Nr. m, BbonnementS'Bcdinsnngcn: WonnemenIS- Preis pränumerando: ZZierteijährl. SPS Mä, monatl. l.lO Mk., wöchenlli» 26 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonnlags- luimmcr mit illusiricrter Sonntags- Berlage„Die Neue Welt" 10 Pfa. Posi- itlbonncment: l.lIZ Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- Prcislisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland l! Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Däneniark, Holland. Italien, Luxcinburg, Portugal, Aumänien, Schweden und die Schweiz, AH. Jahrg. Crfötint täglich aitßtr montags. Verltnev Volksblntt. vle Insestisnz-eidllh? «eiriigt für die scchsgespaltene Kolonel- gelle oder deren Raum so Pfg., für politische und gewcrlschaslllche Vereins- und BersammlungS-Anzcigen W Pfg. ,, Klein« Anreisen", das erste ffrtt- gedruckte) Wort 20 Pig„ jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort s Pfg. Worte über lS Buchstaben zählen für zwei Wörter Inserate für die nächste Nummer niüssen bis S Uhrnachmittags in der Expedition opgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Scaialdcmolirat Berlin". Zentralorgan der roztaldcmokrati fehen Partei Deutfcblande. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1383. Donnerstag, den 11. November INOD. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Das IHordcn in der Cürkei. Man schreibt uns aus Konstantinopel: Die revolutionären Tage der Harmonie und Freiheit in der Türkei sind lange vorbei. Die Gefängnisse, deren Tore nach der Erklärung der Verfassungsära geöffnet wurden, um die Opfer des alten Regimes in Freiheit zu setzen, sind zu einem guten Teil wieder gefüllt mit den Opfern des neuen Regimes. Die Unzufriedenheit des Volkes wird allgemein. Die Nicht- musclmannen, die von der Beamtenkärriere ausgeschlossen und daher auf die wirtschaftliche Betätigung angewiesen waren und daher den entwickeltsten Teil der Bevölkerung darstellen, forderten nach mehr Anerkennung im Staate, mehr Be- ivegungsfreiheit,' ntehr Selbstbestimmungsrecht in der Gemeinde, mehr Einfluß auf das öffentliche Leben. Die Jungtürken standen vor der Alternative: Ent- lueder diese Bedürfnisse der Volksmassen in Makedonien und Altserbien, die ihre Skanipfesverbündeten waren, zu befriedigen, oder nach alter Regel aller Revolutionen der Todfeind des Kampfesgenossen von gestern zu werden. Schnelle Entscheidung war den Jungtürken immer cigep. Unerwartet schnell wurde im Parlament das neue Vereinsgcsetz angenommen, dessen Artikel III vorschreibt:„Es sind alle Vereine verboten, die die politische Tätigkeit der verschiedenen ottomanischcn Nationen zum Zweck haben". Als die allgemeine Unzufriedenheit die Banden- täsigkcit aufs neue wachrief, wurde ohne das Parlaincnt ein neues Ausnahmegesetz gegen die Banden erlassen. Seine strengen Bestimmungen sollen die so dringend nötigen gründlichen Reformen in Mazedonien ersetzen. Es sind folgende Strafen vorgesehen:„Todesstrafe für alle diejenigen, die die Waffengewalt verwenden gegen das Militär, das Räuber verfolgt, oder gegen die Beamten, die bestimmt sind, Dörfer und Wege zu überwachen und Räuber zu suchen; lebcnslänglisches Gefängnis für alle diejenigen, die sich zum Zwecke der Revolution organisieren, oder die Strafen im Namen des Volkes verhängen oder ausführen; Landesverweisung für jene, die durch Rede und Lied das Volk verhetzen". Nach Inkrafttreten dieses Gesetzes bekommt Mazedonien permanenten Belagerungszustand, dessen Wirkung noch nicht abzusehen ist. Im Norden Mazedoniens, im altscrbischen Ge- biete zwischen Serbien und Montenegro. herrscht gleichfalls grausame Reaktion: Die Schulen sind geschlossen, die Lehrer im Gefängnis, die Gemeinden besetzt. Im Dorfe Bcrani, nicht weit entfernt von der Grenze Montenegros, soll nach dem Muster Oesterreichs ein serbischer Hochverrat entdeckt worden sein, weshalb 20 Menschen im Gefängnis sitzen. Aber der Höhepunkt tfer Barbarei waren Dschavid Paschas Operationen in Albanien. Was bedeuteten diese Albanerunruhen und was sind ihre Ursachen? Aus der Stärke des Widerstandes, den die Albaner dem Marsche Dschavid Paschas entgegensetzen, kann man schon schließen, daß es sich um einen Kampf gegen alteingewurzelte Volksgcwohnheitcn handelt. Die Albaner bewohnen eine steinige, schwer zugängliche Gegend, die sich von Montenegro bis Epirus an der Küste des Adriatischcn Meeres entlang erstreckt..Im Osten liegt Maze- donien. Der rohe Volksstamm war von den Einwirkungen der fremden Kultur so gut wie unberührt. Ihre strenge Ver- wandtschaftsorganisationen, sogenannte Phiß, die der alten Sippe sehr nahe stehen, beweisen gleichfalls die Rückständig- kcit der Entivickelung. Sie sind ein lebendiges lieber- blcibsel des Mittelalters. Die Blutrache ist»och immer geltendes Recht, sowohl für die Erledigung der Streitigkeiten untereinander als auch den Fremden gegenüber. Da sie immer gut beivaffnet und gut organisiert waren, hatten die benachbarten Völkerstämme stets unter ihren Plünderungen zu leiden. Sie selbst ivolltcn sich nie der Staatsgewalt unter- ordnen und die türkischen Beamten hatten längst auf den vergeblichen Versuch ihrer Einordnung in das Staatsgefüge verzichtet. Innere Streitigkeiten und die kulturelle Rückständigkeit verhindern in Albanien das Entstehen einer nationalen Be- wcgung, nach Art der serbischen oder bulgarischen. Im Gegen- teil konnte der Sultan ihre Roheit und Beutegier als Mittel ausbeuten, um sie gegen diese Bewegungen ins Feld zu schicken. Wie die Kurden in Asien verwendet wurden, um die unerhörte Armeniermetzelei 1894 bis 1896 anzurichten, ebenso dienten die Albaner gegen die fortschrittlichere christliche Be- völkerung. Und weil die Albaner das Privileg hatten, Gewalt- tärigkeiten zu verüben, so wurden sie„die scheußlichsten Räuber in Mazedonien". Ein serbischer Schriftsteller schreibt über die Albaner:„Sie waren für die christliche Bevölkerung eine schärfere Peitsche als die unmenschlichen Steuerpächter, die ausgehungerte Gendarmerie und das gewissenlose und Hab- süchtige Beamtentum." Allein die Albaner wurden Von der Undankbarkeit des Sultans nicht verschont.„Wenn der Ochs den Kornwagen in die Scheune gezogen hat, so muß er mit Heu fürlicb nehmen." Jmnicr und immer wieder suchte die türkische Armee dieses Räubernestcs Herr zu werden, aber immer wurde sie mit großen Verlusten abgewiesen.„Auf dieser Seite von Katschanik(ein Grenzort) liest man keine Fermans", pflegten die Albaner stolz zu sagen. So ging es dort Jahr- zehnte lang. Aber nicht die Macht der Waffen, sondern die des Geldes war es, der die Albaner unterliegen mußten. Einerseits will Italien hier Ersatz finden für die Niederlage seiner Politik in Tunis, andererseits will Oesterreich-Uugarn in seiner plan- mäßigen Politik, sich die Ueberniacht auf dem Balkan zu sichern, sie aus seine Seite ziehen.' Albanien ist voll von Agenten und Missionaren dieser Staaten, die große Summen ftir die Bestechung der Häuptlinge, Dcrebajleri, ausgeben. Das hat der Albanerfrage eine besondere Wendung gegeben. In den letzten 20 bis 30 Jahren fand keine Bewegung in diesen Gegenden statt, die nicht in Verbindung mit den politischen Plänen dieser Mächte stand. So kam dieses Stück Boden unter den rivalisierenden Einfluß Italiens und Ocsterreich-Ungarus einerseits, der nationalen Propaganda Serbiens und Montenegros anderer- scits. Seine Bedeutung liegt nicht auf wirtschaftlichen!, sondern auf strategischem und politischem Felde, da man von diesen Bergen den Weg nach Süden über das Wardartal und Saloniki, nach Westen über das Adriatische Meer und nach Norden über Sandschak Novipazar und Bosnien beherrscht. Das Bild ist nun vollständig: Die Albaner morden und plündern; die fremden Agenten, Patres und Jesuiten, die von den interessierten kapitalistischen Staaten unterstützt werden, treiben ihre Propaganda und suchen in den größten Wirren ihre beste Ernte; das korrumpierte türkische Beamtentum, ohne Autorität und Besoldung, zehrt die Bestechungssummen auf. Die Masse der arbeitsamen Bevölkerung lebt in ver- zweifcltcrer Lage als ihre Leidensgcnossen in den anderen Provinzen, Mazedonien eingeschlossen. Albanien ist der Kul- minationSpunkt der türkischen Anarchie und Not. Nach der Revolution konnte man den Kampf mit den Albanern erwarten. Die Grundgedanken des neuen Regimes: Innerhalb des Landes die Autorität der türkischen Macht- haber zu heben, nach außen die Türkei von der fremden Politik zu befreien, bewogen die Jungtürken, mit der ihnen eigenen Rücksichtslosigkeit so bald wie möglich ihre Herrschaft in dieser Hölle zu befestigen, die fremden Einflüsse zu ver- drängen und die Albaner unter das Joch der Untertänigkeit und der Untertancnlasten zu beugen. Und diese Kämpfe in Albanien, in denen die Menschenleben fallen wie im Kriege, sind ein unvermeidlicher Konflikt der jungtürkischen Politik mit der Gewohnheit der Albaner, die Steuern nicht zu zahlen, die Rekruten nicht zu stellen und die alte Ueberniacht gegenüber der christlichen Bevölkerung sowohl wie den türkischen Beamten zu erhalten. Während der großen Albanerunruhen vor einem Jahrzehnt sprach Hovus Pascha:„Ich brauche nicht mehr als vier Bataillone mit zwei Batterien und— einen entschiedenen Befehl aus Jildis, um in sieben Tagen die Albaner zu beruhigen und zur Gesetzlichkeit zu zwingen". Das neue Regime hat Dschavid Pascha gegeben, was Hovus Pascha vergebens wünschte. Und trotz aller Roheit, Bcutegierigkeit und Gewalt- tätigkeit der Albaner muß man Mitgefühl haben für diese Berg- bewohner, die das türkische Militär so mitleidslos mordet, ob- Wohl ihre einzige Schuld darin besteht, daß sie Jahrzehnte und Jahrhunderte in der Türkei verloren leben mußten. Die Albaner haben ja auch das Recht und die Fähigkeit, sich kulturell zu entwickeln. Die Türkei und ihre hundertjährige Herrschaft ist selbst schuld daran, daß sie jetzt in ihrer Rück- ständigkeit zu einer Gefahr geworden sind. Es ist überhaupt das große Unglück des Volkes in der Türkei, daß ihm gegen- über die Politik des Bleies und Pulvers nicht aufhört; geschah es früher, um das Volk in tödlicher Unbcwcglichkeit zu erhalten, so jetzt, um es zur Annahme der„Reformen" zu zwingen._ ein mißlungener Reinigungsveriuei). In dem Kieler Werftprozetz hatte der Angeklagte Franken- t h a l die fiskalische Lotterwirtschaft auch durch den Fall charakterisiert, daß er für 74 M. einen Mast gekauft habe, den er dann für IlXXZ M. wieder an die Werft habe losschlagen können. Hierzu nun äußerte sich der Oberwerftdirektor Vizeadmiral v. Usedom folgendermaßen: „lieber den Verkauf des hier erwähnten Fockmastes bin ich in der Lage, mich authentisch zu äußern. Der Mast soll um 74 Mark von der Werft verkauft und dann um 1000 Mark wieder zurück- gclauft worden sein. Es handelt sich um einen„Hertha"-Mast. Ich habe seinerzeit angefragt, ob nicht der alte Mast umgebaut werden konnte. ES wurde mir gesagt: Das ist nicht möglich, weil der Umbau mehr kosten würde als ein neuer M a st. Ich habe dann weiter gefragt, was das Verlegen des MasteS tosten würde und was wir aus ihm erlösen würden. Darauf habe ich die Meldung bekommen, daß die Verlegung etwa 000 M. kosten würde. Die Kosten waren so hoch, weil der Mast nicht genietet, sondern geschweißt war, und eö damals noch an dem jetzt üblichen Schneidcverfahren mit Sauerstoff fehlte. Mir tat der Mast leid, ich wollte ihn anderSwo in der Marine unterbringen. Auf meine Ver- anlafiung hin ist das auch an die Marinekolonialausstellung nach Berlin geschrieben worden, ich habe ihn der Aus- stellung als Aussichtsturm oder Gefechtsmast vorgeschlagen. Aber da ergab sich, daß der Transport zu teuer geworden wäre. Erst dann ist an den Verkauf herangetreten worden. Der Mast ist zu dem Preise verkauft worden, den wir angesetzt hatten; wir hatten ihn nämlich zu 0,0 M. angesetzt; wenn er 1000 M. gebracht hat, so sind das eben die Kosten der V e r l e g u n g. Ich glaube den Beweis er- bracht zu haben, wie unrichtig die Schlußfolgerungen aus diesem Verkaufe sind und bin der Ueberzengung. daß auch in anderen Punkten eine Aufklärung erfolgen wird. Freilich bin ich nicht in der Lage, jeden Verkauf aufklären zu können, denn ich habe mehr zu tun. Ich erwähne nur, daß die Werft im Jahre 1903 mit einer sachgemäßen Verwendung von 61 Millionen Mark zu. tun hatte; das Altmaterial betrug dabei niw 400 000 M., also noch nicht einmal 1 Proz."— Der Angeklagte Frankenthal fragt den Zeugen nach dem Gewicht des Mastes. Der Zeuge gibt als dieses an 24 000 Kilo. Die Darlegungen des Herrn v. Usedom reizen denn doch zum Widerspruch. Selbst wenn das Schneideverfahren mit Sauer- stoff noch nicht durchprobiert war. so lag doch die Möglichkeit vor, mit relativ geringen Kosten im Kaltsägeverfahren den Mast zu zerschneiden. Die Ausgaben für vielleicht zweimaliges Zer- schneiden würden höchstens 20 bis 30 Mark erfordert haben. Aber auch für den Fall, daß Kaltsägen auf der Werft nicht vorhanden sein sollte», kann von besonderen Transport- schwierigkeiten kaum geredet werden. Bei de» heutigen mechanische» Hebezeugen spielt man mit Lasten von 24 Tonnen. In Kreisen von Sachverständigen können daher die Ausführungen des Oberwerftdirekrors nur Kopfschütteln erregen. DaS gilt auch in bezug auf die TranLportkostenfrage. Wir holen Erze aus Spanien. Rußland, Schweden usiv.. um sie hier zu verarbeiten, wir beziehen trotz des 10 M.-ZolleS Roheisen aus England. Trotz des viel minderwertigeren Materials gegenüber dem guten Stahl des MasteS machen sich die Transportlosten bezahlt. Und waS schließlich den angesetzten Preis von 0.0 Mark anlangt, so ist in diesem Punkte die grenzenlose Weltfremdheit der Direktion schon durch die Tatsache erwiesen, daß die Eisenbahndirektion Eisenbahnmaterial durchschnittlich für 55 M. pro Tonne verkauft. Wenn man mir diesen Preis berechnet, dann war der Mast schon über 1300 M. wert! Herr Usedom hat sich die Verteidigung der Verwaltung denn doch etwas zu leicht gemacht l 9 Sogar die„Verl. Neuesten Nach r.' schreiben: „Mit Pflästerchen ist die schivere Wunde nicht zu heilen. Es handelt sich um eine Erneuerung an Haupt und Gliedern; nicht damit ist es geschehen, daß als Arabeske ein kaufmännischer Sachverständiger der staunenden Mitwelt gezeigt wird, sondern damit, daß die Werftverwaltung mit kaufmännischer Intelligenz und kaufmännischem Veranttvort- lichkeitsgefühl zum Heile des Reiches gänzlich neu und von Grund aus durchleuchtet wird. In- wieweit dabei Assessoren und Räte durch Kauf- leute oder Techniker ersetzt oder ergänzt werden müssen, inwieweit die haarsträubenden anderen Verwaltungsmängel aus der Welt zu schaffen sein werden, das wollen wir getrost den Vereinbarungen zwischen Reichstag und Marincverwaltung überlassen, von denen ernst- lich zu hoffen ist, daß sie nicht auf der Oberfläche haften bleiben. Im Gegenteil. Der Reichstag wird gut tun, sich des MottoS zu Schillers„Räubern" zu erinnern: Quod me- dicamenta non sanant. ferrum sanat, qnod ferrum non sanat, ignis sanat(Was Heilmittel nicht heilen, heilt das Eisen, was das Eisen nicht heilt, heilt das Feuer.) flufklärung über staatsbürgerliche pflichten Ist verboten! „Hoch die Dummheit I Sie lebe I Sie ist Staats- institution und muß als solche geschützt werden. Wer es wagt; die Dummheit durch Aufklärung zu bekämpfen, ist strafbar." Das ist der neueste Rechtsgrundsatz, den der Polizeikampf gegen die proletarische Jugendbewegung der Klassenjustiz ab- gerungen hat, wie nachstehende Gerichtsverhandlung, die gestern stattfand, zeigt: In Köpenick sollte am 3. Juli eine öffentliche Versammlung abgehalten werden mit dem Thema:«Aufgaben der prole- tarischen Jugend."— Die Polizei erschien, um die Versamm- lung zu überwachen. Der Einberufer, Genosse I a h n k e, erklärte den Beamten, daß sie kein Recht zur Ueberwachung hätten, weil in der Versammlung keine politischen Angelegenheiten erörtert werden sollten. Da der Referent nicht erschienen war, so wurde die Ver- sammlnng gar nicht abgehalten. Trotzdem wurde Genosse Jahnke unter Anklage gestellt, weil er eine öffentliche politische Versammlung nicht angemeldet habe. DaS Schöffen- gericht Köpenick verurteilte ihn auch zu 20 Mark Geld st rase, obgleich keine Tatsachen dafür vorlagen. daß Jahnke bezweckte, politische Erörterungen stattfinden zu lassen. DaS Urteil bc& Schöffengerichts führt auch keinerlei Tat- fachen oder Gründe an, sondern begnügt sich mit dem Diktum: „zweifellos" hätte das Thema zu politischen Erörterungen führen müssen. Dem Richter hätte aus seinem Examen in Erinnerung sein müssen: die Bchaichtung„zweifellos" ist keine Anführung eines Grundes, sondern ein klares Zeichen dafür, daß der mit„zweifellos" Operierende Gründe anzugeben nicht vermag. Gegen das jeder tat- sächlichen Unterlage und einer Begründung entbehrende Urteil legte Jahnke Berufung ein. Infolgedessen kam die Angelegenheit am Mittwoch vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II zur Verhandlung. Der Angeklagt« erklärte, es sei nicht beabfichttgt gewesen. politische Angelegenheiten in der Versammlung zu erörtern, er habe deshalb bis Versammlung nicht anmelden brauchen. Der Vor- sitzende stellte eine Reihe von Fragen an den Angeklagten, die erkennen ließen, daß er(der Vorsitzende) der Meinung war, wer über die Aufgaben der proletarischen Jugend sprechen wolle, könne nicht anders, als die Bestrebungen der Sozialdemo- kratie propagieren. Vergebens war demgegenüber der Hinweis des Angeklagten und seines Verteidigers Dr. Kurt Rosenfeld, daß cS doch eine große Reihe von Aufgaben der proletarischen Jugend gebe, die nicht politischer Natur seien, und daß sowohl die Einberufer wie die Referenten der jetzt zahlreich stattfindenden Jugendversammlungen die einschlägigen Gesetzesbestimmungen kennen und sich danach richten. Der als Zeuge vernommene Polizeiinspeltor Hören konnte keine Tatsachen dafür anführen, daß in der Versammlung. die gar nicht stattfand und die er gar nicht gesehen hat, politische Angelegenheiten erörtert werden sollten. Aber er hielt es für „zweifellos", daß politische Erörterungen stattgefunden hätten, wenn die Versammlung abgehalten worden wäre, denn eine kurz vorher abgehaltene Versammlung mit dem Thema:„Die Rechte der jugend« lichen Arbeiter" sei„zweifellos" politisch gewesen. DaS wußte der Zeuge aber auch nicht auf Grund eigener Wahrnehmung, sondern er stützte sich auf den Bericht eines Wachtmeisters. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld legte in längeren Aus- führungen dar, daß der Angeklagte nur dann verurteilt werden könne, wenn ihm nachgewiesen werde, er habe die Versammlung zum Zweck politischer Erörterungen einberufen. Das fei aber nicht erwiesen und könne auch nicht erwiesen werden, da der Bortrag, der ollein zum Beweise dafür dienen könnte, gar nicht gehalten worden sei. Ans dem angegebenen Thema könne man nicht den Charakter der Versammlung beweisen. In Berlin würden jetzt sehr viele Jugendversammlungen mit ähnlichen Themen wie dem hier in Rede stehenden abgehallen, ohne daß die Behörden diese Versammlungen als politische ansähen. Der Verteieider beantragte nicht nur die Freisprechung des Angeklagten, sondern auch die E r st a t t u n g der VerteigungSkosten durch die Staatskasse. Der Staatsanwalt machte sich die Begründung seines An träges auf Verwerfung der Berufung sehr leicht, indem er sagte, das Thema:„Aufgaben der proletarischen Jugend' könne gar nicht ohne politische Erörterungen behandelt werden. Das Gericht verwarf die Berufung mit der Be- gründung: Es sei gerichtskundig, daß die Sozialdemokratie auch die Jugend für ihre Bestrebungen gewinnen wolle. Sie verlange ja auch, daß die Jugend i n der Schule über die staatS- bürgerlichen Rechte aufgeklärt werde. Diese all gemeinen Tendenzen würden auch zu den Gesichtspunkten ge hören, von denen die sozialdemokratische Partei bei ihrer Einwirkung auf die Jugend ausgehe. Im vorliegenden Falle sollten die Auf gaben der proletarischen Jugend erörtert werden. Eine Einschränkung auf ein bestimmtes Gebiet sei nicht gemacht worden. Wäre es, wie der Angeklagte angab, seine Absicht gewesen, nur die moralischen und ethischen Aufgaben der Jugend zu erörtern, dann hätte er das zum Ausdruck bringen müssen. Wenn er eine solche Einschränkung beabsichtigt hätte, dann würde er eS auch zum Ausdruck gebracht haben. Zu den Aufgaben der proletarischen Jugend gehöre nicht nur daS, was auf moralischem und ethischein Gebiet liege, sondern auch das, was auf politischem Gebiet liege. Gegen den Angeklagten spreche auch der Umstand, daß in einer vorhergegangenen Versammlung— über die Verfassung ge sprachen und eine Broschüre über die Verfassung verteilt worden sei. Er habe auch in erster Instanz gesagt, eS sollte in der hier in Rede stehenden Versammlung die Jugend über ihre staatsbürgerlichen Rechte aufgeklärt werden. Das Gericht sei überzeugt, daß solche Aufgaben der proletarischen Jugend erörtert werden sollten, die auf politischem Gebiete liegen.? Das Urteil wird ja schwerlich iu der RevisionSinstanz aufrecht erhalten werden. Das Urteil proklamiert die Pflicht zur Dummheit für die proletarische Jugend. Arg verdächtig ist der Angeklagte, da gerichtsnotorisch, daß die Sozialdemo kratie verlangt, daß die Jugend auch in der Schule über ihre staatsbürgerlichen Rechte aufgeklärt werde, und da ferner der Angeklagte sogar das schreckliche Verbrechen begangen hat, die Jugend über ihre staatsbürgerlichen Rechte aufzuklären. Vor einigen tausend Jahren wurde asiatischen Arbeitssklaven, die eS gewagt hatten, einer Rede zu lauschen, siedendes Oel ins Ohr gegossen und über solche, die gar ein Buch zu lesen wagten, noch schlimmere Strafe verhängt. Nach dem Urteil steht der Gesetzgeber von heute auf derselben Tiefe. Auf desto größerer Höhe der Nichter. Als Rechtsgrundsatz gilt, daß Tatsachen allein ein Urteil begründen können. Nicht nach der Person des Angeklagten, sondern nach Maßgabe der eriviesenen Handlungen darf Recht gesprochen werden. Um gekehrt das Urteil. Das Gesetz kennt die Veranstaltung poli tischer und anderer Versammlungen. Es gilt für alle Staatsbürger ohne Unterschied der politischen Richtung. Das Urteil behauptet: Veranstaltet ein Sozialdemokrat eine Jugendversammlung, so kann das nur eine politische sein I ES schafft für die Staatsbürger also zweierlei Rechte. Die Versammlung hat nicht stattgefunden, aus der entnommen werden könnte, daß die„Erörterung politischer Angelegen- heiten" beabsichtigt gewesen sei. Tut nichts. Der Richter ist Hellseher. Bei gar trübem Licht. So sieht er, was in der Z u r u n f t sich hätte ereignen rönnen und hält Aufklärung über staatsbürgerliche Rechte mit„Erörterung politischer An» gelegenhciten" in dem durch politische Befangenheit herbei- geführten Trancezustande für identisch! Wie notwendig eine Aufklärung über staatsbürgerliche Rechte der Jugend auch für höhere Schulen und ältere Semester ist, zeigt zur Evidenz dies Urteil. ES zeigt aber auch, wie notwendig eine Reform unseres Gcrichtssystenis an Haupt und Gliedern. Fort mit den hellseherischen gelehrten Richtern l Her mit Richtern, gewählt aus und von allen Schichten der Bevölkerung I Dann werden solche Urteile, wie das gefällte, zn den unmöglichen Dingen gehören, die man nur noch zur Aufklärung darüber vorzeigen wird, wohin Weltsremdheit, politische Befangenheit und die Furcht vor Ausklärung führen konnten. Die Candesvertarnmlung der Sozialdemokratie Württembergs, im Velrage 5on 28 858 M. stehen an Ausgaben 21 653 M. gegen letzten die am Sonnabend und Sonntag, den 6. und 7. November, in Stuttgart tagte, ioar außergewöhnlich stark besucht. 243 Dele- gierte aus 193 Orten waren anwesend, von den 15 Landtagsabge- ordneten 14, vom Partcivorstand E b e r t- Berlin und ein Sekretär der badischen Parteiorganisation. Den Bericht deö Vorstendes erstattete der Vorsitzende S p e r k a. Demnach ist die Zahl der OrtS- vereine auf 243 gestiegen, die der Mitglieder auf 19 373, davon 346 weibliche. Tie> Zahl der Bürgerausschußmitglieder(Stadt- verordneten) ist im letzten Geschäftsjahr auf 379 gestiegen: Gr- meinderäten gehören 172 Gcnosien an. Dem Bericht des Sekre- tärs Wasner ist zu entnehmen, daß die Einnahmen des Lan- desvorstandes in den 9 Monaten, die das Geschäftsjahr umfaßt. fast dieselbe Höhe erreichten pig im Porjahre. Dey Sinnahmen über, der Kassenbestand- ist 7169 M. Die Schulden vom Wahljahr konnten getilgt An die Berichte schloß sich eine eingehende Diskussion, die sich besonders mit dem Parteiorgan, der„Schwab. Tagwacht beschäftigte. Gellagt wurde u. a., daß das eine und andere Gebiet nicht genug gepflegt worden sei, daß versäumt worden sei, in Par tcifragcn stets entschiedene Stellung zu nehmen usw. Der Antrag an Stelle deö Landesborstandes eine Preßkommission mit der Aus ficht Über das Parteiorgan zu betrauen, wurde jedoch mit allen gegen 4 oder 5 Stimmen abgelehnt. Eine Reihe Anträge gelangten zur Annahme, so ein An- trag, daß das Parteiorgan mehr aufklärende Artikel für die Frauen bringen solle; das Gemeindeprogramu? soll mit Erläuterungen herausgegeben, die Jugendorganisation mehr gefördert, der Kamp' gegen den Alkoholismus entsprechend dem Leipziger Parteitags bcschluß energisch aufgenommen werden usw. Reichstagsabgcord uctcr Hildenbrand hielt ein temperamentvolles Referat über die politische Lage im Reich. Landtagsabgeordneter H e h in a n n sprach über die Schulreform, Landtagsabgeord� neter Dr. Lindemanu gab ein sehr eingehendes und instrut tives Referat über die Landtagsvcrhandlungen. Zum Schluß behandelte er die H o f g ä n g e r f r a g e. Er gab eine Zu sammenstellung all der Gründe, die seiner Ueberzeugung nach f ü r die Teilnahme an dem Besuch sprechen. Er resümiert dahin daß er in der Beteiligung au der Fährt nach Friedrichshafen weder einen taktischen Fehler, noch einen prin- zipiellen Verstoß erblicke. Der Empfang der FraktionS Mitglieder des Landtags bedeutete seiner Meinung nach die A u � er kennung der sozialdemokratischen Partei als einer mit den übrigen Parteien gleichberechtigten durch den König. Ein Fernbleiben der ganzen Fraktion von dem Ausflug hätte nicht anders als eine beabsichtigte Demonstration gegen den König angesehen werden können. Die ganze Fraktion sei der Ansicht, daß die Bedeutung der ganzen Sache a u ß e r o r d e n t l i ch übertrieben worden sei. Weiter erklärte Dr. Lindemanu im Auftrag der Gesamt- f r a k t i o n: „Wir sind der Ansicht, daß wir viel leichter und erfolgreicher arbeiten würden, wenn unser gegenseitiges Verhältnis von dem starken Moment des gegenseitigen Vertrauens erfüllt wäre und wenn wir uns daran gewöhnen würden, abweichende Meinungen des anderen zu achten und in ihnen nicht gleich Dummheit oder Bosheit zu sehen. Auch in der Beurteilung des Besuches in Friedrichshafen bestehen solche Meinungsverschiedenheiten, deren Vorhandensein und deren Bedeutung von uns durchaus nicht unterschätzt wird. Die Fraktion hat mich daher beauftragt, zu erklären, daß sie bei der Abwägung ihrer Beschlüsse und Hand lungen auf die Meinungen und Gefühle, wie sie verschiedenartig in den Reihen der Parteigenossen vorhanden sind, die Rücksicht nehnicn wird, auf die Meinungen und Gefühle von Partcigenoffen stets Anspruch haben. Wenn wir diesen Grundsatz unseres tjSan- delnS hier aussprechen, so müssen wir auf der anderen Seite er- warten, daß unsere Handlungen mit dem Vertrauen aufgel nommen werden, auf das wir Anspruch haben." K i n k e l- Göppingen: In Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit ist eine Diskussion über die Erklärung kaum mehr möglich. Ich nehme an, und mit mir wohl jeder Teilnehmer der Lmideöver- sammlung, daß die Schlußsätze der Fraktionserklärung dahin zu verstehen sind, daß die Erklärung auf dem Leipziger Parteitag zur Hofgängerfrage sowie die In terpretation Singers auch für Württemberg als bindend anerkannt wird. Unter der VorauSsebnng, das? die Fraktionscrtlärung dieses ausdrückt, ziehe ich die Göppinger Resolution zurück. Vorsitzender Äöh ring- Ulm: Tie Resolution ist also zurück- gezogen...(Rufe: Nur unter Voraussetzungen!) Vor- sitzender Göhring: Ich nehme an, daß die Landesversammlung und die ganze Fraktion mit dieser Boraussetzung einverstanden sind (Pause.) Die Resolution ist zurückgezogen. Damit war auch die vom Genossen Lindemann wieder auf- gerollte Hofgängerfrage erledigt. Nach einem begeisternden Schlußwort des 1. Vorsitzenden Gc- nosscn D i e tz ging die Landesversammlung unter dem Gesang der Marseillaise auseinander. politifcbc dcbcrHcbt Berlin, den 10. November 1909 Fünf Milliarden Neichsschuld überschritten! Dem Reichstage wird bei seinem Zusammentritt ein Nachtragsetat für 1909 zugehen, der die Vergebung von nicht weniger als 542 Milliolleu neuer Anleihen enthält. Diese Summe setzt sich zusammen aus 146 Millionen„gestundeter" und vom schivarz-blauen Block auf das Reich übernommener Matrikularbeiträge für 1906, 1907 und 1908, aus 136 Millionen Mark Fehlbeträgen für die Jahre 1907 und 1908 und aus einem Fehlbetrag von 260 Millionen für 1909, der in erster Linie auf den Ausfall von Matrikularbeiträgen für 1909 zurückzuführen sein soll. Wenn von offiziöser Seite betont wird, daß die zu deckenden Fehlbeträge ja bereits bekannt oder doch aus dem Etat für 1909 zu errechnen waren, so ist daS schon richtig. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß durch den neuen Pump von 542 Millionen die Reichsschuld auf mehr als fünf Milliarden anwächst und daß das Reich künftig allein zur Verzinsung der neuen Schuld jährlich zwanzig Millionen mehr zahlen muß! Und dieser Mesenpunip ist notwendig geworden, trotzdem die S t e n g e l s ch e F i n a n z r e f o r m vom Jahre 1906 die Rcichseinnahmen um 200 Millionen gesteigert hat und trotz der Mehreinnahmen, die sich aus den neuen Steuern des SchnapSblocks für einen Teil des Jahres 1909 bereits ergeben! Und wenn auch die Offiziösen beteuern, daß der neue Etat so„sparsam" aufgestellt sein werde, daß wenigstens für daS Jahr 1910 ein Balanzieren der Einnahmen und Ausgaben erreicht sein werde, so ist das nur ein sehr schwacher Trost. Denn wer garantiert uns denn dafür, daß die Ersparnisse beispielsweise in den Staatsbetrieben nicht demnächst um so größere Ausgaben nach sich ziehen werden? Wirklich gespart könnte nur werden bei den Ausgaben Ur Heer, Marino und Kolonialpolitik. DaS erkennt auch ein freisinniges Blatt an, das chreibt, alle Welt wisse, woher das Finanz- elend in Teutschland stamme. Die Ausgaben für Heer und Marine seien uns über den Kopf gewachsen I Das gehe einfach nicht so lveitcr!„Wenn der Reichstag nicht den Mut und die Kraft gewinnt, dem W e t t r ü st e n ein festes Halt zuzurufen, dann macht er sich zum Mitschuldigen an dem wirtschaftlichen Ruin des deutschen Volkes." Das hat die Sozialdemokratie schon seit manchem Jahre gepredigt. Sie hat aber gerade auch beim Freisinn taube Ohren gefunden. Ob daS jetzt anders werden wird?_ Der neue Verfassnngscuttvurf für die Schildaee Lande. Die gestrige Meldung, daß die mecklenburgische Regierung endlich nach langer Anstrengung einen neuen Verfassungsentwurf zustande gebracht hat, bestätigt sich. Und auch die Angaben über die kuriose Beschaffenheid dieses schönen Erzeugnisses feudaler Gehirnkonstruktion erweisen sich im wesentlichen als richtig. Nach dem neuen Entwurf der Mecklenburger Regierungsdiplomatie soll künftig der mecklenburgische Landtag aus 166 Abgeordneten bestehen, und zwar soll Mecklenburg-Schwcrin im ganzen 84 Land- tagsgrößen stellen, nämlich: 26 aus der Ritterschaft(dem rittcr- schostlichen Großgrundbesitz), 26 aus der Landschaft, d. h. 26 Ver- tretcr der Stadtmagistrate, 46 aus sogen, allgemeinen Wahlen hervorgegangene„Volksvertreter" und 4 vom Großherzog auf Grund seiner Erbweisheit ernannte Abgeordnete. In gleicher Weise werden Meckleriburg-Schwerin 22 Landtagssitzc zugeteilc. 