Dr.«CS. Übonnfmcnts-Bcdlngongen: LbonnanenlZ- Preis pränunieimito i SierteljShrl. 8£0 2Hf., Monatl. l.Tti Tit., wöcheMüch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preislifie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnemenIS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, Crlchdnt ttgll» außer mcntaai. 86. Jahrg. Verlinev Volksblakk- VI« InIeMons-Sedllhr Seirligt für die fechSgefpaltene Koloiiel« geile oder deren Raum K0 Pfg., für politische und gewerkfchaftliche Vereins» und Bersammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „KUbi. Hnzeigen". das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» slcllcn-Rnzcigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uht nachmittags in der Expedition ghgegeben werden. Die Expedition ist blS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresset „soiUiiUtusml Btruo". Zentralorgan der roziatdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecheri Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 16. November 1909. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. andtagswähler von Moabit! Schlagt in den heutigen Wahlmännerstichwahlen den Ansturm der vereinigten reaktionären Masse auf das Mandat des 12. Berliner Landtagswahlkreises ab! Keiner versäume die Wahl, jeder rüttele die Gleichgültigen auf! Von einer Stimme kann der Sieg abhängen! €in lullusturm der Scharfmacher. Seit Jahren schon sind die rheinisch-lvestfälischen Groß- industriellen höchst unzufrieden mit den parlamentarischen Leistungen der nationalliberalen Reichstagsfraktion. Wiederholt haben sie gedroht, der nationalliberalen Partei, deren Finanzen sie so oft saniert haben, die bisher gezahlten Subsidien und Wahlkostenbeiträge zu entziehen, falls diese Partei nicht andere politische Bahnen einschlage und ihren sozialpolitischen Allüren entsage. Wenn aber wichtige Wahlen herannahten, ließ die im Zentralverband deutscher Industrieller organisierte Untemehmer- schaft sich doch immer wieder bereit finden, reichliche Wahl- Unterstützungen zu zahlen. Noch bei den letzten Hottentotten- ivahlen ini Januar 1307 legte der Vorstand des genannten Zentralvcrbandes allen Verbandsmitgliedern die Verpflichtung aus, für jeden in ihren Werken beschäftigten Arbeiter je eine Mark zum industriellen Wahlfonds beizutragen. Zum größten Teil sind diese Gelder zur Unterstützung nafionalliberaler und freikon- servativer(reichsparteilicher) Reichstagskandidaten verbraucht worden. Aber die Haltung, die wiederum im neuen Reichstag die nationalliberale Fraktion zu den sozialpolitischen Vorlagen und Entwürfen einnahm, verstimmte die im Zentralverband organi- sierten Großindustriellen, vornehmlich die Kohlen- und Eisen- barone, immer mehr und energisch erklärten sie im Frühjahr vorigen Jahres durch ihre Blätter, daß sie es satt hätten, noch länger eine Partei zu unterstützen, die so wenig die Lebensinteressen der Großindustrie zu'wahren wisse und so wenig die Notwendigkeit begriffe, daß die industriellen Unternehmer Herren im eigenen Hause bleiben müßten. Jede Sozialpolifik ist den im Zentralverband deutscher Industriellen herrschenden Elementen zuwider, selbst die schwäch- ttchen sozialpolitischen Rücksichtnahmen der Nationalliberalen. -Sie verlangen von ihren Alimeptierten unbedingten Kampf gegen jeden weiteren Ausbau der Sozialpolitik. Schon damals wurde von der Leitung des Zentralverbandes die Forderung aufgestellt, daß nach dem Muster des Bundes der Landwirte ein industrieller Jnteressellverband geschaffen werden müsse, der eine Anzahl bezahlter Agitatoren unterhalte und diesen Apparat nebst den erforderlichen Geldmitteln bei den verschiedenen Wahlen jenen Kandidaten ohne Rücksicht auf ihre politische Parteistcllung zur Verfügung stelle, die sich auf die Forderungen der Großindustriellen verpflichten. Seitdem haben verschiedene Acußerungen der„Deutschen Jndustrieztg." und der Geschäftsmacher des Zentralverbandes belviesen. daß die Gründung eines derartigen industriellen JnteressenbundeS hinter den Kulissen eifrigst betrieben wird, doch drangen nur sehr spärliche Nachrichten über die Vorbereitungen in die Oeffentlichkeit. Jetzt scheint man im Zentralverband die Hauptschwierigkeiten überwunden zu haben. Ami 3. Oktober dieses Jahres hat im Hotel Adlon in Berlin einegeheime Sitzung des Ausschusses des ZentralverbandeS deutscher Industrieller stattgefunden, über die uns nachträglich folgendes berichtet wird: Ms Referent fungierte Generalsekretär Vueck. Er führte aus: „Meine Herren. Sie sind heute berufen worden, um Stellung zu nehmen zu dem Antrage des Direktoriums, innerhalb der dem Zentralverbande angeschlossenen Industrie einen Wahlfonds zu lilde» bezw. über die Ausführung dieser Maßregel zu beschließen. Mir ist der Auftrag erteilt worden, diesen Antrag zu begründen. Seit einer längere» Reihe von Jahren verfolgt die«esetz- gebung in, Reich namentlich auf dem Gebiet der Wirtschasls- und Sozialpolitik eine den Interessen der Industrie ungünstige Richtung. In w i r t s ch a f t l» ch e r B e z i e h u n g ist diese Richtung ganz besonder« hervorgetreten in dem Streben, der deutschen Industrie den Schutz, der ihr nach Maßgabe ihrer Produktionskosten und im Per- häkmis zu der Zollpolitik der anderen in Konkurrenz zu uns stehenden industriellen Staaten zuteil werden müßte, entweder gar nicht oder nur in ungenügendem Maße zu gewähren.... Meine Herren, in sozialistischer Beziehung ist diese Richtung hervorgegangen aus dem« von unserem Herrn Volsitzcnden bereits erwähnten Kathedersozial, s«u». Diese in den sechziger Jahren de! vorigen Jahrhunderts von den namhaftesten Professoren der Nationalökonomie eingeleitete Be- wegung hatte an sich einen sehr gesunden Kern, denn sie war ge- richtet gegen das in Deutschland im vollsten Maße zur Herrschaft gelangte Manchestertum.... Diese Bewegung artete immer mehr und mehr aus, je mehr die jüngere Generation der professionS« mäßigen Nationalökonomen sich den Lehren der damals mächtig auf- strebenden Sozialdemokratie zuwandte. Dies geschah besonders bei allen das Verhältnis zwischen Albeitern und Arbeitgebern betreffenden Vorgängen. I» diese» Fragen stellten sich die jüngeren Herren unter den Professoren der Nationalökonomie ganz auf die Seite der Sozialdemokratie, diese in Gehässigkeit und Feindseligkeiten gegen die Arbeitgeber fast noch übertreffend.... Meine Herren, so kam eS, daß von allen deutschen Lehrstühlen der Nationalökonomie insbesondere die Sozialpolitik im Sinne äußerst sozialistischer Anschauungen und weitgehender Voreingenommen- heit und Feindseligkeit gegen das Unternehmer- und Arbeitgebertum gelehrt wurde. Dazu kam als weiteres treibendes Element das Buhle» um die Gunst der stimmvergcbendcn Masse». Diese Massen werden in der Hauptsach« von den Ardcitern gebildet, die ja, wie Ihnen bekannt, die Feindseligkeit und den Kampf gegen die Arbeitgeber auf die Fahne geschrieben haben. So ist es gekommen, daß Feindseligkeit gegen die Arbeitgeber im gewisse» Grade auch die Parole der politischen Parteien geworden ist.' Meine Herren, ich muß hervorheben, daß sich diesem Treiben die altkonservative Partei nicht in jedem Falle angeschlossen hat. Wo zu befürchten war, daß die betreffenden Gesetze, Vorschläge oder Anträge auch auf die landwirtschaftlichen Arbeiter zurückgreifen könnten, da waren die Herren natürlich nicht zu haben. (Sehr wahr!) Im übrigen haben sie— jeder, der die parlamen- tarischen Vorgänge verfolgt hat, wird mir das bestätigen— frisch, froh und fröhlich immer mitgestimmt, wenn eS sich um Gesetze gegen die Arbeitgeber handelte.(Sehr wahr!) Eine ganz entschiedene Ausnahme hat die Reichspartei, die sreikonservative Partei gebildet, die sich immer dem Arbeitgeber, dem Unter- nehmertum viel freundlicher erwiesen hat. Der Referent schildert nun ausführlich die seit 1398 datierenden Bestrebungen, eine wahlpolitische Organisation des Unternehmertums zustande zu bringen. Der Kommerzienrat Menck-Altona habe die Gründung eines„Bundes der gewerblichen Arbeitgeber" vor- geschlagen, dessen Tätigkeit sich auf sozialpolitische Fragen beschränken sollte. Für einen großen politischen Arbeitgeberbund, der auch die Kleinsten umfassen sollte, sei Dr. Tille eingetreten, der die so- genannten Saarbrücker Bestrebungen repräsentiere, denen sich der Hannoversche Arbeitgeberverband anschloß. Besondere Ver- dienste um die parlamentarische Vertretung der Industriellen er- warb sich auch Dr. Stresemann, dem es zu danken war, daß im alten sächsischen Landtag 30 Industrielle, davon 25 Mitglieder de« Verbandes sächsischer Industrieller saßen. Dann hat RegterungSrat Prof. Dr. Leidig den Vorschlag gemacht, einen„Jndustrieverband der nationalliberalen Partei" zu gründen. Dieser Vorschlag stieß aus nicht näher an- zuführenden Gründen auf so entschiedenen Widerspruch, daß ihm keine Bedeutung beizulegen ist. Sodann beschäftigt sich der Redner ausführlich mit einem Borschlag des Geschäftsführers der b a y e- rischen Metallindustriellen Dr. König, zunächst die Organisation der Arbeitgcberverbände vollständig durchzuführen. Darüber sagt er wörtlich: Meine Herren, vor ungefähr anderthalb Jahren— ich glaube, so lange ist eS her— war der Zentralverband in außer- ordentlicher Selbstverleugnung mit Vorschlägen an den Berein Deutscher Arbeitgcberverbände herangetreten, um eine Verschmelzung dieses Vereins mit der Haupistelle Deutscher Arbeitgeberverbände herbeizuführen. Meine Herren, diese Bestrebungen sind an dem Widerstände des Vereins Deutscher Arbeitgeberverbände gescheitert. Sie find in der Hauptsache gescheitert wegen der Beitrags- frage. Meine Herren, bei der Begründung der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände ist eS, tvie Sie sich erinnern werden, ab- gelehnt worden, bei dieser größere Mittel anzusammeln, um für die Käntpfe ausgerüstet zu sein. Man hielt es für besser, das Geld zurückzubehalten. Ich habe das damals als einen großen Fehler betrachtet und diese Ansicht hat sich bei mir nicht geändert. Immer- hin haben sich doch die Mitglieder der Hauptstelle bereit erklärt, der- ort hohe Beiträge zu zahlen, daß eS gelungen ist, allmählich ein kleines Stammvcrmögen anzusammeln, das außerordentlich günstig gewirkt hat.(Sehr richtig!) Meine Herren, es sind m einer ganzen Anzahl von Fällen dadurch Erfolge erzielt worden, daß wir mit verhältnismäßig kleinen Mitteln— die höchste Summe, die einmal ausgezahlt wurde, ist, glaube ich. 70 oder 80000 Mark gewesen: aber daS ist ein Unikum— dahin gewirkt haben, daß die Arbeit- g e b e r. die in einen Streit mit ihren Arbeitern geraten waren, ausgehakten und gesiegt haben. Die Aussicht, daß sich die Hauptstelle mit ihren Mitteln hinter die Arbeitgeber stellen könnte, hat in nicht wenigen Fällen schon die Wirkung gehabt, daß die Arbeiter den Kampf aufgegeben haben.(Sehr richtig I) Nun, meine Herren, der Verein Deutscher Arbeitgeberverbände erhebt nur außerordentlich kleine Beiträge zur Deckung seiner Ver- waltungSkosten, die, nach den ihm eigentümlichen Einrichtungen, ungemein gering sind. Der Verein Deutscher Arbeitgeberverbände behauptet auch, daß er mit Rücksicht auf das Handwerk, daS ihm in Verhältnis- mäßig großem Umfang angehört, nicht in der Lage sei, höhere Beiträge zu erbeben. DaS ist richtig. Deswegen hatten wir in unserem Vorschlage gesagt, man möge vorläufig daS Handwerk aus der allgemeinen Organiasation a u s s ch l i e ß e n. Aber wir beabsichtigen durchaus nicht, das Hand- werk ins Leere fallen zu lassen, denn, meine Herren, diese Ansicht habe ich stets vertreten, die größten Industrien sind außerordentlich daran interessiert, daß das Handwerk nicht unter die Herrschast der Arbeiter kommt.(Sehr wahr I) Jede Niederlage des Handwerks wirkt zurück auf die Verhältnisse der Arbeiter und Arbeitgeber in den größten Betrieben, stärkt das Selbstbewußtsein und die aggressive Kraft der Arbeiter. Daher beabsichtigen wir, daß, wenn sich die große Industrie ganz zusanimen- geschlossen hat, eine besondere Organisation für das Handwerk, mit starker Unter st ützung seitens der großen Arbeitgeber, gebildet werden sollte. Rechtsanwalt König bezeichnet als einzig mögliche Grundlage für die auf die wirkungsvolle Vertretung der großindustriellen Interessen gerichteten Bestrebungen nur die Arbeitgeberverbände. Darin, meine Herren, trete ich ihm entschieden entgegen.(Handels- kammersyndiluS Profestor Dr. Lehmann-Aachen: Sehr richtig!) Ich behaupte, daß die Arbeitgeberverbände zu diesem Zweck weder benutzt werden können noch benutzt werden dürfen (Sehr richtig!), und zwar aus folgenden Gründen. Meine Herren, die Gewerkschaften der Sozialdemokratie und die anderen erkennen heute unumwunden die Ueberlegenheit der Arbeitgcberverbände und der in ihnen vereinigten Kräfte an. DaS veranlaßt die Gewerkschaften jedoch nicht, eine friedliche Haltung den Arbeitgebern gegenüber einzunehmen. Während der Zeit des Niederganges haben sie sich wohlweislich ruhig verhalten, und die großen beachtenswerten Streiks, die in dieser Zeit stattgefunden haben, sind meistens gegen den Willen der Organisationen von un- botmäßigen Mitgliedern der Gewerlschaften angezettelt worden. Aber, meine Herren, sie haben die Zeit als Borbereitungszeit für die Kämpfe betrachtet, die sicher einsetzen werden, wenn bessere Zeiten herankommen, Kämpfe, die sie als EntscheidungSkämpse betrachten. Und die Orgauisationrn der Arbeiter haben sich in einer großartige» Weise gerüstet, denn ihnen stehen heute Mittel in Höhe von mehr als 40 Millionen zur Verfügung. Die Hauptstelle Deutscher Arbeit- geberverbände hat eS glücklich auf'/* Millionen gebracht. Meine Herren, unter diesen Umständen ist eS erforderlich, daß die Organisationen der Arbeitgeber.— darin stimme ich dem Herrn Rechtsanwalt König bei— mit aller Kraft soweit als irgend tunlich ausgebildet, daß alle Hindernisse, die dieser Ausbildung entgegenstehen oder entgegenstehen könnten, beseitigt werden.... Solange politische Wahlen bestehen, ist eS die vornehmlichste Aufgabe der Parteien immer gewesen, soviel Geld als möglich für die Wahlen zusammenzubringen. Dabei ist weiter nichts Schlimmes, und es ist verfehlt und geschmacklos, wenn, wie eS in der Presse ge- scheben ist, in Verbindung mit dem Beschluß des Direktoriums von Wahlbestechung und Stimmenkauf gesprochen wurde. DaS Direktorium schlägt also vor, einen industriellen Wahlfonds wie ich ihn nennen möchte, zu bilden, aus den, ohne Ansehung der nationalen Partei, der die betreffenden Kandidaten angehören, alle unterstützt werden sollen, von denen anzunehmen ist, daß sie die Interessen der Industrie in wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen im Sinne der Ansichten vertreten, die mit den Bestrebungen und den Beschlüssen des ZentralverbandeS nicht im Widerspruch stehen. Wir wolle» Konservative, Nationallibcrale, Freisinnige unterstützen. wenn sie sich als Freunde der Judustrie betätigen. Da» Direktorium hat zunächst den Grundsatz aufgestellt, daß mit der Sammlung und der Verlvendung dieses Fonds der Zentralverband absolut»ichtS zu tu» haben soll. Nicht etwa, weil er sich zu solcher Tätigkeit nicht eigne oder weil er irgendwie Bedenken tragen müßte, mit einer solchen Tätigkeit stank und frei vor die Oeffentlichkeit zu treten. Da» nicht, meine Herren, andere Gründe waren maßgebend. Unverkenn- bar herrscht in einzelnen Kreisen semer Mitglieder ein vielleicht auf tlntt gewissen M i ß g u n st LeruhendeZ Widerstreben, dem Zentraltierband gröbere Mittel zur Verfügung zu stellen. Daran ist auch der einzig richtige Gedanke, bei Begründung der Hauptstelle deutscher Llrbeitgeberverbände einen sogenannten Jnliusturm zu errichten, gescheitert. ES soll daher eine Kommission ge- bildet werden, und zu dieser Kommission soll eine Reihe von Vereinen ermächtigt werden, je ein Mitglied zu ernennen. Diese Vereine sind: 1. Der Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen in Düsseldorf. 2. Der Verein für die Bergbaulichen Jiiteressen im Oberberg- anitsbezirk Dortmund in Essen a. Ruhr. 3. Der Verein der Industriellen deS Regierungsbezirks Köln in Köln. 4. Der Mittelrheinische Fabrikantenverein in Mainz. 5. Der Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Saarindustrie in Saarbrücken. ö. Das Elsaß-Lothringische Industrielle Syndikat in Mülhausen in Elsag. 7. Der Verein Süddeutscher Baumwollindustrieller in Augsburg. 8. Der Bayerische Jndustriellenverband in München. !). Der Verband von Arbeitgebern der sächsischen Textilindustrie in Chenmitz. 10. Der Oberschlesische Berg- und Hüttenmännische Verein in Kattowitz. 11. Der Verband Schlesischer Textilindustrieller in Breslau. 12. Der Verband Ostdeutscher Industrieller in Danzig. 13. Der Verein Deutscher Pavierfabrikanten in Berlin. 14. Der Ausschuß der Ton-, Zement- und Kalkvereine in Berlin. 15. Tie Norddeutsche Gruppe deS Vereins Eisen- und Stahl- industrieller in Berlin. Der Borsitzende dieser Kommission wird seinen Sitz in Berlin haben müssen. Die Kommission soll verpflichtet sein, eine Geschäftsstelle zu unterhalten. Dem Geschäftsführer wird die Auf- gäbe zufallen, sich über die Verhältnisse in den Wahl- kreisen zu infornlicren, Vertrauensmänner in den betreffenden Wahlkreisen anzustellen und seine Vor- schlage für daZ Vorgehen bei den Wahlen dem Komitee zu unter- breiten. Dann schlagen wir Ihnen vor, als Maßstab für den Beitrag zum WahlfondS die Lohnsumme zu betrachten. Dieser Maßstab ist jedenfalls viel gerechter als die Zahl der Arbeiter. Namentlich in bezug auf jene großen Industrien, die auch ver- hältnißn, äßig billige Arbeiter verwenden, wie beispieltveise die Textilindustrie, die soviel jugend- liche und weibliche Personen beschäftigt. Ueber die Verwendung der Beiträge soll, so weit eS zweckmäßig erscheint, Rechenschaft abgelegt werden. Dem Hausabund wollen wir keine Knüppel zwischen die Beine werfen. Unser Beschluß stammt aus einer Zeit, in der er noch gar nicht existierte. Dazu kommt, meine Herren, daß wir im Zentralverbande zu der Ueberzeugung gelangt sind, der Hausabund sei abgesehen von besonderen und daher auch besonders zu behandelnden Fällen nicht die geeignete Stelle, um im allgemeinen auf die Wahlen durch Verwendung eines Wahlfonds einzuwirken. Meine Herren, wollte er das tun, so würde er zwei Wege beschreiten können. Ich will etwas anderes vorausschicken. Es ist eine offenkundige und in der Presse vielfach besprochene Tatsache, die auch heute von dem Herrn Vorsitzenden erwähnt worden ist, daß in dem Hansabund Gruppen mit verschiedenen, sogar mit direkt entgegengesetzten Interesse» vertreten sind. Meine Herren, das ist eine Tatsache, die nicht zu bestreiten ist, und» wenn bezüglich dieser Tatsache der Hansa- bund vielleicht den einen Weg einschlagen könnte, die Kandidaten aller in sich vereinigten Gruppen bei der Wahl zu unterstützen, dann würde er dazu kommen, Gelder gegen die Interessen derer zu ver- wenden, die sie hergegeben haben. So ist es der Industrie bei den letzten Wahlen ergangen. Ich habe schon angedeutet, daß die Industrie damals große Foudö für den Wahlzweck zur Verfügung gestellt hat. Sie wurden verwendet von einem Komitee in der Art, daß alle bürgerlichen Pur- teien ihren Anteil erhielten, der schematisch bemessen wurde nach der Zahl ihrer Vertreter in» Reichstage. Also, meine Herren, von dem Gelde, das die Industrie gesammelt hatte, sind bei der Wahl Kandidaten unterstützt worden, die die In- dustrie als ihre entschiedensten Gegner in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung betrachten mußte.... Wollen Sie eine Aenderung in dieser Beziehung herbeiführen, so dürfen Sie Ihre Taschen nicht zuknöpfen und sich mißmutig ab- wenden. Meine Herren, die Zeiten sind schlecht, aber mögen die Zeiten gut oder schlecht sein, Ihre Zinsen, Ihre Steuern, Ihre sonstigen Abgaben müssen Sie auch bei den schlechtesten Zeiten zahlen, wenn Sie Ihre Türe nicht zuschließen wollen. Meine Herren, da kommt auch in schlechten Zeiten das heraus, was hier für den Fonds gebraucht wird, was für den einzelnen Verhältnis- mäßig sehr gering sein wird, wenn alle Mitglieder deS Zentral- Verbandes die Notwendigkeit erkennen und sich als opferwillig in diesem Falle erweisen. Den schlechten Zeiten aber werden bessere folgen, die Morgenröte der besseren Zeit scheint ja bereits aufzu st eigen. (Ein zweiter Artikel folgt.) Kelielttetoen gegen die Aahlrekorm. Daß die Reaktionäre fortfahren, in der wütendsten Weise gegen die Wahlreforin zu Hetzen, ist kein Wunder. Sie wissen ja, daß es ihnen cm den Kragen geht, daß ihre Privilegien- Wirtschaft gefährdet würde. Die Angst davor, daß ihnen die Klinke der Gesetzgebung aus der Hand gewunden werden könnte, spornt sie fort und fort gil den frechsten und t o l l st e n Brüskicrungen des Volkes an. Oder kann es eine ärgere Unverfrorenheit, eine frechere Verhöhnung des Volkes geben als die an die Regierung gerichtete Forderung, von der feierlich versprochenen Wahlreform deshalb abzusehen, weil die Volksmassen bei den letzten Wahlen so unverkennbar gegen die Volksausplünderung durch eine privilegierte Kaste und f ii r eine Volks- tümliche Politik demonstriert haben?! Also gerade weil das Volk bewiesen hat, daß eS voller Empörung an den Ketten rüttelt, sollen ihm diese Ketten n ick) t abgenommen werden I Krone und Regierung sollen sich wieder einmal, so fordern unsere Junker, schirmend vor die bedrohten Junker- Vorrechte stellen, wobei die„Kreuz.Zeitungs"-Nitter der .Krone zu verstehen geben, daß durch Mehrung der Volksrechte doch die Rechte des Monarchen so gut eine Minderung er- führen als die der Junker. Unsere Junker betrachten also den König alü einen der Ihrigen, als den o b e r st e n Feudalen, dessen Interessen denen des Volkes danach diametral gegenüberständen! Eine Auf- fassimg, gegen die gerade die Krone energischen P r o t e st zu erheben alle Ursache hätte! Denn wenn es schon ein im 18. Jahrhundert lebender Hohenzoller, Friedrich II, für not- loendig hielt, sich den„e r st e n Diener des Staates" zu nennen, so hätte doch heutzutage ein Hohenzoller erst recht olle Ursache, es mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen, daß ihn jemals ein persönliches oder Familien- i n t e r e s s e, irgendein d y n a st i s ch e s Interesse veranlassen könnte, sich dem Streben des Volkes nach S e l b st b e- stimmung seiner Geschicke zu widersetzen! Aber gegen solche Bärendienste ihrer„Freunde", der Junker, mag sich die Krone schon selbst verwahren. Tut sie es nicht— um so s ch l i m in e r f ü r sie! Verwahren niag sie sich auch gegen die absurde Unver- frorenheit der„K r e u z- Z t g.", das Wahlreformversprechen der Thronrede dadurch für null und nichtig zu er- klären, weil in jener Stelle der Thronrede nur davon die Rede gewesen sei,„auf Grund der Verfassung" eine„organische Fortentwickelung" des Wahlrechts eintreten zu lassen. Da nun aber das Dreiklassenwahlsystem durch die Verfassung festgelegt sei, könne natürlich von der Absicht irgendeiner Aenderung des Dreiklassenwahlsystems garkeine Rede sein! Daß die„Kreiw-Ztg." erst in ihrer Nunimer vom II. November 1909— also 13 Monate nach drr Thronrede— diese glorreiche Entdeckung macht, kenn- zeichnet deren Wert hinlänglich. Unseren Junkern ist aber kein Argument zu elend und zu lächerlich, wenn es ihnen, den„bis auf die Knochen monarchisch Gesinnten", gilt, Re- gieruug und Monarchen zu einem W o r t b r u ch zu ver- leiten I Die„Hamb. Nachr." bedienen sich nicht ganz so kläglicher und schäbiger Argumente für den gleichen Zweck. Aber ihre Gründe sind trotzdem noch erbärmlich genug. Unter Berufung aus unseren Leitartikel„Um das gleiche Wahlrecht" sucht das hanseatische Scharsmacherblott Regierung und Krone