Nr.»76. BbonncmenfS'Bcdingungen: WonnemcnlS- Breis pränumerando i SicrlcJjäfjrl. 3�0 Silf., jnonaU. t,10 M.. ioöchcntlich Pjg� frei jn-Z Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags. imnimct mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post. iT&omicmcnl: 1,10 Stark pro Monat. Eingetragen in die Pcst-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige SUiSInnb 3 Mark pro Monat. Poftabontiemeius nennen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, äfcsscilicn, Schweden und die Schweiz, 36. Iahrg CridKlnt tiizlich auBer tilfntags. Vevlinev Volksblntt. Die Infertlons-Sebflbr beträgt für die sechsgeipaltcne Kolonel« zestc oder deren Raul» 50 Pfg„ für politische und gewerkichaftlichc Vereins- und Bersaminlungs-Slnzeigen 30 Psg. „kleine Hnscigen", das erste(feit. gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pig. Stellengesuche und Schlaf- fiellen-Anzeigen dag erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Nhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend? geöffnet. Telegramiii- Adresse: ,.S»iaIlliin»l!kat ßcrliB*. Zentralorgan der fozialdemokratifcben parte! Deutfchlands. Redaktton: 8M. 68, Ltndcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Die Qfurpatoreo. Den vierten Tag berät das englische Oberhaus den Etat der liberalen Regierung. Die Herreu finden Interesse an dieser Debatte; zahlreicher als je sind die Wortineldungeti. und die Abstimmung, die für Donnerstag erwartet wurde. mutz wieder hinausgeschoben werden. Aber auch das Volk von England verfolgt mit steigendem Interesse— aber freilich einem Interesse ganz anderer Art— diese Reden, in denen so viel Aufreizendes steckt, und sieht mit steigender Erbitterung, wie plötzlich diese Handvoll geborener Gesetzgeber, die sich so lange klug im Hintergrunde gehalten haben, sich plötzlich an- motzen, das Geschick jenes Volkes zu bestimmen, das stolzer als ein anderes auf sein Selbstbestimmungsrecht eifersüchtig bedacht ist. Schon lange hat das englische Oberhaus nicht mehr diese Eifersucht herausgefordert. Nur zu Anfang der ersten Hälfte des letzten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts brachte es die von der nur kurze Zeit bestehenden liberalen Regierung ein- gebrachte Homerulebill in einen scharfen Konflikt mit der Volksvertretung. Aber erst mit dem Antritt der jetzigen liberalen Regierung wurde sich das Oberhaus der Rolle einer zweiten Kanimer wieder bewutzt. Ist eine konservative Re- gierung am Ruder, so verwandelt sich das Oberhaus in eine einfache Abstiminungsmaschine für konservative Gesetzes- vorlagen und wird, um mit C h a in b e r l a i n zu reden, „blotz ein Zweig des konservativen Wahlausschusses, blotz ein Werkzeug der Organisation der Torics". Soll aber ein Volks- freundliches Gesetz geschaffen oder eine Matzregel getroffen werden, die die in dem Oberhause vertretenen Interessen be- rührt, so erwachen die erblichen Gesetzgeber sofort ans ihrem Schlummer und strömen in Scharen nach dem Westminster- palast, um einem solchen Gesetz den Garaus zu machen. Auch jetzt wieder sind die Herren, die nur in Pferderennen und Ballettaufführungen Sachverständnis beanspruchen können, gesonnen, selbstherrlich über das Geschick von 4-1 Millionen Menschen zu entscheiden. Die lächerlichen Gestalten der goldenen Jugend und des kindischen Alters, die sich hier zu- sammenfinden. bieten den englischen Witzblättern wieder einmal einen köstlichen Stoff zum Ulk und zur Satire. Die Komik der Situation entgeht selbst den Mitgliedern des Ober- Hauses nicht. Schrieb doch einmal der verstorbene Herzog von Marlborough in der„Nineteenth Century Review" darüber: „Es ist sicherlich für einen Anhänger des erblichen Systems entmutigend, lvenn er das geistige Kaliber— um nicht von dem physischen Aussehen zu reden— gewisser edler Lords betrachtet. die bei grotzen Gelegenheiten aus ihrer würdevollen Vergessenheit hervorgegraben werden, um eine Matzregel zu Falle zu bringen. die der erblichen Kammer nicht genehm ist. Es ist sicherlich un- gereckt einem Volke gegenüber, das seine Zeit und seine Energie dazu verwendet, Mitglieder ins Parlament zu schicken, wenn ein Haufen unfähiger und unwissender Herren das Recht hat, Ivan» es ihnen beliebt, ins Oberhaus zu kommen, um auf unbestimmte Zeit eine Matzregel aufzuhalten, die der Nation nützt." Dieser Haufen setzt sich gegenwärtig aus 618 Mit- gliedern zusammen, unter denen sich 2 Erzbischöfe und 24 Bischöfe der anglikanischen Kirche sowie 16 Vertreter des schottischen und 28 Vertreter des irischen Adels befinden. Die grotze Masse der Lords gehört dem englischen Adel an und hat die Berechtignna und das Talent zur Gesetzgebung von den Vorfahren ererbt. Allerdings ist es mit der Abstammung der meisten nicht weit her. Nur wenige sind die Nach- lommen der feudalen Räuber, die im Mittelalter das Volk ausplünderten und sein Land stahlen. Eine grotze Anzahl stammt von jenen dunklen Ehrenmännern ab, die zur Zeit Georgs III. ins Oberhaus befördert wurden. Andere Mitglieder des Oberhauses haben die Maitresscn eng- lischer Könige als Stammütter, wie zum Beispiel der Herzog von St. Albans, der ein Abkömmling der schönen Nell Gwynne ist. Eine ganze Reihe sind reich gewordene Bier- brauer, Krämer und dergleichen Volk, die es verstanden haben. den konservativen Parteikarren zn schmieren. Nur wenige sind wirklich geistig hervorragende Männer, die nach der An- ficht der Anhänger des Zweikammersystems ihren Posten der- sehen könnten. Nur 110 von den 618 Mitgliedern gehören der liberalen Partei an, die übrigen sind samt und sonders zu der kon- 'ervativen Partei zu zählen. Eine liberale Regierung wie die jetzige ist daher stets in der Minorität, und dte Unschädlich- machung der Lords gehört daher auch zn den ungelösten Problemen des englischen Liberalismus. Der verstorbene liberale Premierminister Campbcll-Bannermau ver- suchte im Jahre 1907 das Veto der LordS durch eine Resolution des Unterhauses einzuschränken. Im Namen des Kabinetts schlug er eine mit 432 gegen 147 Stimmen angenommene Resolution vor, in der es hcitzt: „Um dem Willen des Volkes, wie er von dessen gewählten Vertretern zum Ausdruck kommt. Wirkung zu verleihen, ist es not- wendig, datz die Macht des anderen HauieS, Vorlagen abzuändern oder zu verwerfen, die von diesem Hause angenommen worden lind, durch da« Gesetz so eingeichränkl ivird, datz innerhalb der Dauer eines Parlaments der endgültige Beschlutz deS Hauses der Gemeinen Gesetzeskraft erhält." �. Eampbell-Bannerman dachte sich die Ausführung seines Planes ungefähr so: Wird eine vom Unterhause angenommene Vorlage vom Oberhause verworfen und kommt es in einer Ausschutzsitzung, die von beiden Kammern beschickt wird, zu keiner Einigung, so kann die Regierung dieselbe Vorlage nach einem gewissen Zeitraum wieder einbringen, und sollte dann das Oberhaus zum zweitenmal seine Zustimmung vor- enthalten, so verleiht eine abermalige formelle Einbringung und Annahme der Lorlage durch das Unterhaus allein der Vorlage Gesetzeskraft. Mit diesem umständlichen Verfahren, das den Lords einen grotzen Spielraum zur Betätigung ihrer volksfeindlichen Absichten gelassen hätte und das sich auch nur mit grotzer Schwierigkeit einführen Uetze, haben sich jedoch nicht viele be- freundet. Wollen sich die Liberalen nicht länger zum Gespött der Konservativen machen, so müssen sie einen viel geraderen und wirksameren Weg einschlagen. Die Frage des Ober- Hauses hat vor fünfundzwanzig Jahren der damals radikale Chamberlain in einer wuchtigen Rede, die noch heute oft zitiert wird, klargemacht. Er meinte: „Das Oberhaus hat jeden Mitzbrauch beschützt tind jedes Vorrecht hochgehalten. Es hat uns Gerechtigkeit verweigert und die Reformen verzögert. Es ist verantworlimgSlos, ohne datz cS unabhängig wäre, hartnäckig, ohne datz es dei> Mut hätte, willkürlich. ohne urteilen zu können, und anmaßend, ohne daß eS Kenntnisse besähe. Die LordS beanspruchen, uns vorzuschreiben die Gesetze, die wir machen sollen, die Art und Weise, in der ivir uns regieren sollen, Matzregeln, die von der Stimme des Volkes verlangt und nach gebührender Beratung von der Mehrheit der Volksvertreter angenommen worden sind, zu verderben, zu verzögern oder gar zu verwerfen. Das ist ein An- spruch, der gegen die Vernunft ist, der der Gerechtigkeit wider- spricht und dem wir uns bis zum Tode tvidersetzcn werden. DaS Matz ist beinahe voll. Eine anmaßende Ungerechtigkeit geht ihrem Ende entgegen. Wenn sie sich vor dem Willen des Volkes nicht beugen wollen, so sollen sie auf immer die Autorität verlieren, die sie so lange mitzbrancht haben." Solche Worte wären auch heute wieder am Platze, wo das Haus der Volksfeinde einen solch dreisten Schlag gegen die Rechte der Volksvertretung ausführt. Es rnatzt sich die Rechte der Krone au, die aber bekanntlich ohne die Zustimmung der verautivortlichcn Minister nichts unternehmen kann. Die Rechte der Krone sind hier so viel wie die Rechte der Volks- Vertretung, aus deren Mehrheit die Minister hervorgehen. Würde sich jetzt die Regierung schwach zeigen, so wäre es um die Freiheiten des englischen Parlaments geschehen; würde sie sich zu einem Kompromitz herbeilassen, so schwände damit eine gute Gelegenheit, mit den Lords abzurechnen, die so bald nicht wiederkehren dürfte. Ob freilich die Liberalen mit ganzer Energie und ganzer Rücksichtslosigkeit den Kampf führen werden, steht dahin. Die liberale Partei ist in Wirklichkeit durchaus nicht so homogen, wie es heute nach autzen hin scheint, wo die Kampfparole gegen das Oberhaus und für das populäre Budget der Partei die schon halb verlorene Aussicht auf Sieg in der bevor- stehenden Wahlschlacht wiedergeben. So darf man wohl die Frage stellen, ob der Angriff der Lords wirklich auf jenen unbeugsamen Widerstand der libe- ralen Partei stoßen wird, den die liberale Presse in den stärksten Worten ankündigt. Uni diese Frage zu beantworten, mutz man sich erinnern, wie die jetzige Krise entstanden ist. Die Gründung der Unabhängigen Arbeiterpartei ließ die Liberalen erkennen, datz sie endlich volkstümlichere Politik machen mutzten, wollten sie nicht riskieren, in kürzester Zeit die Arbeiter, die bisher in ihrem Gefolge marschierten, zu verlieren und damit ebenso einflutzlos zu iverden, wie der kontinentale Liberalismus. Diese Erkenntnis gab dem radikalen Flügel innerhalb der liberalen Partei die Ober- Hand, und seine Führer, der Finanzminister Lloyd George und der Haudelsminister Wi n st 0 n Churchill, nahmen in das Budget die neuen Besitzsteuern auf, die die Wut der Konservativen erregen. Die jetzige Krise ist also nur ein Teil der viel gewaltigeren und allgemeineren politischen Krise, die das Erwachen des starken englischen Proletariats zu politischem Selbstbewußtsein bedeutet, ein Prozeß, der nur abschließen kann mit dem endlichen Siege deS proletarischen Sozialismus. Der Kampf gegen die Lords wird aber damit zu einem Stück Klassenkampf des englischen Proletariats. Der Sieg über das Oberhaus würde bedeuten, datz die politische Entscheidung dein Hause der Gemeinen allein gebührt. Ein Bollwerk der Besitzenden würde damit geschleift. Es ist aber ein gemeinsames Interesse aller Besitzenden, daß sie die Verfügung über die politische Macht behalten. Je schärfer also der Kampf gegen das Oberhaus geführt werden wird. desto mehr mutz die Arbeiterpartei in den Vorder- grund des Kampfes rücken, desto schärfer mutz sich aber auch der Widerstand zwischen den Besitzinteressen und der überkommenen Ideologie in der liberalen Partei zu- spitzen. Schon heute ist es nur ein Teil der Liberalen. der wirklich mit ganzem Herzen bei dem Kampfe ist. Je länger der Kampf dauert, desto leichter die Möglich- keit, daß die kapitalistisch interessierten Elemente der Partei— und sie bilden ihre Mehrheit— sich auf die Seite der Gegner schlagen. Dieser Zwiespalt in der liberalen Partei läßt aber erwarten, datz sie den Kampf nicht mit jener Energie führen wird, die allein einen vollen Erfolg verbürgt. Darum hängt der Ausgang nicht von der liberalen, sondern von der Arbeiterpartei ab.«w muß mit allen Mitteln die zögernden Liberalen vorantreiben und ihnen jeden Rückzug durch Entfachung einer grotzen Volksbewegung ver- legen. Nur so kann der Sieg errungen werden. Sxpeditlsn: 8M. 68, Lindenstraeee 69, Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984» Kommanalfreilinn und Cehrerfchaft. Im Scherischen„Tag" beschäftigt sich ein Lehrer Menzel mit dem Berliner Kommunalfreisinn und seinem Verhalten zu der Lehrerschaft. Herr Menzel wehrt sich dagegen, als seien die Lehrer nicht liberal, weil sie bei den letzten Landtags- und Stadt- verordnetenwahlen nicht in dem Matze für den Kommunalfreisimr eingetreten seien, wie das früher der Fall gewesen. In dem Artikel heißt es unter anderem: „Es ist der Berliner Lehrerschaft niemals eingefallen, den Kampf gegen den Liberalismus selbst zu führen, wohl aber hat sie sich gegen seine gefährliche Abart, den Kommunal- liberalismus, und gegen jene Männer gewendet, die sich liberal nennen, ohne es zu sein und je zu be- weisen. Für sie zu arbeiten, für sie auch nur den Gang zur Wahlurne anzutreten, hat sie abgelehnt. Und nicht der Lehrer- schaft soll man daraus einen Vorwurf machen, die Partei selbst hat sie dazu gezwungen. Und zwar nicht nur durch ihr Verhalten in der Lchrerbcsoldung. Das mar schließlich nur das letzte GUed in der Kette all der Ereignisse, die diese Stellung herbeiführen mutzten. Man vergleiche: Im A b g e 0 r d n e t e n h a u s e tritt die Partei für die allgemeine B 0 l l S s ch u l e ein, in Verlin gibt eS kaum eine höhere Schule(von den Real- schulen abgesehen), die ohne Vorschule wäre; im Ab- geordneten Hause kämpft die Partei für die Simultan- schule, in Berlin gründet man nur Konfessionsschulen: im Abgeordnelenhause fordert man F a ch a u f s i ch t und ein Avancement für die Volksschullehrer, in Berlin aber stellt man nur akademisch gebildete Schulinspektoren an, ohne danach zu fragen, ob sie praklische Erfahrung im Volksschulunterricht besitzen, ja, man nimmt nicht einmal die in: SchulunterhaltungS- gefetz zil gelassene Zahl von Volksschullchrern in die städtische Schuldevutation auf; im Abgeordnetenhause fordert die Partei die Gleichstellung der Lehrer mit den Ver- walttuigösekretären, in Berlin vergrößert man die Differenz zwischen den Gehältern beider Gruppen. Wie frohlockt das Griippchen der Lehrer, die ins Lager des Bundes der Landwirte übergegangen sind»»d sich«zn den offenen Feinde» aller Stadtlcbrer bekennen.„Da seht ihr die Männer, die gegen den Bremserlatz gewettert haben! Jetzt habt ihr liberalen Lehrer den Lohn dafür, datz ihr immer wieder für die Autonomie der Gemeinden auf dem Gebiete des Volksschulwesens ein- getreten seid, nun lassen sie euch im Stich!" So tönt's aus diesem Lager zu lins herüber, und wir müssen schweigen, denn sie haben leider recht. Je mehr ein Lehrer von der Notwendigkeit des Liberalismus überzeugt ist, je mehr er in seinem Herzen sich zu dieser Weltanschauung bekennt, um so bitterer mutzten für ihn diese Erfahrungen sei», um so mehr mutzte es ihn jetzt dazu drängen, endlich von den Männern öffentlich abzurücken, die ihm die Zugehörigkeit zu dieser Partei unnötig erschweren." Das doppelzüngige Verhalten deS Berliner KomunnialfreisinnS hat Herr Menzel recht treffend gekennzeichnet, nur zieht er mit seiner Kritik falsche Schlüsse. ES ist ganz unlogisch, datz der Liberalismus seine Grundsätze aufgegeben hat und zu gleicher Zeit den Lehrern zuzumuten, für den Liberalismus zu w i r k e n I Sei' Keichsverband und deutsche SerechtlgM. Die Reichsverbändler in Fricdlanb(Mccklenburg-Strelitz)' be- sitzen eine geradezu mimos-enhafte Empfindlichkeit, wenn die Sozial- demokraten nach dem bekannten Grundsatz verfahren:„Auf einen Schelm anderthalbe". Als vor einigen Monaten in einer Bersamm- lung in Friedland Genosse Kraay aus schwere Beschimpftingcn gegen die Sozialdemokratie antwortete und dabei das Wort„Reichslügen- verbändler" gebrauchte, lief der Fabrikdirektor Höcker, ein Vor- standsmitglied der Ortsgruppe Fricdland des Reichsverlimdes, zuur Kadi und verklagte Kraatz wegen Beleidigung. Taö Schöffengericht (Amtsrichter Dr. Brückner) konstruierte den Begriff der Kollektiv- bcleidigung und verurteilte K. in Rücksicht auf die„Schwere des Falles" zu drei Wochen Gefängnis. Die Strafe wurde vom Land- gericht in eine Geldstrafe von 39 At. umgewandelt. Jetzt haben es die Friedländer Reichsverbändler nicht mehu nötig, wie gewöhnliche Sterbliche den Privntklageweg zu dcschrciteu. denn die Staatsanwaltschaft greift nunmehr„im öffentlichen Interesse" ein, wenn die Kollektivbeleidigung„ReichSlügcnverband" fällt. Als vor einiger Zeit der Friedländer Bürgermrister VruhnS sich im gelben Arbeiterverein in heftige» Ausfällen auf die Sozial- demokratie gefiel, berief kurz danach der Gauleiter deS Fabrik« arbeiterverbandev, Wiesenhütter-Stettin, eine Versammlung in Friedland mittels Handzettels ein, ans welchem die„Freunde drS RcichSIiigcnverbandeS freundlichst zur Teilnahme und Diskussion" eingeladen wurden. Der schon erwähnte Vorsitzende der Friedländer Reichsverländlcr, Fabrikdirektor Höcker, erachtete sich für beleidigt. Seine Empfindlichkeit hatte den Erfolg, datz der Oberstaatsanwalt die Offizialklage gegen Wiefenhüttcr einleitete.'Durch seinen Ver- teidiger, Dr. Herz-Altona, lehnte der Angeklagte den Amtsrichter Brückner wegen Befangenheit ab, weil dieser in der Urteilsbcgrün- duny gegen Kraatz aus seiner intensiven Almeigung gegen die Sozialdemokratie keinen Hehl gemacht hatte. Amtsrichter B. hatte unter anderem erklärt, der Reichsverband sei ein Verein patriotisch gesinnter Männer, die Sozialdemokratie und ihre Führer seien im Reichstage wiederholt auf Unwahrheiten festgenagelt, der An- geklagte betreibe lediglich Hetzereien und Erregung von Klassen- Hätz usw. In seinem Ablehnungsgesuch führte Dr. Herz sehr zu- treffend aus, datz das Urteil des Amtsrichters Dr. Brückner nach Form und Inhalt nicht den Charakter einer objektiven, über dem Streit der Parteien stehenden richterlichen Erwägung trage, viel» mehr emen Ton anschlage,„der wohl für den politischen Partei» gänger, nicht aber für den objektiven Richter als angciuesien be- zeichnet werden mutz". VieseS AblchttungSgcsuSi hatte den Erfolg, das- ci» anderer Wichtcr mit dem Vorsitz betraut wurde. Die Verhandlung vor dem * Schöffengericht Friedland fand vor einigen Tagen statt. Die Reichs- verbändler traten als Zeugen auf. Aber große Freude hatten sie bei ihrer Vernehmung nicht. Tie mußten zugeben, daß Bürger- mcistrr Brnhn» scharfe Angriffe gegen die Tozialdcmokratie gr- richtet und von Hetzern und Umstiirzlcrn gesprochen habe. Auf die Frage von Dr. Herz, ob nicht in ihren Versammlungen und Zeitungen Beschimpfungen gegen die Sozialdemokratie an der Tagesordnung seien, erklärten die harmlosen Herren, davon wüßte» sie nichts. Das Vorstandsmitglied Werkmeister Berg erklärte unter seinem Tide, ihm seien solche Beschimpfungen nicht bekannt, er habe die Flugschriften des Reichsverbandes nur drei- bis viermal gelesen I Diese Erklärung des Führers der Friedländer Reichs- verbändler. die ihm selbst das Zeugnis völliger politischer Unwißcn- beii und Fnicrcssenlosigkeit ausstellte, rief ini Gerichtsfaale Kopf- schütteln hervor. Auch Senator Schulz bekundete, daß er trotz seiner Zugehörigkeit zum Vorstande sich um den Rcichsverband nicht kümmere. Nur in Herrn Fabrikdirektor Höcker dämmerte unter dem Druck der an ihn gerichteten Fragen die Erinnerung auf, daß der Reichsverband es seinerseits an Beschimpfungen der Sozial- demokratie nicht fehlen lasse, um aber in demselben Atemzuge zu erklären, daß er sich außerordentlich darüber beleidigt fühle, wenn die Sozialdemokratie dem ReichZverbande gegenüber mal ein kräs- tiges Wort gebrauche. Die Behauptung des Angeklagten, daß die über den TerroriSinus der Sozialdemokratie schreienden Reichs- vcrbändler in Fricdland selbst Tcrrorismus ausübten und ihr Führer Berg jedem seiner Arbeiter einen Revers vorlegt, durch den sie auf Zugehörigkeit zur Partei und(Ssewerkschaft verzichten müssen, wurde vom Gericht als wahr unterstellt und eine weitere Vernehmung hierüber nicht für erforderlich erachtet. Der Amtsanwalt gab zu, daß zwischen den Parteien gegenseitig große Erbitterung herrsche, und beantragte eine Geldstrafe. Dr. Herz warf eingangs seines Plädoyers die Frage auf, ob auch beleidigte Sozialdemokraten sich desselben Schutzes erfreuen würden, wie der Reichsverband, der bislang noch keine staatliche Institution sei? Die Staatsanwaltschaft würde im umgekehrten Falle Wohl keine-Offizialtlage erheben. Bisher sei es anerkannte Gepflogenheit aller politischen Parteien gewesen, die freie Mei- nungsäußerung nicht durch Jnjuricnprozesse zu beschränken. Der ReickiSverband sei von diesem Grundsatze, den Männer verschieden- ster Richtung, wie Bülow, Eugen Richter, Bebel uiid andere, an- erkannt hätten, abgewichen und führe den Kampf statt mit geistigen Waffen mit Bagatellprozessen. Und da», wiewohl er selbst in seiner Kampfesmethode gegen die Sozialdemokratie skrupellos verfahre. Die Friedländer Reichsverbändler, die gegen die Sozialdemokratie fröhlich losschimpsten und sofort zum Kadi laufen, wenn ihnen kräftig erwidert würde, seien ein Musterbeispiel für solche Taktik. Nach Ausführungen juristischer Natur trat der Verteidiger für die Zubilligung des§ 103 des Strafgesetzbuches ein und beantragte die Freisprechung seines Klienten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 50 M. Geldstrafe; die Strafe sei ausreichend, weil es sich um eine im heftigen Poli- tischen Kampfe gefallene Aeußerung handle. Damit endete die große Haupt- und Staatsaktion in erster Instanz, deren Ausgang die Friedländer Privilegierten offenbar sehr enttäuscht hatte, die geglaubt hatten, einen politischen Gegner ins Gefängnis bringen zu rönnen. Hofsenilich beschreitet der An- geklagte den Berufungsweg. Er ist zu Unrecht verurteilt, weil eine richtige jtzennzeichnung eines verwerflichen Gebarens keine Beleidigung ist und weil die Konstruktion der Kollektivbekeidigung den Reichsvcrbändlern gegenüber unter Ablehnung ihrer Anwendung auf die Sozialdemokraten ein handgreiflicher Schlag ins Gesicht des Rechts ist. Sollte aber die zweite Instanz das verurteilende Erkenntnis wider Ertvarten bestätigen, so wäre solcher Erfolg an- gestchis eines Plans einer Machterweiterung des Staatsanwalts zur Charakterisierung der deutschen Rechtspflege von agitatorisch schätzbarem Erfolge.