate 30,45. 14493 Kollegen Dreherei Pinlutz, 10. Rate 12,25. Korbmacher G. Wronkc Rachs 6—. 13827 Buchdr. Denker u. Nicolas 10.80. iNaschincnineister und Hilsspersonal Lindendruckerei 24,—. Möbelfabrik H. Lüdtlc. Pankow. 8 Rate 16,45. Unierkommission Eharloitenburg aus folgende Listen: 7t48 Scheucrbrandt 6.30. 7151 3.60. 791S Doos« 8,—. 7927 Hopp 4,25. 9566 Tischlerei Richard Beckers 5,—. 9569 Kollegen der Firma Karger 21,70. 9572 Roggc 3,—. 9573 Kollegen der Tischlerei Hischer u. Conradsen 14,35 (in Summa 66,20 M).—- 14446 Etuisabrik K. Weber, 11. Rote 4,65. >2837 Kollegen der Firma W. Ricwe, 4. Raie 10,60. 14374 Tischlerei E. Barth 11,65. 14361 Met.-Arb. v. Kiekow 9,25. 14550 KoNtobüchersabrik und Buchdr. Bolljratz u. Apel, II. Rate 10,60. 12640 u. 41 Monteure von Auer, Abt. L 30.-. 14322 Buchdr. O. v. Holten. 12. Rate 20,25. 14549 Met.-Arb. v Bischoff, Neue Königstratze. 12. Rate 13,50. G. B. 3,—. Tischlerei Schnell u. Co. 7,25. 14473 Kronlenchtersabr. Calm U.Bender, ll. Rate 15,—. Leutnant Schmidt 50,—. Batz-Karl 3,—. Handtuchsahrer von R. Bach 7,—. Metallarbeiter der Kontinentalen Bremsen-Ges., Lankwitz, 9. Rate lO.IO. Graveure von Albrecht u. Meister, 4. Rate 11,—. Schleis« von Gebr. K rüget, Köpenick 13,55. Karl Schundhelm 9.70. Arbciter-Turnverein Adlershos 5,—. Zentralverband der Maurer Deutschlands, Zahlstelle Straus- bcrg, 2. Rate 20,—. Eisbeinessen Sparverein„Vorwärls-Ost" 12.90. Stnnecks Lotterieverein„Neue saat" 3.50 Klein, Tegel 1,05. Seltion der GiPS- und Zementbranche auf solgende Listen: 9329 3,—. 9330 2,60. 9335 4 10. 13543 Bau Dernburger Straße 6,95.(In Summa 16.65.)— Hilfsarbeiter der..Vorwärts"-Werkabteilung. 10. Rate 13.50. 14379 Silber- löarensabrik H. Meyer, 7. Rate 46,80 Verband der Töpscr, Filiale Berlin, am joipende List.n: 4942 3,70. 4943 5.20. 5033 16.60. 9616 10,85. 12201 8,75. 12210 3,75. 12217 12,50. 12218 3.95(In Summa 65.30.,— Töpscr Oranienburgs und Umgegend 5.75. Arbeiier-Bäckerei Viktoria 2,50. Gäste von Opitz 1.90. Verbaiib der Stcinarbeiler, Zahlstelle Berlin, aus solgende Listen: 9080 Wimmel 6,—. 9509 Plögei 7,—. 13521 Zeidler 7,—. 13526 Teich 7,30. 13527 Wimmel, darunter 10,— Bilzbrauscnprozcnle 22,—. 13528 Tauchcrl 3,10. 12829 Czarnilow 13.30. 13531 Hnth 10,30. 13533 dieselben 12,20. 13532 Fr. Kunze 2,—, in Summa 90,20. Verband der Hutmacher. Orlsverw. Berlin, aus folgende Listen: 13761 Fabrik Pniower 3,75. 13758 Fabrik Pappenbeiin 4,—. 13757 Fabrik Berlctl 6,25. 13499 Fabrik Petag 2.—. 13498 bis 62 OrtSkaffe der Hutmacher 8.60. 13497 Fabrik Lentz 2.—. 13496 Fabrik Burlert 12.50." 13495 Fabr k I. Paul 1.15. 13468 Fabrik Zechelius 6,60. 13463 Fabrik Lentz 2,—. 9217 Fabrik Markus 4.25. 13460 u. 61 Silber u. Brandt 23,10. 13732 H. Borchert 2.—. 13470 Silbermaim 9,25. 13735 Roik 3.50. 13483 Schlesinger 2,75. 1.3477 Weiß 5,80. 13478 Lichtenftein 6.40. 13475 Gundelach 1,40. 13731 Paul, Seydelstratze 1,50. 13486 Schilling 6,50. 13747 Kirchhof 6.—. 13733 Engel 9,—. 13739 und 13740 H. Bock 10,20.(In Summa 140,50.)— 14426 Per- sonal Buchdruckcrei E. Hcckendorff 16,—. Lotlcrieverein Goldkäjer 3.—. Pers. Buchdruckcrei F. Marnüng 6,20. 4594 und 12010 Bootsbau« Berlins 8,30. 14551 Tischlerei J. Metz« 16.35. 14333 Rotationsmaschincnnreister „Woche",„Tag", 9. Raie 3.60. 13667 Stullgaripr Union 9.55. 14539 Buch- druckcrei von Lange, 11. Rate 4,—. Buwdr. v. Ad. Hautzmann 3,30. 14544— 48 Verbandsmikgiied« v. W. Büxenstein, 12. Rate 47.90. Verband der Schneider, Verlv. Berlin I aus solgende Listen � 6074 Matzschneider von Peel u. Elovpcnbarg 20,50. 6079 Schneider v. Fabisch u. Co. 2,75. 13405 Schneiderinnen p. Mannheimer 8,30.>3417 Schneid« o. Oskar Frank 10,80. 13422 durch Gebauer 11,—. 13423 Schneid« o. Pohl 11.—. Schneid« v, Scelig 16,80. Schneid« v. Bothmer u. Duuzcr 30,—.(In Summa 111,15.)— 4947 Töpser vom Bau Lenz 8,30, 14531 Kollegen bei M. d. Fr. Behrend, 6. Rate 18,10. 14561 Buchdr. Gebhardt, Jahn u. Land, 12. Rate 15,75. Falzer ci dcS.Bert. Tagebl."(Rnd. Mosse), 12. Rate 19.50. 14573 Druckerei Borussia, 8. Rate 10,20. Lottcrievereiir Letzte Hoffnung 8,10. 8185 Beelitz Sanatorium I 8.60. 8183 und 12071 Buchbinder 9,65. 9772 Bauarbeiter 3,70. Dcuischer Metallarbeiterverband Ortsverwaltimg Perlin aus folgenden Listen: Von den gesamten Arbeitern und Arbeiterinnen der A. E. G., Ackerstr., aus folgenden Listen: 5639 darunter 5,25 von der Kranzspende des Kollegen Hübscher 27,—. 5640 17,50. 5641 31,20. 5637 53,—. 5638 6,90. 12452 5,50. 12455 9,35. 12454 7,10. 12450 8,75. 12451 5,55. 12453 1,80. 12456 52.60. 12446 18,20. 12444 28,50. 12442 20,10. 12445 7,70. 12440 33,45. 12441 22,80. 12443 60,75. 12448 13,55. 12447 3,55. 12437 11,10. 10116 13,75. 10114 54.75. 12405 12,05. 12438 35,70. 12436 25,75. 12435 23,85. 12432 25,80. 12431 9.10. 12433 11,55. 12434 6,—. 12406 18,75. 12420 13,50. 12414 6,60. 12415 9,35. 12410 4,50. 12411 26,15. 12412 15,60. 12408 28,65. 12400 17,—. 5644 41,80. 5646 20,—. 5648 15,—. 5643 8,20. 5645 31,—. 5642 35,75. 5647 14,25. 12428 20,65, 12427 34,75. 12430 13,90. 12429 20,35, 12107 54 10, 14203 Winter u. Co., 3. Rate 7,25. Schwabe u. Unger 3,80, Solas Lickilgcs.. 2. Rate 19,—. Kranzüberschuh Wildau 10,30. Kabelwerk Obersprcc 10477 18,—. 10505 16,95. 10478 16,25. 10481 21,15. 10476 27,10. 10497 15,55. 10475 9,—. 10493 22,-. 10492 21,10. 10517 17,50, 10499 15,85, 10500 27,90. 10504 53,50. 10516 17,40. 10515 13,90. 10519 15,75. 5884 23,50. Nietes Werke 10484 14,50. 10514 11,70. 10513 47,30. 10512 21,35. 10511 20,15. 10510 12,50. 10509 8,—. 10486 3,40. 10483 7,45. Auw Ober-Schöneweide 10496 11,30. 5699«9.35. 10498 20,40. 3710 20,20. 5900 32,95. 5898 5. Rate 44,—. 5880 27,—. 10495 9,50. 5896 10,—. 5897 27,—. 5881 28,63. 10499 25,30. 10491 Im st u. Co.. 3 Rate 25,60. Deutsche Prehluftwerke 10518 4. Rate 18,40. 10479 3. Rate 20,80. Schwartzkopff Wildau 5893 19,—. 5892 21,75. 5891 8,50. 10548 Hein, Lehmann u. Co., 4. Rate 21 20. Borsig, Maschinendreb« und-Bauer 11706 43,—. 11707 40,45. 11768 15.25. 11709 28,35. 11710 17 60. 11798 Cykton, 6. Rate 29.20. Knorrbrcmse 12490 41,05. 12197 40,70. 12501 6,25. 12502 E. Brüggeinann 18,73. 12551 Schönheimer, 9. Rate 6,75. 12616 R Schmidt. Gietzerei 7,55. 13101 durch O. Nagel 11,30. L. Lötvc u. Co. 13116 6,60. 1311? 5,80. 13123 29,90. 14034 7,30. 14035 9.25. 14036 22,50. 14038 21.—. 14039 20.50. 14040 6,40. 14041 7,25. 14042 10.33. 14043 25.—. 14044 6,10. 13210 Falbe 11,45. Typo- graph 13237, 9. Rate 33,65. 13238 43,-. 13239 19.50. 13240 16,40. 13241 7.05. 13242 24.55. 13291 Naschig 7.60. 13293 Nösscmann u. Kübne. mann 22,—. Flobr, Witlennu. 3. Rate, 13353 4,50. 13354 12 70. 13356 14,35. 13357 11.35. 13897 Scherbe! 21,20. Frisier u. Rotzmann 10595 5,30. 13907 10.10. 13908 8,40. 13909 7,30. 13910 7,55. 139U 4,05. 13912 8.10. 13913 6,20. 13914 8,10. 13915 8,35. 13916 8,15. 14170 Medizinisches Warenbaus, 9. Rde 32,50. H. Aren 13903 26,05. 13903 16,80. 13917 Hartmann 17,45. 13926 Spitz U. Co., 10. Rate 30.—. 13934 Schafs« u. Hanschner 14,—. 13943 Medizinisches Warenhaus, 8. Rate 33,40.' 13945 Dietrich. 6. Rate 13,05. 19022 Butzke, Dreher, 7. Rate 13.65. R. Stock. 8. u. 9. Rate 12549 10,40. 14023 23,13. 14024 8,50. 14025 20.70. 14026 7,15. 14027 8,30. B. Joses Gietzerei II 14065 7. Rate 16,70. Gießerei I 14066 27,20. 14067 Schleifer 6,90. 14068 Dreher. 6. Rate 20,45, 14070 Gürtler, 7. Rate 10,30, 13371 »«..Dreh«, 4. Rate 17,90. 14071 Zietiltc, 10, Rate 7.10. 14072 Cykiop, Former 16,—. 14073 Klemme, Bauanschläg« 33,—. 14075 Kray, 11. Rate 27.80. 14018 Hauschild. 5, Rate 11,—. 14121 S. A. Lcvh 18,10. 14123 Gebr. Blank u. Co.. 7. Rate 16,35. 14125 Frost u. Söhne. 11. Rate 30,35. 14127 Eckel u. Glienicke, 12. Raie 24.35. 14428 Muth u. Schmidt, 6. Rate 12,20. 14130 H. Bernert, 11. Rate 47,40. Werner, 8. Rate: 14140 14,50. 14142 27.80. 14138 23,50. 14139 12,75. 14141 14,35.— 14160 G. Grauert, Stralau, 11. Rate 28,80. 14169 Schubert u. Werth 17,—. 14171 E. Lenz 19.39. 14204 Kray, 12. Rate 26.60. Deutsche Waffen- und MunitionSsabrik: 12481 Abt. Güth 55,20. 12483 Abt. Petsch 20,65. 12485 Abt. Neubauer 14.—. 14045 Abt. Büttn« 19,—. 14064 Abt. Büttner 19.75. 14162 Web« u. tzampel 39.—. 14137 Emmerich u. Schöning. 12. Raie 22,45.(In Summa 3882,75.)— Verband der Maschinisten und Heizer, Ortsverwaltung Berlin, aus folgende Listen: 6750 BezirkS-Bude i. M. 9.40. 6751 Schlotzbrauerei Schöneberg 8,33. 6754 Bezirk Süd-Ost 7,65. 6755 Bezirk Baumschulenweg 7,35. 6768 Pominerhaus 3,05. 6759 Bezirk Gesundbrunnen 9,30. 7777 Kühlhaus Zentrum 27,80. 7784 Rappe u. Hecht 8,90. 7787 Wedding 2.55. � 7789 Moabit 4,80. 7794 Osten 9,50. 7795 Gesundbrunnen 11,—. 7796 Weihe, l- see 4,80(in Summa 114,45). Galvanoplastik 14,30. 14599 und 14600 Kronleuchlerfabrik Gebr. Israel, 10. Rate 53,95. gentralverein der Bildhauer aus solgende Listen: 5343 3.45, 5346 5,—, 1224t 2.80. 12245 9,80, 12246 5,75, 12248 3,50, 12250 11,50(in Summa 41,80). 13830 VerbandSinitgiied« der Hilfsarbeiter v. Liebhcit u. Thießen 8.60. 14443 Personal v. H. Bunke 13,75. 14496 Tischlerei v. Wolshardt u. Gold- ichmidt, 12. Rate 12,50. 14541 Kollegen v. D. Meyer. 10. Rate 8,60. Rohrbacher u. Sprenget 4.10. Metallarbeit« v. Spinn u. Sohn 17,60. 14532 u. 33 Montagesaal Lindström. 11. Rate 51,30. 14421 Metallarbeiter v. Prothmami u. Wobeser 5,45. Summa 6978,40 M. Bisher sind veröffentlicht 257 944,33 M., dazu kommen 6 978,40 M.. in Summa 264 922,78 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, Engelufer 15 1 zusenden. Alle Sammlungen sind sofort in unserem Bureau, Engeluser 15 1. Zimmer 23, vor- mittags zwischen 0— IL'/z Uhr und nachmittags zwischen 4— 7V3 Uhr abzuliefern. ' Die Listen 3395. 8878. 3687, 9390. 1860. 7186. 7908, 941. 922. 8342, 10335, 1493, 8794. 4194, 7846. 6451, 9779 13978, 264, 283, 288, 4507 und 7775 sind verloren gegangen und sind beim Bor- zeigen anzuhalten. Der Ausschuß der Berliner GowerkschaftSkommission. kkica renoviert! Cafe Meyer Dresdener Str. 128/129. Kaffee 10 n. 15, vier. bell, u.dmrt. 10 Pf. ca. 50 Zeitungen: Billard 3t6. 40 Pf. Zahlstelle der Freien Volksbühne. KIAS •Kursrlez Q AüiiSekkimO FOrstiD X Bristot WM pr rieyrileKicsO Plil. Türk. Tabak-& Cigaretten-Fab ik„Klos" o E. Robert Böhme, Dresden. Xieferant der französischen Zab skr Regie, Kit lilfm nicht tagen: sondern: »Ich möchte ein Paket Malzkaffee", Kit mnjsen sagen: «ein Paket Kathreiners Malzkaffee". Dann haben Sie die Sicherheit, den echten und wohlschmeckenden • Kathreiners Malzkaffce zu erhalten. Auf jedem Paket muß das Bild des Pfarrer Kneipp und die Firma Kathreiners Malzkaffee-Fabriken stehen. 215/18 Berkaufsstellc von tonels-Mmani zp Origiiialpreisen bei ßtana Feige, Beiken-, Parlümerion- u. Weinhar.dlung Wilmersdorf b. Iterlin. »hlaudstr. 112/13. 123/1* �Beste Betteolüllnng'� falb bie vorzüglich sfiBenben, sehr elastischen, echt chinesttche» Monopoldaiiiteii (flticht- geschützt) kpfund Mk. 2,8!?. S— t Pfund aenügm j. gr. Cbeibett. Verl- gcg- Stachnahme. Verpackung frei. Qustsv lustig Berlin 3,390 p.-inzenstr. 46 ."«rsstte««etikebern-SPeUal, geschalt Teutschlanos. 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Slmt 2. 1987. Montag, den 8. November: Bezlrlis- Versammlungen für die geiamte Verwaltungsitelle Berlin in folgenden Lokalen: !• Morden: Uoclibrancrel, Ehansseeftr. 64, abends 8'/, Uhr. 2 f|or(jg)]*«blfflos Festsille, Schwedter Strafe SZ abends 8'/, Uhr. t'ranlee» I'vutntllv, Badftr. 18, abends 8'/, Uhr. K'rHcI»«*»!« Kord-West, Wiclefftrafze 84, s. Norden: 4. Moabit, abends S'/a Uhr. s. Westen und Schöueberg: Wielochs Restaurant, Grunewaldstrasse 110. abends S'/a Uhr. 6. Gsten: Mtflns Festsüle, Memcler Str. 67, abend» 8',, Uhr. n I iniitonham* Plrkcnhafrens Restaurant, Scharnweber» <• LitlllcliUvi y. ftrasje 00, abends O'/a Uhr. s.Stralau und Rummelsburg: abends 81/. Uhr. 9. Süden und Südosl: Srlri'TÄVÄ m Slivrfnpf* Vcrclnsbraacrei, Hrrmannftr. 814—819. Iii- nlAÜUri. abend« S'l, Uhr. ii CianlHv• Hcliellhascs Fostattle, Ahornstrafte 15», Ii. alCyillA. abends S'/i Uhr. Neuwahl der Bezirksleitung, der AgitationSkommisfion und der Karlclldelegi�rten. 12. Cbarlotteilburg: Volkshans, Rofln-nftr.S. abdS. 8',. Uhr. 13. lege!:<->»»»»» FeststUe, Bahnhofstr. 1. abends 8's, Uhr. 14 Weideü�ee' Festsble, König-Ehaussee ss. iz Itnionit,!,'«rutbovt'.kls GeseNschaftShanS. Friedrich». 10.« Hagen, Friedrichsir. 09, abend« 8lla Uhr. Cnonrian* Restaurant BorwartS, Schüuwalder Strafte 80. 1». SpitllUNU. abend« 8-/. Uhr. OiierscliSneweide: 5Ä»to« Tages-Ordnungi 1. Kassenbericht und Gericht der Revisoren. 2, Zieiiwahl cincä ZlngestcUicn silr die Kasse. 3. Ne wadl eines Beisitzers. 4. Antrag der OitSoerwaltung beir. Neuregelung der Bezirke. 5. Au die Ortsvcrwaliung gelaugte Anträge. vdne Mitgliedsbuch hat niemand Zutritt k Zahlreicher Besuch wird erwartet. Dienstag, den 9. November, abends S'/s Uhr: Krancheu- Versammlung "der Scliwarzblechselilosser u. Zengschmiede im tleiverkschaftslinuse. Eng, lnser 15, Saal 3. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen iiaelmsna. 2. Elellu»»nabiue zur ikinsührung eines Tarifs. 3. Berich! der Kommission. 4. Verschiedenes. 125/5 . Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsvertraltnns. Oeutsctier Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Rixdorf. Am Dienstag, den 9. November, abends 8 Ubr, im Lokal« des Herrn Hoppe, Hermaunftrasse 49: General-Versa in in lang* i. Unser Vertrag. Tagesordnung: 91/14' VerbandSaiigelegendelten. Die Ortsverwaltung. Vrls-Krüiikkiililiire für das 279/1L Isfisuesös-eemids zu Derlln. Am Freitag, den IS. November er., abend« H'l, Uhr. im Oewerkschartshaiise, Saal 6, Eugel-llfer 15: TageS-Ordniln 1. Rechnungsbericht. 