Nr. 275. Hbonntments-Bedingungen! Abonnements- Preis pränumerando: Biertcljährl. 3,30 Mb, monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nunimer S Pfg. Sonntags- iiunintcr mit illustrierter Sonntags- Vellage»Die Neue Welt' 10 Psa� Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Prelslistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Mark, für das übrige Ausland Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. vlchtlni Ugll» saOcr niontagj. r Verlinev Volksblatt. Sie Iniertionz-Kebilhr beträgt für die sechsgcspaltcne Kolonel- zcilc oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewcrlschastliche Vereins- und VersaniinIungS-Anzcigen 30 Pfg. „kleine TJnrelgcn", das erste tsett- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weiter- Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigcn daS erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditio» ist bis 7 Uhr abends geöfsnej. Telegramm.Adresse: „SozialiUinoltrst Bcrlio", Zentralorgan der fozialdemokrati feben Partei Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Donnerstag, den 25. November 1909. expedition: SM. 68, Lindcnatrasee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. kritisch IfndiCD und seine Reform. Aus London wird uns geschrieben: Die jüngst erfolgte Veröffentlichung des indischen Reform- planes bietet eine Gelegenheit, eine auf dem neuesten Blau- buche*) beruhende Uebersicht über die allgemeine Lage Indiens zu geben, wobei auch der Umfang des Reformplanes behandelt werden soll. L Wie bekannt, ist Indien mit seinen rund 300 Millionen Einwohnern und 1,8 Millionen englischen Geviertmeilen eine Dependenz Großbritanniens, das heißt, es ist ein von den Briten abhängiges Reich. Es steht indes nicht ganz unter direkter britischer Herrschaft. Dreizehn Provinzen mit einer Bevölkerung von über 232 Millionen werden von briti- scheu Beamten verwaltet und die übrigen dreizehn Staaten und Gebiete werden von eingeborenen Fürsten, die der britischen Oberherrlichkeit unterworfen sind, verwaltet. Etwa 192 Millionen Einwohner leben vom Ackerbau; 4 Millionen von Viehzucht; lv, 8 Millionen von Haushalts- arbeiten; 11,2 Millionen von Textilarbeiten; 3,7 von Metall- und Juwelierarbeiten; 3,8 Millionen von Holzarbeiten; 3.2 Millionen von Ledcrarbeiten; 4,2 Millionen vom Handel; 3,3 Millionen vom Transport: 17 Millionen von Erd- und allgemeinen(nicht landwirtschaftlichen) Arbeiten; 5 Millionen von gelehrten und künstlerischen Beschäftigungen und Arbeiten; 3,8 Millionen von Staats- und Gemeindeämtern; l),4 Millionen von militärischen Beschäftigungen; 1,4 Millionen von Diensten bei fremden Staaten. Es versteht sich, daß diese Zahlen viel größer sind als die der wirklichen in diesen verschiedenen Arbeitszwcigen beschäftigten Arbeiter. Allein das Verhältnis der arbeitenden zur nichtarbeitenden Bevölkerung ist überraschend groß. Es ist wie 48 zu 32. Von je 190 Per- sonen in Indien sind 48 mit lohn- oder gewinnbringenden Arbeiten beschäftigt, was wohl auf einen sehr weiten Umfang der Frauen- und Kinderarbeit schließen läßt. Die Zahl der verschiedenen Schulen und Unter- r i ch t s a n st a l t 0 n betrug im Jahre 1996— 97 162 690, gegen 149029 im Jahre 1897—98. Die Zahl der Schüler 3397 862, gegen 4 283946. Im Jahre 1995-96 gab es in Indien 2380 Drucke- reien, 747 Z ei t u n g e n und 793 periodische Schriften; an Büchern erschienen 7644 in indischen Sprachen und 1411 in europäischen Sprachen. Die i n d i s ch e n P 0 st e n, 17 180 an Zahl, beförderten im Jahre 1996—97 rund 684 Millionen Briefe und Post- karten, gegen 499 Millionen im Jahre 1897— 98. Die Meilenlänge der im Verkehr sich befindenden indischen Eisenbahnen wuchs von rund 22 099 im Jahre 1898 auf 39999(rund 48 999 Kilometer) in, Jahre 1997. Im Bahnverkehr sind beschäftigt: 7189 Europäer. 9982 Eurasiaten (Mischlinge) und 499 594 Hindu. � Die Zahl der Bahn- reisenden betrug im Jahre 1997 395 899 gegen 151 566 im Jahre 1898, wobei zu bemerken ist, daß die Zahl in stetem Fortschritte begriffen war. Der indische Außenhandel zeigte folgende Be- wegung. Im Jahre 1996—97 wurden aus Seewegen ein- geführt: Waren und Edelmetall im Werte von '197 881 339, Pfd. Sterl. Die Ausfuhr an Waren und Edel- inetall betrug 121 395 951 Pfd. Sterl. Der Ueberschuß der Ausfuhr belief sich demgemäß auf 13 713 712 Pfd. Sterl. Diese 270 Millionen Mark bilden den„Tribut" Indiens an britische Kapitalisten und an die Söhne der herrschenden Klassen. In ihm sind die Zinsen für Anleihen, Profite aus Eisenbahnen, Banken. Fabriken usw.. sowie Gehälter und Pensionen an britisch-indische Beamte enthalten. Dieser Ueberschuß der Ausfuhr über die Einfuhr unter- liegt großen Schwankungen. Seit dem Jahre 1898 hat er sich zwischen deni Minimum von 7 Millionen und dem Marimum von 24.9 Millionen bewegt. In den letzten zehn Jahren sind Einfuhr und Ausfuhr um je 40 Proz. gestiegen. Der Außenhandel auf Ueberlandwegen belief sich im Jahre 1907 auf 11,8 Millionen Pfd. Sterl.. wobei die Einfuhr einen Ueberschuß von 1.5 Millionen zeigte. Die Ackerbaufläche Indiens stieg von 196,5 Millionen Acres(1 Acre gleich 40.5 Ar) im Jahre 1897 auf 214 Millionen im Jahre 1996, wovon 36,7 Millionen Acres künstlich be- wässert wurden. Die W a l d f l ä ch e stieg in den letzten zehn Jahren von 64,5 Million"" Acres auf 81,8 Millionen Acres. Auch die Zahl der Fabriken und der in ihnen be- schäftigten Personen ist im letzten Jahrzehnt gestiegen. Die Baumwolle- und Jutefabriken von 166 auf 217; die Zahl der Arbeiter von 148 i53 auf 211711. Die Wollfabriken von 4 aus 6. Die Zahl der Bergleute von 95 318 auf 99 138. Die Docks von 11 auf 13. Die Goldminen von 17 auf 33, in denen 36 159 Personen beschäftigt werden. Eisengießereien von 53 aus 74; die Zahl der Arbeiter von 17 943 auf 26159. Schwefelgrnben beschäftigen 30 469 Personen. Dagegen zeigt die Zahl, der Jndigofabrikcn einen starken Rückgang: die •) East India(Statistical abstract). 1897-1907. Cd. 4311. London 1009. Jndigofabrikation erliegt der Konkurrenz der europäischen Farbenchemie. Die Steuerlasten betrugen im Jähre 1996—97 pro Kopf der Bevölkerung 3,27 M.(einschließlich der Grund- und Bodcnsteuer, die zugleich die Pachtrente an die Re- gierung enthält). Vor zehn Jahren betrugen sie 3,12 M. pro Kopf. Nach der Volkszählung vom Jahre 1901 belicf sich die Zahl der Bevölkerung Indiens auf 294 361 036. Aber nur über 223,2 Millionen wurden bis zum Jahre 1906 Ge- burts- und Todcsregister geführt. In jenem Jahre betrug die Zahl der Geburten 8 438 784 oder 37,8 pro 1000 Per- sönen. In den letzten zehn Jahren schwankte die Gebuicks- ziffer zwischen 34 und 41 pro Tausend der Bevölkerung. Die Todeszisfer belief sich im Jahre 1906 auf 34,8 pro 1900 Per- sonen. Im letzten Jahrzehnt schwankte sie zwischen 26 und 36 pro 1990 Personen. In den Städten ist sie höher als in den Dörfern; unter Hindu höher als unter Mohammedanern und Christen. Unter den letzteren ist sie nicht höher als in England oder Deutschland. II. Das indische Reich wurde vom Jahre 1858 bis vor wenigen Jahren rein bureaukratisch regiert. Weder in der Zentral- noch in der Provinzvcrwaltung hatten die indischenVölkerschaften irgend- welche Stimme. Etwa 209990 britische Beamte und Soldaten re- gieren dort über ein Fünftel der Menschheit. Ein Teil der indischen Regierung sitzt in London. Der Staatssekretär für Indien, der zugleich Mitglied der englischen Regierung(Kabinetts- minister) ist, hat in London seinen Sitz. Ihm steht ein Rat von nicht mehr als 14 von der Regicnmg ernannten Mit- gliedern bei, die früher hohe indische Beamte waren. Im Jahre 1997 ernannte die liberale Regierung zwei gebildete und angesehene Hindu zu Mitgliedern des Rates. Die Auf- gäbe des Rates ist, die Ausgaben des indischen Etats zu be- aufsichtigen und alle indischen Angelegenheiten, die in England besorgt werden, zu leiten. Viel wichtiger ist die Stellung des Staatssekretärs. In allen Fragen, die die Beziehungen Indiens zum Auslande betreffen, in Fragen von Krieg und Frieden, in der Regelung des Verhältnisses zwischen Regierung und den indischen Vasallstaaten, in der Ergreifung von außerordentlichen Maßregeln darf der Staatssekretär selbständig handeln oder nur noch zu diesem Zwecke mit dem Vizekönig von Indien in Verbindung treten. Der Vizekönig oder der Generalgouverneur von Indien wird von der britischen Regierung auf fünf Jahre ernannt und hat seinen Sitz in Kalkutta und Simla. Ihm steht ein Rat von sechs Mitgliedern bei, die ebenfalls von der Re- gierung ernannt werden. Der Vizekönig und sein Rat bilden die höchste Regierungsgewalt. Zu Zwecken der Gesetzgebung wird dieser Rat um sechzehn Mitglieder erhöht, von denen die Hälfte Privatpersonen sind. Unter den letzteren befinden sich auch einige Hindu. Diese höchsten Beamten, die zugleich Minister und Gesetz- gebor sind, werden ebenso von der Regierung ernannt, wie die preußischen und deutschen Minister vom König von Preußen und deutschen Kaiser ernannt werden. Das Volk hat mit der Exekutive nichts zu tun. An der Spitze der indischen Provinzen stehen Gouverneure mit vollziehenden und legislativen Ratskammern, die ganz nach dem Muster des höchsten Rates(des Vizekönigs) ernannt werden. Das Wahlprinzip kommt weder in der Zentral- noch in der Provinzregierung in Betracht. Anders in der indischen Gemeindeverwaltung. In Indien gibt es 730 Munizipalitäten, die die Mehrheit ihrer Gemeinde- Vertreter wählen. Alle Gemcindesteuerzahler sind wahlberechtigt. In ihr Verwaltungsbereich gehören: Straßen, Wasser. Hygiene. Schule. Krankenhaus usw. In den Dorfgemeinden gibt es Distriktsräte, die dieselben Befugnisse haben. Allein die Re- gierung ernennt immer eine kleine Zahl von Munizipalräten. Die Mehrheit ist indes gewählt.— Der innere und äußere Friede, den die englische Herr- schaft herstellte, die Errichtung von englischen Schulen, die einen Teil der indischen Jugend in die Gedankenwelt des Westens einführte; die wirtschaftliche Umwälzung, die der lebhafte Bahn- und Schiffsverkehr brachte, weckten den Geist und erhöhten das Selbstbewußtsein der gebildeten und wohl- habenden Hindu, die nach und nach das Entwürdigende und Drückende der Fremdherrschaft einsahen, und sie riefen eine Reformbewegung ins Leben. Die englische Sprache, die die jungen Leute der an Sprache und Kultur verschiedenen Völkerschaften in den Schulen lernten. gab ihnen das Mittel, sich zu verständigen und gemeinsame politische Ideale zu schaffen. Die Vertreter dieser Schichten kommen seit mehr als zwanzig Jahren zu Kongressen zusammen, wo sie ihre Wünsche formnlieren und besprechen. In den letzten vier Jahren sind diese Wünsche schärfer und revolutionärer ge- worden, und— wie in allen Reformbewegungen— gibt es auch in Indien gemäßigte Reformer und Revolutionäre. Allen gemeinsam ist jedoch die Unzufriedenheit mit der gegen- wärtigen Regierungsweise. Während die liberale englische Regierung auf der einen Seite die Revolutionäre nicderhetzt, versucht sie mit der anderen Hand, gemäßigt liberale Reformen einzuführen, die das Wahlprinzip mit der burcaukratischcn Regierungsweise vereinigen. Es ist ein sehr schüchterner Reformplan, aber er ist grundsätzlich von den in den Staaten des Deutschen Reiches herrschenden Konstitutionen nicht der' schieden. Der Bericht über den Reformplan bildet einen Band von 430 Druckseiten. Er enthält erstens das Gesetz betreffend die Reformen der Zentral- und Provinzratskammern. Zweitens die Regeln über die Ausführung der Reformen und über die Wahlen. Drittens die Regeln über die Etatsberatungen. Viertens die Gründe, die zu den Reformen und ihren Einzel- heitcn führten. Der Zentralrat, früher aus 6 rcsp. 22 Mitgliedern be- stehend, soll in einen Reichsrat von 68 Mitgliedern verwandelt werden. In diesem Rate sollen die von der Regierung ernannten Mitglieder eine Mehrheit von 3 Stimmen haben; die übrigen sollen aus Wahlen hervorgehen. Ueber den Wahlmodus ist näheres noch nicht bekannt. Es ist aber kein Zweifel, daß er auf Besitz beruht. In den Provinzrats- kammcrn sollen die gewählten Mitglieder die Mehrheit haben. Hindu und Mohammedaner stimmen besonders. Die Re» gierung hatte es ursprünglich abgelehnt, die Bevölkerung nach Religionen zu teilen, allein die Mohammedaner bestanden darauf, möglichst besondere Wahlkreise zu haben, da sie sonst von den Hindu majorisiert würden. Die neuen Ratskammern treten schon im Januar zu» sammen, so daß die Wahlen bald stattfinden müssen. Die Reform ist zwar sehr wenig weitgehend: sie gibt den gewählten Volksvertretern keine wirkliche Macht, wohl aber große Redefreiheit und eine Gelegenheit, in die Staats» geschäfte eingeweiht zu werden. Allzugroß wird freilich ihre Wirkung kaum sein. Bis jetzt hat irgend welche Zu- sammenarbcit zwischen Briten und Hindu nicht statt- gefunden, so daß zwischen beiden eine weite und tiefe Kluft gähnte, die die Hindu zur Verzweiflung brachte. Letztere empfanden den Ausschluß von der vollziehenden Gewalt ihres Landes nicht nur als ein k 0 n st i t u t i 0 n e l l e s Unrecht, fondern noch mehr als eine persönliche Beleidigung. Vielleicht, daß diese Empfindung, die eine der Triebfedern der Reformbewegung war, jetzt abgeschwächt werden wird. Ein Teil der indischen Reformer scheint auch mit der Konzession vorläufig zufrieden zu sein. Das Zentrum ab nationaler Retter. In den Versuchen des Zentrums, seine Bewilligung der neuen Steuern zu rechtfertigen, weist es mit besonderer Vorliebe darauf hin, daß es die Pflicht einer nationalen Partei sei, dem Reich aus seinen Finanznöten zu helfen und daß das Zentrum deshalb eine „wahrhaft nationale Tat" vollbracht habe, indem es den» Reich die Mittel bewilligte, die zur Regelung seines Finanzwesen? nötig gewesen seien. Es ist merkwürdig, daß das Zentrum diesen Drang zur Rettung des Vaterlandes erst empfand, als sich ihm Ge» legenheit bot, den Block zu sprengen und den Bund mit den ihm geistesvertoandten Konservativen zu schließen, während es kurz vor« her noch sich der Pflicht einer„nationalen Tat" gar nicht bewußt war, sondern sich mit Händen und Füßen gegen die Zumutung sträubte, der Regierung die verlangten Mittel zu bewilligen. Wir erinnern daran, daß, wie jüngst an dieser Stelle dargelegt wurde, im Jahre I90S die„Kölnische Volkszeitung" gegenüber den damaligen Steuerforderungen darauf drang, daß mit der weiteren Belastung der breiten Volksmasse ein Ende ge- macht werde, wobei das Blatt den Ruf ausstieß:„Will man eine ReichLtagsauflösung, uns solles recht sein!" Und Herr Erzbergcr stieß damals in dasselbe Horn. In einem Artikel der ultramontancn„Sozialen Kultur"(M.-Glad» dach) stellte er ein Steucrprogramm auf, das sich gegen eine weitere Heranziehung der indirekten Lasten wandte; den Einwand, daß dann das Reich kein weiteres Geld erhalte, tat er ab mit dem ent- schiedenen Wort:„Ganz richtig, das soll es auf diese Weise auch nicht haben." Damals also hieß es: Lieber gar kein Geld als solches, das durch indirekte Steuern aufgebracht wird; eher eine Reichstagsauflösung als eine Finanzreform auf Kosten der breiten Masse. Heute wird die Sozialdemokratie be- schimpft, weil sie, um dem Volke ein Urteil über die Frage der Reichsfinanzreform zu ermöglichen, die Auflösung des Reichstages verlangte; heute spreizt sich das Zentrum im Ruhme einer„natio- nalcn Tat", weil es die. Last der bestehenden Steuern um einige Hundert Millionen vermehrt hat. Noch im November 1907 wies es die„Kölnische Volks» zeitung" entrüstet zurück, daß es die Pflicht des Zentrums sei, bei der Regelung der Rcichsfinanzen durch Bewilligung neuer Steuern mitzuwirken. Das Blatt schieb damals: „Würdige Zurückhaltung, etwas andere» kann es für das Zentrum nicht geben... Das Zen- trum hat keine Verpflichtung dafür zu sorgen, daß unter allen Umständen etwas Positives bei. der S t e u e r f u ch e herauskommt. Es l)at um so we. niger eine solche Verpflichtung, als vom Standpunkte der Zen- . trumspartci auch gar nicht ausgemacht ist, daß neue Steuern überhaupt nötig sind. Es bleibt immer noch der Ausweg, die Deckung auf die Matrikularbciträge zu ver- weisen und es den Einzelftaaten zu überlassen, wie sie den Mehr» bedarf im Rahmen ihrer Landessteuern aufbringen." Im März 1909 wurde in der«Kölnischen Volks» zeitung" die Frage erörtert und rundweg verneint,„ob das Scheitern der sogenannten Reichsfinanz, reform ein Unglück sei oder nich t". Das Blatt empfahl dann die Anspannung der Matrikularbciträge als eine„bittere, aber gute Arznei" und meinte weiter, der Haftbarkeit der Staaten für das Reichsdefizit wohne'„eine sehr große erzieherische Beden- tung" im Sinne ernster Sparsamkeit inne. Mitte April 1909 hielt der Abgeordnete Trimborn in Köln eine Rede, worin er darüber klagte, wie schlecht das Zentrum be- handelt Verde; er zog daraus die Folgerung, daß es sich bei den ferneren Verhandlungen über die Rcichssinanzresorm noch m e h r als bisher zurückhalten müsse.'Wörtlich sagte Herr Trimborn dann: „Man hat uns in aller Form ausgeschaltet, und nun sollen wir bei deni widerwärtigsten und undankbarsten Geschäft den Helfer in der Not spielen. Ihr habt uns aus- gespannt, wir sollten nicht mitziehen, nun zieht d c n W a g c n allein aus dem Dreck!" Als dann aber das Zentrum sah, daß es durch Weuchelung der Erbschaftssteuer und Verewigung der Schnapsliebesgabe den Block sprengen und sich an der Seite der Konservativen wieder den Platz an der Staatsfuttcrkrippe sichern konnte, da trat es aus seiner „Zurückhaltung" heraus, da empfand es das Pslichtbewuhtscin, eine „nationale Tat" zu vollbringen und den Finanzkarren„aus dem Dreck zu ziehen", nachdem es ihn vorher mit einer halben Steuer- Milliarde", wovon vier Fünftel das arbeitende Volk treffen, beladen hatte. Das„loiderwärtigste und undankbarste Geschäft" ward ihm auf cinnial zur Freude, nachdem es erkannt hat, daß eS die Kosten des Geschäftes der besitzlosen Masse aufladen und den Gewinn den Großgrundbesitzern und Kapitalisten des Zentrums zuschieben konnte. Pfuscherei um tililltär'Mchwerdmcbt. Tie a f t i l) c n Mannschaften des deutschen Heeres sind für den Fall, daß sie sich über einen Vorgesetzten beschweren wollen, verpflichtet, ihre Beschwerde binnen 5 T a g e n zu erstatten. Beschweren sie sich später als am 5. Tage, so wird ihrer Beschwerde nicht mehr stattgegeben, und sie werden überdies wegen Nichtbeachtung der Vorschriften b e st r a f t. � Für die inaktiven Mannschaften bestand die Be- schränkung der Beschwerdefrist auf ü Tage bisher nicht. Wie nun in der bürgerlichen Presse mitgeteilt wird, soll diese Be- schränkung nunmehr auch für die Mannschaften des Be- urlaubtenstandcs eingeführt werden oder bereits ein- geführt sein I An der Möglichkeit dieser Aenderung ist nicht zu zweifeln: können doch sogar die Bestimmungen der Heer- ordnung, sofern nur nicht grundsätzliche Acnderungen in Betracht kommen, vom Kriegsministerium„erforderlichenfalls" ohne weiteres geändert werden I Daß die Neu- ordnung eine schwere Beeinträchtigung des Beschwerderechts der inaktiven Mannschaften bedeutet, liegt auf der Hand, zumal da weiter verlautet, daß Zuwiderhandlungen nicht wie bisher disziplinarisch(also unter Umständen„nur" init Geld, Zurückversetzung in jüngere Jahresklassen und der- gleichen), sondern grundsätzlich als„Ungehorsam" mit A r r e st bestraft werden sollen I Statt der Zeitströmung zn folgen und daS ohnedies schon so besserungsbedürftige Beschwcrdc-„Necht" zu erleichtern, willigt Herr v. Heeringen, der neugebackene Kriegsminister, in eine Verschlechterung des Beschwerderechts, stellt er die Mannschaften des Beurlaubtenstandes noch mehr als bisher den aktiven gleich, ohne zu berücksichtigen, daß in dieser Gleichstellung eine ungeheuerliche Härte liegt. Denn während der aktive Mann im Arrest doch d i e Zeit verbringt, die er sonst dem„f. k. D i e n st" zu weihen hätte, und während der Freiheitsentzug, der über einen aktiven Soldaten der- hängt wird, nur für diesen und für niemand sonst eine Strafe ist, entzieht man dem Manne des Beurlaubtenstandes, den man ins Loch sperrt, die Möglichkeit, Geld zu verdienen, bestraft man also Weib und Kinder des Reserve- oder Land- Wehrinannes! Wäre die Anzahl der Beschwerden wider Vorgesetzte sehr groß, dann ließe sich über die sonderbare Maßregel(vom Standpunkte der Militärbehörden) allenfalls noch reden; aber bekanntlich überlegt sich's jeder Soldat— aktiver oder dem Beurlaubtenstande angehöriger— sehr gründlich, ob er Beschwerde gegen einen Vorgesetzten einlegen soll, da ja ein großer Teil der Beschwerdeführer sich in den Angeln und Fallstricken des Rechtsganges verstrickt und dabei selber in Strafe fällt. Auf de» Kontrollversammlungen wird die Liste der im Verlauf der letzten sechs Monate bestraften Mannschaften des Beurlanbtenstandes verlesen, und in diesen Registern ist gerade die Zahl der wegen ungerecht- fertigter Beschwerde über Vorgesetzte Bestraften zumeist gleich Null! Daß diesen Tatsachen gegenüber keine Ursache vor- Händen ist, das Beschwerderecht der Reserve- und Landwehr- männcr noch weiter zu verschlechtern, das liegt klar auf der Hand. Und darum sollte im Reichstage mit dem neuen Kriegsminister auch in dieser Angelegenheit einmal deutsch geredet werden._ poUtifchc Gcbcrficbt. Berlin, den 24. November 1909. Die„Ehrlichen". Wir berichteten gestern, nach einer Meldung des„Verl. Tagebl." habe der Fürst zu Dohna-Schlobitten, Reichstags- abgeordneter für den Wahlkreis Königsberg Land-Fischhausen. in einer Rede vor seinen Wählern geäußert, das Zentrum habe sich nur unter der Bedingung zum Zusainnleuarbeiten mit den Konservativen bei der Reichsfinanzreform bereit finden lassen, daß die konservative Reichstagssraktion jede Erbschafts- steuer ablehne. Diese für die konservative wie die klerikale Partei in gleichem Maße belastende Aeußerung des etwas allzu un- vorsichtigen Fürsten Dohna wird jetzt auch von anderen Blättern berichtet. Nach der„Königsb. Hartungschen Ztg." sagte der Herr Reichstagsabgeordnetc: „ES wurde unS immer klarer, daß nicht die Annahme, sondern die Ablehnung der Erbschaftssteuer, welche daS Zentrum zur Be- diligung seiner Mitarbeit gemacht hatte, die Vorbedingung für das Zustandekommen der Neichsfinanzreforin war." Und er fügte weiter Hinzu: „Hätten die Konservativen nur den Vorteil der Partei im Ange gehabt, so hätten sie die Erbschaftsstener ruhig annehmen und dann die Hände in Unschuld waschen können. DaS Zentrum hätte die Mitarbeit endgültig verweigert, und mindestens ein Teil der Freisiimigen halte die indirekten Steuern abgelehnt." Auch unser Königsberger Parteiorgan, die„Königsb. Völksztg." meldet: „Die Erbschaftssteuer hätte schon deshalb abgelehnt werden müssen, weil die Sozialdemokratie für sie eintrat. Die Erbschasts- steuer bedeute einen Schritt zur Verwirklichung des sozialdemo- kratischen Ziels.... Der Liberalismus hetze. setzt die Massen auf. Hätte ein Teil der Konservativen für die Erbschaftssteuer gestimmt, so daß diese angenommen worden wäre, dann wäre die Finanzresorm nickt zustande gekommen. DaS Zentrum hätte dann nickt für sie gestimmt und ein Teil der Freisimiigen hätte sicherlich die indirekten Steuern abgelehnt." Danach scheint tatsächlich bas Zentrum als Bedingung für seine Mitwirkung die Forderung gestellt zu haben, daß die Konservativen jede Erbschaftssteuer strikte ablehnen; und die Koiiservativen haben diese Forderung ruhig akzeptiert, ob- gleich sie wußten, daß dadurch der konservativ- liberale Block gesprengt und Büloiv zur Abdankung gezwungen werde. Wir machen ihnen aus dieser Abschiebung des vierten Kanzlers sicher keinen Vorwurf; aber dann sollten wenigstens die kon- servativcn Blätter nicht noch immer versichern, die konservative Partei bedauere außerordentlich, daß Bülow nicht auf seinem Posten geblieben sei._ Das konservativ-liberale Kompromiß im Berliner Landtagstvahlkreise. Nach einer Berliner Blättenneldung haben. am 20. November die Wahlausschüsse der konservativen, national- l i b e r a l e n u n d f r e i s i» n i g e n P a r t e i e n im 12. Berliner Landtagswahlkreise sich darüber geeinigt, daß bei der Abgeordneten- wähl die SSaHImäiiner sämtlicher Parteien sofort siir den freisinnigen Kandidaten Dr. Punze stimmen sollen. Diese Taktik wird damit motiviert, daß eine Mehrheit bürger- licher Wahlmünner zwar gewählt worden sei, daß sich aber anderer- seits das genaue Stärkeverhällnis der bürgerlichen Parteien deZ- halb nicht feststellen lasse, weil bei den Wahlmännerstichwahlen i»nerhalb der bürgerlichen Parteien zur Vermeidung gegenseitiger Erbitterung überall Kompromißkandidaten aufgestellt worden seien. Diese Behauptung ist unrichtig. Nicht für Kompromiß» kandidaten stimmten bei den Wahlmännerstickwahlcn die bürgerliche» Parteien gemeinsam, sondern sie einigten sich nur auf bestimmte Kandidaten, die bereits bei der Hauptwahl von den verschiedenen Parteien aufgestellt worden waren. Dies Aerfahren war eingeschlagen ivorden, um der Sozialdemokratie ja jede Möglichkeit auf Erfolg zu vereiteln. Beider Hauptwahl hqtte man die umgekehrte Taktik eingeschlagen. Heißt es doch auch in dem Auszug auS dem offiziellenBerhandlungsprotokoll der Vereinbarungen vom 20. November: „ES wurde zuitächst übereinstimmend s e st g e st e l l t. daß infolge des selbständigen BorgehenS der drei bürger- lichen Parteien bei der Landtagswahl mehr bürgerliche Wähler zur Abgabe der Stimme herangezogen worden sind, als eö bei Aufstellung eines Kompromiß- kandidaten von vornherein vermutlich der Fall gewesen sein dürfte." In dem offiziellen Protokoll wird also zugestanden, daß die drei Parteien gesondert tzorginge», um mehr Urwählerstimmen auf sich zu vereinigen, als zu erwarten gewesen wäre, wenn man von vornherein nur die Kandidatur Runze aufgestellt hätte. Wenn »un aber trotzdem bei der Abgeordnetenwahl das umgekehrte Verfahren ciilgeichkagen werden soll, so bedeutet das nichts anderes, als daß die Wahlausschüsse der. drei bürgerlichen Parteien die Stimme» der Urwähler, die sie unter einer Vorspiegelung falscher Tatsachen auf sich vereinigt haben, jetzt dazu mißbrauchen wollen, um den famosen Freisinnsmaiiii Runze durchzubringen. Aber nicht nur die Urwähler sind dabei mißbraucht worden, sondern man scheint auch über die Köpfe der Wahlmänner hinweg eine solche Vereinbarung getroffen zu haben. E» wird sich ja zeigen, ob die Wahlmänner ohne weiteres bereit sind, wie die Unteroffiziere einzuschwenken! Die Marine und die Kolonien in dem Reichs« Haushaltsetat. Die„Nordd. Allg. Zta." fährt mit der Veröffent- lichung der Zahlen aus dem ReichshaushaltSetat für 1910 fort. Sie bringt zunächst die Daten über die Ausgaben der Marine. Der Etat der Marineverwaltung beträgt insgesamt 434088 233 M. Unter diesen Ausgaben entfallen auf Schiffs- bauten und Armierungen 248550000 M. Interessant ist, daß sich auch die Ausgaben für die Unterseeboote g.e st c i g e r t haben. Es werden dafür 15 Millionen gefordert, das heißt fünf Millionen mehr als im vorjährigen Etat. Im ganzen bedeutet der Btartne- etat wiederum eine ganz erhebliche Steigerung gegenüber dem vorjährigen Etat, der nur 399 Millionen erforderte. Der Haushaltsetat der Schutzgebiete schließt in Einnahme und Ausgabe mit 109 351 238 M. ab. Der Reichszuschuß für die Reichsschutzgebiete beläuft sich insgesamt auf 29 617 542 M. Die Einnahmen der Schutzgebiete sind insgesamt um 10358 234 M. gewachsen. Davon entfällt der größte Teil auf die Einnahmen von S ü d w e st a f r i k a. Dort rechnet man für das Jahr 1910 mit einem Verkauf von 550 ODO Karat Diamanten und speziell an Ausfuhrzoll dafür auf 480000 Mark. Auch die Einnahmen der Bergverwaltung veranschlagt man dort infolge des DiamantbergbaueS auf 1 701 000 M. Die Ein- nahmen aus den übrigen Schutzgebieten sind also nur sehr unwesentlich gewachsen, dagegen sind die Aus- gaben, wie z. B. für O st a f r i k a, Togo und Kamerun, nicht unwesentlich g e st i e g e n. Ohne die ganz zufälligen Diamantenfnnde. die aber immer noch einen Reichszuschuß von rund 30 Millionen Mark notwendig machen, wäre also die Kolonialbilanz auch für das Jahr 1910 noch eine viel trübseligere, als sie es ohnehin ist. Eine wichtige Nachwahl. Das Mandat des NeichStagSwahlkreiseS Mülheim a. Rh.