„Habt Vertrauen zu den Richtern und Staats- anwältenl" ist die ständige Bitte der bei der Klassenjustiz den Hammer Schwingenden. Welcher Unschuldige, der auf dem Ambos deutscher Justiz zu liegen kommt, hat auch nur noch den Rest solchen Vertrauens in. politischen-und gegen die Arbeiterklasse ge- richteten Prozessen? Die Verurteilung lehrt, daß bei Anwendung des Wortes NeichSverbandslügner man vorsichtigerweise alle die- jenigen Reichsverbändler ausdrücklich ausnimmt, die von der Un- Wahrheit der in den Druckerzeugnissen und von Rednern des Reichs- Verbandes ausgestreuten Verdächtigungen so wenig eine Ahnung haben, wie die Zeugen in diesem Prozeß. vek lszialciemskratiiche Bürgermeister. AuS Kopenhagen wird uns geschrieben: Mit der Bürgermeisterwahl am Montag hat der zweite Sozial- dcmokrat einen der vier Bürgermeisterposten der dänischen Haupt- stadt übernommen, vorausgesetzt, daß er von der Regierung bestätigt wird, woran aber nicht zu zweifeln ist. Der erste sozialdemo. kratische Bürgermeisters Kopenhagens, der im Jahre 1903 gewählte Genosse I. Jensen, hat bekanntlich das Finanzwesen der Stadt zu verwalten, der Genosse P. K n u d s e n ist als„Armen. bürgermeister" gewählt, das heißt, er hat die Abteilung für Armen- pflege und soziale Fürsorge zu verwalten. Jensen war. als er zum Bürgermeister gewählt wurde, langjähriger Vorfitzender des Ge- samtverbandeS der dänischen Gewerkschaften, während Knudsen seit vielen Jahren Vorsitzender der sozialdemokratischen Partei Dänemarks ist. Wie bei der Bürgermeisterwahl von 1903 die ge- werkschaftliche Arbeiterbewegung, so verliert jetzt die politische Arbeiterbewegung ihren obersten Leiter. Denn ftnudsen wird das Amt des Parteivorsitzenden aufgeben, um seiue volle Kraft dem Dienst der Stadt zu widmen und damit dem Dienst der Aermsten unter den Armen. Als der ehemalige Malergeselle Jensen Finanz- bürgermeister wurde, da taten die Gegner so. als ob dieser Prolet, dieser„Mann ohne Examen", niemals fähig fein könnte, den Posten auszufüllen. Aber Jensen zeigte von Anfang an. daß er seines Amtes vollkommen gewachsen war, und jetzt erkennt da» auch jeder ehrliche Mensch an. P. Knudsen war ursprünglich Handschuhmacher von Beruf und hat in den siebziger Jahren den Ber- band der Handschuhmacher begründet. Auch in der politischen Ar- beiterbewegung War er von Anfang an als einer der eifrigsten Genossen tätig. Im Jahre 1890 wurde er das erste Mal als FolkethingSabgeordneter gewählt, 1897 als Stadtverordneter, 1902 von der Stadtverordnetenversammlung als Magistratsmitglied für dieselbe Abteilung, die er jetzt als Bürgermeister verwalten wird. Im übrigen war er in den siebziger Jahren auch als Organisator der Krankenkassen tätig, und später hat er sich unter anderem be° sonders eingehend mit der Sozialversicherung befaßt. Tie Antisozialisten, die über 10 Stimmen im Stadtparkament verfügen, hatten alles aufgeboten, um Knudsens Wahl zu ver- hindern. Erst suchten sie mit den Liberalen einen Pakt zu schließen, nämlich so, daß ein Liberaler Bürgermeister werden und die Liberalen dann im nächsten Jahre dafür sorgen sollten, daß zwei Antisozialisten als Magistratsräte gewählt würden. Als die Liberalen auf das faule Geschäft nicht eingehen wollten, waren sie bereit, auch ohne Gegenleistung für deren Kandidaten zu stimmen. Da verzichtete aber der Liberale auf die Kandidatur, und die Antisozialisten stimmten schließlich für einen jungen Mann, der Assistent im Landwirtschaftsministerium ist. Die libe- raten Stadtverordneten enthielten sich der Stimme und mit ihnen ein weibliches Mitglied des Stadtparlaments, das zwar jeinerzplt von einer christlich-reaktionären Gruppe gewählt worden ist, aber infolge ehrlich sozialer Gesinnung für die antisozialistische Politik nicht zu haben ist, und nun auch, wie die 6 Liberalen, der Sozial- demokratie, der stärksten Fraktion des SkadtparlamentS, die Be- setzung des Bürgcrmeisterpostens überließ. Die Sozialdemokratie verfügt über 20 Mandate, aber da einer ihrer Stadtverordneten schwer erkrankt ist und Knudsen selbstverständlich nicht mitstimmte, wurden 18 Stimmen für ihn abgegeben. Knudsen hat am Dienstag sein 61. Lebensjahr erreicht. Er besitzt aber trotz seiner Jahre eine gewaltige Arbeitskraft, die ihn in den Stand setzt, mehr zu leisten, als es manchem jüngeren Manne vergönnt ist.„Socialdemokraten" schreibt zu Knudsens Wahl unter anderem: „Unsere Partei ist nicht blind für die Schwierigkeiten� die P. Knudsen auf seinem neuen Tätigkeitsfelde entgegentreten. Die finanzielle Lage der Kommunen ist nicht gut, und die demokratische Steuerreform, die sie verbessern sollte, ist noch nicht durchgeführt. Die Machtbefugnisse der Kommune sind stark begrenzt, und ihre soziale Tätigkeit ist eingeengt durch die bestehenden Gesetze, durch das Aufsichtsrecht der Regierung und die Interessen der übrigen Kommunen. Wir erwarten und können von einem sozialdemo- kratischen Bürgermeister keine Wunder erwarten, so wenig wie von der Tätigkeit irgendeines einzelnen Mannes. Die Sozial- demokratie glaubt überhaupt nicht an Wunder. Die Umgestaltung der Gesellschaft ist die Frucht des Wirkens und Zusammenwirkens Tausender von Kräften. Selbst durch die Eroberung der Staats- macht kann die Gesellschaft nicht mit einem Schlage von Grund aus umgestaltet werden. Aber mit jeder Position, die wir erobern, rücken wir einen Schritt vorwärts dem Ziele entgegen. Was unter den gegen- wärtigen Verhältnissen ausgerichtet werden kann, das wird am besten durch unsere eigenen Männer vollführt. Was innerhalb des Nahmens der bestehenden Gesetzgebung für die Armen, Leidenden und Alten durch die soziale Fürsorge der Kommune ausgerichtet werden kann, das wird P. Knudsen ausrichten.... Unsere Gegner lieben es, zu behaupten, daß die Sozialdemo- kratie nur eine AgitationSpartei fei. Wir find eine Agitations» Partei und werde» es bleiben, bis unsere Agitation ihr Ziel er- reicht hat. Aber unsere Bewegung ist zugleich das Gemeinwesen positiv umgestaltend und aufbauend. Daß wir nicht vor der Ver- antwortuing zurückweichen, wo die Stärke unserer Bewegung uns dazu berechtigt und verpflichtet, das zeigten wir. als wir F. Jensen zum Finanzbürgermeister wählten, und das zeigt P. Knudsens Wahl zum Armenbürgermeister. Sie bilden noch. zusammen mit dem Magistratsrat K. M. Klausen, eine Minderheit im Magistrat. Aber an dem Tage, da wir die Stärke und Stimmen dazu haben werden, nehmen wir die Mehrheit, ihre Macht und ihre Verantwortung." In der Strafsache gegen den Redakteur Georg Dabidsohn in Berlin, Pasteurstraße 13, gebore» am 20. August 1872 in Gnesen, mosaischer Religion, wegen Beleidigung durch die Presse, hat die 4. Feritn-Strafkammer des Königlichen Landgerichts I in Berlin am 22. Juli 1909 für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung der dem preußischen Heereskontingents angehörigen Offiziere und Unter- offiziere zu einer Geldstrafe von 500— fünfhundert— Mark, an deren Stelle im Nichtbeitreibungsfalle für je 10— zehn— Mark 1— ein— Tag Gefängnis tritt, und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Die am 4. August 1908 erschienene Nr. 180 der Zeitung„Vor- wärtö" ist in allen Exemplaren insoweit unbrauchbar zu macken, als sie den Artikel mit der Ueberschrift„Schinderknechte" enthält. ebenso alle zur Herstellung dieses Artikels bestimmten Platten und Form«». Dem preußischen Kriegsminister wird die Befugnis zug». sprachen, die Verurteilung des Angeklagte» binnen 4— vier— Wochen nach Zustellung des rechtskräftigen Urteils durch einmalige Einrückung der Urteilsformel in dem„Vorwärts" auf Kosten des Angeklagten bekannt zu machen. politische(leberNebt. Berlin, den 23. November 1909. Nationalliberaler Terrorismus. Die klerikale„Köln. Vollsztg." berichtet, daß bei der kürzlich in Altenefsen vollzogenen Gemeinderatswahl die Nationalliberalen zu den ärgsten terroristischen Maßnahmen gegen die katholischen Bergarbeiter gegriffen haben: „Die nationalliberalen Zechenherren', so erzählt das ultramon- tane Blatt,„übten eine Kontrolle bei der Wahl aus, die ihre„Wahl- rechtSfreundlichkeit" treffend illustriert. In einer Zahl von mehr als 20. zeitweilig soll es sogar die doppelte Anzahl gewesen sein, faßten die Betriebsführer und Steiger der einzelnen Zechen vor dem Wahltisch Posta, um die Abstimmung der Wähler zu kontrollieren. Die von der Zentrumspartei dagegen erhobenen Proteste ließ der als Vorsitzender des Wahlvorstandes fungierende Beigeordnete unbeachtet; infolgedessen hat am ersten Wahl- tage der von der Zentrumspartei bestellte Beisitzer sein Aint nieder- gelegt. Die verschiedentlich von der Zentrumspartei unternommenen Versuche, die Kontrollierung der Abstimmung dadurch zu verhindern, daß man sich den BetriebSführern und Steigern in den Weg stellte, blieben erfolglos, weil der Vertreter der Polizei auf Entfernung drang. Die Herren von der Zeche konnten sogar einen besonderen Eingang be- nutzen, um zu ihren Beobachtungsplätzen zu gelangen. Tatsache ist, daß in dem gleichen Augenblick, wo die Nationalliberalen in Presse und Versammlung ungestüm nach einer Wahlreform schreien, die durch- die geheime Abstimmung gekrönt werden soll, die nationalliberalen Zechenherren in Altenessen die öffentliche Abstimmung kontrollieren und den ärgsten WahlterroriSmuS treiben. Tatsache ist, daß man auf der Zeche Fritz denjenigen Bergleuten, von denen man annahm, daß sie nicht für daS Zentrum stimmen würden, bei Antritt der MittagSschicht die Kontrollmarken verweigerte, und sie zur Ausübung deS Wahlrechts, natürlich für die Zechenkandidaten, veranlaßte." Wir glauben der„Köln. VolkSztg." ihre Darstellung aufs Wort. sind doch derartige gemein? Praltiken der nach„Bildung und Besitz maßgebenden' Partei durchaus nichts Seltenes. DaS hindert natür- lich die nationalliberale Presse nicht, über sozialdemokratischen TerroriSmuS zu räsonmeren und mit der ihr eigenen heuchlerischen Verlogenheit die Untergrabung deS politischen Idealismus— als Hüter dieses komischon Idealismus betrachtet sie sich natürlich selbst— durch die Sozialdemokratie zu be- jammern. Aber treiben dort, wo sie die Macht haben. nicht die Blockverbündeten de-Z Zentrums, die Konservativen, genau dasselbe niederträchtige Spiel? Und wie steht eS mit den Klerikalen? Hat die ehrsame„Köln. Volksztg." nie etwas davon gehört, daß in den stockkatholischen Gegenden die treuen Anhänger des Zentrums und der Kirche ebenfalls nach den» nationalliberalen terroristischen Rezept verfahren?_ Die Lehren von Landöberg-Äoldin. Die„Volks-Ztg." begrüßt cS als einen großen politischen Fortschritt, daß in LandSbcrg-Soldin einige Tausend Frei- sinnige soviel liberale Uebcrzeugungstreue aufgebracht haben. bei der Stichwahl gegen den Agrarier und für den sozialdemokratischen Kandidaten zu stimmen. Das tvildfreisinmge Blatt stellt dieser Abstimmung eines Teils der. Liberalen des Landsbcrg-Soldiner Kreises die� schmachvolle Liste der Fälle gegenüber, wo, wie in Eschwege-Schmalkalde:'., Ober-Barnim. Potsdam-Osthavclland, Randow-Greifenhagcn usw., die Freisinnigen den Konservativen und A n t i- semiten zum Siege über die Sozialdemokratie verhalfeu und bemerkt dann: „In allen di'esen z w a n z i g W a h l k r e i s en, von denen der größte Teil in Ostelbien liegt, ist der Sieg der Konservativen bei den nächsten RcichstagSwahlen u n- möglich, wenn nur ein beträchtlicher Bruchteil der freisinnigen Stimmen— es braucht noch niä: einmal die Hälfte zu sein— in der Stichwahl dein sozialdemokratischen und nicht dem reaktionären Kandidaten zugewendet wird. Die Probe auf da: Exenipel ist übrigens vor kurzem bei der Ersatzwahl im Wahl- kreise Koburg gemacht worden, wo die N a t i o n a l l i b e r a l e:r die Leidtragenden waren. Hier haben die Freisinnigen dem sozialdcmoirarischen Kandidaten sogar de» Zkationalliberalen gegen- über, die sich sehr lange im Besitz des Mandats befunden baltei?, in der Stichwahl zum Siege verholten. Es ist daher zu er- hoffen, daß dies um so inehr bei den kommenden Reichstags- Wahlen in den von uns namentlich aufgeführten 20 Wahl- kreisen der Fall sein wird, in denen es sich um noch weiter rechts stehende Reaktionäre handelt, als eS die NationaUiberalcu sind." Es ist durchaus richtig, daß gerade der Freisinn selbst durch seine der Reaktion geleistete Stichlvahlhilfe die Macht des Junkertums gestärkt hat. Hätte der Freisinn in den von der„Volks-Ztg." aufgeführten zwanzig Wahlkreisen den Konserativen eine Niederlage bereiten helfen, so wäre der Steuerraubzug des Schnapsblocks undurch f ü h r b a r gewesen! Ob der Freisinn aus den letzten politischen Ereignissen endlich die von der„Volks-Ztg." gepredigte Lehre ziehen wird? Kommnnalwahlen. Glänzender Sieg in Gera. Gera(Reuß j. L.), 25. November.(Privatdcpesche des „Vorwärts"). Bei der Gemeiiideralswahl wurden 11 So- zialdemokraten und zwei Bürgerliche gewählt. Von 6509 Wählern haben 5420 gewählt. Die Sozialdemokraten erhielten 2554—3195, die Gegner 2175—2646 Stimmen. Die Sozial- demokratie hat 10 Mandate neu erobertl » Fürstenwalde, 27. November. lPrivotdePesche des „Vorwärts Bei der hemigen Stadtverordnetenwahl in der dritten Abteilung siegten die drei sozialdemokratischen Kaildidatcu mit 1029—1035 Stimmen. Die Gegner erhielten 177, 132 und 127 Stimmen. Die Sozialdemokratie ist nunmehr in dem 30 Köpfe zählenden Stadtparlament durch sechs Stadtverordnete vertreten. Morgen finden die Wahlen in der zweiten Abteilung statt, an denen sich unsere Genossen ebenfalls beteiligen. » Sommerfeld, 26. November. tPrivatdepesche deZ„Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordneten- St ich wähl erhielten ein Bürgerlicher 233, die beiden sozialdemokratischen Kandidaten 17 t und 170 Slimnien. Ter StinnnenzuwachS gegen die Hauptwahl betrug bei den Bürgerlichen 84. bei den Sozialdemokraten 31 bezw. 35. Gewählt ist neben einem Bürgerlichen ein Sozial- d e m o k r a t l Die Bürgerlichen vermochten noch einmal mit Hilfe des KriegervereinS„Wilhelm", der»eben dem Aderlaß nach der Hauptwahl auch»och am Stichwahltage ein Flugblatt verbreiten ließ, von den drei Mandaten zivei zu halten, konnten aber nicht verhindern, daß trotz allem schamlosen Terrorismus ein Sozial- demokrat gewählt wurde. » Eo-Zwig(Auhalt), 25. November.(Privatdepesche des „Vorwärts".) Die Sozialdemokratie siegte bei der Stadt- verordnetenwahl über die Bürgerlichen mit rund 120 Stimmen Majorität. Von 18 Sitzen erhält die Sozialdemo- kratie 131 » Bei der Stadtverordnetenwahl in Höh enstein-Ernstthal behauptete die Sozialdemokratie ihre beiden bisherigen Mandate und hatte außerdem einen erheblichen Zuwachs an Stimmen. Von sozialdemokratischer Seite soll Protest gegen die Wahl eingelegt werden, da am 2l. November die Liste der wahlberechtigten Bürge: geschlossen wurde, am 23. November aber nochmals Bürger- Verpflichtung staltfand, worauf die neuen Bürger sich schon an der diesjährigen Wahl beteiligen konnten. * In Schonnebeck(Kreis Essen) eroberte die Sozialdcmolratie die letzten bisher noch von den Bürgerlichen behaupteten drei Sitze der 3. A b t e i l u n g und drei Sitze in der 2. Abtei- l u n g, so daß sie jetzt über neun Mandate verfügt. » In die Vertretung des Städtchens Löbejün bei Halle ziehen zum ersten Male drei Sozialdemokraten ein. Ebenso wurden in Delitzsch bei Halle zum ersten Male drei Sozialdemokraten gewählt. « In Bitterfeld wurde ein Sozialdemokrat ge- wählt; zwei stehen in Stichwahl. Bisher hatten unser: Genossen keine Vertretung auf dem Liathause.— Ein Mandat wurde von der Sozialdemokratie in Ke Ibra(Kreis Sangerhauseu) erobert. » In Gerbstedt(ManSfelder Streikgebiet) wurden drei Sozialdeinokraten gewählt.— In Er m Sieben(eben- falls im Streitgebiet) stehen zwei Genossen mit einem Bürgerlichen in Stichwahl. Die Wahl eines Genossen ist sicher. Bei der Stadtverordnetenwahl in Windecken(Krei> Hanau a. M.) siegten am 24. Stovcmber i» der 3. Wählcrllasse zwei sozialdemokratische Kandidaten mit 105 gegen 42 gegnerische Stimmen. Vor zwei Jahren unterlog die Sozia.'- demokratie. Vielen Arbeiter» fehlt in Windecken das Wahlrech:, weil letzteres an die Erwerbung des Ortsbürgerrechtes--- welches 11,50 M. kostet— gebunden ist. • Zum Wahlsieg in Dortmund schreibt die„Arbeiter-Zeitung':„Mit einem überwältigenden' Erfolge der Sozialdemokratie hat die Dortmunder Stadtverordneten- wähl geendet: drei Mandate haben wir aus den ersten Hieb erobert! Schwerer und aufopfernder Arbeit wurde herrlicher Lohir! Der An- stnrm der Schwarzen, die mit verzweifelter Wut bis zur letzten Minute arbeiteicn. wurde glänzend zurückgeschlagen! Am Freitag und SamSlag guitliorte daü arbeirende Volk Dortmunds über de» niederträchtige» Steuerraubzug dieses Sommers! Lambert Lensing, unser alter Todfeind, den das Zentrum in einem seiner anscheinend„bombensicheren" Wahlbezirke aufgestellt batte, muß in der Stichwahl um das Mandat ringen. Auch da:, ist ein moralischer Erfolg unserer Arbeit, der gar nicht hoch genug dtrsnschlagt werden lami 1 ES versteht sich ganz von selbst, dost nn der Sticbwahl von unserer Seite— unbeschadet unserer grnnd- sätzlichen Gegnerschaft zum LcheraliSniuS, die selbstverständlich in voller Schärfe bestehen bleibt— alles geschehen m u s;, um diesen brutalen Arbeiterfeind zu Falle zu bringen I Erst mit Lensings Sturz ist die Niederlage der schwarzen VollSverräter voll- ständig. Herrsich. wie unser Mandatserfolg, ist auch unser Stimmen- zuwachs. Von 2f3Sl Stimmen im Jahr jAQ3 schnellte unsere Stiniinenzahl diesmal auf 6692 enipor! Bchiaq?'..XK) Dortmunder Wähler bekannten sich diesmal bei öffentlicher Stimmabgabe zur Sozialdemokratie I Eine Tatsache, die uns stolz und freudig das Herz höher schlagen lügtl__ Nationalliberaler Schmcrzensschrei. Die Stimmung in den„nationalen" Parteien kommt in folgendem Zirkular recht hübsch zum Ausdruck, das die nationalliberale Partei in Nürnberg an ihre Anhänger versandt hat: Streng vertraulich! Nürnberg, 3. November 1909. Sehr geehrter Parteifreund I Die LandtagSwaHlen in Baden und Sachsen sowie die ReichStagSnachwahlen in Hannover und Koburg zeigten ein An- wachsen der sozialdeiitokratiichen Stiminen aus Kosten der bürger- lichcn Parteien. Offensichtlich treibt die Unzufriedenheit mit den neuen Reichssteuern viele Wähler der Sozialdemokratie zu. Wie bei jeder allgemeinen Unzufriedenheit des Volkes haben auch diesmal nur die radikalen Parteien Gewinn. Die Mittel- Parteien aber, besonders die natioualliberale, tragen auch diesmal den Schaden, obivohl sie im Verein mit der gesamten Linken eine gerechtere Verteilung der Steuern sErbschaflSsteuer!) ernstlich an- gestrebt haben. Zu den erwähnten Misterfolgen der National- liberalen in den Nachbarländern kommt ihre schwierige Lage m �>. Bayern. Es erscheint erklärlich, wenn unter solchen Uniständen mancher • Parteifreund sich von dcrPolitik zurückzieht, und doch hat die national- liberale Partei eine groste unentbehrliche Arbeit im Reiche und in den Eiuzetstaaten zu leisten und sie must sich bereit und gernstet halten für die Zeiten, in denen nicht nur wie jetzt fast ausschliest- lich wirtschaftliche Fragen zur Entscheidung stehen, sondern wieder groste politiiche" Werte erhalten und geschaffen werden muffen. Um diese historische Aufgabe auch fernerhin ehrenvoll und wirksam lösen zu können. bedarf die Partei der Mitarbeit aller Männer, welche treue, opferbereite Arbeit für das Vaterland als höchste Pflicht des bewustte» Staatsbürgers anerkennen und zu- Bleich der Idee eines besonnenen innerlich wahren Liberalismus uldigen. Es ergeht daher an Sie, sehr geehrter Herr, die Bitte, sich, soweit eS Ihnen möglich ist, im hiesigen Nationalliberalen Verein zu betätigen und insbesondere an den monatlichen Vortrags- und DiSkussionSabenden im. Annoncenteil des„Frättkischen Kurier" und der„Nordbayerischen Zeitung" und des„Generalanzeigers". Austerdem bitte» wir Sie dringend, uns solche Herren Ihrer Bekanntschaft, die Ihnen liberal gesinnt zu sein scheinen, schriftlich oder persönlich namhaft zu machen, damit wir dieselben, falls sie unseren, Verein noch nicht angehören, besonders zum Beiwitt ein- laden können. Dabei bemerken wir, daß der Jahresmindescheitrag 1 M. beträgt. Indem wir Sie ersuchen, auch im persönlichen Verkehr für unseren Verein Mitglieder zu werben, namentlich ueuzugezogene Herren auf unseren Verein aufmerksam z» machen, bitten wir Sie, unter Zusicherung strengster Diskretion. Ihre gütigen Zuschriften gütigst au Herm Rechtsanwalt Otto Beyer, hier, Hauptmarlt 17/1, zu richten. Mit ergebenstem Parteigrust! Der Vorstand des Nationalliberalen Vereins Nürnberg. Aus dem badischen Landtage. Karlsruhe, 24. November. Die Zweite Kammer überwies die Prüfung von vier sozialdemokratischen und fünf anderen Mandaten an die WablvrüfnngSkouimission. Alle anderen Mandate wurden für gültig erklärt. lieber die Eröffnung deS Landtags wird uns noch geschrieben: Ueber die politische Situation schweigt sich die Thronrede völlig ans, obgleich die Regierung zwischen Haupt- und Stichwahl in den Wahlkampf eingegriffen und einer Sammlung der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie in ihrem offiziellen RegierungS- organ. der„Karlsruher Zeitutig", das Wort geredet halte. Der Ausfall der Wahl hat es ihr vorteilhaft erscheinen iaffen, diese Stellung bei Eröffnung des Landtags überhaupt nicht zu erwähnen. Sie fchemr die Absicht zu haben, schlecht und recht mit der Zweiten Kaminer ailSzukommen, was ihr auch zweifellos gelingen wird, da sie sich mit ihren Gesetzentwürfen innerhalb des Rahmens hallen wird, in dem Zentrum und Nationalliberale sich zusammenfinden können. Das wird sich namentlich beim Emkomnieiisteuergeietz und bei der Aenderung der Gemeinde- und Siädieordnung zeigen. Die Eröffnung des Landtags erfolgte mit dem alihergebrachten höfischen Pomp und mit Hochrufen auf die Grostherzogin und den Grvstherzog. Unsere Abgeordneten waren, wie schon berichtet wurde, der Feier wie immer seriigeblicbe», was diesmal um so mehr auffiel, als jetzt unter 73 Sitzen 26 leer blieben. Eine Ironie des Schicksals wolllc es, dast unter den acht durch das LoS bestimmten Mitgliedern der Zweiten Kammer, die nach der Geschäftsordnung den Grost- Herzog an der Schwelle des Hauses zu begrüsten und nach dem Thron im Sitzungssaal zu begleiten haben, auch ein Sozial- bemokrat sich befinden sollte. Die Erfahrung hat gelehrt, dast die Zahl von sieben Abgeordneien zu dem genannten Zwecke völlig ausreichend ist. Die Vereidigung unserer Genossen erfolgte— da sie bei der allgemeinen Vereidigung in der feierlichen Eröffnnngssitzung fehlten— am folgenden'Tage ohne Zeremoniell. Am ersten Tage beschäftigte sich di? Kammer mit Wahlprüfungen, die auch noch einige Sitzungen beanspruchen dürsten, da nicht weniger denn elf Wahlen angefochten sind. Nach der Geschäftsordnung wird da« Präsidium erst gewählt und wird in die eigentliche» niateriellen Verhandlungen erst eingetreten, wenn über jede einzelne Wahl ein Bericht erstattet und zum wenigsten eine Vorentscheidung gefällt ist. Von den sozial- demokratischen Mandaten sind die der Genossen Kohn, Maier. P f e i f f l e und Willi angefochten. Japan als Muster. Die»Post" bringt einen Artikel über die Steuern in Japan. Wenn es ein Trost sei, meint das Scharfmacherorgan..Genoffen in, Unglück" zu haben, so möge cS den Steuerzahlern der zivilisierien Welt zur Beruhigung dienen, dast auch im fernen Osten die Kunst de» SlcuerzahtenS schon zu groster Höhe gediehen sei.