2. Bekanntmachung der Beschlüsse des Vor« standes. 3. Wahl von(3 Vorstandsmitgliedern(4 Kasseiimilglieder und 2 Arbeitgeber). 4. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der JabreS- rechuung lü. 1909. S. Die Bedeutung des erhöhten durchschnittlichen Tage«- lohneS und Stellungnahme dazu. S. Statutenänderung der öS 12. 13, 20, 21, 29. 30, In Anbetracht der wichtigen TageS- ordnuug sowie der Beschlüsse, welche zu fassen sind, ersucht»m voll» zähliges und pünktticheS Erscheinen Der Vorstand. L. A.: D. U-oblt«, Voifitzender. /, Uhr, Rofenthalerftr. 11/18 bei Hempel. TagcS-Ordnung: 1. Wahl von 3 Revisoren zur Ab- nähme der JahreSrechnung 1909. 2. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern (I Arbeitgeber und 2 Arbeitnehmer). 3. Wahl deS Rendanten. 4. Bericht über den Kongreh der Krankenkassen Deutschlands. 5, Verschiedenes. 279/18 Mitgliedsbuch legitimiert. Die Herren Arbeitgeber jiud hiermit eingeladen. Der Vorstand. Orts- Krankettkasse der Knpserschmiede. Mittwoch, den 17. Nov. 1909. vorm. lOUbr, Rosenthaler Str. U/l'2: Grneral» Bersammlung. TageS- ordnung siehe übersaudte Einladung deS Vorstandes. 279/15 LandsM-Verein der Soldiner jeden Dienstagabend um 8 Uhr Aus- nähme neuer Blilglieder bei Flseber, Hüvnerstrafte 8. Oeufseher Kolzarbeiier-Verband. ■ VenraUung Serlin.== Montag, den 8. November 1909, pünktlich abends 8 Uhr: General- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engclufer IS, Saal 4, Tages-Ordnung: 01/15 Der Ablanf des Vertrages in der Berliner Holzindnstrie. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. Die VerbandSmitglieder, welche in Betneben beschäftigt sind, die zur Ortskrankenkasse der Tischler und Pianosorlearbeitcr gehören, weiden ersucht, an der am Montag, den 8. November, von 5'/. bis 8 Uhr abend» staltjindcndcn Delcgiertenwahl teilzunehmen. Die Wabllotale sind: Für«Aertstätten nördlich der Spree in den AadreaS-FestsSlen. Andreasstr. 81. Für BSerkstiittrn südlich der Spree im Märkischen Hof. Zldmiralstr. 18 o. DaS Krankenkassenbuch ist als Legitimation miizubringe». Die Ortsverwaltaag. Branche der Bodenfeger. Dienstag, den 9. November, abends 5 Uhr, im Gewerkschaftshause, Eugelufer IS, Saal I: Versamlulttug. Bureau: Engel-Ufer 15. II. Zweigverein Berlin* Telephon Amt IV 4093. Iditglieder-Versammlungen der Maurer: OSvrf rkff• Montag, den 8. November, abends 8 Uhr, IM-ft.UUl 1• bei WoIlT. Kirchhofftr. 11. • Montag, den 8. November, abend« 8 Uhr, bei Kohmanu, Schlohstr. 117. Tienstag, de» 9. November, abends 8 Uhr, bei WabreaNorl, Bäke sie. 88. Mittwoch, den>0. November, abend« 8 Uhr, bei PrenB, Berliner Strafte 10. Donnerötag. den 11. November, abends 8 Uhr« im Volkshause, Rosinen I«r. 3. Donnerstag, den 11. November, abends 8 Uhr, bei Kienalcr, Schlicperstr. 64. Freitag, den 18. November, abendS 8 Uhr. bei Flekenhaeen, Scharnweberstr. 60. « TageS-Ordnung: 1. Der Kampf der baugewerblichen Arbeiterorganisationen um die Arbeitsbedin 2. Die Verschittelzuilg unseres Verbandes mit dem Verband der Bauhilfsarbeiter. 3. zum nächstjährigen Vcrbandstag und Anfstellung der Kandidaten. Or.-LrichtSrkeMo: Teltows Charlottenburg:: Teg:els Lichtenberg:: .en. nträge Berlin: DonnerSw.q, den 1 1. November, abends 8 Uhr, in den Gerniania-Prachtstllcn, Chausseestr. 110. — bei Hocker, Wcberstr. 17. ——————— im„ Königsliof BSlowstr. 37/40. Tages-Ordnung: Der Kampf der baugewerblichen Arbeiterorg uterorganisationen um die Arbeitsbedingungen. Die Verschmelzung unseres Verbandes mit dein Verband der Bauhilfsarbeiter. =ss Sektion der Putzer.=s DonnerStast, den 11. November, abends 6 Uhr, Kommandantenstr. 58/50: außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Tages-Orduung: 1. Stellungnahme zur Verschmelzung des Zentralverbandes der Bau- arbeiter mit dem Zentralverband der Maurer Deutschlands. 2. Anträge zum nächstjährigen Verbandstag. 3. Anfstellung der Kandidaten zum 11. Verbandstag. 4. Verschiedenes. SllisIIetlsbneh legUlnilert. Ohne dasselbe kein Zutritt.> In allen obigen Bersammlungen wird die Abstimmung über bic BcrschmelzungSfrage vor- genommen werben, es ist deshalb Pflicht aller Kollege», zu erscheinen. 139/20* Um zahlreiche« und pünktliches Erscheinen ersucht_ Ter Zweigvereinsvorstand. Seffentiiche Versammlung VeM für Männer nnd Franen Nontax, de« 8. November, abends 8'/, Uhr. Ziaunz�a- Sttle (Oskar Böhm), Naunlinftr. 0. 1. Vortrag deS ReichStagSabgeordneten Genossen Ltüeklen über: Die Stdruiiillg i>rlKo»sliMgtvofftllschasttil für ditArbritrr 2. Diskussion. 113/1» Zahlreiches Erscheinen hauptsächlich der Frauen erwartet Der Einberufer. Verdsnü äsr ZKsler, Lackierer, Bnstreieher etc. Melchiorstrabe 28, pari. Filiale Berlin. Fcrnspr.:«mt 4. 4787. M üelien iiiöhelhranche. Dienstag, den 9. November 1999, abends Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27e: � � Branchen-Versammlung aller in der Küchenmöbclindustrie tätigen Kollegen. TageS-Ordnung:' Teile der geehrten Nachbarschaft mit, daß ich die Forderungen de« l. Bortrag deS Kollegen Miet«:„D ic kulturelle Bc- Verbände» der Bäcker und Konditoren anerkannt habe.— ES wird mein d e n t u n g der Arbettepopganlsatlooen". Bestreben sein, den Tarif, einzuhalten und dem geehrten Publikum nur! 2. Diölussion 3. Braiicheilangelegenheitc». 129/20; gute Mackware zu liefern. 31332 sw.ÄJÄSri. �<"1«v»« A. Oiebelmann, p.ii[an.M<«• Verband der Sattler und Porteteuiller. 1 Orfsverwaltung Serlin.= Die nächsten Lranchenversammlungen sinden au nachfolgenden Tagen statt: 8ttibntiUttt-kirnncht: Donnerstag, den 11. November, im Roseuthaler BcreiuShauS, Rosenthaler Str. 57. Llllotklimtkgkr il. Ttppichnährr: Donnerstag, dm II. November. im Lokal Kommandantenstr. 83. Wllgrn-örallllit: Donnerstag, den 11. November, im(Srwcrlschastshause, Engeluser 14/15. däfrmilöbrl' U.ftbkt!tll!)!p0!dtltk: Donnerstag, dmll. November. bei Faul Walter, Adalberlstr. 62. Srittion Ehitrtottkllbtirg: Montag, dm 8. November, im Bolkshanse, Rostnenslr. 3. Zahlreichen Besuch dieser Brauchenversaminlungen erwarten 158/l3 Die Drauchouleltuuseu. � Bewilligte Bäckereien! Achtung! m ' Filiale Merlin JL> Tel.: Amt IV. 9737. Bureau: Sebastlanstr. 37—38, tz. r. lt. *chtung! Kerren- Konfektion! Achtung! MM- Montag, den 8. November, abends 8'/, Uhr,-MM bei Ob i ein. Schwedter Siratze 23/24: Tagesordnung: Die gegenwärtige Situation in der Berliner Herreutonfertiou und unsere nächsten Aufgaben. Reserent: Kollege Kunz�.— Di»- tussion.— BeAchiedene». 163/11 MM- Kollegen l Erscheint in Massen in dieser Versammlung. Die Kommission. ttr -w\ Hozlrk OroB-Horlln. Berlin SO., Engeluser 14fl&II, Zimmer 31—36 n. 42—44. Telephon Amt IV, 2382 und 4747. MitglttderderSrktionS-n.Brancheuleiwngen, der Distlikts-AgitstionS-Kommissionen sowie Betriebs- Vertrauensleute aller Pranchen! I Slm DienStag. den S. November, abends 8'/, Uhr: 2. Voilragsabend-°° Max Giunwald. Einen wirklich zablreichen Besuch erwartet Die Menlrks, erualtnun«rolZ. Derlla. 70/20 I. A.: Zl. Werner,__ u«w.• Nach beendeter Sngros- Saison Finzelvcrkauf zu Eiigros- Proisen. R. Michaelis, Gr Frank(urlerstr.99 1, vis-ä- vis Strauß- berger riau. Kronleuebter- Fabrik. Größte Auswahl. Verkauf zu billlgeten Fabrikpreis«.Penr�la. — Musterbuch n. Außerhalb franlto. Aul Wunsch kulante Zahlungsbedingungen ohne Prelserhühung. Siesel& Co., PrlnnenntraBe 38.• SozialmokraüseliJaMyerEin (Bezirk Reinickendorf• Ost.) Todes- Anzeige. Am 5. November verstarb nach langem Leide»»»inj« Mitglied, der Stukkateur Hermann Beiersdorf SUflii'flc. 8. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. November, nachmittags S'l, Uhr, von der Leichenhalle des t�emcinde-Fricd- Hofes, Humboldtslrafze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 239/2 Die Bezirksleitung. Zentralferbanil i Stukkateore DeutseMands. Am 5. November starb nach langem schwerem Leiden der Kollege Hermann Beiersdorf im Alter von Zt Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. November, nach- millags 31/, Uhr, von der Leichen- halle des Ncinickendorscr Ge- mcwdesriedhofes, Humboldtstrage, aus statt Rege Beteiligung erwartet 174/1? Die OrtSverivaltnng. Beulseder Hoiiarbeiler-Verdand Den Mitgliedern zitr Nachricht, dast unser Kollege, der Tischler iUKsni Kranz am 5. November gestorben ist. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet am Montag, den 8. November, nach- mittags Z'/. Uhr, von der Halle des Friedenslirchhoscs in Nieder- schönhausen-Rordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 9l/16 Die Orlsverwattung Deutscher Transportarbeiter-Verbanc!. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, das» unser Mitglied, der Arbeiter Km*i Fechner am Dienstag, den 2«. Oktober, Im Alter von bl Jahren durch Ertrinken gestorben»st. Ehre seinem Andenke»! Den Mitgliedern ferner zurNach- richt, daß unser Kollege, der Roll- kulscher Fmst Senftieben am 4. d. Mts. im Atter von Sb Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des EmnnmS- Kirchhofes. Rixdors, Hernrannstratzc, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 71/1 Die Bertvaltnng. Verband d. Bureauangestellten und der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Bcrufsgenossenscbaften Deutschlands. Ortsgruppe Groll-Berlin. Todcn-Anzcige. Am Mittwoch, den 3. d. MtS.. verstarb unser Kollege Gustav Arndt von der Orts.Krankenkasse der Maurer im 92. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 7. November, nach. mittag« 3'/, Ubr, von der Leichen» balle des titeorge»- Kirchhofes, Landsberger Allee, ans statt. 29! /2 Ter Borstand. Zeatral-ferbanil der Maurer Deutselllands. Am 4. November verstarb am Herzschlag unser langjähriges Mitglied Alkvri Wuthe (Bezirk Schöneberg). Ehre seinem Aiidenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. November, nach- mittags S'/j Uhr, von der Halle des neuen'Schöncberaer Kirch Hofes an der Bland aus statt. Um rege Beteiligimg ersucht 139/19 Der Vorstand Hölle Todes-Anzeige. Icrdlirch die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, luifere gute Mutttcr Luise Michaelis geb. Stahlkopf (Prinzcnallee Ztr. 21) am 4. November sanft ent- schlafen ist. � 2313b Dies zeigen ticsbetrübt an Aagru-it Michaelis nebst Kinder». Die Beerdigung sindcl Sonnlag nachmittag 8 Uhr von der Leichen- halle des neuen Pauls-Kirchhoses in Plöhensee auS statt. Hn. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10— 2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Von der Reise zurück. Dr. Max Marcuse, 124/12 Neue Hochstraße 24. Reste Oamenluchc, acbwaig and farbfu, CoNlunies Stoffe, neurale MuRter. Trieot-Stoffe. Leiden- PID seh. Hanimete, Seide rte. Con Paletot", Jackefe. Htanb- m&niel. Costnmre ond Coetum- »fleke fn RroBaer Aonwahl C.Pelz, Kottbuserstr. 5- GnufereiDiierPiitzer. Toden-AnKeige. Allen Sangesbrüdern u. Kollegen die traurige Nachricht, daß unser Mitglied Gustav Arndt im Alter von kl Jahren am Mitt« woch, den 3. d. M., verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. Sonntag, den 7. November, nach- iniltags.'l1/, Uhr, auf dem Meorgen. Kirchhof, Landsberger Allee 19, statt. 2322b »«»> Vorstand. 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Vcr- schiedcncS.__ 279/13* JiNlungs-Krauktiikaffe der Dttthsltt-JallW. Montag, den K. November er., abends 8'/, Uhr. im Geiverk schaftShause, Engelufer lö: Versammlung 1. der großjährigen Kasseiimit glieder zur Ausstellung von 00 Vcr lrctern(Delegierten) zur General- Versammlung: Saal 3, 2. der JmiungSmitglieder, welche sür die bei ihnen beschäftigten Per- sonen Beiträge aus eigenen Mitteln zahle», zur Ausstellung von 30 Vertreten»(Delegierten) zur General- Versammlung:.Saal 9. Sonntag, den Sk. November er.. vormittags 1» Uhr, in demselben Lokale: Wahlversammlung 1, der gros" Wieder: Delegierten) ung: Saal! 2. der Jnnungsmitglieder, welche sllr die bei ihnen beschäftigten Per. sonen Beiträge«MS eigenen Mitteln zahlen: Wahl von 30 Vertretern (Delegierten) zur Generalversamm- lung: Saal 2. Kassenmlt- von 60 Vertretern zur Generalversamnr- Die Versammlungen der Kasscnmit. glieder und der Jnnungsmitglieder finden in getrennten Räumen statt. Für die Kassenmitglieder legitimiert das Kassenbuch. Für die Jnnungs- Mitglieder legitimiert die letzte Bei- ttagSqmttung der Krankenkasse. Der Borftaiid. 279/17 Otto LUdtk». Vorsitzender, Allgemeine Orts- Krankenkasse stir die vkmnigten Grwkrbebktmbk Wir laden hiermit die Delegierten zu einer OldönlI. LöNölsI-VösSgmmIllng aus Montag, den Iki. November er., abends 9 Uhr, nach dem Saale des BolkShauses in Charlottenburg. Rostnenstr 3, ein mit dem Bemerken, daß vor dein Beginn der Generalversammlung und zwar von K— 9 Uhr abends eine getrennte Wahlversaininlung der Arbeitgeber- und Arbeitnrhiner- Delegierten in denselben Lokaliiäten stattsinden ivird— zwecks Vornahme von Neuwahlen stir die tuirnts. mäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder und zwar sür 4 Arbeitnehmer und 2 Arbeitgeber, Nach Bollzug der Wahlen beginnt die Generalversammlung mit der TageS» Ordnung: 1. Bericht de« KassenoorstandeS. 2. Wahl des Rcchnungsausschusscs zur Prüfung der Jayresrechnung sür 1909. 3. Beschlußfassung über die Ver< längerung des Vertrage» mlt dem Aerztevcrem. Die Delegierten erhalten über- dies noch eine besondere schriftliche Ein- ladnng, welche als Legitimation dient. Charlottenbura. 0. November 1909, Der Kassenvorstand. Wilh. Ahrens. 279/14 Rixdorfer! kaust Eure Herren- und Garderobe bei Knaben- 22S5L* llelirens, «aiser-Ztzriedrich-Straste 386. I o I.