Wv.«w. FbonnmenfS'Bcdlngungen: SEB onnonentS■ Preis pränumerando: Vierteljährl. 3�0 SBH, monati. 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Hans. Einzelne Numnier 5 Pfg,, Sonntags. nunimer mit illuftrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Nbonnenient: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preislisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. CriAciut täglich aaßcr montags. S6. Jahrg. Vevlinev VolksblcM. Bit TnUrtions-Gebflbr Ccträgl für die sechsgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Pfg., für poülische und gewerlschastliche Vereins- und Persanimlungs-Anzeigen 30 Psg. „Aleinc Tinzcigtn", das erste(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« slellen-Anzcigen da- erste Wort 10 Pfg,, jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis? Uhr abends geössnct. Telegramm-Adresse: „SoalallliiMlirat Rtrlln" Zcntratorgan der rozialdemokrati fehen Partei Deutfchtandd. Redaktion s 6 Cd. 68» Ltndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt rv. Nr. 1983. Mittwoch» den 17. November IttttA. Expedition: 8M. 68» I»indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 198t. Li» luliusturro der Scijarfmadjer. Aus den Verhandlungen deS Ausschusses des Zentralverbaudes deutscher Industrieller am 15. Oktober 1909 im Hotel Adlon in Berlin. •(Schluss des gestrigen Artikels.) Nachdem der Referent mit einem heftigen Angriff gegen den „Götzen der stimmenvergcbeiiden Masse", dem zuliebe man die In- dustrie„als Paria behandelt", feine Rede geschlossen, ergreist der Lorsitzende Landrat a. D. Rötgcr-Bcrlin das Wort, um zu erklären, daß die Verhandlungen, die zwischen ihm und dem Kommerzienrat Menck über den Zusammenschluß der„Hauptstelle" und des„Ver- cinS" deutscher Arbeitgeber gepflogen wurden, zu einer näheren Ausgestaltung der bestehenden Kartellverhältnisse geführt hätten. Die Diskussion eröffnet sodann Kommerzienrat Menck-Altona: Das endliche Ziel ist die volle Bereinigung der deutschen Arbeitgeberberbäiide.(Beifall) Und. dieses Ziel, glaube ich, werden wir auch erreichen. In der Praxis ist die Einigung oft leichter als in der Theorie. Es wird infolge des Kartells in der zweiten Hälfte dieses Monats zum erstenmal eine Arheitsnachweiskonferenz abgehalten werden, gemeinsam von der Hauptstelle und vom Verein deutscher Arbeitgeberverbände, die alle Sekretäre dieser beiden Ver- bände vereinigen wird. Wir hoffen, daß alle organi- sierten Arbeitgeber in nicht allzu langer Zeit sich im Besitze eigener Arbeitsnachweise befinden werden. Ebenso soll auch das Streikunter st ützungs- Wesen in gemeinsamer Arbeit gefördert werden. Der Zentral- verband ist leider im Hansabund in der Minderheit, darum muß er einen eigenen Wahlfonds gründen, wenn auch der Wahlfonds des Hansabundes dauernd geschmälert wird. Etwa 199 Wahllrcisc lominen für unsere Unterstützung in Betracht. Dabei müssen wir jede Einseitigkeit vermeiden, da wir auf die Beihilfe aller Parteien angewiesen sind, auch der Partei deS Zentrums, daS dürfen wir nicht vergessen. Wir dürfen keine Partei übergehen, wenn wir in den Parlamenten, besonders im Reichstag, eine an- gemessene Vertretung finden wollen. Trotz alledem wird ja die Sozialdemokratie bei den nächsten Wahlen wohl ihre hundert Mandate bekomme»! Handelskammershndikus Dr. Tille-Saarbrücken: Weder die Sozialdemokratie noch die Landwirtschaft sind unsere gefährlichsten politischen Gegner, das ist vielmehr das Beamtentum, das die Mehr- heit im Reichstag hat und dessen Theorie mit allen möglichen sozialistischen und klassenmoralistischenWünschen durchdrungen ist. Auch derHansobund liebäugeltmit diesem Beamtentum, ihm ist daher nicht unbedingt zu trauen. Sorgen Sie dafür, daß in diese Organisation nicht noch Redner hineinkommen, die uns auch noch diejenigen Teile des Gewerbe- und Handelsstandes verderben, die heute noch nicht verdorben sind. Um 397 Wahlkreise zu be- arbeiten, müßten wir 80(X> Agitationskräste haben, die von 209 Lehr- krästen ausgebildet werden müßten. Von den Univerfitäten dürfen wir nichts erwarten. Bei der heutigen Versunkenheit der akademischen Wissenschaft in klassenmoralistischen Tendenzen ist nicht daran zu denken, daß irgend eine akademische Lehranstalt AehnlicheS für uns leisten könnte. Das hat ja der Fall au der Universität Leipzig in den letzten Tagen bewiesen; da kann uns nur die Schaffung einer eigenen Akademie helfen, wenn wir den geistigen Kampf aufnehmen wollen gegen den ganzen Unfug des Marxismus, des Kathedersozialismus. deS StaatSsoziali�mus und wie alle die Ismen heißen(Heiterkeit), die heute dem Handels« und Gewerbestande so unendlichen Schaden zufügen. DaS wird im Jahre mindestens eine halbe Million verschlingen. Aber die deutsche Industrie ist zweifellos in der Lage. etwaS Derartiges zu machen, und der Zentralverband deutscher Industrieller ist die einzige Stelle, in deren Hände man diese groß« Sache beruhigt legen kann. Natürlich dürfte eine solche Anstalt nicht in einer Universitätsstadt oder am Orte einer Handelshochschule liegen, sondern z. B. in Düsseldorf, w 0 eine Beeinflussung durch akademische Lehrer anderer Richtungen im persönlichen Berkehr ausgeschlossen ist. Ich kann Herrn Bueck nicht recht geben, wenn er meint, daß in der Frage der Sozialpolitik unter uns tiefere Spaltungen beständen. Wenn sich ein einzelner Verband unter einen Klaffe, ilohntarif hat pressen lassen und nachher, solange er der Not gehorcht, diesen Standpunkt vertritt, so ist da keine Nebrrzeugungsfrage, da mögen Leute ein klein bißchen stärker klasscnmoralistisch angekränkelt sein und andere weniger, aber iin Grnndzug ist das ganze Unternehmertum einig. sLebhafter Beifall.) Geheimer Oberfinanzrat Müller-Berlin: Von der Bildung eiuer Arbeitgeberpartei kann ich mir keinen Erfolg versprechen. denn, wenn es politisch bei uns nach der Zahl, nach der Majorität der Stimmen geht, so hat von allen Ständen am allerwenigsten Chancen eine Majorität zu erlangen, das gewerbliche Unternehmertum. Wenn im Zentrum ein Gegengewicht geschaffen würde gegen Herrn Müller- Fulda oder Herrn Erzberger, so könnte das doch vielleicht einen gelvissen Erfolg haben. Wenn ich mir beispielsweise denke. daß wir Mittel aufwendeii, um einem Gesinnungsgenossen des Grafen Ballcstrem wieder zu einem Zentrumssitze zu verhelfen gegen einen sozialistisch angehauchten Polacke»(Heiterkeit), so wäre das ein Er- folg, wie er besser nicht zu wünschen wäre. Es ist hier auch vom Hansabtlnd die Rede gewesen und davon, daß der Zentralverband in der Minorität ist. Ich habe der Gründung des Hansabundes ziemlich nahe gestanden und habe nicht den Eindruck gewonnen, daß das richtig ist. Selbstverständlich wird man in cinzekneii Kreisen, die dazu ge- eignet sind, weit fortgeschrittene liberale Kandidaten unterstützen (Widerspruch) und wird in anderen Kreisen konservative Kandidaten unterftützen. Allerdings setze, ich voraus, daß im Hansabund die Unterstützung der einen oder der anderen konservaiiven Kandidatur Schwierigkeiten machen kann, und da begrüße ich es als einen Vor- zug dieses getrennten Marschierens. daß hier im Zcntralverband die geeignete Stelle ist, um das ohne Hindernisse machen zu tönnen, und ich glaube, der Hansabund wird das gar nicht übcluchmcn. Unsere Aufgabe niuß sein, auch innerhalb der konservativen Partei Vertreter unserer Anschauungen zu gewinnen. Es liegt ja nicht überall am bösen Willen, sondern an der mangelnden Kenntnis und Einsicht. Wie- weit dieser Mangel an Kenntnis geht, das braucht man niemand zu sagen, der Gelegen- heit hatte, auch mit unseren Riini st erien zu ver- handeln.(Heiterkeit.) Wie viel vortragende Räte sind da, die keine Ahnung hatten von unseren industrielle» Interessen. Wie viele Minister sind da, die zunächst den Fragen ratlos gegen über st ehenl Wie können wir uns wundern, daß ein pomnierscher oder ostpreußischer Gutsbesitzer sich in unsere Verhältnisse und Interessen nicht hineinfinden kann? Wenn da ein paar Leute sind, die Vertrauen genießen, weil sie sich politisch zu ihnen rechnen, werden sie eine sehr heilsame Wirkung entfalten können.(Beifall.) Hüttenbesitzer v. Bopclius-Sulzbach, Mitglied des Herrenhauses: Meine Herren, Geheimrat Müller hat eine Ausführung gemacht, welche ich vollständig unterschreibe. Er schlägt vor, statt„national- gesinnte Parteien" zu sagen„bürgerliche Parteien". Seine Aus- führungen waren außerordentlich treffend. Ich möchte Ihnen dabei mitteilen, was mir persönlich vor zwei Jahren passierte. Als der Herr Reichskanzler Fürst Bülow mit mir wegen des Wahlfonds ge- sprochen hat. welcher damals seitens des Zentralverbandes ge- sammelt worden ist, gab er ein Programm heraus, welches sich gegen die Sozialdemokraten und das Zentrum richtete, und da sagte ich: Durchlaucht, da? kann ich nicht mitmachen 1 gegen die Sozialdemokratie selbstverständlich, ober gegen das Zentrum geht das nicht. Der Zentralverband ist keine politische Partei, sondern er ist lediglich eine Partei zur Wirtschaft- lichen Interessenvertretung und dann eine Partei gegen die Sozial- demokraten. Unter den großen Industriellen sind soviel Katholiken, welche wir nicht auf diese Weise vor den Kopf stoßen dürfen. (Heiterkeit.) .Syndikus Dr. Rocke-Hannover: Die hannoversche Industrie fühlt sich in den letzten Jahren von der dort herrschenden bürgerlichen Partei vernachlässigt und gründlich verletzt. Man hat bei der Aufstellung der Kandidaturen auf uns keine Rücksicht genommen. sondern uns bedeutet, daß man sich nicht in Abhängigkeit von der Industrie begeben könne. In die Abhängigkeit des Bundes der Landwirte, der Beamten, der Arbeiter begibt man sich, d i e angebliche Abhängigkeit von der Industrie aber scheut man. Deswegen haben auch unsere Industriellen gesagt: Wir können zurzeit niit der Menge der Stiinmen nichts ausrichten innerhalb einer Partei, wohl aber werden wir unser Gewicht in die Wagschale werfen können, wenn man immer und immer wieder, wo Not am Mann ist, an die finanzielle Opferwilligkeit der Industrie appelliert; unsere Industrie bezahlt ja den größten Teil der Kosten der Wahlen, nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Provinz Hannover. Darum begrüßen wir das Vorgehen des Zentralverbandes, durch daS unsere Bewegung an Stoßkraft gewinnen wird. Schon das Bekanntwerden dieser Tatsache wird die maßgebenden Partcigrößen etwas gefügiger machen. In unserem Programm möchte ich die Worte„im Sinne der Stelle des Zentralverbandes" durch andere Worte ersetzen z. B. durch die Worte„im Sinne des Schutzes heimischer Arbeit unter Aufrechterhaltung der Autorität des Arbeit- gebertumS". Ob eS klug gehandelt wäre, die ganze Sache aus- schließlich unter die Flagge des Zentralverbandes zu stellen, ist mir fraglich. Geheimer Kommerzienrat Mcyer-Hannover stellt fest, daß 17 hannoverische Kreise für den Zentralverband in Be- tracht kommen. AuSgeschloffen ist nur die Stadt Hannover und Meppen. Kommerzienrat Menck-Altona: Meine Herren, die interessanteste Ausführung des Herrn Geheimrats Müller war ohne Zweifel die. daß es nicht zu erwarten ist, daß ein anderer als ein liberaler Kandidat vom Hansabund unterstützt wird.(Müller: Das habe ich nicht gesagt I Ich sagte,„daß es schwer sein wird, die Unterstützung eines konservativen Kandidaten zu bekommen"). Nun, daS sagt dasselbe.(Heiterkeit.) Es ist schon vorhin mehrfach gestreift worden, daß e» außerordentlich töricht wäre, wenn man nicht suchen wollte, Interessenten aus Jndustriekreisen i»S Zentrum hinein- zubringen. Wenn die Industrie sich darauf versteifen würde, ihr Heil nuy» beim Liberalismus zu suchen, würde sie stets aus der Verluftseite liegen.(Beifall.) Geheimer Oberfinanzrat Müller-Berlin: Der Unterschied ist ja nicht so sehr bedeutend. Ich lege aber auf die Nuance doch einen großen Wert, damit nicht etwa sich hier die Legende bildet, als ob der Hansabund auf die Unterstützung der liberalen Parteien vereidigt wäre. Ich möchte nicht hier die Mei- nung sich festsetzen lassen, als ob eS in der Zusammensetzung des Hansabundes als notwendig gegeben sei, daß er sich Konservativen gegenüber ablehnend verhält. Nachdem der Berichterstatter Bueck-Berlin in seinem Schlußwort versichert, eS sei ihm nicht eingefallen, durch die Wahl des Ausdrucks „nationalgesinnte" Parteien das Zentrum ausschließen»der verletze» zu wollen, er sei mit der Ersetzung dieses anstößigen AuS- drucks, durch den Ausdruck„Wahlkandidaten aller bürgerlichen Parteien" einverstanden, werden die Leitsätze über die„Bildung eines industriellen Wahlfonds" angenommen. Ihr Hauptinhalt ist bereits durch die Presse bekaniitgegeben worden. Sodann wird die ISgliedrige Kommission nach den Vorschlägen des Berichterstatters einstimmig genehmigt. Die Diskussion ist höchst charakteristisch für die in den Kreisen der Großindustriellen herrschenden Anschauungen, Um eine geschlossene Phalanx gegen die Arbeiterbewegung zu schassen, sind sie bereit, selbst das verhaßte Zentrum mit ihren Geldmitteln zu unterstützen; ein Beschluß, zu dem nian dem Zentrum gratulieren darf. In der Verdammung bleiben nur die Sozialdemo- kratie und gleich neben ihr die vielgeschmähten Ver- treter der akademischen Wissenschaft sowie das ganze deutsche Beamtentum, dem Herr Tille, der geschworene Feind alles„Sozialismus", in seiner temperament- vollen Weise unter dem lebhaften Beifall der Versammlung den Krieg erklärt. Herr Müller verhöhnt die Minister als N i ch t s tv i s s e r. Herr Vopelius plaudert über vergeb- liche Versuche des Fürsten Bülow, ihm Geld zum Kampfe gegen das Zentrum abznschnorren und Herr Roche verspricht, die rebellischen Nationalliberalcn von Hannover so zu ziehen. daß sie aus der Hand fressen sollen. Recht grelle Schlaglichter fallen auch auf den eWsamen „Hansabund". Wir haben diese Vereinigung von vornherein als eine Organisation zur Vertretung großkapitalistischer Jnter- essen, der Spezialinteressen des großen-Finanz- und Handels- kapitals sowie des mit der Baukstimnz liierten Groß- industrialismus, bezeichnet. Wie wir sehen, sind die Herren vom Ausschuß des Zentralverbandes deutscher Industrieller gleicher Ansicht. Das klärt die Sachlage! Die sonderbarste Rolle spielte wieder Herr Tille, der ehe- malige Sozialaristokrat und Verächter der materiellen Ge- sinnung der Großkapitalisten. Sein Plan einer Scharf- macher-Akademie, deren Zöglinge vor jeder katheder- sozialistischen Berührung bewahrt bleiben sollen, sei den Ver- tretern der Wissenschaft noch zu besonderer Beachtung empfohlen. Im übrigen verweisen wir auf den Bericht. Sie iilahl im M. Candtagswablbezirit. Die Wahlmännerwahlen im 12. Landtagswahlbezirk haben eine definitive Entscheidung noch nicht gebracht. Zwar scheint es, als ob die drei bürgerlichen Kandidaten durch die Stichwahl eine Mehr- heit erlangt hätten, allein das Resultat läßt sich einstweilen noch nicht vollständig übersehen. Nach den �nis vorliegenden Zahlen nahmen die Stichwahlen folgenden Verlauf: I. Abteilung 6 Soz. 26 Frcis. 9 Natl. 19 Kons. II.. 2, 42„ 43, 10, Hl.„ 4, 18„-„ 4„ 12 Svz. 86 Freist 52 Natl. 24 Kons. Bei der H a u p t w a h l brachte die Sozialdemokratie 326 Wahl- männer durch, während die Gegner es auf 203 Wahlmänner brachten. Bei der gestrigen Stichwahl erlangte die Sozialdemokratie noch 12 Wahlmännermandate, so daß die Zahl der sozialdemo- k r a t i s ch e n Wahlmänner auf 338 stieg. Da die bürgerlichen Gegner insgesamt noch 192 Wahlmänner durchbrachten, so stieg damit die Zahl der bürgerlichen Wahlmänner auf 365. Die bürgerlichen Parteien hätten danach 27 Wahlmänner mehr als die So- zialdemokratie. Trotzdem ist damit der Sieg für die bürgerlichen Parteien noch keineswegs entschieden. Auch im vorigen Jahre vereinigten die bürgerlichen Parteien ja zusammen beträchtlich mehr Wahlmänner auf sich als die Sozialdemokratie. Während damals Genosse Hoffmann nach den Wahlmännerstichwahlen nur aus 312 Wahl- männer rechnen konnte, hatten die Gegner zusammen 331 Wahl- männer durchgebracht. Trotzdem erhielt bei der Abgeordnetenwahl der sozialdemokratische Kandidat 313 Stimmen, während für den freisinnigen Kompromißkandidaten nur 397 Stimmen abgegeben wurden, also 24 Stimmen weniger, als nach dem Ergebnis der Stichwahlen hätten erwartet werden müssen. Eine ähnliche Verschiebung der Stimmen bei der Abgeordnetenwahl erscheint nach solchen Erfahrungen auch diesmal nicht ausgeschlossen. Denn bei der Art. wie die bürgerlichen Parteien bei der Auswahl ihrer Wahl- männer vorzugehen pflegen, kommt es nur zu häufig vor, daß diese Wahlmänner politisch noch sehr unerfahren sind und erst durch den Wahlkampf selb st zum Nachdenken über die poli» tischen Streitfragen angeregt werden. Unser» Geoosse» werden deS- Hills auch bü-Smal mit aller Euergie in ihrer Aufklärungsarbcik soriznfahrrn hat»», unr den Wahlmännern die Möglichkeit zu geben, bei der Jlbgeordnetcuw�l so zu stimmen, wie es ihrem politischen Urteil entspricht. m Im ft Land tag strahl bezirk waren in den Stich- nnd Nachwahlen 14 Wahlnmim er zu Ivählen. Drei Wahlen sind nicht zustande(jekommen,. weil kein Wähler erschienen war. Gewählt sind 8 S»zialdemokraten und 3 F r e i s i n n i g e. ..fkii ist Äer Kurich!" In Halle hat man ans Furcht vor einem sozialdemo- kratischen Wahlsieg zu eine.m Mittel gegriffen, das unseres Wissens in der Geschichte pro utzisch-deutscher Wahlen noch neu ist. Die Vertreterin der„v oraussotznngslosen Wissenschast", die HalVsche Universität, hat sich gedrungen gefühlt, sich mit aller Wucht in den Wahlkainpf zu stürzen, um die für Steue.