Ar. 273. nbonntmentS'BedIngungen: {EDonncmentä• PrciK pränumerando: Bicrlcljährl. S,30 M', monatl. l.lv Mk» wöcdenllich 23 P>g. frei ins Haus. Einzelne Nunmier S Pfg. SowttagS- nunimer mit illullrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" l0 Pfg. Post- Abonnement:>,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-geltmiaS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich■ Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Poslabonnements nehmen an: Belgien, Däneniarl, .nolland, Italien. Luxeuiburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. CrttMnt lZgllid anScr Blootas«. Berliner VolksbleM. B!c Tnfcrtlons-Gebfltjr veirägl für die fechsgespaitene Kalonel« zeilc oder deren Raum HO Pfg„ für politische und gewerlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen M Pfg. „«leine Snreigen". das erste ifett- gedruckte, Wort 20 Pfg,. jedes weitere Wort>0 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzcigcn das erste Wort lO Psg„ jedes weitere Wort h Pfg, Worte über 15 Buchslaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis a Nhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist btS 7 Uhr abends geojsiret, Telegramm-Adresfet „SoziällicnuBrat Berllif. Zcntralorgan der fozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktion: 8 CK. 68. Lindenstraase 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 23. November 1909. Expedition: SCK. 68, I-indenstrasse 69. Fernsprecher: An»t IV, Nr. 1981» Nacht und Recht. Der gegenwartige Wahlrechtskampf in Preußen ruft einige historische Erinnerungen wach. Die reaktionäre Presse, namentlich die junkerliche meint, daS in der vorjährigen Thronrede enthaltene Versprechen einer „Weiterentwicklung" des Wahlrechts in Preußen sei„u n v e r- b i n d l i ch". Wir haben ganz gewiß noch niemals daran gezweifelt, daß die hervorragendste Eigenschaft unserer„Ritter" eine„göttliche" Dreistigkeit ist. Dennoch müssen wir zugestehen, daß diese Dreistigkeit durch historische Erfahrungen ein wenig— aber nur ein wenig I— herabgestimmt worden ist. Denn die Väter der heutigen Junker pflegten, wenn einer in vorniärz- lichcr Zeit an das bekannte Versprechen des Königs Friedrich Wilhelm III. in der bekannten Kabinetts- order von 1815, die Einführung einer Nationalrepräsentation betreffend, erinnerte, einen solchen Verwegenen dahin anzu- schnarchen, das wiederholte Mahnen bedeute eine„Eni- Heiligung" des königlichen Versprechens. Bunis I Der ungestümste dieser Mahner war bekanntlich Dr. Johann I a c 0 b y mit seinen berühmten„Vier Fragen", die ein ganz neues politisches Leben in Preußen entivickeln halfen und die heute noch so interessant zu lesen sind. I a c 0 b y, der un- beugsame Mann des RechtS, erklärt die Kabincttsorder vom 22. Mai 1815. in welcher eine preußische Nationalrepräsentation versprochen wurde, für ein Gesetz und leitet daraus das Recht des preußischen Volkes ab, diese Nationalrepräsen- tation zu verlangen. Für feine Begründung dieses Rechts ward Johann Jacoby„wegen M a j e st ä t s b eleidigung und frechen, unehrerbietigen Tadels der L a n d e s g e s e tz e" zu 2'/- Jahren Festung verurteilt, aber schließlich vom Obertribunal freigesprochen. Damit hatte das Obertribunal, das so oft mit Volks- anschauuug und Volksenipfindung im schroffsten Widerspruch stehende Urteile gefällt, diejenigen verurteilt, die in der Mahnung an die Erfüllung des königlichen Versprechens eine „Entheiligung" erblickten; es hatte aber auch indirekt das Recht des preußischen Volkes auf eine Nationalrepräsentation anerkannt. Das Recht des preußischen Volkes auf ein Wahlsystem. wie es das Deutsche Reich hat. ist aber weit leichter zu be- gründen, als das aus der Kabinettsorder von 1815 abzu- leitende Recht auf eine Nationalrepräsentation. Jacoby weist nach, daß Stein und Hardenberg bei ihren Reformen stets eine künftige Volksvertretung im Auge hatten. Der König sagte schon in einem Reskript vom Jahre 1810. daß er sich die Einführung einer solchen vorbehalte. Darum wurde auch 1811 eine interimistische Volksrepräsentation nach Berlin berufen, die aber nur als beratende Körperswaft zusammentrat. Indessen sagte Hardenberg, der König wünsche die Uebcrzeugung her- vorzubringen, daß seine Verfügungen das wahre Wohl seiner Untertanen erzielten; er wolle seine Anordnungen lieber hierauf begründet sehen, als auf seinen Willen. Man weiß, wie Friedrich Wilhelm III. hinterher die Stein-Hardenbergsche Aera verleugnet hat. Als er 1815 im Drang der Umstände die Kabinettsorder vom 22, Mai erscheinen ließ, die in einem absolut regierten Staate in der Tat als Gesetz respektiert werden mußte, hatten ihm die Niederlagen Napoleons das frühere Selbstherrscherbewußtsein schon wieder eingeflößt. Während Stein und Hardenberg mehr als einmal ausgeführt hatten, von den alten Provinzial ständen könne man nicht die„Meinung der Nation" erfahren, hatte der König in seiner Kabinettsorder vom 22. Mai 1815 nur versprochen, aus den Provinzial st änden eine Versammlung von Landesrepräsentanten zu wählen. Damit war man nicht viel weiter als zuvor. Aber es ist begreiflich, wenn sich die Liberalen in Preußen an dies ivinzige Stückchen von Recht klammerten, um auf dem Wege zum konstitutionellen Staat einen wenn auch nur kleinen Schritt vorivärtS zu kommen. AIS FriedrichWilhelmIV. den Thron bestieg, hoffte man. er ivcrde das Versprechen seines Vaters erfüllen. Aber soweit gingen die„romantischen" Neigungen dieses Königs nicht. Im zweiten Jahre der Negierung dieses Monarchen geschah es. daß Johann Jacoby vergebens seine berühmten „Vier Fingen" aufwarf. 1845 schien Friedrich Wilhelm IV. den, Trängen nach einer Verfassung entgegenkommen zu wollen und setzte eine Verfassungskommission ein. Aber der Prinz von Preußen— später Wilhelm l.— und die Junkerkamarilla hintertrieben das Unternehmen. Der König fiel wieder ans die andere Seite. Er suchte nach einem Ausweg. 1847 berief Friedrich Wilhelm IV. die Provinzialstände als Bereinigten Landtag nach Berlin, womit er sich den Anschein geben wollte, das Versprechen seines Vaters erfüllt zu haben. Allein der Anstoß war einmal gegeben; die kon- stitutionellen Begriffe halten sich weiter entivickelt; das Ver- langen nach..Nationalrepräsentation" war zum Verlangen nach einer Verfaffung geworden. Auf dem Vereinigten Land- tag wies der König ein solches„Blatt Papier" im Hochgefühl seines Selbstherrschertums zurück. Da kam das Jahr 1848 und die V e rf a ss u n g s f r a g e wurde zur Machtsrag«. Am 18. März schwoll die revolutionäre Woge weit über das durch die Kabinettsorder von 1816 be- »gründete Recht hinaus. Die nach Berlin berufene Versammlung, die eine Ver- fassung mit dem König vereinbaren sollte, ward von der auf das Abflauen der Vvlksbeivegung lauernden Kamarilla ain Hofe auseinander gesprengt. Da aber die Hoffnungen, die sich einst an die Kabinettsorder geknüpft, sich jetzt allgemein zum Drang nach konstitutionellen Einrichtungen ausgewachsen hatten, so trug die macchiavellistlsche Staatskunst des Herrn von Manteusfel diesem Drang vorläufig Rechnung. Es ward eine im Verhältnis zur Situation imnier noch leidlich liberale Verfassung oktroyiert. Die beiden Kammern sollten im allgemeinen in- direkt gewählt werden, also durch Wahlmänner. Zur aktiven Wahlberechtigung für die Erste Kammer gehörte ein reines Einkomnien von 500 Thalern, zur passiven das Schwabenr alter. Für die Zweite Kammer konnte jeder selbständige großjährige Preuße wählen; mit 30 Jahren war er auch wählbar. Diese für jene Zeit weitgehenden Zugeständnisse machten dem König, wie er selbst sagt. Bauchioeh; indessen behielt der schlaue Manteusfel die Revision des Zugestandenen vor. Verfassung und Wahlgesetz waren, nachdem das Werk der Vereinbarungsversammlung mit Waffengewalt beseitigt worden, unter dem durch solchen Staatsstreich hergestellten Zu stand zwar nicht im allgemeinen Sinne rechtsgültig, aber der König hatte sich damit für allgemeines Wahlrecht verpflichtet. Indessen wurde die Adresse, mit welcher die beiden bald nach her zusammengetretenen Kammern die Thronrede beantworteten. als die B e st ä t i g u n g. d e r R e ch t s g ü l t i g k e i t der Verfassung und des Wahlgesetzes angesehen. Die Linke hatte übrigens gegen die Adresse gestimmt. Aber die Mehrheit der Zweiten Kannner hatte, wenn man die oben angegebene Aus legung der Adresse akzeptieren will, nur mit dem Vorbehalt, daß auch das Frankfurter Verfassungswerk rechtsgültig sei, ihr Votum für die Gülrigkeit der preußischen oktroyierten Ver fassung abgegeben; dies ward noch in einem besonderen Be- schluß kundgetan. Die preußische Verfassung sollte später in dem Frankfurter VerfassungSiverk aufgehen. Wir wollen nicht den überflüssigen Versuch unternehmen, den Knäuel staatsrechtlicher Spintisiererei, der sich alsbald im Zusammenhang mit diesen Zuständen zusanimenballte, zu ent- wirren. Als Manteuffel am 30. Mai 1840 das Drei- k l a s s e n>v a h l s y st e m ottroyierte. stieß er das Wahlgesetz vom 6. Dezember 1848 um, das vom König gegeben und von der Volksvertretung sanktioniert war. Daß dies ein brutaler Gewaltatt. konnten auch die schicktesten Verdrehungskünste serviler Professoren nicht aus der Welt schaffen. Und daß eine auf Grund dieser Rechtsverletzung geivählte Kammer nachträglich diese Rechtsverletzung selbst für„rechtsgültig" erklärte, ist für die Ncchtssrage ohne jeg lichen Wert. Man sieht, daß also auch formell, im Sinne der von unseren herrschenden Klassen geschaffenen Rechtsanschauung, das preußische Volk einen weit größeren Rechtsanspruch auf das allgemeine Wahlrecht besitzt, als seinerzeit aus die in der Kabinettsorder von 1815 in Aussicht gestellte Ver fassung. Dort lag nur ein Versprechen vor: hier handelt es sich um ein Gut. welches das preu- ßische Volk rechtmäßig besaß und das ihm unrechtmäßig entrissen worden ist. Dieser Rechtsanspruch ist auch viel tvichtiger, als die in der vorjährigen Thronrede angekün- digte„ Fortentioickelung" des Wahlrechts in Preußen. Wir sind selbstverständlich ausgesprochene Gegner jenes „historischen Rechts", auf welches die feudale Junker- käste ihre Vorrechte gründet. Im Frankfurter Parlament tat einmal der schlesischc Junker Lichnowsky, den später das gereizte Volk totschlug, den originellen und viel belachten Ausspruch:„DaS hi st arische Recht hat kein Datum nicht!" Das trifft vollkonimen zu beim feudalen historischen Recht, das nur ein brutales Recht des Stärkeren ist. Aber wenn wir für den Rechtsanspruch des preußischen Volkes aus allgemeines Wahlrecht auch den sonst verrufenen Titel eines„historischen Rechtes" wählen wollen, so können ivir dies damit begründen. daß wir es hier— abgesehen von den allgemeinen Menschen- und Volks- rechten— mit einem nicht fiktiven oder nebulosen, sondern einem wirklichen historischen Recht zu tun haben. das seineDaten hat. Diese Daten sind der 6. Dezember 1848 und der 30. Mat 1849. Eine wirklich moderne Regierung würde daher die Sache alS Rechtsfrage behandeln und sie zugunsten des Volkes erledigen. Eine im Banne der Junkerschast stehende Regie- rung wird die Rechtsfrage in eine M a ch t f r a g e verwandeln und damit die Verantwortlichkeit sür alles übernehmen, was nachher kommt.__ Der IHarlnelltandal. Man schreibt uns aus Kiel: Drei Wochen dauert nun schon der große WerfwnterschlagungS- Prozeß und noch immer ist das Ende nicht abzusehen. Nach wie vor ist der Vertreter de, Staatsanwaltschaft, der ja selbst zugegeben hat. daß er daS Interesse der Reichs- und Staatsbetriebe verlritt. krampfhaft bemüht, die Unterschleife lediglich einigen wenigen ungetreuen und korrumpierten Beamten und Händlern in die Schuhe zu schieben und die Verwaltung im möglichst günstigen Lichte erscheinen zu lassen. Doch was der Angeklagte Fraukenthal, der besser auf der Werst Bescheid weiß als alle Werft- beamten, und der für das Amt eines Oberwerftdirektors mehr Facbkenntnisse besitzen dürfte als alle Admirale zusammengenommen, gleich während der erste» VerhandlungStage offenbarte, daß das ganze System auf der Werft die Unterschleife be- günstige, wird durch die Zengenaussageu an jedem VerhandlungStage neu bestätigtl Geheimrat Fischer, der früher auf der Werft tätig und Vor- gesetzter des angeklagten MagazindirektorS Heinrich war. erklärte als Zeuge:„Die Aufseher waren zum größten Teil ihrer Aufgabe nicht gewachsen, was eben wohl Haupt- sächlich an der Ausbildung lag." Und der schon manchmal ge- nannte Marineintendanturassessor Frerich gab in voriger Wocke zu, daß der Frachtbrief für die die Werft verlassenden Waggons von der Verwaltung unter- schrieben sein müsse. daß die Werftpolizei aber zu« gegeben habe, daß sie auch in Fällen Waggons durch« gelassen habe, wo der Frachtbrief nur von den Händlern unterschrieben war! Alle Lieferungen für die Werft sollen durch das Annahmeamt gehen. Bis zur Ausdeckung der Unterschleife sind jedoch öfter große Lieferungen für die Werft durchs Werfttor unter Umgehung deS Annahmeamtes direkt zum Magazin gefahren worden. Die Beamten deS AnnahmeamteS haben sich dann einfach mit dem Vermerk des Magazinauff'eherS auf der Rechnung für die gelieferten Waren zufrieden gegeben und das auf der Rechnung verzeichnete Quantum Ware in die Annahmebücher eingetragen. Die Reichswerst steht unter militärischer Ober» l e i t u n g; außerdem stehen fünf von den zehn Ressorts der Werft unter der Leitung eines Seeoffiziers, zwei unter juristischer Leitung und nur zwei haben eine technische Leitung. Der militärische Geist ist es darum auch, der die Ver- walmng durchdringt. Die Besichtigung eines Truppenteils wird immer dann am besten verlaufen, wenn äußerlich alles wie am Schnürchen klappt. So geht es auch auf der Reichswerst. Desbalb find dort Abfälle und ausrangierte Materialien ungern gesehene Dinge, die das proppere«eußere der Werft verunzieren und die man am liebsten so schnell wie möglich loS ist, ohne viel zu fragen, wie man sie am vorteilhafiesten an den Mann bringt, ja ohne die noch viel wichtigere Frage aufzuwerfen, die in jedem Privatbetriebe entstehen würde, wieweit man diese Materialien vielleicht noch im eigenen Betriebe verwerten könnte. Das hat man auf der Reichswerft, wo man auS dem Vollen wirtschaftet, auch nicht nötig. ES sind ja nur die Groschen der Steuer- z a h l e r. um die es sich handelt. Daß unter solchen Umständen den Durchstechereien und den llnterschleifen Tür und Tor geöffnet sind, darf nicht wundernehmen. Hier eine kleine Blütenlese auS dem Ergebnis der Beweisaufnahme der kehlen Verhandlungswocke: AlS der Augeklagte C h r u n st. Magozinaufseher, nach seiner Verhaftung in Teplitz nach Berlin und von dort nach Kiel über- geführt wurde, machte er dem Kriminalschutzmann Brumme ein Geständnis und unterichrieb auch ein Protokoll darüber. Dies Protololl wurde vor Gericht verlesen. Im Jahre 1903 oder 1991. genau wußte der Angeklagte eS nicht mehr, sei der Magazindirekior Heinrich an ihn herangetreten und habe ihm gesagt, er solle eS bei dem Wiegen für Frankenthal nicht so genau nehmen. Er habe dann bei beladenen Waggons 1000 bis 3000 Kilo, bei Fuhrwerken 200 bis 300 Kilo weniger als das tatsächliche Gewicht gerechnet, bei wertvollen Metallen bei Waggons 200 Kilo, bei Fuhrwetten 80—190 Kilo. Dafür habe er von Fraiikenthal im ganzen 2—3009 Mark erhalten.