— In der Tat besitzl auch Japan bereit? ein weitverzweigtes Steuersystem, dessen EnNrnckelung durch das riefenhafte Wachstum der Ausgaben für Heer. Marine u»d den ruffisch-japanffchen Krieg bedingt wurde. Der Moloch Militarismus zwang auch Japan, seine Stenern in fabelhaftem Tempo zu ver- mebren. Während 1896/97 erst 75 Millionc» Den Steuern gezahlt wurden, betrugen die Steuereinnahmen 1969/19 bereits 329 Millionen gen. alio mehr als das Vierfache. Neben einer ganzen Anzahl indirekter Steuern begegnen wir auch einer Reihe von..Besitzsteuern", die die Wohlhabenden heranziehen. Die Erbschaftssteuer beispielsweise erreicht ganz stattliche Sätze. Vollends die Einkommensteuer, die mit 2 Proz. beginnt. steigt bis zu mehr als 29 Proz. bei den groste» Einkommen I Unsere Junker und Kapitalisten könnten sich an der japaniichen Einkonimensieuer ein M u st e r nehmen. Denn bei unS erreicht ja bekanntlich die Einkommensteuer auch bei Millioneneinkommen erst den Betrag von 5 Proz.! So viel Patriotismus, wie die Japaner, vermögen unsere Geldsackpatrioten freilich nicht aufzubringen! Ein Dementi. Chemnitz, 25. November. Zur gestern telegraphisch ge- meldeten Notiz der„Münchener Post" erklärt Dr. t r e s e m a n n in der„Allg. Ztg.", dast er niemals irgendwelche Unterstützung vom Zentralverband erbeten oder erhalten habe. Das Blatt will weiter erfahren haben, dast auch der Abg. Bas s ermann niemals eine Unterstützung für seine Wahl erbeten noch er- halten hat. Dieses Dementi war zu erwarten. ES darf zu seiner richtigen Einschätzung daran erinnert werden, daß der Zentralverband der Scharfmacher wiederholt öffentlich damit gedroht hat, den National- liberalen seine Gelder zu entziehen. Allerhöchstes Interesse. Ueber die Suspendierung der Bonner Borussen hat. wie eine Korrespondenz meldet, der Kultusminister vom Senate der Universität Bonn einen Bericht eingefordert. Es wird angenommen, dast der Bericht zur Vorlage an den Kaiser be- stimmt ist._____ frankreich. Fortschritte des Sozialismus in der Provinz. Paris, 22. November.(Eig. Der.) Daß die unter dem antisoziatislischen Kanipfmiiiisterium Clemenceau wahr- nehm baren Fortschritte deL Sozialismus auch unter dem ,.Eutspannungs"-Ministerium B r i a n d fortdauern, zeigt eine Ersatztvahl im zweiten Wahlkreis von L i m o x�e s. 1906 hatte der sozialistische Kandidat Pressemaue 1874 Stimmen er- halten, diesmal bekam er 4772 und gelangte in die Stich- wähl mit dem Radikalen. Dieser wurde am Sonntag wohl mit 8882 Stimmen gelvähit, aber PresseniaueS Stimmen- zahl mar auf 7181 gestiegen. Unter diesen Umständen ist eine Eroberung des Wahlkreises bei den allgemeinen Wahlen deS kommenden Jahres recht wahrscheinlich. Die klerikale Hetze. Paris, 23. November. Bei dem gestrigen Bankett der repu- blikanisch-demolratischen Allianz hielt Kolonialminister T r o u i l l o t eine Rede, in der er unter anderem das Vorgehen der Bischöfe gegen die weltliche Schule besprach. Der Minister führte aus, die Bischöfe wollten offenbar im Hinblick auf die bevorsteheiideu Kaminerwahlen die Bevölkerung in Aufregung versetzen, und es habe den Anschein, als ob man die Leiden- schaften des Bürg-erkriegeS entfachen wolle. Wir werden nicht dulden, sagte der Minister, dast man gegen Gesetze. Lehrer und Schulbücher Krieg führt. Wir werden vielleicht genötigt sein, die Schulen der Gegner, ihre Lehrer und' ihre Lehrbücher zu überwachen, die sich durch falsche Darstellung der Geschichte beniühen, den Hast unter den Bürgern zu schüren. Bcamtenorganisation. Paris, 25. November. Gestern abend beschloh die Mehrheit des Ausschusses der Vereinigung der Staats« und Gemeindebeamten nach stürmischer Erörterung, einen nationalen Bcamtenverband zu gründen, der hauptsäcklich den Zweck verfolgen soll, durch ein- heitlicheS Vorgehen die Verwirklichung der Forderungen der Beamten zu erleichtern. Eine Anzahl AuSschustmitglieder meldete infolge dieses Beschlusses den Austritt aus der Vereinigung an. Der neugegründete Verband wurde von mehreren Rednern als allgemeiner Arbeitsverband des VerwaltungS- Proletariats bezeichnet. flnnlancl. Die Koalitionsfreiheit in Gefahr! Der Zar hat in einer Verordnung vorgeschrieben, baS Vereinsrecht in Finnland nach dem russischen Gesetze zu „regeln". Damit würde Finnland mit einem Schlage der Anarchie anheimfallen! Deun alle Welt weist, dast das russische Vereins„recht" nur ein anderes Wort für die Polizei- Willkür ist. Die am 6. August 1906 von demselben Zaren sanktionierte Verfassung sagt:„Die finnischen Bürger haben das Recht--- Vereine zu gründen zu allen Zwecken. die nicht wider die Gesetze und guten Sitten verstosten." Der „Työmies" fordert die Arbeiterschaft auf, die Reihen der Organisierten zu verdoppeln; denn nur starke Orgcknisationen bieten gegen die Gewalt eine Sicherheit. perllen. Ein Angriff anf russische Konsul«. Teheran, 25. November. Nach einer Meldung des Reuierschen Bureaus aus SchiraS sind die russischen Konsuln Pasiek und KadlulowSky auf der Reise nach Buschir gestern abend zwischen Khanizenvan und Daschtarji» von Nomaden angegriffen worden, die den größten Teil der Karawane mit sich fort führten. Ein russischer Kosak ivurde bei dem Angriff getötet, ein russischer und zwei persische Kosaken wurden verwundet. Die Konsuln sind nach Khanizenvan zurückgekehrt. Ckitia. DaS Berfassungsversprechen. Peking, 23. November. Die Regierung hat an die Haupt- städtischen und provinzialen Beamten ein Edikt erlassen, in dem die Ermahnung ansgeiprochen wird, alle Mastregeln, die auf die Ein- fübrung der Verfassung innerhalb der festgesetzten Zeit ab- zielen, genau zu erfüllen. Das Edikt ist dazu bestimmt, dem Volke die Versicherung zu geben, dast der Regent gewillt ist. allen vom Kaiser Kwangsue gegebenen Versprechungen nachzukommen. Das WIIüiini eines Buches. Ein Buch, das wie kaum ein zweites für die Sozial- demokratie und die sozialistische Fraucftbewegung Freunde, Anhänger und Känipfer geworben hat. erscheint soeben in fünfzigster Auflage: August Bebels„Die Frau und der Sozialismus". In dreißig Jahren hat es eine Verbreitung erreicht, wie wenige Bücher. Zahllosen Lesern hat eö deil ersten Einblick in die sozialistische Gedankenwelt eröffnet und den Anstoß zu weiterer Vertiefung in die sozia- listischc Lehre gegeben. Verbessert, ver in ehrt und neu bearbeitet, wird die stattliche Jubiläumsausgabe (5l9 Seiten. Preis broch. 2.59 M., geb. 3 M.) das Werk ihrer Vorgängerinnen energisch fortsetzen, Vorurteile gegen den Befreiungskampf der Arbeiterklasse und des Frauen- geschlcchtS siegreich zerstreuen und die Sache der Unterdrücktet! und Enterbten trefflich führen. Die Verlagsbuchhandlung I. H. W. D i e tz N a ch f. zu Stuttgart hat dein Buche eine würdige Ausstattung gegeben. Der geschmackvolle Einband trägt ein symbolisches Titelbild: Der Genius des Sozialismus führt die Proletaricrin zum Tempel der Freiheit. Genosse Bebel hat der Jubelausgabe das folgende Vorwort vorausgeschickt: Im Beginn dieses Jahres waren drei Jahrzehnte verflossen, seitdem die erste Auflage dieses Büches erschien. Wie ich schon in der Vorrede zur nennten Auflage ausführte, erschien eS unter exzeptionellen Verhältnissen. Wenige Monate zuvor war das Sozialistengesetz verlündet worden, auf Grund dessen alle sozialistische Literatur unterdrückt wurde. Wagte alsdann jemand dennoch die Verbreitung einer verbotenen Schrift oder gab er eine solche aufs neue heraus und wurde dabei ertappt, so war Gefängnis bis zu secks Monaten sein Lohn. Dennoch wurde beides gewagt. Die erste Auflage wurde in Leipzig hergestellt, aber sie erschien unter falscher Flagge. Als Verlag war Zilrich-Hottingen. Verlag der Volksbuchhandlung, angegeben, woselbst auch der in Deutsch- land verbotene„Sozialdemokrat" herausgegeben wurde. Mit der zweiten Auflage baperte eS; ich konnte sie erst 1333 erscheinen lassen, weil persönliche Hinderitisse mir dieses früher nicht er- möglichten. Die zweite Auflage erschien im VcrlagSmagazin sJ. Schabelitz) Zürich. Von jetzt ab bis zum Jahre>899 folgten weitere sechs Auflagen, jede 2599 Exeniplare stark. Die Hindernisse, die der Verbreitung des Buches entgegenstanden, wurden über- wunden. Ab und zu fiel allerdings eine Sendung der Polizei in die Hände und wurden Exemplare bei Haussuchungen konfisziert. Aber diese Bücher gingen nicht verloren, sie kamen nur, allerdings unentgeltlich, in andere Hände und wurden von den Polizeibeamten, ihren Angehörtgen und Freunden vielleicht mit noch größerem Eifer gelesen als von meinen Parteigenossen. Als endlich 1899 das Sozialistengesetz fiel, nahm ich eine gänz- liche Umarbeitung und bedeutende Erweiterung des Büches vor. das als neunte Auflage im Jahre 1391 in dem jetzigen Verlag erschienen ist. Die fünfzigste Auflage, die nunmehr vorliegt, enthält eine er- hebliche Erneuerung des Inhalts. Auch ist der Inhalt übersichtlicher geworden durch eine Vermehrung der Kapitel und die Einteilung derselben in Unterabteilungen. DaS Buch ist bisher in vierzehn verschiedenen Sprachen er- schienen, in mehreren Ländern in erneuten Auflagen, zum Beispiel in Italien und den Vereinigten Staaten. Durch die Ueberfttznng ins Serbisch« erscheint«S nunmehr in fünfzehn verschiedeneu Sprachen. Das Buch hat also seinen Weg gemacht, und ich darf ohne Ueberhebung sagen: eS hat bahnbrechend gewirkt. Nicht zuletzt haben feine Gegner wider Willen für seine Verbreitung gesorgt. Aber eS hat auch verschiedentlich Anerkennung gefunden! In seinem Werke„Die sexuelle Frage"*) nennt eS Professor August Forel„ein wichtiges und merkwürdiges Buch", das man mit den Vorbehalten, die er machte,»als eine bedeutende und vortreffliche Leistung bezeichnen, der man in der Hauptsache unbedingt zustimmen müsse". Und an einer anderen Stelle sagt er, dast, obgleich er sich gegen eine Reihe Punkte wende, in denen ich nach setner Ansicht Un- recht hätte,„er meinem Buche als einer bedeutenden Leistung hohe Anerkennung zolle". Diese? Urteil bezieht sich auf die zweite Auflage aus dem Jahre 1883. Professor Forel scheint die späteren, wesentlich ver- änderten und erweiterten Auflagen nicht zu kennen. Aus diesem Grunde mutz ich auch unterlassen, aus die Kritik einzugehen, die er an der Auflage von 1883 übte. Und ein englischer Autor, 03. S. Howard, urteilt in seinem Werke:„A History of matrimonial inatitution", Seite 234 und 233, London 1994:„In seinem vorzüglichen Buche über„Die Frau und der Sozialismus" richtet August Bebel eine wuchtige Auflage gegen die heutigen Eheverhältniffe". Er gibt dann eine kurze Uebersicht des Inhalts und schließt:„Wie man auch von dem Heilmittel denken mag. das die sozialistischen Schriftsteller vorschlagen, wie fraglich eS unS auch scheinen mag, dast unsere einzige Hoffnung aus der Begründung einer kooperativen Republik beruhen soll, daS eine ist sicher: die Sozialisten haben der Gesellschaft einen wertvollen Dienst geleistet, indem sie die Tatsachen ehrlich studiert und furcht- loS dargelegt haben. Schonungslos hoben sie die Gebrechen bloß- gelegt, an denen unsere Familie im heutigen Staate krankt. Sie haben klar bewiesen, dast das Problem der Ehe und der Familie nur im Zusammenhang mit dem heutigen ökonomischen System gelöst werden kann. Sie haben dargetan, dast nur durch die vollkommene Besteiung der Frau und die absolute Gleichstellung der Geschlechter in der Ehe ein Fortschritt möglich sei. Durch alles dieses haben sie es erreicht, daß heute schon die Allgemeinheit ein weit höheres Jedal vom ehelichen Leben sich gebildet hat." Die Frauenbewegung— und zwar die bürgerliche wie die proletarische— hat in den dreißig Jabren, seitdem mein Buch er- schien, viel erreicht, und zwar in allen Kulturländern der Erde. Es dürfte kaum eine zweite Bewegung geben, die in so kurzer Zeit so günstige Resultate erzielte. Die Anerkennung der politischen und bürgerlichen Gleichberechtigung der Frau und die Zulassung der Frauen zum Studium auf den Hochschulen und der Zutritt zu ibr früher verschlossenen Berufen hat groste Fortschritte gemacht. Selbst Parteien, die früher von ihrem ptinzipiellen Standpunkt aus sich der modernen Frauenbewegung entgegenstellten, wie das katholische Zentrum und die evangelisch Ehristlichsozialen, haben eS ftir nötig erachtet, au« ihrer hemmenden Stellung eine fördernde zu machen. Aus dem einfachen Grunde, um nicht ihren Einflutz auf die ihnen zugängigen Frauenkreise gänzlich zu verlieren. Fragt man aber: Wie erklärt sich dieses Phänomen? So lautet die Antwort: Die groste soziale und ökonomische Umwälzung in allen nnscren Verhältnissen hat dieses herbeigeführt. Hat man, wie zum Beispiel ein ehemaliger vermögensloser preußischer Kultus- minister, sieben Töchter in annehmbare Lebensstellungen zu bringen, so wird einem durch die harten Tatsachen Logik und Einsicht ein- gepaukt. Und wie jenem ergeht eS Unzähligen in unseren so» genannten höheren Geseaschaftskreiscn, auch wenn eS nicht gerade sieben Töchter sind, die eine entsprechende Lebensstellung gewinnen müffen. Dast die Agitation der führenden Frauen ihr gutes Teil zu dieser Entwickelung beigetragen hat, versteht sich von selbst. Ihre Erfolge waren aber nur möglich, weil unsere gcsellschastliche und wirtschaftliche Entwickelung ihnen in die Hände arbeitete, genau wie der Sozialdemokratie. Selbst Engelszungen haben nur Erfolg, wenn der Resonanzboden für daS. was sie predigen, vorhanden ist. Und kein Zweifel, dieser Resonanzboden wird immer günstiger, und das sichert weitere Erfolge. Wir leben bereits mitten in der sozialen Revolution, aber die meisten merken eS nicht. Die törichten Jungfrauen sind noch nicht ausgestorben. Schließlich muß ich an dieser Stelle meinem Parteigenossen N. Njasanoff meinen wärmsten Dank aussprechen für die umfasiende Hilfe, die er mir bei Bearbeitung der fünfzigsten Auflage gewährte. Er hat den Hauptteil der Arbeit geleistet. Ohne seilte Hilfe wäre e« mir unmöglich gewesen, schon jetzt das Buch in wesentlich ver- befferter Form erscheinen zu lassen, denn Krankheit verminderte in den letzten zwei Jahren ineine Leistungsfähigteit sehr bedeutend, austerdem nahm noch eine andere größere Arbeit meine Zeit und Kraft in Anspruch. Schöneberg-Berlin, den 31. Oktober 1999. A. Bebel. •) Buchdruckeret M. Müller u. Sohn, München. 4. und v. Auf- läge. S» 573 und 539. (SewerhlcbaftUcbe� l�ad> den Küraffiercn die fuftiz. Nachdem nunmehr der Landrat, das Militär und die Gendarmerie ihre Tätigkeit für die Grubenherreu einstellen mußten, hält der Strasrichter Nachlese. Es hagelt Straf Prozesse. Am 18. November standen acht Bergarbeiter als Am geklagte vor dem Schöffengericht zu H e t t st e d t wegen Vev gehen beim Streik. Die Verteidigung unserer Kaineraden hatte Rechtsanwalt Landsbcrg aus Magdeburg über nommen. Einige Stichproben aus den Verhandlungen seien hier angeführt. Der Angeklagte Förster soll Arbeitswillige durch An Wendung körperlichen Zwanges von der Arbeit zurückgehalten haben, indem er einen Arbeitswilligen an der Jacke angefaßt lind gesagt hat:„Es wäre besser,>venn Du zu Hause geblieben wärest 1" Zeuge Polizeisergeant K l ap o t bestreitet diese An gaben. Der Anitsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis, das Gericht ging trotz einer glänzenden Verteidigungsrede Landsbergs über das Strafmaß hinaus und verurteilte den Angeklagten zu zwei Monaten Gefängnis! Als die Verhandlung weiter fortgehen sollte, hatte sich herausgestellt, daß ein Schöffe Fahrsteiger vorn Niewandschacht fei! Auf Antrag Landsbergs wurde der Mann wegen Be- fangenheit als Schöffe ausgeschaltet. Angeklagter Nickel gibt auf Befragen zu, daß er am Tage des„Tumults" aus- gespuckt habe; aber das habe nicht den Arbeitswilligen ge- gölten, sondern sei durch körperliches Gebrechen verschuldet ge- Wesen. Der Polizeisergeant Dennstedt bekundet das Aus- spucken, auch soll der Angeklagte Pfui! gerufen haben. Der Amtsanwalt beantragte zwei Wochen Gefängnis, das Gericht erkannte auf cineu Monat Gefängnis! Dann kam die Srreikpostengeschichte zur Verhandlung. Bemerkenswert waren hier die Aussagen des Sergeanten L a tz c ck vom Halberstädter Kürassrer-Regiment. Er habe Befehl erhalten, alle Streikposten, die an- getroffen würden, wegzujagen. Diesen Befehl habe er ansgeführt. Der Vorsitzende fand das ganz in Ord nung!„Der Anblick des Streikpostens müsse doch zweifelsohne die Arbeitswilligen beunruhigen". Trotz aller Vorhaltungen Landsbergs, daß das Streikpostenstehen erlaubt sei, beantragte der Amtsanwalt für jeden Angeklagten eine Woche Gefängnis. Demgemäß erkannte auch das Gericht.— Landsberg gab bei der Verhandlung einer nerien Sache zu Protokoll, daß aus den Verhandlungen heraus er gezwungen sei, den Vorsitzenden wegen Befangenheit abzulehnen. Die letzte Klagesache wurde deshalb ausgesetzt. Gegen einzelne Urteile wird Berufung eingelegt. Lerlin und Umgegend. Eine Ueberraschnng im Lager der Scharfmacher hat die am vergangenen Sonntag vollzogene Wahl der Delegierten zur Jnnnngskrankcnkasse der Drechsler hervorgerufen. Daß als Arbeitervertreter nicht Leute, wie sie die Jnnungsfiihrer wünschen, gewählt werden würden, war selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich erschien es den JnnungSgrößen, daß sie wie bisher, so auch di-esmal ohne jede Anstrengung die von ihnen aufgestellte Liste der Meistervertreter durchbringen würden. In seiner eng- herzigen Arbeiterfeindlichkeit hatte der JnnnngSvorstand unter den Meistern die Parole ausgegeben, das Gewerkschaftshaus, wo die Wahl stattfand, nicht zu betreten. Im Gefühl der Sicherheit begaben sich nur zwei Mitglieder des Jnnungsvorstandes zur Wahl, um mit ihren Stimmen ihre Liste durchzubringen. Aber diese Jnnungsführer hatten die Rechnung ohne diejenigen Meister ae- macht, welche schon seit langer Zeit mit den scharfmacherischen Be- strebnngen des Jnnungsvorstandes unzufrieden sind. Von diesen Meistern waren etwa acht zur Wahl gegangen und hatten eine eigene Äandidatenliste mitgebracht, die unter diesen Umständen die Mehrheit erhielt. So kam es, daß der größte Scharfmacher unter den Trechslermeistern. der Vorsitzende der Vereinigung der Drechslermeister Teutschlands, Herr Bald er. ferner der erste Obermeister Schulz und Herr Panitsch, ebenfalls als Ver- treter scharfmacherischer Bestrebungen bekannt, nicht wiedergewählt wurden. Die verdutzten JnnungSgrößen verließen mit langen Ge- sichtern das Wahlokal._ Deutkcbcs Reich. Lohnbewegungen im Töpfer- und Ofensetzergewerbe. In den meisten Fällen, in denen das Töpfergewerbe zurzeit in Differenzen verwickelt ist, handelt es sich um die Verteidigung der bestehenden Tarifpositionen durch die Gehilfen. So hat der Verband der Töpfer für Berlin und Vororte 30 Firmen gesperrt, die zumeist den Tarif zu umgehen suchen; zum Teil handelt es sich auch oarum, daß die Unternehmer die Sonnabends fälligen Arbeits- löbne nickt auszahle» können. ES ist eine alte Erscheinung in Berlin, daß die Bankrise eine Anzahl von Scheinexistenzen an die Ober- fläche treibt, die Bauten ausführen, ohne die" hierzu benötigten Geld- inittel zu besitzen.— Weiter hat der Töpferverband tarisbrüchige Firmen zu bekämpfen in: Salz lv edel, Bromberg, Stettin, Bütow, Breslau, München, Sagan und F o r st. �n allen Fällen sind dieselben Gründe zur Sperre bestimmend wie in Berlin. Umfangreichere Lohnbewegungen im Töpfcrgewerbe sind im Gange in: Dresden und der sächsischen Kachelosenmetropole Meißen. In beiden Fällen haben die Arbeiter Forderungen gestellt und zu diesem BeHufe die Tarife gekündigt. Ueber den Ausgang beider Bewegungen läßt sich Definitives oder Voraussichtliches noch nicht berichten; die Verhandlungen sind im Gange. Kleinere Angriffsbewegungen, die der Töpferverbaad in letzter Zeit in verschiedenen Orten u-ternommen hatte, sind stets für die Arbeiter in zufriedenstellender Weife erledigt worden. Der Streik der Tndakarbciter in Vlotho bei einer Filialfabrik der Firma Walter I ü r g e n s e n u. C o.- H a m b u r g ist mit Erfolg beendet worden. Beteiligt waren 86 Arbeiter, darnnter 37 weibliche. Busland. Ter letzte BierteljnhreSbericht des Zcntralverbandes der eng- tischen Gewerkschaften weist 117 900 M. U eberschuh der Einnahmen über die Auslagen auf. Die Bankschuld ist aus dem laufenden Einkommen gedeckt worden, ja es ist sogar ein Guthaben zustande gekommen dadurch, daß von den beträchtlichen Außenständen nach �monatlichen Verhandlungen bereits 200 000 M. eingegangen sind. Der Bericht bedauert dcu geringen Erfolg, den der Ausruf des Internat ionale» Gewerkschaftssekrctariats zugunsten der s ch w e- d i scheu Arbeiter hatte. Für jeden Schilling, den der englische Arbeiter hierfür gab, hat der deutsche Arbeiter 660 aufgebracht! Es wird dies zum Teil auf die Abneigung des Engländers gegen den ©enevalstreik an sich zurückgeführt, zum Teil aber auch darauf, daß verschieden lautende Aufrufe erschienen und die Einheitlichkeit der Aktion verwirrten. Als aktuellste Frage bezeichne! der Bericht die staatliche Arbeitslosenversicherung und die Errichtung weiterer Arbeitsbörsen. Die Ernennung der höheren Beamten für dieselben hat bereits stattgefunden und man ist enttäuscht, daß so wenige Gewerkschaftler dabei berücksichtigt wurden. Den Grund sucht der Berichterstatter darin, daß sich die Gewerkschaftsbeamten zu wenig mit statistischen Arbeiten abgeben und in diesen geübt hätten. So sei die Regierung wie gewöhnlich darauf angewiesen, industrielle Stellungen mit Schulmänaern zu besetzen. Der Bericht begnügt sich nicht mit diesen wirtschaftlichen Fragen, sondern mahnt zur Rüstung für die in Aussicht stehenden Wahlen zum Parlament. Bei allem guten Willen der gegen- wältigen Regierung werde die Ausführung der sozialpolitischen Gesetze doch ganz abhängig sein von einer starken Vertretung der Arbeiterpartei._ Die Federatio» of Labor und das Urteil gegen Gompers. Wie ein Telegramm aus Toronto meldet, wurde das In- teresse des Jahveskongreffes der American Federation of Labor hauptsächlich durch den gegen Gompers und zwei andere Mit- glieder des.Hauptvorstandes schwebenden Prozeß in Anspruch ge- nommen. Da keine Aussicht vorhanden scheint, das schon gemeldete Urteil rückgängig zu machen, beschloß der Kongreß am 12. Verband- lungstage— unter großem Beifall— den Verurteilten während ihrer Haft eine E x t r a c n t s ch ä d i g u n g von 20 000 M. für ein Jahr zu zahlen. Diese Summe würde Gompers, der zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt wurde, erhalten; die anderen Mit- angeklagten, die 0 bczw. 6 Monat« Gefängnis erhielten, bekämen entsprechend weniger. Für das Haftjahr würde demnach Gompers nnt seinem Gehalte, das auch 20 000 M. beträgt, insgesamt 40 000 Mark von der Organisation erhalten. Kein Generalstreik in Amerika. Die auch vom„Vorwärts" übernommene Meldung, daß der amerikanische Arbeiterbnnd die Arbeiter des ganzen Landes auf- gefordert habe, einen Generalstreik zu inszenieren, falls Gompers gezwungen werden sollte, die ihm auferlegte einjährige Gefängnis- strafe abzubüßen, ist unrichtig. Von dem Gewerkschaftskartell in Philadelphia saus dieser Stadt stammte die Meldung) wurde beschlossen, den Plan eines Generalstreiks auf dein Jahreskongreß des amerikanischen Arbeiterbundes in Toronto vorzulegen, aber dieser Gedanke fand unter den Arbeitersiihrern keinen Anklang. John Mitchell, der mit Gompers zugleich verurteilt wurde, erklärte rund heraus:„Ich glaube nickt, daß der Philadelphiaer Plan die gewünschte Wirkrnig haben würde, auch dann nicht, wenn er all- gemein zur Durchführung käme!"