Ar.»67, nbonncmentS'Bedlngungen: SbomiemenlS> PrciS pränumerando: Ticrtcljährl. Ml., monatl. I.Iü Wtt, wöchentlich 2a Plg. frei ins Haus. Einzelne Nuuwier S Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg. Post- Abonnement: 1,l0 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. BostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Ruinäuien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Crtittiat Wich außer fSsDtags. Verlinev Volksblnlt. Zcntralorgan der rozialdemokratifcbcn partd Deutfcblands. Die TnlertionS'Gebüljr veirägt für die fechsgespaliene Kolonel- zcile oder deren Raum m Pfg., für poliiische und gewerfschastlichc Vereins- und Vcrsammiungs-Anzeigcn M Psg. „Ul-tn- Zn-etg-n", das erste fseit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzelgcn das erste Wori lfl Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Wmtr über »5 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnct. Telegramm-Adresse: „SozialtUnuhrat Rcrllo". Redahtion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fcrusprecher: Amt IV, Nr. 1i)8Z. t Sonntag, den 14. November 1369. Expedition: SM. 68» Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8I. Meiler. Genoiien! Meidet den Schnaps! Weg mit dem Junkerfusel! Ein jeder setze seine Ehre darein, die Parole für sich selbst durchzuführen. Ein jeder sei stolz darauf, als Vorbild der anderen zu dienen! Seid Apostel des Schnapsboykotts, stärkt den schwachen Kameraden in seinem Entschluß! Letxte Abrechnung! Am nächsten Dienstag finden die Wahlmänner» st i ch w a h l e n statt, die bei der Landtagsurivahl vom 26. Ok- tober notwendig geworden waren. Sie haben nur für einen Wahlkreis Bedeutung, für den 12. Berliner Landtags- Wahlkreis. Denn hier werden erst die Stichivahlen darüber entscheiden, wer künftig diesen Wahlkreis vertritt, der Sozial- dem 0 trat H 0 f f m a n n oder der freisinnige Pastor R u n z e. Die bürgerlichen Parteien haben denn auch die ja sehr aus- giebige Frist seit der Hauptwahl eifrigst dazu benutzt, um die Wähler zu bearbeiten/ Sie alle, Freisinnige, Nationalliberale und Konservative, brennen ja darauf, den verhaßten Sozial- denivkraten aus der Junkerkammer hinauszuwerfen. Da der perfide Anschlag auf die drei anderen Mandate so schmählich mißglückt ist, möchten sie gar zu gern der kleinen sozial- demokratischen Fraktion wenigstens dies eine Mandat ent- reißen I Bereits in der Nummer vom 27. Oktober erklärte es der „Vorwärts" für eine Ehrenpflicht nicht nur der Genossen des 12. Wohlkreises, sondern ganz Berlins, bei den Stich- wählen das Mandat abermals zu erobern. Erst der Sieg in Moabit, diesem so heiß umstrittenen Wahlkreise, wäre die Krönung des Erfolges vom 26. Oktober. Die Niederlage der koalierten Gegner im 12. Wahlkreise wäre erst die rechte Quittung sür den niederträchtigen Viermandatsraub, der hundertfach verdiente Denkzettel für die feige Heuchelei und den brutalen Gewaltstreich der Mandatsräuba I Darum werden auch unsere Genossen in den nächsten Tagen und besonders am 16. November alle Kräfte anspannen, um der Fischbeck-Garde und ihren konservativ-national- ltberal-ultramontanen Helfern eine bittere Ent- täuschung zu bereiten! Vergeltung für den Mandatsraub! Das muß auch am Dienstag die Parole sein! Oder kann es etwas Schamloseres geben, als einer Partei, die zwar die m e i st e n Wähler von allen Parteien aufgebracht. aber nur sieben von 443 Mandaten errungen hat, durch einen skandalösen Gewalt- streich mehr als die Hälfte dieser wenigen Mandate wieder entreißen zu Ivollen? Und diesen Gewaltstreich vcr- übte derselbe Freisinn, der da immer behauptet, daß er für die Uebertragung des Reichstags-Wahlrechts auf Preußen eintrete l Wes Geistes Kind der Freisinn der Fischbeck und Kon- sorten und auch der freisinnige Kandidat für Moabit. Herr Pastor Runze, ist. das beweist die Art, wie der Freisinn für ihn bei den Reaktionären Stimniung zu machen gewußt hat. Man empfahl Runze als alten Kriegerverein lerl Man genierte sich also nicht, die Seelenverioandtschaft des „freisinnigen" Kandidaten mit der Kriegervereinlerei heraus- zustreichen, einem Institut, das männiglich als B r u t st ä t t e erzreakt-ionären Geistes bekannt ist l Dafür erfährt denn auch der Freisinn die Genugtuung, daß Konservative und Antisemiten für Herrn Runze>vie für einen der ihrigen eintreten werden, trotzdem doch die Flitterwochenzeit der Blockpaarung längst vorüber ist, der Freisinn längst zugunsten des Zentrums den Laufpaß erhalten hat. Ja, der„liberale" Pastor Runze flößt unseren Berliner U l t r a m 0 n t a n e n trotz seiner gelegentlich zur Schau getragenen theologischen freigeistereien so wenig Bedenken ein, daß auch die braven entrnmschiisten beichlossen haben, diesen Freisinnskämpen gegen die Sozialdemokratie zu unterstützen I Und das, trotz- dem doch bei den Debatten über den Mandatsranb ein ZentrnmSredner erklärte, daß die Berliner Zentrums- angebörigen Gewicht aus die Feststellimg legten, daß sie mit der BtaiidatSräuberei nichts zu tun haben ivolltcn! Die ganze Reaktion steht also geschlossen hinter Runze. dem„Freisinnigen". Konservative. Antisemiten. Nationalliberale und Zentrum erblicken allesamt in dem„freisinnigen" Kandidaten den Mann ihres Vertrauens. Das Zutrauen wenigstens schenken sie ihm. daß er Junkern. Pfaffen und Geldsackprotzen im Dreiklassenhans nicht unangenehm werden wird. daß er den agrarischen Brotwucherern und den mit ihnen verbündeten Pfaffen niemals so beißende Wahrheiten sagen, so aufpeitschende Anklagen ins Gesicht schleudern wird, wie der sozialdemokratische Kandidat das als Abgeordneter ja so oft getan hat I Für Runze kämpft am Dienstag die ganze Leibgarde der Reaktion und des Geldsacks: Hausagrarier, Vertreter des be- schnittenen und unbeschnittenen Kapitals, die höhere Bureau- kratie. die gescheitelte und geschorene Geistlichkeit— kurz alles, was die Arbeiter, den kleinen Mittel- st and. die kleinen Beaniten wirtschaftlich ausplündern und politisch knebeln hilft! Das Kartell der Wahlrechtsfeinde tritt ge- schlössen für Runze ein l Da darf und kann es keinen einzigen kleinen Geschäftsmann, kleinen Handiverker, kleinen Beamten und Arbeiter geben, der nicht alles aufböte, um dem sozial- demokratischen Kandidaten, dem Genossen Adolf H 0 f f in a n n, zum Siege zu verhelfen I Wer Volksrechte und Volks Wohlfahrt erstrebt, für den gibt es nur die eine Losung: Nieder mit dem Erkorenen der gesamten Reaktion! Sieg dem Vertreter der ehrlichen Arbeit, dem sozialdemo- kratischcu Kandidaten Adolf Hoffinannl 2um Kieler ftlerftprozeß. Am Freitag hat die zweite Verhandlungswoche in dem auf- sehenerregenden Prozeß abgeschlossen; man kann aber nicht sagen, daß das Urteil über das auf der Meter ReichSwerft herrschende System durch die Verhandlungen günstiger beeinflußt worden sei. Zwar hat der Erste Staatsanwalt G r e i f r a t, der Vertreter der Anklage, am ersten Verhandlungstage dieser Woche— es war am Dienstag— den Versuch unternommen, mit sittlicher Entrüstung die niederschmetternden Anklagen des Angeklagten Frankenthal gegen die Werstverwaltung zu entkräften, um wicht nur auf die Geschworenen einzuwirken, sondern rfuich, wie et wörtlich sagte, „int Interesse der Reichs- und Staatsbetriebe. das auch ein Interesse der Justizbehörde ist", die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Ueberzeugend hat der Herr Erste Staatsanwalt damit nicht gewirkt; er hat vielmehr nur bewiesen, daß er sich nicht allein als Vertreter einer Behörde fühlt, die be- rufen ist, lediglich das Recht zu suche», sondern daß er es auch für nötig hält, über die Zweckmäßigkeit des Verlaufes des Prozesses für die Verwaltung der Reichs- und Staatsbetriebe zu entscheiden. Auch der von ihm als Kronzeuge herbeigerufene Oberwerftdircktor Vizeadmiral von Usedom hat mit seiner Erklärung der Mastverkaufsgeschichte das Ansehen der von ihm geloitcten Verwaltung nicht wieder her- zustellen vermocht, vielmehr— wie ja schon im„Vorwärts" ganz richtig hervorgehoben worden ist— nur bewiesen, daß er von dem Betriebe keine Ahnung hat! Die Verhandlungen drehten sich in dieser Woche fast aus- schließlich um die aus den Anklageakten entwendeten Briefe und die später vom Angeklagten Frankenthal bei- gebrachten Briefe, welch letztere von der Anklagebehördc als g e- fälscht bezeichnet werden. Die Anklagebehörde bezeichnet W) bis 60 Briefe und Abrechnungen als ganz oder doch teilweise gefälscht. Der Inhalt der als gefälscht bezeichneten Briefe ist allerdings ge- eignet, der Anklage den Boden zu entziehen, denn durch ihn werden die belastenden Dokumente ganz anders erklärt, als es die Anklage getan hat. Immerhin gab es auch in dieser Woche Momente, wo der Schlendrian und die unglaubliche Sorglosig- keit auf der Reichswerft wie mit Blitzlicht beleuchtet und alles das bestätigt wurde, was wir darüber in der Dienstag- nummer geschrieben haben. Da erklärte z. B. der Intendantur- assessor F r e r i ch s als Zeuge vor Gericht, das Abwägen der Altmetalle durch die Magazinverwaltung vor der Abgabe sei e r st nach der Entdeckung der Unterschleife eingeführt worden; früher seien die Maderiakien direkt nach dem Maierialienmagazin gebracht worden, ohne im Ressortmagazin gewogen worden zu sein! Rkagazsindirektor Jmmelmann beantwortete die Frage, ob es möglich sei, daß auf dem Wiegezettel 7606 Kilo- gramm ständen, während in Wirklichkeit 12 666 Kilogramm auf den Wagen wären, mit„Ja"! Jntendanturassessor Frerichs erklärte, daß die Werft nach ihren Bedingungen nur ab Lagerplatz verkaufe; vor Gericht wurde aber von allen Zeugen ausgesagt, daß der Magazindirektor Heinrich den Käufern stets Werft- arbeitet zum Aufladen zur Verfiigung stellte! Auf die Frage des Präsidenten, ob die W a g e n auf der Werst gut waren, sagte der als Zeuge vernommene Kaufmann Bern- stein aus. und zwar mit entsprechender Bewegung:„Darüber kann man vieles sagenl Ich war einmal zur Abnahme von Kondensatorrohren auf die Werft gekommen. Dort wurde mir eine vielleicht hundert Jahre alte Dezimalwage gezeigt, deren Schalen hin � und herwackelten. Damit konnte nicht gut gewogen werden. Ich machte noch darauf aufmerksam. daß man mit dieser Wage nicht gut wiegen könne, aber die Appli» kanten sagten, damiit werde immer gewogen. Na, ich war einverstanden und bin mit dem ermittelten Gewicht zu« frieden gewesen, ich hatte Vorteil davon."— Bei allen diesen Aussagen muß man immer im Auge behalten, daß die als Zeugen vernommenen Beamten mit großer Reserve ihre Aussagen machen. Immer wieder lautet auf eine an die Zeugen gerichtete Frage des Präsidenten über Dinge, diie in deren Ar- beitsgebiet fallen, die Antwort:„D«S weiß ich nicht." Zu allem Ueberfluß kommt nun noch die vom Staatssekretär des Marineamts eingesetzte Komniission mit ihren Vor- s ch lä g e n über die„Organisation und Verwaltung der kaiserlichen Werften", um die verantwortlichen Stellen noch tiefer hineinzurcißen. Was in dem Bericht über die Vorbildung der Beamten, die Einführung der kaufmännischen Vuchsührung, die Herbeiführung besserer Revisionen, die Aenderung des Veschaffungswesens gesagt ist, trifft erstens den Kern der Sache nicht, und(ist zweitens nur deshalb so außerordentlich interessant, weil damit bewiesen wird, daß diese so selbstver- st ä n d l i ch e n Einrichtungen bisher auf der Reichswerft nicht bestanden haben! Auch dieser Kommissionsbericht liefert den Be- weis, wie recht wir mit unserer Kritik in der Dienstagnummer des„Vorwärts" hatten. Wir hatten es für unzweckmäßig erklärt. daß an der Spitze der Rcichswerften ein Seeoffizier steht, der von den technischen und Verwaltungsfragen keine Ahnung hat — die Kommission will dies System beibehalten wissen, muß aber in ihrem Bericht über die Oberverantwortlichkeit des Ober» werftdircktors sagen: In der Praxis steht diese letztere Verantwortung— falls nicht etwa die Person des Oberwerftdirekiors erhebliches Talent für diese Fragen hat— in der Hauptsache auf dem Papier, und zwar, weil es ihm an den erforderlichen Organen fehlt nach der Richtung der EntWickelung einer weit getriebenen Oekonomie im ganzen Wirtschaftsbetriebe der Werft wirksam zu werden." Wir meinen aber, daß der Oberwerftdircktor auf alle Fälle das erforderliche Talent und die erforderlichen Kenntnisse haben muß! Wir hatten bemängelt, daß die von den Schiffen abgegebenen Materialien überhaupt nicht nach Maß und Gewicht festgestellt werden. Daß das bis zum Bekanntwerden der Unterschleife so war, gibt der Bericht gleichfalls zu: „Um die Magazinbestände dauernd zu kontrollieren, ist seit Anfang 1969 auf der Werft ein Beamter als Werftrcvisor ans- gestellt, der auch bei Abgaben von Schiffen usw. auf die sofortige Buchung etwaiger Uebcrstände sein Augenmerk zu richten hat." Doch genug der Beispiele. Nur auf eines sei noch hin- gewiesen: Wenn die„staatscrhaltende" Presse so tut, als wenn das Reichsmarineamt mit der Einsetzung der Kommission zur Reorganisatiion der Verwaltung aus eigenen Stücken vor» gegangen sei, so vergißt sie, der Oeffentlichkeit mitzuteilen, daß die Kommission Anfang 1969 eingesetzt worden ist, die Hauptangeklagten aber schon seit Mai 1998, die übrigen seit spätestens August 1968 in Untersuchungshaft sitzen. der Miniister also wirklich im Januar 1969 schon etwas über die Unterschleife gehört haben dürfte I So groß nun aber auch die Verluste sind, die durch den Schlendrian und die unzweckmäßige Verwaltung bei dem Alt- Materialienhandel entstanden sind, sie verschwinden vor denen, die im Produktionsprozeß auf der Werft durch die b u r e a u- kratische Verwaltung entstehen. Nur die b u r e a u» kratischc Verwaltung hat die Schuld, daß die Reichs- werften zu teuer bauen, daß ungeheure Mengen von Arbeits- kraft und Arbeitsmaterial n u tz l 0 s v e r g e u d e t werden l Da- rauf muß bei der Besprechung der Werstaffäre im Reichstage das Hauptgewicht gelegt werden. Hoffentlich hat sich der Eifer der bürgerlichen Preßorgane, die eine parlamentarische Untersuchungskommission fordern, bis zur Eröffnung des Reichstages nicht abgekühlt! Line bedeutsame Stichwahl. Die„rote Welle" hat sich, wie das freisinnige Blatt deS Wahlkreises selbst schreibt, auch in Lnndsberg-Soldin bemerkbar gemacht. Einem enormen Stimmenverlust der Konservativen steht dort eine stattliche Stiminenvermehrnng der Sozial- demokratie gegenüber. Die Konservativen sanken von 13766 Stimmen im Jahre 1967 auf 9169 Stimmen bei der Wahl am Freitag, sie verloren also 4327 Stimmen, wäh- rend die Sozialdemokratie ihre Stimmen von 6176 aus 7553 vermehrte, also 1V83 Stimmen gewann! Der Freisinn erfuhr mit seinen 6377 Stimmen gegenüber den 6l79 Stimmen vom Jahre 1967 nur den minimalen Zuwachs von 198 Stimmen. Die Sozialdemokratie kommt zum erstenmal in Landsberg- Soldin in die Stichwahl. Und die Konservativen, die bisher stets die absolutcMajorität besaßen, sind den Sozial- demokraten noch nicht um ganze 2666 Stimmen voraus. Das kommt daher, weil die Enipörnng breiter Wählermassen sich in diesem ländlichen Kreise einfach in Stimmenthaltung geäußert hat. In zahlreichen größeren Ortschaften des Wahl- krcises, z. B. in Alt-Lipke, Altensorge, Hohenwalde, Ludwigs- ruh. Soldin, Berlinchcn, sind die Stimmen der Konservativen äußerst stark zurückgegangen, ohne daß die Sozialdemokratie oder der Freisinn einen entsprechenden Zuwachs erfahren hätten. Tausende demonstrierten eben durch Stimm- enthaltimg! Sicherlich iväre übrigens die Zunahme der Sozialdemo- kratie eine nicht unwesentlich stärkere gewesen, wenn die Wahl vier Wochen später stattgesunden hätte. Viele Hunderte von Wählern befanden sich diesmal als Flößer oder Schnitter außerhalb des Wahlkreises. Der größere Teil von ihnen würde aber zweifellos wie auch im Jahre 1907 sozialdemo- tratisch gewählt haben. War schon der Ausfall der Hauptwahl als neue Quittung für den Steuerraubzug des Schnapsblocks bedeutsam, so wird es die Stichwahl e r st recht sein I Denn bei dieser Stichwahl wird der Freisinn zu zeigen haben, ob er trotz der von den Agrariern empfangenen Fußtritte den Agrariern auch fernerhin Hand- langerdienste leisten will, oder ob er den Mut hat. seinen Deklamationen gegen die Reaktion auch die Tat folgen zu lassen. Der konservative Kandidat Holtschke ist ein Agrarier und ein Illtrareaktionär vom reinsten Wasser, für den sich der Bund der Landwirte mit besonderem 6ifer ins Zeug gelegt hat. Da sollte man meinen, daß es für jeden ivirklich liberalen Mann nur die gan�i selbst- verständliche Parole gäbe, die auch das„B e r l. Tage- b l a t t" ausgibt:„Die Liberalen werden Mann fürMann für das„kleinere Uebel". für den sozialdemokratischen Kandidaten eintreten müssen, wenn die Wahl eines Re» aktionärs verhindert werden und keine Verwirrung in die Bewegung getragen werden soll, zu der die Finanz- reforni des schwarzblauen Blocks den Anstoß gegeben hat." Die liberale Parteileitung des Wahlkreises scheint denn auch nicht den Mut zu haben, ihre Wähler z u g u n st e n des Reaktionärs abzukommandieren, wenn sie sich auch nicht ohne weiteres zu dem Entschluß aufzuschwingen vermag, die Unterstützung der Sozialdemokratie zu empfehlen. Die „Neumärkische Zeitung", das osfizielle Freisinns- organ des Kreises, schreibt nänilich: „Nun richtet sich alles Interesse natürlich auf die Stichwahl. Abhängig wird sie wesentlich von der Parole sein, die die liberale Wahlleitung ausgibt. Die Wahlleitung kann, wenn sie im Gegensatz zum deutschen Südwesten im Osten auch jetzt noch konseauent den Standpunkt vertritt, das; eine bürgerliche Partei der sozialdemokratischen nicht zu einem Mandat verhelfen darf, Wahlenthaltung proklamieren und von ihren An« hängern verlangen, daß sie der Wahl fern bleiben. Wie weit dem bei der herrschenden Stimmung Folge ge- geben wird, ist natürlich nicht vorauszusehen. Die Wahlleitung kann dann aber auch„die Entscheidung den Wählern überlassen", d.h. sie kann darauf ver- zichten, selbst zu entscheiden und die Marschrichtung auch in diesem Falle anzugeben. Sie würde damit erreichen, daß viele. die ohne Führung auf dem Gebiete der Politik nicht mehr Be« scheid wissen, g a r n i ch t wählen und daß viele andere zu den Konservativen stoßen. Endlich kann die Wahl- leitung für Unterstützung des Sozialdemokraten eintreten. Die Wahlleitung wird wohl die Stimmung in der liberalen Wählerschaft ergründen müssen. und wird danach ihre Vorschläge machen. Wie sie sich endgültig entschließt, läßt sich im Augenblick also kaum vor- hersage», um so weniger, als sie wohl, wenn sie sich auch sehr große Hoffnungen auf einen Wahlsieg kaum gemacht hat, auf das gestern zu verzeichnen gewesene Resultat kaum'rechnete. Daß die Konservativen viel verlieren würden, wußte man, daß ihr Ver- lust aber so erheblich sein würde, hat niemand erwartet. Darum ist die politische Situation heute eine ganz andere, als sie noch gestern nachmittag war. Man hat oft gesagt, daß ganz Deutschland auf diese Wahl blickt; wir glauben, daß auch auf den in Aussicht stcheuden Vorschlag der Wahlleitung, zumal sie hier das unbedingte Vertrauen besitzt wie selten eine Wahlleitung, nicht minder das Interesse ganz Deutschlands ge- richtet ist." Wir haben diesen Auslassungen kaum etwas hinzuzufügen. Wenn der Freisinn seine Entrüstuugskundgebungen gegen die Agrarier aller Welt als die hohlste und lächerlichste Komödie erweisen will, braucht er nur durch Pro- klamierung derWahlenthaltung oder Verzicht auf irgendeine Wahlparole dem Agrarier das Mandat zuzuschanzen! Denn daß solch feige Taktik bewußtermaßen kein anderes Resultat haben würde, hat ja das Landsberger Freisinnsblatt selbst klipp und klar ausgesprochen I Die Stichwahl ist in der Tat hochbedeutsam für den Freisinn. Versagt er hier, so wird er für die Reaktion vollends zuni Kindergespött werden. Aber auch innerhalb der Sozialdemokratie dürfte dann die Ansicht immer mehr An- Hänger finden, daß die Theorie vom„kleineren Uebel" einer solchen Partei gegenüber wirklich kaum noch in Frage kommen kann. Zur Cage In englaud. London, 11. November.(Eig. Ber.) Das Unterhaus hat sich vertagt und da8 Oberhaus wird am 22. Noveniber an die zweite Lesung des Etats herangehen und eine Reso- lution annehmen, daß die Lords den Etat wegen seiner revolutionären Maßnahmen nicht passieren lassen können und ihn deshalb dem Volke zur Entscheidung vorlegen. Die treibende Kraft für das Verhalten der Lords ist die Tarifreformbewegung. Ohne diese würde der Etat auf keine Schwierigkeiten stoßen. Die Tarifreformer sind zur Ueber- zeuguug gelangt, daß die Rebellion gegen die Steuerlasten, die der Etat den Neichen auferlegt, zum Kampfe gegen den Freihandel ausgenutzt werden könnte. Jetzt oder nie! Das ist die Parole der Tarifreformer. Es gibt wohl eine Anzahl von emsten konservativen Politikern, die den Lords raten, den Konflikt zu verschieben, da der Etat populär sei und den Liberalen zu einem Siege bei den auf die Ablehnung des Etats folgenden Wahlen ver- helfen werde. Allein in Zeiten ernster Staatskrisen gewinnen in der Regel die entschlossenen Draufgänger die Oberhand. Diese nehmen an, die Volksmassen kümmerten sich weniger um konstitutionelle als um ökonomische Fragen. Sie ver- sprechen dem arbeitenden Volke lohnende Beschäfti- g u n g durch Schutzzölle und die Schaffung einer starken Schicht von Kleinbauern in Großbritannien nach dem Muster der irischen Bodenreform vom Jahre 1903. In den beiden Punkten unterscheiden sich die Liberalen von den Konservativen. Jene sind für die Aufrecht- erhalt» ng des Freihandels und für die Schaffung von Kleinpächtern unter staatlicher und munizipaler Kontrolle. Staat und Gemeinde sollen den Boden ankaufen und ihn an Ackerbauern auf Zeit verpachten. Nicht etwa, weil die Liberalen gegen das Privateigentum an Grund und Boden wären, sondern weil die Erfahrung zeigt, daß britische Farmer das Pachten dem Ankause vorziehen. In beiden Punkten stimmen die Sozialisten eher mit den Liberalen als mit den Konservativen überein. Ueberhaupt ist das ganze sozialwissenschaftliche Rüstzeug der Konservativen erbärmlich; es trägt ganz den Stempel der Verzweiflung. Allein in der Praxis sind die Konservativen entschlossener und rücksichtsloser als die Liberalen. Jene sagen sich ganz einfach: Wir gewinnen auf jeden Fall; siegen wir bei den Wahlen, so haben wir erstens bewiesen, daß die Lords den Etat veriverfen können; zweitens haben wir die Macht, dem Freihandel ein Ende zu machen. Siegen die Liberalen bei den Wahlen, so haben wir doch jedenfalls gezeigt, daß die Lords in Finanzsachen dreinreden dürfen und die besitzenden Klassen schützen wollen. Trotz der Gewißheit, daß die Lords die zweite Lesung des Etats ablehnen werden, ist die öffentliche Meinung merkivürdig ruhig. Nur die Beziehungen zwischen den beiden alten Parteien haben die alte Freundlichkeit verloren. Das zeigte sich besonders beim Lord Mapor-Bankett wo dem Minister- Präsidenten Mr. Asguith ein höflicher, aber kühler Empfang bereitet wurde. Die Mehrheit der Citywähler ist konservativ und hält den Etat für revolutionär. Die Ablehnung des Etats berührt zwar in erster Linie die britischen Steuerzahler, die bereits seit Monaten höhere Steuern und erhöhte Preise für Tabak und Spirituosen zahlen, aber auch das Ausland wird durch die Haltung der Lords berührt. Die Ablehnung des Etats kann entweder bedeuten, daß alle Zölle zu Unrecht erhoben wurden, oder aber daß sie nach dem Etat des Jahres 1908 hätten erhoben werden müssen. Unmittelbar nach der Ablehnung des Etats wird sich das Parlament darüber klar werden müssen, wie es mit den Steuer- und Zollrechten steht. Die ganze Lage ist so abnorm, daß sie einzig und allein durch die Gewalt aufrechterhalten werden kann. m Gegen die Lords. London, 13. November. Der Chefsekretär für Irland B irr eil führte in einer Rede aus, man könne unmöglich glauben, daß das OberhnuS das von einer ungeheuren, noch nie dagewesene» Mehrheit des Unterhauses angenommene Budget ablehnen werde. Wenn die Lords das Schwert zögen, würden die Liberalen die Scheide ihres Schwertes wegwerfen, bis sie den Sieg gewonnen und die Lords in die ihnen Verfassung sni ätzig gebührende Stellung zurück- verwiesen hätten. Biuell wie« sodann auf einen Artikel der leitenden Finanzwochenschrift„The Ecouomist' hin, in dein der Verlust, der dem Schatzamt bei einer Ablehnung des Budgets er- wuchsen würde, auf 37'/« bis öl Millionen Pfund Sterling geschätzt wird, ein Verlust, dem durch Schntzschein« oder Vorschüsse der Bank von England begegnet werden müßte, wenn das Parlament keine Anleihe bewillige._ politische(lebersickt. Berlin, den 13. November 1909. Ueberschlaue Taktik. Die Leitung des„Bundes der Landwirte" schlägt eine neue Taktik ein, um die Differenzen in den Reihen der Agrar- konservativen zu unterdrücken. Das Hauptblatt des Bundes, die„Deutsche Tagesztg.", erklärt nämlich, daß mit dem „Gerede über hinter uns liegende Diuge endlich Schicht ge- macht" werden müsse. Es gäbe wirklich Nötigeres und Wichtigeres zu tun als zu zanken. Und dieses Wichtigere be- steht nach dem Blatte darin— daß der Kampf für höhere Agrarzölle wieder aufgenommen wird. Wie Herr Georg Oertel behauptet— der Artikel ist, wie die bekannte Kognakmarke beweist, von ihm selbst höchst- eigenhändig verfaßt— hat der geltende Zolltarif sich als ganz ungenügend erwiesen und muß deshalb notwendig geändert werden. Vor allem müsse er vollkommen lückenlos gestaltet werden. Der Zolltarif weise insofern bedauerliche Lücken auf, als die Zollsreiheit für Milch und Rahm im all- gemeinen festgelegt worden sei. Dadurch werde der Bauer geschädigt und der Butterzoll umgangen. Auch die Zölle auf die Erzeugnisse des Gartenbaues genügten noch nicht, der Gartenbau müsse deshalb durch den neuen Zolltarif er- heblich besser gestützt werden. Es gäbe noch eine Menge Lücken im Zolltarif, die beseitigt werden müßten. Die deutsche Grassamenzucht, vor allen Dingen aber auch der deutsche Flachsbau bedürften durchgreifenden und wirksamen Schutzes. Weiter verurteilt die„Tageszeitung" das Seuchen- abkommen nnt Oesterreich. Deshalb müsse der Reichsregierung und den verbündeten Regierungen von vornherein mit der er- forderlichen Entschiedenheit klar gemacht werden, daß die Landwirtschaft den nochmaligen Abschluß eines solchen Ab- kommens für eine Gefährdung ihrer Lebensinteressen erachte. Folgende Grundsätze für den agrarischen Zollkampf stellt die„Deutsche Tagesztg." auf: „Bei den neuen Handelsvertragsverhandlungen darf nur das Interesse der heimischen Arbeit bestünmend sein. Politische Freundschaften dürfen unter keinen Um- st ä n d e n durch wirtschaftliche Zugeständnisse erkauft werden. Der Zolltarif muß als Doppeltarif mit regelmäßigen Zöllen und Mindestzöllen gestaltet werden. Er muß lückenlos sein; selbst scheinbare Kleinigkeiten müssen die angemessene Berücksichtigung finden. Die Mindestzölle für die landwirtschaftlichen Erzeugnisie müssen so festgesetzt werden, daß sie während der voraussichtlichen Dauer der Handelsverträge der landwirtschaftlichen Erzeugung nach Möglichkeit auskömmliche Preise sichern." Die Herren von der Bundesleitung handeln gar nicht so ungeschickt, indem sie versuchen, die inneren Reibereien da- durch zu ersticken, daß sie eine neue Kampfstandarte aufrichten und die Nimmersatte Begehrlichkeit der Notleidenden mit und ohne Reitpferde aufstacheln. Die Parole:„Auf zum Kampf für höhere Agrarzölle I" zieht unter den Agrariern immer. Vielleicht hat sich aber dennoch das Bundes-Trifolium und seine Ratgeber gründlich vorrechnet; denn die Entfesselung eines neuen Kampfes für Agrarzollerhöhungen wird weitere Schichten des städtischen Mittelstandes und der Beamtenschast abstoßen und in diesen Schichten eine noch größere Reaktion gegen die einseitige konservative Jnteressenpolitik hervorrufen. als das Verhalten der konservativen Reichstagsfraktion bei der Beratung der Reichsfinanzrefonn. Deutsch-englisches Handelsprovisorium. Dem Reichstage wird bei seinem Zusammentritt eine Vorlage zugehen, die dem Bundesrat Vollmacht erteilt, das Handels- Provisorium mit England bis zum 31. Dezember 1911 zu ver- längern. DaS jetzige Provisorium, daS auf dem gegenseitigen Zu- geständnis der Meistbegünstigung beruht, läuft am 31. Dezember dieses Jahres ab._ Wieder unerbetene Ratschläge? ES ist jetzt etwa ein Jahr her, daß der Novembersturm gegen daS persönliche Regiment losgebrochen ist. Diesen Anlaß scheinen einige Engländer z« einer kleinen Jubiläums- gäbe benühen zu wollen. In einer Versammlung der „National Service League", eines militärischen Klubs, die gestern, stattfand, teilte der Admiral Sir Nathaniel B o w d e n- Smith den Anwesenden mit, einer seiner Freunde hätte kürzlich eine Unterredung mit dem Prinzen Heinrich, dem Bruder des deutschen Kaisers, gehabt, in dessen Verlaufe der Prinz ihm unter anderein sagte. dem Kaiser gingen die englischen Kritiken über ihn selbst sehr nahe. Wilhelm II. habe hinzugefügt, er wolle den Engländern natürlich keine Lehren erteilen, er meine aber, England sollte eine st arke Territorial- armee haben. Der Adnnral fügte dieser Mitteilung hinzu, er müsse diesem Rate des deutschen Kaisers durchaus bei- pflichten. Die Verwirklichung dieses Rates würde der britischen Flotte größere Bewegungsfreiheit geben. Soweit der englische Admiral. Ob die Erzählung stimmt, wird man noch erfahren. Sol- dies der Fall sein, dann müßte allerdings an das Versprechen nach„ni ehr Zurück- Haltung" nachdrücklichst erinnert und diese MahuUUg auch auf den Prinzen Heinrich ausgedehnt werden. Wer ist die machtvolle Persönlichkeit? Wir haben jüngst davon Notiz genommen, daß der längst der- sprochene Gesetzentwurf, der die Frage der Reichs- und Staats- angehörigleit in einheitlicher Weise regelt, auch in dieser Session dein Reichstage nicht zugehen soll. Nachdem Staatssekretär v. Schoen bereits vor zwei Jahren versichert hat, daß der Entwurf fix nnd fertig sei, ist die Frage nach dem Grunde dieses Hinaus- schiebens jedenfalls angebracht. Es spielen hier wieder einmal Einflüsse mit, die sich der Kontrolle der Oeffentlichkeit entziehen. Die„Rheinisch-Wcstfälische Zeitung" hat sich bemüht, die Ur- fachen des Widerstandes zu ergründen, und diesem Blatt wird jetzt von parlamentarischer Seite mitgeteilt, daß von einer Seite un- bedingt an der Forderung festgehalten wird,' daß die Nicht- erfüll» ng der Wehrpflicht den Verl» st der Reichs- angehörigleit zur Folge haben müsse. „Es ist aber", sagt das nationalliberale Blatt,„von den besten Kennern aller für die Staatsangehörigkeit in Betracht kommenden Fragen überzeugend nachgewiesen worden, daß die Absicht, sich derWehr- Pflicht zu entziehen, nur bei einem verschwindenden Bruchteil aller Auswanderer dos leitende Motiv ist, während in der überwiegenden Mehrzahl nur das Bestreben nach Begründung einer Existenz den Anlaß biete, dem Vaterlande den Rücken zu kehren. Allen diesen Personen, die aus rein wirtschaftlichen Gründen mit unseren gesetzlichen Bestimmungen über die Erfüllung der Wehrpflicht in Konflikt geraten, deswegen die Reichsangehörigkeit zu entziehen, liegt aber nicht der geringste Anlaß vor." Jedenfalls wäre es sehr wünschenswert, daß die„machtvolle" Person, die in der Lage ist, die Einbringung eines so wichtigen Gesetzes zu verhindern, etwas deutlicher bezeichnet würde. Diese Zuschrift beleuchtet wieder einmal deutlich die unhaltbaren Zustände. die wir in Deutschland haben. Eine einzelne Person ist in der Lage, zu verhindern, daß ein Gesetz zustande kommt, daS im Entwurf bereits fertig ist und das von allen Parteien dringend gewünscht wird. Vielleicht gibt Herr v. Schoen bei der Beratung seines Etats im Reichstag nähere Auskunft? Nationalliberale Denunziation. Bei den Stadtberordnetenwahlen in K a l t o w i tz(O.