— Mehrere Arbeiter, die früher bei Frankenihal beschäftigt waren, bekundeten, daß dieser sie ausgefordert habe. Bleiklötze unter die leeren Wagen zu befestigen— dadurch sollte das Taragewicht erhöht werden'— und die beladenen Wagen auf der Werst nur mit zwei Rädern auf die Wage zu fahren. Der im Zentralgefängnis zu Reu- münster eine dreijährige Gesäiignisstrafe absitzende Magazinausseher KankowSki— zu dieser Strafe ist KnnkowSki am 4. Februar 1999 verurteilt worden, weil er mit dem Lohnschreiber Pclerö ge- meinsam Materialien von der Werst entwendet und an Private ver- kauft hat— wurde als Zeuge vernommen. Seine Aussagen waren geradezu verblüffend. Er bemerkte 1893, als er als Aufseher in den Abschnitt Farben und Oele des Magazins kam. daß ein Mehr- bestand von 39999 Kilo Oel vorhanden war. Trotz seiner Meldung beim Magazindirektor Heinrich wurde nichts unter- nommen. den Mehrbestand aufzuklären. Später tollte der jetzt verstorbene Kaufmann Repenning zweimal je b9 990 Kilo Oel liesern. RePenning lieferte aber nur einmal 59 999 Kilo und das andere Mal nur 20 909 Kilo. Die 30 900 Kilo Mehrdestand im Magazin wurden ihm als geliefert mit angerechnet! Die Lieferung war unter Uiiigehimg des AnnahmeamteS direkt inö Magazin ae- kommen und auf dem Anuahmeamt hat man sich damit zufrieden erklärt, daß der Magazinausseher Kankowsli die Rechnung über zweimal 59 999 Kilo Oel unterzeichnet hatte I Den Verdienst teilten sich Repenning. Heinrich und Kankowsli. Aus KankowSti entfielen 9599 M. I 1 Repenning und Frankenihal kauften auch sogenanntes schmutziges Oel von der Werft. Dabei haben sie jeder einmal 2090 Kilo und ein andermal 4000 Kilo gutes Oel aus den Mehrdrständen al« Zugade dekommen! Dafür bekam KankowSki von Repenning einmal 990, daS andere Mal 1690 M. und einmal von Frankenihal 409 daS andere Mal 1399 M. ES ist nicht ausgeschlossen, daß dieses O el später wieder cin dieWerft für schwere? Geld zurückv er kauft worden ist. Auf die Frage eine? Beisitzers des Gerichts, ob sich denn die Mehrbestände nicht bei der Jnvenluraufnahine herausstellte», erfolgte die Antwort, daß eine jährliche Juventurnufnahme nicht stattfinde, es würden nur Stich' proben gemacht. Diese Mehrbestände I Der Verwaltnngsrat Möller bekundete dazu, daß einmal bei einer Revision 80 000 Kilollberschüssige« Oel gefunden wurdel lind der Assessor F r e r i ch s suchte de» Nachweis zn führen, daß derartige Mehrbestände möglich seien, weil die Schiffe oft weniger abnehmen, als sie erst gefordert haben und andererseits oft mehr wieder abliefer», als sie vorher an- gemeldet haben. Wieder ein Beweis, wie windig es aus der Werft mit der Buchung und Kontrolle aussieht, Wir könne» natürlich nur einzelne markante Fälle aus der Be» weisanfnahnie hervorheben. Sie genügen aber, um die Behauptung Lügen zn strafen, datz nicht das Systein. sondern mir einzelne Personen die Schuldigen seien. In der sogenannten staatserbaltenden Presse wird jetzt von der Marineverwaltuug nahestehende» Kreisen der Versuch gemacht, die Vorfälle in Kiel als so unschuldig als möglich hinzustellen, die Kritik an der Marine- Verwaltung von oben herab abzutun und die Marine für etwas Unantastbares zu erkläre». Wir dagegen begrützen eS. dafc die Vorfälle aus der Kieler Werft einmal daS öffentliche Gewissen wachgerufen haben. Bisher waren es immer nur die sozial- demokratischen Blätter, die von Zeit zu Zeit daronf hinweise», daß in der Marine manches faul sei. Der Reichstag darf sich darum auch nicht daraus beschränken, die Vorgänge aus der Kieler Werst einer Kritik zu unterziehen. Die ganze Marinefrage sollte aufgerollt werden: Entwurf, Plan, Bau unv Jiidicnslhatlung der Schiffe. ES müszte einmal nachgeprüft werden, wie viel Schisse schon imTyp veraltet waren, also zun» alten Eisen gerechnet werden konnten, als sie eben fertig warenl Ferner der ungeheure LuxuS. der bei der Marine mit den Sportsahrzeugen ge« trieben wird. Bei der Marine wird eine gewaltige Anzahl von Lustfahrzeugen gehaltet,, und die Beteiligung der Marine an der Kieler Woche. einer Sportveraiislaltung, die nur zum Vergnügen eines verhällniSmägig kleinen extlustveu Zirkels besteht, kostet Unsummen, die die Steuerzahler bezahlen müssen; die Veranstaltung selbst hat aber mit der Schlagfertigkeit der Flotte gar nichts zn tunl So generös, wie die Werslvcrwallmig beim Verkauf ihres Altmaterials ist. so generös ist man in der Marine allgemeint Hier muß der Reichstag eiluual ei» ernstes Wort sprechen t pditifcbe Ocberficbt. Berlin, den 22. November 1909 Der Konservatismus in Ostelbien. Die Schlvöchung der Anhängerschaft der Konservativen im städtischen Mittelstände infolge der von der konservativen NeichstagSsraktion befolgten Taktik bei der Beratung der letzten Reichsflnanzreform scheint die konservative Partei- leitung auf den Gedanken gebracht zu haben, in Wcstelbien. vornehmlich in den ländlichen Kreisen Hannovers, West- falen und Hessens, nach Verstärkungen auszuschauen. Die konservative Presse hat in letzter Zeit wiederholt darauf hin- gewiesen, dast sich in Hannover und im protestantischen Teil Westfalens manche Wahlkreise sehr wohl für die Bearbeitung durch konservative Agitatoren eigneten; und die„Kreuzztg." fordert in ihrer gestrigen Wochenübersicht geradezu zu solchem Versuch auf. Sie meint unter Bezugnahme aus eine Rede, die der ZcntriimSabgeordnete Freiherr v. Hertling in einer Versammlung in Münster i. W. gehalten hat: „Leider können wir dem Frhrn. v. Hertling nicht wider» sprechen, wenn er sagt, die Konservativen bildeten in ihrem Kernpunkte die„Partei d e r O st e l b i e r". Soweit hier die organisierte Partei gemeint ist, trifft der Ausspruch zu. Aber es wird hohe Zeit, daß die Ostelbier sich deS Westens mehr annehmen. Herr v. Bodelschwingh lSchwarzenhasel) hat darauf In der„Kreuz-Zeitung"(Nr. B37) sehr eindringlich hingewiesen. WaZ der Bund der Landwirte in Hannover erreicht hat, das könnten die Konservativen jeden Tag in Mitteldeutschland, namentlich in den Protestant tischen Teilen von Hessen und Westfalen, er- reichen, wenn sie sich dort nur die richtige Mühe geben wollten. Die hessischen und die westfälischen Bauern und Kleinstädter sind durch und durch konservativ. Das gleiche gilt von den pro» testantifchen Teilen Bayern». Wenn der„ostelbifche Junker' dort einmal Entdeckungsreisen machen wollte, würde er erstaunt sein, wie konservativ das Volk ist; und daS Erstaunen auf der anderen Seite würde ebenso groß sein..... Die Partei darf nicht länger zusehen, daß ihr« Gesinnungsgenossen West. elbienS ihr durch Agitatoren anderer Parteien und Partetchen entfremdet werden. E» handelt sich da nicht nur um Bauern, Handwerker und Kleingewerbetreibende, die ja daS Gros der Wähler ausmachen. Auch die industrielle Gentry Westeldien» ist unserer Partei durchaus geneigt. Freilich will auch sie auft gesucht werden. Zu dieser Arbeit muh die konser» vative Partei Freiwillige aussenden und Be« rufSarbeiter anstellen.' Der Nachtragsetat für tvvv. Der dem Reichstag zugehende Nachtragsetat sollte eine Anleihe in Höhe von S-l2 Millionen Mark bringen. Wie nunmehr offiziös verlautet, ist eS gelungen, den Anleihe- bedarf auf bL2 Millionen Mark herunterzudrücken. Die neuen Steuern sollen nämlich einen Ertrag geliefert haben, der den Etatsansatz um 20 Millionen Mark übersteigt. Der Trotz der Junker. Die mecklenburgischen Rittergutsbesitzer versagen dem jetzigen ebenso wie dem früheren verfasiungSentwnrf ihre Zustimmmig. Wie aus Schwerin gemeldet wird, hat in einer am Sonnabend ab» gehaltenen Versammlung der' Ritter, die von dem Erblandmarschall v. Lützow«inberufen war, der Entwurf nicht die Billigung der Mehrheit gefunden. Wenn diese Beschlüsse auch unverbindlich sind, so lasten sich doch die Beschlüsse deS Plenum? deutlich voraussehen und die Aussichten auf Annahme der Verfassungsvorlage scheinen daher sehr gering zu sein. Zu beklagen wäre daS nicht. Nationalliberale Ansichten über daS Wahlrecht. Die Kölner grauen st immrechtSgruppe hatte sich dieser Tage den nationalliberalen Oberlehrer Dr. W i S l i e e n u S aus Neuwied kommen lassen zu einem Vortrag über:»Wahl. recht und Wahlresorm." Einleitend bemerkte der Redner, es sei immer verhängnisvoll, ein Wahlrecht ohne Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse und Bedürfnisse von einem Volke auf das andere zu übertragen. Ein solcher Irrtum sei das Streben der Liberalen vergangener Jahrzehnte gewesen, daS englische Wahl- recht auf Deutschland zu übertragen. DaS englische Parlament sei ein anderes als daS unsere, und wir hätten keinen Grund, zu beklagen, daß die Krone Preußens noch eine starke Macht darstelle, die über die schwankenden Parteiverhältnisse die Ruhe und Stetig- keit vertrete.„Nun besteht aber," so fuhr der Redner nach dem Bericht der„Kölnischen Zeitung" fort,„ein großer Unterschied zwischen der preußischen und der deutschen Verfassung und somit auch zwischen den beiden Wahlrechten. Das preußische ist gegeben von der Krone i m Augenblick ihres Sieges als ein freies Geschenk. Aber eS ist gegeben zu einer Zeit, als man noch wenig Erfahrung mit solchen Wahlrechten hatte. Wer will eS tadeln, datz man den ungewissen Schritt in eine unbekannte Zukunft vorsichtig tat? Nicht, daß daS Wahlrecht in der Gestalt gegeben wurde, wie es geschah, sondern datz es über die Jahrzehnte hinaus unverändert blieb, auch als eS schon lange aus einem Recht ein Unrecht geworden, das ist zu tadeln." Mit den geschichtlichen Kenntnissen des Herrn Doktor scheint es nicht weit her zu sein, denn sonst müßte er wissen, daß die „Liberalen früherer Jahrzehnte" gar nicht daran gedacht haben, das allgemeine, gleiche Wahlrecht in Preußen und Deutschland ein- zuführen, und er würde auch nicht die verwunderliche Behauptung aufstellen, daß daS preußische Wahlrecht, das unter VerfassnngS- bruch zustandcgekommen ist, als ein„freies Geschenk der Krone" zu betrachten sei. Von dem ReichstagSwahlrechi hält der nationalliberale Herr nicht viel; im Gegenteil: nach seiner Meinung war seine Ein- führung verfrüht, weil die politische Reife deS Volkes noch nicht genügend weit gediehen sei. Indessen denke kein ernsthafter Politiker daran, das deutsche Wahlrecht zu ändern. DaS preußische Wahlrecht müsse dagegen je eher desto besser gründlich geändert werden. Wie diese„gründliche Aenderung" beschaffen sein soll, davon sagt die nationalliberale Weisheit nichts; der Redner begnügte sich mit der Andeutung, daß eS schwer sei, hier daS Richtige zu treffen, und daß namentlich die Nationalliberalen als die Partei der Mitte den schwersten Stand hätten. Bezüglich des Fraueiistiium rechts ersuchte der Redner seine Zuhörcrinnen, sich nicht auf ein bestimmtes Wahlrecht festzulegen, sondern dasselbe Wahlrecht wie die Männer zu erstreben; vor allem sollten sich die Frauen politisch fortbilden, damit sie nicht dieselben Fehler begingen, die auch die Männer begangen hätten. Unseres ErachtenS können die Frauen keinen größeren Fehler begehen, als wenn sie in der WahirechtSfrage sich der nationallibe- ralen Schwächlichkeit fügen und in der Zeit, wo ringsum alle» nach dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht strebt, sich für rückständige und ungerechte Plural- oder Klassenwahlrechte nach national- liberalem Muster fangen lassen. Dommunalwahle». Glänzender Wahlsieg in Elberfeld. Wie in der Schwesterstadt Barmen, von der wir bereits den Siea der Sozialdemokratie gemeldet haben, so ist auch von Elberfeld ein prächtiger Sieg der Arbeiter- schaft zu melden. AlS erste sozialdemokratische Gcmeindevertrcter sind vier Genossen in den Stadtrat gewählt woiden. Um mehrere taufend Stimmen wurden die Bürgerlichen überflügelt. Die s o z i a l d e m o- kratischen Kandidaten erhielten 80l5— 8ii33 Stimmen, die des ultramontan- konservativ-nattonalliberal-steifinnigen Kartelle 5l>20— 6233. die bürgerlichen Kartellgcgner 677 bis 2515 Stimmen. In Barmen erhielten die fünf sozialdemo- kratischen Kandidaten 10 448— 1V 755, die Kandi- baten deS Kartells 6428— 6599, die Kandidaten der Demokrati- schen Vereinigung 33—106 Stimmen. Siege in Dortmund. Bei den Stadtverordnete»wählen der dritten Abteilung in Dortmund hat die Sozialdeniokratie zum ersten Male drei Sitze erobert, die sie dem Zentrum abgenommen hat. In drei anderen Bezirken ist Stich- wähl zwischen Liberalen und Zentrum, wobei die Sozial- demokratie den Ausschlag gibt. In den drei von der Arbeiter- schaft eroberten Bezirken steigerte daS Zentrum seine Stimmenzahl von 2520 auf 3641, die Sozialdemokraten aber von 1807 auf 4835. Die Siege sind um so höher anzuschlagen, als der Wahl- kamps mit unerhörter Erbitterung geführt wurde. Der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie ist gewaltig; im Jahre 1903 wurden erst 600 sozialdemokratische Stimmen gezählt. In der Stichwahl steht u. a. auch der bekannte ZentrumSsührer L e n s t n g. der jüngst das Verbot an die Mitglieder des Stadttheaters guthieß, bei der S ch i 1 l e r- feier der Dortniunder Arbeiterschaft mit- zuteilen, weil die Dortmunder Sozialdemokraten Anarchisten seien. In der Dortmunder Arbeiterschaft herrscht der feste Wtlle Herrn Lensing aus dem Stadt- Parlament zu entfernen. » In den Ortschaften Annen und Eving bei Dortmund wurden bei den GcmeinbnatSwahlen ebenfalls prächtige Erfolge erzielt. In Anne» wurden zum ersten Mal drei Sozialdemo» traten mit erheblicher Mehrheit gewählt; in Eving siegten zwei Sozialdemokraten über die Kandidaten der verbündeten ZentrumSparlei und Polen und die der Zechenpartei. Die Mehrheit der Sozialdemolraten betrug rund 800 Stimmen. In Eichlinghofen bei Dortmund eroberte die Sozial- demokratie die zweite Abteilung, so daß sie jetzt die Mehr» heit im Gemetnderat hat. Außerdem wurden Mandate erobert in den Landorten Wickede und Westick. Im östlichen Westfalen wurden Siege in Spradow, S ch i l d e s ch e<>vo auch ei«Mandat in der zweiten Ab» teilung erobert wurde), Deren kamp. West erenger. Südlengern, Oldinghausen und Herringhausen er- fochten. Bei derStadtverordnetenwahl in Wald bei Solingen wurden in der dritten Abteilung die beiden Kan« didaten der Sozialdemokratie gewählt und zwar mit 674 bczw. 075 Stimmen, während eS die beiden bürgerlichen Kandidaten auf nur je SR Stimmen brachten, die von Polizei- beamten, Postboten, Lebrern und«inigen Gemeindeorbeitern ab- gegeben wurden. Die Wahl in der zweiten Abteilung halte daS Ergebnis, daß die Sozialdeniokratie ein Mandat gewann. während sie auf der anderen Seite durch eine fein ausgeklügelte andere Bezirkseinteilung ein Mandat verlor. DaS Stadt- verordnetenkollegium setzt sich ab 1. Januar 1010 auZ 9 Sozialdemokraten und 15 Bürgerlichen zusammen. » In der Ortschaft Dümpten, einem größeren Bergarbeiter- ort« im Kreise Mülheim a. d. Ruhr, siegten unsere Genossen in der dritten Abteilung mit 218 bi» 224 Stimmen über die der» einigten Gegner, die eS aus 200 bis 202 Stimmen brachten. Es t waren vier Gemeindebertreter zu wählen; drei sozialdemokratische Kandidaten wurden glatt gewählt. Der vierte blieb mit einer Stimme unter der Majorität, weil drei sozialdemokratisciie Wähler in allzu großer Gleichgültigkeit nur drei von den Kandidaten mit Namen genannt hatten. Wi-gen dieser Dummheit hat sich somit der vierte sozialdemokratische Kandidat noch einer«Stichwahl zu unter- ziehen. Bisher saß in Dümpten nur ein Genosse in der Gemeinde- vertretung� In ärgerlicher Stimmung meinte der Bürgermetstcr während der Wahl zu unseren Genossen:»Da soll doch der Teufel drein schlagen, wenn Ihr siegen solltet"! Der Bürgermeister schien die Wahl wohl schon deshalb für den bürgerlichen Miich-Masch für gewonnen zu hallen, weil durch ein« andere Klassenzusaminenstellung eine ganze Anzahl sicherer Wähler für den sozialoeinolratischeu Kandidaten in die zweite Ab- teilung abgeschoben waren. Aber gerade diese„Schiebung" wäre dein bürgerlichen Miich-Masch bald zum Verhängnis geworden, indem uiisere Kandidaten in der zweiten Ableilnug den Gegnern scharf ans de» Fersen waren. Die Bürgerlichen erhielten 110 bis l lö Stimmen, unsere Genossen 83 bis 86. Nächstes Mal wird�aucl' die zweite Abteilung fallen. Bei den Stadtberordnetenwahlen in Wernigerode bchaup- teten unsere Genossen ein Mandat und gewannen drei neue hinzu. Die Gegner wurden mit einer Majorität von 170«»iumien geschlagen. « Bei der GememderntZwahl in Pfortenervereinigung die gegen die Landes- orgarnsation gerichteten Aussperrungen, s o lo e i t das nochnichtgeschehen ist, bis zum 15. Dczemberauf. hebe. Nachdem ja die Aussperrung in den Eisenhüttenwerken bereits aufgehoben ist, handelt es sich hierbei noch um die Aussperrungen in der Sägewerks-, der Zellulose-, der Konfektions, und der Textil- industrie sowie im Wege- und Wasserbauwesen, die allerdings nur noch formell aufrechterhalten werden, denn in der Tat haben die Unternehmer auch diese Aussperrungen schon längst verloren gegeben. Das Verhandlungsbedürfnis der Arbeitgebervereinignng sowie die Antwort der Landesorganisation sind ein neuer Beweis dafür, daß die Arbeiterschaft in dem gewaltigen Kampf dieses Sommers keines- wegs, wie es die Unternehmerpresse der Welt glauben machen will, unterlegen ist und daß ihre Organisation vielmehr fortdauernd in der Lage ist, dem Unternehmertum als gleichberechtigter Macht faktor gegenüberzutreten._ lieber 2000 Pariser Kohlenverlader l.«�.„,jcn, am D.-..�iug in den Ausstand z» treten, falls die Kohlenhändler ihnen nicht bis dahin eine Lohnerhöhung bewilligen. Ter Ausstand der italienischen GaSaebeiter dauert fort. Die Gesellschaft hat in der Schweiz 370 Ersatzleute für Mailand an- geworben, welche am Montag die Arbeit aufnehmen sollten. Man befürchtet Zwischenfälle. In Genua kam es durch das Verhalten der Behörden bereits zu Gewalttätigkeiten. Vier Ausftändische wurden verhaftet._ Ich. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag:Vorwärt»Buchdr.u. Verlagsanstau Achtung, Buchbinder! In Belgcad streiken die Buchbinder bei der Firma A. MojSilovitsch u. Co. Die Firma sucht in Deutschland Buchbinder, Kontobucharbeiter, Liniierer, Preßvergol- der, Kartonnagen- und Galanteriearbeiter, weshalb die Fernhal- tung jedweden Zuzuges erforderlich ist. Die American Federatton of Labor, deren Anschluß an die gewerkschaftliche Internationale wir am Sonntag meldeten, steht mit 1586 885 Mitgliedern, die am Jahresschlüsse 1908 gezählt wurden, an der zweiten Stelle aller der Landesgewerkschaften, die ihrer Landeszentrale angeschlossen sind. Deutschland steht mit 1 831 000 Mitgliedern an erster Stelle. Die Organisierten der gewerkschaftlichen Landeszentralen, die der Internationale angeschlossen sind, umfassen jetzt die Summe von 2 563 000 in siebzehn Ländern. Ueberhaupt organisiert sind in neunzehn Ländern 3 030 000 Arbeiter. Die gewerkschaftliche Jnter- nationale ist also, wie wir am Sonntag schon sagten, die gewal- tigste Organisation der Erde. Der amerikanische Arbeiterbund stand vor rund einem Jahr- zehnt noch in seinen Anfängen. 1897 waren es 264 000 Mitglieder, 1902 wurde die erste Million überschritten, 1904 waren es 1 676 000 Organisierte, das folgende Jahr brachte einen Rückschlag um 180 000, seit 1907 ist die Organisation wieder ständig im Wachsen begriffen. Im vergangenen Geschäftsjahre, es endigte mit dem 30. September 1908, betrug die Steigerung rund 48 000. Nach der Größe der einzelnen Organisationen ergibt sich, daß zwei Oc- ganisationen der an den Arbeiterbund angegliederten Gewerk- schaften an Mitgliedern über 100 000 zählen. Es sind die Berg- arbeiter und die Zimmerer. Ihre Mitglieder zählen zusammen 432 000. 