— Nachdem so deutlich abgeivinkt war. galt dieser Antrag für erledigt. Uebrigens müßte doch erst die Entscheidung deZ Oberbuudesgerichts abgewartet werden. Soziales. Verkauf der Arztpraxis. Einen eigenartigen Prozeß stellte ein Zahnarzt an. Er kaufte eine ArztpraxiS und verlangte dann Rückzahlung des Geldes, weil die Zahlung" nach Ansicht seiner Kollegen der StandeSehre zuwider- lanfe. Seme Klage ist vom Kieler ÖberlaudeSgericht abgewiesen. Der der Klage zu Grunde liegende Sachverhalt war folgender: Der Zahnarzt Dr. C. war einem Meuchelmord zum Opfer gefallen und hinterließ eine Witwe mit vier unmündigen Kindern. Die Witwe schloß bald darauf mit dem lang- jährigen Assistenten des Ermordeten einen notariellen Ver- trag, nach welchem der Assistent die Räume, Utensilien und die gesanite Praxis gegen � Zahlung einer bestimmten Eiitschädigung übernahm. Nach einiger Zeit gereute aber dem Assistenten die übernommene Verpflichtung und er erhob gegen die Witwe die Feststellungsklage, daß er an den Vertrag nicht gebunden sei. Als Begründung führte er an, daß er mit einem Kauf und Bezahlung der Praxis gegen die StandeSebre verstoßen würde. Das Landgericht w i e S den Assistenten mit seiner Klage a b und der erste Senat des Oberlandesgerichts bestätigte die Abweisung mit folgender Begründung: Mit Recht weist das Landgericht auf den Unterschied hin, der darin liegt, ob ein Arzt selbst oder seine Erben die Praxis veräußern. Für die Arztwitwe kommt das Zuwiderhandeln gegen die Standesrücksichten nicht in Frage, sie verstieß aber auch nickt gegen das ollgemeine Volks- bewichisein. Nach dem tragischen Tode ihres ManncS war sie mit vier minderjährigen Kindern in den schwierigsten Verhältnissen zurück- gelassen. Die Teilnahme nicht allein der Berufsgenosscn ihres ermordeten Ernährers, sondern auch der weitesten BevölkerungS- kreise wandten sich ihr zu. Die Praxis des Verstorbenen mit 40 000 M. Fahrescinnahme war eine glänzende. Dem ttebernehmer der Praxis bot sich eine vorzügliche Aussicht für sein Fortkomme», und für"den Kläger als langjährigen Assistenten war die Aussicht besonders günstig. Wenn unter diesen Umständen die Witwe dem Assistenten die Praxis nicht ohne Elitgeld überläßt, sondern für sich und ihre Kinder sorgt, so ist dies vom Standpunkt jedes billig und gerecht Denkenden nicht zu verargen. Sie trieb nickt in anstößiger Weise mit einer ärztlichen Praxis Handel. Aber auch der Kläger handelte keineswegs verwerflich. Wie er selbst angibt, übernahm er die Praxis nur auS Mitgefühl mit der Familie. Er verstieß ikicht gegen die StandeSehre. er verstieß aber noch weniger gegen das g es nn d e sittliche Empfinden des Volkes. ES wurde im Äegenteil dem Volksgewissen widersprechen, wenn der Kläger sich die sehr einträgliche Praxis verschaffte, es aber unterließ, der Witwe und den Kindern als den Erben seines Vorgängers ein entsprechendes Entgelt zu leisten. Die Entscheidung entspricht dem Rechts- und Moralgefühl weit mehr als der auf„Standesehre" aufgebaute Anspruch des Klägers. Seltsam, daß als„standesgemäß" gelten soll: nicht zuzahlen. Hus Induftnc und ftandd. Gegen die Schiffahrtsabgabe«. Welche Bedeutung die Frage der Schiffahrtsabgaben hat, davon gibt eine Vorstellung die Entwickelnng des Güterverkehrs auf dem Rhein. Nach Zusammenstellungen im Statistischen LandeSamt ent- wickelte sich auf dem deutschen Rhein der Verkehr wie folgt(in Millionen Tonnen): 1891.. 1892.. 1893.. 1894.. 1895.. 1896.. 1897.. 1898.. . 13'/- . 14'/z . UV, . 16'/. . IS'/. . 20% . 21% • 23'/, 1007. Bei einer Belastung von mir 1 Pf. pro Tonnenkilometer würde das schon eine Abgabelnst von fast Vz Milk. M. ausmachen. Gate Entwickclung trotz Krise. Die Jahre deS wirtschaftlichen Rückschlages bedeuteten für die Elektrizitätsindustrie keinen Slill- stand. Das zeigen die finanziellen Ergebnisse der ElektrizitätS- gcsellschaft vorm. Schuckert u. Co. Nach den Geschäftsberichten er- geben sich folgende Summen: > 1906/07 1907/08 1908/09 M. M. Vi. Bruttogewinn ohne Vortrag 5 330 232 5 918 208 6 203 910 Netto-Reingewinn.... 3882424 3866593 4535953 Dividende....... 2 500000 2 500000 3 000000 Dabei ist auch noch der letzte Vortrag auf neue Rechnung größer als in einem der Vorjahre, er beläust sich aus 1212 663 M. gegen nur 965 716 M. im Jahre 1906/07. Die Aktionäre haben demnach die Krise gut überstanden; für die Arbeiter der Gesellschaften wird sie ein weniger freundliches Bild hinterlassen. Zolltarife. Gleichzeitig mit den, deutsch-amerikanischcn Handelsabkommen wird am 16. Februar 1910 auch der Vertrag zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Ende gehen. Dagegen bleiben die Vertröge mit Italien, Spanien. Portugal und Holland Monate länger in Kraft, nämlich bis zum 7. August 1910. Bereits abgelaufen sind die Handelsabkommen mit Frankreich, der Schweis und Bulgarien mit dem 31. Oktober 1909. Nack einem Erlaß: des SchatzamtssekretärS gelten— wie das ja ielbstverständlick, ist— auch die in diesem Abkommen gemachten amerikani" scheu Zugeständnisse in der Erleichterung der VerzolluugS- Praxis sowie die wenigen Zollermäßigungen(in erster Linie für Weine und Spirituosen) für jedes Land nur bis zum Ablauf de-' betreffenden Abkommens. Infolgedessen werden z. B. die fron- zösischen Weine und Spirituosen bereits seit dem 1. November 1909 nach dem neuen amerikanischen Maximaltarif verzollt und infolge- dessen bis zum 7. Februar nächsten Jahres ungünstiger als die deutschen Weine und Spirituosen und bis zum 7. August 1910 ebenfalls ungünstiger als die spanischen, portugiesischen und italienischen Provenienzen behandelt. Eine vor kurzein durch die deutsche Presie gegangene Meldung, daß daS amerikanische Schatzamt die Zollkollekloren angewiesen habe, die von deutschen Handels- kammerii ausgestellten Zeugniffe über den Wert von Exportwaren auch nach Ablauf des jetzigen Handelsabkommens zu berücksichtigen, beruht auf Irrtum. Ein solches Zirkular liegt nicht vor und würde auch mit de» Bestimmlingen des Abschnitts 4 des neuen ameri- kanischen Tarifgesetzes in Widerspruch stehen. Eue der frauenbewegung. Frauenarbeit in Preußens Bergbau. Nach Zusammenstellungen in der amtlichen„Zeitschrift für daS Berg-, Hütten- und Salinenwesen" waren in den Bergbaubetrieben Preußens im Jahre 1903 insgesamt rund 7000 weibliche Arbeits- kräfte tätig. In den Lohimachweisen tritt die schlechte Entlohnung der weiblichen Arbeitskraft recht sinnenfällig in die Erscheinung. Wir machen zur Illustration dieser Tatsache folgende Zusammen- stellung: cum w Es betrug der Schichtenverdienst 0°?!.rer in«mnrf weiblichen Arbeits- weibk. kräfte Arbeiter OberbergamtZbezirk (Steinkohlenbergbau) Oberschlesien..... 5315 1,25 Niederschlefien..... 380 1,63 (Braunkohlenbergbau) Halle........ 884 1,93 (Erzbergbau) Clausthal...... 2 1,18 Siegen....... 142 1,56 Nassau und Wetzlar... 42 1,18 sonstiger rechtsrheinischer. 124 1,36 linksrheinischer.... 95 1,57 (Salzbergbau) Halle........ 2 1,96 Clausthal...... 5 2,19 in Mark erwachsen. Uch-nagc. Arbeitet arßcit» 1,21 1,24 3,07 8,03 1,79 3,31 1,24 1,76 1,62 1,52 1,34 1,28 1,41 2,58 8,52 3,04 3,01 2,78 3,71 3,62 Größere Bedeutung hat demnach die Frauenarbeit im Bergbau nur in den Domänen der ZentrumSgrasen in Oberschlesien. Und hier wird nicht nur allgeineiii die Arbeitskraft schlecht entlohnt, im besonderen gilt daS für die weibliche Arbeitskraft. Das„schwache" Geschlecht wird am stärksten ausgebeutet. Und eine nette, bisher noch kaum beachtete Illustration zu der frommen, nationalen Phrase „Die Frau gehört ins HauS", liefert die Statistik der geleisteten Arbeitsschichlen. Wir beichränken uns bei den folgenden Angaben auf das Dorado Oberschlesien. ES leisteten Arbeitsschichten pro Kopf: die weiblichen Arbeiter... die jugendlichen Arbeiter.. die unterirdisch beschäftigten eigentlichen Bergarbeiter. Die Frauen verfahren demnach mehr Schichten als die eigeut« lichen Bergarbeiter, die vor der Kohle schaffen. Nur die übrigen erwachsenen männlichen Arbeiter, die über Tage beschäftigt sind, sowie VorrichtimgSarbeiter. erzielten eine noch etwas höhere Schichtenzahl als die Frauen. Die eigentlichen Bergarbeiter,, die sechs Schichten weniger arbeiten als die Frauen, machen, wie ausdrücklich bemerkt werden mag. über die Hälfte der Gesamtbelegschaft au?. Den Männern bleibt mehr Zeit für Hausarbeit, als den im frommen Oberschlesien auf den„Zentrums"- Gruben beschäftigten Frauen. Dabei ist deren Arbeitszelt nicht etwa die kürzere. Das Gegenteil ist der Fall! Es hatten nämlich von der Gesamtgruppe eine tagliche Arbeitszeit: Stunden bis: 283 234 282 8 10 11 in Prozent 12 13,8 71.8 8.9 0.15 15,0 55,3 15,6 14,1 Eigentliche Bergarbeiter...... Sonstige unterirdisch und im Tagebau Beschäftigte......... lieber Tage beschäft. erwachsene mann- liche Arbeiter........ Ingen dl. männl. Arbeiter unter 16Jahren Weibliche Arbeiter........ Abgesehen von den erwachsenen Ucbertagearbeitern, haben die Frauen die längste Arbeitszeit. Niedrigste Löhne bei längerer Arbeits- zeit, das ist der Vorzug, besten sich die Frauen allgemein, ganz besonders aber im Reiche der frommen ZentnimSgrafen crfreueir. 3.2 25,4 6,8 30,4 42.1 47,0 6.5 11,4 16,1 59,9 21.1 30.1 ____________ euuge__ Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: LH. Glacke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstall Paul Singer Sc Co., Berlin LW. Letzte jVachricbtcn und Depeteben ES geht vorwärts mit Niesenschrittetu Königsberg i. Pr., 25. November.(Privatdepesche des „Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordnetrnwahl errang die Sozialdemokratie einen glänzenden Sieg. Bier sozial» demokratische Kandidaten wurden gewählt. Unsere Stimmen haben sich mehr als verdoppelt, während die bürgerlichen Stimmen bedeutend zurückgegangen sind. Zum französischen Etat. Paris, 25. November.(W. T. B.) Die Deputirrtenkammer nahm heute bei Beratung des Etats des Innern den Artikel be» treffend die geheimen Fonds, für deren Beibehaltung Minister» Präsident Briand die Vertrauensfrage gestellt hatte, mit 364 gegen 125 Stimmen an. Hierauf wurden alle Artikel des Etats bewilligt. Ein Borbild für Teutschland. Brüssel, 25. November.(W. T. B.) Die Kammer nahm die Herabsetzung der Dienstzeit der Infanterie auf 15 Monate mit 98 gegen 27 Stimmen an. Die gekürzte Dienstzeit wird zum ersten Male zwei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes über die Heeres- reform zur Anwendung kommen. Die Dienstzeit der Kavallerie wurde auf 2 Jahre herabgesetzt. Damit ist die erste Lesung der Vorlage beendet. Der Lavastrom wütet weiter. Madrid» 25. November.(W. T. B.) Ein amtliches Telegramm aus Teneriffa meldet, daß der Lavastrom sich nach Norden zu ausdehnt und in zwei Arme teilte, von denen der eine 3 Kilo» mcter in 3 Stunden vorwärtsrücktc. Die gegen Santiago und Tamara fliehende« Lavamassen haben sich verbreitert. Die Flucht der Bc» wohner hält an.__. Hierzu 2 Beilagen«.Untrrhaltnngsbl. 1.276. 2s.?«w.g. i Keilllge des Igmartg" Kerlilter Nsldsdlll!). StsStverorckneten-vei'iswmIung. 82. Sitzung vom Donnerstag, den 22. November, nachmittags 2 Uhr. Die Sitzung wird vom Borsteher Michelet nach 5% Uhr eröffnet. Die Wahl der beschlossenen Ausschüsse für die Beratung der Vorlagen wegen 1. nachträglicher Bewilligung von IM 000 M. für Heilstättenkuren usw., 2. Erhöhung der Kanalisationsgebühr, hat stattgefunden; die sozialdemokratische Fraktion ist zu 1 durch die Stadtvv. Ewald, Hintze, Dr. Wehl, zu 2 durch Borg- mann, Glocke, Koblenzer, Singer vertreten. Im Ausschuß zu 1 ist Dr. Wehl stellvertretender Vorsitzender. Zur Beschlußfassung steht zunächst die Magistratsvorlage betr. die endgültige Fassung der Umsah- steucrordnung und die Einführung einer Wertznwachssteuer. Die vorgeschlagenen Aenderungen der U m s a tz st e u e r o r d- nun« bezwecken vor allem: die Erhaltung der Umsatzsteuer für Eigentumsübertragungen des Gefellschaftsrechtes und auch für alle die Fälle zu sichern, wo es nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches der Auflassung nicht bedarf. Es sollen damit ins- besondere die Manipulationen getroffen werden, durch die die Form der G. vu b. H. von. Grundstückshandel benutzt wurde, um die Umsatzsteuer zu umgehen. Der W er tz u wachs- steuer ist bekanntlich vor zwei Jahren in der Versammlung von den HauSagrariern das Schicksal der fast einstimmigen Verwerfung bereitet worden, nachdem vorher »ihr Grundgedanke„im Prinzip" eine Mehrheit gefunden hatte. Inzwischen hat die Reichsfinanzreform von 1009 den Ueber- ' gang der WlcrtzuwachSsteuer auf das Reich für 1914 in Ausficht genommen; bis 1912 soll das bezügliche Gesetz erlassen fein. Wie das Verhältnis der Gemeinden zum Rcichssiskus darin definitiv geordnet sein wird, das läßt sich noch nicht sicher voraussehen; jedenfalls hält es der Magistrat auch heute noch für geboten, den Versuch zu machen, der Stadtgcmeinde einen Anteil an dem Er- trägnis zu sichern. Im einzelnen unterscheidet sich der jetzige Entwurf von dem früheren hauptsächlich durch eine Ermäßigung der Steuersätze, durch eine andere,'dem Hamburger Gesetz von 1908 entnommene Methode der Steuerberechnung und durch anderwcite Milderungen, so die Freilassung der vor dem 1. April 1892 zurückliegenden Wertsteigerung. Diese Modifikationen haben die Notwendigkeit. ausdrücklich vorzuschreiben, daß die Steuer 22 Proz. des Wert- Zuwachses nicht übersteigen, dürfe, überflüssig gemacht; ebenso be° darf es nicht mehr der Festsetzung einer Freigrenze, noch der Unter- scheidung zwischen bebauren und unbebauten Grundstücken. Stadtv. Heimann(Soz.): Tie Vorlage, über die wir jetzt be- raten, stellt gewissermaßen das Produkt der Arbeit einer geheimen Kommission dar, die seit langem in nächtlichem Dunkel in Berlin iagt. Das ergibt sich aus einer vor wenigen Monaten, in einem Hausbesitzerorgan erschienenen Publikation, die für die Abwendung dieses„Unglücks für die Berliner Hausbesitzer" Stimmung machen wollte. Es ergibt sich daraus auch, in welcher systematischen, raffinierten Art gewisse Berliner Grundbesitzerkreise die Agitation gegen diese Steuer betreiben. Soll sich das früher uns gebotene Schauspiel jetzt wiederholen? Sicherlich wird der Kamps der Grundbcsitzcrinteressen mit den allgemeinen städtischen Jnter- essen in unverminderter, vielleicht in noch größerer Heftigkeit als 1996/07 ausbrechen; denn inzwischen hat die deutsche Grundbesitzer- organisation sich in schroffster Weise gegen die„bodcnreformc- rischc" Wertzuwachssteuer ausgesprochen, die städtischen Ver- tr-tungen scharf zu machen gesucht und eine noch stärkere Macht in diesen erlangt! Die„bodenreformerischen Interessen" fallen in diesem Fall durchaus mit den allgemeinen Interessen zu- sammen. Und da soll eine noch über das jetzige, schon ungeheuer- liche Maß der Vertretung der Hausbesitzer hinausgehende �Ver- tretung dieser Klasse herbeigeführt werden. Der„kleine, solide Grundbesitzer", mit dem man immer operiert, wird sehr bald, wenn statt der Zuwachssteuer eine Erhöhung der Einkommensteuer vor- genommen ist, erkennen, daß er lediglich für die anderen die Kastanien aus dem Feuer geholt hat. Tie Wertzuwachssteuer trifft nur d ie Kreise, welche beim Handel mit Grundstücken große Pro- fite in die Tasche stecken; der„solide, kleine Grundbesitzer" wird von dieser Steuer gar nicht betroffen, eine Erhöhung der Ee- meindecinkommenstcuer aber trifft ihn mit voller Wucht. Der Einwand, daß die Einführung der kommunalen Wert- zuwachssteuer angesichts des Absichten im Reiche nur eine vorüber- kleines fcuillcton. Die Zukunft der bretonischrn Spruche. Im Nordivcsten Frank- rcichö hält sich der bretoniiche Stamm mit großer Zähigkeit. Etwa eine Million Menschen spreckisn die bretonisckis Sprache und gut 600 000 haben, wie die Schulstatistiken ausweisen, nicht französisch gelernt. Die Republik hat sich bisher diesem Zustand gegenüber gemäß der jakobinischen Tradition verhalten, d. h. sie hat die vretonische Nation in der Schablone der staatlichen Zcnrralisation erdrücken wollen. Dabei bat sie wenig glücklich abgeschnitten. Aehnlich wie die preußischen Polen schlössen sich die Bretonen gegen die ihnen aufgedrängte fremde Sprache und Kultur um so hannäckiger ab, und die eigentlichen Nutz- u.i etzer der verständnislosen Politik der Republikaner waren die Klerikalen und Feudalen, die sich als Hüter der alten Volksart und Volkssprache ausspielen konnten und, als unter der Regierung EombeS gar der Versuch unternommen wurde, das Ärctonische auch in der Kirche zu untersagen, gegen das fremdspracbige Beamtentum, da« die Republik repräsentierte. den Fanatismus der kon- l'ervativen Landbevölkerung mobil machten. ES scheint nun, daß sich bei den Republikanern jetzt doch eine bessere Er- kenntniS Bahn bricht. Eine Anzahl von republikanischen De- putierlen der Bretagne sind beim UnterrichtSminister vorstellig geworden, um die Einführung deS Brctonischen als Unterrichts- spräche in den von einer kompakten bretonischen Bevölkerung be- lvohnten Bezirken durchzusetzen. Mitte'S dieser Reform soll namcnt- lich auch ein rationeller Unterricht im Französischen ermöglicht werden,.dessen Mangel sich besonders beim Militär geltend macht, wo die infolge der an ihrer Nation geübten Vernachlässigung kulturell sehr tiefstehenden bretonischen Soldaten das untauglichste Element sind. Mit einer ähnlichen Maßregel ist man schon m der Provence vorangegangen, wo jetzt über 80 000 Kinder ihren ersten Unterricht in der provencalisch.m Sprache empfangen. ES ist nicht unwahrscheinlich, daß man auch in den baskischen Be- zirken in den Pyrenäen ähnlich zu verfahren sich veranlaßt sehen wird. Gegenüber der stark zunehmenden vlämischen Be- völkerung im Nordosten dagegen dürste allerdings daS Mißtranen gegen das germanische Element ein solches Entgegenkommen vor- derband ausschließen.— Es ist auch nicht abzuleugnen, daß neben diesen aus eine bloße Duldung der brctonischen Sprache abzielenden Bestrebungen weitergehende regionalistische Tendenzen einhergehen, die nicht nur bei den konservativen Parteien Sympathie finden. Die ans die Dauer unvermeidliche Dezentralisierung der Verwaltung wird wohl zu einer Reform führen, die, wenn auch nicht die alle», von der Revolution aufgehobenen Provinzen, doch größere, nach natürlichen und kulturellen Zusammenhängen abgegrenzte autonome Verwallungsgebiete wiederherstellt. Das Stärken der Leibwäsche wurde, wie die englische Zeitschrift ..Modern Society" feststellt, vor mehr als 300 Jahren eingeführt. Erfunden wurde es von einer Holländerin, der Frau eines gewissen 'gehende Maßnahme sein würde, ist hinfällig, denn niemand kann übersehen, wie sich in zwei bis drei Jahren die Dinge im Reiche gestalten werden, da die Reichsfinanzreform ja so überhastet und miserabel zustande gebracht ist, daß sich da recht bald noch viel ändern kann. Sicher aber ist, daß die Städte, welche diese Steuer inzwischen noch einführen, in irgendeiner Weise entschädigt werden müssen. Lassen wir uns aber die jetzige Chance entgehen, so geht sür die Städte die Möglichkeit, von den ungeheuren Pro- fiten aus dem Grundstücksumsatz einen Teil für sich zu gewinnen, verloren. Die große Wichtigkeit, toelche der heutigen Borlage dem- nach beiwohnt, ist aus ihrer Begründung nicht zu erkennen; so überaus dürftig ist diese ausgefallen. Namens meiner Freunde beantrage ich A u S s ch u ß b c r a t u n g. Auss äußerste bedauern wir, daß der Magistrat in solchem Maße vor dem Ansturm der vereinigten Grundbesitzer kapituliert hat; ich kenne keine Steuer- ordnung, die so unzulänglich wäre und so zarte Rücksicht aus deren Interessen nimmt wie diese. Auf denen, welche es durch ihren Einfluß vor zwei Jahren zum Scheitern der Vorlage brachten, lastet eine ungeheure Verantwortung; auf den Beschluß vom 20. Scp- tember 1907 trifft das Dichterwort zu: „WaS du von der Minute ausgeschlagen, Bringt keine Ewigkeit zurück." Der FiskuS soll nach den neuen ministeriellen Bestiimmmgen von der Steuer befreit bleiben. Diese Bestimmung fehlte in der früheren Vorlage! Besonders schwerwiegend ist das Bedenken gegen den 1. April 1892 als Stichtermin. Bor zwei Jahren wurde die Einführung eines solchen Stichlages von verschiedenen Seiten heftig belämpst. Nicht nur, daß damit der Stadt die settesten Bissen entgehen, sondern es liegt darin auch eine Ungerechtigkeit gegen diejenigen, welche ihren Grundbesitz erst nach 1895 erworben haben. Und welcher Rattenlönig von Prozessen wird sich aus der Feststellung ergeben. welcher Gewinnteil erst nach, welcher schon vor dem 1. April 1895 entstanden ist. Der Magistrat hat damit seine Vorlage in bösester Form rückwärts revidiert. Mit der Abstufung der Steuer und der neuen Wert- berechnungsmethode an sich sind wir einverstanden, aber die Tarifsätze selbst sind so ermäßigt, daß der Höchstsatz der Steuer nur 15 Proz. betragen dürfte. Zurzeit geht die große Mehrheit der bestehenden Sleuerordnungen bis zu 22 Proz., was auch die Minister anstandslos genehmigte». Wir sehen zu der übergroßen Bescheiden- heit des Magistrats durchaus keinen Anlaß. Der Wegfall des Unter- schiedö zwischen bebautem und unbebautem Gelände stellt die Borlage gleichfalls in unerfreulichen Gegensatz zu den anderen Sleuerordnungen, denn bei unbebautem Gelände werden viel größere Gewinne realisiert als bei bebautem. Für die Ergänzung der Umsatzsteuerordnung werden wir stimmen. Im Interesse unserer Stadt sind wir mit Freuden bereit, im Verein mit dem Magistrat und den Freunden der Wertznwachssteuer eine Ordnung dafür zu schaffen, aber nur für eine Steuer, die diesen Namen auch wirklich verdient. Wollen die Herren daS nicht, so werden sie wieder ernten, WaS sie gesät haben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Cassel(A. L.): Durch die Reichsgesetzgebung ist die Sitüatwn gegen die Zeit von vor zwei Jahren allerdings ver- ändert; wir haben damit zu rechnen. Es ist reichsgesetzlich ein Stempel von% Proz. auferlegt und eine Neichswertzuwack)ssteuer soll 1912 in Krast treten. Sollte unter dieser Voraussetzung eine Ermäßigung jenes Stempels von% Proz. aus die Hälfte eintreten, so läge allerdings die Einführung einer kommunalen Wertzuwachs- steuer vielleicht im Interesse des Grundbesitzes selbst. Die Borlage kommt nun auch vielen Wünschen der Interessenten und meiner Freunde entgegen. So macht u n s der Stichtag die Vorlage gerade akzeptabel. Verlangen müssen wir aber einige Modifikationen, so eine schärfere Scheidung des verdienten vom unverdienten Wert- Zuwachs. Daß Enteignungen steuerfrei bleiben sollen. halten wir für unangemessen. Rücksicht genommen werden muß auch auf die' Baugewerbetreibenden. Mit der„großen Verantwortung" von der der Vorredner sprach, ist es schon deshalb nicht so weit her, weil wir den finan- ziellen Effekt der heutigen wie der früheren Vorlage nur gering achten. Ms ein Heilmittel für alle kommunalen oder gar sozialen Uebel kann man diese Steuer nicht ansprechen. Stadtv. Dr. Levy(A. L.) bekennt sich als Freund der neuen Vorlage, obwohl er gegen die frühere gestimmt hat. Zu dieser veränderten Stellung veranlaßt ihn vor allem die reichsgesetzliche Aktton von 1909. Redner verweist darauf, daß Schöneberg in- zwischen die Steuer eingeführt hat und daß Charlottenburg sich an- gelegentlich damit befaßt. Was den Kollegen Heimann gegen die Guilheem, der zur Zeit der Regierung der Königin Elisabeth in London als königlicher Kutscher diente. Frau Guilheem, die die Aussicht über die Wäsche der Königin hatte, wußte durch das Stärken der Leibwäsche die berühmte Flachheit und Magerkeit des Busens ihrer königlichen Herrin so geschickt zu verbergen, daß Elisabeth sie mit Geschenken und Privilegien über- häufte und sie schließlich zur Obcraufseherin ihres Wäsche- schatzes ernannte. Natürlich wurde die von der Königin eingeführte Mode von allen Damen der Hofgesellschaft mitgemacht, so daß das Bedürfnis, stark gestärkte Wäsche zu tragen, zu einer wahren Sucht ausartete. Ingeniöse Leute nützten diese Manie gehörig aus: eS ließen sich in London„Professoren" der Slärkekunst nieder, und eine vlämische Dame namens Dingden van der Plasse verlangte von ihren Schülerinnen für jede tlnternchtSstunde nicht weniger als 100 M. unseres Geldes. Später begann man der Stärke blaue Farbe beizumischen. Die Königin Elisabeth fand jedoch, daß das Blau auf ihre roten Wangen einen grauen Schatten warf und unter- sagte deshalb ihren weiblichen Untertanen bei hoher Strafe, andere atö schneeweiße Wäsche zu tragen. Borgeschichtliche Gemäldegalerien in Spanien. Es war im Jahre 1903, alö der spanische Gelehrte Cabre bei Cretas in der spanischen Provinz Teruel am unteren Ebro eigen- tümliche Malereien auf Felsen entdeckte. Ebenso merkwürdig wie der Umstand, daß in einem Lande wie Nord-Spanien solche Tinge der Aufmerksamkeit des Menschen so lange baben ver- borgen bleiben können, ist die Tatsache, daß Cabre seine Eni- deckung noch drei Jahre vor aller Welt verheimlichte. Erst im Jahre 1906 machte er davon Mitteilung und tat sich dann mit dem Abbe Breuil zusammen, um den bedeutsamen Fund näher zu er? forschen. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind jetzt in der Monatsschrift„Anthropologie" mitgeteilt worden. Es steht danach außer Zweifel, daß es sich um Gemälde von außerordentlich hohem Alter handelt, die sich nur dadurch erhalten haben, daß sie unter einem stachen natürlichen Felsdach angelegt worden waren. Wie schon die sonderbaren Gemäldegalerien des vorgeschichtlichen Menschen, die in einigen Höhlen von Süd-Frankreich vor etlichen Jahren nachgewiesen wurden, stellen auch diese Bilder Tiere in verschiedenen Körperstellungen dar und zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Kraft der Ausführung aus. Es sind drei Renn- tiere, ein Stier und ein kleines, schwer bestimmbares Tier, samt- lich in Dunkelrot gemalt und von einer ganz schwach gekerbten Linie umrissen. Einzelheiten, wie die Augen und die Nüstern, sind so gut eingezeichnet, wie es eben in einem einfarbigen Bild ohne Schattierung gehen mochte. Der Entwurf, namentlich der Rennticre, verrät große Naivität, denn sie sind teils von der Vorderseite, teils im Profil gezeichnet. Dieser Punkt ist besonders wichtig, weil sich darin eine Uebereinstimmung mit anderen Tierbildern aus vorgeschichtlicher Zeit bekundet. Roch bedeutsamer erscheinen die gleichzeitig beschriebenen Malereien von Lerida von Katalonien, auf denen unter anderem neun um einen Mann herumtanzende Frauen dargestellt sind. Die Bilder sind übrigens ziemlich klein; das größte mißt 25 Zentimeter im Durchmesser. Vorlage bedenklich mache, mache sie ihm(Redner) annehmbarer; da- gegen beanstandet auch er die Freistellung des Fiskus, die im Gesetz keine Stütze finde, sowie die gleiche statt der stärkeren Hermi- ziehuna des unbebauten Geländes. Oberbürgermeister Kirschncr: Der Magistrat hat geglaubt» mit dieser Vorlage schon jetzt kommen und nicht erst die Etat- beratung abwarten zu sollen. Der neue Etat wird geringere Er- sordernisse als für 1909 nicht aufweisen. Ich deute nur auf den Mehrbedarf für die Bcsoldungsverbesserungen hin, der nicht 3, sondern 4lü Millionen betragen wird.(Hört! hört!) Es fallen andererseits die Staatsbeiträge zu den Schulkosten mit 420000 M. fort, ebenso 1% Millionen an dem Ueberschusse des Vorjahres. Der spezielle Grund sür die Vorlegung ist das Reichsgesetz vom 15. 7. 1909, das mit seinen Bestimmungen über die Reichswert« zuwachssteuer Berlin anderen Kommunen gegenüber benach» t e i l i g t. Was wir können, müssen wir tun, um diesen Nachteil möglichst abzuwenden. Wir haben uns in der Begründung be- schränken zu können geglaubt, weil die Materie aufs gründlichste h-er bereits erörtert worden ist. Das Notwendige wird im Aus» schuß beigebracht werden. Daß die Steuer nur bis auf 12 Proz. gesteigert werden könnte, ist nicht zutreffend; eine Erhöhung auf 20 Proz. sieht die Vorlage ausdrücklich vor. Die Befürchtung, daß aus dem Sttchtag(1. 4. 1892) zahlreiche Prozesse entstehen könnten, ist auch unbegründet. Hoffentlich stimmt eine große Mehrheit dem neuen Entwurf zu. Stadtv. Dr. Preuß(soz.-fortschr.): Die Stadt hat auch hier den Anschluß verpaßt, jetzt müsse man mit der Reichswert- zuwachssteuer rechnen. Die Steuer sei eine gute kommunale und eine schlechte Reichssteuer; je mehr und je kräftigere kommunale Zuwachssteuern 1912 vorhanden seien, desto mehr sei sür die Kommunen noch zu hofseu. Daß die Hausbesitzer nach dem AuS- spruch des Kollegen Haberland nicht auf Rosen gebettet seien, liege daran, daß die Terrainspckulation das Fett abschöpfe.(Lebhafter Widerspruch.) Den Stichtermin von 1895 hält Redner für über» aus bedenklich, wie überhaupt die jetzige Vorlage mehr als be- scheiden ausgefallen sei. Stadtv. Roscnow(N. L.) vertritt angesichts der dürftigen Be- gründung der Vorlage ebenfalls einen Antrag auf Ausschuß- beratung: die Schwächen der Porlage hinsichtlich der zu er- wartenden Erträge müßten beseitigt werden. Um die Beschrän- kungen bezüglich des Fiskus und der Expropriationen zu beseitigen. sollte man mit dem Ministerium Berhandlungn anbahnen. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.) stellt fest, daß die überwiegende Mehrheit seiner Freunde für die Vorlage eintreten wird und nur bedauert, daß ein positives Resultat erst jetzt in Aussicht steht, nach- dem soviel kostbare Zeit verloren worden. Gegen den Stichtag hat er persönlich Bedenken; die Sätze sieht er aber nicht für so gering an. und verspricht sich auch einen günstigeren Ertrag als die meistcü Vorredner. Stadtv. Haberlanb(A. 2.): Früher sollte diese Steuer ein soziales Allheilmittel sein, eine bessere Wohnungsfürsorge ermög- lichen, die Mieten verbilligen. Das Beispiel von Frankfurt a. M. zeige, daß von alledem nichts eingetroffen sei. Nach der Meinung des Redners verdient auch diese Vorlage nicht die Bezeichnung einer Wertzuwachssteuerordnuna. Sie berücksichtige das Bau- gewerbe nicht und sei geeignet, die Ausschaltung dieses Teils des Mittelstandes zu beschleunigen und das Großkapital an seine Stelle zu setzen. Damit schließt die erste Beratung. Die Versammlung über- Weist die Vorlage einein Ausschuß von 12 Mitgliedern. Für die Verbreiterung der Landsberger Straße hat die Stadt- gemeinde bereits 7 Grundstücke erworben. Der engste Teil der Straße ist die Strecke von der Katharinen- bis zur Lietzmannstraße. Hier gehören der Stadt bereits 3 Grundstücke, und eS sollen jetzt weitere 4 freihändig erworben werden. Die Kaufpreise sollen 220 000, 382 000, 422 000 und 412 000 ML betragen! Vom Stadtv. Salinger(N. L.) wird Ausschußberafimg empfohlen, da die zu zahlenden Preise zum Teil exorbitant hoch seien. Stadtv. Brunzlow(A. L.) befürwortet diesen Antrag, her so- dann angenommen wird. Der Ausschuß wird vom Vorstande sofort ernannt., Da es inzwischen 9 Uhr geworden ist, werden die Gegenstände, die noch eine längere Debatte ergeben würden, unter anderem die Frage des Ausbaues der Endstrecke der Hoch- und Untergrundbahn von Tresckowstraße nach Bahnhof Schönhauser Mee als Untergrundbahn und nicht als Hochbahn, für heute abgesetzt. Schluß gegen!410 Uhr. Humor and Satire. Die Diertelmark. Die Welt wird teurer mit jedem Tag, man weiß nicht, was noch werde» mag aus unserem Steuersegen. Just kommt nun in diesem Augenblick das Fünfundzwanzigpfennigstllck. Ich frage mich, weswegen. Die Steuerschraube noch zweimal'nun- gedreht, dann bekommt das Publikum für Kupfer oder fiir Nickel, und wenn es ein Fünsundzwcmziger W2r'< in diesem Vaterland nicht mehr den lausigsten Schundarttkel. Geschäft. Franz. Kommt einer hin nach dem Trockendock Und spricht:„Ich zahle zehn Mark mit Vergnügen, Ich möchte dafür ein Dutzend Schock Von ihren allen Putzlappen kriegen." Die Aufseher sagten in aller Ruh', Indem sie ihm das Berlangte gaben: „Hier nehme» Sie noch einen Dreadnought dazu, Damit Sie doch etwas zum Putzen haben!" _____(„Lust. Blätter'.) Notizen. Theaterchronik. Im Neuen Schaufpielhaofe muß die für Sonnabend angekündigte Aufführung des neu ein- studierten Lustspiels„Der l e tz t e B r i e f von S a r d o u m,f Mittwoch, den 1. Dez., verschoben werden. Am Sonnabend wird Fulda« Lustspiel„Das Exempel" mid am Sonntag Hebbels„Judith" gegeben.— Suzanne D c S p r e s hat ihr Gastspiel im Neuen Theater verlängert; am Sonnabend wird sie noch einmal BeequeS„Pariserin" spielen. — Vorträge. Der Vortragszyklus der Deutschen Garte nsiadt-Gesellschaft wird am Freitag mit dem Bor- trag„Wie kommen wir zur Garten st adt?" von Dr. Franz Oppenheimer geschloffen(im Hörsaal des Kunst- gewerbcnuiseumS, abends 8'/3 Uhr). — Musikch ronik. Die Klassiker» Novitäten» Matinee von Fritz Jacobsohn findet bestimmt am Sonntag, mittags 12 Uhr, im Ätindworth-Scharwenka-Saal statt. — Ein Roman Gerhart Hauptmanns„Emanuel Quint" wird vom Januar an in der„Neuen Rundschau" er- scheinen.„Der Held deS Romans ist ein religiöser Schwärmer neuerer Zeit, der mit allen geistigen Regungen der Zeit in BerÜh- rung gebracht wird," sagt die Ankündigung. Gencbts- Zeitung. Alkoholfolgen. Ein Messererzeß. der den Schlosser Wilhelm Rumke gester» dar die dritte Strafkammer des Landgerichts III führte, war zum Teil wieder auf daS Konto des DämoilS Alkohol zu setzen. Der Angeklagte, ein verheirateter, lmigenkranker Mann war eine Zeit hindurch arbeitsunfähig geivesen und auf die Krankenkassengelder an- gewiesen. Am 5. Jnni war er gesund geschrieben worden und mit dem Krankengelde in der Tasche nach Spandau, wo er wohnt, von Berlin zurückgekehrt. Er hatte einen kleinen Teil seines Geldes in Alkohol angelegt. Bei seiner Ankunft in Spandau befand er sich in angeheiterter Stimmung. Er kehrte noch bei dem Gastwirt Dobel in der Jüdenstratze ein und kam dort mit zwei im Lokale anwesenden Maurern in Differenzen, weil er der Kellnerin absolut nicht mehr als 10 Ps. für das GlaS Bier, dessen Preis 15 Pf. war, bezahlen wollte. Als die Zwistigkeit einen be- drohlichen Charakter annahm, wies der Wirt den Angeklagten aus dem Lokale mit dem Bemerken, daß die Streitenden auf die Straße gehen sollten, wenn sie sich schlagen wollten. Der Angeklagte besuchte noch eine Gastwirtschaft und zog sich zu Hause nm. Nach etwa zwei Stunden drang er plötzlich mit gezogencni Messer in das Döbelsche Lokal und rief:„Wo»st der Wirt?" Herr Döbel, der wahr- nahm, daß der Angeklagte mit dem Mesier auf ihn los kam, sprang auf ihn zu und umklaminerte ihn» seilte Oberarme. Der Angeklagte hatte aber noch so viel Bewegungsfreiheit, daß er dem Wirt einen heftigen Stich in den Oberschenkel versetzen konnte. Ten» Verwundeten konnte ein Gast, der einen Samariterkursus durchgemacht hatte, einen sachgemäßei, Notverband anlegen. Ter schleunigst herbeigeholte Arzt fand Herrn D. in sehr übler Verfassung. Er stellte eine 12 Zentimeter lange, sehr tief gehende Wunde fest, die große Beinvene war durchschnitten und der Blrit- Verlust ei» ganz enormer. Der Verletzte fiel von einer Ohnmacht in die andere und der Puls ging so bedenklich schwach, daß mehrere Kamphereinspritzungen vorgenommen werden mußten. Der Arzt mutzte schließlich die Wunde nähen. Auf Grund dieses Tatbestandes hatte daS Schöffengericht zu Spandau den Angeklagten zu 2Va Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil hatte sowohl der Angeklagte als auch der Staatsanwalt Berufung eingelegt. Der Angeklagte versicherte immer wieder, daß er nicht die Absicht gehabt habe, den Wirt zu verletzen. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht hatte Beweis dafür angetreten, daß der Angeklagte ein ganz ruhiger und fleißiger Arbeiter sei, auf den der Alkohol aber böse Wirlungen ausübe. ES handle sich hier um einen kranken Menschen, den der langcntbehrte Alkoholgenuß an jenein Tage aus dem Gleichgewicht gebracht habe und der schon mit Rückficht auf feine Krankheit eine mildere Strafe verdiene, da auf einem solchen Kranken jede Strafe doppelt schwer laste.— Das Gericht setzte die Strafe auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis herab und rechnete drei Wochen als durch die Untersuchungshaft verbüßt an. Der Staatsanwalt hatte seine Berufung zurückgezogen. Turchstechmieu in einem Kaufhause lagen einer Anklage wegen Unterschlagung und Urkundenvernichtnng bezlv. Hehlerei zugrunde, welche gestern die 13 jährige Buchhalterin Margarete L o r r a und den Kaufmann Michael Eber vor die zehnte Strafkammer des Landgerichts I führte. Die Angeklagte Lorra war in de», Koufhaufe von Fabifch u. Co. in der Jnvalidenstraße als B»lchhalterin angestellt. Als die Kassiererin erkrankte, wurde sie etwa zwei Monate lang mit diesem Posten betraut. Die L. benutzte nun diese kurze Zeit, mn sich auf recht raffinierte Weise in den Besitz von etwa 1500 bis 2000 M. zu setzen. Sie ließ die an der Kasse eingehenden Verkaufszettel verschwinden und nahm in den Kassenbüchern ver« schiedcne Rasuren vor. Das Geld verwendete sie für allen mög- l! che n Schmuck und Tand. Wie die Anklage behauptet, soll sie auch ihren Bräutigam Eber wiederholt größere Beträge von dem unter- schlagcne» Geld geschenkt, hauptsächlich auch wiederholt größere Zechen bei gemeinsamen Bummelfahrten durch Berlin bei Nacht bezahlt haben. Vor Gericht behauptete die L., daß sie nur, nm sich recht schick kleiden zu können, da» Geld unterschlagen habe. Eber bestritt, von der strafbaren Herkunft dcö Geldes etwas gewußt zu haben und hatte den Beweis dafür antreten lassen, daß sich die L. ihin gegenüber stets als die„große Dame" aufgespielt habe, die später einmal 20 000 M. erben würde und nur um die Langeweile zu vertreiben eine Stellung angenommen habe. Der Staatsanwalt hielt beide Angeklagte für überführt und beantragte drei b e- zieh nngS weife zwei Monate Gefängnis. DaS Ge- richt erkannte trotz der Jugend dcö angeklagten Mädchens gegen die L. auf nur drei Monate Gefängnis, während Eber freigesprochen wurde. Folgen eines Fußtritts. Ein Nachspiel zu einen» Kaffeehaus-Jeu beschäftigte gestern unter Vorsitz des Amtsrichters Dr. Schenk das Schöffengericht Berlin- Schöneberg. Wegen gefährlicher Körperverletzung war der Konditoreibesitzer Eduard Richau ans Friedenau angeklagt.— In der Kondidorei des Angeklagten trafen fast täglich »nehrere zuineist wohlhabende Leute zusammen, die in einem ver- schwiegenen Nebenzimmer verschivanden und dann gewöhnlich erst beim Morgengranen wieder zum Vorschein kamen. In de»n Zimmer ging es recht„harmlos" zu. denn es»vurden außer dem sog.„Mauschel- spiel" auch hin und wieder„Goldene Sechs",.Meine Tante, deine Tante" und ähnliche harmlose Spielchen gespielt, an denen sich der Angeklagte auch selbst beseitigte. Diese Spielhölle im kleinen hätte vielleicht noch wer weiß wie lange bestanden, wenn e? nicht eines Nachts zu den üblichen Differenzen beim Spiel gekoininen wäre. Die dtirch den Spielteufel erhitzten Gemüter platzten recht hart auf- einander, so daß eS zu einein allgemeinen Krach kam. Besonders heftig artete der Streit zwischen dem Angeklagten und dem Bau- meister W a s ch e ck aus, der sich ebenfalls am Spiel beteiligt hatte. Letzterer wlirde von Richau aufgefordert, das Lokal zu verlassen und ging auch sofort. In der Tür stehend versetzte der Angeklagte dem schon auf der Straße befindlichen W. einen Fußtritt vor den Nnterleib, der für diesen recht schwere Folgen hatte. Außer gewissen LähinungS- erscheinungen stellte sich bei W. ein Bruch ein. Diese Tat des An- geklagten hatte für ihn außer einem Verfahren wegen DuldenS von Glückipielen auch noch daS jetzige Strafverfahren zur Folge. Da» Schöffengericht erkannte mit Rücksicht auf die schweren Folge- erscheimliigen, welche die Tat des Angeklagten gehabt hat, ans eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Knauserei des JustizfiskuS am unrechten Ort. Ein Kaufmann in Spandau war wegen gewerbsmäßiger Hehlerei unschuldig vom 22. April bis S. August 1000 in Unters uchungshaft geholten worden. Es wurden ihm deshalb 540 M.(pro Tag 5 M.) StellvertreiungSkosten zugesprochen. Kläger verlangt aber das Doppelte und erhob auf Zahlung weiterer 540 Mark Klage gegen den Fiskus. Das Landgericht Posen erkannte seinen Anspruch an, während daS Oberland es g« richt daselbst auf Abweisung des Klägers erkannte. Das ObcrlandeSgericht legt dar, daß der Kläger gar nicht behaupte, daß er feinem Vater tatsächlich für den Tag 10 M. gezahlt habe, höchstens könnte er Befreiung von dieser Schuld gegenüber dem Vater verlangen, da er sonst in eine Wirt- schastlich beffere Lage kommen würde, als sie ohne die Verhaftung gewesen wäre. Dieses Urteil des OberlandeSgerichts Posen wurde auf oie R e v i s i o n des Klägers hin vom VI. Zivilsenat deS Reichsgerichts aufgehoben und die Sache zur ander» weiten Verhandlung und Entscheidung an das Oberlandesgericht zurückverluiefen. Und zwar heißt es in der B e g r ü n d u n g unter anderem, daß die Entgeltlichkeit der Vertretung nicht ausgeschloffen sei, wenn auch der Vater lediglich ans Beweggründen der Verwand!- � schaft das Geschäft seines Sohnes weitergeführt habe. Ob ein ent-■ aeltlicher Dicnstvertrag oder ein unentgeltlicher Vertrags vorliege.' sei nach den Erwerbsverhältnisien des Vaters, dessen Saumnissen und Opfern in der eigenen Erwerostätigkeit zu bemessen. Im kraffen Gegensatz zu dieser Sparsamreit steht die Verwen- dung reichlichster Mittel durch den Justizfiskus für Luxusbauten. Wir erinnern an den Millionenbau, der als Dienstwohnung des Düffeldorfer Gerichtspräsidenten dienen soll. Ein Schwachsinniger zu zwei Jahre» Zuchthaus verurteilt! Chemnitz. Wegen Brandstiftung an einem Gebälide, daS zur Wohnung von Menschen dient, stand der 31 Jahre alte Handarbeiter Bauer aus Wiesa bei Annaberg i. E. vor dein Chemnitzer Sanvur- gericht. Der Beschuldigte ist ein geistig unentwickelter Mensch. dessen Vater Alkoholiker war und dessen Mutter geistig bc- schränkt ist. Wegen EigentmnSdelilten ist er wiederholt, auch wegen Brandstiftung ist er vor drei Jahren bestraft worden. Damals gab er schon an, daß er keinen Grund für seine Tat habe; eS fei ihm plötzlich der Gedanke gekommen, die Brauerei des Rittergutes anzubrennen und da habe er eS getan. Sie war völlig niedergebrannt. Diesmal brannte er, einer ebenso plötzlich getomincnen Eingebung folgend, ein Wohnhaus an und brachte da- »nit die 18 Bewohner in Lebensgefahr. Es wurde der Brand im Entstehen entdeckt und gelöscht, fünf Minuten später wäre eine Rettung de? aus Fachwerk bestehenden und mit Stroh gedeckten Hauses nicht mehr»nöglich gewesen. Die Geschworenen erachteten den Angeklagten auf Grund deS ärztlichen Gutachtens für die Tat verantwortlich und das Gericht erkannte auf zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ebrenrechtsverlust. In dem ärztlichen Gutachten wurde unter anderem gesagt, daß der Angeklagte nicht die geistige Reife eines zwölfjährigen Knaben erreicht habe. Der vererbte Schwachsinn des von einem Alkoholiker und einer geistig beschränkten Frau abstammenden Angeklagten habe sich durch eine Kinderirankheit noch verschlechtert. Daß der Angeklagte aber in einein lrankhasten Zustande gehandelt habe, in dem seine freie WillenSbestimnuing aus- geschloffen gewesen sei, bestritt der Sachverständige. Leider schlössen sich die Gcschivorenen dieser völlig«m Widerspruch mit den begut- achteten Tatsachen abgegebenen Schlußansicht des Arztes an. KrUfKatten der Redaktion. Sie lurllMche 6»>m® ntmbe findet Sliibenßtagt 3,»weilek Hol, dritter Singanz. vier Trevpcii, IM- y-d» stuhl wochentögll« adcndS von TH BIS OH Uti statt. TeSffnct 7 Uhr. Sonnadcnds beginnt die Sdrcchstunde um 0 t»8r. Jeder Antrage ist ein Buedstade und eine Zahl als Merkzeichen deiintSgrn. Briefliche«nttvor« wird nicht erteilt. BIS zur Beantwortung im Briefkasten könne« 14 Tage drrgchco. Eilige Fragen trage «an in der evrechstunde vor. A. D. 107. Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt, Engeluser 15. 2. Ohne genauere Angabe, um was es sich handelte, nicht zu ermitteln. 3. Wenden Si« sich dicserhald an Ihren BezlrkSsührer. 4. Königl. Cbaril?. — Januar ILIO. 1—4. Erkundigen Sie sich darüber im Kassenlokale der Ortskrankentasse, der daS junge Mädchen angehört, b. Das Mädchen ist mit 21 Jahren großjährig und kann selbständig verfügen.— B. K. 100. Unter Wilhelm ll. am IS. Juni lSSZ.— H. K. III. Sehen Sie doch, bitte, w» Adreßbuch nach.— A. K. B. 11. Befragen Sie einen Augen- arzt und lassen Sie sich nicht durch unkontrollierbare Behauptungen von Inseraten irreführen.— I. P. U. 1. Die Pevfon muß polizeilich gemeldet werden. 2. Eharitä, Anmeldung im Bureau derselben.— St. 21. SZ. Im Rahmen de» Brieskastens nicht zu beantworten. Schlage» Sie im Lexilon nach. daS Ihnen eventuell ta der Lesehalle Adalberlstraße 44 zur Verlügung steht.— F. M. Polillinit Llttsenftraße l9. Sprechstunde» werltäglich 11—12 Uhr.— P. St, 1109. Wenden Sie sich an de:» Verein sür DemostheneS- Sprachvssege, Pasteurftraße 13. SM«»! Freitag, den 26. November, abends VI, Uhr:; Brillante Voratellnng] mit vorzüglichem Programm, t Debüt Debüt| de» Amerikaners Mstr.\'lbIo x m. feinen konvernierenden Papageien Cokoo und Laura, in dieser Pollendung noch nicht dagewesen. Um 0 Uhr Ende 11 Uhr die große Fcerie: Die drei Rivalen oder Das mysteriöse Schloh in der Normandie phantanische Feerie ü» 5 Akten. Hervorzuheben: Aus b. Schlosse deZ Ritters de la Champagne u. die feenhafte SchluSapotheote. Sonntag S gr. Vorstellungen. Nachm. 1 Kind frei, weitere Kinder halbe Preise. Fiir den Inhalt»er Inserate nbernilliiut die Redaktion den» Publikum gegenüber keinerlei Aerauttvortuu«. Cbeater. liemalns-Tfacater. Freitag, 8 Uhr: Hedda Gabler. Sonnabend, 3 Uhr: TautrtS der Narr. Sonntag, 3 Uhr: Hannekev Himmel- fahrt. 8 Uhr: TantriS der Narr. Freitag, LS. November. Ansang 7'/, Uhr. Königl. Opernhaus. Der Frei- schütz. Königl. Schanspielhaus. Der ew- gebildete Kranke. Deutsches. Don EarloZ.(Anfang 6'/, Uhr.) K a m m e r s P t e l e. Frühling» Erwachen.(Auf. 