Ur. S71 Nbsnnements-Keciingungen: Uboiineiiieius> Preis pränumerando! Zicrlcljährl.'�30 Md, monaid 1,10 Ml., wöchcnllich 2s Psg. frei ins Hau?. Einzelne Summet 5 Psg. SonntagS- n ummer mit illustrierter ZoinitagS- Vellage.Die Neue Welt" 10 Psg. Po». Abonnement: l.lv Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland ll Morl pro Monat. PostabonnemcntS nebmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Numiinien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. erfitdnt ttzli« auScr montags. Verliner Volksblatt. DU Tnfertlons' Gebühr kcirägt für die sechSgcjpaltene Kolonel« zclle oder deren Raum SO Psg, sür politische und gcwerlschastllche Vereins- und Vcrlainnllungs-Anzeigen SO Psg. „Klein« Hnrelgen", das erste siett- gedruclte) Dort 20 Plg, jedes weiter» Wort lll Pfg. Stellengesuche und Schlai- stcllenÄnzeigcn das erste Wort lv Psg., jedes weitere Wort S Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Sorte. Inserate für die nächste Nummer niüssen bis l» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditioa ijt diS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozialdtmokra: Rfflin". s Zcntralorgati der fozialdcmohrat» feben Partei Deutfcblands. ReeUhtton: SRI. 68« Lfndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 30. November 1009. Expedition: SRI. 68» Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Ordnung in Ungarn. Aus Wien wird uns vom 18. November geschrieben: Habsburg und Kossuth werden nun bald einig sein und die schier endlose ungarische Krise nähert sich ihrer Lösiing. Nachdeni Kossuth„verkaiserlicht" ivorden ist, wird die Krone gnädig sein und der Gewährung von Konzessionen keinen Widerstand mehr entgegensetzen. Die Krone wird auf ihre iniverialistischen Pläne und Kossuth auf seine Un abhängigkeitsntopien verzichten und in einem faulen Kompromiß werden sie sich finden, die einander einmal ausrotten wollten und ausrotten zu können wähnten. Die Lösimg wird also für beide Teile gleich ehrenvoll aus fallen. Vorher mußte Kossuth Buße tun und seine Unabhängig' keitsidecn feierlich verleugnen. Indem er die historische Pro- grainmforderung der Unabhängigkeitspartei. die Forderung nach der Errichtung einer selbständigen ungarischen Notenbank aus gab, die zu der ganzen überlangen Krise den Anstoß gegeben hatte, hat er durch die Tat abgeschworen, was seine Ver gangenhcit war und das Ziel seiner Partei schien, hat er sich gereinigt und zu einer k. u. k. Staatsstütze geweiht. Daß er dadurch seine eigene Partei zerschlug und den Kern seiner Anhänger, die sich um den grimmen �usth scharen, vor den Kopf stoßen mußte, macht seine Bekehrung nur wertvoller. Der Kossuth. der aus der Kossnthpartei austreten lnußte, iveil sie in ihrer überwiegenden Mehrheit seine schwächliche Entsagungspolitik nicht mitmachen wollte, der Kossuth, der dem Unabhängigkeitsgedanken Valet sagt und zur Hof bürg sich bekehrt. der hat von dem Kossuth, der die Habs burgcr eutthroiien wollte, wirklich nur den Namen geerbt. Daß die alte Firma üioch nicht gelöscht ward und Kossuth sich noch immer einen Achtundvierziger nennt(nach dem Gesetze aus der Revoluiionscpoche. das jede Gemeinsamkeit Oester rcichs init Ungarn beseitigte), ändert nichts daran, daß er praktisch ein regelrechter Siebenundsechziger geworden ist, die ihren- Namen von d'em ii'n Jahre 1867 geschaffenen Dualismus tragen.'' Bor dem Kossuth braucht Wien nicht mehr zu zittern, mit dein kann sie„Pakte" schließen. Fragt sich nur. auf welchen Fundamenten die Macht »ossuths beruht. Denn daß cS durch Neuwahlen entschieden iverden muß, ob die Wähler der Unabhängigkeitspartei in ihrer Gesamtheit die Schwenkung mitmachen wollen, ob Kossuth stärker ist denn Justh, unterliegt keinem Zweifel, trotzdem die neue Regierung den Fährlichkeiten der Auflösung des Hauses gerne entrinnen möchte. Vorläufig ist die Mehrheit der alten Partei zu Justh übergegangen und Kossuth erscheint als der .Hinausgeworfene. Daß hinter der Opposition des ehemaligen Präsidenten des Abgeordnetenhauses— denn seither hat ihn die neue Koalition vom Präsidentenstuhle gedrängt— noch etwas anderes steckt als die Agitation für die selbständige Bank, ist sicher, obwohl es Justh selbst und seinen Leuten heute vielleicht noch nicht klar ist. Diese Opposition hat auch ihre bestimmten ökonomischen Gründe: den Widerstreit der Interessen der bürgerlichen Elemente gegen den Feudalismus, der in der Person des Grafen Andrassy die Gewalt usurpiert und mit dem Pluralwahlrecht seine Macht neu verankern möchte. In der ganzen konstitu- tionellcn Geschichte Ungarns bedeutet die Unabhängigkeirs- Partei den Kampf gegen die Feudalaristokratie, und daß der Kanipf durch die letzten Verfassungsstreiiigkeiten in den .Hintergrund getreten, besagt nicht, daß sein Inhalt sich verflüchtigt hat. Es wird sich nun zu er- weisen haben, ob dieser Gegensatz stark genug ist, um den Verführungen, die von dem Kossiithnamen ausgehen und die durch den Besitz der Macht- noch gesteigert werden, Widerstand zu leisten. Daß die Regierung alle Minen springen lassen wird— und wie weit die Wahlkorruption in Ungarn geht, iveiß man— um die widerstrebenden Elemente ein- znfangen und zu überwinden, ist selbstverständlich; auf der anderen Seite muß aber wieder berücksichtigt werden, daß ein Kossuth, der von Wien Handgeld nimmt, der echte Kossuth nimmer ist. Dazu kommt die geistige und moralische Minderwertigkeit dieses Kossuth, der verfault, moralisch und leiblich, bis ins Mark ist. und dem Volke nichts mehr zu sagen hat. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß sich die Spe- kulation der Hofburg auf Kossuths Popularität als trügerisch erweisen wirch nachdem die Spekulation auf seine Käuflichkeit sich bewährt hat. Der Pakt mit der Krone, auf dessen Grundlage die Herren Andrassy und Kossuth die Regierung überiiehmen werden, wird, lvas die Konzession betrifft, provisorisch sein, waS die W a h l r e f 0 r nr betrifft, scheint der V e r r a t schon definitiv. Die neue Regierung wird sich zur Verlängerung der Bankgemeinschaft verpflichten, dafür wird ihr die Aufnahme derBarzahlungen zugestanden iverden lder betreffende Artikel der Bankaktc istjetzt suspendiert): sie wird für die Kosten der Annexion die Jndenuiität beschaffen, wozu ihr mehr oder minder dekorative nationale Konzessionen im Bereich des Militarismus zugesagt sind. Ein Ausgleich auf dieser Basis ist natürlich be- fristet und wird nicht lange vorhalten; dagegen bedeutet schon die Ernennung Andrassys, eines ausgesprochenen Feudal- Magnaten, der in der dünkelhaften Ausgeprägtheit seines Klassenbewußtseins einem preußischen Junker gleicht.zum Ministerpräsidenten, daß die Krone die Wahlreform, deren Anregung ihr so gewaltige Vorteile gebracht hat, preisgeben und fallen lassen °will. Aber auch dieses Spiel, so sein es angelegt, kann ver- i lorcn gehen, und die Hoffnung ist nicht ausgeschlossen, daß alle Die luxuriösen Uniformen, die den Generälen vorgeschrieben sind, bilden aber auch eine Ausrede für die großen Bezüge der Generäle. Da heißt es, man müsse die Herren gut bezahlen, weil wahlrcformfreundlichen Kräfte an der nahenden Gefahr sich ihre Umformen so viel Geld kosten. Die Steucrgroschen des Volkes neu beleben und den Pakt, der das Schicksal der Wahlreform j sind aber nicht zur Anschaffung„schöner" und dabei höchst über- flüssiger Toiletten für die Generäle da. , Vom vernünftigen Standpunkt au« ist eS komisch, daß Offiziere. besiegeln will, zerreißen werden. ................. u.txzx Parteigeuosten! Arbeiter! Um den Junkern und der Regierung ihre Steuer- räubereien heimzuzahlen, hat der Leipziger Parteitag ein- stimmig beschlossen, alle Parteigenossen und Arbeiter aufzu- fordern, den Branutlvcingenuß zu vermeiden. Mit jedem Tropfen Branntwein, der durch Eure Kehle rinnt, zahlt Ihr einen freiwilligen Tribut an Eure schlimmsten Feinde! Arbeiterl Leacdtet den ParteUagsbelcMuß l leidet den Scknaps! xzrixxxxiiiiiiixzixzixxirrxirxixiirii herunter mit den Geacralsbcziigcn! Gleich so vielem anderen hat sich in den letzten Jahren auch die Art und Weise, in der bisher Schlachten und große Gefechte geleitet wurden, geändert. Das T e l e p h 0 n ist ein wichtiges Jnstru- ment der MeldimgS- und Befehlsübermiltlung geworden, der seinerzeit so beliebt«„Feldherrnhügel" ist abgedault worden und die obersten Führer leiten die am Kampfe beteiligten Truppen vor irgend einem Hause an einem Tisch sitzend,»eben sich ein paar Telcphonhörrohrc und vor sich einige Karten. Die Sache spielt sich eigentlich höchst milriegerisch. rein äußerlich betrachtet sogar gemütlich ab. Während des. Marsches wird von den höheren Truppenführern und ihren Stäben meistens dos A ü t 0 in 0 b i l' benutzt. Darin liegt, nebenbei bemerkt, der Hanptgrniid dafür, daß seit einigen Jahren von der Infanterie riesige Marschleistimgen gefordert werden. Durch das Automobil ist eben leider nicht wenigen höheren Truppenführern und vielen Generalstabsoffizicren daö Verständnis für die Anstrengungen, die große Märiche mit sich bringe», verloren gegangen. Wenn ein General mit ö8 Jahren an einem Tage 30 Kilometer reiten muß. so spürt er seine Knochen sehr deutlich und fühlt dabei, was ein Marsch von SO Kilometer» für die Mannschaften bedeutet. Sitzt er aber im Automobil, so erscheinen ihin die S0 Kilo- meter als angenehme Spazierfahrt. Aber das Automobil ist einmal da, ebenso wie das Telephon, und daher gilt eö, aus ihnen auch die Konsequenzen nach allen Richtungen zu ziehen. Eine von ihnen besteht darin, daß sie eine Beschneidung der Bezüge der Generäle sehr Lmpsehlensivert machen. Die Generäle haben bekanntlich ungerechtfertigt hohe Ansprüche auf Pferderationen. Ein kommandierender General erhält 8 Rationen, ein Divisionskommandeur 6 Rationen, ei» Brigadekommandenr ö Rationen. Derartige Bezüge können aber nur mit der Vorstellung, daß ein General auf dem Exerzierplatz und GefechtSfcld„herum- sprengen" und daher seine Pferde sehr anstrengen müffe, gerechtfertigt werden. Da diese Vorstellung aber schon seit Jahren nicht mehr zutrifft, so ist cS höchste Zeit, daß die RatiouSgcbühren der Generäle gründlich beschuitten werden: den» dazu ist das Volk nicht da, daß cS den Generälen das Futter für E q u i p a g e n p f e r d e liefert. Jetzt wird das Volk wegen der Generäle und auch wegen der GeneratstabSoffizicre doppelt geschröpft: ES muß den Herren die Pferderationen liefern und au verde in die Automobile und Telephonleitungen bezahlen, deren sie sich bei Gefechtsübungen größerer Trnppeilkörpcr bedienen, Nun werden aber die hohen Bezüge, die den Generälen über- Haupt zustehen, auch damit verteidigt, daß diese Ossiziere große Summen für die Anschaffung neuer Pferde ausgeben müssen. Da man unter den Heuligen Verhältnissen dem deulschen Volke den Stachel gar nicht oft genug ins Fleisch drücken kann, so 'eien angesichts der Tatsache, daß Regierung und Schnapsblock auch de» Armen und Aerinsten die Zündhölzer, de» Kaffee, den Tee, den Tabak zugunsten des MolochS verteuert haben, diese Bezüge kurz skizziert: Ein kommandierender General konirnt dein Volke, abgesehen von den Rationen, jährlich zu stehen auf ungefähr SS(XX) M.; ein Divisionskommandeur auf ungefähr 20 OOS M.; ein Brigadekommandeur auf ungefähr l 3 MS M. Reduziert man die Aiilprüchc der Generäle ans Pferderationen, so ist damit bewiesen, daß sie nicht so viele Pferde brauchen, wie bisher angenommen wurde und infolgedessen können auch ihre sonstigen Bezüge gekürzt werden. Da wir gerade von der Einspamng an den Gcneralsgagen reden, müssen wir noch auf einen Punkt aufmerksam mache». Die Geiieralsuniformen sind möglichst kostspielig anSgclvählt. Die Gala- röcke der Generäle strotzen von Goldstickereien, und, wahrscheinlich weil dies noch nicht genügt, werden auch noch goldene Fangschnüre die über die jungen Jahre gewiß hinaus sind, Schneiderrechmmgeu wie eine Weltdame zu verzeichnen haben. Es ist richtig, daß die Einsparungen, die bei den Generälen gemacht werden könnten, im Verhältnis zum ganzen Militäretat nicht viel bedeute» würden, aber es wäre doch ein Anfang. Line Postc. München. 18. November.. Wir befinden uns in freudiger Erwartung im bayerische» Parlamente, im hohen Haus der hohen Herrn des ReichSrateS. Tie großen Bilder der vier ersten Könige zieren die Wand, und die Sesicl der hohen Herren erfüllen das Parterre. Krön- leuchter dienen zur Belichtung der erlauchten Gehirne, soweit soi-ye vorhanden sind. In diesem hohen Haus ist alles standesgemäß, selbst die Sessel. In besonderer Reihe stehen die ledcrgepolsterten und goldverziertcn Prinzensessel und dahinter und gegenüber die einfacheren Reichs» ratssesscl. Die Ministersessel leuchten in blauein Plüsch. In einer Ecke neben dem Präsidententisch entdeckt man plebejische Stühle. besetzt von den Ministerhandlangern, in der Parlamenlpsprachc „Büchsenspanner" genannt. Die Rcichsratsiische sind mit Wappen geschmückt, weshalb die hohen Herren auch die„ Gewappelt en" heißen. Echo» eine halbe Stunde vor Beginn der heutigen Galavor- stellung sind die Tribünen dichtbesetzt. Das Haus der Abgeordneten hat am Tage vorher Reklame gemacht. Dort hatten hie Liberalen einen Anibay beg rundet auf eine Reform der ReichsratSlammer. Hie wolle» derselben' durch Zu- ioahl von Vertretern der wichtigjten Berufsstände, auch der Ar» bciter, Handwerker und Kleinbauern, frische's.Blut zuführejn Unser Redner, Genosse Mulle rv woer für �iirc' radikale 95/z Monaten die Gesuche überhaupt durchgelesen und nicht gleich ack sota gelegt hat. Was sagt übrigens das Reichsschatzamt hierzu? Weil er nicht ordnungsmäftig grüsite.• ,{ Einen heiteren Beitrag zu dein Kieler Werft- Prozeß veröffentlicht unser Stettiner Parteiorgan. Ein Leser schildert darin folgendes persönliche Erlebnis auf der Kieler Werft, das die Vorzüge der niilitärischen Verwaltung eines industriellen Betriebs in das hellste Licht setzt: „Auf meinen Wanderjahren kam ich als junger Mensch von Hamburg auS nach Kiel in Stellung in eine der dortigen mit der Werf» in geschäftlicher Beziehung stehenden Buchbinderei. Nach Veilauf etlicher Monate wurde ich von meiner Firma zur Wecftarbeit abgeschickt, da? heißt, ich hatte für Rechnung meiner Firma in einem der Zeichenbureaus Buchbinderarbeilen an Schiffsatlanlen uiw. zu machen, die nicht aus den Händen der Werst gegeben und gleich an Ort und Slelle besorgt werden müssen. Mir kam die mehr als gemütliche Arbeitsweise als Psendobeamter als ungewohnt, etwas sonderlich vor, lag mir doch zum Teil auch noch die Arbeitsmethode deS Lehrlings und Jungausgelei nten in den Gliedern. Der Bnreauchcf erklärte mir aber, ich dürfe nicht so schnell arbeiten, das ginge hier nicht, er müsse mir sonst ur oft neue Anweisungen geben. Das störe ihn. Ich lernte natürlich bald, mich diesen Anforderungen anzupassen. Doch die schöne Pseudo-Beamtenzeit erlitt einen jähen Abbruch. Ich hatte nämlich etwas Schreckliches verbrochen. Eines Morgens, nachdem das blaue Heft(Berfügungsmappe) in den Besitz unseres Bureauchefs zum Durchlesen gekommen war. nahm sein sonst freund- liches Gesicht eine militärische«niste Miene an und zwischen ihm und mir entspann sich folgendes Gespräch: Sagen Sie mal, Herr Buchbindermeister, kennen Sie unseren Werftdirektor? Ich sagte: Nein, ich habe nock, nicht die Ehre gehabt, ihm vorgestellt zn werden.—©o— o I Na. den müßten Sie aber doch kennen, einen älteren Herrn in großer Marineuniform usw.— Darauf sagte ich: Ja. ich sehe wohl hin und wieder, wenn ich die Werft nachmittags kurz nach 2 Uhr verlassen will, einen älteren Herrn in Uniform, vor dem sich alle Werftarbeiter bücken und die Schutzleute der Werft stramm stehen.— Ja, ja, das ist der Werftdirektor I Grüßen Sie denselben denn nicht durch Hutabnehiiien?— Nein, fällt mir nicht ein; ich grüße grundsätzlich nur, den ich kenne und für meinen Gruß wert halte. Hier bin ich Buchbinder und kein Werft- beamter. Die Staatsaktion war aber im Gange. In der VerfügungS- mappe hatte der hohe Herr Werftdirektor fein Mißfallen darüber geäußert, daß einer der Hilfsbeamten nicht den nötigen militärischen Schliff habe. Am anderen Tage wurde ich von meiner Firma zurück- behalten, und ein anderer Kollege, der sich verpflichter hatte, jede Marinemütze zu grüßen, trat meinen Werftdienst an. Als ich später im Laufe der Wochen den Bureauches traf, srug ich privatim, ob er mir meinen Arbeiten nicht zufrieden gewesen sei. Nein, iin Gegenteil, antwortete er. aber ihm sei d i e n st l i ch an- befohlen, mich zu entfernen, weil ich wiederholt nachmittags beim Verlassen der Werst an dem Werftdirettor ohne Gruß vorbeigegangen fei. Die Tätigkeit kam eben erst in z w e i t e r L i n i e in Be- tracht, die H a u p t s a ch e war. daß ordnungsmäßig gegrüßt wurde. Dieses kleine Vorkonrmniö bezeichnet schon, worauf am ersten Gewicht gelegt wird bei militärischer Verwaltung." Christkatholische Volksbildung. Ein bayerischer Zentrumspfarrer, hinter dem sogar ein Landtags- abgeordneter gesucht wird, hat unter dem Titel„Winke für die Schulleitung" einen Leitfaden für die geistlichen Schulinspektoreir herausgegeben. Darin wird als Hauptaufgabe des Lehrers das Memorieren des Religionsstoffes bezeichnet; die anderen Fächer seien leicht zu nehmen. Weiler heißt cS:„Die Fibeln(Lesebücher) sind ctzt derart eingerichtet, daß die Kinder spielend lesen und schreiben lernen. ES ist nicht notwendig, daß recht viel gelesen wird. Wenn der Lehrer es versteht, dann braucht er außerhalb der Lesezeit wenig mehr für die Geschichte, Geographie, Naturgeschichte und Naturlchre zu verwenden." Wozu auch daS Herumpfufchcn in den vielen Wissensfächern? Das gedankenlose Auswendiglernen und Hersagen der biblischen Sprüche und Katechismusgeschichten ist die Hauptsache. Wozu braucht man denn überhaupt gebildete Lehrer? ES würde vollständig genügen, wenn man die Lehrerposten, wie in der guten alten Zeit, mit Schäfern oder, wenn man besonders nobel austrete» will, mit ausrangierten Unteroffizieren besetzen würde. Man hat ohnehin schon seine liebe Not, um die vielen Militäranwärter. die der heilige Militarismus produziert, unterzubringen. Hier böte, sich eine treffliche Gelegenheit. Maffcnausschlicsiung aus dem Kriegerverein. AuS Sommerfeld(Wahlkreis Züllichau-Krosten) wird uns gemeldet, daß dort nach dem Wahlsiege der Sozial- demokratie bei der Stadtverordnetenwahl an 100 Mitglieder de? Kriegervereins„Wilhelm" aus dem Verein ausgeschlossen worden find auf Grund des§ 3 Absatz a des Statuts, wonach unter Verlust jeden Anspruchs solche Mitglieder ausgeschlossen werden, die sich durch ihr Verhalten mit dem Zwecke deS Vereins in Widerspruch setzen,„in Sonderheit solche, welche der Anforderung der Pflege und Be« tätigung der Liebe und Treue zu Kaiser undReich. LandeSfür st und Vaterland nicht entsprechen oder sich durch Wort und Tat zur Sozialdemokratie bekennen." ES verlieren durch diese Ausschließung viele Mitglieder, die lang ihre Beiträge gezahlt habe», sämtliche Rechte, den Anspruch auf Sterbegelder, die mit hohem Alter und langjähriger Zugehörigkeit zum Verein bis auf 210 M. steigen können. Sie verlieren sie lediglich deshalb, weil sie öffeinlich für sozialdemokratische Kandi- dalen gestimmt haben, weil sie von ihrem Bürgerrecht den Gebrauch gemacht haben, de» ihnen ihre Ueberzeugiing vorschrieb l Wie auf- reizend, wie erbitternd daS auf die Betroffenen wirken muß, darüber brauchtS keine weiteren Auseinandersetzungen. Tatsächlich läuft das Verfahren deS Kriegervereins ja auf eine Bereicherung seiner ver- bleibenden Mitglieder durch die Beiträge der Ausgeschlossenen hin- aus. ES klärt die Situation in rücksichtslosester Weise und wird die Erkenntnis in breite Kreise tragen, daß solche, die Sozialdemokraten werden, nichts Besseres tun können, als sofort auS dein Krieger- verein auszutreten. Die Sozialdemokratie braucht diese Wirkung des Verfahrens nicht zu beklagen. Kommunale Gesetzesumgehung. Der§ 13 des Zollgesetzes vom 25. Dezember 1W2 bestimmt, daß b!S zum 1. April 1910 die Aufhebung des städtischen Oktrois auf Lebensmittel erfolgen mug. Manchen Gemeinden ist diese Bestim- inung höchst unbequem; sie suchen sich daher zu helfen, daß sie das Gesetz umgehen. So z. B. in Mainz. Ter Ausfall des Oktrois auf Lebensmittel beträgt dort jährlich insgesamt 390 999 M., davon entfallen 197 999 M. auf Fleisch- und Wurstwaren. Die Bürger- meisteret Hai nun u. a. den Vorschlag gemacht, die Gebühren des städtischen Schlachthofes derart zu erhöhen, daß sich der Gesamt- betrag um jährlich 156 999 M. steigert. Dadurch würde das aus- fallende Oktroi auf Fleisch und Wurst bereits annähernd gedeckt. Der Rest soll durch Erhöhung des Oktrois aus Bier und Wein auf- gebracht werden. Die Annahme dieser Sätze in der Stadtver- ordnetenversammlung ist zweifellos. Von freisinniger Seite wollte man sogar ein- vollständige Ueberwälzung des ganzen Oktrois auf Fleisch usw. auf die Schlachthofgebühren. Der rnssisch-bayerischc Auslieferungsvertrag. München, 17. November. Der von der sozialdemokratischen Fraktion gestellte und von der Kammer der Abgeordneten einsiimmig angenommene Antrag auf Aushebung des russich-baye- rischen Ausliefer nngsvertrages wurde, wie voraus- zusehen, von der Kammer der Reichsräte ebenso einmütig ver- worfen. DaS„hohe Haus" trat in eine inaterielle Würdigung des Antrages überhaupt nickt ei», die Ablehnung erfolgte sckon aus angeblich formellen, angeblich in der Verfassung liegenden Gründen. Referent v. Auer beantragte die Ablehnung, weil der Gegen- stand nicht zur Zn ständigkeit des Hauses gehöre und weil keine materiellen Gründe zur Kündigung des Vertrages beständen, welche vielmehr als ein Akt der U n h ö f l i ch k e i t �gvgen Rußland gelten müßt«. � Nach ihm sprach nur noch der Mimsterpräsident v. P o d e w i l s. Er erwies dem Zaren die schuldige Reverenz. Den Hauptinhalt der Rede bildete nämlich eine Verwahrung gegen die in der russisch- gouvcrnementalcn Presse geäußerte Meinung, daß die bayerische Re- oiernng der Abgeordnetensitzung vom 14. Oktober hätte fernbleibe» sollen, weil sckon die Anwesenheit eines Ministers als versteckte lln- freundlichkeit gegen Rußland hätte gedeutet werden können. Wenn die Regierung damals geschwiegen und ihr Festhalten am Verlrage nicht klargelegt hätte, so würde sie sich der Deutung ausgesetzt haben, sie wolle den Auslieferungsvertrag im Stiche lassen. Herr v. Podcwilö beteuerte, daß sich die bayerische Regierung ganz korrekt, ganz loyal gegen die Rußlands verhalten habe. Wir bezweifeln'S nicht._ Eine Verlegcnhcitsausrede. Der Präsident des Reichstages Graf zu Stolberg-Wernigerode hat feinen» Wahlkreise die folgende Erklärung abgegeben: Groß-Kamin in der Neumark, 18. November 1999. Auf mehrfach aus meinem Wahlkreise an mich ergangene An- fragen erkläre ich, daß ick durch Krankheit verhindert war, an der Abftiinmung über die Erbanfallsteuer teilzunehmen. Im übrigen würde, wenn diese Steuer in dieser Abstimmung angenommen wäre, die Finanzrcform gescheitert sein, und wir hätten gegenüber einer unbestimmten Zukunft gestanden. Der Voraussicht nach ist bei sparsamer Wirtschaft der Bedarf für das Reich zunächst gedeckt, und wir werden uns bis auf weiteres mit neuen Steuern nicht zu beschäftigen haben. Es würde also ebenso gegenstandslos wie verderblich sein, wenn man Meinungsverschiedenheiten, die während der Beratung der Finanzreform zwischen Ge- sinnungsgeuossen bestanden haben, jetzt fortspinnen oder neu beleben wollte. Gerade jetzt vedlirtc» starken, gfschlossenetz und selbständige» kouservativeit Partei, und je selbständiger dieselbe ist, umsomehr ivird es ihr möglich sein. fretUtdliche Pezi�hlNtge«»n den anderen bürgerlichen Parteien zu pflegen. Das weitere behalte ich einer mündlichen Aussprache vor. Dr. Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode, Abgeordneter des Wahlkreises Oletzko—Lyck— Johannisburg. Ein Zeiche» der Zeit» Die königl. Eiscnbahndirektio» Breslau erläßt an den An- schlagtafeln der Betriebsiverkstätten folgende, die Wirkung der neuen Stenern grell beleuchtende Bekanntmachung: „Es haben in letzter Zeit bedeutend viel Psändungs- beschlüss« wegen rückständiger Steuern vorgelegen. Es wird hiermit jeder an die Pflicht erinnert, feine Steuern pünktlich zu bezahlen, damit die dadurch entstehenden vielen Schreibarbeiten und den Schuldnern die nicht unbedeutenden Pfänduugskoften erspart bleiben. gez. U h l m a n n, Eppstein, Weddigen, Regierungsräte. Komtnunnlwahlen. In Graudenz, wo sich die Sozialdemokraten zum zlveiten Male an den Stadtverordneten wählen beteiligten,— sie gingen mit den Polen zusammen— erzielten ihre Kandidaten 896 Stimmen gegen 554 im Jahre 1997. Die Stadtbehörde hatte den Arbeitern das schlechte Wahlrecht noch durch die Ansetzung des Wahlschlusics auf 7 Uhr abends verschlechtert. Bis 7 Uhr arbeiten olle Fabriken. In Scharen kamen die Arbeiter kurz nach 7 Uhr zum Wahllokal. Sie durften nicht wählen. Trotzdem sind die Stimmen der Sozialdemokratie innerhalb ziveier Jahre um 252 gewachsen! Ein klerikales Urteil über den Klerikalismus. Die»Kölnische Volkszeitung"(Nr. 967) veröffentlicht einen Artikel ihres belgischen Mitarbeiters, der sich mit der Militärvorlage befaßt. In dem Artikel heißt es: »Gewiß, wir wiederholen cS, hätte sich die katholische Regierung in den 29 Jahren ihrer Herrschaft ein soziales Ver- dienst mehr gesichert, wenn sie ihren Einfluß dahin geltend gemacht hätte, daß sie das Land für ein besseres BerständniS hinsichtlich der HeereSdieustfrage vorbereitet und auf eine Abschaffung des anti» sozialen und vom militärischen Standpunkt verwerflichen Los- kaufwesenS hingewirkt hätte. In all der langen Zeit hatfie nichts Derartiges getan. Die letzten fünf- z e h n I a h r e hat sie vielmehr auf die ausschließliche Förderung eines nur auf dieVörfenfpekulationen zugespitzten Wirts chaftSwefenS verwendet...* Mit dieser außerordentlich scharfen Verurteilung durch ein führendes ZeutrumSblalt vergleicke man die LobeSerhebnngen, die kürzlick anläßlick des 25jährige» Regierungsjubiläums des belgischen Klerilalismus durch die deutsche Zentrumspresse gingen. Und wie Paßt diese Brandmarkung zu dem Gcflmiler, das die Prinzipien de» Klerilalismus als die einzig richtigen Regurungsnormen preist I �ischbeck in seinem Wahlkreise! Lirgnitz, 17. November. Zu einem Volksgericht für Fisch deck gestaltete sich eine in Liegnitz von den Liberalen einberufene Wählerversammlung. Wohl gegen 999 Gcnoffen hatten sich rechtzeitig eingefunden, und als um 8�4 Uhr die erstaunten Spießer erschienen, waren der Saal und die Galerien dicht besetzt. In echt freisinnigem Mannes» mut hatte man gleich zwei Abgeordnete reserviert, um den An- wesenden die„Erfolge" des Liberalismus einzutrichtern. Zunächst erschien der Magdeburger Mischmaschkandidat Abg. Fleischerober- meister KobeU juf der Bildfläche, um über„Mittelstandsinteressen und neuere ReichSgesetzgcbung" zu sprechen— in Wirklichkeit plagte er sich etwa Stunden damit ab. einen Vortrag, der in seinem s Inhalt und seiner poetischen Sprache nicht der fleischerobermeister- lichen Feder entstammte— abzulesen, wobei ihm etliche Male der Faden riß. Dann kam„Er": Herr Fischbeck. Ein Sturm der Snt- rüstuug durchbrauste den Saal, und minutenlang währte es, che das empörte Voltsempfinden sich beruhigte, und unser„alt- bewährter, verdienter" Reichs- und Landtagsabgeordneter beginnen konnte. In pastoralem Ton schilderte er, wie er in„liberaler" Weise stets bestrebt gewesen sei, der Allgemeinheit zu dienen usw. usw. Daß seine Ausführungen vor allein ausklangen in enthusia- stischer Begeisterung für den krepierten Block und die von diesem geleistete praktische Arbeit, das versteht sich bei Fschvcck von selbst. Nur sehr kchüchteru und kleinlaut wagten seine kaum 299 er- schieneiien Anhänger ihm Beifall zu spenden.— Trotzdem fühlte sich der Versammlungsleiter bemüßigt, Fischbeck das unentwegte Ver- trauen aller(!) seiner Wähler zu Füßen zu legen, was eine ganze Reihe seiner früheren Freunde zu lautem Widerspruch heraus- forderte. Da eigentlich nur„nationale" Männer eingeladen wären und außerdem der Berliner Stadtrat.seiner Amtsgcschäfte wegen mit dem Nachtzuge wieder nach Berlin zurück müsse, gewährte der Leiter jedem Redner nur 19 Minuten Redefreiheit. Wenn schon in dieser kurzen Spanne Zeit nicht viel entgegnet werde» kann, so verstanden es unsere Redner, die Genossen Parteisekretär Scholich und Schrift- steller Kaul-Breslau sowie Gauleiter Fritsch-Liegnitz trefflich, das charakterlose politische Verhalten Fischbecks und seiner Partei ins rechte Licht zu rücken.