-ausplünderung der Massen und Volksentrechtung veranlivorttiche Bourgeoisie von einem neuen Lergeltungsakt zu bewahren. Die bürgerliche Presse Halles berichtet nämlich: .Durch Anschlag am schwarzen Brett gibt der Rektor der hiesigen lluideisität bekannt, dost der akademische Senat in der Sitzung vom L. November beschlossen hat. Freitag, den 20. No- veiuber, mit Rücksicht auf die an diesem Tage stattfindende Wahl eines Abgeordneten für den Reichstag als äios aoaäomious zu erllären. Es werden somit an diesem Tage keine Vorlesungen abgehalten. Jndri» der Rektor bieS zur Kenntnis bringt, gibt er zugleich der Ueberzrnguug Ausdruck, daß die Kommilitonen gerne, wie bei der letzten Rcichstagswnhl, alle Kräfte einsetzen werden, um auch diesmal wieder im Juteresse unseres Vaterlandes und Volkstums zu einem so schönen Wahlsieg brizntragrn, wie bei den letztea Wahlen in den Reichstag." Unsere offizielle Wissenschaft suchte die skandalöse akadeinischc Gesinnnngsriecherei und Sozialistenvorfemung bekanntlich stets daniit zu beschönigeil, das; die Vertreter der hehren patentierten Wissenschaft über politische Leidenschaften erhaben sein müßten, da die Wissenschaft eine völlig voraussetzungslose sein müsse. Und diese Vertreter der Voranssetznilgslosigkeit lassen sich jetzt in corpore zu einem unerhörten Akt der politischen Leiden- schnft, zu einem skandalösen Mißbranch ihres wissenschaftlichen Amtes hinreißen! Schlagender als durch Rektor und Senat der Universität Halle kann gar nicht bewiesen werden, daß die„Voraus- setzungslosigkeit" unserer akademischen Wissenschaft nichts ist, als höhler, verlogener Schwatz, und daß Karl Marx mit seinem berühmten Wort nntten ins Schwarze traf: daß der Kapitalismus alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet und, wie den Juristen und Pfaffen, auch den Mann der Wissenschaft in seinen bezahlten Lohnarbeiter der- wandelt habe. Aber nicht nur die aller Ehrwürdigkeit entkleideten akademischen Perücken gebärden sich hier gleich den Sstpendi- nten des Reichsverbandes als agitatorische Zutreiber der ver- einigten Bourgeoisie, sondern sie versuchen auch die Studierenden selb st in den Dienst des kapitalistischen Klüngels zu pressen! Das ist umso skandalöser, als doch sonst gerade unsere Professoren den Studenten den Beruf und die Reife ab- sprechen, schon eine politische Meinung zu be- tätigen. Und jetzt sollen die jungen Leute als Schuhtruppe dc3 Geldsacks gegen die Sozialdemokratie, die Vertreterin der nichtbesitzenden Klassen, losgelassen werden I S o sollen die Studenten, für die nach Professor Conrad(Jahrbuch der Nationalökononiie und Statistik. 1906. S. 487) pro Kopf aus allgemeinen Mitteln 786 M. ailfgewendet werden, während auf ein die Volksschule besuchendes Kind nur 43 M. entfallen, dem Volke ihren Dank abtragen! Wir wollen es den Studierenden selbst überlassen, sich mit der Zumutung des Rektors und Senates nach ihrem Gusto abzufinden. Auf die arbeitende Bevölkerung des Halle- scheu Wahlkreises aber wird diese Provokation so maßlos er- bitternd und aufpeitschend wirken, daß ihr der Sieg nun erst recht sicher sein wird I verelimecht und lMroirnnungs- VcrordDungen. Vom Jahre 1906 ab wurden in den einzelnen Probinzen Preußens Polizeiverordnungen zur äußeren Heilighaltung der Sonn- und Festtage erlassen. Diese griffen auch in das Ver- sammlungsrecht ein. Die meisten von ihnen, so die für die Provinz Brandenburg erlaffene Verordnung vom 4. Juli 1898, verbieten das Abhalten öffentlicher Versammlungen am Karfreitag, Bußtag und dem dem Andenken der Verstorbenen gewidmeten Jahrestag überhaupt, an den übrigen Sonn- und Festtagen für die Zeit bis zur Beendigung des Hauptgottesdienstes. Der Kammergerichtsrat Havenstein verfocht die Ansicht, daß das völlige Verbot von Versammlungen an den drei Feiertagen gesetzwidrig sei und wußte auch das Kaminergericht von der Richtigkeit seiner Auf- fassung zu überzeugen. Häven st ein wurde darauf aus dem Strafsenat des Kammergerichts entfernt: man nennt das in Preußen Wahrung der Unabhängigkeit des Richters. Havenstein nahm infolge dieses von ihm als Maßregelung aufgefaßten Schritts längeren Urlaub. Seine Gesundheit litt in- folge der wider seinen Willen erfolgten Versetzung schweren Schaden. Er starb etwa ei» Jahr später ohne wieder in Dienst getreten zu sein. Diese Opferung eines pflichttreuen Beamten auf dem Altar der Verfrommungsverordnung hat die äußerlich Fromme» ermutigt. Sie wußten es durchzusetzen, daß die vom höchsten Gericht für ungültig erklärten Vorschriften bestehen blieben. Nur wenige Sonntagsheiligungsverordnungen, so die für Berlin, Schöneberg, Charlottenburg und Rixdorf erlassene Polizeiverordnung vom 9. November 1961 enthalten ein Versamm- lungsverbot für diese drei hervorgehobenen Tage nicht. Auch in den übrigen preußischen Landesteilen gelangte dieser Teil der Verordnung immer weniger zur Anwendung. Das hat sich jetzt geändert. Wie zahlreiche Mitteilungen uns erweisen, hat die Polizei an verschiedenen Orten die Ab- Haltung öffentlicher Versammlungen für den Bußtag und den Totensonntag verboten. Ein solches Verbot halten wir für gesetzwidrig. Außer den bereits früher von uns hervorgehobenen Gründen, die der preußischen Verfassung entnommen sind, sind die den kommenden Sonntag betreffenden Verbote auch nach dem Reichsvereinsgesetz unzulässig. 8 24 des Reichsvcreinsgesetzcs hält die Vorschriften des Landes- rechts zum Schutze der Feier der Sonn- und Festtage aufrecht, er- klärt jedoch: für Sonntage, die nicht zugleich Festtage sind, sind Beschränkungen des Versammlungsrechts nur bis zur Beendigung des vormittägigen Hauptgottesdienstes zulässig. In Preußen sind nur Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Neujahr, Kar- sreitag, Himmclfahrtstag und Bußtag allgemeine gesetzliche Feier- tage. Der Totensonntag nicht. Auch in den für die Provinz Brandenburg und für Berlin erlassenen Polizeiverordnungcn sind lediglich die eben angeführten 16 Tage als„Feiertage im Sinne dieser Verordnung" aufgeführt. Mithin verstößt ein Polizeiverbot, das in Berlin oder der Provinz Brandenburg Versammlungen für die Zeit nach dem vormittägigen Gottesdienst verbietet, gegen das Reichsgesetz. Die von solchen Verboten dennoch betroffenen Genossen werden gut tun, das Verwaltungsstrcitverfahren einzu- schlagen. Aber nicht die Versammlungen allein sind vom Polizeiberbote betroffen Für den heutigen Bußtag sind noch eine Reihe ernster Musikaufführungen und Vorstellungen im Gegensatz zu früheren Jahren verbvten worden. Derartige Verbote sind selbst auf eine Reihe privater Veranstaltungen geschlossener Vereine ausgedehnt! Auch die„Freie Volksbühne" hat unter diesem Heilig- Haltungseifer leiden müssen. Stücke wie„tzannele" von Gerhart Hauptmann und„Eisgang" von Max Halbe dürfen am Bußtag nicht gespielt werden, selbst in geschlossenen Vereinsvorstellungen nicht, weil die Stillen im Lande daran Aergernis nehmen könnten. Ein solcher Akt der Unduldsamkeit steht in der Berliner Geschichte der letzten Fahre ziemlich vereinzelt da. Wenn zu Zeiten der Hammerstein und Studt unter den Polizeipräsidenten v. Borries und v. Stubenrauch am Bußtag anstandslos für die„Freie Volksbühne" gespwlt werden konnte, hätte das unter den Ministern von Trott zu Solz und v. Moltke und unter dem neuen Polizeipräsidenten v. Jagow nicht auch möglich sein können? So sieht der preußisch« Fortschritt aus! Vor 36 Jahren hat der berühmte Theologe D. F. Strauß die Ueberzeugung verfochten, daß die moderne Menschheit sich in der Kunstandacht des Theaters und des Musiksaals ebenso gut religiöse Erbauung holen könne, wie in den Hallen der Kirche. Aber das ist es ja gerade: man will diese Art der Erbauung mit Gewalt verhindern und die Massen in die Kirche pressen, in die sie nun einmal doch nicht mehr hinein wollen. Das Ergebnis kann nur eine Verstärkung der Austritts- bewegung sein. Wächst die Zahl derer, die auch äußerlich den Trennungsstrich zwischen sich und der Kirche gezogen haben, so wird es der regierenden pictistischen Minderheit schließlich doch unmöglich werden, die freier denkende große Masse der Berliner Bevölkerung durch ihre Polizeimaßregeln zu terrorisieren. Auch dem königlichen Edikt vom Jahre 1773— s i e b e n zehnhundertdrei- undsiebzig— und dem Ministerialreskript von 1837, den ehr- würdigen„Rechtsgrundlagen" der neuesten Polizeitat, wird der Weg in die historische Rumpelkammer gewiesen werden, in die sie neben dem preußischen Treiklassenwahlrecht und sonstigen branden- burgischen Altertümern schon längst gehören. Heber die außerordentlichen Maßnahmen, die durch den un- vermuteten Aussall von sechs Theatervorstellungen für die„Freie Volksbühne" notwendig geworden sind, wollte sich, wie wir hören, der Vorstand der„Freien Volksbühne" in einer außerordentlichen Sitzung schlüssig werden. Die Mitglieder werden gebeten, den Anzeigenteil genau zu beachten. Sieger und Ketiegte. Der Landrat von ManSfeld, Herr von Hassel, hat beim Abbruch des Mansfeldcr Sireikes seinen bisherigen Handlungen zugunsten der Gewerkschaft noch die Krone auf- gesetzt. Im Bureau des Betriebsführers S ch i m p vom Zirkelschacht hat er den Bergleuten durch Handschlag das Versprechen abgenommen, daß sie aus dem Bochumer- Verbande austreten und uie wicder Mit- glieder werden wollen!! Als die Streikenden am 13. morgens nach deni Zirkelschacht kamen, um anzufragen, ob sie wieder anfahren dürften, fanden sie den Eingang durch 1 Leutnant, 2 Unteroffiziere und 12 Soldaten bewacht, dazu kainen 6 Gendarmen aus der Steigcrstube, die die Ordnung aufrecksterhalten sollten, während auf dem Bureau des Be- triebsführerS der Landrat von Hassel. Amtmann S p i e I m a n n und in einer Ecke ein grimmig drein- schauender Gendarm anwesend waren!! Der Landrat nahm sich die Leute zuerst vor und fragte jeden:„Kennen Sie mich?" Denjenigen, die ihn nicht kannten, sagte er:„Ich bin der Lnndrat von ManSfeld; damit Sie wissen» mit wem Sie es zu tun haben." Dann fragte er, weshalb die Leute sich am Streik beteiligt hätten, ob sie dem Bochumer Verbände bei- getreten, ob sie Soldat gewesen und Mitglieder des Krieger- Vereines seien. An diejenigen, die Soldat waren, richtete er, der Landrat, dann folgende feierliche Worte: „Mann! Erst haben Sie den Fahneneid geleistet, haben unserem Kaiser Treue geschworen und jetzt wollen Sie helfen, unseren Kaiser absetzen. Versprechen Sie mir, aus dem«er- bände auszutreten, sich nicht wieder an sozialdemokratischen Be- strebungen zu beteiligen, sondern eingedenk Ihres Fahneneides treu zu Kaiser und Reich zu halten, dann werden wir zusammen- arbeiten, wie es vorher geschehen ist." Bei diesen Worten reichte der Landrat den Leuten die Hand und sagte dann dem Bctricbsführer:„Nehmen Sie den Mann wieder an!" Dieser Vorgang steht in der Ge- schichte der Arbeiterkämpfe in Deutschland wohl einzig da; aber er zeigt, wie die Staatsbehörde mit dem Ausbeutertum liiert ist und wie die einzelnen Beamten die Geschäfte der Unternehmer besorgen. Die Handlungsweise des Landrates ist ungesetzlich und charakterisiert sich als ein strafbares Ver- gehen gegen den Z 153 der Gewerbeordnung, weshalb die Belegschaft des Zirkelschachtes eine telegvaphische Beschwerde an den Oberpräsidenten von H e y s e l abgesandt hat. in der sie ersucht, das Disziplinarverfahren gegen den Landrat ein- zuleiten. Vor dem Schachthause standen etwa 400 Bergleute, als der Landrat das Bureau des Betriebsführers verließ. Er grüßte militärisch, ohne daß einer diesen Gruß erwiderte. woraus der Landrat mit lauter Stimme rief:„Glückauf, Kameraden!" Aber nicht ein Mund öffnete sich zum Gegengruß! Unwillig bestieg er dann mit einem Gendarm seinen Wagen und fuhr davon. Noch schlimmer ging es Herrn V o g e l s a n g, als dieser am Sonntag in Eis leben nach Schluß einer Riesenver- sammlung im Biirgergarten mit seinem Auto in Begleitung zweier Offiziere durch die Hauptstraße fuhr, wo die Berg- leute in großen Trupps heimkehrten. Er wurde a»s- gepfiffen! Gleich am Direktionspalais, sobald er ein- gestiegen war. ging das Pfeifen los, und er mußte sich diese Ovation gefallen lassen!_ £)n IMorilchei' tag. Brüssel, 14. November.(Eig. Ber.) So überschreibt die Presse das Ereignis vom Freitag: die Er- klärung des Ministerpräsidenten Schollaert, in der dieser das Einigungsangebot der Linken akzeptierte und sich für die Auf» Hebung des Stellvertretungsshstems und die Ver- kürzung der Dienstzeit auf 1b Monate aussprach. Und in der Tat: der Tag ist historisch zu nennen, nicht nur in dem Sinne, daß die Worte des Ministerpräsidenten die Auf- Hebung des schändlichsten Militärsystems verheißen— denn die am Mittwoch stattfindende Abstimmung ist nicht zweifelhaft— sondern auch noch in einer anderen Hinsicht. Wenn auch die Regierung künftighin, trotz der Drohungen Woestes, für alles was mit dem Klerikalismus und klerikal-rcaktionären Zwecken zusammenhängt, ihre Majorität aus der Rechten finden wird, so bleibt doch das parlamentarische und politische Symptom in seiner vollen Be- deuwng bestehen, daß die Regierung für eine der wichtigsten Re- formen die Hilfe der Linken in Anspruch nehmen, zu einer Majori- tät mit Soziali st en und Liberalen ihre Zuflucht nehmen mußte. Die nicht ohne Geschick formulierte Erklärung Schollaert's, daß ja die Regierung ihre Hauptforderungen aufrechterhalte, daß sie nur ein„Angebot" akzeptiert und die Linke Konzessionen gemacht habe, ändert an dem moralischen Effekt der Dinge wenig. Herr Schollaert hat vor Monaten erklärt: er mache die Militärreform nur mit der Rechten, und er hat Freitag erklärt, er refüsiere keine Mithilfe, woher sie auch komme. Mit zur Bedeutung dieses„historischen" Tages zählt auch, daß es den so oft verkleisterten Bruch, die Divergenz der politischen Meinungen auf der Rechten offengelegt hat, und die Majorität zersplittert zeigt in einem Augenblicke, da noch die stolzen Jubi- läumsreden nicht verklungen sind, die die unzerbröckelte Macht und Einheit der klerikalen Partei vortäuschen wollten. Das sachliche Ergebnis des Tages ist in seinen Hauptlinten zweifellos als ein Gewinn für d i e D e m o k r a t i e zu buchen. Es wird nicht nur das undemokratische Stellvertretungssystem fallen, sondern auch die Dienstzeit wird um ein erhebliches— von 26 Monat en auf Ib Monate für die Infanterie— herabgesetzt werden. Sowohl die Liberalen, die die einjährige D i e n st z e i t, wie die Sozialisten, die die s c ch s m o n a t l i ch e forderten, hatten in ihren Fraktionsberatungen sich dahin geeinigt, daß sie sich im Augenblick mit der Reduktion auf Ib Monate zu- frieden geben würden, falls die Regierung in bezug auf die anderen Forderungen Konzessionen machen würde. Die von Liberalen und Sozialisten zugesagte en bloc-Annahme der Regierungsvorlage mit der Formel: ein Sohn per Familie. schließt allerdings auch den Verzicht auf eine der hauptsächlichsten Forderungen der Linken, die allgemeine Dienstpflicht. ein. Ein Beharren der Sozialisten auf ihrem Standpunkt bezüglich ihrer Forderungen der Dienstzeit und der allgemeinen Dienstpflicht hätte in der augenblicklichen parlamentarischen Kon- stellation indes nur die Woestesche Politik zum Siege geführt, d. h. die Militärreform zum Scheitern gebracht oder ihr zumindest jede demokratische Grundlage entzogen. Diese Politik der Not sichert aber dem Proletariat wenigstens einen Teil der notwendigen Reformen, und von diesem Gesichtspunkt aus wird es ihr auch seine Zustimmung nicht versagen können. politilcbe GcbcrHcbt. Berlin, den 16. November 1909. Die Einberufung des preußischen Landtags ist für den 11. Januar in Ausficht genommen. Am gleichen Tage wird, wie eine hiesige Korrespondenz mitteilt, durch den Finanzminister der neue Etat vorgelegt werden, dessen Aufstellung soweit fortgeschritten ist, daß in nächster Zeit im Staatsministerium die Beratung des Etats beginnen kann. Die Drucklegung erfolgt in der zweiten Hälfte des Dezember. Ob der Etat bis zum ver- fassungsmäßigen Termin im Landtage verabschiedet werden kann, erscheint nicht sicher, da wegen des frühen Ostern der Etat in neun Wochen von beiden Häusern des Landtages zu erledigen sein würde. Sowohl das Wassergesctz. wie Fischerei- und Fcuerbestattungsgesctz als auch das in Vorbereitung begriffene Wohnungsgesetz sind für spätere Zeiten zurückgestellt worden, um die Session nicht zu bc- lasten. Neben einem Entwurf über die Neuregelung der Reise- kosten der Beamten, der fast fertiggestellt ist, einem Entwurf zum Schutze frühgeschichtlicher Denkmäler, einem Wegegesetz für Ost- prcußen sind dem Landtag noch zu unterbreiten ein neues Eisen- bahnanleihegesetz, dessen Grundzüge im Eiscnbahnministerium fest- gestellt sind, und ein Gesetz zur Auffüllung der Fonds zum Bau von Arbeiterwohnungen im Betriebe der Staatsverwaltungen. Neben einer Reihe kleinerer Vortagen wäre damit das Arbeit?