Kr.«70. BbonnementS'Bcdlngungen: BBonnementS- Preis pränumerando: Lierteljährl. 2�0 ffljf, monati. 1,10 Md., wöchentlich 22 Pfg. frei ins Haus. einzelne Nummer S Pig. Sonntags. nunimcr mit Muftrierler Sonntags. BcUage„Die Neue Well' 10 Psg. Post» Zlbonnemcnl: l.Ill Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.gcilungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ztuslani» 3 Marl pro Monat. PostabonncmenlS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. PorNigal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, vlcheim lZgilch SliIZtk dontas«. «6. Jahrg. Verlinev Volksltlntk. Die Insertion!»Lebllh? keKSgt sür die sechsgespaltene Kolollckd zcile oder deren Raum 50 Psg., fü« politische und gewerkschaftliche Vereins� und Versammlungs-Anzeigcn 80 Pfg> „Kleine Hnzeigen", das erste ffclt� gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort w Psg. Stellengesuche und Schlaf siellen-Anzeigcn da? erste Wort 10 Psg./ jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis SUHrnachmiltagS indcr Expedition «pgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SMlaldcmsliral ßcrllBt Zcntralorgan der fozi aldemohrat» fehen parte» Deutfcblands. Redaktton: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 19. November 1909. 6xpcdittom SM. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr» 1981. Der Vorentwurf zum neuen Strafgeletzbuch. 11. Ist Nr. 265 haben wir gesehen, wie sehr das Strafgesetz' buch an Wichtigkeit für die VerbrechenSbekäniPfung hinter einem wirklich sozialpolitischen Gesetzbuche zurücksteht. Aber auch wenn wir davon absehen, darf die relative Wichtigkeit eines Strafgesetzbuches nicht überschätzt werden. Viel wichtiger als ein Strafgesetz ist die Art seiner Handhabung, insbesondere die Tatsache, wer es auszulegen und anzu- wenden hat. Wie wir in dieser Beziehung in Deutschland daran sind. ist allen Parteigenossen bekannt. Nur eine hermetisch ab- geschlossene Kaste der Bevölkerung wird hier zum Richtei«mte berufen, eine Kaste, die aufgewachsen ist in den Anschauungen der herrschenden Klassen, die mit diesen lebt und strebt und an allen Ecken und Enden von ihnen abhängig ist. Wir wissen, daß es unseren Richtern selbst bei bestem Willen un- möglich ist, unparteiisch-zu sein, sobald irgendwie das Interesse der herrschenden Klasse in Frage steht. Freilich, die- Begründung des Entwurfs weist mit Ent- schiedenheit jedes Mißtrauen gegen den deutschen Strafrichter zurück. In dem lapidaren Stile des preußischen Staats; anwalts heißt es dort(S.- Xl):„Die Bevölkerung hat weder einen triftigen Grund zu einem solchen Mißtrauen, noch hegt sie es." Damit basta I Zur Beschwichtigung wird dann noch hinzugefügt:„Und wo es unberechtigterweise vorhanden wäre, müßte ihm durch die im Gebiet der Gerichtsverfassung bereits dem Reichstag vorgeschlagene.erweiterte Zuziehung desLaienelements jeder Boden entzogen werden." Nun ist es allerdings richtig. daß der erwähpte Entlvurf einer Strafprozeßordnung und Gerichtsverfassung— der übrigens insofern eine frappante Aehnlichkeit mit dem Vorentwurf zum Strafgesetzbuch hat, als beide Entwürfe sich' überall bemühen, ihre reaktionären Blößen durch ein möglichst modern schillerndes Gewand zu bedecken— eine Ausdehnung des Laicnrichtertums vorsieht. Aber zunächst, ist bei uns Laienrichtcrtum noch lange kein Volks- richtertum. Auch unsere Laienrichter sind siebenfach gesiebt, auf daß ja kein Unberufener die Kreise der bürgerlichen Rechts- pflege störe. Und dann: wenn wirklich mal ein Laienrichter- spruch den Machrhabern nicht gefällt, so bleibt ihnen ja noch der Appell an die zweite Instanz, die sich auch nach dem Ent- wurs der neuen Strafprozeßordnung und Gerichtsverfassung ausschließlich aus Berufsrichtern zusammensetzt. Wie verständnislos und feindselig unsere bürgerlichen Richter dem Emanzipationskampfe der Arbeiterklasse gegen- überstehen, dafür bringt die Gerichtschronik täglich Beispiele, Beispiele die uns klarmachen, wie sehr unser Programmpunkt: „Rechtsprechung durch vom Volk gewählte Richter" alle unsere übrigen strafrechtlichen Forderungen überragt. Bis zur Ver- wirklichung dieses Programmpunktes haben wir an jedes Strafgesetz mit äußerstem Mißtrauen heranzutreten. Wir haben uns bei der Prüfung der Annehmbarkeit eines solchen nicht zu fragen: wie ist es auszulegen? sondern: wie kann und wird es von den Feinden der Arbeiterklasse gegen dieselbe ausgelegt werden? Daraus geht schon hervor, daß von unserem Standpunkte aus ein Strafgesetzbuch keinen größeren Fehler haben kann als den der Dehnbarkeit seiner Be- stimmungen. Wie da unser Urteil lauten muß über den neuen Entlvurf, der, wie noch zu zeigen sein wird, nichts ist als in Paragraphenform gegossener Kaut- schul, und dem seine Väter selbst die„Elastizität" seiner Bestimmungen nachrühmen(S. X der Begründung), ist nicht schwer zu ergründen. Die deutsche Sozialdemokratie hat bereits zu den Fragen der Strafrechtsreform Stellung genommen. Auf dem Mann- heimer Parteitage hat sie sich nach dem trefflichen Referate des Genossen Haase dessen Thesen zu eigen gemacht. Es dürfte angebracht sein, che im einzelnen zu den Bestimmungen des neuen Entwurfes Stellung genommen wird, die dort formulierten nächsten Forderungen der Partei aus dem Gebiete des Strafrechtes ins Gedächtnis zurückzurufen. Als solche Forderungen werden in der genannten Resolution auf- gestellt: 1. Eintritt der Strafmllndigkeit frühestens mit dem vollendeten 16. Lebensjahre. 2. Beseitigung aller dehnbaren Bestimmungen aus dem Straf« gesetzbuch und scharfe Präzisierung der Strafvorschriften. 3. Beseitigung aller Strasbestimmungcn gegen die freie Meinungsäußerung und das freie künstlerische Schaffen sowie gegen die Bestrebungen auf Verbesferung der Lebenslage der Arbeiterklasse. Dagegen Schutz der Arbeiterklasse gegen Aus- beutung und Erweiterung des Notstandsrechts. 4. Aufhebung des Landesstrafrechtsvar, daß das Bürgertum es höchstens noch zur Bildung eines zweiten Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie, zur Aufstellung einer Junkerschutztruppe bringt. Dazu muß sich der Hansa- buiid mit Naturnotwendigkeit entwickeln. sofern er cS ernst nimmt mit dem Wort des Halleschen Zirkulars, daß ihm die nationalen Interessen allen anderen vorangehen. Denn bei der verheuchelten Auslegung, die das viel mißbrauchte Wort„national" im Zirkular und sonst erfahrungsgeinäß stets innerhalb der bürgerlichen Welt findet, bedeutet diese Deklaration, daß der Hansabund bei Käinpfcn zwischen Junker und Proletariat allemal auf die Seite der Junker zu treten hat! Der Hansabund als Jnnkcrschntztruppe, so endet das Kapitel von der Wieder- geburt des deutschen Bürgertums l lliKiiföDgliche Gnibcnftontrolle in Lschien. (Bttt sächsischen Berggesetznovelle.) Seit beinahe 20 Jahren fordern die organisierten Bergarbeiter. um eine gröbere Sicherheit in BergwerkSbetriebcn zu erreichen, Kontrolleure aus den Kreisen der Bergarbeiter, die durch ihre Kollegen in geheimer Wahl gewählt und deren wirtschaftliche Existenz gegen Mabregelungsgelllste der Bergbarone sicher gestellt wird. AIS im sächsischen Landtage 1907/09 das Berggesetz einer durchgreifenden Aenderung unterzogen wurde, machten die organi- sierten Bergarbeiter neben einer Reihe anderer Forderungen auch die nach Einsetzung von Arbeiterkontrolleuren-geltend. Sie drangen damit aber nicht durch, die Mehrheit des Landtag? und die Regierung folgten vielmehr den Bergwerksunternehmern, die laut gegen die Enibenkontrolleure aus Arbeiterkrsisen zeterten. Erreicht wurde nur die Einfügung eines Passus, woirach eS den Berg Werksbesitzern überlassen bleibt,„Bestimmungen hinsichtlich einer planmätzigen Zuziehung der Arbeiter zur Ueberwachung der Sicherheit des Betriebes in die Arbeits- ordnung aufzunehmen." Durch die furchtbare Grubenkatastrophe in Radbod, die sich zur Zeit der Beratungen über das sächsische Berg- gesetz ereignete, wurde einem Teile der Liberalen das Gewissen doch so weit geschärft, daß sie durch einen besonderen Antrag nachträglich die Bestellung einer ausreichenden Anzahl Gruben- kontrolleure durch Gesetz gefordert haben; die konservative Mehrheit st im»nie den Antrag aber nieder! Um die Spuren dieser empörenden Unternehmerpolitik etwas zu verwischen, forderten sie durch einen Antrag, der auch an- genommen wurde, die Regierung auf, die Bergwerksunternehmer dazu zu beivegen,„daß sie freiwillig, aber planmählg ihre Bergarbeiter zur Ueberwachung der Sicherheit deS Betriebes hinzuziehen". Daraufhin hat die sächsische Regierung alle Bergwerks- Unternehmer zu einer vertraulichen Besprechung eingeladen, um sie zur steiwilligen Einführung von Arbeiter- kontrolleuren aufzuforderir. Dabei holte sich die Regierung, wie sie jetzt in einer Denkschrift mitteilt, eine glatte Absage bei den Bergbaronen. Allen Gegenvorstellungen ungeachtet erklärten diese, daß sie Arbeiterkontrolleure nicht einführen würden. Nunmehr hat sich die sächsische Regierung entschloffen, die Ein« führung von Grubenkontrolleuren aus Arbeiterkreisen gesetzlich vorzuschreiben. Sie hat dem Land- tage auch bereits eine Gesetzesvorlage zu diesem Zwecke unterbreitet. Darin erklärt die Regierung unter anderein, daß.der Wunsch der Bergarbeiter, die in ihrem schweren Berufe ihr Leben und ihre Gesundheit dauernd in erhöhtem Maße aufs Spiel setzen, die Sicherheit ihrer Arbeitsstätten auch durch die Erwählten ihres Vertrauens prüfen zu lassen, nicht unbillig ist". Aber die Art, wie die Regierung die Arbeiter kontrolleure in den Gruben gesetzlich stellen will, entspricht den Ansprüchen und den Forderungen der Bergarbeiter in keiner Weisel Das Ganze ist eine klägliche Halbheit, die deutlich zeigt, wie ängstlich man auf die Unternehnwrinteressen Rücksicht genommen hat. Räch der Regierungsvorlage soll dem sächsischen Berggesetz folgender Passus eingefügt werden: Auf Bergwerken, auf denen in der Regel mehr als 30 Arbeiter unter Tag beschäftigt werden, sind die Grubenarbeiter zur Ueber- wachung der Sicherheit des Betriebes planmäßig zuzuziehen. Zu diesem Zivecke sind von ihnen aus ihrer Mitte so viel SicherheitS- männer zu wählen, daß auf höchstens 300 Mann der untertägigen Belegschaft mindestens ein Sicher heitsmann und ein Stellvertreter kommt... Die Sicherheitsmänncr. dürfen von der Wahl bis zum Ablauf ihrer Wahlperiode ohne Kündigung nur beim Vorliegen eines gesetzlichen Ent- lassungSgrundes, im übrigen aber nur beim Vor- liegen eines wichtigen Grundes und in diesem Falle nur unter Einhaltung einer vierzehntägigen Kündigungsfrist aus dem Arbeitsverhältnis entlassen werden. Durch Verlegungen an andere Arbeitsstätten erlischt das Amt nicht. Ein solcher Sicherheitsmann mutz mindestens 30 Jahre alt fein und ftinf Jahre unter Tage als Bergmann und davon mindestens drei Jahre als Häuer oder Zimmerling gearbeitet haben und außerdem mindestens ein Jahr in dem Betriebe beschäftigt ge- Wesen sein. Eine Wiederwahl fürtdie nächsten z w.e i Wahlperioden ist unzulässig. Diese Art Grubenlontrolle durch Arbeiter, die die sächsische Re- gierung einführen will, wird und mutz wertlos bleiben. Der SicherheitS mann soll zwar durch die Belegschaft geheim ge- wählt werden, die Wahlhandlung leitet aber die WcrkSverwaltung. Das schlimmste aber ist,'daß der Arbeiterlontrolleur völlig ab- hängig bleibtvom Grubenbesitzeroder Werksdirektor. Nimmt er feine Aufgabe ernst, wird er dem BergwerkSunteruehmer bald unbequem werden. Dann aber findet sich leicht ein nichtiger Grund, den unbequemen Kontrolleur auf dieStratze z u setzen. Die Zivirnsfäden im RegicrungSpassus werden die Maßregelungswut der Unternehmer nicht iin geringsten einschränken. Gerade die sächsischen Bergwerksunternehmer sind darin die schlimnisten. Operieren sie doch sogar gegen Vertreter der Knappschaftskassen brutal mit der Hungerpeitsche. Noch wertloser wird die ueugeplante Einrichtung auch durch die Bestimmung, wonach der Arbeiterlontrolleur nur in Begleitung eines Steigers oder Obersteigers die Besichtigung der Grube vornehmen darf, und eine solche in der Regel nur einmal iin Monat vor- genommen werden darf. Aus alledem ersieht man, daß auch die neueste Ergänzung des sächsischen Berggesetzes statt einer wirklichen Arbeiterkontrolle in den Gruben nur eine wertlose Dekoration schafft. Die sozial- demokratischen Abgeordneten des sächsischen Landtages werden natür« lich alles aufbieten, eine den Anforderunge» entsprechende Gruben- kontrolle in Sachsen durchzusetzen. ller vettsisungzllsmpf in Cngland. Nach der Abstimmung des Oberhauses über das Budget wird Premierminister A s q u i t h, einer begründeten An- nähme zufolge, im Unterhause eine Resolution ein- bringen, welche das Vorgehen der Lords verurteilt und erklärt, das Unterhaus habe allein das Recht, sich mit Stcuerfragei» zu beschäftigen, und der Versuch der Lords, die Auflösung des Parlaments zu erzwingen, widerspreche der Ver- f a s s u n g. Man wird den Gegenstand sodann, wie ferner angenommen wird, auf eine Woche zurückstellen und ihn wahr- scheinlich in Konferenzen der Parteiführer weiter verfolgen, um inzwischen die weniger strittigen Steuern rechtskräftig gu machen. Die Ankündigung Lansdownes steht natürlich im Mittel- Punkt aller politischen Erörterungen. Von ministerieller Seite liegen zunächst zwei Acußcrungen vor. Auf eine Einladung, in Versammlungen in Lancashire und Cheshire zu sprechen, um der dort einsetzenden umfassenden konservativen Kampagne entgegenzutreten, hat der Handelsminister Churchill mit einer Kundgebung erwidert, worin er die Einladung freudig annimmt. Er habe schon längst das Gefühl, daß Lancashire entscheidenden Einfluß in dem Konflikt habe.» Die Schutz» Zollpolitik wäre der Ruin der Baumwollindustrie. Die Annahme der Resolution Lansdowne durch das Volk würde eine überwiegende Machtstellung der Lords im Staate bedeuten, denn wenn die Lords ihr Recht auf eine Kontrolle der Finanzen des Königsreichs durchsetzen sollten, würden sie dadurch in die Lage kommen, das Budget, falls ihnen dieses nicht paßt, alljährlich über den Haufen zu werfen und von der Krone die Auflösung des Parlaments zu er- zwingen. Ein solches Resultat wäre für die englische Demokratie geradezu verhängnisvoll. Der Kundgebung Churchills ist gestern eine Sitzung des Kabinetts vorausgegangen. Die zweite Antwort hat der Unterrichtsminister R u n c i- man den Lords erteilt. In einer Rede in Hull sagte er, der Antrag bedeute ein E r e i g n i s. das in den letzten 3CK) Jahren ohne Parallele dastehe. Im Namen der Regierung er- kläre er, daß diese auf dem Gebiete der Finanzen mit den Lords nidyts zu tun haben könne, daß das Unterhaus das Finanzgesetz beschließe, und daß es unbedingt bei der Weigerung bleiben müsse, auf Grund irgend- welcher Steuern oder irgend einer Klausel ein Kompromiß abkuschließen. Die Lords hätten kein größeres Recht, das Gesetz zu verwerfen, als die Krone, ihre Zffstimmung zu verweigern. Aber auch die konservative Gegenagitation hat mit voller Stärke eingesetzt. Der Führer der Konservatit�n, B a l f o u r, suchte in einer Rede in Manchester der liberalen Kampfparole: Gegen die Lords, den Ruf: Für Schutzzollpolitik entgegenzu- setzen. Er sprach sich nachdrücklich für eine Tarifreform mit Vorzugszöllen für die britischen Kolonien aus. wobei er sich bemühte, die Befürchtung zu zerstreuen, daß die Einführung einer Tarifreform der Baumwollindustrie von Lancashire durch Verteuerung des Lebensunterhalts der arbeitenden Klassen zum Schaden gereichen könnte. Einer Maßregel, die eine solche Verteuerung im Gefolge haben könnte, würde er niemals zustimmen. Durch eine Tarifreform würden die Baumwollen- und anderen Industrien nicht nur nichts ver- lieren, sondern sogar gewinnen, und zwar erstens dadurch, daß durch eine Tarifreform eine günstigere Position für den Abschluß von Handelsverträgen geschaffen würde, waS auch in Deutschland seinerzeit benutzt worden sei, um England aus Märkten, die einst diesem gehörten, zu verdrängen und zweitens durch die VorzugstZölle für die Kolonien. Die Frei- Händler wies Balfour darauf hin, wie gut Deutschland und Amerika unter hohen Schutzzöllen gefahren seien und mahnte sie, diesen Erfahrungen Rechnung zu tragen. Die Annahme des Budgets würde dagegen auf alle großen Industrien eine vernichtende Wirkung ausüben. Zum Schluß verteidigte Balfour das Recht der Lords, in solchen wichtigen Angelegenheiten an das Volk zu appel- lieren. in denen es wünschenswert sei, daß dieses seinen Willen erkläre. Die Hauptaufgabe der Zweiten Kammer sei es, daranf zu sehqn, daß die Regierung eine Regierung des Volkes sei und daß das Volk nicht verraten werde durch eine überhastete, unbesonnene Gesetzgebung. Was immer der Aus- gang des Vorschlages LansdowneS, das Volk als Schieds- richter anzurufen, sein werde, er werde gerecht sein. Die Presse äußert sich natürlich ihrer Parteistellung ent- sprechend. Die konservativen Blätter sind begeistert über die geschickte Abfassung des Antrages Lansdowne und erklären, es sei keine Rede davon, dem Willen des Volkes ein Veto aufzuerlegen, sondern der Antrag bekräftige bloß den Grundsatz, daß das Volk herrsche. Die liberalen Blätter hingegen bezeichnen den Antrag als ein« KriegSerklä- r u n g und betonen, A S q u i t h dürfe keiner Anregung folgen, Unterhandlungen anzuknüpfen, die bezwecken würden, ein provisorisches Budget anzunehmen, welches die den Lords unangenehmen Steuern nicht enthalten würde. Die unge- brochene Tradition ungezählter Generationen, sagen diese Blätter weiter, und die von konservativen Parteiführern seit 300 Jahren abgegebenen Erklärungen sollen jetzt mit Füßen getreten werden, um die unheilvoll st e Revolution derenglischen Geschichte hervorzurufen. Da? Haus der Lords stehe da als schamloser und selb st such» tiger Verteidiger der Privilegien deS Grundbesitzes und 5er Alkoholinteresfenken sowie als Vorkämpfer der Besteuerung her Nahrungsmittel. poHtifcbc dcberHcbt. Berlin, den 18. November 1909. Der ReichshauShalt für das Etatsjahr 1910/11. Der dein Bundesrat vorgelegte ElatSentwurf schließt in Ein- nähme und Ausgabe nüt 2 660 305 450 M. ab, das siud 6 358 SSI M. mehr als im laufenden Etat. Fortlaufende Ausgaben: Reichstag 1 997 755 M. Reichskanzler und ReicbSkanzlei 314470 M.(-s- 50 M.). Auswärtiges Amt 18 502 788 M.(4- 469 735 M. Reichsamt des Innern 82 642 272 M.(4- 3 280 940 M.). Reichsheer 709 237 910 M. l4- 13 805 401 M.j. Reichsmilitärgcricht 609 585 M.(— 13 761 M.). Kaiserliche Marine 156 071297 M.(4- 11010 274 M.). Reichsjustizverwaltung 2 674 865 M.(4- 27 587 M.), ReickiSschatzamt 230 157 012 M.(4- 25 244 700 M.). ReichSkolonialamt 2 878666 M.(-f 132 022 M.). ReichSeisenbahnamt 485 645 M.(— 2775 SD?.). Reichsschuld 215 683 457 M.(4- 18 893 408 SD?.). Rechnungshof 1 300 512 M.(4- 15 290 SD?.). Allgemeiner PeusiouSfond 118 361736 SD?.(4- 2 596 235 SD?.). ReichSinvalidenfondS 33 671 237 M.(— 1 554 930 SD?.). ReickSpost- und Telegraphenverwaltung 625 173310M.(4* 1685931 SD?.)- ReicliSdrnckcrei 8 543745 SD?.(4- 434 620 SD?.). ReichSeissnbahnen 101 440 810 M.{— 507 440 SD?.), Einmalige Ausgaben: Auswärtiges Amt 856 000 M.(— 321 498 M.). ReilbSanit deS Innern 1733 221 M. 1324 026 SD?.). Reichspost- und Telegraphenverwaltung 15 854 667 SR. (- 34 958 003 SD?.). ReichSdruckerei 277 084 M.(4- 126 670 M.). Reichsheer 75 721 384 SD?.(— 41 914 321 M.). Reichsmilitärgericht 630 790 M.(— 256 640 SD?.). Kaiserliche Marine 171 747 874 SD?.(4- 13 796 820 SD?.). Reichsschatzamt 21397 212 SD?.(— 5 261497 SD?.). Reichskolonialamt 22 628 213 SD?.(— 2 556 966 SD?.). Reichsschuld 5 775 000 M.(4- 5 775 000 M.). RejchSeisenbahnen 4 905 470 SD?.(— 671900 SD?.). Beamtenbeihilfen, einmalige für 1908 27 006 463 M. Einnahmen: Zölle. Steuern, Gebühren u. Abfindungen 1441 620 VOO SD?. Reichspost- und Telegraphenverwaltung. 693008 325„ ReichSdruckerei.......... 13376 000„ Reichseisenbahnen......... 122 319000„ Bankwesen........«.. 16 482000„ BerwaltungSeinnahmen....... 71 606 482„ ReichSinvalidenfondS........ 33998 997„ SuSgleichungSbeträge........ 39 382 606„ vkatrilularbeiträge>......... 228612000„ Außerordentliche Ausgaben: SieichSamt deS Innern....... 23000000 M. NeichSheer............ 22 499 100„ Marine............. 113 321 469„ Reichspost- und Telegraphenverwaltung. 25 000000„ RrichSeisenbahnen......... 7 498 700„ Außerordentliche Einnahmen: Im einzelnen, nicht spezifiziert.... 89063341 SP?. Anleihe... 