-Schl.) sind die deutschen Parteien mit den Polen, die mit dem Zentram zu- sammengingen, in die Stichwahl gedrängt worden. Unsere Ge- nossen geben den Ausschlag. Das geht der nationalliberalen „Kattowitzer Zeitung", die für Oberschlesien die führende Rolle in der Beschimpfung der Polen übernommen hat, natürlich wider den Strich. Zunächst versucht das Organ der Grubenbesitzer und Hüttenbarone unsere Stichwahthilfe dadurch zu gewinnen, daß es die Sozialdemolratie mit einer ganz ungewöhnlichen Schonung behandelt und dann wendet es sich mit einer ganz gemeinen Denunziation gegen alle diejenigen königlichen und Staats- beamten. die für die gemeinsanen Kandidaten deS Zentrums und der Polen gestimmt haben: „Ueberhaupt war eS ein recht beschämendes Schauspiel, als kaiserliche und königliche Beamte m Uniform ihre Stimmen für die Polen abgaben. Es ist laum glaublich, daß Beamte, die aus Staatsmitteln besoldet werden, die sich der besonderen Fürsorge der Regierung durch alle möglichen Zulagen erstellen, ihre Stimmen auch solchen Kandidaten gaben, die eS auf eine Vernichtimg des preußischen Staates abgesehen haben. Es dürfte wohl außer allem Zweifel stehen, daß die Regierung nun ihr erhöhtes Augenmerk auf diejenigen ihrer Beamten richtet, die dem Deutsch- tum in den Ostmarlen in den Rücken fallen. Bis mittags 1 Uhr hatten im Westbezirk von 7ö Eisenbahnbeamten öS polnisch gewählt, darunter auch Eisenbahnsekretäre: die Unterbeamten wählten alle, mit Ausnahme von einigen Zugführern, in diesem Bezirke polnisch. Aber nicht nur Beamte der kaiserlichen Post, deS Steuer- amteS und der Eisenbahn wählten polnisch, sondern auch ein Ober- lehrer des kgl. Gymnasiums, noch dazu ein Herr, der vor nicht allzu langer Zeit auS dem Westen nach Kattowitz versetzt worden ist. DaS ist doch ein« recht üble Verkennung hiesiger Berhältnisie. Diesem Beispiele des kgl. Oberlehrers folgten auch der Rektor einer Kattowitzer Volksschule und leider auch viele Kattowitzer Lehrer.... ES ist wohl anzunehmen, daß die liberale» Stadt- verordneten, die sich wohl in allernächster Zeit mit einer ziemlich beträchtlichen Ortszulage für die Lehrer beschäftigen müsien, ihre Rückschlüsse aus dem Verhalten der Lehrer ziehen werden, denn die polnisch wählenden Lehrer haben ja ihrer Unzustiedenheit gegen die liberalen Stadtverordneten in recht unzweideutiger Weise Ausdruck gegeben. In brutalerer Form ist kaum jemals die Ansicht ausgesprochen worden, daß die Beamtenschaft ihre Ueberzengung und ihr politisches Verhalten genau dem Wunsche ihre? staatlichen oder kommunalen „Arbeitgebers" anzupassen habe. Und diese Blätter von der Ouolität der„Kattowitzer Ztg." entrüsten sich dann hinterher über irgend welchen vorgeblichen sozialdemokratischen WahlterrorismuS. Die„Konservative Korrespondenz". Die vom Hauptverein der Deutschlonservativen herausgegebene „Konservative Korrespondenz" hat in letzter Zeit denen, die ge- zwungen find, ihre Lrtikelchen und Notizen zu lesen, manche Er- heiterung geboten teils durch die Eigenart ihrer offiziellen Spitzenartikel, die mit einer gewisien Geschicklichkeit den höheren preußischen Kanzleistil zu kopieren trachten, teils durch die prätentiöse köstliche Naivität der öffentlichen Erlasse, Er- Mahnungen und Belobigungen deS konservativen Parteivorstandes. In ihrer letzten Nummer bringt die«Konserv. Korresp." wieder folgende niedliche Danksagung und Zensur, die wir unseren Lesern, die Sinn für Humor haben, nicht vorenthalten wollen. Die kleine Sonntagsepistel lautet: Unsere Presse! Die auf konservativem Boden stehende Presse hat gegenüber der liberalen und„parteilosen" Publizistik schon immer einen schweren Stand gehabt, da sie leider zu gering an Zahl und nicht verbreitet genug ist. Dies ha» seine Ursache wesentlich darin. daß sie von unseren Parteifreunden nicht mit dem Eiter und der Opsersteudigleit unterstützt wird, wie«S unbedingt erforderlich wäre. Ganz besonders aufopferungsvoll war die Tätigfeit unserer Presse in diesem Sonmrer anläßlich der Rcichssinanzresorm. Ihr haben wir eS wesenllich mit zu verdanken, daß sich trotz der Hetz- arbeit der liberalen Zeiiungen ein vertrauensvoller, e i n i g e r Z u s a nt m e u h a n g in der Partei erhalten hat und täglich mehr betätigt. Wir müssen unsere Presse deshalb noch diel mehr unterstützen. Glücklicberweise können wir diesen Dank und diese An- erkcnnung unserer Presse fast ausnahmslos abstatten; n u r der„Reichsbote" lästt zu unserem Bedauern dasjenige Verhält itis für das politische Ver- halten unserer Freunde int Reichstage und für die Leitung unserer Gesamtpartei vermissen. das, wie nnS schciut, auf konservativem Boden so leicht zu ge- Winnen wäre und zugleich bei der Schwierigkeit der Lage im Parteiinteressc so nötig ist. Läßt sich vielleicht die konservative Parteileitung solche Erlasse von einem der militärischen Mitarbeiter der„Kreuz-Zeitung" anfertigen, die gelegentlich dieses Blatt mit humoristischen Beiträgen aus dem Gebiet der militärischen Erbauungsphilosophie oder der antirevolmionären Hofhistoriographie versorgen. Kommunalwahlen. Bei der Stadtverordneten w p h l in Lehe lHannober) wurden in der dritten Klasse alle drei sozialdemokrati- schen Kandidaten mit 419 Stimmen glatt gewählt. Die Bürgerlichen erhielten ISO Stimmen. In der z w e i t e n K l a s s e ist ein Achtungserfolg bei vier- facher Stimmcnzunahme zu verzeichnen. Die Stadtverordnetenwahlen der dritten Klasse in E i l e i! b u r g(Sachsen) endeten mit der Wahl von 4 Sozial- demokraten mit je 543 Stimmen. Die bürgerliche Liste erhielt 349 Stimmen._ Ein„Vaterunser" für die Opfer der Tabaksteuer. In Rattbor lOberschl.) sind infolge der neuen Tabaksteuer durch Betriebseinschränkungen viele Htmderte von Tabakarbeiteru, namentlich katholische, auf halben Verdienst gesetzt worden. Eine gröbere Anzahl von ihnen trat dem Deutschen Tabakarbeiterverbande bei. Das war den Klerikalen natürlich unangenehm und sie versuchten, die„Abtrünnigett" wieder zu bekehren. Deshalb wurden in der katholischen Kirche zu Ostrog, einem Vororte von Ratibor, wo viele von den Tabakarbeitern wohnen, ein„Vatermtser" und ein„Gegrützet seist du Maria" gebetet mit dem Erfolge, daß von den Kirchen- besucheru noch eine Anzahl in den mit Gebeten beläntpften Deutschen Tabakarbeiterverband als Mitglieder eintraten. Wie es um die Unterstützung arbeitslose», �.uvakarbeiter aus dem Vier-Ntillionen-Fonds aussieht. daS zeigt folgender Fall: Ein Zigarrenmacher reichte am 21. August 1909 sein Unter- stützungsgesuch beim Hauptzollamt zu Berlin, Packhof, ein, weil bis zu diesem Datum eine zuständige Stelle amtlich noch nicht be- kannt gegeben war. Er wartete zirka drei Wochen vergeblich; dann wandte er sich an den Magistrat zu Nixdorf bei Berlin. Hier erhielt er den Bescheid, dah die Sache in der Bearbeitung sei. Nach vier Tagen suchte ihn ein Magistratsbeamter in seiner Wohnung auf. Auf Bestellung desselben meldete er sich noch am selben Tage bei dem Pförtner des Rathauses. Dieser stellte dieselben Fragen, die im Unter- stützungsgesuch schon beantwortet waren. Nach ungefähr acht Tagen wurde der Unterftützungsuchende wieder zu dem Pförtner bestellt, dem er nochmals dieselben Fragen zu beantworten hatte. AlS nach Verlauf von 4—5 Tagen sich nichts zeigte, wandte er sich an den ressortmäsjigen Sekretär im Rixdorfer Rathause. Hier erhielt er die Antwort, dah seine Sache vor zwei Tagen dem Hauptzoll- amt in Rixdorf übersandt worden sei. Innerhalb 14 Tagen wandte er sich nun zweimal an dieses Hauptzollamt. Er erhielt daS erste Mal den Bescheid, daß seine Sache in der Bearbeitung sei, datz zweite Mal. datz die Sache dem Hauptzoll- amt in Berlin, Kleine Museumsttatze, übersandt worden sei. Am 4. November ging darauf der Tabakarbeiter zu diesem Zollamt, wurde aber nach der Kleinen Präsidentenstraste 7 verwiesen. Der dort anwesende Oberzollinspektor gab ihm den Bescheid, dah die Sache am 1. November d. I. an das Hauplzollamt in Rixdorf zurückverwiesen worden sei. Am 8. November, gerade als der Petent sich nach dem Stande seiner Sache erkundigen wollte, kam wieder ein Zollbeamter recherchieren, welchen er zum Schlad bat, die Sache doch zu beschleunigen, da er über Barinittel nicht verfüge. Bis zur Stunde(11. November) wartet er noch immer ver- gebens auf Bescheid. Seine Kollegen in Berlin, mit welchen er sein Gesuch gleichzeitig einreichte, erhielten dieser Tage schon zum vierten Male ihre Unterstützung ausbezahlt.— Nach der Verfügung soll die Auszahlung nach Verlauf von 14 Tagen erfolgen. A«S dem sächfische» Landtage. Dresden, 12. November. Heute wurden die Wahlen zu den Deputationen vollzogen, die diesmal glatt verliefen. Die Konservativen und Nattoualliberalen hatten nun doch eingesehen, dah das früher geübte kleinliche und gebäisige Verfahren, die Sozial- demolraten von den Deputationen auszuschliehen, ihnen selbst nur Hohn und Spott einbringt und den Sozialdemokraten nur Wasser auf die Mühlen liefert. Es wurden diesmal die Deputationen von 15 auf 18 Mann verstärkt. Unter diesen Umständen muhten alle Ab- geordneten einer Deputation angehören. ES kommen daher in jede der fünf Deputationen fünf Parteigeuosien. In der Rechenschasts- deputation erhielt, einer vorhergegangenen Vereinbarung zufolge. Genosse Frähdorf den Vorsitz, während in den übrigen Deputationen je einem Sozialdemokraten das Schriftführeramt übertragen wurde. Da allgemeine Uebereinstimmung über.die Besetzung der Deputationen fcrrschte— die bürgerlichen PAfteien erkannten auch die ozialdemokratischen Vorschläge an— wurde die Wahl durch Zuruf in wenigen Minuten erledigt. Dieser Ausgang tst ein Beweis dafür, dah die stühere konfervativ-nattonal- liberale Taktik kleinlicher Gehässigkeit Bankrott gemacht hat. Mit der Begründung, eine Partei, die nicht aus dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung stehe, wurden im sächsischen Landtage die Sozialdemokraten jahrzehntelang von den Deputationen fern- gehalten. Bon ihrem Standpunkte ist die Sozialdemokratie nicht ein Jota abgewichen, das hat die Bizepräsidentenwahl wieder be- wiesen, die bürgerlichen Parteien aber haben vor der sozialdemo- krauschen Konsequenz und Stärke kapitulieren müssen. Landtagsersatzwahl. Herrenberg(Württemberg). 13. Nov. Bei der heutigen Land- tagsersatzwahl wurde Schultheiß Schmid(Bund der Landwirte) gewählt. Das Mandat befand sich bisher im Besitz der Deutschen Partei. Wertzuwachssteuer und Warenhaussteuer. München, 12. November. Wie in der BcsitzveränderungSgcbühr, so verknüpfen sich auch in der Wertzuwachssteuer, die gestern beraten wurde, die Steuerinteressen Bayern» mit denen des Reiches. Dr. Jäger vom Zentrum tritt für die Wertzuwachssteucr ein und begrübt c« im Interesse der Bestrebungen der Boden- und Wohnungsreformcr, dah diese Steuer auf da« ganze RetchSgebict ausgedehnt werden soll. Parteigenosse Dr. Haller bedauert den Beschluh deS Reichstags auf Einführung einer Reichswertzuwachssteuer, einmal weil er die Ge- meinden schädige und zum anderen, weil er für ein so großes Gebiet mit den allervcrschiedensten Verhältnissen undurchführbar tväre. Die Gemeinden hätten einen sehr begründeten Anspruch auf diele Steuer. Es wäre sehr fraglich, ob bei einer endgültigen Ein- führung der Reichswertzuwachssteuer für die Gemeinden noch etwas übrig bleibe. Bedauerlich sei es. dah die bayerische Regierung nicht schon längst die Gemeinden zur Einführung der Wertzuwachssteuer gedrängt habe. Dr. Müller- Hof betont, dah die Liberalen im Reichstage für die Wertzuwachssteuer eingetreten sind nur unter der Voraussetzung, dah diese ganze Steuer für das ganze Reich über- Haupt durchführbar sei. Die Waren Haus st euer verursachte eine längere Diskussion. Dr. Hei m verteidigte die Regierungsvorlage und hält im Interesse des Kleingewerbes eine Ausnahmebesteuernng der Warenhäuser für notwendig. Dr. H a l l e r spricht gegen die Steuer, die als Ausnahmesteuer ungerecht sei und auch den Wirt- schaftlichen Zweck nicht erreiche, den ihre Freunde er- reichen wollen. Die Liberalen Hübsch, Dr. Günther und Dr. Ouidde sind prinzipielle Gegner der Warenhaussteuer, weil im Wirtschaftsleben nicht nur die Jnteresien der Produzenten, sondern auch die der Konsunienten zu berücksichtigen seien. Die Wertzuwachssteuer wird von allen Parteien des Hauses angenommen; gegen die Warenhaus st euer stimmen die Sozialdemokraten geschloffen und der größte Teil der Liberalen. Sozialdemokratische Anträge auf Lohn» und Gehalts- Zulagen. München, 12. November. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Landtage Anträge ge- stellt. allen Arbeitern in den Staatsbetrieben fünfundzwanzig Pfennig tägliche Lohnzulage und allen Beamten bis zn 3009 M. eine Teuerungs- zulage von 90 M. zu gewähren. Genosse Rohhaupter begründet heute diese Anträge in längerer Rede. Er betont, dah trotz der Lohnregelung vor zwei Jahren und trotz des neuen Beamtenregulativs die Wirtschaft- liche Lage der Arbeiter und unteren Beamten sich verschlechtert habe. Er weist an der Hand zweier Haus- Haltungsbudgets von Arbeitern nach, wie gerade initerhalb der beiden letzten Jahre die Ausgaben gestiegen sind, sowohl für die Lebens- artikel als auch für die Wohnuiigsmiete. Für die enorme Steige« rung der Mieten für Arbeiter- und Beamlenwohnungen bringt er den zifsernmähigen Nachweis. Eine Zweizimmerwohnung kostete Anfang 1908 monatlich 18 M., heute 2ö M., eine Einzimmer- Wohnung 1903 monatlich 10 M., jetzt 13 M. usw. Die Erhöhung der Mieten innerhalb zweier Jahre macht 30, 40, 50 und noch mehr Prozent aus. j Im Einzelnen weist er statistisch nach, wie die Lebensmittel in den letzten Jahren verteuert wurden, wie durch die ReichSfinanz- reform und auch die im Werden begriffene bayerische Steuerreform daS Arbeitseinkommen aufs neue belastet wird. Die Redner der Liberalen und des Zentrums stimmen diesen Ausführungen im allgemeinen zu. Die Anträge gehen an die Kommissionen._ Noch eine Nachwahl. Aus Sommerfeld i. d. Lausitz kommen Nachrichten, wo- nach dort das Gerücht umgeht, der Bürgermeister Schlüter, der seit 1903 den Reichstagswahlkreis Züllichau-Nrossen im Reichs- tage vertritt, werde fein Mandat demnächst niederlegen. Schlüter ist bei der Hottentottenwahl 1907 mit 10 411 Stimmen der Konservativen gegen 5825, die auf v. LiSzt(frs. Vg.) und 3814, die aus Grauer(Sozialdemokrat) fielen, bei einer Wahlbeteiligung von 85 Prozent der 24 190 eingeschriebenen Wähler gewählt worden. Die.liberalen Parteien' scheinen mit der Erledigung deS Mandats als einer Tatsache zu rechnen und haben an Stelle des Herrn v. Liszt in den letzten Tagen den Justizrat Fahle-Schwiebus als Kandidaten aufgestellt. Fahle vertrat den Kreis bereits von 1898 bis 1903. Der Wahlkreis hat eine Be- völkerung von 106 831, davon entfallen 36 502 Personen auf die Städte und 70 350 aufs Land. Di« Städte des Kreises sind SchioiebuS, Sommerfeld, Kroffen und Züllichau. Eine nette„Verdeutschung". Die.Arbeiterzeitung' zu Essen teilt mit: .Bon einem Berginvaliden in Borbeck, der sich mit einer Ein- gäbe an den Oberpräfidenten der Ryeinprovinz in Koblenz gewendet hatte, wurde uns das Brieskuvert, welches die Antwort vom Ober- Präsidenten enthielt, vorgelegt. Man kommt nicht aus dem Er- staunen heraus, wenn man die Titulation aus diesem Briefumschlag vom Oberpräsidenten liest, die lautet: An den Bcrgbcttelmaan Herrn......... in Dellwig Bürgermeisterei Borbeck Reg.-Bez. Düsseldorf Das Kuvert ist ohne Briefmarke und trägt den Koblenzer Postabgangsstempel: 27. 9. 09. 10—11 B. 1o und den weiteren Aufdruck: Frei durch Ablösung Nr. 21. Kömgl. Preußischer Ober-Präsident. Damit ist also jeder Zweifel über den wirklichen Absender aus- geschlossen. Wir richten deshalb an den Oberpräfidenten der Rhein- Provinz die offene Anfrage, mit welchem Recht und in welchem Um- fange in seiner Kanzlet der Titel Bergbettelmann statt Berginvalide eingeführt worden ist? Unser preuhisch-deutscheS- bumaiiitär-soziales Zeitalter hat ein Recht darauf, hierüber Auf- klärung zu erhalten.' Wenn der Herr Oberpräsident an dieser famosen.Verdeutschung' beteiligt sein sollte, so mühte ihm begreiflich gemacht werden, dah ein Berginvalide kein Slmosencmpsäiiger, also kein Bettelmann ist, sondern seine allerdings schmale Rente auf Grund eines Rechts- ansprucheS bezieht, den er durch jahrelange gefährliche Bergarbeit und durch nicht unerhebliche Beitrage zur Knappschaftölasie mühselig erworben hat._____ § 13 des ZolltarifgesetzeS und die bayerischen Städte. Mit dem 81. März 1910 verlieren die bayerischen Städte ihre Einnahmen aus den Oktrois auf Lebensmittel, die ganz bedeutende Summen ausmache». Nun versuchen die Verwaltungen bereits, dem § 13 des ZolltarifgesetzeS ein Schnippchen zu schlagen und die Volls- massen noch um dielen Vorteil jenes Wuchergesetzes zu betrügen. Sie erhöhen einfach die Schlachthaus» oder Fleifchbefchaugebührrn, so dah sie keinen oder nur einen geringen Ausfall erleiden. Der An- fang ist schon gemacht und bei der Zusammensetzung der städtischen VerwaltungSkörper ist alle Aussicht vorhanden, dah diese Art von Steuerbetrug durchs ganze Land Nachahmung findet. Ungarn. Krise i« der UttabhängigkeitSpartei. Budapest, 12. November. Gestern fand die entscheidende Kon- ferenz der UnabhSngigkeitSpartei statt. Abgeordneter Hollo stellte einen Antrag, nach welchem die Partei nur ein solches Kabinett unterstützt. daöauSder Unabhängigkeitspartei gebildet wird, jede Koalition mit anderen Parteien ausschlieht und die Wahlreform auf Grundlage des allgemeinen Stimmrechts /folvie die Errichtung einer selbständigen Bank/ im Januar 1911 in da» RegienmgSprogramm aufnimmt. Koffuth bekämpfte diesen An- trag entschieden. Sr wurde jedoch, und zwar mit 120 gegen 74 Stimmen angenommen. Koffuth erklärte hierauf, dah er aus der Partei austrete und verlieh mit seinen Anhängern den Saal. Infolgedessen legten in der heutigen Sitzung des Abgeordneten- Hauses der Präsident Justh und die beiden Vizepräsidenten Graf Batthyany und Merey ihr Amt nieder, weil die Unabhängig- keitspartei, aus der sie hervorgegangen seien, die absolute Majo- r i t ä t infolge des Austritts KossuthS verloren habe. Der Alters- Präsident verkündete, die Präsideiitejtwahl werde in der morgigen Sitzung stattfinden. Durch die Spaltung der Unabhängigkeitspartei ist die Auflösung des Parlaments wahrscheinlich geworden. Die Präsidentenwahl. Budapest, 13. November. Zum Präsidenten deS Abgeordnetenhauses wurde an Stelle I u st h s, Alexander G a a l(Koffuth- Partei) gewählt; zu Vizepräsidenten Naaway(Versassungspartei) und Stefan Rakowsky(Volkspartei). Cnglanä. Die SuffragetteS. London, 13. November. Eine Anhängerin deSFrauen» stimm recht 8 griff heute auf dem Bahnhof von Bristol den Handelsminister Winston Churchill mit einer Reitpeitsche an. Der Minister entrih ihr die Peitsche und reichte sie ihr als Erinnerungszeichen zurück. Die Frau wurde ver- haftet. Dänemark. Die Rcichsgerichtsanllage. Im Folkething teilte der Ministerpräsident Zahle am Montag mit, daß die Sozialdemokraten und die Konservatwen sich mit einem Vorschlag der Radikalen einverstanden erklärt hatten, wonach daS Folkething ohne Verhandlung einen Ausschuh zur Be- ratung der Reichsgerichtsanklage in der Albert i- Affäre wählen sollte. Dah Verhandlungen über den Vorschlag ausgeschloffen sein sollten, war der Wunsch deS Folkethingvorsitzen. den Thomsen, der sonst eine allzu weitgehende Unterbrechung der Budgetverhandlungen befürchtete. Aber obgleich Thomsen selbst der Reformlinken angehört, widersetzt sich diese in drei Gruppen gespaltene Partei dem Vorschlage. Zahle erklärte nun, es sei wohl die Absicht der drei Gruppen, die ganze Sache an Neben- umständen zum Scheitern zu bringen. Aber eS fehle gerade noch, dah der Arm des Gesetzes nicht so lang sein sollte, um zwei ehemalige Mini st er(I. C. Christensen und Sigurd Berg) zu erreichen. Wenn die Folkethingsmehr- heit den Vorschlag ablehne, sollte das Volk gefragt werden. Der Wortführer der Reformlinken und ehemalige Landwirtschaftsminister Anders Nielsen antwortete darauf, dah die drei Gruppen keinen Ausschuh wollten, um langwierige Verhandlungen zu vermeiden. Es sollte sofort zur Handlung ge» schritten werden. Aber diese Worte sollten nur die eigentlichen Absichten seiner Partei verschleiern, denn der Redner wuhte ganz gut, dah eine Ausschuhberatung zur Erhebung der Reichsgerichts- anklage nicht zu umgehen ist. Das gaben ihm unter anderem auch unsere Parteigenossen Andreasen und S e b r o e deutlich genug zu verstehen. Noch im Mai 1908 verteidigte jener Nielsen den Maffenverbrecher Alberti und suchte jede Untersuchung zu hinter- treiben. Nun sollte er lieber ganz stillschweigen in der Sache und sein Angesicht in Scham verbergen. Der Folkethingvorsitzende versprach schliehlich, dah er den Vor- schlag gleich nach der ersten Lesung deö Budgets auf die TageS- ordnung setzen werde. ISorwegen. Di« Stortljingwahlen. Christiania. 12. November. Bei den Wahlen zum Stor- t h t n g. die von Anfang Oktober bis jetzt stattfanden, sind g e» wählt worden: 63 Rechte und Liberale, die bei den Wahlen zusammengingen, 47 Linke, die bisher Regierungspartei waren, 11 Sozialdemokraten und 2 Wilde. DaS letzte Storthing umfaßte 59 Linke, 54 Rechte und Liberale, 10 Sozialdemokraten. Ministerpräsident K n u d s e n erklärte, das Kabinett werde nach dem Zusammentritt des StorthingS im Januar zurück- treten. foißlancL Di« sozialdemokratische Dumafraktion anttr Polizcianfficht I Die sozialdemokratische Dumafraktion erhält jetzt ihre gesamte ausländische Korrespondenz auS dem Zollamt, wo sie geöffnet und von den polizeilichen Spürnasen durch- geschnüffelt»vird. Es geht doch nichts über die«Unantastbar- keil' der russischen Duma-Abgeordneten l finnlancl. Stolypins Pläne. HelsingforS, 10. Novbr.(Eig. Ber.) Die Zeitung.Snomalain Kansa' meldet auS zuverlässiger Quelle über die gegen Finnland geplanten Mahnahmen, die eben noch in Livadia beratschlagt werden. Fürs erste soll vom Zaren Nikolaus eine scharfe Ant» wort auf die vom finnländischen Landtag eingereichte Adresse erfolgen: die staatsrechtlichen Prinzipien, auf die sich die finnische Volksvertretung beruft, werden da als„ungehörige Anmaßungen' bezeichnet und dem Landtage wird in gebieterischem Tone erklärt» daß Finnland nichts mehr sei als eine russische Provinz mit er» weiterter Selbstverwaltung. Diese schroffe Antwort soll Finnland als Verwarnung dienen und zugleich auch die russische Kosaken- Politik rechtfertigen, die alsdann gegen das trotzige finnische Volk eingeleitet wird., Außerdem soll Stolhpin— nebst anderen administrativ» polizeilichen Mahregeln— auch ein Prehgesetz für Finnland fertig ausgearbeitet haben. Denn Stolhpin findet, dah die finnische Presse das Volk zum Ungehorsam aufwiegle, die Autorität der russischen Regierung untergrabe und sogar ihn— den gefeierten russischen Staatsmann und Henkerl— persönlich angreife. Also muh die Preffe in Finnland mundtot gemacht werden: dem russischen Generalgouverneur soll daS Recht zuerteilt werden, auf administrativem Wege gegen die revolutionäre und oppositionelle Preffe vorzugehen, Zeitungen zu sistieren, mit hohen Geldstrafen zu belegen usw. Denn Finnland ist— nach EtolypinS Auffassung— eine russische Provinz und in einer russischen Provinz darf die Freiheit der Presse nicht geduldet werdent Nicaragua. Der Bürgerkrieg. Washington» 13. November. Nach einem Telegramm des Prä- si deuten Zelaja an die hiesige Gesandtschaft von Nicaragua haben die Regierungstruppen die Stadt Greytown am 11. d. M. wieder eingenommen. Vor Verlassen von Greytown sprengten die Revolutionäre die Regierung»» Kämpfer.Managua' und.Norma' in die Luft v«d brannten einen Teil der Stadt nieder, 6ewerf?rcbaftUcbee* Gcwcrfcrcbaftcn und Klaffcnjurtiz in den Vereinigten Staaten. In der jüngsten Zeit ist das Interesse der deutschen Arbeiter an den gewerkschaftlichen Verhältnissen der Vereinigten Staaten erheblich gestiegen. Wohl ain meisten durch G o m p e r s Europa- reise und die damit verknüpften Diskussionen. Und nicht mit Un- recht. Denn gerade zetzt spielen sich im Lande des Union Jack Dinge ab, die für die dortigen Arbeiterorganisationen von der allergrößten Tragweite sind. Es wird da ein Kampf um das Bob- kott-- und Streirrecht mit den allerschärfsten Mitteln durchgekämpft. Er zeigt so recht, welche schwerg Position die amerikanischen Ar- beiter jetzt in der Union haben. Mit dem gröbsten Geschütz gesetz- geberischer Maßnahmen ist man tatsächlich auf dem besten Wege, den Arbeitern zwar nicht die Streikmöglichkeit zu nehmen, ihnen aber das Strcikpostenstehen zu verbieten, sie für den durch den Kampf entstehenden Schaden verantwortlich zu machen. Verbandskasse und die einzelnen Mitglieder direkt haftbar zu erklären und ähnliche Sachen mehr. Diesen Vorgängen ist einmal eine größere Bedeutung beizumessen, weil sie wohl eine Beschleunigung der Entwickelung, die in der Mehrzahl der grohindustriellen Länder schon mehr oder weniger vollständig erfolgt ist, bringen wird, näm- lich der direkten Verbindung zwischen Arbeitern und Parlament, oder mit anderen Worten die Erklärung der Gewerkschaften zu einer poetischen Farbe. Und dies mag noch ans dem besonderen Grunde interessant sein, weil gerade der Führer des Amerikanischen Arbciterbundes keine Festlegung auf eine bestimmte politische An- schauungswelt will. Zum anderen sind diese Vorgänge deswegen besonders beachtenswert, weil hierbei selbstverständlich nicht allstn der Klasseinnftinkt der Negierring die Gesetzgebung so einheitlich funktionieren läßt. In Amerika, dem Geburtslande des modernen „Politik ist Geschäft" sind die Unternehmer nicht zuletzt mit die- jenigen, die für solche Tätigkeit der Gerichte gesorgt haben. Die ersten Anzeichen derartiger Bestrebungen, den Arbeitern ihre Reckte streitig zu machen, fallen, wenn der sich jetzt im Gange befindende Feldzug allein berücksichtigt wird, in das Jahr 1907. DanialS beschloß der amerikanische Jndustriellenverband auf seiner Generalversammlung die Anlegung eines Widerstandssonds von 1 500 000 Dollar gegen„unberechtigte" Ansprüche der Arbeiter. Zu dieser Zeit wurde schon ganz offen erklärt, ein Teil der Summe werde dazu Verwendung finden, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Boykottliste des amerikanischen Arbeiterbundes— der American Federation»f Labor— als ungesetzlich beseitigen zu können. Der erste Anlaß dazu war. wie kürzlich schon mitgeteilt, der Streik in der Bucks Stove and Range Company, der für die Arbeiter verloren ging. Der Besitzer dieser Ofenfabrik ist ein Herr Cleve, er ist zugleich auch Vorsitzender des Jndustriellenver- bandes. Die Organisation der Metallpolierer,-drucker,-plattierer, Messing- und Silberarbeiter verhängte dann den Boykott über die Erzeugnisse dieses Betriebes. Der Verwaltungsgusschuß des Amerikanischen Arbeiterbundes beschloß im März 1907 die Fabrik auf die Boykottliste des Verbandes zu setzen. Dies geschieht vor allen Dingen so, daß die Firma im Organ des Bundes bekannt gemacht wird. Im Januar 1998, auf dem Bergarbeiterverbands- tage, wurde sogar unter dem Vorsitz John Mitchells beschlossen, jedes Mitglied, welches von der Bucks Stove and Range Company kaufe, mit einer Strafe von 5 Dollar zu belegen, bei Nichtbezahlung wurde sogar Ausschluß festgefetzt. Schon im Dezember 1997 wurde durch den Besitzer des Betriebes von dem zuständigen Gericht ein Einhaltsbefehl erlangt. Mit diesen„Jnjunctions" ist für die Unternehmer eine sehr praktische Einrichtung geschaffen worden, wie sie ihre deutschen Freunde, sicher zum größten Bedauern, nicht kennen. Früher konnten sie bei Streiks nur dann die Gerichte in Anspruch nehmen, wenn er zu leichtfertiger oder böswilliger Beschädigung des Eigen- tums oder zur Bedrohung des Lebens führte. Natürlich hat man immer versucht,.die böswillige Beschädigung nachzuweisen; aber daS wichtigste dabei war, daß sie eben nachgewiesen werden mußte. Die Unternehmer verlegten sich deshalb auf ein anderes Mittel: sie holten sich Einhaltsbefehle. Nach dem für die Eguity Courts — Billigkeitsgerichtshöfe— geltendem Prozeßrecht können sie ver- langt werden, wenn sich der sie Wünschende in seiner Person oder in seinem Eigentum durch eine„Verschwörung" bedroht sieht. Eigentümlich mutz da scbon erscheinen, wie weit die Richter von den wirklichen Dingen fernstehen müssen, um einen Streik oder Boy- kott überhaupt als„Verschwörung" anzusehen. Der Einhaltsbefehl wird dann gleich, ohne erst die angeklagten Personen zu vernehmen, erlassen. Wenn die Verhandlung stattgefunden hat. kann die „Jnjunction" zu einer dauernden werden. Verstößt dann irgend Jemand gegen das erlassene Interdikt, und es reicht auf alle dabei in Frage kommenden Personen, ihre Vertreter und Helfen oder sonstige Beauftragte, dann wird der in Frage kommende wegen „Mißachtung des Gerichtes" bestraft. Ein solcher Einhaltsbefehl wird also immer genügen, um die Arbeiter in ihrem Kampfe vor- erst lahmzulegen, und das ist ja dabei die Hauptsache. Der Tätig- keitsbereich dieser„Herrschaft durch Gerichtsbefehle", welche die verfassungsrechtlich anerkannte Preß- und Redefreiheit illusorisch macht, ist überdies recht weit, so ist zum Beispiel zu verschiedenen Malen durch Unternehmer dort Einhaltsbesehl erlangt worden, wo ein Tarifvertrag durchgeführt werden sollte, der die sogenannte Union Shop-Klausel enthielt; beide Parteien arbeiten nur mit Arbeitern resp. Unternehmern, die ebenfalls organisiert sind. Also gegen Bestimmungen, wie wir sie zum Beispiel im Tarif für das deutsche chemigraphische Gewerbe haben. Es läßt sich an dieser einen Tatsache auch recht klar ersehen, wie weit die Selbstherrlich- keit der Gerichte da drüben den Arbeitern in ihre Angelegenheiten hineinredet. G o m p e r s, Mitchell! und Morrison, die den dauernden Einhaltsbefehl zugunsten der Ofenfabrik nicht be- achtet, wurden wegen Mißächtung des Gerichtes zu einem Jahre, neun und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Viel schwerwiegender als diese Verurteilung, die jetzt, nachdem sie auch von der Jnterpellationsinstanz als zu Recht bestehend be- stätigt worden ist. ihrer endgültigen Entscheidung vor dem höchsten Gerichtshofe der Vereinigten Staaten harrt, ist eine Entscheidung, die dasselbe Tribunal schon im Februar 1998 gefällt hat. Das damalige Erkenntnis gibt zugleich einen Anhalt dafür, was in der Revision gegen die Gefängnisstrafen von ihm erwartet werden kann. Die Hutfabrik Loewe u. Co. klagte gegen den Verband der Hutmacher Nordamerikas ebenfalls, weil sie bohkottet worden war. Die Arbeiterorganisation wurde als schadenersatzpflichtig ver- urteilt. Um aber allem die Krone aufzusetzen, betrachtete man die Ersatzpflicht unter dem Gesichtswinkel der Anti-Trustgesetzgebung und erreichte so einen neuen Rekord. Das dabei in Frage kommende Shermansche Antitrustgesetz von 1899 schreibt aber vor, daß eine Organisation, die wegen Boykottieren hestraft wird, die dreifache Summe des gerichtlich festgestellten Schadenbetrages zu zahlen hat. Das Antitrustgesetz wurde erlassen, um den großen Jnteressenvereinigungen unmöglich zu machen, durch geheime Ver- günstigungen und Abmachungen, wie Frachtermäßigungen auf be- stimmten Eisenbahnlinien, stille Vorzugspreise usw. andere Gesell- schaften zu benachteiligen. Ihnen sollten sie mit dem dreifachen Betrage des Schadens haftbar sein. Die Presse hat so manches. Mal seit 1899 berichten können, wie große Trusts auf Grund dieser Bestimmungen beinahe zur Entschädigung verurteilt wurden, zum Schluß aber doch nichts zu zahlen brauchten. So ging es z. B. dem allmächtigen Petroleumtrust. Damit, daß man diese Be- stimmungen auf die amerikanischen Gewerkschaften anwendet, ist die absolute Sicherheit gegeben, ihren finanziellen Ruin herbeizu- führen, wenn die Arbeiter sich gegen solche Klassenjustiz, welche Gewerkschaften und Trustverschwörungen gleichstellt, nicht ganz energisch wehren. Es sind seitber schon verschiedene solcher Klagen gegen einzelne Arbeiterorganisationen, gegen den ganzen amerika- nischen Arbeiterbund, gegen. G o m p e r s und andere GeWerk- schaftsführer angestrengt worden. So ist gegen G o m per s mit Verantw. Redakt.: Richard Barth» Berlin. Inseratenteil verantw.: Morrison und noch einige ändere in Denver, Staat Colorado, eine Schadensersatzklage auf 59 999 Dollar anhängig gemacht worden. Die klagende Firma erklärt, daß ihr dieser Schaden durch einen vom Arbeiterbund unterstützten Streik zugefügt worden sei. In diesem Jahre ist erst wieder der Verband der Rohrleger in Winnibeg, Canada, zur Zahlung von 25 999 Dollar Strafe ver- urteilt worden; einzelnen Mitgliedern des Verbandes sind noch weit größere Summen als Schadensersatz auferlogtl Und dies alles nur als Schadensersatz wegen Streik; der dauernde Einhalts- befehl fehlt selbstverständlich ebenfalls nicht. Also auch in Canada dasselbe Bild wie in den Vereinigten Staaten. Es ist selbstverständlich, daß sich die Gewerkschaften gegen diese Maßnahmen zu wehren versuchen, so gut als es ihnen möglich ist. DieS geschieht nicht nur so, daß sie alle Instanzen durchschreiten, bis zu dem höchsten Gerichtshofe. Aus den Schilderungen ist ohne weiteres zu erkennen, wie wenig da zu hoffen ist. Man war sich bald darüber einig, daß da die politische Aktion einsetzen müsse, um Aenderungen zu schaffen. Noch unter der alten Präsidentschaft Roosevelts wurde dem Bundesparlament ein Gesetzentwurf gegen den Mißbrauch der richterlichen Gewalt vorgelegt. Das juristische Komitee des Repräsentantenhauses verhandelte darüber; Gom- p e r s und andere Vorstandsmitglieder wurden auch als Sachver- ständige gehört. Die Unternehmer, speziell ihre großen Vereint- gungen, verstanden es aber, die Komiteemitglieder so gründlich zu „überzeugen", daß diese die Vorlage zu einer Bill gegen die Arbeiter machten. Ueber dies Stadium kam die Anti-Junctions- Bill nicht hinaus. Und bei Taft, dem eigentlichen Begründer dieses neuen Regierungssystems durch Gericktsbcfehle. der es als äußerst prak- tisch und nützlich schon in seiner Antrittsrede verteidigt hat, ist noch weniger zu hoffen. GomperS sah schon vor Tafts Wahl ein, daß unbedingt politischer Einfluß gebraucht werde; er wollte sich aber nicht auf eine politische Partei festlegen, sondern empfahl, überall für den arbeiterfreundlichsten Kandidaten zu stimmen. Zum Teil wurden seine Wünsche nur unter Protest angehört; es wurde die unbedingte Notwendigkeit hervorgehoben, für den Sozialisten einzutreten als den wirklichen Arbeitervertrcter. Hier kommen nun Dinge zur Beurteilung, die sich aus der Ferne nur sehr schwer messen lassen. Für uns deutsche Arbeiter gibt es da überhaupt keine Frage: die politische Vertretung der Arbeiter ist die Sozialdemokratie. Für uns wäre�cs Aufgabe unserer Existenz, wenn wir an irgendwelche bürgerliche Partei berangehen wollten. Daß in den Vereinigten Staaten sich solche Bestrebungen, wie sie bei uns längst verwirklicht sind, geltend machen, ist in der letzten Zeit besonders deutlich geworden, und daß G o m p e r s ein Gegner solcher Bestrebungen ist, ist ebenfalls bekannt. Es bleibt die Hoff- nung, daß gerade die konsequente Klassenjustiz, die, durch die Unternehmer gründlich provoziert, jetzt geübt wird, einmal die Frage direkter politischer Vertretung für die Federation of Labor immer notwendiger und brennender macht. Und ist dieses erreicht, so käme ja immer noch die weitere Entwickelungsmöglichkeit hinzu, daß eben immer wieder durch die Klassenjustiz und ihr gleichartige Momente der Weg zur sozialistischen Partei geht. Jetzt bleibt zunächst abzuwarten, welche Stellung die Gelverk- schaften zu den Verurteilungen ihrer Führer einnehmen. Berlin und Llwgegend. Ein Protest von Gemcindearbeitern. Der Gcmeindearbeiterverband hatte eine allgemeine Betriebs- Versammlung der in den Revierinspektionen der städtischen Gaswerke beschäftigten Arbeiter veranstaltet, die am Freitag- abend in„Dräsels Festsälen" stattfand. Die Arbeiter sind entrüstet über die Auslegung, welche die Direktion einer Verfügung des Magistrats, betreffend die Bezahlung der Ueberstunden, gc- geben hat. Ter Referent B u s a ck e r führte aus, wie der Verband seit Jahren schon die Forderung vertreten habe, daß Ueberstunden mit 59 Proz. und Sonn- und Feiertagsarbeit mit 199 Proz. Zu- schlag bezahll werden sollten. Der Magistrat, die Deputation der Gaswerke und die freisinnigen Stadtverordneten haben diese Forderung rundweg abgelehnt. Der Magistrat hat sich aber doch veranlaßt gesehen, eine generelle Verfügung herauszugeben, nach welcher in allen Revieren für Ueberstunden 25 resp. 59 Proz. Zu- schlag gezahlt werden sollten. Der Zuschlag sollte nicht in Kruft treten, wo sich Ueberstunden ans dem regelmäßigen Arbeitsplan ergeben, und in der Regel sollten Ueberstunden gänzlich vermieden werden. Diese Verfügung ist vom Oberbürgermeister K i r s ch n e r unterzeichnet worden, darf aber nicht ctiva als vorbildlich gelten, denn rn einer ganzen Reihe von anderen Gemeinden bestehen diese und ähnliche Zuschlagsätze schon längst. B u s a ck e r zählte auf, was in Augsburg, Barmen, Nürnberg-Fürth, Heilbronn, Hanau, Mühlhausen, Pforzheim, Offenburg und vielen anderen Städten gezahlt wird. Rixdorf und die englischen Gaswerke in Berlin zahlen ebenfalls den Zuschlag.