- Programm des Landtages erschöpft. Eine Nebenregierung in Bayern. Das bayerische Zentrum zieht zurzeit scharf gegen den Chef der Geheimkanzlei des Prinzregenten, General v. Wiedenmann. zu Felde, den es beschuldigt, eine Nebenregierung etabliert zu haben. Die Affäre geht darauf zurück, daß der Chef der bayerischen Post, Ministerialrat v. Gctth, vor einiger Zeit in einer Zentrums- Versammlung zu Jmmenstadt eine schwungvolle Lobrede auf das Zentrum gehalten hat. Er meinte, daß nur ein guter Zentrums- mann auch ein guter Staatsbürger sein könne. Vor kurzem machten nun der Abgeordnete Held in einer Zentrumsversammlung und einige Tage später auch der Abgeordnete Dr. Heim im Landtage Anspielungen, es hätte in dieser Sache ein Ministerrat statt- gesunden, wobei der Ministerialrat v. Geith„nahezu diszipliniert und seines Postens enthoben" worden sei. Der Ministerrat habe auf Antreiben des Chefs der Geheimkanzlei zur Angelegenheit Stellung genommen, die Maßregelung sei nur mit einer Stimme Mehrheit verhindert worden. Die Antwort, die der Minister v. Brettreich auf diese Anzapfungen gab, war nicht sonderlich klar: aus der einen Seite bestritt er, daß eine derartige Anregung an den Ministerrat gekommen sei. auf der anderen Seite erklärte er, über die Verhandlungen im Ministerrat nichts aussagen zu können. Die Zentrumspresse erblickt in dieser Antwort eine glatte Bestäti- gung der Behauptungen Dr. Heims und wendet sich heftig gegen den General v. Wiedenmann�md gegen die Minister, weil sie diesen Versuch, eine Nebcnregierung einzuführen, nicht energisch zurück- gewiesen hätten. Demgegenüber ist jetzt ein verschwommenes offiziöses Dementi erschienen, in dem dringend gewünscht wird. diese Angelegenheit aus der Polemik des Tages auszuscheiden. Wenn sie tagesordnungsgemäh in der Kammer zur Sprache komme, werde die Regierung nicht verfehlen,„über die in Betracht kommen- den Verhältnisse die nötigen Aufklärungen zu geben". Der Freist, m und Landsberg Soldin. Der Freisinn kann es wieder einmal nicht zu einer klaren Stichwahlparole bringen. In Landsberg-Soldin hängt ihm neben seiner eigenen Schwäche auch noch ein trauriges Kompromiß mit den Nationalliberalen als Klotz am Bein. Die Nationalliberalen des Kreises haben die Kan- didatur des unbestimmt liberalen Kandidaten Schoeppc unterstützt um den Preis, daß im Fall des Unterliegens des Freisinns bei der nächsten Wahl ein Nationalliberaler als liberaler Kandidat aufgestellt wird. Die Reichs-Parteileitung der Freisinnigen Vereinigung verwahrt sich schon jetzt in einem Schreiben an das„Berliner Tageblatt", das dieses Kompromiß getadelt hatte, dagegen, der Abmachung zugc- stimmt zu haben. Allein der Liberale Verein in Landsberg sei dafür verantwortlich; er habe ohne Vorwiffen der Reichs- organisation gehandelt. Diese sei so wenig mtt den, Kam- promiß einverstanden gewesen, daß von ihr im Wahlkainpf weder rednerische noch finanzielle Unterstützung geleistet worden sei. Die Zuschrift legt äußerst zerfahrene Zustände im Lager der Freisinnigen Vereinigung bloß. Eine Lokalorganisation kann einen von der Zentralleitung gar nicht gebilligte«! Sandel schließen, ohne daß diese rechtzeitig öffentlich dagegen tellung nimmt. Ein Wunder ist es da nicht, daß jetzt weder die Zentralittstanz noch der Lokalverein eine klare Stichwahl- Parole auszugeben wagen. Dafür tauchen in der freisinnigen Presse Stimmen auf. die da sagen, daß in der Stichwahl nun gewiß die Konservativen siegen werden, da..zweifellos sehr viel liberale Wähler mehr für ihn als für den sozialistischen Kandidaten" eintreten würden, weil„das bürgerliche G e m e i n s a m k e i t sg e f ü h l" bei den Liberalen stärker entwickelt sei als bei den Konservativen. Die„Kieler Ztg.", die sich so äußert, benutzt die Gelegenheit zugleich, um den Konservativen verstehen zu geben, daß die Liberalen bei den nach st en Wahlen für ein Zusammen- geh en mit den Konservativen zu haben sein würden, sosern die Herren Konservativen„berechtigen libe- ralen Wünschen" Rechnung tragen wollen. „Berliner Volkszeitung" und„Berliner Tageblatt" sind's allein unter den linksliberalen Blättern, die direktes Eintreten des Freisinns für den sozialdemokratischen Kan- didaten fordern. Ihnen geht die gestern von uns erwähnte Auslassung der„Lib. Korresp.", des Organs der Freisinnigen Vereinigung, worin die Hoffnung ausgedrückt wird, daß die Wählerschaft trotz der Freigabe der Abstimmung durch den liberalen Wahlausschuß„den politisch einzig rich- t i g e n W e g", d. h. den n a ch l i n k s, finden werde, noch nicht weit genug. Die„Tägliche Rundschau" aber nennt diese Aeußerung zornentbrannt einen„Verrat des Reichstags- Mandats an die Sozialdemokratie". Wie nicht anders zu erwarten war. halten es die Na- tionalliberalen mit den Reaktionären. Sie haben be- schlössen,„trotz schwerwiegender Bedenken" für den kon- servativen Kandidaten zu stimmen. Der deutsch-schweizerische Niederlaffnngsvcrtrag. In den letzten Tagen fand in Bern die staatliche Kon- ferenz zur Revision des deutsch-schweizerischcn Niederlassungs- Vertrages statt. Die Verhandlungen, die soeben beendet wurden, führten zu einer Reihe Ergänzungen des alten Ver- träges. So soll z. B. künftig die Voraussetzung der Niederlassung der Besitz eines gültigen H e i m a t s- s ch ei n es sein, dessen Folgen von der ausstellenden Behörde auch dann getragen werden müssen, wenn die Urkunde aus Irrtum ausgestellt sein sollte. Bei der Uebernahme eines früheren Angehörigen eines der vertragschließenden Teile sind seine Ehefrau und die in seiner häuslichen Gemeinschaft lebenden minderjährigen Kinder auch dann mit zu übernehmen, wenn sie dem übernehmenden Lande weder an- gehören noch früher angehört haben, aber nicht Angehörige des anderen Teils oder eines dritten Staates geworden sind. Im weiteren enthält der Vertrag eine nähere Feststellung des Uebernahmeverfahrens. Der Vertrag wird den Parlamenten der beiden Länder im Frühjahr unterbreitet werden. Steuerpolitische Schwenkungen des Zentrum?. Im Sommer lSvö trat das Zentrum mit großer Entschieden- heit gegen die Vermehrung der indirekten Steuern auf, wie sie in der dann bald erscheinenden„kleinen" Reichsfinanzreform gefordert wurde. Damals erschien in der ultramontanen Presse eine ganze Anzahl von Artikeln, worin auf die„volkssreundliche" Haltung des Zentrums in der Steuerfrage hingewiesen und gegen die weitere Vermehrung der Volkslasten Front gemacht wurde. In einem dieser Artikel, der am 2S. August 1905 in der, K ö l n i s ch e n B o l l S z t g." erschien, wurde mit großer Genugtuung hervorgehoben, daß daS Zentrum sich„schon unter der Führung Windthorsts' energisch gegen eine weitere Vermehrung der indirekten Steuern ausgesprochen" habe, es wurde gerühmt, daß eS 1887 gegen das Bräunt!v ein st euerge setz gestimmt und 1895 die geplante Verdoppelung der Tabak st euer zu Fall gebracht habe, und endlich wurde darauf hingewiesen, daß eS 1898 in einer Resolution gefordert habe, daß„wertere Reichsausgaben nicht auf die breiten Di assen des volles abgewälzt werden dürften." Dann hieß es: „Merkwürdigerweise wollen aber gerade diejenigen Parteien, die alle Forderungen für neue und erhöhte Reichsausgaben be- günstigen, ja geradezu noch auf solche hindrängen, die Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen, von cfiner Heran- ziehung der leistungsfähigen Schultern zur Deckung der Reichsbedürfnisse nichts wissen, wie früher sind sie auch jetzt wieder bestrebt alles auf den kleinen Mann, den Arbeiter, den Bauern und Handwerker durchSteuern aufBier undTabak abzuwälzen, roährend sie die großen Besitzer aus allen Kreisen schonen wollen.... Die neuer- dingö in Aussicht gestellte, durch die Aufwendungen für die so wenig fruchtbare Weltpolitik nötig gewordene „ReichSfinanzreform", d. h. Beschaffung neuer Steuern, muß hierin Wandel schaffen, es muß einmal mit dem System gebrochen und die Heranziehung derLeistungS- fähigen angebahnt werde». Das wird für daS Reichsschatzamt. de» Bundesrat und den Reichstag eine schwierige. aber ehrenvolle und dankbare Aufgabe sein. Zu unserem Bedauern wissen wir bereits, daß einfluß reiche Kreise tätig sind, um eine solche großzügigeSteuer. p o lit i k z u v e r h i n d e r n; sie wollen v i e lme h r die in- direkten Steuern noch mehr erhöhen. Auf wen aber glaubt der Bundesrat mit einer solchen Vorlage rechnen zu lönnen? Der jetzige Reichstag geht unter keinen Um ständen darauf ein. Will man er st Neuwahlen, es soll uns angenehm sein." So die führende Zentrumspresse im Sommer 1905. Bei der Wahl 1907 haben die Ultramontanen ihre Versprechungen in ebenso entschiedener Weise wiederholt. Und nun vergleiche man damit ihr Verhalten im Sommer 1909 und urteile, ob das Zentrum nicht seine Wähler schmählich hinters Licht geführt und einen gemeinen Bolls- verrat begangen hat._ Kommunalwahlen. Einen schönen Achtungserfolg errang die Sozialdemokratie bei den Gtadtverordnetenwahlen im schwarzen Recklinghaüsen (Westfalen). Das Zentrum hatte sich aus Furcht vor einer Nieder- läge mit d e n P o l e n k o a l i e r t. Ihre Stimmenzohlen, die im Jahre 1907 zusammen 2551 betrugen(Zentrum 1504, Polen 1047) sanken auf 1031, die auf ihre geineinsame Liste entfielen. Die Nationalliberalen sanken von 010 aus 317. Die sozial- demokratische Stimmenzahl dagegen stieg von 270 auf 799. « In Brandenburg a. H. behauptete die Sozial- deurokratie bei den Stadtverordnetenwahlen der dritten Abteilung vier Mandate und gewann eins dazu. Ihre S t i m m e u z a h l hat um ungefähr 700 zugenommen. » Bei den Stadtverordneten wählen in Ohlau (Schlesien) kanren vier Sozialdemokraten in die Stich- wähl. Die Stimmenzunahme beträgt über hundert Prozent. • Einen gewaltigen Fortschritt machte die Sozialdemo- lraiie bei der S t a d t v e r o r d n e t e n w a h l in der schwärzesten I und rückständigsten aller deutschen Großstädte, in Aachen. Die sozialdemokratische Stimiuenzahl stieg von töO im Jahre 1907 auf 1508. Sie hat sich also verztvölffacht. Wer die Aachener Verhältnisse kennt, der weiß, daß diese lö08 öffentlich abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen einen beispiellosen Erfolg und für die dortige Parteibewegung eine neue Epoche bedeulen. * AuS der Pfalz, aus dem östlichen Westfalen und Lippe werden an» vielen kleineren Orten Siege bei den Stadt- verordneten- und GemeinderatSwahle» genieldet. Klerikale Kampfesweise. Bei der Stadtvcrordnetenwahl der dritten Abteilung in Köln hatte die örtliche Zemrumsleitimg die Sozialdemokratie in Flug- blättern und Plakaten in der schimpflichsten Weise verleumdet. Nie bei einer Reichslagswahl ist von klerikaler Seite so gehetzt uird geschwindelt worden. Als alle Vorhalinngen in dyr„Rbeuiischcii Zeitimg* ohne Eindruck blieben, ließ unser Kölner Parteisekretär, Genosie B. Müller, ein Plakat an den Säulen anschlagen, worin er die einzelnen Behauptungen der Gegner wiederholte und im Anschluß daran erklärte. daß es sich hier„um gemeine Lügen und Verleumdungen" handle; das Wahl konutee der ZentrumSpartei. dessen Vorsitzender ausdrücklich mit Namen und Beruf genannt wurde, habe„sich damit selbst als eine Gesellschaft gekennzeichnet, deren moralische Qualität nicht zweifelhaft sein kann". Im Anschluß hieran forderte Genosse Müller die Mitglieder des Wahlkomitees der ZentrumSpartei auf, gerichtliche Klage gegen ihn zu erheben. um die Wahrheit feststellen zu lassen. Daraus erschien TagS darauf in dem Organ der Kölner Zentrumspartei, dem Bachenischen.L o k a l- A n z e i g e r", eine Notiz, worin es hieß:„Dem Wunsche des sozialdemokratischen Partei- sekretärs aus gerichtliche Klage ist prompt stattgegeben worden. Es ist zu begrüßen, daß auf diese Weise Gelegenheit gegeben wird. festzustellen, daß die von der ZentrumSpartei vehaupteten Aeuße- rungen von sozialdemokratischen Führern tatsächlich von denselben gemacht worden sind. Es muß dann anihören, daß diese, den Sozialdemokraten so unbequemen Aeußermigen von ihnen beharrlich abgeleugnet werden." Zugleich erschien an den Säulen ein Plakat) worin das Wahlkomites der Zentrumspartei seine sämtlichen Behauptungen aufrecht hielt. Jetzt aber bringt daö Zentrumsblatt die Mitteilung, daß die von der Leitung der Kölner ZentrumSpartei gegen Parteisekretär Müller angestrengte Klage zurückgezogen worden ist. Aus dem Lande der Sparsamkeit. In Düsseldorf ist für den Oberlandcsgerichtspräsidenten eine neue Dienstwohnung errichtet worden, die für das Gebäude nebst Grund und Boden und großem Garten allein 900 000 M. er- fordert! Während der Oberlandesgerichtspräsident ein Jahrcseinkom- inen von„nur" 18 000 Mk. bezieht, müssen für die Verzinsung seiner Dienstwohnung jährlich fast 40 000 M. aufgebracht werden! Bei Benutzung einer Privatwohnung dagegen würden nur 4500 M. Mietentschädigung gewährt werden. Landtagsersatzwahl in Stnhm— Marienwerder. Bei der heutigen LandtagSersatzwahl im Kreise Stuhm— Marienwerder wurde Jusiizrat Dr. Schröck(Freik.) mit 249 Stimmen ge- wählt, v. Donimirski-Zohensen(Pole) erhielt 89 Stimmen. Hilf,"Thyssen! Der bekannte Großindustrielle August Thyssen ist, einer Meldung des„Berl. Tagebl." zufolge, nach Berlin zum ReichSmarineamt berufen worden, um dort als Sach- verständiger mitzuarbeiten bei den festzusetzenden Maßnahmen zur Beseitigung der Mißstände auf den kaiser- lichen Werften, die sich im Kieler Prozeß gezeigt haben.— Aus Kiel wird gemeldet, daß Staatssekretär v. T i r p i tz am Sonntagvormittag mehrere Stunden lang die kaiserliche Werst, be- sonders die Verwaltungsbetriebe, eingehend besichtigt hat. Alle leitenden Beamten waren zugegen. Die Arbeitslosigkeit in der Tabakindustrie. Die„Süddeutsche Tabakzeitung", das Organ der Fabrikanten, schreibt folgendes: „Die Arbeitslosigkeit der Arbeiter im Tabakgewerbe hat sich seit Eintritt der Tabaksteuer erheblich verschärft. Wenn selbst der Monat September ein leises Abflauen der Arbeitslosigkeit gebracht hat, so ist sie doch trotzdem noch besorgniserregend hoch. Im August kamen auf je 100 offene Stellen in der Tabakindustrie an den öffentlichen Nachweisen durchschnittlich 457 Arbeitsuchende, und zwar der Mehr- zahl nach wohl Arbeitslose, der Andrang im September betrug noch immer 400. Dieses ungewöhnliche Neberangebot am Arbeitsniarite in der Tabokindustrie erfolgt jetzt zu einer Zeit, wo in allen Ge- werben die Arbeitsgelegenheit kräftig zunimmt. Besonders empfindlich leiden unter dem Arbeitsmangel die Hamburger, Bremer, die rhemisch-westsälischeu und badischen Tabakarbeiter; aber auch in Berlin und ün Königreich Sachsen besteht ein äußerst starkes Ueber- angebot."_ Mschbeck ade! Eine kräftige Abfuhr holte sich am Montag der Abgeordnete Fischbcck in der Hauptstadt seines Wahlkreises, in Liegnitz. Er Ivar seit der Finanzreform zum ersten Male im Wahlkreise er- schienen, und die Versammlung mußte wegen Ueberfüllung ab- gesperrt werden. Die reichlich 1000 Personen, die versammelt waren, hörten die Rede des Fleischermeisters Kabelt aus Magdeburg ruhig an, als aber F i s ch b e ck daS Wort ergriff, empfingen ihn stürmische Abzugs- und Pfuirufe!— Nach Fischbeck sprachen mehrere Genossen, die sein Verhalten beim Mandatsraub und sein Paktieren mit den Konservativen kennzeichneten. Trotz Fischbecks Erwide- rung konnte er nicht verhindern, daß eine Resolution angenommen wurde, in der ihm die Wähler von Liegnitz das Vertrauen entziehen! Als Fischbeck um Illsi- Uhr zum dritten Male das Wort er- greifen wollte, löste sich die Versammlung auf, da alle Teilnehmer den Saal verließen. Disziplinarprozest ZoUrtsch. Die„Tägliche Rundschau" berichtet, daß dem Vernehmen nach sowohl die Postbehörde als auch der verurteilte Oberpostassistent Z o l l i t s ch gegen das Urteil der Disziplinarkammer in Potsdam Berufung an den Disziplinarhof in Leipzig einlegen werde. Die Postbehördc legt Berufung ein, weil sie glaubt, daß die Disziplinar- kammer in Potsdam gegen Zollitsch zu milde gcurteilt hat, Zollitsch dagegen hält seine Verurteilung überhaupt nicht für ge- rechtfertigt. Jugendliche als„Landfriedensbrecher". Die Lorbeeren, die die Berliner Polizei im Kampfe gegen die freie Jugendbewegung geernlet hat, lassen die Polizei zu Düsseldorf nicht schlafen. Am Sonntagnachmittag unterfing sich die Düsseldorfer freie Jugend daS staatsgefährliche Beginnen, mit einigen Kölner Freunden einen zwanglosen Spaziergang zu unternehmen. In seiner Jugendfrende stimmte der Trupp das harmlose Lied an:„Das Wandern ist des Müllers Lust". Freilich geschah das noch innerhalb der Stadt. Die zahlreichen Spaziergänger hatten ihre helle Freude an den frischen jungen Leuten, als auch schon ein Schutzmann zur Rettung der bedrohten Ordnung die Sänger barsch zur Ruhe verwies. Ge- horsam schwieg man und glaubte damit die Sache erledigt, als mit einem Male ein halbes Dutzend Schutzleute auftauchten und die Hand am Degen den„Zug", der aus etwa 40 harmlose» Burscheu und Mädchen, zum Teil Kindern bestand,„auflöste". Zehn Teil» nehmer wurden unter den üblichen polizeilichen Höflichkeitsformen zum Polizeikommissariat geschleppt, Ivo sich eine vielköpfige Menge, meist bürger- liche Spaziergänger, ansammelten, die ihrer Empörung über daS Verhalten der Polizei Ausdruck gaben. Bei der Vernehmung der„Verbrecher" wagte der Herr Kommissar allen Ernstes von„Landfriedensbruch" und„Zuchthausstrafe" zu reden. Vorläufig möchten wir annehmen, daß die Düsseldorfer Polizei klug genug sein wird, ihrem Heldenstück keine gerichtliche Fortsetzung zu geben. Lorbeeren werden dabei für sie sicher nickt zu holen sein. Die Staatsaktion fand am Abend einen trefflichen Abschluß. Die freie Jugend Düsseldorfs versammelte sich mit ihren Kölner Gästen in einem rasch requirierten Saale. Die begeisterte Stimmung gab sich spontan in Wort und Lied kund, und so wird auch dieser neueste Angriff.auf die freie Jugendbewegung nur ihren Bormarsch fördern. ftankmck. Die Steuervorlagen. Paris, 10. November. Die Gruppe der g e e i n i g t e n S o z i a l i st e n beschloh. mehrere der vom Finanzminister vor- geschlagenen Steuern abzulehnen, so unter anderem die bei Eröffnung von Schankwirtschaften zu zahlende Taxe, die Er- höhung der Alkoholsteuer, die Steuer auf die den Ursprung von Weinen und Likören bezeichnenden Bignetten und die Erhöhung der Tabaksteuer._ Klerikale Demagogie. Paris, 15. November. Der E r z b i s ch o s von Toulouse Germain hat an die Priester seiner Diözese einen neuen Hirten- b r i e f gerichtet, in dem zunächst mit der größten Schärfe die gegen den Episkopat erhobenen Angrifft zurückgewiesen werden. ES heißt dann weiter in dem gestern von allen Kanzeln verlesenen Schriftstücke: Man hat Bischöfe und Priester aus ihren Be- hausungen gejagt, man hat ihnen unbekümmert um den unan- tastbaren Vertrag das letzte Stück Brot(!) weggenommen. Man stiehlt(!) uns unsere Einkünfte und Stellungen. Man hat gegen die katholische Kirche ein Werk dcS Hasses unternommen, das einer zivilisierten Nation unwürdig ist, und um diesem Werke den Erfolg zu sichern, ist die Schule eine Stätte der Unterdrückung und Tyrannei geworden, geschützt von dem Staate, der unter dem Namen Republik an die Stelle der Freiheit, der Gerechtigkeit, der Familie und Gottes treten will. Erfüllen wir unsere Pflicht ohne Scheu und ohne Groll! Drängen wir niemand unsere Lehre auf, aber verteidigen, verkündigen wir sie laut mit unermüdlicher Tatkraft! 