50— 100 000 Mitglieder zählen 4 Organisierten, 10 bis 50 000 haben 29 und unter 10 000 81 Organisationen. Dazu kommen noch 583 Lokalvereine und gemischte Gewerkschaften mit zusammen 23 880 Mitgliedern. Von den 116 Verbänden teilten 99 mit, daß sie Arbeitskämpfe durchzuführen hatten. Es nahmen an ihnen 115 923 Arbeiter teil. Die Kosten der Streiks und Aus- sperrungen betrugen 2 448 041 Dollar. Ueber Ausgaben an Unter- stützungen— andere als Streikunterstützung— berichteten 64 Verbände, davon verausgabten 61 für Begräbniskosten, ein besonders weit ausgebauter Unterstützungszweig der amerikanischen Gewerk- schaften, 1 288 000 Dollar, 21 Verbände für Krankenunterstützung 593 541 Dollar, 4 für Reiseunterstützung 15 094 Dollar, II für Arbeitslosenunterstützung 205 254 Dollar und 4 für Werkzeug- Versicherung 5872 Dollar. Diese Zahlen ergeben aber nur ein begrenztes Bild der Unterstützungseinrichtungen, da viele Organi- sationen mit ihren Ziffern noch fehlen. Interessant erscheint, daß sogenannte Gewerkschaftsmarken, die den Produkten aufgeklebt werden und sie so als Waren kennzeichnen, die von gewerkschaftlich organisierten Arbeitern hergestellt sind, bei 53 Organisationen im Gebrauche waren. Die Einnahmen und Ausgaben des Ar- beiterbundes betrugen 1904: 220 996 und 263 99! Dollar, 1963 waren es 207 665 und 196 937 Dollar. Eine finanzielle Fortent- Wickelung hat das letzte Jahrfünft also nicht zugelassen. Am 1. Oktober 1903 war ein Kassenbestand von 138 627 Dollar vorhanden. Die Einnahmen und Ausgaben des politischen„Arbeiter- Vertretungskomitees" sind in dem vorstehenden nicht mit einbe- zogen, weil dieses Komitee eine eigene Abrechnung führt. Es bleibt nun abzuwarten, welche Richtung die Entwickelung der ameri- kanischen Arbeiterbewegung weiter nimmt. Der Anschluß an die Internationale läßt die Hoffnung zu, daß eS, abgesehen von den nationalen Eigentümlichkeiten, den bekannten Weg der Arbeiter- organisationen unseres Kontinentes gehen wird. Ueber die Tat- fache des Beitrittes zur Internationale wird sicher überall unter den Arbeitern ungeteilte Freude herrschen. farbige Arbeiter in Australien. Die australischen Gewerksckmsten bekämpfen seit jeher die Ein- Wanderung der gelben und schwarzen Arbeiter. Von der Mit- gliedschaft sind diese fast in allen Organisationen ausgeschlossen. Bisher wu'Jden sie auch, auf das Verlangen der Gewerkschaften hin, von den für Weiße üblichen Lohn- und Arbeitsverhältnissen, die in vielen Berufen durch die sogenannten paritätischen Lohnämter festgesetzt und reguliert werden, nicht berührt. Eine deshalb auf- fällige Entscheidung, die sicherlich unabsehbare Folgen für die Ein- Wanderungspolitik der australischen Gewerkschaften haben mutz, wurde kürzlich von dem Lohnamte für die Möbelindustrie in Sydney gefällt. Dasselbe dehnte seine Entscheide auch auf die Chinesen, die für diesen Beruf besonders in Frage kommen, aus, so daß in Zukunft chinesische Möbelarbeiter ebenfalls, jedoch nur unter den gleichen Lohn- und Arbeitsbedingungen wie Weiße beschäftigt werden können. Der Vorsitzende des Lohnamtes he- merkte, daß für den australischen Arbeiter jede Befürchtung, die Zulassung anderer Rassen werde eine Verschlechterung der Arbeitsverhaltnisse zur Folge haben, wegfalle, sobald alle Ar- beiter den gleichen Bedingungen unterworfen würden und an die bestehenden Lohnsätze gleich- mäßig gehalten wären. Verlammiunclen. Zentralverband der Glasereiarbeiter und-arbeiterinnen Deutsch- landS. Die Zahlstelle Berlin hielt am Donnerstag ihre Quartals- Versammlung ab. Die Abrechnung für das 3. Quartal 1909 zeigte folgendes Bild: Einnahme vom 2. Quartal 1909 231,36 M. An Eintrittsgeldern gingen ein von 117 Mitgliedern a 50 Pf. 68,50 M., an Wochenbeiträgen 1153 a 30 Pf. 345.90 M.. 4800 a 70 Pf. 3360 M. — 4025 M.— Die Ausgaben betrugen: Arbeitslosenunterstützung an 10 arbeitslose Mitglieder 220,90 M., an Ausgesteuerte 80 M. In Bar an die Verbandskasse gesandt 1800 M., 10 Proz. für die Veuwallung zur freien Verfügung 274,59 M.. 4800 Lokalbeiträge a 20 Pf. 960 M.. mit diversen Posten zusammen 3678,93 M. Abschluß: Einnahme(einschließlich des Barbestandes vom zweiten Quartal) 4025,76 M., Ausgabe 3678,98 M., bleibt Barbestand 346,78 Mark. Der Markenbestand betrug 216 a 30 Ps. und 1732 a 70 Pf. Ein Antrag, an den Zentralvorstand das Ersuchen zu richten, der Zahlstelle Berlin 100 M. zur Ergänzung der Bibliothek zu be- willigen, wurde angenommen. Ter zweite Punkt der Taa-s. ordnung. die Verschmelzungsfrage, wurde vertagt. Letzte Nacbricbten und vepefcben. Tie Stichwahl in der JunkerUomäne. 3671 Stimmen zugenommen! Soldin, 22. November.(W. T. B.) Bei der hentigeu Stichwahl für den Reichstngswahlkrcis Landsberg-Soldill wurden für Amtsgerichtsrat Hvltschkr(kons.) 12 37V, für den Expedienten Pädcl-Bcrlin(Soz.) 11 228 Stimmen abgegeben. Erstem ist somit gewählt. Bei der Hanptwahl am 12. November erhielten die Kon» servntiven S470, die Liberalen 6376 und die Sozialdemokraten 7555 Stimmen. Unsere Stimmcnzahl hat sich sonach um 3671 Stimmen vermehrt. Das Resultat zeigt, daß auch diese Junkerdomäne arg ins Wanken geraten ist. Ein sozialdrmokrntischer Beigeordneter. Muytheim am Main.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Beigeordnetenwahl siegte der Kandidat der Sozial- demokratir mit 535 gegen 385 bürgerliche Stimmen. Eine Grubenexplosion. Beuchen, Oberschlesien. 22. November.(9B. T. B.) Auf der „Hohenzollerngrube" entstand heute nachmittag eine Explosion, als beim Sajlammversatzverfahren Wasser mit einem Brandfelde in Berührung kam. Ein Maschineningenieur wurde getStet, ein Steiger tödlich, rio Bergverwalter schwer, zwei andere Beamte wurden leicht verletzt�_ Paul Singer& Co« Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen n, Unterhaltung»»!. |t. 273. 26. Jahrgang. 1. WIM I» Jonräto" Stiiiutt ISöliiDMett, Mcustag, 23. November 1909. Immer noch„Glvk Federation". Die Generaltommission der Gewerkschaften ersucht unS um den Abdruck folgender Ausführungen des„CorrespondenzblatteS": KautSly hält es immer noch für nötig, in der so überflüssigen Streitsache zu artikeln, ob die C. F. dem„Reichsverb-rnde gegen die Sozialdemokratie" gleich ist und die ihr angehörenden Gewerk- schaftsführer„Neichsverbändler" sind. Wenn einmal diese Äautskyschen Kundgebungen historisches Material geworden sind, wird man sich darüber wundern, was alles in unserer Zeit für ge- eignet gehalten wurde, in dem wissenschaftlichen Organ der Sozialdemokratie veröffentlicht zu werden. Sachlich bringt K. nichts, was die Unrichtigkeit unserer Stellungnahme zu erweisen vermöchte. Dafür sind nebensächliche Bemerkungen um so zahl- reicher. Zunächst behauptet St., wir hätten in dem Artikel in der letzten Nummer des„Correspondenzblattes" einen wesentlich milderen Ton angeschlagen, als in dem in Nr. 42 unseres Blattes, einen Ton, der„vor den Lesern des„Vorwärts" am Platze ist". Das sagt derselbe Kautsky, der es für geschmackvoll hielt, den Lesern des„Vorwärts" seine„Nachttopf-Argumente" vorzusetzen.... Dann hält K. das Urteil der beiden englischen Sozial» demokraten— nicht, wie K. eS darzustellen sucht, englischen Gewerkschaftsführern in Reinkultur, denen man nach ihm alles vorreden könne— über die C. F. nicht für massgebend, denn„Aus- länder" sind's, deren Urteil wir anführen. Für die Diskussion über amerikanische Verhältnisse zwischen Sozialdemokraten in Deutschland ein„glänzendes" Argument. Wir hatten schüchtern ein Urteil über die C. F. aus bürgerlichen Kreisen abgedruckt, flugs kam K. und behauptete, wir könnten unS nur auf bürgerliche Zeugnisse stützen. Dann bringen wir die Urteile zweier englischer Sozialdemokraten, das aber sind nach K.„Ausländer", also auch nicht berechtigt, ein Urteil abzugeben. Wenn wir nun uns die Mühe machen wollten, auch Urteile amerikanischer Sozialisten zu beschaffen und diese wirklich sich denen der englischen Sozialisten anschliessen, dann würde K. nach den Erfahrungen, die wir mit ihm gemacht haben, behaupten, das ist» nicht die richtige Sorte Sozialdemokraten in Amerika, denn die anderen, die urteilen anders. Für eine solche unfruchtbare Diskussion ist unsere Zeit zu knapp und der Raum unserer Presse zu schade. Aber K. weiss nun mit einem Male, warum die C. F. eine andere Stellung gegen die Gewerkschaft einnimmt, als der„Reichs- verband" in Deutschland.—„Die meisten Leiter der amerikanischen Gewerkschaften lassen sich wie Bluthunde auf die Sozialdemo. kratie von der C. F. Hetzen."— Das ist der gute Ton Kautskys! Wir sind in der harten Schule deS Lebens nicht empfindlich gegen harte Ausdrücke geworden. Jedoch einige andere Fragen möchten wir uns erlauben: Ist das die Art, den gewaltigen Ruf von Karl Marx:„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch" zur Wahrheit zu machen? Sind die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Amerikas keine Proletarier? Sind nicht die Gewerkschaftsführer dort wie bei uns aus dem Proletariat hervorgegangen? Sollten die amerikanischen Arbeiter sich„Bluthunde" zu ihren Leitern wählen? Wir meinen, eine grössere Schmähung kann man der Arbeiterklasse eines anderen Landes nicht antun, als eS hier durch Kautsky geschieht. Und einer dieser„Bluthunde", kein anderer als Gompers, erhielt auf der letzten Konvention der A. F. of L. auch die Stimme des Genossen Viktor Berg er bei der Wahl zum Präsidenten dieser Organisation. Glaubt K., dass ein Sozial- demokrat einen„Bluthund" zum Präsidenten der gewerkschaftlichen Landeszentrale wählen wird? Berger, der uns selbst von dieser Tatsache unterrichtet hat. sagte allerdings in der Versammlung in Berlin:„Höher als die Interessen der Partei stehen mir die Interessen der ganzen Arbeiterbewegung." Wir sehen in unseren amerikanischen Arbeitsgenossen Prole- tarier, mit denen wir, getreu dem Weckruf von Karl Marx uns vereinigen wollen. Deswegen erheben wir Einspruch dagegen. dass dieses Einigungswerk dadurch zu hintertreiben versucht wird. ldass man die amerikanischen Arbeiter mit Schmähungen traktiert, > wie es durch Kautsky geschieht. 1 K. macht sich eine Geschichte zurecht, um solche Schmähungen zu rechtfertigen. Er lässt GomperS nach Europa kommen,„um neues Prestige zu seinem Kampfe gegen die Sozialdemokratie zu sammeln'. Kautsky sprach und es war so! Allerdings nur für die Gläubigen, deren Zahl glücklicherweise nicht im Wachsen begriffen ist. Tatsächlich ist G. von der Jahresversammlung des amerikanc- schen Arbeiterverbandes nach Europa gesandt worden. Dieser Be- schluss war nicht unbeeinflusst von der Tätigkeit der gewerkschaft- lichen internationalen Bereinigung. Auf der internationalen Ge- Werkschaftskonferenz im Jahre IM? wurde das Verhalten der A. F. of L. getadelt und auch angedeutet, die Versuche, mit dieser Organisation in Verbindung zu treten, aufzugeben. Der inter- nationale Sekretär wurde beauftragt, dem Vorsitzenden der A. F. of L. und den Vorständen sämtlicher ihr angeschlossenen Organisationen von dieser Stellungnahme der Konferenz Mit- teilung zu machen. Dies musste K. wissen. Nicht wissen konnte er, dass dem internationalen Sekretär nach Ausführung dieses Beschlusses von der Exekutive der A. F. of L., wie von zahlreichen Vorständen der ihr angeschlossenen Verbände Zuschriften zugingen, nach denen nur durch Mihverständnisse diese Spannung zwischen der Landeszentrale in Amerika und denen Europas hat eintreten können und in denen die Zusicherung gegeben wird, dass eine Aenderung eintreten werde. Die nächste Generalversammlung der A. F. of L. im November 1L08 beschloss die Entsendung ihres Präsidenten zur internationalen Eewerkschaftskonferenz. Sollte K. wirklich so weltfremd sein, von diesen Dingen gar nichts ge- hört zu haben? Es muss wohl so sein, denn sonst hätte er nicht die oben zitierte, an sich für normale Menschen unlogische Behauptung aufstellen können. Aber K. hat noch einen anderen Grund für sein Vorgehen. Ihm war es im Interesse deS amerikanischen Sozialismus geboten, den deutschen Arbeitern GomperS zu zeigen wie er ist. Es scheint somit auch K. die materialistische Geschichtsauffassung preisgeben zu wollen, denn nach dieser gibt nicht eine einzelne Person der Beivegung eines Landes den Charakter, sondern die leitenden Personen sind nur Repräsentanten der Arbeiterbewegung, die sich aus den eigenartigen und wirtschaftlichen Verhältnissen eines Landes entwickelt hat. Wir versuchen durch Verbindung mit der Arbeiterschaft anderer Länder die gesamte Arbeiterklasse zu einer einheitlichen politischen Auffassung und zu einer einheit lichen Taktik zu bringen. Deswegen wenden wir uns dagegen, daß die Organisationen anderer Länder geschmäht werden, und dies werden wir rückhaltlos auch ferner tun. Genosse Kautsky sendet un» auf diese Ausführungen folgende Erwiderung: Und doch noch einmal die Civic Fcderatio». In meinem Artikel über GomperS handelten neun Zeilen von der Civic Federation. Das„Correspondenzblatt" veröffent- lichte dagegen zwei sehr lange Artikel, die ich der Bedeutung deS Blattes entsprechend ernst nahm und sachlich richtig stellte. Tarauf höhnt das„Correspondenzblatt". dass ich eS„immer noch für nötig halte, in der so überflüssigen Streitsache zu artikeln"— mit welchen Worten es einen dritten spaltenlangen Artikel über die„so überflüssige Streitsache" einleitet. Meint da?„Correspondenzblatt", ich mache mich lächerlich, wenn ich es ernst nehme und mich mit ihm in eine eingehende Diskussion einlasse, so will ich ihm nicht widersprechen und ihm gern den Gefallen tun, über die„so überflüssige Streitsache" nicht mehr zu„artikeln". Ich verzichte auf eine weitere Richtigstellung seiner Behauptungen. Ich will nur zum Schluß konstatieren, daß das„Correspondenzblatt" im ganzen Verlauf der Diskussion kein Wort der Miß- billigung dagegen fand, wenn amerikanische Gewerkschaftsbeamte in noch schlimmerer Weise, als es ultramontane Getverkschasts- führer in Deutschland tun, die sozialistischen Arbeiter beschimpfen und verleumden, daß es aber vor Entrüstung ausser sich gerät, wenn ich zur Kennzeichnung dieser Anfeindung der Sozialdemo- kleines Feuilleton. Tbeater. Freie Volksbühne sGcbrüder Herrnfeld- Theater). Max Halbes„Jugend", dies ewig schöne Lied vom Lenztrieb der Liebe, die nach einem stürmisch- jauchzenden Glück plötzlich so tief- traurig endet, wurde wieder gegeben. Einst empfand man wohl die Lösung deS Schicksals durch den Flintenichuss als fatale Schwäche. Heute nehmen wir das Drama mrr allen Meinen Mängeln bin, um uns immer aufs neue an dem poetiichen Zauber dieser grünenden Liebe zu berauschen. Annchen und Hans: welche köstlichen Menichen- aestalien sind es doch. Wir wollen sie immer wieder auf der Bühne sehen. Nichts erscheint zwar leichter, und doch ist nichts schwerer, als diese Jngendlichkeit darstellerisch voll auszuschöpfen. Diesmal wurde Annchen vonToni Willens. einerNovize der Schauspielkunst gegeben. Man war erstaunt über soviel ursprüngliche Begabung, soviel un- bekümmerte Natürlichkeit in Bewegung, Sprechton. beseelter Mimik und Augensprache. DaS hat schon alle« so etwas von reifer darstellerischer und dennoch unberührter jugendlicher Kraft. Man merkt's der Sicherheit an: dies Annchen ist für die Bühne geschassen. Auch ■iwald Schindler war ein prächtiger Hans: und wenn cr'S an den Uebergängen in dieser ganz in Wechsel- reichen GesüblSrausch getauchten Rolle nicht fehlen läßt. könnte er sogar noch besser werden. Max M a ck hat seinen Amandus fleißig an Joseph Kainz studiert, bringt viel Bortreffliches, neben manchem unangebrachten Bizarem. Karl Wilhelm bringt äußerlich alles mit. lvas ein Kaplan nötig hat. Der sanalisierende Eifer des BeichtpriesterS würde noch wirksamer sein, wenn auch zugleich daS Widerspiel von vorsichtiger Verliebtheit und entbrennender Eifersucht Verschärfung erführe. Ebenfalls könnte den» Sprecher der Polock noch prononzierter„ins Genick stoße»". Jin übrigen war'S eine achtbare Leistung. Pfarrer Hoppe wurde von Wilhelm Kupfer im großen ganzen annehmbar hingestellt. Die Aufführung hinterließ bei den Zuschauern einen guten Emdruck. s. k. Charlottenburger Schillertheater:„Wollenst e i n s Tod" von Schiller. Da? Schillertheater, das den hnnderifünfzigsten Geburtstag des Dichters mit der Darstellung des „LagerS" und der„Piccolomini" gefeiert, brachte am Sonnabend das Schlußslück der Trilogie in einer vorzüglich abgerundeten Auf- führnng. In festlich gehobener Stimmung folgte das Publikum dem erbabenen Schwünge des Dramas und bekundete den Dank für die gelungene Wiedergabe durch rauschenden Applaus, dem man es anmerkte, daß er von Herzen kam. HerrPategg. dessen etwas beleibte Gestalt zum hergebrachten Bühnenbild des Wallcnstein nicht recht stimmt, ließ diese Divergenz durch eine geschickt gewählte Maske und treffliches Spiel völlig vergessen. Der machtvolle Herscherwille des großen Realisten, der gewohnt ist, in der Verfolgung seiner Pläne mit Menschen und Meulchenmassen kaltblütig wie mit Schachfiguren j da» von der, T y p o g r a p h i a" am'Sonntagabend in der»Neuen zu spielen und nicht minder die warme HerzenSregung dem Hungen Piccolomini gegenüber und der mystisch blinde Schickialsglaube kamen zu überzeugend individuellem Ausdruck. Nicht weniger gut gelang die Darstellung der oft geschmähten und doch in ihrem Grundgehalt so wahren, von dem Gedankenorganls- mus der Dichtung unabtrennbaren Max- und Thekla-Szenen durch Herrn P a e s ch k e und Fräulein Wasa. Auch die kleinen Rollen waren unter der Leitung einer fleißigen Regie sorgsam, zum Teil überraichend sorgsam verw>staltet. Die leicht zu outrieter Kari« katur verleitende Episode in der Buttler die beiden Haupileute zur Mordtat dingt, wurde in eigenartig diskreter Abdäinpfung des ToiiS vorgetragen und gewann so stark an naturalistischer Wirkung. ckt. Muflk. Lehrreiche historische Konzerte sind leider so selten, daß die neue Veranstaltung des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse nicht lebhaft genug begrüßt werden kann. Drei Konzerte sollen die neuere Musik bis heute überblicken lassen und in dem netten kleinen C h o r a l i o n s a a l e in der Bellevue- ftiaße das übliche Arbeiterkonzertniveau heben. Am Sonntag- nachmittag wurde begonnen, zum Glück ohne Saal- Verdunkelung; am Mittwoch vorher hielt Dr. Guttmann einen nur allzugnt zniammengestrafften EinleitnngSvortrag. du»g schlössen sich nur 2 Richter an. Der dritte war der Ansicht, daß zwar der Boykott selbst durch richterlichen Sil» haltsbesehl verhindert werden könne, das Gericht jedoch infolge der tonstiinlionellen Garantien nicht daS Recht habe, irgend eine Seuße- rung oder Beröffeiitlichnng„zur Förderung des Boykotts" zu ver- bieten. Er stimmte daher für eine weitere Eins»rän« •) Der Gerichtshof verbietet den nameutli» angeführten Beklagten sowie„ihren Angestellten, Diener». Beiständen, Anhängern und ollen Personen, die zu ihrer Unlerstützimg in Verbindung mit ihnen oder mft einigen von ihnen handeln, und unterlagt ihnen allen, sich zu verschwören, z» vereinigen oder übereinzukomnien. in welcher Arl immer, um daS Geschäft der Klägerin zu behindern, zu er- schweren oder z» zerstören, oder um die Klägerin an der Fort« führnng desselben ohne Siörung durch sie selbst oder durch emige voll ihnc» zu hindern, ferner den Verkauf deS Produktes der Nägeiischen Mma und ihre» Geschäftes durch Glörmig von feiten der Beklagten oder von feiten irgend einer anderen Person. Firma oder Korporation zu erschweren, ebenso irgend einen Boykot» gegen die Klägerin oder ihr Geschäft oder das Produkt ihrer Fabrik oder gegen irgend eine Person. Finna oder Korporation, die am Verkehr oder am Berkanf besagten Produkte« beleiiigt ist. zu erklären oder anzudrohen, zu einem solchen Boykott aufzufordern, ihn zu liiitersttttze» oder an ihm teilzunehmen. Ferner irgend welche Exemplare oder ein Exemplar deS„American Federationist" oder irgend eine andere gedruckte oder ge« jchriebene Zeitung, Joinnal. Zirkular, Brief oder anderes Dokument oder Urkunde welcher Art immer zu drucken, heranSzugebeu. zu ver- öffentlichen oder durch die Post zu verbreite», welche den Namen der Klägerin, ihr Geschäft oder ihr Produkt oder ihre Angestellten, Diener. Beistände, Verbündeten oder andere einzelne oder mehrere Personen, die zu ihrer Unterstützung oder in Verbindung mit ihr tätig sind, in der„Liste der nicht empfohlenen Firmen" oder in der „Liste der Unansländigen" anführt oder auf sie hiuiveist, oder die irgendwie auf die Klägerin, ihr Geschäft in Verbindung mit dem Ausdruck„Unanstälidig" oder mit der„Liste der ilichl empfohlenen Firmen" oder mit irgend einem anderen Satz, Wort oder Worten von ähnlicher Bedeimmg in Beziehung bringt, ferner durch Schrift oder Rede eine Feststellung oder Mitteilung welcher Art immer. welche die Ausmcrksamkeit auf die Kimden der Klägerin lenken oder Händler und«eschästsleute oder das Publikum zu einem Boykott gegen die Klägerin, ihr Geschäft oder Produkt anreizen würden. oder die Ankündigung zu veröffentlichen oder sonstwie zu verbreiten. daß dieselben„miaiiständig" sind oder waren oder als so beschaffen erklärt worden sind, oder daß ihr Produtt von Kaufleuten und Händlern oder sonstwelchen Leuten oder vom Publikum nicht gekauft, gehandelt oder i» Verkehr gebracht werden sollte, oder die irgend eine Be- haiiptung oder Mitteilung von gleichem Belange enthielten, die den Zweck hätten oder danach angetan wären. das Geschäft der Klägerin oder den freien und ungestörten Berkauf ihrer Produkte zu stören«der zu behindern, oder irgend welche Personen, Händler, Firma oder Korporation oder das Publikum zn zwingen oder zu veranlassen, Oefen. Sparherde, Heizkörper oder andere Produlle der Klägerin nicht zu verkaufen, zu gebrauchen, zu kau'en, darin zu handeln, sie in Verkehr zu bringen oder zu besitzen, oder irgendwelche Person oder Personen durch Drohungen oder Ein- schüchlernng daran zu hindern, sei es direkt oder auch durch Befehle. Aufträge oder Weisungen an Ausschüsse, Verbände. Beamte, Angestellte oder andere zum Zwecke der Ausführung solcher Handlungen und Drohungen, wie sie oben angeführt sind. daran zu hindern. die Produtte der Klägerin zu kaufen, zu verkaufen oder sonst in Handel zu bringen. ferner in irgend einer Weise das Geschäft, den Handel oder Berkehr der Klägerin, sowohl im Staate Missouri als auch in anderen Staaten und Territorien der Vereinigten Staaten oder sonnwo immer zu behindern, zn erschweren oder einzuschränken sowie auch, irgendwelche Person oder Personen, Gesellschaft oder Korpo- ratton anzureizen, zu verlocken, ihnen behilflich zu fem oder sie darin zu unterstützen, irgend eine von den erwähnten Handlungen zu tun oder zu veranlassen." kung desVerbotS auf einesilobeVer Hinderung deZ Boykotte selbst. Zum besseren Verständnis auch dcS folgenden muß ich hier die Erzählung unterbrechen und darauf hinweisen, daß unser Gesetz unter Boykott im strafrechtlichen Sinne, also unter einem verbotenen Boykott nur das versteht, was man gewöhnlich als„Boykott zweiten Grades" bezeichnet, da« heißt die Boykoltierung jemandes, der mit demjenigen verkehrt, gegen den ein„Boykott ersten Grades" ausgesprochen ist. Iii dem Streit zwischen den Gewerkschaften und der Bucks Stove and Range Company war es also z. B, nach unseren Gesetzen den beteiligten Gewerkschaften oder der A. F. of L. vollkommen gestaltet, an ihre Mitglieder und Freunde zu appellieren, keine Oefen oder Svarherde der Firma zu kaufen und diese Gesellschaft überhaupt in keiiier Weise zu unter- stützen. Nur. durfte keine Gewalt dabei gebraucht werden, � Hingegen war es ungesetzlich, eine» Händler deswegen zu boykottieren, weil er sich weigerte, nicht mehr Bucks Oefen nud Sparberde zu ver- kaufen, oder einem solchen Händler anzudrohen, daß die organisierten Arbeiter oder ihre Fmurde bei ihm nicht« mehr kaufe» würden. In diesem Sinne muß also auch der EinhaltSbesehl gegen den Boykott, wenigstens so weit er durch daZ Appellgericht bestätigt wurde, ver- standen werden. Während der Rekurs beim Appellgencht noch in Schwebe war. leitete am 29, Juli 1993 die Bucks Company gegen Gompers, Mitckel und Morrison bei demselben GerichiShos, der die erste Eni- icheidung gefällt hatte, ei» Verfahren wegen„Mißachtung deS Gerichts"(Öantsmxt ok Court) durch angebliche Verletzung de? Einbaltsbefebls ein. Eine Verhandlung über diese Klage fand vor dem Richter Wright statt und dieser fällte am 23, Dezember 1908 daS Urleil, das bestimmt ist, historisch zu werden. Die An- geklagten wurden des ihnen zur Last gelegten Vergehens schuldig befunden und zu Gefängnis- strafen von zwölf, neun und sechs Monaten ver» urteilt. In den EutscheidungSgriinden dieses Urteils führt Richter Wright die Tat'achen an, aus die sich sein Urteil stützt. Folgende Tatsachen wurden gegen GomperS, den Hauptangeklagten, ins Treffen gerührt: 1. Richter Gould fällte seine Entscheidung am 13. Dezember 1997. Ihre Wirksamkeit war aber davon abhängig gemacht, daß die Bnck's Stove and Range Company eine Kaution stellte, wie es Gerichisbrauch ist. Diele Kautionsstellung erfolgte erst am 23, Dezember und der Gerichtsbeschluß erwuchs daher erst mit diesem Tage in Rechtskraft, In der mündlichen Verhandlung ergab sich, daß in dieser Zwischenzeit GomperS den Druck der Januar- nummer deS„Federaiiomst" beschleunigt und über 19 999 Nummern zur Verteilung gebracht hatte, die den Namen der Bucks Company noch in der„Liste der nicht empfohlenen Firmen" enthielten. Dies wäre an und für sich nicht gesetzwidrig gewesen, aber eS scheint, daß einige Exemplare auch nach San Francisco geschickt wurden, und dort kamen sie erst nach dem 23. an. das ist nach Inkrafttreten deS EinhaliSbesebls. Diese Nummer des„Federationist" enthielt auch die folgend« Ankündigung:„Eine kleine Anzahl von Exemplaren deS„American Federationist" vom Jahre 1997, gebunden in zwei Bänden, wird auf Verlangen in unserer Geschäftsstelle abgegeben. Die Bände von 1997 sind in derselben Art gebunden wie die früherer Jahrgänge." „Die offiziellen Verhandlungsprotokclle des Kongresies der A. F. of L. in Norfolk sind nun im Druck erschienen und werden auf Verlangen per Post zugesendet," Und damit der Leser nicht im unklaren darüber bleibe, was diese Ankündigungen mit dem Prozeß wegen Mißachtung zu tun haben, teilt uns der gelehrte Richter mit, daß bei den VerHand- lungen des Norfolker Kongresses auch darauf hingewiesen wurde, daß die Buck'ö Company auf der Boykottliste steht! 2. In der FslirUar-Ausgabe des„Federationist" war die„Liste der Unanständigen" anSgefallen. Aber GomperS, der Herausgeber des Blattes, sagt in einer redaktionellen Bemerkung:„Bei allem schuldigen Respekt vor dem Gericht ist eS uns doch unmöglich, ein- zusehen, wie wir allen Bestimmungen des Einhaltsbefehls ent- sprechen sollen." Und in derselben rcdaktione.en Bemerkung fährt er fort: „Dieser Befehl kann Gewerkschaften oder ihre Freunde keinesfalls zwingen, Buck'S Oefen oder Sparherde zu kaufen. In- folgedessen wird er auch nicht imstande sein, das Geschäft dieser Firma wieder aufzupulvern, das nach ihrer eigenen Angabe in so raschem Niedergang begriffen ist. Die einzelnen werden als Mitglieder der Arbeiterorganisation auch weiterhin von dem Rechte Gebrauch machen, Buck'S Oefen und Sparherde zu kaufen oder auch nicht. Es ist das ein Beleg zu dem Sprichwort;„Man kann ein Pferd zum Wasser treiben, man kann eS aber nicht zum Trinken zwingen", und es erscheint mir mehr als wahrsdiein- lich, daß die organisierten Arbeiter und ihre Freunde auch weiter» hin von ihrem Recht Gebrauch machen werden, Buck'S Oefen und Sparherde zu kaufen— oder auch nicht." 3. An einer anderen Stelle desselben Blattes brachte GomperS den Wortlaut des Einhaltöbefchls mit folgender Vorbemerkung: „In dem offiziellen Organ der„Nationalen Fabrikanten- Association"(National Association of Manufacturers) erklärt einer der Rechtsfrcunde der Buck'S Stove and Range Cmnpany, daß die Strafandrohung des vom Richter Gould gegen die A. F. of L. erlassenen Einhaltsbefehls sich ausdrücklich auf die- jenigen bezieht, welche die Bestimmungen dieses Befehls inner- halb der Grenzen des Distrikts von Columbia verleben; daß aber dtejenigen, welche diesen Bestimmungen in irgendeinem anderen Teile deS Landes zuwiderhandeln, nur dann bestraft werden können, wenn sie nachher den Distrikt von Columbia betreten. Der Rechtsbeistand der A. F. of L. bestätigt, daß diese Rechts« auffassung richtig ist." Dieser PassuS. sagt Ricktter Wright. wurde von GomperS vor- sätzlich zu dem Zweck geschrieben, um die Verletzung des Einhalts» besehlS außerhalb des Distrikts von Columbia zu ermuntern. Er stellt aber keine Vermutungen über die Gründe auf, die das offizielle Organ der„Nationalen Fabrikanten-Assoziation" veranlaßten, die- selbe Mitteilung zu veröffentlichen. 4. In der März-Nummer deS„Federationist" schrieb GomperS in einer redakiionclleir Bemerkung: „Es ist zu bedenken, daß es weder ein Gesetz noch auch nur einen Gerichtsbeschluß gibt, der die Gewerkschaften oder ihre Freunde zwingen würde, Buck'S Oefen oder Sparherde zu kaufen." d. In der April-Rummer schrieb GomperS: „Der vorläufig« EinhaltSbesehl des Richters Gould in Sachen der Buck'S Stove and Rang« Company von St. Louis gegen die A. F. of L.. ihre Angestellten usw. ist nun desinitiv ge- worden. Der Fall wird nun an den Appellgerichtshof des Distrikts von Columbia geleitet werden. Es muß aber stets be» dacht werden, daß kein Gesetz und auch kein Gerichtsbeschluß Gewerkschafter oder ihre Freunde zu zwingen vermag, Buck'S Oefen oder Sparherde zu kaufen." Und weiter: „Bedenkt stets, daß ein richterlicher Einhaltsbefehl keinesfalls Arbeiter oder ihre Freund« zwingt, das Produkt von Van Cleave'S Buck'S Stove and Range Company zu kaufen. Arbeits- britder! Bleibt Euch selbst gegenseitig treu und hilfreich! Be- denket, daß vereinte Kraft in einer rechten und gerechten Sache schließlich triumphieren muß." 6. In einer öffentlichen Rede, die Gompers am 19. April 1998 in New Uork hielt, sagte er: „Sie sagen uns. daß wir nicht boykottieren dürfen. Gut, wenn der Boykott ungesetzlich ist, werden wir nicht boykottieren. Aber ich weiß nichts von einem Gesetz oder einem richterlichen Befehl, der uns zwingen würde, z. B. einen Ofen oder«inen Sparherd von der Buck'S Stove and Range Company zu kaufen. Ihr wißt, daß mir und mehreren anderen verboten ist. Euch zu sagen, daß die Buck'S Stove and Range Company unanständig ,st. Und wir wollen es deshalb auch nickst wn.... Aber es gibt kein Gesetz noch auch einen richterlichen Enischeid, die Euch zwingen würden, ihre Waren zu kaufen, noch auch zwingt Euch das Gesetz, irgend etwa? ohne GewerffchastSmarke(Union label) zu kaufen." 7. In bee Mainummer 1998 LsS„Federationist" sagte GomperS in einer redaktionellen Bemerkung: „Ich versichere Euch mit meinem Ehrenwort, daß ich Zeit meines Lebens niemals einen Hut bei Loewe oder einen Ofen oder Sparherd von Buck kaufen will, bevor diese Herren mit der Arbeiterorganisation ein Abkommen getroffen und uns anständige Bedingungen zugestanden haben." 3. In einer Rede, die Gompers am 1. Mai 1998 in Chicago hielt, machte er folgende Bemerkung, die in der Juninummer dsö „Federationist" wiederholt wird: „Ich möchte beiläufig in der Angelegenheit der Hutmachcr bemerken, daß Ihr LoeweS Hüte jetzt nicht boykottieren dürft. Ich will Euch aber zugleich in Erinnerung bringen, daß kein Ge- setz Euch zwingt, einen Hut von Locwc zu tragen, noch auch hat irgendein Richter den Befehl erlassen, daß Ihr Hüte von Loewe kaufen müßt. Das bezieht sich in gleicher Weise auf Van CleaveS Oefen und Herde, und nebenbei gesagt, weiß ich auch nicht, wozu Ihr etwaS derartiges kaufen solltet. Ich täte eS nicht. Das ist aber eine Sache, auf die wir in unseren Organisationen näher eingehen können." 9. In der Julinummer 1993 des„Federationist" sagte Gom- pers: „Der hohe Gerichtshof deS Distrikts von Columbia hat den Einhaltsbefehl definitiv gemacht, mit dem Richter Gould der A. F. of L., ihren Angestellten, angegliederten Gewerkschaften und ihren Mitgliedern und Freunden verbietet, zu erklären, daß die Buck's Stove Range Company auf der Liste der Unanständigen steht oder diese Feststellung in dem„American Federationist" zu publizieren. Eine Appellation wird an den Appellgerichtshof des Distrikts von Columbia und wenn notwendig an den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gerichtet werden. Der Ein- haltsbesehl zwingt niemanden, die Oefen oder Sparherde von Buck zu kaufen, noch auch hat irgendein Gerichtsbeschluß befohlen, LoeweS Hüte zu kaufen." Wir haben die„Entscheidungsgründe" de» Richters Wrigih ausführlich wiedergegeben auf die Gefahr hin, unsere Leser zu ermüden. Wir wollten aber zeigen, wie nichtig sie sind und wa? für ein furchtbares Werkzeug der Unterdrückung daher ein Prozeß wegen„Mißachtung des Gerichtshofes" ist, wenn ein Mensch auf solche Gründe hin zu einer Gefängnisstrafe von 12 Monaten ver- urteilt werden kann. Man muß bedenken, daß die Veröffentlichung der„Liste nichtempfohlener Firmen" sofort nach Jnkrafi- treten des Einhaltsbefehls eingestellt wurde, daß keine Verletzung des Befehls, nicht zu boykottieren, bewiesen wurde. ES ist Tatsache, daß der Boykott. daSheißt der„Boykott zweiten Grades" nach dem Ein- haltsbesehl aufgegeben wurde. (Schluß folgt.) Jugendbewegung. Eine Antwort auf den Anschlag der Berliner Polizei. In einer großen, überfüllten öffentlichen Jugend- Versammlung in den Srinlnhallen zu Berlin machte der Vor- sitzende belannt, daß der Vorstand der Berliner Freien Jugendorganisation die polizeiliche Versügnng. die den Verein für politisch erklärt, nickt beachten werde. Die Jugendorganisation werde nach wie vor Ver- an staltungen für die Jugend treffen und Jugend» l i ch e als Mitglieder ausnehmen. Um die Polizei aber zu zwinac», die Beweise für den politischen Charakter der Jugenborgaittsation zu erbringen, haben BorstandSmitglirder gegcn sich selber Strafanttag gestellt. Die Mitteilung wurde mit starken Beifall aufgenommen. Im übrigen beicdäfligte sicb die Versammlung mit der polizeilichen Be'piyelung der Jugendbewegung im Anschluß a» die Enthüllungen über den Kriminalbeamten Palm. Eine scharfe Protest- und Enr- rüstungSresolution, die das Spitzellreiben brandmarkte, fand ei«-» stimmige Annahme._ Soziales. Ueber die Zusammenhänge zwischen Alkohol und Berbreche» stellt das bayerische Justizministerium Erhebungen an. ES erläßi eine Bekanntmachung an die ihm unterstellten Behörden, in der— unter dem Hinweis auf die Erfahrung, daß häufig strafbare Hand- lungen unter dem Einflüsse deS AltoholgenusseS begangen wurden— eine Zusammenstellung aller derartigen Verfehlungen angeordnet wird. Die Ermittelungen sollen sich erstrecken auf Verurteilungen wegen Verbrechen und Vergehens gegen ReichSgesetze. Gezählt wer- den die Fälle, in denen nach den Feststellungen des Urteils oder bei der Aburteilung durch einen Strafbcfehl nach dem Inhalt der Anzeige und nach den Ergebnissen der Ermittelungen die strafbare Handlung im Zustande der Trunkenheit begangen wurde oder offensichtlich auf gewohnheitsmäßigen Alkoholgenuß deS Täters zurückzuführen ist. Prämien für Kasscnbctrüger. Wiioerhult haben wir darauf hingewiesen, daß Arbeit geber, die den von ihnen beschäftigten Arbeitern Krankenkassen- beiträge abziehen, aber nicht an die Kasse abführen, so niedrig be. straft werden, daß die Strafe als Anreiz zu neuen Hinterziehungen der Kasse wirken kann. Es kann aber auch der Fall so liegen, daß der die Kassenbeiträge nicht Abführende überhaupt keine Strafe, sondern noch eine Prämie in Gestalt von Zeugengebühren erhält. DaS ereignete sich in einer kürzlich hier abgeurteilten Anklagesache. Der Ortskrankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und ver- wandter Gewerbe zu Berlin war die Arbeitgeberin Paula Blumen- thal, AndrcaSstr. 