Ä 3 4/ >ai Ä N f. v =3 Dana kommen 8ie aogleicii und xwar nadnllehsi VortttlUflJ« und besiebtizeu Sie ohne jedeu Kaufzwang meine MODELLE! ts bis 6ii Prozent verkaufspreisermässigunj für Pelz-Konfektion, für Plüsch-Konfektion, für Phantasiemäntel, Abend- u. Theatermäntel, Paletots, Jacketts, Kimonos. Beachtung meiner Hausnnnuner dringend erliefen! f2.i»o f.i ca J Stoff zu einem Rock •'*»0• ElakBuJ von nur Mark 15.— an. Westmann's I. Oeachütt: Berlin W., Mofarenair. 37 a. Kein' Eckhaus, 2te» Haus von der Jorusalcmerslr. II. Gesehati: Berlin N«., Grosse Franklnrfcralr. 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Für dengnseratentell vcranlw: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Veriagsanftalt Paul Singer&69. ra Das eiBzugsvcrfaljrcn in der Invalidenversicherung. Cßnc JnValidcukarte kann der Arbeiter heute fast keine Arbeit« »lehr finden. Und doch ist er meist unschuldig daran, wenn er seine starte" nicht vorzeigen kann. Beim Eintritt in das Arbeits- Verhältnis mutz er sie dem Unternehmer abgeben, damit dieser all- Ivöchentlich, wie das Gesetz es will, die Marten einklebt. Die Jiwa- lidcnkarte bleibt deshalb stets iin Besitz des Arbeitgeber»,, Vcr- den Willen, die lediglich ans dem Formelle» des heutigen Älebe- � shstems folgenden materiellen Unbilligteiteil zu beseitigen, so findet sich zur Verwirklichung dieses Willens auch ein Weg. Soziales* Vergiftung als Vctriebsuufall. Ter mehrere Jahre in den Höchster Farbwerken beschäftigte Arbeiter I. aus Nied kam eines Tages krank nach Hause und starb am nächsten Morgen im Ankleideraum des Betriebes. Es schwindet in dessen Pult oder Schublade. In Grostbetricben niag stellte sich heraus, dag der Verstorbene mit einem Giftstoffe dieses Verfahren noch gehen, da besondere Arbeitskräfte für Bc-(Parauitranilin) tags �uvor mehrere Stunden l?eschäftigt war, sorgung der Angelegenheiten der Arbeiterversicherung angestellt Zeichen der Vergiftung trug, als er den Raum am Abend verlassen sind. Anders ist es jedoch in Kleinbetrieben, Baubetrieben usw. hatte. Tie Aerzte des großen Werkes, welche auch Vertrauensärzte Tor Unternehmer denkt an alles, nur nicht an die Jnbalidcn- t>er Bcrufsgenosscnschast sind, erklärten später, dah die Leichen- karte, die er dem Arbeiter beiin Eintritt in das Arbeitsvcrhälinls ösfnung ergeben habe, dast der Tod nicht als Folge einer Vergif- abgenommen hat. Marken lverdcn nicht geklebt, jedoch wie„üblich" � tung. sondern eines— Herzschlages eingetreten sei. Die Witwe des Verstorbenen beruhigte sich aber damit nicht alle Woche der Beitrag vom Lohn abgezogen, die Äartcn werde» nicht umgetauscht. Diese Mängel werden aber leider gewöhnlich erst dann entdeckt, wenn der Arbeiter seinen Austritt erklärt oder entlassen wird. Da wird die Jnvalidcnkarte und verlangte von der Berufsgeiwssenschaft der chemischen Industrie eine Rente für sich und ihre unmündigen Äinder. Tie Berufs- lalidcnkarte„gesucht". Tage- ja gcnossenschaft liest sich nun ei» umfangreiches Gutachten von Pro- wochenlang muh der Arbeiter� auf seine jiartc warten, die sich � sessor Lehmann-Würzburg über die Wirkung des Paranitranilins immer noch nicht auffinden lasse» will. Hat er Gcsctzeskenntnisie,> aus den ncenschlichen Körper erstatten', dann lehnte sie jede Eni- so versucht er es mit der Pvlizeibchördc, die ja geniäst§ ILst des i schädigung des Falles ab, weil auch Professor Lehmann den Be- Jnvalidcngesctzcs verpflichtet ist, dem Unternehmer in solchen � triebsunfall bestritten habe. Fällen die Karte abzunehmen»nd an den Arbeiter auszuhändigen. Unternehmer, welche jedoch die Jnvalidcnkarte„verlegt" haben. In der Berufungsinstanz stellte sich heraus, dast Professor Lehman» seine Angaben auf Tierversuche stützte und die von ihm können diese auch der Polizei nicht abgeben, wenn diese auch fünf| mit Paraniiranilin vergifteten Katzen usw. nicht sofort verendeten. Mann hoch erscheinen würde. Bemerkt sei noch, dast aber diese Polizeihilfe zahlreichen Kommissaren, Wachtmeistern der Polizei- rcvicre, den Bauernbürgcrmeistcrn gar nicht bekannt sein soll. Räch allerdings irriger Ansicht vieler Gcwcrbcrichtcr hat der Ar- beitcr erst dann einen Anspruch auf Schadenersatz, tvenn er die Polizeibehörde in Anspruch genommen, um seine Jnvalidcnkarte wieder zu erhalten. Die Jnvalidcnkarte hat er immer noch nicht Professor Lehmann gab aber die„Möglichkeit" einer Vergiftung. nickt aber die Wahrscheinlichkeit zu. Anderer Ansicht war der Kreisarzt Dr. Beinhauer zu Höchst, welcher im Gegensatz zu seinen übrigen Kollegen sich für eine Vergiftung durch Paranitranilin aussprach. Das Schiedsgericht zu Wiesbaden sprach der Witwe die Rente durch Urteil zu. Es erklärte, dast der Tod durch eingetretene Paranitranilinvcrgiftnng veranlastt worden sei, also ein Betriebs- Mit vieler Mühe gelingt es ihm, eine Duplikatkarte zu erhalten Unfall im Sinne des Gesetzes vorliege. Es war vorauszusehen, dast und dann wieder Arbeit zu finden. Ten Schaden hat aber immer der Arbeiter, solange die Jnvalidcnkarte als Ausweispapier gilt. «selbst wenn die Karte nach langem Suchen sich vorgefunden hat, kann der Arbeiter schwer geschädigt sein. Tie Karte wurde nickt beklebt, nicht richtig umgetauscht und ist verfallen. Dadurch ist der Versicherte, ohne seine Schuld, aller Ansprüche gegen die Vcr- sichcrungsanstalt verlustig geworden, selbst wenn ihm der säumige Unternehmer bestätigt, dast durch dessen Schuld der Verlust ent- standen ist. Zahlreiche Invaliden habe» deshalb keine Rente er- Imlten können, weil sie die Anwartschaft nicht erfüllt, die Jnva- lidcnkarte nicht richtig beklebt und umgetauscht wurde. Kann der Geschädigte den Unternehmer hastbar machen? Zahl- reiche Landgerichte haben Arbeitgeber verurteilt, dem Invaliden die Rente zu zahlen, welche durch seine Schuld von der Vec- fickerungsanstalt nicht gezahlt werden konnte. Aber spätere Urteile haben mir die halbe Rente dem Invaliden zugesprochen, weil er ja auch einen Teil der Schuld habe, nicht richtig kontrolliert habe. auch die Hälfte der Beiträge aus eigener Tasche zu zahle» habe usw. Ja,»ach Ansicht einiger Gerichte sind Unternehmer über- Haupt nicht mehr haftbar zu machen, weil der Versicherte selbst für die nötige Kontrolle, Markenverwcndung, Umtausch der Karten usw. zu sorgen habe— gerade als ob der Arbeiter die Karte im Besitz hätte oder die Unternehmer sich diese Vorschriften und Kontrollen gefallen lassen würden. Wefter must beachtet werden, dast in zahlreichen Invaliden- kartön ganz ungenügende Marken verwendet werden, Unternehmer aus Unkenntnis, Absicht oder Fahrlässigkeit unrichtige'Lohnklassen verwendet haben. Ten Schaden trägt natürlich immer der Ar- beiter und auch die Versicherungsanstalt. Deshalb hat maic in zahlreichen Bundesstaaten Teutschlands daS Einzugsverfahren den Krankenkassen' übertragen. Tie Jiwalidenkarte wird auf der Ortslrantenkassc abgegeben und bleibt dort aufbewahrt. Tie Krankenkasse klebt die Marken, tauscht die Karte um und sichert so dem Arbeiter stets eine gültige Karte, die er sofort in Empfang nehmen kann. Ter Arbeitgeber braucht nicht zu kleben usw. und zahlt gewöhnlich die Beiträge init de» Kranken- kassenbeiträge» zusammen. Aber auch die Versicherungsanstalt hat durch dieses Verfahren graste Vorteile, denn sie hat die Garantie, dast immer die Marken richtig geklebt und von den Krankenkassen auch bezahlt werden. Tic Krankenkasse garantiert also für pünkt- lich« Erledigung der Geschäfte und sichert den Vcrsicherungs- anstalten höhere Einnahmen. .Die Jahresversammlung, deutscher OrtSkraukcnkassen zu Dresden ini Jahre 1905 forderte daher auch nach einem Referate des Genossen Fischer-Weimar, dast„die Erhebung der Beiträge zur Invalidenversicherung durch entsprechende Acndcrungen im Gesetz einheitlich zu rcgelir. und ganz allgemein den Ortstranken- fassen zu übertragen sind." Die Entschädigung, welche den Krankenkassen für die Einziehung der Beiträge gezahlt lverdcn soll, müsse mindestens 6 Proz. betragen. Nun liegt der Entwurf der neuen RcichSversicherungsordnung vor, welcher leider keine Regelung dieser Frage bringen wird. Statt nun dieses neu zu fordern, erhebt sick sogar wider Erwarten eine„Stimme" aus Lübeck, welch: das Eiuzugsverfahrcn ganz beseitigt haben will. Rat Illing kommt in einer Abhandlung in dem..Zentralblatt der Reichsversicherung" zu dem Schluh:„Das Eiuzugsverfahrcn ist eine überlebte Einrichtung, deren Fort- besiehen weder im Interesse der Versicherten»och in demjenigen der BersichcrungSanstalten liegt und bloß ans Rüclsichtcn auf die Be- quenilichtcit der Arbeitgeber nicht mehr zu rechtfertigen ist". Wäre dieses Verfahren wirklich nur für die Bequemlichkeit der Unternehmer geschaffen, so hätten die Versicherten und das'grosse Werk niit seinem„Weltruf" sowie die Berufsgcnossen- schaft sich mit diesem Urteil nicht beruhigen würde, zumal immer behauptet wird, dast die armen Arbeiter der chemischen Industrie keinen grossen Betriebsgefahreu ausgesetzt sind, höchstens— hie und da mal eine„Gelverbekrankheit" auftreten könnte.... Das jetzt zugestellte Urteil des Reichsversicherungsamtcs vom 23. Sep- tcmbcr 1909 fiel geradezu vernichtend für die seitherigen Auf- fassungcn der Wcrlbesiher ans. Das Reichsversicherungsamt holte ein Obergutachten von der bekannten Autorität Professor Dr. Lcwin- Berlin über diese Frage ein. Der erfahrene Gelehrte sprach sich direkt für das Vorliegen eines Betriebsunfalles aus. Das umfang- reiche Gutachten führt aus, dast der Verstorbene„während der schweren und gefährlichen Beschäftigung ldie aber immer bestritten wird! D. V.) a» der Schleuder Paranitranilin in sich durch die Luftwege aufgenommen bat und diese Giftstoffe eine Blutvergif- tung erzeugt" haben. Diese Vergiftung habe auf das Herz ein- gewirkt und daher zum lvesentlichen Teile die bei der Leichen- ösftuliig festgestellten Veränderungen des Herzens verursacht. Ein Betriclisunfall liege auch vor, weil„die Aufnahme der Giftstoffe auf ein plötzliches Ereignis zurückzuführen sei, da die Beschäftigung an der Schleuder ü Stunden gedauert habe, und eine solche Arbeits- -schickt als ein den Erfordernissen der Plötzlichkeit noch genügender, verhältnismässig kurzer Zeitraum aufgefastt werden kann." Professor Lewin ist in seinem hochinteressanten Gutachten, welches hoffentlich bald in allen Fachzeitungcn im.Wortlaute zum Abdruck tpmmen wird, der Frage mft aller Entschiedenheit nahe gegangen. Er legt dar: Die Masse, mit der I. zu hantieren hatte, lvar schon keine gleichgültige, vielmehr sehr gefährliche. Dazu kam als gefahr- bringender Umstand, nach den Beobachtungen des Kreisarztes Dr. Beinhaucr, die Verstaubung des Materials. Er sah, wie das Mate- rial beim Einschütten herabsiel und von den Arbeitern am Boden zusammengekehrt werden mußte. Bctriedsinhabcr, die Arbeiter einer solch offenkundigen Gefahr aussetzen, verstoßen gegen den 018 des Bürgerliche» GesebbuchcS. Dast die Betriebsleitung die Arbeitsbedingungen als unvollkommen erkannt hat, scheint daraus hervorzugehen, dast sie dieselben, wie Dr. Beinhauer mitteilt, später geändert hat. Auch der erhöhten Gefahr war sie sich wohl bewuht." Auch Dr. Lehmann erhält eine Abfuhr, dessen„Katzeuvcrsuche" dem Gelehrten auch gar nicht imponierten:„Professor Lehmann meint, es sei nicht näher untersucht ob durch Munt» und Rase ge- fährliche Mengen bei staubigem Betrieb in die Lungen konime». TieL braucht nicht erst untersucht zu werden, weil es elementares Wissen darstellt, das jeder besitzt, der solche Betriebe persönlich kennen zu lernen Gelegenheit genommen hat. Grössere Staub- mengen kommen nicht allmählich in die Lungen, wie Lehmann meint, sondern, wenn der Staub sein ist, sehr schnell. Davon kann sich schon jeder in einer Formerei, in der viel, mit altem Foxm- fand gearbeitet wird, überzeugen. Ein etwa einstündiger Aufent- halt in einer solchen schafft viel von dem feinen stäubenden Material durch Nase und Mund in die Lungen, so dast man nach Stunden noch schlvarze Massen auswirft. I. hat etwas von dem Para- nitranilin mit dem Speichel verschluckt und den grösttcn Teil in die Luftwege aufgenommen. DaS hat ihm de» Tod gebracht. Para- nitranilin ist ein Gift wie Anilin, und der Körper kann es schnell in die Lösung bringen und in das Blut eintreten lassen. Es ist ein Blutgift." Den Kassenärzten des Werkes, die betonten, dast die Sektion der Leiche ein schlimmes Herzleiden gezeigt l>abe. legt Professor Lewin dar, dast sie nicht einmal ein Sektionsprotokoll richtig abgefastt haben,„dast dasselbe in der vorliegenden Form, wie es scheint, nicht während der Sektion diktiert worden ist". Es fehlten die wichtigsten ■■■.>........... Angaben über den Zustand des Gehirns, der Harnblase usw. Sehr Krankenkassen wahrl'ck kerne Ursache si.» dafür zu erwärmen.