- W i p p c r f ü r t h- G u m in e r S b a ch ist am Mittwoch durch das Ableben deS Zentrumsabgeordneten d e Witt, AmtSgerichtSratS zu Köln, freigcwordcn. Der Wahlkreis ist seit 187t ununterbrochen in» Besitze deS Zentrums, doch ist er nicht mehr ganz sicherer Besitz. Die Sozialdemokratie ist iin Wahlkreise langsam, aber stetig ge- wachsen, sie stand schon 1903 mit dem Zentrum in Stichwahl. Da- mals hatten die Sozialdemokratie 7871. das Zentrum 15 70S, die Nationalliberalen»nd Freisinnigen 7688 Stimmen. In der Stich- wähl siegte natürlich das Zentrum. Bei den Hottentoitenwahlen von 1907 trat eine Verschiebung zuungunsten der Sozialdemokratie ein— sie steigerte ihre Stimmenzahl zwar auf 8538, doch erhielten die Nationalliberalen 11 218, so daß die Sozialdemokratie an die dritte Stelle gedrückt wurde. DaS Zentrum erhsell 19 958 Stimmen »nd siegte also im ersten Wahlgange, allerdings mit rund 200 Stimmen Mehrheit. Das Zentrum wird also diesmal unter ungünstigen Umständen einen Wahlkreis zu verteidigen haben, in dem es mit ernsthaften Gegnern zn tun hat. Das wird unsere Genossen im Wahlkreise jedenfalls zu äußerster Kcaftanstrengung anspornen. Vergebliche Mohrenwäsche. AuS dem Ruhrrepicr wird uns geschrieben: Ueber die Ursachen der Radbodkatastrophe brachte die„Kölnische Zeitung" vor einigen Tagen eine Notiz, wonach die gerichtliche Untersuchung, die beim' Landgericht Münster schwebt, nicht eher zum Abschluß gelangen könne, bevor nicht auch die dritte Sohle aufgewältigt und alle Herd? der Katastrophe freigelegt und geprüft seien. Als besonderes Moment wird in der Natiz hervor- gehoben, daß sich bei den Aufwältigungsarbeiten deS Flöze» 3 im Westen ein„Spalt im Liegenden" gezeigt habe, der vor- her nicht beachtet worden sei. Der Spalt soll etwa 20 Zentimeter breit sein und etwa 15 Meter zickzackförmig verlaufen. Durch Messungen und sonstige Experimente will man weiter festgestellt haben, daß der geheimnisvolle Spalt weit nach unten führt und— das ist dann die Hauptsache in der Beschreibung —„dieser Spalt läßt auf einen Gasavsbruch als Ursache der Explosion schließen". Da hätte man also mit einem Male die Ursache der Radbodkatastrophe in elementaren Einwirkungen entdeckt. Die Radbod-Vertvaltung stände rein da. Wirklich ausgezeichnet. Man scheint sich schon ziemlich stark in diesen Gedanken eingelebt zu haben, denn, wie die„Köln. Ztg." weiter mit- teilt, soll inzwischen eine Res hevonBertrctern von Berg- Hörden, namhafte Sachverständige aus dem Bezirk sowie auch der A r b c i t c r a u s s ch u ß der Zeche Radbod die Stelle befahren haben, um sich ein Urteil bilden zu können! Auch ein Gc- lehrter der Bcrgbaukunde, Professor Heise, wird schon als Zeuge dafür ins Feld geführt, daß sich in englischen Gruben ähnliches wie dieser geheimnisvolle„Spalt" gezeigt haben soll. Man ist also auf dem besten Wege, die skandalösen Zustände vor der Katastrophe mit dem Eingreifen einer„höheren Gewalt" zuzudecken. Schade für die Herrschaften, daß wir ihnen bezüglich des „vorher nicht beobachteten" Spaltes etwas anderes sagen müssen. Unter den Ucberlebenden der Radbodkatastrophe befinden sich nämlich einige, die zufällig in der angegebenen Strecke, wo der geheimnisvolle Spalt jetzt entdeckt ist, gearbeitet haben. Und von diesen Leuten wird behauptet, daß der Spalt schon monatelang vor der Katastrophe in unmittelbarer Nähe eines Aufspcungcs des!» Flözes vorhanden gewesen sei, jedoch damals nur in einer Breite von 5 bis 3 Zentimeter. Wenn die Oeffnung jetzt zirka 20 Zent:- meter betragen soll, so erklären die Bergarbeiter das damit, daß die Wucht der Explosion die Oeffnung erweitert haben könne. Der Spalt habe sich nicht nur im Liegenden, sondern auch im Hangenden gezeigt. Es sei das auch gar nichts Besonderes, sondern eine im Bergbau öfter, namentlich im Flachgebirge, austretende Erscheinung. Man soll also nur die Arbeiter, die an jener Strecke gearbeitet haben, vernehmen, die werden den Herrschaften schon sagen, was c-> mit dem geheimnisvollen„S p a l t" aus sich hat. Amtliche Wahlbceinfiussungen in Oberschlefien. Bei den Ctadtverordnetenwahlen in Kattowitz i. O.-Schl., die erst in der Stichwahl endgültig entschieden werden, haben Kommunal-, Staats- und Reichsbeanite für das mit den Polen zusammengehende Zentrum gestimmt. Die„l i b c- r a l e"„Kattowitzer Zeitung", im Blinde mit der reaktionären „Schlesischcn Zeitung", denunzierten alle Be- amten, die für das Zentrum stimmten und forderten deren sofortige Disziplinierimg. Diese Schars- machereien haben auch das liberale Stadtoberhaupt von Kattowitz veranlaßt, folgende Verfügung zu erlassen: „Ich erwarte, daß alle Beamten und Angestellten bei den Stadtverordneten-Stickwahlen am 29. November 1909 ihr Wahlrecht ausüben, und daß sie ihrer Treupflicht gegen Staat und Stadt eingedenk bleiben. Kattowitz, 10. November 1909. Der Erste Bürger m ei st er. gez. Pohlmann." DaS heißt nicht mehr und nicht weniger: Alle Beamten, .die für das mit den Polen koalierte Zentrum stimmen, der- gehen sich gegen den Diensteid und haben die Folgen zu tragen._ Kommunalwahlen. Kick, 24. November.(Privattelegramm deS„Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordnete»wähl wurden ein Sozialdemokrat und sechs Bürgerliche gewählt. Die Bezirkswahlen haben ihren Zweck für die Bürgerlichen erfüllt. Die Sozialdemokraten haben 1200 Stimmen gewonnen. Bei den Stadtratswahlen im N ei ch s t a g s w ah l- kreise Solingen, die nunmehr in allen Gemeinden beendet find, haben die Sozialdemokraten in säinilichen Genieinden ihre Mandate behauptet und in mehreren Gemeinden sogar neue Sitze im Stadtrat errungen. Zusammenfastend laßt sich über den Ausfall der Wahlen und über die Stärke der sozial- demokratischen Fraktionen in den einzelnen Gemeinden des Reichs- tagSwahltreises folgendes sage»: In S o l i n g e n besitzen die Sozial- demokraten die sänitlicken 10 Mandate der dritten Abteilung, ebenso in GräfrathdieS Mandate dieser Abteilung. In H ö h s ch e i d sind jetzt die acht Mandate der dritten Abteilung und fünf Mandate der zweiten Abteilung, zusammen 13 Mandate in ihrem Besitz, s o daß Höhscheid die erste preußische Gemeinde ist. in der die Sozialdemokraten die Mehrheit in der Versammlung haben. In Wald befinden sich sämtliche acht Mandate der dritten Abteilung und ein Mandat der zweiten Abteilung im Besitz der Sozialdemokratie, während sie in Ohligs die ganze dritte Abteilung mit acht Mandaten beherrscht. In L e i ck l i n g e n wurden zum ersten Male zwei Sozialdemokraten in der dritten Abteilung gewählt, während die Genossen in dem kleinen Landstädtchen B u r s ch e i d in der dritten Abteilung mit nur zwei Stimmen in der Minderheit blieben. Die Sozialdemokratie verfügt somit in den Stadtparlarnenten des Kreises Solingen über 48 Stadt- verordnetensitze. In Spremberg wurden drei Sozialdemokraten gewählt, die 366—402 Stimmen erhielten, während es die Gegner nur auf insgesamt 349 Stimmen brachten. Zwei der gewählten Genosten wurden 1901 zum ersten Male mit 153 und 164 Stimmen gewählt, 1907 unterlagen sie mit 336 Stimmen. • In Schon nebeck(Kr. Essen), wo vor drei Jahren die ersten drei lozialdcmokratischen Gemeindevertreter gewählt wurden, gelang eö bei der Wahl am Montag und Dienstag— im scharfen Kampf gegen Zentrum und Nationalliberale— die anderen drei Mandate der dritten Abteilung zu erobern. « In Nahbollen dach bei Ober st ein errangen unsere Genossen am Dienstag auch das Mandat in der zweiten Klasse, so daß von den sechs GememderatSsitzen jetzt drei in Händen der Sozialdemokratie sind. Bei der Stadtverordnetenwahl in Kamenz(Sachsen) wurde ein Sozialdemokrat>v i e d e r- und einer n e u g e w ä h l t. » Bei der Wahl der Gemeindevertreter w Gellershagen bei Bielefeld wurden in der dritten Abteilung zwei Genossen ge- wählt. JnderzweitenAbteilung wurde ein Mandut «roBert. Im Geinemderat sitzen jetzt fünf Sozialdemo- k r a t e n und vier Bürgerliche Vertreter. « Bei der gestern staUgemudenen Stadtverordneten- w a h l in Guben erhielten die Gegner 1440 bis IblS. die E o s t o lö em o Iva teu 1565 Bis 1583 Stimmen. Während die Gegner einen Stimmenverlust von'200 aufzuweisen haben, nahm die S o z ia ld em o lra ti e 400 Stimmen zu. Die sozialdemokralischen Kandidaten stehen viermal in Stichwahl. Ein Sozialdemokrat wurde in der Ersatzwahl gewählt. WeißcufelS(Prov. Sachsen). 24. November. In der heutigen Stadlverordnetenwahl der dritten Abteilung siegten zum e r st e n- mal die vier sozialdemokratischen Kandidaten mit etwa 200 Stimmen Bk e h r h e i t. Eine gute Antwort auf die Verweigerung des gleichen Rechts für die Sozialdemokratie in Hessen war die B e i g e o r d u e t e n« Wahl in M ü h l h e i m a. M., deren Ergebnis, Sieg des sozial- demokratischen Kandidaten Peter Erkrath mit 535 über den ZentrumSmann, der 875 erhielt, wir schon in der Dien-tagsuummer meldeten. Die„Mainzer Volkszeitimg" schreibt dazu: „Miihlheim a. M. im Kreise Offeilbach war die Klippe, an der die Gesetzlichkeit unserer staatlichen Bureankratie seinerzeit ge- scheitert ist. Durch die Nichtbestätigung des in Miihlbcim zum Bei- geordneten gewählten Genossen Zahn, wegen seiner Parteistellimg, hat die Heisische Regierung zum erstenmal den Boden der Ver- sassung verlassen. Tie folgenden Richtbestäiigungen waren die weiteren Schritte auf dem abschüssigen Wege brutaler Rechts- beugung. Am„mibotmätzigen" Sinn der Mühlheimer Kommunal» . tväbler ist die Verfassung zerschellt. An Stelle des wiederHoll nicht« bestätigten Genossen Zahn halte die Regierung nach vielem Suchen « einen Beigeordneten ernannt. Leicht ist es der Regierung nicht ge- worden jemand zu finde», dxr.die Gemütsverfassung besatz. sich gegen den Willen der Wähler„ernennen" zu lassen. Ausgerechnet ein Zentrumsinann war es, der dem„ehrenvollen" Rufe Folge leistete und sich ans drei Jahre zum Beigeordneten ernennen liest. Peter Schilp IV. heitzt der Mann. Seine dreijährige Amts- zeit war nun herum, da die Regierung nur auf die Dauer von drei Jahren ernennen kann. sEr kandidierte jetzt für die Bürger- lichen.) Die Wähler von Miihlheim haben gezeigt, dast sie nicht gesonnen sind, sich ihr Wahlrecht rauben zu lassen. Im übrigen muh man den Mut der Utttamontanen beivundern. den von der Regierung ernannten früheren Beigeordneten Schilp den Wählern zur Wahl vorzuschlagen."__ Tie Krise in der Mittelstandsvereinigung. Dadurch, dast die Berliner Führer der Miitelständler, Landtags- abgeordneter Rahardt und Tischlerinimngs-Obermeister Nicht, sich dem„Hansabund" angeschlossen haben Nicht hatte in der Grüudungsversammlung des„HansabnndeS" im Namen von 300000 deutschen Handwerkern dem„tzansabunde" Sympathie ausgesprochen— sind starke Reibungen in der deutschen Mittelslandsbewegung entstanden. Die schlesischen und sächsische» Mittelstnudler stehen unter dem Einflüsse des„Bundes der Land- Wirte" i sie ivollen mit dem„Hansabuud" nichts zu tun haben. Die rheinischen Mittelständler sind hingegen stark beeinflustt vom Zentrum, und da ferner sich der„Hansabuud" auch gegen die Wirtschaftspolitik des Zentrums richtet, so erklärt sich, dast die rheinischen Mittelstands- gruppen ebenfalls von einem Anschluß an den„Hausabund" nichts wissen wollen. Die seit Monaten währende Garung innerhalb der Mittelstands- Vereinigung kam am vergangenen Sonntag in Leipzig zum Aus- bruch. Dort ivaren die sächsischen Mittelständler vereinigt; sie hatten sich Delegierte aus dem Rheinlande bestellt und die konservativen Abgeordneten Pauli und Malkeivitz zur Hilfe verschrieben. Rahardt und Nicht fielen denn auch mit ihrer Verteidigung deS„Hansa- Bundes" stark ab und schließlich— als über eine Resolution gegen die Rahardtsche Richtung abgestimmt werden sollte— verließen die Berliner Delegierten protestierend den Saal. Der Vorgang wird auf der einen Seite zugunsten deS„Bundes der Landwirte" ausgelegt. Die Rahardtsche lltichlung erklärte die Leipziger Konferenz für völlig bedeutungslos, da ihr nicht das Recht zustehe, über die Stellung der gesamten Mittelstandsvereinigung zu befinden. Nächsten Sonntag wird in Berlin die 6. ordentliche General- Versammlung der Deutschen Mittelstandsvereinigung zusammentreten und auf dieser Generalversammlung soll der Streit endgültig zum Austrag gebracht werden. Die Breslaucr haben allerdings schon erklärt, sie würden nicht nach Berlin gehen und die Rahardtsche Politik nicht mitmachen. Die Berliner Handwerker stehen dagegen fest hinter Rahardt und Nicht. Man nimmt an, daß eS zu einet Spaltung in der Mittelstandsbewegung kommt. Wahlrecht und Steuerpflicht. Im sächsischen Landtag wurde am Montag über einen uation alliberalen Antrag verhandelt, der eine ein- heitliche Verjährung für alle Steucrrück stände fordert. Die Veranlassung dazu war der unerhörte Zustand, daß bei der letzten Landtagswahl in Sachsen ein Passus im Plural- Wahlgesetz ganz verschieden ausgelegt und gehandhabt worden ist. Während man i» einem Regierungsbezirk(Zwickau) nur den Elljeuje'rrückftälniden au�s dem Jahre 1008 w a h l e n t- rechtende Wirkung zumaß und daher nur Steuerrestanten aus diesem Jahre von der Wählerliste strich, wollte man anfangs in allen übrigen Kreishauptmannschaften allen später als 1908 cnt- standenen Sieuerrückständen ohne Rücksicht aus eine Verjährung eine ftimmrechtberaubende Wirkung geben. Schließlich hat man zwar die dreijährige Verjährungsfrist anerkannt, aber im Re- gierungsbe�irk Zwickau ist die Behörde auf ihrem Standpunkt stellen geblieben. Infolgedessen wurden bei der letzten Landtags- Wahl in der Kreiöhauptmannschaft Zwickau nur die Stcucrrestanten aus dem Jahre 1008 vom Stimmreckitausschluß betroffen, dagegen ließ man sie in den übrigen Regierungsbezirken mitwählen; dafür cntrechteic man dort die Steuerrestanten aus den Jahren 1006 und 1007. Durch dieses widerspruchsvolle Verfahren ist sicher in mehreren Wahlkreisen das Wahlergebnis beeinflußt worden. Was die Steuerrestanteubestimmung und ihre widerspruchsvolle An- Wendung bedeutet, geht daraus hervor, daß in Dresden allein aus den Jahren 1006 und und 1007 7300 Steuerrestanten vorhanden waren. Daraus kann man schließen, daß es in ganz Sachsen mindestens 60000 Wahlberechtigte sind, die in- folge des S teu err-estaute np as s>u s ums Wahl- r e ch t g e k o m m e n sind. Der nationalliberale Antrag änderte an diesem Wirrwarr fo gut wie nichts. Denn danach sollte der unglückselige Passus über die Steuerrestanten unverändert bestehen bleiben. Von der sozialdemokratischen Fraktion wies Genosse N i tz s ch e den Na- tionalliberalen nach, daß ihr Antrag eine Aenderung gar nicht herbeiführe. Eingehend behandelte der sozialdemokratische Redner die widerspruchsvolle Handhabung des Steuerrestantenpassus und wies ferner nach, daß er in einer den Willen der Gesetzgeber zu- widerlaufcnden Weise angewendet worden sei, denn die beiden Kammern des Landtages hätten nur den Stcuerresten aus dem letzten Jahre vor der Wahl eine wahlcntrechtende Wirkung geben wollen. Er forderte die Streichung des ganzen Passus aus dem Wahlgesetz, der eine tückische Wahlcntrechtung von hinten herum bedeute. Den Nationalliberalen wies er nach, daß, wenn sie wollten, eine Mehrheit für völlige Aufhebung der Steuer- restantenbcstimmung in der Zweiten Kammer vorhanden sei. Aus den Erwiderungen der nationalliberalen Redner ging hervor, daß ihnen die sozialdemokratische Kritik sehr unbequem gewesen war. Sie wanden sich förmlich vor Verlegenheit, die der Antragsteller, Abg. Hettner. schließlich unter ausfälligen Be- Uierkungen. wie Agitationsreden usw., zu verbergen suchte. Der natwnalliberale Antrag wurde der Gesetzgebungs- deputation überwiesen. Bei der Beratung ihres Wahlrechts- antrages wird die sozialdemokratische Fraktion Gelegenheit haben, auf die Angelegenheit zurückzukommen. Ein schlagfertiger Gendarm. Bor dem Kriegsgericht in Breslau hatte sich der Gendarmerie- Wachtmeister Max Vogel aus Liiblinitz zu veromworten. Er hatte in einer Nacht bei Feststellung der Personalien eines Ar- beiters diesem ohne jede Veranlassung mehrere Schläge mit dem Seiteugewehr versetzt. Das Kriegsgericht verurteilte ihn zu a ch t Tagen gelinden Arre st._ Bureaukratische Langsamkeit. Jmmermehr hänfen sich die Fälle einer mehrmonatlichen Ver- zögerung der Untersiiitzungsgesuche arbeitsloser Tabakarbciter. Heute geht uns weiter folgende Klage zu: Der Zigarrenmacher P. Töus arbeitete von 1004 in Friedrichs- Walde. Infolge des neuen Tabakstenergesetzes wurde er am 28. August 1909 arbeitslos. Er reichte deshalb am 9. September beim Gemeindevorsteher in Friedrichswalde ein Unterstützungsgesnch ein und gleichzeilig, um nichi fehlzugehen, beim Zollamt Eberswalde. Auf seine Anfrage vom 10. November erhielt er vom Zollamt Eberswalde den Bescheid, daß die Sache beim Hauptzollamt in Pmizlau liege. Auf eine dorthin gerichtete Anfrage ist bis heute. den 21. November, noch keine Antivorr erfolgt. Also nach zwölf Wochen der Arbeitslosigkeit noch keine Unterstützung I Und doch ist dieser Arbeiter körperlicher Gebrechen wegen auger stände, andere Arbeit zu übernehmen. Sein Jahresverdienst vom 1. Juli 1908 bis 30. Juni 1909 betrug 587,25 M. Daß davofl nichts erspart werden konnte, ist selbstverständlich.__ Hausagrarier-Politik. Die Danziger Stadtverordneten vertagten am 23. Nov. die W e r t z u w a ch s st e u e r- V o r l a g e des Magistrats schon in erster Lesung nach kaum ziveistündiger Beratung, trotz deS cnt- schiedeueu Widerspruches des Oberbürgermeisters, mit 20 gegen 12 Stimmen auf den S t. N i m m e r l e i n s t a g. Nationalliberale Hörige des ScharfmacherverbandeS. München, 24. November. Die„M ll n ch e n e r P o st" macht heute die Mitteilung. dcr Zentralverband deutscher In- dustrieller habe den Abgeordneten Bassermann«nd S t r e s e- mann mit der Entziehung der Wahlsubsidien gedroht. wenn sie nicht bei den s o z i a l p o l i t i s ch e n Abstimmungen im Reichstage im Sinne des Zentralverbandes Besse- rung beweisen._ �Bergbeltelmann." Vor kurzem haben wir gerügt, daß ein Berg- invalide auf ein Gesuch eine Antwort erhielt, die adressiert war: „An den Bergbettelmami Herrn.. Zur Aufklärung wird nun amtlich mitgeleilr, daß der fragliche Berginvalide sich in seiner Ein- gäbe in der Unterschrift selbst als Bergbettelmann bezeichnet und der betreffende Bureaubeamte dieS nachgeschrieben habe, ohne sich selbst hierbei etwas zu denken. Dein Beamten fei das Erforderliche eröffnet worden._ Oeftermeb. Die Parlamentskricse. Wien, 24. November. In der heutigen Obmänner kon- fcrenz richtete der Präsident des Abgeordnetenhauses an die Vertreter der„Slawischen Union" die Frage, ob sie auf der Verhandlung ihrer Dringlichkeitsanträgc beständen. Abgeordneter S u st e r s i t s ch erklärte, der Beschluß, den Parteien der Slawischen Union die Zurückziehung jener Anträge zu empfehlen, sei gestern nicht zustande gekommen. Abgeordneter Sil- bester erklärte, die deutschen Parteien seien aufs ent» schicdenste gesrn die Wirtschaft mit§ 14 und würden alles tun, um die Verhandlung des Budgetprovisoriums zu ermöglichen. Sie seien prinzipiell nickst abgeneigt, mit der Slawischen Union zu ver- handeln, müßten jedoch auf der bedingungslosen Auf- gäbe der Obstruktion bestehen. Abgeordneter L u« g e r beantragte, die erste Lesung des BudgetprovisoriumS auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Der Minister- Präsident verwahrte sich entschieden gegen die Annahme, als ob die Regierung die Verhandlungen zwischen den Parteien zu stören beabsichtige, und stimmte der von dem Abgeordneten Dr. Adler geäußerten Ansicht zu, daß es sich bald herausstellen iverde, ob es sich um eine ernstliche Beratung der in den Dringlich- keitsant rügen berührten wichtigen Angelegenheiten handle, worauf man zur Erledigung des Budgetprovisoriums gelangen werde. Die Regierung, welche dies innigst wünsche, werde gewiß alles tun, um dieses Ziel zu erreichen. Finanzminister Dr. von Bilinski erklärte, falls das Budgetprovisorium nickst bewilligt würde, müßten im Budget gewisse Einschränkungen im beiläufigen Betrage von 190 Millionen Kronen vorgenommen werden. Heute wird das Haus mit der Verhandlung der Dringlich keits- antrage über den Schutz der Minoritäten beginnen. lieber die Sitzung selbst wird telegraphiert: Die Regie- rung wurde beim Erscheinen im Saale von den Tschechisch- Radikalen mit andauernden feindlichen Zurstfen empfangen. Das Haus begann hierauf die Verhandlung der Dringlichkeitsanträge betreffend den Schutz der Mi- noritäten und ähnliche nationale Fragen. Die Re- gierung unterbreitete hierauf ein sechsmonatiges Budget- Provisorium und die Vorlage betreffend das Rekruten- k o n t i n g e n t. Snglanä. Die Sitzung des Oberhauses. London, 24. November. Im Oberhause wurde die Budgetdebatte heute bei vollbesetztem Hause fortgesetzt. Das Interesse ist unvermindert. Da sich eine große Anzahl der Peers zum Worte gemeldet haben, so ist es ausgeschlossen. daß die Debatte noch in dieser Woche geschlossen wird. Die A b st i m m u n g dürfte nicht V o r d e rn 30. d. M. zu er- warten sein. Im weiteren Verlaufe der Beratung sagte der Erz- bischof von Canterbury, daß er und die B i s ch ö f c neutral bleiben würden. Lord R o s e b e r y verurteilte das Budget zwar in heftiger Weise, er erklärte aber, die von Lansdowne eingebrachte Resolution nicht u n t e r st ü tz e n zu können._ Zur Krise. Paris, 24. November. Der„Matin" veröffentlicht ein Interview seines Londoner Korrespondenten mit dem be- kannten Liberalen Sir Charles Dilke. Dieser erklärte, daß allgemeine Neuwahlen unvermeidlich seien. Es scheine ihm nicht zweifelhaft, daß die Liberalen eine Anzahl Sitze, unter anderem in London, einbüßen würden, daß aber das endgültige Resultat für die Liberalen g ü n st i g bleiben werde. Seiner Meinung nach werde in der nächsten Woche die Kammer die bereits abgelehnte Erklärung erneuern, daß der Wille des Volkes maßgebend ist. Nach den Wahlen wird der Vorschlag Sir Campbell Banner- m ans geprüft werden, dahingehend, daß das parla- mentarische System der Vorherrschaft des Volks- willens überall angewendet wird, und daß ein Gesetz- cntwurf, welcher vom