— Sofort nach dem ersten unserer Redner ergriff der Gummischlauchmann zur„Klarstellung" das Wort und mit tränenerfüllter Stimme versicherte er, daß alles gegen ihn Vorgebrachte eitel Verleumdung sei. Er versicherte, daß die Ber- liner Arbeiter, speziell die arbeitslosen, einen wahren väterlichen Freund in ihm besäßen. Unseren beiden folgenden Rednern war es ein leichtes, diese „Klarstellung" zuni Teil an der Hand der eigenen liberalen Presse zu berichtigen. Trotz energischem Einspruch des nervösen Ver- sammlungsleiters wurde denn auch mit erdrückender Majorität folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung spricht dem Reichs- und LandtagSabgeord- neten Fischbcck für sein arbeiterfeindliches Verhalten im Reichs- » und Landtage ihr tiefstes Mißtrauen und schärfsten Tadel aus." Hieraus erhob sich— damit der Stadtrat rechtzeitig zu seinen Arbeiten in Berlin zurechtkomme— wie ein Mann die Versamm- lung und verließ den Saal. Um nicht zu leeren Tischen und Stühlen zu reden,„verzichtete" Fischüeck aus das Schlußwort, und die Versammlung fand ein trostloses Ende! Ticfgckränkt zog die Freisinnsgröße, Herr Stadtrat Fisch- beck, ab. Späte Erkenntnis. Die a n ti s e m i ti s ch e n Abgeordneien Gabel und Binde« Wald sind vor längerer Zeit ans der Deutschen Reformpartei ans- getreten, wie sie jetzt behaupten, weil sie mit B r u h n nickt länger zusammen in einer Fraktion sitzen wollten. Brnhii behauptet, daß der Austritt der beide» Genannten nicht seinetwegen erfolgt sei. Nun veröffentlicken die Abgeordneten Gäbel und Binde- Wald die folgenden Erklärungen: »Die Schreibweise der„Wahrheit"(Verleger Herr Reichstags- abgeordneter W, Bruhn, Berlin) hat mir von allem Anfang an sehr mißfallen, denn ffie entsprach nicht meinem RechtSempstnden und den Grundsätzen der Partei, der ich angehörte. Darüber habe ich mich— selbst dem Abgeordneten Brnhn gegenüber-— wiederholt mißbilligend offen ausgesprochen und ihn darüber nicht in Zweifel gelassen, wie ich seine„Wahrheit" einschätze. Herr Ab- geordneter Bruhn ist daher auch gar nicht in der Lage, zu sagen, er bezw. seine„Wahrheil" sei kein Grund zu meinem Austritte auS der Fraktion mit gewesen. Mein Austritt erfolgte damals ohne Angabe von Gründen, und daß ich diesen Weg wählte, dazu hatte ich wiederum meine Gründe. G. Gäbel, M. d. R." i..Ich' bin tsewertzert� ohne Angabe ivtn©rt*iSe«««♦-• der Äesormpartei ausgetreten. Dies« Tatsache, dürfte der Oeffeutlich- keit genügen. Zu der Behauptung des.Abgeordnixte» Pruh», mein Austritt habe in keinem Zusammenhang mit seiner(Bruhn») Zugehörigkeit zur Reformpartei gestanden, Stellimg zu nehmen, verbietet mir mein politisches Anstandsgefühl. F. B i n d e w a l d, M. d. R." So vernichtend diese Erklärungen ehemaliger guter Freunde für den„Wnhrheits"-Briihil sind, so wenig sind sie geeignet, für ihre Unterzeichner Sympathien zu wecken. ES ist doch selbstverständlich, daß die Abgg. Bindewald und Gäbel den Charakter der„Wahrheit" seit Jahre n g anz genau gekauut haben. Und dann ist eS immer noch sehr fraglich, ob die Herren nicht erst nachträglich ent- deckt haben, daß Herr Bruhn und seine„Wahrheit" die Veranlassung zu ihrem Austritt war. Oefletreid?. Eine Programmrcdc Bienerths. Wien, 18. November. Im Herrenhaus erörterte der Mini st erpräsiden 4 eingehend die Fragen der inneren Politik. Er sagte, die Regierung sei cntsä, lösten, die staatliche Ber- waltung der Beeinflussung durch nationale Parteien zu entziehen und sie auf rein sachlicher Grundlage zu führen. Die an sich sehr wünschenswerte Ausübung' der vollziehenden Gewalt durch Ver- trauensmänner parlamentarischer Mehrheiten habe zur unumgänglichen Voraussetzung, daß eine sachliche Grund- läge für ihr ersprießliches Zusammenarbeiten vorhanden sei. So- fern es sich um einen Kamps gegen die Personen der gegenwärtigen Regierung handle, würden weder er noch seine Kollegen am Amte kleben, wenn sie nur zu gehen brauchten, um damit alles gut zu machen. Aber nicht unter Personenfragcn, sondern unter den Folgeerscheinungen historischer Prozesse leide Staat und Parlament. Auch werde die Stabilität in der Verwal- tung durch fortwährenden Personenwechsel in Frage gezogen. Man habe der Regierung von slavischcr Seite eine Bevorzugung der deutschen Elemente in Böhmen und Mähren und eine Benachteili- gung der Tschechen durch die böhmischen Sprachengesetze vor- geworfen. Aber die Sprachenvorschläge der Regierung enthielten sogar die gesetzliche Festlegung der inneren tschechischen Amts- spräche, womit ein alter Herzenswunsch der Tschechen Erfüllung finde. Auch sei die Regierung keineswegs dem Parlamentarismus feindlich. Die Regierung habe im Gegenteil unerschütterliw an der Hoffnung festgehalten, das Parlament werde zur Erfüllung seiner großen Aufgaben zurückkehren. Freilich müßten die Parteien auf die Obstruktion verzichten und es aufgeben, die Hemmung des VerfassungslebenS als politisches Kampsmittel zu gebrauchen. Die Regierung würde es als ein großes Unglück für den Staat betrachten, wen» die nationalen Parteien nichts von ihren Forderungen aufgeben, nicht auf Kompromisse eingehen, son- dern sich für eine Fortdauer de», nationalen Kriegszustandes er- klären würden, womit sie sich selbst dem Volke entbehrlich machten. (Anhaltender lebhafter Beifall.) EtiAfauct. Ein BütiditiSvorschlag. I. A. Pease, der erste Einpeitscher der liberalen Partei, hat in einem offenen Brief an einen liberalen Parlamcutskandidaten den Vorschlag gemacht, die liberale und die Arbeiterpartei sollten für die nächsten Wahlen ein Wahlbündnis schließen. Pease betont, daß es sich in der jetzigen politischen Krise nicht allein um das Budget handele, sondern auch mn die dauernde Beseitigung des ZustandeS, daß eine auf keiner Bolkswahl beruhende Kammer das Recht habe, die Gesetzentwürfe der Volksvertretung nach Belieben zu verstümmeln oder ganz zu verwerfen. Ferner sei es nötig, daß das geltende System der relativen Mehrheit, das die Wahl von Minderheitsvertretcrn zur Folge habe, durch eine andere Wahlart ersetzt werde. Unter den bestehenden Verhältnissen | aber sei»r dafür, daß die von dem Arbeitervertretungskomitee auf« gestellten Kandidaten von den Liberalen nicht bekämpft werden und ebenso die liberalen Sitze von der Arbeiterpartei unangefochten bleiben._ Der geänderte Etat. London, 13. November.(E!g. Ber.) Der am 29. April 1999 eingebrachte Etat, der infolge des um ihn tobenden Kanipfcs zn den wichtigsten in der englischen Parlaments- gesch'chte gehören wird, hat im Laufe der verschiedenen Beralungs- stufen eine große Zahl von Aenderungen erfahren. Bei seiner definitiven Annahme durch die Mehrheit des Unterhauses hatte der Etat folgende Gestalt: Ausgaben (in 1999 Piund Sterling). Schuldendienst<2/, für Zinsen. Vz für Tilgung) 24 590 Zuschuß des Staates an die Lokalverivaltung. 19 383 Konsolidierte Fonds(JiviUiste, Justiz).... 1 670 Armee............... 27 433 Flotte.............. 85 143 Staatsdienst, Zuschuß für Unterricht, Alters- Pensionen............. 40 870 Steuer- und Zolldienst......... 3 823 Post, Telegraph und Telephon...... 18 978 Ausgaben für Bodeuanschätzunq ustv..... 367 Jnsgeiamt.. 162 469 990 Pfd. Sterl. Einnahmen (in 1999 Pfd. Sterling). AuS den alten Stenerqncllen....... 150 340 Erhöbung der Einkommensteuer um 2 Pcnce (17 Pf.) pro 1 Pfd. Slcrl. nicht crarbeiteteii Einkommens von über 169 Pfd. Sterl und auf erarbeitete Einkommen von über 2999 Pfd. Sterl.; Zusatzsteuer von 6 Pence pro 1 Psd. Sterl. ans Einkommen von über 5999 Psd. Slerl........... 3 200 Erhöhung der Erbschaftssteuer...... 2 850 Erhöhmig der Schauklizcnzen....... 2 100 Erhöhung des Tobakzolls........ 1 900 Erhöhung der Spirituosenzölle und-Steuern. 899 Erhöhmig der Stempel......... 450 Siencr auf Aulomobitbeiizin....... 340 Lizenzgebühren von Automobilen..... 269 Boden- und Mineralstcuern....... 600 Insgesamt.. 162 849 999 Psd. Sterl. Ueberschuß.. 371 999 Pfd. Sterl. Die Einkommen werden zu Steuerzwecken in zwei Gruppen geteilt: 1. Erarbeitete(also nicht aus Aktien, Staatspapieren und Bodenverpachtnngen). Diese Einkommen zahlen nur 9 Pence(75 Pf.) pro ein Pfund Sterling, wenn sie mehr als 160 und weniger als 2999 Pfund Sterling betragen. Haben diese Einkommenstctterzahler Kinder, so erhalten sie einen Steuererlaß auf 19 Pfund Sterling pro Kind. 2. Nichterarbeitete Einkommen zahlen 1 Schilling 2 Pence pro ei» Pfund Stelling, wenn sie mehr als 160 Pfund Sterling betragen. Einkommen über 5999 Pfund Sterling zahlen noch eine Zusatz st euer von 6 Pence pro ein Pfund Sterling, augefangen bei dem Eiiikonimcnteile. der über 3999 Pfund Sterling hinausgeht. Grund- und Gebäudcbesitzer erhalten Steuernachläffe auf den- jenigen Teil des EinkommeiiS, der für Ameliorationen und Reparaturen abgeht. Die Erhöhung der Erbschaftsstelier beginnt bei Hinterlassenschaften von 5999 Psund Sterling und darüber. Eine Hinterlassenschaft im Werte von 1999 Pfund Stelling zahl! nur 3 Proz.. wie bis jetzt. also 39 PsUnb Sterling; eine im Werte von 5990 zahlt nunmehr 4 Proz;(früher 3 Pröz.); eine im Werte von 19 099 zahlt 5 Proz., oder 599 Pfund Sterling,»nd so schreitet die Steuer progressiv fort, bis eine Hinterlaffenschait von einer Million und darüber eine Steuer von 15 Proz. zahlt. Zu Zwecken der Erbschaftssteiler wird Grund und Boden be- sonders eingeschätzt und der wirkliche Wert festgestellt. Bei den Bodensteuern werden die Besitzer von kleinen landwirt- schaftlichcn Betrieben von den neuen Steuern befreit. Getroffen werden hauptsächlich städtische Grundstücke und der Großgrundbesitz. Die Steuern auf Einnahmen von Berggercchtsomen betragen 5 Proz., wobei selbstredend auch Eiukommensteiier auf diese Ein- lommen gezahlt wird. ftoUaticl. Der Fall Knyper. Haag, 18. November. In der Zweiten Kammer griff heute während der GeneraldiSknision des Budgets ein S o z i a l i st den ehemaligen Minister K u y p e r a», weil er einen reiche», getauften Juden namens Lehmann aus Ansiicheii einer Abenteurerin dekoriert habe. Knyper verlas daraus eine umfangreiche Erklärung,, in derer die Dekoration damit begründete, daß der Dekorierte den auS der Gefangenschaft in Südafrika zurückkehrenden Niederländern Vorteile gewährt habe und in der er ferner jeden gusaminenhang zivischcn dieser Dekoriernng und Spenden an die antirevolutionäre Wahlklasse in Abrede stellte. Man könne ibm Unvorsichtigkeit, ober nickt Gcivisseiilosigkeit vorwerfen. Die Erklärung Knyper», die von der Rechten mit Beifall aufgenommen irnirde, gab zu lebhaften Er- örterungen zwischen den Parteiführern Anlaß. Dänemark. Die Ministeranklage. Kopenhagen, 19. November. Der Folkething beschloß einen Aus- schuß zu ernennen, der die Verhörsaklc», die über die Angelegenheit des ehemaligen Jnstizministers A l b e r t i vorliegen, untersuchen »nd sich ferner mit der Frage befassen soll, ob gegen die ehemaligen Minister Christeilsen und Sigurd Berg Reichsgerichts- anklage anzustrengen sei. Der Ausschuß ist gehalten, in spätestens vierzehn Tagen Bericht zu erstatten. skuttlanck. Ein Nachspiel znm Eiscubahiierstrcik. Riga, 18. Novcuiber. Die gerichtliche Verhandlung betreffend den E i s e n b a h n e r st r e i k auf der Riga-Orel- Eisenbahn im Jahre 1905 ist abgeschlossen. Sechzig An- geklagte sind zu F e st u n g S h a f t von 40 Tagen bis 3 Monaten verurteilt, 38 Angeklagte freigesprochen worden. Nicaragua. Die Erschießung der amerikanischen Bürger. Managua, 19. November. Die beiden kriegsgerichtlich ver- urteilten und Hingerichteten Amerikaner Crace und Camion waren angellagt, den Versuch gemacht zu haben, mit Truppen beladen« Regierungsdampfer durck Minen zum Sinken zu brmgen. Die Regierung erklärt, sie seien geständig gewesen. Anerkeniinng der Jusnrgcllten. Washington, 19. November. Die piegierimg hat sich geweigert. eine», mit Waffen für die Regierung von Nicaragua von New Orleans nach Nicaragua abgegangenen Dampfer S ck u tz vor den Insurgenten zu gewähren und dadurch die Insurgenten als kriegführende Parrei anerkannt. DaS Staatsdepartement hat den»icaragiianische» GeschästSträger in einer peremptorischen Note aufgefordert, vollständige ifuffffinmg über die Hinrichtung der• beiden Amerikaner zu geben. 6e werfe fchaftluhe� Der Dank der rchwedifchen Hrbeiterfcbaft. Der Kampf in Schweden ist beendet. Die schwedische Arbeiterschaft hat durch ihn drei Positionen gewonnen, die von unschätzbarem Wert sind. Sie ist znnachst in den ursprünglichen Konflikten nicht gebunden worden durch Ver- träge mit reduzierten Löhnen für die kommende Konjunktur- Periode. Sodann ist das Bestreben des Arbeitgebervereinö, die ganze Gcwerkschaftsaktion durch eine Reihe prinzipieller Vertragsbestimmungen lahmzulegen, auf der ganzen Linie zurückgeworfen worden, lind drittens hat die Anssperrnngs- taktik der schwedischen Unternehmerorganisatio» ganz Zweifel- los einen derartigen Stög erhalten, dag sie in absehbarer Zeit nicht die bisherige Bedeutung wieder erlangen kann. Denn dafür werden die Unternehmer schwer wieder zu haben sein, ciiien derartigen Kampf monatelang ergebnislos zu führe». Die Lande organisation der Gewerkschaften hat durch den Kampf also das erreicht, was sie in der Massenstreikproklamation als den Zweck des Kampfes bezeichnete: Den Drohungen mit der Massenanssperrtlng aus Anlas} jeden kleinsten Konflikts einen Damm zu setzen. Die Wiikimg, die dieser graste Kampf ans die schwedische Arbeiterschaft zur Erwecknng ihres KlassenbewnstUeins ausgeübt Hat, zeigt sich am deutlichsten dadurch, daß die Auflage des Stockholmer Parteiorgans eine Steigenrng von über 20000 Exemplaren erfahren hat. Tie schwedische LandeSzentrale sandte an die General- kommissio» der deutschen Gewerkschaften unterm 16. d. M. folgendes Teleglainni: Nachdem unker Kampf jetzt in ein neues Stadium getreten ist und im Hinblick auf die großzsigige Hilfe, die uns von der deutschet! Arbeiterschaft gewährt wurde, teilen wir mit. daß die Saminkung in Dcotschlaud jetzt geschlossen werden kann. Zirka loOüO Arbeiter bleibe» jedoch auch jetzt noch außer Arbeit. Der deutsche» Arbeiterschaft bringe» wir für die uns gewährte Hilfe unseren wärmsten Dank. "Für das Landessekretariat: L i n d q u i st. Wir freuen uns der anerkennenden Worte, welche die Vertreter der schivedischen Arbeiterschaft den deutschen Arbeitern zollen. Aber so sehr uns diese Worte wohltun, es hätte ihrer kaum mehr bedurft. Ten sprechendsten Dank für die bewiesene Solidarität statteten die Käinpfenden uns ja durch ihre Taten ab, durch ihren Kauipfcsinut und ihre Beharrlich. keit! Wir wollen den Opfermut, den die deutsche Arbeiter- schaft in einer Zeit der Krise zeigte, wahrlich nicht unter- schätzen. Höher aber als diese Geldopfer stehen doch die persönlichen Opfer, welche die Taufende der schwedischen Arbeiter in diesem Kampfe brachten. Nie hat deswegen die deutsche Arbeiterschaft frcadiger als diesmal ihre Solidarität über die Laudesgrenzen hinaus bekunden können! « Die Generalkommission schließt mit Bezugnahme auf die Mitteilung der schwedischen LandeSzentrale die Sammlung für die Schwede» und ersucht die Organisationen und Kartelle, die noch eingehenden Gelder gemäß den Bestimmungen der Kölner Resolution, betreffend Streiknnterstützung, an den Kassierer der Generalkommission, H. Kube, Berlin SO. 16, Engeluscr 14/15, einzusenden. Der Kassierer quittiert über bisher in Summa von 1 283 161,66 Mark eingegangene Gelder für die schwedische« Kämpfer. Lerlin Mick Qmgegenck. Weihnachtsgratifikation oder Neberstuitdenbezahlung im Photogravhengewerbe. Eine öffentliche Versammlung der Photographengehilfen, Printer und Printenmaler, die am Donnerstag in den„Armin- hallen" tagte, beschäftigte sich mit obiger Frage. Einleitend teilte der Vorsitzende Landa mit, daß man eine Anfrage an die Berliner Arbeitgeber gerichtet habe, ob sie für Ueberstundenbezahlung oder für Gratifikationen seien. Die Zirkulare seien an'610 Betricbs- inhaber gegangen und jedem habe eine frankierte Postkarte zur Beantwortung der Frage bcigelcgcn. Es seien nur 49 Antwort- karten eingelaufen. Für Ueberstundenbezahlung erklärten sich 37. Mit„Nein" antworteten 3, wovon 2 nicht den Mut hatten, ihren Namen darunter zu setzen. Fünf Arbeitgeber erklärten, kein Jiiteresse an der Frage zu haben, weil sie keine Gehilfen beschäf- tigten. Vier kamen ohne Antwort zurück. H ä n l c i n behandelte dann die Frage der Ueberstunden- bezablung in einem eingehenden Referat. Er kennzeichnete die Unsitte, die in der Weihnachtszeit zu leistenden vielen Ueberstunden mit einem Trinkgeld abzufinden, da» man Gratisikation nenne. Daß da» auch in Berlin noch vorkomme, sei unerhört. Zum Schluß crmahnte Redner die Versammelten, zu Weihnachten keine Ueber- stunden ohne besondere Bezahlung zu machen. Seine Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Festgestellt wurde noch, daß die meisten der Arbeitgeber, die die Frage nach Ueberstundenbezahlung mit„Ja" beantwortet haben, sich für folgende Zuschläge aussprachen: 23 Proz. bis 10 Uhr abends, 30 Proz, nach 10 Uhr abends, 23 Proz. für die vier Sonntage vor Weihnachten. In einer einstimmig angenommenen Resolution sprach sich die Versammlung für gänzliche Abschaffung der nicht mehr zeit- gemäßen Weihnachtsgratifikation aus und erhob die Forderung nach einer prozentual erhöhte» Bezahlung der geleisteten Ueberstunde». Schalk und Hänlcin besprachen dann noch die Verhält- nisse der Printer und Priutenmaler. /Herstellung der Printen: Vergrößerung von Photographien.) Die Printer und Printenmaler haben nach den gemachten Ausführungen allen Anlaß, sich zu organisieren, um geregelte und bessere Verhältnisse zu schaffen. Zlchtst«ndentrtg für stadtische Arbeiter. Tic Berliner Straßenreinigung hat mit Beginn der Wintcrarbeit am 13. November dieses Jahres für den Betrieb (zirka 1500 Arbeiter) den A ch t st u n d e n t a g eingeführt.— Sollte das nicht auch in den übrigen städtischen Betrieben möglich sein? Oeurkekes Kelch. Lohnbetvestungen im Holzqewerbe. Bei der Weltsirma Schneider u. Hanau in Frank- furt a. M. konnte, nachdem das Gcwerbegericht als Schiedsgerichl ausgesprochen hatte, daß bei Wiederaufnahme der Arbeit Maß- rcgelungen nicht stattfinden dürfen und nachdem die Firma sich dem Schiedsspruch fügte, die Arbeit in vollem Umfange aufge- nommcn werden. Einige weitere Firmen haben sich ebenfalls dem Schiedsspruch gefügt, so daß die Differenzen erledigt sind. Immer- hin sind auch jetzt noch eine größere Anzahl Arbeiter nicht wieder eingestellt. Dasselbe trifft auch auf Mannheim. Ludwigs- Hafen und Heidelberg zu, so daß gebeten wird. Zuzug nach diesen Orten auch weiter fernzuhalten. Die Möbelsabrikanten in Hoch st haben bisher rund 200 Holz- arbeiter ausgesperrt. Diese« Vorgehen ist insofern höchst befremd. lich, als in fast allen Verträgen des Holzgewerbcs ein Pasius ent- bakten ist, nach dem in den Werkstellen, in denen bessere Dcdin- gungen vorhanden sind, diese nicht verschlechtert werden dürfen, was Verantw. Nedakt.: Richard Vorth, Berlin. Inseratenteil verantio.: die Unternehmer in Höchst nicht anerkennen wollen. Sie beabstch- tigen also, die Lohnverhältnisse einer Anzahl Betriebe erheblich zu verschlechtern. Die übrigen Differcnzpunkte waren zum größten Trile durch die Verhandlungen beseitigt. Die Arl>citszeit in Höchst beträgt gegeiuvärtig 55 Stunden pro Woche. Die Arbeiter verlangten für den neuen Vertrag Verkürzung auf 34 Stunden, was die Unternehmer ablehnten. Die Arbeiter haben sich dann damit einverstanden erklärt, daß über die Arbeitszeit die von den Zentral- vorständen zu bildende Stassclkommission entscheiden soll. Der Zentralvorstand des Arbeitgebcrschutzverbirndes ist diesem Vorschlage beigetreten. Die Unternehmer in H ö ch st haben aber eine Ent- sckeidung der Zentralvorstände, die laut Vereinbarung in jedem Falle abgewartet werden muß, bevor Streik oder Aussperrung ein- tritt, nicht abgewartet, sondern haben die Aussperrung verbängt. To in H ö ch st zirka 500 Holzarbeiter beschäftigt sind, haben sich die lueisten Fabrikanten bis jetzt nickt an der Aussperrung beteiligt. Es muß abgewartet werden, welche Stellung die Unwrnchnier im weiteren Verlause der Bewegung einnehnien. Daß die Holzarleiter, die gut organisiert sind, den Kampf mit allen Mitteln durckführen werden, ist selbstverständlich. Zuzug von Tischlern und Maschinen- arbcitern ist streng fernzuhalten. Die Differenzen zwischen den Seidenbandindustriellen und den Bandwirkergehilsen des brrgi scheu Landes, die am 29. Oktober zur Aussperrung von zirka 1009 Arbeitern geführt haben, sind nun- mehr beigelegt. Die EinigungSverbandlungen hatten wie schon in der Dienstagnummcr des„Vorwärts" mit- geteilt, das Ergebnis, daß von beiden Parteien Einigungsvorschläge akzeptiert wurden, die den beiderseitigen Generalversammlungen unterbreitet nierden sollten. Nunmehr haben die Gencralbcrsamm- langen der Gehilfen wie der Arbeitgcberorganisation stattgefunden. In beiden wurden die unterbreiteten Vorschläge angenommen. Die Arbeit wurde infolgedessen am Donnerstag, den 18. November,»uiedcr aufgenommen. Tie Einigungsvorschläge lauten: 1. Beiderseitige Zurücknahme der Kündigungen in allen Be- trieben. 2. Wiederaufnahme der Arbeit zu einein bis zum 27. No- vember zu vereinbarenden Lohntarif. 3. Bis zum Zustandekommen eines solchen ungefähre Abschlagszahlungen auf den verdienten Lohn. Nach Abschluß der zukünftigen Lohnliste erfolgt die Rest�» zahlung nach Maßgabe der letzterem 4. Bei NichtVerständigung über eine neue Lohnliste erfolgt die endgültige Abrechnung nach der Lohnliste vom 9. Oktober 1909. 5. Wiedereinstellnng der Arbeiter nach Bedarf. BiL zum 27. November dürfen Arbeiter, di e in anderen Betrieben tätig waren, nicht eingestellt werden, es sei denn. daß alle alten Arbeiter wieder im Betrieb sind. 6. In der Ueber- gangSzeit bis zum 27. November gilt in allen Betrieben eintägige Kündigung. Vom 27. November ab tritt die Kündigungszeit der Fabrikordnung in Kraft. Schwarze Listen dürfen nicht geführt werden. HusUnck. Der Achtstundentag in der niederländischen Diamant- indnstrie. _ X'er_ Niederländische Diawantarbeiterverband kündigte in diesem Sommer das im Jahre 1904 nach viermonatigem Kamps mit der Juweliersvereinigung getroffene Uebereinkommen. Inzwischen haben langwierige Verhandinngen stattgefunden, die nun endlich vor einigen Tagen zum Abschluß eines neuen Uebereinkomnwns führten. Der Hauptpunkt bildet, wie schon im Jahr« 1904, die Regelung des Lehrlingswesens. In dem jetzt getroffenen Ueber- cinkommen ist es so geregelt, daß sofort 300 Lehrlinge und im Monat Januar der Jahre 1911 bis 1914 je 490 eingestellt werden können, also im ganzen während der fünfjährigen Vertragsdauer 2200 neue Arbeitskräste dem Beruf zugeführt werden dürfen. Gegen die geheime LchrlingSzüchterei, die trotz der Regelung von 1904 noch immer in Blüte stand, sind jetzt sehr strenge Bestimmungen gc- troffen, die es denen, die dergleichen betreihen, unmöglich machen sollen, irgendwie Arbeit oder Rohmaterial zu erhalten. Das Wichtigste ist jedoch an dem neuen Uebereinkommen. daß cS die Einführung des achtstündigen Arbeitstages sichert. Die Arbeitszeit, die jetzt 54 Stunden die Woche beträgt, soll am 1. Oktober 1910 auf 51 und am 1. Oktober 1911 auf 48 Stunden verkürzt werden. Die Tariflöhne der Atkordarbeiter lverden bei der ersten wie bei der zweiten Arbeitszeitverkürzung jedesmal um 5 Proz. erhöht, während den im Zeitlohn tätigen Arbeitern die Löhne nicht gekürzt werden dürfen. Als im Jahre 1894 der Niederländisch« Diamantarbciterverband gegründet nnirdc, wurde im Berufe noch 12 Stunden täglich ge-. arbeitet. 1896 wurde die Arbeitszeit, soweit der Einfluß des Ver- bandcS reichte, auf 10 Stunden verkürzt. Im Jahre 1904 erreichte man nach langem und schwerem Kampfe den Neunstundentag samt einer als dringend notwendig erkannten Regelung des Lehrlings- »vescns und Einschränkung der Lehrlingszückterei. Nun ist es dieser stärksten aller niederländischen Gewerkschaften also gelungen, den Achtstundentag vertraglich festzulegen. Versammlungen. Sind Dienstboten gegen Mißhandlungen schutzlos? Diese Frage beschäftigte a>n Donnerstag«ine öffentliche Der- sammlung, die den großen Saal des„Dresdener Kasino" in der Dresdener Straße stillte. Es waren hauptsächlich Dienstmädchen sowie Frauen aus der Arbeiterklasse, die hier zusammengekommen waren. Aber auch Männer nahnren zahlreich an der Versammlung teil. Ter Referent Reichstagsabgcordnetcr Stadt ha gen, be- merkte einleitend, es sei«in trauriges Zeichen der Zeit, daß man ein solches Thema, ob Dienstboten Mißhandlungen gegenüber schütz- los seien, noch erörtern müsse. In Kulturländern muß dein Dienst- boten selbstverständlich derselbe Schutz gewährt iverdc», wie allen anderen Menschen. Hier zu Lande ist das nickst der Fall, das haben ja in letzter Zeit wicderuin verschiedene Ereignisse deutlich gezeigt. Das Dienstmädchen Fuhs beim Hofjuwclier Godet z. B. hat sich an einem Strick aus dem Fenster herabgelassen; der Strick riß. das Mädchen verunglückte so schiver, daß es noch jetzt im Kranken- hauS darniedcrlicgt. Der Grund ihres verhängnisvollen Unter- nchmens war, daß sie in ihrer Stellung aller persönlichen Frei- hcit beraubt war und die„Herrschast" sie, die krank und auf An- ordnung des Arztes ins Krankenhaus mußte, nicht freigeben wollte. Beim Schlächtermeister Balzer suchte sich ein Dienstmädckicn, in- folge von Mißhandlungen zur Verzweiflung getrieben, durch Sal- miak zu vergiften, und ein Mädchen, beim Postsekretär Birnbaum in Stellung, suchte durch Gasvergiftung ihrem traurigen Dasein ein Ende zu machen. Die mißhandelten Dienstmädchen haben die Empfindung, daß sie nirgendwo Schutz finden können. Tatsache ist ja auch, daß, wenn wirklich einmal zugunsten mißhandelter Dienstboten eingeschritten wird, die Hcrrsckstiften mit sehr gelinder Strafe davonkommen. So wurde in Hanibnrg-Altvna die reiche Witwe Thier, schon vorbestraft wegen Mißhandlung, erst zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, kam aber dann beim BerusungS- gericht mit 300 M. Geldstrafe davon. Manchmal kommt es sogar vor. daß nickt der Schuldige, sondern derjenige bestrast wird, der sein eigenes Kind pflichtgemäß vor Mißhandlungen zu schützen sucht, wie der Vater jenes Dienstn'ädchens in Schmargendorf, der zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde, weil er sein Kind aus einer Stellung herausholcn wollte, wo es mehr Schläge als zü essen bekam. Der Mann soll dadurch Hausfriedensbruch ver- übt halben. Wirst mau nun die Frage auf: Sind die Dicnsiboten den Mißhandlungen gegenüber schutzlos? so muß. siihrte der Redner weiter aus, die Antwort dock lauten: Nein, nach dem Gesetz nichtl Schon nach dem Strafgesctzlmch müssen sie denjelben Schutz wie alle anderen Personen genießen, und das direkte Züchtigungsrecht ist schon dadurch aufgehoben. Tann aber heißt cö im§ 95 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch ausdrücklich: „Ein Züchtigungsreckt steht dem Diciistbere»tigtcn dem Gesinde gegenüber' nicht zu." Abe- neben diesem Gesetze gilst es in den verschiedenen Landesteilen 10 Gcsindeordnungen, die wie ein Stück FH.Gloise, Berlin. Druck u.Verlia�orwärtsBnchdr.n.BerlaaSanftop ans dem Mittelalter anmuten. AIS das Bürgerliche Gesetzbuch geschaffen wurde, forderte die Sozialdemokratie, daß alle jene Aus- uahmegesetze aufgehoben und ein einheitliches Recht auch für die Dienstboten in Kraft trete. Aber der Antrag wurde stihon bei den Koininissionsberatungen von den Freisinnigen zu Fall gc- bracht. Es gelang nur, den erwähnten Passus in das Gesetzbuch zu bringen, der jedoch praktisch wenig Wert hat, weil die � meisten Gesindeordnungen etwas anderes besagen. Nach dem Gesetz hat das Dienstmädchen wegen jedes Schlagens nicht nur das Recht zu klagen, sondern auch das Recht der Gegenwehr. Aber das hat wenig zu sagen, weil andererseits die Gesindeordnung dem miß« handelten Dienstmädchen das Reckt nimmt, den Dienst zu verlassen. Nach der ja noch jetzt geltenden altpreußischen Gesindeordnung vom Jahre 1810 ist in solchen Fällen das Verlassen des Dienstes nur zulässig, wenn durch die Mißhandlung Gefahr für Leben oder Gesundheit entsteht oder wenn die„Züchtigung" mit aussckreitender und ungeivöhnlichcr Härte ausgeübt wird. Was diese Bestimmung bedeutet, zeigt ein Urteil dcS Oberverwaltungsgerichts, das Hann, daß ein Dienstkneckt mit der Peitsche ins Gesicht geschlagen wurde, keine ungewöhn iche und ausschreitende Härte erblickte. So werden Menschenrechte geachtet! Nachdem der Redner noch weiter die Rechtslage erörtert und kritisiert hatte, kam er zu dem Sckluß, daß die Gesetze wohl auch den Dienstboten einigen Schutz gewähren, daß aber, wie sie ausgelegt werden, ein Schutz nicht mehr besteht. Sckutz können sich die Dienstboten eben nur verschaffen, wenn sie sich selbständig in ihrem Verein und Verband zusammen- schließen und ihren Arbeitgebern einen Vertrag vorlegen, der die Nachteile der Gesindeordnung außer Kraft setzt. Der Redner schil- derte die wichtigsten Bestimmungen dieses Arbeitsvertrages, der den Versammelten übrigens in der verteilten Oktobernummer de? Zentralorgans der Hansangestellten vorlag, und bemerkte weiter» daß die Vertreter der Sozialdemokratie im Reichstag fortdauernd bemüht seien, mit der Ausnahmegesetzgebung aufzuräumen und den Dienstmädchen Menschenrechte zu verschaiscn.— Der inhaltreache Vortrag fand lebhaften Beifall. Die Versammlung nahm ein- stimmig folgende Resolution cm: „Die henlige, von Hausangestellten und Arbcitern zahlreich besuchte Versammlung spricht ihre schärfste Mißbilligung aus gegen alle diejenigen SauShaltungsvorstäiidc. die sich in der ge- schilderten Art gegen ihre Dienstboten vergehen. Tie Versamm- luitg ist mit dem Referenten der Ueberzcngiing, daß die�über- handnehmenden Selb ft morde, Selb st motbvcr suche und durch Fluchtversuche entstehenden U n g l ü ck s f ä l l e, die die Dienstboten treffen, zurückzuführen sind ans das noch immer bestehende schmachvolle Gesinderccht, nach wel- cheni der Herrschaft volle Gewalt auck über die Person de« Dienstboten gegeben ist, dagegen mit polizeilicher Zurückstihruni in den Dienst, mit Geld und Haftstroscn die Dienstboten be- straft werden, wenn sie ein Haus verlassen, in welchem ihnen daS weitere Loben und Arbeiten unerträglich wird. Die Rechtlosigkeit, die in der Gesindeordnung den Dienst- boten gegenüber zum Ausdruck kommt, bedrobt daher in hohem Maße Leben. Gesundheit und Sittlichkeit der Dienst- boten....... Die Versammlung fordert, daß die persönliche Freiheit auch den Dienstboten gesichert werde und stellt an Reichstag und Land- tag die Forderung, die Abschaffung der Gesindcord- nungen und der gegen das Gesinde bestehenden Ausnahmegesetze, sowie die rechtliche Gleich- stellung der Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitern als dringenden Antrag zu- behandeln. In der regen Diskussion erläuterte Frau Fahrcnwald. wie ein Dienstmädchen, das Mißhandlungen ausgesetzt sei, zur Gegenwehr greifen sollte, und mackte fxrner aufmerksam daraus. daß der Verein der Hausangestellten sowohl den Dienst» boten wie auch den Scheuerfrauen, Waschstauen, Aufwarte- stauen usw. Schutz und Hilfe gewähre. Fräulein Arndt führte noch mehrere Fälle seelischer und körperlicher Mißhandlung an und zeigte, wie die Dienstmädchen bei Stellenangeboten oft eine allzu große Bescheidenheit an den Tag legen. Fräulein G ö t t e l erzählte, wie sie und zwei andere Dienstmädchen bei einer Herrschaft in Stellung traten, wo da» Schlagen etwas all- tägliche» war. Das Hausmädchen wurde denn auch bald miß- handelt, und al» die Rednerin für sie einzutreten suchte, wurden auch ihr Backpfeifen angeboten. Beim Amtsvorjtehcr fand das mißhandelte Mädchen keinen Schutz: der wies auf die Gelinde ordnung hin. Fräulein B a a r bemerkte, daß im Bureau der.Haus- .angestellten täglich Briefe einlaufen, in denen Dienstmädchen sich über elende Behandlung beklagen und erklären, sie hielten es nicht mehr aus. Um so notwendiger sei es, daß sich alle Mädchen usw. ihrem Verbände anschlössen, wo ihnen Rechtsschutz golvährt werbe» und sie sich von vornherein durch den freien Arbeitsvertrag schützen müßten. Fräulein Lupe teilte mit, Fräulein Fuhs habe ihr ver- sichert, daß sie genau wußte, was sie tat, als sie sich mit dem Strick aus dem Fenster zu lassen suchte. Das müsse festgestellt werden. weil man jedenfalls von anderer Seite versuckien werde, das Mäd- chen als nicht ganz normal zu bezeichnen. Es sei übrigens zu beachten, daß Stellungen, in denen Dienstboten zur Verzweiflung getrieben werden, von der christlichen Diakonißenanstalt Salem vermittelt werden. Im übrigen wurde von allen Seiten betont, Wß die Fälle von Mißhandlungen, die der Oeffcntlichkeit bekannt werden, nur einen kleinen Bruchteil von dem bilden, was d'.e Dienstboten alles zu erdulden hätten. Tie Aufforderung zum Ein- tritt in die Organisation war von gutem Erfolg begleitet. Letzte pteebriebten und DcpeFcben. Gcmassrcgclte Studenten. Bonn, 19. November.(W. T. B.) DaS Korps Borussia ist vom Senat und der Universität wegen verschiedener Auf. reizungcn. die sich Mitglieder des Korps hier und im Dorfe Mehlem zuschulden kommen ließen, für«in Semester suspendiert worden. Durch die Maßregelung ist dem Korps untersagt, Coulcu: zu tragen__ TeS Ministers Antwort. Paris, 19. November.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Teputicrtenkainmer erwiderte der Minister auf die Rede Jaure«'. die Regierung werde vielleicht demnächst veranlaßt sein, sich mit dem Alkohol- und mit dem VersichcrungSmonopol zu be- fassen. Da sie die notwendigen Mittel durch ein so ausgezeichnetes Instrument, wie es die Einkommenstcuer sein werde, sich nicht de- schaffen konnte, mußte sie sich an den Luxus halten. Die Be- wegnng gegen die neuen Steuern sei nicht prinzipiellen Charakters, sondern durch bestimmte Sonderinteressen veranlaßt. Seine ldes Ministers) Vorschläge seien übrigens nickst unantastbar. Tie Re- gierung stimme mit der Budgrtkommissson überein und habe vor allem getrachtet, ein ehrliches Budget aufzustellen, das die Mittel für die sozialen Reformen liefere. Gegen die englischen PeerS. London, 19. November.(W. T. B.) In der durch die vom Oberhause angedrohten Ablehnung des Budgets geschaffenen Lage ist keine Arnderung eingetreten. Obwohl das Unterhaus am 23. November zusammentreten wird, ist doch nicht zu erwarten. daß es von dem Vorgehen der PeerS irgendwie Kenntnis nehmen werde, bevor Lord LansdowneS Resolution tatsächlich angenomme» ist. Für die Nacht, in der das Budget abgelehnt werden soll, sind in der Rachbarschaft der ParlamcntSgebäude große Kundgebungen geplant. Auch soll eine Versammlung der liberalen Partei stattfinden, in der die Partei aufgefordert werden soll, die politische Lage ernstlich in Erwägung zu ziehen. Ueber die finanziellen Folgen des Vorgehens der Lords über die von der Regierung nach Lll'lchnung geplanten Schritte ist nichts Endgültiges bekannt._ Paul Sinaer Eo� Berlin 81V. Hierzu 3 Beilagen u.Untrrhaltnngsdl. Nr. 271. 26. Jahrgang. 1. Jfilfljjr des LmMs" Kerlilltt Z«m»de«d> ZV. Zloormder MS. ver Ki'snvt«e!nbovl:stt. Der Parteivorstand schreibt uns: Mehrere Bezirksvorstände vcrlnngten von uns eine Erklärung über die Durchführung des Branntweinboykolis. Auch in der Partei- presse sind bereits irrige Auffassungen aufgetaucht, so dag wir ge- zwungen find, unsere Meinung in dieser Frage darzulegen. Die Resolunon deS Leipziger Parteitages hat folgende» Wortlaut: „Die von der agrarisck-klerikal-reaktionärcn Reichstagsmehrheit beschlossene Erhöhung der Braumweinsteuer bezweckt, einen groszen Teil des durch die wahnsinnige Rüstungspolitik verursachten Einnahme- bedarfs des Reiches den Schultern der Aermsten aufzuerlegen. Z»- gleich soll durch die Ausrechlerbaltiing derKoiilingeniierungSpolilik auch fernerhin dem Grohgrniidbesitz auf Kosten der Vrannuveinlrinker ein jährlicher Extraprofit von über 50 Millionen Mark gcichenkt werden. Um dieser verbrecherischen Volksauswucherungspolilik zu begegnen und zugleich dem durch den Branntiveingennh ver- ursachten und geförderten körperlichen und moralischen Elend weiter Volksschichten entgegen zu wirken, richtet der Partei- tag an alle Parteigenossen und Arbeiter die Aufforderung, den Branntwein gen uh zu meiden. Die Parteiorganisätionen und Parteigenosse» werde» aufgefordert, diesen Beschlug in energischster Weise zur Durchführung zu bringen." Bei der Begründung der Resolution ist klar zum Ausdruck gc- bracht worden, dah der Antrag aus politischen Motiven gestellt wurde, und daß es sich in der Hauptsache darum handelt, der Branntweinsteuer entgegenzuwirken. Auch der Verlauf der Dis- tussio» auf dem Parteitege und die allseitige freudige Zustimmung tzur Resolution zeigt, dag es dem Parteirage vor allem darauf an- kam, die mit dem Branntweinsteuergesetz beabsichtigte Schröpfung der Arbeiter abzuwehren und der Liebesgabenpolitik einen Schlag zu versetzen. Die Bedeutung des Schnapsbaykotts liegt also in seiner politischen Wirkung. Er soll eine Art Steuerverweigernng sein! Bei den Parteitagsverbandlungen sind allerdings auch die wirt- schaftlichen und sozialen Wirlungen des Schnapsboykotts in Betracht gezogen worden, aber nur als sehr erfreuliche Begleiterscheinungen. Allein entscheidend sind sie nicht gewesen. Die Stellung der Partei zur Alkoholfrage ist in der Resolution deS Esiener Parteitages fest- gelegt. Daran ist durch den Leipziger Beschlutz nicht» geändert worden! Mehrfach ist die Frage aufgeworfen worden, welche Getränke vom Schnapsbohkott betroffen werden. Der Boykott richtet sich gegen das Branntweinfteuergefetz und damit gegen alle der Branntweinsteuer unterliegenden Spiritiroscn. Vor allem aber wendet sich der Boykott nach seiner ganzen Entstehung und dein damit be- absichligten Zweck gegen den Fuselkonsum, auf dein die Liebesgaben- Politik basiert. Die Propaganda für den Schnapsboykott mutz von den Partei- genossen lebhaft betrieben werden. In jeder Parteiversamnilung soll darauf hingewiesen werden und die Porteipresie muh fortgesetzt zur Meidung des Branntweingenusses auffordern. Wir empfehlen den Genossen auch dringend, soweit eS noch nicht geschehen ist, das von uns herausgegebene Flugblatt„Deutscher Arbeiter, wehre Dich gegen Steuerdruck und Junkerübermut!" zu verbreiten. Ein jeder setze seine Ehre darein, der von� Parteitag ergangenen Aufforderm"' zu entsprechen und den Schnaps zu meiden! Im»V en müssen unsere Organiscktionen bei der Durchführung deS Boykotts vorsichtig zu Werke gehen. Zwangsmatzregcln dürfen nicht angewandt werden. ES kann sich bei diesem Boykott nur um eine moralische Einwirkung aus die Parteigenossen handeln. DaS ist auch von den Begründern des Antrages in Leipzig mit aller Deutlichkeit gesagt worden. So hat der Genosse L ö b e ausgeführt: „Wir wollen die Partei bestimmen zu einer Propaganda zur Herabminderung des BranntweingenusicS in der deutschen Arbeiterklasie. Natürlich gehen wir nicht so weit, datz wir ein Portriverbot verlangen, datz keiner mehr Schnaps trinken darf. DaS könnte zu Zerwürfnissen führen. Es kommt uns nur darauf an, eine moraliiche Einwirkung auf die selbständigen Entschlüsse dcö Einzelnen zu erzielen. Ich will nichts weiter, als eine moralische Kundgebung des Parteitages zugunsten des Schnaps- boykottS." Kleines feuilleton. Marius Braatt, ein junger Norweger, von dem wir Anfang Juli dieses JahreS eine„Schwindsucht" überschriebene Skizze abdruckten, ist am Montag in Kristiania verstorben. Jene-Skizze war seinem ersten Buche„Fra Dypet"—„Aus der Tiefe" entnoinmen, das leider auch sein letztes Werk sein sollte, daS zu vollenden ihm ver- gönnt war. Der Verfasser schrieb uns damals:„Dieses mein kleines Buch ist keine Arbeit eines studierten Ober- tlasienmenschen. Es ist von einem Kind von Arbeitsleuten ge- schrieben— von einem Sohn der Tiefe und der Nacht. Es ist entstanden in Krankheit und Drangsal— unter dem Zeichen der Armut. ES ist eines Proletariers Arbeit. Darum wurde es, wie es geworden ist. Und wie eS notwendigerweise werden mutzte: Ein Produkt deS Lebens, das ich selbst gelebt habe, und des Lebens, das ich andere leben sah."--- Marius Braatt ist nur 23 Jahre alt geworden. Er wollte diesen Herbst ein zweites Buch herausgeben, ist aber nicht damit fertig geworden. Schwindsucht und Herzleiden machten seinem jungen Leben ein Ende. Wo wachsen unsere Reben? Der deutsche Wein ist ein edler Trank, aber unter den weinbauenden Ländern nimmt Deutschland seiner Produktionsnicnge nach nur einen beichridcnen Rang ein. Während der durchschnittliche Wert eines Hektoliters Wein in Italien 20 M., in Fraukrrich 16 M. und in Oesterreich gar nur 12.60 M. beträgt, stellt er sich in Deutschland auf 56,80 M. Jedoch macht die Weinbaufläche in Deutschland nur 0.25 Proz. der gesamten Boden- fläche aus, wogegen in Italien 6.30, in Frankreich 4.00 und in Oesterreich(ohne Ungarn) 0.60 Proz. der Bodenfläche mit Wein be- pflanzt sind. Arg im Irrtum ist der Dichter, wenn er behauptet, datz am Rhein unsere Reben wachsen. Im Jahre 1008 waren in ganz Deutschland 116 768 Hektar Boden- fläche mit Wein bepflanz», davon nn eigentlichen Rheingau aber nur 2101 Hektar. Nun flieht der Rhein ja auch an den Ufern Rhein- Hessens, der Pfalz sowie eines Teiles des Elsasses und Badens vor- bei. Aber wenn wir alle diese delitichen Gaue zusannnenrechnen, so kommen iinmer erst etiva 34 000 Hektar Erntefläche, also noch lange nicht der dritte Teil der gesamten deutschen Weinbaufläche für Rhein- wein zusammen. Mosel. Saar. Unterfrankeu. Württemberg, Baden und Elsatz liesern den übrigen deutschen Wein. DeS weitere» verrät aber die Statistik, datz gar merkwürdige Gegenden noch am Weinbau partizipieren. Da wurden gecrntet in den drei Regierungsbezirken Frankfurt a. O.. Posen und Liegnitz auf insgesamt 1485 Hektar Fläche für 400 000 M. Weinmost, aller- diiigs nur ein kleiner Teil des gesamten Mostes im Werte von 126.8 Millionen Mark. Aus allen Himmeln fällt der Wcinirinker. wenn er erfährt, datz selbst so vernifenc Gegenden wie der RegierungSbeziik Potsdam und der Kreis Schiveiuitz insgesamt immer noch 07 Hektar mit Wein bebaute Erutefläche haben. Aller- Dabei mutz es auch bleiben.— Wenn ein Parteiblatt in seiner Aufforderung zum Schnapsboykott sagte, datz derjenige, der noch Schnaps trinkt, gegen die Grundsätze der Partei verslotze. so mutz dem entschieden widersprochen werden. ES mutz beachtet werden, datz wir mit dem Boykott gegen leider tief- eingewurzelte Gebräuche ankämpfen, die ganz selbstverständlich durch eine Parteitagskundgebung nicht mit einem Schlage auS der Welt geschafft werden können. Wir würden die Parteiversammlungen zum Tummelplatz der niiangenehnisten persönlichen Zerwürfnisse machen, wenn Nichtbefolgungen dieser ParteiragSaufforderung in Versammlungen besprochen oder gar als Verstotz gegen die Partei- grundiätze betrachtet iviirden. Schnüffeleien und Denunziationen würden Tür und Tor geöffnet und daduich nicht nur die Partei im höchsten Matze geschädigt, sondern auch dem Schnapsboykott der schlechteste Dienst erwiesen. Das mutz unter allen Umständen vermieden werden. Von einem Ausschlutzversahren kann da selbstverständlich keine Rede sein.. Nach den bisherigen Erfahrungen darf man mit der Wirkung der Parteirogskundgebung vollauf zufrieden sein. Wirken die Partei- genossen im Sinne unserer Darlegungen weiter, dann wird der vom Parteitag beabsichtigte Zweck erreicht und eine Schädigung der Partei vermieden werden. für den schwedischen Generalstreik. Bei der Berliner EewerkschaftSkommission gingen ferner für die ausgesperrten und im Generalstreik stehenden schwedischen Ar- beiler ein: 1209 Sektion der Putzer 9.50. 7261 Putzer 1.—. Dreher, Gürtler, Schleifer. H. Hartmann, 9. Rate 9.10. Kollegen bei Pardemann, 11. Rate 15.30. Kraiizüberfchutz A. Pardemann 3,65. 11438 Kollegen bei Blanken- bürg u. Schnabel 9.55. 14560 Seger und Drucker bei Seydel u. Co., >2. Rate 19,45. 9338 u. 9339 Wahlverein Schnrargcndors 3,05. Kisten- macher von Pflugrath, 12. Rate 14,75. Setzer u. Stereotypeure der Werk- abteilung„VorivärlS", 7. Rate 50,—. Angestellte der Ortskasse der Maurer, 4. Rate 9,25. 14481 Metallarbeiter vo» P. Trettin 10,50. 14327—14332 Buibdcuckerei Mittler u. Sohn. 10. Rate 56,95. 14321 Buchdrucker der Anilinfabrik, 10. Rate 2,30. 14608 Buchbinderei I. S. Preutz, 5. Rate 4,35. 1ö83t Buchdruckerei 2. Schumacher. 13. Rate 12,60. 13588 Arlt u. Frille 14.35. 14683 Metallarbeiter bei Rod. Schulz. 13. Rate 6.30. 12865 Tischler von I C. Pjass Saal 4 7,30. 14602 Tischlerei Schüdbekops u. Heine, 5. Rate 10,50. 11335 Jllultrations-Rotation Nllst-in. 6. Rate 14,—. 14626 Buchdr.„Sonntagsblall" 16,55. 14487 Luxuspapiestabr. H Wolff. 10. Rate 27,80. 14625 Buchbinderei Liebhcit u. Tbietzen 4,15. 13835 Buchdruckerei D. Fcitchciifcld. 10. Ra!c 9,30. 14681 Metallarbeiter v. Emmerich u. Schöning. Saal I 10,50. 14562 bis 67 Allgemeine Metallwerke f. Beleuchtung. 13. Rate 49.45. Personal der Feisterschen Buchdruckerei 5,—. Allgemeiner Deutlchcr Gärtnerverein. Oitsverwaltung Grotz.Berlin 23,30. 14447 und 14605 Schiotzsabril Lindner 20,80. 12832 d. Lansky 7.—. Vergnügen Wildner 1,35. Lvtterievcrein Zukunlt 5,50. 14334 Buchdruckerei C Marschncr. 13. Rate 19.35. 13025 Tilchlerci W. Hyan 9,55, Lotterievercin Hoffnung 1904, 3. Rate 10,15. Goldleistensabrik Adols Werkmeister, 9. Rate 17,40, Personal Stempelsabril K. Lehne, lt. Rate 6,—. 14381 Tischlerei Hcntsch 10,—. 13991 Metallarbeiter von Heidcnhain 10,40, Metallarbeiter Gebr. Huff, 13, Rate 11,80, Töpfer von Kalbe, Bau Maibach-User 5,75, 14654, 55, 56 und 57 Metallarbeiter von Henlschke u, Buchbolz, 10. Rate 30,30. 14623 Klempner Zentralmagazin, 13. Rate 20,55. 14537 Tilchlerci Sicbert u. Schwcsinger, 12. Rate 9.50 Kollegen v. Beyer u. Kröning 13.50. Tischlerei Sippcl 8,—. 14688 Buchdruckerei Gebr. Ernst, 13. Rate 10,—. 14363 Pianosabr. G. Otto 17.05. Möbclsabrik Schwarz u. Fröhlich, 9. Rate 31,75. Tischlerei Nickel. Wcrnicke u. Lehmann, 12. Rate 15,75. 63!2 Kisten- macher Mcitzncr u. Stolz 15,75. Arbeiterinnen von O. Hirsch 6,30. Unter- kommission Rixdors aus folgende Lilien: 2453 3.—. 8719 2,—. 8720 4,85. 8722 2,05. 8725 11,75. 6726 11,20(in Summa 34,85). 14694 Metallarb. von Bischoff, Neue Künigslratze 14,50, 13833 Buchdruck, E. Billig Nachi., 11. Rate 17,15. 14686 Tischlerei Kilkiilcnz 7,55. 13985 Rüchenmöbel Jakobowitu, 10. Rate 9,20. 14687 Lkes u. Go. u, Tempel, 11, Rate 13,15. 6156 7,30. 7573 Fcsara 3,—. 996, 1837, 1841 Verband der Bureauangeft. und Berwallungsbcamtcn, Linicnstr. 8 17,75. 10779 u. 80 Otto Neumann. Herzsclde, Strausbergerstr. 22 7.70. Von den Kollegen der Maschiiieiisabrik O. Schober u. Eniaillicrwcrk Rabe, 8. Rate>0,50. Sozialdcmokr. Württcm« bergo, 9. Rate 100,—. Tischt. Lade 10,—. 14689 Handtuchsahr. Eincniia 16,50. 14568 Kronlerichtrrsabrik Ganscreit u, Go. 21,30. Tischt. Lücke, 3. Rate 6.70. 6594 Bauarbeiter 6,50. 14530 Buchdruckerei Berg u. Schach 6,20. 14341 Buchdr. Rolcnthal u. Go., 11. Rate 12,65. 14685 Metallarbeiter v. Schwarck u. Go., 8. Rate 6,50. 14691 Buchdr. Deuter u. Nicolas 10,65. Galvano- Plastik 13,80. Handtuchsahrcr v. Aigner, 12, Rate 16,—. 13584 Tischler v. Krügcl 7,10, Verband der Lithographen und Steindrucker, MitgUedschajt Berlin, 8. Rate 300.—, 13665 Tlschlcrei G. Zache, 6, Rate 10,-. 14542 Transpartarbeiter v, I. Pinisch, 11. Rate 7,90. 14680 Pinnosabrik W. Hossmann 5,90. 14569 Metallarbeiter Behling». Lübic, 9. Rate 19,40, 14624 Berliner Druckerei, 13, Rate 6,45, 14535 Tischlerei Kaiser, 12, Rat« ding« setzt die Statistik mit bemerkenswerter Offenheit den Wert des hier erzeugten Mostes auf 0,0 M. an. Tbenter. Neues Theater. Gastspiel der Suzanne DeSpröS. (. E 1 e k t r a" von Hugo v. H o f f m a n n S t h a l,) Die„Eleklra" der DeSprdS hatte mit der Erinnerung an die phänomenale Leistung der Eyfoldt zu kämpfen. Das, was der Hoffmannslhakschen, im Gang der Handlung sich durchaus dem gricchiichen Original anschlietzenden Tragödie dieser gegenüber doch� eine gewisse Selbständigkeit und Eigenfarbe verleiht, ist die veränderte Ausfasiung von„Elektras" Wesen und Tat. Auch in der Fürsteniochter deS Sophekleischen Dramas hat der von ihrer Mutter und deren Buhlen am heim- gekehrten Gatten verübte Meuchelmord eine unauslöschlich fort- glimmende, jedes andere Gefühl in sich verschlingende Rachebegier entzüiidel. Konzeniration und Stärke der Leidenschaft lassen keine weitere Steigerung zu. Der Unterschied liegt darin, datz während bei Sophokles Elektras Hätz, im Sinue der Sage, als Werkzeug einer gerecht waltenden Nemesis erscheint und damit einen ihn adelnden religiösen und heroischen Grundton erhält, HoffmannSthal ihn natnralistisch. losgelöst von allen solchen Perspektiven, als einen Zustand pathologischer Besessenheit darstellt. Hin und hergeschiittelt von unentrinnbaren grauenhaften Zwangsvorstellungen, ist feine Elektro eine Monomanie, die psychologisches Interesse, auch Furcht und Schrecken, aber keine tragische Eischüttcrung auslöst, I» diesem Sinne— dem einzigen, in dem Hoffmannslhals Stück für mehr als ein« blotze Nawdichiung gelten rann— hatte Gertrud Eyfoldt die Rolle motzt und in meisterlicher Einfühlung ausgestaltet, Nuvergetzlich haftet das dämonisch packende Schlutzbild im Gedächtnis: wie sie, gleich einem gefangenen, blutgierigen Raubtier hinler den Eisen- siäbc» des Käfigs hin und her getrieben, die Ermordung beivacht, und dann schwerstapfcnd in ziickciidem Tanzschritt zuiammen- bricht. Sie folterte die Nerven, aber sie hinterlietz der Phantasie dafür auch einen bleibenden Eindruck,— Im Spiel der DeSpreS verwischte sich die Eigenart deS Stücke». Sie schonte die Nerven, dämpfte das schrille Toben, ihr ruhig klangvolles Organ, der stille Ernst der Züge, ein Mienenspiel, das weiche Regnugen des Leidens durchblicken lictz, warb um Syuipathie für die Gestalt. Bei den grotzeu Kunstmiiicln. die ikst zu Gebote stehen, nicht umsonst. Jedoch wa» die„Elektra" so an Menschlichkeit gelvaim, daS blltzte sie an individueller Eigenheit und jener Art von psychologischem Jnteresie, auf welches eS dem Autor änkommt. ein. Man konnte znweilc» glauben, der Aufführung einer Racincfchcn Tragödie beizuwohnen. Die bösartige Besessene HoffmaimstbalS beginnt, wie die DeSpröS sie spielt, mit einer Miene des VerklärtfeiuS, einer Arnibewegmig, die de» Göltern fromm zu danken scheint, den frohlockenden Trinmphtanz nach dem Morde.— Z'vci französische Einakter rahmten dos Drama ein. Im ziveiten spielte Herr Lligiie-Poe mit viel charakteristischen Nuancen einen armen Teufel, der sich, um Obdach zu erholten. arretieren lassen will und dann noch dem Empfange eines Geld- briefes seine Empfindungen sofort bourgeoiSmätzig wieder einrenkt. dt. ____________...... 11,45. Verband der Schmiede. Zahlltelle Berlin, auf folgende Listen: 2708 6.15. 2756 5,80. 2770 6.50. 2772 8,—. 2773 3,80. Schwartzkopff. Scheringstratze 10642 18,25. 10643 13,70. 13794 32.70. 13795 20.80. Kesaminelt in der Sitzung der Ortsoerwalt. 7,—.(In Summa 122.20 M.) 14312 Buchdruckerei O. v. Holten, 13. Rate 19,20. 14622 Tischlerei Fürst u. Kuhnert. 12, Rate 4,35. Maurer des ZentralvcrbaudcS Deutschlands, Bez. Alt-Glienicke, Ueberschuh einer Kranzspende 5,50. Sctzmaschinenabt. der Buchdruckerei Deuter u. Nicolas, 9. Rate 4.—. Verband der Buchbinder, Oitsvcrw. Berlin, aus folgende Listen: 6284 13,50. 6283 8.15. 6393 2,50. 6277 10,75. 6267 2,60. 9451 1,—. 12102 1.35. 12089 8,05 sin Summa 47,90).— 14707 u. 14708 Mctallarbcitel v. Israel. 11. Rate 45.35. Ver- band der Sattler u. Portefeuiller, Orlsverwalt. Berlin. 10. Rate, auf Listen 107,60. 14697 Metallarbeiter von Linz u. Eckert, g. Rate 18,40. Verband der Brauereiarbciter, Zahlstelle Berlin, aus salzen'e Listen: 11211, 12680 Brauerei FricdnchShain 23,65. Patzenboser II, 740 Brauer 11,40. 820 Rcs.-Fahrer 4,25. 585 Bergschlotz, Hilfsarbeiter 2,50. Böhmisches Brau- haus 11219 Flaschenk.-Arbettcr 8.75. 11202 Br.>uer 7.70. Oswald Berliner 835 Flaschenk.-Arb. 9,10 864 Brauer 7,30. 11221. 11222 Schultheltz IV 28,55. 12684, 859 Germania, Brauer 10 85. 843 Königstadt, Brauer 5,80. 11195 Viktoria, Hilss- und Flaichcnkellerarb. 9,25. 863 Wanninger, Brauer 6.15. 860 Münchener Braubaus, Brauer 13,90. 639 Bock II, Flascheni.-Arbeiter, tabrpers,, Maschincnpers. 22,10. 11226 Spandauei berg-Brauerei 8,35. 856 ereinsdraueiei, Brauer 6,65. 831, 832 Schullbeitz I, Fahrpcrsonal 10,70. Schionbr. Schöneberg 11209 Flaschenkcller-Arb. 22,95. 11225 Fahrpers. 9,10. Schultheis! Pankow 11675 d. Müller 6,—, 12678 Brauer u. Hiissarb. 19,50. 783 Kaiserbrauerei. Brauer 5,50. 12673, 11205 Stadtbrauerei 26,65, 817 Norddeutsches Brauhaus Grünau 8,25. 757, 11232 Genossenschastsbrauerei Friedrichshazen 6.50. 726 Engelhardt Pankow. Brauer u. HilsSarb. 17,85. 848 Patzeuhoser Spandau, Hiissarb. 16,50. 851 Gabriel u. Jäger. Hllss- arb. 4,—. 697 Nieder!, d. Brauerei Leykum 12,35. 857 Gnders, d. Auger- müller 7,10. 11199, 1 1200 Patzeuhoser I. Flaschenk,-Nrb 20,30 12677 Roland Bieriiiederlage, Flaschenk.-Arb, 17,30, Schultheis I 12669, 12689 Brauer 17,60, 12672, 12710 Flaschenk.- u. Hosarb. 50.95. 11234 Nordstern, Brauer 8.—. Schulihettz II 11238 Flaschenkeller- Ardeiter 37,65, 11239 Handwerker 7.40. 11240 Belricbsnrbeiter 25,—, 12685 Hos- tu Flaschenkeller-Arbeiter 11,95, 1 1229, 12686 Brauer 22,80, 12696 Angestellte der Ortsverwaltmig 16,—. 12711 Brauerei Friedrichshain 11,75. Brauerei Patzeuhoser I. 12675 Brauer 6,—. 11235 durch Werner 10,75. 12694, 12695 Brauerei Patzeuhoser ll. Flaschenkulscher, Arbeiter, dabei 2,50 M. Jnscrat.-Ueberschutz Kaiser u. Bick 25 30. 12699 Schlotzbr. Schöneberg, Flaschcnk. u. Fahrvers. 17,30. 11217 Gabriel u. ZUchter, Brauer 2,80. 11207 Bock I., Brauer, Hilssarbeiter und Fahrpers onal 26,05. Osw. Berliner 1269? Brauer 6.85. 12679 HUssaibeiter u. Flaschenk.-Arb. 4.—. 11233 Happoldt. Brauer 5.20. 12715 Germania, Brauer 4,80. 12674 Münchener Brauhaus, Brauer 10,90. 11197 Bock II., Flaschenk.-Arb. 13.05, 11228 Vers. u. Lehrbr,. Flaschenk.-Arb. 2.—. 11230 Hilscbein II., Brauer u. Hilssarb. 9,80. 12697 Kaiserbrauerei. Brauer und Fahrpersonal 9,60. 12676 Eriders, Brauer u. Hiissarb. 0,40. Schultheiß I., 12709 Brauer 6,80. 12714 Hilss- u. Flaschenk.-Arb. 24,—. Schultheiß II.. 12698 Brauer 10,80. 1270o, 12706 Hos. u. Flalchenk-Arb. 62,35. 12707 Handwerker 5,05. Nordstern, 12693 Brauer 6,—. 12671 Fahrpcrsonal 5,25. 12700 Roland, Bicruiederl. Flaschenk.-Arb. 17.50. 12717 Deutsche Bier- brauerei, Pi.yeledors, Brauer 30,—. 12668 Angestellte der Hauplverwalt. >0,50. 12687 Pcrcinsbrauerci, Brauer 5,20.(In Summa 949,15 M.) Verband der Tcrlilarbeiter, Filiale Berlin, aus solgcnde Listen: Strickerei Land- 11412 6.40. 11413 5,95. 11414 18,20. Strickerei Kerb 11418 12,35. 11422 11,75. 11423 13,25. 11424 12.10. Dekateure 11404 10,55. 11403 IVO. 11401 Bezirk Köpenick 7,50. Teppichsabr. Schwendy 11408 13,60. 11409 12,45. Teppichsabr. Benjamin 11415 16,05. 11416 17,10. 11417 3,75. 7558 Stickerei Herz 10,60. 7571 Stickerei Berlscher 4,20. 7570 Sticker 7,35. 11419 Vclvelsabr. Mengers 1,20. Posamenticre 6800 8,—. 7563 6,10. 5382 Dekateure 6,25.(In Summa 216,40 M.)- 14690 Dreherei Pinkuß. 12. Rate 12,—. 14558 Metallarbeiter v. Elfter 29,40 13834 Verband». Mitglieder und Hilssarbeiter von Liebheit u. Thießen 9,20. Bauaulchläger von ffi. Franke. 6. Rate 15.40. 13812 Personal Buchdruckerei Bartholdy u. Kiew 7,—. Firma Schalem 5,80. 1470t bis 14705 Verbands- Mitglieder Buchdruckerei 28. Bürenstein, 18. Rate 46,15. 14693 Kontobuchfabrik Buchdruckerei Bollsrah u. Apcl, 12. Rate 10,65. Deutscher Transport- arbeite: verband, Bezirk Groß, Berlin, aus folgende Listen: 396 7,20, 1881 Tcllcrlammliing der Handtuchsahrcr 25, 10. 09 3,30. 1899 19,50. 1900 12,00. 1949 0,45. 1951 3,35. 5257 Krastwagcnsührcr.Born Garage' 24.20. 5259 14.80. 9645 Fahrpirsonal der Bergbrauerci 6.60. 9651 Fahrpersonal der Grotcrjan-Braucrci 6.60. 9656 3,10. 9676 5.00. 9677 6,70. 9679 27,10. 11346—,20. 11476 von den Angestellten deS Haupt- vorstandcS 80,60. Heizer u. Transportarbeiter der Anilinsabi ik Treptow 9690 5,15. 11336 3,85. 11337 14,80. 11338 7,55. 1I33S 8,38 sin Sa.: 219,33). 14340 RotatlonSmaschineiimeister„Woche",„Tag", 10. Rate 3,75. 14891 Pianosabr. Hillgärtner. 6. Rate 11,30. 1102, 07. 12, 25. 27. 33 und 12141 Verband der Isolierer und Stcinholzlcger, Berlin 65,55. Verband der Schneider, Filiale Berlin I, aus solgcnde Listen: 6090 Schneider v, Koppel 16,65.«094 durch Cahn 6,—. 6098 Schneiber v. Förder 13,05. 6100 durch Doritz 20,65. Schneider von Didszun 5,—(in Summa 61,35). 14447 Buchbluderci Wintler 9,65. Deutscher Mctallarbcitcrverband, OrtSverwalt, Berlin, aus solgcnde Listen: A. E, G,, Brunnen-, Voltastratze: 8373 23,65, 11639 18,63, 11646 18,40. 11659 35,85. 11857 18,55. 11693 13,— 13366 28,60. 13387 32,70. 13389 12,05. 13390 16,40. 13398 20,95. 13399 14,10. 13400 16,4«. 18841 8,05, 13853 12,25. 13854 17,05, 13803 15,-. 18866 14.9». 13867 80,85. 13869 6,95. 13870 4,10. 13873 27,75. 13876 11,15. 13877 16,55. 13879 11,50. 13880 38,20. 13882 38,85. 8497 durch Widulla 4,70. 13212 Puppel, Schleifer 6,80. 10187 Deickc 9,60. 10544 Siemens. Abt. Breitsprecher 7.05, 12495 Gebr. SiemenS-Lichtenberg 23.50. Humor und Satire. TilleS Industrie-Akademie. Den wir neulich wieder ehrten, Friedrich Schiller, jener Tropf, unterschied vom Brotgelehrten streng den philosophischen Kopf. Letztern nannte er beflissen, Immer nur gerecht zu sein, sprach, er stelle stets sein Wisieu in der Wahrheit Dienst allein. Wir. wir glaubten, längst abhanden fei gekommen dieser Typ, glaubten, datz in deutschen Lande» nur der Brotgelchrte blieb. Doch jetzt müssen wir erfahren, dieses Urteil, es warf schief» unsere Professoren waren immer noch zu objektiv. Denn die hoben Schulen stützen doch den Staat nur hinten'nun, und noch allzu wenig nützen sie dein Arbeitgebertum. Drnm heraus ein paar Millionen! Sich»um Handeln aufgerafft l Hmidertfällig wird es lohnen die gekaufte Wtsfenschaft. Dank den Goldtinklnren-Kuren stellt sich bald ein Wandel ein, denn an Profeffnreii-Huren wird bei uns kein Mangel sei». Notizen. Franz. Vorträge. Im Institut für Meereskunde(Georgen- strotze) spricht am Pkontag, den 22. Nov.. Prof, Penck über:„San Francisco, fein Haien und fein Erdbeben"(mit Lichibildeni); Dienstag, den 23, Nov. KuftoS O. Bäsch in über:„Der Kampf um den Nordpol"(mit Lichibildern— Wiederholung deS Bortrages vom 0. d, M); Freitag, den 26. Nov. Dr. Fr. L i d l i n g m a i e r Ober: „Das Meer als Erzieher deS Menschen. Karten zu dem Vorwage am 23. siitd vergriffen. — Kunstchronik. Die WinterauSstellung der Sezession kann wegen der mit der dekorativen AiiSgcstalhiug der Säle ver- bnndenen Schwierigkeiten nicht am Sonnabend eröffnet werde». Der Termin der Eröffnung wird noch bekannt gegeben. «. Turvwe: 11499 üttt. Sana 10.50. 12569 Stein 30,45. 13329 Wangcmann 19,50. 13340 Klein-Lempel 28,50. 13343 Grenzer 12.15. 13346 Voit 41,50. 13351 Stein 10,50. 14078 ßfbpmann 35,—. 14079 Schale 31,50. Sänltc 14081 5,—, 140S2 17.45. Neubert 14033 14,50, 14084 16,80, 14084 13,80. 14»87 Süb 14,50. 14088 Fuhrmann 17,50. 14089 Sohle 52,75. 14090 Hallenbach 21,80. 14091 Pahloiv 21,05. 14092 Stein 36,10, 14093 HauSdors 19,40. 14094 Hennig 9,—. Karpa 14095 19.80, 14096 27,50. 14097 Urich 36,—. 14098 Urich 26,—. 14099 Voll 31,50. 14100 Schulz 7,—. 14101 Haustein 11,30. 14103 Wilhelm 36,80. 14104 Kerber 11,—. 14105 Straffer 20,25. 14107(Wroschenkasse 4,— M.) Nestmann 49,75 14132 Rakel 13,—. 42496 Bold 3,75. 12549 Progreh, 3. Rate 20,—. 43207 Falbe Schletser 9,95. 43214 Falbe Gürtler 46,35. 43923 Spotz u. Co., II. Rate 25,—. 43936 A. E.-G. Nernstlamven 10,40. 43937 do. Signalbau 21,40. 14207 H. Hauptner, 12. Rate 33,90. 14211 Cyklop, 9. Rate 15,30. 14129 Drochinann u. Schweitzer, 11. Rate 16,—. 14161 Emmerich u. Schöning, Schleifer, 12 Rate 15 80. 14077 BioSkop. Ges. 7,25, D W. F. Witlenan, Abt. Diener, 7. Rate 14143 23,50. 14144 15,60. Bölke 14145 20,35. 14146 24,65. 14147 8,20. 14148 Müller 7,35. 14140 Abramezhk 19,20. 14150 Lange 52.25. 14451 MSH1 28,30. 14152 Grotzmann 5 10. 14153 Christott 6.55. 14155 Witte 3,50. 14456 Weiland 7,75. 14157 Wirschin 4,35. 14242, 10. Rate 17,90. 6725 durch Rabe 6,—. 14122 O. St. Nilfch. 13. und 44. Rate 16,50 14244 Medtz. Warenhaus, 10. Rate 26,—. 14218 Frost u. Söhne 30,70. Gebr. Krüger u. Co., Köpenick 13499 16,55. 43SK) 21,85 18201 11,60. 13202 6,25. 13204 10,20 F. Gaebert, 11. Rate 14280 5,75 1428112,60. 14282 9,85. 14283 11,70. Gebr. Bolzani, 6. Rate 14292 20,90 14293 48.80. 14295 12,75. Schwartzkopft, Reinickendorf 20,—. 10466 Haffe u. Co 26,50. 44110 Aich u. SonS, 8. Rate 14,45. Bergmann, HennigS- dorfer und Oudenarder Str. 47,35. 11525 Abt. Pötter 33,75. 11536 Könkel 47,05 11537 Dünfe 46,25. 11538 Dietrich 25,40. 13252 Lichterseid 37,85. 18253 Abt. Bergmann 9,85. 13254 Mertens 14,60. 13255 Franke 12,70. Necke 13256 11,50. 13257 12,90. 13258 Brauer 10,55. 13259 Krüge, 18,90. 18261 Mertens 17,36, 13263 Buchholz 10,75 13264 Träger! 31,10 3265 Herzog 6,60, 13269 Stanzerei 13,90. 13270 Schwarz 31,50. 13272 Leistikow 19,45 13273 Bluck 14,—. 13274 Richter 43.16. 13275 NieolauS 15,—. 13276 Klavttler 35,35. 13278 Herrmann 7,60. 13281 Dünze 40,—. 13283 Träger! 38,60. 13284 Herzog 7,—. 13286 Kirstein 24,60. 18287 Gerlach 2,80. 13288 Tragerl 31,50. 13249 Büchoff 9,50 Dr. M. Lev.y 13250 13,30. 13251 21,50. 14278 Weber u. Hampel 31,20. 14108 Siemens, Eifengleberel 9,50. 8421 Freund. Eisengießerei 10,85. Leget 14134 Gürtler u. Dreher 13,80. 14135 Former 2,50 14136 Schleifer 3,—. 14163 Jaslro 7. Rate 12,—. 13230 Blehl 10,90. Schivartzkopfs. Scheringstraße: 10360 27,—, 13362 15,50, 12595 15,30, 12598 28,95, 12599 29,-, 12602 21,55. Hesse u. Sohn: 12605 3,10, 12606 22,90 Schivartzkopfs: 12607 25,30, 12608 16,20, 12609 16,—, 12610 30,70, 12611 19,95, 12612 23,80, 12614 14,—. 12613 31,—, 14115 13,95, 14117 23,80, 14118 13,50, 14119 19,50. 13244 Dabbert 5. Rate 15,60. 13166 EverZ-Ready 10.70 13935 Sielntt 3. Rate 23,65. 14225 Schönheimer 10. Rate 10.95. I t2t3 Sela« Lichtges 20.—. 13928 Chklon 7. Rate 23,70. 14217 Kray 13. Rat- 29,45 14202 Berl.WagenaxenIabr.22,70. 13102 d. Zeidler 10,85(in Summa: 3454,80). ZZergolder mid Möbelpoltercr von Ralchig, 11. Rate 8,35. 14682 Metall- »rbeüer von Zemlin, 11. Rate 10,65. 13622 Berliner Musikalien-Druckerei. 8. Raie 14,30. Druckerei S). S. Hermann, 10. Rate 202.30, 14714 Metallarbeiter von Spinn u. Sohn. 14. Rate 11,35. 14720 Setzer und Drucker von Seydel u Co., 13. Rate 19,50. Falzerei R Moste, 13. Rate 18,—. 14684 Metallarbeiter von Gerhardt 12,25. Buchdruckerei I Sitlenseld, 11. Rate 63.45. 14688 Tischlerei I. Metzer 16,35. 14706 Buchdruckerei Gebhardt, Jahn u. Land!, 13. Rate 11,55. HilsSpersonal, Akzidenz, und Rotations-Abt.,»Berliner Tagcbiall", 13. Rate 42,—. Summa 7411,7&'M. Bisher sind veröffentlicht 264 922,73 M., dazu kommen 7411,78 M., in Summa 272 334,56 M. Gelder, welche per Post eingesandt werden. sind an A. Körfton, Engelufer 15 1 zusenden. Alle Sammlungen find sofort in unserem Bureau, Eugelufer 15 1. Himmer 23. vor- mittags zwischen 9— 12>/z Uhr und nachmittag» zwischen 4—7'/, Uhr abzuliefern. Die Listen S395. 8873. 8637, 9390, 1880, 713S, 7908, 941, 922, 8842. 10335. 1403, 8704, 4194, 7846, 6451. 9770 13078, 264, 283. 283, 4507, 7775 und 12519 sind verloren gegangen und sind beim Borzeigen anzuhalten. Berichtigung. In Nr. 261 de»»vorwärts' miis; es heißen: Liste 11706, Borstg, Maschinenbauer und Dreher 43.— M. Der Ausschuß der Berliner GewerkschaftSkommissiou. Hud der partei. Ueber die Ansiedelung der Landarbeiter sprach Genosse Gutsbesitzer H o f e r am Bußtag in einer General- Versammlung der K ö n i g s b e r g e r Parteiorganisation. Ergab einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung Deutschlands vom Agrarstaat zum Jiiduslriestaat und kam dann zu dem Schluß. daß man die Landarbeiter warnen müsse, sich an« siedeln zu lassen. Seine Ausführungen riefen eine lebhafte Debatte hervor. Genosse Otto Braun vertrat den Stand« Punkt, daß die Ansiedelung der Landarbeiter nicht so schwere Schädigungen für das Landproietariat zur Folge haben würde, wie sie Genosse Hofer geschildert, während die anderen Redner, darunter Genosic Goltscdatk, im weseni, licken den Standpunkt des Referenten vertraten. Mehrere Redner, besonders Genosse Goltschalk. wandten sich enisckiedeii gegen den Genossen Artur Schulz, der in feinen Schriften eine mehr als eigen- tümliche Schwärmerei für den ländlichen Kleinbetrieb zum Ausdruck gebrockt hat. Dann wurde folgende Resolution einstimmig an- genommen: „Die Versammlung hält im Gegensatz zu einzelnen Schrift- stellern der Partei die planmäßige Vermehrung der ländlichen Zwergbetriebe zur Gewinnung ländlicher Arbeitskräfte nicht für einen wirischafllicken Fortschritt, sondern für eine überwiegend dem Junkertum nützlicke agrarische Maßregel und erblickt darin eine Verzögerung der endlicken Erlösung der Landarbeiter zugleich mit der gesamten Arbeiterschaft aus den Fesseln agrarisch-lapita- listischer Knechtschaft.'__ Eine Wahlkreiskonferenz für den ersten anhaltischen Wahlkreis fand am 14. November in Dessau statt. Anwesend waren 47 Delegierte, darunter zwei Genossinnen. Den Geschäftsbericht erstattete Parleisetreiär Günther. Daran? ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl der Parteiorganisailon von 3316 auf 3183 ge- funken ist. DerRiickgong ist lediglich auk die überaus schleckte WirtschaltS« konjimkiur zurückzuführen. Unter den 3183 Mitglieder» find 746 weib« llche. Ol tsvereiue sind sieben vorhanden. Zur Ansklärmig über die be- rüchtlgie Reicksfinanzreiorm dienten zwei Flugblätter, die in je 80 000 Exemplaren im Kreise verteilt wurden. Irgendwelche Aus- stelluugen wurden an dem Jahresberickt nicht gemacht.— Zur Frage der Zandarbeiterorganisation hielt Gauleiter Hille vom Landarbeiterverbaud ein instruktives Referat, worin namentlich die ländlichen Vertrauensleute zur Unter- stützuug bei der Agitation für den Landarbeiterverbaud aufgefordert wurden.— Ein weiteres Referat des Parteisekretärs Günther behandelte die Notwendigkeit des Ausbaues des Bezirks« führeriystems in allen größeren Parteiorten.— Beschlossen wurde hierauf einstimmig, sür-den Kreis eine S t e r b e u n t e r st ü tz u n g s« Vereinigung nach dem Muster der Beruburger Genossen ins Leben zu rufen. Das Reterat hierzu hielt Landiagsabgeordneier Voigt- Veruburg, der über die denkbar günstigslen Erfahrungen einer solchen Einricktung in Bernbnrg berichten konnte. Ausdrücklich sei bemerkt. daß Parteigelder hierzu nickt zur Verwendung kommen. Es wird lediglich beim Tode eines Mitgliedes im Umlageverfahren ein Extrobeitrag von 5 Ps. erhoben, was bei 3000 Mitgliedern eine» UnterstützuugSbetrag von 150 M. ergibt. ES kommt nur das zur AuSznblung, was der Exirabritrag einbringt. Beitrittsberechtigt sind nur Parteimitglieder. Der Beitritt ist frei- willig. In der ausgedehnten Debatte wurden prinzipielle Bede: k» hundert neue Abonnenten. Als Vorstandsmitglieder für den Wahlkreisverein wurden die Genossen Stelzer, Sens und Linke gewählt._ Zum Protokoll des Leipziger Parteitags wird uns geschrieben: Im Protokoll des Leipziger Parteitag? Seite 320 wird im Be- richt der Mandaisprüfungskommisflon ausgeführt, Unterzeichueier hätte gegen das Mandat des 1. Vorsitzenden des Deutschen Metall« arbeiterverbandeS Genossen Schlicke Protest eingelegt. Es lag mir jedoch fern, gegen das Mandat Schlickes, sofern eS von ihm selbst ausgeübt werde, zu protestieren. Nur gegen einen allen- fallstgen Stellvertreter habe ich mich in meinem Schreiben an den Palteitag gewendet. Alexander Gläser, Stuttgart. Personalien. Als Sekretär für das Arbeitersekretariat Bremerhaven wurde Genosse Stolt, bisher Arbeitersekretär in Königsberg, gewählt. Soziales. Wohnungsfragen standen auf der Tagesordnung einer Der- sammlung von K> ante»tusscilvoi stünden und Verwnlttmgsbcaintcn, welche die Zentraltominisston am Donnerstag nach Kellers Saat einberufen hatte, lieber„Arbeiterwohnungsfrage und Gartenstadt" sprach Bernhard Kampffmeyer, der Vorsitzende der„Deutschen Gartenstadt-Gesellschast". In einem durch Lichtbilder illustrierten Vortrage schilderte der Redner die gesundheitlichen Schäden des Wohnens in großstädtischen Mietskasernen, und gab eine Uebersicht über die verschiedenen Bestrebungen, welche sich in neuerer Zeit zum Zweck der Schaffung guter, gesunder Arbeiterwohnungen be- merkbar machen. In den Arbeiterkolonien gelvisser großindustrieller Unternehmungen, die als Arbeiterwohnungen Famtlienhäuser mit Aärtcheu bieten, ebenso in den von Baugenossenschaften errichteten Wohnhäusern sieht der Referent Fortschritte aus dem Gebiete deS Wohnungswesens. Schließlich schilderte der Redner die von Eng- land ausgegangenen Bestrebungen der sogenannten Gartenstadt- bewegung. Es handelt sich hier in der Hauptsache um Arbeiter- kolonien, bestehend aus kleinen Wohnhäusern mit Gärten, die im Anschluß an großindustrielle Unternehmungen, aber vollkommen unabhängig von diesen gegründet werden. Eine derartige Siedelung ist in der Nähe von Dresden im Anschluß an die Werkstätten für Handwerkskunst ins Leben gerufen worden. Der Referent stellte in Aussicht, daß auch in der Nähe von Berlin die Idee der Garten. stadt in absehbarer Zeit verwirklicht werde. Wie die Konsum- genossenschaften auf dem Gebiete vorieilhaftcr Besehaffuug von Waren großes leisten, so könne auch in bezug auf die WohnungS- reform durch genossenschaftliche Tarigkeit viel erreicht werden. Der Redner schloß mit einer Autforderuug zur Unterstützung der Be- strebungen der Deutschen Gartenstadt-Gesellschast. Ueber„Die Agitation der Haus- und Gruiidbesihervereine zur Abänderung der Bauordnung" sprach Albert Kohn. Er führte u. a. aus: Die HauS- und Grundbesitzervereine bemühen sich, die Be- Hörden zur Abänderung der Bauordnungen zu veranlassen. Sie wollen eine weitgehende Einschränkung der Gebiete, für welche die offene Bauweise vorgesehen ist und eine stärkere Ausnutzung der Dachgeschosse für Wohnzwecke. Ferner sind die Haus- und Grund- besitzervereinc bemüht, die Versetzung verschiedener Vororte aus Bauklaffen geringer Ausnutzung in Bauklassen stärkerer Ausnutzung durchzusetzen. Diesen Bestrebungen können die Krankenkassen nicht gleichgültig gegenüberstehen, denn eS ist eine bekannte Tatsache, daß das dichte Zusammenwohnen in großen Mietshäusern den Gesundheitszustand der Bevölkerung in hohem Maße ungünstig becinflußt. Hervorragende Hygieniker äußern große Bedenken gegen die bereits heut allgemein vorhandenen Wohnungen im vierten Stockwerk. Nach einwandfreien Feststellungen weisen in Berlin die vierten Stockwerke die höchste Sterblichkeitsziffer auf. Die gesundheitlichen Gefahren der hochgelegenen Wohnungen würden noch gesteigert werden, wenn über dem vierten Stockwerk gar noch das Dachgeschoß zu Wohnungen hergerichtet werden dürfte. Die Dachgeschosse würden natürlich in erster Linie von Angehörigen deS Proletariats, also von Krankenkasscnmitgliedern bewohnt werden. Deshalb haben die Kronkenkaffen die Pflicht, gegen die gekenn. zeichneten Absichten der HauS« und Grundbesitzer Front zu machen. Das muß um so mehr geschehen, als ja die Haus- und Grundbesitzer den weitgehenden Einfluß, den ihnen die Städteordnung auf die Kommunalverwaltung einräumt, zugunsten der bezeichneten Be- strebungen ausnutzen werden. Einem Vorschlage des Referenten folgend, beauftragte die Ver- sammlung den geschäftsführenden Ausschuß, an den RegierungS- Präsidenten eine Eingabe zu richten, welche vom Standpunkt der Krankenkaffen und der gesundheitlichen Interessen der Arbeiter. bevölterung gegen die Verwirklichung der Hausbesitzerforderungen Protest erhebt. In der Versammlung waren 74 Krankenkassen vertraten, und zwar 40 Orts-, 5 Betriebs-, 2 Jnnungs-, 14 Vororts- und 18 freie Hilfskassen._ Haftung deS Meisters für Berfehlnngen deS Gesellen gegenüber dem Lehrling. Der Barbier K. in Altona hatte seinen Gehilfen Q. beauftragt, in seiner Abwesenheit das Geschäft zu leiten und den Lehrling S. zu unterweisen und zu beaufsichtigen. Am 7. August 1906 er- mahnte der Gehilfe in Erfüllung dieser Verpflichtung den Lehrling zu größerem Fleitze. Da er in der Erregung mit offenem Rasier- messer an den Lehrling herantrat, brachte er ihm fahrlässigerweise eine Körperverletzung bei. Der Lehrling verklagte nun den Meister auf Ersatz des Schadens, den er durch die Verletzung erlitten hat. DaS Landgericht Altona erkannte den Anspruch dem Grunde nach als gerechtfertigt an, das Oberlandesgericht Kiel wies jedoch die Klage zurück. Aus die Revision des Klägers hob das Reichsgericht am Montag das Urteil deS OberlandeSgerichts am 8. Oktober auf und stellte das erstinstanzliche Urteil wieder her. Der Beklagte hat seine Pflichten als Lchrherr verletzt und schuldhast gehandelt durch die Art der Vertragserfüllung. „Die übliche Betriebsweise" der StationS- und Gllterbodenarveiter im Eisenbahnbetriebe. DaS Schiedsgericht für Arbeiterversicherung im Eisenbahn» direktionSbezirk Mainz hatte sich letzthin mit der Berufung der Witwe K. zu Treieichenhain in Hessen zu beschäftigen, welche einen höheren JahreSarbeitSverdienst forderte. Ihr Ehemann und Er« nährer war als Rotlenarbeitrr im Bahndienste jahrelang beschäftigt und plötzlich getötet worden. Der FiSkuS erklärte der Witwe, daß wohl ihr Ehemann im letzten Jahre eine Summe von 957 M. ver- dient habe—»die übliche Betriebsweise für einen Rottenarbeiter eine Zahl von 309 Arbeitstagen im Jahre ergebe". Mithin fei gemäß§ 10 des Gewerbe-Unfallversicherungsgesetzes die Rente nach einem JahrcSarbeitsverdienst von 300 mal 2,90 M. Tagelohn zu berechnen und— Geschwindigkeit ist keine Hexerei— ergibt einen JahrcSarbeitsverdienst von 870 M. Diese Reckenaufgabe konnte natürlich die Witwe nicht Vo- areifen und erhielt vom Arbeitersekretariat den Bescheid, daß der FiSkuS sich wieder.inmal gründlich»geirrt" habe, denn eben nach den Bestimmungen des von ihm selbst angeführten ß 10 des Ge- werbeunfallversicherungSgesehes müsse der Jahresverdienst deS Ver- storbenen angenommen werden, der doch nachweislich 057 M. betrage. In der Berufung wurde auch angeführt, daß der Ver- storbene auch als StationS- und Gü�erlovenarbeiter an jedem Sonntag beschäftigt wurde und nur dcsl)alb den„hohen' Verdienst von 957 M. pro Jahr erzielen konnte. Das Schiedsgericht vrr- urleilte die Balmverwultung» der Rente einen Jahreearneitsver- dienst von 957 M. zugrunde zu legen. Es führte im Urteil aus, daß der Getötete„wohl vorwiegend als Rottenarbeiter tätig, fand aber auch bald als Stationsarbeiter, bald als Güterboden- arbeiter Verwendung. Die übliche Betriebsweise für StationS- und Gvterbodenarbeiter betrögt, wie dem Gericht bekannt ist, 365 Tage." Deshalb sei auch der Rente der tatsächlich verdiente Lohn von 957 Mark zugrunde zu legen. Amtlich ist also bekannt und öffentlich zugegeben, daß arme StationS- und Güterbodenarbeiier an 365 Tagen des JahrcS zu arbeiten haben und für diese„übliche Be- triebsweise" einen hohen Lohn von 957 M. erzielen können. Und dennoch sucht man diese» ihren Witwen noch streitig zu machen. Euq Industrie und Kandel. A. E. G. Der Vorliegende Geschäftsbericht enthält ganz interessante Angaben— aber die interessantesten fehlen. Vor allem die über Löhne,"Gehälter usw. Auch in Punkto ihrer Finanzpotitil läßt die Gesellschaft in mancher Beziehung diskretes Dunkel herrschen. DaS jedoch hebt die Verwaltung ausdrücklich hervor: Bei Festsetzung der Dividenden blieben die Gewinne aus Effektenverkäufen unberück- sichtigt. Für die Ausscküttungen werden stets nur die Ueberscküsse aus dem Warenumsatz herangezogen!— Demnach wirft die Eiek- trizitätsindustrie hohe Gewinne ab. Die Allgemeine ElektriziiSts- gesellschaft, die im Laufe der letzten neun Jahre ihr Aktienkapital von 60 auf 100 Millionen erhöhte, brachte in diesen Jahren folgende Dividenden herauS: 12, 8, 8. 9, 10. 11, 12, 12 und 13 Proz. Also im letzten Krisenjahre die höchste Dividende I Die Gesamisumme der Debitoren ist von rund 101 Millionen Mark aus rund 119 Millionen Mark, die der Kreditoren von 23 859 585 M. auf 27 629 383 M. gestiegen. Der in einer Summe angewiesene Brutto-GeschäftSgewinn des BerichisjahreS beziffert sich aus 19 003 272 M.(i. V. 17 835 744 M.). Davon gehen ab: Für Hnndlungsuiikosten 509 871 M. si. B. 467 524 M.j. für Zinsen 1 640 261 M.(i. V. 1 286 987 M.) und für Abschreibungen 463 569 M. ft. V. 418198 M.). Eilischließlich 33l 212 M. li. V. 263 175 M.) Vortrag ergibt sich hiernach ein Rein- gewinn von 16 334 572 M. si. V. 15 931 212 M.) zu folgender Ver- Wendung: 13 Proz. Dividende---- 13 000 000 M.(i. B. 12 Proz.-=- 12 000 000 M.>, Tantieme des AussichtSrates eiuickließlich Steuern 450 000 M.(i. V. 400 000 M.>. Zuweisung an das Rückstellungskonto 1 267 255 M.(1 V. 1000 000 M.j, Gratifikationen an Beamte und Ueberweisung an WohlfahrtSeinrichtungen 650000 M. si. B. 600 000 M). Beamten- und ArbeiteruiiIersti'itzungSfondS 650000 M. (i. V. PensionSzwecken 1 600 000 M.) und Bortrag auf neue Rechnung 367 316 M. fi. V. 831 312 M.). Da die Zahl der in den Betrieben der Gesellschaft beschäftigten Personen von 32 055 im Vorjahre auf 33 056 gestiegen ist, ergeben sich folgende Vergleichszahlen. ES betrug pro Kops der beschäftigten Personen: 1907/08 1908/09 M. M. daS Aktienkapital.. 31 lg 3025 der Bnittogeivinn. 556,4 575,— der Reingewinn.. 497,— 496,— die Dividende... 374,3 393,— Die Summe der Abschreibungen. Tantiemen usw. zuzüglich Gratifikationen und Rsickstellungen macht pro Kopf auch noch zirka 80 M. au». Ob sich die Löhne ebenso günstig entwickelt haben als die Dividende, davon verrät der Geschäftsbericht nichts. Für das neue Jahr stellt die Berwaltung noch günstigere Ergebnisse in Aussicht._ Der deutsche Außenhandel. Die Einfuhr Deutschlands ist in den Monaten Januar bis Oktober deS laufenden JahreS auf 515 Mlllionen Doppelzentner gestiegen von 503 Millionen Doppelzentner in der entsprechenden VorjahrSzeit. An der Zunahme sind in erster Linie die land- und forstivirtichaftlichen Erzeugnisse beteiligt, deren Import von 175 Millionen Doppelzentner auf 185 Millionen Doppelzentner stieg. Der Rest verteilt sich aus die übrigen Warengruppen. Bon diesen sind nur noch tierische und pflanzliche Spinnstoffe und Waren daraus hervorzuheben, deren Eiujuhr gleichfalls beträchtlicher, nämlich von 1.8 Millionen DoppTlzentner auf 2,0 Millionen Doppelzentner in die Höhe ging. Dagegen weisen eine große Anzahl von Waren Rück- gäuge auf. Es sind dicS in erster Reihe Waren aus Steinen, Ton- ivaren, Eilen und Eisenlegierungen und Maschinen. Die größte Summe, die mineralische» und fossilen Rohstoffe sind mit zirka 297 Millionen Doppelzentner ziemlich unverändert geblieben. Was den Export betrifft, so ist auch hier eine Zunahme zu verzeichnen. In den verflossenen zehn Monaten stieg er auf 895 Millionen Doppelzentner von 380 Millionen Doppelzentner im entsprechenden Borjahrszeitraum. Dabei erlitt die Ausfnhr von land- und forst- wirtschaftlichen Erzeugnisien einen Rückgang, der wohl seine erste Erklärung in der stark forcierten Getreideausfuhr deS Vorjahres finden dürste. Dagegen hob sich der Export von mineralischen und fossilen Rohstoffen von 270 Millionen Doppelzentner auf 233 Millionen Doppelzentner. Auch der wichtige Posten der chemischen und phar- inazeutischen Ware» weist eine wesentliche Zunahme auf. Gestiegen ist ferner die Ausfuhr von Waren aus Papier und Pappe, sowie von Eisen und Eisenlegierungen. Einen Rückgang weist dagegen im Export die Tonwareuindustrie auf. AuS der Maschinenindttstrte. Die Ausfuhr deutscher Maschinen, ohne Bersicksichti- gnng der EleltrizitätSindiistrie, stellte sich in den einzelnen Viertel- jähre» der beiden letzten Jahre der Menge nach in Doppelzentner wie folgt: 1908 1909 Abnahme gegen 1908 1. Vierteljahr 826 087 714 604—111483 2.. 1258 643 1110 630—148 013 3., 635 345 587 411— 47 934 Insgesamt 2 720 080 2 412 645— 807 435 Die im Vergleich zu den beiden anderen Vierteljahren be» sonders stalle Ausfuhr im zweiten Vierteljahr. die sich auch in allen anderen Vorjahren für daS zweite Halbjahr charakteristisch zeigt, wurde wie auch früher durch die starke Aus- fuhr vo» landwirtschaftlichen Maschinen, Lokomobilen und Maschinen für das NahrungS- und Genußmittelgewerbe in jener Zeit, die kurz vor der Ernte liegt, bedingt. Trotzdem waren die Verhältnisse für einzelne Unternehmen sehr günstig. Die Berliner Maschinenbau- Akiien-Gesellschast vormal« L. Sckwartzkopff z. B. erzielte für das am 30. Juni abgelaufene Ge'chäftSjahr einen Brultogewinn von 7 136112 M.(i. V. 6 718109 Rt.). Die Generalmikosten erforderten 3 803 462 M.(i. V. 3 792 385 M.) und zu Abschreibungen dienen 1000351 M. si. V. 951 843 M.) Au« dem verbleibenden Rein- gewinn von 2 326 798 M.(i. V. 1973 882 M.) erdält der AiiMchts- rat eine Tantieme von 138 303 M.(i. V 111134 M.) sodann werden 1920 000 M. als Ikprozeniige Dtvidende verteilt, gegen 1 300 000 M. gleich 15 Prozent im Vorjahre. Dividenden. Die Aktienges. Stblohbrauerei Schöneberg bringt für das letzte Jahr 8 Prozent HerauS.— Die Akiionäre der Franziskaner- Brauerei in München erhalten 7 Prozent.— 7l/i Prozent verteilt die Stralsunder Spieikartenfabriken A.-G.— Die Ver. Fränkische Schuhfabriken in Nürnberg schütten 10 Prozent mtS.— Auf 5 Prozent ist die Dividende für die Anteilseigner der Südd. Juteindustrie A.-G. in Mannheim festgesetzt.— Die Chemischen Fabriken vorm. Weiler-ter-Meer in Urdingen, die für das Vorjahr 7 Prozent verteilten, stellen für das laufende Jahr eine höhere Rente in Aussicht. Verband der Zuckerraffinerien. Eine von einer großen Anzahl von Vertretern deutscher Zuckerraffinerien besuchte Versammlung be- schloß die Gründung eines Verbandes, der voraussichtlich unter Ausschluß.deS süddeutschen FabritalionSgebieteS zustande kommen dürfte. Cft bezweckt in der Hauptsache eine einheitliche Regelung der Preisdifferenz zwischen Rohzucker und Raffinade, daS heißt Regulierung der Preise nach oben. Ein Syndikat der italienischen Baumwollspinnereien ist in der Vorbereitung begriffen und wird in Kraft treten, sobald sich 2'/, Millionen Spindeln, die amerikanische Baumivolle verarbeiten, dafür erklärt haben. Die Besitzer von l'/s Millionen Spindeln haben bereits zugestimmt. DaS Syndikat wird nicht nur wöchentlich die Mindestpreise festsetzen, sondern alle vorrätigen Garne in den gangbaren Nummern ankaufen. Außerdem sollen für auszuführende Garne und Gewebe Prämien bezablt werden. Ein Syndikat für Garne aus ostindischer Baumwolle ist bereits in Tätigkeit und hat die Verkaufspreise bereits ansehnlich in die Höhe getrieben. Oenchts-Leitung. Haftpflicht des ReichsfiskuS für fahrlässige Tötung durch einen Depotposten. Als der Ehemann der Klägerin ,n der Nacht vom 26. zum 27. Februar 1005 auf dem Heimwege begriffen war und einen längs deS Feldbahndepots der Militärverwaltung bei Tevant les Ponts hinführenden Weg verfolgte, wurde er von einem Posten des Depots irrtümlicherweise erschossen. Das Depot liegt an der Bahnlinie Metz— TiedenHofen. Als der Erschossene nachts 12V* Uhr auf dem Wege zwischen Bahnlinie und Depot vorbeigehen wollte, rief ihn der Posten zweimal an und gab gleich darauf einen Schreckschuß ab. Bevor aber der Verstorbene die Anrufe deS Postens auf sich beziehen konnte, folgte auch schon der zweite, töd- lich» Schutz. Der Posten wurde durch das Gouvernementsgericht in Metz zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Da der Täter mittellos ist, hat die Klägerin jetzt den Reichsfiskus auf Zahlung von 30 000 M., sowie zur Leistung einer jährlichen Rente in An- spruch genommen. Das Landgericht Metz sprach der Klägerin eine jährliche Rente von 1200 M. zu. Auf die Berufung des FiskuS wurde das Urteil des Landgerichts Metz vom Oberlandcsgericht Colmar dahin ab- geändert, datz der Beklagte verpflichtet sei, 400 M. jährlich zu zahlen, im übrigen wurde die Klage abgewiesen. Beide Vor- instanzen halten eine Ersatzpflicht deS FiSkuS auS den§§ 31, 831 des Bürgerlichen Gesetzbuches, sowie aus§ 40 des Ausführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch für gegeben. Ter Posten habe danach in Ausübung der Staatsgewalt gehandelt. Ob der Posten als ein« vom Fiskus zur Ausführung von Diensten bestellte Person oder als ein verfasiungsmätzig berufenes Organ des Staates an- zusehen ist, sei gleichgültig; aus beiden Voraussetzungen folge die Haftung des Fiskus. Ter FiskuS habe unter Berücksichtigung der Nähe deS öffentlichen WegeS ältere Leute als Posten hinstellen müssen, und nicht einen Soldaten, der überhaupt zum erstenmal Posten stand. Daö OberlandeSgericht mitzt der Klägerin deshalb einen geringeren Beitrag zu, weil diese durch den Tod ihres Ehe- manncs dessen Erbin geworden sei und so die Einkünfte aus dessen Vermögen erhalte. Diese Einkünfte mutzten bei Bemessung der Entschädigung für den fortfallenden Unterhalt in Anrechnung ge- bracht werden. Die von der Klägerin gegen daS Urteil deS Oberlandesgerichts beim Reichsgericht eingelegte Revision wurde dieser Tage zurück- gewiesen._ 73 vtermarkea— 1 Jahr 3 Monate Zuchthaus! Vor dem Chemnitzer Landgericht hatte sich wegen Rückkalldieb- stahls der Fabrikarbeiter August Hoffmann auS Hartha bei Wald- heim zu verantworten. Der 60 Jahre alte Angeklagte war be- schuldigt und geständig, am 22. August, einem Sonntage, vor- mittags, in einem Restaurant, in dem er als Gast anwesend war, daS der Kellnerin gehörige Geldtäschchen vom Tisch weggestohlen zu haben. Hoffmann war betrunken und wähnte Geld in dem dicken Geldtäschchen, das aber nur 73 Biermarken barg, die nicht den geringsten Wert für ihn hatten. Trotzdem versagte ihm das Gericht Zubilligung mildernder Umstände und ging auch dann noch über dis�Minimalstrafe, die ein Jahr Zuchthaus beträgt, um 3 Monate hinaus. Schändliche Mitzhandlungen eines Arbeiter? und da? Abhauen eiueS Arms durch einen Gendarm ahndete daS Lübecker Gericht neulich mit ganzen 30 M. Wie viel wertvoller sind demnach Bier- marken, als der Arm eines Arbeiters! Lichtbildervortrag und Gewerbeordnung. DaS Gewerkschaftskartell in Pinneberg, dessen Vorsitzender Ge- nosse Knaak ist. wollte Anfang dieses Jahres von Herrn Rudat aus Köln einen Bortrag über die„Entstehung der Erde und deS Men- fchen" unter Vorführung von Lichtbildern halten lassen. Er mel- dete das— ganz überslüsjigevweise— der Polizei an. Die Polizei- Verwaltung untersagte den Bortrag, weil es eine von der Genehmi- gung abhängige Schaustellung im Sinne des§ 65 Ziffer 4 und des | 60a der Geioerbeordnung sei. Knaak erhob vergeblich Beschwerde veim Landrat zu Pinneberg und beim Regierungspräsidenten in Schleswig. Der Regierungspräsident erachtete Herrn Rudat für den Veranstalter. Das Verbot sei gerechtfertigt, weil dieser keinen Wandergewerbeschein(§ 55) gehabt habe und zudem Äeranstal- tungen im Sinne des§ 55 Ziffer 4 der Gewerbeordnung nach § 60a von der Erlaubnis der Ootspolizei abhängig wären, wenn der Veranstalter das Gewerbe an einem Ort von Haus zu Haus oder auf öffentlichen Wegen. Strassen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten ausüben wolle. Die Polizeibehörde könne nach freiem Ermessen die Genehmigung versagen. Ein höheres Interesse der Wissenschaft oder Kunst, das von jenen Beschränkungen befreien würde, sei nicht anzunehmen. Genosse Knaak erhob nun die Klage im Verwaltungsstreitver- fahren. DaS Oberverwaltungsgericht erkannte am Donnerstag dahin. datz die Verbotsverfügung der Polizeikkhrwaltung außer Kraft zu fefeen sei. Es könne allerdings der Ansicht deS Verteidigers. Rechts- anmalt Wolfgang Heine, nicht beigetreten werden, datz tz 1 deS Vereinsgesetzes die Anwendbarkeit der fraglichen Bestimmungen der Gewerbeordnung an sich beseitige. AuS einem anderen Grunde sei aber der Klage stattzugeben. Die von den Behörden angezogenen Paragraphen der Gewerbeordnung seien hier deshalb nicht an- wcndbar, weil Knaak zweifellos den Vortragenden Rudat bestellt habe, den Vortrag zu halten. Die Anwendung der Zß 66 und 60a der Gewerbeordnung setze voraus, datz das Wandergewerbe ohne vorherige Bestellung ausgeübt werde. Da Rudat bestellt worden sei, so hätte er keines Wandergewerbescheins bedurft und daS Ver- bot fei nicht gerechtfertigt._ Hus der Frauenbewegung. Eine große Sünde. We politischen Frauenforderungen frieren verständnislose Gegner gern mit dem Argument:„Ter eigentliche natürliche Be- ruf deS WeibeS ist, Frau und Mutter zu feinl" Aber gerade diese „Naturmenschen" wenden sich geflissentlich ab, sobald sie den Frauen zur Erfüllung dieses ihres„natürlichen" Berufes den notwendigen Schutz gewähren sollen. Es liegt abseits ihres Ver- ständnisses und guten Willens, datz für die grössere Hälfte der Frauen die Mutterschaft unter den heutigen sozialen Verhältnissen Einbuße an Kraft und Arbeitsleistung bedeutet, sowie unermeh- liche wirtschaftliche Not und Entbehrung. Nicht allein die Ge- burtenzahl von jährlich 180 000 unehelichen Kindern in Deutschland spricht in eindringlicher Weise von Not und Elend. Auch bei taufenden ehelichen Mutterschaften sind— wie zu allermeist bei den unehelichen— Mutter und Kind dem schlimmsten Elend preis- gegeben. Gegenüber der erschreckepden Säuglingssterblichkeit hat man zu verschiedenen, allerdings unzureichenden Matznahmen ge- griffen: Errichtung von Kinderkrippen, Findelhäusern und der- gleichen. Jedoch immer mehr gelangen die Frauen und verständige Politiker zu der Erkenntnis, datz Kinderschutz ohne Mutterschutz nur Stückwerk bleibt. Unbedingte Vorbedingung für das Gedeihen des Kindes ist Mutterschutz: vor, während unö nach der Geburt! Die Säuglingsfürsorge mutz schon beginnen, ehe das Kind zur Welt kommt, als Schwangeren-, als Mutterschutz. Wie sehr wir eines gründlichen Mutterschutzes bedürfen, belehren uns wieder die neuesten Feststellungen des Königlichen Preußischen Statistischen Landesamts aus der Bevölkerungsbewegung. Danach ergeben sich folgende Zahlen: Geburten Totgeburten im Jahre 1906.. 1 308 912 darunter 39 301 im Jahre 1907.. 1298 291 darunter 38 655 im Jahre 1903.. 1 308 283 darunter 88 884 Die Kindersterblichkeit ist im Krisenjahr 1908 gegen das Vor- jähr wieder etwas gestiegen. Natürlich weisen die unehelichen Kinder, denen ob unserer herrschenden Moralanschauung die not- wendigste und kräftigste Lebensquelle, die Mutter, in den meisten Fällen entzogen wird, auch eine dementsprechend viel höhere Sterb- lichkeitSziffer auf. ES starben von 1000 Lebcndgeborenen im ersten Lebensjahre: bei den Ebeliiben bei den Unehelickien in den auf dem in den auf dem Slädten Lande Städten Lande 1906... 168 167 303 303 1907... 154 162 281 295 1908... 157 166 291 307 Die Zahlen geben zu denken. Volkswirtschaftlich betrachtet be- deutet die grosse Zahl der Totgeburten und der Säuglingssterbe- fälle eine ungeheure Verichwendung von Menschenkraft.' Nach einer Berechnung von Böhmert(„Neue Generation" 1908) sind im Laufe von 4 Jahren in Deutschland 700 000 bis 800 000 Kinder mehr gestorben, als der natürliche Gang der Dinge erfordert hätte ibei Unterstellung einer natürlichen Säuglingssterblichkeit von 10 Proz.). Diese Kraftvergeudung� trifft in der Hauptsache die wirtschaftlich Schwächeren, die arbeitenden Mütter. Wo Mutter und Kind die notwendige Ruh- und Pflege bor und nach der Ge- burt haben, bleibt die Sterblickkeitsziffer bei weitem hinter dem Durchschnitt zurück. Die Gesellschaft, die das größte Interesse an einem kräftigen Nochwuchs haben mutz, sollte verständigerweise die Menschenkraftvernichtung energisch zu hemmen versuchen. Die volkliche Entwickelung und Vermehrung ist. rein wirtschaftlich be- trachtet, die Quelle des Reichtums. Ter Grad der Gütererzeugung ist abhängig von der Qualität des produktiven Arbeitsmaterials. Geburtenrückgang sowie vermehrte Säuglingssterblichkeit bedeutet Verlust an Volksreichtum. Und auch das einzelne Individuum hat innerhalb einer Kulturgemeinschast Anspruch auf Schutz gegen Vernichtung, für ein das möglichst größte Glückmatz garantierendes geistiges und körperliches Wohlergehen, dessen Grundbedingung Gesundheit ist. Aber die herrschende Gesellschaft denkt nicht daran. Totgeburten und Säuglingssterblichkeit nach Möglichkeit zu ver- hindern. WaS an volkswirtschaftlichen Werten verloren geht, waS die Mütter an Gesundheit, Lebens- und Arbeitsfähigkeit einbüßen, daS ist unersetzlich! Nur eine sorgfältige Schwangeren- und Wöchnerinnenfürsorge, ein durchgreifender gründlicher, gesetzlich geregelter Mutterschutz vermag der grenzenlosen Verschwendung auf diesem Gebiete Einhalt zu tun. Ein verständiges Volk mutz darauf bedacht fein, die Quelle feiner Kraft nicht versiegen zu lassen. WaS aber tut das reiche Preußen in dieser Beziehung? Nichts! Die Vermögenssteuerstatistik weist aus, datz die Summe der Vermögen von rund 65 Milliarden Mark im Jahre 1895 auf rund 92 Milliarden Mark im Jahre 1907 stieg. Das macht auf den Kopf der Bevölkerung Preutzens 2400 M.. oder pro fünfköpfige Familie 18 500 M. Natürlich befindet sich der Reichtum in den Händen einer beschränkten Minderzahl. Nur diejenigen, die ein Vermögen von über 6000 M. versteuern, sind in diese Statistik auf- genommen: eS sind rund IVt Millionen Zensiten bei rund 38 Mil- lionen Einwohner. Wir sind also als Volk reich, aber zu einer Mutterschaftsversicherung haben wir es noch nicht gebracht. Für die Generalordenskommission werden nach dem preußischen Etat 311 170 M. verpulvert, für die Gestütderwaltung hat man die schöne Summe von 9 556 883 M. übrig und für die Kirche 7 015 746 Mark. Für die Erhaltung dessen, woraus die Sippe den Reichtum zieht, für die Erhaltung der Volkskrast zu sorgen, daran denkt man im Königreich der Junker nicht. Von dieser Seite ist nichts zu er- wartenl Wie sieht es aber im Reiche aus? Auch hier ist trotz deS Milliardenetats für Mutterschutz noch nicht« Unternommen. Und eS wird so lange nichts geschehen, bis nicht die Frauen durch eine imposante Bewegung der herrschenden Gesellschaft den not- wendigen Schutz abtrotzen._ Versammlungen— Veranstaltungen. Weißcnsre. Dienstag, den 23 November er.. 8'/z Uhr im Restaurant AlbrechtShof. Parkstrahe 13: Oeffeiitliche Franenversammliing. Vortrag. Genossin Lungwitz:„Die neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu." . Leseabende. Lichtenberg. Der Leseabend am 22. November fallt wegen der Stadt» verordnetenwahlen a»S. Sonntag, de» 21. November, mittag« 12 Uhr: Okfientliche Versammlung im Lokal der Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5. Verlarrnnliingeri. Die Hanbelsarbeiter,-Sektion 1 des Deutschen Transport- arbeiterverbandcS, hörten am Montag abend in ihrer General- Versammlung, die im Gewerkschaftshause stattfand, einen Vortrag von dem ReichStagSab�eordneten Robert Schmidt über das Thema„Arbeiterschutz rm Handels- und TranSportgewerbe".— Der Vortrag wurde sehr beifällig aufgenommen, eine Diskussion wurde nicht beliebt.— Nach dem Geschäftsbericht, den Fritz Wappler vorlegte, fanden im dritten Quartal statt: eine Generalversammlung, 89 Betriebsversammlungen, 23 Branchen- Versammlungen, 15 Versammlungen der Vertrauensmänner der einzelnen Branchen, 9 Sitzungen der Ortsverwaltung, 9 Sitzungen der Branchenleitungen und 12 Verhandlungen mit Unternehmern. In verschiedenen Betrieben sind gute Fortschritte zu verzeichnen gewesen und im allgemeinen ist das letzte Quartal weit günstiger gewesen, was den Markenumsatz usw. anbetrifft, als daS vorher- gehende. Nach dem Kassenbericht wurden im dritten Quartal als Einnahme gebucht 80 135,52 M.(inkl. Kasscnbestand von 40 444,62 Mark am 30. Juni 1909). Der AuSgabeposten zeigt einen Betrag von 43 591.62 M. Demnach bleibt als Bestand am 1. Oktober b, I. ein Betrag von 86 543,90 M. Die Hauptkasse zahlte im Laufe deS dritten Quartals an Unterstützungen an Arbeitslose 8452,40 M., an Krank« 6651,40 M., in Notfällen 395 M.,"bei Be- erdigungen 440 M. AuS der Zuschutzkasse wurden für die dazu berechtigten Mitglieder vom 1. Oktober 1903 bis 30. September 1903 in 39 Sterbefällen 3413 M. gezahlt. Eine Fnmilicntragödie. In Linden hat sich nach einer Meldung aus Hannover in der letzten Nacht ein Arbeiter mit seiner Frau und seinen beiden Kindern, Mädchen im Alter von 3 bis 10 Jahren, vergiftet. Raubmord m Düsseldorf. An der Rheinbrücke in Düsseldorf wurde gestern, wie von dort berichtet wird, ein unbekannter Mann mit gespaltenem Schädel aufgefunden. Es liegt ein Raubmord vor. Die Polizei sucht mit Polizeihunden nach dem Täter. Kollision auf den Schienen. Vorgestern abend stieß, wie ein Telegramm aus Lemberg meldet, auf der Bahnstrecke zwischen Siauki und Sokoliki eine Draisine mit einem Güterzuge ziisommeu. Dabei wurden ein Vahniiigeuieur und ein Bahnarbeitcr gelötet, ein Bahn- beamler schwer und drei leicht verletzr. Sieben Personen ermordet. Einer Meldung aus Pieschen zu- folge sind in.der veroangenen Nacht in einem Gedöst in Bogus- lawitsch nahe der russischen Grenze zwei Männer, eine Frau und vier Kinder anscheinend durch Axthiebe ermordet worden. Die Grudenkntnstrophe in Illinois. Ans Cherry(Illinois) wird gemeldet: Drei Mmeninspektoren sind gestern in die Mine hinab- gestiegen und haben rm zweiien Stollen eine Anzahl Toter auf-� gesunden. Bulkanausbruch auf Teneriffa. Nach einer amtlich a»S Madrid telegrnvhiicv übermittelten Meldung aus der Stadt Garachico bei Teneriffa(Kanarische Inseln) bat sich im Las Flvres-Gebirge ein Krater geöffnet, der uuter starkem unterirdische» Getöse gliibende Lava und dicbien Rauch auswirft. Drei Dampfer sind zur Hilfe- leistung abgegangen. Garachico hat bedentcndc Landwirlschaft. Nach weitere» Meldungen aus Teneriffa hat sich zwischen den Städten Qnia und Niguergi ein neuer Kraler geöffnet, der sich nach fünf Minuten wieder schloß. Kmffusten der Redahtfon. Sie Iiiriflifdit Svrechftunde findet Linden siraße 3, gtvelter Hof, dritter Einoong, liier Treppen. Knhrktnhl wochentiioliÄ adends von i>� diS 914 Ubr statt,«eöfsiiet 7 Uhr. SannadendS dcoinnt die Sprechstunde um S Uhr. Jeder Anfrage ist ein Anchstabe und eine Zahl alS Mertjelcheu betzufstgen. Briefliche Anlwari wird nicht erteilt Bio zur Branlwortung im Briefkasten lönnen 14 Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. A. K. 68. Vom 70. Lebensjahre ab.— M. 03. I. Ihre Frau ba tet nichi für Ihre Schulden. Dr ßobn ist wegen fer 81 imente f r ein auherehel chcs Kino Jväi-ebar, jedoch muß dem Erzeuger fov el gelawMt werden, als er zu'etilem noidürfitgen Unterhalt und z am llandesmähigen Unterhalt seiner Fam lie gebraucht. 2. Bis zum 31.- ezember 1910. 3. Jnoalidenma len sind zu l.eden, KrainetversiveriingSpslicht liegt nicht vor. 4. In je zwei Ja>ren.— G. H. 15. Klagen Sie beim Knusma nS- gerichl. Der Ausfall der Klage ist zwcijetdast UmcreS Erachtens sind Sie im R cht.— Ostar 5. Ihr Mann kann weil« in d r Kranken- lasse dleiben.— A. B. 45. 1. Eine strafbare Handlung Jdrer- sei S liegt nicht vor. 2. Daß da- von Ihnen gemeint' Wasser Heilung bringt, mö len wir bezweiseln. Es ist aber unsch dum. — Ehrveriraq. 1. Ein Eheverlrng kann vor und nach der Eheschließung geschlossen werden. Er muß vor dem Gericht oder einem Notar geichlossen werden. Die Kosten richien sich nach der Höhe dc« Odjetts. Der Veitrag ist trotz der Beobachtung der Form ungültig, soweit er' zur Bceiulrächtigung der Rechte von Gläubigern geschlossen ist, 2. Pfändung ist möglich, aber erst, nachdem eine Klage und ein Uilcll vorausgegangen ist. 3. Die Unterbringung in eine Anstatl wäre nuhlos. Zweckmäßig ist es, beim 8inits- gerichts zu beaniragen, für den Slbwachstniiigeii einen Pfleger zu stellen. — Jtzrn» K. 100. Nein.— Dengel. Ihnen stet» das Wahlrecht in beiden Ländern zu. Durch Ausnahme in den preußischen Staatsverband haben Sie teineswegs Ihre hessische Staalsangehörigkeit verloren.— P. T. 10. A. Nein. B. und 0. Die Steuerpflichligkeit und die Höhe der Steuer richtet sich nach den darüber ergangenen Geiiieindebeschlüssen.— W. L. 6. Ihr Vor- und Zuname muß, wenn Sie Inhaber der Verkanss- stelle sind, am Laden angebracht sein Die B chstaben Juh. oder voll anSgetchrteben Inhaber dürsen angebracht sein, auch zur Entfernung der anderen Ueberschristen hallen wir die Polizei nicht für berechligl.— S. Ja, — 91. L. 24. Weil in dem betrefsendeii Paragraphen des Statuts nicht hinlänglich klar ausgesprochen ist. daß die Ausgeschlossene kein Anrecht aus 8luszadlung eines etwaigen Gewinnes der ipätcren Klasse habe, so würde bei einer Klage der Ausgeschlossenen aus Auszablnng des Gewinnes der Ausgang ein zweiselbasirr sein. Aendern Sie, um für die Zukniist Klarheit zu haben, den Wortlaut der Statuten und lassen diese von jedem Mitgliede unterschreiben.— Zwei Wettende, l. u. 2. Das Standesamt Belgard. 3. Das Standesamt, in dessen Bezirk die Geburt erfolgt sein soll, wäre zuständig. 4. Eine Sliisechlung der Ehe würde eventuell innerhalb sechs Wochen nach Kenntnis des Sachverhalts zillüsstjz lein.— 41. Sch. Friede» mann. Ein Poitier und ein« PortierSfrnu sind in der Regel invaliden- ocrsichcruiigepflicktlg, aber nicht kcaiikeuversicheruiigspflichlig.— C. Li. Ja. — Nets. 1. und 4- Wenden Sie sich an doS kiesige Deullche Auswärtige 8Imt. 2. und 3. Un« nicht bekannt.— Beelitf SSlt. 1. und 8. f er Vor- mund soll bei dem 8lmt- gerichl klagen. Etwa 25 Mark monatlich werden voraussichtlich als angemessen erachtet werden. 2. Die Mutier kann die Enlbindungs- und Scchswochcnkosien in vollem Umfange bei demselben Gericht einklagen.— B. 71. Das würde nicht genügen. Zur Ehe- lchetdung ist der Nachweis dcs Ehebruchs erforderlich.— do»« 1.25, v» Do«e 63 pt. Junge Schoten I....... v.°°-e 70 pf.,-/, o°-e 40 pf. Junge Schoten III v» o<»° 45 p?. IV 36 p,. Stangenspargel I.......>/» o°-« 1.45, v,o°-e 76 p,. Stangenspa�gel III..... ViDosel.io, v, o-»« 60 pf. Bruchspargel I........ do»« 1 oo Abschnittspargel...... v, oo8o 45 pt. Saure Kirschen....... v, 0°» 85 p?.. v» oose 53 p*. Mirabellen Vi o°.e 63 pf. Erdbeeren v, 85 p,. Breisseibeeren v. o°-« 53 p,. Easanen................. Hähne 2.45, Hennen 2. 1 0 Krammetsvögel..................... 23 pf. Thüringer T afeläpfel Karton» Pfd. 95 pf. 10 Pfd. 1.85 Schweizer u. Holländer Käse..... p�d 78 pf. Tilsiter Käse..................... p�d 55 pf. Camembert stück 13p,. Romatour stück 28 p,. Damwild u. Willlsclivein 83, Ar* Ragout OC WildschweinsKöpfe Q Q nr* Pfd. ZD Pf........ Stück ö Mk., Ö.4D Zervelatwurst dam 1.30, dam l.io Salamiwurst........ p�d I.15 Teewurst........... p�d l.is Gänsebrust......... p�nd I.45 Hallesche Leberwurst pfd.1 Mk. Feine Leberwurst.. pw 95 p,. Landleberwurst____ prund 90 p,. Rotwurst....... Pfund 45, 65 p,. Mk. Schinkenspeck...... p�d 1 Zungen In Dosen..... Netto Pfund 2.30 Würstchen..... do««Paar 75 p, Dose 12 Paar 1.50 Nur Leipziger und Rosenthaler Strasse: RINDFLEISCH Filet pfd. 1 ausge- Mk. schält Roastbeef Pfd. 1 mp. Kmch. 1.60 1,30 Schmorfleisch Pfd. 80 b. 90 Pt Frisclie Rinderzunge™.1.10 HAMMELFLEISCH Keule.... pfd. 75 b. 80 pf. Rücken...Pfd. 75 b. 80 Pf. Ricke RiWe... Pfd. 70 Pf. Dünnung...... Pfd. 55 Pf. KALBFLEISCH Keule. Rücken Brust. . Pfd. 1 Mk. bl. 1.20 . Pfd. 1 Mk. bis 1.20 . Pfd. 90 Pf. u. 1 Mk. ...... Pfd. 80 Pf. SCHWEINEFLEISCH Schinken..Pfd. 75bis85pf. Kotelettes pfd. 90 pf. u. 1 Mk. Schuft o. Kamm 80 s. 85 Pf. Kassclcr-Rilet.. Pfd. 1 Mk. SPIELWAREN Ungekleidete Puppe 2.90 Gekleidete Puppe crö... 4« cm 2.90 Garnierte Puppenbettchen 45 pt Puppenwagen foa™D" 6.50, Sümmiräd« 8.50 Puppensportwagen FuSsurpeUbarer 2.90 Damebrett Eiche, mit Tuch 2.90 An ke rste i n b a u käste n er�nxuneon Eisenbahn fauuTehndUhrwerk vor uod rückwär" 95 pf. durch Uhrwerk vor und rückwärt« O no Clbenoann lautend, in bc»terer Ausführung Turnapparat Reck. Ringe, Trap« 2.75 Turn ringe mit Leder bewiekel« 1,75 Kinderstuhl mit Armlehnen Kinderstuhl gepolstert, ntnklspphir, mit Tiecb Kindergitterschaukel Glockenroller m» s»r 90 pt, Schaukelpford 4.50, Selbstfahrer mr Knaben 2.75 7.50 1.90 grSB 1.40 Fellbezug 9.57 10.50 HeSrErlmZ'fder S pi ei war en-JLuss teil 1222 Cf Diese Plakate kennzeichnen dleVerkaufsstellen. 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Auf seiner Rundreise, durch die verschiedenen Gerichte ist der Bekannte Prozeß der Frau Tr. Elise Bergmann bei der ersten Strafkammer des Landgerichts III angelangt. Den Vorsitz führte in der gestrigen Verhandlung Landgerichtsdirektor G»ckel, die An- klage vertrat Staatsanwaltschaftsrat Reiner. Als Nebenkläger trat Kanimergerichtsrat Tr. Bocthkc auf, der vom Waisenrat zum Pfleger der Marie Bergmann bestellt worden war. Tie Angeklagte, die jetzt im fünften Monat guter Hoffnung ist, wird bekanntlich beschuldigt, in den Jahren 1906 und 1997 ihre Stieftochter, die damals 11jährige Marie Bergmann körperlich miß- handelt zu haben, und zwar durch ein« das Leben gefährdende Bc- Handlung. Sie ist seinerzeit vom Landgericht II zu einer Geld- strafe von 399 M. verurteilt worden. Das Urteil wurde vom Reichsgericht aufgehoben. Dann kam die Sache vor das Land- gericht I, welches die Angeklagte zu vier Monaten Gefängnis ver- urteilte. Wiederum wurde das Urteil anfgehobcn, und nun hat die Strafkammer des Landgerichts III sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Vernehmung der Angeklagten. Die Angeklagte ist am 6. Mai 18S9 in Verden, Kreis Saar brücken, geboren. Sie hat ihren Ebemann, der seine Frau im Jahre 1991 verloren hatte, in Kolberg kennen gelernt und sich 1992 mit ihm in London verheiratet. Der Mann brachte die am 3. Ok- tober 1892 geborene Tochter- Marie mit in die Ehe. Das Ehepaar wohnte zunächst ein Jahr in Leipzig, wo die Marie in Pension ge- geben wurde. Die Angeklagte behauptet, daß ihr Verhältnis zu der Stieftochter dort das denkbar beste gewesen sei. AIS das Ehe- « paar nach Berlin übersiedelte, wurde die Tochter in Berlin u. Pension gegeben und dann auf Anordnung des Ehemannes nach der eigenen Wohnung genommen und unterstand dort der Er- ziehung durch die Mutter. Diese behauptet, daß das Mädchen viele Untugenden an sich gehabt hätte, störrisch, verlogen und sehr un- sauber gewesen sei. Die Angeklagte behauptet, daß sie dem Mädchen anfangs niemals Prügel verabfolgt habe, sie habe ihr höchstens einmal, wenn sie au lügenhaft war, einen Backenstreich gegeben. AIS das Mädchen ihre Untugenden nicht ablegte, habe der Vater die energische Züchtigung anempfohlen und zu diesem Zweck drei dünne Rohrstölkchen�gekanf», die sie auch hin und wieder in An- Wendung brachte. Sic bestreitet entschieden die ihr nachgesagten schweren Mißhandlungen der Stieftochter und behauptet, daß cS sich um Unwahrheiten übelwollender Menschen handele und das Mädchen selbst sehr aufgehetzt worden sei. Der Borsibende hält der Angeklagten die belastenden Aus- sagen der Zeugen aus den früheren Verhandlungen vor, die die Angeklagte durchweg bestreitet. Es sei durchaus unwahr, daß sie das Kino barbarisch auf den nackten Körper geschlagen habe. Ebenso erfunden sei es, daß das Kind schlechtes und versalzenes Esten bekommen habe oder daß es ungenügend bekleidet gewesen sei. Wenn behauptet werde, daß das Mädchen trotz der bittersten Januarlälte mit einem dünnen 5tattuiikleidchen ans der Straße gesehen worden sei, so liege dies daran, daß das Mädchen, als es wegen Unwohlseins das Bett hüten sollte, eigenmächtig aufgestanden fei und sich notdürftig bekleidet habe. Wenn das Kind dabei zu Hausbewohnern gesagt habe, haß sie so dünn angezogen gehen müsse,„um sich abzuhärten", so habe es eben gelogen, wie es viel- fach den Leuten Unwahrheiten gesagt habe. Ganz entschieden be- streitet die Angeklagte, daß sie das Kind, welches an Furunkel- auöschlägen litt und dem sein Vater-Lichtbäder verordnet hatte, �'im Bad� maltraiticrt habe. Sie�häbe'das Kiüh.dbrsichrtftSmätzig in.den �elektrischen Lichtbadkasten gebracht und die�-Glühbirnen '.% vorschriftsmäßig aufgedrehtl Es.sc,-durchaus unwahr, dag-Ä-nes Tages das Kind es wegen übergroßer Hitze nicht habe aushalten können und sie himmelhoch gebeten habe, sie doch nur aus dem Lichtbad herauszulassen. Der Vorsitzende hält ihr vor, daß eine Zeugin bekundet habt: die Angeklagte habe das Kind in den Lichtbadkasten eingesperrt und alle Lampen eingeschaltet. Als das gepeinigte Mädchen immer wieder geschrien habe:„Liebe gute Mama, laß mich doch bloß heraus!" habe sie, die Angeklagte, Mit einem Stock aus die Marie eingeschlagen, bis sie ohnmächtig geworden sei. Bei diesen Vor- Haltungen wird die Angeklagte sehr aufgeregt und erwidert dem Vorsitzenden sehr schnippisch:„Sie waren doch nicht dabei, Sie können es doch nicht wissen! Ich war doch ganz allein mit dem Mädchen, wenn es' im Lichtbade war." Der Vorsitzende verbittet sich ganz entschieden derartige Worte, worauf die Angeklagte um Entschuldigung bittet. Sic bestreitet entschieden, daß die Marie in bezug auf Kleidung, Nahrung, Nachtlager irgendwie vernachlässigt oder daß sie, wie behauptet worden, mitten im Schlafe geweckt und noch zu allerlei häuslichen Diensten angehalten worden sei. DaS Mädchen sei sehr lesewütig gewesen, habe viel noch im Bette gelesen, viel geträumt und sei sehr phantastisch und lügnerisch ge- Wesen. Die Angeklagte bleibt dabei, daß man auch die Harm- losesten Aeußcrungen, die sie zu dem Mädchen und über das Mädchen gemacht, gehässig auslege und an Verhetzungen das Menschenmöglichste geleistet habe. Das Mädchen habe selbst viel geklatscht und die beiden Dienstmädchen, die in den früheren Ver- Handlungen so schwere Anschuldigungen gegen sie erhoben, seien nicht glaubwürdig. Beweisaufnahme. Als erste Zeugin wird die Schulvorsteherin und Pcnstons- inhaberin Fräul. Reinhold aus Leipzig vernommen. Bei ihr war die Marie Bergmann früher in Pension. Die Zeugin bekundet, daß das Mädchen, als es in die Pension kam— es war noch vor der Verheiratung dcS Dr. Bergmann—, sich als Produkt einer falschen Erziehung darstellte. Es sei träge, unordentlich, unver- träglich, phantastisch gewesen und habe auch viele Schullügcn pro- duziert. Von der Stiefmutter habe sie niemals schlecht gesprochen. DaS Mädchen habe im geheimen alles Mögliche, für sie Unvcrdau- liche gelesen: Als ISjährigeL Mädchen habe es Faust, Tolstoi sowie all« möglichen medizinischen Bischer kraus durcheinander gelesen und in ihrem Kops war eine Verwirrung sondergleichen. Als Ahr vorgebalten wurde, daß sie doch ein schlechtes Kind sei, anwortete sie:„Ich weiß, daß ich schlecht bin, aber ich muß schlecht sein, das steht in meinem Schicksalsbuch geschrieben!" Als das Mädchen in die Pension kam, war es noch nicht getauft. Ihr Vater, der jüdischer Abstammung ist, war damals Dissident. Eine Frau Guth- nau, die damals die Wirtschaft bei Dr. Bergmann führte, hatte das Mädchen% �ahrc in der jüdischen Religionslehre unterrichtet; in der Pension ist das Mädchen auf ihren dringenden Wunsch evangelisch getauft worden. Dr. Bergmann selbst ist zunächst zum «»angeliichcn und dann auf Wunsch der Angeklagten zum katho- lisckic» Glauben übergetreten. Dr. Bergmann hat mit der Zeugin mehrfach Rücksprache über die Erziehungsmethode genommen und die Anwendung von Prügeln anempfohlen, was die Zeugin aber ablehnte. Das Mädchen hat der Zeugin wiederholt gesagt, daß sie ihre Mutter von Herze» liebe und daß diese sie wohl auch lieb haben würde, wenn sie nicht so bätzlich wäre. Tie Mutter habe aber gesagt, daß sie geradezu abstoßend häßlich sei. AuS der weiteren Vernehmung der Zeugin geht hervor, daß das Mädchen geheim ein Tagebuch führte, das von falschen Darstellungen und nieder- trächtigen Bemerkungen über die Pension und ihre Mrtschülcnnnen wimmelte. Die Zeugin hat es als Erlösung betrachtet, als das Mädchen aus der Pension ging. In brieflichen Auseinandersetzungen mit dem Vater hat dic�Zcugin das Mädchen als„widerspenstig". »unwahr durch und di-�A" geschildert, das sich einbilde, die„Heldin eines Martyriums" zu sein. AIS Zeuge und Sachverständiger wird hierauf der Nervenarzt I Prof. Dr. Oppenheim vernommen, welcher folgendes bekundet: Die I Marie Bergmann sei ihm eines Tages von den Eltern zur Unter- suchung zugeführt worden, da diese, wie sie ihm erklärten, den Ver- dacht hatten, daß das Mädchen nicht normal ist. Ein Gutachten über den geistigen und seelischen Zustand des Kindes könne er nach dieser kurzen Untersuchung in der Sprechstunde nicht abgeben. Bei der körperlichen Untersuchung habe er nur gefunden, daß die Marie Bergmann sehr schwach und blaß war. Spuren von Miß- Handlungen habe er nicht wahrgenommen. Die nächste Zeugin ist die Schulvorstehcrin und Pensionats- inhaberin Fräulein Törstling, bei welcher sich die Marie Bergmann mehrere Monate in Pension befunden hatte. DaS Mädchen sei sehr blaß und schwach gewesen und habe allgemein den Eindruck eines Kindes gemacht, welches nicht genügend gepflegt und erheblich ver- nachlässigt worden war. Die Kleidung wäre sehr mangelhaft ge- wefen und sie(Zeugin) habe erst nach mehrmaligem Schreiben von den Eltern andere Kleidung erhalten. Bei der Uebergabe der Marie habe Dr. Bergmann eine recht sonderbare Aeußerung gemacht, in welcher die Worte vorkamen:„ich kann eS nicht mehr verantworten". Weihnachten 1996 sei das Mädchen noch mit großer Freude nach Hause gefahren. Es sei dann ganz verschüchtert wieder zurückgekommen, sei ständig müde gewesen und habe ganz ver- hungert ausgesehen. Die Zeugin schildert dann einen Borfall, der sich kurz nach Weihnachten abgespielt hatte. Die Marie B. sei eines Morgens mir stark geschwollenen Augen in die Schule ge- kommen. Auf Fragen habe das Mädchen gesagt, daß diese Ver- lctzungen von Schlägen der Mutter herrühren. Einmal habe das Mädchen erzählt, daß ihr etwas Entsetzliches in der Nacht passiert sei: sie sei aus dem Schlafe erwacht und habe gesehen, wie die Geister aus einem Kessel auf sie zugekommen seien. Dies hat wohl Bezug auf die Behauptung des einen Dienstmädchens, daß die An- geklagte sich ein Laken umgebunden und eine Larve vorgesteckt und die Marie erschreckt habe. Frau Dr. B. bestreitet, daß sie jemals solchen Unfug getrieben habe. Tatsächlich habe das Dienstmädchen eine Larve besessen und damit vielleicht Scherze gemacht. Die Zeugin hat bei einer Unterredung mit der Angeklagten dieser ge- raten, das Kind nicht zu schlagen. Sie hat mehrfach Spuren von Mißhandlungen an dem Mädchen entdeckt, einmal, als das Mädchen nicht mebr in der Pension war, ist es wieder zu der Zeugin Zu- flucht suchend gekommen und sie hat festgestellt, daß der Körper an einzelnen Stellen grün, blau, rot gefärbt war und„wie marmo- riert" aussah. Das Mädchen habe eine Art Ohnmachtsanfall be- kommen, wobei sicher keine Verstellung mitspielte. DaS Mädchen ist dann ins Bett gebracht worden und haO geschlafen.— Die Zeugin hat auch gehört, daß einigen Mädchen wiederholt Frühstück gefehlt hat, und in einem Falle hat Marie Bergmann, die oft er- zählt habe, daß sie hungern müsse, zugegeben, daß sie daS fehlende Butterbrot gegessen habe. Die Schulvorstchmn Prox, in deren Institut Marie Bergmann einige Zeit war, erklärt, daß diese in der Schule sehr gut war, aber manchmal Gelegenheit gab, daß man ihr mit einer gewissen Autorität entgegentreten mußte. Als der Zeugin das Kind aus dem Kloster der Barromäerinnen zugeführt wurde, war rs ein Skandal, wie jämmerlich die Marie mit Kleidung ausgestattet war. Sic hatte bloß ein paar Fummelchen, die verwaschen und ver- wachsen»baren. Später hat die Mutter von Hause noch die Kleidung vollkommen komplettiert und gesagt, daß sie dem Mädchen die unzureichende Kleidung aus Strafe mitgegeben habe. Die Ordnungsliebe und die Reinlichkeit des Mädchens ließen zu wünschen übrig. Marie wax damals, als sie in das Institut kam, etwas über 14 Jahre alt, sie machte aber einen etwas zurück- gebliebenen Eindruck. Es sei ein schwieriges Kind gewesen, und »venn jn.an ihr mit. Strenge entgegentrat, habe sie Trotz gezeigt, In VerIßüNAen chät' die Zeugin nur die'Spin: Äner angeblichen -Verhrchinuilg a»» der''A'and des Mädchens'wckhbgenochiHen, /.Rärie habe auch einen' recht haßlichen Blick gehäbt,:der cvllf' Widerspenstig- keit hindeutete. Frau Elfriede Licbig, die mit dem Bergmannschen Ehepaar in deinsetben Hause, Bülchvstraße 18, ge>vohnt, berichtet über aller- lei Gerüchte, die im Hause über die Behandlung der Marie durch ihre Stiefmutter umherliefen. Die Zeugin Frau Licbig bekundet u. a., daß daS Mädchen des Morgens schwere Kohlcneimcr heraufschleppen mußt«, die Mülleimer habe sie auch heruntertragen und auch sonstige häusliche Dienste verrichten müssciu Sic mußte auch übermäßig oft die recht steile Treppe hinunter- und herausjagen, um allerlei kleine Besorgungen zu machen. Das Kind habe ganz verschmutzt ausgesehen,„wie ein Zigeunerkind", das Haar war ungepflegt; nach Weihnachten habe das Kind nichts weiter angehabt als ein Hemd und ein Kattun- röckchen. Sie habe, obgleich sie schon über 14 Jahre alt war, den Eindruck einer Zwölfjährigen gemacht und es sei von Tag zu Tag immer elender geworden. Sie habe auch oft gehungert, so daß sie von der Zeugin und anderen Frauen Speise erhielt. Die Zeugin hat an dem Körper des Mädchens viele blutige Striemen und Flecke gesehen, die nicht auf Furunkulose, sondern auf Schläge zurück- zuführen waren. Marie habe auch gesagt, daß dies alles von Schlägen herrührte. Einmal habe sie auch eine Wunde am Knie gehabt und darüber folgendes erzählt: Sie habe— es war ein kalter Fcbruarabend— sich im bloßen Hemd am offenen Fenster hiMtzen und einen Strninpf stricken müssen. Die Mutter sei weggegangen. Als der Vater nach Hause kam, habe er das Mädchen sofort vom Fenster»veggenommen, ins Bett gesteckt und Wärm- flaschen hineingelegt. Dann sei aber die Mutter»oieder nach Hause gekommen, sei sehr empört darüber gewesen, daß ihre An- ordnung nicht befolgt»norden sei und- habe sie heftig aus dem Bett gezogen. Davon rührte die Wunde ain Knie her. Die Zeugin hat auch eine recht merkwürdige Wahrnehmung mit dem in der B.schen Wohnung aufgestellten Lichtbad gemacht. Sie bekundet darüber fol- gendcs: Eines Abends leuchtete es in dem Zimmer rot aus; dieses Leuchten rührte von dem Lichttnide her. Bald daraus habe ihr (Zeugin) das Dienstmädchen der Frau Dr. B. erzählt, daß die kleine Marie in das Lichtbad gesperrt worden sei, und daß bald darauf klatschende Schläge vernehmbar gewesen wären. Bald darauf habe die kleiise Marie dann in cincin leichten Kättnnkittel auf die Straße gehen müssen. Tie Zeugin.hat dann, als sich die Mißhandlungen nach ihrer Ansicht immer mehr häuften, sich an den Dr. Bergmann selbst geweildet und mit diesem eine längere Unterredung gehabt. Sie hat Dr. Bergmann ihre Wahrnehmungen mitgeteilt und ihm die Striemen an dem Kinde gezeigt. Dr. Bergmann äußerte darauf:„Das»väre ja ein Verbrechen. Das kann ich nicht glauben. Abpr glauben Sie inir, ich stehe nicht unter dem Einflpß meiner Frau, wie Sie zu denken scheinen."— Der Sachverständige, Ge- richtsarzt Dr. Strauch, richtet an die Zeugin die Frage, ob nicht die von ihr wahrgenommenen Striemen etiva aufgekratzte Geschivüre gewesen seien; dies sei sehr naheliegend, da die Marie Bergmann seinerzeit an Furunkulose litt. Tie Zeugin erklärt, daß ein Irr- tum unmöglich sei, es habe sich bestimmt um Striemen gehandelt, welche anscheinend von Stockichlägcn herzurühren schienen. Die nächste Zeugin Fedder war Ticnstmädchc» bei der Frau Liebig. Sw' maäit die gleichen Angaben wie diese und schildert auch die Szene mit dem Lichtbad wie die Vorzeugin. Einnral hat die Zeugin gesehen, wie die Airgeklagte mit einem Buch aus die Marie einschlug. Ein anderesmal habe die Angeklagte das Mädchen an den Haare» die Treppe hinaufgezogen. Sehr häutig habe die Marie ihr gesagt, daß sie so furchtbaren Hunger habe und ihre| Stiefmutter ihr nichts zu essen geben wolle. Sie(Zeugin) habe deshalb mit Erlaubnis ihrer Dienstherrin öfter des Morgens«ine> Suppe gekocht, die dann die Marie auf dem Flur mit großem Appetit verzehrte. Häufig habe da? Mädchen auch übriggebliebene Semincln aufgegessen. Die Marie Berginann habe auch einmal zu der Zeugin geäußert, daß sie sich das Leben nehmen wolle, da sie es nicht mehr aushalten konnte, I Aehnlichc Angaben macht die Zeugin Scinkat, die bei der An- geklagten als Dicnstinädchcn in Stellung war. Es sei häufig vor- gekommen, so gibt die Zeugin an, daß die Marie B., we>»n sie aus der Schule kam, nichts zu essen bekam. Sie selbst habe einmal aus Mitleid dem Mädchen ein paar Semmeln gegeben und hierfür sei sie dann noch von der Angeklagten ausgezankt worden. Auf Befehl der Frau Dr. B. habe sie der Marie wiederholt kein Frühstück zur Schule mitgeben dürfen. Geschlafen habe das Mädchen auf«ine- total verwanzten Feldbettstelle, welche in der Badcstube staird. Als sie der Frau Dr. B. mitteilte, daß das Bettstcll verwairzt sei, habe diese nur für 19 Pf. Insektenpulver holen lassen. Die Marie habe trotzdem auf der Chaiselongue schlafen müssen, währer.d ein ant'.res gutes Bett unbenutzt im Nebenzimmer gestanden habe. Rechtsanwalt Dr. Schwindt beha»lptet, daß dies eine Ueber- treidung sei und beantragt die an Gerichtsstclle anwesende Schwester der Angeklagten, eine Frau Heerd, zu vernehmen, welche jene Chaiselongue noch heute im Besitz habe und vorher schon längere Zeit darauf geschlafen habe. Die Zeugin bestätigt, daß die Chaise- loirgue noch tadellos und auch ungezieferfrei gewesen sei. Die Beweisaufnahme ergibt im übrigen mit unbedeutenden Abweichungen dasselbe Bild wie in den früheren Verhandlungen. Es kommt wieder zur Sprache, daß in der Bergmannschen Wohnung auch spiritistische Sitzungen unter Teilnahme des jetzt verstorbenen Dr. Egbert Müller stattgefunden haben, an denen die Marie Bergmann aber nicht teilgenommen hat.— Die als Zeugin aufgerufene Marie Bergmann, die jetzt in der Präparandenanstalt in Löwrnbevg i. Schl. sich befindet, verweigert ebenso wie in den früheren Verhandlungen ihr Zeugnis. Sie erklärt sich auch nicht bereit, dem anwesenden Gerichtsarzt Dr. Strauch ihre Hand, an der sich ein Brandsleck befinden soll, zu zeigen. Vor ihrer Eni» lassung bittet Rechtsanwalt Dr. Sckiwindt die medizinischen Sach- verständigen, von der eigenartigen Gcsichtsbildung der Zeugin Notiz zu nehmen.— Einen sehr großer. Raum in der Beweisaufnahme nahm die Vernehmung des früheren Dienstmädchens der Frau Dr. B., der jetzigen Frau Miclte, ein. Diese war bald nach dem ersten Prozeß von Dr. Bergmann wegen Meineids angezeigt worden. Wi- berichtet, wurde die M. jedoch dieser Tage von dem Schwurgericht des Landgerichts I freigesprochen. Die Zeugin be« kündete, daß sie wiederholt gesehen habe, wie die Frau Dr. B. ihre Stieftochter mit einem Rohrstock schlug, wo sie hmtraf, sie an den Haaren zog und zu allen schireren Hausarbeiten heranzog. Di« Zeugin hat auch einmal gehört,»vie die Marie B., als sie wieder von der Angeklagten in das Lichtbad gesperrt worden war, fort- während gerufen hatte:„Liebe gute Mama, laß mich doch bloß raus!" Marie habe dann in der Küche Erbrechen gehabt und sei darauf bewußtlos zusammengebrochen. Die Speisen wären ständig stark versalzen worden, so daß Marie sie oft um ihr Abendbrot ge- bettelt habe. Nach Vernehmung mehrerer Hausbewohner, die nichts Wescnt- liches bekundeten, wurde die Verhandlung»räch L Uhr abends abgebrochen und auf heute 9 Uhr vertagt. Serickrs-Geltung. Haftpflicht bei Gefahren des WinterS. Im Hinblick auf die bevorstehenden Wintermonate dürfte eS von Interesse sein, an die Rechtsprechuilg des Reichsgerichts bei Unfällen durch Glatteis zu erinnern. Jeder Hauswirt wie auch derjenige, der irgend»vo einen Verkehr eröffnet, kann nach Z 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches auf Schadenersatz in Anspruch ge» nommen werden, wenn er auf den vom Publikum benutzten Wegen es fahrlässigerweise unterläßt, bei Eisbildungen in ent- sprechende«- Weise.für Beseitiguitg der gefährlichen Glätte zu .jyrgen<- Die- Anforderungen, die unsere Rechtsprechung an den einzelnen stellt, erklären sich natiirlicherlneise nach dem Umfang des Verkehrs und sind in verkehrsreichen Orten straffere als in länd- lichen. verkehrsarmen Gegenden. So hat das Reichsgericht schon mehrfach ausgesprochen, daß in verkehrsreichen Straßen der Hauswirt oder Anlieger die Verpflichtung hat, des Morgens wie auch nach Bedürfnis am Tage mit abstumpfertdem Material zu streuen, frisch gefallenen Schnee zu entfernen und bei neuen Glatteisbildungen wiederum zu streuen, wie auch eventuell für eine hinreichende Beleuchtuiig der ihm gehörigen VerkehrSstätten und deren Zugängen zu sorgen. Von einer Verantwortlichkeit wird er in diesem Fall auch nicht durch die Bestellung einer be- auftragten zuverlässigen Person entlastet, falls er nicht hin und lvieder Kontrolle übt. Bei lmrdlichen Verhältnissen tritt die Abmessung eines beiderseitigen Verschuldens»nehr in den Vorder- grund, besonders dann, wenn es sich um Stellen und Plätze handelt, die der Eingelveihte kannte und zu umgehen oder nur mit be- sonderer Vorsicht zu betreten pflegte. Hierzu interessiert eine neuerdings ergangene Entscheidung des Reichsgerichts. Der Schnllehrer L. in Obcrjettingen hatte gegen den Hirschwirt N. in Knppingen Schadenersatzansprüche er« hoben. Der Kläger ist am 6. Januar 1997, abends gegen 9 Uhr, auf einer aus vier Stufen bestehenden Hausstaffel infolge Glatteises ausgeglitten, als er die Wirtschaft des Beklagten verlassen wollte. Tie von ihm gegen den N. erhobenen Schadenersatzansprüche sind vom ObcrlandcSgericht Stuttgart wie auch vom Reichsgericht ab- gclviefen»norden, tneil ein Verschulden des Beklagten nicht an« genommen werden konnte. Es herrschte nämlich an diesem Tage vom Nachmittag bis zum Abend Tamnctter. Die Richter führten deshalb aus, daß der Beklagte von dem vorhandenen Glatteis keine Kenntnis gehabt habe und daß er ohne Verschulden habe annehmen können, daß bei dein herrschenden Tauwetter und bei dem gegen Abend einsetzenden schwachen Regen Glätte sich nicht mehr bilden»verde. Während der Kläger noch das Fehlen eines Geländers und einer Beleuchtung gerügt hatte, spricht das Reichs- gericht unter Zurückweisung der Revision des Klägers aus, daß unter den gegebenen ländlichen Verhältnissen bei derartigen Staffeln mit nur vier Stufen Geländer und Beleuchtung nicht üblich sei, und daß das Oberlandesgericht daraus ein Verschulden des Beklagten nickt herzuleiten brauchte. Tie verkeilten Ventile. Wegen fahrlässiger Tötung ist am 16. Mai der Kapitän Her- »nann Fcldhaus in DuiSburg-Ruhrort zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Dieser Strafprozeß ist von allgemeil»em Interesse, weil er einen Mißbrauch aufgedeckt hat, der sehr gc- jährlich ist. Im vorliegenden Falle sind ihm zwei Menschen zum Opfer gefallen. Der Angeklagte ist bei der SchleppschisfahrtS- gesellschaft angestellt. Der von ihm-geführte Schleppdampfer kann höchstens 28 990 Zentner schleppen. Der Angeklagte ermöglichte es aber, daß 32 999 Zentner geschleppt wurden, und zwar dadurch, daß die Dampfspannung von der zulässigen Höhe(1214) auf 1714 Atmosphären erhöht lvurde. Die Heizer erreichten dies dadurch, daß sie die Ventile verkeilten, so daß der überflüssige Dampf nicht entweichen konnte. Am 39. Juli 1997 fuhr der An- geklagte mit zwei Kähnen im Anhang vom Hafen in Ruhrort rheinauflnärts, und zivar mit 4999 Zentner Ilebergewicht. In» folge der Verkeilung der Ventile explodierte der Kessel. Der Heizer und der Maschinist wurden durch das ausströmende heiße Wasser getötet u>»d der Angeklagte selbst wurde verbrüht. Dos Gericht hat angenommen, daß der Ai»gcklagte die Ventile verkeilt oder mindestens die Verkeilung geduldet hat. Er hat damit die Vorschriften über den Betrieb der Dampfkesselanlagen verletzt und die Vorsicht außer acht gelassen, zu der er vermöge seines Berufes verpflichtet»var. Seiner Fahrlässigkeit ist es nach der Ansicht des Gerichtes zuzuschreiben, daß die beiden Männer ihr Leben verloren haben.— DaS Reichsgericht verwarf am Dien? tag die Revision des Angeklagten, Uür de» Jndalt der Inserate überiiiinoit die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Perantivortnnq. �bester. Gonnadend, 20. November. Ansang 71/, Uhr. König!« Opernliaus. Der Meister- singer von Nürnberg. Ansang 7 Uhr. Köuigl. Schauspielhaus. Der deutsche Llönig. Neues königl. Lpern-Theater. As you like it. Kesjing. Tantris der Narr. Teul scheS. Don Carlos. K a m m e r s p i e l e. Major Bar- bara.(Ans. g Uhr.) Anfang 8 Übt, Nene« Schauspielhaus. DaS Exempel. Neues Ooeretten. Miß Dudelsack. Berliner. Hohe Politik. Nachm. 3 Uhr: Minna von Darn- hiim. So», Uche Lper. Der polnische Jude. Neues. Monna Vnnna. Kleines. HInter'm gau». Residenz. Gietcheii. tebbel. Der Skandal. ch iller tt. e»aner» Tbealer.) Kabale und Liebe. Sch isliarlotteuburg. Wallen« steins Tod.. Friedrich- TrUlkielinttädt. 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Kte»»>hudtr.>u Valien Nr. d7— 6Z, I.eirni ng:'li lrvatv,-. 8 Uhr: Tantris der Narr. Sonntag, 8 Ubr: Tantris b. Narr. Mvntag, MUbr: Zum 25. Male: Tantris der Narr.. Berliner Theater. Heute 8 Ubr: Hohe Politik. Morgen: Herades und Mcrlamne. Heues thealer. Abends$ Uhr: Drittes(SafitpUl Suzanne Oasprfis: Monna Vanna. Sonntag: Viertes Kastspiel Luzam» Oespr*»: >laiMon de l'onpde.(Nora.) Thealer des Westens. 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Nachin. 4 Uhr: Slruluivelpeter. Sonniog 8 Uhr: Ter sidele Bauer. Sonniag 8 Uhr: Ter sidcic flauer. �lIS�SpIviKsUS. Abend? 8 Uhr: Der dnukle Punkt. vperetten-il'lreatei'. Echisfbaücrdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 3 Uhr: ZIIL«uckeln-relr. Operilte in 3 Aklen von Rudolf Nelson, SLjiSltZpiölKgllS. Sonnabend. 20. Nov., Ansang 5 Uhr: 3 s e 1 o 1 1. Sonntag: DaS große Licht. Montag: Cijflolt__ Tolks-Oper. SW.,«elle-Alliance�Slraße Nr. 7/8. Vorstellung für Schüler aller Berliner Lehranstallen. Nachm. S'l, Uhr: ]>or Tponbadour. Abends ü Uhr: Oer Podtlliion von Lonjumeaa. (Äusjei- Abonnement.)_ Luisen-Theater. 4 Uhr: Große Kinder-Borftellung. Der Struwwelpeter. Märchcirpobe mit Gesang und Tanz. Abends S Uhr: M e 3 m a t, Schauspiel in 4 Akten von Sudermann. Somitag 3 Uhr: Geichlossen. 8 Uhr: Premiere: Gib mich frei. Schau. '»'.et in ö Akten ilgch ein« Erzählung on H./CourthS- Möhler /pou Crnst c'tiite.i�skdti': Montag: Svlikllvi' Sohlllek-Iheator 0. lWallner-Tbeater.) Sonnabend, abends 8 Uhr: Ii»d»lS and T-febe. Nn bürgerliches Trauerspiel in 5 All von Friedrich«chiller. Anfang 8 Uhr. Ende 10»/« Uhr. Sonntag, abends'8 Uhr: von Oeudo». Montag, abends 8 Ubr: Ida« lititbebeav.IIellbi-oiin Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Sounaben d. abends 8 Uhr Zum erstenmal: HVallen.tein« Tod. Trauerspiel in süns Auszügen voll Friedrich Schiller. Ansang 8 Uhr. Ende ll Uhr. Souniag. abenvs 8 Uhr: ekj>enstor. Montag, a b e n o s 8 Ubr: ldei- Sobo ai- der- Ti-eae. e�sT�i�'s I»-»R«I»'I'Ivv!tI Iriedrsolietr, ISS lPaoherrpalaey. Neu I Größte Sensation l Eine indischeWitwenverbrennung Caruso! Gramniophon-Vorträge. Täglich 7'/, Ubr abends X Heute X Vorstellungen. Heitere Künslier-Abende Erstklassige Brefllkfinstler X X Ganz neues Programm Frau Steinheil! n-u! Mittwoch, 17. d. M.«Inn (Bußtag): UCÜ ganzen Tag geöffnet! Urania. Wissenschaftliches Theater. Tanbenstraße 48149 Sonnabend 4 Uhr: Jerusalem. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Gg. Gehl- hofi: Spektralanalyse._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: Grvt«!»«!!. Groteske In 3 Akten von Davis und Lipschütz. Totensonntag, 21. Nov.: Musotte. OSi=THEATE Robert und Bertram. Grogs Franksurler Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende nach U U. ■ Maria Stuart. Trauerspiel in ö Akt. v. F. v. Schiller. Nachm. 4 Uhr: Dornröschen. Sonntag 8 Uhr: Wtnria Stuart. «fetropol'riieilter lloll«::: Die xrove kevue! In 8 IZildem von llul. Preund. blnsik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir, Rieh. Schnitz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag 3Uhr: Lumpacivagabundue. Großes Toppri-Jubiläum. 8 Uhr: Zum 80. Male: 8 Uhr- Tokuwabokn,«mies� 10 Uhr: Zum 50. Mal«: 10 Uhr: Eine liaremsnacht. Groteske tu 1 Akt. Dazu: De Wynne Brothers, Dorofhy Kenton, CohmuoIo Pornarlnn und die anderen Allraktlonen. Line Revue der Schönheit, Grazie Humors! Anne Dancrey. ßernh. Merbitz. Lalla Selbini. Horace Goldin. Sisters Harvey und eine Reih. hervorragender KunetkrBtte. Passage-Theater. Abends 8 Diu: Das crroOartlge Varletd- Programm des nenen arroBen Yarielö-Teils. Ferner 10 nene OebUts. Ferner: Henry Bender in der tollen Burleske! Der süße Doktor. '>WMWWMMW»WWM W«W»WMM» 1 Gastspiel-Theater KSpeuicker Straße 67/68. Sonnabend u. Sonntag(Ans. S'l, 11): Der Hnttenbesitzer. nontag: Premiere. Mönchruer Märchenspiele. Ufflteu Kommandanicn anwn�ö?' T. A. 4.»083. llie von llsr gscarntsn Hrö88s sie sitclgreichzten 8chlgger hszsichnetsa HcviMsa: „Sc rnuö man's machen" Burleske m. Gelang in 2 Akten von A. u. D. Herrnield. Musik von L. Jlal mit Anton und Tonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: tzj« KtttVllgSMjttel Komödie in 1 Akt pou Ludwig Huna. Sonntag, den 21. November: „Clo He/erhalns„vie letzte Ehre". Borverkäus ll— 2 Uhr. Ansang 8 Uhr. Stadt-Theater Moabit. Alt-Boablt 47/48. Sonntag, den 21. November 1909: Novität) Novität! |» Nttlretiing. Schwant in 3 Akten von Heinz Äordon. Palast-Theater. Direktion: Robert Dill 4 Karl Plrnau Burgstraße 24, am Bahnhol Börse. ?tt«I!eh: Das vollständig am SpeMitiiten- Programm! Fitbchens Trick? mit Direktor Red. DIU tu bor HauPtgesangSpartir. WM" vorzugStarre« überall zu haben._ Volks-Theater Blxdorf, Hermaunstrake SO Sonntag, den 21 November: vas Kllbcheo von Heilbronn. Schauspiel in fflits Aklen von Kleist. Ansang 7 Uhr. Montag, den 22. November: chioldener Boden. Volksstück mit Gesang in vier Akten von Ely. Ansang 8 Uhr.___ Polles Caprice. Mobilisierung. Ein gewisser Augenblick. Morgen Konntag; Komiker Sehnttzel. Das Lied vom braven Mann. 1 Königstadt- KnKino. Hoizmarktitraße 72. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung mit Franz Sobanski. Olga ley, Musik. Komödianten Carmanelll Kurt Werther, EmmyGalottl, Rookawsky- Duo Gutt. Burg Truppe Juhasz (4 Personen, 1 Foxterrier) uiw Prinz Wendelin, Geiangsp. v. Klein. Morgen, SonataK, 21, November(Totensonntag), abends O1/, Uhr, im Lokale Moabiter Schützenhaus(Plotzensee) (Haltestellen der Nsenbabn: Putlitzslraße, Beusielftraße; der Straßeiibabnen Nr. tt. 12. 18, 20 direkt bis hin; Nr. LL und Städtische Slraßenbahn bis Birchow-Kranlenhaus): Totenfeier Gesänge vom Kinderchor der Berliner freireligiösen Gemeinde und Vortrag über:„Unsere Toten". Referenten: Ehemaliger katholischer Geistlicher»losef Leute# Stadtverordneter Adolf Hoffmann. 57 /3a Eintrittspreis 10 Pfennig. Sonnabend, den 20. November, abends?>/, Uhr: tiala- Abend. Debnt Debnt Der Amerikaner lÄF. HifalO m. seinen konversierenden Papageien Cukoo u. Laura. in oieser Vollendung noch nicht dagewesen. UmSUHr Zum 21. Maie Endeil Uhr Die große Feerie: vis drei kivsleo oderDas mysteriöse Schloh in der Äiormandie Hervorzuheben: Das HochzeltS- fest ml» der glänzenden Schlust, Apotheose. MorgenSonntag, abend» 7'/, Uhr: Große Vorst.'IInng: Die drei Zivslen. W. KoacUs Theater Snuineititi. 16, am Nolentbaler Tor. S llhr Kindervorstellung! Vornröseken. Abend»'1,9 Ubr: Extra-Vorstellung: Lenore. Sie Krsdezdrsvt. Sonntag: Lenore, d. GradeSbraut. keielistiAlien-IbeslöF. Stettiner Sänzer Aez'.el, Britton, Schräder usw. Anfang; Wochent. 8 Uhr. Sonntag» z.7 Uhr. Ssnssouoi, ÄT Direktion Wilhelm Reimer Morgen Toiensonntag: Wegen Privntfeftlichkeit geschloffen. Sonntag, Montag und Donnerstag: Bottmanns und Tanzkränzcheu. Beginn Sonntags K, wochent. 8 Uhr Karl liaverland Ansang Theater präz. 8 U. 77/79 Kommandailtenstraße 77/79 ■g O neue erstklaaeige g«S ■'' hpesiallthten. Schlager auf Schlager! Casino-Theatflu* Lothringer Straße 87. Täglich 8Uht. Trotz de» kolossalen Andranges: Hl Co Onkel Cohn. Sonnabend, 4. Dez. Premierenabend. Sonntag 8 Uhr: Nick-Easter. Passage-Panoptikum. Gehelmnine der Wa»»os!iele. Plastisoha Riesendioramen. Das lebende Skelett. Das nnatom. BJltsel. Die Tranmmalerin. AGA. die schweb. Jungfrau Tnmbnrltiea- Brlg/nntos. Panopbau- Vortrüge. Alles ohne Extra-Entree! iMMU" p�em Morihpleii Anf.8 Uhr I Humpsli- Bumpsü Sonntag naohniitteff: Gr# VoreteElung zu kleinen Preieen. S'l, Uhr: Ein Kind frei! Der Einberufer. Adolf flnrndt, Stübei'Sboifer Straße 48. Zirkus Busch. Heute Sonnabend, den 20. Nov., abends 7>/, Uhr präzise: Große Gaia-Vorsteilung; U. a.: Die Clevelands! Frl. Maria Mohnke, Schulreilerin. Patty Prank-Truppe! Ferner: Herr Ernst Schumann,| .Meisterdress.— Frl. 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SSpt Junge Schoten.................. 45 pf. Feine junge Schoten........ 55pt Pflaumen........................... 45 pf. Mirabellen......................... 65 pt Früchte-Melange.............. 93pt Erdbeeren........................ 85pf. Kirschen mit stein.................. 65 pf Preisseibeeren................. 63 Pf Sardinen u oei... Dose 38, 43, 65 pt Sardinen od. Anchovis Gias 24pf. Brat- oder Bismarck- Heringe....................... Dose 45 Pf. Fett-Bücklinge........ s stock 20pf. Kasseler Rippespeer..... Mm« 78 Kakao....... 80 Pf. B««SsC»9»99«»»»S9v!)««»0»9»£*&»«««»•«>* Kochbirnen.................. Pfand 7 n. Essbirnen.............. Pfand 10, 15 Pf. Essäpfel...................... prund 15 pt Mussäpfel.................... Pfund 12 Pf. Ananas...................... Pfund 75 pt Neue Wallnüsse...... Pfand 23 pt. Para-Nüsse................ Pfand 45 pr Kranz-Feigen............. Pfand 24 Pf. Zocker llchhing! Sonnabend den �chfntig! Sonntag, den 21. November 1909, vormittags 10 Uhr; Allgemeine Versammlung aller m deu Wagenfabriken Kerlins und Umgegend lleschMigteu Arbeiter - � wi GewertschastShause. S'ugelufer lS, großer Gaitl. TogeSerdnung: 1. Vortrag dos LandteeSaOzeordntten und Stadtverordneten Genosse» H. IZni'xi»»»» über: „Lis grlZvilkNile Wmt als Steuerzahler r 77— TTT-TT- Diskussi0N.' 7 &„Sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Wagenfabriken befserungsbediirfttg Kollege» aller Berufe! Sorgt jiw recht zahlreichen Desuch dieser für Euch alle so wichtigen Versammlung. 170;2 , i Kein Kollege darf fehlen!■ 1■ 11 1 Die Agitationskommission der Wagenfabriken Berlins und Umgegend. Pa. Schlack- Salamiwurst a pm. 1.10. Titjcltoh frisch I 127/18 sämtTiche GänseaArtikel,.is: mitu- Keuian. Gänse Gänsekieln, Ganselebern, Gansefleisch ohne Raucher-Keulen(mit und ohne Knochen) empfiehlt Hermann Leißner, BERUN c Klsstcrstr.»8/95, Eclte Kaiser-Wilhelm-Str. 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Derschiedeueö. 296/3 Um zahlreiche Veteiligimg ersucht Ter Vorstand. Karl Nernb. Jost. Vorsitzender. :l«oftesmann, Schrislsllhrer. ZeMdmiiüill.gei'i'öMIlleiiilie« gri-tadi-fcb««,-. 35 liefert an jebfimnun elegante BeFren-Garderoben fertig und nach Mast unter(Ja- runlie sür fadellvsen Sitz gegen «öchentl. reilrabfung von t M. an. ftulchuciberei u. Werfstatt im Hause. Aus Wunsch Besuch deSNeisendeu mit neuesten iZtoffmustttn. Sonntag» geöffnet. Gemeinsame Orts-Kraitkeitkasse sür Aditrshof uuii Zlmgkgknd. Zu der am Ttenstag, deu 30. November, abend» 7 Uhr. tmRestaurant ItzranzKähneNachf. in Zidlrröbof, am Bahnhof, ftailfindendeu ~ Ordentllcben> General- Versammlung laden wir hiermit die Vertreter der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber ei». Tagesordnung: 1. Wahl deS Ausschüsse» sür die Prüfung der Rechnung des lausenden Jahre». 2. Neuwahl von vier Vor- sfandsmltgliederu, einen Arbeitgeber. drei Arbeitnehmer. II. Anfrag drS Vorstandes betr. Aeiiderzzng der Bei- träge nach Lohukfassen und en!- sprechende Statutenänderung. 4. Nicht aus der Tagesordnung stehende An« geiegenheifen. 296/4 R. Hansen, Vorsitzender. OrtS-Krankettkasse der Klempner. Am Sonntag, den S«. Nov.. vormittag» 10 Uhr, siiidet im GewerkschaftShanse, Engeluser 15, Saal 1, die General-Versammlu ag der Bertreter der Kaffeu- Mitglieder und Arbeitgeber uuserer Kasse statt. Tages-Ordnung: 1. Verlesung der Protofolle S. Dahl von vier VorstandSmitgliedeni. drei Arbeitnehmer und einen Arbeitgeber. 3. Wahl de» RechnungSauSichusses. 4. Berich! vom Kranlentasseniougrejj. 5. Verschieduie». 2455b Ter Borstand. Eine Mark: m-Schenll. Teil» zablung liefere elegante fertige Herren- Moden Ersatz f flr Massanfeitiguuff. Feinste Verarbciiung unter Leitg* eraikl. Schneidermeister. i. Kurzöerg Rosenthalerstrasso 4j, 1. Klage, direkt am Hac ke sehen Markt. Kein Waran» Kredit- Haut. Bei Barrahluer — 10% Rabatl I— ür.271. 26. Iahrgaug. Zolmabend. 20. November 1909. Partei- �Zngelegenkeiten. Auf zur Agitation! Am Sonntag, den 21. Ziovember, findet in Groß Berlin eine Agitation zur Gewinnung von Wahlvereins- Mit- gliedern und„V o r w ä r t s"- A b o n n e n t e n statt. Die Verbreitung einer Extranummer des„Vorwärts" so- wie von AbonncnicntSkarten und Rufnahnicscheincn findet morgens 8 Uhr von den bekannten Lokalen aus statt. An der allgemeinen„Vorwärts"- Agitation sind natürlich mich die Vororte beteiligt, weshalb sich eine eingehende Ver- öffentlichnng erübrigt. Die Genossen folgender Orte treffen sich, wenn nichts Besonderes angegeben ist, in den bekannten Bezirkslokalen: Lichtcnberg-FrirdrichSfelde: 8 Uhr. Wilmersdorf. Grünau: Treffpunkt 8 Uhr bei Franz. Köpenicker Str. 88. Eichwalde. Britz. Buckow. Friedenau: Materialausgabe heute Sonn- abend bei Schönfeld, Nhcinstr. 3l. Mariendorf. Treptow- Baumschulenweg. Nowawes: Treffpunkt früh 8 Uhr bei Gruhl, Priesterstrasie 69. Adlershof: Materialausgabe früh 8 Uhr im Jugendheim. Köiligs-Wusterhausen und Um- gcgend. Pankow: Zugleich auch Haudzettelverbreitung für die Liebknecht- Bersamnilung. Weißensee: früh 7'/z Uhr. Tegel: Die Genossen zur Landagitation treffen sich früh � 8 Uhr beim Genossen Krause, Berliner Straße 11. Zehlen- darf(Wonnseebahn): früh 1I2S Uhr. Die Genossen des vierten Bezirks helfen bei Mickley. Hohe»- Schönhausen: Außer„Vorwärts"- auch die des Unwetters wegen auf- geschobene Kalenderverbreitnng. Nicder-Schöneweide: früh 8'/z Uhr. Fredersdorf- Petrrshageu: Kalender-, Flugblatt- und Handzettclverbreitung früh 8 Uhr vom Lokal von Max Girke in Fredersdorf aus. Ober-Schöneweide: früh 8 Uhr. Zur Lokalliste. In Ketschendorf(T.-B.) ist uns daS Lokal .Weidemanns Gasthof" entzogen. Die Lokalkommission. Mohlsdorf(Ostbahn). Der sozialdemokratische Wahlverein. Be- zirk Mahlsdors, hält am Sonnlag. den 2t. d. Mls.. abends 7 Uhr, eine Versammlung bei Linke, Grunowstraße, ab, in der Genossin Lungwitz über„die Forderungen der proletarischen Frauen" sprechen wird. Maricnfclde. Am 21. Novbr., nachmittag« Z'/z Uhr, findet im Lokale des Genossen Adolf Bcrger, Berliner Str. tls, eine Volks- Versammlung statt. Genosse Fritz Z n b e i l spricht über: Der letzte Raubzug der Reichstagsmehrdeit auf die Taschen der Arbeiter und des Mittelstandes. Auch sollen die letzten Ereignisse in unserer Ge- meinde besprochen werden. Freie Aussprache fiir jedermann. Adlershof. Am Dienstag, den 23. November, abends 8'/» Uhr, findet im Lokal von Eschner(vorm. Kähne) eine Volksversamniluilg statt. Tagesordnung: 1. Die Verschlechterung der Arbeiterversiche- rungsordnung. Referent: Arbeitersekretär H. Müller-Berlin. 2. Diskussion. Parteigenossen! Versucht die Euch bekannten und unserer Organisation noch fernstehenden Arbeiter zur Versammlung mitzu« bringen. Der Vorstand. Ober- Schöncweidc. Wir weisen die Genoffen auf die Theater- vorstclliing im„Wilhelminenhof" hin. Gegeben wird das Stück„Die größte Sünde". Billetts sind noch bei den Bezirksführern zu haben. Der Vorstand. Nicder-Schöilhanscn-Rordend. Am Sonntag früh 8 Uhr findet von folgenden Lokalen aus die Fliigblattverbrcitung statt. 1. Be- zirk: Reuß, Platanenstraße, Ecke Kaiserweg: 2. Bezirk: Gappa. Eichenstraße, Ecke Waldstraße � Z.Bezirk: Babst, Beuthstratze, Ecke Waldemarstraße? Nordend: Schüßler, Blankcnfelderstraße. Die Bezirksleitung. Franz. Buchholz. Sonntag, den 2t. November, Flugblatt- und Kaleiiderverbreitung. Treffpunkt 7.20 an der Pauke. Genossen l Da wir am 5Nittwoch des schlechten Wetters wegen nicht die Kalender verbreiten konnten, ist es Pflicht eines jeden, zu erscheinen, da sonst die Arbeit nicht zu schaffen ist. Die Genossen von Buch werden er- sucht, um 8 Uhr an der Bahn zu sein. Die Bezirksleitung. Wilhelmsruh. Für die Genossen deS 2., 3. und 4. Bezirks er- folgt die Flugblattverbreirung am Sonntag vom Lokal der Witwe Barth aus: für die Genossen des ö. Bezirks vom Lokal des Ge- Nossen O. Junker aus. Wir weisen darauf hin, daß umständehalber die Versammlung am Montag, den 22., ausfällt und dasiir am Mittwoch, den 24.. eine Volksversammlung statlfindet. Das Nähere wird noch bekannt ge« uiachr. Die Bezirksleitung. Mittenwalde. Heute. Sonnabendabend 8 Uhr: Oe ff entliche Versammlung im Lokale des Herrn Kranich. Tagesordnung: „Die bevorstehenden Stadtverordneienwahlen"' Referent: Stadlv. Wollermann- Schöneberg. ßcrliner J�aebriebtem Miclczyn. Endlich hat sich auch der Magistrat davon überzeugen lasten müssen, daß der„Vorwärts" recht hatte, als er im Anschluß an seine Veröffentlichung in der Nummer vom 23. Juli d. I. über die vom Pastor Breilhaupt in Mielczyn an Berliner Fürsorgezöglingen begangenen Brutalitäien die gänzliche Zurückziehung der Fürsorge- zöglinge aus Mielczyn verlangte. Der Magistrat hat gestern unter der Feststellung, daß die Erfüllung deS Vertrages vom Mörz dieses Jahres mit dem Stifte Miclczyn sich als unmöglich erwiesen hat, beschlossen, die in Mielczyn noch befindlichen Zöglinge sofort zurück- zu berufen. ES hat lange gedauert, ehe der Magistrat zu diesem Beschlüsse gelangte. In der Stadtverordnetensitznng vom 9. September, der ersten nach den Ferien, hat die sozialdemokratische Fraktion bereits den Antrag auf sofortige Zurückziehung der in Mielczyn unter- gebrachten Zöglinge verlangt. Dieser Antrag wurde einem Aus- schüfe überwiesen, der seit Wochen Sitzungen abhielt, aber nicht zu Rande kommen konnte, weil inzwischen mit dem „Evangelischen Verein für Waisenpflege" in der Ostmark Verhandlungen angeknüpft waren in der Richtung, den be- stehenden Vertrag auf eine andere Basis zu stellen und Garantien zu verlangen, welche einigermaßen die Erziehung der Zöglinge sicherstellen sollten. Die Sozialdemokraten verlangten Aushebung deS Vertrages. Mit Leuten, die ihre Aufsichtspflicht so gänzlich ver- letzt hatten, wie im Falle Breckhaupt, könne man keincii Vertrag schließen. Die Verhandlungen mit den Leitern des Mielczhner StistS, welche nur vom Miuister die dringendsten von der Stadt verlangten Forderungen enthielten, wurden aber von den Mielczyner Machern von einer Woche zur anderen hingezogen und als der Magistrat auf Entscheidung drängte, wurde von den Herren in Posen erklärt, daß sie sich außer Stande fühlten, die an sie gestellten Anforderungen zu erfüllen. Dem Magistrat blieb nichts anderes übrig, als nun endlich auf den am 9. September von den Sozialdemokraten gestellten Antrag einzugehen und die Fürsorge- zöglinge zurückzuziehen, obwohl er alles verinchte, mit den Mielczyner Ostmarkenpolitiker» Frieden zu halten. Nachdem der Magistrat, durch die Verbältnisse gedrängt, nun doch mit Miekzy» brechen mußte, gab es für den Ausschuß der Staotverordneteiiveriamlnlnng, der sich mit dieser Angelegenheil seit Monaten beschäftigte, keine andere Wahl als Kenntnis zu»ebmen von diesem Magistratsbeschluß und unter Zustinmiuiig zu demselben den Antrag unserer Geuosseii für erledigt zu erllären. DaS geschah denn auch gestern abend einstimmig. Zu diesem Ergebnis hätte man schon spätestens im September kommen können._ Zum Schncllblihilstreit der westliche» Bororte. Die Wiliirersdorfer Stadlverordneteuveriaii'.mlung bcschäfligte sich in ihrer Sitzung am Freilag abermals mit der Schnellbahnangelegen- beil. Der Magistrat batte der Stadtverordnetenversammlung den solgeuden Autrag uiiterbreiiet:„Das in der Konferenz vom 28. Okiober 1909 im köaigl. Polizeipräsidium zu Berlin vorgeschlagene Veigleichsprojekt wird abgelehnt. Es soll in jeder Weise darauf hingewirkt werden, daß das Er- gänzungsverfahren gegenüber der Stadtgemeiiide Char- lotlenburg migehindert seinen alsbaldigen Fortgang nimmt." Mit der Beralmig dieses Anlrages wurde verliiüpfl ein Antrag des Stadlverordneten Dr. Heinitz, der eine Beratung über die Slellmignahme der Stadl Wilmersdorf zu de» i» der Angelegenheit der Untergruiidbahnfrage vom V e r k e h r s m i n i st e r i n in ans verlauibarteii Aeußerungen bcziveckte. Gleichzeitig hatte dieser Stadt- verordnete einen Antrag gestellt, wonach der Magistratsantrag durch Eiiifügung der Gründe erweitert werden sollte, die die Stadl Wilmersdorf zu ihrem ablehnenden Verhalten veranlassen. Dr. Heinitz setzte in seinem Referat auseinander, daß Wilmersdors sich unmöglich obue weitere bindende Versicherungen von feiten der Hochbahiigesellichaft auf Abschließung deS am 28. Oktober vorgeschlagenen Vergleichs einlassen könne. Etliche andere Redner sprachen Bedenken gegen den vom Ma- gistrat einpfohlenen verneilieitden Standpiinkt ans und rieten, sich auf der Basis, daß Wilmersdorf den direkten Verkehr mit dem Zentrum Berlin« und die Fortführung der Kiirfürstendanunbahn nach Halensee gewährleistet erhalte, mit Cliarlottenbarg gütlich zu einigen. Nachdem eine geheime Sitzung über die weitere Erörterung der Angelegenheit beraten halte, beschloß die Stadtverordneten- versaminlung mit 19 gegen lö Stimmen, die Schnellbahnfrage einem aus 13 Mitgliedern oebildeten Ausschuß zur Beratung zu über- weisen._ Bo» dt»„unpolitischen" Militärvereinen. ES ist bekannt, daß die Militärvereine sich gern ein unpolitisches Mäntelchen umhängen, daß sie aber in Wirklichkeit um so ungestörter Politik treibe» und zwar königstreue Polilik. Das geht wieder ein- mal deutlich hervor aus einem Zirkular, das der Verein„General F e l d z e u gm e i st e r"(ehemalige Artilleristen des dritten Armee- lorps Berlin) an entlassene„Kameraden" versendet. In diesem Zirkular heißt es: „Sehr geehrter Herr Kamerad! Es ist eine beklagenswerte Tatsache, daß die sozialdemokratische Partei mit einer rücksichtslosen Agitation weite Volkskreise in ihr Lager überführt und sie zu Gegnern der staatlichen Ordnung macht. Die Sozialdemokratie-versucht aber auch, leider nicht immer ohne Erfolg, die vom Regiment entlassenen jungen Leute, nachdem sie ihre Pflicht für Kail er und Reich treu erfüllt haben, zum Uebertritt in die Partei des Umsturzes zu veranlassen.< Hiergegen mit aller Kraft Front zu machen, ist eine der her- vorragendsten Pflichten der Kriegervereine. Ihnen fällt die Aufgabe zu, in erster Linie die jungen. vom Regiment entlaffenen Reservisten für sich zu gewinnen, sie auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die ihnen von den Feinden des Reiches drohen und ihnen zu helfen, daß sie imI bürgerlichen Leben eine sie befriedigende Arbeitsställe finden, wozu uuser Arbeitsnachweis die Gelegenheit bietet. Die jungen Reservisten dürfen sich mit vollem Vertrauen unserem Verein anschließen, weil sich ihnen die Gewißheit bietet, daß sie in treuer Kameradschaft auf Rat und Hilfe rechnen können. Wir richten deshalb an alle Reservisten, Landwehrleute usw., welche bei einem Feldariillerie-Regiment in der Provinz Branden- bürg gedient oder geübt haben(auch Korps-Artillerie), die dringende und zugleich kameradschaftliche Bitte, das beigefügte Anmeldeformular enisprechend auszuiüllen und eS dem Schriftführer unseres Vereins zugehen zu lassen." Bemerkt wird noch, daß diejenigen Reservisten, welche inner- halb sechs Monaten nach der Eutlasiuiig von, Regiment dem Verein beitreten, von der Zahlung des Eintrittsgeldes befreit sind. Der Inhalt des Zirkulars beweist, daß die„Mit Gott für Kaiser und Reich" kämpfenden Militärvereinler ihre Pflicht gegen Kaiser und Reich sehen in dem Kampf gegen die Arbeiterklasse. Daß Arbeiter nach ihrer Entlassung aus dem Heere sich wieder in die Reihen des für Verbesserung ihrer Lage kämpfenden Proletariats stellen und die Aufforderungen von Militärvereinen zum Eintritt unbeachtet lassen, halten wir für selbstverständlich. Ueber große Erfolge scheint der Verein„General Feldzeugmcister" nicht berichten zu können, denn obwohl der Verein bereits 38 Jahre besteht, verfügt er über„an- nähernd 800 Mitglieder". Es sind zwar auch noch zuviel, aber Staat kann der genannte Verein mit dieser Zahl nicht gerade machen._ Die durch das BußtagSunwetter verursachten BertehrSstSrnngcn waren, wie aus zahlreichen Meldungen hervorgeht, auch gestern noch nicht behoben. Besondere Unterbrechungen erleidet der Telephonverkehr, da zahlreiche Leitungen völlig zerstört sind. Wie u»S aus Grünau noch berichtet ivird, hat dort das Uliwetter gleich- falls riesigen Schaden angerichtet. An einem Hause in der Friedrich- straße wurde durch die herabstürzende Tclephonleilung der Schorn- stein mit sortgerissen, wobei auch ein Kind verletzt wurde. Die Telcphenleitung ist im allgemeine» zerstört. Auch in den Wäldern ist der Schaden groß. Verwunderung rief eS vorgestern früh hervor, daß selbst am Görlitz« Bahnhof, wo namentlich morgens und abends ein starker Verkehr herrscht, noch nicht einmal ein Weg gebabnt war. Gestern früh endlich waren einige Arbeiter dainit beschäftigt, den Schnee zusammenzuschieben. Au solchen Verkehrs- Plätze» müßte doch etwas schneller für Beseitigung der Schneemasscn gesorgt werden. Die Ucberfüllung der Stadt- und Riugbahnziige ist ein altes Uebel, das tagtäglich viele Nuzulräglichkeiten im Gefolge hat. Dazu kommen aber noch Klage» über unzulängliche Einrichtungen auf ver- schiedenen Bahuhösen. die bei einigermaßen gutem Willen zum Teil beseitigt werden könnten. Am Bahnhof Börse befinden sich oben an der Treppe drei Durchgänge. DeS Morgens sind jedoch nur zwei geöffnet. Man kann beobachte», daß oft bis 200 Personen durch die Sperre drängen, um ins Geschäft zu kommen. Es liegt im Jnicresse der Fahrgäsle, wenn die Behörde Vor- anlnssung nimmt, alle Zu- und Abgänge während der Morgeiistimden zu öffnen, damit der übergroße Andrang gemindert wird. Diese Oeffming des Morgens muß um so mehr verlangt werden, als es sich um Proletarier handelt, die ihrer Arbeitsställe zuströmen. Herr» BmhnS„Manschetten". Um Existenz und Renommee seiner„Wahrheit" kämpft der ReichstagSabgoordnetc Bnihit wie die Löwin um ihr Jnuges. Unsere kurze Notiz, daß dieses Blatt seit dem Dahsclprozeß in einer etwas veränderten äußerlichen Fasson erscheint, aber trotzdem zurückgeht und in der Hauptsache nur noch von Skai!dalliebha?"'rn verlangt wird, ist Herrn Bruhn gewaltig auf die Portcmonnaienerven gefallen. Er unterstellt uns. daß wir jetzt von ihm glauben:„Kein Kind, kein Engel ist so rein". Fällt uns gar nicht ein! Wir warten ab, ob Herr Bruhn seine„Manschetten" wieder weiß wäscht: ob eS ihm gelingen wird, steht dahin. Auch ohne die Erhebung der Anklage und ohne Wer» nrteilung wegen irgend welcher fauler Geschichten ist der Reichslagsabgeordnete Bruhn, den selbst seine einstigen Busen- freunde von der Reformpariei kräftig abschütteln, für die Oeffentlich- teil und für den Reichstag ein toter Mau», ob nun seine Manschetten aus dein chemischen ReinigmigSprozeß weiß hervorgehen oder die angeschmutzte Färbung behalte». Wenigstens gibt Bruhn auf unsere Anzapfung offen zu � daß seine bisherigen Großinserenten sämtlich zum Rückzug geblasen haben. Wegen Adoptionsschwindels bat die hiesige Kriminalpolizei einen Gärtner Hermann Bock und seine Ehefrau festgenommen. In ver» schiedenen hiesigen Zeitungen zeigte Bock von Zeit zu Zelt ohne Namensumerschrist an. daß er gegen eine einmalige Abfindung von 800 M. ein kleines Mädchen zur Adoption abzugeben wünsche. Jedesmal meldeien sich Leute, die das Kind gern gehabt hätten und mit der Abfindungssumme durchaus einverstanden waren. Allen schrieb Bock daß sie zunächst 3 bis ö M. einzuieuden hätten. Er brauche das Geld, um über die Leute eine Auskunst einzuziehen. Obue diese wolle die Mutter das Kind nicht abgeben, denn sie halte streng darauf, daß es nur in gute Hände kommen dürfe. Sobald die Leute das verlangte Geld gesandt halte», hörten sie nie wieder elwaS von Bock und seinem Kinde. Endlich trafen sich einmal zwei Personen, die mit Bock in Verbindung gestanden hatten. Die eine erzählte der anderen, wie es ihr ergangen sei, und nun kam der Schwindel an den Tag. Bock und seine Frau, die ebenfalls beteiligt ist, wurden festgeiioinmen. Er sagt. er habe sich Geld verschaffen wollen, um nach London zurückzukehren. Dort ist er früher schon einmal gewesen, nachdem ihm hier der Boden zu heiß geworden war. Gestern wurde das Ehepaar»ach Moabit gebracht. Fahrstuhlunfall. Am DoimerSlagabend wurde die Feuerwehr wegen eines ernsten Fahrstuhlimsalles nach der Leipziger Str. 36 alarmiert. Dort war der Konimis Alexander Sparmann in dem Fahrstuhl der Firma G. Cords mit dem Kops zwischen Fahrstuhl und Mauerwerk eingeklemmt. Die Feuerwehr befreite den Hand- lmigsgehitsen und schaffte ihn sofort nach der Unsallsialion in der Kronenstraßc, wo man scvwcre Kopsverletzungen feststellte, u. a. Onelickmngen am Hinterkopf, Bruch der Backenknochen und Haut- abschürfmigen usw. Der Verletzte wurde dann auf Anordnung deS Arztes sofort einem Krankenhause zugeführt. Der Aermste war in dem Fahrstuhl ohnmächtig geworden, kam dann aber wieder zur Besinnung. Unbekannte weibliche Leiche. Am!S. 11. 09, nachm. gegen 4 Uhr wurde am Bcllevue-Ufer die Leiche einer ca. 18—20 Jahre alten Frauciisperson aus der Spree gelandet. Dieselbe war>.ö7 Meter groß, schlank, hat dunkelblondes langes Haar, vollständige Zähne und war»rit weißer Wäsche, schwarz-weiß gestreiftem Unterrock, schwarzem Unterrock und Oberrock, schwarzer Bluse, die vorn niit Sänmchen und Perkniutlerknöpfen verschen war. schwarzem Samtgiiriel mit Metallichloß. schwarzen Strümpfen und Schnürschuhen bekleidet. Bei der Leiche wurde ein weißes Taschentuch. 1" gezeichnet, gefunden.— Personen, welche Angaben über die Person der Verstorbenen machen können, werden gebeten, ihre Nachrichten der Kriminalvolizei oder einein Polizeirevier mitzuteilen. „Bclsazar," Händels berühmtes Oratorium, das der B e r l i n e r Volks-Chor am 13. d. M. zur Aufführung brachte, wird am heutigen Sonnabend tviederholt. Außer dein Chor wirken vier hervorragende Solisten und das B l ü t h n e r- O r ch e st e r mit. Die Auffübrung findet statt in der Neuen Welt(Hasenheide): sie beginnt pünktlich um Vz9 Uhr. An der Abendkasse sind noch BilleltS zum Preise von 1 M. inkl. Garderobe und Programm zu haben. Gesperrt. Das Südufer von der Torfbrücke bis zum Putsitz- siege lrnrd behufs Abmontierung einer eingestürzten Kranbrücke sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke, Fußgänger und Reiter ge- fperrt. Feucrwehrbcricht. In der letzten Nacht kam um 4 Uhr in der Gleditschstr. 23 Feuer aus. aus dem Korridor sind Kleider, Hausrat u. a. verbrannt. Die Flammen konnten bald gelöscht werden. Der Wirt- schasterin Ida Schmidt, die Brandwunden an den Händen erlitten hatte. legten Samariter der Wehr Verbände an. Grober Unfug lag einer Feuermeldung aus der Gitschiner Str. 12 zu Grunde. Der Täter ist ernlommen. Ein Dachstuhlbrand wurde nachts aus der Teltower Straße 16 gemeldet. Der 9. Zug batte tüchtig zu tun, um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. Der 7. Zug wurde nach der Tilsiter Str. 87 gerufen, wo in einer Plisieebrennerei Papiermodelle, Regale, Möbel, Schaldecken u. a. brannten. Durch kräftiges Waffergeben gelang es, den Brand auf die Plisieebrennerei zu beschränken. In emcr Woh- nniig in der Strausberger Straße 33 brannten Betten und Möbel, und in der Wilhelmstraße 29 eine Kiste mit Kleidern u. a. Um Schneemassen, die vom Dache herabzustürzen und Passanten be- drohte», zu entfernen, wurde der 12. Zug nach der Lützowstraße 76 alarmiert. Ferner hatte die Feuerwehr in der Amsterdamer Straße l2, Cadiner Straße 7, Strausberg« Straße 12 und anderen Stellen zu tun, wo Kleider, Betten, Wannen. Lumpen, Wäschespinden, Hausrat und anderes brannten, lim gefallene Pferde auszurichten, rückte die Wehr nach der Großbecrenstraße 23, Blumenstraße 32 und anderen Stellen aus._______ Vorort- JVacb richten. Stadtverordnetenversammlung. Der Sitzung am DonnerKtag. nachmittag lag zunächst ein Bericht der Kommission vor, ivelche eingesetzt worden war, um für V c r L f f e u t l i ch u u g e n aus den geheimen Plenar- und den DeputationSsitzungen bestimmte Ge- sichtspunkte zu schaffen. Danach werden künstig über dies« Be» ratungen vom Dlagistrat unmittelbar im Anschluß an die Sitzungen Berichte jedem Preßorgan zur Verfügung gestellt, das die lieber- Mittelung nachsucht. Im übrigen sollen von Fall zu Fall zwischen den Deputationen und den Dezernenten Vereinbarungen bezüglich nicht zu veröffentlichender Beschlüsse getroffen werden. Nach einer Deklaration des Berichts durch den Stadtv. W u tz k y(Soz.) dahin- gehend, daß ein Zwang den Stadtverordneten gegenüber seitens der Kommission nicht beabsichtigt ist, sondern hauptsächlich die Wahrung städtischer Jirtereffen bei eventuellen Veröffentlichungen erwartet wird, erfolgt Erledigung durch Kenntnisnahme. Der ncugewählte unbesoldete Stadtrat R o ch l i tz wurde hierauf vom Oberbürgermeister Kaiser in sein Amt eingeführt und vereidigt. In das Kuratorium für die am 1. Dezember 1908 begründete Boddinstiftung wählt die Versammlung u. a. auch den Ge- »offen S t i e l e r. Für die Kommission zur Vorbcratung der Neuregelung der Lehrergehälter referiert kurz Stadtv. B e e r m a n n. Der- selbe beantragt die Annahme der vorgelegten Vorschläge en Kloo. — Nadtv. Dr. Silber st ein(Soz.) erhob dagegen energisch Ein- spruch u. verlangte, daß jedem Stadtverordneten das ihm zu- stehende Recht, erneut AbänderungSanträge einzubringen, gewahrt wird. Die sozialdemokratische Fraklion werde solche beispielsweise auf Einführung der Berliner Ortszulagen und Bemessung der- selien für die Lehrerinnen in Höhe von 60 Proz. derjenigen der Lehrer stellen, deren Behinderung durch vlesamtaibstimmung ge- schäftßordnimgsmäßig unzulässig wäre.--- Unter Bezugnahme auf vorstehende Ausführungen beantragte der Oberbürgermeister die Behandlung der Vorlage in geheimer Sitzung, um— wie er behauptet— die Behandlung persönlicher Angelegenheiten der Lehrer in öffentlicher Beratung zu verhindern. Trotz heftigen Protestes der Sozialdemokraten beschloß die bürgerliche Mehrheit nach längerer Geschäftsordnungödebattc geschlossen dementsprechend.— In geheimer Sitzung wurden dann später— nach Ablehnung der oben bezeichneten zAnträge und eines weiteren sozialdemokratischen Antrages auf Herabsetzung der Rektorcnzulagen von 1000 auf 000 M.— die Kommissionsvorschläge einstimmig beschlossen. Die Abänderung des Bebauungsplanes Hinsicht- lich der Straßen 3Ld und 38e wurde im vorgeschlagenen Sinne genehmigt. Die gleiche Eiledigung fanden die Vorlagen über die Negu- l i e r ü n g der projektierten W e s e r st r a ß e zwischen Treptower Straße und Straße lö, sowie der letzteren zwischen Weserstraße und 'Äcigandufer, der Jlscstraße zwischen Nogat- und Schierke- .raße. der neuen Jonasstraße zwischen Bode- und Jlsestraße, er Jlscstraße zwischen Jonas- und Thomassrraße, eines Teiles er Harzer st raße und der Straße 206. Nach einer Vorlage des Magistrats sollen die ärztlichen D i r e k- aren des neuen Krankenhauses berechtigt sein, in der Küvatabteilung besonderes Honorar bis zur Hälfte der Ncdizinaltaxe und von den in Einzelzimmern untergebrachten Kranken bis zur vollen Medizinaltaxe zu erheben.— Die Stadtverordneten S e l t in a n n, H i l d e b r a n d t, K o y e polemisierten gegen die nach ihrer Meinung zu hohen Sätze, wogegen Stabtver- ordnet« Dr. Silber st ein sSoz.) erklärte, daß seine Freunde für die Vorlage stimmen werden. Die sozialdemokratische Fraktion — so sagte er— habe die Klasseneinteilung im Krankenhause nicht gewollt. Wenn man sie trotzdem durchführt, so wöge man auch zahlen. Bei der Erhöhung der allgemeinen Verpflegungssätze von 3 M. auf 3,50 M. habe die Mehrheit ohne weiteres zugestimmt. Das sei nicht zu teuer, obwohl doch nicht bestritten werden könne, daß 50 Pf. mehr beim Armen schwerer wiegen als einige Mark beim Reichen.— Den Stadtv. Abraham hatten diese Aus- führungen so erregt, daß er mit Pathos einen heftigen Ausfall gegen den Vorredner unternahm, er wurde jedoch treffend von diesem abgeführt. Sein Antrag auf Rückverweisung der Borlage an die KrankenhauSdeputation fand schließlich die Mehrheit der Ver- fammlung. Einige weitere Vorlagen, darunter der Voranschlag der städtischen S P a. r k g s s e für 1010 und der Bericht über deren Abschluß für 1009 finden debattelose Erledigung, ebenso die be- antragtc Verstärkung der Etatpositionen. Die Vorlage über Neuregelung der Bes oldungsver» Hältnisse der städtisch c'.i Beamten und Be- dien steten beantragte Stadtv. Abraham an dieselbe Kom- Mission zu verweisen, welche die Lehrerbesoldung vorgearbeitet hat. — Stadtv. W u tz ky(Soz.) schließt sich dem an, indem er dic-vor- geschlagene Klasstfizicrung an sich als begrüßenswert bezeichnet, im übrigen aber die teilweise äußerst hohen Aufbesserungen einzelner Stellen bekrittelt. Diese bedeutenden Gehaltsaufbesserungen führten im Vergleick zu den Vorschlägen in der Vorlage über die Arbeiterloh ne, die um einen ganzen Pfennig pro Stunde aufgebessert werden sollen, zu dem Schluß, daß oben wieder mit Scheffeln gemessen werden solle, während es unten nicht ein- mal mit Löffeln zureicht.— Einem Zusatzantrage gemäß, auch die Neuregelung der Apbeitsverhältntsse der städtischen Arbeiter der- selben Kommission zu überweisen, gehen beide Vorlagen zunächst an diese zur Vorberatung. Die hieran anschließende geheime Sitzung hielt die Stadtväter noch Stunden zusammen; erst gegen IOMs Uhr verließen diese das Rathaus. Chart ottenbnrg. An Stelle von Professor Jastrow, der als Stadtrat von Char- lottenburg seine Entlassung eingereicht hat, ist der Stadtrat Moll zu», Dezernenten für den Städtischen Arbeitsnachweis Charlotteuburg ernannt worden. Wilmersdorf. Die Stadtvcrordnetenverfauimluna überwies einen Antrag auf Bewilligung von Mitteln für die Verbesserung des Henrietten- Platzes in H a l e n s e e einem Ausschuß. Der starke Verlehr macht die Passage auf diesem Platze ganz besonders gefährlich. Zunt Schluß nahm die Versammlung einen Antrag des Professors Leidig an, wonach die immer noch unentschiedene Frage der Besetzung der vier unbesoldeten Stadtratsämter von neuem dem Wahlausschuß überwiesen werden soll. Bei der Erörterung dieser von uns am 12. November erwähnten Angelegenheit nmß es in, Ausschuß zu arge» U n st i m m i g k e i t e n gekommen sein. Den» es wurde bekannt, daß der Stadtverordneten-Vorsteher Geheime Oberregiernngsrat Dr. Beckmann in den Beratungen Rück- sichten auf seinen Gesundheitszustand geltend gemacht und die Niederlegung nicht nur des Vorsitzes, sondern auch des Stadtverordnetenm an d a t s in sichere Aussicht gestellt hat. Falls auch noch dieser Vorsatz verwirk- licht wird, kann es in der Tat dahin kommen, daß eine beständige L-schlußnusähigkcit der Stadtverordnetenvermmmlnng die Fort- führung der Geschäfte unniöglich macht und daher trotz aller Abneigung der lomniunalen Körperschaften in nächster Zeit Ersatzwahlen angeordnet werden müssen. Groß-Lichterfelde. Der hiesige BilduiigsauSschus? veranstaltet am 21. November (Totensonntag) im„Kaiferhof" am Kranoldplatz Ecke Wilhelm- straße einen Kunstabend unter Mitlvirkung hervorragender Künstler, u. a. der Opernsängerin Frl. Lissi Kurz und der Herren Kapell- meister Clemens Schmalstich und Schauspieler Fritz Richard usw. Billetts- zu diesem Kunstabend sind an den auf den Piakaten be- zeichneten Stellen, sowie an der Kasse zum Preise von 30 Pf. zu haben. In Anbetracht des hohen und trotzdem billigen Kunst- genusses darf der Bildungsausschuß wohl auf ein gefülltes Haus rechnen. Wie wir hören, war dieser Kunstabcnd ursprünglich bei Haus- mann. Berliner Straße, geplant. Nachdem aber dieser Wirt den Boykott über die sozialdemokratische Arbeiter- schaft verhängte, indem er seinen Saal zu Versammlungen und allen anderen Veranstaltungen verweigerte, mußte davon natürlich Abstand genommen werden. Herr Hausmann soll durch seinen Boykott einen erheblichen Rückgang au Gästen und Rein- gewinn zu verzeichnen haben. Um sein Lokal etwas zu beleben, hat er sicki für den 21. November die Petri-Sänger verschrieben. Unsere Genossen glauben jedoch, dast dieser Totensonntag auck) für sein Lokal ein toter Sonntag sein wird. Ober-Schöneweide. Gcmeindcvertretersitzung. Von der Verwaltung des im Bau begriffenen Elisabeth-Hospitals war ein Gesuch an die Gemeinde wegen Ermäßigung der Grundsteuer gerichtet. Auf Antrag unserer Genossen wurden daraufhin mit der Verwaltung Verhandlungen angebahnt, als Kompensation eine Bereitstellung e,ncr gewissen Anzahl von Betten für ortsangehörige Kranke zu erlangen. Ein jetzt eingegangener-Bescheid lehnt dieses Ansinnen ab mit der Motivierung, dast hierdurch die Rechte der übrigen auf daS Krankenhaus dugewiesenerl Gemeinden beeinträchtigt würden. Ein allzu großes Entgegenkommen bedeutet dies gerade nicht, wenn beackstet wird, daß die Gemeinde Oberschöneweide der Krankenhaus- Verwaltimg ein« unkündbare zinsfreie Hypothek von 150 000 M. gegeben hat. Die beantragte Steuerermäßigung wurde von der Vertretung abgelehnt. Der von der Gemeinde beantragten E i n- gemeindung der zum Krankenhaus fichrenden Chaüsieeteil» strecke, von der Kreuzung der Waldstrahe ab, ist vom Ministerium zugestimmt worden. Für die Gemeinde ist diese Eingemeindung dieser inmitten des eventuell von der totadt Berlin zu erwerbenden WuhcheideterrainS gelegenen Straße geradezu eine Notwendigkeit in Anbetracht des Ümstandes, daß die für die Krankenhaus zioccke notwendige Verlegung von WasserleitungS- und KanalisationZ. röhren, ohne mit anderen Besitzern in Konflikt zu kommen, nur durch diese Straße erfolgen kann. Von der beabsichtigten Aus- besserung des Kleinsteinpflasters in der E d i s o n st r a ß e wurde Abstand genommen und in Anbetracht des UmstanheS. daß dieselbe als eine Hauptverkehrsstraße anzusehen ist, die Neupslasterung mit Reihensteinen beschlossen. Eine Verbreiterung des FahrdammeS um einen halben Meter soll gleichzeitig erfolgen. Die Mittel in Höhe von 20 000 M. sollen dem Reservefonds für Straßenpflaste- rungen entnommen werden. Tie bisher von der königlichen Unter- snchungsstation ausgeführte Prüfung der Abwässer der Ge- m e i n d e k l ä r a n l a g e soll dort gekündigt und hinfort dem Prüfungsamt der Landwirtschaftskammer übertragen werden. Die dafür aufgewendeten Kosten reduzieren sich hierdurch von 700 auf 300 M. Um den vielfachen Klagen wegen Geruchbelästigung in der Umgebung der Kläranlage Rechnung zu tragen, wurde die Auf- stellung einer fünften Schlammpresse nebst des dazu nötigen Ge- bäudes beschlossen. Damit eine intensivere Verbrennung des zur Kesselfeuerung benutzten Klärschlammes erzielt wird, soll der Ein- bau eines Saugluftgebläses und die Erhöhung des Schornsteins um 9 Meter ausgeführt werden. Die Kosten betragen zirka 11 000 M. Eine lebhafte Debatte entspann sich aus Anlaß der bei der Aus- schreibung der Schlammpresse zutage getretenen Konkurrenz- manöver der beteiligten Firmen. Von der Gemeinde Treptow ist die Kostenbeteiligung an einer dort einzurichtende» Rechts- auskunfts stelle nachgesucht worden. Auf Antrag des Ge- »offen Grunow wurde hiervon Abstand genommen und beschlossen, eine solche Einrichtung für die eigene Gemeinde möglichst in die Wege zu leiten. Tie Leitung derselben dürfte dem eventuell anzu- stellenden besoldeten Schöffen obliegen. Hohe«- Schönhansen. Sein Stiftungsfest feiert am Totensonntag sin Lokal von Teschner. Landsberger Chmissee 118 der Ringsportverein Konkordia. Da geuaimter Verein sich der Partei stets zur Verfügung stellt, ist dem- selben ei» guter Besuch auch aus Genossenkreisen nur zu gönnen. Friedrichshagen. Tie Gemeindevertretung wählte am Donnerstag in geheimer Sitzung den Bürgermeister Dr. Stiller aus Krassen mit 14 von 17 abgegebenen Stimmen zum besoldeten Gemeinde. Vorsteher auf eine 12jährige Amtsdauer. Das pensionsberechtigte Gehalt beträgt beim Antritt 0000 M., steigend von drei zu drei Jahren um je 600 M. auf 7800 M. Dazu kommt eine jährliche luchtpenstorisberechtigt« Entschädigung für Dienstaufwendungen und Repräsentation von 1200 M. Für die ausgeschriebene Stelle hatten sich 200 Bctverber gemeldet. Von der zur Prüfung der cingegan. genen Bewerbungen eingesetzten Kommission, bestehend aus den Schöffen Lange und Moldenhauer und den Vertretern Geselbracht, Glöde Kunzke und Sonnenburg, wurde Dr. Stiller neben acht anderen als der geeignetste Kandidat der Vertretung vorgeschlagen. Stiller war vor seiner im Jahre 1904 erfolgten Wahl zum Bürger- meister in Krassen als Magistratssckrctär in Berlin in den bcdeu- tendstcn RessortS tälig. Weiftenfee. Ter Bau eines Ledigenheims ist. nachdem Charlottenburg ein solches besitzt, auch vom hiesigen Gemeindevorstaich in Erwägung gezogen worden. In den sogenannten„bürgerlichen" Kreisen wird icdoch bereits stark dagegen opponiert. Die Hochbaukommission nahin eine Besichtigung des Charlottenburger Ledigenheims vor, und diese Besichtigung gab Anlaß zu einer Debatte im Hausbesitzer- verein. Durch Annahme einer Resolution wurde gegen die Er- richtung protestiert, auch wurden die Hausbesitzer-Gemeindepertreter verpflichtet, dagegen zu stimmen. Selbst ein Vorstandsmitglied des Mietervereins bläst in Gesellschaft mit den Hauspaschas in das Protesthorn. Dieser Sonderling macht seinem Herzen durch Ein- gesandts in � hiesigen LrtsbläUern Luft, Zugleich ersucht er die Gemetndevertreter,' in puncto sozialen Einrichkungen einzuhalten. Durch die Schaffung des Ledigenheims würde den, kleinen Leuten,- die durch Schlafstellenvermieten eine Einnahme erzielen, Konkurrenz geboten; die Gemeinde hätte viel wichtigeres zu tun, als Häuser zu bauen, die nicht nur die Hauswirte, sondern auch die Mieter schädigten. Postassistent Jacobitz, so heißt der Herr, der so schreibt. Em vielseitiger Herr, ist er doch als Vorstandsmitglied im Mieter- Verein und als Hausverwalter im Hausbesitzerverein. Wundern wird uns nur, wie die bürgerlichen Gemcindevertretcr sich ver- halten werden, denn im Prinzip war die Mehrheit für die Errich- tung des Äedigenhenns, da ja schon ein Grundstück zu diesem Zweck angekauft ist. Der Trianonpark ist jetzt als Volksvark freigegeben. Jin nächsten Jahre soll diesen Park denn auch ein Denkmal zieren. Vor hundert Jahre» bat die Königin Luise, von Königsberg kommend, in Weißen- fee mit ihrem Gemahl und Gefolge ein Frühstück eingenommen und hierauf den von der Stadt Berlin gestifteten Galawagen bestiegen. um ihren Einzug in die Hauptstadt zu halten. Diese historische Begebenheit soll durch ein Deiilmal der Nachivelt erhalten werden. Der ganze Alt spielt« sich damals vor dem jetzigen„Gasthof zum grünen Baum" ab, und in der Nähe desselben, iin Trianonpark soll der Standort des Denkmals werden. Einige Herren, die noch keinen Orden haben, bemühen sich eifrig, Gelder zu sammeln, zumal am hundertjährigen Sterbetage, 10, Juli 1010, der Akt vor sich gehen soll. Oranienburg. Die Stadtverordnetenwahlco für Oranienburg finden am Mo i« tag, den 22. November, statt. Die dritte Wählerllasse wählt von vormittags 10 Uhr bi« nach- mittags 2 Uhr. die zweite von nachmittags 3— 5 Uhr und die erste in den Abendstunden, also zu einer Zeit, die für die dritte Wählerklasse am geeignetsten wäre. Der größte Teil der zur dritten Abteilung gehörigen Arbeiter ist gezwungen, dem Broterwerb in Berlin nachzugehen und kann daher nur unter erheblicher Einbuße des Arbeitsverdienstes das Wahlrecht ausüben. Es scheint System in der ungünstigen Festsetzung der Wahlzeit izu liegen. Man glaubt durch solche Mittel die Sozialdemokratie dauernd aus der Stadt- verordneteuversammlung fernzuhalten. Zu wählen find in der dritten Abteilung vier Vertreter. Unsere Genossen haben seit längerer Zeit eine eifrige Agitation entfaltet, um aller Schikane zum Trotz diesmal die frei werdenden Sitze zu erobern. Aber auch die Gegner unter der Fahne des HansablindeS wenden alle Mittel an, den Plan unserer Genossen zu vereiteln. Die Gegner müssen indessen im Kampfe»nterliegen, wenn sich ani Tage der Wahl die werktätige Bevölkerung Oranienburgs ihrer Pflicht bewußt ist und den Äandi- baten der Sozialdemokraten die Stimme gibt. Die BerlinerParteigenossen bitten wir, ihre Arbeits- kollegen soweit dieselben in Oranienburg wohnen und wahlberechtigt sind, anzufordern, ihr Wahlrecht auszuüben. Wenn dieses geschieht. ist der Sieg uubeduigt unser. Wer Vormittag gezwuugeu ist, zu arbeite», muß t2,40 ab Stettiner Bahnhof mit dem Fernzug fahren. Anfragen find auch zu richten an O. P a r i S, Schützenstr. 12. Auf zur Wahl I Auf zum Sieg! Heute. Sonnabend. 8 Uhr abeirvS. findet im Lokal„WaldhauS", Sandbausen, Schützenstr. 3t, eine öffentliche Wählerversammliing statt. Tagesordnung: Ein letztes Wort an die Wähler der dritten Abteilung. Referent: Stadtverordneter Paul Brühl- Lichtenberg. Nach dem Vortrage freie Aussprache. Wähler der dritten Abteilimg! Zeigt durch Massenbesuch, nochmals, daß Ihr Eure Geschicke in Zukunft in der Stadt- verordnetenversammlung selb st leiten wollt. Das Wahlkomitee. Eiire von etwa 300 Personen besuchte Kommnnalwählerversamm« lu»g hörte am Sonntag im Lokal„WaldhauS" lSaildhaiiseii) ein Referat deS Stadlverordneten Genossen D u p o n l über die Not- iveudigkeil der Sozialdemokratie im Stadtparlament. Neben der Kritik der konimmralen Mißstände Oranienburgs erivähnt der Redner auch die für einen Teil der hiesigen auSivärls arbeitenden Wähler ungünstige auf 10—2 Uhr angesetzte Waylzeil. durch die es einem Teil uumöglich gemacht wird, das Wahlrecht auszuüben. Zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig aiigenoinmeii:„Die veriaminelieii Kommunalwähler verurteilen ganz entschieden die »iiler de» Stadtverordneten Oranienburgs vordaudene Vetternwirtschaft; zugleich legen sie gegen die nngüilstige Festsetzung der Wahlzeil Pioiest ein und fordern die Ailsdehnniig der Woblzeit bis 3 Uhr abends. Endlich verpflichten sich die Versammelten, Mann für Mann den sozialdemokratischen Kandidaten ihre Stimme zu geben." Liibars-Waidmannslust. AuS der Gcmciudcvertrrtersivuug. Seit kurzer Zeit besteht am Orte eine sogcilaiinte Sanitälskolvime, von der man bisher nicht recht wußte, wozu sie eigentlich da ist. Die Mitglieder derselbe» sind nun plötzlich auf den Gedanken gekoiumen. sich Anzüge von zweierlei Stoff zuzulegen. Dagegen wäre an sich nichts einzu- iveilden, wen» die Herren auch kür die Kosten anfkommen würden, aber daran denken sie natürlich nicht. Die Saiiitätskoloiine ist viel- mehr von ihrer Nützlichkeit der Gemeinde gegenüber so überzeugt, daß sie es für selbiiversiändlich hält, daß die Gemeinde die Kosten für die Garderobe übernimnit. Dieselbe Gemeiiidevertleiiiiig, die vor ungefähr fünf Wochen nur lumpige 455 Mark zur AuSrüstulig der»euerbauten Turnhalle übrig hatte, und die Anschaffung von Sprunginairotzen ans Sparsamkeit auf eine spätere Zeil verlegte, bewilligte für die Kleidung der Sanitäts- kolonne 150 M. Die Arbeiter von WaidmannSlust werden bei den nächste» Gemeiildevertreterwahlen nur soläien Kandidaten ihre Stimme zu geben haben, die eS ganz kalt läßt, ob die Sanitäts- kolonne mit oder ohne Livree de» Fackelzug eines etwaigen Feuer- wehrverguügenS mitmacht, der vielmehr ganz energisch dafür ein- tritt, daß derartige Bereinche» nicht von den Steuergroschen der Eimvohuer subventioniert werden. Nowatves. In der lebten Wahlvereinsversammkunz referierte Genossin Wurm-Berlin über das Thema:„Wer bezahlt die neuen Steuern i" Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Der Vor- sitzende forderte zum Abonnement auf„Die Geschichie der Berliner Arbeiterbewegung" sowie zu zahlreicher Beteiligung an ver am 21. November stattfindenden Agitation für unsere Organisation und Presse auf und teilte mit, daß der Vortrags- Zyklus deS Genossen Zubeil über das Parteiprogramm wegen Verhinderung desselben erst im Februar statifiiiden wird. In der Dezember- Versammlung wird Genosse Gruhl über kommunolpolitische Angelegenheiten referieren.— An Stelle deS verzogenen Genossen Hörmann wurde Genosse Hönicke zum Bezirksleiter gewählt.— Da van verschiedenen Genosse», welche Miigiieder des Theatervereins „Volksbühne" sind, in letzter Zeit gegen den BildungSanSschuß und deren Veranstaltungen agitiert wird, beschließt der Wahlverein. daß die Fortsetzung dieses Treibens als parteiickiädigend angesehen werden soll.— Die Abrechnung vom 3. Quartal ergab eine Ein- nähme von 909 M.. wovon 040 M. an den Kreis abgeliefert uild 253 M. am Orte verbraucht wurden. Ter Mitgliederbestand betrug um Schlüsse des 3. Quartals 075 männliche und 40 weibliche Genossen.— Zur Aufliahme hatten sich 30 Genossen gemeldet, ein Erfolg der noch nicht abgeschlossenen Agitation unter den(Bemerk- schaftSmitgliedern. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten ivurde die sehr gut besuchte Versammlung, zu deren Beginn das Andenken des bei einem Betriebsunfall tödlich verunglückten Genossen Stötzel geehrt wurde, geschlossen. Eine treffliche Illustration zu dem Svrickwort:„Wasch mir den Pelz,, aber mach' ihn nicht naß" bildet die in der letzte» Gemeinde- vertreterfitzling beschlossene Ordnung betreffend die Erhebung einer -WertznwachSstener, weshalb wir die wesentlichsten Bestimimnigen derselben hier zilsamineiifasiend wiedergeben wollen. Der Berechnung der Steuer wird die erzielte Wertsteigerung beim Verlauf von Häuser» und Grundstücken zugrunde gelegt. Als Wertsteigerung gilt der Unter- schied zwischen dem Erwerbs- und dem VeräußerungSwert. Der Erwerbs- wert ist der Erwerbsvreis oder der gemeine Wert, für ein vor dem 1. April 1900 erivorbenes Grundstück sein gemeiner Wert am 1. April 1990. Dem Erwerbswert werden hinzugerechnet alle Aufwendungen für Verbesserungen des Grundstücks, die Erwerbskosten bis zu 5 Proz. des Erwerbspreises, bei unbebauten und unbenutzten Grundstücke» außerdem auf höchstens 20 Jahre 4 Proz. jährlicher Zinse» des Er- werbSpreiseS. Die WertzuwnchSsteuer beträgt 5 Proz. de» Wert- Zuwachses, wenn dieser mehr als 3 Proz. und bis zu 6 Proz.; 8 Proz., wenn dieser 6—10 Proz.; 10 Proz., wenn dieser mehr als 10—15 Proz. des Erwerbswertes beträgt. Die Steuer steigt dann in Staffeln von je 1—25 Proz. bei einem Wertzuwachs von je 5— 100 Proz. Die Steuer wird nicht veranlagt, wenn der Wert- zuwachS nicht übersteigt bei bebauten Grundstücken 10 Proz., bei unbebauten Grundstücken 3 Proz. Die Steuersätze ermäßigen sich bei bebauten Grnndsiücken, weim seit dem srü bereu Umsatz mehr als 10 Jahre verflossen find, um 10 Proz. des SleuerbetrageS; sie ermäßigen sich dann weiter um je 1—30 Proz., wenn seit dem Unisatz 11—30 Jahre verflossen sind.— Selostverstäiidlich entspricht diese Steuerordnung in keiner Weise den Anforderungen, welche«vir an dieselbe zu stellen haben. Abgesehen von den viel zu niedrigen Sätzen, welche zur Erhebung kommen sollen, ist dieselbe zum großen Teil noch dadurch unwirksam gemacht, daß man außerordentlich weitgehende Ermäßigungen vorgesehen hat. Bei dieser Sachlage ist es kein Wunder, daß diesem Monstrum von Stcueroronung von den Bürgerlichen die schönsien Loblieder ge- iungen werden; nur ein paar der verbissensten Hausagrarier sind Gegner derselben. Wie hoch der Ertrag der Steuer sei» wird, läßt sich mit Sicherheit nicht voraussagen, da dies von der Konjunktur auf dem Gruudstücksmarkte abhängt. Soviel aber scheint uns sicher, daß die Erträgnisse der Steuer auch in günstigen Zeiten sehr niedrige sein werden, da ja deren Sätze, wie ein bürgerlicher Vertreter sehr richtig hervorhob, von einer anßerordentlichcn Rücksicht auf den mitt- leren und tleiueren Grundbesitz getragen sind. Tpandaw. In der außerordentlichen Gencralversamnilnng deS hiesigen Wahl- Vereins gab zunächst der erste Vorsitzende Genosse S c i o r den Be» richt dcö Vorstandes vom 3. Quartal 09. Wie der Redner miiteilte, ist es auch aus dem Ronnondamm dem Vorstand gelungen, Anschluß zu finden; es wurden in der ersten Zusammenkunst 9 Mitglieder aufgenommen, ferner wurde eine kombinierte Sitzung abgehalten, in der nach einem Referat des Genossen Schniidt-Berlin über die Landarbeiterorganisation eine Kommission, bestehend aus den Genossen R i tz m a n n, Richter, Köppen und Schiefe! gewählt wurde, die die für Spandau in Betracht kommenden Onichaften zu bearbeiten hat. Den Kassenbericht gab der Kassierer Genosse Köppen. Einer Einnnhme von 938,10 M. steht eine Ausgabe von 775 23 M. gegenüber; mithin ist ein Kassenbestand von 102.32 M. vorbanden. Die Mitgliederzahl beträgt inklusive 7t Neua»fuahmen 706. Zur Stadtverordnetenstichwahl bat das Wahlkomitee beschlossen: Für den ersten Bezirk der dritten Abteilung lind sür die zweite Abieilung ist Stimmenthaltung zu üben, während für de» siinften Bezirk die ganzen Kräfte zu'ammenzuziehen sind, um unseren Genosse» am Slichwahltage zu einem glänzenden Siege zu verhelfen. Zu der am 28. November in Spandau statt- findenden Kreiegeneralversammliing wurden die Genossen Max Scior. Emil Schuber» und Emil Stahl delegiert. Als erster Schriftführer für den verzogenen Genossen Paul Glomm wurde der Genosse Nickiard A p p o l d t gewählt. Zum Schluß forderte der Genosse Scior die Genossen aus. die uns noch von der Stadtverordnetenstichwahl trennende kurze Zeit genügend auszunutzen, damit auch Spandau nicht hinter den Siegen der Genosse» anderer Städte zurückstehe. IMk SÄ'1, IS*?'. Herren-Garderoben i Julius JaMan, Ersatz für Maß. x Anfertigung nach Maß. kr. frankfurter Str. 37" Schneider meister, Besichtigung meines großen Lagers ohne Kaufzwang gern gestattet x x x x Tadellose Austütirung. xxxx ii. Ges* Tunnstr. 18 nur I. Etage. kein Laden. am Kottbnger Tor. Nur eigene Konfektion! Wiuter- Paletots und Ulster, modern gestreifte Eskimo- u. Helten- Qualitäten, la Bearbeitung 60,—, 54.—, 50.—, APCn 48,50, 45,-, 38,50, 33.50, /g»U 30,50, iL Jackett-Anzüge, eleg. Fassons, prima RoChaar- Verarbeitung 50,—, 45,—, 48,50, 38, oO, 34,-, 30.50. _ 27,50, iRock- Anzüge 2930 540m0 Gehrock-Anzuge 8650 70�° Vinter-Joppen, la Loden-Sto2e mit Lama- Plüsch und echtem Fellfutter 42.50,37.50. 34,—, 31.50,... 19,50, 17,30, 14,50, 13,50, iwH. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck Tcrboien.) 1U SS8 521«2 ms N» s«» Sl 61 76 loss 202 S10 419 601 60 976 2058<19 666 OOU 602 62 3470 93 626 720 4616 65t 832 43 909[10001 5011 151 507 93 460 624«017 [1000] 150'6 27» 67 96 066 996 7l3t 4S 97 351 71 457 1900] 797 8080 95[1000] 179 257 503 647 869 916 IMO] 0 087 111 357 C 19 619 10016 318 923 60 11927 57t fSOO] 738 55 12008 581 13063[500] 179 29t 468 579 631 SO 716 1 4064 186 201 373 49) 93 513 83 61 61 77 1 5097 137 228 515 861 1006« 109 75 333 678 1 7309 321[600] 4.30 655 819[1000] 2t 010 18124[lOOO] 36 235 807 971 13098[1000] ISO SOS t36 «19 778 906 19 78 20010 97 lt? 611[1000] OOS 6-5 3101(4 359 69 331 49« 769 94[500] 22183 333 580 6.38 SCU 28013 16 33t 29 Ml 8118»09 21083 289 473 38 866 2 5 019 158 255 380 55 67(10001 490 2603.1 107[6G00] 233 94 95 463 514 706 659 098 27101[1000] 583«66 61 732 57 873 2 6063 617 35 M 60 439 5:1 6.1 83 786 851 29013 166 6» 700 601 931 30112[ 600] 445 46 707 664 65 94» 3 1253 466 794 (500] 635 3 2177 370 491 530 81 810 90 911 3 3019 353 50 434 67 4 674 913 14 8 7 56 3 4 219 303 77 90 96 573 831 35213 306 436 670 635 93 3 6103 31 318 498 503 81[5001 953 56 3 7139 42[1000] 235 839[1000] 54 610[ 4000] 814 96t 38 375 467 599 66« 8t 805 43 996 3 9050 69 161 341 53 57 457 TOS 839 4O03« 409[500] 14 513 700 882 41193 StS[1000] 572«36 11000] 76 855 71 42 360[500] 691 833 014 4 3 067 414[8000] 23«10[5001 85 4 4056 165 334 44 89 816 775 [500] 808 4 5175 4 7968 4 8003 369 406 79 576 830 93 900 6 49)35 83 86) 50313 40» 810 51 148[500] 215[600] 27 514 667 741 52 185 603 720 813 53089 237 317[1000] 611 710 81 [3000] 54131 83 6)0 9.3 5 5 056[500] 176 230 343 94 433 610 56 763 815 93 009 61 5 6050 56 217[1000] 54 887 46? 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Ki. 221. Kgi. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 19. November nachmittAgs, Nur die Gewinne Uber 240 Mark«ind den betreffen- dca Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 79[3000] 147[500] 250 SOS 47»»54 1084[500] 85 832 78 340 753 65 74 229« 535 883 3109 706 4 008 470 »97 5358 594«12 869 82 84 989 6139«9[1000]»8 304 436 DO) 90 938 7 4 7491 528 60« 41 780 8359«1 587 769 0356 650 805 OOS 10123 68 211 858 417 92 705[3000] 25 955 llOI« SO» JlOOO] 48« 541«81 32[1000] 778 1 2065 276 341 500 25 13041 9« 133 301«96 817 1 4229 318 410 83«60[ 500] 60 08 742[500) 44»14 06 15US 45 Isoo] 500(1000] 782 1 0138 64 330 617 752 1 7050 294 814 609 24 990 18611 18 42« 80 557»0« 10128«21 412 70«09»5 755 2 0 442 588 663 f!1 922 2 1 021 562 848 56»41 22024 285 350 506 97 93« 23292£06 443 5*3«86 813»06 23 240-8 275 5C0 660 972 25001 93 894 26112 250 551«45 775(10601 94 808 2 7018[1000] 51« 81[1000] 702 50 llOOOl 880 2 8*22 121 242 478 83 530[500] 81 45 5« 604[500] 768 20142«0«[500]«4«6 81 3035» 98[1000] 478«62 131 02« 39 3 1 37« 507(1000] »5«48 982 3 2152 214 32(?.00«]«1 81(50*1 97 42«(3200] 605[ 4000] 15«08 100[ 3000] 8» 33*8« 481 803 84 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Sämtliche Betriebe in den Orten Luttenwalde, Rathenow und Magdeburg. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- industrie das Vermittelungsbureau deS gelben„Handwcrterschutz- Verbandes' streng zu meiden. Die Orrsvcrwaltuug. Achtiing! Kanlirbkiter! Wegen Streik in Lurtenwalde stirb folgende Baute» für Gin- fetzer gesperrt: Firma Zkeuinnnn: Eharlotrenburg, Suarez- und Pestalozzistr. Ecke. BeScknce. Mindeiier Str. stlmtsmanii. Firma»1111?: Dernburgstr. Li». Waitzftr.»l. Lchönlck». Berlin. Seneielder Srr. Fahl. Firma Genoffenschaft, Luckonlvulde: EHarlottenburg, Philippistr. S. Baahor». Kaiser- Fricdrich-Strafte 16. Bau Heinrich. Witzlebenstr. 1. 3. 33. 3S. Ilor Ganvomtund. Für den gnseratenteil verantw Tb. Glocke. Berlin. Druck u. B-rlag-PorwärtsBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& So.. Berlin SW, Nr. 27!. ZK. Jahrg. Kkilaft dcs Lsmäck"> Anzchkii st SRt» mi> Wch«. 20, November 1909. Torort- J�achncbtcn. Britz-Buckow. „Vom Urtier zum Mknschcn" lautete daS Thema, über da? Ge- noile M. H, Baegc in der letzten Vcrsanmilimg des WahlvereiiiS referierte. Als Bertrauensperfon in die Kinderläuitzkomiiiission wurde ftrau Abrcns gewäblt. Als Delegierte zur Kreis-Geueral- verlamurlung wählte die Versammlung die Ge» offen Duinke und Raatz. Rixdorf. Mit dem preußischen Parteitag beschäftigte sich am Dienstag eine Versmniulimg des sozialdemokranschen Wahlvereins. Der Referent Paul Hirsch besprach die Gegeiistäude. welche auf der Tagesordnung des Parteitages stehen. In besonders ausführlicher und iustnilliver Weife behandelte der Redner den Entwurf des Koin- munalprogrammS. Nach der Erörterung der gleichfalls auf der Tagesordnung des Parteitages stehenden Wablrechtsfrage schloß Ge> nosfe Hirsch seinen beifällig airfgenonunenen Vonrag mit dem Hin- weis auf die große Bedeutung unseres WahlrechtSkampfeS. ES scheine— sagte er— als ob unsere Wadlrechtsbewegung in Preußen ollniäblich abflaue. DaS dürfe aber nicht ge- schehen. DaS Volk müsse wach gehalten werden. eS müsse ihm stets vor Augen geführt werden, wie entrechtet eS ist. Unsere Gahlrechtssordernngeu würden nicht crsüllt werden, wenn nicht die Wahlrechlsbewegung mit aller Energie geführt werde. Keine Ge- legenheit dinften wir vorübergehen lasten um machtvoll für ein freies Wahlrecht zu demonstrieren. Eine solche Gelegenheit biete der preußische Parteitag. Dem Vortrage folgte eine rege Diskussion. Genoste Neu- mann forderte, daß i» unserem Kommunalprogramm eine Reihe von Forderungen ausgenommen würden zu dem Zweck, die Ge- meinden zur Bekäiupfung des AlkoholiSinuS zu veranlassen. Unter anderem solle von den Gemeinden verlangt werden, daß sie Trinker- Heilstätten, VersaminlungSräume, Speiiehäilser ohne Trnikzwang, alkoholfreie Trinkhallen errichten, Triukbruiiilen anlegen. Von der Gesetzgebung solle gefordert werden, daß den Gemeinden das Recht gegeben werde, de» Ausschank alkoholischer Getränke im Genieinde- gebiet ganz zu untersagen. Der Redner beantragte: Der preußische Parteitag möge im Koinmunalprogramm Forderungen aufuehinen, welche die Gemeinden verpflichten, geeignete Maßnahmen zur Be» kämpfung des Alkoholismu« zu treffen. Genosse R e tz e r a u stellte den Antrag: Zum Zweck der Er- langung eineS freien Gemeindewahlrechts haben unsere Vertreter in den Gemeindekörperschasten möglichst zu gleicher Zeit in den einzelnen Gemeinden Anträge zu stellen, welche die Erlangung des allgemeinen. gleichen, direkten, geheimen Wahlrechts für beide Geschlechter zu den Gemeindevertretungen fordern. Genoste Späthe trat für die energische Durchführung unseres WahlrechtSkampfeS ein. Hirsch sagte zu dem Antrage und den Forderungen des Ge- noffen Neuinann: Es handle sich um die Aufstellung eines kam- munalpoliiischen Programms, aber nicht um die Schaffung eines Aktionsprogramms für die Abstinenzbewegung. Die letztere sei ganz gut, aber sie neige zu Uebertreibungen. Wie die Partei zur Alkoholfrage stehe. daS habe der Nürnberger Partei- tag durch seinen Beschluß bekundet, welcher besagt, daß durch Verbreitung an Bildung und Ausklärung unter den Arbeitern dem Alkoholismus am besten entgegengewirkt werde. Der Entwurf deS Kommunalprogramms enthalte eine Reihe von Forderungen, deren Erfüllung auch zur Bekämpfung des Alkoholismus beitragen werde, wenn daS auch nicht ausdrücklich gesagt sei. Die von Neu- mann vertretenen Forderungen gehören nicht in ein kommunal- politisches Programm. Bei aller Anerkennung der Abstiuenzbeivegung dürsten wir diese doch nicht zur Hauptsache unserer Parleitätigkeit machen. Die Versainmlung lehnte den Antrag Neumann ab und stimmte dem Antrage Retzerau zu._ Vermisch res. Pfeilgift und Liebe. Eine merkwürdige Giftmordaffäre be- schäftigte, wie aus Prag geschrieben wird, die dortige Polizei. Vor einer Woche erhielt ein Prager Einwohner mit seiner täglichen Zeitung einen Brief, der durch einen Zufall in die Zeitungen hineingeraten war. Der Brief trug die Adresse: Katharina Nemecek, Karolinenthal, poste restante. Der falsche Empfänger öffnete den Brief und ersah, daß ein Dr. Eduard Kohn, Assistent an der Unter- suchungsanstalt für Lebensmittel in Czernowitz, ein Gift in Pulver- form präpariert habe, das innerlich nicht wirke, dagegen tödlich sei, wenn es auf eine Wunde gebracht werde. Dr. Kohn gab der Adressatin gleichzeitig genaue Anweisungen über die Verwendung des GifteS. Der Inhalt des Briefes deutete auf ein Verbrechen. Die Polizei traf sofort Maßnahmen, und bald darauf erschien bei der Post in Karolincnthal ein junger Mann, der den Brief ab- heben wollte. Er wurde verhaftet und erklärte, daß er den Brief für die Gastwirtin Katharina Kral abheben sollte, die seit einem Jahr ein Liebesverhältnis mit dem Assistenten Dr. Kohn unterhielt, der vor einiger Zeit von der Prager Technik nach Ezevnowitz versetzt worden war. Frau Kral wurde verhaftet und gestand, mit Dr. Kohn, einem Sohne des Besitzers des Hauses, in dem ihr Mann die Gastwirtschaft betreibt, ein Verhältnis unterhalten zu haben. Auf Ersuchen der Prager Polizei wurde Dr. Kohn in Czernowitz verhaftet. Er legte ein umfassendes Geständnis ab und bekundete, bei der letzten Zusammenkuiift in Dresden habe seine Geliebte ihn um Gift gebeten, um ihren Mann auS dem Wege zu räumen. In Praktikant außerhalb des GerichtSsaaleS den gläsernen Knopf als Standesabzeichen im Gesicht anbringen, im Gerichtssaal ist das nicht nötig. Wo kämen wir da auch hin? Ich kenne Richter und Staatsanwälte, die außer Dienst cL nicht verschmähen, die kurze Wichs zu tragen. Aber keinem ist noch eingefallen, diese Vorliebe auch im Gerichtssaal anzudeuten und den Gamsbart ans Barett zu heften._ Schneeverwehungen. Aus Minsk wird gemeldet: In hiesiger Stadt und Umgebung herrschte ein fünftägiger heftiger Schneesturnu Die Schneeverwehungen verursachten Störungen im Bahnverkehr. Auf der Strecke Minsk— Fanipol konnte der Moskauer Eilzug nicht weiterkommen, stand sieben Stunden tm Schnee und mußte zurückkehren. «meltckier Marktvertckrt der Nädtlliben Minklballen-Direktion über den Großbandcl in den Zenwal-Mnrktdnllen Marktlage: Fleisch: stulnbr genügend, Gelchäii rege, Preis« unverändert. Wild: Zufuhr knapp, iticichätt lebhast, Preise gut. Gellüael: Zufuhr genügend, Veichäsl rege, Prelle gut. stilche: Ziisuhr in Zeesischc» reichlich.>L>c«chäst ziemlich lebhaft, Preise sür Flutzsischc anziehend, für Seefbche niedriger. ö u l l e r und Kaie: Geschalt ruhig. Preüe unverändert. Gem» e, C d fi und S ü d s r u ck I e: Zniubr genügend, Geschäjt anfangs still, ipäter lebhafter, Preise wenig verändert. der Wohnung Dr. KohnS wurde das gefunden. indische Pfeilgift Curare DaS GlaSauge. Wir lesen in der„Münchener Post": Draußen in der Au war's; ein nüchterner Gerichtssaal mit nackten Wänden, der Amtsrichter in Robe und Barett, ein paar Rechtsanwälte in dunklem Anzug, denn für sie besteht in der Au noch kein Robenzwang, die Parteien und ein paar Zuhörer; das war das Milieu. Fehlt aber noch die Hauptperson, der protokollführende Rechtspraktikant: hoher Sieb- kragen, schwarzer Rock, Hose mit Bügelfalte und im Auge ein Monokel. Die kleine Glasscheibe glänzte und funkelte, wenn der Rechtspraktikant den Kopf drehte; da aber das gläserne Ding nicht recht zu halten schien, trug der Protokollführer krampfhaft den Kops aufrecht, damit das Monokel nicht herabfiel.?lb und zu schielte der Amtsrichter zu seiner gesctzkundigen Schreibhilfe hinüber, als hätte auch cr Angst, es möchte der Rechtspraktikant die Balanze verfehlen und das GlaS zur Unzeit abstürzen. Ich saß im Zu- Hörerraum und dachte, während der Protokollführer mit seinem Kopf Gleichgewichtsübungen machte, über das Monokel nach. Es ist daS Abzeichen höheren Ranges, ähnlich wie der Sergeantenknopf. Nur trägt der Sergeant den metallenen Knopf am Kragen, während dort der Rechtspraktikant seinen gläsernen Knopf vor dem Auge einklemmte, um so eine Verwechselung mit einer niederen Menschen- schicht zu vermeiden. Trotzdem wollte mir die Anwendung de? Glasauges im Gerichtssaal nicht recht einleuchten. Der Rechts- Praktikant saß doch auf erhöhtem Podium rechts neben dem Amts- richter und kein Mensch konnte ihn darum für �den Amtsdiener halten, der die Akten herbeizuschleppen hat. Mag der Herr Rechts- Wttternnasve'eriiw» voi» IS. November moeaen« S llbr. «tatwnen iE, 1 1~ Setter SZ S ' S! 764fflAW 767 WNW 765 N 767 N 766 NO 765 W «vettervrognose Ei» wenig ir'-nier nehmender Bewo..mig »wm-mve dambiwp berlir. (Jutnfi.a!l>! München W'tn 3 wolkig s" h2> W S: A=£ Stationen 1 2 5= x «-? I I£>iiparaii6n 751 NO 2 wölken!— 3 Petersburg 763 D SD 2beitcr ,—1»nllB «beroeen 760ONO 769 WNW 762 D l 2 bedeckt 1 bedeckt 6 wolkig 1 bedeckt 4 wolkig -8 —11 { 8 8 i 0 4 wollig—1 5 bedeckt— 2 IWtni 2 bedeckt Ol kür Sonnabend, den 20. November 1009. bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden mid zw ohne erhebliche Niederschläge. Berliner 52 e t t e r b u r e a n. Ssnlferitands-Nacti richten der LandeSansialt>ür«ewällertunde, mitgeteM Berliner Wetterbnreau. Wasserstand Vi e m« l. Tllsst v r e g e l, Jnsterbnrg W e i ch l e l. Tborn Oder. Ratibor , Kronen , Frankiurt Warthe, Sckrimm , Landsberg Netze, Lordamm Elbe, Lclmieritz , Dresden , Bardo , Magdeburg •)+ bedeutet Wuchs.— stall.—•) llnierpeget. In der Memel und dem Pregel weiteres treiben. Gründet«- Um l Sie drslicheo Ihr Geld nicht in groMein Mafistabe meinem ausgedehnten Kundenkreis liefern zu können, habe ich nach beendeter Stoffsaison in den ersten Lausitzer und Aachener Tuchfabriken grosse Mengen moderner Winterstoffe billig aufgekauft und diese in eigenem Betriebe aufarbeiten lassen. Nur dadurch bin ich imstande, untenstehende Angebote herauszubringen, die die Beachtung jedes Warenkenners verdienen. ■ Winter-Paletots w* i; Winter- Ulster 65, 60, 55, 50, 43, 38, i C 34, 29, 25, 22, 18, M. 60, 50, 45. 40. 36, IQ 31, 28. 23, 20, lO M. I Winter-Joppen 25, 21, 18. 15, C 12, 10, 3. 7. UM. WinterBeinkleider 350 Me 20, 18. 16, 14, 12, 10, 8. 6. 5, 4, von ilrdeitersekrctär Rud. 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