86, gegen LS M. schuldig geblieben. Vor der Strafkammer wandte sie ein. nicht sie, sondern ihr Ehemann hätte den Arbeiterinnen die Lohnabzüge gemacht und für sich verwendet. Sie selbst sei damals im Krankenhause gewesen und hätte ihren Ehemann mit der GeschäftSleitung beauftragt gehabt. Der Ehe- mann wurde auf ihren Antrag als Zeuge geladen und bestätigte die Angaben der Angeschuldigten. ES ist also festgestellt worden, daß der Ehemann der eigentliche Schuldige ist. DaS konnte aber nicht verhindern, daß ihm von der Gerichtskasse in Gestalt von Zeugengebührcn 4M M. bar ausgezahlt wurden. Von Rechts wegen. Die angeklagte Ehefrau wurde zu 19 M. Geldstrafe verurteilt. Gegen den Ehemann ist unseres Wissens bislang Anklage noch nicht erhoben.____ Ausserordentlicher AnwaltStag. Unter sehr zahlreicher Beteiligung fand am Sonnlag in Leipzig ein außerordentlicher, von etwa 599 Anwälten besuchter deutscher Anwaltstag statt. Er war zwecks Neuwahl des Vorstandes und zwecks Stellungnahme zu dem Plan der weiteren Verichlcchterung der Rechtspflege durch Ausschließung der Revision bei überein- stimmenden Urteilen des Landgerichts und Oberlandesgerichts zu- sammenbenlfen. ES gelangte folgende Resolutton zur einstimmigen Annahme: „Der heute im Festsaale des Zentraltheaters versammelte außerordentliche Deutsche AnwaltStag spricht seine Ansicht dahin aus. daß der Ausschluß deS Rechtsmittels der Revision bei über- einstimmenden Urteilen dcS Landgerichts und deS Oberlandes- gerichtS durchaus abzulehnen ist und ersucht den Borstand deS Deutschen Anwaltsvereins, olle Versuche, die Zulässigkett der Re- Vision in der angegebenen Richtung zu beschränken, energisch zu bekämpfen." Gegen den alten Vorstand war von mehreren Seiten der Vor- Wurf mangelnder Initiative und zu großen Entgegenkommens den Wünschen der BeHorden gegenüber erhoben. Er hatte darauf sein Amt niedergelegt. Die Zeeuwahl ergab folgende Zusammensetzung: Rechtsanwalt Dr. D r u ck e r- Leipzig. Justizrat Hachenburg- Mannheim, Justizrat Hcilberg- Breslau, Rechtsanwalt Rose- Harburg, Rechtsanwalt S o l d a n. Mainz, Geheimer Justizrat Dr. Hciligcr-jMn, Justizrat Dr. Eugen Fuchs-Berlin. Justizrat Geiershöfer- Nürnberg, Justizvat Dr. Haber- Leipzig, Justizrat Dr. Lehmann- Leipzig, Rechtsanwalt Dr. Hauhmann und Justtzrat Dr. M. Jakobsohn- Berlin. Gerichts-2 cttung. Ein KindcrschSndrr. In Nr. 164 des„Vorwärts" berichteten wir, daß der Hafen- Dispacheur Bradfisch wegen schwerer an Schulmädchen begangener Sittlichkeitsverbrcchen in Königsberg verhaftet wurde. Die Ge- richtsverhandlung gegen ihn fand nunmehr statt. Der an sich vermögende und mit einem Jahreseinkommen von gegen 10 000 M. angestellte Angeklagte holte Kinder aus Vergnügungsetablissements, machte sie in Konditoreien durch Naschwerk und geistige Getränke sich gefügig und verging sich dann an den Kindern in seiner Woh- nung in schamlosester Weise. Die noch nicht 14 Jahre alte Tochter eines Restaurateurs behielt er über zwei Tage in seiner Gewalt, bis schließlich der Vater das Kind befreite, der durch Zufall den Aufenthalt des unglückseligen Wesens ausgekundschaftet hatte. Bradfisch hatte die Verbrechen mehrere Jahre hindurch betrieben. Die Polizeibehörden hatten davon nicht? bemerkt. Die erste Königs- brrger Strafkammer verurteilte den Angeklagten zu 4 Jahren Zuchthaus und 8 Jahren Ehrverlust. Wundcrhrilungen. Das Münchener Schöffengericht verurteilte nach mehrtägiger Verhondlnug auf Privatklage des Dr. Eduard Aigner, Vorsitzenden des Kartells freiheitlicher Vereine Münchens, gegen den verantwort- lichen Redakteur der„Lothringer Volksstimme" F i e g e den Be- klagten zu 300 Mark Geldstrafe. Der Verurteilte hotte gegenüber einer Schrift Aigner«, die sich gegen den Wunderglauben und an- gebliche Wunderheilungen von Lourdes wendete, eine mit Person- lichen Beleidigungen durchsetzte Kritik gerichtet. Bus der frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 24. November, abends 8>/, Uhr, im Reuen Klubhau«, Kam- mandantenstr. 72. Vortrag:»Die häusliche Erziehung." Ref.: Heinrich Schulz. Gäste willkommen. Vermischtes. Acht Tage im Bergwerk eingemauert. Die Grubenkatastrophe von Illinois. Eine überraschende Nach- eicht kommt au« Cherry fJllinotö). Bon den 450 Bergleuten, die durch die Epplosion in der der St. Paul Coal Mining Company gehörigen Kohlengrube in Cherry in dem brennenden Bergwerk ein« geschlossen wurden, gelang eS 78 Bergleute lebend anS Tageslicht zu fördern. Sie haben eine Woche in dem Bergwerk zugebracht. LI« Nahrung dienten ihnen die Reste, die sie in den Behältern vor« fanden, in denen das Mittagessen für die Belegschaft befördert wird. Die Errettung der 78 Bergleute hat im ganzen Grubenrevier unnennbare Freude Herborgerufen. Die Bergleute brachten die acht Tage voller Schrecken in einer isolierten Galerie hinter einer Erd- barrikade zu, die das Feuer vom Weiterbringen abhielt. Sie aßen zuletzt Schuhe, Handschuhe, die Rinde von den Stützbalken und tranken Oel von den Lampen und daS Wasser, das durch die Erde sickerte. William Clelland, der Führer der ArbeitSschicht, entdeckte zuerst das Feuer und führte seine Kameraden in einen verlassenen Schacht. Die Bergleute errichteten Schutzbarriladen und verteilten in den ersten Tagen die geringen Reste von Essen, die sie noch hatten, auf mehrere Mahlzeiten. Einer der Verschütteten starb; er wurde unter den Barrikaden begraben. Die Frauen der Ver- schütteten stürmten wild zum Schachteingang, als die Geretteten nach oben befördert wurden. Es entspann sich zwischen ihnen und den Truppen ein wilder Kampf. Wie besessen küßten Frauen und Kinder die Füße der mutigen Retter. Die Rcttungsabteilung arbeitet sich jetzt durch einen Tunnel hindurch, um von der anderen Seite her den Eingeschlossenen zu Hilfe zu kommen. Man hofft, daß sie noch 80 Lebende erreichen werden, die von der brennenden Galerie entfliehen konnten. Die Geretteten erzählen, daß mindestens noch 150 Bergleute unten am Leben seien. Ferner sind aus dem Schacht 87 Tote geborgen worden. Ein Raub der Flammen wurde am Sonntagabend gegen 8 Ahr die am Bahnhof HohensteiN'Ernstthal in Sachsen gelegene Wirk- Maschinenfabrik von Lieberknecht. Etwa 100 Arbeiter, meistens Familienväter, sind dadurch brotlos geworden. Der durch Ver- stcherung gedeckte Schaden beläuft sich auf etwa'/« Million Mark. Typhu« unter Bergarbeitern. . Unter den auf dem Georgenschachte bei Stadthagen (Schaumburg-Lippe) beschäftigten Bergarbeitern ist der TyvhuS aus- gebrochen. Bisher sind 93 Typhuskranke nach dem Landkranken- Hause in Stadtbagen übergeführt worden. Die Untersuchungen des WasserS aus dem Georgenschachte, das die Bergleute häufig trinken, haben zwar nicht ergeben, daß Typhusbazillen darin entHallen, doch enthält das Wasser viele schädliche Beimischungen und es hat einen modrigen und bittersalzigen Geschmack. Da auf Schacht F 0 ähnliche Wasierverhältnisse bestehen, ist es Pflicht der Obernkirchener Bergbehörde, boldigst gesunde Wasserverbältnisse zu schaffen, bevor die Epidemie weiter um sich greift und Menschenleben fordert. Ter Vulkanausbruch auf Teneriffa. Die letzten Nachrichten über den vulkanischen Ausbruch des PitS von Teneriffa lauten. einer Meldung auS Madrid zufolge, dahin, daß ein kolossaler Lavastrom sich ziemlich rasch gegen Santiago wälzt. Die Bewobyer mehrerer Ortschaften ergriffen bereits die Flucht und lagern auf der Landstraße nach Orotava. Eine Gefahr für die Bewohner ist aber angesichts der von den Behörden ge- troffenen Vorsichtsmaßregeln nicht zu erwarten. Der Material- schaden wird recht groß werden, da seit gestern auch ein Stein- und Aschenregen niedergeht. Der Himmel ist nacht« blutigrot gefärbt. Diese Erscheinung ist auch in Santa Cruz wahrzunehmen. Eine Meldung aus Teneriffa von gestern besagt: Die Be- völkrrung hat sich beruhigt und beginnt, in ihre Behausungen zurück- zukehren. Explosionen und Erderschütterungen haben sich nicht wiederholt. Aus den fünf neuentstandenen Kratern fließen aber noch fortwährend Lavaströme herab. Ein AutomobU mft einer Hochzeitsgesellschaft in den Fluß gestürzt. AuS Crawfvrd lGeorgia) wird gemeldet: Ein Automobil mit einer Hochzeitsgesellschaft von fünf Personen ist gestern abend von einer dreißig Fuß hohen Brücke abgestürzt. Der Bräutigam und zwei andere Personen wurden getötet, die Braut und ihre Schwester schwer verletzt. Ein Lustmord. Im Dorf Dallmin wurde am Sonntag die acht« jährige Tochter des Gärtners Jost ermordet. Gestern früh konnte mit Hilfe von Polizeihunden der Täter bereits ermittelt werden, der, wie berichtet wird, die Tat auch bereits eingestanden hat. ErneutrS Erdbeben in Messina. Gestern früh 1 Uhr 30 Min. wurde in Messina ein wellenförmiger Erdstoß verspürt; die Ein- wohner verließen ihre Häuser._ Ein Massenmordanschlag gegen Offiziere des Generalstabs ruft in Wien großes Aufsehen hervor. Wie eine umfangreiche Uuier« suchung bereits festgestellt hat, richteten sich die Attentate gegen zehn Offiziere, die Zyankalioblaten erhielten. Den Hauptmann Mader, daS einzige Opfer des Mordanschlages, scheint daS Gift blitzartig rasch getötet zu haben. Der Offiziersbursche erzählt, der Haupl- mann habe ihn um 7 Uhr abends ausgeschickt, damit er einen kleinen Imbiß hole. Ms der Bursche das Zimmer verließ, saß der Hauptmann am Tische und schrieb einen Brief. Nach wenigen Mi- nuten zurückkehrend, fand er den Offizier auf dem Boden des Vor« zimmers, röchelnd und bewußtlos, hingestreckt. Die rasch herbeigerufene Reltungsgesellschaft stellte den eingettetenen Tod fest. Den Brief, den der Bursche auf dem Tische fand, war an die Braut dcS Hauptmanns gerichtet. Zwei Seiten waren vollgeschrieben, die dritte Seite war angefangen und brach mitten in einem Satze ab. An dieser Stelle zeigte sich ein Wafferttopfen, offenbar hat der Haupt« mann in dem Augenblick die Oblaten mit Wasser eingenommen. Die Bevölkerung ist fieberhaft erregt und folgt mit größter Spannung dem Fortgang der Untersuchung. Man vermutet einen Racheakt eines Offiziers oder einer Frau oder die Tat eines Wahn- sinnigen._ ßmfkaftcn der Redaktion. Tie lurlflilche 6#rcdtfmn0t findet Lindeniiraße 3, zweite« Hof. dritter Eingang,»irr Tr«»prn, pVT" y a h r ft« h l Wul! wachcntSglii» abend» von 7>4 bis 9H Übe statt. GeSssnct 7 Nhr. Sannabends beginnt die Sorechftunde um K Uhr. Jeder Nnfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl al» Merkzeichen beizufügen. Briefliche Anlwor« wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Bricflasten können 44 lag«»ergehru. Eilige Frage« trage man in der Sorechftunde aar. A. P. 100. Nein; die Entfernung von Schnee und Ei« von den Sflrnevfteigtn ist Pflicht der Hausbefttzcr oder der von dielen Beauftragten. — 3. 3. 13. Wird eine Ehe wegen Ehebruchs geschieden, so sind die Ehebrecher nach dem Gesetz nicht berechtigt, einander zu heiraten. Von diesem Eiieverbot kann den Betrestenden jedoch aus Antrag nachträglich DiSvens von dem Landgericht erteilt werden, daS für die EbclcheidilngS- klage in erster Instanz zuständig war. In der Regel wird die Dispensation crtcUl, wenn die Klägerin oder der Kläger sich mit der Dispcnscrtcilimg einverstanden erklären.— X, 33. Die Kündigung Ist zulässig. Wenn über die Kündigung nicht« vereinbart fit. so bestem für gewerbliche Arbeiter und Aibeiterinnen die vicrzehntägige KündigungSsrist.— 9t.®. Nach der herrichenden Praxis wäre eine Verurteilung möglich.— O. R. Nein. — F. G. 53. Zuständig für den Antrag auf Mckerstattung ist die Ver» sichcrungSanstalt Brandenburg. Malthäilirchstrahe. Der Antrag kann zu Protokoll oder schriftlich eingereicht werden. Die AusrechnungSbescheiniguiigen und die OuittungSkarte sowie eine Heiratsurkunde sind beizufügen. Zw ck- massiger ist daS Wciterlleben. In Ihrem Falle würden die alten Rechte wieder aufleben, wenn für Ihre Frau inzwischen aus Grund einer Ver« sicherungSpslicht 200 Marken geklebt sind.—(ft. H. 81. Nein.— H. B. 8. Eine Anfechtung dcS SchriitstllckcS hätte keine Aussicht auf Erfolg. Sie sind Mitcrbe geworden. Es kann Ihnen aber da« früher Vereinbarte auf den ErbieU angerechnet werden.— M. Xh. SS. Die Beschäftigung nach 8 Uhr ist allerdings gestattet, darf aber nicht etwa eine schlkanZse sein. Die nötige Frühstücks' und Bespervause muh auch der HaildlungSgehilstn gemährt werden. Wenden Sie sich zivccks Abhilfe an den Zentralvcrbano der Hand- lnngSgebilsen, Neue König ffr. 35.— W. N 33. Sie müssen bezahlen. — H.VürTe mit item Kreurstern auf billige Art gute, schmack- hafte Gerichte zu bereiten. — Probefläschchen 10 Pfg. „MAGGTs gute, sparsame Küche*. 13. Ziehung 3. KI. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung Tom 12. NoTember Tormiitag». Kur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Kümmern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.l(Kaehdruck verboten.) «d 122 577 826 95S 11.2« 288 M 88« 1500] 630[500] M 2020 62 198[3000] 2S0 471 684«44 882 905 3020 23« »45 57 86 540 CO 81 4195 264[1000] 92 819 592 65 726 5314 83 81 498 553 92 646 822[500] 909 6 185 637 43 788 [1000] 933 7003 80[500] 181[8000] 280 64 71 83 315 472 666 610 977 8032 647 56 76 699 745 979 0011 135 242 «34 748 lOlll 200 352 450 717 24 29«7 821 949 11249 494 fsoo] 575 704[1000] 818 99 949 1 2186[1000] 286 472 «31 772 13152 201 59 583 628 754 884[300] 14286 301 98 451 678[ 500] 813 958 1 5389 408 97 67« 91 99 948 [1000] 13043[500] 523 708 932[1000] 44 53 1 7033 815 65 954 1 8050 III 215 462[500] 875[1000] 10021 239 870 20105 6 803[500] 442 681 843 2 1 082[500] 834 38 416 706 55 987 90 2 2841 82 529 71 639 725 812 41 924 23078[1000] 269 731 47 281 24295 345 98[500] 527 610 «80 73 SH 2 5020 56 141 211 561 905«30 65 2 6152 297 98 563 603 4 2 802 2 7088 261 319 53 430 677 803 37 2 8183 «29 611 723 54 883 917 81 20100 77«06 99 731[500] 55 940 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Ziehung 5. KL 221. Kgl. Preuss. Lotterie. ZIebnng Tom 22. NoTember nachmittags. Jfnr die Gewinne Uber 240 Mark Bind den betreffenden Kummern In Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck Terboiem] 12 134 43 222 334 754[lOOO] 323 1159 97[500] 392 42» 575 623[1000] 941[500] 2179 301 411[500] 925 85 [1000] 3091 115 401 10[1000] 6(8 88 4081 122[500] 308 62 434[3000] 49 600 703 11 5098[1000] 515 83 6212 316 429 601 43 739 7273[600] 333 563 918 8138 871 0113 »32 403 530 911 1O095 219 689 745«2 66 11149 87« 807 679 824 984 12310 446 544 71 759 901 12 13094 198 202 87«52 321 971 14116 78 055[1000] 15009 561 524 839 4 9 973[500] 16051 161 71 835 925 97 1 7003 59 638 617[500] 60 717 63 18117 43« 71? 895 1056« 85g 94« 20115 91 99 250 34 30« 434 510 353 2 1 2(3 373 33 22168 226 564«51 900 23114 57 244 48[1000] 65[1000] 842 450 004 7 9 928 2 40(2 223 312[500] 97 461 519 706 87» 25035 129 221 683 709 2 6100 7 4 223 2 7166 233 338 2 8005 52 202 515[1000] 685[500] 904 45 2 0031 339 «2 7(0[1000] 935(9 83[500] 30049 469 567 75[500] 611 31131 430«31 53 32071 335 3 3142 51 57[3000] 433 613 22[1000] 669 919 35[500] 34(52 254[300] 422[1000] 91 681 819 937 3 5502 79 [1000] 615[500] 995 3 6187 272 571 713 14 7 2 76 897 933 [5000] 47 3 7134 202 70 91 433 619 69 713 912 3 8135 238 59 76 768 831 30070 136 54 264 423 96[500] 712 929 40218 24 410 521 83 871 900 35 70 4 1 023 755 977 42010»53 73[3000] 32 310 538 657 872 979 4 3 617 812 70 44527[3000](1 506[ 500] 34[1000] 832 97 4 5123 49[3000] 494 628 32[3000] 59 765 933 4 6433«11 873 47330 91 595 96[3000] 833 59 4 8064 67 267 73 389 630 785 88 833 63 60 913 77 4 0101 25[500] 70 282 436 500-6 89 91 Iii 97 229 315 443 87 778 5 1 000 62« 97 789[500] 808 901 55 5 2003 19 52«63 716 54 992 53610 847 53 980 5 4235 395 883 933 62 5 5109[500] 251 [1000] 322 53[500] 513 716[500] 938 97 98 58017 3(0 405 12? 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Für den gnferatenteit verrmtw t ZH.Gloltt.lSeiNn. Druck u. Verlag:DvrwSrtt vuihdruSttri u. DrriagSanflall Paul Singer& Co- SS&Itn SW. Nr. 273. 26. Jahrgang. 