Unterhause angenommen worden ist, trotz Opposition des Oberhauses Gesetzeskraft erlangt unter der Bedingung, daß er wiederholt dem Oberhause unter- breitet tvird und ein gewisser Zeitraum inzwischen ver- strichen ist, und daß ein Inkrafttreten dieser Maßregel eine Intervention der Krone notwendig macht. Sollte dieser An- trag nicht durchgehen, so wird die liberale Regierung sich iveigern, die Regierungsgewalt zu übernehmen. Verurteilte Fvauenrechtlerinue». London, 24. November. Zwei Auhäiigeriimen deS Frourn- stlmmicchts, die am 23. Oktober bei der Wahl eines Abgeordneten zum Unterhause im Stadtteil Bermondsey versucht hatten, die Stimmzettel dadurch zu vernichten, daß sie eine ätzende Flüssigkeit in die Wahlurne gössen, wurden heute zu vi« bezw. drei Monaten Gefängnis verurteilt. Dänemark. Für das gleiche Wahlrecht. Der Minister des Innern hat am Freitag dem Folkething einen Gesetzentwurf zur provisorischen Umgestaltung der Folke- thingswahlkreiSeinteilung und zur Einführung von Stichwahlen vorgelegt. Zweck des Entwurfs ist vor allem, die Ungleichheit der Wahlkreise zu beseitigen, die das gleiche Wahlrecht zum ?tachteil der großen Städte mit starker Arbeiterbevölkerung herbei- führt. Der Regierungsentwurf-stimmt- in den Haupt- zügen mit dem Entwurf überein, den die Sozialdemokratie im verflossenen Sommer vorlegte. Die Zahl der Wahlkreise und damit der Abgeordneten soll von 114 auf 127 erhöht werde». Kopcn- Hägen erhält statt der jetzigen 14 Wahlkreise 18. Aarhus statt zwei drei, Aalborg statt eines zwei Wahlkreise usw. Die Stichwahlen sollen sogenannte freie sein, bei denen alle Kandidaten wieder zur Wahl stehen und selbst neue Kandidaten nominiert werden können, so daß schließlich doch die relative Mehrheit entscheidet. Ri/lZlanct. Die Arbeit des Galgens. Der verflossene Monat, in welchem das Stolypinsche Parlament wieder seine„Arbeiten" ausnahm, zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Menge von Todesurteilen aus. Es wurden im Oktober 13 6 Personen zum Tode verurteilt, während im September 134, im August 63 Todesurteile gefällt wurden. Stach den unvollständigen Angaben der Tagespresse wurden im Oktober 15 Hin- richtungen vollstreckt. Insgesamt wurden vom 1. Januar bis 1. November dieses Jahres 1174 Todesurteile gefällt und 463 Personen hingerichtet. flnnlanä. Zur Auflösung des Landtages. DaS Zentralorgan der finnischen Sozialdemokratie, der „TyömieS", äußert sich über die neueste Auflösung der Volksvertretung fylgeiidernmßen: Abermals hat der Machtspruch in äußer l i ch gesetzlicher Form die Volksvertretung auseinander gejagt, während sie kaum vor einem halben Jahre an die Arbeit trat. Das Anflösimgs- gebot schweigt sich über die Gründe der Auflösimg aus. Aber jedem leuchtet eS ein. daß die Auslösung erfolgte, iveil die BolkSvertreiung die Millionenkontribution ablehnte, Die Tatsache, daß die Volks- Vertretung— einmütig I— den kaiserlichen Erlaß vom 8. Okiober in Militärangelegenbeilen und die daraus resuliierende Millionen« forderuug als mit der Lmidesverfaffung in Widerspruch stehend er- klärte und in die Auszahlung nicht einwilligte, hat dcn Monarchen bewogen, die Vollsvertreiung aufzulösen. Unsere bürgerlichen Zeitungen finden dies natürlich. DaS Organ der Altfinnen betonte, diese Frage habe dem Volke noch nicht vor- gelegen, und daS der Juugfimien sagte, mau verstände weder im ÄuSlande noch in Finnland in dieser Frage dcn Standpunkt der Bolksvertretuna. Dabei ist freilich nichts zu verwundern. Der Gedankengang dieser Parteien, die die genannten Organe vertreten, ist folgender: Die Regierung verfügt etwas, was grundsätzlich ungesetzlich ist. Sie sagt, daß die Miliiärfraae außerhalb der Rechtssphäre der finnischen Volksvertretung stände, fordert dabei die sofortige Auszahlung von 20 Millionen, schreibt der Volksvertretung vor, 2—3 Millionen aus dem MilitärsondS. 8—0 Millionen aus den bewilligten Steuer- einnahmen und dem Uebcrschuß der Bank von Finnland zu ent- nehmen und zeigt au. die Kontribution bis auf 20 Millionen jährlich steigern zu wollen. Das ist unzweifelhaft gesetzwidrig, aber— sagen die Suometarianer und die Jungfiiinen— da die Summe eine mäßige(I) ist, so wollen wir sie auszahlen lassen, wir drücken die Augen zu und stellen uns so, als merkten wir gar nicht, daß das eigentlich der Staats st reich ist und stärken noch de» Glauben an die Gesetzmäßigkeit der Forderung. Auch die übrigen Bürgerlichen betonen, daß die geforderte Summe nicht allzu hoch sei. nur wollten sie nicht eine so große Portion Ungesetzlichkeit dazu schlucken, und würden es lieber sehen, daß die Negierimg das Geld auf zivilisiertere Art forderte. Unser Standpunkt ist ein anderer. Das Proletariat findet nicht, daß diese Summen zum Besten des Militarismus als„müßig" zu bezeichnen sind. Noch weniger können wir sie einer Regierung be- willigen, die die Menschenrechte der eigenen Staatsbürger mit Füßen tritt und sich nun auch vorgenommen hat, die„Seg- nungen" einer solchen Politik auf unser Land auszudehnen. Herrscht in dieser Frage irgendwelche Unklarheit? Ist eS notwendig, daS Volk darüber zu befragen, was es über diese Gewalt- akte denkt, die bereits erfolgt find und die noch geplant werden? Wir glauben, nein!— Aber ivenn die Bürgerlichen dennoch anderer Meinung sind, wenn sie wirklich glauben, daß das Volk sich für die Beivilligniig der KontribiitjonSmillionen aussprechen wird— nickt als Geschenk, sondern als ZivaiigSauflaae— so möge daS Volk entscheiden. In drei Jahren vier Wahlen— daS ist eine Leistung I Die Bürgerlichen beklagen. daS ermüde und--- käme zu teuer. Ermüdend ist es freilich, namentlich, wenn man bedenkt, wie die bürgerlichen Parteien sich bemühen müssen, um sich nicht in ihren falschen Versprechniigen zu verirren. Und teuer sind sie freilich, denn für eine schlechte Sache kann man nur für teures Geld Vertreter finden! Aber der Arbeiterschaft ist jeder Wahlkampf willkommen besonders ober jetzt, wo die Geivaltmaßregeln einen gewaltigen Protest provozieren. Der Wahlkampf bietet uns die beste Gelegen- heit, um in diesen Fragen Ausklärung zu schaffen, und diese Ge- legenheit wollen wir sofort benutzen, obwohl wir nicht viele bc- zahlte Agitatoren anstellen können. Aber dafür haben wir auf allen Ecken tüchtige Kräfte, die für uns in ihren Wohnorten agitieren.— Darum frisch an die Arbeit! Die beste Antwort, die wir der Ge- walt geben können, ist der neue Wahlsieg der Sozialdemokratie am 1. Februar 1010. Marokko. Ein neuer Thronprätendent. London, 24. November.„Daily Mail" meldet aus Tanger. daß die Streitkräfte des Sultans mit schweren Verlusten von den Anhängern Mulay Kebirs zurückgeschlagen worden seien. Mulay Kebir, der Bruder Hafids, der vor fast fünf Monaten von öiabat entflohen war, und, alö der Aufstand der ZemmurS fehl- schlug, durch daS Land der Berber zu den Riatastämmen im Osten voy FeS sich durchschlug, wird, wie man glaubt, mit Erfolg den Hetligen Krieg proklamieren. ßraftUcn. Ein Bombenattcntat. Sao Paulo(Brasilien), 24. November. Gestern abend warf im Mittelpunkt der Stadt ein Anarchist eine Bombe in den Laden eines Deutschen, wodurch eine große FeuerSbnmst hervorgerufen wurde, die das ganze Viertel zu zerstören droht. Wie eS heißt, sind mehrere Personen getötet worden. GcwerkfcbaftUcbee. Konunt es zu einem Streik im RuKmvier? Die Erörterungen der bürgerlichen Presse, ob es zu einem Streik im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier kommen wird oder nicht, entbehren vorläufig noch jedes tatsächlichen Untergrundes. Die Erbitterung unter den Bergarbeitern ist sehr stark und die Stimmung ist vorwiegend für den Streik. Die Ruhrbergleute wissen aber auch, daß die gegenwärtige Ge- schäftslage einem Streik ungünstig gegenübersteht. Die zvrage, ob Streik oder nicht, wird zurzeit lebhaft diskutiert.— Sicher ist, daß die Bergarbeiter erst abwarten werden, ob die Negierung und die Parlamente sich mit der Frage des Arbeitsnachweises beschäftigen, und ob sie einer Wünschens- werten Lösung entgegengeführt wird. Erst wenn hier Klärung geschasken ist, werden die Bergarbeiter und die Ver- bände über die Frage, ob Streik oder nicht, beschließen. Die bürgerliche Presse teilt ferner mit, daß sich im Nuhrrevier eine aufsteigende Wirtschaftskonjunktur sehr stark bemerkbar mache; reger Güterverkehr und steigender Kohlenbedarf lassen darauf schließen. Diese Nachricht ist mit aller Vorsicht aufzunehmen. Zu- nächst ist die Zeit gekommen, in der der übliche Winterbedarf — Hausbedarf— gedeckt wird; im weiteren dürften die Aus- sichten auf einen bevorstehenden Streik der Bergarbeiter auch die Industrie veranlassen, ihre Kohlenlager zu füllen. Der vorhandene Wagenmangel ist die Folge des un- genügenden Wagenparkes des Fiskus. Berlin und Umgegend. Das Wohlwolle» der„Groften Berliner". Am Dienstag fand im Verwaltungsgebäude der Großen Ber- liner Straßenbahn eine Konferenz der Vertrauensleute(Arbeiter- ausschuß) statt. Die Teilnehmer der Konferenz wurden durch die Mtiteilung der Direktion überrascht, daß den Fahrern, Schaffnern und Ersatzmännern eine Lohnzulage von monatlich 5 M. zugebilligt worden ist. Selbst die direktionsfreundlichsten An- gestellten hatten nicht erwartet, daß ihnen die Verwaltung ganz aus freien Stücken«ine Zulage bewilligen würde. Wer die Ar- bciterfreundlichkeit der Stratzenbahndirektion so stark bezweifelt wie wir, der wird natürlich fragen: Was bewegte die Direktion, sich den Ange st eilten gegenüber auch einmal nobel zu erweisen? Wer die Verhältnisse bei der Großen Berliner kennt, der wird die Antwort auf diese Frage leicht finden. Der Transportarbeitcrverband hat in letzter Zeit unter den Angestellten der Großen Berliner eine lebhafte Agitation für Erhöhung der Löhne entfaltet. Es konnte darauf hingewiesen werden, daß die Straßenbahnangestellten anderer Städte viel gün- stiger gestellt sind als die in Berlin. Die Agitation des Transport- arbciterverbandes war so überzeugend, daß selbst die direktions- freundlichsten Gelben sich den Gründen, welche für eine Lohn- erhöhung sprechen, nicht entziehen konnten. Das Verlangen nach einer Aufbesserung der Löhne war selbst unter den Gelben so stark, daß die Direktion etwas bieten mußte, wenn sie nicht ihre getreuesten Anhänger in die Reihen der unverbesserlich Un- zufriedenen treiben wollte. Die Vertrauensmänner hatten für diese Konferenz Anträge vorbereitet, welche ein Höchstgehalt von 140 M. nach zwölfjähriger Dienstzeit forderten, während zurzeit erst nach 20 Jahren ein Höchstgehalt von 130 M. erreicht wird. Nun hat die Direktion mit der„freiwilligen" Zulage von 5 M. monatlich die größte Unzufriedenheit beschwichtigt und ein Teil der von ihr ab- gefallenen Getreuen wieder zu sich herübergezogen. Uebrigens hat die Direktion den Angestellten mit der Zulage keineswegs ein Ge- schenk geboten, durch das der Profit des Unternehmens geschmälert werden könnte. Durch die Einführung der Strom zeit- z ä h l e r sind die Fahrer gezwungen worden, so sparsam mit dem Strom umzugehen, daß die Zulage schon hierdurch reichlich aufgewogen wird. Außerdem spart die Direktion seit der Einführung der ver- kürzten Fahrzeiten die Löhne für 100 bis 150 An- g e st e l l t e, denn durch die Verkürzung der Fahrzeiten ist es möglich geworden, die Anzahl der Touren, die jeder Wagen mit dem dazu gehörenden Fahrer und Schaffner täglich zu machen hat, heraufzusetzen. In Wirklichkeit ist also die ö M.-Zulage nur eine verspätete Entschädigung für die intensivere Arbeit, welche die Angestellten seit längerer Zeit bereits zu leisten haben. Durch das„Wohlwollen", welches die Direktion der Ver- trauensmännerkonferenz gleich nach deren Eröffnung bekundete. hat sie ferner erreicht, daß fast alle Anträge, welche zugunsten der Angestellten eingebracht wurden, unter den Tisch fielen. Der Transportarbeiterverband hat zurzeit nur«ine kleine Minderheit unter den Vertrauensmännern der Großen Berliner. So erklärt es sich, daß die Konferenz fast in allen Punkten den Wünschen der Direktion zustimmte. Es wurde ein Antrag der Direktion an- genommen, wonach in Zukunft die Vertrauensmänner nicht mehr alljährlich, sondern alle drei Jahre gewählt werden. Dieser Antrag ist nicht, wie in der bürgerlichen Presse berichtet wird, von den Vertrauensmännern gestellt worden. Eine von den Angestellten beantragte Verlängerung des Urlaubs ist von der Direktion abgelehnt. Einem Antrage auf regelmäßige Gewährung der freien Tage, die jetzt nur sehr unregelmäßig gewährt werden, will die Direktion„nach Möglichkeit" entgegenkommen, jedoch wurde den Vertrauens- männern gleichzeitig bedeutet, daß nicht immer genügend Ersatz- lcute zur Verfügung wären, um die freien Tage regelmäßig inne- zuhalten. Demnach wird also die Unregelmäßigkeit der freien Tage nach wie vor bestehen bleiben. Auch der Wunsch der Angestellten, längere Haltezeiten an den Endstationen vorzusehen/ ist nicht erfüllt worden. Ebenso erging es einem Antrage, der eine gleichmäßige Bezahlung der Ueberstunden für An- gestellte und Ersatzmänner fordert. Es bleibt dabei, daß die An- gestellten für die Ueberstunde 80 Pf. erhalten, die Ersatzmänner aber die Ueberstunde für 48 Pf. leisten mußten. Ein Antrag, den Fahrern das Kilometergeld von täglich 80 Pf. auf 78 Pf. zu erhöhen, wurde gleichfalls abgelehnt.— Man sieht also, wie weit die„Großmütigkeit" der Großen Berliner hinter den be- rechtigtcn Wünschen der Angestellten zurückbleibt. Nach den Mitteilungen der bürgerlichen Presse soll auf der Vcrtrauensmännerkonferenz auch eine aufklärende Besprechung über die Stromzeitzähler stattgefunden haben. Ueber die Anwendung dieser Zähler beklagt sich das Fahrpersonal schon von jeher mit vollem Recht.— Wie sah nun die„aufklärende Besprechung" aus? Ein Ingenieur hielt «ine Rede, worin er ausführte, daß sich neun Zehntel der Fahrer mit den Zählern abgefunden und eine beträchtliche Stromersparnis Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantimT erzielt hätten. Nur ein Zehntel der Fahrer gehe mit dem Strom immer noch nicht sparsam genug um. Wenn sich dieses Zehntel nicht auch den Sparsamkeitsbedürfnissen der Betriebsleitung an- passe— so klang es vernehmlich aus der Rede des Ingenieurs heraus— dann würden diese unfügsamen Ele- mente entlassen! So eine„aufklärende Besprechung" paßt allerdings zu dem „Wohlwollen" der Stratzenbahndirektion, die sich von den An- gestellten Ersparnisse im Betriebe machen läßt und dann einen Teil des Ersparten großmütig als Lohnzulagen verteilt. Uebrigens steht die„Große Berliner" mit ihrer Lohnerhöhnug nicht allein da Auch die Siemens-Bahn, welche die Strecken nach Pankow und? Kow betreibt, hat ihren Fahrern und Schaffnern eine Zulage von 8 M. monatlich bewilligt. Oeutfcbes Reich. Zur Situativ» im Holzgewerbe. Die Vertragskündigung für rund 80 Städte, die durch die Unter- nehmer ausgesprochen wurde, bringt in die Reihen der Holzarbeiter neues Leben. Auf der ganzen Linie sind sie eifrig an der Agitations- arbeit; in den letzten acht Tagen sind schon Hunderte neuer Mit- glieder für die Organisation gewonnen worden. Im allgemeinen herrscht noch friedliche Stimmung, insbesondere beim Vorstande des Schutzverbandes;. doch verhehlt man sich auf Arbeiterseite nicht, daß Konfliktstoff genügend vorhanden ist. Seitens der Arbeiter ist man jetzt dabei, die Forderungen zu formulieren, die den Unternehmern für die neuen Verträge unterbreitet werden sollen. Wie diese von letzteren aufgenommen werden, läßt sich nicht voraussehen. Am liebsten möchten ja die Unternehmer die vorhandenen Arbeits- bedingungen verschlechtern, um sich für die Wirkungen der Krise zu entschädigen. Die Arbeiter sind aber ebenso schwer geschädigt und können darum auf Lohnerhöhungen nicht verzichten. Welche Stimmung bei den Unternehmern bei lleberreichung der Forderungen ausgelöst wird, Ivird sich bald zeigen, da die Ortsverhandlungen in diesen Tagen beginnen. Es wird sich dann auch zeigen, ob die bei den Unter- nehmern zur Schau getragene Stimmung nur ein taktisches Manöver war, oder ob man ernstlich den Frieden will. Die„Holzarbeiter- Zeitung" schreibt hierzu: „Wir haben keine Veranlassung, Zweifel in die Aufrichtigkeit der Erklärungen zu setzen, welche vom Vorstand des Arbeitgeber- schutzvcrhaudcs abgegeben wurden. Wir wissen, daß dort die Ber- hältnisse durchaus nicht so glänzend sind, wie man es nach außen erscheinen lassen möchte, und der Wunsch, den Konflikt auf fried- licheni Wege aus der Welt zu räumen, ist von jener Seite durchaus begreiflich. Es wäre aber nichts törichter, als wenn wir uns durch solche Erwägungen verleiten ließen, den Ernst der Situation zu verkennen. Wenn wir auch zugeben, daß man im Vorstande des Schutzverbandes friedlich gesinnt ist. so haben wir doch keine Gewähr dafür, daß die gleiche Stimmung auch in den Mitglieder- kreisen der Arbeitgeber herrscht. Es deuten im Gegenteil manche Anzeichen auf vorhandene Kampfeslust hin, welche zu zügeln die Macht des Schutzverbandsvorstandes kaum ausreichen dürste. Wir erinnern nur an H ö ch st. Die Vorstände haben sich dahin geeinigt, daß eS dort vorläufig nicht zum Kampfe kommen soll; Höchst sollte in die Verhandlungen über die neuen Verträge einbezogen werde». Die Unternehmer in Höchst haben sich aber an die Ab- machungen nicht gekehrt und unsere Kollegen jetzt ausgesperrt. Das ist ein böseS Onien für unsere Tarifverhandlungen." Am IS. November tagte in Berlin eine Konferenz von Ver- tretern des Holzarbeiter-Verbandes derjenigen Städte, die bei der Tarifbewegung in Frage kommen, um die zu treffenden Maßnahmen zu beraten. Das Resultat der Beratungen war die Annahme der folgenden Resolution: „Die anwesenden Vertreter der Vertragsorte sprechen ihre ein- mütige Ueberzeuguug dahin aus, daß die voniÄrbeitgeberschntzverbaud durch Kündigung sämtlicher Verträge hervorgerufene umfangreiche Veriragsbewegung so durchgeführt werden muß, wie es im Interesse der Mitglieder wie auch dem des Gesamtverbandes entspricht. Als das nächste Mittel hierzu muß eine sofortige finanzielle Kräftigung des Verbandes ins Auge gefaßt werden. Die heutige Konferenz ersucht daher den Vorstand, in Gemeinschaft mit den Gau- Vorstehern unverzüglich eine energische Agitation im gesamten Verbände zur Aufklärung über die gegenwärtige Situation einzuleiten und hierbei den Mitgliedern die Notwendigkeit der Ab- sührung von Exirabeitrügen an die Hauplkasse zu begründen. Gleichzeitig soll den Mitgliedern empfohlen werden, die Er- höhung des Berbandsbeitrages um 10 Pf. pro Woche durch Ur- abstimmung zu beschlteßen. Diese 10 Pf. sollen der Hauptkasse unverkürzt zufließen. Man ersieht daraus, daß sich die Holzarbeiter bewußt sind, was auf dem Spiele steht und sie werden danach handeln. Zur Holzarbeiteraussperrung in Höchst a. M. ist zu berichten, daß die Aussperrung keinen größeren Ilmfang angenommen hat. Ausgesperrt sind bis jetzt in 8 Fabriken zirka 300 Tischler. Ma> schinenarbeiter und Polierer. Die Unternehmer machen verzweifelte Anstrengungen, Streikbrecher heranzuziehen. Aus allen Gegenden Deutschlands wird berichtet, daß durch Annoncen Schreiner ,/bei gutem Verdienst" nach Höchst gesucht werden. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Unternehmer Ver- schlechterungen durchdrücken wollen, und um dieses zu erreichen, zur Aussperrung griffen.— Jedenfalls wird die Aussperrung weitere Kreise in den Taunusorten Kelkheim, Münster und Hornau ziehen. Die dortigen Kleinmeister liefern zum Teil für die Höchster Fa- briken Möbel. Die bei diesen Meister» beschäftigten Schreiner haben sich mit den Höchster Holzarbeitern sojidarisch erklärt und werden keine Höchster Arbeit mehr anfertigen. Hierdurch wird den Fabrikanten eine Bezugsquelle abgeschnitten. Es ist weiter dringend notwendig, daß der Zuzug von Holzarbeitern ferngehalten wird. Die Breslauer Maßschneider haben in einer stark besuchten Mit- gliederversammlung einstimmig die Kündigung ihres Tarifs be- schloffen. Für den neuen Tarif soll der Reichstarif als Muster genommen werden. Die Hosen- und Westenschneider können infolge des großen Jndifferentismus dieser von Zwischen- meistern stark durchsetzten Gruppe nichts erreichen, dagegen werden die II n i f o r m s ch n e i d e r. die bedeutend besser organisiert sind. sich der Bewegung anschließen. Die freien Gewerkschaften und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinler gehen wieder, wie vor zwei Jahren, gemeinsam vor._ Gelbe Arbeiterzersplitterer in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. war bisher kein Boden für die gelben Ar- beiterverräteo oder wie si- sich-nennen„vaterländische Arbeiter", und wird auch künstig dort kein Feld für die Gelben sein. Aber eS ist doch bemerkenswert, daß auch hier diese Leute wagen, Fuß zu fassen. Nach einem uns vorliegenden Zirkular wurde in diesen Tagen in Frankfurt ein„Vaterländischer Aroeiterverein" gegründet. In der Oeffentlichkeit hat man davon noch nichts gehört, kein Wunder, diese Leute scheuen das Licht. Das erwähnt« Zirkular, mit dem auf den Gimpelfang gegangen wird, ist interessant genug, um hier im Wortlaut wiedergegeben zu werden: Baterländischer Arbeiterverein Frankfurt a. M. Sehr geehrter Herr! In Frankfurt a. M. hat sich seit einigen Wochen eine Ver- einigung gebildet unter dem Namen„Vaterländischer Ar- be i t e r v e r e i n". Es finden sich hier Leute zusammen, welche mit den sozialdemokratischen Zielen und Bestrebungen nicht«in- verstanden sind und die den Druck des sozialdemokratischen Terro- rismus leider oft genug spüren mußten._ Wir sind nicht gewillt, Uh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdr.u. VerlagSanftall unser Geld diesen Gewerkschaften zu opfern, wollen aber auch nicht willenlose Werkzeuge des Unternehmertums sein. Wir sind überzeugt, daß es dem deutschen Arbeiter viel besser gehen wird, wenn er mit seinem Arbeitgeber in vernüns- tiger Weise Hand in Hand arbeitet. Ter jetzt bestehende und von der Sozialdemokratie täglich geschürte Haß muß beseitigt werden. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Frank-Mannheim hat erst am letzten Sonntag in der großen Schumannvcrsammlung gesagt:„Wir Sozialdemokraten wollen nicht Ruhe und Frieden, sondern Arbeit u n d K a m p f." Wir vaterländischen Arbeiter wollen das Gegenteil, nämlich:„Wir wollen Ruhe und Frieden und im guten Einvernehmen mit unseren Ar- beitgebern in fleißiger Arbeit unser Brot ver- dienen und uns auf diese Weise den Kampf ums Dasein erleichter n." Ueber 20 000 Kameraden im ganzen Deutschen Reiche hoben sich schon unseren Bestrebungen angeschlossen. Wir laden Sie zu der am Dienstag, den 23. N o v e m- ber 1909, nachmittags 7 Uhr. in dem Restaurant des Herrn Kanstein, Frankfurt a. M., Gr. Ko r n- markt 13, stattfindenden Versammlung ein. Der Geschäftsführer des Bundes vaterländischer Arbeiter- vereine Berlin, Herr Carl Heuer, wird einen aufklärenden Vor- trag über unsere Bestrebungen halten. Diese Einladung g i l t a ls Legitimation. Der Vorstand des vaterländischen Arbeitervereins Frankfurt a. M. Christian Conrad. Auf das Zirkular einzugehcu, können wir uns versagen. Es wirkt auch ohne Kommentar. In der Versammlung, zu der das Zirkular einlud, und die zu einer öden Schimpferei ausartete, wurde eine Protestresolution gegen die Straßendemonstrationen beschlossen und dann die Grün« dung eines gelben Vereins vorgenommen, dem etwa 18— 16 Personen beitraten. Freilich, ein langes Leben wird diesen 3Kaul« würfen in der Arbeiterbewegung, d. h. ihrem Verein, in Frankfurt a. M. nicht beschiedcn sein._ Versammlungen. Deutscher Metallarbeiterverband. In der am Sonntag ab- gehaltenen Generalversammlung'der Verwaltungsstelle Berlin er- stattete der Kassierer Henning die Abrechnung für das dritte Quartal. Er konstatierte, daß sich die Kassenverhältniffe im Ver- gleich zum zweiten Quartal in erfreulicher Weise gebessert haben. Es sind etwa 38 909 Beiträge mehr eingegangen als im dritten Quartal des Vorjahres. Die Einnahmen sind infolgedessen ge- stiegen, während sich die Ausgaben für Erwerbslosenunterstützung vermindert haben.— Die Abrechnung der Hauptkasse schließt in Einnahme und Ausgabe mit der Summe von 473 397.30 M., die Abrechnung der Lokalkaffe mit 989 842,19 M. Der Kassenbestand beträgt 873 476,42 M. An Unterstützungen wurden bezahlt an Krank« 110263 M., an Arbeitslose 118 872 M.. an Streikende 111967 M.. in Gcmaßrcgelte 16107 M., für sonstige Unterstützungszwecke 14 900 M.— Ohne Debatte stimmte die Versammlung einem Antrage der Ortsverwaltung zu: einen dritten Beamten für die Kassengeschäfte anzustellen. Als Kandidaten wurden Karl Schmidt und Vollmer nominiert. Die Wahl soll am� 5. Dezember in den Bezirken vorgenommen werden.— Aus Anlaß dieses Antrages bemerkte Cohen, es würde sich boraussichtlich in den. nächsten Monaten die Erörterung weiterer Anstellungen notwendig machen, da die Agitation unter de» Arbeiterinnen und den jugend- lichen Arbeitern besondere Kräfte erfordere.