— Trotz dieser Verfügung hat nun die Direktion der städtischen Gaswerke erklärt, daß zu Umzugs- Zeiten, wo vier Wochen lang Ueberstunden gemacht werden müssen ibei Aufstellung der Gasmesser usw.), kein Zuschlag zu zahlen sei, weil die Ueberstunden sich aus dem„allgemeinen Arbeitsplan" ergeben. Damit sind die Arbeiter nicht einverstanden; sie ver- langen den ihnen rechtmäßig zustehenden Zuschlag und betrachten die von der Direktion beliebte Auslegung der Magistratsverfügung als eine willkürliche und ungerechte.— In der Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten in allen Punkten unter- stützt. Ein lebhafter, allseitiger Protest erhob sich, und es wurde die bestimmte Erwartung ausgesprochen, daß dieser Protest in der Deputation der Gaswerke die gebührende Beachtung finden werde. Im weiteren Verlaufe der Versammlung kamen noch zahl- reiche Mißstände aus den einzelnen Revierinspektionen zur Be- sprechung. Viele Klagen über den Inspektor vom 26. Revier wurden laut. Neberhaupt läßt die Behandlung der Arbeiter durch die auf ihre„Bildung" pochenden Inspektoren sehr viel zu wünschen übrig; auch die Schreiber sollen sehr amnafecud und dünkelhaft sein. Zahlreiche Einzelfälle wurden zur Illustration dieser Be- hauptungen angeführt, zugleich aber auch von einzelnen Rednern darauf hingewiesen, daß es Sache der Arbeiter selbst sei, sich gegen eine entwürdigende Behandlung zu wehren. Die nötige Rückenstärkung könne jeder finden, wenn er sich seiner Organisa- tion, dem„Verbände der Gemeindearbeiter", anschließt.— Vom Vorstandstisch aus wurde bekannt gemacht, daß einige Revier- leitungen den Arbeitern Urlaub zur Ausübung ihres Wahlrechts bei den letzten Stadtverordnetenwahlen verweigert hätten, trotzdem im Gemeindeblait ausdrücklich erklärt wurde, daß der Urlaub zu gewähren sei. Diese Verkümmerung seiner Rechte darf sich kein Arbeiter gefallen lassen. Die Aussperrung und der Streik der Isolierer. Der am 1. November ausgebrochene Kampf im Jsoliergewerbe Berlins dauert unverändert fort. Die Streikenden harren tapfer aus. Es ist nicht ein einziger abtrünnig geworden. Die Unter- nehmer haben, als sie die Isolierer aussperrten oder in den Kampf trieben, einen so zähen Widerstand nicht erwartet. Ihre eifrigen Bemühungen, Arbeitswillige herbeizuschaffen, womöglich in solcher Masse, daß die Streikenden ersetzt werden könnten, sind fehl ge» schlagen. Was sie an Streikbrechern gewonnen haben, sind meist solche Leute, mit denen sie in normalen Zeiten nichts zu tun haben wollen. Einer dieser Arbeitswilligen, der aus Breslau zu- gereist war und bei Nheinhold u. Co Beschäftigung fand, ist seiner Logiswirtin, einer Arbeiterfrau, nicht nur mit der schuldigen Miete, sondern auch mit den Schlüsseln durchgebrannt. Dabei ist die Polizei wieder einmal, wo es die Unternehmer nur wünschen, mit großem Eifer um den Schutz der Arbeitswilligen besorgt und ch.Gtsck«. Berlin. Druck u. Verlag; Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanftaU q um die Interessen des Unternehmertums. In der Gitschmer Straße haben die Unternehmer eine Art Vermittelungsstelle für Streikbrecher eingerichtet. Hat man von auswärts einen heran- geholt, so muß er sich zunächst dort einfinden, um dann seine Stellung angewiesen zu erhalten. Da geschah es nun am Dienstag, wie uns mitgeteilt wird, daß Streikposten, die sich dort uixfhielten, eines Mannes gewahr wurden, den man für einen Arbeilswilligen halten konnte. Der machte dann auch scheinbar kein Hehl daraus und sagte, er sei seit gestern in Berlin, kriege seine 79 Pf. Lohn und dafür arbeite er alle Tage. Er habe die Sache erst angesehen und es sei bloß Faulheit, daß die Isolierer streikten. In der Folge stellte sich heraus, daß der Mann nicht für 79 Pf., sondern für acht Groschen arbeitet. Als die Streikenden daran zweifelten, daß sie es wirklich mit einem Streikbrecher zu tun hatten und ihm das etwas deutlich sagten, legitimierte sich der Mann plötz» lich als Polizeibeamter und sagte drohend, im Bewußt- sein seiner Amtswürde:„Machen Sie man, daß Sie hier weg- kcmsnen und belästigen Sie mich nicht mehrt" Natürlich haben die Streikenden sich den Mann gemerkt, damit keiner durch irgendein vielleicht etwas unvorsichtiges Wort in diese Polizeifalle geraten kann.■— Aber wenn auch die Unternehmer sich die geheime und unifor- mierte Polizei dienstbar machen, wird es ihnen doch sicherlich nicht gelingen, Sieger in dem Kampfe zu bleiben, oder gar, wie es ihr offenbares Ziel ist, die Organisation und den Arbeitsnachweis der Isolierer zu vernichten. Uebrigens ist es unter ihnen nur der Eigensinn und die Scharfchacherci einzelner weniger, die den Kamps heraufbeschworen haben und ihn nun noch weiter durchzuführen suchen. Mehrere Firmen haben schon sehr dringend verlangt, daß Verhandlungen angeknüpft und der Friede so schnell, wie nur irgend möglich, geschlossen werde. Es ist nun in den letzten Tagen von dritter Seite versucht worden, Verhandlungen zwischen den Par- teien einzuleiten, und am Montag soll es sich entscheiden, ob es dazu kommt oder ob die Scharfmacher bei den Unternehmern weiter die Oberhand behalten._ Achtung, Buchbinder und Buchbindcrinnen! Die Differenzen in der„Union", Deutsche Verlagsgesellschast, Zweigniederlassung Berlin, sind beigelegt worden. Deutscher Buchbinderverband. Zahlstelle Berlin. Achtung, Puber! Der Bau Kottbuser Ufer 39/49 bei der Firma L a ch m a n n u. Zauber ist für Jnnenputzer bis aus weiteres gesperrt. Die genannte Firma hat am Sonnabend, den 13. November, zwölf organisierten Putzern ohne jeglichen Grund Feierabend gegeben. Wir erwarten nun von jedem Putzer, daß die Jnnenputzarbeitern auf benanntem Bau bei der Firma Lach» mann u. Zauber aufs strengste zu meiden sind. _ Der Sekiionsvorstand. Achtung, Bäcker-Vertranenslente! Die Wahl des GesellenauSschusseS der Innung„Germaniafindet im Jnnungshause am Dienstagnachmittag 3 Uhr statt. Die Vertrauensleute und Kollegen wollen schon jetzt ihre Aufmerk- samkeit auf diese Wahlen richten I Oeuvlcbes Reich. Achtung, Holzarbeiter! Die Sverre über Niemann u. Co. in Velten ist aufgehoben. Ter Gauvorstand. Die Buchbinder Königsbergs haben eine Lohnbewegung mit Erfolg abgeschlossen. Die Vertreter der Gehilfenschaft hatten keinen leichten Stand, zumal in den Buchbindereien viel weib- liches Personal tätig ist, das, weil fast durchweg unorganisiert, dem Unternehmertum als Arbeitswilligentruppe treu geblieben wäre, falls der Streik hätte proklamiert werden müssen, so mußten die Gehilfen eine Reihe von Forderungen fallen lassen. Es ist aber wenigstens möglich gewesen, den neuen Tarif in allen Werkstuben Königsbergs einzuführen. Der neue Tarif, der mit der Innung auf eine vierjährige Dauer abgeschlossen ist, setzt folgende Arbeitslöhne fest: Im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit 16 M., im zweiten 17 M., im dritten 18 M., im vierten 29 M. und im sechsten Jahre nach, beendeter Lehrzeit 22 M. Das sind wirklich bescheidene Lohnsätze, aber sie bedeuten doch gegen vordem einen nicht unbedeutenden Fortschritt, da so lange das Mllkürregiment herrschte und Wochenlöhne von 12, ja 19 und 9 M. keine Seltenheit waren. Die Arbeitszeit ist auf 9ih Stunden pro Tag festgesetzt. In der Handichuhfabrik von H. B o n d h in A r n st e d t i. Th. hat das Personal Forderungen gestellt. Die Handschuhmacher ver- langen 24 Pf. Zulage pro Dutzend Handschuhe, die Dresseure 2 Pf., die Zurichter 75 Pf. pro 199 Stück und die Färber 2 M. Zulage auf den Wochenlohn. Erkennt die Firma die Forderungen nicht an. so werden die Arbeiter am Sonnabend die Kündigung einreichen. In Betracht kommen 139 Arbeiter, die alle dem Lederarbciterverbande als Mitglieder angehören. In der mittelfränkischen Mühlenarbeiterbewegung wurde jetzt ein Vertrag abgeschlossen, wonach der im Mai vereinbarte Tarif— wegen dessen Durchbrechung durch einige Unternehmer der Streit begann— auf 2 Jahre anerkannt wird. Es handelte sich für die Arbeiter hauptsächlich um die Aufrechterhaltung der damals ver- einbarten Löhne, die jetzt von den Unternehmern gewährleistet ist. Außerdem wird den Arbeitern als neue Errungenschaft eine Ver- längerung der Mittagspause von 1 auf IM Stunden gewährt. Dazu kommt noch eine Arbeitszeitverkürzung. Auch verpflichteten sich die Unternehmer, alle Ausgesperrten einzustellen. Letzte JSacbncbtcn und Oepelcben. Eine Diebesbande entdeckt. Frankfurt a. M., 13. November. lB. H.) In einem hiesigen Geschäftshause kam man vor einigen Tagen größeren Warendieb- stählen auf die Spur. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte eine Menge. Waren bei Angestellten und verhaftete einen Expedienten, der inzwischen wieder entlassen wurde, da kein Fluchtverdacht vor- liegt. Wie die Untersuchung ergeben hat, sind in die Affäre 26 Personen verwickelt, gegen die Anklage erhoben werden soll. Dentsch-schweizerischcr Niederlassungsvertrag. Bern, 13. November.(W. T. B.) Die zwischen dem Vorsteher des eidgenössischen Justiz- und Polizeidevartcments des BunZes- rats und drei Delegierten der deutschen RcichSregicrung geführten Verhandlungen über die Revision des Niederlassungsvcrtrages zwischen Deutschland und der Schweiz haben zu einer vollständigen Einigung geführt. In der heute nachmittag abgehaltenen Schluß- sitzung erfolgte die Unterzeichnung des vereinbarten neuen Ber- tragSentwurfes._ Tod auf den Schienen. Gleiwiy, 13. November.(W. T. 58.) Heute früh 5 Uhr wurden von einem Hilfsweichenstcller zwei 29jährige S t r e cken a r b ei- t e r namens Konopka und Jurczyk auf dem 58ahndamin bei Ta- tischau bei Kilometer 144,9 tot aufgefunden. Beide hatten wahr- scheinlich den 53ahnkörper als Fußweg benutzt und sind dort von dem Vorzug 225 überfahren worden. Opfer der See. Amsterdam, 13. November.(W. T. 53.) Bei der Insel Vlieland strandete, wie die Blätter melden, ein deutscher Frachtdampfer, an- geblich mit dem Namen„Wilna", mit Eisenladung von Antwerpen kommend. Von vierzehn Mann der Besatzung ist ein Maschinist bewußtlos an den Strand gespült worden, die anderen sind er» trunken.___________ iaul Singer& Co., Berlin SWi Hierzu 5 Beilagen. Nr. 267. 26. Ichrgavg. 1. KeW i>ks Jomirfs" fnlititr Polliüblitt. Smtitg, 14. iloDtiuliti 1909. Aus der Kriminalftaflftlk des veutlchen Kelches. I. Die Verkehrtheit unseres Straf- und Straf- bollzuizsfystems ergibt zur Evidenz eine Betrachtung der R ü ck f ä l"l e. Eine Vcrgleichung der von Unbestraften mit den von bereits Vorbestraften begangenen Straftaten ergibt, dah über zwei Drittel der Verurteilten bereits vorbestraft war. Von den Vorbestraften waren fast zwei Drittel mehr als einmal und ein Fünftel mehr als fünfmal vorbestraft. Ueber den Rückfall verbreitet sich die K r i m i n a l st a t i st i k auf Grund der Berichte über den zehnjährigen Zeitraum von 1837 bis 1Sl)7. In der sogenannten vorblickenden Statistil ist eruiert, wie viel von den in einem Jahre Verurteilten nachher wiederum eine Straftat begehen. Da bei dieser Betrachtung die Fälle des Todes, der Auswanderung und der durch Freiheitsstrafen an der Berübung neuer Straftaten Ver hinderten nicht in Betracht gezogen werden kann, ist die t a t s ä ch- l i ch e R ü ck f ä l l i g k e i t e i n e noch g r ö h e r e als die er- mittelten Zahlen angeben. Bedauerlich ist es, daß das vorhandene Material nicht ausreicht, um zu erkennen, ob die in einem Jahre Verurteilten und einem der folgenden Jahre wiederum Verurteilten späterhin abermals verurteilt sind. Die vorhandene Statistik scheidet aus der vorblickenden Rückfallstatistik die Personen ans, die in einem der folgenden Jahre wiederum verurteilt wurden. Wäre dies nicht der Fall, so würde dieser Prozentsatz der Rückfälligen noch wesentlich fich steigern. Von den nach der Statistik vom Jahre 1897 wegen Ver- mögen Sdelikten bestraften Personen sind in dem folgenden Jahrzehnt 1898 bis 1997 44,9 P r o z. wiederum bestraft. Der Rückfall trat um so häufiger ein, je häufiger der Verurteilte bestrast war. Von diesen wurden rückfällig: Erstmals Verurteilte 2S,3 Proz., früher einmal Verurteilte SS.I Proz., früher zwei- bis viermal Verurteilte 69,S Proz., früher fünfmal oder öfter Ver- urteilte 84,8 Proz. Daß unser die sozialen Momente völlig un- berücksichtigt lastendes Straf- und Strafvollzugssystem vollständig Schiffbruch erlitten hat, zeigen diese Zahlen und ebenso ein Rückblick auf die Statistik seit dem Jahre ihres Bestehens(18 82). Die Zahl der Vorbestraften unter den Verurteilten seit 1882 hat in ganz außerordentlichem Maße und viel stärker zugenommen, als die der erstmalig Verurteilten. In diesen 26 Jahren betrug die Zunahme bei den Vorbestraften überhaupt 185,6 Proz., bei den weiblichen Vorbestraften 80.0 Proz. und bei den Jugendlichen 195,5 Proz. Bei den Verurteilten ohne Vorstrafen überhaupt war die Steigerung demgegenüber nur 22,3 Proz., bei den Weib- lichen 17,4 Proz., bei den Jugendlichen jedoch 79,9 Proz. Die größere Ziffer bei den Jugendlichen ist ohne weiteres aus dem Alter der Verurteilten erklärlich. Zu einem genaueren Resultat gelangt man bei den Jugendlichen, wenn man nur Altersklassen be- rücksichtigt, deren Zugehörige vor der im Jahre 1832 erfolgten Ein- führung der Strafregister noch strafunmündig waren. Die Zunahme der Vorbestraften beträgt unter Berücksichtigung der Bevölkerungs- zunähme bei den Jugendlichen seit 1889 33,5 Proz. Das sind auf das Jahr durchschnittlich 2 Proz. Der Höhepunkt der Zunahme ist bereits im Jahre 1898 mit 47,9 Proz. erreicht gewesen. Seitdem hat fich die Zahl der jugendlichen Vorbestraften gemindert. Nanient- lich ist dies auch noch in den in krimineller Hinsich. ungünstigen beiden Jahren 1991 und 1992 der Fall gewesen. In den beiden wirtschaftlich günstigeren Jahren 1993 und 1994 war die Abnahme der jugendlichen Vorbestraften besonders groß. Die Zahl der jugendlichen Verurteilten ohne Vorstrafen ist zwar gleichfalls gestiegen, aber bei weitem nicht in gleichem Maße wie bei den jugendlichen Vorbestraften, nämlich seit 1889 um 16,2 Proz. oder durchschnittlich um 9,9 Proz. in jedem Jahre. Im Jahre 1898 war ein Höhepunkt mit 16,3 Proz. erreicht. Dieser wurde im Jahre 1992 mit 17,2 Proz., im Jahre 1995 mit 16,7 Proz., im Jahre 1996 mit 22,6 Proz. übertroffen. Die Kriminalstatistik für 1997 weist wiederum ein Sinken der Kriminalität auf 16,2 Proz. auf. Im Gegensatz zu den landläufigen Klagen über zunehmende Verrohung usw. ergibt auch eine Betrachtung der Art und Höhe der erkannten Strafen das Sinken der Kriminalität. Kleines Feuilleton. Stanleys Autobiographie. In London ist dieser Tage die Autobiographie des Afrikareisenden Henry Stanley erschienen, die von seiner Witwe herausgegeben wurde.„Vula Motari", d. h. „der Mann, der die Felsen zertrümmert", war der Beiname, den die eingeborenen Träger in Afrika Stanley beigelegt hatten. Und sein ganzes Leben war in der Tat ein fortwährender Kampf mit Hindernisten, und das nicht nur auf mühevollen Forschungsreisen durch unbekannte Erdteile, sondern auch im sozialen Leben der zivilisierten Welt. Stanley war nicht sein wahrer Name. Er war ein uneheliches Kind, der Sohn einer Bäuerin und eines Farmers. Ten Vater hat er nie gekannt, und auch die Mutter war ihm voll- ständig fremd geblieben. Die von dem Gutsherrn verführte Bäuerin hatte ihr Kind, als es ein Jahr alt war, zu Verwandten als„Ziehkind" weggegeben. Als aber das Kostgeld schon nach kurzer Zeit ausblieb, brachten die Pflegeeltern den kleinen Burschen ins Armenhaus. Hier wuchs Stanley heran; er führte ein freudloses Dasein, daö sich nicht allzusehr von dem Leben eines Stärflings unterschied. Die Mutter hat er nur zweimal in seinem Leben wiedergesehen. Sie erschien eines Tages an der Tür des Armen- Hauses und brachte zwei andere uneheliche Kinder, die sie inzwischen geboren hatte. Als viele Jahre später Stanley in seinen Heimats- ort Denbiah in Wales zurückkehrte und den Versuch machte, feine Mutter näher kennen zu lernen, jagte ihn die Frau aus dem Hause, indem sie sagte, daß er sie nur an ihre Schande erinnere. Eines Tages wurde Stanley im Armenhause von dem ver- rückten Wärter bis aufs Blut gepeitscht. Er empörte sich, schlug den Wärter nieder und ergriff dann die Flucht. Verwandte ge- währten ihm eine Zufluchtsstätte; sie ließen ihn aber arbeiten wie einen Sklaven, nahmen ihm alles, lvas er besaß, und warfen ihn dann auf die Straße. Er wurde nun im Hafen von Liverpool Aus- träger eines Schlächters und ging dann als Schiffsjunge nach New Orleans. Während der Uebcrfahrt schlugen ihn die Matrosen braun und blau, und als er in New Orleans ankam, betrog man ihn noch um den Lohn und warf ihn fast nackt unter das Gesindel, das sich am Hafen herumtrieb.„Ich fand den Haß in jeder Abstufung und auf Schritt und Tritt. Und Haß ist überall. Betrachtet nur die Justizpaläste, die ParlamcntSsäle, die Tempel der Religion; schaut in die Presse, auf den Markt, auf alle Straßen des Lebens, und gebt Euch bann Antwort auf die Frage:„Wo ist die Liebe?" Und doch fehlte in diesen traurigen Lcbensanfängen auch ihm nicht ein Strahl von Liebe. Als er in dem wildfremden Lande, um Arbeit bettelnd, durch die Straßen schritt, fand er in dem ersten Hause, an dessen Tür er pochte, einen freundlichen Mann, der sich seiner wie ein Vater annahm. Es war ein alter, kinderloser Kaufmann. der mit dem armen Knaben Mitleid hatte.„Da du weder Vater noch Mutter hast und kein Mensch sich um dich kümmert," sagte der alte Mann,„will ich dich als meinen Sohn annehmen und dich zu einem tüchtigen Kaufmann erziehen, unter der Bedingung je- doch, daß du meinen Namen Henry Stanley annimmst." Das Glück dauerte aber nicht lange. Der Adoptivvater starb, ohne Stanley Die Zahl der zum Tode Verurteilten ist von 1882 ab ständig gefallen. Den niedrigsten Stand lveist die Statistik von 1996 mit 32 auf, die Statistik von 1997 hat 33 Todesurteile zu verzeichnen. Die Zahl der Verurteilungen zu zeitiger Zuchthaus- strafe hat ständig abgenommen. Sie betrug 1995: 7gh9, 1996: 7719 und ist im Jahre 1997 auf 7221 gesunken. Bei der Festungshaft läßt sich eine ständige Entwickelung nach oben oder unten nicht erkennen. Das Jahr 1997 weist die ausnahmsweise große Zahl von 149 auf. Der Durchschnitt der vor- angegangenen 25 Jahre beträgt 197, die Zahl der Verurteilten im Jahre 1994: 76, 1995: 89, 1996: 83. Von den Verurteilungen erfolgten 141 wegen Zweikampfes(im Jahre 1995: 84. 1996: 86), sieben wegen Friedensgefährdung durch Religionsdiener und die eine wegen der angeblichen Vorbereitung eines hoch- verräterischen Unternehmens durch Genosten Liebknecht. Die Zunahme der wegen Zweikampfes Verurteilten zeigt das beharrliche Streben der Anhänger der herrschenden Klasse und der herrschenden Vorurteile, das Gesetz zu verletzen. Die Statistik führt beim Zweikampf den Beruf der Verurteilten auf, während sonst die Statistik eine Berufsangabe leider nicht enthält. An den ZweikampfSdelilten waren beteiligt: 59 Studenten, 6 Referendare, 2 Gerichtsastestoren, 4 Baumeister und Ingenieure, 1 Bergingenieur, 4 Aerzte, 6 Rechtsanwälte, 2 Oberförster, 25 Technikumbesucher, 1 Landrat, 1 Schriftsteller, 1 Salinenbesitzer, 1 königlicher Brand- versicherungSassistent, 1 Hoftheaterinteiidnnt, 1 Hofkammerrat, 1 Schauspieler, 1 Kunsthistoriker. 2 Redakteure, 3 Rittergutsbesitzer, 1 Fechtmeister, 1 Rentier, 5 Gastwirte(Beihilfe zum Zweilainps), 5 Kaufleute und 7 Korpsdiener(Beihilfe zum Zweikampf). Die von den Militärgerichten abgeurteilten Fälle werden in der Kriminal- stalistik nicht angeführt, sondern in der besonderen Militärstatistik, die wir kürzlich auszugsweise wiedergaben. Die Gefängnisstrafe gegen Erwachsene ist zwar der Zahl nach in früheren Jahren beständig gestiegen, aber nicht in gleichem Maße wie die Verurteilung Erwachsener überhaupt. Der Anteil der Gefäuguisstrafe an der Gesamtheit der Verurteilungen ist vielmehr stäudiz zurückgegangen. Ihr Anteil an der Gesamt- heit der gegen Erwachsene erkannten Strafen ist von 47,7 Proz. im Jahre 1996 auf 46.8 im Jahre 1997 gesunken. Bei den Jugend- lichen ist im Jahre 1997»ach einer Zunahme in den beiden Vor- jähren die Zahl der Verurteilungen zu Gefängnisstrafen von 27 671 auf 26 779 gefallen. Der Anteil der Gefängnisstrafe an der Ge- sanitheit der Verurteilungen Jugendlicher ist von 51,6 Prozent im Jahre 1994 bis auf 49,3 Prozent im Jahre 1997 herabgegangen. Auch die Zahl der wegen Haft Verurteilten ist be- ständig gefallen. Nicht minder die Zahl der zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte Verurteilten. Diese betrug im Jahre 1997: 11 596 gegen 12 499 im Jahre 1996 und 13' 119 im Jahre 1995. Die Fälle, in denen auf Z u l ä s s i g k e i t der Polizeiaufsicht erkannt ist, haben gleichfalls ständig abge- nommen. Es waren im Jahre 1997 2162 gegen 3985 im Jahre 1996 und 3291 im Jahre 1995. Zugenommen haben ständig die wegen Vergehen erfolgten Verurteilungen zu G e l d st r a f e. Im Jahre 1997 sind sie von 254 768 im Jahre 1996 auf 258 636 gestiegen.— Ein zahlenmäßiger Beweis dafür, daß auch die Schwere der begangenen Delikte ständig in der Abnahme begriffen ist. Hiis der Partei. „Was versteht man unter christlicher Nächstenliebe." Genosse Otto N i e b u h r vom„Volksblatt für Halle wurde von der Strafkammer zu Halle a. S. wegen angeblicher Beleidigung des Pastors einer Landgemeinde zu 499 M. Geldstrafe verurteilt. Der Artikel des„Volksblatts", der unter der oben wiedergegebenen Ueberschrift erschien, hatte bemängelt, daß der Pastor einem Verstorbenen das kirchliche Begräbnis verweigert habe, weil er kirchenfeindlich gesinnt gewesen, und daß der Pfarrer ferner einmal von einem armen Manne die Vorausbezahlung für die Darreichung des Abendmahls an den totkranken Sohn gefordert habe. Für beide Tatsachen wurde durch Zeugenaussage der Be- weis erbracht. DaS Gericht aber glaubte den unbescholtenen Jen- gen nicht, soirdern dem Pastor und kam so zur Verurteilung. einen Groschen zu hinterlassen. Als bald darauf der amerikanische Bruderkrieg ausbrach, trat Stanley als Freiwilliger in die Armee der Südstaaten; er wurde gefangen genommen und schloß sich der Armee der Nordstaaten an; er wurde jedoch wenige Wochen später gefährlich krank und als unnützer Ballast wieder einmal auf die Straße geworfen. Eine nutleidige Bäuerin nahm ihn auf. Nach dem Friedensschluß wurde er Journalist und erwarb sich auf diesem Gebiete bald seinen Namen. Er bereiste als Zeitungskorrespondent die Türkei und Kleinasten und nahm 1867 als Berichterstatter am Feldzuge der Engländer gegen Theodor von Abessinien teil. Als Journalist erwarb er sich jene Erfahrung und Rücksichtslosigkeit, die es ihm ermöglichten, die Pforten des schwarzen Kontinents zu öffnen und der Welt das Geheimnis der Aequatorialländer zu ent- hüllen. Der eigentlich autobiographische Teil des Buches schließt an dieser Stelle. Der Halleysche Komet, der bisher nur mit dem größten Fern- röhre der Welt, dem 49zölligen Derkes-Refraktor, direkt beobachtet werden konnte, ist nun bereits mit dem 14 Zöller der Uccle-Stern- warte bei Brüssel lvahrgenommen worden. Am 21. Oktober gelang sogar schon eine Ortsbestimmung des Kometen. Auf der Aerkes- Sternwarte ist der Komet mit einem großen Spiegelfernrohr photo- graphiert und ausgemessen worden. Danach beträgt sein Durchmesser gegenwärtig rund 29 999 Kilometer, also über anderthalb mal soviel, wie der Erddurchmesser. Wenn es zur Entwicklung eines großen Schweifes kommt, dann geht die Erde nach den Be- rechnungen von Searle am 29. Mai kommenden Jahres durch diesen Schweif hindurch. Die Kometenschweife bestellen nach der Anschauung von Arrhenius aus ganz feinen Staubteilchen, die durch den Druck, das das Sonnenlicht auf sie ausübt, fortgestoßen, in den Weltraum hinauSgctrieben werden. Wenn also die Erde durch den Schweif hindurchlvandert, so geht sie durch einen ganz feinen Staubstreifen hindurch, wovon man nichts merken wird; günstigen- falls könnte ein mehr oder weniger reichlicher Meteorregen statt- finden, und wir kämen auf diese Weise nach den schlechten Er- fahrungen, die wir mit den Sternschnuppenfällen ,n den letzten Jahren gemacht haben, endlich einmal auf unsere Kosten. Hoffent- lich— womit wir ängstlichen Gemütern zugleich die Versicherung geben können, daß dieser„Zusammenstoß" mit dem Kometen keinem einzigen Menschen das Lebenslicht ausblasen kann. Humor und Satire. Der Intendant des Hoftheaters einer Residenz— vordem Gardeoffizier. Kammerherr usw.— eröffnet die neue Saison stets mit einer längeren Ansprache an das Personal. Beim letztenmal bat er die Damen dringend, sich immer mif warmer Unterkleidung zu versehen, damit nach Möglichkeit Absagen ver- mieden würden.... die Herren ermahnte er, auf der Bühne— bei Vorstellungen�— niemals„Röllchen" zu tragen, denn:„Wir Leute aus der Gesellschaft tragen die Manschetten immer am"-- nun genierte er sich, wegen der Damen weiter zu sprechen—„äh, äh, am, hm, hm, am,"--„Am Hemd", schloß endlich ein entschlossener Chorist im Hintergrund die Rede seines Chefs.— Derselbe Inten- dant wird von dem Oberregisseur gefragt, warum er denn Herrn X. nicht wieder engagiert habe. X. sei doch ein so vorzüglicher Dar- Jugendbewegung. Die sozialdemokratische Jugendbewegung in Norwegen. Seit ungefähr einem Jahre war die sozialdemokratische Jugendbewegung Norwegens in zwei Organisationen gespalten, von denen sich die eine„Jugendverband der Ar- beiterpartei", die andere„Sozialdemokratischer Jugendverband" nannte. Beide Verbände haben nun am letzten Sonntag einen gemeinsamen Kongreß abgehalten und beschlossen, sich zu einem Verband zu verschmelzen. An dem Kon- greß nahmen 30 Delegierte teil, und außerdem als Vertreter der Arbeiterpartei der Genosse Chr. H. Knudsen. Es wurde auch ein Verbandsprogramm beschlossen, wonach die Tätigkeit des Vor- bandes darin besteht: 1. Durch kräftige Agitation die Arbeiter- jugend im ganzen Lande zu sammeln und in den Jugcndvcreinen zu organisieren; 2. durch schriftliche und mündliche antimili» taristische Agitation die Jugend darauf aufmerksam zu machew, welche schweren Opfer der Militarismus vom Volke fordert und welche persönlichen Lasten er besonders der Jugend aufbürdet, ohne weder dem Volke, noch der Jugend irgendwelche Werte zu bieten, sowie die Jugend über die Barbarei des Krieges aufzuklären; 3. durch das Verbandsorgan„Klassenkampf" sowie durch Broschüren und Wanderbibliotheken Aufklärung unter der Jugend zu verbrei- ten. Der Kongreß stellte ferner ein Programm für die Tätigkeit der einzelnen Ortsvereine auf, das in den Hauptpunkten dem Verbandsprogramm entspricht, daneben aber auch besagt, daß die Vereine die Jugend über die schädlichen Wirkungen des Alkohols aufklären, ferner in religiöser Hinsicht durch Verbreitung naturivissenschaftlicher Kenntnisse für eine freier e Lebensauffassung wirken und dadurch die religiös-reak- tionäre Jugendbewegung bekämpfen sollen. Außerdem sollen die Vereine ihre Mitglieder auch auf die materiellen Interessen hin- weisen, sowie darauf, daß diese nur durch die Arbeiterorgani- sationen wahrgenommen werden können. Ter Zentralvorstand des neu geeinigten Jugendverbandes hat seinen Sitz in Kristiania. Als Vorsitzender wurde der Genosse N i t t e b e r g gewählt, als Redakteur des„Klassenkampf" S v e r r e Krogh._ Gerichts-Zeitung. Streikposten und Schutzmannsmajestät. Vor dem Hause Mariannenplatz 12 stand am 5. Mai der Ar- beiter Airstein Streikposten. Ein Schutzmann wies ihn weg und verlangte, daß er nicht wieder vor dem Hause erscheine. Da K. doch zurückkehrte, stellte der Hüter der Ordnung ihn fest. K. wurde wegen Uebertretung der§§ 132 und 133 der Berliner Straßen- Polizeiverordnung angeklagt und vom Landgericht verurteilt. Be» kanntlich bedroht die Verordnung den mit Strafe, der einer zur Erhaltung der Sicherheit und Bequemlichkeit des Verkehrs auf der öffentlichen Straße ergehenden polizeilichen Aufforderung nicht Folge leistet.