2. Ktilage äfs Jsmiils" Strliutr Ditustag, 23. Nsliember l90S. Sericktg- Leitung. NrtctlSbcgrllndung im Prozeß Bergmann. Frau Dr. Bergmann wurde, wie wir bereits am Sonntag tinter„Letzte Nachrichten" mitteilten, vom Gericht zu 2 Monaten Gefängnis, unter Anrechnung von 3 Wochen Untersuchungshaft, verurteilt. Die gegen Mitternacht verkündeten Urteilsgründe gingen tahin: Das Gericht hat den Bekundungen der beiden Dienstmädchen, die als Hauvtbelastungszeugen auftraten, nur soweit folgen zu können gemeint, als sie auch noch von anderen Zeugen bestätigt wurden. Das Gericht hielt es für zweifellos, daß Mariechen Berg- mann ein Kind war, dessen Behauptungen keinen unbedingten Glauben verdienen, und die den beiden Zeuginnen manches erzählt haben wird, was übertrieben war und auf Phantasterei beruhte. Fest steht aber, dag das Kind zur Winterzeit längere Zeit Tage und Wochen hindurch nur mit einem dünnen Röckchcn, Hemdchen und Schuhen bekleidet hat herumlaufen müssen, sowohl im Hause als auch bei kurzen Gängen auf die Strahe. DaS Gericht kann nicht umhin auszusprechen, daß es ganz unverständlich ist» wie ein Mann in der Stellung des Dr. Bergmann mit dieser Behandlung einverstanden sein konnte. Diese Behandlung könne nur als Aus- flutz der Böswilligkeit der Angeklagten angesehen werden. Das Mädchen habe ja auch in schlecht geheiztem Zimmer sitzen und Handarbeiten machen müssen. DaS Gericht hat ferner für fest- gestellt erachtet, dah in dem einen Fall, wo die Angeklagte ohne Beisein ihres ManneS dem Kinde das Lichtbad applizierte, die sämtlichen Lichtbirnen in Tätigkeit gesetzt worden sind und daß die Angeklagte das Kind, alS es diese Tortur nicht ertragen wollte, mit cinrm Stock geschlagen habe. Das sei eine Gefühlsroheit, eine solche liege auch in der übrigen Handhabung des Stockes, mit dem die Angeklagte wahllos auf das Kind losgeschlagen habe. Letzteres sei von einwandSfreicn Zeugen mit Striemen und Flecken mehr- mals vorgefunden worden. Es liege Körperverletzung im Sinne des§ 223 und§ 223a vor und zwar in fortgesetzter Handlung. Die Angeklagte, die an dem Kinde Mutterstelle versehen sollte, habe bei verschiedenen Gelegenheiten ihre böswillige Gesinnung dem Mädchen gegenüber deutlich gezeigt. Mildernde Umstände hat der Gerichtshof der Angeklagten, die allerdings auch unter ge- wissen« Einflüsse ihres Mannes gestanden, nicht zugebilligt. Denn sie habe ein hohes Mass von Roheit bekundet, indcin sie daS Kind bei Winterkälte so ganz unzureichend bekleidet umherlaufen licss, das Gericht hat aber andererseits mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit der Angeklagten und darauf, dass sie auch unter dem Einfluss des Mannes gestanden, geglaubt, nicht über das gesctz- liche Niedrigstmass hinausgehen zu sollen. Die Affäre des Leutnants a. D. Richard Schramm bildet den Gegenstand eines Prozesses, welcher gestern unter Vorsitz »eae m. deS LandgcrichtsdirektorS Svlcttstiißer vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I begann. Der Angeklagte, welcher seinerzeit gegen eine Kaution von SOOl) M. von der Untersuchungshaft verschont worden war, wird einer ganzen Reihe strafbarer Handlungen be- schuldigt. Die Anklage lautet auf KonkurSvcrgehen, Vergehen gegen das Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Bc- truges in 3 Fällen, gefährliche Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung. Der Angeklagte ist der Sohn eines vermögenden Fabrikbesitzers in Blomberg, der Ende der achtziger Jahre verstarb und ihin zirka 50 000 M. hinterlicss. Im Jahre 1902 wurde Schramm Offizier in einem Kavallerieregiment. Während dieser Zeit verausgabte er sein Vermögen und kontrahierte noch eine Schuldenlast von etwa 70 000 M. Er hielt sich einen grossen Rcnnstall, der ein Vermögen verschlang. Nachdcin seine Mutter diese Schulden gc- deckt hatte, wurde der Angeklagte an ein Jnfanterieregiinent ver- setzt. Im Jahre 1907 verheiratete sich Sch.«nit der uneheliche«, Tochter des Regierungspräsidenten Prinzen Handjery, die eine jährliche Rente von 20 000 M. bezieht. Der Angeklagte will nach seiner Behauptung des Glaubens gewesen sein, dass seine Ehefrau an dem Hochzeitstage eine Mitgift von 300 000 M. ausgezahlt er- halten würde. Der Anklage liegt im emzelncn folgender Sachverhalt zugrunde. Im Juni 1907 gründeten der Angeklagte und der seinerzeit vielgenannte Direktor Martin Ball, welcher Geschäfts- führer der„Berliner Ausstellungshallen G. m. b. H." war, eine neue Gesellschaft zur Ausnutzung eines Patentes, welches sich auf die Anlage von Haltestellenanzeiger in den Eisenbahnen und Strasscnbahnen bezog. Diese„Haltestellenanzeiger-Gesellschaft m. b. H." wurde mit einem Stammkapital von 500 000 M., von welchem die Frau Schramm eine Bareinlage von 300 000 M. machen sollte, die zu 25 Proz. sofort eingezahlt werden sollten, ge- gründet. Geschäftsführer dieser Gesellschaft wurde der Angeklagte Schlamin. Bei der Anmeldung bei dem Amtsgericht Berlin-Mitte versicherte der Angeklagte, daß jene 25 Proz., also 75 000 M., bar eingezahlt worden seien. Diese unrichtige Angabe hat die jetzige Anklage wegen Vergehens gegen das Gesctz betr. die Gesellschaften mit beschränkter Haftung zur Folge. Als die Gesellschaft nach knapp viermonatlichein Bestehen in Konkurs ging, stellte sich ferner heraus, dass eine Eröfsnungsbilanz nicht gezogen war. Der Zu- sammeiibruch der Gesellschaft hatte gleichzeitig zur Folge, dass zwischen dem Angeklagten und dem Direktor Ball ernste Difse- renzen entstanden, die sogar zu einer Tätlichkeit auf offener Straße ausarteten. Der Angeklagte versetzte dem B.. als er ihn in der Mohrenstratze traf, mehrere Schläge mit einer Reitpeitsche. Dem Begleiter des B., einem Dr. Hannach, drohte der Angeklagte, dass er ihn bei der ersten besten Gelegenheit niederschlagen werde. In den zur Anklage stehenden Betrugsfällen handelt es sich um folgendes: Der Angeklagte hatte von einer Firma Ulrich u. Co. 50 Hohensteinkuxe für 22 500 M. gegen Hingabe von Wechseln ge- kauft. Trotzdcin sich die Firma bis zur Einlösung der Wechsel ausdrücklich den Eigentumsvorbehalt ausbedungen hatte, soll der Angeklagte diese Kuxe für 28 500 M. an einen Korvettenkapitän a. D. Falkenthal weiterverkauft haben. Falkenthal zahlte insgesamt 28 100 M., erhielt aber trotzden« nicht die Kuxe von dein Anne- klagten, so dass F. um diesen Betrag geschädigt ist. Wie die An- klage ferner behauptet, soll sich Schramm von einem Kaufmann Bahr ein Darlehn von 1000 M. verschafft und als Sicherheit einen Flügel und verschiedene Möbelstücke gegeben haben, die bereits von anderen Gläubiger» gepfändet gewesen sein sollen. Schliesslich soll der Angeklagte dem Allgemeinen Creditvcrband gegenüber falsche Angaben bei der Diskontierung zweier Wechsel über je 1000 M. gemacht haben, indem er in einem Fragebogen angab, dass die Möbel Eigentum seiner Frau seien und diese keine Schul- den habe.— Der Angeklagte bestreitet mit aller Energie mit be- trügerischen Absichten vorgegangen zu sein. Er war seinerzeit unter Hinterlassung einer grossen Schuldenlast geflüchtet und ist dann, nachdem ihm durch Vermittelung eiuflichreicher Verwandter freies Geleit zugesichert worden war, freiwillig nach Berlin zurück- gekehrt und ist auch gegen Kaution von der Untersuchungshaft verschont worden. Zu der Verhandlung sind zahlreich? Zeugen ge- laden. In der Verhandlung wurde der Zeuge Ball infolge der Beleidigung einer Zeugin wegen Ungebühr zu einer Ordnungsstrafe von 3 Tage» Haft verurteilt. Das Urteil gegen den Angeklagten erging nach bis gegen 9 Uhr abends ausgedehnter Verhandlung dahin: Unter Freisprechung von der Anklage des Betruges wird der Angeklagte nur«vcgen des Schlagens mit der Hundepeitsche zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. Strafmildernd fiel ins Gewicht, dass der Angeklagte zu der Tat schiver gereizt worden war. Die Ver- Handlung wegen VankcrottS und Vergehens gegen das Gesellschafts- gesctz wurde vertagt. Polizeistunde. Im Lokal von Thomsen hielten Mitglieder des sozialdcinokra- tischen Wahlvcreins am 13. Mai 1909 ihren Zahlabend ab. Nach Für den Fudnl« der In,, rate Lbrrnimm» die Oiedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei VeranNrartnng. Dealer. DienStag, 23. November. Ansang Tu Uhr. König!. Obcrnhaus. Tannhäufer. Königl. Schauspielhaus. Der eiiigcbüdcle Krontc. Neues königl. Operu-Dheater. Romsr a. Juliet. Xcutichre. Do» Carlo». K a m m c r s p i- 1 e. Major Bar- bara. lAns. ö Uhr.) Drianou. Buridans Esel. inlni», r UV: Lessing. Die versunkene Glocke. Sieucs Zchanivielbaiis Judith. Neues Ol errtten. Miß Dudclsack. Iverlinrr. Hohe Polckik. Komiiche Oper. Der polnische Jude. Neuro. Baumeister Selneß. Kleines. Moral. Residenz. Gleichen. Sebbcl. Der Skandal. chiller>>,»vaUner- Theater.) Miß HobbZ. Sch u Charlottenbnrg. Wallen- steinS Tod. Friedrich- Bsilbelmbädt. Schau- spielhaus. Lisclolt. Weste». Die geschiedene Frau. Thalia. Die ewige Lampe. Lüisen. Gib mlch srei. Bolksoper. Die Jüdin.(Anfang Uhr.) Rafe. Die Rechtlosen. Lnftfptelhauo. Der dunste Punkt. Mer- a»o>. Halloh ll— Die große Revue. Folicö Capricr. Mobilisterung. Der gewisse Augenblick,«tlus. 8'l, Uhr. 91p« i.i'. Spezialitäleir. Wintergarten. Svezialititen. Casino. Onkel Cohn. «rbr. Herrnfcld- Theater. So muß man's machen. Ein NeitungS- mittel. Karl Aaveeland- Theater. Epe- »iaiitälen. Walnalia. Lveziasiläten. tÖasiipiel. Die ante Partie.(Ans. S'l, Uhr.) •«ai'iini.«L-z'.al'iäten Äoacks Theater. Othello, der Mor von Venedig. Palau. Liebchens Trick? Speziali- täten. Neichsvallen. Stetttner Sänger. Urania. T.i» r r---»i,«toe i>v4U. Im wissenschaftlichen Theater: Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. gm Hörsaal: NachmtllagS 5'/. Uhr: Dr. Gchlhoff: Eleklrizltälslehre. Abends 8 Uhr: Vorwog für den StistungssondS der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1879. Sternwarre, Jnvaltrnftr.»7—62, I.eHRliig Theate r. 8 Uhr: T'c Versunkeue Glocke. Mittwoch. 81Ihr: Tantris der Narr. Donnerstag, 8 Uhr: TautriS der Narr. Lerimel- Theater, im-, tfohe Politik. Morgen: Hohe Politik._ Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Vorletztes Gastspiel Surann» Dsrprö»; Solnetl le coostructeur. tBaumcister Soinesi.) Mittwoch: Letztes Gastspiel Surann« Oviprö»:?l,»i,z,a Vannu. Tlieater des Westens. 8 Uhr: Die geschirdenr Frau. Mttw., Sonnab. 4 U.: 2tri»vtuelpeter Sonnt. 3'/« U: Ein Walzertraum. hIössißk'W»iö!mLtgk!!i8e!iö8 8ltepiö!liZit8. DienSlag. 23. Novbr., Ansang 8 Uhr: Mitlwoch nachm. 30, Uhr: Kinder» Vorstellung: Sncelvittcheir. 8 Uhr: FlachSmann als Erzieher. Sodlller-Iheater 0. iWallner-Tbcater.) DienStag. abends 8 Uhr: Zum ersten lflnlc: 3IIB Ilobbs. Lustspiel in 4 Aufzügen von Jcrvme it. Jerome. Deutsch von A. Wollers. End- 10',, Uhr. Millwo« abends 8 11 hr: Da» KUUicben v.llellbronn D»N»elS,"qade»dSvUhr: Miß Hobbs. Tlieater. Schiller-Thcaler Charlottenhurg Die n»lag, abend» 8 Uhr! WullenHfolnsi Tod. Trauerspiei in süns Auszügen von Friedlich Schiller. Ende II'/, Uhr. Mittwoch. abeiidS8Uhr: Mio erste Geige. Donnerstag, abendS8Ubr� GcHpcnster. Residenz Tlieater Direllion: Richard Mexander. Abends 8 Uhr: CJretciieH. Groteske in 3 Akten von Davis und Liplchätz. Morgen und folgende Tage: Tleielbe Vorstellung. Sonntag, den 28. Nov., nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelte. Xeaei» Operetten-Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luiseustr. Abends 8 Uhr: Miß Oudelsack. Operette in 3 Akten vonRudols Nelfon. Lusispielhaus. Abend» 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Volks-Oper. S\V, Belle-Alllance-Slraße Nr. 7/8. Ansang'/,9 Uhr. Die ZüÄm. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Gib mich frei. Schauspiel In 5 Alten nach einer Er. zähiung von H. EourlhS-Mahler von Ernst Rittcrseldt. Mittwoch 3 Ulir: Gioße Schüler« Vorstellung: Wilhelm Tell. 8 Uhr: Heimat. Donnerstag: Gib mich frrh Freitag: Gib mich frei. Große Frankfurter Str.>32 Ans. 8 Uhr. Ende i0'/,U Die Lrchtloftn. Volksstück mil Gesang und Tanz in 4 Aklen von Popper und Klabunde. Mittwoch: Maria Stuart. Ansang 8 Uhr. SHfT Letzte Woche des kolossalen Programms, u.a.: Tolinwirbnbu, Burleske, Connuelw Fornurlaa, die Phänomene M'jnuc Bröthen«. 10 Uhr: w Uhr: Ei!ne flaremsnacht. Groteske In 1 Alt. Passage-Theater.> Abend» 8 Uhr: Dan großartige Varietö-Prograrani» jdea neuen großen» I Variete-Teils, i Ferner 10 neue Debüts. Ferner: i Henry Bender 2 in der toUen Burleske | Der süße Doktor. Theater Gaslsp. d-S Voigt-Theater-EniemdleS. Dienstag, den 23. November: GiTerjucht. Lustspiel in 8 Akt. von E. v. Wolzogen. Kassenöffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. MetropoI-TIiealer Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen geitatlet Passage-Panoplikum. Heu; ißt Reiche lies Königs Jlipia. Gehelmnisse der Wasserllefe. Plastloche Riesendloramen. Da» lebende Skelett. Da» anatom. Mittucl. Die 7rsumm»ie?!n. AGA. die schweb. Jungfrau Tambnritxa- Urigantoa. Panophon- Vor trüge. Alles siine Extra-Untres! Alt- Moabit 47/4». OomiErslag, den 25. Kovemtier: Zum ersten Male: Das«He Lied. Schauspiel in drei Auszüge» Von Felix PHUippt. Schluß der Sitzung spielten vier davon im Billardzimmer auf dem Billard. Die Polizeistunde war inzwischen eingetreten. Das Lokal war aber abgeschlossen. Andere Gäste waren nicht anwesend. Th. wurde wegen Uebcrtretung der Polizeistunde, weil er noch Gäste geduldet habe, angeklagt und vom Landgericht Berlin verurteilt. Die geschlossene Gesellschaft(Zablabcnd) sei mit ihren Angelegen- heiten zu Ende gewesen. Die vier Leute hatten sich ausgesondert und noch Billard gespielt, sie seien dadurch zu gewöhnlichen Echan!- gasten geworden. Das Verschliessen des Nauincs nehme ihm nicht die Eigenschaft als Schankstubc.— Das Kamuiergerlcht verwarf dieser Tage die vom Angeklagten eingelegte Revision. Der besoldete Schöffe Dr. Pape als Zeuge nicht vereidigt. Dieser Tage stand vor dem Amtsgericht Weissensee-Berlin ein Beleidigungsprozess des Schöffen Severin gegen den Redakteur der verflossenen„Vürgerpost" zur Verhandlung. In einem Artikel wurden dem Schöffen Severin Vorwürfe gemacht, dass er seinen Posten auf unlautere Art erhalten haben soll, daß er ferner als Dezernent des Nieselgutes Birkholz nicht tauglich sei, dass er als Schöffe sich wichtig tue, stets mit einer Aktenmappe herumlaufe, in der gar keine Akten, sondern vielleicht Kohlköpfe enthalten sind. Auch habe er sein Amt als Schöffe mißbraucht, indem er erklärte, er werde dafür sorgen, daß kein Alt-Weissenseer Steuerfreiheit für seinen Hund erhalte. Endlich sei er als Querulant gewöhnt, vor Gericht zu erscheinen infolge der häufigen Zwistigkeiten mit seinen Angestellten. Der durch seine eigenartige Amtsführung und sein Disziplinarverfahren bekannte Schöffe Dr. Pape bekundete, daß er der juristische Berater der„Bürgerpost" war, bestritt aber Ar- tikel geliefert zu haben, trotzdem er in der Redaktion ein- und ausging. Gegen die Vereidigung des Herrn Pape erhob der Rechts- beistand des Klägers Widerspruch, da der Verdacht der Mittäter- schaft an den beleidigenden Artikeln vorliege. Räch kurzer Be- ratung des Gerichtshofes erklärte der Vorsitzende:„Der Zeuge Herr Dr. Pape ist nicht zu vereidigen." Vorher spielte sich eine Szene ab, die bewies, daß das Gedächtnis des Herrn Dr. Pape sehr schwach sein muß. Nach seiner Meinung habe er die Schöffenwahl geleitet als Herr Severin gewählt wurde, während Bürgermeister Dr. Wölck behauptete, daß er solch einen wichtigen Akt nicht von einem Untergebenen leiten ließe. Durch Herbeischaffung der Zlkten wurde bewiesen, daß sich Herr Dr. Pape wieder einmal geirrt hatte und daß Herr Severin fast einstimmig gewählt war. Die Ver- Handlung schloß zuungunsten des ehemaligen Redakteurs der„Bür- gcrpoft" ab. Der Amtsniiwalt beantragte 200 M. Geldstrafe. Das Gericht wird heute das Urteil verkünden. AuS dem Schwurgericht. Vor den: Schwurgericht des Landgerichts III, welches gestern mit der voraussichtlich letzten diesjährigen Tagung unter Vorsitz de? LandgerichtSdircktors Ncichhclm begann, hatten sich der Postgehilfc HanS Hcrstleg und der Kaufmann Curt Wulf wegen Vergehen» und Verbrechens im Amte bezw. wegen Hehlerei zu verantworten. Der Angeklagte H. war als Postgehilfe auf dem Postamt 15 in Wilmersdorf beschäftigt gewesen. Er unterschlug eine Post- anweisung über 100 M., welche eine Freifrau von Tömplitz in Jena an eine verarmte adlige Dame in Wilmersdorf gesandt hatte. Dann unterschlug er Telegrammgcbühren und Postanweisungs- betrüge in Gesamthöhe von 1900 M. DaS Geld wurde von H. in Gemeinschaft mit Wulf durchgebracht. Als sie eine Entdeckung fürchten mußten, wollten beide in das Ausland flüchten. Dieser Plan wurde jedoch durch die Verhaftung der beiden durchkreuzt.— Die Geschworencii billigten unter Bejahung der Schuldfragen im Sinne der Anklage den Angeklagten mildernde Umstände zu. Das Urteil lautete gegen Hcrstleg auf 1 Jahr und 4 Monate und gegen Wulf auf 7 Monate Gefängnis, unter Anrechnung von je 6 Mo- naten der erlittenen Untersuchungshaft. Lirlws Busch. Heute Dienstag, den 23. November, I abends 7'/, Uhr prüzlse: Gala« Abend! Die Clevelund« t Hr. Burkhardt-Foottit, Sohulroit Patly Frank-Truppe! Xwergelosvn Fran�oist. Kunstreiter. Hr Ernst Schumann,| MeistordresBiiren. Die 4 Gebr.[ Karolis, ungarische Koitkünstl Frl. Wardia Beketow, Schulreit. 1 Um g',. Uhr: fissNlMöll! Oer Ueberfall und Rettung aus dem J brennenden Blockhause. Die 10 Meter hcho Sturzwelle I Vorher( Palast-Theater. Direktion: Robert Dill& Karl Pirnau. Durgstraße 24, am Bahnhol Böise. Tilg! leb: Die erstklassigen November- Spezialitäten. Firbchtiis Trick? mit Direktor Hob. Dill in der Hauptgesaugspartir. 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NiütO m. feinen bonverslerenden Papageien Cokoo and Lanra in dieser Vollendung noch nicht dagewesen. Sullerdem das neue Programm. Um 9 Uhr Ende 11 Uhr Die große Fecrie: Die drei Rivalen Oordoauz, Chablis, Champagne oder Das mysteriöse Schloh in der 9iori»andie romantische Fcerie in 5 Akten. Hen-orzuhcben: Ans dem Schlosse des Bitter de la Champagne und die(eenhaite SchluGapotheose. Trianon-Theater. Ansang 7'/s Uhr. Zinn ersten Male: Ilnrldniis Esel. Lustspiel in 3 Alten von R. de Flers und G. A. de Eaillavet. piichttirr Mcknispitle. Gastspiel-Tliealer Köpenicker Straße 67/68. Heute und folgende Tag:-: Der Zanberkessel. Ansang 8 Uhr. •f Holzmarklstraße 72. Täglich: Konzert, Theater- and Spezialitäten- Vorstellung mit Franz Satans!«!, Olga t oy, Wnsik. Kvinödiaiiten Cnrmanelli Kart Werther, EmmyGalolti, Roohowsky- Duo Gust. Burg Truppe Juhasz (4 Personen, 1 Foxterrier) usw. Prinz Wendelin, GesangSp v. Klein Eine Ecvne der SchOniiBit, Grazie u.o. Humors! Anne Dancrey. Bernh. Merbitz. 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Chari!6stra3e S. Hol III. Amt 3. 1937. Mittwoch» den«4. November 190», abends 8Vj Uhr: Versammlangf der Graveure, Ziseleure im Dresdener«arten, Dresdener Str. 15. lagel. Ordnung» 1. vortrug des Herrn Dr Friedebera über:»Betrachtungen über Medizin und Naturlieiltundr.