— Da das Amt eines Beisitzers durch dessen Rücktritt erledigt Worden ist, wählte die Ver- sammlung Fritz Karl als Beisitzer. Hierauf begründete H a n d k e einen Antrag der Ortsverwal» tung auf Neuregelung der Bezirkseinteilung. Der Antrag geht dahin, daß der Bezirk Groß-Berlin in 13 Agitationskreise eingeteilt wird, von denen jeder eine Kreisleitung erhält mit einem Kreis- leiter an der Spitze, der die Agitation in seinem Kreise zu pflegen hat. Die Einteilung der Kreise soll mit Rücksicht auf die Zahl in den verschiedenen Stadtgegeuden vorhandenen Betriebe erfolgen. Soweit es notwendig erscheint, sollen später Kreisleiter angestellt werden, natürlich nur nach ausdrücklicher Zustimmung einer Generalversammlung und Wahl durch die Mitglieder. Für diesmal ersucht die Ortsberwaltung nur um die grundsätzliche Zustimmung zu der vorgeschlagenen Neuregelung. Alle Einzelheiten sollen seiner- zeit in statutenmäßiger Weise erledigt werden. Durch die Verwirk- lichung des Vorschlages wird eine wesentliche Förderung der Agi« tation erwartet. Für die Agitationstätigkeit in Groß-Berlm kommen etwa 3090 Betriebe in Frage. Von de» rund 110 009 Arbeitern der Metallindustrie sind erst etwa 70 000 organisiert. Es ist also zurzeit noch ein Heer von etwa 40 000 indifferenten Metallarbeitern in Berlin vorhanden. Diese für den Verband zu gewinnen, ist das Ziel der Agitation, die aber nuq dann den gewünschten Erfolg haben kann, wenn auch nach der Neuctnteilung und der Einsetzung von Kreisleitern die Kleinarbeit der Kollegen in der bisherigen Weise verrichtet wird. In der Diskussion lvurde der Antrag der Ortsverwaltung von verschiedenen Rednern bekämpft, teils, weil sie ihn nicht für praktisch und zweckmäßig hielten, teils, weil sie die Kosten für die Anstellung von 13 Kreisleitern scheuten.— Die Versammlung lehnte den An» trag der Ortsverwaltung ab und erklärte sich auch mit großer Mehr» heit gegen die Urabstimmung über den Antrag. Für die A.-E.-G.-Werke in der Brunnen- und Ackerstraße ist seit einiger Zeit ein Agitationsleiter provisorisch angestellt, ebenso einer für Oberschöneweide. Die Versammlung beschloß, diese beiden Provisorien bis auf weiteres bestehen zu lassen. Ein an die Ortsverwalwng gestellter Antrag, auf die Tages» ordnung der Generalversammlungen den Punkt„Verschiedenes" zu setzen, wurde nach kurzer Debatte abgelehnt. Letzte IVacbricbtcn und Dcpefcbcn. Die Bergarbeiter und der Ztvangsarbeitsnachweis. Bochum, 24. November.(W. T. B.) Die heutige Kon» serenz der Vertreter der vier Bergarbciterorganisationen be» schloß einmütig, etwaige Verhandlungen des Reichstags über den Zwangsarbeitsnachmeis der Zechenbesitzer abzuwarten und entsprechend dem Verlauf der Reichstagsverhandlungen in einer abermaligen Zusammenkunft Beschluß zu fassen. Ein jugendlicher Selbstmörder. Kottbus, 24. November.(W. T. B.) Hier hat sich ein zuge- rcister junger Mann im Alter von etwa 18 Jahren mit Lysol ver- giftet; anscheinend stammt er aus Berlin. In seinem Notizbuch stand der Name Otto Preuß und Fritz Fibel. Vermutlich trägt der jugendliche Selbstmörder den Namen Preuß. Unter seinen Sachen befand sich ein Abschiedsbrief an seine Eltern, in dem er sagt, daß er nicht mehr wert sei, auf dem Erdboden zu wandeln. Die Debatte über die Thronadreffe. Konstantinopel, 24. November.(W. T. B.) Infolge der ab» fälligen Kritik der Presse hat der Senat nach langer Diskussion bei der Spezialdebatte über den Entwurf der Thronadresse beschlossen, den gegen die Zoverhöyung gerichteten Passus zu streichen. Ein« 180 Millionen-Anleihe für Serbien. Belgrad, 24. November.(W. T. B.) Die heute in der Skupschtina eingebrachte Gesetzesvorlage über eine 4Ilhprozentige Staatsanleihe im Betrage von 186 Millionen besagt, daß 86 Mil- lionen für Eisenbahnbantcn, 44 Millionen für Hecresausrüstungen und der Rest für sonstige Staatsbedürfnisse verwendet werden soll. Paul Singer Lr Co.. Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen«. UaterhaltungSbl. Nr. 27». 26. Jahrgang. 1, KtilW drs„ÖJtiiiätfs" pdiiiittsfM, 25, llmmlrrr 1909. für die ichmdilche» Arbeiter gingen noch ein: IZSöS Piilnomechanikfabrik v, Wiesuer 11,75, Verband d, Bäcker und Konditoren, Lrtsverw, Berlin 110,—, 1068, 9053, 9057 Verb, d, Bäcker it. Sloitb. Veno, Berlin 20,70. Slngestcllte tc4 Verbandes d. Bäcker u, Kondr- !vren 14.—, Beiöand der Steinarbeiter, Veno. Berlin aus solgende Listen: 7718 Schilling 24,20. 9501 Ioerlsten 3,75, 9500 L. u, S, 1—, 9310 Hostinann, Tcmt'cihos 4,—. 11815 B. tt. M. 4,—. 13529 Ellert 4.60. 31852 Kesserschmidt 5,50.(Summa 47,05 R.) 13953 Tischlerei Teisel n, Lo, 9,40, 14025 Schlosserei Koldenbauer u. Metzdorf, 10, Rate 12,30, 14449 Etuisabrik K Weber, 12, Nalc 4.45. 14710 Tischlerei Wolshardt u. Gvldschmidt, 10. Rate 15,65. Personal H, Bunte 14445 15,95, 14448 13,85, Kusil- und Tambourvcrein Rorden 1985 25,—, 14648 Tischlerei Tischleit 9,15, 14474 Tischlerei RöSler, 4. Ra.'e 27,70, Ueberschnß einer Ärnnzspendc bei A. Borsig 12,50. ttvllegen bei Laue n. Em, 5. Rate 10,70. Schlosserei bei Ullstein u Eo,,.Morgenpost" 5,15. Kollegen bei K, Otto Nachs,, Echönederg 17,05. 2278 und 2320 Unlerlounnisston Rixdors 20.25. Keneral- vcrsanimlung des Verbandes der Maschinisten und Heizer in Köpenick 8,50, A. L. 1000 5,—, 13586 Tapeicnsabri: E, Licpmaiin 7,50. Vcrbandsmitgl, des„SonntagsblaltcS", 5. Rate 7,50, 0184 Maurer uotn Bau Blüchcrhoj 8,60. 14607 Stocksabrit B, Ron, 10. Rate 20,50. Verband der Tapezierer, ftillalc Berlin, ans solgcnde Listen: 2137 durch Kall. WübberS 13,15. 9259 durch Kall. Kinn 3,50, 10875 Wcrlsialt Equitz 8,—. 10879 Werl- statt Hossmann u. Heiserich 15,50. 10880 durch Kollegen Pohl 13,70. 11762 durch Koll. Walter 3.—. 12185 Wertstatt Kunst u. Handwerk 14,—. 13019 Werlslalt Trunk 10,—. 13021 Werlstatt Dittmar Ii,—.(Summa 97,85 M.) 14712 Kronleuchtersabr. Gebr. Jonas 7,—. 14700 Bnchdrnckerei C. Lange 3.—, 14459?.7e!allarb. bei Thiele n. Eo,, 8. Rate 19,40. Spar- bilse, Sctbslhllse 6,—. Silberwarensabrik Abraham 3,50. 14990 Metatlarb. bei Münschmcier u. Co. 18,05. 12942 Pianomechaniksabrik v, Wicsner 7,05. 14973 Metallarb. b. R. Schulz 6.30. Metallarb. der Vulkanwerke 10.05. Kranzübcrschust der Giestcrei iL E.-Cs. 17,40. 7444, 7445 Tischlerei Zeldcr u. Platbcn 23,45. Slattlub„Ohne Streit" 3,—. 12780 Sparvcrcin„Treue" 2.55, W. H. u. H. H. 2,—. 14975 Emmerich u. Schöning, Saal 1 8,—. 988 P. P, 49 3,30. Gravieransialt Schüstler, 9. Rate 9,50. 12601 Holz- arbcitcrverb. d. Späthe 14,30, HilsSarb. d.„Vorwärts", Werkabt,, II. Rate 0,75. 8189 Verband der Barbiere 4.10, 14996 Piaiiosortesabrik W. Hostmann 5,50, 13089 7,55. Kollegen bei Fllgner, 13, Raie 16,—. Tischlerei'�chivarz u. Fröhlich, 10. Rate 22,—. Personal der Stenipelfabrit K. Lehne. 12. Rate 6.—. 14344 Biichdruckerci Rosenthal tt Eo., 12. Rate 12,35. 12934 Gebr. Hüls 9,55. 14451 Buchbinderei O. ElSncr 13,15. 14984 bis 14987 Kollegen bei Hcnlschke u. Buchholz, 11. Raie 28,10. Krollsche Biichdruckerci, 10. Rate 7,45. 14534 Kollegen bei K. Möhring, 8. Rate 8,50. 13601 Tischlerei Haser- lorn u. Co. 6,95. 8130 Eluissabrik W. Schulze 12,15. Mcialldreher M. Mock 1,50. 12919 Linde u. Judeuschlveger 8,20. 1202 Sektion der Putzer 3,65. 0947 13,10. Setzerei der Lindendruckerci(„National-Zeitung") 25.75. Desgl., 12. Rate 47,70. 10675 Eisengicstcrci Salinger 5,75. 14972 Arlt u. Fricke, 4. Rate 16,15. 14672 Kollegen bei Rosenstock. 11. Rate 5.20. 14974 Pianosabrik I. Psaks 11,65. 12933 Metallarbeiter bei Femlin, 12. Rate 10.90. 14998 Berliner Druckerei, 14. Rate 6,60. 10787, 10791, 10790, 10794 Unterkommiision Witmersdors 43,55. Druckerei W. Köble, 13. Rate 21,50. Kollegen bei Pardemann, 12, Rate 16.55. 6296 Kollegen bei Fähig, Luch- binderet 7,85. 14992 Tischlerei Kufulenz 8,70. 13941 Bnchdr, ZaniSzewsli, 6. Rate 12,05.„Stettincr VollSbotc" 300,—. Metallarb. der Kontinentalen Bremsen-Ges,, 10, Rate 9,20. Schleiscrci Gebr. Krügcr-Köpenick 12,05. Metallgießerei A. Borsig-Tcgcl 7,35. Ortsvertv. des Verb, der Sattler und Vortrseniller aus Listen 67,—. Orttvcrw. drs Verb, der Hutinachcr auf Listen 119,65. 12190 Kollegen bei F. Renaud 1.80. 14396 H. Meyer u. Co., Silberwarensabrik, 6. Rate 12,70, 11717 Kollegen bei H. F. Hartinann, 1 Rate 8,75.„Vorwärts", Fcitungsobt., 11. Rate 50,—. 12916, 15900 Kollegen bei Israel Gebr., Kronleuchtersabri? 53,—.>4994 Kollegen bei Gansereit n. Co. 11.25. 5436 Verband der Dachdecker, Verwaltung Berlin 4,95. 12917 Dreherei von Pinkus, 13. Rate 11,15. BarUischlerei H. Kühn. 6. giale 8,75. 14499 Etuiarbeit� bei Kann 12,85. 14502 Kollegen bei Gundelach, 13. Raie 16.—. Möbelfabrik H. Lüdtke, 9. Rate 30.35. 14988 Klempner des ZentralniagazinS, 14. Räte 20,35. 14552—14557 Hiljsarbciier bei Sittenseld, Buchdrucker«!, 13. Rate 17,85. 11260 Tischlerei' Max Schulz, 3. Rate 15,20. 12931 Buchbinder bei Bollsrag u Apcl, 13. Rate 11.30. 1779 Zwtetusch it Co. 20,30. 14993 Tischlerei JkeS u. Co.. 12. Rate 13.25. 14991 Metallarbeiter von Bischoff. 14. Rate 16,75. 14343 Bnchdrnckerci Otto o. Hollen, 14. Rate 19,—. 9632 Berliner G.citossenschastSbäckerci. GenchlNrasze. 10. Rate 20,—. Bierprozente der Berliner(.öenostcnschaslSbäckerei, Gerichlsttatze 10,50. 12938 Lmnpen- iabril Gerhardt 12.15. 12932 Tischsabrik Brämcr, 5. Rate 22,—. (■542 Verb, der BauhtllSarbeilcr 3T>0. 12943 Tischleroi Teisel u. Co. 4,50. 14695 Krcnlcuchtcriabrik Kalm u. Bender, 12. Rate 16,—. 14713 Kollegen v. D. Meier, 11. Rate 7,05. 12973 Buchdrnckere! A. Seydel u. Co., 14. Rate 18,50. 12899 Karaus 9.90.>2950 Tischlerei Wolshardl u. Goldschmidt, 14, Rate 14,00. Galvanoplastik 14,60. 14997 Kollegen bei Behling u. Lübke, 10. Rate 33,65. 13986 Kllchciimöbelsabr. Jakobowip, 11. Rate 8,40. 12951, 18952 Banliichicrei Gedr. Faul. 5. Raie 40.55. Akzidenz- und Rotations- abt. Äerl. Zagcblnit, 14. Rate 42.—> Bnchdruckcrei H. S. Hcrniann, II. Rate 185,50. 14981 Metallarbeiter von Linduer 11,60. Verband der Töpscr, Vcrw. Berlin aus Liste» 103,05. Bäcker und Kondiloreu. SicmcnSstr. 7 5,50. 14976, 14980 Allgemeine Mclallwcrle sllr Beleuchtung 39,65. 13026 Tischlerei W. Hyan 1,80. Falzerei Berliner Tageblatt 19,—. 12940 Buchdr. Gebhards Jahn und Land, 14. Rate 8,75. Verband der Bureauangestelltcti aus solgeude Listen: Zlugeslellte d. Örlskasseu: 1060 d. Stciiidruckcr 8,—, 1061 d. Drechsler 1,—, 1062 d. Mechaniker 21,—. 10076 d. Vcrgolder 4,—, Aiigclt. d. Jnnmigskasse der Gastwirte 2,—. 10077 Äugest, d. JiinungSkaste der Schuhmacher 3,50. 10079 Äugest, d. Ortskraiikeiilasse Charlottenburg 14,—. Metallarbeiter u. Roldenhauer u, Metzdorf 14,—. Zentralvcrband d. Handlungsgehilfen aus folgende Listen: 969, 966, 968, 970, 7840 ui'.d 9097, in Summa 99,65. Skat- und Lotterieklub„Erreicht" 3,50. Deutscher Transportarbeiterverbaiid(Bezirk Gros;- Berlin) ans folgende Listen: 1952 5,20. 5229 3.—. 5273 1,—. 9633 Tellersammlung von, 7. November 09 der Miilllutscher und Mitfahrer der WirtschaslSgciioisetijchast 9,—. 9658 5,—. 11345 Kranzüberschus; der Zlngcst. d. Bez.- Vei wailmig 2,75. 10601 5,45. (Summa 31,40.)— Metallarbeiter 14718 Herberg u. Co. 11.60. 14480 Ksionsit 13,20. 14971 P. Trettin u. Eo. 10,45. 12965 R Schulz 0,55. 14475 Silberwarensabrik R. Freund 11,50. 12926 bi 12930 VorbandSmilglieder der Biichdruckerci Bnrenstein. 14. Rate 42.15. Bezirk 17Tc, 2. Teil 5,—. 14450 Buchbinderei Fiiifche 18,—. 6946, 6948 durch Kronwald 4,25. Für ein Rcscrai in Köpenick von Brucks 6,—. 1356 Verband der GastwirtSgehilieii, Verwaltiliigsst. I 6.—. Verein der Cafo Angestellten auf folgende Listen: 9411 bis 9420 43,50. 7515 B. 3t. 6,10. 7468, 1170 u. 1176 Untertommisnon Schöneberg 14,50. 14561 Zinkgiesterci Sieiii 5,90. 10801 Arbeiter von KausmailN 19,20. Verband der Schneider, Verw. 1 Berlin, aus folgende Listen: 253 durch Olte 9.50. 280 durch Polzin 5,—. 60-12 dinch Heimfahrt 2,20. 6059 durch KlmmS 9.50. 6085 10,—. 13404 durch K utzbach 3,15. Durch Roiost 5,20. Schneider bei Truntz u. Voh 14.50. Schneider bei Gricwisch, 3. Rate 10,—. Schneider bei Fabian u. Hirsch 6,80.(Summa 75,85.)— Setzer der Lindendruckerei,„Natwnalzeitiing", 13. Rate 24,15. 14999 Tischlerei Fürst u. Kuhnert 1,95. 14982 17.80. 2964 Metallarbeiter bei Bergmann. A.-G. 10,70. 14543 Transportarbeiter bei I. Pintsch, 12. Rate 8.65" 13512 Dreherei PintuS, 14. Rate 11,20. Kistenmachcr bcl Pflugrath ll,90. 13506 Metallarbeiter bei Zemiin, 13. Rate 5,90. 12794 E. S. 18.85. 13520 Gcnoiieuichastsbäckerei Clerichlitras'.e 16,75. 13576 Kollegen bei Bann u. Schuh. 8. Rate 3,50. 14095 Buchdruckcrei von Berg u. Schoch� 3.—. 13508 Tiichlerei Kukulenz 5,85. Verband der Gemeinde- und Staats- arbeiler ans folgende Listen: 4246 Revier- Inspektionen 4,10. 13502 Englische Gasiverke 4,95. 4251 Krankenhaus Urban 6,62. 4274 Jrrenauslalt Herzberge 1,75. 4192 Rieselseider 0,20(in Summa 17,62.)— S. B. und F.'K.. Wiesbaden 5,—. Dachdecker aus Sarau 5,—. Holz arbeiter aus Sorau 2>—. Genossen aus KottbuS-Spremberg und Soraw Forst 33,47. Sunnna 3384,94 M. Bisher sind verüstcnllicht 272 334,56 M., dazu kommen 3384,94 M., in Summa 275 719,50 M. Nachdem durch die Genernlkonnnisston die Sammlung geschlossen worden ist, ersnchen wir um schlennige Einlieferung der aus- stehenden Listen, da spätere öffentliche QuittunlzSlegimg nicht mchr erfolgt. Der AuSschus; der Berliner Gewerkschastskommissiou. I. A.: A. Körstcn. Hus der parteu Kleines feuillcton. Sind Laras and Leonardo identisch? Man sollt« meinen, Herr Bode wäre lange am Ende angelangt. Jeder Tag entzieht seiner schwindel- kühnen Hypothese weitere Grundlagen und etz bleibt nichts als die Siarrlöpfigkeit eines Burcankralen, der auf alle Fälle recht behalten will. Jetzt gesteht Herr Bode selber zu(worüber nie ein Zweifel sein konnte), daß die Lucassche Photographie von der Berliner Büste aufgenommen wurde. Das ganze Gebäude Bodescher Beweisgründe ist damit eingestürzt. Denn es ruhte auf der Annahme, daß es zwei Büsten gegeben habe, eine echte und ein„HilsStnodell". Nunmehr gesteht Herr Bode indirekt zu, daß es nur eine gab. Dem Genie Bodes ist es nun noch vorbehalten, zu beweisen, daß LncaS, der wirkliche Schöpfer der Büste und Leonardo, der hypothetische, identisch sind. Alle anderen llllöglichkeiten sind erschöpft und der einzige Ausweg, der noch bleibt, beleuchtet in seiner GroteStheit die ganze Affäre. Der„Tim es"-Korrespondent war bei der Oeffnung der Büste am Montag wieder der einzige Journalist, der zu dieser Bode- scheu Privatangelegenheit zugezogen wurde. Auf seinen sehr interessanten Bericht kommen wir noch zurück. Inzwischen aber möchten wir doch an den preußischen Kaltusminister die Anfrage st eilen, wie lange er diesem Skandal noch untätig zuschauen will und wann er endlich eine unparteiische und unabhängige Kommission einsetzen wird, die dein Direktor Bode die Prüfung und Entscheidung einer Sache aus den Händen nimmt, in der er sich ausS aUeri'chwerste komvroinittiert hat? Sollte Herr Bode schließlich doch noch einen Bericht über die Untersuchungen liefern, so wird schwerlich jemand diesem mehr Beweiskraft bewilligen als der Per- teidigung eines Angeklagten. Nur eine unparteiische Kommission kann inner der Kontrolle der Ocssentlichkeit daö Urteil sprechen. Das sollte selbst ein preußischer Minister einsehen. Tote»nd lebende Substanz. Am 18. Stovember hielt im Auf- trage des Monistenbundes Professor St. Günther, der bekannte Herausgeber des Bilderatlas„Vom Urtier zum Menschen" im Oberlichtsaäle der Philharmonie einen Vortrag Über„Tote und lebende Substanz". Der Vortragende machte ctiva folgende Ausführnngen: Ueberall wo Leben austritt, ist es an eine besondere Substanz, das sogenaimte Protoplasma, eine hoch- komplizierte Eiiveißverbindnng, gebunden. Diese chemische Ver- bindung besteht aber ans denselben Elemente», wie die anorganische, die tote Natur. ES sind besonders 12 der rund 80 Elemente, die in eigenartiger VerbindungSweisc im Protoplasma auf- treten. Wenn nun auch die chemischen Grundstoffe der lebenden wie der toten Natur dieselben sind, eS also keinen besonderen LebenSstoff gibt, so ist doch die Verbindungsweise der Elemente in den Organismen eine besondere,___„________.........„_____ ganz eigenartige. Zwar kommen in den Lebewesen auch anorganische Gelegenheit beißt er—-der freidenkende Praktiker deS„Ostens"— Verbindungen z. B. Wasser, Salze usw. vor. in der Hauptsache sind' den jedwede mamiweibliche Widerhaarigkeit entwaffnenden skrupeb lieber einen neue» Fall von sozialdemokratischem TerroriSmus hat dieser Tage die„Augsb. Postztg."(Nr. 203 vom 10. Nov. 1909) mit schmatzendem Behagen berichtet. DaS Blatt erzählte: „Bei der an einem der letzten Tage in Kaimling(Bez. Vohen- stranß) von sozialdemokratischen Fabrikarbeitern abgehaltenen„Volksversammlung" wurde der katholische Pfarrer Sterr von Roggen- stein, wohin Staiinling zur Seelsorge gehört, als er mit einigen Bauernburschen heimwärts ging, von den Sozialdemokraten über- fallen und mit einem Hagel von Steinwürfen überschüttet. In der Versammlung kurz vorher hatte der rote Redner Gentner aus Pegnitz gesagt, die Sozialdemokratie sei keine Feindin der Priester und der Rehgiou; seine„Genossen" aber waren in der Praxis eine Viertelstunde später anderer Ansicht." Aus Kaimling wird dazu der„Münchener Post" mitgeteilt, daß diese Erzählung ein(Schwindel ist. Nicht ein Sozialdemo- krat ist bei dem Ueberfall ans den Pfarrer beteiligt gewesen. Dw gegen steht fest, daß Pfarrer Sterr mit der Gemeinde Roggenstein in' heftigster Fehde lebt. Man wird also die Attentäter jedenfalls unter ganz anderen Leuten zu suchen haben als unter unseren Parteigenossen._ poltzeUich«9( ßmchtlicbea ulw. Der„beleidigte" Fürst. Wegen angeblicher Beleidigung des Fürsten Pleß, Hans Heinrich XV.. hatte sich Genosse Schiller von der BrcSIaner „Volkswacht" vor der Breslauer Strafkammer zu verantworten. Die „Volkswachl" beschäftigte sich mit der TyphuScpidemie in Altwasser und zog dabei Vergleiche zwischen dem Bad Salzbrunn, das dem es aber die sogenannten organischen Stoffe wie Fette. Slohlenhydrate und besonders Eilvciße, die den Körper der Lebewesen aufbauen. Leider kennen wir zurzeit nur das tote Eilveiß in seiner chemischen Konstitntion, lebendes Eiweiß zu untersuchen. ist uns zurzeit noch unmöglich. Immerhin können wir aus der chemischen Züsammensetzung des toten Eiweiß gewiffe Schlüsse auf die Stoustilulion des lebenden Eiweiß machen. Denn wenn sich auch die lebende Substanz beim Tode in ihrer VerbindungSweise ändert. so sind doch die Stoffe, die die tote Substanz enthält, dieselben, wie wir sie auch in der lebenden Substanz anfsinden: ein prinzi» p i e l l e r Unterschied in der chemischen Zusammensetzung besteht also nicht. Ein gewisser Unterschied zwischen lebender und roter Substanz besteht nun darin, daß elftere ständig sich verändert, während totes Eiweiß lange Zeit imveräudert erhalten werden kann. Die lebendige Substänz zeigt ununterbrochen Stoffwechselerscheiuungen, d. h. sie zersetzt sich unanSgesetzt und baut sich aber von selbst stets wieder neu aus. Diese Stoffwechsel erscheinungen sind die Grundlage des Lebens. Man ver- sucht. sich diesen ständigen Aufbau und Zerfall des lebendigen Protoplasma zu erlläcen, indem man annimmt. daß die Elemente im lebendigen Eiweiß in lockerer Ver- bindung zu einander stehen wie ini toten Eilveiß. Weiterhin wies dann Günther nach, daß auch der Besitz einer individuellen Form nicht eine besondere Eigenschaft der Lebewesen sei, da auch die toten Kristalle eine solche individuelle Form haben, also auch hierin kein prinziellcr Unterschied zivischen lebender und toter Substanz gesucht werden könne. Endlich zeigte der Vortragende, daß es auch nicht möglich sei, die sogeiiaimten LebenSfunktionen wie Bewegung, Fortpflaiizimg, Ernährung und Reizbarkeit als b e- sondere nur bei Organismen auftretende Erscheinungen an- zusehen, da cS möglich sei, den einfachsten Forincn dieser Funktionen ähnliche Erscheimnigen auch in der anorganischen Natur festznsie�len. Theater. Schiller-Theater 0.:„Miß HobbS" von F. K. Jerome. Der auch auf dem deutschen Lesermarkt bekannte englische Humorist hat sich für sein Lustspiel Shakespeares„Zähmung der Wider- spenstigen" zum Vorbild genommen. Von einem Stückchen„Frauenfrage", das darin behandelt sein soll, wie der EiusübrungSartikel im Theaterzettel meint, kann aber keine Rede sein. Wenn es darauf ankommt, in einem Anflug von Satire zu demonstrieren, wie smart erzogene Damen in brav kochende Hausfrauen verwandelt werden, dann wären unsere deutschen Lustspieldichter schon seit den Zeiten de? guten alten Spießbürgers Roderich Benedix ganz ungeheuer„sozial" deukeude Leute gewesen. Von,„Osten" ist der Angestellte einer Weltfirma auf Urlaub gekommen. Als richtiger Engländer kauft er sich gleich eine große Segeljacht. Käum hört er im Hanie seines JugendfrenudeS von einer Miß HobbS, die sich als berierkerhaste Männer- und Ehefeindin aufspielt, so geht er flugS daran, sie zu zähmen und zu belehren. Bei dieser Fürsten Pleß gehört, und dem jenseits eines VergcS_ gelegeneil „Steinertschacht", der zur Wasserversorgung von Altwasser diente und als Ursache der Epidemie zu betrachten ist. Fürst Pleß stellte Strafan.trag, indem er behauptete, in den Betrachtungen als der Urheber der TyphuSepidemie hingestellt und dadurch verächtlich gemacht worden zu sein. Der erste Staatsanwalt i» Breslau lehnte die Erhebling einer Anklage ab, da letzteres aus der„Volkswacht" nicht hervorgehe; auf die � Beschwerde des Fürsten Pleß ordnete indes die Overstaatsanwaltschaft die Erhebung der Anklage an. Der Verteidiger deS Angeklagten wandte sich daraufhin an den Fürsten und schlug ihm einen Ver« gleich vor, wonach die„Volkswacht" bereit sei, ganz besonders fest« zustellen, daß der Typhusschacht den Kulinitzschen Erben und nicht dem Fürsten Pleß gehöre, was ja a u ß e r d cm schon ein jeder in Waldenburg wußte. Der Vergleich wurde abgelehnt. In der Verhandlung beantragte jetzt der Staatsanwalt 400 M. Strafe. Der Verteidiger plädierte für Freisprechung. DaS Urteil aber lautete aus sechs Wochen Gefängnis!!— Zur Be- gründung wurde angesiihrt, daß in anderen Artikeln der„Volts« wacht" vorher und nachher davon die Rede gewesen sei, daß der Steinertschacht den Stulmitzschen Erben gehöre. ES sei also in dem zur Anklage stehenden Artikel wissentlich falsch so dargestellt worden, als sei Fürst Pleß auch Besitzer dieses Schachte». Revision wird selbstverständlich angemeldet. Ter heilige Gchuhmaim. Genosse B a r tz vom Bremerbabener Partciblalt war wegen SchittzmannSbeleidigimg zu 00 M. Geldstrafe verurteilt worden, weil er drastisch den' Auflauf geschildert hatte, de» zwei betrunkene Schutzleute veranlaßt hatten. Mg Industrie und klandel. 35 Proz. Dividende— Kurssturz. An einem Tage erlitten die Attien der Waggonfabrik Gebrüder Hoffmann u. Co. einen Kursrückgang von 30 Proz. Und die Ursache? ES war das Gerücht verbreitet worden, die Dividende für das laufende Jahr werde„nur" 30—35 Proz. betragen. Daß die Waggoufabrikeu so bedeutende Gelvinne abwerfen, ist bezeichnend für die fiskalische LiebeSgabetipolitik. Der Haupilotistiment von Waggons ist der EisenbahnfiskuS. Wer für den Vater Staat liefert, hat gut rupfen. Der Staat zieht die Steuerschraube an, und seine freigebigen Hände schieben reiche Gewinne in die Taschen unserer Prozenlpatrioten._ Die Getreidepreise. Die Entwickelnng der Getreidepreise nahm in diesem Jahre nach den im Großhandel für 1000 Kilogramm an fünfzig der größeren preußischen Marltvrte durchschnittlich in Marl gezahlten Januar. Juli.. August.. September Oktober. Die Spannung der Getreidepreise zwischen dem Monat Januar und Juli ist mit 65 M. bei Weizen am größten. Alsdann folgt Hafer mit einer Preisdifferenz von 34 M.. Roggen, Futtergerste und Braugerste mit einer Spannung von 27 bezto. 9 und 6 M. Die Weizenpreise stehen auch jetzt noch um 13 M. höher als zu Beginn deS Jahres._ Ein neuer Ersatz der Kohle. Sachverständige haben ausgerechnet, daß sich aus den Sümpfen Irlands jährlich 50 Millionen Tonnen Heizstoff tausend Jahre hin» durch gewinnen lassen. Da jetzt eine Erfindung gemacht worden ist, die es mittels elektrischer Vorrichtung ermöglicht, den Torf von anhaftendem Wasser zu befreien und ihn zu einem sehr wertvollen Kohlensurrogat zu machen, soll mit der Ausbeute der Sümpfe nun begonnen werden. Den aller- mindesten Preis angenommen, d. i. ö Schilling die Tonne, würden jährlich 12'/, Millionen Pfund Sterling brutto einkommen, während gegenwärtig Irland jedes Jahr 1 Million Pfund Sterling für eng» losen Schwerenöter beraitS. In den Wortgefechten zwischen Miß HobbS und ihm, Wolfs KingSearl, fliegt nun die ganze„soziale" Anschauung der Angehörigen der Gesellschaft auf. Deren Quint- essenz lautet ungefähr so: Wenn der Mann sich für Frau und Familie geschäftlich plagt und rackert, dann hat mich die Frau die verdammte Pflicht, das HanS zu besorgen. Man sieht schon: eS ist wenig genug, was Mister KingSearl als sein soziales Evangelium betrachtet. Um Miß HobbS zu zähmen, hat er sie durch List auf seine Jacht gelockt. Auf See stellt sich bei ihr der Hunger ein. Und da zwingt sie KingSearl, Feuer zu machen, Kaffee zu kochen und Koteletts zu braten. Hernach am Strande feiert der verliebte Bändiger im Hause seines Freundes fröhliche Verlobung. Eins ist wahr: das Lustspiel ist gespickt mit englischenl Spotthümor. Aber auch zuweilen recht ledern und langweilig. Oder lag das bloß am Spiel? Ansprechendes boten nur Marie Sera(Miß HobbS) und Leopold I w a l d, der den .KingSearl recht leger nach euglischer Art mimte. Dann noch Marie G u>l d r a und Rcinhold K ö st l i n.