6ngland. Die Kriegserklärung der LordS. Aus London kommt eine hochbedeutsame Nachricht. In der heutigen Sitzung des Oberhauses erklärte der Führer der Konservativen Lord Lansdowne. daß er in der zweiten Lesung der F i n a n z b i l l folgende Resolution ein- bringen würde:„Das Oberhaus ist nicht berechtigt, seine Zn- stimmung zu diesem Gesetze zn geben, bis es dem Urteil des Landes unterbreitet worden ist." Damit ist das Schicksal des Etats besiegelt. Die Lords sind entschlossen, den Verfassungskampf aufzunehmen. Von der revolutionären Energie der englischen Arbeiter und von ihr allein wird der Ausgang abhängen. Die Liberalen werden den Kampf nur durchkämpfen, wenn ihnen das vorwärts- drängende Proletariat jeden Rückzug abschneidet. Auf jeden Fall steht England jetzt vor einem der folgenschwersten Ab- schnitte seiner Geschichte, und der Ausgang dieser Kämpfe wird in seiner Rückwirkung auch in allen anderen Staaten zu spüren sein. Vielleicht darf man hoffen, daß in der politischen Krise, die jetzt beginnt, Englands Arbeiter, einst auf gewerk- schastlichem Gebiet nach dem Wort von Marx die Preisfechter des europäischen Proletariats, sich auch auf politischem Gebiet endlich jene Stellung erobern werden, die ihrer Stärke und ökonomischen Bedeutung entspricht. DaS Ergebnis der Gemeindewahlen. Die zu Anfang dieses Monats in England, Wales und Schott, land stattgefundcnen partiellen Gemeindewahlen hatten nach dem „Labour Leader", der in seiner Nummer vom Freitag eine aussiihr« liche Wahlstatistik enthält, folgendes Ergebnis: In England und Wales gewannen die S o z i a l i st e n und Gewerkschaftler 45 Mandate und verloren 29; in Schottland gewannen sie 9 und verloren 2. Insgesamt wurden 54 gewonneninnd 31 verloren, was einen Reingewinn von 23 Mandaten ergibt. perfien. Protest gegen die russischen Umtriebe. Teheran, 15. November. Die bei der heutigen Parka- mentSeröffnung von Sipahdar verlesene Thronrede nimmt Bezug auf die Anwesenheit fremder Truppen in Persien und bezeichnet sie als den einzigen unbefriedigen- den Zug in den sonst ausgezeichneten Beziehungen mit den Mächten. Dann drückt die Thronrede die Hoffnung aus, daß durch die guten Dienste der Diplomatie eine schleunige Zurück- ziehung der Truppen gesichert werden würde. Schließlich enthält sie das Versprechen. Gesetze vorzulegen zur Beseitigung der Mängel in der Verwaltung. Rückzug RakhimS Khan. Astara, 10. November. Rakhim Khan und die Schah» sebennen verließen, nachdem zwei Tage mit ihnen verhandelt worden war, freiwillig A r d e b i l. Die Stadt und die Festung bleiben bis zur Ankunft des Gouverneurs unter dem Schutz der russischen Truppen. TJmerika. Der Fall de Lara. Gegen die Auslieferung de Laras an Mexiko haben in allen Städten der Union Protestversammlungen der Soziali st en und von Arbeiterorganisationen statt- gefunden. In Los Angeles(Kalifornien), wo de Lara ge» fangen gehalten wird, vereinigte die von den Sozialisten ein- berufene Versammlung Taufende, und weitere Tausende mußten umkehren, John Konneth Turner, Verfasser des Buchs„Mexika- nischc Barbarei", zu dessen Heransgabe de Lara behilflich gewesen ist, erklärte, die Auslieferung nach Mexiko sei nicht? anderes als ein Mord. Er warf der Polizei ihren Uebereifer vor und erklärte, die Regierung der Vereinigten Staaten habe sich unter die An- Weisungen des blutigen mexikanischen Diktator« D iaz gestellt mit Rücksicht auf die an nordamerikanische Geschäftsleute in Mexiko erteilten Konzessionen, Der Grafs chaftSrichtcr Worts erklärte, daß er die Verhaftung de Laras in vollkommener lln- Parteilichkeit geprüft und gesetzwidrig befunden habe. Er 'agte:„Diese Leute müssen von Zeit zu Zeit«inen„Anarchisten" unter die Erde bringen, um ihre Stellung zu behaupten. Sie bringen dem Präsidenten den blödsinnigen Glauben bei, daß er ich in beständiger Lebensgefahr befinde." Nach den Reden einiger Sozialisten wurden Resolutionen angenommen, die de Laras Un« schuld feststellen und gegen die Auslieferung protestieren. Gewerkfcbaftlicbeo. Neue Catracben zur Parteipolitik der ebrift- Uchen GewerKfchafteii. Unserem neulichen Artikel über die christlichen GeWerk- schaften und die Parteipolitik, die sie treiben, können heute schon wieder eine Anzahl der durchschlagendsten Beweise aw gefügt werden. Die„Frankfurter Zeitung", die als liberales Organ von Sieger wald ebenfalls angegriffen wurde, schreibt, daß sie sehr gut verstehe, wie sich der Generalsekretär bemühe, der Mitwelt gegenüber das eigentümliche Verhalten der christlichen Gewerkschaften zur Reichsfinanzreform zu recht fertigen. Sie nieint aber sich damit nicht allzu lange auf halten zu brauchen: „Es ist ja festgestellt, dast die christlichen Gewerkschaften sich sehr wohl auch nut der Reichsfinanzreform beschäftigen, allerdings nur wenn es das Interesse der Zentrumspartei erfordert." Zu dieser schönen„unpolitischen", also„neutralen" Tätige keit bringt das Blatt dann neue Beispiele. Jetzt reisen alle christlichen Gewerkschaftssekrctäre durch die Lande und reden zum Lobe der beendeten Reform, und zwar nicht bloß in Parteiversammlungen oder in Arbeiterlvählcrversammlungcn der Zentrumspartei. So wurden vor einigen Tagen in Berlin zu einer am 12. November stattfindenden öffentlichen Versammlung Einladungszettel angeklebt, in denen der Reichstags-Abgeordnete Becker(Zentrum) als Referent über Arbeiter und Reichsfinanzreform angekündigt wurde. Die Versammlung wurde einberufen vom christlichen Gewerkschaftskartell für Berlin I Herr Stegerwald selbst redete vor einigen Wochen in einer christlichen Gewerkschafts- Versammlung in Aachen über dasselbe Thema und lies; seine Rede wortlich von der Zentrumspresse abdrucken. Was die Herren mündlich tun, ergänzen sie durch schriftliche Arbeiten. In vielen christlichen Gewerkschaftsblättern wird jetzt eine Artikelserie des„Zentralblatts der christlichen Ge- werkschaften" über die Reichsfinanzreform ab- gedruckt. Die„Frankfurter Zeitung" meint, daß es sich bei der ganzen Frage offenbar um eine Parteiaktion der christlichen Gewerkschaften handelt, und da hat die Frankfurterin recht. Zentrumspolitik ist's, dies zeigten wir ja gestern schon an dem gewerkschafts-christlichen Ver- halten während der letzten Reichstagswahl. verlin und Umgegend. Tarifbcwegnug im Holzgewerbe. Wir haben bereits berichtet, dafi die im Holzgewerbe am 12. Februar 1910 ablaufenden Verträge gekündigt sind. Der Holz- arbeiterverband hat neben drei Städten zum 1. Januar 1910 die Verträge für weitere 21 Orte gekündigt. Der„Arbeiterschutz- verband für das deutsche Holzgewerbe" hat dagegen sämtliche Ver- träge zum 12. Februar gekündigt und zwar für 37 Orte, darunter Grotz-Berlin, Dresden, Potsdam, Spandau, Brandcnbct?g, Brom- berg, Thorn usw. In diesen Städten kommen 28 000 Holzarbeiter aus den Orten, wo die Verträge kurz vor oder nach diesem Zeit- Punkt ablaufen. Der Arbeitgeberverband hat aber sämtliche Ver- träge mit Ablaufstermin bis inkl. 1. April 1910 gekündigt. Es kommen demzufolge weitere 13 Städte in Frage, darunter Danzig, Erfurt, Harburg, Hildesheim. Königsberg i. Pr., Lüneburg, München und Posen mit insgesamt 9000 Arbeitern. Bei den Ver- tragsverhandlungen kommen also 51 Städte mit 40 000 Holz- arbeitern in Frage. Nun haben wir bereits berichtet, dah zwischen den Zentralvorstinden schon Verhandlungen stattgefunden haben. Darüber berichtet die„H o l z a r b e i t e r z e i t u n g" noch in ihrer neuesten Nummer, daß die Vorstände sich dahin geeinigt haben, datz die abzuschließenden Verträge wieder drei Jahre, und zwar bis zum 15. Februar 1913, lausen sollen. Die Frage der Verkürzung der Arbeitszeit soll einer sogenannten Staffelkommission Überwiesen werden, die ihre Arbeiten auf Grund des vom Holz- Zxbeiterverbande ausgearbeiteten und vom Arbeitgeberverband an- �kannten„Kasseler Regulativs" erledigen soll. Gegen den Vor- Mag, man möge die sämtlichen in Frage kommenden Verträge gemeinschaftlich„freundschaftlich" kündigen, wurden Bedenken er- hoben und die Entscheidung darüber vertagt. Die Verhandlungen an den einzelnen Orten sollen am 13. November auf der ganzen Linie beginnen. Die„Fachzeitung" des ArbeitgeberschutzverbandeS berichtet in demselben Sinne über die Konferenz der Berbandsvorstände und druckt auch das Kündigungsschreiben der Unternehmer ab, das für alle Orte gleichlautend ist. Es heißt darin: „Nachdem die Zentralvorstände der Arbeitgeber- und Arbeit» nehmerorganisationen für das deutsche Holzgewerbe die Er- Neuerung der ablaufenden Verträge ins Auge gefaßt haben und auf beiden Seiten die Geneigtheit besteht, dieses Ziel ohne Unterbrechung des gewerblichen Friedens zu erreichen, hat sich die gegenseitige Kündigung aller derjenigen Verträge als not wendig erwiesen, welche vom 1. Januar bis 1. April ihr natür> liches Ende erreichen. Wie uns durch unseren Zentralvorstand mitgeteilt wurde, soll durch diese gegenseitige Kündigung eine Basis für die schon im November stattfindenden örtlichen Verhandlungen geschaffen werden., Wir kündigen deshalb frist. und formgemäß den mit Ihnen abgeschloffenen Vertrag und erklären uns jetzt schon bereit, Donnerstag, den 18. November, über die Erneuerung unseres bisherigen Verhältnisses mit Ihnen in Beratung zu treten. Ort und Stunde der Zusammenkunft bitten wir mit unS zu ver- einbaren."» Hierzu wird unS mitgeteilt, daß der gemeinschaftlichen, freund- schaftlichen Kündigung vom Holzarbeiterverbande nicht zuge- stimmt wurde. Der Artikel der„Fachzeitung" ist auf Frieden ge- stimmt. Die Einleitung des Artikels klingt besonders friedfertig und beweist, daß auch die Leitung des Arbeitgeberverbandes aus der Vergangenheit gelernt hat. Nach der Mitteilung über die Kündigung heißt es: „Damit ist jedoch keineswegs gesagt, daß die deutsche Holz- industrie vor neuen und schweren Erschütterungen steht, oder daß aus der Vertragskündigung aus einen Kamps zwischen den beiderseitigen Organisationen geschlossen werden muß; denn die der Kündigung voraufgegangene Aussprache der beiderseitigen Zentralvorstände hat die volle Bereitwilligkeit beider Parteien zur friedlichen Erneuerung der Verträge ergeben. Die wiederholten schweren Kämpfe der letzten Jahre haben der deutschen Holzindustrie zwar schwere Wunden geschlagen. aber sie haben auch manches Gute gezeitigt. Beide Teile sind aus den fortgesetzten Beunruhigungen, Streiks und Sperren zu vertraglichen Verhältnissen gekommen und, wie man ruhig ein» gestehen kann, ist auch das Verantwortlichkeitsgefühl der Organi- sationsleitungen auf beiden Seiten gewachsen." Am Schlüsse des Artikels wird allerdings gesagt: „Boraussetzung und Vorbedingung einer Verständigung bei den am 13. d. M. beginnenden örtlick>en Verhandlungen ist deö- halb ein weises Maßhalten in der Formulierung etwaiger Wünsche für die Gestaltung der neuen Verträge. Nur wenn dieser Grundsatz seitens der Arbeiterführer beobachtet und den Verhältnissen Rechnung getragen wird, kann die deutsche Holz- industrie vor Erschütterungen bewahrt werden, die Verhängnis- voll für beide Teile sein müßten." Wir möchten dem hinzufügen: Wenn die Arbeitgeber den be Verständigung nicht schwer sein. Hoffen wir, daß der gute Wille i hierzu bei den Arbeitgebern der einzelnen Orte— auch inj Berlin— vorhanden ist. Denn besonders die Berliner Holz- J industrie hat sich heute, nach drei Jahren, kaum von den Folgen des letzten, von den Arbeitgebern heraufbeschworenen Kampfes erholt und könnte ein neuer Kampf den Ruin der Berliner In- dustrie bedeuten._ Tie Tarifbewegung der Parkettbodenleger. Die Parkettbodenleger Berlins und Umgegend hielten gestern abend im Volkshause zu Charlottenburg eine sehr zahlreich be- suchte Branchenoersammlung ab, um zu dem weiteren Verlauf ihrer Tarifbewegung Stellung zu nehmen. D-en Bericht gab der Obmann Kley. Bekanntlich hat die Bewegung bereits den Er- folg gehabt, daß mit der Vereinigung der Parkettgeschäfte, der 12 Firmen angehören, ein Tarifvertrag abgeschlossen und vor dem Gewerbegericht festgelegt wurde. Dem Vertrage sind im übrigen noch 4 weitere Firmen durch unterschriftliche Anerkennung bei- getreten. Von jenen 12 organisierten Firmen haben jedoch nach- träglich 2, nämlich die Norddeutsche Parkettfabrik in Hannover und die Firma Butterweich, sich geweigert, dem Beschluß ihrer Vereinigung entsprechend den Tarif an- zuerkennen. Bei diesen Firmen ist, ebenso wie es bei den übrigen, die den Tarif nicht anerkennen, geschah, die Arbeit einmütig niedergelegt worden, wie sie denn auch mit den übrigen im Annoncenteil des„Vorwärts" als gesperrt angeführt werden. Die vom Streik betroffenen Firmen suchen nun auf alle mögliche Art, ihre Arbeit fertiggestellt zu erhalten. Besonders zeichnet sich dabei die Firma Kampmeyer auL, die in allen möglichen Provinzblättern, nebenbei auch in Berliner Blättern, wie „Morgenpost" und„Volks-Zeitung", nach irgendwelchen arbeits- willigen Leuten sucht. Da sie nicht Wodenleger, ja kaum Holz- arbeiter anderer Branchen findet, nimmt sie mit Schuhmachern, Metallarbeitern usw. fürlieb, wenn sie sich nur„anlernen" lassen wollen. Daß die Arbeit dabei ungeheuer verteuert wird und auch so ausfällt, wie das von berufsfremden Leuten nicht anders zu erwarten ist, kümmert die Firma scheinbar nicht— wenigstens vorläufig nicht. Auf die Dauer kann der Zustand natürlich nicht bestehen bleiben. Was die Hannoversche Firma anbetrifft, so hat sie sich für ihre tariffeindliche Haltung darauf berufen, daß ie ihre Arbeiten in Berlin durch Zwischenmeister ausführen läßt, und ebenso stellt sich die Firma Butterweich. Der Syndikus der Vereinigung der Parkettgeschäfke hat den Vertretern der Bodenleger gegenüber erklärt, daß die Vereinigung leider nicht den Einfluß besitze, um jene beiden ihr angehörenden Firmen zur Anerkennung des Tarifes zu veranlassen; daß man aber ganz damit einverstanden sei, daß dort die Arbeit eingestellt werde. Aehnlich hat sich auch der Vorsitzende der Unternehmervereinigung geäußert. Im übrigen zeigt es sich immer wieder, daß gesperrte Firmen dadurch ihre Arbeiten fertigzustellen suchen, daß sie sie an Zwischenmeister vergeben und diesen freistellen, den Tarif anzuerkennen und organisierte Bodenleger zu beschäftigen. Der Referent sowohl wie die Diskussionsredner ließen jedoch keinen Zweifel darüber, daß es vollständig ausgeschlossen ist, den Tarifvertrag mit Zwischenmeistern ab- zuschließen und dann bei solchen Leuten für gesperrte Firmen zu arbeiten. Obwohl nun die Tarifbewegung in den letzten acht Tagen keine weiteren Erfolge erzielt hat, es vielmehr notwendig geworden ist, zwei Firmen, die man wegen ihrer Zugehörigkeit zur llnternehmerorganisation als Tariffirmen ansehen mußte, zu sperren, steht es mit der Bewegung keineswegs ungünstig, denn es ist über kurz und lang vorauszusehen, daß die vom Streik be- troffenen Firmen nachgeben müssen. Im Streik und außer Arbeit befinden sich gegenwärtig ungefähr 90 Mann. Sie halten tapfer aus in der Gewißheit, daß sie damit die allgemeine Anerkennung des Tarifes auch bei den Firmen erreichen werden, die zurzeit noch Widerstand leisten. Deuvlehes Reich. Achtung» Schuhmacher! Wiederholt sucht die Firma D o r n d o r f-Breslau Zu- schneider. Von den in Arbeit getretenen Zuschneidern sind bereits einige wieder entlassen worden. Herr Reiter. Zuschneider- meister, soll erklärt haben, daß die alten Leute aus dem Betriebe herausmüßten. In den anderen Abteilungen des Dorndorfschen Betriebes will es in den letzten drei Wochen gleichfalls keine Ruhe geben; Lohnregulierungen zum Schaden der Arbeiter, vom Werk meister veranlaßt und der Firma gutgeheißen, sind die Ver anlassung. Die Annahme von Arbeit ist unter solchen Umständen nicht zu empfehlen.— Der Annahme von Arbeit bei Hugo Bartsch, Schuhfabrik Hirschberg in Schlesien, steht nichts im Wege. Die Gauverwaltung, Gau 8, Breslau, des Zentral- Verbandes der Schuhmacher Deutschlands. Versammlungen. Zenkralverbanl» der Schuhmacher. Die Zahlstelle Berlin hatte zum Montag eine öffentliche Versammlung aller Schuhmachergehilfen von Groß-Berlin einberufen, in der Verbands- angestellter Hamacher über die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Schuhmachcrgehilfen während der letzten Jahrzehnte referierte und eine erschöpfende Darstellung der Lage in diesem Berufe gab. Dem Vortrag folgte allseitiger Beifall. In folgender Resolution kam die Stimmung der Schuhmacher- gehilfen Groß-Berlins zum Ausdruck: „In Erwägung, daß die Preise der notwendigsten Lebens- mittel stetig gestiegen sind und die kürzlich erfolgte Erhöhung der indirekten Steuern die wmigen Genußmittel der Arbeiter- klasse stärker belasten, gleichzeitig aber die irn Jahre 1906 er- rungenen Lohnerhöhungen während der Geschäftskrise rückgunglg oder durch höhere Arbeitsleistungen unwirksam gemacht wurden, verpflichten sich alle Anwesenden, für die Anerkennung des Minimallohntarifs vom Jahre 1906 mit allen Kräften zu wirtot und dort, wo höhere Arbeitsleistungen verlangt werden, für höhere Zuschläge einzutreten. Gleichzeitig erklärt die Versamm- lung, daß die Sonntags- und Nachtarbeit, die noch allzu häufig in unserem Gewerbe(den Reparaturwerkstätten und Beiohl- anstalten) ausgeübt wird, mit allen Mitteln zu bekämpfen ist, da dieselbe gesundheitlich und wirtschaftlich degenerierend wirkt. Die gesamte Arbeiterschaft wird ersucht, dieses Bestreben zu unterstützen. Da erfahrungsgemäß die Arbeitgeber nur dann den Wünschen der Gehilfen Rechnung tragen, wenn eine ge. nügend starke Organisation ihrem� berechtigten Streben nach besseren Arbeitsbedingungen den nötigen Rückhalt bietet, er- klären die Anwesenden, dieser Organisation, dem Zentral- verbände der Schuhmacher Deutschlands, beizu- treten." Die Sektion der Rohrer vom Bauhilfsarbeiterverbande dis- kutierte am Sonntag die Frage:„Was lehrt uns unsere Lohn- bewegung?" Der Referent Caro beantwortete die Frage dahin: Die Lohnbewegung habe gezeigt, daß eine einheitliche Organi- sation aller Rohrer notwendig sei. sowohl, um künftige Bewegungen erfolgreich führen zu können, als auch, um die Durchführung und strenge Jnnehaltung des abgeschlossenen Tarifs zu gewährleisten. Da nun aber neben der Verbandssektion noch die Lokalorganisation, der Verein der Rohrer, besteht, so müsse dahin gewirkt werden, daß die auf jener Seite stehenden Kollegen ihren Sonderstandpunkt auf- geben und sich dem Verbände anschließen. Dies Ziel könne aber vorläufig noch nicht erreicht werden, der Lokalverein würde wohl einstweilen seine selbständige Existenz nicht aufgeben. Es müsse deshalb zunächst angestrebt werden, mit dem Verein eine Verein- barung zu treffen, zum Zweck der gemeinsamen Durchführung des Tarifs und der gemeinsamen Führung künftiger Lohnbewegungen. Auf diese Weise würden aucb die Rohrer mit der Zeit zu der ein- heitlichen Organisation kommen, welche in anderen Berufen längst zur Wirklichkeit geworden ist. Die Unternehmer müßten sehen, daß eine starke Organisation hinter dem Tarif steht, sonst sei die Jnnehaltung desselben nicht sicher. Die Diskussionsredner waren hinsichtlich des Zusammengehen? mit dem Verein der Rohrer anderer Meinung wie der Referent. Sie vertraten die Ansicht, daß der Verein keine Existenzberechtigung mehr habe. Es habe sich ja gezeigt, daß er die Lohnbewegung ohne die Verbandssektion gar nicht habe durchführen können. Die Ver- trauensleute des Vereins seien Gegner des Tarifs, man könne schon deshalb keine Vereinbarung zur Durchführung des Tarifs mit dein Verein treffen. Der Verband habe keine Veranlassung, sich um den Verein zu kümmern.