5 Abgeordnete aus der Ritterschaft, 5 aus der Landschaft(d. h. der Stadtmagistrate), 1 Deputierter der Ratzeburger Hauswirte, 16 aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Landtagsvertreter, 1 auf Lebenszeit Ernannter Sr. königlichen Hoheit des Großherzogs. Es würde also der Landtag(beide Mecklenburg haben einen gemeinsamen Landtag) bestehen aus: 22 Vertretern der Ritterschaft, 25 Vertretern der Stadtmagistratc(Bürgermeister), 50 Vertretern aus allgemeinen Wahlen, 1 Erwählten der Ratzeburger Hauswirte, 5 Ernannten der Großherzöge. Vergleicht man diese Zahlen mit denen dcL früheren, von den Junkern abgelehnten Regierungsentwurfs, so ergibt sich, daß zwar die Zahl der Abgeordneten vermehrt worden ist, das Verhältnis der drei in Betracht kommenden Kategorien zueinander aber so ziemlich dasselbe geblieben ist. Die Stadtmagistrate können einige Bürgermeister mehr in den Landtag schicken, als ihnen nach dem früheren Entwurf zustand. Das ist eigentlich alles! Aber' auch dieses kleine Zugeständnis wird durch vorsichtige Einschränkungen wieder aufgehoben; denn nicht die größeren liberalen Städte, wie z. B. Rostock, erhalten mehr Magistratsvertreter, sondern die kleinen konservativen Landstädtchen. Der Arbeiterschaft bietet der neue Entwurf genau so viel und zu wenig wie der alte. Die allgemeinen Wahlen, aus denen die n i ch t st ä n d i s ch e n 46 Volksvertreter hervorgehen sollen, sind nämlich gar keine allgemeinen Wahlen. Sie sollen nach dem preußischen Dreiklasse n Wahlrecht vollzogen werden, und außerdem'schlägt der Entwurf eine höchst sonder- bare Wahlkreiseintcilung vor: 23 der 46 Volksvertreter soll dal platte Land wählen, nur 17 die städtische Bevölkerung. So ist weise dafür gesorgt, daß nach menschlicher Berechnung stets der Großgrundbesitz die große Mehrheit im Landtag hat. Doch da man nicht wissen kann, ob nicht selbst bei diesem Wahlrecht doch vielleicht mal im Laufe der Zeiten ein Arbeitervertreter in den Landtag gelangen könnte, so sind noch einige weitere mühevoll ausgetiftclte Beschränkungen hinzugefügt. Wahlberechtigt soll nur sein, wer einen eigenen Ha us st and und e in e tt eigenen Herd besitzt. Des ferneren muß man, um wählen zu können. 25 Jahre alt sein, 3 Jahre die mecklenburgische Staats- angehörigkeit besitzen und mindestens 1 Jahr Steuern bezahlt haben. Ferner wird, um die städtischen Agitatoren vom unschulds- vollen Lande fernzuhalten, noch bestimmt: Wählbar in den Städten ist nur, wer int städtischen Gebiete, für das Land nur, wer im ländlichen Gebiete wohnt. O ihr Lande mit dem Büfselskopf im Wappen, wer überbietet eure Gesetzgeber an hehrer Erbweisheit! Herr Dernburg bringt sich wieder in Empfehlnng. Herr Dernburg. diese letzte Säule der Blockpolitik, der man ja bereits nachgesagt hat. daß sie über Nacht stürzen könne, hält wieder einmal große lolonialpolitische Reden. Diesmal hat er in Liverpool ein von der dortigen Handelskammer veranstalteteZ Bankett dazu benutzt, um der Welt mitzuteilen, daß die Vereinigten Staaten nicht gemig Baumtbolle für die Bedürfnisse der Welt bauten. Dem Mangel an Baumwolle müsse dadurch abgeholfen werden, daß die Kolonien den Baumwollbau energisch in Angriff nähmen. Speziell die deutschen Kolonien seien dazu berufen, durch wohlfeile Baumwollproduklion al-Z Konkurreuten Amerikas attfzu. treten und durch Herabdrückung des Weltmarktpreises der BaurnwoN- industrie große Dienste zu leisten. Die Weisheit, die Herr Dernburg verkündete, ist wirklich nicht neu. Daß Amerika den Baumwollbedars der Welt nicht zu decken vermag, geht schon daraus hervor, daß bereits im Jahre 1962/63 von den IT/z Millionen Ballen der Welt baumwollernte nicht weniger als 7'� Millionen Ballen Baumwolle in Indien, Aegypten, Brasilien usw. produziert worden waren! Von den» 19 717 666 Ballen der Weltbaumwolleritte im Jahre 1967/8 stammten 3 135 666 Ballen auS Westindien, Aegypten, Brasilien und den übrigen Ländern. Reichlich vier Zehntel der Gesaiiltblttimwollproduktiou stammt also schon heute nicht auS der Union! Selbst wenn also Herr Dernberg recht darin haben sollte, daß dort, wo heute 5666 Ballen Baumwolle gewonnen würden, in Zukunft einmal hundert mal niehr erzeugt werden könnten, also eine halbe Million Ballen, so würde durch dieses Wachstum der außeramerikanischen Baumwollproduktion an den Weltmarktverhältnissen und Weltmarktpreisen für Baumwolle ch werlich irgeitd etwas geäitdert werden! Speziell auch nicht für Deutschland, denn von den l'/j Millionen Ballen, die Deutschlands Baumwollverbrauch darstellen, stammt schon heute eine halbe Million Ballen allein aus Ostindien und Aegypten! Die Baumwollphantasieit des Herrn Dernburg ent- behren also jeder wirtschaftspolitischen Bedeutung! Betehrung zum Gottesglaubeu. Vor dem Schwurgericht in Magdeburg hatten sich die Arbeiter BorowSli. Stesckak, Tamala und Pawelitzki wegen vorsätz- licher Körperverletzung mit TodeSersolg zu verantworten. Am Nach- mittag deS 25. Juli d. I.. einem Sonntag, hatten die vier, die in Dorfe Walkersleben(Regierungsbezirk Magdeburg) arbeiteten, ge- kneipt. Sie begaben sich dann in Gemeinschaft mit einem alten Manne, dessen Name nicht festgestellt werden konnte, in eine Arbeiterkaserne. Hier trafen sie die Arbeiter Potzarek und Florek, die einem Landsmann einen Besuch abstatteten. Der alte Mann ing mir Potzarek ein Gespräch über Religion an, daS bald zn heftigen Auseinandersetzungen führte, weil Potzarek nicht an ott glauben wollte und behauptete, es gäbe gar keinen Gott. Die vier Angeklagten, die gute Katholiken sind, nahmen ebenfalls gegen Potzarek Partei und der alte Mann forderte ie auf, den Ungläubigen zu bekehren. Dazu waren ie sofort bereit. Sobald alle die Kaserne verlassen halten. ging aus der Straße die Schlagerei los. Dabei wurde Potzarek e r st o ch e n und Florek schwer mißhandelt. Nachdem die Angeklagten dies Werk vollbracht hatten, verfolgten ie noch einen Dritten, der ebenfalls zu Potzarek gehalten hatte. Dem Verfolgten gelang es aber, sich zu verstecken. In seinem Ver- tcck hörte er, wie einer der vorübergehenden Verfolger sagte:„Da? Hundeblut, wenn wir ihn finden, schlachten wir ihn mit unseren Messern ab!" Den Angellagten wurden später zwei mit Stacheln versehene Schlagringe und ein Revolver abgenommen, die sie bei ihren Bekehrungstaten gebraucht halten. Entsprechend dem Wahrspruche der Geschworenen verurteilte das Schwurgericht Borows'i zu drei Jahren drei Monaten Zuchthaus, Steschal und Tamala zu je vier Jahren Zuchthaus und Pawelitzli zu anderthalb Jahren Ge- fängnis. Die Zubilligung mildernder Umstände wurde bei allen Angeklagten verneint. Der Staatsanwalt hatte nur Ge- fängnis beantragt. Das Gericht erkannte aber bei drei An- geklagten auf Zuchthaus, weil eine Tat von so großer Roheit im Interesse der öffentlichen Sicherheit geahndet werden müsse. Unzweifelhaft liegt hier ein ganz ungeheuerlicher Fall von Terrorismus vor. Aber wer ist hier der eigentlich Schuldige? Sind cS nicht die Vertreter der katholischen Kirche, die in ihrer Unduld- samkeit gegen jeden Andersdenkenden armen unwissenden Arbeitern den Fanatismus ins Herz gepflanzt haben? Auf die Pfaffen fällt die Tat der Angeklagten zurück I Zur ReichstagSersatzwahl in Halle. Nachdem sich auch beim bürgerlichen Mischmasch immer mehr die Einsicht durchgerungen hat, daß mit der nationalen Phrase in diesem Wahlkampf sehr schlechte Geschäfte zu machen sind, sucht man der prächtigen Geschlossenheit deS Proletariats auf andere Weise bei- zukommen. Die sich zu dem unwürdigen Spiel hergeben, sind die — Nationalpolen, deren parlamentarische Vertretung bc- kanntlich den Steuerraubzug im Reichstag vollenden half. ES ist offenbar das Geld des H a n s a b u n d e S, mit dem diese seine Sache gemacht werden soll. Ain letzten Sonntag waren gleich zwei Agitatoren der Polen in Halle, um die polnischen Proletarier einzu- fangen, nämlich der Redakteur und Verleger deS nationalpolnischen «Dziennik BcrlinSki", Krysiak und der Sekretär des Polenkomitees Piotrikow ski. Die Versammlung war von etwa IsvPcrsoncnbesucht. aber nur zwei Dutzend der Anwesenden ließen sich verleiten, der arbeiterfeindlichen Resolution, welche die polnischen Referenten vor- legten, zuzustimmen. In welcher Form diese Polen vorzugehen gc- , denken, erweist sich daraus, daß sie einigen der polnischen Sprache »nächtigen Genossen, die ebenfalls anwesend waren, d a S Wort nicht erteilten! Sie schlugen den Polen vor, keinem Deutschen, ganz gleich, ob Sozialdemokrat oder„national", die Stimine zu geben, sondern lieber jeder sich selbst oder einen Be- kannten zu wählen I Kurz vor der Wahl wollen die Polen noch- malS eine Versammlung veranstalten.— Daß hier nichts anderes betrieben werden soll als Zersplitterung der Arbeitcrstimmen, liegt aber aus der Hand. Unsere Genoffen werden die Rechnung der polnischen Demagogen und Freisinnshelfer gründlich zu durchkreuzen wissen. Kommunalwahlsiege. In Rathenow wurden die letzten vier Mandate der dritten Wählerabteilung von der Sozialdemokratie erobert. Unsere Genossen erhielten 1!44 Stimmen, die Gegner 623. Die Sozialdemokratie hatte einen Stimmenzuwachs von 134, die Gegner verloren 177 Stiminen. In Neumünster sSchleswig-Holstein) wurden am Mittwoch die ersten drei Sozialdemokraten ins Stadtparlament gewählt. « Am Mittwoch fanden in H a l l e a. S. in acht Wahlbezirken der dritten Abteilung Stadtverordnetenwahlen statt. Die Sozial« demokratie gewann ein Mandat mit 1684 gegen 563 bürgerliche Stimmen. In den anderen sieben Bezirken stehen ihre Kandidaten in S t i ch»o a h l. Dort hat sie einen Zuwachs von durchschnittlich 600 Stimmen zu verzeichnen. In Sangerhausen wurden vier Sozialdemo- traten gewählt; bisher war keiner im Stadtverordneten- kollegium vertreten. In Schraplau bei E i S l e b e n wurde ein Genosse gewählt; auch hier war daS Kollegium bisher sozialistenrein. « In N e u st a d t(D.-S.), wo sich unsere Genoffen zum ersten Male an den Kommunalwahlen beteiligten, erhielten unsere Kan- didaten 100 Stimmen. Zwei von ihnen kommen mit Zentrumskandidaten in die Stichwahl.� In Strehlen haben unsere Genossen einen erheblichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen und kominen zum erste» Male mit den bürgerlichen Kandidaten in eine nicht ganz ausfichtS- lose Stichwahl. In Bielefeld wurden von der Sozialdemokratie sieben Stadtverordnetenmandate mit 2602 gegen 1414 bür- gerliche Stimmen behauptet. Bei den Stadtverordnetenivahlen der dritten Abteilung in Wiesbaden siegten am Dienstag die Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien mit ganz knapper Mehrheit. Genosse Vogt- Herr kommt mit einem Bürgerlichen in die Stichwahl. Tie Präsidentenwahl im sächsischen Landtag. In der M i t t w o ch s i tz u n g der Zweiten sächsischen Kammer wurde die P r ä s i d e n t e» w a b l vorgenommen. Der National- liberale Dr, Vogel wurde mit 58 Sti, innen zmn Präsidenten ge- wählt. Die Konservaliven gaben lveiße Stimmzettel ab, die Sozial- deinokraten stimmten für Vogel. Als er st er Vizepräsident wurde Opitz(k.) mit 83 Stimmen gewählt. Auch die Sozialdemokraten stimmten für ihn. Bei der Wohldes zweiten Vize- Präsidenten schlug Genosse S i n d e r m a n n als Sprecher der Sozialdemokraten' den Abgeordneten Genossen Fräßdorf vor, da der Sozialdemokratie nach der Stärke der Fraktion der zweite Vizepräsident zukomine. Abg. Hettner snalt.) gab zu, daß die Sozialdemokraten Anspruch auf den ziveiten Vizepräsidenten hätten, die Sozialdemokraten müßten sich aber ver- pflichten, die Verfassung und alle damit verbundenen höfische» Zeremonie»» mitz»»mache»». DaS wurde von S i» d e r- mann im Namen der Fraktion abgelehnt. Daraus »vurde auf Vorschlag der Nationalliberalen der Abg. Bär(freis.) mit 37 Stiminen zum zweiten Vizepräsidenten gewählt, aus deu Genossen F r ä ß d o r f entfielen 25 Stimmen. Nach dieser Abstimmung erklärte Sindermann im Namen der Fraktion, daß sie nunmehr auf den Schriftführer verzichte. da das Verhalle» der bürgerlichen Parteien ein durch- auS unwürdiges gewesen sei. Die Abgeordnete» Günther (freist) und Hettner polemisierten gegen diese Ailffassniig uuter großer Unruhe deö Hauses. Auf Antrag S i n d e r in a» n S wurde die Sitzung auf eine Viertelstunde ausgesetzt. Nach Wiederbeginn der Sitzung erklärte Sindermann, daß die Sozialdemokraten auf den Schriftführer verzichten. Es wurden dann gewählt: Anders(natl.). Schanz(k.). nachdem Genosse F l r i ß n e r die auf ihn gefallene Wahl abgelehnt hatte. F l e i ß n e r hatte 25 Stüiiniei» erhalte»». Unsere Genossen in» sächsischen Landtage haben mit ihrer Ab- lehnung höfischer Verpflichtungen für den Vizepräsidenten eine selbst- verständliche Pflicht erfüllt. Daß die liberale Presse daS Festhalten an Grundsätzen nicht versteht, überrascht uns nicht, auch nicht, daß selbst das„Berliner Tageblatt" bei diesem Anlaß sich die dumme Bemerkung nicht verkneifen kaiin, die Sozialdemokraten würden sich„mit ihrer törichten Prinzipienreiterei den innigen Dank der Reaktionäre von der„Leipziger VolkSzeitung" bis zur„Deutschen Tageszeitung" verdienen._ Die Frage der Unterstützung der Tabakarbeiter. Dein Bundesrat ist eine Vorlage zugegangen, die sich mit der weiteren Unterstützung arbeitsloser Tabakarbeiter besaßt. Zur Prüfung der Uitterslützlmgsgesuche sollen künstig auch Ver- treter der Arbeiterschaft zugezogen werden. Hoffentlich sieht die ueue Vorlage auch die Forderung ausreichender Mittel zur Unterstützung vor, denn von den bewilligten vier Millionen Mark dürste nicht viel mehr vor- handen sein._ Invaliden- und Altersrenten in den Grenzgebieten. Der Bundesrat hat in seiner letzten Sitzung einer Vor- läge zugestimmt, die den Bezug der Invaliden- und Mters- reuten in einer Reihe von ausländischen Grenzbezirkcn, in denen Arbeiter wohnen, die aber im Inlands beschäftigt sind, vorsieht. Nach§ 48 des Jnvalidenversicherungsgesetzes ruht der Rentenanspruch, wenn der Bezugsberechtigte nicht im Jnlande seinen gewöhnlichen Ausenthalt hat. Durch Beschluß des Bundesrats kann aber diese Bestimmung für bestimmte Grenzgebiete oder für solche auswärtigen Staaten, durch deren Gesetzgebung deutschen Arbeitern eine entsprechende Fürsorge für den Fall der Erlverbsunfähigkeit und des Alters gewähr- leistet ist, außer Kraft gesetzt»verden. Von dieser Befugnis hat nun der Bundesrat auf Anregung der österreichischen Ne- gierung Gebrauch gemacht und für eine Reihe von ausländischen Grenzbezirken den Weiterbezug der Rente zu- gestanden._ Die Sozialdemokratie als Retter. Die.Kölnische Zeitung" führt in einer Besprechung der Altonaer Stadtverordi»etenwahlei» den Ausspruch eines dortigen Blattes an:„Wer die allgeineine Stiminung kennt, der weiß, daß der Einziig der Sozialdemokratie in das Stadtverordnetenkollegmin geradezu erwünscht worden ist." Hierzu bemerkt das Kölner Blatt: „Damit dürfte das Richtige getroffen sein, denn in der Tat ist die ,M i ß sti in n,»i i, g i n b r e i t e n K r e i s e n der Bürgerschaft über die bisherigen Zu st ände iin offen t- lichen Leben Altonas so tief, daß man gleichsam a l s letztes Mittel einige Sozialdemokraten als «Hechte im Karpfenteich" gewünscht und deren Wahl teils aktiv, teils passiv gefördert hat." Liegt darin nicht das Eingeständnis, daß die bürgerlichen Par- tcien unfähig sind zur Bewältigung der gemeindlichen Aufgaben und daß eS ohne die Sozialdemolratie überhaupt nicht mehr geht? Das Ende der Trioleu-Partei. In einer VertrauenSmännerversaminlung der Deutschsozialen Partei in Eisenach. dem Kreise Triolen-SchackS, wurde beschlossen, von der Aufstellung eines Kalldidaten für die nächsten Reichstags- wählen abzusehen!— Man war der Ansiwt, daß nach der Ab- stiininung im Reichstag über die Finanzreform,»amentlich aber durch daS außerparlamentarische Verhalten des Herrn Schock eine deutschsoziale Kandidatur aussichtslos sei.... Nach diesem Beschluß scheint'S, als ob die Deutschsoziale»» eS endgiillig ablehnen, die von dein Abgeordneten Schack abgegebene Erklärung, daß er bereit sei, das Mandat niederzulegen, zur Aus- führnng zu bringen! Sie»vollen den Kreis bis zur Beendigung der Legislaturperiode behalten und dann von einer eigenen Kandidatur zurücktreten, weil die Aussichten„durch daS außerparlamentarische Verhalten Schucks" für sie gleich Null sind. Die Reichstagssesston. Wie gemeldet wird, sollen dem Reichstage bei seinem Znsammen- tritt folgende Vorlagen zugehen: Der dentsw-portugiesisliie Handelsvertrag, da? Reichs- beamtcnhastpslicht-Gesetz. die neue Strafprozeß« ordnung und die Novelle zum Strafgesetzbuch. Im Laufe des Dezember sollen dann noch hinzukommen: Der Etat, der Entwurf über das deutsch-englische HandelSprovisoriuin, ein Nachtragsctat zmn Mililäretat, ein Notgesetz über die Hinaus- schieb ung des Termins des Inkrafttretens der Witiven- und Waisenversicherung(I), eine Novelle zun» Talonsteuergesetz. Für die Monate Januar und Februar werden die Entwürfe über die Reich SversicherungSordnung und vielleicht(I) auch das A r b e i t s k a in m e r g e se tz zur Vor- läge gebracht werden, doch stehen Beschlüsse über Art und Zeilpunkt der Einbringung noch aus._ Herr Erich Mühsam bittet uits un» Ausnahme folgender Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur l Gestatten Sie»nir das Wort zu einer persönlichen Bemerkung. Ich bitte Sie darum im Vertrauen darauf, daß unsere auseinander« gehenden Meinungen über Wege und Ziele des Freiheitskampfes für Sie kein Grund sein werden, inir den Raum zum Protest gegen ein Verfahren zu verweigern, dessen Opfer augenblicklich ich bin, das aber auch bei Gelegenheit jeden anderen treffen kann. Ich wurde gestern auf die Haftbeschwerde nieineS Rechtsanwalts Hugo Coro hin aus der Untersuchungshaft im Charlottenburger GerichtsgesängniS entlassen, die 1l Tage gedauert hat und die auf Grund eines Verfahrens wegen Geheimbündelei gegen mich verhängt war. Ans Anlaß der Verhaftung sowohl wie der Frei« lassung wurde ich nachhaltig von den liberalen und den kleinbürger- lichen„unparteiischen" Schmöckcn mit einer wahren Schlainm» flur journalistischer Gemeinheiten beworfen. Meine Agitation für anarchistische Ideen, der ick, mich seit einer langen Reihe von Jahren widme, und um deren Konsequenzen ich mich nie herumgedrückt habe, Ivird nicht nur als„Harmlosigkeit", sondern direkt auch als Pose und Unehrlichkeit verdächtigt; was nicht hinderte, daß man von einem„guten Fang" der Polizei sprach und die Vergehen, deren ich beschuldigt werde, mit seuiativiiellen, frech erfundenen Gruselig- leiten garnierte. Meine äußere Ausmachung, meine privaten Ge- pflogenbeitcn, sogar die Dame», mit denen ich mich i» Kaffeehäusern zeige, werden dein öffentlichen Gespött überliefert. Die Ideen, die ich vertrete und von denen diese� Hintertreppeiimikroskope natürlich keine» Dunst haben, werden gefälscht und höhnisch glossiert. Mit der alberne» Schmockphrase„ E d e l a n a r ch i st" sucht man inich in Gegensatz zu ineiiren Genossen zu setzen. Und das alles, während ich in Haft war. deren Dauer sehr leicht Monate hätte währen können. Ich frage: Ist eS anständig, jemand in dem Augenblick, wo ihn, eine überaus empfindliche Unannehmlichkeit trifft, und wo er sich nicht wehreu kann, öffentlich zu verunglimpfen? Ist eS ehrenhaft, jemand, von dem man nichts anderes als die Frisur kennt, der Gr- sinnnngsnnredlichkeit und der Unechtheit seines Charakter» zu de- schuldigen? Denn daß manche der Burschen meine»», die Affäre »verde ich zur(ich fand sogar das Beiwort„billigen") Reklame ans- nutzen, will ich ihnen nicht zu hart aurechile». Die Erkenntnis, daß eS Anacleaenheiten gibt, die außerhalb de» Gebietes der geschäftlichen Strebsamkeit liege», wäre in den Horizont dieser Zeilenschinder doch nicht hineinzuzwängen. Mit bestem Dank für die erwiesene Gastfrenndschast begrüße ich Sie hochachtungsvoll Charlottenbiirg, den 10. November 1909. Erich Mühsam. fratikreicd. Eil« Sieg ohne Ruhm. Paris, 9. November.(Eig.©er.) Die»Politik der Erpressung", deren die Gegner der Der- hältnisvertretung ihre Befürworter bezichtigt haben, hat gestern wirklich einen Triumph gefeiert— aber in einem ganz anderen Sinne. Der Proporz bekam in zwei Abstimmungen die Mehrheit der Kammer und verlor sie in einer dritten, weil Briand mit der Demission drohte. Die Radikalen haben eigentlich kein Per- trauen zu ihm, aber sie rechneten a»tf seine Wahlmacherkünste, die ihnen die Fortdauer ihrer Gesehgeberrolle besser verbürgen als ein Wahlrecht, daS den Kampf der Parteiprogramme an die Stelle der Bezirksdemagogie und-geschäftlerei jetzt und die Minderherten gröblich verkürzt, Die Sitzung brachke zunächst den demonstrativen Nachweis, daß die„prinzipielle" Opposition der Vulgärdemokraten wie Pellctan und Breton(des„Genossen") gegen den Proporz das moralische Ansehen auch unter den bürgerlichen Republikanern zum großen Teil verloren hat. Die verschiedenen Anträge, die eine Zurückweisung des Wahlreformprojekts an die Kommission vor Eingehen in die Spezialdebatte zum Inhalt hatten, wurden iiiit Mehrheiten, die bis zu zwei Dritteln gingen, verlvorfen. Mit 382 gegen 143 Stimmen wurde der Uebergang zur Spezialdebatte beschlossen, mit 2 8 1 gegen 233 Stimmen das Prinzip des Proporzes unter minutenlangem Beifall angenommen. Da erhob sich Briand und stellte an das Parlament die Zumutung, das Ganze abzulehnen, dessen Teile es eben erst angenommen hatte. Bergebens gab Genosse Sembat dem Ministerpräsidenten eine schneidige Antwort: Warum habe der Minister mit seiner Erklärung sola>»ge gezögert und sie nicht schon vor dem Eingehe»» in die Spezialdebatte vorgebracht. Ter Minister spreche von materiellen Unmöglichkeiten der Wahlreforn», abe»: habe er die moralische Unmöglichkeit bedacht, die nächsten Wahlen nach einein System vorzunehmen, das in der Kammer nur noch 160 Anhänger habe? In 8 oder 10 Tagen sei ein für alle an- nehinbarer Text auszuarbeiten, statt dessen fordere die Regierung von der Kainmer, sich selbst zu desavouieren. Eine Regierung, die in ihrer Mitte einen Mann habe, der öffentlich die bekannten Ansichten über die Reform verkündet habe(M i l l e r a n d in der Rede vor seinen Pariser Wählern), habe überhaupt nicht das Recht, die Vertrauensfrage zu stellen. Doch der Sieg war Briand nicht mehr zu entreißen. Trotzdem dürfen die Anhänger des Proporzes»nit diesem Ergebnis zunächst zufrieden sein. Es hat gezeigt, daß der Gedanke der Reform Fortschritte gmacht hat, wie man sie vor kurzein noch nicht erhoffen durfte. Eine weitere Propaganda i»n Lande wird den Deputierten die Neigung zmn Umfallen schon nehmen. Und gerade die gestrige Abstimmung ist ein vorzügliches Argument gegen ein Wahlslfftem, das solche Volksvertreter hervorbringt.� Von den Details der Abstimmung seien folgende erwähnt. Millerand, der erklärt hatte, daß unter dem jetzigen Wahl- recht die kleinste Reform in Justiz und Verwaltung unmöglich und daß darum der Proporz eine„Lebensfrage der Nation" sei, enthielt sich während der ganzen Sitzung der Ab- stilnmung. Anders konnte er in der Tat nicht handeln, wenn er in einem Ministerium, das nach seiner Auffassung nationale LebenSintercssen verletzt, verbleiben wollte. Unter den Rettern des Bezirksskrutiniums befanden sich auch drei Mitglieder der geeinigten Partei: Breton, Chauviere und Paul Brousse. Dieses Dreiblatt hat einen Mitstreber im Deputierten B a s l y, der sich in einer Rede in W i n g l y bei Lens als Gegner des Proporzes erklärt und überdies angekündigt hat, daß er sich der R e s o l u t i o n des N a t i o n a l r a t e s gegen das Ministerium Briand nicht fügen werde. Engiancl. Eitle neue Provokation der LordS. London, 8. November. Das Oberhaus verwarf mit 157 gegen 40 Stimmen die Regierungsvorlage, welche das Londoner Wahlgesetz genannt wird. Diese Borlage sieht vor, daß die Wahlen in London an einem Tage abzuhalten sind, die Pluralwahl in London beseitigt und die Wahl- Unfähigkeit im Falle des WohnungSlvechselS aufgehoben wird. Die Redner der Regierung hoben bervor, daß das Gesetz lediglich einige Wahlanomalien in London beseitige und London in dieselbe Lage bringe wie die großen Provinzstädte. Die Redner der Opposition bekämpften die Gesetzesvorlage, die lediglich daS Stückwerk einer Wahlreform darstelle und die die Pluralivahl in London abschaffe, »vährend sie das Pluralwahlsystein in anderen Teilen des Landes zulasse._ Deutsch-englische Beziehungen. London, 10. November. Bei den» Bankett des neuen Lord- mayors erklärte Premierininister Asquith: Ich freue mich, heute hier sprechen zu können ohne irgendivelche im Hintergrund lauernde Besorgnisse, die man früher nicht unter- drücke» konnte. Ich bin weit entfernt, zu behaupten, daß alle Quellen der Beunruhigung auf dem Balkan»nid im östlichen Europa beseitigt sind, aber eS gibt, soviel ich weiß, nichts, Ivos unter den heutigen Bedingungen»nit der Zeit und niit Takt nicht beigelegt werden könnte, wenn die Großmächte mit ihren geradezu unbegrenztenZer st öruugS mittel», ein Beispiel von Selbstbeschränkung geben. Eö sollte nicht gehen und geht auch nicht, ivie ich glaube, über die vereinigten Kräfte der um den Frieden bemühten Diplomaten, solche Elemente der Unruhe, wie sie jetzt noch vorbanden lind, in Schranken zu halten. Die Ententen und FveundschaftLbünd- nisse»nit anderen Mäcksten, die wir in den letzten Jahren zu er- reichen das Glück hatten, richten sich ihrem Zwecke nach gegen nie- niand und schließen auch niemand aus. Im»veitercn Verlaufe seiner Rede sagte Premierminister Asquith: Was Deutschland betrifft, weiß ich von nichts, was einem vollen freundschaftlichen Einverständnis im Wege st ände. Dieses Einverständnis zu fördern, gilt in beiden Ländern als die A u fgabc weisester StaatSkunst. Rußland. Politischer Streik in Reval. Man schreibt uns aus Reval: Auf die Anffordernng der ört- lichen sozialdemokratischen Komitees fand hier a>n 29. Oklvber, trotz des verstärkten SchutzzustandeS, ein Massenstreik zum Ge- dächtniS an die vor vier Jahren an einer Deinoiistration ermordeten Genossen und Genossinnen statt. Es feierten 6734 Arbeiter und 1571 Arbeiterinnen— für Revitzl eine große Zahl. In der Baum- Wollspinnerei arbeitete keinv einzige Frank Die Polizei hatte, wie jährlich, vor diesem Tranertage der Revgler Arbeiter» schaft umfassende Haussuchungen vorgenommen. DaS konnte aber natürlich nicht die imposante Kundgebung unserer estilischeu Genossen verhindern._ AuS der Dut»u. Petersburg, S. November. Die Reichsduma nahm in ihrer heutigen Sitzung den Gesetzentwurf über die Einführung der bedingten Verurteilung an. Der Entivurf enthält vom Jnstizminister und den Parteien der Rechten heftig be» kämpfte Bestiinniungen. welche die bedingte Verurteilung auf die politischen Verbrechen ausdehnen und den Geschwornen das Recht gewähren, die bedingte Ver- »irteilung auszusprechen. Weiterhin verhandelte die Duma über eine Interpellation der Sozialdemokraten wegen der Auflösung der Gewerkschaftsvereine. Der Ge- Hilfe des Ministers des Innern General K u r l o w wicS auf den revolutionären und staatsgefährlichen Charakter dieser Vereine hin, der die A u f l ö s u n g n ö t i g gemacht habe. Cürhd. Tie Kretnfrage. Die Schutzmächte Italien, Frankreich und Rußland haben beschlossen, den LUtus quo auf Kreta solange beizu- behalten, als neue Ereignisse nicht vorfallen. Die Mächte sollen auch entschlossen sein, die aus einer etwaigen Beschickung der griechischen Kammer durch kretischc Delegierte ent» stehenden Verwickelungen hintanzuhaltcn« GcwerkfcbaftUcbe� Die Kündigung des Rolzarbeitertarifs. stand auf der Tagesordnung der am Montag abgehaltenen Generalversammlung des Holzarbeiterverbandes. Der Referent Glocke führte unter anderem auS: Bis zum 1. April 19tV laufen in 175 Orten die Tarife ab. an denen insgesamt 54 000 Kollegen beteiligt sind. Der Berliner Tarif läuft am 12. Februar ab; die Berliner Kollegen stehen also vor der Frage, ob sie den Tarif kündigen wollen oder nicht. Die Funktionäre des Verbandes haben sich mit der Frage der Kündigung eingehend befaßt und sind zu dem Beschluß gekommen, der Generalversammlung zu empfehlen, nicht zu kündigen. Wohl weise der Vertrag eine Reihe von Mängeln auf, insbesondere habe er das, was man von einem Ver- trag erwarten muß, die Hochhaltung der Löhne während der Zeit der Krise nicht gehalten. Die Unternehmer suchten und fanden Mittel und Wege, den Stand der Löhne zu senken, doch fei es den Kollegen mit Hilfe der Organisation und korrekter Auslegung des Vertrages möglich, bei eintretender guter Konjunktur die Löhne auf die frühere Höhe zu bringen. In der ausgedehnten Diskussion stimmten die meisten Redner den Ausführungen des Referenten zu. Vereinzelt wurde ihm aber auch Opposition gemacht und die Kündigung des Vertrages befür- wortet. Die Redner, welche diesen Standpunkt vertraten, machten geltend, die aufsteigende Konjunktur müsse ausgenutzt werden, um die Arbeitsverhältnisse, die sich während der Krise ungünstig gc- staltet haben, zu verbessern. In seinem Schlußwort verwies Glocke darauf, daß er ja schon im Referat gesagt habe, der Ver- trag habe auch seine Schattenseiten, und mit der Wirkung des- selben während der Krise könne man nicht zufrieden sein. Aber er könne den Rednern nicht zustimmen, welche die Kündigung be- fürworteten, um den Vertrag ganz abzuschaffen. Das sei nicht wünschenswert, weil das Vertragsverhältnis doch immerhin eine gewisse Stabilität der Arbeitsbedingungen gewährleiste und auch der Verbandstag sich für die Tarifpolitik ausgesprochen habe. Wenn einige Kollegen glauben, die Unternehmer würden den Vertrag kündigen, so könne das ruhig abgewartet werden. Die Unter- nehmer würden den Verband jederzeit gerüstet finden. Die Versammlung beschloß gegen eine kleine Minderheit, den Vertrag nicht zu kündigen. Wie uns in letzter Stunde mitgeteilt wird, haben nun die Unternehmer ihrerseits die Kündigung des Tarifs ausgesprochen!_ Berlin und Omgegcnd. Das Ergebnis der Tarifbewegung in der Postkartonbranche. In einer Branchenversammlung der Posltartonnieter, Zuschneider und Arbeiterinnen, die am Dienstag bei Luter in der Weinstraße stattfand, berichtete Schade über die Tätigkeit der Tariftonimission wie über die Tarisbewegung. Die Bewegung hat bekanntlich zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages geführt, der vor dem alten hauptsächlich den Vorzug hat, daß er nicht allein für die Nieter, sondern auch für die Znschneider und Arbeilerinnen gilt, aber außer- dem Erhöhungen verschiedener Positionen des Nietertarifes bietet. Der Redner berichtete nun namentlich auch über die Verhandlungen, die bei verschiedenen Firmen geführt werden mußten, als der neue Tarifvertrag schon abgeschlosfen war. Dabei handelte es sich Haupt- sächlich um die Weiterzahlung böherer Akkordsätze, die hier und da in den Werkstätten schon destanden hatten und also durch den neuen Tarif nicht herabgesetzt werden dürfen. Das ist beim Abschluß des Tarifvertrages protokollarisch festgelegt worden. Die Ver- Handlungen mit den Firmen haben nun überall, mit Ausnahme der Firnm ElSner u. Co., zur Anerkennung jener Protokollbestimmung und damit des ganzen Tarisoertrages geführt. Bei den Firmen R o s e» h e i m u. Kaufmann und K a tz u. Co. liegen aller- dings noch Differenzen vor, die jedoch durch das Tarifschiedßgericht erledigt werden sollen. Die Firma Els ner u. Co. hat den Tarif- vertrag nicht anerkannt und ist deshalb noch fortdauernd ge- sperrt. Anerkannt ist der Tarifvertrag jetzt von siebzehn Firmen. Es kommen jedoch außerdem noch einige Finnen tit Frage, die nicht als reine Postkartoubetriebe gelten können, aber doch einen Teil Postkartons anfertigen. Zu einem befriedigenden Erfolg der Bewegung ist eS notwendig, auch » diese Firmen mit ihrer Postkartonarbeit für den Tarif zu ge- Winnen.