Pr.*74» Bbonnments-Bedlngtingen: Nbomwmenls- Preis pränumerantoi Viertcljnbrl. SM Ml, monatl. l.lv Ml, wöchentlich LS Pfg. frei ins Haus. Einzelne Rümmer S Pfg. Sonntags- nunimcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" lo Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- PrerSiiile. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland i! Marl pro Monat. Poftabonnenients »eynien an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luremburg, Portugal, Rlmiöiiten, Schweden und die Schweiz, SS. Jahrg. Criitdnt täglich außer mratatt. Derlinev Volksblatt. VIe InserNonz-Stdittl? veirZgt für die sechsgespaltene Koloneb- geile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerlschastlichc Vereins- Und Versanimlungs-Anzeigen SO Pfg. „Illelne Hnieigen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg.. jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfq. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse! „Sozialilemoltrat Rsrlio1*. Zentralorgan der rozialdcmokratifcben Partei Deutfchlands. Eia Redahttom 8CQ. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1083. Mittwoch, den*4. November 1909. Expedition: 8M. 68, Llndcnstrasae 6z» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Die MufiOD als folitik. Paris, 20. November.(Eig. Ber.) So groß der augenblickliche Wirrwarr der französischen Parlamentspolitik ist. ein einziges Wort gibt den Schlüssel zu seiner Auflösung: die Wahlen. Die Wahlspekulation er- klärt die oppositionellen Anläufe und die regierungsfioininen Rückzüge der Radikalen, die demagogischen Winkelzüge der reaktionären Opposition, die Drehungen der Regierung. Das parlamentarische Turnier der letzten Woche ist nach einer dramatisch zugespitzten Eröffnung ausgegangen wie das Hornberger Schießen und sein einziges Ergebnis ist die Bestätigung, daß zwischen dem Ministerium und der Mehrheit iaimerhin soweit ein Einvernehmen besteht, daß eine Krise vor den Wahlen vermieden werden soll. Dieses Einvernehmen hat Briand allerdings damit er kaufen müssen, daß er die entscheidensten Punkte seiner E»t würfe preisgab und seine politische Taktik auf improvisierte Angenblicksnianöver beschränkte. Das Budget brachte er in ruhigeres Fahnvasser, nachdem er vorher einen großen Teil der Ladung über Bord geivorfen hatte. Es war freilich eine schwere Znmutunaan die Majoritätsdevutierten, unmittelbar vor den Wahlen 200 Millionen neuer Steuern— und davon mehr als zwei Drittel an indirekten Steuern auf Alkohol und Tabak— zu bewilligen. Auch das Argument, daß es sick einerseits um„patriotische" Zivecke— worunter natürlich bei Militarismus verstanden war— andererseits um die Be streitnng der Kosten der noch lange nicht gesicherten. im Senat in einer chaotischen Flut von Entwürfen und Abänderungsvorschlägen umhertreibenden Altersversicherung handele. versprach wenig Zugkraft vor den Wählern. Bei den kleinbürgerlichen Alkoholverschleißern, einer überaus einflußreichen Wählergruppe, hört der Patriotismus beim Zahlen aus und die nationalistische Demagogie ging mit Erfolg daran, diese Armee zu mobilisieren. Und bei der Aufforderung, den Staatsbeitrag zur Altersversicherung aus indirekten Steuern, also zumeist aus der Tasche der Versicherten selbst zu bestreiten, lag der Humbug klar zutage. So mußte sich die Regierung entschließen. um die von der Rechten beantragte Enbloc-Ablehnung der neuen Steuern vor dem Eintritt in die Spezialdebatte über das Budget zu verhindern, stillschweigend ihre Steuervorschläge preiszugeben und nur auf ihrer Beratung im einzelnen zu bestehen. Nun bleibt freilich das Defizit, und wenn man sich auch in diesem Jahr durch Ausgabe von kurzfristigen Schatzscheincn behelfen mag. so muß es hinterher doch wieder auftauchen und mit ihr das Dilemma: Ein- schneidende Verringerung des einzig eincr solchen Ein- schräukung fähigen Heeres- und Marinebudgets oder Eröffnung neuer Geldquellen für den Staat. DerFinanzminister Cochery hat in einer von den Manchesterliberalen des Hauses mit Ent rüstung und Schrecken aufgenommenen Rede die ernstliche Prüfung der von den Sozialisten gemachten Vorschläge des Alkoholmonopols und der Verstaatlichung der Versichernngs Unternehmungen zugesagt. Daß der aus dem gemäßigten Flügel der republikanischen Partei hervorgegangene Staats mann solche Mittel ins Auge faßt, beweist wohl weniger ein theoretisches Fortschreiten der Bourgeoisie, als die Ratlosigkeit, in die' der kapitalistische Staat durch seine eigene Politik ge- raten ist.> Zum Rückzug aber blies Briand eine schmetternde Fanfare gegen den Klerikalisnins. Die Hetze der Bischöfe gegen die weltliche Schule, die hie und da schon zur Verweigexung der Schuldisziplin, zur Verbrennung der mit dem pfäffischen Verbot belegten Lehrbücher und zu Schttlerstreiks gefühlt hat, die mit viel Lärm anhebende Wahlagitation der Bischöfe und eben jetzt die wütende Kapnzinerpredigt. die Pius X. vor den französischen Pilgern gehalten hat, boten ihm eine gute Gelegen- heit, für seine von den radikalen Niir-Freide»kern oft mit Verdruß bemerkte Neigung, den Konflikt mit dem Klerikalis- mus nicht zum gewalttätigen Kulturkampf zu verschärfen. Buße zu tun. Wie er sich die angedrohten Repressalien gegen die Schüler der klerikalen Privatschulen vorstellt, ist aller- dings nicht klar. An die Einführung des staatlichen Unter- richtsmonopols zu denken. erlaubt schon die Finanzlage der Republik nicht. Aber schließlich kam es bei dieser mitten in einer Budgetdebatte unternommenen Diversion mehr auf den politischen Akzent als auf die politische Logik an. Die Radikalen bekamen die Möglichkeit, für die Regierung zu stimmen, ohne sich zu den neuen Steuern zu bekennen. Die reaktionäre Opposition, die ihre Schlachtstellung umgangen sah, rückte ab und so wäre mit der von der Regierung ge- forderten einfachen Tagesordnung die ganze Situation zwei- deutig geblieben. hätte nicht Genosse Compsre- Morel die vom Nationalisten Lasies zurückgezogene Jnter- pellation aufgenommen, um die von der sozialistischen Fraktion beschlossene Erklärung verlesen zu können. Sie verwirft jede neue Besteuerung von Alkohol und Tabak und stimmt der vorgeschlagenen Mehrbesteuerung von Erbschaften und Schenkungen nur in dem Maße zu, als ihr Erträgnis für die Alters- und Jnvaliditätsversichernng der Arbeiter und Bauern verwendet werde. Gleich weit entfernt von reaktionärer Demagogie und radikaler Couloir-Jntrige tönt die Stimme deL Sozialismus klar und bestimmt durch den wirren Lärm der im Kreis herumgeführten bürgerlichen Politik. Geprüft und richtig befunden! Nach achttägigem Schweigen hat sich der Z e n t r a l v e r b a n d deutscher Industrieller zu dem unvermeidlichen Ge» ständnis bequemt, daß unsere Mitteilungen aus seinen Ausschuß- Verhandlungen vom 15. Oktober, die mittlerweile das größte Auf- sehen erregten, bis auf das Tippelchen auf dem i richtig gewesen sind. Da ein Rechtfertigungsversuch nach Lage des Sachverhalts doch recht aussichtslos wäre, versucht es der Zentralverband mit einem etwas täppischen Ablenkungsmanöver, indem er nämlich unserer Enthüllung die Gegencnthüllung entgegensetzt, daß diese Enthüllung— keine sei. Im Gegenteil habe der Zentralverband, so wird in der„Post" mit humoristisch sein sollender Breite aus- geführt, alle erdenklichen Anstrengungen unternommen, um das Protokoll vom 15. Oktober in die Oeffentlichkeit zu bringen. Er habe es an eine ganze Reihe von Redaktionen versandt, ja es sogar öffentlich zum Verkauf angeboten, alles sei aber vergeblich ge- blieben, bis der„Vorwärts" kam und die Sache in die Hand nahm. Damit habe der„Vorwärts", so heißt es wörtlich weiter,„dem Zentralverband einen guten Dienst geleistet", allerdings soll das, wie hinzugefügt wird,„unfreiwillig" geschehen sein. Wir meinen, der Zentralverband unterschätzt unsere Gutmütigkeit doch ganz bedeutend. Den'„Dienst", den wir ihm durch die Veröffent- lichung des Protokolls geleistet haben, haben wir nicht nur frei- willig, sondern sogar mit Vergnügen getan, und wenn wir dem Zentralverband in der bisherigen Weise auch künftig weiterhelfen können, soll es gewiß recht gerne geschehen. Dann heißt es in der Erklärung wörtlich weiter: „Denn nun sah sich das Gros der bürgerlichen Presse der- anlaßt, der Sache etwas nähere Aufmerksamkeit zu schenken, weil der„Vorwärts" wieder einmal in der Lage gewesen sein sollte, „geheime" Mitteilungen oder Schriftstücke zu publizieren! Das wurde in der Presse, auch in großen und angesehenen Blättern, von ganz vereinzelten, rühmlichen ZluSnahmen abgesehen, weiterverbreitet. Tatsächlich hat hier das sozial- demokratische Zentralorgan, bevor es kritisierte, sich und seine Leser erst gebührend, aus den der breitesten Oeffentlichkeit zu- gänglichen Mitteln, über die Sachlage informiert. Zahlreiche bürgerliche Zeitungen aber, die regelmäßig und gern gegen den sogenannten„Scharfmachcrverband" losziehen, geben sich gar nicht die Mühe, dessen ihnen kostenlos ins Haus gesandte Publi- kationen auch nur eines BlickeS zu würdigen! Vielleicht nimmt aus dem vorliegenden Fall doch eins oder das andere Preßorgan Anlaß, künftig wie der„Vorwärts" die Tätigkeit des Zentral- Verbandes vor einer Kritik etwas genauer anzusehen." Wir geben gern zu, daß wir der bürgerlichen Presse durch unsere Art. die Tätigkeit des Zentralverbandes sachlich zu wür- digcn, als Muster und Vorbild dienen können, als welches uns der Zentralverband selbst in einer merkwürdigen Sultanslaune seiner darob wohl höchlichst verwunderten Schreiberschar vorstellt. Aber wir müssen jene bürgerlichen Redaktionen, die so glücklich waren, das bewußte Protokoll„kostenlos zugesandt" zu erhalten. doch gegen den Vorwurf in Schutz nehmen, als ob sie eine Ange- legenheit des Zcntcalverbandes mit Bewußtsein sträflich vernach- lässigt hätten. Denn ihrem Scharfblick dürfte es kaum entgangen sein, daß es an einer Stelle dieses Protokolls heißt: „Wie die Sachen liegen, ist bei der größten Diskretion, die ich ja natürlich hier unter uns voraussetze, doch keine Möglichkeit, so etwas(nämlich den ursprünglich geplanten, dann aber auf- gegebenen Ausschluß des Zentrums) der Oeffentlichkeit vorzu- enthalten. Es wird in irgend einer Weise doch bekannt." Als die Sache dann am Dienstag voriger Woche, wie der Ge- Heime Oberfinanzrat Müller richtig vorausgesehen hatte,„in irgend einer Weise doch bekannt" wurde, waren sofort einige Blätter, die es mit dem Zentralverbande sehr gut meinen, dabei, sich über einen angeblich verübten„V e r t r a u e n s b r u ch" sittlich zu entrüsten. Vielleicht wird noch einmal auf irgend eine Weise bekannt, ob nicht etwa auch dieser Entrüstungsausbruch über hohem Auftrag erfolgte. Merkwürdig ist es ja auf alle Fälle, daß der Zentralverband auf einmal wieder die leider gar nicht seltenen Blätter, die unsere Mit- teilungen einfach totschwiegen, als„rühmliche Ausnahmen" feiert, und noch merkwürdiger, daß die stumingehorsame„Post" nicht nur vor den Veröffentlichungen des„Vorwärts", sondern auch nach ihnen, mit keinem Wort von dem Protokoll Notiz genommen hat, das in die Oeffentlichkeit zu bringen, wenn man ihn jetzt hört, höchster Herzenswunsch des Zentralverbandes gewesen sein soll. Die Sehnsucht, so rasch wie möglich auf den Pranger zu kommen, scheint demnach nicht immer so brennend gewesen zu sein, wie der Zentral- verband jetzt die Welt glauben machen will. Indes kommt ein gutes Wort nicht zu spät, und wir nehmen darum auch mit Befriedigung Akt von der Erklärung des Zentral- Verbandes, aus der hervorgeht, daß erstens unsere den Zen- tralverband aufs schwerste kompromittierenden ngaben richtig sind, und daß zweitens unsere Veröffent- lichung auf keinerlei Vertrauensbruch zurückzuführen ist. Diejenigen Blätter, die aus übertriebenem Zweifel an der Zu- verlässigkeit unserer Mitteilungen und der Reinheit unserer Quellen, bisher mit ihrem Urteil zurückgehalten haben, haben jetzt keinen Grund mehr zu schweigen.. Das geprüfte und richtig befundene Scharfmacherprotokoll ist nun erst recht zur öffentlichen Debatte gestellt. Auch die natio- nalliberale und die freisinnige Presse wird sich mit größter Deutlichkeit darüber aussprechen müssen, wie sich die ihr nahestehenden Parteiorganisationen zu den Korruptions- versuchen des Juliusturms zu verhalten gedenken. Es ist gar seltsam zu sehen, wie unglücklich der Zentralverband der Scharfmacher, der so behend hinter den Kulissen zu agieren weiß, allemal doch in Jemen öffentlichen Erklärungen ist! Man muß angesichts solchen Wechselspiels der Erscheinungen immer an eine gewisse Art von Tieren denken, die Brehm ungefähr so be- schreibt:„Auf ihren nächtlichen Raubzügen entwickeln sie eine ans Unheimliche grenzende List und Beweglichkeit. Den Tag jedoch verbringen sie meist in ihren' Höhlen. Sie sind dann, wenn sie ein Zufall ans Licht zieht, geradezu grotesk in ihrer Unbe- holfenheit und gegen ihre Feinde fast wehrlos." cmidsberg-So'din. Die Junker haben gesiegt— mit Hilfe liberaler Stimmen. Aber wenig hat gefehlt und der überwiegend ländliche Kreis iväre der Sozialdemokratie zugefallen. Sie hat gegen die Hanpiivahl rund 3000 Stimmen gewonnen. Da die Zahl der abgegebenen Stimmen ziemlich stationär geblieben ist, so müssen also nicht wenige freisinnige Wähler für den sozial- demokratischen Kandidaten gestimmt haben. Die freisinnige Parteileitung des Wahlkreises hatte ihnen die Abstimmung in der Stichwahl freigegeben. Es ist ein bemerkenswertes Zeichen der Zeit, daß unier diesen Umständen eine erhebliche Zahl frei- sinniger Wähler sich für den Sozialdemokraten entschied. Allerdings genügte bei dem Vorsprung der Konservativen, daß ein anderer kleinerer Teil der Freisinnigen und der Nationalliberalen alter schlechter Tradition treu sich auf die Seite der Agrarier schlugen, um diesen den Sieg zu sichern. Der Liberalismus hat so wieder eine Gelegenheit, die Junkerpartei zu schwächen, ungenützt vorübergehen lassen. Das„Berliner Tageblatt" und die„Berliner Volks- Zeitung" bedauern das. Das erstere sagt den liberalen Parteileitungen, daß die Flut, zu der die Finanzrcform des schwarz-blanen Blocks den Anstoß gegeben hat, weit entfernt ist abzuflauen, daß ihre Wogen schon in die Fluren Ostelbiens einbrechen, und daß sie die liberale Führung verschlingen wird, wenn diese nicht bald erkennt, was die Gegenwart vom Liberalismus erwartet. Und die„Bcrl. Volks-Ztg." beniertt: „Jedenfalls ist, wenn man die Lehren der gestrigen Stichwahl beherzigt, Aussicht vorhanden, daß den.Konservativen etwa ein Dutzend Mandate in Ostelbien abgenommen werden können, wenn die Freisinnigen von dem Notkoller mehr und mehr genesen, der ihnen von den Ber- liner Mugdanesen eingeimpft worden ist. Die frei- sinnigen Wähler in Ostelbien haben es also auch dort, wo sie keine Aussicht haben, in die Stichwahl zu gelangen, in der Hand, dem konservativen Agrariertnm eine empfindliche Schlappe zu versetzen, indem sie dem Sozialdemokraten in der Stichwahl zum Siege verhelfen." Die übrige freisinnige und liberale Presse ist indes weit davon entfernt, solche Lehren in dem Ausfall der Stichwahl zu erkennen. Die Vossin nimmt den agrarischen Sieg als ganz selbstverständlich hin. Das einzige Mittel, ihn zu verhindern, wäre nach ihrer Ansicht gewesen, den Freisinn in die Stichwahl zu bringen— dann hätte die Sozial- demokratie ihn gegen die Konservativen herauspauken müssen. Die Unterstützung durch die Sozialdemokratie wird ungeniert in Anspruch genommen von dem Blatte, das nichts daran zu tadeln hat, daß die freisinnige Parteileitting es nicht zu der klaren Stichwahlparole: Gegen die Junker! bringen konnte.— Die„Freisinnige Zeitung" hat überhaupt keine Meinung zur Sache. Uebrigens zeigt das Wahlresultat, daß der Konservative seinen Sieg lediglich den Wählern auf dem platten Lande verdankt, an die die Sozialdemokratie— infolge der systematischen Saalabtreibnng— nur in beschränttem Maße heran- kommen konnte. Das lehrt die Detaillierung des Stimmen- ergebnisses. In der Stichwahl erhielten: Hottichke(kons.) Paetzel(Soz.) im KrciS Soldin... 5112 2341 in der Stadl Ltmdsberg 1166 4976 im Kreis Landsberg. 6028 3436 12396 11253 Die Mehrheit für den Konservativen stammt also aliS den beiden Kreisen Soldin und Landsberg. Wie in diesen ländlichen Gebieten die Junker mit der Peitsche die Wähler beeinflußt haben, davon gibt unsere gestrige Beröffentlichung „Landarbeiterlos im Kreise Soldin" ein Beispiel. Aber auch das Zuckerbrot hat nicht gefehlt. Auf dem Rittergut Born- hosen wurden am Tage vor der Wahl, wie aus einem uns zur Verfügung gestellten Privatbries hervorgeht, allerlei lieb- liche Mittel angewendet, um die Wähler dem konservativen Kandidaten geneigt zu machen. Es gab Freibier und Zigarren, soviel jeder nur wollte. Bornhofen wird nicht vereinzelt dastehen, ebensowenig wie der schneidige Herr v. Boltenstern. Daß solche Mitielchen aber selbst in den finstersten Winkeln den Rückgang der konservativen Herrlichkeit nicht aufzuhalten vermögen, hat das Resultat der Wahl trotz des Sieges der Konservativen deutlich bewiesen. Die Sozial- demokratie darf mit dem Erfolg ihrer Arbeit in diesem ost- elbischen Kreise einigermaßen zufrieden sein. Er wird sie zur eifrigen Weiterarbeit anspornen und ermutigen. Ifeederltapital und Gelftesproletariat.. Die Aufmerksamkeit der seemännischen Arbeiter und An« gestellten Hamburgs wird gegenwärtig auf gewisse Vorgänge fm lenft, dle zugleich zeigen, wie durch die großkapitalistische Ent» Wickelung auch hier sich immer klarer eine Proletarisierung der Kopfarbeiter vollzieht. Ueberall in der großindustriellen Zlngestelltenbewegung spielt die Schulfrage eine bedeutsame Rolle. Der Unternehmer braucht Techniker, die für ihren Beruf besonders ausgebildet werden müssen. Maschineningenieure. Elektrotechniker, Schiffbauingenieure müssen technische Hoch- und Fachschulen besuchen. Steiger haben sich auf Bergschulen ihre für ihren Beruf notwendige Vorbildung zu verschaffen, und die Steuerleute und Maschinisten der Handels- marine müssen auf Seemannsschulen erst ihre Examina ablegen. Immer aber hat das Unternehmertum ein Interesse daran gehabt, diesen Schulbetrieb soweit als möglich auszudehnen, die Gründung neuer technischer Lehranstalten zu unterstützen. Je größer die Zahl der Zöglinge wird, die alljährlich die technischen Schulen verlassen, desto großer auch hier die industrielle Reserve- a r m e e. die sich dem Unternehmer zu jedem Preise an- bieten mutz. Ganz besonders in Zeiten der Krise macht sich dies Ueberangebot von Arbeitskräften fühlbar, und die Angestellten- verbände sind wohl oder übel gezwungen, diese von Arbeitgeber- interesien diktierte Schulpolitik in ihren Wirkungen zu kenn- zeichnen und zu bekämpfen. In der Schiffahrt sind diese Erscheinungen ebenfalls klar zu- tage getreten. Das allmächtige Reederkapital, das an sozialer Rückständigkeit dem Grubenkapital nicht viel nachsteht, hat es trefflich verstanden, alle freien Organisationsbestrebungen der Angestellten niederzuhalten. Gegenwärtig läuft nun in Hamburg und in den übrigen Hafenstädten eine Unmenge nautischer und technischer Schiffsangestellter stellungslos umher. Das Angebot übersteigt weit die Nachfrage dank der charakterisierten Schul- Politik, die von den Unternehmern eifvig gefördert wurde. Kürzlich fand in Hamburg eine Versammlung der arbeitS- losen Schiffsoffiziere statt, die von 130 Personen besucht wurde. Hier stellte man fest, daß in Hamburg zirka 400 bis 000 Schiffsbeamte dieser Kategorie arbeitslos waren bezw. sind. Es wurde ferner in der Versammlung konstatiert, daß eine große Anzahl dieser Steuerleute und Maschinisten bereits über ein Jahr arbeitslos herumlaufen. Viele von diesen Leuten besäßen keine Barmittel und können sich deshalb kaum noch in einem Lokal sehen lassen. Alles Entbehrliche sei bereits in ein Pfandhaus gewandert. Um das Leben zu fristen, hätten verschiedene zu irgendeiner Arbeit gegriffen. Einige seien hin und wieder als Taljeleute(Hafenarbeiter verschiedener Kategorien) beschäftigt, andere hätten als Schauerleute gearbeitet usw. Die Versammlung beschloß, ein« Eingabe an die Reeder zu richten und um Abhilfe dieser Zustände zu bitten, da auf den be- stehenden Schulschiffen«ine immer größere Reservearmee heran- gebildet wird. Der Reederpresse waren diese Feststellungen und die sich daran anschließenden Erörterungen in den Tageszeitungen sehr un- angenehm. Man bemühte sich zunächst, den Umfang der Stellen- losigkeit abzuleugnen. Als auch dieses Mittel nicht mehr wirkte, fand man einen sehr eigenartigen Ausweg. Den arbeitslosen Schiffsangestellten wurde eröffnet, daß auf dem Bureau des Reedereivereins eine Liste ausgelegt werde, in die sich die stellungslosen Steuerleute und Maschinisten eintragen sollten. Diese Liste werde allen dem Unternehmerverband an- geschlossenen Reedereien zugeschickt mit der Bitte, bei Besetzung von Stellen die in der Liste eingetragenen Bewerber nach Mög- lichkeit zu berücksichtigen. Außerdem wurde aus der Unternehmer- kasse solchen Schiffsangestellten eine Unterstützungssumme be- willigt, die längere Zeit stellungslos, zuletzt in einer Verband»- reederei tätig waren und sich in großer Not befanden. Durch dies Mittel suchten die Unternehmer verschiedene Zwecke zu erreichen. Erstens brachten sie die ihnen unbequeme Presse zum Schweigen und spielten sich zugleich als Wohltäter der Angestellten auf. Dann aber tonnten sich die Scharfmacher sehr bequem in den Besitz von schwarzen Listen setzen. Wie uns aus den Kreisen der Angestellten berichtet wird, holen die Reedereien auf Grund der jetzt zusammengestellten Listen gegen» seitig Erkundigungen über die Ange st eilten ein und sind so in der Lage, die Hungerpeitsche über diese P r o le ta r i e r sch i cht zu schwingenl Selbstverständlich denken die Unternehmer nicht daran, irgend- welche Maßnahmen zur Verhütung solcher Stellungslosigkeit zu ergreifen. Im Gegenteil. Fast zu gleicher Zeit, als die An- gestellten sich hilfesuchend an die OeffenUichkeit und die Unter- nehmer wandten, wurde in einem der feinsten Hamburger Hotels ein neues Schulschiff eingeweiht. In Anwesenheit der Mitglieder des kaiserlichen HofeS vollzog man dort die Taufe de» Schiffes.Prinzeß Eitel Friedrich", das nun ebenfalls für die Ausbildung neuer Steuerleute und Maschinisten bereit gestellt wird. Wie der.Seemann" mitteilt, werden hier jährlich L00 Per- sonen ausgebildet, die dann die vorhandene industrielle Reserve- armee verstärken und bis Lage der Angestellten verschlechtern helfen. Und die Angestellten selbst? In dem Verband». organ der Kapitäne und Offiziere der Handelsmarine hat man nach dem Bettelgeschenk der Reeder öffentlich den Unternehmern seinen untertänig st en Dank ausgesprochen. Man läßt hier keine Gelegenheit vorübergehen, seine„gute Gesinnung" zum Ausdruck zu bringen. Das Reederkapital kann vorläufig mii seinem Jndustrieproletariat noch zufrieden sein. Ob es so bleiben wird? Auch den Ballin und Genossen gegenüber hilft nur ein geschlossener Widerstand in den Gewerkschaften und den politischen Organisationen. Das haben die Kämpfe der Arbeiter mit den Reedereimagnaten zur Genüge gezeigt. Wenn die Angestellten nicht endlich ihre Lage begreifen lernen, w«nn sie nicht endlich den Mut zur Gegenwehr finden, dann vollzieht sich für sie daS Schicksal einer Klasse, die zwischen den beiden Gegenmächten Kapital und Arbeit rettungslos zerrieben wird. vie Mtische Bloche. !Fn dieser Woche fällt die erste wichtige Entscheidung in der englischen Verfassungskrise. Am Montag begann die Etatberatun� de? Oberhauses und Lord Lansdowne brachte eine Resolution ein: „Das Haus halte sich nicht für berechtigt dem Gesetz zuzu- stimmen, bis dieses nicht dem Urteil des Landes unterbreitet sei." Man sieht, das englische Oberhaus ist weit entfernt von der Anmaßung etwa des preußischen Herrenhauses, daS sich ein selbständiges Urteil und endgültige Beschlüsse zumißt. Aber auch den Anspruch, den es erhebt, kann die Demokratie nicht zugestehen. Denn eS würde bedeuten, daß das Recht der Auflösung des Unterhauses in die Hände der Lords ge- legt würde. Damit könnte dem freigewählten Unterhause und der aus seiner Majorität entnommenen Regierung jederzeit ein Ende bereitet werden, sobald die„geborenen Gesetzgeber" den Zeitpunkt für günstig erachteten. Aber hinter den konstitutionellen Vorwänden der Lords, die Plötz- lich so demokratisch tun. verbirgt sich in Wirklichkeit dieselbe Steuerscheu, dieselbe Raffgier, die die letzten Monate bei den preußischen Junkern entlarvt haben. Rur daß der Ueber- mut der Besitzenden in England zunächst auf den ent- schlosscnen Widerstand der liheralen Regierung stößt. Die liberale Partei muß den Kampf aufnehmen, will sie nicht riskieren, daß die Reihen der Unabhängigen Arbeiterpartei noch rascher und stärker anschwellen als die Reihen der deutschen Sozialdemokratie. Von der Energie und Ent- schlossenheit der Arbeiter Englands und ihrer politischen Vertreter wird eS auch in erster Linie abhängen, ob die Liberalen standhalten und ob der Kampf bis zum Ende ge- führt werden wird, zur Erringung der demokratischen Forde- rung der Beseitigung des Hauses der Lords. Der Sitzung des Oberhauses wurde mit großer Spannung entgegengesehen, die noch dadurch vermehrt war. daß man die meisten Peers gar nicht kennt. Ihre Zahl beträgt gegen- wärtig, abgesehen von den königlichen Prinzen und von minderjährigen Peers, LOS, wovon kaum 150 gewöhnlich im Hause erscheinen. An der Abstinimung über die Homerule im Jahre 1893 nahmen 400 von 500 Peers teil: im vorigen Jahre an der Abstimmung über das Schankkonzessionsgesetz 308 von ungefähr 000 Peers. Man kann daher die Zahl der abstimmenden Peers diesmal auf ungefähr 400 schätzen, wovon zugunsten des Budgets kaum 30 anzusetzen sind, da l908 für das Schankkonzessionsgesetz einschließlich der Bischöfe nur 90 Peers stimmten. Man spricht aber davon, daß die Anhänger des Budgets gar nicht stimmen werden, da sie die Resolution Lansdowne als v e r- fa-ssungswidrig erachten. Tie Entscheidung der Lords wird nicht vor Donnerstag, vielleicht erst Freitag, er- folgen. Erst dann wird das Unterhaus, das heute wieder zur Beratung kleinerer Gesetzentwürfe zusammengetreten ist, den Lords die Antwort erteilen können. Ueber den Verlauf der Sitzung berichtet der Telegraph: Seit der Sitzung, in der di« Home R u I c Dill abgelehnt wurde, ist der Sitzungssaal nicht wieder so gedrängt voll ge- Wesen wie heute. Auch die Tribünen waren überfüllt. Nach Verlesung der Tagesordnung unterbreitete der Groß- siegelbeivahrer Earl of Crewe dem Haus« die zweite Lesung der Finanzreformvorlagc, ohne zu ihrer Erklärung oder Vor» teidigung zu sprechen. Sodann erhob sich Lord Lansdowne unter dem Beifall der Opposition, um seine Resolution zu be» gründen. Er erklärt«, das Schweigen des Earl of Crewe zeige, daß die Regierung der Meinung sei, daß die PeerS mit der wichtigen Krage Der Finanzreform nichts zu tun hätten. Für die Opposition liege die Sache einfach. Es sei eine schwerwiegende GcsetzeSvor. läge ohne Präzedenzfall, wie sie niemals dem englischen Volke vor- gelegt worden sei. Sie erfordere die Zustimmung des Oberhauses, und dieses dürfe die Verantwortlichkeit seiner Zustimmung nicht auf sich nehmen, ohne daß eS sich vergewissert hätte, daß das Volk wünsche, die Vorlage solle Gesetz werden. Im weiteren Verlaufe seiner Rede erklärte Lord Lansdowne. die PeerS hätten das Recht, Finanzborlagen abzulehnen. Wenn die Schank-Kon- zesfionSvorlage und die Vorlage über die Besteuerung des Grund- ei�entumS der Finanzvorlage einverleibt werden konnten, so sei kein Ende für die daraus entspringenden Mißbräuche abzusehen. Es sei unwahr, daß die Peers bezüglich der Besteuerung dcS Grund- eigentunis von selbstsüchtigen Motiven geleitet würden. Diese Steuern seien leicht zu rechtfertigen, wenn angenommen würde, daß der Grund und Boden Staatseigentum sei, und daß eS die Bestimmung des Parlaments sein müsse, den Grund und Boden zu verstaatlichen. Die Opposition wider- setze sich diesen Steuern, weil sie eine einzelne Klasse für eine besonder«, orückend« und auf sozialistischem Trug- schluß beruhende Inanspruchnahme herausgriffen. Wenn die Vorlage Gesetzeskraft erlange, würde die Nation gezwungen fein, ihre jährlichen Verbindlichkeiten aus ihrem Kapital zu be- zahlen. Der Wert der englischen Staatspapiere sei im Sinken und die Engländer wendeten, um ihr Kapital anzulegen, ihre Aufmerk- samkeit mehr und mehr dem Auslände zu. Ironisch fmgte Lord Lansdowne. was au» des„armen ManncS Budget" werden. würde, wenn es das Kapital aus dem Lande vertreibe.