— Demgegenüber betonte der Referent noch» mals, daß der gegenwärtigen Zersplitterung, die den Interessen der Rohrer schädlich sei, ein Ende gemacht werden müsse. Das sei zn erreichen auf die von ihm angegebene Weise. Von selbst werde der Verein nicht aushören, zu existieren, darum sei eine Vereinbarung notwendig, wie sie ja auch zwischen den verschiedenen Organisationen der Fliesenleger bestehe. Die städtischen Arbeiter in Breslau petitionieren an den Magistrat um Erhöhung der Löhne. Sie fordern einen Mindest- lohn von 3,50 M., und für alle diejenigen, die diesen Lohnsatz schon haben, eine Wochenzulage von 1,20 M. Die Breslauer Zimmerer, deren Tarif Ende März 1910 ab- läuft, beschlossen, von diesem Zeitpunkt ab die neunstündige Ar- beitszeit und einen Mindeststundenlohn von 85 Pf. zu fordern. Die Aussperrung in der Schuhindustrie des Maingaues wurde vermieden. Nach zweitägigen Verhandlungen von Organi- sation zu Organisation wurde der Friede wieder hergestellt. Grund- läge zur Einigung bildeten die vor drei Wochen den in der Schuh- fabrik von Herz- Frankfurt a. M. beschäftigten Zuschneidern ge- machten Zugeständnisse. Danach sind Lohnerhöhungen von 2 bis 4 Pf. pro Stunde erfolgt, je nach Leistung. Außerdem wurde die Einführung technischer Verbesserungen festgelegt, so daß den Zu- schneidern die Möglichkeit wird, in Zukunft ihre Löhne weiter zu erhöhen. Der Höchstlohn beträgt jetzt in Offenbach 56, in Frankfurt a. M. 60 Pf. pro Stunde. Die Mehrzahl aller Zuschneider erhält jetzt über 50 Pf. pro Stunde nach Tarif. Rückgang der Gelben. Trotz der tätigen Mithilfe der Unternehmer will eS mit der gelben Bewegung nicht mehr vorwärts gehen. Vielmehr deuten alle Anzeichen darauf hin, daß die in die gelben Vereine ge- preßten Arbeiter das verwerfliche Spiel durchschaut haben, das die Unternehmer und ihre Handlanger mit ihnen treiben. So ist in Augsburg, dem Sitz der gelben Bewegung, die Auflage des von den Fabrikanten bezahlten gelben Organs,„Die Wehr", von 10 000 auf 6000 Exemplare zurückgegangen.— Auch sonst weist gar manches auf einen Umschwung in der Stimmung der Augsburger Gelben hin. In der Hochburg der Gelben, der Maschinenfabrik Augsburg, wurden heuer zu der alljährlich stattfindenden Weihnacküsfeier mit Kinderbescheerung durch den gelben Verein trotz persönlicher Umfrage bei den gelben Mitgliedern durch die Vorgefetzten 1500 Kinder weniger angemeldet als im Vorjahre.— Die gelben Arbeiter haben eben die Wohltaten der gelben Vereine am eigenen Leibe erfahren können. HusUmt. Streik der New Lj orker Ladengehilfen. Seit einigen Tagen tobt in New Uork ein großer Kampf der Ladengehilfen. Um auch die noch nicht organisierten An- gestellten zum Anschluß zu bewegen, war eS notwendig, eine große Anzahl von Streikposten ständig auf den Beinen zu haben. Wie überall, tritt auch in Amerika die Polizei für die Unternehmer ein. Am 28. Oktober unternähme sie eine umfassende Razzia gegen die Streikposten, wobei es zu ernsten Zusammenstößen kam. Ein Vertrauensmann der Gewerkschaft wurde tödlich verletzt, und nicht weniger wie 75 Streikposten wurden verhaftet. Doch hat dies« Staatsaktion wesentlich dazu beigetragen, den Kampfesmut der Gehilfen zu erhöhen und ihnen noch größere Sympathien des Pub likums zu sichern, Letzte IVachncbtcn und Depcfcben. Gemeindewahlsseg. Jena, 16. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".)' Bei der heutigen Gemeinderatswahl errangen die Sozialdemokraten sieben, die Bürgerlichen acht Mandate. Unsere Stimmenzahl wies eine bedeutende Zunahme auf. Die Wahlbeteiligung betrug 97 Prozent._ Amtliches Wahlresultat von Landsbcrg-Soldia« LandSberg a. d. W., 16. November.(W. T. B.) Bei her Reichstagsersatzwahl für den Wahlkreis Landsberg-Soldin an» 12. November wurden insgesamt 23 405 Stimmen abgegeben. Hier- von entfielen auf Amtsgerichtsrat Holtschke-Soldin(k.) 9470 Stim- men, auf Expedient Paetzel-Berlin(Soz.) 7555 Stimmen, auf Gutsbesitzer Schöppe-Klausdorf(lib.) 6376 Stimmen. Zersplittert waren 4 Stimmen. Es ist somit Stichwahl zwischen Holtschke und Paetzel erforderlich._ Rikolau» will nicht. Petersburg, 16. November.(W. T. B.) Die Adresse des fin- nischen Landtages, welche die Abschaffung des Vortrages der finni» scheu Angelegenheiten bei dem Kaiser durch den Ministerrat deS Reiches bezweckte, wurde von dem Kaiser abgelehnt. Zum«ergorbeiterstrett in Neusübwale». Stidnev. 16. November.vie er glänzender nicht geführt werden konnte. Da sie nicht die Angreifer waren, sondern die Angegriffenen, kam es für sie nicht darauf an. positive Vorteile als Sicgespalme heimzutragen, sondern die Aktion der Unternehmer abzuwehren. Und das ist ihnen zweifellos gelungen in einer Weise, wie sie es selbst kaum mehr erhoffen konnten, nachdem der fünfwöchige Ausstand die Unternehmer nicht zurückzuschlagen vermochte. Wir schrieben seinerzeit, datz im Guerillakriege der Arbeiterschaft eine Reihe von Möglichkeiten der Knegsführung erwachsen, die den Unter- nehmern bald genug fühlbar werden müßten. Wie recht wir die Situation beurteilten, zeigt die jetzige bedingungslose Zurück- nähme der Aussperrung in ihrem letzten Teile. So fest ge- schlössen die Phalanx der Unternehmer während der allge- meinen Arbeitseinstellung blieb, ebenso sehr lockerte sie sich im Guerillakriege. Aber diese Lockerung wurde nur möglich gemacht durch den allgemeinen A u s st a n d. Ohne diesen, der formell zwar abgewehrt, aber nicht wirkungslos gemacht werden konnte, hätten die Unternehmer durch die sukzessive Aus- sperrung die Arbeiter sich verbluten lassen können und sie selbst hätten noch die Kraft gehabt, den späteren Guerillakrieg durch weitere Aussperrungen zu beantworten. Jetzt, nachdem die Arbeiterschaft durch den großen Ausstand die Macht der Unternehmer außerordentlich geschwächt hatte, hatten diese nicht mehr die Kraft dazu, und in ihrer ohnmächtigen Wut häuften sie eine Brutalität auf die andere, einen Verttags- bnich auf den anderen. Aber dadurch kamen sie mit der öffentlichen Meinung in Konflitt und ihre Situation war, als vor vierzehn Tagen die neuen Verhandlungen begannen, nicht beneidenswert. Davon legten die Vergleichsvorschläge der staatlichen Ver- gleichsbeamten Zeugnis ab. In den Spezialkonflikten, das heißt den Lohn- und Verttagskonflikten, die den formellen Anlaß zu den Aussperrungen gaben, wiederholten die Beamten im wesentlichen ihre früheren Vorschläge, die von den Vertretern der Arbeiter bis auf drei Punkte schon früher akzepttert waren. In der Frage der Verhandlungsordnung aber, dem wesentlichen Kampfesobjekt der schwedischen Unter- nehmer. ließen die Vergleichsbeamten diese völlig im Stich. Sie beschräntten sich darauf, Unterhandlungen vor- zuschlagen. die am 15. Dezember, das heißt so, wie es im September die Arbeitervertreter vorgeschlagen hatten, beginnen und spätestens bis zum 31. Dezember 19lO beendigt sein sollen. Bis dahin sollten keine Kämpfe aus- genommen werden dürfen, bevor nicht Verhandlungen zwischen den beiden Zentralen geführt seien. Nur eine Prinzipien- erklärung sollte jetzt abgegeben werden, wonach den Unter- nehmern daS Recht der Leitung und Verteilung der Arbeit, der Einstellung und Entlassung der Arbeiter zugestanden wird und das Koalitionsrecht von beiden Seiten nicht angetastet werden dürfte. Diese Vorschläge akzeptierten die Arbeiter. Sie konnten die Prinzipienerkläruug um so mehr unterschreiben, als es ihnen nicht einfallen kann, den Unternehmen! die eigentliche Betriebsleitung streitig machen zu wollen. Wogegen sie sich in diesem Punkte wehren, sind lediglich die versteckten Angriffe auf das Koalitionsrecht der Arbeiter, die in der so beliebten Matzregelungspraxis der Unternehmer liegen. Den Unternehmern genügten diese Vorschläge nicht. Ihre Niederlage war gegeben schon in den Vorschlägen selbst, ver- glichen mit den ursprünglichen oben erwähnten Forderungen der Unternehmerführer. Sie zogen es vor, diese Vorschläge Kleines feiulleton. DaS Geheimnis der Florabiiste. Die angebliche Leonardobüstc ist im Äaiier-Friedrich-Muieum wiederholt einer Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen unterzogen worden. Das Ergebnis ist für die Bode-Clique vernichtend. Während am Sonnabend schon eine Notiz über die bevorstehende Untersuchung an die Presse vorbereitet wurde, verlautet über das Resultat erst jetzt Näheres und zwar bezeichnender- iveise nur in der von Herrn Bode kontrollierten Presse. Um so schwerwiegender ist das Ergebnis, das in folgender Form zu- gestanden wird: „Im Inner» der Büste haben sich noch andere Stoffe als Wachs gefunden. Man hat bemerlt, daß im oberen Teil des Kopfes teil- toeise eine andere Masse als Wachs vorhanden war. Wahrscheinlich handelt es sich uni Sägcspähne. Der Hals scheint mit Gips oder cnier Tonmasse unter der WachSschicht ausgefüllt zu sein. Die gleiche Füllung findet man im oberen Teil der Brust. Die linke Swulter ist innen hohl; in der rechten wurde das Vorhandensein einer Tonmasse bemerkt. Der Leib ist ebenfalls zum Teil hohl, zum ander» Teil besteht er aus Ton und Wachs." Mehr kann man in der Tat nicht verlangen. JDder wird Herr Bode behaupten wolle», daß irgend eine Wahrscheinlichkeit besteht. daß Leonardo in solcher Weise gearbeitet hat? Die Behauptung von Lucas Sohn, sein Vater habe, um Wachs zu sparen, alles mögliche in die Büsten hineingearbeitet, wird vollauf für diese Büste bestätigt. Auf die gewagten Spekulationen, die in der Bodepresse auf die Autoritätsgläubigkeit des deutschen Philisters gemacht werden, weiter einzugeben, hieße den Leutchen, die da vorgeschoben werden, zu viel Ehre antun. Es bleibt nur noch ein Punkt zu beleuchten: das Vor- halten des Herrn Bode zur deutschen Presse. Zu der ersten Röntgendurchleuchtung wurde neben den von Bode aus- gesuchten Fachmännern nur ein Vertreter der Presse zugelassen: der Korrespondent der„Times". Die deutsche Presse glaubt Herr Bode in der Tasche zu haben oder als echter Autokrat völlig ignorieren zu können. Denn was die„übelgesinnte" Presse denkt und schreibt, ist dem preußischen Bureaukratcn gleichgüliig. Die deutsche Presse läßt's sich ja doch gefallen. Aber die englische Presse wagt Herr Bode natürlich nicht auf die Weise zu behandeln. Während die deutschen Zeitungen hin- gehalten wurden, brachten die„Times" schon in der MontagS- üiimmer einen eingehenden Bericht über die erste Durchleuchtung. Ferner läßt sich Herr Bode herbei, seine bisher ohne den Schatten eines Beweises aufgestellten Behauptungen einfach zu wiederholen. Die nach dem jetzigen Stande der Frage undislutierbare Hypolhese, daß die von Lucas angefertigte Büste, die verschwunden sei, ein Hilfsmodell für die Renovierung der echten Büste ge- wesen sei, kann sich nur jemand erlauben, der an Stelle von Argumenten nichts als sein„sie volo, sio jubeo" einzusetzen hat. Das Schönste aber ist, daß Herr Bode in dem Boden der„Leonardo"-Büste alte englische Zeitungen gefunden hat. (Die großen Berliner Blätter sagen nichts davon, weil sie„Times" nicht lesen— können). Die stammen natürlich von dem Restaurator Lucas, während der Rest mit all den Surrogatmitteln, um Wachs zu sparen, von Leonardo stammen soll. Kurzum, die Frage ist in ein Stadium getreten, wo man sich lächerlich macht, wenn man sie länger ernst nimmt. Was nicht ausschließt, daß Herr Bode weiter kommandierten:„Die Büste ist leonardcSk. Ich hab's gesagt. Basta 1" Rechtsgevräuche im belgischen Kongo. Uebcr seltsame an die mittelalterliche Giftprobe erinnernden RechiSgebräuche bei einzelnen Negerstämmen im belgischen Kongo berichten die Annale» des belgischen Kongo-Museüms:.Kein wichtigerer Urteilsspruch wird in der vom Häuptling unier Assistenz der Dorfweisen geübten Justiz gefällt, ohne daß vorher das Orakel,„Beuget" genannt, zu Rate gezogen wird. Das„Beuget" ist ein Gift. daS aus der Wurzel eines giftigen Strauche» gewonnen wird. Die Lösung wird Hühnern, aber auch Menschen verabfolgt. Bei dein Ncgerstamm der Azande wird keine öffentliche oder Privatangelegenheit ohne dieses„Beuget" geregelt: es entscheidet über Krieg und Frieden; man ruft es bei Hochzeiten. Geburten und Todesfällen a», bei Sklavenkauf und»verkauf, ebenso wie in Angelegenheiten der Jagd und Fischerei. Jeder anerkennt und unterwirft sich dem Orakelspruch, von dessen Unfehlbarkeit alle überzeugt sind.— Jeder An- geklagte hat das Recht, sich zu verteidigen und seine Un- schuld durch die Giftprobe zu beweisen. Für die Mehrzahl der Fülle genügt es, daß das Gift den Hühnern verabfolgt wird. Ist jedoch der Angeklagte ein„Elamango", das heißt ein mit einer organischen Mißbildung Behafteter und damit im Besitz übernatürlicher Begabung und der verschiedensten Zauberkünste, s o muß er sich selb st der Giftprobe uilteriverfen. Weigert er sich, so gilt dies als ein Beweis seiner Schuld und das ganze Dorf veranlaßt ihn, sich dem„Beuget" zu unterwerfen. Sehr oft machen die Angeklagten selbst den Vorschlag, wenn ihr Ankläger nicht trotz deS Protestes sogleich seinen Irrtum einsieht. Die Giftprobe wird vor zahlreichen Zeugen ausgeführt, und es erheben sich nicht nur keine Proteste, auch nicht von' feiten der Verwandten, sondern alle verfolgen mit angespanntester Aufmerksamkeit und je nach ihrem Interesse mit Kummer oder Freude die Schmerzensericheinungen des Angeklagten und das Resultat der „Beuget". Die Szene endet mit einem wilden Geschrei und einer Erreglheit. die oft in einen handgreiflichen Kamps zwischen den "arteien ausartet, der dem Opfer der Giftprobe noch andere anfügt. >as Verfahren beim Beuget ist folgendes: Ran nimmt drei Hühner; nicht zu unterschreiben, um damit nicht selbst die erlittene Niederlage anzuerkennen. Lieber ließen sie ihre ganze Aktion im Sande verlaufen, wodurch es ihnen unbenommen blieb, sich selbst einen„Sieg" vorzutäuschen, an den auch in ihrem Lager kein Mensch glaubt. Das„Stockholms Dagblad", dem die journalistische Ver- tretung der Unternehmer obliegt, hat die Gelegenheit wahr- genommen, sich nach allen Regeln der Kunst zu blamieren. Als die Vorschläge der Vergleichsbeamten am Dienstag ge- macht wurden, erklärte das Blatt sich die Verantwortung nicht auferlegen zu können, für deren Ablehnung einzutreten. Nachdem jetzt die Unternehmer dennoch die Vorschläge ab- gelehnt haben, fabelt das Blatt von einem Siege auf der ganzen Linie! Der Verkehr mit Herrn v. Neiswitz scheint eine unglaubliche Begriffsverwirrung"in der Stockholmer Unter- nehmerredaktiou hinterlassen zu haben. Soweit in diesem Kampfe von einem Siege die Rede sein kann, ist er der Arbeiterschaft zugefallen, der es durch bcispiel- lose Opferfreudigkeit gelang, die Augriffe der Unternehmer auf die Aktionsfreiheit und Aktionsmöglichkeit ihrer Organi- sation abzuwehren. Das und nichts anderes war der Preis des Kampfes. Und der gehört der Arbeiterschaft. Aber die Feststellung dieser ummistötzlichen Tatsache soll uns nicht in den gleichen lächerlichen Fehler verfallen lassen, den die Unternehmerführer und ihre Pressevertreter begehen. Hat das Unternehmertum, gemessen an den realen Tatsachen, die Schlacht verloren, so hat auch die Arbeiter- schaft schwere Verluste erlitten. Aber diese wiegelt federleicht gegenüber dem, was die Unternehmerführer ihr zugedacht hatten. Schon die Abwehr der vertrag- lichen Bindung der Gewerkschaften auf Grund von Löhnen, die, in der Krise reduziert, für die Hoch- konjunktur gelten sollten, ist an sich ein bedeutsames Resultat. Die Abwehr der Verhandlungsordnung des schwedischen Arbeitgeberveretns aber ist allein der gebrachten Opfer wert. Äber weit darüber hinaus wiegt die faktische Niederlage der Massenaussperrungstakttk des modern organisierten Unter- uehmertums. Ein so gründliches Fiasko hat diese Taktik«och nie erlitten, wie jetzt nach monatlichem Ringen in Schweden. Und dabei hat noch nie ein Unternehmertum unter günstigeren Auspizien diese Taktik angelvendet, als jetzt das schwedische. Es war ungemein stark organisiert, hatte unbeschränkte Ver- fügung über den staatlichen Apparat, über Regierung, Polizei, Justiz, Militär und zu einem guten Teile auch über die Bureaukratte. Dazu kam die Krise, die die Gewerkschaften fühlbar geschwächt hatte. Günstiger kann die Positton des Unternehmertums nie und nimmer sein. Und dennoch das vollständige Fiasko der Unternehmer! Daß dies möglich wurde, verdankt die Arbeiterschaft ihrer eisernen Energie, ihrer ausgezeichneten Disziplin und ihrem bewundernswerten Kampfesmut in erster Linie. Daneben darf neben der Arbeiterschaft Dänemarks und Norwegens die deutsche Arbeiterschaft für sich in Anspruch nehmen, hier erkannt zu haben, um tvas es sich bei dem Kampfe handelte. Die von der Arbeiterschaft dieser drei Länder bekundete Solidarität hat zu ihrem Teile dazu beigetragen. zum Vorteile der Arbeiterbewegung ganz Europas der MassenailSspcrruugstakttk des Unternehmertums die empfindliche Niederlage beizubringen. Hü!«nierer Spitzelmappe. Ein alter Bekannter! Nie war die Tätigkeit der Beamlen der Berliner politischen Polizei fieberhafter, wie Ende der achtziger Jahre, als sich eine Opposition gegen die Verlängerung des Sozia- listengesetzes bemerkbar machte. Man brauchte Material, um den Spießer erschrecken und so das Schandgesetz als berechtigt hinstellen zu können. Alle Mittel waren recht. So war denn ein Mann, wie Jhring-Mahlow— diese Verkörperung dcö verlumptesten Polizeihandlangertums— am Platze. Und im Sinne seiner Auftraggeber versuchte er in seiner raffi- niertcn Hallunkenhaftigkeit Putsche und Attentate zu inszenieren, um Material zur Begründung der Verlängerung des Sozialisten- das erste dient bloß dazu, um die Wirksamkeit des Giftes zu erweisen. Dieses erste Huhn soll sterben, nachdem es das Gift be- kommen. Die beiden anderen dienen dem Orakelspruch. Das zweite Huhn, je nachdem es dem Gift widersieht oder stirbt, antwortet ja oder nein auf die gestellte Frage. Das dritte bestätigt durch sein Sterben die Richtigkeit der Antwort, wenn das zweite dem Gifte widersteht. oder indem es dem Gifte widersteht, wenn daS zweite erlegen ist l Erhält man nicht die angedeuteten Resultate, so nimmt man an, daß das Gift unwirksam war oder daß beim Gewinnen des Giftstoffes nicht sorgfältig vorgegangen wurde oder daß der Ort der Giftprobe schlecht gewählt war und es wird unter entsprecheud neuen Bedingungen ein neues„Beuget" angeordnet. Nehmen die Menschen s e l b si das Gift, so wird seine Wirksamkeit an einem Huhn oder einen, Hund erprobt. DaS Tier muß daran sterben. Darauf trinkt der Angeklagte die Dosis, oft auch sein Ankläger, um seine absolute Gewißheit über die Richtigkeit seiner Worte zu beweisen. Wer stirbt ist schuldig: Stirbt der Angeklagte, so ist er schuldig der ihm vorgeworfenen Tat; stirbt der Ankläger, so ist er schuldig der Verleumdung. Immer noch die Marskanäle! Der Marsforscher Jonckheere in Hem, Nordfrankreich, wandle sich wegen des Aussehens der Mars- kanäle an die DcrkeSstcrnwarte. Er bekam von dessen Direktor Frost die bezeichnende Antwort, daß der große 40-Zvller für die Mars- kanäle zu kräftig sei. Das heißt, dieses gewaltige Instrument löst die„Kanäle" in kleinere Elemente auf. Cerulli, Maunder und Newcomb vertraten bekanntlich die Ansicht, daß die Marskauäle sogenannte Täuschungen seien, die auf den physiologischen Eigen- schaften des AugeS beruhten. Frosts Antwort würde das bestätigen. ES ist bedauerlich, daß es bisher noch nicht gelungen ist, die Frage der Marskanäle endgültig zu erledigen. Es könnte da sicher Viel Papier und Druckerschwärze gespart werden. Notizen. — Vorträge. Donnerstag, den 18. November, findet im Oberlichtsaal der Philharmonie in dem vom Monisteubund ver- anstalteten Zyklus über„Die Einheit in der Natur" der zweite Bortrag statt. Professor Konrad Günther-Freiburg spricht über „Tote und lebende Substanz" mit Demonstrationen. — K u n st ch r o n i k. In der„A r b e i t c r- D i l e t t a n t e n- Kunstausstellung"(Potsdamer Straße 4) finden am Bußtag um 4 und 6 Uhr nachmittags einleitende Vorträge von dem Ver- anstalter Adolf Leven st ein statt. .