~ic � vuch folgende Feststellung des Gelehrten:„Selbst wenn vorteile dickes Verfall renv tut die Versickerten haben wir ob-n man cjn völlig gesundes Herz bei I. vor dem Unfalltage am Vorteile dieses Verfahrens für die Versicherten haben wir oben ausftihrlich hervorgehoben. Das Einzugsverfahren durch die Krankenkassen ist dem heute herrschenden vain Standpunkt aller Beteiligten vorzuziehen. Aber nehmen wollte, so würden die Veränderungen immer nur einen Umfang gehabt haben können, der die Arbeitsfähigkeit nicht zu be- einfluffen fähig war. Dast diese nicht beeinflustt war, steht fest. ein ideales ist auch dlefeö nicht. Erforderlich ist, gegenüber der~ jj0& üm letzten Arbeitstage in 5 Stunde» mindestens 24 schwaiikcndM Judikatur, die ausdrucklichc Festlegung in der neuen. o hgch. Tg wirkte eine beträchtliche Menge eines RetcksversicherungSordnung, do»; der Arbeiter seinen Renten- zzlutgiftes auf ihn ein. das zu seinem Löslichwerden und zu der nnspruch durch Bummelei des Arbeitgebers oder der Organe, die . die Einziehung besorgen sollen, nicht verliert. Und darüber hinaus sollt« mit dem endlichen Bruch deS Klebe- shstems überhaupt vorgegangen werden. Dr. Bocdicker hat vor mehreren Jahren mit Recht betont, dast daS jetzt beliebte Klebe- verfahren mit dem Haufen von Papier und eigenen Gebäuden zur Aufbewahrung d«r Karten ein schwerfälliges Unding ist. Wenn endlich der Kreis der Jnvalidenversicherten mit dem der Kranken- versickerten gleichgestellt wird, ist nicht abzusehen, weshalb das Kledcshstcm noch beibehalten werden soll. Es sollte ein System genügen, das die Tatsache, dast der Betreffende invalidenversichcrungs- pflicktig ist, als Beweis fiir die örtliche Versicherung unterstellt und subjektiv und objektiv bemerkbar werdenden Wirkungsentfaltung eine gewisse Zeit braucht— bei I. bis zum späten Nachmittag. Dieses Gift änderte auch den Hcrzzustand. Das Herz wurde nicht mehr mit normalem Blute ernährt, denn das Blut war durch Zer- sctzungsprodukte braun, krankhaft verändert geworden." Auf Grund dieses Gutachtens hat das RcichsversicherungSamt das Zwrlicgc» eines Betriebsunfalles bejaht. Die Witwe erhält die Hinterbliebenenrente. Für die Arbeiter der chemischen Industrie wird dieser Fall neuen Beweis liefern, dast ihre Arbeitsweise viel gefährlicher ist, als man ihnen bisher vorgemacht hat. um sie mit kargen Löhnen abspeisen zu können und die gefährliche BetrieliSführung weiter der Versicherungsanstalt lediglich das Recht gibt, auf Nachzal)lung j aufrechtzuerhalten. Das graste Höchster Farbwerk hätte, falls daS für nichtgeklebte Marken zu klagen. Heute kann unigetehrt trotz Vorliegen eines Betriebsunsalls verneint worden wäre, weil die KlcbcnS ein Rentenanspruch abgelehnt werden, iveil kein ver- Vergiftung nickt plötzlich, sondern allmählich eingetreten sei, auf jicherungspflichtiges Verhältnis vorgelegen habe. Wie Dr. Bocdicker � Grund der§§ 618 des.Bürgerlichen Gesetzbuchs und 120» der Gc- mit Recht betonte, ist eS eine lediglich dem Interesse des Arbeiters' werbcordnung vollen Schadensersatz zu leisten gehabt, weil eS die widersprechende Inkonsequenz des Gesetzes, eine. Vcrsicherungs- zum Schutze der.Gesundheit. möglichen Sicherheitsmastregeln unter- Notwendigkeit des Arbeiters aus sozialen, allgemeinen Gründen � lassen hat. Ter angeführte Fall ist einer der vielen, die auf der einzuführen, das Recht aus dieser Versicherung aber von allerlei Grenze von Betriebsunfall und Itzewcrbekrankheit oder Berufs- ! must. Weit wichtiger freilich wäre die Verhütung solcher Unglücks- ! sälle, und die lieste sich erzielen, lven» Werke wie das hohe Divi- dcuden zahlende Höchster Farbwerk die Gesundheit der gegen kärg- liche Löhne von ihr beschäftigten Arbeiter endlich so hoch wie die Gesundheit ihrer Aufsicktsratsmitgliedcr einschätzen, die zur Ab- Wendung von Gesundheitsschädigunaen erforderlichen Lasten auf» Wenden würden, und wenn endlich Arbeiterlontrolleure mit der Be- fugnis eingeseift v'ür�v. Schutzmastrcgel»»"zuordnen und zu überwachen._ Verträge gegen die guten Sitten. Die Verträge, die das Wach- und Schließinscitut Groß-Berlin mit seinen Angestellten abschliestt, sind schon wiederholt infolge der vielfach von letzteren angestrengten Klagen Gegenstand eingehender Erörterung vor dem Gewerbcgcricht gewesen. Auch gestern mustte sich die achte Kammer des GewerbcgcrichtS auf Grund einer vonc Wächter R. gegen die Gesellschaft anhängig gemachten Klage wieder recht eingehend mit dem bei der Gesellschaft üblichen Vertrage bc- schäftigen. Ter Kläger fordert 7,50 M. Lohn für geleistete Dienst� stunden und die Rückzahlung seiner Kaution, im Betrage von 30 M. Die Zahlung der 7,50 M. ist wiederholt abgelehnt, weil der Kläger nach fünftägiger Beschäftigung das Arbeitsverhältnis wieder löste und durch schriftliche VertragSvereinbarung sich verpflichtet hat,'dm ersten drei Tage ohne Anspruch auf Vergütung für seine Dienste zu arbeiten. Weiter sieht der Vertrag vor, dast dck gestellte Kaution erst vier Wochen nach dem Austritt aus der Beschäftigung rückzahl» bar ist. Ausserdem brachte der Vertreter der Beklagten,� Ober- inspettor Lang, noch eine vom Kläger unterschriebene Schlust» abrechnung bei. In dieser erklärt Kläger, autzcr der Kaution, die nach Abzug von 10 M. für eine Hose nur nöch 20 M. beträgt, keine Forderungen mehr an die Beklagte zu haben. Der Vertreter des Klägers Utzmdete ein. dast diesem beim. Unterschreiben des Vertrages nicht die nötige Zeit zum Durchlesen desselben gelassen worden ist; desgleichen auch bei der Schlust- abrechnung. Auch müsse die geistige Beschränktheit des Klägers mit in Betracht gezogen werden. Die von der Kaution in Abzug gc- brachte Hose hat der Kläger am Tage»ach seinem Austritt in Gegenwart eines Zeugen im Bureau abgeliefert. Der Ober- inspektor Lang habe sie aber dem Kläger auf die Treppe nach» geworfen. Der Vertreter der Beklagten bestritt das nicht, führte aber zur Entschuldigung an, dast Kläger die Hose ins Bureau hinein- geworfen habe. Dies wurde vom Kläger entschieden bestritten. Eine vom Gericht verlangte Schilderung des Vorfalls vermochte der Vertreter der Beklagten nicht zu geben. Das Gericht verurteilte die Beklagte anerkennungsgemäh zur Rückzahlung der 20 M. Kaution am 26. November. In den Gründen sagte es. dast es der Klage im übrigen nicht habe stattgeben können, weil bmn Kläger der Beweis dafür nicht erbracht werden konnte, das; seine Unterschrift aus der Schlustabrechnung in einer rechts- widrigen Weise zustande gekommen sei. Die Bestimmung des Vcr- träges, dast die ersten drei Tage umsonst gearbeitet lverdcn must, vcrstöstt wider die guten Sitte», wie das Gewcrbegcricht schon wiederholt ausgesprochen hat. Rechtlich könne aber Kläger nichts mehr beanspruchen, weil er in der Schlußabrechnung sein noch- maliges Einverständnis mit dem Vertrage erklärt hat. Das Urteil geht in der Beurteilung der Wirkung des Schlust» scheius fehl. Es kann auf sich beruhen, ob das Zurückbringen der Hose nicht ausreicht, dast Kläger bei Unterzeichnung der Schlust- rechilnng sich des Inhalts des Schriftstücks, von dem er eine Ab- schrift nicht erhielt, nicht bewustt war. Jedenfalls aber verliert ein Vertrag gegen die guten Sitten nicht durch Anerkenntnis— und etwas anderes liegt in der Schlustrechnung nickst— keineswegs seinen moralwidrigen Charakter. Ein nichtiger Vertrag bleibt nichtig. Das Anerkenntnis dieses Grundsatzes Istitte auf die Be- klagte wobl mehr Eindruck gcmackt als die in der Urteilsbegründung liegende Moralpauie ohne metallischen Klang. formalem Kram und nicht allein von der Tatsache�abhängig zu machen, ob der Anspruchcrheber in einem nach dem Gesetz ver- sichcrungspflichtigcn Verhältnis gestanden habe. Hat man ernstlich krantheit liegen. Wiederholt haben wir betont, dast ein Hinein- beziehen dieser sogenannten Berufslrankheitcn in den Begriff Be- triebsunfall eine der Ausgaben der Reichsversicherungsordnung sein Gerichts Die Miidchenrevolte im Magdalenenstift in Teltow beschäftigte gestern unter Vorsitz des Landgcrichtsdirektors Seligmann die vierte Strafkammer des Landgerichts II. Angeklagt wegen Aufruhrs bczw. Widerstands gegen die Staatsgewalt waren nenn weibliche Fürsorgezöglinge, während sich der Bäcker Franz Schwarz wegen Beihilfe zu diesem Vergehen verantworten mustte.— Die in dem Magdalenenstift in Teltow untergebrachten Zöglinge hatten schon wiederholt durch ihre gewaltsamcu Fluchtversuche und Revolten gegen die Beamten von sich reden gemacht. Anfangs August- d. I. war wieder einmal in aller Heimlichkeit ein. Plan zur gemeinsamen Flucht entworfen worden. Als Mittel zum Zweck diente ihnen hierbei« der Mitangeklagte Schwarz, der in der Anstalt das Früh- stück auszutragen hatte. Dieser wurde von den Mädchen überredet, ihren Eltern von dem Plane Mitteilung zu machen, damit dies: sich mit anderen Kleidungsstücken vor der Anstalt einfinden sollten. Schwarz liest sich auch hierzu verleiten und diente als Zwischen- träger. Am Abend des 14. August drangen plötzlich die Mädchen in der Freistunde auf die Wärterinnen ein. Einige hatten sich mit Pfeffer und Salz versehen, um es den Aufseherinnen in die Augen zu werfen, wenn diese sich ihnen in den Weg stellen sollten. Es kam jedoch nicht zu ernsteren Gewalttätigkeiten. Telephonisch rc- quirierte polizeiliche Hilfe traf dald ein. Die Aufrührerinnen wurden beruhigt und zurückgedrängt.— Das Gericht erkannte gegen die angeklagten Mädchen auf Gcfi'ingiiisfirafcn von sechs Wochen bis zu vier Monate». Der Angeklagte Schwarz wurde Wegen Beihilfe zu einem Monat Gefängnis verurteilt, der durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurde. Durch derartige Strafen beseitigt man nicht die im falschen System unserer Fürsorgeerziehung liege"«""' Ursachen für derartige Meutereien. Landarbeiterfreudcn. Was für Misthandlungen unsere Landarbeiter erdulden müssen, zeigte eine Schöffcngerichtssitzung in Stolp. Wegen schwerer Körperverletzung hatte sich ein 28 Jahre alter Inspektor Rcdctzti aub Alt-Malzkow zu verantworten. Im Mai d. I. war der Pächter August Fritz bei der Drillmaschine tätig und beaufsichtigte der An- geklagte die Arbeit. Kurz vor Feierabend erklärte Fritz, er müsse einmal austreten und bat den Angeklagten, so lange die Maschine zu beaufsichtigen. Als er etwas lange ausblieb, ging der Angeklagte ihm nach. Als er ihn traf, hieb Redetzli nach kurzem Wortwechsel auf Fritz mit seinem eichenen Handstock ein. Ter Stock zerbrach. Fritz stürzte besinnungslos mit einer klaffenden Wunde zu Boden. Ohne sich um de» Niedergeschlagenen zu kümmern, ging der An- geklagte weiter. Erst nach einer Stunde fand der Sobn des Fritz seinen besinnungslos liegenden Vater, lud ihn auf den Wagen und fuhr ihn nach Hause. Der herbeigerufene Arzt stellte mehrere Kops- verlevnngen und eine» Riß im Trommelfell fest. Die Strafe für die rohe Tat fiel äuhcrst milde aus— 150 M. Geldstrafe.— Man sieht, es gibt noch milde Richter. Ob die Strafe auch eine Geld- strafe gewesen wäre, wenn der Fall umgekehrt gelegen hätte? Auch wenn die„Deutsche Tageszeitung" diesen Vorfall nicht sorgfältig mit dem Mantel großagrarischcr Nachsicht bedecken sollte, Wird sie weiter über Roheit und Unbotmäßigkeit der Arbeiter zetern. HlÜer �Branntwein vermeiden will, verlange den echten �OtiflO �ermouth"Wein Gin gesundes, magenstärkendes und erwärmendes Qetränk für jedermann zu jeder Zeit I GroSe Vorteile bieten 6 Rennion- Zigaretten mit aliwiatem Kolzmundstöek Zu haben in allen Zigarren-Spezial-Geschäften. mm J KaiaJode), fuberWaad-w�i /fas 'Berlin 505 £ine Mark «vOehentl. Tell- zahlnng liefere elegante fertige Herren- Moden Ersatz f Or Mass. IfassaDfertigung. Feinste Verarbeitung unter Lcitg. ersikl. äclmeidermeleter. J. Kurzberg Resenthalerstraue 4u, I. Etage, direkt am Baekesclien Markt Kein Waren- Kredit- Haue. Bei Uarzahlung — 10°/, Rabatt I— Eigene Betriebswerkstätten „Hoffnung" Berliner Schneiderei- Genossenschaft e. 0. m. i>. h. 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Kl. 221. Kgl. Prcuss. Lotterie. Ziehung vom«. November nachmittags, Nur die Gewinne über 210 Mark sind den bclrctfea- den Nummern in Kiammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 75 109 519 51 921 1277 730 858 919 59 2 266[1009] 530 717«3 050 3057 91 330 351 07[3000] 960 4162 371 ■400 781 5335 741 6 115 61 07 858,483 575 92 675 62 7162 [lOOO] 242 375 516 33 61 809 40 62[ 3000] 8175 423 011 710 41 9134 61 78 200 71 396 701 77 836 97 963 10165 173[ 50001 261[5000] 114[ 500] 743 052 57 11033 118 66 321 96 515 750 52 97 900 1 2 129 483 91 683 9 4 613 910 1 3101 320 418 533 787 915 19 1 4030 221 [1000] 89 452 517 23 817 56 78 1 5041 333 790 1 6090 941 426 90 507 051 771 936[3000] 38 89 1 7112 235 556 «22 23 757 83 925 1 8015 85 123 28 8 4 288 331 05 431) [500] 06 635 716 829 935 1»077 115 491[6000] 519 72 632 7*8 833 947 20036 482[10001 732 46 809 903 2 1 022 48« 821 58 65 909 22099 18t 553«Ol 712 81 23 110 815 24117 50 2t« 93 460 686 694 704 925[500] 58 2 5 305 69 435.50 56 81 543 884 2 6257( 500) 304 87 413 510 847 2 7129 234 95 502 713 83 955 2 8 292 318 IlOOO) 25 28 4 6 436 29 U4 1500] 202 13000] 313 90«00 75 732 823[1000] 30222[ 30001«01 3 1 071 80 82 227 501«59«63 32091 584 299[1000] 303 44«52[ 3000] 761 911 3 3508 21 3*059 103 84 378 410 47«53 35731 62 1 1000] 828 36027 121 38 63 617 731(500) 43 51[1006] 87[ 3000] 835 616 37000 157 315 529[1900] 69« 725 3 8013 110 221 503 922 93 39140 257 439 13000] 636 717[1000] 33 93 883 928 11000] 57 40561 91 912 19 41033 fJAO] 40 107 43 731 801 4 2256 61 530 98 631 768 923 93 4 3032 93 162 63 273 323 75 590 4 4500 632 852 900 4 5557 725 812 4 6 495 812 062 4 7 235 369 680 I 1090] 845 929 4 8386 418 33 657 85 902 41 49033 160 311 193 503 41«6« 50237[ 500] 96 607[10000] 5114« 374 531 899 977 5 2039 311 330 558 771 03 5 3 074 187 216 401 857 5 4075 147 3 71 410 92 510 6 1 70 t 55010 21[500] 153 306 506 «7 620 70[1000] 56 16*[500] 345 69 493[1000] 691 779 652[1000] 900 93 5 7019 77 IlOOO] 229 333 005 5 7 3 8022 198 215 567 605»1[500) 95 839 46 903 71 5 9396 429 57 013[1600] 073 716 892 51 6 O0S7 98 13000] 123 83.246[500] 98 327 40 457 517 740 853 912 8 1093( 3000) 439 582 719 6 2074[500] 193 223 62 933 6 3C60 26? 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8«1 751 870 3 0 301« 325 34 445 032[1000] 831 061 "Verantwortlicher Redakteur: Mül�Unger" Grunewald. Für denKnseratenteil verantw.: TH.Gluckr, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Vuchdrnckerei u. Vcrlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Ar. 261. 