152 255 928 M. La>ldsberg-Toldin für Halle! Die Junker wollen dies schöne Geschäft mit dem deutschen Freisinn machen. Da die Konservativen in H a l l« für den f r e i» sinnigen Kandidaten stimmen, so verlangen die ko»- servativen Blätter, daß die Freisinnigen den konservativen Kanin» baten in der Stichtvahl zu LandSberg-Soldin herauspauken sollen. Die Junker haben dabei die Vorhand. Me Stichwahl in Lands- berg-Soldin ist am 22. November, die Wahl in Halle aber erst am 26. November. Lassen also die Liberalen am 22. November die Junker in LandSberg-Soldin durchfallen, so revanchieren sich die Junker am 26. November in Halle. Die Situation ist sehr un- angenehm für den Freisinn, namentlich für den in Halle, dem dos SD?andat offenbar höher steht als die politische Pflicht, jede Stäc- kung der junkerlichen Reaktion zu verhindern. Der Borsitzende des Verein sderLiberalen in Halle, der Rechtsanwalt Dr. Hertzfeld, hat in dieser Not folgendes dringende Telc- gramm an den Vorsitzenden der liberalen Partei in Landsberg- Soldin gerichtet: „Bei der hiesigen ReichStagLwahI sind die Konserba- tiven und die Äündler bisher entschieden für den Frei- sinnigen eingetreten. Es ist für uns dringend erwünscht, daß sich die dortigen Liberalen offen für den konserva- tiven Kandidaten H o l t sch k e erklären, da sonit unser hiesiger Kandidat gefährdet ist. Die Wahl findet hier am 26. November statt. Hertzfeld, Lorsitzender des Vereins der Liberalen." Angesichts dieses Telegramms, das die offene Proklamierung des reinen Mandatschacherö ohne jede Rücksicht auf politische Grundsätze und Situation bedeutet, mutet eS fast als eine Manne:- tat an. wenn die Liberalen von Landsberg trotz de» Telegramms beschlossen haben, an dem Entschluß festzuhalten— keine Parole auszugeben, sondern jedem liberalen Wähler die Abstimmung frei- zugeben. Das„Berk. Tagebl." bedauert das Telegramm des Hallenser freisinnigen Partcichefs um so mehr, als es noch sehr fraglich sei, „ob eS in Halle möglich ist, den liberalen Kaixdidaten, auch mit agrarischer Unterstützung, durchzubringen'. Das ist eS in der Tat. und die Bereitwilligkeit des Hallenser Freisinns zu dem Geschäft: „LandSberg-Soldin für Halle" wird die Chancen dcS Freisinns in Halle sicherlich nicht verbessern. WahlrechtSkampf in Hessen. In Hessen ist schon seit einer Reihe von Jahren eine Be wegung für das direkte Landtagswahlrecht im Gange. Im Jahre 1901 legte die Regierung den Kammern einen Entwurf vor, der an Stelle des Wahlmännersystems das direkte Wahl- recht vorsah, allerdings verbunden mit allerlei verschärfte» Kautelen, die insbesondere das Wahlrecht der Arbeiter einschränkten. Dieser erste Entwurf scheiterte am Widerstand der Ersten Kammer, wie zwei weitere gleiche Vorlagen, die im Laufe der Jahre den Landtagen vorgelegt wurden. Die Erste Kainmer wollte nur dann dem gleichen Wahl recht zustimmen, wenn ihre eigenen Rechte dermaßen er- wettert würden, daß sie die Annahme einzelner Budget- Posten oder auch Steuergesetze verhindern könnte. Man ver- langte also für das direkte Wahlrecht erweiterte Herrenrechte. Die Zweite Kammer war bis zum vorigen Jahre hiermit nicht einverstanden. Als die Regierung es trotzdem wagte, eine Vorlage einzubringen, die der Ersten Kaminer größere Rechte einräumte, gab es einen allgemeinen Entrüstungsstnrm in der Zweiten Kammer. Inzwischen ist eine Wandlung in der nationalliberal- ultramontan- bauernbündlerischen Mehr- heit vor sich gegangen. Man hat sich mit den Wünschen der„PairS" befreundet und ist jetzt bereit, die Konipetenz der Ersten Kammer auf Kosten der Rechte der Volksvertretung zu erweitern. Die Wahlrechtskonmüssion der Zweiten Kammer hat sich im wesentlichen mit der Ne- gierungsvorlage einverstanden erklärt. Das Plenum wird sich also demnächst mit der Vorlage zu beschäftigen haben. Wenn die vorliegende Wahlrechtsreform Gesetz werden sollte, so würde Hessen erheblich hinter Baden, Bayern und Württem- bcrg zurückstehen. Das hessische Volk verdankt diesen Zustand dem Einflüsse der vom Freiherrn von Hehl geführten Ersten Kanimer und der jämmerlichen Rückgratlosigkeit seiner gegenwärtigen Volks- Vertretung. Die sozialdemokratische Partei beabsichtigt, in eine energische Protestbewegung gegen die Vorlage einzutreten. Ende November oder Anfang Dezember sollen im ganzen Lande Proteftversammlungen abgehalten werden. Die Gemeinheit von Halle. Für den Skandal der amtlichen Wahlbeeinflussung, den der Senat der Universität Halle verübt hat, ist natürlich in erster Reihe der Rektor verantwortlich. Der Mann heißt August Finger und ist Professor für Strafrecht. Da der Herr bisher nicht gerade sehr bekannt war, wählte er diesen Weg, sich einer weiteren Oeffentlichkeit vorzustellen. TaS ist allerdings bequemer, als durch wissenschaftliche Arbeiten sich einen Ruf zu schaffen. Auch sonst wird man unter dem Hallenser Professorenkollegium 'nicht gerade eine Ueberzahl berühmter Namen finden, eS sei denn die einiger Dozenten, deren B ä t e r oder Onkel den Namen be- rühmt gemacht haben. Doch sind immerhin einige Ausnahmen zu verzeichnen. Da möchten wir in erster Linie Rudolf Stammler nennen, den ein sehr interessantes Buch„Wirtschaft und Recht nach der materialistischen Geschichtsauffassung" bekannt gemacht hat. Prof. Stannnler bekämpft zwar die materia- listische Geschichtsauffassung, aber er sucht mit anerkennenswerter Objektivität zu einem richtigen Urteil über den Marxismus, dessen hohe Bedeutung für die Sozialwissenschast er anerkennt, zu gelangen. Er selbst vertritt in soziologisch gewendeter Fassung die Kantsche Ethik, als deren Ausfluß der jüngste Beschluß der Halleschen Universität Wohl kaum anzusehen sein dürfte. Man darf da doch fragen, ob der Verfasser der„Lehre vom richtigen Recht", an dieser Entscheidung einseitigster Parteinahme mitgewirkt hat, ftagen auch, ob er nicht selbst das Gefühl hat, daß ein Protest gegen diesen Beschluß für ihn kategorischer Imperativ wäre, soll seine Lehre einer sozialen Ethik durch sein eigenes passives Verhalten in nicht wieder gut zu machender Weise konipromittiert werden. Unter den Professoren von Halle begegnen wir noch dem Juristen Edg. L o e n i n g und den Nationalökonomen I. Conrad und Hcinr. W a e n t i g. Auch diese Herren waren bisher durch ein gewisieS Streben nach Objektivität vorteilhaft ausgezeichnet. Auch ihre Mitwirkung an dem Beschluß muß stärkstes Befremden wecken. Denn dieses politische Hervortreten, das so ganz den Standpunkt des Reichsverbandes oder der großindustriellen Scharfmacher als der politischen Professorenweisheit letzten Schluß erkennen läßt, zerstört allerdings in denkbar gründlichster Weise den Anspruch, als würden deutsche Professoren die Wissenschaft anders denn als Interessen- Vertreter der herrschenden Klasse betreiben. Der letzte deutsche H o ch s ch u l l e h r e r t a g. der mit so viel Eifer für die Freiheit der Wissenschaft von politischer Bevormundung eintrat, hat jetzt das stärkste Dementi erfahren. Denn indem sich die Professoren freiwillig zur politischen Knüppel- garde der herrschenden Klasse hergeben, lassen sie diesen Kampf als völlig überflüssig erscheinen. Mit solchen Leuten ist die preußische Regierung so zuftied'en, daß sie nicht erst Bevormundungsversuche zu unternehmen hat. Wir sind nur neugierig, was der nächste Hochschullehrertag über diese Kollegen zu sagen haben wird._ Der Gewaltakt der Zechenbefitzer. Die Errichtung deS Zwangsarbeitsnachweises für die Bergarbeiter im R u h r r e v i e r soll trotz aller Proteste der Arbeiter nun doch durchgeführt werden. Das Unterdrückungs- institut soll mit dem t. Januar in Kraft treten. Die Zentral- stelle soll in Essen a. d. Ruhr errichtet werden, Zweigstellen in Hamm i. W., Kamen, Dortmund, Lütgendortmund, Witten. Herne, Bochum, Rcckling hausen, Gelsen- kirchen, Essen, Oberhausen. Gladbeck, Buer, Moers und Sprockhövel.— Die Gewaltmaßregel bedeutet eine schwere Provokation der Bergleute, die Aufregung unter ihnen ist groß._ Der bayerische Landtag und die ReichsversicherungS- ordnung. München, IS. November. Anträge, in der vorigen Session gestellt und heute verhandelt. gaben den Parteien und dem Minister des Innern Anlaß, über die Reichsversicherungsordnung sich auszusprechen. Genosse Dorn begrüßt im Prinzip den Gedanken und Versuch, durch Zusammenlegung der ArbeiterversicherungSgcsetzgebung eine Ver- einfachung und Verbilligung deS Versicherungswesens herbeizuführen. Er weist aber nach, daß der erste Entwurf einer Reichsversicherungsordnung weder einfach noch übersichtlich fei und befürchtet aus guten Gründen, daß die neue Organisation anstatt eine Verbilligung eine Ver- teuening bringen werde. Er verlangt für den Bezug der Altersrente die Herabsetzung der Altersgrenze von 70 auf LS Jahre und konstatiert, daß Klagen über den Vollzug der Gesetze geführt werden. Auch der ZentrumSabgeordnete Schmidt bedauert, daß im Bollzuge der soziale Geist fehle, und beweist die Behauptung durch Beispiele aus der Praxis. Sein Parteifreund Königshauer begrüßt die Ausdehnung der Versicherungspflicht auf die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter, spricht sich wie Dorn gegen die Halbierung der Krankenkassenbeiträge aus, verlangt die Erhaltung der Selbst- Verwaltung und des Rekurses als letztes Rechtsmittel. Der Minister des Innern konstatiert zunächst, daß die ReichSversicherungSordnung zurzeit umgearbeitet und sodann an den Reichstag gelangen werde. Von einer Zurückziehung sei keine Rede. Uebcr daS Reformbedürfnis bestehe Einigkeit, über die Art der Reform seien die Ansichten verschieden. Die Schaffung einer emheit- lichen Organisation sei sehr schwierig. Sicher ist, daß fie nach dem Vorschlag der ReichSversicherungSordnung sehr teuer käme und daß sie in beziig ans Ucbersichtlichkeir und Klarheit nicht befriedige. Die Schaffung deS einheitlichen Unterbaues geschieht voraiiSsichilich bei den Bezirksämtern. Die bayerische Regierung ist dafür, daß der Rekurs beibehalten wird, ist aber gegen eine Fixierung der Alters- grenze aus LS Jahre, weil sie zu viel Geld— L8'/z Millionen kosten würde. Die Regierung ist auch für die Halbierung der Krankenkaffenbeiträge. Die Entscheidung über diesen Punkt sei im neuen Entwurf noch nicht gefallen. Kommunalwahlen. In F L r st e n b e r g a. O. siegte in der S t a d t v e r o r d n e t e n- Stichwahl der sozialdemokratische Kandidat mit 169 gegen ISS Stimmen. In der Gemeinde Noithausen sKreis Essen) erhielt die Sozialdemokratie vor drei Jahren 4Sg Stimmen in der dritten Abteilung, diesmal 635, die Gegner 679 Stimmen. Auf diese Stiinmeiizahl kamen die Gegner nur infolge gröblicher II»- gesetzlichkeiten, die zur Kassierung der Wahl führen müssen. — Bei einer Ersatzwahl der dritten Aotcilung, die Montag und Dienstag siatlfand, erhielt unser Genosse 6S3, die Gegner 622 Stimmen. ES zieht damit der erste sozialdemokra- tische Gemeindevertreter in den Rotthausener Gemeinde- rat ein. Bei der Gemeindewahl in Zwötzen sReuß j. L.) wurden die von, sozialdemokraiischen Wnhlkomitee aufgestellten neun Kan- didaten gewählt. J�tzt hat die Sozialdemokratie die große Mehrheit im Gemeinde rat. Die Gegner haben schon seit Jahren keine Kandidaten mehr bei Wahlen aufgestellt. In Triebes iRenß j. L.j wurden vier Sozialdemo- kraten und vier bürgerliche Gemeindevertreter gewählt. In Homburg v. d. Höhe stiegen die sozialdemo- k r a t i s ch e n Stimmen in der dritte» Wählerklasse außer- ordentlich. Die vereinigten Gegner brachten eS auf 317—323 Stimmen, die Sozialdemokralen auf 234— 266. Ist auch kein Mandat errungen, so ist dock diese hohe Stimmenzahl in der ganz von den reichen Geldleuten abhängigen Kur- und Bäderstadt sehr bemerkens- wert. Der Wahlakt ist öffentlich. Erfolgreiche Beschwerde. Wir berichteten dieser Tage über die Bemühungen eines Rix- dorfer Zigarreuarbeiters. eine Unterftützuiig aus dem Vierinillioneii- Fonds zu erhalten. Auf Anraten der Organisalion wandte er sich an den Präsidenten zu Berlin. Folgendes Schriftstück erhielt der Petent am 15. November abends zugestellt: „Ihr Anspruch auf Unterstützung wegen Arbeitslosigkeit während der Zeil vom IS. August bis 13. November 1969 ist an« erkannt worden. Auf Grund des Artikels 2a deS Gesetzes vom 15. Juli 1909 wegen Aenderung des TabaksteuergesetzeS bewillige ich Ihnen daher wegen Arbeitslosigkeit eine einmalige Unterstützung von 190, 4S M. lEinhundertneunzig Mark 45 Pf) Gegen vorschriftsmäßige Quittung können Sie diesen Betrag wahrend der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags bei unserer Zollkaffe hier, Hermannstr. 1—3, in Empfang nehmen. Köhler." Die Beschwerde an den Präsidenten der Oberzolldirektion in Berlin wurde am 12. November früh zur Post gegeben; mit Datum vom 13. November war dieser Bescheid schon erteilt worden. Immer- hin hat die Erledigung der UnterstützungSsache ein volles Vierteljahr gedauert._ Aus dem sächsischen Landtage. Die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten sächsischen Ständekammer hak einen Antrag eingebracht, wodurch sie die Einsetzung einer besonderen Deputation für soziale Angelegenheiten fordert. Die Nationalpole« und die Wahl in Halle. Herr Franz K r y s i a k. Chefredakteur und Vorsitzender des Polnischen Politischen Komitees für Berlin. Brandenburg, Sachsen und Pommern, sendet uns eine Zuschrift, die er als eine Be- richtigung auf Grund des Z 11 des Preßgesetzes bezeichnet. Sie ist es zwar nicht, aber wir nehmen natürlich keinen Anstand, den wesentlichsten Teil des Schreibens hier wiederzugeben. Herr Krhsiak bezieht sich auf den Bericht über eine Wahl- Versammlung der Naiionalpolen zu Halle in der Nr. 264 des„Vorwärts", worin die Nationalpolen, die dort be- kanntlich einen eigenen Kandidaten ausstellen wollen, als Helfer des Freifinns bezeichnet werden und die Mlitmoßung ausgesprochen wird, daß daS Geld für dieses Beginnen vom Hansabunde stamme. Herr Krhsiak erklärt dagegen, daß er die Versammlung einberufen habe als Vorsitzender des Polnischen Politischen Komitees für Brandenburg, Sachsen usw.. weil nach dem neuen Vereinsgesetz es den Polen nur während der Wahlzeit ge- stattet sei, ihre Versammlungen in ihrer Muttersprache abzuhalten. Die polnische Kandidatur sei in der Versammlung einstimmig be- schloffen worden, nicht von bloß zwei Dutzend Anwesenden, wie der „Vorwärts" behauptet habe. Die Aufstellung sei erfolgt aus Grund des Statuts des Polnischen Zentral-Wahlverbandes in Deutschland mit dem Sitz in Posen, welches die Anhänger der nationalpolnischen Partei verpflichte, bei den ReichStagswahlen in der Hauptwahl für ihre eigenen nationalen Kandidaten zu stimmen— erst in den Stichwahlen dürfen Kompromisse geschlossen werden. Herr Krhsiak teilt das mit, um zu beweisen, daß eS ihm und seiner Partei nicht in den Sinir komme, dem Freisinn Helfcrsdienste zu leisten, dem sie die Knebelung ihrer Sprache in den Versammlungen verdanken. Er erklärt es ferner für eine grobe Beleidigung, anzunehmen, wie es jener Bericht des„Vorwärts" tat, daß eS offenbar daS Geld des Hansabundes fei, mit dem diese feine Sache gemacht werden solle. Die Nationalpolen stünden im schärfsten Gegensatz zum Hansabunde. Es freut uns, daß die Nationalpolen also mit dem Hansabunde nichts zu tun haben, noch zu tun haben wollen. Wenn aber Herr Krhsiak die Tatsache, daß mehreren polnischen Soziali st en in der Versammlung das Wort verweigert wurde. abtun will mit der Erklärung:„Die Nichterteilung des Wortes in unseren Versammlungen an Personen, die nicht zu unseren nationalen Organisationen gehören und unsere Wahl- behörden nicht anerkennen, beruht auf einer unS alle verpflichtenden grundsätzlichen Bestimmung"� so beruhigt unS diese skandalöse „grundsätzliche Bestimmung" über alle Unbill, die wir durch unseren Hallenser Bericht der Partei der Naiionalpolen angetau haben. Man muß wiffe», mit welchen ReichSverbandSmitteln dir Nationalpolen die Sozialdemokratie zu verleumden pflegen, um die ganze Ge- meinheit ihrer„gruiid'ätzlichen Bestimmung", daß niemals einem Sozialdemokrate» das Wort zur Widerlegung gegeben werden darf, zu ermessen._ franhmch. Eine Budgetrede Jaurös. Pari?, 18. November. Die Deputterrentaiauler fetzte heute ihre Beratung über das Budget fort. I a u r c S schrieb die Erhöhung der europäischen Staatshaushalte den Ausgaben für militärische Zwecke zu, die ihrerseits wieder in der eng- lisch-deutschen Rivalität beg rundet seien. Er glaube jedoch an eine freundschaftliche Lösung dieser Rivalität, denn Deutschland würde im Falle eines bewaffneten Konfliktes seine Flotte und seil e wirtschaftliche Machtstellung aufs Spiel setzen, und England würde Gefahr laufen, daß es in seinen Kolonien zu Aufständen käme. Redner wies sodann auf die Pro- teste des deutschen Bürgertums gegen die Steueraufschläge und auf den englischen Budgetkonflikt hin und sagte, er schließe aus diesen beiden Tatsachen, daß sowohl England als Deutschland Jntereffc an der Aufrechtorhaltung deS Friedens hätten. Dennoch müsse Frankreich wachsam bleiben, denn eine abenteuer- lustige alldeutsche Minderheit träume davon. Frankreich im Falle eines Krieges als Geisel zu benutzen. I a u r e s sprach sich sodann anerkennend über die würdige, fried- fertige Haltung der französischen Politik aus und gedachte lobend Elsaß-Lothringen. das mehr als dreißig Jahre lang davon ge- träumt habe, die Ungerechtigkeit, durch die es deutsch geworden sei, werde wieder gut gemacht werden; daS aber darauf ver- zichtet habe, feine Befreiung von der Gewalt der Waffen zu erwarten, und an Stelle dessen den mutigen Entschluß gefaßt habe, Achtung vor seiner Eigenart zu fordern; es wolle innerhalb seiner Grenzen seine eigene PHbsiognomie bewahren, in dem Bewußtsein, daß sich Frankreich und Deutschland vielleicht eines Tages über Elsaß-Lothringen hinweg die Hände reichen würden. Zum eigentlichen Budget forderte JaureS, man solle die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer vollständig dem Altersversorgungsfonds der Arbeiter zuweisen; man solle ferner ein A l k o h o l m o n o p o l schassen und die Einkommensteuer einführen. Lelgslen. Die Entscheidung der Militärfrage. Brüssel, 17. November. Die Kammer trat heute in die Spezialberatung der Heeresreform ein. Die Tribünen waren überfüllt. Bis auf acht Deputierte war die Kammer voll- zählig versammelt. Es herrschte Bewegung wie in den großen Tagen der Wahlreform im Jahre 1899. Die Formel:„Ein Soldat auf jede Familie" wurde angenommen. Abgelehnt wurde die Bestimmung, daß das Kontingent' alljährlich festzusetzen ist, und das Amendement der Liberalen, das die Dienstzeit der Infanterie auf zwölf Monate ermäßigen will. Der Antrag aus Befreiung der Gei st lichen von der Militär- Pflicht wurde angenommen.— Italien. Befitzsteuern an Stelle indirekter. Rom, 13. November. Die Deputiertenkammer nahm heute ihre Arbeiten wieder auf. Bei Beginn der Sitzimg gedachte Ferri(Soz.) des Heimganges Lombrosos in ehrenden Worten. Der Ministerpräsident brachte eine Vorlage betreffend eine Reform der Steuern ein. Die Vorlage schlägt eine Herab- sctzung der Zucker st euer' und eine entsprechende Er- Mäßigung des Einfuhrzolles auf Zucker vor und und zwar soll der Zoll vom 1. Januar 1911 ab für Zucker 1. Klasse von 28,3S Lire auf 20 Lire pro Doppelzentner und der Zoll für Zucker 2. Klasse von 20,80 Lire auf 16 Lire, vom 1. Januar 1913 ab auf 18 bezw. 14,75 Lire und vorn 1. Januar 1915 ab auf 15 bezw. 12 Lire ermäßigt werden. Um den dadurch erwachsenden EinnahmeauSfall von ungefähr 40 Millionen zu decken, sollen verschiedene Verbesserungen des Gesetzes betreffend die Steuer auf Erbschaften und Schenkungen vorgenommen und eine progressive Ein- kommensteuer auf Einkommen über 5000 Lire jährlich eingeführt werden. Die Steuer beträgt für Einkommen von 5000 bis 10 000 Lire ein Prozent und steigt bis zu sechs Prozent für Einkommen, die mehr als 200000 Lire betragen. finnland. Die russische Gewaltpolitik. Helsingfors, 18. November.(Privattelegramm deS«Vor- wärts".) Nach 81/2 stündiger Debatte schritt der Landtag gestern um 4 Uhr früh zur Abstimmung über die Militärfrage. Um 51/2 Uhr gelangte in der zehnten Abstimmung ein Antrag der Grundgesetzkommission zur Annahme, der Regierung zu antworten, der Landtag, der den kaiserlichen Vorschlag un- möglich billigen könne, stelle das Ersuchen, daß der Kaiser die erforderlichen Maßnahmen zur Lösung der Militär- frage gemäß den Grundgesetzen anordnen möge. Der Beschluß erfolgte mit 141 gegen 53 Stimmen. Der Generalgouverneur Boeckmann reiste mit den russischen Senatoren nach Petersburg. Die Entscheidung ließ nicht lange auf sich warten. Der Landtag ist heute a u f g e l ö st worden, zum drittenmal innerhalb zweier Jahre. Die Neu- Wahlen sind für den 1. Februar festgesetzt. Das Wahlgesetz bleibt unverändert. Die russische Negierung bereitet unter- dessen eine polizeiliche Reorganisation Finnlands auf dem Verwaltungswege vor. persien. Ende des AufstandeS. London, 18. November. Ein Telcgrnmm des Reilterschen Bureaus aus Teheran vom 17. d. MtS. meldet, daß nach dem Abzüge von Rakhim Khan und seiner Anhänger in Ardcbil die Revolte unterdrückt ist. Rcgien»ig«tr>ippen unter dem Polizeichef Ephraim haben, nachdem sie in die Stadt eingerückt waren, die von den Reaktionären errichteten Barrikaden zerstört. Hu 9 der Partei. Partciliterotnr. Im Verlage der Buchhandlung Volks st im nie in Frank» furt a. M. erschien: Hern, ann Wendel, Francisco Fcrrer. Ein Kapitel: Reaktion und Inquisition. Erweiterter Vortrag. 