— An den Bericht schloß sich eine rege Aussprache, in der einige Redner die erzielten Lohnerhöhungen als höchst unzureichend bezeichneten und auch sonst an der Tätigkeil der Tarifkommiision manches auszusetzen hatten. Als SchiedsgerichtSbeisitzer. von denen zwei als Stellvertreter gelten, die aber auch an den Sitzungen teil- zunehmen haben, wurden Haufe, Hendschke, Langwick, G u tz m e r und W r u s ch gewählt. Die gegenwärtige Situation in der Berliner Herren- konfektion. Eine öffentliche Konfcktionsschneiderversammlung, die am Montagabend bei Obiglo, Schwedter Straße, stattfand, befaßte sich mit dem Thema:„Die gegenwärtige Situation in der Berliner Herrenkonfektion und unsere nach st en Aufgaben." Ter Referent Kunze führte aus, daß die Or- ganifation leider noch allzu geringen Einfluß auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Herrenkonfektionsschneiderei Berlins hat. Während die Herrenmaßschneider und seit diesem Frühjahr auch die Kostümschneider und-Schneiderinnen Berlins allgemein gel- tende Tarifverträge haben und damit selbst in den schlechtesten Zeiten vor willkürlichen Lohnve/schlechterungen gesichert sind. brachten es die Herrenkonfettionffsckneider bei ihrer Bewegung im Jahre 1907 nur zu einer Anfttihl von Tarifen für einzelne Firmen, aber nicht zu einem allgemeinen Tarifvertrag für die ganze Branche. Daß man es hier nicht weiter gebracht hat, fällt um so mehr auf, als in anderen Städten und Landesteilcn die Konfektionsschneider schon seit Jahren ihre Lohn- und Arbeits- verhältniffe tariflich geregelt haben. So in Stettin, wo der Tarif- vertrag allerdings zurzeit abgelaufen ist; die Konfektionsschneider haben dort die von den Unternehmern angebotene neue Tarifvor- läge abgelehnt, aber die Tarisbewegung vorläufig vertagt. Ferner besteht ein allgemeiner Tarifvertrag der Herrenkonfektion für das große Gebiet von Südwestdeutschland, der in diesem Frühjahr abläuft. Dort wie in Stettin standen und stehen die Konfektions- schneiden so stark und einmütig in der Organisation, daß sie den Unternehmern eine vorteilhafte Regelung der Löhne und übrigen Arbeitsbedingungen abringen konnten und diesen Einfluß auch weiterhin geltend machen können. Wenn in Berlin 1907 der Ber- , den Arbeitern fehlte, zu Lohndrückerei ausgenutzt. Der Tiefstand der Konjunktur scheint jedoch nun überwunden zu sein, und das ! zeigt sich unter anderem auch darin, daß einzelne Geschäfte schon � freiwillig die Preise für gewisse Stücke erhöht haben, nachdem man i sie vordem so heruntergedrückt hatte, daß für die Arbeiter an ein ! Auskommen überhaupt nicht mehr zu denken war. Die ungeheuere Teuerung, künstlich herbeigeführt durch die neuen Steucrgesetze, macht es um so mehr notwendig, daß die Lohnverhältnisse, auch in der Konfektion tariflich geregelt werden. Das zu erreichen, bedarf es unermüdlicher Arbeit, vor allem aber ist es notwendig, daß die Konfektionsschneider mit voller Kraft in der Organisation zu- sammenhalten. In der regen Aussprache, die dem Referat folgte, trat vor allem die Ueberzcugung hervor, daß nun die Zeit gekommen ist, um von neuem und mit größerem Eifer eine allgemeine Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Herrenkonfektion anzu- bahnen. Der schwere Druck, den die schlechte Gejchäftslage mit sich brachte, dazu die gewaltige Verteuerung der Lebenshaltung, haben offenbar aufrüttelnd auch auf die Konsektionsschncider ge- wirkt, so daß sie nun fest entschlossen danach streben, der Willkür der Unternehmer bei Bemessung der Löhne einen starken Damm entgegenzusetzen._ Ter Streik in der Sport- nnd Wcbcreiabteilnng der Firma I. Elsbach jJichaber Martin Hirschfeld und Moritz Nagel), Berlin, Görlitzer Str. 52. dauert fort. Seit zwei Tagen ha! sich die Firma herbeigelassen, mit den Vertretern der Streikenden zu unterhandeln. Die Vcrbandlimg ist aber resnltatlos verlaufen, weil sich die Firma nicht dazu verstehen will, die Streikbrecher zu entlassen und die Gc- niaßregelteu und Streikenden olle wieder einzustellen. Die Firma begründet ihre Stellungnahme damit, daß sie ihren Helfern in der Not„dauernde" Arbeit versprochen habe. Die Herren Arbeits- willigen— Schabrau, Pfund, Siedow und R o s e n t h a l — selbst sind brave Jnnungsmeister im Vorort Strausberg, die auch bis dahin für die Firma als Handweber in der Hausindustrie dort- selbst tätig waren und durch die Entziehung dieser Arbeit von der Firma resp. ihres Vertreters zum Teil gezwungen wurden, im Betrieb Streikbrecherdienste zu verrichten. Zuzug ist weiter fernzuhalten. Die OrtZverwaltung. Deutldies Reich. Die im Gcmeindcarbeiterverliand organisierten Bühnenarbeiter vom Stadttheater in Barmen reichten eine Eingabe um Gehalts- aufbesserung ein. Die Antivort des Direktors lautete, daß er sich erst mit der Stadtverwaltung in Verbindung setzen müsse, ehe er etwas bewilligen könne. Hiermit konnten sich die Bühnenarbeiter nicht einverstanden erklären. Sie waren der Ansicht, der Direktor sei in dieser Sache souverän, und sie wünschten in einem zweiten Schreiben bis zum 24. Oktober eine bestimmte Antwort. Hierauf bekamen alle mit Ausnahme eines einzigen eine Zulage von 5 M. pro Monat zugesagt. Nachdem noch der Gauleiter des Verbandes mit dem Ver- Ireier des Direktors verhandelt hatte, einigte man sich dahin, daß jeder Bühnenarbeiter, der die Eingabe unterzeichnet hat, sein Gehall ohne Aüsnahme um 5 M. pro Monat aufgebessert bekommt. Das Personal, das an der Lohnbewegung nicht teilgenommen hat, geht leer aus. Das erhöhte Gehalt wird ab 1. November d. I. gezahlt. Wege» Maßregelung eines Arbeiters träte» gestern morgen, wie aus Aachen gemeldet wird, die Arbeiter der Firma I. G. von der Hecken Eiseniemper-Gicßerei in den Ausstand. Der Arbeitgeber- verband der linksrheinischen Metallindustrie i» Aachen hat sich mit der Firma solidarisch erklärt. Die Scnscnschmiede der Betriebe Wippermaun in Kalk bei Köln und von Kuhlmann in Schlebusch kündigten, weil ihnen eine Lohnzulage verweigert wurde. Der Arbeitgeberverband der deutschen Sensenindustrielleii hat nun, wie der„Vorwärts" bereits mitteilte, schwarze Listen herausgegeben, damit die Arbeiter beider genannten Finnen nicht anderwärts in Arbeit genommen werden. Es wird deshalb ersucht, den Zuzug von Sensenarbeitern nach Kalk und Schlebusch fernzuhalien. Der Versuch, Arbeitswillige zu werben, dürfte auch im Auslände, besonders in Oesterreich unter- nommen werden. Anfragen sind zu richten an den Zentralverband der Schmiede: Fr. Lang e, Hamburg, Besenbinderhof 57. „Grober Unfug". Wegen groben Unfugs wurde der Borsitzende der Zahlstelle Kassel des Brauereiarbeitervcrbandes vom Schöffengericht in Kassel zu 60 M. Geldstrafe verurteilt. Den groben Unfug erblickte das Gericht in folgendem: Die Arbeiter der Biergroßhandlung Hasenauer u. Hardorf, die dem Brauereiarbeiterverbande angehören, hatten durch diesen an die BetriebSleilung Tarif- forderungen eingereicht. Die Firma lehnte jede Unterhandlung mit dem Verbände ab, nnd als die Arbeiter auf Anerkennung ihrer Organisation bestanden, wurden sie einfach aufs Pflaster gesetzt. Die Folge war, daß Hofmann diese Handlung in der Presse und in Flugblättern gebührend kennzeichnete und die Arbeiterschaft auf- forderte, die Getränke dieser Firma zu meiden.- Dafür erhielt er die Anklage. Der Staatsanwalt hatte 100 M. Geldstrafe wegen Beleidigung und 100 M. Geldstrafe wegen groben Unfug beantragt. Das Gericht erkannte auf 60 M. wegen groben Unfug. Begründend führte der Gerichtsvorsitzende aus: Die Firma wollte mit dem Verband nicht unterhandeln; das war ihr Recht. Es ist ihre Sache, mit wem sie verhandeln will. Der Verband hat kein Recht, die Firma zu zwingen, mit ihm zu verhandeln, deshalb handelte der Angeklagte auch nicht in Wahrung berechtigter Interesse. Wenn die Firma erklärt, wir verhandeln nicht, dann halte der Verband nicht mehr mit der Firma zu reden. Auch war der Gerichtsvorsitzende der Meinung, daß es dem Angeklagten „nur auf Verhetzung' angekommen sei.— Eine Verhetzung ist also die Abwehr gegen Maßregelungen, nicht aber die Aussperrung von Arbeitern, wenn sie die Anerkennung ihrer Organisation verlangen. Gegen das Urteil ist Berufung eingelegt worden. Aussperrung in der Schuhindustrie des Maingnues. Die Vereinigung der Schuh- und Schäftefabrikanten hat sich mit der Firma Wallcrstein i» Offenbach solidarisch erklärt. Alle Fabriken verkünden durch Anschläge, daß am 15. d. Mts. die Aussperrung er- folgt, falls die Zuschneider der Fabrik Wallerstein nicht bis zum 13. ihre Küijdigung zurückgenommen haben. In Betracht kommen etwa 2500 Arbeiter._ Die Anösperrnng ber bcrgischen Seidenbandwirker währt schon zwei Wochen, ohne daß eine wesentliche Aendernng der Ursprung- lichen Situation eingetreten ist. Die Unternehmer bleiben bei ihrer Behauptung, daß der einseitig von ihnen aufgestellte Lohn- tarif eine Verkürzung des Lohnes nicht bedeute. Die Arbeiter haben aber den Nachweis geführt, daß bei einzelnen Artikeln der Lohnabzug ein recht erheblicher ist und daß dem mir ein ganz win- ziger Lohnzuschlag bei einigen Artikeln gegenüber steht. Ter Christ- liche Tcxtilarbeitervcrband hat das ebenfalls anerkannt und sich _______ u_______ J I dem Vorgehen des Deutschen Textilarbeiterverbandes angeschlossen, such, einen" allgemeinen Tarifvertrag für diese Branche durchzu-' wobei gu bemerken ist, daß die Zahl der in Betracht kommenden f______? r. r_„_ r.. y* v. o A.' r u � � S. � r o v;.. ot? l.»u. i\■- v»> i T■ 4»> v sT?'>\ X V-, �» II., I,''. � u.. � r. �.'e � j. führen, mißlang, so lag das teils daran, daß damals die Wirt schaftskrise sich immer mehr geltend machte, teils auch daran, daß die Konsektionsschncider selbst noch nicht die organisatorische Kraft und Einmütigkeit zeigten, die zum Erfolg einer solchen Bewegung unbedingt notwendig ist. In der Folge hat man dann auch deutlich gesehen, wie die damals abgeschlossenen Firmentarife in solchen Christlichen nur etwa ein Viertel der Gesamtbetciligtcn beträgt. Die Gesamtzahl der Streikenden und Ausgesperrten beträgt zur- zeit 763. Vom Streit betroffen sind 24 Betriebe, davon befinden sich 13 in R o n s d o r f, wo der Schwerpunkt der Bewegung liegt. Die Hausindustriellen, bei denen die meisten Bandwirkergehilsen beschäftigt sind, waren bisher nicht aktiv am Kampfe beteiligt. Die sammsung der Streikenden hat beschlossen, im Kampfe auszu- harren, und die Arbeiter, die bei Hausmeistern beschäftigt sind, wo Streikarbcit verrichtet wird, aufzufordern, sofort die Kündigung auszusprechen, ganz gleich, ob sie organisiert sind oder nicht. Der bergischc Bandwirkcrmeistcrverband(Hausindustrielle), das Zwi- schcnglied zwischen Fabrikanten und Arbeitern, hat sich bisher neutral verhalten. Der Vorstand des Verbandes bemüht sich jetzt, Verhandlungen zwischen den Fabrikanten und den Ausgesperrte» anzubahnen. Er ist deswegen zunächst mit den Fabrikanten in Ver- bindung getreten. Bisher haben die Fabrikanten zu Verhandlungen keine Neigung gezeigt. Wegen roher Mißhandlung eines Kollegen wurde der Vorfitzende des christlichen GewcrlschaftSkartclls in Neumarkt in der Ober- Pfalz zu 5 M. Strafe verurteilt. Einer weiteren Bestrafung wegen Beleidigung ist der Genannte nur durch Zurücknahme der Schmähungen entgangen, Zahlung einer Buße von 3 M. in die Armenkasse und Tragung sämtlicher Kosten._ Christlich organisierte Textilarbeiter als Streikbrecher im Elfast. Ter zehnwöchige Ausstand der Weber und Weberinnen bei Godefroy u. Elsässer in Bühl und La u te nba ch z e l l im Oberelsaß ist nicht, wie zuerst gemeldet wurde, ganz beendet. In der Abteilung der Weberei in Lautenbachzell, in welcher das Vierstuhlsystem eingeführt werden sollte, ohne daß eine Lohn- erhöhung damit verbunden war. konnte die Arbeit bis jetzt nicht wieder aufgenommen werden, da sich niemand zur Arbeit auf vier Stühlen meldete. In dem größeren Teile der Fabrik in Bühl, wo das Vierstuhlsystem nicht in Frage kommt, waren die Weber nur aus Solidarität mit den Streikenden von Lautenbachzell in den Ausstand getreten; und hier war es Mitte letzter Woche die christ- liche Tcxtilarbciterorganisation, die ohne irgendwelches Zuge- ständnis plötzlich den Kamps abbrach und die Arbeit wieder auf» nehmen ließ, nachdem im Gemcindcrat in Bühl ein sozialdcuw- kiatischer Antrag auf Einleitung einer Notstands- und Unter- stützungsaktion für die Streikenden von der klerikal-liberalen Gc- meinderatsmchrheit abgelehnt worden war. In dem Betriebe waren zwei Drittel der Arbeiter nicht organisiert, diese hatten zehn Wachen ohne nennenswerte Unterstützung im Streik ausgeharrl, und da gaben die vom ersten Streikiage an unterstützten Christ- lichen das Signal zur bedingungslosen Wiederaufnahme der Ar» beit! Die Empörung der Arbeitcrbevölkerung über diesen„christ- lichen" Vcrräterstrcich ermöglicht es dem Deutschen Textilarbeiter- verbände, in dieser katholischen Arbeiterschaft jetzt festeren Fuß zu fassen. Ausland. Höhere Getvcrkfchaftsbeiträge in Frankreich. Die internationale Gewerkschaftskonferenz, die vor kurzem in Paris stattfand, hatte bekanntlich Gelegenheit gegeben, die ver- schiedenen Gewerkschastsmethoden kritisch zu untersuchen. Dabei hatte den französischen Gewerkschaftlern u. a. auch das ungenügende Beitragswcscn ihrer Organisationen vor Augen geführt wcrdm müssen. Die damalige reckt gründliche Aussprache, bei deren Schluß der eine französische Delegierte zum Schrecken mmicher unent- wegten Syndikalisten sogar erklärte, daß das Beispiel anderer Länder in dieser Beziehung fortan auch in Frankreich befolgt wer» den würde, hat denn auch schon recht gute Früchte gezeitigt. Der Teil des Berichts der internationalen Konferenz, insbesondere so- weit er die Kritik der französischen Gcwerkschaftsstatistik enthält, wird in der gesamten französischen Gewerkschaftspresse sehr ein- gehend besprochen. In den meisten Fällen wird die Berechtigung der Kritik anerkannt. So schreibt z. B. der französische„tzand- schuhmachcr" in bezug aus die Erklärung eines ihrer Delegierten auf der internationalcn Konferenz, daß die französischen GeWerk- schaften finanziell sehr schwach seien und deshalb Arbcitskämpst im Auslande nicht besser unterstützen könnten: Woher glaubt man denn, daß die Gelder der ausländischeir Gewerkschaften kommen, die allenthalben zur internationalen Unterstützung großer Gewerkschastskämpfe dienen? Sic werden nur von Arbeitern aufgebracht, die deren Wert in den heutigen Wirt» schaftltchcn und sozialen Kämpfen kennen. Niemand schenkt sie ihnen, sondern es ist ein Teil ihres Arbeitsverdienstes, den sie opfern. Sie zahlen hohe Beiträge, Um möglichst große Mittel für die Verbesserung des eigenen Loses, wie auch zur Unterstützunz großer Kämpfe außerhalb ihres eigenen Landes zur Verfügung zu haben. Weshalb tun die französischen Arbeiter nicht desgleichen? Ihre Lohnverhältnisse würden die Leistung höherer Gcwerksckafts- beitrage sicherlich gestatten. Deshalb sollten sie es den ausländischen Genossen nachmachen; sie würden zunächst selbst davon profitieren. und könnten ferner in würdiger Weise internationale Unter» stützungsgesuche beantworten....— Fast alle Gewerkschaften, die in den letzten Monaten ihre Hauptversammlungen abhielten, er- klärten sich für höhere Beiträge. Von der Gewerkschaftszentrale wird mit dem 1. Januar 1910 eine einheitliche Mitgliedskarte und Beitragsmarke für sämtliche Gewerkschaften eingeführt. Auch gegen diese Art der„Zentralisation" hatte man sich früher entschieden gewehrt. Langsam, aber sicher wird die wirtschaftliche Entwickclung des Landes auch die französischen Gewerkschaften zu geschlosseneren Organisationsformen zwingen— trotz aller theoretischen Wider» stände einzelner Kreise._ Der Bergarbeiterstreik in Australien gewinnt an Ausdehnung. Die Arbeiter von sieben Minen des füd- lichen Kohlenreviers sind in den Ausstand getreten, nur in drei Minen wird gearbeitet. Durch den Streik sind auch Tausende von Arbeitern anderer Industrien arbeitslos geworden. Geschäften, wo die Schneider als organisierte Arbeiter auf der Hut Unternehmer scheinen aber auch diese in den Kampf hineinziehen waren, einen dauernden Erfolg bedeuteten, wie man dort selbst bei schlechter Konjunktur noch Verbesserungen erzielen konnte, während in einzelnen anderen Geschäften, wo Lauheit sich unter der Arbeiterschaft geltend machte, die errungenen Vorteile meist wieder verloren gingen. Der schlechte Geschäftsgang wurde von den Unternehmern, wo es an Organisation und Einmütigkeit unter zu wollen. Ein Antrag der Unternehmer„sonstige Arbeiter und Arbeiterinnen und auch solche der Hausindustrie, welefy: den Haus- haltungsvorständen ausgesperrter oder streikender Gesellen ange- hören, mit auszusperren, respektive nicht zu beschäftigen", ist zwar nicht formell angenommen worden, es wurde aber den Fabrikaw ten enipsohlen, im Sinne dieses Antrages zu handeln. Eine Ver- Letzte Nachrichten und Vevelchen. Kabinettswechsel? K-nstantinopel, 10. November. sW. T. B.) Es zirkulieren un- kontrollierbare Gerüchte von einem demnächst bevorstehenden Ka- binettswechsel, insbesondere wird von eiNem Austritt der jung- türkischen Minister aus dem Kabinett gesprochen. Die Regierung von Neusiidwales gegen kämpfende Bergarbeiter. Sydney, 10. November.(W. T. B.) Ter Premierminister von Neusüdwales Wade erwiderte auf eine Anfrage, er be» dauere lebhaft den Streik der Bergarbeiter, der zahl- lose Einwohner Australiens in Mitleidenschaft ziehe, und rate, dringend zur gütlichen Beilegung der Zwistigkeiten. Die öffentliche Meinung habe noch größere Macht als selbst das Parla- ment, und wenn die Bevölkerung erst merke, daß sie das Opfer des Streiks sei, so werde sie von ihrer Macht Gebrauch machen. Der Streik könne den gesamten Per- sonen- und Güterverkehr lahmlegen, so daß auch der Transport von Wolle und Weizen sowie die ausreichende Verpflegung der Bevölkerung un- möglich werde. Zum Schlüsse ermahnte der Premierminister die Bevölkerung, auf die Regierung zu vertrauen, die sich ihrer Pflicht bewußt sei, die Rechte des Volkes zu wahren. Schweres Unglück auf der elektrischen Eisenbahn. Vancouver(Brit.-Columbia), 10. November.(W. T. B.) Auf der elektrischen Eisenbahn fand ein Zusammenstoß statt, wodurch vierzehn Personen getötet und sieben verletzt wurden. Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: lh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u.VerIagSanstaU Waul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilage»».UnterhaltungSbl. um. z«.?«w»s. it Ktilllge iltS Jormütr Ktrlilltt NöiksdlM. Lm?ge hat es gedauert, bis Vder Staat sich auf seine Vflicht besann, die kommende Generation vor den der- uichtenden Folgen der allzufrühen Ausbeutung zu schützen. Diese Folgeerscheinung des kapitalistischen Zeitalters mußte sich erst in ihrer ganzen Scheußlichkeit offenbaren, das Beweis- Material für die Degenerierung der Massen erst geradezu er- drückend werden, bis man in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts die ersten schüchternen Schritte auf dem Gebiete des Kinderschuhes wagte. Dann kamen die ganz un- zureichenden Bestimmungen der Reichsgewerbeordnung über die fabrikarbeitenden Kinder. Erst im Jahre 1903 wurde ein Kinder- schutzgesetz geschaffen, das wenigstens die schlimmsten Auswüchse der Kinderausbeutung in den gewerblichen Betrieben beseitigen soll. Sofort erhob sich natürlich ein Sturm des Widerspruchs: „Das Gesetz säet Haß zwischen Kinder und Eltern", es„der- nichtet die Heiligkeit der Familie", alle diese alten Ladenhüter des seligen Manchestertums und der bewußten Heuchelei wurden wieder vorgeführt. Aber es half nichts, der Staat mußte, wollte er seine Zukunft nicht selbst vernichten. Trat die Schädlichkeit dieser Zustände doch in der körperlichen und geistigen Zurückgeblieben- heil der von der Ausbeutung betroffenen Kinder klar zutage. Den furchtbaren Ergebnissen der Erhebungen über die Kinder- arbeit im Jahre 1898 konnte sich die Regierung nicht wider- setzen. Aus diesem Grunde durfte das Gesetz auch vor der Beschränkung der Kinderarbeit in der Familie nicht zurück- schrecken. Wurden doch vor der Einführung des Kinderschutz- gcsetzes b32 283 gewerblich tätige Kinder ermittelt, die entweder noch gar nicht schulpflichtig waren oder das schuhpflichtige Alter noch nicht überschritten hatten. Und dabei mußte die Regierung zugeben,„daß die ermittelte Zahl noch hinter der Wirklichkeit zurückbleibt, da bei der Untersuchung nicht alle Gebiete des Reiches und nicht alle Zweige der gewerblichen Tätigkeit berücksichtigt sind". Daß das Gesetz nur halbe Arbeit ist und daß namentlich der Ausbeutung der Kinder in der Landwirtschaft keine Schranken gesetzt werden, kann bei der Macht der Junker und Schlotbarone in Deutschland nicht wundernehmen. Die organisierte Arbeiterschaft aber hat die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die so mangelhaften Bestimmungen wenigstens streng durchgeführt werden, in ihrem Interesse, im Interesse der Menschlichkeit. Und würden durch die Kinder- arbeit auch Millionen Werte geschaffen, man muß doch dabei bedenken: sie werden erkauft mit dem Verzicht der Kinder auf Jugendfreude und Jugendglück und mit der Gesundheit der Kinder, des kommenden Geschlechts. Kleben an diesen Werten häufig doch die bittersten Kinderzähren. Freilich heißt es oft: Die Familie braucht die Verdienste der Kinder zur notwendigen Lebenshaltung. Eine so furchtbare Anklage diese Worte gegen Zustände sind, die eS bedingen, daß auf solches Verdienst gerechnet wird, so wissen wir doch. daß„der Wert der Arbeitskraft bestimmt wird nicht nur durch die zur Erhaltung des individuellen envachsenen Ar- beiters, sondern durch die zur Erhaltung der Arbeiterfamilie nötige Arbeitszeit. Indem die Maschinerie alle Glieder der Arbeiterfamilie auf den Arbeitsmarkt wirft, verteilt sie den Wert der Arbeitskraft des Mannes über seine ganze Familie. Sie entwertet daher seine Arbeits- kraft." Und namentlich bei der Heimarbeit zeigt es sich ja ganz handgreiflich, daß seitens der Unternehmer mit der Hilfe der Kinder gerechnet und der Lohn der Erwachsenen auch dem- entsprechend herabgedrückt wird, Die organisierte, aufgeklärte Arbeiterschaft widersetzt sich infolgedessen der gesetzlichen Regelung resp. Beschränkung der Kinderarbeit nicht, sondern fördert sie, hilft ihre Bestimmungen durchführen und schützt dadurch die Kinder vor körperlicher, geistiger und intellektueller Degenerierung. So wurde auf Parteitagen, auf den Gewerkschafts- kongressen, wie auf den Frauenkonferenzen in Bremen und Mannheim die Notwendigkeit der Beteiligung an den Ueber- wachungSarbeiten des Kinderschutzgcsetzes durch die organisierte Arbeiterschaft ausgesprochen und in Konsequenz dieser Er- kenntnis beschlossen, daß wir die öffentliche Meinung auf- rütteln müssen gegen die Gier nach billiger kindlicher Arbeits- kraft, indem wir die entsetzlichen Folgen der Kinderausbeutung schildern und so erzieherisch wirken auf unsere Mitbürger wie auch auf unsere Behörden. In Berlin unterzogen sich dieser mühevollen und doch so dankbaren Aufgabe bisher die politisch tätigen Frauen. Aber trotz aufopferndster Tätigkeit und selbstlosester Hingabe der- mochten diese Frauen allein nicht, das gesteckte Ziel zu er- reichen und die Proletarierkinder vor der schlimmsten Aus- beutung und den gröblichsten Mißhandlungen genügend zu schützen. Das lag daran, daß die Arbeiterorganisationen nicht mft ihrer ganzen Macht dahinter standen. In einer gemeinsamen Sitzung des Aktions-Aus- s ch u s s e s und des Ausschusses der Gewerkschafts- k o m m i s s i o n sind dann folgende Vereinbarungen getroffen: Zum Zwecke der Durchführung der gesetzlichen Kinderschutzbestimmungen, sowie zur Bekämpfung der Miß- Handlungen und Verhinderung der Verwahrlosung der Kinder werden in jedem Kreise respektive Orte Groß-Berlins Kon- trolleurinnen eingesetzt, und zwar delegieren: der 1. Kreis eine, der 2. Kreis zwei, der 3. Kreis eine, der 4. Kreis fünf, der 5. Kreis eine, der 6. Kreis sechs Vertreterinnen und die Lorortkreise in dementsprechender Zahl. Diese so ernannten Kontrolleurinnen ziehen zur Mitarbeit einige ihnen bekannte Genossinnen hinzu. Diesen Helferinnen fällt die Aufgabe zu, die erwerbstätigen Knder bei ihrer Arbeit aufzusuchen. Die kleinen Zeitungsträger, Brot- und Milchausträger zu beobachten, festzustellen, ob sie das er- forderliche Alter haben, daß sie nicht über die vorgeschriebene Zeit hinaus arbeiten, daß sie nicht vor dem VorniittagS- Unterricht Gänge laufen, und daß sie eine von der Polizei- behörde ausgestellte Karte besitzen. Allen Fällen gesetzwidriger Beschäftigung haben die Helfe- rinnen genau nachzuforschen und der Kontrolleurin einen eingehenden wahrheitsgetreuen Bericht darüber zu geben. Sie erhalten zum Zwecke der sofortigen Aufnahme des Tat- bestnndes einen Fragebogen, der recht gewissenhaft ans- zufüllen ist. Schützet die Kinder! Bei Bearbeitung der einzelneu Fälle hat die Kontrolleurin zu versuchen, zunächst auf gütlichen! Wege Abhilfe zu schaffen, indem Arbeitgeber und Elten! auf das Ungesetzliche ihres Tuns hingewiesen, den Eltern auch noch die schlimmen Folgen der Erwerbsarbeit der Kinder vor Augen geführt werden. Es muß unter allen Umständen vermieden werden, unnötige Bes chlverden an die Behörden weiterzugeben, um nicht Mißstinimung gegen die Kommiision und gegen ihre Tätigkeit hervorzurufen. Denn diese Fälle würden von allen Gegnern des Kinderschutzes schamlos und gewissenlos zur Diskreditierung der Bestrebungen und zur Gegenagitation ausgebeutet werden. Erst wenn alles versucht und ruhige Vorstellungen nicht zum Ziele führen, ist Anzeige bei der Polizeibehörde, bezw. bei der Gewerbe- inspektion zu machen. Bei festgestellten Mißhandlungen an Kindern ist ebenso zu verfahren, eventuell ist im letzten Falle die vorhandene Waisenkommission anzurufen. Die Kontrolleurin behält den Fragebogen zur Aufbewahrung. Sie hat der Polizei- behörde resp. den Gewerbeaufsichtsbeamten Anzeige zu erstatten und als Zeugin ihre Helferin, und die von dieser angegebenen Zeugen(genaue Wohnung angeben) zu benennen. In Berlin sind die Polizeibehörden mit der Aufsicht über die Speditionsgeschäfte, das Handels- und Verkchrsgewerbe, die theatralischen und sonstigen Vorstellungen, die Gast- und Schankwirtschaften sowie das Warenaustragen betraut, während die Ueberwachung der übrigen Betriebe von den Polizei- behörden und den Gewerbeauffichtsbeamten gemeinsam aus- geübt wird. Die Adressen der Gewerbeinspcktorate von Berlin und Bororte sowie die zu den einzeliien Bezirken gehörigen Polizeireviere sind die folgenden: Für Berlin 0.: Schumann, KO. 43, Elisabethstr. 50/51. Polizeireviere 1, 2, 12—16, 19—21, 27, 38 und 40. Für Berlin N.: Dr. R u h n a u, dl. 20, Prinzenallee 88. Polizei- reviere 9. 10. 11, 17. 46. 60. 69-62, 83-90, 97, 99, 109 und 114. Für Berlin NO.: Blatter, Elbinger Str. 19. Polizeireviere 13, 61. 68, 80. 81. 92. 98. 106, 106 und 113. Für Berlin 0.: Dr. W e l z e l. O. 34, Warschauer Str. 70. Polizeireviere 22—24, 44, 45, 62, 65, 66, 93—96, 102, 103, 108, 110 und III, sowie Lichtenberg und Boxhagen-Rummelbburg. Für Berlin 80.: Dr. L o h m a n n, SO. 26, Oranienstr. 14. Polizeireviere 25, 26, 29, 43, 49, 63—65, 70, 79, 86 und 87. Für Berlin S.: K n o l l, Eewerberat, S. 53, Gneisenaustr. 55 I. Polizeireviere 28, 30, 41, 42, 47, 48, 67, 72, 78 und 85. Für Berlin 81V.: Hesse, Gewerberat, Schöneberg, Eisenacher Straße 87/88. Polizeireviere 3. 31—37, 39. 66. 63, 71. 73. 77 sowie Schöneberg und Wilmersdorf. Für Berlin W.: Dr. Bender, Charlottcnburg, Shbelstr. 64. Polizeireviere 4, 64, 74—76, 83, 84, 100 und 104 und Stadtkreis Charlottenbnrg. Für Berlin NW.: Pelgry, N. 39, Müllerstr. 169a. Polizeireviere 6—8, 67. 68. 69. 82, 91. 101, 107 und 112. Zur Auskunftertcilung über alle die Gewerbeaufficht betreffenden Angelegenheiren sind in den Dienstlokalen der Berliner Gewerbe- inspektion täglich von 1—3 Uhr Gewerbeanffichtsbeamte anwesend. Gewerbeinspektion Trltow-Oft in Berlin NW. 62, Werftstraße 2 III, umfassend den Kreis Teltow östlich der Mlitärbahn(Gewerbe- inspeklor Dr. Jungfer). Sprechstunden: Jeden Dienstag von 6—7 Uhr nachmittags. Gewerbeinspektion Tcltow-Wcst in Groß-Lichterfelde-Ost, Bahnhof- straße 10. uinfassend den Kreis Teltow westlich der Militärbahn lGcwcrberat Dr. S e r d a). Sprechstunden: Jeden Dienstag von 3—7 Uhr nachmittags. Gewerbeinspektion Nicdcrbarnim-Nordwest in Berlin N. 58, Dänenstraße 11, umfassend den Kreis Niederbarnim nordwestlich der Stettiner Bahn(Gewerberat Georg Laurisch). Sprechstunden: wochentäglich von 9—1 Uhr. Gewcrbeinspekrion Niederbarnim-Südost in Berlin NW. 52, TbomafluS- straße 22, umfassend den Kreis Niederbarniy, südöstlich der Stettiner Pahn(Gewerberat 81 teils). Sprechstunden: jeden Montag und Donnerstag von 10—2 Uhr nachmittags und jeden zweiten Sonntag im Monat von 11—1 Uhr. Gewerbeinspektion BeeSlow-Oberdarnim in Berlin NW 23, Lesflng- straße 4, umfassend die Kreise Beeskow-Storkow und Oberbamim (Gewerberat Max Fischer). Gewerbeinspektion Spandau in Spandau. Wilhelmstratze, umfaffend den Stadtkreis Spandau und die Kreise Osthavelland und Ruppin (Gewerbeinspektor Dr. Hermann Helwig). Ein zweites Exemplar der Anzeige ist von der Kon- trolleunn zwecks Agitation und Materialsammlung der Kinder- schutzkomnlisston einzureichen. Die Kioderschutzkommissson von Groß-Berli» seht sich folgendermaßen zusammen: Die Kontrolleurinnen wählen aus ihrer Mitte Der- tretcrinnen, dazu kommen zwei Dezernenten des Aktions- ausschusses und zwei der Gewerkschaftskommission. Diese so zusammengesetzte Kinderschutzkommission hat ihre Sitzungen je nach Bedarf abzuhalten. Sie hat die Tätigkeit der Kontrolleurinnen genau zu verfolgen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Besonders krasse Fälle der Kinderausbeutung oder Mißhandlung sind in geeigneter Weise der Oeffentlichkeit bekannt zu machen, um so die öffentliche Meinung zugunsten des Kinderschutzes zu gewinnen. Auch sind die einzelnen Fälle in ihrem ganzen Verlauf geschildert unseren Berliner Reichstagsabgeordneten(resp. einem von diesen bestimmten) zu unterbreiten. In der Regel wird einmal im Monat eine Sitzung mit den Kontrolleurinnen einberufen, in welcher eine Aussprache über deren Tätigkeit stattfinden und ein sachkundiger Vortrag über die einzelnen Bestimmungen des Kinderschutzgcsetzes gc- halten werden soll. Die Kontrolleurinnen halten ebenfalls durchschnittlich einmal in jedem Monat mit ihren Helferinnen eine Zusammen- kunft ab, die zur Information und gegenseitigen Verständigung dient. Diese Zusammenkünfte können auch orts- oder kreis- weise erfolgen. Die Kontrolleurin wählt ihre Helferinnen selbst und er- ledigt init diesen in kameradschaftlicher Weise die ihnen zufallenden Aufgaben. Bei der Schwierigkeit dieser Aufgaben empfiehlt es sich selbstverständlich, zu allen Posten nur Genossinnen zu wählen, die neben dem nötigen Verständnis und einem lebhaften Interesse für diese überaus schwierige Arbeit auch noch über recht viel freie Zeit verfügen. Den Helferinnen und Kontrolleurinnen ist durch die Kinderschutzkommission eine aus ihren Namen lautende, abgestempelte Legitimationskarte auszustellen. Es wird ihnen eine genügende Anzahl Fragebogen sowie zur eigenen Information ein Exemplar der Broschüre„Die Kinder- arbeit und ihre Bekänipfung" von Käte D u n ck e r geliefert. Alle Unkosten, Porto usw. sind mit der Kinderschutzkommission abzurechnen. Die Organisationen verpflichten sich, diese Uli- kosten zu gleichen Teilen zu tragen. Die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen sind: Die Beschäftigung schulpflichtiger und porschulpflichtiger Kinder ist gänzlich der- boten: in Fabriken, auf Bauten aller Art, in Betrieben von Ziegeleien, Brüchen, Gruben, beim Steineklopfen, im Schornstcinfegergewerbe, in dem mit dem Speditionsgeschäft verbundenen Fnhrwerksbctriebe, beim Mischen und Mahlen von Farben, bei Arbeiten in Kellereien und ferner in einer ganzen Reihe von gesundheitsschädlichen Betrieben, die im Gesetz näher bezeichnet sind, so z. B. auch bei der Tabak- fabrikation sowie auch in der Kleider- und Wäschekonfektion. Für die Beschäftigung von schulpflichtigen Kindern in der Hausindustrie(Heimarbeit), im Betrieb von Werkstätten, im Handels- und Verkehrsgewerbe, in Gast- und Schankwirtschaften sowie als Votengänger gelten folgende Vorschriften: „Fremde Kinder unter 12 Jahren dürfen nicht beslbäftigt werden. Eigene Kinder unter 12 Jahren dürfen in der Wohnung oder Werkstätte einer Person für dritte nicht beschäftigt werden. Fremde oder eigene Kinder dürfen nicht vor 8 Uhr früh und nicht nach 8 Uvr abends beschäftigt werden. Vor dem Vormittagsunterricht dürfen Kinder überhaupt nicht beschnfiigt- werden. Nachmittags darf die Beschäftigung erst eine Stunde nach Beendigung des Unterrichts beginnen. Die Beschäftigung darf nicht länger als drei Stunden, in den Ferien nicht länger als vier Stunden täglich dauern. Den Kinder» muß eine zweistündige Mittagspause gewährt werden. An Sonn- und Festtagen dürfen eigene wie fremde Kinder nicht beschäftigt werden in Werkstätten sowie im Handels- mid Verkehrsgewerbe. Fremde Kinder unter zwölf Jahren dürfen als Botengänger, beim Brot-, Zeitungs-, Milchmistragen usw. nicht beschäftigt werde». und über zwölf Jahre alte fremde Kinder dürfen Sonntags in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags nur zwei Stunden arbeiten, wobei die Zeit des Gottesdienstes ftei bleiben muß. In Gast- und Schankwirtschaften darf kein Kind unter zwölf ahren beschäftigt werden, schulpflichtige Mädchen über zwölf Jahre, emde wie eigene, dürfen keine Gäste bedienen. An Orlen unter 20000 Einwohnern ist für kleinere Wirt- schaften Dispensation von allen diesen Borschriften zulässig, soweit es sich um eigene Kinder handelt. Werkstätten im Sinne dieses Gesetzes sind auch Schlaf« und Wohnräume, sowie Küchen, wenn darin gewerbliche Arbeit ver- richtet wird. Die Beschäftigung ftemder Kinder ist nur gestattet, wenn der Arbeitgeber für jedes Kind eine von der Ortspolizeibehörde auZ» gestellte Arbeitskarte besitzt." Die Adresse» der Kontrolleuriuneu sind: 1. Kreis: Frau Alice Geiser, NW. 23. Monaer Skr. 13. 2. Kreis: Frau Beil, Hagelberger Str. 47. Frau Wurm, W. 80, Gleditschstr. 30. 8. Kreis: Frau Mittag, Kürafsierstr. 10 a, 4. KreiS. Frau Kuhn, Zorndorfer Straße 89. Frau B o u g a r t s. Andreasplatz 1. Frau Brückner, Rüdcrsdorfer Straße 64. Frau D ö h l S, Forsterstr. 44. Frl. Kl. B i e n, ProSkauer Straße 30. 5. KreiS. Frau Holzapfel, Greisswalder Etr. 4V, IV. k. KreiS. Frau Minna L o h s e, Oderberger Str. 20, OL Frau Berta Timm, Ruppiner Str. 46. Frau Marie Rudolph. Müllerstr. 7. Frau Ottilie Pohl, Rostocker Str. 27. Frau Helene R o l i t t a, Schöningstr. 19, Hof IH. Frau Ernestine Bahn, Hochstr. 