� 2. Diskussion. Mittwoch, den 24. November 1909, abends 0 Uhr: Versammlung"WU der Chirurgischen Branche im Nofentdaler Hof. Rosenthaler Strasie 11/12. TageS. Ordnung: 1. Vortrag de» Genossen Max G r u n w a l d:»Der ProduktlonS- nrazest des Kapitals.« S. Didlusston. 3. Verbandsangelegenheitc» und VerichiedeneS. Mittwoch, den 24. November 190», abends 8'/, Uhr: Kraucheu-versammlnng der Mahtarbeifer Kerlins u. llmgeg. tm GewertschaftShaiiS. Engeluser 15, Saal 9. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Brancheiiangclegcnheiten und Verschiedenes. Mrtalliirbtitrr-N»li!liille«dkr m mo a 60 Pf. find erschiene» und im Bnrea» und bei den Kasstcrern zu haben. vle Ortaverwaituns. Zelluloidarbeiter, Kammacher u. Stockarbeiler llittwacb. den 84. Sfoveiiiber. abends 8 Ihr, Im»«Ragllschen tiortou", AloxanderstraBe 87c: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Gefahren und ArbeitSverhällnisse der Kanin» und Zelluloldaroelier und die«lellung der Herren Unternehmer. 2. DiSlusfion. 3. BerschiedeneS. Die Herren Unternehmer find zu dieser Bersammlung eingeladen. 92/12 via leniraikommlsslen für Kamm, und Stockindustria Der Sinberuscr: Julius Hildebrändt. Nixdorf, Selchowetstr. SIN. Leukeiier Msrheiisr-Verbsud. Verwaltung LorUu. Dienstag, den 23. November, pünktlich abends 8 Uhr, General- Versammlung im„Gewerkschaftshause", Engelufer 15, Saal 4. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Ottsverwaltung. 3. Anträge. 1. Ersatzwahl eines Mitgliedes zum Hauptvorstand. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. Die OrtöVerWaltUNg, Jalousiearbeiter. Mittwoch» den 21. November» abends 8'/, Uhr, bei Boeker» Weverstr. 17: Lrsnvlien-Verssmmwng. TageSordMtNS i t. Vortrag de« Genossen Kohl« t, Bericht der Delegltrteu von der Generalversammlung. S. vranchenangelegenheiten. 93/11 Die Brancheutommissto»,* 'ofastoffe Riasenauswah! aller Qualitäten. Wolle- DncfAf Piascb-nvMB. Satteltaschen. Muster bei näherer Angabe franho. Emil Mm, onfÄ.\ll ��Brucn- Pollmann las t-nuifierjlt sein Inger in Bruch- ■*51. handagen, Leibbtnilen, Ge- racfehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel rar Kranken- pilege. Eigene Werkslatt. Ilfftvnnt lür Orts- und Hiiss-Krnnkcnkaiien ür-l-il»• xebt Ijofhringep StrnBe OO. rille Bruchbänder mit cinstiichen Pe- leltn. RNflenthm v. weich nm Körper. �eikkaus k VelezendeitekSute veickatb Gelil- !- und Sllhersschen, Brillanten etc. Seit 25 Jahren Keke Ritters« "PriiizeiistriS1 Zentral-Verband der Töpfer Deutschlands. Filiale Berlla. Tode«- Anaelgc. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Molk Brossaln genannt Weidemann (Bezirk Chnrlottenbnrg) nm t8. b. MIS. im Silier von 65 Jahren srciwillig aus dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. November. nachmittags 2 Uhr, von dem Leichenschuuhnuse, Hannoversche ZIrnge, ans nach dem Zenirnl- srieddol in FriedrichSselde, daselbst 8 Uhr. statt. Um rege BeteiNgung ersucht _ Der Ttorstanv. �Hygienische ---------- Nouoit. Kautel ■kSmpfohl.Tiel Aem« ufrot. rrat tt.fj r Bumtonalaibk Priedridutraia««SfSB SIot Sonnabenbnnchmittag t'i. 0 Uhr verstarb nach kurzem, schwe. rem Leiden die FriedhosSverwal- tersrau Vttve Inn Krause. Um stille Teilnahme killet Faniltl« John. Die Beerdigung findet am I DlenStagnaibmiUng 3'/. Uhr aus fem BcgräouiSplatz der strci. I ret�Rser�en�uche�Iait���b Tanksaguna. s?ür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen sirauz- spenden bei der Beerdigung unserer je Plötzlich versloibonen lieben Frau und Mutier, Schwester, Tante und Großmutter pautine popp sagen wir hiermit allen Vetivandten, Freiinden und Bekannten, ganz bc> sonderv dem Slrbciier- Turnverein, dem Kcsangvereiu„Weiße Ziose', dem Lotterieverein sowie dem ioziaidemo- kralischen Wahivercin herzlichen Dank. Die trsuerptieg Hinierhliehenea. Dr. Simmei Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, Z"™*, 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 3—4 Destseher Ver»aliui;B GroB-Berlin. Den Miiglicdern zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Fahrstuhl. sührer Hermann Tolksdorf am Deuuersiag, den 18. d. M. im Aller von 42 Jahren an Lungenletden gestorben ist. Ehre seinem Andenken« DI- Dienstag uachmittagz 3 Uhr, aus dem Zcnlral-Friedhos in Friedrichsjelde statt. 7119 Die Berwaltmig. IHBIWIIII— BMBH— veerdigiina findet mn g, den 23. Noveniber, SIm 20. d. Mls. verstarb nach I langem, schwerem Leiden meine inniggeliebic Frau, unsere gute Mutter Anna WaEtei* geb. Hubert im SVTfcr von 26 Jahren. Die Beerdigung sitidei heute miitags 2 Uhr von der Halle des EmmauSkirchhojcs in Britz aus Nali. L573b Der tieftrauernde Gatte nebst 5l!ndern._ Todes-Anzeige, Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber unvergeßlicher Mann und unser guter sorgsamer Bater Rudolf ßerenthin nach langem schweren Leiden im{ 35. Lebensjahre nm 19. ds. MG. verstorben ist. L2üSL! Um stille Teilnahme bitten 01» trauernden Hinterbliebenen A. Berentbin und Kinder. Die Beerdigung findet am i 23. d. M., nachmittags 3 Uhr, von j der Leichenhalle der Elisabeth- Gemeinde, Prinzenallee öS,«us siatd' Am 20. d. MiS., sriih 8-/. Uhr. ciitschiies nach langen, schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Auguste Schmidt geb. CJelüIor Im blühenden Atter von 38 Jahr-n und 6 Monaten. 2ööSb Leicht sei ihr die Erde I Um stille Teilnahme bitten Karl Schmidt und Kinder. Beerdigung: Dienstag, den 23., nachmittags 2'/, Uhr, von der Halle der Nazarethgemeinde II, ZIctnickcndors- West, Kögelsiraße, aus statt. TranerhauZ: Sprengelsir. 15. Kcwehhustcn verschwindet schneller und steckt nicht an wenn Sie folgende Maßregel an- wenden- Wt sehen Sie die Zimmer«Sali oh mit Antomora-Wasser a«l(1 Eßlöflel voU aul einen Eimer Wasser). 8e- sprengen Sie die Zimmer taglieh mehrmals mit derselbe» Lösung. Füllen Sie in die Spnoknäpfe Automora-Waaser und bssprenge» Sie die gehraueble Wäsche(haupt- sSohlich die TasohentzUeher) damit. Jede weitere Bshandlung ist b« Befolgung dieser einfaoh aueau- kühr enden Voisohrilt überflüssig! mm* Cipfetten Beste Qualitäten So wie die Palme das auf der Erde wandelnde Herr ei di überragt, fo überragt das aus ihrer Frucht gewonnene Pflanzenfett Palmin alle tierifchc Fette durch feine Reinheit und Ofitet Palmin eignet fleh gleich vorzüglich cum Kochen, Braten und Badtov |4ur unter die bängelicht I TeichäsiSauIgabe l ipott- billigl Zweilochgastocher 3,001 Gas- sparhoizösen I GaSbägewPparat I Gas- blättciseu I 2'/,. GaSbralösen 8,00 1 Wobt(liier, Walltiertbratentrabe 32. Tie Grundbegriffe der Wirt- schasislehre. Eine popuISre Niisüh. ruiig von Julian Borchardt. Preis 40 Bf- Expedition vorwärts. Linden- stratze öS.__ (feblerhaste) Gelegen. Teppiche|WWW>>W> beitsfnuf. Fabri klager Mauerboff. Große FranniiNerstraße S, Fiurein- gang. Vorwärtsiesern ö Prozent Exliarabatt. SomiiagS geöffnet_ ♦ Steppdecken billigst stabrik Große Kranksurierstraße 9, Flureingang. 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Achtulig! Kauarbritrr! Wege» Streik in Luckenwalde sind folgeiide Baute» für Ctu- jeher gesperrt! Jirtna Slcnmann: Charlotienburg. Suarez. und Peftnlozziftr.-Ecke. gevoknee. » Mindeuer Tie. Lindemann. Finna Itllll«: » Ternvurgstr. 29. » TLaitzstr. 31. SchSnlcke. Berlin. Senefetder Ter. Pähl. Firma Genoffeuschaft. Luckenwalde t THarlottenburg, Phtlipptstr. 6. Beskow Kaiser- F riedrtch-Ttraste 19, Vau Heinrieh. » Witztebeuftr. 1. 3, 33, 38. Der(«uuvarmtund. Hr. 273. 26. Jahrgang. � Dienstag, 23. November 1909. Partei- 5Zngelegenkeiten. Trcptow-Baumfchulcnweg. Infolge verspäteter Zustellung dcS Materials findet die am Tonntag ausgcfnllcne �VurwSrts"-Ver- drein ing am Mittwoch, abends 7 Uhr, von den Bczirkslokalcn in beiden Ortsteilcn statt. Der Borstand. Stralau. Donnerstag, den 2S. d. SR, abends 8 Uhr. findet in den Maikgrafeniälen, Markgrafendamm 34, eine öffentliche Volks- Versammlung statt. Tagesordnung:„Die neuen Steuern und die Stellung der Fronen dazu." Referentin Gen. Luise Iietz. Heute abend 8 Uhr HandzettelverbreiNing zu dieser Versamm- lung. Die Genossinnen werden ersucht, an dieser Arbeit teilzunehmen. Die Bezirksleitung. Karl-Zhorst. Heute Dienstag, abends 8'/z Uhr, Parteiversamm- lung im Restaurant„Zum Fürslenbad". Der Vorstand. Eichwalde, Zeuthen, Micrsdorf. Mittwoch, den 24. November. abends 8>/z Uhr. findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Ernst Liehr in Miersdorf statt. Tagesordnung: 1. Vorlesung. 2. Vcreinsangelegenheit und Verschiedenes. Parteigenossen, die im Besitze von Bibliothekbüchern des Wahlvereins sind, werden drin- gend gebeten, dieselben bis zum 24. November wegen der Revision der Bibliothek abzuliefern. Die Billels voin Stiftungsfest müssen in der Versammlung abgerechnet werden. Der Vorstand. Zossen. Am Donnerstag, den 25. November, findet unsere regelmäsjige Wahlvereinsversammlung statt. Der Vorstand. Weifirnsee. Heute, abends S'/s Uhr. findet im Albrechtshof. Parkstr. 13, eine öffentliche Versammlung statt. Genossin Lungwitz spricht über:»Die neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu'. Reinickendorf-West. Mittwoch, den 24. November, abends 8 Uhr, findet im Lokal von I. Gördes, Ecke Wald- und Eichbornstrafie, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1. Die neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu. Referentin: Genossin Lungwitz. 2. Diskussion.— Um rege Agitation besonders unter den Frauen ersucht Die Bezirksleitung. Tegel. Heute Dienstag, abends 8V2 Uhr, findet bei Julius Klippenstein, Spandauer Str. 4. die Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Mermuth über:„Die letzten Wablerfolge und unsere nächsten Aufgaben". Stellungnahme zur Kreis-GeneralversammUmg und zum Preußentag. Vereins- angelegenheiten. Die Bezirksleitung. Ncnen Hägen. Ueberfahren und getötet wurde am Sonnabend vormittag der Bahnwärter Gustav Worsig bei der Bude 18, wo er unter eine Lokomotive geriet. Der Verunglückte wurde mit der Bahn nach Berlin gebracht, starb aber schon auf dem Wege nach dem Krankenhause am Friedrichshain. berliner JVadmcbtcn* Der Totensonntag stand noch stark unter dem Einfluß des großen Schnee Unwetters vom Bußtag. Die mächtige weiße Schlafdecke, die von den Gräbern noch nicht gewichen war, und der düstere graue Himmel, durch den sich nur hin und wieder ein neu- gieriger Sonnenschein stahl, paßten so recht in die Stimmung hinein. Die Kirchhofsvenoaltungen hatten nichts getan, was mindestens verlangt werden mußte. In Friedrichsfelde auf dem städtischen Zentralfriedhof war für die Lebenden kaum das allernötigste geschehen. Es fiel berechtigt in die stille Trauer des TageS manch hartes Wort, daß im Vorderteil des Kirchhofes, wo die bezahlten Reihengräber und Wahlstätten liegen, die Hanptwege und ziemlich viele kleine Scitemvege vom Schnee gesäubert waren, während man hinten bei den Gräbern der Armut knietief im Schnee waten mußte. Und gerade hier sammelte sich doch die Mehrzahl der Trauernden. Wer nicht genau Bescheid wußte, hatte überhaupt die größte Mühe, in den schmalen, vollständig zugeschneiten Wegen zwischen den Massen- gräbern sich zum Grabe der Seinen zurechtzufinden. Man will gern zugeben, daß es nicht ganz leicht ist. nach einem so großen Schneefall auf dem gewaltigen Friedhofsgelände in kurzer Zeit Ordnung zu schaffen, aber etwas mehr Rücksicht hätte doch wohl auf die Armut und vor allem auf die Ge- sundheit der Friedhofsbesuchcr genommen werden können. Sicher haben sich Hunderte in dem hohen Schnee eine Krank- heit geholt. Der riesige Verkehr nach und von den Fried- Höfen wickelte sich im großen und ganzen glatt ab. In der siebenten Abendstunde lagen die Leichcnfelder der Weltstadt wieder öde und verlassen. Groß-Bcrlin hatte halb aus tiefem Herzensgefühl, halb aus Modegewohnheit der Pietät sein übliches Jahresopfer gebracht. Zur Stichwahl im 2. Stadtverordneteu-Wahlbczirk. Am Mittwoch, den 24. November, findet die Stichwahl zwischen dem Vertreter des Kommunal- f r e i s i n n s Hotelier L e i s und dem Kandidaten der Demokratischen Vereinigung Schriftsteller H. v. G e r l a ch statt. Die Sozialdemokratie hat bei dieser Wahl alles daran zu setzen, um den Kommunalfreisinn aus der dritten Abteilung des Stadtverordnetenkollegiums hinaus- zuwerfen. Die Stimmen der antisemitischen und konser- vativen Reaktionäre weroen dem Freisinn zu Hilfe kommen. Die sozialdemokratische Organisation für Groß- Berlin beziehungsweise der Akssonsausschuß des Verbandes der sozialdemokratischen Vereine Groß-Berlins hat deshalb einstimniig beschlossen, die sozialdemokratischen Wähler des Bezirks aufzujordern. für den Demokraten v. G e r I a ch zu stimmen. Der Kommunalfreisinn ist der Feind, der ge- schwächt und geschlagen werden muß. Er ist der Feind des gleichen, allgemeinen Wahlrechts in der Gemeinde, Gegner ernst- hafter Arbeitslosenfi'u sorge, Gegner der Einheitsschule. Gegner ausreichender Lehrerbesoldnng, Gegner durchgreifender Besserung der Lage der städtischen Arbeiter, Mitschuldiger an der grau- samen Mißhandlung von Proletarierkindern in Mielczyn. Die Demokratische Vereinigung hat bisher ehrliche bürgerlich- demokratische Politik getrieben, hat bei mehreren Wahlen, so bei der Reichstagscrsatzivahl in Koburg und bei den Landtagsersatzivahlen in Berlin zur Wahl der sozial- demokratischen Kandidaten aufgefordert. Auf dem Gebiete de' Kommunal- und Sozialpolitik werden Sozialdemo- kratie und Demokratische Vereinigung ein Stück Weges zusammengehen können, unbeschadet der grundsätzlichen Ver- schiedenheiten zwischen beiden Parteien. Wir fordern deshalb die sozialdemokratischen Wähler des 2. Bezirks �hiermit auf, am 24. November ihre Pflicht zu tun, durch Stimmabgabe und Agitation unter den gleichgültigen proletarischen Wählern das ihrige dazu beizutragen. daß der Kommunal- fretsinn aus der dritten Abteilung fliegt. Mit der„Trinkcrhcilstätte" Waldfrirdcn bei Fiirstcnivalde, zu öer auch die Stadl Berlin längere Zeil in Beziehungen stand und nianche Berliner Ortskrankenkassen noch stehen, gehl es ähnlich wie mit der Rosenowichen DienslbolenvereinS- Sinekure. Wohlfahrts- bestrebungcn auf guter Grundlage werden von einer kleinen Cligne mit geschäfllicken Privatinteressen verquickt. Diese Wohssahrtsanstalt ist von dein Verein gegen den Mischrauch geistiger Getränke für Berlin und Umgegend vor mehreren Jabren als eine Trinkerheilslätte errichtet und im Jahre 1005 als geschlossene Anstalt für Geisteskranke ausgebaut worden. Als eigenrlicher Besitzer, das heitzl als Geldgeber, einpuppt sich jedoch jetzt der bisherige Verwaltungsdirskkor Dr. Wald- scbmidt, übrigens kein Arzt, der ein so eigenartiges Regiment führt, dafi er noch mit sämtlichen ärztlichen Lehern der Anstalt in Differenzen geriet. Jnfolgedeffen ist die Sachlage jetzt derart kompliziert geworden, daß' es schwer hält, für die Anstalt über- Haupt brauchbares ärztliches Personal zu beschaffen. Die drakonische Verwaltung des Dr. Wnldschmidt machte sich auch bis in die Patientenkreise hinein so fühlbar, daß viele freiwillige Pensionäre nach kurzer Zeit den Vertrag lösten und die meisten Zwangspatienten bei ersier Gelegen heil entliefen. Das hat beim auch zum Bruch mit der Stadtgcineinde Berlin geführt. In einer dieser Tage stattgefundenen außerordentlichen Mit- gliedcrversammlnng des genannten Vereins waren die Ansichten über Dr. Wotdschmidls Geschäftsssibrung und Fiilanzierungskünste sehr geleilt. Während verschiedene Redner mit Dr. Waldschnndt scharf ins Gericht gingen, brach der Syndikus, �»stizrat Dr. Buka, für Dr. Waldschniidt eine Lanze, wohl um so für das zwischen Dr. W. und dem letzten Anstallsarzt Dr. v. Kapff schwebende Strafverfahren Stimmung zu machen. Für die Oeffenllichkeit ist von den Ans- führnngen bei dieser Versammlung am bemerkenswertesten, daß „Waldstieden" überhaupt nur noch dem Namen nach Trinkerheil st ätte, in Wirklichkeit aber eine reget- rechte„Jrrcnquetsche" im Dienste derProvinzial- Verwaltung ist. DaS Kuratorium der technischen Mittelschule beriet in seiner Sitzung vom 22. November den Etat für das Jahr 1910. Danach wird zum 1. April»eben der am 1. Oklober 1909 eingerichteten Vorllasse eine zweite Vorklaffe und die vierte Klasse eröffnet werden; zwei weitere Klassen treten am 1. Oktober 1910 in Wirtsamkeit, so- daß am Schluß des nächsten Etatsjahres in fünf Klassen Unterricht erteilt werden wird. Auch ein Verdienst. Dem Chef der Berliner Kriminalpolizei, Geheimen Oberregierungsrat Hoppe, ist ein hoher oldenburgischer Orden an die Brust geflogen. Die Verleihung soll erfolgt sein für die Vorstellung mehrerer'Polizeihundekens vor dem Großherzog von Oldenburg. In der städtische«! SäuglingSfiirsorgestelle II, Erfasser Straße 27, beginnt am 27. November ein unentgellticher Kursus der Säuglings- pflege und-Ernährung für Frauen und Mädchen. Der acht- ftündige Kursus wird Sonnabends von 6—8 Uhr nachmittag? ge- hallen werden. Schriftliche Anmeldungen sind an die Fürsorgestelle zu richten. Die Mysterien einer„Tanzschule". Die Berliner Kriminal Polizei hat gestern die Pforten einer Tanzschule geschlossen, in der, wie eS scheint, die Kunst TeipsichoreS in einer etwas merkwürdigen Weise gelehrt wurde. Vor etwa Jahresfrist kam der 32 Jahre alte, aus Graz gebürtige Schauspieler Albert Hieber von Wien nach Berlin. Er nannte sich„Kabarett-, Theater-, Konzert- und Tanz direklor M. Halma" und gründete in der Friedrichstrahe 233 ein „Institut". Hieber ließ aus der Straße an junge Mädchen Zettel verteilen, nach denen sie bei ihm zu Tanztiinstlerinnen ausgebildet werden könnten. Er sprach auch selbst die Mädchen an und verhieß thnen eine glänzende Laufbahn. Für die Ausbildung verlangte er 290 M., die in Teilen von 20— 25M. zahlbar sein sollten. Von der künstigen Gage bedang sich„Direktor Halma' ein Drittel aus. Nach dem Vertragsabschluß mit den Ehern erschienen dann die Mädchen im Alter von 11 bis 16 Jahren in dem„Tanz inslitnt'. Dieses bestand aus einem Zimmer, das nur eine Chaiselongue und einen Tisch enthielt und im Erdgeschoß des Hofgebäildcs gelegen war. Während der Unterrichtsl stunden verhängte der„Herr Direktor' die Fenster und ver stopfste die Schlüssellöcher sorgfältig mit Watte. Die Ucbiingeu in der„höheren Tanzkunst', im Schleiertanz und Handstrand führten die Schüleriimen im Badeanzug oder in Schleiern aus. Nach kurzer Zeit mußte auch das Badekostiim fallen, weil nach der Behauptung des Direktors die Schnürungen störten. Um den Schülerinnen die richtige Körperhaltung zeigen zu können, legte der Lehrmeister schließlich selbst seine Kleidung ab. Die kleinsten Schülerumen, die sich schwerfällig zeigten, suchte er mit Peitschenhieben anzufeuern. Als ieine.Uebungen' im Hause Verdacht erregten, verlegte.Halma' sein„Institut' nc der Flottwellstraße 13. von dort nach der Neuen Winterfell straße 5, und endlich nach der Friedrichstr. 