— Der D i ch t e r B j ö r n s o n, der seit einigen Tagen zum Zweck der Behandlung durch einen Spezialarzt in Paris weilt. ist in besorgniserregender Weise erkrankt. — Eine Hochschule für Luftschiffahrt wurde in Paris eröffnet. gesetzeZ herbeizuschaffen. Ehr- und gewissenlos wollke er Mit- gliedern des Bezirksvereins Osten Dtinamit mitbringen in der aus- gesprochenen Absicht:„Wir brauchen vor Verlängerung des Sozia- listengesetzes einen Coup; wir müssen etwas machen, damit das Gesetz verlängert wird." Diese Wirksamkeit verstärkte den gegen rhn bestehenden Verdacht und seine Entlarvung erfolgte. Vor einigen Wochen erklärte der Berliner Polizeipräsident die Jugendorganisation als politischen Verein. Das Material zur An- klage scheint gesucht zu werden. Was liegt für unsere Polizei- seelen unter solchen Umständen näher, als Beamte auf die Jugend- bcwegung loszulassen. So hat schon der Kriminalbeamte Wilhelm Schlaf als Goldarbeiter William Springer sein Glück in der Jugendorganisation versucht. Allerdings zog er sich bald„schmerzhaft berührt" vom Schauplatz dieser Tätigkeit zurück. Das liest aber den Ehrgeiz seines Kollegen, des KriminalschubmannS Adolf Palm, Genter Straste bS, vorn k Treppe, nicht schlafen. In ihm war in letzter Zeit wieder der Tatendrang furchtbar gewachsen. Schon einmal hatten wir uns mit dieser Blüte des Alexanderplatzes zu beschäftigen. Vor 21ch Jahren trat er als Mechaniker Max Heise, Willibald-Alexis st raste 32 bei Möck dem Wahlverein des zweiten Kreises bei. Die Familie Möck leistete ihm bei seinen Spionendienst Vorschub. Durch seine Bereitwilligkeit zu den Parteiarbeiten erwarb Palm-Heise auch die Würde eines stellvertretenden Bezirksführecs und voll„gerechter Entrüstung" schimpfte er auf alle Genossen, die den damals bestehenden Bäckerboykott nicht strenge durchführten. Lange konnte Palm-Heise seine Natur nicht verleuguen. Bald versuchte er durch alle Mittel der Ueberredung, den Bezirksführer Lewin für das schuftige Handwerk eines Polizeispions zu ge- Winnen. 150 bis 175 M. stellte er ihm als Monatsverdienst in Aussicht. Dabei half er Lewin fleistig Lumpen sortieren— wohl- verstanden in dessen Wohnung, nicht etwa auf dem Alexanderplatz, da Lewin sen. ein Produktengeschäft betreibt. Und wie vertraut er mit dieser Beschäftigung war! Aber trotz des hohen Angebotes muhte er abziehen, ohne sein Ziel erreickst zu haben. Dann ver° schwand er, da er Wind bekommen hatte, dost seine Entlarvung bevorstehe. Jetzt nach 2 Jahren begab er sich wieder auf den KriegSpfad gegen den inneren Feind, für Deutschtum, Thron und Altar. Sein Opfer sollte der Genosse Lewin junior werden, der Mitglied der Jugendorganisation ist. Es wiederholte sich das alte Ränkespiel. Da Lewin junior arbeitslos war, stellte Palm ihm sehr lohnende Arbeit in Aussicht. Er sei Verwalter des Hauses Genter Str. 65, da könne Lewin die Malerarbeiten verrichten. Dabei gab er Lewin zu verstehen, datz es auf die Höhe der Forderungen gar nicht an- komme. Er könne schönes Geld dabei verdienen. Und so kam es denn auch! Ein pflichtgetreuer Beamter, der die Unkosten seines Hand- Werkes lieber den Hauswirt, als den Korruptionsfonds des Alexanderplatzes tragen lästtl Der Hauswirt. Herr Dr. Otto Dammer, Friedenau, Stubenrauchstr. 67, hat sicher so viel patrio- tisches Gefühl, diese Mehrbelastung im Interesse des Vaterlandes und des ehrlosen Spionenfanges zu tragen. Selbst der Frau Palm waren die Preise etwas hoch, aber der Kriminalbeamte Adolf Palm beruhigte sie sofort und gab Lewin zu verstehen, dast er ganz mit seinen Forderungen einverstanden sei. Ob allerdings auch der Hauswirt Dr. Dammer, wissen wir nicht. Endlich glaubte er wohl. Lewin durch seinen Umgang sowe,t zu haben, datz er mit ihm einen„festen Vertrag" abschließen könnte.„Na, Sie können ja nebenbei ein ganz schönes Geld ver- dienen, wenn Sie schon vier Jahre in der Jugendorganisation sind," äußerte er unter scheinheiligem Judaslächeln zu Lewin. Als dieser nach einer erbetenen Bedenkzeit— in der er sich aber mit bekannten Genossen verständigte— scheinbar auf das nichts. würdige Angebot einging, glaubte Palm sich dadurch besonders sichern zu sollen, indem er Lewin folgendes Schreiben diktierte. das er seinem Kommissar zu überbringen habe: „Die politische Polizei bitte ich hierdurch höflichst, mich im Nachrichtendienst zu beschäftigen. Ich bin vier Jahre Mit- glied der Jugendorganisation und an leitender Stelle tätig ge- wesen. Habe in letzter Zeit meinen Posten infolge anstrengender Tätigkeit niedergelegt, jedoch wird es mir ein leichtes sein, wieder an leitende Stelle zu kommen!" Daraus könnte man vielleicht die Schlußfolgerung ziehen. die Polizei ist allmählich zu der Erkenntnis gekommen, datz ihre bisher geübte Ausbeutung der Notlage zu Judasdiensten die Ver- urteilung aller anständigen Leute finden müsse. Deshalb hofft sie durch solche Bewerbungsschreiben das Odium von sich abzuwälzen, denn dann ist anscheinend nicht mehr sie die Verführerin. sondern sie kann sagen, sie habe nur ein Angebot akzeptiert! O. diese anständige, gewissenhafte Polizei! Deshalb hat wohl auch der Kommissar Kuhnt den neuen Zögling nicht selber empfangen, wie Ehren-Palm vor der Werbung dem Lewin in Aussicht stellte? Monatlich 56— 75 M. Verräterlohn sollte Lewin erhalten. Und nun begann die„Berichterstattung". Die Berichte wurden natürlich vorher von informierten Ge- nassen zusammengestellt. Am 1. Oktober erhielt Lewin die ersten 5 M.. spater nochmals 26 M. und am letzten Sonnabend 3 M. auf die nächstfällige Halbmonatsrate. Palm verlangte natürlich fortlaufend Berichte. In seiner glanzvollsten Rolle zeigte sich der Kriminalbeamte Adolf Palm, Genter Strohe 65, aber erst, als er am 5. Oktober Lewin aufforderte, Druck- schriften, Zirkulare und dergleichen aus der Spedition Raschle mitgehen zu lassen, wenn es keiner sehe. Der königlich preußische Polizeibeamte scheint nicht zu verstehen, daß er damit einen jungen Menschen offen zum Diebstahl aufgefordert hatte. Denselben Wunsch äußerte er auch später be- züglich der Drucksachen im Bstreau der Jugend- organisation. Lewin sollte sehen, dast er solche Sachen e i n st e ck e n und mitgehen lassen könne. Dann sollte Lewin Aufschluß geben, ob die Flugblattverbreiter wirklich eine Entschädigung erhielten, wie es in dem Prozeß behauptet wird. Auch wollte Palm gern die Adressen von Abteilungsleitern der Jugendorganisation haben.— Als Lewin einige Broschüren, die von der Jugendorganisation allerdings schon seit Jahren öffentlich verkauft werden, mitbrachte, äußerte Palm seine Zufriedenheit mit den Worten:„Sie fangen ganz gut an; bleiben Sie nur so. Sie können bei uns'ne Menge Geld rausholen." Doch bald wollte er wichtigeres wissen.„Ob Lewin ihm das Manuskript zum„Mitteilungsblatt" der Jugendorganisation nicht schon vor der Drucklegung verschaffen könnte?" fragte er drängend an. So wollte er Lewin auch zum Treubruch gegen seine Kameraden, zum ehrlosen Denunzieren der Mitarbeiter verleiten. Gelang ihm das auch nicht, so war es doch nicht sein Verdienst, dast ein ehrlicher Mensch nicht zum ehrlosen Halunken Herabsank. Interessant ist folgender Vorfall: Als Lewin dem Palm einen„Bericht" über die Versammlung der Jugendlichen am 16. Oktober geben wollte, winkte er ab mit den Worten:„Ja, ja, ich weist schon Bescheid, von einem Christlichen." Ist das wahr, /„ Uhr abends statt, sondern um 3 Uhr nachmittags. Dieser Vortrag ist iür jedermann frei. Erster Wahlkreis. Freitag, de» 19. November, abends 8'/, Uhr, in Qaim»«!'» Fest- sälen. Kommanbantcuftr. 72;. Oeffentliche politische Franenversammlnng Tagesordnung: Die Ausbeutung und Entrechtung der Frau in der heutigen Gesellschaft. Referentw:(Trau Wurm. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 298/9 Die Einberufertu. A. A.: Ketty Quttmann, Brücken-Allee 32. Dettr WMf-VM ilrbcitouactiwris: verwalrnngsftellc Berlin. Hauptdurra»! Hof I. Am> 3. 123». ChariwtlraBB 3. Hof III Amt 3, 1987. Donnerstage den 18. November 1909» abends«'/z Uhr: NkUgUeüer-Verssmmwng a°r Klempner i« dt» Andreas-Festfölen, AndmSstruße 21. TageS-Ordnuna: 1. Ersatzwahl der Branchenkommission. 2. Verbands- und Branchenaiigelegenhelten. Mitgliedsbuch legitimiert."Wig Da unter Branchenangelegeiiheiten wichtige Mitteilungen gemacht werden sollen, Ist daS Erscheinen eines jeden Kollegen notwendig. 12S/16 Metilllorbriler-Notiilislriidkr°°» m a 60 Pf. sind erschiene« und im Bureau und bei den Kassierern zu haben.»l« Ortsvorrvultunk. Allen lieben Freunden und Bekannten zur gest. Nachricht, daß ich mein Wirtshaus„Soklok Woltersdop#"'°über7 pommen. und empfehle Ihnen zum Bußtag dieses zum gest. Besuch. Großes Schlachtefest. O Mche Klüt- und Leberwurst. L436b Hochachtungsvoll Amt«.«418. Friedrich Saewert. (Fi Einladung zu der am Freitag» den SS. November d. I., in Hoppes Festsälen, Hierselbst, Hermannstraste 40, stattfindenden ordentlichen Generalversammlung. I. Abend» 8— S1/» IJhr: Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern auS de» Reihen der Kassenmitglieder. a) an stellt deS Herrn L u l ch bis zum 31. Dezember 1912, d) an Stelle des Herrn S t i e l e r bis zum 31. Dezember 1912. II. Abend» 8st,— v Cbr: Wahl von 2 Vorstandsmitgliedern aus den Reihen der Arbeitgeber. a) an Stelle des Herrn H o s s m e i st e r bis zum 31. Dezember 1919, d) au Stelle des Herrn S ch u ch bis zum Lt. Dezember 1912. III. Abend» S Ilbr: Gemeinschaftliche Generalverfammlnng. TageS-Ordnung: 1. Verwaltungsbericht. 2. Kenntnisnahme von der Kündigung deS Vertrauensarztes. 3. Desgl. von der Errichtung eines mit den Kassenärzten abgeschlossenen Vertrages. 4. DeSgl. von dem Dienltvertrage des GeschästSsührerS und definltlve Genehmigung seines Gehaltes. 5. Wahl eines Ausschusses von sechs Delegierten zur Vorprüfung der JahreSrechnung pro 1999. 6. Bericht der StatutenberatungSIommtffion. 7. Verschiedenes. R i x d o r s, den IS. November 1999. Jdeal-Passage 12. vor KusGCUVorGlnnd. (gez.) Neumeier. Vorsitzender,(gez.) Exner. Schriltsührer. HD. Die den Delegierten zugesandte Einladung dient als Legitimation und ist beim Eintritt i» die Bcrsaininlung zur Ein- tragung in die Präsenztifte vorzuzeige». 295/19 Wohnungsvcräuderungcn sind der Kasse sosort mitzuteilen. lelilszlvAliZlill der freien Händler, Hausierer n. verw. BerufsgenosMen Dcntscbland».(Sitz Essen.) Verwaltunjtsstelle Berlin. Heute Mitttvoch(Bußtag),„achiiilttags S Uhr, bei vrtl»el, Nene Friedeichstraße SS: 291/11 CüvneN'»!- Versammlung. Tagesordnung: 1. Jehresbericht des Vorstandes. 2. Neuwahl der OrtSverwaltung. 3 Verbaiidsangelcgenheiten. 4. Berfchicdenes. Pflicht aller Kollegen ist, pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Verein für grauen u» Rädchen der Arbeiterklasse. Heute Mittwoch. 17. November, nuchmittngs S'/, Uhr. im lilnbbaune", Ko»»na»da»tcns«r. 72: „Von Johann Sebastian Vach bis Richard Strauß", eine Gnsühnmg in die drei Konzerte, deren erstes am 2l. November, nachm. 3'/, Uhr, im Clioralion-Saal, Bellevuestr. 4. stattfindet. • Vortragender: Dr. Iliehnrd Outtmann.■ Billettö n 50 Ps. sind zu babcn im Verein, bei Frau Jordan, Lübeckerstr. 43, Fia» Klotzsch, Fichtcftr. 1, Frau Kulicke, Priiizenflr. 192. 55/71 Gäste willkoinincii. Der Vortttand. Achtmlg! Isolierer. Heute Mittwoch(Bußtag), nachmittags S Uhr, bei l'reilieW, Dragonerstraße 15: JUtttglieder-VersammlmiB. TageS-Ordnung: 291/13 1. Bericht über die Lage des Streiks. 2. Verbandsangelegenheiten. Ericheinen etneS jede» Kollegen ist dringend notwendig. Der Yorstand: R. Beckmann. Restaurant„Zur llälile" Miersdorf, 15 Minuten vom Bahnhof Zeuthen. Halte mich allen Freunden, Parteigenossen and LluSflüglern bestens emplohlen Speisen und Gelränke in bekannter Güte.* _ I>n»t l.lcv. Telephon: Amt Zeuthen Nr. 44. t Schultheiß-Restaurant, Alt-Moabit 15. Freikonzert. 24796 Berliner (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Am 4. Dezember, abends 8'/, Uhr, Gerichistr. L3: . Drdentlleb«--------- "■■ Gutes Essen. Kleine Preise.- Allen Freunden und Bekannten bestens empfohlen. __ Willielm Schiller._ Verlrih-liiMtitat: Friedrichsl.l 15/1, a.Orabg. 'Tor. Elcg. Frack, Gehrock l,50!©o|el,00. Weite 50Pf. Genelal-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Auf- stchtsrates, Vorlegung der Bilanz und Beschluhsassmig über dieselbe. 2. Entlastung des Borstandes und AussichlSrateS. 3. Neuwahlen. 198/19 4. Stalutcnänderungen. 5. Antrüge und Verschiedenes. Die Bilanz liegt den Mitgliedern im Kontor, Neue Hochstraße 18, zur Einsicht aus. Der Vorntsnd. A. Michaelis. 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Darj eeling-T ee Pfd. 6.60 RUM u. ARRAK Jamaika-Rum verechmttn v.pi. 1.20 Jamaika-Rum verechm«!«/.fi. 1.70 Jamaika-Rum SS?hnitt«/.fl 2.40 Arrak venchmt» v, fi. 2.20 Arrak de Goa>/. fl 3.20 Arrak de Batavia'/.fl4.50 Jamaika-Rum II 3-s. Jamaika-Rum i«/.n. 3.60 Extra feiner Jamaika-Rum % FL 4.60 Extra fein. alt. Jamaika-Rum Vi Fl. 5.25 Von der Königl. Hofjagd in Letzlingen Damhirsche Keulen prundl.iOMk. Blätter Pfubd 65 Pf. - Rücken Pfihd 1.25 Mk. Ragout Pfund 40 Pt Wildschweine Keulen Pfund 1,10, Blätter Pfund 65 pf. ——————- Rücken Pfund 1.20, Ragout Pfund 40 pt In der mumen. Abteilung: Verkauf frischet Kränze Nr. 269. 26. Jahrgang. 2. JriliMt Ks Jimirls" Znlim Pollisbleit. Mlllvoih, 17. Umifuittt 1909. Das Urteil gegen den Kultusminister. In der Anklagesache gegen die Genossen Weber und Wildung wegen ösfentlicher Aufforderung zum Ungehorsam gegen die gegen die Arbeiterturnvereine gerichteten behördlichen rechtswidrigen Verjügungen ist jetzt das schriftliche Urteil den Parieien zugegangen. Bei der grohen Bedeutung der Frage geben wir nachstehend den Wortlaut des wesentlichsten Teils der Urteils- gründe wieder. Es heißt nach Schilderung des unseren Lesern be- kannten Sachverhalts und wörtlicher Wiedergabe des„Vorwärts"- artikels: „Beide Angeklagte haben zugegeben, daß sie,— und zwar um die Frage, ob die Erteilung des Turnunterrichts an minder- jährige Personen konzesjionspslichtig sei, zur gerichtlichen Ent- scheidung zu bringen,— ernstlich den Willen gehabt haben, durch den genannten Artikel zum Ungehorsam gegen die auf Anweisung des Kultusministers ergangenen Strafverfügungen aufzufordern. Die Rechtsgültigkcit der Allerhöchsten jlabinettsorder vom 10. 6. 1834 und die Rechtsgültigkeit der zur Ausführung dieses zuletzt genannten Gesetzes ergangenen Ministerialinstruktion vom 31. De- zember 1833 haben die Angeklagten anerkannt. Sie sind aber der Rechtsauffassnng, daß diese beiden Gesetze für die auf Anweisung des Kultusministers ergangenen Strafverfügungen keine aus- reichende Grundlage bilden. Dieser Rechtsauffassung ist das Gericht bei- getreten. Die Kabinettsorder von 1834 spricht lediglich von i dem Unterricht und der Erziehung der„Jugend". Weder die sKabinettsorder noch die Ministerialinstruktion von 1839 geben für I den Begriff der„Jugend" eine bestimmte Altersgrenze an. Offen- bar haben diese beiden Gesetze— wie aus§ 1 der Ministerialinstruktion, der ausdrücklich von schulpflichtiger Jugend spricht, entnommen werden kann,— lediglich den Privatunter- richt der schulpflichtigen Jugend, der als Ersatz des öffent- lichcn Schulunterrichts dienen soll, regeln wollen. Jedenfalls geben die beiden genannten Gesetze keine genügende gesetzliche Grundlage dafür, den Begriff der„Jugend",— wie es die Schulaufsichts- behörde in ihren an die Turnleiter erlassenen Strafverfügungen tut.— sogar bis auf alle diejenigen, die die Volljährigkeit, d. h. das 21. Lebensjahr, noch nicht erreicht haben, auszudehnen. „Jugendlich" ist ein Begriff, dessen Grenze sehr flüssig ist. Er deckt sich jedenfalls nicht ohne weiteres mit„minderjährig". Tos Für- sorgegcsetz zwar erstreckt seine Fürsorge auf alle, die die Volljährig- keit noch nicht erreicht haben. Das Strafgesetzbuch, das Vereins- gesetz. die die Fortbildungsschule betreffenden Bestimmungen der Gewerbeordnung dagegen verstehen unter jugendliche Personen nur solche, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Alle diese Gesetze setzen aber die Altersgrenze der Jugendlichen genau fest. Dies ist jedoch in den beiden Gesetzen(der Kabinettsorder und der Ministerialinstruktion), auf die sich lediglich die Straf- Verfügungen der Schulaufsichtsbehördc an die Turnleitcr gründen, nicht geschehen. Es gehen also diese Anordnungen der Schulauf- sichtsbehörde, in denen sie die Erteilung von Turnunterricht an jugendliche Personen allgemein, ohne zwischen der schul- Pflichtigen Jugend und solcher Jugend, die der Schulpflicht schon entwachsen ist, zu unterscheiden, von einer Konzession ab- hängig machen, über den Rahmen der der Behörde durch die Ge- setze(Kabinettsorder und Ministerialinstruktion) gegebenen Be- fugnisse hinaus. Diese Anordnungen der Schulaufsichtsbehörde sind demgemäß nicht„innerhalb ihrer Zuständigkeit" getroffen worden und konnten deshalb auch nicht den Schutz des§ 119 Strafgesetz- buchs genießen. Aus diesen Gründen waren die Angeklagten freizusprechen." Die Staatsanwaltschaft hat gegen dies Erkenntnis Revision eingelegt, so daß das Reichsgericht in die Lage kommen wird,� die Verurteilung des preußischen Kultusministers nochmals auszu- sprechen. «SttternuqSübersickit vom t«. November liWy. morgens 8 llftr. Ctottonen = 2 jf Zwmrmbe i762 SSO Hamburg 763 NO Perlin 1 761 NO .zrnnfi.a SR 755 NO Mmfien>752 NW Wien 754 W Wetterprognose für Mittwoch, de» 17. November 1903. Kühl, ziemlich trübe und nebelig bei frischen nordöstlichen Winden: blichen Nie..... keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. ip * ortieren« Spezialhaus Uebergardinen Imposante Äoswabl (einfacher und hochaparier Genre). Pro Fenster von 375 bis! 75 M. Ein Posten reicbgestickter lilsch- P ortleren nur soweit Torrat! Pro O 75-Wert Fensler Om.(l35® Emilletfrre Berlin oran'ensfr' ise. Hein neuer Pracht-Katalog ibbüd�n oratis u. franko. Reste Dfuucotnche,«ohwAn und f&rblit, Cosiomes-Stoffe.neaesu« M nsier. Trloot-Sloff«, ßeldfliv- Plütrh. fiMnniote. Seide otc. 