— Der Angeklagte legte Revision ein und rügte, daß der Vorderrichter gar nicht geprüft habe, ob die Aufforderung des Schutzmanns eine solche gewesen sei, die der Erhaltung der Sicher- heit, Bequemlichkeit usw. des öffentlichen Verkehrs dienen sollte. Das Kammergcricht hielt diesen Einwand für durchgreifend, hob das landgerichtliche Urteil auf und verwies die Sache zu noch- maligcr Verhandlung an das Landgericht zurück. Die Voraus- setzung für die Anwendbarkeit der§8 132 und 133 der Straßen- Polizeiverordnung sei, daß die Aufforderung des Schutzmanns verkehrspolizeilichen Charakter hatte. Da eine entsprechende Fest- stellung nicht getroffen sei, müsse das Landgericht sich nochmal mit der Sache beschäftigen. Wird diese„Feststellung" getroffen, so würde also nach Ansicht des Kammergerichts die Bestrafung gerechtfertigt! Das Gesetz fagt das Gegenteil. ES räumt ausdrücklich jedem Bürger die Benutzung der Straßen ein und berechtigt keine» Schutzmann, dem Gefetz entgegen jemand das Betreten der Straße zu verbieten, weil dieser von seinem Recht, Streikposten zu stehen, Gebrauch macht. Stellt aber das Kammergericht fortdauernd des Schutzmanns Majestät über das Gesetz, so sollte es konsequent sein und auch den Schutz- mann bestrafen. Oder ist der so schlank, daß sein Körper den öffentlichen Verkehr nicht stören kann? stcller.„Ja," sagt der Intendant,„als Künstler habe ich ja gar nichts gegen X.— aber neulich erkundige ich mich bei ihm, wie sich mein Kollege in R., mit dem ich im selben Ilegiment gestanden habe, mit der Leitung des ihm jetzt unterstellten Hoftheaters abfinde— und da gibt mir der unverschämte Mensch zur Antwort:„Der ver- steht auch nichts!!" Preußen Anno 199 9. Schiller(schaut vom Olymp aus zu, wie vor einer von einem Schutzmann gehaltenen Stange mit dem Zylinder des Landrats darauf die Vorübergehenden den Hut abziehen):„Wird da„Wilhelm Tell" gegeben?"— Stimme aus dem Publikum:„Nee? Das is überhaupt keen Theater, das iS Wirklichkeit!"(„Jugend".) Notizen. — Musikchronik. Der Verein für Frauen und Mädchen veranstaltet diesen Winter unter Leitung von Leo Kestenberg drei Konzerte, die als zusammenhängendes Ganzes gedacht sind. Es soll hier der Versuch gemacht werden, durch die Wahl der Programme, der Künstler und auch eines durchaus zweck- entsprechenden Konzertsaales(Choralionsaal, Bellevucstraße) das Niveau der üblichen Arbeiterkonzerte zu erhöhen. An den drei Abenden sollen die wichtigsten und charakteristischsten Werke unserer bedeutendsten Meister aufgeführt werden. An die Besucher diefer Konzerte kommen Fragebogen zur Verteilung, auf denen sie an- geben können, was den größten Eindruck hervorgerufen hat. Der Saal wird während der Vorträge verdunkelt sein. Für sämtliche Plätze sollen gleiche Eintrittspreise gelten. Das erste Konzert findet am 21. November statt. Dr. Guttmann wird am 17. November(Bußtag) nachmittags 3 Uhr im„Neuen Klubhause", Kommandantenstraße 72, einen Ein- führungsvortrag halten, der für jedermann frei ist. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde (Georgenstraße 34—36), spricht Dienstag, den 16. Nov., Herr Björn Heiland- Hansen aus Bergen über:„Die BewegnngS- erscheinungen des Meeres".(Mit Lichtbildern.) Freitag, den 19. Nov., derselbe Redner über:„Die Meeresströmungen in ihrer Beziehung zu Klima, Fischerei und Ackerbau".(Mit Lichtbildern.) — Der Vortrag von Prof. Penck über:„Eine Eisenbahn durch das Meer" ist auf den 20. Dez. verschoben.— Im PavierHanfe (Dcssauerstraße 2) spricht am Sonntag, den 14. Nov., vorm. lOVi Uhr. der Phototechniker P. Faul st ich über:„Praxis und ver- einfachte Methode der Photographie in natürlichen Farben"(mit Lichtbildern). � Eine neue Berliner Sommeroper. An die Stelle der Morwitz-Oper, die im letzten Jahrzehnt allsommerlich im Schillertheater-Osten einem großen Publikum die Schätze unserer dramatischen Musik dargeboten hat, tritt im nächsten Sommer eine neue Oper, unter Franz Gott scheid, dem Direktor des Posener Stadttheaters.(Wir würden vorschlagen, die Oper nicht nach dem Namen des jeweiligen Direktors zu benennen. Die Red.) Mit den Opernmitgliedern werden ganzjährige Verträge abge- schlössen. ViMarm-nischeS Or5,eftcr vor dem ReichSsericht. Die Theater- und Saaldau-Nktiengesellschaft in Schöneberg deraiistaltcte Konzerte, die sie in Annoncen als„Philharmonische Konzerte" bezw.„Reue Philharmonische Konzerte" bezeichnet. Auf die Klage des Philharmonischen Orchesters, daS sich durch diese Bezeichnung der Beklagten benachteiligt fühlt, wurde die genannte Gesellschaft erstmals vom Kammergericht zu Berlin verurteilt, diese Bezeichnung Philharmonische Konzerte in Bekanntmachungen zu unterlassen. Das Urteil des Kammergerichts ist dann vom Reichs- «cricht aufgehoben worden, und auf erneute Verhandlung vor dem Kammergericht wurde die Beklagte verurteilt, bei Vermeidung einer Geldstrafe von 300 M. für jeden Fall der Zuwiderhandlung es zu unterlassen, bei den Bekanntmachungen für ihre in Groß- Berlin stattfindenden Konzerte die Bezeichnung Philharmonisches Konzert zu verwenden, und zwar auch dann, wenn sie„neues" vor- setzt, eS sei denn, daß unzweideutig und deutlich das ausführende Orchester gekennzeichnet wird. Das Kammergericht geht davon aus, daß die Beklagte ihre Konzerte so bezeichnen müsse, daß sie von den charakteristisch als hervorragend bekannten Konzerten des Philharmonischen Orchesters unterschieden werden können. Mit dieser Entscheidung wollte sich das Philharmonische Or- chestcr nicht zufrieden geben. Es verlangte in der beim Reichs- gcricht eingelegten Revision, daß das Verbot auch über Groß- Berlin hinaus ausgedehnt werde. Der II. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofs erkannte jedoch am Freitag auf Zurückweisung der Revision. Somit wird das Urteil des Kammcrgerichts rechts- kräftig._ Die Falschmünzerwerkstatt in der Laubenkolonie. � Ein umfangreicher Falschmünzerprozeß befchäftigte in zwei- tägiger Sitzung das Schwurgericht des Landgerichts I. Angeklagt wegen Münzvcrbrechens bezw. Beihilfe waren folgende Personen: Der Kellner Hermann Galt, der Kutscher Franz Sawade, der Mefsingputzer Theophil Leonhardt Gaworczewski, der Arbeiter Gustav Handschuh, der Hausdiener Moritz Richter und der Hausdiener Richard Lange. In der zweitägigen Beweis- aufnähme, welche unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt- fand, ergab sich folgender Sachverhalt: Im Frühjahr und Sommer dieses Jahres wurde in der Berliner Geschäfts- weit lebhafte Klage darüber geführt, daß sich eine Un- menge falscher Füufmarkftllckr im Verkehr befänden, wodurch zahl- reichen Leuten, welche die Falsifikate empfangen und in gutem Glau- ben weitergegeben hatten, große Unannehmlichkeiten entstanden wären. Tatsächlich wurden eine große Anzahl falscher Fünfmarl- stücke, welche die Jahreszahl ISO? und das Münzzeichen„A" trugen, an den Postanstalten und anderen öffentlichen Kassen angehalten. Die angestellten Ermittelungen führten zu einer Spur, welche nach der in der Nähe der Eldenaerstraße gelegenen Laubenkolonie hin- wies. In einer Laube wurde dann auch von den Beamten tief in der Erde vergraben ein Sack mit Gipsformen aufgefunden, welche zur Herstellung der Fünfmarkstücke gebraucht waren. Es ergab sich weiter, daß der jetzige Angeklagte Gall, nachdem er aus der Strafanstalt kam, in dieser Laube sein Quartier aufgeschlagen hatte. Hier wurden auch die falschen Geldstücke aus Zinnlöffeln hergestellt.— Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß lautete das Urteil gegen Gall auf 3 Jahre Zuchthaus, gegen Sawade und Gaworczewski auf je Jahre Zuchthaus und gegen Handschuh und Lange auf je 1 Monat Gefängnis. Der Angeklagte Richter wurde freigesprochen. Der Tod unter dem Fahrrade. Vom Landgericht H i l d c s h e i m ist am 6. Juli der Arbeiter Willi Stalte wegen fahrlässiger Tötung zu S Wochen Gefängnis verurteilt worden. Am Abend des 3. Januar gegen II Uhr wollte er mit einem gewissen A. ans dem Rade nach einem anderen Orte fahren, wo eine Feuersbrunst wütete. A. hatte an seinem Rade eine brennende Laterne. Stolte keine.. Es war aber Heller Mondschein. so daß man 2—300 Meter weit' sehen konnte. Vor den Radlern ginge» in gleicher Richtung drei Männer. Zwei von ihnen wichen auf daS Klingelzeichen nach rechts aus. Der voranfahrende Stolte wollte nun links zwischen den Chausscebäumen und dem dritten Manne, dem Landwirt S.. vorbeifahren. Er rannte ihn um, und S. fiel mit dem Kopfe auf die Steine. Der nachkommende A. stürzte ebenfalls mit seinem Rade über S., der infolge Blutergusses in daS Gehirn starb. Daß Gericht hat als Todesuriache lediglich den Zu- sannnenstoß mit dem Rade deS Angeklagten angesehen.— Die Revision des jAngeklagten wurde vorgestern vom ReichSgSricht als unbegründet verworfen. Wenn daS Kind i» de» Brunnen gefallen ist. Vom Landgericht Fürth ist am IS. August der Oekonom und Bürgermeister Johann Sandmann wegen fahrlässiger Tötung und Ueberlretung des 8 367,12 zu einer Woche Gefängms verurteilt worden. In der Genieinde N. befindet sich an der Ortsstraße i» einer Vertiefung ein Schachtbrunnen, der von allen Seiten offen lag. Das Bezirksamt ordnete die Abdeckung des Brunnens an. Der Gemeinderat ließ den Brunnen durch eine Mauer abdecken. wobei aber die seitliche Oeffining nicht verschließbar gemacht wurde. Erst nachdem ein zweijähriges Mädchen im Brunnen ertrunken war. ließ der Angeklagte ein Sckiebelürchen für 1.80 M. anbringen. Vorher hatte er es nicht anbringen lassen wollen, da eS doch nicht viel nütze und— der Gemeinde nur Kosten mache.(!) Als Hand- haber der Ortspolizei, sagt das Urteil, war der Angeklagte ohne weiteres zur Anbringung einer Schutzvorrichtung verpflichtet.— Die Revision des Angeklagten, cher sich darauf berief, daß das Bezirksamt das Tiirche» nicht verlangt habe, wurde am Donnerstag vom Reichsgericht verworfen. Versammlungen. Der Verband der Fabrikarbeiter hielt am Sonntag seine Generalversammlung für das 8. Quartal ab. Den Bericht der Ortsverwaltimg gab der 1. Bevollmächtigte Bruns. Einige Tarife waren im Berichtsguartal abgelaufen, so bei der Firma Dr. Perl. Lackfabrik,- hier kam eS zum Abschluß eines neuen Tarifes. indem Anfangslöhne und bestehende Wochen. löhne um 1,80 M. erhöht wurden. Die Firma Dr. G r ü n b a u m. Schallplattenfabrik, kündigte den Tarif und verlangte Abschluß eines neuen, unter Reduzierung der Akkordlöhne um 20 Proz. ES kam zu einem eintägigen Streik, in dem die Firma gezwungen wurde, den alten Tarif um ein weiteres Jahr zu verlängern. In der Chemischen Fabrik Griesheim, Spandau, gelang es den Kollegen, ihre Löhne um 2zh Pf. pro Stunde zu erhöhen. Diffe. renzen brachen bei der Firma Friesecke. Kunststeinfabrik, aus, wegen der Auslegung des zwischen der Firma und den Arbeitern bestehenden Tarifes, welches zu einem Verfahren vor dem Gewerbe. gericht führte, dessen Urteilsspruch noch an anderer Stelle kritisch beleuchtet werden wird. Außerdem waren noch eine ganze Reihe kleinerer Bewegungen und Mitbeteiligungen zu verzeichnen. Der Kassenbericht lag jedem Delegierten gedruckt vor; derselbe ergibt in Einnahme und Ausgabe für die Hauptkasse 28 502,30 M., für die Lokalkasse 23 905.18 M. Durch die durch Ur- abstimmung beschlossene Lokalbeitragserhöhung ab 1. Oktober 1909 dürfte eine erhebliche Gesundung der örtlichen Finanzen zu er- wqrten sein. Trotz der noch immer bestehenden wirtschaftlichen Krise war eine Zunahme der Mitgliederzahl zu verzeichnen; die- selbe beträgt jetzt 6455 Mitglieder, darunter 324 weibliche. Vier AuSschlußanträge lagen der Generalversammlung vor, deren einer abgelehnt, die anderen angenommen wurden. Dem Wiederauf- riahmcantrag des seinerzeit ausgeschlossenen Breier wurde statt- gegeben. Zwischen den Bezirken Norden und Osten wird ein neuer Bezirk, Sclsimhailfer Vorstadt, errichtet. Für die Gummiarbeiter ist eine eigene Sektion gebildet worden. Bor einer Bersammlung von Handlungsgehilfe»«nb Ge- bUfinoev. einberufen vom Zentralverband, sprach der Reichstags- abgeordnete Eichhorn am Donnerstagabend in den„Armin- hallen".„Reichstag, erwache!" hieß das Thema feines Vortrages, in welchem er die Tätigkeit des Parlaments in der Reichsfinanz- reform kritisch beleuchtete und den dabei entwickelten Eifer in Gegensatz stellte zu der Schläfrigkeit und Nachlässigkeit in bezug auf die S o z i a l r e f o r m. Die Handlungsgehilfen verlangen dringend nach Reformen, aber dazu sei in erster Linie notwendig, daß sie einen Weckruf in den eigenen Reihen erschallen lassen, „Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, erwachet!" So müßte eS überall heißen, wo die Angestellten im Handelsgewerbe noch nicht zu« Erkenntnis ihrer Lage als unterdrückte Arbeiter ge- kommen sind. Der Vortrag fand reichen Beifall. Eine Diskussion wurde nicht beliebt. Der Vorsitzende Urban hielt eine kurze Anspräche, in welcher er zum Beitritt in den Zentralverband aufforderte und legte dann die folgende Resolution der Versammlung vor, die gegen wenige Stimmen angenommen wurde: „Die vom Zeiztralverband der Handlungsgehilfen und Ge- hilfinnen Deutschlands einberufene öffentliche Versammlung spricht ihr Bedauern darüber aus, daß die gesetzgebenden Körper- schaften die so berechtigten Forderungen der Handlungsgehilfen, Schutzgesetze zu schaffen, noch immer nicht erfüllt haben. Die Versammlung weist darauf hin, daß besonders in den Kontoren, in den Engros- und Fabrikgeschäften usw., für die eine gesetzlich festgelegte Arbeitszeit überhaupt noch nicht vor- handen ist, die Zustände für die Angestellten unerträglich sind. Durch überlange Arbeitszeiten werden die Angestellten zum Teil in der unmenschlichsten Weise ausgebeutet, in ihrer Gesamt- heit schwer bedroht und jede Möglichkeit der geistigen und be- ruflichen Weiterbildung wird ihnen genommen. Den Angestellten in offenen Verkaufsstellen geht eS nicht viel besser; durch Uebertretung der Gesetze wird ihnen die elf- rcsp. zehnstündige Ruhezeit in den meisten Fällen genommen. Die lange und intensive Beschäftigung der Angestellten im Handelsgewcrbe macht eS auch im Interesse der Gesamtheit notwendig, die Verkaufs- und Arbeitszeit an den Sonntagen vollständig zu verbieten. Deshalb fordern die Versammelten insbesondere: 1. Die Einführung des reichsgesetzlichen AchtuhrladenschlusseS. 2. Die gesetzliche Festlegung der achtstündigen Arbeitszeit rn Kontoren, EngroS- und Fabrikgeschäften. 3. Die Einführung der ö6stündtgen ununterbrochenen Sonn- tagsruhe. 4. Zur Ueberwachung der Schutzgesetze die Schaffung von Handelsinspektionen. Die Versammelten sind der Ansicht, daß endlich die gesetz- gebenden Körperschaften eingreifen müssen und erwarten vom Bundesrat und Reichstag die schnelle Erfüllung dieser Forde- rungen."_ Mocken-Spielpian der ßerlimr Chcatcr. Königl. Operndans. Sonntag: Don Juan. Montag: Götter-. dämmerung.(Hnfnng 61/, Uljr.) Dienstag: Madama Butlcrflh. Mittwoch: Konzert des königlichen Opernchors. Donnerstag: Lohengrin.(Anfang 7 Uhr.) Freitag: Der schwarz« Domino. Sonnabend: Die Meistersiiiger von Rlirnberg.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Joses üi Aegypten. Montag: Margarete. Köntgl. Schauspielhaus. Sonntag: Mittags 12 Uhr: Konzert, Wann wir altern. Abend» 7'/, Uhr: Der deutsche König. Montag: König Richard II. Dienstag: Die Glocke. WallensteinS Lager.(Ansang 8 Uhr). Mittwoch: Geschlossen. Donneislag: Der deutsche König. Freitag: Der eingebildete Kranke. Sonnabend: Der deutsche König. Sonntag: Maria Stuart.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Der deutsche König. Neues königl. Opern-Tdeater. Sonntag: Bohöme. Montag: Mrs. Dod.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag U.Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Hamlet. Freitag: Hamlet. Sonnabend: As you like it. Sonntag: Sappbo. Deutsches Theater. Sonntag: Don Carlos. Montag: Kabale und Liebe. Dienstag: Don Carlos. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Don Carlos. Freilag: Hamlet. Sonnabend und Sonntag: Don Carlos. Montag: Faust. Deutsches Theater.(K a m m e r s p i ei e). Sonntag: Major Barbara. Montag: Clavigo. DtenStag: Major Barbara. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Frühlings Erwachen. Freitag. Sonnabend und Sonntag: Major Barbara. Montag: Der Arzt am Scheidewege. Lessina< Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der König. Abends und Montag und Dienstag: TontriS der Narr. Mittwoch: Ge- schlössen. Donnerstag: TnnhiS der Narr. Freitag: Die Frau vom Meere. (Ansang 7'/, Uhr.) Sonnabend: TantriS der Narr. Sonntag nachmittag« 3 Uhr: Unbestimmt. Abends und Montag: TantrtS der Narr. Berliner Theater. Sonntag nachniittag« 3 Ubr: HcrodeS imd Martamne. Abends, Montag und Dienstag: Hohe Politik. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag, Frtitag und Sonnabend: Hohe Politik. Nachm.: Minna von Barnhetnl. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Unbestimmt. Abends: Herodes und Mnriamne. Komiiche Oper. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der Wildschütz. Abends: Der polnische Jude. Montag: Auferstehung. Dienstag: Der polnische Jude. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Der polnisch- Jude. Freitag: Auserstehimg. Sonnabend: Der polnische Jude. Sonntag nachmittags: Unbestimmt. Abend»: ToSka. Montag: Sossmanns Erzählungen. Neues Theater. Sonntag: Wahrheit. Montag: Der Dieb. Dienstag: Wahl heit. Mittwoch: Gelchlosse». � Donnerstag: E!n Visits. Elektra. Freitag: Le voleur.(Der Dieb.) Sonnabend: Monna Vanna. Sonntag: Maison de Poupöe.(Nora.). Montag: La Parisienne. Neues Schauspielhaus. Somilag: Der lateinische Esel. Montag: Maria Stuart. Dienstag: Der lateinische Esel. Mittwoch: Geichlossen Doniierstag, Freitag und Sonnabend: Der lateinische Esel. Sonnlag: Judith. Montag: Maria Stuart. Hedbel-Theater. Bis aus weiteres täglich: Der Skandal.(Anfang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: L X 2--- 6. tzlbendS: Hinterm Zaun. Montag: Hinterin Zaun. Dienstag: Moral. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Hinterm Zaun. Freitag: Moral. Sonnabend: Hinterm Zaun. Sonntag nachmittags: Unbestimmt. Abends: Jugend. Montag: Hinterm Zaun. Theater des Westens. Sonntag nachmitttayS 3'/, Uhr: Ein Walzer- träum. Abends, Montag und Dienstag: Die geschiedene Frau. Mittwoch: Oratorium Elias. Donnerstag und Freitag: Die geschiedene Fi au. Sonn. abend nachmittags: Slrmvwelpcter. Abends: Die geschiedene Frau Sonntag nachmittags: Undeslimmt. Abends: Der fidele Bauer. Montag: Die geschiedene Frau. Slt>i»er-Tlira«cr O. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Welt, w der man sich langweilt. Abends: Die von Hochsatiel. Montag: Der Schwur der Treue. Dienstag: Die erste Geige. Mittwoch: Der Messias. Donners- tag: Der Schwur der Treue. Freitag: Gespenster. Sonnabend: Kabale und Liebe. Sonntag nachmittag: Unbestimmt. Abends: Don Carlos Montag: Das Käthchen von Hcilb> onn. Schtllrr- Theater Ehartotrenburg. Sonntag nachmittag? 3 Uhr: Macbeth. Abends: Gespenster. Montag: WallensteinS Lager. Die Plcco- lomini. Dienstag: Gespenster. Mittwoch: Konzert des Berliner Lehrer, Gesangvereins. Donnerstag: Walensteins Lager. Die Piccoiomini. Frei- lag: Der Schwur der Treu«. Sounnbend: Walleusteiiis Tod. Sonntag nachmittag»: Unbestimmt. AdendS: Gcspeuster. Montag: Der Schwur der Treue. Friedrieli-Willielmstädtlsckies SchausPielhanS. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Othello. Abends: Flachsmann al» Erzieher. Montag: Maria Stuart. Dienstag: DaS große Licht. Mittwoch: Geschlossen. DoimerSIag: DaS große Licht Freitag und Sonnabend: Lisclott. Sonntag uachmitlugs: Unbestimmt. Abends: Di» groge Licht. Montag: Llselolt. Nolls oper. Sonntag nachmittags 3st, Uhr: Der Waffenschmied. Abends: Der Barbier»on Sevilla. Montag: Die Hugenotten.(Ansang 81/, Uhr.) Dienstag: Der Barbier von Sevilla.(Ansang 3'/, Uhr.) Miit- woch: Geistliches Konzert. Donnerstag: Die lustigen Weiber von Windsor. (Ansang 8'/, Uhr.) Freitag: Undine. Sonnabend nachmittags: Der Barbier von Sevilla. Abends: Der Postillion von Loujnmeau. Sonntag: Die Hugenotten. Montag: Rcgimentstochter. Luise». Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Herren Söhne. Abends: Heimat. Montag: Heimat. Dienstag: Robert und Bertram. Mittwoch: AuS dem Leben Jesu. Donnerstag: Wohltäligkeitsvorstelluug. Freitag: Heimat. Sonnabend: Robert und Bertram. SomUag: Gib mich stet. Montag: Robert und Bertram. Rose. Theater. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hüttenbefitzer. MendZ: Die Rechtlosen. Ronlag: Die Rechtlosen. Dienstag: Maria Stuart. Wittwo�: Geschlossen. Donnerstag: Maria Stuart. Freitag: Die Recht- losen. Sonnabend und Sonntag: Maria Stuart. Montag: Die relegierten Studenten. Neue» Opcretteu-Thrater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Abend», Rontag und Dienstag: Miß Dudelsack. Miit- woch: Gelchloilen. Donnerstaa. Freitag und Sonnabend, Ritz Dudelsack, (Anfang 8 Mr.) Sonntag t Gastspiel st» Lessmg-Theater:»uftnershd». (Anfang Tj, Ubr.) Lustspiel Iians. Sonntag nachmittag? 3 Uhr: Im Klubsessel. AdendS und solaende Tage biS aus weiteres: Der dunkle Punkt.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Reiidenz-Theater. Allabendlich: Gretchen.(Ansang 8 Mr.) Mittwoch: Geschlossen. Sonntag: Musatte. Tbnlia-Thearcr. Allabendlich: Die ewige Lamp«.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Sonntag- Mein Leopold. Knsiiio-Tlicatcr. Sonntag nachmittags 4 Uhr: Familie Klwkert. All- abendlich: Onkel Cohn.(Ansang 8 Ubr.) Mittwoch: Geschlossen. stlVotto-Ttiearer. Sonntag nachmittags S'L Uhr: Der junge Papa. Allabendlich: Eine Haremsnacht. Spezialllälen.(Ans. 8 Uhr.) Mittwoch: Grschlossen. Wintergarten. Sonntag nachmittags 30, Uhr und allabendlich: Spezialitäten(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Passage-Tdeairr. Sonntag: Naäunitlags 3 Uhr und allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Walbalta-Tbratet. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Mr.) Mittwoch: Geschlossen. Palast-Tdeater. Allabendlich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschloffen. Karl Haberlaud-Theater. Wabendlich: Spezialitäten. Mittwoch: Geschlossen. Trianon-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Prinz Birsst. Abends und bis aus weiteres täglich: Pariser Witwen.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Sonntag: Möns. Alphonle. Gebr. Hrrrnfrld-Tbeater. Bis aus weiteres täglich: So muß man-s machen. Ein RettungsuitUel.(Zinsong 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Folies(kaprire. Allabendlich: Mobilisserung. Der gewisse Augen- blick.(Anfang 8'/, Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Nlriropol- Tbrorer. Allabendlich: Hallohl Die große Revue! (Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Reichsliallen. Tbenier. Allabendlich: Sietliner Sänger.(Anfang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Mittwoch: Geschlossen. Ilrania-Tbrater. Znubenstraße 48/19. Bis aus weiteres täglich abends 3 Uhr Im Wisscnschaitlichcn Theater: In den Dolomiten. Sternwarte. Jüvalidenstr. 37—62. Vcrrnirchtea. Die Katastrophe auf Jamaika. Durch eine drahtlose Depesche eines deutschen Dampfers ist jetzt die erste Meldung über die Sturm- und Wolkenbruchkatastrophe eingelaufen. Der Telegraph meldet aus New Uork: Eine hierher übernnttelte drahtlos« Depesche des vor Kingston eingetroffenen Dampfers„Prinz August Wilhelm" meldet, daß dort im Orkan zwei Dampfer gestrandet sind. Das amerikanische Kanonenboot „Eeagle" wurde gegen den Pier geschleudert. In Kingston gehen seit Freitag Wolkenbrüche nieder und verursachen schwere Ueber- flutungen. Die Straßenbahn und die Eisenbahn haben den Ver- kehr eingestellt. Zahlreiche Personen sind ertrunken, der Material- schaden ist noch nicht zu übersehen. Im nördlichen Teil Jamaikas find durch Erdrutsche Bahnbrücken hinweggeschweinmt und Tunnels versperrt worden. In Kingston stehen die Elektrizitätswerke unter Wasser. Der„Prinz August Wilhelm" ist unbeschädigt. Eine weitere Meldung auS New Dork besagt: Die drahtlosen Meldungen des Hamburger Dampfers„Prinz August Wilhelm" aus Guantauamo über die Wetterkatastrophe auf Jamaika besagen weiter, daß der Regen seit dem 5. November andauert. Die Nieder- schlagshöhe beträgt im Durchschnitt täglich 10 Zoll, an einem Tag stieg sie auf 13 Zoll. Der Schaden wird auf 5 Millionen Dollar geschätzt, namentlich die Bananen- und anderen Pflanzungen haben schwer gelitten. Wie dem„New gork Herald" aus Port au Prince gemeldet wird, sind auch Haiti und die Dominikanische Republik im Laufe dieser Woche durch schwere Stürme und Ueberschwemmungen ver- heert worden, Haiti außerdem noch durch ein Erdbeben. Port de Paix. Genaives. Cap Haitirn und andere Städte sollen fast ganz zerstört sein. In Port de Paix sind bisher 19 Leichen geborgen, man fürchtet aber, daß noch viele Tote unter den eingestürzten Häusern begraben liegen. Große Sturmschäden werden ans Kopenhagen gemeldet: Ein heftiger Sckmcesturm suchte den Süden der Insel Seeland schwer heim. Das Unwetter richtete großen Schaden an. Der Telegraphen- und Telephonverkehr mit dem Auslände ist völlig, im Inland« teil- weise unterbrochen. Der Eisenbahnverkehr ist aus einzelnen Strecken eingestellt; im hiesigen Hafen find mehrere Schiffe beschädigt. Militär ist aufgeboten worden, um den unterbrochenen Eisenbahn« und Telegraphenverkehr wieder herzustellen. Bneffcaftcn der Redaktion. Sie lutiftlMje eprcchstunde findet Linden ft rose 9,»Weiler Hof, dritter Einzaiig, vlcr Treppen, Fayrftusl"TSSß woideutöglich abends von IM, bis 9� Ubr 7 Uhr. Sonnabends beginnt dir Spreibstunde um 6 Uhr. Jeder Anjragr ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen brlzustlaen. Briefliche Antwort wird nicht ertcilt. vis zur Beaniwortuag im Brlefkaftcu Iii«»«» 1t Tage vergeh« u. Eilige Frage» trage man in der Sprrchstunde vor. Alter Slbonnent S. A. Wegen der lediglich nach österreichischem Recht und der dortigen Praxis zu entscheidenden Rechessrage wollen Sie sich an die Wiener Arbeiterzeitung wenden.— I. S. 26. l. Wegen der Schulden des Ehemannes hastet die Ehefrau nicht. Werden die ihr gehörigen Sachen dennoch gepfändet, so kann sie mit Aussicht auf Erfolg Jntcrventionsklage anstrengen. 2. Ihr Bruder würde mit Arissichi aus Erjolg aus Enlsernnng des Neubaues klagen können. 3. Der Schnetdcr ist nicht zum Ersatz ver- pflichtet. Die Frau kann sich nur an ihren Ehnnann halten.—H. W. 33. Keineswegs, Sie sind völlig frei, und können zu etn.-r Taufe der Kinder nicht gezwungen werden.— U. G. 23. l. Eine bestimmte Zeit, bis zu der Näbmaschmengeräusch gestattet ist, kennt das Gesetz nicht. Legen Sie unter die Näbmoschiue schalldämptendc Gummiplatten oder Gunnnipsropsen, damit Sie Ihre Mitbewohner nicht stören. 2. Ja. 3. Die Spielregeln sind verschieden. — Sowadr-KaNe. 1. Die Klage hätte wenig Aussicht aus Erfolg. 2. Nein.— Dtro. IVOS. l. Zur Perpsändung eüier Jbnen gehörigen BcrgwerkSkuxe wäre Ihr Bnter nicht berechtigt. Sic hätten einen An- spruch auj Rückgabe von dem Inhaber und gegen Ihren Vater. 2. Als Adresse genügt Bochum, Wiemethauierstr. 40. Ein Brief mit dem von Ihnen angegebenen Inhalt liegt nicht vor. Der jetzige Brtes ist am II. b-im Brieskaste» eingelansen.— St. H. 99. 1. Schwerlich, wenn nicht etwa ein Scheingcschäst vorliegt. 2. Hierin kann Betrug erblickt werden. 3. und 4. Die Bcrpsänduna lst Insoweit ungültig, als durch ste ältere Gläubiger benachteiligt werden.— W. Stettin. Die Dame war im Recht.— Bulter. In tO Jahren; jedoch urnerbricht jede gegen den Täter gerichtete Handlung die Vcijährimassrist.— Top. Wegen Aliinentensorderung ist Lohubcschlagnahme zuläsug.— M. W. 99. Net«. — IVO G. R. Der Wirt ist t», Recht.— I. R. I. Die Steuern sind erst am t5. fällig.— F. S. 19. Ja. die Verjährungsfrist beträgt 30 Jahre. — Zwei Streitende. 1, Rein. 2. Daß der die Geuehniigiing zur Heirat erteilende Gutsbesitzer daS Recht der ersten Beiwobnung habe.— — Köpenick. F. 11. Beim Patentamt, wo Jbnen auch die Bedingungen mitgeteilt werden.— 8. K>. 29. Wir müssen grundsätzlich Geschästi- emplchlungen ablehnen.— M. K. 79. 1. Zu erfragen bei Pohl, Rountzn- straße 30. 2. Zu erfahren im Bureau des Wabivereiii». Ravenöstr. S. 3. Schreiben Sie noch elnmal und bitten um Bescheid.— Thiel, Neussel- straße. Uns nicht bekannt.—®. G. 74. Frau Swleitty, Schöneberg, Scdnnstr. 37.— C. 34. Im Perruisregister des Abreßbilchs finden Sie das Gewünschte.— Stettin. K. G. 8, Ff. N. 4. Richten Sie Ihre Anfragen an den Genossen Sinianoivski, Engeluser 13.— Margarete. 9997. Bcsrogen Sie darüber einen Arzt.— Pankow. Rein.— 1999 WS. Slistuugsdepulalion des Magistrats, Berlin, Pottstr 18.— E. K. C. S. 1.»Der Tropeiipstanzer', Unter den Linden 40. und .Koloniale Zeitlchrist*, Kysshäuserstr. 5. 2. Unter den Linden 3.— X. Ja. — Raritäten 9. Berlin, Hamburg, München, Dresden, Leipzig.— A. S. 199. In der Klinik Luisenstrnßr 18. Sprechzeit von 12 bis 1. — H. S. 190. W. N. L. Wenden Sie sich an die Zentrale für Au«- Wanderungswesen, Berlin, Schellingstr. 4.— Raubzug. Die Steuer sür auSIändische Streichhölzer trat am 13. August, die für inländische am 1. Oktober in.Kraft.— M. D. 59. DaS könnte nur ein Fachmann be- urteilen.— M. Z. 5. Bemühen Sie sich, bitte, nach unserer Expedition, wo St« den.Borwärls- nachschlagen können. Uns fehlt die Zeit dazu. — P.®. 16. Im Rahmen des Briefkastens nicht zu beantworten. Wenden sie fich deswegen an das Bureau Ihres Wahwereins, Ravenö- straße 6.— Diskussion N. 45. Gcldlohn ist Lohn, welcher in barem Gelbe gezahlt wird; Nalurallohn wird durch Lieferung von Naturalien(Getreide, Kohlen usw.) abgegolten.— ES. G. 499. Eine Fachzeilschrist, deren Sie mehrere tu» Adreßbuch verzeichnet finde«, gibt Ihnen darüber genauere AuSkmljt. Orts-Kra uf cuf rt sse für Gdkr-SPiitwkidt. Am Ticnstag, den S». No- demder Z!><>->. nachmittags 6 Uhr. findet im Lokale des Herrn Warnefe, Wilhelmiiicnhoflirahe sg. die ttpel�ntNcIio General-Versaminlung der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer slaU. 295/12* Tagesordnung: 1. Veriql des Vor/Iandes� 2. Wahl von drei Reviiore« zur Prüfung der Nahiesrechuuttg. 3. Iii- gwahl zum Bor'Iand: 1 Arbeitgeber � 2 Arbeit- nehmer. 4. Beschlußfassung über evcnt. Anträge.— Verschiedenes. Als Legitimation gilt die Ein- tadungs karte. Obcr-Schöncweide, den 4. November 1909. Ter Barstand. F. Sommerteld, H. Rodenbusch, 1. Vorsitzender. Schriftführer. Orts-Krankenkasse Iii aim Freitag. den 2«. No> den, der er., abends 8 Uhr, findet im Lokale der Witwe Weiael, liirr. schmidtstraSe 45, die General-Versammlang statt. a TageS- Ordnung: 4. Bericht des Vorstandes. 2. Vorstnndswahlen kzwei Arbeitgeber und vier Arbeitnehmer). 8. Wabl von drei Rrotforen zur Ab« nähme der AahreSrechnung. 4. Bericht vom V-rbandStag in Bremen. 5. Genehmigung deS Nnftillungs- Vertrages für den Ztasfcnboten. S. Verschiedenes. Unter Hinweis auf 866 des Kassen« ftaiuts werden die Delegierten ge- beten, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. 295/11 Der Vorstand. _ � Kowalke, Vorsitzender. Orts- Kraukenkasse des Manrergewerbes zu Berlin. ll!on»tag, den 15. Uoeembse 1259, abends 8 Uhr, findet im Lewoekzobatla- hause, Engcluser 16, Saal 3, die General-Versammlung der Bertrcter der Kasse»- Mitglieder und der Arbeit- geder statt. Tagesordnung: t. Bericht über die Tätigkeit de« Vorstandes. 2. Ergänzungswahl des VorslanbcS jür die Jabre 1919 und 19i 1 für die ausscheidenden Vorstands« Mitglieder a) von den Arbeitgebern die Herren Bäfell und Itengert, d) von den Knfscnmitglledern die Herren Linde, SimanowSki, Vogel und Lehnig. 3. Wahl des RechnungS« PrüsungSauSschusseS. 4. Weitere Re- gelung der Bcamtengehälter. 5. Ver- fchicdenes. 279/ l 3' „Hrrkillts" Srifenputoer wäscht, bleicht und schont vorzüglich. Preis pro Psund 15 und 25 Pfennig. 