123. Von dort kehrte er später an die erste Stelle zurück..Halma' wurde gestern verhaftet, nachdem eine Anfrage in Wien ergeben halte, daß er von dort wegen gleicher Vergeben geflüchtet war. Bei seiner Verhaftung erklärte„Halma', er habe nur aus Liebe zur Kunst gehandelt und schöne Körper studieren wollen. Er habe die Absicht gehabt, ein Kabarett zu gründen. In zwei Fälle» gab er zu, die Mädchen zu unsittlichen Zwecken an sich gelockt zu haben. Eine folgenschwere Benzolexplosion erfolgte gestern vormittag gegen 9 Uhr in den Maschinen« und Kortonnagenwerken. G. m. b. H., in der Reinickendorfer Straße 113. Durch die gewaltigen Stichflammen lam ein junges Mädchen ums Leben, während zwei Arbeiter nicht unerhebliche Brandwunden erlitten. Ueber das Unglück gehen uns folgende Mitteilungen zu: Die Fabrik- und Lagerräume der Maschinen- und Kartonnagenwerte, G. m. b. H., liegen in einem besonderen dreistöckigen Gebäude. In der ersten Eiage be- findet sich die L a ck i e r e r e i, in der die Explosion statt- fand. ES entwickelten sich ungewöhnlich starke Stich- flammen, die sofort den Raum in Brand setzten. Von den Arbeitern und Arbeiterinnen konnten sich die meisten durch schleunige Flucht noch in Sicherheit bringen. Nur dem Werkmeister Johann Schmidt aus der M ü l l e r st r. 175, der 16jShrigen Arbeiterin Selma Schäfer ans der Trifistr. 70 und dem Arbeiter Richard Thiele aus der Oudenarderstr. 87 wurde durch die Flamnien anfangs der Ausweg abgeschnitten. Als die Feuerwehr aus der nahen Wache in der Pankstraße anrückte, galt eS zuerst, dir gefährdeten Personen zu retten. Der Werlineister Schmidt und der Arbeiter Thiele wurden noch lebend ins Freie gebracht, Schmidt hatte ober so schwere Brandwunden davongetragen daß er sofort nach dem Vircholvkrankenhause geschafft werden mußte. Die Verletzungen des Arbeiters Thiele erwiese» sich weniger gefähr- lich, so daß er nach Anlegung von Notverbänden auf der nächsten Unfallstation nach seiner Wohnung transportiert werden konnte. Die Arbeiterin Selma Schäfer war vollständig verbrannt. ES wurden nur einzelne Leichenteile unter den Brandlrümmern ge- funden, die dem Schauhanse übergeben wurden. Das Feuer selbst konnte von der Wehr bald mit drei Schlauchleitungen ge- löscht werden. Der Vrandschaden ist nicht bedeutend, eine Betriebs- störung tritt nicht ein. lieber die Ursache der Explosion ist näheres noch nicht ermittelt. Eine weitere Meldung besagt, daß der schwer verbrannte Werk- meist« Johann Schmidt nachmittag» im Birchow-Krantenhause, trotz oller ärztlichen Bemühungen seinen schweren Verletzungen erlegen ist._ Arbciterrifiko. Am Freitag der vorigen Woche war der Klempner Paul Gitschel auf dem Dache des ASkanischen Gymnasiums in der Halleschen Straße damit beschäftigt, die Dachrinne vom Schnee zu befreien. Die Schiieemassen kamen ins Rutschen, Gitschel glitt aus und stürzte in die Tiefe. Er schlug auf einen Kellerhals auf, wo- durch ihm der Brustkorb zerschmettert wurde. Der abgestürzte Arbeiter war nach wenigen Minuten eine Leiche. Der Metallarbeitcrverband bittet um Veröffentlichung folgender Notiz: Am Sonnabend, den 20. November, sind beim Kunstabend der Nordenbezirke in den Germania-Säle» verschiedene Gegenstände gefunden worden. Abzuholen Charilöstr. 3, Zimmerstr. 1. Ferner ist in der Garderobe ein Herrenschirm vertauscht worden. Ein Portemonnaie mit etwa 17 M. Inhalt ist am Sonnabend« abend an der Kottbuser Brücke verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe abzugeben bei Frau Kulicke, Nixdorf. Einser Str. 77. Vorort- J�acbricbtcn. Lichtenberg. Resultat der Stadwrrordnetenwahl in d« dritten Abteilung. Bei der gestern vorgenommenen Wahl brachte eS der Schnapsblock auf annähernd so viele Stimmen, als er Schlepper auf den Beinen hatte. Hier das Ergebnis: Es erhielten Stimmen die Sozialdemokratie vaiss- s/n'ppe Schnn"sblock 1907'1909 t. Dezirl 3. 7.„ 8.., 10.„ 1907 303 824 324 213 246 1909 385 304 313 224 239 33 25 27 65 84 10 4 21 64 25 Die Etabliernng eines Schnapsblocks hat der Vorsckmßbank- gnippe nichts genützt, die Aktien sinken im Kurse. Der Terror gegen die Beamten, die nian zur Wahl kommandierte, konnte kein Mandat kür den Schnapsblock holen. Gewählt sind unsere Genoffen Düwell, Seikel, Kertzscher. Stöber und R ö ö l e r. Heute nachmittag von 3— k Uhr finden die Wahlen für die zweite Abteilung statt. Auch heute. Parteigenossen, tue jeder seine Pflicht. Die arbeitslosen Genossen werden ersucht, sich heute früh 10 Uhr im Zentralwahllokal bei Schulz. Kronprinzenstr. 47, einzufinden. Lotterwirtschaft. Die Konstatierung der Tatsache, daß die jetzige RathauSmehrheit und ebenso die Mehrheit der alten Gemeinde« vertrelung in Wahrnehmung der Interessen der Grundstücks- spekulanten die Finanzen der Stadt in heillose Verwirrung gebracht haben, nennt ein„Der bürgerliche Wahlausschuß" unterzeichnetes Fstlgblatt den Gipfelpunkt der Unverfrorenheit. Als in der Sitzung der Gemeindevertretung vom 9. Januar 1908 bei Vorlegung der Jahresrechnung pro 1906 unsere Genossen auf daS Verderbliche dieser Wiriichaft hinwiesen und vor dem Zusammenbruch dieser Finanzpolitik warnten, bemerkte der Stadtverordnetenvorstehcr Herr Plonz:.DaS Bestreben ist dahin gegangen, möglichst hohe Gewinne aus den städtischen Betrieben herauszuziehen, um den Einkommensteuerzuschlag niedrig zu halten; dabei ist man zweifellos zu weit gegangen und müßte es bei der nächsten Eiatberatung besser gemacht werden." Und Herr Plonz stimmte mit den Sozialdemo» traten auf Vertagung der Decharge und gründliche Prüfung, die aber abgelehnt lmtrde. Bei der nächsten Etalberatung waren alle guten Vorsätze vergessen. Der Sollübcrschuß aus den städtischen Werken, der 1906 mit 220000, 1907 mit 295 000 M. eingestellt war, wurde aus 360 000 bei einem Einkommensteuersvll von 480 000 M. 1909 auf 400000 bei einem Einlommensteuerioll von 510 000 SR. erhöht, bei gleichzeitiger Entnahme von 73 000 M. aus dem Aus- gleichfondS. Die Anträge der sozialdemokralsschen Vertretung auf erhöhte Abschreibung, die in der Wcrksdeputation Annahme ge- funden hatte, wurde aus Vorschlag des Magistrats abgelehnt. Herr Schachtel meinte, man dürfe doch nicht allzusehr für die Nach» kommen sorgen! Herr Bleckmann rief:„Sollen denn unsere Nach« kommen im Golde schwimmen?' Beim Gaswerk sind bei einem Anlagekapital von 3 1 52 603 in 17 Jahren 236 305 oder pro Jahr 0.44 Proz. abgeschrieben. Beim Wasserwerk sind aus ein KapilaI von 3 604 984 in 8 Jahren 3.8 Proz., 138 133 SR. oder 0,47 pro Jahr Abschreibungen gemacht worden, während die Ostvororte auf die in ihrer Gemeinde liegenden Zuleitungsröhren 1'/, bis 2 Prozent Abschreibungen sowohl bei Gas als Wasser laut Verlrag verlangen. Bei der Vorlegung der Bilanz von 1907 forderten unsere Vertreter in der Werksdcputalion entschieden gründliche Piüfung. Es wurde eine dreigliedrige Re- visioilSkommission gewählt, die einen kaufmännischen Sachverständigen zuzog und mit Vielem die Bücher prüfte. Da bei der Unordnung der Bücher eine sichere Nachprüfung ausgeschlossen war, wurde die Revision abgebrochen und durch Beschluß der Deputation eine voll» ständige Neutaxierung der Werke und eine vollständige Neueinrichtung der Bücher vorgenommen. Aus dem Bericht des kaufmännischen Sachverständigen sei folgendes wiedergegeben: Es wurde festgestellt, daß im Jahre 1905 21 913.92 M. vergessen worden sind, vom Manual nach dem Hauptbuch zu übernehmen. Da diese Summe die Nohrnetzkonten der Vorortaeineinden betraf, so hätte bei einer eventuellen Uebernahme der Gemeinde die Stadt Lichtenberg diesen Betrag eingebüßt. Ebenso weitere 22 860.03 M., welche auf Gasferndruckleitnitg standen, aber für die vorbezeich- neien Rohrnetze verausgabt waren. Desgleichen sind bei den Konten Biesdorf, KaulSdorf, Mahlsdorf, Marzahn 15 359,43 M. im Jahre 1905 vergessen worden. Bei einem eveuluellen Verkauf würde Lichtenberg diese Summe verloren haben. Die Bücher waren nicht sorgfältig kollationiert worden, das geht a»s folgenden Buchungen hervor: Untenn 3t. Januar 1903 ist beim Wasserwerk für 1442.84 M. im Kassabuch das Jilstallatioiiskoiito. im Journal daS General« unkostenkonlo und im Hauptbuch das Maschinen- und Apparate« konto erkannt worden. Also der gleiche Betrag ist ans drei verschiedene Konten gekommen. Ultimo März 1903 ist beim ElektrizilälSwert ein Memorial des Gasmotoren» sauggaSaiitage- und Apparatekontos für 38t 693.70 Mark belastet und daS Maschinen- und Apparatekonto für diesen Betrag erkannt worden. Im Journal sind die beide» Konten aber nur für 359 670.73. also für 22 123.06 weniger belastet resp. erkannt worden. Die Taxierung der Werke ergab eine Differenz zwischen Tax- unv Buchwert von— 381 041,93 beim Gaswerk und— 432 913 beim Wasserwerk, die laut Beschluß der Wertdeputation i» fünf Jahren durch reichliche Abschreibungen gedeckt werden sollen. Beim Elektrizitätswerk— 252 685,14 SR., wovon allerdings der größte Teil durch den fahrlässigen Bau der Anlage uerschnldet ist. wodurch Aepara« turen von zirka 135 000 M. sich erforderlich gemacht haben. So spricht der vereidete Sachverständige. Ohne das Ein» greifen der Sozialdemokratie würde die Lotterwirtschaft noch weiter gehen. Sett Jahren sind die Löhne der städtischen Arbeiter nicht erhöht worden trotz d» gestiegenen Preise für Lebensmittel und oller Gebrauchsartikel. Trotzdem behauptet man imm«: die hohen LS«-»« der städtischen Arbeiter stnd schuld, wenn die Werls finanziell so! werden. Diese Ansicht bertrat Genofie Hildebrandt bei der schlecht stehen. Lassen wir de» Taxator der Gaswerke, Ingenieur i Beratung, welcher sich auch die nachfolgenden bilrgerlichcn Redner Willens, sprechen. Auf Seite 2n seines Berichts über das Gaswerk' anschlössen. Der Vertrag wurde zur Vorberatuug der Doppel- filhrt er folgendes aus: Die außerordentliche Vermehrung der Gehälter für die Verwaltungsbeamten beträgt von einem Jahre zum andern 3-t Prozent und ist nicht nur an sich auf- fällig, sondern auch inr Vergleich zu anderen Gaswerken gleicher Gröge. Die Vergrößerung der Gasabgabe hat diese starke Ver- mehrung nicht verursacht, da hier stets die auf den einzelnen Kubik- meter Abgabe reduzierten Kosten in Betracht kommen. Es müßte deshalb an dieser Stelle versucht werden, durch andere Organisation die Kosteir zu verringern. Es wurden ausgegeben 1906 pro Kubik- meter Gas Beamtengehälter 0.7 l Pf., 1907 0,83 Pf., bei einem ebenso großen Gaswerk aber nur 0,30 Pf. pro Kubikmeter erzeugten Gases. An Arbeiterlöhnen wurden gezahlt pro Kubikmeter Gas 1906 1.48, 1907 1,53 gegen 1,90 bei einer ebenso großen Gasanstalt. Vom Jahre 1907 auf 1909 sind die Beamtengehälter durch die gegen den Widerspruch der Sozialdemokraten übernommenen Polizeibeamten Lichtenbergs gestiegen von 41 740 M. auf 56 968,72 oder von einem Jahr zum andern um 36 Proz., während die Löhne der Arbeiter gestiegen sind von 75 964,43 auf nur 82 703.40 Bc. oder um 10 Proz. pro Jahr entsprechend der Steigerung der Gasprodukiion. Charloltenvurg. Elternverein für freie Erziehung Ehorlottenburg. Unser erster Spielnachniittag findet am Mittwoch, den 24. d. M., nachmittags 3 Uhr, im Volkshausc, Rosinenstr. 3, statt. Wir bitten um zahl rciascn Besuch- Schöneberg. In der lebten Versammlung der Olewerkschaftskommission be« richtete Genosse Däumig zunächst über die in Aussicht genommenen Notstandsarbciten. Nach den Auskünften bei der Hoch- und Tief baudeputation wird etwa für 22 000 Arbeitstage und 200 Arbeits lose Arbeitsgelegenheit bei der Anlegung des Stadtparkes, der Aw legung neuer Straßen, der Abschachtung des Rathausplatzes vor Händen sein. Auch sollen diejenigen Arbeiter, die im Laufe des Jahres bei der Stadt beschäftigt sind, nicht wie dies im vorigen Jahre der Fall ivar, entlassen werden. Die Arbeiten, die in Aus ficht genommen sind, stellen Notstandsarbeiten im eigentlichen Sinne nicht dar, es sind alles vielmehr Arbeiten, die von der Stadt so wieso in kürzerer Zeit ausgeführt werden müßten. ES zeigt sich hier wieder der Geist unserer Liberalen, daß für diese Arbeiten nicht der tarifmäßige Lohn gezahlt werden soll, sondern daß trs des Einspruches unserer Genossen der Stundenlohn auf 40 Ps heruntergedrückt wurde. Des weiteren wurde mitgeteilt, daß unser Antrag, eine kommunale Arbcitswsc.nunterstützung einzuführen angenommen sei. Ter Unterstützung soll daS Straßburger System zugrunde gelegt werden. Genosse Däumig. Eifenacher Straße 40 ersucht die Genossen, daß alle Delegierten ihm von ihren Gewerf schaftcn sofort die Satzungen zusenden mögen. Diese werden zur Jnfonnation gebraucht. tierauf gab Geiwsse Henkel einen Bericht über die Tätigkeit rbeitsnachweiskuratoriums. Der beim Arbeitsnachweis von unseren Genossen eingebrachte Antrag, daß mindestens die Hälfte aller von der Stadt beschäftigten Arbeiter vom Arbeitsnachlveis zu nehmen seien, ist im Kuratorium angenommen worden. ES ist strengstens darauf zu dringen, daß möglichst alle Arbeiter vom städtischen Arbeitsnachlveis zu entnehmen sind und zwar auch für die von der Stadt durch Unternehmer ausgeführten Arbeiten. Aus dem Bericht des Genossen Henkel ist noch besonders hervorzuheben daß beabsichtigt ist. in Schöneberg eine Schreibstube einzurichten, welche dem gemeinnützigen Verein für Wohlfahrtspflege übertragen werden soll. Es ist abzuwarten, welche Erfahrungen mit dieser Schreibstube gemacht werden. 5luf alle Fälle mirß aber darauf gehalten werden, daß den Arbeitslosen, welche hier mit Schreibi arbeiten beschäftigt werden, möglichst ihr voller Verdienst aus gezahlt wird, und daß nicht die Stadt oder der gemeinnützige Verein aus dem kärglichen Lohn dieser Arbeitslosen, wie dies in Char. lottenburg geschehen ist. noch Verdienst herauswirtschaften. Henkel wies dann auf die am 22. Januar stattfindende Gewerbegerichtfr mahl hin. ersuchte die Delegierten, in ihren Gewerkschaften hierzu baldigst Stellung zu nehmen und ihm die Adressen der Kandidaten bis spätestens zum 11. Dezember einzusenden. Mitte Dezember wird dann eine gemeinsame Sitzung des Kartells mit den bis- herigen Beisitzern und den Kandidaten stattfinden. Außerdem wurden verschiedene innere Angelegenheiten des Kartells erledigt. In der Sitzung fehlten die Vertreter der Gärtner und städtischen Arbeiter. Der Versuch» die Unterhaltungsabcndr in städnscher Regie ans zuführen, dürfte als gelungen betrachtet werden. Der Besuch am Sonntag in der Aula der Hohenzollernschule, wo das Andenken des Dichter? Schiller gefeiert wurde, bewies, daß auch in Arbeiterkreisen ein lebhaftes Interesse für derartige Arrangements vorhanden ist. Der nächste Abend soll dem Komponisten Richard Wagner gewidmet sein. Zu wünschen wäre, daß die sogenannten reservierten Plätze beseitigt würden. Daß an solchen Abenden noch der Klassenunter« schied in die Erscheinung tritt, kann nur störend wirken. Wilmersdorf. Die Frage, von welchen Personen die vier bekannten Stadtrats ämter bekleidet werden sollen, hat unter den Stadtverordneten Aus einanderietzungen hervorgerufen, daß der besonders gekränkte Stadt- verordnelenvorsteher Dr. Beckmann, wie wir bereits mitteilten, nicht allein sein Vorsteheramt, sondern auch das Stadtverordnetenmaudat niederzulegen gedroht hat. Diese Absicht hat er in der Tat aus- geführt. Er hat angezeigt, daß er jetzt aus der Stadtverordnetenversammlung ausscheiden will. Friedenau. In der lebten Mitglieberversammluitg des WahlvereinS refe- rierte die Genossin Fahrenwald über„Die Forderungen der Sozial» demokratie und wie stellen sich die Frauen dazu". In ihrem aus- gezeichneten Referat führte Genossin Fahrenwald den Genossen und Genossinnen unsere berechtigten Forderungen aufs neue vor Augen. Weiter wurden die Genossen durch die Referentin noch- malS besonder» auf den Spielwarenverkauf im Gewerkschafts. Haus hingewiesen; auch beteiligte sich Genossin Fahrenwald in der Diskussion betreffend die neu eingerichteten Frauenleseabende. Sie erklärte den Zweck und den besonderen Wert der Leseabende und aab an dem bisherigen schlechten Besuch der Lescabende und aller Veranstaltungen des WahlvereinS durch die Frauen einen großen Teil Schuld den eigenen Genossen. In die Kreisvorstandssitzung und die Kreisgeneralversammlung wurden von der Versammlung auf Vorschlag des Vorsitzenden gemäß dem Wunsche d