26. Jahrgang. 5. Srilnuf iifö ,Jjoiiiifiitöw ilfilinft|iolli$tiliitt?««>»" Stadtvcrordnctcnwal)lcn in Lharlottendurg. Morgen finden die Wahlen in der dritten Abteilung statt. Parteigenossen! Sorgt dafür, dah kein Wähler zurückbleibt, rschcint Mann für Mann am Wahltisch und bereitet dem Libera- � ismus eine vernichtende Niederlage.. Ter Charlottenburger Frei- inn prunkt gern mit seinem liberalen Empfinden und seiner Für- sorge für die arbeitende Bevölkerung. In Wahrheit aber muß ihm jeder kleine Fortschritt, jede kleinste Verbesserung in hartem Kampfe abgerungen werden. Der Freisinn im Reich trägt die Mitschuld an den ungeheuren neuen Steuerlasten, und der Freisinn in der Kommune kann seine Bluts- und Gesinnungsverwandtschaft mit seinen Brüdern im Reich nicht verleugnen. Wähler! Erteilt dem Freisinn auch in Charlottcnburg die Quittung für seine mit heuchlerischen Phrasen verbrämte volksausraubende Politik! Selbst in den Millionärs- vierteln des reichen Charlottenburg mutz der Einfluh des Frei- sinns in der dritten Wählcrabteilung verschwinden und der Name :es Freisinns als einer Volkspartei immer klarer als Lüge er- kannt werden. Mann für Mann erscheint am Wahltisch und gebt Eure Stimme für die Kandidaten der Sozialdemokratie ab! » Heute vormittag findet eine öffentliche Versammlung im Volks- haus, Rosinenstr. 3, statt, in welcher die Bedeutung der Stadwer- �rdnetcnwahlen von den Genossen Hirsch und Z i e t s ch dargelegt »wird. Sorgt für zahlreichen Besuch dieser Versammlung! Morgen, am Wahltage, müssen alle Parteigenossen, die an der Wahlarbeit beteiligt sind, sich rechtzeitig einstellen, damit die Ar- beiten ohne jedes Stocken von früh an von statten gehen. Auch die Genossen aus den Nachbarorten, besonder? aus Rixdors und Berlin VI bitten wir, sich rechtzeitig im Wahl- bureau im Volkshaus. Rosinenstr. 3 zur Verfügung zu stellen.— Dort werden abends die Wahlresultate bekanntgegeben. Partei-?Zngelegenkeiten. Vierter Wahlkreis. Am heutigen Sonntag findet um 2 Uhr und 5 Uhr je eine Urania-Vorstellung statt. Zum Vortrag kommt: Die neue Dolomiten st ratze. BilletlS a öS Pf. inklusive Garderobe sind noch vor Stattfinden der Vorträge in der Urania. Tauben st r. 4S/4g, zuhaben. Charlottcnburg. Die Parteigenossen, welche im Besitze eines Fahrrades sind, werden ersucht, sich an den Arbeiten zur Stadt- verordnetenwahl am Montag als Radfahrer zu beteiligen. Die Zentrale der Radfahrer ist im Bolkshause(Stehbierhalle) von morgens 8 Uhr an. Es wird hauptsächlich auf die Mitglieder des Arbeiter-Radfahrervereins reflektiert. Der Vorstand der Wahlvereins. Groß-Lichterfelde. Am Mittwoch, den 10. November, abends 8'/, Uhr, findet bei Wahrendorf, Bäkestratze, ein von den Parteigenossen veranstalteter Schiller-Abend mit Rezitationen statt. Der Zahlabend an diesem Mittwoch fällt a u S; derselbe findet dafür am Dienstag, den 1ö. November, statt. Johannisthal. Dienstag, den 9. November, abends 8 Uhr, findet bei Schulz. Friedrichstr. 10, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Emil Dittmer über„Darwinismus und Arbeiterschaft". 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. vritz-Buckow. Am Mittwoch-Zahlabend wird eine Statistik der gewerkschaftlich organisierten Genossen aufgenommen. Die Mir- alieder werden ersucht ihr Gewerkschaftsmitgliedsbuch mitzubringen. * Der Vorstand. Mittenwalde. Am Sonntagnachmittag um 4 Uhr findet im Lokale des Herrn Kranich eine öffentltche Versammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Pagets über „BolkSausplünderung durch indirekte Steuern". Alt-Gienicke. Am Dienstag, den 9. November, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn Bohn, Grünauer Str. 55, eine Volks- versammmlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: 1..Los von der Kirche". Referent: Genosse Siering-Berlin. 2. Diskussion. Nowawes. Mittwoch, den 10. November, abends 8'/!, Uhr. findet im Schmidtschen Lokal, Wilhelmstr. 41—43, die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wer bezahlt die neuen Steuern? Referentin Genossin Mathilde Wurm- Berlin. 2. Geschäftliches. 3. Abrechnung vom 3. Quartal. 4. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Borstand. Reinickcndorf-Ost und West. Eine öffentliche Protestversammlung. die sich mit dem Verhalten der Genleindeverwaltung gegenüber den Gemeindearbeitern bcsckäftigen wird, findet am Montag, den 8. November, abends 8 Uhr. im.Schützenhause", R e s i d e n z st r. 1, statt. Jeder Parteigenosse und jede Genossin hat für den Besuch der Versammlung zu agitteren, um die Kund- gebung so wuchtig als möglich zu gestalten. Borfigwalde-Wittenau. Am Montag, den 8. November, findet in den.Borsigwalder Festsälen" eine öffentliche Versammlung statt. Genosse Adolf Hoffmann spricht über.Das Christentum von heute". Heute Sonntag früh 8 Uhr Handzettelverbreitung hierzu. Der erste Bezirk vom Lokale F. Zühleke, der zweite Bezirk von W. Schulze Genossen, agitiert für Massenbesuch! Die Bezirksleitung. Serlmer I�admcKten. Die Kunstbefähigung deS Proletariats. Im vergangenen Frühjahre sahen wir mit Hellem, frohem Auge die ZeichenaussteUung der Berliner Gemeindeschnlkinder, freuten uns der ungeahnten Kräfte, die in den Kindern des Volkes schlummern und nur rechtzeitig von richtiger Hand geweckt sein wollen. Was wir gestern mit mächtig auf- wallendem Verständnis, mit hochgeschwellten Hoffnungen und doch wieder blutenden Herzens in der soeben eröffneten Arbeiter-Dilettanten-Kunstausstellung ge- schaut haben, ist ein neuer Beweis, daß ungehobene Schätze wurzeln in der niedergehaltenen Schaffens- und Gestaltungs- kraft des Proletariats. In handgreiflicher, gcstaltnngsreicher Darstellung zeigt uns die von Dr. Adolf Levenstein�ver- anstaltete Ausstellung, daß nicht jeder Prolet im harten Fron- dienst erstickt und erstarrt. Nicht Ausnahmcnatnren sind es. lediglich einfache Proletarier, die hier mit Stift und Pinsel zum ersten Male in der Oeffentlichkeit zu Worte konimen. Und was vielleicht das Schönste ist: alle diese kleinen anspruchslosen, oft tiefstes Gefühl verratenden Erstlingswerke, diese charakteristischen Ausgeburten zauberischer Arbeiter- Phantasien und die wirklichen, im verborgenen blühenden Talente— sie sind ohne tiefere technische Vorbildnng, aus den natürlichsten Trieben der Menschenseele heraus entstanden, waren niemals für ein großes Publikum bestimmt, haben un- gewollt den Weg an das volle Licht gefunden. 5£arm strömt es aus diesen Bildern zum Herzen des feinjsühligen, sozial denkenden Beschauers. Man erlebt es geistvg mit, wie in der kurzen Arbeitspause der Zeichenstift blitzschnell ein packendes, köstliches Stückchen Arbeiterleben hinzanch'ert, das vielleicht die Gedankeiuvelr von Jahren auslöst, olwr wie nach Feierabend mühselig der anfangs noch ungelenke Pinsel tiefgründige Szenen ans der Arbeiterfamilie, aus dem eigenen vollen Denken und Sein auf die Leinwand bannt. Und dazwischen, mctcorgleich aufblitzend, hch; echten, unleugbaren Talente! Wahre Kiinstlerschast, die her noch unbekannte, in der Dach- kannner oder in der Borfstnbe einsam hansende Künstler ihrem vollen Werte ivach vielleicht selbst nicht kennt und nicht achtet. Ungeschliffene Edelsteine, die aus den dunklen Tiefen des arbeitenden Volkes in den Lichtkreis der denkenden Mensch- heit gebracht tja werden verdienten. Im Gegensatz zu der nach bestinimtcn Gesetzen schaffenden oder gar spintisierenden, auf die Spitze der„Sezession" ge- triebeneu berufsmäßigen Mal- und Zeichenknnst hält der Stift des Arbeitcrkünstlers alles fest, was er sieht und niitfühlt. Die' ganze eigenartige Ausstellung ist eine Gefühlssache, ein Hcrzenserguß, gepaart mit gutem Wollen und viel- versprechendem Können. Oft ohne grundlegende Linienführung, ohne Kenntnis perspektivischer Lehre, setzt der Zeichner mit dürren Strichen hin,>vas seinen Gesichtskreis umfängt. Eine Landschaft seiner engeren Heimat, ein Stilleben ans Hans und Familie, originellste Momentaufnahmen von der Arbeitsstätte, Kompositionen unheimlich freier Phantasie. Aber in allem und jedem steckt Leben, Gedankenreichtum, Seele, gar oft das wilde Aufbäumen eingedämmter Kraft und die Sehnsucht nach menschenwürdiger Höhe. Da ist der Sozialpsychologe, der die ringende Arbeiterseele seziert, in seinem Element. Mit fast wehinütigem Kunststolz weist er auf das wohl Sonderbarste und psychologisch Interessanteste der ganzen Ausstellung, auf die verblüffend phantasiereichen und doch hochtalentierten Tuscharbeiten eines simplen Berg- mannes. Diese leicht und sprunghaft hingeworfenen Skizzen verkörpern fast mystisch und seltsam packend die Seelen- stimmung des im Erdinnern rastlos schaffenden Bergarbeiters. Was seine geheimsten Gedanken ausfüllt bei der eintönigen, lveltabgeschiedenen Arbeit, legt er in die Zeichnung bizarr geformter Kohlenstücke hinein: Engel und Teufel. Feen und Nixen, Kinder und Greise, lebendig Begrabene und Berg- geister. Es wird einem bange vor solcher Fülle der Phantasie. Magnettsch angezogen blickt man imnier wieder nach diesen hundert Blättchen und glaubt es plötzlich drohend vor sich auftauchen zu sehen: Das soziale Gespenst der Bergarbeit. Es ist nicht möglich, hier die vielen höchst beachtcns- werten Leistungen, die weit über den Dilettantismus hinaus- ragen, im einzelnen zu würdigen. Es ist natürliche Kunst- befähigung, die im Volke so überreich vorhanden ist und brach liegt und vorerst nur in Augenblicksbildern elementar an die Oberfläche drängt. Leider müssen unter den heutigen Gesellschaftszuständen Tausende von Talenten verkümmern, da ihnen keine Gelegenheit gegeben ist, sich entwickeln zu können. Das wird erst in einer sozialistischen Gesellschaft möglich sein. Die Ausstellung ist von heute ab bis einschließ- l i ch 3l). November im Vorderhause Potsdamer Straße 4, dicht am Po tsdamer Platz, Wochen- täglich ununterbrochen von 9 bis 8 Uhr, Sonntags von 12 bis 8 Uhr für jedermann geöffnet. Arbeiter zahlen den mäßigen Eintrittspreis von 25 Pf. Es empfiehlt sich, die Hinteren Säle zuerst zu besichtigen. An jeder Einzelausstellung sind die Lebensverhältnisse des Ausstellers mit Name, Stand, Alter. Wochenverdienst usw. kenntlich gemacht. Am 12., 13. und 14. Januar 1910, also nur an drei Tagen, wird die Ausstellung, die gegenwärtig nahezu 1000 Nummern von mehreren Hundert Arbeitern umfaßt, im Getverkschaftshaus, Engelufer 15, wiederholt werden. AuS der Magistratssitzung vom 5. November. Der Magistrat beschloß dem gelegentlich der Ablehnung des Paulstratzenprojektes gestellten Ecmchen der Stadlverordnete»- Versammlung zu folgen und auch die Gemüse- und Obstgrotzhalle, wie die Fleischgrotzhalle nach dem der Stadtgemeinde gehörenden Gelände an der Kniprodestratze zu verlegen, das seiner Zeit für diese Zwecke angekauft worden ist. Der Magistrat beriet die Grundsätze für die Unterbringung der Pflichtfortbildungsschule in eigenen Gebäuden und beschloß zur näheren Prüfimg der Angelegenheil die Einsetzung einer Kom- Mission._ Wie feiern wir Schiller? Friedrich Schiller, dessen hundertundfünfzigsten Geburtstag zu feiern das deutsche Volk sich jetzt anschickt, hat uns die Schaubühne als moralische Anstalt betrachten gelehrt. „Wenn die Gerechtigkeit vor Gold erblindet," schrieb er,„und im Solde der Laster schlvelgt. wenn die Frevel der Mächtige» ihrer Ohnmacht grollen, und Menschenfurcht den Arm der Obrigkeit bindet, übernimmt die Schaubühne Scklvert und Wage, und reißt die Laster vor ihren gräßlichen Richlerstuhl.... Richtigere Begriffe, geläuterte Grundsätze, reinere Gefühle fließen von hier durch alle Adern deS Volkes der Nebel der Barbarei, des finstern Aberglaubens ver- schwindet, die Nacht weicht dem siegenden Lichte." Unser kapitalistisches Zeitalter hat auch das Theater zum bloßen Geschäft erniedrigt. ES hat die Schaubühne aus einer moralische» Anstalt, einem Jnstrunient der Bolksbcfreiung, das sie nach der Ueberzeugung deS großen dramattichen Dichters werden sollte, zu einem Unternehmen gemacht, das für Geld jedes, auch das niederste Gelüste befriedigt. Die Bühne ist moralisch, oder unmoralisch, fördert die Kultur oder die Barbarei, die Aufklärung oder den Aber- glauben, je nachdem es das zahlungsfähige Publikum verlangt. Sie kennt nur eine Nacht, die des Defizits, und nur ein Licht, das des KassencrsolgeS. Dennoch gibt eS in Groß- Berlin eine Stätte, an der das Evangelium des großen Dichters hochgehalten wird, von der man noch immer die Schaubühne als eine moralische Anstalt führt, die den Kampf des Lichts gegen die Mächte der Finsternis zu führen berufen ist. Jeder, der das Theaterleben Berlins kennt, kennt und nennt sie, und mit Stolz düifen die Berliner Arbeiter hören, daß es eine Arbeiterorganisation ist, die den Ruf genießt, ein künstlerisches Unternehmen im Sinne unserer besten klassischen Ueberliefenmgen zu sein. Die„Freie Volksbühne" will ihren Mitgliedern keine Stätte gedankenloser Zerstreuung bieten, sondern im Schillerschen Sinne durch die Freude am Schönen bessernd und belehrend wirken. Schiller rühmte es dem Theater nach, daß eS alle Klassen und Stände durch eine allesebende Sympathie ver- brüdere und sie vereinige in der einen Empfindung, ein Mensch zu sein. Diese gleichmachende, alle gesellschaftlichen Klassenunterschiede aus« gleichende und überhöhende Wirkung der Kunst war ein Lieblings« gcdanke des klassischen Jahrhunderts. Die„Freie Volksbühne" kann sich nicht rühmen, Klassenunterschiede beseitigt oder auch nur ab- geschwächt zu haben, wohl aber lehrt sie immer wieder aufs neue Zehntausende von gedrückten Proletariern, sich als Menscben zu fühlen und menschliche Ansprüche an