(Beifall bei der Opposition.» Redner ging sodann auf die Tarifreformbewegung ein und sagte, man frag« sich, ob die Zeit nickst gekommen sei für ein« erneute Prüfung der Grundlag« des englischen Finanzsysteins, und ob man noch länger über ein Finanzsvstem lachen könne, unter dem andere Länder mächtig emporblühten. Die Opposition habe nickst daS Gefühl, daß sie das Recht habe, dem Volke die neuen und ungeheuerlichen Lasten, die die Bill bringe, aufzuhalsen, bis sie wisse, daß dies di« Richtung sei, die das Volk einzuschlagen wünsche. Die Opposition Hab« die Folgen einer Wblehirnng der Bill ins Auge gefaßt und sei bereit, ihnen zu begegnen.(Beifall.) Die politische Stockung brauche nicht lange zu dauern. Die Regierung habe ja beständig erklärt, daß sie wünsche, diese Fragen einer Probe aus- zusetzen. Das Budget sei so hinfällig, daß es nicht sechs Wochen durchhalten würde.(Heiterkeit.) Lord Lansdowne fckloß. wenn die Regierung es nicht wünschde, gäbe es keine Gelegenheit für ein finanzielles Chaos. Redner bot die Unterstützung der Opposition bei der Bekämpfung aller Schwierigkeiten an, die sich möglicherweise er- geben könnten. Er ziehe eine zeitweilige Verwirrung dem dauernden Chaos vor, daS sich aus der Annahme der Bill«r- geben würde. Durch die Drohungen gegen die konstitutionellen Rechte der PeerS sei er nicht sonderlich berührt. Diese Drohungen seien schon ausgestoßen worden, bevor man von diesem Budget noch etwas geträumt habe. Dieser Kampf habe kommen müssen, und er mahne die PeerS, ihrer Ver- antwortung nicht auszuweichen. Das Schädlichste, waS die PeerS tun könnten, würde sein, die zu enttäuschen, die auf sie als die Beschützer ihre» größten VerfassungS- rechtes blickten, nämlich des Rechtes, befragt zu werden, wenn von der Regierung eine fundamentale politische Aenderung in Borschlag gebracht wird. Der Lordkanzler sagte in seiner Antwort, der vorgeschlagen? Schritt stürze alle parlamentarische Tradition um und wenn er auch vielleicht zulässig und gesetzlich sei. so sei er drch vom konstitutionellen Standpunkt aus ver- kehrt. Di? Ablehnung des Budgets bedeute die Ablehnung dcS JahreSbedarfS. aber Lord Lansdowne scheine zu meinen, auf ein kleines Chaos komme eS nicht an. Die Ablehnung würde ein di- relter Eingriff in die Prärogative der Krone und di« Privi- legten des Unterhauses fein. Man verlange, daß ein? Verfassung umgestürzt werde, die der Gegenstand deS Neides für alle Nationen der Welt sei, und daß dem Oberhaus? solche Machtbefugnisse verliehen würden, daß das Unterhaus und die Regierung auf die Gnade der Lords angewiesen wären. Kein kluger Mensch könne daS wünschen, und kein Mann von Geist würde sich dem unterwerfen. Was LanS- downe vorschlage, sei ein Schritt zur konstitutionellen Revolution. Der Lordkanzler wies auf die sechsjährige Dauer des Parlament» hin und meinte, es blieben somit noch zwei Jahre, um die Steuern ohpe Verletzung der Verfassung rückgängig zu machen oder au ändern, wenn daS Volk sie verurteile. Aber die offenbare Meinung des Landes sei, daß das Budget mizunchmen sei, und bei den allgemeinen Mahlen werde das Volk weit wichtigere Fragen erwägen, als nur die«ine Frage, ob das Budget ange- nommen«erbe oder nicht. Der Lordianzler nahm zum Schluß Bezug auf die Ablehnung wichtiger Regierungsvorlagen durch das Oberhaus innerhalb der letzten vier Jahre und erklärte,«S sei keiner liberalen Regierung wieder möglich, zu amtieren, wenn sie nicht gegen die Wiederholung einer derartigen Behandlung ihrer Maßnahmen geschützt sei. Er betonte welter daS Recht de» Unterhauses auf die Kontrolle der Finanzen und erklärte es für lächerlich, daß ein HouS, das a u S nicht vom Volke gewählten Mit- gliedern bestehe, sich dieses Recht anmaßen und die Macht haben sollte, eine Regierung zu stürzen, die zu irgend einer Zeit in politischem Gegen- s a tz z u i h m st e h e. Er verteidigte die Prinzipien der Vorlage und erklärt?, daß. wenn er sich die außerordentliche Bedeutung der vorgeschlagenen Maßnahmen vergegenwärtige, er erstaunt sei. daß das Haus wegen einer so geringen Ursache bereit sein solle, eine so bedeutungsvolle neue Richtung einznichlagen. Nachdem noch andere Redner gesprochen hatten, wurde die Debatte auf morgen vertagt. politische(lebersicdt. Berlin, den 23. November 1903 Das„ehrliche" Zentrum. Eine recht interessante Enthilllung hat sich, wie das „Verl. Tagebl." meldet, in einer am Montagabend in Königsberg abgehaltenen konservativen Wählerversanunlung der konservative Reichstagsabgeordnete Fürst Dohna ge- leistet. Das Zentrum habe, so erklärte er, seine Mitarbeit an der Reichsfinaiizreform von der Ablehnung der Erbschaftssteuer abhängig gemacht. Bestätigt sich diese Meldung, dann beweist sie. daß um wieder zu seiner früheren Machtstellung zu gelangen, das Zentrum selbst vor den perfidesten Intrigen nicht zurück- schreckt. Während ultramontaue Blätter bisher andeuteten, das Zentrum habe gewissermaßen nur aus Rücksicht aus seine Verbündeten, die Konservativen, gegen die Nachlaß- und Erbaufallsteiler gestimmt, hat unigekehrt nach Fürst Dohnas Aussage das Zentrum durch seine Bedingung erst die Konservativen in den offenen Widerstand gegen jede Erbschafts- steuer hineingetrieben— selbstverständlich zu keinem anderen Zweck, als um den Gegensatz zwischen den konservativen und liberalen Blockgenossen zu erweitern und den Block zu sprengen l Um dieses Ziel zu erreichen, war der Ultra- montantsmuS zu jedem gemeinen Streich bereit. Hansabund und Bund der Landwirte. In einer öffentlichen Versammlung in Barenburg, in der der NeichStagk-abgeordiiete Wachhorst de Wente referierte, sprach in der Diskussion auch ein Agitator des Bundes der Landwirte, L o g e m a n n aus Rathlosen. Er meinte, es sei sehr wertvoll, daß die feudalen Großgrundbesitzer eine führende Stellung im Bunde der Landwirte einnähmen; denn diese hätten oft Gelegenheit, hinter die Kulissen zu sehen. Diesem Umstände verdanke der Bund der Landwirte auch die Kenntnis von einer Unterredung, die kürzlich in Hamburg zwischen dem Kaiser. dem Generaldirektor Ballin und dem Prä- sidenten des Hansabnndes, Geheim rat Rießer, stattgefunden habe. Hierdurch sei dem Bunde der Landwirte Gelegenheit gegeben, rechtzeitig ent- sprechende Maßnahmen zu treffen. Welcher Art diese„entsprechenden Maßnahmen" sind, ver- riet Herr Logemann nicht. Wahrscheinlich meinte er die Be- einsiuffung des Kaisers durch höfische Kreise. Militärische Geldverschwendung. Man schreibt uns: .Bezilgnehmeild auf Jkjren geschätzten Artikel.Herunter mit den Generalsbezügen" in Ihrer Nummer vom 20. d. M. möchte ich mir höflichst erlauben, einiges hierzu an« zuführen: Wie richtig bemerlt, erhalten die Generäle ausnahmsweise eine hohe Anzahl der Pserderationen, doch hat man dort in dem Artikel nach meiner Ansicht nicht recht zur Sprach« gebracht, daß ei» General auch diese Bezüge erhält, wenn er nicht einmal die Anzahl Pserde hat. für die er Rationen erhält. Einem Brigadekommandeiir stehen 6 Rationen zu. Derselbe hält sich aber nur 2 Pferde,— ein klarer Beweis, daß ö Pferde gar kein« Verwendung haben bekommt aber für die fehlenden S Pferde das Futter, das diese verzehren würden. in Geld auSbezahltl So komisch das klingen mag, e» ist der Fall l Die Gebühren für eine Ratio» werden von Zeit zu Zeit nach den jeioeiligcn Preisen für Futter festgesetzt, doch kann man annehmen, daß ein General pro Pferd, das er gar nicht besitzt, im Durchschnitt im Monat 20 M. erhält; das wären also bei drei Pferden pro Monat 60 M., jährlich ca. 720 M., die er in seilte Tasche steckt, ohne hierfür irgend etwas zn leistenl Wären die Pferde tatsächlich vor» Händen, dann wäre eS selbstverständlich, daß sie auch ernährt werden müßten, aber hier Fnttergekder für Pferde auszahlen, welche gar nicht existieren, das ist denn doch stark. Man rechne nach, welche Samme aus diese Weise verausgabt wird bei der großen Anzahl der vorhandenen Generäle. Nicht nur betr. der Nationen, nein auch in anderen Sachen find Gebiihrnisse festgesetzt, an denen gehörig gespart werden könnte. Nach K 64 der„Reiseordnung für die Personen deS Soldaten- siandeS" erhält z. B. ei» General, wenn er unverheiratet ist, also demnach eine übermäßig große Wobnuitg nicht besitzt, für einen Umzug von Charlottenburg nach Berlin 900 M., ob dieser Betrag für den Umzug benötigt wird oder nicht! Ein verheirateter General dagegen sogar 1800 M. l" ES ist nun sogar ein Fall vorgekommen, daß ein Oberst in GeneralSstrllung 500 M. für einen Uviziig rrhaltru hat, ohnr über- Haupt umzuziehen! Oberst a. D. Gädke berichtet darüber im.Berk. Tagebl.": .Vor einige» Jabren wurde ein RegimeutSkoinniandeur aus Charlottenburg zum Kommandeur einer Brigade befördert, deren Stab in Berlin stand. Er meldet« sich hier dienstlich und liquidierte daraus unverzüglich ölv Mark(sage fünfhundert» zehn Mari) für seinen Umzug ans Charlotleuburg nach Berlin, obwohl er seine Charlottenhurger Wohnung ruhig beibehielt und sie erst ein halbes Jahr später(ohne dienstliche Veranlassuitg) innerhalb Charlotten- burgS wechselte— also auch dann einen Umzug in die neue Garnison nicht vollzog. Nun tviirde an sich eine Vestimmnnz der Reiseordnung mißbräuchlich sein, die bei dem engen wirr- schastlichcn Zns.nmunihang Charlottenburgs und Berlins die Liquidierung von Unizugsgeldern gestattet, wenn man von einem Stadtteil zum anderen umzieht. Um Stadt- teile handelt e» sich doch tatlächlich. Man kann aus dienst- lichen Gründen innerhalb Klein-BerlinZ zu einem weiteren Umzüge genötigt fein, als der von Charloltenburg nach den, Westen Berlins ist, ohne bei solcher Gelegenheit 510 M. liquidieren zu können. Geradezu unglaublich aber ist es doch. wenn die WohnungSverlegung überhaupt nicht stattfindet und trotzdem die Kosten dafür angefordert und auch bezahlt werden." Man sieht: daSKieler System wird ailch im militaristi- scheu Vinnenland« geübtl Diesem System sollte denn doch schleunigst ein derber Riegel vorgeschoben werden 1 Deutsch-englisches Handelsabkommen. Wie die.Köln. Ztg." berichtet, wird dem Reichstag Anfang Dezember ein Gesetzentwurf über die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche zugehen, der folgenden Wortlaut hat: .Der Bundesrat wird ennächtigt, den Angehörigen und den Erzeugnisse» deS vereinigten Königreichs von Grobbritaimicn und Irland sowie den Angehörigen und den Erzeugnissen britischer Kolonien und auswärtiger Besitzungen bis zum 31. Dezember . 1911 diejenigen Vorteile einzuräumen, die seitens des Reichs den Angehörigen oder den Eizeugnissen deS meistbegünstigten Landes gewährt werden. Diese» Gesetz tritt mit dem 1. Januar 1910 m Kraft.' Nach der Begründung ist eine wesentliche Aenderung in der wirtschaftlichen Lage gegenüber England in den letzten Jahren nicht eingetreten, die Entwickelung deS Verkehrs war befriedigend. England nimmt im deutschen Austenhandel nach wie vor die erste Stelle ein, eS folgen dann die Union, Rutzland und Oesterreich- Ungarn. Die Ausfuhr nach England steigt in demselben Matze wie die Einfuhr aus England, doch ist die Ausfuhr nach England grötzer als die englische Einfuhr, obgleich England die grötzten An- strengungen macht, de» deutschen Markt immer mehr zu erobern. Garn, Steinkohlen, Felle, Heringe, Roheisen, Kautschuk. Schafwolle sind die hauptsächlichsten englischen Einknhrmittel. während wir Zucker, baumwollene Wirkwaren, Halbseide, wollene und bäum- wollene Tuchivaren und Stickereien, Kleider und Putzlvaren nach England ausführen._ Der Ruhm des Zentrum?. Die Arbeitslosigkeit in der Tabalindustrie greift immer weiter um sich. Vom Eichsfeld wird der.Franks. Ztg.' gemeldet: In Esch- > Wege und Heiligenstadt erklärten drei Zigarrcnfaüriken mit zusammen 400 Arbeitern die Einstellung des Betriebes wegen Mangels an Auf- trägen. Die entlassenen Arveiter können sich bei der ZentrumSleiwng bedanken. Bekanntlich hat die Zentrumsfraktion nicht nur für die Erhöhung der Tabaksteuer gestimmt, sondern auch bewirkt, datz der UnterslntzuugSfondS für die arbeitslosen Tabakarbciter gegen den Einspruch der Sozialdemokraten auf 4 Millionen Mark herabgesetzt wurde. Dennoch rühmt sich das Zentrum noch seiner Leistungen für die Tabakarbeiter. In einem jüngst von der berüchtigten Zentral- stelle deS Volksvereins für das katholische Deutschland in M.-Glad- dach herausgegebenen Flugblatt heitzt eS: Soweit wirklich Tabakarbeiter zeitweise in der Zeit deS liebet- ganges und des Emlebens der neuen Steuern arbeitslos werde» sollten, hat das Zentrum für Entschädigung gesorgt. Vier Millionen Mark wurden auf seinen Antrag tGieSbertS) sofort be- willigt. Bei Bedarf sollte sür mehr gesorgt werden. Zu dem Verrat der Arbeiterintcressen gesellt die Gladbacher Jesuiterlkompagnie den verletzenden Hohn. Kommunalwahlea. Erfolge in Sachsen. Bei der Stadtverordnetenwahl in Mitlweida hat die Sozialdemokratie ein Mandat behauptet und drei neue Sitze erobert. « In OelSnitz i. V. gewann die Sozialdemokratie vier Sitze. Es wurden vier Genosien und zwei Gegner gewählt. Dem aus lö Mitgliedern bestehenden Kollegium gehören jetzt 10 Sozial- demokratcn an. Nur weil die Genossen nicht die genügende Zahl ansässiger Bürger aufstellen konnten, erlangten die Gegner zwei Mandate. Einen schönen Achtungserfolg errang die Sozialdemokratie bei der Stadtverordnetenwohl in Plauen i. V. Auf ihre Liste entfielen 27 Proz, der abgegebenen Stimmen. Ihr» Stimmenzahl stieg um über 100. die der Gegner ging um über 1000 zurück. Dir pfälzischen Gemeindewahlr« brachten der Eozialdcmolratie neue Erfolge. In Wörth a. Rh. wurden drei Parteigenossen gewählt, ebenso in Tholischweiler. In beiden Gemeinden hatte die Sozial- demokratie bisher kein« Vertreter. Bei der Bürgerwahl in Oppau wurde der Genosse Gütz zum ersten Adjunkten gewählt. « Hayna» i. Schl., 23. November.(Privatdepesche des.vorwärts'.) Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl wurden zum ersten Male sechs Sozialdemokraten gewählt. Die bürgerlichen Parteien hatten sich mit den Hirsch-Dunckerschen GeWerk- vereinen koaliert und sogar ein mit dem Namen und Titel deS KriegerpereinSvorsitzenden unterzeichnetes Flugblatt herausgegeben. Trotzdem siegte die Sozialdemokratie. » Forst i. Lausitz, 23. November.(Privatdepesche de».vorwärts'.) Die Stadtverordnetenwahl ergab den Sieg der Sozial- demokratie. Sie erzielte 400 Stimmen Mehrheit trotz der Arbeit des ReichSverbandeS. Wittenberge, 23. November.(Privatdepesche deS.vor- wärtS'.) Bei der heutigen Siadtverordnetenwahl wurden im ersten Wahlgang drei Sozialdemokraten gewählt. Zum Wahlsieg i» Elbinz wird uns geschrieben: Wie bereits kurz gemeldet wurde, hat die Stadtverordnetenwahl in E l b i n g unserer Partei einen überaus glänzenden Sieg gebracht. Er ist um so erfreulicher, da er vollkommen ouS eigener Kraft errungen ist. Gegen die Sozialdemokratie hatten sich zusammengeballt der ganze bürgerliche Klüngel— Hausbesitzer. Detaillisten, Handwerker und evangelischer Arbeiterverein. Beamten- bund und F l e i s ch e r i u n u n g(I) hatte» sich unter Protektion des Zentrums mit den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen zu einem Kreuzzug gegen die verhatzten Roten vereinigt. Und welch' klägliches Resultat haben sie erzielt I 1003—1127 Stimmen bekamen sie mit Ach und Krachl Unsere Genossen erhielten 1913—1371 Stimmen. Dies Votum der Wähler eröffnet einen erfreulichen Ausblick sür die Reichstagswahl._ Eröffnung des badischen Landtages. Karlsruhe, 23. November. (Privatdepesche des.Vorwärts".) Bei der heutigen Eröffnung des Landtages durch den Grohheilzog und der Vereidigung der neuen Ab« geordneten fehlten alle 20 Sozialdemokraten. Bei der Empfangsdeputation zur Begrüßung deS GrotzherzogS fehlte Genosse Schwall, der in der vorbereitenden Sitzung gestern abend durch das Los zum Mitglieds dieser Deputation bestimmt worden war. Die von dem Grotzherzog verlesene Thronrede weist auf einen na m hosten Fehlbetrag des Boranschlage« hin und kündet eine Steuererhöhung, unter anderem auch eine Erhöhung der Biersteuer sowie Aenderungen der Sintommeu»- und Bermö genssteuergesetze an. Außerdem kündet die Thronrede unter anderen Gesetzesvorschlägen eine Aenderung der Gemeinde- und Städteordnung und eine Volksschulgesetznovelle an, die insbesondere die Schulaufsicht, die Staatsbeiträge und die Lehrer» gehakter belrifft. Morgen nehmen beide Kammern Wahl- Prüfungen vor. » Die sozialdemokratische Fraktion hat im Landtage folgende Anträge eingebracht: 1. Die badische Regierung möge mit den deutschen Eisenbahn- Verwaltungen zwecks Abschasfung der ersten Wagen- k l a s s e in Verbindung treten.— Für die badischen Eisenbahnen soll das Kilometerheft wieder eingeführl werden. 2. Vorlegung eine» Gesetzenlwurfs' betreffend Regelung deS Arbeitsnachweises.— In de» Etat sür 1910/11 sollen zum Zwecke der Fürsorge für Arbeitslose 100 000 M. eingesetzt werden. 3. Den Arbeitern der badischen Staatsbetriebe sei eine tägliche Lohnzulage von 25 Pfennig und allen Beamten mit einem Jahresgehalt bis zu 3000 M. eine jährliche Teuerungszulage von 90 Mark zu ge- währen. 4. Die Regierung möge dem Landtage eine Borlage zugehen lassen, durch welche die Gewerbeinspektion derart auS- gebaut wird, datz eine genügende Anzahl von Hilfsbeamten au» den Kreisen der Arbeiter und Arbeiterinnen angestellt werden, damit alle der Inspektion unterstellten Be- triebe im Jahre mindestens einmal revädiert werden und diejenigen Betriebe, bei denen Anstände festgestellt werden, mehrmals nachkontrolliert werden können. 5. Die Regierung soll ersucht werden, im Bundesrat eine Erhöhung der Mittel zur Unterstützung arbeit S- loser Tabakarbeiter zu deaiitrageu und ferner dahin wirken, datz die Vorschriften über Umfang und Bedingungen der Zuwendungen in einer Weise geändert werden, die den bei Fest- stell mm und Auszahlung der Unterstützunge» zutage getrelcnen Mitznanden abhilft. Außerdem wurde eine Interpellation eingebracht, die sich auf n, a n g e l n d e F ü r s o r g e ftir nicht mehr m vollem Umfange arbeitsfähige Arbeiter und Beamte bezieht.. Kein prenffischeS Veamtengesetz. von den.Deuische» Nachrichlen' ist in letzter Zeit wiederholt behauptet worden, datz Erwägungen über de» Erlaß emeS preutziscken Beamtengesetzes im Gange seien. Auch nach einer kürzlich erfolgten Richligslellüng in der Presse hält daS genannte Blatt seine Be- bauplung aufrecht und fügt binzu, daß eS den— angeblich in seinen Händen befindlichen— Eiitivurs dieses Gesetzes veröffentlichen werde, wenn und wann ihm daS angebracht erscheine. Die offiziöse „Verl. Korresp." bestreitet demgegenüber, datz Erwägungen über ein Beaniiengcsetz, sei eS ein Reichsgesetz oder ein preußisches, an den zuständigen stellen stattfinden. Die.Deutschen Nachrichten" wären nicht in der Lage, einen entsprechenden Entwurf der preußischen Regierung zu ve> öffentlichen. auS dem einfachen Grunde, weil ei» solcher nicht existiere._ Aus dem sächsischen Landtage. Dresden, 23. November. Die Zweite Kammer nahm in ihrer heutigen Sitzung einen nationalliberalcn Antrag betreffend die Verlegung des auf den 3. Januar fallenden EpiphaniassesteS (Hoch-Neujahr) auf den folgenden Sonntag mit 38 gegen 27 Stim- men an. Die Sozialdemokraten stimmten ge- schloffen dagegen. Die Regierung hatte erklärt, datz sie nach wi« vor in eine Verlegung dvs EpiphaniaLsestes nicht einwilligen köime._ Tie Kalendertonfiskation in Kattowitz. Wie bereit? gemeldet, ist am Sonnabend der im Verlag der .Gazeta Robotnicza" in Kattowitz erschienene Arbeiter- kal««der konfisziert worden. Die Konfiskation stützt sich darauf, datz der Inhalt des Kalenders anfreizend sei. Besonders gefährlich erscheint der Staatsanwaltschaft der Artikel:, W a S wollen die Sozialdemokraten?' Dieser Artikel ist eine U e b e r s e tz u n g der in Deutichland seit rangen Jahren der- breiteten Broschüre:.Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie'._ ft'anhrdch. Die Marokkodebatte. Pari?, 23. November. Nach Pichon ergriff JauröS noch- maks daS Wort und erklärte:„Der französisch-spanische Geheim» vertrag soll die Teilung Marokkos in die beiden Einfluß- sphären Frankreichs und Spaniens enthalten und darauf ab- zielen, der Respektierung der Integrität ein Ende zu machen. JauröS fragte, ob der Geheimvertrvg nicht durch die in der AlgeciraSakte enthaltene Versicherung, datz die Integrität Marokkos obligatorisch sei, annulliert wäre. Man lege Marokko für seine Anleihe Bedingungen auf, die geeignet seien, die Entwicke- lung MarolkoS zu hintertreiben. I a u r e S schlotz mit einem Lob des SoziallLmuS, der Frankreich gegen die Ge- fahren eines Versuchs, Deutschland einzu- kreisen, schütze. In seiner Enviderung auf die Ausführungen mehrerer Redner sagte Minister Pichon: Spanien Hab«, bevor es seine Aktion im Rifgebiet begann, die europäischen Staaten benachrichtigt und ver- sichert, datz eS sich damit begnügen werde, die aufrührerischen Stämme zu unterwerfen, und seine Truppen zurückziehen werde. sobald dies gelungen sei. Die europäischen Staaten hätten ein- mutig Spanien beigepflichtet. Die Entente mit Spanien sei die Grundlage der Marokkopolitik Frankreichs. Pichon besprach dann die mit der marokkanisck>en Gesandtschaft geführten Verhandlungen. Er erklärte: Frankreich werbe das Schaujagebict erst nach einer Organisation und Organisierung der Streitkräfte'deS Machsen, die die Ordnung gewährleiste, räumen. Die Regierung habe Nie- malS aufgehört, Casablanca als marokkanisches Gebiet zu be- trachten. Frankreich zeige sich in finanzieller Beziehung wohl- wollend gegen Marokko. Der Minister betonte weiterhin mit grotzem Nachdruck die lohale Haltung der deutschen Negierung. Pichon führte dann weiter auS: Aus der Haltung Deutschlands habe sich für die beiden Regierungen sowohl wie für die allgemeine Lage eine Entspannung ergeben, die alle mit Beifall begrützen mutzten.(Beifall.) Wir werden i n eine Räumung Caseblancas nicht willigen, ohne datz wir Garantien erlangt haben. Pichon stellte sodann fest, datz Mulah Hafid auf Europa nicht Rücksicht genommen habe. Frank- reich hat als erste unter den Mächten gegen seine Grausamkeiten Protest erhoben. Die jetzige Lage dürfe nicht länger an» dauern. DaS sei keine Drohung, denn Frankreich habe Zeit, Geduld und hinreichende Mittel, um in den Ausgang der Unter- Handlungen Vertrauen setzen zu können. Niemals sei Frankreichs Kraft in Marokko grötzer, niemals weniger angezweifelt gewesen. Wenn I a u r e s sich darüber beklage, er beglückwünsche sich dazu. (Beifall.) Frankreich wünsche, jede unnütze bewaffnete Intervention zu vermeiden, könne sich aber bis zur vollkommenen Genugtuung nicht jeder Bürgschaft entäußern. Es sei Zeit, die Verhandlungen zu beendigen, deren Ziel bis auf einige Kleinigkeiten in der Annahme der französischen Vorschläge bestehen müsse. Mulay Hafid werde entweder der Stimme der Vernunft gehorchen, uno dann werde Frankreich ihm helfen. oder er werde bei seiner Haltung verharren, und dann iverde Frankreich genötigt sein, allein auf die Erfüllung der in Gemein- lchaft mit den europäischen Mächten unterzeichneten Verträge, be- sonders dessen von Algeciras zu dringen. Ein? andere Möglichkeit gibt es nicht. Der Berichterstatter für die Marskko-Kredit«, Doumer, führte au«: Man müsse den Eingeborenen zeigen, datz man entschlossen sei. zur Gewalt zu greifen, und zwar nur aus dem Grunde, damit man nicht genötigt sei, dies wirklich zu tun. I a u r e s erklärte, datz man die Anarchie in Marokko ver- mehren werde, wenn man ihm die Last einer Anleihe von 130 Mil» liyney auferlege. Die Priorität zugunsten einer Tagesordnung Jaures, worin die Zurückziehung der Truppen aus Marokko verlangt wird, wurde mit 436 gegen 71 Stimmen abgelehnt. Eine Tagesordnung Lefevre, welche besagt: die Kammer billigt die Erklärungen der Regierung im Vertrauen darauf, datz sie in Marokko die Achtung vor den Interessen Frank» reicktö und die Ausführung der Uebereinkommcn und Verträge Ivahren Iverde, welche die Beziehungen Frankrei ckM zur marokkanischen Regierung regeln, wurde mit 433 gegen 67 Stimmen angenommen. Das HauS nahm sodann mit 460 gegen 72 Stimmen den einzigen Artikel des Gesetzentwurfs an, der einen Ergänzungskredit in Höhe von 12 Mil- l i o n e n für die Operationen in Marokko verlangt. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Italien. Giolittis Ueberraschnng. Rom, den 13. November.(Eig. Ber.) Mit einer Ueberraschung, wie sie wohl selten einem Kabinett geglückt ist, hat Giolitti die Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten eingeweiht: Mit einem Schlage hat er zwei Gesetzentwürfe vorgelegt, deren einer die Zuckerabgabe— über 80 Cents pro Kilogramm— auf die Hälfte reduziert, während der andere eine progressive Erbschaftssteuer und eine Vermehrung der Kapital- rcntensteuer einführt. Die Reform der Zuckersteuer wird dem Staat eine Einnahmeverminderung von etwa 40 Millionen jährlich bringen.. 15 Millionen sollen durch die neuen Steuern gedeckt werden, während, die fehlenden 25 Millionen durch Erhöhung der Einkommensteuer in den obersten Steuerstufen eingebracht werden sollen. Die Einkommen bis zu 10 000 Lire sollen mit 1 Proz., die bis zu 30 000 mit 2 Proz., bis 40 000 mit 3 Proz., bis 100 000 mit 4 Proz., bis 200 000 mit 5 Proz. und die darüber mit 6 Proz. besteuert werden. Die durch den stärkeren Zuckerkonsum zu er» wartende teilweise Deckung des Steuerausfalls soll die Aktiva des Staatsbudgets vermehren. Schlietzlich hat noch der Minister der öffentlichen Arbeiten einen Gesetzentwurf vorgelegt, der einerseits die Personen- Frackfitarife der Staatsbahnen erhöht, andererseits dem Eisen bahn personal Gewinnbeteiligung sichern soll, und zwar soll jede Kategorie des Personals als Ge- winnanteil soviel erhalten, daß die prozentuale Ausgabe für sie sich zur Gesamteinnahme so verhält, Wie die? im Jahre 1907/03 der Fall war. Alle diese Gesetzesentwürfe wurden von der Kammer teils mit eisigem Schweigen, teils mit höhnischen Zwischenrufen auf» genommen. Auf allen Seiten herrscht der Eindruck vor, datz Giolitti sein Kabinett erschüttert fühlt und in zwölfter Stunde einen Halt sucht. Der..Avantt' fragt sich geradezu, ob der Ministerpräsident sich bei diesen Reformen an seine Mehrheit oder an die seines Nachfolgers wendet und spricht die Vermutung aus, datz er seinen Nachfolgern eine merkwürdige Erbschaft hätte lassen wollen, um sie zu zwingen. daS zu wagen, was der heutige Kabinettschef nicht 'gewagt hat. Ueber die geplante progressive Einkommensteuer sagt unser Parteiblatt, datz sie nicht den technischen Anforderungen ent» spräche, die man an eine derartige Steuer stellen mutz. Die Er» höhung der Personen- und Frachttarife der Staatsbahnen wird natürlich als ein Irrtum getadelt. Schlietzlich hebt der..Avanti' hervor, datz in dieser allgemeinen Reformorgie nur der Minister für Ackerbau, Handel und Industrie mit leeren Händen gekommen sei. In der Tat hat man nichts von Arbeiterversicherung und Arbeiterschutz in der heutigen Kammer gehört. Ob Giolitti durch sein überraschendes Vorgehen seine Stellung gefestigt hat, wird sich in der Folge zeigen. Die Ausnahme, die seine Projekte fanden, lätzt diesen Erfolg recht unwahrscheinlich scheine». Cnglanck. Eine wichtige Nachwahl. Londin, 20. November.(Eig. Ber.) Durch da? Ableben des bisherigen liberalen Vertreter» ist in PortSmouth eine par- lamentarische Nachwahl erforderlich. PortSmouth wählt zwei Ab- geordnete. Bei den Hauptwahlen im Januar 1903 wurden dort zwei Liberale gewählt, denen zwei Konservative und ein Arbeiter» kandidat gegenübergestanden waren. Der Aeheiterlandidat war William Sanders; er erhielt damals über 8000 Stimmen, unter denen aber viele D o p p e l st i m m e n waren, denn der Wähler ist berechtigt, seine beiden Stimmen aus einen Kan- didaten zu vereinigen. Bei der demnächst vorzunehmenden Nachwahl handelt eS sich um die Wahl eines parlamentarischen Vertreters, so datz die Wähler nur über eine Stimme verfügen. Die dort aufgestellten Kandidaten sind: William Sanders(sozialistischer Arbeiter» kandidat); Lambers(liberal); Lord Charles BereSford (pensionierter Admiral, Flottenreformer, Schutzzöllner usw.). Letzterer ist in PortSmouth persönlich sehr beliebt. Angesichts der politischen Krise sieht man dem Ausfall der Wahl mit Spannung entgegen. Dänemark. Der sozialdemokratische Bürgermeister. Kopenhagen, 22. November. In geheimer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde heute abend der Sozialdemokrat P. Knudsen mit 18 gegen 16 Stimmen bei 6 weißen Stimmzetteln zum Bürger» meister gewählt.— ffanland. Der Rechtsbruch. Petersburg, 23. November. Die russischen Mitglieder der nissisch.finnländischen Kommission haben bezüglich der künftigen staatsrechtlichen Stellung Finn- l a n d s einen Entwurf ausgearbeitet, wonach folgende Punkte der Reichsgesetzgebung unterliegen, somit der Kompetenz deS finnländischen Landtages entzogen werden sollen: die Beteiligung Finnlands an Staats- ausgaben und Steuern, Wehrpflicht und KricgSausgaben. die Rechte russischer Untertanen in Finnland, die Be- stimmung der Staatssprache, die Vollstreckung russischer Gerichtsurteile, die Grundprinzipien der Verwaltung, der Schutz der Staatsordnung, die Kriminalgesetz- gcbung, die Grundprinzipien der Gerichts- und Prozeßordnung sowie deS Schuliveseus, ferner Vereinsrecht, Preßgesetzgebung. Zollwcscn, Patentschutz und Schutz geistigen Eigeutums, Münzwcsen und Geldverkehr. Post-, Telephon- und LuftverkehrSwescn, die Eisenbahnen, soweit die Landes- Verteidigung und der AuLlandSverkehr in Betracht kommen. der SchiffahrtSverkchr und die Rechts der Ausländer in Finnland. Damit ist in Wirklichkeit die finnländische Konstitution vernichtet, dem Landtag jede Bedeutung genommen. Der eidbrüchige Zar, der die finnländische Verfassung beschworen hat. fügt so immer neue Verbrechen zu den alten, bis endlich die Saat, die er sät, blutig aufgehen wird. GcwcrfefcbaftUcbc� Hm Köder. Von dem Millionenubers chuß, den die bekannte Maschinen- fabrik Augsburg-Nürnbergim abgelaufenen Geschäfts- jähre erzielte, wurde dem gelben Werkverein die Summe von 100 000 M. überwiesen— für„Arbeiterwohlfahrtseinrich- tungeu", wie es in dem Geschäftsbericht heißt. Nun ist aber insbesondere die Direktion der M a s ch i n e n f a b r i k Augs- bürg dlirchans nicht willens, etivas herzuschenken, ohne eine entsprechende Gegenleistung zu fordern, und so folgte eine ganz empfindliche Lohnreduzierung auf dem Fuße. Wie den Arbeitern angekündigt wurde, soll nach und nach die Akkordarbeit ganz abgeschafft werden und ist in der Werkstätte für Schnellpressenbau bereits der Anfang gemacht worden. Um aber die gleiche Arbeitsleistung wie früher zu erzielen, ist das A u f s i ch t s p e r s o n a l vermehrt worden. Diese neue Einführung bringt den davon betroffenen Arbeitern einen Minderverdienst von 20 bis 50 Prozent, da sie nun die gleiche Arbeit zu einem erheblich niedrigeren Stundenlohn leisten müssen. Auf so geniale Art versteht es die Direktion vortrefflich, nicht nur die„geschenkte" Summe herauszuschlagen, sondern zu dieser noch das Drei- und Vierfache, während die in den gelben Verein gepreßten Arbeiter wehrlos zusehen müssen, ivie ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen von Tag zu Tag verschlechtert iverden._ ßci'ltn und Ctrngcgcnd. Achtung, Schlächtergescllen! Die Delegiertcnwahlen zur Ortskrankenkasse des Schlächter- gewerbes finden Sonntag, den 23. November, von 3 bis 7 Uhr, bei Feuerstein. Alte Jakobstraße 7ö statt. Die Berliner Smlächterinnung hat auch dieses Jahr die Führung sowie die Wahl- Unkosten für ihre Schützlinge, die„Gelben" Übernommen. In einem Aufruf an die Meister, der auch auf dem Berliner Schlachthofe — wo der„Freisinnige" F i s ch b e ck Plakate der Organisalion nicht duldet— angeschlagen ist, werden dieselben aufgefordert, ihre Gesellen nach„gelber" Art aufzuklären. Wörtlich heißt es: „Die Meister werden dringend ersucht, die bei ihnen be- fchäftigten Gesellen zu veranlassen, diese Versammlung zu besuchen und in ihrem eigenen Interesse den Kandidaten ihre Stimme zu geben, ivelchs von dem Gesellennu-Nchuß(gemeint sind die „Gelben". D. B.) ans den von demselben auSgegebeiie» Stimm- zetteln genannt werden." Durch die organisierten Gesellen im Kaffenvorstande find in diesem Fahre bedeutende Verbesserungen eingeiührt worden; das Krankengeld wurde von tob» auf 15,75 M. erhöht, der ortsübliche Tagelohn von 3 ans 4,50 M. usw. Dadurch haben sie sich den besonderen Haß der Jnnnngsprotzen, die den Gsellen absolut nichts gewähren wollen, zugezogen. Wir richten an alle diejenigen Partei» und Gewerkschaft?- genossen, die mit Fleischergcsellen znsaminenkonnnen, das Ersuchen.� dieselben auf die Wahl sowie die Bedeutung derselben aufmerksam zu machen. Alle Vertrauensleute und Funktionäre werden dringend ersticht, alles aufzubieten, damit ihre Arbeitskollegen vollzählig zur Wahl er- scheinen._ Die Verbandsleitung. kommen, daß die Abmachungen nicht innegehalten, die rechten» Löhne nicht gezahlt, die Bestimmungen über die Arbeitszeit und l die Zuschläge für Ueberzeitarbeit nicht befolgt werden. Es müssen J ngtürlich baldigst Schritte getan werden, um diese tariswidrigen Zustände zu beseitigen. Die Gesellen haben vor allem auch die Aufgabe, derartige Verstöße im Bureau ihrer Organisation zu melden. Aber auch im Interesse der Zwischenmeister selbst liegt es, daß sie den Tarif, wie er für ihre Werkstätten gilt, genau inne- halten, denn die Lohndrückcrei und die überlange Arbeitszeit muß naturgemäß dazu führen, daß Zwischenmeister selbst sich ihren Arbeitgebern zu untertariflichen Löhnen anbieten. Gehören die Zwischenmeister dem Schneidervsrband an, so haben sie natürlich um so mehr die Pflicht, den Tarif und die Beschlüsse ihrer Orga- nisation hochzuhalten und überhaupt ihre Gesellen nicht als Unter- gebene, sondern als Kollegen zu behandeln. Die Versammlung diente nun vor allem dazu, die Mißstände zu besprechen. Es wurden Fragebogen ausgegeben, um eine Sta- tistik über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei den Zwischen- meistern der Branche aufzunehmen. Sodann wurde eine Kom- Mission gewählt, die weiter in der Angelegenheit tätig sein soll. Oeutlcbea Reich. Die zentralen Tarifverhandlnngen im Malergewerbe haben nacki einer Mitteilung des„Zentralblaites für das Deutsche Baugewerbe" über eine Reibe von Punkten eine Einigung ergeben, so über die Arbeitszeit, Akkordarbeit, Lohnzahlungen, Agitanons- klausel, Vertragskündigung, Bekämpfung der Schmutzkonkurrenz. Maßnahmen bei Tarisiibertrelungcn, Tarifämter und Errichtung pariiätiscber Arbeitenachweise. Die noch strittigen Punkte, etwa 25, iverden in Kommiisionssitzungen erledigt und voraussichilich zu Schiedssprüchen führen._ Versammlungen. Achtung, Metallarbeiter, Rohrleger und Schlosser! Wie schon bekannt, befinden sich die Jiolierer seil einiger Zeit im Streik. Wie uns nun die Streikleittmg mitteilt, ist es nicht aus- geschlossen, daß die bestreikien Arbeitgeber versuchen werden, die Arbeiten der Isolierer von S ch l o s s e r n, R o h r l e g e r n, über- Haupt von Metallarbeitern ansfübren zu lassen, Deshalb machen wir ausdrücklich daraus aiifmerksam, daß der- artige Arbeiten als Streikarbcit zu bewach!en sind und erwarlen wir von unseren Mitgliedern, daß sie derartige Arbeit ohne weiteres verweigern. Außerdem fordern wir alle Metallarbeiter ans, denen Isolier- arbeiten zur Ausführung angeboten werden, dieses sofort in unserem Verbqndsbureau zu melden. Es ist selbstverständlich, daß die Metallarbeiter Berlin? und Umgegend den streikenden Isolierern in jeder Hinsicht die Solidarität bezeugen werden. Deutscher Metallarbeiterverband/ Ortsverwaltung Berlin. Ein Reinsall der„Gelben". Bei der Wahl des GeiellenauSichusses der Bäckerinnimg „Germania" erhielt die Liste des Verbandes der Bäcker und Kon- ditoren 512, die der Gelben 167 Slimmen. Letztere gehen auch hier mehr und mehr den Krebsgang trotz der Päppelung und der Vrolektion seitens der Innungen. Sie erhielten im Vorjahre 30.3 Proz., diesmal nur 24,6 Proz. aller abgegebenen Stimmen. während der Verband das prozentuale Stimmenverhällnis von 69,7 Proz. auf 75,4 Proz. erhöhte. Die Wahlen der Beisitzer znni JnnmigS-Schiedsgericht wurden daraufhin g»r nicht mehr erst ge- heim, sondern per Akklamation vollzogen und ergaben mit sehr starker Majorität den Sieg der Verbandsliste. Lehrlingszüchtcrei im Tapezierergewerbe. I Zu den Berufen, in denen die Lehrlingszüchiung und Lehrling?- aiiSbenterei noch einen recht großen Umfang erreichen, gehört auch das Tapezierergewerbe. Hier herrsch: noch der Kleinbetrieb vor. deren Inhaber ihre ganze Existenz zum Teil dadurch fristen, daß sie den Lehrling als billiges Ansbeulungsobjekt. sozusagen als Mädchen für alles, benüyen. Aus der Fülle krasser Fälle, die der Verband der Tapezierer durch eine statistische Erhebung feststellte, sollen nur einige der Oeffentlichkei« unterbreitet werden. In Itzehoe beichästigte die Firma P l a m b ö ck(Inhaber E. Horn) einen Werkstihrer. einen Gcbil'en, fünf„Volontäre" und 4 Lehrlinge. Die Volontäre erhallen Kost und Logis sowie 3 M. Lohn pro Woche. Ii» Norden Denischlands ist das Kost- und Logis wesen allgemein längst abgetan. Man wird also die große Liebe' er- messen können,»rn der die Firma sich der billigen Arbeitskräfte annimmt. Noch schlimmer sieht es in N e u m ü n st e r aus. In dieser Stadt wurden am 1. Oktober 1999 in 19 Betrieben insgesamt 16 Gehilfe» beschäftigt. Davon beschäftigen 9 Betriebe 14 Gehilfe» und 31— einunddreißig!— Lehrlinge. Die Firma Becker be schäftigt neben 3 Gehtl'en 5 Lehrlinge; die Firma S ch ü m a n n einen Gehilfen und 5 Lehrlinge; die Firma S a g g a u 5 Gehilfen und 6 Lehrlinge, andere Firmen, wie Schröder, beschäftigen einen Gehilfen, einen Volontär und 4 Lehrlinge. In einigen dieser Musterbetriebe werden die Lehrlinge mit Hans- und Feldarbeit be- schäftigt. Wie die Ausbildung der Lehrlinge beschaffen ist, erhellt darans. daß eine Anzahl nach beendeter Lehrzeit sofort als Arbeiter in die Fabnken der Stadt eintraten. Aehiiliche Verhältnisse finden wir In einer ganzen Reihe anderer Mittel- und Klciiistädle. Daraus geht wohl mit aller Deutlichkeit hervor, in welcher Weise mit der billigen Arbeiiekraft der Lehrlinge gewiilschaftel wird. Diese Zustände sind den Jnnungs- und Hans werkskornniervorsländen nicht unbekannt, trotzdem tun sie nichrs zu ihrer Beseitigung. Alle Hinweise seitens der Geiverkschaft auf Ab änderung dieser Zustände blieben bisher unbeachtet. ßusUnd. Der Jahreskongreft der American Federation of Labor. Am 8. November wurde der 29. Jahreskongreß des ameri- konischen Arbeiteröundes in Toronto, Kanada, eröffnet. Der kana- dische Arbeitsniimster, der Bürgermeister von Toronto und andere staatliche und städtische Beamte waren anwesend und hielten an die Delegierten, die in der Zahl von mehr als 599 erschienen waren, Begrüßungsansprachen. Zum erstenmal fand ein Kongreß des Arbeiterbundcs in Kanada statt, da die einzelnen Verbände sich zu- gleich über Kanada erstrecken und man Wert darauf legte, die gegenseitigen Beziehungen zu stärken. Samuel G o m p e r s erstattete seinen Jahresbericht, in welchem er erklärte, daß die Organisation trotz der schlechten Zeiten«ine neue Stärkung erfahren habe. Er besprach dann die bekannte Boykottangelegenheit und das ergangene Urteil und führte aus, daß damit die wichtigsten Rechte der amerikanischen Arbeiter in Frage gestellt würden. Er wendete sich dann der arbeiterfeindlichen Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten zu und gestand, daß trotz der vielen Anstrengungen von feiten der Arbeiterorganisationen, die schliinmsten Ausnnichse der kapitalistischen Klassengesetzgebung zu beseitigen, nur wenig Erfolge erzielt worden seien. Er vertraue aber darauf, daß eine befriedigende Lösung der Schwierigkeiten ge- fundcn werden würde; Präsident Taft habe ihm Versprechungen gemacht. Die Arbeiter müßten aber unparteiisch bleiben und nur für ein Prinzip, nicht für eine Partei kämpfen. Er sagte:„Wir üben mit unserem Wahlrecht keine Er- Pressung aus. Die Arbeit muß endlich verstehen lernen, daß sie die Parteien im Interesse ihrer Prinzipien ausnützt, und darf den politischen Parteien nicht erlauben, von ihnen ihren Zwecken dienstbar gemacht zu werden." Das ist das alte bekannte Lied, nach welchem die Arbeiterklasse politisch unfruchtbar bleiben soll.— In seinem Bericht über die Reise nach Europa verweilte G o m p e r s besonders bei der Pariser Kon- screnz und meinte, daß die Konferenzen außer ihrem Wirken für den Frieden und der Ausstellung von internationalen Arbeiter- statistiken wenig Praktisches schassen. Dann sprach er über den Anschluß an die Internationale und erklärte:„Ich bin davon überzeugt und zögere nicht mit der Empfehlung, daß die Interessen der amerikanischen Arbeiter am besten durch Anschluß an das Internationale Sekretariat gewahrt werden, obgleich dasselbe noch viel zu wünschen übrig läßt. Die Kosten würden sehr gering und die greifbaren Erfolge außerordentlich klein sein, dagegen würde der brüderliche Geist der Jnternationalität, der dadurch gestärkt werden müßte, unschätzbaren Nutzen bringen." Am Schlüsse seines Berichts betonte Gompers, daß in keinem Lande Europas eine Arbeiterorganisation besteht, die besser geeignet wäre, direkte Erfolge für die Arbeiterschaft zu erzielen als der amerikanische Arbeiterbund. Nach dem Kassenbericht deS Sekretärs Morrison schloß das Geschäftsjahr des Bun-des am 1. Oktober 1999 mit einem Bestand von 167 393 Dollar ab. Die Einnahmen beliefen sich auf 293 792 Dollar. Das Gehalt von GomPerS beträgt 5999 Dollar, wozu noch 1271 Dollar für allerlei Unkosten kommen; der erste Sekretär erliält 4999 Dollar Gehalt.— lieber die Mitgliedcr- bewegung fehlen die näheren Angaben. Die Zahl der Mitglieder soll am 1. Oktober höher gewesen sein als je zuvor. Im Laufe der Verhandlungen des Kongresse? kamen viele Streitfälle von Gewerkschaften untereinander zur Erledigung. Gegen den Stahltrust will der Bund energisch vorgehen, weil der Trust den Arbeiterorganisationen sehr feindlich gesinnt ist. Die Einwandcrungsfrage. die Altersversicherung, die bessere industrielle Ausbildung der Arbeiter und andere Fragen wurden lebhaft Mg sprochen._ Berichtigung. In unserer gestrigen Notiz über die Federation of Labor befindet sich ein Fehler. Es heißt dort:„Die Organi- sierten der gcwerkschafil'chen Landeszentralen, die der Jiiiernmionale angeschlossen sind, umfassen jetzt die Summe von 2563 999 in 17 Ländern," Es m u tz heißen 5 563 000! Die Awischenmeistergcsellen der Hcrrenmaszschneider hatten sich am Montag im Saale von Krottendorfer in der Mark- grafcnslraße versanimelt, um über ihre Lohn- und Arbeits- Verhältnisse zu sprechen. Für die Herrenmaßschneider be- steht seit 2'ch Jahren ein fester Tarifvertrag mit fünf Tarifklassen für die Akkordarbeit. Dieser Tarifvertrag, der von allen irgend- wie bedeutenden Geschäften anerkannt ist, hat sehr günstig auf die Verhältnisse eingewirkt. Er gilt selbstverständlich auch für die Zwischenmeister der Branche und für die Gesellen, die sie be- schäftigen, jedoch mit der Einschränkung, daß der Zwischenmeister für seine Unkosten sowie für seine Mühewaltung mit Heranholung und Ablieferung der Arbeit usw. bestimmte Abzüge von den Tariflöhnen macbt, die er von dem eigentlichen Arbeitgeber erhält, Diese Abzüge �nd seinerzeit nach Abschluß des Tarifvertrags in einer Versammlung, an der auch die im Schneiderverband organi- sierten Zwischenmeister teilnahmen, festgelegt worden und sind dementsprechend auch in dem gedruckten Tarifvertrag aufgeführt. Es zeigt sich jedoch jetzt, daß ein Teil der Zwischenmeister höhere Abzüge macht, hier und da auch im Zeitlohn beschäftigte Gesellen unter Tarif bezahlt; und ferner kommt es vor.�daß die festgesetzte Arbeitszeit weit überschritten und die Zuschläge für Ucberzeit- und Sonntagsarbeit nicht bezahlt werden. Daß solche Zustände einreißen konnten, beruht zum Teil daranf, daß die Zwischen- Meister meist junge Gesellen beschäftigen, die, oftmals erst aus der Provinz zugereist, mit den Verhältnissen Berlins nicht Bescheid wissen. Zuweilen sind diese Gesellen in der Lehre mehr ausge- b e u t e t als ausgeb i l d e t worden und können dann in der ersten Zeit nicht das leisten, was in Berlin selbst von einem jungen Mann im Schneidergewerbe verlangt wird. Das scheint dann dem Zwischenmeister ein hinreichender Grund zu sein, nicht einmal den doch für minimale Leistungen berechneten Minimallohn der Aus- gelernten zu zahlen, obwohl es der jnnge Geselle in der Regel sehr bald dahin bringt, allen Ansprüchen zu genügdn, die billigerweise an ihn gestellt werden können. Er wird es um so leichter dahin bringen, wenn der Zwischenmeister oder dessen Frau, die ja auch manchmal in der Werkstatt viel zu sagen hat, sich nicht in Schimpfereien über seine Ungeschicktheit ergehen, sondern ihm statt dessen einige Anleitung geben. Aber' auch tüchtigen Gesellen und alleren gegenüber�die ganz ganz selbständig arbeiten, soll es vor._________ Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.:rd. Glocke, Berlin. Druck ll.Berlag:BorwärtsBuchdr.u.VerlagZanstall'KaulSingerLCo,,BcrlinLW, Hierzu 3 Beilagen«.UnterhaltitngSil,' Transportarbeiterverband. In der am Monkag abgehalteneK Generalversammlung der Sektion 2 hielt Genosse S e l l i c r einen Vortrag, in welchem er die Eindrücke schilderte, die er bei seiner türzlichen Anwesenheit in Nordamerika von der dortigen Arbeiter- bewegung erhalten hat. Im allgemeinen ist die Ansicht des Redners die: daß in der amerikanischen Arbeiterbewegung manches anders ist, als es die klassenbewußte Arbeiterschaft Deutschlands für zweck- mäßig hält. Er führt das zum großen Teil zurück auf die Zer- splitterung sowohl der gewerkschaftlichen als auch der politischen Arbeiterorganisation in Amerika und erwartet, daß der nunmehr erfolgte Anschluß der amerikanischen Gewerkschaften an die gewerk- schaftliche Internationale zu einer Verständigung und günstigen Be- einflnssnng der amerikanischen Arbeiterbewegung führen werde.— Der Vortrag fand lebhasten Beifall. U t h e s erstattete den Geschäftsbericht für das drille Quartal. Er teilte unter anderem mit, daß 8 Lohnbewegungen in verschiedenen Betrieben und Branchen staitfanden, von denen 7 ohne Streik er» folgreich beendet wurden. Außerdem wurden 5 Abwehrbewegungen geführt. In einer Reihe von Betrieben gelang es, Lohnerhöhungen durchzusetzen. Bei einigen Firmen der Speditionsbranche, welche die Bestimmungen des Tarifs nicht innehielten, ist durch Arbeits- niederlegung von kurzer Dauer dem Tarif Anerkennung verschafft worden. 19 Brauereien haben infolge einer Vorstellung des Ver- bandes den Bierfahrern Entschädigungen gewährt als Ersatz für den Ausfall, den sie durch die Bicrsteuererhöhung erlitten haben. — Der Mitgliederbestand betrug am Ende des zweiten Quartals 17 299, am Schluß des dritten Quartals 18 326, und zwar 16 357 männliche, 1324 weibliche, 645 jugendliche. Das ist eine Zunahme von 1027 Mitgliedern.— Der Kassenbericht zeigt eine Einnahme von 106 351,18 M., eine Ausgabe von 92 414,02 M. und einen Be- stand von 13 937,16 M. Für Unterstützungen wurden 2844,40 M. ausgegeben. Letzte JVacbrichtcn und vepelcben. Die Finanzreform im englischen Oberhaus. London, 23. November.(W. T. B.) Das Oberhaus setzte heute bei dicht besetztem Hause die Beratung der Finanzrcformvorlage fort. Lord C romer führte aus, er wolle sich der Abstimmung enthalten; er könne nicht für die Resolution Lansdowne stimmen und wenn er gegen sie stimmen wollte, so würde dies als Zeichen der Zustimmung der Bill angesehen werden, die er aber ablehne. Obwohl England gegenwärtig glncklicheriveise mit aller Welt im Frieden lebe, so könne er doch nicht sagen, die allgemeine Lage in Europa wäre so, daß man nicht befürchten müßte, das Auftreten von Zwistigkeiten in England würde das Land lähmen, wenn es einmal in Gefahr geraten sollte und die Ablehnung der Bill würde zweifellos langandanernde heftige Kämpfe hervorrufen, denn sie würde auch die gemäßigsten Liberalen zwingen, sich nicht eher zu» frieden zu geben, bis nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die Befugnisse des Oberhauses geändert würden. So verwerflich auch die Finanzreformvorschläge der Regierung seien, so könnten sie doch nicht abgelehnt werden, ohne daß man anderen schrecklicheren Gefahren entgegenginge. Für die Regierung sprach hierauf Lord Pentlawd und erklärte. daß sie geschlossen für das Budget eintrete, und stellte in Abrede, daß sie der Angreiser im Streit sei. Das von Lansdowne vorge- schlagen« Vorgehen sei ohne Prezedenzfall, und wenn er auch darauf Hingelviesen habe, daß ein Chaos, wie es die Ablehnung des Finanz. aesetzes zur Folge haben werde, durch ein Zusammenarbeiten der Regierung mit der Opposition vermieden werden könne, so müsse Lansdowne doch sehr gut wissen, daß die Regierung sich niemals an einem Schritte heteiligen könne, der auch nur den leisesten An- schein erwecke, an den Privilegien des Unterhauses rütteln zu wollen. Die Ablehnung des Finqitzgesetzcs bedeute die Lahmlegung der Exekutive und eine sich daraus ergebende Stockung der Ge- schäfte, zu deren Beseitigung es keinen Ausweg gebe als eine revolutionäre Acndcrnng der Berfassiing. Er könne nicht glauben. daß das Volk es dulden würde, daß 690 Peers sich die Kontrolle über die Bestenerung anmaßten, die es tragen solle, und er gebe zu erwägen, ob die Lords diesen nicht zu widerrufenden Schritt tun müßten; sei er einnial getan, so könne der Zuswnd, wie er einst gewesen, nie wieder hergestellt werden.