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues königl. Opcrn>Theater. Oos» kau butts. Lessing. Hedda Gabler. Neues SchauivielhauS. Judith. Neues Operette». Miß Dudelsack. Berliner. Hohe Politik. Trianon. Buridans Esel. Kornische Over. Tiefland. Neues. Herbst. Der Unbekannte. Kleine». Moral. Residenz. Gretchen. Hebbel. Der Skandal. Schiller o. ctriabner« Theater.) Der Schivur der Treue. Schliim tevarlottrnbnrg. Wallen- slems Lager. Die Piccolomini. Friedrich° Svilbeimiiad». Schart- ipielhaus. Liselott. Westen. Die geschiedene Frau, Thalia. Die ewige Lampe. Suife«. Gib mich srci. Volksoper. Die lustigen Weiber von Windsor.(Arif. k's, Uhr.) Role. Der Hüttcnbesitzer. LustspielhauS. Der drmkle Punkt. Atetrovv». Halloh il— Die große Revue. Folieö Gaprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. 8>/. Uhr.) Zlpvuo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Casino. Onkel Cohn. Gebr. Herrnfeld- Theater. So muß maMs machen. EinRetiungS- »Nittel. Karl Haberland- Theater. Epe- zialitätcn. Walhalla. Sbezialitälen. Gastspiel. Mürichener Märchen- spiele. Vastage. Spezialitäten. NoackS Theater. Der Hütienbesstzer. Palast. Liebchens Trick? Speziali- täten. Reichshalle». Steiiiner Sänger. Urania. Ta»»>e»str»i>e tisjli), Im wissenschastlichen Theater: Abends 8 Uhr: In den Dolomiien. Hörsaal 8 Uhr: Vortrag sür den StisiungSsondS der Berliner Ge- werbeanSstellung lS79. Stern, ourer, JnvalidenNr. 57—62. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. t- Der Sonnabend: Abschiedsvorstell. Suzanno Deepris; I-a Parlnicime. Theater des Westens. 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Mllw., Sonnab. 4 U.: Struwwelpeter Sonnt. 3'/, U: Ein Walzertraum. Frledrich-WiltisiinstädtisGlies Schauspielhaus. Freitag. 26. Novbr., Ansang 8 Uhr: Iji s elo 1 1. Sonnabend nachm J'/zUhr: Kindervorstellung: Aschenbrödel. 3 Uhr: Flachsmann als Erzieher._ Xenee Opcrctttsn-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. AbendS 8 Uhr: Illill Dadclsaeb. Operette in 3 Akten von Rudolf Nelson. Volks-Oper. 8W., Belle-Alllance-Straße Nr. Ansang'j.ß Uhr. Die lustigen Weiber von Windsor. Berliner Theater. «Ohe folltlk. Morgen- Hohe Politik. ßSE=THEATE - W... Ans. 8 Uhr. Ende N Uhr.! Der HMeubeßhtr. Schauspiel in 4 Akten von�G. E 8 Uhr» Die relegierten Stubenten. 1 Schiller- Schlller-Theaier 0.(Ballner-Tbeatcr.) Freitag, abends 8 U b r: Der Schwur der Treue. Lustspiel in 3 Akten v. O. Blumenlhal Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abend» 8 Uhr: »10 Hobbs. Sonntag, nachm. 3 Übt: Die Welt, in der man sieb langweilt Sonutnq, obendS 8 Uhr» »10 Hobbs. Theater. Schiller-Theater Charloltenburg. Freitag, abend» 8 lldr: Vfulleustelus Laser. Hieraus: Die Piccolomini von Friedrich Schiller. Ende 11 Uhr. Sonnabend, abendS8Uhr: Wailenstclns Tod. S o r»n l» q, namm. 3 Uhr» Hacbetta. Sonntag, abend» 8 Uhr» Wilhelm Teil. Urania. Freitag, abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Vortrag fiir den Stiftune-skonds der Berliner GowerbearussteUnnfe 1873._ Gastspiel-Theater, MüuchtUtr Miirchtnspleie. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Zanberkessel. Sonnabend u. Sonntag ll'/, Uhr IMF kleine Preise."Vis Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr: 61b mich frei. Schauspiel in 5 Akten nach einer Erzählung von H. Eouribs-Mahlcr von Enist Riiierscldt. Sonnabend 4 Uhr: Große Kinder- Vorstellung: Snerwittchen. 8 Uhr: Hetwat.... Sonnlag 8 Uhr: Die Herren Söhne. 6 Uhr: Gib mich frei.' Montag: Gib mich frei. Zirkus Busch.� Heute Freitag, den 28. November, abends 7'/, Uhr prbrlse: Komischer Galaabend. Zwergclown Fran;ols, Kunstreiter. aaa Die Clevolands! wm Patty-Frank-Truppe! Ferner: Hr. Ernst Schumann, Meisterdress� Frl. Wardia Sehe- tow, SchnlroiteriB, Giprerlclo wn Alfr. Oeniele, Averlne, Theedor, Revelljr, Magnni. 4 Gebr. Karotis, »tngarisohe Reitkünstler. 9'/« mw: Farmerleben. Sonntag, 28.Norenib., 8'/, Uhr: flpap~ Farmerleben!-M> ■PST' ohne Kürzung!!*RMi V oigt-Theaf er Gesundbrunnen. Badsiraße 58. Freitag, den LS. November 1909» Cifersuckt. Lustspiel st, 3 Ast. von S. v. Aolzogen. Kassenöffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. l-us-tsplvlhsu». Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: €r»'CtchCZA. Groteske in 3 Akte» von Davis und Lipschütz. Morgen»md folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 28. Nov.. nachm. 3 Uhr Kümmere Dich um Ainelie. V er bessertes im Gebrauch billigst«9 Seifenpulver. Erleichtert bedeutend daa Waschen und Ist ohne Zusata von Seife und Soda au gebrauchen, Ueberau erhältlich, Paket 25 Pfg. Alleinige Fabfikantan» HcaHel«, Co, Düiialdorf. "In allen Drogen-, Kolonialwaren* und Seifeneeschaften erhältlich. 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Sisters Harfey und eine Reihe aa.crlcsener KunstkrSfte. r \ Passage-Ttiaater. = Letzte Tage.=» Abends 8 Uhr: I»us groUartigo Variete* Programm Jdes ncnengroBen I Variete-Teils. 4 Femer 10 5 F I Benry Femer 10 nene OcbUts. Femer: Bender IUCUIJ ÜCUUCI in der tollen Burleske Der suße Doktor. Zweigverein Berlin. Bureau: Engelufer 15. Telephon Amt IT, 4093. Sonntag, den 28. November 1909, vormittags 10 Nhr, in der„Neuen Philharmonie", Köpenicker Strafe 90—97 i General- Versammlung aller Zaftlftellen und Sektionen des Gelamtzweigvereins. Tage». Ordnung: 1. Ter nächstjährige Verbandstag unserer Orj Kandidaten zur Delegiertenwahl. 3. Anträge zum Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. anisation. 2. Aufstellung der erbandstag. uo/i« Der Zweigvereinsvorstand. Tie Delegiertenwahlen finden am Sonntag, den 5. Dezember, vormittags 19 Uhr. in den Settionen. ZahIfteUen und Bezirken statt und«erden die Mitglieder TB. werden die Mitglieder hierauf noch durch An zeige im„vorwärts" wie anch durch Handzettel anfmcrkfam gemacht werden. Wir ersuchen, jevt schon darauf hinweisen zu wollen.— Bei den lange» Abenden, die setzt den Kollegen durch die Jahreszeit anferlegt sind, liegt es im Interesse des Einzelnen wie der Gesomtarbriterbrwegniig. wenn man soviel wie möglich sein Wissen zu bereichern versucht. Wir ersuchen darum die Kollegen, von der»kblkatkiek des Zweigvereius recht rege Gebrauch zu mache»._ D. O. Folies Caprice.j Anfang S'/, Uhr. Sicher ist sicher. Neuer bunter Teil. fler Mann meiner Tran.! Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr bis Donnerstag, de» 2. Dezember: Onkel Cohn. Freitag, den 3. Dezember, zum erstenmal: Der Obergauner. Sonntag t Uhr: Jamilic Klinkert. Passage-Panoptikum. Neo: ImHeiehe des Königs JlifQa. Geheimnisse der Wassertiefe. Plastische Riesendloraman. Ha. lebende Skelett. Han anatom. HUt.cl. Sie 7rsummsleri«. 'AGA, die achweb. Jungfrau Tambnrltza- Brlgnnto.. ranopbon-V ort rüge. Alles ohne Extra-Eniree! Anfang 8 Uhr. Letzte Woche des kolossalen Programms, u. a.: Tohuwabohu, Burleske, C'onstjolo Fornarlna, bie Phänomene Wynne Brothcr«. 10 Uhr: lv Uhr: Bine Llsremsnscht. GreteSle in 1 Alt. Sanssouci, Direllion Wilhelm Reimer. Heute Freitag: Tbeateradeud. Beginn S'/j Uhr. Zum erstenmal: Zm Caf6 Wesse. Spitzbubenfomödie in drei Akten. Montag, Donnerstag: Rolfoiaiins lonil Sänger und Tanzkränzchen. Beg. Sonnt, ö. womenl. 8 U. Arbeitsnachweis: Hej I. Ami 3. 1233. Verwaltungsstelle Berlin. Hauvtbnrea«:! Vharlttalrade 8. Hos III. Amt 3. 1387. t- Alt-Soablt 47/48. Scsntag, den 28. lovemher: ine altf Kkd. Schauspiel in drei Felix Phllippi en von d�iinig.tudt- Ii Hoizmarktslrahe 72. Täglich: Konzert, Theater- und Spezialitäten■ Vorstellung mit Franz Sobanskl. Olga Lay, Musik. Komödianten Carmanelll Kurt Werther, EmmyGalotti, Roekowsky- Duo Gust. Burg Truppe Juhasz (4 Personen, l Foxlerrier) usw. Prinz Wendslln, GesaiigSp.».Klein. Pkilssl-Tkölller. Direktion: Rohert Di» 4 Karl Pirna». Burgstraße 24, am Bahnhol Börse. TiLglfcb: Die erstklasstge» November* Spezialitäten. Fiehchriig Trick? mit Direktor Reil. Dill in der HauptgesangSpartle. Ansang'Iß Uhr. Sntr. 50 Ps. bis 2 Dar- vorzngskarte» überall zu haben. i'tfefe Th»?:iter I Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. An!« Uhr, Die gr» Jr « em Moritzplstl Anf.3 Uhr.' Humpsti- Bumpsli November-Spezialitäten. giments Sonntag naohroittag: Gp> Vorstellung zu kleinen Preisen. g-/z Uhr: Ein Kind frei l nachmittags S>/, U�ri in den Im Tunnel: RegimentSkapelle Theotcrbe�u�e��reie�Eintri� Sonntag, den'ZS. November 19097 »Borussia-Sälen-, Sickerstrotze 6/7: Gr. üffentl. Uersammlung. Tagesordnung: Groster Lichtbilder-Vortrag „Im Reiche der schwarzen Diamanten" mit 77 verschiedenen Bildern gehalten von Herrn Otto Roth- Berlin. Versammwng: GtiulltiiliikS Kkisammtiistlil vnd Tw. Programm sür den Vortrag am Eingang des SaaleS für 20 Ps. erhältlich. V4b» Der Einberufer. g. A.: S. I o s e p h, Tieckstr. 34. fterren-Stoff-ileste zu Herrenanzügen spottbillig, leinite Fabrikate, Kammgarne,«heviot», neueste Muster von 5 M. an per Meter, reine Wolle. 418/10 liudwlg Engel, Prenzlauer Strafte 23, II.(Akexanderplah.) Spezialität: Anzug nach Maß. komplett„— �— sie Muster: unerreicht. Paletot»Weltberühmt« .Lesdvre- nach Maß, ss. Tuch- aus Klappe von 4« M. an. Per— blsjl�ilsl SS'L?-«duluhnm, MKÄÄliM.«-««. l.udwlg Engel, Prenzlauer Str. 23. Ii.(Alexanderpl.) Gegr. 1832 Napoleon 1.« von 36 M. an. Sonntag, den itS. November, vormittags 10 Uhr: lliigemeinekranchevverlammluiig der Zokrlvgsr und Xelfer Berlins u. Umgegend im Gewerkachaftshans, Engeluser 15, großer Saal. TageS-Ordnung: 1. Vortrag teS Genossen A. Hörsten über:.Sind Rei-hStarise günstiger wie Lokaltarise 1' 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Sonntag, den S8. November, vorm. präz. 0'/« Uhr: Branehcn- Versammlung der Sisen-, Metall- und Kevolverdreher in den Hutslker• Hillen, großer Saal, Kaiser» Wilhelm« Straße 18m. Tages-Ordnung: t. DemonstrationSvortrag(mit Lichtbildern) de» Pros. Sommerseldt über:„Berufskrankheiten in der Maschinen- und Metallindustrie«. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten(Zustände in verschiedenen Be- trieben). Sonntag» de« 28. November» vormittags 10 Uhr: Allgemeine Versammlung der Teilenhaner Berlins und Umgegend im Lokal von Beyer, Pankstraße 83. TageS-Ordnung: 1..Die wirtschasMche Lage der Feilenarbeiter und die Organisation.' Reserent: Kollege Bah». 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Sonntag, den 28. November, vormittags v'/z Uhr t Branchen- Versammlung der Wsrteeitgtttsdier(Schnittbauer, Cehrett- bauer, Sehneidzeugmacher» Einrichter, Werkzeagsetaleiler) sowie sämtlicher in Buch- dmckereimaschinen- Fabriken beschäftigten Kollegen in den Armlnhallen, Kominandantenstr. 58/59. TageS-Ordnung: 1, Vortrag:»Ist Gewerkschaftsarbeit Sisyphusarbeit?* Reserent: Genosse Eduard Borntitein. 2. Diskussion. 3. Neu- und Ersatzwahlen zur AgitationSkommisston. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. - mitglledabucb legitimiert.- Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. MetaHürlitittr-NiiliKiiItllder««» mo a OO Pf. sind erschienen Kassierern zu haben. und im Bureau und bei den 126,8 Ortavcrwaltung Berlin. Heute Freitag, aids. 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, Saal 4(Arbeitslosensaal): Sitzung der Ontsverwaltung. Achtung! Einsetzer! �lMg! Sonntag, de« 28. November, vormittags 10 Uhr. findet sür die westlichen Vororte bei Ituscbke, Schöuederg. Meininger Straße ö, eine MI»rnnvItvn-VvrsaminlnnF 3Si statt.— ES ist Pflicht, daß jeder Kollege a» der Versammlung teilnimmt. Die Branchenkommisflon. Heu- u. BegH- Kasse der Seifensieder und Berufsgenossen (E. H. Hr. 17). Am Mittwoch früh verstarb plötzlich an, Herzschlag unser alles treues Mitglied Adolf Janike. Ehre seinem Audenien k Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz-Kirchhoss, Manenbon, aus hott. Um rege Beteiligung bittet 292/3 Der' Allen Freunden, Verwandten! und Partelgenossen die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann,\ der Zigarrenhändler Max Dietzmann im 39. Lebensjahre plötzlich am Herzschlag verstorben ist. Die» zeigen tlefbeirübt an Die trauernden Hinterbliebenen Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. November, nachmittag» 3'/, Uhr, aus dem neuen Rixdorser Friedhos, Marien- dorser Weg, statt. Am 23. November verstarb nach kurzem Krankenlager unser ge- liebler Sohn (ieorx Dterks im 14. Lebensjahre. Die» zeigt im tiessten Schmerze an Eamllle Blerka. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. November, nachmittag» 3>/. Uhr, vom Trauer- hause Levetzowstr. 12a aus nach dem HeilandS-Kirchhos in Plötzen- see stall. 2608b Orts-Krankenkasse Kritz d-i Serlin. Montag, den 29. November, abends 8'/, Uhr, findet die Ordentliche Gsml-VöizWifllling der Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Restaurant A. Raddatz, Britz, Chausseestr. 39, statt. TageS-Ordnung: 1. Neuwahl von einem Vorstand«- mitgliebe der Arbeitgeber und vier der Arbeitnehmer. 2. Wahl des PrilsungZauSIchusseS. 8. Etatutennachträge. 4. Feststellung von Verträgen. I»er vorstand. 296/15 Behrend, Vorsitzender. erscheint beute in allen Sprachen der Kultnrntenschhett. Für Deutschland itt der Hallmonatischrist „Der Sozialist Organ de« Sozialistischen Bundes. »— Preis 10 Pf.— Zu beziehen durch den ZeitungS- Handel und die Ezprdltio»de»„Slillllliß« Berlin SO. 28, Skalitzerstr. 24a. Relebshallen-Theater. Stettiner Sänger Keysol, Britton, Sctat-ader usw. Anfang: Wochent. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. I Neue Amin-Hallen Komiiiandantenstraßc 58/50 (Amt IV, Ko. 10155). OST* Silvester sowie Sonnabende und Sonntage in diesem und nächstem Jahre noch frei! 2601b* W.Koacks Theater Brunn-nM 16, am Rosenthaler Tor. A'bends>/.9 Uhr zum letzten Male: Der Hüttenbesitzer. Philipp Derblap: Franz Merter. Sonnabend: Die vlrille. Sotmtag 3 Ubr: Lenore. _ Iß Uhr: Othello. reine Wolle, neueste geitreisi. nach Maß, von 52 M. an. Gehrockanzug Kammgarn, nie glänzend werdend. Seide........, � �. Hose»Paris-- nach Maß. ballbarer, gestreifter Stravazlerstoff. Ledertaschen von 12 M. an.— Ansertigung eventuell innerhalb 24 stunden. WM- Belebt, nlttges Tneb- und Bnckskin• Enger. Besichtigung erbeten ohne Kaujzwang. Kein Musterversand. BW«in»ersuch �brt zu danernder Kundschaft 1-W» Siehe auch Adreßbuch Teil l und IV. 129/19 Für ca. 2 Pf. a ein warmes Zimmer haben Sie, wenn Sie an Stella Ihres Ofens den D.H. Professor Detsinyi Badial-Heizapparat ä dort auf einen Gasarm oatxen und benutxenl Er Hör» oinvioo«einer Art, der Deutscbcs Ist OE" einzige pttanl bat, ober den . Eelche- _ r W__...W des dsultehe Patentamt eich In hervorragender Welse im Krtellunge- beschluss tuaseite, nnd dessen Geruohloslakelt von elr.om beeidigten Berliner Hsndelsohimlkor gutachtlich festge, teilt tat. Albptt- Komposition. M. 5.60 Wir lelaten nnr fDr die Appnrat« Garantie, welche die geeohfltate Bezeichnung;„Pnofossor Ootslny) Radial1' 0. R P. 308949 tragen. l/ovIfgiifQciollon* Neue Xvnlgetr. 34, Spandauer Brflcke 2, Kantete. 99, tzvl lickuIsölvIIVII, Olivaer Platz 8 sowie durch einschlägige Gesohälto, Professor Detsinyi Radial-Heizer-Gesellschaft BERLIN, Nsus Könlgitr. 34 m.b.H. Telephon; Amt 7, Uz. 2501 Alleinig» Patentinhaber de» Radlal-Helzapparatae. Sozlaliieinola'ätischerWalilyere!!] für den UerliüßrReiehstagswalilte Stralauer Viertel. Bezirk Rr. 353. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Kürtier Dsv�ald Nixdorf Cadmer Str. 22 gestorben ist. Ehre seinem Andeuken! _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. Novbr., nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Zenlral-Friedhojes in griedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 220/17 Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß] unser SRUglieb, der Klempner Paul öitschel gestorben ist. 126/5[ Todes-Anseige. Den Kollegen zur Nachricht, j daß unser Mitglied, der Nieter Dswatd Nixdorf am 24. d. M. an Herzschwäche! gestorben ist. 126/3; Die Beerdigung findet am> Sonnabend, den 27. November,! nachmittags 2 Uhr, von der j LcichenbaUe des Zentral-FricdhoscS s in FrieorichSselde aus statt. Ehre ihrem Andenke» 1 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Am 22. d. MtS. verschied nach langem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Heizer Hermann Zimmermann. Dies zeigen tlesbetrüSt an Wwe. Berta Klmiuermann nebst Kindern. 2600b Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle der Freireligiösen Gemeinde, Pappcl-Allee, aus statt. �ÄMeMätizeh.vMlZi'elg de» 8. Herl. Reifhstagswalreises. Todes- Anzeige. Hm 23. November verstarb unser Mitglied, der Heizer tlerm-Ximmermaun Stettiner Str. 5/6. Ehre seinem Andenke» 1 Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 28. Rovembcr, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des FrtedboseS der Frei» religiösen Gemeinde, Pappelallee, aus statt. 232/19 Um rege Beteiligung ersucht Der Voritaud. RSxÄork. Am 22. d. M. verstarb unferkang jähriges Mitglieds der Droschken- Ulbert Roslcv (7. Bezirk). Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet an; Sonntag, den 23. d. M., nach mittags 3'/, I halle des j lellglösen laus statt. Uhr, von der Leichen-! rtcdhoses der Frei-' emeinde, Pappelallcc,, Uni rege Beteiligung ersucht ----- Vor,' Der Vorstand. SozialileinoMsli.Waiilverein Kixdorf. Ain 22. November verstarb unser Mitglied Max Dietzmann (18. Bezirk). Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des neuen Nix- dorser FricdhoseS(Mariendorser Weg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 236/10 Oer Vorstund. Mitglied deS Arbeite» Radfabrer-Bundes »Solidarität»» Touren zum Sountag. den»8. Novbr. Vereinstour: 1.— 10. Ableitung, 1 Uhr: Wannice(Fürstenhof). Start an den bekannten Stellen. 12/18 Heute abend: T11T1 LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ Preise nur ftlr Freitag und Sonnabend gültig FRANKFURTER ALLES •owc« Vorrat Besonders preiswerte Lehensmittel Prima steyer. Mastputen 4-6 �.......... 78 pc Prima Bratgänse..................................... p�d Prima Oderbrucher Fettgänse p�.d CS p». Junge Enten........................................... m*22S 260 325 Suppenhühner................................... s,ock160 I80 210 8a. Hirschwild Rag� 25 pf. pf" 45 p. 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Bezirks ersucht, diese Agitation am Sonnabend, den 27. d. M., abends 7 Uhr von Micks Lokal, Narlstr. 12 aus vorzunehmen. Der Vorstand. Lichtenterg. Heute abend findet die Verbreitung der Extra- nnmmer des„Vorwärts' von den bekannten Lokalen aus statt. Die Emholung der Abonnementskarten ist Sonntag früh. Alt-Glienicke. Am Sonnabend, den 27. November, veranstaltet der hiesige Wahlvcrein im Terrassenrestaurant, Jnh. Troppens, Rudower Straffe 54, sein diesjähriges Wintervergnügen, bestehend in Konzert unter Mitwirkung der Volkssängergesellschaft Lewan- dowsky Berlin. Anfang 8 Ubr abends. Entree 30 Pf. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Das Komitee. Bohnsdorf. Am Sonntag, den 28. November, nachmittags 3 Uhr findet im Restaurant„Fallenruh" eine Milgliederversammlung des Wahlvereins statt, in welcher Genosse Wollermann einen Vortrag über„Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie" hält. Der Vorstand. Königs- Wusterhausen und Umgegend. Am Sonntag, den 28. d. Mls.. nachmittags 3 Uhr. findet im Lokale des Herrn Wedhorn unsere Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Der Vorstand. Pankow. Morgen, Sonnabend, den 27. November, abends 8 Uhr begeht der sozialdemokratische Wahlverein im Saale von Ebersbach (Zum Kurfürsten), Berliner Straffe 102, sein Winterfest. Ein reich- haltiges Progranim(Sinfonie-Konzert, Vorträge tüchtiger Künstler, Tanz usw.) verspricht allen Teilnehmern einen genuffreichen Abend. Die Arbeiterschaft Pankows wird ersucht, an diesem Fest teil- zunehmen. Billetts sind zu haben in der Parteiipedition, Mühlen- straffe 30, bei Larsen, Brehmestr. 47, EberSbach, Berliner Straffe 102, sowie bei den Funktionären. Bernau. Morgen Sonnabend findet im groffen Saale des Restaurants„ E l y s i u»n" eine Volksversanrmlung statt, in der Genossin Luise Zietz über:„Die neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu" referieren wird. Beginn S3U Uhr.