damit dem Wortbruch geneigt zu machen, daß es auf die Folgen eines größeren Einflusses des Volkes auf die preußische Gesetzgebung hinweist, daß dann nämlich nicht mehr der Herrsch- und Beutesucht einer Volks- Minderheit in Preußen sowohl wie im Reiche Tür und Tor geöffnet seien. Das Blatt schreibt: „Deutlich ist hier der Weg gewiesen, auf den jede Reform des preußischen Wahlrechts führen muß. Das Ende, das Ziel dieses Weges begrüßt triumphierend die Sozialdemokratie. Soll nun, weil der vorige Reichskanzler und Ministerpräsident in Preußen das nicht erkannt. sondern den Mangel an st aats männisch er Ein- ficht und Boraussicht auch noch in einer Thronrede fe st gelegt hat. sein Nachfolger, der eines Besseren belehrt ist, bei den» also begangenen Fehler verharren? Das hieße nichts anderes, als den Fehler noch vergrößern, statt seine verderblichen Folgen verhüten. Alle Voraussetzungen, unter denen die Thronrede die Wahlrechtsreform verheißen hat, sind, wie wir gezeigt haben, hinfällig. Die ganze Politik, in der das Nesormversprechen ein wesentliches Moment bildete, gehört samt dem, der sie begründet und verkörpert hat, der Ver- gangenheit an." Also weil der Gang der Entwickelung nun einmal nach aller historischen Entwickelung zur Demokratisierung auch des reaktionären Preußen führen muß— deshalb sollen Krone und Mini st er ihr feierliches Ver- schrechcn für nicht gegeben erklären! Den schnurrigsten Einfall hatte aber doch der freikonser- vativc Freiherr v. Zedlitz. Dieser Brave meint mit einem mokanten Seitenblick auf unsere Freisinnigen:„Der Brustton der Ueberzeugung, mit dem jetzt die Ein- führung des Reichswahlrechts für Preußen gefunden zu wer- den pflegt, würde wohl vielfach weniger voll und laut klingen, wenn man nicht unbedingt sicher wäre, nicht beim Worte genommen z u werde n." Dann aber macht er mit dem ihm eigenen fauuischen Grinsen den kostbaren Vorschlag, zur Beruhigung der Massen wenig- stens das geheime Wahlrecht einzuführen. Freilich nicht allgemein, sondern dergestalt, daß in den städtischen Wahlkreisen als Schutz gegen den s o z i a l d e ni o k r a t i- scheu Terror die Abstimmung eine geheime sein solle, im übrigen aber die öffentliche Abstimmung bei- behalten bleibe! Die Sache wäre wirklich zum Schieflachen, wenn sie nicht doch wiederum bewiese, mit welch ausgesuchtem Hohn unsere Scharfmacher das entrechtete Volk überschütten zu dürfen wähnen! Wie lange noch?! frestiiglglieit im Kapilalistischen Staat. Bedingungslos mußten die Mansfeldcr Bergsklaven nach einem sechswöchigen, ereignisreichen und harten Kampfe die Arbeit wieder aufnehmen, mußten in den Schacht zurückkehren, ohne erreicht zu haben, daß sie in einem „Rcchtsstaate" von einem auch ihnen gesetzlich gewährleisteten Staatsbürgerrechte Gebrauch machen dürfen. Nachdem der Friedcnsversuch vom 27. Oktober gescheitert war. wandte sich die Streikleitung an eine Reihe von Unternehmern, die eine größere Anzahl Arbeiter suchten. Die Streikleitung konnte mit Bestimmt- hcit darauf rechnen, 14— 1700 Mann in kurzer Zeit unterzubringen, worauf sie den Ruf an die Streikenden ergehen ließ, daß sich diejenigen, die Lust zur Abwanderung hätten, melden sollten. Innerhalb zweier Tage meldeten sich 1354 Mann, von denen auch 300 abgeschickt wurden, um— keine Arbeit zu erhalten!! Sofort, als der Plan, durch Entziehung junger Arbeitskräfte einen Druck auf die Generaldirektion auszuüben, der Ocffentlich- keit bekannt wurde, trat der Arbeitgcberverband in Aktion, und noch ehe die abgewanderten Bergarbeiter ihr Ziel erreichten, war schon das Verbot. Mansfelder Bergarbeiter ein- zustellen, an den Arbeitsstellen! In Groß-Lichterfclde wurden 30 Mann verlangt, 14 schickte die Streikleitung hin; keiner wurde eingestellt. Nach Hamburg wurden 30 Mann ver- langt und auch abgeschickt; aber keiner erhielt Arbeit! Die Hamburger Gewerkschaften gewährten ihnen im Gewerk- schaftshaus Gastfreiheit, damit sie sich nach und nach einzeln Arbeit suchen könnten. Nach Zimmerode und Sachsenhausen i. Th. wurden 38 Mann gefordert, denen für ein ganzes Jahre Bc- schäftigung für 38 bis 40 Pf. Stundenlohn versprochen wurde. Dorthin sandte die Streikleitung 32 Mann/ die ohne Arbeit in Kassel im Gewerkschaftshause sitzen und unterhalten werden mußten. In Goslar wird ein Scheibenstand gebaut, und es wurden 12 Mann verlangt, wohin zunächst 10, meistens ältere Leute, geschickt wurden, die eine gute Aufnahme fanden und mit der Arbeit wie dem Unternehmer zufrieden waren. Nach wenigen Tagen schrieben sie, daß es ihnen in Goslar sehr gut gefalle, daß der Unternehmer noch drei Mann wünsche, die auch hingeschickt wurden. Am 11. November erhielten alle 13 ihre sofortige Entlassung, weil Mansfelder Bergleute nicht beschäftigt werden dürfen! Von Büttstedt kam ein Schachtmeister auf die Nachricht hin, daß die Gewerkschaft 500 Mann nach dem Streik ablegen werde, ins Streikgebiet gefahren und bot sich an, diese Zahl an einem Bahnbau einzustellen, weil er sonst Russen, Kroaten und Italiener einstellen müßte, jedoch lieber mit deutschen Arbeitern zu tun habe. Dorthin wurden zunächst 105 Mann geschickt. Aber kaum waren die Leute dort, teilte der Schachtmeifter mit, daß die Annahme von Mansfelder Bergleuten ihn wahrscheinlich seine Stelle kosten werde! Lieber Italiener und Kroaten, lieber Russen und Chinesen, als an einem deutschen Bahnbau deutsche Arbeiter beschäftigen, die für Anerkennung deutscher Gesetze streikten.— Auch diese sind zurückgekehrt! Dieser Schlag wurde von den Streikenden mit einem Auf- schrei der Entrüstung entgegengenommen. Aber sie alle empfanden. daß das schwerer und aufreizender wirkte, als selbst Maschinen- gewehre, Kürassierlanzen, aufgepflanzte Seitengewehre und Land- friedensbruchparagraphen. Es blieb nur der Rückzug übrig, zumal Herr Vogelsang von den Gewerlm Blankovollmacht erhalten hat. den Kampf nach seinem Gutdünken zu führen und zum Abschluß zu bringen. Nach dem bisherigen Auftreten des Mansfelder Berg- Herrn, der hinter Maschinengewehre und Kürassierlanzen ver- schanzt, eine»mutige Sprache" führte, war nicht daran zu denken. daß dieser innerhalb sechs Wochen, vielleicht sechs Monaten nach. geben würde, so daß das Weiterstreiken ein aussichtsloses Ver- bluten der Organisation bedeutet hätte. Das sahen auch die Ver- trauensleute ein, die am 11. November in KlostcrmanLfeld mit 79 gegen 2 Stimmen den Abbruch des Streiks beschlossen, dem von 14 Bclegschaftsvcrsammlungen 13 einstimmig zustimmien. Nur in Alsdorf stimmte stätigung präsentiert.— In Rammelsbach eroberte die Sozial- demokratie drei, in Erdesbach drei, in Ulmet einen, in Waldfischbach vier, in Schiffer st adt, einer Zentrums- domäne, sechs Sitze. In alle» fünf Gemeinden hatte sie bisher keine Vertreter.— In Ensheim eroberte die Sozialdemokratie zu de» schon besessenen fünf Sitzen noch drei weitere, so daß sie jetzt über a ch t verfügt._ Prozesi Wetterlö. Da« Reichsgericht hat die Revision des Abgeordneten Wetterlö, der am 13. Oktober vom Landgericht Colmar wegen Beleidigung de» Professors Dr. Gneisse zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, verworfen.—____ Landtagsersatzwahl in Fraustadt- Lissa. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl Fraustadt-Lissa-Rawitsch- Gostyn erhielt, wie telegraphisch gemeldet wird, v. Kardorff(ft.) 844, Probst Dr. v. Jazdzewski 230 Stimmen, v. Kardorff ist somit gewählt.—____ Ein demokratisches Wochenblatt soll vom nächsten Jahre ab in Berlin erscheinen. Es hat sich eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gebildet, die den Kreisen der Demokratischen Vereinigung nahe steht. Sie ivird ein demokratisches Wochenblatt herausgeben, dessen Leitung Dr. Rudolf B r e i t s ch e i d übernehmen wird. Die Zeitung, deren erste Nummer noch in diesem Jahre erscheinen soll, ist kein offizielles Parteiorgan; doch wird sie im wesentlichen die Ideen vertreten, denen die Demokratische Wer- einigung ihr Entstehen verdankt. Die Heldentat von Charlottenbnrg. Wie bereit« zu vermuten war. als durch Erlaß des Berliner Polizeipräsidiums die Freie Jugendorganisation für polilisch erklärt wurde und als daö Geichnüffele in Nixdorf begann, handelt es sich nicht um das Vorgehen einer Behörde, sondern wahrscheinlich um eine m i n i st e r i e l l e Anordnung zur Bekämpfung der Freien Jugendorganisation m allen Orten. Auch der Charlottenburger Organisation will die Behörde jetzt durch kleinliche Schikanen bei- kommen, da sie noch immer nicht begriffen hat, daß sie mit all ihren Repressalien immer das Gegenteil von dem erreicht, was sie zu erreichen wünscht. Die Freie Jugendorganisation Charlottenbnrg hatte am 14. No- vcmber nach dein Volkshaus eine Mitgliederversammlung einberufen, in der Genosse Eduard Bernstein über das Thema:.Wie sieht die englische Verfassung aus?" sprechen sollte. Die Mitglieder der Freien Jugendorganisation waren überrascht, als sie vor der Tür des VolkshauseS von zwei Polizeibeamten nach ihrem Alter beftagt und als die unter 18 Jahre alten gewarnt wurden, an der Versammlung teilzunehmen. Das Erstaunen der Jugendlichen lvuchs, als sie im Saale gar einen Polizeileutnant und einen Wachinicister bemerkten, welche die Personalien des Ver- sammlungsleiiers feststellten... Nach Eröffnung der Versammlung forderte der Vorsitzende die Beamten auf. den Saal zu verlassen, da eine Mitglieder- Versammlung mit unpolitischem Vortrage stattfinde: er wies auch darauf hin, daß die Beamten, wenn sie trotzdem im Saale blieben, sich des Hausfriedensbruches schuldig machen würden I Der Leutnant erklärte darauf, daß er den Auftrag habe, „alle Jugendlichen unter 18 Jahren, die a» dieser„politischen Versammlung" teilnehmen, festzustellen l(ES sei bemerkt, daß der Vorsitzende von dem Beamten nicht etwa aufgefordert worden war. die Jugendlichenjjunter 18 Jahren zun» Verlassen de« SaaleS zu bewegen.) Beide Beamten begannen ihrem Auftrage gemäß, die Personalien der Jugendlichen festzustellen. Wer keine Legitimation bei sich hatte. sollte zur Polizeiwache gebracht werden!— Genosse Bernstein machte die Beamten auf daS Ungesetzliche ihrer Handlungsweise aufmerksam: vor allem sei die Versaininlung keine politische und daher keine Ursache vorhanden, in dieser Weise vorzugehen. Der Leutnant zeigte dem Genosse» Bernstein da» amtliche Schrift- stück, durch daö er von seiner vorgesetzten Behörde beaustragt wird. so zu handeln. Ehe übrigens eine Feststellung beendet war, vertagte der Vorsitzende die Versammlung und forderte die Jugendlichen auf, an der Mitgliederversammlung teilzunehinen. die eine Viertelstunde später im großen Zimmer stallfinde; dieser Auf- sorderimg kamen alle»ach. Die Beamten versuchten nun, einige der„Missetäter" gewisser- maßen als eorpus delkti zu greifen, und wirklich gelang es ihnen, zwei der jüngsten Teilnehmer, festzunehmen." Nach dieser Heldentat kann das gerettete deutsche Vaterland wieder ruhig schlafen; denn eS weiß jetzt, daß feine Willkürakten rujsiichen Kalibers nicht zurückschreckt. Oefterreidy. Eine Nachwahl. • Triest, 14. November. An Stelle de« italienischen Sozialdemo» kraten Pagnini, der wegen seines Austritts aus der sozialdemo- statischen Partei sein Mandat niedergelegt hatte, wurde der italienische Nationalliberale P i t a c c o zuin ReichSratSabgeordneten »nft 2798 Stimmen geivählt. Sein Gegenkandidat, der Sozial- demolrat Nicolas, erhielt 1667 Stimmen. Spanien Republikaner und Sozialdemokraten- Ein Bündnis der Sozialdeinokratie mit den bürgerlichen Republikanern wird für die nächsten Wahlen in Aussicht gestellt. Man hofft, daß ein solches Bündnis den beiden Parteien ermöglichen werde, wenigstens in den großen Städten der Gaunereien Herr zu werden,, Nittels deren die herrschende Ge- walt bisher ihre Macht aufrechterhält, und so eine Aeutzerung des wahren Volkswillens herbeizuführen. Bereits haben in einer Reihe wichtiger Städte in den verschiedensten Landcsteilen, so in Carthanega und Alicante im südöstlichen, in San Sebastian und Santander im nordwestlichen Spanien gemeinsame Kund- gedungen der gesamten äußersten Linken stattgefunden. Für den Sonntag ist eine große Versammlung in Madrid einberufen, in der außer den Führern der Republikaner Genosse Pablo Jglesias reden wird. Man erwartet von diesem energischen Vorgehen, daß zahlreiche Wähler, die bisher das Wählen als aus- sichtslos unterlassen hatten, sich nun an der Wahl beteiligen und die Sache der Opposition fördern werden. Der Besuch des Königs von Portugal am spanischen Hofe gab Gelegenheit, zu zeigen, daß der wütende Reaktionär Maura auch nach seinem, durch die Entrüstung der ganzen Kulturwelt er- zwurigenen Rücktritt noch das Vertrauen des Königs bc« sitzt. Um ihm die Teilnahme an den Hoffcstlichkeiten zu ermög- lichen, wurde sogar das altgeheiligte spanische Hofzeremoniell ab- geändert. Hat doch auch der König kürzlich in einem Interview sich mit den Mördern Ferrers solidarisch erklärt und so gezeigt, daß die bourbonische Dynastie zu ihren vielen in Spanien verübten Verbrechen auch die volle Mitverant» w o r t l i K k e i t an die dieser Schandtat gefügt hat. Cnglanck. Gegen die Lord«. Bristol, 13. November. Handelsminister Churchill führte in einer Rede aus, die Liberalen müßten, wenn sie aus den nächsten allgemeinen Wahlen siegreich zurückgekehrt wären. Schritte ergreifen, un, den LordS die H a n d I u n g s w e i s e u n m ö g l i ch zu»nachen, die sie jetzt anzuwenden drohten. Die Liberalen würden den LordS nicht gestatten, sich in das Budget einzumischen und ihnen daS Recht absprechen, eine Auflösung deS Parlaments zu erzivingen. Sie trauten der Weisheit des britischen Volkes zu. daß es seine Unabhängigkeit gegen jeden An- griff verteidigen werde.— ftnnland. Vvr der Entscheidung. Helsingfors, 15. November.(Privattelegramm des...Vor- wärts".) Morgen findet die Schlußdebatte über die Militär- Vorlage statt. Da mit Ausnahme der Altfinnen alle Parteien gegen die Vorlage stimmen tverdcn, ist die Per- w e r f u n g der zarischen Forderungen sicher. Man erwartet die Auflösung des Landtages. Cürfcei Eröffnung des Parlaments. Konstantinopel, 14. November. Heute nachmittag wurde die zweite Session des Parlaments durch den Sultan feierlich er- öffnet. In der Thronrede heißt eS: Durch Festhalten an dem parlamentarischen Regime könne die für das soziale und politische Leben unerläßliche Einigkeit und Kraft gewonnen werden. Die Aufrechterhaltung und Festigung des parlamentarischen Regimes sei der teuerste Wunsch des Sultans. Die Ausdehnung des Militärdienstes auf alle Ottomanen»verde die Stärke und Größe des Staates vermehren. Die innere Lage sei dank den ge- troffenen Maßnahmen nicht beunruhigend; die Stämine im Demcn unterwürfen sich, die Zivischenfälle in Ljuma und Mossul seien nicht von Bedeutung. Die Thronrede hebt sodann die Notwendigkeit von Reformen aus dem Gebiete des ö f f« n t» lichen Unterrichts und der öffentlichen Arbeiten hervor. Das Budgetgleichgewicht, das trotz aller Er- sparnisse nicht erreicht worden sei, werde durch eine Zollerhöhung und durch die geplanten Monopole sowie Verbesserung der Steuer- Veranlagung gesichert werden. Hierauf hielt die Kaminer ihre erste Sitzung ab. Ahmed Riza, der Kandidat der jungtürkischen Partei, wurde mit 164 gegen 16 Stimmen zum Präsidenten gewählt. DaS Resultat der Wahl wurde mit andauerndem Beifall aufgenommen. Eine militärische Demonstratio». Saloniki, 15. November. Vier Bataillone und zwei GebirgS- batterien gehen vorläufig an die g r i e ch i s ch e G r e n z e ab. um den Uebertritt von Banden zu verhindern. Indien. Attentate gegen den Vizekönig. Ahmadabad. 14. November. Als der Vizekömg Earl o f M i n t o mit seiner Gemahlin gestern nachmittag durch die Stadt fuhr, explodierte in einer Straße kurz nach der Vor- beifahrt des Wagens eine Bombe. Man fand einen M e n» schen mit abgerissener Hand am Boden liegen. neben ihm eine noch nicht explodierte Bombe, die mit Melinit gefüllt war. Bei Annäherung des Wagens hatte man gesehen, wie ein H i n d u etwas wegwarf. Bei der Weiterfahrt deS Vizckönigs durch die Stadt wurden kurz nach der Bombenexplosion aus der dichten Volks- menge heraus zwei Wurfspeere nach dem Wagen ge- schleudert. Den einen Speer wehrte ein neben dem Wagen reitender Dragonerunterofsizier mit dem Säbel ab, der andere Speer streifte einen eingeborenen Offizier, welcher einen Schirm über Lady Minto hielt, und fiel dann zur Erde. Der durch die Explosion verletzte Mann war ein Passant, der die Bombe aufgenommen hatte. Hmmha. Gegen die Vernrteilung GomperS. Philadelphia. 15. November. Der Zcntralarbeiterbund fordert die Arbeiter des ganzen Landes auf, den General» st r e i k zu inszenieren, falls der Präsident des amerikanischen Arbeiterbundes G o m p e r s die ihm auferlegte einjährige Gefängnisstrafe verbüßen muß. Argentinien. Ein Bombenattentat. Buenos Aires, 14. November. Ein zwanzigjähriger Mann, an- geblich ein Anarchist aus Rußland, schleuderle heute unter den Wagen deS PolizeiprSfekten Falco» eine Bombe, durch die der Wagen zertrümmert und der P o l i z e i p r ä f e k t sowie der ihn begleitende Sekretär so schwer verletzt wurden, daß sie bald daraus starben. Der Täter verletzte sich selbst schwer durck, einen Schuß in den Kopf; man glaubt, ihn am Leben erhalten zu können. Infolge de? Attentats hat der Ministerrat gestern abend die Berhängung de« Belagerungszustandes beschlossen. Gcwcrhrchaftlfchc� Die CarlfverbancUimgeii der JVIaler. Die KommissionsbevatuiWen währten bis zum Schluß der vorigen Woche. Die Ergebnisse dieser Veratungen wurden einer am Montagnachinittag abgehaltenen Plenarsitzung der Parteien unter dem Vorsitz der drei Unparteiischen vorgelegt. In der Kom- Mission ist eine Einigung erzielt worden über eine Reihe streitiger Punkte. Die wesentlichsten Ergebnisse der in der Kommission erzielten Vereinbarungen sind solgende: Die Zeit nach Schluß der sommerlichen Arbeitszeit bis S Uhr abends gilt als Ueberstunden-, die Zeit von 9 Uhr abends bis S Uhr morgens als Nachtarbeit. Die Lohne richten sich im all- gemeinen nach der Leistungssähigkeit der Gehilsen und werden nur sür die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden bezahlt. Der Ge- hilse ist zu einer angemessenen Gegenleistung verpflichtet, die von den durch das Ortstarisamt festgesetzten Normen bestimmt wird. Wird einem Gehilfen eine Arbeit übertragen, zu deren Ausführung ihm die Fähigteiten fehlen, so hat er dies dem Meister mitzuteilen. Tut er das nicht und muß die mangelhaft hergestellte Arbeit ganz oder teilweise erneuert werden, so hat der Gehilfe für den von ihm verschuldeten Schaden zu haften.— Bei Arbeiten außerhalb des Tarifortes sind den Gehilfen, die vom Betriebssitze dorthin entsandt oder am Arbeitsort eingestellt werden, die Löhne desjenigen Tarif- ortcs zu zahlen, in welchem sich der Hauptsitz des Geschäfts befindet. Sind jedoch am Arbeitsort höhere Lohnsätze als am Ort des Haupt- betricbes tariflich festgelegt, so werden diese höheren Lohnsätze be- zahlt.— Bei Landarbeiten wird Fahrgeld und Fahrzeit vergütet. — Werden Arbeiten in Akkord ausgeführt, so finden die im Leiftungstarif festgesetzten Preise Anwendung. Bei Akkordarbeit wird der Stundenlohn garantiert, wenn der Gehilfe die gleichen Leistungen wie im Stundenlohn erfüllt.— Eine Kündigungsfrist ist gegenseitig ausgeschlossen, doch kann für Zeichner und Geschäfts- führer eine Kündigung vereinbart werden. Außerdem bleibt es den zuständigen örtlichen Organisationen überlasse», für ihr Lohn- gebiet eine Kündigung einzuführen mit der Maßgabe, daß jedes Arbeitsverhältnis ohne Kündigung mit dem Ablauf des Reichstarifs beendet ist.— Die Bestimmungen des K 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches sind ausgeschlossen. Gehilfen dürfen für eigene Rechnung keine Arbeit ausführen, solange sie bei einem Meister in Arbeit stehen.— Jegliche Agitation während der Arbeitszeit ist verboten. Pausen gelten nicht als Arbeitszeit. Anders oder nicht organisierte Arbeiter dürfen vor und nach der Arbeitszeit auf der Arbeitsstelle nicht belästigt werden.— Nichterfüllung der Bundesratsvorschriften zum Schutze der Gesundheit gegen Bleivergiftung sind als Tarif- Verletzung zu betrachten. Einigung ist auch zustande gekommen hinsichtlich der ausführ- lichen Bestimmungen über die Einrichtung, Zuständigkeit und Zu- sammensetzung der Tarifämter. Ebenso über die gemeinsame Be- kämpfung der Schmutzkonkurrenz, die darin erblickt wird, daß ein Arbeitgeber Arbeiten unter dem Selbstkostenpreise übernimmt oder übernommene Arbeiten nicht den kontraktlichen Bestimmungen ge- mäß ausführen läßt. Die Schmutzkonkurrenz soll durch Sperren über die betreffenden Arbeitgeber bekämpft werden. Die dadurch arbeitslos werdenden Gehilfen sollen nach Möglichkeit von anderen Meistern eingestellt werden. Die Kosten der Sperre, besonders auch die Unterstützung der dadurch arbeitslos gewordenen Gehilfen tragen beide Vertragsteile je zur Hälfte.— Wo es die örtlichen Verbältnisse gestatten, sollen paritätische Arbeitsnachweise ein- gerichtet werden, deren Benutzung für beide Parteien obligato- risch ist. Die Forderung: das Fernbleiben von der Arbeit am l. Mai haben die Meister in der Kommission zurückgezogen. In bezug auf diejenigen Punkte, über welche eine Einigung in der Kommission nicht erzielt werden konnte, fällten die Unpartei- ischcn einen Schiedsspruch. Die wesentlichsten Bestimmungen desselben sind folgende: Nach den Forderungen der Arbeitgeber sollte der volle Tariflohn nur an Vollarbeiter über 21 Jahre gezahlt werden und der Lohn für jüngere Arbeiter der freien Vereinbarung unterliegen. Die Un- parteiischen halten diese Forderung nicht für begründet, weil sich die Verhältnisse im Malergewerbe seit der im vorigen Jahre ge- troffenen Vereinbarung des Normaltarifs nicht geändert haben. Deshalb hält sich der Schiedsspruch an die Fassung des Normal- tarifs, der verschiedene Lohnsätze für Arbeiter über 26 Jahre und solche unter 20 Jahren festsetzt. Auch darin folgt der Schiedsspruch dem Normaltarif, daß einem Gehilfen, der keine angemessene Gegenleistung bietet, der Lohn bis zu 16 Proz. gekürzt werden darf.— Die Zuschläge für Ueberstunden-, Nacht- und Sonntags- arbeit setzt der Schiedsspruch ebenfalls entsprechend den Be- stimmungen des Normaltarifs fest. Danach sind Ueberstunden mit 25 Proz., Nachtarbeit bei Wechselschichten mit 16 Proz., Nachtarbeit, die mit der Tagesarbeit zusammenhängt mit 56 Proz., Sonntags- arbeit ebenfalls mit 56 Proz. Zuschlag zu vergüten. Auch Hinsicht- lich der Vergütung von Fahrgeld folgt der Schiedsspruch im wesent- lichen dem Normaltarif, wonach der Mehraufwand, den der Ar- beiter tatsächlich zu leisten hat, ihm erstattet werden muß. Einig sind die Parteien darüber, daß die Einstellung von Ar- bcitern nicht abhängig gemacht werden darf von ihrer Zugehörigkeit zu einer Organisation. Außerdem forderten die Arbeiter unter Hinweis auf den bekannten Hamburger Fall, daß die Einstellung auch nicht von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kranken- lasse gefordert werden darf.— Der Schiedsspruch sagt, daß dies? Forderung der Arbeiter nicht im Tarif aufzunehmen ist, weil der Arbeitgeberverband nicht die Möglichkeit hat, auf die Jnnungs- Mitglieder einzuwirken, welche, wie im Hamburger Fall, gehalten sind, nur Mitglieder der Jnnungslranlenkasse in Arbeit zu nehmen. Ferner sagt der Schiedsspruch, daß in einem Orte, wo den organisierten Meistern nach Maßgabe der gesamten Verhältnisse lwcnn viele unorganisierte Arbeitgeber den Tarif nicht l>alten usw.) die Einhaltung des Tarifs billigerweise nicht zugemutet werden kann, derselbe durch das Tarisamt zeitweise außer Kraft gesetzt werden kann.