©. k, Triano n-Theater:„Buridans Esel", von Robert de F l e r ö und G. de Caivallet.- Die neue Komödie der Herreu FlerS und Caivallet bleibt, wie nicht anders zu erwarten, hinter dem Niveau ihres famosen„König" um ein erhebliches zurück. Ein solcher Wurf gelingt nicht so leicht zu zweiten Male. Es fehlt die politische Spitze, ebenio wie die bcrblüffcnde Sicherheit. Aber die drei Akte deS Stückes berpuffen dabei eine Fülle des Witzes, die für mehr als ein Dutzend unserer landesüblichen Lustspiele hingereicht hätte. Um dieses unaufhörlichen Ge- knatters willen, in dem frappante Schnurren und fein ironifierende Bonmots in buntem Wechsel durcheinander klingen, nimmt man die zum Teil unmöglichen Figuren und Voralissetzuugen der Handlung gern mit in Sinus. Durch all die haarsträubenden Verrücktheiten hindurch, die die unverdorbene Naive, Fräulein Micheline, im Wettkampf um die Hand des hübschen Trottels George? BoullainS vollführt, hält die in diesem Ansinnen ein» gegrabene Verspottung weiblich eigensinniger Liebesblindheit doch das Interesse wach. Die Taktik, die ihr galanter, von BoullainS gleich doppelt, als Gatte und Liebhaber Hintergangener Vormund einschlägt, um de» mehrfach verliebten und ewig unentschlosienen Freund zu einer Wahl zu zwingen, ans der dann Micheline als Siegerin hervorgehen soll, überbietet wohl noch die Unmöglichkeiten. Aber die Verdrehtheit schafft hier zugleich dem Uebermut parodierender Laune freien Ellbogenramn. Die Qual der Wahl, in die BoullainS gestürzt wird, ist niit brillantem Schwank» Humor ausgebeutet; den'Gipfelpunkt erreicht die Komik der Persiflage in der Szene, wo der doppelt Betrogene friedsani den gemütlich im Bette liegenden VouillanS seiner Taten überführt, und als VerianneS schadenfroh die endgültige Entscheidung zwischen den beiden Damen bon ihm verlangt; er selber wolle sich dann mit der Ilebrig- bleibcnden begnügen. Die Rollen wurden durchgängig flott und temperamentvoll gespielt. In erster Reihe stand HanS Junker« mann als BoullainS, wie Richard Alexander ein Virtuos im Aus» druck drolliger Verlegenheiten. üt. Ijfdje Koklen zahlen muß. � Dieser Torf soll sehr rauchlos sei», wenig Asche hinterlassen und weniger Rain» beanspruche» als die Kohle, so daß er für Sdnffe, Eisenbahnen usw. vor allem in Be- tracht komnrcn würde. Und ein Fachmann behauptet, die ohnehin schwer zu erschöpfenden irischen Sümpfe würden sich in spätestens einem Jahrhundert wieder erneuern. Vom Welthandel. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ist der Außenhandel Deutschlands gegenüber dem gleichen Abschnitt des Vorjahres um 483 Millionen Mark, der Außenhandel Englands um 42t Millionen Mark und der Außenhandel Frankreichs um 444 Millionen Mark gewachsen. Die Einfuhr und Ausfuhr der drei Länder hat vom t. Januar bis Ende September betragen sin Millionen Mark): Eies-Hr Ausfuhr zusammen In Deutschland ist die Einfuhr um 420 Millionen Mark, die Ausfuhr um ö3 Millionen Mark gestiegen. Englands Einfuhr hat sich um 290 Millionen Mark vermehrt, seine Ausfuhr hingegen um 489 Millionen Mark berniindert. Bei Frankreich zeigt die Einfuhr einen Stückgaug um 79 Millionen Mark, die Ausfuhr eine Zunahme um 223 Millionen Mark. Die deutsche Ausfuhr war um 883 Mill. Mark geringer als die englische und um 1604 Millionen Mark größer UlS die französische Ausfuhr. Soziales* Regelung der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung. Dem Bundesrat soll ein Gesetzentwurf zugegangen sein, der die jetzt geltenden Bestimmungen über die gewerbsmäßige Stellen- verniittelung einer wesentlichen Abänderung unterzieht. Die Er- tcilung der Konzession soll künftig von dem Nachweis abhängig gemacht werden, daß ein Bedürfnis vorliegt. Der Verband deutscher Arbeitsnachweise wünscht in einer an den Reichskanzler gerich- teten Eingabe, daß das Bedürfnis in der Regel dann verneint tverden soll, wenn für die Stellenvermittelung bereits durch öffent- liche gemeinnützige Arbeitsnachweise gesorgt ist. Während jetzt die Gebühren lediglich polizeilich beglaubigt werden müssen, sollen sie künftig einer polizeilichen Genehmigung unterworfen werden. Mit solchen polizeilichen Mittelchen ist dem Unwesen im Stellender- mittelungswesen nicht beizukommen. Gewerkschaftliche oder zum mindesten paritätisch geleitete Arbeitsnachweise, von Reichs wegen eingeführt, allein können hier helfen. Aus dem JnnungSschiedsgcricht. 447,00 M. klagte am Dienstag der Tapezierer F. gegen den Tapezierermeister W. Pietzker ein. Klüger ist am 45. Oktober ent- lassen worden, weil er sich etliche Lohnabzüge bei Akkordarbeiten nicht gefallen ließ. Seine Forderung setzt sich zusammen aus 0,22 M. Lohnabzügen, wovon 4,55 M. anerkannt wurden, einer Entschädigung von 72 M. für den Lohnausfall in der 44tägigen Kündigungsfrist und etwa 05 ML für den ihm aus der unterlaßenen Anmeldung bei der Krankenkasse erwachsenen Schaden. Letzteren Anspruch begründet der Kläger damit, daß sich die Krankenkasse zur Bezahlung von Arzt, Medikamenten und Krankengeld während seiner Krankheit geweigert hat. Nachdem das Schiedsgericht festgestellt hatte, daß Kläger vom 48. bis 25. Oktober krank gewesen ist, wurde der Beklagte zur Zahlung von 40,55 M. verurteilt, und zwar der 4,65 M., die aner. kannt waren, und 6 M. Entschädigung für Sonnabend, den 40 Ok- tober. Mit der Mehrforderung wurde der Kläger abgewiesen, da er vom 48. Oktober ab krank war und der Benagte deshalb zur Läsung des Arbeitsverhältnisses berechtigt gewesen wäre. Zum Ersätze des durch die unterlassene Anmeldung bei der Krankenkasse erwachsenen Schadens sei Beklagter nicht verpflichtet, weil die Krankenkasse auch in solchem Falle zahlen muß.> Die Abweisung des Betrages, den die Krankenkasse zu zahlen verpflichtet ist, entspricht dem Gesetz. Noch sehr weit verbreitet ist der Irrtum bei Arbeitern, eine Kasse habe dann nicht die ihr ob- liegenden Leistungen zu erfüllen, wenn die Anmeldung unterlassen ist. Der Arbeiter gehört infolge seiner Beschäftigung kraft Ge- setzeS der Kasse an, und diese ist zur Leistung, eventuell zum Ersatz für die von ihr verweigerten Leistungen verpflichtet. Eine Schadenersatzforderung steht ihr, nicht dem Arbeiter, wegen der unterlassenen Meldung gegen den Arbeitgeber zu. Jnnungskrankew- lassen haben nach der herrschenden Ansicht dies Ersatzrecht nicht. Der Kläger kann seine Forderung gegen die Kasse noch jetzt geltend machen. Zu Unrecht ist die Abweisung der auf die Zeit nach dem 48. Oktober entfallenden Lohnbeträge erfolgt.§ 423 Ziffer 8 der Gewerbeordnung gibt dem Arbeitgeber das Recht der Entlassung wegen Krankheit, aber die Entlassung tritt nicht kraft Gesetzes ein, sondern mutz ausgesprochen sein. Das traf hier nicht zu. Ueber- dies stand dem Kläger nach Z 040 des Bürgerlichen Gesetzbuches selbst für den Fall ausgesprochener Entlassung der Anspruch für die nur siebentägige Krankheitsdauer zu. Der Kläger läßt das JnnungSschiedSgericht hoffentlich durch das Amtsgericht korrigieren. Kosten des Leipziger AerzteverbandeS für Vertragsbruch. Wie wir schon vor einiger Zeit mitgeteilt haben, sind die Aergte Grabowski, Krenki und Stabiu, die während des Aerzte- streiks in Solingen von der dortigen Allgemeinen Lrtskrankenkasse fest angestellt wurden, plötzlich aber ihre Tätigkeit auf Betreiben des Leipziger AerzteverbandeS einstellten und dadurch die Auf» sichtsbehörde veranlaßten, auch die übrigen beaniteten Aerzte gegen eine Entschädigung von je 3000 M. zu entlassen, weil sonst die Solinger Aerzte ihre Tätigkeit für die Kasse nicht wieder auf- nehmen wollten, in letzter Instanz verurteilt worden, der Kasse die 9000 Mark zu ersetzen. In einer zweiten Klage forderte die Kasse von den drei Aerzten den Ersatz sonstiger Auslagen und Kosten, die ebenfalls durch den Kontraktbruch der fraglichen drei Aerzte notlvendig geworden find, im Gesamtbetrage von 3000 M. In dieser Klag« ist nunmehr, weil einzelne Posten nicht aufzuklären waren, am Landgericht Elberfeld ein Vergleich geschlossen worden, wonach die Beklagten rund 2000 M. zu zahlen haben. Damit ist ein fünfjähriger Prozeß entschieden, der den drei kontraktbrüchigen Aerzten bezw. dem Leipziger Aerzteverband das runde Sümmckien von 11000 M. kostet, wozu noch inehrere tausend Mark Gerichts- und Anwaltsgebühren kommen dürften. Die Fortschritte des Achtstundentages in Oesterreich. Der kürzlich erschienene Bericht über die österreichischen Ge- wcrbeinspektoren für 4908 berichtet u. a. auch über die Fortschritte, die die Bewegung auf Einführung des Achtstundentages gemacht hat. Eine große Zeitungsdruckerei und Vcrlagsanstalt in Wen hat, obwohl in den Buchdruckcreien Wiens tarifmäßig der LSLstündige Arbeitstag besteht, im letzten Jahre wieder die 48stündige Arbeitswoche eingeführt. Ferner hat die Genossenschaft der Kristallglasraffineure in Tiefcnbach(Nordböhmen) in ihren Fabriken den Achtstundentag, eine Geschotzfabrik im Wiener-Neu« stadter Bezirk, ein Elektrizitätswerk in Vorarlberg und eine Emaillegeschirrfabrik im Budweiser Auffichtsbezirk für den kon- tinuierlichen Betrieb die Achtstundenschicht festgesetzt. Schließlich haben auch einzelne Arbeiterkatcgorie», welche"besonders schwere Arbeiten zu verrichten haben, wie die Lastträger auf den Um- schlagplätzcn, sowie jene, an die in bczug auf Qualifikation beson- ders hohe Anforderungen gestellt werden, wie die Lithographen und verwandte Berufe, die achtstündige Arbeitszeit bewilligt erhalten. Auch im übrigen hat, wie die Fabrikinspektoren berichten. „zufolge der Bestrebungen der Arbeiterschaft und deren gewerk- schaftlichen Organisationen" im abgelaufenen Jahr abermals eine Verkürzung der bisher üblichen Arbeitszeit in einer ansehnlichen Reihe von Betrieben, sowohl fabrikmäßigen als auch kleingewerb- lichen Charakters, stattgefunden. Die meisten und bemerkens- ivertcsten Erfolge in dieser Richtung hatte die Arbeiterschaft in den größeren Städten und Industriezentren aufzuweisen. So haben die Schuhmacher von Brcgcnz fte Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit von 14 auf 40, die Maurer einer größeren Stadt und die Arbeiter aller Senseniverke im Berbener Aufsichtsbezirke von 40% auf 40 Stunden und die Zimmerer einer Kreisstadt die 9 jh ständige Arbeitszeit durchgesetzt. I» den Städten Südtirols werden, wie Aufsichtsbeamte von Trient berichten, die im Klein- gelverbe noch bestehenden übermäßig langen Arbeitszeiten nach und nach durch den Zehnstundcntag ersetzt. Durch die Einführung des Sicbenuhrschlusses hat die Arbeitszeit in vielen größeren Handels- geschäften eine namhafte Kürzung erfahren. Für das Krisenjahr sind diese Erfolge besonders bemerkenswert. £kis der frauenbeivegimg. Ans der besseren Gesellschaft. In den„Zeitfragen", der Sonntagsbeilage der„Deutschen Tageszeitniig", iverden den Lesern zuweilen literarische Extragericble vorgesetzt, die sich durch die besondere Würze verschrobener Auf- fassung sowie leichtferligen Urteils auszeickneii. Unter der Ueber- schrift„Mehr Rassenbeivnßtsein" wurde dort(Nr. 44) von Dr. Winter- stein ein Artikel präsentiert, der nicht nur wie eine bewußte Ber- böhnnng der christlichen Ausfassnng von der Gotiähnlichkeit aller Menschen anmiitet, in dem auch die Frauenrechtlerinnen im Ranisch für sexuelle Perversitäten niit all ihren Bcgleiterschciliuugen verant- wortlich gemacht lverden. Der Verfasser ist der„christlichen" Ansicht, daß von de» Ebenbildern Gottes eigentlich nur die Mittel», West- und Nordeuropäer Existenzberechtigung hätten, die Verdrängling und Vernichtung aller übrigen Bewohner der Erde erstrebenswertes Ziel sei. Daß die Neger in Deutschland Paukenschläger werden können, erfüllt ihn mit Grausen, und tief verletzt kein arische? Gemüte, daß Europäerinnen sich in Nichtarier verliebten, teutsche Jungfrauen Liebesbrieflein mit Negerlnäblein austauschen. Und die Ursache des Erfolges schwarzer und gelber Konkurrenz? Dr. Wiiiterslein hat's ergründet:„Noch geringer entwickelt ist das Rassengesübl im deutschen Mutlerlande, und gerade unter den Frauen und Mädchen. Der „Hang zum Manne der niederen Art", wie Dr. Harps in Leoben es treffend nennt, tritt nirgends so erschreckend hervor, als bei uns. Man kann da geradezu von perversen, widernatürlichen Neigungen sprechen. So wirkt daS moderne, durch die Fraiieurechrlerinucn vollends zuchtlos gewordene Weib einer verstäudigen Nasseuwirtschast entgegen." Wir möchten da einfach konstatieren, daß gerade in den so- genannte»„höheren Gesellschaftsschichten" perverse Neigungen zu Hause sind, die moderne Frauenbewegung jedoch hat Selbst- belvußtsein in die Frauengesimiung hineingetragen. Der Verfasser des„Rassenbewußtseins-Arlikels" kann insofern recht bebalten, als die „höheren Töchter", die als Mitlänferinnen bürgerlicher Frauen- gruppen, den Wesensgrund der Beiveguna nicht erfassen. Die ernststrebenden Frauen stehen nicht mehr auf der Stufe des„Hanges zum Manne der niederen Art". Solchen Vorzug überlassen sie neidlos den Damen der exllusiven Gesellschaft, in der die ernste Be- schäftigung mit sozialen und politischen Fragen als unweiblich ver- pönt ist._ Im sechsten Wahlkreis sprach am Dienstag Genossin Zietz in einer öffentlichen Frauenversammlung über„die neueste Ansraubung des Volkes und die Stellung der Frauen dazu". Die Rednerin zeigte, wie schwer das Volk an den Lasten, die ihm durch die Welt- Politik des Reiches, durch den Militarismus und den Marinismus auferlegt werden, zu tragen hat. Für die Sozialgesetz» gebung ließe der Militärinoloch nl-hls übrig. Aber nicht geniig damit, das stehende Heer würde zun» lchliininsten Unterdiückliiigs- instrument gegen die Arbeitermassen auSgcbildet. Das jüngste Bei- spiel biete uns davon daS Mansfelder v'ergrevier. Und aus dem Heere selbst kämen zahlreiche Berichte übcr Mißhandlungen, denen die Söhne des Volkes ausgesetzt seien. Die Aralien könnten diesen Erscheinungen nicht teilnahmlos gegenüberstehen, es seien ihre Söhne, Brüder, Gatten, die leiden und dulden müßten, die man zu Unter» drücken, der Klasse, der sie angehören, heranbilden wolle! Und die Frauen sollten sogar noch helfen, dafür die Kosten zu tragen! Die Teuerung würde größer? zu der Zollpolitik van 1902, die alles verteuerte, was zum Leben notwendig fei, komme jetzt die Reichsfiiianzreform mit ihren Lasten. Die Rednerin be- leuchtete das Zustandekoininen dieser Reform und zeigte die Wirkung der nenen Stenern ans Konsumenten und Produzenten. Lebhaft trat sie für den Branntweinboykott ein und erwartet gerade von den Frauen die beste Hilfe für die Durchführung deS Boykolis, dessen politische Bedeutung sie hervorhob. ' Nach dem mit Beifall aufgenommenen Referat forderte die Vor» sitzende zu Anmeldungen für den Wahlverein auf und konnten nach- her 75 Neliaufnahmen konstatiert werden. Amerikanische Sozialistinnen. In Cincinnati haben unsere Genossen sechs Kandidatinnen für den Schulrat aufgestellt. Wie die„New Uorker Volkszcitnng' mitteilt, ist gerade infolge dieser Beteiligung der Frauen die Wahl- bewegung besonders lebhaft, und die Politiker der alten Parteien wie die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen sind von diesem Auftreten unserer Genossinnen auf dem Kampfplatz unangenehm überrascht. In M i l iv a u k e e, der Hochburg des nordamerikanischen Sozia- lismuS. gehört bereits eine Frau, die Lehrerin Berg er, Schwester unseres bekannten Genossen, dein Schulrat an. « An der New Aorker Frauenuniversität(Barnard College) hat sich ein Klub sozial! st»scher Studentinnen gebildet, der bereits über 40 Mitglieder zählt und eifrig unsere Literatur verbreitet. Vor kurzem hielt der Klub seine erste össent- liche Versammlung ab. In Baltimore war eine Genossin, Anna Smiih-Lang. Kandidatin für den Landtag von Maryland. Zunächst wurden ihrer Aufstellung von der Wahlbehörde Schwierigkeiten gemacht, doch erklärte der Richter sie für zulässig.— In Massachusetts war die Genossin Harriet D o r s n y gar zum Amt eines Staats- sekretärS vorgeschlagen. Sie ist seit vielen Jahren eifrig für die Partei tätig. Außerdem ist sie Mutter von sechs Kinder», von denen zwei Söhne schon erwachsen sind und für ihre Mutter stimmten. Serickts- Leitung. Die einsame Pappel vor Gericht. Am 44. Januar 4908 soll Genosse Ledebour nach Ansicht der Polizei gegen das selig entschlafene preußische Vereinsgesetz ge» frevelt haben. Am genannten Tage hielt unsere Partei bekanntlich in Berlin eine Anzahl von DemonsirationSversaminlnngeit gegen daS preußische Dreiklasscnivahlsystem ab. Eine dieser Versammlungen fand in der Brauerei Königstadr statt. Dort sprach Genosse Ledebour als Referent. Nach Schluß der Versammlung wurde in der Menschen- menge auf der Straße der Ruf laut:„Nach der einsamen Pappel!" Die Menge begab sich nun nach dem historischen Versammlungsort von 4848, der sogenannteit„einsamen Pappel" auf dem Exerzier- platz an der Schönhauser Allee. Ledebour, der mitgegangen war. wurde von einigen Genossen emporgehoben und hielt eine kurze Ansprache, in der er unter Hinweis auf die historischen Eriimernngeil. zu denei, der Ort anregte, der energischen Führung lUlsereS Wahl- rechtökampfeS das Wort redete. Das war die Tat, welche die Polizei, die Hüterin der preußischen Ordnung, nicht ungesühnt lasten mochte.— Am 20. August 1908, also drei Monate nach dem Ende des preußischen VereinSgesetzes, unter der Herrschast deS.liberalen' NeichsvereiuSgesetzes erhielt Genosse Ledebour einen Strafbefchl über 30 M., der ihn beschuldigt: „am 44. Januar 1903 in Berlin(in der verlängerten Schivcd'tec Straße) an einem Auszuge oder an einer öffentlichen Versaininluitg unter freiem Hnnniel, zu welcher die vorgängige schriftliche Genehmigung der Ortspolizeibehörde nicht erteilt war, teilgenommen zu haben und darin ais Redner tätig gewesen zu sei». Vergehen gegen Z 17 Abs. 2, 9 der Verordnung vom 44. März 1850." Gegen diesen Strafbefchl hat Ledebour natürlich Einspruch erhoben. Die gerichtliäie Verhandlung fand gestern vor der 135. Abteilung des Schöffeiigericvts Berlin-Milte statt. Den Tatbestand selbst gab Ledebour zu. Doch bestritt er, daß jene Menichenmenge, die, einer spontanen Eingebung folgend, sich nach der einsamen Pappel begab, als eine Versammlung an- gesehen lverden könne. Ancki von einem„Aufzuge" könne keine Rede tein. Das ganze Ereignis sei rechtlich nicht anders zu be- urteilen, wie jener Vorgang am Abend des 25. Januar 1907, wo nach beendeter Reichstagswahl eine große Menschen- menge vor das Reichskanzlerpalais zog und der da- malige Reichskanzler Fürst Bülow eine Ansprache an die Menge hielt. Ledebour verwies noch darauf, daß bei de» vor- schiedensten Gelegenheiten, bei'pielsweise bei Reisen von Monarchen, Ansprachen aus dem Eisenbahnivagen an die versammelte Menge geHallen wurden, ohne daß solche Vorkommnisse als Verstöße gegen daS preußische VereinSgesctz angesehen worden sind. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte, ohne ein Wort der Begründung zu sagen, die Aufrechterhaltung des Strafbefehls. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Karl Lieb« knecht, führte ans, er hätte gern erfahre», auf welches Gesetz der Slaatsanwalt seinen Antrag stütze. In dem nicht mehr geltenden preußischen Vereinsgesetz habe es ja eine Bestimmung gegeben, wonach jemand bestraft werden könnte, der als Redner' in einer nicht genehmigten Versammlung unter freiem Himmel aufgetreten ist. Das geltende ReichsvereinSgesetz aber bedroht mit Strafe nur die Leiter und Veranstalter von nicht genehmigten Aus- zllgen und Bersaininliingen unter freiein Himmel, sowie Personen, welche bewaffnet an solchen Bersaininlungen teilnehinen. Nach dem Reichsvereinsgesetz könne der Angeklagte, der ja nur als Redner auftrat, nicht bestraft werden, selbst wenn es sich um eine nicht genehmigte Versammlung unter freiem Himmel gehandelt hätte. Jene Ansammlung an der einsamen Pappel lvune aber nicht als Ver» sainmlung angesehen werden. Denn eS fehlten die organisatorischen Voraussetzungen, durch die eine zu bestimmtem Zweck an Bestimmtem Orte zusaniin enkommende Menschenmenge sich als Versammlung kennzeichne. Er beantragte die Freisprechung. Der Vorsitzende verkündete das Urteil des Gerichts dahin: Im vorliegenden Falle handle es sich um eine Vecsaniinluiig unter freiem Himmel und auch um einen Aufzug in, Sinne deS preußi- scheu VereinSgesetzes. ES war eine Menschenmenge zusammen- gekommen zu einem bestimmten Zweck an einem bestnninten Ort, auch die innere Verbindung der Teilnehmer war vorhanden; also alle Voraussetzungen der bisherigen Judikatur waren erfüllt. DaS Gericht schließt sich dieser Judikatur an. Danach kam, es nicht zweifelhaft sein, daß sich der Angeklagte, der als Redner an einer nicht genehmigten Versammlung unter freiem Himmel und gleichzeitig an einein Aufzuge teilgenommen hat. gegen daS preußische BereinSgesetz strafbar gemacht bat. Richtig ist aber der Einwand der Verteidigung, daß das ReichsvereinSgesetz die Handlung deS Angeklagten nicht unter Strafe stellt. Wem, zur Zeit der Handlung und zur Zeit ihrer Aburteilung verschiedene Gesetze bestehen, so muß nach ß 2 des Strafgesetzbuches das mildeste Gesetz angewandt werden. DaS ist in diesem Fall das R e i cki S- Vereinsgesetz. Da dasselbe die Handlung deS Angeklagte« nicht unter©träfe stellt, so hat das Gericht auf Freisprechung erkannt. Nach diesem Urteil deS Gerichts hat sich Fürst Bülow als Reichskanzler zweifellos einer Uebertretung deS preußischen Vereuis» gcsetzeS schuldig gemacht, als er am Abend deS 25. Januar 4907 zu den„patriotischen" Demonstranten sprach, die sich vor seinem Palais versammelt hatten. Fürst Bülow ist, wenn man dem Urteil deS Gerichts folgt, als Redner in einer polizeilich nicht genchinigtei, Versammlung unter freiem Himmel aufgetreten und das zu eines Zeit, wo das preußische VereinSgesctz, welches ja erst l'/e Jahr nach BülowS Rede außer Kraft trat, volle Geltung hatte. Wenn die Polizei das Verhalten des damaligen Reichs- kanzlerS ebenso beurteilt hätte wie sie die Handlung des Genosseil Ledebour beurteilt hat, dann würde Fürst Bülow auch bestraft sein. Denn seiner sofortigen Aburteilung stand die Verfassung nicht eulgegen, da er ja nicht Reichsiagsabgeordiicier war. Weil weder Polizei noch Gericht gegen die Uebertretung deS Fürsten Bülow ein- schritten, so konnte er nicht verurteilt werden. ES ist einer jener kleinen bumorislischen Zivischeiisälle in der Geschichte, daß die Frei- sprechung deS Genossen Ledebour gleichbedeutend ist mit der Verurteilung deS Fürsten Bülow, der sich in der Wahlnacht über die ihm zustehenden StaatSbiirgerrechte ebenso im Irrtum befand, wie sich Genosse Ledebour nach dem Urteil des Gerichts am Tage der WahlrechtSdemonstratioi, über das Maß der ciuein preußischen� Staatsbürger zusleheuden Rechte geirrt hat. Ucbrigens hätte nach dem Gesetze das Gerichtsurteil nicht auf Freisprechung, sondern auf Einstellung deS Verfahrens lauten müssen. Nach Artikel 31 der Neichsverfassung kann kein Mitglied deS Reichstages während der Sitzungsperiode ohne Genehmigung des Reichs- tages zur Untersuchnng gezogen werden. Der polizeiliche Straf- besohl war, da solche Genehmigung nicht eingeholt war, also uu- zulässig._ „Das Bolk" und„nationalliberale Partei". Der Beleid ig u» gSprozeß, welchen der Redakteur der christlichsozialen Zeitung„DaS Volk" in Siegen Otto Beckmann gegen de» Generalsekretär der Nation alliberalen Partei Paul Breithaupt angestrengt halte, fand gestern vor der 2. Sirafkammer des Landgerichts durch einen Vergleich seinen Abschluß. Es handelt sich um einen im„Volk" erschienenen Artikel, welcher scharfe Angriffe gegen die nalionalliberale Partei enthielt. Als Antwort hierauf bezeichnet der Beklagte das Vor- gehen des Klägers in dem Artikel in einer öffentlichen Verhandlung als„Verleumdung". Die Folge war die jetzige Privatklage. Es kam folgender Vergleich zustande: Der Privat- kläger erklärt: Ich habe in dein Artikel des„Volk" nicht behaupten wollen, daß die Leitung der nationalliberalen Partei und die iiationaMbcralen Abgeordneten ihre politische Tätigkeit von den Geldbeträgen der Großindustrie abhängig machen. Der Beklagte erklärt, daß er nunmehr keinen Grund habe, den Vorwurf der Ver- lenmdiing auftechtzuerhalte» und er ihn deshalb zurücknehme. Die gerichtlichen Kosten trägt der Angeklagte, die außergerichtlichen werden gegeneinander aufgehoben._ Das Attentat vor dem Reichsgericht. Leipzig, 24. November. Die Verhandlung gegen den Kaufmavn Grosser wegen deS Attentats im Reichsgericht findet vor dein hiesigen Schwurgericht am 9. Dezember und den folgenden Tagen statt. Die Anklage lautel auf vollendele» oder versuchten Totschlag. Bekanntlich bestehen lebhafte Zweifel an der ZnrechnungSfähigkeit Grosiers, der nach einem ihm»»günstiae» Zivilgerichtsurteil auf einen Richter und den GerichtSschreiber schoß._ Wegen versuchten Mordes verhandelte gestern das Schwurgericht des Landgerichts HI unter Vorsitz des LaiidgerichlsdirekrorS Li e i ch h e l m gegen den 49jährigen Schuhmacher Josef Smola. Der Angeklagte, welcher in Jeslcte in Oeslerreich geboren ist, lernte im Jahre 4900 die Ar- beiterin Anna L o s e r e i t kenne». Er versucht«, mit ihr ein Liebesverhältnis anzuknüpfen; die L. verhielt sich jedoch ablehnend, da sie erfahren hatte, daß Smola schon verheiratet und Familienvater war. Sie gab jedoch auf daS fortgesetzte Drängen deS S. schließlich nach und beide zogen zusanimen. Die L. gab einen Teil ihrer Erspar- nisse zur Einrichtung eines kleinen Geschäfts her. Die Freude dauerte jedoch nicht lauge, da S. seine Geliebte wiederholt schwer miß- handelte. Sie ließ ihn eines TageZ im Stich und nahm eine Stellung an. Auf wiederholtes Birten und Drängen des An- geklagten zog die L. jedoch nach kurzer Zeit wieder zu ihm. Dieses Spiel wiederholte sich nochmals, bis die L. den Entschluß faßte, sich endgültig von Smola loszusagen. Als dieser sah, daß die L. Ernst machte, bedrohte er sie wiederholt damit, daß er sie totschießen werde, wenn sie nicht bei ihm bleibe. Am Morgen des 4. September d. I. lauerte der Augeklagte der L. auf, als diese bei dem Bäckermeister Ebert in Pankow Semmeln holte. Kaum Harle die L. den Laden verlassen, als der Angeklagte einen Schuß auf sie abgab, der aber fehlging. Auf die Hilferufe des Mädchens eilte Eberl herbei, dem der Angeklagte zurief, die L. habe ihm 62 M. und seine Uhr gestohlen. Gleich darauf gab der Angeklagte einen zweiten Schuß ab, der ebenfalls fehl ging. Als dis Losereit in den Laden flüchtete, lief der Angeklagte mit erhobenem Revolver hinter ihr her. In diesem Augenblick wurde ihm von Ebert die Waffe entrisse», ehe er wirkliches Unheil damit anrichten konnte.