das Leben zu stellen. Sie ladet die Arbeiter ein, teilzunehmen an den Genüssen künstlerischer Kultur, ohne die es kein wahrhaft menschenwürdiges Dasein gibt. Nicht würdiger und nicht besser im Sinne des großen Dichter? selbst können die Berliner Arbeiter den hundertundfüufzigften Geburtstag Friedrich Schillers feiern als durch ihren Anschluß an die Kulturgemeinschaft der Freien Volksbühne. Schillerausstcllung. Zur Schillerfeier wird im Lesfinghaus« (KönigSgraben 10, am Alexanderplatz) Sonntag, den 7., Mittwoch, den 10., und Sonntag, den 14. November, eine Schiller« a u s st e l l u n g veranstaltet, zu der das Märkische Museum, die Neue Photographische Gesellschaft und andere das Material zur Verfügung gestellt haben. Das Lessinghaus-Museum ist jeden Sonnrag und Mittwoch von 11—1 Uhr unentgeltlich geöffnet. Tie Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu � unentgeltlicher Benutzung für jedermann, die im vergangenen Jahre in das eigene Heim, Lv., A d a l b er tst r a tze 41, übergesiedelt ist, hat in diesen Tagen das erste Jahrzehnt ihrer Wirksamkeit abgeschlossen. Die Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle ist von dem Berliner Stadtverordneten Genossen Hugo Heimann in der Absicht errichtet worden, der unbemittelten Bevölkerung, insbesondere den geiverd« ljchen Arbeitern Berlins, neben den städtischen Volksbibliothckcn eine leicht zugängliche Bildungsstätte zu bieten. Dieses Ziel ist er- reicht worden. Die vorbildlichen Einrichtungen, der große und gewählte Bücherbestand, die reiche Auswahl von Zeitungen und Zeitschriften aller Parteien und Richtungen, die bequemen Besuchs- zeitcn sowie die behagliche Ausstattung aller Räume haben daS Institut in allen Kreisen der Berliner Bevölkerung beliebt ge» macht, führen ihm täglich neue Leser zu und erhalten ihm die Gunst des Publikums. Trotz der Verlegung in einen anderen Stadtteil ist daher auch im 10. Betriebsjahr eine erfreuliche Eni- Wickelung der gemeinnützigen Anstalt festzustellen. In der Ausleih-Bibliothek wurden im 10. Betriebs- jähr im ganzen 75 055 Bände nach Hause verliehen, von denen 15 Bände in Verlust gerieten. Von dieser Gesamtziffer entfallen 49 980 Bände auf schöne und 25 075 Bände auf belehrende Lite- ratur. An letzterer Zahl sind die einzelnen Wissenszweige in folgender Weise beteiligt: Geschichte und Lebensbeschreibungen 4834. Geographie 3387, Naturwissenschaften 5404, Rechts- und Staatswissenschaften, Volkswirtschaft 3111, Gewcrbekunde, Technik 3083, Philosophie, Religion, Pädagogik, Sport 2715, Kunst, Musik, Lite- raturgeschichte usw. 2581 Bände. Die verlangten wissenschaftlichen Bücher machten im Berichtsjahre 33 Proz. aller Entlehnungen aus. Im ganzen sind im 10. Jahre 88 787 Bände in und außer dem Hause entlehnt worden; in den zehn Betriebsjahren zusammen 710 241 Bände. Der Leserkreis der Ausleihbibliothek dehnt sich durch alle Stadtteile bis in die Vororte hinein aus. Die verschiedenen Be- rufe sind wie folgt vertreten: gewerbliche Arbeiter 52 Proz., Hand- lungsgehilfen und weibliche Handelsangestellte 23 Proz., selbständige Kaufleute und Handwerker 2 Proz., Aerzte und Juristen 2 Proz., Staats- und Privatbeamte 5 Proz., Lehrer und Lehrerinnen 3 Proz., Studenten 2 Proz., Seminaristen und Schüler 4 Proz. und Personen ohne Beruf 7 Proz. Die Lesehalle wurde im 10. Betriebsjahr von 62 849 Per- sonen, und zwar 60 589 Männern und 2260 Frauen, in den zehn Jahren zusammen von 621 904 Personen besucht. Die Zahl der hier ausliegenden periodischen Schriften hat wiederum eine Ver- mehrung erfahren und beträgt jetzt 541 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung. Die im Arbeitszimwr der Lesehalle aufgestellte, 1736 Bände zählende Nachschlage-Bibliothet wurde von den Besuchern in umfassender Weise zu Rate gezogen. Die Gesamtzahl der Besucher, die im 10. Brtricbsjahr Bibliothek und Lesehalle benutzten, belief sich auf 137 904 Personen. Seit der Eröffnung vor zehn Jahren haben insgesamt 1200.210 Per- sonen das Institut aufgesucht. Das Institut ist werktäglich von 510— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9— 1 und 3— 6 Uhr geöffnet. Genehmigung der Wilmersdorfer Schnellbahn. In dem Schncllbahnstreit zwischen Charlottcnburg und Wilmersdorf ist insofern ein vorläufiges Machtwort gesprochen worden, als der Berliner Polizeipräsident gestern die Wilmers- dorfcr Schnellbahn genehmigt hat. Es geht uns hierüber folgendes amtliche Communique zu: Nachdem die Frist, welche die Gcnehmigungsbchörden für eine etwaige Verständigung der Gemeinden Charlottcnburg und Wilmersdorf über die von ihnen geplanten Schnellbahnen gestellt hatten, abgelaufen ist, ohne daß eine Verständigung erzielt werden konnte, hat der Polizeipräsident im Einverständnis mit der hiesigen Eisenbahndirektion nunmehr die Genehmigung für die von Wilmersdorf geplante Schnellbahn erteilt. Die Frage, in welcher Weise diese Bahn mit der bestehenden Hochbahn in Verbindung gesetzt werden soll, und wie zukünftig die Betriebs- Verhältnisse deS Bahnhofs Wittenbcrgplatz sich gestalten werden, ist in dieser Genehmigung nicht zur Entscheidung gebracht worden; vielmehr haben sich die Gcnehmigungsbchörden alle diesbezüglichen Entschlüsse vorbehalten. Es wird nun Sache des eingeleiteten ErgänzungsverfahrenZ sein, wie die Frage der Bctriebsorganisation am Bahnhof Wittenbcrgplatz zur Lösung gebracht wird. Die Schnellbahn unter der Spree Die Hochhahngesellschaft trifft jetzt ihre Vorbereitungen, um die Untergrundbahn von der Wallstraße aus unter das Bett der Spree nach der Stralauer und Klostcrstratze zu führen. Mit dem Bau selbst soll im Frühjahr begonnen werde». Er begegnet gerade an dieser Stelle großen Schwierigkeiten, da das Sprecbett dort breit und morastig ist. Wahrscheinlich wird die Verlegung des Bahntunnels ini Tagebau vor sich gehen. Das Sprccwasser wird durch einen großen Kasten abgefangen werden, in dem die Arbeiten ausgeführt werden. Bereits jetzt werden die von der Hochbahn am 1. Oktober übernommenen Häuser Wallstr. 62 und 64, für die das Enteignungsverfahren noch schlvebt, abgerissen, um Platz für den Tunnelbau zu erhalten. Das Grundstück Wallstr. 658 hat die Hochbahngesellschast freihändig erworben; es wird später auch ab- gebrochen werden._ Die städtische Parkdeputation hat beschlossen, das Gelände bei Rosenthal zur Anlage eine« Pflanzenznch gartens vor einem defini» tiven Beschluß �u besichtigen. Da die Biilowstraße durch die Hoch- bahn ein»»schönes Aussehen erhalten hat und dadurch die Anlagen unter der Hochbahn nur mühsam fortkommen, sollen auf der Süd- sette der Straße ans dem Bürgersteige Schmuckstreifen angelegt werden, außerdem soll die ganze Breite der Promenade unter der Hochbahn mit Mosaikpflaster belegt werden. Dem Ersuchen des Berliner Polizeipräsidiums,! die Anlagen um die Zionskirche deS abends zu schließen, konnte sich die Depmation nicht anschließen.— Die Anwohner Moabits fordern seit J.chren die Oeffnung de» Jnvalidenparks. Bekanntlich muß derselbe bei Eintritt der Dunkelheit geschlossen werden. Die Militärverwaltung hat .. g.lr Stunde dem Ersuchen didersvrocheir Wenn der Purk aber beleuchtet und durch die städtischen Drflnue gereiuiqt wird, ist Aussicht vorhanden, das; den Wünschen der dortigen Anwohner entsprochen werden kann. In diesem Sinne sollen mit der tosiliiärverwallung Verhandlungen gepflogen werden. Der Memelcr Park wird zum Winter verpachtet und für die Bewohner des Ostens zu einer Eisbahn hergerichtet. Im Pachtvertrags mich die Bestiinmung aufgenommen werden, das; die Eisbahn den Schul» kindern seden Wochentag einige Nachuuttagsstmidei, zur freien Benutzung zur Verfügung steht. In der Säiiglingsfürsorgestelle l, Blumenstr. 78, findet von jetzt an Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen Uebungen statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich an das Bureau des ÄinderhanseS, Blumenstr. 73, vorn links parterre, Wochentags von 'i~i Uhr. Um Arl-eiterentlassuiigc» zu verhüten, hat der Magistrat be- schlössen, bei der Stadtverordnetenversammlung zu beantragen, ihm den Nest der für die Anlage des Schillerparks noch vorhandenen Anleihemittel im Betrage von La» 000 M. noch in diesem Eratsjahre zur Versiigung zu stellen. Triolcplatz. Man schreibt uns: Der Platz, welcher auf dem früheren Sibenneiiviertel entstanden ist und zuerst Babelsberger Platz, dann Fihsi-Bülolv-Plotz getauft wurde, hat infolge seiner dreieckigen Gestalt von den Anwohnern den Namen.Trioleplatz" erhalten. Unnütze Verwrnduüg der Polizei. Am Freitag fand in.Alt- Berlin" eine Volksversammlung statt, in welcher der ehemalige katholische Geistliche Herr Leute und der Stadtverordnete Adolf Hvffman» über das Thema:„Der Mitzbranch der Religion zur Vollsunterdrückung und VolkSanSbeutiing" sprachen. Die hoch- wohllöblichc HeiOge Hermandav halte zur offizielle» lleberwachung keine Beamte» geschickt, dafür aber in dem einen Parterresaal ein zuiegslager mit etwa 25 Mann aufgeschlagen. Die Leute vertrieben sich die Zeit mit Kartenspiel und da fchliestlich der Staat nicht in Gefahr geriet, ivnrde das Schlachtfeld geräumt. Angesichts solcher Berschwendmrg von Polizeikläften wäre es einmal notwendig, iin Landtage wie im Ralhause ein kräftiges Wort zu reden, wenn wieder einmal Vermehrung der Polizeimacht verlangt wird. Schwerer Unfall eines Radfahrers. Gestern nachmittag fuhr ein unbekannter, etwa dreißigjähriger Manu auf einem Zweirade die Hascuheide entlang, als plötzlich an der Maschine die Kette riß und durch den dabei entstandenen Ruck der Radier von seinem Sitz geschleudert lvurde. Er flog in weitem Bogen auf den Fahrdamm und schlug mit dem Kops gegen das Hinterrad eines in demselben Augenblick vorbeifahrenden Geschäftswagens. Der Radler erlitt infolge des jähen Sturzes eine schwere Gehirnerschütterung sowie innere Verletzunge» und wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhaus am Urban übergeführt. Der Berliner Volkschor veranstaltet am Sonnabend, den 13., und am Sonnabend, den 20. November, in der Neuen Welt zwei Aufführungen von Handels Oratorium.Belsazar' unter Mitioirkung der Solisten Hedwig Marck, Herta Dehmlow. kgl. Hofopernsänger Rudolf Jäger und 8t. Neumaim, de« Bliilhuer-Orchesters und des Volkschores miler Leilnng von Dr. Zander. Einlaßkarten a 75 Pf. einschl. Garderobe und Programm sind in den bekannten Verkaufs- stellen zu haben._ Bariteteprogramme. Wintergarten. Das neue Stovemberprogramm der Speziali» tätozrbühne des Wintergartens enthält einige recht interessante Nummern. Erwähnenswert sind vor allem die vorzuglichen gym- nastischcn Leistungen des Willuhn-Trios, vornehmlich des als Klowu austretenden Mitgliedes der kleinen Truppe, sowie ferner die mit. eleganter Sicherheit und Gewandheit ausgeführten Zauberkunststücke und Jllusionsakte des Herrn Goldin. AIS Glanz- nummer können jedoch die akrobatischen Leistungen der Vier Ge- schwistcr Harweys auf dem Drahtseil gelten. Die beiden jungen Damen der Truppe tanzen auf dem Drahtseil eine» dezenten Cake walk, und zum Schwß versucht sich die eine auf dem Seil als Springerin über das von zwei Herren hochgeschwungene Springtau. Im Apollotheater ist außer der Burleske„Tohuwabohu' die Groteske:„Etnc SaremSnacht" wieder in das Programm ein. gefügt. Aus dem Gebiete der Akrobatik leisten die Wynne Brothers Außerordentliches in der Handstandkunst. Ihre Aus- führungen zeigen große Gewandheit und Exaktheit. Als leistungs- fähige Banjovirtuosin stellt sich Dorothy Kenton vor. Die schöne Foruarieca betätigt sich als temperamentvolle Tanzsängerin. Eine interessante Nummer ist„Bussec Palma" oder das Wunder der An- kleidekunst. Eine Dame begibt sich in einen vor den Augen des Publikums geösfneteu und wieder verschlossenen Koffer, der noch dazu von Flintenschüssen durchlöchert wird und zeigt sich nach einiger Zeit dem Publikum in einer Kleidung, deren einzelne Stücke vorher vom Publikum besonders gekennzeichnet sind. Im P a s s a g e t h e a t e r übt nach wie vor„Der süße Doktor' mit Henry Bender und Lucie König die Hauptwirkung aus. Claire Waldorf erfreut noch immer mit ihren leichten Chansons und ihre naive Vortragskunst. Fcnerwchrnnchrichtcn. Am Freitagabend wurde der 3. Löschzug nach der Dunckerstr. 73 alarmiert. Dort hatte sich der Arbeiter Ferdinand Schmidl in selbstmörderischer Absicht mit Kohlenoxydgas vergiftet und zu diesem Zweck Feuer angelegt. Als die Feuerwehr ersctiien. braunie» Fenster. Türen, der Fußboden u. a. Die Flammen koiiuten bald gelökcbt werden. Schmidt, der schon bewußtlos war, wurde durcb Einflößen von Sauerstoff wieder ins Leben zurück- gerufen. Der 16. Zug hatte am Nordhafen zu tun. Ei» Kohlen- wagen war über die Uferuiauer hinweg ins Wasser gerollt. Die Feuer- wehr Holle den Wagen wieder heraus. Inder Nacht zum Sonnabend kani in einem Loden in der Luuenstr. SS Feuer aus. Als die Wehr um 2 UKr crscbieu, stände» dort Regale mit medizinischen Artikeln, der Fußboden, Türen und anderes in Flammen. Es gelang den Brand ans den Laden zu beschränken. Die Entstehung ist nicht er- mittelt. In der Weberstr. 58 kam nachts auf dem Boden Feuer ans. ES brannte ein Bertchlag mit Bellen, der Bode» und anderes. Wegen eines Kellerbrandes rückte der 20. Zug nach der Nieder» wallstraße 32 aus. Vor der Feuerwache in der Reichen» berger Straße wurde ein Knabe überfahren und schwer verletzt. Tie Feuerwehr brachte den Knaben nach dem Krankenhaus« am Urban. Zwei Küchenbrände beschäftigte» die Feuer- wehr in der Bödikerstr. 33 und Koppeustr. 10. Möbel, Türen, Tapeten. Balkenlagen und Fußhoden waren dort in Brand geraten. Ein dritter Küchenbrand wurde aus der Beerhovenstr. 