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Ach bitte, ein ein- ziges Mall" „Nein, Lisa, bleib' hübsch hier. Du bist so wild, und sieh' nur. der Schmetterling fliegt jetzt auch über die Strasie-- Lisa, Lisa--- l" Da ein Schrei und ein Pusten, eine Autodroschke bog in schneller Fahrt um die Ecke, schneller wie ein Gedanke hatte Fräulein da» nichtSahnende Kind beiseite gerissen, war aber dabei selbst zu Fall gekommen und überfahren. Im Nu hatte sich eine Menschenmenge um die bewubtlos Daliegende gesammelt, die sofort in das nächste Krankenhaus gebracht, während Lisa von dem entsetzten Passagier der Autodroschke, einem jungen Kaufmann Nieder, der Mutter zu- geführt wurde. Nieder brachte Frau Sander den Vorfall schonend bei, fortgesetzt die Unschuld des Kutschers beteuernd und darauf verweisend, dab das Kind ohne die Geistesgegenwart des verletzten Fräuleins zweifclS- ohne überfahren worden wäre. Frau Sander blieb in einer naturgcmäsi grohen Erregung zurück, ihren ihr neu geschenkten Liebting immer aufs neue mit Küssen bedeckend. Auch ihr Gatte, der inzwischen telephonisch von dem Unglücksfall benachrichtigt war. befand sich in erklärlicher Aufregung und bat seine Frau, sofort mit ihm zum Krankenhaus zu fahren, um zu sehen, wie eS der Retterin ihres KindeS ging. „Fritz, ich kann nicht mit in das Krankenhaus fahren, schilt mich nicht herzlos, aber ich kann es nicht! Du weißt, mir wird in diesem entsetzlichen Geruch schlecht, ich würde tagelang darunter zu leiden habe», und ich muß jetzt gesund sein, ich muß mich für Lisa gesund erhalten I" „Das verstehe ich aber wirklich nicht, Adelheid I ES ist Deine Pflicht, sofort zu Fräulein Lucius zu fahren. Bedenke, ohne ihr mutiges Eingreifen hättest Du vielleicht kein Kind mehr, oder Lisa läge dort im Krankenhaus I" „Nein, Fritz, das hätte ich nie geduldet, auch Fräulein muß sobald als möglich dort heraus, ich will sie hier pflegen und warien und ihr meine Dankbarkeit abtragen, aber in das Krankenhaus mit seinem Karbol- und Lysolgeruch gehe ich nicht. Ich kamt dort nicht atmen." „Aber, Närrchen. Du würdest doch hier genau denselben Geruch bei ihrer Pflege zu erdulden haben, sei doch konsequent und vernünftig I' „Denselben Geruch? Aber keine Spur! Hier bin ich Herrin, und in meinem Hause wird nur Automors gebraucht, ich leide keinS der riechenden Desinfektionsmittel, umsolveniger, da ja AutoniorS ebenso wie Karbolsäure zu Umschlägen gebraucht wird und fünsmal stärker als diese wirkt!" «Aber Adelheid. Du magst noch solche enragierte Anhängerin des AutomorsierenS sein, die Aerzte würden es schon in den Krankenhäusern Venvenden, wenn sie eS für richtig hielten I" „Ja, die Aerzte! Bei sich in der Sprechstunde verwenden sie es schon, und daß sie außerordent- lich zufrieden damit sind, hat uns doch neulich erst SanitätSrat Neubeißer erzählt. Aber in den Krankenhäusern müssen sie verwenden, wa» die Verwaltung für Jahre hinaus eingekauft bat. Tu mir schon die Liebe und fahre allein zu Fräulein, bringe sie auch sobald als möglich mit, aber ich kann wirklich nicht mitkommen!" Was half es Herrn Sander, er mußte allein gehen, doch bereits nach einer Viertelstunde läutete er an, die Verletzungen seien nicht lebcnSgefähr- lich, feine Frau möchte doch nachkommen, denn er habe sich überzeugt, daß auch in diesem modernsten der Krankenhäuser nur noch AutomorS gebraucht würde. ES sei wirklich eine Freude, die reyie, ge- sunde Luft dort zu atmen, man merke am Geruch wahrlich nicht mehr, daß man sich in einem Kranken- Hanse befände. Frau Sander hat seit diesem Tage ihre Averston gegen 5krankenhauSluft überwunden. Sraumannz festsäle und Satten Bnhne! 27 Nannynstraßt 27. 3 Kegelbahnen! Tonnabende im Dezember und Januar noch frei! l30SäL' Itannal-? 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Er stellt die Sache folgendermaßen dar: Ende 1904 entstanden in der russischen Sozialdemokratie taktische Meinungsverschiedenheiten hauptsächlich über die Frage der Rolle des Proletariats in der russischen Revolution und seine Haltung zu den bürgerlichen Parteien; die Menschewiki„sahen in der Bourgeoisie die Führerin der Revolution und neigten zu einem Bündnis mit ihr"; dieser Umstand förderte die Heranziehung solcher Personen in die Reihen der Menschewiki, die,„eigentlich liberal gesinnt", sich der Partei anschlössen,„um sie der Bourgeoisie dienstbar zu machen", und gegenwärtig damit beschäftigt sind, die Partei zu„zersetzen". Dieser Darstellung müssen wir die allgemein bekannte Tat- fache entgegensetzen, daß die Spaltung zwischen den Bolschewiki und Menschewiki in der russischen Sozialdemokratie nicht Ende 1904, sondern schon 1903 eintrat, und dies auf dem Boden von Organisationsfragen: Schon damals vertraten die Menschewiki die Ansicht, daß die Bedingungen, die die offene Existenz der sozialdemokratischen Arbeiterpartei unmöglich machten, die Organisation der letzteren nicht streng zentraliftisch aufgebaut werden könne, sondern lose sein müsse. Diese Differenzen wurde» seinerzeit in der deutschen sozialdemokratischen Presse dargelegt, und Karl Äautskh und Rosa Luxemburg erkannten zugleich mit unö an. daß die ultra-zentralistischen Bestrebungen der Bolschewiki bei den damaligen russischen Verhältnissen für die EntWickelung der Arbeiterpartei schädlich waren. Die Organisationsstreitigkeiten, die gegenwärtig in der russischen Sozialdemokratie geführt werden, erscheinen, insoweit als die äußeren Bedingungen unserer Tätigkeit nach dem Siege der Konterrevolution den Bedingungen in den Iahren 1903/04 ähnlich geworden sind, dem Wesen nach als Fortsevung der Streitigkeiten, die damals geführt wurde». Die Menschewikr brauchten darum gar nicht durch die Rachbarschasi„liberal gesinnter" Mitläufer infiziert zu werden, um in diesen Streitigleiteu ihre jetzige Position zu verteidigen. Da ich nicht die Gastfreundschaft des„Vorwärts" mißbrauchen will, sehe ich von den weiteren llngenauigkeiten ab, die der Autor bei der Darstellung der Geschichte der russischen Sozialdemokratie zuließ. Ich will nur bemerken, daß sein Versuch, die Taktik der Menschewiki von dem Satze herzuleite», daß die„Bourgeoisie die Führerin der Revolution" sei, jeder Grundlage entbehrt. Wir haben stets die zweideutige Rolle der russischen Bourgeoisie gegen- über der russischen Revolution hervorgehoben, wie wir die führende Rolle des russischen Proletariats in derselben stets in den Vorder- grund gerückt haben. Wenn wir zu einer anderen Taktik gegen- über den bürgerlich-liberalen und demokratischen Parteien Ggc- langten als die Bolschewiki, so nicht aus Hochachtung vor der „führenden" Rolle der russischen Bourgeoisie, sondern aus der tiefen Ueberzeugung heraus, daß das Bürgertum, trotz seines wachsenden Antagonismus zum Proletariat, noch eine gewisse Zeit gezwungen sein wird, an dem Kampfe gegen die in Rußland herrschende Diktatur des Adels und der Bureau- kratie Anteil zu nehmen. Gleichviel ob diese Anschauung richtig ist oder nicht, ist es zuerst notwendig, sie gewissenhaft darzulegen, ehe sie bestritten wird. Ich gehe nun zu der Anschuldigung über, daß die Menschewiki die Partei„zersetzen", und daß die„Stimme des Sozialdemo- traten", zu deren Redaktion ich gehöre, diese„Zersetzer" in Schutz nehme. Nach den Worten des Autors bemüht sich ein Teil der Menschewiki nach dem Siege der Konterrevolution, die Arbeiter- llasse„auf den Weg der Aussöhnung mit der bestehenden Ordnung, zur kleinen Arbeit ohne größere Ziele zu locken".«Sie predigen offen, daß die Sozialdemökratie unnötig sei, sie suchten das Heil in den legalen Gewerkschaften, und als diese zertrümmert worden waren, in den Konsumvereinen usw." Zu einer Aussöhnung mit der„bestehenden Ordnung", d. h. mit der asiatischen Diktatur Stolypins und seiner Junkerbande. hat natürlich kein einziger Führer der russischen Arbeiterbewegung aufgefordert. Dazu müßte man ja wahnsinnig sein. Die phantastische Behauptung des Autors erscheint als Widerspiegelung des gestrigen Standpunkts derjenigen Genossen(der Bolschewiki), von denen der Autor jetzt einen Teil begrüßt, weil sie den Entschluß gefaßt haben, ihr langjähriges Band mit denen zu zerreißen, die er selbst„Phrasenrevolutionäre" nennt, mit den *) Raummangels wegen mußte diese Entgegnung leider längere Zeit zurückgestellt werden. D. Red. I prinzipiellen Anhängern des Tumaboykotts und der revolutionären j Putsche. Ich weih nicht, ob Most und Hasselmann der Gedanke gekommen ist zu behaupten, daß Bebel und Liebknecht durch ihre Teilnahme an der Tätigkeit des Reichstages das Proletariat auf den„Weg der Aussöhnung mit der bestehenden Ordnung" lockten. Ader ich weiß, daß die Blanquisten der sechziger Jahre die Mit- glieder der Internationale der Aussöhnung mit dem Bonapartisti- sehen Regime beschuldigten, weil sie das französische Proletariat in„legalen" Verbänden organisierten, anstatt in geheimen Vcr- bänden eine neue Insurrektion vorzubereiten. Bei uns in Ruß- land verhielt sich die Sache auch nicht anders. Aber wenn eine solche Insinuation im Munde eines„Phrasenrevolutionärs" als einfache Frucht seiner Unfähigkeit erscheint, eine revolutionäre Tätigkeit dort zu sehen, wo es weder Bomben noch Revolver gibt, so erscheint sie im Munde eines Mannes, der die Lenmsctje Gruppe wegen ihrer kürzlichen Aufforderung zur energischen„Kleinarbeit� bei der Organisation der Arbeiterklasse begrüßt, mehr als sonder- bar. Was jetzt Lenin und Genossen empfehlen, haben die Menschewiki in der Praxis im Verlauf von zwei Jahren ausgeübt. Nach dem furchtbaren Vernichtungskrieg gegen das russische Proletariat in den Jahren 1905/06, als die Romantiker der Re- volution versicherten, daß, wenn nicht heute so morgen ein neuer allgemeiner Volksaufstand ausbrechen würde"), fanden sich in der russischen Sozialdemokratie Leute, welche einsahen, daß diese Re- volution im Abflaue» begriffen war, und mit aller Energie an die Arbeit gingen, um die Ueberreste der großen, aber geschlagenen Armee in den Gewerkschaften und anderen legalen Organisationen zu sammeln. In dem Maße, als sich die Niederlage der Re- volution immer deutlicher offenbarte und die revolutionären Organisationen unserer Partei unter den Schlägen der Re- gierung fast völlig vernichtet wurden, gelangten diese Leute immer mehr zu der Neberzeugung, daß die Wiedergeburt der Partei- organisation, als eines lebendigen und sich entwickelnden Organis- mus, rute beharrliche Vorarbeit erforderte, wobei uns die Gewerk- swasten als die bei den gegebenen Verhältnissen beste Form der offtueh.5 rgaaisation der Arbeiter und als die geeignetste Vorschule für ihre sozialistische Erziehung erschien. Wie falsch die Vor- stellung ist,».an oiese„Begelsterung" für die Gewerkschaften die Arbeiter von d?r Sozialdemokratie abgelenkt habe, ist aus der in offiziellen Dokumenten der Regierung konstatierten Tatsache er- sichtlich, daß die russischen Gewerkschaften den tätigsten Anteil cm den Wahlen für die zweite und dritte Duma nahmen, indem sie überall die sozialdemokratischen Kandidaten unterstützten, und ebenso energisch die Tätigkeit unserer Abgeordneten in denDumen förderten. Von welchem Führer der russischen Arbeiterbewegung bot der Verfasser des eingangs erwähnten Artikels eine„offene" Predigt der Unnötigkeit der Sozialdemokratie vernommen? Wenn diese Predigt eine offene war. so kann er sich ja den Luxus erlauben, wenn auch nur eine diesbezügliche Erklärung eines„Menschewikis" zu zitiere n. Ehe er ein solches Zitat anführt, genügt es uns zu seiner Widerlegung auf die Tatsache hinzuweisen, daß die gesamte Gewerkschaftspresse in Rußland die Arbeistcr stets auf das Ungenügende wirtschaftlicher Organisationen«llein und auf die Notwendigkeit der Existenz der sozialdemokratischen Partest verweist. Tie Stuttgarter Resolution über die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Partei ist von sämtlichen Führern der russischen Gewerkschaftsbewegung mit Beifall aufgenommen worden. Zwei Jahre nach der Niederwerfung der Pariser Kommune drückte Karl Marx in einem Briefe an Sorge seine Genugtuung darüber aus, daß sich die vorgeschrittenen Elemente des französi- scheu Proletariats aufs neue in den gegenseitigen Unterstützungs- tasscn zusammenschlössen, und fand, daß es sogar nützlich sei, daß sie sich bis auf weiteres in diesen Kassen befestigten, ohne den Versuch zu machen, sich unverzüglich auf einer schärferen Kampfes- bafis zu organisieren. Zu derselben Zeit fanden die blanquistischen Emigrauten der Komnrune nicht geniigend Worte, um diese „Legalisten", die die Arbeiterklasse mit der bestehenden Ordnung aussöhnten, zu brandmarken. Die Verheerungen, die die Jahre 1905/06 in den Reihen des russischen Proletariats anrichteten, waren in einigen Beziehungen furchtbarer als die Verheerungen, denen das französische Prole- tariat 1871 ausgesetzt war. Aber es wäre allem Anschein nach zu pedantisch, von allen russischen Emigranten denselben Takt zu verlangen, den Marx 1873, wie immer, an den Tag gelegt hat. Vielleicht wäre es aber dennoch gestattet, den Wunsch auszusprechen, daß die offenbar unvermeidliche Taktlosigkeit nicht so weit gehen ") Im Sommer 1906 empfahl Lenin in einer Broschüre, be- titelt„Die Auflösung der ersten Duma", allen revolutionären Parteien, den allcgemeinm Volksaufstand für den Herbst dieses Jahres, nach Beendigung der Feldarbeiten, festzusetzen. soll, in der westeuropäischen Parteipresse unkontrollierbare An» schuldigungen gegen Parteigenossen zu erheben, die in Rußland geblieben sind, um in dieser, der allerschwersten Zeit die schwerste Arbeit zu verrichten, und die nicht einmal die Möglichkeit haben, sich von dem Vorwurf der Preisgabe der größeren Ziele zu verteidigen, denn jede offene Erklärung der Führer der Ar- beiterorganisationen über die sozialistischen Aufgaben, dieZ'ie bei der Gruppierung der Arbeiter auf dem Boden der«Kleinarbeit" verfolgen, führt in Rußland zur Vernichtung dieser Organi». sationen durch die Regierung. Wenden wir uns nun zu den Anschuldigungen, die der Autor gegen unser Organ erbebt. Er schreibt:„Die-„Stimme des Sozialdemokraten" führte keinen Kampf mit diesen Zersetzern, sie leugnete ihre Existenz...." Aus dem Obengcsagten ist er- sichtlich, daß wir es ablehnen, in den Führern der legalen Ar- beiterorganisationen„die Zersetzer der Partei" zu sehen. Aber wir erkannten stets an(und drückten das in unserem Organ aus), daß diese Führer, getrennt voneinander arbeitend, leicht einer ein- seitigen Begeisterung fiir ihre Kleinarbeit verfallen und die all- gemeinen Ziele der Bewegung vergessen könnten. Eben diese Gefahr veranlasste uns vor IVs Jahren, unser Organ zu gründen, das sich die Aufgabe stellte, das Bewußtsein der gemeinsamen Ziele in die Zerrissenheit der Arbeiterbewegung hineinzutragen. Die Propaganda des Marxismus und seine Verteidigung vor der revisionistischen Kritik wie vor den blanguistischen und syndikalistischen Falsifikationen, die Beleuchtung der laufenden politischen Ereignisse und der Ereignisse der internationalen Arbeiterbewegung vom marxistischen Standpunkte— das ist der Inhalt unseres Organs. Indem wir diese Arbeit verrichteten, verteidigten wir.� zugleich die„Kleinarbeit" in Rußland vor der Unvernunft der„Phrasenrevolutionäre", und eben für diese Ver- tcidigung beehrt man uns nun mit dem Titel:„Beschützer der Zersetzer der Partei". Die neuen Organisationsstrcitigkeiten, die der Autor deS Artikels erwähnt, sind auf dem Boden des Verhaltens zu der fortbestehenden russischen Arbeiterbewegung entstanden. Indem wir den Genossen die Notwendigkeit nachweisen, an der Regcne- ratio» der zerstörten Parteiorganisation zu arbeiten, weisen wir darauf hin, daß die neue Parteiorganisation keinen abgcschsossenen Geheimbund mehr darstellen kann, der außerhalb und über der offenen Arbeiterbewegung steht, welche ungeachtet aller Schrecken des Stolypinschcn Regimes Wurzel schlägt und sich fort- entwickelt;— keinen Geheimbund, der von den Führern im Aus- lande geleitet wird, die nicht einmal daran denken können, nach Rußland zurückzukehren, und die auf die Rolle des Vertreters der reinen Doktrin vor der opportunistischen Gefahr der wirk- lichen Arbeiterbewegung Anspruch erheben. Die Partei kann ihre Organisation bloß als Organisation der sozialdemokratischen Elemente wieder herstellen, die in der offenen Arbeiterbewegung— in der Dumafraktion, in den Arbeitcrklubs, in den Getverk- schaften— tätig sind und es verstanden haben, eine junge Generation der proletarischen Avantgarde um sich zu scharen. Unsere Pflicht— die Pflicht der alten Kämpfer der Revolution und der erhalten gebliebenen Partcikomitees— ist es, diesem Prozeß entgegenzukommen, ihn zu fördern und die Hindernisse. die auf söinem Wege stehen, fortzuräumen. Wenn wir einen anderen Weg beschreiten, würden wir uns das Schicksal der amerikanischen„Tc-Leonisten" bereiten und die Arbeiterpartei, die das Proletariat in Rußland früher oder später ins Leben rufen wird, den Opportunisten des Sozialresormismus aus- liefern. Indem ich meinen Artikel damit schließe, erlaube ich mir. den deutschen Genossen den Rat zu erteilen, den Berichten über die russischen Angelegenheiten, die die Sache so darstellen, daß in der russischen Arbeiterbewegung alles wohlbehalten wäre, wenn nicht diese oder jene„Zersetzer" als Schädlinge hervortreten würde», und daß man darum vor dem Beginn der wirklichen Organisationsarbeit die Frage der Vernichtung oder Ausschließung dieser oder jener sozialdmokratischer Gruppen ans die Tages- ordnung setzen müsse, keinen Glauben zu schenken. Ein solcher Standpunkt kann zu nichts anderem führen, als zur weiteren Desorganisation des wenigen, was pon der noch kürzlich mächtigen Klassenbewegung in organisiertem Zustande zurückgeblieben ist. Und ich bin tief überzeugt, daß es niemandem gelingen wird, die nwralische Autorität der deutschen Sozialdemokratie im Interesse einer solchen Desorganisation auszuschlachten. L. M a r t 0 f f. Vermilcktes. Eisenbahnunglück in Mcssina. Wie eine Meldung ans Mcssina besagt, lief gestern ein Personenzug, der in den dortigen Bahnhof einfuhr, auf einen Zug, der ohne Maschine dastand. Etwa 60 Per- sonen erlitten leichte Verletzungen, mehrere Wagen wurden zer- trümmert.' >Ieue ermäßigte Verkaufspreise für Nur erstklassige Fabrikate Rationelle Kinder- Stiefel Konkurrenzlose Preiswurdigkeit Kind er-Schnur- nad Knopfstiefel, Boxcali oder Cbevreau, durch�enäkt, Rand jestuppt 25— 27 28-30 31-35 36-39 52 fv50 U u. 72 92 braun Kinder« Schnür- nnd Knopfstiefel, Cbevreau, dorchgenäbt, Rand gestoppt 25- 27 28 30 31-55 36-39 62 72 82 102 Knaben-Schnürstiefel, Boxcalf oder Cbevrean, in eleganter Heirensticfel. Ansfübrung, durchgenäht, Rand gestoppt 81-» 96—39 82 92 Kanrelhaar- Ohrenschuhe kSL 20-24 130 1 u. aebr preiswert' 25-29 160 1 U. 30-35 19° 1 Ii. 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Abteilung D. und 12. Abteilung.». o.: Vater und Sohn. Resldeuz-Theater. 11. Mleilung o.: Musolte. Montag, 15. November, 8 Mr: IS.(III.) Abendabteilung im Neuen Schauspielhaus: Maria Stuart. Neue Freie Volksbühne, nachm. 2»/, Uhr. im: Deutschen Theater: FieSko. KammeripielhauS: Der Gras von Gleichen. Nachm. 3 Uhr: Neue» Theater: Ackermann. «lein«, Theater: 2 X 2— 5. Metrapal• Theater: Lumpacibaga- dnnduS. Neuen Operetten- Theater: Der Zigeunerbaron. Echiller-Theater O.: Die Seit, tn der»tan sich langweilt. Schiler» Theater Charlottenvurg: «aebeth. griedr.-lvilhelmftädt. Schauspielhaus: Othela. Hebbel«Theater: RevalutionShochzett. Kerliuer Theater: HerodeS und Mariamne. S Uhr: Der«a»ig. 8 Uhr: Damtri» de» Rare. Montag. 8 Uhr: DantriSd.Narr. DicnStag,8Uhr: DantrtS d. Starr. Kerlinei-'l'tiester. Heute 8 Uhr: Hohe Politik. Morgen: Hohe Politik._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Wahrkeit. Morgen: Der Diel». Donnerstag erstes Gaftsp- SiizanM Desprbs: F.Iehtr«.__ Tlieater des Vestens. Abend» t Uhr: Die(eachledene Fran. Tanntag nachm. S'l, Uhr: Ein iValKertranm. Mittwoch(Ruhlag) Oratorium »EliaS« Neuen Operetten-Theater, Schisfb auer dämm 25,«. d. Luisen str. Ansang 8 Uhr. Alm ItudolMaek. Operette tn 3 Akten von Rudols Nelson. Frledricti-Wlihilmstädtisciies Schauspielhaus, Sonntag, 14. Navbr., nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 3 Uhr: Flachsituim als Erzikher. Uaut»,: BolkSvorstellung bei er« enaahittr» Preisen: Maria Stuart. DienStas: Bas«rohe Licht. Mittwach(Bußtag): Geschlossen. Mfiirc-Wiis Direktiau: Richard Alexander. AlendS 8 Uhr: �lretehe». GrvicZke in 3 Allen von Davis und Lipschütz. Mvrgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung�_ Tolks-Oper. 8W., Selle-ASiance-Straße Nr. 7/8. Nachm. S'/j Uhr bei bedeutend er« mäßigten Preisen: Der Waffenschmied. Abends 8 Uhr zun, erstenmal: Der Karliier von Ztvilla. Luisen-Theater. Nachmittags 8 Uhr: Die Herren Söhne. LolkZst. in 3 Akten v. Walter u. Stein. Abends 8 Uhr: D e 1 ba a t. Montag: Heimat. Dienstag: Robert und vertram. Gastspiel-Theater Köpeuicker Straße 67/68. ASglich abends 8>/. Uhr: Gastspiel von krlli Beckmann. Sie gute Partie. IOSE=THEATE Urania. Wissenschaftliches Theater. Abencks 8 übr: In den Dolemlten M.ntaf abeads 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Ingenieur Ansbert Vorreiter: Die MotorluftschiSahrt, LuftschiSo und Flugmasehinen._ Hente Sonntnr RH i*r Eintritt: Kinder unt. II Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: Gr. Militär-Konzert. Morgen 8.wi. tüglieh nachm. 4 Uhr: Grolles Kontert. 1 Große Franksurter Str. l82. Ans. 3 Ubr. End«',.11 U.. Die Rechtlosen Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Alten von Popper und«labunde. llachm. 3 Uhr halb« Preise: Der .httenbefiber. Montag: Tie Rechtlose». Miner Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schndow-Strate N..14 Heute Sonntag: Eintrittspreis 50 Pf. Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 126/8 Lustspiefkaus. Nachm. 3 Uhr: Im Klubsessel. AbendsLUhr: Dor dunhl« Fnnkt. 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Arbeitsnachweis Amt III, 1313. Ortsverwaltung l Kellner, Koche, Köchinnen, Kiifettiers«sw. Ortsverwaltung II Abteilung sür da« Hilfspersonal: Japfer, Kansdiener, Kupferxntzer usw. Ortsverwaltung III Abteilung für Kierabzieher. Die Mitglieder des Verbandes sind mit einer Mitgliedskarte zur Legitimation verschen, die jedes Quartal erneuert wird und die Farbe wcchsclt. 291/10 Die sür das laufende Quartal gültige Karte ist von grüner Farbe mit schwarzem Aufdruck und lag dieselbe am letzten Zahlabend zur Anficht aus.— Wahlvereinsbücher gelten nicht als Ausweis sür die Zu- gehSrigteU zur gewerkschastlichen Organisation. yy Gleichzeitig machen wir daraus aufmerksam, daß der.Verband deutscher SastwiriSgehIlsen' und der „Gastronomische GehUsenverband' flicht identisch find. Der Vorstand. oichtiMifl! partej, Und Gcuwkkhaften. tMliüia! Am 15. November d. I. übernehme ich daS Etablissement 31952 PrachtsSäle Nordwest Wiclefstr. 24»»-> Emdenerstr. 41. gch empfehle meine Säle für 1200, 600, 500, 300 Personen, sowie diverse VereinSzimmer zu Festlichkeiten und Versammlungen. X Kegelbahnen. X Billard. Vis Küche steht unter der Kegle von 7rau Wwe. Augustin. Um recht zahlreichen Zuspruch bittet Karl Lcdrüder, Vereinixter SZnxer-Qior„Wedding" M. d. A.-S.-B. Chormeister: Herr Thilo, frlihcr:„Sioi-dnachl" und„Steinuelke". Mittwoch, de» 17. November, Busttag, in den„Germania- Prachisäleu«, groster Saal, Chausseestr. 110: = Fäiifter üLunst-Abeiad.= Mitwirkende: das beliebte Sinforie-Orchester: Herr Vogel— Violine: Herr Konzerlmeisler Cödllch— Rezltatlan: Herr Dieekto: tullcs Türk— Gesangverein Vereinigter Sänger-Chor„Vifedding" unier Leitung des allbekannten ChormetsterS Herrn Thilo.— Zur Ausführung gelangt u.a.: enlimihl'iC'f Gr.Melodrama mit Orchesterbegleitung von I. Becker, „nUlUllIUhs, sür Männerchor bearbeitet von I. Quarck. Nach dem Konzert: � N N Einlaßkarten 50 Psg. —mmm Stinber unter 14 Jahren haben keinen Zutritt. Das Konzert beginnt pünktlich um 7 Ithr. Unbedingte Ruhe während des Konzerts ist"geboten. Getränke werde» nur in den Pausen servicri. Das Stauchen tm Saale ist nicht gestattet. Programm dm Eingang 2393b Da» Komitee. I Berliner; Mitgl. d. Arb.-Radf.- ßundes.Solidarität". Mittwocb, den 17. November(BaOtag), abends präzise 7 Ubr: 2 gr. Lichtbilder-Vorträge Kinematograph und Tanz in Freyers Fastsälen, großer Saal, Koppenstr. 29.* I.Teil: Eine Reise nm die Welt. 2. Teil: Abenteuer ein. JunggCNellen(aus W.Busch-Album). 3. Teil: Klneinntog/ruph(u.a.: Lustige Fpisoden aus dein Rad- und Automobilfahrerleben). ----- B1EEETT8----- sind im Fahrradhaus„Frisch EroftnungCUhr �uk!", Brunnonstraßo 35 und Kottbuser Str. 9, zu haben. Eintritt 20 Pf. Bier- Speisehaus „k�rankkufter Nütte" krautstr. I und Gr, Frankfurter Str. 101 = ist wieder eröffnet!= Gr.litsgsisel! 53 n fiilligerFfSfesiell-u.lll'ßsiltiscti. 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Das Fach- blatt.Alkohol" hält es aber doch für angebracht, dem Beschluß wenigstens die Möglichkeit der Wirkung einer Konsumverminderung zuzugestehen, es schreibt: „Angesichts der außergewöhnlich großen Nachfrage nach Spiritus vor Inkrafttreten der neuen Steuer hatte die Spiritus- zentrale bis vor kurzem nur Lokalware abgegeben, um die Spekulation etwas Einzudämmen. Nachdem nunmehr das neue Gesetz in Krafl getreten ist und infolge der starken Ver- sorgung— teilweise vielleicht auch infolge des sozialdemokratischen SchnapsboykotlS— der Begehr nur sehr gering ist. macht die „Spirituszentrale" bekannt, daß sie jetzr auch Lbgeber von Spiritus für Lieferung bis einfchließlich Dezember dieses JahrcS ist."... „Vieheicht" und hoffentlich bewirkt der Beschluß, daß der Konsum noch viel geringer wird._ Gewinnsteigernngen in der chemischen Industrie. Bei den Akliengesellschaften der chemischen Industrie, die am 30. Juni ihr Geschäftsjahr abschlössen und schon darüber berichtet haben, ist überwiegend eine kräslige Geivinnsteigerung eingetreten: 10 Gesellschaften mit einem Aktienkapital von insgesamt 21,44 Millionen Mark erzielten 1308/(19 einen Reingewinnüberschuß von K.Z8 Millionen Mark gegen 2,21 Millionen Mark in dem Ge- schäftsjahre zuvor. Bei den größeren Gesellschaften, die mit Gewinn arbeiteten, stellte sich dieser in den beiden letzten Geschäftsjahren wie folgt: Aktienkapital in 1000 Mark Rcingelvinn 1907/08 1908/09 in Mark 674 696 675 892 Verein. Ultramarinfabr., Köln.. 5500 Cheniische Fabrik Hönnigcn... 3750 422 573 465 940 Verein. Cbem. Weile Charlotteuburg 3000 548 529 773 745 ITabricmss de produits chimiques, Mülhausen........ 2640 109 774 110126 Conkordia, chem. Fabr., Leopoldshall 2100 285 263 315 070 Die Dividende, die sämtliche Gesellschaften verteilten, stellte sich im Durchschnitt 1903/09 auf 8,4 Proz. gegen 7,9 Proz. im Jahre 1907/03.__ Agrarisch ist Trumpf. Aus Bankkreisen schreibt man der„Morgenpost", die Regierung beabsichtige, die kommunalen Sparkassen zu zwingen, in Zukunft nur noch mit der Reichsbank, der Preußischen Seehandluug, den LandeSbanIen bezw. Landeskreditkasien Geschäftsverkehr zu pflegen. Zum Schluß wird bemerkt: Welche Gründe die Regierung zu dieser neuesten Maßnahme bestimmen, ist nicht ohne weiteres zu erkennen, es sei denn das Bestreben, den Landeskreditkassen, welche besonders im Osten mit Vorliebe Beleihungen des ländlichen Grundbesitzes vornehmen, auf Kosten der Sparkassen möglichst billige Gelder zu- zuführen.— Durch diesen Vorstoß wird hoffentlich die Frage der Errichtung von Kommunalbanken in ein etwas lebhafteres Tempo gebracht._ Vom Viehhaudel. Der Magerviehhof i» Friedrichsfelde, eine Sdiöpfung der Agrarier, vom Staate erheblich mit Kapital unterstützt, macht schlechte Ge- schnfte; das ist kein Geheimnis. Viehhändler, Molkereibesitzer und sonstige Käufer haben sich vom Magerviehhof zurückgezogen und wieder private Verkaufsstellen �aufgesucht. Der Zwang, alle» nach Berlin transportierte Vieh in Friedrichsfelde auszuladen, hat den gewünschten Erfolg nicht gehabt, weil die Händler ihr Vieh nicht auf den Magerviehhof, sondern in Privatstallungen brachten und verlausten. Jetzt sollen schärfere Maßregeln Platz greifen. Vom 1. Januar 1910 ab will die Regierung in Berlin und 10 Kilometer im Umkreise alle privaten Verkaufsstelle» für Vieh schließen lassen und den gesamten Viehhaudel außerhalb des ZentralviehhoseS und des Magerviehhofes verbieten. Die beteiligten Jiitcrcssenten wollen sich das nicht gefallen lassen, und sind Protestaktionen geplant. Konzentration in der Schiffahrt. Nachdem für Rechnung eines Konsortiums großer deutscher Reede- reien bereits Anfang vorigen Monats von der Hohenlohe- Gruppe deren Besitz an Aktien der„Dampsfchiffreederei Union" sowie die sämtlichen Dampfer der„Seetransport- Gesellschaft" übernommen wurden, hat, wie„W.B." meldet, eine in diesenTagen in Hamburg abge- haltene Versammlung sämtlicher großen, in außereuropäischen Fahrten tälige» Vrenicr und Hamburger Reedereien beschlossen, zum Zwecke der Uebernahme dieses Besitzes eine G- m. b. H. unter dein Namen „Reederei-Bereinigung G. in. b. H." zu bilden. Bei dieser Gesell- schaft, die niit etwa 11 Millionen Mark kapitalisiert werden soll, iverden die sämtlichen erwähnten Reedereien beteiligt sein. Es ist beabsichtigt, die„Dampsschiffreederei Union" in unveränderter Weise besteben zu lassen und die von der Seetransport- Gesellschaft ein- gerichtete Linie von Genua— Marseille nach dein La Plata ebenfalls fortzuführen._ Rollschnhbahnen in der Türkei. Wenn die Türkei politisch an- scheinend auch wieder rückwärts marschiert, im Sport wird sie sehr modern. Vor etwa zwei Monalen wurde in Sinyrna von einer spanischen Gesellschaft eine Rollschuhbahn eröffnet. Trotzdem diese viel zu geringe Dimensionen hatte<35: 15 Meter), fand sie doch solchen Anklang, daß jetzt schon zwei lveiiere Bahnen entstanden sind, auch soll der Bau solcher in einigen Vorstädten in Aussicht stehen. In anderen Städten der Levante soll der Sport ebenfalls Wurzel gefaßt haben. Infolgedessen besieht seit kurzem eine starke Nachfrage nach Rollschuhen._ Hiia der-Frauenbewegung. „Wie kann der Liberalismus die Massen gewinnen?", so jammerte an, letzten Montag im Kasino des Westens in Schöuebcrg die Predigeriü des Liberalismus, Maria LischncwSka, in einem Vor- trag, der so schwach besucht war. daß er uns der Rednerin wegen, die nun einmal von der Wahnidee des AuferstehenS des Liberalisnms befallen, leid tun konnte, und wenn es nicht Eulen nach Athen tragen geheißen hätte, würden wir der Jammernden am liebsten die Worte des Dichters variiert präsentiert haben:„Abgelöst, Liberalismus, Deine Stelle nimmt hinfort die Sozialdeinokratie ein!"„Wir leben in einer Zeit der Konzentration der Massen und der Masseuwirkung," führte die Reduerin sehr richtig aus.„Die Erkenntnis dieser Tatsachen haben sich alle politisch bedeutenden Parteien zu nutze gemacht, die Sozialdemokratie sowohl wie die Konservativen, die sich taktisch den wirtschaftlichen Berhältniiien au- gepaßt und Massen suggeriert und organisiert haben. Auch das Zentrum handelt in diesem Sinne, wenn es auch scheinbar das Wirt- schaftliche Moment dabei in den Hintergrund treten läßt. Nur der arme Liberalismus habe keine Massen hinter sich, der Arme I Und „die rettende Hand des Fürsten Bülow", die den Block formte, konnte dem Armen nicht wieder aus die Beine helfen. Doch die neue Finanzreform, die dem Sozialismus ungeheuere Wasserwellen auf die Mühlen treibe, könnte auch dem Liberalismus prächtig zu statten kommen, kalkulierte die Predigerin in der Wüste. Dann erfolgte ein wunderbarer Sermon über alles, tvaS der Liberalismus dereinst geleistet und ein interessanter Hiuweis der Rednerin auf die Massen, die, weil zurzeit vettoaist und heimatlos, dem Liberalis- muS zufallen würden, falls er es verstehe, sie heranzuziehen. Es seien das vor allem: die ch r i st l i ch e n Gewerkschaften, die Handwerker, die königlichen Kaufleute vom Schlage eines Dernburg, Ballin, Krupp. Borsig usw.. die sich schon zur Gründung des Hnnsabundes aufgerafft. Auch die Bauern wären für den Liberalismus zu begeistern, trotz der„Viehzölle", und die Beamtenschaft(Kommunal- und Privatbeamte) müßten herangezogen werden. Enttäuschungen, wie sie jüngst den Berliner Lehrern durch den Liberalismus zu teil ge- worden, müßten allerdings vermieden werden, die Lehrer wären wie kaum ein anderer Stand liberal gefonuen. Endlich aber könne der Liberalismus auf die Sdiaren der bürgerlichen Frauen einst rechnen. Hin jedoch alle diese Massen zu gewinnen. müsse der Liberalismus Weltmachtspolitik treiben, StaatSsozinlisinnS, und Ausbau des konstitutionellen Staates erstreben und— das Niedlichste und aus diesem Mund etwas seltsam, Anmutende— der Liberalismus müsse Verstäudiguug mit der Sozialdemokratie suchen. Ack. Fräulein Lischnewska, was muten Sie aber auch alles dem Liberalismus zu, dem armen Hampelmann I Vevfautinlnngen— Veranstaltungen. Reinickenborf-Ost. Dienstag, den W. November, 8 Uhr, im „Kastanienwäldchen"i»d Festsäle, 50 bis 1000 Personen sassend; I bei Hochzeiten eigene Auffahrt.