(Beifall bei den Ministeriellen.)_ Deutsches Kapital in Rußland. Petersburg, 23. November.(W. T. B.) Heute ist vor dem Petersburger Bezii ksgeriwle die Papierfabrik Gebrüder Wargunin öffentlich für I 600 000 Rubel versteigert worden. Eine deutsche Firma bat die Fabrik erworben. Weitere Eingriffe der rnssischen Regierung. Petersburg, 23, November. Der Kaiser hat einem Beschluffe des Ministerrates seine Zustimmung erteilt, wonach in Zukiinft auf ausländischen Kongressen, Konferenzen, Ausstellungen und internationalen Feiern, iobald sie politischen Charakter tragen, Vertreter der fiiniländiichen RegicrungsressorlS nicht mehr selbständig a n f t r e l e» dürfen. Wenn derartige Kongresse und dergleichen »ichi politisch sind, dürfen Finiiländer nur als Privatpersonen oder als Vertreter privater Vereinigungen fungieren. Sofern es nötig erscheint, daß osfisielle Vertreter zu irgend welchen internationalen Versammlungen abzuordnen sind, können solche Vertreter als Mit- glieder russischer Abordnungen auftreten. Wenn diese jedoch fehlen, haben finnländische Vertreter an den Verhandlungen nicht teilzu- nehmen._ Zur Kretafrage. K-nstantinopel, 23. November.(W. T. B.) Die Antwort der Kretaschutzmächte aus das Zirkular der Pforte ist fertiggestellt, sie wird keine Andeutungen bezüglich der wbsidären Frage enthalten. Wie der Pforte telegraphisch mitgeteilt worden ist, ist die Ueber- rcichung der Antwort um einige Tage verschoben worden. Der auf die in der Türkei ansässigen Bulgaren bezügliche Teil der Rede der Minister Malinow und Paprikow in der Sobranje beschäftigt die Pforte gegenwärtig in hohem Maße, Heute verlangte daS Mi- nisteriuni des Aenßern von dem türkischen Gesandten in Sofia die authentischen Texte der Reden Malinows und Paprikows, damit sich der Minister des Aeußern bei der Beantwortung der Intel- pellation in der Kammer danach richten könne. Zwei Personen verbrannt. Kansas kMiffonri), 23, Noveinber.(W. T. B.) In dem Hanse eines der ältesten demokratischen Mitglieder deS Kongresses De Armond brach heute nacht Feuer aus, dem De Armand mit einem Onkel zum Opfer fiel. Frau De Armond konnte sich retten. Einen Bizekönig zum Teufel grjagd. Peking, 23, November. den neuen, durch das Erstarken der Arbeiterbewegung geschaffenen Anforderungen zu genügen. Und ebenso ernst wie die Ergebniffe dieses Urteils für unsere Verfaffung sind seine unmittelbarell praktischen Folgen für die Arbeiterklnffe Amerikas. Wohl hat der Gerichtshof in volltönenden Worten erklärt, daß es den Arbeitern freistehe, ihre Kundschaft nach ihrem eigenen Gefallen jemandem zuzuwenden oder von ihm abzn ivendcn, daß sie diese Macht auch auf Verabredung zur Besserung ihrer Lage verwenden und auch die Freunde der Arbeitersache im allgemeinen überreden dürfe», bei Einkäufen so vorzugehen daß sie den Arbeitern dadurch in ihren: Kampfe behilflich sind. Das praktische Ergebnis dieser Entscheidung bedenket aber gerade das Gegenteil. Nach der Theorie ist allerdings nur der „Boykott zweiten Grades" gesetzwidrig und richterlichen Einhalts befehlen unterworfen. Sobald aber ein Einhaltsbesehl gegen eine» solchen Boykott erfolgt ist. ist es den Gewerkschaften, gegen die er sich richtet, sofort unmöglich gemacht, auch in der friedlich st en Weise Abkommen zu treffen oder an ihre Freunde zu appellieren, ihren Gegner»ich zu begünstigen. Gehorchen sie aber nicht, so konimt ihnen das erbärmliche Verfahren wegen„Mißachtung des Gerichts" über den Hals, und sie wandern ins Loch, ohne vor eine Jury oder so n st einem wirklichen und ordentlichen Gerichts Hof gestellt worden zu sein. Und diele Aufhebung der verfassungsmäßigen Garantien für die Freiheit der Rede und der Presse richtet sich mit ihren furchtbare» praktischen Konsequenzen in erster Linie gegen die Arbeiterklasse. In der Regel iverden Einhaltsbcfehle gegen Individuen erlassen. Aber Einhaltöbefehle im Fall von Streiks und Boykotts jden» das hier zur Geltung gelaugte Prinzip richtet sich in gleicher Weise geyen Streiks) treffen praktisch die ganze Arbeiterklasse und alle, die mit ihr iympalbisiereu. So war im vorliegenden Falle der Einhaltsbefebl gegen die A. F. of L. und ihre„Anhänger" ergangen, und dieser Ausdruck ist dehnbar genug, um jedermann in sich zu begreifen, der willens ist, ihr irgendivie zu helfen oder ihr seine Synipatbie aus zudrücken. Die praktische Konsequenz eines solchen Geueraleinhalts befehls. der vorgeblich nur Exzesse Verbindern soll, wendet sich daher uumillelbar gegen die ganze Arbeiterklasse und ihre Freunde, und die ganze sozialistische und gewerkschaftliche Presse ist geknebelt und mundtot gemacht. Und wollen sie nicht einem solchen Schandprozeß wegen„Mißachtung" zum Opfer fallen, so dürsen sie weder in Rede noch in Schrift, weder öffentlich noch privat weder den Einhalts- befehl selbst kritisieren noch auch irgendivie den Versuch machen, den Arbeitern in ihrem Kampfe, wenn auch mit ganz gesetzlichen Mitteln beizustehen. Es ist abzuwarten, welche Antwort die Arbeiterflaffe und insbesondere ihr organisierter Teil diesem neuen Anschlage auf ihre Rechte als Staatsbürger und Mitglieder der Arbeiterklasse gegenüber finden werden, und es wird auch recht intereffant sein, zu beobachten, was unsere bürgerliche»„R adikalen" zum Schaye unserer fteien Euinchlungen tun werden, mit denen sie so sehr prahlen. L. B. B o u d i n. Hus der Partei. „Times" stellt fest, daß das Wachs eines anerkannt echten Bas reliefs von Pierino da Vinci slSLO— 50) trotz des Alters keine Veränderung erlitte» hat und bei 64 Grad Celsius schmilzt. Nach dieser Zuschrift könnte ev. der hohe Schmelzpunki der Berliner Büste für einen Zuiatz von Stearin, das seit 1834. oder von Paraffin, daS seit 1850 für die Herstellung von Kerzen verwendet wird(mit solchem pflegte Lucas zu arbeiten), sprechen Also der hohe Schmelzpunkt wäre gerade ein Gegen- beweis! Wenn Herr Bode meint, die deutsche Presse einlullen zu können. (die„Tägl. Rundschau" und daS„Berl. Tagebl." machen eine Aus- nähme), so muß er sich in der ausländischen Presse um so deutlicher die Wahrheit sagen lassen. In den„TuneS" höhnt ein Einsender über BodeS„prahlerische Verkündigung seiner wiffenschaftlichen Uu- fehlbarkeit", und in der Pariser Illustration wird die Porschiebung deö Kaisers als„unfehlbaren Sachversländigen" iveidlich verspolict. Man lacht über Herrn Bode und seine lvianöver— das ist der Erfolg seiner souveränen Allüren. In jedem Lande mit entwickelter Volksvertretung wäre ein Be- amter wie Bode längst unmöglich. Unter dem Drucke der öffentlichen Meinung hätte er bei dem bloßen Versuch, den Un- veraiuwortlichen zu spielen und eine öffenllicke Untersuchung zu ver- sagen, demissionieren müssen. Glaubt Herr Bode, dem preußische» Boll im Vertrauen auf die preußische ,Volks"vertretung alles bieten zu köiliien? Theater. Neues Theater: Gastspiel DeSprvL. Um Suzanne Desprös, unsere» französischen Gast, richtig zu beurleile», müßte mau von der Stätte und dem Milieu ausgehen, in dem sie ihre künstlerische Schulung genossen hat: von den, Theater AntoineS, des Reformators der ftanzösische» Bühne. Auloiilc hat mit Energie und Geschick dem NaturalisnniS des Dramas, der Darstellung und der Jnszenkeruua in Frankreich zum Durchbruch verholfen. In dem klassischen Lande der Theatcrkonvenlion eine doppelt icbwierige und doppelt verdienstvolle Tal. Statt der überkommenen Bühueinnache sollte überall das Leben, die Wirk- lichkeit trete», statt der überlebten Stilisierung, die" uian als Umialur cutpfand, die Natürlichkeil zu ihrem Rechte kommen. Aus dieser Schule stammt die Deprss. Ihre starke und sichere, aber auch begrenzte Wirkung beruht darauf, daß ihre eigene Veranlagung ganz mit dem Programme des Naturalismus übereinstimmt. Gründlicher hat wohl nie eine franzvniche Schauspielerin mit dem �Theater" gebrochen als diese kleiue Frau, die immer wieder als bestes ihr eigenes Wesen gibt: ihre Frisckie, ihre muntere Liebens- Würdigkeit. Herzlichkeit und von aller Salonknltur freie PolkSlüm- licvkcit. Was immer die DeSpres darstellt, ihr Zauber ist immer der gleiche: man spürt: hier ist lmverbranchte, gesunde Volkskraft zur Kunst emporgestiegen und bat den Mut zu sich selbst gefunden. Am Montag gab Frau DesproS die Pariserin in Henry BecqueS gleichnamigem Lustspiel. Der satirische Sittenschilderer (ff 1803), der so gründlich mit den alten Methoden deS französischen Lustspiels brach, hat in diesem Drama, daS zu AntoineS altem Nicderöstcrreichischcr Landesparteitag. Die niedcröslerreichische Landesorganisation der deutsch-östsr- reichischcn Sozialdemokratie kielt Sonntag und Montag in Wien ihren Landesparteilag ab. Es waren anwesend 53 Delegierte anS Wien(darunter 14 Frauen) und 66 ans der Provinz(darunter 10 Frauen), serncr 10 Vertreter der Gewerkschaften mit Genossen Hueber und 24 Vertreter der Partei- und Fach- Piene. Die Parteileitung vertrat Genvsie Dr. Adler, die Reichstagsfraktion Genosse S e i tz, die 16 ReichSratS- und die 7 Landlagsabgeordiieien Niedcrösterreichs wäre» anwesend. Nach politischen Reden Adlers und Seitz', die sich besonders gegen die Obstruktion der Slawen und die Herbeiwünsämitg des Z 14-Re- gimcnts durch die Denischbürgerlichen ivandten und die Alternative: „Rücktritt der Regierung oder Auflösung des Hauses" aufstellten, ivurde in die geschäftlichen Verhandlungen eingegangen. Diese beschäfliglen sich zumeist mit der durch den prinzipiellen Beschluß des Reicheubeiger Parteitages, daß die politische VereiiiSorgaiiisalion einzuführen sei, notwendigen II m g e st a l t u n g der Parteiorganisation Niederösterreichs, die heute in Wien und einigen der wichtigsten Wahlkreise so ein« gerichtet ist, daß ein Wochenblatt(in Wien die„VolkStribüne") als Quittung gegeben wird und die Parteisleuer in dem Bezugsgeld von 8 Hellern wöchentlich inbegriffen ist. Da der Parteitag iveitberzig UebergangSbeslimmuitgen beschließen mußte, konnte nach lauger be- wegter Debatte beschlossen werde», daß in Wien jedes Parteimitglied einen Wocheubeilrag von 12 Heller(10 Pf.) an den politischen Be- zirksverein entrichtet. Damit hat er die Reichs- und Landespartei- stcuer bezahlt, ist Vereinsmilglied und erhält die„Volkslribiine" bezw. im 21. Bezirk(FloriSdori-Donaustadt) den„Volksboten" als obligatorisches Vereinsorgan ohne weitere Zahlung. AnS den Berichten ici enwähnt, daß der LandeSparteisekcetär Abg. Genosse Brctschneider besonders die Förderung der Ge« werkschafr Sorga it isation der Land- lind Wald« arbeitet: forderte, der Kassierer Abg. David die Erschließung neuer Einnahmequellen verlangte und berichten nnißle, daß infolge der Krise und der Verdrängung der«Volkstribüne" aus anderen Provinze» durch die dortigen Kreisblätter die Auflage von 69 366 auf 63 650 siel. Davon iverden in Wien etwa 48 000, der Rest auf dem Lande abgesetzt.— lieber die Bildungsbestrebungen referierte Genosse W i n a r S k y. Wir habe» ja vor einiger Zeit über die Organisation deS VildungswescnS in Wien berichtet. Von der österreichischen Sozialdemokratie. In L a i b a ch tagte am Sonntag eine Konferenz der s ü d« slawische» Sozialdemokraten. Vormittags fand ein großes Meeting im Saale des Vereinshauses statt. Den Vorsitz der riesigen Versammlung führte Genosse K r i st a It. Es sprachen die Genossen Adler, Dr. T u tz o w i t s ch(Belgrad), Abgeordneter Scabar(Trieft), Bruha und Smeral(Prag), Bnkseg (Agrani), Dimitrowitsch(Belgrad). Jakschitsch(Sarajevo) und Nenner. Alle betonten die Notwendigkeit der nationalen Autonomie und der internationalen Solidarität. Kr ist an dankte in seiner Schlußrede jedem Delegierten in seiner Sprache. Nachmittags tagte die Konferenz. Kristan referierte über den Punkt:„Die Sozialdemokratie und die südslawische Frage", Dimitrowitsch über:„Die politische Lage und die Pflichte« der südslawischen Sozialdemokratie". Bon der schweizerischen Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Partei des Kantons Zürich hielt am Sonntag in R ü t i ihren ordentlichen Parteitag ab, Repertoire gehörte, die Pariserin verspottet, die nur________... weien sein will und deren Moral darin besteht, sie nur von anderen zu fordern. Dies verführerische, kokette Wesen, das den Ehemann uiil dem Freunde betrügt und den Freund mit einem Dritten usw., soll in seiner Macht gezeigt und verhöhnt werden. Gestehen wir eS: die Despres war so liebenswürdig und diskret, so schelmisch und selbst- verständlich, daß aus der Satire ein lustiges Spiel wurde. Die Pariserin deS Becque war sie nun freilich nicht(die Röjaue kam ihr eher nahe). Der Hausfreund, der alles so ernst und tragisch nimmt. leidet, als ob er der Ehemann wäre, und wurde von Herrn Luguö- P o.e aufs wirksamste gespielt.— r. Gastspiel-Theater.(M ü n ch e n e r M ä r ch e n s p i e l e.) Der Zauberkessel", ein lustiges Spiel für alt uu» fling von L. Kützner. DaS zur Ucberbrcttlzeit von Wolzogcn'gc« gründete, in seinem Interieur so eigenartige Theatcrchcn in der Köpenicker Straße bietet für Märcheuspi-le eine stimmungsvoll au- beimelnde Stäne. Manches in den fein abgeftimniten malerischen Reigen der Gruppenbilder, den anmutigen Ringelreihen und Tänrcu dieser Aufsührung erinnerte au damals gemachte Versuche. Der Eindruck war ein freundlicher. DaS Küßnersche Stückchen, eine Bearbeitung des Anderienschen Märchens vom Schweinehirten und der hochmütigen Prinzessin bält sich mit sicherem Takt an dem schlicht naiven Ton des Originals nud sorgt zugleich dafür, daß eine geschickte Inszenierung reichlich Gelegenheiten hat, auch das Auge zu ergötzen. Sehr drollig wirkten der ewig schläfrige, vom jungen Mädcheuvolk gehänselte Viitter Dormio, der gutmütige alte König. der sich inimer ivieder wundert, wie viel leichter sich ei» ganzes Volk von Ilulertane» als eine einzige ungezogene Tochter regieren läßt, und die hinter einem gewaltigen Reifrock verschanzte Hof« Meisterin, sehr munter und graziös die reizend kostümierten Hof« räulein. Den Glanzpunkt der Vorstellung bildete die in jedem Detail vorzüglich dnrchgefiibrte Szene, in der die stolze Prinzessin bei den Klängen des gauberkesscls plötzlich an« ihrer Narrheit erwacht und dem als Schweinehirt verkleideten Prinzen vor den Augen des ganzen Gefolges das Wunderding mit der verlangten Anzahl Küsse abkauft. Tie das Leitmoiiv„Ach, du lieber Augustin" humoristisch verivendende Musik von I st e l s erhöhte stiinmungsvoll die Lustigkeit._ dt. Notizen. — Theaterchronik. G. Hauptmanns soziales Drama „Vor Sonnenaufgang" wird in Eriniierimg an die vor zwanzig J.ihren erfolgte Uraufführung durch die»Freie Bühne" am 30. November im Lessiug-Theatcr aufgeführt. — Vorträge. Im wissenschaftlichen Thealer der Urania wird am DonnerSiag der Vortrag:„Trauerspiele im Tier» lebe ," gehalten werden. Herr Fritz Bley schildert darin die sich in der Tierwelt abspielenden Kämpfe und den Niedergang der Arien wfolge der Ausrottung des Raubwildes und der Eingriffe des Menschen. der von 146 Delegierten, worunter mehrere Genossinnen, besucht war und einen guten Verlauf nahm. Aus der Rechnung deS Partei- finanzministerS war mit Befriedigung zu entnehmen, dasi auch die Finanzen der kantonalen Partei im Vergleich zu früheren Jahren sich bedeutend gebessert haben. Die Einnahmen be- trugen im letzten Geschäftsjahre 5325.65 Fr., die Ausgaben 2735.54 Fr., das Vermögen 2624,46 Fr. Tie Mitglieder- zahl ist von 7243 auf 8925 gestiegen. Die Zabl der im ganzen Kanton organisierten Arbeiter dürfte zirka 20(XX) be- tragen. LuS den Verhandlungen des Parteitages erwähnen wir nur die an manchen Orten vorhandenen Rivalitäten zwischen Gr ütlivereinen und s o zi a l d e m o kra t i scheu Arbe i ter- vereinen. Ueber die Tätigkeit der sozialdemokra- tischen Kanton Sratsfraktion berichtete Genosse Bezirks- richtcr Heutzner- Zürich. Der Geschäftsleitung der Partei und der Kantonsratsfraktion wurden zwei Anträge der Arbeite« rinnenvereine überwiesen, nämlich betreffend die Ei n f n h r u ng des Frauen st im m rechts und die st a a t l i ch e Unter- stütz ung der unentgeltlichen Geburtshilfe, die bereits in einer kleinen Gemeinde des Kantons Zürich zu allseitiger Befriedigung eingeführt ist. Das veraltete Medizinalgesetz soll revidiert werden, um die der Gründung von Genossen- schaftsapotheken entgegenstehenden Schwierigkeiten zu be- seitigen. In einer einstimmig angenommenen Resolution erklärte sich der Parteitag für die Annahme der drei Gesetzcsvorlagen, über die am 12. Dezember die Stimmberechtigten zu entscheiden haben. Am Nachmittag hielt in gutbesuchter Volksversammlung Genosie Lang ein Reserat über:»Die politische und wirtschaftliche Lage der Schweiz"._ Personalien. Zum Parteisekretär für den 17. Hannover- schen Wahlkreis(Harburg) wurde Genosie Karl Möller- Bremen— bis jetzt Gauleiter des Heizer- und Maschinistenverbandes gewählt. poUeeiUebes, Genchtlichto lifo. Einen Frcisprnch «rzielte am vergangenen Sonnabend Genosie HanS Deisel von der B e r g i s ch e n A r b e i t e r st i m m«" vor dem Schöffen- gerecht in Solingen. Unlautere Manipulationen in der Rasier- messerfabrikation, die. wenn sie weiter um sich greifen würden, die Solinger Industrie schwer schädigen würden, bildeten den Gegen- stand der Verhandlung. In Nr. 134 der.Bergische» Arbeiterstimme" erschien ein gegen die Finna Gebr. Rükels, Rasiermefserfabril i» Mericheid bei Solingen, gerichteter Artikel, ivelcher dieser vorwarf, sich betrügerischer Maiiipnlalioncn bei Herstellung bestimmter Rasier- messersorlen dadurch schuldig gemacht zu haben, daß sie nicht die- jenige Qualität Stahl Verivcndet habe, die sie den Kunden in Rechnung stellte. Die Firma klagte wegen Beleidigung. Nach um- fangreicher BcweiSaufnahine und Erstattung eines Saibverständigen- gutachrens wurde der Angeklagte freigesprochen. Der Wahr- heitsbeweis sei in allen Punkten erbracht worden. Eine Verurteilung wegen formaler Beleidigung habe nicht erfolgen können, weil die in dem Artikel enthaltenen scharfen Ausdrücke in diesem Falle vollkommen am Platze gewesen seien. Soziales. Landarlieitersrcuden. Ein Bild von der Roheit und Rücksichtslosigkeit der BeHand. lung unserer Landarbeiter entrollte eine Verhandlung vor dem Schöffengerichte in Stolp. Angeklagt wegen Körperverletzung und Beleidigung war der Inspektor Lcssentin ans Neu-Jugelow. Weil die Arbeiterfrau Pigorsch in der Frühstückspause mit einer Frau sprach, erklärte der Angeklagte:„So'ne versoffne Sau, was hält sie die Leute von der Arbeit aus, scher sie sich nach Hause und bereite lieber Mittag, dah sie rechtzeitig zur Arbeit kommen kann." Als die Frau diesem Befehl nicht nachkam, hetzte er seinen Hund auf sie. Der war freilich vernünftiger als sein Herr und gehorchte ihm nicht. Nunmehr lief der Inspektor der davongehenden Frau nach, stieß sie z» Boden und versetzte ihr mit seinem Jnspektorknllppel mehrere Hiebe. Mit den Worten:„Warte, Du versoffne Sau, wenn ich wiederkomme, kriegst Du mehr!" entfernte sich dieser „empfehlenswerte" Mann. Selbst der Amtsattwalt muhte diese brutale Handlungsweise als roh bezeichnen, da es eine Roheit sei. auf wehrlose Frauen einzuschlagen. Er beantrage einen„Denk- zettel" in Höhe von— 6« M. für Körperverletzung und 36 M. wegen Beleidigung. Das Urteil war noch milder. Das Gericht hält eS für glaubwürdig, dah der Angeklagte durch die Frau gereizt fei, es wäre sonst unverständlich, wie solch ein Mann so was tun konnte. Es sei deshalb aus 36 M. Geldstrafe wegen Körper- Verletzung erkannt worden. Was die Beleidigung anbetrifft, so sei auf 16 M. Geldstrafe erkannt worden, denn auf dem Lande falle solche Beleidigung nicht schwer ins Gewicht und hätte die Frau sich auch nicht beleidigt gefühlt. Das ttennt man unparteiische Justiz. Denn sicherlich hätte doch wohl das Gericht die Frau ebenso glimpflich bestraft, wenn sie den Inspektor mit Liebkosungen, wie„entfamigter Schweinigel". überschüttet, einen Hund auf ihn gehetzt und ihm ein Paar mit einer Schippe oder Sense übergezogen hätte. Oder hätte dann das Gericht über Zuckitlosigkeit, Roheit, Aufsässigkeit des Gesindes ge- klagt und auf Gefängnis erkannt? Wenn die Landarbeiter sich dem Landarbciterverband und der politischen Organisation der Sozialdemokratie anschlössen, so würden derartige Roheiten zum mindesten erheblich seltener werden und Inspektoren dieser Art mühten bald allein ohne Arbeiter Wirt. schaften._ Verschlechterung der Praxis des ReichSversicherungSamtcS. In welcher Weise die Beweislast den Unfallverletzten und ihren Hinterbliebenen weit über die frühere Gerichtspraxis in Haftpflichtsachen erschwert wird, zeigt die vor kurzem erfolgte Ab- Weisung einer Witwe. Die Witwe deS Gerbers K. zu O. in Heffen klagte um ihre Hinterbliebenenrente. Sie behauptete, daß der Tod ihres Ehemannes nur auf einen im Betriebe erlittenen Un- fall zurückzuführen sei. Durch Zeugen wurde festgestellt, daß dem Verstorbenen einige Wochen vor seinem Tode eine schwere Stange, mit 2 schweren Fellen behängt, auf de» Kopf gefallen war. Ein Zeuge sah auch eine blutende Wunde und hörte die Klagen des Verletzten einige Tage später, dah er seit dieser Verletzung immer heftige Schmerzen im Kopfe habe. Die Schmerzen häuften sich, Ohn- machtsanfälle sogar in der Eisenbahn traten auf, und bald trat der Tod ein. Der Kassenarzt wuhte sich natürlich nicht zu helfen und sprach von Vergiftungen, weil— der Verstorbene heftiges Erbrechen hatte:„man meine, da käme das ganze Gift heraus". Die Sektion der Leiche ergab, daß ein Gchirnabzctz vorhanden war. ES waren dann auch die Gutachter der Meinung, dah nur dieser Abzeh zum Tode geführt habe. Die BerufSgenosienschaft lehnte jede Entschädigung ab. Das Schiedsgericht für Arbeiter- Versicherung hörte zahlreiche Zeugen, auch den Kassenarzt, welcher nur aussagen konnte, dah er den Verstorbenen vor dem Unfall hie und da an Handverletzungen behandelt habe, die er als bei Lederarbeitern häusig vorkommende Verletzungen oder für„zer- fallen« kleine Milzbrandkarbunkel" ansah. Die Zeugen be- stätigten die Angaben der Witwe, dah ihr Ehemann nach dem Unfall immer über ständig zunehmende Kopfschmerzen geklagt habe. Für das Schiedsgericht war dies aber kein Beweis, weil die Zeugen„nicht wissen, ob K. nicht auch schon vor dem Unfall über Kopfschmerzen zu klagen gehabt habe". Sonderbare Beweis« führung. Kein Zeuge hat aber angegeben, dah der Verstorbene über Kopfschmerzen vorher klagte, und auch der Kassenarzt hatte ihn niemals daran behandelt. Dabei hatte der Kreisarzt B. zu Mainz als Obergutachter ausdrücklich erwähnt:„Es entspricht nicht der ärztlichen Erfahrung, dah ein einzelner Gehirnabzetz als ein- zige Erscheinung einer akuten oder chronischen Vergiftung auf- tritt. Dagegen kommt„unfallweise" Entstehung eines Gehirn- abzesses nach Kopfverletzungen vor und nach dieser Richtung könnten vielleicht weitere Erhebungen einsetzen." Es wurde Professor Eigenbrodt zu Darmstadt als Obergut- achter gehört, und auch dieser Arzt sprach sich gegen eine Unfall- folge aus. Er meinte:„Dah K. diese Kopfschmerzen erst seit der Kopfverletzung gehabt und diese auf die Kopfverletzung zurück« zuführen waren, ist nicht zu erweisen." Den Angaben eines Zeugen, meinte er, sei kein Gewicht beizulegen,„da derselbe nicht weih, ob K. nicht.auch schon vor dem Unfall über Kopfschmerzen zu klagen gehabt hat". Die Berufung hatte nach diesen Aus- führungen keinen Erfolg. Auch das Reichsversichcrungsamt kam zur Ablehnung des Rekurses, weil als Todesursache ein Gehirn- abzeh festgestellt worden sei. Es könne sich nur darum handeln, ob die angeblich durch Herabfallen einer mit Fellen beschwerten. Stange entstandene Kopfverletzung die Ursache deS Gehirnabzcsscs und somit des TodeS des K. gewesen sei. Die Zeugenaussagen hätten hierfür jedoch keinen klaren Beweis erbracht. Die Zeugen haben aber alle bestätigt, dah der Verletzte den Vorgang so schil- derte, einige auch die blutende Wunde nach dem Unfall gesehen. DaS Reichsversicherungsamt meinte aber:„Der Nachweis, dah eine mit Fellen schwer belastete Stange dem K. auf den Kops ge- fallen, ist nicht für erbracht angesehen worden." Dafür spreche auch der Umstand, daß der Verletzte noch weiter gearbeitet habe. Die Witwe erhielt also keine Rente. Und das, weil auf Grund geradezu haarsträubender ärztlicher Gutachten in Ver. bindung mit einer eigenartigen Beweiserstreckung daS Gericht den vorhandenen Unfall— als nicht erwiesen erachtete. Ein Gehirnabzeh kommt nie und nimmer als Folge einer Vergiftung vor. Die vom Kassenarzt angegebene Diagnose entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage und praktischer Erfahrung. Das gibt auch der Kreisarzt durchaus zutreffend zu. Und was tut der Obergutachter Professor Eigenbrodt? Statt ein Gutachten darüber zu fällen, ob der Gehirnabzeh Folge eines Stohcs, einer Kopfverletzung nach seinem äuheren Befunde und nach den Regeln ärztlicher Kenntnis sein kann, erklärt er, ohne Bejahung oder Verneinung dieser Frage: durch die Zeugenaussagen sei der Unfall erwiesen. Darüber zu urteilen liegt doch nicht dem Arzt. sondern dem Gericht ob. Das ReichSversicherungsamt aber, statt eine Beantwortung der allein vom Sachverständigen zu er- fordernden Frage zu heischen, folgt der Auffassung des Arztes über das Ergebnis der Beweisaufnahme! Und das, wiewohl das Erbrechen und der Kopfschmerz oft auftretende Folgen einer Ge- Hirnerschütterung sind, wie sie der Schlag gegen den Kops verur- sacht hat! Statt ferner, wenn in der Tat hierüber die Richter aus eigener Kenntnis nicht informiert waren, Sachverständige darüber zu hören, ob bei Gehirnerschütterungen die Folgen sich oft erst stunden-, ja tage- und wochenlang später zeigen, dekretiert