16 Seiten. Preis 10 Pf. Die Broschüre nimmt den Fall' Fcrrer zum Anlaß einer Dar- legung der spanischen Zustände und ihrer historischen Entwickelung. Der Prozeß Ferrcr wird charakterisiert und zum Schluß zur Ferrer« begeisterung kritisch Stellung genommen. Dir Kriso der Konföderation der Arbeit. Rom, 15. November.(Eig. Ber.) Wie wir vorausgesehen hatten, hat der Ausschutz der Konföderation der Arbeit sich mit dem Exekutivkomitee solidarisch erklärt uud g l e i ch f a l l S d e m i s s i 0 n i e r t, so daß die E i n b e r u f u n g deS Nationalrates für den 12. und 13. Dezember beschlossen wurde. Die heutige Krise geht auf die Resolutionen der Mailänder Arbeiterkammer und deS Landarbeiterverbandes zurück, die beide mit der Haltung der Konföderation wäbrend des Zarenbesuches unzufrieden waren. Genosse R i g 0 l a erklärte bei der AliSschiiß« sitzung in Turin, daß die Konföderation sich auf der Richtlinie des Kongresses von Modena befände, und daß die Tadelsreso- lutionen einen Rückfall in den früheren PartikulariSmuS und LokaliSmuS bedeuten. Die Initiative bei allgemeinen Agitationen müsse der Konföderation zustehen. Exekutivkomitee und Ausschuß könnten ihre Verpflichtungen nicht ander« ailffassen als sie eS getan. Wenn die Landarbeiter eine andere Richtmig wollten, so müßten sie die Verantwortung übernehmen und an Stelle der bisherigen Leiter der Konföderation treten. Aus diesen Erivägungen erfolge die Demission. Genossin Altobelli, Sekretärin des LandarbeitcrverbandeS und Unterzeichnerin des Votums, daS rder Konföderation geringe Energie bei der Zarenagitation vorwarf, erkärte, daß eS Gefühls- Manifestationen der Massen gebe, denen man nicht entgegentreten könnte und dürfte. In gewissen Augenblicken triumphiere das Gefühl über jede Methode. Einen Wideispruch zwischen dem Votum der Landarbeiter in Bologna und den Beschlüssen deS Gewerlschasts- kongresieS von Modena sähe sie nicht. Im übrigen mache sie für sich daS Recht geltend, mit eigenem Kopfe zu denken. Genossin Altobelli motivierte dann ihre Demission als Mitglied des Aus- schusseS mit der Meinungsverschiedenheit zwischen ihr und ihren Ge- fährten. Weiter nahmen bei der Diskussion die Genossen d'Arragona und Cerutti daS Wort, die für straffere Disziplin eintraten und für das ausschließliche Recht der Gewerkschaften, nicht der politischen Parteien. Streikbewegungen zu leite». Die Demissionen wurden einstimmig beschlossen. GewerfefcbaftUcbc� Bitten wir um kommende Gnade! Nach und nach tauchen aus ihrem dunkeln Dasein die verschiedenen Splitterchen an Arbeiterorganisationen aus und fühlen sich wichtig genug, zu der Frage des Nachweises der Bergherren Stellung zu nehmen. Jetzt ist's der Evangelische Arbeiterbund, die sogenannte Bochumer Richtung in der evangelisch-sozialen Arbeiterbewegung, die sich ihrer Arbeiter- Mitglieder wegen bemüßigt sieht, zu der Frage Stellung zu nehmen. Die Bochumer gehören zu den Sezessionisten des evangelischen Gesamtverbandes, 1901 traten sie aus und gründeten mit 33 Vereinen den Evangelischen Arbeiterbund. 1997 gaben sie 19 990 Mitglieder an. Jetzt wollen sie aus ihrer vor einigen Tagen in Gelsenkirchen stattgefundenen außerordentlichen Delegiertentagung 70 Vereine mit 13 909 Mitgliedern vertreten haben. Als Referent erklärte der Herr Chefredakteur Küppers- Bochum, daß er beim besten Willen in dem Entwurf nichts finden könne, was der Freizügigkeit oder dem Koalitionsrecht der Arbeiter eine Gefahr bedeute. Ebenso sei die von anderer Seite geäußerte Befürchtung, daß der neue Arbeitsnachweis dazu dienen solle, den Arbeitern die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage zu erschweren, unbegründet. Das klügste und beste sei, der neuen Ein- richtung gegenüber vorläufig einmal eine abwartende Stellung einzunehmen. Der Korreferent, Bergmann Knoop- Gelsenkirchen meinte dagegen sehr vernünftigerweise ein- wenden zu müssen, daß die einseitige Gestaltung des Arbeits- Nachweises im höchsten Maße geeignet sei, die Freizügigkeit der Arbeiter illusorisch zu machen; danach seien ja schon die Satzungen eingerichtet. Ihn befriedige aber auch nicht der Vorschlag der vier großen Verbände, einen paritätischen Arbeitsnachweis einzurichten, er befürchte sehr, daß ein solcher unter die Botmäßigkeit irgend welcher gewerkschaftlichen oder politischen Strömungen komme. Die beste Lösung der schwie- rigen Frage sei ein Reichsarbeitsnachweis. Es bleibt nur sehr fraglich, ob die nationalliberalen Schutzherren dieser Organisationen für solche Wünsche zu haben sind. Eigentümlich muß es deswegen immer wieder berühren, wie eilig es diese Leutchen stets haben, ihre evangelischen Arbeiter vor gewerkschaftlichen oder politischen Strömungen zu schützen. Und wie oft sind sie doch schon vor politische Interessen gespannt worden. Und auch diesmal kam es nicht anders. Da erschien, als die Debatte einen ernsten Charakter annehmen wollte, der Herr Pastor auf dem Plane, diesmal hieß er Peter aus Gelsenkirchen, sonst nannte er sich N a u- mann, F r a n ke n oder Weber, und machte den Vorschlag zu folgender Entschließung: „Die Versammlung dankt für die Vorträge, aus denen sie entnommen hat, daß ein Arbeitsnachweis notwendig ist. Ob die Freunde oder Gegner des Zentralarbeitsnachweises recht haben, wird die Zukunft lehren. Sollte durch die Einrichtung des Ar- bcitSnachweises das Koalitionsrecht der Arbeiter oder ihre Frei- zügigkeit gehindert sein, dann würden wir es für erwünscht halten, ein Reichs-Arbeitsvermittewngsgesetz zu schviffen, die Regierung wäre dann zu bitten, die notwendigen Vorarbeiten in die Hände zu nehmen." Also abwarten, warten und immer wieder abwarten. Es ist wie mit der ewigen Seligkeit. Es erscheint nur recht zweifelhast, ob der Herr Pfarrer damit einverstanden wäre, wenn die Arbeiter einmal erklärten, erst abwarten zu wollen, wer Recht habe, die Freunde oder die Gegner dieser Seligkeit. Es ist immer wieder die alte Melodie, Kirchenpolitik ist die Triebfeder! Die katholische Arbeiterbewegung wurde zu stark, da gründete man die evangelische Richtung, nicht wegen der Arbeiter, sondern um der Interessen der Kirche willen. Lerlin und Umgegend. Der Streik der Isolierer. In einer Mitgliederversammlung der Isolierer, die am Mitt- wochuachmittag bei Freiheit in der Dragonerstratze tagte, berichtete der Verbandsvorsitzende Lange über die Lage des Streiks, der nun bald drei Wochen dauert. Die Lage ist unverändert. Die Streikenden harren alle treu im Kampfe aus und werden das auch fernerhin so halten, bis das Unternehmertum sich zu einem ehr- lichen Friedensschluß bereit findet. Die Unternehmer versuchen mit immer neuen Mitteln, Streikbrecher heranzuschaffen. Ihre in der Gitschiner Straße eröffnete Vermittelungsstelle für Streik- brecher benutzen sie nun nicht mehr wie bisher. Trotz der eifrigen Unterstützung durch uniformierte und geheime Polizei schien ihnen die Sache dort offenbar nicht mehr zuverlässig genug zu funktio- nieren. Es ließ sich eben nicht verhindern, daß die Leute, die man von auswärts zu Ärbeitswilligendiensten herbeigeholt hatte, sehr schnell über die Sachlage aufgeklärt wurden. Dem sucht man nun dadurch vorzubeugen, daß man den betreffenden Leuten aufgibt, bei ihrer Ankunft in Berlin sofort zu telephonieren, oder auch sich ohne weiteres nach der Privatwohnung des Unternehmers zu be- geben, bei dem sie in Arbeit treten sollen. Merkwürdig ist auch das Verfahren der hiesigen Filiale der Magdeburger Firma O e r t y m und Schulze, die bei Arbeitswilligen, die sie anzuwerben sucht, den Glauben erwecken möchte, daß sie für dail Magdeburger Geschäft arbeiten sollten und der Streik sie deshalw nichts angehe. Man macht das in der Weise, daß man auf den Briefbogen des Berliner Geschäftes den Kopfdruck überklebt und statt Berlin Magdeburg schreibt. Aber die Stnzikleitung ist schon längst über diese Schliche unterrichtet. Dem Unternehmertum ist es trotz aller Machen- schaften nicht möglich, irgendwie ausreichenden und brauchbaren Ersatz für die Streikenden aufzutreiben. In der vorigen Woche wurde von Streikenden beobachtet, daß hier und da Jsoliererarbeiten von Rohrlegern und HeizungSmon- teuren ausgeführt wurden. Zwei Rohrleger, die solche Streik- arbeit verrichteten, erklärten, daß sie Mitglieder des Allgemeinen Metallarbeiterverbandes seien. Es konnte jedoch festgestellt werden, daß sie gelogen hatten. In der nächsten Nummer des Organs dieses Verbandes erschien dann eine Warnung vor Streikarbeit und das hatte unter anderem zur Folge, daß sich die SchlichtungS- kommission der Rohrleger mit dem Streik im Jsolierergewerbe be- faßte. Auf diese Weise kam es zwischen den Isolierern und ihren Arbeitgebern zu Verhandlungen, die am letzten Montag stattfinden sollten. Aber die Unternehmer kamen nicht. Sie waren in Hannover und hatten dort mit dem Hauptvorstand ihres Verbandes eine Sitzung abgehalten, die sich unter anderem mit dem Plan einer allgemeinen Aussperrung der Isolierer ganz Deutschlands befaßte. Das lag den Herren offenbar mehr am Herzen als die VerhanIlungen in Berlin, die dann auf Diens- tag verschoben wurden. Sie fanden statt, führten aber, wie zu er- warten war, zu keiner Einigung. Es wurden verschiedene Eini- gungSdorschläge gemacht, und der letzte lief darauf hinaus, daß die Unternehmer bei Akkordarbeit einen Stundenlohn von öS Pf. garantieren wollen, daß inzwischen über den Akkordtarif verhandelt werden, wenn aber bis zum 15. Februar hierbei keine Einigung zustande kommen sollte, der Tarifvertrag selbst mit dem 1. A p r i l Ig10 ablaufen sollte. Die Vertreter der Isolierer erklärten sich demgegenüber bereit, dafür einzutreten, daß der von den Unternehmern vorgelegte Akkordtaris unverändert an» erkannt werde unter der Bedingung, daß der SS Pf.-Stundenlohn bei Akkordarbeit garan- tiert werde, so daß der Tarifvertrag ohne weiteres bis zum 31. Oktober 1910 gelten könnte. Obgleich nun dieses Angebot den Wünschen�der Unternehmer weiter Verantw. Redakt.: Richard Barth. Berlind Inseratenteil verantw.: entgegenkam, als der vorige von ihnen gebilligte Vorschlag, lehnten sie es ab und wollten von weiteren Verhandlungen nichts wissen. Sie zeigten damit, daß es ihnen keineswegs um eine Einigung, sondern um Fortsetzung des Kampfes zu tun ist. Bei den ganzen Verhandlungen spielte der auch im Schlossergewerbe bekannte Dr. K a r w o h l eine Art Scharfmacherrolle. Offenbar bilden sich die Unternehmer ein, daß dieser junge Mann mit seinem Doktor- titel auch eine besondere Befähigung habe, über praktische Fragen des wirtschaftlichen Kampfes zu entscheiden. Der Vorschlag, den Tarif mit dem 1. April ablaufen zu lassen, damit das Unternehmer- tum in der schlechten Geschäftszeit des Jahres nach Belieben schalten und walten könnte, fand natürlich nicht die Billigung der Arbeitnehmer. Ter Redner erklärte hierzu, daß er diesen Vorschlag nicht empfehlen könne, es aber ganz der Versammlung überlassen wolle, darüber zu entscheiden.— In der regen Diskussion erklärten sich alle Redner entschieden gegen den Vorschlag und für Fortsetzung des Kampfes, und dies wurde dann auch einstimmig von der Versammlung beschlossen. Es wird darauf auf- merksam gemacht, daß alle Isolierer und Helfer, die arbeiten und nicht als Streikbrecher tätig sind, mit einer Arbeitsbcrechtigungs- karte versehen sind, auf der der Name des Betreffenden, seine Buch- nummer, die Firma, wo er arbeitet, sowie der Organisationsstempcl stehen._ Der Streik in der Sport- und Webereiabteilung der Firma I. Elsbach(Inhaber Martin Hirschfcld und Moritz Nagel), Gör- litzer Straße 52, dauert unverändert fort. Die Firma hat durch ihren Werkführer Böse und einen Agenten Adolf Danz» mann aus Zinna Streikbrecher anwerben lassen. Vier der dem Staate nützlichen Elemente sind aus dem Vororte Strausberg: einer ist aus Kloster Zinna. Letzterer, Heinrich mit Namen, hat es offenbar darauf abgesehen, Konflikte mit den Streikposten zu pro- vozieren, die derartige Versuche aber unbeachtet lassen. Eine eigen- artige Rolle spielt auch der Werkführer B ö s e, der— wenn er sich von den Streikposten beobachtet fühlt— mit seinen Schutzbefohlenen aufgeregt in die Polizeiwache am Bahnhof stürzt. Ebenso aufgeregt und eilig kommen daraufhin die behelmten Sicherheits- Wächter auf die Straße gelaufen. Eine weitere Arbeit erwächst für sie daraus nicht, da die Streikposten sich in den Grenzen halten, die ihnen nun einmal durch das Gesetz gezogen sind. Zuzug ist nach wie vor fernzuhalten. Die Streikleitung. OentfeKes Reich. Lohnbewegungen und Betriebseinschränknngen in den Tapetenfabriken des Tiag-Ringes(A.-G.). Der seit kurzer Zeit bestehende Tapetenring, der mit 12 der größten Firmen Deutschlands eine Trustgesellschaft bildet, berichtet in dem letzt erschienenen Geschäftsbericht über erhebliche Unter- bilanzen. Die Folge war, daß in der dem Ring angehörenden Tapetenfabrik von Langhammer-Ehemnitz 59 Arbeitern gekündigt wurde. Unter dem Hinweis, daß zu teuer produziert werde, er- olgten auch in der Tapetenfabrik von Jven u. Co.. Altona-Otten- en, Entlassungen und bedeutende Lohnkürzungen; bei einzelnen Arbeitern 3—5 M. per Woche. Nach ergebnislosen Verhandlungen legten mit Ausnahme der Formstecher, die eine vierzehntägige Kündigung haben, über 209 Arbeiter die Arbeit am Montag nieder. Infolge des seit einigen Wochen währenden Streiks in der Tapetenfabrik von Gebr. Rasch in Bramsche wurde die Streik- arbeit nach Beul und nach Köln zu den Firmen Flamersheim und Steinmann geschickt; in beiden Firmen legten die Tapetendrucker gleichfalls die Arbeit nieder. Damit stehen zirka die Hälfte der in diesen Ringfirmen beschäftigten Tapetendrucker im Streik. Der Ring hat ungefähr die Hälfte der gesamten Produktion in Händen. Entlarvter Schwindel. Während des Nürnberger Tischlerstreiks im vergangenen Sommer war im Hofe des Tischlermeisters Marquard ein Bretterstoß umgefallen und hatte zwei spielende Kinder erschlagen, wovon das eine sofort tot war, während das andere schwer verletzt wurde und heute noch nicht wieder hergestellt ist. Man scheute sich damals nicht, dieses Unglück mit dem Schreinerstreik in Verbindung zu bringen, der Meister selbst ließ durchblicken, die Streikenden hätten den Stoß so zugerichtet, daß er einfallen mußte. In einer Verhandlung vor dem Landgericht Nürnberg stellte sich dies als elender Schwindel heraus, denn das brave Meistcrlein hatte den Bretterstoß höchst eigenhändig in solch leichtfertiger Weise aufge- sckichtet, weshalb er sich wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten hatte. Das Gericht verurteilte khn zu einer Woche Gefängnis. In der Verhandlung kam auch die seinerzeitige Beschuldigung der Streikenden zur Sprache und das Meisterlein mußte zugeben, daß seine Andeutungen haltlose Verdächtigungen waren, was aber nicht hindern wird, daß diese Geschichte gelegentlich wieder in einer Sammlung von Terrorismuslügen auftaucht. Terrorismnsmärchen vor Gericht. Bekanntlich hat die bürgerliche Presse die Vorgänge beim Zelluloidarbeiterstreik in Nürnberg in unerhörter Weise gegen die Streikenden ausgeschlachtet und in den blutigsten Farben den Tcrrorismus geschildert, der von ihnen verübt werde. Die Nürn- berger Gerichte verhandeln nun täglich wegen der Fälle, die von jenen Vorgängen herrühren, wobei sich ergibt, wie sehr da über- trieben und gelogen worden ist. Es ist schon gegen eine ganze An- zahl solcher Missetäter verhandelt worden, wobei es sich durchweg um ganz harmlose Dinge handelt. Wo das Gericht zu einer Ver- urteilung gekommen ist. wurden geringe Geldstrafen ausgesprochen. Nur in einem Falle wurde auf Gefängnis erkannt und hier war der Verurteilte kein organisierter Arbeiter, sondern ein Jndifte- renter und verkommener Mensch, der aus Nürnberg ausgewiesen ist und zu dem ausgesprochenen Zwecke, sich an den Zusammenrottungen zu beteiligen und Radau zu machen, Bannbruch verübte und nach Nürnberg kam. Das einseitige Vorgehen der Polizei wurde am Dienstag in einer Verhandlung gegen einen Bauarbeiter illustriert, der des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Aufreizung be- sckuldigt war. Er war auf einem Bau in der Nähe der Wolffschen Fabrik besckäftigt und als er sich eines Morgens zum Bau begeben wollte, fand er alle Straßen abgesperrt, weil die Polizei die zur Arbeit kommenden Streikbrecher nicht mit anständigen Leuten in Berührung kommen lassen wollte. Der Bauarbeiter fürchtete, zu spät zu kommen, wurde aber nicht durchgelassen, weshalb er in der Erregung und in der Furcht, seine Arbeit zu verlieren, einige heftige Worte gegen die Polizei gebrauchte. Das sollte Widerstand und Aufteizung sein! Das Gericht nahm aber nur Beleidigung an und erkannte auf 29 M. Geldstrafe. Interessant ist, daß die Polizei, um ein paar Arbeitswillige zur Arbeit zu begleiten, andere, an- ständige Arbeiter an ehrlicher Arbeit hindert. Ein Konflikt am Straflburqer Stadttyeater. Der allgemeine deutsche C h o r s ö n g e r v e r ban d hat die Bühne des Straßburger Stadttheaters für die Mitglieder des Verbandes gesperrt, nachdem die vom Lokalverband in mehreren Eingaben nachgesuchte Diensterleichterung, so- wie eine den heutigen Teuerungsverhältnissen einigermaßen ent- sprechende Erhöhung des Einkommens, ferner die Abstellung son- stiger Mißstände nicht gewährt wurde. Auch eine Interpellation des Verbandsleiters blieb unbeantwortet. Husland. Weitere Verschmelzung französischer Gewerkschaften. Der letzte französisbe Gewerkschaftskongreß empfahl bekanntlich den Ausbau der Berufsorganisation zu Jndustrieverbänden. Dieser Aufforderung sind bisher die Gewerkschaften des Baugewerbes und der Metallindustrie gefolgt, die, obwohl einzelne Gruppen ihre so- genannte Autonomie immer noch nicht aufgeben wollen, nun schon recht ansehnliche Landesverbände besitzen. Kürzlich hat nun auch der Zentralvorstand des Bergarbeiter- Verbandes beschloffen, das Tätigkeitsgebiet der Organisation auf Up. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall sämtliche unter Tag bezw.„in der Erde' beschäftigten Arbeiter au»- zudehnen durch Verschmelzung mit den für solche noch bestehenden Gewerkschaften der Schieferbrucharbeiter usw. Ein„EiuigungS- Kongreß" soll für Anfang des nächsten Jahres nach Albi einberufen werden. kommunales. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zwei bittere Pillen waren es, die gestern den Haus« agrariern präsentiert wurden. Um dem Stadtsäckel etwas niehr von dem nötigen Kleingeld zuzuführen, kommt der Magistrat jetzt mit einem neuen Projekt der Einführung einer Wertzuwachssteuer und gleichzeitig mit dem Vorschlag einer Erhöhung der Kanalisationsabgabe. Zur Wertzuwachs- stouer haben die Stadtverordneten sich noch nicht geäußert, die Vorlage wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Der Erhöhung der Kanalisationsabgabe hätten sie ohne weiteres zustimmen können, denn zu dieser Maßregel hatte ja die Versainmlung selber durch eine im Frühjahr an- genommene Resolution den Magistrat ermuntert. Aber auch diese Pille wollten unsere Hausagrarier nicht ohne Sträuben hinunterschlucken. Mitglieder der«Neuen Linken" wie der„Alten Linken" machten unter Führung des Stadtv. Werner und des Stadtv. Cassel den leider er- folgreichen Versuch, die Vorlage in einen Ausschuß hinein- zuretten, wo sie dann nach Möglichkeit verstümmelt, wenn nicht ganz abgewürgt werden kann. Oberbürgermeister Kirsch ner äußerte sein Erstaunen darüber, daß jetzt noch einmal um diese Frage, die bereits entschieden zu sein.schien, gestritten werde. Mit welcher Hartnäckigkeit der Kampf imnier noch geführt wird, das zeigten die Ausführungen eines der verbohrtesten Hausagrarierführer, des Stadtv. � d e n, der in Preußens Landesverband der Hausbesitzervereme zu den leitenden Persönlichkeiten gehört. Dieser Herr sagte, er sei „überrascht", und jammerte, daß nicht die„Allgemein- heit" den Hausagrariern die ihnen zu- kommenden Lasten abnehmen wolle. Ihm schloffen sich ein paar der anderen Hausagrarier an, und einer davon drohte im voraus mit den: Oberpräsidenten, aus dessen Ein- spruch sie ihre Hoffnung setzen. Von unserem Genossen Borgmann wurde diesen Vertrauensleuten des Haus- agrariertums so kräftig die Wahrheit gesagt, daß sie mit lärmenden Unterbrechungen sich zu wehren suchten. � Borgmann geißelte die Verschleppungstaktik, die hier wieder geübt werde, um die Vorlage zu Falle zu bringen. Auch Stadtv. U l l st e i n hob hervor, daß von der Ueber- Weisung an einen Ausschuß nichts Gutes zu erwarten sei. Vertreter warf noch Stadtv. H a b e r l a n d, der bewährte Vertreter der Grundstticksspekulanten sich ins Zeug gegen die Erhöhung der Abgabe bis auf 2 Proz.; es verstand sich von selber, daß er in diesem Chor nicht fehlen durfte. Die Ueber- Weisung an einen Ausschuß wurde beschlossen; die sozial- demokratische Fraktion stimmte diesem Antrag n i ch t zu. Im ersten Teil der Sitzung war es bei zwei Beratungs-. gegenständen zu Debatten über die Armenpflege ge- kommen. Hausbesitzerintercssen waren es wiederum, die hinter einer Petition auf Aufhebung der Sperre über die Köllnische Straße standen. Sie wurden warm verteidigt vom Stadtv. S o n n e n f e l d, der dem Stadtrat M ü n st e r b e r g die erwünschte Gelegenheit gab, der von ihm selber geleiteten Verwaltung ein Loblied zu singen. Unser Genosse Singer hob hervor, daß man nicht nach den Interessen der Hausbesitzer zu fragen habe, sondern nach dein Wohl der A r m e n, denen so mancher Hausbesitzer die eleu- de st enWoh nungen vermiete, weil sie kein anderer mehr haben wolle. Die Pflicht, hier einzugreifen, falle dem Polizei- Präsidium zu, nicht dem Magistrat, solange nicht die Forderung einer Uebernahme derWohlfahrtspolizei auf die Stadt erfüllt sei. Es folgte dann eine sehr lebhafte Aussprache darübör, ob die H e i l st ä t t e n k u r e n, für die der Magistrat eine hinter dem Bedürfnis noch iinnier zurückbleibende Npch- bewilligung forderte, nötig und nützlich seien oder nicht. Eine wunderliche Frage, aber Stadtv. Sachs warf sie ernsthaft auf. Dieser Mann hat eine geradezu brutale Art, jede über das nötigste hinausgehende Fürsorgepflicht der Gemeinde zu verneinen— nebenbei bemerkt: nicht aus persönlicher Hart- Herzigkeit(privatim genießt er sogar den Ruf eines„Wohl- täters"), sondern aus echt freisinniger Ueberzeugung. Genosse H i n tz e trat ihm entgegen mit der entschiedenen Forderung, daß im Hinblick auf das Elend der Armen die Fürsorgepflicht der Gemeinde noch sehr viel weiter ausgedehnt werde. Ein Angriff des Herrn Sachs auf die Aerzte wurde von unserem Genossen Ewald zurück- gewiesen, Herr Sachs legte sich dann aufs Streiten. Die Vor- läge wurde einem Ausschuß überwiesen, der versuchen wird. noch etwas herunterzuhandeln. Den Schluß der Sitzung mochte die Beratung einer S ch u l b a u- Vorlage. Vergeblich versuchten hier unsere Genossen Borgmann und Singer, Ucberweisung an einen Ausschuß durchzusetzen, weil das in Aussicht geklommene G r u n d st ü ck zu k l e i n ist. Der Mehrheit war es groß genug, sie nahm die Vorlage ohne weiteres an. Letzte Nadmcbtcn und Dcpcfcbcn. Wirkung der Pfaffenhetze. Paris, 13. November. In Chassigny bei Chalons sur Saone weigerten sich die Schülerinnen, die von den Bischöfen ver» botenen Lehrbücher zu benutzen. Die Mütter dieser Schulkinder verbrannten öffentlich die verfemten Bücher.