* I Alle Herreiiparüen am Busstag nach dem Idyll HvtdoscIUoS Hohenbfnde Outcnberg-" WWp" Stadtbahnstation Erkner. Von morgens 9 Uhr ab: k! Fr. Blut- und Leberwurst.!! Den verchel. Vercinsvorständcn halte mein romantisch direkt an Wald u. Spree gelegenes Lokal sür die nächstjährigen Ausflüge bestens emp« sohlen. Amt Erkner 2V3.» Alb. Lehmann. Herren-Hosen Schöne Mufter, praktische Stoffe 20.- 18.- 16.- 15.- 14.- 12- 10- M. 9.- 8- 7.- 6.- 5- 4.- 3.20 M. BaenSohn Spezial-Hauj größten Maßstabes für gute Herren- und Knaben-Kleidung Chausseestraße 29-30 a 11 Brückenstraße 1 1 Gr. Frankfurterstrafle 20 □ Schöneberg, Hauptstraße 10 Der Winter-Katalog Nr. 38, Moden 1909, auf Wunsch kostenlos und portofrei, Bernhard Keilich ßrbssles Spielwarengeschäft der Welt Puppen-Fabrik Spfelwaren-Pjbrill JQr. Hambür�er-Strasse 21-23 Oranfenbor.ggfcSfcll Nahe BahnhoF ßörse ulirKus Busch J?as ganze Jahr- nicht nur kurze zeit 19 Schaufenster Die Firma erhielt beim Schaufensierweitbewerb die höchste Auszeichnung. „Die Puppenmuhle" „Gebirgslandschaft" „Stelnbaukastenst�idt� „Dorfschule" fanden SO pressen Anfclang bei den Z&scüiaucrn, dass diese Ausstellungen noch einige Zeit erhalten bleiben« �htnngi Moabit! 12. Landtagswahlbezirk! WM! Montag, den 13. November, abends 8 Uhr: oße öfirentliclie ¥ei*sstiiif in der Brauerei„Patzenhofer", Turmstrahe 25/36. r°«.-.Ordnung: Aus zur Stichwahl! Das letzte Wort! Referenten: ReichStagsa�zeordueter bLOrA LL�ÄOnr und Landtagsabgeordneter �a?! Liebknecht. 206/8 Der Cinberufer s Max Richter, Wiclefftraße 24. limgf Bentseher Holzarbeiter■ �erbuid Verwaltung; Berlin. BSontag, den 15. No�embep 190®: Eültglieder- y ersasnmBungen der Srsneken und Bezirke. Tagesordnung: 1. Verbandsangelegeuheiten. 2. Beratung der Anträge zur Generalversammlung. 3. Werkstattangelegenheiten. Die BersmmnlungSIekale siird folgende: 9214 Tischler. Sonntag, den 14. November, abends 7 Uhr:* Jugend-Tersammlung in Habels Brauerei, Bcrgmannstr. 5—7. Bortrag des Schriftstellers Max GrUÜWald über: DieEsiKliüi�silriisiifnäiises. BOgr Garderobe 10 Ps Nach dem Vortrage:(ZeseillKes Beisammensein. ?llle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Albeiterinnen sind freundlichst eingeladen. Südwesten UM s Uhr in Thlcmn Pestsaien, Blücherstr. 61. Süden um 5'/. Uhr im Aiärttsche» H«f,»dmirialstr. 18°. Südosten I UM«>/, Uh« bei B«bu», Naunynstr.«. CHelftHan Ii um 5'/, Uhr im Reich enberger Hof, Neichen. oUOOSten 11 berger Straft« 147. Osten I um S'/j Uhr bei Borgmann,«ndreasstr. 21. fletan II n III um 5'j»Uhr in den BrachtnUIeu de» Osten», USlcn II U. III gronffurtet Allee 151/15». Oeslliclie Vororte H.■» Nordosten um 6 Uhr bei BoeKvr, Webcrstr. 17. Norden um 5'l, Uhr bei Obiglo, Schwedter Strafte LS. Nordwesten um 5',, Uhr bei»ehvl-el, Boyenstr. IL. Bautischler.. Oei. 1 um 6 Uhr bei Baabe, Fichtestr. LS. OöZ. 2 um 6 Uhr bei Zletx, Warschauer Str. 61. B6Z. 3 um 6 Uhr bei GUooobe, Kopenhagener Str. 74. Bez. 4 um 6 Uhr bei Baabe, Kolberger Strafte LZ. Möhelpolierer. Südosten UM 6 Uvr bei»«bring, Admiraistr. 18c. Osten UM 6 Uhr bei HUIIer, Gr. graukfurter Str. 1Z7. Norden um 6 Uhr bei Brainer, Husstteustr. 40. Klavierarbeiter mn 6 Uhr im Oewerkschaftshansc, Engelufer 15(Saal 8). Maschinenarbeiter um 8'/, Uhr in den �uUrean-PentsUleu, AndrcaSjirafte LI. Tagesordnung: 1. Vortrag:.Unsere Lohn- und Arbeitsverhältnisse unlct dem Vertrage". Drechsler, Treppengeländer- und Luxusmöbelhranche um 8 Uhr im Gcwerkncbaltshanso, Engelufer 15(Saal 11). Hodell- und 7abriktisehler und Hodelidreehsler «m 8 Uhr bei Wllke, Bruniicnstr. 188. Tagesordnung: L Vortrag;.Moderne Arbcitsloutrolle-. Res.: K. Eolilt Die Kollegen der Turbioenfabrik werden hierzu besonders eingeladen. Stellmacher im 8'/, Uhr im Roseuthaler Hos. Rosenthaler Strafte 11— IL. Verxoliler «m 8 Uhr w den Arminhalleu. Kommaudantenstr. 58/50. Tagesordnung: 1..Die Verlürzung der Arbeitszeit in den Sold» letfienfabriten*. Kisten- und Koffermaeher um S'/t Uhr bei Borgiuanis, Audreaöstr. LI. Tagesordnung: Vortrag. killtsrrskmvnnisshsr um 6 Uhr im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 5. Korbmacher NM 8ll, Uhr im Gewertjchaftöhause, Engelufer 15. Xnopk- und perlmullllrliejler um 6>/, Uhr im Gewerkfchaftshause, Engelufer 15. Stockarheiter ivertrauensmännerversammlnitg mit den Delegierten um 6 Uhr bei IdchiHanii, Neu« Friedrichstr. 1. Bodenleger Dienstag um 5 Uhr im Nolkshauö, Charlottenburg, Rostnenstr. S Tagesordnung: Bericht über den Stand der Lohnbewegung. Deutsclier Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, drn 15. November 1909, abends 9 Uhr: Krancheu-Nerfammlung aller tn den Kerliiikr Etnisftbribkn btschiist. Arliklw v. Arbeiterillllkn im Lokal« von J. Beyer, Oranienstr. 103. TageS-Ordnung: 1.»Die AnSPliinderung des Volkes durch die indirekten Steur».!-. Neserent: Rodatteur 8t. Beine. 2. Branchenangelegen» Helten 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheine» wird bestimmt erwartet. 24/20 Die Branchenleituug und Ortsvcrwaltuug. Deutseber Kürschner-Verband --------- Filiale Berlin....... Bureau und Arbeitsnachweis: Barnimstr. 11. Telephon: Amt 7, Nr. 6789. Dienstag, den 16 November, abendS 8 Uhr, im»Akte« Schützen- Haus-, Liuienstr. S: si MtgUeäer»Versammlung. � TageS-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Ida Altraann über: Die sittliche Bedeutung von Ernst Heeckeis und Ernst Abbes Wirken und Werken. L. Diskussion. S. EewcrkschasMchcS. 4. Verschiedenes. Zahlreichru Besuch erwartet 10S/1S Die OrtSverwaltnus. lssiibli-n»!ss8ilikii«g8!W!l lies Scliiieillös. WK" Versammlung"HW Dienstag, den 16. d. M., abends 8'/, Uhr, Tebastianstrafte l Tagesordnung: Abrechnung vom III. Quartal. am Verwaltung auf Einsührnng eines Vertrages sür die Angestellten. der gesamten Ortsocrwallung für 1910. Kassenangclegenhciten. Mitglieds 3» Antrag der OrtS. buch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. Die Ortsverwaltimg. Orts-Krunkknklljse fit dss Grwtrbe der Tischtet und Pinnoforttittdelterzv Kttlm General-Versammlung der Vertreter der Kassenmitglieder Mtd der Arbeitgeber an, Montag, den LS. November 1900. abends 8 Uhr, im Gcwcrkfchaftshause, Engeluser IS, Saal 1. TageS-Ordnung: l. Bericht deS Vorstandes. 2. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern der Arbeitgeber. 3. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern der Arbeitnehmer. 4. Wahl von 3 Revisoren zur Prü- sung der Jahrcsrcchnung. S, Stellungnahme zu dem Schreiben der Gewcrbedeputation des Ma- gistrats betreffend anderweitiger Festsetzung des ortsüblichen Tage- lohnes und Antrag des Vorstandes aus Einteilung der Mitglieder nach Lohnklasstn.(Aenderung des z 12 des Statuts.) 6. Antrag des Vorstandes um Be- willigung einer Teuerungszulage sür die Angestellten. 2414» Der vorstand. vrts-Krankenkasse der NinMef Spandau! Am Montag, den LS. November, abends 8 Uhr, findet im ,, Hotel«um Stern", Potsdamer S trage 35, eine Mitglirdkr-Ztcrsnmmtuug zur Wahl der Delegierten sür 1910 statt. ES find zu wühlen in getrennter Wahlversammiimg 17 Arbeitgeber. Delegierte und 17 Stellvertreter und 35 Arbeitnehmer- Delcgicirte und 35 Stellvertreter. Wahlberechtigt und wählbar sind alle Mitglieder über LI Jahre, die sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Legilinlation: Für Arbeitgeber die letzt« Ouittung über bezahlte Beiträge, sür Arbeitnehmer die Mitgliedskarte. Daran anschließend eine Oenersi-VersAMmlllug. Tages-Ordnnng: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2. Wahl einer NcchnunLsPrüsungS- Kommission. 3. Verschiedenes. 295/15 Legitimation: Delegiertenkarte 1909. Der Vorstand. Roulerrlflr, Vorsitzender. Dienstag, de» 16. November, abends 8�/, Uhr: mitBlieder-Versammlung in Hoppes Festsäleu, Hermauustr. 40. Tagesorvnung: 1. Der preußische Parteitag. 2. Diskussion. 3. Vercinsangelegenheiien. 4. Verschiedenes. 238/9 Mitgliedsbuch legitimiert.— Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen erwartet___ Der Vorstand. Tonntag. den L8. November, von vormittags 11 Uhr ab findet in Spandau, Pichelsdorfer Strafte 30, eine Kreis»Honferenz«. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Der preußische Partei» tag. Referent: Genosse Dr. Karl Liebkuecht. 3. DiSlussion. 4. Wahl der Delegierten. 5. Wahl des Vorstandes und Verschiedenes Hierzu ladet ein Der Kreisvorstand. 291/9_ I. A.: Aug. Parts, Velten, Luisenstr. 17. Achtimg! Achtung! tliPfn „Urandstcin aar Einigkeit"(Eingeschr. Hilsskasse Nr. 7). Sonntag, de» Sl. November, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus e, Engelufer 15: Wemdentl. WgIieder-Vemmm!lW TageS-Ordnung: 1. Neuwahl deS ersten Bevollmächtigten. 2. Vortrag deS Kollegen llugo» Slmonovolcl über:»Unfall- und Jnvalidenverstcherungsgesetz». 3. Kastenangelegenheiten. 149/14» _ Die örtliche Verwaltung. I. A.: Wulff. tnr SlrbeltSunrbweis: Hos I. Amt 3, 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptdurcau: cderilbstrvLs 3. Hos III. Amt S. 1987. Montag, den 13. November 1999, abends 8'/z Uhr: BezirhsveriammiunaeD: Süden und Südost: Urania, Wranoelstr. 10/11, Rixdorf: Vereinsbrauersi, Hermannstr. 214. TageS-Ordnung: Fortsetzung der Diskussion der BezlrlSvcrsammIung vom 8. November über die Tagesordnung der nächsten Generalversammlung. IMT* Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt!"MG Dienstag, den 19. November 1999, abendö 8'/, Uhr, in Rövers Festsälen, Elisabethkirchstr. 14: £ Branchen-Versammlung lFI der pahrilnblmonteure und Helfer. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Poffehl über:„Zweck und Nüven de» Organisation". 2. Ersatzwahl der AgitatwnSlommisstou. S. Branchen» angclegenheilen und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch.erwartet»4« Ortsverwaltang, MüH /Irbeitsnacliweis. ÜS Wegen des aus den 17. d. Mts. fallenden Feiertages(Busitaa) erhalten die Kollegen, deren Woche mit iom 16. endet, bereits am Dienstag, den 16. die fällige Unterstützung. Dt« Bücher dieser Kollegen müssen bereit» am Montag. 15. d. M. abgegeben werden. 125/1? voll 1910 69 Pf. sind erschienen und im Burea« und bei den Kassierern z« haben._ Die OrtSTerivaltang. Zentral-Verband der Scbubmacher Zahlstelle Berlin. Telephon:?ll. Nr. 6929 Bureau: Blankenseldestr. 10. �*>0! Schuhmacher!"cmmai ee Montag, den 15. November 1000. abends 8'/, Uhr: Öffentliche Versammlung aller Kchnhsnnchtr-Grhiiftn voll Groß-Kerlill im„Englischen Garton"(okerer Saal), Alcxanderstr. S7o. TageS-Ordnung: 1. D'e Gestaltung der Loh», und Arbeitsverhältnisse der Schuh, machergchilfeu während der lebten Jahrzehnte. Rcscrcist: Kollege »aniaelier. 2. Diskussion. 8. Berschiedeue». Alle Schuhmachcrgehilfen v smd hierzu von Berlin und den Vororte» eingeladen. 170/5 VMcher Cransportarbeiter--l/erband Sektion I. Handelsarbeiter. Movtag, de« 15. November 1909, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 4 (großer Saal), Engclnfer 15: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Robert Schmidt über: �Arbeitcrschntz im Handels- und Transportgewerbe." 2. Diskussion. 3. Geschäfts- und Kassenbericht pro 3. Quartal. Mitgliedsbuch ist mitzubringen uud am Eingang des Saales vorzuzeigen. Wer mit seinen Beiträgen 10 Wochen im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. 71/5 Der Sektionsleiter: Fritz Wappler. Bureau: Engel-Ufer 15, Ii. Zweigverein Berlin* Telephou Amt IV 4093. Sektion der Maurer. Mitttvoch, 17. Novbr., vorm. 19 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 4: JSiißerordeBtliche Versatnutlung der Zahlstelle Berlin. T 3*->f«4-Anl%A«*A>• Mittwoch, den 17. November, vormittags 10«Hr. Juicxiicnocr�. bei IMekenhagen, Scharuweberstr. 60. r'l(er er., abends 8'/, Uhr. im Lokale von O. €! roßer, Kirchhosstr. 45: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: Abrechnung vom 3. Ouarial. Verschiedenes in Kasjenangelegen» heilen. 149/15 Die örtliche Verwaltung. I. it.: Allst. Kraft 29.13 Gardmeuhaus Bernhard Schwartz jeht: Wallstr. 13. V.o»enata»,tt»g, U Uh r, tl, Ber.nab., d. 20. 11.,»bd,. 7>/, Uhr Sondepangebot! gebe Ich ab,»oweit Vorrat reich» tiocfact.gaote, vornebmo, hochwoderne Pst!• HflirfiMlci a PiiKt• MüOB o üteBil- und IbesIesMf! entiUekendo Ntubelteo, Kostlmil Min:*!! Pa�jaokitts! Klf)i«r! JackiHs! Mufftnl Rfick*! Kimono«! Slo'on! Palotots! Uoborgangomlniol I Früher* Terh«iif«preUo■.. dl, M- 28.~ bl, M. W— bi, M. M.— jetzt tellwelM....... nur 14.!(,- nur W. St— nur M. 4(1— yrther. Verk»ufiprelie. bl» M. 60,— Mo M. W.**«,w. bl» M. 600.— «otlw.i»«..,,, aar M, 9l>— nur M. ft.» heul* bl» M.<00— firatls Stoff zu einem Rock b«i£iok»uf ron nur M. 18.—»n. Imw, Westmann s Spezlal-Ronfektionshoiu — t o..rtut.wii. w, HoürtMtr. 33a{ ttS'XaSZ'&tamr tm*>■»fWBUimtitlJ 15(5» ÄÄ Wie alljährlich so auch w diesem Jahre' frische Blut- und ILeherwurst w Johaiinislhakr yolkzgatten. Allen Freunden und Bekannten empsiehit sich_ Otto Henftlebcn, Orts- Krankenkasse der Schundekz Schueiderinneu und verwaudter Gewerbe zu Berlin. Wahlversammlung der Arbeitgeber. Am Montag, den 22. November 1909. abends 8— 10 Ubr, finden tm Kassenlokal, Sebasiianftr. 37/38, die Crgänztmgswahlen der Vertreter zur Generalversammlung stait. Tagesordnung: Wahl von 112 Vertretern der Arbeitgeber gemäg§ 49 des Kassen stnluts(6. Abänderung). Als Legitimation dient die letzte Rechnung oder Anmeldebescheinigung. Um 10 Uhr werden die Türen gc- schlössen, späterkommende verlieren ihr Wahlrecht._ Wahlversammlung der Arbeitnehmer. Am Dienstag, den 23. No- vember 1909, von nachmittags 5 Uhr bis abends 10 Uhr, finden in M eierS Festsälen, Sebastianstr. 39, die Er- gänzungSwahIen der Vertreter zur Generalversammlung statt. Tagesordnung: Wahl von 221 Vertt eiern der Kasienmitglieder gemätz ß 49 des Kaficnstttls(6. Abändermig). 295/9 DGll- Legitimation Starten hierzu erhalten die Mtlglieder im KassenlolaI, Sebastianstr. 37/38, gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches oder «eschciiiigung über eine die Ber- ficherniigSpslicht zurKasse begründende Beschäsligung. Um 10 Uhr werden die Türen ge- schloffen. Späterkommende verlieren ihr Wahlrecht. Der Voriitand. Gu st a v N a h t o w, Vorsitzender. Paul D o r i tz, Schrislsührer. Ordoiltfief»« Vellersl-Verssmmliillg der Vertreter ber Arbeitgeber u. Arbeitnehmer der Orts-Krankenkasie der Maschinenbauarbeiter und verwandten Gewerbe zu Derlln am Montag, den 20. November ct., abeuds S1/» Uhr, in den nnsiker-SUIen, Kalser-Wilhelm-Str. 18 m. Tages-Ordnung: 1. Wahl von 3 Revisoren zur �ftm�bet JahreSrechnmig sür das 2. Antrag de» Vorstandes aus Aenderung de» Statuts(ßZ>2 u. 18). 8. Aiitrag Schiller und Genossei, aus Abänderung des Statuts(§§ 12, 18 und 44). 4. Verschiedenes. 24516 Anfiagen und Beschwerden, zu welchen die Einsicht in die Kassen- bücher notioendig ist, müsse» bis zum 28. d. MiS. mündlich oder Ichristlich behus» Beantivortung derselben in der General-Bersammlnng dem Bor- stand- miigeleUt werden. Zahlreiches und pünktliches Er, scheinen der Herren Vertreter ist sehr erwünscht. -Das Mandat legitimiert. Berlin, den 13. November 1909. Der Vorstand. Fram Schuldt. W. Heldenhaln. Bekanntmachung der gemeinsamen Orts-Krankenkaffe für Mariendorf und Umgegend. Am Montag.!(». November. nachmittags 6»/, Ubr, findet im Saale de» Kestaurants Löweuhageu zu Rartendors, Shausseestr. 27. die DrdentlleU« Keller»!- Versammlung statt, zu der die Herren Delegierten hierdurch ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung! 1. Neuwahl eine» Arbeitgeber- und zweier Arbeilttehmerbelcaierten und Eriatzwahl«ine» Arbeit« geberdelcgierten in den Vorstand. 2. Wahl dreier Revisoren zur Prü« suug d«rJahreSrcchnungjürt909. S. Gewährung von Teuerung«, zu lagen an die Kasseubeamtm. 4. Verschiedenes. Etwaige Beschwerde» oder dergl., zu denen die Einsichinahnie der G«, schästsbücher erforderlich ist, sind dem vorstand mindesten» drei Tage vorher Ichristlich«inzurcichcu. 295/5 Der Vorntand. g. A. t(gez.) K. Bacchlor, Bors. P. Saldier, Echristsührer. Spezialarzt fttr n«nt nnd Harnleiden WWW ohne<{acck«llber- nn» Einspritnunj: nach raodom. Hoil- vorfahren, rnogl. ohne Berufsstör., mit nachweisbar bestem Erfolg.* Dr. ßuttniann, C.. KSnlgstr. 84-3ß », Mexanderpl(8-1, W,Öoiuit.8-l). Krankenkasse für die Beamten und An- gestellten der Krankenkaffe», Berufsgcnosscuschaftcn sowie derÄnvaliditäts- und Altersversrchcrungsanstalten zu Berlin.(E.H. l0«.) Mittwoch, den 24. November 1909, abends 7 Uhr, findet nriiekenatr. 6 b eine außerordentliche Genera!-VersaaißiSüllg statt. TageS-Ordnung: 1. Abändeiung des Statuts. 2. Verschiedenes. Da mit dem t. April 1910 der ortsübliche Tagelohn für Berlin in erhöhtem Majje scstgcsetzl ist. ist diese Statutenänderung erjoroerlich. Der VorMtnnd. I. 81.; 0 Albrecht, Vorsitzender, Ehausseestr. 110. 2415b Orts- Krankenkasse der Posaiiiriliikrt, Seilkr, Sridknknopf-ll.Kaiidmilchtr. DIenStag. de» Sit. November ct., abends B'/j Uhr, im Restaurant Dresdener Garte», Dresdenerstr. 45: VMI.LöNösSl-VmWililiilig. Tages« Ordnung: 1. Kassenbericht pro 2. u. S. Quartal 1909. 2. Wahl der Kaffenrevisoren. 1 Slrbeitgeber, 2 Slrbeitnehmer. 3 Besprechung über die BersüglMg des Herrn Oberptäsidenten betreffs Erhöhung der ortsüblichen Tagelöhne. 4. Verschiedenes und Kaffenange» Icgenheiten. 23S4b Zu vollzähligem Erscheinen ladet die Vertreter ein Der Borstand. I. V.: Beruh. Herzer, Vorfitzender, _ Gcorgenkirchstr. 53._ Orts-Krankenkasse für das Barbiergewerbe Berlin Dienstag, den 23. November er.. abends 91/, Uhr, bei Hahn, Rosen- »Haler Straffe 57: Wahlversammlung der Kafscnmitglieder zur Wahl von 27 Erlatz. Delegierten pro 1909/10. Um 10 Uhr: Ordentl. General-Versammlung der Delegierten. 1. Wahl von acht Mitgliedern und vier Stellvertretern zum Vorstand pro 1910/11. 295/14 2. Wohl der Revisoren ztir Prüsuiig der Jahresrcchnung pro 1909. 3. Veschluffsassung über eventuelle Erhöhung des TagelohneS. 4. Anträge. 5. Kassciiangelegenbeiten. Der Vorstand. I.A.: PaulSchrolle, Vors. Reste Ujimenlnche,(r.hwnr* und (MhlK,Co»(un)e»Ktolle.n.u«*te WunKr. Tneot-ßtott«. a«ld*n. Clagch, Hunnoet., Seid. etc. Con �ecüoB � Piletotv, 4»»a«r>» st*ub- d Cm C««naea ond Coatnnt ftokn in rroe.nr Aus will I C. Pelz, HottlmWerWtr. 5. Kronleuchter- Fabrik. Größte Auswahl. Verkauf tu billigsUn Fabrikpreis, a. Private. — Musterbuch— n. ÄuOerbalb franko. Auf Wunsch kulante Zahlungtbedlngungan ohne Preieernthung. Siegel&Co., PrlnsenfitroOo TS.• Billigste BezngsatieUe| geiiieg.lraiiergarilerolie Weslmanns! Trauer-Magazin Berlin W., Mohrenstr. 17b NO., Gr. Frank«. Str. IIS. Genaue Beachtung meiner Birma u. Hausnummer gebotenl 1 SczlalflEBiokraiisciier WaMvereln\ für den 1 2. Berliner ßeicbstagswalreis* (Bezirk 78). Nachruf. Am 2. d. M. verstarb unser? s Mtglied, der Maurer UiHieto! Foreherl. Die Beerdigung hat bereit» j stattgesunden. Ehre sciucm Andenken! 211/17 Der Vorstand. � mmuuammmoamaaanr�t,! 1 1 w nwr.-. ? Deotscfier Traosportarlieiter-ferliani Bezirfcsverwaltung Grc8-Serlln. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Kollege, der Haus dicner Ksr! liellsr! am 11. d. Mis. im Alter von s 33 Jahren gestorben ist. Ferner den Mitgliedern zurj Nachricht, dah unser langjähriger Kollege, der Droschlcnsührer WaHer Heinz g am 10. d. Mis. im Atter von 47 Jahren gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. November, nachmittag» 3>/, Uhr, von der Leichenhalle dcS PauiS-KirchhoseS. Seestraffe, aus stait. 71/6 Die Verwaltung. Veilianii der Halenarbeiter und verv. Bei ulsgeo. OeatselilaDäs. Mitgllodschaft Berlin. Tode«- Anselsb. Am Mittwoch, den 10. d. M.. abend», verschied nach langem Leiden unser Mitglied 19/14 krsnz l�Blänz« Wir verlieren in ihm ein langjähriges. brave» Mitglied. Ehr« seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 3'/, Uhr aus dem neuen Friedhose m Ähren»- felde statt. Abfahrt 2.20 vom Wrietzener Bahnhof in der Frucht- straffe.— Um rege Beteiligung bittet Der vorstand. Waml der Halenariieiter und verw. Berulsyen. Oeetsclilaods. ------ Mltglledechatt Berlin.------- Toden-Annelse. Am Dienstagnachmittag'/.4 Uhr verunglückte unser langjährige» Mitglied Xuxust ksckert Eharlottenburg, Sesenheimerstr. 41 mit sojortigcm Tod. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. November, nachm. 3 Uhr, aus dem Dorotheenstädttschen Kirchhos in Reiiiickendors, Scharn- weder straffe 1—2 statt. 19/13 Der Vorstand. Oeutsciier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle verlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daff unser Mitglied, der Metallarbeiter Franz Honlnetk gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! 125/14 Ole Ortsverweltung, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der vecrdtguiig meine» lieben Manne» und Baters, de» Hausdieners Fr&nz Biallas sage ich hiermit allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Personal der Firma A. Japcke meinen herz- lichsten Dank. Witwe drnffnate Blalla« _ nebst Tochter._ Für Teiinal Dankfagnttg. die vielen Beweise herzlicher lahme bei der Beerdigung unsere» guten Vaters und Schioiegervater», de« Beamten der Ortttranlenkass« der Maurer 31968 Gustav Arndt sagen wir allen verwandten und Freunden, den werten Kollegen, den Mitgliedern de» Wahloeretnt und seinen Sangesbrüdem unsere» beste» Dant. Die tranernde« Hinterbliebene«. J. Baer BailSfr.26prlpE*e.-A„M Herren, und Knaben- | Kaden, Berufskleidung. ' Joppen. Elegante f Paletots und PeTerincn. Grobes Stefflager:; lur Anfertigung n.MaS. OilAOIIIißetp,«trpng(est« PrbllO. mehr als Größtes SpTedimardiinen=PerlancIhaus Deutfdilands® Otto �ClCOb, SSIlior, Berlin, 000 Frieden'Straöe � � Ein neuer Beweis für die Güte unserer Apparate: rneaenoiraße» lllfllll Mill-Opera-Apparate Aul Wunsch bequeme Ratenzahlung ohne einen Pfennig Aufschlag! UnübertroHene Lautstärke, eleganteste Ausstattung und beste Qualität bei denkbar niedrigsten Preisen'haben unsern Apparaten Weltruf verschafft. Die Mill-Opera bietet Ihnen die.q- Musik eines vollbesetzten Orchesters, sie Je singt, lacht und amüsiert alle. Sie«< ist Bildungs- und Unterhaliungs- 0� mittel zugleich, als Musikin- strument eine Klasse für v sich. In keiner Pamilie, in der der Sinn für gute Musik gepflegt wird, sollte die Mill-Opera fehlen! O // ca. 5 Wochen geliefert! Mod. 17, Mark 59,—. Aparte Luxus- Ausstattung. mahagonifarb. polierter Kasten mit Gold- arabcsken, Grifte 33X�3Xt5 cm. Alle Metati- teile ff. vernickelt. 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Die Ware bleibt Eigentum der Firma bis alles bezahlt ist Nichtzahlung von zwei Monatsraten hebt die Vergünstigung der Teilzahlung auf. Erlüllungsort Berlin- Mitte. Als Anzahlung sind 10-20 pCt der Gesamtsumme erwünscht Datum l Vor- o. Zunamen;. Verfrefar an allen Orten geludtf gegen hohe Propiiton, auch für unlere Spedalabfcilung Uhren U. Soldwaren. straße u. Hausnummer; Stand: '»•iK Ob Barzahlung oder Teilzahlung stets dieselbe reelle Qualitiitl Dresileiimlr. Sf IS« SUfwwna S teppvecke» fault man nur am basten und btCipflfn bftefi In der Sabril Bornhard ßtrohsi&ndoi. •«it.. 7S Wallstr. 72, apektgekb 3omHlOTPrbflIcr6ir25-ia. pbc etfuj-oedea iDcrbrn■cnfqeorbcU«, fÜütUs. arattd �Äs'Sptzialgesohifn -Bettfsta Erst« Bettf edernfab. m. elekt Betrieb* Gustav Lustig BERLIN S. 390 prinzenstr. 4ö »etfenbet fltg. Nachnalnne garantiert neue und gut entftäubte, gut füllende Vcttfedern p. Ad. 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Landtagswahlbezirk häufig der Fall, enthalten sich der Stimme. Selbstverständlich ist, das, unsere Genossen und Wähler in den Bezirken, in denen wir mit den Gegnern um Wahlinännermandatc ringen, um so eifriger auf dem Posten sind. Es kommt am Dienstag auf jede Stimme an; eine Stimme kann für ein Wahlmanns- Mandat und dieses unter Umständen für die ganze Ab- gcordnetcnwahl entscheidend sein. Die Stichwahlen finden in der gleichen Weise zu den- selben Zeiten wie die Urwahlen statt. Die zweite Abteilung wählt am 16. d. M., vormittags von 9 bis 12 Uhr, die erste Abteilung von 1 bis 2 Uhr und die dritte Abteilung von 3 bis 8 Uhr. Da die Wahlhandlung pünktlich geschlossen wird, auch wenn noch Wähler, die noch nicht gewählt haben, im Wahl- lokal anwesend sind, empfiehlt es sich, möglichst zeitig zur Wahl zu gehen. Das Zentralwahlbureau für den 12. Bezirk befindet sich bei Nichter, Wiclefstr. 24. Da am Stichwahltage Unter- burcaus nicht eingerichtet werden, müssen sich alle Hilfskräfte bei Richter einfinden, und zwar früh �8 Uhr. Die Zentrumsanhänger in Moabit wollen nach einem Beschluß des Zentralausschusses der Zentrnmspartei für Berlin bei den am Dienstag stattfindenden Wahlmänner- Stichwahlen im 12. Landtagswahlbezirk für die freisinnigen Wahlmänner stimmen._ partei- Hngetegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonntag, nachmittags Punkt- lich um 2 Uhr, findet eine Urania-Borstcllung statt. Zur Auf- führung gelangt der neue Vortrag mit Lichtbildern:„In den Dolomite n". Billetts sind nock? beim Kassierer G. Schmidt, Kirchbachstr. 14, und eine halbe Stunde vor Anfang der V o r st e l l u n g an der Kasse der..Urania" zu haben. Die Mitglieder werden gebeten, für guten Besuch Sorge zu tragen. Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Heute Sonntag, abends L'/, Uhr, findet in den Nittersäleu, Ritierstr. 75, eine Versammlung statt. Ans der Tagesordnung steht ein Vortrag der Geiioisin Wilhelmine Köhler- Düsseldorf. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Enlree inkl. Garderobe 20 Pf. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Steglitz. Am Sonntag, den 21. November, nachmittag 5 Uhr. findet im„Birkenwäldchen" ein Konzert mit darauffolgendem ge- mütlichem Beisammensein statt. BillettS a 30 Pf. sind bei den Bezirksführern und in den Bezirkslokalcn zu haben. Das Komitee. Friedenau. Achtung, neues Lokal! Die Mitglieder- Versammlung dcS Wahlvereins findet am Dienstag, den 1ö. No- vember, abends pünktlich 9 Uhr, im Lokal von Mechelke, Friedenau, Handjerystraße 00— LI statt. Der Vorstand. Trcptow-Baumschulenwcg. Ueber„Die Bedeutung der letzten sozialdoinokratischen Wahlsiege" spricht Schriftsteller Dr. Max Schütte in öffentlicher Volksversammlung am Dienstag, den 16. November, in Baumschulenweg, in Speers Festsälcn. Rege Agitation für diese Versammlung ist in beiden OrtLteilen not- wendig. Die Monatsversammlungen fallen aus. Der Vorstand. Ober-Schöncweide. In der am Dienstag, den 16. November, abends 8 Uhr, im„Wilyclminenhof" stattfindenden Mitgliederver- sammlnng spricht Genosse Jacobsen über„Der Jdealstaat". Johannisthal. Dienstag, den 16. November, abends 8 Uhr, findet im„Bürgergarten"(Inhaber Boese) Parkstr. 9, eine Volks- Versammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: „Was tut der Gemeinde not, Kirche oder Begräbnisplatz? Welche Stellung nehmen die politische Gemeinde und ihre Vertreter dazu ein?" Referent Genosse Fritz Zubeil. Die Parteigenossen werden ersucht, für die Versammlung rege zu agitieren. Der Vorstand. Maricndorf. Dienstagabend 8 Uhr, im Lokal„Zum Feld- schlößchen". Kurfürstcustr. 44: Volksversammlung. Tagesordnung: 1.„Der Zug nach links", Referent Genosse Kurt Heinig: 2. Dis- kussion;'3. Verschiedenes. In dieser Versammlung soll auch eine Aussprache über den von der Gemcindeschule geplanten Eltern- abend herbeigeführt werden. Die Genossen mögen für diese Ver- sammlung tüchtig agitieren.— Sonntag früh: Flugblattverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Der Vorstand. Nicder-Schöneweide. Am Dienstag, den 16. November, findet im Lokal des Genossen Stahlberg. Berliner Straße 123. abends SVi Uhr. die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tage». ördnung: Vortrag des Genossen Pagets über„Sozialdemokratische Gemeindepolitik"; 2. VereinSangelegenheiten und � Verschiedenes, u. a. Aussprache über die Neuwahl des Vorstandes. Britz-Buckow. Dienstag, den 16. November, abends%9 Uhr. findet im„Landhaus" eine Vereinsversammlung statt. TageS- ordnung: 1. Vortrag des Herrn M. Baege über:„Vom Urtier zum Menschen"; 2. Diskussion; 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. KarlShorst. Den Parteigenossen zur Kenntnisnahme, daß die enn 16. November fällige Mitgliederversammlung erst am 23. No- vember stattfindet. Sonnabend, den 20. November findet im Restaurant„Zum Fürstenbad" eine Schillerfeier statt. Das Programm ist sehr reich. haltig: Vortrag, Rezitationen, Frl. W. Kussel; Gesang, Irl. K. Lorenz; am Klavier Frau Stahl-Bech. Zahlreicher Teilnahme ficht entgegen Der Vorstand. Temprlhof. Am Dienstag, den 16. November, abends 8%. Uhr, findet im Lokal des Herrn Schneidereit, Berliner Straße 9, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt.— Eintrittskarten zum Kunstabend am 1. Weihnachtsfciertag sind bei den Bezirks- führern sowie Vorstandsmitgliedern zu haben. Der Vorstand. Erkner. Heute Sonntag, nachmittag 2'/, Uhr. im Dcgcbrod- schen GesellschastshauS: Volksversammlung. Thema:»WaS wollen die Sozialdemokraten." Referent: Genosse Bühler. Pankow. Am Mittwoch, den 24. November, findet im Eberbachschen Saale, Berliner Straße 102, eine große Volks- Versammlung statt, in der Landtagsabgeordneter Dr. Karl Liebknecht das Referat übernommen hat. Wir ersuchen alle Ge- nassen und Genossinnen, für einen Massenbesuch dieser Vcrsamm- lung zu agitieren. Die Bezirksleitung. Rcinickciidorf-West. Dienstag, den 16. November, abends 8 Uhr. in den„Eichbornsälen", Eichbornstr. 60, außerordentliche Generalversammlung des Bezirks-WahlvcreinS. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder; 2. Bericht der Gemeindebertreter; 3. Diskussion; 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Mittwoch, den 17. November, findet eine Herrenpartie nach unseren AgitationSbczirken statt. Abfahrt wird in der Versamm- lung bekannt gegeben. Die Bezirksleitung. Nicdcrschöiihausen-Norbend. Am l'k. November(Bußtag): Kalcndcrverbreitung in Mühlcnbeck. Abmarsch früh 8 Uhr vom Lokal des Genossen Bratvogcl in Nordend. Die Bezirksleitung. Borsigwaldc-Wittenau. Heute, Sonntagnachmittag 4 Uhr, bei Schulze in Wittenau: Mitgliederversammlung. Auf der Tages- ordnung steht ein Vortrag des Genossen Horlitz über„Unsere Jugendorganisation". Spandau. Am heutigen Sonntag, früh 7� Uhr, findet eine Flugblattverbreitung im Bezirk 5 zur Stadtverordneten-Stichwahl statt. Die Parteigenossen aus den anderen Bezirken werden er- sucht, sich dem Bezirk 5 zur Verfügung zu stellen.— Die ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins findet am Dienstag, den 16. November, abends 8zh Uhr, im Lokal von Emil Köpnick, Pichclsdorfer Straße 39, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vor- stands und Kassierers vom 3. Quartal; 2. Stellungnahme zu der am 28. November in Spandau stattfindenden Kreisgeneralvcr- sammlung; 3. Wahl von drei Delegierten; 4. Stellungnahme zum preußischen Parteitag; 5. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Der Vorstand. Potsdam. Die Genossen versammeln sich am Mittwoch (Bußtag) vormittags 9 Uhr, pünktlich, im Lokal von Glaser, Kaiser-Wilhelm-Straße, zum Empfang des Materials zur Stadt- berordnetenwahl.