2 gemeldet. der durch eine feblechafle Kochnuischine eulstaiiden sein soll. Gardi ieii, Kleider, Möbel uud HauSrat wurden in der Aniienstr. la und Elbinger Straße 2 ein Raub der. Flamin««. Außerdem halte die Wehr in der Sebastiaustr. 22 und anderen Stellen zu tun. Arbeiter-Samaritrr-Koloinie. Montagabend 9 Uhr: 1. Abteilung, Dresdener Str. 45: Forlsetzung des Vortrages über Verletzunge». Wundbehandlung, Blutstillung und Verbandlehre. Daran anschließend praktische Uebungen._ Vorort- J�acbncbtein SchSneberg._ Einen glänzenden Sieg brachten uns auch die Siadtverordnetcnwahlen in Schöneberg, trotz- dem von der„Liberalen Fraktion" alles darangesetzt wurde, der Sozialdemokratie den Sieg streitig zu machen. Von den acht zur Wahl stehenden Mandaten, von denen 4 bereits im Besitz unserer Partei waren, haben wir 7 gewonnen und in einem Bezirk stehen wir mit der„Liberalen Fraktion" in Stichwahl. Die„Liberale Fraktion' hat nicht ein Mandat gewonnen, obwohl die Beamten und Straßenbahner in großen Scharen für fie aus die Beine ge. bracht würden. Unsere Stimmcnzahl hat sich von 2660 auf 8312 in den zur Wahl gestandenen Bezirken vermehrt. Die Wahlbeteiligung betrug im Durchschnitt 44 Proz. Im folgenden geben wir ein Bild über die Einzelergebnisse. (Die iil Klammern beigesügten Zahlen geben die Resultate der letzten in den einzelnen Bezirken stattgefundenen Wahlen an, dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Bezirke vor zwei Jahren eine Aenderung erfahren haben.) 2. Bezirk. Bisheriger Vertreter: Banomann sLib. Vereinig.). Eingeschriebene Wähler 24t7 s20S2) Abgegebene Stimmen 900(831) P e t e r s o n(Soz.p 424(323) Marsch(Lib. Frakt.) 400(557) Bandmann(Lib. Vereinig.) 153 Stichwahl zwischen P e t e r s o n(Soz.) und Marsch(Lib. Fr.). 3. Bezirk. Bisheriger Vertreter: P o r s ch(Lib. Bereinig.). Eingeschriebene Wähler 1794(1286) Abgegebene Stimmen 643(494) O b st(Soz.) 502(363) Fischer(Lib. Frakt.) 174(131> Schünemann(Lib. Vereinig.) 17 Gewählt: Obst(Soz.). 4. Bezirk. Bisherige Vertreter: F r i tz s ch(Soz.)».Polenz(Unabh. Vereinig.). Eingeschriebene Wähler 2192(2033) Abgegebene Stimmen 1103(906) Bernstein(Soz.) 565(507) Obst(Soz.) 566 CaSparq(Lib. Frakt.) 542(389) Bismart(Lib. Frakt.) 543 Gewählt Bernstein(Soz.) und Obst(Soz.). 7. Bezirk. Bisheriger Vertreter: Wollermann(Soz.). Eingeschriebene Wähler 1909(1887) Abgegebene Stimmen 776(747) Magnan(Soz.) 510(400) Siinon(Lib. Frakt.) 264(346) Gewählt Magnan(Soz.). 8. Bezirk. Bisheriger Vertreter: W o l f r a m m(Soz.). Eingeschriebene Wähler 1941(1893) Abgegebene Stimmen 824(933) W o l f r a m m(Soz.) 654(593) Simon(Lib. Frakt.) 167(345) Gewählt Wolframm(Soz.) 9. Bezirk. Bisherige Vertreter: H o f f m a n n(Soz.) u. B i s m a r k(Lib. Frakt.) Eingeschriebene Wähler 2653(2290) Abgegebeue Stimmen 1290(1020) Wollermann(Soz.) 656 Hoffmann(Soz.) 654(474) Dr. Rohö(Lib. Frakt.) 634(546) Zierus(Lib. Frakl.) 624 Gewählt Wollermann(Soz.) und Hoffmann(Soz.) Rixdorf. Ter zweite Vortragsabend über:„Die Grundbegriffe des wissenschaftlichen Sozialismus". Vortrageuder Genoße Julia» Borchardt, findet Montag, den 8. November, pünktlich 8�4 Uhr, in Hoppes großem Saal statt. Eintrittskarten sind im Lokal zu haben. Der Bildungsausschuß. Aus der Magistratssitzung. Denjenigen städtischen Arbeitern, welche einen Betriebsunfall unverschuldet erlitten haben, sollen für die Zeit vom Beginn der 5. Woche nach Eintritt des Unfalls bis zum Ablauf der 13. Woche die ihnen nach Z 29 der Arbeitsordnung zustehenden Differenzbeträge zwischen dem Krankengeld und dem Dreiviertelbetrage deS Durchschnittslohnes um diejenigen Beträge gekürzt werden, welche ihnen bereits auf Grund des§ 12 des Gewerbe• Unfall» BersicherungS» gesetzes als Unfallzuschnß von der Stadtgeineinde als Betriebs- Unternehmerin gezahlt werden. Der§ 29 der Arbeitsordnung wird dahin ausgelegt, daß eine Doppelzahlung im vorgenannlen Sinne nicht beabsichtigt war. Bei im Monatslohn stehenden Arbeitern soll die Berechnung des Lohnes bei Arbeits- nnierbrechungen in der Weise erfolgen, daß der Tagelohn durch Teilung des Monatslohnes durch die durchschnittliche Tageanzahl „80" ermittelt und dieser Betrag mit der Anzahl der tatsächlichen Arbeitstage vrrviclsälligt wird.— Zum WirlschastSiuspektor in Waßmannsdorf wird der Inspektor Fritz Lehmann aus Alt- Döbern gewählt. I» der Angelegenheit betreffend die Errichtung der Ringbahnhallestelle an der Kailer- Friedrich- Straße soll eine ent- sprechende Vorlage an die Stadtverordnetenversammlung gerichtet werden. Wegen deS StraßenlanderwerbS für die Durchlegung der Donaustraße von der Anzengruberstraße nach der Erkftraße soll das Enteigiiungsverfahren eingeleitet werden.— Zum 1. April lglO sollen zehn Lehrer- und drei wissenschasiliche Lehrerinnenstellen, zum 1. Oktober 1910 14 Lehrerstellen, drei wifienschaftliche Lehrerinnenstellen sowie eine technische Lehrerinnen- stelle an den hiesigen Gemeindeschulen neu eingerichtet und die er- forderliche» Kosten in den Voranschlag für daS Rechnungsjahr 1910 eingestellt werden. Der Hertzbergplatz soll im nächsten Jahre ver- suchsiveise als Spielplatz mit der Maßgabe freigegeben werden, daß die Benutzung des Platzes»ach einem bestimmten Plane erfolgt. Steglitz. Unsere Gemeindeverwallung auf der Anklagebank. In einer unangenehmeren Situation als in der letzten Gemeindever- tretersitzung hat sich unsere Gcmeindeverlvaltung mit dem Gemeindevorstand a» der Spitze wohl noch nicht befunden. Daß die moralische Stäupung, die in unserem sozialistenreinen Gemeinde- Parlament von der bürgerlichen Minderheit vorgenommen, auch auf die Grundbesitzermehrheit ausgedehnt wurde, war ausgleichende Gerechtigkeit. Tie Veranlassung zu der Exekution bot der Punkt: „Nachbcwilligungen für die lleberschreitungen beim Bau der Bade- anstalt". Genau bor einem Jahre, im November 08, war es, als der Gemeindevorsteher auf eine öffentliche Anfrage eingestehen mußte, daß der Voranschlag um zirka 88 000 M. überschritten sei, wovon er allerdings auch erst seit einigen Tagen Kenntnis habe. Die eingesetzte Untersuchungskommisfion hat ein ganzes Jahr ge- braucht zu der Feststellung, daß der Voranschlag von 350 000 M. um 104 000 M. überschritten wurde, so daß also außer den bereits vor längerer Zeit bewilligten 7000 M. jetzt noch 97 000 M. zu be- willigen sind. Schöffe Sinnig als Berichterstatter führte aus, daß die Ueberschreituugen durch die aufsteigende Konjunktur, den Bau- arbeiterstreik(der bekanntlich kein Streik, sondern eine AuS» sperrung war. D. B.) und durch Fehler in der Veranschlagung entstanden seien, die dem leitenden Slrchitekten unterlaufen seien. Ter Herr habe überhaupt vollständig versagt. Die Kommission habe mit Hilfe hinzugezogener Sachverständiger festgestellt, daß trotz allem die Anlage und die technische Einrichtung der Anstalt fehler- frei sei, so daß der Bau als gelungen bezeichnet werden müsse und der Aufwand von 450 000 M. nicht zu hoch sei. Gemeindevertreter Radtke ging mit den verantwortlichen Personen und der Mehrheit der Versammlung fcharf ins Gericht. An einzelnen Beispielen �zeigte er, wie sinnlos gearbeitet wurde. So waren z. B. die Tage- Lohnarbeiten mit 3000 M. veranschlagt; sie kosteten in Wirklichkeit 28 000 M. Die technische Anlage wurde„nach eingehender Durchs beratung" einer Firma für 80 000 M. übertragen, kostete abetz schließlich 126 000 M. Jetzt schicke man den bauleitenden Architekten als Süudenbock in die Wüste; demselben Herrn habe man aber gelegentlich der Einweihung offiziell das Kompliment gemacht, daß unter seiner„umsichtigen Leitung" das herrliche Werk zu Ende geführt sei. Aber nicht nur einzelnen Personen seien berechtigte Vorwürfe zu machen, das ganze System der Geheimniskrämerei uud der„Inzucht", das die Mehrheitspartei betreibe, sei schuld. Herr Baurat Blunk fühlte wohl das Vergebliche einer Verteidigung und„erklärte" deshalb nur, daß Mangel an Hilfskräften und da- raus resultierende Ueberlastung ihn gehindert hätte, die Ueber. wachung so auszuführen, wie es nötig gewesen wäre. Der Ge- meindevorsteher versicherte sehr kleinlaut, daß der Gemeindevor- stand aus der unliebsamen Sache eine Lehr« gezogen habe. Im übrigen zeigte er sich sehr besorgt um den guten Ruf von Steglitz, der durch eine allzuscharfe Kritik leiden könne. Man sei über da» „wünschenswerte- Aiaß" hinausgegangen, und er bitte um Mäßi. gung. Die gute Seelei Also nicht die unerhörte Mißwirtschaft in der Gemeindeverwaltung, nicht die handgreifliche Unfähigkeit lei, tender Personen bedroht den guten Ruf, sondern— die Kritikl Die Wortführer der Hausbesitzermehrheit hüllten sich in Ähweigen; schuldbewußt nahmen sie die wohlverdienten Hiebe in Empfang. Eine Anfrage des Gemeindevertreters Gädtke. weshalb eine i m A u g u st an den Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung abgesandte Petition um Ermäßigung der Bäderpreise noch nicht in die Vertretung gelangt sei, zeigte aufs neue, wie musterhaft unsere Verwaltung funktioniert. Der Vorsteher ant- wortete. daß diese Petition immer noch bei der Badeanstaltskom. Mission liege und dort der Beratung harre. Also warten wirl Gar nicht kritisieren, der gute Ruf unseres Dorfes könnte leiden. Daß die geforderten 97 000 M. bewilligt werden mußten, ist klar. Ein Antrag Radtke auf Abänderung des Submissionswesens. dem auch ein Teil der lleberschreitungen zur Last fällt, wurde mit verschluckt, hingegen ein Antrag auf Abänderung der Geschäftsord» nuna vom Gemeindevorstand und der HauSbesitzermehrheit geschlossen niedergestimmt. Steglitz-Friedenau. Krankcnkasseiiwahl! Am Dienstag, den 9. November, nach- mittags von öVj bis 6 Uhr findet im Lokal von Mechelke, Hand- jerystr. 60/61 eine Ersatzwahl der Delegierten zur Generalver- sammlung der Ortskrankenkasse statt. Wählen können alle mann- jichen und weiblichen Kassenmitglieder, welche das 21. Lebensjahr überschritten haben. Als Legitimation ist vom Arbeitgeber die Mit- gliedsbescheinigung einzufordern. Versäume niemand, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen., Gewerkschaftskommission Steglitz-Friedenau.! Groß-Lichterfelde. Die hiesigen Parteigenossen führen zurzeit einen heftigen Kampf um die Freigabe von Versammlungsräumen im südlichen Bezirke. Es handelt sich dabei letzten Endes auch um die Anerkennung der Gleichberechtigung der Sozialdemokratie mit allen übrigen Parteien. Die beiden in Frage kommenden Saalinhaber: Winkel mann, Berliner Str. 123 und AuSmann, Berliner Str. 183 haben in provokatorischer Weise die Ueberlassung ihrer Räume zu Ver- sammlungen verweigert. Der erstere hatte trotz vorheriger be- stimmter Zusage sein Wort gebrochen, nachdem in der Zwischenzeit ein Teil der hiesigenGemeindebeamten ein solennes Zechgelage bei ihm veranstalteten. Der Wirt AuSmann hat sogar den Ausschluß der sozialdemokratischen Arbeiterschaft von der Benutzung seiner Räumlichkeiten zu Versammlungen und Vergnügungen kontrakt- lich festgelegt! Hier kann eS für die Parteigenossen nur eine Ant- wort geben: die Sperre über die beiden Lokale mit aller Schärfe durchzuführen, bis sich deren Inhaber entschließen, ihr privates Aus- nahmegesetz aufzuheben. Ueberall, wo Gelegenheit gegeben ist, müssen die Arbeiter auf die erwähnten Tatsachen hingewiesen und cs muß ihnen zur Pflicht gemacht werden, die Lokale, die ihnen zu Versammlungen nicht zur Verfügung stehen, strengstens zu meiden. Der Kamps muß jedoch— bei aller Energie— durchgeführt werden, ohne daß dem preußischen Fiskus auch nur ein Pfennig Strafgeld in den Rachen fällt. Je besonnener und geschickter die beteiligten Parteigenossen dabei innerhalb des gesetzlichen Rahmens operieren, desto nervöser wird freilich die Lichterfelder Polizei werden, die in stattlicher Wehr, bunt und einfarbig, im Interesse der beiden Wirte aus Wache gezogen ist. Der Oberstkommandierende dieser Truppe hat denn auch an einem der letzten Sonntage in der Osdorferstraße.antreten' lassen und verkündet, daß alle diejenigen, die in einer halben Stunde jener Straße mit dem duftigen Namen nicht den Rücken gekehrt hätten, auf die Polizeiwache zu bringen seien. Diese Drohung hat natürlich noch weniger genützt, als die Lehmkuren de« Pastors Felke; Herr Mohr wollte offenbar nur einen Schreckschuß abfeuern, denn als gescheiter Mann weiß er ja, daß seine Anordnung mit dem Gesetz nicht gut in Einklang zu bringen ist. Sollten jedoch einzelne Polizeiorgane sich irgend welche Uebergriffe erlauben, so sind davon die bekannten Stellen sofort zu verständigen. Lichtenberg. In einer imposanten Kommunalwählerversanimlung. die sich zu» gleich mit der Aufstellung der sozialdemokratischen Kandidaten zu beschäftigen batte. referierte Stadtverordneter Genosse D ii w e l l. In großen Zügen behandelte der Reoner die sozialen Aufgaben der Kommune. In bezug aus Lichtenberg konnte Redner durch Vor- sührung eines reichen Tatsachenmaterials de» Versammelten zeigen, daß alles, ivaS in puncto Sozialpolitik geschaffen worden ist, nur der energischen Anregung der Sozialdemokratie zu danken sei. Düwell erwähnte die ablehnende Haltung der Bürgerlichen gegenüber den von miieren Genossen im Stadtparlament voriges Jahr be- antragten Nolstandsarbelten. Die von den sozialdemokratischen Vertretern zur Beschaffung für warmes Frühstück armer Schullinder geforderten 5000 M. habe man gleichfalls abgelehnt. In der Vorlage vom 31. Oktober d. I. seien ganze 750 M. für diesen Zweck in den Etat eingesetzt worden. Traurig liegen die Verhältnisse in der Krankenfüriorge. Nach langem Bemühen habe der Ort endlich eine Unfallstation. Im bürgerlichen Lager habe mau