— Dem weitergehenden Verlangen der Meister, daß der Tarif auch dann außer Kraft gesetzt werden kann, wenn staat- liche und städtische Betriebe, Brauereien, Hotels, Fabriken Maler und Anstreicher unter dem Tarif beschäftigen, hat der Schiedsspruch keine Folge gegeben. Ein weiterer Differenzpunkt war der Ablauftermin des Bertrages. Die Meister wollten den 31. Dezember 1912, die Arbeiter den 31. März 1913 als.Ablaufszeit festgesetzt wissen. Der Schiedsspruch bestimmt den 15. Februar 1913. Durch die vorstehenden Vereinbarungen und Schieidsentschei.de sind die Grundbedingungen eines für das ganze Reichsgebiet geltenden Tarifvertrages geschaffen. Ueber die Lohnsätze und die Arbeitszeit, welche in den verschiedenen Orten Geltung haben sollen, ist noch nicht verhandelt. Die Meister wollten sogleich auch über diese Angelegenheiten in Verhandlung treten. Sie bemerkten in der Kommission, daß eine Aufbesserung der Löhne und eine Ber- kürzung der Arbeitszeit wünschenswert, die Lage des Gewerbes zurzeit aber nicht derart sei, daß diese Forderungen der Gehilfen erfüllt werden könnten. Die Vertreter der Arbeitnehmer erklärten, sie hätten keine Vollmacht, sogleich über Lohnhöhe und Arbeitszeit zu verhandeln- sie mühten erst ihre Mitglieder befragen. Bor Ende Dezember werde die Meinung der Mitgliedschaften nicht vorliegen. Die Parteien einigten sich dahin, daß die bestehenden Verträge bi» 15. Januar verlängert und die Beratungen über Löhne und Arbeitszeit bis dahin vertagt werden. LerUn und Umgegend. Die Parkettbodenleger Berlins haben eine erfolgreiche Lohn- bewegung hinter sich. Der im Jahre 1964 abgeschlossene Tarif wurde während der Krise von den meisten Arbeitgebern nicht mehr eingehalten. Die Löhne waren erheblich zurückgegangen. Verantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.: so daß die Arbeiter den geschäftichen Aufschwung benützten, um die alte Position wieder zu erringen. Die Lohnbewegung wurde im Oktober wieder eingeleitet und kam es in sechs Geschäften mit 83 Arbeitern zum Streik, während bei den übrigen Firmen eine gütliche Verständigung möglich war. Dem Verein„Berliner Parkettgeschäfte" gehören 12 Firmen mit rund 266 Arbeitern� an, während insgesamt 356 Parkettbodenleger in Berlin beschäftigt werden. Anfang November fanden Einigungsverhandlungen unter Vorsitz des Magistratsrats v. Schulz statt. Dort wurde ein Vertrag bis 11. April 1911 abgeschlossen. Die Mindesttaxe wird sofort auf 86 Pf. erhöht sbisher 76 Pf. im Durchschnitt). Ab 1. April 1916 erhöht sich die Mindcsttaxe auf 96 Pf. Die ein- zelnen Akkordpositionen sind durch Tarif geregelt. Neben dem Verein„Berliner Parkettgeschäfte" sind eine Reihe weiterer Firmen dem Vertrage beigetreten. Auch die Firmen Hetzer- Weimar und Norddeutsche Parkettbodenfabrik-Hannover haben den Vertrag für ihre Berliner Arbeiten anerkannt. Erwähnt sei noch, daß die Berliner Parkettleger seit Jahren den Achtstundentag durchgeführt haben._ Achtung, Bäcker-Vertrauensleute! Die Wahl zum Geiellenausschuß der Innung„Germania" findet nicht am heutige» Dienstag, sondern am Dienstag, den 23. November, statt. In der Notiz der Soniitagsnummer unseres Blattes ist dies Datum infolge eines Mißverständnisses nicht angegeben. Veutkckes Keicb. Zum KoalitionSkamps der Gärtner in Quedlinburg erwidert der„Gewerkverein" auf den Artikel des„Vorwärts". Tie mit- geteilten Tatsachen werden mit keinem Worte widerlegt oder über- Haupt erwähnt. Es wird damit bestätigt, daß die Hirsche, um sieb- zehn ausgesperrte und streikende Gärtner einige Wochen unter- stützen zu können, nicht nur den Bettelsack in ihrer Gesamtorgani- sation seit Anbeginn des Konflikts schwingen, sondern auch noch das Quedlinburger Bürgertum zu einer Kinematographen-Wohl- tätigkeitsvorstellung heranholen müssen, um hier einige Pfennige herauszuschlagen. Hierfür gibt es nur zwei Gründe: Entweder sind die Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften finanziell auf dem Hund, oder sie gebrauchen den Koalitions kämpf der Gärtner als Vorwand zu Sammlungen, um damit ein Geschäft zu machen. Statt sich nun mit diesen Tatsachen zu befassen, die man nicht hinweg— leugnen kann, versucht man, die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken, und zwar mit Unwahrheiten. Wir stellen hiermit fest: 1. Es ist nicht wahr, daß der„Allgemeine deutsche Gärtnerverein" jemals in Quedlinburg einen Koalitions- kämpf geführt hat. daß also auch von 166 Mitglieder 99 nicht in der ersten Nacht abgefallen sind.(Ter Allgemeine deutsche Gärtner- verein hat noch niemals 166 Mitglieder in Quedlinburg gehabt.) 2. Es ist nicht wahr, daß der Gärtner Sitte(Mitglied des Allgemeinen deutschen Gärtnervereins) Streikbrecher werden wollte. 3. Es ist nicht wahr, daß das Mitglied vom Allgemeinen deutschen Gärtnerverein Biskaborn Streikbrecher geworden ist. Tat- fache ist, daß der Streik von den Hirschen am 26. Oktober als beendet erklärt worden ist. Am 19. Oktober hatten die Hirsch- Dunckerschen eine Versammlung; zu dieser wurde der örtliche Ver- trauensmann wie auch der Zentralvorsitzende des Allgemeinen deutschen Gärtnervereins nicht zugelassen. Das Mitglied B i p k a- b o r n, das sich schon in der Versammlung befand, wurde hinaus- gewiesen. Niemand wußte, was die Leute wollten und beschlossen. Am 26. Oktober ivar Goldschmidt in Quedlinburg und am 21. Oktober erklärten die Mitglieder der Hirsche: Der Streik ist gestern aufgehoben worden.— Das war auch das einzig richtige, denn ein Kampf, der von 17 Personen geführt wird und bei dem 566 in Frage kommen, ist kein Streik und würde von jedem ver- nünftigen Gewerkschaftler am ersten Tage als beendet erklärt werden.— Am 23. Oktober nahm das Mitglied Biskaborn Arbeit an, ist aber niemals Streikbrecher geworden. Aber das ist die bewährte Taktik: Haltet den Dieb! Die Hirsche hatten vor Beginn des 5iampfes 156 Gärtner als Mitglieder in Quedlinburg, von diesen beteiligten sich 17 an dem Kampfe! Es sind also alle übrigen Streikbrecher geworden. Das ist die Frucht der Hirsch- Dunckerschen Erziehung. Man gewann die Mitglieder nur, indem man sagte: Die Oucdlinburger Arbeitgeber gestatten die Hirsch- Dunckersche Organisation. Hierdurch sind keine Kämpfer erzogen worden. Die am Kampf beteiligten� Gärtner sind zu bedauern, unter einer solchen Führung zu stehen, die die ganze Blamage zu verdecken sucht, indem sie mit Unwahrheiten operiert. Hauptvorstand des Allgemeinen Deutschen GärtnervereinS. Zur Aussperrung der bergischcu Seidenbaudwirker. Zur Anbahnung einer Verständigung zwischen den Seidenband- fabrikanten und den ausgesperrten Gehilfen über die schwebende Lohnfrage fand am letzten Freitag auf Einladung des Bürgermeisters S t a a s- Ronsdorf, angeregt durch den BandwirkermeifterverbandS- Vorsitzenden Gutekunst und den Stadlverordiietei, Bitstein von Ronsdorf(Kreis Remscheid) im dortigen Rathansiaale eine Versammlung des Fabrikantenvorstandcs und der Gehilsentarifkommiision statt. Mit erschiene» waren die Gewerbeinspektore» von Barmen und Elberfeld. Nach vierstündiger Beratung über die EinigungS- Vorschläge wurde erfreulicherweise eine Einigung über verschiedene grundlegende Fragen dahin erzielt, daß die getroffenen Vereinbarungen sofort den beiderseitigen Generalversammlungen zur Genehmigung empfohlen werden sollen. Hoffen wir im Interesse der Beteiligten wie der Allgemeinheit, daß die Berhandlunge» recht bald zu einem befriedigenden Abschluß gelangeu. damit die Arbeit alsbald wieder aufgenommen werden kann. HuaUnd. Die Streikkosten der„Cntoi) de»«a«". Rom, 11. November.(Eig. Ber.) Die durch den Streik ihrer sämtlichen Arbeiter in Mailand, Genua und Umgegend, Alexandria und Modena betroffene Gasgesellschaft soll, wie der„Avanti" be- richtet, an Mehrausgaben und Gewinneinbuße täglich rund 166 666 Lire verlieren. Die Streikbrecher, die man in Mailand zum Anzünden der Laternen verwendete, wurden mit 25 Centefimi pro Stunde bezahlt, und trotzdem haben sie etwa ein Drittel der Laternen durch ungeschickte Handhabung beschädigt. In Genua hat die Gesellschaft ihr gesamtes Personal entlassen und erklärt, nur die einzustellen, die bedingungslos ein neues Arbeitsreglement unterschreiben. In Modena hat der Bürgermeister sich eines Besseren besonnen und die Feuerwehrleute zurückgezogen, so daß die Gesellsckjaft jetzt selbst für das Anzünden sorgen muß. Bis heute belaufen sich die in Modena verhängten Geldstrafen wegen schlechter Beleuchtung auf 12 666 Lire. Die Gesellschaft hatte ge- hofft, daß man ihr die Verwendung von Streikbrechern im Jnter- esse der öffentlichen Ordnung verwehren würde. In diesem Falle hätte sie einmal die Unkasten für das unfähige Personal gespart, und dann hätte sie auch den Streik als höhere Gewalt ausgeben und sich so von den Strafgeldern befreien können. Ein Generalstreik des amerikanischen Arbeiterbundes? Der amerikanische Arbeiierbund hat nach einer Meldung der „Frankfurter Zeitung" aus Philadelphia die Arbeiter des ganzen Landes zum Generalstreik aufgefordert, falls Gompers gezwungen werden sollte, die ihm auferlegte einjährige Gefäiignisstrase abzu- büßen. Der Grvbenarbeiterstreik in Australien. In einer Konferenz der Grubenarbeiter und anderer GeWerk- sdiasten wurde einstimmig beschlossen, unter Anwendung aller legitime» Mittel eine offene Konferenz der Grubenbesitzer nnd Grubenarbeiter herbeizuführen. Sollte dies keinen Erfolg haben, so wollen die Ge- werkschaften die Regierung auffordern, den Betrieb der Bergwerke selbst in die Hand zu nehmen. Alle Gewerkschaften haben Bor- bereitungen getroffen, um, wenn nötig, in den Ausstand zu treten. Th.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstal» Huf zur Stichwal))! DaS war die Mahnung, die gestern abend an die Wähler deS 12. Landtagswahlbezirks gerichtet wurde. Wie seither alle Wähler- Versammlungen in diesem heißumstrittenen Wahlbezirk, so war auch die Versammlung, welche unsere Parteigenossen gestern abend nach der Patzenhofer Brauerei in Moabit einberufen hatten, über- füllt. Ein Zeichen der jwmpfesfreude, von der die Genossen des 12. Landtagswahlbezirks beseelt sind, ein Vetoeis für den festen Willen, mit aller Energie für die Wiedergewinnung des uns so schändlich geraubten Mandats zu arbeiten, war nicht nur der starke Versammlungsbesuch, sondern auch der zuversichtliche Geist, welcher die Versammelten beseelte. Die kampfesfrohe Gesinnung, welche die Anwesenden erfüllte, kam auch zum Ausdruck in den Reden der Genossen Ledebour und Karl Liebknecht. Während der erstere im allgemeinen die preußische Junkerreaktion kennzeichnete, wandte sich der letztere'im besonderen an die Wähler, die sich heute an der Stichwahl zu be- teiligen haben und legte ihnen nahe, daß es eine Ehrenpflicht der Partei ist, zu den drei bereits wiedergewonnene» Mandaten auch das vierte zurückzuerobern, das einzige, auf das sich die Gegner überhaupt Hoffnungen gemacht haben. Ein polnischer Genosse richtete in der Diskussion an die an» wesenden Polen ermunternde Worte in deren Muttersprache. Eine Genossin forderte die Frauen zur Beteiligung an den Wahlarbeiten auf und ein dritter Redner kennzeichnete in beredten Worten die jämmerliche Rückgratlosigkeit des Freisinns. Zum Schluß erhielt unser Kandidat Adolf Hoffmanu das Wort. In wirkungsvoller Rede führte er den Zuhörern vor Augen, welche Bedeutung der Wahlkampf gerade im 12. Wahlbezirk hat. So muß der Kampf geführt werden, daß die Hoffnungen der Gegner für alle Zeiten zuschanden werden. Eine Niederlage müssen wir ihnen bereiten, so vernichtend, daß sie nicht mehr wagen, mit uns den Kampf aufzunehmen. Durch lebhaften Beifall gaben die Versammlungsbesucher zu erkennen, daß sie sich der Bedeutung des Wahlkampfcs im 12. Bezirk voll bewußt sind und daß sie ihre ganze Kraft daran setzen werden, um den Genossen Adolf Hoffmann zum Schrecken der Reaktionäre aller Schattierungen wieder in den preußischen Landtag zu senden. 6o2iales. Getverbesicuer für Rechtsanwälte. Die AmtSgerichtSanwälte im Großherzogtum Hessen haben nach der„FrankfuMr Zeitung" eine Eingabe an die hessischen Landstände gerichtet, in der sie sich, gegen den Vorschlag, die An- wälte einer Gewerbesteuer zu unterwerfen, wenden. Die Tätigkeit der Anwaltschaft ist nach dem Gesetz kein Gewerbe, sondern ein öffentliches Amt. Ter Anwalt ist ebenso wie der Richter und der Staatsanwalt Organ der Rechtspflege. Der Anwaltschaft sind durch das Gesetz Fesseln angelegt, wie sie keinem Gewerbe zu- gemutet sind. Ueberdies ist der Anwaltschaft eine recht erhebliche Kvstenlast durch das Armenrecht auferlegt. Der einer Armen- Partei beigeordnete Rechtsanwalt erhält für seine Tätigkeit weder vom Staat noch von der Gemeinde Ersatz. Er arbeitet umsonst und hat außerdem noch die Auslagen aus eigener Tasche zu leisten. In der hessischen Statistik wird festgestellt, daß die Hessische Anwaltschaft in Armenrechtssachen jahrlich eine Tätigkeit aus» wendet, für die nach der Gebührenordnung etwa 156 666 M. zu zahlen wären, wenn die Prozesse keine Armenrechtssachen beträfen. Rund 26 666 M. wendet nach derselben Statistik die hessische Rechtsanwaltschaft durch Verausgabung von baren Auslagen in Armenrechtsprozessen auf. Aus der im hessischen Ministerium der Finanzen über die Berufseinkommrn der Rechtsanwälte angefertig» ten Statistik ergibt sich folgendes Bild: Von 212 Rechtsanwälten hatten ein Einkommen von Hierbei ist noch zu beachten, daß 26 Rechtsanwälte zugleich Notare sind, und daß das Einkommen aus dem Notariat in diesen Zahlen mitenthalten ist., Ganz von den Einkommensverhältnissen der Anwälte ab- gesehen, wird man zugeben müssen, daß eine landcsrechtliche Ge- Werbesteuer für Rechtsanwälte nach dem Reichsgesetz ebenso unzu- lässig ist, wie etwa eine Gewerbesteuer für Richter, Beamte usw. Die Gewerbesteuer ist überhaupt eine unbillige Steuer. Sie be- lastet den Fleiß, während sie den Besitz dessen, der von seinen Zinsen lebt, steuerfrei läßt. Eine gereckte Steuer bleibt allein eine stufenweise Einkommen- und Vermögenssteuer. Bei dieser Steuer würde auf die Art des Erwerbes Ziücksicht zu nehmen sein, insbesondere also die Einkommen und Vermögen, die mühelos er» warben werden, stärker als andere zu treffen sein. Zu dieser Gattung von Vermögen gehört in erster Reihe das durch Erbschaft erworbene Bermägcu. Die Stenerscheu der Konservativen, des Zentrums und der Nationalliberalen richtet sich gleichmäßig gegen eine die höheren Einkommen und Vermögen progressiv belastende gerechte Einkomme, w und Vermögenssteuer.> Letzte JVachnchtcn und DepcFchen. Verkehrsstörungen durch Nebel. Hamburg, 15. November.(W. T. B.) Seit dem frühen Morgen erschwert starker Nebel den Verkehr. Nachdem über Mit- tag der Nebel sich weniger hindernd bemerkbar gemacht hatte, nahm er nachmittags eine große Dichte an. Die Schiffahrt ist völlig brachgelegt, der Straßen- und Borortbahnverkehr ist sehr ver- langsamt._ Aus der französischen Teputiertenkammer. Paris, 15. November.(W. T. 58.) In der heutigen Sitzung interpellierte Weber(Sozialist) den Kriegsminister wegen des Todes eines Soldaten in Afrika, der infolge schlechter Behandlung gestorben sein soll. Der Kriegsminister antlvortete, der Tod des betreffenden Soldaten sei infolge einer Kvngeftion eingetreten. Er wache stets darüber, daß bei den afrikanischen Truppen keine Miß- Handlungen vorkämen. Das Haus nahm mit 431 gegen 133 Stim- men die einfache Tagesordnung an und ging dann zur Budget- debatte über._ Schiffskatastrophe. Libau, 16. November.(W. T. B.) Der Minenkreuzer„Zabai- kalez", der, um sich vor dem Sturme zu schützen, im Vorhavcn vor Anker gegangen war, wurde durch die Gewalt des Sturmes loS- gerissen und an das Ufer geworfen. Von zwei ihm zu Hilfe ge. sandten Bugsierdavipfcrn strandete der eine. Der„Zabaikalez'* liegt am nördlichen Hafendamm auf Steinen, der Bugsierdampfcv auf einer Sandbank._ Paul Singer Lc Co., Berlin L W. Hierzu 3 Beilage««.Unterhaltung»»!, |t.2G8. 26. Jahrgang. 1. KnlU des, Amiirls" Kttlimr AlksdlM Wt>ist«>S,lk>NWtZ>bttlM. Arn Vorabend! Tas„Correspondenzblatt der Generalkommission der Ge- sverkschaften Deutschlands" enthält über die brennende Frage des Zwangsarbeitsnachweises einen trefflichen Artikel, den wir mit einigen unwesentlichen Kürzungen in folgendem wiedergeben: Im Ruhrrevier bereiten sich Dinge vor. die unS an den Vorabend großer Ereignisse stellen. Ter Beschluß des Verbandes der Zechenbesitzer, den Bergarbeitern unparitätische Är- beitsnachweise aufzuzwingen, hat eine Erregung in den Arbcitermassen ausgelöst, die noch weit bedenklicher stimmen muh, als die Erbitterung am Ende des Jahres 1904, am Vorabend des Riescnkampfes. Was noch vor wenigen Wochen unmöglich schien, die Bergarbeiter aller Gruppen zu gemeinsamem Vorgehen zu einigen, ist plötzlich zur Tatsache geworden. Selbst der Un- willen über den Steuerranbzug hat nicht vermocht, diese Zwistig- teiten zwischen den Bergarbeiterorganisationen zum Schweigen zu bringen, sondern ließ eher das Gegenteil befürchten. Und nun ist das Unmögliche binnen wenigen Tagen spielend gelungen. Dieses Unerwartete charakterisiert aber zugleich den ganzen E r n st d e r S i t u.a t i o n im Ruhrrevier. Es wäre übel angebrachte Selbsttäuschung, über diese Anzeichen drohender Wetter im Ruhr- lohlenbergbau niit gewohnter Leichtfertigkeit Hinwegzuseben. Was dort rollt und grollt, das kann sich binnen wenigen Wochen als eines der folgenschwersten Ereignisse entladen, die Deutschland je gesehen hat. Es liegt also Gefahr im Verzuge. Das Vorgehen der Grubenbesitzer gegen die Arbeiter war langer Hand vorbereitet. Schon 1905 auf der Generalversamm- lung des Vereins für Sozialpolitik erklärte es Herr Kirdorf , für eine Notwendigkeit, daß der Bergbauliche Verein sich zu einem geschlossenen Arbeitgeberverband zusanunentue und den Arbeits- Nachweis selbst in die Hand nehme. Bereits damals kündigte der .Bergknappe", das Organ des christlichen Gewerkvereins, den Grubenherren an, wenn sie den Arbeitsnachweis zur Sache des Arbeitgebcrverbandes machen und die Arbeiter als willenlose Ar- beitStiere behandeln würden, dann werde der Friede in der Kohlenindustrie aufs ärgste gefährdet werden. Wie Herr Kirdorf es voraussagte, so hat es sich prompt Ir- füllt. Aus dem Bcrgbaulicken Verein ging der Zechenverband hervor, der allerdings zunächst, ehe er die Hand auf den Arbeits- Nachweis legte, den damit erstrebten Zweck der Ausschließung„un- erwünschter Elemente" auf andere Weise, durch Herausgabe schwarzer L i st e n, zu erreichen suchte. Der Entrüstungs- stürm der gesamten öffentlichen Meinung war stark genug, um dieses vom Standpunkt der„guten Sitten" unhaltbare System zu beseitigen. Der Zechenverband ließ die schwarzen Listen fallen, »m sie durch das scheinbar humanere, in Wirklichkeit aber viel gefährlichere System des Maßregelungsbureaus zu ersetzen. Der Arbeitsnachweis soll angeblich ein Wohlfahrtsinstitut werden, soll einen Ausgleich des Arbeitsbedarfs und Arbeitsüberschusscs her- beikühren, soll dem planlosen Anwerben von Arbeitskräften im Inland vorbeugen und dem Umschauwesen steuern. Das klingt edel und gut, ist aber den Grubenherren sehr nebensächlich. Für sie handelt es sich in der Hauptsache um die Bestrafung„k o n- traktbrüchiger Arbeiter" und um die F e r n h a l t u n g „m ißliebiger Elemente", wie dies das Leitmotiv für alle ähnlichen Unternehiner-Arbeitsnachweisburcaus bildet. Die Ar- beitsnachweise der Metallindustriellenverbände sind Maßrege- lungsbureaus ohne das schamhafte Feigenblatt der Arbeits- vcrmittelung,— Kontrollbureaus, die mit Hilfe eines umfang- reichen Personalkartensystems den Industriellen Aufschluß geben, oo gegen einen sich zur Arbeit Meldenden irgend etwas vorliegt. Sie vermitteln dem Arbeitslosen nicht Arbeit, sondern erteilen oder verweigern lediglich die Erlaubnis, eine durch Ver- mittelung, Umschau oder sonstwie gefundene Arbeitsstellung an- zutreten. Sie haben sich dadurch bei den Arbeitern derart ver- haßt gemacht, daß es außerordentlicher Sicherheitsmaßnahmen und teilweise polizeilichen Schutzes bedarf, um Ausbrüche der Er- bitterung in Schranken zu halten. Anstatt versöhnend zu wirken. reizen sie die Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten auf. Es wäre den Mctallindustriellen kaum gelungen, diese Kon- trollbureaus den Arbeitern aufzuzwingen, wenn sie nicht zu deren Einrichtung die Zeiten der Arbeitslosigkeit ausgewählt hätten. Die„Kölnische Zeitung" verriet dieses Rezept vor einigen Wochen in der offenherzigsten Weise; sie meinte, der Arbeitsnachweis ivürde am besten in der Niedergangsperiode eingerichtet, während der sich die Lohnarbeiter an seine Benutzung am leichtesten gewöhnen. Auch jetzt haben die Bergherren den Moment gut ge- Kleines Feuilleton. Theater. Neues Schauspielhaus. Der lateinische Esel, Komödie von W a l t e r H a r l a n. DaS Stück sollte wohl eine Sckiülerkomödie werden, die sich der Tendenz nach gegen die ver- zupfte Dressur des heutigen Gymnasialunterrichts. die lächerliche llcberschätzung der hier fabrizierten sogenannten humanistischen Bildung und die Verblendung zahlungsfähiger Väter richtet, deren eigeiisiiuiiger Ehrgeiz sich daraus kapriziert, ihr Söbnchcn um jeden Preis die bohe Pforte des Abiliirienteiieramens passieren zu lassen. Aber nur die Karikatur der Absicht ist herauSgekoinmen. Wenn Harlans„Jahrmarkt von Pulsnitz" noch manchen hübschen Einkall enthielt, so herrscht hier von Anfang bis zu Ende gleichmäßine Dürre. Ein Meisterwerk war auch das Swiildramo ,.Trai»»iiliis" von Holz und Jerschke nicht, aber von dem Vorzug- lichen Porträt deS allen Direktors noch ganz abgesehen, wie viel Wahrbeit lag da in der Figur des jungen Schülers, den gekränktes Ehrgefühl in den Tod treibt, wie scharfe Beobachtung und deib- uamralistischer Humor in dem geheimen von Alkohol und Pathos begeisterten Prunanerkomment. Harlan läßt die Jungen nächt- liemweile lateiniiche Grammatiken verblcimen und als revolutionäre Tal eine Kayemnustt gegen den Klassenlehrer verabreden, ohne dow der Siiuation irgend einen Zug charakteristischer Komik abgewinnen zu können. Eines der Bürschchen,. obendrein ein ganz bmidiester, ein küustigcr Seemann, rede! dem werten Publikum und einer aufgeklärte» Tante im weiteren Verlauf der„Handlung" vor. er woüe, damit die Katzenmusik nicht wirkung-tvoll verpuffe, Giit nehmen und in seinem Testament vor aller Welt den Lehrer als Urheber seines Todes anklagen. Nur der List der Tante, die die bewußte Flasche natürlich mit einem anderen Inhalt füllt. ist es zu verdanken, baß die Geschichte am Ende nicht gar noch nlS Tragödie ausgeht. Es versteht sich, daß sie außerdem die Schulmeister ordentlich abtrumpft. Auch die achtzehnjährige Schwester des Helden bedarf der Taute zur Rettung; ohne deren Eingreifen hätte sie nänilich den verlobungSantrag des bösen Lehrers angeuommen. um heroisch entsagend dem Bruder eine Er- leichternng des AbituriumS durch eine derartige Verwandtichasis- konnexio» zu verschaffen. So sehen die jungen Leute in dieser Komödie aus. Das Publikum applaudierte. dt. Musik. Die Aufführung des Oratoriums„Belsazar' von G. F. Händel durch den Berliner Volks-Ehor am Sonnabend erinnerte uns an das, was wir über die Händelsche Musik bereits mehrmals angedeutet haben. ES ist minier wieder von hohem Jnleresse. in ihr sowohl das unvergängliche Zeitlose wie auch das vergängliche Zeitliche zu beobachten. Wohl für imnier ist von Wert und von Würde die große Kunst, mit wenigen einfachen Strichen eine■ wählt, um die durch Uneinigkeit zersplitterte und durch die Krisis und Lebensmittelverteuerung schwer bedrückte Knappeuschaft mit dieser Geißel zu beglücken. Aber sie haben doch wohl den alten Bergmannstrotz unterschätzt, der sich gegen