— Bor Gericht be- hauptete der Angeklagte, daß er gar nicht die Absicht gehabt habe, die L. zu töten oder zu verletzen, er habe sich vielmehr vor ihren Augen das Leben nehmen wollen. Als ihn die L. hieran habe hindern wollen, wären die Schüsse von selbst losgegangen. Der Staatsanwalt trat für Bejahung der Schuldsrage» im Sinne der Anklage ein. während Rechtsamvalt Dr. Max Kantorolvicz ausführte, daß aus den ganzen Aeußerungen, die der Angeklagte vor der Tat gemacht habe, insbesondere aus deni Umstände, daß er kurz vor Abgabe der Schüsse der L. eine Photographie seiner Tochter ausgehändigt hatte, mit dem Auftrage, ihr zu schreiben wenn er tot sei. hervorgehe, daß er lediglich Selbstmord begehen wollte. Die Geschworenen verneinten nach kurzer Beratung sämtliche Schuldsragen. Das Urteil lautete deshalb auf Freisprechung bei sofortiger Haftentlassung. „Hyäne de? Tempelhofcr Feldes" war der Spitzname des.Stukkateurs" Georg Brühl aus Rixdorf, der gestern das Schwurgericht des Landgerichts II bis zum späte» Abend beschäftigte. Die Verhandlung entrollte ein düsteres Bild von dem nächtlichen Treiben auf dem Tempelhofer Felde. Recht grell wurden diese Rachtbildcr in der Scktvurgerichlsverhandlung bc- leuchtet, die seinerzeit sich um die Ermordung der Frau Antonie Gläser drehte. Die Personen dieser Gläser und des Produlteu- händlerS Max Zander, der vom Schwurgericht ivegen Totschlags zu 1ö Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, spielten auch in die jetzige Anklagesache hinein. Der 33 Jahre alte, mehrfach mit Gefängnis vorbestrafte An- geklagte hatte sich wegen räuberischer Erpressung. Diebstahls. Zuhälterei und Rotzucht zu verantworten. Brühl war seit Jahren ständiger Besucher des Tempelhofer Feldes und verkehrte dort viel mit Mädchen und Zuhältern. Er war allgemein als Gewaltsmensch bekannt und gefürchtet. Denn man wußte, daß er stets Revolver, Schlagring und Gummischlauch bei sich führte. Er ging, obwohl er nie arbeitete, stets sehr anständig gekleidet und trug sogar Zylinder und Lackstiefel. Er pflegte des Abends seinen Rundgang auf dem Tempelhofer Felde zu machen. Wenn er einem Mädchen begegnete, verlangte er Geld von ihr. Aus Furcht vor dem gewalttätigen Menschen erreichte er auch mit einer bloßen Drohung seinen Zweck, weigerten sich die Frauenzimmer aber, seinem Verlangen nach- zukoinmen, so wurden sie durch Mißhandlungen dazu gezwungen. Im Jahre ISO? war sein engster Freund der besagte Max Zander, der ebenso wie er auf dem Tempelhofer Felde sein Unwesen trieb und jetzt wegen des Lustmordes an der Antonie Gläser seit dem 26. Juni 1608 im Zuchthause sitzt. Zu den Mädchen, die unter Drohungen und Anwendung von Gewaltmitteln zur Herausgabe von Geld gezwungen wurden, befand sich auch die Gläser. Ihre Hilferufe tiaben schließlich die Festnahnie des rohen Menschen am 20. Juni ISO? veranlaßt. Der Gendarmeriewachtmeister Karnuth hatte das Jammergeschrei der Gläser gehört und mit Hilfe eines berittenen Unteroffiziers die Verfolgung des Angeklagten aufgenommen, der dann in einer am Rande des Tempelhofer Feldes belegenen Schank- ivirtschaft festgenommen wurde. Die unter Ausschluß der Oeffent- lichkeir stattgefnndene Beweisaufnahme soll entsetzliche Bilder sitt- licher Verrohung und zügelloser Brutalität entrollt haben. Einige der Mädchen sind vom Angeklagten braun und blau geschlagen worden, eine wurde mit Füßen und Fäusten so unmenschlich be- handelt, daß sie fast Halbtod auf dem Tempelhofer Felde liegen blieb und erst als die Sonne sie erwärmte, sich mühsam weiter schleppen konnte. Brühl ivar damals der Zuhälter eines Illjährigeii Mädchens, das jetzt in Füisorgeerziehung unter- gebracht ist. Auch sie ist von dem Angeklagte» vielsach in der roheste» Weise mißhandelt Ivorden.— Als der Angeklagte in die Unter» suchungShaft übergeführt war, machten sich Zweifel an seiner Zu» rechnuugsfähigkeit geltend, so daß der Angeklagte aus Autrag des Gerichlsarztes Dr. Marx zur Beobachtung auf sechs Wochen nach der Irrenanstalt Hcrzberge gebracht wurde. Brühl wurde dainals als Geisteskranker erkannt; er wurde im November 1907 aus der Haft entlassen, aber wegen seiner Gemcingefährlichkeit der Polizei zwecks Sicherung übergeben. Er kam dann wieder nach Herzberge. Hier besserte sich sein Zustand so. daß er für hast- und verbandlungSfähig erkannt wurde. Infolge- dessen wurde er am 1. Juni 1908 wiederum in Untersuchungshaft ge- nommen, so daß er mehr als 2 Jahre hindurch teil« in der Irrenanstalt oder in Untersuchungshaft sitzt. Der Angeklagte bestritt im gestrigen Termine die Behauptungen der Anklage und erklärte, von den meisten Vorgängen überhaupt nichts mehr zu wissen. Nach dem Gut» achten des Gerichlsarztes Dr. Marx ist der Angeklagte nicht geistes- krank aber minderwertig. Der Sachverständige hat keine Anhalts- punkte dafür, daß zur Zeit der Tat Z 51 des Ncichsstrafgesetzbuchs Anwendung finden konnte. Dr. Klippstern. Oberarzt in Herz« berge bekundet, daß der Angeklagte zunächst das Bild starker Geistes- Hemmung geboten habe; der Angeklagte sei als minderwertig zu betrachten.— Nach dem Wahrspruch der Geschworene» verurteilte das Gericht den Angeklagten zu fünf Jahren Z u ch t b a u s unter Anrechnung von neun Monaten Unteunchllngshaft, fünf Jahren Ehrverlust und Ueberiveisung an die Landespolizei. SmZegangene DrucKfcKnfreu. Das Stecht. Sammlung von Abhandlungen sür Juristen und Laien, herausgegeben von Dr F. Kodier. Bd. 1.— Die Nechtsfäbigkeit von E. Ehrlich.— Band 2 und 3. Die Beleidigung von M. Liepmann.— Bd. 4. Der Richter von M. Burckhard.— Bd. 5 u 6. Das Recht der Haudluiigsgehilfen von Ba» der Borghl.— Bd. 7. Kunst nnd Stecht von Zl Osler. ieth. Einzelband 1,80 M.— Bttttkammer u. Mühlbrean, Berlin W. 56. Geiuudlieitspslege für Männer und Fronen fenfetts des 40. Lebensjahres von Dr. A. Kronfeld. 1 M., geb. 1,40 M.— Strecker u. Schröter. Stuttgart. DaS Geranium. Ein Märchen von EI sabelh Gnauck-Kühne. Bilder von F. Staffen. IM.— Krüppel-Heil- und Fiirforgevercin Berlin, Am Urban lO/U. LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Diese Wocho Versand-AbieiSuni:: Leipziger Strasse Versand nach ausseihalb erfolgt prompt Soweit Vorrat Im Lichthof: Grosser Schürzen-Verkauf Besonders günstige Einkaufs-Geiegenheit für Weihnachts-Geschenke mit Schleifen- u. Borden-Garnlerungen, In 7 Grössen...... durchweg Farbige Kinderschlirzen Schwarze Kinderschürzen HaUSSChUPZen aus guten Gingham-Stoffen, mit Borden-Besatz.......... mit Achselbändern, gutsitzende Form................ IC IIH 0110 m SehirZiO mit Borden garniert, Ersatz für Hauskleider......... 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Berliner. Hohe Politik. Drianon. Buridans Esel. Itomische Oper. Der polnische Jude. ReneS. Herbst. Der Unbekannte. Kleines. Jugend. Residenz. Gretchen, tebdel. Der Slandal. chiller n itvauuer. Theater.) Miß Hobb«. Ich n, Charlottenburg. Gespenster. Friedrich- SyilkelmftSdt. Schau» spielhaus. Flachsmann als Er- zieher. Westen. Die geschiedene Frau. Thalia. Die ewige Lampe. Luise«. Gib mich frei. Volksopcr. Undine.(Ans. ö'/, Uhr.) gioie. Die Grille. Luftsplelhaus. Der dunkle Punkt. Met»»ol. Halloh ll— Die große Nevue. FolicS Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. S'l, Uhr.) BP,»o. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitälen. Casiuo. Onkel Cohn. Gebr.»Herrufeld- Theatee. So muß inairs machen. Ein Retluugs- mittel. Karl Haverland- Theater. Spe- zialitälen. Walhalla. Spezialitäten. Gastspiel. Die gute Partie.(Ans, b'/. Uhr.) Paii.ige. Spezialitäten Noarks Theater. Othello, der Mohr von Venedig. Palait. Liebchens Trick? Spezlali» täten. Ncichsballen. Stcttiner Sänger. Urania. T>i»»»»»'>>he Im wissenschastlichen Theater: Abends 8 Uhr: Die Tragödie im Tierreich. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Will). Bcrndt: Darwins Lehre(Seleltions- thcorie, L. Teil). Sternwarte. Invaliden llr.»7— lZ2, lOv»nt»x-T'I>vi»t«n. Donnerstag, ö Uhr>' TautrtS der Narr. Freitag, 8 Uhr: Hedda Gabler. Xcnc« Operetten-Theater. Schisfbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: UtO Dudelnack. Operette in 3 Akten von Rudolf Nelson, Schiller Schillep-Thealer 0.(Wallner-Tbeater.) Donnerstag, abendsL Uhr: Uli» Hobbs. Lustspiel in 4 Auszügen von Jerome K. Jerome. Deutsch von W. Wolters. Ende IG/. Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Oer Scliwur der Treue. Sonnabend, a v e u d s 8 Uhr: Miß Hobbs. Theater. Schiller-Theater CharloltenhurB- Donnerstag, abendSSUHr: Oectpenster. Ein Familiendrama in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. Ende Ib Uhr. Freitag, abends 8 Uhr- Wallonsleins Lager. Die Piccolorninl. Sonnabend, abends 8 Uhr: VpaltenstetnB Tod. Berliner Theater. Hohe Politik. Morgen: Hohe Politik. Friedrich-Wilhelmstädtischss Schauspielliaüs. Donnerstag. 25. Novbr., Ans. 8 Uhr: Flachsmml als Erzither. Freitag: Liselott.— Sonnabend nachm. S'/z Uhr: KlndervorsL: Dorn- röschen. 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Heues Theater. Zum erstenmal: SM- In Uittute. Anfang 8 Uhr. Morgen und solgcnde Tage: Herbst.— Der Unbekannte. Tbeater des Westens. 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Mstw., Soimab. 4 u.: Struwwelpeter Sonnt. 3'U II: Ei» BSalzertraum. Lustsplelhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Cwretehen. Groteske in 3 Alten von Davis und Lipschütz. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Borstell»»«. Sonntag, den 28. Nov., nachm. 3 Uhr Kümmere Dich nm Rmclic. Volks-Oper. 3W., Belle-Alliance-Slraße Nr. 7/8. Außer Abonnement: Undine. Ansang'1,9 Uhr. Für die vom Polizeipräsidium verbotenen BuCtags» Veranstaltungen werden an folgenden Tagen die Ersatz- Vorstellungen nachgegeben: 9. Ableilunj a und• und 13. Abteilung b: Sonntag, den 12. Dezember, 3 Uhr; 2. Abteilung d und 12. Abteilung b: Sonntag, i den IS. Mai, 3 Uhr im Residenz-Theater. 1. Abteilung a, b, c: Sonntag, den 17. April, 3 Uhr im Lezslne- Theater. 5. Abteilung o, d und 8. Abteilung a, b: Montag, den 30. Mai, abends 8 Uhr; 6. Abteilung c, d und 7. Abteilung a, b; Mens- 1 tag, den 31. Mai, abends 8 Uhr im Thalia- Theater. Die gelösten Beitragsmarken behalten bis zu diesen Ersatz- Vorstellungen ihre Gültigkeit. Die nhchetten Stücke: Abendabteilungen: Ludwig Fulda: Elll EXCltipCl. h'üchste Siachniittagraserie Im Thalia- Theater' an Stolle der wegen technischer Hindernisse diesmal noch l zurückgestellten Bauernkomödie„Der Dorftyrann" Max Halbes Liebesdrama:«Fü�dld* Schillers Maria Stuart. Maupassants Musette. Esmanns Tater und Sohn. 242/9 Der Vorstand. I. V.; G. Winkl er. Uranta. Wissenschaftliches Theater. Donnerstag, abends 8 Uhr: Fritz niey: Die Tragödie int Tierreicli Hörsaal 8 Uhr: Dr. Wilhelm Berndt: Darwins Lehre(Selek- tionslehro 2. Teil). Luisen-üieater. Meiids 8 Uhr: 61b mich frei. Schanspi«! in 5 Akten nach einer Er« Zählung von H. Courlhs-Mahler von Ernst Ritterseldt. Freitag: Gib mich frei. Sonnabend 4 Uhr: Grog« Kinder- Vorstellung: Tneewittchen. 3 Nhr: Hciinnt.__ CSE-THEATE Fraiitjurtci' Str. 132. Ans. 8 Uhr Ende'/.NU. Bei ausgehou. Zlbonnement: Die«Srille. Ländliches Edarakterbild iu S Alien von Charlotte Birch-Pseiffer. Freitag: Der Huttenbeiltzer. besten Svuunandantenstr. 57. T. A. 4, 5088. Der größte Qerrnfeld- Erfolg! »So muß men's machen" Burlesk« mit Gesang in zwei Alien, Musik von L. 3 tal. mit den Autoreu Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrolle».— Hierzu: Ein Kettunxsmittel Komödie in 1 Alt von Ludwig Huna. Ansang 3 Ahr. Borverkaus 11—2 Uhr Theaterkasse. T rianon»Theater. AbendS 8 Uhr: Kuridans Glel« W.�foacUs Theater vriliin-iiin 16, am Ziosenihaler Tor. Letzte Wochent.igSaufsührung! OtbeN« der Mohr von Venedig;. Othello: Franz Ältrrker. treitag: Die goldene Eva. onnabend: Die Grille. t- Alt-Moabit 47/48. Donnerstag, den 28. Ho?eiDber: Zun» ersten Male: Das alle Ked. Schauspiel in drei Auszügen von Felix Philipp,. l reue erstklassige-g O Spezialitäten Schlager auf Schlager! Ansang 8 Ubr. SfV' Letzte Mache bei» kolossalen Programms, u. a.: Tolinvvabohu, Burleske, Contmelo Fornarina, die Phänomene Wynne Brothera. 10 Uhr: 10 Uhr: Eine Haremsnacht. Grotesk« in 1 Akt. Eine Bevue der Schönheit, Grazie»■ o. Humors! Anne Dancrey. Bernh. Mörbitz. Lalla Selbini. Horace Goldin. Sisters Harvey und eine Reibe aa.erle.cner Kunstkräfte. Metropol-Theater Hallo!!! Die grolie Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schnitz. Anfaog 8 Uhr. Rauchen gestattet. [ Passage-Theater.; < Abends 8 Uhr: Da. ffrofiartlgo l 1 Variete-Programm» i de« neuen sroSenp Yarieli-Teils. Ferner lO neue DebUts. Forner: | Henry Bender in der tollen Burleske| Der süße Doktor. Passage-Panoptiküm, NeciImReiehe des Kfifligs Aqua. Geheimnisse der Waesertiefe. Plastische Riesendieramen. Du« lebende Skelett. Daw nnntoiu. RAt.ci. Die Traummalerin. AtrA, die schweb. Jungfrau Tambnrltza- Itriirantos. Panophon- Vortrüge. Alles ehne Extra-Entree! Casino-Theater Lothringer Strasie 87. Täglich 8 Uhr bis Donnerzlag. den 2. Dezember: Gnkel Cohn. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, den 23. Novbr., abends 7-/z Uhr präzise: Grolie Galavorstelinns. 9'/, Uhr; Zum 75. Maie: Farmerleben. Vorher: Die Glevelands! Patty-Frank-Truitpe! Hr. Burkhardt-Foottil, Schulreit. Hr. Ernst Sehumann, Neudress., Frl. Wardia Beketow, Sohulreit., usw. usw. Achtung;! Sonntag. 28. Nov., nachmittags S'/j Uhr: py Farmerleben!-MW DW ohne Kürzung!!"MM Palast-Theater. Direktion: Robert Dill£ Karl Birnau. Burgstrabe 24, am Balmhos Börse. Täglich: Die erstklassigen November- Spezialitäten. Fikbchetts Trick? mit Direktor Rod. Dill in der SauPtgesangSpartie. Anfang>/,S Uhr. En!r. 50 Pf. bis 2 M. DV PorzugSkarte» überall zu haben.__ Polles Caprice. Premiere Sicher ist sicher. Schwank von Satyr. Uener bunter Teil. Ser Zffaim meiner Jrau. Posse von Satyr. Anfang 81/, Jttzr. DoimerStag, deu 25. Sloacmber, Große Voi-Htellmig mit neuem Programm. Debüt Debüt beä Amerikaners Mntr. Viblo in.{einen konrersierenden Papageien Cokoo und Laura, in dieser Vollendung noch nicht dagelvesen. Um 9 Uhr Ende ca. 11 Uhr die große Feerie: Die drei RiYaien oderDasmiisteriöse Schloß in der Stormandie phantasiische Feerie in 5 Alien. Hervorzuheben: Das Heohzeitstest u. die ieenhalte SchluSapotheose. Sonntag 2 Borsiellunge». S'/a Uhr 1 Kind frei, weitere Kinder halbe Preise. m alhalla Variete-Theater Reichsballen-Tbeater. Stettiner Sänger Mey.el, Itritton, Schräder usw. Ansang: Wochent. 8 Uhr. SonniagS 7 Uhr. Artusiiof(Moabit) Perleberg«? Straße 25. Gastspiel desVoigt-Tiieatoi'-Enscmbles Donnerstag, den 25. November: Die schöne Ungarin. Vollsstück mit Aesang in vier Akten von MaunstädL Kassciicrössnuiig 7 Nhr. Anfang 8 Ubr. 1We!nbergs»»sg 19-20, ResenthTer. I Ans. 8 Uhr. Die grosiartlgen| Novcmber-Spezialikiiteu. Im Tunnel: Regiinentskapelle. Theaterbesuchern srcier ttiutritt. Ssnssuuvi, ST Direktion Wilhelm Reimer Heute Donnerstag: Sicues Programm. IM-Mm Ä'chen DÜll Mittichtiltr Märchettspitle. Gastspiel-Tlieater Köpcnicler Slrage 67/68. Heule und folgende Tage: Der Zaubertessel. _'Ansang 8 Uhr_ Jubelnder Beifall! Die Schlager der Saison: Der Geldluchs und D.7rempeter v. Säkkingen. Bcg.Tonnt. 5,lvoch.8Uhr. Morgen Freitag:'Theaterabend: Im(vnfC Roblesse, Spiybubenkom. Hönigstadt-Ka.ino. Holzmarktstrabe 72. Täglich: Kenzert, Theater- und Spezialitäten- Vorstellung mit Franz Sobanski. Olga l.ey, Musik. Komödianten Carmanelli Kurt Werther, EmmyGalottl, Rockowsky- Ouo Gast. Burg Truppe Juhasz (4 Personen, l Foxterrier) usw. Prinz Wetdelin, tSejaiigsp.v. Klein. Humpsii- Bumpsti Sonntag nachmittag: Gr. VorsteSSung zu kleinen Proisen. S'/jUlir; Ein Kind frei! Achtung! 20313* Sumatra UoUblatt dritte Länge, hochfeiner Brand und Qualität per Pfd. M. 2,60. Hamburger Roh(aliak-8aus Filiale; Berlin N. Brnnuenstraße 100. vsr /engen WOrtferMenf'/T/t'• nie/c/vnggr3//su. franko dr't ffroschuro _ tffirke nscA'Mi »mJ/rg. Cortfr. Reicftetf i wQ! Ezrht- f~, /rtedTreAs/r \ A Fllr alle Welt, die sich die nicht mehr zu Dberbietenda coulantc Art der Waren-Kredit-Qawährung des ganz kolossalen neu eröffneten Kaufhaus auf Kredit „FOr alle Welt" SdiSneber� Hauptstr. 19 direkt a Kaiser-Wilhelm-Platz, d. alt Rathaue gegenüber zu Nutze machen, zur gel ästigen Kennt« nis, dass wir mit unserer allgemeinen für Jung und Alt, für Gross und Klein bereits begonnen haben. Wir sind nicht Freunde von vielen Worten; wir laden das verehrte Publikum nur höflichst zum Besuche und zur Besichtigung unseres Betriebes ein; eine Verpflichtung zu irgend einem Kaufe ist damit durchaus nicht verbunden Für alle Welt'Äi/K Herren-, Damen-, Kindef-Bekleidüiis Pelzwaren, Steppdecken, Teppiche, Gardinen u. dpi. m. Möbel(einzelne Stücke] In allen Holzarten Lieferung vollständicer Wohnunnseinrichtungen etc. etc. Gpfisste Ausnrahl in allen Abteilungen« Jeder, ob ledig oder veriieiralet. ob Dame oder Herr, «rhSli Kredit unter aller, allerbcquemslen AbZahlungsbedingungen! BW Unsere werten Kunden werden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, unsere Annoncen, ganz gleich, In welcher Zeitung selche erschienen sind, zu sammeln und aufzubewahren!"Mm AnffclSrung später I Am Montag 9'/» Uhr verschied an Limgeiilcidcn mein lieber Mann, unser guter Bater, der Droschleu- sllhrcr Ulbert Koslce. Die Beerdigung sindct am Sonntag, den 23. d. M., nach- mittaas 3'/- Uhr, von der Leichen- Halle der Freireligiösen Gemeinde, Papvelallee, aus statt Dies zeigen liesbctrübt an HVitwc Berta Rosko nebst Kindern. Zentr.-Kranken- o. Steruekasse§ d.deutsch.Wagenbaaer Berlin II Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Franz Handzewsky verstorben ist. Ehre seinem Nndeuke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, 25.November, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des AirchdosS der katholischen Gemeinde in Wilhelmsbcrg aus statt. Die Drlsverwaitung Berlin II. TanksagunF. Für die vielen Beweise ahme sowie die zahlreiche, der Teil« nähme sowie die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres gute» Vaters Karl BUckcr sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, den Sängern für den er« hebenden Gelang, als auch den Ge« »ossen des VI. Berliner WahIkiciscS unseren herzlichsten Dank. 2599b Ww. Anna Bäcker nebst Töchtern. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—.!. 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— i. 4i Hygienische -- Bedarfsartikel. Katalog flX Jjm»,«hl. viel. Aerzte u.Prot. grat. u-a H. Dnger, Ooirlweifctilira Barl'l» KW- Friednch«"-a»«'' ill/39 Freitag, den 3. Dezember, zum erstenmal: Der Obergauner. 4 Uhr: Kamille Klinkert. a � � Berantwortllcher' Redalteur Richard Barth. Berlin. Für den gnseratenteil verantw Ttz.AIode. Berlin. Druck u. Verlag tvorwärt»«uchdruckerei u. BersazSanstult Paul Singer Li Co.. Berlin SW. Teppich«, Gar- TwB3?iIE3 dinen. Portieren, Anzahlung BildCPrhr6>c,;.iese,i Auf Teilzahlung, L MlülTnOP«Augusfstr. 50. . IfialAlICl, Nur Karten erbet. teppdeeken Speiialhaus Emil Lefhvre Befiiü,0ranienstr.l58 Siiisei'?!0*:6; blau, oliv....' 0 auf beid. Seit, benutzbar 11,£5 Wallas...., PW lÄcleelW WoiiclaaimilPVä Ein Posten echte an ninft Kamelhaardecken 111-/4 Mein neuer bracht-Katalog Abbifd�genPtis q. Iraiikfl. Nr. 275. 26. Jahrgang. 2, Stilm des Jnitärtä" 6 Donnerstag, 25. November 1909. Partei- �ngelegenkeiten. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 23. NovemKer, abends 6 Uhr, im Sale von Rabe, Fichtestrahe 2S: gemütliches Beisammensein. Vortrag des Genossen Dr. Plehner. Nachdem: Tanz usw. Um recht zahlreichen Besuch bitten Die Abteilungsfiihrcr. Lichtenberg. Ans zur AgitationI Die wegen der Stadt- derordnetemvabl verschobene Verbreitung der Extranummcr de» „Vorwärts" findet Freitagab e n d von" den bekannten Stellen aus statt. Die Einholung der Abonnementslartcn ist Sonntag früh. Schöneberg. Der erste Lichtbilder-Vortrag:.Die Entwicke- l il n g des Mensche n" findet am Mittwoch, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, in de» Neuen Rathaussälen, Meininger Strohe 3 statt. Billcts zum Preise von 60 Pfennigen, die zur Teilnahme an allen sechs Vorträgen berechtigen, sind bei den Bezirksführern und in der Spedition, Martin-Lutherstr. 51 zu haben. Die Genossen wollen hiervon regen Gebrauch machen. Der Vorstand. Martendorf. Infolge verspäteter Zustellung des Materials findet die„Vorwärls"-Agitation heute abend 7 Uhr von den Bezirks» lokalen statt. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Frcdersdorf-Petershagc». Da der Gastwirt Max Girke, Freders- darf, sein Lokal der Arbeiterschaft nicht niehr zur Verfüguug stellt, findet ziveckS Aussprache heute abend 8'/» Uhr im Lokale von Otto Giese, Petershagen, ein Exlrazahlabend statt. � i Berliner JVacbrlcbten� Tie Pflichtforibildnngsschule Berlins hatte im Schuljahr 1907/08 mit der Einschulung des dritten Jahr- ganges ihren Aufbau beendet. Im Schuljahr 1908/09, aus dem jetzt der Bericht der Fortbildungsschuldeputation vorliegt, ist sie nun in einen gewissen Beharrungszustand getreten. Die Gesamt- zahl der Pflichtfortbildungsschüler hat sich diesmal nicht mehr nennenswert vermehrt; der Bericht sagt:„namentlich unter dem Einfluß des weiteren Niederganges der gewerblichen Konjunktur, der eine Einschränkung der Zahl der in den kaufmännischen und gewerblichen Betrieben beschäftigten Personen «ach sich zieht". Im Winter 1908/09 gehörten zur Unterstufe 12104 Schüler, zur Mittelstufe 10 902, zur Oberstufe 7386, so daß die Gesamtzahl der Pflichtsortbildungsschüler sich auf 30 392 belief. Gegenüber dem Winter 1907/08, wo 23 662 Schüler gezählt wurden, ist eine Vermehrung um nur noch 1730 Schüler eingetreten. DaS ist wenig, wenn man erwägt, daß inzwischen auch für die vorübergehend Beschäftigungslosen die Verpflichtung zum Weiter- besuch der Fortbildungsschule eingeführt worden ist. Die Schüler- zahl hat in der Unterstufe sich sogar vermindert, um 393; dafür hat sie in der Mittelstufe um 685 und in der Oberstufe um 1538 sich vermehrt. Mittel- und Oberstufe haben wohl meist durch Auf- rücken ihren Zuwachs erhalten; die Unterstufe ist lediglich auf Neu- aufnahmen angewiesen, und hier hat dann die Wirkung der Wirt- jchaftskrise in voller Deutlichkeit sich zeigen können. An der Gesamtzahl 30 392 des Winters 1908/09 waren die «inzelnen Berufsgruppen so beteiligt: Baugewerbe mit 2446 Schülern, Metallarbeiter mit 6855, Kunstgewerbe mit 2702, Bc- kleidungsgewerbe mit 935, Nahrungsmittelgewerbe mit 1255, Bar- biere und Friseure mit 455, Kaufleute mit 4842, ungelernte Ar- beiter mit 10 492, sonstige Gewerbe mit 410. Diesmal ergibt sich beim Baugewerbe ein Minus von reichlich 600. beim Kunstgewerbe ein Minus von 200. Alle anderen Gruppen haben ein Plus, das stärkste(ziemlich 1400) die ungelernten Arbeiter, bei denen sonst in besonders großer Zahl die Beschäftigungslosen dem Unterricht fernzubleiben pflegten. Ueber den Unterrichtserfolg sagt der Bericht:„In dem Maße, wie sich Arbeitgeber und Schüler an die Einrichtung der Pflichtfortbildungsschule gewöhnen und die Widerstände schwin- den, die sich in der ersten Zeit geltend machten, wachsen auch die Unterrichtserfolge der Schule. Die Schüler bringen dem Unter- richtsstoff, der der Praxis ihres Berufs entnommen wird, ein er- höhtes Interesse entgegen." In den Lehrlingsklassen seien daher die Unterrichtserfolge fast durchgehends günstig. Nicht so günstig seien sie aber bei den ungelernten Arbeitern; ihnen habe der in dem wirtschaftlichen Niedergang begründete Arbeitsmangel einen häufigen Wechsel der Arbeitsstelle und damit auch der Schule gebracht, so daß gleichmäßige Förderung und Beeinflussung dieser Schüler vielfach nicht erzielt werden konnte. Die„Widerstände" sind bekanntlich größer bei den Ar- b e i t g e b e r n als bei den jungen Arbeitern. Um die Arbeitgeber mit der Pflichtfortbildungsschule möglichst auszusöhnen, kommt der Magistrat ihnen in jeder Weise entgegen. Mit Rücksicht auf die Arbeitgeber wird z. B. die Unterrichtszeit vielfach b i s 8 Uhr abends ausgedehnt. Als kürzlich in der Stadtverord- netenversammlung die sozialdemokratische Fraktion ihre Forderung erneuerte, daß nicht über 7 Uhr hinaus unterrichtet werde, wurde von einem Vertreter der Unternehmer geantwortet, dann könne man schwer alle 6 Unterrichtsstunden der Woche auf einen einzigen Tag legen. Jetzt lesen wir in dem Bericht der Fortbildungsschul- deputation. den vielfachen Wünschen der Innungen entsprechend sei Zusammenlegung des Unterrichts auf einen Tag versuchsweise genehmigt worden. eS seien„indessen gegen diese Einrichtung doch erhebliche, namentlich pädagogische Bedenken laut geworden", so daß die Deputation, wenn sie auch den Versuch noch fortsetze, weitere Ausdehnung vorläufig nicht mehr gestatten wolle. Wir fürchten nur, daß pädagogische Bedenken, die der Deputation aufsteigen, dem Magistrat und der freisinnigen Stadtverordneten- mehrheit nicht imponieren werden, wenn Unternehmer- interessen in Frage kommen. Stadtverordneten-Stichwahl im 2. Kommniiiilwahlbezirk dritter Abteilung. Die gestrige Stichwahl fand unter außerordentlich starker Beteiligung statt und hatte folgendes Ergebnis: Es erhielten: Hotelbesitzer Leis(?l. L) 911 Stimmen, Schriftstelle'' v. Gerlach(D-mokr. Vgg.) 71 2 Stimmen. Somit ist Hotelbesitzer Leis(?