eS: da der Verletzte noch gearbeitet hat, war er nicht verletzt I Unter der Herrschaft des Haftpflichtgesetzes hat das Reichs- gericht und unter Vorfitz des verstorbenen Dr. Boediker das Reichsversicherungsamt unseres Wissen? niemals einen so fun- damentalen Berstoh gegen die Regeln von der Beweislast sich zu- schulden kommen lassen. Fährt daS ReichSversicherungsamt so fort, so wird bald eine Rente nur zu erlangen sein, wenn in jedem Betrieb ein kinematographischer Apparat ausgestellt ist. der den llafallhergang dem Arzt und dem Gericht sinnensällig macht. Zu welcher Berufsgeuossenschaft gehört die elektrische Zentrale einer Heilansialt? Der Maschinist A. K. erlitt am 13. Juli 1395 im Betriebe der elektrischen Beleuchtungsanlage der Heilstätte Woldfrieden durch Betriebsunfall eine Verletzung deS linken AugcS. Der Antrag des Verletzten auf Unfallrente wurde von der Brandenburgischen Land- wirtschaftlichen Berufsgenossrnschaft abgewiesen, weil„die elektrische Beleuchtungsanlage sowohl als auch die DampfheizungSanlagen, welche von K. bedient wurden, in keinerlei Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Betriebe stehen, sondern lediglich den Zwecken der Heilanstalt dienen". Der Verletzte stellte dann bei der Berufs- genofsenschaft für Feinmechanik den Antrag auf Gewährung einer Unfallrente. Diese hielt die Landwirtschaftlich« Berufögenossen- schalt oder die BerufSgcnossenschaft für NabrnngSmittel für ent- schäoigungSpflichtig. übernahm aber auf Grund deS§ 173 des Unfall- versicherungSacsctzes die vorläufige Fürsorge und zahlte dem Ver- letzten ein« 25prozentigc 3!e»te. DaS Reichsversicherungsamt hat die Berufsgenossenschast für Feinmechanik für die zahlungspflichtige erachtet. In den Gründen heiht eS:„Verfehlt ist die Ansicht der Beklagten, dah die Naliriingsiiiittclindustrie-BerufSgenossenschast den Kläger für die Folgen seines Unfalls zu entschädigen habe. Eine derartige Verpflichtung dieser Berufsgenossrnschaft könnte nur dann in Frage kommen, wenn entweder der Kiicbenbetrieb der Heilstätte oder deren Gcsamtbctrieb überhaupt versicherungspflichtig wäre. Da Betrieb- dieser Art an sich der Unfallversicherung nicht unter- worfen sind, in dem Küchenbetrieb auch nur sechs Personen be- scksiistigt werden, so fragt eS sich lediglich, ob nicht einer der beiden Betriebe deshalb zu einem versicherungspflichtigen Fabrikbetriebe gemäh§ 2 Absatz 2 deS Gewerbe. UnfallversicherungSgcsetzes geworden ist, weil in ihm von der elektrischen Zentrale aus durch elementare Kraft bewegte Triebwerk« zur Anwendung kommen. Bei der Auslegung der bezeichneten Gefehesvorschrift ist daS Reichs- verficherungsamt, wie schon in der Rekursentscheidung 2977 Amt. U. d. R. B. IVOS S. 219 ausgeführt wird, von jeher davon aus- gegangen, dah Betriebe, die an sich der VersicherungSpflicht nicht unterliegen, Ivegen der Verwendung eines Motors nicht in ihrem gesamten Umfange schlechthin versicherungspflichtig werden. Dies ist vielmehr nur dann angenommen worden, wenn der Motorbetrieb 5ür den ganzen Betrieb von wesentlicher Bedeutung war. Diese ZorauSsetzung trifft aber im vorliegenden Fallt weder für den Ge- samtbetrieb der Heilstätte im allgemeinen noch für den Kück>«n. betrieb im besonderen zu. Denn nach den eigenen, von der Ver- waltung der Heilstätte bestätigten Feststellungen der Beklagten werden von der in der elektrischen Zentrale aufgestellten Dynamo- maichjne anher annähernd 259 Lampen, die einer besonderen Be- d�Ioing nicht bedürfen, nur b Elektromotoren von je 1 Pferde- stärke gespeist, die im Moschinenhause selbst, in dem die Küche be- herbergenden Verwaltungsgebäude und den drei KrankenpavillonS untergebracht sind und zum Wasserpumpen dienen. Die Elektro- motoren sind also nur in kleiner Anzahl vorhanden und von ge- ringer Leistungsfähigkeit, erfordern auch ihrer In- und Anher- betricbsetzung bloh eine ganze kurze Tätigkeit; überdies werden sie nur von solchen Personen bedient, die mit der elektrischen Jen- trale nichts zu tun haben. Daraus folgt, dah der Motorbetrieb sowohl den Gesamtbetrieb der Heilstätte als auch im besonderen den Küchenbetrieb zwar unterstützt, aber nicht durchdringt. Die Versicherungspflicht beschränkt sich daher ans den Motorbetricb selbst, und dieser stellt einen selbständigen Betrieb dar. der seiner Natur nach bei der Beklagten versickert ist. Demgrmäh ist diese auch zur Entschädigung des Klägers verpflichtet." Tie Drangsalierungen der ausländischen Arbeiter vermehre» den Vertragsbruch. DaS ist das Resultat der Erhebungen, die die LandwirtschaftS- kammer PonimernS auf Ersuchen des preuhischen Landcsökonomie- kollegiumz über den Umfang dcS Kontraktbruchs unter den aus- ländischen landwirtschaftlichen Saisonarbeitern angestellt hat. Diese Erhebungen sollten nicht unparteiisch, sondern zu dem ans. Besprochenen Zweck erfolgen, um„für die wiederholt aufgestellte Forderung nach einer Einschränkung de» Vertragsbruches auf ge- setzgeberischem Wege zuverlässige Unterlagen zu haben". Und das Resultat? Nach Ansicht der Landwirtschaftskammer hat sich bei diesen Erhebungen nun herausgestellt, dah die Zahl der Kontrakt- brüche die bisherigen Schätzungen ganz erheblich übersteigt. Von den in der Provinz Pommern beschäftigten ausländischen Arbeitern wurden im Durckichnitt der letzten drei Jahre 36 Prozent kon- traktbrüchig! Davon entfallen ungefähr auf die galizisch-pol- nischen Arbeiter 22 Proz., während auf die russisch-polnischcn Ar- beiter 14 Proz. entfallen. Ob das von der einseitigsten Jnter- csscnvertretung der Arbeitg e b e r ermittelte Resultat der Wahr- heit entspricht, ist recht zweifelhaft, da allein die einseitigen Angaben der Unternehmer die Grundlage bildeten. Und wohl in 99 von 199 Fällen, in denen ein ländlicher Arbeiter die Arbeits- stelle verläht, ist nicht er, sondern der Unternehmer der Vertrag. brechende: dieser ist es, wie selbst ehrliche Grohgrundbcsitzer offen zugegeben haben, der den Vertrag nicht erfüllt» den Arbeiter da- durch zwingt, die Arbeit niederzulegen, dann aber über Vertrags- bruch der Arbeiter zetert und— in Gestalt cinbehaltencr Löhne. eine enorm hohe Prämie für seinen Vertragsbruch einstreicht. Der Arbeitgeber hat infolge des Inhalts der von uns niedriger ge- hängten, dem Gesetz. Recht und Billigkeit inS Gesicht schlagenden Verträgen, wie sie von der Feldarbeiterzcntrale benutzt und von Landwirtschaftskammern empfohlen worden sind, allein vom Vertragsbruch Borteile. Und die von der pommerschen Landwirt- schaftskammer jetzt vorgetragenen Erhebungen, nach denen der an- gcbliche Vertragsbruch der Arbeiter nach Einfiihruug der AuSivcis- larten, des Legitimaiionszwanges und den von der Feldarbeiter- zentrale gut geheihenen, oben gekennzeichneten Verträgen sich ver- mehrt hat, beiveisen, daß eben diese Trangsalicrungsmatznahmen gegen ausländische Arbeiter, diese Auslieferung ländlicher Arbeiter mit gebundenen Händen und Füßen an die Großgrundbesitzer die Leutenot vermehrt hat. Es wäre eine Ergänzung der angestellten Ermittelungen nach der Richtung recht wünschcnswert: wieviel haben die Großgrundbesitzer durch Lohneinbehaltungen gegenüber den angeblich Vertragsbrüchigen erhalten? Diese Lohnein- beHaltungen und Lohnaufrechnungen sind ja ebenso wie der darauf abzielende Passus der von Landwirtschaftskammern empfohlenen Verträge rechtswidrig. Die ausländischen Arbeiter haben dos Recht, die Zahlung noch heute einzuklagen. Sie klagen nicht, weil Klagen Geld kostet und sie am eigenen Körper erfahren haben, daß in Ostelbien ein ländlicher Arbeiter, solange er der Organisation seiner Berufskameraden nicht angehört, sich als völlig Recktloser fühlt. Die Höhe der von Grundbesitzern einbehaltenen verdienten Löhne ausländischer Arbeiter muß sich, tvenn die Angaben der Landwirtschaftskammern über denllmfang des angeblichen Kontrakt- bruchs zutreffen, auf Millionen belaufen. Der Schrei nach neuen gesetzlichen Maßnahmen gegen den angeblichen Vertragsbruch der Arbeiter löst sich in Wirklichkeit also in das Verlangen von Groß- grundbesitzern auf, für den von ihnen verübte» oder verursachten Vertragsbruch eine neue, in die Millionen laufende Prämie zu erhalten. Die Behandlung der ausländischen Arbeiter ist so menschenunwürdig, ihre Entlohnung so erbärmlich, daß selbst die in ihrer Heimat mit so geringen Ansprüchen zufriedenen Aus- länder schleunigst Reißaus anS Ostelbien nehmen, sobald sie durch die Praxis erfahren haben, welch immenser Widerspruch zwischen den von gewissenlosen Vermittlern gemachten Versprechungen und dem tatsächlich ihnen Gebotenen besteht. Serickrs-Geltung. Ein ungeheuerliches Todesurteil ist am 13. d. M. von dem Glatzer Schwurgericht ausgesprochen worden. Als uns einige Tage nach der Verhandlung die Mit- teilung von dem Schwurgerichtsnrteile zuging und bald darauf näher« Nachrichten über die Verhandlung selbst, glaubten wir, daß eine solche Ungeheuerlichkeit vom Schwurgericht nicht ausgesprochen sein könne, wie sie sich dem Tatbestande gegenüber darstellt. Unsere angestellten Ermittelungen haben aber ergeben, daß dem in der Tat so ist. Wir bringen deshalb erst jetzt den Bericht über die Gc- richtsverhandlung. Als Angeklagte erschien vor dem Schwurgericht die 27jLhrige Dienstmagd Anna Werner anS Steinwitz bei Glatz. Sie ist bc- schuldigt, ihr 11 Monate altes uneheliche» Kind Hedwig am 5. April 1993 ermordet zu haben. Die Verhandlung gestaltete sich zu einer erschütternden Anklage gegen die Gesellschaftsordnung. Die angeklagte Mutter ist selbst unehelicher Geburt und mußte bereits als Schulkind in Dienst treten. Ske hatte schon vor der Geburt der Hedwig zwei Kinder. Für dies« hat sie liebevoll gc- sorgt; beide Kinder sind äber eines natürlichen Todes gestorben. Das kleine Mädchen wurde von der Mutter zunächst bei einer Frau in Glatz untergebracht. Diese behielt eS aber nicht. Die Angc- klagte bracht« es zur Großmutter. Auch da blieb eS nur einige Wochen und wurde ihr dann anf dem Felde wieder überbracht. Die Mutter fuhr dann überall henim. um eine Unterkunft für das Kind zu finden, wurde aber überall abgewiesen. Insbesondere wurde sie auch von den Gemeinden abgewiesen. Ja, die Gemeinden wehrten sich sogar dann, als eine Pflegestelle sich fand, dagegen, daß da» Kind dort bliebe, damit nicht etwa für das Kind die Gemeinde vorläufig sorgen müsse. Die Mutter suchte den Bater de» Kinde» und die Mutter d«S VaterS in Ullersdorf auf, aber diese nahm es auch nicht. Um das Kind selbst pflegen zu können, ging die Mutter einige Wochen hindurch jeden Abend von Oberhansdorj nach Nirderhansdorf und übernachtete da und kehrt« nach Oberhansdorf am anderen Morgen zurück. Der Vorsteher in OberhanSdorf gab es nicht zu, daß das Kind dort untergebracht werde. Auch aus Nieder- hanödorf, wo eS in Pflege gc»an war. mußte es fortgenomme» werden, weil der Gemeindevorsteher widersprach. Schließlich brachte die herumgehctzte Mutter das Kind bei einer Frau in Glatz unler. Sie zahlte 19 M. monatliches Pflegegeld, während ihr Lohn nur HS» M. betrug. Von dem Vater des Kindes, der wegen Körper- Verletzung ins Gefängnis gekommen war, erhielt sie keine Unter- stützung. Der Angeklagten wurde dann mitgeteilt, das Kind könne auch nicht in Glatz bleiben, die Polizei fordere die Fortsckiaffung des Kinde» binnen 24 Stunden. Die Mutter bat den Vormund, mit ihr den Bürgermeister zu ersuchen, das Kind in Glatz zu lassen. Der Vormund lehnte das ab. Er meinte, der Bürgermeister würde die beiden doch nur rausschmeißen. Die ging dann selbst zum Bürgermeister und bat ihn flehentlich, da» Kind in Glatz in der Pflege zu belassen. Der Bürgermeister wies aber die Bitte der Mutter ab. Run wußte die arme Mutter nicht, wo sie das aus OberhanSdorf, NiederhanSdorf, Ullersdorf, Glatz herausgejagte Kind unterbringen könne. In ihrer Verzweiflung be�loh sie, das Kind zu töten. Sie legte eS in eine Lehmgrube und bedeckte die Leiche mit Lehm und Erde. Erst ein Jahr später würbe durch Zu- fall die Leiche des Kindes aufgefunden und durch die Kleider die Herkunft des KindeS ermittelt. Der Waifrnrat, an den sich der Vormund mal, Rat suchend, gewendet hatte, hatte diesem erklärt, man muß eS den ledigen Personen nicht so leicht machen, sonst kommen sie fortwährend mit Kindern. Nach dieser eigenartigen Hilfe, die der Waisenrat dem Vormund, einem einfachen Arbeiter, angcdeihen ließ, glaubte dieser der Pflicht enthoben zu sein, dem BormundschaftSgericht selbst mitzuteilen, daß für das Kind keine Pflegestelle aufzutreiben war. Ein Gemeindevorsteher wurde als Zeuge befragt, warum denn das Kind fortgeschoben sei, zumal doch keinerlei Kosten der Gemeinde erwachsen, da die Gemeinde ein Recht auf Wiedererstattung seitens der Unterstützungsgemeinde habe. Er erklärte, da» verursache viel Scherereien; um den Scherereien au» dem Wege zu gehen, schiebe man Personen, vv« denen man befürchtet, sie könnten unterstützungsbedürftig werden, dem Gesetz entsprechend ab. Die Geschworenen bejahten, trotzdem nach dieser Sachlage offensichtlich die Angeklagte lediglich in Verzweiflung und in un- zurechnungsfähigem Zustand« die Tat begangen hatte, die Frage. ob vorsätzliche und mit Ueberlegung ausgeführte Tötung vorliege. Sie reichten aber ein Gnadengesuch ein. Das Urteil erging dahin, daß die Angeklagte zum Tode und zum Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt wurde. Also die drei gelehrten Richter waren sich nicht dahin einig, dah der Schuldspruch zu Unrecht erfolgt war. Der Vorsitzende leitete die Verkündigung des Urteils mit den Worten ein:«Wer Blut vergießt, dessen Blut soll wieder vergossen werden." „Wer Blut vergießt, dessen Blnt soll wieber vergossen werben", sagte der Vorsitzende. Wer ist es denn aber ander?, als die für die Abschiebung des unschuldigen Kindes verantwortlichen Gemeinde- Vorsteher und Bürgermeister, an denen das Blut des Kindes klebt, für das die Mutter in liebevollster Aufopferung sich annahm, bis sie in Verzweiflung und aus Liebe zu dem Kinde zu dem furcht baren Schritt durch die Abschiebungen ihres Kindes gezwungen wurde? Ein Justizmord ist die Verurteilung des Dienstmädchens, gleichviel, ob das Urteil ausgeführt oder dem Begnadigungsgesuch durch Umwandlung der Todesstrafe in eine andere entsprochen wird. Ein Justizmord, weil nichtschuldig an der Tat derjenige ist, den die sozialen Verhältnisse so wie im vorliegenden Fall verzwei felt, besinnungslos, zurechnungsunfähig gemacht haben. Soll das Wort:„Wer Blut vergießt, dessen Blut soll wieder vergossen werden", kein Pharisäerspruch sein, so hätte das Gericht die Ange klagte freisprechen und zum Ausdruck bringen sollen, daß die ledig- lich aus Begucmlichkeit so herzlos vorgegangenen Gemeinde- Vorsteher und Polizeiverwaltungen die Schuld für den Mord trifft. Urkundenfälschung. Ein Trick des„Engländer« Müller" recte Kaufmann Alexander BogaschrwSki hatte gestern vor der 2. Strafkammer des Land» aerichts I ein kleines Nachspiel. Der 19jährige Angeklagte, welcher sich jetzt Redakteur nennt, hatte sich wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Der junge Mann, welcher sich einige Zeit in England auf- gehalten hatte, machte eine« Abends die Bekanntschaft einer netten jungen Dame, welcher er sich als„Engländer Müller" vorstellte. Die schon etlvas öltliclie Schöne schenkte dem Liel'eögeflüfter des Angeklagten mit Rücksicht darauf, daß gerade der Monatserste gewesen war, ein williges Ohr. Am Tage nach dieser Erhörung, die in einem auf„Tage, Wochen und Monate" zu benutzenden„Pen-- sionat" ihren Abschluß gefunden hatte, glaubte der Angeklagte mit Bestimmtheit sagen zu können, daß sich seine Barschaft auf uner- klärliche Weise um zwei Zwanzigmarkstücke verringert hatte. Um sich wieder in den Besitz de» ihm seiner Meinung nach gestohlenen Geldes zu setzen, wendete der Angeklagte folgenden Trick an: Er machte die Inhaberin jenes Pensionats für den Verlust verant. wortlich und drohte mit einer Anzeige wegen Kuppelei und Dieb» stahlS. wenn ihm nicht die 40 M. umgehend zurückgesandt würden. Di« Empfängerin des Briefe» hatte keine Ahnung von dem ganzen Vorfall und konnte sich den, Inhalt nicht erklären. Als der erhoffte Erfolg ausblieb, fertigte der Angeklagte mit Hilfe einer Schreib» Maschine eine Art Vorladung vor die Kriminalpolizei an, die er mit einem„Aktenzeichen versah und mit dem Namen„Kriminal- kommissar Nasse" nnterzeichnete. Zugleich teilte er der Pensionats- inhaberin mit, daß«r aussagen würde, daß es sich um einen Irrtum handele und sich das Geld angefunden habe, wenn ihm noch jetzt das Geld zurückerstattet werde. Di« Empfängerin reagierte auch nicht auf diese Aufforderung, sondern meldete sich in dem auf der„Vorladung" angegebenen Zimmer, wo sie erfuhr, daß die ganze Geschichte Schwindel war. Den Angeklagten verurteilte die Strafkammer zu einem Monat Gefängnis. Unverständlich blieb, weshalb in diesem Fall nicht auch Anklage wegen Erpressung erhoben war. Eine Anklage wegen gemeinschaftlichen Raubes, Diebstahls und Körperverletzung führte gestern die Gelegenheiis- arbeiter Wilhelm Bosin, Mar Wiedekind und Otto Martin vor das Schwurgericht des Landgerichts II. Die Angeklagten hatten am 1. Mai in angetrunkener Verfassung das Konfekttonsgeschäft von Blum in der Hermannjtraße in Nixdorf betreten, um angeblich einen Anzug kaufen zu wollen. Kaum hatte einer der drei ein Jackett anprobiert, als er mit mächtigen Sätzen nach der Tür lief und spurlos verschtvand. Der Verkäufer Altmann eilte ihm nach und holte ihn auf der Straße ein, wo er ihm den Raub wieder abnahm. Nichts Gutes ahnend, eilte er dann auf schnellstem Wege in da» Geschäft zurück, wo sich inzwischen Wiedekind ein anderes Jackett angezogen hatte und ebenfalls damit davonlief. Der Ver- kaufer jagte auch hinter ihm her und stellte ihn an der Prinz- Handjery-Straße, wobei es zu einer regelrechten Prügelei kam. Altmann bekam es schließlich fertig, auch diesen Angeklagten in das Geschäft zurückzubugsiercn, tvo er ihm das gestohlene Jackett wieder abnahm und die Feststellung der Leute herbeiführte. Vor Gericht behaupteten die Nngeklagten, daß sie bei dem ganzen Vor- fall so betrunken gewesen seien, daß sie sich auf nichts mehr besinnen könnten.— Die Geschworenen bejahten nur die Sdjuldfragen wegen Diebstahls bezüglich der Angeklagten Bosin und Wiedekind. Das Urteil lautete gegen Bosin auf 10 Monate, gegen Wiedekiird auf 8 Monate Gefängnis, gegen Martin auf Freisprechung. Achtung! Klcischrrgcselle» Z Donnerstag, den LS. November, abends S Ubr: Große öjfentlichc Versammlung im„Gesell- schastshauS Berliner Musiker", Kaiser-Wilhelm-Straße I8m. Tagesordnung- 1. Meineid?— Brednow, Dräbert und Genossen— und Bc-lcumder am Schandpsabl. Ncfcrent: Kollege P. H e n> e l. L. Ein ernstes Wort an die Wähler. Reserent i P. B e r g in a n n. Kollegen! Kassemnitglicder I Er- scheint in Massen zu dieser Versaiimilniig! Dies» Versammlung muß eine wuchtige Deinonstration der Berliner Fleischergesellen sein I Tozialdeinokratischer Lese- und TISkutirrklud„Heinrich Heine«. Heute abend L'/, Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenbergftrafje S. Gäste willkommen. Lese- und DiSkuticrklub„Südost«. Heute abend S's, Uhr Sitzung bei Neidhardt, Görlitzer Str. öS. Gäste willkommen. würde baS Versahren wegen der Schlvierlgleit deS BewelseS wenig Aussicht auf Ersolg haben.— P. 100. 1. Ja. 2. Ja. 3. Nein.— St. 0,8. 1. Nein. Die Arbeiterin würde mit Aussich! aus Ersolg beim Gewerbe- aericht klagen können. 2. Die Gehälter der Privatgesellschaft smd unS nicht oekannt. Wenden Sie sich an dieselbe direkt.— A. M. 41. 1. Einen weiteren Rechtsanspruch hat die Witwe nicht. Sie könnte aber mit Aussicht ans Erfolg sich an das prenszische Justizministerium wenden. 2. Der Aus. tritt aus der Landeskirche wird keiner Helmatsbehörde mitgeteilt. 3,15'/, Millionen.— Bäcker 21. 1. Nein. 2, Die Kosten betragen etwa 100 Mark, würden aber nutzlos ausgegeben sein. Suchen Sie dem erneuten Gesuch ein EinwllligungSschreiben Ihrer früheren Ehefrau beizujügen.— E.®. 100. 1. und 2. stein.— M 100. Ja — Cdst 100. 1. 100 000 Mark. 2. 1» 000 Mark und darüber. 3. Ja. 4. Der König von Preusien erhält eine Zioilliste von 15 719 296 Mark. — G. K. 70. Die Tochter ist berechtigt, in den Nachlatz Ihrer Niuttec zu erben. Die Erbausciliaiidersctzung kann sie sosort verlangen. Zuständig ist eventuell das AmtSgerkcht. Dem Siiesoaicr gegenüber stehen ihr An- spräche aus Aussteuer oder dergleichen nicht zu, ebensowenig ei» Erbrecht. KrtekKasten der Redahtfow. Tie lurlstlsche eprechstunde findet Lindensir äste Z, ztoeller Hos, dritter Etngnna.»Irr rrevprn, Mi?« Fahrstuhl woihrnritstlich adcndS oon 7*6 bis 9,V4 Uhr statt. Eröfsnet 7 Uhr. e»»»a»e»dS»rglnnt die Svrcihstnude»m S Uhr. grdrr Ansrage ist ein Buchstabe»nd eine Zahl als Merkzeichen detjusdaea. vrtetlich« Antwort wird nicht erteil». vis i»r Beantwortung«m Brieskaste» können 1t Zage vergehen. Eilige Frage» trag« man in der Sprechstuitd»»or. Fritz 42. AIS Hinterlegungsstelle dient da» Amtsgericht Lichtenberg und die Hinterlegungsstelle Berlm, Jnvalidenslr. 52, königl. Koiiststorial-, Militär- und Baukasse.— K. k»7. Ja, zuständig ist die Polizeibehörde.— 20. M. 7. H.-Itcn Sie mit der Zahlung zurück und wenden bei einer Klage da» von Ihnen Vorgetragene ei».— Bruno 59. 1. Ja, verantwortlich sind beide. 2. Ja.— B.®, In. 1. bis 8. Ja. — ffi. N. 77. Der Eig-ntümer der Möbel löiinte stets interveniere».— P. W. 88. Ein Antrag an die BauberusSgenoslciischasi ist zulässig. Leider Zlmtlick,»» Marktbericht der städtischen Marktballen-Dlrektion über den Grotzhandel in den Zcnlrai-Marktballcn. Marktlage: Fleisch: Zusubr reichlich, Geschäst schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschält rege, Prelle lest. Geflügel: Zujuhr genügend, Geschäst ziemlich lebhaft, Preise bejriedigcnd. Fische: Zujuhr genügend, Gelchäft imhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zujuhr genügend, Geschäst in Gemüse rege, sonst still, Preise wenig verändert. Witter»»qSüberlicht vom 23, November 1009, morgens 8 Uhr. Ctaüüttm ji «Z II Lwmembe 761 N Hamburg s 766 NW S-rlw s 763 NW Franks.- M 765 N München I705N Wien!762WNW Setter 4 wolkig 3 bedeckt J halb bd. 5 halb bd.—3 2 bedeckt—6 L heiter l-ä »« s" s? K«. «tattonen I Haparanda 754 SW Petersburg 755 NO Sctllh Aberdeeu Bart» 770 NO 770 WNW 767 NNW I Setter 4 bedeckt 2 bedeckt 2 wolkig »bedeckt 2 bedeckt *¥ »« i* £& -5 — 4 4 8 -X Wetterprognose kür Mittwoch, den 24. November 1009. Zunächst meist Heitores, trockenes Frostwetter bei ziemlich lebhaften westlichen Winden: später zllnehmende Erwärmung und Bewölkung ohne erhebliHe Niederschläge. Berliner Weiterburrau. Wasicritauds-Nachrtchten »er LanbeSanilaU für Äewäljerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. TillU Vre gel, Jniterburg W e i ch s« i. Tborn O d er/Na»Ibor . Krassen , Frankiurt Warthe, Schümm , LandSberg $ e|(, Vordamm Elbe, Leitmerttz , DreSdeu , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spanbau•) , Nalbenow') Spree, Spremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein. MahtmllianSa» , Kaub . Köln Neckar, HeUbronn Main, Wertheim Mosel. Trier 0 4- bedeute» Such».— Fall.— 1 lluierveael.— Der Cisstand den Mündungsarmen der M e m« l hat sich weiter ausgedehnt. Ogutscirn Metallarbeiter-Verband Verwaitungoetella Berlin. Berichtigung. 126/4 Die Beerdigung des Kollegen Ksr! Näh ring findet heute Mittwoch n i ch t um 4 Uhr. sondern um 3 Uhr von der Leichenhalle deS EmmauS. KirchhoscS in Nixdors auS statt. Den Kollegen zur Nachricht. datz unser Mitglied, der Schlosser fenünstri Lehmann am 16. d. M. infolge Unfälle» gestorben ist. 126/3 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. November, nachmittags t Uhr, von der Leichenhalle de» neuen Pauls- klrchhoseS in Plötzensee auS statt. Fenier starb unser Mitglied, der Schlosser Lambert Lcbekdeck am 21. d. M. an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» 24. November, nach. initlagZ 4 Uhr, von der Leichen- Halle de« kaibolischc» Kirchhosr» in Staaken bei Spandau au« statt. Ehre ihrem Andenken l Rege Beieiligung erwartet 126/5 Die OrtSverwaltung. Zentral-Verband der Tüpfer Deutschlands, Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz die Beerdigung des ver. itorbenen Kollegen MoIlSnrcsaln genannt Weidemann nicht, wie In der aestriaeu Nummer angegeben, in Friedrich«. leide, sondern ln Stahnsdorf bei Wannse« um 3'/« Uhr staitsindet. 133/17 Um reg« Beteiligung ersucht Der Borstand. Oeutseber Verwaltung Qrot-Berlin. Den Mttgliedeni zur Nachricht. datz unser Kollege, der Droschlen- sührer Ulbert l�oske am Montag, den 22. d. Mi»., im Atter von 42 Jahren an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. November, nachmittags 3'/, Uhr, von bei Leichenhalle des Friedhofes der Freiirligiöse» Gemeinde in der Pappel- Allee au« statt. Um reg« Beteiligung ersucht 71/10 Die Berwallung. vanle«»e«ngk. Für die so zahlreiche Beteiligung >mb die Kranzspenden bei der Be. erdigung meines lieben Manne«, de« Stereotypeurs Lö?Sb Meksrd Maecker lowle für dl« während sclncr langen Kranlbcit ihm erwiesenen freund. schastlichcn und kollegialen Unter- sllltzuugcn sage heule ulkinen herz- lichsten Dank. Fredersdorf, 22. November IRW. Witwe Ltua Maecker. Am 22. November entschltej nach schwerem Leiden meine unvergetz- liche liebe Frau und meine gute Mutter 2590b Lnuns Ehlers geb. Wsslermeler nach kaum 3iShr!ger, glücklicher Ehe im blühende» Alter von 22 Jahren an Lunamtuderkulosc. Die trauernden Hinterbliebenen Otto Ehlers nebst Tochter. Die Beerdigung findet am Freilag. nachmittag« 3 Uer, von der Leichenhall« des Gemeinde- KirchhoscS in Ripdorf, Marien« dorfer Weg. auS statt. üteteiß Danksagung. Allen Freunde» und Kollegen für die herzliche Teilnahme und herrliche Kranzspende bei der Beerdigung meines lieben ManneS und Vaters Waldemur l-chmann lag« ich hiermit meinen heezlichsten Dank. 2585b Witt»» Anna Lohmann gib. Zltttau und Sohn. Danksagung.