die Vergewaltigung aufbäumt und sich bis zum äußer st en wehren wird. Ein erbitterter, für Industrie, Arbeiter und Volkswirtschaft gleich unheilvoller Kamps wird die Folge des Vorgehens des Zechen- Verbandes sein, sofern eS nicht gelingt, die geplanten Maßnahmen rückgängig oder unschädlich zu machen. Angesichts dieser hochgespannten Situation richtet selbst die bürgerliche Presse dringende Mahnungen an die Regierung, die Arbcitsnachweisfrage durch gesetzliche Regelung dem .Kampfe der Parteien zu entziehen. Daß es soweit kommen konnte,— daß ein Riesenkampf auss neue Staat und Gesellschaft in ihren Fugen zu erschüttern droht, das ist ein Zeichen dafür, wie schwer die Regierung auf diesem Gebiete gesündigt hat. Teutschland ist das klassische Land der paritätischen Arbeits- vermittelung. Von hier aus brach sich dieses System gleich- berechtigten Gemeinwirkens seit Beginn der neunziger Jahre Bahn und trat seinen Siegeslauf durch die zivilisierte Welt an. Während jedoch andere Länder sich anschicken, den staatlichen Ar- beitsnachweis unter paritätischer Verwaltung durch gesetzliche Regelung zur konsequenten Entwickclung zu bringen(England, Un- garn, Frankreich), ist es in Deutschland im wesentlichen bei der fakultativen, kommunalen Regelung geblieben. Nur in Süd- dcutschland sind die öffentlichen Arbeitsnachweise zentralisiert und ihr Zwischenverkehr organisiert worden. In Mittel- und Nord- dcutschland dagegen bestehen in bunter Regellosigkeit Gemeinde- nachweise, gemeindlich subventionierte Vereinsnachweise und Fach- arbeitsnachweise von Unternehmern und Arbeitern nebeneinander. Nur ausnahmsweise sind die Facharbeitsnachweise paritätisch ver- waltet und den Gemeinde- oder Wohlfahrtsarbeitsnachweiscn an- gegliedert. Noch seltener besteht ein interlokaler Verkehr zwischen diesen Arbeitsnachweisen; nur an der Berichterstattung fiir das „Reicbs-Arbeitsblatt" sind sie beteiligt. Anbetrachts solcher Rück- ständigkeit mußte kommen, was längst zu erwarten war, daß Nationen, die ernsthaft an die Lösung des Arbcitslosigkeitsproblems herantreten, das deutsche Nrbeitsnachweiswcsen bald über- f l ü g e l t e n. So bleibt uns nur der Trost, daß die Idee des öffentlichen paritätischen Arbeitsnachweises deutschen Ursprungs ist, daß aber der deutschen Regierung die Kraft und Fähigkeit mangelte, diese gesunde Idee auf ge- setzlichem Wege zur vollen Entfaltung zu bringen. Dfls Haupthindernis jeder gesetzlichen Regelung und Organi- sation des Arbeitsnachweises sind die Unternehmerver- bände, die mit dem Arbeitsnachweis Mißbrauch treiben, ihn seinen wahren Aufgaben entfremden wollen. Anstatt Arbeitslohn Arbeit zu vermitteln, nützen sie ihn aus zur Kontrolle der Arbeit- suchenden und derjenigen, die aus andere Weih Arbeit gefunden haben. Ihre Arbeitsnachweise haben den Zweck, unerwünschte Arbeiter wieder außer Arbeit zu bringen. Es ist eine Klilturschmach für das Deutsche Reich, daß dessen Regierung auf solche widersinnige Institutionen industrieller Gewalthaber Rücksicht nimmt und ihnen zuliebe der gesetzlichen Organisation des öffent- lichen Arbeitsnachweises aus dem Wege geht. Die deutschen G e- werkschaften, die sicherlich einen weit legaleren Anspruch auf den Arbeitsnachweis haben als das Unternehmertum, haben schon vor 10 Jahren ihren Widerspruch gegen öffentliche, paritätische Ar- beitsnachweise aufgegeben und der gesetzlichen Regelung dieser Materie zugestimmt(vergl. die Resolution des Frankfurter Gewerk- schaftskongresses 1809), und noch vor Jahresfrist haben sie die For- derung der einheitlichen Regelung des ArbcitSnachlveiscs durch RcichSgesetz erneuert(vergl. die Resolution deS Hamburger Gewerk- schaftskongresses 1908 über„gewerbsmäßige Stellenvermittelung"). Sie stehen also der zeitgemäßen Entwickclung des Arbeitsnach- weises durchaus nicht im Wege,— im Gegenteil, sie fordern diese und die Bergarbeiter aller Richtungen haben diese Forde- rung in ihren Eingaben an das Kgl. Oberbergamt Dortmund und an den preußischen Handclsminister zu der ihrigen gemacht. In Wirklichkeit entspricht der Anspruch der Gewerkschaften auf den Arbeitsnachweis lediglich dem iirollcn ökonomischen Grund- satz, daß der Verkäufer einer Ware die Einrichtungen zur Geltend- machung des Angebots schafft und den Preis der Ware bestimmt, der natürlich im übrigen durch die Marktverhältnisse beeinflußt wird. Dieser Grundsatz gilt noch heute auf allen Gebieten des Warenmarktes als völlig selbstverständlich. Nur dort, wo es galt, wirtschaftlich Schwächere in ökonomische Abhängigkeit zu bringen und ihnen in dieser Lage die Preise zu diktieren, wurde er vereinzelt durchbrochen. Deshalb ist die Arbcitsnachwcisfrage heute große Anschaulickikeit zu erreichen. Ueber da? zeitlich Beschränkte führt allerdings vor allem eine etwas rücksichtslose Bearbeitung hinaus. Ohne sie kommen wir scbon auS äußerlichen Geiinden nicht über alte Uebel hinweg. Auch der Leiter des Volkschors, Dr. E. Zander, hat das Seinige dazu beigetragen und hat das genannte Oratorium durch starke Striche und kühne Umstellungen zugänglicher gemacht. Der alten Chryianderichen Weise einer schlichten Orchestrierung huldigt auch er; die Frage nacv der entgegengesetzten Möglichkeit: nach einer sehr reichen Ausgestaltung im gegenwärtigen Sinne, bleibt allerdings immer noch offen. Bei unserem VolkSchor kommt nun auch noch eine Dürftigkeit der vorhandenen Orchester- und Chormittel, namentlich in dem übergroßen Saale der„Neuen Well" in Betracht. Innerhalb dieses gegebenen Nahmens aber wurde wieder einmal gezeigt, was alles durch kiiiistleniche Hingabe geleistet werden kann. Voran die Solisten. Die zwei Damen und zwei Herren, die die verschiedenen Einzelpartien de« Oratoriums saugen, besipen inSgesainl üppig volle Stimmen und stellten sie so lebhaft in den Dienst der künstlerischen Aussprache, daß manchmal beinahe die Festigkeil des Toiies darunter litt. In der Bearbeitung hat Dr. Zander auch die deutsche Ueber- seimig des englischen OiiginaltexreS von GerviuuS mehrfach im einzelne» geändert. Man vernutzt hier eine Angabe der Richtung, in der die Aenderung geschehen oder wenigstens beabsichtigt ist. Läßt sich mit Abschlcifungen kantigerer Fonnen immer nochsrechnen, so möchte man doch fragen, warum der Bearbeiter die richtige Vermeidung eines Nebensatzes in den Worten:„Tief trägt mein Geist den Eindruck noch; er kann nicht trüglich sein", durch die abschwächende Sub- ordination ersetzt:„Tief hegt mein Geist den Eindruck noch, den nimmer ich vergesse". Oder wenn GerviuuS so schlagkräftig sprechen macht: „Laßt froh das Herz im Glanz des frohen Auges sehiil"— warum heißt es jetzt statt dessen:»Laßt jedes Aug' im frohen Glänze heut' mich seh'» I"? Das alles reicht allerdings nicht an die Wichtigkeit der Hoffnung heran, daß all dem Reichhaltigen, das der Berliner Volkschor bisher geleistet hat, nun auch ebenso Reichhaltiges von sicherer Seite entgegen koinme. Man vergesse nicht, daß der VolkSchor in seinem füuijährige» Bestehen ganz aus sich« selbst herausc�wachsen ist. während sonst künstlerische Leistungen von höherer und zrisammeii- gesetzterer Art wohl nur auf dem Grunde von sogenannten Stiftungen oder Subventionen gedeihen können. So wenig etwa gar an Wohl- tätigkeit appelliert werden soll: so sehr darf doch daran appelliert werden, daß neue Tatkraft der Mitarbeit mit der alten Tatkraft sich zu noch Reicherem vereinige. ez. Alte deutsche Lieder und Balladen sang am Sonn- tag im Klindlvorth-Scharwenka-Saal Robert K o t h e zur Laute. Den Liedern, die den vier letzten Jahrhimdertcn entstammten, waren ihre alten Singweisen zugrunde gelegt. Schwä- bischeS, Fränkisches und Niedersächsisches gelangte zum Vortrag: ernst und neckisch und derb dem Inhalt nach. Ein starker Beifall folgte jedem Liebe; am besten gefiel jedoch das fränkische Volkslied im wesentlichen eine wirtschaftliche Machtfrage, während das Recht unzweifelhaft dem Verkäufer der Ware Arbeitskraft den Besitz des Arbeitsnachweises zuerkennen muß. Weil es sich aber um eine Machtfrage handelt, deshalb beurteilt man sie in Gewerk» schastskreiscn durchaus kühl und trägt kein Bedenken, den Arbeits- Nachweis der Macht des Unternehmertums zu entziehen und ihn unter Garantie der Selbstverwaltung der beteiligten Faktoren dem Staate anzuvertrauen. Die Vorgänge im Ruhrrevier sind ein neuer Beweis dafür. daß das Unternehmertum mit den Zechcnnachwciscn lediglich be- zweckt, einen neuen, unerhörten Druck auf die Arbeiter auszuüben. Sollte dieses Warnungssignal für die Regierung noch nicht ge- nügen? Soll es wirklich erst zu einem erbitterten Riesen« kämpfe kommen, der von den schlimmsten Rück- Wirkungen auf das wirtschaftliche, soziale und öffentliche Leben begleitet wäre? Soll die Industrie, die kaum eben die Krisis überwunden hat und sich nur langsam erholt, aufs neue durch Kohlen man gel lahmgelegt, sollen Hunderttausende von Arbeitern mit neuer Arbeitslosigkeit bedroht werden, bloß weil es den Herren der Kohlenschätze gefällt, die Bergarbeiter aufs schwerste zu provozieren? Und soll zur allgemeinen Verteuerung der Nahrungsmittel auch noch die Ver- teuerung der Heizmittcl bis zur Unerschwinglichkeit kommen, um den Unwillen weiter Volkskreisc bis zur Siedehitze zu steigern? Zweifellos würde ein Riesenkampf im Ruhr gebiet um den Arbeitsnachweis ein ebenso hartnäckiger wie lang- wieriger werden, in dem die ganze Arbeiterschaft Deutsch» lands ohne Unterschied der Organ isationsrich« tung auf feiten der angegriffenen Bergleute stehen würde. � Und nicht bloß die Arbeiter, sondern auch große Schichten des Bürgertums, die heute schon den Arbeitsnachweis in Unternchmerhändcn als die verhängnisvollste Lösung dieses Problems erkannt haben. Schon haben sich die Steigervereine aus die Seite der Arbeiter gestellt und die großen Verbände der Privatangestellten würden dem Kampfe kaum müßig zuschauen können, denn es ist auch ihre Sache, um die der Streit entbrannt ist. Sie alle würden bald die harte Faust des Kapitals ganz anders zu fühlen be- kommen, wenn ihnen der Arbeitsnachweis der Jndustricherren die Anstellungsbedingungcn diktiert. Aber ebenso zweifellos müßte ein solcher Kampf, welches auch sein Ausgang wäre, die Regierung zwingen, den Arbeiisnachtveis ein für allemal solchem Miß- brauch zu entziehen und ihn mißcrhalb der Kämpfe zu stellen, denn sie könnte die Verantwortung für weitere Kämpfe dieser Art nicht übernehmen. Und eben, weil dieses Resultat vorauszusehen ist, weshalb es denn erst zu einem solchen unheilvollen Kampfe kommen lassen? Eckym die Nähe des Abgrundes zeigt uns, daß das Problem der gesetzlichen Regelung gereift ist. daß ein rasches Handeln nottut. Um so mehr mutz es beftemdcn und Befürchtungen erwecken, daß der preußische Handels mini st er die Eingabe der Bergarbeiterverbände unbeantwortet läßt und daß auch der n e u e Reichskanzler sich gegenüber dieser bedrohlichen Situation in geflissentliches Schweigen hüllt. Sollten die Leiter der Reichsregierung so völlig im einseitigsten Interesse der Grubcnherren besangen fein, daß sie weder Auge und Ohr, noch Zeit für 300 000 Bergleute haben, die sich in einen Verzweiflungs- kämpf stürzen müssen, tvenn keine höhere Macht den Unternehmern in den Arm fällt? Sollte die Verantwortung für die Folgen eines Ricsenkampfes so wenig in die Wagschale fallen gegenüber der Un- gnade einiger Kohlenmaqnatcn wie Thyssen, Stinnes und Kon- sortcn? Oder glaubt die Regierung auch dort mittels Ma- schinengewehre die soziale Frage leichter und rascher lösen zu können? Sie würde in diesem Falle schlecht beraten sein, denn aus solcher Saat kann niemals ein ge- deihlicbcr Friede entstehen. Alle Sozialdenkcnden fordern vereint mit der Arbeiberschaft eine öffentliche Organisation des Arbeitsnachweises unter Garantien, daß dieser den einseitigen Zwecken einer Partei entzogen bleibt. Nur diese Lösung allein kann den Kampf, der täglich ausbrechen kann, verhindern. Aber die Negierung mutz rasch handeln und ihren Willen nach dieser Richtung bekunden, denn vor einer Pulverkammer, unter der die Lunte liegt, erwägt man nicht lange, sondern reißt mit raschem Griff den Wahn- witzigen Unternehmern die Lunte aus der Hand,— wenn nicht geheimes Einverständnis mit den Anareifern das Zögern erklären solll— von der„Scknilprüfung" und das niedersächsische„Jank Hinark an de LammerStrat". Kolbes Vortragsweise, seine frische, kräslige Art. seine gutgeschulte Stimme, die sich dem Gesang unaufdringlich an- schmiegende Lautenbegleitung und seine dem Inhalt des jeweilig vorgetragenen Liedes angepaßte GesichtSmimik brachten ihm volle» Erfolg. Zum Schluß mußte er noch ein lustiges Lied.zugeben'. — n. Humor und Satire. Der Zar. Ein kleiner Knirps mit hohlen Wangen, Im wirren A»g' ein stetes Bangen, Die grüne Angit im Angesicht— Kennt ihr de» großen Zaren nicht? Sein Weg führt zwischen Bajonetten, Gendarmen- und Soldatenkelten. Links fihl und rechts ein Huisficr; So reist der arme Schissiäh. Ihn friert in allen Zobelpelzen, Und jede Viertelstunde schmelzen Muß diese heldische Figur Durch seine ängstliche Natur. Die kleine ManS, der bange Hase Mit stierem Aug' und weißer Nase, Er ist mit einmal eisensest, Wenn er die andern sterben läßt. (Peter Schlemihl im»Simplicissimus".) Notizen. —.Flora' wird geröntget. Herr Bode gibt sich den Anschein, als ob er die angebliche Lionardo-Büste enistlich unter- suchen lasse. Sie wurde mit Röntgenstrahlen durchleuchtet und photographiert. Ob sich ein Kaffeetopf oder eine alte Hose von Lucas, dem Versertiger der Büste, in ihrem Innern fand, wird vorläufig wahrscheinlich noch geheim gehalten.— Inzwischen schreibt Lucas Sohn den„Times", daß sein Vater nie eine andere Florobüste besessen hat als die von ihm nach dem lionardesken Gemälde hergestellte und jetzt im Kaiser- Friedrich- Museum be» findliche. — Ein Stcinzeit-Denkmal. Die unter der Leitung des Direktor Johannes Richter vom Breslauer Museum der schlesi- scheu Altertümer bei O t t i tz bei Ratibor vorgenommenen Aus- grabungen legten vierzehn Wohngruben aus der Steinzeit bloß. Neben zahlreichen Acxten, Hacken. Meißeln usw. wurden auch ein Töpferbrennofen und ein aus Ton geformtes weibliches Götter» bild entdeckt, das auf ein Alter von 4000 Jahren geschätzt wird und somit eines der ältesten bisher aufgefundenen Menschenbildniffe darstellt. Hus der Partei» Ein Ncdtwrnier fiir«ud widcr den Marxismus. Vor einiger Zeit berichteten wir aus Hamburg über eine Versammlung der LandrSorganisation, die sich mit einer Sonder- bündelei dortiger Gewerkschatisbeamten befaßte In diesem Sonderbund. dem sogenannten Zteyerbund, hatte Genosse Dr. August M ü l l e r, Redakteur der Organe des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, einen Vortrag:.Kritisches über den »£? a r x i s nru s und die Taktik der Sozialdemokratie" gehalten. Die Parteileitung des ersten Hamburger Wahlkreises bot ihm nun die Gelegenheit, diesen Bortrag vor der Oeffcnllichleit der Partei, in einer Mitgliederversammlung der Kreisorganisation zu wiederholen. Die außerordentlich stark besuchte Versammlung fand am Freitag statt. Als Korreferent war Genosse Dr. L a u f e n b e r g erschienen. Genosse Dr. Müller? Vortrag gibt zunächst einen Uebcrblick über die verschiedenen Richtungen, die innerhalb der Arbeiterbewegung fast oller Länder vorkommen. Diese Meinungsverschiedenheiten be- rührten nicht das Ziel, aber den Weg, der zum Ziele führt. Der ungehinderte Austrag der Meinungsverschieden- Heiken, die freie Meinungsäußerung feien notwendig. Selbst- verständlich müsse die Einheit im Handeln gewahrt werden. Dann gcftt der Vortrag zum eigentlichen Thema, zur Marx-Kritik über. Der Vortrag biete, wie der Vortragende selbst betonte, nichts Reues, sondern soll nur eine zusammenfassende Darstellung dessen sein. waS bisher an Kritik am Marxismus ge- leistet worden ist. Man begegnet denn auch lauter alten Bekannten darin, so auch der im letzten Heft der.Sozialistischen Monatshefte" von Maurenbrecher vorgetragenen Bemerkung, daß Marx' Lehre noch ganz unfertig sei, da der 2. und 3. Band nur die von Marx hiuterlassenen Niederschriften enthalte, die er jedenfalls nicht ohne nochmalige Durcharbeitung und Modifizierung herausgegeben hätte. Die von Engels geübte Pietät Hobe nun verschuldet, daß gewifie Widersprüche zwischen den beiden letzten und demauungen ist ein Getränk, das weder aus Malz noch a»S einem Malzersatz- stoffe hergestellt ist, kein Bier. Das Vorhandensein von Hopfen oder von Hopfenextrakt in einem Getränke genügt nicht, wie der Vorderrichtcr dies behauptet, dem Getränke die Eigenschaft eineS Bieres zu verleihen." Der Gesetzgeber würde dem Interesse der reellen Produktion und dem der Konsumenten entsprechen, wenn er festlegen würde� daß Bier nur aus Hopfen und Malz zu bestehen hat. . Tomaschke. Die Erinnerung an eine alte Mordtat wurde durch die Per- sönlichkeit eineS Angeklagten wachgerufen, der gestern der 2. Straf- kammer des Landgerichts I vorgeführt wurde. Es war dies der Agent Artur Tomaschke. Am 1. Oktober 1902 war der Kaufmann Eduard Loeffler in seiner Wohnung GreifSwolder Straße ll tot aufgefunden worden und zwar unter Umständen, die auf einen Giftmord schließen ließen. Als der Tat verdächtig war damals Tomaschke festgenommen worden und unter gewaltigem Andränge begann am 3. Juni 1902 der g<""-n ihn gerichtete Giftmordprozeß vor dem Schwurgericht. Der Angeklagte, der zweimal einen Selbst- Mordversuch gemacht hatte, mußte damals auf einer Tragbahre in den Anklageraum getragen werden, er wurde schließlich von den Geschworenen freigesprochen. Er hat viele Jahre in Gefängnissen und Zuchthäusern zuge» brockt. Zuletzt ist er im Jahre t902 zu 6 Jahren Zuchthaus vcr- urteilt worden. Jetzt stand er unter der Anklage des wiederholten teils versuchten, teils vollendeten Diebstahls. Mit ihm hatte sich der Schankwirt Friedrich Ehrich wegen Hehlerei zu verantworten. Der Staatsanwalt beantragte gegen Tomasckke 3 Jahre Zuchthaus, gegen Ehrich wegen Hehlerei 6 Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte Tomaschke unter Freisprechung in einem Falle zu 1 Jahr Gefängnis, den Angeklagten Ehrich zu 6 Monaten Gefängnis. Amtlickier Mnrktbertch» der KäMilchen Markt kmllen-DireMon über Ben Grohbandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zniubr stark. Gesch-sil schleppend, Prelle si':r Schlveinefteisch nachgebend, für Hammelfirlsch anzlebend. Wild: Zufuhr genügend, in Haien knapp, vieichäst lrbdast, Preise fest. G eil ü gel: Zusubr ausreichend, Keichäst schleppend. Preis« nachgebend. Fische: Zusuhr sehr gering. Geichäst lebhast, Preise wenig verändert. Luiter und Käse: Gejchäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft sehr still, Preise wenig verändert. Für den Judalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantworlung. 'Chcatcr, DienZtag, den 16. November. Ansang T'/j Uhr. Köuigl. Lpcrnhaus. Madame Buiterfly. Neues köuigl. OPern-Theater. Geschlossen. Deutsches. Don CarloS. Kam ni erspiele. Major Bar- bara. lAnj. S Uhr.) ilnsang 8 Uhr. Königl. TchausPieldauS. Die Glocke. Wallensteins Lager. Neues TchauivielhauS. Der lateinische Esel. Neues Operetten. Miß Dudelsack. Berliner. Hohe Politik. Lessing. Tantris der Narr. Komische Oper. Der polnische Jude. Neues. Wahrheit. Kleines. Moral. Residenz. Gretchen. Hebbel. Der Skandal. Schiller o«rallner» Theater.) Die erste Geige. Schal iv Gharlottenburg. Gespenster. Friedrich- Wilbelmstiidr. Schau- spielhans. Das große Licht. Westen. Die geschiedene Frau. Dhalia. Die ewige Lampe. Luise». Robert und Bertram. Volksoper. Der Barbier von Se- villa.(Anfang 8>/, Uhr.) Roie. Maria Stuart. Drianon. Pariser Witwen. Luftspiclhaus. Der dunkle Punkt. Metr»i'»i. Hallohtt— Die große Revue. Folies E'aprice. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8H', Uhr. AP>1 II v. Spezialitäten. Wintergarten. SvezialitSten. Casino. Onkel Cohn. Gebr. Herrn feld- Dbeater. So muß man's machen. EinReUungZ- mittel. Karl Haverland- Theater. Epe- zialitäten. Wnlballa. Svezialitäten. Gastspiel. Die gute Partie.(Ans. 8-/. Uhr.) Paiiagr. Svezialitäten NoackS Theater. Die Räuber. Palait. Liebchens Tric? Speziali- täten. Neichsballen. Steltin er Sänger. Urania. Da»de»iir>>fte«t» tN, AbeudS 8 Uhr: In den Dolomiten Stgruinarrr, Ii valideunr. o7/vr I-eneeinN-ll'Iielrtsr. 8 Uhr: Tantris der Narr. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag, 8Uhr: TantriSd.Narr. kerUner �tieater. Heute 8 Uhr: Hohe Politik. M orgen: Geschlossen._ Neues~Theater. «b-nds8Uhr: Wahrheit. Donnerstag erstes Gaftsp. Sursnno Despi-bs: Elclitra. En visit«. La fardeau de lg Liberte. Theater des WestensT Abends 8 Uhr: Die gesliiitdeuk Fnm. Mittwoch(Bußtag) Oratorinm »Elias«._ Lustsplolhaus. Abends 0 Übt: Der dunkle Punkt. Ai?n«» Operctton-Thentep, Schissbauerdamm 25, a. b. Luisenstr. Ansang 8 Uhr. HIß l>iidcl«i»ck. Operette in 3 ttklcn von Rudols Nelson. fsiöljslvk-�IlkelliiztzljtizeliöZ 8cIiZULpliz!liZU8. Heute Dienstag, abends 8 Uhr: Das große Licht. Mittwoch(Bußtag): Geschlossen. Doimeistag: Das große Licht. Freitag zum erstenmal: Liselott. Yolks-Oper. SW., Belle-Alllancc-Straße Nr. 7/8. Abends 8V, Uhr: Der Klttbier von Sevilla. kkLiliknMkkliös Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr- Oretehen. Groteske In 3 Akten von Davis und Liplchütz. Morgen und soigende Tage: _ Dieselbe Vorstellung._ Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Uobert vnd Kertram. Posse mit Gesang u. Tanz von Röder. Mittwoch: Ltchtblldcr.Vortrag: Aus dem Leben Jesu. Donnerstag: Wie die Alten sungen. Freitag: Heimat._ Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. Urania. �VisseBscHaMicKss Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. lOSE=ThEATE Große Franksurtcr Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende-/ztl U. Maria Stuarts. Trauerspiel in 5 Alten v. Fr. v. Schiller. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Maria Stuart. Gastspiel-TheatGr Köpenicker Straße 67/68. Täglich abends 8'/, Uhr: Gasispici von friir Soolimsnn. vie gute Partie. Metropol-Theater Hallo!!! Die grolie Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. "Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 8 Uhr: 8 Uhr: Die grandiosen Spezialitäten. u. a.: Dorothy Kenton Yvonne de Forge Das Wunder der Ankleidekunst. Contmelo Fornarlna Die Phänomene Wynne Brothers. 10 Uhr: Eine 10 Uhr: Karemsnaeht Groteske in 1 Akt. MMU Kommandanlcnstr. 57. T. A. 4, 5083. Her ttöhepiiM aller Ertolge find die beiden Novitäten i „80 muß man's machen" Burleske m. Gesang in 2 Akten von 8t. u. D. Herrnield. Mufik von L. Jtal icki«mlÄ Ml lernlBil 5f.ÄfÄ und Ein itfttiittiiöiiiittfl Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. Vorvertaus 11—2 Uhr. Ansang 8Uhr. Eülsst-Thester. Direktion: Robert Ol»& Karl Pirnau. Burgstraße 24, am BaHnHos Börse. IW* Heute:'9Q Großer Nrogrammtvedisel. Fiebdjttts Tridt? mit Direktor Roll. Olli in der Hauptgefangspartie. Ansang 7 Uhr. Entree SO Ps. bis L M. UNS- Borzugskartea überall zu haben. SbldsIVGlsläPiIIiel! wieder ein Sensations- Programm erstklassiger Novitäten im Grand-Hotel Alexanderplatz. Besonders erwähnenswert: Der lud lies Herzogs vooEugliieii herrliches historisches Drama. Kavailerieschule in Ypern unvergleichlich toUkühne Reiterexerzitien. Der Luftkrieg SJ: der Zukunft grausig schönes Kriegshild aus dem Jahre 2000 und die übrigen Glanznummern. Jede Piece ein kinematographisches Kunstwerk. Ununterbrochen VorsteUung von 3 Uhr an. Eintrittspreise von 30 Pf. an. Sch I ller-Th eater. Schiller-TIieater 0. lWallner-Tdeater.) Dienstag, abends 8 Uhr: DI« erste Geige. Lustspiel in 4 Akten v. Gustav Wied und Jens Petersen. Ende 10>,, Uhr.