84, IV. Niedcr-Barnim: Frau Martha A r e n d s e e, Tegel, Schloßstr. 22. Frau Bernhard, Karlshorst, Roedelstr. 16. Frau Henriette MiruS, 0. 112, Müggelstr. 27. Teltow-BeeSlow: Frau H o r l i tz, AdlerShof, Bismarckstr. 11. Frau Toni S u ß m a n n, Charlottenburg, Berliner Str. 130. Frau Hackbarth. Köpenick, Adlcrshofer Str. 4. Frau Moebest, Grünau. Dahmestr. 23. Frau Hedwig G o b i n, Johannisthal, Roonstr. 2. Frau Martha Rosen hahn, Lankwitz, Kaulbachstr. 31. Frau Schwarz, Mariendorf, Bergstr. 7. Frau Luise Soltinann, Maricnfeldc, Lankwitzstr. 10. Frau Llnna Drescher, Nowawes, Großbeerenstr. 15. rau Bohm-Schuch, Nixdorf, Weichselstr. 33. rau M. S ch n s ch e n k, Sckmargeiidorj, Sulzaer Straße 12. Frau Flöter, Steglitz, Sachsenwaldstr. 1. Frau Marie Thiel, Tempelhof, Friedrich-Wilbelm-Str. 20. Frau E. R y n e ck, Treptow-Baumschulenweg, Kiefholzstr, 130. Frau Emma Hirche, Wannsee. Chausseestr. 15. Frau T ö l l e, Wilmersdorf, Giefelerftr. 26. Parteigenossen! Eine schwierige Aufgabe gilt es zu bewältigen, aber eine Aufgabe, die erfüllt werden muß und vor deren Lösung der Idealismus unserer Anhänger nicht zurückschrickt. Hier gilt es in weiten Kreisen verbreitete Vorurteile zu bekämpfen und Aufklärung zu ' ch a f f e n über die Schädlichkeit der Kinderarbeit. Da wäre es verfehlt, diese Ausgabe den Kontrolleurinnen und ihren Helferinnen allein zu überlassen. Diese große sittliche Aufgabe bedarf der Mitarbeit aller! In erster Linie der Mitglieder der Arbeiter- organisationcn. Deshalb appellieren wir an unsere Genossen und Genossinnen: Gebt der Jugend ihr Jugend» recht, gebt ihr die Kinderlust und Kinder- reudc wieder! Laßt ihre zarten Seelen nicht schon im frühesten Alter durch Fronarbeit verkümmern und ver- dorren. Verhindert, daß diese jungen Menschenblumen schon allzu früh vom Sturm des Lebens zerzaust und geknickt werden, ehe sie überhaupt zur Entsaltimg gelangen können. Zeigt, daß Ihr die Worte von Karl Marx begriffen, daß „zum Schutze gegen die Schlange ihrer Oualcn die Arbeiter ihre Köpfe zusammenrotten müssen und als Klasse ein Staatsgesetz crzlvingen. ein übermächtiges gesetzliches Hindernis, das sie selbst verhindert, durch freiwilligen Kontrakt dem Kapital sich und ihr Geschlecht in Tod und Sklaverei zu verkaufen"._ Huö der Partei. GvmpcrS-Erzöhlnngen. Bald nach seiner deutschen Reise hatte Herr G o m p e r S in einem englischen Blatt eine Erzählung veröffentlicht, in der berichtet wird, daß ein Vertreter deS Holzarbeiterverbandes in Köln GomperS gesagt habe, man habe in Deutschland die- selben Streitigkeiten mit den Führern der sozialdemokratischen Partei wie in Amerika. Es seien Intellektuelle, Redakteure und Professoren innerhalb der Partei, mit denen die Gewerkschaften beständig zu kämpfen hätten..Die- selben Angriffe wie gegen Sie," habe der Holzarbeiterver- treter zu Gompers gesagt,„werden bei uns gegen Legten ge- richtet." Gen. P o e tz s ch hatte diese Geschichte in der Versammlung, die Gen. B e r g e r in Berlin abhielt, in der Diskussion erwähnt und hinzugesetzt, er müsse annehmen, daß der Vertreter der Holzarbeiter das nicht gesagt habe, wenigstens nicht in der Form. Gomperö habe sicherlich kein Recht, dergleichen zu behaupten. Bei aller Verschiedenheit in der Auffassung innerhalb der deutschen Arbeiter- bewegung ist doch jeder von uns überzeugt, daß Partei und Ge werlschaften zu sammenge hören. Da wir mit Gen. P o e tz s ch derselben Meinung waren, hielten Wir die Sache damit für erledigt und glaubten auch eine berichtigende Darstellung, die uns der Beamte des Holzarbeiterverbandes, Genosse Otto Schultz in Köln, auf den sich Gompers als Gewährsmann berief, sofort nach jener Versammlung schickte, nicht erst abdrucken zu sollen. Jetzt erfahren wir aber von einem amerikanischen Parteigenoffen, datz Gompers diese Erzählung auch in Amerika verbreiteter hat sie in der Oktobernummer deS„American Fcderationist", dem Organ deS Gewerkschaftsbundes, ausführlich veröffentlicht— und sie nach Kräften gegen unsere Parteigenossen auszuschlachten versucht. Wir sind daher zu der Feststellung genötigt, daß die Gompers- scheu Behauptungen durchaus unwahr sind. Eö gibt in der deutschen Arbeiterbewegung keinen Vertrauensmann, der solche Aeutzerungen getan haben könnte und natürlich hat auch Genosse Schultz dies nicht getan. Er konstatiert vielmehr ausdrücklich, daß er die Worte,„man habe in Deutschland dieselben Streitigkeiten mit den Führern der sozialdemokratische» Partei wie in Amerika" nicht gebraucht habe. Er habe zwar im Gespräch darauf hin- gewiesen, daß«S auch in Deutschland an Zusammenstötzen zwischen Partei und Gewerkschaft nicht gefehlt habe. Aber dies hätten wesentlich nur die subjektiven Auslassungen einzelner Journalisten verschuldet. Gegen die Partei als solche seien seine Ausführungen durchaus nicht gerichtet gewesen. Womit wohl Gompers' Mälchen erledigt sind. „Jesus einer der ersten Sozialisten." Wir lesen in der„Wiener Arbeiterzeitung": Wie noch erinnerlich, hat der fromme Pollak(Staatsanwalt zu Wien. D. R.) die„Arbeiterzeitung" am 3. September kon- fiSziert; zwei Sätze in einem Artikel des Abgeordneten Renner, die erklären, warum Jesus den Sozialisten immer teuer sein wird, hatten es seinem tiefreligiösen Sinn angetan. Das Landesgericht hat, unserem Einspruch stattgebend, einen der zwei konfiszierten Sätze freigegeben. Es ist im Zusammen- hang dieser: Was aber den christlichen Glauben betrifft, so wird uns Jesus immer als einer der ersten Sozialisten teuersein.<■ Diese Freigebung begründet das Landgericht folgendermaßen: Nach Z 122a St.-G. ist jener Gottcsbegriff geschützt, wie ihn die einzelne Konfession versteht und lehrt. Nach der christ- lichen Religion ist aber Jesus Christus nicht etwa bloß ein Religionsstifter, sondern Gott selbst. Es geht daher nicht an, bei Besprechung seiner Mission von dieser seiner göttlichen Natur abzusehen. Dies wird insbesondere bei Beurteilung der Frage in Betracht zu ziehen sein» ob in einem auf Jesuö Christus be- zogenen Ausdruck oder Satze eine Lästerung im Sinne deS§ 122a St.-G. zu erblicken ist. Der Gerichtshof erachtete nun, baß in dem Passus„als einer der ersten Sozialisten" eine Gotteslästerung nicht gelegen sei, weil das die Sozialisten und der Sozialismus kennzeichnende Streben, eine Verteilung der Güter einzig und allein nach dem Maßstab der Arbeit herbeizuführen, nichts Herabwürdigendes ist, auch nicht, insoweit eine gleiche Tendenz in dem beanstandeten Passus auch auf das irdische Wirken Christi bezogen wird. Es war daher dieser Passus nicht unter§ 122a St.-G. zu sub- sumieren, dem Einspruch nach dieser Richtung Folge zu geben und das VerbotsertenntniS in diesem Belange zu beheben. Es konnte wirklich nur einem Pollak beifallen, in jener ver- herrlichenden Bemerkung Gotteslästerung zu erwittern.., Di« Zarenhuldiguag des römischen Bürgermeisters vor der Parteisektion. Rom, 4. November. Die römische Parteisektion hat am 3. d. M. über die Reise deS Bürgermeisters Nathan nach Racconigi zum Galadiner zu Ehren des Zaren verhandelt und über die Stellungnahme, die die Parteigenossen in der Stadtverordnetenversammlung und im Stadt- rat ihr gegenüber einzunehmen haben. Bon den sozialistischen Stadtverordneten war nur Genosse Prof. Rossi-Doria zugegen, der erklärte, daß der Bürgermeister dem Stadtrat nur ganz nebenbei Mitteilung von seiner Reise gemacht hätte. Die beiden anwesenden sozialistischen Stadträte, Rossi-Doria und Montemartini, hätten, von der Erklärung überrascht, keinerlei Einspruch erhoben, wären aber selbstverständlich bereit, sich in allen de» Beschlußfassungen ihrer Parteisektion zu fügen und auch ihr Amt niederzulegen, falls die Genossen ihr Vertrauen zu den Stadträten erschüttert fühlten. Die Diskussion, die bis gegen 2 Uhr morgens dauerte und sehr lebhaft und interessant war, endete mit der einstimmigen An- »ahme der folgenden Tagesordnung: „Unter Berufung aus die Bedingungen, unter denen die Bildung der Allianz für die römischen Stadtwahlcn zustande kam und nach denen das Bündnis auf administrativem Gebiete für die einzelnen Parteien keinerlei Verzicht auf politischem Gebiete ein- schloß, sondern durch die gegenseitige Achtung vor den Partei- Überzeugungen zusammengehalten werden sollte, betont die römische Parteisektion, daß das Verhalten des Bürgermeisters, bei Ge- legenheit des Besuches des russischen Despoten in Italien, eine offenkundige Beleidigung der Ideale der sozialistischen Partei bar- stellt, die als Teilnehmerin an dem Bündnis in der Stadtverwaltung «ine Vertretung auf politischem und kommunalem Gebiet Hai. Die römische Parteisektion hebt hervor, daß die sozialistischen Stadt- verordneten aus ihr hervorgehen, nur ihr Rechenschaft schuldig sind und nur von ihr abhängen und beauftragt sie, bei der nächsten Sitzung der Stadtverwaltung gegen die Öaltung des Bürger- Meisters zu protestieren und ihm ihre Mißbilligung auszusprechen." Während der Diskussion trat auch vereinzelt die Ansicht her- Kor, daß die beiden sozialistischen Stadträte aus Protest gegen Nathan ihr Amt nieberkegen sollten. Gegen diese Ansicht nahm die Mehrheit Stellung, hauptsächlich, weil man wegen einer eminent politischen Handlung, wie der Teilnahme des Bürgermeisters an dem Galadiner zu Ehren des Zaren, nicht eine administrative Krise hervorrufen wollte. Diejenigen unserer Genossen, die Ver- trauen in den kommunalen Block setzen, der von den Sozialisten bis zu den bürgerlichen Liberalen geht, möchten ihn nicht zum Bruch bringen. Die Gegner des Blocks haben ebenfalls Interesse daran, daß ihnen die Chancen geboten werden, sein Werk zu voll- enden, um an der Hand der Tatsachen dem Proletariate zu zeigen, was bei solchen Blockbildungen herauskommt. Eine schwere Bezichtigung. Der frühere verantwortliche Redakteur der„Ar- beiterzeitung" zu Dortmund, Adolf N o t t e b o h in, wurde Dienstag nachmittag wegen Verbrechens gegen die KZ 170 Abf. 8 (Vornahme unzüchtiger Handlungen an Minderjährigen) und 177 (Notzncht) verhaftet. Als vor einigen Tagen Gerüchte über diese Angelegenheit in die Oeffentlichkeit gelangten, wurde Nottebohm vo» der Dortmunder Parteileitung aufgefordert, bis zur Klarftrllnng der Sachlage alle seine Partciämier niederzulegen. Die.Dortmunder Arbeiterzeitung" veröffentlichte am ö. November folgende Erklärung„In eigener Sache": „Gegen unseren Kollegen Adolf Nottebohm werden seit einige» Dagc» allerlei elirenrübrige Gerüchte kolportiert, die sich auf Dinge bezichen, welche sich vor seiner Redaliioustätigkeit abgespielt haben sollen. Diese Gerüchte haben sich sogar bis zu einer Denunziation bei der Behörde verdichtet. Die zu- ständigen Parteiinstanzen haben sofort, nachdem sie von dem Gerücht Kenntnis erhielten. Nottebobm bis zur Klarstellung der An- gelegcuheit von seiner Nedaktionstätigkeit und seinen sonstigen Parteifunktionen suspendiert und ihn veranlaßt, sich selbst der Be- Hörde zur Verfügung zu stellen, was er auch sofort mit der Bitte um Beschleunigung der Angelegenheit getan hat. Notlebohm er- klärte auf das bestimmteste, daß an der Sache nicht ein w a h r es W o r t s e i. Er ist davon überzeugt, daß es sich dabei um einen Racheakt einer außerhalb der Partei stehenden Person handelt, mit der er persönlich verfeindet i st." poliseUicbes, GencvUicbes ulrv. Ein moralischer Erfolg— aber eine Verurteilung. Am Montag endete zu Karlsruhe nach dreitägiger Ver- Handlung ein Prozeß gegen den Genossen K a d e l vom„Volks- freund" und den Genossen Philipp vom Maurerverbaiid, die wegen Beleidigung des AmtSvorslandcS Geh. RegierungSrat Dr. A s a l und des BezirkSarzteS Dr. Fröhlich zu Ettlingen angeklagt waren. Nicht weniger als 00 Zeugen und drei Sach- verständige waren geladen. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß bei einem B a u u n g l ü ck in der Buhl- scheu Papierfabrik in Ettliugeu, bei dem acht Maurer verunglückten, von denen der«in� seinen Verletzungen erlag, vom Bezirksamt übersehen wurde, einen verantwortlichen Bauleiter zu bestellen, wie ihn oas Gesetz vorschreibt. Auch andere Vorwürfe, die der„Volks- freund" gegen die Behörden richtete, wurden in der Hauptsache al» berechtigt erwiesen, so daß selb st der Staatsanwalt in seiner zweisiündiaen, sehr sachlich gehaltenen Anklagerede ausführte, daß die beiden Strafantragsteller Dr. Asal und Dr. Fröhlich die eigentlichen Angeklagte» seien nnd nicht die beiden „Beleidiger". Wenn auch der Vorwurf der Parteilichkeit und Unfähigkeit nicht ganz bewiesen werden koniite, so seien doch so viele tatsächliche Vergeben der beiden Genannten gerichtsnotorisch festgestellt worden. daß Freisprechung erfolgen müßte, wenn nicht in der Form eine Beleidigung erblickt werden müßte. Der Wahrheitsbeweis sei iin allgemeinen von den Beklagten erbracht. Aus der nnifangreichen Beweisaufnahme ging hervor, baß besonders Dr. Asal brutal und gewalttätig gegen viele Personen vorgegangen ist, die amtlich mit ihm zu tun hatten. Auch dem Bezirksarzt wurden zahlreiche Vergehen nachgewiesen. Wegen Formalbeleidignng wurde dann Genosse Kabel zu 160 M. und Genosse Philipp zu 60 M. Geld st rase und den allerdings nicht unbedeutenden Kosten verurteilt. Aber der moralische Erfolg des.Volksfreund" ist ein unbestrittener; das wird auch von der bürgerlichen Presse unuinwunden anerkannt. Die beiden Straf- antra gsteller dürften sich auf ihren Posten unmöglich gemacht haben. Das ist wenigstens das allgemeine Urteil. Am letzten Tage der Verhandlung war ein Vertreter deS Ministeriums des Innern an- wesend, den man eisrigst Notizen machen sah. Soziales. Ansturm gegen Arbeiter innen schütz. Unter von uns bereits gemeldeten Eingaben von Unternehmer- kreisen, die auf ein« Abschwächung der Vorschriften der vom 1. Januar in Krast tretenden Gewerbeordnungsnovelle abzielen, be- fanden sich auch Eingaben von Geschäflöbiichrrfabrijgnlen. Sie behaupten, Ueberarbeit sei dringend erforderlich und, da diese auf gesetzlichem Wege nicht zu erreichen ist, solle— der Bundesrat fein im K 139» für Saisonbetriebt gegebene» Verordnungsrecht onivende», um die Arbeiterinnen zugunsten der Geschäftsbücher- fabrilanten um ihren Zehnsluudeutag zu prellen. Zu diesem Miß- brauch wird sich der Bundesrat um so weniger bewegen lassen können, als Uebertretungen de» Gesetze? trotz einer gegen das Besetz gehenden BuudesratSverordnung straibar sein würden. Aber der Eifer, mit den, Geschäftsleute gegen das bißchen mühsam errungenen Arbeitcriimenichutz Sturm laufen, ist für ihre Kurzstchtigkeit be- zeichnend. Weiter sehende Industrielle würden im Interesse der Industrie Schutzvorschriflen gegen Uebermüdung der Arbeiterinnen verlangen._____ Sicherung der Bauforbrrungcn. Der Berliner Polizeipräsident weist auf die Befolgung der Vor- schrist de» Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen durch folgende Notiz hin: Nach Z 4 des Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen vom 1. Juni d. I.(R.-G.-Vl. S. 449). dessen erster Abschnitt, ent- haltend die Z§ 1 bis 8, am 21. Juni d. I. in Kraft getreten ist, ist bei Neubauten der Bauleiter verpflichtet, an leicht sichtbarer Stelle einen Buschlag anzubringen, der den Stand, den Familienname» und weiiigstcus einen ausgeschriebenen Vornanren sowie den Wohn- ort de« Eigentümers und, falls dieser die Herstellung des Gebäudes oder eines einzelnen Teiles des Gebäudes einem Unter- nehmer übertragen hat, des Unternehmers in deutlich lesbarer und unverwischbarer Schrift enthalten mnß. Wird der Bau von einer Firma als Eigentümer oder Unternehmer ausgeführt, so ist diese und deren Niederlassungsort anzugeben. Nach§ 7 wird mit Geldstrafe bis zu 160 M-, im Unvermogens- falle mit Haft bis zu vier Wochen bestraft, wer den vorgenannten Borschnfte» zulviderhandelt. Diese Bestimmungen, die für alle nach dem 20. Juni d. I. be- gonnenen Neubauten gelten, sind von den Banleitern vielfach noch nicht beachtet worden. ES fehlt auf den Anschlägen oft entiveder der Name des Eigentümers oder dessen ausgeschriebener Vorname, oder der des Unternehmers, bei Firmen die genaue Angabe der Firma, wie sie im Firmenregister eingetragen ist, oder ihr Nieder- lassungsort. Es wird deshalb hiermit auf diese Gesetzesbestimmungen hin- gewiesen, da deren Befolgung von den Polizeiorganen im Interesse der Bauhandwerker und Bauarbeiter künftig auf da? genaueste kontrolliert und jede Zuwiderhandlung zur Bestrafung allgezeigt werden wird._ Ein„ehrlicher" Förderer des Tarifgedankens am DienStaa in der Person des Buchbindermeifters Schneider. Inhaber der Firma Schneider«. Ziegler. Th. Debrient Nachflg., Gitschiner Str. 106, vor dem JnnungS» schiedsgerickit. Zwei Vuchbindcrciarbeiterinnen. die seit einigen Woche» im Zeit- und Akkordlohn bei ihm beschäftigt waren, klagten gegen ihn auf Zahlung von Lohnbeträgcn von ll"32 und 9.50 M. Diese Beträge sind bei einer im Akkordlohn auszuführenden Arbeit zu wenig gezahlt worden. Der dafür im Tarif vorgesehene Lohn von 86 Pf. sei. wie der Beklagte sagte, zu horrend, er hält 60 Pf. für das Tausend als ausreichende Bezahlung. Der Beistand der Klägerinnen machte geltend, daß das Tarifschiedsgericht der Buchbinder, dem Herr Schneider als Arbeitgeber- Vertreter angehört, den Beklagten zur Bezahlung der Arbeiten nach Tariflöhnen einstimmig verurteilt hat. Der Bellagte habe auch die ehrenivörtliche Erklärung abgegeben, daß er dem Schiedsspruch nachkommen loerde. Leider sei das nicht geschehen, weshalb die Klägerinnen nun noch das Jnnungsschiedsgericht in Anspruch nehmen müssen. Das Schiedsgericht ver- ll r t e i l t e nun gleichfalls einstimmig diesen Wächter deS Tarifes zur Zahlung der geforderten Lohnbeträge. Vereinbarung?. Der Maler H. klagte am Dienstag beim Jnnungsschiedsgericht gegen den Maleniieislee Heinrich Kiepling auf Zahlung des nach einem Stundenlohn von 76 Pf. berechneten Restlohnes von 41,98 M. Beklagter wendete ein, seine Buchhalterin habe in der irrigen An- nähme, eine Vereinbarung über 76 Pf. Stundenlohn sei getroffen, die vom Kläger geforderten 76 Pf. in der ersten Woche gezahlt. Solche Vereinbarung habe er aber nicht getroffen. Dem Kläger stehe nur der Miuimallohn des Tarifs von 06 Pf. pro Stunde zu. Unter Ab- zug der irrtümlich gezahlten Summe habe er dein Kläger 30.70 M. angeboten. Dieser habe aber den Betrag abgelehnt. Beklagter wurde seinem Anerkenntnis entsprechend zur Zahlung von 30,70 M. verurteilt, dem Kläger wurden aber die Kosten auserlegt. Wir weisen an dieser Stelle wiederholt datauf hin. daß der Arbeiter durch Annahme eines Teilbetrages unter Vorbehalt seiner Reckte sich nichts vergibt. Hätte Kläger dies getan und nur den striltigen Betrag eingeklagt, so würde er Kosten gespart haben. Wenn die Zahlung deS Lohnes von der Unterschrift unter einer Generalquittung oder einem Generalverzicht ab- bängig gemacht wird, dann weigert der Arbeiter mit Recht auch die Annahme einer Teilzahlung. Zur Ausstellung einer Generalquiltung ist der Arbeiter nicht verpflichtet. Der Mannheimer Mchgerboykott vor dem Reichsgericht.") Im Jahre 1900 war bekanntlich in Mannheim zwischen den Metzgermeistcrn und den bei ihnen beschäftigten Gesellen ein scharfer wirtschaftlicher Kampf ausgebrochen. An der Spitze der Mann- heim er Metzgerinnung stand der Obermeister Meygermeister und Stadtrat Daniel Groß, während Gauleiter der Gesellenvercinigung deS Zentralverbandes der Fleischer und Berufsgenossen- schaften Deutschlands seit dem Jahre 1902 der Verbandsbeamte Bruno Flischlowsky ist. Als im September 1900 elf Geiellen des Mcyger» meisterS Jmhoff, der mit 23 Nebengeschäften in Mannheimer Vor- orten das größte Metzgergeschäft betreibt, Forderungen stellten, die auf anderweite Regelung der Arbeitszeit, der Lohnverhältnisse und insbesondere auf Abschaffung deS in Mannheim üblichen Kost« und LogiSzw an-g e s drangen, lehnte Jmhoff die Forderungen wie auch Verhandlungen mit dem Zentral- verbände ab. Der Zentralverband berief deshalb nach Verständigung mit dem Gewerkschaftskartell eine Volksversammlung auf den 2. Oktober 1900 ein, in der über das Geschäft deS Jmhoff nebst allen Zweiggeschäften der Boykott verhängt wurde. Dieser Boykott wurde während der nächsten Tage noch auf die Geschäfte Göbel, W. Leins, Hermann Hafner und Zähringer ausgedehnt. Auch wurden drei Flugblätter herausgegeben, die vom GcwerlschaftS- kartell verfaßt und unterzeichnet waren, und die zur Zcit de» Kundenbesuches der Metzgereien durch die Arbeiterschaft vor den Metzgerläden verteilt wurden. Mit den Flugblättern wurde der Boykott drei Wochen lang geführt. Durch Vermittelung deS GcwerbegerichtS kam am 24. Oktober 1900 eine Einigung zustande, da Groß erklarte, den Zentralverband als Gesellenvertretung an- erkennen zu wollen. Als seitens der Jnnungskommission diese An- erlennung abgelehnt wurde, verhing das Gewerlschaftskartell den Boykott von neuem und führte ihn nun in noch verschärfter Form, indem ei» weiteres Flugblatt überschrieben war:„Einen schweren Wort- bruch hat die Innung begangen." ES kam 2— 3 Wochen lang allabendlich zu großen Menschenansammlungen vor den boykottierten Geschäften, auch wurde ein Reklamewagen durch die belebtesten Straßen gefahren, dessen Leinenbespannung den Boykott kundgab. Weilere Veröffentlichungen unterblieben dann, bis der Kampf ein- schlief. Die Inhaber der Firmen Jmhoff. Göbel. Leins, Hafner und Zähringer erhoben nun gegen das Gewerkschaftskartell Mannnheim, gegen Nagel, den Beamten des GewerkschaftS- kartells. gegen den Vorsitzenden göllner deS Kar» tells und gegen Flischlowsky als Gauvorstand deS Zentralverbandeü Klage auf Ersatz allen Schadens und Untersagung derartigerVeröffent- lichungen. Das Landgericht Mannheim untersagte jede öffentliche auf Fortsetzung deS Boykotts hinzielenden Aufforderungen be- leidigender oder sonst gegen die guten Sitten verstoßender Art. Auf die Berufung der Kläger erkannte das Oberlandesgericht K a r l S- r�u h e alle Schadenersatzansprüche derselben al» gerechtfertigt dem Grunde nach an und legte den Beklagten die Kosten beider Rechts- züge auf. In der Begründung heißt eS. daß da« Landgericht den Boykott für eine nicht widerrechtliche Handlung erklärt habe. Jedoch sei der Boykott durch die Art. wie er ins Werk gesetzt worden sei, und die Mittel, die gebraucht worden sind, zu einem un- berechtigten geworden. Insbesondere wurde auf vermeintlich be- leidigende Slellen der Flugblätter hingewiesen.. Gegen das Urteil des Oberlandesgerichts hatten die Beklagten Revision beim Reichsgericht eingelegt, der sich die Kläger angeschlossen hatten. Das Reichsgericht erkannte am Montag in der Hauptsache auf Z u r ü ck w e i s u n g der Revision. Nur bezüglich der Kosten wurde das Urteil dahin abgeändert, daß den Beklagten die Kosten aller Instanzen zu drei Viertel auferlegt wurden und den Klägern zu einen» Viertel. Der Streitwert wurde auf 40 000 M. fest« gesetzt. Der erkennende VI. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofes legt bar, daß daS Verhalten der Beklagten ein unberechligteS ge- Wesen sei, weil durch die Flugblätter strafioürdige Handlungen aus- gesprochen worden seien, die die Meister beleidigten und kränkten. Daraus ergebe sich, daß die Flugblättc-»licht weiter veröffentlicht werden dursten, ebenso begründe diese? Verhalten auch die Schade»? erfatzansprüche. DaS Gewerkschafts'artell müsse für die Handlungen seiner Vertreter in demselben Maße alifkominen, wie der Prinzipal für den Angestellte»». Einen EntlaslungsbeiveiS nach § 831 des Bürgerlichen Gesetzbuches habe das Gewerkschaftskartell nicht versucht. '.» Dieses Urteil enthält einen schweren Eingriff in das Koalitionsrecht der Arbeiter. Es hält sich zwar von der Auf» fassung frei, als berechtige jeder Boykott zum Schadenersatz. Das wäre eine ausfällige Abkehr von dem bislang auch vom Reichsgericht vertretenen Standpunkt, daß die Anwendung des Boykottes, also eines gesetzinäßigen Mittels, ein Recht auf Schadenersatz dem Boykottierten nicht gibt. Aber es gelangt •) Wegen Raummangels zurückgestellt. auf Umwegen zu demselben Ergebnis, indem es den an- geblich beleidigenden Charakter der Flugblätter und die nach Ansicht des Gerichts gegen die guten Sitten verstoßende Art der Boykottverhängung und Boykottdurchführung als Stütze des Schadenersatzanspruches zuläßt. Das ist aber ein arger Verstoß gegen das Gesetz. Ist jemandem durch Beleidigung oder durch einen Verstoß gegen die guten Sitten ein Schaden zugefügt, so steht ihm ein Anspruch auf Ersatz des hierdurch verursachten Schadens zu. Der Schaden, der ihm durch den Boykott zugefügt ist. ist aber ein anderer. Wenn bei Gelegenheit eines Boykotts eine zum Schadenersatz verpflichtende Handlung begangen ist, so läßt sich der Schluß nicht rechtfertigen: es ist auch der durch den Boykott zugefügte Schaden zu ersetzen. Das ist ebenso ver- fehlt, als der Schluß: weil bei Gelegenheit einer Straf- Vollstreckung oder einer Pfändung eine Beleidigung vor- genomnien ist, ist der Beleidiger zum Ersatz des durch die Strafvollstreckung oder die Pfändung herbeigeführten Schadens verpflichtet. Der Nachprozeß, der über die Höhe des Schadens anzustellen ist, wird dem Reichsgericht Gelegenheit geben, sein Erkenntnis in dieser Weise zu deklarieren. Das ergangene Er- kenntnis ist mit der seitherigen Rechtsprechung' und dem Gesetz unvereinbar. Auch der Teil des Urteils ist auffallend, der das Kartell für Handlungen dritter verantwortlich macht. Wir behalten uns vor, auf das seltsame Urteil noch- mals einzugehen, sobald sein Wortlaut vorliegt. Hus Induftnc und Handel Uebervortcilende Händler. Man schreibt uns: In Ihrem letzten„Wirtschaftlichen Wochen- Bericht" haben Sie da« Thema von den betrügenden Händlern an- geschnitten und Bemerkungen dazu gemacht, die den Nagel auf den Kops treffen. Eine Gattung unreeller Händler, die es mit der Uebervorteilung durch Mindergelvicht am ärgsten treibt, und die in- folgedesien in erster Linie genannt werden muß, haben Sie leider nicht angeführt: das sind die Butterhändlerl Bei denen be- kommt man tvohl selten volles Gewicht, was ich durch Nachwiegen der Butter seit langer Zeit festgestellt habe. Obwohl ich wiederholt Beschwerde bei den Geschäftsinhabern und Verkäuferinnen erhoben habe, ist ein Wandel zum bessern nicht eingetreten, weshalb ich mit Recht die Behauptung ausstellen kann: in sehr vielen Butterhandlungen wird der Käufer sortgesetzt mit Ueberlegung betrogenl Zu dem Minder- gewicht der Ware kommt noch da« Gewicht des Papiers, auf dem'die Butter eingewogen wird, das bei einem halben Pfunde 12— tS Gramm wiegt und das der Käufer als Butter bezahlen muß. Auch in den meisten Buttergeschäften sind die Wagen hinter aufgestapelten Waren aufgestellt, so daß der Konsument das Abwiegen nicht genügend beobachten kann, und selbst vor den Augen der Kunden wird der Betrug geübt, indem die Verkäuferin die Schale aus die Ware lagert, mit dem kleinen Finger niederdrückt. Sehr unreell find viele Straßenhändler. Ein Pfund Obst verabfolgen sie in Tüten, die oft aus drei Zeilungsbogen hergestellt sind, also ein Gewicht von zirka 5» Gramm haben; häufig bleibt dazu einzelnes Obst in der tiefen Schale der Wage liegen und wiegt immerfort mit, ohne daß der Käufer eS erhält. Was ist gegen solchen Betrug zu tun? Die Polizei versagt hier, wie Sie ganz richtig in Ihrem Artikel bemerken. Bleibt die Selbst- Hilfe. Eine einzelne Hausfrau ist hier machtlos. Die Masse der Konsumenten muß in Aktion treten, den Händlern scharf auf die Finger sehen und jeden Betrug unnachfichtlich zur Anzeige bringen. Selbstverständlich sind auch die als unreell erkannten Geschäfte streng zu meiden. Ein weiteres Mittel gegen den Betrug ist der Eintritt der Hausfrauen in die Konsumvereine. Die Gürtelbahn um Berlin, die zur Entlastung der Ringbahn von dem gesamten Durchgangsgüterverkebr um die Stadt herum- führen soll, wird jetzt auf ihrer Südstrecke, zwischen Michendorf an der Bahn Berlin— Belzig und Niederlehme an der Strecke Königs- Wusterhausen— Storkow, in Angriff genommen. Allgemeine ElcktrizitätSgescllschast. DaS Geschäftsjahr vom t. Juli lvvS bis SO. Juni 1909 hat nach Abzug von Unkosten, Steuern, ObligationKzinsen und Abschreibungen aus dem Fabrikations« und Wareiwerkaufsgefchäft 10 384 571,82 M. st. V. 15 931 211,93 M.) Reingewinn erbracht. Daraus sollen 13 Proz. Dividend« st. V. 12 Proz.) auf das Grundkapital von 100 Millionen Mark verteilt loerdeiu Außer den Abschreibungen soll den, Rückstellungskonto behufs Erhöhung der Reserven auf 20 Millionen Mark der Betrag von 1 207 252.23 M. zugeführt werden. Die Verrechnung namhafter Gewinne aus Begebung von Effekten soll im laufenden Jahre erfolgen. Es ist eine Lust, Aktionär zu sein. Kampf gegen die Vierverteuerung in Bayer«. In Münch«» beschäftigte sich eine vom Landesvorstand der bahe- rischen Sozialdeniolratie einberufen« Konferenz von Vertretern der Landtagsfraktion. der GewerlschaftSzenlrale, der Vorstände der Ge- werksäiafien, der Zentralvorstände des Brauereiarbeilerverbandes, de« freie» Gastwirteverbandes und der gesamten bayerischen Parteipresse mit der Bierpreisfrage. Eine siebenglicdrige, aus Teilnehmern der Konferenz gewählte Konnnisfion wurde beauftragt. mit den Landesvertretern und der LandtagSfrattion di«se Abwehr zu organj- sieren. Die Beschlüsse wurden nach eingehender Diskussion ein- stimmig gesaßt, und«S bestand keine Meinungsverschiedenheit darüber. daß jeder Bierprei«erhöh»ng mit aller Entschiedenheit entgegen« getreten werden müss«. Die Kommission soll Vorschläge ausarbeiten, die einer neuen, ebenso zusammengesetzten Konferenz zur endgültigen Beschlußfassung und gleichmäßigen Durchführung m ganz Bayern vorgelegt werden sollen._ Land- und forstwirtschaftliche Betriebsstatistik. Bei der Zählung am 12. Juni 1907 sind 2730 082 landwirt- schaftliche Betriebe mit einer Gesamtfläche von 43 100 48S Hektar und einer landwirtschaftlichen Fläche von 31 834 874 Hektar, darunter 2 430 030 s-, 42,2 Proz.) Haupibelriebe mit einer Gesomlfläche von 88 518 101 Hektar(--- 89,4 Proz.) mid einer landwirtschastlichen Fläche von 23 002 080 Hektar(= 90,0 Proz.) ermittelt. Am 14. Juni 1895 waren dagegen 5 553 317 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Gelaunfläche von 43 234 742 Hektar und einer landmirtschasllicheu Fläche von 32 217 941 Hektar festgestellt worden. Es hat somit die Zabl der Betriebe eine Zunahme von 177 702 l---- 3,2 Proz.), die Gesamtfläche eine Abnahme von 178 220 Hektar (= 0,4 Proz.) und die landwirtscholiliche Fläche ebenfalls eine Ab- »ahme von 083 007 Hektar(--- 2,1 Proz.) erfahren. Die Bewirlschaflung eigenen Landes bildet nach wie vor die weit überwiegende Wirtschaftsreform in Deutschland. 30.1 Proz. der Gesamtfläche(genau wie 1895) war Eigentum ihrer Betriebsleiter. 12,8 Proz. war Pachtlaud und 1,1 Proz. sonstiges Land. Kapitaliftische Moral. Die Prager Eisenindiistriegesellschaft. die in Wirklichkeit einen Stahltrust darstellt, wollte vor kurzem die Böhmische Montangesellichafl, dere» Aktien sie bereits größtenteils besaß, mit dem eigenen Unternehmen verschmelzen. Um die hohen UcbertragnngS- !