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Abend» 8 Uhr: Mendel, ohns Oratortnm mit Kammersänger gloranö«,' Nsinemnnn. Morgen: Die geschiedene Frau. Sonntag: Der fidrle Bauer. tjustspieihaus. Heute Mittwoch(Bußtag): GeachloKiten. Aiorgen: Der dunkle Punkt. Seüewlid p e r e 1 1 e n- T h«> a t e r, Schistbauerdamm 25, a. d. Luiienstr. Heute(Bußtag): Gvavklouuvii. Morgen 8 Uhr: Zkili nii«lel«aclu Operette in 3 Akten von Rudols Nelson. frieiiriGli-WiilielinstädtlsGftes Schauspieihaos. Heut« Mittwoch(Bußtag) l Gvavl»!«»»«». Morgen Donnerstag: Das grotze Licht. Frcilag zum erstenmal: Liselott. Trianon-Theater. Heute: Mo: gen: Pariser Witwen. Lfriml». Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49, 8 Uhr: In den nolomlten. Invalidonstr. 57/62: 8 Uhr: Jerusalem. Donnerstag 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Willi Berndt: Darwins Lehre (Seloktionstheorie 1. Teil.) Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Heute Mittwoch(Bußtag): Gesell loNate». Donnerstag bis Sonnabend: Ore tclien. Toiensoimtag, 21. Nov.: Wusotle. Luisen-Theater. Heute: GeschloBsen. Donnerstag: Wobltätlgteitsvorst.: Gastspiel Anna Sohramm: Wir die Alten sungen. Lustspiel in 4 Aus- zögen von C. Nicniann. Freitag: Heimat. Volks-Oper. SW., Belle-Alllance-Straße Nr. 7/8. Abends 8 Uhr bei bedeutend er- mäßigten Preisen: Gr. gkistliches Notuil- und InstlumkM-Kolytrt. Sclilller Schillor-Theater 0.(Dallner-Tbeater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Oratoriums-Anfführnug: Der?le»«la«. DM- Ende 10'/, Uhr."MZ Donner» tag, abendS8Ubr: Der Seltevnr der Drene. Freitag, abendSLUbr: _ Gespenster. Stadt-Tlisaler Moabit. Alt-KoabU 47/48. Morgen Donnerstag, 18. November: Novität) Novität) Zu Nertreiiiuz. Schwank in 3 Akten von Heinz Tordon. Theater. Schiller-Theater Charlotlenburg. Mittwoch, abends 8 Übt: Konaert des Berliner jLehrer-Gcsanffverelns. W?- Ende 10 Uhr. Donnerstag, adendseUbkt Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Freitag, abends 8 Ubr: De» 8el>war der Treue. Reicitsliallen-Theater Heute: Keine Soiree. Morgen: Steüiner Sänger. Anf. 8 Uhr. IOSE=THEATE Große Frantsurter Str. 132. Heute Bußtag: Gehedkossen. Morgen, Donnerstag: Maria Stuart. Trauerspiel i» 5 Akten v. Fr. v. Schiller. Aniang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Freiing! Die Rechtlosen. Lxtra- V orsteUutixen am Sonntag, den 21. November, Lessing-Theater;| Herrnfeld-Theater; Der König{ Jugend Erfolgreiehsto politische Satire von Oeivallot und Ärsne. Einlaßkarten ä 1,25 M. inkl. Zettel and Garderobe In den Zahlstellen zu bestellen. Liobesdrama von Max Halbe, in Szene gesetzt von Fritz Witte-Wild. I 242/6 Werbet neue Mitglieder! Der Vorstand. I. V.: G. Winkler. Sie sparen siebsr viel Geld, wenn Sie Ihren Bedarf In MObeln, Garderoben und anderen Waren M >.Feder Berlin H., BnmnensSr» I auf Kred it decken. denn trtrtz denkbar biiiiqatep PreisstePung werden dort jedem Kunden nach geschehenem Kaufe 10 p A der geleisteten nzüblunj aefort vergütet Kleinste Anzahlung! AM. A Einkelne Möbel nnu Folsterwaren Abt B, Kompl. 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HoTjmoiftflrabt 72._ 0M9~ Heute: Geschlosseil."BIT Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung mit Franz Sobansld. Olga tsy, Musif. Komödianten Carmanelll Kurt Werlher, EmmyQaloltl, Rockowtky- Duo Gust. Burg Truppe Juhasi (4 Personen, l Foxterrier) ufm Prinz V/endelln, Äesangsp. o. Klein. Gasino-Theater Lolbringrr Straße 87. Täglich 8 Uhr. ipr Heute:®.(ch[o(fcu,"BWS Trotz des folosialen Andranges: M eocli tiisFreiMUezeinlier; Onkel Cohns Soimabend, 4. Dez. Premierenabend. Sonntag 8 Uhr: Niederleute. w nlkslls Vztitte.'s�esfkr | Weinbergsweg 19-20, Roaenth.Tor. AM" Heute: Erschlossen. IMS | Anf S Uhr. Die grosiarttgeu Nodenibrr-SvezfalliSten. s Im Tunnel: ReglmeutStapellr. Theaferbesuchern freier Eintritt. Hustsn, »eissrksit w-rten Sllslsutroplovj Ohere.fchcnd •ohaell lmd eioVier Nuroent, wenn] mit Marke f „Siedleo**! ;t.80*P|.u.13».] Vor Haohahmungen Jeder Art tel Jedooh dringend gewarnt. GichSltl in d. meisten Orogerlan u. Bei Otto ftnlche). Berlin 49. ElsenblhnitrA Orts- Kraiikeukasse der Sattler und verwandten Gewerbe zu Berlin. DonuerStag. den SS. November» abrndS S'/j Uhr; Ordentliche Generai-Versanimlung bei gewählte» Vertreter der Kassen- Mitglieder und Arbeitgeber im Gewerklchaftsboofe(Saal I), Engeluser IS. Tages-Ordnung: l>1. In getrencher Gencralversamm- lung: a) säe die Pertreter der Kassen- Mitglieder: Ersatzwahl van einem Mitglied zum Vorstand sär 1909 bis 1910; ErgünzungSwabl von vier Mitgliedern zum Vorstand sür 1910—1911; b) sür die Vertreter der Arbeit. gcber: Ersatzwahl von einem Mit« giied zum Vorstand sür 1909 bis 1910: Ergänzungsmahl von zwei Mitgliedern zum Vorstand sür 1910-1911. 2. In gemeinschasllicher General- Versammlung: 1. Sali! des RechnunaSauSschusseS. 2. Bcschlutzsassung über Verlängerung des AerztevertrageS. 3. Verschiedenes. Nur die mit Legtttmalton eoeniuell Mitglieds far-te versehenen Vertreter haben Zutritt. Die Versammlung wird pünktlich um>/zS Uhr rrössnet. bIB. Anfragen, z» deren Bennt- wortung die Einsicht der Kalsenbiicher notwenbig ist, mühen drei Tage vor- her dem Vorstande schriftlich ein- gereicht werden. s Um zatlroicheZ und pünktliches Er- chetne» ersucht 290)1 I»ep Vorstand. F. Mayhardl, Vorsitzender. I. Landgrebe, Schnslsührer. Orts-Krankenkasse der Vergolder und Berufsgenossen. Tounerstag, d. Ä5. Nov. 1008* adendS 7—8 Uhr, Wahl-Versammlung der Arbeitnehmer wozu sämtliche Kassenmltgiieder über 21 Jahre eingeladen sind. Tages« Ordnung r Wahl vou 87 Vertretern für daS Jnhr 1910. W>WWM Mitgliedskarte legitimert.— In demselben Lokal und Tage von 8-8'/, Übe: Wahl-Versammlung der Arbeitgeber wozu sämtliche Arbeitgeber, welche Beilröge aus eigenen Mitteln leisten. eingeladen werden. TageS-Ordnung: Wohl von 4t Vertretern für das Jahr 1910. Nach den Wahlen findet sür Arbeit. geber und Arbeitnehmer gcmelnsnm ein Vortrag deS Herrn. Bauer über: Die ärztliche Versorgung der Krankenkassen statt. Hieran anichlicßend findet die General-Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber „ud Arbeitnehmer der Kasse mit folgender TageS. Ordnung statt: 1 Bericht deS Vorstandes. 2. Neu- wähl des Vorstandes. 3. Wahl von drei Revisoren. 4. Verschiedenes. gOP- Die Delegierten erhalten zur Generalvcrsainmlnng noch eine schriftliche Einladung, welche als Legliimatlon dient. Zahlreichen Besuch erwartet 209/8 Der Borstand. fcdKAJMAAAAAJ Ringfreie Kobl6Q offeriere nur am Sonnabend. den 20. d. Mi»., von 8—3 Uhr. am Tchlesischcn Güterbahnhof, Mühlenftrahe. 8»! on-JBrlketts (Ersatz für Ilse) 100 Stück 75 Pf. ab Waggon, frei Haus 85 Pf. 2482b Bestellungen bitte rechtzeitig nur (chnfilich an M.MiClialeMig«cr®tr.87. Wiedervcrläufern wird nicht verabsolgt. —— Grögere Austrage nur schriftlich. iGelegenlieitsliäufeii Vorjahrice | Herrenanzüge und Paletots! 1 aas leinsten Maßstoflon I Jlrllherer Werl 60 bis 80«arkl jetzt 20 bis 45 M. G|r"Nie wlederkohrendo-T®» Kaufgelagenhelt I J Oavatier-Club Unter den Linden 61, XL Sonntags geöffnet! , Deutscher 1 Holzarbeiter-Verband| Den Milgliedcrn zur Nachricht, j I daß irnser Kollege, der Maschinen- 1 ! arbeitet Wilhelm Armin j nm 18. November gestorben ist. Ehre seinem Nndenke« 1 Die Beerdigung findet a», I Donncrstag, den 13. November, riachinitlags 4 Uhr. von der Halle dcs Lichtenberger Gcmeindcjned- I hoseS in der Borriitzstratze aus statt. s 92/6 vis Orisvarwaliung. . Deiitseber Tabakarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, j dag unser Kollege, der Zigaretten« ar beit-r Vasilius Gaidaroff I nach langen, schweren Leiden ver- > starben ist. 187/16 Ehre feinem Andenken I 'Die Beerdigung findet heute ! Mitilvoch(Bugiag), mittags 12 Uhr. von der Halle dcs nissisdien Fried- | hosS in Tegel ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Orrsverwaltung. Todes- Anze type. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß meine derzcnSgilie Frau. unsere liebe I Muster 2488b Marie Block 8<*- vormeior nach langen schweren Ueiden anr 15. November im Alter von 33 Jahren saust enlschlafcn ist. Um stilles Beileid bittet Angnst Block nebst Kindern. Die Beerdigung findet heule, >7. November(Bußtag), nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- dalle des RuinmelSburger Fried- HoseS, Lückstraß«, aus statt. lesfoianiis fr paoer-i Extra- Ab teil Ii n fr Geschäft: Berlin W., Mohren- Straße 37a(2 Haus von der Jerusalemer Straße). I II Geschäft: Berlin NO., Große Frankfurter Str. IIS(2. Haus von der Andreasstraße). Sehr gr. Auswahl fert. Kleider, Hüte, Handschuhe, Schleier etc. vom einfachsten bis zum hoch- elogantcsten Genre zu äußerst niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: KlalJanrerliffung in 10 bis 12 Stunden. Orts- Krankenkasse der Drechsler und verwandter Gewerbe ■■ za Berlin.— Die Ordentliche General-Versammlung findet am Montag, den LS. Ro- vember IS«9, abendö 8 Uhr (Arbeiigeber H'U Uhr), in den A minhalle». Komnrandantenstr. S9, statt, woz» die Herren Vertreter hier- mit eingeladen werden. Tagesordnung: i. Wahl von 3 VorstaiidSnritgliedern (1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). Die Wahl findet für die Herren Arbeitgeber und Arbeitnehmer ge- trennt statt. Hieraus um 81/, Uhr für sämtliche Bertreicr: g. Protokollverlesung. 3. Bericht deS Vorstände«. 4. Wahl deS RechnungSallSschirstis pro 1909 2491b S. Verschiedenes. Der Borstand. I. A.: Fr eriag, den 19. November, nach- irriiiags 3st, Uhr, auf dem neuen St PaulS-Krrdchos. Plötzensee. statt.| ISozialiiemokratisehJalilveretii'] des |6. üerl RÄapalimi Todes- Anzeige. Am 16. November verstarb unser [Mitglied, der Putzer K�rl Peters Grünthaler Straße 1. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am [Freitag, den i9. November, nach. mittags 3>/, Uhr, auf dem neuen St. Parrls-Kirchoos in Plötzcnsee [ statt. 232, 12 Um rege Beteiligung ersucht Der Borftand. Zestral-Miiii der Maurer Dentsetilands. Zwefgvcreln llcrlln. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Milgliebern deS Gesangvereins zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Peters im Alter von 59 fahren ani[ 16. November an Magenleiden starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am k Donnerstag, den 18. November,[ nachmittags 3'l, Ubr, von der t Leichenhalle des neuen Pauls- f Kirchhofes in Plötzensee, Dohna- gestell, aus statt. Um zahlreiche Bcleiligmrg ersucht g 135/7 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten t die traurige Nachricht, daß mein s lieber Mann, der Gastwirt Vllhelm Granzov am Sonntag, den 14. d. M., ver.! starben ist. 24756 1 Die trauernde Witwe Marie Granzow. Die Beerdigung findet am( Donnerstag, den 18. d. M., nachmittags 3>/. Uhr, von der Leichen-, balle des Gethsemane-Kirchhoses, I Nordend, aus statt. ! Sozialdemokraliscber WaWverein J des 16. Todes- A nzelgc. Am 14. November verstarb unser- Mitglied, der Gastwirt Wilhelm Granzov Tresckowstr. 53. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den 18. November, k nachmittags 3'/, Uhr, von der! Leichenhalle deS Gelhsemane- Kirchhofes in Nieber-Schöiihausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 232/13 Der Toraiand.| Dr. Simmel Spezial-Arzt* fflr Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, CÄ 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2—4 60 Fro.eet,- Vmebssis gediegene Keoheiten In Alle Pro!« e! All«"6 r"a■« e nF Biisstua geOttnei S-IO, 18-3 Wir.___ Wsstmann� Spezlal-Kontektlonte r.-n-..... BerU- w- Mohrenstr. 37a{ n. Qeiobut Benin no. Gfoßo krauMrimtr.l 1 5{��EÄ1ur"e�rH.slu; Erscheint 2 mal wöchentlich. Bezugsqnellen-Werzeiclmis. Die hier verzeichneten Firmen empfehlen bei Einkäufen ihre Geschäfte. C AbzahfungsgeschSfte D Credit-Haus Moabit TurmstraSe 55, Ecke WaldstraBe gewährt jedem bei spielend leichter An- und Abzahlung mshrjfitipigen Kredit auf Waren und M9bel. staun OreditHaus oen Gebr. Weber, Neue Königstr. 58. Lubascher,S.s~i 7 konlantextec s. PI. 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SipflTpl Panl IC Geschäfte JICHZU, r dHI, in Kord-Berlin. ( Flschhaniituno'en � WlDklet& WW. Ko�userd-Io: f FleiBchorcien u.'\MsB a h n h o f S r e st a u r a n t", Inhaber Bade, und das Restaurant „Ratskeller", Inhaber Lindner, der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung stehen, daher streng zu meiden sind. Die Lokalkommission. Sechster Wahlkreis. Die Genossinnen der t. und 2. Abteilung werden noch ciinnal auf de» heute stattfindenden Besuch des Natur- historischen Museums aufmerksam gemacht. Treffpunkt mittags 12 Uhr vor dem Gebäude in der Jnvalidenstraste. Pankow. Am Mittwoch, den 24. November findet im Eberbach'ichen Saale, Berliner Straste 102 eine Volksversammlung statt. Referenr ist der Landtagsabgeordnete Dr. Karl Lieb- k n e ch t. Wir ersuchen alle Genossen und Genossinnen, für einen Massenbesuch dieser Versammlung zu agitieren. Ain� Sonntag, den LI. November, morgens 8 Uhr findet di'e Verbreitung von Handzetteln zu obiger Versammlung, so- wie der Lgitationsnummer des«Vorwärts" usw. in Pankow statt. Jeder Parteigenosse hat die Ehrenpflicht, hierzu in den betreffenden Zahlabendlokalen zu erscheinen. Die Bezirksleitung. Köpenick. Morgen, Donnerstag, den 18. d. M.: Zahlabend in den bekannten Lokalen. Bei der Wichtigkeit desselben ist ein reger Besuch notwendig. Der Vorstand. Potsdam. Freitag, abends 3'/? Uhr: Graste öffentliche Konimunalwählerversammlung. Tagesordnung: Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen. Referent: Stadtv. Borg- mann-Berlin.— Sonntag, morgens 8 Uhr, in allen Bezirken: Flugblattverteilung. Genossen, beteiligt euch alle rege an den Arbeiten zur Stadtverordnetenwahl. Der Vorstand. berliner ftecbricktm Grabinschriften. Es sieht dort draußen in Friedrichsfelde, wo in Reih und Glied die Armut zu Zehntausenden ruht, so ganz anders aus als auf den übrigen Totenseldern der Reichshauptstadt an der Spree. Nur ganz vereinzelt ein Kreuz oder eine Engels figur als Hinweis auf das geduldige Märchen für gläubige große Kinder. Hier, wo die.überwiegende Mehrheit der stillen Schläfer den wahren Wert des Kirchenglaubens schon bei Lebzeiten erkannt hat, ist nur wenig Raum für kirchlichen Firlefanz und schwülstigen Bibelkram. Was auf vielen Hunderten von Gedenksteinen den Toten mitgegeben ist als Sinnspruch, der den Lebenden eine Richtschnur sein soll, das .chöpft nicht aus betörender Pfaffenweisheit... nein, aus dem vollen Menschenleben. Es geht ins Mark, rüttelt das Innerste auf. Aber nicht Furcht und Schrecken jagt es ein vor dem Strafgericht, mit dem die Kirche droht. Stille Ruhe und Wehmut erfüllt uns. wenn wir ernst vor diesen herrlichen Inschriften stehen. Und mit klarem Blick für die rauhe Wirk- lichkeit geloben wir uns. jederzeit gerüstet zu sein, um auch ohne die Kirche mit gutem Gewissen in die Ewigkeit hinüber- zuschlafen. „Die Liebe höret nimmer auf." blinkt es aus goldenen Buchstaben hier und da und dort. Ach, von der Liebe der Welt, der Mitmenschen, haben gar viele Tausende, die da hinten im Massenbett der Großstadtarmut schlafen, herzlich wenig erfahren. Aber das Wort wird so oft wieder lebendig, wenn einem, der den gekränkten, getretenen, geknechteten Toten mit allen Fingern aus der Erde graben möchte, mahnend und warnend der Dichter ins Gedächtnis ruft:..... die Stunde kommt, wo du an Gräbern stehst und klagst." Hätten die vielen, die hier nach dem Tode nutzlos jammern und klagen, es nur im Leben beherzigt:„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" Vielleicht könnten sie so ruhig sterben wie jener wackere Mann, auf dessen Hügel einfach und über- zeugend steht:„Edel war er, hilfreich und gut." Und ein guter Mensch, kein Heuchler und Leisetreter und Augenver- dreher, war es sicher auch, dem man auf den Grabstein ge- schrieben hat:„Sie alle, die dich einst gekannt, haben dich einen Mann genannt." Das große Weltmanko an Menschen- liebe berührt auch der mehrfach anzutreffende Spruchs„Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot. Er ist nur fern. Tot ist nur, wer vergessen wird." Eine traurige Wahr- hcit ist es. Tausende. Zehntausende waren sckion im Leben so tot, so vergessen, daß das Flämmchen der Erinnerung an sie nur noch einmal aufloderte, als es galt, sie sanglos und klanglos wie einen Tierkadaver in die Erde zu scharren. Zwei Lebenskünstler, die dem Tode ruhig ins Auge schauten und an ein neues Leben wahrlich nicht glaubten, haben das philosophische Geleitwort erhalten:„Und wenn einer fröhlich sein will, der sei es heut. Morgen ist es ungewiß." Viele Inschriften klingen in die Erkenntnis aus, was doch Mutter Erde mit ihrer göttlichen Weltordnung für ein irdisches Jammertal ist. Daß nach dem Wort des alten Weltweisen kein Mensch vor dem Tode glücklich ist. das hat sicher voll- gerüttelt der stille Schläfer erlebt, dessen Ruhestätte fast er- drückt wird von der Wucht des Gesteins mit der wehmütigen Klage:«Er liebte die Sonne zu sehr, darum war er so glück- lich... und so elend, als ein Mensch auf Erden sein kann." Und auch an jenem anderen, der im Golde wühlte, ist des- halb das Leid nicht vorübergegangen:„Alles gaben die Götter, die UnendlichPi, ihren Lieblingen ganz... ganz die unendliche Freude, die unendlichen Schmerzen ganz." Eines der prächtigsten, sinnigsten Grabdenkmäler in Fried- richsselde stellt eine hohe Marmorsäule dar, deren Kapital zur Erde gestürzt ist.„Was sind Hoffnungen, was sind Ent- würfe!" klagt dazu die Goldschrift und erinnert uns. daß überschnell alles zu Staub wird, der Reiche wie der Arme. Am Urnengrabe eines Arztes lesen wir:„Wahrheit gepaart mit Gerechtigkeit ebnen den Weg zur Seligkeit." Vielleicht am packendsten, wuchtigsten aber wirkt es, was man dem Gründer und Sprecher der Humanischen Gemeinde auf den Grabstein gesetzt hat:»Aus stillem Denken keimt ein wachsend Leben— Das wird die Welt aus ihren Angeln heben— Und wär es auch nach Hunderten von Jahren— Ein Tag erscheint dem ausgesprochnen Wahren." Unweit davon schlafen unsere beiden Alten, ewig Jungen ... Wilhelm Liebknecht und Jgnaz Auer. Ihr herrliches Grabmonument, von der Liebe des Volkes Stein auf Stein zusammengetragen, der Wallfahrtsort der Unterdrückten und Entrechteten, ziert keine Inschrift. Wo die Liebe nimmer aushört, bedarf es nicht der Worte. Sie sind ja nicht tot, nicht vergessen... imr fern. Und was aus ihrem Leben fort und fort keimt, soll und mutz dermaleinst die göttliche Weltordnung aus den Angeln heben..