*9® Mittwoch, abends 8 Uhr: Der» Zle««l«s. Donnerstag, abends8Uhr: Der Gohwiir der Yreue. Schiller-Theater Chartettenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Gespenstei*. Ein Familiendrama in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. {py Ende IG1/- Uhr. DDH Mittwoch, abendS 8 Ubr: Konaert de» Herllner Lehrer-Gessnzvereln». Donnerstag. abendS8Uhr: Wallensteins I azxer. Hieraus: DI« Pieeolornlnl keTlineT Mnner-Ltiol' «. d. A.-8.-S. (Zhormelsier: Rothe Trank. Mittwoch, den 17. November(Bußtag): KONZERT im Deutschen Hof, Luckauer StraBe 15 Mitwirkende: Konzertsängerin Frau A.Pankenin-AderhoId Violinoello-Virtuose Herr Uschmatin Nach dem Konzert; SMST* TANZ Eröffnung 5 Uhr Anfang 6 Uhr Eintrittskarte inkl. Tanz 50 Pf. Zirkus Busch. Heute Dienstag, 16.November1909, abends 71/, Uhr präzise: Gr. Gala- Vorstetlnns! U. a; Die Clevelando l Patty Fi-ank-Trnppe! Kwersclown Frunyols, Kunstreiter. Femer: Herr Burkhardt-Foottil, Schulreiter. Herr Ernst Schumann, Neudressuren. Frl. Wardia Beketow, Schulroiterin. Gebr. Karolis ungar. Keitkünstler. Um, Uhr: IWlMlkhei!! Besonders hervorzuheben: Der faerfilimle amerikan. Cowboy iack Joyce mit seinen wildesten Pferden.— Der Pferderaub durch Indianer. Vorher das große Gala-Programm. Dienstag, den 16. November, abends 7'/, Uhr: (Zala-�benö. Debüt DebOt des Amerikaners Mstr. Miblo mit seinen fcoDverslereDden Papageien in ihrer Vollkommenheit noch nicht dagewesen. Außerdem das neue Programm. Um 9 Uhr Ende ca. 1t Uhr: Die graste Feerie Die drei Rivalen oder Das mysteriöse Schloß in der Normandie Phantastische Feerie in 5 Akten. Im 5. Akt: Das Hochzeitsfest mit der noch nie gesehenen Tchlust-Apothease. Mittwoch, den 17.(B, isttag): Geschloffen. DI« Novbr.- Attraktionen. Eine Kevue der Scltfinheit, Grazie u.d. Humors! Anne Dancrey Bernhard Mörbitz Lalla Selbini Uorace Goldin Sistera Harvey und eine Reihe hervorragender Knnstkrülto. Morgen(Bußtag): Keine VorsteUung."VOi Passage-Thealer. Abends 8 Uhr: Da» zgroSartlge i Variete-Programm! ides neuen eroßen I ' Variete-Teils. Ferner lO nene Ocbttts. Femer: Henry Bender in der tollen Burleske Der süße Doktor. Sanssouci, ST Direttion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: hottmatms und Tanzkrnnzchen. Stets neues hochaktuelles Progr. Bcg.Sonnt.ä, Wochen t. SU. Donnerstag, tS. Nov.: Hosfmanns Nordd. Sänger. Tanz. Freitag, 19. November: Theater- Ndend. Der Leiermann und sein Pflegekind._ Passage-Panoptikum, Neu; Im Reiebe des Königs Agoa. Geheimnisse der Wassertiefe. Plastische Riesendi gramen. Da» lebende Skelett. Da» anatom. ItUtael. Die Traummalerin. AGA, die schweb. Jungfrau Tambnrltza- Brlgranto». Punophon- Vortrttge. Alles ohne Extra-Entree! W.ftoacks Theater SmiUleiiftr 16, am Ziosenthaler Tor. Zum letztenmal: Die Räuber. Mittwoch(Bußtagn Geschlossen, Donnerstag: Othello, der Mohr von Venedig. _S9i Het ig q 50, 75, IM. mim, zu haben. Stadt-Theater Moabit. Alt-Moabit 47/48. Donnerstag, den 18. November: Novität! Novität! Z« Nkrttttung. Schwank in 3Aktcn von Heinz Kordon. Ossins»-Tkcsisv' Lölhringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Trotz des kolossalen Andranges: Nur noch his Freitag, 3. Dezemhep; Onkel Cohn. Sonnabend, 4. Dez. Premierenabend. Sonntag 8 Ubr: Biederlente. Polles Capriee. Mobilisierung. Bunter Teil. Der gewisse Augenblick. Vorverk. 11—2. Anfang»>/. Uhr. iL alhalla Variete-Theater I Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. I > Ans. 8 Uhr. Die grostarttgen> November, Tvezialitäten. I Im Tunnel: Regime>itsklB>ellc. I Tbeatcrbesuchern sreier Eintritt. RefciKitölieD-Tiiealer. Stettiner Sänger ]!ley»ol, Rrltton, Schräder usw. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Karl Haverland Theater 77/79 Kommandantcnstraße 77/79. Ansang präzise 8 Uhr. Schlager auf Schlager bringt daS Xovcmbcr- Programm. Voigt-Theater Gesundbrunnen. Badstr. 53 Abends 7 Uhr: IMe liäuber. Trauerspiel m 10 Bildern v. Friedrich o. Schiller. Kassenöffmmg 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. fisorikpUtj Änf.B Uhr. Die besten Springer und JKnauadcnre der Welt. Im unteren Saale: Großes lifliiitaekonzepi. uhlmann's ätheatsr T fSenbnhiüMr Alioe)4l | iKaataalen-flllwjW Gastspiel desVoigt-Theater-Ensembles Heute Dienstag, den 16. November: ' Kit Else vom Erienhof. Voltsstück in 5 Auszügen von Staack. Kassenerössnung 7 Uhr. Ansang 8Uhr .Kiju i t- Ii Holzi. Täglich: Konzert, Theator gl zlzmarktslraße 72. ärt, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung mit Franz Sokanski. Olga l ey, tflufit. Komödianlcn Carmanalli Kurt Werther, EmmyGalotli, Rockowsky- Duo Gust. Burg Truppe Juhasz (4 Personen, 1 Foxterrier) usw Prinz Wendelio. Gelangsv.».Klein. Strlinkr Krater-Theater Kastanienallee 7— 9. Jed. Sonnig, u. Mittwoch Groie Soiree iler Apoilo-Sängsr. Sonntag: Ans. 7 Uhr, Mittwoch: 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen, Jeden Flitfi- Bali Donnerstag: C-OIC Uall. 4i Hygienische »eaansanucei. rteuest. rvaiaiog |&. Bmpf ohl. viel Aerzte u.Prof. grat. uJt H. 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Verein für f rauen u.)VIadchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 17. Rovenibce, abends 8'l, Uhr, im„Xenon Klnb- hanse", Rommaiidaiitenstr. 7Ä: »Bon Johann Sebastian Bach bis Richard Stranh«. eine Einführung in die drei Konzerte, deren erstes am St. November, nachm. 3ll2 Uhr, im Choralion-Saal, Bellebuestr. stattsindel. —— Vortragender: I>r. Richard(«uttiiiann.——— Billetts a 50 Pf. sind zu haben im Verein, bei Frau Jordan, Litbeckerstr. 43, Frau Klotzsch, gich teste. 1, Frau Kulicke, Prinzenstr. 102. 55/71 Ulli!. UMii t Ire DeetsM Telephon Amt IV 1093. Zahlstelle Oroß-Berlln. Bureau- Linlcnstr. 215. Geöffnet von 3—1 u. 4— 8 Uhr. Telephon: 111,338. Bezirks- Versammlungen mit nachsolgenden Tagesordnungen: Dienstag, de» IS» November, abends präzise 8 Uhr: Für SpändäQ bei Höhle, Havelstrahe SO. 1. Vortrag des Kollegen Neior-Nürndcrg über:„Die Aufgaben der Gewerkschaften". 2. Diskussion. 3. Bericht von der General» Versammlung. 4. Verschiedenes. Mittwoch, den 17. November(Bußtag), nachm. S'/z Uhr: Für Ripdorf bei Geliert, Steinmet, str. 93. 1. Vortrag des Kollegen links-Dessau über:„Der geWerl- schaftlichc Kampf". 2. DiSkussioiu 3. Bericht von der General- Versammlung. 4. Verschiedenes. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Donnerstag, den 18. November, abends 8 Uhr: Für Ob6r-SCilÖD6Weid6 bei Rahe, WilHelminenHofstr. 13. 1. Vortrag des Kollegen tlsgemann-Hamburg über:„Organt- fation und Lohnkampfe einst und jevt". 2. Diskussion. 3. Be- richl von der Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Donnerstag, den 18. November, abends 8Vz Uhr: Für Cbarlotteßburg im Volkshanse, Rosinenstr. 3. 1. Vortrag des Kollegen»aupt-Ludwigshasen über:„Warum und Wie?" 2. Diskussion. 3. Bericht von der General- Versammlung. 4. Verschiedenes. Donnerstag, den 18. November, abends 8'/z Uhr: Für Tcgßl bei Kahles, Berliner Straffe 93. 1. Vortrag des Kollegen liesselbsrid-Leipzig über:„Wtrtfchaftö- krisen, Arbeitslosigkeit und Gewerkschaften". 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Donnerstag, den 18. November, abends 8V2 Uhr: Für W8lß6DS66 bei Content, Lchderstr. 5. 1. Vortiag deS Kollegen Oibssele-Bremen über:„Die Organi- fation als Selbsthilfe des Proletariats!" 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Donnerstag, den 18. November, abends 8'/2 Uhr: Für HOßdöll bei Kramer, Hussitcnstr. 10. 1. Vortrag des Genossen Schütte über:„Weltfchöpfnng und Weltuntergang!" 2. Diskussion. 3. Bericht von der General- Versammlung. 4. Verschiedenes. Donnerstag, den 18. November, abends 8'/, Uhr: Für Nosdvfö! bei Klrschhonski, Bensselstr. 9. 1. Vortrag der Genossin Frau Ae/l über:„Die Stellung der Frauen im wirtichaftlichen Kampfe!" 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Donnerstag, den 18. November, abends 8'/2 Uhr: Für Südost U. Süden bei»ahn, Laiisiffer Plaff 8. l. Vortrag des Genossen Nietechlte über:„Moderne Weltanschauung:« 2. Diskussion. 3. Bericht von der General- Versammlung. 4. Verschiedenes. Tonnerstag, den 18. November, abends 8'/z Uhr: Für Osten bei Zlotz, Warschauer Str. 61. 1. Vortrag des Kollegen Sucbelt- Stettin über:„Warum Ist die Organisation eine Knlturnotwendigkrit?" 2. Diskusston. 3. Bericht von der Generalversammlung. 4. Verschiedenes. Donnerstag, den 18. November, abends 8'/, Uhr: Für Seüönederg n. Umgegend Bei 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Dislusfion. 8. Verschiedenes. Sonntag, den S1. November, nachmittags S'/z Uhr: Für Adlersiiof bei Kanl, Bismarckstr. 10. Versaitimlung mit Frauen. 1. Vortrag der Kollegin Frau Martha Jeetze über:„Die Arbeiterfranen und die nenen Steuern." 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversammlung. 4. Verschiedenes Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Sonntag, den 21. November, nachmittags S'/z Uhr: Für RÖpentet! im Stadttheater(KI. Saal). Fricdrlchstraffe. l. Vortrag der Kollegin Frau Berta Lungwltz über:„Die Arbeiterfrauen und die»ene» Stenern." 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalvcrsamnilnng. 4. Verschiedenes. tOtf Zahlreichen nnd pünktlichen Besuch, möglichst mit Frauen, erwarten 54/15 vis Bezirksleltnngcn. Achtung! Achtung! Sounavend, den 20. November 1909, abends 8 llhr. in Freyers(sniher Keller) Feftsülc»(Gesamtetablissemcnt). Koppenftr. 29: 13. Stifinngssest. Bestehend st, Konzert(Berliner Konzert-Orchester). Jlnnthcy (Lustige Ssinger), Festrede uild Großem Ball. Entree 30 Pfeanig. Tanz 50 Pfennig. Billetts sind bei den VerstauenSleuien. Bezirksleitern, Hauskassierern und im Bureau zu haben.— Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder er- wartet___ jr)|e Qrtsvcrtrultnng._ Zentral-Verband der freien Händler, Hansierer Mittwoch, de» 17. SZovcmber, vormittags 10 Uhr, bei Flekenhagen, Scharnweberstr. 60. Mittwoch, den 17. November, vormittags 10 Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3. TageS-Ordnung: 140/2* 2. Aufstellung der Kandidaten und Anträge. 8. Verschiedenes. Bureau: Engel-Ufer 15, II. Xvveixvei'ejn Berlin. Sektion der Maurer. Mittwoch, 17. Novbr., vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer IS. Saal 4: Außerordentliehe Versammlung der Zahlstelle Berlin. Lichtenberg: Charlottenburg*: 1. Der Verbandstag im Jahre 1310. Sektion der Putzer. Mittwoch, 17. November(Bufttag), vormittags 10 Uhr, in den bekannten Lokalen: Bezirks» Versammlungen, Tagesordnung in allen Versammlungen: Abstimmung über die Verschmelzitugsfrage des Verbandes der Bauarbeiter mit dem Zentral* Verband der Maurer und Anträge zum Verbanostage. � Jlltgllcdsbnch legitimiert. Ohne dasselbe beln Zntrltt. Es wird jedes einzelne Mitglied aufgefordert, die für ihn in Frage kommende Versammlung zu besuchen. Die Versrnnretlnng für Osten findet statt: Fmehtstraße 61 bei Ilamonat. Daselbst werden auch die Arbeitslosen-Abstempelungen vorgenommen. Lektion der Gips- u. Zementbranche. Mittwoch, 17. Novbr., vorm. 10 Uhr, im Gcwerkschaftshanse, Engelufer IS, Saal 1: AufierorüenN. Lsnerai- Versammlung. Kandidaten zu Delegierten zum Zweigvereinsvorftand. TageS-Ordnung: 1. Anträge und Aufstellung von 11. VerbandStage in Leipzig. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert._ t Der Zentraiveibandiier Glasarbeiter«nuArlieilerinnen Deutschlands. Ortövenvaltung Berlin.= Donnerstag, den 18. November, abends 8 Uhr: Mitglieder- Versammlung sämtlicher Branchen in„BökerS Festfälen", Weberstr. 17. Tagesordnung: t. Abrechnung. 2. Die VerichmelzungSfrage. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 73/16_ Die Orts Verwaltung. ADLERSHOP. Allen Genossen, Freunden und Bekannten die Mitteilung, bah ich daS Lokal Setlanstraße 3/4 in Adlershof käuflich übernommen habe. BerciiiSzininier»och mehrere Tage in der Woche frei. Warme SPcifcn zn jeder Tageszeit. Nur gut gepflegte Biere.— Um gütigen Zuspruch bei Ausslügeu und sonstigen Unter- nehmungen bittet raiil Bcngsch. Fernspr. Amt A. 34. J Wo gehen wir am Bußtag bin 9 Nach dem„Krug zum grünen Kranze" Mittelpunkt der«Krde Oher� Stehttuewetde, Waldstraße 73/74. — Mittivoch, den 17. November 1303:— 1 Großes Schlachtefest! I Den geehrten Vereinen bei Partien bestens empsoble». �Achtungsvoll» Z 32032 Krnst Huflich.» WM'MWHl» WMrVHSWMM'MMV delegenheitskanf! Wir offerieren unseren Lesern hier- mit einige interessante Bücher zu bc- deutend herabgesetzten Preiicn. Da wir nur eine kleinere Anzahl Exemplare am Lager haben, empfiehlt sich baldige Bestellung resp Anschaffung: Das Kuchvom langen Frben. Von Prof. Dr L. Biiestncr. Gut geb, statt 6 M- nur 2,10 M. Die Mer der Arbeit. Nach dem Amerikanische» deS Zor von St Liebknecht. Kartonniert, statt 2 M. nur 1 M. Zeichen der Zeit. Sieben Vorträge von William Morris. Gut geb.. statt 4,50 M. nur 1,50 M. Denes aus Nirgrndlaud. Ein Zukunftsroman von William Morris. Eleg. geb.. statt 6.50 M. nur S M. tipellition des„Vorwärts" Br rlin B w., Lindeustr. 69. Laden. 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Die sZ35/1S Ii wird linbermimt auf Montag, 29. November 1909, um 8 Uhr abends, nach dem Vr ap p«c h«n Saale (Jnh. Gauiln), Bahnhoffttasie 1— 2. Tagesordnung: 1. Wahl eines Zlusschusscs von drei Mitgliedern zur Prüfung der JahreS- rechnung 1903. 2. Vorlegung des vom Vorstande mit dem Herrn Dr. med. Funkc- t ennigsdorf abgeschlossenen Vertrages ehufs Anstellung ais Kassenarzt und Genehmigung desselben gemäg§ 57 Ziffer 8 des Kassenstaiuls. 3. Vorlegung des Slnstellungsver» trageS mit Herrn Lapuhs. 4. Verschiedenes. Hierzu werden die gcwäblten HerrM Vertreter ergebenst eingeladen. Tegel, den 13. November 1303. Her Vorstund. (gez.) Oswald Arlt(gez.sVttihelm Pahlow Borsitzender. gchnjtfübrcr. Allgemeine Orts-Krankenkasse Spandan. Am Mittwoch, den 21. November 1909. abends 5 Uhr 50 Min., sindei im Restaurant von Conrad» Schönwalder Str. 2, eine zur Wahl der Delegierten für 1910 statt. ES sind zu wählen in getrennter Wüvlcr-Versammlung 42 Arbeitgeber» Delegierte und 42 Stellvertreter und 84 Ärbcilnehmer-Delegierte und 84 Stellvertreter. Wablbcrechtigt und wählbar sind alle Mitglieder über 2l Jahre, die sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Die Wahl beginnt um 6 Uhr und cndcl um 0 Uhr. Legitimation: Für Arbeitgeber die letzte Quittung über bezahlte Beiträge, für Arbeitnehmer die Mitgliedskarte. Von 10 llhr ab: General-Versammlung. .Tages-Ordnungi 1. Neuwahl deS Vorstandes. 2. Wahl einer Rechnungsprüsimgi» Kommission. 3. Verschiedene?. Legitimation: Delegiertenkarte für 1303. 295/13 Ber Vorstand. _ U. flppoldt, Vorsitzender. u. uenu. Berufsneuofien Deutschlands, iw'. Vcrwaltungnsteile Berlin. Morgen Mittwoch(Buffiag), nachmittags 5 Uhr, bei Brßnel, Rene Friedrichstraffe 35: 291/11 diSeiicpal- Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des BorftandeS. 2. Neuwahl »er Ortsverwaltung. 3 Berbandsangelegriiheile». 4 Brrschiedenes. Pflicht aller Kollegen ist, pünktlich zu ericheinen. 01« Oiiseerwailung.____ Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlind Für� den gnseratentcil verantw: Tb. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwart» Duchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Etnger& Eo.. Verlin SW, Orts-Krankenkasse der Klempner. Am Dienstag. den 2S. No- vember. abends 8'/, Uhr, findet im Oewei-lisehattshause, Engeluser 15, Saal 1, eine Versammlung der großjährige» Mitglieder unserer Kaste bebuss Wahl von 180 Vertretern für das Jahr 1310 statt. Das Quittungsbuch legitimiert. Am Alkittwoch, den 21. Ro- vember. abends 8'/, Uhr, findet Küpeniellee Str. 100 eine Versammlung der Arbeitgeber, welche Beiträge für angemeldete Mit- glieder zu unserer Kasse leisten, behusS Wahl von 90 Bertretcrn für das Jahr ISMO statt. Die Arbeitgeber können sich mich durch ihre GcschästSfnhier oder Be- triebsbeamle verlreten lassen. 2454b_ Der Borstand. Huf-Arnold Dresdener St(,II6s:tÄ Sehr orofle Auswahl In Pelzttslu von 75 Pf. an bis zu den feinsten Pel zarten. Muffen, Pelzmützen und 1 Kindergarnituren luBeest billig. I} Besichtigung ohne Kantzwang! Nr. 268. 26. ZahrMg. 2. Jiriliiif des Jormätls" Itilintt Aieüstag, 16. November 1909. Die Nahimanver-StichWhieo zur Landtagserfahwahl finden am heutigen Dienstag, den 16. November, statt. Welche UrWahlbezirke für uns in Betracht kommen, haben wir in unserer Sl.�.:abcndnummrr mitgeteilt. Tüc Wähler in den Bezirken, in denen Stichwahlen zwischen Gegnern stattfinden, und das ist im 12. Landtagswablbezirk häusig der Fall, enthalten sich der Stimme. Selbstverständlich ist, dast unsere Genossen und Wähler in den Bezirken, in denen wir mit den Gegnern um Wahlmänuermandate ringen, um so eifriger aus dem Posten sind. Es kommt heute auf jede Stimme an; eine Stimme kann für ein Wahlmanns- Mandat und dieses unter Umständen für die ganze Ab- geordnetenwahl entscheidend sein. Tie Stichwahlen finden in der gleichen Weise zu den- selben Zeiten wie die UrWahlen statt. Die zweite Abteilung wählt vormittags von 3 bis 12 Uhr, die erste Abteilung von 1 bis 2 Uhr und die dritte Abteilung von 3 bis 8 Uhr. Da die Wahlhandlung pünktlich geschlossen wird, auch wenn noch Wähler, die noch nicht gewählt haben, im Wahl- lokal anwesend sind, empfiehlt es sich, möglichst zeitig zur Wahl zu gehen. Tas Zentralwahlbureau für den 12. Bezirk befindet sich bei Nichter, Wiclefstr. 24. Da Unterbureaus nicht ein- gerichtet werden, müssen sich alle Hilfskräfte bei Richter ein- finden, und zwar früh M Uhr. Cine GnibenHafaftropöc in Hmerilia. Abeimals ist die Reihe der entsetzlichen Bergwerlslatastrophen um einen neuen Fall vermehrt worden. Diesmal kommt die erschreckende Nachricht auS Amerika, wo in einem Bergwerl Hunderte braver Bergknappen ihr Grab gefunden haben. Einer Meldung aus Cherry(Illinois) zufolge fand in dem Bergwerk der St. Paul Coal Company eine Explosion statt. Nach der Erklärung eines Bergbeamten sollen 4l)V Bergleute hierbei umgekommen sein. Das Bergwerk geriet sofort in Brand. Ein Rettungsversuch Wurde aufgegeben, um das Feuer zu ersticken. Nach weiteren Meldungen erfolgte die Explosion infolge eines Feuers, welches in einem Heubündel entstand. Die Bergbeamten glauben, daß 400 Mann der Explosion zum Opfer gefallen sind. Fünf Stunden nach der Explosion wurden 12 Leichname geborgen. Der Direktor des Bergwerks erklärte, eV fei fast unmöglich, daß die Bcrfchüttete« noch am Leben seien. Da eS unmöglich war, das Bergwerk unter Wasser zu setzen, entschloh man sich, den Eingang zn den Schächten zu schließen, in der Hoffnung, die Flammen zu ersticken, welche bis zur Oberfläche herausschlugen. Die meisten Bergleute sickd Oesterreicher oder Italiener. Nach einer anderen Meldung aus Cherry wird die Zahl der eingeschloffenen Bergleute auf 2öO geschätzt. Man glaubt, daß alle tot find. Ucber die Ursache der Katastrophe wird aus New Jork folgendes gemeldet: Durch die Unachtsamkeit eines Bergmannes, welcher eine abgebrannte Pechfackel wegwarf, ge- riet ein Heuhaufen in Brand. Die Bergleute brachten die brennende Heumasse auf einem kleinen Wagen nach einem entlegenen freien Platz. Während dieser Arbeit warnte man die in der Grube befindlichen Berg- lcute. Als aber kaum 30 Arbeiter an der Oberfläche waren, wurde eine gewaltige Detonation vernommen. Schlagende Wetter hallen sich entzündet, die Grube war mit Rauch und Gas gefüllt. Der Bergwerksvorstand ließ Wasser durch den Schacht pumpen, in- deffen war die Löschung des Brandes unmöglich. Nur wenn es den in der Grube befindlichen Arbeitern gelingt, in die Nebenstollen zu gelangen, ist eine Rettung möglich. Die Zahl der Verschütteten be- ziffert sich auf 490 Mann. Partei- Zngelegenbeiten. Zur Lokalliste. Am 17. November(Bußtag) veranstaltet der Verein„Vascania 1907" im Restaurant.Kaiser- Wilhelm-Garten". Friedenau, eine Theatervorstellung und ist man eifrig bemühlt. hierzu möglichst viel Billetts in Arbeiter- kreisen umzmetzen. Da das genannte Lokal der Arbeiterschaft zu Bersammlungen strikte verweigert wird, ersuchen wir alle etwa an- gebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen. Rixdorf. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet heute abend SVi Uhr in Hoppcs Lokal, Hermannstr. 49. statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Der preußische Parteitag.(Referent Genosse Hirsch.) 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Ver- schiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 2er Vorstand. Wilmersdorf. Für die am 2i. November stattfindende öffent- liche Dicnstbotenversammlung findet im Laufe der Woche'' eine Flugblattverwilung statt. Die Genossen und Genossinnen werden ersucht, sich zwecks Empfangnahme des Materials an ihren Bezirks- führer zu wenden. Der Vorstand. Groß-Lichtcrfelde. Der Zahlabend findet heute in den bekannten Lokalen statt. Friedenau. Heute Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Mechelke, Handjerystr. 60/01. Anfang pünktlich 8V2 Uhr. Vortrag der Genossin Agnes Fahrenwald: Die Forderungen der So- zioldemokratie und wie stellen sich die Frauen dazu. Briv-Buckow. Heute abend 8(4 Uhr findet im„Landhaus". Chausseestr. 07. die Vereinöversammlung statt. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn M. H. Baege über:..Von, Urtier zum Menschen." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Teltow. Am heutigen Dienstag, abends 8 Uhr. findet im Lokale des Genossen W. Bonow unsere regelmäßige Mitglieder- Versammlung d-S Wahlvcreins statt. Der Vorstai.d. Tegel. 2ie heute fällige Mitgliederversammlung findet am Dienstag, den 23. d. M.. statt. Morgen, Mittwoch(Bußtag), findet eine Fußpartte nach Heiligensee und zurück über Joersfelde-Tegelort statt. Abmarsch 8 Uhr früh vom Genoffcn Krause, Berliner Straße 11. Die Ge- nossm und Genossinnen werden ersucht, sich zahlreich daran zu be- tciligen. Die Bezirksleitung. Schöneichc und Umgegend. Mittwoch, den 17. November(Büß- tag), nachmittags 5 Uhr, findet im Lokal von Höhne. Fichtenau, .Gesellschaftshaus" eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: „Die neuen Steuern und die Stellung der Frau dazu". Referentin: Wilbelmine Kahler- Düsseldorf. Diskussion. Genossen! sorgt für Massenbesuch. Der Einberufer. Neimckendorf-West. Heute>abend 8 Uhr findet die außerordent- liche Generalversammlung des Bezirkswahlvcreins im Lokal von H. Schiller. Eichbornstr. 60, statt. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Bezirksleitung. Rcinickcndorf-Ost. Heute abend 8 Uhr findet im„Kastanien- waldchen" iH, Ramlow) Schönholz 14, eine öffentliche Versammlung statt, zu der insbesondere die Frauen ein- geladen sind. Genossin Luise Zieh spricht über:„Die AuS- raubung des Volkes durch die neue» indirekten Steuern." Franz. Buchholz. Morgen Mittwoch Kalenderverbreitung. Treff- Punkt am Bahnhof Blankenburg. Pnukilich 7 Uhr 20 Miliüte» Ab- marsch. Treptow- Baiimschulenweg. Heute Dienstag, abends 8'/z Uhr. in Speers Festsälen, Bauinschulenstr. 78: Volksversammlung. Genosse Dr. Max Schütte spricht über:„Die Bedeutung der sozialdemo- kratischen Wahlerfolge."— Freie Aussprache. Der Vorstand. Spandau. Die ordentliche Generalversammlung des Wahl- Vereins findet heute Dienstag, abends 8>/, Uhr, im Lokal von Emil Köpnick, Pichetsdorfer Straße 39. statt. Tagesordnung: 1, Bericht des Volstandes und Kassierers vom dritten Quartal. 2. Stellungnahme zu der am 28. November in Spandau stattfindenden Kreis- Generalversammlung. 3. Wahl von drei Delegierten. 4. Stellung- nähme zum preußischen Parteitag. S. Verschiedenes.— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Genossen, welche im Besitz eine? Fahrrades sind und am Mittwoch, den 17. November(Bußtag), bei der Kaleliderverbreitung in den uns unterstellten Landbezirken helfen wollen, treffen sich morgens 6l/2 Uhr bei Emil Schubert, Kurstr. 21. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Die Krankenkassen Berlins in der Zeit der Wirtschaftskrise. Die Gewerbedeputation der Stadt Berlin hat für das Etatsjahr 1908(April 1908 bis März 1909) ihren Verwaltungsbericht erstattet, und der Magistrat übergibt ihn jetzt der Oeffentlichkeit. Ueber die Berliner Orts-, Getriebs- und JnnungS- k r a n k enk a ff e n, deren Beaufsichtigung von dieser Stelle aus besorgt wird, bringt der Bericht wieder die übliche Statistik. Ihre Zahlen sind diesmal sehr viel ungünstiger als im Vorjahre und lassen den Einfluß der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit so deutlich erkeiisien, daß selbst der Bericht diesen Zusammenhang nicht unerwähnt lassen kann. Am Schluß des Etatsjahres, d. h, zum 31. März 1909, standen unter der Aufsicht des Magistrats 130 Kranken- lassen, nämlich 54 Ortskrankenkassen, 02 Betriebskranken- lassen, 18 Jnnungskrankenkassen und die Gemeindekranken- Versicherung. Gegenüber dem vorhergehenden Jahre haben wieder die Bctriebskrankenkassen sich vermehrt, diesmal um 3, und vennehrt haben sich diesmal auch die Jnnuligskranken- kassen um 2, während die Zahl der Ortskrankenkassen unverändert geblieben ist. Die Mitgliederzahl war im Durchschnitt des Etatsjahres 1908(bczw. 1907): bei den Ortskrankenkassen 303 895 (316 331) männliche und 230 771(229 762) weibliche Mitglieder, bei den Betriebskrankeukassen 105 611(103 079) männlichz und 33 414 (31 821) weibliche Mitglieder, bei den Jnnungskrankenkassen 41294(39 833) männliche und 10 662(8989) weibliche Mit glieder, bei der Gemeindekrankenversicherung 19(17) männliche und 39(39) weibliche Mitglieder, also bei allen unter Aufsicht des Magistrats stehenden Krankenkassen zusammen 450 819(459 265) männliche und 274 886(270 611) weibliche, überhaupt 725 705 (729 876) Mitglieder. Die Gesamtzahl zeigt diesmal gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme nur noch bei den weiblichen Mit- gliedern(4275 mehr), um so größer ist aber die Abnahme bei den m ä n n l i ch e n Mitgliedern(8446 weniger), so daß schließlich eine Abnahme um überhaupt4171 Mitglieder herauskommt. Die Ortskranken- lassen haben sogar 11 427 Mitglieder verloren, während gegen- über dem Vorjahr die Betriebskrankenkassen 4125 Mitglieder mehr, die Jnnungskrankenkassen 3129 Mitglieder mehr(und die Gemeinde- krankenversicherung 2 Mitglieder mehr) hatten. Das bedeutet eine weitere Verschiebung zu Ungunsten der Ortskranken- lassen, deren Machtbereich ohnedies seit langem besonders durch die immer weiter sich inehrenden Betriebskrankeukassen eingeschränkt worden ist Mit der im Jahre 1908 eingetretenen Minderung der Gesamtzahl der Krankenkasienmitglieder um 4171 vergleiche man, daß das Jahr 1907 eine Zunahme noch um 19 453 Mitglieder(4132 männliche, 15321 weibliche), das Jahr 1906 eine Zunahme gar noch um 40 345 Mitglieder(22 453 männliche, 17 855 weibliche) gebracht hatte. Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen haben zu dieser Minderung der Mitgliederzahl der Krankenkassen geführt Daß eS dabei auch für die männlichen Mitglieder zu einer Abnahme, für die weiblichen aber nur zu einer Verlangsamung der Zunahme kam, ist eine Erscheinung, die in solchen Zeiten oft beobachtet wurde. Wenn Befchäftigungsmangel zu Bctriebseinschränkungcn nötigt, werden in vielen Industriezweigen zuerst männliche Arbeitskräfte entlassen, und für weibliche Arbeitskräfte kann sich dann zunächst sogar noch eine Steigerung der Nachfrage ergeben. Hat die Arbeitslosigkeit auf der einen Seite den Mit- gliederbestand ungünstig beeinflußt, so hat sie auf der anderen Seite die Inanspruchnahme der Krankenkassen gesteigert. Die mit Erwerbsunfähigkeit verbundenen Erkrankungssälle haben sich beträchtüch gemehrt, besonders bei den männlichen Mitgliedern. Alle Kassen zusammen hatten in 1903(bezw. 1007) Er- krankunge» von 214 553(204 940) männlichen und 124 837(117 501 weiblichen Mitgliedern, 47,6(44,6) Erkrankungen auf je 100 mann- liche und 45,4(43.4) auf' je 100 weibliche Mitglieder. Man sieht, wie sehr da die relative Krankenziffer gestiegen ist. Ungefähr ent- sprechend der Mehrung der Erkrankungssälle hat mich die Zahl der KrantheitStage sich gesteigert. Sie Ivar in 1903(bezw. 1907) bei den männlichen Mitgliedern 5 497 373(5 226 546), bei den Weib- lichen 3 676 344(3 471 380), mithin stellte sich die K r a n k h e i t S- d a u e r im Durchschnitt bei den männlichen Mitgliedern aus 25,62 (25,50) Tage, bei den weiblichen auf 29.46(29,54) Tage. Vergleicht man die Gesamtzahl der Krankheitstage mit der Gesamtzahl der Versicherten, so ergeben sich für jedes versicherte männliche Mitglied 12.19(11.38) Tage, sär jedes ver- sicherte weibliche Mitglied 13,37(12.83) Tage. Die S t e r v l i ch- keit hat bei den männlichen Mitgliedern sich verringert, bei den weiblichen sich etwas erhöht. In 1903(bezw. 1907) starben 4037 (4336) männliche und 1795(1679) weibliche Mitglieder. 1.90(2.12) Prozent der männlichen Erkrankten und 1,44(1.43) Proz. der weib- lichen oder 0,91(0,94) Proz. aller männlichen Versicherten und 0,65 (0,62) Proz. aller weiblichen. Der Bericht hebt hervor, daß die Ursache dieser stärkeren In- anspruchnahme der Krankenkassen hauptsächlich in der herrschenden A r b e i t S l 0 s i g k e i t mtd den dadurch bedingten zahlreicheren Krank- Meldungen zu suchen sei. DaS wird zutreffen; denn in der Tat ist die Zunahme der Krankmeldungen regelmäßig die Begleiterscheinung einer Zunahme der Arbeitslosigkeit. Vorschnell wäre es aber Hieraiis den Schluß zu ziehen(dem man oft begegnet), daß da in erheblichem Umfange die Krankenkasse als Arbeitslosen« Versicherung mißbraucht werde. Es ist durchaus begreiflich, daß ein Arbeiter, so lange er noch Beschäftigung hat, möglichst lange jede Krankmeldung vermeidet und erst im letzten Augenblick seine Anspräche an die Krauieukasse geltend macht. Die gestrige Sitzung der Städtischen Gasdcputation hatte sich unter anderem auch mit der Festsetzung der Lohntabelle für das nächste Jahr zu beschäftigen. Die Vorschläge der Direktion be- schränkten sich darauf, den Endlohn der Betriebsmauuer von 5,50 auf 5,80 M. uud den Endlohn der Ofcnbaupolierer auf 73 Pf. pro Stunde zu erhöhen. Dann soll den beim Graphiticrcn beschäftigten Arbeitern während dieser Tätigkeit ein Lohnzuschlag von 8 Pf. pro Stunde bezahlt werden. Demgegenüber lag von sozialdemokratischer Seite der Antrag vor, die Löhne der in den städtischen Gaswerken beschäftigten Ar- beiter und Saudwerler um ungefähr 25 Pf. pro Tag zu erhöhen und eine Subkommission zu beauftragen, gemeinsam mit der Direktion entsprechende Einzelborschläge auszuarbeiten. Dieier Vorschlag wurde mit ollen Stimmen gegen die Stimme des Antrag- stellers abgelehnt, wobei besonders betont wurde, daß die Löhne der ungelernten Arbeiter in den Gaswerken bedeutend höher seien als in der Privatindustrie. Auch wurde darauf hingewiesen, daß jetzt in der Zeit der Krise cine Ursache zu Lohnerhöhungen nicht vorläge, um so weniger, als die Gaswerke um ungefähr 600 000 M. schlechter abgeschnitten hätten, als erwartet wurde. Die im vorigen Jahre vorgenommene Verkürzung der Arbeitszeit sei an; sich eine bedeutende Erhöhung der Stundenlöhne. Ebenfalls mit allen Stimmen gegen die Stimme des Antragstellers wurde der sozialdemokratische Antrag, eine andere De- klaration des Begriffes„Dienstplanmätzige Ueberstunde" vorzu» nehmen, abgelehnt. Die Direktion steht auf dem Standpunkt, alle Arbeiten, die jährlich in bestimmten Zeiträumen wiederkehren, z. B. auch die beim Umzugstcrmin in den Häusern zu leistenden Ar- beiten, als dienstplanmäßige Arbeitszeit zu betrachten und beim Ucberschreiten der regelmäßigen Arbeitszeit einen Zuschlag für Ueberstunden nicht zu zahlen. Demgegenüber verlangte der sozialdemokratische Antrag, daß als dienstplanmäßige Arbeit nur solche zu betrachten sei, die im täglichen Betriebe der Gaswerke regelmäßig vorkommt. Die Direktion betonte, daß die Gaswerke ein Saisonbetrieb seien, bei dem sich wellenähnlich ein Auf und Ab aneinander anschließt, so daß auch solche in längeren Zwischen- räumen vorkommende Arbeiten als dienstplanmäßige betrachtet werden müßten. Die Deputation schloß sich dieser Auffassung der Direktion an. l Eibe 11 falls mit allen Stimmen gegen die Stimme des Antrag» stellers wurden die sozialdemokratischen Anträge abgelehnt, den Magistrat zu ersuchen, eine Aenderung der Ferienfestsetzung dahin vorzunehmen, daß bereits nach einem Dicnstjahre ein Urlaub von 7 Tagen und nach 5 Jahren ein solcher von 14 Tagen gewährt werde; daß ferner der Magistrat ersucht werde, seine Verfügung betreffs Verweigerung einer dienstlichen Bekanntgabe der Ent- scheidungcn der Direktion an die Mitglieder der Arlxitterausschüsse zurückzunehmen. Hierbei wurde indessen ausdrücklich festgestellt, daß die Ausschußmitglieder das Recht hatten, den dem Vorsitzenden des Arbciterausschnsscs, also dem betreffenden Betriebsleiter zu- gegangenen Descheid durchzulesen und sich selbst eine Abschrift davon zn nehmen. Schließlich wurden die von der Direktion vor» geschlagenen Aendcrungen, die nur für einige wenige Personen in Betracht kommen, angenommen. Die Direktion hatte vorgeschlagen, den Stundenlohn der Glüh- strumpfabbrennerinnen auf 23 Pf. festzustellen. Hierbei wurde sogar von der äußersten Rechten der Deputation darauf aufmerk» sam gemacht, daß bei diesem Lohn nicht einmal der ortsübliche Tagelohn erreicht werden würde und wurde dann auch eine Er- höhung des Lohnes auf 25 Pf. angenommen. Die Polizei im Gemeindekirchenrat. Aus Anlaß der Kirchen- Wahlen sind ungezählte Tausende von Flugblättern seitens der einzelnen Kirchengemeinden in Umlauf gesetzt worden. Die Unter- schriften dieser Flugblätter ließen erkennen, daß neben anderen Beamten namentlich auch viele Polizeibeamte den positiven Kircken- Vertretungen angehören. In fast jedem Gemeindekirchenrat sitzen mindestens zwei oder drei Schutzleute und Kriminalbeamte, in einigen sechs und noch mehr Polizeier. So nötig unserer Polizei die Besserung ist. sind wir natürlich weit davon entfernt, aus diesen Anzeichen zu glaubem daß sie sich wirklich bessern wird. Bei der positiven kirchlichen Richtung ist ja am allerwenigsten etwas von christlicher Nächstenliebe zu lernen. Man wählt offenbar deshalb neuerdings mit Vorliebe Polizeiboamte in die Kirchenvertretungen hinein, weil derartige Leute für ortho- doxe kirchliche Zwecke am biegsamsten sind und aufs Pastorale Kommandowort Ja und Amen sagen. Selbswerständlich gehören alle diese Sonntagsheiligen auch dem in Berlin kürzlich gebildeten Bund christlicher Polizeibeamten an, die ihre frommen Versamm- lungen im Gemeindehause, Schönhauser Allee 142, in Moabit bei Bolle und in Rixdorf abhalten. Auch auf jeder Polizeiwache wird durch Anschlag auf den Beitritt zum PolizeiverfrommungSbund hingewiesen. Werden die von oben herab dirigierten Besserungs- versuche Erfolg haben? Wir glauben kaum. Uebrigens machte es sich recht interessant, daß bei den am Sonn- tagmittag stattfindenden Kirchenwahlen zahlreiche Stimmzcttelver- teilen vor den Kirchen standen und Propaganda für die verschiedenen kirchlichen Richtuilgcn machten. Wir haben nichts gegen diese kirchliche SonntagSpropaganda. finden es nur unbegreiflich, daß gerade unsere Frommen am lautesten nach VerfrommungSverordnungen geschrien haben, nach Verordnungen, die sich im wesentlichen gegen die Flugblattver- breitungen von sozialdemokratischer Seite richten. Die Berliner Liberalen können einen Erfolg verzeichnen; sie haben bei den Kirchcnwahlcn in einigen Gemeinden die positive Richtung verdrängt. Nachdem sie ans den politischen Wahlen— Landtags- wie Stadtverordnetenwablen— so zerschunden heimgekehrt sind, gönnen wir ihnen neidlos Balsam auf ihre Wunden. Aus dem Gebiete der Kirche erwächst unseren Liberalen wenigstens keine Kon- kurrenz durch die Arbeiter. Die„Wahrheit", das Organ des Reichstagsabgeardneten Wilhelm Bruhn, erscheint seit dem blamablen Ausgang des Dahsel- prozesies in einer neuen Fasson. Der berüchtigte ständige Skandal- artikel auf der dritten Spalte der Titelseite ist durch eine ziemlich harmlose Plauderei erfetzt worden, und auch der übrige Text des „nationalen" Blattes ist gegen früher außerordentlich lammfromm geworden. Wahrscheinlich hat Bruhn weniger vor dem gegen ihn schwebenden Untersuchungsverfahren„Manschetten" bekommen, als vor der öffentlichen Meinung, das heistt vor dem unz-veideutigcn Rückzug seines Leser- und Interessentenkreises. Die Straßen- Händler schreien stch jetzt die Kehle heiser, ohne viel Gegenliebe zu finden, und im Inseratenteil fehlen die fetten Vollseiten be. kanntester Großfirmen, die bisher Vruhns Taschen füllten. Selbst das Inserat von Rudolph Hertzog ist nicht mehr zu sehen. Wenn es an den Geldbeutel geht, wird mancher cm schnellsten kuriert Soldatenselbstmord. In der Nacht zum Sonntag hat sich ein Rekrut von der 8. Kompagnie des 2. Garde-Rcgiments zu Fuß w der Kaserne in der Friedrichstraße erhängt. Die Leiche wurde am Sonntag früh aufgefunden. Ein Ossizier holte sofort emen Arzt. der Wiederbelebungsversuchs anstellte, die aber seinen Erfolg hatte». Ein anderer Rekrut dieser Koinpaguie war kurz vorher desertiert. ES wäre wünschenswert, näheres über die Gründe zu erfahren, die den jungen Mann in den Tod getrieben haben. Im Polizciflcwnhrsiini gestorben ist gestern der 63 Jahre alte obdachlose Topsbinder Otto Schleikerk, der bei einer Streife vorn 105. Revier in einein Laubengelände angehalten worden war. Eiue Ncvolvcrschicßcrei fand am Sonntagnachmittag in einer Wohnung des Hauses Lützowstr. 100 statt. Tort gab der 3Sjährige Kellner Johannes Schössow auf eine mit ihm zuiammenwohnende Krau Lohe Revolverschüsse ab und schob sich eine Kugel in die Schläfe. Frau Lotze wurde unerheblich verletzt, während Schössow schwer- verletzt nach der Charilö gebracht werden mubtc, wo er gestern nach- mittag 4 Uhr starb. Zwei gefährliche Heiratsschwindler wurden von der Kriminal- Polizei unschädlich gemacht. Ein verheirateter Kaufmann und Hhpothekeuverinittler Paul Zahn hatte es besonders auf junge Damen im Westen der Stadt und in westlichen Vororten abgesehen. Am liebsten waren ihm die heiratslustigen Mädchen, die irgend welche ErbschaftSstreitigkeiten hatten und Rat bedurften. Zahn tröstete sie, indem er ihnen die Ehe versprach, ihm Vollmacht zu geben und Forderungen zu zedieren. DaS Geld, daS sie besaßen, nahm er ihnen ab. Uever daS Treiben der Einbrecher im Nichtcrtalar haben die fortgesetzten Ermittelungen der Kriminalpolizei weitere Ausklärung gebracht. Es steht jetzt fest, daß Lädt che und Homburg auch in Leipzig beim Amts- und Landgericht sich Kostenrechnungsformulare zu verschaffen wußten und auch dort als falsche Gerichtsvollzieher Beträge bis zu 140 M. einkassiert haben. Einen schaurigen Fund machte gestern ein Bahnbeainter in einem Stadlbahnzuge. Auf der Fahrt von Tempelhof nach Schöneberg war es einem Fahrgast eine» SadringzugeS aufgefallen, daß im Gepäck- netz ein Paket lag, obwohl außer ihm niemand im Abteil war. Auf der Station Schöneberg machte er den Zugbegleiter aufmerlsam und dieser nahm das Paket an sich. Während der Fahrt nach dem Pots- damer Bahnhof öffnete der Beamte das Paket und fand darin zu seinem Schreck ein totes Kind vor. Man vermutet, daß eine fremde Dame, die in Tempelhof eiligst den Zug verlassen hat, mit dem Leichenfund in Verbindung zu bringen rst. Die Leiche eines neugeborene» Mädchens wurde om Sonnabend- abend auf denr Flur des Hauses Ziegelstr. 3 von dem Pförtner ge- funden. Eine Arbeiterin Nitz aus der Tieckstr. 4 ist wegen Verdacht des Kindesmordes verhaftet worden. Auf dein Grundstück Petersburger Str. 8S fand die HauS-- reinigerin gleichfalls die Leiche eines neugeborene» Mädchens, die in ein Stück einer grauen Schlafdecke und in einen Zuckersack ein gewickelt war. Aus dem Fenster stürzte stürzte sich vorgestern abend ll'/� Uhr der 34 Jahre alte Arbeiter Otto Meirich, der aus Schlesien stammt und am vergangenen Donnerstag erst von der Wanderschaft zurück- kehrte. Er mietete sich eine Schlafstelle in dem Hause Schulzen- dorfer Straße 17a. Er wurde schwer verletzt nach dem Virchow- Krankenbause gebracht, wo er gestern morgen seinen Verletzungen legen erlegen ist. Der Arbeiter- Schachklub weist Schadhintereffenten auf die im Inseratenteile angelündigte Veranstaltung\m Gewerkschaftshause hin. Zeugen gesucht! Diejemgen Personen, welche gesehen haben, wie am Mittwoch, den 20. September, nachmittags kurz vor 3 Uhr, eine junge Dame an der Ecke der Runge- und Brückenstraße von der Automobil-(Bedag) Droschke 10 361 überfahren und tödlich verletzt wurde, werden gebeten, ihre Adressen, bezw. Wahrnehmungen dem Vater der Getöteten, Malermeister Hermann Schulz, Berlin N., Ackerstr. 40, gefälligst mitteilen zu wollen. Wer ist der Tote? Am 9. November gegen 9?L Uhr abends wurde in der Schönhauser Allee vor dem Grundstück Nr. 168 ein zirka 30 Jahre alter, anscheinend dein Arbeiterstande angehörender tNann beim Ueberschreiten des FahrdammS von einer Kraftdroschke, deren Nummer nicht bekannt geworden ist, umgestoßen und über- fahren. Der Mann trug außer inneren Verletzungen einen schweren Schädelbruch davon und starb während des Transports nach dem Virchow-Krankenhaus. Wenn der Getötete richtig verstanden worden ist. heißt er Robert Völker. Seine Persönlichkeit ist indessen noch nicht festgestellt. Er war bekleidet mit schwarzem Jakett, schwarzer Weste, graugestreiftcr Hose, grauen Strümpfen, schwarzen Schnallenschuhen und weißem Hemd. Er hat einen blonden Schnurr- bart, dunkelblondes, kurzgeschnittenes Kopfhaar, blaue Augen und auf der Brust eine Tätowierung in Form eines Sternes und ziveier Fahnen. An der linken Hand fehlen vier Finger. Die Leiche befindet sich im hiesigen Leichenschauhaus. Der Kraftdroschkenführer ist noch nicht ermittelt. Personen, welche über seine Persönlichkeit sowie über die Persönlichkeit des Getöteten oder über den Vorfall selbst zeugenschriftliche Angaben machen können, werden ersucht, sich bei der Kriminalpolizei oder auf einem Polizeirevier zu 4b8S IV 41. 09 zu melden. Der Gesangverein„Berliner MSnnerchor" veranstaltet am Büß- tag im„Deutschen Hof", Lnckaner Str. lö, ein Herbstkonzert unter Mitwirkung namhafter Solisten. Da genannter Verein die Der- anstaliungen der Partei unterstützt, hofft er auf eine rege Beteiligung der Genossen._ Vorort- JVach richten* Lichtenberg. Maulwurfs-Wahlarbeit treiben unsere Gegner. Die von Grund- besitzervereinsgnaden habe» am 12. November unter hermetischem AuSscklnß der Oeffentlichkeit eine Stadtverordnetenwahlversammlung abgehalten, in der nach einem Bericht unseres OrtSblättchenS folgendes geschah: „Nachdem Herr Dr. Bokofzer einen Ueberblick über die Tätig- keit der Stadlverordneten in den letzten zwei Jahren gegeben und die in einem sozialdemokratischen Flugblatt gegen unsere bürger- kicken Vertreter im Stodtparlameul erhobenen frivolen Angriffe auf ihre völlige Haltlosigkeit zurückgeführt hatte, beschäftigte sich die Versammlung mit Bgitationsfragen," Die Herrschaften denken: Für unsere Wähler muß die Jnfor- mation genügen. Vor einigcn Tagen hat das Blättchen einen Be- rickt über unsere Versammlung, in der Genoffe Düwell referierte. nach dem Referat im„Vorwärts" zusammengestoppelt. Rawrgemäß kann ein Zeitungsbericht nur einiges von einein Referat wieder- geben. Das Ortsblait unterschlug noch einiges von dem was im „Vorwärts" stand und deklariert dann alles, was darin fehlte als vom Referenten unterschlagen. Solcher Taktik folgend, müßten wir argumentieren: Dr. Bokofzer hat alles unter- schlagen. Jedenfalls hat das Blatt alles unterschlagen, wie eS wohl- weislich bei Erörleruug der KrankenhauSangelegenheit nichts von der frivolen Verdächtigung deS ersten Bürgermeisters durch einen der Erstklassigen verlautbaren lassen wird. Die Maulwurfsarbeit unserer Gegner ist daS Eingeständnis ihres Bankrotts. Sie müssen sich hinler verichloffene-Türen flüchten, und ihre hier vollführten Helden- taten deckt der Mantel der Verschwiegenheit. Wir kondolieren zum Begräbnis l Ter Gesangverein„Lichtenbcrger Mannerchor" veranstaltet am Bußtag, den 17. Novembev, abends 6 Uhr, im Lokale von Schwarz, Möllendorfstr. 26, eine Familienfeier. Rixdorf. Aus dem Fenster des zweiten Stockwerks gesprungen ist in der 5!acht zum Sonntag die 28 Jahre alte ledige Emma Bock tn der JonaSstr. S. Sie wohnte bei ihren Eltern und war mit dem Vater von einem Spaziergang Heimgekommen. Ohne jede Ursache sprang dann plötzlich die Bock aus dem Fenster auf den Hof hinab und blieb dort liegen. Ein herbeigeholter Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Vermutlich ist die Tat auf Geistesstörung zurückzuführen. Ucbcr die Hilfsschule I in der Kaiser-Friedrich- Straße sind uns dieser Tage Klagen zugegangen, die, wenn sie voll und ganz zutreffen, auf das strengste gerügt werden müssen. So wird uns mitgeteilt, daß der Herr Lehrer Sasse einige der in der Klasse unterrichteten Schüler während des Unterrichts mit verschiedenerlei Arbeiten für seinen Privatbcdarf beschäftigt. Und zwar soll es sich dabei um Arbeiten handeln, die ganz gut von Arbeitern vcr- richtet werden könnten. T-as wäre in der Tat ein starkes Stück. Kein Mensch gibt Herrn Qj ein Recht, Schüler dem Unterricht zu entziehen und sie für private Zwecke zu verwenden. Dein zurück- gebliebenen Schüler tut ein gründlicher Unterricht doppelt not. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen zwei Straßenbahn- wagen ereignete sich Sonntagnachmittag vor dem Grundstück Her- mannstr. 79/84. Der Wagen 1684 der Linie 58 fuhr auf den Wagen 1359 der Linie 94, wobei beide beschädigt und Personen verletzt wurden. Frau Antonie Krobilowski, Mariannen-Ufer 24, erlitt Ouetschuiigen an Armen und Beinen, der Arbeiter Rud. Schmidt, Liegnitzec Straße 2 und der Buchbinder Gust. Tschanter, Julius- straße 48, Verletzungen am Kopf, Frau Ida Streicher, Görlitzer Straße 46, Wunden durch Glassplitter am Munde. Die Schuld- frage»st noch nicht geklärt. Charlottenvurg. Bei den am Sonntag vorgenommenen Delegiertenwahlen zur hiesigen Allgem. Ortskrankenkasse erschienen 1455 Wähler. Die Liste der Gcwerkschaftskommission erhielt 1490 Stimmen. 55 Stimmen waren teils ungültig, teils zersplittert/ Die Wahl nahm einen ruhigen Verlauf. Ein folgenschwerer Gcriisteinsturz, bei welchem zwei Personen verletzt wurden, hat sich gestern morgen gegen 3 Uhr auf dem Neu- bau Bismarckstr. 102 ereignet. Der Stcinträger Adolf Rüdiger aus der Wieseustr. 43 halte zur genannten Zeit eine Mulde Ziegelsteine nach der zweiten Etage gebracht und warf sie dort an der Arbeitsstelle der Maurer auf das Gerüst. In demselben Augen- blick brach die Rüstung, die vermutlich durch den Sturm am Sonnabend gelockert war, teilweise znsaminen und Rüdiger, sowie der Maurer August Wunstedt aus der Ernststr. 1 in Tegel stürzten mit den Brettern, Balken und Steinen in die Tiefe. Die übrigen Bauarbeiter eilten sofort- zu Hilfe und es gelang ihnen auch, die beiden verunglückten Kollegen in kurzer Zeit zu befreien. Die beiden Männer wurden nach der Unfallstation in der Berliner Straße gebracht. Wunstedt hatte eine schwere Quetschung des Rück- grats und der Schulter sowie erhebliche Hautabschürfungen erlitten und mußte noch dem Krankenhause Westend Lbergeftihrt werden. Rüdiger, der mit mehreren Kopswunden davonkam, konnte sich, nach- dem er auf der Unfallstation verbunden worden war, nach seiner Wohnung begeben. Ichöncderg. Der Jugendbildungsausschuß teilt mit: Am Mittwoch(Bußtag) findet ein Ausflug nach Pickelsiverder zun»„alten Freund" statt. Abfahrt früh O'/z Uhr vom Bahnhof Ebcrsstraße. Am Freitag, den 19. November, ist der sechste Vortragsabend bei Poschmann, Vorbergstr. 