>ebllhrcn zu ersparen, inszenierte sie eine„freiwillige" Ver- teigerung des Besitzes. Da die Gesellschaft durch verschiedene Verträge ganz an die Prager Gesellschaft gebunden war, konnte eine wirkliche Konkurrenz bei dem Berlauf auch gar nicht stattfinden. In der Tat wurde die Böhmische Montangesellschaft, deren � Besitz mit 19>/z Millionen Kronen zu Buch steht und in Wirklichkeit noch weit wertvoller ist, für nur 8 Millionen Kronen an die Prager Eisenindustriegesellschaft ver- steigert. In der Sitzung des Budgetausschusses erklärte nun der Finanzminister, daß dieses Geschäft der öffentlichen Moral zuwiderlaufe. Er habe deshalb den I u st i z m i n i st e r dar« auf hingewiesen, daß die öffentliche Bersteigerung ein Schein- Manöver sei. Der Justizminister habe jedoch keinen Einfluß auf die Angelegenheit ausüben können. Der Finanzininister würde aber einer Vermehrung des Altienkopitals des Käufers, der Prager Eisen- industriegesellschaft, nicht mehr zustimmen. Der Kaufpreis solle ferner als Grundlage der Gebührenbemessung nicht anerkannt werden. Auch werde die Prager Eiseniudustriegesellschaft nach Gesetz- werdung der neuen Dividenden st euer bedeutend höher belastet werden. Hus der frauenbewegung« Alt die Arbeiterfrauen und Mütter. Genossinnen! Bereits im vergangenen Jahre hatten Berliner Genossinnen sich bemüht, Erzeugnisse der Sonneberger Spielwarenindustrie, die von den Acrmsten der Armen, den Heimarbeitern, unter Mithilfe von Weib und Kind, hergestellt werden, an die hiesige Arbeiter- schaft abzugeben, um so den Sonneberger Heimarbeitern eine etwas größere Einnahme und damit ein frohes Weihnachtsfest zu verschaffen. Nachdem eS bekannt geworden, daß im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Sonneberger Spielwaren: Püppchcn. Pferdchen und Wagen. Trommeln, Tiere der verschiedensten Gattung unv vieles andere mehr zu kaufen seien, war der Andrang ein so großer, daß alsbald ausverkauft war und sehr viele Käufer um- kehren mußten. In der bestimmten Erwartung, daß die Genossinnen auch in diesem Jahre die schwer um ihre Existenz ringenden Sonnebergcr Heimarbeiter dadurch unterstützen werden, daß sie ihren Bedarf an Spielwaren im Gewerkschaftshause decken, hat die Genossin F a h r e n w a l d, die die Regelung des Verkaufs in die Hand genommen, sich jetzt ein bedeutend größeres Quantum gut sortierter Spielwaren senden lassen als im vorigen Jahre. ES ist nun eine weit größere Auswahl an Puppen und Spiel- fachen der verschiedensten Art vorhanden. Die Ausstellung und der Verkauf der Waren beginnt am Sonntag, den 5. Dezember, wiederum im Gewerkschaftshause. Es bedarf sicher nur dieses Hinweises und die bewährte, sprich- wörtlich gewordene Solidarität unserer Berliner Genossinnen wird sich auch in diesem Jahre wiederum glänzend bewähren, sinte- malen sich niemand ein finanzielles Opfer auferlegt, wenn er im Gewerkschastshause Weihnachtseinkäufe macht, im Gegenteil die Spielsachen billiger erhält als im Warenhause, und gleichzeitig den Sonneberger Genossen und Genossinnen eine prächtige Weih- nachtsfreude bereitet. Vereine und Gewerkschaften, die eine Weihnachtsbescherung zu veranstalten gedenken, seien gleichfalls gebeten, ihre Einkäufe im Gewerkschaftshause zu machen, oder, wenn sie schon vor dem 5. Dezember einkaufen wollen, sich an die Genossin Fahren- Wald, Tilsiter Straße 77. zu wenden. Im Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hielt Genosse Heinrich Schulz seinen zweiten Vortrag aus dem Zyklus über Theorie und Praxis der Erziehung. Der Vor- tragende geht nun zur eigentlichen Pädagogik über. Die Pädagogik ist zunächst einzuteilen in theoretische und praktische Pädagogik. Die theoretische wiederum in die Geschichte der Erzichungelehre und die Theorie im engeren Sinne; die praktische in private und öffentliche Pädagogik. Die Theorie im engeren Sinne ist nach zwei Seiten zu betrachten, einmal nach der teleologischen, dann nach der methodologischen, d. h. wir müssen erstens nach den Zwecken und zweiten« nach den Mitteln der Erziehung fragen. Welches sind nun die Zwecke der Erziehung, warum erziehen wir? Diese Frage hängt zusammen mit der Frage alles Sein«. Die Philosophie hat sich jahrtausendelang bemüht, diese Frage zu be- antworten, aber noch bis zur Stunde gibt es keine befriedigende Lösung. Existiert denn überhaupt ein für alle Zeiten gültiges sittliches Ideal? Di« bürgerliche Philosophie suchte eine Lösung dieser Frage in absolutem Sinne zu finden, während der historische Materialismus nachzuweisen versucht, daß die Vor- steillung de? sittlichen Ideals mit den jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnissen wechselt, wie daS auch Kautsly in seiner.Ethik" «ingehend ausführt. Unser Erziehungsideal hängt natürlich mit unseren sittlichen Vorstellungen zusammen, eS wechselt aber wie diese in den ver- schiedenen Zeiten. So war bei dem hohen Kulturstand im alren Griechenland die Erziehung auf die Ausbildung einer freien viel- seitigen Persönlichkeit gerichtet; dabei legte man auch hohen Wert auf die Körperkultur, das Nackte galt als das natürliche. Ein völlig verändertes Bild bietet sich uns in der christlichen Welt. An Stelle der Sinnenfreude tritt die ASkes«. Der Mensch wird zum Ebenbilde Gottes, d. h. zum gefügigen Untertan der Kirche. Ihren Höhepunkt erreicht diese Anschauungsweise im Katholizismus, während spater nach der Reformation staatliche Zwecke mit den religiösen in der Erziehung Hand in Hand gehen, und der Mensch nicht nur zum Diener GotteS, sondern auch zum gehorsamen Staatsbürger gebildet wird. Die Aufklärungsphilosophie des achtzehnten Jahrhunderts brachte einen gänzlichen Umschwung in der Auffassung der Pädagogik, die in Rousseau ihren ausgeprägtesten Vertreter fand. Rousseau lehnt sein Erziehungssystem an die Natur an, der Mensch al« Produkt der Natur müsse seine Lebenserfahrungen auch aus dieser schöpfen. Die Philantropinisten fußten auf Rousseau, schoben aber ein hausbackenes Nützlichkeitsprinzip mehr in den Vordergrund. Erst Pestalozzi tat einen großen Schritt darüber hinaus. Seine Erziehung will nicht nur Einzelmenschen, sondern wertvolle Mitglieder des sozialen Ganzen bilden. Im neunzehnten Jahrhundert überwiegt aber noch das individualistische Erzichungsprinzip, theoretisch vertreten durch Herbert; in der Zelt der politischen Reaktion(nach 1848) erfährt dieses Prinzip eine besonders starre Formulierung durch Ziller, einen Schüler Herbert». Gegen diese individualistische Methode wendet sich neuerdings Natorps gedankenreiches Buch über die„Sozialpädagogik". Gr sieht den Einzelnen al» Glied de« Ganzen an. Seine Auffassung kommt der sozialistischen nahe, nur können wir nicht gleich ihm ein ab- solutes Sittengesetz anerkennen. Die pädagogische Auffüssung des historischen Materialismus erklärt das jeweilige Erziehungsideal für ein zeitlich begrenztes Produkt der jeweiligen wirtschaftlichen und sozialen Faktoren und Tendenzen. Die theoretische Grundlage der Methodik der Erziehung ist die Wissenschaft der Psychologie, die heute noch sehr unentwickelt ist. Die physiologische Psychologie sucht nachzuweisen, daß auch unsere seelische Tätigkeit bedingt ist von körperlichen Funktionen. Was kann die Erziehung leisten? Kant und andere legten dem erzieherischen Einfluß einen sehr bedeutenden Wert bei. während andere Philosophen behaupten, daß die Erziehung wenig nütze, die Natur des Menschen sei unveränderlich. Wir sind der Meinung, daß dem Menschen durch Anlage und Vererbung zwar eine bestimmte Entwickelungsbasi» gegeben sei, daß auf st« aber mit erzieherischen Mitteln erfolgreich im guten oder bösen ein- gewirkt werden könne. Allerdings hänge hierbei wieder viel von den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen ab. von denen die Erziehung abhängig sei; um so höher seien die Entwickelungs- Möglichkeiten, je besser die sozialen Zustände. Als Hilfsmittel der Wissenschaft der Erziehung nennt der Redner die Gesundheitslehre, die Pathologie zur Aufklärung der seelischen und körperlichen Krankheitserscheinungen, die Sozial- Politik, die in sich alle Einrichtungen zum Schutze des Kindes birgt. Auch die Kunst ist ein wesentliches Hilfsmittel der Erziehung, insofern die Sinne des Kindes sich an künstlerischen Eindrücken aller Art bilden. Gerade in unserer Zeit ist wieder ein größerer pädagogischer Eifer zu spüren, wie das immer ist. wenn eine Gesellschaftsklasse sich aus alter Gebundenheit löst. Schon die utopistischen Sozialisten sind warme Befürworter der Erziehungswissenschaft gewesen; aber auch der wissenschaftliche Sozialismus hat die Be- deutung der Erziehung klar erkannt, so daß es verständlich ist, daß auch die heutige Arbeiterklasse ein lebhaftes Interesse für alle Erziehungsprobleme bekundet und betätigt. Sie hat erkannt, daß die Sorgfalt, die man auf die Erziehung der Jugend verwendet, die beste Saat ist, um die guten Früchte für die Zukunft zu ernten. Die gut besuchte Versammlung nahm mit lebhaftem Jnter- esse diese Ausführungen entgegen. Am 24. November ist die Fortsetzung de? Zyklus mit- dem Thema:„Die häusliche Erziehung". Am 17. November, nachmittags 3 Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandantenstraße 72: Vortrag des Herrn Dr. Alfred Gutt- mann:„Von Jolzaim Sebastian Bach bis Richard Strauß", eine Einführung in die drei Konzerte, deren erstes am 21. November, nachmittags 3� Uhr im Choralion-Saal, Bellevuestr. 4, stattfindet. Billetts a 50 Pf. sind zu haben im Verein, bei Frau Jordan, Lübecker Straße 43, Frau Klotzsch, Fichtestr. 1, Frau Kulicke, Prinzenstr. 102. Versammlungen— Veranstaltungen. Sind die Dienstboteu gegen Mißhaudluugeu schutzlos? Heute, Donnerstag, den 11. November, abends 8 Uhr, findet im Dresdener Kasino, Dresdener Str. 90, eine öffentliche Versammlung statt. Genosse Artur Stadthagen referiert über das Thema:„Sind Dienstboten gegen Mißhandlungen schutzlos Wir erwarten zahlreichen Veüich auch der Ärbeiterscdafl. Die Arbeiter« schaft ist es, die ihre Kinder in Dienst gibt. Sie hat deshalb ein großes Interesse an obigem Thenia. Die unerhörten Vorkommnisse in letzter Zeit inachen es notwendig, daß sich sowohl Dienstboten wie Arbeiterschaft mit der Frage des MißhandlungSrechtes be- schästigen. Deshalb erscheint alle l Seriebrs-Teitung. Ein Scheckdicbstahl bei der„Stralauer Glashütte A.-G." bildete den Gegenstand' einer Verhandlung vor der 1. Strafkammer des Landgerichts III. Wegen Diebstahls bezw. Betruges, schwerer Urkundenfälschung und Anstiftung dazu waren angeklagt: der 19jährige Buchhalter Willi Brenz, der 20jährige Korrespondent Max Brenz und der 20jährige Handlungslchrling Herbert Milch aus Halensee. Die beiden Angeklagten Gebrüder Brenz waren bei der Stralauer Glashütt« A.-G. als Buchhalter angestellt. Am 22. Juli d. I. wurde aus dem Geldschrank der Firma ein Scheck. buch mit vier bereits von dem Direktor unterzeichneten Schecks über je 5000 M. gestohlen. Der Diebstahl ivurde erst eine Woche später von einem anderen Buchhalter bemerkt. Der Verdacht rich- tete sich sofort gegen die Angeklagten Brenz, die in dem Räume. in welchem der Geldschrank stand, zu tun hatten und sich am 22. Juli krank gemeldet hatten. ES wurde festgestellt, daß bereits an diesem Tage einer der Schecks b«i der Bank für Handel und Industrie eingelöst und mit dem Namen„Wilhelm Schäfer" quittiert worden war. Es ergab sich ferner, daß die Angeklagten Brenz spurlos verschwunden waren und anscheinend in. der Welt herum- reisten. Sie wurden schließlich am 30. Juli verhaftet. Zugleich wurde auch der Angeklagte Milch festgenommen, der im Auftrage der Gebrüder Brenz einen Scheck eingelöst und dabei mit dem falschen Namen, quittiert hatte. Für diese Gefälligkeit hatte er von dem Raube einen Anteil von 200 M. erhalten, die aber noch bei ihm vorgefunden und der geschädigten Firma zurückgegeben wur- den. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Angeklagten Brenz je 1 Jahr Gefängnis. Das Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von je 10 Monaten. Das Verfahren gegen den Angeklagten Milch wurde abgetrennt, da dieser erst auf seinen Geisteszustand unter- sucht werden soll. Bersäumung der Nachsitzestunbe als strafbar« Schulversäumnis. Herr Nemec in Saarbrücken hatte seinen Sohn davon abge- halten, eine ihm wegen UnfleißeS zudiktierte Nachsitzestunde wahr- zunehmen. N. wurde darauf in zweiter Instanz vom Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Kammergericht ver>»ars dieser Tage seine Revision mit folgender Begründung: Auch Nachsitze- stunden gehörten zu den durch daS Gesetz geschützten Schulstunden. Wenn ihre Versäumung durch die Mchlässigkeit der Eltern erzielt werde, machten diese sich strafbar. Angeklagter habe gewußt, daß der Sohn nachsitzen sollte und habe ihn auf dessen Aeußerung, daß er sich nicht schuldig fühle, einfach eigenmächtig davon dispensiert. Das sei unstatthaft._ Schamloser Erprrssungsversuch. Zu dem am 9. d. M. mitgeteilten Bericht über Erpressungen teilt uns der Verurteilte, Metallschletfer Trum pol, mit, der Erpressungsversuch sei gegen seinen außerehelichen Vater begangen, der sich der eingeklagten Alimentenforverung zu entziehen gewußt habe. Von seiner Mutter habe er nie 100 M. verlangt. Sie sei bereits im vergangenen Jahre gestorben. Auch das Schreiben an den außerehelichen Erzeuger enthalte keine strafbare Handlung. Miclczyn und Blohmesche Wildnis machen Schule. In einer Beleidigungsklage, die vor dem Darmstadter Schöffen- gericht stattfand, wurde festgestellt, daß in der Zwangserziehung«- anstatt Oblystift bei Gräfenhausen, ivie der Vorsteher der Anstalt zugab, ein Junge halbnackt von den Aufsehern mit einem Strick um den Leib in eine Dunggrubc getaucht worden war. Der Zögling sollte einen Waschlappen und eine Zahnbürste, die er vorher dort hineingeworfen hatte, wieder herausholen. Ferner ist eS öfters vorgekommen, daß sechzehnjährige Jungrus im Stall auf Stroh schlafen mußten, um die Aufseher aus ihren Betten zu holen, wenn die Kühe kalbten. In der Klag« selbst wurde der Vater eines dort untergebrachten Knaben mit 12 3)1. Geldstrafe wegen Beleidigung bedacht, weil er einen Aufseher mit einem Revolver bedroht und beleidigt hatte, um seinen Sohn aus der Anstalt zu befreien. Vom polnischen Kriegsschauplatz. Vom Landgericht Bochum ist am 2. Juli der Redakteur eines polnischen Blattes, Stanislaus Kunca, wegen Aufreizung verschied«- ner Bevölkerungsklassen zu Gewalttätigkeiten gegeneinander, be- gangen durch die Presse, zu 200 M. Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte seinen Lesern als Geschenk ein polnisches Liederbuch zu- gehen lassen. Nach Ansicht des Gerichts haben 11 von den 50 Lie- der» des Buches einen aufreizenden Charakter. Es ist nicht nur von Russen- und Türkenkriegcn darin die Rede, sondern auch von der deutschen Herrschast. Die Revision des Angeklagten wurd« heute voni Reichsgericht verworfen. Und für«ine Gesellschaftsordnung, die in solcher Meise gegen polnische Lieder vorgeht, hat die polnische Fraktion 200 Millionen Steuern aus den Taschen der«betknden Bevölkerung bewilligt! KONSERVEN Schneidebohnen«/. o°,. 28 pr. Brechbohnen v.do.. 28 n Wachsbohnen 42 n Saure Kirschen »adom 65, v. Do«« 40 pr. Erdbeeren«turtu v.oo.. 95 pr. Erdbeeren in zuck«*>/, vo», 1.35 Pfirsiche halt* pmcht% v»»« 60 pr. Melange-Früchte I>,. v»,. 1.10 Bratheringe 0°.. 45 pr. Bismarckheringe 0°.. 45 pr. Flering in �spic 0°,. 35 p-� Oelikatess-l�eringe'8°.�°"'""°- >A Oos* 83, Vi Dos* 52 Pf. Aal in Gelee o«*. 75 pr. Sardinen u. Anchovis«- 25 pt Appetit- Süd Do». 38 pt Gabelbissen oo*. 55 pt in Austnn� Wein* and Tonnten- 7 c: Saue» Dom'<-» Pt In dieser Woche soweit der Vorrat reicht: Stangenspargel 1 Stangenspargel II Stangenspargel III Bruchspargel I Kaiserschoten extra Junge Schoten extrafein Junge Schoten 11 Schoten und Karotten Saure Kirschen ohnestem. Kaiserkirschen Aprikosen v» Frucht Preisseibeeren Melangefrüchte Vi Dose 1.45, V, Dose 7 8 Ff. Vi Dose 1.25, Vi Dose 58 Ff. Vi Dose Vi Dose 60 Ff. Vi Dose 1.00, Vi�ose 70 Ff. Vi Dose 1.25 Vi Dose 90 Ff. Vi Dose 52 Ff. Vi Dose 53 Ff. Vi Dose 85, Vi Dose 48 Ff. Vi Dose 1.00, Vi voee 55 Ff. Vi Dose 90 Ff. Vi Dose 53 Ff. Vi Dose 85 Ff. Gänsebrust........ Pfund I.45 Schinkenwurst____ Pfund I.20 Salamiwurst....... Pfund I.15 Zervelatwurst..... Pfund l.io Teewurst.......... p�d I.15 FLEISCHWAREN Schinkenspeck____ Pfund 1 m. Hallesche Leberwurst pfd. 1 m*. Feine Leberwurst. Pfund 95 Pf. Landleberwurst... Pfund 90 Pf. Rotwurst...... Pfund 45, 65 Pf. 11- OT KAFFEE u. TEE Gebrannter Kaffee Mischung I pftmd 1 mx. Mischung II Mischung III Mischung IV Mischung V Mischung VI Mischung VII pftmd 2«x. Souchong-Tee V, Paket 1.35, Vi Pake« 68 Pt Souchong-Melange I pru°d2«x. Souchong-Melange II Pfund 2.40 Souchong-Melange III prd.3«x. Souchong-Melange IV pro. 3.60 Souchong-Melange V pfd.4.40 Ceylon-T ee Pfand 3.60 Pecco-Melange ptondÖMx. Darjeeling-Tee piw.d6.60 Pfund 1.10 Pfünd 1.25 PlUnd 1.50 PfUnd 1.60 Pftmd 1.80 Kassel. Rippespeer 75, 85 Pf. Zungen In Do»«n NettoPfund 2.20 Fleisch-Rouladen cip�nd Tss Würstchen..... D»..«paar 75 pf. Würstchen..... dos« 12 paar I.50 Sprottbücklinge 20 pp Pfund Kochbirnen............... p*� 7 pr. Kochäpfel................ p�nd 12 w Amerikaner Aepfel....... p""* 20 pf Kanada-Reinetten........ 15 pf Blumenkohl....»»»»»»»». Kopf 1 8 pf. Walnüsse................ prund 30 p* Zitronen................. � 18 pf JSfur Leipziger" und Rosenthaler-Strasse: Bücklinge 4 Stock 10 pr. Gänse............... Pfund 60 und 65 pf. Suppenhühner stück 1.65, 1.85, 2.10 Junge Brathühner 75 pf- 1.10, 1.35 Enten—.............. 2.35, 2.65 Hirschfleisch Rücken und.. � Matt 45, P.«°ut 25 Keule Pfund OU, Slatt 40, Ragout Rehkeulen und-Rücken pf. Stück 4.90 Rindfleisch Filet Pfd. 95 Pt ST 1.50 Roastbeef p«.95pf.,Khr" ch.l. 20 Schmorfleisch Pfd. 80 u. 85 pr. Frische Rinderzunge Pft l fik. Pökel-Rinderzunge p«. 1.20 Kalbfleisch .. Pfd. i7U Pf. u. 1 Mk. Rücken. pfd. 90 pf. u. 1 Mk. Brust.. pfd. 90 pf. u. 1 Mk. Kamm....... Pfd. 80 Pf. ßnj......... Pfd. 90 pf. Schweinefleisch Schinken..Pfd. 75.1.80 Pf. Kotelettes pu. 90 pr. u. 1 Mk. Pökelkamm. Pfd. 80* 85 pt. Pökel-Eisoein Pfd. 75 pr. Schuft». Kamm 80 u. 85 Pf. Hammelfleisch Keule.... pfd. 70 u. 80 pr. Rücken... Pfd. 70 u. 80 pr. Dicke Rippe... pto. 70 pt. Dünnnng...... prd. 55 Pf. Ragout....... pfd. 60 pr. Mosel-Weine RheingaueruRheinhessische Weine 1907" Engelstadtep 80 pf. 1907er Jugenheimer l.oo 1907" Oppenheimer Goldberg 1.40 1904" Niersteiner Heiligenbaum 1.70 1904" Rüdesheimer Engerweg 1.90 Wachstum: Steuerinspektor Gerber. 1904» JohannisbePgCP �Äumm. 3.00 1905 Lieserer Nicdcrbcrg Wachstum; Freiherr von Schorlemer. Bordeaux-Weine 1907" Bas-Medoc 1907" Chat. La France 1906er Chat. Lanessan, 1904er Chat, du Tertre, s�n, Emjuoa 1904" Chat. Figeac, EnaioB 1904" Chat. Palmer, c.n..n.e.M«nux V, Fl, 80 pt 1.00 1.20 1.50 1.80 2.00 Sonst 4.60 Mk� Jetzt 2.85 Mk. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil veraniw.: Th. Glocke, Berlin. Druck ttBeriog: vorwärtSBuchdruckerei u. BerlazSanstalt Paul Singer 6; So« Berlin SW. «>m um» 2. KilU des Jstiitte" ßllislilgit. ?«mkrst«z, 11. NweBn 1809. nochmals die Civic feckeration. Unter diesem Titel antwortet Genosse K a u t s k y in der koeden erschienenen Nr. 7 der„Ncneu Zei� auf dem von uns in der DienstagSnummer abgedruckten Artikel des„Cor- respondenzblattes der Generalkommission" folgendes: „Um Gompers' Stellung zum Sozialismus zu kennzeichnen, hatte ich darauf hingewiesen, das; er Vizepräsident der Civic Federation sei, die„für die Vereinigten Staaten immer mehr das werde, was der Reichsverband für Deutschland". Das hatte das„Correspondcnzblatt" eine„Verdrehung" genannt, worauf ich durch eine Reihe von Zitaten bewies, daß tatsächlich die C. F. den Kampf gegen den Sozialismus in derselben Weise betreibt wie unser Reichsverband. In der Nr. 45 sucht das„Correspondenzblati" diese Beweis- fühiung zu entkräften, wobei es allerdings erheblich mildere Töne anschlägt als bisher. Von jenen Beschimpfungen, mit denen es mich in früheren Nummern so reichlich bedachte, wo es mir Leicht- fertigkcit und Unehrlichkeit vorwarf, ist diesmal nichts mehr zu merken. Sollte dies die Folge davon sein, daß der„Vorwärts" meinen letzten Artikel abdruckte und das„Correspondenzblati" nun erwartet, er werde auch seine Antwort bringen? Fühlt cS, daß vor den Lesern des„Vorwärts" ein anderer Ton am Platze ' ist und es vordem zu weit gegangen sei? Ich weiß es nicht, nehme aber mit Vergnügen Kenntnis von der veränderten Tonart, die ich gern entsprechend erwidere. Ich kann mich dabei kurz fassen, denn neue Tatsachen bringt die Entgegnung des„Correspondenzblatts" nicht, außer einem Hinweis auf zwei englische Gewerkschaftsführer, die nach ein paar Wochen Aufenthaltes in Amerika zu einem günstigen Urteil über die C. F. kamen. Das„Correspondenzblatt" muß sich auf Ausländer be- rufen. Es wird keinen amerikanischen Sozialisten finden, den eS für sich aufführen könnte, sie teilen alle durch die Bank in dieser Frage meine Auffassung. Wie leicht viele Eng- länder im Ausland sich durch Potemkinsche Dörfer täuschen lassen, darüber haben wir auch in Deutschland Erfahrungen gesammelt. Wie wertlos aber speziell das Zeugnis von Barnes und Flynn ist. die sich ja für die C. F. förmlich begeistern, erweist sich schon aus dem, was gleichzeitig mit ihnen das„Correspondenzblati" in seinem bereits mehrfach erwähnten Artikel gegen die C. F. sagte, deren Gefährlichkeit für die Arveiterklasse und deren Arbeiterfeind- schuft es wohl erkannte. Es hat damit seine eigenen Zeugen er- schlagen, auf die es sich jetzt beruft. Aber selbst wenn das, was sie sagten, ebenso richtig wäre, wie es verkehrt ist, bewiese es nicht das mindeste gegen mich, denn es beruht auf Eindrücken, die 1902 gesammelt wurden, als die C. F. eben erst gegründet war und nur ihre schönen Versprechungen vorlagen. Es bezeugt nicht lm mindesten, was die C. F. in Wirklichkeit heute ist. Es entkräftet nichts aus dem Zirkular Belmonts auö dem Sommer diefes Jahres. Dieses Zirkular soll freilich nichts bedeuten. Herr b. Berlepsch habe sich auch gegen die Sozialdemokratie scharf ausgesprochen, und doch sei die Gesellschaft für soziale Reform etwas anderes als der Reichsverband. Das„Correspondenzblati" vergißt, daß das Zirkular Belmonts etwas mehr enthält als ein scharfes Urteil über die Sozialdemokratie. Es fordert im Namen der C. F. zur Sammlung eines Fonds auf. mit dessen Hilfe Agitatoren gegen die Sozialdemokratie ausgebildet, mit Material versehen und aus- gesandt werden sollen. Würde Herr v. Berlepsch im Namen der Gesellschaft für soziale Reform auch einen derartigen Wgitations- feldzug organisieren, dmm verdiente sicher diese Gesellschaft, mit dem Reichsverband in eine Linie gestellt zu werden. Endlich führt das„Correspondenzblait" gegen mich ins Feld, daß die C. F. ungleich dem Reichsverband nicht die Gewerkschaften bekämpft; sonst würden diese es sich nicht gefallen lassen, daß Gompers Vizepräsident der C. F. sei. Diesen Einwand hatte das„Correspondenzblatt" schon in seinem ersten Artikel gegen mich vorgebracht. Ich hatte ihn nicht beachtet, wie das„Cor- kleines feuiUeron. Der Tier-Brehm. Ein wahrhaft populärer Gelehrter und ganz sicher der populärste aller Zoologen war Alfred Brehm, der am 11. November vor 2ö Jahren in Renthendorf �Thüringen) verschied. Schon sein Vater, der in diesem Orte als Pfarrer amtiert hatte, war ein bedeutender Ornithologe gewesen und durch ihn wurde der Sohn züm Studium der Nalurwisjenschaften gelenkt. Noch be- vor er die Universität bezog, machte er eine große Forschungs- reise nach Afrika. In Jena und Wien studierte er hierauf und ent- faltete schon damals eine reiche schriflstellerische Tätigkeit. Zwischen theoretischen Studien und exakten Forschungen in der heimischen Natur wie auf weiten Reisen einerseits und der literarischen Schilderung der wissenschastlichen Erlebnisse und Ergebnisse blieb fortan sein Leben geteilt. Er bereiste bald Spanien und dann. Lappland, dieses vor allem zum Studium der Vogelwelt, der sein großes Werk.Das Leben der Vögel" gewidmet ist. Mit Schiitzenherzog Ernst von Koburg-Gotha machte er eine Expedition nach den Aogoslöndern. 1802 wurde er Direktor des Zoologischen Gartens in Hamburg und 1807 gründete er das Berliner Aquarium. In diese Zeit fallen auch die ersten Arbeiten an seinem Werke„DaS Leben der Tiere", das seinen Namen in der ganzen Welt bekannt inachte. Trotzdem er außerdem noch mehrere umfangreiche Bücher schrieb, fand er doch noch Zeit, 1870 mit Finsch und Graf Waldburg eine Reise nach Westsibirien zu unternehmen, die ihn bis zum Karischeu Meerbusen führte. Auch den Kronprinzen Rudolf hat er aus einigen Reisen begleitet. Der Tod ereilte den erst Söjahrigen, unermüdlich arbeitenden Forscher infolge eines langen und schweren Leidens, das er sich auf einer Rundreise durch nordamerikamsche Städte zugezogen hatte. Theater. Lust spielhauS:.Der dunkle Punkt". Lustspiel von Gustav Kadelburg und Rudolf Presber. Das Stück stellt exorbitante Ansprüche an geistige Genügsamkeit. Die beiden Autoren, der eine durch manch lustig ersonneuen Schwank, der andere durch flotte feinpointierte Witzblattverie bekannt, wett- eiferten in dem Bemühen, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Die verstaubtesten Requisiten wurden vorgeholt im glücklichen Ver» trauen, daß der Bombeneinfall, einen tpirklichen Neger als Schwieger- söhn eines ahnenstolzen Aristokraten aufmarschieren zu lasien, alle weiteren Unkosten erspare. Ungeachtet des lärmenden Beifalls, mit dem die zu drei langen Akten breit gesponnenen Trivialitäten— Applaus gehört nun mal zu der Premiere— aufgenommen wurden. erscheint es sraglich. ob die Bedürsiiislosigkeit des Publikums nicht doch erheblich überschätzt ist. Ein sogenanntes„Lustspiel", und obendrein ein schön moralisierendes, ist das Ding geworden vermutlich darum, weil eine schwankmäßig komische Ausnutzung der Situation un- möglich mit so billigem Gerede ausgekommen wäre. Der Freiherr respondenzblatt" meint, aus böswilliger„Zitatenkunst", die unter- schlägt, was ihr nicht patzt; in Wirklichkeit, weil ich nicht glaubte, über einen solchen Einwand ein Wort verlieren zu müssen. Es ist richtig, die C. F. verhält sich zur Federation of Labor anders als der Reichsverband zu den freien Gewerkschaften. Aber warum? Weil die Föderation of Labor sich zur Sozial- demokratie anders verhält als unsere deutschen Gewerkschaften. Tie meisten Leiter der amerikanischen Gewerkschaften lasien sich wie Bluthunde auf die Sozialdemokratie von der C. F. Hetzen— und da soll das gute Verhältnis zwischen jenen Gewerkschaftern und dieser Organisation beweisen, daß sie nicht den Sozialismus ebenso skrupellos bekämpft wie der Reichsverband! Mich dünkt, der linterschied zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Reichsverband ist nur der, daß jener weit gefährlicher ist als dieser. Ich sehe daher nicht den mindesten Grund, auch nur das mindeste von dem zu korrigieren, was ich über die C. F. gesagt. Damit ist diese Frage hoffentlich erledigt. Aber bevor ich schließe, möchte ich noch eines feststellen. Nach der Darstellung des„Correspondenzblatts" könnte man annehmen, als hätte ich mutwillig einen Streit über Gompers und die C. F. mit ihm vom Zaune gebrochen. Nichts irriger als das. Gompers war nach Europa gekommen, um neues Prestige zu feinem Kampfe gegen die Sozialdemokratie zu sammeln. Wäre er in Deutschland gefeiert worden, ohne den mindesten Wider- spruch zu finden, so hätte er das nach seiner Rückkehr weidlich gegen unsere amerikanischen Genossen ausgebeutet. Es war im Interesse des amerikanischen Sozialismus dringend geboten, daß wenigstens der„Vorwärts" und die„Reue Zeit" den deutschen Arbeitern Gompers so zeigten, wie er ist. Das war nicht nur unser Recht, daS war unsere Pflicht der Solidarität, die die sozialistischen Parteien der Welt aufs engste gegen alle ihre Feinde verbindet." ein Meineidiger? Die Beleidigungsklage gegen den früheren Bildhauer Wilhelm Werber, über die wir schon mehrfach berichteten, wurde— nachdem es in einigen Terminen zur Vertagung gekommen war— vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(100. Abteilung) am Freitag zu Ende gebracht. W. war angeklagt der Beleidigung des KriminalinspektorS Oskar Krause(Charlottenburg). Gegen ihn hatte W. in Eingaben an den Minister des Innern und an die Staatsanwaltschaft mit schärfsten Ausdrücken den Vorwurf er- hoben, daß Kr. aus persönlichem Haß wider besseres Wissen unter mißbräuchlicher Ausnutzung seiner Amtsgewalt ihn(Werber) zu vernichten getrachtet habe. Auch das wurde aus jenen Eingaben herausgelesen, daß W. den Kr. beschuldige, einen Meineid geleistet zu haben. W. selber ist im Jahre 1893 auf Betreiben Kr.s des Mein- eidcS angeklagt und auf dessen Aussage hin zu Zuchthaus ver- urteilt worden. In einem Beleidigungsprozeß, den im Jahre 1891 in Charlottcnburg eine Frau Gädke gegen eine Frau Stahl führte, waren als Zeugen geläoen von Frau G. der mit ihr befreundete Werber und von Frau St. der mit dieser befreundete damalige Kriminalkommissar Krause. Es handelte sich darum, ob nach Schluß eines Beleidigungsprozesses Werber wider Frau Stahl am 21. März 1891 auf der Treppe des Amtsgerichtsgebäudes in Charlottenburg(heute befindet sich darin das Polizeipräsidium von Charlottenburg) Frau St. die Frau G. beschimpft habe. Vor dem Amtsgericht schwur Kr., er habe nichts gehört, obwohl er dicht bei Frau St. gewesen sei. und Frau St. wurde frei- gesprochen. In der Verufungsverhandlung schwur W. gegen die Erwartung der Frau G., auch er habe nichts gehört, weil er noch oben gewesen sei. und wieder wurde Frau St. freigesprochen. Kr. aber nahm W.s Aussage zum Anlaß, ihm die Anklage wegen Meineids zu besorgen. Er behauptete, W. habe zu der Zeit, wo jene Schimpferei sich ereignet haben sollte, sich nicht oben auf dem Korridor, sondern schon draußen auf der Straße befunden. Und hierfür wurde W., der bis dahin lediglich wegen Beleidigung vorbestraft war, auf Kr.s Aussage zu der schweren Strafe von zwei Jahren Zuchthans nebst fünf Jahren Ehrverlust verurteilt! Bis auf den heutigen Tag hat W. seine Unschuld beteuert. Er behauptet, daß Kr. schon vor jenem Meineidsprozetz von Feind- schaft gegen ihn beseelt gewesen sei und auch in seiner amtlichen Tätigkeit von ihr sich habe leiten lassen. W. hat durch seinen von der Dühnen, der die Einwilligung zur Verlobung seines Sohnes mit einein dito adligen Fräulein zurückzieht, da der Bruder der Dame eine Kommerzienratst achter heirate» will, deren Bruder umstürzlerifcherweise die Tochter eines Schusters geheiratet hat— ist eine einer abgegriffenen Theatcrschablone humorlos nach- gezeichnete Karikatur. Die Lektion, die ihm durch daS Er- scheinen deS schwarzen Gatten seiner nach Amerika auL- gewanderten Tochter zuteil wird— der Neger strahlt im ritter- Üchsten Tugendglanz— vollzieht sich ebenso konsequent humorlos in einem zwischen seittimeittalisch angehauchten Tiraden und schalen Dutzendspäßen anmutig hin und wider pendelnden Dialoge. Das Beste waren noch die von den Herren S ch ö n f e l d und Arnold launig exekutierten Zankduelle zwischen dem Freiherrn und dem, natürlich nur durch eigene Arbeit hochgekommenen Kommerzicnrat. Herr Bach schaute, dem Geiste seiner Rolle gemäß, heldenhaft wie ein Othello m GesellschastStoilette aus. dt. Humor und Satire. ZeitungSkrieg. Ich kriegte fast den Veitstanz vor Spaß bei der Lcktür' der Taten»ns'rer Leutnants im ManLfelder Revier. Sie reden und zitteren nach Reichsverbandsmanier, sie jagen und sie spüren nach feindlichein Papier. Das macht die Druckerschwärze, die ist ein starker Held, vor dem das bravste Herze wohl in die Hosen fällt. Kam einst das Volk mit Knütteln, da war nichts weiter bei, man könnt' es niederbütteln mit Pulver und mit Blei. Man kommandierte Feuer!