• Für die vielen Beweis«'herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung mcmeS lieben ManneS, unter, s gulcn Vater«, Bruder« und Schwager«, des Böttcher« Heinrich IHtttcIi sage ich allen hiermit liesgesühltesleii Dank. 2586t Namens der Hinterbliebenen Luise Dittich. aiiEMflapn Exlra-AbtoilnnK Guschlift; Berlin W., Monren- StraBe 37a(2 Haus von der lerusalemer Straße). |ll. Ceschüft; Berlin NO., Große Frankfurter Str. 1t5(2. Haus von der AndreasstraBs). Sahr er. AuawaW fert. Kleider, HUte, Handschuhe, Schleier etc. vom einfachsten bis zum hochelegantesten Genre zu ftoCerst niedrigen Preisen. Sondor-Abteilung: SlaCiiulVi-titfii-ig in 10 bis 12 Stunden. 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Sparmarken-Konto. SauSantell-Konto.. eschäftSanteil-Konto NeservesondS.., KautivnS-Konto,. DarlehiiS-Konto,, Sparckasseii-Konto.. Hypotbelen-Kouto.. Kvniumgenesienlchast FriedrichShagen., Lieskranteu-Konto.. Kreditoren-Konto ll. Krediloren�Konto III. Sieingeivüm..,. Passiva fr- 232,60 170,- 52,50 825,— 28 483,51 2 902,88 8 430,— 962,— 18 168,77 95 000,— 1890,38 10 148.55 3 200,— 3 859,63 23 0-11,14 Summa 191 872,06 Dr.Simmei SpezJal-Arzt' für Haut- und Harnleiden. Prinzenstp. 41, Äu*. 10—% 6—7. Sonntags 10—12, 2—4. SilW nur 4 W Passend m Wellmaclitsgesclienkeii PIDschmBntel, kurt onä lang. AstrachanmSntel trUh. Ve, kaufspr. d.M. 29, b.M.Hß, b.M.M usw. d.A' Jelsl teilweise nur 12 nur 18 nur 2S usw. b.110 Pelzjackeits, PelzmSntel, gofüttort, echt n imit fr. Vei kaufspr. d.M. I.V, b.M.225,b.M.4OOusw.b.0O Jetst teilweise nur 78 nur 108 r«r 180 uiw. b.40 Psund-Kolli .75 M,, naturrein, ff. Bienenbonig 10 Plund-Dose 5,50 M.,'/- Butter 'l, Houig 6,50 M. 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Dabei sind die Abschreibungen im Jahre l908,09 erheblich größer gewesen als 1907,08; sie betrugen bei 111 Gesell- schaften mit einem Aktienkapital von 117,72 Millionen Mark im Bc- richlSjahre S,S4 Millionen Mark gegen 6,04 Millionen im Jahre zuvor._ Aus der Kaliittdustrie. Die Freiheit der Beieiligungsübertragung, wie sie die Vertrags- bediiignnaen deS neuen Kalishndikats für einen beschränkten Kreis der Gesellschafter zulassen. wird jetzt immer mehr aus- genutzt. Bergwerke, deren Beteiligungsquote ganz oder teil- weise übertragen worden ist, werden ganz oder teilweise außer Betrieb gesetzt. Tie Herren Geweiken tvird daS allerdings wenig stören, sie erhalten ja durch den Verkatis des Prodnklions- anteils an ein anderes Werk immer ihre regelniäßigen Gewinne. Aber wie st> ht es dabei mir den Arbeitern? Die so halb oder fast völlig still zulegenden Werke sind Betriebe, die viele Hunderte von Arbeitern be- schäfligen. Was wird aus ihnen? Tie Gewerkschaft Hermann 2 in Hildesheim, die 1905 mit dem Schachlbau begonnen hat und jetzt bei 733 Meter Tiefe auf ein 19 Meter starkes, viele Jahre ausreichendes Kalilager gestoßen ist, verkauft nun einen Teil ihrer Onore und zwar für 730000 M. pro Jahr an die Kaligewerkschast Glückauf- Iondershausen. Dies ist nicht das einzige Werk, das solche Politik treibt. Die Kaligewerkschast I ohan nashall projektiert, seinen Ouotenanteil auf die Gewerkschaft Kaiseroda zu über- tragen. Ihm ist W i n t e r s h a l l schon znvorg, koninien, dies Werk hat vorläufig einen Teil des Anteiles der T e u t o n i a g r u b e übernommen; es soll in absehbarer Zeil die ganze Berechtigung Übertragen werden. Damit hat die Stillegung von Kalibergwerken noch lange nicht ihr Ende erreicht. Die Kaligewerkschast Groß- Herzog Wilhelm Ernst plant ebenfalls die Uebernahme eines Anteile?, es ist nur noch nicht bekannt, von welcher Gewerkschaft. Endlich beabsichtigen die Deutschen Solvay werke in Bern- bürg die Uebernahme einer Teilquote der Kaligewerkschast Hohen- zollern._ Siemens n. HalSke. Der Geschäftsbericht 1908/09 weist einen Reingewinn von l l 429 009,63 M. aus gegen 9 088 203,02 M. im Vorjahr. Daraus soll eine Dividende von 12 Prozent auf das er- höhte Aktienkapital von 03 000 000 M. verteilt werden. •• SirmenS-Schuckert-Werke. Für das letzte Geschäftsjahr wird ein Gewinn von 9 000 000M. gleich 10 Prozent deS Gesellschaftskapitals zur Ausschüttung gebracht. Die Wcrkzcugmaschincnfabriken klagen über schlechte Verbältnisie. DaS geschah in einer am 20. November in Frankfurt a. M. unter dem Borsitz deS Herrn Geheimen Kommerzienrat Dr. ing. Ernst Schieß abgehaltenen fliisschußsitziing des Vereins deutscher Werkzeug- Maschinenfabriken. Anders lautende Meldungen in der Handelspresse seien übertrieben. Wenn auch in den letzten Monaten vom In- und Auslande Anfragen nach Werkzeugmaschinen eingelaufen wären, so habe sich doch nur ein>ehr kleiner Teil davon zu Austrägen ver- dichtet. Hoffnung auf Besserung sei ja vorhanden, aber bisher habe sich davon wenig realisiert. Rückgang des BierkonsumS. Ein Blick in die Biersteiterlisten der Stadt Wald bei Solingen beweist, daß die Steuermacher sich bös verrechnet haben, wenn sie glauben, ans der Brnnfteuererhöhnng überall nennenswerte Beträge für den Staatssäckel herausholen zu können. Folgende Zahlen dürften interessieren: Es betrug die Em- nähme an Bierstcner im Oktober er. von einer Brauerei 113,50 M. (gegen 283,12 M. im Oktober 1908), von der zweiten Brauerei 68.57 M.(im Vorjahre 122.05 M.) und von der dritten Brauerei 01 40 M.(im Vorjahre 190,83 M.). Es ist also ein ganz erheblicher Rückgang des BierkonsumS zu verzeichnen, der auch wohl in Zukunft anhalten wird. Eisenbahneinnohmen. Für die Bahnen mit dem Rechnungsjahr April— März betrugen die Einnahmen in der Zeit vom I.April 1909 bis Ende Oktober 1909 aus dein Personenverkehr 421 090 779 M. (-}- 19 833 051 M.) und aus dem Güterverkehr 857,29 247 M. (4- 35 249 108 M.); für die Bahnen mit dem Rechnungsjahr Januar— Dezember betrugen die Einnahmen in der Zeit vom 1. Januar 1909 bis Ende Oktober 1909 aus dem Personenverkehr 81 005 906 M.)(-j- 4 193 175 M.) und aus dem Güterverkehr 148 400 043 M.(-ff 3 787 282 M). Demnach sind die Gesamt- einnahmen aus dem lausenden Jahre um rund 03 Millionen Mark höher als im Vorjahre. Der Saatcnstand in Preuße« wird für Mitte November amtlich wie folgt angegeben<2 bedeutet gut. P mitt/l): Junger Klee 2,6 (November 1008 2.0). Winierweizcn 2,5(3 4), Winteripelz 2,1(2,6), Winierroggen 2.4(3,3), Winterraps und-Rübsen 2,3(2,0). In den Bemerkungen der»Statistischen Korrespondenz' hierzu heißt es: Abwechselnd schöne und regnerische, vorwiegend aber milde Herbst- tage bezeichnen die Witterung des Berichismonats. Infolge der späten Räumung der Becker konnte mit der Herbstbestellung nicht zeitig genug begonnen werden, so daß die Einsaat des Wintertveizens in vielen Gegenden auch jetzt noch nicht er�digt ist. Die Beurteilung des Wmtetweizens konnte daher noch nicht überall stattfinden, intmernn gl die Zahl von Noten groß genug, um die BegutachtungS- Ziffern zur Kennzeichnung seines Standes als hinreichend gelten lassen zu können. Da der Winterroggen schon zeitig in die Erde gebracht wurde, hat er gut bestockt, teilweise sind schon zu kräftig enttoickclte. hochgeschossene Saaten vorhanden. Die Oel- früchte, WinterrapS und-Rübsen, stehen fast überoll sehr üppig. Im großen und ganzen siebt man der Einwinterung der jungen Saaten mit den besten Hoffnungen entgegen. Der junge Klee ist überwiegend lückig geblieben. Wegen zu schlechter Beschaffenheit hat man ihn stellenweise umgepflügt. Der englische Arbritsmarkt. Nach der»Labour Gazette' hatten die berichtenden Gewerkschaften im Oktober 7,1 Proz. Arbeits- lose, gegen 9.5 im gleichen Monat deS Vorjahres. Die Industrien zeigen fast überall einen Aufschwung, was sich auch in den Lohn- erhöbungen kundgibt. Im Berichtsmonat betrug die wöchentliche Lohnerhöhung 800 Pfd. Sterl. Das ist die erste Lohn- erhöhung seit Februar 1908. Hus der frauenbewegung. Wirkange« deS FranenstimmrechtS. Bei den kürzlich stattgefundenen Wahlen zum norwegischen Storthing haben die Frauen zum ersten Male das politische Wahl- recht ausgeübt. Zwar sind noch Stichivahlen notwendig, trotzdem lassen die Ergebttiffe der Hauptwahl schon bestimmte Schluß- folgerungen auf die Wirkung des Frauenwahlrechts zu. J» der („Wiener Arb.-Ztg.' werden einige interessante Materialien und Ur- teile beröffentticht, die wir dahin zusammenfasien: Bon den Storthingskandidatiniten gehören zwei der sozialdemo- kratischen Partei an, Jenny Garsjeld für Tromioe-Stadr, die 273 von 1800 abgegebenen Stimmen erhielt, und Martha Tynaes, die Mitglied des Gemeinderats von Kristiania ist, für den dritten hanptstäntischen Wahlkreis, die 2521 von 9393 Stimmen erhielt bei 4030'Wählerinnen in diesem Kreise, und die dritte Kandidatin war die radikale Gitta Krogh im vierten hauptstädtischen Wahlkreise (dem Villenviertel), die 803 von ll 217 Stimmen erhielt bei 5300 Wählerinnen I An Suppleaitten stellte das lonservaliv-liberale Wadlkarlell zwei Frauen ans, von denen die Lehierin Anna Nogstad im zweiten hauptstädtischen Wahlkreise mit 0370 von 12 310 Stimmen als einzige Frau durcvdrang, doch halte sie eine etwas geringere Stimmenzahl als der Stortdingskaiididat aufzuweisen. In diesem Kreise hatte die liberal-kontcrvative Koalition mit der iiitensivsten Wahlpropaganda eingetetzt, da diel ihr Parteiführer Genera lkriegslommisiar(der höchste militärische Richter) Bratlie in äußerst bedrohter Position zur Wahl stand und nur mit. 300 Stimmen siegte. In dieiem Wahlkreise dominiert die weibliche bürgerliche Mittelklasse, es ist das Viertel der Lehrerinnen und Beanttinneu und weist 3000 verheiratete und 3792 unverheiratete weibliche Wähler, alio im ganzen 7452 stimmberechtigte Frauen gegen 7319 stiinmberechtigte Männer ans. Nur durch die Ausstellung dieser Lehrerin als Suppleantin konnte auch der konservative Parteiführer zum Siege gelangen. Unter so uiigewöhnlichen Verhältnissen konnte die einzige Frau gewählt werden, wodei ihre Ttimmenzahl »och um 1070 hinter der Gesamtzahl der weiblichen Wähler dieses Kreises zurückblieb. Ein jedenfalls iehr wichtiges und interessantes Ergeönis ist also, daß die Frauen nicht unbesehen Frauenkandidaturen vorziehen. Ein noch wichtigereSund iitteresiantereS Ergebnis ist aber die Tatsache, daß auch der»konservative Sinn der Frauen' nur eine Redensart ist. Drastisch ergibt sich dies aus dem Gesaintresultat der ersten Wahlen im Jahre 1900 und 1909: Der erste Wahlgnng ergab: konservative und liberale Stimmen 1900...... 102523 1909...... 170 000 Zunahme..... 74 077 Das ist in Prozenten 72.24 radikale Stimmen 120 180 145 200 25 020 20.8 sozial« demokratische Stimmen 43 134 87 900 44 766 103,78 Berücksichtigt man den Mossenabfall der„nationaldemokratischen" radikalen Arbeiter zugunsten der Sozialdemokratte, der mindestens 15 000 Mann beträgt, so wäre diese Zahl als Verlust der männ- lichen Stimmen, der durch Zuwachs weiblicher Stimmen aufgewogen ist, den Radikalen bcizurechneu, während bei den Sozialdemokraten das Umgekehrte geschehen muß. Die durch das Fraiieiistimnirecbt im ganzen zirka 150 000 mehr abgegebene» Stimmen verteilen sich dann derart: Konservative und Liberale 74 077, Radikale 40 000. Sozialdeiiiokratcn 30 000. Die aus das loniervativ-tiberale Wahl- kartell entfallenden 74 077 Stimmen dürfen aber nicht als konservative angesehen werden. Die von dem früheren Mintsterpräsidenten Michelscn, von Fridtjof Nansen und Björn- stjerue Bjöinson gegründete und geleitete»freisinnige Linke" besitzt mindestens ein Drittel dieser Kaitellstinimen, so daß sich der Stimmenzuwachs folgendermaßen stellt: Konselvative be-OOO, Liberale 24 000, Radttale 40 000, Sozialdemokraten 30 000. Daß die Konlervattven tatsächlich nicht mehr als 50 00O Frauenstimmen erhalten haben, und daß daher die angeführte Verteilung zutreffend ist, beweist am besten der Umstand, daß das führende konservative Organ»Morgenbladet' bei der Besprechung des Wadlrefultats und ver Teilnahme der Frauen schreibt:»Eine Lehre haben die Wahlen gegeben, nämlich die, daß außer den Sozialdemokraten keine Parle, von dem allgemeinen Stimmrecht der Frauen einen Nutzen auf- weisen wird." In der Einleitung des angezogenen Artikels wird zunächst be- merkt, daß man zum ersten Male durch die Wahlen zum norwegischen Slvrihiiig einen Maßslab für die politiichc Stelluiignahine der Franc» gewinne. Die drei Landtagswahlen in Fninlaild. bei denen auch die F'.aiieii wahlberechtigt waren, und zwar auf der Grundlage eines allg. meine» Wahliechls. sollen keinen solchen Maßstab abgeben. Dazu bemerkt die»Gleichheit":„Warum?„Die Wahlen für den fimiländischen Landtag vollziehen sich jetzt mehr unter dem Gesichts- Punkt des staailichen Verhältnisses zn Rußland; sind also zuerst und meist aus die Energie der Kandidaten, Fiimlands Uitabyängigkeil zu verteidigen, gerichtet." Diese Wertung wird weder im allgemeinen, noch in ihrer be- sonderen Bezugnahme aui Finnland durch die Tatsachen bestätigt. Zunächst sind die Finnländerinnen keineswegs die ersten Frauen, die das politische Wahlrecht ausgeübt haben. Es fei daran erinnert, daß nicht bloß in fünf Staaten der Nordamerika- „ischen Union, sondern auch in den englisch- australischen Kolonialstaaien die Frauen vor ihnen politische Vollbürge- rinnen geworden und zur Wahlurne gegangen sind. In einigen dieser Länder, so besonders in Wyoming(Vereinigte Staaten) und Neuseeland(Australien), liegen für die Wirkungen des Frauenwahlrechts sogar bereits recht langjährige, vielmals wiederholte Erfahrungen vor. Gewiß: die Ausgaben, die sich in diesen Ländern jeweilig in den Vordergrund des politischen Lebens ge- schoben haben, sind zum Teil andere gewesen wie die, welche sich i» Europa mtsdrängen. Jedoch politische Aufgaben sind sie nichts- destoweniger geblieben, zu denen die Frauen als Wahlberechtigte Stellung nehmen mußten, so daß ein Maßstab für ihre potilische Gesiiinung da war. WaS aber insbesondere die finnländischen LandtagSwnhlen an- belangt, so ist ihre Bedeutung für die strittige Frage durch die überragende Wichtigkeit der nationalen Selbständigkeit nicht a»f> gehoben oder auch nur vermindert, sondern umgekehrt eher erhöht worden. In der Tat: soweit die finnländischen Landtags- wählen im Zeichen des Kampses für die nationale Selbständtg» keit ausgefochlen werden mußten, soweit der Widerstand gegen den zanichen Absolutismus und seine Kiiechtiiiigsgelüsie Finn- land gegenüber die politische Frage par oxcollencs, die Lebensfrage schlechthin war. vor welche das finnische Volk gestellt wurde: bekundete auch die weibliche Wählerschaft ihren politischen Sinn und ihre politische Gesinnung dadurch, daß sie gerade diese Frage für ihre Stiinmeuabgabe ausschlaggebend sein ließ. Die etttichiedensten Verfechter der nationalen Selbständigkeit baden unzweifelhaft die meisten weiblichen Stimmen erhalten, wenigstens die weitaus meisten Stimmen der Frauen des werktätigen Volkes. Denn dies ist das Entscheidende: die energischsten Kämpfer für da» nationale Recht waren und sind in Finnland auch die trenesten Verteidiger der Interessen, des Rechts der proletarischen und stark proletarisicrten Volksschichten. Die geschichtliche Eutimckelimg hat bewirkt, daß gerade diese Be- völkermigsichichten im Lande der tausend Seen das stärkste Interesse an der Fortdauer der nationalen Selbständigkeit haben. Daher hat auch hier bei den Landtagswahlen die„nationale Frage" die Bedeutung der Klassengegensätze nicht verhüllt, vielmehr scharf zum Ausdruck gc- bracht. Im allgemeinen ist im letzten Grunde in Finnland, wie in anderen Staaten, die den Frauen das politische Wahlrecht ein- geräumt haben, die politische Stellungnahme des weiblichen Geschlechts bei den Wahlen durch die Zugehörigkeit zu den verichiedenen sozialen Klassen bestimmt worden und keineswegs durch spezifische „Fraueninteresien". Gerade in Finnland ist das auch durch die Be- tciligung der Frauen an den Wahlkämpfen, wie durch die Wahl von tveiblichen Abgeordnelen bestätigt worden, die nicht dank besonderer Frauenkandidaturen in den Landtag gelangt sind, sondern als Kau- didaten der verschiedenen politischen Parteien, die ihrerseits be- stimmte Gruppen und Klassen der Bevölkerung repräsentieren.' Dann auf die norwegischen Wahlen zurückkommend, sagt die „Gleichheit" ganz richtig weiter: ... Um dieser notwendigen Klarheit willen möchten wir auch den Satz des Artikels ergänzen, die norwegischen Storthi»gswahlen hätten bewiesen,„daß der konservative Sinn der Frau nur eine Redensart" sei. Für Norwegen ist der Satz nicht mißverständlich, außerhalb Norivegens könnte er leicht zu irrtüm« lichen Deutungen und Schlußfolgerungen Anlaß geben. Für die guten Lente und schlechten Musikanten, welche das Dogma von der Unterbürtigkeil des weiblichen Geichlechls am wirksanisten durch den Glauben an seine zeit- und klassenlosen sozialen Tugenden zu bekämpfen wähnen, legt er eine Versuchung nahe. Nämlich aus der Nicht- bekundtmg eines überwiegend konservativen Sinnes der Frauen bei den Storthingsivahlen nun an die Existenz eines besonders fortschrittlichen, radikalen politischen Sinnes des weiblichen Geschlechts im allgemeinen zn glauben. Nichts aber wäre unbegründeter. Was in der berechtigten Verteilung der weiblichen Stimmen auf die einzelnen Parteien seinen Ausdruck gefuitden hat. das ist nicht ein unfaßbarer, mystischer, „etvig weiblicher" radikaler Sinn, sondern der nichtkonservative, stark demokratisch geprägte Geist der Mehrzahl der»ortvegische« Bevöllerung, ein Geist, hinter dem die sehr greifbare Realität be- stimnrter sozialer Klassen mit ihren Interessen steht. Die imeresiante Berechnung des Artikels spiegelt die wirtichastliche und soziale Struktur und der von ihr abhängigen geistig- polititischen Eni« Wickelung Norwegens wider. Hier hat der Kapitalismus tvohl Fuß gesaßt, allein den kleinbäuerlichen und klein- bürgerliche» Charakter des Landes hat er noch nicht zu beriviichen vermocht. Ju weit stärkerem Maße noch als die Schiveiz ist Nor- wegen das Land kleinbanerlicher und ßtBiibiirgerlicher Demokratie. Mir dem Kapitalismus schiebt sich natürlich in die dementsplechende alte geschichtliche, politische Entwickelting der Kampf der modernen Gesellschaststlassett, die Kinder des Kapitalismus sind. Dieser Prozeß und seine Stärke, seine Fortschritte werden ebenfalls durch die mitgeteilten Zahlen illustriert. Sie zeigen, daß die alte Demokratie, der bürgerliche Radikalismus, um diesen Sammelnamen zn gebrauchen, unter dem Drucke des kapitalistischen Werdens und Wachsens der Zersetzung anheimfällt. An dem einen Pol schtvächr er sich zum grvßbourgeoisen Liberalismus ab, der sich bereits bei den Wahlen offen mit den Kon- servativen verbündete. An dem anderen Pol dagegen entwickelt er sich zur„Rationaldemokratte", von der ein nicht unbettächtlichec Teil der Gefolgschaft zu der prolewrischen Sozialdemokratie übergeht. Dieser Prozeß konnte an den politisch wahlberechtigten Norwegerinnen um so weniger spurlos vorübergehen, er mußte auch sie umso un- widerstehltcher in seine Kreise ziehen, als die Frauen bereits seit nun fast zehn Jahren als Konmmnaltvählerinne» an dem öffentlichen Leben und leinen Kämpfen teilnehmen. Nicht ein spezifisch sortschritt- licher Sinn des weiblichen Geschlechts, die Klassenzugehörigkeit hat die Stimme der norwegischen Stortbingswählerinne» gelenkt. Wie in anderen Ländern auch, wo die Frauen wahlberechtigt sind, haben sich ihre Summen auf die verschiedenen politischen Parteien nach den sozialen Schichten verteilt, die ihre vornehmste Interessen- Vertretung in diele» Parteien finden.' Die Klassenzugehörigkeit der Storthingswähleriunen ist vor ihrer Geschlechtszugehörigkeit gegangen. Eine Tatsache, die der Artikel in anderem Zusammen- hang noch mit der Feststellung hervorhebt, daß„die Frauen nicht uubrsehe» Frauenkandidaturen vorziehen", und daß sie nicht„Ver- treter ihrer Sonderinteressen in das Storthing sendeten". Diese Tatsachen reißen wieder ein großes Loch in die alte frauemechtlerische Pauke, daß daS weibliche Geschlecht als eine soziale Einheit über den Klanen und Parteien schwebe. Wie die Dinge liegen, ist es daher auch nicht„sellinin", sondern mir normal, daß die norwegischen Frauen das allgemeine Stimmrecht durch ihren Anschluß an die verschiedenen politischen Parteien erobern werden und nicht durch die Verfechtung weiblicher Sonder- interessen, wie sie ihren klassischen Ausdruck durch besondere Frauen- kaudidaturen und eine besondere Frauenpartei erhält. Sic baden dadurch zunächst weder konservativen noch fortschrittlichen Geist be» knudel, wohl aber nüchternen politischen Sinn. Das Umgekehrte kömite nur in dem seltsamen frauenrechtlerischen Lande Utopta ansschlaggebend sein, wo die Dinge auf dem Kopfe stehen, und die Gesellt'chaftSorgamsation daS Geschöpf und nicht die Schöpferin sozialer Ideologien ist.' lversnnimlnngcn— Peranstaltnngcn. Wilmersdorf. Freitag, den 20. November: Oeffentliche Frauen« vertaiuinlimg im GeiellschaftshauS, Wilhelmsaue 112. Vortrag Geuoisin Klara Wetzl:„Was lernen die Frauen von den neuer Steuern!' Vermischtes. Zu dem achtfachen Morde in BoguSlaw bei Pieschen teilt daS „Posener Tageblatt" mit, daß außer dem bereits verhafteten Ignatz Soltisiak dringender Verdacht gegen einen russischen Deserteur be- steht, der am 12. November die Grenze überschritten hatte und von dem ermordeten Wasielcwski beherbergt worden war. Er ist 20 Jahre alt, dunkelblond, ohne Schnurrbart, pockennarbig im ganzen Gesicht und soll sich nach Posen begeben haben. Der Regie. rungSpräsident von Posen hat auf Ergreifung deS Mörders eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt. Arbciterrisik». Aus M.- G l a d b a ch wird gemeldet: In Hensberg explodierte in der Maschiuenschlofferei Randerath ein Benzinbehälter, wobei ein Lehrling und ein Scblvssergeselle schreck- lich verbrannt tvurden. Beide starben. Der Wiener Maflenmordversuch. Wie eine Meldung auS Wien besagt, hat der Kricgsminister eine Belohnung von 2000 Kronen für Mitteilungen ausgesetzt, die zur Entdeckung des Täters führen. Gestern haben sich auch drei in Galizicn stehende und ein Offizier aus Böhmen gemeldet, die gleichfalls die Giftpillen erhalten hatten. Auch sie gehören dem Kriegsschuljahrgang an, zu dem der verstorbene Generalstabshauptmann gehörte, stehen aber noch im Range von Oberleutnants. Der BuIkanauSbrttch in Teneriffa. Die flüssige Lava im Tale von Santiago rückt, einer Meldung aus Teneriffa zufolge, immer weiter vor. Man nimmt an, daß die flüssige Maße einer neuen Oeffnung entquillt; man verspürt Detonationen, die von einer starken Erschütterung begleitet sind. Eine homosexuelle Orgie im Bade. Aus Budapest wird ge. meldet: In einem hiesigen öffentlichen Bade wurden 24 Männer und Knaben während einer Orgie von der Polizei verhaftet. Die Untersuchung stellte fest, daß hier eine förmliche Organisation der Homosexuellen bestand. Mit Radium ermordet. In Belgien, in Lüttich, ist vor kurzem der erste Mord durch Radium begangen worden. Vor einigen Tagen, so berichtet die„Law Times", fand man einen alten Man» namens Pailin tot in seinem Bette. Man glaubte zunächst an einen Schlagfluß, aber die genaue Untersuchung ergab ein seit- Smes Phänomen: es zeigte sich, daß die Haut der Einwirkung von adium ausgesetzt gewesen sein muß. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei ergaben dann, daß am Todestage des alten Pailin ein junger Student der Chemie, der im gleichen Hause wohnte, spurlos verschwunden sei. Die Wohnung des Studenten wurde durchsucht und man fand untrügliche Anzeichen dafür, daß der Flüchtige in dem Räume eine lange Reihe von Experimenten mit radioaktiven Substanzen vorgenommen haben muß. Alle Indizien deuten darauf hin, daß der Student den alten Pailin aus einst« weilen unaufgeklärten Gründen durch starke langandauernde Radiumbestrahlung systematisch ermordet hat. Für den Jnbalt der Inserat« übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber tetnerlet Verantwortung. Cbcatcr. Mittwoch, 24. November. Ansang 7'/a Uhr. Köuigl. Opernhaus. FlgaroS Hochzeit. Königl. Schauspielhaus. Der deutsche König. Deutsches. Don Carlos. Sommerspiele. Major Barbara.(Ans, 8 Uhr.) tuiiang 8 Übt. Neues königl. Ovcru-Dheater. Romoo a. Juliet. Lessing. Tantris der Narr. Neues SchausPieldauS. DaS Excmpel. Neues Operetten. Mih Dubelsack. Berliner. Hohe Politik. Trianon. Buridans Esel. Komische Oper. Auserstehung. Neues. Mouna Vanna. Kleines. Hinter'm Zaun. Residenz. Gretchen. S ebbet. Der Skandal. chiller»> t»«u»ee. 7b«<,»»r.) Dat Käthchen von Heilbronn. Sch<■ Eharlottenvurg. Die erste Geige. Friedrich, Wildelmstädt. Schau- spielhaus. Flachsmann als Er- zieher. Nachm. 4 Uhr: Sneewittchen. Weste». Die geschiedene Frau. Nachm. 4 Uhr! Der Struwelpeter. Thalia. Tie ewige Lampe. Nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Luise». Heimat. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Till. Volke op er. Tie NegtmentStochter. (Anfang 8'/, Uhr.) Role Maria Stuart. Lnstspielhaus. Der dunkle Punkt. Me» o»ot. Hallohit— Die große Revue. Folie» Sapriee. Mobilisierung. Der gewisse Augenblick. Ans. 8'/, Uhr. Zlp im. Svczialitiilen. Wintergaric». Spezialitäten. «kasino. Onkel Cohn. Gedr. Hrrrnfeld- Theater. So muh mai(S machen. EinRettungS- mittel. Karl Haverland- Theater. Spe» zialitäten. Wallialla. Svezialitätrn Gastspiel. Di« gm« Partie, fllnj. 8',. Uhr.) Pa«'»a.. Sve,tal>täten Noacks Theater. Der Hütten- bescher. Palaü. Liebchen» Trick? Speztall- täten. Reichsn allen. Stettiner Sänger. llrania. T»i-»>e»i,r.>tir«-,>4». Ii» wissenschastlichen Theater: NachmitlagS 4 Uhr: Die Insel Rügen. Abends 8 Uhr: Die A»iänge der Musik. Im Hörsaal: Abends S Uhr: Pros. Ralhgen: Schwescl(Schweselsäure). Ttc- nii-orl». ,ti oai d na 7—62, t.eMning Thea ter. Mittwoch. 8 Uhr: Tantris der Narr. Donnerstag, 8 Uhr: Tantris der Narr. Freitag, 8 Uhr: Hedda Gabler. ljerliner 1'peater. Ms ssliiid. Morgen: Hohe Politik._ Neues Thealer. Ansang 8 Uhr. Letztes Gastspiel Suianns OssprSt: Monna Vanna. Donnerstag zum 1. Male: Herbst.— Ter Unbekannte. Theater des Westens. 