— Abends 7 Uhr in den Bezirkslolalen: Zahlabend._ ßerlincr JVacbnchtcn. Kehraus in der Laubenkolonie! Nun sind die schönen Herbsttage gegangen. Und sie hatten es diesmal so gut genieint und waren lange, bis in die Mitte des November hinein, bei uns geblieben. Jetzt werden die trüben Tage rasch kürzer und kürzer Werden, denn Regen-, Schnee- und Graupelwetter hat eingesetzt unö mit Wolken den Himmel verhangen. Schon sinkt das Thermometer fast Nacht für Nacht auf den Gefrierpunkt. Wenn sich da auch gelegentlich ein Fünktlein Sonne hervor- wagt, ihre matten Strahlen vermögen doch nicht mehr das gut zu machen, was der kalte Hauch der Nächte und der fröstelnd rieselnde Regen bereits zerstörten. Mit seinein großen Besen macht nun der Spätherbst den Kehraus. Und was sein Besen nicht erfaßt, das reißt er mit roher Hand herunter. Seine losen Finger zerren am letzten, welkenden Bohnengerank der Laubenhäuschen, die draußen auf den un- bebauten Baugriinden an der Peripherie der Großstadt er- richtet sind. Sein harter Fuß schreitet durch das luftige Gassennetz dieser Sommerstadt, die fleißige Arbeiterhände aus dürrem Flugsand hervorgezaubert haben. Noch hängen von den Erntefesten des Augustnionats die bunten Papier- flitter an den quer über das Laubeugefilde gespannten Schnüren, die der anhaltende Septemberregen so schlaff und unansehnlich gemacht, daß sie die Qktobersonne nicht mehr recht zu trocknen vermochte. Verödet liegen jetzt die Beete. Ein paar Kohlstrünke ragen hier und da noch hochbeinig aus dem Sande. Wo Kartoffel standen, fault grünschwarz das Kraut. Gleich gelbvertrockneten Schlangenleibern windet sich rauhbchaart früchteloses Kürbisgerank. Nur wenige Blumen fristen an sorglich geschützter Stelle noch ein frösteln- des Dasein. Der Laubenkolonist hat seine Vorrichtungen für den Winter bereits getroffen, daß ihm Sturm und Schnee nicht allzuarg sein leichtes Sommerhaus verwüsten kann. Aber noch hat ihn die rauhe Jahreszeit nicht ganz von der ihm liebgewordenen, Stätte vertrieben. In den er- träglichen Mittagsstunden des Sonntags gibt es noch hier und da etwas zu hämmern, zu flicken oder auszubessern. Aber auch damit wird es nur allzubald vorbei sein. Immer tiefer gräbt sich der Frost in die Erde. Die frost- und schneelosen Tage sind gezählt; bald werden sie endgültig herrschen. Auch für den Laubenkolonisten hat der Spätherbst bereits den großen Besen ergriffen: zum Kehraus I Novembcrsturm. In den frühen Morgenstunden brauste gestern ein starker Süd- weststurm über Berlin und seine Umgebung dahin. Schon um 2 Uhr morgens setzte der Sturm mit einer Stärke von 7 Sekunden-� meiern ein. Dann steigerte er sich von Stunde zu Stunde und artete schließlich zu orkanartigen Windstößen aus, durch die zahl- reiche Schilder herabgerissen, Zäune umgelegt und hunderte von Fensterscheiben eingedrückt wurden. Besonders schwer hauste der Sturm in den Wäldern der Umgebung Berlins. Namentlich im Grunewald und in den königlichen Forsten bei Hermsdorf und Biesenthal wurden viele Bäume entwurzelt. Stellenweise sind förmliche Lichtungen gerissen. Von dem eisernen Schornstein am Maschinenhaus im LandesauSstellungspark löste sich infolge dcS Sturmes die Kuppel und legte sich auf einen dänebcnstehenden anderen Schornstein. Die Feuerwehr, die herbeigerufen wurde, befestigte das abgestürzte Stück in seiner neuen Lage mit Ketten. Die Um- gebung des Schornsteins wurde abgesperrt.— Im LehrervereinS- hauS am Alexanderplatz wurde durch den Winddruck eine GiPLwand eingedrückt. Sie stürzte herab, ohne Personen zu verletzen. Auf dem Gebäude der 216. Gemeindcschule in der Rostocker Straße 32/33 drohte ein großer Schornstein einzustürzen, so daß die Feuerwehr zu Hilfe gerufen werden mußte. Auf dem Tegeler See ereignete sich ein schwerer Unfall. Der Bootsmann Albert Bock war in der Nacht auf den See gefahren, um einige Boote, die sich losgerissen hatten, wieder festzumachen. Dabei kenterte sein eigenes Boot und Bock ertrank. Seine Leiche wurde gestern vormittag geborgen.— In den Straßen Berlins wurden mehrere Personen leicht verletzt. Der Schlosser LupuS aus der Bastianstraße wurde an der Ecke der Pank- und Badstraße von einem umstürzenden Zaun umgerissen und so schwer verletzt, daß er nach der Unfallstation gebracht werden mußte. An der Ecke der Kaiser Wilhelmstraße und Münzstraße stürzte ein schweres TranS- parent auf die Straße hinab und verletzte den vorübergehenden Musiker Emil Kordwig aus der Wiclefstraße am Kopfe. Das Dach des HaufcS Bernauer Straße 79 wurde vom Sturm zur Hälfte abgedeckt, riß einen zwei Meter hohen Schornstein mit sich und stürzte dann auf die Straße. Ein Straßenfeger wurde dadurch verletzt. Die Feuerwehr leistete die Aufräumungsarbciten.— Im Hause Mommsenstraße Ecke Schlüterslraße stürzte eine vom Sturm aus ihrer Befestigung gelöste Lampe in das Schaufenster des Schlächtermeisters Ncucke. Das Fenster wurde zertrümmert und die Würste und Fleischwaren rollten auf die Straße. Auf dem Hansaplatz stürzte der große Ast eines Baumes auf die Ober- leitungsdrähte der Straßenbahn. Es entstand Kurzschluß, so daß der Draht riß und auf das Verdeck eines Straßenbahnwagens fiel, dessen Drähte gleichfalls durchbrannten. Personen wurden dabei nicht verletzt. An der Ecke der Droysen- und Küstriner Straße in Halensce stürzte ein Neubau ein, ohne daß Menschen verletzt wurden. Es besteht die Befürchtung, daß der ganze Bau in sich zusammenstürzen wird. Das Haus war bereits soweit im Bau vorgeschritten, daß man mit der Ausführung der Innen- arbeiten hatte beginnen können. Der Neubau war jedoch noch mit Gerüsten umgeben, weil die Fassade und die Bedachung des Hauses noch der Vollendung harrten. Um 12 Uhr mittags verließen die Arbeiter wie gewöhnlich den Neubau, um ihre Mahlzeit einzu- nehmen. Mehrere Leute blieben jedoch noch in den unteren Räu- men. Plötzlich vernahmen sie ein furchtbares Krachen, und ent- setzt eilten sie auf die Straße. Im nächsten Moment senkte sich schon der Giebel und stürzte in sich zusammen. Er durchschlug die vierte und dritte Etage bis zum zweiten Stockwerk. Sofort wurde die Charlottenburger Feuerwehr alarmiert. Als sie an der Unfallstelle anlangte, sah ihr Führer sofort, daß ein Eingreifen der Mannschaften vergeblich sein würde, da der Bau von unten bis oben in allen Fugen krachte und jeden Moment weiter ein- zustürzen drohte. Ein Betreten des gefährdeten Hauses wäre mit Lebensgefahr verbunden gewesen und unterblieb deshalb. Die Tätigkeit der Feuerwehr mußte sich deshalb darauf beschränken, die gefährdete Stelle in weitem Umkreise abzusperren. Sodann wurde die Polizei benachrichtigt, die rasch zahlreiche Mannschaften nach der Droysenstraße entsandte. Diese lösten die Feuerwehrleute ab. Die Züge kehrten dann in ihr Depot zurück. Ob allein der starke Sturm die Ursache der Katastrophe war, konnte noch nicht festgestellt werden, immerhin muß er erheblich mitgewirkt haben. Die Mittelschule an der Ecke der Ostender und Lütticher Straße, bei der kürzlich, wie wir berichteten, eine folgenschwere Explosion sich ereignet hatte, war gestern wiederum der Schauplatz eineS schweren Unfalles, der durch den Sturm herbeigeführt worden war. Zurzeit wird dort das Maschinenhaus restauriert, und man beab- sichtigte, einen Dieselmotor in der Nähe des Schornsteines anzu- bringen. Zu diesem Zwecke war ein hohes Gerüst um den Schorn- stein herum aufgebaut worden. Als der Sturm um die Mittag?- stunde einsetzte, geriet plötzlich das Gerüst und gleich darauf auch ein Teil des Schornsteins ins Wanken. Wenige Sekunden später gab es ein donnerähnlichcS Krachen; beides war in sich zusammen- gestürzt. Zwei Arbeiter wurden von den Steinmassen verschüttet; sie erlitten erhebliche Verletzungen am Unterkörper und mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Die anderen konnten sich recht- zeitig in Sicherheit bringen. Die Baustätte wurde polizeilich ge- sperrt. AuS der Oberförsterei Köpenick wird gemeldet, daß starke Kiefernstämme von der Gewalt des Sturmes umgestürzt wurden. Noch im Laufe des Vormittags war es mit Lebensgefahr verbun- den, die Waldwege zu passieren, da ständig Aeste und ganze Baum- krönen herunterbrachen. Zum Teil sind die Wege durch Astwerk ganz versperrt. Eine Wertzuwachssteuer für Berlin. Aus dem Rathause wird gemeldet: „Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage für eine Wertzuwachssteuer und eine neue Fassung der Umsatzsteuer zugehen lassen. Die Wertzuwachs- steuerordnung folgt im wesentlichen dem Hamburger Wert- zuwachssteuergesetz vom 12. Oktober 1968, bewirkt durch Verbindung einer Berechnung nach Gewinnsumme und Ge- winnprozenten eine gerechte Besteuerung und weist sehr mäßige Sätze auf." Bekanntlich hat der Magistrat bereits vor mehr als Jahresfrist der Stadtverordnetenversammlung eine Wert» zuwachssteuer vorgeschlagen. Dieser Vorschlag fand aber vor den Augen der Hausagraricr- und Terrainspckulantenmehr- heit im Rathause keine Gnade. Monatelang wurde die Magistratsvorlage in einem Alisschuß beraten, ihr alle „Gistzähne" ausgezogen, so daß zuletzt nichts mehr übrig blieb. Die auf Grund des Hausbcsitzerprivilegs zusammen- gesetzte Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung brachte die Vorlage zu Fall. Ob der jetzigen Vorlage— voraus- gesetzt, daß sie eine wirkliche Wertzuwachssteuer bringt—. ein besseres Schicksal beschieden ist, wollen wir einstweilen dahingestellt sein lassen._ Ein neupearündeter Dienstbotenverein. Zahlreiche Berliner Hausfrauen bemühen sich seit langer Zeit, einen Verein von Dienstmädchen ins Leben zu rufen, in welchem sie das Szepter führen und allein bestimmen können, wie die Mädchen sich gegenüber den„Herrschaften" zu verhalten haben. Nicht etwa, daß die Mädchen selbst ihre Interessen wahrnehmen dürften oder gar Forderungen stellen, wie es im„Zentralverband der Hausangestellten" geschieht, nein, das ist den„Gnädigen" ein Greuel; sie wollen die„Harmonie", die aber nur dadurch erreichbar ist, daß die Mädchen sich unterordnen und von der Gnade erwarten >— und vergeblich warten—, was sie als ihr Recht in Anspruch nehmen sollten. Am Freitagabend fand in der„Viktoria-Brauerei", Lützow» straße, eine große Versammlung von Herrschaften und Dienst- boten statt, veranstailtet vom„Deutschen Frauenbund" und der Redaktion der„Dienstbotenzeitung". Die Herrschaften führten daS große Wort und gründeten frisch drauflos einen Verein mit dem schönen Namen„Verband Deutscher HaushaltungSgehilfinncn". Der neue Verein ist zweifellos ein totgeborenes Kind, denn die Mädchen, die doch die Mitglieder sein sollen, hatten bei der Gründung überhaupt nichts mitzureden; ihre vornehmste Tugend soll auch fernerhin darin bestehen, die Herrschaften allein reden zu lassen. Die größten Hoffnungen auf den neuen Verein setzt an- scheinend die„Dienstbotcnzeitung", die ihrem Ende entgegensieht. Seit einigen Jahren erscheint diese Zeitung wöchentlich unter der Leitung von Marie Heller, die aber seit einiger Zeit die Redaktion aufgegeben hat. Wie in der Versammlung berichtet wurde, sollen an dieser Zeitung 12 000 M. zugesetzt worden sein, trotzdem den Mädchen jüngst erst so„schöne gruselige Geschichten" darin erzählt wurden, wie zum Beispiel„Der Mordmüller" und dann„Der Choleraschulze". Der neue Verein wird der sterbenden„Dienst- botenzeitung" auch nicht helfen können, denn er wird sell'st niemals recht zum Leben erwachen. Der„Zcntralverband der Hausangestellten" hat die Harmonie der Neugründung übrigens recht unangenehm gestört, wenn auch nur ganz„im Stillen". Vier bis fünf„Wühlerinnen" waren in Set Versammlung anwesend. Oeffentlich reden durften sie nicht» denn eine Diikussion über die Neugründung wurde nicht gestattet. Da begnügten sie sich mit einer ruhigen, aber wirksamen Agitation unter den anwesenden Dienstmädchen, verteilten ihre Zeitung, das „Zcntralorgan" des Verbandes, und erzielten nicht weniger als zwanzig Neuaufnahmen für ihren Verband. Sie hatten Erfolg, weil sie zu ihren Kolleginnen sprachen und zu sagen wuhten, wo alle der Schuh drückt. Sie fanden aufmerksame und willige Zu- Hörer, während die Herrschaften mit ihren honigsüßen Worten und aufgebotenen Unierhaltungskünsten meist auf Teilnahmlosigkeit und Mißtrauen stießen. Die neue Gründung kann jetzt schon als verkracht bezeichnet werden. Gegen die Schundliteratur. Ww wir berichteten, hat die Schuldeputation die Verteilung eines Merkblattes gegen die Schundliteratur beschlossen. Als fernere Wiaffe im Kampfe gegen diese der Schuljugnd drohende Gefahr, soll bei den Aufsichtsbehörden für die Rektoren und Lehr- Personen die Erlaubnis erwirkt werden, die ihnen anvertrauten Kinder zu warnen, ihre Schulbücher und Hefte in solchen, im Einzelfall bezeichnende Buch- und Papierhandlungen zu kaufen, in denen Schundliteratur feilgehalten wird. In dem Adrcsseuvcrzeichnis der Kinderschulikommissionen ist die Wohnung der Kontrolleurin Frl. Klara Bien, Proskauer Straße 30, angegeben, es mutz heißen: Muskauer Straße 30. Zur Entlastung des Potsdamer Platzes und der Leipziger Straße. Der Magistrat beschloß, zur Entlastung des Potsdamer Platzes und der Leipziger Straße einen fahrbaren Tunnel unter dem Potsdamer Güterbahnhof herzustellen. Das 4 Millionen Mark kostende, in den vom Geh. Baurat Krause seinerzeit ausgearbeiteten Entlastungsplänen bereits näher dargelegte Projekt verkürzt unter Nliibenutzung der bereits früher beschlossenen Verlängerung der Lindenstraße den Weg nach dem Spittelmarkt um etwa 200 Meter. Eine unterirdische Führung von Straßenbahnlinien in zwe, verschiedenen Tunneln wurde ferner am Brandenburger Tor be- schlössen Die von Charlottenburg kommenden Linien sollen schon von der Siegesallee an unterirdisch geführt werden. Nicht genehmigt. Die von der letzten Mitgliederversammlung deS Abonnementsvereins für Dienstherrschaften usw. im„Archi- tektenhause" beschlossene Erstattung der von den Dienstherrschaften zu zahlenden Kosten für Arzneien usw. durch den Verein, soll, wie berichtet wird, von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt worden sein, weil die hierfür notwendigerweise beantragte Erhöhung deS Beitrages von derselben Versammlung abgelehnt wurde. PfleglingSbeschnftlguug in den städtischen Heimstätten. Auf Vorschlag des Kuratoriums der sieben städtischen Heimstätten für Genesende, Lungenkranke usw. ist von einer besonders eingesetzten Aerztekommission die Beschäftigung der Heimpfleglinge mit leichter, dem Krankheitszustande angepaßten Arbeiten als wünschenswert und zulässig anerkannt worden. Entsprechende Versuche, und zwar nur mit produktiver Arbeit, sollen während der nächsten drei Winter- und Sommermonate angestellt werden. Lungenkranke sollen während der ersten vier Wochen deS Heimaufenthaltes von jeder Arbeitsleistung befreit sein. Ein Zwang zur Arbeit wird nach den gefaßten Beschlüssen nicht ausgeübt. Ebensowenig ist an eine Entlastung des Anstaltspersonals durch die Mitarbeit der Pfleglinge gedacht. Der Beschluß sieht vom Standpunkte der modernen Heil- Methode sehr schön aus, wenn er richtig befolgt wird. Man hat aus den städtischen Irrenanstalten, wo ja die.freiwillige" Be- schäftigung der Kranken auch als wichtiger Heilfaktor angesehen wird, zahlreiche Beweise, daß die Arbeitsverweigerung gewisse, oft sehr schwerwiegende persönliche Nachteile für den betreffenden Kranken zur Folge hat. Patienten, die für längere Zeit nicht arbeiten wollen, werden mit Vorliebe sehr bald nach Privat- anstalten, den sogenannten„Quetschen", abgeschoben. Der jetzige Beschlutz wird also nur dann sein Gutes erzielen, wenn auch jeder indirekte Zwang und jede kleinste Daumschraube fortfällt. In der Regel sind ja solche Anstaltspfleglinge gern bereit, schon aus Langeweile, sich nützlich zu machen, namentlich wenn, wie in den Irrenanstalten� damit kleine Vergütungen durch Tabakspenden usw. verbunden werden. Wegen einer Keffelexploflon wurde gestern die Feuerwehr nach de: Neuen Königstraße 63 gerufen. Bei ihrem Eintreffen fand die Wehr den Maschinenmeister Bahlke schon tot vor, außerdem hatte der Werkmeister Meinke schwere Verletzungen und Brand- wunden erlitten. Letzterer wurde von der Feuerwehr nach der Unfallstation in der Neuen Schützenstrahe und von dort nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Gesangliche Beranstaltungrn. Der Gesangverein„V e r- e i ni g t e r Sängerchor W e d d i n g"(früher„Nordwest" und„Steinnelke") veranstaltet am Mittwoch, den 17. November (Bußtag) in den«Germaniasälen". Chansseestraße 110(großer Saal), seinen fünften Kunstabend unter Mitwirkung deS Sinfonie- Orchesters des Herrn Vogel. Herr Theaterdirektor I. Türk ist als Rezitator gewonnen und wird besonders aus Schillers Werken vortragen. Der Verein wird an diesem Abend„Kolumbus" mit Orchesterbegleitung zur Aufführung bringen, das der bekannte Chormeister Thilo innerhalb einiger Wochen einstudiert hat. DaS Konzert beginnt pünktlich um 7 Uhr; die Eintrittskarte kostet 50 Pf. Näheres besagt das Inserat in heutiger Nummer. Der Gesangverein„Kreuzberger Harmonie" hält am kommenden Sonntag, den 21. Oktober(Totensonntag), sein Konzert in der„Brauerei Friedrichshain" ab. Das Berliner Sinfonie- Orchester des Kapellmeisters M. Fischer hat einen guten Musikteil zusammengestellt, während die Sänger unter anderem„Die Götterdämmerung" von Zöllner und„Totenvolk" von Hegar zu Gehör bringen werden. Anfang 7 Uhr. Billett 50 Pf. Siehe heutiges Inserat. Freunde schöner Musik und guten Gesanges werden in beiden Veranstaltungen auf ihre Kosten kommen. Der Berliner Arbeiter-Radfahrerverein, Mitglied des Arbeiter. Radfahrerbundes„Solidarität", veranstaltet am Bußtag in Freyers Festsälen(großer Saal). Koppenstraße 20. zwei Licht- bildervorträge mit nachfolgenden Tanz. Der Eintritt beträgt 20 Pf. Da Radfahrer stets der Partei zur Verfügung stehen, ist Freunden und Gönnern des Radsports der Besuch zu empfehlen. Näheres stehe heutige Annonce. Die Sprechstunden der Poliklinik des Berliner AerztevereinS für phtzsiknlisch-diätetische Therapie, Ziegelstrasie 2(leitender Arzt: Professor Dr. Klein), finden neuerdings Dienstags, Donnerstags und Sonnabends von 11 bis 12 Uhr statt. Arbeiter-Dilettanten-Kunst-Ausstellung, Potsdamer Straße 4. Die Leitung teilt uns mit, daß die Ausstellung Sonntag und am Bußtage von 12 bis 8 geöffnet ist. Es wäre erwünscht, wenn die Arbeiter die Nachmittagsstunden zum Besuche benützen würden, da in den Abendstunden der Andrang zu groß ist. Rrbeitcr-BildungZschnle Berlin. Zu Ehren Schillers findet h e u t e a b e n d 7 Uhr im„Königstadt-Kasino". Holzmarktstratze 72. ein Vortrag deS Genoffen Heinrich S t r ö b e I über„Schiller und seine Zeit" statt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Der Kursus über Gewerkschaftswesen kann deS Bußtages wegen erst am Freitagabend abgehalten werden. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag, abends 9 Uhr. 2. Abteilung, Brunnenstraße 1S4: Vortrag über Knochenbrüche, Verrenkungen und Berstauchungen (1. Teil) mit daran anschließenden praktischen Uebungen.— Am DonnerkDg: Vortrag in der 8. und 4. Abteilung.---- Am Sonn. abend, nicht Mittwoch: 5. Abteilung. Vorort> �acZmcdte». Grost-Lichterfelde. Der Kampf um die Freigabe von Versammlungslokalen im südlichen, hauptsächlich von Arbeitern bewohnten Ortsteile, der sich gegen die Wirte Winkelmann und Außmann, Berliner Straße, richtet, ist in ein neues Stadium gerückt. Herr Außmann, der seine Räume nur der Sozialdemokratie verweigert, scheint am Ende seines Lateins zu sein; er hat beim Landgericht II Berlin gegen zehn bekannte Parteigenossen und die„Vorwärts"- Druckerei— die mit der Sache gar nichts zu tun hat— eine einstweilige Verfügung erwirkt, wonach diesen zehn Genossen untersagt wird, in der Umgegend des Lokals deS Antragstellers Zettel zu vcr- teilen, in denen aufgefordert wird, das Lokal des Antragstellers zu boykottieren oder auf andere Weise von dem Lokal fernzuhalten; der Druckerei„Vorwärts" wird verboten, Flugblätter, Zeitungs- berichte und ähnliches zu drucken und herauszugeben, in denen aufgefordert wird, das Lokal des Antragstellers zu boykottieren, und zwar bei Vermeidung einer Haftstrafe von 24 Stunden für jede Zuwiderhandlung. Wenn der Herr Außmann, Berlinerstr. 131, glaubt, mit dieser Verfügung etwas zu erreichen, dann irrt er sich gewaltig. Sein Verlangen ging sogar noch weiter; er wollte den zehn Genossen auch noch verbieten, sich in der Nähe seines Lokals aufzuhalten. Das hat natürlich das Gericht abgelehnt und ablehnen müssen. In der Begründung seines An- träges hat Herr Außmann darauf hingewiesen, daß�sein Lokal hauptsächlich von der Arbeiterbevölterung be- sucht wird. Und trotzdem hat er den Mut gefunden, den Boy- kott durch Verweigerung seines Saales zu Versammlungen einzig und allein über die sozialdcnlokratische Arbeiterschaft zu ver- hängen und dann die Hilfe des Gerichts— die ihm nichts helfen wird— in Anspruch zu nehmen, um sich die von ihm boykottierten Arbeiter wenigstens als Konsumenten zu erhalten. Er wird sich in dieser Beziehung bös verrechnen. Herr Außmann wird länger als vierundzwanzig Stunden in seiner Kneipe sitzen müssen, bis er einen einzigen Gast zu sehen bekommt. Rixdorf. Ein Menfchcnschädcl wurde vorgestern nachmittag von der 13jährigen Schülerin Klara Reich in der Elbestraße 5 im Müllkasten aufgefunden. Vor einiger Zeit wurden in Rixdorf mensch- liehe Hände und Füße aufgefunden, die von einem Studenten her- rührten. Morgen, Montag, den 15. November, in Hoppes Festsäle,'Her- mannstr. 40, pünktlich 8� Uhr, findet der 3. Vortragsabend über „Die Grundbegriffe des wissenschaftlichen Sozialismus" statt. Der Vortragende, Genosse Borchardt, erläutert„Das Entstehen und Vergehen der kapitalistischen Gesellschaft". Eintrittskarten sind noch im Lokal zu haben. Der Bildungsausschutz: Eharlottendurg. Achtung» Krankenkassenwahl! Heute vormittag von 10—12 Uhr finden im großen Saale des Volkshauses, Rosinenstr. 8, die Delegiertenwahlen zur Allgemeinen Ortskrankenkasse für die vereinig- ten Gewerbebetriebe statt. Jeder Wähler muß im Besitze einer Wahlkarte sein. Diese bekommt er gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches während der Wahlstunden im Kassenlokal. Rosinen- stratze 3, vorn 2 Treppen, unentgeltlich ausgehändigt. Die Wich- tigkeit dieser Wahlen erfordert ohne weiteres eine rege Beteili- gung. Charlottenburger Gewerkschaftskommission. I. A.: Otto Flemming. Elternverein für freie Erziehung Charlottenburg. Wu...�en hierdurch noch einmal auf den großen musikalischen Vortrag für Montag, den 15., abends 8 Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. ö, aufmerksam und bitten um zahlreichen Besuch. Den Tod unter den Rädern einer Automobildroschke fand gestern die 78 Jahre alte Witwe Rose, Goethepark 9 wohnhaft. Die Greifin wollte nachmittags gegen 4 Uhr den Fahrdamm an der Ecke der Bismarck- und Wilmersdorfer Straße überschreiten und verließ in demselben Augenblick den Bürgersteig, als eine Auto- mobildroschke aus der BiSmarckstratze in die Wilmersdorfer Straße hineinbog. Der Chauffeur, der wohl geglaubt hatte, daß die Frau die Vorbeifahrt des Kraftwagens abwarten werde, vermochte diesen nicht mehr rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Er bremste zwar fast augenblicklich, doch wurde Frau R. von dem rechten Borderrade erfaßt und niedergerissen. Sie fiel so unglücklich mit dem Kopf auf sie Bordschwelle deS Bürgersteige«, daß sie einen Schädelbruch erlitt und in dem Krankenhause Westend, wohin die Verunglückte gebracht wurde, schon kurz nach ihrer Einlieferung verstarb. Lichtenberg. Wahlschwinbel. Krankheitserscheinungen machen sich bei un- serem ReichSvcrbandsblättchen bemerkbar. In der vorletzten Rum- mer brachte es nur ein bescheidenes Schimpfgestammel zustande; am Freitag stand die Schimpfmühle ganz still. Wir werden sie schon noch wieder zum Klappern bringen. Für heute jedoch wollen wir nnS mit einem Wahlschwindel beschästigen, der aus erklärlichen Gründen nicht die Spalten des Blättchens füllt. Unter der Hand wird die bewußte Unwahrheit verbreitet, die Sozialdemokraten wollten die vom Magistrat vorgelegte Beamten-Besoldungsordnung ablehnen. Der Zweck solcher Uebung liegt auf der Hand. Tatsache ist, daß von unseren Gegnern die Erledigung der Angelegenheit verschleppt worden ist, weil sie, wie schon oft,— geheimes Spiel treiben wollen. Die Sozialdemokraten wollten die generelle Ge- haltSregelung der städtischen Beamten und Lehrer schleunigst zur Erledigung bringen. Wie der Grundstücksspekulantengruppe wohl bekannt ist, beantragen die Sozialdemokraten dazu auch Erhöhungen zu den vom Magistrat vorgeschlagenen Sätzen. In einer vor der letzten Stadtverordnetenversammlung abgehaltenen Sitzung des Wahlausschusses verlangten die Sozialdemokraten, man solle sich sofort über die Borschläge zu einer Kommission schlüssig werden. der die Vorberatung der Gehaltsregulierungen zu überweisen sei. Herr Schachtel, der Wortführer der bürszerlichen Stadtverordneten und Vorsitzender des Wahlausschusses, widersprach den Vorschlägen. Da die Sozialdemokraten auch im Ausschuß in der Minderheit sind. konnten sie ihre Forderung nicht durchsetzen. Hätte man ihnen da» nicht vereitelt, wäre bereits in der vorigen Stadtverordneten- sitzung die Kommission gewählt worden; diese konnte im Laufe der letzten Woche die Beratungen beenden und in der Stadtver- ordnetenversammlung am Dienstag, den 16. November, hätte die Besoldungsfrage erledigt werden können. DaS ist, wohl nuS durch- sichtigen Gründen, verhindert worden! Die Stadtverordneten- sitzung am nächsten Dienstag kann nun erst die Wahl der vor- beratenden Kommission vornehmen und dann fylgt später— vielleicht nach Weihnachten, ganz sicher nicht vor den Stadtverord- netenwahlen— die Beratung im Plenum. AuS dieser Tatsachenkonstatierung kann man erkennen, mit welchen Mittelchen unsere Gegner arbeiten. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Am letzten Mittwoch hatte Herr Schachtel seine Untertanen zur Entgegennahme deS Wahl» schlachtplanes zusammentreten lassen. Wahrscheinlich kam man dabei zu der Ueberzeugung, die Vorschußbank- und Terraingesell- schastSgruppe sei nun doch zu sehr in der Oeffentlichkeit kompro- mittiert, als daß sie es vagen könne, unter eigene« Bgnner zu marschieren. Deshalb ist man wohl auf den ingeniösen GNanken verfallen, die wahren Absichten zu verschachteln und die Wähler mit einem„nationalen Thau" zu— erquicken. Wenigstens beruft ein Herr Thau eine Kommunalwählerversammlung, die am Mon- tag im„Schwarzen Adler" abgehalten werden soll. Dieser Thau, den die Eisenbahndirektion unseren Grundstücksinteressenten gnä- digst spendet— schämischer Weise verschweigt Herr Thau, daß er Eisenbahnbeamter sei— ladet aber nur„national gesinnte bürger- liche Wähler" ein. Nach Ansicht deS rettenden ThauS gibt es dem- nach auch antinationale bürgerliche und nationale nichtbürgerliche Wähler. Jedenfalls haben er und seine Auftraggeber beillose Angst vor Sozialdemokraten und das Bedürfnis hinter verschlossenen Türen das Vaterland— will heißen das Spekulanteninteresse— zu retten. Ausdrücklich wird bemerkt:„Anhänger der sozialdemo« kratischcn Partei haben keinen Zutritt."— Da nach der Behaust- tung unseres ReichsverbandSblättchcns bei Gelegenheit der Hansa- bnnd- und der Schepp-Versammlung die Sozialdemokraten ver- nichtct worden sind, mutz die jetzt bekundete Angst vor den Ver- nichtctcn ganz besondere Ursache haben. ES sind wahrscheinlich sehr lichtscheue Taten, die der Thau decken soll.— Für die nötigen Regengüsse, werden wir schon noch sorgen. Wie übrigens verlautet, will der Lokalinhaber für jeden Bcthautcn am Montag einen — Tisch reservieren. Unser Wahrheitsblatt kann dann am nächsten Tage schreiben: sämtliche Tische waren besetzt. All Heil Hl Steglitz. Heute, Sonntag, Besuch deS Museums für Völkerkunde unter Führung des Genossen Dr. Max Schütte. Treffpunkt: Wartesaal 3. Klasse Potsdamer Hauptbahnhof, nachmittags 2 Uhr. Da das Museum nur bis um 4 Uhr geöffnet, wird dringend ersucht, daß die Genossen nebst ihren Angehörigen pünktlich erscheinen. Der Bildungsausschuß. Zehlendorf(Wannseebahn). Drei oder vier Prozent Beiträge zu den kanalisationSkostc», da» ist die große Frage, die gegenwärtig die Haus- und Grundbesitzer Zehlendorfs in Aufruhr versetzt. Eigentlich hätte die Frage schon längst eiilschieden sein müssen. Seit Monaten bereits beschäftigt sie die Gemeindevertretung, ohne daß es bisher zu einer endgültigen Lösung gekommen wäre, zum Schaden der Gesamtheit, da andere drängende Aufgaben zurückgestellt werden müssen. Erst kürzlich wieder ivurde darüber beraten. Der Herr Bürgernreistcr selbst be- schwor einleitend die grimmen Kämpen, sich doch ja zu einigen, mit vier Prozent fiirlieb zu nebmen und nicht daran zu denken, etwa die Besitzer brachliegender Ländereien mit heranzuziehen, da letztere einstweilen der Bebauung noch nicht erschlossen würden. Diese Be- sitzer hätten also kaum einen Borteil von der Kanalisation. Solche Jnschutznahnre der schwerreichen Leute in Zehlcudorf, zu denen auch einige Gemeindevertreter gehören, paßte aber der anderen Gruv>>e nicht. Sie reprälciniert die„ärmeren" Grundbesitzer Zehlendorfs. Und da nun der Borschlag des Bürger- Meisters Aussicht auf Aiiiiahme hatte, so setzte sie«inen Antrag auf »auieittliche Abslimmiing durch, lieber eine namentliche Abstimmung scheint aber der juristisch gebildete Bürgermeister eine sonderbare Ansicht zu haben. Er bat die Herren, die sür seinen Vorschlag seien, die Hand zu erheben, und da»» nannte er in solcher Schnelligkeit die Namen dieser Jasager, daß kein Menlch im Zuschauerraum im» stände war, sie vermerken zu können. Eigenartigerweise erhob die Minoritätsgruppe keinen Einspruch gegen diese Farce einer nament« lichen Abstimmung. Die Vierprozenigruvpe wollte den schönen Sieg schnell ausnützen und sofort die zweite Lesung vouiebmen, wurde aber durch Einspruch daran gehindert. Nun wird sich die Vertretung in kurzer Zeit noch einmal mit der Angelegenheit zu bcschäktigen haben. Die Grundbesitzer hatten bereits zum MiUlvoch eine öffeniliche Grundbesitzerversaininlung zuirnnmengeirommeU. Hier referierte Herr Münzer. der Wortführer der drei Prozentgruppe über die Frage. Er vertrat die Meinung, daß die Kanalifalion eigentlich eine WohitahrtS- einrichtung sei. und deswegen deren Kosten auS den allgemeinen Steuern zu decken feien. Da aber dieser Jdealzustand doch nicht mehr erreicht werden könne, müßte der Satz, den die Grundbesitzer aufbringen sollen, möglichst niedrig gesetzt werden. Wenn wirklich Schwierigkeilen entständen, so könnten ja die hohen Ueberschüsie herangezogen werden, die jahraus, jahrein bei verschiedenen Posten gemacht werden; eventuell könne die Grundwerlstener um ein geringes erhöht werden. In der Diskussion waren fast alle Redner einig, daß nian von der Vertretung verlangen müsse, 3 Prozent höchstens zu beschließen. Eine dahingehende Resolution wurde an- genommen. Bewegliche Klagen wurden besonders darüber an- gestimmt, daß die armen Zehlendorfer Hausbesitzer die neuen Lasten nicht auf die Mieter abwälzen können. Auch wir sind der Meinung, daß drei Prozent Beitrag genügen könnten, wenn man sich entschlösse. Leute wie die Vertreter Dr. Päse- wald, Zinnow und andere ordentlich heranzuziehen. Diese Herren init ihren ungeheueren Terrains werden Miuionengewinne aus der Kanalisation ziehen. Auf diesen Umstand wurde viel zu wenig in der Versammlung hingewiesen. Die Allgemeinheit noch mehr, als beabsichtigt, heranzuziehen, ist verfehlt, da gerade in Zehlendorf die Allgemeinheit durch die Kanalisation nur einen ideellen Nutzen hat. Neugierig sind wir aber doch, ob die Gemeindevertretung nun Order parieren wird. Baumschulenweg. Für Jugendschutz u»d Jugendaufklärung! DaS ist daS Thema. über daS in einer heute nachmittag 2 Uhr bei Käding. Baumschulen« weg, Baumschulenstr. 67 stattfindenden öffentlichen Jugend» Versammlung Genosse Masch ke referieren wird. Alle Lehr« linge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen von Treptow, Baumschulenweg und Umgegend sind herzlich willkommen. Such die Gegner der so gehaßten Freien Jugendorganisation sind eingeladen. Mariendorf. Wenn nicht» mehr zieht, dann wird der patriotische Gaul au» dem Stalle geholt, mit deffen Hilfe beseitigt man schließlich alle Hindernisse. In der Terminssitzung deS KreisauSschiiffrs des Kreises Teltow klagte der Restaurateur Julius Konrad in Mariendorf gegen den Amts- und Gemeindevorsteher auf Erteilung der Schank- konzesfion. DaS„Teltower KreiSblatt" berichtet hierüber:„Die Angelegenheit hat den KreiSauSschuß schon wiederholt beschäftigt. Im Juni d. I. ist der Antrag zurückgewiesen worden, weil ein Be» dürfnis nickt anerkannt werden tonnle. ES wurde damals geltend gemackt. daß im Umkreise— e» handelt sich um daS Grundstück Lantwihstr. 