— gleich war ein Dutzend tot..., Doch anders ist es heuer, heut' ist der Staat bedroht von� Schwarzaufweiß-Gedanken; da schützet Irin Gewehr, da kommt am End' ins Wanken ein ganzes großes Heer. Drum muß sie konfiszieren ein tapfrer Leuteuant. Ach, könnt' er füsilieren den, der die Druckerkunst erfand! Franz. Kampf gegen Kr. sowie durch seine immer erneuten Versuche, ein Wiederaufnahmeverfahren durchzusetzen, wiederholt sich An- klagen wegen Beleidigung zugezogen, die auch zu Verurteilungen führten. Nachdem er schließlich seine Bemühungen als aussichtslos aufgegeben hatte, sah er plötzlich im Jahre 1903 sich aus per Land'- tagswählerlisle gestrichen mit der Begründung, daß wegen Ehr- Verlustes sein Wahlrecht ruhe. Das war irrig, denn sein Ehr- Verlust war ja längst abgelaufen. Durch dieses vom Wahlbureau des Magistrats verschuldete skandalöse Versehen wurde bei W. die alte Wunde neu aufgerissen, und er machte die Eingaben, um zu erreichen, daß entweder Kr. aus seinem Amte entfernt oder wieder er selber angeklagt werde. Er wollte dann den Beweis führen, daß nicht er, sondern 5!r. es sei, der einen Meineid ge- leistet habe. Im vorigen Termin war beschlossen worden, die bisher er- folglos gebliebene Suche nach den Akten der Klage Gädke wider Stahl zu erneuern, damit aus ihnen genau festgestellt werden könne, was denn damals von W. bczw. von Kr. beschworen worden war. Am Freitag konnte W.s Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht, nur berichten, daß bei dem Amtsgericht Charlottenburg alle Akten aus 1891 samt dem Register des betreffenden Jahr- ganges verschwunden sind und bleiben, vermutlich infolge vor- zeitiger Vernichtung. Auf Antrag des Verteidigers wurden ver- lesen das in jener Klage ergangene Urteil, aus dem die Zeugen- aussagen sich zum Teil ergaben, ferner aus 1892 und 1893 Kr.S Meineidsanzcige und andere Schriftsätze von ihm gegen W.. aus denen ein ganz ungewöhnlicher Eifer— der Verteidiger nannte es einen„geradezu fanatischen Haß"— sprach, und schließlich die Meineidsanklage. Erst fünf Monate nach dem Eid war die An- zeige erstattet worden. Hierzu gab W. an, daß noch vor der Eides- leistung Herr Kr. samt Frau St. gedroht haben, die„Meineids- gescllschaft" werde„unschädlich gemacht" werden. Es folgte dann die Vernehmung von Zeugen. Kriminal- inspektor Krause hielt aufrecht, was er vor 18 bezw. 16 Jahren in der Beleidigungsklage wie in dem Meineidsprozeß ausgesagt habe. Er habe auf der Treppe aus der Nähe keine Schimpfworte gehört; W., der sich schon auf der Straße befunden habe, habe be- schworen, noch oben gewesen zu sein.?luf des Vorsitzenden Frage, warum Kr. den vermeintlichen Meineid nicht sofort angezeigt habe, wozu er doch gerade als Kriminalbeamter verpflichtet ge- Wesen wäre, sondern fünf Monate damit gewartet habe, wußte der Zeuge nur zu antworten, W. habe hinterher queruliert. Der Verteidiger fragte ihn schließlich, ob er etwas über den Verbleib der Akten wisse. Herr Krause verneinte. Um zu beweisen, daß Kr.s eidliche Aussage, W. habe sich schon auf der Straße befunden, unrichtig sei, hatte die Verteidigung mehrere Zeugen geladen. Aber leider mußten diese bekennen, daß sie in bezug auf jene Vor- gänge ein sehr viel weniger gutes Gedächtnis als Kr. hätten. Frau Stahl weilt nicht mehr unter den Lebenden. Frau Gädke wußte nicht mal mehr, weshalb sie geklagt hatte, ja kaum noch, daß sie überhaupt geklagt hatte. Aehnlich ging's einem Schriftsetzer B a u tz, der damals Gerichtsberichterstatter der Charlottenburger„Neuen Zeit" war, sowie einem Herr» Probst und seinem damaligen Mündel Fräulein Z i e m a n n(jetzt Frau Henschcl). Sie alle erinnerten sich nicht mehr, daß nach Schluß t jener Beleidigungsklage W. noch auf dem Korridor bei ihnen verweilt habe. Der Verteidiger stellte aus seinen Akten fest, daß Probst noch 1900— Liebknecht machte damals den letzten Versuch, ein Wiederaufnahmeverfahren herbeizuführen— ihm die Angaben W.s bestätigt hatte. Aber jetzt blieb Pr. dabei, er wisse nichts mehr. Vernommen wurde auch ein Glasermeister HelmS aus Dömitz a. Elbe. Dort hatte Werber in den achtziger Jahren ein Bildhauergeschäft, das ihm durch eine Ueberschwemmung vernichtet wurde, und dort wohnt auch Frau Gädkes Ehemann, von dem sie sich getrennt hat. Dieser habe, bekundete Helms, nach dem Meineidsprozeß öffentlich erzählt, daß Frau Stahl ihm gesagt habe, sie sei sehr intim mit dem Kriminalkommissar Krause, und der habe es fertig gebracht, daß W. ins Zuchthaus gekommen sei. und werde dafür sorgen, daß er noch mal im Gefängnis sterbe. � Zeuge bekundete noch, W. habe in Dömitz sich durch selbstlose Handlungsweise ein gutes Andenken erworben. Herr Krause hatte ihn als einen„gemeingefährlichen Menschen" hingestellt. Der Amtsanwalt beantragte gegen W. eine Gefängnisstrafe von einem Monat zwei Wochen. Völlig mißlungen sei der Beweis, daß Kr. wider besseres Wissen gegen W. vorgegangen sei und selber falsch geschworen habe. Der Verteidiger forderte für W. die Freisprechung. W. sei zu beurteilen aus den verzweifelten Anstrengungen eines sich unschuldig fühlenden Mannes, seine Rehabilitierung durchzusetze». Nur mit schmerzlichem Bedauern könne man dem tragischen Schau- Notizen. — Vorträge. In der von der Deutsche» Garten- stadtgesellschaft veranstalteten Vortragsreihe spricht Doktor Th. Wehl diesen Freitag über:„Der Kampf gegen die ungesunden Wohnungen." Der Vortrag findet abends 8 Uhr im großen Hörsaal des Kunstgewerbemuseums statt. Der Ein- tritt ist frei.— Donnersrag. abends 8 Uhr, spricht im Obcrlichtsaal der Philharmonie Prof. W. O st w a l d über„Die Einheit der chemisch- physikalischen Kräfte"(mit Dcmou- strattouen). Das ist der erste Vortrag in dem vom Monistenbund veranstalteten Zyklus:„Die Einheit in der Natur". — Münchener Märchen spiele. Der Verein Münchener Märchenspiele wird unter Leitung von Maximilian Burg mehrere Aufführungen von Märchenspielen in Berlin veranstalten. Der Verein will die degenerierten Märckienspiele reformieren, die Ausstattung soll einfach, aber künstlerisch sein. Der poetische Inhalt der Märchen soll allein für sich sprechen. Die Sprache soll naiv, aber nicht kindisch sein; sie soll Großen und Kleinen, Alter und Jugend eine Erbauung gewähren. — Eine billige SchillerauSgabe. Der Schwab. Schillerverein schreibt uns: Seit dem Bekanntwerden der Mit- teilnng, daß der Schwöb. Schillervereiu eine SchillerauSgabe für eine Mark veranstaltet, laufen zahlreiche Bestellungen insbesondere auch aus Berlin und zwar vielfach auf einzelne Bände ein. Der Schiller- verein gibt den Band zum Preise von einer Mark ab, muh aber, da er diesen Preis der Druckerei und dem Buchbinder bezahlt, den Be- stellern die VerpackungS- und Versandkostcn und die Nachnahme« gebühr anrechnen. So kommt es. daß der Band, der in Stuttgart eine Dlark kostet, die Berliner Besteller einzelner Exemplare z. B. aus 1,90 M. zu stehen kommt. Die Kosten würde» sich nun wescnt- lich verbilligen, wenn sich die Besteller vereinigen würden und drei Exemplare auf einmal beziehen würden, Ivofür sich die Kosten auf 3.90 M. zusammen belaufen würden.— Bestellungen, die nach der Reihenfolge des Einlarns und soweit der Vorrat reicht, Berücksichti- güng finden, sind„An das Schavmdsteramt des Schwäbischen Schillervereins, Stuttgart, Königstr. 31 L II" zu richten. — Ein S ch i l l e r h a u s, daS ein„Mittelpunkt ästhetischer Bildung der Gesamtheit" bilden soll und etwa den beiden Londoner Volkshäusern entsprechen würde, will ein Komitee errichten, das sich auS allerlei Leuten mit und ohne Namen zusammensetzt. — Ein Hum pen für 33 000 Mark. In einer Berliner Kimstauktion kaufte daS Berliner Kunstgewerbemuseum den berühmten BreSlaner Zinnhumpcn, der aus dem 10. Jahrhundert stammt, für 33000 M. Tijic! zusehen, wie W. sich sozusagen in der Schlinge tot zappele. in die er vor 18 Jahren hineingeraten sei. Als man noch ISflS ihn aufs neue zu einem Ehrlosen stempeln wollte, sei er aufs neue in eine Erregung versetzt worden, zu der ohnedies seine Krankheit— ein Herzleiden neben einem älteren Lungenleiden— ihn disponierte. Er habe nicht beleidigen wollen, nur d i e Absicht habe er gehabt, seine berechtigten Interessen wahrzunehmen und durch eine möglichst energische Darstellung zu fördern. Mein- «idig solle er sein, weil er anders als Kr. ausgesagt habe. Kr. selber habe mit befremdlichem Eifer dafür gesorgt, dass cS zum Meineidsprozetz kam. Und doch habe es ebenso möglich scheinen können, daß Kr.S damalige Bekundungen unrichtig waren. Auf- klärung sei nicht mehr erzielt worden. Aber schon W.s ganzes Vorgehen sei Beweis, dah er im Vollgefühl seiner Unschuld und eines ihm widerfahrenen Unrechts gehandelt habe. Der Angeklagte schlost mit einigen Worten sich diesen Ausführungen an. Das Gericht kam zu dem Urteil, der Wahrheitsbeweis habe nicht geführt werden können. W. sei aber von der Wahrheit seiner Behauptungen überzeugt gewesen, mithin falle verleumderische Be- leidigung weg. Er sei jedoch in der Form zu weit gegangen, darum müsse er wegen einfacher Beleidigung bestraft werden. Als einziges Ziel seines Lebens sehe er an, sich noch zu rehabili- tieren. Dadurch lasse er sich zu manchem verleiten, was er bei ruhiger Ueberlegung nicht tun würde. In erneuter Erregung über die Streichung aus der Wählerliste habe er die erneuten Anzeigen gegen Kr. eingereicht, in denen er ohne weiteres diesem den Vorwurf machte, dajz der falsch geschworen habe. Von seinem Standpunkt aus. dah er selber unschuldig und Kr. schuldig sei, habe er sich für berechtigt halten müssen, erneut vorzugehen. Ihm sei daher Wahrnehmung berechtigter Interessen zuzubilligen. Daß er dabei aber auch beleidigen wollte, gehe hervor aus Ausdrücken wie:„Schandtaten eines verlogenen, gemeinen Polizeikommissars" und ähnlichen. Mildernd für ihn sei, daß auch Kr. in seinen Schriftsätzen gegen W. zu weit gegangen sei. Auch sei W. schwer leidend, körperlich leidend, nicht geistig. Zu der Annahme, daß er etwa geistig defekt sei, habe das Gericht keinerlei Grund. Die Beleidigung sei zu sühnen nicht mit Gefängnisstrafe, sondern Mit 200 M. Geldstrafe(eventuell 20 Tagen Gefängnis). Tie Urteilsbegründung ließ unberührt die Frage, ob nach Meinung des Gerichts W. einen Meineid geleistet habe oder nicht. Wenigstens wurde mit keinem direkten Wort auf diesen Punkt eingegangen. Dem Angeklagten ist aber zugute oehaltcn worden, daß er von seiner Unschuld überzeugt gewesen ,ei, und zugleich ist ihm bescheinigt worden, daß er dem Gericht als geistig gesund gelte. Was wird Werber daraus folgern wollen? Wenn einem Mann, der unter der Anklage des wissentlichen Meineids ge- standen hat und als vermeintlich Schuldiger zu schwerer Zucht- hauSstrafe verurteilt worden ist. nach 1ö Jahren von einem Ge- richt erklärt wird, daß er offensichtlich selber von feiner Schuld- losigkcit überzeugt und dabei geistig gesund sei, so wird er daraus den Schluß ziehen, daß auch das Gericht nur von seiner Schuld- losigkeit überzeugt sein könne. Denn hätte er damals einen Meineid geleistet, so könnte er als geistig Gesunder selbswerständ- lich nicht selber die Ueberzeugung haben, daß er schuldlos sei. Nur darüber wird Werber verwundert den Slops schütteln, dah die Urteilsbegründung diesen Schluß ihm überlassen habe. Für den Iubalt der Inserat« übernimm» die Nedattton dem Publikum gegenüber teiuerlet Beraunoortnug. Cbearer. Donnerstag. 11. November. Ansang VI, Uhr. ttönigl. Over»Haus. Siegfried. «Anfang 7 Uhr.) KSnIgl. Schauspielhaus. Die Räuber(Anlang 7 Uhr) Neues königl. Opcrn-Thratcr. Geschlossen. Deutsches. Die Räuber. Kammerspiele. Major Bar> dara.(Ans. S Uhr.) niilaiio u Udr. Berliner. Hohe Politik. Lefstug. TantriS der Narr. «Koinifche Oper. Der polnische Lude. Neues ZchrnisplrlhauS. Maria Stuart. Neues. Wahrheit. Kleines. Hintcvwt Zaun. Residenz. Gleichen. -Hebbel. Der Skandal. Schiller>».«eaimer. Tdealer.) Der Schwur der Treue. Sch ii'«knarlottrildurg. Wallen» slcinS Lager. Piecolomini. Friedrich, Wilbeiiuilädt. Schau» fpielhaus. Flachsmann als Tr- »icher. Westen. Die geschiedene Frau. Neues Overctten. Die Dollar- Prinzessin. »halia. Die ewige Lampe. Boltsopee. Rigoleito. Lutse». Heimat. iMote, Die Rechilosen. Driaiio». Pariser Witwen. VustspielhauS. Der dunkle Punkt. Met-»:-»,. Halloh ll— Die gross« Revue. Folics«kapriee. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. S»/« Uhr. Slp i>». Tvezialliäten. Wineergureeu. Spezialitäten. Easiuo. Onkel Cohn. Gebe. Hrrrnfel»- Theater. So muh man'S machen. EinReltungi- mittet. Kart Haverland- Theater. Epe- »ialitäten. Walvulla. Spezialitäten. Gastspiel. Dle gute Partie.(Ans. «'s. Uhr.) Vaimac. Spezialitäten Roacks Theatee. WallensteinS Lager. Die Glocke. Pnlnu. Liebchen» Tric? Spezialt. täten. ReichSdaNcn. Stettwcr Sänger. llraiiia. Tandexiie.ihe«* i«. Abends S Ubr: In den Dolomiten. Hörsaal S Uhr: Dr. Berndt: Die Uriachen der AuswärlSentivicke- lung des Lebens. Tternimnrer, Luvaltdentw. i7«ß. I.CBolnie-Theater. 8 Uhr: TantriS der Narr. Freitag, 8 Uhr: Die Gefährtin. Hierauf: Hannele» Hiinmelfalirt. Sonnabend, 3 Uhr: Tautri» d«w Narr. berliner'sbeater. Heute 8 Uhr: Hohe Politik. Morgen: Hohe Politik._ Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Olo zr�Mchledono ji-pnn. Somiiag nachm. 3'/, Ubr; I>in Wulzer träum. Lustspiolhausn Abends 0 Udr: Der dnnkle Punkt. Uou«» Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luilenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Ote l>ollurprinzeMiilM. Sonnabend, 13. Nopember, zum erstenmal: ZI IL vutlelBaelr. fsigllriok'V/ilköissistSlltizetigs 8etlZU5piSlt!ZlI8. DomtcrSlag, 11. Novbr...Ans. 8 Uhr. FtlllijsmisNll als Erzirhrr. Freitag: FlachSmann als Erzieher. Sonnabend: FlachSmann als Er- zichcr. Volks-llper. Belle-Alliance-Strahe Nr. Aiiher Abonnement. �ixoietto. Ansang 3 Uhr. Ks8illsn?llieg!gs Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Crrvtvllvll. Groteske in 3 Akten von Davis und Liplchütz. Morgen und folgende Tage: Dleselde Vorstellung._ Gmcbte- Zeitung. Dle recht eigenartigen Zustände in dem Krankenstause zu Strausberg kamen in einer Beleidigungsklage zur Sprache, welche gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts III beschäftigte. Als Kläger trat der Leiter de? Strausberger Krankenhauses, Dr. med. Joseph Blümel, auf. Beklagt war der Malermeister und Stadtverordnete Siobcrt Mahler aus Strausberg. In der Stadtverordnetenversammlung vom 1. Oktober v. I. brachte der jetzige Deklagte in seiner Eigenschaft als Mitglied dieser Versammlung schwere Lorwürfe gegen den Leiter des städtischen Krankenhauses vor. Er teilte unter anderem folgende Begebenheiten mit, die ihm von zwei in dem Krankenhause an- gestellten Diakonissinnen mitgeteilt worden waren. In dem Krankenhause befände sich ein gewisser Sablitzki wegen eines sehr gefährlichen Bruchleidens. Eines Nachts sei der Bruch plötzlich herausgetreten und der bereits 7Sjährige Kranke habe in ernster Lebensgefahr geschwebt. Es sei sofort an den AiistaltZarzt Dr. Blümel telephoniert worden. Dieser habe jedoch erklärt, er komme nicht und man solle dem Kranken zehn Opiumtropfen geben unv wenn dies nicht genüge, noch einmal dieselbe Dosis, dann werde er schon schlafen. Die Schwestern wären auf sich selbst angewiesen gewesen, da der Krankenwärter, der nicht einmal die Prüfung als solcher abgelegt habe, in einem nahegelegenen Wirtshause gesessen und Karten gespielt habe. Da der Kranke vor Schmerzen laut geschrien habe, so daß die übrigen Kranken aufwachten, habe die eine Schwester nochmals an Dr. Blümel telephoniert. Dieser habe sich jedoch wiederum geweigert zu kommen, nachdem er selbst vorher telephoniert habe, daß dem Kranken nicht Opiumtropsen, sondern eine Morphiumspritze verabfolgt werden sollte. Der Kranke habe sich dann bis S Uhr morgens in Schmerzen gewunden und geschrien, so daß niemand habe schlafen können.— Ein anderer Kranker namens Schmidt habe acht Tage im Kranken- Hause mit einer Kugelverletzung an der Hand gelegen, ohne, trotz seines wiederholten BittenS: operiert zu werden. Dieser sei schließlich, nachdem sich Dr. Blümel überhaupt nicht nm ihii� bekümmert habe, freiwillig gegangen. In einem dritten� Falle handele eS'sich um einen ebenfalls in den siebziger Jahren stehenden Kranken namens Maruschoff. Nm diesen habe sich Dr. B. überhaupt nicht bekümmert. Dieser Krank« sei schliesslich im Krankenhause gestorben. In dem Kranlenhause soll ferner eine vom hygienischen Standpunkt aus höchst gefährliche Einrichtung bestehen, und zwar soll es häufig vorgekommen sein, daß, wenn die Kloakengrube voll war, sie überlief und in den dicht nebenan gelegenen Trinkwasserbrunnen hineinlief. ES sei deshalb em Wunder, daß in dem Krankenhause nicht schon längst eine TyphuS- epidemie ausgebroihen sei.— Diese Behauptungen des Beklagten Mahler riefen seinerzeit in der Stadtverordnetenversammlung einen Entrüstungssturm hervor. Dr. Blümel erhob daraufhin die Brte>diguugsttage. In dieser trat Mahler den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen an. Dieser gelang nach jeder Richtung hin. Das Schöffengericht Strausberg sprach deshalb den Angeklagten Mahler frei, da er in seiner Eigenschaft als Stadkverordneter nicht nur Las Recht. sondern auch die Pflicht gehabt habe, derartige skandalöse Zu» stände in dem städtischen 5lrankenhause zur Kenntnis der Stadt- Verwaltung zu bringen.— Gegen das freisprechende Urteil des Schöffengerichts legte Dr. Blümel Berufung ein. so daß sich die Strafkammer nochmals mit dieser Sache zu beschäftigen hatte. Trotz de- wohlgemeinten Rates des Vorsitzenden, die Berufung lieber zurückzunehmen, bestand der Kläger darauf, die Sache nochmals zu verhandeln. Erst als zwei Krankenschwestern die obenerwähnten Bchauptnngcn des Beklagten in vollem Umfange bestätigten, hielt eS Dr. B. für ratsam, seine Berufung zurück- zuziehen, so daß eS bei dem ersten freisprechenden Erkenntnis bleibt. Wird nun gegen Dr. Blümel in berechtigterer Weise wis gegen manchen Kurpfuscher wegen fahrlässiger Körperverletzung und Tötung daS Verfahren eingeleitet werden? Stmtlickier Marktbericht der ftädMchen MarNdallen-DwekNon über den«Irossbandel in den Zenlral-Marttballen Marktlage: Fl ei Ich: Zutubr schwach. Geickäst still. Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge» nügcud, Geichäit lebhait, Preise sest. Geslügel: Zuiusr genügend. Ge- ichäi, lekchast. Prelle besriedigend. Fische: Zustlhr genügend. Geilbäft ruliig, Preise wenig verändert. Butter und Käie: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obü und Südsrüchte: Zufuhr reichlich, Geschäft matt, Preise fast unverändert. WltternnqSüberüch» vom 10. November 1019, moraen« 8 llvr. Stationen Hamburg eerfit Franks.a V München Säten «-» »11 o 5 8 4 2 Zunächst etwas wärmer, später wieder kühler, vlelsach better, jedoch sehr unbeständig mit Regen- oder Graupelschauern und ziemlich starke» wcst- m!-*~ Berliner SäeUetduccaa. ichen Winden. WagerltonbS.Nachrtchttn Wasserstand M e m e l. Tilstt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , Krassen , Franklurt Warthe, Schrimm , LandSbcrg Netz«, Bordamm Elbe, Leitmeritz Dregde» , varbo , Magdeburg Wasserstand Saal«. Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Spr-lnberg') , Beeslow Weser, Münde» , Minden R h e t». MaximllianSau ,' Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Mai», Werlheü» Mosel, Trier am S. 11. cm 80 84 74 60 —79 —10 365 142 139 88 100 seit 8. II. cm1) 0 — I 0 -4 +5 —6 -4 — 1 — 1 +1 st+ bedeutet Wuchs.— Fall.— st Unterveael. OSE=THEATE Heues Theater. Abends 8 Uhr: Wahrheit. Freitag: Wahrheit. Sonnabend: Der Dieb. Kroge Franlsurter Str. 132, Am. 8 Ubr. Ende>;,u U. Die Rechtlosen Bollsstück mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Popper und Klabunde. Freitag: Maria Stuart._ Schiller< Schlller-Theator 0.(Wallner-Tbeater.) Donnerstag. abendSLUdr: Der Schwur der Treue. Lustspiel in 3 Allen v. O. Blumenthal. M»» Ende 10',, Uhr. Freitag, abend» 8 Uhr- Die erste Gelee. Sa»„abend, abend« 8 Uhr: Der Schwur der Treue. Theater. Schiller-Theater CharlottonburB. Donnerstag, abendSSUHr: tVallenHtelns l uxer. Hieraus; Die Plccolonilnl von Friedrich Schiller. Btf Ende 11'/« Uhr. �9(3 Freitag, abend« 8 Uhr: Gespenster. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Waiieitotein» Lager. Die Plecolewlnl. Donnerstag, den 1 1. November, abends 7'/, Uhr: Die neuen X Kunsthapazitttton. X Um 9 Uhr Ende ca. 1l Uhr Dir diesjährige grosse Feerie vis drei Rivalen vordeaug. ChabliS, Edampaane oder Das mtistcriöse Tchloft in der Nonnandie Entworfen und Inszeniert vom Direltor Ab. Schumann. Im 3. All: Nie Uildschwkttl-Illgd. Noch nie gesehene Schluft- Apotheose. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachm. 3'/, Uhr ei» Kino frei. Nachm. der berUhmt. Schimpanse. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Akten von Sudermann. Freitag: Inspektor Bräsi». Sonnavcnd nachm. 4 Uhr: Grosse Kindervorstellung: Der Struwelpeter. Märchenpoiie mit Gesang und Tanz. 8 Uhr: Robert und Bertram Metropol-Theater llallo!!! Die groüe Revue! In 8 Bildern von JoL Freund. Musik v. Paul Lincfce. In Szano gesetzt vom Dir. Rioh. Schultz. Anfang S Uhr. Rauchen gesialtet. Uön Igstadt- Kasino. Holzmarktslratze 73. Täglich: Frans Sohansltl. Tho Orlotts, Arras Duo, Mstr. Reichard«, FiflMorro.TheCamais, G. Eulenburg, John llket und HIB Jenny, EquIIibriftischcr Akt. Novität I Bor der Schmiede. Singspiel in l Alt v. Otto Richter. TYisnon»Theater. Abend» 8 Uhr: Pariser Witwen. ftriies Caprice.j Mobilisierung. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vprverk. 11—3. Anfang S'J. Uhr. Zirkus Busch, i Donnerstag, 11. Rovembor 1909, abends?'/, Uhr pr&zita: Große Vorstellung. Die CleTeluads! Patty Frank-Truppe! Clown Francols mit dem dressiert. Elcrantenbaby. Herr Ernst Schumann, Neudress. um g-,. ühr: FaniierleliED! Besondere horvorzutieben: Die Sprungflut! Der Ueberfall und Rettuno aus dem brennenden Blookhause. Bonntag, 14. Novbr, nachm. 3'/, Uhr: Farmorlcbca ohne KBrzung. \1i IWelnfaergsweg 19-20, Rozenth.Tor. Ans. 8 Ubr. Die grossartigen I November- Tvezialttiiten. Im Tunnel: Regimeutskapellr. Theaterbesuchern steter Eintritt. W. Koäeks Theater vriuinenar te, am Roscuthaler Tor. Zchiiierftikt. O Prolog. HVa»en»tela» I-agor. Di- Glocke. Rezitation: Franz Herker. Ansang';,0 Uhr. Entree»0 Ps. Sanssouci, 5SSu,"I»SlSs Käpenicker Strasse 67/68. Täglich abends 8'/. Uhr, Gastspiel von Frlli Beckmans. Die gute Partie. Stadt-Theatsr Moabit. Alt-Hoabit 47/48. Donnerstag, den IL November 1909s Lustspiel in 3 Auszügen v. Sl. Bcnedl� Oswald Barnau: Hans Reitz. Kassenössnung 1 Uhr. Anfang der vsrstellung S'f« Ahr. Das neue Programm im Zeioben der Frauen-Schönheit! Anne Danerey Lalla Selbini Jeanne fransioli Käte Sandwinas Sisters Harreys sowie die übrigen Attraktionen, u. a.: Bernhard Merbitz llorace Goldin. iwaii———— mh - Passage-Theater. Abends 8 übr: I Das großartige J Variet6- Programm t d c s nonen g r o 0 e n s Varie�-Teils. « ferner 10 nene Debüts. q Ferner: • Henry Bender; 6 in der tollen Burleske i - Der süße Doktor. Passage-Panoptikum. I.cbcnd I Der Skelettmenscb AGA. die schweb Jungfrau Vis Traummalerin. Celslnls Experimente d. IV.DImens. Tamburltzi-Bripanten-Truppe. Vilascop-Thealer, Danervorstg. Panophon-Konzerte all. Weltgröß. Alles ohne Extra-Entree! ftommaubiirttci tfiter ;nftr. 577 2. 0.4. 608a Der Höbenonkt aller Erfolge find die Seiben NovUälen r „So muB man's machen" Burleske m. Kesana in 2 Akten von SI. u. D. Herrnleid. Musik von L. ytal tütm, tatelil MtÄ öoiiat Berrolelil SiUWÄ m.d Ej» RkttnngsmMe! Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. Boroerkaul 11—2 Uhr. Ansang«Uhr. Kelelisbsllev-Idesler. Stettiner Sänger Heyne), Dritten, bchrauler onw. Ansang: Wochent. M 8 Uhr. Sonntag» NJL Palast-Theater. DIrekilon: Robert Olli& Karl Pirnas. Burgftrafje 24, am Bahnhol Börse. WM diircliseblageniler Erlolg der November- Spezialitäten. Liebchens Trie? Mi und die Hauptgesangspartte. vorzugSlarten, Wochentag» zu balben Kassenpreis. güllig, überall zu haben. IjIMllW'u rfr*™ Morütpiali Anf. 8 Uhr. Ttlglteh; Spezialitäten. Täglich i ESiiitärkonzert. Seimtag nachm. SV. Uhr: Große Vorstellung KW bei kleinen Freisen"VC ein Kind trcl._ Karl Haverland Theater 77/79 Kommaiibontensirasie 77/79 Ansang präzise 8 Uhr. Schlager anf Schlager bringt da» JfoTcnaber.Prngpamn». r+Thm**: ♦"MjWMTh'WktllW Sozialdemokratischer Wahlverein fl des IV. Berliner Reichsfags-Wahlkreises Sonntag* den 1). November: Stiftunjrs-Fest Iin den Lokttlen: „Kellers Festsüle", Koppenstr. 29 nater Mitwirkung des Berliner Ulk-Trio und Mitgliedern des Turnvereins„Fichte". „Boekers Festsäle", Weberstr. 17 anter Mitwirkung der Frau Margarete WatkottC und des Humoristen Herrn M. Ree. ♦„Qe werkschaftshaus", Engelufer 15 unter Mitwirkung der KonzertsSngerin Fräulein Hedwig Geißler und des Dialekt- Humoristen Herrn Otto Wienier. In ollen Lokalen: MOHZCrt und TanZ. Kasseneröffnung 3 Uhr. Billett a 85 PI., an der Kasse 30 PI. [220/lB*J fünfter berliner fteielistags-Tahlhreis. 'Montag* den 15. November 1909, in den Räumen der„Brauerei Friedrichshain"(fr. Lipps), am Königstor Großer Kunstabend Gastspiel der berühmten fflünchener Scharfrlehterdof Än Klassischer Kabarett«Abend. Beglna pDnkll, 0 Uhr X Saalfilfnung 8 Uhr X Eintritt 50 Pi. inkl. Garderobe. Billetts vorher bei den Abtellongs- and Bezlrksföhrern und in den Portei- speditionen von Zucht, laimanaelkircbstr. 12. u. flahnisch, Aaguststr. SO. Zahlreichen Besuch erwartet[223/19*] Der Vorstand. 44 eigene yiachdampfer.| W Ton fplnchcn Fftngcn nmtoror Flott« empfehlen wir in lebendfrischer la. Qualität: p. Pfd. B.GoliIliarsch�e�«|pf. n laheljao in» Ansohn. 82 PI. „ Seelachs un Anselm. 82 PL n Sebellliseh im Ansehn. 40 Pf. „ Schellfisch i»Hig. i-a, 85 pt w Schellfisch kl..a. Braten 28 Pt „ Knurfhaim Braten 89 PI. „ Schollen lagr. l.6Pid.89pt n Bralflnodeni.. 80 pt „ fiolziinsen i» gt-..§0pt „ÄIlSteniIlSChKarbonad.]OPI. „ Stelnbnlle bis spfdig.Uflpt „ Helüllltl im Anselm. 100 Pt Preise(fir diese Woche I 8 Ubr 8 Uhr I Die grandloisn Spezialitäten. U. a.: Dorothy Kenton X Yvonne de Farge, Da» Wunder der Ankleidekunst Ctaaenclo Fornarlna. Di« Phänomene: W y n n e II rothers. 10 Uhr: Eine BaremsnachL Grotesker Scherz in 1 Akt._ indreas- Garten. Androasstr. SO Jnh.: Franz Merkowski. Saal und vereinSzimmer zu Bersamuikunaen und Festlichfeiten jeder Ar». Gc. niitugHtlach von 60 Pf. an mit Bier. Fremdem logi». Kegeldahn. Gut gepstegte Bier«. Gute Speisen und Getränke. �eden Sonntag Tanz bei sreiem Tin. tritt. Kl. Saal. 160 Pers. DienStag, Donnersiag od. Frellag frei, passend sür Gesangvereine. Einem aeehrlen Publikum, Vereinen u. Gesellschaslen halte mich besten» empsohlen. 2ÜL5L* In allen Verkaufsstellen SM" gleiche preise! vontselRo Oaniptfischerei-Geseilschaft Nordsee" Hauptgeschäft: Berlin C., Bahnhof Börse. Telephon Iii, 8S01 Terkanfnstollen: 0., Bahnhof Börse, Bogen 8-10. N.. Invalidonstr. 131. NO Lendsberger Str. 52/58. 0., Grolle Frankfurter Str. 85. 0., Madaistraße, Bogen*8—0, Fruchte trolle gegenüber 8., Prinzenatr. 94. W., Potsdamer Str. 112a. Charlotten borg: Wilmersdorfer Str. 111. Spandna: Breite str. 64. Strgllt»: Schlofletr. 121. Zehlendorl Kerl Schön. bei Herrn Eigene Eieenbahn- KDhlwaggont t Rothenburger Versicherungs-Anstalt a. o. Gegr. 1856 M Görlitz Gegr. 1856 Größte deutsche Anstalt für Sterbegelij-VersiGherung. Billige Beiträge. Sehr vorteilhafte Bedingungen. —— Alle UeberscbSsse(allen den Mitgliedern zu.—— Dividende aeit 1808 stHnilig 25°/, eines Jahreibeltragee, fttr illtcrc MltgUed»»- SO*/,. Versleherungebestand 260 060 Vers, mit rund 160,0 Millionen Mark ßesamtvermägen........... 25,3 Millionen Mark Seither ausgezahlte Sterbegelder usw.... 20,1 Millionen Mark Seither an die Mitglieder gez. Dividenden.. 8.6 Millionen Mark Höchstzuläseige Veraichoningssumme M. 30 Vi, aahlbar nach Wahl auch eohon bei Lebzoiton. Keine Irztllohe Untersuchung. » 1'■ t" AuOordem Kinderrereicherung f u.■ bis 1000 M(ebenfalls mit Gewinnbeteiligung). 66/17* Nähere Auskunft erteilen und Anttage nehmen entgegen die Direktion sowie sänitliohe Gesohärtsstellen der Anstalt. Weißbier-Brauerei C. Breithaupt NO. 18. Palisaden- Straße 12/13»md 97. Fernsprecher Vit, 2631.•=■*■—■«» Flaschenbierversand durch meine Verleger. Aufträge nimmt die Brauerei entgegen. 8763L* Danksaguttg. Mir bi« vielen Beweise Herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz» spenden bei der Beerdigung meine» leider zu srüh verstorbeneu Manne». unseres gulen Vater» Ilcrinnnn BcJcrsdorf sagen wir allen Verwandten, Freunden »nd Bekannten, dem Wahlverein Reinllfendors- Ost, Verband der Tinkkaleure, Krankenkasse der Maurer .Gnindstein" sowie dem Gesangverein „Weihe Rose" aus diesem Wege unseren innigste» Dank. 2ä84L Anna Beloradort nebst Sohn. Orts-Krankenkasse der Graveure, Ziseleure und anderer künstlerischer Ge- luerbebetriebe. Am Montag, 20. Novbr. Ivos. abends'/,8 Uhr, findet Engclnser Nr. 15. Saal 3. die öriWdie General-fersamlimg statt. Tagesordnung: 1. GeschäsllicheS. 2. Bericht von der XVI.YahreSversanimlung de» Zentral» verbände» von Orls-Krankenkasien im Deutschen Reiche. Berichlerstatter: Herr Henning. 3. Neuwahlen de» Vorstände»: 3 Arbeitgeber, 6 Arbeitnehmer. 4. Wahl von 3 Miigliedern zur Prüsung der JahreSrechinuig. 5. Verschiedene». Die LegiiimattonSkaUt von 1009 ist mitzubringen. 295/3 Der Verstand. OrtsWeotee der Gastwirte UTerwaniSteii Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung! OnleDtliehe General-fersaicmlrag sämtlicher Kassenvertreter am DonnerStag. 25. November 09. nachmittags präzise S'/, Uhr. im Vernandshaue der Gastwidsgehlikea, Gr. Hanrburger Siratz« 18/19. Tage».Ordnung: I. Wahl des Ausschusses zur Prll- sung der FohreSrechuung pro 1909. 2. VoritandSwahien. 3. Abänderung der HA 10. Ii. 18. 27. 28 und An» läge des Statuts. 4. Anstellung von zwet Spezlalärzten. 6. Bericht des Vorstandes über den 5. Allgemetnen Kongreh der Krankenkasse» Deutich. lands sowie über die 16. Jahre«- Versammlung von OrtSkrankenkassen im Deutschen Reiche. 6. Allgemeine«. Berlin, den 9. November 1909. Der vorstand.[279/19 Poppe, Vorsitzender. Braun, Schristsührer. OrtsMeiikasse der Maler Ei verwandter Gewerbe. Die Ersatzwahlen der Tele- gierten finden am Montag, den 15. November IVOS, abend« 8 biS 0 Uhr im Kassenlokal Span- dauer Strahe 5 statt. Es sind 25 Er- der Versicherlen zu wählen. Der Borstand. 8 tenndecken Spezialhaus Emil Leßvre Berlin, Oranienstr. 158 4M 6M �, 750 878 nufbeid. Seit, benutzbar 11,25 MÄS.... sAI W Bunte Vornial- SchlafGecken ganz dick Ein Poaten echte in nirnj Kamölhaardecken 111-/4 Mein neuer bracht'Katalog Ab'biWungon fTätlS 0. Mi Soeben erschienen: Goethes Werke iv sechs Kandel!. ym Austrage der Goethe-Gesell» schast ausgewählt und herausgegeben von Erich Schmidt Elegante Ausstattung. Preis nur 6 Mark. Eypeditlon des„Vomörts" Verl«» Ltndenstr. SS . Deutscher iMetallarbeiter-Yerband Verwaltungsstelle Berlla. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Putzer Reinhold Kruger am 8. d. MS. an Lunguüeideti gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heule Donnerstag, den 11. November, n. chmiilag» 3 Uhr. inn der Leichenhalle de» HimmelsahriS-Kirchbofe» in Nieder-Schönhausen au» liatt. I Rege Beieiligung erwartet 125/9 Die Ortsverwaltung. Deutscher Iranspertarhelter- Verband. Bezirkeverwaltung Gro8-Berlln. Dm Mitgliedern zttr Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Frans. BiaBlas am 9. d. Mt». im Alter von 40 yahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. b. Mt»�. nach- mittag» 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Kirchhose» der Martha- gemeinde w Ahrensfelde au» statt. 71/8 Dia Verwaltung. Zentral-Verband der Maurer Dentsehlamis. Zwelgvercln Rerlln. (Bezirk Süd-West.) Dm Mitgliedern zur Nachricht, das; am 8. November der Kollege dulius Michaelsen plötzlich am Herzschlage ver- starben ist. Ehre seinem Andenke« l Die Beerdigung findet am Donnerstag, dm 11. November. nachmiitag» 2Uhr, von der Leichen. halle de» stidiischeil FriedhoseS iu griedrichsselde au» statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 140/1 Der Vorstand. Verband d. baogewerbllchen Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Bartin a. Umgegend. (Bezirk Süd-Ost.) Am Montag, dm 8. November »erstarb unser Mitglied, der Kollege Paul Hartkopf. Ehre seinem Audenke« k Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. November. nachmlllan» 3 Uhr, von der Leichenhalle de» EmmauS-Kirch- hoses in Rixdors, Hermannftrobe, aus statt. 81/2 Um rege vetelllgung ersucht Der ZweigvereinSvorftand.|| #Arbfiiter-llailI.- w-.fabrM 1000 MI»gl.d.A.°R..V. „Freiheit". Am 6. d. Mi», verstarb unser Mitglied ft-su Pauline Rietz geb. Flwcher. Wir wollen ihr Andenke» in Thrm hallen I Die Beerdigung findet am Freitag, de» 12. November, nach. mittag» 2'/, Uhr, von der Uecker- mündet Siratze 6 au« statt. 12/18 Der Vorstand. Für die vielen Beweise berzlicher Teilnahme sowie die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sag« ich alle» Verwandte» und Bekannten, insbesondere dm Kollegen der Lleglerschm Fabrit meine» lichsim "ib Engen Dünner. Danksagung. Au» Girlitz zurölkgekehrt vom Grade unsere» unvergesilichen Sohne» u«d Berlobien, de» Musitdirigeiue» kiodsra vlodol ist e» un» Bedürsni», allen Korpo» raiionm, besonder» dem Deutschen Ardeiter- Sängerbund, dem Gau Berlin de« Deutschen Arbeiter- Zinger« bunde», dem Choldirigmlm-Verband, der Redaition de».Vorwärts*, dem Smialdem. Wahlverein de» 6. Verl. Wahlkreise», den Gesangvereinen, welch« der verstorbene geleitet hat, sowie allen persönlichen Freunden und Belaimtm sür die überaus zahl- reichen Beweis« herzlicher Teilnahme bei der Trauerseier t» Köpenick al» auch in Görlitz unseren innigste« Danl auszusprechen. 23388 Frau Ww, niabcl al» Mutter. lälara I-ttbke al« Brrlodr«. Jti Hygienische amnstfani. NnuDttK-nAloa Dk Ematehl Ti©!. Anrate u.Prof. rrat.Q�x .JenTÄÄitf?!« Sonn tag# den l t. November, abends 7 Uhr: �llgeüS-Vsrzsmivlullg in Ilakvl» NranvreZ, Bergmannstr> S— 7. Bortrag des Schriftstellers MäX Qriinwald über: litt rs Nach dem Vortrage:(ZeseUixes Beisammensein. ?llle Lehrlinge, jl'.gendlichcn?lrbeiter und ?l>beiterinnen sind ircundlichst eingeladen, Mlempiier! Achtung! Sonnabend, den 13. November, abends 8'/-, Uhr, im Gewerkschnftshause, Engeluser 1ö, Saal 3: Versammlung� aller bei Jnnungsmcister» beschäftigte» Klcmpnergeselleu. TageS-Ordnung: Neuwahl des GesellenausschusseS. Um recht zahlreichen Besuch biltet 1Lö/8 vor78 08ä 1331 559 7J IM»13 2lSt 315 62«58 79 9<5 15001 3371 4S»[8000] 308«39 41«) 2S0 425 44 757 980(5001 SC« 150«3 59 52««74 8!0 900 6061 SO 270 359 461 692 743(1000] 7080 65 8S3 997 8205 72 33 13«23 96[500] 748 STD 900$[1000] 404 83 810 (500 1 730 10020[3000] 38 114 97 383 93 4M 753[600] 11044 7S:172 428 67 GS 733«93 97» 83 ISO!«[1000] 380 403 SO 750 1 3033 143 311 450 943 80 1 4017 9» 165 905 338 633 87 618 77 15110[500] 99 073 1 6024 79[1000] 120 280 SCO 477 78««l 767 998 1 71!