—_ Zuckrrsteuer für Griechenland. «u»,c>i, 18. November.(SB. T. B.) Der Finanzminister brachte in der Deputiertenkammer einen Gesetzentwurf betreffend die Besteuerung des einheimischen Zuckers ein und hob die guten Er- gebnisse hervor, die die Versuche, Zucker aus Rosinen zu gewinnen, gehabt haben._ Massenmetzeleien in Nicaragua. ia>u>>l»lgton, 18. November.(W. T. B.) Zwei Amerikaner die der Armee der Revolutionäre von Nicaragua Dienste geleistet hatten und gefangen genommen waren, sind vom Präsidenten Zelaya zum Tode verurteilt worden. Depeschen, die beim Staats» departement eingegangen sind, besagen, daß das Urteil bereits voll- streckt worden sei. Zwei amerikanische Kriegsschiffe sind eiligst nach Nicaragua entsandt worden. In New Orleans angekommene Reisende berichten, daß über 599 Personen, die verdächtig waren, mit den Revolut-:ären zu sympathisieren, in summarischem Ver« fahren erschossen worden seien und daß Präsident Zelaya weitere Hinrichtungen vornehmen lasse._ Kaul Singer Lc Co« Berlin L1V. Hierzu 2 Beilage» o.Uaterhaltuugsbl. ir. 270. Z6. Zahrgns« t Mm des JoriBiitts" Mliur Wlksdlslt. fttitnj, 19. Jlutfutfi 1909. Stadtverordneten- Versammlung. 31, Sitzung vom Donnerstag, den 13. November. nachmittags 5 Uhr. Die Sitzimg wird vom Vorsteher Michelet nach&/3 Uhr eröffnet. Auf der Tagesordnung steht an letzler Stelle die erste Lesung der Magistratsvorlage betr. die Einführung einer Wertzuwachs- st e u e r. Wie verlautet, soll der Gegenstand indessen heute abgesetzt werden, da einige Frattionen sich mit dem Detail des neuen Ent- wurfs noch nicht genügend haben vertraut machen können. Ueber die Petition des Bezirksvereins Ait-Kölln um Auf- Hebung der von der Armendirektion verhängten Sperrung der Köllnischen Stratze für Armenunter st ützungen war der Petitionsausschuh zur Tagesordnung übergegangen. In der Sitzung vom 28. Oktober wurde Berichterstattung beantragt. Der Ausschuß ist nach nochmaliger Erörterung bei seinem Antrag ge- blieben und hat den Stadtv. George sFr. Fr.) zum Referenten bestellt. Stadtv. Sonnenfeld sA. L.) tritt für seine Perlon dem Ausschuß- antrag entgegen. Die Sperre sei schon am 6. Oktober 1906 ver- hängt; ihre Ursache scheine darin zu liegen, daß sich dort angeblich Zuhälter breit machen und sogar gegen einen städtischen Ehrenbeamten Drohungen ausgestoßen hätten. Darunter müßte» aber zahlreiche Arme unschuldig leiden. Die Verfügung sei übrigens nicht nur nicht durchführbar, sondern auch ungesetzlich, die Armen- Verwaltung könne niemand vorschreiben, wo er zu wohnen habe und wo nicht. Auch sei die Behanplung, die »Köllnische Straße werde von derartigem Gesindel bewohnt, zu , verlässigen Nachrichten zufolge unrichtig; das Polizeipräsidium werde bekunden, daß der Vorwurf nicht auf die Äöllnische, wohl aber auf die Petri-, die Fischerstraße und die Fischerbrücke zutrifft. Redner beantragt Ueberweisung der Petition an den Magistrat zur En- wägung. Stadtrat Münstcrbcrg: Der Ausdruck„Sperre' gibt der Sache ein ganz schiefes Ausseben; die Matzregel der Arniendirektion ist sehr harmlos. Tie Verwaltung steht damit durchaus auf gesetzlichem Boden. Für unsere Entscheidung über das Bedürfnis ist die Be- schaffenheil der Wohnung von ansschlaggebender Bedeutung. Das Ge'ey zwingt uns nicht, unter allen Umständen Geld zur Miete herzugeben,«ondern für Wohnung zu sorgen. Für die hier in Rede stehenden Wohnungen und noch für eine Anzahl anderer, u. a. a», Molkenmarkt, die Miete zu zahlen, halten wir geradezu für schimpflich für die Stadt Berlin. Ein Mangel an kleinen Woh- nungen, der die Leute zwänge, gerade in der Köllnischen Straße zu wohnen, besteht nicht. Im übrigen werden noch heute mehrere hundert Mark an Unterstntzungen für dortige Bewohner gezahlt, von einer Sperre ist aiio, wie gesagt, keine Rede; aber wir werden nicht die Verantwortung dafür übernehmen, unsere Armen in sittlich odcr� hygienisch verderblichen Ouartieren fest- zuhalten. An diesem Standpunkte wird die Armendirektion unverbrüchlich f.sthalten. Stadtv. Singer sSoz.): Die Debatte entrollt ein sehr unerfreu- lichcö Bild vom Großstadtelend im Zentrum der Stadt. Es handelt sich hier aber weniger um eine theoretische Erörterung als darum, ob die Armendircktion ihrer Aufgabe in vollem Umfange ge- nügt bat. Jedenfalls ist es unbedingt anzuerkennen, daß sie der Wohnungsfrage ihr Augenmerk so gründlich zuwendet. Die Adresse, an die diese Beschwerden zu richten sind, ist das Polizeipräsidium; dieses hat heute dafür zu sorgen, daß solche Zustände vernrieden werden, daß solche Wohnungen ge- räumt werden, und es darf sich der Verpflichtung nicht eutzikhen, Wobnrmgei, zu räiimen, die so herunter sind, daß sie anständige Meuichen nicht mehr beziehen. Ich benutze die Gelegenheit, dem Magistrat den Wunsch zu er- kennen zu geben, daß er das seinige tun möge, eine Aenderung des Zustandes in die Wege zu leiten, daß die Stadt zwar die Kosten für die Polizei zu zahlen hat, aber kein Wort in dic Polizciverwaltung drein- reden darf. Wenn die behaupteten Zustände vorbanden sind, wofür hat dann die Polizei ihre Gewalt überhaupt in Händen? Die An- nähme des Antrages Sonnenfeld würde die Sache nicht fördern. Der Magistrat ist in diesem Falle der Polizei gegenüber im Zu- stände der Notwehr. Das Ziel aller Erörterungen muß die Ueber- iwhoic der WohlfahrtSpolizri in die Hände der Stadt sein. Der Magistrat sollte aus der Verhandlung den Anlaß entnehmen, neue Schrille in dieser Richtung zu tun. sBeifall bei den Sozial' demokraten.) kleines feuilleton. Die unsterbliche Flora. Die arme Büste kann immer noch keine Ruhe finden. Da ihre bisherigen Offenbarungen<»ach der Be- Handlung mit Röntgenstrahlen) für Herrn Bode io niederschlagend waren, soll sie nochnmls unteisucht werden. Hoffentlich hat die Röntgenmethode bis dahin ein Einsehen. Jnzwiichcn sängt auch die Chemie an, der vodeschen Stilkrilik nachzuhelfen. In der Technischen Hochschule ist daS Wachs untersucht worden und dabei— so wird offiziös ge- munkelt— toll sich ergeben haben, daß das untersuchte Wachs alten Ursprungs ist(altes Wachs hat einen höheren Schmelz- Punkt). Ausgezeichnet. Wenn man nur wüßte, ob Lucas oder einer der späteren Restauratoren uicht auch altes Wachs verwendet hat und' weiter, wann das Wachs Anspruch auf die Bezeichnung alt erwirbt und ob der Altersprozeß nicht durch Wittcrungseinflüsse(LueaS' Büste soll jahrelang im Freien gestanden sein) beschleunigt wird. Außerdem verlangen wir einen von den untersuchende» Fachmännern unterzeichneten Bericht und Angaben über die Zahl der Probcii, die Stelle», wo sie entnommen sind, und ein Resümee über die Möglichkeit und die Methode, das Alter von Wachs genau festzustellen(mit Berücksichtigung de? oben an- gegebenen besonderen Punktes). Wir wollen hoffen, daß alle diele Vorauöseyiingen einer ernsten Uutcrsuchnng. die wir auch von der Röntgenuntersuchung erwarten, erfüllt werden und daß sich nach der Bodeschen Kniistwiffenschaft nicht auch noch die Wisieuschast anderer Herren blamiere. Die Flora-Büste ist jetzt wirklich schon unsterblich genug geworden, freilich nicht im Sinne deS Herrn Bode, auch nicht ganz im Sinne deS alten Lucas, der nach dem Zeugnis seines alten Freundes Witbnrn in den„Times" immer wünschte, de» alten Meislern zugezählt zu werden.(O, Ironie des Schicksals, das Bode heißt!) Die bürgerliche deutsche Presse hat übrigen» zu einem kleinen Teil schon angefangen zu begreifen, daß die Frage vor allem auch in Eng- land spielt und daß man die englischen Blätter verfolgen muß. Wir stellen mit Velgniigen fest, daß das„Verl. Tageblatt" in der Mittwochausgabe endlich die„Times" entdeckt hat und daß die „Tägl. Rundschau" am Donnerstag unsere Bemerkungen über die Behandlung der deutschen Preffe aufnimmt. Wir wollen auch gern vermerken, daß W. Pastor in diesem Blatte geschrieben hat: „ES ist wirklich lehr schwer, diesen ganzen Kunststreit, der tag- sich auf eine neue Basis gestellt wird, anders als satirisch zu be- handeln." Aber gegen eine Unterstellung derselben„Tägl. Rundschau" müssen wir nochmals hervorheben, daß die deutsche Presse sich die Praktiken de» Herrn Bode in der Behandlung der deutschen Presse bis zum Donnerstag ruhig gefallen ließ. Wenn sie sich bessern und endlich beanspruchen will, daß die Angelegenheit als öffentliche be- bandelt wird und Herr Bode nicht länger nach berühmten Mustern mittelst einer offiziösen Presse arbeitet, soll e» uns durchaus recht sein. Deutsche Flugleistuug. Der Ingenieur Grade, der kürzlich den Lanz-Preis gewann, hatte bisher nur Flüge von weniger als einer Stadtv. Sonnenfeld vermißt jede Antwort auf seine Feststellung. daß in der betreffenden Straße solch lichtscheues Gesindel überhaupt nicht oder nicht mehr wohnt. Stadtv. Cassel(A. L.): Es kommt darauf auch gar nicht an; da? Schwergewicht liegt darin, daß sich Dirnen. Zuhälter usw. un- angemeldet in diesen Quartieren aufhalten. Merne Fraktion will vor allem verhindern, daß denjenigen, die solche elenden Wohnungen vermieten, auf diese Weise noch gar Entgegenkommen gezeigt werde. In Uebereinstimmnng mit dem Kollegen Singer lehnen wir die Ueberweisung zur Erwägung ab, weil wir die Versügung an sich durchaus billigen. Der Antrag Sonnenfeld wird abgelehnt; die Mehrheit entscheidet nach dem Ausschußantrag. Zur Unterbringung von Hilfsbedürftigen in Heilstätten, Er- holungSstätten usw. in Fällen, die über die gesetzliche Armenpflege hinausgehen, stehen der Armendireklion im Etat 160 006 M. zur Verfügung. Dieser Fonds ist bereits biS auf 21 000 M. ausgezehrt, da u. a. Rechnungen ans 1908 im Betrage von 4S 000 M. erst im Laufe des EtalSjahres 1909 eingegangen sind und honoriert werde» mußte», ferner etwa 30— 90 000 M. Kosten für Kuren in den Kinder- krankenhäusem Hohenlychen und Borgsdorf erwachsen sind, die, wie der Magistrat meint, ihrer Natur nach nicht hierher gehören, da es sich dabei nicht nm vorbeugende oder Genesenden-Fürsorge, sondern um Armenkrankenpflege handelt. Die Armendirektion hat die N a ch b e w i l 1 ig u n g von 17b 000 M. beim Magistrat beantragt; dieser will 100000 M. aus dem Dispositionsfonds bewilligen und ersucht die Versanrmlung nin ihre Zustimmung; außerdem hat er Beranlassung genommen, die Armendirektion um sorgfältigste Beachtung der für Gewährung von Beihilfen auS jenem Fonds auf- gestellte» Grundsätze zu ersuchen. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.): Die Vorlage ist eine der merkwürdigsten, die je an uns gelangt sind. Stadtrat Münster- bcrg fordert 176 000 M.; der Magistrat bewilligt ihm nur 100 000 Mark, erteilt ihm gleichzeitig einen kleinen Verweis und zieht unS in die ganze Angelegenheit mit ungewöhnlicher Offenherzigkeit hinein. Wie sollen wir entscheiden, ob 100 000 M. oder fast das Doppelte erforderlich sind? Das kann nur in einem Ausschüsse klargestellt werden. Stadtrat Miinsterberg: Daß Deputationen mit ihren Bewilli- gungsanträgen beim Magistrat nicht voll durchdringen, ereignet sich jeden Tag. Mit den 100 000 M. wird die Armendirektion eben auch versuchen, ohne Ctatsüberschreitung auszukommen. Stadtv. Sachs(A. L.) meint, es sei vorgekommen, daß von bequemen Aerzten Kinder hinausgeschickt werden, die es gar nicht nötig haben. Stadtrat Münsterberg tritt diesen Andeutungen mit Ent- schiedenheit entgegen. Die Heilstättenbewegung sei vorhanden, und es könne sich nur noch darum handeln, sie auf eine absolut gesunde Basis zu stellen. Stadtv. Hintze(Soz.): Mit dem letzteren Ausdruck läßt doch auch der Stadtrat Münsterberg die Auffassung zu, daß bisher des Guten zu viel geschehen sei. Ich bin mit einer großen Anzahl von Aerzten der Meinung, das) auf diesem Gebiete gar nicht genuck ge- scheyen kann. Schon der Verdacht der Tuberkulose mutz die Ent- sendung der 5iinder in solche Heimstätten notwendig machen. Bei der Aufnahme wird mit ganz außerordentlicher Gründlichkeit verfahren. Fälle, in denen der Armenarzt die Entsendung nur als„Wünschens- wert" bezeichnet und die Entsendung dann abgelehnt wird, lammen zu Hunderten vor. Trotzdem verlangt jetzt Kollege Sachs noch eine weitere Einschränkuirg!— Er vermißt die Kontrolle darüber, was aus den Kindern wird. Ich verweise ihn auf die Erklärungen des Dr. Pannwitz über die 1902— 1904 entsandten Kinder, wonach die Zahl der Geheilten 21, 41, 62 Proz. betragen hat; mit Einschluß der Gebesserten steigen diese Zahlen auf 74—83 Proz.I Wenn diese Zahlen nicht mitsprechen, dann ist dem Kollegen Sachs nicht zu helfen. Dr. Vollbrodt hat in der Armendirektion erklärt, daß eine Einschränkung für die ärmere Bevölkerung ein Unglück wäre. Darum müssen wir die 176 000 M. ganz bewilligen. Die Sache läßt sich nicht mehr zurückschrauben, ein„Rückwärts" gibt es hier nicht mehr. Was nützt die erhöhte Säuglingsfürsorge, wenn später für die Kinder nicht mehr geschieht? Stadtv. Ewald(Soz.): Die Ausführung des Kollegen Sachs hätte doch eigentlich einen Entrüstungssturm erregen müssen. Er sagt?, die Armenärzte machten es sich bequem und sparten sich f>j;e gründliche Untersuchung. Welch« Aufregung über einen„Angriff gegen einen ganzen Stand" hätte es gegeben, wenn ein Sozial- Viertelstunde ausgeführt. Am Sonntag brachte er es in Bremen zum ersten Male fertig, fast eine Stunde»n der Luft zu bleiben. Nach 54>/z Minuten zwang ihn der Mangel an Schmieröl zu landen. Er Hatte zeitweilig eine Höhe von 80 bis lOO Metern erreicht. Grade ist der erste Deutsche, der obendrein mit ausschlietzlich deutschem Material, eine solche Flugleistung erreicht hat, die ihn den Amerikanern und Franzosen annivernd gleichstellt. Die deutschen Lufipairioten, denen der Borsprung deS Auslandes im Flugniaschmen- fach bereits Albdrücken zu verursachen begann, atnien erleichtert aus und sehen der Zukunft deS Deutschen Reiches, soweit sie in der Luft liegt, wieder hoffnungsvoll entgegen. Eine einheitliche Karte der ganzen Erbe. Auf Einladung der großbritannischen Regierung trat am 16. November in London eine fachmännische Konferenz zusammen, die die Grundzuge einer einheitlichen Karte der ganzen Erde beraten soll. Bei dieser Kon- ferenz werden sämtliche Großstaaten der Erde vertreten sein. Ueber diese geplante Ausführung einer einheitlichen Karte der ganzen Erde, die im Maßstab 1: 1 000 OtzO hergestellt werden soll, machte nach der Wiener N. Fr. Presse Prof. Dr. E. Brückner folgende Mitteilungen: Bei dieser Konferenz handelt es sich um die Verwirklichung eines großen Plans, den bereits im Jahre 1891 Prof. Penk auf dem Berner internationalen Geo- graphenkongreß angeregt hatte, die Herstellung einer nach einheit- liehen Prinzipien entworfenen Karte sämtlicher Länder der Erde in dem Matzstabe, daß ein Millimeter der Karte einem Kilometer entspricht. Diesmal soll in London auch die Frage der Arbeits- teilung erörtert werden. Tie neue Karte wird nach mancher Hin- ficht zu einer Vereinheitlichung der in der Kartographie üblichen Maße und Systeme führen. AuS vorläufigen Besprechungen er- gibt sich bereits, daß für diese Karte der M e r i d i a n von Greenwich ganz allgemein angenommen werden dürfte, und zwar auch von jenen Staaten, die ihn bisher nicht anerkannt haben. Ferner haben die Engländer bereits auf dem internationalen Geographenkongreß in Genf im Jahre 1908 sich bereit erklärt, das Metermaß anzunehmen. Auch eine Vereinheitlichung in der Schreibung der geographischen Namen soll herbeigeführt werden, und zwar in dem Sinne, daß stets die offizielle Schreibweise des Landes international angenommen wird, in dem der betreffende Ort liegt. Für Länder, die sich nicht deS lateinischen Alphabets bedienen, wie zum Beispiel Nutzland, sind außer dxr internationalen Ausgabe dieser Karte auch solche mit einheimischer Schrift geplant. Humor und Satire. Wachsfiguren. Der Bode ist ei» kluger Mann, das zeigt u»S fein Gebaren; von Wachs'ne Büste schafft er an, ist wen danach gefahren. Zwar scheint sie nicht vollkommen echt, es wird noch drum geknobelt, doch im Prinzip hat Bode recht, denn gar zu ungehobelt demokrat das gesagt hätte! Das ist keine Art, hier zu dis> putieren. Nach Schluß der Diskussion und Austausch persönlicher Be, merkungen zwischen Sachs und Ewald geht die Vorlage an einen Ausschuß. Die Fachschule der Juwelier-, Gold» und Silber» schmiedeinnung soll vom 1. April 1909 an auf die Stadt übernommen werden; die Kosten, die der Gemeinde zur Last fallen, werden zirka 1800 M. jährlich betragen. Stadtv. Borginann(Soz.) hält die Angabe, daß die Kosten in Zukunft nur 1500 M., für das laufende Jahr nur 1200 M. betragen werden, für nicht zutreffend, da die Innung schon 1907 für die Schule 4000 M. ausgegeben hat. Die Vorlage gebe berechtigten Anlaß, die Leistungen der Innungen für das Lehrlingswesen einee Kritik zu unterziehen. Besonders niedrig seien die Leistungen der. Schuhmacherinnung für diesen Zweig, aber auch andere Innungen zeigen kein viel besseres Bild. Die Hoffnungen, die man an die Jnnungsreforin und an die Zlvangsinnungen geknüpft habe, seien nicht in Erfüllung gegangen. Tie Leistungen der Gewerkschaften auf demselben Gebiete seien unvergleichlich höher. Das ganze Fach- und Forkbildungsschulwesen gehöre überhaupt nicht in die Hände der Innungen, sondern in die der städtischen Ver- waltung Stadw. Menzel(soz.