-. Eine durchgehende Straßenbahnverbindung von der Kniprode- straste an der Ecke der Elbinger Straste bis zum Strastenbahnhof in Charlottenburg richtet die Große Berliner Strastenbahn in Gemein- schaft mit der Berlin-Charlotteitburger Strastenbahn am Donners- tag, den 18. November ein. Sie kommt dadurch zustande, dast die Linie 80, die bisher am Schlesischen Bahnhof endigte, zur Kniprode- straste durchgeführt wird. An der Ecke der Kant- und Wilmers- dorser Straste beginnt die Strecke der Charlottenburger Ströhen- bahn. Der erste Wagen geht von der Kniprodestraste 6.28, von Charlottenburg 6.09, der letzte von Osten l2.28, von Westen 12.09. Die Züge der Linie 80 und 81 Zentralviehhof— CharloNenburg er- gänzc» sich zwischen dem Alexanderplatz und dem Strastenbahnhof in Charlottenburg zu einem Betriebe von 7'/� Minuten. Der Fahrplan der Linie 81 wird gleichzeitig dem neuen Fahrplan der vec- längerten Linie 80 angepaßt.__ Vorn städtische» Jrrenwcse«. In der Sitzung der Deputation für die städtische Jrrenpslege am 16. November wurden die Mitzstände erörtert, die für die Ver- waltung, aber auch für die Kranken und ihre Angehörigen daraus entstehen, dast Kranke den städtischen Irrenanstalten in Dalldorf, Herzberge und mit besonderer Vorliebe Buch unmittelbar zugeführt werden, ohne daß vorher die vorgeschriebenen Uebcrweisungsscheine besorgt sind. Gemeingefährliche Geisteskranke werden, so wird aus dem Rathause geschrieben, auf kürzestem Wege durch Vermittelung des Polizeireviers einer Anstalt zugeführt; alle anderen müssen den Ueberweisungsschein der Armenkommission, eines Armenarztes oder einer Krankenkasse, die die Kosten übernimmt, bei der Auf- nähme in die Anstalt vorlegen. Das Aufsuchen der Anstalten ohne diese Bescheinigung ist nicht ratsam. Wenn auch die genannten Anstalten austerhalb des Weichbildes der Stadt Berlin liegen, so sind sie doch nur für Berliner Kranke bestimmt. Nichtberliner setzen ihre Angehörigen, mögen sie einer der genanntcn städtischen Anstalten auch noch so nahe wohnen, der Gefahr der Zurückiveisung oder späteren Ueberweisung aus. wenn sie sie direkt einer dieser Anstalten zuführen. Sie müssen sich an die Annenorgane ihrer Gemeinde wenden, die dann für ihre Auf- nähme in eine der Provinzial-Jrrenanstalten sorgt. Mehrere Provinzial-Jrrenanstalteu sind so nahe gelegen und so modern eingerichtet, dast dem Kranken mit der durch die gemeindliche und provinzielle Zersplitterung Grost-Berlins leider gebotenen Unter« scheidung jedenfalls kein gesundheitlicher Nachteil erwächst. Daher kann und must andererseits die Berliner Verwaltung schon zur Vermeidung der Ueberfüllung ihrer Anstalten von dem gesetzlich gebotenen Mittel der Ueberweisung in eine Provinzialanstalt Gebrauch machen, wenn dieser Hinweis nicht befolgt wird. Die Brrnnholzkompagnie. Es dürfte wenig bekannt sein, dast in Berlin früher auch ein Monopol für Brennholz bestand. Bis zum Jahre 1785 besäst es die Brennholzkompagnie, an deren Stelle dann die Haupt-Brennholz-Administration trat. Sie hatte ihren Sitz Hinter dem Zeughause und bestand aus Geheimen Finanz- raten vom Forstdepartement mit mehreren Assessoren und Unter- beamten. Wer Holz kaufen wollte, löste sich im Kontor der Admini stration einen Anweisezettel auf den ihm zunächst belegenen Holz- platz, wo er gegen die Anweisung das Holz erhielt. Die Preise waren für Stubbenholz 12 Taler 12 Groschen, für kichnene Knüppel I3'ch Taler, für Eichen 18 V6 und für Buchen 19zh Taler pro Haufen. Einige Fabrikanten hatten ermäßigte Preise, ebenso das Lagerhaus, die Realschule und die Manchesterfabrik, jedoch durften sie nichts von ihrem Bestand weiterverkaufen. 6663 Haufen Kiehnkloben und 1500 Haufen Knüppel mußte die Administration jährlich an das Generaldirekwrium geben, das sie an die Garnison, die Fabrikanten und Armen verteilte. Niemand in Berlin und Potsdam durfte außer der Administration mit Brennholz handeln und nur die Besitzer eigener Holzungen dursten sich ihren Bedarf gegen einen besonderen Pah— 4 Groschen Stempel— kommen lassen. Das ist nun sehr anders geworden. Zurückgezogene Schullastenanstzrvche. Der Gemeindevorstand zu Johannisthal forderte für das Rechnungsjahr 1908 von Berlin einen Zuschuß zu seinen Volks- schullasten gemäß§ 53 des Kommunalabgabengesetzes, indem er behauptete, dast der Gemeinde ein Mehr an Kosten durch die Schul- Unterbringung der Kinder solcher Personen erwachsen sei, die in Johannisthal wohnen und in Berlin arbeiten. Berlin hat den Anspruch abgelehnt, wonach Johannisthal Entscheidung des Be- zirksausschusscs beantragte. Zu den in diesem Verfahren aus- getauschten Schriftsätzen hat nun Berlin ein so umfangreiches Gegenmaterial vorgelegt, daß der klagende Gemeindevorstand sich von der Haltlosigkeit des Anspruches überzeugte und ihn zurückzog. Der Prozeß gegen die Frau Dr. Bergmann wegen Kindes- Mißhandlung beschäftigt nun die Gerichte bereit« drei Jahre lang. Sehr bemerkenswert ist dabei, dast das Reichsgericht die Verhandlung nach einander an alle drei Berliner Landgerichte verwiesen hat. Die erste Verhandlung fand belanntlich vor dem Landgericht II statt. Frau Dr. Bergmann wurde damals zu 300 M. Geldstrafe ver- urteilt. Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hob das Reichs- gericht dieses Urteil aus und verwies die Socke zur nochmaligen Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht I. Die sechste Strafkammer des Landgerichts 1 unter Vorsitz des Landgerichtsdircktors Göbel verurteilte die Angeklagte zu vier Monaten Gefängnis. Gegen dieses Urteil legte wiederum Rechtsanwalt Dr. Schwindt Revision ein, in welcher ins- besondere gerügt wurde, dast der erforderliche Strafantrag nicht ordnungsmäßig und rechtzeitig gestellt sei und dast dieser Umstand in der Verhandlung nicht eingehend genug geprüft worden fei. Das Reichsgericht versagte diesen Rcvisionsgründcn auch nicht den Erfolg. Die erneute Verhandlung wurde jedoch nicht, wie sonst üblich, an die Vorinstanz, sondern dieses Mal an das dritte Berliner Gericht, das Landgericht IH verwiesen. Vor der vierten Strafkammer dieses Gerichts wird nunmehr am kommenden Freitag, den 19. unter Vorsitz des LandgcrichtsdirektorS Gockel der Prozeß in dritter Auf- läge verhandelt werden. Für die Verhandlung ist trotz des recht umfangreichen Zeugen- apparateS nur ein Sitzungstag in Aussicht genommen worden. Bon einer Neuordnung für Armenbegräbnisse, welche das Kuratorium für das städtische Bestattungswesen vorbereitet, nach- dem über die pietätlose Beerdigung unbemittelt verstorbener Per- soncn seit Jahren zahlreiche Klagen geführt worden sind, berichten bürgerliche Blätter. Die Sache hat insofern ihre Nichtigkeit, als eine besondere Kommission mit der Ausarbeitung neuer Bestim- mungen beschäftigt ist. Das Ergebnis der RevisionSbeschlüsse liegt. jedoch noch nicht vor. Im einzelnen haben wir die Miststände, welche nicht bloß auf dem städtischen Zentralfriedhofc in Friedrichs- felde, sondern in der gesamten Organisation der Bcstattungsweise armer Leute bei uns eingerissen sind, wiederholt eingehend bc- sprachen. Die Stadtverwaltung wird sich setzt allerdings nicht der Einsicht verschließen können, daß verschiedene besonders harte Bestimmungen, beispielsweise die vorschriftsmäßige Höhe bezahlter Extrasärge bei Armenbegräbnissen und das Verbot der Oeffnung von Armensärgen auf dem Kirchhof, aufgehoben werden müssen. Es ist peinlich genug, sich überhaupt an den Geldbeutel der Stadt wenden zu müssen, um einen lieben Verstorbenen unter die Erde zu bringen. Da soll man alles vermeiden, was die Armut un- nötig nach außen hin an den Pranger stellt. Die meisten und schwersten Uebelstände sind ganz oder fast ohne Kostcnerhöhung zu beseitigen. Um so eher muß auf Aenderung im Sinne der not- leidenden Bevölkerung gedrungen werden. Eine gewaltige Explofion verursachte gestern mittag eine un- beschreibliche Aufregung in dem Eckhause Blücherstr. 27 und Bär- waldstr. 55, gegenüber der Kaserne des 2. Garde-Dragonerregi- ments. Aus noch nicht ermittelten Ursachen war in der Drogerie von Gustav Sasse in der Blücherstr. 27 eine Explosion ausgekommen. Die Anwesenden flüchteten noch rechtzeitig und entgingen dadurch dem sicheren Tode, denn im Nu stand der im Erdgeschost belegene Laden mit seinem gesamten Inhalt in Flammen. Eine gewaltige Stichflamme schoß nach dem angrenzenden Hinterraum und von dort in einem Lichtschacht empor bis zum Dach. Durch eine zweite wurde ein Fenster im Erdgeschost zertrümmert und eine Tür nach der Destillation von Wilhelm Pape stark beschädigt. Die Situation war eine entsetzliche, denn im Nu brannten beide Lokale im Erdgeschoß und sämtliche angrenzenden Räume solvie die Hängeböden der sämtlichen Wohnungen bis zum Dach des vierstöckigen Hauses, die von dem Lichtschacht ihr Licht erhalten. Eine ältere Dame wurde derart vom Schrecken erfaßt, daß sie aus dem Fenster zu springen versuchte. Sie konnte von der Feuer- wehr zurückgehalten werden. Diese war in großer Stärke aus- gerückt. Die Ablöschung war innerhalb 1% Stunden beendet. Nach Annahme der Sachverständigen kann es sich nur um die Explosion 1 von Benzin und Spiritus handeln, die dort in größeren Mengen vorrätig gewesen sein niüssen. Der Inhaber der Britrifv<>r-/, Ubr»Kit. Seöffuet 7 Uhr. SonnodrndS deainnt dl« Gprechiinnde um S Uhr. Jeder Antrogr ist«in«nchsiade und eine gahl ol» Merizeiche» betzuiNgen. Briesltchr Antwort wird nicht rrtrilt. Vi» zur Vraniwortnng im Urieskafien können 1t Tage Vergehen. Eilige Fragen trag» man in der Sprechstunde vor. Ol. S. Ja. Nach§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist auch für die Zeit Lohn zu zahl-m. ln der der Arbeiter für eine verhältuiSmäsiig nicht erhebliche Zeit durch einen In seiner Person liegenden Grund(z. B. Kontroll» Versammlungen, WahlrechtSauSübung, Feuenvehrübuiigen usm.) ohne sein Verschulden an der Dienstleistung veihindert Md. Und zwar macht et leinen Unterschied, ob Zeitlohn oder ob AlloMohn vorliegt. Eine Per» einbarung, die den§ 6t6 euSschlteßt, halten wir auS allgemeinen Gründen und wegen Verstoße« gegen das Lobnbeschlagnahmegesetz für ungültig. — O. B. II. 1, Gehört daS Geschäft Ihrer Frau, so muß deren Namen am Laden angeschrieben werden. Es geht dann allein aus Rechnung Ihrer Frau. Wollen Sie ein Geschäst erössnen, so müssen Sie eS anmelden. Di« von Ihnen genannten Rcparaturai bellen kann Ihre Frau ebensallS auS» führen lassen. 2. Der Antrag aus Rückzahlung der Halste der gezahlton Beiträge ist an die Versilberungsanstalt zu richlen, für die aus der letzten Kart« geklebt ist. Der Antrag ist innerhalb eineS Jahres nach Abschluß der Heirat zu stellen. Zweckmäßiger ist es, weiter zu lieben. 3. Güter- trcnnung besteht auch ohne Vertrag, zweckmäßig»st es aber, vor oder nach der Ehe vor Gericht oder einem Notar einen Vertrag zu schließen, In dem das gegenseitige Vermögen anerkannt und seitens deS Ehe» mannes aus sein Nießbrauchsrecht vernichtet wird.— It. 8. Nein. Drei Tropfen flüssige Metall-Politur machen das schmutzigste Metall spiegelblank in Flaschen von 10 bis 50 Pf. Uebenll tu haben. Fabrik: Labszynski& Co., BERLlltf NO. IVr/an�ml Sie grktif* 195 1 fahatrGfainophonell�.�j�fty Künstlerische usüeund Sprech- Wandbilder. eLucher.vWMNWM� Barometer. LFerndUser*T PhotojrApparatc. i �Molinea Mandolinea Zieh-Harmonikas. Bandonions. Zithem etc. etc. Ipzigl Tegfelort- Restauranf Bellevue! 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Lebensmittel werden künstlich verteuert durch Einfuhrzölle und AuS» fuhrprämien und den vom Kalisyndikat diklierten Preisen will man durch Ausfuhrzoll eine Schutzmauer errichten. So kommen wir schließlich zu einem lückenlosen System der Liebesgaben für Profit macher. Wie hoch die Kapitalßrente in der Kaliindustrie ist, dafür einige Angaben: TaS von den Kuxenbesitzern der Gewerkschaft Bnr- bach eingezahlte Kapital beläuft sich auf 2'/« Millionen Marl. Rechnet man dazu noch'/, Million Mark Bauzinsen. so ergibt sich ein Anlagekapital vvn rund 8'/« Millionen Mark. Seit 1903 zahlt die Gewerkschaft Ausbeute und zwar insgesamt für fünf Jahre 2725 VOV M. oder fast das gesamte Anlagekapital. Ein anderes Beispiel: Die Gewerkschaft Glückauf-SonderShausen arbeitet mit 2 Millionen Mark von den Gewerken eingezahltem Kapital und 2 Millionen Mark Obligationen. Bon dieser Schuld sind bereits 54()tXX>M. aus lieber fchüssen getilgt worden, und dabei wurde in vier Jahren daS Anlagekapital mehr als zweimal als Ausbeute zurückgezahlt. Die Summe der gezahlten Ausbeute für die Jahre 1905. 1996, 1907 und 1908 beläust sich nämlich auf 4 375 000 M.. der Reingewinn für drei Jahre— 1905-1908— stellt sich auf«S75 000 M. Bei AuS beuten von 60—00 Proz.- hält die Regierung noch einen.Schutz' de? investierten Kapitals für notwendig, soll der Staat zum Nacht Wächter der Profitmacher bestellt werden. Den Arbeitcm uner« schwiuglich hohe Lebensmittelpreise, den Kapitalisten Riesengewinne. daS ist der Kurs der.Sozialpolitik' in Preutzen-Deutschland. Wer sein Geld nicht seh» kann liegen, Kauft Luftschiffaiticn und läßt eS fliegen i Frankfurt a. M., 16. November. I» der Wohnung beS Over» bllrgermeisterS Dr. AdickeS konstituierte sich heute die Deutsche Luft- schiffahrt-Akliengesellschaft mit einem Kapital von 3 Millionen Mark. Den Barstand bilden Direktor C o l S m o n n von der Luftschiff- bougesellschaft Zeppelin-FriedrichShafen und Rechtsanwalt Dr. Andrae. Dem AussichtSrate gehören eine Reihe Oberbürgermeister und Industrieller an.— Die Stadtveriretungeii, denen rn nächster Zeit die Errichtung von sogenannten Luftschiffhäfen zugemutet tvird. werden gut tun, das Perhältnis ihrer Oberhäupter zu der neu- gegründeten privaten Srwerbsgefelllchaf» zu prüfen. Freiheit der Arbeit. Wenn eS sich darum handelt, den Arveltern daS Koalitionsrecht illusorisch zu machen, dann faselt daS Echarfmachertum von.Freiheit der Arbeit". Alle Polizeiübergriffe gegen Streikende, jede Brutalität des maßregelnden Kapitals, die offenkundigste Klasseinustiz wird ge- rechtfertigt mit der zur Phrase gewordenen falsche» Anwendimg des sachlich berechtigten Grundsatzes von der Freiheit der Arbeit. Gerade die Freiheit wird von den schwarze Listen führenden. Zentral- maßregeliingSbureanS errichtende» Unternehmern in der schlimmsten Weist veriolgt, in Wirklichleit ausgehoben. Und auch gegen die Kon- kurrenz im eigenen Loger arbeilet man mit Boykott und dergleichen Mitteln bis zur Bernichtung oder unbedingten Unterwerfung des Gegners. Einen neuen Beitrag zu diesem Kapitel liefert das Kali- syndilat. Der.B-C.' berichtet darüber .Wie wir erfahren, hat das Kalisyndikat einen erfolgreichen Schlag gegen die Schmidtmann-Ernppe insofern geführt, als es dem Kalt Syndikat gelungen, ist die Elbvcrladeplätze sllr die Schmidtmaimschen Lieferungen zu sperren. Eine Verfrachtung aus der Weser kann für Aschersleben und Sollstedt wegen ihrer Unziiiänglichkeit nicht in Frage komnicn. Der EisenbahniranSport nach Hamburg aber wird erstens erheblich teurer und zweitens auch in bezug auf die Schwierige kcit der Wagengestellung für AscherSleben und Sollstedt nach teilig sein.' Und solcher, von keinem Staatsanwalt gehinderte TerrorlSmuS dient nicht etwa der Erhaltling der nackteil Existenz, sondern der Sicherung von 39—60 proz. Ausbeuten für das Kapital. Wer nur für das tägliche Brot kämpft und streikt, ist ein Ve- hinderer der Arbeitsfreiheil, wer für 50 Prozent Dividende terrorisiert, ist ein Schützer nationalen vermögen». Ja— wir leben in einer göttlichen Weltordnung._ Abnahme des FleisihkonsumS. Berechnen wir den Fleischkonsum Deutschlands unter Berück» sichtigung des monatlichen Bevölkerungszuwachses, so kamen im dritten Quartal dieleS JahreS auf den Kopf der Bevölke- rung nur 9,85 Kilogramm Fleisch aller Art, gegen rund 10 Kilo« gramm im BergkeichSquartal des Vorjahres. Für die ersten drei Quartale zusammen ergibt sich eine BerbrauchSmenge von 39,4 1 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung gegen 79.47 Kilogramm im vorigen Jahre. Bei den e i nz e l n e n Fleifchf orten gestaltete sich der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung im dritten Quartal in Kilogramm wie folgt: Rindfleisch....... Kalbfleisch....... Schweinefleisch..... Hammel- und Ziegenfleisch. Die einzige Fleischsorte, deren Konsum zurückgegangen ist, ist Schweinfleisch. also gerade die Sorte Fleisch, die in den minderbe- mütelten Bevölkerungkschichten am meisten konsumiert wird l Die Abnahme des Schweinefleischkonsums ist derartig heftig, daß das Plus, daS der Konsum der anderen Sorten zeigt, völlig ausgeglichen wird. In den ersten drei Ouartaken dieses Jahres erreichte der S ch w e i n e f l e i s ch k o n s u m überhaupt nur eine Höhe von 14,79 Kilogramm gegen 15,19 Kilogramm in der Paiallelzcit 1908. Ja, sogar hinter dem des Jahre? 1007 bleibt der Schweinefleischkonsum noch zurück, denn damals stellte er sich in den ersten drei Quartalen bereits auf 14.88 Kilogramm, also um 0,59 Kilogramm höher als dieses Jahr. Vermiudmlng der Selbstkosten. Der Abschluß der GutehoffnungShütte. Aktien verein für Verg» bau und Hüttenbetrieb in Oberhausen für 1903/1909 ergab einen Rohgeminn von 15 259 140 M.(i. B. 14 708 019 M.). Abschreibungen erforderten 5 103 883 M.<4 808 983 M.j. Einschließlich 218 884 M. <209 319 M.) Vortrag bcträgl der Reingewinn 6 938 733 M. fiEuit der Krise. Das sollten heiter sich für passende Fälle merken. Sozialdemokratischer Lese- Heute Bußtag keine Sitzung. Nächste Sitzung 1. Dezember. und DlSkutlerrlub„Karl Marx«. Amtlicher Marktbericht der ftSdtllchen Markthallen-Dlrektton Ober den Großhandel in den Zentral-Maektballen. Marktlage: Fl et Ich: stuwbr genügend, Geschält flau. Preise unverändert. Wild: Kiisiihr sehr knapp. GclchSIi lebhast, Prelle fest. Gellügel: Znsnbr in Gänsen genügend, sonst knapp, Geichäil ziemlich rege, Preise besrlcdlgend. Fische- Zusuhr mäßig. G-schäst lebhast, Preise anziehend. Butter und Käs«: Geschalt ruhig. Preis« sllr Butter steigend. Gemüse, O b ü und Süd- f r>> ch t«: Zusuhr genllgcnd, Geschäjt still, Preise wenig verändert. AMrlrauen! » AMerWer! j Die überragenden Vorteile unserer fertigen Anzüge; Sorgt für Bouillon im Hause! Bouillon ist ein billiges Kein Mittagessen ohne Bouillon I Nähr- u. Kräftigungsmittel 1 Arbeiterinnen! trinkt mittags zur Stärkung nur nahrhatte Bouillon! Srührs]Sraftkräk-Vir{ei ergibt in einer Minute vorzügliche und kräftigende Bouillon 1 Allgemeine Näiirmittel-Gesellscliaft Briiiil& Cia. Berlin SO. 16. ! i s i e S ö 1 i i Qhm&zXßwu Wohlschmechcndcs Chocola.ton-Ricinunttl- Prfiparat.— Milde, aber sicher wirkendes Abführmittel. Zn haben in Apotheken und Drogorion. 102/16* Enorm billiger Verkauf elegant. MonatSgarveroben früher 50-90 M.. jetzt 12— Ä8 M. 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