— Parteigenossen! Agitiert für guten Versamnilungs- besuch namentlich unter den Frauen. Tegel. Am Sonntag, den 28. November, findet eine Land- eigstatioii statt. Abmarsch früh 8 Uhr vom Lokal Jul. Krause, Berliner Straffe 11. Die Bezirksleitung. berliner J�admcbten. Aus der Stadtverordneten-Versammlung. Haben die Grundstücksprofitinacher in ihrem Widerstand gegen die Besteuerung des mühelos eingesackten Gewinnes i achgelassen? Werden sie in Berlin wenigstens die bescheidene Wertzuwachs st euer hinnehmen, die ihnen setzt vom Magistrat zugemutet wird? Wer das gehofft hatte, der kannte die Nutznießer des Bodenwuchers schlecht. Die Gegenwehr, an der sie es auch diesmal nicht fehlen lassen wollen, wurde in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten nicht so stur- imich wie sonst angekündigt. Aber vernehmlich genug sprach doch aus allen Reden der Wortführer des Freisinns der Wunsch, daß d e n G r u n d st ü ck s- und Häuser- spekulanten nicht zu wehe getan werde. Wie diese Profitmacher öS treiben, wie sie ihren privaten Jnter- essen das Wohl der Gesamtheit unterordnen, wie sie die Ge° meindeverwaltungen ihren selbstsüchtigen Zwecken dienstbar zu machen suchen, das kennzeichnete treffend unser Genosse H e i m a n n. der die Debatte eröffnete. Inzwischen hat ja. das hielt er der freisinnigen Mehrheit vor, die Sachlage sich dahin geändert, daß die Reichsgesetz�ebung durch den in- direkten Zwang, den sie auf die Gemeindeverwaltungen aus- übt, uns für Berlin doch noch ein neues Projekt der Wert- zuwachsbesteuerung bescherte. Aber schon ist es zu spät, in vollem Umfange den Schaden wieder gut zu machen, den Berlin der Rückständigkeit des Stadtfreisinns zu danken hat. Und selbst der nachträgliche Versuch, zu retten, was etwa noch zu retten ist, zeigt auch allzu deutlich die zarte R ü ck s i ch t n a h ni e a u f d i e H a u s a g r a r i e r. Die Redner des Freisinns ließen durchmerken, daß diese Rück- sichtnahme ihnen noch nicht weit genug geht. Herr Cassel, Herr L e W Y, Herr Rofenow usw. lvickelten ihre grund- sätzliche Zustimmung in sehr verdächtige Verklausulierungen ein; vom Ausschuß erwarten sie„Verbesserungen", die ihnen die Magistratsvorlage erst akzeptabel machen sollen. Aus Oberbürgermeister Kirschners Rede klang es heraus, daß auch ihm nichts Gutes ahnt. Nicht übel spottete Herr P r e u ß über das„einig Volk von Brüdern", das man erst iin Ausschuß kennen lernen werde. Das passende Finale war die Rede des Herrn Haberland, des Vertreters der Großunternehmer der Terrainspckulation. Er erklärte, an der„Verbesserung" der Magistratsvorlage wolle auch er„mit- arbeiten". Das läßt sich denken! Uebcr die Bauarbeiten am Groffschiffuhrtswcg Berlin- Stettin wird uns von unterrichteter Seite mitgeteilt: Im laufenden Baujahre sind die Arbeiten rüstig fortgeschritten. An dem Aushub des KanalbetteS wurde.auf der ganzen Linie gearbeitet; es waren dabei auffer zahlreichen Handarbeltern sieben große Trockenbagger und sieben Naßbagger beschäftigt. Der AuShubboden wird teils in Dämmen läng« des Kanals abgelagert, teils wird er. mit Waffer verdünnt, durch Rohrleitungen auf benachbarte Flächen, die der Aushöhung bedürfen, gedrückt. Auch mit der auf 25 Kilometer erforder- lichcn iZinbringung einer Tondichtung ist begonnen worden. Der Ton wird in grubenseuchtem Zustande in dünnen Lagen von 10 bis 20 Zentimeter Stärke ausgebracht und mit Motorwalzen von b'/z Tonnen Gewicht gewalzt. Gleichen Schritt mit den Erdarbeiten hat" die Herstellung der Bauwerke gehalten. Für eine große Zahl von Brücken sind die beiden massiven Landpfeilcr fertiggestellt, bei einigen Brücken erfolgt bereits die Aufstellung des eisernen Ueber- baue?. Bei den Plötzenseeschleusen, der Spandauer und der Lehnitz- schleuse sind noch die BetonierungSarbeiten in vollem Gange. Hoffentlich gestaltet sich der Winter weniger ungünstig als der vor- jährige, damit die Arbeiten nicht gänzlich zu ruhen und die Arbeiter nicht zu feiern brauchen. Rixdorf— Zoologischer Garte». Eine neue Straßenbahnlinie er» öffnet die Große Berliner Straßeirbahn am nälbsten Sonnabend, den 27. November, in Gemeinschaft mit der Westlichen Berliner I Borortbahn und der Südlichen Berliner Vorortbahn. Die neue Linie tzjm Anschlußbetrieb erhält die Nummer 89 und die Bezeichnung Nix- öorf— Bahnhof Zoologischer Garte». Die Linie nimmt ihren An- fang in Rixdorf auf dem Wildenbruchplatz. Ihr Weg geht von dort über den Hermaunplatz, durch die Hasenheide, durch die Gneisenäu-, Dork- und Göbeustraffe, über den Winterfeldtplatz, durch die Hohen- staufenstraffe, über den Prager Platz, durch die Äaiser-Allee und endlich die Joachimslhaler Straffe bis zur Stadtbahn. Der Fahrpreis für die ganze Strecke auf allen drei Netzen beträgt 10 Pf. Zwischen der Bellealliancestraße und dem Zoologischen Garten ergänzen sich die Züge der Linien 4 Ost-West- Ring, 82 Schlesisches Tor— Zoologischer Garten, 89 Rixdorf-Zoolo- gischer Garten zu einem Betriebe in Abständen von 5 Minuten. Der erste Wagen der Linie 89 geht von der Kaiser-Friedrich-Straße und der Ecke Wildeubruchstraffe 6.09, vom Wildenbruchplatz 7.07, der letzte Wagen von Wildenbruchplatz 11.37. Im Westen geht der erste Wagen vom Winterfeldtplatz 6.19, vom Zoologischen Garten 7.05, der letzte 11.35, außerdem 11.50 und 12 05 bis zur Mansteiustraffe. Die ge- samte Fahrzeit beträgt 44 Minuten. Der Betrieb gilt zunächst als ein Versuch für die Dauer eines JahreS. Eine kommunale Arbeitslosenversicherung wurde für jetzt abgelehnt, das ist das Fazit der mehr als i reistündigen Verhandlungen der zu diesem Zweck eingesetzten ge° mi schien Deputation am Mittwoch nachmittag. Referenten für die Einführung waren die Stadtverordneten D u p o n t und G o l d s ch m i d t, Referent dagegen Stadtrat F i s ch b e ch Er operierte mit denselben Gründen, die er bisher dieser Frage gegen- über vorgebracht hatte, so daffG locke mitRecht ihm entgegenhalten konnte, man hätte erwarten sollen, daß nach den neuesten Vor- gängen in Bayern und Baden und nachdem einige der größeren Vororte Berlins dieser Frage das lebhafteste Jntereffe entgegen- bringen, auch von feiten des Magistratsvertreters ein anderer Standpunkt eingenommen würde. Aber Herr F i s ch b e ck ist eben, wie widerholt an dieser Stelle hervorgehoben, der waschechte freisinnig-„liberale" Politiker, der sich von einem Konservativen wenig oder gar nicht unterscheidet. Solange nicht festgestellt werden könne, wer arbeitslos und wer arbeitsscheu, also die S i m u l a t i o n nicht beseitigt werde, solange die Gewerkschaften Kampforganisationen und„gewiffe" Be- Ziehungen zu einer politischen Partei unterhalten, könne von einer gemeindlichen Beihilfe der Mitglieder dieser Gewerkschaften bei Arbeitslosigkeit keine Rede sein. Aus denselben Motiven heraus müßte doch auch jede Beihilfe des Staats oder des Reichs abgelehnt werden, aber derselbe Herr Fischbeck wies diesen die Präro- gative zu. Er erkannte also andererseits wieder eine höhere Für- sorge der Arbeitslosen an, nur seien die Schwierigkeiten vorläufig unüberwindbar. Er türmte diese so hoch auf, daß sich die Mehrheit der Deputation bequem dahinter verschanzen konnte. Genosse D u p o n t stützte sich iit seinem Referat darauf, daß die Gewerkschaften schon aus dem Grunde die gegebenen Träger einer kommunalen Arbeitslosenversicherung seien, weil sie der!om° munalen Gemeinschaft große Lasten abnehmen, denn die 8 Mil- lionen, welche allein die freien Gewerkschaften im Jahre 1908 für ihre Arbeitslosen aufgebracht haben, sind der beste Beweis dafür. Nicht nur ernste bürgerliche Sozialpolitiker, auch die bayerische und badische Regierung hätten das anerkannt. Der Zuschuß der Kom- mune bei Arbeitslosigkeit sei gewissermaßen als eine Prämie auf das gemeinnützige Wirken der gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter zu betrachten. Die badische Regierung erklärt in ihrer jüngst erschienenen Denkschrift, daß, solange von Reichs wegen eine gesetzliche Regelung der Arbeitslosenversicherung nicht stattfindet, nur durch größere Kommunalverbände auf diesem Ge- biete Vorsorge getroffen werden könne. Da von der preußischen Regierung derartiges in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist, müssen die Kommunen hier selbständig borgehen, soll die Sache nicht sä cslenäas graecss vertagt werden. Es hätte Ehrensache der Stadt Berlin sein müssen, hier bahnbrechend borzugehen! Unsere Genossen hatten den Antrag gestellt, den Magistrat zu ersuchen, mit den Vororten(Groß-Berlins) eine Verständigung herbeizuführen über eine gemeinsame Grundlage zu einer kom- munalen Arbeitslosenversicherung, eventuell eine Konferenz von Vertretern dieser Gemeinden zu diesem Zweck zu veranlassen. Dem wurde in der Form zugestimmt, daß die Frage mit den be» nachbarten Gemeinden in Erwägung gezogen werden solle. Ein weiterer Antrag unserer Genosse» ging dahin, eine Sub- kommission mit der Ausarbeitung eines Ortsstatuts für eine kom- munale Arbeitslosenversicherung in Verbindung mit einem städtischen Arbeitsnachweis auf paritätischer Grundlage zu betrauen. ErstereS wurde gegen drei Stimmen abgelehnt, letzteres in der Form an- genommen, daß das dem Magistrat zur Erlvägung anheim- zugeben ist. Daun wurde ein von einem Magistratsvertreter gestellter An- trag einstimmig angenommen: zu veranlassen, daß die Frage der kommunalen Arbeitslosenversicherung auf die Tagesordnung des nach st en deutschen Städtetages gesetzt werden, zu welchem Zivcck, wenn möglich, ein außerordentlicher Städtetag ein- zuberufen sei. Das war für die bürgerliche Mehrheit eine Erlösung von dem Alp der Arbeitslosigkeit; der Teil, der sich„voll und ganz" auf den Standpunkt ihres Stadtrats F i s ch b e ck stellte, hegt wohl gar die stille Hoffnung, daß damit die Frage auf geraume Zeit vertagt ist. Sache der Sozialdemokratie wird es sein, nicht locker zu lassen, vor allem nunmehr im preußischen Abgeordnetenhause den ge- hörigen Nachdruck auf die Notwendigkeit der Lösung des Arbeits- losenproblems zu legen. Eine gute Grundlage bietet die Denk- schrift der badischen Regierung. Daß die Krise im Abflauen be- griffen ist. darf für uns kein Grund sein, diese Angelegenheit weniger energisch zu betreiben, birgt doch jeder wirtschaftliche Aus- schwung den Keim einer neuen Krise in sich. Die WiederherstellnugSarbeiten im Telegraphen- und Telephonbetrieb sind in einzelnen Bezirken so weit vor- geschritten, daß schon in den nächsten Tagen Mannschaften aus diesen Bezirken zurückgezogen und nach solchen Stellen abkommandiert werden können, an denen die Arbeiten noch iveitcr zurückliegen. Be- sonders ist eine Verstärkung der Arbeiterkolonnen in den an der Lehrter-, Hainburger- und Nordbahn belegenen Ort- schaften in Aussicht genommen, in welchen Revieren die größten Störungen herbeigeführt worden sind und die Er- Neuerungen ganzer Telephonnetze, sowohl Fern- als Orts- leitungen. erforderlich sind. Bis jetzt sind die Arbeiten wenig- stcns soweit gediehen, daß von Berlin aus nach allen Orten, wenn auch zum Teil nur auf großen Umwegen, gesprochen werden kann. Diese Verbindungen werden allerdings nur für dringende Gespräche hergestellt. Die Mitarbeit der Frauen in der Armen- und Waisenpflege hat sich m Charlottenburg aufs beste bewährt. Nach dem Stande vom 1. Juni 1909 waren in der Charlottenburger Armen- und Waisen- pflege ehrenamtlich tätig: 41 Armenkommissionsvorstcher, 343 Armenpfleger, 24 Armenpflegerinnen, 118 Waisenräte und Stell« Vertreter. 154 Waisenpflegerinnen und Slcllvertreterinnen.„Die Mitarbeit der Frauen"— so heißt es im Verwaltnngs- bericht der Stadt Charlottenburg für das Jahr 1908— „hat sich nicht nur in der Waisenpflege, wo sie fast unent- behrlich ist, sondern auch in der Armenpflege durchaus bewährt. Die von manchen Seiten gehegte Befürchtung, die Frauen würden zu viel bewilligen, hat sich nirgends bewahrheitet. Die in der Armenpflege tätigen Frauen prüfen und stellen ihre Anträge mit genau derselben Sorgfalt wie ihre männlichen Kollegen; sie sind aber häufig ans Grund ihrer wirtschaftlichen Erfahrung in der Lage, bei hilfesuchenden Frauen besser als sie zu erkennen. wo der Hebel eingesetzt werden muß. und praktische Ratschläge für die Wirtschaftsführung zu geben. Fast alle Frauen, die als Armenpflegerinnen in die Kommissionen eintreten, sind zu- dem schon seit langer Zeit auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge praktisch tätig und bringen so Kenntnisse in ihr Amt mit, die nicht alle männlichen neueintrelenden Armen- Pfleger aufweisen können. Auch die Befürchtung, daß die Arnieiipflegerimien die„Gemütlichkeit" in den Kommissionen stören könnten, hat sich wohl nirgends als zutreffend erwiesen." Zum Schluß wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß auch die Komniissionen, die sich bisher noch der Mitarbeit der Frauen ver- schlössen haben, au den guten Erfahrungen der Konunissionen, denen bereits Almenpflegerinnen angehören, davon abgehen werden, ferner daß sich noch Frauen in größerer Zahl für das Amt der Armen- Pflegerinnen zur Verfügung stellen werden. Auch in Berlin wünscht die städtische Arinendireklion eine stärkere Heranziehimg des weib- lichen Elements, wobei sie freilich auf den stillen Widerstand mancher Armenkommissionen stößt. Das große Los, dieser Hoffnungsanker Hunderttausender von Lotteriespielern, ist gestern gezogen worden, es siel auf die Nummer 187 926. Ein Opfer der Glätte ist der 58 Jahre alte Arbeiter Julius Meibauer, Parocknalstr. 19, geworden. M. hatte auf dem Heim- wege, von der Arbeit kommend, die Linienstraße passiert. In der Nähe der Nosentbaler Straße glitt er auf dem schlüpfrigen Bürger- steige au« und kam so unglücklich zu Fall, daß innere Zerreißungen herbeigeführt wurden. Man brachte den Bernnglückten nach dem Krankenhause, Ivo aber nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Der bedauernswerte Mann war an innerer Verblutung gestorben. Fern vom Schuß. Der unter Hinterlassung riesiger Schulden geflüchtete Expastor Werkenthin von Gethsemane befindet sich, wie nunmehr feststeht, wohlbehalten in Mexiko und hat dort mit dem ihm eigenen Talent eine fette Pfründe ergattert. Bekanntlich ist seitens der preußischen Staatsanwaltschaft hinter dem frommen Be- trüger, nachdem dieser längst in Sicherheit war, ein Steckbrief er- lassen worden, der aber nach Lage der Sache für Mexiko nicht voll- streckbar ist. Privatpersonen, die von Werkenthin geschädigt worden sind, hatten sich nach Erkundung des Aufenthalts an die mexikanische Regierung gewandt, damit auf Werkenihin zur Bezahlung seiner Schulden ein Druck ausgeübt werde. Von dort ist jedoch der amt- liche Bescheid eingetroffen, daß der steckbrieflich Verfolgte sich in seinem neuen Wirkungskreise allgemeiner Beliebtheit erfreue und daß die dortigen Behörden keine Veranlassung sähen, sich mit dem Bor- leben der ehemals preußischen Altarstützc zu beschäftigen. Hoffentlich geht es den vertrauensseligen Mexikanern nicht mal ebenso wie den geleimten Berlinern. Einer Massenverschacherung adelshungriger Willionärinncn leistet die auf diesem Gebiete unübertreffliche Kupplerin„Tmite Votz" in ihver Mitlwochnuuimcr Vorschub. Für gleich ein ganzes Dutzend bürgerlicher evangelischer Damen in meist höheren Sc- mestern mit vielen Millionen Vermögen werden in einer einzigen Heiratsannonce, die„Avis für vornehme Kavaliere" überschrieben ist, aktive adelige Offiziere, am liebsten Grafen, gesucht. Zwei bejahrte AnWärterinnen, die bloß eine knappe halbe Million be- sitzen, begnügen sich schon mit einfachen„Herren". Besonders lieb- lich klingt bei dem einen zum Verkauf gestellten Goldfisch der Hin- weis, daß die„alte" Mutter, die das Geld in der Tasche hat,„nachlebt, also„hoffentlich" bald um die Ecke gehen wird. Nachbarin. Euer Fläschchcnk Es wird einem unwohl vor solcher Gemüts- Verrohung. Weihnachts-Berkehr. Wie die königl. Eisenbahndirektion Berlin bekannt macht, wird im Jntereffe der Handeltreibenden und zur glatten Abwickelung des erfahrungsgemäß starken Wcihnachtsgüter« Verkehrs der Dienst der Eilgutabfertigungen auf den sieben Berliner Jnnen-Bahnhöfen an sämtlichen Sonn- und Festtagen im Monat Dezember d. I. auf die Zeiten von 7 bis 9 Uhr vormittags, 11 bis 1 Uhr mittags und 5 bis 7 Uhr abends und zwar allgemein für Annahme und Ausgabe von Eilgutsendungen jeder Art festgesetzt werden. Der Verband märkischer Arbeitsnachweise hielt am 19. November im Charlottenburger Rathause eine Verbandsversammlung ab. An Stelle des bisherigen Vorsitzenden, Professor Dr. Jastrow, der als Charlottenburger Stadtrat seine Entlassung eingereicht bat. wurde Dr. jur. Freund- Berlin zun: Vorsitzenden gewählt. Der Sitz des Verbandes soll nach Berlin verlegt werden. In der Versammlung am Sonntag, den 2l. November, km Moabiter SchützeuhauS ist ein Militärpaß(Duplikat) auf den Namen Max Sckimiedicke gefunden worden. Abzuholen bei Harndt, Ruders- dorser Str. 43._ Vorort- JVacbricbten» Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammkung beschäftigte sich in ihrer Sitzung vom Mittwoch— abgesehen von einer Reihe kleinerer Vorlagen— mit den Vorlagen betreffend das O r t s st a t u t über den Stundenplan b e r Fort» bildunasschulc für männliche Personen und betreffend die Fortb il d u n g s sch�l lp sl i ch t für die weiblichen Handlungsgehilfen und-Lehrlinge. Die Einbringung des Ortsstatuts war deshalb notwendig geworden, tveil der Magistrat bisher, ohne jedesmal beteiligte Arbeiter und Ge- werbetreivende zu hören und die Zustimmung der Stadtverord» netenversammlung und des Bezirksausschusses einzuholen, den Stundenplan halbjährlich veröffentlicht hatte. Inzwischen hat aber das Kammergcricht entschieden, daß bei obligatorischen Fortbil- dungsschulen die Festsetzung der Stundenpläne in derselben Weise zu erfolgen habe wie der Erlaß eines Ortsstatuts, d. b. es müssen in jedem Fall beteiligte Gewerbetreibende gehört, die Zustimmung des Bezirksausschnsscs eingeholt werden, und die Veröffentlichung muß in der ortsüblichen Form erfolgen. In der Debatte sprach Stadtverordneter Zander(unp.) die Ansicht derjenigen aus, die von der Fortbildungsschule nur insoweit etwas wissen wollen, als sie die Gewerbetreibenden an der Ausbeutung der Lehrlinge nicht hindert. Ihm trat Genosse Dr. Borchardt in wirkungsvoller Rede entgegen. Beide Vorlagen wurden schließlich einem Aus- schuffe überwiesen. Gleichfalls einem Ausschusse überwies die Versammlung zwei Anträge, die sich auf die städtische M ü I l a b f uh r beziehen. Der eine von Dr. C r ü g e r(liberal) und Genossen eingebrachte Antrag ersucht den Magistrat um eine Vorlage, nach welcher das Ortsstatut für Müllabfuhr eine Ergänzung erfuhr, durch die der Anschluß an die Müllabfuhr für alle Hausbesitzer obligatorisch gemacht wird. Der Zweite Antrag, der von dem Stadtverordneten Dr. Stadthagcn(natl.) ausgeht, richtet an den Magistrat das Ersucken, zu erwägen, ob die zurzeit der Müllabfuhr nicht unter- liegenden Hausbesitzer zu Recht von der Müllabfuhrverpflichtung befreit sind. Zu lebhaften, teilweise recht stürmischen Auseinander- setzungcn führte die Debatte über einen sozialdemokratischen An- trag betreffend das Hausvateramt der Waisenanstalt „L u i s e n- A n d e n t c n". Durch den Antrag wird der Ma- gistrat ersucht, darauf zu dringen, daß der in der Waisenanstalt ..Äönigin Luisen-Andenken" als Hausvater tätige Gemeindeschul- Ichrcr Richter schleunigst seines Amtes enthoben wird. Ferner wird der Magistrat ersucht, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß das Amt eines Hausvaters an jener Anstalt nicht mehr im Nebenamt ausgeübt wird. Stadtverordneter Zietsch(Soz.) begründete den Antrag in durchaus sachlicher Weise. Er beschäftigte sich einleitend mit den vom Magistrat in die Presse lancierten Nachrichten, die von vorn- herein darauf berechnet waren, gegen die Antragsteller Stimmung zu machen. In diesen Mitteilungen sei zwar von einem Ergebnis der amtlichen Untersuchung die Rede, aber es wäre doch einmal interessant zu erfahren, wie denn eigentlich diese amtlichen Unter- suchungen aussehen. In materieller Beziehung führte Redner ein reichhaltiges Tatsachenmaterial an, aus dem hervorgeht, daß der Hausvater seines Amtes nicht gewachsen ist. So soll es zu seinen Gewohnheiten gehört haben, Kinder mit einer Gartenschere in die Ohren zu zwicken; ein Knabe soll mit einem Rohrstock ohnmächtig geprügelt sein, so daß er ins Bett geschafft und mit Kampfer ein- gerieben werden muhte. Zwei Knaben sollen mit den Köpfen der- artig zusammengestoßen worden sein, daß der eine ein noch heute bestehendes Kopfleiden darauf zurückführt. Zwei Geschwister sollen in einer Art und Weise geprügelt sein, daß sich darüber die anderen Kinder mit erregt haben; einzelne Kinder wollen bis zu 35 Schlägen gezählt haben. Auch Schimpfworte seien an der Tagesordnung ge- Wesen. Als befremdlich bezeichnete eS der Antragsteller, daß die amtliche Untersuchung sich nicht ausgedehnt hat auf die Ver- nehmung von Leuten, deren Kinder in der Waisenanstalt sind Schon vor länger als drei Monaten habe sich ein städtischer Waisen Pfleger bei dem Magistrat über die Zustände in der Anstalt be schwcrt, aber der Beschwerdeführer sei zu der Untersuchung nicht hinzugezogen, ja, er habe sogar nicht einmal eine Antwort erhalten, so daß er sich schließlich an die sozialdemokratische Fraktion gewandt und auf diese Weise die Flucht in die Oeffentlichkeit ergriffen habe. Nachdem die Beschwerden eingegangen seien, hätte die Prügelei allerdings nachgelassen, aber der Hausvater richte jetzt sein besonderes Äugenmerk auf diejenigen Kinder, von denen er annehme, daß ihre Klagen die Veranlassung zu der Beschwerde gegeben haben; zwei Kindern sei sogar verboten, ihrer im Kranken- haus befindlichen Mutter einen Besuch abzustatten. Redner becm- tragt« die Einsetzung eines Ausschusses zu einer genauen Unter- suchung der Angelegenheit. Der Ausschuß müsse auch darüber entscheiden, ob ein solches Amt weiter im Nebenamt ausgeübt werden dürfe. Als Vertreter des Magistrats erwiderte Stadtrat Samter. Der Stadtrat teilte das Ergebnis der angeblichen Untersuchung mit, er selbst habe alle Knaben vernommen, aber natürlich— wie das immer der Fall ist— sollen alle Behauptungen der Beschwerde� führer unwahr sein. Dabei mutzte aber der Stadtrat selbst zu- geben, daß einem Knaben einige„Jagdhiebe" übergezogen sind. Der Junge habe ihm gesagt: Verdient habe ich das. Ein anderer Knabe sei„ganz gehörig gezüchtigt" worden. Auch die Mitzhand lungen mit der Gartenschere konnte der Stadtrat nicht bestreiten. wenn er es auch so hinzustellen suchte, als ob der Sausvater nur aus Scherz Kinder mit einer Drahtzange in die Ohren gekniffen habe. Ein eigenartiger Scherz, wenn man bedenkt, daß sogar nach dem Ergebnis der Untersuchung in einem Falle dabei ein Bluts- tropfen sich gezeigt hat. Ebensowenig konnte der Stadtrat die Tatsache aus der Welt schaffen, daß ein Mädchen mit einem Stock über die Hände geschlagen ist, an denen sich tuberkulöse Erschci nungen gezeigt hatten. Während es den Antragstellern auf eine objektive Unten suchung der Angelegenheit ankam, bewiesen die Liberalen von vornherein, daß ihnen einzig und allein daran gelegen ist, die An- gclegenheit zu vertuschen und zu einer sozialdemokratischen Aktion aufzubauschen. Machten sich diese Herren sch.ii während der Rede unseres Genossen Zietsch durch allerhand unanständige Zwischen- rufe und durch höhnisches Gelächter unangenehm bemerkbar, so suchte ihr Fraktionsredner Dr. F r e n tz e l die Zwischenrufer noch zu übertrumpfen, indem er. ohne auch nur eine Ahnung von der i-oache zu haben, als Schirmherr des Magistrats auftrat und aus Mangel an sachlichen Gründen eine wütende Philippika gegen die Sozialdemokratie hielt, der er vorwarf, es komme ihr nur auf wirksame Inszenierung und sensationellen Aufputz an, ihr fehle das innere sittliche Recht zur Einbringung solcher Anträge, sie habe keine Achtung vor allgemeinen Menschenrechten von Leuten, die nicht zur sozialdemokratischen Partei gehören, und was dergleichen Phrasen mehr sind. Ja, der neue Sozialistentöter verstieg sich sogar so weit, die Prügeleien mit dem Heinweis darauf zu billigen. daß Disziplin sein müsse, und er verlangte, daß gerade die Sozial- demokraten, die die Welt schon so oft in Staunen versetzt hätten über die erbarmungslose Art, in der sie unbotmäßige Elemente unter ihren Willen zu zwingen suchen, dies anerkennen sollten. Ihm erwiderte Genosse Hirsch, der sowohl mit Herrn Dr. Frentzel als auch mit den übrigen liberalen freisinnigen Ma- glstratskommissaren, die die Elaqueure für den Magistrat bilden, gehörig abrechnete und die Anmaßung dieser Gesellschaft geißelte. Auch Genosse Gebert ging noch des näheren auf das Ver- hglten der Liberalen und auf die Darstellung des Magistrats ein. Warme Verteidiger fand das Verhalten des Hausvaters in dem Bürgermeister M a t t i n g, dem Oberbürgermeister Schustehrus, den Stadtverordneten Becker» Dr. Lands- b e r g e r und insbesondere Dr. Stadthagen, der, ohne auch nur das Ergebnis der Ausschußberatung abzuwarten, dem Haus- Vater sofort ein Vertrauensvotum erteilen wollte. Er drang aber mit dieser Ansicht nicht durch, da außer ihin sämtliche Mitglieder der Versammlung der auch von liberaler Seite beantragten Aus- schußbcratung zustimmten._ An Gasvergiftung gestorben ist in der gestrigen Nacht die 25 jährige Wirtschafterin Wando Hetze!. die bei dem Kaufmann Petzall in der Marchstraße 23 in Stellung war. Das junge Mädchen hatte sich vorgestern abend gegen 10 Uhr auf ihr Zimmer zurück- gezogen und als es gestern morgen nicht zum Vorschein kam und aus wiederholtes Klopfen nicht antwortete, ließ die Herrschaft, dadurch beunruhigt, die Tür durch einen Schlosser öffnen. DaS Zimmer war stark mit Gas gefüllt, die Hetzet wurde lebloS in ihrem Bette vorgefunden. Ein von der Unfallstation in der Berliner Straße sofort herbeigerufener Arzt konnte nur noch den bereits vor einigen Stunden eingetretenen Tod feststellen. Allem Anschein nach liegt Selbstmord vor, darauf deutet wenigstens der Umstand, daß die sämtlichen GaShähne geöffnet waren. Im Eharlottriiiurger Schiller-Theater tritt eine Aendernng der Platzmiordnung und teilweise Erhöhung der Eintrittspreise ein. Sie ist, ivie das Statistische Amt mitteilt, durch die Lohn- und Gagen- erhöhungen und die in neuerer Zeit immer größer werdenden An- sprüche an die Ausstattung notwendig geworden. Der bisherige Oberring ist gegen den III. Ring ausgelauscht. Aber auf den bis- herigen III. Ring find nicht die Preise des bisherigen Obcrrings (1,80 M.) übertragen, sondern der Platz kostet nur 1,50 M.