-fortschr.): Die Goldschmiede haben ihm Pflicht zur Ausbildung der Lehrlinge durchaus erfüllt. Es muß zwischen den Handelsgeschäften und den Werkstatten ern großer Unterschied gemacht werden. Stadtv. Borg mann: Ich konstatiere, über meine erste Be. merkung hat der Magistrat sich zu äußern keinen Anlaß genommen. Die Vorlage wird genehmigt. Im Anschluß an die allgemeine BeamtenbesoldungSaufbesserung sollen nachträglich auch die mittleren und unteren Bureaubeamten der Berliner B e ru f s fe ue r w e h r Zu. lagen bezw. Gehaltserhöhungen erhalten. Für 1909 entsteht da- durch ein Mehrbedarf von 2963 M. Die Versammlung stimmt dem Antrage ohne Debatte zu. Nachdem der Oberpräsident die Mietsentschädigung für die städtischen Gemeinde» und Fachschul l ehrerinnen ab- weichend von dem Vorschlage der Gemeindebehörden auf 650 M. normiert, also um 60 M. gekürzt hat. schlägt der Magistrat vor, zum Ausgleich die Ortszulagen ab 1. April 1908 ent« sprechend zu erhöhen. Die Vorlage wird angenommen. Einer Resolution entsprechend, die die Versammlung bei der letzten Etatsberatung gefaßt hat. legt der Magistrat den Antrag vor, die von den Berliner Grundstücken zu zahlende K a n a l r» s a t i o n s g e b ü h r von 1% auf 2 Proz. des Grundstücksnutzungs- wertes zu erhöhen. Stadtv. Werner(N. L.): Prinzipiell haben wir gegen eine Erhöhung der Gebühr nichts. Ausschußberatung halten wir aur Begründung des Bedürfnisses auch heute für notwendig. Mrt der Vorlage wird die bisherige Praxis durchbrochen, wonach die Ge- meinde für zuschuß p f l i ch t i g galt, angesichts der der Allgemein- heit durch die Kanalisation erwachsenden Vorteile. Redner be- fürwortet einen Antrag, vom Magistrat vor Eingehen auf weitere derartige Vorlagen eine Denkschrift über die Finanzlage der Stadt und die Gesamtheit des städtischen Bedarfs in den nächsten Jahren zu fordern. Stadtv. Cassel spricht sich ebenfalls für Ausschußberatung aus. DaS Verlangen einer Denkschrift könne man der Tendenz nach nur billigen; hier aber handle eö sich um eine vom Kommunal- abgabengesetz vorgeschriebene Gebühr, deren Angemessenheit ohne Rücksicht auf die Finanzlage zu prüfen sei. Oberbürgermeister Kirschner: Die Erhöhung ist von der Ver« sammlung im Prinzip bereits gebilligt worden; es bedurfte dafür einer weiteren Begründung nicht. Ueber das Maß der Erhöhung loird sich im Ausschuß weiter reden lassen. Ueber die Notwendigkeit neuer Anforderungen ist stets Rechenschaft gegeben worden; ob«S aber zweckmäßig ist, die zurzeit bestimmenden Verhältnisse in einer Denkschrift festzulegen, muß ich anheimstellen. Stadtv. Iben(A. L.): Wir sind zum Teil durch die Vorlage überrascht worden. Die Eigentümer haben doch z. B. gar keine Verpflichtung, für die Viehwirtschaft auf den Rieselgütern auf- zukommen. Das muß die Allgemeinheit tun. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): In diesem März haben wir mit 63 gegen 29 Stimmen dem Magistrat die Erhöhung bis zu war unsere Skulptur bisher: aus Stein, Erz, kurz aus Massen, die sich nur mühsam hinterher nach Laune modeln lassen. Wachs ist ein ganz besondrer Stoff! (Bergleiche jene Nase deS preutz'schen Generals, sie troff zum allerhöchsten Spaße.) Was macht der Umbau doch für Müh' von Burgen und von Schlöffern l Ach wären alle wächsern sie, wie leicht wär' das Verbessern! Drum sag' ich: WachSflulpturen her! Da kann man korrigieren und. wo es etwa nötig wär'. beliebig restaurieren! Franz. Notizen. — Vorträge. In der von der Deutschen Garten» stadt-Gesellschaft veranstalteten Vortragsreihe spricht am Freitag Regierungsrat Dr. Jng. M u t h e s i u S im Kunstgewerbe« mnseum über:„Das Wohnhaus auf dem Lande". Der Eintritt ist unentgeltlich. — Die Logik der Zensur. Mögen die Leser nicht er« schrecken: eS gibt keine Logik der Zensur, ja die ganze Zensur ist unlogisch. Insofern ist eS auch aussichtlos, gegen eine solche Einrichtung mir den Waffen der Logik und Bernunsr anziikämpfen. ES gibt nur eine Logik für und gegen die Zensur: Man wirft daS Scheusal in die Wolfsschlucht. Und nur als Mittel zu diesem wünschenswerten Endziel möchten wir es betrachtet wissen, wenn wir uns mit der Berliner Bußtagzensur beschäftigen. Die Wohl» löbliche hat der„ F r e i e n V o l t s b Ü h n e" drei ernste, altbewährte Kmistiverle am Bußtag verboten— und sie hat gestattet, daß in der„Komischen Oper" für die Ange st eilten des Hanfes Hertzog die Oper„Tiefland" aufgeführt wurde. Wir bitten sämtliche Akrobaten der Sophistik, alle Talmudisten des VerwaltnngSrechtS und die erhabensten Vertreter des Grundsatzes preußischer Staatsräson:„Wenn zwei dasselbe tun usw.". der Ber» liner Polizeilogik zu Hilfe zu kommen. Sonst ist'S um sie ge« schehen. — Temperenzunterrrcht in den Schulen. In Schweden, wo die Abstinenzbewegung die größten Erfolge erzielt bat, sind vom Guttemplerorden Abslinenzschulen gegründet worden. DaS Parlament hat ferner beschloffen, an den Volksschulen Unterricht über Alkoholftagen abhalten zu lassen; um diesen zu unterstützen. wurden den Schulen vom Unterrichtsministerium farbige Diagramme großen Formats geschickt sowie Modelle aus Papiermasse, die die inneren Organe in gesundem und in dem durch Alkoholmißbrauch geschädigten Zustande darstellen. 2 Proz. anTjeimgeßeBen, wozu nun diese breite Debatte und diese Erschwerung für die Geschäftsführung des Magistrats? Stadtv. Zylicz(A. L.) wendet sich ebenfalls gegen die Vor- läge. Die Grundstücke der angeschlossenen Vororte zahlten an Berlin viel weniger als die Berliner. Stadtv. Landsberg(A. L.j: Wenn wir die Gebühr jetzt er- höhen, ist noch lange nicht gesagt, daß der Oberpräsident das ge- nehmigt.(Unruhe.) Man will hier die Allgemeinheit entlasten und den Hausbesitzern ohne Grund eine neue Last auferlegen.(Zu- stimmung und Widerspruch.) Stadtv. Borgmann: Die Frage ist ausgiebig hier erörtert worden, so daß zweifellose Klarheit darüber herrscht. Wenn ein Teil der Versammlung trotzdem Ausschußberatung wünscht, so werden wir uns dafür erklären. Wenn Herr Landsberg behauptet, man wolle hier die Allgemeinheit entlasten und die Grundbesitzer bluten lassen, so muß Um entgegengehalten werden, daß doch die Grundbesitzer die Last sofort wieder auf die Mieten schlagen.(Leb- hafter Ausbruch des Unwillens bei den Hausbesitzern.)— Aber die Herren wissen doch, daß ein Grundstück, das keine Kanalisation be- sitzt, sofort um ein ganz Erhebliches im Werte steigt, wenn es Kanalisation erhält. 1903 sind nicht weniger als drei Millionen Mark aus allgemeinen Mitteln für den Kanalisationsctat an Zu- schuß geleistet worden. Die Anträge Werner zeigen die Meister- schaft des Antragstellers, die Beratung zu verschleppen. Eine solche Verschleppungstaktik kann nur sehr zum Schaden der Allgemeinheit ausschlagen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Kann denn die Ausgabe für die Kanalisation überhaupt stationär bleiben? Nein, sie wird steigen. Auf den Rieselgütern haben wir 3009 Arbeiter, deren Bezüge auch erhöht, deren Arbeitsverhältnisse modern gestaltet werden müsseit; es darf dort keine Kinderausbeutung mehr stattfinden, wie es jetzt der Fall ist. Herr Zylicz ignoriert gänz- lich die Verträge, die die Stadt Berlin mit den angeschlossenen Vororten geschlossen hat. Für Charlottenburg würde übrigens automatisch der von uns erhöhte Betrag Geltung erlangen. Also stecke Herr Zylicz zunächst einmal in die Verträge seine Nase. (Heiterkeit.) Ein so schlechtes Zeugnis wird sich die Versammlung doch nicht ausstellen wollen, daß sie einen im März gefaßten Be- schluß im Herbst wieder aufhebt. Stadtv. Werner wendet sich in erregter Weise gegen die Kritik, die seine Anträge erfahren haben. Stadtv. Ullstein(soz.-fortschr.) kann die Befürchtung nicht ver- bergen, daß die erneute Ausschußberatung für die Vorlage nichts Gutes verheißt. Stadtv. Cassel: Die letztere Deduktion ist doch hinfällig. Es fragt sich, ob bis auf 2 Proz. erhöht werden muß oder ob man dar- unter bleiben kann. Die Ausschutzberatung ist also völlig gerecht- fertigt. Bedauern muß ich außerordentlich, daß eine Bemerkung fallen konnte, wie die, die sich aus den Oberpräsidenten bezog. .(Zustimmung.) Stadtv. Tove(A. L.) tritt seinen Fraktionsgenossen Iben, Landsberg und Zylicz entgegen. Vom Hochhalten der Selbstner- waltung könne der nicht mehr reden, der schon jetzt den Ober- Präsidenten um Hilfe anrufe. Er(Redner) habe Übrigens vor dem Oberpräsidenten tzar keine Angst. Wenn er die Wahl habe zwischen dem Oberpräsidenten und den Vertretern des Grund- besitzes, so ziehe er den ersteren vor.(Demonstrativer Beifall der NichtHausbesitzer.) Stadtv. Haberland(A. L.) legt sich mit großem Eifer für die Ausführungen der Hausagrarier in seiner Fraktion ins Zeug. Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Der Antrag Werner auf Mitüberweisung des Antrags wegen Einrichtung einer kaufmännischen doppelten Buchführung an diesen Ausschuß bleibt in der Minderheit. Der Ankauf eines Schulgrundstücks an der Zech- liner Straße auf dem Gesundbrunnen war von der Versamm- luna 1906 vornehmlich wegen des zu hohen Kaufpreises abgelehnt worden. Der Magistrat bringt jetzt eine Vorlage, wonach dasselbe Grundstück für einen etwas ermaßigten Preis angekauft werden soll. DaS Grundstück soll jetzt nicht 6076 Quadratmeter, sondern nur SSK6 Quadratmeter Fläche haben. Stadtv. Borgmann bemängelt, daß die Fläche des Schulgrund- stücks verkleinert und die Schule ganz auf Hinterland gebaut werden soll. Er beantragt Ausschußberatung, besonders auch zur Prüfung der Frage, ob der Schulhof noch eine genügende Größe aufweisen werde. Stadtrat Buchow, Stadtv. Jacobi und Oberbürgermeister Kirschner treten dem Stadtv. Borgmann entgegen. Ter Antrag auf Ausschußberatung wird abgelehnt. Stadtv. Singer wiederholt in der zweiten Beratung den An- trag auf Ausschußberatung. Stadtschulrat Dr. Fischer erklärt ebenfalls die Größe des Schulhofs für ausreichend. Die Ausschutzberatung wird abermals abgelehnt, die Vorlage angenommen. Die Beratung der Wertzuwachs st euervorlage wird von der Tagesordnung abgesetzt. Schluß nach �10 Uhr. Huö Induftnc und Handel Konkurs in der Holzindustrie. Die Firma Gebr. Vogel u. Co. hat infolge der Zahlungsschwierigkeiten der Holzfirmeu Brühl- Vallcntin Konkurs anmelden müssen. Spritdividcnde. Die Posener Sprit- Aktiengesellschaft soll für daS laufende Jahr, so hat der Auffichtsrat schon beschlossen, wieder eine Dividende von 25 Proz. abstoßen. Der Schnaps bringt was ein. Guter Abschluß. Die Eduard Singek Altienges. Schuhfabrik erzielte im letzten Geschäftsjahre bei 3 Mill. Mark Aktienkapital einen Gewinn auf Warenkonto in Höhe von 1295 252 M. gegen 1 283 455 M. im Vorjahre. Nach Abzug von 505 791«W. (514144 M.) Unkosten usw. verbleibt einschließlich 35 237 M. (31 107 M.) Vortrag ein Ueberschuß von 677 718 M. gegen 675 237 M. Daraus sollen dem Reservefonds wieder 40000 M.. dem SpezialreservefondS wieder 15 000 M. zugewiesen, wieder 17 Proz. Dividende gezahlt und 37 713 M. ans neue Rechnung vor- getragen werden.__ Sozialem Die Mankofrage vor dem Reichsgericht. Wiederholt haben wir betont, daß es dem Gesetz durchaus widerspricht, die Verkäufer. Filialleiter. Lagerhalter in weiteren, Umfange für Manko haften zu lassen, als eine Verschuldung der Verkäufer usw. vorliegt. Ferner liege die Beweispflicht für die Verschuldung der Firma ob. Diese Betonung war gegenüber der selbst in Berlin bei Ge- Werbegerichten. Kaufmannsgerichten und dem Landgericht zum Ausdruck gebrachten gegenteiligen Ansicht erforderlich. Und um so notwendiger, als das Landgericht zur Rechtfertigung seiner den Angestellten falschen Ansicht sich auch auf Vertragsklauseln von Konsumvereinen berufen hatte. Dieser Tage hat nun das Reichsgericht einen Prozeß ent- schieden, in dem es zugunsten der Verkäuferin im wesentlichen der von uns stets vertretenen Ansicht beitritt. Der Rechtssall lag folgendermaßen: Eine Berliner Firma hatte in ihrer Butter-, Eier- und Käse- siliale in Schwerin(Mecklenburg) eine Berkiinferin als Leiterin mit vierwöchentlicher Kündigung angestellt. Da sich bei den In- venturen Fehlbeträge von 300— 400 M. ergeben hatten, war es zu Uneinigkeiten zwischen den Vertragsparteien gekommen, so daß schließlich die Verkäuferin um ihre Entlassung bat. Die Firma klagte daraufhin gegen die Verkäuferin auf Ersatz der mchrjährigen Fehlbeträge und machte zuerst einen Schaden von 900 M. geltend. welche Forderung sie später auf 2500 M. erhöhte. Sie erklärt, daß es unmöglich sei. daß durch das Einwiegen beim Verkauf und durch das Vertrocknen der Ware ein so großer Fehlbetrag sich ergeben könne. Die Verkäuferin müsse Unterschlagungen gemacht haben. So habe sie einen jungen Mann, der sich zum Doktorexamen vor- bereitete, lange Zeit fast vollständig auSgehalten. ohne dre dazu gehörigen Mittel zu besitzen. Außerdem hafte üe nach dem Bcr« trage aber auch für den natürlichen Schwund. Denn sie habe die Waren auf eigene Rechnung getauft und wieder verkauft. Das Landgericht Berti» erkannte nach Vernehmung eines Sachverständigen, der bekundete, daß der natürliche Schwund der Ware nicht die angesetzten Beträge erreichen könnte, auf Ber- urteilnng der Brklagten. Dieses Urteil wurde auf die Berufung der Beklagten vom Kammergericht zu Berlin aufgehoben und die Klägerin mit ihrer Klage abgewiesen, falls die Beklagte den Eid leistet, daß sie Unterschlagungen an Erlös oder Waren nicht ge- macht hat. Gegen das Urteil des Kammergerichts hatte die Klägerin Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der III. Zivilsenat be- stätigte jedoch das Vorderurteil und erkannte auf Zurückweisung der Revision, indem er dazu folgendes erklärte:.Der Berufuugs- richter gibt zwei selbständige Gründe. Ein Beweis für wirkliche. von der Beklagten nach dem Engagementsvertrage vom 2. Mai 1895 zu ersetzende Fehlbeträge ergebe sich weder aus den erst nach- träglich, nämlich innerhalb des Zeitraums von acht Jahren seit Entlassung der Beklagten bis zur Klageerhebung, auf leicht mög- lich unvollständige Unterlagen hin in Ordnung gebrachten Büchern der Klägerin, noch aus den Frachtbriefen, noch aus den Waren- spczifikationen. Es sei weder das Nettogewicht der übergebenen Waren, noch der durch Eintrocknen und Verderb der ihrer Natur nach schnellem Verderben ausgesetzten Waren erwachsende Preis- abgang festzustellen. Diese Auffassung ist rein tatsächlicher Beweis. Würdigung. Und ausgegangen ist von der zutreffenden Rechts- ansicht, daß der durch Eintrocknen und durch anfänglichen oder nachträglichen Verderb der Ware erwachsende Preisabgang nach dein Vertrage vom 2. Mai 1895 die Klägerin, nicht die Beklagte trifft. Daß die Beklagte, welche durch diesen Vertrag als Ver- käuferin der Klägerin engagiert war, für den ihr vorgeschriebenen Verkaufspreis wie eine Selbstkäuferin haste, ist von der Klägerin selbst in den Vorinstanzen nicht behauptet und wird durch den Ber- trag widerlegt. Daß der Berufungsrichter trotz dieses negativen Beweisergebnisses dazu kommt, der Beklagten einen richterlichen Eid über etwaige Unterschlagungen an Erlös oder Waren aufzu- erlegen, beschwert die Klägerin nicht. Und zu mehr als zu diesem richterlichen Eide führt auch nicht die Behauptung der Klägerin. die Beklagte habe damals einen jungen Mann fast völlig aus- gehalten."* Zu wünschen wäre, daß nunmehr auch olle Gewerbe- und Kaufmannsgerichte, sowie das Landgericht an dem Grundsatz fest- halten: Verkäufer, Filialleiter, Lagerhalter usw. haben auch bei entgegenstehendem Wortlaut des Vertrages nur für das Manko einzutreten, das durch von der Klägerin nachgewiesenes Ver» schulden der Verkäufer entstanden ist.' DaS Kaufmannsgericht in der Konditorei. Die 2. Kammer des Berliner KaufmannSgerichts fand sich bor- gestern zu einer Lokalbesichtigung in der Konditorei von C. Hellbrich m der Leipziger Straße ein, um durch örtliche Inaugenscheinnahme in einem zwischen der beklagten Konditorei und der klagbar ge» wordenen Kassiererin Grete V. schwebenden Rechtsstreit Klarheit zu gewinnen. Der Fall lag folgendermaßen: Die Klägerin war in einem von den Gasträumlichkeiten durch eine Glostür getrennten Nebenraum mit einer Kollegin in Streit geraten und beide hatten sich dabei gegenseitig reckt bedenkliche Verbalinjurien an den Kopf geworfen. Als der Geschäftsführer die sich Zankenden zur Ruhe verwies, soll Frl. V. so laut weiter skandaliert haben, daß der Lärm im Lokal gehört werden mußte. Da olle Ermahnungen nichts fruchteten, wurde seitens des Geschäftsführers die sofortige Ent- lassung ausgesprochen. Die Klägerin wendet nun ein, daß tS bei der Bauart der Lokalitäten gar nickt möglich sei, daß der Zank bei den Gästen der Konditorei hätte Aufmerksamkeit erregen können; erstens würde in dem Nebenraum vom Personal immer mehr ge- schrien als gesprochen und sodann halte die Glaswand den Sckjall so stark ab, daß man im Lokal nichts höre. UeberdieS sei die Kollegin, die die Zankerei angefangen habe, nicht entlassen worden. Der Geschäftsführer bekundet dagegen, daß der Lärm so groß war, daß man ihn sogar in der höheren Etage hörte. Bei dem Widerstreit der Ansichten über diesen ausschlag- gebenden Punkt beschloß das KaufmannSgericht, eine sofortige Lo- kalbesichtigung vorzunehmen. Das gesamte Kollegium einschließlich der Parteien begab sich nach der nahe gelegenen Konditorei und kehrte nach etwa einviertelstündiger Besichtigung wieder in das Ge- richtsgebäude zurück. Bei Wiederaufnahme der Sitzung verkündete der Vorsitzende, MagistratSasscssor Dr. Licbrecht. folgendes Nrteil: Die Klägerin wird mit ihrem Anspruch auf Nestgehalt abgewiesen. Die Besichtigung hat ergeben, daß die Konditorei der Beklagsien vom besten Publikum besucht wird, daß während der Geschäftszeit größte Ruhe herrscht und daß zankende Geräusche entschieden auf die Vornehmheit des Lokals einen ungünstigen Einfluß ausüben. In einem solchen Milieu muß mehr als in einem anderen Betriebe für Ruhe und Ordnung gesorgt werden, die Entlassung war wegen der Unbvtmäßi�keit jomit berechtigt. Senedts-Deining. WohltätigkeitSschwindel. In mehrtägiger Verhandlung hatte sich die 6. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgericksisdirektors Dr. Goebrl mit einem Manne zu beschäftigen, der in„Wohltätigkeit" machte und wegen seiner Tätigkeit auf diesem Gebiete schon mehrfach die öffentliche Aufnierlsanikeit auf sich gezogen hat. ES handelt sich um den Architekten Adolf Cichbanm, dessen Ehefrau als Sängerin wiederholt aufgetreten ist. Er lvar wegen Betruges in mehreren Fällen unter Anklage gestellt. Seinerzeit war hier ein Verein ge- gründet worden, der es sich zur Aufgabe machte. Künstler, die durch Engagementslosigkeit in Not gerieten, zu unterstützen. Zu diesem Zweck sollten große Wohltätigkeitsaufführungen unter Mitwirkung hervorragender Künstler stattfinden, außerdem war geplant, den Verein zu einer Zentrale für Theaterbillettverkauf auszubilden, die an gewissen Tagen die gesamten Einlaßkarten von den mit dem Verein in Verbindung tretenden Theatern zu Vereinspreisen über- nehmen und durch Pen Weiterverkauf Ueberschüsse erzielen sollte, welche in die Vercinskasse fließen und den statutenmäßigen wohltätigen Zwecken dienen sollten. Der Grundgedanke, dem der Ver- ein sein Dasein verdankte, war ein ganz vernünftiger und leuchtete sehr vielen Bühnentünstlern in dem Maße«in, daß sie Mitglieder wurden. In den Vorstand wurde beispielsweise Kammersänger Rothinühl neben einer Anzahl anderer Personen gewählt, der wirkliche Leiter war aber der Angeklagte, der die gesamten geschäft- lichen Angelegenheiten in der Hand hatte und nach dem Zeugnis verschiedener Mitglieder diese Geschäfte auch mit großem Eifer versah, leider behauptete aber die Anklage daß das von dem Ver- ein Erreichte in übergroßem Mißverhältnis stand zu den außer- ordentlich hoben Betriebslosten. die der Angeklagte in Rechnung stellte. Die Art seiner Geschäftsführung erregte bei manchen Mit- gliedern große Bedenken und dewog den Kammersänger Rothmühl und mit ihm anders Mitglieder, sich von dem Unternehmen sehr bald vollständig zurückzuziehen. Die Geschäfts- und Kassenführung des Angeklagten als Vertreter des Vereins unterlag in der Ver- Handlung einer überaus eingehenden Prüfung, die notwendig war, um zu entscheiden, ob der Angeklagte bei Pen zur Entscheidung stehenden Betrugsfällen, in denen er bei verschiedenen Juwelieren Goldsachen als Jubiläen- und Ehrengaben für Künstler auf Kredit entnommen und teilweise versetzt hatte, in gutem Glauben gewesen sein könne. Das Gericht sprach den Angeklagten in einem Falle frei, verurteilte ihn aber in den Übrige» Anklagefällen zu JVa Jahren Gefängnis. Der Angeklagte war schon während der Verhandlung in Haft genommen worden. Der Staatsanwalt hatte 2� Jahre Gefängnis in Antrag grbracht. DaS recht eigenartige Schicksal der Laie Fullrrsche» Tänzerinneutruppe spielte in eine Verhandlung hinein, mit welcher sich gestern das Schöffengericht Berlin-Mitte zu beschäftigen hatte. Angeklagt wegen Unterschlagung bezw. Nötigung und Beleidigung toar der Pen» sionatsinhäber Eugen Reinhardt und dessen Ehefrau Marie R.