9. Vortrag des Genossen Ohlendorf. Wir bitten um recht rege Beteiligung der Jugendlichen. Erwachseue können ebenfalls an allen Veranstaltungen teilnehmen. In der Konkurrenz um eine auf dem Barbrossa-Platz aufzu- stellende statuarische Gruppe hat die aus den Bildhauern Profsoren Monzel und Hosäus, den Mitgliedern der Kunstdeputation und den Bürgerdepulierien Profeffor Brunow und Dr. Osborn bestehende Jury ihr Urteil gefällt. Den ersten Preis erhielt Emil Renker für seine»„Schäferbrunnen", den zweiten Preis Ernst Wenk für seinen „Roland von Schöneberg", den dritten Konstantin Stark für den Entwurf Schöneberg. Außerdem waren zum Ankaufe bestimmt die Entwürfe von Bernhard Frydag und von Eduard Weber, zum An- tauf empfohlen„Barbarossa" von Peter Bräuer nnd„Frau Sage" von George Morin. Die Ausstellung der sämtlichen 153 eingesandten Arbeiten ist auf dem Druckenmnllerschen Grundstück am Teinpethofer Weg Ecke Gothenstraße(Straßenbahn 23»nd Südring I> von Mon- tag. den 22.. ab von 19—2 Uhr für daS Publikum geöffnet. Zehlendorf(Wannfeebahn). Selten hat unsere Gemeindevertretung soviel Sitzungen npt- wendig gehabt, wie jetzt. Und zwar nur deshalb, um zu entscheiden, ob drei oder vier Prozent Veitrag zu den Kanalisatlonskosten zu zahlen sind. In der ersten Lesung waren vier Prozent beschlossen. Die von uns gemeldete Hausbesitzerversainnrlung hat nun in der Tat das Kampffeld sehr zugunsten der drei Prozent-Gruppe ver- schoben. Beinahe hätte sie in der letzten Sitzung in zweiter Lesung einen Sieg errungen. Ein taktischer Zug der Herren Hammer und Nienkämper, den die drei Prozent-Gruppe nicht zu parieren ver» stand, führte dahin, die ganze Angelegenheit noch einmal an die Kommlssion, die erheblich erweitert wurde, zurückzuverweisen. An dem Ergebnis wird es nicht viel ändern. Die Hausbesitzer, wollen nur 3 Proz., und selbst der Bürgermeister wies darauf hin, daß nach seiner Meinung die Sache nun soweit geklärt scheine, daß nach Einreichung der Rösolution der Hausbesitzer drei Prozent beschlossen werden. Noch einmal behauptete er. daß die Besitzer der ungeheuren unerschlossenen Terrains keinen Nutzen von der Kanalisation haben. Die selbstverständliche Wertsteigerung bei solchen Anlässen scheint er ganz zu vergessen. Ilm den Einwand der drei Prozent-Gruppe zu entkräften, verwies der Vertreter Hammer mit Recht darauf, daß, ob drei oder vier Prozent, die Kosten doch auf die Mieter ab- gewälzt werden. Er selbst sehe sich veranlaßt, zu steigern. Er glaubte nun gerade für die Mieter und Arbeiter, die, wie er sagte, auch ihn gewählt haben, die vier Prozent fordern zu müssen. Eine sonderbare Logik! Ein Antrag Hammer, daß durch die Vertretung die Ausstellung der Grundwerte vorgenommen werden solle, und daß ein Plan der Aufstellung zeitig genug vorzulegen sei, bot dann der vier Prozent-Gruppe die erwünschte Gelegenheit, die Rückver- Weisung an die erweiterte Kommission durchzusetze». Ein Punkt von gleicher Wichtigkeit betras die Nealschulfrage. Auch hier drängte ein Teil der Vertretung auf Schaffung eines Reformrealgymnasiums, während der andere Teil die Realschule zur Oberrcalschule ausgebaut wissen wollte Im Mai hatte man die Schaffung einer Oberrealschule beschlossen und zur weiteren Vertretung eine Kommission, bestehend aus dem Bürgermeister, Herrn Hammer und Herrn Grafen Dohna, eingesetzt. Wie sehr die Kommission für die Beurteilung der Frage geeignet war. geht daraus hervor, daß Herr Hammer selbst zugestehen mußte, daß er bei seinem nicht genügenden Verständnis für die Frage sich leichter von den praktischen Schulmännern habe überzeugen lassen. Bei dem Herrn Grafen Dohna steht allerdings das Verständnis außer allem Ztveifel. Hat er doch kürzlich, als die Teilung der Sexta auf der Tagesordnung stand, den Ausspruch getan, daß 50 Schüler str einen tüchtigen Pädagogen nicht zuviel seien. Man schlug nun es handelt sich ja um die besitzenden Klassen— z-lvei Fliegen mit einer Klappe. Als Beschluß wurde nach mehrstündiger Be- ratung angenommen, daß im alten. Ortsteil eine Realschule errichtet wird. Tie Realschule wird zur Oberrealschule ausgebaut. Gleich- zeitig wird mit dem Aufbau des Rcformrealgymnasiums begonnen, das dann später mit der Oberrealschule verbunden und nach dem westlichen Teil des Ortes verlegt werden soll. Die Gebäude sollen möglichst bald errichtet werden. Zum 1. April 1910 soll zur Leitung dieser Anstalten ein Resormrealgymnasialdirektor angestellt werden. Der Ausbau in der bezeichneten Weise macht sich notwendig, weil 11 Schüler die Absicht haben, zum 1. April in die höhere Lehranstalt überzugehen. Wie schnell es geht, wenn es sich om die besitzende Klasse handelt! Damit vergleiche, man, daß die seit Fahren be- schlossene Volksschule in der Wilhelmstraße immer noch auf sich warten läßt. Aus der Dr. Sorauer-Stiftung, die Unbemittelte alljährlich im Winter mit Kohlen versehen will, soll laut Beschlutz der Gemeinde- vorstand die Verteilung vornehmen. Treptow-Baumschulenweg. Glück im Unglück hatte der Arbeiter Fechner. der auf dem Neubau deS Rathauses beschäfligt war. Gestern nachmittag stürzte F. inkolge eines Fehltritts aus der Höhe deS dritten Stockwerks in die Tiefe hinab. In diesem Augeu�lick wurde ein großer Sandslein mittels der Winde emporgezogen, Kr befand sich in der Höhe de» zweiten Stockwerks, als F. bei seinem Absturz mit der Kleidung daran hängen blieb. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so wäre der Verunglückte auf die auf dem Bauhof ansgestapelteu Steine gestürzt und Zweifel- los zerschmettert worden. So lani F. denn mit unerheblichen äußeren Verletzungen davon. Friedenau. AuS der Gemeindevertretung. Da sich eine Erweiterung des Friedhofes notwendig macht, wurden zu diesem Zwecke 1050 M. bewilligt. Die Bautätigkeit ist im letzten Jahre im Orte ganz er- heblich gestiegen. Es waren au Gebühren iür Beaussichtigung von Bauten fiir das laufende Jahr 19 000 M. veranschlagt. Eingegangen sind bis jetzt schon 14 348 M.. sodaß nach Angabe des Bauraies mit einer Einnahme von 30 000 M. gerechnet werden kann. Zurzeit liegen noch 30 Gesuche für Wohnhäuser zur Prüfung bor. �Infolge dieser erheblichen Steigerung ist die Anstellung von Hilfskräften bei der Baupolizei notwendig geworden. ES wurden zu diesem Zwecks 3133 M. bewilligt. Für die innere Einrichtung des Realreform- gymnastums, welches insgesamt mit 700 000 M. veranschlagt ist, wurden 72 000 M. gefordert. Dies zeitigte eine lebhafte Aussprache, wie man sie bei unseren ruhebedürftigen Ge- meindevätern sonst nicht gewohnt ist. Die Herren Homuth und Hendrich verlangte», daß der Gemeindevertretung bei diesem Posten eine spezialisierte Kostcilausstellung vorgelegt werde, da ihnen der Betrag im ganzen z» hoch erscheine und sich doch vielleicht an verschiedenen Stellen Abzüge machen ließen.� Herr Weber pflichtete dem bei. Die Vorlage wurde schließlich nach einer längeren Diskussion angenommen. Da sich einzelne Straßen des OrteS immer mehr zu GelchäflS- und Verkehrsstraßen enlwickel», ist schon von verschiedenen Seiten beantragt worden, in denselben die Vorgärten zu beseitigen und Rasenstreifen, ähnlich wie i» der Rheinslratze, anzulegen. In Frage kommen in erster Linie die Schmargendorfer, die Kirch- und Saarstroße. Da in dieser Angelegenheit nur der Bezirksausschuß zu« ständig ist, wurde der Öemeiudevorstaud beaustragt, bei demselben in diesem Simie zu wirken. Trebbin(Kreis Teltow). Oeffentliche Stadtverordnetensihung. Die drei ausscheidenden Ratmänner Dork, Stundtfuß und Wichert wurden wiedergewählt. Bei der Wahl des Herrn Wichert wurde eine Stimme für Herrn August Heidowitsch abgegeben. Dies veranlaßte Herrn Stadtver» ordneten Samuel, sein Bedauern darüber auszusprechen, daß sich in der Stadtverordnetenversammlung ein Herr befindet, der�in einer so ernsten Sache die Wahlhandlung zum Popanz mache. Ter Magistrat beantragte die Einführung der Grundwertsteuer. Er geht in seiner Zuschrift von dem Grundsatze aus, eine Erhöhung der Zuschläge nach Möglichkeit zu vermeiden. Zur Deckung der Mehr- kosten könne aber nur eine Grundivertstener m Betracht kommen, wie sie bereits der Kreis und verschiedene Städte erheben. Die veraltete Grund- uiü> Gebäudesteuer würde dann in Wegfall kommen. Sämtliche Herren sprachen sich im Grunde für die neue Steuer aus. Die AngekcgenHeit wurde noch auf 14 Tage vertagt und eine Kommission eingesetzt, welche das Material zu prüfen hat. Ter Kommission gehören die Herren Samuel, Fenger, Ribbek. Haase, Schönsee, Binge an. Ter katholische Kirchenvorstgnd in Luckenwalde hat an den Magistrat den Antrag gestellt, für das von ihm kürzlich gekaufte Grundstück in der Parkstraße die Umsatzsteuer in Höhe von 20 M. nicht in Ansatz zu bringen. Nach längerer T«- battc, in welcher auch der Stadtverordnete Schottmüller vom „Kapital der toten Hand" sprach, beschloß die Versammlung mit 9 gegen 8 Stimmen den Erlaß der Steuer. Die chemische Unter- suchung des hiesigen Wasserleitungswassers hat ergeben, daß daS Wasser in chemischer wie hygienischer Beziehung völlig einwands- frei ist. Köpenick. Zur Vornahme der Wahl von zwei Abgeordneten zum Tektower Kreis rage fand am Freilag eine gemeinschaftliche Sitzung de» Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung statt. Zur Neu- Wahl standen unser Genosse Herbst, der bisher als einziger Sozial- demokrat dem Kreistag angehörte, und Stadtv. Cunitz(Lib.), der jedoch eine Wiederwahl ablehnte. Im ersten Wahlgange, der für Herbst vollzogen wurde, erhielt Genosse Herbst 36 Stimmen, zwei Stimmen sielen auf Dr. Schulze(Fr. V.). vier Zettel waren un- beschrieben. Die zweite Abstimmung ergab, daß Stadtrat Selchow mit 37 Stimmen gewählt wurde, zwei Sliinmeu waren zersplittert, drei Zettel uilbeschriebeu. An der Abstimmung nahmen insgesamt 35 Sladtverordnele und 7 Magistratsmitglieder teil. Wilhelmsruh. Bon dem HauSrecht Gebrauch machen zu wollen drohte Verstell« vertretende Vorsteher Scköffe Kurth de» Zuhörern in der letzten Gemeindcverlretersttzung. wenn- sie sich noch eimnal zu Bemerkungen versteige» sollten. Daß die gegenwärtige Vertretung den Zuhörern Anlaß zu Aeußerungen des Mißfallens gibt, läßt daraus ichließen, daß bei den kommenden Gemeindewahleu auch hier Ueberraschungen eintreten. Die Vertretung beschloß den Ankauf eines Grundstücke? zwecks Erbauung eines neuen Sevrrlhauses in Nordend, damit der Schul» niisere dortselbst in nächster Zeit ein Ende bereitet werde. Daß eine Schnlnot vorhanden ist, geht aus einem Brief eines dortigen Einwohners, den dieser an die Gemeinde« Vertretung gerichtet hatte, hervor. Unter anderem soll ein dortiger Lehrer sich ganz genau bei den Kindern»ach den Ver» hältnissen ihrer Eltern erkundigen. Von verschiedenen Gemeinde» Vertretern wurde dies bestätigt und scharf gerügt. Genosse Hascheck geißelte noch die Schulaufsicht durch die Pfarrer, die weniger ein Interesse für eine gute Schule als vielmehr nur für ihre Religion und damit für die Verdummung der Bolksschulkinder hätten. Da der Gemeindevorsteher seit dem 22. September vom Landrat wegen Nervenerkrankung beurlaubt ist. ober trotzdem als Amtsvorsteher dienstlich tälig sein soll, will auf Anregung des Genossen Haiweck sein Stellvertreter durch ein von den Geiueiiidevertretern unlerzeich- »eleS Schriftstück vom Landrat Ausklärung fordern. Nowawes. Die Wahl von drei Kreistagsabgeordneten wurde in der letzten Gemeindevertretersitzung vorgenommen. Die Wahlkommission empfahl für den ersten und zweiten Wahlgang die Wiederwahl der bisherigen Abgeördneten Bürgermeister Wintelmann und Gemeinde« Vertreter Nathan, während sie für den dritten Wahlgang es dem Plenum überließ, sich für den bisherigen Abgeordneten Gemeinde- Vorsteher a.. D. Obst oder den Genossen Gruhl zu entscheiden. Es wurden gewählt im ersten und zweiten Wahlgang der Bürger- meister und Nathan mit je 29 Stimmen. Im dritten Wahlgang entschied sich selbstverständlich die Mehrheit dagegen, der Sozial- demokratie eine Vertretung im Kreistage zuzugestehen und wählte mit 18 Stimmen Herrn Obst wieder, während für den Genossen Gruhl 12 Stimmen, darunter 8 sozialdemokratische, abgegeben wurden.— Zu dem am 15. September beschlossenen Nachtrag zur Grundwertsteuerordnung fordert der Regierungspräsident, daß durch einen erneuten Gcmcindebeschluß der Maßstab festgesetzt wird, um welchen der Steuersatz für unbebaute Grundstücke gegen- über den bebauten erhöht werden soll. Die Finanzkommission stellte hierzu folgenden Antrag:„Die Grundwerlsteuer für unbo» baute Grundstücke wird mit einem um'A höheren Satze, wie solcher nach den geltenden Vorschriften für bebaute Grundstücke zur Er- Hebung kommt, erhoben." Dieser Antrag zeitigte eine längere De- batte, in der wieder einmal das Lied von dem notleidenden Grund- besitz angestimmt murdc. Herr Häberer gab der Befürchtung Aus- druck, daß durch die Annahme dieses Antrages der landwirtschaft- liche Besitz übermäßig belastet werde. Demgegenüber betonte Herr Nathan, daß dieser Einwand nicht zutreffe; der Antrag zeuge sogar von außerordentlicher Coulanz gegen die Grundbesitzer, da in vielen Orten der unbebaute Grundbesitz doppelt so hoch besteuert sei wie der bebaute; daß der kleine Grundbesitz dadurch nicht zu hoch belastet werde, zeige auch die Tatsache, daß von dem unbebauten Grundbesitz in Nowawes nur für 2 Millionen Mark Einwohnern der Gemeinde, während für ölb Millionen Mark Gesellschaften und Personen gehört, die außerhalb unseres Ortes ihren Wohnsitz haben und sehr wohl in der Lage sind, die beantragten S�Proz.(Steuern zu zahlen. Genosse Gruhl erklärte, daß ja niemand verpflichtet sei, Grundstücke zu erwerben und sie zu Epekulcrtionszwecken liegen zu lassen; wenn jemand dies tue, dann doch nur aus dem Grunde, weil er sich dadurch einen höheren Profit verspricht, als wenn er sein Geld in anderen Werten anlege. Die Tcrraingrscllschaften, die hauptsächlich durch diese Steuer betroffen werden, legen wohl durch ihre Ländereien Straßen an, aber die Gemeinde müsse sie nach vier Jahren übernehmen, unterhalten und beleuchten. Herr Ruß bemerkte, daß durch Annahme des Antrages 20 000 M. Mehreinnahmen geschaffen werden, wovon die Terraingesellschaften 10 000 M. und der übrige Grundbesitz bOOO M. zu tragen habe; diese Mehreinnahme könnte zur Verminderung der Einkommen� steuerzuschläge verwendet werden, wodurch die Einwohner um 20 Proz. entlastet würden. Genosse Ncumann betonte, daß von manchen Leuten immer so viel über die Belastung des Grund- besitzeS geschrien werde; wenn man aber diesen Schreiern ihre Grundstücke zu dem Preise abkaufen wolle, zu welchem sie zur Steuer veranlagt seien, wolle kein Besitzer darauf eingehen, sondern verlange einen bedeutend höheren Preis; das habe sich jetzt, wo die <�«neinde Land kaufen wolle, wieder gezeigt. Es zeige sich hierbei, daß viele Grundstücke, besonders an der Ruthe, viel zu niedrig ein- geschätzt seien. Ter Antrag der Finanzkommission wurde ange- nommen.— Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete die end- gültige Beschlutzfassung über die Wertzuwachssteuerordnung, wobei cs ebenfalls zu lebhaften Auseinandersetzungen kam. Der§ 5 des vorgelegten Entwurfes besagt:„Die Steuersätze ermäßigen sich bei bebauten Grundstücken, wenn seit dem früheren Umsätze 10 rcsp. 20 resp. 30 Jahre verflossen sind, um 10. 20 und 30 Proz. Die Vertreter Reiff und Quappe erklärten diese Fassung für ungerecht und beantragten, daß bereits bei fünfjährigem Besitz eine Steuer» crmäßigung von b Proz. eintritt, die jedes Jahr um 1 Proz. steigen soll, so daß nach 30jährig«m Besitz 30 Proz. Ermäßigung der Steuer- sätze eintritt. Dieser Antrag wurde vom Genossen Gruhl bekämpft, der dattzzuf hinwies, daß dadurch eine bedeutende Verminderung der Steuereinnahmen erzielt werde; dagegen dürfte es im Jntcr- esse eines gerechteren Ausgleiches liegen, wenn der Sprung von 10 zu 10 Jahren vermieden und beschlossen würde, nach lOjährigem Besitz 10 Proz. Ermäßigung und für jedes folgend« Jahr eine wei- tere Ermäßigung der Steuersätze um 1 Proz. eintreten zu lassen. Dieser Antrag wurde von Herrn Nathan unterstützt und demgemäß beschlossen. Nach ErleAgung der übrigen Paragraphen, die un- rerändert angenommen werden, erfolgte die Gcsamtabstimmung über die Ordnung, die mit den beschlossenen Aenderungen fast ein- stimmige Annahme fand. Bernau. Bei den gestern hier stattgcfunbenen Stadtvcrordnetenwahlea der dritten Abteilung wurden die Kandidaten der Sozialdemokratie mit 403 gegen 20 Stimmen, die auf die bürgerlichen Kandidaten ent- sielen, gewählt. Die Sozialdemokratie bat nunmehr sämtliche Man- date der dritten Abteilung in ihrem Besitz. Bus der fraucnbcwe�ung. Die weibliche Arbeitskraft im Erwerbsleben«nd in der Sozialversicherung. Wie in jeder anderen Beziehung, so ist die weibliche Arbeits- kraft auch in Bezug auf die Sozialversicherung benachteiligt. Für sie sind die Renten und Unterstützungen niedriger gehalten als für den männlichen Versicherten, unbeschadet darum, daß manche er- lvcrbende Frau eine Familie zu ernähren hat, vielen männlichen Personen aber nur die Sorge für ihre eigene Person obliegt. Und nicht nur das. Die Benachteiligung erstreckt sich auch auf den Um- fang der Versicherung. Die weibliche Arbeitskraft ist im Verhältnis ihrer Erwerbstätigkeit weniger von der Sozialversicherung erfaßt als der männliche Arbeiter, wie folgende Fttiammenstellung nach den Angaben des Statistischen Jahrbuches ergibt: Insgesamt weibliche Zahl Personen davon in Prozent resp. weiblich der Versicherte Gesamtzahl 30 232 345 10 035 705 33,2 12 945 242 8 178 830 24,6 19 672 000 6 470 000 27,3 14 968118 4 607 825 30,9 Der prozentuale Anteil, den die weibliche Arbeitskraft bei der Erwerbsarbeit aufweist, wurde von ihr in keinem Versicherung«- zweige erreicht. DaS kommt einmal daher, daß z. B. in der Heim- arbeit die Versicherungöpflicht nicht allgemein besteht, die Kommunen cS unterlassen, diese durch Ortsstatut festzulegen. Dann ober auch werden manche Unternehmer der Versicherungöpflicht einfach nicht ge- nügen. Jedenfalls ist auch hier wieder angezeigt, daß die Frauen Ursache haben, sich um Politik zu kümmern, selbst dafür zu sorgen, daß ihre Benachteiligung aushört. Berfa, nuilungen— Beranstaltungen. Ter Bund für Mutterschutz macht auf seinen am Dienstag, den 16. November, abends 8 Uhr im Architektenhause, Wilhelm- straße 92—93 statlfindenden Vortrag von Herrn Professor Dr. Max Flesch über.Die Frauen und die Geschlechts- l r a n I h e i t e n' aufmerksam. Leseabende. Wilmersdorf. Leseabend am Freitag, den 19. d. MtS., fällt wegen der össentlichen Frauenvsrsammlnng am 26. November aus. Dafür Leseabend am 3. Dezember. Erwerbstätige.. Kremkenversicherung Uiifollversicherung. Jiwalidenverstcherung Vermifcdtes. SchiffSu, tglück bei Singapur. Der Dampfer»La Sehne" der Messageries Maritimes, der von Sigapnr nach Batavia untcrwgcs war, stieß, wie aus Singapur ge- meldet wird, am Sonntag früh in der Rhiomeerenge mit dem eng- lischen Dampfer.Ouda" zusammen und begann wenige Minuten nach dem Zusammenstoß zu sinken. Der Besatzung des Dampfers„Ouda" gelang eS. 28 Eingeborene von der Besatziuig. 14 eingeborene Passagiere, 12 Europäer von der Mannschaft und 7 europäische Passagiere zu retten. V3 Personen einschließlich deS KapitänS des Dampfers »La Sehne" ertranken in den Fluten. Londoner Meldung zufolge befinden sich unter den 93 beim Zusammenstoß des Dampfers„La Sehne" nnt den» Dampfer„Ouda" in den Wellen Umgekommenen etwa 13 oder 14 Europäer, während die Lrigen Asiaten sind. Der Dampfer„Ouda" traf mit schwere» Beschädigungen am Bug und an der Back, den vorderen MamlschaftS» räumen, in Singapur ein und wird sofort inS Trockendock gebracht werden. Der Rhioarchipcl, in dem der Zufammenstoß erfolgte, liegt südlich von Singapore. In der Meerenge halten sich außer- ordentlich viele Haifische auf. Der Dampfer„La Sehne" ist ein Eisenschisf mit einem Deplacement von 2370 Tonnen und im Jahre 1873 erbaut. Der Dampfer„Ouda" der British Jndian Sleam Navigation Company ist im Jahre 1895 in Glasgow vom Stapel gelaufen und besitzt ein Deplacement von 5247 Tonnen. Das Urteil im Prozeß Steinheil. Der Aufsehen erregende Prozeß Steinheil, der seit bei- nahe zwei Wochen den Pariser Assisenhof beschäftigt hat, ist am Sonnabend abend spät zu Ende geführt worden. Das Gericht sprach nach 21/s stündiger Beratung der Geschworenen die Angeklagte Frau Steinbeil frei. Der Freisprnch wurde mit ungeheurem Beifall aufgenommen. Als die Angeklagte den Freisprnch hörte, sank sie in Ohnmacht. Nachdem sie sich erholt hatte, verließ sie den Jnstizpalast. Den Tod unter dem Eilzug gesucht. AuS ArnSwakde wird gemeldet: Hier warf sieb bei der Einfahrt des Eilzuges 44 von Posen nach Stellin die 26jährige Tochter eines Gutsbesitzers aus RoSko vor den Zug und wurde getötet. Das Motiv ist unbekannt. Aus Seenot gerettet. Von der Besatzung deS am 13. November am Großen Vogcliond gestrandeten deutschen Vollschiffes„Marie Hackietd", Kapitän Grube, init Slilckgut von Hamburg nach Honolulu bestimmt, sind, wie die RetiungSstatioii Cuxhaveu der Deutschen Ge� sellsckiast zur Rettung Schiffbrüchiger telegravbiert, 19 Personen durch das Rettungsboot des zweiten ElbleuctitseluffeS gerettet worden Von demselben Sckiff sind von der Rettungsstation Friedrichs- koog durcb das Rettungsboot„Eiigenie" vier Personen mid von der Rettnugsstalion Büsum durch das Rettungsboot der Station eine Person gerettet worden.— Bremen, 16. November. Wie die Retiungsstntioii Langeoog der Deutschen Gesellschaft zur Rettung schiffbrüchiger telegraphiert, sind am 14. November von dem ge- stiaudeten englischen Dampfer„Adansi" Kapitän Faill, mit Stückgut von Havre nach Hamburg bestiinmt, der Steuermann und zwei Frauen durch das Rettungsboot der Station gerettet worden. Unter dem Verdacht der Erpressung wurde vorgestern in Elbing der Kellner Franz Griehl verhaslet. Wie von dort berichtet wird, hat die Polizei festgestellt, daß Griehl freundschaftliche Beziehungen zu dem flüchtige» Raubmörder Stolze unterhielt, der vor kurzem de» Arzt Dr. Krause erschoß. Unter den beschlagnahmten Sachen befinden sich viele Briefe aus Kreisen der Lebetvelt. Auch der Ober» bürgermeister von Elbing, Gebeimral Elditt, der vor einigen Monaten Selbstmord verübte, soll ein Opfer GriehlS geworden sein. Alk-Holexzeß. Die Wiener„Neue Fr. Presse' erzählt von der letzten Hofjagd in Letzlinge» u. a. folgendeö:„Bei den, Diner auf dem Schlosse kreiste der große Becher, den Friedrich Wilhelm III. gestiftet hatte, und aus dem jeder trinken muß, der zum ersten Male auf dem JagdschloßLetzlingen weilt. Der Becher, der mit Champagner gefüllt wird, ist in ein Hirschgeweih derartig eingeschlossen, daß es für den Trinker sehr schwierig i st, ihn zu leeren, ohne sich zu begießen. Alle diejenigen Mitglieder der Tafel» runde, die zum ersten Male in Letzlingen waren, mußten»un den Becher vor dem Kaiser stehend austrinken. Zuerst der Kran- Prinz von(stricchenland, dann Prinz Oskar, dann der österreichisch- ungarische Botschafter v. Szögheni-Marich, der Reichskanzler, der Staatssekretär des ReichSmarineamteS v. Tirpitz usw. Di« Versuche der Herren., den schweren Becher zu bemeistern, gaben Anlaß zu großer Heiterkeit. Erzherzog Franz Ferdinand brauchte aus dem Becher nicht zu trinken, da er bereits früher in Letzlingen geweilt hat." Sehr geistreich wird man dieses Amüsement gerade nicht finden. Aber der Geist wird ja eben durch Chanchagner ersetzt. Eingegangene Druckktfrnften. Die soeben erschienene Nummer 24 des„Postillvn* enthält an Voll- bilden, und Illustrationen: Der Vaniphr.— Trotz Wolfsgruben und Slacheldraht I— Die drei Nalionalheiiigen. Schwere Bedrohung.