(. L.) gewählt. Bei der Wahl am 3. November wurden abgegeben: für Rechtsanwalt Ulrich(Bnrgerpartei) 176, Hotelbesitzer Leis(A. L.) 409. Schriftsteller v. Gerlach 306 und Gürtler Stolzenburg(Soz.) 217 Stimmen. Die Beteiligung war erheblich stärker als bei der Haupt» Wahl. Die Ansisemiten waren eifrig für Leis täsig. DaS Arbeitshaus als Mittel gegen den Notstand. Das Arbeitshaus der Stadt Berlin hatte im Etatsjahr 1907/03 eine Frequenzvenninderung gehabt. Sie ist leider nur vorübergehend gewesen, das EtatSjabr 1908/09 hat eine um so beträchtlichere Steigerung der Frequenz gebrocht. Es war zu erwarten, daß Arbeitslosigkeit und Notstand wieder mal diese Wirkung haben würden. Im „Vorwärts" wurde bereits vor Jahresfrist darauf hingewiesen, daß in Kürze dieser unerfreuliche Umschwung eintreten werde und dem Arbeitshaus Ivieder eine Hochflut bevorstehe. Für das Arbeitshaus hatte das Etatsjahr 1907/08 am 31. März 1908 abgeschlossen mit einem Bestand von 1385 Korrigenden. 1349 männlichen und 36 weiblichen. Im Lauf des Etatsjahres 1908,99 kanien in Zugang 1428 männliche, 102 weibliche, zusammen 1530 Korrigenden, in Abgang 1149 männliche, 55 weibliche, zu- sammcn 1204 Korrigenden. Mithin blieb zum Schlüsse des Etats- jahres, am 31. März 1909, ein Bestand von 1628 männlichen, 83 weihlichen, zusammen 1711 Korrigenden, das sind uiu 279 männliche, 47 w eibliche, zusammen 326Korrigen den nicht als i m vorhergehenden Jahre. Der Verivaltungs- bericht für 1908/99, der jetzt vorliegt, benutzt zur Bergleichung dep Abschluß nicht von 1907/08, sondern von— 1906/07. Das Verfahren ist nngewvhnlich, aber es hat die Wirkung, die inzwischen eingetretene Frequenzsteigerung minder groß erscheinen zu lassen. ES ist sehr lehrreich, zu prüfen, aus welchen Gründen d-m Arbeitshaus das Mehr gekommen ist. Zu unlerscheiden ist hierbei in Neuaufnahmen und Wiederzuführnngen(nach Krankenhaus- aufenthalt oder Fluchtversuch), für den Einfluß des Notstandes ans die Arbeitshausfrequenz interessieren natürlich nur die N e u a u f- nahmen. In 1908/09 waren an dem gesamten Zugang die Neu- aufnahmen beteiligt mit 1282 männlichen, 99 weiblichen, zusammen 1381 Korrigenden. Da in 1907/08 nur 1074 männliche, 33 weibliche, zusammen 1107 Korrigenden neu auf- genommen worden waren, so ergibt sich für 1908/09 ein Mehr v o n 203 m ännlich en. 66 weiblichen, zusammen 274 Korrigenden, Bei den Neuaufnahmen weiblicher Korrigenden mag ein Zufall mitsprechen, der bei der Kleinheit der Zahlen sich besonders stark geltend machen kann. Dagegen gibt eS zu denken, daß die Neuausnahmen männlicher Korrigenden vom vorletzten zum letzten Jahr sich um 20Prozent gemehrt haben. Woraus diese erschreckende Zunahme zu erklären ist, das sehen wir, wenn wir für die beiden letzten Jahre die G r ü n d e der Ueberweisung betrachten. Sie waren in 1908/09 beziehungs- weise in 1907/98 bei den Männern: 11(9) mal Landstreichen, 655(593) mal Betteln, 567(441) nial Obdachlosigkeit, 49 (40) mal Zuhälterei; bei den Frauen: 7(1) mal Betteln, 61(22) mal Gewerbsunzucht, 31(10) mal Obdachlosigkeit. AuS diesen Zahlen wird erkennbar, daß an dem Mehr der Verurteilungen zum Arbeitshaus die Obdachlosigkeit noch sehr viel stärker als die Bettelei beteiligt ist. Bei den Männern nahmen zu die Ueberweisungen Ivegen Bettelei von 593 um 62 auf 655, d. h. um etwas mehr als 19 Proz., dagegen die Ueber- Weisungen wegen Obdachlosigleit von 441 um 126 auf 567, d. h. um ziemlich 29 Proz. Das Verdienst, eine schärfereVerfolgung derObdach- losen veranlaßt zu haben, kommt bekanntlich dem Stadtrat F i s ch b e ck zu. Dieser„einzige Sozialpolitiker" im Magistrats kolleginm wacht auch sehr eifersüchtig darüber, daß der„Ruhm", das Obdach durch seine vor mehreren Jahren durchgeführten„Reformen geleert zu haben, ihm nicht streitig gemacht wird. Im letzten Jahre aber ist er ihm doch ein wenig geschmälert worden: das bequeme Mittel, durch Ueberweisungen Obdachloser an das Arbeitshaus deren Andrang zum Obdach zu wehren, hat gegenüber der Größe des Notstandes versagt. DaS Arbeitshaus hat sich gefüllt, und dennoch ist daS Obdach nicht leer geivorden. Der Bock alS Jrrcnhausgärtner. Die soeben herausgegebene neueste Nummer der in Heidelberg erscheinenden„Zeitschrift des Bundes für Jrrenrechts-Reform und Jrrenfürsorge"(Psychiatrische Gruppe des Allgemeinen Deutschen Kulturbundes) enthält in einem längeren Aufsatz über Mißstände bei Entmündigungen von Irren- Hauspatienten die folgenden höchst erbaulichen Schlußbemerkungen: „Verfährt das Richterkollegium allzu schablonenmäßig und ohne tieferes lfaigehen auf die Individualität des zu Ent- mllndigenden, so steht auf der anderen Seite neben der verknöchertsten Doktrin leider auch die mitunter für die hochnotpeinliche wirtschaftliche Halsabichneiderei höchst ungeeignete Persönlichkeit des Psychiaters. Wir möchten hier aus der Fülle des Materials einen Jrrenhausdircktor herausgreifen, der seit Jahren in eingeweihten Kreisen als schwerer Rotator bekannt ist. Schon in seiner früheren Stellung als Oberarzt hat er sich bei den seinem Schutze anvertranten Kranken unendlich oft zum Gespött gemacht. Es war und ist gar nichts Seltenes, daß dieser Maua, der ja zweifellos ein grundgelehrter Psychiater ist, betrunle» oder mindestens stark angetrunkeu auf die Stationen kommt und in diesem Zustande wichtigste Anordnungen trifft, die er am nächsten Tage nüchtern widerruft. Welche ungeheure Gefahr liegt da vor, daß Palienien, die der weiteren Anstalispflege dringend bedürsrig sind, entlassen werden, während man andere, die längst an die Freihcilslust gehören, festhält I... Solchen Psychiatern, deren eigene geistige Normalität stark angezweifelt werden muß. werden alljährlich Tausende von Menschenleben anvertraut...." Gemeint ist offenbar derselbe in leitender Stellung befindliche Irrenarzt, über den genau gleiche Klagen im Laufe der letzten Jahre auch uns von zahlreichen Seiten zugegangen sind. Wir haben anfangs die Sache nicht recht glauben wollen, können uns aber bei der Menge der durchweg gleichartigen Beschwerden, die uns keineswegs von entlassenen Geisteskranken unterbreitet wurden, nicht der Ansicht verschließen, daß etwas Wahres daran sein muß. Sache der städtischen Verwaltung muß es sein, der Angelegenheit nachzugehen und eventuell für Remedur zu sorgen. Märchenvorlesnng. Am Tage der Eröffnung der Aus- stclliliig empfehlenswerter Jugendschriften, Sonntag, den 5. Dezember, wird Frau Johauua Meyer im großen Saale des Gcwerkschaftshauses eine Märchenvorlesung mit Lichtbildern veranstalten. Vorher wird Heinrich Schulz einige einleitende Worte über Grimm sprechen. Der Saal wird um 2'/z Uhr geöffnet, Anfang 3 Uhr. Schulpflichtige Kinder haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen 30 Pf. Die Begleitung der Kinder durch Erwachsene ist nicht erforderlich, da die nötigen Anssichts- Personen durch den Verein für Frauen und Mädchen der arbeitenden Klasse gestellt werden. Der gesteru früh eingetretene Schneefall hat, obwohl er nicht so bedeutend war wie der Schneesturm am Bußtag, doch■ erhebliche Verkehrsstörungen herbeigeführt. Diese Störungen! wurden um so unangenehmer empfunden, als auch der, Geschäftsverkehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Jin Be- � triebe der Straßenbahnen und Omnibusse traten ausgedehnte Störungen ein, die zur Folge hatten, daß das Geschäftspersonal gestern früh fast überall mit erheblicher Verspätung eintraf. Besonders schwer litt durch den Schneefall der Privatjuhr- verkehr, und die Pferde waren kaum imstande, die Lasten vorwärts, zu bringen. Allenthalben blieben Geschäfts- und Arbeitswagen stecken, und hauptsächlich an den Brücken- rampen kam es dadurch zu erheblichen Störungen. Um die Fuhrwerke von den Straßen fortzuschaffen, war es in zahl- reichen Fällen notwendig, Vorsvannpferde herbeizuschaffen. Audi eine Reihe von Unfällen haben sich ereignet. Auf Fahr- dämmen und Bürgersteigen herrschte infolge des Schnees eine für die Passanten recht gefährliche Glätte. Vielfach stürzten Fußgänger und in mehreren Fällen zogen sich die Ver- ungtückten Verstauchungen und Knochenbrüche zu. Die Ticfbaudcpiitatio» beschloß in ihrer Sitzung vom 24. November, im Interesse der Bekämpfung des Mißbrauchs alkoholischer Getränke für die allgemeinen Vertragsbedingungen eine Bestimmung vor- zuschlagen, daß die mit städtischen Arbeiten beauftragten � Unternehmer an Arbeitsstellen, an denen mehr als zehn Arbeiter beschäftigt sind, diesen die Möglichkeit, Wasser zu kochen, zu gewäbren. Der mit 120 000 M. abschließende Entwurf für die Verbreiterung der Schillingbrücke wurde vorgelegt und genehmigt. Er nimmt Be- dacht darauf, daß bei der Verbreiterung die Stirnfläche des alten Bauwerkes möglichst wenig verdeckt werde. Aus diesem Grunde sind die Längsträger so hoch gelegt, daß sie als Geländer ausgebildet werden konnten. Vorgelegt und genehmigt tvurde auch der mit 100 000 M. ab- schließende Entwurf für eine Fußgängerbrücke im Zuge der Greifenhagener Straße. Die Brücke überschreitet den Bahneinschnitt in einer einzigen Spannung von 42 Meter ohne Zwischenpfeiler. Die Tragekonstruktion liegt unterhalb der Brücke. Zur Förderung der Berliner Gobelintechuik hat die Kunst- deputation beschlossen, der hiesigen Firma Ziesch u. Co. die Be- spannung einer Wand im Bibliothelsaale des Berliner Rathauses aufzutragen. Die städtische Parkdeputation beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit der Aufstellung de« Etats. Bevor tu die Beratung des- selben eingetreten, wurde beschlossen, die Positionen Arbeiterlöhne und Arbeitszeit in einer besonderen Sitzung zu beraten. Es sollen in den Etat 2000 M. mehr eingestellt werden behufs Beschaffung eines weiteren Aufenthaltsraumes auf dem WirlschaftShos im Friedrichshain. Der Etat schließt ab im Ordiuarium nfit 1 299 120 M., im Extraordinarium mit 577 620 M., gegen das Vorjahr mit einem Mehr von rund 194 000 M. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Arbeiterentlassungen und über die geringen Mittel, die den einzelnen Reviervorstäuden zur Verfügung sieben. Die weitere Debatte über diese Angelegenheit wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. Dem Oekonomen der Erfrischungshalle im Treptower Park wird der Pachtvertrag auf weitere drei Jahre ver» längert mit der Einsckränkuug, die Fischerei nur noch 1 Jahr zu be- treiben. Aus dem Baltenplatz und dein Schleideuplatz sollen durch Anpflanzen sckiaitiger Bäume und Ausstellen von Bänken schattige Ruheplätze geschaffen werden. Zur Warnung Arbeitsloser teilt uns ein Gastwirt aus der Gleim- straße mit:„Gegen'/�8 Uhr morgens kommt ein Herr in Arbeiter- kleidung mit dunkelblondem Bart, grauer Joppe und Mütze in mein Lokal und erzählt mir, daß er vom„Berliner Theater" aus einen Arbeiter holen soll, der als Bühnenarbeiter Anstellung erhalten solle. Ein in Aussicht Genommener habe aber gerade gestern Arbeit ge- funden und man schicke ibn zu mir, weil hier auch Arbeitslose ver« kehrten. Zufällig denke ich an einen älteren Herrn W., der bei den Steinsetzern schwer arbeilen muß und schicke den Mann zu dem Ge- nannten. Da Herr W. nicht zu Hause ist. geht seine Frau»fit zur Arbeilsstelle. W. hört dann auck um 11 Uhr aus zu arbeiten und gehl nach Hause, um sich umzuziehen. Da kommt der Schwindler in seine Wohnung, sagt, daß schon alles abgemacht ist, W. solle um '/z2 Uhr in meinem Lokal sein, dann wollten beide nach dem Theater hingehen. Bei dieser Gelegenheit versuchte der Unbekamite, den W. anzuborgen, da er augenblicklich kein Geld hätte. Zum Glück gab W. dem Fremden nur einen kleinen Betrag. Der Schwindler iicß sich natürlich nicht mehr blicken. Herr W. ging trotzdem nach dem „Berliner Thealer" und erfuhr hier, daß der Mensch schon seit zirka vier Wochen den Schwindel betreibt' und den Arbeitslosen bis fünf Mark abnimmt, ohne daß es bis jetzt gelungen ist, diesen sauberen Patron zu fassen." Bon konservativ- christlichem„WahlterrorismuS", der bei den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen dritter Abteilung im 2. Wahlbezirk am Tage der Hauptwahl bemerkbar geworden sei, wurde am Abend vor der Ssichwahl in einer Kommunalwähler- Versammlung der Demokratischen Vereinigung erzählt. Den Vor- Wurf, einen Geschäftsmann wegen seiner Stimm- abgäbe mit dem Boykott bedroht zu haben, erhob der Kandidat der Demokratischen Vereinigimg, Herr v. Gerlach, gegen den christlichsozialen Agitator Graveur Kluge, der im 2. Wahlbezirk vor der Hauptwahl für den Durchfalls- kaudidaten der Antisemiten, Rechtsanwalt Ulrich, geworben hatte, und dann vor der Stichwahl mit demselben E.ser für den KommunalfreisiimSinann Leis, den Schützling der Rat- hanSgrößen Jacobi, Cassel usw., sich ins Zeug warf. Herr v. Ger- lach stellte in bestimmtester Form die Behauptung aus, daß Herr Kluge in dem Wahllokal Behrenstraße, wo er als Vertreter der Antisemiten tätig war. einem Wähler nach der Stimmabgabe an» gekündigt habe, bei ihm werde nichts mehr gekauft werden. Dem Herrn Kluge, der an der Versammlung als Gast teilnahm, war eS natürlich sehr verdrießlich, daß hier ihm dasselbe nachgesagt wurde, worüber sonst die konservativen„Freunde" der klemen Geschäftsleute sich so sehr entrüsten, wenn sie es der Sozialdemokratie nachsagen zu können meinen. Er meldete sich zum Wort und erklärte in schimpfendem Ton, von dieser Geschichte wisse er nichts, sie sei erlogen. Da er« hoben sich zwei Herren, die an jenem Tage vor dem genannten Wahllokal als Zeltelverteiler für die Demokratische Vereinigung ge- arbeitet hatten, und sagten Herrn Kluge ins Gesicht, daß er i» der Tat aus dem Flur zu einem weggehenden Wühler sich dem Sinne nach so geäußert habe. Herr Kluge blieb zunächst dabei, erregt alles zu bestreiten. Als aber die beiden Ankläger ihre Behauptungen uneingeschränkt aufrecht hielten, besann er sich und in platz- licher Erleuchtung rief er dann, nun falle eS ihm ein, das sei ja die Geschichte mit dem Küster Schön felder von der Dreifaltigkeitskirche. Und eifrig erzählte er jetzt, schon bei der Hauptlvahl habe der Küster für den Freisinnigen LeiT gestimmt, darum fei Kluge ihm nachgegangen und habe ihm seine Verwunderung ausgedrückt, Schänfeldcr aber habe sich ver» teidigt, es werde ja doch alles nichts nützen, und da habe Kluge ihm geantwortet, dann lohne eS sich wohl nicht mehr. zu ihm in die Kirche zu gehen. Diese Erklärung des Herrn Kluge wurde von den verdutzten Zuhörern mit sckmllender Heiterkeit aufgenommen. die Ankläger aber ließen sich nicht beirren und blieben dabei, eS habe bei dem Gespräch, daS sie mit angehört hätten, sich umS Kaufen ge- bandelt. Der Gedanke, daß ein gottgläubiger Konservativer .fiicm Pastor den Rücken wenden könnte, weil der Küster einem Freisinnigen seine Stimme geben zu sollen gemeint hat, ist in der Tat toll. Doch Herr Kluge hat ja nur gedroht. Er selber hat nach der Hauptwahl sich als so opferfreudigen Werber für den Freisinns- kaudidaten betätigt, daß das liberale Wahlkomitee den ausgedienten Antisemiten Kluge trotz seinem sonstigen Geschimpfe auf„Juden und Judengenossen" sogar als Mitunterzeichner eines Flugblatts für den Freisinnskandidaten willkommen geheisten hat. An die Adresse der Eisenbahndircktion richtet sich eine Klage, die uns von Arbeitern zugeht, die des Morgens auf der Station Ge- slindbruniien den Steiliner Nordbahnhof benutzen müssen. Jeden Morgen herrsche am Billetlschalter ein solcher Andrang, dost mindestens 20 Mann hintereinander stehen und auf Abfertigung warten müssen. Der eine tätige Schalterbeamte kann die auf. bestimmte Stunden sich zusammendrängende Arbeit nicht bewältigen. Viele Arbeiter erleiden durch diese mangelhafte Einrichtung erheb- lichen Schaden, indem sie zu spät an ihre Arbeitsstelle komnien und teilweise der Entlassung ausgesetzt sind. Am allerschlimmsteu ist es am Montag morgen bei Lösung der Wochenkarten: auch an andercir Wochentagen tritt der Ucbelstand in Er- scheinung. Bei der Hast, mit der der Schallerbeamte arbeiten must, ist es ganz natürlich, dast auch Fehler in der Ausgabe der Fahrkarten vorkommen, die neue Verzögerungen herbeiführen. So passierte gestern in der Eile dem Schalterbcamten da« Malheur, dast er einem Arbeiter anstatt der verlangten Wochenkarte eine ein- fache Karle verabfolgte, sie auch nicht zurücknehmen wollte, weil die Karte den Datumstempel erhalten hatte. Der Arbeiter wollte sich beschwerdeführend an den Stationsvorsteher wenden, um sein Geld zurückzubekommen. Das wurde ihin aber unmöglich gemacht, iveil man nur mit einer Fahrkarle oder einer Bahnsteigkarte versehen den Stationsvorsteher erreichen kann. Es wäre Sache der Eisenbahndirektion. im vorliegenden Falle Abhilfe zu schaffen. Unglück im Straßenverkehr. Der Polizeibericht meldet: DienS- tagabend geriet der 4S Jahre alte Tischler Gustav Hildebrandt vor dein Hause Ebausseestraste 05 unter die Räder eines Strahenbahn- wagenS der Linie 68. Mit einem Bruch des linken Fustknöchels brachte man ihn in einer Droschke nach der nächsten Hilsswache und dann nach seiner Wohnung. H. hatte versucht, den Wagen während der Fahrt zu besteigen.— Als in der Nacht gegen 2llt Uhr der 30 Jahre alte Kaufmann Artur MoSler aus Wilmersdorf vor dem Hause Potsdamer Straße 57/58 einen Straßenbahnwagen verliest. wurde er durch eine Kraftdroschke umgerissen und überfahren. Man brachte ihn in demselben„Auto" nach der Hilfswache in der Steglitzer Straße, wo man neben Wunden an beiden Knien und am rechten Arm schtvere innere Verletzungen feststellte, die seine Ucberführung nach dem Krankenhause am Urban notwendig machten.— Vor dem Grundstück Müllerstraste 141 wurde nachmittags der 34 Jahre alte Strastendändler August Schnabel von einem Geschäftswagen, den er führte, herabgeschleudert, als ihn ein Rettungsmotor- wagen der„Großen Berliner" von hinten anfuhr. Der Geschäsls- wagen schlug um. und Schnabel trug eine schwere Kopf- Verletzung davon. Nachdem ihm ein in der Nähe wohnender Arzt die ersten Verbände angelegt hatte, liest er ihn nach seiner Wohnung bringen.— Auö noch nicht ausgeklärter Ursache fiel abends der 35 Jahre alte Kutscher Hermann Wolff vor dem Hause Bellcalliancestratze 07 vom Bock seines ArbeilSwagens und geriet unter die Räder desselben. Passanten trugen ihn nach der Hilfs- wache am Tempelhofer Ufer, wo der Arzt schioere innere Ver- letzungen sowie mehrere Kopfwunden feststellte. Nachdem man ihm Notverbände angelegt hatte, wurde er nach dem KrankcnhaUse am Urban geschafft.— Am Großen Stern erfolgte abend« gegen O'/�.UHr ein Zusammenstost zwischen dem von dem Posiillon Hermann Boh- mert geführten Postwagen Nr. 05? und der Fahrpreisanzeiger- droschke Nr. 1311. Die Deichsel deS Postwagens drang durch das Verdeck der Droschke und traf den in der Droschke sitzende» Ministerialdirektor im Landwirtschaftsministerium, Wirtl. Geh. Ober- regierungSrat Heinrich Küster an der rechten Seite. Der Geheimrat klagte über heftige Schmerzen, setzte aber seine Droschkensahrt fort. Die Schuld foll den Postillon treffen, der zu schnell gefahren ist. Vorort- I�acbncbten. Rummelsburg. Eine Protestversammlnng der Gastwirte gegen die kommunal« Bicrstcuer tagte im Eafo Bellevne. Gemeindevertreter Tempel- Rummelsburg legte dar, dast das GastwirtSgewcrbe nach der letzten Steuerbelastung durch das Reich und den Staat unmöglich auch noch die kommunale Biersteuer tragen könnte. In wie hohem Grade ein allgemeiner Rückgang des Gewerbes zu verzeichnen sei, zeige Box- Hagen-Rummelöburg. Trotzden, die Einwohnerzahl von 40 000 auf 50 000 gestiegeu sei, die Schanistätte» sich vermehrt hätten, sei der Bierkonsiun so gewaltig gefallen, dast die im Etat mit 35 000 M. eingesetzte Biersteuer im Vorjahre 7000 M. Mindereinnahme gehabt bckbe und dieses Jahr noch weiter zurückgehe. Es wäre unrecht, wenn ein emzelnes Gewerbe für die Bedihfnisse der Gemeinde herangezogen würde, die gesamte Einwohnerschaft habe die Lasten zu tragen; allerdings würde durch de» Ausfall der Bierstener der Zmchlag zur Staalsstensr um 10 Proz. erhöht werden müssen. — Nachdem verschiedene Gastwirte die gleichen Klagen auS anderen Orten vorgetragen hatte», erklärten die Gcmeindevertreter John und Ritter, dast sie einem Antrage änf Aufhebung der Steuer prinzipiell zustimmten, dast die Gastwirte aber bei den bevorstehenden Gemeinde- wählen doch zunächst die Kandidaten nach ihrer Stellung zu den Steuern fragen sollten, ehe sie ihiu:» ihre Stimmen geben. Eine Resolution, welche die Aushebung der Steuer fordert, wurde bc» schlösse». Dieselbe soll au die Eemeindeverwallungen abgesandt werden. Sonntag, den L8. November, abends 6 Uhr, findet im Cafö Bellevne, Hauptstraste, ein Adalbert von Chamisso-Abend statt. Vor- tragender: Herr Redakteur John. Alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sowie die Genossen und Genossinnen werden um zahl- reiches Erscheinen ersucht. � Der Jugendaus schust. Tchöneberg. Eine Erweiterung des SäuglingSschuves stellt das Mütter» und Kinderheim, E. V., zu Schöuebcrg dar. Es ist im Anschluß an das Säuglingsheim, welches, am 1. November 1003 nach Westend-Char- lottenburg übersiedelte, in dosseu altem Heim, Schöneberg. Akazien» ftraste 7, gegründet worden. Während das bisherige Mütterheim, welches dem Säuglingsheim angegliedert geblieben ist und mit ihm nach Charlottenburg zog, Mütter und Kinder nur bis zur Dauer eines Jahres behalten kann, bietet dieses neue Heim Müttern mit Kindern von 1— 3 Jahren Unterkunft. Durch«ine geregelte Ar- beitsvermittelung ist es möglich, den Müttern dauernde Beschäf. tigung zu besorgen. Während sie tagsüber auf Arbeit sind, werden die Kinder verpflegt, unter ärztlicher Aufsicht und verständiger Leitung versorgt und erzogen. Auf diese Weise wird den Müttern Gelegenheit gegeben, ihren Kindern ein liebevolles Heim ver- schaffen zu können und mit ihnen zusammen zu bleiben. Jede Mutter hqt monatlich 20 M. Pflcgegeld für ihr Kind und 5 M. Schlafgeld für sich selbst zu zahlen. Zurzeit ist noch Platz für einige Mütter mit Kindertr. Meldungen werden angenommen Schöneberg, Akazienstr. 7 von der Oberin de» Heims. Am Sonnabend, den 27. d. M., vormittag? von 9 bis abends 8 Uhr, findet die Stichwahl im 2. Bezirk statt. Das Wahl- lokal ist Hohenstaufenstr. 40 in der Turnhalle der Genieindeschule. Es gilt auch diesen Bezirk dem Liberalismus zu entreißen. Die Parteigenossen müssen es als eine Pflicht betrachten, zu den am Donnerstage und Freitag stattfindenden Parteiarbeiten bei Folg er, Kyffhäuserstr. 26, und Schmarl, Grunewaldstr. 32, zu erscheinen.— Am Stichwahltage wollen die Genossen, die bexeit sind mitzuhelfen und dem Kändidaken Ed. Peter so n zum Siege zu verhelfen, in denselben Lokalen un.tcr Vorzeigung des Wahl- vereinSbuchcs sich zur Verfügung stellen. Am Freitag, den 26. November, abends s'ch Uhr, findet bei Poschmann, Vorbergstr. 9, der 7. Vortragsabend statt. Genosse Dr. ChajeS spricht über:„Was muß der jugendliche Arbeiter über Verhinderung von Berufskrankheiten wissen?" Daselbst werden auch die Karten für den Vortrag:„Vom Urtier zum Menschen". der am 1. Dezember beginnt, und die Urania-Billetts ausgegeben. Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. Der JugendbildungSausschuh. Nieder-Dchöneweide. Ueber Kommunalpolitik referierte in der letzten Mitglieder- Versammlung deS Wahlvereins Genosse Gebert- Charlottenburg. Durch seinen eingehenden und fesselnden Vortrag bestärkte der Referent die Versammelten nur in der Ucberzeugung, dast für die im nächsten Frühjahr stattfindenden Genieindewahlen auch am hiesigen Orte eine lebhafte Agitation einsetzen mutz, um sozial- demokratische Vertreter in das Gcmeindeparlament entsenden zu können. Als Delmierte zur Krcisgcneralversammlung sowie zu der kombinierten Vorstandssitzung wurden Dehme! und Gräbnitz und als Ersatzmann Weick gewählt. Königs-Wilsterhattsen. Zu dem Einbruch im hiesigen Polizcibureau wird berichtet, dast die drei Personen, die in der Nacht zum 11. d. M. den vciwegenen EinbruchSdiebstahl ausführten, vorgestern von der Berliner Kriminal- Polizei verhastet worden sind. Grost-Lichterfelde. Eine kleine lederne Handtasche mit Inhalt, jedenfalls einem Be- sucher des Kunstabends gehörig, ist am Totensonntag, abends 11 Uhr, am Kranoldplatz gefunden worden. Abzuholen ist die Tasche bei Karl Pints, Dürerstr. 42, Zigarrenhandlung. Friedenau. Dem Kassierer des Verbandes der Bauhilfsarbeiter ist in der Stnbenrauchslraste ein blaues Buch mit 21 Marken a«5 Pf. und 8 Marken a 20 Pf. verloren gegangen. Der Finder Ivird gebelen, die verlorenen Marken bei Budrast, Handjerystr. 53/50, Hof II abzugeben. Teltow. Infolge Ablaufs der Wahlperiode scheidet mit Ende dieses Jahres aus dem Sladlverordnetenkollegium der Schneiderin ei st e r G. Franke in der dritten Abieilimg aus. Zur Vor- nähme der Neuwahlen ist Termin auf Mittwoch, den 8. Dezember, nachmittags von 5— 6'/» Uhr, im kleinen Saal des Schwarzen Adler angesetzt. Es ist nun Pflicht der Parteigenossen, die kurze Zeit zur Agitation auszunutzen. Zu diesem Zweck findet am Sonntag, den 28. Noveniber, nachmittags 4 Uhr, eine öffentliche Kommnnalwähler- Versammlung statr. Auf der Tagesordnung steht: Bortrag des Stadtv. Thurow, Rixdorf. Ferner Berichterstattung der Stadt- verordneten und Aufstellung der Kandidaten. Es ist Pflicht aller Wähler der dritten Klasse in der Versammlung zu erscheinen. Wegen Beleidigung deS Bürgermeisters Licbig in Teltow hatte sich der früher in Teltow wohnhafte Grundstücksbesitzer Ingenieur Mackenzie aus Schöueberg vor dem Schöffengericht Berlin- Schöneberg zu verantworten. Mackenzie klagte im Verwaltungs- streitverfahren auf Herabsetzung seiner Grundwertsieuer. In den Eingaben, die M. an de» Bezirksausschuß richtete, verlangte der Angeklagte die Einleitung des DiSziplinverfahtenS gegen Bürgermeister Liebig. Grund dazu sollte die Veräußerung eines dem Bürgermeister Liebig gehörige» Grundstücks, welches an- aedlich für 1500 M. erworben und für 15 000 M. an den Maurer W. Kühne verkauft sein sollte, bieten. Ans Grund dieser Eingaben wurde die Anklage gegen M. wegen Beleidigung erhoben. Der Staatsanwalt beantragte, weil die Absicht einer Beleidigung vor- liegen sollte. 100 M. Geldstrafe event. 20 Tage Haft. DaS Urteil lautete auf 50 M. Geldstrafe event. 10 Tage Haft. Treptow-Baumschnlenweg. Die Bedeutung der letzten sozialdemokratischen Wahlerfolge be- handelte Genosse Schütte in einer bei Speer siattgefundenen im- posanten öffentlichen Versammlung. Nach eingehender Würdigung der letzten Wahlsiege in Sachsen, Baden, Koburg, Berlin usw. forderte der Referent die Versammelten auf, die sozialistischen Idee» immer tiefer in die Bevölkerung zu verpflanze». Nach dem mit lebhastem Beifall aufgenommenen Referat forderte Genosse Magel die Versammelten ans, sich, soweit dies noch nicht geschehen, der ge- iverkschastlichen und politischen Organisation anzuschliesten und die sozialdemokratische Presse zu abonnieren. Weifjensee. Der Fall Rathmann dürfte aller Voraussicht nach die am Frei- tag stattfindende Gemeindevertretcrsitzung beschäftigen. Nach den wiederholt im„Vorwärts" mitgeteilten Vorkommnissen rn der Provisionsangelegenheit für dag angekaufte Friedhofsgelände liest sich Herr R. krankheitshalber vom Dienst beurlauben. Wie. jetzt mitgeteilt wird, nimmt jedoch Herr Rathmann trotz seiner ange- griffenen Gesundheit die Geschäfte deS.Branh�iretiorS in höchst eigener Person und glänzender Uniform wahr.. ES wird ver- mutet, dast bei Herrn R. weniger eine ernste Krankheit als viel- mehr ein Kulissenfieber vorliegt. Unsere Genossen haben dalicr die Absicht, Herrn Rathmann vor eine Entscheidung zu stelle». Seinen Freunden hat er allerdings das. Versprechen gegeben, sich niemals zwingen zu lassen, das Schöffenamt niederzulegen. Pankow., Au8 der Gemeiildevertreterfitziing. Zur Erschließung deS den Herren Werner und Hoffmann gehörigen Geländes an der Damerow- slraste ist die Anlage von Straßen geplant, durch die eine Ver- bindung zwischen der Dameroivsiraße und der Straße am Pankower Krankeiihaus hergestellt werden soll; in dem Plane ist auch ein öffentlicher Play vorgesehen. Die Straßen sollen asphaltiert werden. Die Gemeindeverlretung genehmigle die Bauten. Dabei wurde der Wunsch geäußert, den Grnndslücksbesitzern resp. Bau- geiellschaften vorzuschreiben, dast zur Erlangung geschmackvoller Fassaden die Einwürfe-und Bauzeichnungen einzureichen seien. Es wurde aul verschiedene Neubauten, namentlich in der Berliner Straße hingewiesen, bei denen die Ausführung der Fassoden viel zu wünschen übrig läßt. Vom Hochbauann wurde darauf aufmerksam gemacht. dast es Baulusiigeu geeignete Entiviicfe zur Verfügung stelle, bisher aber noch keine Nachfrage erfolgt fei. Ferner wurde eine neue Verordnung zur Aufbringlmg der Kanalbaubeiträge angenommen, wonach ftir den laufenden Meter neuanzulegender Regenwasser- ableitungen 25 M. und für Scinmitzwasserleiumgen 32 M. zu zahlen sind. Die bisherige Bergilnstignng, daß bei einem Eckgrundstück mir das Mast der längsten Front der Berechnmig zugrunde gelegt werden soll, kommt in Forifnll; es ist fortan die Gesamtlänge beider Fronte» eines EckgrnndstückS mastgebend. Einige GnnidslückSbesitzer e> blickten darin eine Härte, da oft nur ein Anschluß für ein Eckgrundslück an die Leitung hergestellt wird. ES wurde ihnen erwidert, daß Eck- grundslücke von vornherein besser verwertet werden können und dast die vorteilhaftere Vermietung� der Läden in Eckhäusern die Mehrkosten auswiegt. Die Gemeindevertretung wählte alsdann eine Kommission, welche die Bildung eine« kollegialen Gemeinde- börstandes auf Grund der betreffenden Bestimmuiigen der Land- gemeindeordnung vorbereiten soll. Die Antragsteller hoffen, auf diese Weise die VcrwaltungSgeschäfte zu verteilen und die Arbeits- last der einzelnen Personen dos GenieindevorstandeS zu Vennindern. In der dritten Abteilung der Gemeindevertretung ist ein Sitz frei geworden, da der Gemeindevextreter Schreiber sein Mandat nieder- gelegt hat. Er ist als Strastenbahndirektor sbisher hier bei der «iemensbahn) nach Konstantinopel übergesiedelt. Die Neuwahl wurde bis zu den im nächsten Frühjahr vorzunehmende» regel- mästigen �Ergänznngswahlen aufgeschoben. Ferner wurde mit- geteilt. dast die Regierung eine Beihilfe für die gewerb- liche Fortbildungsschule, und der KreiS Nieder- Barnim die Hälfte der Kosten einer Baracke für Infektionskrankheiten in Höhe von 8000 Mark gewährt habe; der Lehrerverein ver- anstalte am 23. d. MtS., nachmittags S Uhr. eine Ausstellung empfehlenswert«' Jugendschriften in oet Aula der Schule in der i Grunowstraste. Eine schroffe Maßnahme der Gemeindeverwaltung, durch welche die Mieter des Hauses an der Ecke der Eintracht- und' Hartivigstraste in Verlegenheiten gekoinmen find, wurde dann noch, zur Sprache gebracht. Das Haus soll einen Ausgang nach de-o Horlwigstratze haben, der nicht hätte ausgeführt werden dürfen. Die Besitzer des Hauses sind Schuldner der Gemeindeverwaltung, das Grundstück wurde subhastiert. Drei Tage vor dem Termin zur Zwangsversteigerung wurde der Ausgang nach der Hartwigstraste vermauert, und er wird erst wieder geöffnet, sobald der neue Eigen- lümer die Schuld begleicht. Zu dem Unfall des Vorturners Haacker am Sonntag im Lokale von Grostkurt teilt uns der hiesige Arbeiter-Turnverein mit, dast das Reck, an welchem H. turnte, in ordnungsmäßigem Zustande war; H. ist bei der Uebung abgerutscht und auf die Bühnenkante aufgeschlagen. Tpanda». Bei der Stadtverotdnetrnstichwahl am Montag im S. Wahlbezirk erhielte», wie wir dem„Anzeiger für Weslhavelland" entnehmen, unsere Genossen Schmidt und Köpnick 303 bezw. 302 Stimmen, ivährcnd auf die gegnerischen Kandidaten Huth und Kurth 347 bezw. 344 Stiinmen entfielen. Letztere sind somit gewählt. Potsdam. Stadtverordnekenwahl dritter Abteilung. Im ersten Wahlbezirk erhielten die Bürgerlichen 827—730 Stimmen, unsere Genossen 683—681 Stimmen. Gewählt ist ein Bürgerlicher, unsere Genossen Staab, Stoos und Lindemann kommen mit drei Bürgerlichen in Stichwahl. Im zweiten Bezirk siegte die bürgerliche Liste mit 616 Stiinmen gegen 405, die auf unsere Genossen fielen. Gegen 1007 haben die vereinigten Bürgerlichen 352 Stimmen weniger erhalten, trotz diesmaliger eifriger Schlepparbeit; wir gewannen 220 Stimmen Es geht also, wenn auch langsam, auch in der Residenz- und Beamteustadr Potsdam vorwärts. Für die bürgerliche Liste wählten diesmal fast ausschließlich Beamte; das eigentliche Bürgertum war nicht an die Wahlurne zu bringen. Vermilcdtes. Durch einen Eber zerfleischt uiG getötet wurde«aiif dem Rittergute Radlow an dem von den Berliner Ausflüglern allgemein bekannten Scharmützelsee der 35 Jahre alte Schweizer Fischer. Er hatte bei einem auf dem Gute gehaltenen Eber eine Operation vor» genommen und führte vorgestern das Tier auf den Hof, um eS dem Inspektor zu zeigen. Dann wollte er das Borstenvieh wieder in den Stall bringen.und leitete eö mit einem Stock. Als F. dem Tiere einen Schlag mit dem Stocke über den Rücken versetzte, drehte sich der Eber plötzlich um, bist den Schweiber in das rechte Bein und zerriß ihm die Schlagader und die Sehnen. Die auf dein Gute angestellten Knechte eilten sofort zur Hilfe und trieben das Tier von seinem Opfer zurück. Man versuchte zunächst, bei dem Verwundeten die ftirchtbare Blutung zu stillen, jedoch vergeblich. Wenige Minuten später starb Fischer noch vor dem Eintreffen eines telephonisch herbeigerufenen Arztes. Was trieb ihn in den Tod? Unweit der Stadt Kattowitz wurde ein Beamter der Reichsbank erschossenaufgefirnden. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Im Sturm gekentert. Die„Ttlstter Zeitung' Meldet aus Trappönen: Aus einer dienstlichen Fahrt, die sechs fiskalische Arbeiter dieser Tage in einem Kahn unternahmen, kenterte das Fahrzeug infolge des herrschenden Sturmes bei Kallwchlen. Die Insassen stürzten in den Strom. Die Arbeiter Abromowitz aus Trappönen. Mikoleit und Ledrat auS Lubönen ertranken, der Arbeiter Beister auö Lnbönen starb zu Haufe infolge der erlittenen Erkältung. Die beiden anderen Arbeiter kamen mit dem Schrecken davon. Zum Grubenunglück in Illinois. Wie au? Cherry gemeldet wird, find bisher 163 Leichname au» der St. Paul-Mine geborgen worden. vjörnsonS Besinden. Wie aus Pari» gemeldet wird, ist seit gestern abend im Befinden Björnsons eine Besserung eingetreten. Der KraterauLbruch in Teneriffa. Nach einer amtlichen Meldung auS Teneriffa wirft der Krater immer noch gröbere Mengen flüssiger Lava aus, der in Nictitung auf Santiago fliestende Strom, der eine Breite von 200 Meter und eine Tiefe von 10 Meter hat. ist gestern 500 Meter vorgerückt. Zwei ans Tainana zu fliestende Lavaarme haben sich vereinigt, und sich seit gestern 1200 Meter weiter ausgedehnt. Dieser Strom wird heute das Gebiet von Las Manchas erreichen, wo er infolg« der Boden» Verhältnisse schneller weiterfliesten wird. In Harackico hört man unterirdisches Getöse. Der auf diese Stadt zufließende Strom ist zum Stehen gekoinmen. Viele Familien sind ohne Obdach. Lnthams Bisiteiising. Eine Meldung auS Mourmelon-le-Grand lDep. Marne) vom gestrigen Tage lautet: Der Avialiker Lalham flog heute mit seinem Aeroplan zu einem Freunde zu Besuch, der in einer 30 Kilometer entfernten Gemeinde wohnt. Latham legte den Hinweg in 35 Minuten, den Rückweg in 20 Mmuteu zurück. Zentralverband der Handlungsgehilfe« und ftlehtlfiniien Deutsch. lands, Bezirk Berlin. Heute, Donnerstag, abmd« 9 Uhr. in den Armin- Hille». Mitgliederversaminlniig. Vortrag deS Genossen Max Grunwald über F rt e d.r i ch Schilt er. Gäste willlommen. Deutscher Arbeiter< Abstinentenbuild. Ortsgruppe Berlin. Freitagabend 8'/, Uhr im.«ewertschaslShauS". Engelufcr 15. Vortrag des Genossen Augult Neumann über:„Atwhol und Unfall". Eintrittspreis 10 Pj.— Keiii Gelränke-AuSfch>nk. Lese- und Diskntiertlnh„Wilhelm Liebknecht». Heute Donners. tag. abends S Uhr, Sitzung bei K. Eichhorn, Danztger Straße 03. Gäste willkommen._ Amtlicher Marktbericht der llädtilchen Marktdallen-DIreMon über den Großbandel in de» Zenlral-Marttballen. Marktlage: Fl et ich: .zufuhr schwach, Geschält sehr still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geschält lebhaft, Preise fest. Geflügel: Zusubr nicht genügend, Geichäit nicht lebhaft genug, Preise hoch. Fische: Zufuhr genügend. Geschäft ruhig. Prelle wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhlg, Preise unverändert. Gemüse, Obs» und Süd» s r ü ch t e: Zufuhr reichlich. Geschäft still, Preise wenig verändert. Wasierstands-Rachrtchten der LandeSaiiilaU für GewäNerkimde, mitgeteilt vom S-rliner Wette» burean. Wasserstand M- m e l. Tlllll 3 r e g e l, Jnstcrbnrg W r ich f e l. Tbor» Oder, Ratibor , ftroisen: , Frantiurl 23a rthe, Sckrimm p. LandSberg Netze, Vqroamm Elbe, Leiwieritz , Dxcsdeo # Barda , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Svandauft . Ratbenow'j Spree, Svremberg') , Biestow Ge| et, Münden . Minden Rhein, Maximiliansau , Kaub , Köm Neckar, Hcilbrom» Main, Wcrtheim Mosel, Trier am I teit 2311.22.11. an, 154 65 57 82 70 -10 114 ZllS 199 246 95 174 120 +6 —2 — 1 0 +1 —6 —2 —14 —21 —10 —12 —10 �+ bedeutet Duch».— Fall.—») Unterpegel.—•) Eisstand. 1 BHefhaften der Rcdaktten. Sie luristische SvrechNniide finbet L i n b e n st r- tz e 3, zweiter Hos dritter Eingang, vier Treppen, F a b r st u h l tvo-lientäglich abends von bis W*. Ulir statt. Geöffnet 7 Uhr. SonnaheiidS beginnt die Eprechitunbe nur S Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als .Wertzeichen belzusligen. Briefliche Antwort wirb nicht erteilt. Bis zur Beantwortung tm Brieftasten lönuen U Tage vergeht». Eilige Fragt» trag» man in der Sprechstunde vor. Kaiserdamm. In beiden Fällen äst der Eigentümer verpflichtet, die von Ihnen gerügten Schäden zu bcteitigcii, salls nicht etwa Ihr Miels- vertrag Gegenteiliges enlhält. Klagen sie aus Abstellung der Uebelstände llnd aus Scvadenersatz. Bevor Sie den Osen anschaffen, setzen Sie den Atrt in Kenntnis von Ahrem Vorhaben.— I. lt. 4t. Da die Wohnung gesundheitsgesäbrdend ist, haben Sie daS Recht, die Aushebung cS Miels- Vertrages und Schadenersatz zu verlangen. Lassen Sie durch einen'Arzt die GesundheitSgesährlichkeit attestieren, reichen eine Klage aus Aufhebung des Vertrages und aus Schadenersatz beim Am sgertcht ein und be- antragen unter Ueberre chung des Attestes, einen nahen Termin anzusetzen. — M. 30. Ja.— K. F. 108. Das Gericht hat kein Recht, Sie zurück- zuweisen, auch wenn Sie ivedcr gctausi»och eingesegnet sind, gehören Sie der Kirche an. Verlangt das Gericht eine Bescheinigung, dann zeigen Sie ihm den Steuerzettel. Weist es trotzdem ab, so legen Sie Beschwerde ein. — 10877. Leider haben Sie kein Recht, eine vorzeitige Lösung des Miels- Vertrages zu verlangen.— R. 10. l. Nein. Zu raten ist aber, unter die Aähmaschinc eine ichalldämpsende Gummiunterlage oder Gummipsropsen zu legen. 2. Der Verlrag ist ohne Einwilligung dcS Wirtes vor dem I. Oktober nächsten JahrcS nicht auszuheben.— Berta 100. Da Sie Lochenlolm erhalten, also eineil Lohn, der nach der Woche berechnet wird, so haben Sie Anspruch aus Zahlung sür den Butztag, zumal auch früher Zahlung sür denselben geleistet wurde.— E. B. 0. Das LoZ Ist sür die Dauer der jetzigen Ziehung gemeinsam zu spielen. Machen Sie mit dem Kollektcur aus, datz Sie später das Los allein spielen. Er kann hieraus eingeben, ist aber hierzu nicht verpflichtet.— F. L. 81. Wenn der Vertrag nicht das Gegenteil besagt, ja.— Forfterstr. 100. Die Verjährungssrist beträgt ht Ihrem Falle zehn Jahre.-- 355. T. 46. Die Vollmacht mütztc notariell oder gerichtlich beglaubigt werden.— M. 955. Z. Nein. — R. L. 37. Der Aus'all eines Prozesses wäre ein recht zweiselhasier. Wir würden annehmen, dah das erste Legat nicht ausgehoben ist. Als Adresse genügt Rcchtsnnwait Hczel in Leipzig.— P. G. 33. Leider gibt es ein Rechtsmittel zu Ihren Gunsten nicht. Nehmen Sie mit einem Gc- »offen Rücksprache, der der dortigen Stadtvcrordlietcnversannntung angehört. — Friedrjchshogeu 36. Zum Bezüge der Altersrente ist erforderlich, daß der Antragsteller das 70. Lebensjahr vollendet hat und anszerdem eine Wartezeit von mtndaktenS 1200 Wochen hindurch versichert gewesen ist. Die Länge der Wartezeit ist sür diejenigen Versicherten herabgesetzt, ivelche zu der Zeit, als die Versicherungspflicht sür ihren Berusszweig in Krast trat, das 40. Lebensjahr vollendet haben. Bei diesen wird sür jedes rolle Jahr, um ivelcbcS ihr Lebensalter den Zeitpunkt des 40. Lebensjahres überstiegen hat, 40 Wochen und sür den überschieizenden Teil eines solchen Jahres die ivcilercn Wochen, jedoch nicht mehr als 40 angerechnet. Danach würde also der Antragsteller, iveim er in der Zeit zwischen dem 1. Januar und 27. März 1839 geboren ist. nur 127 Marken auszuweisen haben. Daff diese Voraus- setzung erforderlich ist, haben wir wiederholt dargelegt. Ihre frühere An- sragc bezog sich lediglich aus daS Alter. Wir müssen wiederholt die Leser ersuchen, nicht allgemeine Anfrage« zu stellen, sondern den Fall, der sie betrifft, zu schildern und daran die Frage zu lnüpseii, die sie beantwortet wissen wollen.— I. H. 33. Rein. — P. D. E 5. Wollen Sie nicht gefl. daS Berliner Adreffbuch zur Hand nehmen?— Zwei Wettende 00. Ungefähr 18 000.— Zl. St. 6. 1. bis 3, Oeffenlliche Lesehalle. Adalbcrtstr. 44. 4. Uns nicht bekannt.— M. 87. Wir haben in Bartwuchsbesörderungsmitleln noch teine Erjahruugen ge« iammelt, können Ihnen daher auch ein solches nicht empsevlen.— N. 500. Spielfragcn beantworten wir nicht.— E. T. Zürich. Nein.— E. L. 1000. 1., 3. und 4. Wir empsehlen grundsätzlich keine Geschäfts- filmen 2. Im Bcrttner Adrehbuch finden Sie unter Zeilichristcn das Ge> wünschte.— Rixdorf 31. G. 3. Wenden Sic sich an die Redaktion der .Flamme', Bretlestraffe 3.— I. 33. Wir teilten lediglich mit, daß ein Vorliag darüber gehalten, die Heilmethode selbst aber noch nicht mit gründlicher Sicherheit erprobt worden ist. Wenn das letztere geschehen, tvird bnmutlich auch Ihr Arzt sich bsrselben z» wenden.— F. Fr. 36. 1. Nein. 2, In den städtischen FortbilduiigZ- schulen.—(i*. M. 1dl. Ja; nicht bloff möglich, sondern sogar sestgcstellt. — W. R. 1. Sie siiiden näheres darüber im„Aquarium" von Peters; erschienen In Reclams Verlag, Preis 20 Pf. Erhältlich tu fast jeder Buch- Handlung.—<55. R. 17. Sachverständtger Kunsthändler Sagert, Friedenau, Rembrandtstr. 7.— W. B. 153. 1. und 2. Ja.— Wisscusdrang. 1. Wenden Sie sich an den Arbeiter-Stenographenbund, W. Haback. Koppen- steatze 3t. 2. Der Vorsitzende Ihrer Organisalion kann Ihnen darüber AuS- lunst geben.— Danzigerstr. 85. Ja.— K. H. 106l. Karl Berge- man»,<>. 3t. Wir sowohl wie die Aufsichtsbehörden haben wiederholt vor dem Beitritt zu diesen Kassen gewarnt.— Zl. G. I.>018. Die Zentrale sür Auswaiidercr, Berlin, Schclliugstr. 4. crleiit un- entgeiliich Rat in AuZwanderungsangclezenheitcn.—- M. M. 1. Ja. WttterunqSnbersiebt vom 8t. November 1060. moraenS 8 tlstr. Swinemde 7b7 WSW Hamburg 700 W SW Berim 701 KW .>raiiti.u M 709 SW München j772W Wien 709 W 0 Schnee— 1 Havaranda 747 NNW 2 bedeckt ö bedeckt 1 Petersburg 7S1 sSO 1 bedeckt 3 Schnee—4 Sctllv 77SO 1 heiter 7 Schnee— 8'läereeen 709 W 2 wolkig 4 Schnee—0! Paris i774 S 2 bedeckt Zhaibbd.— 5 I! s s Wetterprognose für Do»ne»Stag. den 85. November 1000. Zunächst etwas wärmer, zeitweise austlarend, vorwiegend trübe Niederschlägen und frischen westlichen Winden; später neue AbtUhluiig. Berliner Wetterburea -9 —10 ! 3 4 -1 niit u. m Zlsi jemand Rheumatismus, Gicht» Gliederreiften, Nervenschmerzen» Hüftwehllaekls»), Hexenschuft» Geschwulst-c. so gebrauche Elnnfninmn�(>lelher. Kiesernadel- er RsioKalT ,,OIVHll itUtil Waldivollöl), ein einfaches und unschädliches Naturprodukt von starker, durchgreifender Wirkung,„kllevtr»!««»»" wirkt wie elektrisierend auf den Korper und nicht wie spirituöse Einreibungen nur momentan und oberflächlich, «ochhaitig und gründlich. Fl, M, 1,— und 8,—. Die Wit kung wird noch erböht durch innerlichen Osebrauch von Reichels Wacholder- Extrakt, gl. 75 Pf., M. 1,50 u. 2,50. Wo in den Apotheken u. Droge- rie» nicht erhältlich direkt zu beziehen durch ttltk Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. ÄDlt I¥."«m752, '.Vinn nehme aber nur die echte» Originalfüllungcn und achte scharf aus die Marke„Hcllco�! sondern bleibt das beste Jdetallputzmittel. Zum Frühstück, zur Mittags- oder Abendkost etets wird unser Schmorlisch — kalt oder warm— gom gegessen. 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Ziehung 6. KI. 22!. Kgl. Preuss. l otterte. Ziehung vom 24. 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Sonntag, den 88. November, abends«'/z Uhr, in den Prachtsälen Nordwest, Wiclefstr. Ät i IMftJiiiÜßlfä politische VerseiHIHlllllO Männer UiFraiisn, Tagesordnung: Bortrag des Stadtverordneten.A.doll' Hofflliailll Über: Das Volk der Denker in der Zwangsjacke.__ Nach der Versammlung: GemütHcKes Beisaitimenseiii mit Tanz« Die Abteilungsfiihrer. I. A:«Isred BaersS. Alt-Moabit 43. L32/18« Sonntag, den S8. November, abends 7 Uhr:' Jugend-Versammlung in den Sophlon-Sälen, S o p h i e n ft r. 17—18. Bortrag: Frl. Ida �ltmann über: Shelley, der junge Freiheifssänger und-Kämpfer. Nach dem Vortrage: Geselliges öelsammenseln. Me Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind zu dieser Versammlung freundlichst eingeladen. Sonntag, den 88. November ISOS, nachmittags k'/, Uhr, tn den .Bornssia-Siilen-, Ackerstrafte 6j7: Gr. öffentl. Uersammlnng. Tagesordnung: Großer Lichtbilder-Vortrag „Im Reiche der schwarzen Diamanten" mit 77 verschiedenen Bilder» gehalten von Herrn Otto Roth- Berlin. Versammlung: GklllUtlldjkS KklsaMMkllstM Mllb TtlNZ. Programm für den Bortrag am Eingang deS Saales für 10 Ps. erhältlich. S4b' Der«inberufer. 13039. Urteil. In der Privatklagesache deS Mecha- niterS Adolf S t e l z e r in Mannheim. PrivatNägers, gegen den Redattcur Adam R e in m e l e in Mannheim, Angeklagten, wegen Beleidigung: bat die I. Strafkammer des Gr. Landgerichts zu Mannheim in der Sitzung vom 3. November 1909 zu Recht erkannt: Das Urteil des Schöffengerichts Mannheim vom 29. Juli 1909 wird ausgehoben. Der Angeklagte, Redakteur Adam Remniele tn Mannhelm, wird wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 150 M., ini Falle der Unbeibringlich- keit zu 13 Tagen Gefängnis und zu den Kosten beider Instanzen verurteilt. Dem Privatkläger wird die Be- sugnis zugesprochen, den erkennenden Teil des Urteils binnen zwei Wochen nach Eintritt der Rechtskraft aus Kosten des Angeklagten je einmal in die Mannheimer„Volksstimme- und den Berliner»Vorwärts- eimülken ZU lasfen. m m V. R.• W. Die Uebereinstimmung mit der Urlchrist beurkundet und die Rechts- krast des Urteils bescheinigt. Mannheim, 22. November 1909. Der Gerichtsschreiber Gr. Landgerichts. Lang. Getogeiie eleg. Damengarderoiie spottbillig. Reichenbergerstr. 104, pt. Invnlidtt!- Untttstilhuugs- knsse der Giirtlkr. Am Sonntag, den 88. d. M.. vorm. II'/, Ul>r, im Märkischen Hos, Admiralstrage 18 c: Ordentliche General-Versammlnug. Tagesordnung: 1. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Rechnungen des lausen- den Jahres. L593b 2. Verschiedenes. Berlin, den 25. November 1909. Der Borstand. _ A. Heller, Vorsitzender._ Orts-Krankenkasse der Maler und verwandten Gewerbe Berlin. Am Montag, den 89. Novcm- ber 1909. abends 8'/, Uhr, in den Arminhallen, Kommandanten- strasie 58/59: Oi-dentUcl»« General-Versammlung TageS-Ordnung: 1. Neuwahl von 6 Vorstandsmitgliedern(2 Arbeitgeber, 4 Arbeitnehmer). 2. Wahl des Ausschusses zur Prü- sung der Jahresrcchnuiig pro 1909. 3. Anderweitige Festsetzung des durchschnittlichen Tagclobnes. 4. Statutenänderung KI 12, 13, 19, 20. 28. 29. 5. Beschlusisasiung über die dem Vorstande in der letzten General- Versammlung überwiesene Verwal- tungssache. 2591b ltzei- Voi-«tand. Orts-Krankenkasse der Oürtler. Am Sonntag, den 28. November, vormittags 9'/, Uhr, im»Märkischen Hof-, Admiralstr. 18 o: Ordenil. General-Versammlung der Delegierten. Tagesordnung: 1. Wabl einer Kommission z. Prüfung der Rechnungen des laus. Jahres. 2. Verschiedenes. 2592b Berlin, den 25. November 1909. ver Torstand. E. Schmidt, Vorsitzender. bJ An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. B. MaBtergiiltig In Konntriiktion and Aasführnng, gleich vorzüglich für Hausgebrauch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Oes. —7 BEREiIX, lidpzigep Straße 08. p- ♦| Läden in den verschiedenen Stadtteilen. 1 i Olas- ebristbairniscbmucfc. 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Glocke. Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanflall Paul Snig-r£°- Berlin SW.