— Anfangs b. I. trat die bekannte Tänzerin Laie Füller mit ihrer aus sechs Engländerinnen bestehenden Tanztrnppe in einem hiesigen Theater auf. Die sechs Tänzerinnen lourden von Miß Füller in dem Pensionat der beiden Angeklagten in der Morienstraße unter- gebracht. Da Miß Füller die Pension nicht bezahlte, mußten die jungen Engländerinnen eines schönen Tages das Pensionat ver- lassen. Vorher hatte ihnen die Angeklagte R., um sich schadlos zu halten, sämtliche Kostüme und Kleider und sogar die allernot» wendigste Leitnväsche einbehalten. Die sechs Jungerinnen Ter» psichores, unter denen sich noch mehrere Kinder befanden, gerieten hierdurch in die größte Verlegenheit. Es wurde ihnen der Rechts» anwalt Dr. Aßmcinn als Pfleger bestellt, der aus dem Wege einer einstweiligen Verfügung die Angeklagte zur Herausgabe der ein- behaltenen Sachen auffordern ließ. Diesem Antrage wurde statt- gegeben, zumal nicht die sechs Tänzerinnen, sondern Miß Füller als eigentliche Schuldnerin der R.schen Eheleute in Frage kam. Die Angeklagten verweigerten trotz des Gerichtsbeschlusses die Heraus- � gäbe der Sachen. Als schließlich der Gerichtsvollzieher erschien, er- klärten sie, daß sie die Sachen bei einem Kaufmann Löwenthal lom- barbiert �>ben. Nachdem sich ergeben hatte, daß dieser die Sachen nicht in seinem Besitz hatte, wurde gegen die Angeklagten ein Offen- barungsverfahren in die Wege geleitet. Gegen beide muht« Haft- bcfchl erlassen werden, da sie nicht vor Gericht erschienen. Frau R. erklärte schließlich, daß sich die Sachen noch in ihrem Pensionat befänden. Als hier der Gerichtsvollzieher Kosebeck in Begleitung des Bureauvorstehers Pflanz und der Tänzerin SunShine May er- schien, riß R. der letzteren noch eine Federboa von den Schultern, um sich daran schadlos zu holten. Die Sachen wurden beschlag- nahmt und den Eigentümerinnen ausgehändigt. Rechtsanwalt Dr. Aßmann erhielt später seine dem Angeklagten zugestellte Kosten- rechnung mit einem in höhnischem Tone gehaltenen Brief zurück. Ferner telephonterte er an Dr. A., daß er dessen Angestellten, wenn sie ihn noch einmal in dieser Sache aufsuchen würden, das Genick brechen würde.— Das Schöffengericht erkannte bezüglich der Ehe- frau R. wegen der Unterschlagung aus Freisprechung, da eine Uebergabe der Sachen an den Zeugen Löwcnthal noch nicht statt- gefunden hatte und die Verpfändung demnach nicht rechtsgültig gewesen war. Dagegen wurde der Ehemann Reinhardt wegen ver- suchter Nötigung zu 59 M. Geldstrafe verurteilt. Au» ber Schulstube. Vom Landgericht Essen(Ruhr) ist am 6. Februar der Ober» lehrer Karl Schröer wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Er war am Proghmnasium in Buer tätig und verwies die lärmenden Schüler der Sexta, derer Lehrer «r nicht war. zur Ruhe. Ein Schüler lächelte über seinen fremd- artigen Dialekt. Der Lehrer packte ihn dafür mit beiden Händen an den Seiten des Kopfeö. Dadurch riß er an beiden Seiten die Haare aus, so daß zehnpfenniggrohe Löcher entstanden. Von Ausübung des Züchtigungsrechtes konnte nach Ansicht des Gerichts keine Rede sein.— Die Nevision des Angeklagten wurde vom Reichsgericht am Mittwoch verworfen. Es wäre zu wünschen, daß eine gleiche Praxis endlich auf die Gemeindeschulen ausgedehnt würde. Aus den Geheimnissen einer bayerischen Backstube. Wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz batte stch vor dem Landgericht Nürnberg der Bäckermeister Engelbrecht zu verantworten. Der Mann macht ein Bombengeschäft mit einer in Nürnberg und darüber hinaus bekannten Brezelspezialität. Nun war beschuldigt, zum Backen dieser Leckerbissen Mehl ver- wendet zu haben, in dem sich drei tote Mäuse sowie MLnsckot befanden, ferner soll ein Hund einmal das Mehl so wie Valentin seligen Angedenkens den Käse behandelt haben. Der reinliche Bäckermeister führte zu seiner Entschuldigung an, daß er das verunreinigte Mehl vor der Verwendung habe„durch- sieben" lassen. Die Geschichte mit den toten Mäusen konnte nicht als ganz sicher nachgewiesen werden, wohl aber die anderen Sachen. Der Mann kam mit der gelinden Strafe von 30 M. davon. Valentin erhielt seinerzeit eine hohe Gefängnisstrafe. Der bayerischen Gemütlichkeit würde es nicht schaden, wenn sie beim Strafausmaß gegen solche Schweinereien sich etwas mehr im Hintergrund dielte._________ Huq der frauenbcwegung. Mädchenhandel. Am 16. und 16. November wurde in Leipzig die diesjährige Hauptversammlung des deutschen Nationalkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels abgehalten. Der Vorsitzende. Reichstags- abgeordneter Dr. v. Dirkfen, machte unter anderen folgende Aus- sührnngen: � Man sei mit den Behörden gemäß der vorjährigen Beschlüsse in Verbindung getreten, daß die Eintragung mindcnähriger Aiisländerinncn in die Dirnenlisten unterbleibe uno daß eventuell diese Personen ausgewiesen werden. Die Ver- Handlungen schweben noch. Dann Hobe man sich mit den Eisenbahn- Verwaltungen und den Schiffahrlsgeseklschaften in Verbindmig ge- setzt, daß für in« Ausland reisende Frauen und Mädchen auf dem Transport getrennte Unterkuiiftsräume beschaffen werden. Die deutschen SchiffahrtSgesellschasteu sind aufgefordert worden. Mit- glieder in daS Nationalkomitee zu entsenden. Auf Grund der vor- jährigen Tagung in Breslau sind in Kaltowitz und Beuthen Heber- ivachungSgreiizstationen eingerichtet worden, da dieie beiden Orte als Eingangstore für den internationalen Mädchenhandel aufzufassen sind. Sehr zu begrüßen war eS, daß aus dem deutschen Kathalikemag in Breslau in scharfer Weise die Belämpfuno der Schmutz- und Schundliteratur beschlossen worden ist. Sehr begrüßenswert sei eS, daß die Polizeibehörde die Ausstellung von Auslandspässen an junge Mädchen verweigert, bis festgestellt wird, daß die Stelle im Ausland eine einwandssreie sei. Ferner sei die in Aussicht ge- nommen e rcicksgesetzliche Regelung des StellenvermiltelungSwesenZ sehr zu begrüßen. Die Vereine sollten Eingaben machen, damit hierbei mehr ans die Moralität der Stellenvermiitler in der Regelung dieser Materie besonderes Gewicht gelegt wird. Major a. D. Wagener-Berlin erstattete den Jahresbericht: Der Mädchenhandel ist im großen und ganzen in Deutschland ein Transit- verkehr, denn der Zug von Rußland und den Ballanländern geht Über Deutschland nach Frankreich und England, Die eigentlichen Mädchenhändler werden ähnlich wie beim Wucher nicht gefaßt. Man faßt nur die Agenten und das find meist minderwertige Menschen. Ans meine» Studienreisen im Ausland habe ich m Bordellen selbst sehr wenig deutsche Mädchen gefunden. Ungeheuer groß ist dagegen die Zahl der jungen deutschen Mädchen, die als Kellnerinnen un Auslände tätig sind und dann bald der Prostitution anheimfallen, aus diese Weise immer tiefer finkeu und schließlich auf der tiefsten Stufe der Prostitution anlangen. Am schwersten ist der Kampf dort, wo junge Mädchen durch Not und Elend in die Arme der Prostitution getrieben werden, wie in den Balkanländern. Bei unS in Deutschland ist diese Not nicht vorbanden. Allerdings ist die Frauenarbeit bei uns auch schlechter befahlt. Die Schuld liegt an den Mädchen selbst, die sich in die großen Städte drängen und dienende Stellungen ablehnen. Sie verfallen dann der Verführung und wenn sie ein Kind haben, bleibt ihnen kein anderer Weg als KindeSmord oder Prostitution. Es sind im letzten Jahre im Deutschen Reiche 32 Mädchenhändler gerichtlich bestraft worden. Unter diesen war einer der gesährlichsten ein gewisser Mayerow, der bereits dreißigmal sich hat trauen lassen. Es gelang, den gefährlichen Mädchenhändler Malitzki auf Grund des fj 48 des Ausweisungs- gesetzes auch in Deutschland noch mit Zuchthaus zu bestrafen, nach- dem er bereits in Johannisburg bestraft worden war. Glücklicher- weife finden wir m der ganzen deutschen Presse weiteste Unter- stützung unserer Bestrebungen. Die Bestrebungen sind zweifellos lobenswert und gut gemeint. aber nicht konsequent. Daß die Mädchen in Deutschland gewisser- maßen ouS Uebermut in die Städte drängen und dadurch die schlechte Entlohnung selbst verschulden, ist ein ganz trivialer Gemeinplatz. Viele Mädchen kommen schon verführt und schwanger vom Lande in die Stadt. Tausende werden vom Lande vertrieben durch die brutale Gesindeordnun� und die noch brutalere Behandlung, die sie auf den Gütern erleiden müssen. Wer ernsthaft die Quelle der Prostitution und des Mädchenhandels verstopfen will, der muß siir Aufhebung der Gesindeordnung, für rechtliche und wirtschaftliche Gleichstellung der Frau mit den. Manne eintreten. Aber für solche Forderungen wird Herr v. Dirksen bei seinen Parteifreunden und bei sich selbst energischen Widerstand finden. Man kämpft gegen die Begleiterscheinungen des Uebels, an feinen eigentlichen Ursachen geht man mit geschlossenen Augen vorbei. Versammlungen— Veranstaltungen. Erper Wahlkreis. Heute Freitag, abends 8'/z Uhr: Oeffentliche Fraueuversammlung in LammerS Festsälen, Kommandanten- straße 72. Vortrag Frau Wurm:.Die Ausbeutung der Frau in der heutigen Gesellschaft". Diskusston. Um zahlreiches Er- scheinen er'urfct Der Vorstand. Leseabende. Groß-Lichterfelde. Freitag, den IS. November. S Uhr. im.Kaiserhos" am Kranoldplatz. Steglitz. Heute 8'/, Uhr bei Rohmann, Schloßstr. 117: Vortrag Frau Lungwitz:„Die neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu". Deutscher Arbeiter-Zlbttinenten-Bund. Ortsgruppe Berlin. Heute abend S>/, Ubr. im GewcrlschastShauS, Engeluser 15, Vortrag des Herrn oanä. msä. Edwin Bab über„Alkohol und Vererbung. Degeneration und Nassenhygiene.— Eintritt 10 Pf. Kein Keträiikeausichant I Allgemeine Kranken, und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29. Homburg). Berlin 10. Sonntag, den 21. November, vormittags 10 Uhr, bei Faber. Stephanstr. 11, Versammlung. Eiliale Rummelsburg. Sonnabend, den 20 November, abends Hr. bei Blume, Boxhagen, Ecke Neue Babiihosstraße, Versammlung. Filiale Cbarlottenburg. Sonnabend, den 20. November, abends 8'/» Uhr. im VoltShause. Rosinensir. 3, Mitgliederversammlung. Filiale Wilhelmsruh. Sonnnbend, den 20. November, abends 9 Uhr, bei Barth, Viltoriastr. i, Mitgliederversammlung. Filiale Berlin S. Sonnabend, den 20, November, abends 8'/, Uhr, bei G. Karsowsli, Brunuenstr. 82, Mitgliederversammlung. eingegangene DrucMcKriften. Von der„Neuen Zett»(Stuttgart. Paul Singer) ist loeden das 8. Heft des 28. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Nur ein Amendement.— Die politische Situation in den Vereinigten Staaten und die sozialistische Partei. Von L. B. Boudin(New Dort).(Schluß.) — Die„stärkste" Marxlritik. Eine Antikritik von Gustav Eckstein.— Bc- zirkstags- und LandeSausschußwahten in Etsasz-Lothringen. Von Jean Martin(Mülhausen i. E).— Mecklenburgisches. Von F. Starosson (Rostock).— Sexuelle Ethik. Von Therese Schlesinger. Literarische Rund- schau: Felix Somlo, Der Güterverkehr in der Urgesellschaft. Von K. Kautsky. Eberhard Zfchimmcr, Die Glasindustrie in Jena. Von Richard Woldt. Rudolf Pannwitz, Der Boltsschullehrer und die deutsche Kultur. Von Düwell, Dresden.— Zeilschristcuschau. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postaiislalten und Kolporteure zum Preise von 3.25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann sie bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft kostet 25 Ps. Probenummern sieben jederzeit zur Verfügung. Das Theater. Halbmonalsschrlst. SchnsUeitung: H. Salden. Jährlich 20 M. Wilmersdorf. Berlin. Briefharten der Redahtion. Tie luriftlsche vvrechNünde finde« Lindenftraste 8,«welter H»f, dritter Eingang, dlrr Treppen, ZM" Fahrstuhl-MfZ wachrneaglich abrnds von bis O1� Uhr statt. Gedssnet 7 Uhr. Sonnabrnds beginnt die Sprechstunde um K Uhr. Jeder Anfrage Ist«t» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen briiusstgrn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung«m Brtcflastcn können 1t Tat« vergehen. Eilige Frage» trage man in der Specchstuiide vor. (fmll 27. Ohne Einwilligung der Gesellschaft können Sie von dem Versicherungsvertrag nicht zurückireten.— P. B. 38. Keines io?gs. Wir haben vor dem Verein„Volkswohl", Linkstr. 13, wiederholt gewarnt.— F. 70. Sie müssen reklamieren. Nach der herrschenden Ncchtsaussassung bat die evangelische Kirche, auch wenn Sie nie Mitglied gewesen sind, ein Recht aus die zu Unrecht verlangte Steuer, wenn Sie gegen dieselbe nicht reklamieren.— P. G. 1302. In dem Fall haben Sie nicht richtig gehandelt, wenn in Ihrem Vertrage Ausrechnung gegen eine Gegenforderung ausgeschlossen ist. Sie könnten dann nur Ihre Forderung beim Amtsgencht cinklageit. Eine strafbare Handlung liegt aber schon deshalb nicht vor, weil sie berechtigt zu sein glaubten, so zu Handel», wie Sie getan haben.— G. H. 22. Nein. — H. L. 1000. Wenn das Gericht zu der Annahme gelangt, bah eine nicht nur vorübergehende Werkmeisterstellung gegen festes Gedalt vorliegt, so würde die frühere über den KündigungsauSIchlub getrosten: Verein- barung ungültig sein. Soweit ersichtlich, trifft dies in Ihrem Falle zu.— G. N. 3l. l. Wenn es zur Klage kommt, würde voraussichtlich der Richter annehmen, daß der alte Vertrag mit seinen Zkündigungs- bestrebungen noch in Kraft ist. Sie ivärcn also danach bis zum 1. April gebunden. Der Wirt hätte das Recht, die Sachen einzubehalte», wenn Sie nicht die volle Miete bis zum 1. April zahlen oder hinterlegen. Glanben Sie beweisen zu könne», daß Sie ausdrücklich und mit Einverständnis des Verwalters erklärt haben. daß die KündigiingSbestimmun�en des alten Vertrage» nicht mehr gelten sollen, so könnten Sie mit Aussicht aus Erfolg beim Amtsgericht aus Anerkennung, daß der Vertrag am 1. Januar sein Ende erreicht hat. klagen. 2. Der Eid ist für Dissidenten derselbe, wie für andere. Ein Zwang ist möglich. 3. Der Gemeindesriedhos steht jedem zur Versügung. — F. E. 585. 1. und 2. Der Scherlsche Verlag. An ihn müssen Sie sich bchusS Berichtigung wenden. Die Listen zur Ausnahme im Adresikalender geben im Hause herum. Wahrscheinlich hat Ihr Wirt daS Versehen ver- schuldet. 3. Nein— Sf. F. 20. Ein Verlassen der Pflege und weiterhin ein an daS Vormundichajlsgericht zu richtender Antrag, die Schwester für volljährig zu erklären, wäre angebracht.— O. H. 30. Eine gerichtliche oder notarielle Beglaubigung oder dergleichen ist nicht ersorderlich. Damst die Schenkung gültig ist, mügte sie aber vollzogen, alio die geschenkten Sachen übergeben werden. Soweit die Schenkung etwa bezweckt. Gläubiger zu benachteiligen, ist sie ungültig. Aar den Jutialt der Inserat« Mbernimm» die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Cheater. Freitag, 19. November. Ansang VI, Uhr. Königs. Over« Hans. Der schwarze Domino. KSnigl. ZchanspIelhauS. Der eingebildete Kranke. Nene» köutgi. Opern-Dheater. Hamlet. Kessing. Die Frau vom Meere. Deutsches. Hamlet. Kammerspiele. Frühlings Er- wache».(Ans. 8 Uhr.) Ansang 8 Ubr. NeueS Schauspielhaus. DaS Exempel. Neues Operette». Miß Dubelsack. Verltuer.. Hohe Politik. «omische Over. Auserstehung. VeucS. Le voleor. Kleines. Moral. Nestden». Grelchen. t ebbet. Der Siandal. chilier«. itcaUntr• Xbtatti.) Gespenster. Sch" Gbarlottenburg. Der Schwnr der Treue. Friedrich> Tüi Urimnitdt. Schau- spielbans. L�elott. Westen. Die g-i-giedene Frau. Thalia. Die ewige Lampe. Luisen. Heimat. Volksover. Unoine.(Ans. 8'/, Uhr.) Note Die Rechtlosen. Triano». Pariser Witwen. Lustsptelhaus. Der dunfle Punkt. Met-»,-»,. Hallohll— Die große Revue. Folie» Gaprier. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8'/. Uhr. Ap.>st». Svezialitäten. Wintergnrren. Svezialitäten. Eafino. Onkel ToHn. Gebr. Herrnfeld- Theater. So muß man'» machen. EinRellungS- mittel. Karl Haverlaud-Theater, Epe- zialitäten. ilyalralla. Svezialitäten. Gastspiel. Die gute Partie.(Ans. 8>/. Uhr.) Pni-,«e. Spezialitäten Noacks Theater. Am War. Palast. Liebchens Trlc? Sp-zlali. täten ReichsvoNen. Steltlner Sänger. Urania. Tauveni.r-.he in. Abends 6 Uhr: In den Dolomiten Tte.»»-ar»i, Jnvatideun:»7-Sr. ä.ennInL-'I'kentsn. 7>l, Uhr: Die Fran vomjMeere. Sonnabend, 8 Uhr: Tantris de» Narr. � Sonntag, 8 Uhr: TantrlS d. Narr. öerüner Theater. Heute 8 Ubr: Hohe Politik. Morgen: Hohe Politik. Neues Theater. Abe ndS 8 Uhr: Zweites Gastspiel Soranao OiiprSc La voleor(Der Oleb). Sonnabend: 8. Gastspiel Suzuns Deiprbt: Monna Yanna. Theater des Westens. «bends 8 Uhr: Die geslliiedtne Frau. Sonnlag: Der fidel« Bauer. Residenz-Theater DIreltlon: Richard Alexander. Abend« 8 Uhr: GroteSle in 3 Akten von Davis und iStaKIUvi' Schiller-Theater 0. lWallner-Tbeater.) Freitag, abends hlldr- <»«-»penntor. Ein Familiendrama in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. IV Ende l0'/, Uhr."M Sonnabend, aoendS8U Kabale ond Liebe. Sonntag. adendS 8 Uhr: Don Carlo«. r ihr: Theater. Schiller-Theater Charlottenborg. Freitag, abend« S Ubr: Der Scbivor der Treoe. Lustspiel in 3 Allen v. O. Biumenlhal. jomr Ende 10'/, UH-."tzM (Sonn oben 6. a o e II d S 8 Uhr: Zum erstenmal: WaUennteins Tod. Sonntag, abend» 8 Uhr: _ De.penster. Gesangverein»Kreuzberger Harmonie" M. tf. 0. A.-S.-B. Chormeister Botho Frank. Sonntag;, den 91. November lToten-Sonntag): KONZERT in der Branerel Frledrlohahaln, am KönigStor unter Mitwiilung des llerHner Sinfonie- Orchestern (40 Mufller) Dirigent: Kapellmeister 9. Fischer. — linkang prlv. 7 Uhr.- Programme im Vorvevlauj 50 Pf. sind zu Haben im Reftanrani Meyer, Oranienstr. 103 1 Restanianl Walter, Adalbertstr. 62; Restauranl Braun, Am grsedrlchSHaw 35; und Koniui». VertaufSstellr. Gräsestr.«S St/Ig» t-ustspislhaas. Abends 0 Ubr: Der bttttfle Punkt. hienes Operetten-Theater. Schistbauerdamm 25, a. d. Luisenftr. Abends 8 Ubr: Mll0 Ondelsncll. Operette in 3 Akten von Rudolf Reisen. Friedrlch-WilhelmsMisches Schauspielhaus. Freitag, 19. Novbr., Ansang 8 Uhr: Zum erstenmal: Sonnabend: Liselolt. Sonntag: Do» große Licht. Montag: Liselott. Vollis-Uper. SV., Belle-Allianee-Straße Nr. 7/3. ll b e n d S'/,9 Uhr: Undine. je HOfeier- Eine Revue der Schönheit. Grazie». d. Humors! Anne Dancrey. Bernh. Mörbitz. Laiia Selbini. Horace Goldin. Sisters Harvey und eine Reihe bervorrugtender Kunstkräfte. Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr: Heimat. Sonnabend nachm. 4 Ubr: Große Kindervorstellung: Der Struwelpeter. 8 Uhr: Heimat._ Morgen: Dieselbe Vorstellung. Totensonntag, 21. Nov.: busette. OSE-THEATE Große Franlsurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende>/,,! 1l. Die Äi echtlosen Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Allen von Popper und Klabunde. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dorn- röschen. 8 Uhr: Maria Stuart. Die von der gesamten Presse als erfolgreichsten Schlager bezeichneten Novitäten: „So muß man's machen" Burlesk« m. Gelang in 2 Akten von A. u. D. Herrnield. Musik von L. Jial mit Anton und Dona» Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Ej« ZikttllNgSlMtt Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. Sonntag, den 2t. November: „Die Meyerhain«-'.„Die lelzto Ehre". Vorverkauf 11—2 Uhr. Ansang 8 Uhr. 3 Uhr: 8 Ubr: Die grandiosen Spezsalitäten. u. a.: Uorothy Kenton Yvonne de l'orgje Das Wonder der Ankleidekunst. Conttnelo Yornarina. Die Phänomene: HYvnne Urotbcrs. 10 Uhr: 10 Uhr: Eine Haremsnacht. Grotesk« in 1 Alt. Passage-Panoptikum Neu; ImReiehe des Königs Agua. Geheimnisse der Wassertielo. Plastische Riesendioramen. Dum lebende Skelett. Du» auatoiu. Udtfcel. Sie Traummalerin. AtiJA, die schweb. Jungfrau Tamboritza- Bfigruntos. Panophon- Vortrag;«. Alles ohne Extra-Entree! |o sprechen tSglich hunderte, wenn sie den Annoncenteil einer Zetwng durchfliegen. Und oft mit Recht, lvas wird z. B. nicht alles als „Bestes" angeboten, vm nach kurzer Zeit spurlos zu verschwinden. Gegenüber solchen Anpreisungen sei nachdrücklich darauf hingewiesen, daß ein seit 20 Jahren bewährtes, unschädliches, wohlschmeckendes und dabei billiges Frühstücksgetränk existiert, es heißt— Aalhreiners Malzkaffee. In letzter Zeit werden viele Nachahmungen angepriesen (die übrigens keinem vergleich mit Aathreiners Malzkaffe« stand- halten); man acht« darauf, daß Aaihreiners Malzkaffee nur in ge- schloffen«« Paketen verkauft wird, mit Bild des Pfarrer Kneipp. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Melropol-Tbeater Hallo!!! Die grolle Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Liiicke. In Szene genetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang S Uhr Rauchen gestauet. • Passage-liieatef,] Abends 8 Uhr; Da« großartige 1 Varietö- Programm «des aenen großen 1 Variete-Teils. 2 Ferner 10 nene Debüts. Ferner: Henry Bender in der tollen Burleske| i Der süße Doktor. www» Freitag, den 19. November, abend» VI, Uhr: Grohe ExtraVorstellung. DebntS Debntt Der Amerikaner MF. NlblO m. seinen konveriiierenden l'apitgeien Eukoo u. Laura in dieser Vollendung noch»Ich! dagewesen.— Außerdem: Das neue Programm. UmSUHr ZumSO. Male Endeil Uhr Die große Feerie: vis drei Rivalen (Bordeaux. Ehablis, Champagne) oder Das mysteriöse Tchlost in der Normandie Hcrvoiznbcben: Das HvchzeikS- fest mit der»och nie geiestenc» Tchluft-Apotheose, TV. XosokL TKeater örunuenni IS, am Rosenthaler Tor. Zum letzten Male: Abends>1,9 Uhr: Am Altar. Zeitgemälde in 4 Alt u. einem Nachlp. Sonnabend große Extravorstellung: Lenore. die Grabesbraut. Psisst-TKeeier. Direktion: Rodert DIU ck Karl Pirnau. Burgstraße 24. am Bahnhof Börse. TügUeb: Das votißändig neue SprsiatiMen-Nragramm! Fiebltjrug Nid!? mit Direktor Roh. Dill in der Sauplgesangspartie. KW»- Borzugskarteu überall zu habm.___ Stadt-Ttieater Moabit. Alt-Boablt 47/48. Sonntag, den 21. November 1909: Novität! Novität! In UcrireiW. Schwank in 3 Akten von Heinz Gordon. Casino-Theater Lolbringer Straße 87. Täglich 8 Uhr, Trotz des kolossalen Andranges: Nur noeh bis Freitag 9. Oezeiber: Onkel Cohn. Sonnabend, 4. Dez, Premlerenabcnd. Sonntag 3 Uhr: Nick-Easter. IWeinbergswag 19-20, Rooenth.Tor. I Ans. 8 Ubr. Die großartigen| November- Svezialitäten. Im Tunnel: Regimentskapelle. Theaterbesuchern freier Eintritt. Tirkns Busch. Heute Freitag, abends 71/, Uhr: Kom. Gala-Abend. ü. a.; Die Clevei»iid» I Fatty Frank-Trnppel Kwergrlowu Franz-ois, Kunetreiter.