— Die politische» Jugendvercine und anderes. AuS dem Text erwähnen wir: Neue Fahrt.— Aus der Reichsbauptstudt.— Fürsorgeerziehung.— Briese a»S Sachsen.— Die Niedergerittenen reiten.— Die Walpurgisnacht, Ge» dicht von Freiherr v. Maltitz, usw. Der'preis der Nummer ist lv Ps. Probemimmer» sind jederzeit durch den Verlag von Paul Singer in Stuttgart sowie durch alle Buchhandlungen und Kolporteure zu beziehen, LrUffiaften der Redaktion. findet LIndrnstrallc 3, �Geökk Tie suristilcht Iprechstunde dritter Ei»aa»g, vier Trrvdcn, LIndr» strafte 3,»wette« Hof, Nahrvutzl"WtzjJ wochentitgNch odcnd» von 7M, WS st'.z Ubr sti>t»."ttfne» 7 Uhr. Sonnadeild» beginnt die e»rcqtiunde um S Üftr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zaftl als Merlzcichru beizufügen. Brieflich« Anlivort jplr» nicht erteilt. Bit zur Bcantivortung im Briefkasten tonnen 14 Tage vergehe«. Eilige Frage« trage mau tu der evrrchstunde vor. K. M. 35. Sie baten recht; die„Internationale Bobrgeselllchast" bat mehrere Male 500 Proz. Dividende gezahlt.— R. O- Nein.— I. St.: TViesrnstraste. Älcichzeilig sür E. P. II. Nein; liegt kein Testament vor, so ee-bl der Witwer die Hülste deS Nachlasses, die andere Häljte sälli an die Verwaiidieii der verstorbenen Ehesrau, jedoch erbält der Witwer als Voraus die tzochzcitSgescheiike und die zum ebelichen Haushalt gehörigen Gegenstände.— Otto B. In Slrassachen wird Derusung innerbalb einer Woche nach dem gefästtei, Urleil bei Gericht eingelegt. In Zivilsachen ist die'Berusimg, ebenso der Einspruch gegen ein VersaumniSnrteil zunächst beim Gericht einzni eiche». Die nnt TermiuSbeftimmung versehene Einspruchs. oder HerusungSschrist ist dann ober innerhalb der gesetzlichen Frist dem Gegner und, falls dieser durch einen Anwall vertreten ist, dem Anivatt zuzustellen. — Ad m i rat 16. DaS sogenannte Spnrgeld gehört zum Nachlatz und ist an die Erben zu zahlen. Diese haben den Nachlatz nach der aus sie ent. fallenden Eibquote unter sich zu teilen. Wann das Geld auszuzahlen ist, mutz das Stallst ergeben.—«. K. 96. Die Bclreffende mur als Zeugin zugelassen werden. Haben Sie Bcdenfcn gegen ihre Glanbwürdigteit, so können Sic diele Bedenken im Termin vorwagen.— St. P. 40. Die Frau kann die Rückkehr deS Kindes verlange» und kann sich eventuell an das VoimundschasiSgcricht wriidru.— 991. 1000. Die Klage hätte AuS> ficht aus Erfolg. Für dieselbe ist daS KanfmannSgertcht znständtg.— Zwei BSettoid«. Sie mutzten ungefähr'angeben, in welchen, Jahre die Gebart stallgcststiden haben würde, und lassen' fich bann aus Ihre Kosten die Geburtsurkunde vom StandeSbeamlcn geben. Aus eine Anfrage erteilt Ihnen möglicherweise auch die Polizeibehörde Auskunft.— A. Z. 7. Ja (9. M. 44. 1. und 2, Rem. 3. Klagen Sie aus Unterlassung der Ruhrstöning gegen die Ruhestörer und gleichzeitig auch gegen Ihren Wiri ans Bcscjlsgmig der Ruhestäruna. Den Äirm würbe daS Gericht als einen Grund zur Aushebung bcS Pertrages schwerlich anerkennen.— 6k. Tch. in D. Bedingungen und Nech.ie sür Ausländer(Nichtdeutsche) zur Naiuralisation in Deuischland gibt es nicht. Die Naturalilatian Nicht» denlschcr bängt von dem Ermessen der vcbördc ab.— A. B. 60. Die Aussage können Sie verweigern. AuS der Weigerung können aber sür Ihre Schwester nachteilige Schlüsse gezogen werden.— P.)-f bedeutet Wuchs.- Fall.-•) Uni erPegel. Nach den neuesten Meldungen hat die L e i n e ein mittelgroßes Hochwasser. Unserem lieben Freunde und Genossen Luxen Koppe und«einer lebeasgetährtln herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit. OleGenmen und Genoesinnen de* 416. Bez., Teil 2 u. 1. €€«%«««»-»»»SSSÄgA. Unserem Genossen � Vinzenz Roth und Frau o zum 25. Ehejubiläum die S herzlichsten Glfickwftnsche! S Die Genossen der 8. Gruppe 'dL von Charlottenbura. ,K- SozlaliletnoMeberMiErefn des 8. ßerl. Rticlistägs- Wahlkreises. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Genosse, Tapezierer Nermann Klatt Eimconstratze 20, Bezirk 239 verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den l7. November, nachmittags 3Vi Uhr. auf dem Frieddos der Freireligiösen Ge- mcinde statt, Ulli recht regeBetcUigung ersucht Ger Vorstand, deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todew- Auaele«. Den Kollegen zur Nachricht, U datz unser Mitglied, der Mechaniker .Alwin Sauer am 12. d. M. an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bcerbiaung findet am DienSlag, den 16. November, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Leichen- Halle des st. Keorgcn-Kirchhoscs in Weitzensce aus statt. Rege Beteiligung erwartet 125/16 Die Ortöverwnltung. Allen Freunden, Verwandte» und Parteigenossen die traurige Nachricht, datz meine liebe Frau, unsere gute Mutter Pauline Kosinski geb. Kcamann nach langen, schweren Leiden km Alter von 50 Jahren am Sonn- abend, den 13. November, vcr» starben ist. AdlerShos, 16. November 1909. Gustav Kosinski nebst Kindern. Die Beerdigung findet statt an, Mittwoch, den 17. November, nach. mittag 3 Uhr, von der Leichenhalle des Adlershojer Gemeiude-Fried. Hose». velllseker WoksrbeUer-Verbsnlj Den Mitgliedern zur Rachrtcht, daß unser Kollege, der Tischler Ulbert 8palk am 12. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 16. November. nachmittag» 2'/, Uhr, aus dem AiislaltSkirchhos tn Trnpist statt. 92/5 Ole Ortsverwaltung Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlozenstr. 41, ÄSi. 10—2, 6— 7. Sonnt»«r8 10— 12. 2—4 r Leihhaus Danksagung. Für bie vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders Paul sagen wir Allen, insbesondere den Kollegen der Stockbranche unseren herzlichsten Dank. 32022 ksmiiie G. Kaimt. » Gelegenheitskäufe verfall. Gold- und Silbersaehen, Brillanten eto. Seit 26 Jahren pnlnnnmck» MI Koke Bitteretr.i r< i s Für die zahlreiche Brtclligung bei ber Beerdigung meines sieben ManiicS, unseres guten VaterS Wilketm Schröder lagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Kollegen der Firma Küers, unseren herzlichsten Dank. S4Z9b Vitve Schröder nebst Kindern. Orts Krankenkasse der Bildhauer, Stukkateure und verw. Gewerbe zu Berlin. Am Mittwoch, den 24. November, abends 81', Uhr, findet im GeWerk« schaslShause, Engeinser 16, Saal 7, die ontentl. General-Versammlung statt, mit folgender Tagesordnung: 1. Vorstandswahlen: 1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer. 2. Wahl von 3 Revisoren zur Prüfung der JabreSrechnung 1909 S. Geschäftliches. fAntrag der Beamten wegen Gewährung einer Teue- rungszulage) 295/20 Der Borftand. I. A.: Fritz Waldcher, Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der Geld- und Zinngießer zu Berlin. Am Mittwoch, 24. November. abends 6 Uhr, findet im Gewerk» schastShauS, Engeluser 15, die Veoersl-VerGsmmiung statt, wozu die Vertreter der Arbeit» »ehmcr sür daS Jahr 1909 hiermit ergebenst eingeladen sind. Tagesordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Wahl von vier ausscheidenden Vorstands- Mitgliedern der Arbeitnehmer für daS Jahr 1910/11. 3. Wahl des Aus» lchusscS für die Prüfung der Rechnung des lausenden Jahres. 4. Kassen- angelegenheiten. Berlin, 16. Nobember 1909. 24626 Ter Borstand. W. SchDtt, J. Schubert, Vorsitzender._ Orts-Krankenkasse der LivHmschsi'. Mittwoch, den 24. November, abends 8'/, Uhr, bei Trösel, Neue Fricdrtchstr. 35: Ordentliche LellersI-Vkl'ssmmlMg. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Neuwahl von 3 VvrstandSmit» Sliedern(ein Arbeitgeber, zwei lrbritnebmer). 3. Erjatzivahl eine? DoiftandSmtt» gliedeS(Arbeitt, chmer). 4. Wabl von drei Revisoren zur Prüfung derJabreSrcchiiung 4909. 5. Betaiiiltgabc de> Verfügung de» Herrn Oberpräsideiiten über anderweitige Feslsetzung deS ortS» üblichen TngelohneS bcziv. Be» Ichlutzsassimg dartiber. 6. Verschiedene Kassenaiigekegen» hcilen. 296/17 Der Vorstand. _ I. A.: F. JosewS ki. Berliner jMeiter-Schacliklub Mitglied der„Märkischen ilrbesier» Schachvercinigung" veranstaltet am Mittwoch, den 17. d. M. (Bufitag), nachmittags 4 Uhr, im Gewerkschattshause. Engeluser 15, Saal 7(Seitenfl. II), eine öffentliche SimDltan-Vorstellung (alterulcrend), tu ber alle Arbeiterschachspieler hiermit freundlichst eingeladen sind. 2461b vor Vorstesud. üsS JoseW CIGARETTEN heute uberaQ zo finden sind und von verwöhntesten Rauchern ständig konsumier! werden, ist für sich schon ein überzeugender Beweis ihrer besonderen Güte. Aber auch mit Bezug auf sie gilt das Sprichwort:„Probieren geht über Studieren", denn nur, wer sie probiert und mit anderen Fabrikaten vergleicht, hat die Mög< lichkeit, ihre besonderen Vorzüge ganz zu erkennen und ihre unübertroffenen Eigenschaften vollkommen zu würdigen. Y* Josetü Vera m. u. o. M. 10 St. SO Pf. i ül .== <= Eine B�iark wöchentl. Teilzahlung liefere] elegante fertige Herren-Garderoben Ersah für Mah. �nfertlgnng naed llaL. Tadellose Ausführung. Jul. Fabian, Schneidermeister. Gr. Frankfurter Str. 37, II Eingang strausberger Platz. II. Geschäft: TurmstrsLe 18, X. Eloge, fein Laden. nimmt jeder Verfucf» das beliebte, echte Palmin durch eine billige Nachahmung zu erfetjen. Wie bitten daher beim Einkauf genau auf den Namen Palmin und den Schriftzug Dr.Schlindc zu achten und Nachahmungen, die oft unter täufchend ähnlich klingenden Namen angeboten werdov zurück zu weifen. H. Schlinck& Cie. H.O. Hamburg* Mannbein) Alleinige Produzenteo von Pelmin. 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November vormittag«. ®ur die Qewinna Uber 340 Mark aind den betreffea- den Nummern in Klammern beigefügt. 5(Ohne GewShr.)(Nachdruck verboten.) as 161 248 67 831[800) 869 963 1 337 775 2 042 613 061 3010 217 73 337 991 4174 543 691[500] 795 l 10001 «03 63 965 5087 238 359 533[3000] 43 886 972 6032 39 «91 651 l 1000] 739 7 424[3000] 40 621 737 68 850 8113 «2 76 273 475 864 SU2Z«8 101[500] 75[500] 90 573 IlOOO] 821 ✓ IO013 179 344 386[800] 640 740 966 11076 140 328 699 12234«61 730 39 1 3328 35 423 47 661 753 56 925 <14053 197 484 733 973 1 5028 180 293 889 642 764 896 »20 78 1 0017 34 94 288 97 628 871[3000] 17233 403 «07 1 8091 374 86 407 752[ 3000] 19171 743 840 911 , 20196 494 518 785[500] 865[500] 21142 382 823 99[1000] 711 865[.,00] 80 961 62 2 2051 267 323 23il5 302 461 540 54 870 24293 353. 423 534 85 727£03 68 2 5633 S1 701 825 29 52 600 4 9 74 2 7003 132 92 209[3000) 30 342 90 534 742 857 962 2 8106 355 68 520 69 617 700 43 »13 68 29m 252 58 432 99 503 673 800 903 43 70 30037 211 336 65[500] 483 914 1500) 3 1 042 92 163 .289 92 959 60[1000] 32110 2» 287 561 726 31 91 830 914 «8 45 66 77 3 3009 325 93 426 541 45 603 718 34156 48 86 98[1000] 833[ 3000] 81 90 938 53 3 5077[500] 191 337 764 36025[600] 450 696 842 958 3 7 238 752 99 807 ilOOO] 3 8061 76 240 fw 440[1000] 580[ 3000] 669 824[3000] 81 «03 19 3 9 010 509 24[1000] 658 84 779 906 40064 178 84[5000] 210 67 366 87 415 70 588[500] «82 874 932 4 1 023 72 216 406 747[500] 941 42099 187' «9 89 220 329 434 80 88 505(3000) 79 647 798 8 IG 932 SO 43232 870[ 500] 630 836 98 960 44121 53 533 614 54 4 5081 90 145 299 385 86 674 900 4 0036[1000] 271 493 «83 886 935 4 7109[500| 16 309 563[560] 48219 382 713 899 951 49000 290 301 49[1006] 403.[600] 607 768 660 967[500] 50235 331 432 47 49 592 689 824 5 1041 189 406 603 884 932 5 2179 276 310 434 501 795 5 3342 420 637 5 4039 210 97 353 491[500] 551 653 708 71 55060 280 864 933 63 96 5 6171 246 928 5 7167 79 669 765 5 6 038 73 403 631 778[3000] 59183 358 626 713 87 99 860 00182 594 9 0 673[500] 719 61085 277 96 320 658 62390 472 1500] 737[3000] 816 937 63144 78 630 34 65 768 6 4031 79[3001 273 324 11 446 691[500] 750 901 «5656[1000] 981 6 6034 581(1000) 787 391 67032 22« 332 67 463 370 83 675[3000] 773 6 8043 114[1000] 83 351 416[ 3000] 50 70[3000] 513 702 33 810 25.955 69301 402 1500 J-• 70053[500] 152 217 309 21 376 771 7 1 018[1000] 173 548 659 899 72113 208 41 461 79 348 49 93 011 50[3000] •783 7 3065 148 53 436 62[300] 503 43 78 89[15000] 670 631 76 7 405 1 56 224 380 802 07[1000] 75059[1000] 273 483[500] 99 7 6035 115 376 480 347 52 61 63 81 913 ,77303[600] 70 80 81 82 97 486[300] 960 78014 60 287 4SI 66 721 63 7 9 262«92 8O021 147 203 337 714 977[1000] 81392€90 937 S2021 150 239 400 49[3000] 84 301 61 002[1000] 807 43 44[1000] 49 8 3 216 301[1000] Ii 90 497 84333 615 85097 149[1000] 80 231 388 341 623 38 861 993 8 0311 496 634 fli 87171 85 203 631 720[500] 51 837 955 8 8240 596 (500] 674 935 8 9079 306 29 61 484 9 0338 40 442 555 63 76 612[1000] 61 750 909 9 1 211 1)2170 384 722[3000] 93114 77 84 533 51[500] 713 17 «79 9 4136 213 08 466 774 803 932 9 5133[500] 46 712 S21 970 7 9 9 6184 239 745 855[1000] 97041 132 363 433 «93 789 973 9 8150 213 323 720 4 7 872 932 60 9 9070 180 342[500] 43 378 92 461 546 94 020 743 803 12 ✓ 1OO039 66 170 79 253 320 34 661 78«S4 988 1 0 1 339 JSOO] 353 766 612 943[1000] 102231 03[3OO0] 660 73 $3000] 827 987 1 03170 431 387 88 68, 906 32 104439 69[500] 730 801 88 1 05303 459 618 713 812 999 1 0 0 044 230[1000] 51967 606 89 734 4-5 909[MO] 107010 275 482 510 741 55 56 77[1000] 10815»[1000] 201 328 413 M 789[500] 109338[1000] 53 582[500] 854 67 68 11O023 500[1000] 614[500] 99 703 084}lI2M «18 774 821 61[1000] 112433 68[ 30001 78 045 761 12 961 113125 501[3000] 31 733 114087 288 303[1000] 34 »51[500] 115216 97 116075 190 98 28» 359[8000] 85 450 536[1000] 765 117222 318 37 695 118827 170[ 3000] «6 253 331 61 598 670 738 1X9132 ZS[M] 340 461 600 815[1000] 58 12 0354 1 2 1 076 186 93 20? 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Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck N.Verlag: Vorwärt» Buckdruckerei u. Berlaqsanstalt gi«aer&■ gfrlin~sw7 Hr. 268. 26. Iahrgaug. 8. Sdliijf des Jon»«#' ßtrliii« WIKsblM zlienstag. 16. November 11)09. Der abgehauene flrm des Arbeiters noch nicht 30 Mark wert! Eine Prämie für ein Roheitsdelikt und eine besondere Mißnchtnng des Wertes der Arbeiterknochen sprach am Freitag die Lübecker Strafkammer ans. Vor ihr hatte sich der Gendarm Lüth ans Gleschendorf wegen Körperverletzung im Amte zu verantworten. Am 5. Juni d. I. fand in Stockelsdorf bei Lübeck ein Jahr- markt statt.- Aus diesem Anlaß war in verschiedenen Lokalen Tanz. Nachts gegen 2 Uhr kam es in einem Saale zu Streitigkeiten unter den Anwesenden. Darauf geboten die anwesenden Gendarmen Feierabend und wiesen die Gäste aus dem Lokal. Einige Leute, darunter der Knecht Barning, sträubten sich dagegen, die Wirtschaft zu verlassen. Darauf hat der Gendarm Liith den Barning, wie dieser unter Eid als Zeuge aussagt, mit dem Fuß in den Rücken ge- treten, so daß er hinausgeflogen sei. Dann habe er mindestens zehn Schläge mit der scharfen Waffe erhalten. Als er darauf weglief, hat der Gendarm Lüth ihn verfolgt, ihm mindestens noch dreißig Säbelhiebe versetzt, wobei ihm der Arm abgeschlagen wurde. Als er dann nicht mehr weiter laufen konnte und zur Erde gesunken ist, habe Lüth ihn weiter geschlagen, an den Kragen gepackt, fortgeschleppt und ihn wie ein Stück Vieh in einen Graben geworfen. Später soll Lüth den Barning nochmals in den Rücken ge° treten haben. Der angeklagte Gendarm suchte den Vor- fall»vesentlich anders und für sich günstiger darzustellen. Der Staatsanwalt sprach sein Bedauern darüber ans, daß er gegen den Gendarm habe Anklage erheben müssen und stellte seine Bestrafung in das Ermessen des Gerichts. Dieses erkannte denn auch nur wegen fahrlässiger Körper- Verletzung auf— dreißig Mark Geldstrafe. Ist eine so rohe, die Erwerbsfähigkeit eines Mannes schwer beeinträchtigende Handlungsweise in der Tat nach dem Gesetz mit nur 30 M. abzugelten, so wäre ein Arbeiter, der doch nach Auffassung der Richter minder gebildet als ein Gendarm oder Richter ist, mit höchstens 20 M. Strafe zu be- legen, der einem Gendarm oder Richter mit den Füßen in den Rücken tritt, ihm zehn Säbelhiebe verabreicht, auf den §1 i e h e n d e n noch Dutzende Male los haut, ihm den r nl abhackt, ihn Weiter mißhandelt und in den Graben wirft. Mit Recht würden die durch ihre drakonischen Straf- urteile gegen die Glieder der arbeitenden Klassen be- kannten Richter, über ein so mildes Urteil entrüstet sein. Dieselbe und eine tiefer gehende Entrüstung ist gegen die Mißachtung des Arbeiters am Platz, wie sie das gefällte Urteil verrät. Gerechtigkeit ausüben heißt mit gleichem Maße messen. Der Arm der Gerechtigkeit, der mit so ungleichem Maße mißt, wie unsere Klassenjustiz, wirkt gemeingefährlich und mutz dadurch unschädlich gemacht werden, daß an Stelle der heutigen Richter Richter treten, die aus allen Kreisen der Bevölkerung von der Bevölkerung gewählt werden. £!us Induftm und Handel* StaatSaufträge. Zwischen der preußischen Staatseisenbahn-Verwoltung und dem Stahlwerksverband in Düsseldorf ist für die beiden nächsten Etats- jähre ein neuer zweijähriger Vertrag über die Lieferung von Schienen, eisernen Schwellen und gewisien Kleineiiensorten ge- schlössen worden. Der Grundpreis für Schienen wurde auf IIS M. und für eiserne Schwellen auf 107 M. festgesetzt. Die Kleineisenpreise wurden gleichfalls entsprechend ermäßigt. So meldet W. B.: Gegenüber den vor zwei Jahren abgeschlossenen Preisen ist ein Ab- schlag eingetreten, war doch damals' der Grundpreis ans 120 M. für Schienen und III M. für Schwellen festgesetzt. Der jetzt zugestandene Preis ist aber immer noch um 4 M. für Schienen und 2 M. für Schwellen höher, als nach dem Abschluß vom Jahre 1904. Der Lieferungsvertrag, den die Eisenbabnverwaltung vor zwei Jahren mit dem SrahlwerkSverbanoe abgeschlossen hat, ist allseitig als eine Begünstigung des Lieferanten, als eine Schädigung deii Staatskasse angesprochen worden. Auch bei dem neuen Abschluß hat der Eiieiibahnminister anscheinend dem Grundsatze gehuldigt, die Staats- lasse sei, wie den Junkern, so auch den Großindustriellen alimentations- pflichtig. Der vorige Vertrag lautete übrigens auf drei Jahre; seine Ablösung durch eine neue auf zwei Jahre lautende Abmachung ist wohl erfolgt, weil der Vertrag des Stahlwerksverbandes mit seinen Mitgliedern nur noch zwei Jahre läuft. Warenpreise im Oktober 1909. Die Preisfeststellungen der„Statistischen Korrespondenz' für den Monat Oktober ergeben gegenüber dem Vormonat verschiedene belangreiche Steigerungen. Folgende Uebersicht veranschaulicht das: Großhandelspreise in Mark per 1000 Kilogramm September Oktober Weizen....... 210 215 Roggen....... 166 165 Erbsen........ 289 290 Speisebohnen..... 294 303 Linsen........ 315 300 Eßkartoffeln...... 5 55 Kleinhandelspreise in Pfennig pro Kilogramm Erbsen........ 37 37 Spcisebohnen.... 38 39 Linsen........ 47 40 Eßkartoffeln...... 7 7 Eßbutter....... 265 272 Eier(Schock)..... 450 491 Vollmilch(1 Liter)... 19 19 Demnach ist im Kleinhandel nur der Preis für Linsen um 1 Pf. zurückgegangen. Für Speisebohnen macht die Preissteigerung 1 Pf. aus, für Butter 7 Pf. und für Eier 41 Pf. Dazu tritt die Preissteigerung für Schweinefleisch. Das find schöne Vorbereitungen für Weihnachten._ ZentrnmStaten. In unserer Notiz unter vorstehender Stichmarke in Nr. 263 des„Vorwärts' erscheint die Auslassung:„DaS Zentrum mit seiner Agrarier- und Zollpolitik hat neben allen anderen Lebens- Mitteln und Gebrauchsartikeln auch die Raturbutter und die Margarine verteuert', als ein Zitat aus dem Bericht der Handels- kammer Wesel. Dabei ist ein Irrtum unterlaufen, es ist daS ein Urteil unseres Mitarbeiters, daS er aus den Feststellungen der Handels- kammer zieht. Zucker-Dividenden. Die Zuckerfabrik Fraustadt(Posen), die in Glogau und Nenkersdorf Schwesterbetriebe hat, erzielte bei einem Kapital von 1,8 Millionen Mark einen Uebetschuß von 381 125 Mark (im Vorjahre 293,454 Marl). Die Aktionäre erhallen eineDividende von 16 Prozent(im Vorjahre 12 Prozent). Eine Dividende von 15 Prozent verteilte die Zuckerfabrik Haynau in Schlesien. Die Einnahmen ans Steuern und Zöllen im Hauptzollamts» bezirk Emmerich sind im Laufe der letzten Jahre außerordentlich ge- stiegen. Sie beliefen sich im Jahre 1901'02 auf 3 797 763,10 Mark, 1902/03 auf 3 678 465,78 Mark, stiegen dann im Jahre 1907/08 auf 5 358 269,26 Mark, und im Jahre 1908/09 auf 6 018 619 43 Mark. Man sieht auch hieran, wie erfolgreich die Steuer- und Zollschraube in den letzten Jahren unter hervorragender Mitwirkung des Zentrums angedreht worden ist._ Vertrustung der österreichischen Montanindustrie. Die beiden bedeutendsten Gesellschaften des Landes sind die Oesterreichiscb-Alpine Moutaugcsellschaft und die Prager Eiken« industriegesellschaft. Die erstcre repräsentiert ein Aktienkavital von 72 Mill. Kronen, auf das sie im Durchschnitt etwa 15 Proz. Dividende verteilt. Kleiner ist das Kapital der Prager Eisen« iudustrie, das nur zirka 25 Mill. Kronen beträgt, auf daS aber Dividenden im Durchschnitt von 30—40 Proz. verteilt wurden. Ilm diese beiden großen llnteruehmungen gruppieren sich die übrigen, die mehr oder weniger abhängig sind. So besitzt die P. E. I. G. sämtliche 12,8 Millionen Kronen der Böhmischen Montan- gesellschaft. Aber anch untereinander stehen die beiden Werke in engster Verbindung. Die P. E. I. G. hat nämlich 36 000 Aktien der Alpinen Montangesellschaft in ihrem Portefeuille. Schon hieraus kann inan ersehen, wieweit der Konzentrationsprozeß in der öfter- reichischen Montanindustrie fortgeschritten ist. Den sichtbarsten Aus- druck findet diese Gemeinsamkeit der Interessen in dem österreichischen Eisenkartell, das eine fast unbeschränkte Gewalt ausübt. Der englische Aussei, Handel. Im Oktober zeigten Ein- und AuS- fuhr erhebliche Zunahmen gegeuüver deni gleichen Monat des Vor» jahres. Die Einfuhr belief sich auf 52,7 Millionen, die AuS« fuhr auf 33,9 Millionen Pfund Sterling. Im Oktober 1908 waren die Ziffern 50,7 Millionen und 30 Millionen Pfund Sterling. Zwei Drittel der englischen Ausfuhr gehe» nach fremden Ländern, eir: Drittel nach britischen Kolonien. «Sttterunqsuderlllvt vom 15. November 1909. moraen« 8 INir. etatwaen *1 Jl 11 if «Bettet ärmnnndt' 755 SSW Hamburg i 754 Still vcrltn[754 Still SrtmfU M 75, NO Müncheu 1752© Wien! 754 NW 1 heiter Nebel Nebel 2 Regen 2 wolkig 1 bedeckt B» «ill g» m5> — I —2 — 1 4 2 3 «tattonen Se *£ o � £2 -§ B 5 s Havaranda 744 NO Petersburg 752 S Sei Kl) 754 NNO -lberve» Bart« «Bett« ** e--» tii wi 2 Schnee 1 wolkig 5 bebectt 7589817®; 3 heiter 750 S 1 2 bedeckt I I I Wetterprognose für Dienstag, den 16. November 1009. Vorwiegend nebelig oder wolkig mit geringen Niederschlägen, mäßigen südöstlichen Winden, etwas wärmerer Nacht und wenig veränderter TageS» temperatur. Berliner Äetterdureau. ••••••••-*,•• Genernlverferoter für Groß- Berlin: Elrlch üftrokorb, Berlin SW., Kreuzbergstr. 30.Tel. A. 6, 3718. iH.& P. Uder, MrV- Fabrik-Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. I h Nordhäuser Kautabak i stets frisch zu billigsten Engros-Preisen. 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Ich trank deshalb Kakao, Tee, alle möglichen Surrogate, sogar Mehlsiippen, ohne jedoch durch irgendeines der Getränke befriedigt und vor allen Dingen er- frischt zu sein. Ich trinke daher seit einem halben Jahre Ihren coffeinfreien„Kaffee Hag" und habe meiner selbst wegen folgende Probe genlacht: Ich trinke absichtlich des Morgens den geivöhitlichen Bohnenkaffee und sofort stellten sich meine Beschwerden wieder ein, während dieses nach dem Genuß Ihres coffeinfreien Kaffees nicht der Fall ist. Auch meiner Familie bekommt der Kaffee außerordentlich gut. Ich möchte behaupten, daß die Entziehung des Kaffeegiftes auf das Nerven- syslem meiner Frau vorteilhaste Wirkung ausgeübt hat. Ich habe Ihnen gern meine Beobachtungen mitgeteilt zur Be- Nutzung in weiteren Kreisen. Berlin W., 7. August 1909. Nich. Gartmann, Fabrikbesitzer. Arbeiter! Mrerter! 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