seinerzeit die Meinung vertreten, eine Unfallstation sei nicht nötig, sie wäre nur für Bes offene da. Nicht unerwähnt ließ Redner die bereits seit langem schwebenden Debatten um die Erbauung eines für Lichtenberg so außerordentlich notwendigen Krankenhauses, dabei die sonderbaren Interessen der einzelnen bürgerliche» Gruppen sowie deren Anschauungen in dieser Frage kennzeichnend. Auch den einer Stadt vor den Toren Berlins bohniprechenden SchulverdälNiiss'en tat Düwell in gebührender Weise Erwähnung. Nachdem Redner noch die ablehnende Haltung der Bürgerlichen zur Wertzuwachssteuer sowie zu der von den sozial- demokratische» Vertretern beantragten Einführung des allgemeinen, gleichen mid geheimen Wahlrechts für de» Staat und die Koimnnnen gegeißelt, forderte er die Versammelten auf, bis zum Tage der Wahl für die S0/,ialdeniokratie zu agitieren. In der Diskussion erklärte Herr Orb von der Demokratischen Vereinigung, daß seine Parteigenossen am Tage der Wahl für die Vertreter der Sozialdemokratie eintreten werden. Herr Dorn kritisierte die rückständige Finanzpolitik der Stadt. Nachdem noch Genosse Spiekermann die Aussührungen des Referenten er- gänzt hatte, tvurden für die dritte Wählerklass'e die bisherigen Kandidaten wieder aufgestellt. Es sind dies folgende Genossen: Bezirk 1 Genosse Düwell, Bezirk 3 Seikel, Bezirk? Stöber. Bezirk 8 Kertscher. Bezirk 16 RöSle»— In der zweiten t! tKe WZHlerklasse wurden aufgestellt fftr den Ve�rk 1 61e Geuosfen Koppen Hagen, Elias»nd Grauer, Bezirk 2 K e r t s ch e r »nd B e ck e r, Bezirk 4 D ü w e l l. Zum Schhist forderte der Borsitzende die Anwesenden aus, am Tage der Wahl ihre Pflicht zu tun. I iiiigst erklärte im Stadtparlameut einer derer, die sich als er- vitterle Feinde einer Wertzuwachssteuer bemerkbar machten, die für Bier-, Betriebs-, hohe Gewerbesteuern, sowie für niedrige Beamten- und Lehrergehälter schwärmen. er wurde die Einführung des all- gemeinen und gleichen Wahlrechts für die Konnnune als das grötztc Unglück betrachten. Und mit Ausnahme des Herrn Hirsch, der aber nachher so etwas wie Abbitte leistete, erklärten sich sämtliche biirger- liche Stadtverordnete gegen eine von der Sozialdemokratie ge- forderte Wahlresorm. Die Motive für solches Verhalten illustrieren ein paar Zahlen. Lichtenberg hat rund 13 000 Kommunalwähler, die zusammen 43 Stadtverordnete wählen. Von der Gesamtzahl der Wähler gehören 1890 zur I. und II. Klasse, die doppelt so viel Stadtverordnete wählen, als die 11000 Wähler der III. Klasse. Diese wählt nur 16 Stadtverordnete, genau so viel werden aber auch von den 93 Wählern der I. Klasse gewählt. So sieht es mit dem aktiven Wahlrecht für die„Volksvertretung' aus. Zu der Beschneidung des aktiven Wahlrechts kommt aber auch noch daS Hausbesitzerprivileg als Verkünimerung des passiven Wahlrechts. Die Hälfte der in jeder Abteilung gewählten Stadtverordneten mutz Hausbesitzer sein. Diese Bestimniung macht es fast unmöglich, in der dritten Klasse nur Steuerzahler aus dieser als Stadtverordnete zu wählen. Die Enterbten und Besitzlosen müssen sich noch aus der zweiten oder gar ersten Klasse Vertreter holen. Oft genug benutzen Unternehmer die öflemliche Stimmabgabe auch noch dazu, den Wählern der dritten Klasse aus den Kreften der Erst- und Ziveitklaisigen Kandidaten als Nichlhausbesitzer aufzunötigen. DaS hält die Mugdanesen und Politiker ähnlichen Kalibers nalürlich nicht ab. über den Terrorismus der anderen Entrüstung zu— heucheln. So kommt es, datz in den meisten Gemeinden die Haus- und Grundbesitzer die Majorität haben. In Lichtenberg zum Beispiel verfügt diese Interessengruppe fast über eine Dreiviertelmajorität, denn die bürgerlichen Vertreter gehöre» mit nur wenigen Ausnahmen dem Stande der Hausagrarier an. Die sozialdemokratischen Mutz- Hausbesitzer rechnen naturgeinätz nicht zu jeuer Gruppe, sie treiben im Nathans keine Juteressenpolitik. Da Lichtenberg unter seinen 13 000 Wählern an 6S0 Hausbesitzer zählt, haben diese Anspruch aus die Hälfte der Stadtverordnetenmandate: in Wirklichkeit besitzen sie noch ein Dutzend mehr. Unter solchen Umständen kann man es verstehen, datz die Grundstücksspekulauten das allgemeine und gleiche Wahlrecht gerade so glühend hassen, wie unser OrtSblättchen Wahrheit und Sozialdemokratie. Adlershof. Der hiefige BildiingsauSschuß veranstaltet heute im Lokale deS Herrn Wöllstein eine Aufführung von Halbes„Jugend". Billetts sind noch an der Kaffe zu haben. Rege Beteiligung erwartet Der BildungsauSschuh. Weihensee. Die Affäre Rathmann tritt in ein neues Stadium. Nach langer Debatte in der vorletzten Gemcindevertretersitzung erklärte der Schöffe Rathmann, datz er sich dem Beschlüsse der Vertretung fügen werde. In seiner Abwesenheit beschlotz die Gemeindevertretung einstimmig: Herr Rathmann hat die erhaltene Provision zu wohltätigen Zwecken, wozu ihm da« Bestimmungsrecht zusteht, herauszuzahlen. Herr Rathmann hatte nun. wie wir bereits mitteilten, laut Bekannt- mackmng das Geld an dreizehn verschiedene Stellen verteilt. Damit wäre die Sache eigentlich als erledigt zu betrachten. Wie nun verlautet, wollen verschiedene Bereine die Spende nicht an- nehmen, auch ist die Art der Verteilung der Gelder in den bürger- lichen Vereinen Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen. Das veranlahte nun Herrn Schöffen Rathmann zu folgender Erklärung: „In der vorletzten Gemeindevertretersitzung gab ich die Absicht kund, die an dem Verkaufe des Wartenberger Geländes verdiente Provision wohltätigen und geineinnützigen Zwecken zu stiften. Da nun aber in kommunalpolitischen Vereinen und in einem Teile der Bürger- schaft in letzter Zeit die Meinung hervorgetreten ist, als ob der von mir geplante WohltätigkeitSokt deshalb geschehe, weil ich irgend etwa« zu fürchten oder zu verbergen habe, so habe ich mich�entschlossen. um derartigen Unterstellungen de» Boden zu entziehen, von der weiteren Verteilung Abstand zu nehmen." Wie reimt sich diese Erklärung mit dem, was Herr Rathinann in der Gemeindevertretersitzung versprach, zusammen? So lange Herr Rathmann noch Schöffe ist. werden unsere Gemeindevertreter mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür sorgen, datz die zu Unrecht eingesteckte Provision nicht in seiner Tasche bleibt. In der fraglichen Gemeindevertretersitzung wurde gegen Herrn Rathmann noch der Vorwurf erhoben, er habe aus Anlatz seiner Verheiratung im vorige» Jahre von dem Tiefbauunteruehmer AllerS aus Schöneberg einen Tausendmarkschein als Angebinde erhalte» und auch angenommen. Herr AllerS kaufte die Terrains des alten Riescllandes und noch weitere Ländereien an der Kreisbahn. Bei diesen Kaufgeschäften hatte Herr Rathmann vielfach als Bevollmächtigter der Gemeinde mitgewirkt. Erst ans direkte Aufrage bequeinte er sich zu der vielsagenden Aeutzerung: Um seine Hochzeitsgeschenke habe sich kein Mensch zu kümmern. Auch dieser Fall bedarf noch ganz besonderer SufkläruiiA. Jedenfalls wirft auch diese Sache auf die Tätigkeit eines Gememdevorstands- Mitgliedes kein gutes Licht. Man ist in der Gemeindevertretung der Ansicht, datz an die Stelle des Herrn Rathmann eine andere Person gehört. Lankwitz. In der letzten, auch von den Einwohnern starkbesuchten, Gemeinde- vertrelersitzuiig wurde der Bau eines Rathauses beschlossen. Dasselbe soll an der Ecke Viktoria- und Charlotteustratze, wo die Gemeinde vor einiger Zeit ein gröhereS Grundstück zu diesem Zwecke erworben hat, errichtet werden. Von dem Grundstück soll ungefähr ein Viertel in Anspruch genommen werden, und dafür 40 000 M. in Anrechnung kommen. Für das Rathans selbst wurden 410 000 M. und 10 000 M. für Entwürfe bewilligt. Es wird damit gerechnet, datz das Rathaus bis zu einer Einwohnerzahl von 20—30 000 aus- reichend ist. Zugleich wird dasselbe eine Postanstalt aufnehmen»nd damit einem dringenden Bedürfnis abhelfen; auch soll eventuell eine Depositenkasse Aufnahme finden. Durch die Verzinsung des Anlage- kapitals wird die Gemeinde, nach Abzug nach Einnahmen, jährlich mit 12—13 000 M. belystet werden.— Zum Haushaltsplan der Armenverwaltung wurden 1300 M. für OrtSarme und 2000 M. für solche mit auswärtigem UnterstützungSwohnsitz nachbewilligt.— Der Stratze 13 an der Kirche wurde der Name Melanchthonstratze gegeben. Sodann wurde die Errichtung einer zweiten Rektorstelle zum 1. April 1910 beschlossen, da die beiden Gemeindeschulen zur- zeit 22 Klassen aufweisen. In geheimer Sitzung beriet die Per- tretung über Festsetzung von Bebauungsplänen, Wahl von Ausswutz- Mitgliedern. Abschlutz von Verträgen und Stundung von Straßen- baukosten. Spandau. Die Stadtverordnetenwahleu in der II. Abteilung finden am morgigen Montag, den 8. November, vormittag? von 10—1 Uhr und nachmittag» von 3—7 Uhr, im Gasthau» zur Palme, Ritter- stratze, statt. Als Kandidaten der Sozialdemokratie sind aufgestellt: Kaufmann Hermann Pieck, Schloffer Paul Schmidt, Mechaniker Max S c i o r, Lagerhalter Ernst Hornig, Lagerhalter Emil Koppen und Schmied Emil Schubert. Genossen I Nützt den heutigen Sonntag dazu au», um auch unter den Wählern der II. Abteilung eine intensive Agitation für die Kandidaten der Sozialdemokratie zu entfalten. Vermiscktes. Ueber den großen Diebstahl auf der fiskalischen Zeche Gladbeck, wobei es sich um 279 500 M. baren Geldes handelte, wird der „Rhein.-Westf. Ztg." zur Ergänzung der gestrigen Meldung mit- geteilt: Als der Hauptkassenbeamte der fiskalischen Zeche Gladbeck (Möllerschächte) Freitagvormittag 5 Uhr die Verwaltungsräume betrat, fand er die Tür des Gewölbes, welche» u. a. zwei Geld- schränke sicherte, weit offen. Die Tür, die abends vorher vor- fchriftsmätzig abgeschloffen wurde, wies keine Verletzungen auf und mutz mittels Nachschlüssels geöffnet worden sein. Bei näherer Untersuchung fand der Beamte denn auch die Türen der beiden Geldschränke offen, die auf gleiche Weise geöffnet waren. Ein für Löhnungszwecke bestimmter Betrag von 279 300 M.(191 100 M. in 50 M.-Scheinen, 6400 M. in 5 M.-Stücken und der Rest in Gold) fehlte.— Das oben genannte Zechenblatt sagt hierzu: ES wird von der Zechenverwaltung natürlich nachgewiesen werden müsse», ob ihre Vorkehrungen zur Aufbewahrung solch grotzer Summen allen Anforderungen entsprechen. Die Technik ist längst so weit vorgeschritten, datz sie Einrichtungen zu schaffen vermag, die nicht so mühelo» von irgendeinem Diebe überwältigt werden können, wie dies anscheinend in Gladbeck geschehen ist. Ueberdies pflegen die Zechen in der Regel solche Riesensummen nicht über Nacht aufzubewahren, es vielmehr den Banken zu überlassen, diesen Schutz zu übernehmen. Es ist bei den großen Zechen des Bezirks durchweg üblich, am Lohntage erst in der Frühe die erforderliche Summe von der betreffenden Bank abzuholen. Warum hat man in Gladbeck diesen gefahrlosen Weg nicht gewählt? Schmeichelhafte Einschätzung. Im„Az Ujsag", dem Organ der Altliberalen Ungarn», findet man folgende„Kleine Anzeigen:„Die Freundschaft eines Prälaten oder gutmütigen Herrn von hohem Rang sucht intelligente dreißig- jährige, in staatlicher Stellung befindliche Witwe. Briefe unter„Ein einzigesmal" erbeten."—„Nur eines Prälaien dauernde Freundschaft suche ich, der auch mein Beichtiger wäre. Ich bin eine junge. schöne, vornehme Dame. Briefe unter„Strenge Diskretion" er- beten."— Die Sündenvergeber scheinen sich als Sündenbegeher sehr grotzer Beliebtheit zu erfreuen. Beim Probeflug verunglückt. Budapest. 6. November. Der Ingenieur Doufoir, der auf den, Rakoser Exerzierplatz mit einen, Farmanschen Zweiflächer einen Probeflug unternahm, stietz nach kurzem Fluge an einen Bauin und stürzte herab. Er erlitt mehrere leichte Verletzungen, während der Zweiflächer beschädigt wurde. Eisenbahnunglück. Nach einer Meldting an« New D o rk wurde bei einem Unfall, der einem nach Jersey bestimmten Personenzuge in Pennsylvanien zngcstotzen ist, fünf Beamte des Zuges getötet und eine Anzahl Passagiere verletzt. Einzelheiten fehlen noch. itmtlicher Marktbericht der ktädtiichen Marktballen-Dtrektion über den Grotzbandel in den Zentrat-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zusubr.lchivach, Gelchäil ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügend. Gelchäst lebhaft, Prelle seft. Geliügel: Zufuhr reichlich, Ge- schält schleppend, Preise besriedigend. Fische: Zusuhr reichlich. Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert. Bulter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst uud Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert. «VttternngSnbersich» vom 6. November ISDS. morgens 8 Uhr. Stationen Hi Ii 02 II Setter Swmemde 768 NNW tzamturo>768 OSO verlin! 768 NNW Franks.« M 767 N München! 767 SO W'»o'764 NW > 2 Dunst 3 Nebel 2 Nebel 4 wollen! Shnlbbd. 3 bedeckt c* 5» Ii CUttontn Ii Ii Bi- « i ic Z « ü Setter "k Havaranda 753 258 6 Regen Petersburg 765 SW 1 bedeckt Scilld>762 NNO 3 bedeckt «berdeen 760SW| 2 heiter Pari» 764 NNO 2 wollen! ! l I! 4 4 Ii) S 1 Wetterprognose für Sonntag, de» 7. November ISO». Vorwiegend neblig, vorher wolkig bei mähigen südwestlichen Winden, etwas wärmerer Nacht» und wenig veränderter Tagestemperatur, keine erheblichen Nicd«1chläge. Berliner Wetterbureau. Wasserstauds-Nachrichte» Mr Landes anstatt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Unterpegel. Staatspreise. Goldene Medaillen. Ehrenpreise. 28851,* BERLIN SO. CARL BERLIN SO. Köpenickerstr. 121, Eckhaus. wumnnfc ZOBEL Köpenlckerstr. 121, Eckhaus. Beste Herren, und Knaben.Garderoben der Gegenwart. Alle GröCen, auch für korpulente Herren, in reichster Auswahl vorrätig. 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