— Ferner; Frl.) Wardia Beketow, Schalreiterin.; Herr E.Schumann, Meisterdress. S um o'i4 uhr: famiErta! I Besonders hervorzuheben: Die 10 Meter hohe Sturzwelle! Oer Ueberfall und Rettung aus dem| brennenden Blockhause. Vorher das groBe Gala-Programm. Gastspiel-Tliealer Köpenicker Straße 67/68. Täglich abends 8'/. Uhr: Gastspiel von Fritz Beckmann. Die gute Partie. Folies Caprice.l Anfang 8'/, Uhr Mobilisierung. Bnnter Teil Dar gewisse Augenblick. V oigt-Tlicatcr Gesundbrunnen, Badstr. 68. Freitag, den 19. November 1909: Die Ase vom Erltvhos. Volksstück in 6 Auszügen von Statut. Kassenössnung 7 Uhr. S>V Ansang 8 Uhr. Kön igHtud t- K anino. Holzniarktitraße 72. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung mit Franz Sobanski. Olga l.ey, Musik. Komödianten Carmanelli Kurt Werther, EmmyGalctii, Rookovfsky- Duo Gust. Burg Truppe Juhasz (4 Personen, 1 Foxterrier) usw Prinz Wendelin, Gesaugsp o. Klein. Kar! Haverlanä Ansang Tbeatev präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. N*> neue erstklassige d Q Spezialitäten, Schlager aus Schlager! Reiciislmlldn-Tlieater. Stelfiner Sänger Meysel, Rritton, Schräder usw. Ansang: Wocheid 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Sanssouci, S'" Direktion Wilhelm Reimer Heute Freitag: Theaterabend. Beginn S'/j Uhr. Zum erstenmal: Der Leiermann«. sein Charakterbild von Charl. Birch-Pseifser. Totenfonnt.: IZesehloeeen. Montag. Donnerstag: Nollmanns Rordil. Sänger und DanztrSiizche». Leg. Sonnt. S, wochent. SU. «MMM'I!! bsoeitlpleU �Aiik.8 Uhr. Humpsti- Bumpsti Sonntag nachmittag: Gr. Vorstellung zu kleinen Preisen. fl'/j Uhr; Ein Kind frei! Trianon=Theater. AbendS 8 Uhr: Pariser Witwen. l 13/20» Alexanderstr. 35 (kein Laden). Mein Herren- und Damen- Stiefel aM. 7.75 erfreut sich Infolge seiner Haltbarkeit großer Beliebtheit. Tischler-Verein F8" (Sonnabend, den 20. November. abends S'/j Uhr, Melchiorstr. 15: Versammlung. Vortrag des Herrn C. Mücke über „Genosseiischnsten-. 133/14 Damen und Herren als Gäste will' kommen. Der Borstand Allen„Vorwäi ts-.Lesern zur Kennt- nis, dah ich Boxhagen, Wiihlisdißr. 33, Eck« Stmo». Dachstrahe, ein Gncx. Vlagaxin eröffnet habe u. bitte bei vorkommenden Fäll.n um gütigen Zuspruch. «loh. Weiland. BtUigfte Bezugsquelle für Kygiemsche Bedarfs-Artikel Droeerie /.nremba. Berlin N.,Weinbergsweg I. ----- Ein Vei-such-----• führt zu dauernder Kundschaft. Gicht, Gliederreißen, Nerven- { schmerzen, Hait«eh.Ge$chwulet etc. sind Ost unrrlr&fllld). daher ge- brauche man tekort_ Reichei's„Electricum"| (Echtes Kiefernadel-Walawolioel «in reine« unlwddliche» Natur- Produkt von träktin durchn» eisen der. nodibaltiacr. schmerzsiiGen» der tOirtung. Flasche M. 1— und M 2.. 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Nach den Wahlen findet für Arbeit. geber und Arbeitnehmer gemeinsam ein Vortrag des Herrn G. Bauer über: Die arztliche Versorgnng der Krankenkarsen statt. Hieran anlchliefiend findet die General-Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Kasse Mit folgender Tages-Ordnung statt: 1. Bericht dcS VorftandeS. 2. Neu- wähl deS Vorstandes. 3. Wahl von drei Reviforen. 4. BerfchiedeneS. DIB- Die Delegierten erhalten am Generalversammlung noch eine schriftliche Einladung, weiche all Legitimation dient. Zahlreichen Besuch erwartet 263/2 Der Vorstand PC, Gänse nur erste Dualitäten von 7 bis 14 Pfund a Pfund 05 Pf.. GSnserümpfe.'/.Gänse. Junge Enten M. 2,&0. Hühner, fette Suppenhühner, fge. Brathühner in befonders lchöner Auswahl. SO.Ntariattnrnftr. 34. WGWM i 6i9arcffc$ Zigarrenhändler! äÄ Die bestsortierte und billigste Einkaufsquelle in Zigaretten, Zigarren und Tabaken sämtlicher eingeführter Fabrikate ist Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, �clitiinxi r. Gipser m. „Grundstein znr Elnlgrkelt"(Eingefchr. HilfSfafse Nr. 7). Sonntag, den 21. November, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 1ö: AußerordenII. Wglieder-VersMmIullg. Tages-Ordnung: l. Neuwahl deS ersten Bevollmächtigten. 2. Vortrag des Kollegen Eugen Simanowiki über:»Unfall- und Invalidenversichornngsgcsetz-. S. Kaffenaiigelegenheiten. 143/14" Die örtliche Verwaltung. I. A.:«oltt. Qrtsvertvnltnne Verl in. Heute Freitag, atdS. 8'/, Uhr, im GrwcrlschaftShause, Engeluser 14/15, Saal 4 fArbeitSlosensaal): Litzlung Äon vFisvenufsItung. Einsetzer! Sonntag, den 21. November, vormittags 10 Uhr: Krnnchrn-Nersammlung im GewerkschaftShanse, Engelufer 14/16, Saal 4(Zlrbeilslofenraum). Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Rechlsanwalt» Dr. H e r z f e l d:»Gesetz über die Sicherung der Bonfordrruugen«. 2. Anträge zur Generalversammlung. 3. Verbandsaiigelegeuheiten. S2/7 Die Delegierten müsien vollzählig anwesend sein. Verband der Hafenarbeiter und verwandten üerufsgennssen Deutschlands. — nitelirdschaft Berlin.——— Sonntag, den 21. November 1909, vormittags 10'/, Uhr. im R lag, den 16. d. M., verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Tie Beerdigung findet heute. gv ilag, den 19. November, nachmittags 3'/, Uhr, ans dem neu u t-auls< Kirchhof, Piötzeusee, statt. Um i ollftäiid geS und p.iuttl'ches Eischeiiieu der Mitglieder 2-30b ersucht Der Vorstand. Am 16. November verstarb unser lieber Kollege, der Setzer Julius Stein aus Magdeburg im Atter von 43 Jahren. Wir werden demselben ein ehrendes Andenken bewahren. Berlin, den 18. November 1963. vie Kollegen der Buchdruckerei ttempel o. Co. („Tägliche Rundschau".) Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 13. November, nachmittags 4 Uhr, von der Leitenb.ille des ZentralfliedhoseS, Friedrichsieide, aus statt. 2M13b Restaurant„Zur Mühle" Miersdorf, 15 Minute« vom Bahnhof Zeuthen. Halte mich allen Freunden, Partetgenossen und AuSflügleru bestens empfohlen. Speisen und Getränke in bekannter Güte.» Ernst Eier. Telephon: Amt Zeuthen Nr. 44. . l Frauen- Versammlung au Herzschlag die Sozialdemokrat Krelswalilicrein Nieder-Barnim. Bez. Rclnlckcndorl-Ost Todes-Aiizeige. Hm Dienstag, den 18. November, abends 8'/, Uhr. oerstarb aus dem Wege zur öisenllicheu j; versamm Genossin Pauline Popp, Seestr. 26. Ehre ihrem Studenten t Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des Ge- mein defriedhofes, Humboldlstrage, au« statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 233/4 Die Vezirtsleitu»«. Danksagnnft. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres mwergeg- lichei» VaterS Qugus� Bachert sagen wir allen Kollegen, Freunden mwie den Vorgesetzten der Firma Seckel u. Geister und dem Veiband der Hasenarbeiter unseren herzlichsten Daul. Di« trauernde Witwe* Elna Rachort nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter 2öl>2b Marie Block sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere dem Gesang« verein«Zimmerer FriedrichSberg-, den Miigliedmi des LotterieverrmS «Böse Sieben- sowie den Mitgliedern des Sparvereins«Notgroschcn- unseren herziichiten Dank. Augost Bloch nebst Kindern. Dr. Simmel Spezial-Arzt• für Haut- und Harnleiden. Prinienslr. 41, ää, 10—2, 5—7. Sonntags 10— 12, 3— 4 Große Firma vergibt durch Privathand DcchciR jfdcrHrt,4Sardincn, Teppiche, Stores, Portieron, Bilder und Ehren. Ohne Anzahlung bei kleinen Monatsraten.• Keine Kassierer. Offert. U. W. 100 an«Vorwäris-speditton, Auguststr. 53. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwän» Buchdruckerei n. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SWi m 26. ZchM-. 2. Ktilllze des LsliBrls"§n\m WllisblM. wh �»««mw« lli>«eNer am Bußtage. Mit einem tollen Schneesturm, feie wir ihn seit der berühmten Fcbruarnacht IM? nicht mehr er- lebt haben, wurde Berlin am Bußtagmorgen überrascht. Schon am Dienstagabend fiel ein leichter, mit Regen gemischter Schnee, aber niemand ließ sich die weiße Bescherung vom anderen Tage träumen. Die glitzernden Flocken senkten sich über Nacht so dicht und anhaltend, daß Berlin und Umgegend unter einer unübersehbaren Schneedecke bald schier begraben war. So hatte die Idee eines frommen Preußenkönigs, für seine„Untertanen" einen Jahrestag allgemeiner„Buße" festzusetzen, doch mal auch ihr Gutes gestiftet: man freute sich, daß die Alltagsarbeit ruhte und jeder zu Hause bleiben konnte, der nicht unbedingt in das Unwetter hinaus mußte. Deshalb traten die in der Weltstadt unvermeidlichen Unannehmlichkeiten eines so riesigen Schneefalles nicht so scharf wie sonst in die Erscheinung. Einen harten Kampf mit dem weißen Element führten zunächst nur die gezwungenen Frühaufsteher, die trotz des Feiertags der Pflicht nachgehen mußten. Aber ohne Verspätungen ging es wohl nirgends ab. Kam doch selbst den öffentlichen Verkehrsinstituten die himmlische Aus- schüttung ziemlich überraschend. Alle Kräfte mußten angespannt werden, um den Verkehr auf der Stadt-, Ring- und Hochbahn. mit Omnibussen und Straßenbahnen einigermaßen fahrplanmäßig aufrechtzuerhalten. An jedem anderen Tage wäre es ohne größere * Vcrkehrskalamitäten der bekannten Art sicher nicht abgegangen. Schlimmer sah es auf der Landstraße aus, wo schon am frühen Morgen zahllose Fuhrwerke mit Lebensmitteln im Schnee stecken geblieben waren. Dazu heulte der Wind stoßweise und trieb die Schneewelle zu meterhohen Bergen zusammen. Aber schon im Laufe des Vormittags änderte sich das Straßenbild, obwohl es un- entwegt fortschneite. Der Schnee zeigte keine Festigkeit und löste sich in den Verkehrsstraßen Berlins schnell in einen scheußlichen „Matsch" auf, der von oben immer neue Nahrung bekam. Von allen Dächern begann es zu tropfen, ungezählte Schneelawinen sausten aus der Höhe herab. Mit der Butztagsstimmung, wie man sie sich gedacht hatte, war es endgültig vorbei. Der großen Massen- spaziergang nach den nun wirklich unter einem riesigen Leichentuch vergrabenen Totenfeldern Groß-Berlins, der sonst als Vorläufer des Totensonntags schon am Bußtag einzusetzen Pflegt, unterblieb vollständig. Die Kranzhändler rechnen bereits mit einem ge- waltigen Schaden, wenn die Schneedecke nicht bis Sonntag der- schwindet. Einen Wendepunkt bedeutet der unverhoffte Witterung?- Wechsel auch im Leben der armen Leute. Der Winter hat mit aller Deutlichkeit seine Visitenkarte offiziell abgegeben und mit ihm Frau Sorge. In Tausenden von bescheidenen Arbeiter. Wohnungen, wo das Gespenst der Arbeitslosigkeit umgeht, sieht man der Zukunft mit Bangen entgegen. Zu den Obdachsasylen herrschte ein enormer Andrang, als sie kaum ihre Pforten öffneten. Hoffen wir, daß wenigstens Allmutter Natur den Notleidenden diesmal nicht allzu hart mitspielt. Ueber die zahlreichen Verkehrstörungen wird berichtet: In Berlin ruhten mehrere Straßenbahnlinien vollständig. Sie konnten nicht fahren, weil Telephondrähte unter der Last des Schnees gerissen und auf die Starkstromkabel und Verbiirdungs- drähte gefallen waren. Dadurch war bei einigen Kurzschluß ent- standen, bei anderen war das Kabel oder der Verbindungsdraht sofort auf die Straße gefallen. Unter anderem waren solche Drähte an der Ecke der Torf- und Triftstraße, Bellermannstraße lg. Bernauer Straße 116. Königsberger Straße, Glogauer Straße, Eharlottenstraße, Chausseestraße, Ruppiner Straße und am Spittel- markt gerissen. Teilweise waren auch die Telephonstangen auf den Dächern verbogen oder gebrochen. Um die Gefahren zu be- seitigcn, wurde in den meisten Fällen die Feuerwehr alarmiert. die am Bußtage von früh um 3 Uhr an fast ununterbrochen zu tun hatte. In der Französischen Straße mußte die Wehr das Fernsprechnetz vom Schnee befreien und das Dach reinigen, um weiteren Störungen im Fernsprechbetrieb vorzubeugen. » Der Straßcnbahnverkehr. Auf der Charlottenburger Chaussee in der Nähe des Kleinen Sterns und in der Spreestraße in Charlottenburg stürzten unter dem Schncedruck zwei Bäume um und durchschlugen die Kontakt- drähte. Hierdurch wurde der Verkehr über die Charlottenburger Chaussee für die Straßenbahnlinien dl. O, T, U und 51 für die Dauer von drei Stunden, in der Sprcestraße für die Linien Q und V für die Dauer von Stunden nach beiden Richtungen gestört und mußten die Wagen umgeleitet werden. Der Straßen- bahnverkehr nach Tegel erlitt infolge Schneeverwehung in der Müllerstraße am Domkirchhof eine längere Verkehrsstörung. Erst um 10 Uhr vormittags konnte der volle Betrieb wieder auf- genommen werden. Der Betrieb nach Tempelhos mußte von Verkehrsbeginn an bis 10 Uhr 15 Minuten vormittags eingleisig unterhalten werden. An der Französischen Straße. Ecke Ober- wallstraße. drohte der Jsolatorenturm des Hauptpostamtes mit den Leitungsdrähten in die Tiefe zu stürzen. Es mußte die Feuerwehr herbeigeholt und die Leitungsdrähte der Straßen- bahn außer Betrieb gesetzt werden. Hierdurch erlitten die über den Schloßplatz und Opernplatz verkehrenden Straßenbahnlinien eine etwa dreistündige Störung und mutzten während dieser Zeit durch die Leipziger Straße geleitet werden. Der Betrieb der Westlichen Vorortbahn erlitt ebenfalls erhebliche Betriebsstörungen. Auf der Linie A konnte der Verkehr bis 10 Uhr vormittags von der Linkstraße aus nur über Hundekehle und Königs-Allee geführt werden. Um 11 Uhr entstand in Schöneberg dadurch eine aus- gedehnte Betriebsstörung, daß am Tempelhofer Weg eine Anzahl Telephondrähte brachen und auf die Oberleitung der Straßenbahn fielen. Auch hier mußte der Strom des Straßenbahnnetzes aus- geschaltet werden, wodurch der Betrieb der Südlichen Vorortbahn für den ganzen Tag unterbrochen war. Die Wagen der Süd-Ring- bahn I mußten infolgedessen in der Mühlen, resp. Druckenmüller. straße in Schöneberg umlegen. Eine gewaltige Störung erlitt der Borort» betrieb ans der Schlesischen Bahnstrecke. Hier waren unter der Last des SchneedruckcS eine ganze Reihe von Gestängen einschließ. lich der Drahtleitungen gebrochen und zum Teil über den Bahn- körper gestürzt. Glücklicherweise war der Unfall sofort bemerkt worden und dadurch eine Bahnkatastrophe vermieden. ES dauerte jedoch ziemlich drei Stunden, ehe das Hindernis beseitigt war und der Verkehr wieder aufgenommen werden konnte. Auch von außerhalb kommen Meldungen über ge- waltige Schneestürze die besonders im Osten des Reiches un- geheure Verheerungen herbeigeführt haben. In der Umgebung von Blomberg erreichte die Schneedecke eine Höhe von anderthalb Metern. Fast der gesamte Telephonbetrieb wurde gestört und in den Waldungen brachen die Bäume unter der Last der Schnee- massen zusammen. Zwischen Berlin und Thorn konnten im Laufe des gestrigen Tages überhaupt keine telephonischen Ge- spräche geführt werden. Die Vornahme der Reparaturarbeiten wurde dadurch wesentlich erschwert, daß die Arbeiter nur unter den größten Anstrengungen die Drahtbruchstellen erreichen konnten. Schneestörungen im Reiche. Einer Meldung aus Braun schweig zufolge hat der heftige Schneefall dort große Störungen im telephonischen und telegraphischen Stadt- und Fernsprcchbetriebe zur Folge gehabt. Der größte Teil der Fernleitungen ist gerissen und die Drähte bilden auf den Dächern, Straßen und Chausseen wirre Knäuel. Wann der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, ist noch nicht abzusehen. Wie aus einer Meldung auS Mannheim hervorgeht, ist der Wasserstand des Rheins und des Neckars infolge deS anhaltenden Schnee- und Regenwetters der letzten Tage stark im Wachsen be- griffen. Der Rhein ist von vorgestern auf gestern von 2,56 auf 3,04 Meter gestiegen; der Neckar dürfte bald Hochwasser führen, da der Wasserstand in der vergangenen Nacht in Heilbronn von 1,30 auf 1,80 Meter gestiegen ist. Auch Nord- und Südböhmen wurde, wie eine Meldung aus Prag besagt, von schweren Stürmen, Hagel und Schneefällen heim- gesucht, die Verspätungen der Eisenbahnzüge und Störungen im Telegraphenverkehr veranlaßten. Auch im Riesengebirge herrschen heftige Stürme._______ Partei-?Zngelegenkeiten. Auf zur Agitation! Am Sonntag, den 21. November, findet in Groß-Berlin eine Agitation zur. Gewinnung von Wahlverein s-Mit- gliedern und„Vorwärts"-Abonnenten statt. Die Verbreitung einer Extranummer des„Vorwärts" so- wie von Abonnemeutskarten und Aufnahmcscheineu geschieht morgens 8 Uhr von den bekannten Lokalen aus statt. Polizeispitzel und Jugendorganisation. Um die Oeffentlichkeit über die Polizeipraktiken bei der Be- kämpfung der Jugendorganisation aufzuklären, findet am nächsten Sonntag sT o t e n- S o n n t a g), nachmittags U h r, in den Armin-Hallen, Kam Mandanten st raße 58/59 eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Polizeispitzel und Polizritampf gegen die Jugendorganisation. Referent: Genosse M a s ch k e. Zu dieser Versammlung ist jedermann herzlichst eingeladen. Be- sonders aber sind die Jugendlichen willkommen. Je verwerflicher die Kampsesmittel der Gegner find, um so mehr müssen sie agita- torisch wirken._ Sozialdemokratischer Agitationsverein Landsberg-Soldin. Heute Freitag, abends Uhr, Sitzung im Lokale des Ge- nossen Strehlow, Osten, Schrcincrstraße 2. Tagesordnung: Die Stichwahl im Heimatkreise. Genossen willkommen. Dir Parteigenosse», die bei der Hauptwahl im Krcffc LandSbcrg- Soldin am 12. November tätig waren und bei der Stichwahl am 22. November wieder helfen wollen, bitten wir, soweit es noch nicht geschehen ist, sich im Sekretariat der Provinz Brandenburg, Linden- straße 69, vorn 4 Treppen, zu melden. Für die Reise nach LandSberg. Soldin verseh« sich jeder mit festem Schuhzeug und warmer Unterkleidung. Steglitz. Am Sonntag früh 8 Uhr Flugblattverbreitung. Die Bezirksführer erhalten das Material heute abend bei Clement Düppelftraße. Der Vorstand. Schmargendorf. �Am Sonnabend, den 20. November, abends 8'/� Uhr, findet im Schützenhause eine Volksversammlung statt, in der Genosse Dr. Borchardt über Gemeindepolilik sprechen wird. Hierzu sind die Gemeindevertreter und die gegnerischen Bereine eingeladen. Heute Freitag abends findet hierzu eine Flugblattverbreitung statt. Alle Genossen treffen sich bei Rammler. Breite Slraße 1. Der Vorstand. Neuenhagcn, Bnichmühle, Fredersdorf, PeterShagen, Eggersdorf. Am Sonntagiiachiiiitlag 4 Uhr findet im Lokale des Herrn Kutzner, B r u ch m ü h l e, Roonstraße I, eine Volksversammlung statt. Genosse Bühler- Lichtenberg spricht über:„Die Ziele der Sozial- demokratie". Für gmen Besuch ist fleißig zu agitieren. Die Ge- nossen von Bruch mühle und deren Frauen sind hierzu noch ganz besonders eingeladen. Schentrndorf b. KvnigS-Wustcrhause». Am Sonnabend, den 20. November, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Otto Pätsch die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Kassieren der Beiträge und Aufnahme neuer Milglieder. 2. Vor- trag. 3. Parieiangelegenbeiten und Verschiedenes. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, willlommen. Der Vorstand. Spandau. Am Sonnlag, den 21. November, findet die Agitation für den„Vorwärts" statt. Die Genossen treffen sich morgeils 7'/, Uhr in ihren Bezirkslokalen. HermSdorf. Zu der am Sonntag, den 21. d. M., sehr wichtigen Fliigblatlverbreitimg haben sich sämtliche Genossen früh 3'/« Uhr im „ForfthauS" einzufinden. Der Bezirlssührer. Staaken. Sonnabend, den 20. d. M., abends 8'/, Uhr, findet der Zahlabend statt._ ßerllner JVacbncbten. Ueber Arbeitcrentlassuiigcn im Gebiete der königl. Tiergarten- verWallung wird lebhaft Klage geführt. In einer Zuschrift an unS heißt eS unter anderem: „Bereits im vorigen Jahre wurde eine große Anzahl Arbeiter bei Eintritt der Kälte entlassen. Im Frühjahr dieses JahreS wurden wieder Leute eingestellt, aber nach Fertigstellung des RosengaitenS wurden wieder zirka 30 Mann entlassen. Anfang Oktober folgten wieder 13 Mann und nun sollen am Freitag wieder zirla 4V Mann entlassen werden. ES befindet sich darnnter eine erhebliche Zahl Arbeiter, die schon eine lange Reihe von Jahren bei der Tiergarten- Verwaltung beschäftigt sind. Diese Leute sind der Meinung, daß diese Eiitlassunge» nicht etwa aus Arbeitsinangel geschehen, sonder» mit Geldknappheit begründet werden. Diese alten Arbeiter erhalten nur einen Tagelohn von 3 M. pro Tag, Invalide nur 2,75 M., wovon noch Beiträge für Krankeiikasse und Jnvalidenversicheriiiig ab- gezogen werden. Unter Leitung des verstorbenen Direktors Geidner wären Entlassungen in dem Uinsange nie vorgekommen." Auch wir halten dafür, daß die pnigl. Tiergartenverwaltung die Pflicht hätte, nach Mitteln und Wegen zu suchen, die Arbeiter zu beschäftigen und nicht in emer Zeit auf die Straße zu setzen, in der an Arbeitslosen ohnehin kein Mangel ist. Zur Abfuhr der Schnecmcngeu aus den Straßen Berlin», so wird aus dein Rathanse gemeldet, sind gestern von der Straßen- reiniauiigsdeputatioii 1100 Wagen eingestellt und 3000 Arbeiter einberufen worden, von diesen ist jedoch nicht annähernd die Hälfte erschienen. Die 1100 Wagen und große Schneckarren führen den sauberen Schnee in die offenen Flußläufe und in die Schächte der Kanalisation, während der schmutzige Schnee nach de» Schueeablade« Plätzen abgefahren wird. Am Bußtage waren alle 32 Schneepflüge der Straßenreinigungsverlvaltung von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr abends in Tätigkeit, die Einstellung von Hilfsmaunichaften war aber infolge des Feiertages nicht zu ermöglichen.(!I Red.l Mit den ständigen Kräften der Straßenreinigung gelang es jedoch, die Srraßenübcrgänge und die Hailptverkehrsstraßen zum Teil schon gestern, zum anderen Teil bis gestern mittag völlig schneefrei zu machen. Die uilgeheucren Schueemassen, die am Dienstag und Mittwoch herniedergingen, haben an Strauchwerk und Bäumen vielfach mehr Schaden angerichtet, als dies bei ähnlichen Erscheinungen in anderen Jahren der Fall zu sein pflegte. Infolge deS langen nnd schönen Herbstes hatten nämlich die namentlich an geschützten Stellen an- gepflanzten Büsche und Stämme ihr Laub in diesem Jahre noch fast vollzählig gehalten. Selbst der starke Sturm der letzten Tage hatte ihnen nichts anzuhaben vermocht. Und nun kam dieser gewaltige Schneefall; dem boten sie mit ihrer durch die Blätter verbreiterten Oberfläche vergrößerten Widerstand. Weit bog die Schneelast die Zweige und Aeste auseinander. Der Schnee ließ nicht nach: höher und höher türmte er seine Massen. Dem hielten die Zweige nicht stand. Sie knickten ein und brachen herunter. So konnte man am sonnigen Donnerstagvormittag vielfach in den Vororlen Berlins beobachten, daß die Bäume, die ihr Laub vor dem Schneefall bereits abgeworfen halten, nnversehrt dastanden, während diejenigen, die sich eines ge« schützten Standortes erfreuten und ihr Hcrbstlaub noch trugen, schwer unter den Schneemassen zu leiden gehabt haben; die zahlreichen, von der weißen Last niedergedrückten und abgebrochenen Aeste illustrierten wieder einmal grell einen Teil jenes natnrgeschichtlichen Kapitels, das davon erzählt, weshalb unsere Laubbäume nn Winter die Blätter abwerfen. Weihnachtsmärkte. Gemäß 8 21 der Polizeiverordnnng vom 12. Juni 1863, betreffend den Verkehr auf den Berliner Jahr- und Weihnachtsmärkten, in der Fassung der Polizetverordnung vom 24. November 1905, findet der diesjährige Weihnachtsmarkt auf dem Arkonaplatz und dessen Umgebung, sowie in der Warschauer Straße /, Uhr aiiberaumte Ver- sammlung kurz vor S'/z Uhr eröffnet hatte, vertagte er sie wieder, weil noch kein Referent angekommen sei. Nach Wiedereröffnung be- trat er selbst die Rednertribüne, bot den im Reichstage verdrängten Blockbrüdern Herz und Hand zum Kampfe wider die Sozialdemo- kratie an— und in den Armen lagen sich Schnapsblöckler und Grundstücksinteressenten. Ein Schauspiel für Götterl Dann tobte man in trauter Gemeinschaft über den TerroriSmuS der Sozial- demokratte und empfahl den zusamn, engetrommelte» Post- und Eisen« bahnbeaniten, am Wahltage als Schlepper für die Kandidaten des Lichtenbcrger Schnapsblocks tätig zu sein; wenn es nicht anders gehe, müsse man die säumigen Wähler beim Genick nehmen und heranschleppcn. DaS ist schnopsblockiger GeistcSkampf der Grundstücksspekulanten l Schließlich kam der ultramontane Re- dakteur Steinbrink an die Reihe. Er führte sich ein mit der Be- merkung, er komme zwar ein bißchen spät, dafür aber auch von einem FestkommerS, weiter sei er allerdings für die ihm zugemutete Leistung nicht vorbereitet. Aber es genügte l Bus dem ihn bewegenden Gefühl sprach er nur von dem— inneren Feinde, der besiegt werden müsse. Dazu müßten alle Vlockgenosien zusammen- hallen. Die glorreiche Rede war zu Ende.— Unsere Genossen werden dafür sorgen, daß die SchnapSblockbrüder bei der Wahl ebenso glorreich abschneiden. Tchönederg. JugcndbildungSausschuß. Heute abend findet bei Poschmann Borbergstr. 0, der sechste Vortragsabend statt. Für die am Sonntag, den 21. November, abends 3 Uhr, von der Slodt in der Aula Belziger Straße 48/40 veranstaltete Schiller- seier werden beute abend' für die Jugendlichen Bon» zu dem ermäßigten Preise von 15 Pf. ausgegeben, die dann gegen Billetts in der Parteispedilion Martin-Luther-Slr. 51 eingetauscht werden können. Gestern nachmittag 5 Uhr entgleiste Haupt« und Mühlenstraße Ecke, direlt über der Baugrube der dort vorgenommenen Kanalisalions- arbeiten, ein Wagen der Straßenbahn. Als ein großes Glück ist es zu betrachten, daß der vordere Teil des Wagen» noch über die Brücke hinweg kam. sonst wäre der ganze Wagen mit den Insassen in die Grube gestürzt; so kam nur der hintere Teil deS Wagens zum Hängen; die Passanten blieben unverletzt. Wilmersdorf-Halensee. Sonntag, den 21. November findet eine öffentliche Dieustboten« Versammlung des Verbände» der Hansangestellten im Luisenpark statt. Die Parieigenosie» werden gebeten, in Verwandten- und Be- kanntentreisen für gute» Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. RummelSbnrg. In der letzte» Gememdrvertreterfitzung kam es mehrmals zu recht erregten Debatten. Gleich beim ersten Punkt der Tages- ordnnng:'„Einrichtung von Schulgärten", gerieten unsere Genossen mit de» Herren vom Gemeindevorstand irnd einigen Getreuen der Fraktion Leppelt— Stiebitz, hart aneinander. Trotzdem der Gesamt- aufwand für die geplanten Schulgärten nur auf 750 M. veranschlagt worden ist, konnten die Mitglieder des kollegialen Gemeinde- Vorstandes eine Einigung unter sich nicht erzielen; es wurde die Sachs daher der Gemeindevertretung ohne ein offizielles Für oder Wider zur Entscheidung bor- gelegt. Der ablehnende Standpunkt der Leppeltschen gipfelte im Grnndton darin, daß einen solchen LnxnS wie Schulgärten für Volks schulen die Gemeinde Rummelsburg sich nicht leisten könnte. Der unvermeidliche Herr Leichnitz, welcher den Befähigungsnachweis als Avantagour für den demnächst freiwerdenden Schöffensessel in bereits mehr als ausreichendem Maße erbracht hat. versuchte seine Ab neigung gegen die Schulgärten damit zu bemänteln, daß nach seiner Ansicht kein passendes Gelände für diesen Zweck vorhanden sei. Nachdem unsere Vertreter warm für die Einrichtung von Schulgärten eingetreten waren und gleichzeitig in gebührender Weise den echt ipießbürgerlichen, engherzigen Standpunkt der betreffenden bürgerlichen Vertreter gekennzeichnet halten— 1 fand der Antrag uiiseres Ver- Weiers John, 750 M. zur Einrichtung von Schulgärten zu bewilligen — mit Mehrheit Annahme. Die in der letzten Gemeindevertreter- fitzung vertagte Abnahme der Abrechnung über die Regulierung der Hauptstraße, Markt- und Sadowastroße und des Markgra'eildaninis, iowie die Abnahme der Abrechnung über die Erweiterung des Wasserwerkes und die Entlastung der Jahresrechnung für 1S07, fand nunmehr, nachdem von den einzelnen Ausschüssen die erforderlichen Prüflingen stattgesunden haben— einstimmig statt. Nachdem die Mittel zur Ausstattung einer Seminarklasse bewilligt und der Gründung einer neuen Oberlehrerstelle am Real- gymnasium zugestimmt worden war, wurde unter Verschiedenem von unseren Genossen beantragt, nachträglich folgenden Puntt als Dringlichkeitsantraa auf die Tagesordnung zu setzen: Die Gemeinde- Vertretung möge beschließen, daß das bisherige Spielplatzgelände zu den vom Berliner Magistrat gestellten Bedingungen weiter ge« pachtet wird. Nachdem unsere Genossen die Dringlichkeit ihres An- trags begründet hallen, wandte sich Schöffe Stiebitz in einer recht un- geziemenden Form gegen die Anerkennung der Dringlichkeit. Die von unseren Vertretern hierzu beantragte»aineutliche Abstimmung ergab dann aber doch von 25 Adstimmenden 13 Stimmen für die Dringlichkeit. Der Antrag selbst zeitigte nunmehr eine ziemlich erregte und in scharfer Weise geführte Debatte. Der bisherige Verlauf der leidlichen Spielplatziache dürste den„Vorwärts"- Lesern wohl noch ans den letzten Berichten aus der Geineindevertretung in Erinnerung sein— durch die Vermittelung Berliner Stadtverordnete», welche von unseren Rummelsburger Vertretern in dieser Sache angerufen worden waren, ist die Angelegenheit insofern in ein neues Stadium getreten— als der Berliner Magistrat durch diese Fürsprache Veranlassung genommen hatte, der' Gemeinde Rummelsburg das Spielplatz- grundstück zu den bekannten Bedingungen(Zahliinz einer Miete in Höhe der jeweilig kür dieses Grundstück erhobene» Grundsteuer) nochmals zur Verfügung zu stellen. Unsere Genossen begründeten in ausführlicher Weise ihren Antrag und wiesen besonders auf den für die Geiiieindevertretnng beschämenden Eindruck hin, den die Ab lehnnng des Antrages zweifelsobne bei allen sozial und vernünftig denkenden Einwohnern hervorrufen muß. Weiter betonten unseie Redner, daß der mehr als rückständige Standpunkt deS kollegialen GemeindevoistandeS in dieser Frage wie auch der hartnäckige Stand- pnnkt der Berliner Grundeigenlums-Deputation nur allein als eine Jolge der leider zwischen beiden Verwaltungen zum Schaden beider Gemeinden herrschenden gespannten Verhältnisse zurückzuführen sei. Die Wortführer der Fraktion Leppelt u. Co., die Herren Stiebitz und Leichnitz wetterten zwar in arger Manier gegen den Antrag unserer Genoffen, tonnten aber nicht verhindern, daß der Antrag in namentlicher Abstimmung mit 12 gegen 11 Stimmen zur Aunabnie gelangte. Geschlossen stimmte die Leppeltsche Garde dagegen. Leider muß hierbei aber auch konstatiert werden, daß sich allein Anscheine nach auch der Bürgermeister Dr. Hahn von der Fraktton Leppelt ii. Co. das Szepter immer mehr aus der Hand nehmen läßt. Er- klärte doch der Bürgermeister, daß— trotz seines Einverständnisses mit dem Antrage— er sich der Abstimmung enthalten werde, was denn auch geschah. Hätte nicht ein Lcppelticher Vertreter vorzeitig die Sitzung verlassen müssen, so wäre durch die Stimmenthaltung deS Vürgermeisters der Antrag gefallen. Auch scheinen die Leppeltschen in der Person deS Beigeordneten Köhler noch eine besondere Stütze gesunde» zu haben. Zum Schluß interpellierte Genosse Müller den Gemeinde- vorstand betreffs seiner Stellung zur Aibeitslosensürsorge und Speisung von Schulkindern für den nahen Winter. Der Bürger- meister erklärte hierzu, daß behufs Speisung von Schulkindern mit dem Verein für Volksküchen von 1806, welcher bereits im letzten Winter die Speisung übernommen hatte, wieder in Unterhandlung eingetreten sei. Betreffs der ArbeitSlosenfürsorge sVersicherung) sei seines Wissens von Berlin aui die vorjährige Anfrage noch keine Antlvort eingegangen. Wegen etwaiger NotslaudSarbeilen werde er die Kommisston iu nächster Zeit zu einer Sitzung laden. Trebbin(Kreis Teltow). Auf zur Stadwervrdnetenwahl! Arbeiter, Parteigenossen l Am Montag, den 22. November, vormittags von 8—10'/» Uhr, hat die HI. Abteilung zwei Vertreter zu wählen. ES gilt diesmal endgültig die IIL Abteilung für uns zu gewinnen; tue eiu jeder seine Pflicht und trete für die sozialdemokratischen Kandidaten ein. Lasse sich niemand durch die große Stille im bürgerlichen Lager sowohl wie auch durch die Ge- rüchte„ eS seien keine Gegenkandidaten aufgestellt, in Sicherheit wiegen. Erfahrungsgemäß arbeiten die Bürgerlichen um so intensiver im geheimen. Die Gegner verlieren begreiflicherweise nicht gerne das letzte, bi» jetzt noch innegehabte Mandat. Arbeiter- wähler l Opfert quch diesmal die Zeit für die Wahl, um den sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Am Sonnabend, den 20. November, abends 8'/, Uhr, findet im Schützenhaus(W. Fromm), eine große öffentliche Kommunalwähler- Versammlung statt. Erscheine jeder in der Versammlung; vielleicht sieht da die bürgerliche Parole schon etwa? anders aus I Auch gibt schließlich die vom Magistrat beantragte neu einzuführende Grund- werlsteuer guten Diskussionsstoff. KönigS-Wnsterhausen und Wildau. In einer starkbcsuchteit Volksversammlung bei Wedborn(altes SchützenhauS) sprach Genosse Adolf Hoffinrnin über:„DaS Christentum von heute." Die Versammlung gestaltete sich dadurch besonders interessant, daß eine Anzahl Postoren und Lehrer der schriftlichen Einladung, in der Verfaminlung zu erscheinen, nachgekommen waren. Nachdem Hoffmann unter großem Beifall mit seinem Referat ge« endet hatte, ergriff der Superintendent Herr Schmidt da» Wort, der sich zunächst gegen die Behauptung Hoffmanns, die Geistliche» bezögen oft Gehälter bis zu>4.000, ja sogar bis 18 000 M.. verwahrte; ihn, fei von solchen Gehältern nicht» bekannt. Im übrigen könne der Mensch ohne Religion nicht leben. DaS Siltengesetz von Gott sei in den zehn Geboten enthalten. Der nächste Redner. Herr Pastor Hirschbera-Wildau. hält im Gegensatz zu Hoffmann da« Christentum nicht für eine Macht- sondern eine Friedensfrage. Religion heiße nicht» anderes, als die Seele mit Gott vereinigen. Er lade den Referenten«in, im nächsten Jahre in der in Wildau neu erbauten Kirche sich einmal eine Predigt an- zuhören. Des weiteren beteiligte sich an der Diskussion noch der Pastor von Zeuthen und der Rektor Herr Rothe aus König«- Wusterbaiisen. Der crstere gab seiner Verwunderung über die Ruhe der VersanunlungSbesucher Ausdruck. Bisher habe er nur immer gehört, die versaunnlungen der Sozialdemokraten seien bloße Rodau- Versammlungen. Der letztere versuchte den Referenten zu wider- legen. Er jedoch wie auch alle anderen Diskussionsredner wurden im Schlußwort glänzend-rä absurdum geführt. Mit einer kräftigen Aufforderung des Vorsitzent�n Genossen Kaiser an die Versammelten. aus dem Vortrage die Koiiieqrienzen zu ziehen und der Kirche den Rücken zu kehren, wurde die imposante Versammlung geschlossen. Tegel. Der Gemeindevertreterfitzung vom 15. November lag der schon zweimal vertagte Entwurf einer neuen Umsatz« und Wert- zuwachS-Steuerordnung vor, welcher wiederholt vom Steuerausschuß borLeraten war und Hinterziehungen verbüten soll. Dem SteucraiiSschuß lag folgender Antrag unserer Genossen vor: .Wird die Zahlung der WertzuwachSsteuer nach dem Verlrage vom Käufer übernommen, so gilt alö VeräußerungspreiS derjenige Be» trag, der nacki Abzug der nach ihm bereämele» Steuer den von den Parteien angegebenen Kanfprcis ergibt." Dieser Antrag war min durch folgende, dem Steuerausschliß schon im ersten Entwurf vorgcichlageue Bestimmung ersetzt:„Ist der» Er« Werber die Zahlung der WertzuwachSsteuer durch den Veräußerer auferlegt worden, so erhöht sich der steuerpflichtige Werlzuwachs um den Betrag der Weitzuwachssteuer. Dem Erwerber, der die Zahlung der Steuer übernommen hat. ist der Betrag derselben im Falle der späteren Weitervernnßerung bei Ermittelung des Wertzuwachses ab« zurechnen." Diese Bestimmimg wurde von der bürgerlichen Majorität als eine„Beschränkung der Vertragsfteiheit", als„eine Steuer auf die Wertzuwachsfteuer" bekäinpft und gegen die Stimmen unserer Genossen, sowie eines Schöffen abgelehnt. Dem»legalen Grund- stückshandel" ist damit in Tegel der Weg getoiesen, wie man Ge- meinde, Kreis und Steuerfiskus durch„Vertragsfreiheit" bemogelt. Der ganze Entwurf ivurde»och zweistündiger Beratung angenommen. — Zum zweiten Punkt der Tagesordnung„Stellungnahme zum Verkehrsverbande Groß-Berlin' lag von der in der letzten Sitzung gewählten besonderen Koimnission folgende Resolution vor, die der Stadt Berlin und dem KreiS-Landrat(I) zugestellt werden soll:-„Die Gemeinde Tegel steht im Prinzip dem VerlehrSziveck« verbände und der allgenieinen Aktion freundlich gegenüber, weil die Ueberzengiing besteht, daß die VcrkehrSverbältnisie Groß-Berlin» den Ansprüchen nicht genügen. Tegel würde die weitere Entwickeliing entsprechend im Auge behalten, muffe den Beitritt aber davon ab« hängig machen, daß die benachbarten Vororte sich dem Verkehrs« verbände ansckiließen." Zu letzlerem Zwecke soll sich der Gemeinde« vo, stand mit diesen in Verbindung setzen. Einslimmig wurde zu« gestimmt.— Zum Schluß wurden dem Geflügelzucht-Verein 60 M. gegen die Stimmen unserer Genossen überwieicn. Unsere Genossen veitraien die Meinung, daß das Geld besser für die am Orte vor» handenen zahlreichen Arinen verwendet werden solle. Der Bürger« meister aber sagte:„Es gibt auch solche, die nie genug bekommen können 1* Da soll er recht behalten l Vermischtes. Pom Zug überfahren und getötet. Einer amtlichen Meldung aus Königsberg i. Pr. zufokg; überfuhr am 16. d. M. der Personenzug 533 gegen 5Vz Uhr nachmittags in Kilonieter 39,130 an dem unbewachten Wegübergange der Kreuzung der Strecke Kruglenken— Marggrabowa mit der Chaussee Wid- minnen— Marggrabowa da» Fuhrwerk des Händlers(Zigeuners) Samuel Bkozinski aus Markarren(Kreis Sensburg), wobei der Be- sitzer deS Fuhrwerks getötet wurde. Der mit ihm fahrende Händler Florian auS Waniglauken(Kreis Niederung) wurde schwer verletzt und starb kurze Zeit nach der Aufnahme im Krankenhause Marg- grabowa. Beide Pferde wurden getötet und der Wagen zertrümmert. Nach den bisherigen Ermittelungen scheint es, daß der Unfall aus die Unachtsamkeit des GeschirrführerS zurückzuführen ist. Fünf Arbeiter getötrt. Infolge Platzens eines Dampfrohres wurden nach einer Meldung au» Brindisi auf einem Schlepp« dampfer in der Nähe von Torre Cavallo fünf Arbeiter getötet. Eisgang auf der Wolga. Die Eisenbahndirektion Breslau teilt mit: Wegen des bevorstehenden EiSgangeS ist zunächst der Transport von Massengütern und Güter» außergewöhnlichen Ge« wichls über die Wolga bei JaroSlawl eingestellt worden. 9674 Mark unterschlagen. Einer Meldung au» Bremer» Häven zufolge ist der Kassenrcndan« H ü b n e r der Allgemeinen Ortskrankenkasse nach Untersldlaguiig von 9674 Mark flüchtig ge- worden. Durch Kaufton und Zinsen sind 3135 Mark gedeckt. Hübner gehörte keiner politischen Partei an. Eine Möbelfabrik vom Feuer zerstört. In Wilhelm»» bürg bei Harburg a. E. ist die W. KrebSsch« Möbelfabrik total eiiigeäichert wo, den. DaS Feuer entstand im Kesselhaus. Etwa 60 Tischler und Holzarbeiter find brotlos. Grstrandet. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiff- brüchiger meldet: Der schwediiche Dampfet„Köster", Kapitän I. S. Linde, von Goeteborg nach Danzig mit Pflastersteinen unter- weg», ist gestern nachmittag unterhalb Heislernest gestrandet. Zehn Personen, darunter eine Frau, wurden gerettet. Eine Frau und ein Mann sind ertrunken. Der Kapitän selbst befindet sich noch lebend an Bord. Die Cholera. Einer Meldung aus Königsberg i. Pr. zufolge ist bei einer vor einiger Zeit in der Cholerabaracke in Polallua isolierten weiblichen Person auS der Kolonie Bismarck(KreiS Heydckrug) jetzt Cholera bakteriologisch festgestellt worden. «wtlicher Markrberichr der ttädttlchen Marktballen-DIrektion über den Mrohbandel m den Zentral.M.nktballe». Mnrkrlage: Fleisch: fluiubr stark, Geltbäsl ruhig, Preiic für Kalb- und Schweinefleisch an. ziehend. Wild: Zufuhr etwas reichlicher. Geichäst lehr lebhast, Preise be» friediaend. Geflügel: Ziisudr knapp, Geichält rege Prelle hoch. Fische: Zufuhr nuifzig, Dcichäst zicrnlic) lebhaft, Preise anziehend. Butter und Käse: Geschält ruhig. Preise unverändert. Gemüse, Obs» und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäst schleppend, Preise wenig verändert_ Wlttemnadfitierfldit von, 1«. November>»»»«. morgen» 8 Nvr. Stationen Zirnnenib« 7S2NO C-ainvuxB i765 N berltn 76191310 Ftanfi.a W. 761 RO llünchea 1700310 Wien 75831 Wetter 4 wolkig 4 wolkig Lbalbbd. 4 wolkig 4 bedeckt 2 bedeckt »« d» S» i? Wd Ctattonen Ii Iii» *5 -sff I« s Wetter ** B« I; 3 t 0 2 -1 Havarauda 762 Still Petersburg 771 SSO Sc, II» 1 750 0310 'WtiBtt* 770« Pari» 750910 Weckt—1» IN- bei—11 5 wollig I 8 1 wölken!—6 4 wollen!: 0 t Wetterprognose fflt ssfrcitag. den 19. November 1909. Etwas kühler, vielfach Heller, aber noch vecänderlich mit leichten SchNit» fällen und frischen nordöstlichen Winde». Berliner Wetterburea«. es»skert»and»,?iacbrllckit«« 3« LlMdeSannait für Gewässerkunde, mitgeteilt sota verliner vetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tllstt P r e g e l, Jnsterbmg « e i ch i e l. Tborn Oder. Ratibor , Krossen , Finnffutl Warthe, Schrimm , LanoSberg 91 e tz e, Pordamm Elb«, Leinneritz , Dresden , Bardo . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Svandau') . Ztatbenow') Spree, Svremberg'j » BeeSkow Weier, Münden . Minoen Rhein, MaxiarilianSau , Kaub , Köln Neckar, Hellbronn Main. Derlheuu Mosel. Trier ')+ bedeutet Such».— Fast.—») llnlerpeael. Im oberen Pregel bei Jnsterburg herrscht weiteres Grund» «istreiben, der Neckar hat miitelgroizcS L o ch w a f l e r. auch die Mojel ist erheblich angeschwollen. � � Mm nUe loebe Mittwoel M ioimerslag Vohlfahrts- Lotterie Gesamtw. der Gewinne M. 85000 Hanptcewtnne 30000 20000 10000 «j Es werfleii nur die liesteiKea Lose fmsM keine anderen! Lose& 3 U., Porto n. 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Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 18. Kovembe, oachmltlagJ. Kar die Gewinne Ober 249 Mark»lud den betreffenden h'ummeta in blanametu beigeiügt. 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Verlag i Vorwärts»uchdruckeret u. BerlagSanftalt Paul Stöger& 6«. Bctlu SW,