8 Uhr: Dir geschieden« Fra». Mttw., Sonnab. 4 U.: Struwwelpeter Sonnt. 3'/, U: Ein Walzertraum. Friedrich-WilheimstMlscIies Schauspielhaus. Mittwoch, 24. Novbr., Ansang 8 Uhr: llfldjemanu als Ermher. Nachm. 3'/, Uhr: Kindervorstellung: Sneewittchen. Donnerst.: FlachSniann als Erzieher. vpoe-r-ttt-n-Dke-utvi-. Schissbauerdanun 28. a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: lklitt lduckelxnvlr. Oderette in 3 Akten von Rudolf Nelson. Liistspl©Iliäiis7 Abends 8 Uhr: Der dnnkte Punkt. t.l!i8ön-Ihöaiks. 3 Uhr: Gr. Schüler-Borstellung: VT Teil. Abend» 8 Uhr- Heimat. Donnerstag; Gib mich frei. Freilag: Gib mich frei._ Sanssouci, Ä"' Direktion Wilhelm Reimer. Sonuiag, Montag und Donnerstag: ttottmanns und Tanzkränzchru Stet» neues hochaktuelle» Progr. Beg. Tonnt. S, Woch.8 Uhr. Donnerstag: Hoffmann» Nordd. Sänger. Tanz. Freitag, 2«. Novbr., Tlitatcrttwdt Im Caf« Noblesse. lKelilllei'' Sodlslek-IliSLier o.(Wallner-Theater.) Mittwoch. abendSSUHr: v»» N v-ttvildi-or»» Großes historisches Riiterschauspiel in S Akten von Heinrich v. Kleist. Ende 11 Uhr. DonnerSieg. adends» Uhr: SUD Hobbs, Freitag, abend» 8 11 b r.> Vvi- Soki«-!»- der Treue. Theater. Schiller-Theater CharloIlenharB. Mittwoch, abendS 8 Uhr: Die erste Gelpte. Lustspiel in 4 Akten». Gustav Wied uud JenS Petersen. Ende lO'l, Uhr. Donnerstag. abendSSUHr: Gempenstor. Freitag-deno» 8llbr- Wallenetein» hager. Die piecelemlni. Urania. Mitfcwoch naohmittBpfs 4 Dir: Die Insel Itüipen. Absnds 8 Uhr: Wissenschaftlicher Verein: Prof. Stumpf: Die Anfiinse der Kunlk. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Kathgen: Schwefel(Schwefelsäure)._ Residenz Theater Direktion: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Gretchen. Groteske in 3 Allen von Davis und Lipichütz. Morgen und tolgende Tage: Dieielbe Vorstellung. Sonntag, den 28. Nov., nachni. 3 Uhr Kümmere Dich um Amelie. osc-mMi Große Frauksurter Str. 132. Uhr. Ende nach 1l U. Ans. 8 Maria Ataart. Trauerspiel in 6 Akt. v. F. v. Schiller. DonuerStag: Die Grille. ii Yolks-Oper. SW, Belle-Alliance-Snaße Nr. 7/8. Erste Wiederholung: Marie die Tochter des Regiments. _ Ansang'/,9 Uhr. Ansang 8 Uhr. Off- Letzte Woche de» kolossale» Programms, u. a.: T«t,„Hvuk»t>u, Burleske, Ooniuel» I',»i»»i'ln», die Phänomene lKfyime Brother«. 10 Uhr; 10 Uhr: Eine Haremsnacht. Grotesk« in 1 Akt. Passage-Theater. Abends 6 Uhr: Da« ffroftartlge Varlet6- Programm «de« neuen sroBon i Variete-Teils. Ferner 10 neue Debüt«. Ferner: I: Henry Bender in der tollen Burleske, Der süße Doktor.! Passage-Panoptikum, wMeleheöeMGjlM Geheimnisse der Wassertiefe. Plastische Riesendioramen. Da« lebende».kclott. Du« nnatom. HHtacl. Sie Traummalerin. ADA, die schweb. Jungfrau Tainburitzn- Itrlgantos. I'anophon- Vortrüge. Alles ohne Extra-Entree! Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jal. Freund. Musik v. Paul lyincke. In Szene gesetzt vera Dir Rieh. Schnitz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. MM« Rommaudamenftr. 57. T. ZI. 4, 5083. Die von der gesamten Presse als erfolgreichsten Schlager bezeichneten Novitäten: „So muß man's machen" BurleSle m. Gesang in 2 Akten van A. u. D. Herrnield. Musik von L. Jial mit Ztnlo» und Dona» Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorher: Ein Kettttngsmittk!. Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. Ansang S Uhr._ Borverkauf 11—2 Uhr Folies Caprice.l Anfang SV. Uhr. Mobilisierung. Ein gewisser Augenblick. Donnerstag, 25. November: Premiere! Miinchearr Marchenspiele. Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 67/68. Heute und solgende Tage: Der Zanberkessel. _ vllsang B Uhr._ Eine Revue der Schönheit, Grazie«. Humors! Anne Dancrey, Bernh. Mörbitz. Laila Selbini. Horace GoBdin. Sisters Harvey und eine Reihe an«erle«ener KunstkrBfte. | Moritipliti ,fABf.8 Uhr Aufführung von Meyer mit'n Hängeboden. K ün i g« tu d t- K a« i n o. Holzmarttstraße 72. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung mit Franz Sobanski. Olga tey, Musik. Komödianten Carmanelli Kurt Werther, EmmyGalotti, Rockowsky- Duo Gust. Burg Truppe Juhasz (4 Perionen, l Foxierrier) uiw Prinz Wendeliii, GeiaiigSp. v. Klein W.Koacks Theater «tmmeimr lS, am Nolenthaler Tor. AbendS>/,9 Uhr: Der Hüttettbesitzer. Schauspiel m 5 Akten von G. Ohnel. Philipp Derblay: xyr. SNerker. Donnerst.: Othello mit Fr. Aterter. Sonnabend: Die Grille. Patast-Theater. Direktion: Robert Olli A Karl Pirnau. Burgstratze 24, am Bahnhot Börse. T'itgllol»: Die erstklassigen November• Spezialitäten. Fitiichkns Trick? mit Direktor Rod. 01» in der Sauptgefangspartie. Anfang'Iß Uhr.(in it. 60 Pf. bis 2 M. MMT" VorzngSkarten überall zu haben._ Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr bis Donnerstag, den 2. Dezember: Onkel Cohn. Freitag, den 3. Dezember, zum erstenmal: Der Obergauurr. Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkert. Trianon-Theater. AdendS 8 Uhr: Kuridims Gfel. M alhalla- MMTf.eakr j Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. s Ans. 8 Uhr. Die grostnrtigen November-Spezialitäten. I Im Tunnel: RegimentStaPelle. Theaterbesuchern freier Eintritt. vinne geklltterfe Linter-Soppen Lekut? gegen �rlcaltung Lute T-odenstakfo in den beliebten Farben Praktische Fassons mit doppelt, breitem Brustüberschla; Eigene Erzeugnisse 30.-27.-24.-21.-. 18- 15.- 12.- 9.- 7.50 6.- □ □ O O Pelz- Joppen Starke Lodenstoffe mit echtem verschiedenem Pelzfutter 60.- 50.- 45.- 36.- 30.- 25.- 18.- 15- Baer«Sohn ;• SpeiiaJ-Han» jröfiten Maßstabes, gegründet 1891, > für gute Herren« und Knaben«Kleidung. 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TageS-Ordnung: 1. Dortrag. 2. DerbandSangelegenhciten. 3, Branchenangelegenheiten. 92/13 Die Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! Verband der baugewerblichen Hilfsarbeiter. Bexlrk Kisdorf- Britz. Heute Mittwoch, de» 24. November, abends 8 Uhr. tu Hoppes Fcstsälen-, Hermannstr. 40: Zlutzerordentl.Mitglieder-Versammlung TageS-Ordnung: Fortsetzung der Statutenberatung und Ausstellung der Kandidaten zum Verbandstage 31/6 Zahlreichen Besuch erwartet Tie«ezirkSleitung. I. A.:«»aiil eSng». Keklungi Biltlhausni Nächsten Donnerstag, den 25. November, findet keine Versammlung statt.— Die nächste Versammlung ist am Donnerstag, den 9. Dezember. £0/17 Der Vorstand. Zweigveretn Berlin. Bureau s Engelufer 15 Telephon Amt IV, 4093. Sonntag, den 28. November 190S), vormittags 10 tthr, tu der„Neuen Philharmonie", Köpcuiltcr Strafte 90—97: LenENs!.Versammlung aller Zahlitellen und Lektionen des Gelamtzwelgverelns. Tagcs-Ordnung: 1. Ter nächstjährige Verbandstag unserer Organisation. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Delegiertenwahl. 8. Anträge zum Verbandstag. uo/f Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Ter Zloeigvereinödorstand. STS. Tie Delegirrtenwahlen finde» am Sonntag, den 5. Dezember, vormittags 10 Uhr, in den Sektionen. Zahlstellen und Bezirken statt und werde» die Mitglieder hierauf noch durch An- zeige im„BorwiirtS« wie auch durch Handzettel ausmcrksnin gemacht werden. Wir ersuchen, jrht schon darauf hinweise» zu wolle».— Bei den lange» Abende», die seht de» Kollegen durch die Jahreszeit auferlegt sind, liegt es im Interesse des Einzelnen wie der Gesamtarbeiterbewegung, wen» man soviel wie möglich sein Wisse» zn bereichern versucht. Wir ersuche» darum die Koliegeü, von der BihUotheh des Zweigvercins recht rege Gebrauch zn machen. D. O. ArbeitSualiiweiS- Hol I. Amt 3. 1239. Berwaltungsficllc Berlin. Hanvtbiirea»- OhsrltsstraSs 3. Hos lU. Amt 3. tS87. 0on C.I'elS. Kottbuseratr. Z. liZiehmgS. Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Zleliung TCm ,s. Kovcmber vormittasrs. Bot die Gewiun* Uber tlO Mark sind den betreRea- den biummtin in Aiammern beigefügt. (Obne Oew,br.)(Xnphdruck verboten.) 13 MS 82 813 UM 65 817 5S6 67 701 68 316 2031 IM 309 513 747 628 C« t500) 3050 117 317 510 712 62$37 4 309 458 657[500] 657 743 85 091 5193«0 s 10000) 574 60 982«373 497 94« 7053 810 584 726(500) 857[500] 8133 1500) 73 flOflO] 203 82 312 488 520 636 765 72 9 2» 451 552 62 625 783 885 971 10457 231 81[3000] 559 69 706 Ilm 482 607 19 riOOOl 85 820 47 12002 225 867 13000) 464[500) 616 779 913[MOj?! 13000( 8000) 82 170 443 780 1 4040 50 128 [500) 323 1 5 008[3000] 597 455 1 0450[5000] 565 11600) «17 706 892 987 ISOOO] 17017 456 684 8« 90 745 852 81 [5001 623 58 18016 37[ 500] 154 831[1000] 406[600] 19 729 814 1 8013 14 141 226 361 493 503 610 799 813 #7» rsoeo] 20174 449 569 85 601 16 24 37 785 37 802 tSOOl 64 *79 2 2337 2 3 213 58 t 25173 286 523( 3000) 62 66 617 ■rtfr 879 965 2 0115 248 527 13000) 683 91 80» 94 0,9 27109 289 583 598 738[500] 849 2 8 035 322 444 697 720 820 3 4 2 9277 611 905 842 45 83 918(500) 30115 210 490 615 819 916 3 1 009 66 218 26 sSOOl 478[30001 530 37 685 3 2 397 459 526 65[500] 95[3000] 657 718 988 3 3191 811 519[3000) 609 722 3 4 520 554 «74 715 81[1000] 98 850 36031 fSOOl 90 142 43« 544 76 rmool 721 71 919 36107 71 800 3 61 3 7061 88 193 227 418 593 644 78 769 3 8024 78(3000) 170 402 27 31 8S6 30003 133 474 619 882 706 40158 935 96 3'6 SOS 81 851 880 41021 84 179 81 515 893 4 2290 432 9 4 725[15000] 855 4 3 024 518[500) «09 95 700 4 4007 205[500] 320 402 649 724 4 6 SM 904 46 474 616 4 7200 808 610 673 914 4 8147 266 377 96 014 27 719 6 5 91 99 879 86 955 95 4 9312 442 714 084 50143 48 468 646 764 907 5 1004[3000] 131 99[lOOO] 979 548 5 2143 889 53184 231 621 909[1000] 86 98 5415! 71 206 14 746 5 5128 282 698 806[500] 56283 90 776 5 7125 214 55 301[3000] 692 840 92 58186 278 329 66*23 5 9084 95 98 394 876 933 86 6O200(1000) 319 708[1000] 61117[500]«[500] 329 511,71 63' 133 92 941 62 054 303 473 516 59 665 934 63 307 420 40 722 24 910 6 4160 83 9,7 32 315 48 495 «6 941 45 65199 427 602[ 500] 795[500] 66079 144 [50(fl 51 604 24 758 811 67170 258 818 626 86 740 639 87 905»2 68001[5000] IIS 31 54[500] 392 641 663 7 66 (30001 84 969[8000' 60 281 403 818 7O403 29 89 542 693 704 71340 470 61» 72274 894 439 632 73 84 700 833 7 3139 86[5-0] 345 99 574 7 4233 81 409 673 75,94 433 91 681 89 650 758 SM 76629 89 793 92 813 7 7005 197 401 767«1t 71 7 8069 325 60 473 «10 983 70246 80033 369 41« 21 48[600] 64 541 780 8 1 419 34»11 739 868 8 2314 600 31[500] 719 8?S 999 83199 612 91 904[ 500] 66 8 4129 298 325 676 712 950 76 8 5075 125 904 408 622 711 67'[500] 916!? 65 8 6103 247 469 689 «38 753 827[1000] 975[ 3000] 87014[3000] 93[600] 132 914 49i 600 618»8 619 27 907 88076[3000] 144 730 44 80087 97[ 3000] 14*[500] 74 95 373 849 90,«2 945 314 4'4 568 726 802 88 0 1 56« 685[8000] 809 9 2007 176 306 59 470 719 822 9 3114 245 505 788 846 9 4227 70 665 903 8 9 5203[30O0] 72 689 999[3000] 96212 352 759 0 7074 133 210 856 80«2»7 720 881 066 98225 528[500] 656 99032 968 10071« 892 1 0 1 319 478 656 66 782»9 1O2I09 875 «48 806 28 58 791 855 948[lOOO] 103 042 257 576[500] 78 603 60 692 96 1 04090 138 686[ 500] 105026 158 68 408 58 553 609 712 43 1 0 8015 165 223 25 SO ,95 4M (1000] 662 94 107024 219 SO 91 876 1 08045 169 503 447 445 97[1000] 608 75 829 68 978 1 09 103 219 031 1 10,11 204 02 612 914 54 90 111119 470 91 33 608 8« 898 112126 54 206 75 877 777 899 99» 113116 285 [3000] 73« 905 114066 231 34 398 476 666 961 115:99 550 681 718 814 55 916 92 1 X6178 258 588 771 912 117109 75 448 530 32 652 878[34X40] 900 37 68 118023 M[3000] HO 16[500] 889 406 710»77 119040 246 474 666 10 12 0355 478[600] 605(80001 7 4«(500]#8 862 121031[3000] 113 61 333 631 122 1201 260 83 551(80140] 558 72 1 2 3096 178 251 88 483 691 702»«3 124019 220 [3000] 73 002 125239[500] 48[500] 362 468 811 126124 66[500] 85 47? 519 84 4[4000] 796 659 74 1 27246 ,52 78[500] 551 726 807 1 2 8096 140 260 75« 832 89 948 [1000] 129134 857 93 595 658 803 990 13O00« 92 137 245 64 496 593 612 748 826 026[500] 64[500].-0 131060 436 586 97[500] 623 826 933 132013 562 832 63[1000] 992 1 3 3 020 31[5001 703 882 134,12 51 70 505«38 930 1 3 5 407 8 4 85 275 893 455 603[500] 23 25 905 1 36171 82 292 411 825 708 22 995 137027 181 99 410 40[10001 42 63 786 807[500] 94« 138028 252 801 516 670 78 718 22 862[500] 130331 306[IOOOI 352 683«03 713 83 823 83 14OI08 85[4000] 85 90 635[ 500] 38[500] 82 81«7 801 48«« 14 1 006 86 14« 286 656 65 1 42216 437[3000] 14» 14t3t«l 817 31 35 789 1 44139 66 233 408 86 586 145 030 106 202 556 623 llOOO] 28 3«[5001 98 900 27 77 146171 246 454 90?[500] 147828[.lOOO] 477 521 630 »'1 84[500] 14 8408 32 585 756 828 1 40003 133 4« 643 0*9 15 0087 858 406[500] 541[34)00] 8« 94 695 959 151023 18! 101 27 5)9«41« 768 1 5 2071 423[500] 3« 517 612[500] 17 996[5000] 15 3 483 837 402 154054 19»[1000] 330 155069 101 50 61 16 13000] 484 619 }96:U 61 76 815 627«S»2 1 57008 14 U[SOO] 821 Donnerstag, den 25. November, abends 81/, Uhr, im„Dresdener Garte»--. Dresdener Str. 45: iÜF" Versammlung"WD drr Gold- mib Merarbttttr und urrw. Kmifsgtllosstu. Tages-Ordnung: 1. Vortrag dcS Kollegen A Wuschlck über:„Kirche und Arbeiterbewegung--. 2. Eiiatzmabl zur L chlichlungStommissio». S. Bericht und Neuwahl der Branchenkonimisiion. Um zahlreiches und pünttticheS Erscheinen ersucht 128/2______ DIo O rtuvcrwal tun g. TnNl/rbciltt-GcnMlVI, fjiuiibiuo Geueralvertricb und Jabritlager Berit» 80.. Köpenicker Strafie 20a Vertreter: Titln Stangeubergr"SleV' Niederlage der Nordhäuier Kautabakarbriter-Geiinsseitschaft Zigarren— Zigaretten— Kautabake zu Fabrikpreisen. Ii Ziehung 5. Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Zlefaung vom 33. November nnehmillag». Nur die Gewinne Uber 340 Mark sind den betreHen- den Nummera la Klammern beiKOlügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboton.) Reste Dcamentnche, Bchw&r* und farbig, Cosiumna Ktolfe.r eaeale Muster Tncot-Stoffe, Belden- Plo«r.h. Hainrnet«. Seide ntc. lecvon Paletots, Jach et» s, Htanb- niäntaU Coetumee on� Coaium- Äcke fn«tos«er Attßwaht. f Haben Sie Stoff? Ich fertitre davon Anzug ocL Paletot l* nach Mau, tchick, dautrh. Zutaten. ton 20 Mark an. Moritz Laband, Neue PromencdecJI.( Stdtb. Börse). ■en. \d, I LS öds-Krattoitess ößp iutinaeiier, Hiitoitira- iL Fizwaremerlertipr m Win. Donnerstag, den 2. Dezember, abends?>/, Uhr, im GcweekLoiiufts» hause. Engeluser 16, Saal 8; Ordentliche Geueral- Yersaimnlung. Tages« Ordnung: a) In getrennter Berk-rmmlung: 1. Wahl eines Vorstandsmitgliedes der Arbeitgeber. Amlsdauer bis 31. Dezember 1910. Abends 8 Uhr: 2. Wahl eines VorstandZmitgliedeA der Arbeitnehmer, Amtsdauer bis Li. Dezember 191». 1>) In gemeinschaftlicher Ber- sammiung, weiche abends 8'/, Uhr ftaltjintct: 8. Wahl der Revisoren zur Prüsnng der Rechnungen pro 1909(ß 4S SIbs. 1 des EiatutS). 4. Verschiedenes. 2607b lllniri» nur gegen Vorzeigung der Einladung geslaltet. Siegfried Oannbeuser, Vorsitzeud«; Alle Jakobstr. 20/21. «1 422 623 905[50») 4t 8l 158132 84 309 463 831 923 68 1 5 9077 268 Ol 608 5 8 720 24 812 959 49 10 9007 77 143 326 425 624 638 1 6 1 048 258[8000] 383 388 818«0 162035[ 500] 68 106 311 44« 658 878 163 260 64[3000] 301 20 441 720 839 1 64"30 181 239 589 973 1 6 5058 287 959[500] 70 78 1 66037 14[600] 165[1900] 252[500] 440 641 78 167034 440 631 64 813 73 1 68009 37 249 396[500] 689 716 19 2« 888 169103 553 507 687 911[5001 82 89 170356 422 544 60 753 1 71:68 360 426 069 701 172141 361 887 400 83 645 78 638[1000] 819 93 919 173027 03 188 625'.05 880«17 174584 941 175012 66 07(000) 69 III 23 54 879«PO 7?8 34 176l?6 338«53«16 177008 es ISA 510 440 675 785 78 1 7 8521 24[500] 51 17 0 891 098 18O010 57[600] 71 488 652 877 995[1000] 181103 551 616(10000) 874 934 74 77 1 8 2535 1 83 031 75 110 230 61 85 IlOdO) 478 S«5 77 600 1 84006 225 823 77 553 808[1000] 67 185069 367 522 77 632 6 4 703 62 957 1590] 18 6014 101 238 378 423 46 611 25 1 8 7041 81 93 370 77 840 90[1000] 605 19 761 963[1000] 73( 8000] 188063 133 583[3000] 735 1 80173 343 87 86 599 851 706 901 53[3000] 83 857 190043 409«58 80 733[1000] 884 913 79 1 91133 378 80 431 73 946 192103 249 870 447«30 1 9 3 335[500] 71 724 826 945 61 194170 225[1000] 28 355 408 90 634 87 715[lOOO] 810 1 9 5074[1000] 137 74 386[ 500] 632 833 93««5 196128[3000] 82 8« 338[1000] 719[doo] 73 883 994 08 1 97133 99 453 1 98148 99 246 308 87 199 M 586 69« 779 883[5001 963 200418[500] 617 38 709 11 45 94 868 59 940 t» 201 315 981 83 2 0 2085 343 543 817 2 09138 33« 204052[1000] 181 279 305 83[500] 539[500] 62 797«95 20 5151 96 549 86 737 92« 206006[500] 61 636 626 750 853 207 10« 25 51 238 305 542 72«98 727[ 500] 885 2O81BS-55[ 500] 812 78 40,[500] 515 126 934«0 209-33[500] 498 553 750 906 21014-1 69 164 25« 63 371 409«8 84 807 83 6« 79» 211011 262 82 310 426«1 64 52« 66« 212022>91 36» 752 2 1 3269 82[3(100] 333 2 1 4021[lOOO] 168 533 625 725 800 59 2 1 5016 160[3000] 310 460 670 849[500] 71 2 1 6004 148 335 47 SOO[1000] 24 63 613[1000] 67 79 604 827 44 60 928 2 1 7030 214[6140] 397[600] 436 95 633 71 879 937 41 2 1 8143 201 97 564 65 72«[500] 210091 [SOOOl 803[3000] 891 992 2 20165 75 308 72 479 508 84 93 935 221146 34» 47 382 93 480 634 752 907 57[ 500] 2 2 2002 280 358 621 (1000) 22 3 095 206 566 950 96 97 2 2 4125 253 36 869 [1600] 696 702 924 2 2 5 363 486 673 790[30001 226043 213 485 91 630[500] 780 881 227104[1000] 76 31« 610 867 093 2 2 8036[500] 228[5001 468«31 749 889[ 500] 915[500] 22 9110 17 692 628 07 709 87[1000] 887 931 230929 484 710 2 3 1 274 437 570 617 781 919 66 70 232185 384 568 705 857 912 2 3 3068 846 96 428 40 8iq 234171[500] 251 442 742 825[590] 992[500] 235051 245 171 918 236633 334 394 495 537 2 3 7070 395( 34400] 418 587 620 768 86 2 3 8390 66 87 444 599 SCO 239007 139 229 367 543[5001 934 44 24 0097 183 206 65 428 564[lOOO] 798 938«7 24 X 465 599 856 2 4 2013 207 91 80 569 70 678 917[500] 86 2 4 3397 470[500] 542 60 58 779 8140[lOOO] 937 2 4 4030 91 189 873 42« 732 8t4U 983[590] 245151 57 418 529 78 602 787 24fl0«l 76 17«[500] 79 377 347 558 976 2 47133 67 487 63 550 673[500] 048 98 248049 85» 408 47 520 645 602 81 2 49195 443 772 250111 82[1000] 75 620 2 5 1 088 254 6 8 656[500] *44 252084 375 808[500] 922 70 2 5 3025 49 887 595 652 838 953 2 5 4002 26 233 339 435 639 700 SOI 61(1000) 69 910 2 5 5044 220 448[lOOO] 508 610[1000] 718 ßO 25614»[500] 466 SU 760 85 965 257052 212 1500] SO 76 381 60 505 61 7« 117 19 25813'. 41«24 61 873 918 2 59110 91 60 916 29 41 619 53[500] 704 2 60173 333 331 86 439 58» 71« 48[1000] 868[500] 07«[500] 261011[500] 61 64 454 529 2 6 2493 657 263194 295 534 613 89 907 26404a 175 393 452 573 94 837«0»91 265570 613 765 88 982 266134 563 414 557 157 845 988 267029 48 158 831[lOOO] 597 692 880 937 268233»9 352 415 525 641 808 32 991 2 6 99« 4« 35« «09 46(3090] 58 553 71 687 729 930 70 270Q16 861 599 632[ 8000] 788 873 2 7 1 048 167 97 272,33 816 93[1000] 552 779 04»82 273263 8!5 63» 723 71«88 2 74120 490 558 831 46[ 3900] 934 275164 65 370 340 SOO 611 970 276941 153 31« 525 143 77 902 277079 388 399 573 610 278100 383 366 4 70»68«4)1 706 973 27900«[SOO] 60 IM 345 424>7 587 643[1000] 738»1 280003 OS SSI 369 607 816 44 977 2 8 1 002 137 [500] 209 68 423 657 2 8 2384 68 415 622 77 795 803 44) 955 283007 71[1000] 345 448 837 912 2 84104 65[500] 301[3000] 34 437[lOOO] 42 63 68 716 2 8 5004 252 457 69 660 83 774 86 2 86"20 24 74 141 346 401 522 648 287140 75[1000] 645 900 288012 100 61[1000] 90 341 435 501 631 35 772 861 2 8 9324 900[500] 29 0476 584 798 921 78 2 91172 505 16 957 2 9 206» 481 637 79 715 83 886 907 2 9 3326?? 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Selbst hat in dieser Frage in der erklärt:„Die Deputation für die Pflichtfortbildungsschnle ist bemüht gewesen,>vo es irgend geht, den Unterricht so zu legen, daß der Schluß schon v Uhr abends eintritt, und sie hält an dem Ziele fest, weiter zu versuchen, daß das allgemein eintritt." Das alles braucht nalürlich Herr Thieme nicht zu wissen, sonst könnte er seine niedrigen Unterstellungen nicht an den Mann bringen. Herr Thienie ist auch„Sozialpolitike r". Und was für einer I Er erzählte in seinem Vortrage seinem Auditorium: „In sozialer Hinsicht wird auch viel geleistet... Eine andere Forderung der Sozialdemokraten, die Versicherimg der Arbeiler gegen Arbeitslosigkeit, sei dagegen leine Aufgabe der Stadl- Verwaltung, sondern eine des Staates oder Reiches, die zur Be- rarung dieser Angelegenheit gewählte Kommission der Stadl- verordnetenversammlung. welcher der Vortragende auch angehört, sei trotz vieler endloser Sitzungen noch zu keiner praktischen Lösung g e k o m m e n." Auch in dieser Aeußenmg offenbart sich der ganze Kam- munalfreisinn. Anstatt offen und ehrlich zu sagen: Wir wollen für die Arbeitslosen nichts tun, deshalb veischleppen wir jede ernste Regelung der Arbeitslosellfrage durch die Stadt in endloser Weise und ich, der Stadtverordnete Thieme. trage dazu nach besten Kräften bei, suchen diese Kommnnalfreistnnigeit die Sachlage noch so darzustellen, wunder welche Großtaten die Kommune auf diesem Ge- biete leiste. Die Arbeiterschaft läßt sich allerdings durch solche Redens- arten nicht einlullen. Bei der letzten Stadtverordnctenwahl hat sie dem Freisinn eine deutliche Quittung für sein real- tionäres Verhalten erteilt. Nur das Dreiklaffcnwahlrecht schützt den Kommunalfreisinn davor, daß er ganz aus dem Raten Hause hinausgejagt wird. Und nur vor den Paar Wählern der ersten und zweiten Wählerklasse können Leute, wie Herr Thieme, ihre Salbadereien an den Mann bringen. Späte Vergeltung. Gegen den Genosien L e d e b o u r ist ein Strafverfahren ein- geleitet worden wegen der Ansprache, die er bei den Wahlrechts- demonstrationen am 12. Januar 1998 an der ein- samen Pappel gehalten hat. Die Staatsanwaltschaft erblickt darin einen Verstost gegen das Vcrcinsgesetz. Da vom Reichstag eine Genehmigung zur Strafverfolgung während der Scssionsdaner nicht zu crw.irien war, hatte die Behörde den Schlust der Session abgewartet. Genosse Ledebour wurde dann im August vom Unter- suchungSrichter vernommen. Die Behörde stützte das Vorgehen auf eine Notiz des„Vorwärts" über jenes Vorkommnis in der Nummer vom 14. Januar 1993. Genosse Ledebour bestritt entschieden, dast in den dorr wahrheitsgemäst nntgeteillen Tatsachen die Veranstaltung einer Versammlung erblickt werden könne. Er habe nur eine ge- legentliche Ansprache an eine Menschenmenge gehalten, genau so, wie da§ beispielsweise ein Jahr früher in der Wahlnacht der da- malige Ministerpräsident Fürst Bülow getan habe, der doch deshalb völlig unbehelligt geblieben sei. Trotzdem erhielt Ledebour ein Strafmandat über 39 M. wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz zugestellt, wogegen er Einspruch vhob und gerichtliche Entscheidung beantragte. Vor dem Amts- gericht Berlin-Mitte in Moabit ist zum 24. November Termin an- gesetzt. Man darf gespannt darauf sein, wie die Staatsanwaltschaft ihr Vorgehen begründen wird._ Für die Wahl des Kommunalfreifinntgeu LeiS im zweiten Wahlbezirk werden auch die Portiervereine mobil gemacht. In einem Schreiben an die„Berufskollegen" wird der Demokrat Herr v. Gerlach nach allen Regeln der Kunst heruntergerissen und dargelegt, welche großen Verdienste um die Stadt Herr Leis sich erworben hat. Welche Verdienste das sind. wird, wohlweislich verschiviegen. Auch die„Vossische Zeitung" bringt eine längere Notiz, in der Herr v. Gerlach in der niedrigsten persönlichen Art bekämpft wird. Nicht un- interessant ist, daß auch die Antiseniiten, die früheren Tod- feinde des Herrn Leis sich für den Kommunalfreisinnigen ins Zeug legen. Daß unsere Genossen am heutigen Stichwahltage für Herrn v. Gerlach eintreten und ihm ihre Stimme geben, haben wir bereits gestern mitgeteilt. Aus der Tasche der Arbeitslosen wissen findige Leute immer noch so viel herauszuholen, dast sie selber sich davon eine behagliche Existenz schaffen können. Je fühlbarer der Beschäfngungsmangel wird und je mehr der Arbeitslosen aus der Straste liegen, desto flotter geht bei ihnen das Gescbäft. Das ist die richtige Erntezeit für jene unternehmenden Mitnienichen, die das Gewerbe betreiben, Stellen nackzuweisen. Tag für Tag verkünden manche in Annoncen, was für schöne Stellen da zu haben sind. Dem Beschäftigungsuchenden, der sich an einen dieser„Stellen- nachweiS"- Jnbaber wendet, kann es passieren, dast ihm für seine im voraus zu bezahlende Nachweisegebllhr zwei oder drei„Adressen offener Stellen" überreicht werden. Möge er nun probieren, ob sie noch un- de setzt sind, wenn er hinkommt. Sind sie es nicht mehr, so darf er wiederkommen, sick neue Adressen holen und aufs neue probieren, ob noch was für ihn frei ist. Mit Rücksicht darauf, dast solche stellensucherei etwas lange zu dauern pflegt, bemistt man ihm die Gebühr von vornherein entsprechend hock, auf 8 M.. 5 M. oder noch mehr. Das ist unangenehm für einen Arbeits- und Erwerbslosen. aber er darf dann auch' für sein eingezahltes Geld dieses Hin und Her viele Woche» hindurch wiederholen— falls er'S nicht müde wird oder inzwischen verhungert. Die bitteren Ent- t ä u s ch u n g e», die ein Befckäilignngsuchendcr da manchmal erlebt, sind den Kundigen unter unseren Lesern nichts Neues. Sie wissen, daß der Arbeitslose, der vielleicht sein letztes 5 Mark-Stück oder mehr hingibt, deshalb noch lange nicht auch die„offene Stelle' hat. Aber zu Nutz und Frommen der Unkundigen empfiehlt eS sich, immer mal wieder über die Erfahrungen zu berichten, die mit Stellen- nachweisen gemacht wokden sind. Berichte» möchten wir heute über eine Erfahrung, die manchem Kenner der Verhältnisse fast yoch als eine„gute' erscheinen wird. Ein junges Mädchen, das aus der Provinz zugezogen war, suchte Stellung als Verkäuserin und wandte sich an einen Stellennachweis, veranlaßt durch Annonce im„Lokal-Anzeiger". Bezahlt wurde eine Gebühr von 6 Mark, dafür gab es dann ein gleich auf drei Monate bemessenes„Abonnement" auf Nachweistnig von „Adressen offener Stellen'. Die„Abonnentin' erwarb für ihre 6 M. das Recht, nötigenfalls ein Bierteljahr hindurch sich die Adressen der dem Nachweis„direkt geineldelen oder sonst bekannt werdenden offenen Stellen' geben zu lassen. Hiernach hätte