10— von 300 Metern für 455 Personen bereit« drei Sckankslätten vorhanden sind, auch wurden die Sbortanlagen bezüglich ihrer Licht- und Luitzufubr bemängelt. Eine», neuen Anträge wurde gleichfalls von den Ortsbehörden widersprochen und wies deshalb der KreisauSichuß den Autrag zurück, auch wegen der Toilettenverhältiiisse. Nunmehr hat der Kläger mündliche Verhandlung beantragt. Er behauptete, daß eins der erwähnten Lokale nicht innerhalb deS Umkreises von 300 Metern liegt, daß die Bevölkerung feit 1003 sehr zugenommen hat und weiter wächst; insbesondere wie? er auf verschiedene gewerbliche Betriebe hin, die Hunderte von Arbeitern beschäftigen. Die Meister und Auf» sehe: dieser Betriebe würden die Eröffnung seines Lokals freut» ig begrüßen. ES würde außerdem auch da« einzige fein, das Kegelbahnen aufweise. DaS Lokal soll patriotischen Vereinen geössnet sein. Der Amtsvorsteher hat inzwischen zugegeben, daß da« eine Lokal weiter entfernt liegt, hat aber die Bedünnissroge weiterhin verneint. Die Bevölkerungszunahme ist nach ihm nicht so erheblich, insbesondere nicht in der Laulivitzstraße. Mündlich machte der Vertreter des Kläger» noch geltend, das Lokal solle für Publikum mittleren GradeS sein und ein solche» fehle unbedingt. Der Aintsvorsteher konnte auch in der mündlichen Berbandlung ein Bedürfnis nicht an» erkennen, er stellte aber mit Rückfickt darauf, daß eS ein bessere» Lokal werdm solle, dem KreiSauSschuß die Entscheidung au- fidm, wenn der Kläger sich zur Zahlung der Kosten bereit finde. Das bejahte Konrad.— Der KreiSausschug. beschlob, dem Antrage stattzugeoen.' Wie aus Vorstehendem zu ersehen ist, hat der Hinweis auf die patriolische Vestimmung des Lokals seinen Zweck ersüllt. Sehr er- staunt iiber diese eigenartige Begründung sino aber die Arbeiter de« Gaswerks Mariendorf. Herr Reilauraieur Konrad halte sich nämlich bcmnhi, für den Nachweis des Vedürfnisses unter den Arbeilern dieses Werkes Unterschriften zu sammeln. Sicher ist, dasz die Arbeiter für dvrarligo Zwecke, wenn sie davon Kenntnis gehabt, ihre Unterschrift nicht gegeben hätten. In der Gcmcindevertretersitzung wurden die vor kurzem er- folgten Ersahwahlen dreier Gemeindevertreter, darunter auch die Wahl des Genossen Günther, für gültig erklärt und die Gewählten eingeführt.— Die als öffentlichen Punkt der Tagesordnung angekündigte„Beschlußfassung über die Lehrer- besoldungSordnung" hatte eine große Anzahl Lehrer auf die— für eine» größeren Besuch leider unzulängliche— Zuhörertribüne gelockt. Die Lehrer sahen sich in ihren Hoffnungen aber schnöde getäuscht. Gleich nach Ankündigung dieses Punktes durch den Vor- slehcr erhob sich der Vertreter Herr Mau und stellte den Antrag aus Beratung in nichtöffentlicher Sitzung. Die Genossen Neichardt und Weber bekämpften diesen Antrag. Es scheint aber seit der Festsetzung der Tagesordnung, die die öffentliche Beratung rn Aussicht stellte, tüchtig hinter den Kulissen gearbeitet worden zu sein. Denn auch der Gemeindevorsteher erklärte, sich dem Antrage Mau anschließen zu müssen, der denn auch von der Mehrheit an- genommen wurde. Nicht ein einziger der Bürgerlichen ermannte sich also zu der Erklärung, daß er für öffentliche Verhandlung sei, was sich die.Herren Lehrer ad notarn nehmen mögen.— Des weiteren stand die Bcschlußfassung über den Beitritt der Gemeinde Zum Verkehrszweckvcrband Eroß-Berlin auf der Tagesordnung. Der Vertreter Otto und der Schöffe Pohmer erklärten sich gegen den Beitritt, der den kleinen Gemeinden nur hohe Zuschüsse auf- erlege, aber keine Verkehrsvcrbesserungen schaffen werde, wozu nur eine kapitalkräftige Privatgesellschaft imstande sein könne. Genosse ölcichardt wies darauf hi». daß diese Befürchtungen nicht zutreffend seien, wie sich an den Einrichtungen vieler größerer Gemeinden tcige, die den Betrieb von Elektrizitäts» und GaStverken in eigene Regie übernommen haben. Die Gemeinden sollten ihre Interessen selbst regeln und nicht Privatgesellschaften überlassen, die nur die Erzielung hoher eigener Profite im Auge haben. Die große Mehr- heit erklärte sich für den Beitritt.— Die Anbringung eines Aus- hängekastens für amtliche Bekanntmachungen am Bahnhof Südcnde läßt sich der Eisenbahnfiskus mit 5 Mk. pro Jahr bezahlen, wie der Gemeindevorsteher noch bekannt gab. Dieser bracht« schließlich noch ein Schreiben dcS Gemeindevertreters Schensch zur Kenntnis der Versammlung, in dem dieser ein Wirtschaftsgespräch zsvischen Alteingesessenen Maricndorfs wiedergab. Es soll ein Maurer- meister Karl Sch. u. a. geäußert haben, daß früher Gemeindever- treter sich hätten Geld schenken lassen, jetzt müßten eS aber schon Grundstücke sein. Dem Antrage des Gemeindevorstehers entsprechend soll Strafantrag gegen Sch. gestellt werden. Auf den Ausgang des Verfahrens darf man gespannt sein.— In nicht- öffentlicher Sitzung wurde der BesoldungSordnung nach Berliner M u st e r zugestimmt mit der Aenderung, daß der Wohnungsgeld- zuschuß nur S00 Mark beträgt. Alt-tttkienirke. »Los von der Kirche" lautete das Thema, über das Genosse Wilhelm Sicring-Berlin in einer im Lokal von Bohn tagenden öffentlichen Versammlung referierte. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt! namentlich hatten Frauen der Ein» ladung Folge geleistet. Der Referent legte in seinem IVHstündigcn Vortrage, oft von lebbaftcm Beifall unterbrochen, das Wesen der heutigen Staaffiirche klar. Als erster Diskussionsredner nahm der Pfarrer des C�ieS, Herr Jseler, das Wort. Der Herr Pfarrer be- tonte die großen Segnungen der christlichen Kirche, die nicht nur, wie der Referent gesagt habe, eine Kirche der Neichen sei; er be- londcrS schließe arm und reich in seine Arme. Im großen ganzen aber erklärte er sich mit dem Referat vollkommen einverstanden, nur nicht mit dem Glauben an sich. Der Glaube wohne im Menschen. ES war für den Referenten ein leichtes, die Aus» Mrtittgett de« Herrn Pfarrers auf das Maß der Wirklichkeit zurückzuführen. Die massenhaft erfolgten Austnttsunterzeich- nnngcn erbrachten den Beweis, daß auch der Herr Pfarrer Jseler niemanden mehr der Kirche erhalten kann. Vor und nach der Versammlung trug der Arbeitergesangverein ein stimmungsvolles Lied vor. Kaulsdorf. Daß es selbst in den Vororten von Verlin, die zum guten Te,l von Arbeitern bewohnt werden, immer noch Wirte gibt, die da glauben, die Arbeiter als Menschen niederen Grades bewerten zu dürfen, mußten unsere Genossen erst in jüngster Zeit wieder er- fahren. Bisher stand uns das Hamannsche Gesellschastshaus an der Berliner Chaussee zur Verfügung. Jetzt hat es aber ein neuer Pächter, Herr Kabelt, übernommen und dieser Herr will, wie es scheint, nur noch mit„besseren" Leuten Umgang pflegen. Er hat uns kurzerhand sein Lokal entzogen und beruft sich dabei auf seinen Pachtvertrag. Zweiseilos hat der Herr sich von den hiesigen Spießern irreführen lassen. Diese rechnen nämlich bestimmt damit, daß unsere Parteigenossen zum kommenden Frühjahr in eine intensive Agitation für die Gemeindevertreterwahlen eintreten werden; diese Rechnung stimmt. Aber verrechnet haben sie sich gewiß, wenn sie glauben, unsere Genossen damit lahmgelegt zu haben, daß sie ihnen den einzigen Saal abtreiben, der ihnen bisher zur Verfügung stand. Unsere Genossen werden Mittel und Wege genug für unsere Agitation finde,!. Herr Kabelt wird sich aber wohl für sein Pachtverhältnis eine andere Rechnung ansmachen müssen. Daß die Spießer, welche ihn so köstlich beraten haben, sein Lokal nach wie vor meiden, versteht sich am Rande, denn sie wollen es nicht für sich erobern, sondern es nur der Sozialdemokratic ab- treiben. Es gibt aber in den Vororten viele Wirte, die da glauben, ihr Geschäft an Sonn- und Feiertagen mit den Berliner AuS- flüglern zu machen. In diesem Glauben werden die Berliner Ge» nassen und Genossinnen Herrn Kabelt nicht bestärken, sondern immer wenn sie in die Nähe von„Hamanns Gefells chaftS- hauS" an der Berliner Chaussee kommen, werden sie sich daran erinnern, daß ihre Kaulsdorfer Parteigenossen und Gc- nossinnen auS diesem Lokal vertrieben wurden Die Kaulsdorfer Genossen haben nunmehr ihr VerkchrSlokal bei Bobey unmittelbar am Bahnhof(Stadtbahn) aufgeschlagen, dazu steht ihnen noch daZ Lokal von Werner.„Badcschlößchen", zur Perfügung. Wenn alle Genossen und Genossinnen diese Mitteilungen genügend beachten, dann wird Herr Kabelt bald einsehen lernen, daß er recht schlecht beraten worden ist. Reluickendorf. DaS Verhalten der Gemeinde ihren Arbeitern gezenüber wurde in einer gut beiuchieu Bollsversaminlung im Schützenbaus vom Ge- nossen Pvlenski erörtert. Der Reserenl geißelte zunächst die karge Enllohiiung der Arbeiter sowie da« Gebaren des WegemeisterS Rnbe den Arbeiter» gegenüber. Wie mitgetelll wurde, soll derselbe niedrere Arbeiter wegen Ausübung ihres KoalitiunSrechtS gemäß- regell bezw. nach einer entfernten Kolonne versetzt haben. Nachdem noch der Gemeiiideverlreter Genosse Kühn und mehrere DiskiisiionS» redner gesprochen hatten, forderte Genosse Schönberg die Per» sammelten auf, sich der gewerkschaftlichen und politischen Or« gani'alion anzuschließen, nur durch diese könnteu die Arbeiter die Beseitigung der vorgebrachten Mißstände ailsiceben. Bernau. Auf znr Stabtverordnctenwahl! Morgen, Montag, finden von vormittags 11 Uhr bis abends 7 Uhr die Stadtverordnetenwahlen der 3. Abteilung statt. Wahl- lokal ist der große Saal de? Restaurants Elhsium. Genossen! ES gilt die letzten drei Mandate der 3. Abteilung den Bürgerlichen abzunehmen; sorgt dafür, daß unsere Genossen nicht nur gewählt, sondern mit gewaltiger Stimmenzahl gewählt werden. Stellt Euch dem Wahlkomitee zu den notwendigen Parteiarbeiten zahlreich zur Verfügung! Wer bis 7 Uhr im Wahllokal ist. muß zur Wahl zugelassen werden.— DaS Wahlöureau der Partei befindet sich im vorderen Vcreinszimmer des Restaurants Elhsium. Genossen! Arbeiter! Eine fieberhafte Tätigkeit muß morgen entfaltet wer- den! Auf zur Wahl! Potsdam. Stadtverorbne'tenfltzuns. Dem Oberbürgermeister VoSberz wurde mit 38 gegen 1l) Stimmen eine Gehaltserhöhung von SVOO Mark vom 1. April 1910 ab gelvährt, so das; van da an sein Gehalt einschließlich Repräsentaiiovsgelder L3 000 M. beträgt. Diese- durch das Angebot vom Hansabund als Direktor entstandene Frage zeitigte eine für Potsdam ungewohnte, lebhafte Debatte. Stadtv. Kermes machte rechtliche Bedenken gegen eine solche Gehalts» erhöhung geltend. Stadtv. Endcrs billigte nicht die Vorverhand» lungen. Ein kleiner Kreis habe diese Angelegenheit gefördert, ohne die anderen Mitglieder davon in Kenntnis zu setzen. Wohlwollen sei eine schöne Sache, aber nickt auf Kosten der Allgemeinheit aus dem Skeuersäckel. Stadtv. Grell findet die Verdienste nicht so her» vorragend, daß eine solche außerordentliche Zulage gewährt werden müßte. Stadtv. Herrmann betont: Ein« kleine Tafelrunde habe in einer vertraulichen Besprechung diese Iletwrrmnpelung borbe» reitet. Damals hab-n 32 von 4! Stadtverordnete» die unverbind» liche Erklärung abgegeben, den Obere lrger.neister zu halten. Alle damaligen Angaben des Referenten haben sich aber als falsch er» wiesen/ Um die SaAtt schmackhaft zu machen, habe man mitgeteilt. Städte wie Brandenburg, Spandau zahlten jetzt schon mehr. Ja Wirklichkeit zahle Spandau 15 000 M., Brandeüburg 10 000 M. Stadtv. Töpfer. Vertreter der 3. Abteilung. l)«lt die Abmachung» i für ordnungsmäßig vorgenommen. Ein neuer Oberbürgermeister ! brauche erst wieder mindestens Jahr, ehe er alle Fäden in der � Hand habe damit er sie für Potsdam nutzbringend gebrauchen tömw.— Tie namentliche Abstimmung zeitigte die Annahme.— Tie Beteiligung der Stadt an der Sanierung des Rohde- scheu Bauunternehmens mit 200000 R. wurde von der TageSordiiUng abgesetzt. Diese hat sich notwendig gemacht, da die erste, unter Mitlvirkung der Stadt vorgenommene, nicht genügt hat. Vermischtes. Gestrandet. Nördlich von Groß- Vogel sang ist. wie auS Cux» haben gemeldet wird, ein Dreimaster unbekannter Herkunft ge» strandet. Die Lage des Schisses ist hossnungIloS. Ein NettungS- boot ist zur Aufnahme der Mannschaft abgegangen. Die in der Zlühe befindlichen Schlepper köuneu wegen der starken Brandung nicht Hilfe leisten. Ein späteres Telegramm aus Cuxhaven besagt: Der von Ham- fmrg mit Stückgutladung abgegangene Dreimaster Marie Hackfeld strandete nördlich von Groß-Vogelsand. Schiff und Ladung jind völlig verloren. Die 25 Kopf starke Besatzung ist gerettet. Zum Tode vcnlrtcilt. Aus Glatz wird gemeldet: Das kiesige Schivvrgerilbt verurteilte das 27sährige Dienstmädchen Anna Werner ans Steinwitz, das ihr llinoiratlichcs Kind lebendig vergroben hatte, wegen Mordes zun» Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.__ Blirbarischr LhuchMiz. Nach einer Mitteisimg aus Cairo(Illinois) wurde gestern abend ein Neger, der angeklagt war, einem jungen Mädchen Gewalt an» getan z» haben, von einer nach Tausenden zählenden Menge, unter der sich viele Frauen befanden, gelyncht und seine Leiche verbrannt. Die Menge eilte daraus zum CHänguiS, um den Mitschuldigen des Negers zu suwen. drang, als sie ihn nicht sond, in eine Zeile, in der ein de» Mordes an seiner grau angekkaglex Weißer laß. führte ihn mit sich fort und hängte ihn trotz ferner UN» schnldSbeteuerungen an einer Telrgrapheirktange aus Alsdann setzte sie die Nachforichnngen nach dein Miijchnldigen des Negers fort. Auf Befehl des Gouverneurs sind 11 Kompagnien Miliz truppe» zur Äufrechterhalluug der Ordnung nach Cairo eu.jaudt worden. »-- Allgemeine Familien-Iterbekasse. Heute Zahltag Ackerstr. IW bei Werntcle von 3— S llhr. Soziatdemorra tischer Zeutralu avlvcrein für den Reichstag»» woblkreis Zübichau-Lchwiedus-Krosseu-Torümerfeid(OrtSverein Berlin). Am Dienstag, den 16. November, obnib» 8*/, tlhr bei(Stilibom, Koppenstraße 47: Vcrjammiuug. LUij der TageSordrnurg steht: Bericht aus dem ttretje. Achtnng! Hermaun Relcliardts Restaurant, 27, sctzlger Inhaber;(ZLoNZ �öwentlSxeN. 8y Bitte Pactetgenossen, Freund- und Bekannte, da« meinem Vorgänger aar* geschenkte Wohlwollen auch auj Mick übertragen zu wollen. Vintv KWO»pvtnoi» mid«soti-Ariltv in bekannter Güte. glgg.«-----.„----».---- �Oeorjt littwenhojrcn, früher WIlmSstr. 4. In die arche braucht man es nicht erst zu hängen, denn jede erfahrene Hausfrau weiß, daß Aathreiners TNalzkaffee der wohlschmeckendste Malzkaffe« ist. Wohl aber muß im Interesse des Publikums immer wieder darauf hingewiesen werden, daß in letzter Zeit viele Nachahmungen angepriesen werden, vor denen man sich beim Einkauf hüten muß. ZNan merke sich deshalb genau, daß Aathreiners Hlalz- kaffee nur in Paketen mit Bild des Pfarrer Aneipp zum verkauf ko,nmt. tose ausgewogenen Aathreiners Malzkaffe« gibt es nicht! | BXm ,»».«>,«11 niete» ineenu» 4_�JU»»n sfb..X«Enflros-Saison __[ 1 Posllfl h,0p,hr'ir" Koslümt! liAh»!~ 50—«D— 70._ 80- 60— 100M. m 30. 40, 5Ufl.?0. 80 M. Eis kosiei boo-elez. i.oaaQe »M V«i«uri»u Nor>-n, fm- Std-no«*-. Ph otntk Witilerls TucIh insdilieOjmlelOäi-PalOlOtS wtoilHfl k!!. FraoMpaleloti mit«>»g»ul»u Stickereien 10-30 M. Sckicke Akendnlitel UZ!» 7-40 M. __ GelegenheltStauf Seldenpittjrt-Paletols jjj JJ . Bscküscb- 1 tÜnder-f'alitoti 3— 10 fexMosczulz, uSt�°ertsV§9,.m Dusnabme'jlnpbot für die Leser des Vorwärts' Wir empfehlen, mögiiehst bald za bestellen, tun sich den Besitz dos wertvollen Werkes za sichern. Der Bestellschein ist einzusenden an Willibald Wendss Verlag, BERLIN W., Lfltzowstr. 31. MA l)!e wunder der und die Entwickelungsgeschichte der Erde. Nach den Ergebnissen der neuesten Forschungen bearbeitet und herausgegeben von Custav A. Ritter. 700 Selten mit 535 Originnl-.IIIiiNtrQtioncn nnd farbigen Kiinütbcilagen. Ganslelncn- Pracht band. E-exikon-Format. In klarer jedermann verstRndlioher Sprache zieht hier die Schöpfungsgosohiohte von den üranfilngen bis zur Gegenwart an uns vorüber. Wir sehen nicht nur den Erdball selbst entstehen, sondern auch die organische Welt, die auf demselben lebt, Pflanzen sowohl wie Tiero, sich von dem unvollkommensten organischen Körperchon, durch Zeiträume von Jahnniilionen zu immer voll- komraenern Gestalten entwickeln, bis sie in dem Menschen, als dem höchst organisierten und vollendetsten Wesen ihre höchste Schöpfungskraft finden. Was Kopornikus, Kepler und Newton ergründet, was Kant und Laplace erdacht, was alle die vielen Forscher nach ihnen, von Alexander v. Humboldt bis zu Häokel, als richtig erkannt und zu einem mächtigen Geistesbau zusammengefügt haben, das wird in diesem Buche in großen Zügen entwickelt. i�sM o -LS »s -s Cü-g 0 c° S ,.g s °Z Z � I I um* Das Werk wird zu dem auOepgewabnllch billigen Preis von AmlcbU-Exeopltre liegen In der aeKUlUstelle dieser Zeltoog aas. 3 Mark an die Leser des n Vorwärts" abgegeben. 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ZlelnftiR 5. Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterte. Ziehung vom 13. November naehrnillag». Kot die Gewinne Uber 540 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigelügt. (Ohne Gewähr.)(Narhdruek verbeten.) 55 155[500] 303«23 4» 1117»62[500] 98 538 90 6«9 2178[30CO] 94 3009 73 198 272 82 454 623 909 47 4109 91 206 93 403 82 87 603 752 818 2 7 940 5048 79 253 513 «12 27 6012 22 113 218 323 43 708 7079 222 Sil 90 742 (1000] 856 8102[lOOO] 56 305[3000]*47 671[ZOO] 707 9198 379 732 859 10047[500] 61 813 45 965 11037 43 281 728 81» '12695 97 957 1 3091 230 53[500] 339 80 414 596 81t J4652 83 895 15 204[lOOO] 69 581 89 94«II 89 93[lOOO] 729 1 6548 96 1 7351 443 502 629 64 98« 18110 269 590 «04 785 802 10[lOOO] 91 1S119 4«3 52« 75 753 20183 307 69»2 4 60[1000] 625 06[500] 780 2 1 84« 865 84 703 14 949[1000] 2 2215 322[600]«8[500) 408 20 557 60 2 3055 186 339 560 64 969 24156 65 216 67 652 759 2 5 261 569 623 725 310 2 6030 III 523 617 962 73 27279 537 86 638[3000) 97[1000] 832 2 8280 447 48 95 5*4 712 72 81« 62 962 2 0356 455 62«[500) 50 778[500) ,[ 30028[500] 262 63 604 59 734 887 919 31101 655 998 96 3 2012 338(1000) 92 740 77 3 3066 119 486«10 14 73 774 830 76 3 4089 194 235 96 610 917 6« 35120 247 374 425 92 605 71 7S2 36458 910 11 37950 71 622 966 76 3 8245[3000) 405 504 OS»14 30 006 34 189 SSO 309 «17[500] 680 81* > 40045 59[ 500] 69 95 153[500] 611 99 8*3 79 41355 98 51! 886 957 4 2 051 64 67 129 91 229(1000) 6(0[1000] »35[ 500] 56 43018[3000] 502 70 483 732 839 4 4003 55 116 444 739 S?[ 1000) 40060 79 85 56 404 591 94[500) 96 621[3000) 92 710 8(0 4 6334 909 4 7493«87 865 48072 278 309 99 414 41 67 843 827 69 904 85 4 0 267 331 63 488 573 780 832(lOOO) 909 24[500] 60 50097 117 45 214(3000!*85[1000] 670 933 5 1 035 851 75[ 3090] 813 983 6 2068 214 433 527 605 61 765 5 3 057 233 562[500] 623 76» 874 053 54159[lOOOO] 658 55018 «1[500] 66 144 547 708 19 857 09 918 40 5 6000 99 Sit (500) 441 95 738 60 827 47 64 80 962[500) 57069 112 32*19 519 674 82[ 3000] 780 963 5 8312 5 0018 77[3000] 101 19[500] 235 731 64)089[1000] 337 407«SO 907 61133[500] 414 SO 7!» 936 62*37 549[600] 841 73 900 63574 536 93 6 406t 131 93 362 417 84 817 6 5053 139 40 366 568 94 6 6027 141 191[3000] 419 32 611 713 842[30001 903 6 7103 75 819 37 6 8296 333 515 71[500] 721 87 817*8 988[500] 60155 «73 67 1 80 70094 101 9 600 24 736 805[lOOOl 7 1 271 401 80 913 ■72279 321 501 723 851 81 927 37 7 3302 609 73 796 812 (500) 74 065[3000] 256 404 512[500] 632 853 7 5231 441 66 613 76293 536 750 960 77073»63 633[500] 830 96 961 97 78212 317 66 409 647 53 611 853 91« 64 7 0089 476 660 80071 230 89 30«[300] 46 403 53 726[300] 42[500] 74 941 81108 19[1000] 33 88 394 433 833 80 8 2316 402 539'600) 725 81 878[300] 83132 41(lOOO) 43 47 93 87[3900] 220[300] 314 17 18 493 055[500] 740 890 8 4213 <51 60 69 728 30 88 832 88 8 5019[ 500]£61[lOOO) 478 543 67» 729[1000] 39[ 500] 933 8 6 066 785 90 913 82[lOOOl 87375 86 560[500] 708 4 0 845 8 8966 261 311 73 57«[500] 627 851 7« 93 944 8 0072 191 283 411 820 68 992 00118 277[500| 937 73 9 1 023 275 560[lOOO] 92234 ff» 479 584 731 819[500] 911 93069[500] 367 623»7 92 753 817 9 4223 80 319 612 19 857 61(500) 80 917 94 9 5065 509 853 910 34 9 6 221 53 92 441[3000] 635 81 88 216 302 6 76 906[1006] 97102 343 46 604 66 731 857 937 63 9 8169 273 78 460 501[500] 637 788 99033 194 807 «2 82 647 95 879 100300 422 537 628 69 96 791 814 922[506] 101368 102097[300] 257 429 1 00034 220 73 393 533 «80 766 84 887 950 104216 587 416 954 1O5085 119 87 230 810 448[ 500] 836[1000] 95 90 750 1 06108 422 669( 5006) 86 752 872 1 07 265 43 400[500] 529(500) 975 108523[560) 72 705 11 923 1 00342 41» 572 673 856 [500] 72 932[600) 110077 265 Sil(1000) 407 570 745 64»12 66[3000] 935 75[3000) 111130 473 SM 42 688 839 1X2178 343 85 113320 616 690 701 45 82 883 114139[1000) 20« 338 64 567 766 810 1 15054 99 156 96 243 652 902 116047[lOOOl 110 557 709 815 83 117475(lOOO) 221 464 93[5900) 938 657 741 892[ 900] 04? 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Für denAuseratenteil vercs Junuätts" örtlinrt Bolteliliilt, Sonntag, 14. November 1909. Sozialem Ein Jimungsobermeister wegen Berrufsandrohnng verurteilt. Dem unseren Lesern erinnerlichen Fall der Bestrafung des Obermeisters der Bäckerinnung wegen Verrufsandrohung ist jetzt in Altona die Bestrafung des Obermeisters der Stellmacherinnung gefolgt. Tie Stellmachergesellen von Hamüurg-Altona standen im Früyjqhr dieses Jahres wegen Lohnforderung im Streik. Der Obermeister der Innung und Stadtverordnete Ruppert war Leiter der Mcisterorganisation. Der Stellmacher und Wagenfabrikant B. hatte die Forderungen der Gesellen bewilligt. 2}. arbeitete für eine amerikanische Gesellschaft, die mit Stellmacherartikeln und Ober- bauen von Wagen Geschäfte macht. B. hatte zur Zeit des Streiks von dieser Gesellschaft, deren Vertreter ein Kaufmann W. ist, einen Aul rag auf 50 Oberbaue von Wagen. Während des Streiks er- sajien nun Ruppert im Kontor der Gesellschaft, wo er in Abwesen- heit des Vertreters W. mit dem Buchhalter Z. verhandelte. Ruppert stellte das Bcrlangsn, daß die dem B. aufgegebene Bestelluirg rück- gängig gemacht werde, wenn B. nicht die Bewilligung der Forde- rung der Gesellen zurückziehe, und knüpfte daran die Drohung, dah. wenn diesem Machtgebot nicht Folge geleistet werde, der Boykott über die Firma verhängt werden würde, so daß kein Stell- machermeister in Deutschland dem Geschäft mehr etwas abkaufen werde.?luf erstattete Anzeige hat die Staatsanwaltschaft zunächst die Einleitung der Anklage gegen R. abgelehnt. Es ist auf von dem Anwalt des terrorisierten Unternehmers, Dr. Hcrz-Altona, ein- gelegte Beschwerde schließlich doch das Strafverfahren gegen R. eingeleitet worden. Die Verhandlung fand am Freitag vor dem Amtsgericht in Altona statt. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen. Das Gericht hielt ö Tage Ge- fängnis für eine ausreichende Sühne. Das Gericht hat also, wie das Berliner Gericht dem Bäcker- Meister, dem angeklagten Obermeister der Stellmacherinnung und Stadtverordneten gegenüber eine merkwürdige Milde walten lasten, obgleich der Fall sehr kraß liegt. Nach dem Gesetz wird mit Gc- fängnis bis zu drei Monaten bestraft, wer sich gegen den§ 153 vergeht. Arbeitern gegenüber, die sich sehr oft noch gar nicht ein- «al bewußt sind, sich strafbar zu machen, wird ein Gericht die auf Wochen beantragte Strafe wohl kaum auf einige Tage herabsetzen, wie dieses Gericht dem Herrn Obermeister Ruppert, besten Auf- treten und Drohung kaum einen Zweifel darüber lassen, daß er pch bewußt über den ß 153 hinweggesetzt hat. Arbeitslosenversicherung. In Baden sieht die Arbeitslosenversicherung in abseh- barer Zeit ihrer Verwirklichung entgegen. Am Freitag faßte am Schlüsse der Sitzung der Konferenz der Arbeitslosen- Versicherung Minister v. Bodmann das Ergebnis der Kon- ferenz dahin zusammen: Die Arbeiter können zuversichtlich hoffen, daß die Arbeitslosenversicherung kommen werde, nur fei noch nicht die geeignete Form gefunden worden. Die Arbeiter sollten überzeugt sein, daß, wenn die Versicherung zurzeit auch auf Widerstand stoße, dafür'triftige sachliche Gründe vorliegen. Zur Weiterbehandlung der Frage des Ausbaues des Arbeitsnachweises wird eine Kommission ein- gesetzt werden.— In der Konferenz hatten Vertreter der Handels- und der Handwerkerkammer— mit Ausnahme des Vertreters ber Freiburger Handwerkerschaft— und die Vertreter der industriellen Verbände eine Arbeitslosenversicherung rundweg abgelehnt, desgleichen die Vertreter der Städte. Für die Arbeitslosenversicherung sprachen sich die Vertreter der Gewerkschaften aus: sie forderten eine Erweiterung der Vorlage. Hofrat Dr. Rosien trat für die Arbeitslosen- Versicherung ein._ Zum Arbeitcrinnenschutz. (Begriff einer Konfektionswerkstätte.) Der Kaufmann Pinn, der in das Handelsregister eingetragen ist, betreibt in Berlin ein Engrosgcschäft für Damcnblusen. Er läßt die Blusen von Heimarbeiterinnen herstellen, denen er die erforderlichen Stoffe und Zutaten liefert. Er hat zwei Geschäfts- räume. Einer dient als Lager. Dort empfängt er die Reisenden und Kaufleute. In einem kleineren Raum findet der Verkehr mit den Heimarbeiterinnen statt. Es stehen darin Büsten zum Auf- ziehen der Blusen und eine Nähmaschine, die dann und wann benutzt wurde, um kleinere Mängel, die sich bei der Ablieferung herausstellten, gleich zu beseitigen. P. beschäftigt in dem Geschäft ein junges Mädchen, das kaufmännisch angelernt wird, und zwei andere junge Mädchen, die als Handlungsgehilfinnen mit Monats- gehältcrn von 100 und 75 M. angestellt sind. Die Heimarbeite- rinnen erschienen an einigen Tagen der Woche zwischen 8 und 10 Uhr morgens, um abzuliefern und neue Arbeit in Empfang zu nehmen. Dieser Verkehr erstreckte sich meist auf die drei letzten Wochentage. Beteiligt waren daran die drei erwähnten Damen. Die Zeit, die sie dabei mit den Heimarbeiterinnen verbrachten, betrug etwa eine Stunde an jedem Tag. Eine von ihnen verteilte die Stoffe und Zutaten an die Heimarbeiterinnen. Sie schnitt auch die Stoffe ab, aber nicht für jede Bluse einzeln, sondern größere Stofftcile zur Anfertigung mehrerer Blusen. Das eigentliche Zu- schneiden besorgten die Heimarbeiterinnen zuhause. Um 10 Uhr morgens mußte die Abfertigung der Heimarbeiterinnen beendigt sein. Wenn Herr Pinn mit Reisenden und Kaufleuten verhau- deltc, hatten die drei Damen ihm zur Seite zu stehen, indem sie Blusen und Muster vorlegten usw. Das Lehrmädchen mußte auch kleinere Kontorarbcitcn verrichten. P. hielt seine Geschäftsräume nicht für eine Konfektionswerkstätte und beschäftigte die drei Da- men des Sonnabens regelmäßig länger, als es für Arbeiterinnen in einer Konfektionswerkstatt nach der Bundesratsvcrordnung vom 17. Februar 1904 zugelassen ist, also über 514 Uhr hinaus. Des- halb wurde er wegen Ucbcrtretung der Bundesratsverordnung in Verbindung mit den entsprechenden Bestimmungen der Gewerbe- ordnung angeklagt. Die Bcbörde sah die Geschäftsräume als Kon- fektionswerkstatt an. Das Landgericht I sprach Pinn jedoch frei, indem es mit Rücksicht auf den angeführten Tatbestand annahm, dah keiner der beiden Geschäftsräume als Konfektionswcrkstätte anzusehen sei. Di�'Vlusen würden vollständig in den Wohnungen der Heimarbeiterinnen angefertigt. Die Aussonderung und Aus- gäbe der Stoffe und Zutaten seien lediglich vorbereitende Hand- jungen; es seien Handlungen, die jeder Kaufmann vornehme, wenn Schneider bei ihm Stoffe einkauften. Wenn Heimarbeiterinnen im Geschäft kleinere Fehler beseitigten, so gehöre das allerdings zur Anfertigung der Blusen. Es seien dies aber Ausnahmefälle, die nur gelegentlich mal vorkämen und den Räumen nicht den Charakter einer Konfektionswerkstatt verleihen könnten. Die drei im Geschäft tätigen Damen nähmen hauptsächlich kaufmännische Handlungen vor und müßten als Handlungsgehilfinncn angesehen werden. Dem Umsatz der Waren dienten ihre Arbeiten. Die Vor- schriften für gewerbliche Arbeiterinnen kämen nicht in Betracht. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Sie machte geltend, vom Landgericht sei nicht genügend gewürdigt worden, daß der Herstellung der Arbeit alle Handlungen zuzurechnen seien, die sie vorbereiteten und ihrer Fertigstellung für den Verkauf dienten. Das Landgericht habe auch nicht beachtet, daß die Blusen nicht nur bei der Ablieferung auf Sitz und Fehlerlosigkeit geprüft wurden, sondern auch nachmittags nochmal durchgesehen worden seien, ob sie keine Fehler hätten. Dann seien sie erst verpackt worden. Vor- her wären sie nicht verkaufsfertig.— TaS Kammergericht erachtete mit Recht die Rechtsauffastung der Staatsanwaltschaft für zu- treffend. Es hob am Donnerstag das Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Land- gpricht zurück.__ Krankcnkasscnwahlen. Bei der OrtSkrankenIassenwahl in K o b u r g erhielten gestern die Kandidaten der freien Gewerkschaften 1382, die der„nationalen" Parteien 274 Stimmen. Bei der Wahl 1907 hatten die freien Gc« werkschastcn 1020, die„Nationalen" 721 Stimmen erhalten. Die Niederlage des nationalen Mischmasch ist also eine erfreulich kräftige. Bedauerlich schlecht schnitten hingegen die freien Gewerk« schaften in D a n z i g bei der am Mittwoch dort erfolgten Gewerbe« gerichtswahl ab, bei der zum ersten Male der Proporz in An« ivendung kam. Von 3315 Stimmen fielen auf die ftcien Gewerk- schaften, die im Jahre 1907 1527 erhielten, nur 1446: sie büßten also 81 ein. Die schwarze Koalition stieg dagegen von 990 Stiminen des Jahres 1907 auf jetzt 1333, gewanir somit 343 Stimmen. Die Hirsch-Dunckerscheii hatten sich mit einer Anzahl evangelisch-klcrikalcr Vereine und anderen vereinigt und steigerten so ihre Stimmenzahl seit 1907 von 206 auf 536. Bei der verhältnismäßigen Verteilung dürften jetzt auf die freien Gewerkschaften 11, die Christlichen 10 und die Hirich-Dunckerschen 4 Beisitzer entfallen. 1907 waren von den 25 Beisitzern 18 auf die freien Gewerkschaften und 7 auf die Christ- lichsozialen gefallen. Der außerordentlich rührigen, freilich auch in der Wahl ihrer Mittel recht skrupellosen Agitation der christlichen Gewerkschaften scheint eine gleiche Rührigkeit auf feiten der freien Gewerkschaften nicht entfaltet zu sein. Die erlittene Scharte gilt eS nun, durch frischen Eifer auszuwetzen. WttterungSlitiertickit von, 13. November t!Mv. morgens 8 Ilbr. vtationcn M C � B s §■2 »=1 i« Ii Setter r Swmemde. 730 WSW 6 wolkig Hamburg,"33 WSW; 9 bedeckt Berlin|7362B 7 Regen Franks.a M. 747 SW 7 Regen München i753SW 7 heiler Wien! 750 WSW 3 bedeckt v« xill £? W»o 4 bedeckt 1 bedeckt 5 bedeckt 4 halb bd/ 4bedeckt{ l! Wetterprognose für Sonntag, den 14. November 190S. Etwas kühler,� zeitweise aufklarend, aber noch veränderlich mit längeren Niederschlägen und schwächeren nordwestlichen Winden. ktattonen n c a s« 2« i Havarcmda 745 NNO Petersburg 740 S Scillh I757N Aberdeen 750 ffitijjg Parti 1 756 SW Setter «« ß* t* wi .> —9 I.1 9 2 7 ge« r In dieser Woche hervorragend preiswert: Pdletots farbig aus guten DiaEonalsto"en mit Q50 � garniertem Schal-Kragen, von M.-«an Abend-Mäntel F rauen -Mantel aus prima BsRImo ffilt aparten Qamicrungen, �>1 QO auch für ganz starke /.Q Figuren passend, v. 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Sichtung: Warnung: Allen denjenigen Personen, welche beabsichtigen, den Chauffeurberus zu erlernen, sei es in einer Fahrschule, einem Aulotechniknni oder Automobil- betrieb, raten wir dringend, vorher in unserem Verbandsbnreau, Engel- user 15 n, Zimmer 43/44, Erkundigungen einzuholen. Oio Sektionsleitung der Kraftwagen- tührer des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes. Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik und Differenzen sind gesperrt: Knopf- und Perlmuttfabrik Hinze, Schinkostr. 8/9. Tischlerei und Bodenlegerei Schlichting. Gotzkowsthstr. 7. Tischlerei und Bodenlegerei Timme, Wilmersdorf, Gastewer Straße 6. Parkettbodengeschiifte und deren Bauten: Firma Kampmeyert Holsteiner User 15. Rosenfeld n. Co. Heine fBreslau). Lesser. Sämtliche Betriebe in den Orten Luckenwalde, Rathenow und Magdeburg. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holzindustrie das VermiNelungsbureau des gelben.Handiverkerschutz- Verbandes* streng zu meiden. Die Ortsverwaltung. Achtung! Kliuarbeiter! Wegen Streik in Luckenwalde sind folgende Bauten für Ein- seffer gesperrt: Firma Bfenrnaim: Charlottenlmra, Suarez. und Pestalozzistr.-Ecke. örilckner. » Miudener Str. ündemaim. Firma Billig: » Teruburgstr. 21). » Waiüstr. 31. Schünicke. Berlin, Senefelder Str. Pgbl. Firma Genossenschaft, Luckenwalde: Charwiteuburg, Philippistr.«. Beskew. Kaiser- Friedrich-Straffe 19, Bau Heinrich. » Wifflebenstr. 1, 3, 33, 38. Iber Gunvors-tand. Achtung! Mchmber, Ztnckknnuen und Nähknunen! Bei der Firma J. Ellsbach. Görliffer Str. 52, ist durch Maß� regelung säuttlicher organisierten Ar- beiterinnen der Sport- Abteilmig Streik ausgebrochen. Zuzug streng fernzuhalten. 187/12» Die Ortsverwaltung. Einem Teil unserer heutige» Ruflage— für den Xordon und nördliche Vororte— liegt ein Prospekt der Firma dnlliis Heymann, Berlin X., Badstraffe 38-39, bei. Verantwortlicher Rebakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW,