Mr. S7Ä. flbennemcntS'Bedingungen: ftBonnemenlä. Preis pränumerando: Lierteljährl. 330 SKt., monal!. 1,10 Mr., wöchenllich 2a Pig. frei ins HauS. Einzelne Siununer 5 Pfg. EoimtagS- Nummer mit illuilrierrer ConnlagS« Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Nburaiemenl: 1,10 Marl pra Maua t. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland l! Marl pro Monat. Postabonneuients nehmen an: Belgien, Dänemark, .Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, NuBiänieri, Schweden und die Schweiz, 26* Jahrg. Crfficint täoiiiS außer oiontaji. Verlinev Volksblatt. Die TntertionS'Gcbiibr Beträgt für die scchsgespaltene Kolonel« geile oder deren Liaum K0 Pfg., für politische und gewerlschaslliche Lereins- und Vcrsammlungs-Anzcigcn M Psg. „Meine ZZnrcigen", das erste fsclt- kedruSie) Wort 20 Pfg., jedes wcilere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- siellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Warle. Inserate für die nächste Numnier Müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditioil ist piS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SezialiU&ldkHt Sfriia". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8Al. 68, Lindcnstrassc 69 Fernsprecherz Amt IV, Nr. 1983. Oer vorentwutt zum neuen Straigeletzduck. f» in. i Der Entwurf zerfällt ebenso wie das geltende Straf- gesetzbuch in einen„A l l g c in c i n e n T e i l", der die auf alle Straftaten, auch auf die außerhalb des Strafgesetzbuchs dehandeltcil, bezüglichen gemeinsamen Bestimmungen zu- sammenfaßt, und einen„Besonderen T e i l", der die einzelnen Straftaten aufführt. Ter„Allgemeine Teil" des Entwurfs umfaßt die 88 1 bis 99, während er iin geltenden Strafrecht nur 79 Paragraphen zählt. Der„Besondere Teil" leicht von 8 199 bis 8 919, während er im geltenden tstraf- gesetz mit 8 89 beginnt und mit 8 379 schließt, also 89 Para- araphen länger ist. Die Verkürzung beruht teilweise auf einer etwas glücklicheren, knapperen Redaktion, teilweise aber auch auf der von den Autoren des Entwurfs so gerühmten „Elastizität" seiner Bestimmungen, von denen jetzt oft eine ein ganzes Bündel von Einzelparagraphcn ersetzt. Dies trifft besonders auf die politischen Straftaten zu. Von den 19 Abschnitten des„Allgemeinen Teils" dürften, von Einzelheiten abgesehen, wohl nur diejenigen über Strafen und Strafbemcssung auf allgemeines Interesse rechnen. Die übrigen haben niehr theoretische Bedeutung: sie sind fast alle Kompromißresultate. Der Entwurf hält an der unmotivierten, dem alten docke pcknal Napoleons entnommenen Einteilung der Straf- taten in Verbrechen, Vergehen und Uebertrewngen, je nach der Höhe der angedrohten Strafe, fest. Einer allgemeinen Forderung hat der Entwurf stattgegeben, indem er die Fälle der verminderten Zurechnungsfähigkeit be- rücksichtigt hat. Die Art, wie er dies getan hat, kann freilich nicht befriedigen. Es soll hier gar nicht von der unglücklichen Definition der verminderten Zurechnungsfähigkeit als„ver- minderter freier Willensbestimmung" gesprochen werden. keinesfalls aber kann es als eine befriedigende Lösung an- gesehen werden, wenn diese Halbkranken mit denselben Strafen belegt werden wie die Gesunden, nur mit Milderung bezüglich der Dauer. Wenn 19 Jahre Zuchthaus keine ge- eignete Strafe für einen vermindert Zurechnungsfähigen sind, so sind es 6 Jahre Zuchthaus auch nicht. Hier ist viel- mehr statt der Strafe die Unterbringung in eine modern zu leitende Heilanstalt anzudrohen. Das würde aber dem sozialen Empfinden der Väter des Entwurfs arg wider- sprechen, die emphatisch versichern(S. 233 der Begründung), daß Strafanstalten keine Kuranstalten seien. Was von unseren deutschen'Strafanstalten sowohl aus gesundheitlichem wie auf moralischem Gebiete wahrlich niemand behaupten kannl Wenig will es da verschlagen, wenn im Entwurf eine Berücksichtigung des Geisteszustandes der vermindert Zurech- nungsfähigen in den Strafanstalten gefordert wird. Eine halbe Maßregel ist auch die Heraufsetzung der S tr a f m ü n d i g k e i t s g r c n z e auf das vollendete 14. Lebensjahr. Unser geltendes Strafgesetzbuch schickt be- kanntlich die Kinder schon mit 12 Jahren ins Gefängnis. Mit welch glänzendem Erfolge zeigt die Zunahme der Rück- fallskriminalität der Jugendlichen unter dem geltenden Strafgesetzbuch. Selbst ein bürgerlicher Kriminalpolitiker, Professor v. Liszt, kann nicht umhin, in seiner Schrift„Die Kriminalität der Jugendlichen" zu erklären:„Wenn ein Jugendlicher ein Verbrechen begeht und wir lassen ihn laufen, so ist die Wahrscheinlichkeit, daß er wieder ein Verbrechen be- geht, geringer, als wenn wir ihn bestrafen." Für solche Resultate der Strafrechtspflegc gegen Jugendliche ist wahr- lich das Wort„Bankrott" noch eine Beschönigung. Jährlich werden bei uns mehr als 99999 Jugendliche vom 12. bis 18. Jahre vor Gericht geschleppt, mehr als 59 999 werden jährlich verurteilt, davon mehr als die Hälfte zu Gefängnis! Ein grauenhaftes Zeichen der Verständnislosigkeit unserer herrschenden Klassen gegenüber sozialen Problemen. In allen ärztlichen und kriminalistischen Kreisen ist man sich darüber einig, daß bei Kindern unter 15 bis 16 Jahren Verstand und Charakter regelmäßig nicht hinreichend entwickelt sind, um bei ibnen von irgendeiner Schuld im strafrechtlichen Sinne sprechen zu können. Dementsprechend hat auch die„Jnter- nationale Kriminalistische Vereinigung" ursprünglich die Forderung aufgestellt, daß Kinder unter 16 Jahren nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden dürften. Die Bestimmung der Strafmündigkeitsgrenze im Entwürfe kann also nur als eine Halbheit angesehen werden. Ein Nückschrit aber ist es. daß der Entwurf die Zeit der r e l a- tiven Straf Mündigkeit beseitigen will. Bisher wurde ein jugendlicher(12 bis 18 Jahre alter) Uebeltäter nur dann bestraft, wenn er die zur Erkenntnis der Straf barkeit erforderliche Einsicht bei Begehung der Tat besessen hat. Gewiß ist diese Regelung insofern tadelnswert, als sie das Hauptgewicht auf die VerstandeSmfe statt ans die Charaktcrrcife legt. Sie ist auch in der Praxis der Gerichte meist ein toter Buchstabe geblieben, da durchschnittlich bei 96 Proz. der Jugendlichen die erforderliche Einsicht bejaht worden ist. Nach dem neuen Entwürfe soll jeder Jugendliche über 14 Jahren ohne Rücksicht auf seine Charakter- und Ver- standesreife strafbar sein. Seltsam, welch hohe Meinung hier auf einmal der Gesetzgeber von der Einsicht der deutschen Expedition: 8vll. 68» �.indenstrasse 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Jugend hat. Derselbe Gesetzgeber, der den Personen unter 25 bezw. 24 Jahren jede Einsicht in die politischen Verhält- nisse und damit jedes politische Recht abspricht, hält einen 14jährigen Knaben unter allen Uinständen für reif, die Strafbarkeit aller möglichen Straftaten zu erkennen! Ein Fehler des Entwurfs ist es auch, daß er den ermäßigten Strafrahmen für Jugendliche, ebenso wie das geltende Recht, nur bis zum 18. Lebensjahre zulassen will, statt bis zum 29. oder 21. Von sonstigen Abänderungen des„Allgemeinen Teils" wäre noch zu erwähnen, daß der Richter befugt ist, beim Versuch einer Straftat in besonders leichten Fällen von Strafe abzusehen. Diese Bestimmung gilt in gleicher Weise für die Fälle der verminderten Zurechuungs- fähigkeit, der Beihilfe zur Straftat und für die Delikte Jugendlicher. Ferner darf die Bestimmung sympathisch be- grüßt werden, daß es ausgeschlossen sein soll, daß durch Vor- nähme richterlicher Handlungen, Steckbrieferneuerungen usw., die V e r j ä h r u n g s f r i st ins Grenzenlose erweitert werden kann. Die Verjährungsfrist soll vielmehr stets spätestens nach Ablauf der doppelten ursprünglichen Ver- jährungsfrist enden. Das Hauptinteresse an den Bestimmungen des„All- gemeinen Teils" nehmen natürlich die Abschnitte über Strafen und Strafbemessung in Anspruch. Sie umfassen auch mehr als die Hälfte seiner Paragraphen(54 statt 29 im geltenden Strafgesetzbuch). Ohne daß bestritten werden soll, daß einige nicht unwichtige Verbesserungen vor- banden sind, muß im allgemeinen doch die vorgeschlagene Regelung als eine durchaus bekämpfenswerte bezeichnet werden. Gleich das erste Hauptwort des Entwurfs zeigt den Geist des Entwurfs: es weist auf die T 0 d e s st r a f e hin, die, wie bereits erwähnt, auch künftighin als Strafmittel bleiben soll. Ueber die Barbarei der Todesstrafe noch Worte zu verlieren, dürste überflüssig sein. Schon dos eine Wort„Justizmord" müßte jeden empfindenden Menschen vor der Anwendung eines derartigen irreparablen rohen Strafmittels zurück- schrecken. Zwar müssen die Väter des Entwurfs zugeben,, daß die neuen Strafgesetzbücher von Italien und Niederland, Nor- wegen und der Schweiz ohne Todesstrafen auskommen, sie haben jedoch dafür die Genugtuung, sich auf das Vorbild so hochkultivierter Staaten wie Rußland, Bulgarien und Kroatien berufen zu können, die in ihrem neuen Strafgesetze die Todesstrafe beibehalten. So glorreiche Vorbilder veran- laßten die Kommission, sich, wie sie ausdrücklich hervorbebt, „mit Entschiedenheit"(Begr.-S. XII) für die Todesstrafe auszusprechen. Freilich eine Abänderung hat die Todesstrafe im Ent- Wurf erlitten: sie ist aus einer Strafe für gemeine Ver- brccher zu einer solchen hauptsächlich für politische Ver- b r e ch e r umgestaltet. Für Mord, aus den bisher nur Todes- strafe stand, ist im Entwurf bei Vorliegen mildernder Umstände die Verhängung von Zuchthaus zugelassen. Hingegen ist auf die schwersten Fälle des Hochverrats die ab- solute Androhung der Todes st rafe beibehalten. Während aber jetzt die Todesstrafe nur bei Mord oder Mord- versuch am Kaiser, an dem eigenen Landesherrn oder an dem Landesherrn des Aufenthaltsstaates angedroht ist, soll sie in Zukunft nach 8 199 des Entwurfs bei jedem Angriff auf das Leben gegen irge 11 deinen Landes- fllrsten oder Regenten eines Bundes st aates obligatorisch sein. Die Worte„Angriff auf das Leben" bieten richterlichen Jnterpretationskünsten den weitesten Spielraum. Daß hierunter auch Taten, die ohne U e b e r I e g u n g ausgeführt sind, fallen, wird in der Begründung ausdrücklich hervorgehoben. Wenn man bedenkt, daß neuerdings die Be- leidigung durch die Presse, wenn sich der Beleidigte darüber krank geärgert hat, als Körperverletzung bestraft ist, erscheint es nicht ausgeschlossen, daß ein sindiger Staatsanffialt in einem derartigen Artikel auch mal einen todeswürdigen An- griff auf das Leben der in dem genannten Paragraphen geschützten Personen erblickt, zumal unter Anwendung des ja jetzt, wie bereits erwähnt, gesetzlich sanktionierten Eventual- Vorsatzes! Natürlich bleibt auch die im Sprcngstoffgesetz(sogar bei fahrllässiger Tötung!) und im Sklavcnraubgesetz angedrohte Todesstrafe. Ebenso bleibt auch die Bestimmung des 8 4 des jetzigen Einführuugsgcsetzcs zum Strafgesetzbuch, wonach in denjenigen Teilen des Reiches, die in Kriegs- zustand erklärt sind, auch bei weniger schweren Fällen des Hochverrats und bei gemeingefährlichen Delikten Tödesstrafe zulässig ist. Von Freiheitsstrafen kennt der Entwurf: Zucht- haus, Gefängnis und Haft. Die F e st u n g s h a f t, von welcher die Begründung(S- 53/541 anerkennen muß, daß sie„ein Klasfenprivilegium",„eine Bevorzugung der höheren Stände" sei, wird durch die gewöhnliche Haft ersetzt. Wenn wir bedenken, welche Freiheiten z. B. ein prinzlicher Mörder, wie Prinz Arenberg, sogar im Zuchthause genoß, sind wir wohl auch berechtigt anzunehmen, daß durch die nominelle Beseitigung der Festungshaft an dem„Klassenprivilegium" der „Bevorzugung der höheren Stände" beim Strafvollzug wenig geändert tverden würde. Bekanntlich gibt es jetzt im Deutschen Reiche ziemlich ebenso viele Strafvollzugsgesetze, als es Straf anstalten gibt. Jede Anstalt hat ihre eigene A n st a l t s- 0 r d u ung, die gewöhnlich so gut wie alles in das will- kürliche Ermessen der psychologisch wie kriminalistisch meist gänzlich ungebildeten Beamten stellt. Die Kommission hat ein paar Allgemeinheiten zur„tunlichsten" Berück- sichtiguNg in den Strafanstalten in den Entwurf ein- gestellt und glaubt, daß auf diese Weise das längst allseitig geforderte Strafvollzugsgesctz„allenfalls entbehrlich" gemacht sei. Das Gegenteil ist natürlich der Fall l Wie dringend notwendig eine gründliche Reform unseres Strafvollzugs wäre, beweisen schlagend die ständig lvachsenden Zahlen der rückfälligen Verurteilten. Auf diese allein entfällt das numerische�lnwachsen der Verurteilten. Daß jemals ein Ver- brecher gebessert unsere Gefängnisse oder Zuchthäuser verlassen habe, wird mit Recht als ein Märchen bezeichnet. Eine ganz unglaubliche Barbarei leistet sich der 8 18 des Entwurfes. Er sieht nach österreichischem Muster Schärf ungen der Gefängnis- und Zuchthaus- strafen vor, die den Aufenthalt in der Anstalt zur Folter- qual machen sollen. Diese Schärfungen sollen nicht nur zu- lässig sein, wenn die Tat von besonderer Roheit, Bosheit oder Verworfenheit zeugt, sondern auch, wenn nach den Vor- bestrafungen des Täters anzunehmen ist, daß der gewöhnliche Strafvollzug auf ihn nicht die erforderliche Wirkung aus- üben werde. Da der letzterwähnte Fall auf sozial- demokratische Preßsünder und Streik sünder meist zutreffen wird, hätten die herrschenden Klassen im 8 13 ein famoses Mittel, ihr Mütchen an den verhaßten Vor- kämpfcrn der Arbeiterklasse zu kühlen. Die Begründung meint zwar(S. 85), die Besorgnis, die Schürfung könne zu- mal in den Zeiten erregter Parteikämpfe mißbräuchlich verhängt werden, sei haltlos, der Paragraph sei nicht aus Ver- urteilte wegen sogenannter politischer Vergehen gemünzt. Man. wird gut tun, dieser Behauptung mit der gehörigeu Dosis Skepsis gegenüberzustehen. Die Schürfungen bestehen darin, daß der Verurteilte jährlich dreimal auf die Dauer von je vier Wochen g e- minderte Kost und harte Lagerstätte erhält. Jeden dritten Tag fallen die Schärfungen fort. Diese Schärfungen, die im Urteil angeordnet werden, sind sowohl bei kurzen wie bei langen Strafen zulässig. Der Dunkel- a r r e st ist nach der Begründung deshalb nicht gleich- falls als richterliches Strafschärfungsmittel im§ 18 erwähnt, um ihn als Mittel zur disziplinaren Bestrafung zur Verfügung zu halten. Die Schärfungen sind also viel schwerer, ihr Anwendungsgebiet ein viel weiteres, als es bei der gleichfalls auf eine Strafschärfung hinzielenden Regierungsvorlage von 1892 der Fall war. Ihre Aufnahme in das neue Strafgesetz hieße die Barbareien des militärischen Strafvollzugs auf den bürgerlichen Strafvollzug übertragen. Ihre Wirkung wäre, abgesehen von ihrer Anwendung auf die politischen Gefangenen, die Gefangenen noch mehr gegen die Gesellschaft zu erbittern sowie ihre Fähigkeit nach redlichem Erwerb zu mindern und so die Zahl der„unverbesserlichen Verbrecher" künstlich zu vergrößern. Den Reaktionären freilich wird durch diese grausame Be- stimmung wohl die Zurückweisung, welche die Prügelstrafe und die Deportationsstrafe in der„Begründung" erfährt, schmackhaft gemacht werden. Sie Miiisitlee attf dem liiartche! Wie auf allen Gebieten, so bewährt sich auch auf dem militärischen die Tatsache, daß die Sozialdemokratie die Vorkämpferin und Bahnbrecherin des Fortschritts ist. Seit Jahrzehnten bertrat die Sozialdemokratie namentlich in Deutschland allein die Forderung, daß unser stehendes Heer mit feiner mehrjährigen Dienstzeit, mit seiner Erstarrung im ödesten Ganraschendrill, seiner Entfremdung des Volkslebens, ja seiner Gegensätzlichkeit dazu, seinem stumpfen Kadavergehorsam ersetzt tverden müsse durch die M i l i z a rm e e mit kurzer Dienstzeit, aber um so sorgfältigerer Schulung für den Dienst vor oder nach der Dienstzeit. Alle Gamaschenknöpfe spotteten über diese Idee, Krieger- vereinter und Reserveoffiziere rissen die fadesten Witze über die Schweizer Miliz, ja sogar ein revisionistischer Parteischrift- steller fand sich in der Person Max SchippclL dazu berufen, gegen die sozialistische„Milizschwärmerei" die abgestandesten Argumente des preußischen Zunstmilitarismus aufmarschieren zu lassen! Aber die Vernunft bohrt sich schließlich doch durch, trotz aller böswilligen Anfeindungen und aller Verständnislosigkeit ihrer Widersacher. Nachdem in einem angesehenen sran- zösischen Militärschriftsteller, 6) a st 0 n Hoch, in Frankreich der Idee der Miliz, des wirklichen Volksheeres, ein energischer Vorkänipfer erstanden war, ist nunmehr in der Person des Oberst a. D. Gaedke auch in Deutschland, wo lange Zeit außer Bebel nur Karl Blcibtreu für die Ersetzung unseres Militarismus durch das Volksheer eingetreten war, der Milizidee ein sachkundiger und streitbarer Kämpe erstanden. Oberst Gaedke ist aber nicht nur selbst ein Anhänger der Milizidee, sondern er ist auch in der Lage, auch das Zeugnis anderer deutscher Militärs von Fach für die Miliz anzuführen! Herr Gaedke schreibt ini„Verl. Tagebl.": „Schon wiederholt habe ich auf die Leistungen des Schweizer Milizheere» hlngelviesen. Bekanntlich besitzt dieses nur ein ganz geringes Personal an Berufssoldaten, die de»' Namen.Jnstruktoren" führen. Es sind nicht ganz 200 Offizier st ellen und rund 6V Unteroffizier st ellen, verhältnismäßig etwa der achte Teil der Zahl an Offizieren und der acht- zig sie Teil der Zahl an Unterofsizieren, wie sie in Deutschland etatsmäßig ist. Der einzelne Milizsoldat, der auf den Schulen bereits militärischen Unterricht erhält, muß im 20. Lebensjahre ssofern er brauchbar befunden wird) eine Rekruten- schule von 65 Tagen bei der Infanterie, 75 Tagen bei der Artillerie und SO Tagen bei der Kavallerie ableisten. Er bleibt 12 Jahre lang im„AuSzuge" und wird während dieser Zeit noch zu 7 Waffcnübungen von je 13 Tagen seinschließlich Einrücke- und Entlassungstag, bei der Reiterei sind es 8 Waffenübungen) ein- berufen. Während seiner Landwehrzeit leistet er dann noch einen weiteren WiederholungskurS— mit Ausnahme der Reiterei, die hiervon freibleibr. Außerdem sind freilich alle mit Gewehr und Karabiner ans- gerüsteten Unteroffiziere und Mannschaften solvie die Subaltern- usfiziere zur Teilnahme an Schießübungen verpflichtet— jeder Mann bat sein Gewehr in dauerndem Gewahrsam in seiner eigenen Wohnung. Jeder muß' jede Beförderung annehmen, für die er als geeignet angesehen wird, und muß als Vorbereitung dazu die besonders vorgeschriebenen Mehrübungen ableisten, zum Beispiel der Unteroffizier 20 bis 30 Tage in einer Unteroffizier- bildungsschule, die Subalternosfiziere in einer entsprechenden Schule von 80 bis 109 Tagen. Sie müssen außerdem an einer Rekrutenschule als Jnstruktoren teilnehmen. Jede weitere Be- förderung erfordert wieder den Besuch weiterer Schulen... Da ist es nun sehr interessant, daß vor einigen Jahren der französische General LangloiS den Herbitmanövern des Schweizer Heeres beigewohnt hat. Und dieser hohe Offizier von europäischem Rufe, dem man eine Bor- liebe für die Miliz ganz gewiß nicht nachsagen kann, hat ein sehr günstiges Urteil über das gefällt, was er dort ge- sehen hat. Natürlich tadelt er auch verschiedenes und hebt gewisse Jehler herbor, die zweifelsohne mit der sehr geringen Aus- bildungszeit und der geringen Uebung des Führerpersonals zu« sammenhängen, zum Beispiel eine gewisse Schwerfälligkeit der Entwickelung und der Bewegungen auf dem Gefechtsfelde. Aber er lobt die Ruhe, die Ordnung, die Manneszucht und besonders die M a r s ch l ei stun g en der Truppen. Er sah überall das erforderliche Verständnis für das kriegerisch Notwendige. Freilich, das war ein"französischer Offizier— und dessen Urteil ist ja natürlich für den auf sein militärisches Prestige stolzen Deutschen nicht maßgebend. Ich war dann sehr erfreut, in dem.Deutschen Offizierblatt" vom 11. November auch ein deutsches Urteil über die Schiveizer Herbstübungen dieses Jahres zu finden. Der Verfasser bemerkt zunächst, daß dort alle» einen volkstümlichen Anstrich habe, fügt aber sofort hinzu:„Hiermit soll aber keineswegs gesagt sein, daß die Hebungen des ernsten mili- t ä r i s ch e n Wesens entbehren— durchaus nicht, aber die demokratischen Einrichtungen des Landes bringen diese Freiheiten nun einnial mit sich." E» wird dann der Verlauf eines Manövertages der zweiten Division geschildert sowie die Kritik des Leitenden(eineS Berufs- offiziers), bei der es ebenso belehrend zuging, wie bei uns. Das Schlußnrleil lautet;„Wenn auch der unberittene Zuschauer im BUrgerkleide nicht in der Lage ist, taktische Einzelheiten an vielen Stellen zu beobachten/ so darf er doch ein Urteil über den Eindruck fällen, den dir Truppe als solche auf ihn gemacht hat. Dieser Eindruck ist ein durchaus günstiger gewesen. Sehr wohltuend fiel zunächst der geradezu tadellose Anzug aus, der— so schien es— durchweg so gut wie neu war.... Die Fußiruppe» hielten da, wo wir es sehen konnten, gute Marsch- ordnung und zeigten sich im Gefecht anstellig, gewandt, sicher. Die große Ruhe in der Bewegung der Schützenlinien fiel an- genehm auf. Zweifellos wird viel Sorgfalt auf die kriegsmäßige Durchbildung gelegt. Die infauteriftifche Nah aufklärung erschien uns bei der . roten Partei musterhaft.— Die Kavallerie machte, wenn man von der begreiflichen Ungleichheit in der Beschaffenheit , der Pferde absieht, einen recht vorteilhaften Eindruck; sie war beweglich, gut beritten, ihrer Aufgabe be- wüßt.... Bon der Artillerie haben wir leider nicht allzuviel gesehen, doch konnten wir beobachten, daß die Batterien f e h r schnell und vollkommen gedeckt in Stellung fuhren. Alles in allem genommen, gewannen wir die Ueberzeugnng, daß in dem eidgenössischen Heere mit sehr regem Eifer, m i t großem Er» st und zweifellos auch mit vielErfolg gearbeitet w i r d." Was will man mehr? Bielleicht denken unsere Re- gierenden in den Zeiten unserer gegenwärtigen Finanznot einmal darüber nach, ob man nicht auch bei uns das Heerwesen einfacher, sparsamer gestalten und d i e Dien st zeit noch verkürzen könnte, ohne an kriegerischer Kraft einzubüßen. DaS Schweizer Heer kostet etwa 30 Millionen Mark. Nach diesem Verhältnis könnten wir rund 400 Millionen jährlich er- spare n." Freilich darf sich das Volk keinen Illusionen hin- geben. So groß auch die Genugtuung der Sozialdemokratie darüber ist, daß auch iu den militärischen Kreisen Deutschlands die Mlizidee mehr und mehr Anhänger findet, so brauchen wir uns doch nicht darüber zu täuschen, daß Preußen-Deutschland erst infolge des Drncks der Volks massen zum Milizsystem übergehen wird. Betrachten doch unsere Herrschende» die Armee nicht nur als Waffe gegen den äußeren Feind!___ Der Verzweiflungsliainpf Finnlands. Aus HelsingforS wird uns geschrieben: Finnland ist jetzt die Arena geworden, wo der Kampf des revolutionären Proletariats gegen den Zarismus ausgefochten wird. Die staatliche Autonomie Finnlands gönnt den jetzigen russischen Machthaber:! keine Ruhe, ihre demokratische Verfassung mahnt zu sehr an die Eroberungen des Revolutionsjahres 1905, und deshalb versucht jetzt der An- stürm der russischen Reaktion, sie gänzlich zu vernichten. Die Ablehnung der russischen Militärkontribution und die daraufhin verkündete Auflösung deS Landtags wird nun eine Periode schwerer Kämpfe einleiten, in welcher vor allem die revolutionäre Solidarität und Widerstandskraft des organisierten finnischen Proletariats sich bewähren muß. Um die Vorgänge in Finnland klar zu verstehen, muß man auf die Geschichte der jetzigen Streitfrage zurückgehen. Im Jahre 1878 wurde in Finnland die allgemein« Wehrpflicht eingeführt; dieses Militärgesetz wurde den Grundrechten Finnlands gemäß von dem damaligen Ständelandtag durchberaten und be- schlössen. Di« Hauptbefttmmung dieses Gesetzes lautete, daß finnische Staatsangehörige den Militärdienst nur hier im eigenen Laude ausüben sollen. Im Jahre 1901 unter der Diktatur BobrikoffS wurde vom Zaren Nikolaus-durch einen Gewaltstreich daS bestehende Militärgesetz eigenmächtig aufgehoben und statt dessen versuchte man auf administrativem Wege eine neue Militärordnung aufzuzwingen. Dieser Anschlag endete damals mit einem kläglich«» Fiasko, denn das finnische Volk antwortete auf diesen zarischen Militärerlaß mit einem Massenstreik der Wehrpflichtigen, welcher in den Jahren 1902— 1904 in allen Provinzen Finnlands konsequent durchgeführt wurde. Die russische Regierung sah sich zum Rückzüge genötigt(es fiel das in die Periode deS japanischen Krieges) und dem Ständelandtag 1904/05 erbot sich Zar Nikolaus, den ungesetzlichen Militärerlaß außer Kraft zu setzen gegen einen jährlichen Beitrag von 10 Millionen Mark. Dieser Schadenersatz wurde auch von den bürgerlichen Parteien für die Jahre 1905— 1907 bewilligt. Die Sozialdemokratie kämpfte energisch gegen diese russische Forderung, doch wurde die Fraktion im Landtage 1907 von der bürgerlichen Majorität niedergestimmt. Doch auch die bürgerlichen Parteien erklärten damals ausdrücklich, daß dies nur eine„provisorische Abfindung" ist und daß die finnische Militärfrage auf gesetzlichem Wege definitiv geregelt werden solle, d. h. ein neues Militärgesetz müsse erst durch den finnischen Landtag gehen und könne nur durch die rechtliche Zustimmung der finnischen Volksvertretung gesetzliche Kraft erlangen. Jetzt hält die russische Regierung den Moment für geeignet, um sich über alle Rechtsnormen hinwegzusetzen und die Verfassung Finn- lands zu zertrümmern. Das am 7. Oktober vom Zaren Nikolaus unterzeichnete Manifest erklärt, daß die finnische Militärfrage zu den allgemeinen Reichsfragen gehöre und nur durch die allgemeine russische Reichsgesetzgebung gelöst werden könne. Gleichzeitig be- fiehlt das Manifest die sofortige Auszahlung von 20 Millionen Mark— ohne Genehmigung des finnischen Landtags!— und stellt weiter Geldzahlungen für den Bedarf der russischen Flotte und Armee in Aussicht(für das nächste Jahr 11 Millionen Mark, jedes kommende Jahr wird die Summe um 1 Million Mark er- höht bis zu 20 Millionen). Sogar der allzeit unterwürfige alt- finnische Senat konnte diesen Eingriff in die Grundrechte Finn- lands nicht billigen und so wurde der Senat mit ausgedienten russischen Admiralen besetzt, welche sich bereit erklärten, das der- fassungswidrige zarische Manifest zu promulgieren. So ward der Verfassungsbruch vollzogen. Dem finnischen Landtage ging nun eine russische Militär- vorläge zu: die russische Regierung sieht die ganze Frage schon als prinzipiell gelöst an und beauftragt bloß den Landtag, neue Geldmittel ausfindig zu machen, um die russischen Geldforde- rungen zu decken! Die einzig mögliche Antwort auf diesen brutalen Rechtsbruch konnte aber die finnische Volksvertretung nicht schuldig bleiben. Ter Bericht der Kommission der Grundgesetze, der die Vorlage überwiesen wurde, stellte fest, daß eine Gesetzes- Vorlage, welche die Wehrpflicht der finnischen Staatsbürger an- geht, ebenso wie alle anderen in das Bereich der finnländischen Gesetzgebung fallenden Fragen nur gelöst werden kann durch den gemeinsamen, übereinstimmenden Beschluß des Landtages und des Monarchen. Ebenso könne eine Aenderung der Grundgesetze nur auf die in der Verfassung Finn- lands bestimmte Art vorgenommen werden. Der Landtag konnte deshalb die kaiserliche Vorlage nicht annehmen und ersuchte die Regierung, die Lösung der-finnischen Militärfrage in der Form anzuregen, wie es die finnischen Grundgesetze erfordern. In der Auffassung, daß das zarische Manifest einen ungesetz- lichen Akt bedeute, waren alle Parteien einig, aber sie trennten sich in den taktischen Mahnahmen. Die Altfinnen wollten, um „Schlimmeres zu verhüten", der Uebermacht nachgeben und die ge- forderte Militärkontribution bewilligen, damit wieder ein„gesctz- licher Boden" geschaffen werde. Die sogenannten„Konstitutionellen" (Schweden und Jungfinncn) waren gegen die Bewilligung, er- klärten sich aber bereit, eine Militärvorlage anzunehmen, sobald die russische Regierung gewillt wäre, einen gesetzlichen Weg ein- zuschlagen. Nur die Haltung der Sozialdemokratie in dieser Frage war klar und entschlossen. In einer besonderen Per- Wahrung wandten sich die sozialdemokratischen Kommissionsmit- glieder gegen die Auffassung des Berichts, daß die finnische Volks- Vertretung sonst bereit wäre, die- Militärlasten zu tragen, falls ein Militärgesetz der Verfassung gemäß eingebracht würde. Die finni- scheu bürgerlichen Klassen waren eben bereit, mit dem Zarismus zu paktieren, sobald sich ein gesetzlicher Ausweg bietet, die finnische Sozialdemokratie aber ist und bleibt prinzipielle Gegnerin des Militarismus und des Zarismus! Die Stolypinsche Regierung hat den Landtag aufgelöst, und sie wird vor den brutalsten Maßregeln nicht zurückschrecken, um ihren Willen durchzusetzen, die rechtliche Sonder st ellung Finnlands zu vernichten und Finnland in eine russische Provinz zu verwandeln. Dem finnischen Proletariat fällt jetzt die schwere Aufgabe zu, für die demokratische Verfassung Finnlands, für seine eroberten politischen Bürgerrechte zu kämpfen. Und in diesem Kampfe gegen den Zarismus, gegen eine schändliche Ge- Waltpolitik hofft das klassenbewußte finnische Proletariat auch auf den tatkräftigen Beistand der ganzen sozialistischen Internationale. poUtifche debcrfkht. Berlin, den 20. November 1909. Der Reichspostetat für ISIO. Die»Nordd. Allgem. Ztg." teilt einige nähere Zahlen aus dem Voranschlag des NeichshaushaltsetatS für daS Rechnungsjahr 1910/11 mit. Am meisten dürfte der Etat der R e i ch s p o st- und Telegraphenver waltung interessieren. Die o r d e n t- lichen Einnahmen dieses Etats sind auf 693 226 325 M. (+ 20 578 725 M.) angesetzt. Davon kommen auf Porto und Telegraphengebühren 641500000 M.(-j- 14 500 000 M.), auf Personengeld 750 000 M.(— 65 000 M., wegen Abnahme deS PostreiseverkehrS infolge Eröffnung neuer Eisenbahnen), aus Gebühren für Postsendungen am Orte 19 500 000 M.(— 100 000 M.). für Postsendungen im Umkreise der Postaustalten 5 500 000 M. <-s- 210 000 M.), für Stundung von Gefällen und für Ab- fertigung der Extraposten 165 000 M.(-j- 2000 M.), auf Erlös für verkaufte Grundstücke usw. 2 261 000 M.(-j- 357 000 95?.), auf vermischte Einnahmen 5 200 000 M.(Z- 200 000 M), auf Vergütungen von anderen Behörden 520 325 M.(-st 69 025 35?.), von dem Absätze der Zeitungen, des Reichsgesetz-BlatteS und des Amtsblattes deS ReichspostamtS 12 000 000(-st 700 000 M.), auS dem lieber« weisungs- und Scheckverkehr 5 330 000 95?.(-st 4 705 700 95?.). Die fortdauernden Ausgaben de» ordentlichen Etats be- tragen 625 173 210 M.(4-1685 932 25?.), die einmaligen Ausgaben 15 854 667 M.(— 1 035 240 M. gegenüber dem Hauptetat für'da» Jahr 1909; zur Nachzahlung von Dienst- einlünsten für das Rechnungsjahr 1908 aus Anlaß der Besoldungs- aufbesjerung sind im Nachtragsetat für 1909 angesetzt 33 922 763 M., zusammen also— 34 958 003 25?.). Der Ueberschuß der ordentlichen Ausgaben betragt 52 198 343 M.(-st 53 850 796 25?.). Dazu kommen Beitröge Bayerns und Württembergs zu den Kosten der Zentral- Verwaltung in Höhe von 49 237 M.(+ 4810 95?.) und zu den Kosten in den Schutzgebieten in Höhe von 235 987 M.(-st 42 170 25?.). Von den fortdauernden Ausgaben entfallen auf die Zentral- Verwaltung 3 983 020 M.(— 66 730 M.). Die Betriebsverwaltung erfordert 621 190 290 M.(-st 1 752 662 M.) Bei den einmaligen Ausgaben ist zur Tilgung und Ver- zlnsung der Anleihen für 1908, 1909 mW 1910 die Summe von 6 146 580 M.(-st 2 096 720 M.) ausgebracht. Für Grundstücks« crwerbungcu, Neubauten usw. erscheinen an neuen Forderungen: zu einem Um- und Erweiterungsbau in Baden> Baden 100 000 M-. zu einem Um- und Erweiterung»- bai: auf dem Po st zeit ungsamts-Grund stück Dessauer Straße Verlin 150 000 M., z u einem Um- und Erweiterungsbau für das Post- amt 19 auf dem Reichsdruckerei-Grund- stück Berlin 140000 M-, zur Vergrößerung des reichseigenen Grundstücksblocks zwischen der Oranienburger, Artillerie-, Ziegel- und Monbijou-Straße zu Berlin und zu einem Um- und Eriv eitern ngSbau auf diesem Grundstücksblock iverden für Grunder.werb und als erste Baurate 500 000 M. an ge setz t. Im außerordeinlichen Etat werden als neunte Rate für Fern- sprechzwecke 23 000 000 M.(— 20 000 000 M.) gefordert. Die Steigerung in der Entwickelung des Fernsprechwesen» hält an. C» ist in Aussicht genommen, die Summe im Laufe von drei Jahren aus den ordentlichen Einnahmen der Reichspost- und Telegraphen- Verwaltung zu tilgen_ Bethmann.Hollweg und die preußische Wahlrefonu. Von einem Verzicht der Regierung auf eine Wahlreform in Preuße» wissen die„Leipz. Neuest. Nachr." zu berichten. Sie lassen sich aus Verlin melden: „Es kann nunmehr als sicher gelten, daß die bevorstehende Session des preußischen Landtages nicht mit einer Wahlrechts- reform befaßt werden wird. Der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichskanzler v. Bethmann Hollweg wird auf Anfragen der Parteien hinhaltende Erklärungen abgeben. Alle Mahnungen, die aus dem zu positiver Arbeit bereiten Teile deS Liberalismus und auch von gemäßigt konservativer Seite an die Regierung gerichtet worden find, die Initiative zu einer zwar mühsamen, aber immerhin nicht aussichlslosen VorwärtSenlwickelung der politischen Dinge zu ergreifen, sind also in den Wind ge- sprochen gewesen. Der Ministerpräsident will daS tun, was die konservative Parteileitung wünscht, nämlich nichts." Daß in den sogenannten„maßgebenden" Kreisen, nicht nur in deil bureaukratischen, sondern auch in den höfischen. die Ansicht vertreten wird, es dürfe nach den Lehren der Wahlen in Sachsen und Baden in keinem Fall an dem Dreiklassenwahlrecht gerüttelt werden, ist bekannt. Dennoch aber halten wir nicht für wahr scheinlich, daß die Regierung sich gestattet, daS durch die bekannten Vorfälle des vorigen Jahres ohnehin erschütterte Ansehen der Krone noch mehr herabzusetzen, indem sie iildirekt erklärt, das in der königlichen Thronrede ent- hchltene Versprechen hat nicht den geringsten Wert; denn Königsworte gelten in Preußen nichts. Auch dürfte Herr v. Bethmann Hollweg denn doch Bedenken tragen, offenkundig zu bestätigen, daß er sein Verhältnis zu den Konservativen als die Stellung eines unterwürfigen HandelSkommis zu seinent gestrengen Chef ausfaßt. Machen wird deshalb die Regierung schon irgend etwas; natürlich aber nichts, was die Machtstellung der Konservativen in Preußen ernstlich ge- fährden könnte._ Uferlose Schuldenwirtschaft! In der letzten Nummer des„Vank-ArchivS" hat der Geheimrat Schwarz einen Vergleich zwischen den Schulden der Großstaaten der Welt angestellt. Dabei kommt Deutschland außerordentlich schlecht weg. Während sich bei England, Frankreich und' den Vereinigte?' Staaten der Druck der Schuldenlast auf das Blidget ver- mindert, ist das bei Deutschland umgekehrt. Was nutzt es, fragt Schwarz, wenn in Deutschland Reich und Einzelstaaten 100—120 Millionen Schulden im Jahre tilgen, wenn 300, 500, ja bis über eine Milliarde an neuen Schulden in demselben Jahre neu aufgenommen tvcrden?! Die„Freis. Ztg.", die diese Betrachtungen eingehend widergibt, leitet sie mit folgenden Worten ein: „Am Ende des Etatsjahres 1908 betrug die Reichsschuld 4,1 Milliarden. Zur Balauzierung des Reichshaushaltsetats für 1909 ist eim'chlieglich deS Nachträgsetats eine Anleihe von ins- gesamt 700 Mill. M. notwendig— eine Summe, von der ein Teil allerdings nur vorübergehend die Schuldenlast vergrößern soll. Der neue Etat für 1910 sieht eine Anleihe von 152 Mill. 25?. vor, obwohl inzwischen neue Steuern bewilligt worden sind, die über 400 Mil!. Mark jährlich bringen sollen.' Dazu kommt, daß nicht nur da» Jahr 1910 eine weitere Anleihe nötig machen wird, sondern auch die folgenden Jahre. Hat doch bereits im Jahre 1903 das Reichsschatzamt ausgerechnet, daß, unabhängig von der F i n a n z r e f o r>n, für die nächsten fünf Jahre etwa 800 bis 900 Millionen Mark neuer Schulde» kontrahiert werden würden. Wir werden also in wenige» Jahren mit einer Schuldenlast von sechs Milliarden zu rechnen haben, wobei die etiva neu entstehenden außerordentlichen Anforderungen dieses oder jenes Verwaltungszlveiges noch gar nicht berücksichtigt sind. Daher fragt man sich erschreckt: Wie soll daS mit der Schuldenwirtschaft enden?" Ja: wie soll diese Schuldenwirtschaft enden?! Die »Freis- Ztg." fordert, daß das Sparsamkeitsprinzip nicht nur im Munde geführt werde, sondern daß man sich endlich auch„nach der Decke strecken" lerne. Das ist wunderschön gesagt. Aber der Freisinn hat in den letzten Jahren ja alle Kolonial- und Flottenforderungen mit Hurra bewilligt I Wir wollen es also abwarten, inwieweit der Freisinn selbst künstig das Sparsamkeitsprinzip dadurch betätigt. daß er neue m t l: t a r i st i s ch e, m a r i n i st i s ch e und weltpolitische Forderungen ablehnt! Sozialdemokratische Siege in Lübeck. Lübeck, 19. November. Glänzende Erfolge erzielte die Sozialdemokratie heute bei den Wahlen zur Bürgerschaft. Dort wurden in der zweiten Wählerklasse sämtliche sozialdemo- kratischen Kandidaten, nämlich die Genossen Dr. S ch l o- mer, G. Ehlers, P. Hoff, P. Löwigt und C. W i t t f o o s mit überwältigender Mehrheit gewählt. Sie er- hielten 3767 Stimmen, während die Gegner es nur auf 1185 Stimmen brachten. Für die Sozialdemokratie bedeutet dieses Re- sultat einen Stimmenzuwachs von 759, während die ver- einigten Gegner— Liberale, Nationalliberale und Bündler— eine» Stimmenrückgang von 196 zu verzeichnen hatten. Der Er- folg ist um so höher einzuschätzen, als das Bürgerwahlrecht an-tue mindestens fthisjährige Aufenthaltsdauer in Lübeck und an eine jährliche Steuerleistung während dieser Zeit geknüpft ist. Zahl- reichen Arbeitern ist also die Möglichkeit, Lübecker Bürger zu werden, vollständig genommen. Und trotzdem der großartige Erfolg. Auch in der 1. Klasse, die aus Bürgern mit einem jährlichen Einkommen von mehr als 2000 M. besteht, hat die Sozialdemokratie eine sehr erfreuliche Vermehrung ihrer Stimmen aufzuweisen, wenn auch an einen Sieg unsererseits nicht zu denken war. Bei der vorigen Bürgerschaftswahl wurden für die sozial- demokratischen Kandidaten 118 Stimmen abgegeben; am letzten Freitag dagegen 201. Im lübischen L a n d g e b i e t, wo am Dienstag in einzelnen Ortschaften zur Bürgerschaft gewählt wurde, unterlag der sozial- demokratische Kandidat in der 4. Klasse mit 110 Stimmen seinem liberal-agrarischen Gegner, der 120 Stimmen erhielt. In diesem ländlichen Wahlbezirk fand die letzte Wahl vor 0 Jahren statt. Damals wurden dort sozialdemokratische Stimmen überhaupt nicht abgegeben. Ein liberaler Gewaltakt. Die liberale RathauZmehrheit in Pirmasens fPfalz), die durch die erfolgten Proporzwahlen für die nächste Periode beseitigt ist, hat noch zuguterletzt einen Gewaltakt ausgeübt. Illach der neuen Zusammensetzung des Kollegiums haben die Sozialdemokraten das Recht, den zweiten Adjunkten zu stellen. Um dies zu verhindern und sich für die Zukunft die Majorität künstlich zu verschaffen, hat nian noch vor Toresschluß dieser Periode die Anstellung eineS Rechlsrates beschlossen, dem die Stelle des Adjunkten über- tragen werden soll. Der Beschluß wurde mit 10 liberalen gegen die 6 sozialdemokratischen Stimmen gefaßt.— Ob die Liberalen große Freude an diesem schoflen Streich haben werden, bleibt abzuwarten. Von der neue» Stadtratsmehrheit, die sich aus Sozialdemokraten und Zentrum zusammensetzt, wird der Beschluß nur als Provisorium betrachtet. Es ist bereits bei der zuständigen Behörde Beschwerde gegen die unerhörte Entrechtung eingelegt. Kommtinaltvahlen. Glänzender Wahlsieg in Barmen. Bei den S t a d t r a t L w a Ij l e n in Barmen, die am Sonnabendmittag zu Ende gingen, wurden zum erstenmal fünf Sozialdemokraten gewählt. Sie siegten mit rund vier- tausend Stimmen M e �r h e i t über die Bürgerlichen! Bei den S t a d t r a t s w a h l e n in Remscheid, die am 18. und 19. November stattfaudeu, erhielten die Sozialdemo- kraten 4373 Stimmen, der bürgerliche Eickhoff-Block 2475. Unsere Genossen siegten also mit 1898 Stimmen über die absolute Majorität! tf Einen prächtigen Wahlsieg errangen unsere Genossen bei den am Donnerstag und Freitag stattgefundenen Stadt- verordneten wählen in der dritten Abteilung in W e r m e I s- lirchen(Kreis Lennep-Remscheid-Mettinan»). Die vier Kandidaten der Sozialdemokratie erhielten 528 bis 570 Stimmen, während es die Kandidaten des gesamten OrdnnngsbreieS auf nur 201 bis 225 Stimmen brachten. Zum ersten Male ziehen vier Sozialdemo- kraten in das Stadtparlament ein. Dieser Wahlsieg ist um so höher anzuschlagen, als bei der letzten Wahl vor zwei Jahren unsere Ge- nassen es auf nur 47 Stimmen in der dritten Abteilung brachten. Man glaubte auch diesmal noch unsere Genossen dadurch von der Wahl zurückhalten zu können, daß man die Wahlzeiten in die Arbeitszeit verlegte und nicht, wie im dortigen Bezirk allgemein üblich, die Wahlzeit mittags von 12--1 und abends von 7--8 Uhr festsetzte. ES hat aber alleS nichts genutzt. Bei den S t a d t b e r o r d n e t e u w a h l e n in Ohligs(Kreis Solingen), die am Donnerstag und Freitag in der dritten Abteilung stattfanden, wurde das letzte Mandat, das die Bürgerlichen noch in dieser Abteilung im Besitz hatten, erobert. Der bürger- lichc Kandidat brachte es auf 407 Stimmen, während unser Genosse 624 Stimmen erhielt. Zwei weitere Mandate, die verteidigt werden mußten, sielen unseren Genossen ohne Gegenkandidaten in die Hände. Die Bürgerlichen glaubten das eine Mandat in der dritten Ab- teilung nochmals retten zu können. Zentrum und Liberale schloffen zu diesem Zweck einen Pakt.. Ihre Mühe war umsonst. • In Höntrup bei Bochum eroberte die Sozialdemokratie zwei GeineinderatSsitze der dritten Abteilung. In der zweiten Abteilung brachte sie eS auf 03 Stimmen gegen 114, die auf die vereinigten Gegner entfielen. * In Reuß j. L. erzielten die Sozialdemokraten eine ganze Reihe Erfolge. In Ditrrenebersdorf eroberten sie zwei Mandate, ebenso in Frankenthal. In dem großen Vorort von Gera, in Debschwitz siegte« ihre neun Kandidaten mit 381 bis 306 Stinmien über die Gegner, die 256 bis 234 aufbrachten. Dort sind jetzt sämtliche 24 GeineinderatSsitze im Besitz derSozialdemokratie. * In Oppau(Pfalz) errangen unsere Parteigenoffen mit 14 Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat; sie werden An» spruch auf den ersten Adjunkten machen. Bisher zählte unsere Fraktion nur sieben Mann. In Edenkoben, einer liberalen Hochburg, gelang eS infolge der Verhältniswahl drei Sitze zu erobern. • Bei den Stadtverordnetenwahlen 3. Klaffe in Höchst a. M. siegten wieder, wie nicht anders zu erwarten war, die Kreaturen der großen Höchster Farbwerke, die durch ihre Aktionäre und Beamten anch im unbestrittenen Besitz der Mandate der ersten und zweiten Klasse bleiben werden. Eine ganze Stadt unter der Botmäßigkeit einer einzigen Firma I Ein herrliches.Kulturbild' aus der Drei- klasseumonarchie! Immerhin haben auch die Sozialdemokraten einen A ch tu n g s e r f o l g errungen. Während sie es vor zwei Jahren nur auf 135—193 Stinimen brachten, erhielten diesmal ihre 0 Kan- didaten ungefähr die doppelte Stimmenzahl, nämlich 309 bis 370 Stimmen, während die Kandidaten der Farbwerkepartei einen kleinen Slimnienriickgang gegen 1907 erlitten, damals war die Durch- schnittSziffer 009, diesmal rund 600 Stimmen. * In Osternburg bei O l d e n b u r g i. G r. wurden neun Sozialdemokraten gewählt. Sie erhielten durchschnittlich 000 Stimmen, die Gegner nur 460. Da unsere Genoffen auch bei den Wahlen vor zwei Jahren siegten, so haben sie jetzt eine er- hebliche Mehrheit im Gemeinderat. Gegen die Vorwahl stiegen ihre Stimmen um über 100. » Mit rund 300 Stimmen wurden in R e i ch e n b a ch im Eulen» gebirge drei Genossen als erste sozialdemokratische Stadtverordnete gewählt. Sie erhielten rund 300 Stimmen, die Gegner brachten es auf 49 bis 209 Stimmen. Eine Steuerkomödie des Zentrums« München, 19. November. Landtag und Presse Bayerns waren in starker Aufregung, der Finanzniinister in Verzweislimg. Das Zentrum erklärte' plötzlich, bei der Steuerreform nicht mehr mit- zutun, wenn nicht ein Kompromiß aller bürger» lichen Parteien über daS Umlagengesetz zustande käme. Das Zentrum hat bei der Reichsfiiiaiizreform schlechte Er- fahrungen gemacht und will die bayerische Steuerreform nicht allein auf seine Kappe nehmen. Es fürchtet die Agitation wegen des un- sozialen Charakters der Reform und sichert sich deshalb Mitschuldige. Nach langwierigen Verhandlungen aus Grundlage von Kompromiß- Vorschlägen fielen die Bauernbündler und selb st- verständlich die Liberalen um. Das Zentrum hat nun seine Mitschuldigen und die Steuerreform scheint gerettet. Soziuldemokrutische Antrage im sächsische» Landtage. Die sozialdemokratische Fraktion der 2. sächsischen Kammer hat in der Absicht, eine gerege lte Arbeitslosenfürsorgc für Sachsen) zu erwirken, einen Antrag eingebracht, wonach die Regierung die Gemeinden zu Zuschüssen an A r- beitslose, die Arbeitslosenkassen angehören, veranlaffen soll, ferner zur Vornahme von Notstandsarbeiten. 50 Proz. der Zuschüsse sollen den Gemeinden durch den Staat erstattet lverden. Der Staat selbst soll die Staatsarbeiten und seine Auf- träge für den Winter beschleunigen. Der internationale Kongreß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, der im September 1910 zu Paris tagt, soll durch eine aus Regierungs- Vertretern und Abgeordneten beider Kammern bestehenden Dcpu- tation beschickt werden. Noch diesem Landtag soll eine Denkschrift über die Arbeitslosigkeit vorgelegt werden. Ein zweiter Antrag verlangt die A-bschaffung der 1. Kammer. Sächsische Wahlproteste. Gegen die Wahl des Genossen Linke, der im 6. ländlichen Wahlkreise(Löbau-Bautzen) bei der Stichwahl mit nur 9 Stimmen Mehrheit gegen den nationalliberalen Kandidaten gewählt wurde, ist Protest erhoben worden. Gleichzeitig protestieren unsere Genossen gegen die Wahl de? konservativen Abgeordneten H e y m a n n im 33. ländlichen Kreis. Es sollen verschiedene Unregelmäßigkeiten vorgekommen sein. Liberale Mannesseelen. In den nächsten Tagen finden in Köln die Stadtverordneten- wählen der zweiten Wählerabteilimg statt. Infolge der durch die Steuertaten des Zentrums geschaffenen Empörung, die weit in die Kreise des erwerbstätigen Bürgertums hineingeht, war für die „Vereinigten liberalen Parteien Kölns'— so nennen sich die Nationalliberalen und die Freisinnige Volks- Partei— große Aussicht vorhanden, dem Zentrum, das vor einigen Jahren die Liberalen aus der Mehrheit in die Minderheit gedrängt hat, eine Schlappe beizubringen. Die Demokratische Ver- einigung erklärte sich bereit, im ersten Wahlgang für die liberale Liste zu stimmen, wie sie es in der dritten Abteilung für die Sozialdemokratie getan hat, und zlvar unter dem Kampfruf: Gegen das Zentrum! Unsere Partei beteiligt sich selbst- ständig an der Wahl. Die von ihr erwartete Stimmeiizahl würde zunächst gewiß zur Herbciflihrura einer Stichwahl genügt haben. WaS aber taten die„Vereinigten Liberalen"? Sie gingen hin und nahmen, statt eine zugkräftige Kampfliste aufzustellen, einen Zentrums- mann, den bisherigen Stadtverordneten Froitzheim, mit auf ihre Kandidatenliste! Diese übcrschlaue Taktik hat jene Politiker um jeden Kredit bei allen wirklich liberalen Leuten gebracht, und so wird das Zentrum zweifellos gleich im ersten Wahlgange siegen. In A a ch e n haben eS die„Liberalen" ähnlich gemacht. Sie haben dort in der zweiten(!) Abteilung auf eigene Kandidaten verzichtet und beschlossen, für einen Kandidaten des Zentrums und für zwei Kandidaten des Hansbesitzer- und des Unabhängigen Bürgervereins zu stimmen._ Die Arbeiter der Nebenbranchen in der Tabakindustric und der Viermillionenfonds. Die strittige Frage, ob auch Arbeiter, die Zigarrenkisten an- fertigen, bei nnverschnldeter Arbeitslosigkeit Unterstützung aus dem Viermillionenfonds bekommen, beantwortet jetzt die„Süddeutsche Tabakzeitung" dahin:„Sämtliche Arbeiter, die in einer Tabak- oder Zigarrenfabrik K i st e n anfertigen, werden gleichfalls als unter- Itiitzimgsberechtigt angesehen.— Dagegen werden Arbeiter, die in besonderen Fabriken beschäftigt sind, die lediglich Zigarrenlisten oder dergleichen herstellen, nicht in den Kreis uiitersltttzungöberechtigter Personen einbezogen, da dazu nach Ziffer 2d der geltenden Ans- sührungsbestimmungcn nur die Arbeiter zu zählen sind, die in einem der Bearbeitung oder Verarbeitung von Tabak gewidmeten Betriebe beschäftigt gewesen sind.'_ Der brauchbare Kautschukparagraph. Kattowitz, 20. November. Die Beuthener Staatsanwalt- schaft beschlagnahmte im Verlag der„Gazeta Robot« iiicza" 1700 polnische Arbeiterkalender für 1910, in deren Inhalt sie eine Aufreizung zum Klassenkampf erblickte._ Oeftemieb. Ein Rückschritt. Wien, 19. Nobember. Das Justizministerium beröffentlicht die KommissionSeutwürfe zur Reform des Strafprozeßrechts, deren lvichtigstes Prinzip die Einführung von Schöffen- gerichtet, unter gleichzeitiger Einschränkung der Kompe- t e n z d e r G e s ch w o r e n e u g e r i ch t e ist. Es sollen große und kleine Schöffengerichte eingeführt werden: den großen Schöffen- gerichten werden insbesondere die Preßdelilte überantwortet werden. franki-eick. Ein Erfolg BriandS. Paris, 19. November.' Deputiertenkammer. Nach der Erklärung des Finanzministers tvurde die Generaldiökussion ge- schlössen. Ministerpräiideilt B r i a n d erklärte, die angekündigten Anträge, nach denen die neuen Steuern en bloc abgelehnt werden sollten, seien für die Regierung unannehmbar. Die Kammer müsse die Stenern nach dem gewöhnlichen Brauche beraten, ohne sich durch die Aussicht auf die Wahlen irre machen zu lasse». Das Land müsse die Schwierigkeiten des Budgets kennen lernen und wissen, bis wie weit man auf dem Wege der Reformen vorivärtS gehen könne. Er könne sich nur mit der Annahme d e r einfachen Tagesordnung einverstanden erklären. Die Kaminer habe sich eines Defizits nicht zu schämen, daS eine Folgeerscheinung des Gesetzes über die zweijährige Dieustzeit. der sozialen Gesetze und der für die Stärke der Armee bewilligten Opfer sei, die den Frieden am sichersten gewährleiste. Aufgabe der Regierung und der Kammerniajorität sei es, ihre Friedenspolitik durchzuführen, die Laicnschule zu verteidigen und die Freiheit des Unterrichts zu schützen.(Beifall.) Die der Negierung nicht genehmen Anträge wurden danach zurückgezogen und die Kammer nahm mit großer Majorität die einfache Tagesordnung an. Kelgien. Zur Abstimmung über die Militärborlage. Brüssel, 19. November.(Eig- Ber.) Das Stellver» tretungssystem i st also begraben! Mit 100 gegen 58 Stimnien bei 3 Enthaltungen hat die Kammer gestern das Amendement Bertrand über die persönliche Dien st- Pflicht votiert? Obgleich nach der Mittwoch-Erklärung Schollaerts die Annahme gesichert und das Resultat fast ziffern- mäßig auszurechnen war, hat die Abstimmung im Parlament gleich. wohl wie eine quasi unerwartete Sensation gewirkt. Auch die Presse, soweit sie die demokratische Reform vertreten hat— und sie hatte nur die alt-klerikale, Woesteergcbene als Gegner— feiert mit Genugtuung den Sieg der persönlichen Dienstpflicht, das Ber- schwinden des unmoralischen und demoralisierenden Loskaufs. Daß das Votum als eine in das Volksganze tiefeinschneidende Entscheidung empfunden wurde, zeigt schon die für die belgische Kaminer unerhörte Erscheinung, daß die Deputierten fast voll- zählig zur Stelle waren. Es haben von den 16 6 Kammer- m i t g l i e d e r n 1 6 1 an der A b st i m m u n g t e i l g e n o m m c nl Für den persönlichen Dienst haben die S o z i a l i st e n und die Liberalen und 24 Mitglieder der Rechten gestimmt, darunter die Minister Schollaert, Renkt«, Halleputte und De Lantsheere sowie der gewesene Minister Beer- naert. Gegen die persönliche Dienstpflicht haben mit den Alt- klerikalen drei M i n i st e r gestinimk. Man sieht, die Abstimmung ist nicht ohne politische Pikanterie.... Bis jsiiapp vor der Votierung hat der unermüdliche Feind der Reform, W o e st e, noch die warnende Pythia gespielt, die drohende Auslösung der klerikalen Partei in Aussicht gestellt und der Re- gierung für ihr„Bündnis" mit der Linken,„den Todfeinden des Katholizismus" den sicheren Untergang prophezeit. Ein anderer Klerikaler, Cotemans, erklärte, daß die klerikale Partei mit der Abstimmung über die Militärvorlage ihre eigene Liquidation vorbereite! All das ist aber nur ein blasser Schimmer gegenüber den Wutausbrüchen der alt-klerikalcn Presse, die für den künftigen Wahlkrach der Katholiken die Haltung der Regierung in.der Militärfrage verantwortlich machen will. Leider werden die Klerikalen aber nicht eines so schönen Todes, wie es das Eintreten für eine vom weitaus größten Teil des Landes geheischte demokratische Re- form ist, sterben! Ueber das von Vandervelde im Namen der sozialdemo- kratischen Fraktion eingebrachte Amendement über die all- gemeine Dien st Pflicht verbunden mit einer Dienstzeit von sechs Monaten wurde getrennt abgestimmt. Für die sechs- monatige Dien st zeit stimmten nur die S o z i a l i st e n und ein Klerikaler. Nachdem Vandervelde den ersten Teil des Amendements zurückgezogen(da die Sozialisten nur für eine all- gemeine Dienstpflicht bei entsprechender Herabsetzung der Dienst- zeit eintreten), wurde über das liberale Amendement über die all- gemeine Dienstpflicht abgestimmt. Dagegen stimmten— aus den oben angeführten Gründen— u. a. auch die Sozialisten und etliche Liberale, insgesamt 38 Deputierte; dafür 30(bei 34 Eni- Haltungen). Nicaragua. Verfolgungswahnsiun. New Dork, 19. November. Aus Panama wird gemeldet, daß in Matiagua tausend Personen wegen Berdachts(I) der Illoyalität gegen den Präsidenten Zelaya und wegen ihrer Weigerung, eine Kriegssteuer zu zahlen, ins Gefängnis ge- >v o r f e n wurden.—_ Hus der Partei. Der Bralliitwcinboykott. Der„Freie Gastlvirt" bringt in seiner Numnier 47 eine Notiz zum Schnapsboykott, in der unter anderem gesagt wird: „Wir haben, bevor wir dazu Stellung nehmen wollten, uns an persönlich bekannte Mitglieder des ParteivorstandeS gewandt mit der Bitte, den Beschluß des Parteitages entsprechend zu deklarieren."* Wir erklären dazu, daß weder ein einzelnes Mitglied des Parteivorstandes noch der Partcivorstand als solcher mit dem Per- bände der Freien Gastwirte oder mit einem seiner Vertreter in irgendeiner Weise über den Schixipsboykott verhandelt hat. __ Der Parteivorstand. RcichstagSkandidaturc» in Breslau. Eine stark besuchte Versammlung des s o z i a l d e m o- kratischen Vereins Breslau stellte am Donnerstag die Reichstagskandidaten für die beiden Breslauer Kreise auf. Vom Vorstand der Parteiorganisation wurden die Genossen Eduard Be r n st e i n für Breslau- W e st und O. Schütz für Breslau- O st vorgeschlagen. In der Debatte erhoben die Genossen K l c m e n t und Schiller Einspruch gegen Bern- st eins Kandidatur wegen seiner Stellung in den innere n Parteifragen, wodurch der die Partei wiederholt geschädigt habe. Während aber Klement vorschlug. „nicht den Revisionisten Bernstein, sondern ben Revisionisten Löbe zu wählen", erklärte Genosse Schiller, daß er sich auch gegen eine Kandidatur Löbe wenden müsse, da soivohl Bernstein wie Löbe die Minderheit der Fraktion stärken würden. Er sürchte aber, daß eine energische Bekämpfimg der Kandidatur Bernstein zu Streitigkeiten am Orte Anlaß geben würde, weshalb er keinen größeren Vorstoß unternehme. Für die Kandidatur Bernstein traten die Genossen Dorf, Löbe(der eine Kandidatur ablehnte), Steinbrecher, Schlegel und Wiener ein. Löbe erklärte, daß Schiller den Revisionisten in der Partei die Gleichberechtigung streitig mache, wogegen sie sich energisch lvebren würden. Die Kandidatenaufstellnng in Breslau werde ein Symbol dafür sein, daß in der Sozialdemokratie die freie Meinungsäußerung un- angetastet bleibt. Wiener meinte, daß es in der ganzen Welt einen deprimierenden Eindruck machen werde, wenn die BreSlauer Bernstein fallen ließen,„und gerade die radikalen Genossen würden das als eine Beschämung empfinden".— Genosse Zahn erklärte, daß er mit Bernstein freilich auch nicht in allen Punkten einverstanden sei,„aber er hat uns bereits vertreten und es hat auch keinen Zweck gegen seine 5randidatur zu sprechen, denn die Mehrzahl der Genossen ist für die Wiederaufstellung".— Genosse Albert könnte sich mit Schillers Argumenten gegen Bernstein im großen und ganzen einverstanden erklären, wenn er nur Vor- schlage für einen geeigneteren, linksstehenden Kandidaten gemacht hätte. Deshalb, weil kein Besserer vorgeschlagen, sei er auch in der Vorstandssitzung für Bernstein eingetreten. Dazu komme, daß in Anbetracht der Tatsache, daß beide Kreise wiedererobcrt werden müßten, die Breslauer Genossen mit denkbar größter Einmütigkeit hinter ihren Kandidaten stehen müßten, um so den Gegnern ein Bild schönster und stärkster Geschlossenheit zu bieten.— Genosse Schramm erklärte zum Schluß: Um zu verhindern, daß etwa das Resultat unserer Abstimmung zu Betrachtungen über die Stärke des Radikalismus und Revisionismus in Breslau benlltzt wird, will ich bemerken, daß unter den Stimmen, die für Bernstein abgegeben werden, sich auch die von den meisten radikalen Genossen befinden werden. In der Abstimmung, die durch Akklamation erfolgte, wurde Genosse Bernstein mit 700 gegen etwa 30 Stimmen als Reichstags- kandidat für Breslau-West proklamiert. Gegen Genossen Schütz als Kandidat für BreSlau-Ost erhoben sich nur wenige Hände. Der italienische Partcivorstand über den Eintritt der Soziiiliste« in ein Kabinett. Rom, 18. November.(Eig. Ber.) Da in jüngster Zeit von einigen Parteigenossen, den Genossen F e r r i und P r a m p o l i n i, in in den bürgerlichen Blättern erschienenen Jntervieivs von der Möglichkeit eines Eintrilt« von Sozialisten in ein Ministerium die Rede gewesen ist, hat der Parieivorstand in seiner Plenarsitzung vom 17. d. M. einstimmig die folgende Tagesordnung angc- nommeii: „Mit Rücksicht auf die Aussagen einiger sozialistischen M- geordneten über die bevorstehenden parlameiltarischen Kämpfe, und unter Vorbehalt eines EliiversiändnisscS mit der Parlaments- fraktion, erklärt der Parleivorstand es für eine gefährliche und irreführende Illusion, von dem Eintritt von Ver- tretern der sozialistischen Partei in die Regierung unter den heutigen Verhältnissen des öffentlichen Lebens in Italien gedeihliches Wirke« zu erwarten.'_ polizeilicbea, Sericbtlicbes ukve. Ein Freispruch. Genosse S t ü ck l e n wurde Montag von der Strafkammer in Dortmund von der Anklage der Aufreizung zum Klassenbaß freigesprochen. Der Artikel, um den e« sich handelt, stand 1806 anläßlich der preußischen Wahlrechtsbeweguiig in einem Agitationsblatt, das Stücklen verantwortlich gezeichnet hatte. Er hatte jedoch den Artikel vor der Drucklegung nicht gesehen. DaS Gericht entschied, daß eS sich nicht um eine periodische Druckschrift handle, weshalb ein verantwortlicher Redakteur nicht genanni zu werden brauche. Wegen des gleichen Artikels erhielt der als Ver- leger des Blattes angegebene Genosse Max König vor vier Jahren einen Monat Gefängnis. 6e werk lcbaMickeq. Hnfcbtuß der Hmencan federation of Habour an die gewcrhrchaftlicbe Internationale! Der internationale Sekretär der gewerkschaftlichen Landes� zentralen erhielt am gestrigen Sonnabend von dem Präsidenten der American Federation of Labour ein Telearamin aus Toronto folgenden Inhalts: „Die American Federation of LaSonr hat den Anschluß an aas intrrnatioiialc Sekretariat beschlossen. Gompcrs." Die näheren Umstände, unter ivelchen der Anschlug erfolgte, sind noch nicht bekannt. Hoffentlich leitet dieser An- schlug der großen amerikanischen Arbeiterorganisation zugleich eine innere Wandlung derselben ein und trägt mit bei zur Beseitigung der Mißstände, ivelche auch amerikanische klassenbewußte Arbeiter an der Federation of Labour be 'lagen. Ganz selbstverständlich erscheint es uns, daß nie amerikanischen Gewerkschaften nach dem Beitritt zur gewerkschaftlichen Internationale ihre-bisherige Exklusivität aufgeben und die Schrairken niederreißen, die bisher vielfach ausländischen Arbeitern, die in ihrer Heimat organisiert waren, den Beitritt zu den amerikanischen Organisationen unmöglich niachten. Geschieht das, so ist auch zu erwarten, daß die Stellung der amerikanischen Gewerkschaften zu der politischen Arbeiterpartei schneller eine andere und bessere werden wird, als bisher, wo die gezogenen Schranken gerade den politisch radikaleren Elementen in der Arbeiterschaft Eintritt und Einfluß erschwerten. Nach dem Beitritt der Ainerican Federation of Labour hat die gewerkschaftliche Internationale einen Umfang erreicht den keine andere wirtschaftliche oder parteipolitische Oraanb sation der Welt besitzt oder je besessen hat l Serlin und Umgegend. Lcbius und die Wahrheit. Wie wir in Nr. 265 des„Vorwärts" mitteilten, stand L e b i u s im 11. November als Angeklagter vor dem Charlottenburger Schöffengericht, weil er aus Anlaß des Meineidsprozesses Vogel ne Zeugen, welche Vogel belasteten, als Zeugen des sozialdemo- catischen Bäckerverbandes bezeichnete und sie des Meineids ver- »sichtigte.— Als sich L e b i u s wegen dieser Verdächtigung vor Gericht verantworten sollte, stimmte er zu Beginn der Verhandlung ein bewegliches Klagelied darüber an, daß scharfe Aeußerungen, die im Parteikampf gebraucht werden, überhaupt zum Anlaß von Be- leidigungsklagen genommen werden. Das sagte L e b i u s, der vor Jahr und Tag die Parole ausgegeben hatte, jeder, der sich durch einen Sozialdemokraten beleidigt fühle, solle vor Gericht klagen. Diese Parole hat L e b i u s selbst eifrigst befolgt, indem er gegen eine Reibe von sozialdemokratischen Zeitungen und Gewerkschafts- führern Klage erhob. Allerdings hat L e b i u s alle diese Klagen zurückgezogen, nachdem ihm die Erkenntnis gekommen war, daß die Gerichtsverhandlungen jedesmal in seine Vergangenheit hinein- leuchten müßten, was ihm äußerst unbequem war, da seine Person- lichkeit sich in einer solchen Beleuchtung keineswegs vertrauen- er>veckend ausnahm.— Derselbe L e b i u s, der seine Gefolgschaft aufgefordert hat, gegen Sozialdemokraten so oft wie möglich mit Beleidigungsklagen vorzugehen, jammerte jetzt darüber, daß er selbst einmal wegen Beleidigung vor Gericht gefordert wurde, damit fest- gestellt werde, daß er sich einer niedrigen Verdächtigung seiner Gegner schuldig genlacht habe. Nachdem nun der Charlottenburger Prozeß gegen Lebius für ihn günstiger verlaufen ist, als er selbst erwartet haben mag, benutzt er diese Gelegenheit, um in der neuesten Nummer des „Bund" dieselben Verdächtigungen, wegen deren er angeklagt war, in versteckter Form zu wiederholen.— Bekanntlich handelte es sich in dem Prozeß vor dem Charlottenburger Schöffengericht in der Hauptsache darum, daß Lebius im„Bund" gesagt hatte, die Ge- schworenen, welche den Sprechmeister Vogel von der Anklage des Meineids freisprachen, müßten zu der Ansicht gekommen sein, daß die zwölf Schwurzeugen des sozialdemokratischen Bäckerverbandes zwölf Meineide geleistet hätten, und daß die Sozialdemokratie im Kampfe gegen die Gelben vor dem Meineid als Kampfmittel nicht zurückschrecke. Einer der Zeugen, der zu den zwölf in dieser Weise von Lebius Gekennzeichneten gehörte, hat gegen diesen geklagt, ober eine Verurteilung des Angeklagten nicht erzielt. Das wird nun in der neuesten Nummer des„Bund" so dargestellt: Daß Lebius wegen dieser Aeußerung nicht verurteilt wurde, sei wohl dem Umstände zuzuschreiben, daß sein Verteidiger Einzelheiten über die Aussagen von Zeugen im Vogelprozeß vorbrachte. Lebius, der ja als Angeklagter dem Charlottenburger Prozeß von Anfang bis zu Ende beiwohnte, muß wissen, daß diese Darstellung, welche angeblich von dem Gerichts- berichterstatter des„Bund" verfaßt sein soll, der Wahrheitebensozuwiderläuft.wiedieVerdächti- gung von den a n g e b l i ch e n soz i a l d e m o k ra ti s ch e n Meineiden im Kampfe gegen die Gelben.— Was Lebius' Verteidiger dem Schöffengericht über den Prozeß Vogel erzählte, waren einseitige, subjektiv gefärbte Angaben, die nicht Gegenstand des Beweises waren. Der Verteidiger der Kläger, Rechtsanwalt Heinemann, hat denn auch für den Fall, daß das Gericht auf die von Lebius' vorgetragenen Einzelheiten Ge- wicht lege, die Ladung des Staatsanwalts Rasch beantragt, der die Anklage im Vogelprozeß vertrat und hier die Angaben des Verteidigers Lebius' als unzutreffend bezeichnen werde. Da das Gericht diesem Beweisantrage nicht stattgab, hat es also die subjektiven Schilderungen des Anwalts des Angeklagten für un- erheblich erachtet. Tatsächlich ist auch in der Urteilsbegründung vor den Ohren des Angeklagten Lebius klar und deutlich gesagt worden, daß er wegen Beleidigung des Klägers S t e i n k o p f sdes Zeugen im Vogelprozeß) lediglich deshalb nicht verurteilt wor- den ist, weil Lebius nicht gesagt hatte, daß gerade Steinkopf zu denen gehöre, die er des Meineids verdächtigte. Also nicht, was Rechtsanwalt Löwe über den Vogelprozeß erzählte, sondern lediglich formale Gründe waren es, die für das Urteil des Gerichts bestimmend waren. Das muß Lebius wissen. Trotzdem läßt er sich von seinem„Gerichtsbericht- erstatter" einen Artikel schreiben, der die Wahrheit auf den Kopf st e l l t und die Verleumdung, es seien von Sozial- demokraten im Kampfe gegen die Gelben Meineide geschworen, aufs neue wiederholt. Seine niedrige Kampfesweise wird hierdurch aufs neue gekenn- zeichnet. den Knechten den jährlichen Lohn auf 270 M. zu kürzen statt der 300 bis 330 M., die man ihnen jetzt zahlt. Sodann wollen sie Beginn und Schluß des Dienstjahres aus Neujahr verlegen, während der Dienstwechsel jetzt landesüblich auf Martini fällt. Den Vorteil von der Neuerung hätten natürlich die Herren Agrarier, die zu Neujahr, wenn die Knechte nirgends anders mehr unterkommen konnten, die Löhne noch mehr drücken könnten. Deshalb verzichtete der größte Teil der Knechte, unter diesen Bedingungen weiter zu dienen und die„Herren" sind jetzt ohne männliche Hilfsarbeiter. Die Höchster Möbelfabrikantc» kündigten Ende August dieses Jahres den mit dem Holzarbeiterverband abgeschlossenen Tarif- verlrag. Am 22. September wurde von den Fabrikanten der neue Vertragsentwurf überreicht. Nach Versicherung der Unternehmer sollten keine Verschlechterungen platzgreifen, sondern die Akkordpreise sollten einer„Regelung" unterzogen lverden. Wochenlang mußte verhandelt werden, damit bei der„Regelung" die Verschlechterungen, die im Entwurf vorgesehen, wieder einigermaßen ausgemerzt waren. Um zu verhüten, daß irgendwelche Verschlechterungen eintreten, ivurde vom Holzarbeiterverband ein entsprechender Passus im Verlrage ver- langt. Dieses lehnten die Fabrikanten brüsk ab, trotz der Be. teuerungen, daß sie nicht die Absicht haben, irgendwelche Ver fchlechterungen durchzuführen. Ein weiterer Differenzpunkt war die Verkürzung der Arbeitszeit auf 54 Stunden lbisher 55 Stunden). Vor der beschließenden Ver sammlung der Holzaibeiter verbreiteten die Unternehmer ein Flugblatt „An unsere Arbeiter!" in dem den Arbeitern plausibel gemacht werden sollte, warum die Stunde Arbeitszeitverkürzung nicht zu gestanden werden könne. Ferner wurde der Versuch gemacht, die Kommissionsmitglieder gegen ihre Kollegen aufzuspielen. Die Holz arbeiter erklärten sich bereit, mit den Unternehmern einen neuen Vertrag abzuschließen unter der Garantie, daß Verschlechterungen nicht eintreten. Die Frage der Arbeitszeitverlürzung sollte durch einen Schiedsspruch entschieden werden. Die„friedliebenden" Höchster Möbelfabrikanten lehnten dieses ab und warfen die Arbeiter in brutaler Weise aufs Pflaster. Wenn jemals Mitglieder des Arbeit geber-Schuyverbandes in frivoler Weise eine Aussperrung herauf- beschworen haben, so sind es die Höchster Fabrikanten. Ausgesperrt sind bis jetzt 230 Mann in acht Fabriken. Vier Firmen habe» nicht ausgesperrt. Da die Arbeiter sich in den Fabriken, wo ausgesperrt wurde, solidarisch erklärten und die Arbeil niederlegen, kommen für die Bewegung zirka 400 Holzarbeiter in Betracht. Zuzug ist deshalb nach Höchst a. M. strengstens fern- zuhalten. Tie Vereinigung der Lederwaren- und Reiseartikelfabrikanten in Offen dach a. M. hat in ihrer letzten Generalversammlung, im Gegensatz zu den Berlinern, einstimmig beschlossen, die Streik- Versicherung einzuführen. Demzufolge wurde der Vorstand er- mächtigt, wegen des Anschlusses sämtlicher Mitglieder der Vereini gung an die„Gesellschaft des Verbandes sächsischer Industrieller zur Entschädigung bei Arbeitseinstellungen" heranzutreten. Dieser Beschluß gewinnt erst besondere Bedeutung, wenn man sich ver gegenwärtigt, daß im Juni 1011 das Vertragsverhältnis, an dem alle Unternehmer mit mehr als 6000 organisierten Arbeitern inter- essiert sind, abläuft und die Unternehmer den Vorsatz gefaßt haben, wegen der enormen Belastung durch Einhaltung des Tarifvertrages diesen nicht mehr zu erneuern. Vyr allen Dingen wollen sie jede Einschränkung der Heimarbeit und des Zwischenmeister systems verhindern. In der Ausschußsitzung im August dieses Jahres zu Frankfurt a. M. hat der Zentralvorsitzende, Syndikus chloß m acher, betont, daß er sein Amt niederlegen muß, so- bald die Streikversicherung abgelehnt wird. An einer anderen Stelle hat er ausdrücklich hervorgehoben,„daß die Heimarbeit und das Zwischenmeistersystem eine Lebensfrage für die Portefeuille- industrie ist, die sie nur auf dem Weltmärkte konkurrenzfähig er- halten kann. Auch bietet die Heimarbeit und das Zwischenmeister shstem den Verlegern die Möglichkeit, ohne Fabrikbetrieb ein lohnen des Geschäft zu machen." Die Unternehmer finden eine schwere Belastung darin, daß sie Akkordlohntarife aushängen sollen, wonach den Heimarbeitern die gleichen Löhne wie den Fabrikarbeitern be- zahlt werden müssen. Auch wollsn sie auf die Dauer nicht mehr die Kontrolle übernehmen, daß auch die von ihnen beschäftigten Zwischenmeister die vertraglichen Verpflichtungen einhalten. Diese zwei prinzipiellen Arbeiterforderungen würden bei ihrer Ab- lehnung im Vorjahre zu einer allgemeinen Arbeitseinstellung ge üihrt haben. Jetzt halten die Unternehmer die Zeit für gekommen, wegen Beseitigung dieser tariflichen Bestimmungen mit den Ar- beitern einen offenen Kampf zu wagen. Ein Grund für alle Portefeuiller und Reiseartikelsattler, sich mehr und mehr um die Organisation zu scharen. Achtung, Textilarbeiter! In der Sport- und Wevereiabteilnng der Firma I. Elsbach, Berlin, Görlitzer Str. 52, dauert der Streik unverändert fort. Wir wollen nun darauf hinweisen, daß die Firma in Strausberg und Kloster Zinna immer noch Streikbrecher anzuiverben sucht: sie macht denselben hohe Versprechungen, die sie aber nicht halten kann. Be- dauerlich ist, daß Arbeiter immer noch auf solche Versprechungen hinelnfallen. Jeder Unternehmer zahlt ja den Judaslohn nur so lange, als er durch denselben einen Vorteil haben wird. Die Streikleitung. Dcutfcbes Reich. Ein Streik pommerscher Dienstknechte. Jn Wo ltin bei Greifenhagen a. O.(nahe Stettin) ist ein Streik der Die»st knechte ausgebrochen. Die Großbauern, sämtlich im landwirtschaftlichen Verein organisiert, haben beschlossen. Wegen Beleidigung des Borstandes der Bergarbeiter wurde der Bezirksleiter Steger-Ober Hausen vom Gewerkverein christ- licher Bergarbeiter zu 50 M. Geldstrafe und Publikationsbefugnts verurteilt. Es handelt sich um die Sache, die vom Schöffengericht Oberhausen das erstemal vertagt worden war, weil Steger angeb- lich Influenza hatte, und die im zweiten Termin abgewiesen wurde, weil die Kläger infolge Zugverspätung drei Minuten nach ostgesetzter Terminzeit erschienen waren. Die gegen dieses Urteil eingelegte Beschwerde war von Erfolg. Die Sache wurde in den vorigen Stand zurückversetzt. Nach der Klageschrift hatte Steger in einer christlichen Berg arbeiterversammlung u. a. behauptet: beim Bergarbeiterverband 'den Unterschlagungen in größerem Umfange vorgekommen; mit Zer Entlassung des früheren Verbandsbeamten S p a n i o l habe der Verbandsvorstand einen Justizmord verübt; auch habe der Ver- bandsvorstand von den gesammelten Streikunterstützungsgeldern den Verbandsbeamten Revolver gekaust, mit denen sie die Unterstützung Nachsuchenden„traktieren" sollten.— In der Verhandlung, die bis zum späten Abend dauerte, stellten die von dem Beklagten gestellten Zeugen die Sache in wesentlich günstigerem Lichte dar, so daß das Gericht nur die Behauptung, die Revolver betreffend, als wirklich - otan ansah. Erwähnt mag noch werden, daß die Christen diesen Prozeß dazu benutzen wollten, um eine große Mohrenwäsche an sich elbst vorzunehmen. Sie hatten eine große Anzahl Führer ge- aden, die über alles mögliche und unmögliche vernommen werden ollten. So sollte der Zentrumsführer T r i m b o r n aus Köln bezeugen, daß der christliche Bergarbeiterverband mit dem Zentrum nicht has. geringste zu tun habe. Der Generalsekretär des genann- ten Verbandes. Reichstagsabgeordneter Franz Behrens, sollte Gelegenheit bekommen, als Zeuge auszusagen, daß er seinen Vor- chlag, der rheinisch-wcstfälischen Großindustrie ein Reichstags- mandat im Ruhrgebiet zu überlassen, nur im Interesse der Ar- beiter gemacht habe, weil er davon eine bessere Verständigung mit der Industrie erhoffte; daß ferner er auch nur im Interesse der Arbeiter Mitglied des Siegerländischen Erzbergbauvereins geworden sei u. a. m. Alle diese Beweismittel lagen aber von der zur Ver- Handlung stehenden Sache so entfernt, daß der Richter sie trotz aller Redekünste des Rechtsanwalts Schreiber, den die Christen sich eigens aus Köln hatten kommen lassen, als nicht zur Sache ae- hörig ablehnte. Tlusland. Gewerkschaftsbewegung in Japan. Seit kurzem erscheint in Chicago(Nordamerika)' in eng- lischer und japanischer Sprache ein Gewerkschaftsblatt„Der Ar- beiter". das kurzlich eine kurze Uebersicht über den augenblick- lichen Stand der gewerkschaftlichen Bewegung jenes Jnselreiches brachte. Besondere Fachgewerkschaften bestanden in Japan schon seit dem Jahre 1886. Sie wurden auch im allgemeinen von der Re- gierung geduldet— bis zum Jahre 1900.'Bis dahin waren die Ideen des konservativen Politikers Uajiro Shinagawa, der, ganz nach europäischem Muster, die Jnteressengemeinsckmft von Unternehmern und der Arbeiterklasse betonte, in der Gewerkschafts- bcwegung maßgebend gewesen. Von diesem Geiste Sar auch die bedeutendste Fachorganisation, die der Buchdrucker in Tokio, wie manche andere beseelt. In einzelnen Gegenden erlangten diese Verbände recht große Ausdehnung, so daß sogar einzelne Lokal- behörden den ihnen unterstellten Arbeitern den Beitritt zwangs- weise auferlegten. Um das Jahr 1300 begann jedoch der sozial!- stische Gedanke in Arbeiterkreisen an Boden zu gewinnen. Schon 1905 wurden zwei von den alten Einflüssen unabhängige Organi- sationen der Bergarbeiter gegründet, die sehr bald zu großer Be- deutung gelangten, eine große Anzahl von Streiks und Boykotts durchführten, bei denen es wiederholt zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei und der Soldateska kam. Auch in manchen anderen Berufen hat die Bewegung trotz aller Unterdrückungsversuche von Unternehmern und Regierung festen Fuß gefaßt, und machen di- Gewerkschaften zurzeit eine Art Klärungsprozeß durch. Die modernen gewerkschaftlichen Ideen stehen in dieser jungen Be- wegung den rein syndikalistischen gegenüber. Huö der Frauenbewegung. (Siehe auch 5. Beilage.) Lösung der Dienstbotenfrage. Die konservativen Frauen haben sich zu der Erkenntnis durchgerungen, daß im Dienstbotenwesen große Mißstände bestehen, die dringend der Abhilfe bedürfen. In einem den gesinnungstüchtigen Organen beiliegenden Flugblatt werden die Damen aufgefordert. sich der guten Sache zu widmen durch Beitritt zum neuen Haus- frauenbunde. Welche„Mißstände" man beseitigen will, das geht aus der Aufzählung dieser in dem Flugblatt hervor. ES find die folgenden: oft mangelhafte, oft gänzlich fehlende Vorbildung der Mädchen. die de» Leistungen häufig nicht entivrechenden Lohnforderungen, das Unwesen auf dem Gebiet der Stellenvermittelung, den häufigen Wechsel der Stellung usw. Die hier aufgezählten Mißslände sind so groß, daß eS am besten sein dürfte, die Damen machten der Qual ein Ende und spielten— selbst Dienstmädchen. Arbelterinuenschutz in der Schweiz. Die Regierung des Kantons Tessin hat dem Großen Rat einen Gesetzentwurs zum Schutze der erwachsenen Arbeiterinnen und der Jugendlichen beider Geschlechter in den Läden, Gasthöfen und Wirtshäusern vorgelegt, dem wir folgendes' wesentliche entnehmen: Der Entwurf untersagt die Anstellung von Mädchen und Knaben unter 14 Jahren, sowie von Frauen innerhalb der vier Wochen nach der Niederkunft in Läden, in Gast- und Wirtshäusern und sichert sämtlichen Angestellten und Bedienten der einen oder der anderen Kategorie neben der vollen Sonntagsruhe mindestens je einen ganzen oder zwei halbe freie Tage in der Woche. Die Maximal. dauer der Arbeit wird auf 11 Stunden im Tage bei einer mindestens einstündigen Pause für das Hauptessen festgesetzt. Die Ladenbesitzer haben die Magazine an allen Sonntagen und Feier- tagen geschlossen zu halten; nur den Lebensmittclläden ist der Per- kauf bis 10 Uhr vormittags gestattet. Die Gasthof- und Wirts- Hausbesitzer werden verpflichtet, dem Personal hygienisch befriedi- gende Wohnräume anzuweisen. In den Läden, sowie in den Gast- Höfen und Wirtshäusern(mit Ausnahme derjenigen, die in ent- legenen Gebirgsdörfern während einer verhältnismäßig kurzen Zeit des Jahres betrieben werden) soll überdies zwischen 10 Uhr abends und 6 Uhr morgens jede eigentliche Arbeit unterbleiben; die Nachtruhe soll wenigstens acht aufeinanderfolgende Stunden be- tragen. Es bleibt abzuwarten, was das kantonale Parlament aus der Vorlage machen wird. Gerichts-Zeitung. Das Heroldsamt als„staatliche Behörde". Im Gegensatze zum zweiten Strafsenate des Kammergerichtes und im Einklang mit einer Entscheidung des Oberlandesgerichtes Königsberg nahm das Reichsgericht in einer am Freitag gefällte» Entscheidung an, daß das Heroldsamt befugt ist, über die Führung von Prädikaten des niederen Adels zu urteilen und sie zu verbieten. Die Entscheidung betraf das freisprechende Urteil eines„Von". dem das Heroldsamt die Berechtigung dieser drei Buchstaben ab- gesprochen hatte. Daß ein solches Urteil möglich war. zeugt von der rückständigen Organisation des preußischen Staates. Ein halb- wegs verständiger Mensch wird darauf kein Gewicht legen, ob er nach Ansicht des auf Kosten der Steuerzahler unterhaltenen Herolds- amts berechtigt sei, durch drei Buchstaben anzudeuten, daß er von irgendwo her sei._ Die Zeitungsanzeige als Urkunde. Der Wirtschaftsgehilfe Florus Ulbricht in Podelwitz bei Gößnitz war bei einer junge» Dame von einem anderen ausgestochen worden und wollte sich dafür an beiden rächen. Er setzte deshalb eine Anzeige auf, in welcher beide als Neuverlobte sich empfehlen und schickte sie unter falschem Namen a» zwei Zeitungen, von denen eine sie aufnahm. Das Landgericht Altenburg verurteilte U. am 24. August wegen Urkundenfälschung zu 14 Tagen Gefängnis. Auf seine Revision hob am Freitag das Reichsgericht das Urteil auf. weil nicht ausreichend festgestellt ist, daß der Angeklagte in der Absicht handelte, anderen Schaden zuzufügen. Sobald diese Fest- stellung getroffen ist, wird die Verurteilung bestätigt werden. Verantw. Redakt,: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: ktz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:VorwärtSBuchdr.u.LerIag»anftaU Paul Singer& So., Berlm SW, Letzte JVachricbten und Depefchen. Das Urteil im Bergmanv-Prozeh. Berlin. Die Strafkammer des Landgerichts III verurteilte gestern abend Frau Dr. Elise Bergmann wegen fortgesetzter Körperverletzung ihrer Stieftochter im Sinne der§Z 223 und 223a zu zwei Monaten Gefängnis. Für die erlittene Untersuchungshaft wurden 3 Wochen in An- rechnung gebracht.— Der Staatsanwalt hatte 4 Monate Ge- ängnis beantragt.__ Kommunal-Wahlsiege. Elbiag, 20. November.(Privatdepesche deS.Vorwärts".) Bei der heutigen Etadwerordnetenwahl errangen dir Sozial- demokraten einen glänzenden Sieg. Unsere Liste siegte mit 300 Stimmen Mehrheit. Elmshorn, 20. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".)� Bei der heutigen Stadtvcrorbnctenwahl siegten die Kandidaten der Sozialdrmokratie mit 600 über 550 bürgerliche Stimme«. Zollfreie Einfuhr von Seeschiffen. Petersburg, 20. November.(W. T. B.) DaS Handels- Ministerium wird in der Reichsduma einen Geseyentwurf be. treffend die zollfreie Einfuhr von eisernen Seeschiffen für die Dauer von 10 Jahren einbringen._ Hierzu 5 Beil-gen. Dr. 272. 26. ZahrMg. I Le!>»Zt des Jirnärts" ZoNtüg, 21. November 1909. Im 12. Candtagswaljibczirh babeu mehrere Wahlmänner abgelehnt, weshalb Neuwahlen stattfinden müssen, außerdem muß eine nochmalige Stichwahl erfolgen. Der Termin dieser Wahlinanncrwahlen ist auf ommenden Dienstag, de» 23. November, festgesetzt und zwar von vormittags S bis mittags 12 Uhr. A. Die zweite engere Wahl findet statt: UrWahlbezirk 1293. Pntlitzsteg, Dahnhof Putlitzstrahe, Südufer, Torfftr. 5— 8 und 32—35. Wahllokal: Südufer 23 bei John. 2. Abt. zwischen Arbeiter Robert Schmidt und Lokomotivführer Erd- mann Wolff. R Neuwahlen finden statt: Im 1280. UrWahlbezirk. Bandelstr. 12-18 und 22-31. 2. Ab- teilung für 2 Wahlmänner. Wahllokal:„Hohenzollernsäle", Bändel- strafet' 36, Wintergarten. Im 1295. Urwahlbezirk. Jnvalidenstr. 55a, Krupp str 1 und 16/17, Lehrtcrstr. 52—61. Seydlitzstr. 1— 13 und Oberfeuerwerkerschule. 2. Abteilung für 1 Wahlmann. Wahllokal: Lehrterstrafee 52 bei Wähner. Im 1300. UrWahlbezirk. Lehrterstr. 33—42. 2. Abteilung für 1 Wahlmann. Wahllokal: Lehrterstr. 34 bei Ladewig, Vereins- zimmer, Eingang vorn. Da der endgültige Ausfall der Abgcordnetenwahl nur von einigen Stimmen abhängig ist, müssen die Genossen alles tun. um die zur Wahl stehenden Wahlmannsinandate für 4 j unsere Partei zu getvinnen. » Prozeß der Frau Dr. Bergmann. Der Prozeß gegen Frau Dr. Else Bergmann wegen Kindes- Mißhandlung wurde gestern um 11 Uhr sortgesetzt. Rechtsanwalt Dr. Schwindt unterbreitete dem Vorsitzenden folgendes: Auf seine Veranlassung sei gestern eine Frau Schumann als Zeugin ver- nommxn worden, die gegen die Aussagen des Dicnstmäddchens Semkat etwas zu bekunden hatte. Als diese Frau Schumann gestern nach Schluß der Sitzung das Gerich tsgcbäude verließ, sei sie von einer Anzahl Zuhörer bedrängt und bedroht worden. Nebenbei bemerkt hätten diese offenbar gegen die Angeklagte voreingcnommc- neu Personen auch die Drohung ausgesprochen, daß er gelyncht lverden würde, falls er es wagen würde, die Angeklagte noch weiter zu verteidige». Da noch mehrere Zeugen heute Aussagen zu- gunsten der Angeklagten machen würden und vielleicht auch gegen diese Einschüchterungsversuche zu erwarten seien, so erbat der Per- tcidiger den Schutz des Borützeuden für die Zeugen. Landgerichts- direktor Gockel entsprach diesem Wunsche, indem er an die Zu- börer die ernstliche Mahnung richtete, sich jeglicher Bekundung von Sympathie und Antipathie zu enthalten. Das Urteil spreche nicht das Volk, sondern das Gericht. Für das Gericht könne die so- genannte Volksstimme nicht maßgebend sein, das Gericht urteile nach seiner besten Ueberzeugung auf Grund der Ergebnisse der mündlichen Verhandlung. Der Ehemann der Angeklagten, Zeuge Dr. med. Bergmann, tritt mit großer Entschiedenheit den gegen seine Ehefrau erhobenen Beschuldigungen entgegen. Die Er- ziehung seiner Tochter Marie habe'von jeher große Schwierigkeiten gemacht, denn ihre Charakterfehler zeigten sich bei vielen Gelegen- Heiteil. Sie war verlogen, faul, nachlässig, liederlich, maßlos un- sauber und besaß eine große Berstcllungskunst. Im Frühjahr 1906 habe er dem Drängen des Kindes nachgegeben und Mariechen in seine Häuslichkeit nach Berlin genommen, aber sie habe ihnen fort- gesetzt schweren Aergcr bereitet. Durch nichts in der Welt konnte sie zur Ordnung und Reinlichkeit angehalten werden. Sie benahm sich bei Tisch so. daß die Mahlzeiten zu gelinden Nervenfoltern ivurden. Dennoch habe sie in jener Periode keine Schläge erhalten, sie habe es vielmehr sehr gut gehabt, der Verkehr zwischen der An- geklagten und ihrer Stieftochter nicht nur als einwandfrei, sondern sehr zärtlich gewesen; alle ihre kleinen Wünsche wurden erfüllt. Er habe sich dann sehr gewundert, daß das Dienstmädchen Semkat eines Tages ihm mitteilte, sie habe von Mariechen gehört, daß diese jede Nacht von ihrer Stiefmutter aus dem Bett herausgerissen werde und daß die Eharselongue, auf der Marie schlief, ganz ver- kleines feuilleton. Weiß als Trauerfarbc. Wenn der Totensonntag unö mit den Stimmungen der Trauer auch die schwarze Trauer- t rächt wieder vor Augen führt, so erinnern wir uns daran, daß die eigentliche Trauersarbe auch bei uns lange Zeit das Weiß gewesen ist, wie es noch heute bei manchen Völlern getragen wird. Ursprünglich drückte die weihe Tracht die feierliche Stimmung aus. Das Gewand des Priesters und des Trauernden war weiß. Auch heute noch wählt man mit Vorliebe weißblühende Pflanzen als Trauerblumen. Im Volksglauben verkünden weiße Blätter am Hausbaum, weiße Schmetterlinge und nberl)aupt weiße Tiere 3en nahenden Tod. In den deutschen Volkstrachten hat sich auch heute noch die weiße Farbe erhalten, so z. B. noch in Graubünden und hier und da in anderen Kantonen der Schweiz. Wichtig für das Festhalten des Volksglaubens an der weißen Trauersarbe ist die Bedeutung, die sie für die Traumdeutung besitzt. Jedem steht der Tod bevor, der von weißen Mäustn träumt, von Iveißen Rüben, weißblübenden Pflanzen, weißen Haaren, von weißer Wäsche, die am Trockenseil hängend im Winde flattert usw. Die schwarze Farbe hat in der volkstümlichen Traumdeutung über- Krupt leine Beziehung auf den Tod. sondern an ihrer Stelle gilt überall die blaue. Mannigfache Erinnerungen an die Ursprung- liche Bedeutung des Weiß und seine Beziehung zum Tod haben sich ja noch überall in unserer Kultur und Dichtung erhalten. Der Palazzo Strozzi als Staatseigentum. Aus Florenz wird berichwt: Die berühmte Perle der Hausarchitektur des Quattrocento >dcS l5. Jahrhunderts), der Palazzo Strozzi, wird nun aufhören, Privateigentum der Familie Strozzi zu sein: er geht in de» Besitz der Siadt Florenz über. In seinem Testamente hatte Fürst Picro Strozzi das berühmte Bauwerk zum Nalionaidenkmal bestimmt und es der Stadt Florenz und dem� italienischen Staate vermacht mit der einzigen Bedingung, daß seine Witwe entschädigt wird. Nach der Berechnung des Verstorbenen würde diese Entschädigungssumme annähernd 1200000 M. betragen. Auch die historischen Reliquien der Familie und die Porträtsammlung der Strozzi sollen in den Besitz der Stadt und des Staates übergehen. In seinem Testaiuente führt der Fürst aus, daß er von privater Seite so glänzende An- erbieten für den Palast imd die Familienrcliqnien erhalten habe, daß er seine Familie in ihren alten Reichtum wieder hätte einsetzen können, aber im Interesse seines Vaterlandes lehnte er diese An- erbielungen ab in der Erwartung, daß der Staat und die Stadt Florenz das nnverhältnisinäfeig geringe Opfer bringen würden, um in den Besitz dieses nationalen Denkmals zu kommen. Theater. Neues Theater. Gastspiel DeSpröS. Snzanne Desprös ist bei der Zusammenstellung ihres Repertoires nicht be- sonders gut beraten worden. Sie begann mit einem Experiment, das nicht eben charakteristisch ausfiel(.Elektro'), und sie fährt fort wanzt sein solle. Er habe sofort gewußt, daß die Sache so, wie sie von der Semkat dargestellt worden, unmöglich wahr sein könne, und dies sei ihm später durchaus bestätigt worden. Als er seine Tochter Marie eines Tages befragte, was sie denn dem Dienst- mädchen erzählt habe, habe das Mädchen hoch und heilig beschworen, daß sie der Semkat kein Wort von dem gesagt habe, was diese mit- geteilt habe. Er habe dann aber, angeekelt von der ganzen Sache, doch beschlossen, daß Marie wieder in ein Pensionat kam. In der ganzen Zeit vom Sommer 1906 bis Weihnachten 1006, wo das Mädchen wiederholt zu Besuch kam, hat die Stiefmutter die Tochter nie schlecht behandelt; in dieser ganzen Zeit ist das Kind nicht mit einer einzigen Klage gegen die Stiefmutter hervorgetreten, sie hing vielmehr an der letzteren mit einer fast übergroßen Zärtlichkeit. Der Zeuge erklärt alle Behauptungen der Semkat bezüglich der schlechten Ernährung, des schlechten Lagers des Mädchens usw. für absolut unwahr. Das Lager, welches dem Mädchen zugewiesen war, war in keiner Weise irgendwie vernachlässigt. Als dann das Pensionsverhältnis bei Fräulein Dörstling aufhörte und das Mäd- che» wieder ins Haus genommen wurde, habe sich, wie der Zeuge weiter bekundet, gezeigt, daß sie von ihren üblen LHaraktereigen- schaflen noch nichts eingebüßt hatte: sie war noch immer so schmutzig, liederlich, hinterhaltig, lügenhaft wie früher und man mußte eine himmlische Geduld init ihr haben. Schließlich, als alle Versuche, ihr Ordnung und Reinlichkeit beizubringen, mißlangen, habe er sich endlich dazu entschließen müssen, dem anscheinend unverbesserlichen Mädchen auch im Notfalle eine körperliche Züchtigung angedeihen zu lassen. Zu diesem Zwecke habe er eines Tages zwci dünne Rohr- stöckchen gekauft und seine Frau autorisiert, das Mädchen amH einmal zu züchtigen, wenn sie es gar zu toll triebe. Er selbst ser auch einmal in die Lage gekommen, das Mädchen mit dem Stock züchti- gen zu müssen, doch gehörte die Anwendung des Rohrstöckchens doch nur zu den Ausnahmen. Die Anwendung der Lichtbäder sei in- folge der Furunkulose, an der das Mädchen litt, notwendig ge- Wesen und durchaus sachgemäß dem Kinde appliziert worden. Marie habe sich dabei allerdings vielfach ganz ungebärdig benommen und habe geschrien. Richtig sei es, daß, wenn das Mädchen ohne Grund zu sehr brüllte, seine Frau mit dem Stock gegen die Scheibe des Apparats geklopft und dem Kinde geboten habe, ruhig zu sein. Richtig sei auch, daß das Mädchen einmal nach dem Bade Er- brechen hatte. Das konnte aber gar nicht auffallen, denn das Mädchen hatte öfter Erbrechen, namentlich zu jener Zeit, denn Marie hatte die üble Angewohnheit, alle mögliche Nahrung hinein- zuprumpscn. Der durch die Furunkulose hervorgerufene allgemeine Juckreiz habe die Marie veranlaßt, sich überall zu kratzen, und da sie dies stets mit schmutzigen Fingern tat, so wären große Wunden und offene Stellen entstanden. Das Mädchen habe stets mit ihnen zusammen gegessen, mit Ausnahme einer Zeit, in welcher es aus seine Anordnung wegen einer durch Kratzen hervorgerufenen Wunde habe das Bett hüten müssen. Unwahr sei es, wenn behauptet werde, daß die Speisen, welche der Marie vorgesetzt wurden, ab- sichtlich stark vorsalzen worden seien. Seine Frau habe ihm nie- mals ein Zeichen der Abneigung gegen die Stieftochter zu erkennen gegeben. Auf Vorhalt gibt der Zeuge zu, daß es einmal zwischen ihm und seiner Frau zu einem Zank gekommen sei, er bestreitet jedoch die Behauptung der Semkat, daß es sich bei dieser Differenz um die Behandlung des Mädchens handelte. Was die„Spuk- gcschichte" betrifft, bei der seine Frau mit umgehängtem Laken als„Gespenst" erschienen sein soll, so handelte es sich um einen einfachen Scherz, wie man ihn im Monat Januar und Februar zu treiben pflegt. Die Marie habe sich, wie der Zeuge ausdrücklich er- klärt, niemals bei ihm über schlechte Behandlung oder Mißhand- lungen beschwert. Er sei der Meinung, daß das Mädchen in ganz systematischer Weise den Plan verfolgt habe, ihre Eltern zu zwingen, sie nicht im Hause au behalten, sondern wieder in Pension zu geben. Zeuge glaubt dies durch verschiedene kleine Vorfälle, die er schildert, beweisen zu können. Das Mädchen habe nach seiner festen Ueberzeugung durch Vermittelung der Krüger mit den Haus- nachbarn konspiriert und die tatsächlichen Verhälwisse erschienen dann in dem Hohlspiegel des gehässigen HauSklatschcs völlig ver- zerrt. Auf einen Vorhalt des Kreisarztes»©!. Schönstabt gibt Zeuge Dr. Bergmann zu, daß manche Leute Lichtbäder nicht vertrage» und von unangenehmen Nebenwirkungen belästigt lverden. Er habe aber nicht Umschläge aus den Kopf oder dergleichen bei dem Kinde verordnet, Iveil nach seiner Meinung bei dem Kinde mehr ein psychischer Zustand vorlag, den man Ungezogenheit nennt.— Auf weiteren Vorhalt gibt Dr. Bergmann die Möglichkeit zu, daß eine kleine Brandwunde, die Dr. Schönstadt an der linken Hand mit Theaterstücken, die in einem goivissen Kontrast zu dem stehen, was ihre Eigenart ausmacht.„Der Dieb" von H. Bernstein ist eine Mache ohne jeden Reiz. Das Problem— sofern davon die Rede sein kann— ist völlig verwässert und ins Rührselige verdreht. Eine Frau stiehlt ihrer Freundin Geld, um ihren über alles geliebten Mann durch— Kleider an sich zu fesseln. Ein verliebter Jüngling nimmt heroisch die Schuld auf sich; aber der Mann, der hinter ihr Geheimnis komint, entpuppt sich als kleinlich und sgrnndlos) eifersüchtig. Man erwartet, daß nun der edle Jüngling ihr Herz gewinnt. Indes nach einem offenen Geständnis der Frau kommt alles wieder ins Gleise. Der Ehemann verzeiht und der aufopfernde Jüngling wird mit einem Schwesterkuß entlohnt. Frau D e s p r e§ ist viel zu natürlich und echt für diese konstruierte Puppe und andererseits wieder nicht kokett und solonmäßig genug. Ein Stückchen ihrer Kunst zeigte sie im ersten Akte, wo sie sich unbekümmert um die Konvention und etwas gannnhaft zeigte, volle Natnrtöne fand sie in der großen Szene des zweiten Aktes, wo ihre reine und keiner Schuld bewußte Liebe fleht, rührt und sich gegen alle Verdächtigung behauptet. Wie sie dann im dritten Alte dem armen Jüngling wie ein guter Kamerad zuredet und von seiner Leidenschast zu heilen versucht, war wunderbar schlicht und voll lvarnien Gefühls.— Aber unsere Fttige bleibt: hat die französiickie Daincnliteratur nichts Besseres für diese geborene Realistin, für diese Darstellerin der Natürlichkeit als„Der Dieb" und„Monna Banna"?— r. Friedrich-Wilhelm städtisches Schauspielhaus: „L i s e l o t t" von Heinrich S t o b i tz c r. Was für den Geschmack in Khrih an der Knatter gut genug wäre, sollte für ein Berliner Theaterpublikum nicht billig sein. Das hätte sich die neue Direktion sagen müssen, bevor sie es gewagt hätte, dieses harmlose Provinzler- stuckchen hierorts zu servieren. Der Verfasser meint es ja ganz gut mit seinem„historischen" Lustspiel. Er leistete sich da eine artige Hymne auf„teutscher" Frauen Zucht und Wesen, desgleichen auf Sauerkraut und Wurst nach Urväters Weise. Nur vergaß er dies Gericht ein bißchen schmackhafter herzurichten. Seine literarische Kochkunst erhebt sich nirgends über Klischcespeise, selbst wenn er diese mit einein Portiönchen„attischen Salzes" würzt, indem er dem jungen Herzog in einer Pariser Vorstadtkneipe eine Tracht Prügel verabreichen läßt. Und was vollends die Briesepisode an- geht, so wird dem Autor ia bekannt sein, vatz der Russe Gogol sie in seinem„Revisor" nicht bloß zu allererst, sondern auch weit besser zur Geltung gebracht hat!— Die Inszenierung und Darstellung glich dieser abgestandenen Novität: sie war Provinzlerhaft; nur der „Strolch" von Emil Namcau trat aus dem Rahmen: aber er vermochte das Klischeebild nicht zu retten. e. fc. Humor und Satire. Willis Borussia«. Wir waren die feudalste Blase. und hotten höfische Manieren, wir tanzten jedem auf der Nase; wer schrie, der konnte was riskieren. des Kindes bemerkt hat, vom Lichtbade herrühren könnte. Bei Ausführung der Ungezogenheiten könne die Hand wohl an eine Glühbirne gekommen sein, doch handelte es sich um eine ganz un- bedeutende Sache. Weitere Beweisaufnahme. Der Pastor von der Heyde, welcher Gemeindelvnisenrat des 23. Bezirks ist, bekundet, daß ihm seinerzeit von der in demselben Hause wie Dr. Bergmann wohnhaften Waisenpstegerin Frau Samosch mitgeteilt worden sei, daß die kleine Marie B. von ihrer Mutter furchtbar mißhandelt werde. Zeuge hat dann sich mit verschiedenen Hansbewohncrir und anderen Leuten in Verbindung gesetzt, die sämtlich die Mißhandlungen bestätigten. Eine be- sondere Animosität gegen die Frau Dr. B. habe er bei den Leuten nicht wahrgenommen, wohl aber zeigten alle eine große Aufregung. Die nächste Zeugin, Frau Samosch, macht recht bemerkenswerte Angaben. Sie bekundet, daß ihr zuerst im Hause erzählt worden sei, daß die kleine Marie B. von ihrer Mutter mißhandelt werde. Sie habe sich deshalb zuerst an die Schnlvorsteherin Frl. Dörstling gewandt. Diese habe ihr erzählt, daß die kleine Bergmann soeben einer Mitschülerin eine Semmel weggenommen habe und vor Hunger ohnmächtig geworden sei. Die Zeugin hat dann bei einer oberflächlichen Untersuchung festgestellt, daß glücken, Brust und Arme mit Striemen nnd offenen Wunden bedeckt waren. Die Marie habe ihr bei dieser Gelegenheit auch ePählt, daß ihre Stief- mutier des Nachts als Gespenst cm ihrem Bette erscheine und sie frage, ob sie irgend etwas im Hause erzählt habe. Bei einer zweiten Besichtigung, welche die Zeugin in Gegenwart der Zeugin Liebig vorgenommen hatte, hat erstere gesehen, daß die Marie B. am Bein in der Nähe des Knöchels eine tiefe offene Wunde hatte» die mit alten Lumpen umwickelt war. Es war dies kein Lein- wandlappen, sondern ein Stück Wollappen gewesen. Eine ihr gereichte Semmel habe die Marie mit sichtbarem großen Hunger verzehrt. Die Zeugin bekundete dann weiter, daß sie in Gemein- schaft mit der Frau Liebig über vier Wochen lang die kleine Berg- maiiit mit Nahrungsmitteln versehen habe. Diese wurden zum Teil in einem Körbchen von der Wohnung der Zeugin vor das Fenster der darunterliegenden B.schen Wohnung an einem Strick heruntergelassen. Der Körper der Marie sei bis zu einem Skelett abgemagert gewesen. Auf eine Frage des Sachverständigen Dr. Schönstadt, ob die Wunden und Striemen, welche die Zeugin an dem Körper der kleinen Marie gesehen hat, etwa Kratzwunden oder Furunkeln gewesen sein könnten, erklärt die Zeugin, daß es sich ihrer Meinung nach um durch Schläge verursachte Striemen gehandelt habe. Die Zeugin Freitag war Dienstmädchen bei der Vorzeugin. Sie bekundet einen Vorfall, bei welchem sie die kleine B. hat schreien hören. Das Geschrei wäre von klatschenden Schlägen begleitet gewesen, wäre aber Plötzlich verstummt, als ob der kleinen B. der Mund zugehalten würde.— Frau Stanislaus bekundet einen Vorfall, der sich im Februar 1906 in der Küche abgespielt hatte. Als sie gerade dem Dienstmädchen Krüger eine Bluse ablieferte, sei die Frau Dr. B. hinzugekommen und habe der Marie befohlen, auf den Boden zu gehen, ihr aber dabei trotz der großen Kälte verboten, etwas um- zunehmen.— Die Zeugin Frau Bartsch bekundet, daß die Marie Bergmann trotz der größten Kälte stets nur mit einem dünne» Kattunkleidchen, einem kurzen Hemd und Baumwollstrümpfcn bekleidet gewesen sei. Irgendwelche wärmenden Unterkleider babc die Marie nicht ge- tragen. Einmal habe sie(Zeugin) gehört, wie die Frau Dr. B. dem Mädchen zurief: „Ich schlage Dir mitten inS Gesicht!" Bald darauf habe sie laut klatschende Schläge vernommen. Die Marie B. habe ihr einmal erzählt, daß sie immer so furchtbaren Hunger habe und sie sich schäme, immer von den Hausbewohnern Eßware anzunehmen. Sie habe schon einmal eine Schrippe aus dem Frühftücksbeutel der Liebig ge- nommen. Die Zeugin hat ihr darauf gesagt, sie solle so etwas nicht noch einmal machen, sondern zu ihr kommen, sie werde ihr schon zu essen geben. Einmal sei die Marie völlig durchnäßt zu ihr gekommen und habe ihr erzählt, daß sie von ihrer Stiefmutter mit Wasser begaffe» worden sei. Em Vizespieß bei den Soldaten wollt' aus Duellsnrcht sich bcscheufeeu. Ihn galt es besser zu beraten. Es gibt noch Richter für uns Preußen. Wir waren sichre Favoriten am allerhöchsten Gnadenorte, und wer den FuchS nur scharf geritten, der siegte im Regierungssporte, ward großes Tier bald und Minister. Denn Saufkomment und Randalieren— das weiß der dreckigste Philister— ist hohe Schule fürs Negieren. Und jetzt woll'n schäbige Pauker sich erdreiste», uns vorzuschreiben, was wir tun und lassen, die keine Ahnung haben, was wir leisten, und froh sein dürfen, wenn wir sie nicht schasse». Borussias finis! Preußen, laß dich löten! Die Zukunft Deutschlands liegt in tausend TrsimMStilk. Wer wird den Umsturz ferner spielend töten, wenn die Borussenfarvcn nicht mehr schimmern. Wie steh'» wir da, wir künftigen Exzellenzen, beraubt man uns all' dieser wicht'gen Chosen, verbietet man unS in Couleur zu glänzen! Einfach wie ein Mandril in Badehosen! _ Siez. Notizen. — D i e» S ch a r f r i ch t e r, die den Berliner Arbeitern dies» Woche ihre künstlerische Brettlkuust in zwei Aufführungen vorführten, haben ihre Couplets und Lieder im Scharfrichtcr-Verlage zu Leipzig erscheinen laffen. Ter Preis für das einzelne Lied(Text nebst Noten für Singstimme und Begleitung) beträgt 1,50 M. Eine billigere Ausgabe würde zweifellos noch mehr Liebhaber in Käufer verwandeln. — DieBrüsselcrfreie Universität begeht in diesen Tagen die Feier ihres 75jährigen Bestehens. Sie wurde von Liberalen begründet, als die Klerikalen die offizielle Wissenschaft völlig zum Werkzeug ihrer Interessen zu machen begannen. Sie hat trotz der klerikalen Verfolgungen manchem freien Gelehrten (auch Deutschen) in früheren Zeiten eine Wirkungsstätte eröffnet. Aber ste hat auch ihren bürgerlichen Charakter offenbart, als sie während einer Bnarchistenhetze dem großen Geographen Reclu» die Tätigkeit untersagte. Damals war es an der Zeit, daß die freie Wissenschaft sich eine neue, eigene Stätte schuf: die noch be- stehende„Neue Universität". So bietet die Brüsseler Universität ein gutes Beispiel für die Einwirkung der sozialen Kampfe auf die Wissenschaft. SsoS Dienstmnbchen Witt eck, welche die M/, Millionen Mark Roh- gewinn, 45'/z Millionen Mark Abschreibungen. Naturgemäß haben auch die Werke der Eisengroßindustri« unier der Wirkung der Krise zu leiden gehabt. Mit den aus jenen Kreisen herauSlöiieudcn Lamentationen über Preisdruck und hohe Her- stellungSkosten steht das finanzielle Ergebnis der Werke jedoch in NieMätiei'. Schier dreißig Jahre ist es her, da lernte ich in der Schule, daß die sogenannten Wiederkäuer sage und schreibe vier Magen oder Mägen haben: den„Pansen", auch„Wanst" und „Ranzen" genannt, den„Netzmagen" oder die„Haube", den „Blättermagen" oder„Kalender" oder„Buch" oder„Psalter" oder „Löser" und den„Labmagen". Die vier Mägen mit den elf Namen erregten damals meinen Neid, und wenn Mutter'was Gutes auf den Tisch brachte, dann wünschte ich mir mindestens den Netzmagen, um aus ihm die leckeren Bissen noch ein zweites Mal zwischen die Zähne spazieren zu lassen. Diesen frommen Wunsch behielt ich wohlweislich für mich, denn es schien mir ganz selbstverständlich, daß der liebe Gott die Gewohnheit hat, nur einer Reihe von Vierfüßlern die vier Mägen mit de» 11 slböncn Namen aus den Tisch des Leben« zu legen. Mein Zoologielchrer ist tot, und das bedaure ich sehr, weil ich ihn heute gar zu gern aufgesucht hätte, um ihm zu sagen, daß es auch zweifüßige Wiederkäuer gibt: Kerls, die sich den Wanst mit leerem Stroh vollfressen, das Zeug nur halb vertäuen, es in ihr ungewaschnes Maul zurückrülpsen und die Bescherung dann geradenwegs in den— Blättermagen verbringen.... Und was das Jnterejsanteste ist: ich habe entdeckt, daß diese wiederkäuenden Zweisüßler nicht bloß die eigenen Speisen auf die einst von mir so neidisch bewunderte Manier hin und her wandern lassen, sondern daß sie auch die eklen Reste, die schon anderen durch Maul, Magen und Darm marschiert sind, verspeisen und— pfui Teufel!— schließlich ihre Exkremente harmlosen Zeitgenossen als geistige Nahrung in die Krippe schütten. 0 Der Zweisüßler, dem ich meine Entdeckung verdanke, heißt N e u m a n n, er haust in Friedenau bei Berlin und ist in seinen Mußestunden zlveiter Redakteur der„Täglichen Rundschau". Die beschränkte Verlagsgesellschaft Otto Elsner hat sich dazu hergegeben, Geturtshelferdienste zu leisten und Pate zu stehen bei dem miß- geborenen Kinde, das in der Taufe den Namen erhielt:„Die «Äzialdemotratie als Arbeitgeberin und Unternehmerin"(für den deutschen Arbeiter und Bürger zusammengestellt(I) von Dr. Fritz Stephan Neumann). Schon in den Geburtswehen zeigte eS sich, daß da ein ganz außergewöhnlicher Wechselbalg mit riesigem Wasserkopf in die Welt gesetzt werden würde; denn wenn man auch daran gewöhnt ist, dag Kreißende schreien, so rechnet man doch darauf, daß die Hebammen loenigstens Ruhe bewahren. Nicht so die weise Frau Elsner. Die brüllte schon wochenlang vor der Geburt in alle Welt hinaus, was für ein prächtiger Bcngcl demnächst an wohlgesinnte, leichtgläubige Buchhändler zum Ladenpreis von 1,20 Mark abzugeben sein werde und wie die Herren Buchhändler durch Weitervergcbung des Kindes an denkfaule deutsche Bürger, an Krieger- und Flottenvercinler, Reichs- und Staatsbeamte, ja an einem sehr ungleichen Verhältnis. Die Gelvinncnchfäugcr zetern über die Begehrlichkeit der unter der Last verminderter Arbeits gelegenheit und unerhört hoher Lebensmittelpreise leidenden Arbeiter. Nimmer zu befriedigender Gewinnhimger ist das Motiv. Wie gut die gemischten Werke mit dem Geschäftsjahr 1803/09 abgeschnitten babcn, zeigt die nachfolgende Zusanimenstellung nach Angaben in der.Rh.-Westf. Ztg.": Aktienkapital Roh- Abschrei- Dividende Werke in Millionen gewinn blingen in Mark Mark Mark Prozent Phönix..... 100 23 000 600 11856 000 9 Gutekwfsnimgshiitte 2-1,0 11828 736 5 103 383 20 Bockminer Berein. 80.3 5 235 792 1 612 006 12 Union..... 42,0 4 390 298 2 847 383 5 Hösch...... 16 8 7 461 227 2 695 116 14 Rhein. Stahlwerke. 35,0 4 764 580 2 625 902 6' Hasper Stahlwerke. 5,0 900 646 637 893 5 v. d. Zypcn... 10 0 1450 133 600000 7>/z Laura limte..,, 86,0 6 272 549 4 500 120 4 Rombacher Hütte. 40.0 5 184 193 3 202 119 6 Aumey Friede.. 28.4 5 836 747 2 871 595 7 Deutsch-Luxemburg. 42,0 8 768 429 5 100 000 10 Maximilianshiitre. 7,6 8 406 660 1803 712 16 Bei rund 417 Millionen Mark Aktienkapital ergeben sich für die aufgeführten Werke 88 3A3 39a M. Rohgewinn und 45 547 100 M. Abschreibungen. Der Rohgewiun macht 21,23 Proz., die Summe der Abschreibungen 10,92 Proz. des Aktienkapitals ans. Die hohen Abschreibungen und die doch ganz respektablen Divieenden charakterisieren die Abschlüsse als durchaus günstig für die Unter- nehmer. Leider liegen keine Angaben über die Zahl der Arbeiter und über gezahlte Löhne vor, so daß ein Vergleich dieser mit de» Gewinnzifsent nicht möglich ist. Wie eine Zusammenstellung der Produktionsmengen ergibt, ist im letzten Geschäftsjahre gegenüber 1907/03 bei den 13 Werken die Kohlenförderung ziemlich kräftig, die Roheisenerzeugung etwas gestiegen, während die Produktion an Rohstahl und Walzfabrikaten nachgelassen hat. Die ProdultionL- ausweise ergeben folgende Gesamtmengen in Tonnen: Kohlen- Roheisen- Rohstohl- Walz- fürderimg erzeugung erzeugung fabrikate 1907/03 16 112 875 4 318 715 4 650 942 8 930 284 1908/09 17 586 407 4 375 309 4 485 512 3 835 705 165 430 94 579 in 1908/09——— geg. 1907/08+ 1473 532 66 594—— Die gemischten Betriebe haben augenscheinlich ihre Anlagen in der Rohproduktion besser ausnutzen können als die reinen Werke. Vorwiegend ist das auf die Sonderstellung zurückzuführen, die der Syndikatsvertrag den Hüttengruben zuweist. Auf das Gesamt altienkapital von 417 Millionen Mark haben die Werke für die letzten zwei Jahre rund 81 Millionen Mark Dividende— annähernd 20 Prozent— verteilt. Und da wird immer noch behauptet, die sozialen Lasten seien unerschwinglich, sie unterbänden die Konkurrenz fähigkeit der Industrie. Wenn man in den schlimmsten Krisenjahreir solche Ueberschüsse herausholen kann, dann gehört eine kühne Stirn dazu, von Schutznotwendigkeiten für das divtdendenschluckcnde Kapital gegen die üppiglebenden Arbeiter zu reden. Ei» recht erfreuliches Resultat. Die Verwaltung der Bergmann-Elektrizitäts-Werke-A.-G. teilt der Presse mit, daß das Unternehmen in allen seinen Abteitungen bisher recht zufriedenstellend beschäftigt gewesen sei, insbesondere hätten sich die Erwartungen, die an die Errichtung des Rosenthalcr Werkes geknüpft wurden, vollauf erfüllt. Der Umsatz sei im Ver- gleich zu demjenigen des Vorjahre« ganz wesentlich gestiegen. Die Verwaltung glaube auch in diesem GeschäflSjahre den Aktionären ein recht erfreuliches Resultat vorlegen zu können.(Im Vorjahre wurden 13 Prozent Dividende verteilt.)— Hoffentlich kann man auch mitteilen, daß sich die Arbeitsverhältnisse vom Standpunkt der Ar- beiter ebenfalls günstig gestaltet haben. Geschäftslage stiller. Wie aus Düsseldorf gemeldet wird, hat der Stahlwerksverband übcr'ein Nochlassen des Begehrs zu klagen. Der Versand der ersten Hülste des November ist weiter rückgängig. Die Direktion glaubt nicht, daß der Versand im November und, Dezember 400 000 Tonnen erreichen wird, gegen 422 000 im Ottober' welcher bereits 18 000 Tonnen niedriger war der September. Vom Holzkrach. Der Zusammenbruch der Kurt Vallentin Kam.- Ges., Holzhandel engroS, hat die mit Baugeschäften sich befassende Firma Hermann Hausherr in Groß-Lichterfelde gezwungen, den Konkurs anzumelden. Die Panzer A.-G. bringt laut Beschluß der Generalversammlung 15 Prozent Dividende zur Verteilung. „alle intelligenten Arbeiter" ein glänzendes Geschäft machen könnten, zumal wenn sie(Elsner erteilt Rat in den diskretesten Angelegenheiten) das Bürschlein m ihren Schaufenstern recht auf- fällig aushängenl Wie der Herr, so's Gescherr. Als die Siebenbogenbroschüre herauskam, da zeigte sich's, Daß der Neumann im' Schreien dem Elsner vielleicht noch über ist, daß aber die edleren Organe — wozu ich die vier Magen nicht rechne— unter der übermäßigen Ausbildung des Schreimechanismus verkümmert und verkommen sind. Daher war's dem Doktor von der„Täglichen" beim besten Willen nicht möglich, auch nur eine einzige neue„Tatsache", ge- schweige denn einen neuen Gedanken in die Welt zu setzen. Aber da ja sein wiederkäuerischer Verdauungsapparat vorzüglich funktioniert, und da er sich nicht ekelt, nackizukauen, was andere längst auf den Haufen geworfen haben, so siel eS ihm leicht, das alte Schema einzuschlabbern und dann wieder von sich zu geben: 1. Tie Sozialdemoiratie in den Konsumvereinen. 2. Die Arbeiter- behandlung im„Vorwärts" und in der„Leipziger VolkSzeiirnng". 3. Sozialdemokratische Vertranenspersoncn. 4. sozialdemokratische Staats- und Stadtexperimente. 5. Die sozialdemokratische Wirt- schaft in den Ortskrankenkassen. Wer die fünf Kapitelüberschriften liest, der weiß genug, und selbst wenn es möglich wäre, den Ekel zu überwinden, müßten wir un? schämen, wollten wir Dr. Neumanns Wiedergekäutes der Ehre teilhaftig werden lassen, es in seine Bestandteile aufzulösen. i De» Amaredus Schubert, den LebiuS und Konsorten, kurz: den Vorkäuern des Dr. Neumann, haben deutsche Gerichte ihre Lügen so oft rechts und links um die Ohren geschlagen, daß man mit dem Verfasser der Broschüre„Die Sozialdemokratie als Arbeitgeberin..." nur Mitleid haben kann: als mit einem Manne, der schon durch die außergewöhnliche Konstruktion seiner Ver- dauungsorgane zur Genüge gestraft ist. Nur eine Strafe ist noch bitterer für den gesinnungs- und verdauungstüchtigen Wunderdoktor: Trotzdem die„Konservative Korrespondenz" bereits am 25. Oktober NenmannS Schrift samt ihren„Tatsachen" angepriesen und trotzdem die Korrespondenz ! des Reich sverbanves am 8. November der Presse einen Ar» ! tikel zum Ruhme der Broschüre kostenlos angeboten hat(mit j der Ankündigung, daß NenmannS„Werl" demnächst für 50 Pf. .durch den Reichsverband als—„Volksausgabe(!) zur Massenverbreitung" zu haben sein soll), biß doch kein Blatt, selbst kein reaktionäres, aus den faulen Apfel an, außer der„Täglichen Rundschau" selbstverständlich, deren wiederkäuendes Redaktions- Mitglied ja mit dem Verfasser der Exkrementbroschüre ein Herz, eine Seele und ein Magen ist. Wir haben oben gesagt, daß wir uns mit NenmannS Darm- Produkten, soweit sie in den fünf Kapit-ln abgelagert sind, nicht zu beschmutzen gedenken. Und es bleibt dabei. Aber außer den 5 Kapiteln ist da noch ein V o r w o r l. an das wir ein Paar Worte verschwenden wollen. Die Verstaatlichung der Gotthardbahn. Der schweizerische Bundesrat veröffentlicht im amtlichen „Schweizerischen Bundesblatt" seine Botschaft nebst den Staats- vertragen mit Deutschland und Italien über die V e r st a a t- lichung der Gotthard bahn, woraus ersichtlich ist, daß die Verhandlungen mit den Vertretern des Deutschen Reiches und Italiens sehr schwierig und langwierig waren und für die Schweiz kein befriedigendes Resultat zeitigten. Die Botschaft enthält inter- cssante Angaben über die Verkehrscntwickelung der 1882 eröffneten Gotthardbahn, an die die Schweiz 28, Deutschland 30 und Italien 55 Millionen Franken Subventionen leisteten. Im Jahre 1883 beförderte die Gotthardbahn 1056043 Personen und vereinnahmte von ihnen 4 434 771 Frank, 1908 aber 3 860 209 bezw. 10 872 159 Frank. Die Zahl der beförderten Personen hat sich in den 25 Jahren vervierfacht. Der Güterverkehr stieg von 469 711 Tonnen auf 1845 442 Tonnen und die Einnahmen aus demselben erhöhten sich von 6 0>5 506 Frank auf 17 234 789 Frank. Im Jahre 1907 umfaßte der Güterverkehr zwischen Deutschland und Italien 843 000 Tonnen in Ein- und Aussuhr. An die beiden SubventionS- stallten wurden von 1889 bis 1906 Gewinnanteile von 863 000 Frank verteilt. Eine Rückzahlung der Subventionssumme aus Anlaß der Verstaatlichung der Gotthardbahn wird von den SubveniionS- stallten nickt verlangt. Dagegen mußte die Schweiz Zugeständnisse machen inbezug aps die Bergtaren und Fahrpreistarife, die für sie einen jährlichen Einnahmeausfall von 600 000 Frank zur Folge haben werden. Voraussichtlich wird die Bundesversammlung in ihrer Dczembersession die Verträge genehmigen. Vermischtes. Durch heftige Schneestürme in Zentralrußland ist, wie eine Meldung aus Petersburg besagt, der Telegraphenverkehr Pclers- burgs und Moskaus mir einer Reihe von Städten, darunter Nostow am Don. Tiflis und JrkutSk, unterbrochen. Ans dem Ernptionsgebiet. Aus Teneriffa wird gemeldet: Unter de» Einwohnern von sechs unrnitlelbar durch den Vulkan bedrohten Dörfern herrscht eine große Panik; viele von ihnen sind an die Küste gejlüchtet, wo mehrere Dan> s» zu ihrer Ausnahme bereit liege». Ein Felssturz. Pariser Meldung zufolge sind im Dorfe Ota auf Korsika vier Häuser durch Felssturz vollständig, mehrere anders teilweise zerstört. Zwei Personen sind gelötet, fünfzehn verwundet. Eine Schisfscxplosion wird auS PortSmouth gemeldet. Dort ereignete sich an Bord eines Unterseebootes der A- Klaffe eine Ex- plosion, durch die zwei Mann der Besatzung verletzt und großer Materialschaden angerichtet wurde. Verhaftete Staatsangcstellte. Aus Petersburg wird ge- meldet: Ein früherer und ein jetziger Angestellter der Staats- druckerei, bei denen etwa 1500 geraubte Kreditscheine vorgefunden wurden, sind in Haft genommen worden. Die Kredirscheine waren zum Teil ohne Ümerschrijt, zum Teil trugen sie gefälschte Unterschriften und Nummern. Drei Kinder erstickt. Eine Meldung au-Z K a t t o w i tz besagt: In Abwesenheit der Mutter versteckte» sich die drei Knabe» des Bergmanns Firla im Alter von zwei, fünf und sieben Jahren i» einem großen Holzkoffcr. Plötzlich fiel der Deckel zu, wodurch das Schloß einschnappte. Die drei Kinder wurden später erstickt aus« gesunden._ Stintlicker Marktbericht der ktSdlilchen MarktballeN'Dlrektw» aber den Großhandel in den Zuilral-Marithallen. Marktlage: FleilÄ: Zusubr schwach, Geschäsi lebhast, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Äclchän rege, Preise gut. Äeslagel: Zniubr genügend, Geichäjt rege, Preä» nicht behauptend. Fische: Zufuhr ziemlich genügend, Gelchä!! etwas lebhast, Preise wenig' verändert. Lultcr und Käse: Gelchäst ruhig,'Preise unverändert. Gemül«, Obü und Süd- fruchte: Zufuhr genügend, Geschäsi sehr still, Preise gedrückt. Lriefkaften cler Kectaktfon. Die lurlsiilch« Sprechstunde sixsct L i» d e u st r a g e 3, zweiter Hvs, dritter Eingang, vier Treppe», sjM" Fahrstuhl wochentiiglich abends van 7% biS 9VH Uhr stall. Gellssnrt 7 Uhr. Zonnadeuds beginnt dle Sprechstunde u»l o Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und etne Zahl als Mrrlzeichen dclzusnarn. Bmiliche Bnlwort wird nicht erteilt. Bis zur Bcniuwvrtung Im Brieslaste» Isnotn 14 Tage vergehen. Eilige Frage» trag« man in der Sprrchstunve vor. Fi. gl. 31. Nein; die Karte ist leider verfallen.— U. S. 79. 1. Of«. 2. Nein. 3. Soweit uns bekannt, ist in der dortigen Gemeinde beschlossen, die Steuem abzuholen. Liegt ein solcher Beschluß nicht vor, so mühten Sie dieselben bringen. Erkundigen Sie sich über den Sachverhalt bei einem Genossen, der Stadtverordncler ist oder aus dem Gemeindebureau. 4. Sie leben außer Gülergemeinschast. Zweckmäßig ist eS, das Eigeiilmn der Ehefrau ausdrücklich anzuerkennen und aus das ehcmünnliche NietzbrauchSrecht zu verzichleu. Da« mutzte durch einen gerichtllchcn oder notarleUcn Vertrag geschehen. Die Kosten richten sich nach der Höhe des Gegenstandes. Ein Verzeichnis des Vermögens Ihrer Ehcsrau setzen Sie zweckmäßig vor Abschluß des Vertrages auf. 5. und 6. Ren».— M. M. 1090. Nein. Daß Dr. Neumann erzählt, er habe sein Material für die Schrift„nach sorgfältiger Sicklung zusammengestellt", das soll ihm gar nicht einmal übel vermerkt iverdeu; denn Leuten seines Schlages bedeutet«Sorgfalt" und„Sichtung" duS. was normale Menschen als Schluderet und kritikloses Wiederkäuen zu be- zeichnen Pflegen. Auch daß dem alten Dietzgen das Wort, das Neumann der zweiseiligen Vorrede als Motto voranstellt— Husch I husch I Geschwindigkeit ist keine Hexerei I— im Munde verdreht wird, das ist zu reichsverbändleriich, als daß man'S einem irowv novus(zu deutsch: Nemnann) ankreiden dürfte. Aber ein Siücklein ist doch so hübsch, daß tS festgenagelt werden muß: Der Herr Dr. Fritz Stephan Neumann weiß, daß an- ständig« Journalisten und Schrislsteller darauf halten, die Quellen. aus denen sie schöpfen, zu nenne». Um nun wenn auch als Wieder- käuer, so doch wenigstens als a n st ä n d I g e r Wiederkäuer ge» nomnien zu werde», verkündet Fritz Stephan, daß er sich„auf die zuverlässigsten Quellen gestützt' habe,»md zwar„in der Hauptsache auf sozialdemokratische Aeußeruuge» selbst, dann auf amkliweS Material und auf solche bürgerliche» Zeugnisse, deren Unbefangenheit unbestritten ist". Ein wahrhaft vornehmer Charakter l eine edle Seele! ein nvbler Feind I Schauen wir uns NenmannS Nobligkeit aber genauer an, dann finde» lvir, haß die„zuverlässigsten Quellen" sehr häufig über» Haupt nicht genannt sind, daß das amtliche Material und die.sozialdemokratischen Aeußerungen" nieist so zitiert werden, daß Jahr und Tag oder Nummer des benutzten OrganS und damit jede Koutroilmöglichkeit unter den Tisch fällt, daß eS maiichmal bloß heißt:„Wir folgen der Berichterstattung" !w elcher„Berichierstaitimg" er folgt, daS zu verraten, hält Neumann der Harmloie fiir überflüssig)—. und daß zu den Zeugen, .deren Unbefangenheit(gegenüber her Sozialdemokratie!) unbestritten ist," von dem Herr» Redakteur der„Täglichen Rund» schau' wider besseres Wissen gezählt werden: der„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker"(den Dr. Neumann als„sozlaldemo- kratisch" registriert!), die„Freie Deutsche Presse" seligen Angedenkens, ja sogar das Leipziger Limanblatt I Die „Deutsche Tageszeitung" 1 1 Die„Kreuz» Zeitung" 1 1 l„Die Post" I! 1 1 Der„Bund" II II! Die„Deutsche Arbeitgeberzeitung" II!!!I DaS„Handbuch" und die„Korrespondenz des Rcichsverbandes gegen die Sozialdemokratie"(die— Spatz muß sein— auf Seite 27 gar .Korrespondenz des NeichSverbaudeS für die Sozialdemokratie" ge- »annt wird) l Man sieht, daß e? mit dem Ehrlichkeitsgefühl, das Dr. Neumann im„Ranzen" hat, nicht besser bestellt ist als mit seinem„Wissen". Znni Glück ist der„Blätlcrmagen" der deutschen Presse— sogar der reaktionärsten— nicht so gut wie NenmannS Wiederkäuerinagen; de»„Genuß" seiner Magenprodukte hat jene sich a»S Furcht vor Magenkueifen— verkniffen. Und daS war sehr klug; denn von den Mage»dc>chwerden hätte sie kein Doktor und kein Professor kurieren können. Girgl. *1 I Besonders preiswerte Extra-Angebote in dieser Woche Seiden Plüfch-[acketts mit geliidctem Seiden-Sdial- Kragen. Ganz gefüttert M. 50 Abend-Mäntel aus hellfarbigen Tuchen, Schal- Fasson, Vorder- und Rückenteil reich geflickt, ganz gefüttert und mit Einlage..... 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Ganz gleich, ob Kinder, erziehung und Familienleben darunter leiden. Und gerade weil das so ist, verdient die Frauenarbeit weit mehr Aufmerksamkeit, als ibr oft geschenkt wird. Vor allem aber trifft das auf die Frage der Entlohnung zu. Wie erschreckend niedrig die Frauenarbeit gelohnt wird, daS hat das englische Handelsministerium festgestellt. Lediglich zu dem Zweck, die Borteile des Freihandels gegenüber dem Schutzzoll nach- zuweisen, veranstaltete es im Fahre 1906 Erhebungen, deren Er- gebnige es jetzt nach und nach in dicken Bänden der Oeffentlichkeit mitteilt. Wie es in der Textilindustrie mit der Entlohnung der Frauen- arbeit bestellt ist, das möge man aus folgenden Zahlen ersehen. Betrug doch der volle Wochcnverdienst in den Industriezweigen: Frauen Männer M. M. Baumwolle IS/TS 28,85 Wolle und Kammgarn.... 13,85 26,85 Leinwand......... 10,75 22,85 Fute........... 18,40 21,60 Seide.......... 11,60 25,40 Im Textilgewerbe überhaupt(mit geringen Ausnahmen)... 15,60 27,60 Wir sehen also, daß die Löhne der Männer durchweg noch einmal so hoch stehen als die der Frauen. Und das, obwohl die eng- lischen Textilarbeiter eine gute und schlagfertige Gewerkschafts- organifation besitzen, in denen auch die Arbeiterinnen stark ver- treten sind. Waren doch 1907 unter den Mitgliedern der Textil- arbeiterorganifationen 172 000 weibliche. So recht klar wird aber erst die traurige Lage der Arbeiterinnen, wenn man die Wochen- Verdienste mit den Zahlen der Frauen prozentual vergleicht. Da ergibt sich denn, daß von allen in der Textilindustrie beschäftigten Frauen unter 10 M. 13,3, zwischen 10 und 15 M. 38,8, zwischen 15 und 20 M. 26,0 und 20 M. und mehr 21 Proz. verdienen. Wenn schon in der führenden Industrie Englands die Dinge so traurig liegen, dann ist es kein Wunder, daß eS in der Bekleidungsindustrie weit trauriger ausschaut. Betrug doch der volle Wochenverdienst in den einzelnen Gruppen der Bekleidungs- industrie: Frauen Männer M. M. Konfektion(Werkstatt)...... 13,80 50,88 (Fabrik)....... 15,40 31,65 tcmden, Blusen. Wäsche usw.... 13.82 20,80 chneiderei(Fabrik)....... 12,88 81,88 Schuhwaren(Fabrik)....... 13,08 28,65 Männerhüte.......... 16,82 84,25 Lederhandschuhe........ 12,00 20,55 Korsetts(Fabrik)........ 12,16 28,88 Damenhüte.......... 19,80 36,55 Alle Bekleidungsindustrien, nebst den nicht erwähnten....... 18,50 80,16 Die Frau verdient also in der englischen Bekleidungsindustrie im Durchschnitt nicht einmal halb soviel wie der Mann, ja, in der Werkstatt-Konfektion nicht einmal den dritten Tcill Und dabei geben diese Zahlen noch ein viel zu günstiges Bild. Daß die Lohn- Verhältnisse der Arbeiterinnen in dieser Industrie noch weit schlechter sind als in der führenden Industrie Englands, ergibt sich erst so reckst deutlich aus den Prozentvergleichen. Verdienen doch von sämtlichen in der Bekleidungsindustrie Englands arbeitenden Frauen unter 10 M. 21,6, zwischen 10 und 15 M. 45,1, zwischen 15 und 20 M. 23,2 und 20 M. und darüber 10,1 Proz. Und im Durchschnittsverdienst stehen sie denn auch um 2,10 M. niedriger als die Textilarbeiterinnen. Während jene in der Woche 15,60 Mark an Wockenlohn erhalten, haben sie nur 13,50 M. Daß solche Durchschnittslöhne kaum zur dürftigsten Lebensführung reichen. ist wohl jedem Menschen mit fünf gesunden Sinnen klar. Sind so im ersten Industriestaat schon die Lohnverhältnisse der Arbeiterinnen traurig genug, so sind sie anderswo eher schlechter als besser. Auch in Deutschland. Zahlt doch die englische Industrie durchweg höhere Löhne, als die unsere. Leider ist es nun nicht möglich, auch für Deutschland mit so zuverlässigen Zahlen zu dienen, wie sie in England vorhanden sind. Aber immerhin haben auch wir ein wenig Material, aus dem zur Genüge hervorgeht, daß es bei uns sicherlich nicht besser steht. Es sind die Erhebungen einer Anzahl kommunaler statistischer Aemter sowie die Lohnklassenstatistiken einiger Krankenkassen. Vor allem die der Leipziger OrtSkrankenkasfe, die seit dem Jahre 1006 im Einver- nehmen mit dem reichsstatistischen Amt geführt und regelmäßig im„Rcichsarbcitsblatt" vcrüsfelitlicht wird. Da die Leipziger Ortskrantenkasse unter ihren 176 603 Mitgliedern 48 192 iveiblichc hat, lohnt eS sich, ihre Statistik genauer zu betrachten. Besonders die Gewerbe, wo die Frauenarbeit am meisten um sich gegriffen hat. ES mag wohl sein, daß eine Anzahl Arbeiterinnen von ihren Unternehmern in eine niedrigere Lohnklasse gemeldet sind, als sie ihrem Verdienst entspricht. Immerhin wird aber das auch nicht allzu arg sein. Werden doch solche Verstöße schwer bestraft. Wir geben nachfolgend die Prozentzahl an der am 30. Sep- tember 1009 in den Berufen mit starker Frauenarbeit beschäftigten weiblichen Kassenmitglieder genau so wieder, wie der Stand nach der Statistik ist. Nur haben wir aus Zweckmäßigkeitsgründen die drei niedrigsten Lohnklassen zusammengefaßt. Von je 100 weibl, Mitgl. befanden sich in folgenden Beitrags-«Lohn-) Klassen Textilindustrie usw.... Nahrungs- u. Genußmittel inkl. Tabak..... Bekleidung und Reinigung Beherbergung u. Erquickung Papier, Leder, Gummi.. Polygraphische Gewerbe. Handel, Verkehr usw... Land-, Forstwirtschaft und Gärtnerei...... Obgleich in dieser Zusammenstellung nur die Pflichtmitglieder enthalten sind, geht doch schon zur Genüge aus ihr hervor, wie miserabel in einer der ersten deutschen Großstädte Frauenarbeit bezahlt wird. Natürlich liegt bei den freiwilligen Mitgliedern die Sache noch schlimmer. Welches Elend steckt in diesen Zahlen! Beträgt in England der Wochendurchschnitlsvcrdienst der Textilarbeiterinnen noch 15,60 M., so haben in Leipzig 85,0 Proz. nur einen solchen von 15 M. und weniger. Aber in der Textilindustrie geht es immer noch an. �-tcht doch bei 25,7 Proz. der Wochcnlohn noch zwischen 12 und 15 M.,� bei 33,4 Proz. zwischen 9 und 12 Mk. und nur bei 26,8 Proz. aus 0 Mark und weniger. Es gibt Gewerbe, wo der Lohn aber noch viel jämmerlicher ist. Müssen sich doch im Bcklei» dungs- und Reinigungsgewerbc 44,2 Proz. mit einem Wochenver- dienst von 9 M. und weniger begnügen. Da 8483 weibliche Pflicht- Mitglieder vorhanden sind, haben also etwa 4000 Arbeiterinnen dieser Gewerbcgruppe mit einein solchen Hungerlohn zu existieren. Ist es da verwunderlich, wenn sie von der Schwindsucht gepackt werden! Noch schlimmer aber liegt es in der Industrie der Nahrungs- und Genußmittcl, wo gar 47,6 der weiblichen Arbeits- kräfte mit einem Wochcnlohn von 9 M. und weniger ihr Leben fristen. Wie soll damit ein Mädchen auskommen, das auf sich selbst angewiesen ist? Aber es kommt noch schlimmer. In der Gewerbcgruppe Land-, Forstwirtschaft und Gärtnerei müssen sich gar 57,5 Proz. mit einem Wochenlobn von 9 M. und weniger zufrieden geben! Also weit über die Hälfte! Im Handelsgewerbc, wo die Frau oftmals leichter zu besser bezahlten Stellen Zugang findet als anderswo, liegt die Sache wesentlich günstiger. Ebenso sind es überall dort, wo, wie auch in der Textilindustrie, die Ge» werkschaftsbewegung unter den Frauen Fuß gefaßt hat, immer nur höchstens 25 bis 30 Proz. der Frauen, die sich für den Lohn von 9 M. und weniger qäulen müssen. Daß die Zahlen ungefähr stimmen, beweisen uns die Resultate der Erhebungen über Arbeiterlöhne, die das Münchcner statistische Amt unter Mitwirkung von Arbeiter- und Unternehmerorgani» sationen vorgenommen hat. Stellte sich doch dabei heraus, daß in München nur 25,7 Proz. aller geioerblich tätigen Frauen jährlich 600 M. und mehr verdienen. Drei Viertel aller Münchcner Arbeite- rinnen haben demnach durchschnittlich in der Woche weniger als 11,54 M. Weiter stellte man fest, daß die Wochendurchschnitls- löhne der gewerblichen Arbeiterinnen zwischen 7,50 und 17,50 M. schwanken. Wir sehen, dieses Bild ähnelt sehr dem Leipziger. Auch das statistische?lmt in Halle a. S. brachte gelegentlich einer aus Grund von Fragekartcn vorgenommenen Erhebung Resultate heraus, welche die Lage der Arbeiterinnen keineswegs günstig er- scheinen lassen. Schwanken doch nach ihnen bei den Zigarren- arbeiterinnen die Wochen- und Arbeitsverdienste von 3 bis 16,50 Mark. Bei den Näherinnen waren sind noch niedriger. Sie betrugen nur 3 bis 13,50 M- Daß wir für Verlin verwendbares Material über Arbeits- löhne überhaupt nicht haben, erscheint nicht gerade verwunderlich. Wie könnte man so etwas von unserem Magistrat verlangenl Nicht besser steht es im Reiche. Dieselbe deutsche Regierung, die tagaus, tagein aller Welt verkünden lässt, wie besorgt sie um das Wohl der Arbeiterklasse ist, fühlt sich nicht im mindesten verpflichtet, eine brauchbare Lohnstatistik zu machen. Sie will eben nicht, daß durch eingehende amtliche Erhebungen des Massenelend aller Welt ezeigt werde. Um so mehr ist es unsere Sache, das vorhandene aterial an die Oeffentlichkeit zu zerren und mit seiner Hilfe für die gewerkschaftliche Organisierung der Frauen zu wirken. Und da gibt s noch viel zu tun! Sind doch von den 2 167 741 in In- dustrie, Handel und Verkehr tätigen Arbeiterinnen und Ge» hilfinnen nur 138 443 den freien Gewerkschaften angeschlossen. Erst wenn sich das geändert hat. kann es nach harten Kämpfen ge- lingen, selbst den gcquältesten aller Proletrarierinnen erträgliche Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erringen! 8C< M �Hygienische HecftTTsaruxei. w«ue-t.Kaialog D. Emplebl. viel. Aerzte a. Prof. erat, ockr E. Dnrsr, SnnmivrironUBriS •erlin MW.. 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Montag, 8 Ubr: Zum 25. Male: Tantris der Narr. Dienstag, 8 Uhr: Die versunkene Glocke. kerlinsr Theater. Heute 8 Uhr: Herodes und Mariamne. Morgen: Hohe Politik._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Viertes Gastspiel Suranns vssprös: Alaison de Poup�e. (Xona.) Montag: 5. Gaslsp Suzanne OesprSs: Ii» FariHleuiie. Volks-Oper. BW, Belle-Alliance-Slraße Nr. 7/8. Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. Sonnlag 8 Uhr: Der stdele Bauer. Montag: Tie geschiedene Frau. Mittw. u.Sonnab.4U.: Struwwelpeter. Residenz-Tlieater Direktion: Richard Alexander. Totensonntag, abends 3 Uhr: Schauspiel in. 3 Alten v. Maupassant. Morgen und solgende Tage: Gpvtciiea. Luisen-Theater. Nachmittags geschlossen. AbendS 8 Uhr: I'pemlerv: Gib tu ich frei. Schauspiel in 5 Akten nach einer Er- Zählung.vm H. Court Ys-Mahler von - Errig Nittcrscldt. Montag- Robert und Bertram. frisltrieh-Wit�imsiSiiiisehLS SchLllspielhatis. Sonntag,-i. Novbr., Ansang 8 Uhr: Das grosje Licht. Sch�uipiel in t Ausz. v. F. Philipp!. Montag: Liselott. Dienstag: Liselott._ KenRK Operotten-Thf-ator. SÄisi�'ierdamm 25, a. d Luiienstr. Ans. 7'/, Uhr. Gaslsp. d.Lessing-Theat.: Itosmci-Hholni. Schauspiel in 4 Akten v. Henrik Ibsen. Geschlosseue Borstellung. Morgen und solgende Tage 8 Uhr: llbvp«!«nlclv Pankt. I0SE=THEATEI j Grosie Franliinter Str. 132 s Ans. 8 Uhr. Ende nach 11 U. Maria Kluart. üi Trauerspiel in 5 Alt. v. F. v. Schiller. ' Morgen: Di« relegierten Studenten. Trisnon»Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. Volks-Theater Bixdorf, Hermaiinstrahe Ä0. Sonntag, den 21 November: vas Xätbcden von lieildeonn. Schauspiel tu ssins Alten von Kleist. Ansang 7 Uhr. Montag, den 22. November: Voidriicr Boden. BolkSstück mit Gesang in vier Akten von EU?. An saug 8 Uhr.__ Gastspiel-Theater" Köpenicker Straße 67/68. Heute Sonntag(Ansang S'l, Uhr): Der Hiittenbesitzer. Wlontas: Ppeniiorv. Miischtlitr Märchttlspikte. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag und Montag 8 Uhr: In den Dolomiten. «MWMM Honte Sonntag KfiTj B>ntrltt: I- | Kindar unt. 10 Jahren die Hälfte. Ab nachm. 4 Uhr: lOr.Miiitär-Konzert.! Morgen sowie täglich I nachm. 4 Uhr: Großes Konzert. Passage-Panopiikiin), Neu; Im Reielie des Kölligs lp. Geheimnisse der Wassertiefe. Plastische Riesendioramen. Das lebend« Skelett. I>»k anatom. Rätsel. Die Tvaummaletin. AtJÄ, die schweb. Jungfrau Xaniburitxa- Itrlgantost. Panophon- Vorträge. Äües ohne Extra-Entree! Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Das großartige November-Prograinm l Claire Waldoff- in ihrem Repertoir.| Kola Wania-Trlo, Tanzafct, Alice Gianda, Tierdressuren, Mia Senta, Cellovirtuosin, Miss fluher, Radfahrakt, Pirmani-Truppe, Akrobaten und 12 erstkl. Spezialitäten. Metropot-Theater Heute nachmittag 3 Uhr: Lumpacivagabundus. Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! Ranchen überall gestattet. Anne Dancrey. Horace GoSdin. Lalla Selbini. Salges lebende Kunstwerke. Sisters Harvey und eine Reihe anncrlesener Kunstkräfie. Abends 8 Uhr: Das phänoiiirnalc Programm mit �ine Haremsnuclit Groteske in 1 Akt. Wynne Brothers, Fornarina, Dorothy Konton, Yvonne de Ferge, Das Wunder der Aullcidekunst. Da» blane Bild, Operette in t Akt von Paul Lincke. ElfentäcUc, Feeric von Adols Ferrand. Polies tapiice. Einmalige Ausssihrung I Komiker-Lcknitzel. Bunter Teil l Das Lied vom braven Mann. Anfang 81/, Uhr. Gasino-Theater Lothringer Straße 37. Heule 8 Uhr: Bunteck Programm. Aus allgemeinen Wunsch: Nick Carter mit Direktor Berg als Rick Carter. Ab morgen täglich: Onkel Cohn. Reiclislialien-Tiieater. Stetliner Sänger JMeyHcl, Britton, Schräder uhw., , Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeater.) Sonntag, abends 8 Uhr: Don Carlo«. Dramatisches Gedicht in 5 Akten von Friedrich Sckiiller. Ende 11 Uhr. Montag. abends8Uhr: Da» Uäthchcn v.Hcilbronn Dienstag, abends 8 Ubr: Zum ersten Male: Miß llobbs. Theater. Schiller-Theater Charlattenburi}. Sonntag, abends 8 Uhr: Getipcnstcr. Ein Familiendrania in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. Ende 16'/z Uhr. Montag, abends 8 Ubr: Der Sichn'nr der Treue. Dienstag, abends 8 Uhr: Wullen»tein» Tod. CASTAN's PAKOPTICCM Friedrichstr. 165(Pschorrpalast). Neu: Ue\g\� i!iitwpt!VLp!tPZWGg! Größte Sensation! Orammophon-Vorlräge: Caruso, Abott, Ancona, Jörn usw. Täglich 7>/z Uhr abends X Heute L Vorstellungen. □ □ Heitere Künstler- Abende. □□ Erstklassige Brettlkünstler X Ganz neues Programm Frau Steinheil! Männer-Gesangverein Borax (Mitgl. d. D. A.-S.-B.) Dir.: Herr C. Lubach. Sonnabend, den 37. November 1000: 25. Stiftungs-Fest In F. üappoldt» neuem Konzertsaal, flasenheide 32— 38. Gr* Instrumeiital- Konzert unter Mitwirkung des Orchestervereins Allcgro. Dirigent: Herr E. Doonovr. Rezitationen von Herrn 0. Wiemer. Eröffnung 8 Uhr. Anfang präzise 9 Uhr. Entree 40 Pf. Billetts sind zu haben im Restaurant J. Ehlert, Wiener Straße 26. Liedertexte am Eingang gratis. 2436b Gesangverein Jorddentsche Sclileife' Kännercbor„siebte- Georginia 1879" (M. d. A..S..B.) Tanntag, drn 88. November 1000. im grossen Festsaale der Brauerei Fri.drichshaiu, zur Feier der LOjährige» Dirigentrn-JnbilSeu der Charmeifter Herreu Kurz nud Weinrich: Zerliner üsmpsnizten-AttsnG. Mitwirkende: Frau Alma Pankenin-Aderhold, Zlonzert- und Oratoriensängerin. or. Feit» Gutdeutsch, Violinvirtuose. Begleitung: Hr. kich. Kersch Orgel: Hr. Kurz. 2502h Nach dem Konzert: ßall, Anfang präz. 6 Uhr. Kasscneröffnnng A'/a Uhr. Eintrittt inkl. Tanz 50 Ps., an der Abendkasse 66 Ps. Liedertexte am Eingang gratis. Rauchen nicht gestattet. NB. Zur Aussührung gelangen nur Werke Berliner Komponisten. Die Saaltüren sind während der Vorträge geschlossen. sSnS.S0UCi, Straße"' Direktion Wilhelm Reimer Heute Sonnt, geschlossen. Morgen Montag: Neues Programm. Elite-Soiree tÄ« von Minanns KoriilSängerii Z. 1. Male: Der Goldfuchs. D.Trompeter v. Säkkingen. Beg. Sonnt. 5, Woch.8 Uhr. Mittwoch,24. November, Theaterabend: Im Gafe Noblesse. Asill-Tliszlös Mosdi!. �.It-Moablt 47/48. Sonntag, den 21. November 1909: Novität! Novität I |n Pttlrrtnng. Schwank in 3 Akten von Heinz Gordon. U.nndKberger I 18 I H. BieUcImann, Allee Mo. 11-13. Oekonom. Led. Souutag Ans. 5 Uhr: Zllexander-Konzert, E. Neumann. , Dienstag ,. 3„ Hostmann'Siiilger. 11413» _ Donnerst.„ 8_ Aiilitärstreichkonzert. 3 Garde. Feldartilleiie-Regim. Spiegeldeeg. Zum Schluss: Kinemalogr. VorlLh eungen. Im Garleiisaate: lla». f I ♦ ♦ Praciit-Sä!e des Ostens, o'cranif s man tag: sbestep- Ii. EpemIiieleki'Vo�lelllliig Autle, v. KUnsdem ersten Ranges. Ar d. Vorst 6 Uhr. Entr. 50 Pf. Nach d. Im Restaurant: Täglich: Gr. Künstler- Frei-Konzert d. Konzerts 5'/, Uhr, . Vorst.: Tanzkränzchen. Im weißen Saale: sonnig: Tanz-Reunion bei stark besetzt. Orchester. Anfang 4 Uhr. Vorzllgl. Küche, Ausschank von Patzenbofer hell, und MUnchener Bürgerbräu. verbünd, m. humoristischen Vorträgen. Anfang 4 Uhr. echt Pilsener 3I92L* I ♦ l Lichtenberg Frnnkftarter ) Fernsprecher Nr. 8. Chnussce 5 Ä"fl: Groß«!* BalD.©.Bürger. Irden Mittwoch: Cnftiger Hbend der fidelcn Spatzen Vornehmste Herrengesellschaft(neun Herren) Vmst?llung: Gebe. Arnliold. Für die vom Polizeipräsidium verbotenen Bußtags- 1 Veranstaltungen werden an folgenden Tagen die | Ersatz- Vorstellungen A nachgegeben; 9. Abteilung a und e und 13. Abteilung b: Sonntag, den 12. De- l zember, 3 Uhr; 2. Abteilung d und 12 Abteilung b: Sonntag, den 15. Mal, 3 Uhr im Be<4idenz-Th«ater. 1 1. Abteilung a, b, c: Sonntag, den 17. April, 3 Uhr im Ciesslng- i Theater. 5. Abteilung c. d und 6. Abteilung a, b; Montag, den 30. Mai, abends 8 Uhr; 6. Abteilung c, d und 7. Abteilung a, b: Diens- Wp , tag, den 31. Mai, abends 8 Uhr im Thalia-Theater. Die gelösten Beitragsmarken behalten bis zu diesen Ersatz- Vorstellungen ihre Gültigkeit «ggog*. Extra=Vorste!Iungeii H am Sonntag, den 21. November, Extra am Sonntag, Lessing-Theater: Der König Erfolgreichste politische Satire von Caivallet und Arene. Herrnfeld-Theater: Jugend Liebesdrama von Max Halbe, in Szene gesetzt von Fritz Witte-Wild. Werbet neue Mitglieder! s 242/8 Der Tor stand. I. V.: G. Winkler. OOOOOOGOOGOGGGOOOGl Sonntag, ben 21. November, abends 71/, Uhr: ÄufierorileBtl. gr. forsiellyns. Dehnt Debüt des Amerikaners Mf. NiblO m. seinen konvertierenden Papageien Cokoo und Laura in dieser Vollendung noch nicht dagewesen. Um 9 Uhr Ende 11 Uhr Die grosse Feerie: Die drei Ri?a!en Bordeaux, Chablie, Champagne oder Das mysteriöse Zchiost in der Normattdie phantastische Feerie In 5 Akten. Im 3. All: Die Wiidsohwelnjagd Feenhuste Schlussapotheose. eSÄ Kouimandanleiistr. 57. T. A. 4, 5083. Heute Sonntag: Einmalige Autliihrung Die Meyerhains, UNd Die letzte Ehre, mit de» Autoren Anton o. Oonat Herrnleld tu de» Hauptrollen, Morgen: Die Novitäten-Schlager u. erfolgreichste» Herrnfeldiade»: „80 muß man's machen" und Ein ifttnirgeniittfl. Ansang 8 Uhr. Borverlaus 11—2 Uhr. Humpsli- Bumpsü Sonntag nachmittag: Gr. �orsielBung zu kleinen Preisen. S'/jühr; Ein Kind frei! li.önigMta«it- Kasino. Hvlzmarklilrasse 72. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten■ Vorstellung mit Franz Sobanski. Olga tey, Musik. Komvdiantcn Carmanelli Kurt Werther, EmmyGalolti, Rockowsky- Ouo Gust. Burg Truppe Juhasz (4 Personen, l Foxterrier) ulio. Prinz Wendelin, Gelangsv.v. Klein. alhalla Variete-Theater | Weinbergsweg 19-20, Rosenlh.Tor. I Ans. 8 Uhr. Die grossartige» j November- Spezinliiatcn. | Tunnel: Negiuicutskapellr. l\M Busch. Heute Sonnlag, den 21. November,! Totenfest: Nur eine Vorstellung:! abends 7'/, Uhr präzise: Große Gala-Yorstellung: Unter anderen: Patty Erank-Trnppe! Die Clevelnnd»! Femer: Herr Burkhardt-FooHit, j Schulreiter.— Herr Ernst j Schumann, Neudressuren.— Frl. Wardia Beketow, Schul- l reiterin.— Die 4 Gebr. Karosts, j ungarische Reitkünstler. Um S1/, Uhr: TMkMß! I Besonders hervorzuheben: lack Joyce, der berQhmte amerik.■ Cowboy ni. sein, wildesten Plcrdon![ Die 10 Meter hohe SturmiluL Vorher das grotto Gala-Programm. Volgt-Tlieater Gesundbrunnen. Badstr. 53. Sonntag, den 21. November 1909: Nachmittags keine Vorstellung. Abends 8 Uhr: Die Else vom Erlrnhof. Volksstück in 5 Auszügen von Staack. Montag, den 22. November 1908: Eifersucht. Lustspiel in 3 Akt. von E. v. Wolzogen. Kasscnössnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Palast-Theatep. Direktion: Robert Olli 4 Karl Pirnau. Burgsirasse 24, am Bahnhos Börse. Zur Feier des Totensonntags l Nur einmalige Aufführuug: Die Ktcillßiinsbrliilt oder: Die Röckhehr mis China. Dann: Die erftklaffigeu SPezialttilten k Keriiner Pratcr-Chrater Kastanien-Allee 7—9. Schauspiel in 2 Abt. und 4 Auszügen von Charlotte Birch-Pseisser. Anfang 8 Uhr. 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Jed.DonnerZtag: !- uhr, im kokale Moabiter Schützenhaus(Plötzensee) �Haltestellen der Eisenbahn: Pullitzstrabe, Beussclstratze; der Straßenbahnen Nr. tl, IL, 18, 20 dirett bis hm: Nr. 68 und Städtische Straßenbahn bis Virchow-Kranfenhaus): fotenkeier öesänxe vom Kinderchor der Berliner freireligiösen Gemeinde und Vortrag über:„Unsere Toten". Referenten: Ehemaliger katholischer Geistlicher«loset Leute. Stadtverordneter Adolf Hoff mann. 57/3* Eintrittspreis 10 Pfennig. Der Einberufer. .Adolf Harudt, Rädersdorfer Straße 48. gjdmltheiss{Bier verdankt sein Henommee feiner hervorragenden Qualität und Bekömmlichkeit Brillanten als Spezialität auBergewöhnlich billig. Max Brinner,Jerusalcnicrstr.42. Der Ruf der Firma(gegründet 1863) bürgt für strengste Reellität.• Hinge> llk.m.lBr.v. 9M.an Ohrringe'«2 U„ 2 B 18„ Brosche 32 14 B t„ 20„ Herr.-Nadeln 3 14„ 1„ 13„ usw. bis zum feinsten Genre. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend, Sonntag, den 28. November 1909, vormittags 11 Uhr, im Saale der Brauerei Friedricltshain: Uebungss Stunde. I ! Geübt werc Geübt werden: Sohnsucht, Oer Barde, Grablied(Bombelke). Unbedingt pünktliches Erscheinen WNU wird de» Sängern zur Pflicht gemacht. rmioNu�nv�iaags:chAusschuß=Sitzung. Tages-Ordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. NB. Die Billetts zu unserem am 11. Dezember stattfindenden j Stiftungsfest gelangen zur- Ausgabe und werden die Vertreter ersucht, dieselben gegen sofortige Bezahlung in Empfang zu nehmen. 17/14 Die neue verbesserte Auflage von Liederbüchern ist erschienen. Wer Vorataiid. Sophienslraße 17/13 Querstraße der Rasenthaler StraBe<— am Hackeschen Markt* Inhaber; Panl Buatz===== empfiehlt seine von 60—2000 Personen sassendcn Säle zu Verlammlungen Vortrags» u. Kunstabenden usw. Vorzllgl. Alusttf. Kulant. Entgegenkommen. Sophlen-Säle Mlussfcflii Die Harnleiden Ibre Oefohren, VerbOlung nnb Beseitigung von J)r. med. 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Beim Empfang zahle ich Mk._ durch Nachnahme an. am I. jeden Die Ware bleibt Eigentum der Firma bis alles bezahlt ist Nichtzahlung von zwei Monatsraten hebt die Vergünstigung der Teilzahlung auf. Erfüllungsort Berlin- Mitte. Als Anzahlung sind 10—20 pQ. der Gesamtsumme erwünscht. Datum: Vertreler an allen Orten geiudtf gegen hohe Proulflon, auch.fflr unfere Spedalabtetfung Uhren U. ßoldwaren. s�aße �Hausnürnmer: Stand: Eieone Betrlebawerkuttttten Im| faldots und Ulster hochmoderne, schönste Ausmusterung vornehme Fassons und neueste Farben. Viele hunderte Exemplare vorzüglichster Paßform 50.00 45.00 40.00 36.00 33.00 IT W 30.00 27.00 24.00 21.00 18.00 10 W. C9 1® 1« �/z Uhr.) Montag: Der Unbekannte. Hebbel-Theater. Bis aus weiteres täglich: Der Skandal.(Ansang 8 Uhr.» Kleines Theater. Sonntag: Jugend. Montag: Hinterm Zaun. Dienstag: Moral. Mittwoch: Hinterm Zaun. Domierstag: Jugend. Freitag: Mural. Sonnabend: Hinterm Zaun. Sonntag nachiutttags 3 Uhr: 2X2—5. Abends: Moral. Montag: Hinterm Zaun. Thealer des Westens. Sonntag: Der sidele Bauer. Montag. und Dienstag: Die geschiedene Frau. Mittwoch nachmittags: Struwwelpeter. Abends: Die geschiedene Frau. Donnerstag und Freitag: Die geschiedene F au. Sonnabend nachmittag: Struwwelpeter. Abends: Die geschiedene Frau. Sonnlag nachmitttags: Ein Walzertraum. Abends: Die geschiedene grau, Montag: Unbestimmt. Schillcr-Theatcr 4». Sonntag: Don Carlos. Montag: Das Käthchen von Heilbronn. Dienstag: Mist Hobbs. Mittwoch: Das Käthchen von Hellbronn. Donnerstag: Miß HobbS. Freitag: Der Schwur der Treue. «onnabend: Mitz Hobbs. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Abends: Mis» Hobbs. Montag: Die erste Geige. Schiller- Theater Ccharlottenburg. Sonntag: Gespenster. Monlag: Der Schwur der Treue. Dienstag: Wallenstems Tod. Mittwoch: Die erste Geige. Donnerstag: Gespenster. Freitag: Wallenstems Lager. Die Piccolomini. Sonnabend: Wallenstems Tod. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Macbeth. Abends: Wilhelm Teil. Montag: Wallenstems Tod. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag: Das grosze Licht. Montag und Dienstag: Lisclott. Mittwoch nachmittags: Snee- wittwcn. Abends und Donnerstag: Flachsmann als Erzieher. Freitag: Lisclott. Sonnabend nachmittags 3 Uhr: Dornröschen. Abends: Flachs- mann als Erzieher. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Othello. Abends und Montag: Liselott. Voiksoper. Sonntag: Die.Hugenotten. Montag: Die Regiments- tochter.(Anfang 8'/, Uhc.) Dienstag: Die Jüdin.(Aakang 8'/, Uhr.) Mittwoch: Die Regimenistochter.(Ansang 8'/. Uhr.) Donncrstqg: Undiuc Freitag: Die lustigen Weiber von Windsor.(tinfang 8>/, Ubr.) Sonnabend: nachmittags: Der Freischütz. Abends: La Traviata.(Ansang 8'/� Uhr). Sonntag nachmittags 3'/z Uhr: Zar und Zimmermann. Abends: Der Müller von Sanssouci uiio Die Regimenlstochter. Wontag: Rigoletto. Luiseii-Theater. soimiag: Gib mich frei. Montag: Robert und Bertram. Dienstag: Gib mich frei. Mittwoch: Heimat. Donnerstag und Freitag: Gib mich frei. Sonnabend: Heimat. Sonntag und Montag: Gib mich frei. Rose-Theater. Sonntag: Maria Stuart. Montag: Die relegierten Studenten. Dienstag: Die Rechtlosen. Mittwoch: Maria Stuart. Donners- lag: Die Grille. Freitag: Der Hüttcnbcsitzcr. Sonnabend: Die relegierten Studenten Sonntag und Montag:�Lcben und leben lauen. Neues Operetteu-Theater. Sonntag: Gastspiel iin Lcssing-Tbeater: Rosmcrsholm.(Anfang Th Uhr.) Montag bis Sonnabend: Mist Dudel- sack.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der Zigeunerbarvn. Abends: Mist Dudelsack. Lnftspielh»»*. Sonntag: Geschloffen. Montag bis auf weiteres: Der duntte Punkt.(Ansang 8 Ubr.) Sonntag nachmittags 3 Uhr: Familie Schimck. Abends: Der dunkle Pnnkt. Residenz-Theater. Sonntag: Musotte. Allabendlich: Gretchen.(An- sang 8 Uhr.) Sonntag nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. Abends: Gretchen. Thatia-Theater. Sonntag: Mein Leopold. Montag und Dienstag: Die ewige Lampe.(Ansang 8 Ubr.) Mittwoch nachmittags 3 Uhr: Max und Moritz. Allabendlich: Die ewige Lampe. Sonnlag nachmittags 3 Uhr: Sneewittcbcn. Kasino-Theater. Allabendlich: Onlel Cohn.(Ansang 8 Uhr.) Sonn- tag Nick Carl er. Slpolto-Theater» Allabendlich: Eine Haremsnacht. Spezialitäten. (Anfang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Paffage-Tlieater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Theatcr. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Palast-Thcnter. Allabendlich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Karl Hnberland-Theater. Allabendlich: Spezialitälen. Trianon-Thenter. Sonntag: Monsieur Mphonse. Montag: Pariser Wittven.(Ansang 8 Uhr.) Dienstag bis aus weiteres täglich: Buridans Esel. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Coralie u. Co. Gebr. Herrnfeld-Theater. Bis aus weiteres täglich: To mnst maus machen. Ei» Reltungsmittel. Nächsten Sonnlag: Die Meyerhains. Die letzte Ehre.(Ansang 8 Uhr.) kvietropol- Thearer. Allabendlich: Hallvh l Die graste Revue l (Ansang 8 Uhr.) Reichshallen- Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. lAnsang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) llrauia-Theater. Taubenstrastc 48/43. Bis aus weiteres täglich abends 8 Uhr im Wisscnschaitlichen Theater: In den Dolomiten. Sternwarte, Jnvatidenstr. 57—62. Wttterunqsnbrrllcht vom 80. November ISt'S. morgens 8 Uhr. Gdrllsnen Setter �winemve 750 W Hamburg!7(32WSWi ßerliv 1762 53 Zranff.a M 767 N Niünchev j766N Wien'765 28 2 Nebel 4 Nebel 2 bedeckt 1 bciter 3 bedeckt 1 wolkig tag; w5> «totlonen 0 2 1 7 —3 —2 Havarand» 757 Still Petersburg 745 O Sctlly �766 ONO tberdeev Part» 766 NW 766 2! NO l wolkig—10 1 Schnee—6 4 wolkig! 4 2 wollig j 5 2 rooltcnl;—& Wetterprognose für Sonntag, den 21. November 1909. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und lebhasten westlichen Winden; später zeitweise aufklarend und neue tÜilühlung. Berliner Wette rbureau. AMwNg Aektung! Allen meinen Ivetten Freunden und Bekannten sowie den werten Parteigenossen zur gefälligen Kenntnisnahme, dast ich die Bacilerei und Brotfabrik Samaritersir. 11 sowie die dazu gehörigen'Filialen: Ebortystr. 54) Frankfurter Allee, Ecke Jamaritcrstrasic; Proskancr Str.tZl; Boigtstr. R>; Waldeyer- strafte 1; Mirbachstr. 42, von der Firma Fritz Hunke läuslich erworben habe. Durch jahrelange Tätigkeit in diesem Betriebe und fachmännische Kennt- niffe ist es mir möglich, gute Bnrkware und schmackhaftes Brot zu liefern sowie durch ständige Kontrolle die peinlichste Sauberkeit zu beobachten. Bemerken will ick noch, dast in meinem Betriebe nur organisierte Arbester Mit tarismästigcn Löhnen beschäftigt werden. In der Hoffnung, dast mein neues Unternehmen gütige Unterstützung findet, zeichne mit Parteigrust Karl itlache, Bäckermeister, Berlin 0., Samariterstr. lt. In Charlottenburg Leske£ Slupecki, Schönhauser Alice 70c, Ecke der Stargarder Straße. Tel: Amt III, 2632. 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Tages-Ordnung: Vortrag des LandtagSabgeordnetc» Z t r ö b e l: Die Scharfmacher an der Arbeit. Freie Diskussion. Tie SlbtellungSfllVrer. 232115* I. St.: I, Harsohner, Swinemünder Str. 73. Große vieMoten Versammlung am Sonntag, den 2t. November, im Gesellschaftshanse, Wilmersdorf, Wilhclmsaue IIS: Dortrag über: MV Jahre Gesindeordnung. Referent: Otto Wels. Danach freie Aussprache. Eaalöfsnung S Uhr. Ansang 7 Uhr. Nach dem Vortrage: Gemütliche« Beletammcnaein. Wir erwarten, dah alle Genossen und Genossinnen sllr guten Besuch der Versammlung agitieren und die ihnen bekannten Dienstboten aus diese Versammlung ausmerksam machen. 231/17 Verband der Schneider und Schneiderinnen --------------(Filiale Berlin I). � Zwischenmeistergesellen! Montag, SS. November, abcudS«>/. Uhr, bei Nrottendorker, Markgrasenstr. 83: IST Versammlung-WZ für die bei Zwischenmeistern in der Herrenmaßbranche beschäftigten Gesellen. Tagesordnung: 1. Dir Lost»- und Arbrltsverstältuifse in dieser Branche. 2. Wahl einer Kommission.»3. Verschiedenes. 163/12 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Etnberufer. Sei' Zablatelle Berlin. Bureau: BlankenfeldeBtr. 10. _ Telephon: Stmt 7, Nr. 6020. Sonntag, den 21. November, abends ö'/gUht: Kombinierte Mitglieder- Versammlung im„Englischen Garten" Aloxanderstr. 27o. TageS-Ordnung: i. Vortrag der Genossin K S b l e r. Hamburg über:, Da» Interesse der Frau an der Sirboiterbewegung". 2. Diskussion. Zahlreichen Besuch der Kollegen nebst Frauen erwartet 170/6 Z»ie OrtMverwaltnnc. Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein. Orts-Krankenkasse der Takakfakrikarbeiter Einladung zur Ordentliehen General-Veszamnilung am Montag, 29. Novbr. 1909, abends 8l/i Uhr, in Lokale Wein- strafte II(srüher Feind). »TageS. Ordnung: 1. BcschluKsassung über die Aushebung des bisherigen Statuts nebst SIb« änderungen und SstisÜhruna eines neuen Statut» zum 1. April 1310. L. Neuwahl für zwei laut Statut ausscheidende Vorstandsmitglieder. 0. Wahl einer Kommisston von drei Milgliedern zur Prüfung der Rech- nung des lausenden Jahres. Berlin, 18. November 1303. 236/5_ Ber VorHlimd. Orts Krankenkasse der Daehdeeker Berlin«. Freitag, den 26. November 1303, abends 8 Uhr, bei Daig, Sialitzer Sirasze 5t/52: Ordentliche General-Versammlung Tagesordnung: 1. Wahl eines Vorstandsmitgliedes für Arbeitnehmex aus 1 Jalir. 2. Wahl zweier Vorstandsmitglieder süt Arbeitnehmer aus 2 Jahre. 3. Wahl eines VorstandSniitgliedes sür Slrbeitgeber aus 2 Jahre. 4. Wahl des RechnungSprüfungsauS« schusses sür das Jahr 1303. 5. Abänderung der Paragraphen des Staiuls Nr. 11, 12. 18. 13, 27 und 28. 6. Slntrag.Förster' Besoldung der Delegierten. 7. verschiedene?. 236/14 Delegicrtentarte legitimiert. I. Hornemann. Vorfitzender. Innungs-Kranlcenltasse der Tischler-Innung. Hontag, d. 20. Vovember, abends 8 Uhr, Im Gewerkschaftshause, Engeluser 15: Ordentl. General-Versammiung der Vertreter der Kassenmilolieder und der Innungemitglieder. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Ersatzwahl zum Vorstande; in getrennter Wahl sind zu wählen: zwei Vorstandsmitglieder von den Der« tretern der Kasienmltglteder und ein VorstandSnitlglicd von den Vertretern der JnnungSmttglieder. 3. Wahl von drei Revisoren zur Prüsung der JahreSrechnung 1303. 4. Wahl von vier HilsSarbeitern resp. Wtedeiwahl. 5. Slalulenänderung. 6. Verschiedenes. 233/8»er Vorstand. Orts- Krankenkasse de» Drechsler und verwandter Gewerbe —— zu Berlin.— Die Ordentliche Generai-Versammlung findet am Montag, den 29. Ro- vemder 1909, inbendS 8 Uhr (Arbeitgeber 8'/, Uhr), in de» Arm inHalle», Kommandantenstr. 53, statt, wozu die Herren Vertreter hier- mit eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern (1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). Die Wahl findet für die Herren Slrbeitgeber und Siroeitnehmer ge» trennt statt. Hierauf um 8'/- Uhr fllr fSmtltche Bertreier: 2. Protokollverlcsung. 3. Bericht des Vorstandes. 4. Wahl de« RechnmigSauSschuste» pro 1303. 2431b 5. Verschiedenes. Der Vorstand. I.A.: G. Tie dt. Vorfitzenber. Kll!!!Il!s-AlIizl!!Ss-�!lll!S!'llIieiI-Km'lI..lkiZ". Sonntag, den 21. November(Totensonntag), adendS 7 Uhr» In den Borii««la.SKIeii, Ackerstr. G— 7 s 2 groß® LichtbiSder-lfartrligo. Von Innsbruck nach Venedig. Malerische Reise In 60 grosten farbigen Licribildern. sowie mit Genehmigung de» Fr. Basscrmannschen Verlags in München: Abenteuer eines.Junggesellen. Bon Wilhelm Busch. Nach Orlginaszeichnungcn des Künstlers. Einlatzkarten sind bei den Miigliedern a 23 Ps. zu haben. Nach dem Vortrag: Tanz. Um zahlreichen Besuch dieses interessanten Vortrages bittet 2545b__ Der Vorstand. Dienstag, den 33. November, abends 8 Uhr: Oeffeutliche Schiffer- verfammlung in Kellers Westfalen("Neue Philharmonie), Köpenicker Ttratze 96/97(Scke Alte Jakob- und Jnselstraste). TageS-Ordnung: Die Notlage der Bimienichissuhrt, Ihre wirischaftllchen nnb politische:, Ursachen. Nesercnt: Verbandsvvrsttzender Kurl G!iel»el, Berlin. Freie'Aussprache für jedermann:"tesps Der Einderufer. Orts Krankenkasse der Bureanangestellten zu Berlin. Die für das Jahr 1909 gewählten Delegierren werden hiermit zu der am Dienstag, den 30. d. MtS.. abendS S'/i Uhr, im Saale Kaiser-Wiltielm-StraBe 18m staiiftnd enden 296/12 General-Versammiung eingeladen. Tagesordnung: 1. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der JabreSrechnung pro 1303. 2. Vermalt, mgsangelegenheiten. 3. Bericht über den 5. Allgemeinen Kongretz der Krankenkassen Deutsch- land« und über die 16. Jahresversammlung dcS Zeniralverbande» von Orts-Krankenkassen im Deut- scheu Reiche. 4. Vortrag Uber dl« Bestrebungen der Haus- und Grundbcsttzer-Bereine zur SIbänderung der Bauordnung. 5. Ersadivablen sür den Vorstand. Berlin, Stralauer Str. 56, de» 18. November 1303. Der Borstand. g. A.: Baue r. im VerlsZe von Hermann Walther, Berlin W. 30, ist ersohieuen: (lZepIer,Kene Demokratie Bichtlinlen für hörgerlicke Politik. 2� 1 usw.• Nach beendeter Sngros• Saison Einzelverkauf zu Engros- Preisen. R. Michaelis, Gr. Frankfurtersir, 99 I, vis- ä- vis Strauß- berger Platz. Deutkher Cransportarbeitcr'Verband Bezlrksvcrwultang: Groß- Berlin. Sektion II. Mitglieder aller Branchen! Montag, SS. November, abds. S1/« Uhr, in den Musikersälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 18m ortleniliede Generalversammlung. TageS-Ordnung: 1. Dortrag des Genossen t)tto Lülier über: „Die anterlkaiilKclie Arbeiterbewegung". 2. Geschäfts- und Kassenbericht pro 3. Quartal. 3. Anträge und GeschästlicheS. Kollegen! Wir erwarte», dost Ihr alle Man» für Mann zu dieser Versammlung erscheint. Da» nt.glledsbnch tat am Einsang de« Saales vorzuzeigen! 71)7___ I. 81.: Albert Uthest. Deutscher Jlolzarheiter-Verbaud. = Verwaltung Berlin.== Dienstag, den 23. November, pünktlich abends 8 Uhr, General- Versammlung im„Gewerkschaftshause", Engeluser 15, Saal 4. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Ortsverwallung. 3. Slnträge. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. Tie Ortsverwaltung. Bürstenmacher. Mittwoch» den S4. November, abends 8 Uhr, bei Preust, Holzmarktstr. KS: IrsneKen-VerssmmwnU. Tagesordnung: 5. Vortrag des Kollegen K.ohl. 2, Stellungnahme zur Erhöhung des Darifcs. 3. Branchenangelegenheiten. Jalousiearbeiter. Mittw och, den S4. November, abends 8�z Uhr, bei Boeker» Weberstr. 17: LrsnLllen-Verssmmlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Beratung der Anträge zur Generalversammlung. S. Branchen- angclegenheiten.__ Kfichenmöbelbranche. Donnerstag, den SS. November, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27 e; Ncrseiuinliiug-«er i» Küiheiiiuülikl-Falirikeu besdiiist. Tischler, Maler, Meschilieuardeiter». Hilfsarbeiter Berlins«nd der Bororte. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoslen Bkol««:.WaS sollen—«aS müssen wir«. 2. Branchen. aNgelegenheeten.__ 82/9 Stellmacher. Donnerstag, den SS. November, abends 8 Uhr, im„Rosenthaler Hof", Rosenthaler Str. 11-12: Sranehsn-Vevsainmlmig. Tagesordmmg: 1. Vortrag. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Branchenangelegenheiten. Klavierarbeiter. Die am Montag fällige Branchen-Versammlnng fällt aus. Orts-Kraukenkasse der Sri» b«««er und verwandten Gewerbe zu Berlin. DienStag, den 30. November d. F., abends 8 Uhr: lZcnessI-Vcsssrnmliing im Vesverltsehaltshaa««, Engeluier 15. Tagesordnung: I.Jn getrennter Versommlung: Ersatzwahl der statutengemätz aus» scheidenden Vorstandsmitglieder, und zwar sind zu wählen: a) Zwei Slrbeitgeber als Vorstands. Mitglieder aus die Dauer von zwei Jiihren und zwei Stellvertreter aus die gleiche Zeitdauer. b) Vier Arbeitnehmer als Vor« standsmitgltcder aus die Dauer von zwei Jahren und vier Stellvertreter aus die gleiche Zeitdauer. 1!. Nach deendtgter Wahl in gemrinschaftttcher Versammlung: 1. Wahl des Ausschusses sür die Prüfung der Rechnungen des lau. senden Jahres, und zwar ein Arbeit» geber und zwei Arbeitnehmer. 2. Berich! über die im lausenden Jahre abgehaltenen Krantenkafsen» Kongresse. Referent: Herr 0. Lubatsch. 3. Verschiedenes. Die Herren Delegierten werden er. sucht, zahlreich zu erscheinen. Die zu. gesandte Legitimation ist am Eingang vorzuzeigen, 236/7 Der Vorstand. Gustav Lubatsch, Vorsitzender, Auguststratze 60. Orts-Krankenka sse der Gtaüt Schöneberg. Am>Mo»tag, den 20. Novem- der 1009. abends 7'/, Uhr, findet im Reslaurant„Zu den neuen Rat. haussälen", Meininger Stratze ö(im grotzen Saal) eine Ordentliche Generat-Uersammiulls mit folgender Tagesordnung statt: 1. Beschwerdelache Droese. 2, Stellungnahme zu den neueren Bestrebungen der Haus- und Grund- besitzervereine, Referent: Herr Albert K o h n, GeschästSjührer oer OrtS» Kranlenkasse der Kaufleute. 3. Wahl von Vorstandsmitglied«» und zwar: a) eines Arbeitgeber», bj dreier Arbeitnehmer. 4. Wahl der Prllser der Jähret» rechnung 1303 und zwar: ai eincS Arbeiigcber«, b) zweier Arbeitnehmer, c) deren Sttllvertreter. 5. Bericht über das Genesung». heim in Sasserode sowie Beschlutz. sassung über eventuellen Erwerb eineS eigenen He ins. 6. Wie richten wir in Zukunft unsere Krantenkontrolle ein tz 7. Verschiedenes. 236/8 Schöneberg, 19. November 1909. Der Vorstand. Krukow� Vorsitzender. _ Geist,«chrislsührer._ Gemeinsame Orts- Krankenkasse sür Dt.-Wil»insbers und Umgegend. Die Vertreter der Slrbeitgeber und Kassenmiiglieder werden hiermit zu der am 296/11 Montag, d. 29. November 1909, abends 8 Uhr, im GesrllschaftShauA, Wilhelmsaue 112, stattfindenden Ordentlichen General- Versammlung ergebenst einzuladen. TageS-Ordnung: 1. Verlesung deS Protokolls. 2. Beschlutzfassuna über den Mit, erwerb deS Genesungsheims der Orts-Kranlentafie Tempelhos. 3. Bericht des Vorstandes. 4. Wahl de« Vorstandes nach tz 39 (10. Nachtrag) des Statuts. 5. Slbänderungen der§{j 18, 14. 28, 36, 41, 42, 44, 49, 60, 56, 66, 67 des Statuts. 6. Wahl der RechrmngZ- PrüstmgS» Kommission. 7. Bericht über den Brandenburgi» scheu Prooinzial-Krankenkassentag. 8. Verschiedenes. Di.-Wilmersdorf, d. 18. Novbr. 1339. Der Vorstand. vkegeaer, Tuckermann, Vorsitzender._ Schristsllhrer. Gemeinsame Ortskrankenkasse fürNowaweSi™�. Am Montag, den 29. d. Mi».. abends 71l, Uhr. findet im Restaurant von Singer, Pricstcrslr. 31, eine dräentlicke General-Veisammlung statt, zu welcher die Mitglieder der. selben ergebenst eingeladen werden. Von 71/,— 8'/, Uhr finden die Wahlen zum Vorstände, Arbeitnehmer und Slrbeitgeber getrennt, statt. Zu wählen sind 1 Arbeilgeber und 3 Sir. beitnehmer. 296/13 DM- Um 8'/, Uhr: Gemeinsame Sitzung. Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Miigliedern zur Prüfung deS Jahresabschlusses 1909. 2. Statutenänderung(jj 7, 10, 12, 28, 29 und 40). 8. Verschiedenes. Oer Vorztand. Otto Hossmann. iSoziaiiieinGiirBtiselterWalilTerelo des \i Berl. ReidistagswÄeises. sB-zir! III). Wm 19 November verstarb unser I Mitglied, der Böttcher tteinrick Dittrich Sieboldstr. 3. Ehre seinem Andenken! Die Beerdignng fmdet am Montag, den 22. November, nachmittags>/z2 Uhr, vom Kraiikeii- hause am Urban auS»ach dem Heil Ärenz-Airchhose in Marien- dorj statt. Um rege Beteiligung ersucht 211/18 Ter Ziorstnnd. Zeirtralverliaiiil iJer Bötteiier, tfeinküler Dnd ilsarliEiter Heutselilaiiils (Filiale Berlin). Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser Kollege und Mitglied tlemkich vittick am 17. d. M. nach langer Krank- Heil im Aller von 47 Jahren ge. starben ist. 39/4 Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 1'/, Uhr, von der Leichenhalle am Urban nach dem HeUtg-ftrenz-KirchHos in Mariendort aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwatenng. Deutscher Mefallartreiter-Verhand Verwaltungsetelle Berlin. Todes• Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bau- Anschläger ?3u! Lckumsnn am 19. d. M. an Lungenletden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. November, nachinillagS 3 Uhr, von der h Leichenhalle des Reiniikendorser 1 Gcmeindc-KirchhoscS in derHum- " boldtstrasii aus stall. Rege Beteiligung erwartet |j 125/19 Die Ortsverwaltung. | Verein derStereotypeureund Gaivanoplastiker Berlins nnü Umgegend. Den Kollegen zur Nachricht. i daß am 18. d. M. unser Mitglied, j der Kollege !�lcvÄrcI /Nsecker < nach langem schwerm Leiden j verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute I Sonntag, den 21. November, : nachm. V,! Uhr, vom Trauer- j hause in Fredersdorf, Lange. > slraste 14, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 291/18 Oer Vorstand. Allen Freunden und Kollegen l die traurige Nachricht, daß am Donncistagabend 9'/, Uhr mein s lieber guter Mann und Vater, I der Maurer UsMems? Lehmann nach langen, schweren, mit un- endlicher Geduld ertragenen Leiden im 49. Lebensjahre sanst ent- schlasen ist. Die» zeigt in fiesstem Schmer, an Vtilwe Anna Lehmann, geb. Zittlau nebst Sohn N., Fehrbelliner Str. 28 IV. Die Beerdigung findet am Montag, den 22. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zions-Friedhoscs in Niederschönhausen»Nm dend aus statt. 2S28b IZeairal-VeM der Maurer Deutsehiands. Zwelgvcrein Berlin. Bezirk Nr. 2. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied Vatöemar Lehmann am 18. November verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am ! Montag, den 22. November, nach- I mitlago 3 Uhr, von der Leichen- I Halle der ZionSgemeinde in Nord- | end aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1 140/3 Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes >ViIke!m(karmw sage ich allen Freunden und Bekannten, dem Wabwerein und dem Bezirk 514 meiuen herzlichsten Dank. 82502 »Uwe Harle Granzow. Vertanfl der Fahnkarlieiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Todes-Anzeige. Am Freitag, den 19. November, starb unser Mitglied, der Gummi- arbeitcr Gustav Brauer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an» Montag, den 22. November, nach- inittags 3 Uhr. von der Halle dcS Genreuidctriedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. 64/16 Die Ortsverwaltun«. ............. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinen- arbeiter Karl Sadewater am 19. November gestorben Ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an» Montag, den 22. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle deS BartholomäuS-KirchhofeS t» Weißclisce, Failuiberger Straße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 92/10 Die Ortsverwsltung Deutscher Transpcrtarheiter-ferhand. Ortsvor*altung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser MUglied, der Verlade- arbeitcr �rtur Scheffler am Freitag, den 12. d. M. Im Alter von 42 Jahren ast Gehirn- crschüttcrung(BetricbSunsall) gc- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Wohnung. Eeißcnse«, LanghanS- straßc 142 auS nach dem Weißen- l'cer Kirch hos, Röllcsttaße 47— 51 statt. 71/8 Die Verwaltung. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der ileutschen Wagenbauer. Berlin, Bezirk 10. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied kränz Armerding am 19. November verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 22. November, nach- mittags 4 Uhr. von der Halle der Himnielsahrt-Gcmeinde, Nordend. aus statt. 253/19 Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Die Ortsverwaltung. Zeotral-Verbaiid der Maurer Deutschlands. Zwelgvereln Berlin. Sektion der Putzer. I Unseren sowie den Witglieden, des Gesangvereins zur Nachricht, daß unser Mitglied Kanl Bäker im Alter von 50' Jahren am 19. November an Gehirnerweichung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ain Montag, den 22. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leiwenhalle des nciten PauiS- Kirchhofes in Plötzcnsce aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der vorstand. ?lm 20. November verstarb plötzlich am Herzsihlag mein lieber Mann, unser guter Vater, der Kassierer kriedrick Weiglin im 45. Lebensjahre. 324911 Die Beerdigung findet am DienSiag, den 23. d. MtS.. nachm. 4 Uhr von der Halle des Philippus- Sipostel-KirchhoseS. Müllerstt. 44/45 aus statt. Bertha Weiglin und Söhne. BJrtm-Ahtellnngr I. Geschäft; Berlin W., Mohren- StraBe 37a(2. Haus von der| Jerusalemer StraBe). II. Geschäft: Berlin NO., GroBe Frankfurter Str. 115(2. Haus von der AndreasslraBe). I Sehr er. Auswahl fert. Kleider, I Hüte, Handschuhe, Schleier otr. I vom einfachsten bis zum hoch- 1 i elegantesten Genre zu äußerst| niedrigen Freisen. Son der-Abteilung: naBanfertlgiing in 10 bis 12 Stunden. Am Donnerstag, früh v Uhr, verstarb plötzlich insolge Herz- schlagcs im 61. Lebensjahre praa Lina Winnewlsser geb Pape. 25296 Die? zeigen schmcrzerfilllt an vis trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung«»folgt an» Montag, den 22. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle deS EinmanS-Fi ledhoscS aus. Für die uns bewieiene Teilnahine bei dem Begräbnis meines lieben Mannes, unseres gitten VaierS. sagen wir hiermit insbesondere dem Gesangverein.Männercho» Lichten- berg-, dem Soz!alde>nokral»!che»i Wahlvcrein Lichtenberg, dem Skat« klub„Kaio-?tß-, sowie allen Ver- wandten. Freunden und Bekannten Miseren herzlichsten Dank. Minna Arnim nebst Söhnen. Tanksagung. Für die zahlreiche Teilnahme und herrlichen Kranzspenden sowie den erhebenden(Icsang bei der Bcerdi- gung meines geliebten Maiincs, unseres guten Vaters, Schlvieger- und Großvaters, de» Putzers Karl Peters sagen wir allen Genossen, Kollegen, Verwandle» und Bekannten unseren herzlichen Dank. L550b Hie trauernden Hinterbliebenen. Orts-Krankenkasse der Zigarrrnlillllher, Zigarrtten- madirr, Zigarrrnsortirrrr und deren gewerblichen Hilfsarbeiter zu Berlin. Dienstag, den 30. November 1909, im Restaurant Hemvel, Rosenthaler- straße 11/12(Rosenthaler Hof): Geuecai-Verzammiung der Arbeitgeber abends 7'/, Uhr. Tagesordnung: 1. Neuwahl für drei ausscheidende Vorstandsiultglieder. 2. Wahl eine» Revisors zur Vor- prllsung der Jahresrechnuug. der Arbettnebmer abend» 8'/, Uhr. Tagesordnung! 1. Bericht des Rcndauten. L. Neuwahl für sechs ausscheidende Vorstandsmitglieder. 3. Ersatzwahl sür drei ausgeschiedene Vorstaiidsmilglieder. 4. Wahl von zwei Revisoren zur Vor» Prüfung der IahreSrechnung. 5. Bericht der StalutciiberatungS- Kommission(betr. Acnderung der g§ 12. 13, 19, 28, 29, 30 und 60 infolge der Versügung dcS Ober- prasidenlen d. Prov. Brandenburg.) Nur Delegierte der General- Vcr- sainmtung haben Zulrilt. Milglicdcr« tartr legilimterl. 2ö48b Bor Vorntand. Dr. Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. 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LerlagsanKatt Paul Singer St Sa« Berlin SW, Dr. 272. 26. Iahrgmg. 4. KcilU ks„AmUs" Kllim WMM Zstlktag, 21. Dovemw MS. Partei-?ZngelegenKeiten. Zur Lokalliste. In Gr.-Lichterfclde findet am heutigen Tage im Lokal von Sl u tz m a n n. Berliner Straße 30. eine Soiree der„P e t r i» Sänger" statt. Das genannte Lokal wird der Arbeiterschaft hartnäckig verweigert und ersuchen wir daher, allen dortigen Veranstaltungen fern zu bleiben. Die Lokalkommission. Fünfter Kreis(3. Abteilung). Am Dienstag, den 2 3. November, abends 8Vj Uhr. bei Kuhn, Linienstr. 8: Ver- sammlung. Referent: Stadtverordneter Adolf Ritter. Das Er- scheinen aller Mitglieder erwartet Der Abteilungsführer. Auch für Charlottenburg, Steglitz und Spandau findet heute eine Agitation zur Gewinnung von„Borwärts"-Abonnciitrn und Wahlvcreinsmitgliedern statt. Lankwitz. Mittwoch, den 24. November, abends 8� Uhr, findet bei Ebel, Mühlenstr. 9. eine außerordentliche General- Versammlung statt. Tagesordnung: Außerordentliche Partei- und Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Es ist Pflicht samt- licher Genossen und Genossinnen, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Zchlendorf(Wannseebahn). Dienstag, den 23. d. M.: Ver- cinSversammlung bei Mickley, Potsdamer Straße, l. Vortrag des Genossen Ed. Fuchs. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelcgenheiten. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Friedrichshagen. Am Mittwoch, den 24. d. M., abends 8)� Uhr, findet im Lokale von Witwe Lerche, Friedrichstr. 112, die Mit- gliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wuschick über die englische Revolution. 2. Diskussion. 3. Dereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Borstand. Stralau. Donnerstag, den 2b. d. M., findet in den Markgrafen- fälen, Markgrafendamm 34, eine Versammlung statt. TageS- ordnung:.Tie neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu". Nefercntin: Genossin Luise Zieh.— Dienstag, den 23. i). M.: Handzettelverteilung zu dieser Versammlung. Es wird erwartet, daß sich auch die Genossinnen an dieser Arbeit rege beteiligen.— Die Partei tagsprotokolle können bei den Bezirksführern in Empfang genommen werden. Alt-Glienicke. Am Dienstag, den 23. November er., abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn TroppenS, Nudower Straße b4, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Bildung?- und JugendauSfchusseS. 2. Diskussion. 3. Diskussion über die Volksversammlung vom 9. November. 4. Vereinsangelegenheit. Der Vorstand. Weißens«. Am Dienstag, den 23. November ct.. abends 8% Uhr, findet im Albrechtshof, Parkstr. 13, ein« öffentliche Ver- sammlung statt. Genossin Lungwitz spricht über:«Die neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu". Pankow. Am Mittwoch, den 24. November, findet bei EberS- bach, Berliner Straße 192, eine große Volksversammlung statt, rn welcher Landtagsabgeordneter Genosse Dr. KarlLiebknecht über die politische Lage referieren wird. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, eine rege Agitation für diese Versamm- lung zu entfalten. Am 27. November veranstaltet der Wahlverein in demselben Lokal ein Winterfest, bestehend aus Sinfoniekonzert sowie Vor- trägen berühmter Künstler; außerdem Ueberraschungen für Kinder. Die Arbeiterschaft wird ersucht, mit ihren Familien das Fest zu besuchen. Billetts sind in der Parteispedition, Mühlen- straße 39, bei Larsen, Brehmestr. 47. bei Ebersbach, Berliner Straße 192. sowie bei allen Parteifunktionären zu haben. Borfigwalde-Wittenau. Am Montag, den 22. November. abends 8 Uhr, findet in den Borstgwalder Festsälen, Conrad- straße 43, eine öffentliche Versammlung statt, zu der insbesondere die Frauen eingeladen sind. Genossin Schulte-Rixdorf spricht über:«Die Ausraubung des Volkes durch die neuen indirekten Steuern". Agitiert für Massenbesuch. Am Sonntag, den 21. November, früh um 8 Uhr: Flugblatt- Verbreitung. 1. Bezirk bei Kühleke, Ernststraße; 2. Bezirk bei W. Schulz, Schubartstraße; die Wittenauer Genossen treffen sich bei Schulz, Hauptstraße. Die Bezirksleitung. berliner Ffadmcbten. Heiligenschem nnb Stachelkranz. Seit Jahr und Tag macht in Preußen die evangelische Kirche, die ihre frommen Felle zu Hunderttausenden davon- schwimmen sieht, namentlich in dem großen Sündenbabel Berlin die verzweifeltsten Anstrengungen, um im Trüben zu fischen. Ganz besonders sind es zwei Tage, deren innere Bs- beutung die Masse des Volkes ganz anders auffaßt als die Kirche, wo die frömmelnden Schleimsiedcr sich mitten in ihrem Element fühlen und mit ihren seclenfängerischcn Belästigungen das Volk mehr abstoßen als anziehen: Bußtag und Toten- sonntag. Was soll uns der von Gesetzes wegen aufgedrängte Büß- tag sein? Nach dem Willen der staatsretterischen Regionen ein Tag stiller Einkehr, im Empfinden des Volkes weiter nichts als ein erwünschter Ruhetag im Tretmühlenleben. Ein verschwindend geringer Prozentsatz der preußischen Welt macht an diesem Tage den Gedankensprung der Kirche mit. Und weil man das vor einigen Jahren mit aller Deutlichkeit einsah. hat man den Bußtag, der damals noch ein zur Lebens- frende anregender Frühlingstag war. in den natur- sterbenden Herbst verlegt, mit Berechnung kurz vor dem Totensonntag. Da ist ja die trauernde Seele reif, um von den Trabanten der Kirche nach Strich und Faden bearbeitet zu werden. Da steht es, wie unter Meister Holdeins bs- riihrntem„Totentanz", auch im Herzen von Millionen, denen trotz innerer Festigkeit die Kirche gleichgültig geworden ist, mit jolgenden Worten: Wo Du bist und wo Du stehst. Weuii Du toinmit und wen» Du gehst, Denke, daß Du sterben mußt! Schade um die Druckerschlvärzc. welche die moderne Kirche verschwendet zur Maffenverfrommung. die nach einem fein durchgearbeiteten Kriegsplan schon am Bußtag beginnt und am Totensonntag den Höhepunkt erreicht. Die Welt der Bußprediger mit allem schmarotzenden Drum und Dran hat nichts vergessen, aber ans den Erfahrungen der letzten Jahre auch nichts hinzugelernt. Die Reihe von Trak- iätchcn, welche auf und vor den Friedhöfen, selbst au� der Großstadtstraße und an den Wohnungstüren nnt widerlicher Aufdringlichkeit verteilt werden, sind weg- geworfenes Papier. Fehlt nur noch auf dem Kirchhof der zur Frömmigkeit zmangserzogcne preußische Schutzmann, der niit gezogenem Säbel den KirchhofSbesuchern die frommen Äricgsartikel vorliest I Haufenweise ist auch die Geistlichkeit, die sonst nur für fette Sporteln an den Gräbern„arbeitet", auf dem Kirchhofe in Trauerparade angetreten. Und in die weihevolle Stimmung, die gerade an diesem Tage die weitaus meisten Friedhofsbesucher ehrlich und innig erfüllt, prasselt manch unduldsanier Seitenhieb, der die Gefühle der Leid- tragenden beleidigt und sie der menschenhassenden Kirche nur noch mehr entfremdet. Fühlt man es denn wirklich nicht da oben, wie alle Liebesmüh' vergebens ist und das verlorene Terrain nicht mehr wiedergewonnen werden kann? Tiefster Widerwille nur erfaßt einen, wenn man weiß, wie hier die Geistlichkeit, die in der Not des irdischen Lebens völlig versagt, nnt förmlich geschäftsmäßiger Schlauheit die Situation ausnutzt und sich Hunderttausenden, die am Ge- deuktag für die Toten mit ihren Gefühlen am Grabe allein sein wollen, ungerufen an die Sohlen heftet. Und wie die Kirche— so der Staat. Die von Jahr zu Jahr verschärften Verfrommiiugsbestiimnungen verfehlen vollständig den ge> wünschten Eindruck. Wie muß sich in diesen staatserhaltenden, ftömmlgkeitstriefenden Mcnschenköpfen die moderne Welt malen, wenn noch am letzten Bußtag einem so Volks- bildnerischen Institut, wie es unsere„Freie Volks- bühne" ist, die Aufführung ernstester Stücke vom Berliner Polizeipräsidium in letzter Stunde verboten werden konnte! Das ist nicht Bußfertigkeit, nicht die Angst des Staates um das Seelenheil des Volkes— nein, politische Schikane, die den Heiligenschein der Staatsgewaltigen in einen Stachelkranz verwandelt. » Die FriedhofSbesucher wollen am heutigen Tage ganz be- sonders auf die Lokalliste achten. Zahlreiche Lokulinhaber in der Mähe von Kirchhöfen verweigern der Arbeiterschaft die Hergabe ihrer Lokale zu Versammlungen. Diesen Lokal- besitzern muß auch heute auf die Finger gesehen werden. Frauen als Wahlhclferinnen in Moabit. Die„V o s s i s ch e Zeitung" veröffentlicht nachträglich ein Lob der Frauen, die im Landtagswahlkreis Berlin XII bei den am letzten DienStag vollzogenen Stichwahlen dem Freisinn als Wahlhelfcrinnen gedient haben. Sie schreibt: „Im 12. Berliner LandkagSwahlkreiS entwickelte sich am Dienstag eine fieberhafte Tätigkeit unter den freiwilligen Helfern und Helferinnen der Freisinnige» Volkspartci, die sich aus allen Stadtteilen zur Verfügung gestellt hatten. Seit Wochen hatten auch in diesem Jahre Frauen täglich im Wahlbureau geholfen. Sie fungierten am Wahltage selbst als Listenführerinnen und Schlepperinnen in aufopfernder Tätigkeit..... In einem besonders gefährdeten Bezirk, einem Arbeiterviertel, waren um 7 Uhr die Sozialdemokraten den bürgerlichen Parteien um vier Stimmen voraus. Es war fast keine Aussicht mehr, in einer Stunde noch die nötigen Wähler herbeizuschaffen, um den Sieg zu erringen, da schon alle Häuser bis auf den letzten Mann besucht worden waren. Da gehörte die ganze Ucberredungs- kunst von einigen freiwilligen Helfern, darunter vier Frauen, dazu, säumige Wähler herbeizuschleppen. Noch 19 Minuten vor acht wurden Schlepper und Schlepperinnen ausgeschickt. Und die Mühe war mit Erfolg gekrönt." Auch uns ist die Mitteilung gemacht worden, daß dem Freisinn von Frauen sehr eifrige Dienste geleistet worden seien. Man hat uns gesagt, daß sogar die Gattin de» FreisinnSkandi- daten Prediger Runze sich als Schlcpperin betätigt habe. Wir wissen nicht, ob das zutrifft. Aber wenn es wahr sein sollte, so müßten wir gegenüber der Frau Prediger ebenso wie gegenüber den anderen Damen, denen die„Vossische Zeitung" ihr Lob spendet, den rühmenden Worten des FreisinnsorganS durchaus zu- stimmen. Auch dem Gegner versagen wir nicht die Aner- kennung für opferfreudige Tätigkeit, die er seiner Sache widmet. Uns fällt aber bei dieser Gelegenheit ein, daß man vor noch nicht sehr langer Zeit in bürgerlichen Kreisen über Frauen als Wahl- Helferinnen ganz anders gedacht hat. Als zunächst nur die Sozialdemokratie bei Wahlen die Mitarbeit der Frauen willkommen hieß, konnte man in konservativen und auch in freisinnigen Blättern höhnende Betrach- tungen über diese Beteiligung der Frauen am Wahlkampf lesen. Es handelte sich ja nur um„Weiber aus der Arbeiterklasse", da brauchten die Herren aus den durch Besitz und„Bildung" herrschenden GeseltschaftSschichten sich nicht der Pflicht der„Ritterlichkeit" zu erinnern. Sogar das konnte man damals erleben, daß an Wahltagen unsere mitkämpfenden Frauen und Töchter mit Flegeleien belästigt wurden von tapferen Männern, die für die bürgerlichen Parteien stritten. Erst allmählich ist«s gelungen, solche Helden zu etwas mehr Artigkeit zu erziehen. Daß im Lager unserer Gegner auch heute die Frau als Wahl- Helferin noch wenig Achtung genießt, Ivenn sie sich in den Dienst der Sozialdemokratie stellt, dafür wollen wir ein Beispiel her- setzen. Im Landtags Wahlkreis Berlin XII, aus dem die„Bosstsche Zeitung'' so Rühmliches über die Damen des Frei- sinns zu melden weiß, hat am Tage der Stichwahlen selbstvcrständ- lich auch der Sozialdemokratie die Mittätigkeit der Frauen nicht gefehlt. Eine unserer Genossinnen, eine Frau S., hatte dabei ein Abenteuer zu bestehen, dem noch ein Nachspiel vor Gericht folgen soll. Als sie w der Wtclefstraße sich an der Schlepparbcit be- teiligte und wieder einen säumigen Wähler herangeholt hatte, mußte sie auf der Straße von dem im Hause Wiclefstr. 31 wohnenden Kohlenhändler Nadler sich in eigenartiger Weise darüber belehren lassen, wie in den Kreisen unserer Gegner noch über sozialdemokratische Wahlhelferinnen gedacht wird. Er schalt auf sie ein, sie solle sich doch nicht um die„Wählerei" kümmern, was sie für eine sei, das wisse man ja, lieber solle sie sich die„Bollen in den Strümpfen" stopfen. Die erregte Szene, zu der eS dann kam, endete damit, daß der Herr Nadler der Frau S. einen Schlag ins Gesicht gab und ihr auf dem Nasenrücken eine blutende Haut w u n d e beibrachte. Er hatte schließlich auch noch den Mut, durch einen Schutzmann die Persönlichkeit der Frau S. feststellen zu lassen, ob- wohl sie mit ihm in demselben Hause wohnt und bis vor kurzem noch seine Kundin gewesen war. Frau S. hat inzwischen unter Einreichung eines ärztlichen Attestes gegen N. Strafantrag gestellt. Nehmen wir einmal an, daß ein Arbeiter gegenüber einer Schlepperin des Freisinns, am Ende gar gegen- über der Frau Prediger, sich so benommen hätte, wie der Herr Kohlenhändler Nadler gegenüber unserer Genossin S. sich be- nommen hat. Welches Geschrei würde da in der gesamten bürger- lichen Presse sich erheben! Und wie exemplarisch würde das Gericht den Täter bestrafen, um der Dame eine Genugtuung zu verschaffen! Warten wir einstweilen ab, was zu dem Fall Nadler das Gericht sagen wird._ Die Störungen im Telegraphen- und Telephonvcrkehr sind seit gestern morgen zum Teil beseitigt. Es ist der Postbebörde gelungen, eine größere Anzahl von Strecken wieder betriebsfähig zu machen. Wie vom Haupttelegraphenamte mitgeteilt wird, wird der Betrieb im Fernsprechwesen sowohl nach dem Ausland als auch nach vielen deutschen Großstädten wieder aufrecht erhalten. Die Leitungen nach Sachsen sind wieder in Ordnung. Ferner werden wieder Ge- spräche nach Hannover, Äuttgart, nach dem Rheinland, Elsaß- Lothringen, Frankreich usw. hergestellt. Auch ein Teil der märkischen Ortschaften ist an das Telegraphennetz loieder ordnungS- gemäß angeschlossen. Dagegen sind die Störungen im Berliner Fernsprechwesen noch immer ganz erheblich. Recht traurig sieht es auch noch mit dem Fernsprechbetrieb in den Vororten aus. Nach dort müssen die Mannschaften zur Wiederherstellung der zerstörten Leitungen von Berlin gesandt werden und da infolge der Bearbeitung der hiesigen Leitungen nur verhältnismäßig wenig Kräfte abkomniandiert Ivcrden können, so schreiten die Lieparatur- arbeiten nur langsam vorwärts. Das Fernsprechamt gibt bekannt, daß mit folgenden Orten die telephonische Verbindung wieder hergestellt ist: Alt-Landsberg, A n k l a m, Bernau i, M„ Biesenthal, Buch i, M,, Kassel, Chemnitz. Koblenz, Darmstadt, Dresden, Eise nach, Erfurt, Frankfurt a, M,. Groß-Becren, Halle a, S,. I n st e r b u r g, Leipzig, Luckenwalde, Mainz. Mühlenbeck i. M,, München, Nllrn- berg, Pose». Riga a. Elbe. Saalfcld a. Saale Straßburg iin Elsaß, Strausberg i. M,. Stuttgart, Swinemündc, Werneuchen, Wiesbaden, Wittenberg, Bez. Halle, Wriezen, Würz- bürg, Zwickau in Sachsen, lieber die oben unterstrichenen Ort- schaflcn wird der Verkehr mit den angrenzenden Provinzen und dem Auslande wenn auch in beschlverlichem Maßstäbe ausrecht erhalte». Es ist zu erwarten, daß die Fernsprechaintverbindungen bald gänzlich hergestellt fem werden._ Ans der städtischen Knnstbcpntation. In der gestrigen Sitzung der Kunstdeputatio» unter Vorsitz des Oberbürgermeisters ivurde beschlossen, durch ein allgemeines Ausschreiben Entwürfe für eine Plakette zu erlangen, die den Gemeindekörperschaften zur Verfügung stehen soll, wenn sie bei Ausstellungen, sportlichen Wettbewerben u. a. einen Ehrenpreis geben will. Für künstlerische Leistungen auf den im Jahre 1919 statt» sindenden Kunstausstellungen sollen ö Geldpreise von je 3999 M. gestiftet werden. Von ihnen sollen auf der Großen Berliner Kunst- ausstellung vier, auf der Ausstellung der Berliner Sezession mit Rücksicht auf die geringe Zahl der ausstellenden Künstler zwei zur Verteilung gelangen._ Heber Arbeiterentlassungen im Gebiete der königl. Tiergarten- Verwaltung wurde kürzlich au dieser Stelle lebhaft Klage geführt. Es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß Arbeiisrnangcl nicht die Ursache dieser Entlassungen sein könne. Das bestätigen auch Fachmänner. Gerade im Berliner Tiergarten bleiben dauernd notwendige Arbeiten liegen, wie z. B. die Regulierung der Wasser- läufc, die saubere Durchforstung des Baumbestandes. Der Bestand weist heute stets zahlreiche Bäume mit krantein Holz auf. Diese Bäume bilden eine ständige Gefahr für das Publikum. Arbeit ist also stets genügend vorhanden, besonders aber jetzt, wo der Schnee- druck überall Verwüstungen angerichtet hat. Klage wird auch über die Löhne geführt. Hier steht fest, daß sowohl in den Parlvertvaltungen der Kommunen, sowie in der gewerblichen Gärtnerei die Löhne in den letzten Jahren überall gestiegen sind. Sir sind dort 1--2 M. pro Tag höher als in der Tiergartenverwaltung. Der Grund liegt darin, daß es gelungen ist, die Gärtner und Gartenarbeiter in diesen Betrieben zu argani- sieren. Dies war bei den in der Tiergartenberlvaltung Beschäftigten bisher nicht möglich. Sie mögen sich darum ihrer Berufs- organisation, ddm Allgemeinen deutschen Gärtner» verein, anschließen, und die beklagten Mißstände werden ver- schwinden. Einen WntauSbruch der Tante Voss hat die von unseren Genossen inszenierte Agitation für die Parteipresse und die sozialdemokratische Organisation hervorgerufen. Sie veröffentlicht folgende „W a r n u n g. Wie vor zwei Jahren soll am nächsten Sonntag in allen Bezirken Groß-Berlins eine E x t r a n u m m e r des„V o r w ä r t 6" zur. Verteilung gelangen, die zum Abonnement auf den„Vorwärts" auffordert. Der „Vorwärts"-Nummer werden Ausiiahmeschcine und Abomic- mentstarten beigelegt sein, die in der Zeit bis zum 28. November von Vertrauensleuten der Partei wieder abgeholt werden. Durch das persönliche Aufsuchen i st vor zwei Jahren ein großer Erfolg erzielt worden, indem Taufende von Personen sich zum Abonnement und zur Auf nah in e in die Wahlvereine bereit erklärten. Wir raten unseren Lesern, den „Genosse n", die die von ihnen aufgesuchten Per- sonen allzu dringlich bearbeiten sollten, energisch entgegenzutreten und ihnen die Türe zu weisen." Offenbar ärger! es die alte Tante Voß, daß die bor zwei Jahren vorgenommene Agitation erhebliche Erfolge gehabt hat. Ein ähnliches Ergebnis möchte sie diesmal verhindern, indem sie ihren Lesern den Rat gibt, unseren Genossen die Tür zu weisen. Sie scheint zu befürchten, daß die Leser der„Vosfischon Zeitung" bereits von dem öden Inhalt der„Vossischen" so angewidert sind. daß sie nach anderer geistiger Kost verlangen. Sie kann sich be« ruhigen. Bei unserer Agitation für die Parteipresse kommen ihre Leser kam» in Betracht. Uns ist vielmehr daran gelegen, jene Arbeiterkreise für uns zu gewinnen, die in Verkennung ihrer Klasjenlage die sogenannte Klatsch- und Sensationsprcsse halten. Die kleinen Leute können schon aus finanziellen Gründen die ..Vossische" nicht halten, selbst wenn sie wollten. 2,79 M. pro Monat Abonnementsbetrag können Arbeiter und kleine(Geschäfts, leute nicht ausgeben. Aber kennzeichnend für das Wesen der „anständigen Presse" ist der Wutanfall der«Vosfischen Zeitung". Glück im Unglück hatte am Freitag abend ein Fräulein Jäger aus der Pflügerstr. 29 zu Rixdorf. Beim Ueberschreiten des Kott» buser DanimeS wollte das Mädchen kurz vor dem Motorwagen der Linie öS das Slraizenbahngleise kreuzen, als ein Radfahrer den Zug m schneller Fahrt überholte. Erschreckt sprang das junge Mäd- chen auf das Gleise zurück. Mit groser Geistesgegenwart zog der Fübrer des Motorwagens die Bremsen, konnte jedoch nicht ver- hindern, dah der Wagen die Unvorsichtige erfahre und vor den Schutzrahmen warf. Trotz de« scharfen Bremsens glitt der Zug aus dem durch geschmolzenen Schnee und Schmutz änherst glatten Schienen noch etwa 8 Meter weiter, die Verunglückte mitschleifend. Als endlich der Wagen hielt und Strahenpassanten das Mädchen unter de», Wagen hervorzogen, stellte sich heraus, dah Fräulein I, keinerlei Verletzungen bei dem Unfall erlitten. Die Glätte hatte verhindert, dah das Mädchen unter den Schutzrahmen geprehl werden konnte. Nur die elegante Toilette war arg mitgenoumien; besoichers der umfangreiche Blumenhut hatte Formen angenommen, die lebhaft an ein zertretenes Blumenbukett erinnerten. Sine Ehrung deS im Borjahre verstorbenen Genossen W. Langfeld, der jahrelang besonders unterm Ausnahmegesetz für unsere Sache gekämpft hat, haben befreundete Genossen beschlossen, indem sie im engeren ZVreise die Mittel für einen Denkstein auf- gebracht haben und diesen Stein am kommenden Mittwoch, dem Sterbetag L.'s, den Kindern Langfelds und der Oeffentlichkeij übergeben wollen. Wir werden gebeten, Parteifreunde Langfelds darauf aufmerksam zu machen, dah diese Ucbergabe am Mittwoch nachniitiag 3 Uhr auf dem Emmauskirchhof(). Reihe I., Grab l.) stattfindet. Ocffentlich« Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Benunnng für jedermann, SO., Adalbcrtstr. 41. Geöffnet werktäglich von SM-— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von O—l und 3—6 Uhr. In der Lesehalle liegen zurzeit 54t Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Die Ausleihe- Bibliothek umsaht rund 18 500 Bände. Der Gesangverein„Liedesfreihcit Ost"(M. d. A-S.-B.) begeht heute, Sonntag, den 21, d. M., unter Leitung seines Chonneistcrs E. Thiclo sein 49. Stiftungsfest, bestehend aus volkstümlichem Vokal- und Jnstrumentalkonzert unter Mitwirkung des Wagnerschen Konzcrtorchcsters. Die„Kreuzberger Harmonie" hält heute in der Brauerei Friedrichshain ihr Konzert ab. Ein anscheinend einer Arbeiterin gehöriges Portemonnaie mit Inhalt ist am Freitagfrüh �48 Uhr am Schlesischen Bahnhof ge- funden worden. Die Eigentümerin kann sich zur Empfangnahme an A. Lankisch, Fruchtstr. 32 Sflgl. 4 Treppen, wenden. Feucrwehrbericht. Am Sonnabend früh um 7 Uhr brannten in einem Schuhwarcnladen in der Potsdamer Strohe 46 Fuh- boden, Balken u. a. In einer Durchfahrt in der Markusstrahe waren Papierballen in Brand geraten. Durch Umfallen einer Petroleumlampe war in der Müllerstrahe l56s Feuer ausgekommen. In der Pücklerstrahe 47 brannten Gardinen, Möbel und in der Prenzlauer Strohe Stroh, in der Perleberger Strohe 61 in einem Keller Lumpen und alter Hausrat. Ausgeströmtes Gas hatte sich in der Gerichtsstrahe 17 entzündet. Siegmundshof 12 branten Fuh- bödcn u. a. und Cadiner Strohe 7 Lumpen u.' a.. Ferner hatte die Feuerwehr in der Fürbringerstrahe, Taubenstrahe, am Haus- voigteiplatz u. a. Stellen zu tun. Arbeiter-Samaritrrkolonne. Morgen, Montag abend 9 Uhr: 1. Abteilung, Dresdener Strohe 45: Vortrag über Knochenbrüche. Verrenkungen und Verstauchungen sl. Teil) mit darauf folgenden praktischen Uebungen. Die Sitzung der diensttuenden Abteilung findet diesmal nicht Donnerstag, sondern Freitag statt. Vorort- JVacb richten. Johannisthal. Mit einer skandalSsen Angelegenheit hatte sich vor einigen Tagen eine Volksversammlung zu beschästigen. Genosse Zu bei! referierte über das Thema:„Was tut unserer Gemeinde not, Kirche»der Brgrabnisplatz und welche Stellung nimmt die hiesige Gemeindevertretung dazu ein?" Nachdem Redner unsere grundsätzliche Stellung zur Religion dargelegt, beleuchtete er die unter den Einwohnern seit Jahren als skandalös empfundenen Verhältnisse Johannisthals. Er erwähnte, dah die kirchlichen Zwecken dienende Schulaula erst auf Kosten der Gemeinde neu renoviert worden sei. Trotzdem arbeite der auch in Johannisthal nicht fehlende Kirchenbauverein seit längerer Zeit mit Hochdruck daran, der Gemeinde mit einem repräsentablen Kirchengelände aufwarten zu können. Und der gröhte Teil der Gemeindevertreter erachtet es als seine Pflicht, diese eigentlich privaten Bestrebungen auf Kosten der Gemeinde zu unterstützen. Dabei sei die beschämende Tatsache zu verzeichnen, dah das über 3000 Einwohner zählende Johannisthal nicht einmal einen Ort aufzuweisen habe, wo es seine entschlafenen Mitbürger zur letzten Ruhe bestatten könne, sondern auf die Gnade der nur wenige hundert Einwohner zählende Nachbargemeinde Rudow angewiesen sei. Zwar strebe die Gemeinde seit vielen Jahren dahin, sich selb- ständig zu machen, doch habe es die Gemeindevertretung bisher versäumt, die Anlage eines Kirchhofes zu beschliehen. Gelegenheit, ein geeignetes Terrain vom Forstfiskus zu erwerben, hätte die Gemeinde gehabt; doch durch allzu langes Besinnen habe die Flug- gesellschaft dem Gcmeindevorstand das Terrain vor der Nase weg- geschnappt. Hinzu komme, dah auch in Nudow die christliche Duld- samkeit seine Grenzen habe, seien doch die Begräbnisgebühren für Erwachsene der Gemeinde Johannisthal von der dortigen Gemeinde- Vertretung von 18 auf 24 M. und die für Kinder von 12 auf 18 M. erhöht worden. Was hätte wohl, so betonte der Referent, der hiesige Gemeindevorstand getan, wenn Rudow beschlossen hätte, die Toten Johannisthals überhaupt nicht mehr auf ihren Kirchhof beerdigen zu lassen. Das Zögern des Gemeindevorstandcs und der bürger- lichcn Gemeindevertreter mit der Anlegung eines eigenen Fried. Hofes berge noch die Gefahr in sich, dah die Kirche vielleicht noch eher gebaut wird und dah dann die Kirche den Friedhof an sich reiht um daraus erhebliche Einnahmen für sich zu ergattern. Letzteres müsse im Interesse der Gemeinde mit Aufwendung aller Mittel verhindert werden. Es sei der Gemeindevorstand an seine Pflicht zu erinnern, auf dem schnellsten Wege einen geeigneten Platz für einen von der Kirche unabhängigen Gemeindefricdhof zu beschaffen. Der Gemenidevorstand, sowie sämtliche bürgerlichen Gcmcindevlrtretrr waren zu dieser Versammlung schriftlich ein- geladen worden. Erschienen war natürlich niemand. Ein Gc- mcindevertreter sowie auch der Gemeindevorstaud hatten in der Form durchaus höflich und angemessen geantwortet. Unter anderem schrieb der Gcmcindcvorstand:„Die Beschaffung eines Friedhofes für Johannisthal kann aber, wenn Schädigungen der Gemeinde vermieden werde» sollen, nicht für sich besonders geregelt werden, sondern sie ist abhängig von der gleichzeitigen Erledigung anderer Fragen, deren Erörterung in breiter Oeffentlichkeit im jetzigen Stadium nicht angebracht erscheint." Damit hat der Gemeinde- vorstand die Tatsache nicht aus der Welt geschafft, dah er sowohl wie auch die Vertretung schon seit Jahren die Interessen'der Ge- mernde aufs gröblichste vernachlässigt haben. In der äuherst regen Diskussion kam dann auch die Erbitterung hierüber zum Ausdruck. ES konnte mit Reckst darauf hingewiesen werden, dah hier wie überall nur die Sozialdemokratie die allgemeinen Interessen mit allem Nachdruck vertritt. Hierauf wurde eine Resolution ange- nommen, in welcher das Verhalten der älteren Gemeindevertreter auf das schärfste verurteilt und die gesamte Gemeindevertretung aufgefordert wird, auf dem schleunigsten Wege für die Beschaffung eines Friedhofes der Gemeinde Sorge zu ttagen. Dies« Resolution wird der Gemeindevertretung zugestellt; dieselbe wird nun zu ent- scheiden haben, ob sie noch länger den Namen einer Gemeinde- Vertretung verdient. Lichtenberg. Mit Stuhlbeinen und Bicrglöscrn argumentierten die bürger- lichen Herrschaflen früher oft gegeneinander, als sie noch, von keinem Sozialdemokraten gestört, den Gemeinderat zierten. Wiederholl fand das Motiv der„harmonischen Zusammenarbeit" auch in BelcidigungS- klagen, mit denen die Gemeindeväter— jetzige Stadtverordnete und Magiftrarsmilglieder— sich gegeneinander heimsuchten, seinen Niederschlag. Portemonnaieinteresien, verquickt mit»«m Gemeinde- amt, waren die tteibenden Kräfte! Keiner wollte dem anderen den Vorrang lassen in ddr Fiugervcrgoldung, bei der man ja mit dem Strafgesetz nicht in Konflilt zu kommen brauckit. die aber trotzdem nichl einwandfrei war. AuS diesen Niederungen stieg ja auch der übel duftende Prozeh Löper- Röder, von dem wir kürzlich Notiz nahmen, an das Licht der Oeffentlichkeit. Nachdem vor Jahren der erste Sozialdemokrat in die Gemeinde- Vertretung eingezogen war, änderte sich das Bild. Ganz instinktiv fühlten die feindlichen Brüder, daß nicht neue Konkurrenz in der mit dem Mandat verkoppelten Geschäftsmachcrei ihnen entgegentrat, sondern grundsätzliche Gegnerschaft gegen jedwede Korruption. Die Situation war sokort geklärt l Mit den Eifersüchteleien und Rivalitäten in der Verfolgung von Tascheninteressen flüchtete man in die geheimen Kanäle der Jntrigue, um in der Oefjent« lichkeit als geschlossene Phalanx das bedrohte Vaterland vor der Sozialdemokratie zu schützen. Dabei ist keiner der Ritter ver- armt l Seit jener Zeit datiert auch der kleinliche, gehässige, per- sönliche Kampf gegen die sozialdemokratischen Gemeindevertreter. Und dieser Kampf, auf ein besonders niedriges Niveau herabgezogen, von feigen Schuhen a»s dem Hinterhalt geführt, fand in unserem OriS-Reichsverbandsblättchen seine eifrigste Kultur; hier schoß er am üppigsten ins Stinkkrout. Die Rüdigkeiten dieses Blattes, der Haß der Jnteressenpolitiker gegen unsere Genossen ist traditionell. Ihr jeweiliger Grad ist abhängig von der Gefahr, in die unsere Genosse» daS Sippenwesen bringen. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet wird das Toben unserer Gegner verständlich. In hartnäckigen Kämpfen haben die sozialdemolraiischen Vertreter im Rathaitse den Widerstand der Bürgerlichen auf schon manchem Gebiete gebrochen, ins Wanken gebracht. WaS an sozialen Einrichtungen und Ver- besserungen geschaffen worden und im Werden begriffen ist, hat sozialdemokransche Anregung und Anträge zum Vater. WaS Lichten- berg dagegen an Rückständigkeit aufweist, ist Werk unserer Gegner. Von dem, was sozialdeinokranscher Initiative zu danken ist, zählen wir folgendes auf: Die Errichtung der Unfallstation, das projektierte Krankenhaus, der Ankauf des DolliparkeS, die Verbesserung des SchulwelenS, die Einführung von Schnlbädern, die Anstellung von Schulärzten, die Speiiung armer Schulkinder, die Neorganiiation bei den städtischen Werken, die Einbeziehung der Heimarbeiter in die Krankenversicherung, die Aufbesserung der Arbeiterlöhne und BeanttetigeHätter, die Gewährung von Teuerungszulagen, die Erweiterung der städiische» Regiearbeit, die Eimübrung des Vezirksvorstehersystems, die geplante Reorgamiation der Armen- und Waisenpflege, die projettierte Fortbildungsschule. Das ist nur ein Teil von dem, waS unsere Genossen auf ihr Konto buchen können. Was aber haben die Bürgerlichen an Taten und Verdiensten aufzuführen? Rur einiges davon: Das Fehlen einer Wrrlziiwachssteuer, die Verschleppung des Kranken Hausbaues, die Erhöhung der Hundesteuer, die Einführung der Betriebssteuer, die Einführung und Erhöhung der Biersteuer, daS Fehlen von Volksichulklassen, die llnordnung in den Gcuieindefinanzen, die Ablehnung von Gehalts- und Lohnforderungen. das Reichwerden von Grundstücksspelulaiiten. Such diese Liste könnte noch bedeutend verlängert werden, aber fie genügt, um in einer Vergleichung mit der vorstehenden erkennen zu lassen, von welcher Art die praktische Aibeit ist, die unsere Ge- nassen leisten, und wie„praktisch" die ReichSverbandsblattkorona arbeitet. » Gestern porträtierten wir einen Erstklassigen, der sich erkühnt hatte, den Genossen Grauer Verleumder zu nennen. Heute soll der Sommerkorn einen.Fmind"genosien bekommen. In seiner Sonn- abendnummer weint das Reichsverbandsblättchen darüber, dah fein Redakteur eine gegen den Genossen Düwell gerichtete Verleumdung vor Gericht beweisen soll. Aus der Röbcr-Vroschüre hatte er sie ab- gedruckt und dabei wagemutig ausgefordert, der Beschuldigte müsse sich wehren— oder er fei ein schlechter Kerl. Sein Wunsch ist erfüllt worden, nun heult der Tapfere, dah er Gelegeuheit erhält, Verleumdungen beweisen zu sollen. m Heute mittag? 12 Uhr findet im Lokale der Gebrüder Arnhold, Frankfurter Chaussee 5, eiur Sffeiitliche Wählrroersammlung statt, in der Genosse Rrichstagsabgrordneter Stadthagen über:„Die bevorstehenden Stadtverorduetcnwahlen in Lichtenberg" referieren wird. Wähler Lichtenbergs! Erscheint in Massen in dieser Versammlung. Bei der am Montag, den 22. d. M., für die dritte Abteilung und Dienstag, den 23. November, für die zweite Abteilung statt- findende Wahl darf es nur eineLosmtg geben: Sieg der sozial- demolratische« Vertreter! » DaS Zenttal-Wahrlokal befindet sich bei W. Schulz. Krön» prinzenstr. 47; hier wollen sich die Genossen einfinden, welche sich am Tage der Wahl zur Wahlarbeit zur Verfügung stellen. Ins- besondere ersuchen wir die Genossen der Bezirke, die nicht zur Wahl stehen, sich recht zahlreich im Zentral-Wahllokal einzufinden. Die Genossen, die sich an der Wahlarbeit bei den Wahlen zur zweiten Wählerklasse, die am Dienstag, den 23. November, von 3 bis 6 Uhr nachmittags stattfindet, beteilige» wollen, werden ersucht, sich schon am Montag im Zentral-Wahllokal zu melden. Das sozialdemokratische Wahlkomitce. Charlottenbnrg. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag in der Brandenburgijche Straße. Als ein Kutscher der Berliner Steinplatten- gesellschaft mit seinem Wagen auf den Platz fahren wollte, erbielt der Wagen auf nicht anfgellärte Weise einen Ruck, wobei der Kutscher vom Wagen stürzte und von demselben überfahren wurde. Schwer verletzt'wurde der Berunglückts zunächst nach der Unfallstation Berliner Straße 11 und von da nach dem Krankenhaus Westend gebracht. Rixdorf. Der Männergesangvcrein„Rixdorf" veranstaltet heute lToken- sonntag) ein Konzert unter Mitwirkung der Hof-Opernsängerin Frl. Else Kronacher aus Dessau im„Deutschen Wirtshaus". Bers- stratzc 136— 137. Da sich der Verein bei Arbeiterfestlichkeiten stets zur Verfügung stellt, wird um gefälligen Zuspruch ersucht. Morgen abend 8Z4 Uhr findet in Hoppes Festsälen, Hermann- strahe 49, der 4. Vortragsabend des Genossen Julian Borcktardt über:„Die Grundbegriffe des wissenschaftlichen Sozialismus" statt. Der Vortragende behandelt den historischen Materialismus. Sonntag, den 28. November, nachmittags 2ZH Uhr, gelangt im Rixdorfer Theater, Bergstrahe 147, Schillers„Kabale und Liebe" zur Aufführung. Eintrittskarten ä 60 Pf. sind noch bei den Funltionären und in der Spedition, Neckarstratze 2. erhältlich. Der Biloungsausschuh. Wilmersdorf. Die Arbcitgcberwahlen zur WilmcrSdorfcr Ortskrankcnkasse habe» der bis dahin maßgebenden Richtung Cohn- Wegener eine Nieder- läge bereitet. Mit 1837 gegen 1358 Stimmen sind gestern die voin Handwerker- und Gcwerbcverein aufgestellten 37 Kandidaten gewählt worden. Grosi-Lichterfelde. Ter hiesige BilduttgSausschtiß veranstaltet heute(Totensonntag) im„Kaiserhof" am Kranoldplatz, Ecke Wilhelmstrahe, einen Kunstabend unier Mitwirkung hervorragender Künstler, u. a. der Opern- sängerin Frl. Lissi Kurz und der Herren Kapellmeister Clemens Schmalstich und Schauspieler Fritz Richard usw. Billetts zu diesem Kunstabcnd sind an den aus den Plakaten bezeichneten Stellen sowie an der 5msse zum Preise von 30 Pf. zu haben. In Anbetracht des hohen und trotzdem billigen Kunstgenusses darf der Bildungs- auSschuh wohl aus ein gefülltes Haus rechnen. Kassenöfsnung 7, Anfang 8 Uhr. Steglitz. Heute abend findet im Birkenwäldchen ein vom Wahkverein ber- anstoltetes Konzen statt. Das vorliegende Programm verspricht einen genußreichen Abend. Mariendorf-Südende. Eine in dein der Partei wieder zur Verfügung stehendem Lokal zum„Feldschlößchen" stattgcsundcne gutbesuchte Volksvcr- sammlung hörte am Buhtag ein Referat des Genossen Heinig über„Der Zug nach linls". Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage beschäftigte sich die Versammlung mit dem von der hiesigen Gemeindeschule im Lokale von G r a h l ge- planten Elternabend. Allgemein sprach man sein Einverständnis mit dieser Veranstaltung aus, nur wurde es entschieden verurteilt. daß hierzu ein Lokal gewählt worden ist, dessen Besitzer Arbeiter als Gäste nicht haben wolle. Als die Arbeiterschaft hierauf gegen das Lokal des Herrn Grahl den Boykott verhängt habe, sei die Polizei in Tätigkeit getreten, woraus eine Anzahl unserer Genossen mit Strafmandaten bedacht wurde. Hierunter befindet sich eine durch Urteil erkannte Geldstrafe von 60 M. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, der Schulbehördc eine Resolution zu über- senden, in welcher der unbedingte Wunsch ausgesprochen wird, den Elternabend in einem der Arbeiterschaft genehmen Lokal zu der- anjtalten. Die Berliner Parteigenossen werden ganz besonders darauf aufmerksam gemacht, daß die Arbeiterschaft Mariendorfs das Grahlsche Gesellschastshaus, Chausseestrahe, streng meidet. Adlerschof. Der JugenbauSfchuß teilt mit, daß heute. Sonntag, den 21. No- vember, eine Besichtigung des Märkischen Provinzialmuscums in Berlin geplant ist. Alle Jugendlichen werden hiermit ersticht, sich am heutigen Sonntag, vormittags pünktlich 1114 Uhr, im„Jugend. heim", Bismarckstr. 11, zu versammeln. Auch die Teilnahme Er- wachscner ist erwünscht. Nach der Besichtigung geselliges Bei« sammensein. Alt-Schadow.(Kr. Teliow-Veeskotv.) Unter freiem Himmel fand am letzten Sonntag in dem ent- legensien Orte des Kreises Teltow eine Versammlung statt, in der Genosse Z u b e i l vor der Landbevölkerung über die Fiuanzreform referierte. Daß«S auch hier noch nicht gelungen ist, ein Ver- sommlungSIokal frei zu bekommen, zeigt, mit welchem Haß und Eifer die Behörden sowohl wie auch unsere Gegner den Kampf gegen die Sozialdemokratie führen. Die Wirte stellen unseren Gc- noiien die Lokalitäten nicht zur Verfügung aus Angst, dadurch existenzlos zu weiden. Sind wir erst einmal im Besitze eines VersainmltinqSlolals, so haben wir auch hier die Bauernbevölkcrung auf unserer Seite. Darauf lieh so recht die Stimmung schließen, die am Sonntag unter den Zuhörern Zubeils herrichte. ES müssen aber auch, um Wandel zu schaffen, die hier wohnenden und zumeist in der Großstadt arbeitenden Handwerker zu Trägern de» sozialistischen Gedankens werden. Zum Teil sind diese gewerk- schastlich organisiert, in ihren Wohnorten aber gehören sie oft noch Krieger- und anderen blauen Bereinen an, DaS lönnte geändert werden, wenn deren Arbeitykollegen sich mehr um sie kllu. Merten, fie mehr an ihre proletariichen Pflichten erinnerten. Wenn diese drauhen wohnenden Arbeiter die Grundsätze ihrer Organisation auch in ihren Wohnorten öffentlich vertreten, wird eS auch der Land- bevöllerung möglich werden, sich von dem Drucke der Gegner zu befreien und der Sozialdemokratie anzuschließen. Nowawes. Am heutigen Sonntag, nachmittags 314 Uhr. wird Genosse Baron-Brandenburg im„Jugendheim"(Volksgarten), Priester- strahe, einen Vortrag über„Jugend und Alkohol" halten. Zu diesem Vortrag sind alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, sowie deren Eltern herzlich willtommen. Der Jugendausschuh. Einer Anregung des hiesigen Gewerkschastskartells zufolge hat nunmehr die Eisenbahnverwaltung einen Vorortzug zwischen Potsdam und Berlin— Wan»see-Bah»hof eingestellt. Derselbe fährt ab von Potsdam früh 6.28, Nowawes 6.31 und Neu-BabelSberg 6.36 Uhr. Potsdam. Auf zur Stadtverordnetenwahl! Am Montag, den 22., und Dienstag, den 23. November, finden die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt. Als Kandidaten der Sozialdemokratie fungieren für den ersten Wahlbezirk die Genossen Wilhelm Staab, Schuhmacher; Franz Stöwcsand, Maurer; Alfred Stoof, Zimmerer.— Als Ersatz bis Ende 1911: Albert Lindcmann, Restauraieur. Wahllokal ist der Stadtverordneten-SitzungSsaal im Rathause, 1 Treppe. Im zweiten Wahlbezirk kandidieren die Genoffen Julius Waldt, Zigarrenfabrikant; Karl Iwan, Barbierherr; Fricorich Kirchner, Maurer; Georg Landahl, Maler.— Als Ersatz bis 1911: Hermann Belli», Maurer. In beiden Bezirken wählen morgen Montag alle Wähler mit dem Anfangsbuchstaben A bis L(einschliehlich) und am Dienstag, den 23. November, alle Wähler mit dem Anfangsbuchstaben II bis Z. Die Wahlzeit ist an beiden Tagen von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends. Jeder gehe möglichst frühzeitig zur Wahl. Mache jeder von seinem Stimmrecht Gebrauch! Nebensch« Kranken- und Sterbekasse Nr. 5(gegründet 1795). Heute 2—7 Uhr: Zagl- und Ansnahmelag bei Römer, Eliiabctistwaistr. 14. Lese- und Disknticrklnb„Moabit". Mittwoch, den 24. November. abends'/,9 Uhr, bei Bachstein, Zalzwedeler Straße 16: Sitzung. Gäste willkommen. Der Sparvereln für Freidenker zur Ausführung der Feuer- besti-.ttuiig hält leine nächste Versammlung Dienstag, den 23. November, abends 6llt Uhr, im Restaurant Hmnmel,«ophienstr. 5, ab. m SZvi M iratis Reihnachts-Besi;! T Wer Vieles bringt bringt Jedem etwas! Stets hesuebt, unserer werten Kundscha i neue Vorteile zuzuwenden, haben w-r dieses Jahr eine ganz besondere Sorgfalt aui die Ausgestaltung und Reichftaitigkeit unserer Gratis- Weihnactns\usstell jng vorwendet. Wir haben dalür gesor/t, dass auch in diesem Jahre bei uns ein jeder Käuter schon jetzt seine Weihnächte- Bescherung bei uns in Cmplang nehmen kann. Unsere zu diesem Zwecke wiederum arrangierte grosse Weihnacht»- Ausstellung bildet ein wahies Paradies schönster Geschenke tür Gross und Klein. Wir �ünen diese voM als das Vollendetste bezeichnen, was in dieser Hinsieht geboten werden kann und sie verdient die Attribute: blendend schön und riesengross. Sind wir einerseits des treudigen Juoels der Kindernvelt bei den wirklich reizenden und gediegenen Spielsachen sicher, haben wir anderseits speziell lür die Hausfrsnen besondere Sorgiait gewidmet sowohl in Form nützlicher und praktischer Geschenke tur den Haushalt als auch re zender Schmuck- und Zier gegenstände für die Wohnung eine Auswahl au gestapelt, die jeder Haustrau Gntzücken bilden und wahre Freude bereiten Da absolut keinerlei Kaufzwang besteht, bitten wir um rege Besichtigung der Ausstellung. Wie nicht anders zu erwarten, geben wir auch dieses Jahr bis zum Fest MM" die doppelte Anzahl Sparmarken"WG des Rabatt- Spar• Vereins„NORDEs" beim Einkauf Von allen Abzahlungs-Geschaiten Berlins und Umgeeend ist hierzu nur einzig und allein die Firma„ALLE TAGE ANOERS" berec htigt. Es kommen also bis zum Feste unseren werten Kunden ISr Jetzt firi. 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Kl. 221. Kgl. Pieuss. Lo'.lsrie. Ziehung vom 20. Noramber nachmittags. ffur die Gewinne Uber 540 Mark sind den i-eire.'len den Nummern in Klammern boigefllgl. [Ohne Gevrlihr.](Kachdruek verbotem.) 430 790 1118 218 5» 370 78[1000] 650«.19 933 2 331 4« 516 96 637»74 3002 351 818»1 78» 4151 239[3000} 861 461«14 961 5 U9 Ei 670 745 62--» 336 402 768 1-26 70« 160»28 401 64 874 668 779 B«23 7«8 0 04, 289 706 86[3000] 45»>5 8« 1O031 162 80 258 37« 42« 99 505 38 717[500] 802 11158 [1000] 76 86 285 330 51 493 955«38 12071«02[ 500] 79» 13108 665 781 808 91» 47 14848 410 53 561«17 709 16 95 892 902 13 1 5358«31»59 16015 67 88 123 114 618[1000] 041 92 872 78 1 7000 273 392 551«99 739 40 IBuOS SO»7 «1« 31 10320 751 68«2 2O02:i Sä 201 598 645 999 2 1 035 132 S08 4»[1000] 417 62« 671 70t 220«» 141 S«2 574 607 815 11090] 61 977 [500] 23053 225 3!S 64«09 31 2 4083 319 630 815 51 25109«7 300 604 766 839 2 6016« 3 102 3 96 6*1[SOOO] 4» 777 871 27148 498[1000] 513 53 61 92 743 843 47[*000] 28061 508 734 2 9075 270 321 617 902 3044:«71 82» 3161« 21 81 706 48[ 3000] 698 323«! 452 591«SO 3339« 459«Si 93» 41 3425« 401 69« 711 8*9 955 3 50"«*64 7*S»11«6(600] 30219»11 57 450 40 73 664 081 78»[9001«8 821 918 57 3 71IK 248»95«11«18 «18 33 38012 77 219 62« 77 85« 67 792 29 95 807 23 87 850 3 9 049 220 378 97«29 778 804 4O180 288 999 4 1 3*4 709 811 918[3000] 40 4 2387 454 67 751 43 753 92 817 4419« 407 81»35«05«3[1000] 730 828 972[ 300] 45101 460 502«02 703 878»38 40055 137 4*4 782 890 908<4 47018 78 313 91«16 7X0«71 48291 63« 40131 200 t» 801»01[lOOO] 31 50160(SOOÖJ 379 63«II 68 865 920 5 1 024 50» 52957 92 177 222 69 313 429«07 5 3602 61 114 69[1000] Jll 300 413 40 93[1000] 98 667 887 5 4:63«4 283 420 571 [1000]«13 701[3000] 44 81 5 6 409 26[1000]«92 707[500] 50980 591 05 643 700[SOOfl] 851 67000 420 51««00 30 855 90 5 8182 222 6« 411 680 5 067» 263»15< 58 559 69 8» 0008» 88[10001 101 El 233 77 743 87 81fr[1000] 65 911 [600] 89 6 10HI 97 113 314 83 670 805 6 2121 567[2000] IST 741 800 09 975 7 7 6 3018 251 419 550 MI 907 987 [Mtf)»7 64-86[-,09]«12 982 80«79 9* 7-6 0538* 513 00,91 221[500] 470 640 67351 421 978 6801« 180 150V] 471 810 900 1500]«50139 68 255 653 7 7 708 91 823[1000] 941 70 W 4 60 138[1000] 202 301 90 744[500] S'9[500] 68 99» II 29(lOOO]«9 87 71 91 7 1 072 92[500] 8«1 618 16 55 711 81t«'2 84 72-87 90[500] 472[500] 979 73108 373 445 587[1000] ,4 124[1000] 074 74212 20 434 873 P88 7 5 339 545 885 7 6075 390 411[3000] 80[ 3000] 545 67 «4 99 680[5941] 73 033[1(100] 77425«Ii[500] 14[3000] 68 7 3 085 217 70»[EOOO] 80 880 41 98 70017 18! 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Die Schutzlosigkeit der unehelichen Mutter in unserem Rechts- paat wird fast noch überboten durch die Schutzlosigkeit der Frau, die durch eine geschlechtliche Infektion Gesundheit und Erwerbs- fähigkeit. ja oft auch die Lebensfähigkeit einbüßt. An einer großen Zahl von aus der Fülle der ärztlichen Praxis geschöpften Beispielen wußte dies Professor Dr. Fle sch am Dienstag in einer Vcrsamm- lung d<-,„Bundes für Mutterschutz" darzulegen. Der Redner bemertt«, die Folgen der Geschlechtskrankheiten für die Frau seien viel jckgverere als für den Mmm. Außerordentlich groß sei die Zahl der unheilbaren Fälle, die das ganze eheliche Leben in der verhängnisvollsten Weise beeinflussen. Fast dreiviertel aller un- fruchtbaren Ehen entfallen auf das Konto gonorrhöeischer Er- krankung des Mannes. Eine Hamburger Statistik erweise, daß in nur 2 Proz. der mit Gonorrhöe infizierten Frauen die Unfrucht- barkeit heilbar war. Das bedeute eine schwere Schädigung der geschlechtlichen Lebensfähigkeit der Frau. Besonders Verhängnis- voll aber seien die Folgen venerischer Erkrankungen für die erwerbsfähigen Frauen. Die zahlreichen Nachkrankheiten von Gonorrböe und Svphilis schädigten sie in ihrer Arbeitsfähigkeit oft für ihr ganzes Leben. Tie Statistik versage hier, da die Aerzte solche Fälle, um ihr Berufsgeheimnis zu wahren, den Krankenkassen als Frauenleiden anmelden. Es steht fest, daß die Krankheitstage bar Frauen weit zahlreicher seien als die der Männer. Die Fest- ftellung einer Geschlechtskrankheit könne nur auf Grund eingehen- der Untersuchung geschehen, der ein Teil der Frauenwelt, die reglementierten Prostituierten, heute zivangsweise unterworfen sei. Der Mann könne dagegen n i e und unter keinen Umstän- den gezwungen werden, sich einer Untersuchung zu unter- ziehen, selbst wenn er durch leichtsinnige Uebertragung seiner Krankheit noch so viele Frauen ins Unglück stürzt. Klage eine von ihrem Mann angesteckte Frau auf Ehescheidung, so sei es dem Schuldigen ein leichtes, durch die Weigerung, sich untersuchen zu lassen, den Nachweis der Infektion unmöglich zu niachen. Solche Fälle seien weit häufiger als man denkt, und so zwinge unser un- vollkommenes Gesetz auf diese Weife eine große Zahl von Frauen, in zerrütteter Ehe weiter zu leben. Nock? weniger sei es natürlich der Unverheirateten möglich, den gewissenlosen Zerstörer ihrer Ge- sundheit in irgendeiner Weise hafrbar zu machen. An erschüttern- den Einzelfällen erläuterte der Redner die Tragik solcher Verhält- nisse. Während wir bei Pest, Tvvhus, Scharlach und anderen Insel- tionskrankheiten durch ärztliche Feststellung des Falles und Jsolie- rung des Kranken der Wciterverbreitung einer Seuche entgegen- wirken könnten, steht der Arzt der Uebertragung von Geschlechts- krankheiten hilflos gegenüber, Nur die prostituierte Frau werde gegebenen Falles unschädlich gemacht, nicht aber die nicht prostituierte Geschlechtskranke und nicht der Mann. Der Arzt habe heute weder ein Recht, noch eine Pflicht, diese Krankheiten zu melden, denn er sei zur Währung des Berussgeheimnisses verpflichtet. Die Sanitätsbehörde müsse die Möglichkeit haben, einzuschreiten, wenn ein Kranker sich nicht sachgemäß behandeln lasse. Daneben habe eine intensive Aufklärungsarbeit über die Gefahren der Geschlechts- krankheiten einzusetzen. Anzustreben seien ferner Gesundheits- atteste vor Eingehung der Ehe, erleichterte Nichtigkeitserklärung und Scheidung von Ehen, in denen ein Teil durch den anderen infiziert wurde, sowie auch Schadenersatzpflicht des Mannes in vollstem und weitestem Umfange der von ihm angesteckten Unver- ehelichten gegenüber. Alle diese Maßnahmen seien nötig zum Schutze der Gesamtheit. In der Diskussion bestätigte Dr. Frank auf Grund seiner ärzt- lichen Erfahrungen die Unzulänglichkeit des Rechtsschutzes der gc- schlechtskranken Frau. Er forderte außerdem Ausdehnung all der vorgeschlagenen Maßnahmen auch auf die nicht Geschlechtsreifen, auf die Kinder, die gar nicht so selten an Geschlechtskrankheiten leiden. Weit verbreitet ist noch heute jener Aberglaube aus den finstersten Zeiten des Mittelalters, daß gcschlechtskranke Männer Heilung finden durch die Berührung mit einem unschuldigen Kinde. Viele kleine Mädchen fallen diesem entsetzlichen Wahn zum Opfer. Ein Berliner Schularzt hatte dem Redner eine ganze An- zahl tripperkraitter Knaben der Volksschule im Alter von 11— IL Jahren zur Behandlung überwiesen. Es gelang auch, den Urheber dieser Masseninfektion festzustellen, ohne daß ein Einschreiten mög- lich war, da die um Rat befragte Medizinalbehörde den Arzt unter Hinweis auf seine Schweigepflicht nachdrücklich vor Anzeige warnte. — Daß eine rationelle Lösung all dieser verwickelten Fragen unter den heutigen Verhältnissen sehr schwierig ist, wurde von Dr. Lennhoff noch besonders betont. Eines dieser Hindernisse er- wähnte der Referent in seinem Schlußworte, als er meinte, das Melderecht wäre illusorisch, solange die Aerzte wirtschaftlich ab- hängig sind von denen, die zu ihnen kommen. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit aber ist ein notwendiger Bestandteil des Svstems der freien Konkurrenz, dem heute das ge- samte Gesundheitswesen ausgeliefert ist. Warum fordern die Männer der Wissenschaft da— so fragen wir— nicht die V e r- staatlichung des Gesundheitswesens, wie sie das sozialdemokratische Programm ausspricht? Auf dieser Basis würde sich ein nicht unwesentlicher Teil des Problems verhältnismäßig leicht lösen lassen. Der Staatsanwalt auf der Flucht. Petersburg, 19. November. Heute trat vor der Kriminal- abteilung des Bezirksgerichtes zum erstenmal ein weiblicher Rechts- anwalt auf. Der Staatsanwalt erhob gegen die Zulassung einer Frau als Verteidiger Einspruch; das Gericht ließ seinen Protest jedoch unbeachtet. Der Staatsanwalt verließ darauf den Saal und der Gerichtspräsident schloß die Sitzung. Versammlungen— Veranstaltungen. Charlottenburg. Mittwoch, den 24. November, 8'/g Uhr, im kleinen Saale des VolkshauseS: Versammlung der weiblichen Mitglieder des Wahlvereins. 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