(im Abonnement 1.20 M.) einschließlich Garderobe und Tbeaterzettel. Die Preise des I. Rings sind von 2,10 M. auf 2,50 M.(im Abonnement vsn 1.60 aus 2 M.s erhöht. Der Magistrat von Char- lotteuburg— die Stadt Ebarlottenburg ist bekanntlich Eigentümerin des SchiÜer-Theaters— Hot die nach dem Pachtvertrage erforder- liche Einwilligung zu diesen Aenderungen gegeben in der Erwägung, daß die geringe Erhöhung der Preise nur die teuersten Plätze, also daö zahlungsfähigere Publikum betrifft, während die Preise der anderen Plätze gleichgeblieben, sogar ermäßigt sind und der Charakter es Theaters als Volkstheater dadurch gewahrt bleibt.' Rixdorf. Ein schwerer Nnfall ereignete sich borgestern abend um 8 Uhr auf der Ringbahn. Als der 44 Jahre alte Tischler Julius Herrmann aus der Schöneweider Straße IS ein Abteil dritter Klasse eines Südringziiges verlassen wollte, ward er vom Schwindel befallen, stürzte äus den Bahnsteig und blieb bswiißlloZ liegen. Ein Arzt stellte einen Schädelbruch und eine schwere Gehimerichiikterung fest. Der Verunglückte wurde hoffnungslos nach dem Rixdorfer Kraulen- hause gebracht. Wilmersdorf. IlcSer:„Was lernen die Frane« aiiS de» neuen Steuern?" wird heute Freitag, abends 8'/z Uhr, im„Geselltchasishaus* die Genossin Frau Klara Wehl in einer öffentlichen Frauenversainmlmig referieren. Da das Thema wobl jede Frau der werktätigen Be- völkerung interessieren dürste, wird ein zahlreicher Besuch erwartet. Ober-Schöneweide. Als Termin für die Eröffnung deS Kaufmanns- und Gewerbe- gcrichtes ist der 1. Januar 15)10 vorgesehen. Bei dem jetzigen Stande der Vorarbeiten erscheint es mehr denn fraglich, daß der- ielbe innegehalten werden kann. Die Gemeindeverwaltung stell» immer noch Erwägungen über die Art der Wählerlistenanfstellung an. Da dieselben vier Wochen vorher ausgelegt werden müssen, so wäre es allerdings höchste Zeit, daß man über die Erwägungen hinauskommt. In der nächsten Gemeindevertretersitzung wird der Verwaltung jedenfalls Gelegenheit gegeben werden, sich zu dieier Verschleppung zu äußern. In anderen Angelegenheiten arbeitet die Verwaltung wirklich prompter. Mittenwalde. Mit der Beteiligung an der Stadtverordueteuwahl beschäftigte sich eine am Sonnabend abgehaltene Versammlung, in lvelcher der Ge- nosse Woltermann referierte. Redner deleuchtete die. Forde- rnngen unserer Partei an die Gemeinden und empfahl eine Beteiligung an den Wahlen trotz der ungünstigen Mahlzeit von g— 10�- Uhr vormittags. In der Diskussion wurde den Ausführungen des Re- fcrenten allseilig zugestimmt, nur versuchten die in der Versammlung anwesenden Ackerbürger eine Kompromißliste zu empfehlen. Die Versammlung entschied sich jedoch für die Aufstellung der Genossen D a d e m a s ch und Pe trotz. Bedauerlicherweise mußte jedoch die Feststellung gemacht werden, daß fast die ganze Arbeiterschaft nicht im Besitze des Bürgerrecht? war. das in Mitten- walde von der Zahlung eines Bürgergeldes in der Höhe von 20 M. abhängig gemacht wird. Unter den in der Versammlung anwesenden Parteigenossen befanden sich nur vier, die im Besitze des Bürgerrechts waren. Die Wahlen fanden am Montag statt. Gewählt wurden zwei bürgerliche Kandidaten. Unsere Parteigenossen erhielten 12 von 69 abgegebenen Stimmen. Unter den obwaltenden Umständen ist das bei der erstmaligen Beteiligung unserer Parteigenossen immerhin ein erfreuliches Resultat. Unsere Genossen werden dafür sorgen, daß cS bei den nächsten Wahlen anders aussieht. Lichtenberg. Unserer Erstklassigen politische Moral und Vornehmheit hat sich bei der Stadtverordneten- Ergänzungsioahl der ersten Abteilung wieder mal prächtig gezeigt. Es war schon lange kein Geheimnis mehr, daß der gerade nicht sehr rühmlich bekannte Rechtsanwalt und Syndikus der Vorschugbank, Schachtel, nach dem Amt des stell vertretenden Stadtverordnetenvorstehers lüstern sei. Dem stillen Sehnen schweigsamer Nächte eröffnete sich Aussicht auf Verwirk- lichung, als der bisherige Inhaber diese« Amtes, der Stadtverordnete Hirsch', infolge der kürzlich erfolgten Auslosung ausschied. Seine Wiederaufstellung zu verhindern, war nicht gut angängig denn der Herr hatte Freunde in der zweiten Abteilung. die ihn ausgestellt hätten, fand er nicht Gnade vor den Augen der Erstklaisigen. Die Aufstellung in der zweiten-Abteilung mußte man daher verhindern, um seine Wiederwahl unmöglich zu machen. Er wurde also in der ersten Abteilung aufgestellt, allerdings mit dem Hintergedanken, ihn durch fallen zu lassen. Und der Gedanke wurde zur Tat. Den offiziell als Kandidaten proklamierten Herrn Hirsch wählten die Herrschafren nicht, Herr Plathen ist der von ihnen Erkiesene. Wie gesagt: das Intrigenspiel war schon längst offenes Geheimnis, nur durfte man bisher noch daran zweifeln, ob man dafür das erforderliche brauch- bare Objekt finden werde. Solcher Zweifel kann nun vielleicht als behoben gelten. Die folgsamen Stadlväter von Plonzens Gnaden werden nicht wagen, sich der Besteigung deS Stadlverordneten- vorstehersesielS(in Vertretung) zu widersetzen.--- So kommt Man hoch, dank der Vorschußbank l Groft-Rietz bei Beeskow. In eine furchtbare Lage geriet der neunzehnjährige Schornstein- fegergebilse Paul Spantig, der auf dem Rittergut Groß-Rietz die Schornsteine und Heizmigsanlagen zu reinigen hatte. Der junge Mensch war zum ersten Male aus dem Gute, er kannte infolgedessen die HeizungSanlagen noch nicht richtig. Ahnungslos stieg er in das FenmmgSrohr der DampfheizungSanlagen hinab. Später wurde der Verunglückte tot und teilweise verkohlt im Rohr ousgefunden. Tegel. Urvcr TerronSmuS durch Zentrumsirnhiiiizer klagte der edaw gelische Pfarrer Rieß in einer Versammlung- evangelischer Männer und Fronen in Tegel. Die Versammlung war eine Antwort aus eine am Bußtage m Tegel veranstaltete Mitgliederversammlung des katholischen Arbeitervereins, in der Herr Erzberger sich über die konjessionellen Verhältnisse in Tegel ausgelassen hatte. Dabei 'ollen ZeiirrumSleute eS fertig gebracht haben, sogar eine Boyiottierung evangelischer Geschäftsleute zu organisieren. Pastor Rieß ging näher auf die Sachlage ein und sagte u. a.: Wie überoll. seien auch hier systematisch die Katholiken zugezogen. einer nach dem andern seien sie gekonimen. nichts sei ihnen in den Weg gelegt worden, bis sie sich auf einmal als Partei organisierten und durch wirtschaftlichen Boykott Andersgläubiger h re eigene politische Sache unter dem Deck- mäntelchen der Religion stärkten. Mit einein Schlage blieben die katholischen Kunden evangelischer Geschäftsleute weg. die Evangelischen werden verdächtigt und geschädigt... Dürfe» wir eS ruhig hinnehmen, wenn unsere evangelischen GlaubenSbnider durch Boykott wirtschaftlich ruiniert werden?..."— Schließ- lich wurde eine Resolution angenommen, i» der die Behauptung der„Germania", die Evangelischen in Tegel störten den kirchlichen Frieden, zurückgewiesen und es aufs schärfste verurteilt wird,„daß man nach soziatdemokratischem Muster Andersdenkende durch Wirt- chastlichen Boykott niederzwingen will". � Für den Boykott Andersdenkender durch Sozialdemokraten wurde in der Versammlung zwar nickt der gering st e Beweis erbracht, interessant bleibt aber die Feststellung, daß die Zentrumsanhänger gegen Andersdenkende Terrorismus reiben. Frost ist dieselbe ftir Lastfuhrwerke nahezu unpassierbar. Die Pferde, selbst wenn sie vorschriftsmäßig beschlagen.sind, können sich aus dem glatte» Fahrweg nicht halten. Der Fahrweg selbst ist so schmal, daß zwei Fuhrwerke knapp nebeneinander fahren können. Wennnun» wie es öfter vorkommt, aus irgend welchen Umständen der Wagen kreuzen muß, um vorwärts zu kommen, muß der Wagen, welcher. vorbei wollte, warten. Die Kutscher haben natürlich unter solchen erschwerenden VerkchrSverhältnissen sehr zu leiden. Dem Mißstand könnte die Gemeinde Tegel bei einigermaßen gutem Willen leicht abhelfen, wenn die Strecke fahrbar gemacht würde. Seltsam ist, daß hier der Tierschutz-Verein, der doch sonst eine rege Tätigkeit entwickelt, wenn ein Kutscher sei» Pferd mehr wie notwendig schlägt, versagt. Hier könnte derselbe sich einmal nützlich machen. Nicder-Zchöilhansen. Eine Ausstellung cuipfehlcnswerter Bücher für die Jugend ver- anstaltet der Lehrerverein Nieder-Schöuhausen am Sonntag, Montag und Dienstag kommender Woche in der Aula der II. Gemeinde- schule. Bismarckstraße 11. Sie ist am Sonntag von 3—8 Uhr, wochentags von 5— 9 Uhr geöffnet. Jedermann hat freien Zutritt; doch dürfen Kinder nur in Begleitung Erwachsener die Ausstellung besichtigen. Außerdem können Schüler und Schülerinnen an den beiden Werktagen von 4— 5 Uhr selbständig die Veranstaltung be- suchen. Künstlerischer Wandschmuck für Haus und Schule wird eben- falls ausgestellt sein._ Vermischtes. Brandkatastrophe in New Dork. Aus New Jork wird gemeldet: Ein furchtbares Brandnnglück setzte gestern das Jtasienerviertel New Dorks in Schrecken. In einer von Hunderten von Italienern be- wohnten Mietskaserne war aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache ein Feuer ausgebrochen, das sich mit großer Schnelligkeit verbreitete. Die aus dem Schlafe geschreckten Bewohner konnten nur zum Teil das nackte Lebe» retten. Sechs Italiener, die in einer Hinter» wohnung deS vierten Stocks schliefen, konnten trotz der heldenmütigen Anstrengung der Feuerwehr nicht mehr dem wütenden Element ent- rissen werden. Erst nach Ablöschen des Brandes fand man die bis zur Enkenntlichkeit verkohlten Leichen der Unglücklichen vor. Eine junge Mutter warf in der Verzweiflung ihr Kind aus dem Fenster deS dritten Stocks aus die Straße und sprang dann selbst in die Tiefe. Beide erlitten so schwere Verletzungen, daß an ihrem Auf- kommen gezweifelt wird._ Eine neue Grnbenkatastrophe. Wie aus Tokio gemeldet wird, fand in der Kohlen- grübe Onoura in der Provinz Fukuoka eine Explosion statt. Soweit bisher bekannt lvurde, sind 15 Personen umgekommen und 223 noch eingeschlossen._ Eine Ortschaft in Flammen. Oedenvurger Nachrichten zufolge steht die Ortschaft Bönöczk in Flammen. Bisher sind 70 Wohnhäuser niedergebrannt. Ein Säugling ist in den Flammen ums Leben gekommen, mehrere Personen erlitten schwere Brandwunden. Der Brand wütet fort. Bergmannslos. Auf der Zeche„Freier Vogel" geriet der Berg- mann Rocks zwischen Förderkorb und Schachtzimmerung und wurde zu Tode gequetscht. Arbeiterrisiko. Aus Passau wird gemeldet: In dem Steinbruch bei F i n s in g wurde der Steinarbeiter Wachner von Gesteinsmassen erschlagen» ein anderer Arbeiter lcbens» gefährlich verletzt. Verhafteter Erpresser. In Mainz erhielten eine Anzahl Ein- wohner in letzter Zeit Erpresserbriefe, worin ihnen mit Anzeige wegen Verbrechens gegen§ 175 gedroht wurde, wenn sie nicht eine gewisse Summe zahlen würden. Die Polizei konnte gestern den Vriefschreiber, als er Briefe abholen wollte, verhaften. Es ist der 22jährige stellenlose Mainzer Kaufmann Karl Bayerlein. Nogemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 23. Hamburg). Filiale Baumschulenweg. Sonnabend, den 27. November, abend» 8'/, Uhr, im Lokal von Käding, Baumschulen- November, abend» 8'/, Uhr, im Lokal straße 67: Mitgliederversammlung. Eingegangene Ornckfekrikten. Von der»Neuen Zelt»(Swttgart. Paul Singer) ist soeben das 9. Hest deS 28. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hcsies heben wir hervor: Der Schnapsboutott.— Die Anhäufung de» Zl-ichtumS in Amerika. Von H. L. Eall.— Die Taktik der österreichischen Sozialdemokratie. Bon Dr. Friedrich Adler.— Zur Jugendbewegung. Von Mar Kette.— Zeitschristenschau. Di-.Neue Zelt' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. Handlungen, Postanftallen und Kolporteure zum Preise von 3.25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann sie bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest koste! LS Pf. Probeuuvunern stehen jederzeit zur Verjügung. Im Tegeler See den Tod gesucht hat vorgestern ein. unbekannter, etwa SOjähriger Man», der vor den Augen zahlreicher Zuschauer von der Sieberlscben Badeanstalt aus in den See sprang. Sofort wurden mehrere Boote tos gemacht, dock) waren die Versuche, den Lebens. müden zu retten, erfolglos. Obwohl die Helfer schon nach wenige» Minuten die Stelle erreichten, an welcher der Mann verschwunden war. gelang eS doch erst nach längerem, fast dreiviertelstündigem Suchen, die Leiche des Selbstmörders aufzufinden und zu landen. Der Tote, bei dem weder Ausweispapiere noch irgendwelche Wert- gegenstände vorgefunden wurden, wurde nach der Tegeler Leichen- halle gebracht. lieber geradezu miserable Zustande, so schreibt man unS, leiden die Fuhrleute, welche die Seestraße vom Spandauer Schiffahrts- kanal bis zur Amruner Straße zu befahren haben. Die betreffende Straße gehört zur Gemeinde Tegel. Schon bei günstiger Witterung ist die Strecke ein Schrecken der Fuhrleute. Jetzt, bei eintretendem Amtlicher Marktberich» der Nädllichen Markthalle, i-Dtrektlon über den Großhandel in den Zcnwal-Marttbollen. Marktlage: Fleisch: Zuiubr stark, Geichäst ruhig, Preise sür Bullenfleisch anziehend, sür Schweine» fleisch nachgebend. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geichäsl lebhast, Preise fest. Geflügel: Zufubi genügend, Geichäst still, Preise hoch. Fische: Zusuhr genügend. Geschäst schleppend. Presse wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preis« unverändert. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft auffallend still» Preise fast unverändert._ WttterunaSüberslch» vom 25. November 1909. morgens 8 Uhr. Stationen is � E Z- S= L o &= s a if 761 NNW |76} W 763 W| Swinemd« tzamburg Berlin Frankf.a M 766 ZW München|768 3ffl Wien!703ffiS7S Wetter 6 wollig 2 heiter 3 wolkig 3NebeI 6 dedeckt 4 heiter c � 1* Wo —2 3 — 1 0 Ectllh tlberveeu Baris 773 NNW 770 WNW 771 SSW. BSettrrvr-gnole für Freitag, den 2V. 4 bedeckt 1 wolkig l bedeckt im November 1909. Zeitweise ausklarend, vorwiegend»übe mit leichten Sc! frischen westlichen Winden; Temperatur in der Nähe des ueesällen und esrterpunkles. Berliner Wetterdureau. Skr I?ai!erstand»>Nachrtchte« LcmdeSanilalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wafferstand M e m e l. Tilstt P r e g e l. Jnfterbmg Weichsel, Tborn Oder, Ratibor , Kroisen , Frantlurl Wa r t h e, Schriimn . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wafferstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Svrcmberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, Mari-nilianZa» , Kaub , Köln Neckar. Heilbronn Main. Werlheim Mosel. Trier am lest 24 1l.'S3 11. cm cm1) 150 70 58 82 -21 36 376 190 230 90 l)+ bedeutet Wuchs.— Fall.•) Unterpegel. in Bewegung. Auch w der Warthe seit einigen Tagen EtStreiVen. 106 •) EiSstand. +6 +1 0 —11 —18 —6 —9 -16 -S -H *) Sil Oskar Vollburg Berlin N., Brunnenstr. 58. Spezialhaas für Damen- und Mädchen-Bekleidung. Eonkurrenzloses Angebot!! Kostümo mit langer Jacke... 13.50, 21.00, 32.50 bis 59.00 U Jacketts � Paletots MchDf�enark9 5.25, B.so, 14.oo, 19.so PlOsch- und Breitschwanz-Paletots 18.00, 23.00, 32.00, 55.00 Abend- u. 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November romittags, tfut die Gewinne Uber HO Mark Bind den betreffenden Nummern in Klammern beigetUet. (Obne SewÄhr.l(Nachdruck verboten.) «0 75 128 90 228 flOOC] 41 79 340 790 806 Ii 3« 400<18 "IIS 629«? 2001 12 83 69 400 69 620 766 3182 202 27 564 699 716 46«I 809 00 4003[1000] 75 406 81[8000] 21353[600] 807 827 6108 417 554 80 847 83 908 7 293 302 43 598 600(500) 909 8018[1000] 55 103 233 346 617 31 33 833 9 050 78 137 81 53 420 529 651 733 10058 95 239 97 312[560] 424 63 85 841 95[1000] 11097 603 41 75 762 1 2291 433 509 13171 309 331 633 "93 14215 583 15163[500] 80[50O] 320[50O] 408 78 63 711 858 69 907[ 3000] 16019 83[3000] 207 439 721 810 '17111 69[500] 295 575 619 49 SIS 79 1 8191 248 817 49 403 550 709 860 98t[500] 19383 406[3000] 517 829 49 20023 223 93 480 673 776 93 963 2 1 094 314 460 619 ['"00] 970 80 2 2142 2.41 510 99 891 2316S 217 Sil[500] .'.13 627 754 845 71 24 310 309 83 93 483 2 5049 493 2 3 034 [3000] 231 633 47 27121 285[8000] 408 36 85 696 954 i-1 2 8071 161 77[500] 801«33 873 99 2 0015 19 98 170 1300) 322 873 83 597 3O047 161 93 981 890[500] 403 519 63 615 860 063 3 1 295 440 7 7 813 32327 31 81[1000] 650 3 3064 67 68 153 98 22« 391[500) 176[500] 625 617 59 7 4 795 871 983 3 4065 137 294[1000] 460 662 708 3 5147 91 259 3»3 408 10 15[1000] 623 705«31[8000] 52[1000] 81 88 36037 43 118 277 333[1090] 519 613 66 3 7:59 897 404[ 3000] «69 96 905 38056 ISO 86 435 537 621 87 963 3 9027 130 318 476 84 503 607 18 832 935 40098 100 SO 806 833 36 4 1 058 145 249 692 879[500] 42079»66 540 901 93 43.41[1000) 466 99 607 22 705 «05 54[500] 79 4 4290 403 603 23 53 91» 45082 99 150 211 554 521 713 815 46236 378«10 705 4 7131 201 75 ;.15 825 983 4 8 05. 254 600 38 93 133 4 9008[500] 37 470 530 694[ 500) 795 991 50115 298 316 409 895 932 5 1 239 79 439 752 88 827 917 91 52165 750 83 5 3126 557«55 763[500) 861 54665 702 31 856 5 5 237 314 482 63 609[ 500] 19 31 850 5 6041 53000] 185[10001 392 462 99 855 999 5 7043 72 306 60 405 4 3 510 716 923 5 8 099 719 933 5 9262 402 542«37 43 •7 727 60173[500] 206 535 6 1 031 99 239 447 510[8006] 891 TU 60[3000] 6 2023 49 170 220 88 477 764 867 045 6 3 000 = 4)6 613 740 833 72 662[500] 64013 88[500] 248[30601 «0 396 457 525 668 751[8060] 6 6058 83 403 625 73 15000] 80[1000] 93 815 6 6 201 807 501 883 950 6 7038 158 853 46 8037 HS 53 420 537 6 9001 7»4 106 284[500] J2 637 673 674 763 908 7O077[600] 150 95 46« 594 95 712 81 813 7 1 055 824 «4 78 80« 24 98 72318 67 416 77[ 500] 579 629 7S0 63 ilOOO] 804 13 75 7 3 214 85 91 99 341 625 929 7 4082 {300) 187 666 714 7 5053 826 474[1000] 552 57 808[1000) 7 0 017 2 6 214 813 706 896 7 7095[1000] 194(1000) 245 8» 689 877[1000] 038 76046«4 147«7 248 308 417 784 »7» 220 7 9285 8 4 495 558 051 884[8000] 987 ?O01S 149 62 78 276 338 46« 95 511[500] 667 81 912 8 1 007 208[5001 608 656 818 972 8 2088 406 730 73 901 8 3 296 319 797 952 7 2 8 4 299 519 52 8 5 000 148 252[500] 825 90 651 748 8 6050 85[1000] 116 214 50 712 990 87199 427 659 895 925 99 8 8336 40 412 88 507 603 716 856 91 89003 13 697 90611 123[600] 74 37« 80 430 610 662«9 703 68 970 [500) 91163[1000] 2-3[1000] 71[500] 793 9 2 031 205 617«Ol 93005[600] 7[509] 209 61 412[500] 54 76 867 4'4054 181 95196 232 33 77 615 OOS 81 82 802 80 910 96103(5001 373 65» 918[SOOO] 48 9 7 35« 93001 648 52 715 889 93 9 9090 126«7 34« 558 90«02 767 859 10O010 175 657 717 975 1 01182 474 918 1 0 3074 MO 25 79«39 800 1 03136 435 58 808 965 1 0 4054 620 70 87 1 05124[ 500«) 87 84 3 604[ 500) 705 ISOOO) 44 834 7.09 1O6019 150 62 375 687 809 32 1 07057 flOOOl 107 [700] 274 518 761 lOSliO«48 717 55 1 0 9 036 484 507 227«0 63 110222 25 84« 49 84 76« 7? 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J Gewinn t 120000. 2 i> 80000, 2 4 70000, 1 4 60000, 1 4 40000, I 4 30000, 16 4 15000, 58 4 lOW,«0« 4000, 933 4 SOOO,»10* iOOO, 2350 4»N 16- Ziehung 5. KI. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 25. Novemher nachmittag«. aar die Gewinne Uber 240 Stark Bind den betreffen den Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Naehdruck verbolwn.) 123 t500]?06 77 492 600 83 97 703 22 820 1030 52 191 552[560] 683 801 2247 304 456 583 630 82 85[ 500) 3049 147£03 500 76 644 949[500] 4058 173 83 610 823 31 5'2S[60«0; 588[500] 880 33 916[500] 96 6014 224[3000] 428 40 555 826 45 7169 84 270 471 552 859 69[1000] 719 812 8 062 117 87 297 522 510 15 613 712 822 9077 165 275 ClOOO) 545 843 46 10813[1000] 46(SOOO) 439«16 78 11120 586 833 905 31 12021 144 281 534 604 718 942 56 1 3214 341 98 43« 583 021 14102»47 361 466 557 76 699 738 1 5021[3000) 28 361 121 23[500] 50 635 61 705 95» 10020 60 503 7 710 66 811 17024 84 681 820 73[3000) 18055 82 295 383 477 642«64 10138[1000] 50 343[15000] 669 920 20 20083 215 330 21119 420 57 516 633 868 998[SOO] 22351 643 770 832 960 75 2 3067 101 230 83 447 683 927 24198 67« 821 15 949 2 5026 152 463[1000) 736(500) 875 20133 217 409 28 530[1900) 770 832 974 88 2 7134[1000] « 533«43 2 8174 253[500] 497 810 911 2 0558 30057 131 71 237[1000] 414 724 78 3 1 360 410 20 «18 98 783 855[1000] 92» 51 3 2003 26 454 566«32 313 87 33991 158 480 500[500] 623 940 97 3 4227 895[500] 469 594 880 3 5124 800 455 543(500) 768[3000] 825 30146[7000] 838 59 3 7171 490 308 63[500] 733 821 915 81 3801' 13 44 123 284 837 89 574 856 89 948 39133 4« 854 4O06S 75 260 371 437 537 80 6»S 722 78 823 41133 608 31»8 681 97 95 788 4 2 099 HO 343 425 85 713 2« 43 009 49 269[lOOOl 805 912 44015[3000] 108 93[lOOO] 558 332 463 510[6001 70« 19 857 68 4 5083 34 322 539 40509 4« 685 884 4 7462«13 907 48145 9« 947 67 9« 43« 636«99 747 95 875 63 4 0054 207 13 42« 526 703 36 873 SO01S 398 341 657 827 89 S1014 404 557 679 678 98 018 5 2086 140«17 562 61! 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Lmi u tu tu aoasu sa m«* J Ohne jede Anzahlung Von der Versammlung sämtlicher Milciiiiändler, Molkereibesitzer � Groß- firmen« Milchhandel Berlins Vororte, die am 22. Oktober stattgefunden hat, ist einstimmig folgender Beschluß gefaßt worden: „Die heute in Kellers„Neuer Philharmonie", Köpenicker Straße 96-97, versammelten zirka 1500 Milchhändler, Molkereibesitzer und Großfirmen von Groß kerlin erklären es für unmöglich, den schon im Herbst 1907 beschlossenen Verkaufspreis für Milch und zwar 22 Pfennig ab Laden, Stall oder Wagen und 24 Pfennig pro Liter frei Haus, herabzusetzen. Sowohl die landwirtschaftlichen wie die gewerblichen Unkosten sind ebenso wie die Preise aller anderen Lebensmittel in den letzten zwei Jahren noch weiter erheblich gestiegen, so daß der für das wichtigste Nahrungsmittel— die Milch— festgesetzte Preis noch weit hinter allen anderen Preisen für Lebensmittel zurücksteht. Eine Herabsetzung der Preise für Milch könnte nur auf Kosten der Qualität geschehen; dies würde sich jedoch nicht mit dem Pflichtbewußtsein des Milchhändlerstandes, nur gute und einwandsfreie Milch auf den Markt zu bringen, vereinbaren lassen." Die vereinigten Milchhändler, Molkereibesitzer und Großfirmen im Milchhandel Berlins und Vororte. 129/13 Ii I C9 verkaufe ich Pianos erstklassiges Fabrikat (9mal prämiiert St.aats- medaille) in allen Holz- und Stilarten von wunderbarer TonfüUe. (Fltieelton) gesren kleine monatliche Teilzahlung, ohne Jeden Prei»anfHchlag. 95116* Für jedes Instrument gewähre ich 2(>jähr. schriftl. Garantie. Conrad Krause Kcnf,., Auch Sonntag» geöffnet. Demen-Kootektion I direkt aus der faferikJ beste Schuh Putz Ueberall zu haben in Dosen a 10 und 20 Pf. Fabrikanten: Lubszynskl& Co., Berlin NO. Kein Laden. zelverka enorm billig! Uebergangs- Paletots Blusen Abendmäntel Kostüme Kostüm- Röcke Mäilebea-Paietols Peiz-Stolas Hobert Baumgarten Hausvogteiplatz 11, f. 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