der Stellennachweis schon seine Verpflichtung ersüllt, wenn er Stellen nachwiese, die ihm lediglich aus Zeitungen bekannt ge- worden sind. Die„Abonnciilin" bekam für die 6 M. zunächst nur zwei Adressen von Firmen, bei denen Stellen offen seien. Sosort machte sie sich auf den Weg, aber bei der einen Firma in Berlin-Nord hieß es:„Schon besetzt!', bei der anderen in Berlin-Südost sagte der Inhaber:„Ich will mit meiner Frau reden, kommen Sie morgen", und am andern Tage erklärte die Frau:„Besetztl" Nun ging'S wieder zum Nachweis, eine neue Adresse wurde geholt, diesmal die einer Firma i» einem Vorort. Die Bewerberin brauche, so verstand sie eine ihr im Nachweis gegebene Belehrung. der Firma nicht zu sagen, dast sie vom Nachweis komme. Na, daS störte sie nicht weiter, also hin zu der ersehnten Stellei Aber auch dort lautete die Antwort:„Besetztl" Am nächsten Tage klagte die Stellensuchende ans dem Nach- weis, wieder sei die Stelle schon besetzt gewesen. Man bedauerte, sie habe eben kein Glück. Sie nahm eine neue Adresse entgegen, aber diesmal war's ihr nicht möglich, die Firma in dem angegebenen Hause zu finden. Ihrem Schwager, der der Ortstremden bei der Stellensucherei beigestaildeii hatte, wurde jetzt die Sache zu bunt, zumal da die Fahrgelder sich summierten. Er sagte einem der im Nachweis beschäftigten Herren, anscheinend dem Herrn„Cbes", mit hinreichend deutliche» Worien seine Meinung. Der Herr brachte ein paar Enlschuldigungen vor und gestand, die Adresse der einen Firma sei einer Zeitung entnommen gewesen. Noch einmal wurde jetzt eine neue Adresse gegeben, aber wieder holte die Arbeitsuchende sich eine Abiveisung. Nunmehr verlangte ihr Schivager von dem Nachweis die 6 M. zurück. Es wurde ihm bedeutet, da innsie er am anderen Tage kommen. weil ein Angestellter den Kassenschlüssel mitgenommen habe. Er liest sich das nicht verdrießen, sondern wiederholte am andern Tage den Besuch und— kriegte tatsächlich die sechs Mark heraus. Der Herr„Chef", dessen Tasche die sechs Mark wieder hergeben mußte, wird uns wahrscheinlich anttvorten wollen, daß man mehr doch nicht verlangen könne. Der energische Mann, der ihm die Gebühren wieder ab- zunehmen verstanden hat. ist froh, wenigstens diese gerettet zu haben. Andere Arbeitslose, die ebenso hoffnungsvoll sich an Slellennqchweise gewendet und hohe Gebühren bezahlt haben, werden schwerlich darüber berichten tonnen, dast es auch ihnen gelungen sei, ihr Geld zurückzukrieaen. Wir möchten auch keinem Arbeitslosen raten, auf diese Hoffnung hin seine letzten Spargroschen zu opfern. Für Angabe von Adressen, die einem Nachweis aus Zeitungen bekannt werden, sollte niemand so hohe Gebühren hinwerfen. In der erstbesten Lesehalle kann jeder für ein Eintrittsgeld von einem Nickel ans allen möglichen Zeitungen sich solche Adressen in Masse selber heraus- schreiben._ Ueber die Gliederung der Post-, Telegraphen- und Fernsprech- einrichtungen des Olicr-PostdirrktionsbczirkS Berlin liegt ictzt eine neue Zusammenstellung vor. Die Zahl der numerierten Postämter geht jetzt bis 113. Inbegriffen ist hierin auch das Hofpostamt 1, daS Briefpostamt 2 und das Paketpostamt 3, während das Kabinetts- Postamt zum Briefpostamt gehört und die nur während der Sitznngs- zeit geöffneten Postämter des Herrenhauses, des Abgeordnetenhauses und des Reichstages keine Nummern haben. Zu den Postämtern in Berlin gehört jetzt auch das Postscheckamt, ferner die Bahnpost« ämter 1, 2, 3, 4 und 18 sowie endlich daS Postsuhramt. Man unterscheidet in Berlin Postämter erster Klasse, selbständige, nicht etats- mätzige Postämter und Postzweigstellen. Letzteren sind bestimmte Post- anstalten zugeteilt. Außerhalb Berlins gibt es auch Postämter zweiter und dritter Klasse, serner auch Postagenturen und Posthilfsstellen. Telegraphenämter erster Klasse gibt es nur zwei in Berlin, das Hanpt-Telegraphenamt und das Amt Nr. 2 in der Börse. Dazu kommen drei Telegraphenzweigstellen. am Brandenburger Tor, am königlichen Schloß und am Potsdamer Tor. Austerhalb Berlins gibt eS vier Telegraphenhilfsstellen bei Förstereien. Fernsprechämter gibt es bekanntlich sechs in Berlin, austerhalb nur noch in Char- iottenburg, Wilmersdorf und Rixdorf. Den Telegraphen- wie Fern- sprechziveigen dienen gleichzeitig das Telegraphenbauaint, das Tele« graphenschulamt lind das Telegraphenzeugamt. Alle diese Aemter sind dem Oberpostdircklor unlergeordiiet. Bei den gestrigen Wahlmänner Wahlen in Moabit im 1280., 1298. und 1300. Urwahlbezirk wurden vier bürgerliche Wahlmänner in der zweiten Abteilung gewählt. Außerdem fand eine Stichwahl im 1295. Urwahlbezirk statt, auch dort wurde ein bürgerlicher Wahlniann gewählt. In diesem Be- zirk scheint der Vorstand nicht richtig zusammengesetzt gewesen zu sein. Ei» Disziplinarverfahren gegen Gchcimrat Professor v. Lehden war in der vietbesprochenen Angelegenheit des„Patientenschachers' eingeleitet worden. Ein Mittagsblatt nieldete fälschlich sogar sckon jüngst, wie berichtet, das Ergebnis. Jetzt versendet„W. T.-B." da- gegen folgendes:„Das gegen den Wirklichen Geheimen Rat Prof. Dr. v. Lehden in der Angelegenheit der russischen Patienten ein- geleitete Disziplinarverfahren jist mit Rücksicht auf den Ausfall der Voruntersuchung eingestellt worden." In der gestrige» Sitzung der städtischen Waiscndeputation unter Vorsitz de- Stadtrats Düring erstattete u. a. der Vorsitzende Bericht über die Milezhner Angelegenheit. Ferner»ahm die Deputation die Revisionsberichte über einige ausivärtige Anstalten, in denen städtische Zöglinge untergebracht sind, entgegen und beschlost endlich, hinsichtlich der Frage, ob die Waisenkinder in Pflegestellen ihrer Konsession gegeben werden sollen, es bei der bisherige» Praxis zu belassen, d. h. bei Auswahl der Pflegestellen die Konfession des Kindes zu berücksichtigen._ Bestreitung der Bürgersteige gegen Glätte. Bei eintretender Winterglätte müssen die Bürgersteige, Granit« bahnen und Rinnsteinbrücken mit Sand, Asche öder anderem ab- stumpfenden Material bestreut werden. Das Streue» hat so zu ge- scheben, dast während der Stunden von morgens 7 bis abends l9 Uhr der Entstehung gefahrbringender Glätte vollständig vorgebeugt wird. Die Bernflichtung zum Streuen liegt den Besitzern derjenigen Grundstücke ob, welche und so weit dieselben an die öffentliche Straße grenzen. In den Stunden von morgen« 7 bis abends 8 Uhr müssen die Bürgersteige frei von Eis imd Schnee sein. Die Verpflichliing zur Abräumung des Elles und Schnees liegt den Be- sitzern derjenigen Grundstücke ob, welche an die öffentliche Straste grenzen, und erstreckt sich für den einzelnen auf die ganze Aus» dehnung dieses Grenzzuges. Der Abraum kann auf den Fahrdamm geschafft werben, muß dort aber mindestens 9,3 Meter von der Grenze des Bürgersteiges entfernt niedergelegt werden. Die Einflustöffnimgeli der Strastenkanäle und die Wasserstock» decket der Wasserleitung müssen stets vollständig frei bleiben. Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Bestimmungen werden bestraft. Die vorstehend genannten, den Grundstücksbesitzern auf« erlegten Verpflichlnngen und die strafrechtliche Verantivorlichkeit für die Erfüllung derselbe» gehen aus den für das betreffende Grund» stück oder HauS etwa bestellten Verwalter über, wenn der Grund- slücksbeisttzer bezw. Hauseigentümer nicht auf dem Grundstücke wohnt und den von ihm bestellten Verwalter unter dessen Zustimmung der Polizeibehörde als verantwortlichen Vertreter namhaft gemacht hat. Ucder die Benzolexplosion hat im Krankenhause der inzwischen gestorbene Werkmelsler Schmidt kurz vor seinem Tode noch eine An» deutung gemacht, die trotz ihrer Kürze für die Aniklärnng des Un« glucks einen bedeutsame» Fingerzerg gibt. Er sagte nur: das Leinöl mutz erwärmt werden. Der Arbeiter Thiele, der ebenfalls vernommen wurde, konnte keine bestimmten Angaben machen, weil er sich in einem Nebenraume aufgehalten hatte. Wahrscheinlich hat Schmidt das Leinöl, das vor seiner Vermischung mit Benzol und Lack erwärmt werden mutzte, an den Gasofen erhitzt. Bei seiner Hantierung mit den Leinöl- und Benzolkannen ist dann tvahrschein» lich von dem Inhalt elwas verschüttet worden, und die Benzol- dämpfe haben sich an der Gasflamme des Ofens entzündet. Die Leiche eines neugeborenen Mädchens wurde gestern vor» mittag auf dem Falk-Platz etwa süus Schritte von der Gaudy- Straste entfernt im Gebüsch aufgesunden. Sie war in rot-schwarz tarierte Lappen und giaues Packpapier eingewickelt. Ob ein Kindes- mord oder nur Veiseiteschaffuug einer Leiche vorliegt, steht noch nicht fest. Wer ist der Tote? Im Obdach erhängt hat sich ein Mann, dessen Persönlichkeit noch nickt festgestellt werden komite, er besaß keinerlei Ausweispapiere. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Der Verstorbene ist etlva 35 Jahre alt, hat stark ergrautes, früher dunkelblondes Haar und einen Voll- und Schnurrbarl, trug grauen Jackettanzug und einen schwarzen Winterüberzieher und besitzt nur noch einen einzigen Zahn. Vermoderte Bestimmungen. Der Polizeipräsident bringt mit Bezug auf die Bekanntmachung vom 19. Juni 1783 und 2. Oktober 1836 nachstehende Bet"mmungen in Erinnerung: 1. Wer Brennholz, unverarbeitetes Bau- und Nutz- holz, Birkenreis. Besen. Kien, Raff- und Leseholz in die hiesige Residenz einbringt, hat sich aus Erfordern der Forst- und Polizei- beamlen durch eine Bescheinigung der Polizeibehörde seines Wohnortes oder durch ein glaubwüdiges Attest des Eigen- tümers desjenigen WaldeS, an« welchem die einznbriilgenden Gegenstände kommen, oder dessen Stellvertreters über den rechtlichen Erwerb desselben auszuweisen. In diesen Attesten müssen die Ouantiläten und Gattung des Holze» usw. und zwar die ersteren mit Buchstaben aitSgedriickt sein. 2. Holzberechtigte haben sich mit einem gleichen Atteste zu versehen, in welchem autzerdem der Tag, an welchem und die Transportmittel, mit welchen das Holz eingebracht wird, anzugeben sind. Zuwider- Handlungen gegen diese Bestimmungen unterliegen, soiveit nicht andere strafgesetzliche Vorschriften Platz greifen, der Bestrafung aus Grund des g 43 des Feld- und Forstpolizeigesetzes vom 1. April 1839, welcher dahin lautet: Mü Geldstr»«« bis zu fünfzig Mar! oder mit Haft bis zu Vierzeh» Tagen wird bestraft, wer den Gesetzen oder Polizeiverordnnngen über den Transport von Brennholz oder unverarbeitetem Bau- oder Nutzholz zuwiderhandelt oder den Gesetzen oder Polizeiverordmuigen zuwider Brennholz oder unverarbeitetes Bau- oder Nutzholz in Ortkctiaften eindringt. Dies gilt insbesondere auch von Bandstocken sReifstäben) jeder Holzart, birkenen Reisern, Korbruten, Faschinen und jungen Nadelhölzern. Das Holz ist einzuziehen, wenn nicht der rechtmäßige Erwerb desselben nachgewiesen wurde. Heitere Kunst lautet der Titel eines am nächsten Sonn- tag iin großen Saale des Gewcrkschaflshauses stattfindenden Kunstabends. Veranstalter ist die Ortsgruppe Berlin des Deutschen Srbeiter-Bhstinenien- Bundes. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen des Herrn Leo K e st e n b e r g. Ihre Mitwirkung habdn zu- gesagt: Frl. Völkerling sSopran), Herr Reznik(Bariton), Frau Meyer(Rezitation). Der Eintrittspreis beträgt nur 20 Pf. Eintrittskarten sind mir bcpdcn Mitgliedern zu haben: LS. Picleke, Lulienstr. 18, E. Geisler, Kuglerstr. 41.. Frucrwchrbcricht. Der 5. Zug wurde nach der Wrangelstr. 113 gerufen, wo Terpentin auf einem Gaskocher in einem Lagerraum in Brand geraten war. Im Keller Dresdener Str. 16 brannte» Seegrasmatratzen und im Keller Skalitzcrstr. 118 Müll, Kasten n. a. Wegen eineö Küchenbrandes erfolgte ein Alarm nach der Christinen- straßeLll, wo Handtücher. Türbekleidungen u. a. in Flammen standen Ferner rückte die Feuerwehr noch nach der Friedenstr. 74, Urban- straße 3ö, Gontardstr. 3, Memeler Str. 63 und anderen Stellen ans. Vorort- JVacfmcbtem Lichtenberg. Resultat der Stadtverordnetenwahl. Bei der Wahl der zweiten Abteilung am Dienstag erzielte die Sozialdemokratie einen erfreu- liche» Slimmenzuwachs. In zwei Bezirken ist das Ergebnis so, daß bc, der uächstcn Wahl auf einen Sieg der Sozialdemokratie zu rechnen ist. Es ivurden Stimmen abgegeben: 1007 1903 Unsere Stimmcnzahl hat demnach um 133 zugenommen. Für die zweite und dritte Abteilung ergibt sich folgendes Gesamtstiinmen- resultat: Sozialdemokratie Block 1907..... 1489 574 1909..... 1693 503 Wir haben 203 Stimmen gewonnen, die Gegner 71 verloren. Bei der nötigen Energieentfaltung werden wir bei der nächsten Ersatzwahl in die zweite Abteilung eindringen. Nur die Heran- schleppung des letzte» Mannes, wobei man besonders die Beamten auf« Korn nahm, hat dem Block diesmal noch die Mandate gerettet. Wilmersdorf. Die Stadtverordneteilversammlung tritt heute zu einer besonderen Sitzung zusammen, in der einzig die Angelegenheit des Stadt- verordnetenvorsteherS Dr. Beckmann auf der Tagesordnung steht. Die„Vossische Zeitung" hat am Montagabend eine Zuschrift ver- öffenllicht, die auf den Vorwurf hmausläuft, daß der Geheime Ober- regierungsrat Dr. Beckmann sein Stadtverordnelenmandat zu Privat- geschäften mißbraucht. Etlichen Anteilhabern einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, an der Herr Beckmann beteiligt sei, wären einträgliche Gemeindeämter verschafft worden, um sich für finanzielle Nachteile schadlos zu halten, die diese Beteiligung an der Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit sich gebracht habe. Ein Anteilhaber und Stadtverordneter führe die städtischen Bauten zum großen Teile aus. Die Gesellschaft selbst betreibe eine Schneide- mühle. Um sich dem Vorwurf gegenüber zu rechlfertigen, hat Herr Dr. Beckmann in letzter Stunde die Mandatsnicderlegung wieder zurückgezogen. Er will persönlich in dieser Angelegenheit Rede und Antwort stehen. Die Sitzimg, auf die wir unsere Leser aufmerksam machen, begnmt heute abend 6 Uhr in der Aula der Viktoria- Luisen-Schnle an der Uhlandstraße. Tchoneverg. Die letzte Stadtverordnetenversammlung war nur von Verhältnis- maßig kurzer Dauer. Zunächst stimmte die Bersammlung den Grundsätze» zur Einrichtung»ind Verwaltung des Grund- erwervsfondS zu. Die Vorlage betreffend die Genehmigung des Ortsstatuts gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen der Stadt Schöneberg wurde einem Ausschuß zur Vorberatung überwiesen. Zur Errichtung von Baulichkeiten auf dem Rieselgute wurden 24 987 M. bewilligt. Sodann forderte der Magistrat für den Ankauf von zwei weiteren Entwürfen aus ver Konkurrenz für die Ausschmückung des Barbarossaplatze? eine Nachbewillignng von 500 M. Es find 153 Entwürfe eingegangen, die in der alten Maschinenhalle auf dem früheren Drnckenmüllenchen Grundstücke am Tempelhofer Weg ausgestellt sind. Bei dieser Ge- legenheil wurde verschiedentlich gerügt, daß für die Ausstellung der Entwürfe nicht bessere Räume genommen worden sind. D>e Stadt- verordnetenversaminlimg müsse energisch Verwahrung dagegen ein- legen, daß die Entwürfe in einen, solchen Schlippen ausgestellt werden. Einstimmig wurde der Magistrat aufgefordert, die Aus- stelluilg nach andere» Räinnen zu verlegen. Die Rachbewllligung wurde aus Gründe» der Geschäftsordnung bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt. Rixdorf. Sine falsche Stellenvermittlerin treibt seit einiger Zeit ihr Un- Wesen. Sie ericheint bei Frauen, die durch die Zeitung Aufwarte- stellen suchen, uiid erzählt ihnen, daß sie eine gute Stelle zu ver- geben babe. Bisher habe sie sie selbst versehen, sie wolle sie jetzt aber aufheben, um sich z» verheiraten. Im Laufe der Unterhalstnig bittet die Schwindlerin die Frauen um eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wasier. Sie veranlaßt sie dadurch, auf einen Augenblick die Stube zu verlassen, und benutzt dann die Gelegenheit, ollerdand zu stehlen. So eniwcndete� sie erst vorgestern einer Frau Stand in der Weiiestr. 202 eine goldene Damenuhr. die 45 M. wert ist. In einem anderen Falle hatte sie es aus eine Kinder-Sparbüchie ad» gesehen. Die Schwindlerin und Diebin ist etwa 33 Jahre alt, hat riesschwarzeS Haar und Augen, trägt einen schivarze» Rock, ein weißes wollenes Strickjackelt und einen großen schwarzen Filzhut. Cstorlottenvnrg. Formelle Nugiiltigkeit der Polizeivemdming deS Cparlottenbnrger Polizeipräsidentkil. Tie SiaM Charlottenburg hat bekanntlich eine Genleliidealistalt zur Forlschaffung des Hausninlls errichtet und eine Ordnung für die Erhebung von Gebühren für die Wegschaffung de« HauSmüllS erlassen. Die Polizeiverordnung vom 13. August 1SV6 dient der Durchführung jener Maßnahmen. � Die_ Nestau« rateure Better», an» und Schmidt, die ihre Küchenabsälle nicht in den bereitstehenden ftädlischen Kasten geworfen, sondern durch Verkauf verivcrlet hatten, waren wegen Ileberlretmig der Polizei- Verordnung angeklagt worden. Das Landgericht sprach fie au» materiellen Gründen seei. Das Kamniergericht verwarf die Revision der Staatsanwaltschaft. Auf die materielle Rechts- frage ging es jedach gar nicht ein. sondern eS beschränkte sich lediglich auf die Frage. ob die Polizei- Verordnung formxll ungültig sei. Diese Frage bejahte es. nachdem es durch Einholung von Nnsküliflen festgestellt hatte, daß zur Zeit des Erlasses der Charlotienburger Polizeiverordnung vom 13. August 1906 für den LandeSpolizeibezirk Groß-Berlin noch die Berordnimg des Rrgierungsprüsidcuten zu Potsdam vom 35. Juni 1886 gegolten habe. Räch dieser Verordnung(die seit ISO» wr den LandeSpolizeibezirk Berlin nicht mehr gilt) mußten damals(1006) auch in Groß- Berlin Volizeivorschriflen N'cht nur im Titel, sondern Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Verlin. Für de, auch noch im Text als Polizeiverordnung bezeichnet sein. Die Challottenburger Polizeiverordnung enthält im Text nicht diese Bezeichnung. Deshalb erachtete das Kammer- geriwt die Verordnung für formell ungültig und demzufolge natür- lich für unanivendbar. Die Frage der materiellen Gültigkeit blieb ganz außer Betracht. Die Verordnung wird nun neu veröffentlicht iverden. unter Berücksichtigimg der jetzt geltenden Fvrmvorschriflen deS Berliner Polizeipräsidenten vom Jahre 1908, durch die für den Landcspolizeibezirk Berlin die Vorschriften des Regierungs- Präsidenten zu Potsdam von 1886 ersetzt worden sind. Erst dann wird bei neuen Strafverfahren die materielle Gültigkeit der Ver- ordiiuiig nachgeprüft iverden können. Zehlendorf(Wannsecbahn). Mit neuen Prozesse» gegen die Sozialdemokratie wolle», wie das Lrib-� und Magcnblnttche» der Zedlendorfcr Spießer, der „Zehlendorfer Anzeiger" mitteilt, die hiesigen Gastwirtsorganisationcn alifivarten. Der Ausgang des Fürsteiihof-Boykotlprozesles hat die- jenigen Gastwirte, die die Anstandspflicht veriveigern, auch der Ar- beiterichait ihre Säle z» Versammlungen zur Verfügung zu stellen. auf den Gedanken gebracht, auch ihrerseits Enti'chädiglmgsansprüche an die Sozialdemokratie geltend zu machen. Sie begründen dies damit, daß ihnen durch die Tätigkeit unserer Lokalkommissioiien ein immenser Schaden crwäckist. Damit werden sich die Herren jedoch gründlich verrechnen. Nnseren Lokalkomnnssionen fällt die Aufgabe zu, Verhandlungen mit den Wirten zu Pflegen, die der Arbeiterschaft ihre Säle verweigern. Die Mitteilungen in der Lokalliste haben nur den Zweck, der Arbeiterschaft zu zeigen, wo die Verhandlungen Erfolg halten. Welche Konsequenzen dann die Arbeiterschaft daraus zieht, ist ihre Sache. Sie wird nach wie vor fordern, mit gleichem Maße gemessen zu werden. Tempelhof. Die lebhaften Klagen der Einwohne? nicht nur über mangel- hafte VerkehrSverhältnisse, sondern auch über„allzu große Dunkel- heit" hat die Beleuchtungskommission veranlaßt, zu beantragen, daß auch in der Germaniastraße„mehr Licht" notwendig sei.— Dem Gesuch der Barbier-, Perückenmacher- usw. Innung zu Britz auf Gewährung eines Zuschusses von 30 Mk. rür ihre Fachschule wurde stattgegeben. Erst vor kurzer Zeit bewilligte die Gemeinde- Vertretung für eine andere Innung ein Geschenk in Höhe von 100 M. Trotz dieses verschiedenen Entgegenkommens halt es Tempelhof bisher nicht für angemessen, den Krankenkassenmitgliedern in seiner eigenen Gemeinde entgegenzukommen. Da werden nicht nur die Kinder bei der Zwangsimpfung in die Kneipe bestellt, sondern Tempelhof macht im Gegensatz zu allen anderen Nachbar- gemeinden die wenig rühmliche Ausnahine, daß sie die Aula, welche in anderen Orten zur Abhaltung von hygicmschen Vorträgen, die die Zentralkommissum der Krankenkassen abhalten läßt, beharrlich verweigert.— Hierauf gab der Gemeindevorsteher die durch Teilung von Klassen notwendig werdende Anstellung neuer Lehrkräfte be- kannt, ohne daß ein Gemcindevcrtretec sich dazu äußerte.— Anders kam es bei dem nächsten Punkt: Einfuhrung der zusätzlichen Be- zeichnung„Berlin" zii den Namen der Vorortgemeinden. Diesem Gedanken, der von Wilmersdorf ausgeht, ist der Minister geneigt, stattzugeben, wenn auch die anderen Gemeinden dies beantrage». Ein Bedürfnis liege, so wurde betont, für Tempelhof nicht vor. Die von den Gemeindevertretern vom geschäftlichen Standpunkte angeführten Gründe wurden vom Syndikus Wiesener als nicht durchschlagend betrachtet. Es liegt auch tatsächlich weder ein zwingender Grund, noch ein Mißstand, auch kein- postalischen Schwierigkeiten vor, den Ort offiziell„Tcmpelhof-Berlin" zu nennen, da es ja niemanden benommen ist, Tempelhof bei Berlin zu schreiben. Der Antrag, beim Minister vorstellig zu werden. wurde angenommen.— Biel Kopfschmerzen scheint der Gemeinde- Verwaltung die Benennung neu errichteter Straßen verursacht zu haben. Vorbehaltlich der Genehmigung der vorgesetzten Behörde werden die Straßen am Hafen Namen aus der älteren Geschichte Tempelhofs erhalten, und zwar die Straße 31: Ordensmeister-, 33: Ratzcnburger-, 20(hinter dem Lazarett): Werber-, 30 und 65: Kollnitz-, 34: Fahrenholz-, 65: Burchard-, 29: Podewill-, 11: Königsmark-, 64: Volkmarftraße. Die Straßen auf Lankwitzer Seite werden folgende Namen erhalten: Straße 73: Adelar-, 71: Ottokar-, 69: Konradin-, 66: Alerich-, 68: Klodwig-, 67: Wolfram-, 70: Kunigunden-, 12: Wittekind-, 79: Etzel- und 78: Eckehardistraße. Die Straßen im Industrieviertel erhalten folgende Namen: Straße� 45: Echaffhauscncr-, 46: Sachsenhausener-, 47: Bacheracher-, 43:«chwanhcimer-, 51: Eschenheimer-, 52: Jngelheimer-, 53: Hattenheimer-, 54: Weilburger-, 57: Saalburgerstraße und Platz 11: Holzmannplatz.— Nachdem noch eine kleine Aendexung im Bebauungsplan sowie die Abnahme mehrerer Straßen genehmigt worden war, kam man darauf zu sprechen, daß die Vertretung endlich einmal verlangen sollte, daß der Park von der Terrain- gesellschaft an die Gemeinde aufgelassen werden solle. Ucberall zeige man ein Entgegenkommen für die Terraingcsellschast. Der Vorsteher riet davon ab, unnötige Schwierigkeiten zu bereiten und so beruhigten sich die Gemüter.— Dem Gemeindevorsteher wurde sein Gehalt um 1000 M. erhöht, während eine Erhöhung des Gehalts des Syndikus Wiesenex— ausnahmsweise— abgelehnt wurde, weil dessen Gehalt erst im vorigen Jahre geregelt wurde.— Am Schlüsse der Sitzung erfolgte wiederum eine Erörterung über VcrkehrSfragen. Aus derselben ist zu entnehmen: Die Große Berliner verbindet— wie zu erwarten war— die Linien 70 und 73 mit 96 und 07, sträubt sich aber immer noch, die Einsatzlinie von der Bchrenstraße fahrplanmäßig fahren zu lassen; ferner soll der Südring I einen 30 Minutenverkehr, dasiir soll Südring II einige Verbesserungen erhalten. Die ganze Sache ist noch jiicht spruchreif und dürfte wohl eine besondere Sitzung zu dieser Frage in den nächsten Tagen Stellung nehmen. Marienfelde In einer fiftr» otmajirn öffentlichen Versammlung, in der auch eine große Aiizahl Gegner anweiend waren, sprach Genosse Fritz Zubeil unler stürinischem Beifall über das Thema„Der letzte Raubzug der ReichslagSmehrheil auf die Taschen der Arbeiter und de« Mittelstandes". An der Diskussion beteiligte sich Genosse Greulich im Sinne de? Referats. Zum zweiten Punkt der Tages- ordnung:„Die letzten Ereignisse in unserer Gemeinde", zu welchem der Gemeindeverireier Hanpilehrer a. D. Herr Betz schriftlich ein- geladen war, sprach Genosse Greulich, der in treffenden Worten das Gebaren diese« GemeindeverrreterS kennzeichnete. Unter stürmischer Heiterkeit wiederholte Redner den Ausspruch deS Herrn Betz, den dieser vor seiner Wahl, als er sich auf der Stimmensuche befand, getan:„Wählen sich mich, meine Herren, ich habe die Bauen» erzogen, ich werde es ihnen schon beidringen."(Der Herr ist hier nämlich 40 Jahre Lehrer gewesen. D. B.) Am vormittag habe Herr B. noch renommiert, in die Versammlung zu gehen und einen Vortrag zu halten, jetzt glänzt er aber durch Abwesenheit. Genosse Richard Kreutzberg kennzeichnete in scharfen Worten den feigen Rückzug des Herrn Belz. der wohl den Mut befesieii habe, in der Gemeindevertretersitzung unseren Genossen Fritz Greulich zu ver- leumden, da dieser leider der Vertretung nicht mehr mit angehört und somit sich nicht verantworten könne, dem aber der Mut fehle, seine Behauptung öffentlich zu vertreten. Bruchmühle. Verboten Wirde« ist vom LmtSvorsteher in Alt-Landiberg die für Sonntag, den 21. November(Totensonntag), arrangierte Bolls« Versammlung. Als Begründung wird in dem Verbot angcftibrt. daß dieser Tag dem Andenken der Verstorbenen gewidmet sei. Nun werden ja für diesen Tag schlechthin nur öffentliche Lustbarkeiten nicht gestattet, unser AmtSvorsteher scheint aber die Ausfassung zu haben. daß eine solche auch bei einer Voltsversammlung vorliegt. Eigentümlich beleuchtet werden durch daS Verbot wieder die Zu- stände in Preußen; was an diesem Tage in vielen anderen Orlen ohne weiteres erlaubt ist, wird hier schnurstracks untersagt. Man hat das Empfinden, daß die früher hier beliebte Nadelstichpolitik wieder einmal angewandt werden soll, aber helfen wrrd eS nicht; Inseratenteil verantw: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag:Vorwärtt für die„lieben Bruchinühlir" wird die Versammlung