« 314 959[lOCC] 18025 140 1500} 202 038 59 1 9197 157 311 507 717 017 04 20118 93[3009] 394 933 2 1 331 995 834 9C0 19 22 11« 423 614 44 333 995 23211 99 674 722 72 979 24003[300] 170 700 6 7 847 2 5053 13?»94 331 98 551 033«07 15«9 931 83 2600« 27» 415 5» 627 799 2 7078 193 388 805 734 80 973 2 8307 73 666 843 20040 175«48 409 84«13 43 720 03«35 44 969 30217 93 424 632 93 792 31102 309 794 16 993 32133 71[500] 263 300 435 543 616 18 769 800 3 3015 »5 130 89 235 54« 70 71 91 691 93 3 4030 930 541 813 23[3000] 37 60 77[1000] 3 5 475 630 977[1000] 30028 48 103 367 509 738 85 968[1800] 98 37761 flOOO] 823 82 919 3 8242[1000] 69 401 714 909 41 71 3 9 203 473 64« 75 801 41 743 016 40023 703 848 75 908 9 41189 597 503 9 7 840 50 «22 4 2 302 473 559 829 94»13 73 43132 223 63[500 1 459 543 703 24 912 67 44610[500] 839 67 022 4 5027 «4 43 709 4 0263[500] 323 602 857 923 40 4 7060 767 «Ol[5001 43200 63 30t 580 708 49001 183»34 58« 774 875 50134 250 410 513 691 716 935[ 500] 5 1 065 273 813 T500J 22 5 2023 27 47[500] 240 5»3(1000) 088 711«90 «02 5 3 283 95 461 568 752 913 29 5 4301 42 60 761 75 ft» 72 93 953 5 5112 241 66[1000] 345 49 78 05 654 HO 660 850 257 75[508] 77 50032[1000] 141 316 910 22 37058 89 ISO 315 550 631 99 706 52 925 5 8230 73[ 500] »9 403 44 323[15096] 651 773[1000] 831 43 934 5 9)03 18000] 218[3060] 410 700 97 60925 219 302 401 19 4 8 938[500] 61441»2 DOS 02013 273 682 809 33 6 3203 513 689 706 6 4227 340 416 626 631 71 738 6 5011 115»3 382 614[ 500] 66040 213 380 460 680 800 913 67191 606 65 774 930 45 681S7 fSOOl 211 77 107 6 9041 203 455 527 797 903 76059 348 4SI 89 1 95«[3000] 71043 57»93 61» 18 M3[1000] 749«79 910 7223« 9« 491[3009] 722 810 74 7 3 021 408 7 0 91 630 96 74)91 683 925 75005 165 ■m 312 41 495«Ol 980 78399 510 65 782 873 7 7069 698 715[500] 853 7 8010 102 501 763 810 51 79135 11000] 165 67 789 80100 84 334 447 83»54 61 718[1300] 919 81308 lt»0 513 731[iOÜO] 819 82117 51 23» SSI 43 903 83019 JOS 471 8 4208 369 OOS 743 50 85148 205 6 3 348 8 6009 »37 474 353 8 7 204 96 493 822 69 913[600] 88005 131 204 300»03 806 95! 89007 551 60«03 89 75? 87 Ol 883 OO093 434 88 501 713[500] 91 907 56 9 1 035 183 849 »94 59 839 918 9 2010»6 132 505 6 641 850 9 3031(500) 73 207 403 072 00 811 905 9 4037 361 93(1000) 687 961 0 5338 071 748 83 916 96072 10 180 376 370 591[SOOO] »37 97006 3-i 73 231 473 636 960[»000) 74 0 8090 131 441 560 633 827 6« 99 337»9 840 54 928 100091 460 80 550 730 94« 84 1010»» 13» 250 301 TlCOO] 311 1O2010 84[1000] 101»60 7» 52» 852 Ü03129 223 311 104 030 97[ 500] 134 308 67» 755 42 02 89' 969 95[3000] 105115 13000] 203 399 53 495 80 «66 761 838 1 06110 555 79)«SO[500] 63 950 107001 492 509 601 ISO 807 59 10SUO 715 54 58 1 09354 400 »3 W 023 53[1000] 71 813 11O01B»2« 059 338 923 llllOl 200 411 273 811 21 »» 932 112103 527 475 558 625 859 113040 110 70 94 8,43 444 76 712 85 813 11409«[500] 185»33 533 69 687 833 922 115021 1500] 84 133 67 223[500] 338 530 601 750 03[ 3000] 73 1 1S12> 204 58»51«7[10000] 916 1117157 21» 497 99[WO]»93 748 041 90 118512 631 ll 192:3 010 130000] 007«27 1200W 731 466 500 922 33[3000] 12 1 270 80 424 612 813 122177 320 ODO[lOOU] 03 376 1 23192 492[500] »22 36 39«31 124052 100 O.IO 36 802 93 9«0 125204 61 649 52 88 09 717 1.26100[500] 463 599 618 52[jOO] 127031 281 422 637«37 923[30000] 128103 972 322 412[3300] 613 833 991 120 271 453[lOCO] 892 963 130103 17 215[ 30001 97 729 56 854 1 3 1 072 2S4 851 413 553 64 02 935«2 1 3 2098 510 54 631 928 33 60 1 301>0 210 41 416 41 601 89 793 971 134167[ 500j 101 351 493 693 702 37 807 34»7[100] 991 135480[lOOO] 618 747 73 867 949 1 3 6001 20 7 5*20 662 317 1 37102 491 138003 513 084 961 139139[500] 461 636 69 830 [560] 32[1060]»8(506) 73 943[1000] 14062! 814 993 141323 70 409 633 710 804»0 ■142262 613 793«96 902 1500] 14 3 073 147 493 628 675 933 71 73[lOOfll 144003 97 118 5 0 460 521 63 631 63 1 4 3091 132[566]»31«47 866[SOOO] 73 93[500] 146002 218 23[600] 999»22 75 787 1 4 7609 248 302 627 721 71 14 3615 118 65 721 80 968 1 40173 800 463 605<1 11666] 690 15OS01 418(»6001 953 1 5 1 387 421 521 32 705«7 152136 477 515 62 631 66 719 903 1 53 14!) 615 308 21 69 154325 32[1066] 40 878 95 973 96 1 5 5217 37[ 500] 150131 5)1[590] 813 29[1666] 923 1 5 7067 I» 123 Achtung! ReisWtagsjyaM Achtung! in Landsberg- Soidin. Alle in Berlin beschäftigten Wähler aus dem Wahlkreise Landsberg-Zoldin werden ausgesordert, am Freitag, den 12. November, nach Hause zu jähren und ihr Wahlrecht auszuüben. Kandidat ist W. Paevel.— Eventuelle Aufragen find zu richten an 231/3* R. Kayfcr. Landsberg, gnisenftv. r,. KSeinep SaaB 200 Personen fassend, mit schönen Nebeniüumen.zur Wintersaison Tonn- abends und Tonntags noch frei. Mke!iesUs.raM?-llumm-?!biirs Tempel.• Arbeiter- Sildungssebuie. Touutaa, den 14. November 1909, abends 7 Uhr, im Köuigstadt- Kasin-. Holzmarktstrahe 72: Vortrsx des Genossen H. Ströhe! über: „Friedrich Schiller und feine Zeit". Eintritt 20 Pf.[C/l"»] Garderobe frei. Nach dem Bortrag-- GlMMichtS ZtjslllNtNtNskitt und TllNZ. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Am 14. November findet eine Urauiavorstcllung statt. Eröffnung nachmittag um 4 Uhr, Vorstellung um 5 Uhr: 01/20 Hür In den Dolomiten. bleibt das beste letallputzmittel. | Ziehung 24, und 25. November, j Sehr große Gewinnchancen bietet die beliebte W ohlfahrts-Lotterie Nur 85000 Lose. Nicht zu verwechseln mit der sogenannten Tonkönstler- Wohifahrts- Lotterie, die 500000 Lose äl M. hat. Gesarntw. der Gewinne Mark 85000 Hauptgewinne Mark 30000, 20000 10000, 5000 und violo andere. Jede andere Lotterie dieses Jahres für Brandenburg hat eine bedeutend größere Loseanzahl. Es werden nur die bestellten Lose versandt, keine anderen! Lose ä 3 Mark, Porto nnd Liste 30 Pf. extra, zu haben in allen Lotterie- nnd Zigarren-Geschäften sowie beim Oeneraldebit Paul Steinberg& Co., 6. in. b. H., Bankgeschäft, Berlin C., Rosenthaler Straße 11-12. 610[1600] 158215 100 81 591 919 1 5 9 212 82 322 429 49[5001 64 651 713 18 932 78 1CO027 315 474 61«[iMOJ 711 IS 29 92.' 161103 263 510 46 85[lOOD] 707 624[600] 102107 532 33 901 1632C1 401 555 679 715 8» 164301 63[500] 685 SS'J [1000] 939 69 99 165023 ISOOl 59 271»II 95»07 876 [500] 166121 24 8 9 540 689 711 43 86 1 67152 292 35« 59:) 057 776 939 1 6 8070[500] 275[500] 398 443 6» 534 600 397 1690S1[500] ISO SO 444 7 1 663 904 20 17 0260 019 847 998 1 7 1058 68 1» 72 254 815 612 736 369 17202»[580] 25»21[500] 404[1000] 508 58 623[1000) 777 945 1 73265 404 6»7 688 705 174011 41 289 220 21 50 980 1 7 6340 836[500] 176146«l 60 [500] 229[560] 58 609 93«75 961 17712» 61 371 76« 633 98 178292»86 472 504 1 79001 485«88 869[1000] 180163 296 370 479 8« 569 609 707«08 1 8 1061 81 16« 329 056 793 09 803 1 82 072 391[500] 034 82 94 73» 18325t 403 604[1000] 903 94 1 84001 164 364 609 80« 18511» 197 783 18618» 212 46 311 443 9» 5»4 650 85» 72 187233 329 744 877 948 188083[500] 242 412[IDOO] 88 515 51 66 91«37 730 94 US 914 189057 186 430 50 [500] 60 603 783 35» 190 94[3000] SOS 2 1 7030 150 599 708 50 949 2 1 8041 317 512 84 835 37 2 1 9238 53 351 419 04 655 220162 389 504 96 839 75 978 22 1 207 71 718 83» 910 81 2 2 2017 371 420 59 560[500] 223001 146(1000) ,96 97 863 437 751 2 2 4195 512 879 2 2 5234 313 56 40» U 67 548 780 74 352[1000] 926 56 2 2 6297 311 24[500] 61 501 9 2 27139 203 386 473 507 702[3000] 44 228183 343 781 881 999 2 2912» 273 321 96 683 91 890 97 92» 57 46 23031»»67 761 803 31 87[500] 231120 218 SU 450 533 797 2 3 2170 250 96[500]»04[8000] 477 503 76 785 867 931 23 3'"),) 362 50 63 564 636 2 3 4050 101 219 73[600] 87 548 694 823 072 2 3 5064 60 306 87 0» 470 630 7!U 73 813[3060] 23 0127 723 92 837 2 3 7076 209 355[500] 74 668 85[566] 806 238398 530 74[500] 663 814[ 3000] 24[1000] 61 944 239556[500] 754 869 73 240165 431 50 531 71» 47 93 2 4 1 253 711 45(»COl 34? 82[1600] 85 2 4 2003 67 120 220 312 43 407 21 46«31 792[500] 924 2 4 3053 235 531 536 760 88 97 810[ 8000] 77 SO 244391 424«70 89 839 2 4 5 290 360[500] 434 547 50 863 967 65 85 2 4 6283 558 623 720 825 2 4 7174»00 667 739 45 913 24320?«4[5000]«31[3000] 64«2« 24989.' 752 863 250073 195 489»42 645 56 76 ,41 25 1 086 143 814 86 638 868 252017 613 65 253101 224 436 784 254159 467 656 73 892 929 2 5 5307 642[500] 753 951 256101 403 616 992 2 5 7 428 94 534 600 7» 83 778 2 5 S6:>1 282 231 412 551 93 848 62 939 69 259056 292 397 621 5» 62 300 265[000] 260382 489 522 630 973 92 2 6 1 021 273 787 832 2 62109 17 280 363 411 667 721 2 6 3035 34 163 288»44 [36661 75» 823[1000] 018[ 560] 264033 Ml 90 417 568 613 65 918 89[566] 265000 147 ,42 3«9 432 507 30 747 57 266180 48 917 36 267212 503 893 901 268334 53 479 507[1000] CO 818 260117 313 31 633 763 27014« 72 211[500] 324 30 41)5 682 761 823[1000] 271(183 94 150 66 633 859 2 7 2134[1606] 216 SO« 473 053[1000] 78 806 39»4 919 2 7 3 220 88 453 50 614 773 91 830 936 274068 fSOOOl 29 66 194[1600] 223 5«»17 63 61 604 93 903[500] 275140 59[ 500] 91 656 757 68 912 2 7 6255 91 307 40 905 2 7 7390 468 517 760 9» 27 8542 670 734 813 080[500] 2 7 9144 243 343 67 404 43 817 318 28O0S1 97 127 432 47 632 924 27 28 1 063 237 341 81 133 519 763«39 93« 282106 15000]»48 762 997 283066 140[ 3600] 400 778[ 3000] 819 60 284174 201 SOO 470 843 961 2 8 5 033 130 230 32 73 217 41 467 539 742 905 2 4 2 8 6209 1390] 300 477[500] 3 609 846 951 28 7 099 120(1000) 84 230 304[1060] 485 559 805 29[500] 28 8220 433 729 897 2 8 9 300 660 873 952 60 29063« 736[1006] 39 291 101 200 751 848 954 292087«43[500] 29 3001 40 439 525 73 70« 71 813 47 294001 34 35» 631 913 2 9 5602 77 313 23 465 520 791 2 9 6052 69 13» 406 6 4 621 886 995 2 9 7098 HO 33 239 [1000] 47 332 93 438 56[KXlü] 610 35 786 950 2 9 8031 69 177 81 291 337 604 825 290169 07 30» 327[600] 903 23 61[506] 3OO003[3000] 118 265 336 90, 301164 321 66 [500] 410 6 4 570 891 302122 25» 697 729[1000] 831 [500] 982[1000] 73 3 0 3064 175 260 401 703 73[3000]»44 Im Gowinnrode Terblleben; 1 PrÄmie i 366000 M. 1 Gewinn 4 500000, 1 4 260000, 1 4 150000, 1 4 120000, 1 4 1COOOO, 2 4 800(0, 2 4 70000, 3 4 COOCO, 8 4 30000', 2 4 40000, 13 4 36000, 23 4 15660, 69 4 10060, 137 k 5000, 1984 4 3000, 3141 4 1000, 5021 4 500 Wter,»iv— - J"1 4- Ziehung 5. Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 10. Norembet nachmillaBS. Kur dis Gewinne über 240 Mark sind den betreuenden Nummern in büammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verholen.) 244 360 502 703 1033 114 35 99 207 316 579[ 3000] 93 713 63 7 0 2091 209 33 553[500] 779 3000 160 316 421 €16 4057 339 614 87 706 5170 5)2 093 733 33 600«[1000] 49 147 336 439 551 603 7002 9» 97 763 8010 136 396 gU? 58 820 481 82 691(1000) 758 10143 306 456[3000) 730 609 Hill 393 714 66 12510 643 748 13559[1000] 446 783 843«9» 14119 Ol «16 41 94 85? 05 1 5012 233»03 10 442«14 776 10276 355 651 45 986 1 7033 250 473 773 1 8026 385 1 0393 54» t300]»II[5000] 84 20152 573 683 750 7, 810 2 1 307»7[5000] 402 flOOO] dl 26[5000] 557 50 2 2004 521 610 813 992 2 3019£8 15» 74 375 570 83 655 718 504 21 901 2 4034 425 033 71 770 313[ICOO] 25014 8» 780 953 26057 179[300] 24« 465 600 21 740 826 939 2 7032 102 57 230 394 463 527 41 761 •907 2 883« 91« 29028 189 219 537 6 4 933 75 30027 32 81 156 730[ 3000] 862 925 55«0 31006 [3000] 200[1000] 94 87» 940 64[500] 3 2075 364 779 87 903 €5 3 3286 547 415 739 3 4082 183»05[3000] 79[ 10060] 612(5C0l 72 855«6 748 SO 903 35038 103 35 491 505 699 877 3 6092[500] 245 390 673 886[500] 923 3 7052 79 451 605 6 76 95 38161 367 39193»74 952 33 40007 207 411 675 976 4 1 54',[1000] 736 84 863 42114 53 371 425 4 3074 109 244 49 90 590 63» 983 44076 »91 449 77 574 4 5147 011 55[1000] 959 4 6327 489 876 Ol 931 47060 1500] 133 80 400 312 010 58 4 8017 383[600] «83 950 4 8 009 60 276 337 80 50053 291 51X19 355 440»13 5 225« 72 4M 555 76 711 32 957 flOOO]»8 91 53197»70 54063 348»20 4» 55007[300] 38 7 401«7 692 604 5 6037 391 493[lOOO] 835 36 5 70)6 115 219 31 361 479 601 943 89 tlOOOOJ 50066 91 237 86 415 50|50«1 340 5 9173 371 550 051 58 901 600.4 171 568[ 3000] 432 500 813»2 770 79 95 5,1 949 61168 367 94 577 732 840 33 949 6 2 274 94 380 83 494 (3«0l»32 6 3003 309 471 95 604 737 861 64770»42 33 461 65:09 101 SB 296[1000]«gl 712 910 66012 71[1000] 107 19 59 466 622 50 67123 03 690 708 876 6 8026 417 93 94 93 665 805 41 69159 80 437 743 910 7 0343 60 430 598 669 727[500] 923 71059[15000] 71 249 363[1000] 416 559 701 76 833 7 2083 23» 601 876 955[1000] 73242 475 721 74141 62 687[500] 924[1000] 33 75021 4!6 737 907 82 7 6091(8000) 351 77364 512 95»3 722 873 925 7 8008 141 231 316 405»18 63 618 23 (lOOO] 75 945 35 78 7 9007»2 50 2U M 37 447 859 937 47 69 80250 841 934 8 1 056»61[lOOO] 544 67 66z fäoo] 82092 213 642 8 3 091 551 794 84136 40 6« 262 65 70 74 81 358 355[5O0J 62 6-0 803 991 8S091 301 29[500] 61« 75»«I[500]«37 8 6190 441[3000] 83 531 63 624 795 903 87130 312 91 466 519 8 8071 172 273 404 503 85« QOO'O 121 51 350 418(3001 30 516 670 704 90279 410 SCO 98 780 995[500] 91039 154[lOOO] 863 673 790 39 77 941 92180 328]»00] 93073 105 4» 60[500] 237[500] 396[500] 602 971 94127 45»0» 14 54 [500] 93 532 655 9 S055 160»29 454 731 96«18 6»[500] 909 9670« 883 9 7531 705 997 9 8043 223 Ol 756 863 951 99016[3000] 452 97 660[3900] lOOvOv 132 310[3000« 12 3« 486»33 977 1 011»» 40 290 310 85 604 978 1 02076 59«»4«» 993 1 94279 466 706»93 1 9 5009 218 35»Ii 420 524«»« 807 910[500] 19 6073 119 344 471[lOOOS 570 671 19721» 44 357 76[1000] 87 407 500 12 IS 39[1000] 676 80]50»] 725 823 55 913«1 19815, 218 SS« 793 199011[IOÜO] 351«26 3J 306 685[500] SOS 17 20 55 012 200194 275 84» 201012 112 85 421 202003 47 1» 78[500] 105 21 06 409 659 713 933 2 0 3 431 796 397 Ol» 20 4055 74 218 74 373 500 10 728 2 0 5369 86 947 8» 208129 272»13 440 541 98 1500] 766 95» 207253 50» 92 770 834 41 208129[500] 45 490 501[1000] 3» 48 61S 2091«? 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Druck u.Berlsg:Vorwart»«uchdruckcrei iL Vcrla/Mnftaü Paul Ringer& So- Berlin SW. 8r.264.?k. Zahrgasg. 3. Keilige des Jurairtä" Kerlim Bulblilatt. Aovaerstag. 11. Doombn 1909. Partei- Hngelecfcnbeitcm Wahlhilfe für Laudsberg-Soldi«. Parteigenossen, die bei der Wahl in Landsberg-Soldin � am 12. November tätig sein wollen, sollen sich melden im Sekretariat der Provinz Brandenburg, Lindenstr. 69. Das Mitgliedsbuch vom Wahlverein ist mitzubringen.— Fahrgeld uno Zehrgeld wird vergütet! Zu den ZykluSvortragcn des Genossen Grunwald über„Theorie und Geschichte des modernen Sozialismus" werden Karten a 16 Pf., die zu jedem einzelnen Vortrag be- rechtigen, ausgegeben. Diese Karten sind in den Bureaus des vierten Kreises(Stralauer Platz 1/2) und des sechsten Kreises(Ravensstr. 6), außerdem jeden Freitagabend und Montagabend in den betreffenden Lokalen selbst zu haben. Der geschäftSführcnde Ausschuß. Zweiter Wahlkreis. Nm Sonntag, den 14. November, findet in der„Urania" eine Vortrag mit Lichtbildern statt. Zur Aufführung gelangt:„In den Dolomiten". Der Bortrag beginnt pünktlich 2 Uhr. Billetts a 60 Pf. find noch bei den Abteilungs und Be�irk-führern und beim Kassierer Gustav Schmidt. Kirchbach strotze 14, zu haben. Der Borstaird. Wannsee. Sonnabend, den 13. d. M., pünktlich 8'/, Uhr: Mit gliederversammlung des Wahlvereins bei W. Philipp. Der Borstand. Bernau. Besonderer Umstände halber findet der Zahlabend morgen. Freitagabend, statt und zwar für alle Bezirke im Lokal des Genossen Salzmann, Basdorfer Stratze. Parteigenossen! Es müssen an diesem Abend die notwendigsten Vorarbeiten zu der am Montag den 15. d. M., stattfindenden Stadtverordnetenwahl er- ledigt werden. Agitiert deshalb für guten Besuch. Am Sonntag, den 14. d. M., findet die letzte Flugblattverbreitung zur Wahl statt! Stellt Euch am Wahltage zahlreich zur Verfiigung l Die Bezirksleitung. Tegel. Am Sonnabend, den 13. November, findet von abends 7 Uhr ab eine Flugblatwerbreitung von den bekannten Bezirks lokalen aus statt. Am Sonntag, den 14. November, nachmittags 4'U Uhr, in Julius Klippensteins„Seeschlohchcn", Spandauer Str. 4 Oeffentliche Versammlung für Frauen und Männer. Tagesordnung „Die neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu". Neferentin: Genossin Lungwitz-Berlin. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Agitiert für guten Besuch. _ Die Bezirksleitung. ßcrliner JNacbricbten. Gegen die Schundliteratur. Die Schuldeputation hat in ihrer Sitzung vom 10. November beschlossen, auf ihre Kosten ein von der literarischen Vereinigung des Berliner Lehrervereins entworfenes Merkblatt gegen die Schundliteratur drucken und in der Weihnachtszeit mit einem Verzeichnis empfehlenswerter Bücher an die Kinder der oberen Klassen verteilen zu lassen. DaS Merkblatt hat folgenden Wortlaut: „Eltern, achtet auf das, was Eure Kinder lesen! Wenn Euer Kleinstes etwas in den Mund steckt, so greift Ihr gleich ängstlich danach, obs ihm auch nicht etwa schaden könnte. Und wenn Du, liebe Mutter, für die Küche und den Mittagstisch «inkaufst, so läßt Du Dir nichts Schlechtes und halb Verdorbenes aufschwatzen— und Wenns noch so billig wäre. Denn Du weißt, welchen Schaden eine einzige verdorbene Speise im Körper Deiner Lieblinge anrichten kann und wie dauernde mangelhafte Ernährung auch die festeste Gesundheit bald zerstört. Gleichgültigkeit gegen das. was die Kinder essen, will sich kein Vater, keine Mutter nachsagen lassen. Und wie stehts mit dem, was die Kinder lesen? Sind nicht in unserem Zeitalter der Druckerschwärze das Buch und die Zei tung für den Geist dasselbe, was Brot und Fleisch für den Leib sind? Und ist Euch die geistige EntWickelung Eures Kindes gleich gültiger als die leibliche? JstS Euch nicht mindestens ebenso darum zu tun, verständige und vor allem gute Kinder heran zuziehen wie gesunde? Mutzt Ihr dann nicht mit derselben Sorg falt auf die geistige Nahrung Eurer Kinder achten wie auf ihre leibliche? Ihr wiht und kennt genau, was Eure Kleinen essen; wißt Ihr auch, was Eure Jungen, Eure Mödck)en lesen, womit sie in langen verschwiegenen Stunden ihren Geist beschäftigen? Habt Ihr Euch die Hefte mit dem grellbunten Bilde auf dem Deckel, die Eure Kinder in der Jackentasche und in der Schulmappe herumtragen und die sie von Hand zu Hand weitergeben, schon einmal gründlich angesehen? Habt Ihr noch nicht bemerkt, wie sie mit gierigen Augen und glühenden Wangen darüber gebeugt sitzen, wie sie bei den Besorgungen, die sie für Euch machen, auf der Treppe, auf der Stratze. in der Elektrischen, im Stehen und Gehen und Sitzen darin lesen? Und wenn Du, lieber Vater, einmal ein paar der modernen Schmöker aus Deines Jungen tiefster Rock tafche einer gründlichen Durchsicht unterziehst, dann wirst du mit Verlounderung wahrnehmen, datz auch der blutrünstigste Indianer- schmökcr Deiner eigenen Knabentage eine harmlose Kleinkinder- gcschichte war im Vergleich zu der LieblingSlektüre unserer Jugend von heute. Was sich hier vor den Blicken des LeserS auftut, das ist die Hochschule modernen Verbrechertums; das ist die mehr oder weniger deutliche Verherrlichung ungeheuerlicher Gewaltmenschen, die Raub an Raub und Mord an Mord reihen. LieS ein paar dieser Hefte und frage Dich, ob ein Kindersinn, der monatelang mit solcher Kost genährt wird, rein, unverdorben und gesund blei- ben kann. Eltern, wollt Ihr ruhig mit ansehen, wie daS Gift dieser elenden Hefte die Seelen Eurer Kinder nach und nach durchseucht und verdirbt? Hier steht Ihr vor einer Erzieheraufgabe, der Ihr nicht aus dem Wege gehen dürft, die allerdings auch nicht leicht zu erfüllen ist. Denn mit dem bloßen Verbote der schädlichen Lektüre ist noch nicht viel getan. Gerade das Verbotene lockt und reizt ja bekanntlich am meisten, ljjhr könnt Eure Kinder dem unheimlichen Banne dieser rohen Erzählungen nur dann dauernd entziehen. wenn Ihr das Schlechte durch Besseres und Gute? ersetzt. Ein gutes und passendes Kinderbuch auszuwählen, ist aber eine ernste und schwere Sache. Tie Verzeichnisse empfehlenswerter Jugendschriften, die seit einer Reihe von Jahren die deutsche Lehrerschaft mit einem Aufwände von viel Mühe und Zeit aufstellt, können dabei aus- gezeichnete Dienste tun. Jede Schule verschasst jedem Suchenden gern ein solches Verzeichnis. Und hat Euer Kind ein gute? Buch, dann muß eS angeleitet werden, recht darin zu lesen. Denn ein Kind, das seinen Geschmack an den schlechten Heften verbildet hat, findet natürlich zu- nächst keinen Gefallen an einer zarteren und edleren Kost. Lest ihm dann selbst das eine oder andere Buch vor und laßts Euch von ihm vorlesen, und sprecht miteinander darüber; zeigt ihm Eure Freude am Werke des Dichters und es wird bald lernen, sie mit Euch zu teilen. Solche gemeinsame Lcsestunden könnten eine Quelle schönster Fgmilienfreuden werden, würden die Herzen Eurer Kinder fester an die Euren fesseln gerade ir. einer Zeit, da der trotzige Knabensinn, die erwachende Madchenscheu sie leicht vor Euch verschließen kennten. So, nun reicht der Schule die Hand zu gemeinsamer Arbeit an der schweren Aufgabe, einen der schädlichen Einflüsse abzu- wehren, denen gerade das Großstadtlind auf Schritt und Tritt aus- gesetzt ist." Wir möchten hierzu bemerken, daß der Bildungsausschuß unserer Partei gleichfalls ein Verzeichnis empfehlenswerter Jugeno- schriften herausgegeben hat, das sich teilweise an das von der Lehrerschaft herausgegebene anlehnt. Im Gewerkschaftshaus findet außerdem alljährlich eine Jugendschristen-Ausstellung statt,:n welcher die Verzeichnisse unentgeltlich zu haben sind und in der gute Bücher zur Einsichtnahme ausliegen. Die Furcht vor der Dienstherrschaft. Unter dieser Ueberschrift brachten wir am 4. d. M. eine Notiz, die den„Zentralverband der Hausange st eilten" veranlatzte, nähere Nachforschungen in der besprochenen Sache bor- zunehmen. Das Ergebnis zeigt wieder deutlich, wie sehr die Dienst- boten ihren Herrschaften preisgegeben sind, solange die Gesinde- ordnnng noch besteht, und wie hilf- und ratlos ein Mädchen dasteht, das sich ihrer Organisation nicht angeschlossen hat. Das 21 jährige Dieiistmädche» Luise FuhS ist von dem Diakoiiisseiiverein„Salem" in Lichtenrade an den Hofjuwelier Godet, Krenzbergstlatze, mit 18 M. Lohn„vermietet" worden. Das Mädchen gibt an, datz es nie ohne Erlaubnis das Hau« verlassen durfte und datz die Herrschaft ein heimliches Fortgeben sofort bemerkt hätte, da die Autzenlücen mit einem Läuteapparat verbunden waren. Von einem Besuch beim Arzt kam Fräulei» Fuhs mit der Nachricht zurück, datz sie sich in ein Krankenhaus begeben müsse. Davon war die Herrschast nicht sehr erbaut und machte dem Mädchen eine Szene; man verweigerte die Zustimmung zur Eni lassung nach dem Krankenhause, verlangte eine Ersatzpersoi» und wollte den Lohn nicht auszahlen. Diese Angaben machte das Mädchen einer Vertreterin des Verbandes der Hausangestellten gegenüber und erklärte weiter, datz es in seiner Herzensangst in der Nacht auf den unglückseligen Gedanken gekommen sei, sich an einem Strick auS dem Fenster hinunterzulassen, um dieser Herrschast zu entfliehen. Wie schon berichtet, ritz der Strick und das Mädchen zog sich schwere Verletzungen zu. Um die Verunglückte wollte sich die Herrschast zuerst gar nicht kümmern, und es dauerte lange, bis sie fortgeschafft wurde. Das Mädchen liegt jetzt im Urban-Krankenhause an einem dreifachen Beckeiibruch und zweifachem Beiiibruch danieder.— Als die Berbandsvertrcterin und eine Hausbewohnerin die Kranke be- suckle», trafen sie dort auch die Mutter und Schwägerin der „gnädigen Frau"; diese fingen an, der Kranken Borwürfe zu machen erklärten, datz„bereits alles dem Pfarrer in Salem gemeldet" worden sei. Die Damen waren empört, als die Verbandsvertreterin ihnen erklärte, datz eS nicht angebracht sei. die Kranke noch mit Vor- würfen zu belästigen. Beim Abschied verlangte eine Dame auS- drücklich, datz die Kranke, die nur kurz gegrüßt hatte,„gnädiges Fräulein' hinzufüge. Wollen die Dienstboten sich gegen die Anmaßungen und AuS- schreitungen der Herrschaften schützen und wollen sie ihre Rechte wahren, so müssen sie, wie wir immer wieder hervorheben, sich or- ganisieren, indem sie sich dem Verband der HauS- angestellten lBureau: Michaelkirchplay 1) anschließen. Wir machen aus eine öffentliche Versainnilung aufmerksam, die der Ber- band für heute Donnerstag, abends 8 Uhr, im„Dresdener Kasino". Dresdener Str. SS. veranstaltet. Der Reichstagsabgeordnete Stadthagen wird über das Thema sprechen:„Sind Dienstboten gegen Mitzhandlungen schutzlos?" Eine Ausstellung für GeisteSkranken-Fürsorge soll im Oktober 1910 in Berlin stattfinden und zwar im Anschluß an den vom deutsche» Verein für Pilichialrie vorbereiteten vierten internationalen Kongreß der Fürsorge für Geisteskranke. Geplant ist die Borführung der Modelle und Lagepläne sämtlicher öffentlichen deutschen Irren- anstallen, der innere» Einrichtung der besonderen Zwecken dienenden Stationen, also auch der stark befestigten Ueberwachungshäuser für „wilde Männer" und verbrecherisch veranlagte Geisteskranke, ferner der praktischen Gebrauchsgegenstände für Irrenanstalten. Mehrere Sonderabteilungen sind für Anstaltshygiene sowie für die Darstellung der Beschäftigung und Unterhaltung von JrrenhanSinsassen vorgesehen. Hoffentlich vergißt man nicht die verschiedenen Zwangs- initielchen, welche nicht bloß in gewissen Privatanstallen, sondern auch noch in manchen öffentlichen Irrenhäusern gu Anwendung kommen. Selbstverständlich ist, datz nainent- ich die berühmt gewordene Schlesiiche Provinz Irrenanstalt Leubus mit ihren„Dauerbädern", die der geheimrätliche Leiter und Erfinder bekanntlich alS eine„Wohltat der geisteskranken Menschheit" bezeichnet hat, hervorragend vertreten sein wird. Auf den bisherigen Kongressen für Geisteskrairken-FÜrsorge hatte die Psychialrie m jeder Form das große Wort. Die' breite Oeffenilichkeit»ahm trotz des hoben Interesses, das der Gegenstand bietet, nur geringen Auteil an diesen hauptsächlich fachlvissenschast- tichen Erörterungen, weil den seltsamen Gedankeilkombinatlonen der modernen Psychiater der gesunde Menschenoerstand nicht immer zu folgen vermag. Insofern ist also die geplante Ausstellung, wenn sie unangenehme Wahrheiten nicht verschweigt, vielleicht geeignet, den Hunderttausenden, die noch niemals eine Irrenanstalt von innen gesehen haben, ein anschaulicheres Bild von unseren heutigen Jrrenhausverbältnissen zu geben, als das langatmige Abhandlungen und Vorträge, die sich mit unbegreiflichen Theorien beschäftigen, tun können. Allzuviel soll man sich aber schon heute nicht versprechen. Unabhängig von der modernsten, vorzüglichsten, allen hygienischen Anforderungen der Neu zeit gerecht werdenden Einrichtung der Jrreuanstalien ist die persönliche Behandlung der Geisteskranken. Auch hinter vergoldeten Äilterstäben kann ein Höllenleben geführt werden. In dieser Be ziehung wird die Ausstellung denjenigen, welche längst hinter die Kulissenwelt der modernen Jrrenaustalien gesehen haben und sich von schönen Aeutzerlichkeiten nicht verblüffen lassen, keinen Sand in die Augen streuen können. Eintrittskarten für die Arbeiter-Diletianten-KiinstaiiSstellung, die bis zum 80. November im Hause Potsdamer Str. 4 untergebracht ist, sind zum Preise von 2ö Pf. durch die Organisationsvorstände zu bezieben. Die Vorsinnde können die Karlen im Bureau des ewerkschaftShauseö in Empfang nehmen. Die Ausstellung, deren Besuch jedem Arbeiter empfohlen werden kann, ist an Wochen- tagen von S— 8 Uhr, Sonntags von t2— 8 Uhr geöffnet. Einzelkarten sind im Zigarrengeschäft von Horjch, Gewerkschafts- hau» zu haben. Am Schillcrdenkmal vor dem Schauspielhanse wurden gestern zahlreiche Kranzspenden niedergelegt. In den Berliner Schulen fanden Schillerseiern statt. Die Einschienenbahn von August Scherl wurde gestern vor den AuSstellungsha llen dcS Zoologischen GartenS einem geladenen Publik, un in Gestalt eines ModellwagenS vorgeführt. Wir haben vor läugerer Zeit in unserem Blatte daS Schnellbahnsystem Scherls kurz glossiert. Schwer veninglückt ist beim Verlaffen eines in der Fahrt befind- lichen SlratzenbahuwagenS vorgestern abend gegen'/z7 Uhr die in der Warschauer Str. 20 wohnende Frau Hillermann. Sie hatte einen Straßenbahnzng der Linie 3 benutzt und sprang von dem in der Anfahrt zur Haltestelle befindlichen Motorwagen am Stroits- Berget Platz ab. Frau H. glitt ab, stürzte zu Boden und erlitt eine Gehirnerschütterung. Sie wurde nach dem Krankenhause Friedrichs- Hain übergeführt. „vom gesunden«nd kranken Seelenleben" Der Verlauf des LortragSzylluS über die Alkoholfrage>-- veranstaltet von der Berliner Ortsgruppe des„Deutschen Arbeiter-Abstinenten-BundeS"— hat bisher seine Veranstalter in ihren Erwartungen nicht getäuscht. Von den Vorträgen, die die Berliner Arbeiter und Arbeiterinnen systematisch in die Atkoholfrage einführen sollen, haben bis jetzt die des Genossen Simon Kätzenstein und Dr. Zadel slatigefunden. Ueber das als Ueberschrift gewählte Thema wird nun am Freitag abend 8i/z Uhr, im Gewerkschafishause, Herr Dr. Otto Jutiusbnrger den dritlen Vortrag des Zyklus halten. Da jeder Vorirag des sieben- teiligen Zyklus in sich abgeschlossen ist, empfiehlt es sich jetzt noch, sich zur Teilnahme zu melden. Karlen zu 30 Pf., giiliig für alle fünf kommenden Vorträge, sind noch in beschränkter Anzahl am Saal- eingang zu baben. Emzelportrag kostet 10 Pf.— Getränkcausschank findet nicht statt!_ Einbrecher als Pfeudorichter. Mit großer Frechheit ist eine Schwindlcrbande aufgetreten, die jetzt unschädlich gemacht wurde. Ein LOjähriger Kaufmann Lothar Lüdtke, früher Zahntechniker, war einmal kurze Zeit beim Amtsgericht Berlin-Mitte beschäftigt, mutzte aber wegen Unregel» mätzigkeiten entlassen werden. Die Kenntnisse, die er sich im Ge- richtswescn verschafft hatte, benutzte er im Verein mit einem Rad- fahret Willy Warnicke und einem Koch Hans Meyer, auch Leuten im Anfang der zwanziger Jahre, zu einem unglaublich dreisten Schwindel. Ende Oktober begaben sich die drei Burschen nach- mittags 4 Uhr nach Schluß der Dienstzeit in das Landgerichts- gebäude an der Gruner st ratze, stahlen aus einem Bc- ratungSzimmer Talare und Mützen der Richter, legten beides an und besuchten nun in der Tracht der Richter unangefochten ver- schieden? Zimmer. In dem einen erbrachen sie einen Schrank und holten einen ganzen Stoß unausgefüllte Kostenrcchnungssormulare heraus. Diese füllten sie nun nach den Aktenstücken, die sie fanden, und mit dem entsprechenden Aktenzeichen aus und versahen sie mit einem ebenfalls gestohlenen Schlvarzstempel des Landgerichts I. Mit diesem Stempel fälschten sie auch Ausweispapiere auf den Namen eine? Hilfsgerichtsvollziehers Oppermann, wahrscheinlich auch noch andere Namen, die noch nicht bekannt sind. Alle diese Fälschungen besorgten sie in einer Kaschemme, wo niemand sie hörte. Dann zogen sie als„Hilfsgerichtsvollzieher" aus und kassierten ein, was sie bekommen konnten, nach den bisherigen Ermittelungen in 30 Fällen zusammen 2—3000 M. Das Fehlen des Stempels wurde alsbald wahrgenommen, und das Landgericht wandte sich an die Kriminalpolizei. Diese ermittelte als die Diebe und Fälscher die drei genannten Personen und nahm Warnicke und Meyer hier fest, während Lüdtke sich nach Wien gewandt hatte und dort gestern ebenfalls ergriffen wurde. Wahrscheinlich sind noch lange nicht alle Geschädigten ermittelt. Die Diebe und Fälscher, die die Scheuerfrauen, wenn sie ihnen im Wege waren, einfach aus den Zimmern hinausjagten, stahlen auch kostspielige Gesetzbücher und machten sie zu Geld._ Die Konsumgenossenschaft Berlin«nd Umgegend hielt ihre dies- jährige Generalversammlung am 20. Oktober und am 1. November ab. Die erste Tagung mutzte durch eine autzerordeutlich lange Dis- kussion über den Geichäftsbericht unterbrochen werden. Der Ge- schäftsbericht selbst lag gedruckt vor. Aus 32 Seiten wird den Mit- gliedern nach einem Rückblick auf die Entwickctung de? Berliner GeilossenschaftSweieils der Bericht der Verwaltung über daS zehnte Geschäftsjahr 1908—1909 in erschöpfender Weise vor Augen geführt. Der Warenumsatz ist auf 3 07ö 841,50 M. gestiegen, die Mitglieder- zahl von 10 221 auf 19 172. DaS Bilanzkonto weist einen Rein- gewinn von 157 275,41 M. auf, der es ermöglicht, dem Reservefonds 7863,80 M., dem Dispositionsfonds 1500 M. und dem Spezial» reservefondS 438,66 M. zu überweisen. Der Rest von 147 472,95 M. kommt unter den Mitgliedern nach Maßgabe ihres Umsatzes zur Verteilung. Der Geschäftsführer Genosse Junger erläuterte den Bericht in allen wesentlichen Punkten. ging die einzelnen Konten eingehend durch und verweilte des längeren bei den projek- tierten Bauten der Genossenschaft in Lichtenberg. Es sollen dort eine Dampsbäckerei, ein Verwaltungsgebäude mit großen Lager- räumen, eine Kraftzentrale sowie ein Automobilschuppen, ferner an der Straßenfront fünf Wohnhäuser errichtet werden. Die Gesamt- kosten sind aus 1 200 000 M. veranschlagt. Redner gedenkt auch de? im Geschäftsjahr verstorbenen Genossen Tutzauer mit ehrenden Worten. Der Berichterstattung folgte eine lange Diskussion, an der sich 15 Genossen und Genossinnen beteiligten, an deren Schluß der Verwaltung einstimmig Entlastung erteilt wird. Dem Verteilungs- plan wurde ebenfalls einstimmig zugestimmt. Die Neuwahlen zum AufsichtSrat an Stelle von fünf ausgelosten Genossen zeitigte» die Wiederwahl der Genossen Friedrich Gültler. Albert Haese, Andreas Mirus, Friedrich Schulze und an Stelle des Genossen Rottmann, der eine Wiederwahl ablehnte, Paul Meister. Als Ersatzpersouen für das laufende Jahr werden gewäblt: Georg Ewald, Luise Grubert, Eugen Haueisen, Otto Schatz und Erich Stockmann. Feucrwrhrbericht. In der letzten Nacht um 3 Uhr kam in der Swiuemünder Stratze 123 aus unbekannt gebliebener Ursache auf dem Bode» Feuer aus. das die Dackkonstruktion. den Fußboden und den Inhalt einiger Verschlage ergriff, aber vom 3. Zuge bald ge- löscht werden konnte. Derselbe Zug hatte in der S-vönhauser Allee Nr. 57 zu tu». Dort stand der Dachstuhl eines Seitenflügels in Flammen. Die Feuerwehr mutzte mit zwei Schlauchleitungen Wasser geben, um eine Ausdehnung aus die angrenzenden Gebäude zu ver- hüten. Vor einigen Monaten ist der Dachstuhl des Vorderhauses von diesem grotzen Grundstück total eingeäschert. Man nahm damals Brandstiftung an und vermutet auch diesmal, datz der Brand an- gelegt worden ist. Ein dritter Bodenbrand kam in der Muskaucr Stratze 49 aus. Dort brannten nachts um 11 Uhr Schaldccken, Batken und anderes, und um 1 Uhr nachlS Papier, Lumpen und ähnliche? in einer Küche. In der Stolpischen Stratze 4 brannten Möbel und Gardinen und Kaiserstratze 10 Papier. Der 11. Zug wurde nach der Kreuzbergstratze 7 alarmiert, wo ein Torpfeiler »lmgefahren und eingestürzt war. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahr._ Vorort- JVacbricbtem Charlottenbuig. Nach der Wahl. Trotzdem wir bei ben letzten Wahlen zwei Mandate eingebützt haben, sind wir doch ein merkliche« Stück vorwärts gekommen. Das beweist die Gegenüberstellung der Zahlen der für uns und die„Liberalen" abgegebenen Stimmen im Ver« gleich zu den 1907 von den einzelnen Parteien erlangten Stimmen» ziffern. So wurden abgegeben am 3. November 1909 im von ein- geschrieb. Wädlern 4922 5452 5969 5154 5240 4966 4866 4673 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. Bezirk 41242 Dem stehen für 1907 gegenüber 38 326 Wahlberechtigte, 16 359 abgegebene Stimmen, von denen 7492 auf uns, 8836 auf die Libe« ralen entfielen, so daß die Zahl der eingelchncbcnen Wähler um 2916, die der Wählenden um 3116 gestiegen ist. Wir erlangten bei dieser Wahl 1953 Stimme» mehr, während die vereinigien „filBeralcu" 75 Stimmen verloren. 1907 brü steten sich die.Frei finnigen" und Nationalliberalen geivaltig, dag sie selbst in der dritten Wählerabtcilnng noch die Mehrheit der Stimmen erlangten. Damit wird es»u» endgültig vorbei sein. Daran ändert auch nichts, daß wir zwei Mandate verloren. Dieser Verlust wird verständlicher, wenn man bedenkt, dah wir 190S den damaligen 2. und 6. Bezirk nur mit einer Zufallsmehrheit von sehr wenigen Stimmen holten. Dagegen aber haben wir den e r st e n Bezirk erobert, der seit 1903 im Besitz der Gegner war. Und dab wir gerade diesen Bezirk, der neben einigen von Arbeiter- familien bewohnten Straßenzügen auch die großen Komplexe des sich immer weiter erschließenden neuen Millionärsviertels von Char- lottenburg umfaßt, gewonnen haben, ist auch eine besondere Be- frtedigung. Um so mehr als vor allen Dingen um diesen Bezirk »m heftigsten gestritten wurde. Es dürfte den Gegnern bei allem guten Willen schwer fallen, auS ihren„Siegen" einen„Erfolg" machen zu wollen. Wenn unsere Fraktion im Rathause auch von 12 auf 10 Mann verringert wurde, so schwächt das weder die Aktionskcaft unserer Genossen im Rathaus, noch bedeutet es einen schlechten Ausblick in die Zukunft. Im Gegenteil, die 1911 stattfindenden Wahlen müssen uns mit Natur- Notwendigkeit wieder einen Mandatszuwachs bringen. Da wir be- stimmt auf vier Kreise rechnen können, aber 1911 nur drei unserer Genossen ausscheiden, so ist uns ein Gewinn sicher. Ebenso 1913. Dazu hat diese Wahl eine weitere Klärung der Lage gebracht. Die„Liberalen", die 1907 aufs erbittertste mit den Nationalliberaleu, den„Unpoliiischm" und den„Alt- Char lottenburgcrn" kämpften, die in persönlich ausfälligster Weise gegen den vorletzten Stadtverordneten- Vorsteher loSzogen, haben sich jetzt mit den Resten der National- liberalen sden„Unpolitischen" und den ,Mt-Charlottenburgern"j ver- einigt. Ter Kampf um die besten Plätze in der Gemeindeverwaltung ist beendet. Die„Liberalen" haben den Bauch voll und„teilen" jtiii, großmütig mit den andern. Jetzt ist die ganze bürgerliche Herrlichkeit ivieder ein Herz und eine Seele gegen die Sozial- dcmokratie. Es ist daher auch nur eine Verschleierung der Dinge. noch von verschiedenen bürgerlichen Fraktionen in der Stadt- verordiietenversammlung reden zu wollen. Wenn man sagt, daß künftig 62 Bürgerlichen 10 Sozialdemokraten gegenüberstehen werden, dann darf man auf jede Spezialisierung dieser 62 verzichten. ES wäre eine nutzlose Arbeit. Wie einig sich die Herrschaften sind, zeigten auch die Wahlen in der zweiten Ableilmig; denn glatt gewählt wurden die.libe- ralen" Kandidaten Rackwitz, Weise, Münch, Protze, Kaufmann. v. Liszt, Schwarz. Marzahn und Kerb. Als neugewählt sie davon zn betrachten Weise. Marzahn und Kerb. Insgesamt wurden in der zweiten Abteilung 2212„liberale". 71 konservative(JnnungS- meister), 18 sozialdemokratische Stimmen abgegeben, und 9 zer- splitterten. In der e r st e n Abteilung wird die Sache noch viel„gemüt- licher" zugehen und die Wohl der„liberalen" Kandidaten Liep- mann, Braune. Frentzel, Jachinann, Crüger, Ruß, Brode und Gredy kann ohne weiteres als gesichert gelten. Blinder Eifer schadet nur I Am Morgen des Wahltages leuchteten an den Häusern, Bäumen, Larernenpfählen viele kleine, hellrote Zettel, auf denen zu lesen stand, daß jedermann zur Stadtverordneten- mahl gehen und den sozialdemokratischen Kandidaten wählen solle. Kau», erfuhr daS die allezeit wachsame Polizei, die sich auch sofort auf die Strümpfe machte, um die Zettel zu entfernen. ES war er- götzlich zu sehen, wie die dicke» Finger manches Schutzmannes sich bemühten, die niederträchtig festgeklebten Zettelchen loszupolkcn. Bald war denn auch alles Staatsfeindliche und Ordnungsslörende auS dem ruhigen Gleichmaß des Charlottenburger Straßenbildes verschwunden. Da— es war bereits 6 Uhr abends— blendete einen Schutzmann ein knallrotes Plakat. Provozierend leuchtete das feurige Rot durch die Dämmerung.„Eingang zum Wahllokal I" stand auf dem Plakat. Ausgehängt war eS vom Magistrat. Doch daS kümmerte den Schützmann nicht. Gebieterisch heischte der Hüter der Ordnung die Entfernung des roten Plakats. Jeder Einspruch blieb fruchtlos. Als niemand der Anwesenden daS Plakat deS Magistrats entfernen wollte, griff die behandschuhte Rechte deS Schutzmanns danach. Ritze-Ratze I In Fetzen lag der„Eingang zum Wahllokal" auf der Erde und das gefährliche Rot war beseitigt. Infolge des Fehlens dieses Plakats war jedoch daS Wahllokal von außen nicht mehr kenntlich. Ein Protestgrund, der auch für die Ai'fechtung der Wahl im vierten Bezirk gute Dienste leisten wird. Schöneberg. Die Stichwahl im 2. Bezirk zwischen unserem Genosien Peterson und dem Kandidaten der Liberalen Fraktion Marsch findet am Sonnabend, den 27. November, von 9 Uhr vormittags bi« S Uhr abend« statt. Der Liberale Bezirks- verein, der mit seinem Kandidaten B e n d m a n n bei der Stich- wähl ausgefallen ist, hat empfohlen. den Kandidaten der Liberalen Fraktion in der Stichwahl zu unterstützen. Durch einen herabstürzenden Balken erschlagen wurde vorgestern auf dem gimmerplatz der Firma Seckel u. Geisler am Sachsendamm der 25jährige Bretterträger August Bachert auS der Sesenheimer Straße 41 in Charlottenburg. Er war in der Nähe eines Balken- stapelS beschäftigt, als von dem letzteren plötzlich ein etwa zwei Zentner schweres Holzstück herabstürzte und dem B. auf den Kops fiel. B. erlitt außer einer Zerreißung der Kopfhaut einen kom- plizierten Schädelbruch; der Tod trat sofort ein. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause übergeführt. Wilmersdorf. Aus den Schularztberichtt«. In Wilmersdorf wird die Schularzttätigkeit von zwei Aerzten im Nebenamt ausgeübt. Der von den beiden Herren für das Schuljahr 1908/09 erstattete Be- richt, der zu Anfang dieses Monats veröffentlicht worden ist, bietet nicht nur, soweit der Gesundheitszustand der Kinder in Betracht kommt, sondern darüber hinaus auch in kultureller Hinsicht ein beachtenswertes Bild. Von den 6371 Kindern, welche die fünf Gemeindeschulen am Ort besuchen, sind 541 krankheitshalber in Be- obachtung genommen worden. Besonders stark waren vertreten herabgesetztes Sehvermögen, Blutarmut, englische Krankheit, Lymph- drüsenschwellungen, Skrophulose und vergrößerte Gaumenmandeln; unter den 284 Kindern, die der eine Schularzt beobachtet hat, hatten nicht weniger als 114 ein mangelhaftes Gebiß. Leider haben die beiden Aerzte ihre Beobachtungen nicht nach einem einheitlichen Schema registriert, so daß sich Gesamtzahlen über das Verhältnis der einzelnen Erkrankungen nicht anführen lassen. Anerkennung verdient eS, daß im weiteren Umfange für ärztliche Behandlung gesorgt wurde, wo die Art der Krankheit dies erforderlich machte. Hierzu gaben im besonderen einige Fälle Anlaß, in denen Kinder in dem Glauben, eS lediglich mit einem Gerstenkorn zu tun zu haben, das Auge nur mit etwas Watte und einer Binde bedeckt hatten, während in Wirklichkeit eine das Augenlicht bedrohende skrophulöse Hornhautentzündung m der Bildung be- grisse» war. Der eine Arzt stellte in drei Fällen bei älteren Schul« lindern Gonorrhoe fest. Hier wurden die Kranken aus mora- lischen Gründen für den Rest ihrer Schulzeit vom Schulbesuch aus- geschlossen und soweit möglich, einem Erziehungsheim überwiesen. Für Stotterer war ein Stottererkursus vorgesehen; eben- falls sorgten die Aerzte bei Kindern mit beginnender Wirbel- säulenverkrümmung oder schlechter Haltung für einen besonderen orthopädischen Turnkursus am Ort, so daß wenigstens in leichteren Fällen die Eltern dieser Unglücklichen nicht die zeitraubenden und kostspieligen Fahrten nach Berliner Instituten zu machen brauchten. Für eine regelmäßige Zahnpflege hatte die Gemeinde in den Etat 1909 zweitausend Mark eingestellt. In dem einen Schularztbericht heißt eS, daß außer Kurzsichtigkeit in erster Reihe Skrophulose zu nennen war, und zwar in allen Abstufungen bis zur beginnenden Tuberkulose. Es dürften, so be- richtet der Arzt weiter, für diese Erscheinung nicht zuletzt unzu- längliche häusliche Verhältnisse verantwortlich zu machen sein, insofern nämlich, als solche zu einer Verschleppung der fraglichen Ucbel beitragen. Der Arzt hält es deshalb für wert- voll, wenn denjenigen skrophulösen Kindern, deren Unterbringung in Ferienkolonien nicht zu ermöglichen sei. wenigstens in den leider ungenügend besuchte» Schulbädern besondere Bäder mit Staßfurter Salz zur Heilung ihres Leidens verabfolgt werden könnten. Es wird zuzugeben sein, daß nicht selten die Schuld wesentlich bei den Eltern liegt; in dieser Hinsicht betont der Arzt, daß in der katholischen Gemeindeschule V das Schülerkontingcnt der polnischen Arbeiterkinder gesundheitlich und auch geistig viel zu wünschen übrig läßt. Aber immer- hin darf nicht vergessen werden, daß wohl an wenigen Orten so un- genügend für kleine Wohnungen gesorgt ist, wie in dem vornehmen Wilmersdorf. In den neuen Stra�nvierteln bestehen auch die Hinterhäuser zumeist aus eleganten Wohnungen mit Zentralheizung und Warmwasserversorgung: für die Arbeiterschaft bleiben fast nur die aus der Kossäthenzeit stammenden Häuser im alten Ortsteil, die aller Hygiene Hohn sprechen. Wenn diese alten Kästen auch immer mehr modernen Mietspalästen Platz machen müssen, so bleibt doch die leidige Tatsache bestehen, daß, wie er- wähnt, die kleinen Leute hierbei immer weniger auf ihre Rech- nung kommen. Die reaktionären Kirchtumspolitiker in der Stadt- verordnetenversammlung freuen sich dieser Wandlungen; eine sich ihren sozialen Aufgaben bewußte Gemeindekörperschaft würde durch Bau und Verwaltung von Arbeiterwohnungen in Ge- meiuderegie dem Ucbel zu wehren suchen. Selbstverständlich stellt auch der gelinde Tadel des Arztes über ungenügende Mittel für Ferienkolonien dem reichen Wilmersdorf ein beschämendes Zeug- nis aus. Auch in diesem Punkte bleibt die jüngste Großstadt hinter ihren Nachbarorten weit zurück. Grost-Lichterfelde. Die überaus schlechten Berkehrsverhältnisse innerhalb des Ortes sowohl wie mit den benachbarten Gemeinden, die wir wieder- holt im„Vorwärts" kritisch beleuchteten, haben in der Einwohner- schaft allmählich eine solche Mißstimmung erzeugt, daß fast täglich in der Ortspresse Sprechsaalartikel erscheinen, die mehr oder weniger den Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung für die völlige Stagnation aus dem Gebiete des Verkehrswesens verantwortlich machen und sie auffordern, endlich einmal aus dem Dornröschen- schlaf zu erwachen und die Interessen der Gemeinde speziell wegen der in ihrer Nähe zu errichtenden Schnellbahnen beizeiten wahr- zunebmen. Mit Recht wird verlangt, daß die Gemeindeverwaltung energisch darauf hinarbeiten solle, Anschluß an die Dahlem-Wil- mersdorfer, Schöncberger und ebenfalls an die neuerdings in den Bereich der Wahrscheinlichkeit gerückte Schnellbahn Berlin-Tempel- Hof usw. zu bekommen. In einer offenbar offiziösen Auslassung wurden Gemeiudevorstand und Gemeindevertretung gegenüber diesen Vorwürfen verteidigt und namentlich darauf hingewiesen. daß es sich bei diesen projektierten neuen Bahnen um„Zukunfts- musik" handle, um die man sich gewissermaßen gar nicht zu kümmern brauche. Von diesem Recht, sich um nichts zu kümmern, haben allerdings die Hüter der örtlichen Interessen besonders bei den so wichtigen Verkehrsfragen einen mehr als nur bescheidenen Gc- brauch gemacht. So soll z. B. die Verkehrskommission während voller zweier Jahre überhaupt nicht getagt haben— ein? Behauptung, die auch von der offiziösen Auslassung nicht bestritten werden konnte. Daß unter diesen Umständen eine„Zukunftsmusik" längst ins Reich der Vergangenheit versunken sein kann, ehe die zustündigen Stellen aus ihrem Schlafe erwacht sind, braucht daher nicht weiter zu überraschen. In der jüngsten Gemeindevertreter- sitzung nahm vor Eintritt in die Tagesordnung Gemeindevorsteher Schulz das Wort zu den Sprechsaalartikeln. Die Vertreter der Presse spitzten die Ohren in der sicheren Erwartung, endlich von Taten und wichtigen Beschlüssen zu hören und über sie berichten zu können. Aber es war eine arge Enttäuschung. In einem jener„Eingesandt" war so ganz nebenbei bemerkt, daß ein Gemeindevertreter, Herr Meyer oder doch dessen Erben, an einer bestimmten Verkehrslinie interessiert seien. Dies veranlasste Herrn Schulz lediglich zu folgender Erklärung:„Dieser Vorwurf ist un- gerechtfertigt; denn nach meiner Kenntnis der Verhältnisse ist der Grundbesitz des Herrn Gemeindeverordnetcn Meyer, und um diese» handelt es sich in dem betreffenden Artikel, auf Jahrzehnte hinaus vor jeder Aufteilung und Parzellierung geschützt. Dann aber wird die elektrische Verbindung mit dem neuen Kirchhofe längst durch- geführt sein; auch ohne iede Mitwirkung der jetzigen Verwaltung und der jetzigen Gemeindevertretung. Bei dieser Gelegenheit möchte ich die Herren Vertreter der Presse bitten, solche Sprechsaalangrisfe gegen Gemeindeverordnete unter allen Umständen zurückzuweisen, die die Objektivität ihrer Handlungen in Zweifel ziehen. Andern- falls könnte dieS dahin führen, daß das an und für sich arbeits- reiche und undankbare Amt eines Gemeindeverordneten jede» An- reizes bar würde— zum Schaden unserer Einwohnerschaft." Uns scheint der Appell an die Presse völlig deplaziert und sie wird sich, soweit sie unabhängig ist, daran auch nicht kehren. Die Herren Gemeindevertreter haben durchaus keinen Anspruch auf eine Ausnahmestellung; sie bekleiden ein öffentliches Amt und müssen sich demzufolge auch daran gewöhnen, daß ihre Tätigkeit öffentlich. kritisiert wird. Der zarte Hinweis, daß sich sonst vielleicht niemand mehr finden würde für das„arbeitsreiche und undankbare Amt eines Gemeindeverordneten" ist einerseits sicherlich hinfällig, an- dererseitS bezeichnend für die Gesellschaftsschichten, aus denen die bisherigen Vertreter der Gemeinde hervorgegangen sind. Es ist ja ein offenes Geheimnis, daß eS sowohl mit der Arbeitsfreudigkeit wie mit den kommunalen Kenntnissen unserer jetzigen Durchschnitts- Gemeindeverordneten nicht gerade glänzend bestellt ist. Heer Schulz braucht nur an der Beseitigung des jetzigen Klassenwahl- rechtes mitzuarbeiten, und er kann überzeugt sein, nach beiden Richtungen hin bald eine andere und bessere Vertretung vor sich zu haben. Aber wie steht es nun eigentlich mit der Interessen- Politik auf dem Rathause? Herr Schulz scheint die Press« gar nicht zu lesen, sonst müßte er wissen, daß diese Jnteressenpolitik von einem Gemeindevertrete-r selbst zugestanden und aus- drücklich f e st g e st e l l t worden ist. Der Gemeindeverordnete Töpfermeister, Engelmann hat auf den Vorwurf, daß die Hand- werkervertreter im Gemcindeparlament Jnteressenpolitik trieben, ganz einfach geantwortet:„Es gibt dort ganz andere Jnteressenpolitiker als die Handwerker es s i n d." Und da'der Mann vom Bau ist, wird ers wohl wissen. Herr Schulz hätte also besser getan, seine Erklärung in der Tasche zu lassen und der Presse es selbst zu überlassen, ob und in welcher Weise sie der Kritik von öffentlichen Einrichtungen und Trägern öffentlicher Aemter Raum gewähren will oder nicht. Mariendorf. „Der Parteitag in Leipzig" lautete das Thema, über welches Genosse Ulm« Zehlendorf in der letzten Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins für Marienfelde und Umgegend referierte. An der recht lebhaften Diskussion beteiligten sich die Genossen Karl Seiler, Adolf Berger, Albert Greulich jun., Fritz Greulich sen. und Richard Kreutzberg. Genosse Seiler betonte u. a., daß die ReichstagSfraktion die Erbschaftssteuer hätte ablehnen müssen, da dieselbe nur dazu dienen sollte, die von der Regierung geplanten indirekten Steuern schneller unter Dach und Fach zu bringen. In der Maifeierfrage kam es zn einer langen und lebhasten Debatte zwischen den Genossen Adolf Berger, Seiler und Kreutzberg. Erstere vertraten den Standpunkt, daß je mehr sich die Industrie entwickele, um so mehr die Maifeier zurückgehe; deshalb solle man ganz davon Abstand nehmen. Genosse Kreutzberg trat dem lebhaft entgegen. Wenn das. was die Borredner befürchten, wirttich zutreffe, so müsse daS ein Ansporn sein, um so eifriger für den 1. Mai zu agitieren, denn nur so werde es möglich sein, daß das Proletariat den Sieg erringe. Zum Schluß teilte noch Genosse Fritz Greulich mit, daß am 21. November eine Volksbersammlung stattfindet, in der Genosse Fritz Zubeil referieren wird. Schmargendorf. Die Gcmeindcvertretersitiung am Montag verhandelte zunächst über die Neuregelung der Gehälter der Lebrer, Gemeindebeamten. Rnthausdiener, Schuldiener usw. Die Tribüne war von den Interessenten vollständig besetzt, doch dürfte mancher von ihnen enttäuscht worden sein. Hauptsächlich die Voltsschullehrer hatten wohl eine bessere Berücksichtigung erwarter. Der Referent der Finanzkommission, Dr. Nathan, erklärte, daß die Kommission darin übereingekommen sei, die Ortszulage der Lehrer auf 750 M. festzusetzen. Er wäre wohl auch für 900 M.; aber dies jetzt zu beschließen, sei ja nur eine„un- nütze Demonstration" gegen die Regierung. Wenn Charlottenburg und Sckönebcrg im Klageversahren durchdringen würden, so werde man es noch einmal in„wohlwollende Erwägung" ziehen, ob die hiesigen Lehrer auch 900 Mark erhalten sollen. Besser als die Volksschullehrer kamen die Lehr« kräfte am hiesigen Realgymnasium weg. So wurde zum Bei- spiel das Gehalt für den Direktor festgesetzt auf 6300—9200 M. nebst einem pensioiisfähigen WohiilingSgeldziischuß von 1800 M. Schuldiener und Ratbanswart erhalte» lünftig 1200—1900 M., der Maschinist der Pumpstation 1700—2500 M.»ebst freier Wohnung. Die Tagelöhne der Geineindearbeiter wurden folgendermaßen fest- gesetzt: Straßenarbeiter Anfaiigsgehalt3,90M, steigend von drei zu drei Jahren um je 20 Pf. bis zum Höchsibetrage von 4 90 M.; Kanalisations- arbeiter 4 M�. steigend bis auf 5 M.; Koloniienführer 4,20, steigend bis auf 5,20 M., Vorarbeiter 4,40 M., steigend bis ans 5,40 M.— Ferner wurde die Bildung eines Pensionsfouds beichlosien, und zwar dergestalt, daß für die nächsten zehn Jahre je 5000 M. zins- tragend angelegt werden, die den Grundstock bilden sollen. Eine lange Debatte entspann sich bei dem Punlte„Neuwahl eines Auf- sichtsratsmitgliedes für das Elektrizitätswerk Südwest". Hier ver- ließ der Amtevoisteher den Saal und übertrug die Leitung der Ge- schäfte dem ersten Schöffen. Dieser verlas zunächst ein Schreiben des Herrn Amtsvorslehers, worin derselbe mitteill, daß er unter dem 19, Oktober seinen Aussichtsralsposten niedergelegt hat. Nun brachte Dr. Nathan einen Dringlickkeitsantrag ein, wonach alle der» artigen Einkünfte, wie Provisionen, Tantiemen usw., welche Gemeinde- Vertreter als Delegierte der Gemeinde beziehen, der Gemeindekasse zn- fließen, DerA»trag wurde einstimmig angenommen. Bei der nun folgenden Neuwahl wurde Herr Amtsvorsteher Bisckoff mit allen gegen eine Stimme als Aufsichtsratsmitglied wiedergewählt. Es ist jedoch sehr fraglich, ob er unter den veränderten Umständen die Wahl annimmt. Wird sich aber»un die Gemeindevertretung zu der Konsequenz des Beschlusses aufraffen und den Gemeindevorsteher auffordern, die von ihm im abgelaufene» Jahre vereinnahmten Tantiemen der Gemeinde- lasse zn überweisen? Wir möchten es bezweifeln. Oder-Schönetveide. Bei der Steuereinziehung für das 3. Quartal scheinen dem Steuerbureau recht böse Irrtümer unterlaufen zu sein, indem Personen mit Kirchensteuern bedacht sind, welche schon seit beinahe 10 Jahren aus der Kirchengemeinschaft ausgetreten sind und schon einmal vor Jahren gegen die irrtümliche Heranziehung reklamiert haben. Etlvas mehr Vorsicht zur Vermeidung solcher Vorkommniffe wäre sehr am Platz«. Für die Betroffenen empfiehlt es sich sofort, unter Beibringung der erforderlichen Schriftstücke den vollzogenen KirchenauStritt zu beweisen und Rückzahlung der eventuell ein- gezogenen Kirchensteuern zu beantragen. Es wäre Übrigenz Sache der Kirchengemeinden, die Einziehung der Steuer selbst zu be- sorgen. Lichtenberg. Um dir Charakteristik des hiesigen ReichSverbandSblattchenS zn vervollständigen, fei mitgeteilt, daß eS in seiner DienStag-Nmnmer keck und kühn behauptet. die Krankenhausbaufrage sei von den Sozialdemokraten verschleppt worden. Diese Unterstellung ist wirk- lich mehr dumm als boshaft. UnS dagegen zu verwahren, haben unsere Genoffen wahrlich nicht notwendig. War es doch der bürger- liche Wortführer, Herr Rechtsanwalt Schachtel, der in der Stadt« verordnetensiyung einfach erklärte: In Lichtenberg ist kein Be- dürfnis für ein Krankenhaus! Man wollte— sparen I Und noch eine Feststellung. Just um dieselbe Zeit, als das Blättchen mit der neuen genialen Erfindung von der Verschleppungsarbeit der Sozial- demokraten den Abonnenten und Gratislesern zugestellt wurde, tagte im Rathaufe eine Sitzung der Grundstückserwerbs-Deputation. Bei der Beratung des nächstjährigen Etats forderte der Schildknappe des Herrn Schachtel, der„Erstklassige" Sommerkorn, die alten Gebäu« lichkeiten auf dem KrankenhauSgrundstück sollten auch noch längere Zeit verpachtet werden, denn Mit dem Krankeuhansbau gehe eS doch noch nicht so schnell 1 1 1--- Fortsetzung folgt. Tegel. Tödlich verunglückt ist beim Abspringen von einem fahrenden Straßenbahnwagen die 19jährige Verkäuferin Margarete Gnstmann auS der Wacholderstr. 52 in Reinickendorf. Das junge Mädchen be- nutzte vorgestern abend°/«9 Uhr zur Fahrt nach ihrer Wohnung einen Straßenbahnzug der Linie 25 und hatte auf der Vorderplait- form deS Anhängewagcns Platz genominen, den sie dann in der Nähe der Tegeler Gasanstalt verlassen wollte. Die Verkäuferin sprang von dem in voller Fahrt befindlichen Wagen ab und stürzte so unglücklich, daß sie einen schweren Schädelbruch erlitt. Die Ver- unglückte wurde nach dem Bureau der Gasanstalt gebracht, wo sie wenige Minuten nach ihrer Einlieferung verstarb. Borfigwalde-Wittena«. „Das Christentum von heure" lautete das Thema, über welches Genosse Adolf H o f f m a n n in einer überfüllten Volksversammlung in den„Borsigwalder Prachtsälen" referierte. Der Andrang zum Versammlungslokal war so groß, daß die Tische entfernt werden mußten, um die Zuströmenden aufnehmen zu können. Die Herren Seelsorger hielten eS, trotz besonderer Einladung jedoch nicht für nötig, zu erscheinen; dafür wurde die Versammlung durch zwei Ordnungshüter beschickt. Die rein sachlichen Aussührungen, die der Referent in seinem 1�/, stündigen Vortrage machte, war eine gewaltige Anklage gegen die heutigen Apostel des Evangeliums sowie den Staat, der das größte Interesse daran hat, daß dem Volke die Religion erhalten bleibe. Der Referent forderte nicht nur diejenigen, welche innerlich mit der Kirche gebrochen haben, auf. der Kirche den Rücken zu kehren, sondern auch speziell die Gläubigen, da das Evangelium, welches heute von der Kanzel gepredigt werde, mit dein vom Nazarenec gelehrten, nichts gemein habe. Stach einer lebhaften Diskussion meldeten zahlreiche Versammlungsbesucher ihren Austritt aus der Landeskirche an. NokvaweS. Die Ersatzwahlen zur Generalversammlung der OrtSkrankenkasse. welche am Montag stattfanden, wiesen nur eine schwache Wahl- beteiligung auf. Während zu der Arbeitnehmerwahl 213 Mitglieder erschienen waren, die ihre Stimmen für die Kandidaten deS Gc« werkschaftSkartells abgaben, hatten sich an der Arbeitgeberwahl nur 13 Wahlberechtigte beteiligt, die einen Angestellten der Firma Michaelis u. Behrendt zu ihrem Vertreter wählten. Potsdam. Selbstmord eines MagistratSasfifienten. In den gestrigen Nach« Mittagsstunden hat sich auf dem neuen Kirchhof der in der Schock- straße 2 wohnhafte Magistratsasfistent L. Sixel, der Sohn eine« hiesigen Schneidermeisters, erschossen. Ueber die Beweggründe zur Tat ist nichts bekannt. S. war ein diensteifriger Beamter. Vcmufcbtea. Ei« verhängnisvoller Irrtum. Zwischen Trauving und Tutzing am Starnberger See wurde, den„Münchener Neuesten Nachrichten" zufolge, gestern der Bürgeruteister von Traubing, der mit dem Ge- meindediener zwei Einbrecher festnehmen wollte, von dem Bau- techniker Knittl, der mit einem Knecht ebenfalls die Einbrecher suchte, erschossen. Die eine Partei hatte die andere für die gesuchten Ein- brecher gehalten. Rangierers Tod. Nach einer amtlichen Meldung aus Breslau wurde nachts 11 Uhr 30 Min. beim Rangieren des Zuges 7S4t in Kunzendorf an der Oder der in Brockau stationierte HUssschaffner Karl König überfahren und sofort getötet. Die Untersuchung ist eingeleitet.>_ Im Armenhaus verbrannt. In Wohcin, Kreis Znin, ist, Brombsrger Meldung zufolge, das Armenhaus niedergebrannt. Hierbei kamen der Rentenempfänger Müller, seine Tochter und seine Enkelin umS Leben. Explosionskatastrophe in Bolivia. Aus La Paz wird berichtet, dah eine furchtbare Explosion Oruro heimgesucht hat. Das dortige Dyiiamillager ist in die Lust geflogen und die ganze Ortschaft stark beschädigt worden. Die Häuser sind fast alle zerstört. BiS jetzt sind 40 Leichen geborgen. Oruro zählt 8000 Einwohner. Im Gefängnis an Milzbrand verstorben. Ein Fall tödlicher Milzbrandvcrgiftnng ist schon wieder in Nürnberg vorgeloinmen. Der Borslenzurichter Kautz, der wegen Beleidigung eine zweitägige Hafrstrafe zu verbüßen hatte. erkrankte im Gefängnis an Milzbrand und mußte von dort in das Krankenhaus gebracht werden, wo er tobsüchtig ankam. Nach wenigen Stunden starb er unter entsetzlichen Qualen.. Zwei Bergleute getötet. Auf Schacht 5 der Zeche»Rheinpreußen" wurde ein Bergmann durch herabfallendes Gestein und auf Schacht I ein zweiter durch die Explosion von Sprengkörpern getötet. Friseurgehilfen Rixdorfs. Versammlung am Donnerstag, dm 11. d. Mts.. abends 9 Uhr. Reuterstr. 23. Berrin ehemaliger Hohenclscr. Sonntag, den 14. d. MlS., abends 7 Uhr, findet bei C. Berndt, göpenickerstr.>47, die nächste Monats- Versammlung statt. Ehemalige Hohenelser willkommen. Bmfharten der Redahtion. Die lurisilsche SvrcchNunde findet Linden st rahe g, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen. Mj?" Fahrstuhl wpchrntiiglich abends don 7zh bis Ssh Uhr statt. Gcöffnct 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Meelzeichen beiznfiiaen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tnge vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. E. C. 67. Ihnen steht monatliche Kündigungsfrist zu.— Datteln 100. Leider ja— B> elih 100. Kündigen Sie die Vollmacht, verlangen Sie Rechnungslegung und Zusendung deS Geldes innerhalb einer Woche und klagen Sie nach Ablauf dieser Frist.— F. Ä5. 1. Machen Sie im Termine die UNS vorgetragenen Einwände und ei klären Sic sich zur Zahlung von 10 M. im Verglcichswcge bereit. 2. Die Pfändung ist zulässig, eine Frier- vcntionsklage hätte aber Aussicht auf Erfolg. 3. Ja. 4. In 30 Jahren. 5. Nein.— W. F. 76, SA. 20. Leider nein.— Nntomobil. Solche Rrichsgerichtsemschcidung ist nicht ergangen. Lassen Sie es aber aus eine "....."--. so...... Entscheidung antomnien.— C. W. Adoptieren kann, wer keine ehelichen Kinder hat und daS 50. Lebensjahr zurückgelegt hat. Ersorderlich ist ein gerichtlich oder notariell zu schließender Adoptionsvertrag. dem die Mutter und der Vormund zustimmen und den das Bormundfchastsgericht genehmigt. Von dem Alterscisordernis kann das Vormundschastsgericht DiSpens erteilen. Zweckmäßig ist es, dem dahin gerichteten Gesuch ei« Zeugnis der von Ihnen gedachten Art beizusügen. Die Vertragskosten betragen 53 M.— Gl. Lichtenberg. Der Kirchenaustritt kostet ein« schließlich Schreibgebühren etwa 3,50 M.— A. H. 50. Die Schadenersatzklage ist wenig aussichtsvoll, weil Sie unterlassen haben, daraus hin« zuweisen, daß Sie aus Lieferung zu dem vereinbarten Preise bestehen. — F. A. 34. 1. Die Firma hat Anspruch aus Zahlung. 2. Schlesische landwirtschastliche Berussgenossenschast in Breslau.— G. G. 10. 1. und 2. Ja. 3. Staatsanwaltjchast Breslau.— W. I. 103. Die Ncichserb« lchastsstcucr beträgt für Eltern, Geschwister, Resten und Nichten 4 Proz., sür Großclurn, Schwieger« und Stiefeltern und-Kinder sowie für Ge- schwiftcrenkel, anerkannle und uneheliche Kinder und Adoptierte 6 Proz., sür Geschwister der Eltern und für Verschwägerte im zweiten Grade der Seitenlinie 8 Proz., endlich sür alle anderen Fälle 10 Proz. S�e können daher die zu Unrecht von Ihnen erhobene Halste der Steuer zurückfordern. — A. L. 88. 1. Ihrer Frau steht das Eibrecht in dem Nachlaß Ihrer Mutter zu. 2. A. ist ganz stattlich, etwa 1,73 groß.— L. M. N. Nein. — F. St. Ihr Sohn unterliegt der Krankenkassenversicherungspflicht nicht. — Alt. S. 73. Der Kollelteur ist im Recht. Ihre Mutter hätte damals verlangen tonnen, daß ihr auch das zweite Los gegeben werde, wenn sie es bezahlt. Da sie Zahlung nicht geleistet hat, bat sie keinessalls einen Anspruch aus Gewinn.— F. K. 100. Ein Recht aus freihändigen Kauf haben Sie nicht. Sie könnten nur Ihre Forderung einklage» und dann Zivangsvollslreckung in das Haus vornehmen.— Kirchensteuer. Re« klamieren Sie gegen die Veranlagung. Die Beweismiltek brauchen Sic nicht beizusügen. ES genügt mitzuteilen: Slm soundsouicllen bin ich bei dem und dem Gericht aus der Landeskirche ausgetreten. — R. S. 38. Verklagen Sie die Eigentümerin bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk Sie wohnen— M. B. 1000. 1. u. 2. Nein.— F. W. 48. 1. u. 2. Nur, wenn ausdrücklich seste Anstellung und Pension vereinbart ist. 3. Der Passus hat sür Sie gar keinen Wert. Er trifft aus die Fälle zu, in denen Beamte versetzt werden. Dieselben würden einen länger dauernden Verlrag beispielsweise nach dieser Klausel bis am 3. Oktober zum 31. März kündigen könucn. W. WERTHEIM G.m. b.H. FrleMstrnße 110-11Z mnam FrleMstroBe 110-112 Donnerstag Freitag Sonnabend Besonders preiswerte LEBENSMITTEL soweit der Vorrat reicht: Wir bringen nur von Prima Mastvieh stammendes Fleisch in aller- bester Qualität rnm Verkauf. Ochsenfleisch Schmorfleisch• Pfd. 90— 100 PI. Roastbeef mit Knochen Pfd. 110 Pf. Roastbeef ohne Knochen Pfd. 140—150 Pf. Schweinefleisch Schinken im gani.u.geteilt Pfd. 80 Pf. Schulterblatt..... Pfd. 80 Pf. Pöckel-Dickbeine..• PW- 75 Pf. Kasseler Rippespeer 80- 90 Pf. Pfd. Hammelfleisch Hammelkeule.. Pfd. 80—90 Pf. Dicke Rippe...... Pfd 80 Pf. DQnnung-....... PW- 60 Pf. KONSERVEN Kaiserschoten fein Junge Schoten Junge Schoten I.. Junge Schoten ll.. junge Schoten 111. junge Schoten IV- dem. Gemüse I-. Gem. Gemüse II.. Karotten I....... Karotten II...... 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